V Univ. Bibi. 6 iessen Das Ganze der Schakzucht für. Deutſchlands Klima und das ihm aͤhnliche der angraͤnzenden Laͤnder mit beſonderer Hinſicht auf die zu beobachtende Pflege und Wartung der Merinos und Charakteriſirung derſelben. Ein vollſtaͤndiges praktiſches Handbuch, welches dieſe Wiſſenſchaft in ihrem neueſten Standpuncte nach Grundſätzen, die ſich auf Natur und Erfahrung ſtützen, aufſtellt, für Guts⸗ und Schaͤfereybeſitzer, Beamte und Schaͤfer. Von Bernhard Petri, Wirthſchaftsrath, Eigenthümer mehrerer Landwirthſchaften und original⸗ ſpaniſcher Stamm⸗Schäfereyen der leoniſchen Racen, und Mitglied verſchiedener ökonomiſcher Geſellſchaften im In⸗ und Auslande. Zweyte ſehr vermehrte und verbeſſerte Auflage. ——— Zweyter Theil. Erſte Abtheilung. Bey Carl Schaumburg und Comp⸗ 1eh ji h Uuut; . Goc u ht an Vm hul 1 ihm) 1 Lon . 11 Gedruckt bey Anton Strauß. An die Leſer. Je inniger und ausgebreiteter der Verkehr zwiſchen den verſchiedenen Nationen der Erde hergeſtellt werden kann, deſto vielfaͤltigere und reichere Quellen der Induſtrie ent⸗ wickeln ſich dadurch.— Der gegenwaͤrtige, in der Aus— bildung begriffene, hohe wiſſenſchaftliche Stand, den die Schafzucht als unmittelbare Folge davon bereits erreicht hat, und der ſich gleich vortheilhaft auf den Ertrag des Ackerbaues und die Ausbeute der Fabriken bewaͤhrt, ſpre⸗ chen laut fuͤr dieſes Reſultat. Waͤhrend dieſer großen, in ihren Folgen hoͤchſt wich⸗ tigen Fortſchritte, welche die Schafzucht und die Wollkunde in den neueſten Zeiten gemacht haben, und wozu die erſte Auflage dieſes Werkes ihr Schaͤrflein beygetragen hat, haben auch andere wiſſenſchaftliche Maͤnner ſich bemuͤht, das Studium der Wolle und alles, was auf die Kunſt der Schafzucht Bezug hat, ſich ſehr angelegen ſeyn zu laſſen. Ihre Muͤhe trug Fruͤchte; die Ausbildung der Wiſſenſchaft hat den gegenwaͤrtigen Standpunct erreicht. Man hat darin ſeit der ſchnell vergriffenen erſten Auflage dieſes Werkes ſolche Fortſchritte gemacht, und die Kunſt der Woll⸗Pro⸗ duction hat ſich theoretiſch und praktiſch ſo ſehr erweitert, a 2 IV daß ich es fuͤr nothwendig erachtete, dem merkantiliſchen und techniſchen Fache der Schafzucht den zweyten Theil dieſes Werkes ganz allein zu widmen, und ich hoffe, daß man nicht nur uͤber Alles, nach dem neueſten Standpunct dieſer Wiſſenſchaft, ſo weit die Fortſchritte bis jetzt gedie— hen ſind, Befriedigung finden wird, ſondern eine große Menge nuͤtzlicher Beobachtungen, intereſſanter Mitthei⸗ lungen und wichtiger Vorſchlaͤge darin zum Vorſchein kommen, welche Anregung zu weitern Unterſuchungen und zu dem Beſtreben nach Licht und Wahrheit veran— laſſen werden.— Auch iſt die Aufſtellung und Bildung einer wiſſenſchaftlichen Praxis, Bewirkung einer Ueber⸗ einſtimmung der theoretiſchen und praktiſchen Anſichten daruͤber und Erleichterung des Studiums derſelben in ihrem ganzen Umfange, ein großer Zweck meiner Bemuͤ⸗ hungen geweſen, indem man gegenwaͤrtig die Wollkunde mit ganz andern Augen, als noch vor wenig Jahren, betrachtet, und es nicht gelaͤugnet werden kann, daß der Bruͤnner Schafzuͤchtler⸗Verein zur Ausbildung der hoͤhern Kenntniſſe in dieſem Fache zuerſt einen maͤchtigen Schwung hervorgebracht hatte, deſſen Tendenz gegenwaͤrtig haupt⸗ ſaͤchlich in den intereſſanten oͤkonomiſchen Neuigkeiten und in den Moͤglin'ſchen Annalen fortwirkt: Zeitſchrif⸗ ten, die, ihres intereſſanten und lehrreichen Inhalts we⸗ gen, von jedermann geleſen zu werden verdienen. Wenn man auch anfaͤnglich bloß auf die Erhaltung und Vermehrung der Merinos⸗Zucht ſein Beſtreben be⸗ ſchraͤnkte: ſo iſt das dermahlige Sinnen und Trachten auf die Vervollkommnung dieſes wichtigen Induſtrie⸗Zwei⸗ ges ganz beſonders gerichtet, indem die Fabricanten, Woll⸗ . ſchen Theil ſ daß bunct geedie⸗ große tthei⸗ ſchein ngen eran⸗ dung leber⸗ chten n in emüͤ⸗ unde ren, der hern vung aupt⸗ keiten ſchrif⸗ ts we⸗ altung en be⸗ achten Zwei⸗ Woll⸗ V haͤndler und Woll⸗Producenten das Studium der Wolle fruͤher nur allzuſehr vernachlaͤſſigt und oberflaͤchlich be⸗ trieben hatten. Aber in dem Verhaͤltniſſe, als die Fabrication groͤ— ßere Fortſchritte machte, verſchafften ſich auch die Fabri⸗ canten hoͤhere Einſichten und gruͤndlichere Kenntniſſe aus zuverlaͤſſigen Reſultaten von dem rohen Stoffe. Eine na— tuͤrliche Folge davon war, daß die vernuͤnftigern Ur⸗Pro⸗ ducenten, denen daran gelegen ſeyn mußte, das Ziel und die Wuͤnſche der Kaͤufer zu befriedigen, um ihr Intereſſe zu befoͤrdern, ſich dem Studium der Wolle nun mit aller Aufmerkſamkeit und Anſtrengung widmen mußten, um ein Product von jenen Qualitaͤten zu gewinnen, das nicht nur den Anforderungen des jetzigen Zeitgeiſtes, ſondern auch ihren eignen Berechnungen moͤglichſt entſpricht: wo⸗ durch das gegenwaͤrtige Syſtem der Wollkunde ſich ent⸗ wickelte, und in das Leben gerufen wurde, das mit den Verhaͤltniſſen des dermahligen Zeitgeiſtes ſich in Ein⸗ klang ſetzt. Zwar iſt die Wollkunde noch nicht ganz im Reinen, und es gibt der ausgezeichneten theoretiſchen und prakti⸗ ſchen Kenner noch nicht ſo viele, ja es herrſchen unter denſelben noch verſchiedene Anſichten; ich bin aber in dieſem Werke bemuͤht geweſen, dieſe Wiſſenſchaft von dem neuen Standpuncte aus, auf welchem ſie dermahlen ſteht, ins Auge zu faſſen; daher ich alle jene, die der Sache kundig ſind, und denen die Erweiterung oder Berichti⸗ gung menſchlicher Kenntniſſe am Herzen liegt, angelegent⸗ lich bitte, mir in Anſehung der etwa vorzufindenden Maͤn— gel und Unvollkommenheiten dieſes Werkes ganz offen v und unverhohlen ihre Meinung gefaͤllig in dem Hesperus oder in den öͤkonomiſchen Neuigkeiten des Herrn Hof— raths André zu ſagen, wofuͤr ſie meines innigſten Dan— kes verſichert ſeyn koͤnnen. Schließlich mache ich den Herren Wollhaͤndlern und Fabricanten des In- und Auslandes bekannt, daß ich nicht nur in Thereſienfeld bey Wieneriſch-Neuſtadt in Nieder⸗Oeſterreich, ſondern an mehrern Puncten in der oͤſterreichiſchen Monarchie, ſo auch in Ruſſiſch-Pohlen ꝛc. bedeutende Merinos⸗Schaͤfereyen beſitze(deren Zahl ſich wegen haͤufiger Anfragen von Jahr zu Jahr ſehr ver⸗ groͤßern wird), die ſich in wenig Jahren, falls keine be— ſondern ungluͤcklichen Ereigniſſe Statt finden, auf eine Geſammtzahl von wenigſtens 15— 16,000 Stuͤcken belau⸗ fen werden; daher ich mich nicht nur in der Lage befinde, einzeln die Wolle von dieſen meinen Merinos⸗Schaͤfe⸗ reyen gegen billige Preiſe zu verkaufen, ſondern ſelbſt jaͤhrlich oͤfters von mehrern ſehr bedeutenden Herren Guͤ— terbeſitzern in die angenehme Lage verſetzt werde, ihre Wollverkaͤufe bey ſoliden Wollhandlungen oder Commiſ— ſions⸗Wollhandlungen, wo nicht nur Sicherheit vorhan— den iſt, ſondern auch bedeutende Anticipationen an Geld auf Verlangen geleiſtet werden, einzuleiten und zu ver— mitteln. Man beliebe ſich daher ferner in dieſen Ange⸗ legenheiten mit Vertrauen an mich zu wenden. Der Verfaſſer. —2 4 ell perus Hof⸗ Dan⸗ n und aß ich adt in in der len ꝛc. hl ſich r ver⸗ ine be⸗ ff eine belau⸗ efinde, Schaͤfe⸗ ſelbſt en Gu⸗ e, ihre ommiſ⸗ orhan⸗ n Geld zu ver⸗ Ange⸗ ſer. Inhaltsanzeige der erſten Abtheilung des zweyten Theils. Erſte Abtheilung. Das merkantiliſche Verfahren beym Einkauf und Verkauf der Zuchtthiere. Erſtes Capitel. Regeln, die man zu beobachtenhat, wenn die Schafe große Reiſen machen müſſen. §. Seite 1. Dießfällige Beobachtungen...... 1 2. Erſte Hauptregel.— 3. Über die Diſtanzen, nach Maßgabe der dohreatet und Wit⸗ terung.— 4. Über die Gefräßigkeit der Sdaſ⸗ euf eiſe.— 2 5. Vom Tränken...—— 6. Von den Lämmern....— 7. Vorſichtsmaßregeln bey großen Transporken..— 8. Ob Widder und Muteerſchafe zuſammen ſollen aetieen werden..— 9. Beſonders nothwendige Rückſichten. 3 10. Was zu thun iſt, ſobald die Herd⸗ ihren eiimmungrar erreicht hat.— 1. Phyſiologiſche Rückſichten. 3 4— 12. Übrige Behandlungen nach ihrer Ankunft. 4.— Zweytes Capitel. Verſchiedene Arten, die Herden zu benutzen. 13. Beſchreibung derſelben im Allgemeinen... 4 14. Der Beſitzer benutzet ſeine Herden entweder auf ſeinen eige⸗ nen Gründen.... 1. VIII §. Seite 15. Oder auf gepachteten Grundſtücken... 3 4 16. Über getheilte Nutzung...... 5 17. Auseinanderſetzung dieſer letztern Art....— Drittes Capitel. Von den Stamm⸗ oder Zuwachsherden durch die Anzucht einer reinen Race. 18. Von der Nothwendigkeit der Zuwachsherden von reiner Race 8... 1... 8 19. Dießfällige Vortheile...— 20. Schwierigkeiten, derley ganz echtes Vieh zu erhalten 1. 9 21. Welche Thiere ein hohes Lebensalter erlangen..—·— 22. Schema über die Vermehrung einer reinen Herde.. 10 23. Dießfälliges Reſultat..—. 12 24. Bemerkungen in Bezug auf vevedeltes Schafvieh..— Viertes Capitel. Vom Schafhandel. 25. Zweck der Schafhaltung....... 135 26. Eintheilung des Schafhandels. 3—.— 27. Anſichten über den Handel mit Zuchtvieh.. ·— 28. Nothwendige Bedingungen, die zu dieſem Siel⸗ rire— 29. Handel mit Ausmuſtervieh..— 30. Die ſchickliche Zeit dazu....— 31. Von dem Verkauf des überzähligen Viehes 3.. 414 32.———— Brackviehes...— 33.———— Maſtviehes....— 34.— der Behandlung der Maſtſchafe.... 15 35.— dem Branntweinſpülicht.....— 36. Dießfällige Wahrnehmungen.... 16 37. Berechnung des verwendeten Futters in Fleiſch.— Fünftes Capitel. Vom Melken und vom Rilchhandel. 38. Dießfällige Anſichten... 77 39. Milchertrag eines Schafes und ihre igenſcheften.— 40. Gründe wider das Melken...— 4 ʃ — 17 Sechſtes Capitel. Vom Dünger. 41. Geſichtspunct, aus dem die Shaßzucht muß betrachtet wer⸗ 4². den. 18 Gewöhnliches Berfahren mit dem Dnge 5.— 43. Gehalt des Düngers.—.— 44. 45. 46. 47. 48. 49. 50. Wie viel Dünger ein Schaf lährlich erdtugf.. 19 Berechnung des Düngergewichts nach dem verzehrten Futter— Wie viel Stallfütterungsdünger ein Schaf jährlich erzeugt 20 Siebentes Capitel. Vom Einkauf der Zuchtſchafe. Dießfällige Hauptgrundſätze..... ·— Wie man die Schafe zu kaufen pflegt.. 22 Über die Preiſe im Allgemeinen, und von jenen des Ver⸗ faſſers insbeſondere...... ·— Über die Preiſe der Widder...... 25 51. Dießfällige Erinnerungen.— 52. Nachricht wegen der Thereſtenfelder Stummſciter 24 53, Nachträgliche Bemerkungen...— Achtes Capitel. Über das Verhältniß des Wollwerthes bey dem Ein⸗ 54. 55. 56. 57. kauf und Verkauf der Wolle und der Schafe. Die gangbaren Preiſe werden durch die Handelsconjunctu⸗ ren jederzeit regulirt.. 25 Vergleichung des Werths der verſchledenen Sortimente— Verhalten des Verkäufers gegen den Käufer... 26 Angabe des Verhaltziſes der Sorten, t. walch⸗ hochedle Tejers liefern X §. Seite 58. Bemerkungen des Verfaſſers wegen des eihledenen Ver⸗ hältniſſes dieſer Claſſen. 27 59. Über die Anſichten, wie viel Wolle ein Saa bbehaune liefert..... 28 60. Dießfällige Regeln.......— 61. Schließliche Bemerkungen....—. 29 Zweyte Abtheilung. Verſuch, einige Probleme der Schafzucht näher zu beleuchten. Neuntes Capitel. Die höchſten Wolleigenſchaften laſſen ſichnicht mit einem großen Körperbau und mit hoher Maſtfähig⸗ keit in einem Schafe vereinigen, um eine einzelne Race daraus zu bilden. 62. Dießfällige Gründe und Anſichten....„ 50 63. Trockner Boden iſt das Element für feine und edle Wolle; feuchte, niedere Weide für Fleiſch⸗ und Fettſchafe. 3 31 64. Die Eigenſchaften der Merinos und der dieiſchſchafe durch⸗ kreuzen ſich in allen Stücken.— 65. Welche Localitäten den verſchiedenen Arten von rbee eigentlich zuſagen.... 3² Zehntes Capitel. Werden die Preiſe des Schafviehes und der Wolle zum Nutzen der deutſchen Induſtrie ſteigen, oder noch mehr fallen? 66. Dießfällige Anſichten.. 34 67. Die gegenwärtigen Conjuncturen und die Handelsentfeſſe⸗ lung des wahrhaft aufgeklärten brittiſchen Miniſteriums, unter Liverpool und Canning, ſcheinen ſehr anhaltende gute Preiſe herbeyzuführen..... ;₰ — „ 4 Seite r⸗ . 2) pt 28 29 euchten. ſcht mit ffähig⸗ nzelne 50 51 3² Volle oder §. 68. In welchem Verhältniſſe die auswärtigen Staaten in der Wollerzeugung gegen Öſterreich ſtehen. 69. Wie die Schafzucht in Spanien ſtehet 70. Hoher Schwung der öſterreichiſchen Schafzucht 71. Wichtige Erfolge davon für den Handel und die Induſtrie Eilftes Capitel. XI Seite 39 40 41 Anſichten von dem repräſentativen Werth eines hochedlen Schafes. 72. Arithmetiſches Beyſpiel 73. Von den in Veredlung becgeiſſenas hern 74. Von den Widdern Dritte Abtheilung. 43 46 47 Erklärung des Sinnes ſehr verſchiedenartiger Nahmen und Aus⸗ drücke, ſowohl in ökonomiſcher und techniſcher Hinſicht, als auch der die delicateſten Materien der höhern Schafzucht und Woll⸗ kunde betreffenden Gegenſtände. Z w ö lftes Capitel. Welches dieſes erläutert. 75. Ausmerzen. 76. Abſorbiren. 77. Aſſimiliren. 78. Bewegung. 79. Bewachſenheit 80. Baumwollartiges Gefühl 81. Das Bleichen 82. Caſemir⸗Wolle 83. Caſtriren 84. Copuliren 35. Claſſification(der Wolle) XII S. 86. 87. 88. 89. 90. 91. Conſtant Dichtwolligkeit Dotter Eigenſchaften der Hochedlen Wolle, worin R ſie beſtehen Eigenthümlichkeiten————— Electa⸗Wolle. Eintheilung derſelben in Tuch⸗ und Zeug⸗ wolle, jede in drey Claſſen, auch Eintheilung derſelben nach der Wollmeſſer⸗Claſſe... „Charakteriſtik der ſchnell aufregenden Elaſticität —— nachgiebigen Gaſiieilät Elaſticität überhaupt... .Von der Electoral⸗Wolle. 4. —— Feinheit der Wolle überhaupt, und Eintheilung derſelben nach dem Durchmeſer des Fadens in ſieben Claſſen. Feinheit, worin ſie beſtehe — durchgängige des Fadens . Fett⸗Schweiß der Wolle ſie hanpt — vertrockneter. — klebriger, harziger. — öhliger, butterartiger -—— ranziger . Feuchtigkeit und Näſſe. 3 . Fettigkeit der Schafe, in 1 ezug auf Wolle. 106. Gärberwolle.. 107. Gedrehte Wolle...... 108. Gefilzte—....... 109. Gezwirnte—....... 110. Gekräuſelte—... 111. Gewäſſerte— 112. Geſchlängelte—... 113. Glatte—. 114· Größe und Fettartigkeit der 3oane . Haut⸗Röthe 4. .Haut oder Fell.... . Hitze.... 1.. .Haar im Allgemneinen... . Haar, grobes . Haar feines. . Haarnath... . Haar-Zartheit Hunds⸗ und Ziegenhaare 4. Haar, plattes .Intelligenz. Kräuſelungen .Kräfte der Wolle. 128. Kälte, ihre Wirkung 129. Lammwolle. 130. Mutterſchafe— 131. Merinos⸗Wolle.. 132. Merzvieh... 133. Mark der Wolle.. 134. Maſtung. 135. Nerv der Wolle. 136. Ocher, Oker.. 137. Original⸗ſpaniſche Wolle 138. Parallismus 139 1. Nundheit des Wollhaaares . Rand eines Vließes . Naufwolle . Ribiſch. .Reinheit der Wolle .Reproductionskraft . Rauhe Hoſen .. Schafwolle. . Stapel⸗Bildung. . Stapel⸗Stumpfheit. . Stapel(ungeſchloſſene) . Stapel⸗Gleichartigkeit . Stapel⸗Kegelförmigkeit . Stapel⸗Cylinderförmigkeit . Stapel⸗Spitzen .Stapel⸗Geſtalt von innen — von außen . Prima⸗Wolle, ihre Stelle in der Wollmeſſer⸗ Guse . Pelz der Schafe.. .Quarta⸗Wolle, ihr Rang in der WolneſerGtſf. XIII Seite 73 XIV §. 159. 160. 161. 162. 163. 164. 165. 166. 167. 168. 169. 170. 171. 172. 173. 174. 175. 176. 177 178. 179. 180. 181. 182. 183. 184. 186. 187. 188. 185. Stapel von grober Wolle —-—— feiner Wolle Stapel⸗Grundfläche, und hohs und nebris Stapel⸗ dpsb⸗ Stichelhaare Schütterheit des iezes Schlachtwolle Salzgeben Schenkel⸗ und Fußwolle Secunda⸗Wolle, ihr Rang in der Wolmeſe laſifeaten nach dem Eirometer Spinnen der Wolle Spiralförmige Wolle Sortirung der Wolle Sortiments⸗Gränzen Stechhaufen.. Schaffleiſch Schafmilch. Schafſchweiß Seidenartiges Gefühl der Wolle Schafzucht im Allgemeinen Springwidder Schöpſe Schurplatz. Schafſchere. Scheren der Wolle Shawl⸗Wolle Tuchwolle, ſtarke — miitttlere — hochfeine Temperatur Thau. 289. Tränken der Schafe 190. Tertia⸗Wolle, ihr Nans in der eWolmeſer Gaſe nas dem Eirometer 191. Überbilden. 192. Ungezwirnt. 193. Unterſchied der Wolle und des Haares 194. Vließ im Allgemeinen.. 195. Vließ, kurzes .A 1 fl 10 5 8 12 4 1 2E lr 20 au r 2 a d 27 à rp 2) 2 oll 22 A Al 2 oll 2A ol 1 ool 1a- . ol IN . ſch 2E l El l 2E E l E 2E E E 4 141 1A 1 ℳ 14 1.4 4 ⁴ 2 A4 §. 196. Verluſt der Wolle durch die Wäſihe—.. 27 197. Verfilzung der Wolle. 198. 199 p 200. 201. 202. 203. 204. 205. 206. 207. 208. 209. 210. 211. 212. 213. 214. 215. 116. 217. 218. 219. 220. 221. 222. 223. 224. 225. 226. 227. 228. 229. 230. 231. 232. 233. 234. Vließ⸗Feinheit Vließ⸗Gewicht Vollwolligkeit Verworrenheit der Wolle Vielwolligkeit Verpacken der Wolle... Wolle in der ausgedehnteſten Wedeutans. 3. 89 Woll⸗Begriff Wollhaar Woll⸗Markröhre. Woll⸗Geſtaltbeurtheilung Wollpelz von außen —— innen Wollhaar⸗Echtheit — Unechtheit Woll⸗Eintheilung Wachsthum der Wolle. Wollfarbe Woll⸗Edelheit Woll⸗Gleichheit. Woll⸗Ertrag Woll⸗Stärke Woll⸗Geruch Woll⸗Nerv Woll⸗Schweiß Woll⸗Unterſchied in Bezug Woll⸗Feinheit Woll⸗Elaſticität. Woll⸗Sanftheit. Wollmeſſer. Woll⸗Stärke Woll⸗Lage. Woll⸗Wuchs Woll⸗Sectionen. Woll⸗Büſchel Woll⸗Flöckchen Woll⸗Glanz auf den Durchmeſſer des Haares 99 ..— §. 235. Woll⸗Haltbarkeit 236. Woll⸗Schwäche. 237. Woll⸗Dichtheit 238. Woll⸗Dehnbarkeit 239. Woll⸗Krümpekraft.. 240. Woll⸗Zerreißbarkeit 241. Woll⸗Gleichartigkeit 2 4 2. Wolle, gezwirnte. 243. Woll⸗Geſchmeidigkeit 244. Woll⸗Durchſichtigkeit 245. Woll⸗Biegſamkeit 246. Wolle, lange und kurze 247. Woll⸗Länge... 248. Woll⸗Leichtigkeit. 249. Wolle, milde, lange, ſchlichte 250. Wolle, ſchlichte. 251. Wolle, mit gedehnten Biegangen 252. Wolle, reguläre im Wuchs 253. Wolle, gewäſſerte. 254. Wolle, ſchlotterige. 255. Wolle, hungerige. 256. Wolle, abſätzige 257. Wolle, bodenſätzige. 258. Wolle, gedrehte 259. Wolle, rauchſpitzige 260. Wolle, bräunliche. 261. Wolle, ſpiralförmige 262. Wolle, ſchraubenförmige 263. Wolle mit braunen Spitzen 264. Woll⸗Wuchs, unregelmäßiger 265. Woll⸗Haare, zuſammengeklebte 266. Wolle, zweywüchſige 267. Wolle, ausfallende 268. Wolle, einſchürige. 269. Wolle, zweyſchürige 270. Woll⸗Kraftloſigkeit 271. Woll⸗Reibung 272. Woll⸗Undehnbarkeit 273. Woll⸗Knoten Seite 102 269 l⸗ 26, lkre 26*. 264 k, 26 l⸗ 26 l⸗ 26 l⸗ 264 k, 294 5. n ſt 2922 295,2 2„ 294.5& ſe 4„ Uberri du dS Ai. 295. 38 295. 180 ²97. G §. 107 274. Woll⸗Spitzen.... 1... 113 105 275. Woll⸗Futterigkeit......— 276. Wolle, zuſammengeklebte-...—— 1 277. Wolle, ungewöhnlich kurze..— 1.. 114 104 278. Wolle, matte.......— 279. Wolle, gelbe.......— d 280. Wolle, ſchlotterige 3....— 105 281. Woll⸗UÜberzartheit......— 282. Woll⸗Überfeinerung......— 106 283. Wollkräuſelung, ſtarke....... 115 85 264.— kurze...— — 285. Wolle, vereinigte in Länge nid Grobheit... 116 107 286. Woll⸗Derbheit.......— 8 287. Woll⸗Grobheit. 3.....— 106 268. Woll⸗Wäſche........— .— 289. Wolle, gewaſchene.....—— 1⁰9 290. Woll⸗Freſſen........ 117 — 291. Wolle des Maſtviehes....— 110 292. Woll⸗Eigenſchaften in Bezug auf die Haut.. 120 .— 293. Wolle, abgeſchorne..... 123 . 111 294. Wärme, ihr Einfluß auf die Wolle...— . Vierte Abtheilung. 7 Über eine allgemein annehmbare Woll⸗Terminologie, um da⸗ 112 durch den Feinheitsbezeichnungen des Wollhändlers ſowohl, als — des Schafzüchtlers beſtimmtere Begriffe zu unterlegen; und — über Wollmeſſer⸗Inſtrumente. — Dreyzehntes Capitel. — Anſichten zu Erreichung dieſes wichtigen Zweckes. — 295. Über das Bedürfniß einer allgemeinen Woll⸗Terminologie 129 u5 296. Dermahliges Handels⸗Sortiment von anüeimmten Gränz⸗ . linien. 13⁰0 — 297. Beyläufiger Unterſchied des Welgreſe dieſes Sortiments 131 298. Bemerkungen....— 5 II. 299. 300. 301. 302. 303. 307. 308. 309. 310. 311. 312. XVIII Seite Woll⸗Eintheilung des Herrn Block, geſtützt auf die Wag⸗ neriſche Entdeckung, daß ſich die Feinheit des Wollfadens nach der Zahl der Bögen in der Kräuſelung der Wolle, bey regelmäßig gekräuſelter Wolle, beſtimmen laſſe. Übergang zu einem gründlichern Syſtem, wodurch eine voll⸗ ſtändige Woll⸗Terminologie und mathematiſche Feinheits⸗ bezeichnung nach dem Durchmeſſer des Haares begründet wird. Eintheilung und Berechnung derſelben, nach dem Wiener und Londoner Längenmaß berechnet Bemerkungen des Verfaſſers..... Tabelle, welche die ſieben Hauptelaſſen der Wolle, jede in drey Abtheilungen abgetheilt, nach dem Londoner, Wiener und Berliner Längenmaß berechnet, darſtellt. .Vorſchlag, die Sorten der Wolle nach dieſer Claſſiſication: erſte, zweyte, dritte Sorte u. ſ. w., zu benennen Vorſchlag, daß man der Einfachheit halber, den Begriff der techniſchen Verwendung der Wolle nur in zwey Haupt⸗Sor⸗ ten abgetheilt: Tuch⸗ und Zeug⸗ Wolle, benennen ſolle. Vorſchlag, daß durch die Verfertigung ſo vielerley Woll⸗ meſſer nicht die nähmliche Verwirrung in den verſchiedenen Ländern, als bey Maß und Gewicht, entſtehe, und daß in dem Handelsgeſchäft der Wolle in allen Ländern der Dol— lond'ſche Wollmeſſer und das engliſche Längenmaß zum allgemeinen Verſtändniß aus angeführten wichtigen Grün⸗ den angenommen werden ſolle.. Vierzehntes Capitel. Von den Wollmeſſern. Bisher hatten die Sortiments⸗Gränzen nur in der Meinung beſtanden.... Begriff von den Wollmeſſern... Wo ſie verfertiget werden und zu kaufen ſind. Bemerkung über ihre Verwendung. Worin ihr eigentlicher Zweck beſtehe Man ſoll den Nutzen ihres Zweckes nicht mit falſchen Be⸗ griffen verwechſeln 132 134 135 2 — — . — 152 . 133 Viener jede in Wiener . 15/ hied denen daß in un de naß zum en Grün⸗ . 15 Meinung ſchen Be .Sie taugen nicht für den praktiſchen Gebrauch in Handel und Wandel..— 314. Beſchreibung des Wollmeſſers, welchen ſich der Verfaſſer zu dieſem Behuf erfunden hat, nebſt Abbildung von deſſen Woll⸗Werthmeſſer und Regulator für die Wollkunde.— 315. Von dem Köhler'ſchen Wollmeſſer... 4. 140 316. Was Herr Köhler darüber ſelbſt ſagt... ·— 317. Bemerkungen des Verfaſſers...... 141 Fünfzehntes Capitel. Von dem Woll⸗Elaſticitäts⸗Reſſer. 318. Beſchreibung desſelben..—.... 142 Fuͤnfte Abtheilung. Von der Wolle, ihrer Behandlung und von dem Wollhandel. Sechszehntes Capitel. Von Wollmuſtern und Wollmuſter⸗Karten. 319. Wollmuſter und Wollmuſter⸗Karten dienen zu mannigfalti⸗ gen wichtigen Zwecken.... 144 320. Nutzen derſelben bey dem Veredlungsgeſchäft der Schafe— 321. Um Vergleichungen bey den Fortſchritten desſelben anzuſtellen— 322. Auch ſind ſie bey dem Ausmuſtern der Schafe dienlich 145 323. Deßgleichen bey Stammregiſtern, vorzi lch bey Spalnd⸗ ſtähren..— 324. Für Handelsgeſchäfte und Viehverkauf.... 146 325. Beſondere Bemerkungen darüber. 3.— Siebenzehntes Capitel. Von den charakteriſtiſchen Eigenſchaften und Eigen⸗ thümlichkeiten der Merinos⸗Wolle für den techniſchen Gebrauch. 326. Die Merinos⸗Wolle iſt ein ſehr gangbarer Handelartit:l— 327. Von dem Weſen der Elaſticität.— b 2. XX §. Seite 328. Eintheilung derſelben in die ſtark krümpende und zart krüm⸗ pende Elaſticität nach der Geſtalt ihrer Haare, woraus nach der Entdeckung des Verfaſſers auch das baumwollar⸗ tige und ſeidenartige Gefühl hervorgeht. 147 148 329. Von der Biegſamkeit und Dehnbarkeit.. 330. Beſondere Bemerkungen wegen des baumwollartigen und ſei— denartigen Griffes, und der damit verbundenen ſtark krüm⸗ penden und zart krümpenden Elaſticität 331. Von der überbildeten ſchlichten Wolle.. 332. UÜber das Gefühl und den ſogenannten Griff bey der Meri⸗ nos⸗Wolle........ 333. Kennzeichen der Grade der Elaſticität.... 334. Das ſeidenartige Gefühl einer Wolle iſt die Baſis eines Fa⸗ bricats von dem nähmlichen Charakter.... 335. Verhältniß der Würdigung der gekräuſelten Wolle 336. Vorzüge einer geſchmeidigen Wolle beym Spinnen 357. Über die Dehnbarkeit der ſchwach krümpenden Wolle, als eine damit jederzeit verbundene Eigenſchaft. 336. Wie weit ſich die krümpende Eigenſchaft der Wolle in Hin⸗ ſicht auf Länge der Wolle verträgt.. 339. Von der Feinheit des Haares 340.— dem Feinheitsmaßſtab des Herrn Wagner 341.— dem Glanz der Wolle. 342.— dem klaren, weißen, öhligen Schweiß 345.— der erforderlichen Länge der Wolle. 344.— dem Parallismus.. 3 3 345.— der Geſchmeidigkeit der Wolle 346.— der Nundheit des Fadens 347.— dem Charakter der Elaſticität 348.— der Walkfähigkeit.. 349.— dem Nerv.... 350.— der Biegſamkeit und Dehnbarkeit 351.— der Reinheit der Wolle. 352.— der Gleichheit der Wolle 355.— der ſchlichten Wolle ute 3benot zötuos öml ————— U dnd vuf, 3 ,9, 11 3,0. 3579 37 Fahk: Szinll 576 gal Jgni Ko.lal eri⸗ Über den Verkauf der Wolle und über Wollmärkte. 354. 355. 356. 357. 358. 359. 360. 361. 362. 363. 364. über die Schafwolle in naturhiſtoriſcher, ökonomi⸗ 365. 366. 367. 368. 569. 25 S 373. 374. 375. 376. 377. 378. 379. 380. Achtzehntes Capitel. Vorſichten bey dem Verkauf der Wolle... 16²2 Die Wollpreiſe differiren im Hſterreichiſchen wegen Mangel an Wollmärkten mehr, als in andern Ländern.— Der Wollverkauf hängt von zutili ſich darbiethenden Ge⸗ legenheiten ab... 3. 163 Wer die Wolle gewöhnlich kauft. 3— Der Handel mit unſerer Woll⸗Production wird durch Woll⸗ händler ins Ausland betrieben.. 3.. 164 Bemerkungen....— ·— Urſachen der uneſtineuten Wollpreiſe.— 3. 165 Einfluß der ungariſchen Wollmärkte für Ungarn..— Von Woll⸗Magazinirungs⸗Anſtalten.... 166 — Sortirungs⸗Anſtalten...... 163 — Zollbegünſtigungen.....— Neunzehntes Capitel. ſcher und techniſcher Hinſicht. Vom Zweck der Haare.....—. 169 Vom Stamme des Haares und deſſen Geſtalt... 170 Vergleichung der Haare mit den Pflanzen.. 1/1 Wie das Haar wächſt....—.— Form der Haare........· 172 Farbe derſelben.....— . Einfluß des Klima's und der Nahrung..—. 175 Einfluß des Lichtes und der Temperatur... 175 Verhältniß der Haare zu den Fleiſchfaſern... 176 Verhältniß der Haare zu dem Temperamente.. 177 Chemiſches Verhalten der Haare und Beſtandtheile derſelben 178 Arten der Haare, nach ihrer Form und Beſchaſeubeit. 179 Unterſchied des Haares und der Wolle... 100 Arten der Wolle im Allgemeinen.... ·— Haarige Vließe.. 3 3.... 181 Wollige Vließe XXII §. 389. 390. 399. 400. 401. 415. 416. 381. Von der Feinheit des Haares 382. Einwirkung der Temperatur. 383. Einwirkung der Fütterung und Weide. 384. Von der Verſchiedenheit der Feinheit an einem und demſel⸗ ben Individuum 385. An welchen Körpertheilen die eichiedeen Wollſorten he⸗ findlich ſind. 386. Bey den Merinos ſind dis er 387. Wohin das Ziel der Veredlung dehen wol 388. Von der zweyten Sorte Von der dritten Sorte. Grade der Feinheit der Veredlung 391. Von der Elaſticität 392. Vorzüge einer elaſtiſchen Wolle 395. Von der Reinheit 394. Dieſe kann auf doppelte Art fehr leiden. 395. Sie iſt auch von Natur ſehr verſchieden. 396. Wichtigkeit einer Wolle mit weißem Fett. 397. Die Waglinder bejahien dieſe Wolleum 3— 4 Procenttheurer 398. Von der Länge der Wolle...... — der Gleichheit der Wolle — der Dichtheit des Vließes — den Mitteln, welche ſie bewerbſtelligen 402. Berichtigung dieſer Meinung. 405. Von der Weichheit und Seidenartigkeit der Wolle 404. Art, dieſe Eigenſchaft zu prüfen 405. Im gewaſchenen Zuſtand läßt ſich ſolche erſt u oeenans prüfen 3. 406. Gerechte Würdigung dieſer Eigenſchaft 407. Von der rauhen Wolle. 408. Auf die ſeidenartige Weichheit inſluiren: Wärme 409. dtto. Weide und Fütterung... 410. dtto. das Klima und die Localität. 411. Haltbarkeit und Feſtigkeit der Wolle 412. Glanz derſelben. 413. Krausheit——. 414. Von der Güte derſelben nag Alter und Geſchlecht. — dem Bodenſatz — dem Abſetzen oder Sitzenbleiben derſelben ſten Gorken vopherrſchend 2 L6 1 45uod 5— 4— 45 10 4100 4— 4— 425 42 41 44— 440 44690 44— 4i ag 499. uo. ich § 418. 4¹9. 420, 421. Von den Eigenſchaften 434. 435. 436. 437. 438. 417. Von der rauhſpitzigen Wolle. der gedrehten Wolle der hundshaarigen Wolle d d 2 A r hungerigen Wolle r platthaarigen Wolle dem harzigen Fette der Wolle der verworrenen Wolle. der Starrheit, Steifheit, Sprödigkeit der Wolle. *. der Schwäche, Nachlaß, Mürbigkeit der Wolle 4 der Schütterheit, Fladrigkeit und Lockerheit der Wolle der in den Spitzen verwahrloſten Wolle... der ausgeriebenen Wolle der ungewöhnlich kurzen Wolle der bräunlichen Wolle verdicktem und vertrocknetem verdorbener Wolle Futter ꝛe. den Haarnäthen * * .. Schweiß. durch Wagenſchmiere, Staub, Zwanzigſtes Capitel. Vom Krämpeln. Spinnen.. den Spinnrädern. Wie viel Tuch aus einer gewiſſen Q Vom Caſemir Wolle für den Zeugmacher 16. Vom Reinigen der Wolle Flanell Molton. Biber.. Kalmuck.. Drap des Dames. Halbtuch.. Kämmen der Wolle der Wolle fürdie verſchie⸗ denen Fabricate⸗ Was dabey zu beobachten iſt. Vom Spinnen des Garns zu Zeugen uantität Wolle erfolgt XXIV § 450. Eintheilung der verſchiedenartigen Wena⸗ in Sarſche 451. In römiſche Sarſche... 452.— Naſch 453.— Boy 454.— Etamin..... 455.— Camelott. 456.— Berkan. 457.— Kalmuck 458.— Damaſt 4 9.— Plüſch......... 460.— Kaffa........ 461.— Struck. 462.— Kreppzeuge 463.— Wolle für die Serurnpfwitker 464.— Wolle für die Hutmacher. Sechſte Abtheilung. Merkantiliſche Notizen, Meinungen, wichtige Handelsereigniſſe und neueſte Verordnungen in Bezug auf den Wollhandel. Ein und zwanzigſtes Capitel. Beſchreibung derſelben. 465. Herabgeſetzter Gränzzoll auf die Wolle in den k. k. öſterrei⸗ chiſchen Staaten.... 466. Breslauer Wag⸗ und Einſatzgeld der Wolle 467. Gebühren, welche in der Berliner Wollmagazin⸗„Anſtalt z zu entrichten ſind ⸗..... 468. Frankreichs Bedarf an ausländiſcher Wolle 469. Die neueſte franzöſiſche Verordnung wegen Baſtenerung der fremden Wolle, mit Noten begleitet 470. Erſtaunenswürdige Fortſchritte, welche ſeit 1800 der Kunſt⸗ und Gewerbfleiß in Frankreich gemacht hat. 15 „Quantität der Shawls, welche in der einzigen Stadt Paris 1 jährlich im Durchſchnitt fabricirt werden, und der dieß⸗ fallige hohe Erwerb von 14 Millionen Franken.. reigniſſe ndel. 481. 482. 483. 484. 485. 466. .In Frankreich wird nicht mehr aus gelben, ſondern aus jenen Cocons, welche die ſchönſte blendend weiße Seide liefern, die Nachzucht der Seidenwürmer erzielt „Neueſte Nachrichten über den jährlichen Belauf der franzö⸗ ſiſchen Manufactur⸗ und Fabriks⸗Induſtrie. Im Jahr 182o verarbeitete Frankreich um 95 Mill. Fr. rohe Schafwolle, welche, zu Waaren veredelt, einen Werth von 238 Mill. Fr. ausmachten Neueſter Stand des Handels in England, und die Urſachen, welche die Herabſetzung des hohen Zolls auf Wolle herbey⸗ geführt haben; dießfällige wichtige Aufſchlüſſe, welche dem Parlament durch die Miniſter in den neueſten Zeiten ſind gemacht worden .Bemerkungen über Englands gegtnwäͤrtiges Handels⸗ Syſtem 7. Ungeheurer Verdienſt, den die verſchiedenen Elaſſen von Arbeitern in England haben. .Ausſichten mit der Wolle für die Zukunft . Gänzlich fehlgeſchlagene Verſuche, durch eine Verbindung der Baumwolle mit Wolle den Gebrauch der letztern zu ver⸗ mindern... . Englands ungeheure Woll⸗ Fabrieation, und der Abſat ihris Products nach allen Welttheilen hin, regulirt den Woll⸗ handel und deſſen Preiſe Üüberſicht aller Einfuhren von Wolle nach Großbritaunien während ſieben Jahre, mit Angabe des Quantums in jedem Jahr; die Länder, woher die? Importation geſchehen, und des Belaufs des in jedem Iahr bezahleen Zolles; aus authen⸗ tiſchen Quellen...... Dießfällige Bemerkungen. Ausfuhr im Jahr 1822. 3 4. Neueſte Verfügungen der engliſchen Ragterungw wegen Errich⸗ tung neuer Woll⸗Colonien in Neu⸗Süd⸗Wales und dem benachbarten van Diemensland Fortſchritte der Tuch⸗Manufacturen in ußtans und aßn- Pohlen. Mit freygebigſter Unterſtützung des Kaiſers iurane wur⸗ den ausländiſche Fabricanten angeworben 487. Auf ruſſiſche Rechnung wird in Leiyzis die aen⸗ Wolle eingekauft.... 265 266 268 XXVI §. Seite 488. Bedeutende Zahl der zach Mußland ändezogenen Manufac⸗ turarbeiter.. 270 489. Wichtige Bemerkungen. 1— 490. Neueſte Errichtung eines Wollmarktes in Warſchau. 271 491. Die ſchnellen Fortſchritte Preußens in der Woll⸗ Cultur verdienen die lauteſte Bewunderung.. 492. Alle zweckmäßige Mittel wurden erſchöpft, um dieſen In⸗ duſtrie⸗Zweig ſchnell heimiſch zu machen.. 493. Kein Staat in Deutſchland beſitzt ſo viele und ſo hedan⸗ tende Wollmärkte, als Preußen. 494. Die ſichtbarſten davon herrührenden Fortſchritte dieſer durch⸗ greifenden Maßregeln auf Fabriken und I daſtei⸗⸗ Waa⸗ ren... 495. Werth der Wolle, welcher nach demn Zolltariff in das Aus⸗ land geht.. 496. Einfluß der Wollveredlung Deutſchlands auf Hamburgs Handel.. 497. Wie viel deutſche Wolle, officiellen Berichten gemäß, nach England, ohne die Niederlande und Frankeeüh⸗ eingeführt wird 498. Hoffnungen, welche man auf die Heraßſetung des W Woll? Zolles in Hamburg gründet. 499. Errichtung eines großen Woll⸗ Magazins zur Begründung und Vermehrung des Wollhandels in Hamburg 500. Die koſtbaren Shawls werden in Frankreich in großer Quan⸗ tität und Vollkommenheit erzeugt, und machen bereits einen ſehr wichtigen Handelszweig aus . Die Kaſchemir⸗Wolle iſt in Frankreich bereits von 40 auf 18 Fr. der Kilogramm gefallen, indem die Zufuhr vom Ausland ſich vergrößerte 502. Nachrichten über die Vollkommenheiten der r franzöſiſchen und ſchottländiſchen Shawls. 503. Auch Rußland nimmt an dieſem Aufſchwung der Induſtrie den thätigſten Antheil.. 504. Beſonders beſtrebt man ſich auch in Pr enßen, darin nicht nachzuſtehen, ſondern mehr Eleganz in dieſen Luxus-Arti⸗ kel zu bringen. 505. Muſterhafter Gang des öſterreichiſchen Kunſtfleißes; glan⸗ zende, immer höher ſteigende Ausſtchten dafür XXVII §. Seite 506. Bemerkungen... 278 5⁰7. Über Tücher, und wohin diele öſterreichiſche Wolle gehe 279 50⁰8. Wo in den k. k. Staaten die meiſten Tücher verarbeitet werden....— 5⁰9. Wohin der größte Abſat von Wolle geße...— Notizen über die Wollpreiſe neuerer Zeit. 510. Es iſt nothwendig, daß der Producent jederzeit in genauer Kenntniß der Wollpreiſe ſey 2...—. 280 511. Data hiervon....— 512. Frankfurter, Hamburger und andete Preiſe..— 513. Sächſiſche Preiſe... 3.... 282 514. Berliner—........ 2933 515. Öſterreichiſche—........ 285 516. Londoner—.. 3..... 286 517. 518. 519. 520. 521. 522. 523. 524. 5²25. 526. 527. 528. 529. 530. 531. 532. 533, Zwey und zwanzigſtes Capitel. Bedeutende Wollhandlungen in Deutſchland. In Wien.. 1...... 287 — Brünn.... 3 3... 288 — Prag........— — Leipzig. — Dresden..... — Gera......— — Waldenburg in Sachſen— — Apolda bey Jena — Altenburg — Aachen. — Frankfurt a. M. — Braunſchweig. 3 — Luckau in der Nieder⸗Lauſitz... — Naumburg an der Saale...... 289 — Lennep.. — Eſſen an der Rußr...... — Jerlohn........— XXVIII §.*. 534.— Breslau...... 535.— Düiſſeldorf am Rhein. Orey und zwanzigſtes Capitel. 536. Was dießfalls im Hſterreichiſchen ſeither Zeſihehen iſt 557. In den Marken in Preußen. 3 538.— Oſtpreußen 539.— Schleſien 540.— Nieder⸗Schleſien 541.— Pommern. 542.— Herzogthum Poſen. 543.—— Sachſen 544.— Königreich Sachſen 545.——³ Würtemberg 546.— Frankfurt 547.— Hamburg.. 548. Im Mecklenburgiſchen. 3 549.— Braunſchweigiſchen. 550. In Ungarn....... Siebente Abtheilung. Von den verſchiedenen Arten, die Wolle zu reinigen. Vier und zwanzigſtes Capitel. Vom Schwemmen der Schafe. 551. Dießfälliges Verfahren 552. Nachher zu beobachtende Regeln 553. Zeit zur Reinigung der Schafe 554. Wichtige Beobachtungen.. 555. Wegen Abgang des Unraths aus der Wolle Von den wichtigſten Wollmärkten Deutſchlands. übs. me* vo 78, Wü 1 1 356 1 l 5571nl 556 in 1T 56 h 606 56⁰ʃ 561195 en. Fünf und zwanzigſtes Capitel. Über die Schädlichkeit des gewöhnlichen Schafſchwem⸗ s8. Beſchreibung eines Verfahrens, wie die Schur vor der Wäſche, und die ökonomiſche Sortirung der Wolle am Vieh zugleich vorgenommen werden kann, nebſt Beſchreibung der ſpaniſchen Woll⸗Waſchung. men §. Seite 556. Unzweckmäßigkeit, die Merinos zu ſchwemmen 297 557. Urſache, warum dieſes Verfahren untauglich iſt 298 558. Unterſcheidung der Woll⸗Sorten am Kurder des Schafes Tab. 14 301 559. Beſchreibung des Berſaßrens, die Sortirung der Wolle auf dem Schafe zu bewerkſtelligen..— 560. Was nach der Schur geſchehen ſoll 3⁰2 Sechs und zwanzigſtes Capitel. Von der Pelzwäſche. 561. Beſchreibung derſelben. Erklärung des Kupfers Tab. 16, das eine Wäſche dieſer Art vorſtellt.. 305 Sieben und zwanzigſtes Capitel. Spaniſche Art, die Wolle zu waſchen. 562. Vom Reinigen der Wolle. 3⁰4 563. Von Einfüllung der Wolle in die Waſſerbehälter 3⁰5 56. Wie viel Wolle täglich kann gereiniget werden— 565. Von dem Anfüllen mit warmen Waſſer.— 566. Erforderlicher Wärmegrad— 567. Ferneres Verfahren 3⁰6 568. Trocknung auf Wieſen, oder auf Gerüſten im Schatten 308 569. Regenwetter iſt der Wolle, auf Wieſen ausgebreitet, nicht ſchädlich.....— 570. Vom Einſacken der Wolle 3⁰09 571.— 572. Worauf man beym Waſchwaſſer in Lpanien viel häͤlt Wie viel die Wolle an Unrath verliert. . Vortheile dieſer Art Wäſche. XXX Seite §. 574. Die Waſchkoſten ſindllſehr unbedeutend.... 310 575. Von denn Koſtenbetrag einer ähnlichen Wäſche, die der Ver⸗ faſſer ſelbſt erbauet hat... 576. Dießfällige allgemeine Bemerkungen...— 577. Erklärung des Planes des Lavadero oder der ſpaniſchen Woll⸗Wäſche Tab. 15.....— Acht und zwanzigſtes Capitel. Zweytes Verfahren, die Wolle in ihrem Schweiße zu reinigen. 578. Beſchreibung des ganzen Verfahrens.... 312 Neun und zwanzigſtes Capitel. Das ganze Waſchverfahren bey dem Lavoir public zu Paris. 579. Vorerinnerung....... 315 580. Die Wolle wird zuerſt gewaſchen oder ungewaſchen ſortirt— 581. So ſortirt kommt ſie zur Wäſche in einem Schiff auf der Seine, worauf Keſſel zum Heizen und Gallerien zum Aus⸗ waſchen ſind.......— 582. Das Waſſer empfängt verſchiedene Grade von Wärme nach der Eigenſchaft der Wolle.—. 3..— 583. Art, die Lauge zu erzeugen....— 584. Wie die Wolle entfettet wird. 4.. 314 585. Was mit der gereinigten Wolle geſchieht..— 586. Wie viel Fett noch in der Wolle verbleibt..— 587. Schließliche Brmerkungen.....— Dreyßigſtes Capitel. Von dem Waſchen der Wolle auf dem Körper des Schafes. 588. Erinnerung......... 315 589. Für einen guten Verkauf der Wolle iſt eine gute Wäſche Hauptbedingung...... Seite § 590. Welche Art Woll⸗Reinigung endlich als die beſte uach dem herrſchenden Zeitgeiſt iſt erkannt worden. 316 591. Hauptaufgabe dabey.. 592. Haupteinrichtung meiner xhersſentede 3oaiuaig. 317 593. Von Local⸗Rückſichten. 594. Wegen der Form einer Wäſche 595. Proportions⸗Verhältniſſe meiner Wäſche 596. Über das Vorbereitungsgeſchäft.. 318 597. Was zu thun iſt, um eine blendend weiße Wolle zu erhalten 598. Der Zulauf von friſchem Waſſer darf nur ſdarſan bey den Vorbereitungsgeſchäft geſchehen, ſonſt wird die Kraft des Seifenwaſſers geſchwächt 599. Von der erforderlichen Wende atut des Waſe zum Wa⸗ ſchen. 3.. 600. Verfahren bey dieſem Geſchäfte..... 320 601. Wirkungen des Fettwaſſers...... 321 602. Hauptbemerkung. 603. Hauptregel bey dem ityeegang zur Reinwaſchmng. 322 604. Manipulation bey dieſem Geſchäfte.. 605. Was nach der Reinigung zoty bendin iſt... 525 6⁰6. Bemerkungen...... 607. Nachträgliche Erinnerungen....—. 324 Ein und dreyßigſtes Capitel. Von der Fabrik⸗Wäſche oder der gänzlichen Ent⸗ fettung der Wolle. 6⁰8. Bemerkungen. 325 609. Das Verfahren bey der; Inberfikung des Urins und de Ar beiten im heißen Beizwaſſer 610. Das Verfahren beym Meinwaſchen im Flußwaſſer 611. Vom Trocknen.. 326 612. Hauptregeln beym Trocknen für jene Wolle, die zu hellen Farben beſtimmt iſt. 3— 4.. 326 613, Bemerkungen in Betreff des Urins. XXXI Seite XXXII §. — 9 Zwey und dreyßigſtes Capitel. 2. 8 ʃ Von der Wäſche mit Ohlſeife. do 624. 1* 614. Ihre Beſchreibung.... 326 u 615. Beſtandtheile des Schweißes der Wolle...— dr5. 1 Drey und dreyßigſtes Capitel. r, 00 626. 4119: Von der Reinigung mit Pottaſche. 629. 1 n be 616. Beſchreibung derſelben.... 3²27 63u. i 617. Effect des kochenden Waſſers auf Wolle....— 4 4 c Vier und dreyßigſtes Capitel. 652. 1la 633. 11 Zweytes Verfahren, die Wolle fabrikmäßig zu 1c waſchen. 618. Beſchreibung des Verfahrens.„„.— 327 S 619. Merkmahle der Vollendung des Geſchäftes ⸗.. 323 Achte Abtheilung. 8 Von den Schurgeſchäften und den Arten derſelben. a Fünf und dreyßigſtes Capitel. V Etwas über die Schafſcheren. 14 An 620. Über die Wichtigkeit guter Schafſcheren.. 3²9 241 621. Der mähriſch⸗ſchleſiſche Schafzüchtler⸗ Verein hat Verſuche mit verſchiedenerley Schafſcheren anſtellen laſſen— b 622. Der Befund hat ſich durchaus zum Vortheil jener nach 656. Pbi engliſcher Manier erferigten⸗ von zeguſſenem Lrahe 657. um — be gezeigt... 623. Banereungk des Verfaſſers..... 350 658.; Seite . 5326 . 3²] g zu XXXIII §. Sechs und dreyßigſtes Capitel. Seite Von der gewöhnlichen Schur nach der Pelzwäſche. 624. Die erſte Hauptregel iſt, den Schurplatz ſo rein als möglich zu machen und zu erhalten. 625. Die Herden⸗Abtheilungen werden nach den uſfe zecheren 626. Fernere dießfällige Beobachtungen.. 627. Eintheilung des Arbeits⸗ Perſonales. 628. Ob einmahl oder zweymahl geſchoren werden ſoll 629. über Verſuche, die Wolle nehrare Jahre auf dem Schafe wachſen zu laſſen 630. Wo man in Deutſchland allgem ein die Schur abrußaſten oflegt 631. Wie viel Stücke reichwollige Merinos ein guter Scherer täg⸗ lich ſcheren kann 632. Regeln, wie das Vieh nach de Schur zu d beßandeln iſt 633. Von dem peahan der Sihaſe n mit Oker⸗Erde nach der Schur 1 Sieben und dreyßigſtes Capitel. Vom Scheren der Lämmer. 654. Wo frühe Lammzeit eingeführt iſt, müſſen ſolche mit den übrigen Schafen zugleich geſchoren werden 635. Wichtige Gründe für das frühe Scheren Acht und dreyßigſtes Capitel. 01 9— 01 — Von den ſpaniſchen Schurhäuſern und dem Schur⸗ geſchäft darin. 636. Dießfällige Bemerkungen 37. Genaue Beſchreibung aller eſendtheis; eines vollſtäudigen n Schurhauſes 638. Wie viele Schafe in Spanien ein Scherer täͤglich abſchert c §. 639. 640. 641. 642. 643. 644. 645. 646. 650. 2 651 XXXIV 648. 649. Seite Vom Zeichnen der Schafe, unmittelbar nach der Kh in der daran ſtoßenden Pechſtube... 336 Vom Woll⸗Magazin....— Von den übrigen Theilen des Schurhauſes..— Recept der Schaſſasb⸗„ womit die Schafe gezeichnet werden...... 1. 55, Neun und dreyßigſtes Capitel. Von der okonomiſchen Sortirung der Wolle. Was zur Beförderung der Sortirung erforderlich iſt. 337 Die Eintheilung der Thiere nach den jüngern Jahren, dann Widder⸗, Schöpſen⸗ und Mutterherden, um leichärii gewachſene Wolle zuſammen zu bringen.— Dießfällige Bemerkungen.— Eigentliches nach Claſſen eingetheiltes Schurverfahren. 338 Worauf ſich die Sortirung des Producenten beſchränken muß— Über das Zuſammenlegen der Vließe....— Von der nöthigen Aufſicht beym Schurgeſchift.. 359 Köthige Bemerkungen... 4— . Wo man ſortiren ſoll.......— Vierzigſtes Capitel. Von der Sortirung der Wolle für den Handel. . Hauptprincip des Sortirens..— .Die Vließe müſſen in ihrer ganzen Länge auf Tiſche komnten und ausgebreitet werden. 340 4. Umſtändliche Manipulation beym Qortiren der Wolle— . Vom Verpacken derſelben.. 1... 341 A m. boͤd tünd 657 500 5 656 R10 og ude 660 100 661100 66 0 8 66590 49 66 did 5 . 557 muß— den ommen Ein und vierzigſtes Capitel. Vom Bleichen der Wolle, und von der Fähigkeit derſelben, Farben anzunehmen. 656. Erinnerungen 657. Das Bleichen der Wolle trieb Vauquelln nicht ſo weit, als es die Wichtigkeit des Gegenſtandes erfordert.. 658. Mit Seifenwaſſer behandelte Wolle läßt ſich am beſten bleichen 659. Bemerkungen über die Wirkungen der liquiden Schwefelſäure 660. Vorzügliche Eigenſchaft der venetianiſchen Seife. 661. Von der alkaliſchen und kalkerdigen Schwefelleber 662. Von der Wichtigkeit des Weißmachens der Wolle für Waa⸗ ren, die feine Farben zieren ſollen 663. Das Bleichen mittels des Schwefels darf für manche Farben gar nicht angewendet werden. 664. Wichtigkeit des Geſundheilazuſtandes der Thie für die Woll⸗ Färberey 665. Verſuche des Herrn Roard. Directors der Parberey in der königl. Manufactur zu Paris, darüber. 666. Mancherley dießfalls vorgenommene Verſuche. 667. Reſultate mit ihrem Schweiß geſponnener Wolle, gegen jene vor dem Spinnen entfettete 668. Wiederhohlte, auf mannigfaltige Art abgeänderte Verſuche geben dasſelbe Reſultat, daß eine anfänglich ſchlecht gewa⸗ ſchene Wolle nicht mehr volſtändig ereinigf und 25t gk⸗ färbt werden kann. 669. Dießfällige Reſultate 670. Die gelben Stellen der Wolle untar dem Bauche ꝛc. waren weder durch lebendigen Kalk und Alkohol, noch durch ätzende Alkalien wegzuſchaffen 671. Bemerkungen über das größere Quantum des Sthaſgwabes geſunder Merinos gegen kranke 672. Wie, um das Verhalten der Woll⸗ Sorten zum Färben; zu prü⸗ fen, von Herrn Roard verfahren wurde 3 673. Die Wolle von geſunden Merinos übertraf die Vate der Wolle von todten und kranken Thieren. 347 348 XXXVI §. 674. Wichtige Erſcheinungen von der mit ihrem Schweiß, aber ohne Ohl geſponnenen und nachher durch eine einzige Wäſche entfetteten Wolle gegen andere.. 675. Comparative Verſuche von verſchiedenen Schafarten. 676. Höchſt wichtige Reſultate, die, in der Küpe gefärbt, hervor⸗ gingen 677. Reſultate zwiſchen Wolle von geſunden und franken Meri⸗ nos, mit ihrem natürlichen Schweiß geſponnen; die erſte nimmt die Farben ſehr ſchnell, dagegen die Wolle von den kranken oder todten Thieren nur ſchwach an, und erhält eine ſchmutzige Farbe.. 678. Wichtigkeit dieſer intereſſanten Erfabrungen Zwey und vierzigſtes Capitel. Von dem Einſacken der Wolle. 679. Was vorzüglich dabey zu beobachten iſt. 686. Erinnerungen wegen der Leinwand oder des Zwilches. 681.—— der Form und Größe der Säcke 682. Was bey dem Verpacken zu beobachten iſt 683. Hauptregeln... 684. Über die Schwere eines Sackes und der Stricke 685. Über die Bezeichnung der Säcke. Drey und vierzigſtes Capitel. UÜUber die Aufbewahrung der Wolle. 686. Nothwendige Erinnerungen 687. Vorſichten wegen des Ungeziefers 688. Mittel dagegen. 689. Die Wolle widerſteht in iorem natlrllchen Fette länger der Verderbniß, als im rein gewaſchenen Zuſtande 3 690. Wie man das Verderbniß entfetteter Wolle verhindern kann Seite 349 35⁰0 380 n2. ſ t 15. 704. 705. 92. 705.326 707,326 708.ſns 709. l 710. 190 711. nai 712. 715. 6 114. 19 er der a kann 354 Vier und vierzigſtes Capitel. XXXVII Seite Zweyerley vergleichende Überſichten der gebräuch⸗ (Vergleichung mit dem Wiener Gewichte.) §. 691. Öſterreichiſches Gewicht 692. Böhmiſches 693. Preußiſches 4. Schleſiſches 695. Bayeriſches 696. Sächſiſches 697. Würtembergiſches 698. Hannoveraniſches 699. Mecklenburgiſches 700. Hamburger 70⁰1. Nürnberger Zweyte Tabell e. (Vergleichung mit dem Berliner Gewichte.) 702. Amſterdam. 703. Anſpach 2 704. Berlin 70⁰5. Braunſchweig 706. Bremen. 70⁰7. Breslau 70⁰8. Caſſel. 7⁰9. Cöln. 710. Danzig 711. Hamburg 712. Königsberg. 713. Kopenhagen 714. Leipzig lichſten Gewichte. Erſte Tagabell c. XXXVIII §. 715. London 716. Nürnberg 717. Paris. 718. Roſtock 719. Schweden 720. Wien. Verbeſſerungen. Seite 17 Zeile 4 ſtatt: au lies: auf. 23 13„ Claſſen l. Racen. 15„ Claſſe l. Verkaufs⸗Claſſe. 19„ doppelten Preiſen l. einfachen Preiſen. ¹ von unten ſtatt: oder benetzt l. von feuchter Natur. 21 ſtatt: ihr Deſicit l. ihr jährliches Deficit. 20„ Inſtinction l. Diſtinction. 12„ 7 fl. 30 kr. I. 5 fl. 30 kr. 18 v„ aauch l. noch. 24„ ein Tuch l. ein derley Tuch. 3 von unten ſt. bedeutend ſind, und nie als l. bedeutend, und als. 5 ſtatt: mit gedehnten l. mit etwas enger gedehnten. 13„ naähmlich l. als. 3 von unten ſt. indem ſie l. indem ſich. 13 ſtatt: Schema zu l. Schema ſehr ſpät zu. 24„ wovon l. woran. 11„ Woll⸗Werthmeſſer l. Woll⸗Vergleichungsmeſſer. 22„ Schafpächter l. Schafzüchter. 7 von unten ſt. hinten ſchmal l. hinten ſcharf. 8„„„ ſchlechte l. ſchlichte. 1 ſtatt: Jahren zuerſt l. Jahren durch mich zuerſt. 1„ ſchlechter l. ſchlichter. 1 von unten ſt. ökonomiſchen l. Okonomen. 6 ſtatt: ſchlechter l. ſchlichter. 9„ Bſterreich, außer l. Bſterreich, wo außer. 21„ wiichtige l. wichtigen. 23„ eingelangte l. eingelagerte. ig von unten ſt 6840 I. 7716%⅛, meiſtens große, ſehr ſchwer ins Gewicht fallende Fleiſch-Schafe. 1 von unten(in der Note) nach dem Worte leiden, iſt ausgelaſſen worden:„Würde ein nur ſich annäherndes Verhältniß bey Uns zu Großbritannien Statt finden, ſo würden die Produ⸗ centen eben ſo wenig, wie dort, Urſache finden, wegen Man⸗ gel des Abſatzes ihrer Producte in Verlegenheit zu ſeyn; indem ſie durch dieſes Vehikel ihre eigenen Conſumenten — 173 — 186 und Dünger ſo wie in England— nicht von zu niedern Marktpreiſen abhängig w „Fabricanten in den Stallungen hätten, daher— ären. In dem mangelhaften Verhältniß des deutſchen Ackerbaues mit der Viehzucht ſteckt der Keim der gegenwärtigen allgemeinen Noth desſelben. Seite 172 Zeile 9 ſtatt: glatt lies: platt. 3 von unten ſt. weiße l. weiche. 7»„ 7»„„ 1„„„ nur 12 l. nur 12 Ducaten oder. at London l. at London wohnen. Quinta l. Quarta. 1„„„ Diſpoſition ſpiele l. Diſpoſition die Oberhand ſpiele. I1 ſtatt: weichliche l. reichliche. 13„ Zeit bloß l. Zeit im ſüdlichen Frankreich bloß. 5 von unten ſt. wegen der erweichenden Körperentwickelung be⸗ fördernde d dernde. 15 Bey dem Wor letzten Zeil ie l. die erweichende Körperentwickelung beför⸗ t„wächſt“ endiget ſich mit Ausnahme der vier en der Schluß dieſes Paragraphs, und was weiter folgt, hätte in einer Note erſcheinen ſollen. 7 ſtatt: Angora l. ſogenannten Tibetaniſchen. 1„ Bewohner l. Herdenbeſitzer. 5„ STina l. Fina. 16 von unten ſt. hier nicht auch l. hier auch. 3(in der Note) von unten ſt. Waſſerfälle l. Schleuſen. 8 von unten ſt daß l. als. 18 ſtatt: ſie l. in. —,.— Dam geni laſtu nichm nir ge tinons ic tün her— reiſen ß des Keim erhand ung be⸗ beför⸗ der vier dd was Erſte Abtheilung. Das merkantiliſche Verfahren beym Einkauf und Verkauf der Zuchtthiere. Erſtes Capitel. Regeln, die man zu beobachten hat, wenn die Schafe große Reiſen machen müſſen. 1. Es ereignet ſich in Handelsgeſchäften oft, daß Schafe gekauft werden, um ſolche in ein anderes Land transportiren zu laſſen, und daß wegen Mangel an Kenntniſſen und Erfahrungen nicht ſelten das beſte Vieh auf Reiſen verdorben wird. Da ich mir, bey perſönlicher Begleitung der in Spanien gekauften Me⸗ rinos hierher, einige Erfahrungen darüber geſammelt habe, ſo will ich ſie mittheilen. 2. Die erſte Regel iſt, die Kräfte der Thiere zu ſchonen, und ſie nie zu ſtark, am wenigſten aber anfänglich, anzugreifen. Werden dieſe Thiere im Anfange einer ſo großen Reiſe nicht ge⸗ ſchont, und durch ſtarke Märſche zu ſehr angegriffen, ſo können ſie dadurch für die ganze Reiſe verdorben werden. 3. Mehr als zwey deutſche Meilen ſoll man in 24 Stun⸗ den nicht mit ihnen zurücklegen, beſonders wo es ſich um eine weite Reiſe handelt; bey kühler Witterung kann man jedoch, nach Maßgabe der Weiden und Wege, um die Hälfte weiter kommen. Nur in der kühlen Tagszeit, nähmlich in der Frühe und des Abends, muß man in der Regel die Schafe treiben, und in der heißen Jahrszeit die Nacht dazu verwenden, bey Tag aber das Vieh im Schatten ausruhen laſſen. II. 4. Das Schaf iſt wegen des Verluſtes an Kräften auf der Reiſe viel gefräßiger, und zum Saufen mehr geneigt, als bey ſeiner gewöhnlichen Ordnung zu Hauſe; worauf man gehörige Rückſicht nehmen muß. 5. Nur in dem Falle, wenn das Vieh nicht im mindeſten erhitzt iſt, darf man es zur Tränke laſſen, indem ſonſt Lungen⸗ geſchwüre oder andere nachtheilige Folgen und unheilbare Krank⸗ heiten davon entſtehen würden. Das Schaf kann vermöge der Structur ſeiner Magen das Waſſer, gleich dem Kamehl, lange entbehren; daher ſey man auf Reiſen mit dem Traͤnken beſonders behuthſam, lieber zu wenig Waſſer, als zu viel. 6. Die Lämmer können kaum halb ſo große Tagreiſen, als das ältere Vieh ausdauern, beſonders in der warmen Jahrszeit; ſie verbutten und verkümmern bey anhaltenden langen Reiſen; ſelbſt die Muttermilch, die in dieſen Umſtänden erhitzt wird, habe ich öfters tödtlich für ſie gefunden. Die Widder habe ich auf der Reiſe von Spanien nach Deutſchland um Vieles weniger aus— dauernd, als das Muttervieh, gefunden. Ihre Körperkraft läßt nach, die Hodenſäcke vergrößern und verlängern ſich, wodurch ſie im Gehen gehindert werden. 1 7. Bey großen Transporten muß man ſich jederzeit durch einen Quartiermacher in voraus um einen ſchattenreichen Ruheort, um geſunde Weiden und Tranken umſehen laſſen, und das Vieh allezeit in freyen oder in luftigen Scheuern campiren laſſen; denn wenn man ſolches in den dumpfigen Stallungen der Wirthshäuſer einkehren läßt, ſo wird das Vieh in Schweiß gebracht, geſchwächt, und zu Krankheiten disponirt, wodurch Schäben oder andere Krankheiten ſelten zu vermeiden ſind. Man muß täglich, ſo oft Halt gemacht wird, ihre Klauen unterſuchen, die eingetretenen Steine und den hart gewordenen Koth herausnehmen, indem ſonſt Klauen⸗Krankheiten entſtehen. 8. Es iſt nie rathſam, Widder und Schafe zuſammen zu treiben, weil ſich beyde Geſchlechter erhitzen und ſchwächen. Muß es aber dennoch geſchehen, ſo befeſtige man dem Widder unter auf der als bey ehörige ndeſten Lungen⸗ Krank⸗ ge der lange ſonders en, abs hrzzeit; Reiſen; „ habe auf der auls⸗ t läͤßt rch ſie durch heort, Vieh ; denn shäͤuſer ſhwächt, er andere , ſo oft etretenen , indem zmmen zu zen. Nuß der unter 3 dem Bauche ein Stück Leinwand, das beynahe bis auf die Erde herabhängt, wenn man die Schafe nicht beſprungen haben will. 9. Man muß unter Weges ſehr auf ſeiner Huth ſeyn, um zu verhindern, daß kein Vieh vertauſcht wird, und dießfalls eine genaue Beſchreibung von den Schafen und ihren Zeichen ver⸗ faſſen. Auf großen Reiſen, die über eine Woche dauern, darf man das Salzgeben nicht unterlaſſen; jedoch öfter, als alle 8 Tage, ihnen pr. Stück* Loth Salz zu verabreichen, iſt unnöthig. 10. Es iſt nothwendig, die Herde, welche weit herkommt, wenn ſie ihren Beſtimmungsort erreicht hat, anfänglich ganz nach der Weiſe ihrer erſten Heimath zu behandeln, und nur ſtufenweiſe eine Änderung mit ihr vorzunehmen. 11. Eine jede Umſiedelung der Thiere aus weit abſtehenden Himmelsſtrichen ſchwächt ſie, und wenn Seuchen einreißen, ſind ſie aus dieſer Urſache ſehr empfänglich dafür. Eine jede ſolche Umſiedelung aus rauhen Gegenden in mildere traͤgt zur Veredlung bey, wenn Wartung und Pflege ſolche unterſtützen. Umgekehrt verliert ſich ſogar das Edle, wenn die Thiere auch unter einem mildern Himmelsſtriche allem Ungemache der Witterung über⸗ laſſen werden. Noch mehr verlieren dieſe Geſchöpfe, und be⸗ ſonders die Widder, wenn ſie gleich durch Belegung angegrif— fen werden, welches, je unregelmäßiger ſolches geſchieht, deſto nachtheiliger auf ihre ganze künftige Exiſtenz einwirken muß; um ſo mehr, wenn ſie aus beſſern in ſchlechtere Locale und übrige Verhältniſſe verſetzt werden, beſonders wenn ihr Körper beleidi⸗ gende Einwirkungen der Witterung zugleich ertragen muß. 12. Sicherheits halber muß man eine ſolche Herde, nachdem ſie ihren Beſtimmungsort erreicht hat, wenn es die Jahreszeit zu⸗ läßt, waſchen, und, während man ſie genau beobachtet, zwey Monathe lang mit keinem andern Vieh zuſammen kommen und vermengen laſſen. Das Waſchen iſt, wenn die Reiſe im Sommer Statt findet, um ſo nothwendiger, weil dadurch die Hitze aus den ermüdeten Theilen des Körpers gezogen, und das Vieh er⸗ * 4 friſcht wird; vorzüglich aber auch, damit der ſchädliche Staub aus der Wolle komme, welcher alles Fett derſelben abſorbirt, und da⸗ durch der Entwickelung ihrer Vollkommenheiten hinderlich wird. Die Wolle leidet zwar allerdings durch das Waſchen Schaden, und verliert durch die Erweichung und Ausdehnung der Haar⸗ wände an ihrer Feinheit bey der nächſten Schur; die Beſchützung des Körpers vor Krankheiten geht aber in dieſen Umſtänden allen übrigen Rückſichten vor. Zweytes Capitel. Verſchiedene Arten, die Herden zu benutzen. 13. Ich kenne in unſern Ländern viererley Arten, die Her⸗ den zu benutzen: Erſtens, wenn der Beſitzer derſelben ſie auf ſeinen eigenthümlichen oder auf Pachtgründen ſelbſt benutzt, oder zwey⸗ tens an einen Pächter überläßt, oder drittens, wenn man von einem Grundbeſitzer nur die Stallungen und die Huthgerechtigkeit auf den Feldern pachtet; endlich v iertens, wenn man eine Herde auf getheilte Nutzung weggibt. 14. Die erſte Art iſt die gewöhnlichſte, und hat unſtreitig bey eigener Regie den Vorzug vor allen. Die zweyte Art, wenn man nähmlich die Herde einem Pachtſchäfer ganz überläßt, iſt ge⸗ wöhnlich, in Bezug auf die Verbeſſerung der Thiere, die ſchlechteſte. Da die erſte Art bey uns allgemein üblich iſt, und die zweyte ſel⸗ ten mehr vorkommt; ſo will ich mich ihrer Beſchreibung enthalten. 15. Die Vortheile der dritten Art ſind in den meiſten Fällen für den Schäfereybeſitzer ſowohl als für die Grundbeſitzer vortheilhaft. Gewöhnlich bedingt ſich letzterer den Dünger oder das Pferchen gegen das erforderliche Streuſtroh aus, und es han— delt ſich nur darum, ob beyde Theile in Betreff des Pachtzinſes und des Preiſes wegen des erforderlichen Heues und Futterſtrohes einig werden. Es ſind mir Fälle bekannt geworden, wo dem Päch⸗ ter, um die Transportkoſten auf Märkte zu erſparen, von der 5 7 „ 20 ch— M 9 M daune Seu bon eD aeſ, ee nen, — 8 K e —NS dN I .—, = S. S ½ 1 ==——=. 7 —— 5 —— 2—— 2 2 —2=Z 3 S 2— S — ½* 3 — ⁰—— 5 Grundherrſchaft Heu und Futterſtroh um 15 bis 20 Procent nie⸗ driger, als der nächſte Marktpreis auf Michaeli oder Martini war, gegen die Bedingung überlaſſen worden iſt, daß der Dünger dem Grundeigenthümer bleiben mußte. Dieſe Art von Berpachtungen iſt für beyde Parteyen vortheilhaft, und, wie ich glaube, in den meiſten Fällen dem Grundbeſitzer ſehr zuſagend. Hauptſächlich ſind derley Pachtungen für Capitaliſten geeignet, die ihr Geld nicht in gefährliche Handelsverbindungen ſtecken wollen, ſich lieber Herden kaufen, und ſich mit der rechtmäßigen Nutzung aus dem Verkauf der Wolle und der Anzucht von einer gewiſſen Zahl Schafe, nach Abzug der Vorauslagen und Unkoſten, begnügen. 16. Die vierte Art beſteht darin, daß eine Herde auf getheilte Nutzung an einen Territorial⸗Beſitzer auf eine gewiſſe, contractmäßig beſtimmte Zeit weggegeben wird, wodurch Letzterer nach Verlauf des ſtipulirten Contractes eine ausgemachte Zahl von Vieh als Eigenthum überkommt, und durch dieſe Art von Verbindung nach erloſchenen Contract⸗Jahren eine eigenthümliche Herde beſitzet. 17. Unſtreitig iſt dieſe Art der Benutzung beyden Theilen, vorzüglich aber dem Grundeigenthümer, ſehr entſprechend: dem Ver⸗ paͤchter(Eigenthümer des Viehes), indem ſie ihn in die angenehme Lage ſetzt, eine Herde zu haben, ohne daß er ſelbſt die Aufſicht darüber zu führen, oder Schaͤfereyen in Beſtand und eigene Regie zu neh⸗ men nöthig hat; dem Pächter(Grundbeſitzer) aber, daß er all⸗ mählig, nach Verlauf der Contract⸗Jahre, den Beſitz einer Herde erlangt, wofür er bloß Sorgfalt und einen geringen Koſtenvor⸗ ſchuß verwenden durfte, ja daß ihm bey ſehr veredelten Herden durch gehörige Pflege die Wolle und der Viehverkauf während der Dauer der Contractjahre zuweilen doppelt und dreyfach ſo viel Nutzen eingetragen haben, als er ſich von ſeinem Futter auf eine andere Art hätte verſprechen können; folglich daß ihm nach Ver— lauf des Contractes nicht nur ein ſchöner Überſchuß an barem Gelde, ſondern über dieſes noch ſein ganzer Antheil an Vieh um⸗ ſonſt zu ſtehen kommt. 6 Gewöhnlich werden derley Contracte auf eine Dauer von zwölf Jahren errichtet. Ich kenne nur zwey erley Arten, wie derley Herden verpachtet werden, und da ich ſelbſt auf beyderley Art mit Merinos⸗Herden mit mehrern Dominien im In⸗- und Auslande auf eine zwölf⸗ bis fünfzehnjährige Dauer in Geſchäfts⸗ verbindungen getreten bin, ſo will ich beyde kurz beſchreiben. Die erſte Art beſteht darin, daß der Empfänger des Viehes die ſämmtlichen Unterhaltungslaſten ganz allein auf ſich nimmt, dafür ³ der jährlichen ſämmtlichen Einnahme, den ganzen Dünger, und nach Verlauf des Contractes auch ꝛ des Viehes, nachdem ſolches in möglichſt gleiche Theile ausgeſucht wurde, durch das Loos empfängt. Der Geber des Viehes bedingt ſich gewöhnlich nach der Qualität ſeines Viehes und desjenigen, was ſchon auf der Schäferey vorhanden iſt, aus, daß ihm die Zahl ſeiner zugebrach⸗ ten Herde einfach oder doppelt entgegengeſetzt wird, und es wird ferner beſtimmt, daß dieſe zuſammengebrachten Herden von dem Augenblicke der Übergabe ein gemeinſchaftliches Nutznießungs⸗Ei⸗ genthum ſind, daß ſie auf eine gewiſſe Einwinterungszahl nach und nach vermehrt werden, und daß im Verhältniß, als die Zahl der zugebrachten Herden ſich der Vollzähligkeit nähert, die ſchlech⸗ tern Schafe nach und nach ausgebrackt werden müſſen; ferner, daß der Übergeber der Stammherde, womit die übrigen veredelt werden, jährlich ein Drittheil von dem Brutto⸗Ertrag während der Dauer des Contractes zu genießen, und nach Ende der Con⸗ tractsjahre ein Drittheil des ſämmtlichen Viehes von allen vorhan⸗ denen Claſſen der Herden durch wechſelſeitige Auswahl und Ent⸗ ſcheidung des Looſes zu empfangen hat. Die zweyte Art beſteht darin, daß der Eigenthümer einer edlen Herde die Stammherde allein gibt, ohne daß ſolche von dem Empfänger durch eine gewiſſe Zahl anderes Vieh widerlegt wird. Bloß der Dünger iſt gegen die Verabreichung des nöthigen Streu⸗ ſtrohes ein Eigenthum des Grundbeſitzers, der die unentgeldliche contractmäßige Verpflegung und Verköſtigung der Herde zu be⸗ ſorgen uͤbernimmt. 4 zuer von ten, wie beyderley In⸗und Heſchäftz⸗ ben. 8 Viehes nimmt, Dünger, nachdem urch das woͤhnlich Hauf der gebrach⸗ es wird on dem gs⸗Ei⸗ lnach ahl der ſchlech⸗ erner, eredelt aäͤhrend er Con⸗ vorhan⸗ und Ent⸗ mer einet von dem egt vitd en Streu⸗ ntgedlice de zu be⸗ 7 Es wird eine genaue Rechnung ſowohl über den Viehſtand, als über alle Geldempfänge, die daraus entſpringen, von dem über⸗ nehmer geführt, dem Üübergeber vierteljährig ein Extract davon mitgetheilt, und zu beſtimmten Zeiten das bare Gelderträgniß aus dem Vieh⸗ und Wollverkauf gleich getheilt. Nach Verlauf der Contractsjahre, wenn ſolche nicht wieder erneuert werden, werden die Herden in zwey gleichen Theilen nach den Geſchlechtern und verſchiedenen Kathegorien verloſet. In derley Contracten iſt zuweilen auch die Bedingniß enthalten, daß nach erreichter Vollzähligkeit der Herde mit den überzähligen Schafen, wenn beyde Parteyen einverſtanden ſind, anderwär⸗ tige Filial⸗Schäfereyen in Pacht gegeben werden, und ich ſelbſt habe ſchon derley Afterpachtungen errichtet, und beſitze de⸗ ren noch. Bey dieſer Art von Vertraͤgen tritt der Empfänger des Viehes gleich in das Miteigenthums- und Nutznießungsrecht, und erhält eine anſehnliche Herde, die ihm, wenn ſehr veredeltes Vieh übergeben worden iſt, durch jährlichen Verkauf an Wolle und Zuchtvieh ſeine Vorauslagen reichlich erſetzt. Da ich, wie geſagt, ſchon viele Contracte dieſer Art mit Merinos⸗Schafen eingegangen, und derley Filial⸗Schäfereyen in Mähren, Böhmen, Ungarn, Pohlen und Rußland, von echten Merinos, bey Güterbeſitzern errichtet habe, auch meine Herden ſich jährlich vergrößern, und dieſe Art von Verträgen, wie die Er⸗ fahrung lehrt, großen Beyfall findet; ſo lade ich die Herren Lieb⸗ haber hiermit ein, ſich ferner an mich zu wenden, indem ich in eigener Perſon die Einkäufe meiner leoniſchen Race auf dem claſſiſchen Boden Spaniens machte, und durch die ſorgfältigſte In⸗ zucht die Originalität ihrer Abſtammung ſowohl als die Origina⸗ lität ihrer vortrefflichen Eigenſchaften in meiner Thereſienfelder Stammſchäferey erhalten wird; daher dieſe Thiere für jeden Ken⸗ ner und Naturforſcher ein doppeltes Intereſſe gewähren, erſtens weil ſie von dem Augenblick ihres Ankaufs aus den vorzüglichſten leoniſchen Wanderherden Spaniens bis zu dieſem Augenblick unter 8 meiner unmittelbaren Leitung geſtanden ſind, folglich ſolchen nicht der Vorwurf gemacht werden kann, daß keine authentiſche Stammbaume darüber vorhanden ſind, und zweytens, weil ſie nicht direct, oder aus Beſorgniß, militäriſch tumultuariſch, mit offener Gewalt geraubt zu werden, unter einander gemiſcht und verpaart wurden, dann erſt aus der zweyten, dritten, und öfters noch weiterer Hand, ehe ſie den deutſchen Boden ſahen, aus Spanien hierher gekommen ſind. Dieſe Beſorgniſſe ſind in mei⸗ ner Stammſchäferey alle überflüſſig, und ich gehe wegen der Reinerhaltung des Blutes ſo vorſichtig zu Werke, daß es ange⸗ nommener, unabänderlich eingeführter Grundſatz bey mir iſt, auf keine Filial⸗Schäferey mehr, als Einen Schafſtamm zu überlaſſen, damit, wo ich nicht gegenwärtig ſeyn kann, nicht leicht eine Ver⸗ miſchung des Blutes möglich gemacht werden könne. Drittes Capitel. Von den Stamm⸗ oder Zuwachsherden durch die Anzucht einer reinen Race. 18. Die Nothawendigkeit reiner Stammſchäfereyen von ori⸗ ginellen Eigenſchaften, in welchen ſich von väterlicher und mütter⸗ licher Seite kein heterogenes Blut eingemiſcht hat, iſt zur Er⸗ zeugung der Widder das Haupterforderniß bey einer anſehnlichen Schäferey, und für jeden Beſitzer einer beträchtlichen Herde von ſolcher Wichtigkeit, daß man nicht anſtehen ſoll, wo man ſie haben kann, ſich ſolche um jeden Preis zu verſchaffen. 19. Der Vortheil davon beſteht darin, daß man mit der in der Veredlung begriffenen Herde zugleich eine kleine Stammherde von reinen Merinos⸗Müttern zu erhalten ſucht, nähmlich anfäng⸗ lich ungefähr ſo viele, als erforderlich ſind, die nöthige Zahl Böͤcke für ſeine Herde aufzuziehen, und dadurch jährlich ein be⸗ trächtliches Capital für den Einkauf der Springwidder von einem ſolchen entiſche veil ſie h, mit ht und Höfters 1, aus n mei⸗ en der ange⸗ ſt, auf rlaſeen, e Ver⸗ die nori⸗ ntter⸗ ut Er⸗ znlichen de von man ſie it der in mmharde hanfirg⸗ ige 3ohl ein be⸗ on einem 9 unzweifelhaften Urſtamme und den erforderlichen Eigenſchaften der Wolle in Erſparung zu bringen. Der Schäfereybeſitzer ſetzt ſich dadurch in ſo fern ſicher, daß er bey ſeinen Einkäufen durch Kreu⸗ zung oder Auffriſchung mit keinen Widdern von einer dunkeln und zweifelhaften Abkunft betrogen werden kann; er gewinnt den Vor⸗ theil, daß er ſich die beträchtlichen Auslagen für die nöthigen Zuchtböcke ſeiner Herden nach und nach erſpart; kann in dem Verhältniß, als ſich ſeine Stammherde vergrößert, ſeine veredelte vermindern, und dadurch die gehabten Vorauslagen für jene nach und nach mit hohen Procenten hereinbringen; endlich aber bey erreichter Vollzähligkeit ſeiner Stammherde einen auf ſolide Grund⸗ ſätze berechneten einträglichen Viehhandel mit ſeinen überzähligen Stammſchafen betreiben, indem es bekannt iſt, daß man ſich nicht ſo leicht durch die Kreuzung zu einer conſtanten Schäferey ſchwingen kann, man daher in dieſen Umſtänden auf die Bockan⸗ zucht Verzicht leiſten, und ſie Schäfereyen von ganz reiner Ab⸗ kunft, nach längern Erfahrungen, endlich wird allein überlaſſen müſſen. 20. Eine Einrichtung von dieſer Art erfordert zwar anfäng⸗ lich ein kleines Anlage⸗Capital, das ſich aber mit Wucher verzinſet; die größte Schwierigkeit beſteht aber gewöhnlich darin, ein derley echtes Vieh von reiner Race in der Nähe zu finden, dann muß man ſolche aus der Ferne hohlen laſſen; in dieſem Falle ſind das Riſico und die damit verknüpften Reiſekoſten etwas beträcht⸗ licher, dieſes alles aber kommt mit dem dadurch zu erzielenden permanenten Nutzen in keinen Vergleich⸗ 21. Derley Merinos laſſen ſich bis in ein ſehr hohes Alter zur Zucht verwenden, und ich beſaß ſelbſt Thiere von dieſer Art, welche bis in das 14.— 15. Jahr Lämmer erzeugten. Man kann überhaupt nur von jenen Thieren hoffen, daß ſie eine lange Lebensdauer haben werden, welche von ganz geſunden und vollkommenen Altern erzeugt worden ſind, wenn ſie in ihrer erſten Jugend durch eine hinlängliche, homogene Nahrung nicht zu Schwächlingen, ſondern ohne angeerbte Gebrechen zu geſunden 10 Thieren ausgebildet worden ſind. Dieſe gewöhnen ſich bey einer nicht zu ſchnellen Umſiedelung gar bald durch eine angemeſſene Pflege an fremde Himmelsſtriche und an die damit verknüpften Ungemäch⸗ lichkeiten der Witterung. Aber nicht genug kann man die Herren Herdenbeſitzer ermahnen, anerkannt echtes Vieh zu kaufen, weil der gute Effect ganz allein davon abhängt. In derley Racen kann man ein ſolches Capital anlegen, in— dem ſie eine bey weitem größere Gewinnſumme von einem beſtimm⸗ ten Stück Landes in einer beſtimmten Zeit abwerfen, als von einer Race, die minder wichtige Eigenſchaften hat. 22. Die Vermehrung des reinen Stammes geht ſchnell, ſehr ſchnell, wie aus nachſtehender Berechnung zu erſehen iſt, vor ſich, wenn man durch gute Wartung und Pflege, um die Mut⸗ terſchafe als Zweyſchaufler zur Nachzucht verwenden zu können, kräftig genug heranwachſen macht. Ich nehme an, daß die leoni⸗ ſchen Merinos-Schafe neun bis zehn Jahre lang zur Nachzucht verwendet werden*), und die Hälfte der Lämmer weibliche ſind, daß der Anfang mit 50 zweyjährigen geſunden und ſtarken Mut⸗ terſchafen gemacht wird, daß endlich 4 Procent von Lämmern jährlich weniger mit Inbegriff der gelt bleibenden Mütter, und 4 Procent weniger in Betreff der Sterblichkeit in Rechnungsem— pfang genommen werden. Der Beſtand im erſten Jahr: 50 zweyjährige Mutterſchafe und 2 Widder, dieſe erzeugen im Spätherbſt Mutterlämmer 24 Stück und Widderlämmer....... 24 St. Widder Fürtrag 24 St. Widder *) Ich beſitze einen kolbichten Widder, der 19 Jahre alt iſt, und vo⸗ riges Jahr noch 26 Mutterſchafe belegte, aber bald darauf einge⸗ gangen iſt. nach Abzug de 48 Mutterſchafen Übertrag. 24 St. Widder Im zweyten Jahr: s Umſtandes in 24 Mutterjährlingen 23 Mutterlämmern, und eben ſo vielen Widder⸗ lämmern 95 St. 2*⁴*⁴ 2* 2⁴ 2.*. Im dritten Jahr: 70 Mutterſchafe 25 Mutterjäͤhrli 33 Mutterlämm 126 St. 90 Mutterſchafe 31 Mutterjährli 45 Mutterlämm 154 St. 116 Mutterſchafe nge er... 2..⁴..⁴ Im vierten Jahr: nge er*...... Im fünften Jahr: 41 Mutterjährlinge 56 Mutterlämmer....... 213 St. 151 Mutterſchafe Im ſechſten Jahr: 7 54 Mutterjährlinge, 72 Mutterlämmer. 277 St. 197 Mutterſchafe Im ſiebenten Jahr: 7 69 Mutterjährlinge, 95 Mutterlämmer...... 361 St. Fürtrag * *. 23 43 56 345 St. Widder Üübertrag 345 St. Widder Im achten Jahr: 256 Mutterſchafe, 91¹ Mutterjährlinge, 125 Mutterlämmer...... 125— 470 St. Im neunten Jahr: 333 Mutterſchafe, 118 Mutterjährlinge, 160 Mutterlämmer...„.... 160—— 611 St. Im zehnten Jahr: 453 Mutterſchafe, 154 Mutterjährlinge, 208 Mutterlämmer........ 208—— 795 St. Muͤtter 836 St. Widder 23. Dieſe Stammſchäferey von 50 Mutterſchafen und 2 St. Widdern würde ſich alſo in zehn Jahren bey aufmerkſamer Be⸗ handlung und guter Ernährung in günſtigen Umſtänden bis auf 795 St. weiblichen Geſchlechts vermehren, und überdieß noch 836 St. Widder, theils zum eigenen Gebrauch für die Stammſchäferey und zur Auffriſchung und Durchkreuzung der veredelten Herden, theils zum Verkauf, liefern können. 24. Nimmt man bey bloß veredeltem Vieh den praktiſchen Fall an, daß die Mutterſchafe bey guter Haltung 6 Lämmer tra⸗ gen, ſo fängt nach dieſer Berechnung die Ausbrackung im ſieben⸗ ten Jahr an, wo ſodann die Einſtammung der 50 St. Mutter⸗ ſchafe und 2 Widder vom erſten Jahr in Ausgabe gebracht werden, und ſich das Verhältniß des Zuwachſes für die ſpätern Jahre von ſelbſt ergibt. de Atl w d geiſni R dens. v 3 4 giagt Cü er ni 84 un i din geſms ührt n ſem lzit Otidm geig 3. leitge ka h t. Widder 2St. er Be⸗ bis auf och 856 ſchäferey Herden/ graktiſchen mmer tra⸗ Gim ſieden⸗ Mutter⸗ ͤt werden⸗ Jahre von Biertes Capit el. Vom Schafhandel. 25. Der Grundbeſitzer hält edle Schafe, nicht allein des Wollertrages, ſondern auch der Anzucht und des Viehverkaufes wegen, und um beyde Zwecke, näͤhmlich Anzucht und Wollertrag, gemeinſchaftlich mit einander zu benutzen. 26. Der Viehverkauf zerfällt in vier Claſſen, nähmlich in den Verkauf des Zucht⸗, Ausmuſter⸗, Brack⸗ und Maſt⸗ viehes. 27. Wo die Local⸗Umſtände den Handel mit Zuchtvieh be⸗ günſtigen, da überſteigt der Gewinn desſelben jenen der andern Claſſen des Verkaufviehes, ja in der Regel auch jenen des Woll⸗ ertrages der ganzen Schäferey um Vieles. 28. Da in dieſem Falle das Erziehen geſunder, kräftiger und dem Auge wohlgefälliger Thiere Hauptſache iſt, ſo iſt auch eine dieſen Zweck erreichende, reichliche, kraftvolle Ernährung mit geſundem, homogenen Futter das einzige Mittel, welches, mit übriger umſichtiger Wartung vergeſellſchaftet, allein ſicher zu die⸗ ſem Ziele führen kann; denn ſchlecht und kümmerlich genährte Stammältern können nur eine ſchwächliche, und keine organiſch⸗ geſunde Nachzucht erzeugen. 29. Das Brack⸗ und Ausmuſtervieh macht ebenfalls bey vie⸗ len Schäfereyen eine ſo bedeutende Einnahme, als der Wollver⸗ kauf, aus; darunter ſind meiſtens die überzähligen Schafe be⸗ griffen. Die Schäͤfereybeſitzer pflegen in der Regel nicht nur die ältern Mutterſchafe und Hämmel, ſondern auch jüngeres Vieh von den mindeſten Eigenſchaften aus ihren Herden, und auch feh⸗ lerhaftes Vieh darunter zu verſtehen und zu verkaufen. 30. Gewöhnlich und in der Regel geſchieht die Auswahl der zu verkaufenden Ausmuſterſchafe vor der Schur, weil ſich das Vieh in der Wolle in Hinſicht ſeiner Qualität am beſten beurtheilen 14 läßt, und es dem Schäfer in dieſer Jahrszeit im friſchen Anden— ken iſt, welche Schafe heimliche Fehler beſitzen, z. B. ſchlechte Saͤugerinnen oder Monathreiter ꝛc. ſind.. 31. Von vollzähligen Schäfereyen, die ihren Überfluß jähr⸗ lich verkaufen, und in der Regel jährlich Vieh weggeben müſſen, kauft man größten Theils fehlerfreyes Zuchtvieh, oder doch nicht mit vielen Fehlern begabtes Ausmuſtervieh, das noch zur fernern Zucht verwendet werden kann, indem in dieſen Verhältniſſen der Viehverkauf eine ſtehende, feſte Einnahme in den Wirthſchafts— empfängen begründet. 32. Wo hingegen bloß Fleiſch⸗ oder Brackvieh, das zur fernern Zucht nicht mehr ſchicklich iſt, ausgemerzt wird, da wird ſolches entweder halb mager oder es wird gemäſtet verkauft; und da das fette Vieh jederzeit eine ſehr geſuchte Waare iſt, und das, magere damit in keinem Verhältniß des Preiſes ſteht, ſo ſucht jeder kluge Eigenthümer, wenn er in der Lage iſt, ſich dieſen Vortheil ſelbſt zu Nutze zu machen, dieſen bedeutenden Gewinn nicht Andern zukommen zu laſſen. 33. Die Maſtung iſt, wo ſie förmlich betrieben werden kann, als ein eigener Zweig einer Schäferey anzuſehen, wodurch manche Gattung von Futter kann verſilbert, und der Düngerhaufen ver⸗ größert werden. Sie hat den Zweck, die thieriſchen Grundkräfte des Körpers hervorzuheben, zu vermehren, und zu verbeſſern, indem die feſten Theile ausgedehnt, die Gefäße und Zellen mit Säͤften, hauptſächlich mit Fett und Gallerte, angefüllt werden. Durch die Maſtung wird Fleiſch und Fett erzweckt. Jenes, als die Grundlage eines Maſtthieres, bildet ſich durch eine lang— ſame, vollkommene Ausbildung der Säfte, und durch minder nahr⸗ haftes Futter und langſame Bewegung; dieſes entſteht in den Zellen des Fleiſches und andern Räumen des Körpers, hauptſäch⸗ lich nur von ſehr nahrhaftem Futter, von Ruhe und Schlaf. Bey der Stallmaſtung hat man zu beobachten, daß hinſicht⸗ lich der Kartoffeln oder Rüben täglich, je nachdem das zu mäͤſtende Vieh groß oder klein iſt, für einen Hammel nebſt etwas Hafer Wm 8 fu t ftaia daß de voniſti N neriqni denns dge duua. A gn d de demi deen ſen i dem ii äbſti d man g als bat den Anden⸗ B. ſchlehte erfluß jähr, den müſſn, doch nict zur fernern ltniſſen der zirthſchafte⸗ h, das zur , da wird kauft; und t, und das ſucht jeder / Vortheil einn nicht den kann, ch manche aufen ver⸗ rundkräfte verbeſſern, Zellen wit werden. ackt. Jenes/ ˖eine lang⸗ minder nahr⸗ tſteht in den a, haubtſäc⸗ Sclaf. daß hinſcht⸗ 33u mäſtende enuas Hafer 15 oder Schrot und gutem Heu, 5 bis 4 Pfd. von derley Wurzel⸗ gewächſen gefüttert werden können; jedoch ſoll den Schafen auf jede Fütterung mit Erdäpfeln, die, im Übermaß gefüttert, die Verdauung ſtoren und Abweichen verurſachen, etwas Heu oder Futterſtroh gegeben werden. Auch darf man wohl bey trockener Fütterung den Schafen, um ihnen Durſt zu verurſachen, Salz zu lecken geben; bey ſtarker Erdäpfelfütterung habe ich dieſes aber nachtheilig gefunden, indem das Organiſationswaſſer der Erdäpfel ſowohl als das Salz auflöſen, und wenn das Vieh bey dieſem Futter durch Salz zum Saufen gereizt wird, ſo iſt ein hartnäcki⸗ ges Abweichen unvermeidlich, wodurch in der Maſtzeit viel Zeit verloren würde. In Ermangelung des Brannrweinſpülichts müſſen die Maſthämmel bey trockener Fütterung dreymahl reines, friſches Waſſer erhalten. 54. Jede Art Futters muß in kleinen Portionen und öfters für ſich allein den Tag hindurch gefüttert werden, um die Ge— fräßigkeit dieſer Thiere zu reizen. Man nimmt in der Praxis an, daß das doppelte Quantum von Kleyen ungefähr die Futterkraft von Hafer oder Gerſtenſchrot beſitze. Will man Eicheln, Buchnüſſe, Kaſtanien ꝛc. nach geſchehe⸗ ner Einſammlung zur Maſtung verwenden; ſo iſt es am beſten, dieſe Samen entweder auf einem ſehr trockenen und luftigen Bo— den, oder auf Obſtdörren, oder in Backöfen zu trocknen, wo⸗ durch das Keimen verhindert wird, nachher ſolche zum Gebrauch auf einer Mühle zu ſchroten, und mit Häckſel zu verfüttern. 55. Branntweinſpülicht, nähmlich die Flüſſigkeit, welche von dem Abbrennen einer Blaſe Branntwein übrig bleibt, und aus den Überbleibſeln der Hefen, des Getreides, des Schrotes und des unverdampften Waſſers beſteht, iſt zwar, nachdem ſeine we⸗ ſentlichſten Beſtandtheile in Weingeiſt umgewandelt worden ſind, dem Vieh nur eine ſehr unkräftige Nahrung, die den Körper her⸗ abſtimmt, phlegmatiſch und ſchwammig macht; deßhalb wird es, wo man die Gelegenheit dazu hat, auch bey den Maſtſchafen ſowohl als bey anderm Maſtvieh mit Nutzen verwendet, beſonders bey al⸗ ten Thieren, die ſchon harte Faſern, trockenes, holzichtes Fleiſch haben, das wenig Verwandtſchaft mehr zum Fette verräth. Die wirkende Eigenſchaft dieſer Fütterung, die übrigens nie heiß, ſondern nur lauwarm dem Vieh dargereicht werden darf, iſt aus der Erfahrung zur Genüge bekannt, und kann nicht allein bey dem Maſtvieh, ſondern auch, jedoch mit be⸗ ſonderer Vorſicht, bey den Lämmerſchafen als ein wohlfeiles Surrogat des Heues, mit Stroh vermiſcht, als Beyfutter, aber ja nicht als Hauptfutter, verwendet werden; jedoch müſſen bey der Maſt die Raufen mit gutem Heu, ſo viel das Vieh aufneh— men will, zu beſtimmten Stunden in kleinen Portionen angefüllt werden: nur darf man das Futter nicht ſchonen, wenn es ſich be⸗ zahlt machen ſoll, indem eine ſchnelle Vollendung und ein öfterer Umſatz des Geldes das Vortheilhafteſte bey dieſem Geſchäft iſt. Die Quantität des Häckſels beſtimmt, wie viel einem Schaf zur bloßen Ernährung oder zur Maſtung verabreicht werden muß; zur erſtern ſind beyläufig zwey Maß gutes Branntweinſpülicht, mit anderthalb Pfund Häckſel vermengt, für Schafe von mittelmäßiger Größe hinreichend; bey der Maſtung muß man aber den Bedarf nach andern Surrogaten, die zu dieſem Behufe verwendet wer⸗ den, einrichten. 36. Man kann bey dieſem Geſchäft nicht vorſichtig genug ſeyn, die größte Reinlichkeit in den Gefäßen zu beobachten, in⸗ dem ſolche ſehr leicht verſäuern, einen widerlichen Geruch anneh⸗ men, welches dem Vieh Ekel verurſacht, und ſchädlich wird, denn das Schaf iſt außerordentlich ekel, und alles, was man ihm zur Nahrung gibt, muß ſehr rein ſeyn. Die zur Maſtung beſtimm⸗ ten Thiere müſſen ihre volle Größe erlangt haben, und wenigſtens drey Jahre alt ſeyn, indem ſie ſonſt ſchwer aufnehmen. 37. Ein ausgewachſener Schöps, der bey 70 Pfd. ſchwer iſt, frißt täglich 14— 18 Pfd. Krautblätter oder 3— 4 Pfd. Erd⸗ äpfel und etwas Heu, oder auch gegen 5 Pfd. Heu allein, und nimmt wöchentlich circa 12 Pfd. an Fleiſch und Wolle zu. Hat nun das Fleiſch z. B. einen Werth von 16 kr., ſo betraͤgt die Werth⸗ htes Fleiſch räth. ie übrigens icht werden und kann och mit be⸗ wohlfeiles futter, aber müſſen bey ieh aufneh⸗ en angefüllt in es ſich be⸗ ein öfterer Geſchäft iſt „Schaf zur muß; zur ülicht, mit ttelmäßiger den Bedarf endet wer⸗ htig genug achten, in⸗ ruch anneh⸗ wird, denn man ihm zut zung beſtinm⸗ und wenigſen nen. Pfd. ſöver -4p d u allein/ und le zu. Hat nun „MN 5 gt di Ba 17, vermehrung des Thieres wöchentlich 24 kr. In einer Woche ver⸗ zehrt dasſelbe Centner Heu, und nimmt dadurch um 24 kr. an Werth zu, folglich rentirt ſich der Centner Heu, ohne Salz und Streu, aber auch ohne Dünger, durch dieſe Ver wendung au rfl. 40 kr.; und eben ſo hoch würden auch die Krautblätter, Erd⸗ äpfel oder gelben Rüben zu ſchätzen ſeyn, vorausgeſetzt, daß die nähmliche Gewichtszunahme Statt habe. Dieſes iſt die Art, wie man die Werthſchätzung der verſchie⸗ denen Producte aus ihren Wirkungen beſtimmen kann. Fuͤnftes Capitel. Vom Melken und vom Milchhandel. 38. Sowohl phyſiologiſche Grundſätze, als auch die Erfah⸗ rung beweiſen, daß das Melken der Veredlung der Schafe und der Verbeſſerung ihrer Wolle, wo das Hauptaugenmerk der Schä⸗ ferey auf dieſen Gegenſtand gerichtet wird, ſchädlich iſt. Es kann alſo bey Merinos⸗Schäfereyen keine Rede davon ſeyn. Bloͤß bey den ſchweren, großen Fleiſchſchafen, die des Flei⸗ ſches und nicht der Wolle wegen auf tiefern, analogen Fettweiden leben und gehalten werden, kann das Melken, wenn es nicht zu lange anhält, ohne Schaden des Fleiſches und der Race mit Vor⸗ theil Statt finden. Wo man aber feine, edle Wolle erzeugen und derley Racen verbreiten will, darf dieſes aus leicht begreiflichen Urſachen nicht geſchehen. 59. Ein mittleres Schaf liefert täglich, wenn es friſchmel⸗ kend iſt, beyläufig ein halb Seidel Milch, und dieſe iſt reicher an Käſe⸗ und Buttertheilen, als die Kuhmilch; aber die aus der Kuh⸗ und Ziegenmilch abgeſchiedene Butter iſt feſter, als die von der Schafmilch. Auch an Käſetheilen iſt die Schafmilch die reichſte, auf ſie folgt die Ziegenmilch und dann die Kuhmilch. Man macht gegen das Melken der Schafe folgende Haupt⸗ einwürfe, welche in Hinſicht der Grundſätze zur Vervollkommnung der Zucht allerdings ſehr gegründet ſind: a) die Veredlung bey II. 2 18 einer Herde, die man melket, geht ſicher langſamer vorwaͤrts, als bey einer andern, die nicht gemolken wird; b) die Wolle ver⸗ liert an Geſchmeidigkeit und Kraft, folglich auch an Gewicht, und die Tücher an Dauerhaftigkeit dadurch; c) die Krankheiten und die Sterblichkeit der Nachzucht werden dadurch vervielfältigt, da im Gegentheil durch das längere Säugen an der Mutter die Lämmer kräftiger aufwachſen, und dadurch vor dem Kümmern und vor vielen Krankheiten geſchützt bleiben. Bey veredelten Schafen kann daher die geringe Milchnutzung, wenn man die ſchädlichen Folgen berechnet, nicht Erſatz leiſten. Sechſtes Capitel. Vom Dünger⸗Gewinn. 41. Obgleich eine Schäferey als ein Ganzes für ſich anzu⸗ ſehen iſt, ſo erhält ſie doch Futter und Geſtröh aus den Zweigen des Ackerbaues, und gibt dieſem den Dünger dafür zurück. Sie iſt daher in der Regel ein Theil einer ganzen Wirthſchaft, wo alle damit in Verbindung ſtehende Zweige in harmoniſchen Einklang gebracht werden müſſen. 42. Der Dünger wird gewöhnlich jährlich zweymahl, nähmlich im Herbſt und im Frühjahr, aus den Stallungen gleich auf die Fel⸗ der ausgeführt, und wenn man bedacht iſt, durch die Streu den Schafen jederzeit ein reines und trockenes Lager zu verſchaffen, ſo iſt dieſer alte Gebrauch auch unſtreitig der beſte, indem dadurch nicht nur die für die Geſundheit der Schafe ſchädlichen Dünſte un⸗ terdrückt bleiben, ſondern auch bey der Rührung des Schafmi⸗ ſtes— ihn nach dem Antrage einiger Theoretiker in Dunggruben zu transportiren und mit ſchwächerem Dünger zu vermengen— die Arbeitskoſten vermehret, und die ammoniakaliſchen und andern flüchtigen Theile durch das öftere Rühren verflüchtiget werden. 45. Nach Rückert enthält 1 Centner Schafmiſt 8 Pfd. A 2 genne am ut ſtre ſu run ji dan hu han. Ja m Vann 1 Huam 8 geln welag Die nuneh Heu 3 Vaſta 90, S auch ine orwirts, dolle ver⸗ Gewiht, ankheiten ſielfältigt, Nutter die mern und hnutzung, leiſten. ſich anzu⸗ Zweigen Sie iſt wo alle Einklang nähmlich uj die el⸗ Streu den ſſchaffen ſo dem dadurc Dünſte un s Schafni⸗ Dunggruben dengen— ii und andern et werden. fwiſt R. 19 9 Loth Kalkerde, 1 Pfd. 7 ¼ Loth Bittererde, 4 Pfd. 3 † Loth Autrdrde 29 Pfd. 5 ¾ Loth Kieſelerde, 1 Pfd. 7 ½ Loth Eiſen, 2 Pfd. 14 Loth Ohl, 6 Loth 2 ½ Quent. Gyps, 4 ¼ Loth Vitriol⸗ weinſtein, 9 Loth 1¾ Quent. vegetabil. Laugenſalz, 2 Loth 52 Quent. Kochſalz. Je beſſer das Schaf genährt wird, um ſo, ani⸗ maliſcher ſind auch ſeine flüſſigen und feſten Excremente, indem ſie beym Durchgang durch den Darmcanal mit denjenigen Stoffen zugleich geſchwängert werden, welche durch den thieriſchen Orga⸗ nismus verbraucht und abgeſtoßen worden ſind, und bey reichliche⸗ rer Fütterung ein größerer Theil der Nahrung, als bey karger, unzerſetzt wieder abgeht. Kraftloſe und kärgliche Nahrung bewirkt ganz das Gegentheil. 44. Wieviel ein Schaf jährlich Dünger erzeuge, haͤngt in Anſehung der Menge von dem Quantum der N ahrung und der Streu, und in Anſehung des Kraftgehaltes von der Qualität des genoſſenen Futters ab, das man nebſt der dazu verwendeten Streu am ſicherſten ausmitteln kann, wenn alles Futter und alle Ein⸗ ſtreu auf trockenes Gewicht zurückgebracht, und nach der Ernäh⸗ rungsfähigkeit berechnet wird; indem es ſich bey der Dünger⸗Pur⸗ ganz auch um die Wirkung, und nicht um das täuſchende Gewicht handelt. Auch handelt es ſich darum, ob die Schafe das ganze Jahr im Stalle oder ein halbes oder drey Vierteljahr auf der Weide ernährt werden, und nur Mittags und des Nachts zu Hauſe ſind. 45. Thaer hlält in ſeiner Geſchichte der Wirthſchaft von Möglin(§. 166) dafür, man müſſe das verfütterte Heu und die gerade zureichende Menge von Streuſtroh mit 2 multipliciren, wenn man das Gewicht des gewonnenen Düngers wiſſen wolle. Die ſaftigen Futtergewächſe will er erſt auf ihren relativen Fütte⸗ rungswerth gegen Heu gebracht wiſſen, nach welchem 100 Pfd. Heu gleich ſind: Kartoffeln 200, Runkeln 460, Krautrüben 350, Waſſerrüben 525, Möhren 266, Weißkohl 600, junges Kleinheu 9⁰, Wickenheu 90, Luzerne und Eſparſettheu 90 Pfd., und dann auch in dieſem Verhältniß Dünger geben. 200 Pfd. Kartof⸗ N 20 feln, oder 525 Pfd. Rüben, oder 100 Pfd. Heu, würden alſo gleich viel Dünger geben*). 46. Bey ſtrenger Stallfütterung liefert ein Schaf jährlich, nach Maßgabe ſeiner Größe, 8 bis 10 Centner animaliſirten Duͤn⸗ ger. Wenn man daher nach dem Verhältniß, als dieſe Thiere&, ,& Monathe auf der Weide ernährt werden, davon die Zeit abrechnet, welche ſie während der Weidezeit des Mittags und Nachts im Stalle oder im Schafhofe zubringen, und der Duͤnger⸗ erzeugungszeit zu Gute rechnet: ſo findet ſich nach Maßgabe des Klima die Stalldüngererzeugung, wornach ſich die Dünger⸗Pro⸗ duction auf ein einzelnes Stück leicht berechnen läßt. Da die Düngermaterie in meiner herausgegebenen Philo⸗ ſophie des Ackerbaues, die in allen Buchhandlungen zu finden iſt, ausführlicher behandelt iſt, und ich darin ein ganz neues Düngerſyſtem aufgeſtellt habe: ſo enthalte ich mich, ſie hier näher anzuführen, und mache meine Leſer nur darauf aufmerkſam. Siebentes Capitel. Vom Einkauf der Zuchtſchafe. 47. Bey dem Einkauf des Viehes hat man auf eine geſunde, fehlerfreye Beſchaffenheit desſelben zu ſehen, nähmlich, daß das Schaf den Kopf hoch trage, lebhafte Augen, eine trockene Schnauze, feuchte, aber reinliche Naſenlöcher, einen guten und leichten Athem, eine ſehr feſtſitzende Wolle, welche Stärke beſitzt, und ſich nicht leicht zerreißen läßt, feſte und kraftvolle Füße, eine weiche, rothe Haut, und beſonders rothe Adern in den Augen habe. Man muß ferner alle Sinne in ſpähende Thätigkeit ſetzen, um nichts zu *) Ich verweiſe meine Leſer hierüber auf meine„phyſiologiſch⸗compa⸗ rativen Verſuche über die Nahrungskräfte und Eigenſchaften der Futterpflanzen,“ und auf meine„Philoſophie des Ackerbaues, Wien 1824.“ Beyde Taſchenbücher ſind in allen Buchhandlungen zu finden. überſe genſte nicht aufgt fref nichn Grei undu Kopu haun beha Naßh gerg keirit trocl aus manat Bruh Hanzin Seit ſe verm zn gleich nenſii Man dun g helh 4 pfeng guth bild gehett werd das fn Zihn belegt t den alſo führi, ten Din⸗ Thiere d, die Zeit ttags und r Dünger⸗ gabe des unger⸗Pto⸗ n Phild⸗ dlungen zu ein ganz h, ſie hier ufmerkſam. nie geſunde/ h/ daß das e Schnaue, hten Athem⸗ und ſich nicht weiche/ vihe be. Man muh um nihhts zu ologiſh nnne igenſchaften de lckerbautz Vien lungen uſ en. 21 überſehen, und bemerken, ob bey Annäherung eines fremden Ge⸗ genſtandes die Schafe eine rege Aufmerkſamkeit äußern; oder ob nicht mehrere ganz ſorgenlos alles um ſich geſchehen laſſen, ohne aufgeregt zu werden; ob nicht einige den Kopf hängen, ohne zu freſſen; ob das Spiel mit den Ohren gehörig ausgeübt werde oder nicht, oder ob ſolche ſchlaff herabhängen; ob ſie friſch über kleine Gräben ſpringen; ob ſie durch eine frohe, laute Stimme Kraft und Geſundheit verrathen; ob keines forttrabe, und über den Kopf zuſammenſtürze; ob nicht einige mit den Hinterfüßen ſich hauen, und an den Wänden ſich reiben; ob ſie nach dem Freſſen behaglich wiederkauen; ob ſie ſanft oder mit weit aufgeſperrten Naſenlöchern, oder mit einer ſtark ſichtbaren Bewegung der Hun⸗ gergrube und des Bauches geſchwind oder langſam athmen; ob kein verdächtiges Huſten ſich äußere; ob der Huſten locker oder trocken, leicht oder beſchwerlich, von einem oder keinem Auswurfe aus der Naſe begleitet ſey, nicht widrig ſtinke ꝛc.; ob, wenn man die beyden Hände hinter die Schultern zu beyden Seiten des Bruſtkorbes eines verdächtigen Schafes legt, der Schlag des Herzens nicht, oder nur an der linken oder auch an der rechten Seite fühlbar ſey, ob er der Zahl nach mehr beſchleuniget, oder vermindert ſey, ob er der Zeit und Stärke nach gleich, oder un⸗ gleich ſich ausnehme, oder ſelbſt ausſetze; ob ſich überhäufte Thrä— nenfeuchtigkeit aus den Augen ergieße, und ſolche eine eiterartige Materie an den Augenwinkeln bilde; ob der abgehende Harn dünn oder zähe, ſchäumend, hell, durchſichtig, braun, oder waſſer⸗ hell, oder trübe, oder mit Blut vermengt ſey; ob die letzten Tro⸗ pfen ausgepreßt werden, oder nur langſam abſiekern; ob der Miſt gut oder ſchlecht verdaut ſich zeige; ob er feſt oder mehr feucht ſich bilde; ob er mit Schleim umhüllt, oder dünn und ſtinkend al— gehe; ob der Miſt oft oder ſelten, leicht oder mit Zwang abgeſetzt werde; ob die Schnauze blaß oder roſenroth, feucht oder trocken, das Zahnfleiſch welk oder blaß, hochroth oder gelb ſey; ob die Zähne feſt oder locker ſiten; ob die Zunge rein oder mit Schleim belegt ſey; die Wolle feſt oder locker auf der Haut ſitze; ob die Thiere mager oder beleibt ſind, oder etwa ein Theil des Körpers beſonders hagere; ob Vorfälle, Brüche, oder Knochenbrüche durch das Geſicht oder Gefühl zu entdecken ſind; ob man keine Blattern oder Geſchwüre finde; ob die Wolle von einer fetten Feuchtigkeit durchaus durchdrungen ſey; ob die Thiere begierig freſſen; ob nicht Schafe darunter ſind, welche öfter und mehr als andere ſaufen; ob ſie einen geſunden, geruchloſen Athem haben; ob man den Schlag des Herzens ausnehmen könne; ob ſie wohlbeleibt ſeyen, und keine Hungergrube haben; ob ſie wenig und ſelten ſaufen; ob ſie ruhig liegend gegen zwanzig Mahl in einer Minute athmen; endlich ob die entdeckten Erſcheinungen den Koſtenaufwand zur Hei— lung der Gebrechen rathſam machen oder nicht. Auch muß man die Natur des Grundes und die Gegend genau erforſchen, von wo aus eine Herde in die andere überſiedelt werden ſoll, indem Klima, Lage und Beſchaffenheit des Bodens, ſo wie auch Nah— rung und Behandlung den wichtigſten Einfluß auf das Gedeihen des Viehes haben, und jede Umſiedelung, beſonders aus einer milden Gegend in eine rauhere, die Thiere auf einige Zeit ſchwaͤcht und angreift.— 48. Man kauft die Schafe gewöhnlich in ihrer Wolle, weil man in dieſen Umſtaͤnden die Eigenſchaft des Thieres von außen am richtigſten beurtheilen kann(ob ſie nicht allein dichte, ſondern auch Wolle von den erforderlichen Bedingungen zur Fabrication haben). Was aber die angebornen Qualitäten betrifft, ſo muß man ſich theils durch den Ruf des Etabliſſements, theils aus den Stammregiſtern ſicher zu ſtellen ſuchen, um dießfalls ſein Vor— haben, eine Race von angebornen feſten Eigenſchaften zu erhal— ten, nicht auf das Spiel zu ſetzen. Was die Wolle und ihren Werth bey derley Einkäufen betrifft, ſo wird das Nöthige im nächſtfolgenden Capitel nachgetragen werden. 49. Die Preiſe des Schafviehes ändern ſich nach den merkan⸗ tiliſchen Conjuncturen der Wolle und der übrigen Handelsartikel, und haben ſeit einigen Jahren, zugleich mit den Ackerbau-Pro⸗ ducten und allen übrigen Induſtrie⸗Gegenſtänden, eine ſtarke rück⸗ gins in La tin wilo dit i nh L I h 10 Kötyets ihe durh Blattern euchtigkei 1 odniht te ſaufen; man den eiht ſeyen, ſaufen; ob e athmen; nd zur Hei⸗ muß man ſchen, von ſoll, indem auch Nah⸗ Gedeihen aus einer eit ſchwaͤcht Volle, weil von außen te, ſondern Fabrication t, ſo muß eils aus den z ſein Vor⸗ ften zu ethal alle und ihren 3 Nöthige in h den netkn⸗ Handelzatittl 4 di Ackeibau⸗Do ine ſtak tück⸗ 23 gängige Bewegung gemacht, ungeachtet die hochveredelte Wolle in dieſem Augenblick das rettende Induſtrie⸗Product der deutſchen Landwirthe, und ihr Handel in manchen Staaten, beſonders wo wohlorganiſirte Wollmärkte zum Aufſchwung des Ackerbaues und dieſes Induſtrie⸗Productes zur Unterſtützung des Urproducenten eingeführt ſind, einer der gewinnreichſten geworden iſt. Die Preiſe der veredelten Mutterſchafe zur Zucht ſtehen der⸗ mahlen, nach dem Grade ihrer Veredlung und Güte, zu 5, 10 bis 12 fl. Conv. Münze das Stück. Die Preiſe meiner leoniſchen Merinos von reiner väterlicher und mütterlicher Abkunft, aus den Stammherden von Infan⸗ tado, Guadeloupe und Negretti, ſind im beſten Alter, ohne Unterſchied der Claſſen— indem in der Qualität keine einen Vorzug vor der andern hat— folgende: I. Claſſe das Stück 10 Ducaten in Loco Thereſienfeld. II.——— 7———— III.——— 6— 8——— 50. Auch meine original⸗ſpaniſchen Widder ſtehen dermahlen nur in den doppelten Preiſen der Mutterſchafe, Muſterthiere aus⸗ genommen, welche einen prächtigen, durch Falten und große Ko⸗ ther verſchönerten Körperbau haben, auf welchen charakteriſtiſchen Auswüchſen der Haut ſich eine Wolle befindet, die im Einklange mit der daneben ſtehenden Wolle ſteht; dieſe koſten nach Qualität wenigſtens das Doppelte, Drey⸗ und Vierfache. Dieſe Preiſe werden jederzeit mit den Zeitumſtänden auf das billigſte und in dem Verhältniß, als ſich meine Stammherden vermehren, in Einklang geſetzt, indem der Handel mit derley original⸗ſpaniſchem Schafvieh nach dem In⸗ und Auslande die Hauptrubrik meines Wirthſchaftserträgniſſes ausmacht, und mir aus dieſem Grunde daran gelegen ſeyn muß, durch billige Preiſe ſtets eine gute Concurrenz in meinem Handel zu erhalten, welches auch die Erfahrung durch den jährlich vergriffenen Vorrath bisher beſtätiget hat. 51. Dieſe billigen Preisbeſtimmungen von Widdern und 24 Mutterſchafen von unbezweifelter origineller Abſtammung, und zugleich die Garantie von meiner Seite, daß jedes Stück ½ Wolle aus den zwey Handelsclaſſen Electa und Prima erzeuge, verſichert über den Zweck der Sache alle nur zu wünſchende Befriedigung; daher lade ich alle in- und ausländiſche Herren Liebhaber der edlen Schafzucht ein, ſich ferner mündlich oder ſchriftlich in dieſen Ge— ſchäften mit ihren Aufträgen an mich zu wenden, indem meine ſämmtlichen Herden und Verkaufs⸗Widder nach der jetzigen Claſſi⸗ fication der erſten Sorten auf das genaueſte eingetheilt ſind; daher man eine ganz ſichere Baſis hat, ſich ſogar durch Briefe genau einzuverſtehen, und wenn man Zeit zu gewinnen wünſcht, ſo kann ich auch den entfernten Herren Käufern auf Verlangen, wie dieſes bisher ſehr oft der Fall war, die Lieferungen von der— ley kleinen Stammherden oder Zuchtböcken durch meine erfahrnen und vertrauten Schäfer bis zur öſterreichiſchen Gränze, oder noch weiter, gegen Erſatz der ſehr billigen Auslagen, entgegenſchicken. Für das Jahr 1825 ſind bereits ſämmtliche Mutterſchafe, bis auf wenige, und auch ſchon die meiſten Widder vorausbeſtellt. Für das Jahr 1826 ſind aber noch keine Verbindungen eingegangen worden. 52. Ich erinnere bey dieſer Gelegenheit zugleich, daß ich Vorkehrungen getroffen habe, damit der Verkauf dieſer durch die ſtrengſte Inzucht fortgepflanzten verſchiedenen Merinosſtämme aus meiner hieſigen Stammſchäferey unter meiner Firma nach meinem Tode auch von meiner Familie unverändert fortgeſetzt werde, und daß aus meiner hieſigen Merinos⸗Schäferey jährlich wenigſtens 500 Stähre und eben ſo viele Mutterſchafe nach und nach verkauft werden können. 53. Die verſchiedenen Schafſtämme werden ſich bey mir auf— fallender, als in Spanien ſelbſt, ausbilden(wofür hauptſächlich in Anſehung der Feinheit der Wolle die Erfahrung die unwider⸗ legbarſten Beweiſe liefert, indem ich dieſe bereits zu einem ſelt⸗ nen Grade durch meine Entdeckung bey den neugebornen ſpaniſchen Lämmern brachte, wovon ich im erſten Bande bereits geſprochen dabe)6 durch bi Eink n unm 90 Grug hen mi daß ui fieit it derutm theitt 11 Gerna due i allent u dahezzn. Veni zeuga g ng, und Vole verſihert iedigung: der edler dieſen Ge⸗ em meine gen Claſſ⸗ heilt ſind; icch Briefe n wünſcht, Vetlangen, mvon der⸗ erfahrnen oder noch genſchicken. e, bis auf ſtellt. Für ngegangen „ daß ich tdurch die ſämme aus ach weinem werde, und enigſtens 500 nach verkauft ben mit ai⸗ r haubtſäclih die unwider⸗ u einen ſel nan ſpaniſhen eits geſt'chen 25 habe), indem dießfalls ſchon auf dem claſſiſchen Boden Spaniens durch mich ſelbſt die zweckmäßigſte Auswahl bey den verſchiedenen Einkäufen der Stammthiere geſchehen iſt, auch hier unter meiner unmittelbaren Aufſicht die individuelle Paarung nach berechneten Grundſüätzen geleitet wird, was dort im Großen gar nicht geſche⸗ hen kann, und nirgends in Spanien die kluge Einrichtung beſteht, daß man nach den Fortſchritten des Zeitgeiſtes ſeine Herden claſſi⸗ ficirt, oder daß eigene Stammherden beſtünden, die dieſe Anfor⸗ derungen der Zeit in ſich conſolidiren, und durch ſie Andern mit⸗ theilen; da es doch bekannt iſt, welchen Einfluß und welche große Gewalt man bey einer klugen, homogenen Auswahl der Indivi⸗ duen durch die individuelle Paarung über die Form und Natur aller Thierarten ſich verſchaffen kann! Mit dieſen Geſchäften und Kenntniſſen vertraut, kann ich daher auswärtigen Staaten und allen Herren Güterbeſitzern den Verkauf meiner leoniſchen Merinos⸗Schafe auch mit innigſter Über⸗ zeugung anempfehlen. Achtes Capitel. Uberdas Verhältniß des Wollwerthesbeydem Ein⸗ kaufoder Verkauf der Wolleund der Schafe. 54. Die Zeitumſtände und Handels⸗Conjuncturen beſtim⸗ men jederzeit die genauern gangbaren Preiſe; indeſſen kann man doch das beyläufige Werthverhältniß der vier erſten Hauptſorti⸗ mente: 1. 2. 3. 4. Sortiment 12 10 8 6 als den ungefähren Unterſchied des ge⸗ genſeitigen Werthes zur Verſtändigung hier annehmen. 55. Wenn daher das zweyte Sortiment 10 werth iſt, ſo iſt das dritte ungefähr 8, das vierte 6, und das erſte 12 werth. Es iſt ſehr ſchwer und unſicher, nach einem Durchſchnitt zu überſchlagen, wieviel eine Herde von dieſer oder jener Sorte Wolle 26 liefere, wenn ſie in der Feinheit von einander verſchieden ſind, und noch keine durchgängige Gleichartigkeit in der Herde beſteht, oder wenn die Herde durch kennbare Zeichen nicht ſehr genau in Claſſen eingetheilt iſt. Ohne dieſe Vorausſetzung läßt ſich demnach kein ungefährer Überſchlag bey Ankäufen und Verkäufen machen, in welchem Werth⸗ verhältniß die verſchiedenen Claſſen der Wolle bey einer Herde wirklich gegen einander ſtehen, wozu aber in jeder Rückſicht ein ſehr geüͤbtes Auge und keine geringe Erfahrung nothwendig iſt; und je ungleichartiger und abweichender die Schafe in einer Herde gegen einander ſind, deſto mehr wird dieſes Geſchäft verwirrt und erſchwert. 56. Der redlich denkende und auf Credit haltende Urprodu⸗ cent iſt in der Lage hier, dem Käufer von Rechts wegen alle er⸗ forderliche Aufſchlüſſe zu geben; z. B. ihm genau anzuzeigen, aus wie vielen Häuptern aus der 1. 2. 5. ꝛc. Sortiments⸗Claſſiſication ſeine Herde beſtehe. Wenn ich Käufer wäre, ſo würde ich nicht anders handeln, als gegen die ſchriftliche Einhändigung dieſer Sortiments⸗Claſſification von Seite des Verkäufers. Denn mit ſo viel Zuverſicht bey mir ein entfernter Käufer einen Zuchtwidder, z. B. aus der dritten oder vierten Sortiments⸗Claſſe verſchreiben kann, und berechtiget iſt, aus dem bey mir eingeführten Woll⸗ ſchema genau einen ſolchen zu empfangen, mit eben der Zuverſicht und dem nähmlichen Recht muß der Wollkäufer den gewiſſenhaften Ausweis meiner zu verkaufenden Wolle, auf eben dieſe Sorti⸗ ments⸗Claſſification geſtützt, verlangen, und ſicher darauf bauen können. Wer anders denkt und handelt, betriegt ſich ſelbſt. 57. Nach Herrn Wagner muß es ſchon eine ſehr feine Herde ſeyn, deren Wolle ſich in folgende Sortimente theilen ſoll: 1. 2. 3. Claſſe. Weißer und gelber Abfall. 8 2 1 1 3 1 2 1 2 1 2 1 2 Herr Staatsrath Thaer erklärt mit großer Umſicht, daß eine ſehr hochedle Herde dazu gehört, die Electa,£ Prima und fiea FI un I. t 101— Cünr demd dema Uucphe hoſthe: daml wetet (Can. k kamr In 4 eden ſind, de beſteht, rgenau in ungefährer hem Werti⸗ einer Herde Kückſicht ein wendig iſt; einer Herde verwiert und de Urprodu⸗ gen alle er⸗ zzeigen, aus Laſſißcation de ich nicht zung dieſer Denn mit uchtwidder, verſchreiben zrten Wolſ⸗ Zuverſicht wwiſſenhaften dieſe Sort⸗ datauf bauen ſ ſelbſt. ir feine herde len ſoll: all. — Unſiht, daß 5 Rei tta, Nüina 27 und. Secunda⸗Wolle liefert(nach meiner Sortiments⸗Claſſi⸗ fication Electa I. II. III.; 4. und 5. Sorte oder Prima I. und II.; 6. Sorte oder Secunda). Ich kann dieſes um ſo mehr beſtätigen, indem ich ſchon ſeit 10— 12 Jahren meine hieſige Wolle, kaufmänniſch ſortirt, in Commiſſion im Auslande verkaufen ließ, und mit den Erfahrungen des Herrn Staatsrath Thaer viel näher, als mit den Angaben des Herrn Wagner zuſammentreffe. Ich vermuthe aber, daß der Unterſchied bey Herrn Wagner, deſſen große Wollkenntniſſe ich hoch verehre, und dem ich vieles zu danken habe, daher rührt, daß das ältere(Frankfurter) Sortiment darunter zu verſtehen iſt, in welchem man aus der vierten(Supra Prima) noch keine dritte (Electa⸗Wolle) auszuſcheiden veranlaßt geweſen iſt. Ich erhalte nähmlich im Durchſchnitt nach niederländiſcher kaufmänniſcher Sortirung beyläufig: 1. 2. und 5. Claſſe, dort ſogenannter feiner Extract, 41 ½ Pf. 4.—****„ 2**** 39 5) 5.—***..*..*** 11 25 6.—....... 4„ 11. und 14. Elaſſe(Locken).... 1„ Abgang*. 1„„.*...„1 1 9) Summe 100 Pf. 58. Vor mehrern Jahren, als ich noch auf Vielwolligkeit mein größtes Augenmerk richtete, erhielt ich von Nr. I. II. III. Claſſe nur 16— 18 Pfd. und von Nr. 4; faſt die Hälfte mehr, als gegenwärtig, welches mit den Angaben des Herrn Wagner näher übereinkommt*). *) Da ich auf die Originalität und Reinerhaltung des Bluts meiner vor 20 Jahren in Spanien perſönlich, mühſam, aus den beſten leoneſer Wanderherden erkauften ſpaniſchen Schafſtämme über alles halte und dieſelben ungemein ſchätze, und aus dieſem Grunde, gegen die Vorurtheile der damahligen Zeit, in Deutſchland wahr⸗ ſcheinlich der erſte war, der durch Inzucht dieſe verſchiedenen 28 59. Wenn der Käufer die Qualität genau calculirt hat, ſo kommt bey Viehkäufen nun die Reihe auch an die Quantität der Wolle auf den Thieren zu beurtheilen, und zu überlegen, wie viel man im Durchſchnitt von jedem Stück in den verſchiedenen Ab— theilungen von Herden ſcheren wird, welches in Spanien auch die Wollkäufer genau wiſſen und verſtehen müſſen, indem dieſe dort nicht nach dem Gewicht dem Eigenthümer der Herden die Wolle abkaufen, ſondern pr. Pauſch nach der Anzahl der Stücke von Schafen, welche bey der Schur erſcheinen. 60. Dieſes Geſchäft erfordert, daß man die Größe des Vie⸗ hes und das Verhäͤltniß der Dichtheit und Länge ſeiner Wolle be⸗ urtheile, dann die Quantität von Unrath und Fettſtoff, der ſich in der Wolle befindet, ſo wie auch die Eigenſchaft desſelben, ob er harziger oder öhliger Natur iſt, in gründliche Überlegung ziehe*); wornach endlich zu calculiren iſt, ob die Wolle bis zur gaͤnzlichen Reinigung, nähmlich der Fabrikwäſche, nach ihrer Eigenſchaft und Stämme in ſich ſelbſt fortgepflanzt, und durch dieſes Mittel im⸗ merfort in ihrer urſprünglichen Originalität erhalten hat, indem ich weiß, daß die reinen Abſtammungen dieſer Stämme nirgends ſo echt und unvermiſcht als in meiner hieſigen Stammſchäferey zu ſinden ſind, da man aller Orten die Schafe aus den verſchiedenen ſpaniſchen Herden unter einander miſchte und verpaarte; ſo gereichte es mir zu keinem kleinen Vergnügen, durch Aufmerkſamkeit ſchon vor 12 Jahren bey der Geburt der Lämmer auf die Entdeckung ge⸗ kommen zu ſeyn, wie die ſogenannten Electoral-Schafe entſtan⸗ den ſind. Ohne jedoch die Dichtwolligkeit aus den Augen zu ver⸗ lieren, cultivirte ich dieſe Lämmer in jeder dieſer Stammherden zum eignen Gebrauch, wodurch ich meinen Zweck erreichte, und in den Stand geſetzt wurde, ſchon ſeit einigen Jahren nach meinem Claſſiſications⸗Sortiment die Zuchtböcke und Mutterſchafe zu ver⸗ kaufen, und unter Electa⸗Claſſe weder Wolle noch Zuchtthiere mehr in Handel zu bringen. *) Eine Wolle von gleicher Länge, Dichtheit und gleicher Haltung hat einen ſtärkern Abgang, wenn ſie mit einem harzigen, als wenn ſie mit einem öhligen Fette geſchwängert iſt. ihretb bis 9 ſorebi dar i 5 6 8 10 uniti kan n lir an wei 1 uncthn uncin de i W (. F unditn haufam t hat, o antitit der n, wie diel edenen Ad⸗ een auth dir dieſe dor n die Wolle Stüͤcke von e des Vie⸗ r Wolle be⸗ off, der ſch ſelben, ob er ng ziehe*); tr gänzlichen enſchaft und Mittel im⸗ hat, indem ne nirgends nſchäferey zu verſchiedenen ſo gereichte ſamkeit ſchon utdeckung gk⸗ zchafe entſtan⸗ Augen zu ver⸗ Stammherden rreichte, und in en nach meinem terſchafe zu ver⸗ noch zuchtthien gleicher Haltung rzigen, als wenn 29 ihrer ſorgfältigern oder nachläſſigern Haltung der Thiere 50, 60 bis 66 Pfd. Abgang vom Centner haben wird; und ob nach einer ſorgfältigen Pelzwäſche ein Lamm † bis 1, Pfd. Wolle oder etwas darüber; ein Jährling 14 bis 2 ½ Pfd.; ein Mutterſchaf 2 ½ bis 34 Pfd.; ein Schöps und Widder 5 bis 5 oder 6 Pfd. reingewa⸗ ſchener Wolle liefern kann, um darnach die Berechnung zu machen. 61. Dieſes ſind die Hauptgegenſtände, welche bey dem Kauf und Verkauf der Wolle, und eigentlich auch beym Kauf und Ver⸗ kauf der Schafe in und ohne Wolle zu beurtheilen und zu calcu⸗ liren ſind. Aber die Grade der Feinheit und Vollendung der Schafe werden in dieſen Geſchäften noch mit zu wenig Umſicht betrieben und gewürdiget; die wenigſten Wollhändler und Fabrikanten— und mitunter ſelbſt die Verkäufer— kennen den innern Gehalt derſelben auf den Thieren beſtimmt und genau. So wird z. B. Wolle, die gar wenig Secunda(5. Claſſe) und faſt keine Tertia (6. Claſſe) gibt, oft nicht theurer gekauft, als die ½ Seeunda und Tertia(5. und 6. Claſſe) gibt, wodurch 20 pCt. beym Ein⸗ kauf gewonnen werden. Zweyte Abtheilung. Verſuch, einige Probleme der Schafzucht näher zu beleuchten. Neuntes Capitel. Die höchſten Wolleigenſchaften laſſen ſich nicht mit einem großen Körperbau und mit hoher Maſt⸗ fähigkeit in einem Schafe vereinigen, um eine einzelne Race daraus zu bilden. 62. Di⸗ gütige Natur hat uns ſchon ſelbſt hierin Gränz— linien vor Augen gelegt, indem ſie auf jedem Boden Vieh von eigener Größe und angemeſſenen Eigenſchaften erzeugt, und ſobald man z. B. großes Vieh auf eine Weide anſiedelt, auf welcher ſol⸗ ches nicht hinlängliches und homogenes Futter findet, ſo kümmert es, gehet ein, oder artet aus; bringt man dagegen eine kleine Race auf niedere, üppige Weiden, ſo artet ſie, wenn ihre Ver⸗ wandlungsorgane nicht einer zu heterogenen Nahrung unterliegen, ſondern ſolche doch aufnehmen und aneignen, wie eine Pflanze, die man in einen zu ſchwelgeriſchen Boden, und in eine für ſie nicht paſſende Lage und eben ſolche Umſtaͤnde verſetzet, in der Nach— kommenſchaft aus; die Descendenz nimmt, während deſſen ſich ihre ganze Natur ändert, fortwährend an Umfang des Körpers zu, bis ſie durch Generationen zu der Groͤße und Stärke gekommen iſt, welche die angemeſſene Nahrung bildet*). Bey den Merinos, die ſich ſonſt faſt mit jeder Weide, mehr oder weniger, begnügen, (ausgenommen, wenn dieſelbe naß oder benetzt iſt, von herrſchen⸗ *) Man leſe hierüber nach 292. den N Boder gen bis von bi⸗ werdeis und M eine u in dit Chars boſere de verlän en auch il Subſ ßen Cinn 3 Beohant nem Bun und Wut gen Von di Erur nice Ase diſet ſe deen S rung 689 land,n ſtic i Thierm rung a theile, und aun c treuzen 1 rung iſt, Nace nic beleuchten. ſich niht her Maf⸗ um eine erin Gränz⸗ Vieh von und ſobald velcher ſol⸗ o kümmert eine kleine ihre Ver⸗ unterliegen, ne Pflanze, eine füt ſie in der Nach⸗ ad deſen ſih s Korpers zl ecke gekonman den Merinot/ er, begnügen/ von hernſten 31 den Rebeln und Thau, die nach Maßgabe der Localitaͤt und des Bodens zu üppige oder ſchwammige Gräͤſer hervorbringen), erzeu⸗ gen bey einer Statt findenden Veränderung, wenn ſie nähmlich von homogenen trockenen Weiden in feuchte Localitäten überſetzt werden, dieſe Nahrungsmittel, welche ſich in die Wollſubſtanz und in Fleiſch verwandeln, ein lockeres, kernloſes Fleiſch, und eine gröbere, ſchwammigere und nervloſere Wolle. Sie verliert in dieſen Fällen die ſie charakteriſirende Feinheit und den edlen Charakter, und das ganze Vließ nimmt nach Generationen eine loſere, lockere Textur an, während ſich die Wollfäden zugleich verlaͤngern, und das Thier eine größere Geſtalt annimmt, aber auch in dieſen Umſtänden weit mehr Nahrungstheile zu ſeiner Subſiſtenz erfordert; ein unwiderlegbarer Beweis, welchen gro⸗ ßen Einfluß die Beſchaffenheit des Bodens auf ſeine Producte hat. 63. In England iſt man durchgängig auch aus langjährigen Beobachtungen überzeugt, daß die feinwolligen Thiere auf trocke— nem Boden und magerer Weide bey zweckmäßiger Paarung, Pflege und Wartung nicht ausarten; hingegen auf fetten, ſehr ergiebi⸗ gen Weiden größer im Körperbau und loſer in der Wolle werden. Die Erfahrung zeigt uns alſo, daß trockene, geſunde, ſonnen— reiche Weiden, deren Boden nicht zu nahrungsreich und üppig iſt, beſſer für Schafe mit feiner und gekräuſelter Wolle ſind, und daß diejenigen Situationen, welche reichliche, fette und üppige Nah⸗ rung erzeugen, oder wo es, ſo wie in vielen Gegenden von Eng— land, Dänemark, Holland ꝛc. viel thauet, und Nebel regieren, ſchicklicher für die Fettſchafe und die Rindviehzucht ſind, indem jedes Thier, wenn es nicht die nöthige Quantität qualitätmäßiger Nah⸗ rung für ſeinen Wachsthum, für die Entwickelung ſeiner Beſtand⸗ theile, und zum Erſatz deſſen, was es verliert, erhaͤlt, kümmern und ausarten muß. 64. Die Eigenſchaften der Fettſchafe und Merinos durch⸗ kreuzen ſich daher in allen Stücken ſo ſehr, ihre homogene Nah— rung iſt von einander ſo verſchieden, daß oft das, was der einen Race nützlich und gedeihlich iſt, der andern den unvermeidlichen Tod zuzieht. Wo das feinwollige Schaf in Gebirgen oder magern Localitäͤten oft hinlängliche Nahrung findet, da würde das ſchwere Fleiſchſchaf den Hungertod ſterben; und wo das Fettſchaf oft in Sümpfen in verſchlämmten, naſſen, ſauern Gräſern bis zum Bauche in homogenem Überfluß ſchwelget, da würde unſer an den Füßen und an dem ganzen Körper verwachſenes Wollſchaf mit der Bürde ſeiner Wolle, mit ſeinen kurzen Füßen liegen bleiben und verſinken; und wenn ſolches aus Hunger bemüſſiget würde, von dieſen vielen und waſſerreichen Fettgräſern zu freſſen, unver⸗ meidlich den Keim zur Egelkrankheit oder Waſſerſucht in ſich ent— wickeln. Zwiſchen dieſen Sumpfſchafen, worunter ich z. B. die Tees⸗ water Art verſtehe, die öfters über dritthalb hundert Pfund an Gewicht enthalten, und unter den Gebirgsſchafen, den eigentlichen Merinos, gibt es aber in mehrern Ländern Mittel⸗Racen, die mehr oder weniger ihre Weiden rentiren, nachdem ſie nebſt guter Hal— tung ſich in einer ihrer Körpergröße, oder, was hier das Näaͤhm⸗ liche beweiſet, in einer ihrem Feinheitszuſtand der Wolle ent⸗ ſprechenden Localität befinden. 65. Es wäre übrigens pis zu jenem glücklichen Zeitpuncte, wo wir, gereizt und aufgemuntert durch leichtern Abſatz und Ver⸗ kehr, edlere und milchreichere, dem Grund und Boden entſpre⸗ chendere Hornvieh⸗Racen in unſern Staaten durch richtigere Grund⸗ ſätze und zweckmäßigere Behandlung, entweder durch die Inzucht uns eigen gemacht, oder von fremden Racen werden zu Stande gebracht haben, um dem Grund und Boden einen höhern und zweckmäßi⸗ gern Ertrag, als durch die gewöhnlichen Arten von Ausmuſter⸗ ſchafen und Kappen, abzugewinnen, in jeder Hinſicht ein lobens— würdiges Unternehmen reicher Güterbeſitzer und beriittelter Pri⸗ vaten, durch ihre Glücksumſtände, Kenntniſſe un Beobachtun⸗ gen in andern Ländern, derley nützliche Racen von Fleiſchſchafen auch bey uns einzuführen; aber als Patriot werde ich jederzeit wünſchen, daß unſere Herren Landwirthſchaftsverſtändigen ihre vorzüglichen Bemühungen dahin richten möchten, die unentbehr⸗ liche Hornviehzucht ihrer Vollkommenheit dadurch näher zu brin⸗ ◻ 2 gen, ten verla cult t gen wen lihn behn nic m Halt feuln riem telm lichine ſchun ganz den i Natas werdicn habelnn det 0 niömun oder magern de das ſchwer⸗ ettſcaf oft in äſern bis zan e unſer an den Polſſchaf nit liegen bleide nüſſiget würde freſſen, unver⸗ ucht in ſich ent 9. Be die dee⸗ dert Pfund an den eigentlichen dacen, die mehr bſt guter Hal⸗ er das Nihm⸗ er Wolle ent⸗ n Zeitpuncte/ ſatz und Ver⸗ doden entſpre⸗ htigere Grund⸗ i Inzucht uns Stande gebracht und wet miſi⸗ von Ausmufeer⸗ nſiht ein bden⸗ berittättet d⸗ un Beobachtun⸗ von zleiſbſhin erde ih jderzit bverſtindizen ihre n, die unentche rh niher u brin 35 gen, daß man ſich nach den Hauptverſchiedenheiten der Localitä⸗ ten einmahl mit Beſtimmtheit durch notoriſche Beyſpiele darauf verlegen möchte, eigene nützliche und einträgliche Vieh⸗Racen zu cultiviren, die unſerm Klima, der Lage und dem Boden homo⸗ gen ſind, wodurch aus authentiſchen Erfahrungen leicht bewieſen werden könnte, daß ſie in ausgemittelten Umſtänden einen wirk— lichen Nutzen abwerfen. Dadurch würde der Staat an den unent⸗ behrlichſten Bedürfniſſen: Schmalz, Butter, Unſchlitt, Leder, nicht nur vor Mangel geſchützt werden, ſondern auch einen ſtarken Handelsabſatz daran erhalten. Wenn daher in allen tiefen oder hohen feuchten Gründen Meiereyen aus einträglichen ſchweren Rind⸗ vieh⸗Racen, die dem Grund und Boden angemeſſen ſind, in Mit⸗ tel-Situationen nach der Natur des Grundes und Bodens nütz⸗ liche Stämme von Schafen und Rindvieh von kleinerm Schlage ſich einander die Hand biethen; in trockenen, ſo wie auch in ganz erhabenen Gegenden aber Merinos⸗Stämme gehalten wür⸗ den*): ſo würde jede Localität ſo benutzt werden, wie ſie der Natur gemäß für die verſchiedenen Gattungen der Thiere benutzt werden kann, der Staat würde an allen Bedürfniſſen Üüberfluß haben, und ſo Mancher nicht verſucht werden, den Eigenſchaften der edlen Schafe Forderungen aufzubürden, die mit ihrem Orga⸗ nismus unverträglich ſind. *) Denn dieſe ſind und bleiben in entſprechenden Localitäten wegen des Ausſchlags ihrer edlen Wolle die einträglichſten, auch behaup⸗ tet ihr ſchweres, zartes, ſaftiges und wohlſchmeckendes Fleiſch ei⸗ nen entſchiedenen Vorzug vor allen andern Schaf⸗Racen; weßhalb ſehr zu zweifeln iſt, ob man von irgend einer andern Race von Vieh, gleichviel ob von Schafen oder Hornvieh, auf einem Weide⸗ grund ſo viel Pfund Fleiſch und Talg zur Conſumtion wird erzeugen können, als von dieſer Race. Die Erfahrungen im Großen hatten, wegen der theuern Preiſe dieſes Viehes, hierüber bisher noch gefehlt; allein die entſcheidenden Verſuche, welche ich über dieſen wichtigen Gegenſtand angeſtellt habe, berechtigen zu den erfreulichſten Re⸗ ſultaten. 11. 3 Zehntes Capitel. Werden die Preiſe des Schafviehes und der Wolle zum Nutzen der deutſchen Induſtrie ſteigen, oder noch mehr fallen? 66. So lange nicht allgemeine Unordnung, Barbarey, Un— terdrückung und Finſterniß die jetzige politiſche glückliche Eintracht und die wechſelſeitigen Verhältniſſe der Staaten zerſtören werden; ſo lange der Hang unſers Verſtandes, in dem Rützlichen und Schönen ſich unaufhaltſam höher hinaufzuſchwingen, nicht aus unſerer Natur vertilgt wird; gehörig geleiteter Fleiß der Staats— bürger, weil er zur Production führt, eine Quelle des National⸗ reichthums verbleibt; ſo lange die Begierde, in den mechaniſchen und ſchönen Künſten weiter empor zu ſteigen, die Menſchen be⸗ ſeelt; vorzügliche und edle Handlungen als eine Tugend aner⸗ kannt bleiben, Verdienſte und Kenntniſſe belohnt, der Ackerbau, als der ſolideſte Reichthum eines jeden Staates, und als die Grundlage zu einem ſoliden National⸗Charakter der Nationen, Ach⸗ tung und Schutz genießet; ſo lange nächſt der Nahrung die Klei— dung das nothwendigſte Bedürfniß der Menſchen iſt; ſo lange jede Verbeſſerung oder Vermehrung eines brauchbaren, und jede Verwandlung eines unbrauchbaren Urſtoffes in einen brauchbaren in dem Zwecke der Production liegt, und jeder Staat zuerſt die Production, dann den Handel aus dem Grunde vorzüg— lich befördern muß, weil beyde die Seele des National⸗Reich⸗ thums ſind ꝛc.: ſo lange werden vorzügliche Vieh-Racen und die davon herrührenden Producte, die zugleich auf die ſicherſte Art das Grund⸗Capital verzinſen helfen, und dadurch den Na⸗ tional⸗Reichthum heben, nicht allein im Anſehen und im Werth bleiben, ſondern mit der ſteigenden Civiliſation nach Umſtäͤn⸗ den ſich immer höher emporſchwingen. Am allerwenigſten iſt die⸗ ſes von den edelwolligen Schafen zu befürchten; denn nicht ein— ſtrie barey, Un⸗ de Eintracht en werden; iichen und nicht aus der Staats⸗ National⸗ echaniſchen enſchen be⸗ gend aner⸗ Ackerbau, dals die enen, Ach⸗ die Klei⸗ ſo lange , und jede rauchbaren ztaat zuerſt nde vorzüg⸗ lonal⸗Reih⸗ „Nacen und ij di ſcherſte urch den Na⸗ nd in Wert nach Umftün igſten it di⸗ enn niht ein⸗ 35 mahl des Fleiſches zu gedenken, indem das nähmliche Quantum Futter beynahe zweymahl ſo viel Schaf- als Rindfleiſch erzeugt, ſo ſteht die Wolle vor allen Subſtanzen, welche die Natur dem Menſchen, gegen die Einwirkungen des Klima's ſich zu ſchützen, gegeben hat, und ihr Dünger, die Fruchtbarkeit der Felder zu befördern, hoch oben an. Mit der Nützlichkeit der Wolle können wir Seide, Baum⸗ wolle, Hanf und Flachs gar nicht vergleichen. Jene könnte im Nothfall dieſe ganz entbehrlich machen; aber durch keine von ih⸗ nen kann die Wolle gänzlich erſetzt werden. Der Geſchmack hin— ſichtlich der Kleidung hat ſich, von England aus, in unſern Zei⸗ ten ſo veredelt und vereinfacht, daß der Wohlhabende nur durch höchſte Feinheit und höchſten Glanz des Tuches, worein er ſich kleidet, Auszeichnung ſucht, und keiner, der es irgend vermag, in einem groben erſcheinen will, wodurch große Summen in Umlauf ge⸗ bracht werden, die auf keine vortheilhaftere Weiſe zur Belebung der europäiſchen Landes⸗Cultur, der Induſtrie und des Handels angelegt werden können. Nebſt dieſen vermehrt ſich der Bedarf der Wolle durch die ſteigende Population, welche durch die Erfin⸗ dung der Kuhpocken⸗Einimpfung ſehr vermehrt wird, und dadurch einen ganz andern Maßſtab erhält, durch die Vermehrung der Fabriken, durch den Kunſtfleiß der Menſchen, welche eine Menge Stoffe, geſtrickte Kleider, Strümpfe, Shawls, Halstücher, We⸗ ſten, Hüte, Gewebe, Geflechte, Strickereyen und andere Stoffe daraus zu verfertigen gelernt haben, und täglich auf andere Er⸗ findungen ſinnen, wodurch viele tauſend Menſchen auf die nütz⸗ lichſte Art im Staate ihren Erwerb finden. Die Wolle dient unter den gedachten mannigfaltigen indu— ſtriellen Verwendungen als das beſte Schutzmittel für unſern Kör⸗ per gegen die Einflüſſe der Witterung in den verſchiedenen Jahrs⸗ zeiten, und iſt daher beſonders in unſerm Klima, ja in allen un— ſerm Klima ähnlichen Erdtheilen für die Bekleidung der Menſchen im hohen Grade zum Bedürfniß geworden. Es läßt ſich daher hieraus die ungeheure Woll⸗Conſumtion unter dem europäiſchen 36 Himmelsſtrich beurtheilen, wenn man auch die in den neuern Zeiten aus den feinſten Wollſorten, mehr für den Luxus zuberei— teten verſchiedenen Stoffe nicht in beſondern Anſchlag bringen will; denn ganze Länder, ſogar in Deutſchland, welche vor 50— 40 Jahren noch in grobe Leinwand gekleidet waren, ſchützen ſich nun ſchon größten Theils mit Tuch wider die Einwirkungen der Jahrs⸗ zeiten; viele wilde Völkerſchaften, die bisher nackt gegangen wa⸗ ren, fangen durch die Wohlthaten des Handels jetzt ſchon an, die Wollbekleidung zu lieben. Die dünnen, feinen Wollzeuge finden ſeit kurzer Zeit, wie in der Einleitung erinnert wurde, einen ſehr ſtarken Abſatz nach Agypten, Abyſſinien, Arabien, Perſien und Indien, ſtatt der bisherigen baumwollenen und leinwandenen Kleider, aus dem Grunde, weil letztere weniger gegen Erkältung ſchützen, und minder bequem und ſchön ſich tragen. Dahin und ſelbſt nach China gehen jetzt ſo außerordentlich viele leichte eng— liſche Wollzeuge, und von daher rühren die angenehmen Preiſe von der leichten feinen Wolle. Südamerika, Domingo und an⸗ dere neue Staaten in Columbia gewähren ins Künftige einen in ſeinen Folgen unberechenbar großen Abſatz für Wolle, indem wenigen von dieſen Staaten das Klima für feinwollige Schafzucht zuſagt, und immer größern und bedeutendern, je mehr die Ruhe ſich in jenen unermeßlichen Staaten conſolidiren und die Bevölke⸗ rung zunehmen wird. Wem dieſes nicht genüget, der braucht nur einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, wo man ſolche Be⸗ weiſe für die Zukunft noch mit weniger Anſicht machen konnte. Die Preiſe der Bedürfniſſe und die Nachfrage um dieſelben vor 200 Jahren mit jenen vor 100, und dieſe mit jenen vor 50 und den gegenwaͤrtigen verglichen, werden jedermann, der im Beſitz eines Grundeigenthums iſt, volle Beruhigung gewähren. In Nordamerika gibt es noch wenig Tuchfabriken, daher wegen der überaus ſteigenden Bevölkerung die europäiſchen Tücher dort den ſtärkſten Abſatz für lange Zeit finden werden. Überdieß muß die Etablirung der Thronerben des Hauſes Braganza in Braſilien den glücklichſten Einfluß auf unſern Wollhandel nehmen. Die Nach⸗ ſch ma we: Auln 9n Fa ſontn ning! alitte unt dline ggnir antt: g0n ba a 32 duoe ſi mer lin lug 12 um näa. S m 6 all nn gen ani vod den neuern us zuderi⸗ eingen wil!; r 50—(0 zen ſich nun der Jahlt⸗ gangen wa⸗ hon an, die euge finden „einen ſehr Perſien und inwandenen n Erkältung Dahin und leichte eng⸗ men Preiſe o und an⸗ ſe einen in le, indem Schafhzucht e die Ruhe ie Bevolke⸗ braucht nur n ſolche Pe⸗ ahen konnte. dieſelben dor en vor 50 und der im Beſtt gewihten. In der wegen di ücher dort den erditß m di za in Lrijlin lnehmen. di 57 Nachfrage um feine und ſuperfeine Wolle ſcheint für immer ge⸗ ſichert zu ſeyn; dieß zeigt ſich auf die überzeugendſte Weiſe, wenn man den Gang der Induſtrie in denjenigen Ländern beobachtet, wo die Manufacturen ſich im blühendſten Zuſtande befinden. Im Auslande, wo doch der Handel durch die Dauer des letzten Krieges ganz in Stockung gerathen war, bemerkte man gleichwohl ein Fortſchreiten der Induſtrie in Anſehung der Wollfabriken, und be⸗ ſonders eine häufigere Nachfrage um ſuperfeine Wolle. Die ſpa⸗ niſche gewaſchene Wolle von der feinſten Sorte bezahlte man auf auswärtigen Märkten das Pfd. ſchweres Gewicht um 8—9 Franken und darüber, und ich habe ſelbſt Beſtellungen um dieſe Preiſe von auswärtigen Fabriken an Ort und Stelle erhalten. Eine all⸗ gemeine Urſache der Steigerung in den Wollpreiſen liegt allerdings auch darin, daß der Wohlſtand und ſeine Bedürfniſſe auf dem ganzen Continent ſich mehr unter der Maſſe des Volkes verbreitet haben. Wer ſonſt 5 Gulden für die Elle Tuch zahlte, will jetzt ſich in ein Tuch kleiden, wie ehedem nur von wenigen reichen Leuten gekauft wurde. Aus der Civiliſation ging die Kunſt des Spinnens und Webens hervor, und vervollkommnete ſich bis zum gegenwär⸗ tigen Stande der Dinge. Jeder zarten Haut ſchauderte ehemahls vor der barſchen Schafwolle; jetzt aber fühlt man, daß ſanfte Wolle der Haut angemeſſener iſt, als jedes andere Material, und die Baumwolle kann nicht mehr Preis halten. Die größere Con⸗ ſumtion der edlen Merinos-Wolle und mit ihr die geſtiegenen Preiſe ſind daher ſehr begreiflich; da dermahlen im Ganzen bey— läufig noch nicht über 150 Millionen Schafe in Europa exiſtiren, ſo möchten vielleicht etwas mehr als 3 Millionen Centner Wolle in Europa verbraucht werden.(England allein verarbeitet in ſei— nen Fabriken, mit ſeiner eigenen Erzeugung von 42 Millionen Schafen, gegenwärtig ſchon über 3 Millionen Centner Wolle.) Dieſe Urſachen nun, deren Wirkungen ſich viel ſchneller ausbreiten, als die Thiere von der reinen Race ſich vervielfälti⸗ gen können, ſichern für immer die Nachfrage um das Material, wovon ſo vielfältige Waaren für den Handel gewonnen werden; 38 und diejenigen, welche beſorgen, ſie würden die Wolle nicht ver— kaufen, können in der That ſich völlig beruhigen. 67. Die angeführten Thatſachen können daher nicht allein zum Beweiſe dienen, daß das edle Schafvieh und ſein Product, die Wolle, nicht nur im Werth nicht weiter ſinken, ſondern um vieles in dem Verhältniß wieder ſteigen wird, als die Bevölkerung und der Wohlſtand unter den Menſchen bey einer dauerhaften Ruhe und Belebung der Induſtrie durch Handel zunehmen wird. Augenblickliche, vorübergehende Spannungen und Hemmungen im Abſatz und Handel ſind nicht zu achten, weil ſie dem Laufe der Dinge widerſtreben, und nach und nach in das gehörige Gleich— gewicht kommen müſſen. Die Stockung des Wollhandels, die durch unkluge Überfüllung des Londoner Marktes, hauptſächlich von Seite großer Wollhändler, entſtanden war, iſt gehoben; der läſtige engliſche Einfuhrzoll auf ausländiſche Wolle um 5 herab⸗ geſetzt worden, und nie ſind dem engliſchen Handel beſſere Aus⸗ ſichten offen geſtanden, als gegenwärtig, wo die Angelegenheiten des ſüdlichen Amerika eine für dieſe Geſchäfte günſtige Geſtaltung zu conſolidiren ſcheinen. Es iſt aber auch nicht zu verkennen, daß die vielen und großen Anlehen, welche ſeit den Revolutions⸗Kriegen zu 55— 85 Procent abgeſchloſſen wurden, auch zugleich ſehr vie— les zur Lähmung der Induſtrie und zur Störung des Handels bey— getragen haben. Um Käufer für dieſe ungeheuern Anlehen zu fin⸗ den, mußten deren Papiere als Waare auf alle Geldmärkte ge⸗ bracht, daſelbſt gekauft und verkauft werden, und von einer Hand in die andere, von einem Platz zum andern gehen. Der leichte Abſatz und Gewinn reizte und lockte nicht nur Banquiers und Capitaliſten, ſondern auch einen großen Theil der Gewerbs— leute und Waarenhändler, ihr Geld in dieſem Effectenhandel zu verwenden. Die Entziehung ſo vieler Capitalien aus der Induſtrie und dem Handel mußte jene lähmen, und dieſen zerrütten; auf der andern Seite aber ſteigerte der Zuſammenfluß unermeßlicher Capitalien auf einen Geſchaftszweig, auf den Papierhandel, die Kurſe der Staatspapiere zu einer ſolchen Höhe, daß aus dieſem Äb P tüts des E ihn nict ver⸗ nicht allein n Produtt, ſondern un Bevölkerung dauerhaften ehmen widd. Hemmungen edem Laufe rige Gleih⸗ andels, die hauptſächlic hehoben; der im; herab⸗ beſſete Aus⸗ elegenheiten Geſtaltung innen, daß zens⸗Kriegen ich ſehr vie⸗ dandels bey⸗ lehen zu ſin⸗ Adwaͤrkte ge⸗ neiner Hand Der leichte anguiers und der Gewerlt⸗ ctenhandel zu z der Induſtie zerrütten; auf b unetmefliher vierhandel die aus dieſem daß aus deſe 59 übel ſelbſt jetzt das Heilmittel entſtehen muß, um dieſen unna⸗ türlichen Zuſtand zu ordnen, und die Sache nach und nach wie— der ins Gleichgewicht— durch die Herabſetzungen der Zinſen der Staatspapiere— zu bringen, wodurch die Staatsfinanzen für ihre theuern Anlehen, die ſie in den Zeiten der Noth zu machen gezwungen wurden, wieder entſchädiger werden, und ein großer Theil der Capitalien wieder in die Induſtrie und den Waarenhan⸗ del unvermerkt übergehet. 68. Es iſt bekannt, daß die Schafe, welche die feine Wolle liefern, nur mit gutem Erfolge in gemäßigten Klimaten gedeihen; überdieß auch, daß die Überwinterung in dem hohen Norden koſt⸗ ſpielig und manchmahl gefährlich für die Geſundheit dieſer Thiere ausfallen muß. Frankreich iſt, wie ich mich ſehr genau überzeugte, wenigſtens 60 Procent in der Geſammtmaſſe des verfeinerten Viehes gegen uns zurück; es ſtehen aber auch in vielen Theilen dieſes Reiches theils eine zu ſtarke Bevölkerung, theils und vor⸗ züglich die Huthungs⸗ und Ackerbaugeſetze einer vergrößerten Ein⸗ richtung von Herden im Wege, und ungeachtet der frühern ener⸗ giſchen Maßregeln von Seite der franzöſiſchen Regierung, um die hochedle Wolle durch Merinos⸗-Böcke in möglichſt kurzer Zeit in Frankreich einheimiſch zu machen, und dadurch ihr Deſicit, im Werth von jährlich 30 Millionen Livres, an eingeführter auslän⸗ diſcher Wolle für die einheimiſchen Fabriken zu decken, wird die⸗ ſes Reich unſern Wollhandel, angeführter Gründe wegen, nie be⸗ einträchtigen können. England, Holland und die Niederlande ſind eines Theils wegen der niedern Lage ihrer Gründe, andern Theils wegen des ſtarken nächtlichen Thaues, der den Thieren von zarter, feiner Wolle allezeit ſchädlich iſt, im Allgemeinen für edle Wolle nicht geeignet; hingegen wirken dieſe Urſachen auf das Längerwerden der Wolle, auf eine größere Körpergeſtalt und das Fettwerden derſelben. Von Seite Spaniens, wo durch die Begebenheiten der Kriege wenigſtens; von den edelſten dieſer Thiere vernichtet wor⸗ den ſind, und wo überhaupt, ſo wie in Portugal, bey voller 4⁰ Ruhe ein anderes Agricultur⸗Syſtem Plabz greifen dürfte, iſt, gleichwie von Seite Italiens, ſo bald keine ſtarke Concurrenz mit Deutſchlands Wollhandel zu befürchten. Deutſchland hätte alſo, wenn es eine ſo leichte Sache wäre, derley vorzügliche Herden geſchwind zu gewinnen, eigentlich bloß von dem ſüdlichen Rußland und der Türkey einſt eine Concurrenz im Wollhandel zu befürchten. Die ſteigende Bevölkerung in allen Staaten und die andern bereits angeführten Urſachen werden dieſe Concurrenz, wenn ſie auch wirklich einmahl Statt fände, ſchwerlich bey uns ſo bald fühlbar machen; denn wenn man den jetzigen Culturſtand der edlen Schafherden in unſerm großen Kai— ſerſtaate betrachtet, und ſolchen mit jenem vor 15— 20 Jahren vergleicht: ſo muß man über die außerordentlichen Fortſchritte dieſes Induſtriezweiges erſtaunen; und wenn man, was behaup⸗ tet wird, den Fall annimmt, daß ungefähr die Hälfte unſerer fein⸗ ſten Wollſorten ins Ausland verführt und verkauft wird, ſo wäre es ſehr zu wünſchen, daß es unſerer inländiſchen Induſtrie gelin⸗ gen möchte, bald eine ſolche Kraft und Ausdehnung zu erlangen, daß ſie den ſo wichtigen Urſtoff unſerer Wollwaaren⸗Erzeugniſſe in noch größerm Umfang zu conſumiren fähig würde. Denn nur dadurch allein kann gleichmäßiger, anhaltender und ſicherer Vor⸗ theil für den Staat im Allgemeinen ſowohl, als für den Schaf⸗ züchtler und den Staatsbürger insbeſondere von dieſem ſchönen und landwirthſchaftlichen Zweig erwartet werden, weil bey Um⸗ wandlung der Naturproducte in Kunſtproducte nothwendig jeder Staat, der erſtere hervorbringt, und dieſe Umwandlung erzwe⸗ cken kann, gewinnen muß. 69. Man hat angenommen, daß ganz Spanien vor dem Aus⸗ bruch des Krieges bey dem gänzlichen Verfall ſeiner Land⸗Okono⸗ mie zwiſchen 12— 15 Millionen Churros⸗ und Merinos⸗Schafe beſeſſen habe, und es iſt gewiß keine zu gewagte Vermuthung, wenn man annimmt, daß der Krieg wenigſtens zwey Drittheile dieſer Thiere während der Napoleon'ſchen Occupation verſchlungen habe. Nach meiner damahligen Abreiſe aus Spanien wurde ich —— geit diemn ohrn in h 1 Sch dürſte, iſ, Concurren Sahe witr, igentlich bleß e Concurrenn rung in ellen achen weden Statt fänd, enn man dmi m großen Ka⸗ — 20 Jahre n Fortſchritte was behauy⸗ unſerer fein⸗ wird, ſo wäͤre duſtrie gelin⸗ zu erlangen, n⸗Erzeugniſ e. Denn nur ſiherer Vor⸗ ur den Schaf⸗ dieſem ſchönen weil bey Um⸗ thwendig jeden aandlung erzwe⸗ ien vor dem Au⸗ ner Land⸗Dkont⸗ Merinot⸗Shit Vermuthung e 9 Dritthell zwey tion verſchlungen aanien wurde ich 4¹ mittels Correſpondenz benachrichtiget, daß auch die Reinheit des Blutes in vielen der vorzüglichſten Herden in den traurigen Nothumſtänden, worin man ſich öfters in Spanien befunden hatte, nähmlich alle Arten von Vieh auf der Flucht vor dem Feind unter einander in eine Herde zu mengen, ſehr gelit⸗ ten haben, und vielen Herden dadurch ein unerſetzlicher Schaden verurſacht worden ſey; dieſes dürfte vielleicht zur Folge haben, daß die ſpaniſche Wolle ſich nicht ſo geſchwind in ihrem Werth wieder heben kann, und diejenigen in Deutſchland, welche in dem Beſitz echter Merinos ſind, für immer einen Vorſprung gegen das Mutterland behaupten werden. 70. Den hohen Schwung, den unſer allergnädigſter Mo⸗ narch durch den jährlichen Verkauf ſeiner ſpaniſchen Widder der geſammten Landwirthſchaft zu geben gewußt hat, und deren ſich die Güterbeſitzer ſeither zur Kreuzung und Auffriſchung des Blutes, ohne Rückſichtnahme auf Preiſe, bedient haben, hat eine Epoche in der Geſchichte der öſterreichiſchen Landwirthſchaft hervorgebracht. 71. Man wird nur wenig Staaten finden, wo ſo viele edle Schafe, wie in dem Kaiſerthum Oſterreich, genaͤhrt werden, und wo durch einen ſucceſſiven Umſchwung des alten Wirthſchafts⸗ Syſtems eine proportionirte Eintheilung der Grundſtücke zwi⸗ ſchen Ackerbau und Viehzucht in ſolchem Verhältniß erzielet wird, daß beyde einander eine wechſelſeitig blühende Exiſtenz verſchaffen, und zum höchſten Ertrag die erforderliche Unterſtützung nach und nach leiſten werden. Das Kaiſerthum Oſterreich, welches aus eben dieſem Grunde vielleicht in 20— 50 Jahren die Zahl ſeines Nutz⸗ viehes wahrſcheinlich mehr als verdoppelt haben wird, iſt daher in der Lage, durch die Unterſtützung und Beförderung des Woll⸗ handels, und hauptſächlich durch die Begründung von Wollmärk⸗ ten, in dem europäiſchen Wollhandel eine Hauptrolle zu überneh⸗ men. Sachſen und Preußen könnten uns zu den beſten Muſtern dienen, was wir ſowohl in ökonomiſcher als merkantiliſcher Hin⸗ ſicht dießfalls thun können, um eines günſtigen Erfolges verſichert zu ſeyn. In einem ackerbautreibenden Staate, wie das Erbkaiſer⸗ 4² thum Oſterreich iſt, der wahrſcheinlich gegen 40,000,000 Pfund meiſtens veredelter Wolle, die einen Werth von ſechzig Millionen Gulden Silbergeld hat, erzeuget, wovon mit zwey Drittheilen ein vortheilhafter Activhandel in das Ausland getrieben werden kann, ohne Fleiſch, Lämmer, Unſchlitt, Käſe, Horn- und Bor⸗ ſtenviehzucht zu rechnen, welches, alles zuſammen genommen, für inländiſche Conſumtion viel mehr, als eben dieſen Betrag aus— macht; in dieſem Staat werden nach und nach bey regerm Han⸗ del und einzuführenden Wollmärkten, wodurch die Induſtrie ge⸗ weckt würde, bey dem großen Vermögen unſerer Güterbeſitzer in kurzer Zeit große Dinge geſchehen können, wodurch wir die Concurrenz im Wollhandel vor jedem Staat leicht aushalten würden. Nachdem ich alſo erwieſen habe, daß zur Deckung des immer wachſenden Bedarfs durch das induſtrielle Verwenden in den ver— ſchiedenſten Farben mit der wachſenden Population und Civiliſa— tion auch jederzeit die Wolle verhältnißmäßig ſteigen muß, nähm⸗ lich zu den gewalkten Stoffen für Tuch, Halbtuch, Caſemir, Struck, Molton, Flanell, Raſch, Azor, Kotzen, Decken ꝛc., zu den ungewalkten Wollſtoffen für die ſo beliebten Merinos⸗Zeuge der feinſten Gattung, welche nach Qualität zu Shawls, Um— hängtüchern, Oberröcken der Damen, Weſten ꝛc. verwendet wer⸗ den, ſo wie man auch eben dieſe Fabricate ausgekämmter Wolle von mittlern Sorten für den Mittelſtand verfertiget; für die in unſern Zeugfabriken in großer Menge ausgekämmter Wolle ver⸗ fertigten Dreydraht, Berkan, Amiens, Tabouret, Cadis, Con— ventzeug, Satin, Calamank, Chalon, Prunell ꝛc.; endlich die Menge von Wolle, die zu verſchiedenen Teppichen, Netzwerk und Strickereyen aller Art, zu Bändern, zu Quaſten und an— dern Geflechten, deßgleichen zur Vermiſchung mit Seide, Baum— wolle und Lein als Modeartikel verwendet wird, um faſt täg⸗ lich in dieſer Vermiſchung einer neuen Mode Platz zu machen, und endlich für die Filze aus Schafwolle durch die Manipulation des Hutmachers zu Hüten und Fußſohlen: ſo bleibt nur noch —— ſund onen heilen edden * Bor⸗ m, füt aut⸗ — Han⸗ n zie ge⸗ a ceer in r die i galten unmer n ver⸗ 9 iiliſa⸗ Kähm⸗ D mir, an, zu sgeuge ahlm⸗ nanwer⸗ 74 Lolle räie in .e ver⸗ 5 or Euu tzwetk u uen/ iltion noch 45 übrig, den Werth des Thiers zu beweiſen, das uns den Urſtoff für dieſe Mannigfaltigkeit von Induſtrie⸗Artikeln abwirft. Eilftes Eapitel. Anſichten von dem repräſentativen Werthe eines hochedlen Schafes. 72. Die Unterhaltungskoſten eines hochedlen ſpaniſchen Schafes ſind jährlich nach unſern Preiſen beyläufig folgende: Ausgabe. Zinſen vom Kaufſchilling des Me⸗ rinos⸗Mutterſchafes von. 56 fl. C. M. à 5 Proc. 1 fl. 48 kr Für 200 Pfd. Heu zu Winterfutter A 1 fl.— 2⸗—⸗ „ 100— Futterſtroh zu Win⸗ terfütter... Aà 5o kr.—— 30 ⸗ „ Wartung und Pflegekoſten........ 12 5 2 Pfd. Salz jährlich..*...... 6= 7 2 8 „ Stallzins.... „ Sommerweidezins.......... 1 „ X Centner Streuſtroph..... 10⸗ „ Wäſch⸗ und Scherlohn, Aezneyen..... 7⸗ Summe ö5fl. 12 kr. Einnahme. Mit Inbegriff der Lammwolle 3 Pfd. gewaſchene Wolle, das Pfd. A 2 fl. C. MN. ⸗... 6 fl.— kr. 1 Fuhre oder 5 Centner Dünger... 1⸗— ⸗ Summe..„ fl.— kr. Wenn die Ausgabe von 5 fl. 12 kr. von dem Empfang von 7 fl. abgezogen wird/ ſo verbleibt ein Reſt von 1 fl. 48 kr. Dieſes iſt der ganz reine Überſchuß von dem Capitalswerth eines Scha⸗ fes von 56 fl. C. M., wovon der Centner Wolle à 200 fl. C. M. verkäuflich iſt; jedoch ohne die laufenden Zinſen von 5 Proc., wo⸗ 44 durch ſich dennoch das Stamm Capital von 36 fl. C M. rein mit 10 Proc., gleich einem ſicher anliegenden Capital von 72 fl. C. M., es verſteht ſich ohne Lamm, verzinſet. Wird aber die nähmliche Wolle in beſſern oder ſchlechtern Handels⸗Conjuncturen, der Cent. à 500 fl., verkauft, ſo repräſen⸗ tiret ein derley Schaf, das dieſe Wolle liefert, ohne Lamm, einen Capitalswerth, à 5 Proc. gerechnet, von 54 fl. C. M.; falls aber die nähmliche Wolle nur à 100 fl. Proc. verkäuflich iſt, ſo iſt der currente Werth des nähmlichen Thiers in dieſen Con⸗ juncturen nur 18 fl., zu 75 fl. Proc. Wolle, 15 fl. 50 kr. in obigen Verhältniſſen, wornach man ſeine Anſchläge leicht baſiren kann*). Es erübriget noch, auch den poſitiven Werth eines Zucht⸗ mutter- oder Zuchtwidderlamms auszumitteln. Die reinen Zinſen von 1 fl. 46 kr. C. M. würden, à 5 Proc. zum Capital gerechnet, einem Lamme ebenfalls den Stämpel des Werthes von 36 fl. C. M. aufdrücken, wenn man nicht wegen der gelt bleibenden Mutter⸗ ſchafe, wegen Krankheiten und Sterbefälle den ziemlich richtigen Fall zur Baſis annehmen koͤnnte, daß im Durchſchnitt von 10 St. Mutterſchafen bey der nächſten Einwinterung die Herde nur um 8 Stück vermehrt wird, weßhalb † abzurechnen iſt, und auf den Durchſchnittspreis eines Lammes nur 28 fl. 50 kr. C. M. an⸗ *) Nach dieſer Bilanz kann ſich jeder Landwirth nach den Preiſen ſeiner Localitäten leicht berechnen, wie viel die Unterhaltung ei— nes Widders, Mutterſchafes oder Schöpſes jährlich, und was die Aufzucht dieſer Thiere überhaupt koſte. Ein genauer Verſuch im Großen, den ich im Winter 1815— 1816 in einer Schäferey von 600 Merinos⸗Schafen angeſtellt habe, wo⸗ von der dritte Theil Jährlinge waren, und der da⸗ her mit obiger Berechnung ziemlich übereintrifft, hat bewieſen, daß ſolche täglich mit 8 Centnern Heu und 8 Cent. Hafer⸗, Ger⸗ ſten⸗ und Kornſtroh, in abwechſelnden Gaben verfüttert, vollſtän⸗ dig geſättiget, wohl genährt, und die alten Schafe nebſt Läm⸗ mern obiges Woll⸗Quantum gegeben haben. Ein Lamm verzehrt während der Einſtellungszeit im Durchſchnitt 40 Pfd. Heu. genon forder reiche! K0 Nun is lichen, 21 ſtern mus (vos 458 deande an Parb und die — — * Jug ber r B 1 8 So fahr Hucht⸗ rinſen ahnet, 1.M. tter⸗ 1 igen „St. n um a den 2. an⸗ mnreiſen 7a d⸗ As die genommen werden können. forderlich ſind, ehe das Lamm den vollen Werth der Mutter reichen kann: ſo findet dießfalls noch folgender Abzug Statt: Koſtenbeytrag wegen des Zuchtbocks*) erſten Jahr zweyten Jahr Dieſe von obigen Verpflegung des Lammes im Summa Es kommen aber im zweyten Jahr dem Zeitſchaf für 2 ½ Pfd. Wolle zu Gute. Verbleiben .* Betraͤgt 1 fl.— 4⁰ 20 45 Nachdem aber zwey Jahre dazu er⸗ 50½ kr. Nun iſt aber zu bemerken, daß die Lämmer beyläufig halb männ⸗ lichen, halb weiblichen Geſchlechts geboren werden, und daß von er⸗ ſtern nur die Hälfte als ganz vorzüglich zur Nachzucht geeignet iſt (was aber bey reinen Merinos-Schäfereyen außer aller Praxis iſt), die andere Hälfte aber zur Caſtration ſich qualificirt, um jeden Schein an Parteylichkeit zuvorzukommen, hier zur Baſis angenommen, und die Kappenlämmer gar nicht weiter im Werth angeführt wer⸗ *) In Folge meiner ſehr genau geführten Sprungregiſter zeigt ſich bey den meiſten Böcken folgender individueller Maßſtab ihrer zum Belegen der Mutterſchafe verwendeten Kräfte und Fähigkeiten: 18 St. Im 2 jährigen Alter hat ein und derſelbe Bock belegt „ 3— „ — »„ ◻̈ — » . * . . . . 4⁰ 6⁰ 25 20 163 St. So viele kraftvolle und geſunde Lämmer kann man von einem kraftvollen Bock durch die individuelle Paarung, nach meinen Er⸗ fahrungen, beyläufig in 5 Jahren hoffen. der reine Ertrag eines edlen Merinos⸗Mutterſchafes weiſet ſich demnach im Ganzen auf folgende Art aus: Mit Inbegriff der Lammwolle 3 Pfd. Wolle à 2 fl. 6 fl.— kr. 5 Cent. oder* Fuhr hinlänglich verkohlter dünger 1⸗— ⸗ den: 1 Lamm 0*⁴** 2. 4«0... 18 5 12 2 Summa 25 fl. 12 kr. Abzug der Auslagen.... 5 ⸗ Reſt o fl.— kr. Von dieſem reinen Ertrag von 20 fl. C. M. repräſentirt ein ſehr edles Mutterſchaf aller Orten, wo Leben in der Induſtrie herrſchet, das reelle Stamm⸗Capital; aber wegen der Gefahr des Verluſtes, welche jedoch, wo nach rationellen Kenntniſſen verfahren wird, als unbedeutend angeſehen werden kann, iſt man immer berechtiget, nach den Grundſätzen dieſer Rechnung 10 Proc. reinen Ertrag von einem Schaf in Anſpruch zu nehmen; folglich vereinigt ein derley Mutterſchaf, wovon der Centner Wolle à 200 fl. C. M. verkäuflich iſt, nach obigen Verhältniſſen einen poſitiven Werth von 200 fl. C. M., wofür ſolches jedem Beſitzer à 10 Proc. die Zinſen in dem Falle eines lebhaften Handelsver⸗ kehrs liefert. Die Widder von ungewöhnlicher Inſtinction ſind von ſeltner Erſcheinung, und nur deßwegen verdient ein Bock verhältnißmäßig höher, als ein Mutterſchaf, bezahlt zu werden. Bey gewöhnlichen Springböcken, die nicht bedeutend über die Qualitäten der Mutterſchafe hervorleuchten, iſt gar kein Grund vorhanden, warum dieſe im Preis höher als jene ſollten gehalten werden; mindere Böcke, die unter Electa in der Wolle ſtehen, ſind bloß zur Caſtration qualiſicirt, und taugen bey dem Stand der heutigen Veredlung zu einem Handelsartikel nicht mehr, als Zuchtvieh. 75. In Veredlung begriffene Herden können zwar dieſen hohen Werth nicht erreichen, ſie müſſen aber doch beyläufig aus dieſem Geſichtspuncte gewürdiget werden; der Käufer muß in dirſels die 99 lität i und k gegch zu wor n bey s neniger a kr. ein ſtrie ahr ſſen nan doc. lich le nen Ptzer zyer⸗ aind iock a den. d die g rund alten ehen, dtand 47 dieſen Faͤllen nebſt der Influenz des angeeigneten Blutes, wovon die Veredlung herſtammt, ſich hauptſächlich zugleich um die Qua⸗ lität der Wolle, welche ſie ſchon durch die Veredlung erreichten, und des Verhältniſſes der Quantität der verſchiedenen Sorten gegen einander, welche die zu verkaufende Herde liefert, genau zu erheben ſuchen, und dann ſeine Berechnungen darauf gründen; worüber in dem Capitel über die Verhältniſſe des Wollwerthes bey Einkäufen die nöthigen Belehrungen enthalten ſind. 74. Ausgewachſene Widder, welche zur Zucht nicht ſehr vor⸗ züglich ſind, beſitzen keinen höhern Werth, als ein Hammel, nähmlich den Werth des Fleiſches von ungefähr 60— 70 Pfd. lebendes Gewicht, folglich beyläufig nach unſern Preiſen 7 fl. 30 kr. C. M., und allenfalls 7— 8 fl. bey der Schur für Wolle. Die Bilanz⸗Rechnung ſtellt ſich beyläufig bey Widdern und Schöpſen, die der Wolle wegen gehalten werden, wie folgt: Ausgabe. 10 Proc. Zinſen vom Werth des Thieres.— fl. 212 kr. 200 Pfd. Futterſtroh..... 1— ⸗ 100— Heu.... 2 ⸗— ⸗ Die übrigen oben ſpeciſicirten Auslagen betragSen— ⸗ 54 ⸗ Summa dA fl. 15 kr. Empfang. 3 ¾ Pfd. Wolle à 2 fl.. ½ Fuhr Dünger..... * 4 . *⁴ * ·ℳ 2₰ᷣ fl. 30 kr. — 2 Summa.. 8 fl. 30 kr. Abzug.... 4⸗ 15 ⸗ Reſt... 4 fl. 15 kr. Hier tritt das nähmliche Verhältniß, als bey dem Zuchtvieh, in Anſehung des Werthes der Wolle ein; daher ein Thier, das eine Wolle nur von 10o fl. im Werth liefert, um die Häͤlfte weniger Werth für dieſe Speculation beſitzt. 48 Durch dieſe Manipulation läßt ſich das Futter, wo eine Wirthſchaft wiſſenſchaftlich betrieben wird, gewöhnlich aufs ein— träglichſte benutzen. Der Landwirth muß aber, um ſicherer zu rechnen, 10 Proc. von dem für derley Vieh ausgelegten Ca⸗ pital wegen zufälliger Sterbfälle demſelben zur Laſt ſchreiben. Bey dem Einkauf von derley Widdern und Schöpſen auf Woll⸗ ſpeculation muß man zugleich berückſichtigen, wie viele Jahre man ſolche zu dieſem Behuf noch benutzen kann, ehe ſie für den Fetthaufen beſtimmt werden müſſen, um ſie darnach zu berechnen. Dritte Abtheilung. ire Erklärung des Sinnes ſehr verſchiedenartiger Nahmen und den Ausdrücke, ſowohl in ökonomiſcher und techniſcher Hinſicht, nen. als auch der die delicateſten Materien der höheren Schafzucht und Wollkunde betreffenden Gegenſtände. Z woͤlftes ECapitel. Welches dieſes erläutert. 75. Aus merzen, Merzen(im Frühjahr nach der Wolle). Auch in den beſten, edelſten Herden iſt es nothwendig, jähr⸗ lich die von dem Haupt-Charakter abweichenden Individuen der Herde zu entfernen; denn die Natur ſchafft auch in den feſtbegründetſten Stämmen, durch uns noch unbekannte Ge⸗ ſetze, zuweilen abweichende Gebilde. Eben ſo iſt hierunter die Ausſcheidung und der Verkauf der mindern Stücke, nach erreichter Vollzähligkeit der Herde, zu verſtehen, welche ſich von den übrigen durch mindere Woll⸗Eigenſchaften aus⸗ zeichnen, oder wegen ihres Alters ꝛc. nicht mehr zur fer⸗ nern Zucht taugen. 76. Abſorbiren, einſchlucken, in ſich ziehen. 77. Aſſimiliren, ſich aneignen, veraͤhnlichen, heißt: die genoſſene Nahrung in die weſentlichen Theile des Körpers aufnehmen. Iſt nähmlich der genoſſene Nahrungsſtoff alle die verſchiedenen Organe oder Werkzeuge der Thiere durch⸗ gegangen und darin verdaut, geläutert, und ſeiner Be⸗ ſtimmung näher gebracht, ſo wird er organiſirt, oder den II. 4 79 80. 81. feſten Theilen des Körpers hinzugefügt, mit dieſem innigſt verbunden und verähnlicht, und erhält, ſo wie dieſe, Leben und Thätigkeit. Bey den Thieren iſt das Blut das Mittel dazu; bey der Wolle und bey den Pflanzen die Flüſſigkeit oder der Saft, welcher bey ihnen die Stelle des Blutes vertritt. „Bewegung(kbrperliche, mäßige in freyer Luft), iſt für die hochedle Wollzucht nothwendig, indem man bemerkt hat, daß die Wolle aus Mangel an freyer Bewegung nicht ihre eigenthümliche Geſtalt behält, ſondern ſchlichter wird. Durch Mangel an Bewegung werden die Saͤfte zur nothwendigen Vertheilung nicht angeregt, und bleiben ungedeihlich. Bewachſenheit(des Schafes). Darunter wird verſtan⸗ den, daß ein Thier ſogar an allen Extremitäten, näͤhmlich an den Füßen, am Schopf und am Geſicht, üppig mit Wolle bekleidet ſeyn ſoll. Baumwollartiges Gefühl(der Wolle); ſiehe Pa⸗ rallismus. Bleichen(der Wolle) heißt: die farbigen Theile derſelben durch künſtliche Mittel zerſtören, und dieſe vollkommen weiß machen. 82 Caſemir⸗Wolle. Da die feinen, weichen, ſanften Caſemirs, 83. 84. 85. welche aus ſehr feinen und feſt geſponnenen Fäden, die ſich feſt an einander legen, verfertiget werden; ſo iſt hierzu eine leichte, lange, weiche, zarte, dehnbare, geſchlängelte, gleichſam ſchlichte Wolle, die, ohne zu ſpringen, ſich den verſchiede⸗ nen Biegungen leicht unterziehet, am beliebteſten. Sie muß von Natur lang gewachſen ſeyn. Caſtriren, ſiehe Schöpſen. Copuliren, zuſammenpaaren, begatten. Claſſification(der Wolle). Die Woll⸗Eigenſchaften einer Herde werden den Züchtler bey der Wahl des Fabri⸗ cats leiten müſſen, das er ſich zum Ziel ſeiner Arbeit ſtecken will: nur durch ein ſolches Verfahren können wir dahin ge⸗ — 36. Conſtant, beſtändig, beharrlich, dauernd. 87. Dichtwolligkeit. 51 mein gültigen Regeln zu zu cultiviren. So z. B. Güte und den Werth n techniſchen Benennungen be⸗ langen, unſere Schafe nach allge claſſificiren, zu beurtheilen und könnte man die Gattung, der Wolle mit folgende ſtimmen: I. Zeug⸗Wolle; Merinos⸗Wolle; Caſemir⸗Wolle; Shawl⸗ Wolle; Kämm⸗Wolle. II. Tuch⸗Wolle(eigentliche ſpaniſche Wolle,oder Kardätſch⸗Wolle), und in Bezug auf Feinheit, in erſte, zweyte, dritte, vierte Claſſe ꝛc. jede von dieſen zwey Hauptſorten eintheilen, wo⸗ durch jeder Irrung durch einen richtigen Ausdruck und Be⸗ griff von der Sache vorgebeugt würde. Erſt nach vielen Generationen gelangt man zu einer in ihren Eigenſchaften gleichartigen Wolle. Man kann leicht verleitet werden, eine Wolle für dicht zu halten, evenn die Woll⸗Sectionen oben breit ſind; ſo wie die, welche oben ſpitzig zulaufen, für loſe. Beobachtet man aber die Wolle auf der Haut, ſo wird man zuweilen vom Gegentheil überzeugt. Deßwegen muß man die Wolle auf der Haut und in den Sectionen zugleich beobachten, um ſie in Hinſicht ihrer wahren Dichtheit zu beurtheilen; je dichter und enger der Wollſaum über der Haut ſich präſentirt, wenn man die Wolle zu dieſer Unter⸗ ſuchung auseinander theilt, deſto dichter ſteht die Wolle. Dieſe Eigenſchaft liegt in der Eigenthümlichkeit der Schafe, und wird eigentlich durch die Entfernung der Haare beym Auswuchs an der Haut beſtimmt. Je mehr Haare z. B. auf einem Quadrat⸗Zoll ſich beſinden, deſto dichtwolliger iſt das Schaf; daher läßt ſich die Dichtwolligkeit nicht durch den Angriff von außen allein beurtheilen, weil dickere Haare einen größern Raum einnehmen. * 52 68. Dotter(der Wolle), darunter wird der Fettſchweiß ver⸗ ſtanden. Siehe Fett der Wolle. 89. Eigenſchaften(der hochedlen Wolle). Darunter ſind be— griffen: 1) Feinheit. In der verhältnißmäßigen, durchgängig gleichförmigen Dünnheit, nach dem Durchmeſſer des Fadens, beruht die verhältnißmäßige Feinheit der Wolle. Sie iſt in der Regel der Inbegriff oder die unzertrennliche Gefährtinn aller übrigen edlen Wolleigenſchaften, und die Grundlage jedes edlen Fabricates. 2) Parallismus, oder die Eigenthümlichkeit der gleichartigen, regelmäßigen Geſtalt des Wuchſes und der Kräfte der Wollfäden, durch eine ſich einander annähernde Gleichartigkeit aller Haare im Vließ, wornach, nach Maß⸗ gabe der Feinheit, und ob das Haar a) eine mehr oder weniger geſchlängelte, oder b) gekräuſelte Form hat, ſich das Weſen der Elaſticität conſolidirt, die nach dieſer ver⸗ ſchiedenartigen Geſtalt den Charakter ad a einer geſchmeidi⸗ gen, nachgiebigen, extenſiven, und ad b der hartnäckigen, widerſtrebenden, intenſiven Elaſticität annimmt, und im erſten Falle das ſeidenartige, im zweyten Falle aber das baumwollartige Gefuͤhl begründet. 3) Geſchmeidigkeit der Wolle. Dieſe liegt in der Organiſation des Haares, hauptſächlich in der verhält⸗ nißmäßigen ſtärkern Markröhre gegen die ſie umgebenden, mehr oder weniger dünnen Haarwände. Der Parallismus der Wolle bedingt den Grad ihrer Edelheit und Vollkom⸗ menheit, indem unter gleichen Umſtänden der Stärke der Markröhre und jener der ſie umgebenden Wände jene die edelſte iſt, die ſich in Verbindung mit Feinheit durch Paral⸗ lismus am höchſten auszeichnet; daher Parallismus zugleich V den Begriff in ſich vereinigt, daß die Wolle auch rund ſeyn muß, und nicht platt, oder eben ſo wenig ſchraubenförmig gewunden, als ganz haarartig geſtaltet ſeyn darf. — 17 8 A=2 1 5⁵ 4) Länge der Wolle(für die Eigenſchaft des Fabri⸗ cats). Eine Wolle, die 5 ⅜, höͤchſtens aber 4 ½ Zoll im aus⸗ gedehnten Zuſtande beſitzt, entſpricht allen Fabrications⸗Be⸗ dürfniſſen, und wird dermahlen auch am theuerſten bezahlt, indem hohe Feinheit mit einem längern Faden, und Thiere von einem größern Körperbau, die derley Wolle produciren, ſich durch die Erfahrung als unvereinbarlich mit hoher Fein⸗ heit bewähren. Dieſe Länge iſt mehr oder weniger der Me⸗ rinos⸗Wolle eigen. 5) Rundheit des Fadens iſt ebenfalls eine un⸗ mittelbare Eigenſchaft der guten Wolle, indem platte ſelt⸗ ner vorkommt, und die Rundheit des Fadens ſowohl für ein gleichartiges, dauerhaftes Fabricat, als für das ange⸗ nehme Gefühl erforderlich iſt. Man erforſcht die runde oder platte Form eines Haars, indem man es an den beyden Enden zwiſchen den Daumen und Zeigefingern der beyden Hände ganz langſam nach einer Richtung drehet, und beob⸗ achtet, ob dasſelbe ſich immer gleich ſtark zeigt. Iſt dieſes, ſo iſt dasſelbe rund, im Gegentheil aber nicht. 6) Der Glanz der Wolle iſt Race⸗Sache, und ſpielt unter den Haupteigenſchaften der Wolle eine Hauptrolle, indem ſolcher eigentlich den wahren Adel der Wolle und des Fabricats bedingt. Man berückſichtiget ihn auch ſeit kurzem, beſonders bey der Zucht der Seidenwürmer im ſüdlichen Frankreich. Die Haltung und die Natur des Schweißes hat einen gro⸗ ßen Einfluß auf den Glanz der Wolle. Je klarer und reiner derſelbe iſt, deſto glänzender iſt er, beſonders wenn die Geſtaltung der Wollhaare gegen einander im Wachsthume ſehr regelmäßig iſt. Dunkler Schweiß iſt nie mit Glanz vergeſellſchaftet; eben ſo wenig ein verworrener Wuchs. 7) Ein klarer, weißer, öhliger Schweiß iſt nach den neueſten Erfahrungen ein getreuer und beſtändiger Gefährte der edelſten Wolle: derley Wolle iſt vor allen geeignet, die Farben in höchſter Reinheit und Edelheit in⸗ kunſt am höchſten geſtiegen iſt, hat man ſich von der Wahr— heit dieſer Beobachtung ſo ſehr überzeugt, daß in den ſüd— lichen Provinzen dieſes Königreiches man gegenwärtig nur jene Gattung von Seidenwürmern, welche weiße, glän— zende Seide ſpinnen, cultivirt, und jene zur Nachzucht verwirft, welche gelbe Cocons liefern. 90. Eigenthümlichkeiten(die wünſchenswürdigen) der ed⸗ len Wolle ſind: 2) Der Elaſticitäts⸗Charakter der Wolle, welcher aus der geſchlängelten und gekräuſelten Geſtalt der Wolle hervorgeht: er wird, wie bey dem Parallismus angeführt wurde, dadurch bedingt. 2) Die Leichtigkeit der Wolle von geſunden Schafen(die von jener von kranken zu unterſcheideu iſt) iſt mit hoher Feinheit und Geſchmeidigkeit der Wolle unzer— trennlich, und das flaumartige Weſen der Wolle ſtehet da— mit immer im Verhältniß; jedoch hat man auch keinen Maßſtab darüber ergründet, obgleich der aufmerkſame Be⸗ obachter dieſe Eigenthümlichkeit gewiſſer Wollarten ſchon lange in der Exiſtenz bemerkt hat. Unſtreitig iſt dieſe Qua⸗ lität der Wolle für gewiſſe Fabricate aus Wolle, z. B. für Shawls, und auch für Tücher, eine der allerwichtigſten, in⸗ dem ein Tuch von gleicher Dichtheit höher geſchätzt wird, und aus demſelben Gewicht eine weit größere Fläche fabri⸗ cirt werden kann. Bisher hat man dieſe edle Eigenthümlichkeit der Wolle noch nicht in der Cultur gewürdiget, aus der wahrſchein⸗ lichen Urſache, weil noch wenig Schriftſteller davon gründ⸗ lich geſprochen haben. Sie iſt es, nebſt der mit ihr unzer⸗ trennlichen Feinheit und Geſchmeidigkeit, allein, deren flaum⸗ artige, leichte Wolle das Haar der tibetaniſchen Ziegen gaͤnz entbehrlich machen könnte, deren Wolle in Frankreich be⸗ reits von 40 auf 18 fl. der Kilogramm herabgefallen iſt. nigſt aufzunehmen. In Frankreich, wo bekanntlich die Färbe⸗ ———— den iſt) Izer⸗ da⸗ dnen ibe⸗ nyon pua⸗ für in⸗ ind, adli⸗ „Wole chein⸗ o ründ⸗ nzer⸗ Zun' laum⸗ 8 Hanz nich be⸗ Ii 3) Die Walkfähigkeit(Krümpekraft). 4) Der Nerv,(Kraft, Stärke, Haltbarkeit, Leben). 5) Die Dehnbarkeit und Biegſamkeit der Wolle, ſolche über ihre natürliche Entkräuſelung noch be⸗ deutend auszuſtrecken. Dieſe dreyerley Eigenthümlichkeiten beruhen vorzüglich auf der Geſtalt und auf dem Leben der Wolle. 6) Reinheit der Wolle iſt von der Cultur, nähm⸗ lich Wartung und Pflege, abhängig. 7) Gleichheit der Wolle hängt von dem edlen Zuſtande der Ausgleichung einer Herde ab. 8) Schlichte, haarartige Wolle. Bey hoched⸗ len Schäfereyen verſteht man darunter eine entartete oder überreizte Wolle. Dieſe Erſcheinung iſt ein Naturſpiel, eine Auslaſſung der Kräuſelungen. Lange, ſchlichte Wolle gibt geſponnen einen feſten, wenig elaſtiſchen, glatten, flachs— ähnlichen Faden, der zur Fabrication von Caſemirs, Me⸗ rinos und Shayls ſehr ſchätzbar iſt. In Vergleich der übrigen Eigenſchaften der ſchlichten Wolle ſagt Herr Wagner:„Lange, ſchlichte Wolle gibt zwar einen feſtern Faden, als kurze, gekräuſelte; aber in Hinſicht des Aushaltens des Reibens kann ein Tuch von loſer geſponnenen Fäden aus feiner Wolle, durch Hülfe der Zubereitung, weit dauerhafter gemacht werden, als glatte Zeuge je dazu geſchickt ſind. Wenn nähmlich die Rei⸗ bung auf der Oberfläche des Zeuges an den Spitzen der Haare geſchieht, ſo geben dieſe in dem Grade nach, als ſie geſchmeidig ſind; dasſelbe iſt der Fall, wenn die Rei— bung der Lage der Haare entgegengerichtet iſt. In beyden Fällen werden aber feine, geſchmeidige, dicht auf einander ſtehende Haare längern Widerſtand leiſten, als grobe, ſpröde, weniger dicht ſtehende.“ Bey gemeinen Schafen, z. B. bey dem Zakelſchaf und mehrern engliſchen Arten von Schafen, iſt dieſes Natur⸗ 5⁵ eigenſchaft. Bey hochedlen Schafen findet man Varietäten, deren Wolle durch Verlängerung in dieſen Zuſtand über⸗ gegangen iſt. Derley ganz ſchlicht ausgeartete feine Wolle iſt mir jedoch noch nie vorgekommen. Das Mangel an Elaſticität beſitzende ſanfte Gefühl der ſchlichten Wolle rührt von der Glattheit und Weichheit ihres Fadens her, und iſt von der Sanftheit und Geſchmei⸗ digkeit der geſchlängelten Wolle wohl zu unterſcheiden. 91. Electa⸗Wolle. Unter dieſer Benennung verſtehe ich ei⸗ nen für gewiſſe Fabricate am beſten taugenden Woll⸗Cha⸗ rakter, der durch den iſolirten Begriff von Feinheit in drey Claſſen getheilt wird. Z. B.: Feine Tuchwolle, Electa I. ——— 11. ——— III. Feine Zeugwolle, Electa I. ——— II. ——— III. In der Wollmeſſer-Claſſe hat ein Faden einen Durch⸗ meſſer: Von Electa I. den 10— 11/,0 Theil eines engl. Zolles, -— II.⸗ 111— 12%¶ oo ⸗——— —— III.⸗ 13— 14/ 06——— 92. Elaſticität(die intenſive Elaſticität), Charakter⸗ zeichen der zurückziehenden, ſchnell aufre⸗ genden, ſchnellenden. Dieſe widerſtrebende, oft in Starrheit übergehende Neigung tritt bey gekräuſelter Wolle in dem Verhältniß ſtärker ein, als die Kräuſelungen ſtärker, und bey gleicher Feinheit der Haare der Bau derſelben re⸗ gelmäßiger iſt; daher der Eindruck, den die Oberfläche die— ſer Wolle bey ihrer Berührung auf unſer Gefühl vermöge ihrer Widerſtandsfähigkeit erregt, von härterer, widerſtre⸗ bender, ſanfterer Art iſt, und dem baumwollartigen Gefühl am nächſten kommt. Man kann den Grad der 57 Sprödigkeit der gekräuſelten Wolle aus der Schnelligkeit, wenn man ſie ausdehnt und wieder losläßt, beurtheilen; je ſchneller ſie in ihre vorige Geſtalt zurückſchnellt, deſto här⸗ ter iſt der Griff derſelben; je langſamer dagegen, deſto ge⸗ ſchmeidiger. 95. Elaſticität(die extenſive Elaſticität), Charakter⸗ zeichen der nachgiebigen, geſchmeidigen, mit Sanftheit verbundenen. Aus dem verhältnißmäͤßig geſchlängelten Bau mit niedern, regelmäßigen Bögen, die gegen den Druck nachgiebig ſind, und nur langſam in ihre vorige Geſtalt wieder zurücktreten(wogegen die ſchnellende Elaſticität, die aus gekräuſelten Haaren entſpringt, ſchnell in ihre vorige Lage zurückzutreten ſich beſtrebt), geht das Weſen des geſchmeidigen, ſeidenartigen Gefühls hervor. 94. Elaſticität(überhaupt). Das Weſen der Elaſticität der Körper beſtehet eigentlich darin, daß ſie die vorige Geſtalt und den vorigen Umfang wieder von ſelbſt annehmen, wenn ſie durch irgend eine äußere Urſache verändert waren, nach⸗ dem dieſe äußere Einwirkung nicht mehr Statt findet. Die Elaſticität der Wolle iſt nothwendig zu Stoffen, welche mit einem Filz überzogen werden ſollen, und ſchädlich, wo ohne Filz, durch die warme Preſſe allein, eine dem At— laß ähnliche, glänzende Fläche zu erzielen iſt. Dieſelbe prüft man auch, indem man ein Wollbüſchel windet, oder eine Partie niederdrückt, und wieder losläßt, aber dabey die Schnelligkeit beobachtet, wie ſolche in ihre vorige Stellung zurückſchnellt. Hiervon haͤngt ein verhältnißmäßiger Grad von Krümpekraft(Walkfähigkeit), Kraft, Kern, Stärke, Haltbarkeit und Leben der Wolle ab. Die Biegſamkeit und Dehnbarkeit ſind Theile, die von der Elaſticität entſpringen, und damit in unzertrennlicher Wechſelwirkung ſtehen*). *) Der Kern des Tuches hängt ab von der Dehnbarkeit und Biegſam⸗ keit der Wolle, indem das Gewebe nach der Preſſe davon eine ſchöne Appretur annimmt. 95. Electoral⸗(Wolle) itt nicht als Bezeichnung einer Wolle von einem gewiſſen Feinheitsgrade zu nehmen, ſondern daß dadurch eine gewiſſe Wollgattung von gewiſſen Qualitäten (Feinheit, Länge, Kräuſelung, Milde, Bildung des Sta⸗ pels) angedeutet werde, die zuerſt in den ehemahligen chur⸗ fürſtlich ſächſ. Landen allein gezogen wurde, und daher die⸗ ſen Nahmen erhalten hat; gegenwärtig aber in mehreren Ländern, hauptſächlich in Oſterreich und Preußen, erzeugt wird. Sie iſt in der Claſſification der Wolle, nach dem Maßſtabe ihrer Qualität, unter dem Sortiment der drey erſten Wollſorten enthalten. 96. Feinheit(der Wolle). Der von Herrn v. Moro in Klagenfurth aufgeſtellte Satz: daß die feinſte Wolle ſchon in ſich alle übrige rückſichtswürdige Wolleigenſchaften ver— binde, beſtätiget ſich im Allgemeinen nach meinen Beobach— tungen(unbedeutende Ausnahmen können bey Begründung eines Syſtems in keine Betrachtung kommen: ſonſt kommt man zu keinem Schluß) vollkommen, und vereinfacht das Studium der Wolle außerordentlich, indem dadurch eine Menge Subtilitäten wegfallen, und Varietäten der Wolle, Krankheiten derſelben und Cultursfehler, z. B. Zwirnen und das Zuſammenkleben der feinen Wolle, ungewöhnliche Kürze derſelben, matte, ſchlottrige, gelbe Wolle, die Stich— haltigkeit der Sache nicht ändern können. Nur halte man bey der Zucht jederzeit hauptſächlich auf ſanft gekräuſelte und zart geſchlängelte Wolle— und alle wünſchenswürdige Ei⸗ genſchaften werden ſich für den Fabricanten und Okonomen, in dieſem Falle, in der höchſten Feinheit der Wolle bey einer Muſter⸗Cultur und guten Haltung des Viehes in ge⸗ ſchloſſenen Vließen vereinigen, indem dieſe nie zu bedeutend ſind, und nie als ein Fehler zu irgend einem Fabricate be⸗ betrachtet werden kann, da jeder Fabricant ſie um einen an⸗ gemeſſenen Preis verwenden kann, jedoch nur jene Fabrican⸗ 8 in ge⸗ „ d ſeutend Aate be⸗ gen an⸗ ndem d drey Neſchon „ver⸗ ach⸗ anung d inmt bo das bmweine 2 volle, ag enen zaliche aig'tic⸗ me wan ale und aee di 1 Comen, le bey 59 ten, welche hochfeine und ſanfte Waaren verfertigen, ſie preiswürdig zu bezahlen in der Lage ſind. Die HH. Vicomte Perrault de Jotemps, Fabry und Girod, gemeinſchaftliche Eigenthümer der Nozer Me⸗ rinos⸗Herde, behaupten in ihrer neuen Abhandlung über Wolle und Schafzucht von dem gegenſeitigen Zuſammen⸗ hange, in welchem die Wolleigenſchaften mit einander ſtehen, daß von der Feinheit des Haars zugleich ſein Charakter, ſeine Geſchmeidigkeit, Haltbarkeit, Länge und die verſchie⸗ denen Elaſticitäten abhängen, und erklären dieſes auf fol— gende Art: 1) Zuſammenhang zwiſchen der Feinheit und dem Charakter des Wollfadens. Daß die Feinheit mit dem Charakter, d. h. mit der Geſtalt ſeiner Röhre, im engen Zuſammenhang ſtehe, liegt wohl vor Au⸗ gen. Unſere Erfahrungen verſtatten darüber keine weitern Zweifel. Regelmäßige Kräuſelung iſt in der Regel immer mit Feinheit vergeſellſchaftet. Die letztere findet ſich zwar auch bey ungekräuſelter Wolle, aber nur als äußerſt ſeltne Aus⸗ nahme. Höchſte Feinheit iſt allezeit nur der gekräuſelten eigen. Deutſche und engliſche Beobachter haben viele Unter— ſuchungen über dieſen Gegenſtand angeſtellt, und ihre Re⸗ ſultate ſogar in eine Art Syſtem gebracht, dem zu Folge die Feinheit im genaueſten Verhältniß mit der Zahl und Form der Bögen des Wollfadens ſteht, dergeſtalt: a) Daß die Zahl der letztern, nach den verſchiedenen Graden der Feinheit, innerhalb der Dimenſion ei— nes Zolls von 8— 56, ja noch weiter wechſelt; b) daß bey gleicher Zahl in beſtimmter Länge derjenige Faden der feinſte ſeyn wird, welcher die kleinſten, aufrecht ſtehendſten, regelmäßigſten Bögen in gerader Richtung zeigen wird; c) daß derjenige Faden in der Feinheit am ausgeglichen— ſten ſeyn wird, deſſen Biegungen ihre regelmäßige Form von einem Ende bis zum andern am gleichſten beybehalten. Wir halten dieſe Beobachtungen für wichtig, haben ſie ſelbſt bis ins kleinſte Detail angeſtellt, und ſie, wenige Aus⸗ nahmen abgerechnet, vollkommen beſtätigt gefunden. 2) Zuſammenhang der Feinheit mit der Geſchmeidigkeit. Die letztere unſchätzbare Eigenſchaft ſteht im innigſten Zuſammenhange mit der Feinheit, was eben ſo begreiflich iſt, als daß ein Bindfaden leichter zu biegen und zu drehen iſt, als ein dickes Seil, oder das Menſchen⸗ im Verhältniß zu dem Pferdehaar. Dennoch kön⸗ nen Ausnahmen Statt finden, wenn nähmlich bey zwar gleichem Durchmeſſer die Fadenröhre dickere Wände hat, und von weicherer oder härterer Subſtanz iſt. 3) Zuſammenhang der Feinheit mit der Haltbarkeit. Er iſt ſchwer nachzuweiſen, aber doch nicht zu läugnen. Nach den phyſikaliſchen Geſetzen ſollte zwar die Feinheit des Fadens im umgekehrten Verhäͤltniß zu ſeiner Feſtigkeit ſtehen, unter übrigens gleichen Umſtän⸗ den. Letzteres iſt aber nicht der Fall. In der That behaupten Einige, wenn der Faden zu fein werde, verliere er an Haltbarkeit, und deßwegen müſſe man die Feinheit nicht zu weit treiben. Dieſe Meinung ſcheint uns ganz irrig. Nicht der vielen andern Vorzüge zu gedenken, die gewöhnlich mit der Feinheit vereinigt ſind; ſo verſchwindet ja dieſer vermeintliche Unterſchied in der Feſtigkeit des einzelnen Wollfadens ganz beym Kardaͤtſchen und Spinnen der Wolle. Bey dem Garnen aber wird un⸗ ter zweyen von gleichem Durchmeſſer derjenige der halt⸗ barſte ſeyn, welcher aus den allerfeinſten einzelnen Woll⸗ fäden geſponnen wurde. Eine natürliche Folge der Geſchmei— digkeit, deren innigen Zuſammenhang mit der Feinheit wir ſo eben bemerkt haben. Geſetzt, einem Körper gehe die Geſchmeidigkeit ab, ſo 61 wird ſeine Haltbarkeit in dem Sinne, wie wir ſie hier nehmen, einzig und allein von dem größern oder geringern Zuſammenhange ſeiner Theilchen abhängen. Iſt einmahl die Kraft dieſes Zuſammenhangs überwunden, ſo wird der Körper reißen oder brechen. Tritt aber der Fall ein, daß außer der Kraft, welche die Theilchen zuſammenhält, letztere auch noch geſchmeidig und elaſtiſch, d. h. fähig ſind, einer Spannung nachzugeben; ſo wird die Kraft, welche ſie tren— nen ſoll, nicht bloß den Widerſtand ihres Zuſammenhangs, ſondern auch ihre Fähigkeit zu überwinden haben, eine Spannung auszuhalten. 4) Zuſammenhang der Feinheit mit der Sanftheit. Dieſer muß wohl deßhalb Statt finden, weil die feinſte Wolle in der Regel auch die geſchmeidigſte iſt; Geſchmeidigkeit und Sanftheit aber in engſter Verbin⸗ dung ſtehen. Um jedoch die Sanftheit richtig zu beurthei⸗ len, muß ſie durch die gemeine und durch die Fabrikswäſche gehörig entfettet ſeyn. Außerdem können die beyden Fett⸗ arten, welche den Faden umgeben, leicht fremdartige Dinge aufgenommen haben, und dadurch die äußere Beſchaffen⸗ heit, beſonders aber die Glätte der Oberfläche, ändern. 5) Zuſammenhang der Feinheit mit der Länge. Mit höchſter Feinheit iſt gemeiniglich eine ſchein⸗ bare Länge von 1½— 2½ Zoll verbunden. 6) Zuſammenhang der Feinheit mit den verſchiedenen Arten der Elaſticität. a) Der in Form und Größe vereint ſich offenbarenden. Je mehrere und je regelmäßi⸗ gere Kräuſelungen vorhanden ſind, deſto elaſtiſcher wird der Faden ſeyn, d. h. deſto eher und vollkomme⸗ ner nach geſchehenem Auseinanderziehen wieder in die vorige Lage zurückkehren. Wir haben aber bereits oben gezeigt, daß, je feiner die Wolle iſt, deſto regel— mäßiger und vielfältiger ſie ſich kräuſelt. b) Der in der Größe allein ſich offenba⸗ renden. Je geſchmeidiger der Faden iſt, deſto länger läßt er ſich ausziehen, weil eben die Möglichkeit die— ſer Verlängerung eine Folge ſeiner Geſchmeidigkeit, ſo wie andern Theils ſeiner Feinheit iſt, da beyde Ei⸗ genſchaften mit einander in innigſter Verwandtſchaft ſtehen. Schwieriger iſt die Frage zu beantworten, ob der feinere oder gröbere Faden ſchneller und vollkommener wieder in die vorige Lage zurückkehren werde. Man muß den einzelnen Faden von den aus mehrern Fäden vereinigten Glocken unterſcheiden. Je feiner und glei— cher letzterer, und je paralleler die Lage ſeiner Fäden iſt, deſto länger wird er ſich ausziehen laſſen, und nachher deſto entſprechender wieder die vorige Geſtalt annehmen. Der einzelne Faden hingegen ſcheint, für das Auge wenigſtens, die hier in Rede ſtehende Ela⸗ ſticität um ſo mehr zu zeigen, je gröber er iſt. Dennoch muß man nicht aus der Acht laſſen, daß, da ſich der feinere Faden weit länger ausziehen läßt, er auch bis auf einen gewiſſen Grad ſtärker zurückſchnellen werde, wenn gleich nicht mit derſelben Leichtigkeit, als der grobe. c) Der in der Form allein ſich offenbaren⸗ den. Das umgekehrte Verhältniß hier ſpringt von ſelbſt in die Augen. Je gröber die Wolle und je mehr ſie folglich der Geſchmeidigkeit ermangelt, deſto ſchnel⸗ ler wird ſie ihre vorige Figur wieder annehmen. d) Des Krauswerdens nach dem Zerreißen. Jenes wird um ſo ſtärker eintreten, je geſchmeidiger, und folglich je feiner die Wolle iſt. So werden alſo die getrennten Theile eines groben, ſpröden Wollfadens geradlinig bleiben; bey einem ſehr feinen, geſchmeidi⸗ gen Faden hingegen der ganzen Länge nach ſich ſo —,— 63 ſchneckenförmig zurückwinden, daß ſie dem Anſchein nach zu einem Knötchen zuſammenſchrumpfen. e) Der Elaſticität in Maſſe. Je feiner und . geſchmeidiger die Wolle iſt, deſto mehr wird ſich eine Wollflocke durch Druck in einen kleinen Raum zu⸗ ſammenpreſſen laſſen. Umgekehrt aber, je gröber die Wolle, deſto eher wird ſie nach Aufhören der Preſ⸗ 4 ſung ihren vorigen Raum wieder einnehmen, ganz ſo, e wie es ſo eben vom einzelnen Faden bemerkt wurde. an Will man dieſe Ausfüllung des frühern Raums en dadurch befördern, daß man die Flocke auseinander l zerrt, und in die einzelnen Fäden zerlegt, ſo wird 8 man dann ſeinen Zweck weit weniger erreichen; da⸗ uh gegen wird die Wolle ihre vorige Geſtalt um ſo uit leichter und vollſtändiger wieder annehmen, je feiner fu und geſchmeidiger ſie war. d⸗ 7) Zuſammenhang zwiſchen der Länge und c. dem Charakter des Wollfadens. Allerdings hat die der Länge Einfluß auf letztern. Eine größere Länge macht den „ Wollfaden gewichtiger, und wird eben dadurch der völligen 3 Aufrechthaltung der Kräuſelungen hinderlich. Eine lange * Wolle ſchließt auch viel ſchwerer das Vließ, wird die Sta⸗ de pel viel getrennter zeigen, und dadurch allen von außen kommenden, nachtheiligen Einflüſſen, z. B. Näſſe, Sand ꝛc., * wodurch die Wolle einen Theil ihres Charakters verliert, un viel zugänglicher werden. mehr 8) Ihr Zuſammenhang mit der Geſchmeidig⸗ ſhna keit, Sanftheit und Haltbarkeit. Dieſer iſt nur 1 ein ſehr entfernter, ſo zwiſchen ihr und dem Vermögen des Fißen. Wollfadens ſich auszudehnen und zuſammenzuziehen, ſei⸗ kdign, nem Einſaugungs⸗ und Abſonderungsvermögen, dann zwi⸗ ulſo di ſchen ſeinen elaſtiſchen Eigenſchaften gar keiner Statt fin⸗ Elidenz det. Dennoch kommen ſie bey Prüfung der letztern in ſo hmeidi⸗ fern in Betracht, daß, wenn man zwey Wollfäden in Rück⸗ „ ſ0 ſſch ſo 3 V 64 ſicht der Form— Elaſticität mit einander vergleichen will, es eine weſentliche Bedingung bleibt, dazu zwey gleichlange Fäden zu nehmen; denn der längere wird durch ſein größe⸗ res Gewicht am gleich leichten Rückſchnellen gehindert.(Die Verhältniſſe der Länge zur Feinheit ſind ſchon bey dieſer er wähnt.) 9) Zuſamme nhang der Geſchmeidigkeit und des Charakters. Je zahlreicher bey gleicher Länge, je b— kürzer, horizontaler, gleichförmiger und nach einer und der⸗ ſelben geraden Richtung fortlaufender die Windungen ſind; deſto größer die Geſchmeidigkeit. b 10) Zuſammenhang der Sanftheit mit dem Charakter. Die Sanftheit, wie oben erwähnt wurde, hängt von der Biegſamkeit des Fadens und der Beſchaf⸗ fenheit der Oberfläche ſeiner Röhre ab. Dadurch entſtehen zwey verſchiedene Arten ihrer Prüfung. Die erſte, durchs 1 Befühlen, wird finden, ob die Oberfläche völlig eben iſt, oder Erhöhungen hat; zur zweyten müſſen mehrere Fäden vereint, oder ein Stäpelchen in Bürſtenform genommen, 3 und damit auf der Haut leicht hin und her gefahren wer⸗ den, um die Art der Biegſamkeit und Geſchmeidigkeit zu 4 beſtimmen. In Abſicht der letztern wird der Charakter regelmäßiger Kräuſelung, ſo wie er der hochfeinen Wolle zukommt, ein ſicheres Zeichen ſeyn. Die Ebenheit der Oberfläche aber dürfte bey dem ungekräuſelten Faden deßhalb mehr hervorſtechen, weil die gekräuſelte, eben um dieſer ſeiner Form willen, theils geronnene Fettklümpchen, theils fremdartige Dinge ange⸗ klebt haben kann. Aber die Wäſche nimmt dieß alles weg, und durch ſie verſchwindet auch die ſcheinbar größere Glätte der ungekräuſelten. In Abſicht aller übrigen Verhältniſſe könnten wir nur Hypotheſen aufſtellen. So z. B., daß das Röhrengewebe um ſo poröſer ſeyn werde, je mehr es ſich, ohne zu zerreißen, ind; ndem nurde, ſdee tehen purchs iſ/ 5 iͤden amen/ hwer⸗ git zu güüiger 8,, ein durfte ſſtechen/ en, theil De alge les wig, e Glatte zengevebe 3 erteißen 65 ausſpannen läßt, und daß folglich die Wolle, je geſchmeidi⸗ ger ſie iſt, um ſo geneigter ſeyn werde, die Räſſe anzu⸗ nehmen. Man nimmt in Öſt terreich nun ſchon hin und wieder fol— gende Feinheitsgrade der Wolle zur Norm an, wo⸗ bey der beyläufige Unterſchied des Prriſes in England zu⸗ gleich hier notirt wird. Wollmeſſer⸗Claſſe: Be⸗ 58 Preis ein F 3 r 5 Cono. ein Faden hat im Durchmeſſer nennung gr Sen 5 E 10 1 fl. kr. — r eines engliſchen Zolles Electa I.[1 Sch. 4 40 20,000 11 ¾— 12 ⅓ — detto.— II.—„—[a4llu⸗ 20,000 13— 14 —— dettöo..— III. 8— 3 44 20,000 14 ⅜h— 15 ¾ 22 detto brima I. 7— 3 16 20,000 16— 1— —— detto Secunda 6— 2 48 20,000 17 ¾— 18 ½ 4 — detto Tertia 4— 1 52 20,000 19— 20 detto.(Quarta 2—— 56 20,000 In der Regel nimmt auch das allerfeinſte Haar nach oben an Stärke mehr zu, als nach unten, welches dem Einfluß der Witterung beygemeſſen werden muß, weil das Wollhaar ein Mikrometer iſt, deſſen hornartiger Bau für den Einfluß der Witterung ſehr viel Empfänglichkeit hat; indem es ſich 5 es der Näſſe und Luft ausgeſetzt wird. Wo es ſich nicht um mathematiſche Verhältniſſe handelt, beurtheilt man, durch Vergleichung verſchiedener Haare gegen einander, die Feinheit am beſten mit bloßem oder bewaffnetem Auge. Feine Wolle iſt entweder geſchlängelt oder gekräuſelt*). Die Schlängelungen beſtehen in kleinen Bögen, welche bey echter feiner Wolle ſehr regelmäßig und übereinſtimmend ſeyn ſollen. Die innere Geſtalt der feinen Wolle iſt von der ordinären darin unterſchieden, daß die innere Markröhre im Verhält⸗ niß zu der Dicke der Wäͤnde größer iſt, wodurch der ſanfte Ton im Griffe begründet wird. Die Eigenſchaft der feinen Wolle als Stoff beſteht ferner darin, daß ſie bey gleicher Maſſe wärmer hält, als grobe, und auch länger der Reibung widerſteht. In Hinſicht der Verarbeitung gibt ſie einen längern Faden, läßt ſich beſſer einſchlagen, und gibt eine dichtere Decke, als grobe Wolle. Dagegen läuft eine grobe Wolle beym Walken ſchneller ein, und ſoll auch ſchneller die Farbe annehmen, vermuthlich weil die innere Markröhre des Haares bey grober Wolle verhältnißmäßig ſehr unbedeutend gegen die feine, ſanfte Wolle iſt, daher von dem organiſchen Fette weniger Wi⸗ derſtand findet. Auf dem Schafe läßt, vermuthlich aus der nähmlichen Urſache, die feine Wolle ſich ſchwieriger waſchen, als gröbere. Je feiner die einzelne Muskelfaſer iſt, deſto mehr Kraft äußert der geſammte Muskel. Je feiner daher das Haar, deſto dichter und inniger zuſammengefügt müſſen die Theile ſeiner Röhre ſeyn, deſto größer iſt ſeine Haltbarkeit, in— dem die Haltbarkeit von der innigſten Verbindung der Theile *) Selbſt in den Hörnern der Merinos bemerkt man eine Neigung, ihre Oberfläche wellenförmig zu bilden. mit Feuchtigkeit anſauget, wird es deſto gröber, je mehr R aren hält⸗ aunfte erner lobe, p der iſſer lle. win, wich olle zufte „Wi⸗ der 3 cen/ Kraft 2 Haak/ Idheile eit, in⸗ 2 Theil wjigung⸗ 67 abhängig iſt. Dieſe ſindet aber um ſo mehr Statt, je feiner eben dieſe Theile ſind. Daß mit zunehmender Wollfeinheit die Zaͤrtlichkeit des Körpers zunehme, dafür ſprechen bey gehöriger Cultur und Behandlung keine Beweiſe. Bey ſchütterfelligen Individuen wäre eine ſolche Beſorgniß freylich zu befürchten; aber ein ſolches Gebrechen muß man in der Zucht nicht einwurzeln laſſen. Die Meſſung der Feinheit nach der Zahl der Windungen iſt bey gekräuſelter Wolle zwar anwendbar, jedoch nur ſehr beſchränkt; bey feiner, ſchlicht ausgehender Wolle gar nicht; und bey gleich feiner Wolle von gedehnten Biegungen und Windungen, die zwiſchen gekräuſelter und ſchlichter Wolle beyläufig in der Mitte ſtehen, geht der Maßſtab ebenfalls verloren, und kann darnach weder beurtheilt, noch claſſiſi⸗ cirt werden. 97. Feinheit(des Haares) beſteht darin, daß der einzelne Faden unter dem Mikroſkope den möglichſt geringen Durch⸗ meſſer hat. 98. Feinheit:(durchgängige, der Wolle) will ſagen, daß die Wolle an den Spitzen ſo fein, als an der Wurzel gewach— ſen iſt, und oben nicht gröber ausgeht. Ungeachtet ſeiner rundlichen Form iſt das Wollhaar doch nicht immer ein voll⸗ kommener Cylinder, d. h. der Durchmeſſer iſt der ganzen Länge nach nicht immer derſelbe. Gewöhnlich iſt dasſelbe an der Wurzel feiner, als am Ende, und nur die Lammwolle, die in eine Spitze ausläuft, macht eine Ausnahme. Die HH. Eigenthümer der Nazer Merino⸗Herde ſagen dießfalls in ihrer Abhandlung über Wolle und Schafzucht: „Der Faden erhält ſeinen Zufluß von der in der Zwiebel befindlichen Flüſſigkeit, in welcher er gewurzelt iſt. Einen Theil davon verwendet er zur eigenen Ausbildung, ſondert aber wieder ab, was er hierzu nicht braucht. Da von der erſten, ſich in eine Spitze endigenden Lammwolle noch nichts abgeſchoren wurde, ſo kann die Abſonderung nur mittels der Poren im Röhrengewebe vor ſich gehen. Hat aber die b Schur einmahl den Canal der Röhre geöffnet, ſo wird durch V dieſe Offnung die Abſonderung viel leichter und häufiger von Statten gehen, und die Abſonderungs⸗Materie wird von ſelbſt ihren Zug nach dem geſtutzten Ende hin nehmen. Da übrigens der Faden mittels der Poren ſeines Gewebes auch einſaugen kann, ſo iſt wohl anzunehmen, daß dieſes Einſaugungsvermögen ſich am äußern Ende des Haares, alſo auf der Oberfläche des Vließes, weit ſtärker äußern wird, als in der Nähe der von der Sonne geſchützten Wurzel. Ein Grund mehr, warum das Haar am Ende dicker aus⸗ 105 fallen muß, als am Anfange. 99. Fett und Schweiß(der Wolle) überhaupt bewirkt, 105 daß ungewaſchene Wolle ſich ſanfter anfühlt, als im ge⸗ waſchenen Zuſtande. Der Schweiß entbindet ſich hauptſäch⸗ lich aus dem Körper, das Fett aber aus den Röhren der Wolle des Thieres. Dieſes nennt man die organiſchen, je⸗ nen, der öfters mit griesartigen Ausſonderungen der Haut vermengt iſt, die unorganiſchen Beſtandtheile des Fettes. Man findet das Fett am häuſigſten an der Bruſt, an den Schultern und Seiten, wo die edelſte Wolle, weniger aber an den Theilen, wo geringere Wolle wächſt, als: an den Schenkeln, Füßen, dem Genick, Hals und Schopf. Bey der Analyſe des Schweißes fand Vauquelin, daß er größ⸗ — ten Theils aus Seife mit einer Baſis von Pottaſche ꝛc. beſtehe. 100. Fett⸗(Schweiß vertrockneter). Dieſer in Form von Gries⸗ 10 körnern öfters in der Wolle erſcheinende Körperſchweiß iſt durch die kalte Waͤſche oft ſehr ſchwer herauszubringen, da⸗ her fehlerhaft. 101. Fett, klebriges, harziges(der Wolle) dient gewöhnlich zum Vehikel einer ſich anhängenden Schmutzmaſſe von Staub und andern Unreinigkeiten, und iſt wegen ſeiner klebrigen Natur ſchwer mit kaltem Waſſer aus der Wolle zu bringen. 102. Fett, öhliges, butterartiges(der Wolle). Dieſes bringt die 10 10. entgegengeſetzten Wirkungen hervor, und geht bey kalter Wäſche größten Theils aus der Wolle. Die Farbe ſoll eigent⸗ 1 lich weiß ſeyn. en 105. Fett(ranziges) macht eine Wolle kenntlich, welche ſchon zu de lange gelagert hat. uch 104. Feuchtigkeit und Näſſe(der Wolle). Anhaltend er⸗ ſſes weicht ſich die Haarmaſſe, ſowohl durch Regen, Thau und tes, Nebel, als durch die Ausdünſtungen dumpfiger Stallungen: din, daher man dieſen ſchädlichen Einwirkungen möglichſt vor— rzel. beugen ſoll. aus⸗ 105. Fettigkeit(die) der Schafe in Bezug auf Wolle; ſiehe Größe der Geſtalt. rirkt, 103. Gärber⸗Wolle und Wolle von kranken Thieren. u ge⸗ Unter erſterer wird eine Wolle verſtanden, welche meiſtens tſäc⸗ durch Beizen bey der Vorbereitung zum Gaͤrben gewonnen der wird. Beyde Wollſorten taugen nicht gut zum Färben, , je⸗ und ſind für helle Farben ganz unbrauchbar. Gärber⸗Wolle zaut widerſteht überhaupt allen Farben, die ſich mit Kalk nicht ttes. vertragen. Auch widerſteht ſie, falls ſie ſchon Kalk eingeſo— den gen hat, und ſonſt bey Kräften iſt, dem Zuſammenwalken cler am meiſten. Läßt ſie ſich hingegen gut walken, ſo liegt dieß den in ihrer natürlichen Schwäche; denn der Walke widerſteht ſtehe. veſtih „ Glits⸗ Poeiß iſ Jen, der z lich zun 3 Staub kebrigen bringen⸗ „ die zringt dle eine kraftloſe Wolle weit weniger, als Wolle im gehörigen Zuſtande; deßwegen filzt ſich die Raufwolle meiſtens ſchnell zuſammen. 107. Gedreht, gezwirnt wird eine Wolle genannt, welche falſch gewachſen und irregulär, zu ſtark gekräuſelt iſt. Dieſer Fehler trifft die ſchütterſte, oft allerfeinſte Wolle, und iſt zu Fabricaten, wozu die feinſte Wolle verwendet wird, un— brauchbar, weil ſie gewöhnlich mit einem zähen Fett ver⸗ geſellſchaftet iſt, und die Stapel ſich wirren. Derley Kräu⸗ ſelungen ſind bey der Bearbeitung nie ganz aus dem Faden zu bringen; daher liefern ſie ein ſchlechtes Fabricat. Die Haare in den einzelnen Strängen dürfen nicht ſo feſt zu— 69 ſammenhängen, und ſich verbinden, oder mit ihren Biegun⸗ gen einfalzen, daß ſie ſich ſchwer auseinander zupfen und ziehen laſſen, und ſich oben in den Spitzen ſpiralförmig drehen, wodurch dieſer Fehler hervorgeht. 108. Gefilzt im Wuchſe. Verworren, kreuz und quer verwach⸗ ſen. Wenn manche unveredelte Schafe alt werden, ſo filzt ſich ihre Wolle auf dem Rücken, daß ſie einem Üüberzug von Moos ähnlich ſieht, welches ein großer Fehler iſt. Die Wolle filzt ſich aber auch in Folge von Schwäͤche und Krank⸗ heiten. 109. Gezwirnt; ſiehe gedreht. 110. Gekräuſelt; ſiehe Kräuſelungen. 111. Gewäſſerte; ſiehe Wolle, gewüäſſerte. 112. Geſchlängelt; ſiehe Wolle, gewäſſerte. 113. Glatte Wolle. Wenig gekräuſelte Wolle, die viele Glätte hat, ſtellt am wenigſten ein geſchloſſenes Vließ dar; ihre Wolle erhält ſich nicht aufrecht ſtehend, ſondern legt ſich ſchlapp, hängend, und ihre offenen Spitzen wachſen im be— beſtändigen Mangel ansFett(Schweiß), und ſobald derley Thiere der Sonne, dem Wind, Regen und Staub ausgeſetzt ſind, verliert ſie ihr Leben und ihre Kraft, reißt, bricht und verwittert. 114. Größe und Fettigkeit der Schafe. Durch die Erfah⸗ rung hat ſich ſeither allgemein erwieſen, daß dieſe zwey Erſcheinungen ſich nicht mit der Feinheit der Wolle vereini— gen laſſen, indem die Wolle in dieſen Umſtänden ſich merk⸗ lich vergröbert. Die Wolle unterliegt in allen Umſtänden und Verhältniſſen dem Schickſal der Veränderlichkeit des thieriſchen Körpers. Das zarte Lamm erzeugt die zär⸗ teſte Wolle; das abgemagerte Schaf dünnere, Hun⸗ gerwolle; Fettſchafe eine ſchwammige, von heterogener Materie überfüllte, minder haltbare Wolle, u. ſ. w. Die Größe des Körpers ſteht, aus vielen Beobachtungen zu ſchließen, mit der Feinheit der Wolle in Wechſelwirkung zun⸗ und dhen, wach⸗ 8) filt erzug die rairank⸗ Silätte d ihre t ſch nahn be⸗ Aaberley ua zeſetzt äbricht dgrfah⸗ aig zweh Morteini⸗ 4) met⸗ gſtänden Akeit de a die zk⸗ d ee, Hun⸗ erogener dw. achtungen ſwirkung lwitt- 7¹ und Proportion. Man hat verſucht, die Merinos zu vergrö⸗ ßern, und ihre Wolle verlängerte und vergröberte ſich dadurch. Die ganz kleinen Merinos in Spanien, die um den vier⸗ ten Theil kleiner als die übrigen Merinos ſind, liefern keine ſo beliebte Wolle, als die Merinos aus den leoniſchen Wanderherden. In verſchiedenen Theilen Frankreichs hatte man die Merinos zu vergrößern geſucht; man geht davon aber durch öffentliche Vorkehrungen ganz ab. Auch in Deutſch⸗ land verfiel man in dieſen Fehler, und ich warnte öffentlich öfters dagegen. 115. Haut⸗Röthe. Bey geſundem Koörper verſteht man dar⸗ unter bey Schafen von hochfeiner Wolle nicht nur eine ſehr feine, gelinde und ſanfte, ſondern auch zugleich eine hoch⸗ rothe Fleiſchfarbe der Haut. Man nimmt an, daß die Haut auf die Beſchaffenheit der Wolle von größter Wichtigkeit iſt; z. B. die feinere erzeugt auch feinere Wolle; die di⸗ ckere und knorplichtere erzeugt verhältnißmäßig auch die gröbere Wolle, welches die Schenkel, Füße ꝛc. beweiſen: daher nicht nur bey Schafen gleicher oder verſchiedener Ra⸗ ce, ſondern von einem und demſelben Schafe, nach der ver⸗ ſchiedenen Beſchaffenheit des Körpers, die Feinheitsgrade der Wolle im Verhältniſſe mit der Dicke der Haut ſtehen. 116. Haut heißt das Fell, wenn die Wolle davon abgeſchoren worden iſt. Die Anatomie lehrt, daß die Haut aus drey Lagen über einander beſteht, die man als ſo viel beſondere Haͤute unter⸗ ſcheiden kann. Die Oberhaut beſteht aus lauter kleinen, ungleichen, durchſcheinenden Schuppen mit Furchen und Einſchnitten, zwiſchen welchen die Schweiß- und Ausdünſtungsgefäße lie⸗ gen. Die mittlere oder Netzhaut iſt ein Geflechte ſehniger Faſern, mit vielen Nervenwärzchen, kleinen Blutgefäßen, Drüſen und Schweißlöchern; die unterſte oder Fetthaut beſteht aus unzähligen, mit Fett gefüllten Blaͤschen und Zellen. Dieſe dreyfache Haut überzieht das Zellgewebe oder den Fettbehälter, wo ſich alles aus der Nahrung abge— ſchiedene Fett ſammelt. In dieſem Zellgewebe wurzeln die Haarzwiebeln, und empfangen hier den nöthigen Nahrungs⸗ ſaft zur Bildung und Entwickelung der Haar⸗ oder Woll⸗ röhren, durch deren Poren der Überfluß wieder abgeſchieden wird. Jener angemeſſen zubereitete Nahrungsſaft dringt durch die Poren der Haut bis zur Oberhaut, welche letztere durch Ver⸗ längerung die äußere Hülle als Haar⸗ oder Wollfäden bildet. Eine Wolle, die ſich den Weg durch eine ſehr feine Haut zu bahnen hat, wird nur wenig Nahrung bedürfen, und ſich ohne Mühe bald entwickeln; indeß diejenige, die eine dickere Haut durchbohren ſoll, nicht eher aus der Zwiebel hervor⸗ kommen wird, als bis der Zufluß der Nahrungsſäfte ihr die nöthige Kraft verſchafft hat, den ſich ihr entgegenſtellen— den Widerſtand zu überwinden, und ſie wird nun um ſo gröber zum Vorſchein kommen, je größer letzterer war, ſo daß, wenn ſie genöthigt iſt, durch eine callöſe, oder durch irgend einen Zufall verhaͤrtete Haut ſich durchzuarbeiten, ſie ſich mit ſolchen dichten und harten Wänden wird umge— ben müſſen, wodurch ſich die Haare charakteriſtiſch von der Wolle unterſcheiden. 117. Hitze(die) verurſacht einen zu großen Andrang der Säfte, wo⸗ durch ſich die Röhren zu ſehr erweitern und vergröbern. Bren⸗ nende Sonnenhitze macht die Wolle aber trocken und ſpröde. 118. Haar(das) iſt eine hornartige Materie, das innerlich in einer Röhre ein flüſſiges Mark enthält. Die Thiere hären in der Regel jährlich ab. 119. Haar(das grobe). Der Begriff von grobem und feinem Haar wird durch Vergleichungen, oder durch eine Woll⸗ Terminologie nach beſtimmten Maßſtäben beſtimmt. Durch letztere allein können den Feinheitsbezeichnungen des Woll⸗ händlers ſowohl als des Schafzüchtlers beſtimmte Begriffe unterlegt werden. mirch Anen, mge⸗ au der aawo⸗ ren⸗ röde. ch in an hären m einem Wcol⸗ Durch Woll⸗ ggriffe 73 120. Haar(das feine); ſiehe Haar(grobes), oder Fein⸗ heit der Wolle. 121. Haarnaht. Bey groben Schafen bilden nach der Schur die Stapeln in verſchiedenen Richtungen Linien oder Fur— chen, die ſich ſchon von weitem kenntlich machen; je weitläu⸗ figer dieſe Furchen von einander abſtehen, deſto ſchlechter; ſie verkündigen faſt immer Sprödigkeit der Wolle. Je mehr dieſe Haarnaͤhte durch Kreuz⸗ und Quer⸗Linien ſich präſen⸗ tiren, und je weitläufiger ſolche von einander ſtehen, je un— edler iſt die Wolle. Sie geſtatten zugleich allen widrigen Ein— flüſſen zu der Wolle Eingang bis an die Wurzeln. 122. Haar(die Zartheit des) hängt von der Feinheit des Fa⸗ dens, von einem möglichſt durchſichtigen Kern oder derglei⸗ chen Röhre, und einer möglichſt ſchmalen Hornumfaſſung ab. 125. Hunds⸗ und Ziegenhaare. Jene haben einen Waſſer⸗ ſchein, einen gewiſſen Zinn⸗ und Bleyglanz; dieſe den Schein von Kreide. Letztere, wenn ſie kurz ſind, heißen Stichelhaare. 124. Haar(plattes) iſt zur Fabrication mangelhaft, indem nur ein rundes Haar allein die Wolle in der Bearbeitung haltbar, gleichartig, walkbar und fähig macht, die Farbe gut anzunehmen. 125. Intelligenz. Man bedient ſich dieſes Ausdrucks öfters, um dadurch die Kenntniß, wiſſenſchaftliche Bildung und Klugheit des Landwirthes, z. B. bey der Zucht der Thiere und den Veredlungsgeſchäften der Wolle, auszudrücken. 126. Kräuſelungen bedeutet, wenn die Höhe der Bögen ge⸗ gen die Grundlinie verſchiedene ſtärkere oder ſchwäͤchere, re⸗ guläre oder irreguläre Krümmungen annimmt. Regelmäßig⸗ keit in den Kräuſelungen iſt die Hauptſache, und wenn die Krümmungen enge und nicht in ſchiefe Winkel auslaufen, ſchmal und nicht hoch ſind, in der Regel jederzeit mit großer Feinheit, Dichtheit und allen edlen Wolleigenſchaften ver— geſellſchaftet vorkommen. Im entgegengeſetzten Falle treten auch verhältnißmäßig veränderte, mindere Erſcheinungen ein. 127. Kräfte(der Wolle). Das gröbere Haar äußert ſeiner Natur nach größere Starrheit, Sproͤdigkeit, Schnellkraft, Zuſammenziehungskraft und Stärke, als das feine; dieſes dagegen größere Zartheit, Geſchmeidigkeit, geringere Schnell⸗ kraft, ſchwächere Krümpekraft und Zuſammenziehungskraft, als das gröbere. 126. Kälte wirkt wahrſcheinlich ſo nachtheilig, als die Hitze; die Wolle muß davon nicht nur ſpröde werden, ſondern der öhlige Haarſaft der Markroͤhre dadurch beſonders leiden. Kalte Winde, beſonders Zugluft und Sturmwinde, wir⸗ ken nachtheilig auf die Geſundheit, und letztere wegen Sand und Staub beſonders nachtheilig auf die Wolle und die Haut dieſer Thiere ein, indem die Winde die Wolle austrocknen, und der Staub das Fett in der Wolle, das Weſen, welches die Ma⸗ terie für ihre ausgezeichneten Eigenſchaften liefert, abſorbirt. 129. Lämmerw olle iſt diejenige Wolle, welche von den Läm⸗ mern abgeſchoren wird; ſie wird nach Qualitaͤt im Handel, nach der Feinheit und Länge des Fadens, in verſchiedene Claſ⸗ ſen eingetheilt, und ihr Werth darnach beſtimmt. Sie iſt am weichſten, und ihre Elaſticität iſt daher ſehr gering. Die Spitzen dieſer Wolle werden deßhalb am früheſten matt, dann gelb und bräunlich, und ſterben endlich ganz ab. Übrigens nennt man die Haare, in denen die Lämmer ge⸗ boren werden, nach Unterſchied: flaumartige Lämmerhaare, oder ſteife Lämmerhaare. 150. Mutterſchafe, dieſe dienen zur Erhaltung und Fortpflan⸗ zung. Bey Errichtung einer Schäferey muß man ſolche In⸗ dividuen wählen, welche zum beabſichtigten Zweck am ſicher⸗ ſten führen, worunter ich nebſt den Woll⸗Eigenſchaften (nähmlich der Geſchloſſenheit des feinen Vließes, der Stumpf⸗ heit, der regulären äußern und innern Bildung der Woll⸗ Sectionen, der Weiße und dem Glanz der Wolle ec.) auch das paſſende Alter verſtehe. Es verſtehet ſich, daß man bey den Böcken auf dieſe Qualitäten noch ſcrupulöſer ſehen muß, 15 156 soir⸗ rand S aut aund a NMa⸗ Neirt. rwim⸗ acel⸗ — ahaſ⸗ i zam .gdie zmnn rmn ge⸗ r zate/ en lan⸗ —. In⸗ a dicher a aften umpf⸗ 2 fauch n bey rui W Woll⸗ 75 als bey den Mutterſchafen, und ein Springbock, im ſtreng⸗ ſten Sinne des Wortes, fehlerfrey ſeyn muß, um alle etwa vorhandene Fehler in der Mutter durch die Descendenz ver⸗ beſſern zu können, daher ſich durch eine hochfeine, milde und doch kräftige Wolle mit gedrängten, flachen Bögen, durch tadelloſe, vollkommen gleichmäßige, ſtumpfe und auf⸗ recht ſtehende Woll⸗Sectionen, durch ausgezeichnete Gleich⸗ artigkeit in der Wolle, eine gefällige, dem Zweck entſpre⸗ chende Länge derſelben, durch ein vollkommen geſchloſſenes, ganz ebenes Vließ, und eine charakteriſtiſche Geſtalt auszeich⸗ nen muß. 131. Merinos⸗Wolle. Die Caſemir⸗Wolle wird für die Ver⸗ fertigung der Frauenzeuge, die man Merinos nennt, von den Fabricanten als die nothwendigſte in Betrachtung ge⸗ nommen, weßhalb man dieſe Wolle für dieſen Artikel am meiſten ſucht, weil die Shawl-Wolle zu ſelten und zu theuer iſt. 132. Merzvieh, iſt das im Frühjahr zur Zucht untaugliche, und zum Verkauf bezeichnete Vieh. Siehe Ausmerzen. 153. Mark, wird die in der Röhre der Wolle befndliche fettige Maſſe genannt. 134. Maſtung. Darunter verſteht man die wirthſchaftlich Art und Weiſe, alle Arten von Thieren zu einer größern und ſchwerern Körpermaſſe zu bringen; daher ihr Zweck iſt, Fett und Fleiſch zu erzeugen. 135. Nerv oder Kraft des Fadens; die mindere Zerreiß⸗ barkeit bey gleicher Feinheit ſtellt einen Verein von Kraft, Stärke, Haltbarkeit und Leben der Wolle vor: Eigenſchaf⸗ ten, die von der Haltung der Thiere abhängig ſind. Nerv iſt das Gegentheil von Schwäche und Schlaffheit der Wolle. 136. Ocher, Oker, eine gelbe und röthliche Erde, die aus ver⸗ witterten Erzen entſtanden, und häufig in Bley⸗, Kupfer⸗ und Eiſengruben angetroffen wird. Man gebraucht denſelben in Spanien hin und wieder bey den Hausſchafen(Merinos Eſtantes), mit Waſſer verdünnt, die Haut der Schafe damit anzuſtreichen, um ſie gegen den Sonnenſtich zu ſchützen; kommt indeſſen ſelten mehr in Anwendung. 157. Original⸗ſpaniſche Wolle. In Sypanien iſt alles Original⸗, aber nicht leoneſiſche Wolle, die von den beſten Herden geſchoren wird, welche ihre Wolle in die königliche Fabrik Guadalaxara abliefern müſſen. Die höhere Schafzucht war in Spanien von jeher mehr Werk der Natur, als der Kunſt; daher iſt die Wolle aus dieſen Herden, die ein ge— ſchloſſenes Ganzes bilden, und keinen Blutwechſel geſtatten, auch die vorzüglichſte. Die Spanier verkaufen ihre Wolle nach Köpfen und Vließen, und manche bekommen durch das Gewicht ſchwerer Vließe eben ſo viel, wie andere, die ein feines, leichteres erhalten. 156. Parallismus, gleichmäßige Fadenbildung, Klarheit und möglichſte Gleichartigkeit im Wuͤchſe des Wollfadens, iſt die übereinſtimmende Harmonie der parallelen Lage der Härchen in allen ihren Windungen. In der Regel dürfen die Haare nie unordentlich, verworren unter einander, ſondern müſſen gedrängt neben einander angelehnt, regelmäͤßig in gleicher Figur und Geſtalt im Stapel aufwachſen. 159. Prima⸗Wolle. Die Prima⸗Wolle hat in der Wollmeſſer⸗ Claſſe im Faden einen Durchmeſſer von 142— 15 72oooo eines engliſchen Zolles. Siehe Feinheit der Wolle. 140. Pelz heißt eine Haut ſammt der Wolle. 141. Quarta⸗Wolle, dieſe hat in der Wollmeſſer⸗Claſſe einen Durchmeſſer von 19— 20 /½οo eines engliſchen Zolles. 1 142. Rundheit des Wollhaares wird geprüft, ob ſolches rund iſt oder nicht, indem man das eine Ende des Woll— haares gegen das Licht mit der einen Hand feſt hält, und das andere Ende etwas dreht, und ſehr genau beobachtet, ob das Haar ſich immer gleich ſtark zeigt. Iſt dieß der Fall, ſo iſt dasſelbe rund, im Gegentheil aber nicht. 145. Rand heißt man die äußerſten Theile des Vließes. 150, r gllaſt 12 ülles. olches Wel⸗ — und / chti, at. Iſt r nchi⸗ 77 144 Raufwolle, die Wolle, welche den Schafen beym Lam⸗ men vom Euter gerupft wird; deßgleichen die vom kranken Vieh abgefallene Wolle. 145. Ribiſch. Hierunter wird rauhe, harte, unſanfte Wolle verſtanden. 146. Reinheit(der Wolle) iſt die Frucht einer guten Hal⸗ tung und Pflege der Thiere, wodurch ſich die Reinheit oder Reinlichkeit erhält. 147. Reproductionskraft(der organiſirten Körper) nennen wir diejenige ihnen eigenthümliche Eigenſchaft, vermöge wel⸗ cher ſich die abgenutzten, verſtümmelten oder verlornen Theile ihres Körpers wieder erſetzen. 148. Rauhe Hoſen, grobe, mit Hundshaaren vermengte Haare, die ſich an den Keulen oder untern Schenkeln erzeugen. 149. Schafwolle(die) beſteht aus einer hornartigen Subſtanz, die eine Röhre umfaßt, in welcher innerlich ein öhlichtes Mark enthalten iſt. Das ganz edle Wollhaar iſt entweder geſchlängelt(gewäſſert) oder gekräuſelt. Ausnahmen davon hält man für fehlerhaft, z. B. ganz ſchlichte Wolle, ſchrau⸗ benartig gewundene Wolle. Die Wolle wird nicht jährlich, ſo wie das Haar, vom Thier abgeſetzt. Ihre Reife und Zei⸗ chen des Abnehmens erkennt man an den abſterbenden obern Spitzen; dennoch wächſt ſie immer fort. Das abgeſchnittene Wollhaar erreicht ſeine natürliche Spitze nicht mehr, ſon— dern es behält ſofort die Form des Schnittes. Fütterung, Weide und Intelligenz haben einen großen Einfluß auf die Feinheit und Güte der Schafwolle; aber das Verhältniß und die Stufen der durch ſie bewirkten Verſchiedenheiten ſind unbe⸗ ſtimmbar, weil ſie von zu vielen örtlichen Verſchiedenheiten und Zufällen abhängen. 150. Stapel⸗Bildung, Woll⸗Büſchel, Woll„Sectionen, Woll⸗Flocken überhaupt, ſind Beſtandtheile des Schafpel⸗ es, wodurch derſelbe ſich eintheilt, und nach dem Zuſtande 5 der Veredlung aus vereinigten, an der Spitze in der Regel bundenen, mehr oder weniger regelmäßig ge⸗ zuſammen ver kraͤuſelten Wollfäden, die ſich ſchon auf der Haut nach dem Zuſtande der Edelheit in mehr oder minder regelmäßige, grö⸗ ßere oder kleinere Wollabtheilungen abſondern, und auf der Oberfläche des Vließes mittels ihrer gegenſeitigen Affinität dieſe Geſtaltung in den Scheidungen genau bezeichnen. Die in Stapel wechſelſeitig vereinigten Haare haben in ihrem Laufe gewöhnlich bis zur Wurzel herab eine nähere Verbin⸗ dung. Der Grund der Stapel⸗Bildung liegt in der Organiſa⸗ tion des Haares, indem ſonſt die Haare liegend wachſen müßten. Man ſieht gern, wenn die Stapel an der Haut einen Zuſammenhang haben, aber abwärts dürfen keine Haare von einem Stapel zu dem andern übergehen, welches man Verworrenheit und Unregelmäßigkeit nennen würde. Irregu⸗ läre Stapel geben irreguläre Gewebe, darum achtet der Wollkenner ſo ſehr auf jene, als Folgen und Kennzeichen einer Ungleichheit in der Structur und in dem Durchmeſſer der Haare. 151. Stapel(die Stumpfheit der) wird gelobt, weil die Wolle davon durch den geſchloſſenen Zuſtand als vollkom⸗ men lebendig, nähmlich geſund und wohlerhalten, angeſe⸗ hen werden kann, und die ſpröden, oft vermorſchten Spi— tzen vor den durch Staub, Regen und Winde verdorbenen flatterigen Wollſpitzen, welche der Fabricant abſchneiden und wegwerfen muß, hier nicht zu finden ſind. 152. Stapel(ungeſchloſſene). Dieſe zzeichnen ſich durch einen irregulären Wuchs und Bau der Wolle gewöhnlich aus; und obgleich zuweilen ſehr feine Schafe auch derley Stapel haben, ſo ſind ſie aus dem Grunde ſchädlich und zu verwerfen, weil die Wolle in einem ungeſchloſſenen Vließ allen ſchädlichen Einwirkungen ausgeſetzt iſt, und davon ſelten befreyt bleiben kann. 155. Stapelform(Gleichartigkeit der). Aus einer har⸗ moniſchen Gleichartigkeit in der Übereinſtimmung im Bau 155 106. „ 79 des Vließes ſchließt man auf einen harmoniſchen Charakter 1 der Wollhaare, und ein ſo gebautes Vließ wird nie ſchlechte 8 Wolle in ſich enthalten. det 154. Stapel(die Kegelform der) hängt bey guter Wolle itit davon ab, daß die Haare ſich dichter an einander legen; die denn ſonſt müßte ſie oben dicker werden, weil es die Haare tem doch immer um etwas ſind.— Bey fehlerhafter Wolle rührt Lbin⸗ es aber daher, daß nicht alle Haare bis zur Spitze auslau— niiſa⸗ fen, und deßhalb ſind zu ſpitze Stapel verdächtig. Wird hſen dder Stapel oben gar ſtärker, ſo iſt es mehrentheils ein Zei⸗ aut chen von langen, groben Spitzen. aate 155. Stapel(die Cylinderform der). Obgleich die Qts⸗ onan pel von unten nach oben etwas abgeſpitzt zulaufen, ſo zeich⸗ egu⸗ net ſich eine feine Wolle von einem regelmäßigen, dichten 4 de 1 Wuchſe überdieß durch eine Cylinderform aus. Dieſe Form uachen kann auch daher rühren, daß die Haare an der Wurzel aſer ſchon ſo dicht ſtehen, daß ſie ſich oben nicht mehr näher zu⸗ ſammendraͤngen können, welches eben ſo von der Zunahme beil ihres Durchmeſſers gilt. Sie wird daher nur bey ungemein u⸗ dichtem Wuchſe ein gutes, bey dünnerm aber ein ſchlechtes dſe Zeichen ſeyn. 2* 156. Stapel(Spitzen der). Dieſe nehmen nach der Größe ih⸗ enen rer Grundfläche ihre Geſtaltung an, und bilden ſi ſich hier durch de ihre Vereinigung. Bey hochfeiner Wolle, die parallel gewachſen iſt, ſollen 1 ſie in ſtumpfen Spitzen geſchloſſen ſeyn, welches aber bey du weitlaͤufig geſchlängelter oder ſchlecht gewachſener Wolle, wo hnüich die Haare in keiner harmoniſchen Geſtalt wachſen, nicht der waln Fall ſeyn kann, daher ſich nicht ſchließen, und ein zer⸗ dundi zauſtes Anſehen geben. Bey hochfeiner Wolle, die von Na— 1 Viah tur ſchütter gewachſen iſt, fügt es ſich, daß mehrere kleine — Vuvun Stäpelchen ſich zu einem größern verbinden, und ſich reihen⸗ ſr weiſe hinter einander anſchließen, wodurch die größern Sta⸗ pel in mehrere Spitzen ausgehen. 8⁰ 157. Stapel(die innere Geſtalt der). Dieſe richtet ſich nach der Structur des einzelnen Haares, und nimmt nach ſeinen Bögen die verhältnißmäßigen Erhöhungen und Ver⸗ tiefungen an. Je flacher daher dieſe Bögen ſind, deſto un— merklicher werden die gedachten Unterſcheidungszeichen. 158. Stapel(die äußere Figur der) ſoll bey einer feinen, regelmäßig gewachſenen Wolle cylinderförmig ſeyn, nähm— lich eine durchgängig gleichmäßige Dicke haben; die natür⸗ liche Länge der einzelnen Haare und deren Kräuſelungen beſtimmen die Länge der Stapel; und je kleiner dieſe Woll— Sectionen im Durchſchnitt ſich von einander abſcheiden, deſto feiner und edler iſt gewöhnlich ihre Wolle. 159. Stapel(von grober Wolle). Derſelbe iſt bey grober Wolle oft 1—2 Zoll breit an der Grundfläche. Die Spitze beſteht nur aus den längſten mittlern Haaren, indem die weiter davon ſtehenden den gemeinſchaftlichen Mittelpunct um ſo weniger erreichen können, je weiter ſie davon entfernt ſind, daher ſich nur ſchräg an dieſe anlehnen können. 160. Stapel(von feiner Wolle). Je feiner und kürzer die Wolle iſt, deſto kleiner iſt die Grundfläche davon. Die Wollhaare laufen hier alle parallel in eine Spitze aus. Bey feiner, kurzer Wolle ſtehen die Woll⸗Sectionen meiſtens ſenk⸗ recht und gleichartig, was bey langer oder grober Wolle nicht der Fall iſt, indem dieſe bey zunehmender Länge eine ſchräge, bauchige und ſchlotterige Geſtalt annehmen. 161. Stapel(die Grundfläche derſelben und deren hohe und niedrige Wolle). Die Grundfläche formt ſich gewöhnlich in eine rundliche Geſtalt, die bald größer, bald kleiner iſt, und von der Länge und Feinheit, und von der Reichwollig— keit oder Dünnfelligkeit der Thiere abhängt. Zur Beſtimmung der natürlichen Stapelhöhe des Vließes ſind die Ausdrücke: hoch und niedrig geſtapelte Wolle, beym Leipziger Woll⸗Convent angenommen wor⸗ den, indem ein niedriger Stapel, welcher gedrängtere Bö⸗ 165 elungen Vol⸗ a, deſt i grodet Spite ddem die Lelpunct antfernt 1 u kürzer au. Die 8. Bey anſenk⸗ a Volle ge eine . a hohe nüyrüi Deine in, dwolig⸗ d4es 3 Vließei Ite abelte F a wen wol⸗ tere Bo⸗ lle 81 gen hat, ſich aber mehr dehnen läßt, einen längern Faden liefert, als ein hoher, der ſich weniger dehnen läßt. Ob⸗ gleich im Allgemeinen die Wolle mit gedrängten Bögen ſtumpfe Stapel mit geſchloſſenem Vließe zu bilden pflegt; da⸗ gegen die mit gedehnten Bögen ſpitzige Stapel mit offenem Vließe: ſo trifft dieß doch nicht immer zu. Um dieſen Un⸗ terſchied aber noch beſonders zu berückſichtigen, wurde die Benennung: ſtumpf und ſpitz geſtapelt als Unter⸗ ſcheidungszeichen angenommen. Herr Staatsrath Thaer ſagt dießfalls ſehr richtig in ſeinen Anmerkungen:„uUnter ſpitziger Stapelung wird hier nicht das in eine völlige Spitze ausgehende, was man ſgpitzig nennt, und welches alle Mahl fehlerhaft iſt, weil es eine Ungleichheit der Haare anzeigt, verſtanden. Die Stapel, welche unten zuſammenhängend ſind, trennen ſich aber ober⸗ wärts oft in viele einzelne, die dünn zulaufen.“ Es findet dieß hauptſächlich bey hochgewachſener Wolle Statt. Das Vließ erſcheint dann äußerlich fladrig(ſchütter), obwohl es auf der Haut nicht immer ſo iſt. Es iſt nicht ge⸗ ſchloſſen, ſondern offen. Vormahls hielt man dieß für eine Anzeige hoher Feinheit; jetzt liebt man es nicht, ſondern zieht ſtumpfe, jedoch geſchloſſene, nicht ſtrauchige Stapel, die dann ein geſchloſſenes Vließ bilden, vor. Gewiß iſt es, daß ein geſchloſſenes Vließ der Verunreinigung und der Einwir⸗ kung der Atmoſphäre weniger ausgeſetzt iſt, ſich deßhalb viel reiner darſtellen läßt, und einen höhern Glanz hat. Auch ſind die Haare von oben bis unten von gleicherer Feinheit, und von gleich dichten Windungen.— Derley hoch und niedrig geſtapelte Wolle wird, gleiche Feinheit und Sanftheit vorausgeſetzt, noch immer am theuerſten bezahlt. 162. Stichelhaare. Siehe Wollhaare(unechte). 165. Schütterheit, Lockerheit und Dünnheit des Vliehes iſt gleichbedeutend. 6 8² 164. Schlachtwolle wird von abgeſtochenen Thieren ge— wonnen. 1 165. Salzgeben(das) will ſo viel ſagen, als den Schafen nur von Zeit zu Zeit ſo viel davon geben, als zur Beför— derung der Geſundheit und der Wolle erforderlich iſt. Zu viel Salz gefüttert, trocknet den Körper innerlich, gleich hitzigem Futter, zu ſehr aus. 166. Schienkel⸗ und Fußwolle, Wolle von den unedlen Theilen des Körpers. Solche wiegt gewöhnlich ſchwerer, als Wolle von einer gleichen Fläche der edlern Stellen. 167. Secund a⸗Wolle. Davon hat in der Wollmeſſer⸗Claſſe ein Faden im Durchmeſſer 16— 17h 66a.0s eines engliſchen Zolles. Siehe Feinheit der Wolle. 168. Spinnen(das) der Wolle heißt, wenn an den Seiten der Schafe herabhängende Strickchen von zuſammengedrehter Wolle ſich bilden. 169. Spiralförmig, ſchraubenförmig gedrehte Wolle; wo das ganze Vließ gleichſam über der Haut unmittelbar ſpiral⸗ m oder ſchraubenförmig, in kleinen Strähnen vereinigt, in eine gemeinſchaftliche Stapelſpitze ausgehet, welches ein ſehr verderblicher Fehler iſt, indem ſie kein dauerhaftes Fabricat r liefert, die Fäden ſich leicht filzen, und ſchwer zu bear⸗ beiten ſind. r 170. Sortirung der Wolle heißt, ſolche in feſtgeſetzte Sorten eintheilen. Bey dieſem Geſchäft wird die Feinheit und Gleich⸗ heit des Fadens in Hauptrückſicht genommen, um die Wolle in beſondere Sorten einzutheilen. In der Übung des Au⸗ 1 genmaßes, zur ſubtilſten Unterſcheidung der Feinheitsgrade 17 und zur Feſthaltung gewiſſer beſtimmter Gränzen eines jeden Sortiments, liegt hauptſächlich die Schwierigkeit der Er⸗ langung von Wollkenntniß.— Für das praktiſche Leben iſt es wohl der ſicherſte und kürzeſte Weg, den Durchmeſſer des Haares nach dem Auge zu beſtimmen, indem mathematiſche Beſtimmungen für die Wiſſenſchaft, aber nicht für das prak⸗ hafen heför⸗ c. Zu gleic edlen er, als SClaſe S iſchen Den der — Brehter Aa wo zwiiral⸗ im in tn ſehr ſ kicat ¹z hear⸗ anorten mrleich⸗ am Wole 421* Au⸗ mitsgrade s ſeden n der Er een i — eſer de a matiſte 4 us ptal⸗ 8³ tiſche Leben gehören; und nur von den Reſultaten, welche die Wiſſenſchaft gibt, müſſen die Anwendungen in ihrer näͤhern Beſtimmung zur Pragis eigentlich benutzt werden. Die ökonomiſche Sortirung iſt von der merkantiliſchen ſehr ver— ſchieden. Der Dkonom begnügt ſich, dieſes Geſchäft bloß im Allgemeinen zu behandeln, dem Sortirer das Geſchäft zu erleichtern, und zugleich dem Käufer die Gewißheit des Vorhandenſeyns dieſer oder jener Sorte in den verpackten Säcken nach dem Gewicht zu verſichern. Zu dieſem Behuf theilt der Producent ſeine Herden nach den Claſſen der Fein⸗ heit ab, ſchert die Wolle in ganzen Vließen darnach in ab⸗ geſonderte Haufen ab; aller Schmutz, alle Flock⸗, kurze, Bein- und auch gelbe Wolle, wird ebenfalls in beſondere Haufen abgeſchieden, auf dieſe Art jede Sorte abgeſondert verpackt(jedoch wird die gelbe und kurze Beinwolle von allen Claſſen nur in zwey Haufen zuſammengeſchoren), und ſo eingeſackt und verkauft. 171. Sortiments⸗Gränzen. Dieſe haben bisher beym Han⸗ del bloß in der Meinung gelegen, und waren früher noch nicht wiſſenſchaftlich beſtimmt. 172. Stechhaufen. Unter dieſem Ausdruck wird das auf der Fett⸗ weide zur Maſt befindliche Schafvieh verſtanden. 175. Schaffleiſch. Iſtt eine der geſundeſten, nahrhafteſten Spei⸗ ſen für Menſchen, wenn es weich, ſaftig und mürbe iſt. Alle Theile des thieriſchen Körpers, die nicht Knochen, Haut, Adern oder Knorpel ſind, verſteht man unter Fleiſch⸗ 174-Schafmilch. Eine bekannte weiße, fettige Flüſſigkeit, die in dem Euter der weiblichen Thiere erzeugt wird, aus wel⸗ cher nebſtdem, daß ſie zur Nahrung der neugebornen Thiere dient, Butter und Käſe erzeugt werden. Die Schafmilch iſt reicher an Fett⸗Theilen, als die Kuhmilch, aber die aus Kuh⸗ und Ziegenmilch abgeſchiedene Butter iſt feſter, als die von der Schafmilch. Nach Briſſous Unterſuchungen ha⸗ * ben die gewöhnlich vorkommenden Milcharten folgende ſpe— cifiſche Gewichte: Milcharten Aräometer Speciſiſches Gewicht Schafmilch.. 66,7 1040,9 Eſelsmilch.. 58,0 1035,3 Pferdmilch.. 57,0 1034,6 Ziegenmilch.. 56,0 1034, 1 Kuhmilch.. 54,0 1052,7 Frauenmilch.. 34,0 1020,4 175. Schafſchweiß. Siehe Fett der Wolle. 176. Seidenartiges Gefühl der Wolle, iſt gleichſam die erſte charakteriſtiſche Eigenſchaft hochedler Wolle, womit auch jederzeit der reine Seidenglanz vergeſellſchaftet iſt. Das ſeidenartige Gefühl, wodurch der gute Zug ſolcher Wolle entſtehet, liegt in dem Attractions Vermögen der einzelnen Fäden zu einander, der ſich aus dem Grundcharakter der feinen, gleichmäßigen, niedern Biegungen der Wollfäden er⸗ gibt. Siehe Parallismus. 177. Schafzucht(der) Hauptzweck; dieſer iſt entweder a) Woll⸗ verkauf; b) Zuchtviehverkauf; c) Schlachtviehverkauf; oder d) Düngererzeugung. 178. Springwidder iſt das männliche Individuum zur Nach⸗ zucht. Man fordert bey Veredlungen von ihm, daß er alle Eigenſchaften in einem weit höhern Grade, als die Mut⸗ terſchafe, beſitzen muß, indem durch die Descendenz ſonſt keine Verbeſſerung in der Nachzucht durch ihn hervorgehen kann; daher ein ſolches Thier ſich durch eine kurze, ge⸗ drängte Wolle mit ſtumpfen, faſt cylindriſchen Stapeln, feſt geſchloſſenem, faſt ganz ebenen Vließe, engen, feinen, flachen Windungen des Haares, durch ausgezeichnete Gleich— artigkeit der Wolle, eine nützliche, dem Zweck des Fabricats entſprechende Länge derſelben, und eine kraftvolle ſchöne Ge⸗ ſtalt auszeichnen ſoll. Ein öfterer Wechſel mit Springwiddern von fremdem 85 lhe⸗ Blut, auch mit den vorzüglichſten Eigenſchaften, wirkt un⸗ gleichartig in der Descendenz. 6 179. Schöpſe ſind die geſchnittenen männlichen Individuen, welche wegen der Veredlung des Fleiſches, und wegen ihrer größern Neigung, Fett anzuſetzen, aus merkantiliſchen Ur⸗ 3 ſachen caſtrirt werden. 180. Schurplatz. Darunter verſteht man einen ſehr reinen, ge⸗ räumigen Platz, der vorzüglich von feinem Staub gereini⸗ get werden muß. In manchen Gegenden ſchert man auf Raſen, in andern auf Bretern, in noch andern auf ſtei⸗ ſan nernen Platten oder auf Ziegelſteinpflaſter. mi 181. Schafſchere. Die Scheren ſind bey der Schafzucht von des größter Wichtigkeit. Die nach engliſcher Manier von ge⸗ alle goſſenem Stahl verfertigten ſind allgemein als die zweck⸗ ne mäßigſten anerkannt, und werden nun auch bey uns in a der Oſterreich, ſowohl in Bieſting in V. U. W. W., als in i er⸗ Troppau in öſterreichiſch Schleſien, von guter Qualität verfertiget. Süal 182. Scheren der Wolle. Dadurch wird die Wolle vom Körper des Thieres getrennt, und es liegt im Zweck der ſuder Arbeit, daß ohne Beſchädigung der Thiere die Wolle ſo . genau, als möglich, an der Haut— nähmlich durch wenig 42 Einſchlagen, um dadurch Staffeln zu vermeiden— abgeſchoren 4 werde. us us 183. Shawl⸗Wolle. Hierzu wird die allerfeinſte, flachge⸗ 18 ſenſt ſchlängelte, gleichſam ſchlicht ausgehende und, wo möglich, e nehen mit einem ſeidenartigen Glanz verbundene Wolle, beſon⸗ 13/ ge ders zu ihren künſtlich gearbeiteten Kanten, geſucht. Sie 2 uin/ iſt die leichteſte, und gibt von einem beſtimmten Gewicht r feinen ſehr viel Geſpinnſt. Sie kann nur aus größern Quantitäten lih der feinſten Wolle zu dieſem Zweck herausgeſucht werden. S ias Die ſogenannte Caſemir-Wolle taugt in Anſehung der 2 ne Ge⸗ Länge für dieſes Fabricat, indem nur lange Wolle dazu paſſend iſt. 85 184. 185. 186. 187. 188. 189. Tuchwolle(ſtarke). Dieſe erfordert eine ſtark gekräuſelte, krümpende, glänzende Wolle, die Nerv in ſich vereiniget, um ein ſtarkes, lederartiges, glänzendes, regenabhaltendes Tuch daraus verfertigen zu können. Tuchwolle(minder ſtarke). Hierzu wird der Aufzug von Wolle mit ſtarken Kräuſelungen, die höchſtens nur halbe Bögen bilden, der Einſchlag aber von feinerer und ſanfterer Wolle genommen. Tuchwolle(hochfeine). Zu den leichten, ſanften, glän⸗ zenden und geſchmeidigen hochfeinen Tüchern wird vorzüg— lich die feinſte, ganz geſchlängelte oder ſogenannte ge— wäſſerte Tuchwolle von einem vorzüglichen Parallismus und ſtarken Glanz geſucht, und wegen ihrer Seltenheit auch im Preis gewürdiget. Temperatur. Man verſtehet darunter den Waͤrmeſtand einer Sache, einer Gegend, eines Stalles, u. ſ. w. Thau nennen wir Dünſte, welche ſich im Sommer aus der Erde erheben, in wäſſeriger Geſtalt auf die Körper nieder⸗ fallen, und wegen ihrer ätzenden Beſtandtheile ſchädlich auf die Wolle und Geſundheit der Schafe einwirken. Tränken der Schafe. Bekanntlich kann das Schaf we⸗ gen der Structur ſeiner vier Magen, worunter in der Haube eine Feuchtigkeit, wie in einem Schwamm zur Anfeuchtung des gekauten Futters enthalten iſt, wie das Dromedar und Kamehl, das Trinken auf lange Zeit entbehren. Dennoch ver⸗ mag es nicht, ganz ohne ſolches zu ſeyn; und je weniger ſaft— reich die Nahrung iſt, deſto nothwendiger wird das Saufen, um die Geſundheit des Körpers und die Güte der Wolle nicht zu gefährden. Das erforderliche Quantum beſtimmt die Natur des Thie⸗ res ſelbſt, man biethe es ihm nur zu gehöoriger Zeit täglich an. Allzu viel Feuchtigkeit des Körpers erzeugt Grobheit und Gehaltloſigkeit der Wolle. Alte/ 1, Gndes d von t halbe fterer 3 glän⸗ rzig⸗ 11. ge⸗ Sis und 3n auch rheſtand .9 us der meder⸗ danz auf a88 we⸗ ut aube uintung amt und nacchet⸗ a uel ſaft⸗ 1'aufen, Vole e ds Tiie Aſer 3i 7 heit und 87 190. Tertia⸗Wolle. Davon hat in der Wollmeſſer⸗Claſſe ein Faden im Durchmeſſer 17¾ bis 18% c⸗ eines engliſchen Zolles.— 191. Überbilde n, verbilden, zurückſchlagen, nachlaſſen, über⸗ reizen, fahren laſſen, wieder in den Urſprung zurücktreten; z. B. Wolle von flach gebildeten Kräuſelungen kann ſchlicht oder haarartig ausfallen, und iſt in dieſem Falle als über⸗ bildete, ausgeartete oder überreizte Wolle anzuſehen. 192. Ungezwirnt, ungekraͤuſelt, glattwollig. 195. Unterſchied der Wolle und des Haares. Das Haar der Thiere wächſt jährlich gewöhnlich im Frühjahr: die Wolle aber wächſt mehrere Jahre auf dem Körper des Thie⸗ res fort. Das Haar nimmt allemahl, ſo oft es auch abge— ſchnitten wird, wieder eine ſpitzige Geſtalt an, dagegen die Wolle, ſchräg abgeſchnitten, immer ſo bleibt. Echt edle Wolle iſt immer geſchlaͤngelt oder gekräuſelt, und ſelbſt bey der ſchlichten, haarartigen und ganz groben Wolle iſt mir noch nie eine ganz geradgewachſene Wolle, ohne Spuren von Kräuſelungen, vorgekommen. Das Haar iſt nie geſchlängelt. 194. Vließ. Darunter verſteht man den ganzen abgeſchorenen Schafpelz, der nach dem Zuſtande ſeiner Edelheit die Woll⸗ Sectionen oder Stapel in verſchiedener Geſtaltung darſtellt und enthält. 195. Vließe(kurze); dieſe zeigen nichts weiter an, als eine ſtarke Kräuſelung und Elaſticität der Wolle, aber keineswegs eine Reichwolligkeit. 196. Verluſt der Wolle durch die Waſche. Man nimmt an, daß ungewaſchene, fette, ſehr unreine Wolle 60 bis 66 Procent, eine ſehr gute Pelzwäſche 15, und eine mitt⸗ lere 30, hingegen eine ſchlechte 50 Procent Verluſt bey der Fabrikswäſche leide. 197-Verfilzung der Wolle. Siehe gefilzt. 196. Vließ(Feinheit des). Man hält ein Pließ für um ſo feiner, je kleiner die Grundflaͤchen der Woll⸗Sectionen ſind, 88 je geſchloſſener ihre Spitzen, und je paralleler oder über⸗ einſtimmender in regelmäßiger Richtung und Geſtalt die Wolle wächſt. 199. Vließ(die Vielwolligkeit oder Schwere des) iſt abhängig von der Größe der Race, von der Dichtheit und Länge der Wolle; und ihr Werth wird beſtimmt nach dem Verhältniß der edlen zu den unedlen Theilen. 200. Vollwolligkeit deutet eine gute Haltung und Ernäh⸗ rung der Schafe an, wenn nach der Eigenthümlichkeit des Thieres die Wolle ſich in ihrer ganzen Vollkommenheit aus⸗ gebildet hat. Siehe auch: dichte Wolle. 201. Verworrene Wolle iſt die beſtändige Gefährtinn von ſpröder, im Gefühl harter Wolle. Hohe und unregelmaͤßige, hauptſächlich ſchraubenartig gewundene Wolle iſt jederzeit ein Beweis von Sprödigkeit. Verworrene, durch einander lie⸗ gende Wolle läßt ſich nicht ſo weit ausdehnen, als ſolche, die in gleichen Krümmungen mit einander gleichlaufend iſt. Siehe auch gefilzt*). 202. Vielwolligkeit, Reichwolligkeit eines Thieres beruht nicht allein in der Dichtheit der Stellung und des Wuchſes der Haare, ſondern auch in dem Verhältniß der Länge, welche eine Wolle zugleich hat. Eigentlich iſt hier⸗ unter nichts anders zu verſtehen, als Vereinigung der mei⸗ ſten Wollfäden, die auf einem gegebenen Raum, der Zahl nach, Platz finden. Ein hochfeines Schaf kann daher deren auf einem gegebenen Raum viel mehrere erzeugen, als ein anderes, von minder feiner Wolle. 205. Verpacken der Wolle. Dieſes geſchieht gewöhnlich in Säcken von Zwillich oder feſter Leinwand. Die Vließe wer⸗ den gewöhnlich einzeln, oder auch mehrere zuſammen, gewi⸗ *) Unter verworrener, unregelmäßig gewachſener Wolle verſtehe ich eine o nn gebaute. —— ———————— u ckelt, ſo daß die Spitzen der Haare hinein, und die an der ri Haut abgeſchorene Wolle nach außen gewendet werden. 20. Wolle wird, in der ausgedehnteſten Bedeutung des Wortes⸗ ) jedes Haar der Thiere genannt, welches eine natürlich ge— end kräuſelte Form wahrnehmen läßt, unter ſich einen größern wten natürlichen Zuſammenhang hat, wie Baumwolle, und ſich von bloßen Haaren unterſcheidet; ausſchließlich wird aber das i⸗ Haar der Schafe mit jenem Nahmen belegt. Der Wollfaden * Zdes entſtehet in dem unter der Haut befindlichen Zellgewebe, aus 1 ut⸗ einer bald runden, bald ovalen Zwiebel, in welcher zu ſeiner Ernährung das Blut eine ſchleimige Feuchtigkeit abſonderr. irvon Die Zwiebel beſteht aus einer Doppelhaut, welche unmittel⸗ b , bar die Wurzel des Wollhaares umgibt. Dieſe Wurzel ſucht gein ſich einen Weg durch die Haut, und ſondert ſich von der n adnlie⸗ äͤußern Zwiebelhaut ab, gelangt zu der Oberhaut, hebt dieſe, 4 Nhe, ohne ſie zu durchbohren, bildet ſich vielmehr aus ihr eine a1 Kusſiſt. Scheide, die ſich aufs innigſte mit der innern Zwiebelhaut vereinigt. Höchſt wahrſcheinlich ernährt ſich jedes Haar, alſo 3 Ates auch der Wollfaden, wie die Pflanze, mittels der in ſie ein— enndes dringenden und ſie erweiternden Circulation einer Flüſſig⸗ hi ümder keit, wobey zugleich, wie Derham gezeigt hat, die unmerk⸗ h 1iter⸗ liche Ausdünſtung Statt hat, als organiſche Verrichtung 9 nt ei⸗ des Haares. Die Poroſität im Gewebe des letztern, alſo auch 1, Besah des Wollfadens, ſetzt es in den Stand auszudünſten und einzu⸗ Swerrn ſaugen. Da aber das Haar mittels der Poren ſeines Gewebes 1 Kan Nahrung einſauget, ſo iſt nicht zweifelhaft, daß dieſes Ein⸗ . ſaugungsvermögen auf der Oberfläche des Pließes an den G kachi Wollſpitzen ſich weit ſtärker äußern wird, als an dem geſchütz⸗ „n nu⸗ ten Theil der Wolle, wo ſolche aus der Wurzel entſprießet; 18 geui daher das Haar in der Regel oben dicker ſich ausbilden muß⸗ als an der Wurzel*). e ic*) Die Herren Vicomte Perrault de Jotemps, Fabry und Girod— 1 1 alle drey Eigenthümer der Nazer Merinos⸗Herde im Bezirk Gex⸗ 89 00 4 205. Wolle(Begriff). Der Unterſchied gegen das Haar wird von den Meiſten darein geſetzt, daß die Wolle an der Haut des Departements de l'Ain in Frankreich— ſagen in ihrer neuen Abhandlung über Wolle und Schafzucht,(wovon eine ſehr gehalt⸗ volle abgekürzte Überſetzung in André's ökonom. Neuigkeiten 1824 enthalten iſt), über dieſen Gegenſtand ſehr ſchön und gründlich: „Die Chemie, welche in unſern Tagen die National⸗Induſtrie ſo außerordentlich gefördert hat, ſcheint doch der Wolle noch nicht die gehörige Aufmerkſamkeit gewidmet zu haben. Zwar hat ſie die⸗ ſelbe gleich andern haarigen, animaliſchen Subſtanzen der Ana⸗ lyſe zur allgemeinen Vergleichung, nicht aber für die beſondern Zwecke des Technikers, unterworfen. Der Landwirth und Fabricant erwarten aber gerade von ihr die beſte Belehrung. Sie ſollte den Wollfaden von ſeinem Entſtehen bis zur gänzlichen Entwickelung, und von da an, wo er vom Schafe getrennt wird, bis zu ſeiner Einwebung in die mancherley Zeuge verfolgen. Sie ſollte den Ein⸗ fluß ergründen, mit welchem gewiſſe äußere Einwirkungen auf die 207. Wollbeſchaffenheit einwirken, und die verſchiedenen Zubereitungen, die ihr gegeben werden, prüͤfen, um zu belehren, worauf man bey der Zucht vorzugsweiſe zu ſehen habe, und welches das beſte Ver⸗ fahren bey der Wäſche und bey der ganzen Fabrication ſey. Der Wollfaden iſt ein feſter Körper, und kann gewiſſer Maßen als ein verhärteter Schleim betrachtet werden, mit welchem ſich eine öhlichte oder ſeifenartige Subſtanz verbunden hat. Sein feſter Theil iſt weder im kalten, noch im warmen Waſſer, auch in der höchſten Temperatur nicht auflösbar, außer wenn ätzende Mittel hinzu kommen. Der öhlige Theil umgibt den Faden von außen und iſt in ſeinem Innern enthalten. Im Innern bildet er das Mark oder den Nahrungsſaft, von außen den Schweiß und das Wollfett. Der Schweiß loͤſet ſich im kalten Waſſer auf, das Wollfett aber nur im warmen, und bedarf auch hierzu noch der Beyhülfe einiger an⸗ derer Subſtanzen, nahmentlich des Schweißes ſelbſt. Mit beyden Flüſſigkeiten ſtehet ohne Zweifel das innere Mark in naher Verwandtſchaft, und verdankt es nur ſeiner Hülle, daß die Agentien, welche Schweiß und Fett auflöſen, nicht auf das⸗ ſelbe wirken. Hierin liegt auch der Grund, warum ſelbſt durch fortgeſetzte Operationen die Wolle nie gänzlich vom Fett befreyet werden kann, und warum dasſelbe nach einiger Zeit wieder zum Vorſchein kommt. 200 20 8 vird Haut A neuen A gehalt n he rr iich: dduſtrit dh ict Aie die mr Aua⸗ i andern Gniicant V alte den V u Arelung, 8 ſeiner 1anm Ein⸗ rpruf die u arrzungen, c u fun bey 8 hd Ver⸗ u m d uſtaßen ulan ſich t. feſter „ſtußin der e aüsl hiuzu achand iſ d Watk oder 4 a gtt. Det 1 M'er uur igeran⸗ 1 zre Matk Zille, daß das⸗ 2 auf b rtgeſette a zen kaun kommt. konan 9¹ dünner iſt, und nach oben faſt immer dicker wird; das Haar aber faſt immer dünner zuläuft. Der Geſtalt nach unterſcheidet ſich das Wollhaar gekräu— ſelt oder gewellt, wenn es mehr oder weniger regelmäßige Biegungen hat; geſchraubt, wenn dieſe Biegungen ſpiral⸗ förmig fortlaufen; gekrümmt, wenn es ohne alle Wellen⸗ form einen einzigen Bogen oder auch mehrere, aber nur ſehr wenige unregelmäßige Bögen beſchreibt; endlich gerade aus⸗ laufend, wenn es ohne alle Kräuſelung und Wellenform iſt. 206. Wollhaar. Dasſelbe bildet eine Röhre, in welcher ſich eine dem Marke der Knochen ähnliche Subſtanz, von Zellge⸗ webe umgeben, befindet. Wenn eine friſche Wolle auch anfänglich ganz entfettet wurde, ſo theilt ſich ihr aus den innern Behältern wieder einige Nahrung mit, welche ſie gegen Vertrocknung ſichert. 207. Wolle(Markröhre der). Dieſe iſt nach der Geſtalt des Haares gerade, ſchlicht oder gekrümmt, gekräuſelt, geſchlän⸗ gelt ſund zuweilen gewunden. Der Umfang iſt rund oder faſt rund. Nur an den Stellen, wo das Haar kurz gebo⸗ gen!, gleichſam eingeknickt iſt, verliert es die runde Ge⸗ ſtalt. Mit dem innern Fette ſteht die Dauerhaftigkeit der abgeſchornen Wolle in innigſter Verbindung, und in dem Verhältniſſe, als es vertrocknet, wird auch das Wollhaar mürber. 208. Woll⸗Beurtheilung. Die Geſtalt der Wolle wird Ohne Zweifel verdanken unſere Woll⸗Producte dieſem Umſtande das Sanfte und Weiche; denn wenn man den Faden völlig ent⸗ fetten könnte, würde er ſeine Geſchmeidigkeit verlieren, und durch das Austrocknen hornartig werden. Die äußere Form des Fadens hängt von der Bildung der Haut⸗ Poren ab, aus der er hervortritt. Er wird fein, geradlinig, wel⸗ lenförmig u. ſ. w. erſcheinen, je nachdem letztere eng, gerade aus⸗ laufend oder gewunden geſtaltet iſt, was von überaus intereſſanten Beziehungen auf die Praxis iſt.“ zuerſt in einem vorſichtig abgeſchnittenen Stapel, wobey die Wolle nicht verzogen werden darf, und zuletzt im einzelnen Wollhaar beurtheilt. Solche ſoll ganz rund, näaͤhmlich cylin⸗ derförmig, ſeyn; daher hat das gewäſſerte und ſanft ge⸗ ſchlängelte gegen das ſtark gekräuſelte, gleichſam eingeknickte Wollhaar, für das Gefühl und vielleicht ſelbſt für die Fabri⸗ cation einen Vorzug, indem man an derley Stellen des Haares, mit einem ſcharfen Mikroſkop, zuweilen Abweichun⸗ gen bemerken kann. Man unterſcheidet dichte und flache Bögen, und ſtarke und ſchwache Kräuſelungen, und ob die Wolle hoch oder niedrig im Stapel gewachſen iſt. In den erſten vier Monathen nach der Schur kann man bey der Beurtheilung der Wolle auf dem Schafe ſich nur auf die Stapelbildung und Ausgeglichenheit des Vlie⸗ ßes, mit Ausſchluß der Feinheit, beſchränken, indem die Wolle in dieſem Zuſtande noch zu viel mit Säften(Orga⸗ ganiſationswaſſer) überladen iſt, und dadurch in einer grö⸗ bern Geſtalt, als in einem mehr ausgewachſenen Zuſtande erſcheint; auch iſt das einzelne Haar aus dieſem Grunde bey dieſer Kürze nicht ſo zart und geſchmeidig, als ſpäter. 209. Wollpelzlder) von au ßen hat gewöhnlich ein grauliches, oder weißbräunliches, auch in manchen Schäfereyen ein ſchwarzes Anſehen. Dieſer Unterſchied rührt gewöhnlich von der Art der Haltung und der Natur des Fettes her. 210. Wollpelz(der) von innen. Wenn man ihn aufthut, ſo muß eine ſchöne, feine, weiße, glänzende, gut gebaute, gehörig fette Wolle ſich zeigen. 211. Wollhaare, echte, unterſcheiden ſich durch ihren Bau, durch ihre Geſtalt, Farbe, oder eigentlich durch ihren Schein, indem dieſer ſich dem Waſſerſcheine nähern muß. Man un⸗ terſcheidet die Wollhaare zur techniſchen Verwendung in Kammwolle oder Zeugwolle, und in Kardätſch-, Kratz⸗ oder Tuchwolle. 215 O die ranen ün⸗ im ge⸗ Witte 8 ri⸗ d arhun⸗ muke Aodet mnniann 126 ſch sle⸗ 41 die te) raga⸗ anüzrö⸗ n ugende n Dande G aitter. uanhes, sf urn ein de Um von 8 7 thu⸗ a aute, 1& Bau, hein an un⸗ 81 e ung in 17 oder 93 212. Wollhaare(unechte): a) werden auch Hunds⸗ oder Ziegenhaare genannt, und kommen ſowohl in der Ge⸗ ſtalt, als im Schein den letztern am nächſten. Sie befinden ſich hauptſächlich an den Schenkeln, und wachſen zwiſchen den Wollhaaren manchmahl einzeln, manchmahl in Büſcheln, oft gegen die Wurzel etwas gebogen hervor. b) Die Stichelhaare ſind kleiner von Geſtalt, ohne alle Krümmungen, und befinden ſich öfters unter der Wolle, vorzüglich zwiſchen der Wolle der Schenkel, der Füße, am Bauche, dem Genicke und dem Schopfe, im Verhältniß des Veredlungsgrades einer Herde mehr oder weniger. Sie ſind wegen ihrer Sprodigkeit, Kürze und Gebrechlichkeit auch zu den gemeinſten Gegenſtänden der Fabrication nicht wohl tauglich; ſie ſind kurz, ſpitzig, von der Wurzel dick, ſehr weiß und glänzend. Die Stichelhaare kommen durch die Wäſche und das Klopfen alle rein aus der Wolle. Beyde Fehler ſind forterbend. 213. Woll⸗Eintheilung. Eine Eintheilung nach Schaf⸗Ra⸗ cen führt zu endloſen Verwirrungen in den Begriffen. Da⸗ her eine Eintheilung nach der längſten und feinſten Wolle gegen die längſte grobe, und von der kurzen und feinſten gegen die kurze grobe, in Claſſen und Geſtalt eingetheilt, ſicherer zum Ziele führt. Die Eigenſchaften der Wolle, als Stoff für die verſchie⸗ denen techniſchen Zwecke, müſſen hier entſcheiden; z. B. feine lange Shawl⸗Wolle, Merinos⸗Zeugwolle, Caſemir⸗ Wolle, halbfeine lange Wolle für Mittel⸗, und grobe lange Landwolle für gemeine Fabricate. Alle Wollzeuge zerfallen in zwey Claſſen, je nachdem ſolche entweder aus kurzer und gekratzter, oder aus langer gekämmter Wolle verfertiget werden, und entweder in die Claſſe von Tüchern gehören, oder ſogenannte Kammwolle ſind. Die zu den erſtern erforderliche Wolle heißt Tuch⸗ oder Kardätſch⸗, letztere aber Kammwolle. Eine für Wollhändler, Fabricanten und Schafzüchtler zweckmäßig auf⸗ geſtellte Woll⸗Terminologie würde die Feinheitsbezeichnun⸗ gen und die Begriffe ihres Werthes als eine für jedermann verſtändliche Sache feſtſtellen, wodurch viele Verwirrungen vermieden werden könnten. Die lange Wolle(Zeugwolle) iſt für den Kamm, die kurze für die Krämpel(Kardätſche). Nach Luccock kann die Wolle für die Krämpel nicht zu kurz ſeyn. Ihr Zweck iſt, die Wolle vollkommen zu trennen, aufs innigſte zu miſchen, und dünne Rollen von dem möglich ſchwächſten Gefüge dar⸗ aus zu machen, die nur durch die natürliche Kräuſelung des Haares zuſammengehalten werden. Die zwey Haupt— eigenſchaften der Krämpelwolle beſtehen alſo in der Kürze und in der Neigung des Haares, eine gewundene Form anzunehmen. Iſt die Länge zu groß, ſo muß ſie verkürzt werden, welches größere Koſten und längere Zeit erfordert. Es ſcheine kaum möglich, daß der Stapel der Tuchwolle zu kurz ſeyn kann, wenn er nur dichte Kräuſelung hat. Dieſe beſondere Eigenſchaft könne aber auch in der Wolle, die zu einer Waare von dichter und glatter Oberfläche gebraucht werden ſoll, nicht zu groß ſeyn, denn eine je größere An— zahl von kleinen Krümmungen ſie in einer gegebenen Länge des Haares enthalte, deſto mehr könne ſie ohne Schaden zerriſſen werden, und jeder Theil einen hinlänglichen Grad von Kräuſelung behalten, um ſich an ſeine Nachbarn zu ketten, und ſo ein unbegreiflich dünnes und durchſcheinendes Gewebe zu bilden. Je dünner dieſes Gefüge gemacht, und eine je größere Oberfläche oder Ausdehnung ihm gegeben werden kann, einen um ſo längern Faden wird es liefern, und um ſo feiner wird das daraus bereitete Tuch werden. Die Nothwendigkeit dieſer beſondern Eigenthümlichkeit der Tuchwolle erhellet aus der Unbrauchbarkeit der Wolle von ſtarren und ſchlechten Haaren, indem dieſe, auf die Ma⸗ ſchine gebracht, einzeln herabfallen und ſich zerſtreuen, keine 214. 1Sai⸗ 1 un⸗ ann gen us die E 1 ri hen, 1Ada⸗ 1 1dunr 1ulze Snorn ſtn ür it Fryert. ut aut zu he ieſe lle d zu . unzacht rd mialn⸗ den mnge „ne Dden gli 1athtad NAA k ür endei 36 5 1 und a geben 3 efen, 4 eden. 1I zit der d 7 von Ma⸗ ine eſn li 95 Rollen bilden, und nicht zu einem gleichartigen Faden ge⸗ ſponnen werden können. Soll die Wolle dagegen zu ſolchen Fabricaten gebraucht werden, die ſich durch eine lange und glatte Oberfläche aus⸗ zeichnen, ſo möchte die Kräuſelung in einem zu ſtarken Ver⸗ bältniſſe ſchädlich ſeyn, und dieſes Verhalten zeige unter andern deutlich, wie wünſchenswerth es ſey, daß Wolle für einen beſtimmten Zweck erzeugt werden möge, nicht aber, wie es gewöhnlich geſchieht, aufs Gerathewohl, und von ſolchen Eigenſchaften, die der Züchtler bisher gar nicht kennt, oder von denen er, wenn er ſie auch kennt, weder den Werth, noch den Gebrauch zu würdigen weiß. Wollfäden von verſchiedener Natur können nie ein gleich⸗ artiges Gewebe geben. Allerdings kann man Zeug daraus machen, aber keinen ſolchen, wie man ihn jetzt von der Kunſt der Fabricanten verlangt; keinen ſolchen, welcher ſich nicht bloß im Stücke durch oberflächliche Appretur, Sengen und heiße Platten, ſondern auch beym Tragen dauerhaft, glatt und glänzend erhält. 214. Wachsthum der Wolle. Die Wolle wächſt, wie jede Pflanze, aus der Wurzel, und bildet durch die aſſimilirte Nahrung und die äußern Zuflüſſe ſolche in ſich ſelbſt aus. Das Wollhaar iſt daher als ein ſelbſtſtändiger Körper zu betrachten, mit eigentlichem Leben und mit Functionen be⸗ gabt, deſſen Weſen hauptſächlich von der Bildungskraft des Bluts, von den in den Zwiebelhaͤuten verbreiteten Blut⸗ gefäßen und Nerven und der Poren abhängt: daher innere und äußere Urſachen auf die Beſchaffenheit der Wolle Ein⸗ fluß nehmen. Hieraus läßt ſich das Zuſammenziehungs⸗ und Ausdehnungs⸗, Einſaugungs⸗ und Ausdünſtungsvermögen der Wolle erklären, welches durch ihr poröſes Gewebe, das die Hülle des Wollfadens bildet, Statt hat, und ſie ge⸗ eignet macht, von außen eindringende Feuchtigkeiten auf⸗ zunehmen, abzuſondern, und ſich, nach den verſchiedenen —— atmpſphäriſchen und andern Einwirkungen, zuſammen zu ziehen und auszudehnen. 215. Wollfarbe. Die natürliche Farbe der Wolle iſt weiß(mit Ausnahme der ſchwarzen und braunen Wolle), aber die auf ſie einwirkende Schweißfarbe veranlaßt zum Theil auch, daß ſie bald eine gelbliche, braune, röthliche ꝛc. Farbe an⸗ nimmt. Doch iſt es wahrſcheinlich, daß die Haare aus dem Schleim⸗ netz und dem Oberhäutchen der Haut hauptſächlich die Farbe annehmen, woher auch das öhlige Markfett die ſeinige ha⸗ ben mag. 216. Wolle, deren Edelheit, edler Charakter. Be⸗ greift den Verein der Eigenſchaften in ſich, der eine feine Wolle fähig macht, die ſchönſten, feinſten, dichteſten und haltbarſten Arbeiten zu liefern. Eine ſolche Wolle muß ſich durch große Feinheit, Zartheit und Glanz des Fadens zu den ſchönſten und feinſten Wollarbeiten empfehlen; ſie muß, was bisher noch nicht genug bekannt iſt, ſich durch eine cha⸗ rakteriſtiſche Leichtigkeit und Glanz auszeichnen, die mit der Zartheit des Fadens unzertrennlich verbunden ſind, und ſie zu den edelſten Fabricaten von Shawl⸗ Zeugen und Tü⸗ chern qualificirt, indem ein leichtes Fabricat von gleicher Dichtheit höher geſchätzt wird, und aus demſelben Gewicht eine größere Fläche erzeugt werden kann. 217. Woll⸗Gleichheit am Körper; darunter verſteht man eigentlich die Ausgeglichenheit einer Herde, bey welcher die einzelnen Thiere ein ziemlich gleiches Quantum von Electa⸗, Prima⸗, Secunda⸗Sorten liefern; indem es eben ſo wenig Schafe gibt, welche nur eine Sorte von Wolle, als an⸗ dere Thiere, die nur eine Sorte von Fleiſch erzeugen. Wolle und Fleiſch, und Fleiſch und Wolle ſtehen in wechſelſeitiger Harmonie. Gleichheit(oder eigentlich Ausgeglichenheit der Wolle) iſt ein Beweis der Originalität oder Conſtanz einer Race, und 21 zu iut auf uch, 1 an⸗ im⸗ V* aarhe in hu⸗ 118⸗ un und 3 as zl n Wuß, h nisha⸗ d in ader nd un ſie en umdi⸗ vol p her te Oicht ev 51 man deh wer de de m TI elo) 63 m wenn W el al Wolle rr Wol Zü 34 .a*⸗, und ein Ti/ II 97 zeugt gewöhnlich von Bildungsvermögen(Typus) der Altern, ſich als Stamm oder Race unter gleichen oder geſteigerten Vollkommenheiten fortzupflanzen. Durch die Zeugungsprobe eines conſtanten Stammes oder einer derley Race wird, wenn die Ahnlichkeit zwiſchen Altern und Nachkommen durch mehrere Generationen ſich bewährt hat, ihr feſter Typus evident erwieſen: ob nähmlich die Gleichheit der geſammten Herde ſtammhaltig bleibt, oder ob zu wenig Typus, d. i. Gleichartigkeit zwiſchen Alt und Jung, Vater und Kind, ſich in der Progenitur zeigt. Gleichheit des Wollhaares iſt nicht allein in Bezug auf, Feinheit, ſondern auch in Rückſicht auf Geſchmeidigkeit, Stärke, Elaſticität ꝛc. zu verſtehen. 218. Woll⸗Ertrag. Es muß eine hochveredelte Schäferey ſeyn, wo im Durchſchnitt ein ausgewachſenes Weide-Mutterſchaf 2 ½˖ Pf., ein Jaͤhrling 2 Pf., ein halbjähriges Lamm 1 Pf., ein Jährlingswidder 2 ¾ Pf., ein Schöps 5 ½ Pf. und ein ausgezeichneter Bock 4—5 Pf. rein gewaſchene Wolle lie⸗ fern. Eine ſtärkere, kernige Wolle iſt aller Erfahrung nach ſpecifiſch ſchwerer, als eine feinere, und was ihr am Preiſe abgehet, erſetzt gar oft ihr größeres Gewicht. Eine gute Fütterung und Haltung der Schafe vermehrt den Gewinnſt der Wolle; darum ſchert man in einer kümmerlich genähr⸗ ten Schäferey immer weniger, als in einer andern, wo das Vieh nicht darbt. Eine Wolle, die lebendig und ſchwei⸗ ßig iſt, wiegt ſchwerer, als wo dieß nicht der Fall iſt. Ein Mutterſchaf, das gelt bleibt, erſetzt bey gehöriger Haltung die Wolle des Lammes, das es getragen haben würde. In Spanien verkauft man die Wolle nach Köpfen und Vließen, und Mancher bekommt durch das Gewicht ſchwerer Vließe eben ſo viel und noch mehr herein, als Andere, die eine feinere, leichtere Wolle erzeugen. Unter gleichen Nahrungs⸗ und Wartungsverhältniſſen wird jährlich bey Weidevieh von geſchloſſenen Vließen ein 7 219. bedeutend geringeres Procent an Viehverluſt ſich ergeben, als bey dünnwolligen Schafen; daher ſich die echten feinen Me⸗ rinos gegen viele feinwollige, veredelte Arten von Schafen, ebenfalls von hochfeiner Ausbildung, aber ſchütterem Pließ, in dem Reinertrag gewöhnlich vortheilhafter rentiren: denn die Seiten- und Rückenwolle, alſo bey weitem der größte Theil des Vließes dieſer dicht- und reichwolligen Schafe, laͤßt ſich auf die höchſte Stufe der Feinheit bringen, und dieſe beträͤgt ſo viel und noch mehr an Gewicht, als das ganze Vließ dieſer gewöhnlichen Schafe; die Bruſt-, Hals- und Schen⸗ kelwolle aber, die gewöhnlich mehr oder weniger verſchieden iſt, dürfte einen Mehrertrag der dicht⸗ und reichwolligen Herden begründen. Wolle(die Stärke der); dieſe erkennt man, wenn man ſie zwiſchen den Fingern, kurz gehalten, zu zerreißen ſucht. Je ſtärker der Widerſtand iſt, deſto dauerhafter iſt ſie. Bey ungleich feinen Haaren iſt in der Regel das gröbere, und bey gleich feinen Haaren, dasjenige das ſtärkſte, wel⸗ ches am regelmäßigſten gebaut iſt. 220. Wolle(der Geruch der). Die Meinung mehrerer, aus 221. 222. dem Geruch der Wolle die Geſundheit derſelben zu beur— theilen, iſt unſicher, indem im ungewaſchenen Zuſtande die Haltung des Viehes, auch ob ſchlecht oder fleißig einge— ſtreut wurde, Einfluß darauf haben; bey gewaſchener Wolle übt der Zuſtand der Wäſche gleichfalls großen Einfluß dar⸗ auf aus, indem ganz rein gewaſchene Wolle, die von allen heterogenen Theilen befreyt iſt, gar keinen Geruch mehr äußert. Der Geruch kann indeſſen zur Beurtheilung dienen, ob eine Wolle dumpfig iſt, und beurkundet auf dieſe Art ihr Verderben. Wolle(der Nerv der) bedingt Feſtigkeit, Kraft, Leben, Haltbarkeit, Widerſtandsfähigkeit. Wolle(der Schweiß oder die Fettmaterie der). Es iſt eine Sache von großer Wichtigkeit, daß das Fett oder — ieß hen⸗ den gen rnan zuct. 7 Are/ yel⸗ naus mur⸗ uende alge⸗ azzolle „ dar⸗ allen m aßert. 81/ 0h att ihr eben, ). E dt oder — od 99 der Schweiß der Wolle nicht zu harzig, nicht pechig und gleichſam unorganiſch der Wolle in kleinen Klumpen an⸗ hängt, ſondern in einem öhligen Weſen mit ihr innigſt verbunden iſt, indem ſolcher bey der Wäſche der Schafe in kaltem Waſſer faſt unüberſteigliche Hinderniſſe zur vollkom⸗ menen Reinigung der Wolle in den Weg legt. Der Staub des kalkigen, kreidigen Bodens abſorbirt das Fett der Wolle, macht ſie dadurch hart und trocken, raubt ihr den Glanz, indem der Kalk das Fett verzehrt, und endlich das Haar ſelbſt beſchaͤdiget. Schon das kalte Waſſer iſt hinreichend, den Wollſchweiß aufzulöſen, der von der Natur beſtimmt zu ſeyn ſcheint, die Wolle gegen die Nachtheile der Feuchtigkeiten zu ſchützen; daher feuchte Winde, Thau, Nebel, Regen, Schnee, Harn, feuchtes Lager auf das Vließ nachtheilig einwirken müſſen, indem durch das Einſaugungsvermögen der Wolle die Feuchtigkeit die Wolle ausdehnt, vergröbert, und da⸗ durch ihren Charakter ändert, beſonders wenn die Lage der Härchen in dieſem Zuſtande die Röhre ausdehnt, und durch Reibung geſtört wird, wodurch ſie nothwendig auch einen Theil ihrer Kräuſelung und Elaſticität verliert. Es iſt noch nicht entſchieden, ob die Wolle, wenn die Feuchtigkeit verdunſtet iſt, etwas dicker bleibt, als zuvor. Der Urin und die Excremente verderben aber nicht allein den Schafſchweiß, ſondern auch die Farbe der Wolle in dem Verhältniß ſtärker, als in den Stallungen ſchlechter einge⸗ ſtreuet wird. 225. Wolle(grobe und feine) hat Bezug auf den Durch⸗ meſſer des Haares; der Begriff davon iſt aber bloß relativ. 224. Wolle(die Feinheit der). Siehe Feinheit. 225. Wolle(elaſtiſche). Siehe Elaſticität. 226. Wolle(die Sanftheit der). Die Sanftheit und Ge⸗ ſchmeidigkeit der Wolle läßt ſich bey ungewaſchener Wolle am ſicherſten aus der Geſtalt des Wollfadens erkennen, und * —— liegt hauptſächlich in der mehr geſchlängelten, als gekräu⸗ ſelten Geſtalt desſelben. Hierin liegt die Urſache dieſer Er— ſcheinung, nähmlich in den kleinen, ſehr flach geſchlängel⸗ b ten, aber nicht gekräuſelten Bögen; hierdurch wird die ſanfte, geſchmeidige Elaſticität, welche ſich durch ihre Nach— giebigkeit neben ihrer fortſchnellenden Kraft charakteriſirt, begründet. Je feiner, ausgeglichener, regelmäßiger, zärter, und freyer von ungleichartigen Erhöhungen die Oberfläche V einer Wolle, und je biegſamer ſie iſt, deſto ſanfter wird ſie ſich anfühlen. Die Sanftheit hängt demnach von der äußern Geſtalt und der Geſchmeidigkeit ab. übrigens iſt das Ge⸗ fühl, wenn man die Wolle durch die Finger gleiten läßt, und zwiſchen denſelben ſanft befühlt, ebenfalls, jedoch ein weit ungewiſſeres Verfahren, die Sanftheit der Wolle zu prüfen, indem die Wirkungen des Fettes und des Staubes Taͤuſchungen veranlaſſen können. Die ganz ausgeſtreckte Wolle fühlt ſich minder ſanft an, als die ſchlichtere, noch etwas gekräuſelte; dieſe weniger ſanft, als die, gewäſſerte oder ſanft geſchlängelte mit flachen Bögen. 227. Wollmeſſe r. Man hat in den neuern Zeiten mehrere ſehr ſinnreiche Wollmeſſer und dazu eine eigene Wollfeinheits⸗ Scala erfunden. Es ſind Inſtrumente, mittels welcher durch Vergrößerungs⸗ gläſer der Durchſchnitt eines Haares gemeſſen und berechnet werden kann, wo ſich alsdann auch leicht die Peripherie desſelben ergibt. Zu dieſem Behuf müſſen die Wollfäden mittels Löſchpapier entfettet werden. Derley Wollmeſſer haben erfunden: der Mechanicus Herr Voigtländer in Wien. ——— Winkler in Berlin. ——— Köhler in Leipzig. ——— Schirmer in Blansko in Maͤhren. ——— Gebrüder Dollond in London. Der Wollmeſſer der letztern hat einen großen Ruf erlangt, ſirt, atter flache dd ſie ußern Ge⸗ läßt, h ein llle zu aubes greckte 1 noch iſſerte n ſehr f eits⸗ ſaungi⸗ echnet Aoherie fad Allfaden Zen. 7 rlangt/ 101 und er bewirkt eine ſehr feine Abtheilung nach 10,000 Thei⸗ len eines Zolles vermittelſt angebrachter guter Mikroſkope, welche die eingelegten Fäden fünfzigmahl vergrößern. Da dieſe Inſtrumente jedoch vielfältigen Täuſchungen we⸗ gen der Wirkung des Lichtes und vieler anderer Zuͤfälle un⸗ terliegen, und das Auge ſehr anſtrengen: ſo hat der in der Wollkunde rühmlichſt bekannte Herr Köhler ein Inſtrument bekannt gemacht, das durch einen ſehr ſinnreich ausgedachten Mechanismus durch ein Gewicht die Stärke von r0o0 in einen Herd gleichförmig eingelegter Wollhaare, mittels eines Zeigers an einem Gradbogen, genau bezeichnet.— Die Wollmeſſer ſind als Maßſtab zur Sicherheit der Sorti⸗ mente, um unter allen Umſtänden die Graͤnzen einer jeden Sorte genau zu beſtimmen, höchſt nützliche und nothwen⸗ dige Inſtrumente; denn die eine Wollhandlung nennt eine Sorte z. B. Prima, die eine andere Secunda nennt, woraus Verwirrungen und Unſicherheit in den Geſchäften entſtehen. 228. Wolle(die Stärke der) ſoll eigentlich ihre Kraft, Haltbarkeit und Leben bedeuten; man bedient ſich aber die⸗ ſes Ausdrucks ſehr uneigentlich, um den Begriff von grober Wolle damit zu bezeichnen, wozu der Ausdruck dicke, grobe Wolle, als Gegenſatz von fein und dünn, paſſender iſt. 229. Wolle(die Lage der). Dieſe liegt in einer gegenſeitigen Zuneigung, in übereinſtimmender Geſtalt und Größe ſich an einander anzuhängen, und gemeinſchaftlich parallel mit einander fortzuwachſen; worunter man auch einen regelmäͤ⸗ ßigen gleichartigen Wuchs der Wolle verſteht, nähmlich eine Übereinſtimmung der verſchiedenen Haare, Woll⸗Sectio⸗ nen oder Vließe in Zuſammenhang, Geſtalt, Dichtheit und Länge. Hierdurch entwickelt ſich ein eigener Charakter in der Form der Wolle. Sie erſcheint gekräuſelt oder ge⸗ wellt, wenn ſie mehr oder weniger regelmäßige Biegungen hat; geſchraubt, wenn dieſe Biegungen ſpiralförmig fort⸗ laufen; gekrümmt, wenn ſie ohne alle Wellenform einen einzigen Bögen oder auch mehrere, aber nur ſehr wenige, unregelmäaͤßige Bögen beſchreibt; endlich gerade auslaufend, wenn ſie ohne alle Kräuſelung und Wellenform iſt. 230. Wuchs(verworrener der Wolle) deutet einen in Geſtalt und Wuchs ſich nicht anhängenden, unregelmäßigen Bau der Wolle an. Siehe verworrene Wolle, und gefilzt. Indeſſen können auch verſchiedene Zufälle auf den Wuchs der Wolle Einfluß nehmen, z. B. das Liegen auf der Bauch— wolle verurſacht, daß dieſe Wolle, die ihrer Natur nach die feinſte am ganzen Körper ſeyn ſollte, einen widernatür⸗ lichen Wuchs annimmt, und durch die Unreinlichkeit und Feuchtigkeit des Miſtes ſich vergröbert. Auch die Rückenwolle unterſcheidet ſich gewöhnlich im Bau des Stapels, je nach— dem die Thiere dem Regen ausgeſetzt geweſen ſind. 2351. Woll⸗Sectionen. Siehe Stapelbildung der Wolle. 232. Wollbüſchel. Siehe Stapelbildung der Wolle. 233. Wollflöckchen. Siehe Stapelbildung der I Wolle. V 254. Wolle(der Glanz der, auf dem Körper des Thieres) iſt zwar Race⸗Eigenſchaft; die Haltung hat I aber großen Einfluß darauf. Nur gleichlaufende Haare und weißer, heller Schweiß geben ihn: verworrener Wuchs und gelber Schweiß verſagen ihn. Auch die geſchorne und ganz rein gewaſchene Wolle hat einen verſchiedenen Glanz. In der Regel muß ſich der Glanz in jedem einzel⸗ nen Haar zeigen. Die Farben des Tuchs erſcheinen um ſo glänzender, je mehr natürlichen Glanz die Wolle hatte: glänzende Wolle nimmt aber die Farbe ſelbſt nicht beſſer als andere an: folg— lich liegt dieſer Vorzug ganz in der Eigenſchaft des Ur⸗ productes. 255. Wolle(die Haltbarkeit der) iſt das Vermögen, einer 29 tür⸗ zund olle jach⸗ Per Ale. der ges nhat are zoner „ orne genen annzel⸗ / je S bolle tfolg⸗ Ur⸗ 3 einer 105 gewiſſen Kraft mit Staͤrke zu widerſtehen. Man bezeichnet dieſe Eigenſchaft auch mit den Ausdrücken: Kern, Nerv. Das Weſen der Haltharkeit beſtehet eigentlich in dem meh⸗ rern oder mindern Zuſammenhang der Theile, den ſie im Maße des Widerſtandes beym Zerreißen zeigen.— Je fei⸗ ner der einzelne Faden der Wolle iſt, deſto mehrere Kraft und Haltbarkeit äußern die Theile ſeiner Röhre durch die innigſte Conſtruction ihrer feinen faſerartigen Theile, die um ſo mehr Haltbarkeit bewerkſtelligen, je feiner dieſelben ſind. Die Haltbarkeit, Feſtigkeit, Stärke, Zaäͤhigkeit, Wi⸗ derſtandsfähigkeit beym Zerreißen der Wolle iſt bey jeder Kammwolle beſonders wichtig, minder bey der Krämpel⸗ oder Tuchwolle, weil dieſe durch die Bewegung der Kräm⸗ pelwalzen ohnehin zerriſſen werden muß. 256. Wolle(die Schwäche oder Mürbheit der) bedeutet das Unvermögen, eine verhältnißmäßige Kraft aushalten zu können. Sie außert ſich durch leichte Zerreißbarkeit. 237. Wolle(die dichte). Dichtheit der Wolle zeigt einen ſchö⸗ nen Reichthum und Gedrungenheit des Wollwuchſes an. Je dichter eine Wolle auf dem Körper ſteht, deſto paralleler wächſt ſie, und um ſo mehr leiſtet ſie Ertrag für das Ge⸗ wicht. Siehe Dichtwolligkeit. 238. Wolle(die Dehnbarkeit und Biegſamkeit der) iſt bey einiger Wolle mehr als bey anderer bedeutend. Man verſteht bierunter nicht nur die durch Entkräuſelung ſchein⸗ bar bewirkte Verlängerung, ſondern diejenige, die, nachdem ſie völlig gerade gezogen worden iſt, ſolche noch erleiden kann, ohne zu zerreißen. Dieſe Qualität iſt bey der Fabrication von großer Be⸗ deutung, und ſeither wenig beachtet worden. Üüber den Maßſtab, den man dabey als Norm hat annehmen wollen, iſt man noch nicht im Reinen. Dehnbarkeit und Biegſamkeit liegen theils in der Orga⸗ niſation des Wollhaares, theils hängen ſie von dem Leben oder Nerv der Wolle ab. Beyde Eigenſchaften werden mit einander vereinigt gefunden, und geben der Wolle große Vorzüge; denn das Gewebe davon nimmt eine viel ſchönere Appretur an, erhält durch die Preſſe ein weit ſchöneres An— ſehen, und gibt demſelben eine größere Dauer. Die Tuchwolle kann nicht zu viel Biegſamkeit, Geſchmei⸗ digkeit und Dehnbarkeit beſitzen, in ſo fern ſie nur dadurch nicht die Neigung, ihre Länge in kurzen, dichten Windun⸗ gen zuſammen zu ziehen, verliert. Dieſe zwey Eigenſchaf⸗ ten muß eigentlich jede gute Tuchwolle in ſich vereinigen. Die ungekräuſelte(ganz ſchlicht gewachſene) Wolle läßt ſich nicht über ihre wirkliche Länge hinausdehnen. 259. Wolle(die Krümpekraft der) oder die Fähigkeit ſich paſſend zu ſilzen, und ein glattes, feines, edles, haltba⸗ res Gewebe zu geben, hängt von dem Charakter der Wolle ab, nähmlich dem mehr oder weniger regelmäßig geſchlän⸗ gelten Wuchſe der Wolle, ihrer Friſchheit, Rundung des Haares und ihrem Leben(wohin ich auch Fettigkeit rechne), ab. Die Krümpekraft iſt der Kammwolle unnöthig, vielmehr nachtheilig; aber für alle Fabricate, die der Walke bedür⸗ fen, unentbehrlich. 40. Wolle(die Zerreißbarkeit der). Wenn man die Wolle zur Prüfung aus einander dehnet, muß ſie gleich kurz gefaßt werden; denn je länger ein Haar gefaßt wird, deſto eher zerreißt es. 241. Wolle(die Gleichartigkeit der). Hierunter begreift man eigentlich keine durchgängige Gleichartigkeit der Wolle auf allen Körpertheilen des Thieres, welches ein Unding wäre, ſondern ein vortheilhaftes und überwiegendes Ver⸗ hältniß der Wolle auf den edlern zu den unedlern Theilen zu — erreichen, und eine UÜbereinſtimmung der verſchiedenen Haare, 145 Stapel oder Vließe in Zuſammenhang, Geſtalt, Dicht⸗ 3 heit, Länge ꝛc. h 1 242. Wolle(gezwirnte, zu ſtark gekräuſelte Wolle). Die Haare ee dürfen ſich in den einzelnen Strängen nicht ſo feſt in ihren ü ſttcrken Kräuſelungen verbinden, und mit ihren Biegungen . in einander verfangen, daß ſie ſich ſchwer aus einander brin⸗ ei⸗ gen laſſen. Dieſen Fehler der zu ſtark gekräuſelten Wolle rh pflegt man unter dem Ausdruck gezwirnt zu verſtehen: 4 nähmlich, wenn ſich die Haare in den Strängen zu feſt ver⸗ ar binden, und mit ihren Bögen zu ſcharf einfalzen, die 4. Stränge ſich aber von einander abſondern und wenig zuſam⸗ läßt men hängen, dann ſich oben in den Spitzen ſpiralförmig drehen, welches ein für jede Fabrication ſehr nachtheiliger ſich Fehler iſt, der mehrentheils, jedoch nicht unbedingt, die 3 ba⸗ feinen Sorten trifft. olle Bey dem Zwirnen vereiniget ſich gewiſſer Maßen die pa⸗ Hän⸗ rallele Lage der Härchen gegen einander zu innig in Ma⸗ undes ſchen(in Geſtalt eines Strumpfgewebes) mit einander, dane), wodurch die mehr oder weniger enge mit einander verbun⸗ denen, und mit ihren Bögen ſich in einander falzenden lsbehr Haare eine Vereinigung in einzelne dünne Stränge, alſo d ur⸗ eine Annaͤherung zum Zwirnen, bilden. 243. Wolle(die Geſchmeidigkeit der) iſt eine Natur⸗ 2„olle eigenſchaft, die im Grunde in nichts anderm, als in ihrer S foſt größern Biegſamkeit beſtehet. Wechſel von Staub, Näſſe eher und Hitze ſchadet dieſer Eigenſchaft der Wolle ſehr. In dem Verhältniß, als der Staub das nöthige Fett der Wolle ab⸗ eift ſorbirt, und die Wolle abmagert, wird ſie durch die Näſſe Loll ausgelaugt. Karge Koſt und ſaures Futter vermindert, und ding ein natürliches ſaftreiches Futter in gehöriger Menge, aus Lex⸗ harten, ſüßen Kräutern beſtehend, vermehrt ſolche. en uu Man beurtheilt ſolche auch durch das Aufdrücken der Hände M aaut, und das Eingreifen mit den Fingerſpitzen in das Vließ. Bey kurzer Wolle iſt aber Üübung hierzu erforderlich. Die Geſchmeidigkeit der Wolle iſt, wie geſagt, ein hö⸗ herer Grad von Biegſamkeit. Keine Wolle kann zu viel Ge⸗ ſchmeidigkeit und Biegſamkeit haben, wenn ſie nur die Nei⸗ gung, ihre Länge in kurzen, dichten Windungen ſich zu⸗ ſammen zu ziehen, nicht verliert. Obgleich Geſchmeidigkeit und Biegſamkeit der Wolle einer— ley und von der Sanftheit unzertrennlich iſt, ſo iſt ſie da— von doch verſchieden. Eine geſchmeidige Wolle muß nähmlich ſehr leicht auch der ſchwäͤchſten auf ſie einwirkenden Kraft, welche ihre Richtung durch Zuſammen⸗ oder Wiederzurück⸗ biegen zu verändern ſucht, ſelbſt wenn ſie über die wirkliche Länge ausgedehnt wird, ohne zu zerreißen, nachgeben. Die innere Markröhre und die feine Conſtruction ibhrer faſerarti⸗ gen Hülle haben hierauf wahrſcheinlich weſentlichen Einfluß. 244. Wolle(die Durchſichtigkeit der). Dieſe iſt nur mit einem zuſammengeſetzten Mikroſkop in der Mittellinie erreich— bar, und zwar nur bey jenen edlen Wollſorten von dünnen Wänden. Je dünner dieſe ſind, deſto durchſichtiger erſcheint die Markröhre, und deſto ſanfter iſt zugleich die Wolle. 245. Wolle(die Biegſamkeit der). Unter dieſer wird ſowohl ihre Eigenſchaft, ſich krümmen, als die, ſich gerade ſtrecken(deh⸗ nen) zu laſſen, verſtanden. Siehe Woll⸗Dehnbarkeit. Ein höherer Grad derſelben beißt Geſchmeidigkeit, ein an— derer, von entgegengeſetzter Natur, Starrheit, Steifheit, Sprödigkeit. 246. Wolle(lange und kurze). Der Begriff davon iſt bisher nur relativ geweſen. Ich glaube, daß eine Wolle im entkräuſelten Zuſtande, die 2 Zoll Länge nicht überſteigt, eine kurze, von 3 Zoll eine mittlere, und von 4 Zoll Länge eine ſehr lange Tuchwolle genannt werden kann; wornach ſich die Zeugwolle von ſelbſt ergibt. Man rechnet eine Wolle zu dieſem Behuf von 4 ½ Zoll für eine kurze, von 5— 6 Zoll im ausgedehnten Zuſtande für eine bedeutende und die beſte Länge; hingegen eine Wolle 2ug. 7 ho⸗ Ge⸗ Nei⸗ 8 zu⸗ n ner⸗ da⸗ d nlich uft, ück⸗ Sliche Die Pnrti⸗ Auß. unimit tus ich⸗ t Anen r int A iul aa ohl ec neh⸗ b Arrit. tei in an⸗ „Awazeit, 2 aher 1⁰7 von 7— 8 Zoll und darüber, für eine ſehr lange Wolle. Von letzterer Gattung fällt ſie für edle Fabricate ſchon zu grob aus. 247. Wolle(die Länge der). Hiervon iſt zu unterſcheiden: die natürliche Länge, die das Haar in allen den Krümmungen, worin es gewachſen iſt, hat, und diejenige, welche es in ſeiner bis zur volligen Geradheit geſchehenen Ausdehnung bekommt. In der Regel iſt bey Beurtheilung der Länge einer Wolle das ausgedehnte Haar zu verſtehen, weil ein niedriger Sta⸗ pel, der gedrängtere Bögen hat, länger ſeyn und ſich mehr dehnen laſſen kann, als ein hoher von wenigern Bögen. Im völlig entkräuſelten Zuſtande, ohne Ausziehung über die Enrkräuſelung hinaus, verlängert ſie ſich um † bis x. Eine Wolle, die in ihrem entkräuſelten Zuſtande nur eine Länge von 1 ½ Zoll erreicht, nennt man eine ſehr kurze, und eine ähnliche, von 4 Zoll Länge, eine ſehr lange Tuchwolle. Bey der ganz ſchlichten oder gerade auslaufenden, völlig un— gekräuſelten Wolle iſt die ſcheinbare und wirkliche Länge dieſelbe. 248. Wolle(die Leichtigkeit der) umfaßt Sanftheit und Zartheit, und iſt ohne höchſte Feinheit nicht denkbar. Die Leichtigkeit und der Glanz der Wolle iſt eine höchſt wichtige Eigenſchaft für die edelſten Luxus⸗Waaren, ſowohl für Zeug⸗ als Tucharten, indem ein Fabricat von gleicher Dichtheit, das durch hohe Leichtigkeit ſich charakreriſirt, unendlich hö⸗ her geſchaͤtzt wird, als ein anderes, das ſchwerer iſt, und aus welcher Wolle der Vortheil für den Fabricanten zu⸗ gleich erwächſt, aus demſelben Gewicht, eine verhältnißmä⸗ ßig größere Fläche fabriciren zu können. Die Leichtigkeit der geſunden Wolle, die in geſchloſſenem Vließe, und in dichten, aber flachen Windungen des Haa⸗ res zu finden iſt, kann keine Wolle zu viel haben, wenn ſie nur die Neigung, ihre Länge in kurzen dichten Windungen zuſammen zu ziehen, zur Fabrication des Tuches nicht ver⸗ liert; für Zeug⸗Fabricate iſt dieſes aber nicht zu berückſichti— gen erforderlich. Unſtreitig iſt dieſe Eigenſchaft der Wolle für hochedle Fabricate eine der berückſichtigungswürdigſten, in— dem Feinheit, Geſchmeidigkeit und Glanz mit hoher Leich⸗ tigkeit der Wolle jederzeit vergeſellſchaftet ſind; und es un— terliegt keinem Zweifel, daß durch aufmerkſamere Cul⸗ tur und ſtrengere Berückſichtigung dieſer edlen Eigenthüm⸗ lichkeit der feinen, zarten und leichten Wolle, die tibetaniſchen Ziegen, deren Haar im Handel ſchon um mehr als 50 Pro⸗ cent in Frankreich, durch die auswärtige Zufuhr von Ziegen⸗ haaren und die Concurrenz von der edelſten Wolle, herab⸗ gefallen iſt, dadurch bald übertroffen würden. 249. Wolle(die milde, lange, ſchlichte). Dieſe Wolle er— regt in dem Gefühle eine Täuſchung, und ihre Milde hat nicht den Ton von Sanftheit und Geſchmeidigkeit der parallel geſchlängelten, gewäſſerten Wolle, ſondern ihr weiches An⸗ fühlen rührt von ihrer Glätte, Biegſamkeit und Feinheit des Fadens her. Bey minder feiner, ſo gearteter Wolle, kommt im Gefühl ein ganz verſchiedener Ton zum Vorſchein. Sie taugt nicht für Tücher, ſondern zu Caſemirs, Nerinos und Shawls. Sie gibt geſponnen einen feſten, wenig elaſtiſchen, glatten, flachsähnlichen Faden. Die Weichheit des Gefühles bey Beurtheilung der ſchlich⸗ ten Wolle iſt daher von jener Sanftheit und Geſchmeidig— keit zu unterſcheiden, die der Wolle mit gedehnten Bögen eigen iſt. 250. Wolle(die ſchlichte). Flachsähnliche, ganz glatte, ſchlichte Wolle iſt ſehr fehlerhaft, und nur für Wollzeuge anwend⸗ bar, indem ſie zu wenig Elaſticität, Walkfähigkeit und So⸗ lidität hat, ein minder haltbares und ſchlaffes Fabricat lie⸗ fert, daher von Fabricanten nur für gewiſſe Manufacte ge⸗ ſucht wird. Die ungekräuſelte, ganz ſchlicht gewachſene Wolle läßt ſich nicht über ihre wirkliche Länge ausdehnen. Schlichte Wa. *) hen Oro⸗ Len⸗ ah⸗ ater sIhat 12 llel aaln⸗ 86des a mt .n5ie zaund ſichen/ f aih⸗ u odig⸗ gen ichte .'end⸗ ☛ᷣ̃ Go⸗ —t lie⸗ e ge⸗ bolle S lichte 109 Kammwolle mit ſehr gedehnten Bögen charakteriſirt ſich durch ein eigenes Gefühl von Glattheit und Weichheit, welches der ſchlichten Wolle zukommt, und von nichts anderm, als ſeiner Biegſamkeit herrührt, daher ſich von jener Sanftheit und Geſchmeidigkeit unterſcheidet, die der Wolle mit gedehn⸗ ten Bögen eigen iſt*). 251. Wolle(die gedehnten Biegungen der) beurkunden eine zarte, ſanfte und geſchmeidige Wolle, bey vollkommen geordnerem Stapel. Dieſe allein liefert ein Tuch von der höchſten Qualität und von den trefflichſten Eigenſchaften, das ſich durch Leichtigkeit, Geſchmeidigkeit, Sanftheit und Glanz charakteriſirt**). Die langgedehnte, flachgewellte, ſchlichtere, ſehr geſchmei⸗ dige Wolle von eminenter Feinheit, Sanftheit und herrli— chem Glanze, iſt nicht allein für hochfeine Kammwaare, Shawls, Strumpfzeuge, für Strick- und Stickgarn eine ſehr geſuchte Waare, ſondern es würde auch dieſe Art Wolle, wenn ſie in größerer Quantität cultivirt würde, vielleicht die Seide entbehrlicher machen können, beſonders wenn ſie in ihrer Art noch mehr vervollkommnet würde, indem ſie ſich durch ein eigenes Gefühl von Glattheit und Weichheit unterſcheidet. 252. Wolle(die Regularität im Wuhhſe der) bedeutet Gleichheit der Haare von der Wurzel bis zur Spitze, in der Feinheit ſowohl, als in den parallelen, möglichſt gedrängten, aber gleichartigen Windungen. Die kurze, gedrängte Wolle mit ſtumpfen, faſt cylindriſchen Stapeln, feſt geſchloſſenem Vließe und dichten, aber flachen Windungen des Haares iſt es, was gegenwärtig ſo vorzüglich für die feinſten Tuch— *) Die ſchlichte Wolle hat in ihrer natürlichen Geſtalt dieſes Anſehen. **) Unter Wolle mit gedehnten Biegungen verſtehe ich ſolche, welche dieſe———— Form hat. 6 Nanufacturen geſucht, und am beſten bezahlt wird. Wolle dieſer Art iſt auch jederzeit ein vorzüglich reiner Glanz eigen. Siehe Parallismus. Die reguläre Bildung der Wolle(Einkerbungen, Ma— ſchen) im Stapel, welche allezeit von einer gleichartigen Kräuſelung der einzelnen Haare herrührt, iſt ein weſentli⸗ ches Erforderniß einer untadelhaften Wolle. Dieſe Einker— bungen dürfen in der Regel nie zu ſcharf erſcheinen, ſonſt erregen ſie ein widriges Gefühl. 255. Wolle(die gewäſſerte). Ihr Charakter iſt eine zarte Wolle mit kleinen, wellenförmigen, regulären Biegungen, bey vollkommen geordnetem Stapel. Dieſe Gattung von Wolle iſt es, welche ein Tuch von beſter Qualität zu liefern vermag, indem gezwirnte oder zu ſehr gekräuſelte Wolle minder taugt, weil die Kräuſelungen bey der Bearbeitung nie ſo ganz aus den Fäden zu bringen ſind, als von der gewäſſerten Wolle*). Die Weichheit des Gefühls bey Beurtheilung der Wolle darf nicht mit der Sanftheit und Geſchmei⸗ digkeit der gewäſſerten Wolle verwechſelt werden; denn ſchlichte Kammwolle mit ſehr gedehnten Bögen charakteriſirt ſich durch ein eigenes Gefühl von Glattheit und Weichheit, welches der ſchlichten Wolle eigen iſt, und von nichts an— derm, als ihrer Biegſamkeit und Glätte herrührt; daher ſich dieſelbe von jener Sanftheit merklich unterſcheidet, die der Wolle mit gedehnten Bögen eigen iſt. 254. Wolle(die ſchlotterige, lockere, flüchtige). Sie kann fein ſeyn, rentirt ſich aber ſchlecht. Indeſſen iſt der Schein hinſichtlich des Wollreichthums oft ſehr trieglich, und der Wuchs oder Wollanſatz muß an der Haut beurtheilt werden; denn manche Wolle kann nur darum oben nicht ſo dicht erſcheinen, *) Unter gewäſſerter Wolle verſtehe ich ſolche, welche dieſe b Form hat. 255 256 25) 256. 260. iraurt echt⸗ Krsnn⸗ t id her 1 adie Caie Sin 1R 5 1 eun 6 Ae P 7 260. Wolle(die bräunliche) rührt von einem 111 weil ſie wegen ihrer Länge von 3 und 3⅔ mahl mehr, oben eine großere Peripherie da hingegen eine kurze Wolle, iſt, ſich oben leicht ſo zuſammen halten kann, als unten. Wahrhaft ſchlotterige, fladerige Schafe liefern höchſtens 12 Pfd. gewaſchene Wolle, öfters noch weniger. 255. Wolle(die hungerige) iſt ſchlecht genährten Schafen eigen. Sie iſt in der Regel unausgewachſen, trocken, ſchwach, kraftlos, ribiſch, kurz und leicht zerreißbar. 256. Wolle(die abſätzige) iſt iſt, unter welcher aber eine neue zu wachſen anfängt. 257. Wolle(die boden ſätzige) iſt unmittelbar auf der Haut verworren, in einander verwachſen, gleichſam verfilzt. Sie iſt nur den ſchlechten Racen eigen. Siehe gefilzt. 258. Wolle(die gedrehte). Wenn das Vließ gleichſam ein⸗ zelne Locken bildet, und die einzelnen Haare ſich gleich über der Haut unmittelbar ſpiral⸗ oder ſchraubenförmig in kleine Straͤhne vereinigen, und in eine gemeinſchaftliche Spitze ausgehen. Die Wolle iſt oft pechartig zuſammengeklebt. Die⸗ ſer Fehler iſt den dünnwolligſten Schafen eigen. 259. Wolle(die rau chſpitzige), wenn der äußere Theil der Wolle(die Spitzen) ſtärker iſt, als das Haar am Stamme. Dieſe Spitzen müſſen bey der Fabrication in der Regel ab⸗ geſchnitren werden. Auch verſteht man darunter an der Spitze geſpaltene, trockene, markloſe Wolle ohne Kraft und Elaſti⸗ cität, die hauptſächlich durch Sonnenhitze vertrocknet wurde. Dieſe groben Spitzen verarbeiten ſich bey dem Fabricate oben auf, nehmen die Farbe nicht gehörig an, und entwer— then das ganze Tuch. Derley Wolle verurſachet ein koſtſpie⸗ liges Abſchneiden derſelben, um beſſere Fabricate daraus ver⸗ fertigen zu können, wodurch zuweilen ein Drittheil ihres Werthes verloren gehen kann. Zoll, und manch⸗ „als unten hat; die nur † oder 12 Zoll lang ſolche, wo die obere abgeſtorben angehäuften, fehlerhaften, dunklen Schweiß her. 261. drehte Wolle. 262. Wolle(die ſpiralförmig gewachſene) iſt oft dünn⸗ wolligen Schafen von hoher Feinheit eigen. Siehe ge⸗ Wolle(die ſchraubenförmige). Dieſe Wolle kommt öfters vor, und iſt nie ſo dauerhaft, als eine regelmäßig gekräuſelte; ſie ſoll bey ſehr gedrehtem Geſpinnſt leicht ſprin⸗ gen. Siehe Wolle gedrehte*). 263. Wolle(die braunen Spitzen der) entſtehen, wenn die Wolle überſtändig wird, oder durch Näſſe leidet, wo⸗ durch der Schafſchweiß von den Spitzen der Wolle abgewa⸗ ſchen wird, oder endlich, wenn ätzender Miſt, Kalkſtaub oder dumpfe Stallluft auf die Wollſpitzen einwirkt. 264. Wollwuchs(der unregelmäßige) wird durch Unrein⸗ lichkeit auf dem Oberkörper, durch Sand, Staub „Miſt, Näſſe befördert, indem die Wolle hierdurch in ihrer Entwi— ckelung gehindert wird.. 265. Wollhaare(das Zuſammenkleben der). Hierin liegt der Grund in Schwäche und verdorbenen Ausdünſtu Körpers. 266. Wolle(die zweywüchſige). Hierunter iſt eine ngen des ſolche zu verſtehen, die durch Krankheit oder durch Nahrungsmangel im Wachsthum unterbrochen wurde und abgeſtorben iſt; bey veränderten Umſtänden aber die nachwachſende neue Wolle die alte von der Haut abſchiebt. Siehe auch abſätzige Wolle. 267. Wolle(das Ausfallen der) rührt gewöhnlich vo che und Krankheit her. 268. Wolle(die einſchürige). Darunter verſteht auf dem Körper des Thieres ein Jahr alt geworde ehe ſie geſchoren wird. n Schwä⸗ man eine ne Wolle, 269. Wolle Cweyſchürige). Dieſe wird in Sommer- und Winterwolle abgetheilt. Die Sommerwolle wird i *) Hierunter verſtehe ich Wolle von dieſer Wnuen Form. m Herbſt, 2„ 1¹. 113 punn und die Herbſt⸗ oder Winterwolle im Frühjahr geſchoren. 88 Die Sommerwolle von denſelben Schafen iſt weicher, als die Winterwolle, welches einen Beweis liefert, welchen wich⸗ konmt V tigen Einfluß die Nahrung auf die Qualität der Wolle hat. nääix 270. Wolle(die Kraftloſigkeit der) rührt oft von Staub ſprin⸗ und Regen, hauptſaͤchlich aber von Mangel an Nahrung her. 271. Wolle(die Reibung der). Dieſe unterſcheidet ſich in g wenn eine ſanfte, weiche, und in eine harte, abſtoßende. 1, we⸗ 272. Wolle(die Undehnbarkeit der). Der Gegenſatz von 3 gewa⸗ Dehnbarkeit; ein Fall, der ſich bey morſcher, auch ſpröder — itud und mürber Wolle oft ergibt. 4 V 275. Wolle(die knotenförmige). Bey gewundener, ſchrau⸗ Hnrein benartiger oder ſpiralförmiger Wolle ſchließen ſich die Woll— 3 Mit, Sectionen gleichſam in Knötchen, welche man knöterige Sntni⸗ Wolle nennt; ein Fehler, welcher ſich bey derley ſehr ge⸗ kräuſelter Wolle ereignet. sin liegt Auch ereignet ſich dieſer Fehler durch Reibung an den mon des Spitzen der Wolle, daß ſich die ſchwächliche Wolle von kränklichen Schafen in dieſem Falle in Knoten ſpinnet. Jache zu 274. Wollſpitzen. Die Wollſpitzen erhalten ſich um ſo beſſer, agrangel je beſſer die Stapel geſchloſſen, je mehr ſich das Thier der im; dey Ausbildung nähert, und je beſſer die Pflege und Haltung uns Wolle der Thiere beobachtet wird, wohin ich vorzüglich Verwah⸗ ſditzige rung gegen Näſſe zähle. Wo ſie bey einer edlen Herde er⸗ ſcheinen, ſind ſie ein Fehler der Cultur: denn das Vließ Sthwi⸗ ſoll in der Regel an ſeiner Oberfläche eben und ohne vorſte⸗ V bende Spitzen ſeyn, widrigens das Vließ nicht geſchloſſen iſt. Aan eine 275. Wolle(die futterige). Von Futter und Staub verun⸗ 4„Voll, reinigte Wolle; ein Fehler, der von ſchlechter Haltung herrührt. n⸗ und 276. Wolle(die zuſa mmenge klebte) entſteht aus einer be⸗ Herdſ ſonders klebrigen Beſchaffenheit des Wollſchweißes, und iſt der gezwirnten Wolle gewöhnlich eigen. II. 8 1 1 Form. 114 277. Wolle(die ungewöhnlich kurze) rührt oft von Schwäche, aus Mangel an Nahrung oder Krankheit, her. Es gibt auch Spielarten von Schafen, die eine derley zwerg⸗ artige Wolle erzeugen, die äußerſt ſtark und gewöhnlich un— regelmäßig gekräuſelt iſt. 278. Wolle(die matte) oder brüchige, kernloſe Wolle iſt ſchlecht genährten und gepflegten Schafen, und kranken Thieren dieſer Art nur eigen. 279. Wolle(die gelbe) iſt gewöhnlich von Urin gefärbt, und muß bey der Sortirung ſorgfältig von der übrigen Wolle abgeſondert werden. . Es gibt auch eine gelbe Schweißwolle, die einen trüben Schein hat, und durch die Waͤſche weiß wird, welche aber durch die Küpe den Farbenſchimmer nie ſo rein, als eine Wolle, welche einen von Natur hellen und glänzenden Schein hat, anzunehmen fähig iſt. 280. Wolle(die ſchlotterige) iſt ſchlapp, hängend und ge⸗ neigt, ſich zu ſpinnen. Sie iſt gewöhnlich von einem ſo dünnen, loſen Wuchſe, daß die Stapel weder gehörig ge⸗ ſchloſſen, noch aufrecht ſtehen können. 281. Wolle(die Uberzartheit der) oder Schwächlichkeit der Wolle rührt von Krankheit her. 282. Wolle(die Überfeinerung der) kann bey einer mit Umſicht behandelten Herde nie Statt haben, wo man, nach höherer Feinheit ſtrebend, zugleich immer Dichtwollig— keit bey der Vließ⸗Ausgleichung durch ein zweckmäßiges Verfahren in der Manipulation feſthält. Der Durchmeſſer des einzelnen Seidenfadens, ſo wie wir ihn aus Seiden⸗ zeugen gewöhnlich ausziehen, beträgt nach Hrn. Rudolph André's Unterſuchungen 2.— ⁄ο eines Wiener Zolles; dieſe Feinheit wird bey der Schafwolle wahrſcheinlich auch bald erreicht werden, indem wir ſchon Exemplare von 4— N*⸗ eines Wiener Zolles beſitzen. Was berechtigt uns in ano— maliſcher Hinſicht, oder in Betreff der Race⸗Fähigkeit der 293 *) u 115 Merinos, daran zu zweifeln, daß wir die Feinheit der Seide, des Flaumes der Kaſchemir⸗oder tibetaniſchen Ziegen, die, mit dem Dollond'ſchen Wollmeſſer gemeſſen, den 5— 6οοοο. Theil eines engliſchen Zolls beträgt(wogegen der Faden des fein⸗ ſten Raupengeſpinnſtes nur den 2/⁄οο⸗. Theil eines Lo Zolles beträgt) nicht ſollen erreichen können? en„ 283. Wolle(die ſtark gekräuſelte). Dieſe iſt nicht die Eigenſchaft ſehr reichwolliger Schafe, nähmlich ſolcher, die ndner d viele Wolle in die Wage liefern; im Gegentheil eine wirk⸗ ele lich feine Wolle von ſchwachen Kräuſelungen, oder eine ge⸗ ſchlängelte Wolle von niedern Bögen, ſchlichterm Baue zen und angemeſſener Länge verbindet die Eigenſchaft der Woll⸗ er menge mehr in ſich*), nähmlich wo die Tiefe der Bögen ne ihre Breite bedeutend überſteigt. zen Da einige Wollhändler und Fabricanten unter Kräuſelung 6 einen Fehler verſtehen, und die zu ſtark eingekerbte und ge⸗ ne⸗ zwirnte Wolle damit bezeichnen; ſo iſt von dem Leipziger aſo Woll⸗Convente 1823 die Benennung Wolle mit ge⸗ gje⸗ drängten und gedehnten Bögen zur Bezeichnung dieſes Unterſchiedes gewählt worden. Nachdem wir aber den ner Kunſtausdruck gezwirnte Wolle in unſern Sprachgebrauch aufgenommen haben, um die zu ſtark gekräuſelte Welle zmiit damit zu bezeichnen, und gedrängte, feine Kräuſelungen, dund wo die Tiefe der Bögen ihre Breite nicht überſteiget, für dig⸗ Tuch untadelhaft iſt, und ein eignes Gefühl bewirkt; ſo nget halte ich den Ausdruck: gekräuſelte Wolle, für ge⸗ P ſe eigneter. en⸗ 284. Wolle(die kurzgekrä uſelte). Dieſe eigentliche Tuch⸗ w wolle gibt eine loſern, mehr elaſtiſchen Faden, als längere, iſ ſchlichtere und gewundene Wolle, auf deſſen Oberfläche um Abed ſo mehr Enden zum Vorſchein kommen, je kürzer die Haare — 0 zuo⸗*) Unter ſtark gekräuſelter Wolle verſtehe ich eine ſolche, welche ſo k VVV’ gebaut iſt. * ſind, je gröber die Fäden geſponnen, und je weniger feſt ſie gedreht werden. Stark gekräuſelte Wolle ſcheint mehr Dichtigkeit zu verrathen, als wirklich der Fall iſt, indem die ſtärkern Kräuſelungen einen größern Raum einnehmen, als weniger gekräuſelte auf demſelben Raum. Dieſes iſt be⸗ ſonders bey Wolle von verworrenem Wuchs der Fall. Kurze Wolle vollendet ſich an Fadenfeinheit ſelbſt ſchnel— ler, als lange. Daher dankt manche Schäferey ihren Ruf bloß der Kürze ihrer Wolle, ſeit die Fabrication zu Ma— ſchinengeſpinnſt kurze Wolle vorzieht. 2865. Wolle(die vereinigte Länge und Grobheist der). Bey gemeiner und veredelter Wolle iſt das lange Haar auch in der Regel das gröbere; man findet beyde Eigenſchaften bey allen langwolligen großen Arten von Schafen immer vereinigt an. 286. Wolle(die Derbheit der) bedeutet Sprödigkeit, und daß ſolche hart im Griff iſt. 287. Wolle(grobe). Der Durchmeſſer davon ſoll nach Hrn. Wagner beyläufig α; ein Hundshaar 5 Berl. Zoll ſeyn. Das grobe Haar wächſt ſchneller, als das feine, ſonſt könnte es in einer beſtimmten Zeit keinen Vorſprung gegen das letztere erhalten. 288. Wäſche(der Wolle). Ihr Zweck iſt, ſie von allem Un⸗ rath möglichſt zu befreyen, um ſie durch dieſe Behandlung zu einer möglichſt preiswürdigen Waare zu machen, und ih⸗ ren Werth als Waare zu begründen. Die Agentien, welche Schweiß und Fett der Wolle auflöſen, können nicht in die innere Markröhre einwirken, daher, wenn eine friſche Wolle auch noch ſo rein gewaſchen wird, ihr von innen im feiſchen Zuſtande noch ſo lange Nahrung zufließt, bis dieſe endlich vertrocknet, womit ſich wahrſcheinlich die natürliche Kraft der Wolle endigt. 289. Wolle(gewa ſchene) iſt anfänglich etwas gröber, als vor der Wäſche, bis die vom Waſſer angeſaugten Haarwände 1 im edieſe a lihe vor . ande 290. 117 nach und nach wieder austrocknen, und die Wolle dadurch wieder in ihre natürliche Geſtalt zurücktritt. Nach meinen Begriffen ſoll eine entfettete gewaſchene Wolle in dem Verhäͤltniß dem Auge feiner vorkommen, als ſie älter, trockner wird, und je mehr ſie zuſammentrocknet. Herr Köhler will, Seite 16 und 17 bey der Beſchreibung ſeines Wollmeſſers, das Gegentheil bemerkt haben, was ich aber nicht begreifen kann. Wollfreſſen(das) der Schafe iſt ein großer Fehler, und kann ſo ſehr zur Gewohnheit werden, daß ſich endlich eine ganze Herde daran gewöhnt. Man hat in manchen Schäfe⸗ reyen die Schafe mit Leinwand bekleiden müſſen, um dieſem Übel zu ſteuern. 291. Wolle des Maſtviehes. Ein im uübermaß genährter Körper führt den Wollfäden mehr Saͤfte zu, als ſie bedür⸗ fen, ihre dehnbaren Röhren erweitern ſich durch die ſchwam— mige Koſt zu ſehr, die Wollfäden dehnen ſich aus und ver⸗ gröbern ſich In den ökonom. Neuigkeiten Nr. 61., Jahrgang 1824, wird in den neueſten Anſichten über Wolle und Schafzucht geſagt, daß, wenn zwey Lämmer von derſelben Race und Woll⸗Qualität, das eine mit allzu reichlicher Nahrung gemä⸗ ſtet worden iſt, das andre aber bloß den Bedarf erhalten hat, man bey der erſten Schur bemerken wird, daß das erſtere ſeine Wolle vergröbert, verlängert, daß die Wolle ihren urſprüng— lichen Charakter, ihre Geſchmeidigkeit, folglich auch einen Theil ihrer Sanftheit, ſo wie einen Theil der von der Ge⸗ ſchmeidigkeit abhängenden Elaſticitaͤt verliert. Noch merk⸗ licher werden ſich die Folgen bey der zweyten und dritten Schur offenbaren.— Das zweyte Lamm hingegen wird un— verändert ſeine Eigenſchaften beybehalten. Wird dieſer Ver⸗ ſuch bis zur zweyten, dritten Generation und noch weiter fortgeſetzt; ſo werden ſich die Thiere ſo unähnlich werden, daß man ihren gleichen Urſprung nicht mehr erkennen wird. 118 Dieſe unbeſtreitbare Erfahrung, die man täglich beſtätigt findet, ſcheint ſich auf folgende Art erklären zu laſſen. Der fette Überfluß vermehrt den Umfang des Thiers, folg⸗ lich auch die dasſelbe umgebende, nachgiebige Hülle, d. i. die Haut. Demnach werden ſich deren Poren vergrößern müſſen, alſo auch die, welche zum Durchbruch und zur Bil⸗ dung des Wollfadens beſtimmt ſind. Die noch weichen, alſo aus der Zwiebel reichlicher zuſtrömenden Theile werden ſich in größerem Maße entwickeln, ungefähr ſo, wie ſich in ei— ner größern Form aus geſchmolzenem Bley eine größere Kugel gießen läßt, als in einer kleinern. Folglich er⸗ ſcheint ein ſtärkerer Wollfaden.— Die Zwiebel, die ſich aus dem Zellgewebe ernährt, wird ſich den Nah— rungsſaft in größerer Menge aneignen, und ihn der Röhre reichlicher zuführen; folglich wird ſich der Wollfa⸗ den verlängern.— Es wird ganz begreiflich, daß die den Wollfaden bildende Hautröhre, durch Erweiterung der lletztern und den reichlicher zuſtrömenden Nahrungsſaft, ſich vergrößern müſſe. So wie ſich die Form des Fadens erweitert, werden ſeine Biegungen weniger merklich, und er wird einen Theil ſeiner Kraͤuſelung verlieren; folglich wird ſich ſein Cha⸗ rakter ändern. Eben ſo wird nothwendig die Vergrö⸗ ßerung(und Vergröberung) des Fadens ſeine Geſchm e i⸗ digckeit, und alle davon abhängende übrige Eigenſchaften verändern. Dieß gilt von allen größern Geſtalten und fetter genährten Schafen. Magert hingegen ein Thier wegen Futtermangels ab, und kommt herab, ſo zeigen ſich die entgegengeſetzten Fol⸗ gen. Zwar ſcheint die Wolle ſich zu verfeinern, aber ſie wird zugleich auch kraftlos. Sie erreicht ihre natürliche Länge nicht. Sie wird weiß, trocken, verliert die Geſchmeidigkeit und andere Eigenſchaften. Endlich zeigt ſie, wenn ſie nicht von ſelbſt ausfällt, eine ihrer Anwendung ſehr nachtheilige gähre Ulfa⸗ die der t ſich geine ziner m ha⸗ grö⸗ mei⸗ zige zößern 1⁵⁴ ab/ — Fol⸗ ae wird Plinge a igkeit nicht 119 Ungleichheit in der Haltbarkeit an den Theilen des einzelnen Fadens. Jede Magerkeit, wenn ſie nicht zum Weſen eines geſunden, ſich wohl befindenden Körpers gehört, mindert ſehr merklich den Fettvorrath im Zellgewebe. Die Zwiebel kommt folglich um einen Theil des zur Bildung des Woll fadens und ſeiner Ernährung nöthigen Nahrungsſaftes; folglich iſt es natürlich, daß die Wolle kurz und kraftlos wird. Offenbar mindert ſich auch der Zufluß der Flüſſigkeiten durch die Poren und die Fettbildung; folglich muß der Wollfaden weißer und trockner werden, alſo auch an der Geſchmeidigkeit und den übrigen damit verbun⸗ denen Eigenſchaften verlieren.. Wie ſich die Körpermaſſe verkleinert, muß ſich auch die ihn umhüllende Haut zuſammenziehen, folglich werden ſich auch ihre Poren und die Offnungen verengen, aus denen der Wollfaden hervorkommt.— Wenn die Verhältniſſe, welche ihn ſeiner Nahrung beraubten, nicht verbeſſert werden, ſo wird er ſich bey immer zunehmender Verengerung ſeiner Durchbruchsöffnung, indeß ſeine Kraft immer mehr ab⸗ nimmt, am Ende ſo verdünnen, daß er durch ſein eignes Gewicht abreißt. Tritt aber Verbeſſerung vor dieſer Trennung vom Körper ein, ſo kann er wieder den vorigen Durchmeſſer und die vorige Kraft erhalten, nur aber aus zwey ganz verſchiedenen auf einander gepfropften Theilen beſtehen, und deßhalb eine Ungleichheit in der Haltbarkeit zeigen, welche ſehr nachthei⸗ lig auf die Fabrication einwirken wird. Man findet dieſe Erſcheinung ſehr oft bey der Wolle krankhafter, abgemagerter, oder ſolcher Thiere, die plötzlich aus vorzüg⸗ licher in eine ſchlechte Pflege kommen, oder auch umgekehrt. Iſt die Körperzunahme, wenn ſie das Maß überſchreitet, der Wolle nachtheilig: ſo iſt eine wegen Futtermangels oder we⸗ gen Krankheit entſtandene Abmagerung noch weit ſchlimmer. 120 292. Woll⸗Eigenſchaften in Bezug auf die Haut. Die feinere Haut erzeugt feinere, und die härtere und di— ckere Haut gröbere Wolle, wie an den Schenkeln, Füßen ec. Jede dießfällige Abweichung bringt ein verſchiedenes Fein⸗ heitsverhältniß hervor, und je mehr ſich der Charakter hoch⸗ edler Wolle und die Gleichartigkeit des Vließes verbeſſert, in dem nähmlichen Verhältniß verdünnet und veredelt ſich zugleich die Wolle. Was hingegen die Wolleigenſchaften in Bezug auf die Fabrication anbelangt, ſo wird in den ökonom. Neuigkei⸗ ten Nr. 62, im Jahr 1824, folgende wichtige uͤberſetzung aus dem Werke der Eigenthümer der Nazer Schafe in Frank⸗ reich mitgetheilt, und da in dieſem Aufſatz die vielfachen Stufen der Behandlung der Wolle in jedem Betracht auf eine ſehr lehrreiche und leicht faßliche Art durchgegangen werden, ſo theile ich ſolchen hier mit. „Wir bringen alle Wollgewebe auf zwey Haupt⸗Claſſen zurück: 1) Solche, welche in die Walke kommen müſſen— Tücher. 2) Solche, welche nicht in die Walke kom⸗ men— glatte Zeuge. So zerfällt auch die zu beyden erforderliche Wolle in zwey Haupt⸗Claſſen: 1) Streich⸗, 2) Kämmwolle*). Von der zu Tüchern erforderlichen, oder von der Streich⸗Wolle. Das erſte Erforderniß des zur Tuchbereitung beſtimmten rohen Stoffes iſt die Fähigkeit, ſich in einander zu verfilzen, ohne welche jene nicht denkbar iſt. *) Nur einige Zeuge, die aus Kämmwolle verfertigt werden, machen eine Ausnahme, und werden mehr oder weniger gewalkt. 121 Alle Wolle beſitzt dieſe Eigenſchaft mehr oder weniger. Das Filzen iſt bekanntlich eine beſondere Eigenheit der Thier⸗ haare und einiger Pflanzenproducte, ſich immer mehr aufs 6. n⸗ innigſte zu verbinden, je mehr der Zeug, zu welchem ſie p⸗ bereits verbunden ſind, gepreßt und geſchlagen wird. Dieſt tt, geſchieht mit großen, in Bewegung geſetzten Hämmern, Jch z welche dreyerley bewirken. Entweder ſtrecken ſie die Fä⸗ den im Gewebe länger, oder ziehen die gekräuſelten gerader, i oder zerreißen ſie. Alles nur Folgen der verſchiedenen Arten 5 der Elaſticität, wornach die Fäden im Stande ſind, wieder 1 die vorige Länge und Form anzunehmen, oder ſich zu kräuſeln. 1 Der Hammer wird nähmlich bey ſeinen Schlägen auf die Phen Fäden im Innern des Gewebes, oder auf ihre außen her⸗ euf vorſtehenden Enden treffen. Im erſten Fall werden ſie ihre Den vorige Lage wieder einzunehmen ſuchen, und durch das Be⸗ ſtreben, wieder in dieſe zu kommen, werden gegenſeitige n Kreuzungen oder Verſchlingungen entſtehen, womit zugleich n die Verfilzung im Innern ihren Anfang nimmt. Wie ſehr 2 die beyden Elaſticitäten des Zurückſpringens in die vorige Figur und Größe dieß Geſchäft erleichtern, fällt von ſelbſt 2 in die Augen. Dasſelbe iſt der Fall, wenn der Hammer die über die Oberfläche hervorragenden Fadenenden trifft, und nach allen Richtungen hin zuſammenpreßt. Sie werden wie⸗ 1 1 der in ihre Lage zu kommen ſuchen, und ein je ſtärkerer Druck auf ſie ausgeübt wird, deſto mehr werden ſie ſich, wenn ſie elaſtiſch ſind, bey ihrem Widerſtreben innigſt mit einander verbinden. Auf dieſe Weiſe tragen auch die auf der Fäden, ſie zerreißen ſie auch, und dann hat die Elaſticitaͤt des Krauswerdens Gelegenheit, ſich zu zeigen. Denn, ſo wie ein Faden reißt, ſpringen die beyden Enden zurück, winden ſich ſchneckenförmig zuſammen, und werden dadurch 1 6 Oberfläche hervorragenden Fäden durch feſteres Anhängen an muten ihre Nachbarn dazu bey, die Verfilzung im Innern zu befördern. Sa, Aber die Hämmer ſtrecken und verlängern nicht bloß die ¹ nur um ſo geſchickter, ſich recht innig mit andern, ebenfalls zerriſſenen Fäden zu verſchlingen, je geſchmeidiger ſie ſind, und je mehr ihnen jene Art der Elaſticität eigen iſt. Was wir hier über das Weſen der Walke geſagt haben, wird begreiflich machen, wie ein Stück Tuch, das ganz dünn vom Webeſtuhl kam, dadurch bedeutend in der Dicke zu⸗, dagegen in der Breite und ſelbſt in der Läͤnge abneh— men müſſe. Abſichtlich haben wir den Walkprozeß näher aus— einander geſetzt, damit man ſehe, daß die verſchiedenen Ar— ten der Elaſticität ganz allein das Verfilzen bewirken. Wo— her kommt es nun, daß ſich eine Wolle vor der andern leich— ter walken läßt? Weil ſie die elaſtiſchen Eigenſchaften in höhern Graden beſitzt, die ſich dann auch durch die Vorbe⸗ reitungen, die mit ihr vorgenommen werden, ſo wie beym Weben und Walken, um ſo vortheilhafter zeigen. Warum anderer Seits würde ſich ein Stück hänfene oder flächſene Leinwand durch die Walkhämmer eher zu einem Brey zer⸗ malmen als zum Filzen bringen laſſen? Weil den Faͤden ihres Gewebes alle zum Filzen erforderliche Elaſticitäten abgehen. Unterſuchen wir den Hanffaden, ſo läuft er ohne alle Kraͤu— ſelung gerade aus. Er beſitzt bloß die Elaſticität der Form, die ohne die andern Elaſticitäten beym Walken nichts nützt. Ahnliches iſt der Fall bey grober Wolle, welche zwar mehr Form⸗Elaſticität beſitzt als Hanf, aber ſich doch viel ſchlech⸗ ter walkt, als feine. Der Hanffaden läßt ſich auf keine Weiſe länger ſtrecken, der grobe Wollfaden nur etwas, aber in eben dem Grade mehr, als er feiner wird. Da ſich nun der feinſte zugleich am beſten filzt, ſo folgt von ſelbſt, daß die Streckbarkeit das Filzen befördert. Zerreißt man einen Hanffaden, ſo behalten die zerriſſenen Theile ihre geradlinige Form, und zeigen nicht die mindeſte Neigung ſich zu kräuſeln oder auch nur zu krümmen, und gerade dieſe Elaſticität der Krauſung iſt, unſerer Meinung 123 nach, das Haupt⸗Beförderungsmittel der Filzung. Auch iſt gerade die geſchmeidigſte Wolle, welche dieſe Art der Elaſti⸗ . cität im höchſten Grade beſitzt, die filzbarſte. Das Gegen⸗ den theil findet bey harter, grober Wolle Statt. 1⁸ Wir halten dieſen Gegenſtand für wichtig genug, die er— Dite haltenen Reſultate hier kurz zuſammen zu ſtellen. net⸗ 1 1. Die Haupturſachen der Filzfähigkeit liegen in den ver⸗ ue. ſchiedenen Elaſticitäten des Fadens, die mit ſeiner d A Streckbarkeit(größerer Ausſpannung), einer zur Ge⸗ 88 ſchmeidigkeit erforderlichen Bedingung, im innigſten t lei Zuſammenhange ſtehen. ln 2. Die Elaſticität der Krauſung, mit welcher zunächſt die Be Geſchmeidigkeit in Verbindung ſtehet, trägt zum Fil⸗ zen am meiſten, nach ihr aber die Elaſticität der Kräu⸗ ſelung(die ſich in Form und Größe zugleich äußert) fene dazu bey, eine Eigenſchaft, welche nur bey der hoch⸗ feinen Wolle in der Regel anzutreffen iſt. o zer...—.„.. 1 3. Feinheit und Geſchmeidigkeit werden daher das Filzen nühres 4. 4 am beſten bewirken. Athe slräu Unterſuchen wir jetzt die Haupteigenſchaften eines guten, Bem, annehmlichen Tuches, und ſehen dann zu, was für Eigen⸗ snüdt. ſchaften eine Wolle haben müſſe, aus der ein ſolches bereitet wenehr werden ſoll. Plec⸗ Jene Eigenſchaften ſind: Haltbarkeit oder Dauer, Un⸗ durchdringlichkeit, Feinheit, Leichtigkeit, Sanftheit und f cen, Weichheit für das Gefühl. ur Hrade. lann Haltbarkeit des Tuches. s glelch arkeit Ein aus feiner, geſchmeidiger Wolle geſponnenes Garn leiſtet bey gleichem Durchmeſſer der Zerſtörung längern Wider⸗ ſener ſtand, als ein aus gröberer und ſpröderer Wolle geſponnenes*). adeſte „ d*) Dieß findet noch mehr Anwendung bey Kämmwoll⸗Zeugen, als r bey gefilzten, weil in der zu den letztern verwendeten Wolle beym 124 Wir haben geſehen, daß gerade die Eigenſchaften der Feinheit, Geſchmeidigkeit und der gewellte Charakter der Wollfäden die Fähigkeit verſchaffen, ſich beym Spinnen und Walken aufs innigſte zu verbinden. Anderer Seits wird ein Garn, das aus einer ſchon von Natur aus ſtark gekräuſel⸗ ten Wolle bereitet iſt, nicht der Kunſt bedürfen, um ihm zum Filzen die nöthigen Häkchen zu verſchaffen; man wird es daher weit mehr drehen, und alſo feſter machen können. Nach dieſen Vorausſetzungen glauben wir annehmen zu dür— fen, daß unter ſonſt gleichen Umſtänden die haltbarſten Tü⸗ cher diejenigen ſeyn werden, welche aus der allerfeinſten Wolle bereitet wurden, welche der ganzen Länge nach regel⸗ mäßig gekräuſelt, aufs höchſte geſchmeidig, ſtreckbar iſt, und im hohen Grade die Elaſticität der Krauſung beſitzt. Ein aus ſolcher Wolle gefertigtes Tuch wird mechaniſchen, zerreißenden Kräften eben ſo ſtark, als den Witterungsein— flüſſen widerſtehen. Undurchdringlichkeit des Tuches. Sie iſt eine Folge des innigſten Zuſammenhanges der Wollfaͤden ſeines Gewebes. Dieſe Eigenſchaft wird deßhalb ſo wichtig, weil nur durch ſie das Eindringen der Luft und Näſſe abgehalten wird. Nur durch das Filzen kann dieß bewerkſtelliget werden. Mit der Wolle, welche am beſten filzt, wird man auch das undurchdringlichſte Tuch hervorbringen, und dieß nur mit der feinſten und geſchmeidigſten Wolle be⸗ Streichen und Walken die einzelnen Fäden ſo ſehr aus ihrem Pa⸗ rallelismus gebracht, ja zerriſſen worden ſind, daß ſie nicht mehr ſo in der Längenrichtung zuſammenhängen, als es die Haltbarkeit des Garns verlangt. Man weiß indeſſen, daß die Haltbarkeit des Tuches weit weniger von der Stärke des Garns, als von der Fil⸗ zungsfähigkeit der einzelnen Wollfäden abhängt, aus denen das Garn beſteht. der der rund dein Aſel aihm g ird en. ür⸗ STi⸗ ſten Chel⸗ it, itt. arn, amin⸗ zzper turch gur „Hauch „ nur be⸗ 44 — Pa⸗ A nehr M arkeit das 125 wirken können. Auch ſchon beym Weben werden Feinheit und Geſchmeidigkeit des Garns viel zur Undurchdringlichkeit beytragen. Das Tuch wird um ſo geſchloſſener und gedeckter ausfallen, je weniger die Fäden des Aufzuges, wenn ſie ſich mit dem Einſchlag kreuzen, Zwiſchenräume laſſen. Feinheit des Tuches. Von ſelbſt leuchtet ein, daß die Feinheit des Tuches von der Feinheit des Garns, und dieſes wieder von der Feinheit der Wollfäden abhänge. Leichtigkeit. Auch dieſe hängt von der Feinheit ab, weil man aus einer geringern Menge Wolle, die aber gut filzt, ein eben ſo haltbares, ja eben ſo warmes Tuch verfertigen kann, als mit einer größern Quantität, aber ſchlechter filzenden. Sanftheit und Weichheit. Worin anders könnte Beydes in den Geweben geſucht wer⸗ den, als in der Sanftheit der einzelnen Wollfadentheilchen, welche die haarichte oder flaumichte Maſſe des Ganzen bilden. Alles abermahls eine Folge bloß der Feinheit und Geſchmei⸗ digkeit, die auch hier noch das Beſte thun müſſen, wenn ein Tuch wahrhaft ſchön und ohne Tadel ausfallen ſoll. Nur durch ſie wird es möglich, das vollkommenſte Tuch zu bereiten. Einer Eigenſchaft haben wir noch nicht beſonders gedacht, weil ſie mit allen übrigen im innigſten Zuſammenhange ſteht, und ihre Wichtigkeit zu ſehr in die Augen ſpringt, als daß es nöthig wäre, ſie erſt beſonders bemerklich zu machen. Wir meinen die Gleichheit des Wollfadens der ganzen Länge nach, nicht bloß in Beziehung auf Feinheit, ſondern auch in Rückſicht auf Geſchmeidigkeit, Stärke und Elaſticität:c. Die Ungleichheit des Wollfadens iſt nicht zu verkennen, wenn die Biegungen von der Wurzel an bis zu einer gewiſſen Höhe anfänglich zahlreich und gleichförmig waren, dann aber größer, folglich ihrer weniger werden, und nahe am Ende ganz verſchwinden. Letzteres kann auch durch die Schmutzbeize verdorben worden ſeyn. Die hieraus entſtehende Ungleichheit iſt beſonders ſehr häufig bey einigen hochfeinen Herden Sachſens anzutreffen; ſie nöthigt dann, dieſe Spitzen abzuſchneiden. Dieſe merkwürdige Vereinigung und Übereinſtimmung der Eigenſchaften des beſten Tuches und der feinſten Wolle verdient unſere ganze Aufmerkſamkeit. Un⸗ terſuchen wir ſie genauer in ihren Erſcheinungen, ſo wird ſie uns eine Thatſache begreiflich machen, welche ſich die mei⸗ ſten Schafzüchtler nicht zu erklären wiſſen, ich meine— den auffallenden Preisunterſchied zwiſchen einer hochfeinen und einer andern ſchönen, feinen Wolle, unter welchen man, dem erſten Anſchein nach, kaum eine merkliche Ver— ſchiedenheit zu finden meint; und doch wird jene vielleicht noch einmahl ſo theuer verkauft. Dieſer Unterſchied rührt von dem innigſten Verein ſämmtlicher, oben von uns an⸗ gedeuteter Wolleigenſchaften her, welchem zufolge die feinſte Wolle mit den regelmäßigen Biegungen auch die ge⸗ ſchmeidigſte, dehnbarſte, gleichſte ſeyn, und der größten Elaſticität in Bezug auf Kräuſelung fähig, folglich am geeignetſten ſeyn wird, daraus ein Tuch zu verfertigen, das alle Forderungen in hohem Grade befriedigt, und das nicht bloß wegen ſeiner ausnehmenden Feinheit, ſondern auch wegen der übrigen, mit dieſer allezeit noch verbunde⸗ nen Eigenſchaften*). *) Da, wie wir geſehen haben, nicht etwa Eine Eigenſchaft, ſon⸗ dern der Verein aller, und dabey jede wieder in eigener Art mit⸗ wirket, dem Tuche jene Eigenſchaften zu geben, die man ſo ſehr an ihm ſchätzt; ſo begreift man leicht, wie eine oder die andere, je nachdem ſie in höherm oder minderm Grade vorhanden iſt, der Fabrication förderlich oder hinderlich iſt. 1 G 66) n 1 chm fe ir 1-nas . roen. Ade⸗ e 61* Ani⸗ 1 r ere/ n 1der 127 Von der Kämmwolle. Wenn man zur Tuchbereitung die größte Filzfähigkeit der Wolle verlangt, wenn man letztere noch durchs Streichen (Schräpeln) zu befördern ſucht, indem man die Fäden trennt, verkürzt, und in alle mögliche Lagen bringt; ſo ſcheint man bey den glatten Zeugen gerade auf die entgegengeſetzte Art zu verfahren. Auch iſt hier der Zweck ein ganz anderer. Denn das Gewebe kommt nicht unter die Walke, bedarf alſo auch keiner Hülfe, um durchs Streichen der Wolle einen Faden zu erhalten, deſſen feine Hervorragungen das Filzen befördern; vielmehr iſt ein Faden mit ununterbro⸗ chener Oberfläche für glatte Zeuge erforderlich, weil ſie nur durch einen ſolchen Faden Glanz und Sanftheit erhalten können*). Um einen glatten, ſanft anzufühlenden Garnfaden zu erhalten, iſt erforderlich: 1. daß die Wolle vor dem Spinnen ſo vorbereitet werde, daß alle Wollfäden einerley Richtung erhalten, deß⸗ halb muß ſie gekämmt werden; 2. daß die Wollfäden ſo lang, als möglich, ſind, weil alsdann auf einer gegebenen Länge des Garnfadens weniger Enden vorkommen, die alſo auch, wenn ſie die gerade Richtung verlaſſen, weniger die glatte Ober⸗ fläche ſtören werden; 3. daß die einzelnen Wollfäden möglichſt gleich glatt ſind, wo ſie ſich dann viel leichter kämmen laſſen, und weniger Abfall leiden. Je gleichförmiger ihre Ober⸗ *) Man darf nicht außer Acht laſſen, daß die Sanftheit des Tuches faſt ganz eine Folge ſeiner Geſchmeidigkeit iſt, bey welcher die Hand nach allen Richtungen das Haar ſtreichen kann, ohne durch einen Widerſtand aufgehalten zu werden. Bey den glatten Zeugen entſtehet ſie aber daher, weil der Faden ohne alle rauhe Erhö⸗ hungen iſt. 295. 294. fläche ſeyn wird, deſto ſanfter werden ſie ſich anfüh— len laſſen. Außer dieſen Haupterforderniſſen muß die Kämmwolle noch beſitzen: Feinheit, Geſchmeidigkeit und Gleichheit, ſowohl in Abſicht der Länge, als der Woll⸗ fäden unter ſich ſelbſt. Wolle(die abgeſchorne). In dieſem Zuſtande⸗muß die Wolle vor Licht und feuchter Luft verwahrt werden, ſonſt wird ſie bald eine Beute der Motten oder der Fäulniß. Unverarbeitet verliert die Wolle in wenig Jahren ihre Geſchmeidigkeit und Kraft; ſchon im dritten Jahr bemerkt man dieſes. Ungewaſchene Wolle, die nicht ſehr ſtaubig und ſchmutzig iſt, hält ſich wegen ihres natürlichen Fettes län— ger, als rein gewaſchene. Wärme(die Wirkungen der). Eine mäßige Wärme, eine reine, trockene, warme Temperatur iſt dem Körper der Schafe und ihrer Wolle am angemeſſenſten, und ſie wächſt in ſolchen Umſtänden am vorzüglichſten, wenn das Schaf zugleich angenehme Nahrung genießt, und gut gehalten wird.— Dagegen bewirkt ungewöhnliche Hitze eine tempo⸗ räre Grobheit und Starrheit der Wolle, die bis zur Schur nicht herausgebracht werden kann, indem ſie das öhlige Fett, wodurch die Sanftheit und Geſchmeidigkeit begründet wird, dadurch verliert, und das Haar ſpröder und härter wird. un die u ſonſt 2 ihre uett 1 und d län⸗ We, Ber or der 2 Alächſt d? Lchaf t Pulten ir un zwo⸗ z 9 uchur öh agiiett, n azwird, te us d. Vierte Abtheilung. über eine allgemein annehmbare Woll⸗Terminologie, um dadurch den Feinheitsbezeichnungen des Wollhändlers ſowohl, als des Schaftzüchtlers beſtimmtere Begriffe zu unterlegen; und über Wollmeſſer⸗Inſtrumente. Dreyzehntes Capitel. Anſichten zu Erreichung dieſes wichtigen Zweckes. 295. Eine Woll⸗Terminologie, welche den Feinheitsbezeich⸗ nungen der Wolle für den Wollhändler und Urproducenten zugleich deutliche, beſtimmte, allgemein annehmbare Begriffe unterleget, iſt ein Bedürfniß, das jedermann täglich lebhaft fühlt, der damit umzugehen hat. Die Meinungen der erſten Kenner von Fabricanten, Woll⸗ händlern und Schafzüchtlern ſind dießfalls allgemein einſtimmig: denn das Vließ eines Schafes producirt nach dem Grade ſeiner Güte, bey genauer Sortirung, mehrere Verſchiedenheiten von Feinheit der Wolle, über deren techniſche Benennungen ſich die Schafzüchtler mit den Wollhändlern noch nie vereiniget haben, und man lieſt in vielen intereſſanten Schriften und Verhandlun⸗ gen von feinen oder andern Woll⸗Claſſen, ohne daß die Grade der Feinheit noch einen ganz beſtimmten Nahmen führen und fixirt ſeyen, wodurch dann Verworrenheit in den Mittheilungen und Begriffen die nothwendige Folge davon ſeyn muß, weßhalb es ein ſchon lange gefühltes Bedürfniß iſt, daß dieſem Mangel ab⸗ II. 9 150 geholfen werde, und man ſich wegen einer allgemein gangbaren techniſchen Nomenclatur der Wolle, nach der Abſtufungsleiter der verſchiedenen Wollſorten, für alle betheiligte Intereſſenten end⸗ lich einmahl einzuverſtehen ſuche, welches auch der gegenwärtige hohe Stand dieſer Wiſſenſchaft, um nicht länger mehr im Finſtern zu arbeiten, gebietheriſch verlanget. In meinem Aufruf an alle Herren Herrſchafts⸗ und Schä⸗ fereybeſitzer des öſterreichiſchen Kaiſerthums, die Begründung von Wollmärkten betreffend, nebſt zwey Anhängen über ein verbeſſer— tes, dem Zwecke vollkommen entſprechendes, einfaches Verfah⸗ ren, die Wolle auf dem Körper der Schafe zu reinigen, und die ökonomiſche Sortirung derſelben, ſo weit ſie den Producenten betrifft ꝛc.(Wien 1825), habe ich ebenfalls einen Verſuch ge⸗ macht, dieſe wünſchenswerthen Anſichten zu behandeln. 296. Die eigentlichen Schafzüchtler Deutſchlands theilen heut zu Tag ziemlich allgemein die Claſſen ihrer Schafe nach den Qualitäten der Wolle, die ſie nach den Eintheilungen der Sorten im Handel erzeugen, in mehrere Haupt⸗Sortimente ein, und zwar unter denen jetzt ziemlich allgemein bekannten Benennungen: 1) Electa, auch Supra⸗Prima, Doppel⸗Prima. 2) Prima. 5) Secunda. 4) Tertia. 5) Quarta. 6) Quinta. 7) Sexta. Im Handel kommen durch das Sortirungs⸗Geſchäͤft noch folgende Sorten dazu: 8) Prima⸗Spitzen: gewöhnlich die feinen Theile des Abfalls an den Vließen, welche rückſichtlich des Wachsthums oder der Gleichheit des einzelnen Haares fehlerhaft ſind. 9) Secunda⸗Spitzen. 10) Tertia⸗Spitzen. — „ 9 won inde 131 den Zu dieſen Sorten werden ebenfalls die dahin paſſenden der Theile des Abfalls an den Vließen gerechnet.— end⸗ 11) Prima⸗Locken, welche die feine und grobe gelbe Wolle, dige und Tern 1²) Secunda⸗Locken, welche einen großen Theil der Bauch⸗ und Fuß⸗Wolle enthalten; chi:„ 13) feine und ven 14) grobe Fettwolle; Sſeer⸗ 15) Lammwolle, welche nach dem Zuſtande ihrer Feinheit in Tfah⸗ Electa⸗, Prima⸗, Secunda⸗Sorte u. ſ. w. ebenfalls ein⸗ ie getheilt wird. anten 297. Im Preiſe differiren dieſe Sorten ungefähr nach fol⸗ ae⸗ gendem Maßſtab von einander: Wenn die Electa werth it. 25o fl. iilen ſo iſt die Prima im Preiſe circa.. 180„ d den„ Secunda.....„... 150„ Brten„Tertita—. 90„ .„ Quarta........... 79„ us.„ Quinta.......... 60„» „ Serxta...... 90 n „ Prima⸗Spitzen....... 90 2) „ Secunda⸗Spitzen...... 70„ „ Tertia⸗Spitzen........ 60„ »„ Prima? Locken....... 60„ „ Secunda⸗Locken... 40 2 „ feine Fettwolle........ 60 h» grobe Fettwolle......„ 40„ 47» Lammwolle nach Unterſchied ihrer mehrern oder jäll mindern Länge und Feinheit 4u0— 180— 20o fl. 298. Aus dieſer authentiſchen Darſtellung leuchtet hervor, 6 1 erde wohin der induſtriöſe Landwirth zu kommen ſich beſtreben muß, indem das gemeine Schaf des nähmlichen Futters, der nähmli⸗ chen Wartung ꝛc. als das edle Merino bedarf, wenn es in ſeiner Art dem Zwecke ſeiner Erhaltung entſprechen ſoll. 152 299. Geſtützt auf die rühmlich bekannten Beobachtungen des Herrn Wagner, daß ſich die Feinheit des Wollfadens nach der Zahl der Bögen oder Biegungen in der Kräuſelung der Wolle auf einen Zoll ihrer Länge beſtimmen laſſe, indem die Wolle um ſo feiner ſey, je mehr ſie derley Bögen auf einen Zoll zeigt, und je weniger fein, je weniger Bögen*): entwickelte Herr Amtsrath Block in Schirau, in Schleſien, dieſe Idee noch faß⸗ licher, daß er meſſingene Maßſtäbe erfand, mit denen man mit— tels Vergleichungen der Wolle die Zahl der Biegungen genau finden kann, wornach ſich die Claſſification der Sorten nach der Zahl der Kräuſelungen von ſelbſt ergibt. Nach dieſem Befund war Herr Amtsrath Block höchſt ver⸗ dienſtlich bemühet, nach dem Grad der Feinheit, jeden in drey Abſtufungen eingetheilt, ein Sortiment der Wolle nach der Zahl der Biegungen auf 1 preuß. Zoll angegeben, nach ihrem Durch⸗ meſſer und Umkreis, als Reſultat ihrer Meſſung mit dem Dol— lond'ſchen Eirometer, zu verfertigen, und dem bkonom. Publieum bekannt zu machen; wornach dieſe Claſſification in folgende ſieben Sorten, jedoch ſehr gründlich überdacht, in drey Grade beſon— ders eingetheilt erſcheint: 1. Claſſe Electa I. 2.—— 1I. 3.— Prima I. 4.—— II. 5.— Secunda. 6.— CTertia. 7.— Quarta. *) Dieſe Theorie iſt zwar gewiſſer Maßen ganz richtig, es finden aber Ausnahmen Statt, die nicht überſehen werden dürfen: ſo kann man z. B. ſagen, eine Wolle, die über 24 Bögen hat, iſt immer unter allen vorkommenden Umſtänden hochfein— aber man kann nicht ſagen z. B.: eine ſchlichtere Wolle, die weniger Bögen hat, iſt es dießfalls minder. gen ach dle olle igt, derr bfaß⸗ wit⸗ pnau d der Kder⸗ drey „Gahl urch⸗ erdol⸗ arrum aeben on⸗ irden aen: ſo nnt, iſ aber niger 135 300. Beyläufig um dieſe Zeit hatte ich mir für meine Schaͤfereyen zu dieſem Geſchäft ebenfalls eine Woll⸗Claſſification entworfen, die aus 9 Claſſen, jede mit 3 Abſtufungen eingerichtet, beſtanden hatte. Ich wählte 4 Sorten Electa und eine Sorte Prima; die übrigen Claſſen gingen von Secunda, Tertia, Quarta auf Quinta hinab. Durch einen unbegreiflichen Zufall iſt mir in des neunzehn⸗ ten Bandes drittem Hefte der ökonomiſchen Neuigkeiten, wor⸗ in Seite 114 der rühmlich bekannte, um die höhere Schafzucht durch ſeine Gründlichkeit und durch ſein unermüdetes Beſtreben nach Klarheit und Wahrheit hochverdiente Herr Director Rudolph André mit dem Hrn. Staatsrath Thaer verhandelt hatte, folgen⸗ des Wollfeinheits⸗Schema zu Geſicht gekommen. 301. Electa I. mit W. Zoll Durchmeſſer 10— 117/ 20000 — II.— 6„„„»-— 14— 12 /00% — III.— 2aoo„— 15— 14 z000 Prima I.— 8/3200„„ 7— 14 ½— 151/¼,0 Secunda—[—42„„— 16— 17 0ooo Tertia— 1 G o„„— 174— 18 /2 000, Quarta— 1 5„„— 19— 20/ 00 „ 30⁰2. Da ich dieſe Eintheilung mit drey Electa⸗Sorten einfacher, als die meinige mit vier finde, und die Quinta in un⸗ ſern Schäfereyen ſchon erloſchen iſt; ſo ſtimme ich ſehr für die allgemeine Annahme dieſer Woll⸗Claſſiſication, und zwar mit ſo größerer überzeugung von ihrer wahren Nüutzlichkeit, da ich im Hornung 1823, genau nach meinen Claſeen eingetheilt, ein bey⸗ nahe ganz ähnliches Wollfeinheits⸗Schema an die k. k. mähriſch⸗ ſchleſiſche Geſellſchaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur⸗ und Landeskunde nach Brünn mit Wollproben belegt, zur Prü⸗ fung für den Schafzüchtler-Verein, aus meinen hieſigen Stamm⸗ herden entnommen, eingeſendet habe, indem praktiſche Belege die gründlichſten und überzeugendſten zugleich ſind, ohne zuvor von dieſer André'ſchen Eintheilung etwas aus oben angeführtem Zu⸗ 154 falle gewußt zu haben.— Ich habe daher obige Eintheilung des Herrn André, da nach dem Schirmer'ſchen Durchmeſſer der Wiener Zoll in 8200 Theile eingetheilt iſt, nach dem viel vor⸗ züglichern Eirometer der Gebrüder Dollond(welches das beſte, ſinnreichſte und zugleich paſſendſte Inſtrument für dieſen Gebrauch iſt, als wir noch beſitzen, und nicht nur den Wollfaden fünfzig⸗ mahl vergrößert, ſondern auch nach 10,000 Theilen eines Lon⸗ doner Zolls mißt), nach Woll⸗Exemplaren aus meiner Stamm⸗ ſchaͤferey, unterſuchet, und nach dem Durchmeſſer berechnet. 305. Beyliegende Tabelle weiſet dieſe ſieben Claſſen, den Wiener und Berliner Zoll nach dem engliſchen genau berechnet, aus. Nachdem aber dem Schafzüchtler bey weitem mehr, als dem Wollhändler, an der genaueſten Beſtimmung des Feinheitsgrades ſeiner Wolle gelegen ſeyn muß; ſo habe ich die nöthigen Abthei⸗ lungen meines Woll⸗Schema für den Gebrauch des Schafzücht⸗ lers in dieſer Tabelle beybehalten, ſo, daß jede Claſſe der Wolle in drey Abſtufungen zerfällt, und der Unterſchied jedes Mahl genau einen halben Grad beträgt, wodurch dieſe Stufenleiter die genaueſte Eintheilung erhalten hat. 30 4. Wenn man ſich einverſtehen würde, wozu ich den PVorſchlag mache, daß dieſe Wollſorten von den Herren Fabrican⸗ ten, Wollhändlern und Schafzüchtlern nach dieſen ſieben Claſſen allgemein benannt werden möchten, ſo würden wir uns aller Orten durch den Ausdruck, z. B. 5., 6. oder 7. Sorte in allen Ländern klar verſtehen, auch richtige Begriffe einander mittheilen können; die Ausdrücke: Electa, Prima, Secunda u. ſ. w. können neben den Sorten 1, 2, 3, 4, 5 u. ſ. w. als unſchäd⸗ lich noch ſo lange beybehalten werden, bis ihre Zweckloſigkeit durch den allmählig häuſigern Gebrauch der ſieben Hauptſorten erwieſen wird. 305. Eben ſo iſt es zur Vermeidung aller irrigen Begriffe erforderlich, wozu ich ebenfalls den Vorſchlag mache, daß man nur zweyerley techniſche Hauptbeſtimmungs⸗Woͤrter in der Woll⸗ Zu Seite 134. Verhältniß der entfetteten ungewaſchenen Wolle, nach der Feinheitsmeſſung in 3 Graden, nach dem Dollond'ſchen Eirometer, in ihrem Durchmeſſer und Umfang, und verglichen nach dem öſterreichiſchen und preußiſchen Längenmaß. fr Du chmeſſer. iameher. umereie Umkreis nac s 3... nach dem Dol⸗ nach dem öſter⸗ nach dem Dol⸗ dem öſterreichi⸗ Grad der Feinheit und Claſſe lond'ſchen chiſchen Zoll lond'ſchen ſchen Zoll be⸗ Eirometer berechnet 4 Eirometer rechnet 6 2 3 1 8 4 2 10 5 3¹½ 0725 1. Claſſe, Electa Nr. 1. 1. Gr—*— 6 ſſe, Electa Nr. 1 1. Grad 20,000 19,200 20,000 19,200 . 104 104 53 3¹ V 2. Grad 20,0 00 19,200 20,000 19,200 . 1 / 11 10 34 53 5. Grad 20,000 19,200 20,000 19,200 n 1 1½ 11 36 34*½G ſ. Flec Nr 5. 6 2. Claſſe, Electa Nr. 2 1. Grad 20,000 19,300* 20,000 19,200 ei⸗ 2. G 12 117 2 3 57 36 ht⸗ 2. Grad 20,000 19,200 585 20, 000 19,200 . 1 E. 2 lle— 3 Grad 12 ½ 12 S 393 37G bl Dra 20,000 19,200 32 20,000 19,200 ie— 13 1 24=00 605 4⁰⁶ 39 2 —— 7 175 3. Claſſe, C.3. 1. Grad— 4 58 ſſe, Electa Nr. 3 1. Grad 20,000 19,200 2 20,000 19,200 den 13*1 1224 4²³ 4⁴ . 2. Grad]/ S 7 2. an⸗ 20,000 19,200 5F 20,000 19,200 ſen 3 Gend 14 15 8 28 44 4²*½ aler. 20,000 19,200 2= 2⁰,000 19, 200 allen. 144 153 5 454 43 4. Claſſe, Prima I. 1. Grad 42 2 5 00 1 25— eiln 2 20,000 19,200 2& 20,000 19,200 „ 2 274 e——— hd⸗, 20,000 19,200 8 20,000 19,200 h 7 7 ₰ t 1 5 3 du 5. Orad u55 15 25 44(4844. jieſen 1 20,000 19,200 2 8 5 20,000 19,200 16 15.9. 22:5 5⁰q 848. niff 5. Claſſe, Secunda. 1. Grad 2 5.5 2 1 4 2 — 4 20,000 19,200 S8ℳ 20,000 19,200 ma 1 23 6 20 4 ll 2. Grad 163. 25 31 4925 PLel⸗ 20,000 19,200 2⁰,000 19,200 3 51 3. Grad— 16 ½ 53 5 1½ 20,000 19,200 20,000 19,200 1 1 K 20 6. Claſſe, Tertia... 1. Grad 12² 16 35 52*½ 20,000 19,200 20,000 19,200 — 54 — 18 172 56½ 54—. 2. Grad 2 5 1 75 20, 000 19,200 20,000 19,200 2 2. 20 3. Grad 18 ½ 17³ 58 55⁴* 20,000 19,200 20,000 19,200 3 8. 313 5 7 7. Claſſe, Quarta.. 1. Grad— ¹9— 13 ¾ 6¹ 12 20,000 19,200 20,900 19,200 3 8₰ 32 2. Grad 19——65..583½¾ 20,000 19,200 20,000 19,200 1 3544 6ο 5. Grad— ²22.. ¹19 v 64½ 60½ 1 20,000 19,200 20,000 19,200 Die Lammwolle unterliegt natürlich bey2ihrer Beurtheilung und Werthſchätzung dieſer nähmlichen Claſſiſication. II. 155 kunde für die Wolle annehme und feſtſetze, nähmlich Tuchwol⸗ le, welche die gewöhnliche Länge der ſpaniſchen Wolle nicht über⸗ ſteigt, und Zeugwolle für Merinos. Dieſer einfache Begriff iſt klar, und wenn der Fabricant den Wollhaͤndlern oder Producenten ſchreibt: Tuchwolle von der 5., 4. oder 5. Claſſe, ſo wird man ihn eben ſo klar verſtehen, als wenn dieſe dem Fabricanten eine Zeugwolle aus dieſen Claſſen zum Verkauf antragen. 306. Noch habe ich dieſen Vorſchlägen einen dritten, eben ſo wichtigen und nicht minder nothwendig zu beherzigenden beyzufügen. Wir haben ſchon eine Menge Wollmeſſer, und wenn es ſo fortgehet, werden noch eine Menge nachkommen, und vielleicht ſo vielerley Wollmaße zum Vorſchein kommen, als Länder ſind. Wer fühlt nicht das Schädliche, das Unbegueme davon? Einfach⸗ heit führt zur Klarheit! Ich ſchlage demnach vor, daß wir den Dollond'ſchen allgemein annehmen, und zwar nicht nur, weil er der beſte iſt, den wir bis jetzt kennen, und durch ſeine fünfzig— fache Vergrößerung des Wollfadens und durch ſeine bequeme ein⸗ fache Decimal⸗Berechnung alles, was zu wünſchen iſt, in ſich vereiniget, ſondern weil die meiſten Wollhändler und nicht we⸗ nige Producenten mir England ſelbſt in Verbindung ſtehen, folg— lich ſich durch die Annahme des Dollond'ſchen Wollmeſſers am faßlichſten mit den Engländern verſtändigen werden. England iſt der Hauptmarkt des europäiſchen Wollhandels, und wird es wahr⸗ ſcheinlich noch lange bleiben. Es liegt an uns, das Klügſte zu wählen, die Mittel zu erleichtern, welche zum Ziele führen. Zugleich erweiſen wir Deutſche auch dem Ausländer die Ehre, ſeine Verdienſte zu würdigen; denn in Betreff der Talente der Herren Gebrüder Dollond herrſcht in und außer England nur Eine Stimme. Möchten unſere deutſchen Herren Mechaniker ſich darauf verlegen, dieſe Dollond'ſchen Wollmeſſer recht genau um leidentliche Preiſe nachzumachen, und möchten ſie, um Verwirrun⸗ gen zu vermeiden, nur das angliſche, und ja kein deutſches Maß auf dieſen Inſtrumenten anbringen! Bierzehntes Capitel. Von den Wollmeſſern. 30⁰7. Bisher hatten die Sortiments⸗Gränzen der Wolle bloß noch in Meinung beſtanden; ſeitdem wir aber Wollmeſſer erhal⸗ ten haben, wurden ſie wiſſenſchaftlich behandelt und beſtimmt: daher muß man die Woͤllmeſſer als höchſt nützliche Inſtrumente, um unter allen Umſtänden die Gränzen einer jeden Sorte genau zu finden, betrachten; wodurch vermieden und verhindert wird, daß eine Wollhandlung eine Sorte nicht länger mehr Prima nen⸗ nen kann, was bey einer andern eigentliche Secunda iſt, und ſo umgekehrt: wodurch alſo Verwirrung und Unſicherheit in den Begriffen und Geſchäften in jeder ſoliden Handlung vorgebeuget werden kann. 308. Dieſe neu erfundenen Wollmeſſer, deren man ſich zum Meſſen der Wolle bedienen kann, ſind Inſtrumente, vermittelſt deren man durch Vergrößerungsgläſer den Durchmeſſer eines Wollfadens nach 8 oder 10,000 Theilen eines Zolles mißt, und welche die ein⸗ gelegten Fäden ſehr vergrößern, daher vortreffliche Hülfsmittel, den Feinheitsgrad eines einzelnen Wollfadens arithmetiſch zu be⸗ ſtimmen. 309. Derley Inſtrumente werden um den Preis von 12 Ducaten verfertiget: in Berlin bey dem Mechanicus Winkler; in Daubrawitz bey Brünn in Mähren von dem Mechanicus Schir⸗ mer; in Wien von dem Mechanicus Voigtländer. Aber unter allen bisher erfundenen Inſtrumenten dieſer Art hat der Eirometer oder Wollmeſſer der Gebrüder Dollond in London, der nach 10,000 Theilen eines Londoner Zolles mißt (und ebenfalls beyläufig 12 Ducaten, nähmlich 6 Pfund Ster⸗ ling koſtet) und den eingelegten Wollfaden 50 Mahl vergrößert, den ungetheilteſten Beyfall gefunden. 510. Dieſe Inſtrumente leiſten bey günſtigem Licht pünctliche loß hal⸗ imt: ite, snau ird, rnen⸗ dſo den ulget um Mren lns zain⸗ mel⸗ be⸗ 12 ller; Ächir „. ze Art dd in un mißt . Ster⸗ d er a tlihe —⏑;ʒÿ;·— 1357 Dienſte, den Durchmeſſer eines Wollhaares nach geometriſchen Meſſungen genau zu erheben; aber es iſt ein günſtiges Licht und viel Zeitaufwand dazu erforderlich, dieſes genau zu erheben, weßhalb 311. derley Inſtrumente auch bloß für Sortiments⸗Beſtim⸗ mungen, Beſtimmungen in zweifelhaften Fällen, Streitigkeiten und Prozeſſen ꝛc., wo es ſich um die genaueſte mathematiſche Beſtimmung handelt, anwendbar ſind. Für das praktiſche Leben, für Handel und Wandel taugen ſie aber nicht. Die Sortiments⸗Qualitäten der Wolle laſſen ſich im Großen nicht nach der mikrometriſchen Meſſung des Durch⸗ ſchnitts der Haare einzeln beſtimmen, ſondern durch das geübte Auge nach möglichſt beſtimmten Claſſen eintheilen, wovon das Feinheits⸗Schema früher nach geometriſchen Meſſungen beſtimmt worden war. 312. Man muß daher den Zweck der Wollmeſſer nicht falſch beurtheilen. Ihre mathematiſchen Beſtimmungen ſind für die Wiſ⸗ ſenſchaft, aber nicht für den Handel und Wandel; von den Re⸗ ſultaten, welche die Wiſſenſchaft liefert, müſſen die Anwendun⸗ gen, indem man ſie zur nähern Beſtimmung der Praxis benutzt, für das Leben gemacht werden. 313. Für die allgemeine Praxis hat die Natur uns einen verläßlichern, aller Orten anwendbaren Maßſtab zur Beurthei⸗ lung der Wollſorten durch ein geübtes Auge geſchenkt, welches bey dem Verkehr der einzige getreue Anhaltspunct iſt. Ein gutes und geübtes Auge kann bald die Abſtufungen der Feinheits⸗ grade der Wolle unterſcheiden lernen, beſonders wenn man das⸗ ſelbe anfänglich mittels Vergleichung einer vorliegenden Feinheits⸗ Scala von Wollproben, die zu einem Anhaltspunct dienet, übt; dadurch wird es in den Stand geſetzt, ſolches nach und nach mit großer Fertigkeit und Beſtimmtheit ohne Woll⸗Scala genau zu treffen. 314. Ich bediene mich eines eigenen, von mir erdachten Woll⸗Feinheits⸗Vergleichers für das praktiſche Leben, und bin 138 geneigt zu glauben, daß ich die Feinheit eines einzelnen Haares (doch ohne mathematiſche Beſtimmung) zwanzigmahl geſchwinder und zugleich eben ſo genau, als es durch irgend ein mathemati— ſches Inſtrument erreichbar iſt, finde. Das Verfahren iſt einfach, und der ganze Apparat koſtet nur etliche Groſchen. Ich nehme z. B. ein 6 Zoll langes und 4 Zoll breites ſchwarzes Tuch, dem der Glanz genommen wurde, und leime es auf einen Pappendeckel oder auf ein Bretchen. Nun werden zwey feſte Rollen, ebenfalls von ſchwarzem Tuch, von der Länge des obigen Tuchlappens, jede* Zoll dick, gemacht, in der Mitte des Tuchlappens wird ein offener Raum von 1 Zoll gelaſſen, und dieſe zwey Rollen neben dieſen leeren Raum aufgeleimt, ſo wie es die beygefügte Zeichnung verſinnlichet. An dieſe Rollen klam— mern ſich die Bögen oder Kräuſelungen der Wolle nach Wunſch ihrer Affinität gemäß an. Nachdem dieſes geſchehen iſt, werden links und rechts, un— mittelbar neben den Rollen, gleichlautende Numern auf klei— nen Papierchen, von Nr. 1 angefangen, in halbzölligen Entfer⸗ nungen auseinander aufgeleimt, und der Woll-Vergleichungs⸗ meſſer iſt vollendet⸗ Bey Vergleichung der einzelnen Haare gegen einander iſt Folgendes zu beobachten: An den beyden Enden des Wollhaares werden ganz kleine Kügelchen, in der Größe kleiner Erbſen, befeſtiget, wovon ihre auf Papierchen geſchriebenen Numern ebenfalls durch einen Druck befeſtiget werden; die ſo ausgebreiteten Wollfäden werden nun oben über die Rolle gelegt, und ſo ausgedehnt, bis ſie voll⸗ ſtändig entkräuſelt ſind. Wenn auf dieſe Art alle Numern dieſes Wollvergleichers mit Wollfäden überlegt worden ſind, ſtellt man ſich damit in ein vortheilhaftes, ſchräge einfallendes Licht an einen Punct, wo die Lichtſtrahlen nicht durch den Gegenſchein eines gegenüberliegenden Hauſes zurückgeworfen werden können, hält den Wollvergleicher gegen das bewaffnete oder unbewaffnete Auge, und die verſchiedenen Wollfeinheiten zeichnen ſich zwiſchen den deits 1 ſe 8 * Ghwey eds „Ceds umd nvie n alam⸗ unſch un⸗ mo llei⸗ 2Dufer⸗ Sabänge⸗ d unt K t alline wa ihre P einen aerden 11 voll⸗ 48 dieſes 22 man einen Aies eines 17 hält a Auge, 7 1 den = U. de Feele —— . 8. X XX X 4 D X⁸ X 1 5 hle e, 8 T 08 1 I 70. /7. . 70. II. l, — reee,— Mhe 0 1 — Tuzb. M. m m o ttt f, Gidnche, * I — h, 7 ett Iue Je Vihele Säe, ..— 14 b G MWde.— S, 2/ — ae, MWha ſhen M. 5 . SA—. 3— 4 Mrne⸗ Solt⸗ 159 zwey dunklen Rollen bey wechſelſeitigen Vergleichungen, indem man zwiſchen den Wollfäden von unten hinauf ſchauet, auffallend, ohne Anſtrengung des Auges, aus. Nun erhält die feinſte Wolle Nr. 1; die zweyte Nr. 2 u. ſ. w., und es iſt am bequemſten, wenn man ſich zu dieſem Behuf ein zweytes Inſtrument von der nähmlichen Einrichtung verfertiget, und dasſelbe bey der Hand hat, auf welches man nun die Fäden nach der Ordnung, wie man die Feinheit derſelben wahrgenommen hat, aufleget. Ich bin aus vielfältigen Verſuchen überzeugt worden, daß man nicht leicht die feine Wolle genauer und geſchwinder auseinander er— kennen kann, als durch dieſen Woll⸗Werthmeſſer. Nachdem ich auf dieſe Art die Feinheit des Haares auf das genaueſte erhoben habe, ſo lege ich den Wollfaden ſammt den Kügelchen von Wachs auf die paſſende Linie des zu dieſem Zweck von mir erfundenen Woll⸗Werthmeſſers, deſſen Abbildung hier folgt. Aus dieſem Woll⸗Werthmeſſer ergibt ſich bey gleicher Qualität und Dichtheit der Wolle auf dem Körper des Thieres: a) wie viel mehr ein Thier gegen das andere für den Eigenthümer in der Woll⸗Production reellen Werth beſitze, indem ihm ein Schaf z. B. mit einer Wolle von 4 Zoll Länge doppelten Nutzen gegen ein anderes mit einer Wolle von 2 Zoll Länge abwirft; b) zugleich dient er dem vor⸗ ſichtigen Schafpächter zum Anhaltspunct, daß, wenn er ſich auf die Production von Tuchwolle verlegt, man ſich nur mit großer Vorſicht der Gränzlinie 44 Zoll nähern darf; ſo wie auch demjenigen, welcher Zeugwolle producirt, daß derſelbe ſich dieſer Gränze ebenfalls nur mit Üüberlegung nähert, und ſeines Intereſſes halber ſich an 5—6 Zoll Länge im entkraͤuſelten Zu⸗ ſtande der Wolle bindet, indem eine längere Wolle zu grob für edle Fabricate ausfällt. Die Rahmen dieſes Werthmeſſers kann man entweder von Metall oder Holz machen, und die Zolle darauf bemerken laſſen. Sobald man auf meinem Wollfeinheits-Vergleicher die Feinheit einer Wolle erhoben hat, ſo legt man den Faden ſammt den Wachskügelchen im entkräuſelten Zuſtande auf die paſſende Linie 140 des Werthmeſſers, um ihren Werth zu unterſuchen und zu wür⸗ digen. Dieſes Inſtrument, welches dazu dienet, die Tendenz der Wolle für die techniſchen Beſtimmungen näher zu beleuchten, wird auch zugleich dazu dienen, Nebenbildungen oder Ausartungen der Wolle durch kluge Beurtheilung entgegen wirken, und zuvor⸗ kommen zu können. 315. Herr Köhler, der in der Wollkunde ſo rühmlich be⸗ kannt iſt, ſeit 30 Jahren in Leipzig das Wollgeſchäft geleitet, und demſelben eine ſo große Ausdehnung verſchafft hat, erfand und machte vor Kurzem einen neuen Wollmeſſer bekannt, der in ſeiner Structur von allen übrigen abweichet, und angeblich fol⸗ gende weſentliche Eigenſchaft beſitzet: Daß derſelbe bey richtiger Behandlung die Stärke des Haa⸗ res aufs genaueſte nach Graden angibt, und zwar ſo, daß dieſes Maß auch ohne Muſter von jedermann verſtanden werden kann; dabey iſt Herr Köhler von der Idee, den Durchmeſſer des Haa⸗ res durch das Auge zu beſtimmen, ganz abgewichen, und erweiſet dieſes nach ſeinem Dafürhalten durch die genaueſte Angabe des Raumes, den ſolches einnimmt. 316. Herr Köhler ſagt in ſeiner, in Zwickau darüber her⸗ ausgegebenen Schrift, Seite 21:„Nach länger, als zweyjähri⸗ gen Verſuchen iſt es mir endlich gelungen, den längſt vollendeten erſten Wollmeſſer ſo herzuſtellen, daß ich daran nichts mehr zu verbeſſern finde. Ich traf dabey die Einrichtung, daß 100 Haare zugleich gemeſſen werden können, weil das Maß einer geringen Zahl zu klein, und folglich weniger bemerkbar geworden ſeyn, eine größere Anzahl hingegen das mühſame Geſchäͤft des Abzäh⸗ lens vermehrt haben würde. Der Raum, den erwähnte 100 Haare im Grade einnehmen, zeigt ſich am Gradbogen 60 Mahl größer, als er iſt, und kann wegen dieſer vielmahligen Vergrößerung um ſo genauer beobachtet und beſtimmt werden. Bey Ausmittelung der Schwere des auf die Wolle drückenden Gewichtes habe ich Rückſicht auf die Elaſticität des hohlen Wollhaares genommen, und nach vielfältigen Verſuchen gefunden, daß die angenommene 1241 Schwere desſelben hinlänglich iſt, das Haar ſo zuſammen zu drü⸗ cken, daß der damit angefüllte Raum keine leeren Zwiſchenräume behält. Wollte man,“ ſagt Herr Köhler ferner,„die bisherigen Sortenbenennungen beybehalten, ſo dürfte man nur ein Maß nach Graden für die Gränzen jeder Sorte feſtſetzen, oder die Be⸗ ſtimmung des Feinheitsgrades nach den Graden des Wollmeſſers eintreten laſſen, und man könnte dann immer die üblichen Be— nennungen beybehalten. So zeigte z. B. das in der Wollhand⸗ lung von Köhler und Comp. in Leipzig von mir eingeführte und gut befundene Sortiment nach dem Wollmeſſer folgende Grade: Electorale von 2 bis 4 Grad Prima„ 4— 5„» Secunda„ 5½— 7 Tertia„ 7— 8 Quarta»„ 6— 9„ Wolle feinerer Grade, als von 1 bis 2, kommen nur ſel⸗ ten vor, doch dürften dieſe Grade auch gebraucht werden können zur Meſſung der Vicogne und Angora und anderer feinen Woll⸗ und Haarſorten.. 317. Der Gedanke des Herrn Köhler, durch das Gewicht und den Durchmeſſer von 100 präparirten und abgezählten Woll⸗ haaren die Feinheit, den das Haar im Raum des Herdes ein⸗ nahm, zu finden, iſt ſehr originell; da aber dieſe Ankündigung erſt geſchehen iſt, während ich dieſes ſchreibe, ſo kann ich mich in kein näheres Urtheil darüber einlaſſen. Aus der Beſchreibung und dem Kupfer zu urtheilen, mag dieſe Maſchine gegen Staub und Roſt, die auf ihre genaue Angabe von großer Bedeutung ſind, ſehr empfindlich ſeyn, und ich kann nicht abſehen, a) wie zu ver⸗ meiden iſt, daß kein denkbar leerer Raum im Herde zwiſchen 100 Wollfäden ſoll Statt finden können; b) daß nicht manchmahl platte Haare unter die Zahl der mühſam zubereiteten 100 Stück Haare ſich einſchleichen ſollen, welche durch ihre Geſtalt eine Veränderung an dem Gradzeichen hervorbringen; endlich, was ich am meiſten bewundere, iſt, daß ein und dasſelbe Gewicht auf 142 die Zahl von 100 ſtark gek 100 Stück ſanften, geſchme räuſelten oder widerſtrebenden, und idigen und geſchlängelten oder nach⸗ Wollhaaren dasſelbe Reſultat hervorbringen ſoll. giebigen Fuͤnfzehntes Capitel. Von dem Woll⸗ Elaſticitäts⸗Meſſer. 318. Herr Mechanicus Voigtländer in Wien hat ein In⸗ ſtrument erfunden, das er Woll⸗Dynamometer nennt, wovon er ſelbſt folgende Anweiſung zu deſſen Gebrauche gibt. Wenn das Gehäuſe des Inſtruments abgeſchraubt iſt, ſo wird das an der obern Fläche desfelben befindliche Knöpfchen, an welchem eine Stahlzange angebracht iſt, herausgezogen; mit die⸗ ſer Zange faſſe man das eine Ende des Wollhaares, und indem das andere feſtgehalten wird, laſſe man die Zange, welche ein be— ſtimmtes Gewicht hat, frey hangen, und den Faden gehörig, aber ſachte anſpannen. zwiſchen die Klammer an der obern Fläche dun wird derſelbe und zwiſchen die Klammer an der Welle des Mikrometers gebracht, dann die obere durch die Kopfſchraube gut angezogen, wodurch d frey an der Welle ſchwebt, welche immer ſo geſtellt ſeyn muß, daß das Zäpfchen in der Scheibe (Mikrometer) an die Fläche des Inſtrumentes anſtoße, welches zugleich der Null⸗ oder Anfangspunct der Eintheilung iſt; dann wird die untere Klammer ebenfalls durch die Kopfſchraube ange⸗ zogen, dabey aber die Vorſicht gebraucht, daß ſich die Wolle nicht während des Schraubens abwärts drehe, was ein kleiner Druck aufwärts während des Aufſchraubens verhindert. Auf dieſe Art iſt der Faden mit der durch das Gewicht immer gleichförmig erhalte⸗ nen Spannung zwiſchen den zwey Klammern feſt, und das Ge⸗ wicht ferner unnütz, welches ſammt dem Ende des Fadens weg⸗ gezogen wird. Das Inſtrument halte man jetzt frey in der linken Hand, um das eingeſpannte Haar deutlich zu ſehen, während es bey der Einſpannung ruhig auf einem ziemlich horizontalen Orte der Faden feſtgehalten wird, un 143 geſtanden hat. Mit den Fingern der rechten Hand faſſe man den Rand des Mikrometers, und drehe ſolchen langſam um ſeine Achſe, während der Faden genau zu beobachten iſt. In dem Augenblicke, als ſolcher abreißt, wird ſtill gehalten, und die Finger von der Scheibe entfernt, damit keine. Verrückung Statt finde. Die Ein⸗ theilung der Scheibe, welche an dem Rande des Inſtruments ab⸗ geleſen wird, gibt an, bey welchem Grad der Faden, als dem höchſten Punct ſeiner Ausdehnung abgeriſſen iſt. Auf dieſe Art laſſen ſich verſchiedene Wollgattungen von gleicher Feinheit in Hinſicht ihrer Dehnbarkeit vergkeichen. Die Länge des zwiſchen den Klammern feſtgehaltenen Fa⸗ dens beträgt einen halben Wiener Zoll, folglich die halbe Um— drehung, welche auf der Scheibe in 50 Theile getheilt iſt, eben— falls einen halben Zoll. Es iſt klar, je mehr Theile der Faden, wenn er reißt, angibt, um ſo dehnbarer iſt derſelbe; z. B. es wären zwey Gattungen Wolle, in Anſehung ihrer Eaaſticität, unterſucht worden, und man hätte gefunden, daß die eine bey 20, die andere bey 30 Graden geriſſen ſey; ſo iſt letztere um 10 Grad oder um— ihrer Länge elaſtiſcher, als erſtere; oder die erſtere enthält 3᷑ έ 3, die andere ½☚= ³; alſo ½ mehr Elaſticität. Daß man ſich auf eine Meſſung nicht verlaſſen kann, ver⸗ ſteht ſich von ſelbſt, ſondern je mehrere Beobachtungen damit an— geſtellt werden, um ſo beſſer iſt es, und um ſo näher kommt man der Wahrheit, wenn aus dieſen das Mittel(Durchſchnitt) ge— nommen wird. Die Verſuche, die Krümmungen der Schafwolle mittels ei⸗ nes Gewichtes zu heben, ohne das Haar zu dehnen, haben das⸗ ſelbe auf die Schwere eines halben Ducatens beſtimmt. Fuͤnfte Abtheilung. Von der Wolle, ihrer Behandlung, und von dem Wollhandel. Sechzehntes Capitel. über Wollmuſter und Wollmuſterkarten. 319. Die Wollmuſter und Wollmuſterkarten können zu verſchiedenerley nothwendigem, höchſt intereſſanten und lehrreichen Gebrauche dienen, und verdienen bey den Wollgeſchäften weit größere Rückſichten, als man ſolchen ſeither geſchenkt hat. 320. Erſtens ſind ſie in dem Veredlungsgeſchäft bey den Herden unumgänglich nothwendig, um von jeder Claſſe von Scha⸗ fen eine beſondere zu errichten. Nach Vollendung derſelben wer⸗ den die Wollmuſter mit ſcrupulöſer Genauigkeit unterſucht, in Sorten eingetheilt, die Herde nach ihren Numern darnach revi⸗ dirt, verglichen, claſſificirt, und das ſchlechteſte Vieh zur Bracke vorgemerkt. Auch bey dem individuellen Begattungsgeſchäft lei⸗ ſten ſie ſehr nothwendige Dienſte. Man kann den Kopf derſelben in folgende Rubriken ein⸗ theilen: 1) Numer des Schafes, 2) Alter, 3) Generation, 4) Woll⸗ grade vom Schafe, 5) vom Rücken, 6) Schwanzwurzel, mit Haaren, hinten ſchmal, 7) von der Seite, 8) Anmerkungen. Die zweckmäßigſten Springböcke zur Vervollkommnung der Wolle werden zur Begattung darnach beſtimmt, gewählt und vor⸗ gemerkt. 521. Zweytens können derley Muſterkarten, die von Jahr zu Jahr aufbewahrt werden, zum evidenteſten Beweiſe dienen, in wie fern man in dem Wollveredlungsgeſchäfte glück⸗ acke lei⸗ ein⸗ Wol⸗ „ mit nen. ag der 1) vor⸗ ie von eweiſe 3 glück⸗ 145 liche Fortſchritte gemacht hat, oder nicht? Ob man bey den ein⸗ geführten Grundſätzen beharren muß, oder ob man mit beſondern Local⸗Übeln zu kämpfen hat, und andere Mittel für den Zweck wählen muß? 322. Drittens kann man allein durch derley Muſter⸗ karten in die ſpecielle Kenntniß ſeiner Zuchtherden geſetzt werden, um bey erreichter Vollzähligkeit derſelben die Schafe von einem fehlerhaften Wollbau in Anſehung ihrer Form und krausartigen Beſchaffenheit; ferner ſolche, die keine ſchöne weiße Farbe haben (indem die Wolle mit gelbem, vorzüglich aber braunem Fette, um ihr eine reine weiße Farbe beyzubringen, ſehr oft geſchwefelt wer⸗ den muß, wodurch ſie aber ſpröde wird, und ihre ſanfte Geſchmei— digkeit, folglich für die Fabrication vielen Werth verliert), oder welcher es an Wollmenge, öhligem Fettſtoff, Elaſticität, Fein⸗ heit, Gleichheit, Kraft, Sanftheit, provortionirter Länge, und gleichen, runden und langen Fäden fehlt, durch zweckdienliche Zuchtböcke den Fehlern entgegen arbeiten, und diejenigen Schafe, welche mit den größten Fehlern begabt ſind, nach und nach aus⸗ zumerzen. 325. Viertens iſt es eben ſo wichtig, als nothwendig, beſondere Muſterkarten von den Springwiddern zu führen, worin ihre Abſtammung und Eigenſchaft, ſo wie auch der Effect, den ſie dadurch auf ihre Nachkömmlinge bewieſen haben, durch wech⸗ ſelſeitige Vergleichungen kann genau erhoben werden. Wer es kennt, was für eine mühſame Sache und was für ein verwickeltes Geſchäft es oft iſt, einen zweckmäßigen Widder für ſeine Bedürfniſſe zur Emporſchwingung gewiſſer Eigenſchaften auszuſuchen, zu finden und zu erhalten, der wird die Wichtigkeit und den großen Nutzen genauer Wollmuſterkarten gewiß nicht verkennen; um ſo viel weniger, weil die genaue Kenntniß und das Studium der Wolle nach ihren verſchiedenen Zwecken uns doch nur allein auf den ſichern Weg richtigerer Fortſchritte führen und leiten kann, und dieſer Zweck bey der oberflächlichen Beurthei⸗ lung des Thieres allein nie recht ſicher wird erreicht werden können. II. 10 32. Fünftens. Auch wird man dadurch in Handelsge⸗ ſchäften in den Stand geſetzt, ſich mittels Correſpondenz genau verſtändlich zu machen, um Geſchäfte darnach abzuſchließen, die dadurch ſehr erleichtert und befördert werden können. 325. Da dieſe Muſterkarten eigentlich den Zweck haben, die verſchiedenen Hauptſorten der Wolle des Thieres auszuweiſen, ſo iſt es auch nothwendig, in der Anmerkungs⸗Rubrik zu bemerken, wie viele Procente das Thier von jeder Gattung beyläufig erzeuge. Bey den Zuchtwiddern, beſonders den eignen, iſt dieſes hauptſächlich nothwendig. Bloß durch die ſtrengſten und genaueſten Beodachtungen aller dieſer Forderungen können derley Muſterkarten ihren Zweck auf eine fehr nützliche Weiſe erfüllen. Siebenzehntes Capitel. Von den charakteriſtiſchen Eigenſchaften und Ei⸗ genthümlichkeiten der Merinos⸗Wolle für den techniſchen Gebrauch. 326. Die Merinos⸗Wolle iſt ein ſehr gangbarer Handels⸗ artikel, und wird vorzüglich von den Fabricanten und Wollhänd⸗ lern geſucht, indem ſie ſich zu den feinſten und dauerhafteſten Tüchern von dem ſanfteſten Gefühl, ſo wie auch zu ſehr vielen koſtbaren Induſtrie⸗Artikeln, verwenden läßt. 327. Ihre Eigenſchaften für die techniſchen Gewerbe ſind ſehr verſchieden, aber man hat die Begriffe von den mancherley Erſcheinungen derſelben noch nicht ganz ins Reine gebracht. Die Beſchreibungen, die wir in mehrern vortrefflichen Lehrbüchern über die Eigenſchaften der Wolle, von dem Weſen der Elaſticität oder der Krümpekraft*), von der Biegſamkeit und Dehnbarkeit, ferner von der Geſchmeidigkeit und Starrheit derſelben finden, *) Unter dieſer Eigenſchaft der Wolle verſteht man die Neigung derſelben, ſich in Krümmungen von bogenförmigen Geſtalten bis gen peck dden/ . gung in bis 147 ſind immer aus dem einfachen Geſichtspunct ihres wahren Ur⸗ ſprungs und der Grundurſache der Wirkungen entlehnet. Nach meinen Anſichten finde ich, daß dieſe eben erwähnten verſchiede⸗ nen Erſcheinungen und modiſicirten Kraftäußerungen in dem allei⸗ nigen Unterſchied des Baues der Wollhaare ihren Grund haben, und mit dem Auge beurtheilt werden können. Bloß die Geſtal— tung der Haare erreget dieſe modificirten Kraftäußerungen oder die Elaſticität, die ganz und gar davon abhängenden, eben ſo verſchiedenen äußern Gefühle der Starrheit und Geſchmeidigkeit, Biegſamkeit und Dehnbarkeit der Wolle. Alle dieſe Erſcheinungen beruhen allein in der verſchiedenen Geſtalt der Wolle. 328. Indem ich daher nach dieſer Anſicht die ſtark krüm⸗ pende und zart krümpende Elaſticität, und das verſchiedene Ver⸗ hältniß des Gefühles, nähmlich des härtern und ſanftern, im Fa⸗ bricat, ſo auch die Biegſamkeit und Dehnbarkeit der Wolle, alle gemeinſchaftlichen Urſprungs halte, und die verſchiedenen Wir⸗ kungen bloß von einer verſchiedenen Proportion in der Geſtalt des Wollhaares herrühren, nähmlich aus einer theils ſtärkern, auch unregelmäßigern Kräuſelung, theils aus einer kleinern regu⸗ lären Windung der Wollfäden mir erkläre: ſo nenne ich die ſtär⸗ kere Krümpekraft erregenden, mehr gekräuſelten Wollarten, die im rohen Zuſtande einen häͤrtern und unſanftern Griff, ſo wie auch im Fabricat, verurſachen, baumwollartig im Gefühl, und jene, die ſich durch kleine Bögen, welche die Höhe ihrer ögen nicht, oder kaum überſteigen, und im rohen Zuſtande ſich durch ein ſanftes, nachgiebiges, geſchmeidiges Zartgefühl, auch im Fabricat, charakteriſiren, ſeiden artig im Gefühle. auf ein gewiſſes Maß zu kräuſeln, und wenn ſie ausgedehnt wird, von ſelbſt wieder kraftvoller oder ſchwächer zuſammen zu ziehen, wodurch ſich der Charakter der Krümpekraft einer Wollgattung unterſcheidet, die daher in der Neigung der Wollhaare beſtehet, ſich durch ihre Kräuſelungen gleichförmig an einander zu hängen, gut und leicht unter der Walke ſich innigſt zu filzen, und ein glat⸗ tes, feines, dichtes Gewebe zu geben. * 148 329. Die Biegſamkeit und Dehnbarkeit halte ich hingegen für keine abgeſonderten, ſelbſtſtändigen Eigenſchaften der Wolle. Erſtere iſt unzertrennlich mit dem unverhältnißmäßigen Kraftzu⸗ ſtand der Wolle, und hat, da jeder organiſche Körper Biegſam⸗ keit beſitzt, ſonſt nichts Beſonderes für ſich, als daß der Cha— rakter der ſtark oder ſchwach krümpenden Natur der Wolle aus der Tendenz der Biegſamkeit oder Starrheit des Haares heraus— leuchtet. Die Dehnbarkeit der Wolle hingegen iſt allezeit in un— zertrennlicher Verbindung mit der gekräuſelten Wolle; je enger und niedriger die Bögen der Kräuſelungen ſind, deſto mehr läßt ſich die Wolle über ihre Entkräuſelung im geſunden Zuſtande aus⸗ dehnen; je größer ſie ſind, deſto gröber und ſpröder iſt die Wolle, und deſto weniger haͤlt der Faden dieſe Ausdehnung aus. 330. Nach dieſer einfachen Anſicht kann es den Producen⸗ ten und Conſumenten gar nicht ſchwer fallen, den Grad des baum— wollartigen und ſeidenartigen Charakters der Wolle von den Me— rinos und von andern Schafen aus der Geſtaltung der Wollhaare zu erkennen, und es erübriget noch, einen angemeſſenen Ausdruck zu finden, welcher den charakteriſtiſchen Begriff der vereinigten Ei⸗ genſchaften des Gefühls und der Kraft verſinnlichet, und ich glaube, weil er in dem Unterſchiede von ſtark und ſchwach krümpender Wolle liegt, daß dieſes auch die eigentlichen Ausdrücke ſind, im Allgemeinen dieſe vereinigten, aus einerley Urſache hervorgehen⸗ den Eigenſchaften charakteriſtiſch, nähmlich ſtark krümpende und zart krümpoͤnde Elaſticität, zu benennen. 331. Was die überbildete, ſchlechte Wolle anbelangt, die in ökonomiſcher Bezeichnung eine Folge von Üüberbildung oder Üüberreizung anzuſehen iſt, woraus Loslaſſung oder Nachlaſſung der Kräuſelung der Wolle ſich ergibt, ſo findet ſie nach dem Grade ihrer Feinheit und dem Charakter des Haares, nähmlich ob es ſich mehr dem Charakter der Starrheit, dem baumwollartigen, oder Sanftheit, dem ſeidenartigen Weſen nähert, auch ihren gehöri⸗ gen Platz in dieſer Claſſification. 149 Aus dieſem Geſichtspuncte betrachtet, werde ich die charak⸗ teriſtiſchen Eigenſchaften der Merinos⸗Wolle für den techniſchen Gebrauch in dieſem Capitel zu beurtheilen verſuchen. 332. Das ſeidenartige Gefühl der Merinos⸗Wolle, welches bey Beurtheilung des Tuches weit mehr als Feinheit ſchmeichelt, und den ſammetartigen Ton, wie bey Vicogne⸗Tuch, gibt, ſetzt allen Eigenſchaften der Wolle, folglich ſelbſt der Feinheit, die Krone auf, und offenbaret ſich ſchon gleich, wenn dieſe Eigenthüm⸗ lichkeit vorherrſchend iſt, durch das bloße Gefühl an der rohen Wolle. Das eigenthümliche Weſen dieſes ſeidenartigen Gefühls be⸗ ruhet, wie ich oben bewieſen habe, hauptſächlich in der Geſtaltung des Haares, und iſt bloß eine durch hohe Feinheit, auch hohe Re⸗ gelmäßigkeit der kleinen, ſanften Bögen, ihre Schlängelungen des Haares von einer niedern, abgerundeten Höhe und durchgängigen niedern Geſtalt(die regelmäßig klein, flach, bogenförmig, nicht in ſpitzigen Winkeln ſich endigend, in der Regel ſeyn ſollen) mo dificirte Krafterſcheinung, vermöge welcher ſie dem Druck der Rei⸗ bung durch geringere Schnellkraft oder Zurückziehungskraft, und weniger Widerſtand von Stärke, als das gröbere, mehr elaſtiſche Haar, welches das baumwollartige Gefühl erregt, auf eine ſanfte und nachgiebige Weiſe äußert. Überdieß muß aber in der Regel der Bau des Wollfadens ſo beſchaffen ſeyn, daß ſeine dunklere hornartige Subſtanz, im Ver⸗ hältniß der darin enthaltenen durchſichtigern Markröhre, äußerſt dünn iſt, ſo zwar, daß man mittels eines Vergrößerungsglaſes die Markröhre deutlich ſehen kann*). Durch dieſes wechſelſeitige Verhältniß in der Proportion der äußern hornartigen dunklen, und der durchſichtigen öhligen Mark— *) Dieſe Durchſichtigkeit der Markröhre der feinſten Haare iſt nur auf der Mittellinie erkennbar, die beyden Seiten erſcheinen dun⸗ kel; auch nur die edelſten Arten der Wolle laſſen das Mittel der Röhre durchſichtig erſcheinen. 15⁰ röhre, worin das öhlige Fett, gleichſam wie das Queckſilber in einem Barometer, enthalten iſt, kann kein Zweifel mehr obwal⸗ ten, daß, je dünner die hornartige Umfaſſung im Verhältniß ge⸗ gen die innere Markröhre des Haarſtammes ſich verhält, das fette Mark einen deſto überwiegendern Einfluß auf die organiſche Sei— denartigkeit des Wollhaares, verbunden mit engen regelmäßigen kleinen Schlängelungen von niedern Bögen, haben muß. Obgleich die hohe Seidenartigkeit der Wolle mit der Feinheit unzertrenn⸗ lich iſt, und die Hornwände bey der Wolle der hochfeinen Merinos in dem Verhältniß gegen die Markröhre dünner zu werden ſchei⸗ nen, als die Schafe in der Verfeinerung Fortſchritte machen: ſo treten doch einzelne Fälle ein, daß eine etwas minder feine Wolle manchmahl eine feinere an Seidenartigkeit aus den angeführten Gründen übertreffen kann. Obwohl mit einem geübten Auge die Tendenz der ſtark und ſchwach krümpenden Wolle, und der ſtärkere oder mindere baum⸗— wollartige und ſeidenartige Effect ohne Elaſticitäts⸗oder Kraftmeſſer ziemlich richtig beſtimmt werden kann; ſo läßt ſich letzteres doch auch durch das Gefühl zwiſchen den Fingern, indeſſen immer zu— verſichtlicher beurtheilen, wenn eine Art von Prüfung die andere unterſtützet; aber jederzeit fühlen ſich die obern Spitzen der Haare, welche den äußern ſchädlichen Einwirkungen der Witterung ausge— ſetzt ſind, rauher an, als der untere geſchützte Haarſtamm. 555. Herr Wagner führt in ſeinen Beyträgen zur Kenntniß der Wolle folgende Kennzeichen an, den erfor⸗ derlichen Grad der Elaſticität und die erforderliche Geſchmeidigkeit einer Wollart nach ihren beſondern Beſtimmungen ungefähr aus⸗ zumitteln. Da dieſe Angaben ganz für meine Behauptung ſpre— chen, ſo will ich ſie hier mit einigen Bemerkungen anführen: Im einzelnen Haar, ſagt Herr Wagner, zeigt ſich die Geſchmeidig⸗ keit in ſeiner Beweglichkeit in freyer ſtiller Luft. In dem Grade, als es geſchmeidig iſt, wird es ſich nicht bloß bey dem Puncte, wo es feſtgehalten wird, ſondern auch in ſeiner ganzen Figur mehr 151 oder weniger bewegen; oder es wird in dem Grade ſtarr ſtehen, als es ſpröde iſt*).— Ganz zarte Haare bewegen ſich auch noch an beyden Enden, wenn man ſie in der Mitte faßt. Bey Vergleichungen muß man auf die verſchiedene Länge Rückſicht nehmen, und jedes Haar an beyden Enden prüfen. Will man an einer Wollmaſſe die Geſchmeidigkeit durch das Gefühl prüfen, ſo drückt man die Wollbüſchel nicht bloß von der Seite, ſondern von allen Richtungen her, auch auf den Spitzen zuſammen, und beobachtet, neben der Sanftheit oder Barſchheit des Eindrucks auf die Haut, auch ihren Widerſtand und den Grad der Schnelligkeit ihrer Wiederaus⸗ dehnung nach ihrer Loslaſſungs; je ſchneller die Wieder⸗ ausdehnung erfolgt, deſto größer iſt bloß die Elaſticität; aber je langſamer und anhaltender ſie ſich zeigt, deſto geſchmeidi⸗ ger iſt die Wolle**), Ferner kann man die Geſchmeidigkeit der Wolle prüfen, in⸗ dem man ein Wollbüſchel auf der Hand oder im Geſicht mit den Spitzen reibt. Es gibt aber noch zwey andere Wege zur Prüfung der Geſchmeidigkeit an der Wolle; dieſe beſtehen in der Beobach⸗ tung der Anhänglichkeit, der Zurückziehungskraft und der Geſtal⸗ tung der Haare nach ihrer ſanften Auseinanderziehung, und dann in der Beobachtung ihrer Schnellkraft beym Zerreißen. Die Ge⸗ ſchmeidigkeit iſt nähmlich um ſo größer, je größer die gegenſeitige Anhänglichkeit der einzelnen Haare iſt, wenn man ein Wollbü⸗ ſchel faſt aus einander ziehet, je langſamer ſie ſich nach der Tren⸗ nung wieder zuſammen ziehen, und je mehr ſie daher ihre regel⸗ *) Ich ſetze hinzu: und durch dieſe Erſcheinungen das gröbere oder mehr ſtarre(ſtärker krümpende) Haar im Fabricat das baumwoll⸗ artige; hingegen die feinere, geſchmeidigere(ſchwächer krümpende) Wolle das ſeidenartige Gefühl beurkunden. **) Nähmlich die ſtärker oder ſchwächer krümpende Eigenſchaft der Wolle, und das damit enge in Verbindung ſtehende baumwoll⸗ oder ſeidenartige Gefühl der Wolle und des Fabricats. 152 mäßige Geſtalt behalten. Die Wolle iſt dagegen um ſo ſpröder, je ſchneller ſich die Haare gleich beym langſamen Ziehen von ein⸗ ander trennen und zurück ſpringen, je mehr ſie nach einer gelinden Anſpannung ihre Figur verändern, und die Regelmäßigkeit der⸗ ſelben verlieren*). Das geſchmeidige Haar ziehet ſich endlich beym Zerreißen mit der größten Schnelligkeit und mehr zurück, als ein gröberes. Von dieſem bleiben einzelne Haare ſtarr ſtehen. Beym Zerreißen muß ein Haar immer gleich lang gefaßt werden. Endlich kann man die Geſchmeidigkeit der Wolle ſehr an— ſchaulich am ganzen Vließ prüfen, indem man es flach hinlegt, und an einem oder mehrern Enden zugleich anzieht: mit je größerer Leichtigkeit ſich alle Haare auf ihm in Bewegung ſetzen laſſen, deſto geſchmeidiger iſt es in der Regel; auch zeigt ſich alsdann ſeine netz— förmige Geſtalt in deſto gleichförmigerm Zuſammenhang. In Rückſicht der Geſtalt iſt uͤbrigens ein Haar mit einer re⸗ gelmäßigen Bildung geſchmeidiger, als ein anderes mit einer un— regelmäßigen, gleiche Gattung und gleichen Zuſtand vorausgeſetzt. Unter den regelmäßig gebildeten ſind diejenigen endlich wieder am geſchmeidigſten, deren Kräuſelungen die kleinſten, niedrigſten und geradeſten Bögen haben, und deren durchgängige Geſtalt am gleichartigſten iſt. Aus obigen Vergleichungen kann ich die Grundurſachen des baumwollartigen Gefühls nur in der gröbern Conſtruction der ſtärker krümpenden, und das ſeidenartige Gefühl nur in dem fei— nern Bau der ſchwach krümpenden Eigenſchaft der Wolle erkennen, indem es in der Natur der Sache liegt, daß eine eigentliche ſtarke und ſpröde Wolle von ſtarken Kräuſelungen eine geringere Ge⸗ *) Wodurch ſich demnach die ſchwach und ſtark krümpende Kraft der Wolle, und das ſeiden- und baumwollartige Gefühl von einander unterſcheiden und zu erkennen geben. 153 ſchmeidigkeit und Sanftheit, als eine von entgegengeſetzten Ei⸗ genſchaften beſitzen kann*). 534. Das ſeidenartige Gefühl einer Wolle iſt die Baſis für ein Fabricat von eben dieſen Eigenſchaften; und je vollendeter das Zartgefühl des Urproductes iſt, deſto ſanfter und ſeidenarti⸗ ger kann das Fabricat verfertiget werden. 335. Die gekrümpte Wolle wird nach den verſchiedenen Zwecken der Fabrication mehr oder weniger, und nach ihren Ei⸗ genſchaften geſchätzt. Die ſtärker gekrümpte iſt für Tücher am beliebteſten, jedoch darf ſie ein gebührendes Maß der Krümpung nicht überſteigen, und die Windungen ſollen nicht verworren oder unregelmäßig, ſondern möglichſt egal ſeyn. 336. Auch läßt ſich an einer geſchmeidigen, feinen, in Ge⸗ ſtalt und Kräften gleichartigen Wolle beym Spinnen vollſtändi⸗ ger ein Haar um das andere winden, und möglichſt gerade Win⸗ dungen von einem beſtimmten Durchmeſſer geben, als an einer ſpröden, groben Wolle von gleicher Länge, und bey gleicher Fein⸗ heit gibt die ſanftere Wolle jederzeit die längſten Fäden. 337. Die mit der ſchwach krümpenden Wolle unzertrennliche Dehnbarkeit der Wolle, die einige ſehr berühmte Schriftſteller für eine beſondere Eigenſchaft der Wolle anſehen wollen, die ich da⸗ für nicht erkennen kann(und die André's ökonomiſche Neuigkeiten *) Man kann die Krümpekraft der Wolle noch auf mancherley Art prüfen; z. B. wenn man eine Flocke an dem einen Ende hält, und an dem andern drehet, wo ſie dann ſchneller oder langſa⸗ mer in ihre vorige Lage zurück ſpringt. Bey gewaſchener Wolle drückt man in gleicher Abſicht eine Handvoll Wolle zuſammen, und macht die Hand in möglichſter Geſchwindigkeit wieder auf, wo ſie dann ſchnell und federartig oder langſamer ſich auszudeh⸗ nen pflegt. Dieſer verſchiedene Unterſchied in der ſtark und ſchwach krümpenden Kraft der Wolle hat den nähmlichen Ein⸗ fluß auf das mehr und weniger baumwoll⸗ und ſeidenartige Ge⸗ fühl der Wolle. 154 vor 18 Jahren zuerſt zur Sprache brachten), unterſcheidet ſich dadurch, daß ſie ſich über ihre Entkräuſelung hinaus ausdehnen läßt, und daß die ſehr fein gekräuſelte Wolle eine Ausdehnung von † bis ¾ Zoll, ohne zu zerreißen, aushalten kann, welches allerdings bey der Fabrication von großer Wichtigkeit iſt, wenn eine Wolle, ohne zu zerreißen, ſolche gewaltſame Dehnungen er— tragen kann. Eben ſo ſcheint mir die Biegſamkeit mit der ſchwach krüm— penden Wolle von einerley Natur zu ſeyn, wovon ich keine Gränz⸗ linie ſinden kann, indem die angebliche Eigenſchaft derſelben, daß die Fäden in allen möglichen Biegungen ſich dehnen und krümmen laſſen, und in der Fabrication eine ſchönere Appretur, und hauptſächlich durch die Preſſe viel leichter ein ſchöneres An— ſehen gewinnen, überhaupt der ſchwach krümpenden Wolle ei— gen iſt. 338. Es iſt ein ſeltſamer Fall, daß eine Wolle, die über 4 Zoll lang iſt, zugleich fein und krümpend iſt. Üübrigens ſetzt die krümpende Kraft allen Eigenſchaften feiner Wolle dadurch die Krone auf, daß ſie dem Druck und der Reibung durch ihre Nach— giebigkeit und Geſchmeidigkeit widerſtehet, ja gleichſam ausweicht, und dadurch biegſamere und haltbarere Fabricate aus ihr verferti⸗ get werden können, als aus unnachgiebiger, ſteifer, ſtarrer und ſpröder Wolle, welche durch ihren abſtoßenden harten Widerſtand und ihre Reibung früher zu Grunde gerichtet wird. Nach dieſen vorausgegangenen Bemerkungen folgen nun in Kürze die Eigenſchaften der hochedlen Wolle. Ich unterſcheide folgende: 539. Die Feinheit des Haares, welche durch die Dünnheit desſelben ihre Abſtufungen oder Grade nach dem Durch— meſſer des Fadens erhält, und die durchgängige Gleichheit desſel— ben, welche darin beſtehet, daß jedes Haar eben ſo dünn an der Spitze, als bey der Wurzel, auch nicht platt, ſondern vollkom⸗ men rund iſt, auch eine durchgängige Gleichheit der Wolle an den edelſten Körpertheilen Statt har, iſt eine ſelbſtſtändige Eigen— 155 ſchaft, indem ſie ſowohl gekräuſelter, als ſchlechter Wolle eigen iſt, und iſt zugleich das wichtigſte Erforderniß für hochfeine Fa⸗ bricate, indem Feinheit des Erzeugniſſes nur durch jene des Ma⸗ terials erreicht wird. Wenn feine, ſeidenartige, kräftige Wolle bey einer gehbrigen Bearbeitung dem Fabricat zum Grunde liegt, und eine je größere Anzahl von kleinen egalen Kräuſelungen oder Biegungen die Wolle in einer gegebenen Länge des Haares ent⸗ halt, deſto beſſer iſt ſie für jede Art von Waaren, die eine dichte und glatte Oberfläche erfordert, da ſie deſto mehr ohne Schaden zerriſſen werden, und jeder Theil einen hinlänglichen Grad von Kräuſelung behalten kann, um ſich an ſeinen Nachbar anzuketten, und ſo ein ſehr dünnes und durchſcheinendes Gewebe zu geben. Je dünner das Gefüge gemacht, und je größere Ausdehnung ihm gegeben werden kann, einen um ſo längern Faden wird es geben, und um ſo feiner wird das daraus bereitete Tuch werden*). *²) Man beurtheilt den Grad der Feinheit der Wolle, indem man von mehrern Theilen des Körpers die Wolle mit der Schere ſorgfältig abſchneidet, um ſie durch dieſe Operation nicht aus ih⸗ rer natürlichen Geſtalt zu rücken, worauf man ſie mit andern, von denſelben Theilen eines andern Thiers genommen, vergleicht. Nachdem nun die Wolle durch ein feines Fließpapier von Fett und Staub durch mehrmahliges Ein⸗ und Zuſammendrücken ent⸗ lediget wurde, wird ſie gegen einen glanzloſen, dunkeln Hinter⸗ grund eines Papiers, am beſten aber ſchwarzes oder dunkelgrü⸗ nes Tuch gehalten, und zwar, weil die Sonne blendet, wähle man den Unterſuchungsort ſolchergeſtalt, z. B. an einem Fenſter, dem einfallenden Licht ja nicht entgegen, ſondern daß ſolches ent⸗ weder in ſchräger Richtung von der Seite auf die zu unterſuchen⸗ den einzelnen Wollhaare, oder vom Rücken darauf fällt. Die zur Unterſuchung beſtimmten Wollhaare müſſen auf das ſorgfältigſte aus den abgeſchnittenen Wollbüſcheln geleſen werden, ohne ſie ans ihrem natürlichen Wuchſe zu entrücken, indem ein entkräu⸗ ſeltes, oder gar ausgedehntes Haar in dieſem Fall feiner erſchei⸗ nen würde. Dieſe Art, die Wolle zu prüfen, iſt eine der älteſten, einfachſten, zweckmäßigſten und leicht anwendbarſten für den öko⸗ 156 340. Herr Wagner gibt folgenden Feinheitsmaßſtab von der Geſtalt der Wolle in den Kräuſelungen an, welche von jedem geſunden Auge hinreichend erkannt werden können. Obgleich die⸗ ſer Maßſtab nur bey gekräuſelter feiner Wolle ſeine Anwendung finden kann, und in dem Verhältniß abweicht, als die Wolle ſchlechter und gröber wird, das Alter, die Ernährung und Hal⸗ tung der Schafe, ſo wie auch die Witterungseinflüſſe nicht ſchäd— lich auf die Wolle einwirken: ſo hat doch die Wollkunde durch dieſe Beobachtungen, die hier nicht übergangen werden dürfen, in jeder Hinſicht ſehr Vieles gewonnen. Herr Wagner nimmt 12 Bögen auf 1 Berliner Zoll(ein Berliner Zoll iſt einem öſterreichiſchen beynahe ganz gleich) als den mittlern Grad der Veredlung, und 26 als das Mittel hoher Feinheit an. Fünf Sortimente würden nun folgende Stufenleiter erhalten: 1. Claſſe 26 Grad, fängt an mit 24 2. detto 23 detto,„„„ 21 3. detto 20 detto,„„„ 18 4. detto 1) detto,„„„ 15 5. detto 14 detto,„„„ 12. Will man die Figur des Haares mit einem Maßſtab ver— gleichen, ſo nimmt man dazu am ſchicklichſten einen ſolchen, der in Linien eingetheilt iſt, weil das Auge beym Zählen der Bögen leicht ermüdet. Man hat zu dieſem Behuf kleine Maße von Meſſing, * Zoll breit, machen laſſen, nähmlich von 10 bis 36 Grad oder Biegungen. Die Kräuſelungen werden dieſem Feinheitsmeſſer an⸗ gepaßt, bis ſie übereinſtimmen. Je enger die regelmäßigen Bie⸗ nomiſchen Fabricanten und Sortirer. Man kann ſich durch die Ubung des Augenmaßes aus Vergleichungen eine ſolche Fertigkeit eigen machen, daß man die allerfeinſten Wollgattungen ohne Un⸗ terſchied ſo ſicher, als mit dem Wollmeſſer, ja öfters noch richtiger mit einem guten Auge oder mittels Augengläſer beurtheilen kann, wovon ich häufige Beweiſe habe. tiger 5 ann, 157 gungen einer Wolle ſind, für deſto feiner hält ſie Herr Wagner. Die Sehne eines Bogens der Krümmungen iſt bey feiner Wolle kaum z, bey geringer—— eines Zolles. 341. Der Glanz und der klare Schimmer der Wolle iſt von höchſter Wichtigkeit, ſowohl für jene Waaren, die weiß bleiden, als auch für diejenigen, die nachher gefärbt und beſonders mit edlen Farben verſchönert werden ſollen, indem dieſe Farben um ſo lebhafter und glänzender ausfallen, je höher der natürliche reine Glanz der Wolle iſt. Der Glanz der Wolle iſt eine wahre Race⸗Sache, und ſpielt unter den Eigenſchaften der Wolle eine wichtige Rolle, in⸗ dem ſolcher eigentlich den wahren Adel der Wolle und des Fabri⸗ cats bedinger. Dunkler Schweiß iſt nie mit Glanz vergeſellſchaftet. 542. Ein klarer, weißer, öhliger Schweiß iſt nach den neueſten Erfahrungen ein getreuer und beſtändiger Gefährte der edelſten Wolle; derley Wolle iſt vor allen geeignet, die Farben in höchſter Reinheit aufzunehmen. Von der Wahrheit dieſer Be⸗ merkung überzeugt, cultivirt man ſeit Kurzem in Frankreich nur jene Gattung Seidenwürmer, welche weiße, glänzende Seide ſpinnen, und verwirft jene Cocons, welche gelbe Seide erzeugen. Wolle, die ſtumpf und dicht gewachſen iſt, vereiniget, nebſt einer durchgängigen Gleichheit des Haares von der Spitze bis zur Wur⸗ zel, auch in der Regel einen reinen, hellen, öhligen Schweiß, und einen glänzenden, klaren Schimmer in ſich, welcher mit einem regelmäßigen, unverworrenen Wuchſe des Haares gleich bey der Entfaltung des Vließes in die Augen fällt. Da aber die Gleichheit des Scheines oder die natürliche Weiße und Reinheit der Wolle, ſowohl die Wirkung der äußern, und oft auch der innern Beſchaf⸗ fenheit der Wolle repräſentirt, und die hohe Feinheit des Fabri⸗ cats nur durch Sanftheit nebſt jener edlen Eigenſchaft der Wolle ſo ſehr gewürdiget zu werden verdient, um ſo mehr, da das er⸗ künſtelte Bleichen mittels Schwefeldampfes verhindert, manche delicate Farbe anzunehmen, auch die Wolle und das Fabricat da⸗ von hart, und nach einiger Zeit wieder gelblich wird. 158 345. Sehr ſchätzenswerth iſt für den Schafzüchtler in der Regel auch die Länge des Wollfadens, wenn derſelbe damit die gewünſchten Eigenſchaften vereiniget; denn die erforderliche Länge der Wolle zu den Zwecken ihrer Verwendung für alle Arten Tü⸗ cher, Caſemire, Shawls, Merinos⸗-Zeuge, unter und über welche ſie zu dem beabſichtigten Zwecke weniger tauglich iſt, iſt hochſt wichtig; je länger eine Wolle iſt, deſto weniger Decke gewährt ſie auf der Oberfläche eines Tuches; kurze, gekrauſte Wolle gibt dagegen für Tücher einen loſern, mehr elaſtiſchen Faden, auf deſſen Oberfläche um ſo mehr Enden zum Vorſchein kommen, je kürzer die Haare ſind, je gröber der Faden geſponnen, und je weniger feſt er gedrehet wird. Ganz kurze Wolle hält hingegen die erfor— derliche Behandlung nicht aus. Je länger, ſchlichter und geſchmeidiger eine Wolle iſt, deſto eher eignet ſie ſich zum Kämmen, und deſto eher gibt ſie zu fei⸗ nen Geweben durch die öftern Verbindungen der Haare unter ein— ander eine haltbare und gleiche Waare, weil zu Caſemirs, Me⸗ rinos nur eine lange, ſogenannte Kämm⸗ oder Kardätſchwolle an⸗ wendbar iſt, und zu Tüchern eine kurze mehr geſucht wird. Auf die Länge der Wolle hat die Nahrung einen bedeutenden Einfluß, welches der Unterſchied der längern und kürzern Wolle in manchen Jahren beweiſet. Lange Wolle bey großer Feinheit iſt im natürlichen Wuchs höchſtens 3 ½ Zoll, dagegen grobe, haarige 10— 12 Zoll lang. 344. Parallismus oder die Eigenſchaft der gleich⸗ artigen regelmäßigen Geſtalt des Wuchſes und der Kräfte der Woll⸗ fäden, und einer ſich annähernden durchgängigen Gleichartigkeit aller im Vließ befindlichen Haare, wornach, nach Maßgabe der Feinheit, a), ob das Haar eine mehr oder weniger geſchlängelte, oder b) gekräuſelte Form hat, das verſchiedene Weſen der Elaſti⸗ cität ſich conſolidirt, die nach Maßgabe dieſer Verſchiedenheit xα.) den Charakter einer geſchmeidigen, nachgiebigen, zart krümpenden(extenſiven) Elaſticität, und a der x. die Cinge 8 Ti⸗ a elche Fotſſt 2 Fäͤhrt a güt tgeſen aützer niger anfor⸗ p deſte aii fei⸗ rrrr ein⸗ aui Me⸗ aGhe an⸗ ar Auf d fluß⸗ mm anchen us Buchs ag lang. 69 glit⸗ „Wel⸗ a riigkei — abe der e, dder Chſi⸗ shäi an, zart 159 6) einer hartnäckigen, mehr widerſtrebenden, ſtark krüm⸗ penden Elaſticität annimmt, und im erſten Falle das ſeidenartige, im zweyten aber das baumwollartige Gefühl begründet. 545. Geſchmeidigkeit der Wolle; dieſe liegt in der Organiſation des Haares, beſonders in der verhältnißmäßig ſtärkern Markröhre gegen die ſie umgebenden mehr oder weniger dünnen Haarwände. Der Parallismus bedingt den Grad ihrer Edelheit und Vollkommenheit, indem, unter gleichen Umſtaͤnden der Stärke der Markröhre, und jener der ſie umgebenden Wände, jene die edelſte iſt, die ſich durch Parallismus am höchſten aus⸗ zeichnet; daher Parallismus zugleich den Begriff in ſich vereini⸗ get, daß die Wolle auch rund ſeyn muß, und nicht platt, eben ſo wenig ſchraubenförmig gewunden, als ganz haarartig geſtaltet ſeyn darf. 546. Rundheit des Fadens iſt vom größten Ge⸗ wicht, indem ſolche nach Köhler die Wolle haltbar, in der Bear⸗ beitung gleichartig, gut, walkbar, und fäͤhig macht, die Farben gut und gleichartig anzunehmen. Daß es hingegen platte Wolle gibt, welche die entgegen geſetzten Erſcheinungen veranlaßt, da— von kann man ſich bey aufmerkſamer Unterſuchung mancher Wolle leicht die Überzeugung verſchaffen. Runde Wolle liefert ſowohl ein gleichartigeres als dauerhaf⸗ teres Fabricat, und ein weit angenehmeres Gefühl, als platte Wolle. Unter die beſondern Eigenthümlichkeiten der Wolle rechne ich: 547. ¹) Den Charakter der Elaſticität, wovon ſowohl im Eingang dieſes Capitels, als bey dem Parallismus das Nöthige iſt geſagt worden. 2) Die Leichtigkeit der Wolle. Die größere Leichtig⸗ keit der Wolle iſt mit Feinheit und Geſchmeidigkeit der Wolle jederzeit im Verhältniß, und grobe, ſchwere Wolle ihr entge⸗ gen geſetzt. Für den Fabricanten iſt ſie eine ſehr erwünſchte Eigenſchaft, nicht allein aus dem Grunde, weil Leichtigkeit des Materials für 160 hochedle und mindere Fabricate ein poſitives Erforderniß unſerer Zeit geworden iſt, ſondern weil er aus demſelben Gewicht eine viel größere Fläche fabriciren kann, und das leichtere Fabricat von gleicher Dichtheit viel höher geſchätzt wird. Je edler eine Wolle wird, deſto mehr vermindert ſich das ſpecifiſche Gewicht des Wollhaares, aber eine deſto größere Fläche läßt ſich aus demſelben Gewicht fabriciren. Daß daher die Schuren bey hochfeinen Schäfereyen geringer im Gewicht, als bey gröbern Thieren ausfallen müſſen, iſt zwar natürlich; die Sache beruhet aber auf einer offenbaren Täuſchung, indem die Wolle in dem nähmlichen Verhältniß, als ſie leichter wird, in der Maſſe oder Zahl der Fäden ſich nicht vermindert, folglich eine viel größere Fläche davon erzeugen läßt; daher dem Producenten durch den Conſumenten ſchon aus dieſem Grunde ein verhältnißmäßig höherer Erſatz an Geld für den entgangenen Ver⸗ luſt ſeines Gewichtes, von Rechts wegen, gebührt, wenn jener Vortheil aus dieſer Veränderung ziehen ſoll. Daß aber die Leichtigkeit der Wolle, unbeſchadet ihrer cha⸗ rakteriſtiſchen Eigenſchaft, mit größerer Reichwolligkeit(Dichtig— keit der Wolle) vergeſellſchaftet werden kann, nähmlich daß die durch die Verfeinerung entſtandenen Zwiſchenräume auf der Haut mit vermehrten feinen Haaren, nach Generationen, neu beſetzt und ausgefüllt werden können, beſtätiget die Erfahrung. Es iſt aus obigen Bemerkungen ſehr einleuchtend, daß der⸗ ley hochedle Wolle, um ſich dem Producenten auszuzahlen, we⸗ nigſtens noch einmahl ſo theuer, von Rechts wegen, im Preiſe ſtehen ſoll und muß, als bey den gewöhnlichen Merinos, indem die Güte dieſes Productes ſonſt nicht den geringern Wollertrag, den größten Theils ſchwächlichern Körperbau, und die Neigung und Empfänglichkeit für mancherley Krankheiten, aufwieget; da⸗ her ſonſt vorzügliche Schafe durch ihren größern Wollertrag bisher gewöhnlich mehr reinen Gewinn abwerfen, welches die Be⸗ ſitzer der leoniſchen Wanderherden, und mehrere Ausländer, die derley Einkäufe in Spanien machten, und dießfalls von Kurzſich⸗ ——=—ͤ—ͤ r —— 161 tigen getadelt wurden, auch wohl erwogen und verſtanden zu ha⸗ ben ſcheinen. Bey höherer Würdigung der hochedlen Wolle iſt es aber wahrſcheinlich, und bey eintretenden beſſern Zeiten keinem Zweifel unterworfen, daß die Leichtigkeit der Wolle mehr gewür⸗ diget und billiger von den Conſumenten honorirt werden wird, in⸗ denr aus demſelben Gewicht oft eine zwey⸗ und dreyfach größere Fläche von leichtern Fabricaten kann verfertiget werden, welches den Werth von dieſer Wolle außerordentlich erhöhet. 548. 35) Die Walkfähigkeit(Krümpekraft). 349. 4) Der Nerv(Kraft, Stärke, Haltbarkeit und Leben). 350/. 5) Die eſamten und Dehnbarkeit der Wolle, ſolche über ihre natürliche Entkräuſelung noch bedeutend hinaus zu ſtrecken. Dieſe drey Eigenthümlichkeiten beruhen vorzüglich in der Geſtalt und in dem Leben(Geſundheit) der Wolle. 351. 6) Reinheit der Wolle hängt von dem Zuſtande der Cultur, nähmlich von der Wartung und Pflege ab. 352. 7) Gleichheit der Wolle rührt von dem größern oder mindern Zuſtande der Ausgeglichenheit einer Herde ab; iſt alſo ein Gegenſtand der Cultur. 3553. 8) Schlichte oder haarartige Wolle. Dieſe Wolleigenſchaft trifft man häufig unter den groben, langwolligen Schafen an; man findet ſie jedoch auch zuweilen unter den fein⸗ wolligen. Sie iſt ein Naturſpiel, eine Ausartung, eine Nachlaſ⸗ ſung und Auslaſſung d der Kräuſelungen, und rührt von überbil⸗ dung oder Überreizung her, wodurch die Wolle nachläßt, ſchlicht wird, und in eine haarartige Geſtalt übergehet. Lange, ſchlichte, feine Wolle gibt geſponnen einen feſten, wenig elaſtiſchen, glat⸗ n;, l⸗chsähnlichen Faden, der zur Fabrication von Caſemirs, Mer rinos und Shawls ſchätzbar iſt. Im Vergleich der übrigen ſchlichten Wolle, ſagt Herr Wag⸗ ner, gibt lange, ſchlichte Wolle zwar einen feſtern Faden, als kurze, gekräuſelte; aber in Hinſicht des Aushaltens des Reibens kann ein Tuch von loſen geſponnenen Fädenaus feiner Wolle, II. 11 — 162 durch Hülfe der Zubereitung, weit dauerhafter gemacht werden, als glatte Zeuge je dazu geſchickt ſind. Wenn nähmlich die Rei⸗ bung auf der Oberfläche der Spitzen geſchiehet, ſo geben dieſe in dem Grade nach, als ſie geſchmeidig ſind. Dasſelbe iſt der Fall, wenn die Reibung der Lage der Haare entgegen gerichtet iſt. In beyden Fällen werden aber feine, geſchmeidige, dicht aus einander ſtehende Haare längern Widerſtand leiſten, als grobe, ſpröde und weniger dicht ſtehende. Achtzehntes Capitel. Über den Verkauf der Wolle und über Woll⸗ märkte. Wäre es nicht nützlich, wenn auch Woll⸗ märkte in unſerer Monarchie errichtet würden? Würde durchdieſe einfache Verfügung das Grund⸗ erträgniß nicht um Vieles erhöhet, und der Na⸗ tional⸗Reichthum dadurch vergrößert werden?*) 354. So wie bey allen Verkäufen begegnet ſich vorzüglich bey dem Verkaufe der Wolle, bey den noch äußerſt ſchwankenden Preiſen derſelben, das Intereſſe des Käufers und Verkäufers, und öfters noch jenes des Mäklers, und dieſes Geſchäft erfordert bey uns wegen der Unkunde der Wollpreiſe im Auslande die größte Vor— ſicht des Erzeugers, indem er eben ſo leicht einen ſehr großen Schaden leiden, als einen beträchtlichen Gewinn einernten kann. 355. Es laſſen ſich über den öffentlichen Verkauf der Wolle bey uns noch keine allgemeinen Nachrichten mittheilen, weil wir, *) Über dieſen wichtigen, die Staats⸗Skonomie betreffenden Gegen⸗ ſtand iſt ein eigener Aufruf an alle Herrſchafts⸗ und Schäferey⸗ Beſitzer des öſterreichiſchen Kaiſerthums, die Begründung von Wollmärkten, die ökonomiſche Sortirung der Wolle, und eine neuentdeckte Waſchung der Schafe betreffend, erſchienen; von Bernhard Petri, Wien 1825. Dieſe Schrift iſt in allen guten Buchhandlungen zu finden. 163 außer Ungarn, nicht ſo wie in Schleſien, Sachſen und Preußen organiſirte Wollmärkte in unſern Staaten haben, wodurch die Preiſe und die Lage unſers ganzen Wollhandels jährlich, als eine natürliche Folge davon, wie es der Zufall fügt, in ſehr veränder⸗ liche und oft mißliche Verhältniſſe gerathen müſſen. In dieſen ſchwankenden Umſtänden, wo ſich für die Speculanten leicht im Trüben fiſchen läßt, gehet oft dem Erzeuger, wovon der größte Theil in gänzlicher Unwiſſenheit lebt, wie die Wolle auf dieſem oder jenem Markte im Preiſe geſtanden war, alterum tantum verloren, wodurch, um den Fleiß der Staatsbürger für dieſe Quelle des Nationalreichthums zu wecken, und der Induſtrie durch Handel Abſatz zu verſchaffen, dieſes wichtige Triebrad, aus⸗ ländiſche Capitalien in den Staat hereinzuziehen, und todte in⸗ ländiſche in den Umlauf zu bringen, bisher unbeweglich und un⸗ wirkſam geblieben iſt. 356. Der Landwirth verkauft in dieſer Lage, wenn er kann, entweder vor oder bald nach der Schur; nicht ſelten aber bleibt ihm ſeine Waare und das Geld, welches er darin ſtecken hat, lange todt liegen; der Bemitteltere ſieht ſich in dieſem Falle ge— nöthigt, auf gut Glück ſeine Erzeugung in Commiſſion nach aus⸗ ländiſchen Märkten zu ſenden; dem Unbemitteltern aber bleibt ſie zur Bereicherung der Speculanten liegen. In dieſem Falle läuft man überdieß Gefahr, daß durch das unvermeidliche Ein— trocknen, durch Mottenfraß und Verſtocken großer Schaden ge⸗ ſchieht, falls man nicht, was ſehr ſelten der Fall iſt, einen ſichern Ort zur Aufbewahrung hat. Aber es tritt, leider! nebſtdem für den Erzeuger gewöhnlich der traurige Fall ein, daß die Wolle gerade um die Zeit der Schur wegen des Mangels der auswärtigen Käu— fer im geringſten Preiſe ſtehet, und es iſt nichts Ungewöhnliches, daß mancher aus Unkunde der Preiſe ſeine Wolle öfters um die Haͤlfte niedriger verkauft, als ein anderer, deſſen Product 50 Pro⸗ cent weniger werth iſt. 357. In Oſterreich, Ungarn, Mähren und Böhmen wird die Wolle von den inländiſchen Fabricanten, Wollhändlern und * 164 Juden dem Landwirthe abgekauft. Es fehlt aber bey unſerer gro— ßen, höchſt wichtigen Wollerzeugung noch ganz an öffentlichen großen Märkten, um auswärtige Käufer herbey zu locken, dadurch fremdes Geld in das Land zu bringen, und dem Landwirthe Mit— tel zu verſchaffen, ſein Product leichter, vortheilhafter, auf eine unkoſtſpielige Art zu verſilbern, und ſein Betriebs-Capital zum vortheilhaften Verkehr wieder in andern Induſtriezweigen umzu⸗ ſetzen. Wenn es ein richtiger ſtaatswiſſenſchaftlicher Grundſatz iſt, daß die Summe der ganzen Production eines Volkes das eigent⸗ liche Capital des Nationalreichthums iſt; daß dieſes Capital aber ſo lange ein todtes, bloß die Nation ſelbſt erhaltendes, aber nicht bereicherndes bleibt, bis der Abſatz des Überfluſſes der Production es in Umlauf ſetzt, und das todte Capital durch Realiſation in wirklich vermehrten Nationalreichthum verwandelt wird; wenn, wie nicht zu zweifeln iſt, dieſer Satz richtig iſt: ſo bleibt durch obgedachte Lage der Dinge dem Staate ein großes Capital todt, oder wenigſtens ſchlecht benutzt jährlich in der Wolle liegen, welches durch regern Handel in das Ausland lebendig gemacht, und, als ein bereicherndes, durch große, ſchickliche, wohlorganiſirte Wollmärkte in Bewegung geſetzt werden könnte. 358. Den Handel mit Wolle in das Ausland führen Woll⸗ händler, Fabricanten, Großhändler und Juden, und es gibt viele darunter, welche höchſt anſehnliche und bedeutende Geſchäfte damit machen. Da jedoch dieſe auch oft durch Mäkler die Wolle von den Erzeugern kaufen, und wegen des Mangels an Maͤrkten wenig fremde Käufer in Concurrenz kommen; ſo iſt es einleuch⸗ tend, daß die Erzeuger ſich nicht am beſten bey dieſer Einrichtung befinden können. 359. In einem Staate, wo die inländiſche Wolle von in⸗ ländiſchen Fabricanten ganz allein verarbeitet werden kann, iſt iſt es wohl in jeder Hinſicht am nützlichſten, wenn dieſe unmittel⸗ bar von dem Erzeuger allein ihren Bedarf kaufen können; wo aber, wie bey uns der Fall exiſtirt, daß der Ackerbau noch ſehr weit zurück iſt, es viele Gegenden gibt, in welchen aus Menſchen⸗ d 165 mangel ganze Strecken unangebaut liegen bleiben müſſen, daher die Fabriken der Urproduction wegen Entziehung der Menſchenhände noch ſehr hinderlich ſind, und deßwegen weit mehr Urſtoffe, folg⸗ lich auch mehr Wolle erzeugt wird, als die gegenwärtige inlän⸗ diſche Bevölkerung conſumiren kann, daher unſere meiſte Wolle in das Ausland gehen muß, wo die Gelegenheiten, dieſen Urſtoff zu erzeugen, ſeltner ſind: in dieſer Lage ſind meines Erachtens mehrere große Wollmärkte durchaus nothwendig, wenn der Land⸗ mann ſein Product um einen Preis, der durch eine ſtarke Concur⸗ renz beſtimmt wird, leicht abſetzen, und nicht durch das Liegen⸗ bleiben ſeines Erzeugniſſes und durch ſchwankende Preiſe großen Schaden von dem Drucke der inländiſchen Käufer leiden ſoll. 360. Selbſt die Wollpreiſe ſind in ſolchen Umſtaͤnden alle⸗ zeit ſo ſchwankend und unbeſtimmt, daß viele Producenten und Fabricanten zu ihrem empfindlichſten Schaden oft gar nicht ein⸗ mahl wiſſen, wovon ſie ſind. Würden hingegen einige Wollmärkte bey uns, und zwar jährlich einer in jeder der bedeutendſten Provinzial⸗Städte abgehal⸗ ten werden, ſo müßte es bald ganz anders werden. In- und ausländiſche Wollhändler und Fabricanten würden die wichtigern Märkte beſuchen, der Landwirth den Vortheil dadurch erhalten, ſeine Wolle ſobald als möglich nach der Schur zu verkaufen, wo⸗ durch er in jedem Betracht Vieles gewinnt. Auch würde er nicht gehindert werden, ſeine oft ſehr beträchtlichen, in der Wolle ſteckenden Capitalien zu andern Unternehmungen, durch öffent⸗ liche Vorkehrungen dieſer Art, mit Nutzen zu verwenden, da⸗ durch die Verlegenheit einer großen Zahl nützlicher Staatsbürger vermindert werden, und das Stocken und Schwanken unſers Wollhandels wahrſcheinlich in wenig Jahren in einen blühenden Geldverkehr ſich verändern, wodurch viele Millionen Gulden aus— wärtiges Geld in die innere Circulation, welche auch die Quel⸗ len der Urproduction berühren würde, gezogen werden könnten. 361. Ungarn macht auf ſeinen Wollmärkten in Peſth, Stuhl⸗ weißenburg und Tyrnau zum Theil mit ſeiner Mittelwolle bedeu⸗ 166 tende Geſchäfte, und zieht eine große Concurrenz von Käufern für verarbeitete und unverarbeitete Mittelwolle herbey. Sollten nicht ähnliche Wollmärkte zur Erleichterung des Producenten und Fabricanten, ſo wie auch des Handels, z. B. in Oſterreich zu Wien, wo der Hauptſitz des öſterreichiſchen Handels iſt, und wegen des unermeßlichen Reichthums an dieſem Urſtoffe von Oſterreichiſch⸗ Schleſien, Mähren, Böhmen, Galizien, Inner⸗ Oſterreich, den reichen angränzenden Provinzen Ungarns, und vor Allem aus Oſter⸗ reich, außer London, ſo zu ſagen, der wichtigſte Wollmarkt in ganz Europa— in Böhmen aber zu Prag— Statt haben kann, errichtet, und das Vehikel werden können, auswärtige Käufer für das In⸗ tereſſe des induſtriöſen Verkäufers in Concurrenz zu ziehen, um dadurch in den geldarmen, ſchlechten Zeiten, die den Ruin des Ackerbaues, der Fabricanten und jeder Induſtrie allenthalben be— wirken, wieder etwas mehr Geld, Thätigkeit und Credit in Um— lauf zu bringen? Das Intereſſe der meiſten großen und kleinen Grundbeſitzer des Staates ſpricht laut in dem gegenwärtigen wichtigen Augen— blick für eine Einrichtung dieſer Art, wo es ſich nach dem ſehr zerrütteten und geſchwächten ſpaniſchen Wollhandel um eine Con— currenz, dieſes für unſern Ackerbau ſo höchſt wichtige Rettungs⸗ mittel, in das Ausland handelt, alles Mögliche aufzubiethen, dem⸗ ſelben ſeine Richtung hierher zu unſern, auf den Ackerbau ſich ſtü— tzenden, unverſiegbaren Vorräthen zu verſchaffen, dadurch Indu⸗ ſtrie und Handel zu ermuntern, und Credit und bares Geld in das Land zu bringen. 362. Unzertrennlich mit der Errichtung eines wohlorgani⸗ firten Wollmarktes iſt eine Magazinirungs-Anſtalt, womit zu— gleich eine Leih- und Aſſecuranz⸗Anſtalt verbunden iſt, um den Verkäufer vor der Gefahr zu ſichern, ſeine Wolle aus Noth ver⸗ ſchleudern zu müſſen, wenn er ſie durch ungünſtige Umſtände zu⸗ weilen nur mit Schaden verkaufen könnte, und wo er gegen mäßige Zinſen von dem Werth ſeiner Wolle erforderlichen Falls 5⁰— 60 Proc. pfandweiſe gegen Abſchätzung geliehen erhalten kann. — zu ihrem Handel erfordert wird, wenn ſie ihre Käufe auf ein⸗ 167 Dieſe Anſtalt müßte zugleich bevollmächtiget werden, gegen ein vom Landwirth feſtgeſetztes Minimum in der Zwiſchenzeit bis zum nächſten Markt die Wolle zu veräußern, wodurch es ſich oft er⸗ eignen kann, daß dieſer unter Controlle handelnde Ausſchuß zum Vortheil des Eigenthümers in der Zwiſchenzeit ſehr vortheilhafte Geſchäfte machen kann, wofür aber billiger Maßen noch eine Pro⸗ viſion Statt haben müßte. In Berlin beſteht zum größten Nutzen für die Urproducen⸗ ten ſeit mehrern Jahren eine Anſtalt dieſer Art; man zahlt da Procent Vergütung, 1 ½ Proc. Aſſecuranz und Lagerkoſten, und 1½ Proc. Zinſen vom Monath für das für die eingelegte Wolle erhobene Geld; der Landwirth beſtimmt den Preis ſeiner Wolle, den aber, ſobald darüber Zweifel obwalten, Schiedsrichter feſt⸗ ſetzen, und er erhält die Hälfte des Werthes vorgeſchoſſen. Eine Anſtalt dieſer Art ſteht in engſter Verbindung mit dem Wohl des Ackerbaues und der Induſtrie, folglich mit dem unmittelbaren Nutzen des Staates. Es liegt daher auch die Be⸗ gründung dieſer Sache im Intereſſe des Staats oder in der Be⸗ günſtigung, ſolche unter feſtgeſetzten Bedingungen an Private zu überlaſſen.— Am beſten geeignet ſcheint ein ſo nützliches, heil⸗ bringendes Unternehmen ſich für eine Nationalbank zu ſchi⸗ cken, die über liegende Fonds zu disponiren hat, indem nicht allein durch die eingelangte Wolle die größte Sicherheit geleiſtet wird, ſondern die Capitalien einer Bank auch zugleich zum Vor⸗ ſchuß auf die verpfändete Wolle und Discontirung der Wechſel ſehr vortheilhaft umgeſetzt werden können. Ohne Wollmagazine haben aber Wollmärkte für den Ver⸗ käufer den Nachtheil, daß ſie keineswegs die Feſthaltung eines beſtimmten, die Production lohnenden Marktpreiſes ſichern, ſon— dern bey ungünſtigen Conjuncturen zur Erniedrigung desſelben ſunter einem angemeſſenen Standpuncte hinwirken. Auch iſt es ein großer Nachtheil für manche Käufer, daß in Ermangelung der Woll⸗Magazine ein ungleich größeres Capital 168 mahl im Jahre machen müſſen, als wenn ſie das ganze Jahr hin— durch nach ihrer Bequemlichkeit kaufen, und nunmehr, ſtatt ein— mahl, das Capital mehrmahls im Jahr umſetzen können; daher Wollmagazine, um die auf Wollmärkten unverkaufte Wolle nach— her in Commiſſion zu verkaufen, für den Verkäufer und Käufer ein höchſt nothwendiges Bedürfniß ſind. 365. Durch eine möglicher Weiſe vielleicht damit zu ver⸗ bindende Woll⸗Sortirungs-Anſtalt könnte jenen Landwirthen, die es wünſchen, ihre Wolle zugleich nach den nun üblichen Handels⸗ Sortimenten claſſificirt werden, indem das Sortiren bey uns wohlfeiler, als im Auslande zu ſtehen kommen würde. Dieſe Maß⸗ regel dürfte aber mehr für Wollhändler, und nur in dem Falle für den Producenten zu empfehlen ſeyn, wenn er auf dem Markte kei— nen Abſatz gefunden hätte, und ſein Product ins Ausland ſenden will, um in poſitiver Kenntniß von feinen Sorten zu ſeyn, und nicht Gefahr zu laufen, hintergangen zu werden. 364. Soll dieſer Wolchandel in einem Staate blühend und dauernd werden, ſo müſſen die Zölle, die zwar allerdings nothwendig ſind, dem allgemeinen Geſetze der Freyheit in Ent— wickelung und Benutzung der Kräfte der Staatsbürger in ſo fern untergeordnet werden, daß ſie weder die Production, noch den Handel erſchweren*). Denn nur der auswärtige Handel iſt der eigentliche Handel, nur er vermehrt den Nationalreichthum, nur von ihm hängt das ganze geſellſchaftliche Gedeihen ab, er befeſtiget ſich nur dann nach⸗ haltend, wo ſeiner freyen Bewegung alle Hinderniſſe und jeder unwillkührliche Zwang aus dem Wege geräumt werden.— Daher verfährt auch jeder Staat, der dieſes wichtige Ziel zu erreichen ſtrebt, bey Beſtimmung und Erhebung der Abgaben vom Handel nach äußerſt liberalen Grundſätzen, und ſucht den Gewinn für die lan⸗ desherrlichen Caſſen nicht ängſtlich in directen hohen Abgaben; denn *) In den k. k. Staaten iſt dieſes bereits geſchehen, und der Aus⸗ fuhrzoll der Wolle pr. Centner von 8 fl. auf 1 Gulden C. M. herabgeſetzt worden. —.—— hin⸗ jein⸗ zaher Dnach⸗ cäufer ver⸗ 1, die Addels⸗ 1 uns 3 Maf⸗ lefür ſte kei⸗ wenden 8 und ühend Urdings Ent⸗ ni fern n h den ande⸗, Fott das mrnat⸗ d jeder Daher a rreihen „Handil Idielan⸗ al; denn r yer Aus⸗ 9 1(. N. die durch Production und Handel bereicherten Staatsbürger können dieſes ſchon auf andern Wegen, ohne es ſo ſehr zu fühlen, erſetzen*). Neunzehntes Capitel. Uber die Schafwolle in naturhiſtoriſcher, ökono⸗ miſcher und techniſcher Hinſicht**). I. Von den Haaren im Allgemeinen. 365. Die Haare der meiſten Säugethiere haben ihren Sitz auf der äußern Haut; ſie beſtehen aus hornähnlichen Fäden. *) Es bedarf unſer Ackerbau, um ihn zu heben, wahrlich großer und wichtiger Reizmittel! Die Wichtigkeit eines richtigen Verhältniſſes des Viehſtandes zur Düngererzeugung als Hülfsmittel zu einer höhern und ſicherern Körnerproduction, zum Bau der Futterkräu⸗ ter und der Handelsgewächſe, kann doch wohl von niemand be⸗ zweifelt werden. Werfen wir aber einen Blick auf die Zahl des Nutzviehes anderer Länder, ſo ſehen wir daraus ziemlich richtig den Zuſtand und den Mangel unſers Ackerbaues. Ich will der Vergleichung wegen die Schafzucht zum Beyſpiel anführen. Auf einer geographiſchen Meile werden in Großbritannien 6840; im Magdeburgiſchen 6153; im Halberſtädtiſchen 4528; in Preußiſch⸗Schleſien 3334; in Alt⸗Sachſen 2667; im Weſtphäli⸗ ſchen 2491; in Frankreich 2000; in Spanien 1401, und in den öſterreichiſchen Staaten nur 1336 Stück Schafe genährt. Wenn man aber annimmt, daß die geſammte Monarchie, ohne die ita⸗ lieniſchen Staaten, gegen 30 Millionen Joch Ackerland beſitzet, und ein Drittheil davon in unſerm Klima jährlich bey gehöriger Induſtrie zum Erſatz für die gelieferten Ernten gedüngt werden ſollte: ſo wären dazu, um nur das Ackerland zu bedüngen, ohne Weinland, Wieſen und Gärten zu rechnen(¶1 davon mit Horn⸗ vieh⸗, Pferd⸗ und Schafdünger in ganz gleichen Theilen) 70 Mil⸗ lionen Schafe, 7 Millionen Stück Hornvieh und noch mehrere Pferde nothwendig!— Die Viehzucht bedarf daher zur Hebung des Ackerbaues, welcher nach der Ordnung der Natur oben an ſteht, der Fabrication und des Handels allen möglichen Vorſchub und alle Begünſtigungen von Seite des Staates, um in den ge⸗ genwärtigen Zeiten, die den Rückgang und Verfall des Ackerbaues drohen, nicht Schiffbruch zu leiden. **†*) Ich wurde aufgefordert, die Recenſion von der höchſt intereſſan⸗ 170 Mit ihrem einen Ende(Stamm) ſind ſie in die Lederhaut einge— ſenkr, und dringen oft ſogar bis zur Fleiſchhaut*). 366. Der Stamm des Haares beſteht aus einer mehr oder weniger dicken Zwiebel, die in eine häutige Scheide einge⸗ ſchloſſen iſt, welche bisweilen, beſonders bey jungen Thieren, et— was Blut enthält. Je jünger übrigens das Haar iſt, deſto größer iſt dieſer Balg. Der Theil des Haares, welcher ſich außer der Haut befindet, heißt der Körper derſelben. Seine Geſtalt iſt mei— ſtens kegelförmig**). ten Schrift zu übernehmen, welche unter obigem Titel vom Herrn Dr. Sturm, Profeſſor der Okonomie zu Jena, erſchienen iſt. Da dieſe Recenſion in den ökonomiſchen Neuigkeiten und Verhandlun⸗ gen des Hrn. W. R. André in Brünn im Jahr 1813, und in der erſten Auflage dieſes Werkes erſchien, und mit allgemeinem Bey— V fall von jedermann geleſen und aufgenommen wurde: ſo theile ich dieſen Aufſatz, mit mehrern und genauern Anmerkungen berei⸗ chert, meinen Leſern auch in dieſer zweyten Auflage mit. *) Unter dem Nahmen Haar verſtehen wir jene hornartige, auf dem Körper der Thiere mit einem flüſſigen Mark verſehene kegelförmige Röhre, welche einzeln, ohne Zuſammenhang, der thieriſchen Haut entſprießt, Das eigentliche Haar der Thiere unterſcheidet Recenſent von V V der Wolle weſentlich dadurch, daß es ungekräuſelt iſt, und ſich V meines Wiſſens jährlich auf dem Körper der Thiere erneuert, wäh⸗ rend die Wolle auf einem beſtändig geſunden Schaf, das keinen Mangel an gedeihlicher Nahrung erfährt, in den nähmlichen Um— ſtänden, wie das Menſchenhaar, ununterbrochen fortwachſen kann. Uluter dem Ausdruck: Wollhaar, das mit den andern Arten von Haaren ähnlichen Urſprung und ähnliche Beſtimmung hat, begreift man eine geſellſchaftliche Verbindung von mehrern einzel— nen Haaren, die ſich gewöhnlich in größerer oder minder gekräu— ſelter Form vergeſellſchaften, und Wollbüſchel bilden. **) Das Haar darf nicht platt, ſondern muß rund gewachſen ſeyn, indem das runde Haar, als hohle Röhre, mehr Fettigkeit enthal— ten kann, als ein plattgedrücktes, deſſen körperlicher Inhalt bey gleicher Feinheit geringer ſeyn muß. Daher hat das erſte mehr Haltbarkeit, als das letztere, da es nicht ſo leicht austrocknen kann. Jenes gibt einen gleichen Faden, da das Haar unter der —— em ige nut won dich häh⸗ amen dlm⸗ anun. alrten 41 hat, Ainzel⸗ Ikräl⸗ ſeyn, jithal⸗ 4 uhalt a mehr p cknen rit der 17¹ 367. Das Haar ſcheint im Ganzen, rlückſichtlich ſeines Lebens, mehr Ähnlichkeit mit den Pflanzen als mit dem thieri⸗ ſchen Körper zu haben*). Letzterer ſcheint für das Haar dasſelbe zu ſeyn, was der Boden für die Pflanzen iſt; denn mit dem thieriſchen Leben hört die Vegetation der Haare darum noch nicht auf, ſondern nur mit ſeiner vollkommenen Zerſtörung. Wochenlang wachſen die Haare auf dem todten Leichname noch fort. 368. Einige Naturforſcher haben geglaubt, daß das Haar an der Spitze wachſe oder ſich verlängere, und haben für dieſe Wolle unverändert bleiben muß, da hingegen das platte Haar Veränderungen in der Gleichheit des Fadens dadurch verurſachet, daß deſſen verſchiedene Flächen, je nachdem ſie von den Stampfen der Walke geſchlagen werden, verſchieden erſcheinen, mehren Theils aber auf die platte Seite zu liegen kommen, und der Faden da⸗ durch breiter wird, als vor dem Walken. Endlich gibt rein, rund und voll gewachſene Wolle mehr Ge⸗ wicht, als eine platte, und nimmt eine jede Farbe beſſer und glei⸗ cher an, als dieſe. Bey ordinärer und ſelbſt bey veredelter Wolle hat das Haar öfters die entgegengeſetzte Form eines Kegels, und wird nach der Spitze zu gröber. Dieſes iſt für den Fabricanten ſehr nachtheilig, da er dieſe gro⸗ ben Spitzen wegſchneiden muß; wodurch ihm aber die Wolle um ſo viel theurer zu ſtehen kommt, als das Gewicht dieſer abgeſchnit⸗ tenen Wolle, und ſeine darauf verwendete Mühe beträgt. Ein weit größerer Nachtheil aber entſteht für ihn, wenn ſolches bey kurzer Wolle geſchehen muß, die dann öfters durch dieſe Spitzen zu feinen Waaren ganz unbrauchbar wird. *) Sehr richtig, das Haar hat eine innere Markröhre, gleich allen Vegetabilien, verlängert ſich in ſeinem Wachsthum, ſo wie alle Pflanzen, wächſt wieder, wenn es abgeſchnitten wird, auf ähnli⸗ che Art; kommt nicht wieder zum Vorſchein, wenn es ſammt der Wurzel ausgeriſſen wird; wie dieſe ſtirbt es im Alter von oben herab;— und das kahle, öde Haupt eines Menſchen iſt daher mit einem ausgeſogenen, ganz entkräfteten Boden zu vergleichen, der keine Pflanze mehr nähren und erhalten kann, und ſich aus⸗ getragen hat. 172 Behauptung einige Beweiſe angeführt, die aber nicht Stich hal⸗ ten. Es iſt vielmehr gewiß, daß die Zunahme der Länge am gan— zen Stamm geſchieht. Form der Haare. 369. Das Haar beſteht aus einem, höchſt ſelten aus zwey Canälen oder Röhren, die ganz hindurch gehen, und mit einer fettigen, dicken Flüſſigkeit angefüllt ſind, die man das Mark nennt 2). Der Durchſchnitt der Haare iſt am gewöhnlichſten rund, wie bey dem Haupthaar, bisweilen glatt, bisweilen auch vierkantig. Bey einigen Thieren haben ſie an ihrer Oberfläche Furchen.— Oft findet man die Haare kurz und ſtark, oft lang und ſeiden— artig, oft ſtark, und oft dünn. Auf einigen Theilen des Körpers ſind ſie ſchon bey der Geburt vorhanden, auf andern kommen ſie erſt nach einer gewiſſen Zeit hervor**). 370. Auch finden ſich die Haare verſchieden gefärbt. Die Farbe *) Das in ſeiner Geſtalt gewöhnlich runde Wollhaar entſprießt aus der Haut des Thiers in Form eines Grashalmes, und iſt inner⸗ lich mit einem öhligen Mark verſehen, das im geſunden und kräf⸗ tigen Zuſtande des Thiers jenen ſich durch die Wolle verbreiten⸗ den, linden Fettſtoff bildet, der zu ihrer vollkommenen Ausbil⸗ dung ſo weſentlich beyträgt, und von dem Schweiß der gröbern Hautausdünſtung, welcher ſich nicht ſelten der Haut unorganiſch anklebt, wohl unterſchieden werden muß. Je größer die Periphe⸗ rie dieſer innern Markröhre, und je ſchmäler hingegen die ſie ein⸗ ſchließende hornartige Umfaſſung der äußern Röhre iſt, deſto ſanf⸗ ter, milder und geſchmeidiger charakteriſirt ſich in der Regel jede Wolle. In dieſem Falle iſt die innere Markröhre dem mit einem guten Vergrößerungsglaſe bewaffneten Auge bemerkbar. **) Nach dem Durchſchnitt und Umfang der Haare pflegt man allge⸗ mein die Wolle in grobe und feine, nach der Größe in lange und kurze Wolle einzutheilen. Der durchgängige natürliche Wuchs und die Geſtalt des Wollfadens, oder ſeine natürliche ausgedehnte Dicke und Länge dienen bey dieſer Beurtheilung der Wolle zur Grundlage, indem die durchgängige Geſtalt des einzelnen Woll— haares bey der Beurtheilung der Wolle von großer Wichtigkeit iſt. fein deut duus ir⸗ zmif⸗ 1 L il⸗ 9 ern P ohe⸗ 9* ein⸗ oſanf⸗ A jede inem alz“ 1e und 3 und ehnte Wle zur „ Woll⸗ deit iſt. 175 derſelben ſcheint zum Theile von der Farbe des Schleimgewebes herzuſtammen, indem bey Thieren mit verſchieden gefärbtem Pelz⸗ werk die verſchiedenen durch die Haare gebildeten Flecken ähnliche Flecken der Haut andeuten, welche ſie bedecken*). Die Farbe der Haare hat ihren Sitz in ihrer Hornhaut, nicht im Mark; letzteres iſt in der Regel weiß. Haaree. 1. Klima und Nahrung. 371. Das Klima und die Nahrung ſtehen in einer offen⸗ baren Wechſelwirkung auf die Bildung der Haare. Es iſt aber nicht leicht, dieſe Wirkung zu beſtimmen. Nach Beobachtungen, die ich über dieſen Gegenſtand anzuſtellen Gelegenheit hatte, gilt folgender Satz ſo ziemlich allgemein: in heißern ſüdlichern Klimaten haben alle Thiere ein ſtärkeres und rauheres Haar. Dieſer Satz fin⸗ det auch mehr oder weniger auf die Federn der Vögel Anwendung. Das Pferd, das Schaf**), die Ziegen und Kaninchen, das Kamehl u. ſ. w. haben alle gegen Süden ein feines ſeidenartiges Haar, während der Tiger, die Hyäne, der Bär, der Wolf, der Fuchs u. ſ. w. ein ſtärkeres und ungleich rauheres zeigen. Dage⸗ gen haben alle erſt genannte Thiere gegen Norden ein weit gröberes und rauheres Haar, die letzt genannten aber ein weit feineres, ſeidenartigeres. Wie ungleich iſt z. B. das Haar eines deutſchen und ſiberiſchen Fuchſes? Eines pohlniſchen Bären und eines grönländiſchen Eisbären? Wie verſchieden dagegen die Wolle eines ruſſiſchen Schafes gegen die arabiſchen oder tibetaniſchen*r**)? *) Eine ſehr richtige Bemerkung. *) In den meiſten Fällen leidet dieſe Behauptung in Anſehung der Schafe eine gewaltige Ausnahme, und man weiß unwiderſprech⸗ lich, daß der feinen Wollzucht die heißen Klimate gar nicht zu⸗ ſagen, und die Wolle ſich nach Maßgabe des heißern oder mildern Klima's ſich bald in ſpröde Haare, bald in weiße Wolle ver⸗ wandelt. **) Das gemeine ruſſiſche Schaf iſt in der That ſehr grobhaarig; 174 Wie verſchieden iſt das Gefieder eines nordiſchen Raubrogels ge— gen das eines ſüdlichen? Wahrend der Strauß, von Vegetabilien lebend, in dem brennenden Afrika das feinſte Geſieder zeigt, gibt es uns im Norden der Eidervogel. Aber nicht bloß das allgemeine Klima oder die beſtäͤndige Wäͤrme und Kälte bringen dieſe Verſchiedenheiten hervor, ſondern ſchon die Abwechſelung der Jahrszeiten hat darauf Einfluß, und zwar im gleichen Verhältniß. Die Winterhaare aller Thiere, deren Hauptnahrung Ve⸗ getabilien ſind, findet man weit ſtärker, ſtruppiger und ſtarrer, als die Sommerhaare. Man vergleiche nur die Winter- und Som⸗ merhaare des Pferdes, des Ochſen u. ſ. w. Dagegen ſind die Win⸗ terhaare des Fuchſes, des Marders u. ſ. w. ungleich feiner, als die Sommerhaare. Ich glaube, daß man gegen dieſe Behauptung keinen Zwei⸗ fel wird erheben können. Einzelne Ausnahmen, deren es wohl geben mag, widerlegen nichts. Der Grund dieſer Erſcheinung dürfte nicht ſo gar tief liegen; nehmen wir nähmlich an, daß ein feines Haar in ſeiner Art voll— kommener iſt, als ein gröberes. Dieſe Vollkommenheit aber hängt von der Vollkommenheit des Ernährungs⸗Proceſſes der thieriſchen Natur ab, ſo wäre das Geſetz gefunden; denn ausgemacht bleibt es, und die Erfahrung lehrt es täglich bey den Menſchen, daß in heißen Erdſtrichen dem thieriſchen Körper mehr die vegetabiliſche, in kalten mehr die thieriſche oder Fleiſchnahrung zuſagt. Kann — aber das arabiſche Schaf mit dem länglichten Fettſchwanz, gro⸗ ßen Körper, nicht gar viel feiner. Das tibetaniſche Schaf, Tus⸗ Aſſel genannt, ebenfalls mit breitem Fettſchwanz und groß vom Körper, dürfte ſchwerlich eine viel feinere Wolle als alle übrige Schafe mit Fettſchwänzen haben: indem Fetterzeugung und Fein⸗ wolligkeit Antipoden ſind, und ſich nicht zuſammen vertragen. Die tibetaniſche Ziege, die ein ſo feines Haar erzeugt, daß man die Kaſchemir⸗Shawls davon verfertiget, darf man mit dieſem Schaf aber nicht verwechſeln. —ä— ———— en gidt in ſche/ rann 1 Jlo⸗ aTus⸗ vom brige ein⸗ 2 man Schaf 175 man alſo annehmen, daß für den Norden die Fleiſchnahrung voll⸗ kommener ſey, ſo muß auch der ganze Organismus gleichſam voll⸗ kommener werden, und mithin der eine bey der erſten, der zweyte bey der andern Nahrung ein vollkommneres Haar hervorbringen. 2. Licht und Temperatur. 372. Auch das Licht und die Temperatur haben unter einem und demſelben Klima einen bedeutenden Einfluß auf die Beſchaffen⸗ heit des Haares. Die immerwährende Einwirkung des Lichtes auf das Haar verändert nicht nur ſeine Farbe(eine hellere in eine dunklere), ſondern auch ſeine Beſchaffenheit; es macht es beſon⸗ ders rauher. Bey Menſchen, welche in der Jugend blondes Haar hatten, welches ſich in den ſpätern Jahren in braunes verwandelte, findet man immer diejenigen Haare, welche dem Licht am meiſten aus— geſetzt ſind, ungleich dunkler, als die untern. Auch haben alle ſüdlichere Nationen dunklere Haare. Eben ſo ſind die Haare an den Schamtheilen und an allen Theilen des Körpers, wo ſie bedeckt und der Einwirkung des Lichtes entzogen ſind, heller, als die Haupthaare. Als Beweis, daß die Entziehung des Lichtes das Haar weicher macht*), führe ich den Umſtand an, daß alle diejenigen Menſchen, welche den Kopf wenig oder nie bedecken, in der Regel ungleich rauheres Haar haben, als diejenigen, welche ihn immer bedeckt halten. Das letztere iſt gewöhnlich weicher und ſeidenartiger. Verſuche, welche man mit dem Einnähen der Schafe in Leinwand gemacht hat, beſtätigen dieſe Behauptung durchaus**), obgleich dabey viel⸗ *) Nach meiner Meinung, auch ſchwächlicher macht; denn unter allen Mächten, welche das Leben aufreizen, behauptet das Licht den erſten Rang; die Lebenskraft wird dadurch außerordentlich geſteigert. **) Aber auch die meinige, daß das Haar ſchwächlicher, zarter, weich⸗ licher und minder haltbar wird. 176 leicht auch etwas auf die Waͤrme zu rechnen ſeyn möchte. Eben ſo beſtätiget dieß das Haar aller Thiere, welche am Tage in Höhlen unter der Erde, dem Lichte entzogen, leben, z. B. Ratten, Mäuſe, Maulwürfe. Hier mag aber auch die Gleichheit der Tem⸗ peratur das Ihrige mit beytragen, daher ich dieſe überhaupt mit in Rechnung bringe*). Verhältniß der Haare zu den Fleiſchfaſern. 375. Obgleich ich nicht beſtimmt zu behaupten wage, daß die Haare mit den Fleiſchfaſern der Thiere in einem immerwähren— den Verhältniß ſtehen, noch weniger es als ein Naturgeſetz auf⸗ ſtellen will, ſo iſt doch nicht zu laugnen, daß ein ſolches Verhält— niß außerordentlich oft vorkommt. Es wird dieſes Verhältniß ſicht— bar bey einzelnen Individuen einer und derſelben Art, und einer und derſelben Race. Es iſt eine allgemeine, von allen Metzgern und Landwirthen gemachte Erfahrung, daß die ſpaniſchen Schafe, welche die unſrigen an Feinheit der Wolle weit übertreffen, auch ein weit zärteres und feineres Fleiſch haben; eben ſo hält jeder Viehmäſter und Fleiſcher das Fleiſch von ſtruppigem und dickhaa⸗ rigem Rindvieh für grobfaſeriger, während ihm die Erfahrung ſagt, daß ein feinhaariger Ochs ein weit zaͤrteres und kürzeres Fleiſch liefere. *) Die Anſichten des Herrn Verfaſſers, daß das Licht das Haar dunkler färbt und rauher macht, ſtimmen mit allen Beobachtun⸗ gen überein, und ſind ein wiederhohlter Beweis, wie nachtheilig es für die Cultur der feinen Wolle iſt, beſonders bey Schafen, die keine geſchloſſene Vließe und viele offene Wollſäume haben, ſolche in der ſtärkſten Sonnenhitze über Mittag in der freyen Sonne braten, und die Hornſubſtanz ihrer Wolle ausſperren und verklüften zu laſſen. Die Stallfütterungs⸗Schafe, die dem Lichte, der Wärme und den Winden, die ich der Wolle eben ſo nachtheilig, als die ſtarke Sonnenhitze, achte, mehr entzogen leben, ſind we⸗ gen der Lindigkeit und Feinheit ihrer Wolle(die durch ſchädlich einwirkende äußere Einflüſſe nicht aus ihrer natürlichen Form ge⸗ bracht wird) ein wahrer Beweis für die wichtige Behauptung. ben ſo höhlen zatten, „ ℳ r Tew⸗ aupt wit rn. ae, daß rwhren⸗ ſſet auf⸗ Iberhält⸗ „ iß ſicl and einet a Rebgern .Scha an, aut Dilt jeder a dichau⸗ ungſet * Jleiſ 1 has Har obachtun⸗ Suchtheiig ⁴ Schafen mne an⸗ d dder fteht a erren und om Lict⸗ nachthälig 1, ſind wi⸗ 8 ſchädlich ii Form ge⸗ pptung. 177 Auch ſcheint ſich bey dem Schafe die von mir gemachte Beob⸗ achtung zu beſtätigen, daß die Verſchiedenheit der Feinheit in der Wolle an den verſchiedenen Theilen des Körpers ſich verhalte, wie die Feinheit des Fleiſches. Jedes Schaf hat an der Seite und an den Rippen die feinſte Wolle, dagegen an der Keule eine grö⸗ bere, und die gröbſte am Schwanze; eben ſo iſt das Fleiſch auf den Rippen das zäͤrteſte und feinſte, dagegen an den Unterſchen⸗ keln und am Schwanze das gröbſte. Um zu erfahren, ob dieſes gewiß nicht unwichtige Geſetz durch das ganze Thierreich gilt, würde man das Fleiſch mehrerer Thiere, beſonders ſolcher, deren Haar in Hinſicht der Feinheit ſehr verſchieden iſt, genauer un⸗ terſuchen und prüfen müſſen. Sollte es ſich durchaus beſtaé tigen, ſo waͤre es für die praktiſche Okonomie gewiß von Wichtigkeit*). Verhältniß des Haares zu dem Temperament. 374. Längſt hat man behauptet, ein ſtruppiges Haar ver⸗ rathe einen ſtruppigen, harten Sinn; ſo wie ein weiches, feines, *) Dieſe Bemerkung des Herrn Verfaſſers, die mit meinen Beob⸗ achtungen genau übereintrifft, iſt allerdings ſehr wichtig, und ver⸗ dient die größte Aufmerkſamkeit des praktiſchen OHkonomen, indem durch die Veredlung der Wolle bey dem Schafe auch zugleich die Verfeinerung des Fleiſches an allen Theilen des Körpers erzielt wird. Aus der Analogie zu ſchließen, kann man nicht zweifeln, daß dieſer Effect auch bey der Veredlung der übrigen Nutzthiere, nähmlich, daß das Vließ von grobhaarigen Thieren, welches eine gröbere Textur hat, durch die Veredlung mit feinhaarigen in eine feinere verwandelt wird, erfolge: ſo viel iſt gewiß, daß an den Theilen des Schafes, wo die Haut am feinſten und dünnſten iſt, nähmlich auf den Rippen⸗ und Seitenblättern, das edelſte Fleiſch und die feinſte Wolle wachſen; an denjenigen, wo ſie dicker wird, z. B. am Hals, den Schenkeln ꝛc. beydes, Wolle und Fleiſch, um einen ganzen Grad ſtärker oder gröber wird, und daß endlich an jenen Theilen des Körpers, wo die Haut am dickſten iſt, und wenig und nur knorpelichtes Fleiſch zur Unterlage hat, wie z. B. auf dem Kopf, an den Knochen der untern Füße und in den Knor⸗ peln des Schwanzes, auch die mindeſte Wolle wächſt. II. 12 178 einen milden bezeichne. Dem ſey, wie ihm wolle, ſo iſt es bey den Thieren nicht ganz ohne Grund. Zuerſt lehrt die tägliche Beob⸗ achtung, daß faſt alle fleiſchfreſſende Thiere ein ſtärkeres und rau⸗ heres Haar haben, als die zahmen, die ſich von Vegetabilien näh⸗ ren; ferner finden wir dieſe Erfahrung auch beſtätiget bey Indivi⸗ duen desſelben Geſchlechtes und derſelben Race. Alle Schweinarten mit ſehr ſtarken, ſtruppigen Borſten ſind in der Regel wilder, als andere. Auch bey Hunden habe ich dieſes außerordentlich häufig ge⸗ funden. Höchſt ſelten wird man ſolche mit ſtruppigen Haaren fin⸗ den, die nicht von einem wilden Naturell und ſehr böſe wären. Ja, was beſonders auffallend iſt, ſie ſind ſo widerſpänſtig, daß ſie ſich nicht ſelten ihrem Herrn widerſetzen. Dagegen ſcheint aber ein ſolches Haar auf der andern Seite auch ein Beweis von einer dauerhaften Natur zu ſeyn; denn ge⸗ wöhnlich findet man ſolche Thiere ſehr feſt und ausdauernd. Chemiſches Verhalten der Haare und Beſtand⸗ theile derſelben. 375. Alle Arten von Haaren geben bey der chemiſchen Un⸗ terſuchung ſo ziemlich dieſelben Reſultate. In freyer Luft dem Feuer ausgeſetzt, ſchmelzen oder fließen ſie anfänglich, wobey ſie zugleich aufſchwellen, geben dann eine weiße Flamme, und ver— wandeln ſich in eine ſchwarze, ſehr ſchwer zu Aſche zu bringende Kohle. Bringt man ſie zur Deſtillation in geſchloſſenen Gefäßen, ſo geben ſie eine röthliche Fluͤſſigkeit, die blauſaures Ammonium und ein anderes Salz enthält, welches mit einer eigenen thieri⸗ ſchen Säure verbunden iſt, und von Berthollet thierſaures Ammo⸗ nium genannt wird.— Die in der Retorte bleibende Kohle iſt leicht, und enthält Kohlenſtoff und phosphorſauren Kalk. Im kochenden Waſſer löſen ſich die Haare nicht vollkommen auf. Es ſondert ſich hier eine ſchleimähnliche Maſſe ab, welches das Mark iſt.. Nach Vauqguelin enthalten die Haare folgende Subſtanzen: —— nn Sorhs 179 ¹) Einen thieriſchen Stoff, welcher ſich größten Theils bildet, aber weder Gallerte, noch Eyweiß iſt; 2) etwas weißes, ſich ſtark verdickendes Ohl; 3) ein anderes Ohl in großer Menge, das in ſchwarzen Haaren ſchwarzgrünlich, in rothen roth, und in weißen faſt un⸗ gefärbt iſt; 4) Eiſen; 5) etwas Magneſium⸗Oxyd; 6) phosphorſauren Kalk; 7) ſehr wenig kohlenſauren Kalk; 8) viel Kieſelerde; 9) viel Schwefel; 10⁰) die weißen Haare außerdem phosphorſaure Magneſia*). Was die Wolle insbeſondere betrifft, ſo ſoll ſie Kalk, Schwe⸗ fel, wenigſtens ſchwefelichten Stoff, eine feine Säure(nach Treffy freye Phosphorſäure) und noch unbekannte Stoffe enthal⸗ ten. Den Schweiß der Wolle hat man ſchon genauer zerlegt. Arten der Haare nach ihrer Form und Beſchaffenheit. 376. Da nicht alle Haare von ein und derſelben Beſchaffen⸗ heit ſind, ſo legte man ihnen auch verſchiedene Nahmen bey, um durch dieſe ſogleich die Art derſelben bezeichnen zu können. Die feinen, biegſamen, weichen Haare, welche ſich bey den Menſchen, Pferden und den meiſten Thieren finden, nennt man vorzugsweiſe Haare; Borſten nennt man die Haare der Schweine und ähnliche; Stacheln die ſtarken, ſteifen, faſt un⸗ biegſamen Haare des Igels und des Stachelſchweines; Wolle die langen, krauſen, lockigen, unter einander gewirrten Haare des Schafes. Alles, was vom Haar im Allgemeinen geſagt worden iſt, findet in dieſer Allgemeinheit auch auf die Wolle Anwendung; da *) Das Menſchenhaar ſoll Jahrhunderte lang unzerſtört bleiben können. + 180 aber unſere Abſicht nur auf dieſe Art der Haare gerichtet iſt, ſo wollen wir nun in das Specielle hierüber eingehen. II. Von der Wolle. Unterſchied des Haares und der Wolle. 377. Die Wolle unterſcheidet ſich, wie wir eben geſehen ha⸗ ben, von dem eigentlichen Haar durch Weichheit, Krausheit, Lo⸗ ckigkeit und mehr Verworrenheit*). In Hinſicht dieſer gedachten Eigenſchaften iſt ſie, nach den Racen der Schafe ſowohl, als ſelbſt nach den einzelnen Indivi⸗ duen derſelben Race, unendlich verſchieden. Arten der Wolle im Allgemeinen. 378. Den ganzen Wollpelz, ſo wie ihn das Schaf trägt, nennt man gewöhnlich das Vl ie ß**). Es iſt ſchwer, eine Eintheilung der Schafe nach dem Vließ oder der Wolle zu machen, da die Ver⸗ ſchiedenheit nach allen Eigenſchaften ſehr groß iſt; doch glaube ich, man könne in Beziehung auf die Wolle zwey Hauptverſchie⸗ denheiten annehmen: die eine Gattung, und zwar vom geringſten Werthe, beſteht aus groͤbern, den Hunden ähnlichen Haaren, und aus einer feinen Wolle dazwiſchen, wie z. B. bey den Heide⸗ ſchnucken und einigen ruſſiſchen Schaf⸗Racen. Ich nenne dieſe Art haarige Vließe. Bey andern Racen findet man dieſe Haare nur als Fehler; das Pließ beſteht aber aus einer gleichen Wolle 4969). *) Hier hätte der Herr Verfaſſer auch der Verſchiedenheit der Ela⸗ ſticität, Feinheit ꝛc. gedenken ſollen. **) Pelz heißt die vereinigte Wolle des Schafes mit der Haut; Vließ die von der Haut im Zuſammenhange abgeſchorne Wolle. Haut nennt man den Pelz in dem Zuſtande, wenn er von ſei⸗ ner Wolle entblößt iſt.— ***) Soll heißen: beſteht ganz aus Wolle, denn es exiſtirt keine Race von Schafen, welche nur eine Sorte von Wolle liefert. Die fein⸗ ſten Merinos liefern deren wenigſtens 3— 4 Sorten, minder feine zuweilen 8, 9 und mehr Sorten. Ich nenne dieſe Art w ollige Vließe. Daß die ſchiedenheit einen Hauptunterſchied bilde, werden mir diejenigen zugeſtehen, welche dieſen Gegenſtand unterſucht haben. Haarige Vließe. 379. Dieſe Art von Wolle gehört ohne Zweifel unter die ſchlechteſte, da ſie ſich ohne große Mühe nicht gut bearbeiten läßt, und überhaupt nur zu groben Zeugen benutzt werden kann. Ent⸗ weder muß ſie ſo, wie ſie ſich von Natur vorfindet, gebraucht wer⸗ den, oder man ſondert die Haare und die Wolle von einander, und verarbeitet jede für ſich beſonders. Man ſindet dieſe Art von Wolle in der Regel bey Schafen, welche unter einem nordlichen, rauhen Himmelsſtriche wohnen, und nur ganz ſchlechte Nahrung genießen. So iſt dieß bey den Heideſchnucken, deren Hauptnahrung im Som⸗ mer und Winter aus Heide beſtehet, und einer andern Gattung von Schafen, deren Heimath die ruſſiſchen Steppen ſind, wo ſie nur kärgliche Nahrung finden, der Fall*). Aus dieſem Umſtand ſollte man vermuthen, daß ein ſolches 3 gleichſam nur eine verkümmerte Wolle enthalte, die ausbilden konnte, weil die dazu nöthigen Bedingungen des Or ganismus fehlten. Auch bin ich feſt überzeugt, daß bey dieſer Gat⸗ tung von Schafen, wenn ſie in ein milderes Klima verpflanzt und beſſer gefüttert und unterhalten werden, das Haar ſich gewiß in eine vollkommene Wolle verwandelt**). Dieſer Umſtand ſpricht freylich nur fuͤr etwas Zufälliges; aber deßhalb hebt er doch dieſen Unterſchied noch nicht auf. Da unſere Abſicht mehr auf die andere Gattung von Wolle gerichtet iſt, ſo ſagen wir nichts weiter von dieſer Art. *) Ebenfalls heterogene ſowohl als kärgliche Nahrung bringt dieſen Effect hervor. Man beurtheile in dieſer Hinſicht unſer ungariſches Zakelſchaf. Bey den ruſſiſchen Schafen hat darauf hauptſächlich nebſt der Wartung und Pftege das Klima Einfluß. **) Allerdings! Wollige Vließe. 380. Dieſe beſtehen aus durchaus gleichen Haaren*), denen man aber wegen ihrer Eigenſchaften, wodurch ſie ſich von den *) Das Vließ des Schafes iſt nicht in allen Theilen gleich feinwollig; je mehr man aber eine annähernde Gleichheit über den ganzen Kör⸗ per erreichen, und die unterſten Stufen verfeinern kann, je mehr iſt das Thier zu ſchätzen, das dieſe Eigenſchaften beſitzet. Es gibt ſogar gewiſſe äußere Merkmahle des Schafpelzes, die Feinheit und Güte der Wolle darnach mit großer Genauigkeit zu beurtheilen. Es iſt z. B. ein richtiger Erfahrungsſatz, daß feine Wolle nicht ſo lang als grobe wächſt. Daraus hat man folgende praktiſche Be⸗ merkungen gezogen, daß die kürzere Länge der Wollbüſchel immer in folgenden Fällen für Feinheit ſpricht: ¹1) Die Wolle iſt um ſo feiner, je enger gekrauſt und kürzer ſie iſt, und je ſchmäler die Grundfläche und die Sectionen ſind. 2) Woll⸗Sectionen von 1 Zoll im Durchmeſſer ſind nicht ſo fein, als von Zoll im Durchmeſſer von gleicher Länge des Wollfadens. 3) Da ſich die Spitzen der Woll⸗Sectionen theils nach der Größe der Grundfläche derſelben, theils nach der Geſtalt der ein⸗ zelnen Haare geſtalten, ſo verkündiget ein ungeſchloſſenes Wollbü⸗ ſchel unregelmäßige, lange Wolle von breiten Sectionen und von minderer Feinheit. 4) Ein ſtumpferer oder ſpitzigerer Schluß der Woll⸗Sectionen, oder gar, wenn ſie keinen Schluß haben, zeigt den Feinheitszu⸗ ſtand der Wolle an: ob die Wolle von unten nach oben in dem Büſchel regelmäßig gebildet, nähmlich eylinderförmig oder die Haare weitläufiger geſchlängelt ſind, oder auch gerade auslaufen, und an den Spitzen grob ſind. 5) Ob die Wollbuſchel ſenkrecht in die Höhe ſtehen und Starr⸗ heit verrathen, oder 6) eine etwas ſchräge Geſtalt haben, und bauchig in der Mitte zu ſeyn ſcheinen, welches Sanftheit und Milde beurkundet, oder 7) ein fladeriges Anſehen haben, welches, in Verbindung mit breiten Wollbüſcheln, die Wolle gewöhnlich weitläufig geſchlängelt oder ſchlicht, und meiſtens, wenigſtens an den Spitzen, grob charakteriſirt. 8) Je ſchmäler und dichter die Wollbüſchel ſind, je mehr ver⸗ trägt ſich ein längerer, feiner Faden damit. —ʒBO§ö 1 an c pr⸗ ühr 8 äbt 1 80 11 Slht „e⸗ ut er 2srie .6 ſaln, oſs. ſdur M⸗ lak⸗ ren nidv icu⸗ ut em „dadie „sen⸗ cart⸗ 1S ſitte a(odet . nit rgäl 1 90) . ver⸗ 183 eigentlichen Haaren unterſcheiden, den Nahmen Wolle beyge⸗ legt hat*). Ihre Verſchiedenheit iſt unendlich groß nach der Stärke und Länge des Haares, nach ſeiner Weichheit, Elaſticität, Farbe, u. ſ. w., ſo daß es faſt unmöglich iſt, eine genaue, beſtimmte Ein⸗ theilung zu machen. Da mir die Feinheit des Haares einer der weſentlichſten und conſtanteſten Charaktere zu ſeyn ſcheint, ſo theile ich als Hauptab⸗ theilung die eigentlich wolligen Vließe in grobe oder ſogenannte Landwolle, in Merinos⸗ und in veredelte Wolle. Die Landwolle iſt freylich nach der Gegend, der Race und andern Umſtänden gar ſehr verſchieden; doch kommt meines Wiſ⸗ ſens keine deutſche urſprüngliche Race den Merinos gleich, weß⸗ halb beyde immer als zwey Hauptgattungen betrachtet werden können. Die veredelte Wolle bildet nun wieder das Mittel zwi⸗ ſchen der Merinos- und Landwolle, und wird von gar verſchiede⸗ nen Graden von Feinheit gefunden. Die Merinos⸗Wolle iſt die feinſte von allen, und ob ſie gleich unter ſich variirt, ſo iſt ſie im Ganzen doch ungleich feiner, als jede unſere Landwolle. III. Von den Eigenſchaften und Fehlern der Wolle in ökonomiſcher und techniſcher Hinſicht. Es iſt auffallend, wie verſchieden die Wolle bey mehrern Individuen von einer und derſelben Race iſt. Dieß iſt der Fall 9) Die zwergartige Wolle(lana nana), welche einige pechartige Racen erzeugen, die wegen ihrer ſehr ſtarken, oft ungeregelten Kräuſelung in ihrem natürlichen Wuchs kaum einen Zoll erreicht, darf wegen dieſer ſtarken Kräuſelungen nicht mit den enge ge⸗ kräuſelten Wollſorten verwechſelt werden, indem die ſtark gekräu⸗ ſelten nie ſo fein, als dieſe ſind, wenn auch ihre Wolle kürzer iſt. *) Die Haare ſind im Allgemeinen gerade, biegſam, weich und di⸗ cker an der Wurzel, als gegen die Spitze; die Wolle aber in der Regel nach Maßgabe ihrer Qualität immer wellenförmig ge⸗ bogen, und gewöhnlich feiner an der Wurzel, als gegen die Spitzen. 184 ſowohl bey den echten Merinos*), als auch bey den Landſchafen, und bey den durch Merinos und Landſchafe erzeugten Metis. Wir wollen jetzt dieſe Eigenſchaften und Fehler, woraus im Grunde die ganze Wollkunde beſteht, einzeln durchgehen, und bey jeder das Nöthige erinnern. A. Eigenſchaften. 1. Von der Feinheit des Haares. 381. Die tägliche Beobachtung lehrt uns, daß nicht nur zwi⸗ ſchen den Merinos und den Landſchafen ein außerordentlicher Unter⸗ ſchied in der Feinheit des Haares Statt finde, ſondern daß dieſes ſelbſt der Fall bey einzelnen Individuen derſelben Race ſey. Noch auffallender nimmt man die Verſchiedenheit der Feinheit wahr, ſo wie die verſchiedenen Gradationen derſelben bey den Metis oder veredelten Schafen. Obgleich die Feinheit des Haares ein großer und weſent⸗ licher Vorzug einer Wolle ſeyn kann**), ſo iſt ſie darum nicht der *) Bey dieſen jedoch in einem geringern Verhältniß, als bey andern Schafarten. **) Indem alle andere gute Eigenſchaften der Wolle ſich gewöhnlich damit vergeſellſchaften. Das Weſen derſelben beſteht aber darin, daß die Feinheit des Haares ſowohl im Durchmeſſer, von Um⸗ fang, als nach der ganzen Länge des Fadens egal ſeyn muß, und deſſen genaues Verhältniß ſeinen Grad beſtimmt, in welche Sortiments⸗Claſſe derſelbe ſich eignet. Herr Wagner hält einen Wollfaden für um ſo feiner, 1) je kleiner die Bögen ſeiner Kräuſelungen ſind; 2) je weniger die Höhe der Bögen ſeiner Kräuſelungen ſind; 3) je weniger ſchräge die Richtung derſelben iſt; 4) je gleichförmiger dabey die durchgängige Geſtalt iſt; 5) je durchſichtiger die Wolle iſt; 6) je weniger ſolche bey einer gewöhnlichen Haltung des Thiers die mittlere Länge ſeiner Gattung 3— 4 Zoll in der Entkräu⸗ ſelung überſteigt; und dieſe Bemerkungen, obwohl nur bey gekräuſelter Wolle An⸗ wendung findend, ſind ſehr lehrreich. wizmi⸗ Atte⸗ Aieſe Koch Zahr, aader uat nt⸗ dinder an müa ch 2 win, naelm⸗ (rncu, mlhe 185 einzige Punct, auf welchen der Landwirth bey der Erzeugung, und der Fabricant bey der Bearbeitung der Wolle zu ſehen hat. Es kann vielmehr der nicht ſeltene Fall eintreten, daß eine Wolle von ſtärkerem Haar wegen ihrer ſonſtigen guten Eigenſchaften einer weit feinern vorgezogen wird; dagegen kommt dieſe Eigen⸗ ſchaft, wenn dieſe Wolle zu feinen Zeugen, als Caſemir, Shawls, Merino⸗Zeugen und ſelbſt feinen Tüchern verarbeitet werden ſoll, gar ſehr in Betracht*). Es iſt ſchwer, die Grade der Feinheit allgemein zu beſtimmen, dieſes kann eigentlich nur durch Übung und fleißige Beobachtung der Wolle von verſchiedenen Abſtufun⸗ gen der Feinheit, und zwar von der höͤchſten Feinheit bis zur größten Stärke, erlangt werden**). Die Wollproben bringt man bey dieſer Vergleichung auf einen dunkeln Grund, wozu man ſich eines Stückchens ſchwarzen Sammets oder Mancheſters bedient. Um ſelbſt auch die gering⸗ ſten Nüancen wahrnehmen zu können, bedient man ſich einer guten Loupe***), durch welches Verfahren, wenn ſolches öfters *) Die allerfeinſten Waaren von allen Arten können nur durch die Wolle von der höchſten Feinheit bewerkſtelliget werden, und der Producent arbeitet in jedem Falle zweckmäßig und klug, wenn er die möglichſte Reichhaarigkeit oder Dichtheit des Vließes mit der höchſten Feinheit zu vereinigen ſucht. **) Daß dieſes ſehr richtig und genau nach feſten Grundſätzen ge⸗ ſchehen kann, kommt in dem Capitel der Woll⸗Sortirung vor. ***ν) Der Herr Mechanieus Schirmer zu Daubrawitz, auf der fürſtlich Salm'ſchen Herrſchaft Raitz in Mähren, verfertiget Woll⸗ Mikroſkope, die zum Zweck haben, die Dicke oder Feinheit der Wolle, oder vielmehr ihre einzelnen Fäden ſehr genau zu meſſen. Der Wiener Zoll wird dadurch in 8200 Theile getheilt; die Tau⸗ ſendtheilchen beſtimmen alſo den Werth der Wolle in Rückſicht ihrer verhältnißmäßigen Feinheit.— Die Conſtruction des In⸗ ſtrumentes verſtattet, mit 10 Fäden zugleich die Operation vorzu⸗ nehmen. Durch einen Verſuch, welcher am 17. May 1815 in Brünn von einigen Mitgliedern des Vereins der Freunde, Kenner und Beförderer der Schafzucht, nur mit 5 Fäden von jedem Mu⸗ 186 wiederhohlt wird, man bald den Unterſchied merkt. Die Feinheit des Haares ſcheint mir übrigens in der urſprünglichen Organiſa— tion des Thieres zu liegen, daher es auch nach und nach durch b die Zucht und Kreuzung mit feinwolligen Individuen möglich iſt, ſie zu erzielen. Deſſen ungeachtet können äußere Verhältniſſe und Einwir— ſter der nachfolgenden Schafe vorgenommen worden iſt, ergab ſich folgendes Reſultat: 1) Eine veredelte ſpaniſche Wolle von der Herrſchaft des Herrn Grafen Salm verhielt ſich im Durchmeſſer wie 36 ¾¼ oo⸗ eines Wiener Zolles. 2²) Eine zweyte Sorte eben daher 37⅛̃„o. 3) Eine halbveredelte vom Hrn. Pfarrer in Daubrawitz 55 ⁄⅓4⸗. G 4) Eine detto eben daher 46 ½/⅓ 0o⸗ 5) Von einer gewöhnlichen Bauernzucht auf der Herrſchaft Raitz 6 3 ⸗ 6) Von ungariſchem Zakelvieh 157 ¼ oc⸗ Durch dieſes Inſtrument läßt ſich die mehrere oder mindere Feinheit der Wolle nach beſtimmten geometriſchen Begriffen fin⸗ den, nur muß dieſe Ausmeſſung erſt bey den beſſern Wollarten nach der Wäſche Statt finden, weil durch den häufigen Fettſchweiß in der Wolle, wovon dieſe Claſſen in der Regel ſehr angeſogen ſind, der Durchmeſſer ſcheinbar viel größer, ſo wie die Wolle gröber ausfällt, als ſie wirklich nach der gänzlichen Entfettung oder Fabrik⸗Wäſche iſt. Ein derley Woll⸗Mikroſkop koſtet 12 Du⸗ caten. Später hat Herr Opticus Voigtländer, auf der alten Wie⸗ den in Wien wohnhaft, ebenfalls einen Mikrometer à 12 Ducaten erfunden, welcher von Kennern ebenfalls gelobt wurde. Das vollkommenſte Inſtrument von dieſer Art, das den unge⸗ theilteſten Beyfall findet, und ebenfalls nur 12—6 Pfd. Sterling koſtet, haben die berühmten Verfertiger optiſcher Inſtrumente, Gebrüder Dollond, die ich perſönlich kannte, welche in St. Pauls church- yeard at London vor etlichen Jahren erfunden worden, wovon ſowohl als von dem unlängſt bekannt gewordenen Köhler'⸗ ſchen Wollmeſſer in dem Capitel der Woll⸗Sortirung das Nöthige vorkommen wird. Jeit e iſſa⸗ auutch iſ, 2 wir⸗ raab ₰ errn eines 8 d6⸗ chaft in vere ifin⸗ dach ten anpeiß ang gen ant dolle ind tung 19 Du⸗ uI Wi⸗ Aeaten ๠unge⸗ 2 terling mente, 1 ulb vorden, 11 Lohle⸗ = Aiüthi 187 kungen gewiß auch das Ihrige dabey thun. Nach meinen Beob⸗ achtungen kann ich folgende Einflüſſe darauf angeben. a) Die Temperatur. 382. Wir haben ſchon oben geſehen, wie die Temperatur, und vorzüglich eine wärmere, auf die Beſchaffenheit der Haare wirkt. Bey den Schafen iſt es durch mehrere Verſuche erwieſen, daß die Wärme einen ganz beſondern Einfluß auf dieſe Eigenſchaft des Haares hat. Und wenn auch dieß nicht einmahl wäre; ſo er⸗ lauben uns ſchon analoge Schlüſſe, dieſe Behauptung zu wagen. b) Fütterung und Weide. 383. Daß die Weide und überhaupt die Fütterung einen entſchiedenen Einfluß auf die Feinheit des Haares bey dem Schafe habe, iſt längſt erwieſen, und unterliegt bey allen beobachtenden Schafzüchtlern keinem Zweifel. Aber unendlich ſchwer iſt das Ver⸗ hältniß zu beſtimmen, und dieß wird mit Gewißheit nur dann geſchehen können, wenn man eine Reihe von Verſuchen darüber wird angeſtellt haben*). Das, was wir bis jetzt darüber wiſſen, iſt, daß alle Berg⸗ weiden, wo Graͤſer und Kräuter zwar in hinreichender Menge, aber nicht ſo üppig und ſaftreich, als in der Tiefe, wachſen, die Feinheit der Wolle mehr befördern, als in der Tiefe**). Mehr als einmahl habe ich zu beobachten Gelegenheit ge⸗ habt, daß Schafe, aus einer hohen Gebirgsgegend in tiefe Ge⸗ *) Dieſes Verhältniß kann wohl nie mit mathematiſcher Gewißheit ausgemittelt werden, ſondern nur beyläufig, weil der Effect davon von zahlloſen Nüancen des Klima's, der phyſiſchen Beſchaffenheit des Grundes und Bodens, und der herrſchenden Witterung durch eine örtliche Tendenz dieſer zuſammenwirkenden Urſachen be⸗ ſtimmt wird. **n) Niedere Triften erzeugen nicht nur ein weit loſeres, ungebunde⸗ neres, kernloſeres Fleiſch, als höhere Weiden, ſondern auch eine ähnliche ſchwammichte Wolle. 188 genden und auf fette Weiden gebracht, in einem Zeitraum von 3—4 Jahren viel ſtärkere*) Wolle erhielten, als ſie vorher hatten. Umgekehrt ſah ich, daß ſich die Wolle der Schafe, welche aus der Tiefe auf die Höhe gebracht wurden, merklich verfeinerte.— Ob dieß bloß am Futter liege, oder ob es noch tiefer zu ſuchen ſey, wage ich vor der Hand nicht zu entſcheiden**). Sollte es lediglich am Futter liegen, und zwar an dem Genuſſe gewiſſer Kräuter: ſo müßten die Schafe bey der Stall— fütterung, wo ihnen in der Regel nur Klee gereicht wird, ſich auch verſchlechtern***). Und doch ſehen wir das Gegentheil. Viel⸗ leicht liegt es mehr an der Schicklichkeit des Gebirges zum Auf— enthalt für das Schaf, da dieſes Thier offenbar von Natur die Höhe zu ſeinem Aufenthalt gewählt zu haben ſcheint †). Übrigens darf ich nicht zu erinnern vergeſſen, daß, wenn es heißt, die Wolle werde in dieſer oder jener Gegend beſſer, dar— unter nicht immer bloß die Feinheit des Haares zu verſtehen ſey. Bey der Veredlung der Landſchafe durch Merino⸗Böcke ſcheint unter allen Eigenſchaften der Wolle die Feinheit zuerſt auf das Lamm *) Soll wahrſcheinlich heißen: gröbere, ſchwammichtere, kernloſere Wolle. *) Dieß liegt allerdings hauptſächlich am Futter und an den kli⸗ matiſchen Einwirkungen, wodurch beydes, das Fleiſch und die Wolle und der ganze organiſche Körper, eine feſtere oder lockerere Beſchaffenheit annimmt. ***) Bey den Schafen iſt es erwieſen, daß ſie viele Kleearten, die auf trocknem Boden wachſen, im Freyen gern genießen, und daß ih⸗ nen dieſelben auch gedeihlich ſind. Warum ſollte daher ein in ei⸗ nem ſchicklichen Grunde angebauter Klee keine homogene Nahrung für dieſe Thiere abgeben, um ſo mehr, da der Klee in keinem naſſen Grunde wächſt? †) Dieſes liegt, wie ſchon erinnert wurde, hauptfächlich in der Eigenſchaft des Futters und den klimatiſchen Einwirkungen; tyon A ten. J aus 9.— a chen dem Itall⸗ 4 ſih a Liel⸗ a Alu⸗ 2 die Jpenn Mdar⸗ ag ſey. mnauter in usiere n kl⸗ 1 2 die a erere 1 vit uif 1 ah i⸗ in ii⸗ ¹ ihtung keinem in der erngen; 189 überzugehen. Man findet öfters ſchon bey Lämmern der erſten Ge⸗ neration Individuen, deren Wolle, beſonders von den Schultern, faſt ſo fein iſt, als die des Vaters, während ihnen alle übrige Eigenſchaften noch mangeln*). Verſchiedenheit der Feinheit an einem und dem⸗ ſelben Individuum. 384. Nicht bloß bey den einzelnen Racen und Individuen unter ſich ſindet man eine ſehr große Verſchiedenheit des Haares, ſondern an einem und demſelben Individuum findet ſich die Wolle von ſehr verſchiedener Art und Feinheit. Gewöhnlich behauptet man, daß jedes Schaf viererley Wolle habe. In Spanien nennt man die beſte und feinſte Sorte: re— ſina, die zweyte: fina, die dritte: tercera, und die vierte: caydas. Zu dieſen vier Sorten muß aber nach meinen Beobach⸗ denn eine Schafweide, wovon 3— 3 ½ Eentner friſches Gras 1 Centner Heu liefert, wird eine homogenere Weide für Schafe von feiner, elaſtiſcher Wolle abgeben, als wo 4 Cent. Gras erforder⸗ lich ſind, dieſes Gewicht von Heu zu erzeugen; daher Gebirgsge⸗ genden, die eine Nahrung von letzterer Art erzeugen, zur Zucht der Schafe von elaſtiſch⸗feiner Wolle nicht geeignet ſind, ſondern für das Hornvieh. Für freye, flache Gegenden, die von Winden beherrſcht werden, wo Thau und Nebel ſeltener ſind, auch wo die Unterlage des Raſens von der Art iſt, daß die Näſſe leicht durch⸗ ſiekern kann, findet dieſes Verhältniß nicht Statt, und Gräſer, wovon 4(entner Gras 1 Centner Heu liefern, paſſen hier vor⸗ trefflich für Weiden. *) Alle übrige Eigenſchaften gehen in dem nähmlichen Verhältniß, als ſie der Stammvater beſitzt, auf die Descendenz über; nur ſind ſie nicht gleich ſo bemerkbar, als die Wolle von den Schul⸗ tern, weil die Wolle an den Hintertheilen des Vaters in der Re⸗ gel ſelbſt nicht ſo fein, als an den Schultern iſt. ———-— 1990 tungen eine fünfte hinzukommen, welche die gröbſte iſt, und vor⸗ züglich an dem Schwanze gewonnen wird*). b N 385. Die erſte oder Prima-Sorte(refina) findet ſich an V den vordern Seiten des Schafes, dann längs dem Rücken bis b r über die Mitte des Körpers, und an der Seite des Halſes**). ge 386. Bey den echten Merinos der beſten Art, wie bey der ach di vortrefflichen leoneſer Race, iſt dieſe Sorte beträchtlich größer, als die ſchlechtere. 387. So iſt es auch bey den veredelten. Da das Ziel der b ſch Veredlung dahin gehen muß, ſo viel als möglich von dieſer Sorte b ben zu gewinnen; ſo iſt es begreiflich, daß man bey der Auswahl Ö der Böcke immer auf dieſen Umſtand beſondere Rückſicht nehmen den müſſe. V 388. Die zweyte Sorte(fina) findet man an den Hinter⸗ ſchenkeln, am Bauche, Kopf und Genicke. Nur bey der vierten und fünften Generation, wenige Fälle ausgenommen, und. wenn man immer echte Merinos zur Veredlung gebrauchte, wird man die Differenz vermindert ſehen. Bey den frühern Generationen findet man nicht nur dieſe gröbere Wolle, be— ſonders an den Keulen(man ſagt dann: das Schaf hat rauhe G Hoſen), ſondern die ſchlechtere Wolle erſtreckt ſich auch ungleich V weiter, als bey den echten Merinos. von V Man kann daher mit ziemlicher Gewißheit behaupten, daß b ſich die Veredlung verhalte, umgekehrt, wie die Differenz der zweyten Sorte zur erſten, ſowohl in Hinſicht der Feinheit des G Haares, als auch der Menge. Denn je weniger von der zweyten Sorte an einem Individuum iſt, deſto weiter iſt die Vered⸗ V*) Das Capitel über die Woll⸗Sortirung enthält über dieſen Punct„ das Nöthige, **) Das Nöthige kommt über dieſen wichtigen Gegenſtand ebenfalls„ in dem Capitel der Woll⸗Sortirung vor, weßhalb ich dieſe Puncte hier nicht ſtrenge beurtheile. thor⸗ men A bi 8** der 5 als .lder 2 orte Tuahl omen nitet⸗ matten mund aantte, af ern ye⸗ at he an ich 34 d ef det a id ar speften * cLeted⸗ = Nn. benfels 3 Puncke 19¹ lung gediehen, und deſto näher kommen die Metis den echten Merinos. Es leidet keinen Zweifel, da ich ſelbſt die ſicherſten Erfah⸗ rungen darüber geſammelt habe, daß man durch Metis⸗Böcke die gewöhnliche Land⸗Race ſehr veredeln könne; aber deſſen unge⸗ achtet wird man durch ſie dieſen Zweck ſchwerlich je erreichen. Dieß iſt von allen nur durch echte Merinos möglich. 389. Die dritte Sorte(tercera der Spanier) unterſcheidet ſich durch ein noch weit gröberes Haar und durch Kürze von den beyden erſten. Man findet ſie an den untern Schenkeln„ der Bruſt und dem Kother*). Unter die vierte Sorte rechnet der Fabricant alle Wolle auf dem Kopfe und den Füßen. Es iſt dieſe Wolle in jeder Hinſicht *) Die Kother⸗Wolle iſt ja doch viel länger, als die Bauch⸗ und Bruſtwolle, und muß bey edler Wolle eine Stufe höher elaſſiſicirt werden; bey minder veredeltem Vieh iſt hingegen die Angabe des Herrn Verfaſſers richtig. Bey der jetzigen mikrometriſchen Be⸗ ſtimmung der Woll⸗-Claſſen ſind dieſe Puncte zur genaueſten Evi⸗ denz gebracht worden. Dem Schirmer'ſchen Wollmeſſer gemäß, iſt nach unſerer jetzigen Benennung eine Wolle von 5 eines Wiener Zolles Electa I. oder 10— 11 eines — 3 Londoner 8200 20,000 Zolls 6 11½— 12% „ detto II.„— » Joo 2* 5* 20,000 detto 3— 14 „ 5200„„„ 2 20,000 detto . 142 2— 15 2 „ 3„ detto Prima e 37 dett 8200 20,000 4 16— 1 „ 2„ detto Secunda——. detto 8200 20,000 10. 17* 2— 18¹ 2 „—„ detto Tertia 2e d7. detto 8200 20,000 11— 12. 19— 20 „„ detto Quinta— detto 8200 20,000 ſchlechteſte, ſondern ſie wird es noch durch Schmutz und Unreinig⸗ die ſchlechteſte; ſie nimmt aber auch nur einen geringen Theil des Körpers ein. Häufig iſt ſie nicht ſowohl ihrer Qualität nach gerade die keiten, indem man alle Klunkern, Euter- und Zupfwolle darun⸗ ter ſortirt. Kommt die Wolle bloß in Hinſicht ihrer Feinheit in Betracht, ſo iſt noch eine fünfte Verſchiedenheit anzunehmen, und das iſt die Wolle am Schwanze, welche die gröbſte am ganzen Körper iſt. Bey dem Sortiren wird ſie unter Nro. 4 gemiſcht*). Grade der Feinheit bey der Veredlung. 390. Durch die Veredlung oder durch die Kreuzung der ſpa⸗ p niſchen Böcke mit Landſchafen wird bekanntlich die Verfeinerung V des Haares befördert. Allein die Verfeinerung iſt nicht gleich in 1 den entſtandenen Jungen vollſtändig, ſondern ſie erfolgt nur nach 1 und nach**). Das Verhältniß der Quantität der zweyten, dritten und vierten Sorte zu der erſten iſt, nach meinen Beobachtungen, bey 3 den verſchiedenen Generationen folgendes: Es beträgt die feine Wolle: 1 bey der erſten Generation, 1 bey der zwehten— ☛, bey der dritten— v*, 4 4. bey der vierten— Dieß letztere iſt überhaupt das Verhältniß bey echten Meri⸗ nos der edelſten Race. Es verſteht ſich übrigens, daß dieſes Ver⸗ hältniß nur bey einer beſtimmten Race von Landvieh, wie ſie in 7 *) über dieſes wichtige Geſchäft leſe man in dem Capitel über Woll⸗ Sortirung nach, wo man das Nöthige gründlich abgehandelt finden wird, indem ſich die Anſichten des Herrn Verfaſſers ſeit der Zeit ſehr geändert haben. **) Nähmlich durch Generationen. Was uns der Herr Profeſſor Sturm dießfalls ferner ſehr gründlich ſagt, übergehe ich als eine bekannte Sache. Ode die einig⸗ Sdarun⸗ Fheit in n, und cganzen Sict). 1 1. r I der ſpa⸗ * nerung ggeih in deur nah arran und t, bey afeine Bn Meii⸗ s Ie ie ſie in e 9 fl. A⁴ ber Vol⸗ 6,d a d'elt fur t der dä 23 Proftſor 1 gl in 195 hieſiger Gegend gefunden wird, und bey echten Merinos⸗Böcken geltend iſt. Schwerer iſt das Verhältniß der Feinheit der Wolle zwiſchen den verſchiedenen Generationen zu beſtimmen; auch dar⸗ über habe ich Verſuche angeſtellt, und Folgendes gefunden: Wenn ich die Merinos⸗Wolle= Jannehme, ſo iſt die Wolle der erſten Generation= 3, die der zweyren Generation= 4, die der dritten Generation= 4, und die der vierten Generation =+ oder= 1. Es verſteht ſich, daß hier die Rede nur von der Feinheit des Haares, abgeſehen von allen andern Eigenſchaften, iſt*). In Beziehung auf die Veredlung will ich hier noch einen Umſtand berühren. Es iſt das Verhältniß des Vaters. Ich verſuchte nähmlich, um den Einfluß desſelben zu beſtimmen, auf ein feines Mutterſchaf(aber nur ein Metis, denn andere hatte ich damahls nicht) einen vollkommen rauhen Bock zu bringen, und fand, wahrſcheinlich da die Natur der Mutter mit ins Spiel kam, daß, wenn die Veredlung nach einer arithmetiſchen Progreſſion wächſt, die Deterioration in einer geometriſchen zunimmt. Ich halte der⸗ gleichen Verſuche für ſehr wichtig, und wünſche daher, daß man ſie mit echten Merinos-Schafen und Landböcken anſtellte, denn nur dadurch könnte der Einfluß des Vaters auf die Wolle recht ge⸗ nau beſtimmt werden**). *) In wie weit dieſe äußerſt ſchwer zu erörternden Verhältniſſe, wo die geringſten Nüancen einen Unterſchied machen, als richtig oder unrichtig angenommen werden können, will ich dahin geſtellt ſeyn laſſen, finde ſolche aber aus analogen Schlüſſen, wie dieß das Bey⸗ ſpiel der ſorianer Race ꝛc. beweiſet, viel zu gewagt, ja im offen⸗ baren Widerſpruche mit der Erfahrung, und ich verweiſe meine Leſer auf dasjenige, was ich im 1. Theil in dem Capitel über die Veredlung angeführt habe. **) Prädominirende Dispoſition, Kraft und Neigung von einer oder der andern Seite entſcheiden hierüber ganz anders, und zeigen ſo, wie unrichtig der Satz und die lächerliche Meinung ſey, daß die Veredlung nach einer arithmetiſchen Progreſſion wachſe. Wer kann z. B. gut dafür ſtehen, ob im Moment des Begattungsactes die männliche oder weibliche Kraft und Dispoſition ſpiele? Wenn es II. 13 2. Von der Elaſticität. 391. Die Elaſticität der Wolle, auch wohl Federkraft, iſt I eine zweyte ſehr weſentliche Eigenſchaft derſelben. Sie iſt ganz be⸗ ſonders der Merinos⸗Race eigen, ob ſie gleich auch bey dieſer ſehr oft differirt. Bey der gewöhnlichen Landwolle findet ſich dieſe Eigenſchaft nur im geringen Grade. V Sie beſteht in der Kraft, mit welcher die Wolle, wenn man ſie ausdehnt und wieder fahren läßt, in ihre vorige Lage zu— rückſpringt*). Die Elaſticität, worauf man bey der Veredlung beſonders genau zu ſehen hat, iſt die Folge des Klima's und zum Theil der die weibliche iſt, die zufaͤllig einige Jahre nach einander um— ͤ6 oder 6—,— 64 prädominirte, wie viele Generationen ſind dazu erforderlich, um den Rücktritt und Zeitverluſt wieder zu er⸗ ſetzen? Wo ſtehet es geſchrieben, daß die Natur des Vaters immer die vorherrſchende ſeyn muß, und in welchem Verhältniß? Kann das Lamm nicht in gleichen Theilen von ſeinen Altern in der Ver⸗ edlung anerben? Sind ſolche Fälle nicht denkbar? Stehet es dem Stammbock auf der Stirn geſchrieben, welches Temperament er V beſitze? Wie es ſich mit der Reinheit ſeiner Abſtammung und ſeines V Blutes verhalte? Ob er nicht in den erforderlichen Eigenſchaften 6 von dem Schaf übertroffen würde? In welchem Verhältniß, be⸗ ſonders wenn ſie öfters geſchehen, repariren ſich ſolche Fälle, die doch in der Praxis gewiß nicht ſelten vorkommen? Ich könnte hier eine ganze Litaney von ſehr erheblichen Fällen anführen, welche das ganze Veredlungsgeſchäft in ein ſehr ungewiſſes Licht ſtellen würden; und es iſt einleuchtend, daß, wo ſolches mit einem glücklichen Erfolge geſchehen ſoll, man eine Stammherde zur Ge⸗ winnung der Stammböcke errichten, und endlich die zu veredelnde Herde nach erreichter Vollzähligkeit in dem Verhältniß verkauft und vermindert wird, als die Stammherde ſich vergrößert. *) Ich glaube keineswegs, daß der höchſte Grad von Elaſticität einer Wolle zu allen Zwecken der Fabrication ein unbedingtes Erforder⸗ niß iſt, und bin vielmehr überzeugt, daß es eine der ſchwierigſten Aufgaben für einen Fabricanten iſt, den gehörigen Grad derſelben nach beſondern Anſichten zu beſtimmen. 8 it — zhe⸗ ieſer J ieſe Benn d zi 1Sders 1de arseſind 27 el⸗ i anler Linn untr⸗ 7 wr as rdſren ſwoe⸗ Daf die 1 cade znaren, r Lit Iemn * Ge⸗ a celude arkauſt 195 Fütterung, obgleich die Anlage dazu angeboren iſt. Höchſt wahr⸗ ſcheinlich hängt ſie von dem Umſtande ab, ob das Fett mehr or⸗ ganiſch oder bloß mechaniſch mit dem Haare verbunden, und ob es fluider oder erſtarrter in demſelben iſt 4). Die Wärme iſt daher offenbar im Stande, das erſtere mehr zu bewirken, indem das Fett durch ſie flüſſiger wird, und in das Innere des Haares eindringt, wodurch dieſes geſchmeidiger, bieg⸗ ſamer und elaſtiſcher werden muß. Wir haben beſonders in Sach⸗ ſen bereits Metis, welche hinſichtlich der Feinheit des Haares die Merinos hinter ſich laſſen; aber in Beziehung auf die Elaſticitäͤt der Wolle kommen ſie ihnen durchaus nicht gleich. Selbſt die Merinos, welche wir ſeit 40 bis 50 Jahren in Deutſchland haben, ſind in mehrern Gegenden beträchtlich feiner geworden, haben aber an dieſer Eigenſchaft doch verloren*). Auch trägt das Futter gewiß viel dazu bey, ob ich gleich glaube, mehr nach ſeiner Menge und Nahrhaftigkeit, als nach der beſondern Art der Fütterung, wie dieſes vielleicht bey der Feinheit der Fall ſeyn könnte. Schafe, welche hinreichendes nahrhaftes Futter.) *) Das organiſche Fett der Wolle kommt nicht aus der Haut des Schafes, ſondern aus der innern Markröhre der Wolle ſelbſt. Das ſogenannte unorganiſche Fett, welches der Herr Verfaſſer hier meinet, und das man zuweilen im feſten Zuſtande der Wolle ent— deckt, iſt vertrockneter Schweiß aus der Haut des Thieres, und zuweilen auch Abſonderungen der Haut. Dieſe fettige Feuchtigkeit hat mit der Wolle nichts gemein. Das organiſche Fett iſt, nach der Race des Thieres, entweder von einer zähen, harzigen, oder einer mehr flüſſigen, öhligen Natur von bräunlicher, gelblicher oder weißer Farbe, das aus der innern Markröhre durch die horn⸗ artigen Wände des Haares abgeſondert wird. Die weiße Farbe iſt die beliebteſte, die gelbe folgt ihr zunächſt, die bräunliche iſt die ſchlechteſte. **) Der Herr Verfaſſer ſpricht von der Elaſticität zu unbeſtimmt und allgemein, ohne einen Unterſchied zwiſchen der intenſiven und extenſiven Elaſticität anzunehmen, wovon weiter unten die Rede ſeyn wird. ***) Ich verſtehe darunter: trockene, aromatiſche Sommerweide und * erhalten, dünſten ſtärker aus, und ſetzen mehr Ohl in die Wolle ab, wodurch die Elaſticitaͤt derſelben natüͤrlich gewinnt. Daher kommt es, daß bey übrigens gleicher natürlicher Anlage die Wolle bey gut gefütterten Schafen ungleich mehr Elaſticität beſitzt, als bey ſchlecht gefütterten und verkümmerten. Nach meinen Erfahrun⸗ gen wirkt beſonders das Körnerfutter und das Branntweinſpülicht ſehr auf dieſe Eigenſchaft der Wolle, ob ich gleich letzteres dem jungen Schafvieh ſo wenig als trächtigen Mutterſchafen geben würde. Durch einen Verſuch, den ich im vorigen Sommer mit der Stallfütterung der Schafe anſtellte, habe ich mich belehrt, daß eine weichliche Nahrung vor allem geeignet iſt, dieſe Eigen— ſchaft zu befördern und zu erhöhen, wozu ich einen hinreichenden Grad von Wärme rechnen würde*). Die verſchiedenen Grade der Elaſticität laſſen ſich nicht wohl beſtimmen, wenigſtens nur an der Wolle ſelbſt wahrnehmen, aber durchaus nicht beſchreiben**). Winterfutter, beſonders Heu, das nicht auf Gründen gewachſen iſt, wovon mehr als gegen 5 Centner Gras 1 Cent. Heu erzeugen. *) Nach meinen Erfahrungen wirkt mäßiges Körnerfutter unmittelbar auf die Vermehrung und Elaſticität der Wolle; keineswegs aber Branntweinſpülicht, welches vielmehr die entgegengeſetzte Wirkung hervorbringt, und den Körper erſchlafft.— Auch würde ich bey der häufigen Ausdünſtung der Schafe, beſonders wenn ſie kräftige Nahrung erhalten, nur einen äußerſt mäßigen Grad von Wärme nach meiner Überzeugung empfehlen können, indem zu viele Wärme ebenfalls die Kräfte abſpannt. **) Sie kann aus hervorgegangenen Erfahrungen aufmerkſamer Fa⸗ bricanten für gewiſſe Artikel leicht beſtimmt und erklärt werden. Z. B. So liefert die gar ſtark gekräuſelte Wolle, die aus dieſem Grunde eine ſtärkere Widerſtrebungs⸗ oder Federkraft äußert, ein Tuch, das härter, unſanfter im Griff iſt, und ſich auch aus dem Grunde nur für gröbere Fabricate eignet, weil ſtärker gekräuſelte Wolle nie ſo fein, als feiner gekräuſelte iſt. Da hingegen äußert eine Wolle, je kleiner die Bögen ihrer Schlängelungen ſind, und je weniger die Höhe ihre Breite überſteigt, eine deſto ſanftere, ge⸗ lindere und geſchmeidigere Art von Kraft oder Elaſticität, die eben —, „ izolle aher zdolle 7, als run⸗ ra illicht 1 ₰ dem * Sjeden nmet cehet, S igen⸗ 1Anden divohl aAnaber aanz ſen amun. umar an ber T ang 1ist be anj iſtige m ozarme 19 idrme er J⸗ F perden. a diefen ert, an 8 A us dm räuſett außert 1“d, und I kere,ge⸗ 2 die eben 197 Je mehr ſich die Wolle, zwiſchen die Finger genommen, ausdehnen läßt, und mit je mehr Kraft und Schnelligkeit ſie wie— der in ihre vorige Form, wenn man ſie aus der einen Hand ſchnell fahren läßt, zurückgehet, deſto größer iſt der Grad ihrer Elaſticität*). Vielleicht ließen ſich die Grade der Elaſticität durch ein ge⸗ wiſſes Gewicht ausdrücken.— Aber dieſes würde deſſen ungeach⸗ tet mit vieler Schwierigkeit zu beſtimmen ſeyn**). 592. Die Vorzüge, welche eine elaſtiſche Wolle vor einer weniger elaſtiſchen hat, ſind wohl ganz unverkennbar. Jedes Tuch nähmlich und jeder andere Wollzeug, von ſolcher Wolle verferti⸗ get, nimmt eine ungleich ſchönere Appretur an, und erhält nach dem Preſſen ein weit ſchoͤneres Anſehen, und einen, wie ſich der Tuchfabricant ausdrückt, weit beſſern Kern***). Der Unterſchied der echt ſpaniſchen Wolle, im Vergleich der wegen ihrer Nachgiebigkeit und Geſchmeidigkeit, wodurch ſie der Gewalt ausweicht, deſto haltbarere Stoffe liefert, dem Gefühl eben ſo angenehm wird, und dadurch für ihre beſondern Beſtim⸗ mungen ſo geſchätzt iſt. *) Soll heißen: ihrer Schnell⸗, Feder⸗ oder Krümpekraft(d. h. die Eigenſchaft und Neigung der Wollhaare, ſich gut zu filzen, oder ſich gleichmäßig durch ihre Kräuſelungen an einander zu hängen, und ein glattes, dichtes Gewebe zu geben), welche ganz verſchie⸗ den iſt von der Eigenſchaft der Wolle, welche in dem Tuch eine ſo ſanfte, geſchmeidige oder weiche Decke gewährt, und in einem gewiſſen Grade von Nachgiebigkeit oder Geſchmeidigkeit neben ihrer fortſchnellenden Kraft, oder nur in einem gewiſſen gemäßigten Grade von fortſchnellender Kraft, den man zum Unterſchied eine ſanfte Elaſticität nennt, beſtehet. ***v Ein geübter Kenner erkennt den eigentlichen Charakter der Ela⸗ ſticität und ihre Tendenz nach meinen Beobachtungen leicht aus der Geſtalt der Wollhaare. Das Auge iſt hier der verläßlichſte Weg⸗ weiſer. Man leſe hierüber nach in dem Capitel: über die Eigen⸗ ſchaften der Merinos⸗Wolle. ***) Die Elaſticität der Wolle iſt auch hauptſächlich die Urſache des ſchleunigern Verfilzens in der Wolle. bloß veredelten, beſtehet darin, daß die Tücher, von der erſtern fa⸗ bricirt, ſich nach der Preſſe ſogleich wieder heben, die letztern dieß aber erſt allmählig auf dem Lager thun, wodurch das äußere An⸗ ſehen gar ſehr verliert*). Wenn ich beſtimmen ſollte, ob die Elaſticität eine Eigen⸗ ſchaft ſey, die mehr vom Vater oder der Mutter abhänge; ſo würde ich mich in der That in einer nicht geringen Verlegenheit befinden. Allerdings vermuthe ich, daß auch hierauf der Einfluß des Vaters ſehr beträchtlich ſey, obgleich der Einfluß der Mutter nicht zu überſehen iſt. Ich ſah öfters Stähre von beſonders elaſti⸗ ſcher Wolle mit Muͤttern einer andern Race Lämmer von ſehr ela⸗ ſtiſcher Wolle erzeugen, während mit Müttern einer andern Race dieſes durchaus nicht zu erreichen war**). Man ſehe daher bey der Wahl der Böcke auch insbeſondere auf dieſe Eigenſchaft. 3. Von der Reinheit. 595. Wie ſehr die Reinheit der Wolle geſchätzt wird, weiß der Fabricant und jeder Landwirth, und ſollte es letzterer auch nur durch den Tadel erfahren, der ihm von erſterem gewöhnlich durch ſeine unreine Wolle zu Theil wird. 394. Die Reinheit kann aber auf eine doppelte Art ſehr lei⸗ den: einmahl durch Schmutz, der ſich an die Wolle legt, ferner durch das Futter, welches ſich in ſolche ſetzt. Der Schmutz kommt vorzüglich während des Weideganges und des Hürdens in die Wolle, und er iſt um ſo nachtheiliger, je mehr er dieſelbe verun— reiniget, und je weniger er durch die Wäſche herausgebracht wer⸗ den kann. Ein Staub, welcher ſich leicht in das Fett der Wolle *) Ich verweiſe nochmahls meine Leſer, das Weitere über die Ela⸗ ſticität in dem Capitel: Von den charakteriſtiſchen Eigenſchaften der Merinos⸗Wolle für den techniſchen Gebrauch, nachzuleſen. **) Meine Bemerkungen über den Einfluß des Vaters oder der Mut⸗ ter bey dem Begattungsaet— habe ich bereits oben ausgeſprochen. 3 ja⸗ † Sdieß 2 Ar⸗ sgen⸗ 1 1; ſo w iheit nfluß utter Alaſi⸗ ⸗ 13 Race 1 18 dere Wiß tun lr l ach Mrli⸗ a iuatner 9 auamt annn de eruu⸗ 3 wet⸗ 1 Pole lr 7 r ten der 47 1 Sr Rut⸗ 2 8 rochen, 199 feſtſetzt, und ſolches abſorbirt, wie der Thon, kann ſelbſt der Seidenartigkeit der Wolle ſchaden, und ſie daher noch mehr ver⸗ ſchlechtern. Auch lehrt dieß ſehr häufig die Erfahrung. Dagegen iſt ein Sandſtaub, wenn er nicht zu fein iſt, in der Regel durch die Wäſche leichter heraus zu bringen, und verderbt überhaupt die Wolle nicht in dem Grade. Der angeführte Umſtand trägt al⸗ lerdings auch dazu bey, daß ein magerer, ſandiger Boden zur Schafzucht mehr geſchickt iſt, als ein zu ſtrenger Thon- oder zu humoſer Boden. Der Fabricant nennt eine ſchmutzige Wolle der Art eine trübe Wolle. Zu vermeiden iſt dieſes Übel, das größten Theils local iſt, nicht wohl; vermindern kann man es dadurch, wenn man das Hürden bey naſſer oder trockener Witterung unterläßt. Eben ſo ſchlimm und in vieler Hinſicht noch ſchlimmer iſt die Verunreinigung durch Futter. Sie kann auf folgende Art entſtehen: a) Durch eine ſchlechte, undichte Decke über den Schafſtäl⸗ len. Die gewöhnliche Methode, nach welchef man die Balken der Decke nur mit Stangen belegt, und darauf das Futter bringt, hat nicht bloß die Unbequemlichkeit, daß das Futter durch den entſtehenden Dunſt verdirbt, ſondern das klare Futter und Ge⸗ ſäme fällt durch die Stangen herunter, und verunreiniget die Vließe ſo, daß ſie faſt durch keine Wäſche zu reinigen ſind. Man gebe daher jedem Schafſtalle eine vollkommen dichte Decke. b) Durch unzweckmäßiges Verfahren beym Füttern. Jedesmahl muß der Schäfer bey dem Einfüttern die Schafe aus dem Stalle, und nicht eher wieder herein laſſen, bis alle Raufen vollgeſteckt ſind. Unterläßt er dieß, ſo iſt es durch das Drängen der Schafe nicht zu vermeiden, daß ihnen das Futter in die Wolle fällt, und ſolche verunreiniget. c) Endlich durch ſchlecht eingerichtete Raufen. Stehen dieſe zu niedrig, ſind die Sproſſen zu weit, und ſtehen ſie zugleich zu ſchräg, ſtatt daß ſie mehr ſenkrecht ſtehen ſollen, ſo ziehen ſich die Schafe nicht nur ſelbſt das Futter in den Hals, ſondern in⸗ dem das eine über das andere weglangt und frißt, verunreiniget 200 es den Hals mit Futter. Um dieſes in der That nicht geringe Übel zu vermeiden, muß man die Raufen ſo anbringen, daß die Vorderwände möglichſt ſenkrecht ſtehen, und daß nicht mehr freyer Raum an der Raufe ſey, als ein Schaf erfordert. Man erreicht dieſen Zweck, wenn man an die Raufen der Länge nach ein Bret von oben annagelt, und zugleich die Rau— fen mit Deckeln verſieht, die nach dem Einfüttern verſchloſſen werden. Auch iſt es ſehr vortheilhaft, die Doppelraufen mittels Seile und Kloben an den Balken aufzuhängen, damit man ſolche, je nachdem der Miſt höher oder niedriger wird, hinaufziehen oder herunterlaſſen kann. Die erſte Einrichtung ſindet man auf der vor⸗ trefflichen Schäferey zu Rochsburg, und beſchrieben und abgebil⸗ det in meinem Jahrbuche III. 2. Die zweyte Einrichtung, die ich ebenfalls aus Erfahrung kenne, iſt in vielen Gegenden Preußens üblich, und man findet ſie abgebildet in Teſſiers Werk über die Schafzucht, überſetzt von Witte*). 395. Die Reinheit der Wolle**) iſt auch ſchon von Natur bey mehrern Individuen verſchieden. Es finden ſich nähmlich in Hinſicht der Farbe des natürlichen Schweißes oder Fettes zwey Verſchiedenheiten. Bey einigen Schafen hat derſelbe eine röth— lich gelbe, bey andern eine weiße Farbe. *) Beyde Formen von Raufen taugen nichts, und ſind zu compli⸗ cirt. Man erbaue Raufen in der umgekehrten Form X oben offen und 6— 8 Zoll im Lichten breit, unten aber 15— 16 Zoll weit, und der ganze Zweck iſt erfüllt. Am Boden der Futterraufe verwendet man einen Laden, damit das Futter und die Heublu⸗ men nicht durchfallen können, und die Sproſſen ſind in einer Entfernung von 6 Zoll aus einander zu machen, damit von dem Vieh alles rein aufgezehrt werden kann. Das Ganze ſtellt man auf zwey Blöcke, welche von Zeit zu Zeit in dem Verhältniß, als der Dünger ſich vermehrt, gehoben werden. **) Nähmlich die organiſche Reinheit der Wolle, z. B. die von Stichel und Hundehaaren, die ſich weder filzen, noch Farbe annehmen, befreyet iſt, indem alles Vorhergehende ſich bloß auf Haltung und Wartung bezog. inge 8 daß nicht dert. pa da i ckan⸗ — oſen attel taelche, Goder 14 ver⸗ n üil⸗ AN ic adeens an die mwl⸗ —½ da — AM u Fruft a z eublu⸗ . ier ain dem man iältri Gio a men⸗ g und 201 596. Weder Landwirthe, noch Fabricanten, die in ihrer Kunſt nicht gehörig erfahren ſind, legen einen Werth auf dieſen Unter⸗ ſchied, und dennoch iſt er ſehr wichtig; denn es bat eine Wolle mit einem weißen Fett viele Vorzüge vor einer ſolchen mit gel⸗ bem, wie Verſuche gelehrt haben. Außerdem, daß ſie ſich viel leichter weiß waſchen läßt, ein Vorzug, welcher bey weißen Zeu⸗ gen ſehr zu berückſichtigen iſt, nimmt ſie gewiſſe Farben leichter und beſſer an, als die letztere*). Ein ſehr geſchickter Tuchfabricant, dem ich ſehr viele prak⸗ tiſche Erfahrungen verdanke, bemerkte vorzüglich, daß die grüne Farbe nie recht gut auf einer Wolle der Art ſtehe. Der Grund dieſer Erſcheinung iſt noch nicht klar, aber das Factum iſt unbe⸗ zweifelt richtig**). *) Eine höchſt wichtige Wahrheit, welche von unſern Landwirthen, Fabricanten und Kaufleuten, die ſich mit dieſem Geſchäfte aus⸗ ſchließlich befaſſen, zu gering geachtet, ja bis vor kurzer Zeit noch ganz außer Acht gelaſſen worden war, indem viele ſogar aus irri⸗ gem Wahne der gelben Fettfarbe der Wolle vor der weißen den Vorzug einräumten; auch braucht die von Natur reinweiße Wolle, um ſie weiß zu bringen, nicht erſt geſchwefelt zu werden, wodurch jede Wolle ſpröder und das Fabricat ſehr hart wird, ihm einen großen Theil ſeines Glanzes raubt, und nach einiger Zeit doch wieder gelblich wird. Von der Wichtigkeit der reinweißen Farbe bey dem Färbegeſchäft aus genauen Erfahrungen überzeugt, wer⸗ den ſeit kurzer Zeit bloß die weißen Cocons von einem hellen Glanz zur Zucht der Seidenwürmer verwendet, und die gelben Cocons zu dieſem Behuf ſeit dieſer Beobachtung auf das ſorgfäl⸗ tigſte vermieden. Die Färbekunſt hat bekanntlich in Frankreich die größten Fortſchritte gemacht: ſollten wir daher dieſe Lehren und Beobachtungen der franzöſiſchen Färbekünſtler nicht mit Nu⸗ tzen und Intelligenz für unſere Wollzucht anwenden können? Wer könnte wohl mit Grund daran zweifeln? *) Auch hätte der Herr Verfaſſer ſcheckige Wolle hauptſächlich hier⸗ her zählen ſollen, indem zu berückſichtigen iſt, daß derley ſcheckige Wolle zu lichten Fabricaten nicht zu verwenden iſt, weil ſolche einen ſchlechten und ungleichen Glanz, übles Anſehen und unreine Farbe davon erhalten. 2⁰2 397. Nach der Verſicherung eines ſehr unterrichteten Woll⸗ händlers, der lange in England reiſte, nehmen die meiſten dorti⸗ gen Fabricanten auch auf dieſen Umſtand Rückſicht, und bezahlen die weiße Wolle um 3— ½ Procent theurer*). Die meiſten aus Spanien gekommenen Merinos, die ich noch zu ſehen Gelegenheit hatte, haben ein mehr weißes als gel— bes Fett**).— Aus dem Angeführten gehet hervor, daß jeder Landwirth, dem es darum zu thun iſt, etwas ganz vollkommenes zu erzeu— gen, auch auf dieſen Umſtand Rückſicht nehmen, und vorzüglich nur ſolche Individuen wählen müſſe, deren Wolle einen weißen Grund hat. Es mag ſeyn, daß der Einfluß der Altern auf dieſen Um— ſtand ziemlich gleich, oder doch wenigſtens nicht ganz unbeſtimmt iſt; nach den Erfahrungen aber, die ich mir über dieſen Gegen— ſtand ſammelte, ſcheint mir die Mutter einen bedeutendern Einfluß darauf zu haben, als der Vater, weßhalb auf ſie beſondere Rück⸗ ſicht zu nehmen ſeyn möchte***). *) Dieſes iſt ſehr natürlich, indem nur derley weiße Wolle für Ge⸗ webe, die weiß bleiben ſollen, oder auch für diejenigen, die nach⸗ her gefärbt, und beſonders mit feinen, lichten Farben verſchönert werden ſollen, mit glücklichem Erfolge verwendet werden kann. Je reiner weiß die Wolle iſt, deſto lebhafter, ſchneller und in⸗ niger färbt ſie ſich in der Küpe. Auch iſt das Schwefelbad nicht vermögend, dieſen Abgang nachhaltend zu erſetzen, indem das Bleichen mittels Schwefeldampfes oder liquider ſchwefeliger Säure für manche Farben gar nicht angewendet werden darf, und die weiße Farbe der Wolle ſich auch nach dem Schwefeln leicht wie⸗ der ins Gelbe zieht. **v) Dieſer eben ſo wichtigen als gegründeten Thatſache kann niemand widerſprechen; aber die in unſern öfters zu warmen Stallungen geſchwächten Fremdlinge werden durch eine verkehrte Behandlung zu der Ausartung geneigt gemacht, leicht ein gelbes Fett anzu⸗ nehmen.. ***) Dieſes hängt, wie ſchon erwähnt worden iſt, von überwiegender p e⸗ düch⸗ h ert ann. † in⸗ daächt G das a aure die s wit⸗ nand J ugen Glung 6 anzli⸗ c nder 2⁰5 4. Von der Länge. 398. Die Länge der Wolle iſt keineswegs zu überſehen, be⸗ ſonders wird ſich der Landwirth ſehr wohl bey ſolchen Schafen ſte⸗ hen, die unter übrigens gleichen Verhältniſſen eine längere Wolle hervorbringen*). Es iſt unbezweifelt, daß eine gute und hinreichende Fütte⸗ rung die Länge der Wolle ſehr befördert, während ſie eine kärg⸗ liche Nahrung vermindert. Ich habe durch einen Verſuch mit der Stallfütterung im vorigen Sommer dieſes vollkommen beſtätigt gefunden; deſſen ungeachtet iſt es nicht zu läugnen, daß gewiſſen Individuen bey einerley Futter und Wartung ein längerer Haar⸗ wuchs eigen iſt, als andern. So habe ich unter einer kleinen Herde einige, die ſich ganz beſonders durch eine lange Wolle auszeichnen, und dennoch mit den übrigen gleiches Futter und gleiche Wartung genießen**). Für den Tuchfabricanten hat eine ſehr lange Wolle, weil dieſer ſie ſelten käummt, ſondern krämpelt, keine Reize. Dagegen iſt ſie zu allen Arbeiten, wo gekämmte Wolle erfordert wird, wie z. B. zu glatten Zeugen, zu Merinos, zu Strumpfwaaren u. ſ. w. ſehr erwünſcht***). Diſpoſttion, Kraft und Neigung des männlichen oder weiblichen Theiles ab ꝛc. *) Eine lange, feine Wolle kann man diejenige nennen, welche bey der Schur in ihrem natürlichen Wuchs 2 ⅜ bis höchſtens 5 ½ Zoll lang iſt. Aber die Länge der Wolle liegt auch in der Ausdehn⸗ barkeit ihres Fadens, ſolchen ſogar über die gänzliche Entkräuſe⸗ lung hinaus zu dehnen, und man nimmt an, daß er ſich noch einmahl ſo lang ſoll ausdehnen laſſen, als ſein natürlicher Wuchs beträgt, und bey feiner, edler Wolle noch darüber. **) Die Natur erzeugt häuſig Varietäten, beſonders inconſtante Ar⸗ ten. Zuweilen laſſen ſich aus derley Naturſpielen große Vortheile ziehen. ***) Die lang gewachſene Wolle liefert beſonders in feinen Geweben, durch die öftern Verbindungen der Haare unter einander, eine 204 Es verſteht ſich aber, daß eine ſolche lange Wolle dadurch nicht an ihrer Elaſticität verlieren darf, ſonſt würde die Laͤnge mehr Fehler als Vorzug ſeyn*). Um wie viel beſſer eine lange Wolle in das Gewicht fällt, als eine kurze, mag folgender Vergleich beſtätigen. Im J. 1810 hatte ich 2 Zeithämmel, von denen ſich einer auffallend durch eine lange Wolle auszeichnete. Ich wog beyde nach der Schur, und fand, daß ſie im Gewicht nicht mehr als ¾ Pfd. verſchieden wa⸗ ren. Im J. 1811 wog ich beyde Vließe, und fand das eine 2½ Pfd. und das andere 5 ½ Pfd. ſchwer. Letzteres war das mit der längern Wolle. 5. Von der Gleichheit. 399. Die Gleichheit des Fadens iſt bey jeder Wolle ein ſehr weſentliches Stück. Es wird nähmlich bey dieſer Gelegenheit vor— ausgeſetzt, daß das Haar oben nicht ſtärker, als unten, ſondern daß es in ſeiner ganzen Länge vollkommen dick ſey. Man muß dieß nicht mit der Wolle verwechſeln, welche der Wollkenner rauch⸗ ſpitzig nennt. Die Ungleichheit, wie wir es nennen wollen, be⸗ trifft nicht bloß die Spitze, ſondern das ganze Haar. Das Haar iſt umgekehrt kegelfoͤrmig, indem es am Stamme am ſchwächſten, haltbare und gleiche Waare, die zu Caſemirs, Merinos, Shawls ꝛc. unentbehrlich iſt, wozu man nur eine lange, ſo genannte Kämm— oder Kardätſch⸗Wolle gebraucht, die kürzere aber zu Tüchern vor⸗ ziehet, obwohl auch für die in der Wolle gefärbten Tücher eine gar kurze Wolle nicht taugt, indem in dieſem Falle die Spitzen abgeſchnitten werden müſſen, und ſie dadurch zu kurz ausfällt. Übrigens verſtehet es ſich von ſelbſt, daß die Wolle, dem Zweck ihrer Verwendung gemäß, eine paſſende, regelmäßige Länge ha⸗ ben muß, unter und über welcher ſie dem feſtgeſetzten Zwecke nicht entſpricht; denn je länger eine Wolle iſt, deſto weniger Decke gewährt ſie auf der Oberfläche des Tuchs; je kürzer aber, je we⸗ niger hält ſie die erforderliche Behandlung aus.— *) Dieſes kommt auf den Zweck ihrer Verwendung an. 49 205 und an der Spitze am dickſten iſt. Es kommt zwar dieſer Fall nicht haͤufig vor, doch gibt es aber auf mehrern Schäfereyen wirklich Schafe von ſolcher Wolle, die deßhalb nicht wohl tauglich iſt, weil ſie durch einen ungleichen Faden ein ungleiches Tuch gibt, das weniger Haltbarkeit gewährt*). 6. Von der Dichtheit des Vließes. 400. Dieſe Eigenſchaft intereſſirt den Landwirth mehr, als den Fabricanten; denn je dichter die Wolle auf ſeinen Schafen ſtehet, deſto mehr wird er Wolle ſcheren, und deſto höher wird am Ende ſein Ertrag am Gelde ſeyn**). Es iſt zwiſchen der einen und der andern Schäferey hierin ein außerordentlicher Unterſchied. Selbſt auf einer und derſelben Schäferey ſind einzelne Individuen dichtwolliger, andere loſer***). *) Unter Gleichheit der Wolle iſt ferner zu verſtehen, daß die Wolle des ganzen Schafes ſo viel möglich gleich, oder vielmehr von der beſten Sorte die größte Menge liefere; daß ebenfalls ein Haar, ſo viel möglich, wie das andere geſtaltet, gleiche Geſchmeidigkeit und gleiche Kraft haben müſſe, um ſich deſto gleichmäßiger verar⸗ beiten zu laſſen, wodurch nur hauptſächlich die Dauerhaftigkeit und das beſſere Anſehen des Fabricats erlangt werden kann. Man leſe dießfalls über Parallismus nach. *) Dieſer Meinung kann ich nicht unbedingt beypflichten. Nur in dem Fall bin ich der Meinung des Herrn Verfaſſers, wenn die Reichhaarigkeit des Vließes von Reichhaltigkeit an feinen Haaren von ſanfter Elaſticität herrührt; rührt der Grund des dichtge⸗ ſchloſſenen Vließes aber von ſtarker, ſpröder und ſteifer Wolle her, ſo bin ich nicht dieſer Meinung; auch bin ich nicht der Meinung des Herrn Verfaſſers, daß Dichtheit des Vließes den Fabriean⸗ ten weniger intereſſirt; bey dem unwiſſenden mag dieſes wohl der Fall ſeyn; der rationelle hingegen weiß wohl zu unterſcheiden, welch einen höchſt wichtigen Einfluß ein geſchloſſenes Vließ auf alle Ei⸗ genſchaften der Wolle habe ꝛc. Man leſe darüber nach: Über Dicht⸗ wolligkeit, Dünnfelligkeit ꝛc. der Wolle in Bezug auf ihre Eigen⸗ thümlichkeiten. ***) Um mich zu überzeugen, habe ich mir die Mühe gegeben, von 206 Es gibt Naturforſcher, welche glauben, jedes Schaf habe eine abſolute Anzahl von Haaren, und es ſey daher in Hinſicht der Wolle kein Gewinn, wenn man die Schafe durch eine reich— haltige Fütterung größer zu bringen ſuche, weil nun das Vließ um ſo flüchtiger(oder, nach einem andern Kunſtausdruck, ſchlot— terfelliger) werde. Dieſe Annahme läßt ſich weder durch die Ana— logie, noch durch die Erfahrung beſtätigen. Mir ſcheint es allerdings gewiß zu ſeyn, daß gewiſſe Indi— viduen ſchon von Natur eine ſtärkere Haarproduction haben, und alſo auch dichtere Felle beſitzen; aber es iſt eben ſo gewiß, daß zwey verſchiedenen Schafen, einem ſchlotterfelligen und einem dichtfelligen, die von gleicher Größe, gleichem Gewicht und Alter waren, wovon das erſtere 2 Pfd. und das andere über 4 Pfd. gewaſchene Wolle hatten, nachdem ſie abgeſchlachtet worden waren, die Menge der Wollfäden, welche ein Schaf gegen das andere auf dem Körper hatte, ſelbſt abzuzählen. Nachdem man aus beyden getrockneten Fellen an mehrern Theilen des Körpers zwey ganz gleiche Muſter, jedesmahl von der Größe eines halben Quadrat⸗ Zolles, ausgeſchnitten hatte, bewährte es ſich, daß auf dem Vließ des Schafes, das 4 Pfd. gewaſchene Wolle hatte, die Haarpro⸗ portion um ſtärker, und das Wolhhaar gleichfalls merklich ſtär— ker war. Es gibt aber Fälle, wo ein ſchlotterfelliges Schaf von einer außerordentlichen Feinheit, in gleicher Größe mit einem dichtfelligen, eben ſo viele Wollfäden, als dieſes, in ſeinem Vließ zählt; das mindere Gewicht von jenem rührt in dieſem Falle von der mindern Dicke der Wollfäden her, nähmlich, daß ein Faden ein⸗ oder zweymahl dicker iſt, als bey jenem. Die Quan⸗ tität und Qualität der Prima⸗Wolle des dichtfelligen(wenn es derley erzeugt) und die Preiſe der verſchiedenen Woll⸗Sorten gegen einander müſſen in dieſem Falle entſcheiden, welche Gattung von Schafen ſich am nützlichſten rentirt. Übrigens hat die Wolle dicht geſchloſſener Vließe allezeit mehr Kraft und Leben, als ſolche, die den austrocknenden Einflüſſen der Winde und der Näſſe aus⸗ geſetzt iſt, beſonders wenn ſie Woll⸗Sectionen von ſtumpfer Form bildet, die dem Eindringen des Regens und der Winde ebenfalls Widerſtand leiſten. —— u ijt: rina i w T neß aulle 2. dn an⸗ 1 6 8 erten V ung oll SAlce, I r nus⸗ V Sorm A als 2⁰07 ſich durch künſtliche Mittel die Dichtheit des Felles befördern läßt*). 401. Zu dieſen Mitteln rechne ich folgende: a) Eine gute, nahrhafte, beſonders nicht ſaure Frühjahrs⸗ und Sommerweide, und eine gute Fütterung in dem Stalle. In Hinſicht der letztern gehen alle von mir gemachte Erfahrungen da⸗ hin, daß eine mäßige Körnerfütterung an Hafer, bey gutem, nahrhaften, ſüßen Gras⸗ oder Kleeheu, die beſte ſey**). b) Beſonders ſcheint es mir darauf anzukommen, den Scha⸗ fen nicht zu wenig zu geben, ſondern ſie immer ſatt zu füttern. Um letzteres zu thun, gebe man pr. Stück täglich 2 Pfd. Heu, etwas gutes Stroh und 1 Dresdner Nößel Hafer, wobey ſie recht gut beſtehen werden. Dazu gebe man einen warmen, jedoch nicht feuchten, un⸗ geſunden Stall, beſonders zur Lammzeit, und überhaupt, ſo lange die Lämmer noch im Stalle ſind, mit einem Worte, man halte die Lämmer warm. Es wird alſo auch durch Wärme der Haarwuchs befördert. Wenn dafür nicht ſchon die Erfahrung hinreichend ſpräche, ſo könnte dieß durch eine Menge analoger Schlüſſe dargethan *) Dieſes läßt ſich weder durch die Erfahrung, noch durch die Ana⸗ logie beſtätigen. Durch ein gutes, nahrhaftes Futter die Schafe ſatt zu füttern ꝛc., läßt ſich zwar die Qualität und Quantität der Wolle allerdings verbeſſern, aber wahrlich nicht der urſprüng⸗ liche Organismus des Geſchöpfes ändern, und dünnfellige Schafe in dichtfellige umkehren kann nur die Zeugung. *) Nach der Theorie ſcheint ganz trockene Nahrung der Natur un⸗ ſerer Nutzthiere nicht angemeſſen, hingegen in den Wirkungen ge⸗ wiſſe Gattungen von Wurzel⸗Gewächſen, wechſelweiſe mit tro⸗ ckener Nahrung gefüttert, ihnen homogener zu ſeyn. Aufmerkſame Beobachter wollen bey der Stallfütterung der Schafe, wo die trockene Fütterung vorherrſchend war, die Bemerkung gemacht haben, daß die Wolle nach und nach ganz aus ihrer urſprüngli⸗ chen Geſtalt hinaus wächſt. 2⁰8 werden. Da dieſe Materie aber in meinem Jahrbuche der thürin⸗ giſchen Landwirthſchaft II. 2. ausführlicher behandelt iſt: ſo ent⸗ halte ich mich um ſo mehr, ſie hier weiter anzuführen. c) Frühe Lämmer. Der Grund, warum durch dieſe die Dichtheit des Felles befördert wird, iſt ein doppelter. Einmahl nähmlich bin ich überzeugt, daß Lämmer, zu Anfange des Fe⸗ bruars geboren, bey gehöriger Nahrung ſich ungleich beſſer an⸗ fellen, wie der Schäffer ſpricht, als ſpäter geborne*). Ich wage keine Erklärung dieſer Erſcheinung, aber für die Richtigkeit kann ich um ſo eher ſtehen, da nicht nur ich, ſondern mebrere Freunde mit mir zugleich die Erfahrung gemacht haben**). Ein anderer Grund aber iſt der, daß man frühgeborne Lämmer noch im Frühjahre, wenigſtens im Monath Juny, ſche⸗ ren kann. Und gerade dieß iſt von außerordentlichem Nutzen. Nur das öftere Abſchneiden der Wolle befördert ihren Wuchs vorzüg⸗ lich, und daher kommt es, daß ſolche Lämmer ſich viel beſſer anfellen***). Es iſt aber dabey noch ein anderer Umſtand, der nicht zu überſehen iſt, nähmlich der: daß die Jährlingswolle von geſchor⸗ *) Das heißt nach meiner Meinung ſo viel, als ihre Wolle bey gu⸗ ter Haltung vollſtändig entwickeln. *) Alle dieſe Umſtände können nach klimatiſchen Verhältniſſen gün⸗ ſtig auf die Qualität und Quantität der Wolle wirken; aber ein dünnfelliges Schaf unmöglich in ein dichtfelliges umſtalten, in⸗ dem dieſes in der angebornen Organiſation des Thieres liegt. ***) Der Herr Verfaſſer mag wohl hier nicht aus eigener Erfahrung geſprochen haben; denn wäre dieſer naturwidrige Satz wahr, ſo müßte man ein Schaf, das man, von ſeiner früheſten Lebens⸗ periode angefangen, wöchentlich etliche Mahl, bis zum geſtande⸗ nen Alter, barbierte, endlich zu einem Wollertrag ſchwingen kön⸗ nen, deſſen Bürde es nicht zu tragen fähig wäre. Alle dieſe Er⸗ ſcheinungen müſſen angeboren werden, und das Futter kann nur das Maximum des Angebornen ganz vollſtändig entwickeln, ſonſt nichts. rin⸗ ent⸗ ſedie mahl 3 Har⸗ 39 igkei nett ¹ Jorne nſte⸗ 2 Nur ix aieſſer in zu abr⸗ 0 4 gu⸗ hn tün⸗ rein 1 iu⸗ Et. — hrung hr, ſ an ebens⸗ kande⸗ da n köl⸗ 1fe Er⸗ † n nur maickeln, 2⁰9 nen Lämmern ungleich egaler wird, als von ungeſchornen. Bey dieſen letztern iſt ſie faſt immer rauhſpitzig, und nicht ſelten ge⸗ ſpalten*). 4⁰2. Ich muß hier der Meinung einiger Naturkundigen, worunter auch Cüvier gehört, widerſprechen. Letzterer inſonder⸗ heit behauptet, daß durch das öftere Abſchneiden zwar das ein⸗ zelne Haar an Stärke zunehme, aber die Anzahl der einzelnen Haare darum nicht wachſe. Wäre dieſe Behauptung richtig, ſo müßte die Wolle von zweyſchürigen Schafen gröber ſeyn, als von einſchürigen, und die Wolle müßte um ſo viel feiner ſeyn, je ſeltener man die Schafe ſcherte. Beydes iſt aber in der Erfahrung nicht richtig. Ich will nicht läugnen, daß durch das öftere Ab⸗ ſchneiden das Haar ſelbſt etwas ſtärker werde, aber ausgemacht bleibt es immer, daß dadurch die Anzahl der Haare bedeutend wächſt. Bey der Beurtheilung der Wolle iſt das Alter der Thiere jedes Mahl in gehörigen Anſchlag zu bringen, indem dieſe durch alle Perioden des Lebens gleichen Schritt mit den Kräften des Thieres hält; daher im frühern und ſpätern Alter öfters um einige Grade feiner und weicher, als im geſtandenen, kraftvolleren iſt. Bloß das Lamm macht hier eine Ausnahme. Die Muttermilch er— weicht zur nothwendigen Entwickelung des Körpers alle organi⸗ ſche Theile desſelben. Dieſes iſt die Urſache der größern Milde *) Dieſes Letztere ſtimmt ganz mit meinen Erfahrungen überein, und kein Okonom ſollte dieſer gegründeten Urſache halber unter⸗ laſſen, ſeine Lämmer recht zeitlich im erſten Sommer, und zwar gleich nach der Abſpännung, ſcheren zu laſſen, und dieſes Geſchäft nie bis in den zweyten Sommer anſtehen laſſen; die Schur der Lämmer ſoll aber aus dem Grunde nicht vor der Abſpännung ge⸗ ſchehen, weil die Wolle, da das Lamm während der Säuge⸗ zeit wegen der erweichenden Körperentwickelung die befördernde Muttermilch genießet, nicht ſo fein iſt, als wenn dieſe Thiere nach der Abſpännung bloß auf harte Nahrung beſchränkt werden, wodurch demnach die Wolle von der darauf folgenden Schur deſto egaler in der Feinheit ausfällt. II. 14 210 und Sanftheit der Lammwolle, aber auch der Grund, warum ſolche ſchrammiger und nicht ſo fein und haltbar, als jene Wolle iſt, welche ſich erſt nach dem Abſpaͤnnen des Thieres bildet. Wer daher grobe Spitzen bey der Wolle ſeiner Jährlingsſchafe vermei⸗ den will, muß die Abſpännung der Lämmer vor der Schur be⸗ werkſtelligen, wo dieſe Thiere dann auf trockene Nahrung geſetzt werden, und demnach feſtere und feinere Wolle erzeugen. Die Vergleichung der Pflanzen iſt auf dieſen Fall nicht paſſend; ja es gibt Pflanzen, die nach dem Abſchnitt nicht mehr fortwachſen, z. B. die Rothbuche, alle Nadelholzgattungen, nebſt vielen an— dern, auch einjährigen Pflanzen. So wie bey der Pflanze durch das Abſchneiden einzelner Theile die Production immer mehr auf dieſe erregt wird, ſo ſcheint es auch bey den Haaren der Fall zu ſeyn, und die Säͤfte ſuchen ſich auf alle Arten einen Ausweg zu verſchaffen. Es wird übrigens nicht nöthig ſeyn, den Landwirth auf die Vorzüge dichtfelliger Schafe„ufmerkſam zu machen. Am dichteſten wird gewöhnlich die Wolle bey ſolchen Lämmern, die in der Jugend recht faltig ſind. 7. Von der Weichheit und Seidenartigkeit der Wolle. 405. Unter allen Eigenſchaften iſt dieſe eine der vorzüglich⸗ ſten, eine Eigenſchaft, um dererwillen der Fabricant eine Wolle, die mit einer andern von gleicher Feinheit iſt, doch pr. Stein um einige Thaler höher bezahlt. Sie beſteht darin, daß ſich die Wolle ſanft und weich anfühlet, wie Baumwolle oder rohe Seide*). *) Das Gefühl von letzterer ſcheint Herr Verfaſſer hier eigentlich zu meinen; denn zwiſchen baumwoll- und ſeidenartiger Weichheit macht der erfahrene Landwirth und Fabricant einen Unterſchied. Da ich die ſtark krümpende, geſchmeidige und ſanfte Elaſticität, das verſchiedene Verhältniß des härtern Gefühls, nähmlich der rum Jolle „Wer mei⸗ E he⸗ Zeſett 9 Die Ca s Oſen, 1 an⸗ S urch nt auf 3Izu us zu rtiirth AAm 1 N in „ ntlich heit 211 40⁰4. Dieſer Vorzug kann nur mittels des Gefühls wahr⸗ genommen werden. Man nimmt eine Flocke Wolle zwiſchen den Daumen und Zeigefinger, reibt ſie ein wenig, und ſo kann man ſich dieſe Üüberzeugung am beſten verſchaffen. Inzwiſchen ge⸗ hört dazu einige Übung die man nur durch öfteres Probieren der Wolle, die verſchiedenartig iſt, erlangt. Einige probieren die Wolle auf ihre Weichheit, indem ſie mit ſolcher über das Geſicht fah— ren, wo das Gefühl feiner iſt; allein ein geübter Kenner bedarf dieſes gar nicht, ſondern kann es ſchon zwiſchen den bloßen Fin⸗ gern fühlen*). 405. Eigentlich muß man die Wolle auf dieſe Eigenſchaft erſt dann prüfen(wenigſtens kann es dann erſt mit Gewißbeit ge⸗ ſchehen), wenn ſie gewaſchen iſt. Bey ungewaſchener Wolle kann allerdings das darin befindliche Fett, welches der Wolle auch von außen anklebt, gar ſehr täuſchen*). 4⁰6. Jede Wolle, welche dieſes ſeidenartige, weiche We⸗ ſen hat, iſt zu allen wollenen Zeugen, beſonders zu Tuch, Ca⸗ ſemir, Merinos-Zeug ꝛc. viel vorzüglicher, indem ein großer Geſchmeidigkeit und Sanftheit der Wolle von einerley Urſprung hal⸗ te, und dieſe veränderten Wirkungen bloß aus der ſtärkern oder un⸗ regelmäßigern und ſanftern und regelmäßigern Form der Kräuſelun⸗ gen und Biegungen der Wolle mir erkläre und erklären kann, ſo nenne ich die Krümpekraft erzweckenden, ſtärker gekräuſelten Wollarten, die einen härtern Griff hervorbringen, baumwollar tig im Ge⸗ fühl, und jene, die ſich durch kleine Bögen, welche die Höhe ihrer Bögen nicht überſchreiten, und durch einen ſanften, nachgiebigen, geſchmeidigen Effect ſich charakteriſiren, ſeidenartig im Ge⸗ fühl. Bloß die Geſtalt der Haare erregt dieſe verſchiedene Kraft⸗ äußerung und dieſes verſchiedene davon abhängende Gefühl. *) Es gibt eine Menge Mittel, dieſe Eigenſchaft zu prüfen, und ich verweiſe meine Leſer wegen des Genauern, das Capitel über die charakteriſtiſchen Eigenſchaften der Merinos⸗Wolle für den techniſchen Gebrauch nachzuleſen. **) Man muß in dieſem Falle durch den Druck zwiſchen feinem Löſchpapier die Wolle von dem Fett abſondern. * ——— 6 12 Theil der Vorzüge dieſer Zeuge gerade in der Weichheit und Sei⸗ denartigkeit des Anfühlens deſtehet. Ein Tuch von einem weichen Griff wird ſelbſt von Kennern oft einem feinern vorgezogen, das dieſe Eigenſchaft nicht beſitzet. Alle Zeuge von einer weichen, ſei⸗ denartigen Wolle nähern ſich immer mehr den ſeidenen Stoffen. 407. Der Gegenſatz von Weichheit wird von den Fabri⸗ canten mit dem Ausdruck ribiſch(von reiben), oder auch rauh, ſpröde belegt.. Da er übrigens, wie alle Eigenſchaften, ein negativer Be⸗ griff iſt, ſo läßt ſich ein abſolutes Maß von Weichheit nicht an— geben, ſondern es kann immer nur im Gegenſatz des Ribiſchen erklärt und verſtanden werden. Jeder Fabricant, der mit den Ge⸗ genſtänden ſeines Faches bekannt iſt, wird ſich ſelten hierin irren. So wie der Landwirth bey der Schafzucht überhaupt dahin ſtre— ben ſoll, alle die vorhergenannten Eigenſchaften in ſeiner Wolle zu erreichen, ſo ſoll er beſonders auf dieſe ſein Augenmerk rich— ten. Obſchon dieſer Vorzug einigen Racen, und ſelbſt einzelnen Individuen von Natur eigen iſt, ſo läßt er ſich doch durch Kunſt ei— niger Maßen erhöhen. Mir ſcheint es zum größten Theil wenigſtens auf dem Umſtand zu beruhen, daß das thieriſche Fett oder Ohl mit dem Haare mehr organiſch, als bloß mechaniſch verbunden iſt. Bey einer mehr mechaniſchen Verbindung können aͤußere Umſtände und ſelbſt das Waſchen der Wolle dieſelbe viel rauher machen; bey einer organiſchen Verbindung hingegen wird das nie der Fall ſeyn*). *) Das Fett hat auf dieſe Kraftäußerungen, und auf die dadurch her⸗ vorgehenden Wirkungen des Gefühls in ſo weit Einfluß, daß eine aus Mangel an Nahrung oder Krankheits halber verkümmerte Wolle we⸗ gen des ſitzen gebliebenen Fettes in der Markröhre und wegen der Hemmung der Functionen, ſolche der Horn⸗Subſtanz des Haares an⸗ zueignen, ſperrer und trockener im Gefühl wird. Von einer weitern Verbindung kann ich mir keine Vorſtellung machen; denn die hete⸗ rogenen, fettähnlichen Erſcheinungen, die wir öfters an der Wolle zu bemerken Gelegenheit haben, rühren von Hautausdünſtungen her, und ſind zwar allerdings der Wolle heterogen, aber nicht in dem Sinne, wie dieſes der Herr Verfaſſer zu verſtehen ſcheint. töe⸗ Hian⸗ Jahen 3 che⸗ pen. nure⸗ ale Anc⸗ aznen iuuui⸗ ighs 1 1 y zoand ganet 1rg). ar her⸗ eaus e we⸗ ei der an⸗ A itern hete⸗ Golle ungen a ht in eit. 215 408. Folgende Umſtände ſind nach meiner Erfahrung dieſer Eigenſchaft vorzüglich günſtig: a) Die Wärme. Dieſe ſcheint das Fett flüſſiger zu machen und zu erhalten, ſo zwar, daß es durch die feinſten Poren der Horn-Subſtanz eindringen kann, und ſich gleichſam mit dem Haare innig verbin⸗ det. Dadurch wird letzteres offenbar weicher, und verliert ſeine Rauhigkeit immer mehr. Für dieſe Behauptung ſprechen faſt alle Schaf-Racen, welche unter warmen Klimaten leben, ja ſogar das Haar der meiſten ſüdlichen, von Vegetabilien lebenden Thiere. Die Meri⸗ nos z. B. ſo wie auch das bekannte, alle übrige an Feinheit über⸗ treffende Schaf von Tibet. Mehrere Kenner haben mich verſichert, und ich habe mich ſelbſt durch den Augenſchein überzeugt, daß, während bey den Merinos, welche man in Deutſchland ſeit geraumer Zeit einge⸗ führt hat, die Wolle in vieler Hinſicht, beſonders in Hinſicht der Feinheit, ſehr verbeſſert iſt, dieſelbe doch in Rückſicht der Weich— heit und Seidenartigkeit ſehr verloren habe*). Bey den erſten Generationen hat man dieſes wenig bemerkt, doch iſt der Abſtand bey den Nachkommen nicht unmerklich. Auch ſcheint der Umſtand meine Meinung zu beſtätigen, daß bey den zweyſchürigen Scha⸗ fen, allen Erfahrungen gemäß, die Sommerwolle in der Regel ſich weit weicher und ſanfter anfühle, als die Winterwolle**). *) Feinheit des Haares, Geſchmeidigkeit und Elaſticität oder Kraft der Wolle ſtehen in genaueſter Verbindung mit einander. Eines kann ſich ohne das Andere, nach meiner Anſicht, nicht organiſch ändern. **) Ohne den Einfluß der Wärme hier im mindeſten in Abrede ſtel⸗ len zu wollen, bin ich aus genauen Beobachtungen und compara⸗ tiven Verſuchen überzeugt, daß hier die friſche grüne Fütterung auch eine wichtige Rolle ſpielt, und die Wolle unſerer Schafe eine viel werthvollere Tendenz haben würde, wenn wir dieſe Thiere im b) Weide und Fütterung. 4⁰9. Dieſe beyden haben gewiß noch mehr Einfluß auf dieſe Eigenſchaft, als die Waͤrme. Aber ſchwer, ſehr ſchwer möchte es zu beſtimmen ſeyn, welche Weide und Fütterung vorzugsweiſe die Weichheit der Wolle befördere. Um dieß mit Gewißheit zu kön⸗ nen, müßte man Jahre lang comparative Verſuche mit der größ⸗ ten Genauigkeit anſtellen, und dennoch würde das Reſultat ſehr ungewiß ausfallen*). Laufe des Winters naturgemäßer behandeln könnten. Die Wärme wirkt allerdings vorzüglich auf das Fett der Wolle, wodurch ſol⸗ I V ches flüſſig wird, und in die allerfeinſten Poren der Horn⸗Subſtanz des Haares eindringen, daher ſo vortheilhaft auf ihre Sanftheit, Milde, Glanz, Elaſticität einwirken kann. In gemäßigter Menge iſt das Fett der Wolle die Grundurſache und eigentliche Bedingung aller guten Eigenſchaften der feinen Wolle; durch Übermaß kann jedoch auch ein Überreiz und ſchäd⸗ h liche Folgen, welche ſchwammige Wolle gewöhnlich von falſchem 1 Körperfett zu Gefährten hat, daraus entſtehen. Die leoniſchen Merinos haben innerlich eine ſehr fette Wolle: von außen iſt ſie dunkelgelb, in Spanien aber nicht ſchwarzfärbig. Die ſpaniſchen Merinos Eſtantes(nicht-wandernde Merinos, die de im Winter in Stallungen wohnen) haben von außen, wie un⸗ n. ſere edelſten Schafe, eine ſchwarze Schweißfarbe, ihre Wolle hat d mehr Abgang in der Wäſche, und iſt nicht aller Orten ſo geſchätzt und im Handel, als jene der Wanderſchafe, und zwar hauptſächlich aus Erd dem Grunde, weil dieſe kleinen Herdenbeſitzer hin und wieder ge⸗ V ſehr miſchte Herden, urſprünglich aus groben Churros-Mutterſchafen b in und Merinos⸗Böcken entſtanden, beſitzen. Es ſcheint, daß der let durch die Stallung beförderte Schafſchweiß, oder die größere eh V Wärme, welcher die Merinos Eſtantes im Sommer in den Flächen und dem Mittelgebirge ausgeſetzt ſind, dieſen Effect hervorbringe,— . indem die Wanderſchafe meiſtens in dieſer Jahrszeit in den höch⸗ ſten Gebirgen von Alt-Caſtilien und Leon bis Burgos an die Gränze von Aſturien, Montana und Navarra weiden, und bey der w kalten Jahrszeit wieder die gemäßigten Gegenden des ſüdlichen i Spaniens beziehen. v *) Man wird über dieſen höchſt wichtigen und intereſſanten Gegen⸗ diſſe ahte es iſe die 3 kön⸗ gtiß⸗ a ſehr vizärme Loh ſol⸗ sthſtanz DStheit, anrſache ml einen au häd⸗ a ahem tlle: anebig. aum d Iar Uhe hat ai ſchäßt abſch aus ar her ge⸗ aa ſchafen a aß der Igroͤßere Fläcen * arbringt, mau höch⸗ ¹— an die „ bey der iidlichen ie Gegel⸗ 215 Die Unterſuchungen, welche ich auf ſolchen Weiden anſtellte, die in dem Rufe ſtanden, daß ſie eine feine Wolle erzeugen, ha⸗ ben folgende Reſultate gegeben: 1) Der Boden war mehr oder weniger ſandig oder lehmig, und immer mit Kalk oder Märgel vermiſcht, beſonders be⸗ ſtanden die Gebirge oder Hügel großen Theils aus Kalkſtein oder Märgel. 2) Von Kräutern fand ich daſelbſt Eſparſette(Hedysarum onobrychis); Pimpinelle(Poterium sanguisorba); We⸗ gerich(Plantago); Schafgarbe(Achillea millefolium); kleiner weißer Klee(Trifolium repens); Bergklee(Trifo- lium montanum); Steinklee(Melilotus); gelber Klee (Trifolium agrarium); Ackerwinde(Convolvulus arven- sis) u. dgl. m. 3) Von Gräſern finden ſich: Treſpe(Bromus mollis); Schwingel(Festuca ovina); harter Schwingel(Festuca duriuscula); Schmiele(aira); Wieſenhafer(avena elatior); Kammgras(Cynosurus cristatus). Es verſteht ſich, daß dieſe Gräſer und Kräuter nur vorherrſchend waren. Vollkommen hinreichende, aber mehr magere als fette Wei⸗ de wird dieſer Eigenſchaft immer günſtig ſeyn; auch Berg- oder wenigſtens Höheweiden ungleich mehr, als Weiden in der Tiefe und in Niederungen. Außer dem Futter hat auch der Boden(das Erdreich) den bedeutendſten Einfluß auf dieſen Umſtand. Auf einem ſehr ſtarken Thonboden wird man nie dieſe Weichheit der Wolle in einem ſorhohen Grade erzeugen können, als auf einem mehr lehmigen oder gar ſandigen, überhaupt magern Boden. Sey es, daß dieß die Verſchiedenheit der wachſenden Gräſer ſtand genügende Belehrung ſinden in folgender Schrift, die ſo eben erſchienen und in allen guten Buchhandlungen Deutſchlands zu ſinden iſt: Phyſiologiſch⸗comparative Verſuche über die Nahrungskräfte und Eigenſchaften ſehr verſchiedenartiger Futterpflanzen. Von Bernhard Petri. Wien bey Carl Schaumburg und Comp. 1624. 1 4 216 und Kräuter, oder der Erdſtaub verurſache. Das Letztere ſcheint mir wenigſtens nicht unberückſichtigt bleiben zu dürfen*). Bey einem ſtarken Thonboden beſteht der feine Staub, der ſich während des Pferchens und des Hüthens auf den Ackern in die Wolle legt, aus feinen Thontheilen; dieſe aber haben die Ei— genſchaft, das Fett zu abſorbiren, es dem Haare zu entziehen, und ſich ſelbſt recht ſtark anzulegen. Sollte dieſes nicht hinreichend dieſen Umſtand aufklären? Was die Winterfütterung anbelangt, ſo ſcheint, außer der guten, geſunden, ſüßen Gras⸗Eſparſette und Kleeheu, vor— züglich das Körnerfutter, als: Hafer oder etwas Gerſte, dieſe Ei— genſchaft zu befördern. Von Branntweinſpühlicht habe ich ebenfalls dieſe Bemerkung gemacht. Man mag übrigens eine Fütterung wählen, welche man will, ſo kommt es doch vor allen Dingen darauf an, nicht zu kärglich zu füttern; denn nichts erzeugt mehr ribiſche, rauhe Wolle, als kärgliche Fütterung, oder gar Hunger**). *) Iſt viel Kalk im Boden enthalten, ſo wirken leichte Gründe weit ſchädlicher auf die Wolle ein, als gebundene, ſchwere Grün⸗ de, weil der Kalkſtaub ätzend und zerſtörend auf die Wolle wirkt, und das Fett der Wolle weit mehr, als der Thonboden, ab⸗ ſorbirt. **) Stimmt alles genau mit der Erfahrung überein; jedoch iſt dieſe Seidenartigkeit nur den Merinos in einem vorzüglichen Grade eigen, und liegt in der Organiſation der Wolle dieſer Thiere, wie ich ſchon oben bewieſen habe. Übrigens iſt es gewiß, daß, je feſter, ſüßer,erfriſchender und mäßig ſaftig die Nahrung dieſer Thiere iſt, ſie deſto ſanftere und mehrere Wolle liefern, beſonders wenn auch die Winterfuütterung nach dieſen Grundſätzen kann eingerichtet wer⸗ den. Körner ſind im Allgemeinen, in einem ſchicklichen Verhält⸗ niſſe gegeben, auf Wolle, Fett und Fleiſch gleich wirkſam, entſpre⸗ chend. Hingegen je gehaltloſer, je trockener und je ſaurer die Nah— rung zugleich iſt, deſto mehr wirkt ſie auf Sprödigkeit und Schwä⸗ che der Wolle, und wenn der Körper mit allzu viel Feuchtigkeit auf feuchten Weiden überladen wird; ſo erzeugt er in dem Ver⸗ haͤltniß, als er ein ſchwammiges Fett annimmt, auch eine ſchwam⸗ und: nYr: in M, mb⸗ iſt eſe 9 ne wie at ier, Hii⸗ 1u aauch dwer⸗ Ee zt⸗ ſpre⸗ A. n⸗ Cwä⸗ m igkeit Ver⸗ 1t paum⸗ 217 c) Das Klima und die gute Localität. 410. Auch dieſen muß man einen bedeutenden Einfluß auf die Weichheit der Wolle zugeſtehen; da man aber noch nicht weiß, wie ein ſolcher Einfluß geſchieht, und worin er eigentlich beſteht, ſo iſt eine Erklärung bis jetzt auch unmöglich. Vielleicht wirkt hierbey die höhere oder tiefere Lage der Gegend, das offene oder durch Wälder der höhern Gebirge geſchloſſene, das warme und trockene, oder das feuchte und warme Klima, endlich die herrſchenden Winde u. ſ. w. Si⸗ cher iſt es, daß gewiſſe Gegenden, die von andern nicht ſo weit entfernt ſind, und dieſelben Kraͤuter und Gräͤſer hervorbringen, doch eine weit feinere Wolle erzeugen. Sollte auch das Waſſer ganz ohne Einfluß ſeyn 36) mige gröbere Wolle, weil die Haarröhrchen zu viel mit Waſſer überfüllt werden. *) Da das Waſſer die Grundlage aller flüſſigen Theile des Kör⸗ pers iſt, ſo iſt dieſe Frage allerdings von großer Wichtigkeit! Das Waſſer hat unſtreitig eben ſo viel Einfluß auf den organiſchen Körper, als die Nahrung, So weiß man, z. B. daß kaltes, har⸗ tes Waſſer in den Haarröhrchen beym Waſchen der Wolle das Mark verhärtet, die Poren ſchließt, und die Transſpiration un⸗ terdrückt; temperirtes, weiches Waſſer aber die entgegenſetzte Wir⸗ kung hervorbringt; der innerliche Gebrauch desſelben wird wohl mit dem äußern in keinem Widerſpruch ſtehen 2 So weiß man auch aus Erfahrung, daß Regen⸗ und Schneewaſſer wegen des häufiger darin enthaltenen Sauerſtoffes der Geſundheit des edlen Schafvie— hes nachtheilig iſt. Auch das Flußwaſſer hat dieſe nachtheiligen Wirkungen nach Bewandtniß der Jahrszeiten und der Witterung. Je weniger ſolches mit Sauerſtoff geſchwängert, und je mehr es von unreinen Subſtanzen befreyet iſt, gleich gutem Quellwaſ⸗ ſer beym Stillſtehen keine Unreinigkeiten abſetzt, rein, durch⸗ ſichtig, geruch⸗, farben⸗ und geſchmacklos iſt, Seife leicht auf⸗ löſet, und beym Eingießen in ein Gefäß perlt, deſto vorzüglicher iſt es.— So zutraͤglich das Schnee⸗ und Regenwaſſer dem Wachs⸗ thum und Gedeihen der Pflanzen iſt, ſo giftig iſt es wegen ſeines überhäuften Oxygens den Schafen. In Gegenden, welche tief liegen, und wo die Pflanzen damit überreizt ſind, oder das Waſ⸗ 218 Für den Schafzüchtler mag folgende Bemerkung noch Platz finden. Die Weichheit des Haares ſcheint mir wenigſtens mehr vom Vater, als von der Mutter auf das Junge fortzuerben*); man ſey daher, in Betreff dieſes Punctes, beſonders aufmerkſam bey der Wahl der Böcke. 8. Haltbarkeit und Feſtigkeit. 411. Auch dieſe Eigenſchaft iſt ſehr zu berückſichtigen. Von ihr hängt ein großer Vorzug der aus der Wolle verfertigten Zeuge ab**). Man prüft ſie, indem man ein Bischen Wolle zuſammen⸗ drehet, zwiſchen die Daumen und Zeigefinger der beyden Hände nimmt, und ſie ruckweiſe zieht. Eine haltbare, feſte, nicht mor— ſche Wolle wird hier ungleich mehr Widerſtand leiſten, ehe ſie reißt, als eine weniger feſte und vermorſchte. Jede Wolle von gut gefüttertem Vieh wird dieſe Eigenſchaft erreichen***). Sehr häufig kann aber die Feſtigkeit der Wolle geſtört werden, wenn ſer damit überladen iſt, hauſet gewöhnlich die Ruhr, und alle Bemühungen, dem Übel abzuhelfen, ſind fruchtlos, weil der Ur⸗ ſache ſelten abzuhelfen iſt, und man den Grund des übels in an⸗ dern Urſachen wähnt. Die Wirkungen dieſer Erſcheinungen kön⸗ nen ſogar durch die Nahrung zum Vorſchein kommen: wofür Thatſachen ſprechen. *) Es iſt weder Grund, noch Wayrſcheinlichkeit vorhanden, dieſes zu glauben. **) Je feiner die einzelne Muskelfaſer iſt, deſto mehrere Kraft und Haltbarkeit äußert der geſammte Muskel. Je feiner daher das Haar iſt, deſto compacter und inniger zuſammengefügt müſſen die Theile ſeiner Röhre, folglich deſto größer ſeine Kraft und Halt⸗ barkeit ſeyn. Wenn die Haltbarkeit von der innigſten Verbin⸗ dung der Theile, nach unſern Begriffen, abhäugt, ſo muß ſie um ſo größer ſeyn, je feiner eben dieſe Theile ſind. **) Von einem überfütterten, das ein falſches Fett(Maſtfett) an⸗ genommen hat, wird im Gegentheil durch dieſe erkünſtelte Krank— heit, wenn das Thier ſchon ſehr fett geworden iſt, die Wolle an ihrer Kraft und Stärke verlieren. ma Ir Plat smehr 15) ayerz Von euge nen⸗ nnde Pinor⸗ d ſie Mavon Kehr a Vnn tule nr⸗ ij Au⸗ 199% u⸗ 2 efür 1 neſes ae und das anndie a bal⸗ erbin⸗ maieum Iy u⸗ * Jrank⸗ le an 219 man ſie zu früh nach der Wäſche abſchert, und noch feucht verpackt. In dieſem Falle wird die Wolle morſch, klebt zuſammen und verdirbt*). 9. Glainz.⸗ 412. Der Glanz iſt eine Eigenſchaft, die nur von den we⸗ nigſten Fabricanten berückſichtigt wird, ob ſie gleich bey vielen Zeugen von außerordentlicher Wichtigkeit iſt. Ganz beſonders ſchätzenswerth iſt ſie bey glatten Zeugen, bey Merinos, bey Shawls und bey andern, ſelbſt bey Tuch und Caſemir, beſonders wenn die Wolle weiß iſt. Eigentlich haben alle Haare einen gewiſſen Glanz, und da⸗ her auch die Wolle, beſonders wenn ſie von gutem Vieh kommt. Aber es gibt Abſtufungen, die, wie mir ſcheint, vorzüglich von dem Klima abhängen. Eine Wolle, die das gehörige Fett hat, glänzt auch in der Regel; aber manche verliert dieſen Glanz nach der Fabrikwaͤſche**). *) In der Regel iſt bey ungleich feinen Haaren das gröbere, und bey gleich feinen dasjenige das ſtärkere, welches durchgängig die regel⸗ mäßigſte Bildung hat; der Geruch iſt täuſchend, indem ſolcher, meines Erachtens, vom Dünger herrührt, und die Wolle von rein gehaltenem Vieh keinen ſtarken Geruch hat; jedoch darf die Wolle keinen dumpfen Geruch von ſich geben, welches allerdings ein Zeichen ihres Verderbens wäre. **) Die Anlage zum Glanz der Wolle liegt im Organismus, nähm⸗ lich in einem hellen, weißen, öhligen Schweiß, womit allezeit ein glänzender, klarer Schimmer vereinigt iſt, beſonders wenn die Wolle ſtumpf und dicht gewachſen iſt, und eine Gleichheit des Haa⸗ res von der Spitze bis zur Wurzel dadurch hervorgeht. Eine reine, weiße Wolle behauptet dießfalls den Vorzug, und die davon ver⸗ fertigten Manufactur⸗Waaren zeichnen ſich nicht allein durch Glanz, ſondern auch durch die Wichtigkeit aus, daß die feinen Farben, womit derley weiße Wolle gefärbt wird, deſto lebhafter und glänzender aus⸗ fallen, je mehr ſie die höchſte Weiße und Reinheit erhalten hatte. Weder ein dunkler Schweiß, noch ein verworrener Wuchs der Wolle führen einen ſolchen reinen Glanz mit ſich. 10) Von der Krausheit. 413. Unter krauſer Wolle verſteht man eine ſolche, deren einzelne Fäden nicht gerade, ſondern gleichſam wellenförmig ge— bogen ſind, ſo daß ſie, wenn man ſie ausdehnt, erſt gerade werden. Die Krausheit verräth einen guten Kern der Wolle, ſie iſt der Grund der Elaſticität, und daher eine ſehr weſentliche Eigen⸗ ſchaft. Auch hierin findet ein feiner Unterſchied Statt, den man im gemeinen Leben nicht beachtet, und dennoch ſcheint er mir nicht ganz unwichtig zu ſeyn. Das Haar iſt entweder ſo gewellt (ſo wollen wir es nennen), daß die Ein- und Ausbiegungen auf beyden Seiten regelmäßig ſind(ſchlangenförmig), oder die Wel— lung geht ſchraubenförmig, wie bey einem Pfropfzieher. Ein Haar der letztern Art iſt nie ſo dauerhaft und haltbar, als der erſtern, es ſpringt auch leicht bey einem ſehr gedrehten Geſpinnſt. Dagegen wird das andere nicht nur feſt ſeyn, ſondern es hat auch andere Vorzüge*). *) Dieſer ganze Paragraph geht die Elaſticität der Wolle an, in⸗ dem die Krausheit oder Kräuſelung der Wolle die Grundurſache derſelben iſt. Der Gegenſatz von Krausheit, nähmlich die Schlichtheit der Wolle, verdient hier als eine Eigenthümlichkeit mancher Racen angeführt zu werden; dieſe trifft man mehr, ja häufig un⸗ ter den langwolligen, groben, und ſelten unter den feinwolligen Schafen an. Man findet ſie jedoch auch unter dieſen. Lange ſchlichte Wolle gibt geſponnen einen feſten, wenig elaſtiſchen, glatten, flachsähnlichen Faden, der zur Verfertigung feiner Caſemire, Merinos und Shawls ſehr ſchätzbar iſt. 11) Von der Dehnbarkeit und Biegſamkeit, 12) von der Leichtigkeit und 13) von der Geſchmeidigkeit des Fadens hat der Herr Verfaſſer hier ebenfalls keine Erwähnung gethan, worüber ich auf das Capitel von den Eigenſchaften der Merinos⸗Wolle zum techniſchen Gebrauche verweiſe. der jähl ſulle (dien undi 1 eigen iſt in⸗ liche it Hinſic höchſto trag, Das zuletzte Körpe geht ſe 5 Scha abgerg und 1i der Hi ſonden (deren 1g ge⸗ Jerade lſe iñ ciigen⸗ man 3 mit d welt rin auf 8 Pe⸗ 1Taar ern, gen pere n zin⸗ aonache di)eit u acher 250 un⸗ mrilligen Qulite „atten, ) nire, n) von tpt dos a huung 1 der 221 11) Von der Güte der Wolle nach dem Alter und Geſchlecht der Schafe. 414. Ich glaube, daß es nicht unbedeutend ſey zu unterſuchen, in wie fern das Alter der Schafe und das Geſchlecht auf die Güte der Wolle im Allgemeinen Einfluß habe. Ich habe darüber mehr⸗ jährige Unterſuchungen angeſtellt, und liefere daher hier die Re⸗ ſultate dieſer Unterſuchungen. a) Die Wolle von Jährlingen, alſo von der erſten Schur (die Lämmerſchur abgerechnet), iſt in der Regel die feinſte im Haare, und zwar um ſo ſchöner, je früher man die Lämmer geſchoren hat. Dieſer Wolle geht aber dagegen die Elaſticität, ſo wie der eigentliche Kern, auch die gehörige Haltbarkeit zum Theil ab*). b) Die Wolle vom Schafvieh, von dem 2. bis zum 6. Jahr, iſt in jeder Hinſicht am vollkommenſten. Es ſcheint dieſes die eigent⸗ liche vortheilhafte Periode zu ſeyn, worin die Wolle nicht nur in Hinſicht der Quantität, ſondern auch in Hinſicht der Qualität am höchſten ſteht. Nach dem ſiebenten Jahre nimmt nicht nur der Er⸗ trag, ſondern auch manche Eigenſchaften der Wolle merklich ab. Das Fell wird zuerſt kahl am Bauche, dann an den Schenkeln, zuletzt verlieren ſich die Haare auch an den übrigen Theilen des Körpers, die Elaſticität läßt nach, und ein Theil des Glanzes geht verloren**).. c) Was das Geſchlecht anlangt, ſo iſt ausgemacht, daß die Schafe die feinſte Wolle tragen, aber auch zugleich(die Lämmer abgerechnet) die wenigſte. Die Böcke dagegen tragen die meiſte, und nächſt ihnen die Hämmel. Bey gleicher Fütterung iſt die Wolle der Hämmel in Hinſicht ihrer Güte keiner andern nachzuſetzen, be⸗ ſonders übertrifft ſie jede andere an Länge. Da aber faſt auf allen *) Die Wolle ſteht ganz im Verhältniß mit den körperlichen Kräften des Thieres. **) Bey den Merinos⸗Schafen treffen dieſe Gebrechen etwas ſpé⸗ ter ein. 222 Schäfereyen die Hämmel das geringſte Futter erhalten, ſo iſt auch ſeand ihre Wolle ſelten der übrigen gleich. Ich will übrigens nicht in Ab⸗ V man rede ſtellen, daß die Wolle der Hämmel nicht ſo kernhaft iſt, als glei die von anderem Vieh; denn offenbar hängt die Haar⸗Production doch ſehr mit dem Geſchlechtstrieb zuſammen*). B. Von den Fehlern der Wolle. So wie ich die Eigenſchaften der Wolle, und im Vorbey— meiſte Wolle; dafür ſpricht die Erfahrung, und es iſt kein Grund vorhanden, dieſes zu bezweifeln. gehen die mit jeder correſpondirenden Fehler abgehandelt habe, ſo die? will ich noch von den beſondern Fehlern ausführlicher ſprechen, ſi i und zwar:. thene, 1) Von dem Bodenſatz. vegetir 415. Dieſer Fehler, vielleicht einer der bedeutendſten, kommt glih! V V mehr bey den Landſchafen, als bey den veredelten vor. Bey den ſc d echten Merinos findet er meines Wiſſens gar nicht Statt, wohl aufſtt V I aber bey veredelten. die hern Er beſteht darin, daß die einzelnen Haare des Vließes am nunche b Boden unmittelbar auf der Haut ſo in einander verwachſen, und V gleichſam verfilzet ſind, daß ſich das abgeſchorne Vließ durchaus b 3 nicht, oder doch nur mit Gewalt aus einander reißen läßt, indem nut— es auf der untern Seite einem Filze ähnlich iſt. Haurc Da ſich nun eine ſolche Wolle in dieſem Zuſtande weder tgtei V kämmen noch krämpeln läßt, ſo kann ſie der Fabricant nicht eher ung g gebrauchen, als bis er den untern verfilzten Theil abſchneidet, wo⸗ die or durch er aber einen beträchtlichen Verluſt begreiflicher Weiſe erlei— Thier den muß. Der Grund dieſes Übels ſcheint eine natürliche Dispoſi— b 3 wit tion zu ſeyn. Nach meinen Beobachtungen iſt es nicht zu verbeſe. dem 1 ſern, und erbt ſehr häͤufig von der Mutter auf das Junge fort, ſet, 1 daher man wohl thut, Individuen dieſer Art auszumerzen. Be⸗ V obri G G verliert *) Unter gleichen Umſtänden liefern die Schöpſe in der Regel die V V 4 gle V er noc i auch lin Ad⸗ ſi, al daction ztbe⸗ de, ſo Then, Aummt ℳ den Anvohl Wam gend dnut us ugem zteder bin eher adi we⸗ gerlei⸗ 1 225 ſonders glaube ich dann viel Vorſicht empfehlen zu müſſen, wenn man ſeine Schäferey veredeln will; denn wenn ſich dieſer Fehler gleich bey einer fortgeſetzten Verfeinerung verliert, ſo zeigt er ſich doch nicht ſelten bey der erſten Generation. 2) Von dem Abſetzen oder Sitzenbleiben der Wolle. 416. Zwiſchen beyden Fehlern iſt ein Unterſchied. Man ſagt, die Wolle habe ſich abgeſetzt, wenn das Haar gleichſam zweywüch⸗ ſig iſt, d. h. wenn der eine Theil des Haares, gewöhnlich der obere, gleichſam erſtorben iſt, der untere aber wieder anfängt zu vegetiren, oder wenn das Haar aus alter und junger Wolle zu⸗ gleich beſteht; eine Wolle ſey ſitzen geblieben ſagt man aber, wenn ſich die Wolle nicht von der Haut gehoben hat, ſondern gleichſam aufſitzt, kurz und nicht ſelten abgeſtorben iſt, und von der neuen, die hervortritt, ganz abgeſchoben wird. Dieſer Fehler kann aus manchen Urſachen entſtehen, und zwar: a) Durch Krankheit. So wie durch irgend eine Krankheit der thieriſche Organis⸗ mus überhaupt geſtört wird, ſo iſt dieſes auch der Fall mit dem Haut⸗Syſtem und mit dem damit verbundenen Haarwuchs. Die Thä⸗ tigkeit läßt nach, das Haar ſtirbt gleichſam ab, es wächſt eine Zeit lang gar nicht, oder doch nur unmerklich, es trocknet aus, und die Production dahin läßt überhaupt nach. Erhohlt ſich nun das Thier wieder, und die vorigen Functionen treten wieder alle ein, ſo wäͤchſt auch das Haar vollkommen fort, und es entſteht zwiſchen dem neu gewachſenen und dem altern ein ſehr wahrnehmbarer Ab⸗ ſatz, und eine Ungleichheit in der Güte und Dauer, die für die Fabrication ſehr nachtheilig iſt. Iſt das übel noch größer, dann verliert das Schaf die alte Wolle, die gleichſam frühzeitig abſtarb, und gleichſam allen Kern verloren hat, die nachgewachſene iſt aber noch zu jung, mithin ganz unvollkommen und unreif. 224 b) Durch Ungleichheit der Sommerweide und Winter⸗ fütterung⸗ Beydes kann dieſen Fehler verurſachen. Wenn nähmlich die Weide im Sommer und Herbſte ſehr reichlich und gut war, und die Schafe werden im Stalle ſchlecht gefüttert, ſo ſetzt die Wolle ab; ein gleicher Fall kann eintreten, wenn die Weiden im Som— mer und Herbſte ſchlecht, und die Winterfütterung gut war, oder auch, wenn man anfänglich ſehr gut fütterte, und zuletzt, ehe ſich die Wolle gehoben hat, zu früh nachläßt. Trifft dieſes Übel eine ganze Herde, ſo iſt es für den Beſitzer mit großem Verluſte ver⸗ bunden; denn kein Fabricant kauft eine ſolche ſchlechte und un— haltbare Wolle ohne großen Schaden für den Beſitzer. 3) Von der rauhſpitzigen Wolle. 417. Dieſer Fehler ſindet dann Statt, wenn die Wolle nicht durchaus einerley Feinheit des Haares hat, ſondern wenn der äußere Theil des Haares oder die Spitzen theils ſtärker ſind, als das Haar am Stamme, theils rauher, weniger elaſtiſch und weich. Man nennt dann eine ſolche Wolle rauhſpitzig. Da dieſe rauhen Spitzen nie ſo gut verarbeitet werden können, weil ihnen die Eigenſchaften einer guten Wolle faſt ganz abgehen, ſo müſſen ſelbe vorher abgeſchnitten werden, und der Fabricant hat, da er ſie nur zu geringen Tüchern gebrauchen kann, bey einer ſolchen Wolle nie den Vortheil, die ihm eine andere gewährt. Immer iſt dieſer Fehler ein Naturfehler einiger Individuen, der ſich durch Kunſt nicht, wohl aber durch eine weitere Vered⸗ lung verbeſſern läßt. Am häufigſten findet man ihn bey der Wolle der Jährlinge, die als Lämmer nicht geſchoren werden, und überhaupt bey den Metis von der zweyten, dritten, und ſogar bisweilen noch von der vierten Generation. Sonderbar ſcheint es auf den erſten An— blick allerdings, daß der Theil des Haares, der nach dem Ab⸗ ſchneiden der Wolle, nähmlich der Stamm, der feinſte blieb, nun nach dem Scheren wieder ſtärker und rauhſpitziger wird, da doch weite und Ater⸗ nih die 8 und 3 Loll 2 Hom⸗ „ doder de ſch I ein 1s ver⸗ as un⸗ Siolle myenn ushnd, tund 0 eſe amen a gien 36 da imchen *¶ Jeted⸗ 225 das Haar nicht an der Spitze, ſondern, wie dieſes erwieſen iſt, am Stamme oder an ſeinem untern Theile wächſt. Allein dieſe Er⸗ ſcheinung iſt dennoch nicht ſchwer zu erklären. Das Ganze iſt eine Folge des Abſterbens des Haares, welches von oben hinein erfolgt. Dieſe rauhen Spitzen, wobey man das Haar nicht ſelten(wie bey dem Haupthaar des Menſchen) geſpalten findet, ſind gleichſam ab⸗ geſtorben, die Vegetation und der Zufluß der nährenden Säfte dahin hört auf, daher der Mangel aller Eigenſchaften, die nur dem lebenden Theil des Haares ſelbſt eigen ſind. Das Mark, welches die Haarröhren ausfüllt, und bey dem Wachsthum des Haares ſelbſt eine bedeutende Rolle ſpielt, gerinnt, anſtatt daß es im geſunden Theile liquid iſt, und treibt das Haar auf, wodurch es ſtärker und rauher wird. Auch drehen und filzen ſich einzelne Haarſpitzen aus demſelben Grunde in ein gemeinſchaftliches Bündel zuſammen. So und nicht anders weiß ich mir die Erſcheinung zu erklä⸗ ren. Der Gegenſatz von rauhſpitzig iſt ſtumpf gewachſen, daher der Fabricant eine ſolche Wolle eine ſtumpfe nennt. Hier ſteht die Wolle nicht in einzelnen Spitzen vor, ſondern die ganze Oberfläche des Pließes bildet gleichſam eine ebene Decke. An dieſer Wolle iſt bey weitem kein ſo großer Verluſt, und der Faden an ſich iſt gleicher und ebener*). 4) Von der gedrehten Wolle. 418. So nennt der Fabricant die Wolle, wo das ganze Vließ gleichſam einzelne Locken bildet. Die einzelnen Haare zu ganzen Dutzenden drehen ſich gleich über der Haut unmittelbar ſpiral- oder ſchraubenförmig in kleine Strähne zuſammen, und vereinigen ſich in einer gemeinſchaftlichen Spitze. Dieſer Fehler *) Die Spitzen der Woll⸗Sectionen gehen bey hochfeiner Wolle in der Regel in ſtumpfer Geſtalt aus. Zu ſpitzige Sectionen ſind ver⸗ dächtig, weil in dieſem Falle nicht alle Haare bis zur Spitze aus⸗ laufen, das Fett durch Regen leicht ausgelauget, und die Haarſpi⸗ tzen dann durch die Winde und Sonnenſtrahlen geſpalten werden können. Wird eine Woll⸗Section oben gar ſtärker, ſo iſt es ein Zeichen von langen, groben Spitzen. II. 15 226 iſt nicht bloß für den Fabrieanten, ſondern auch für den Landwirth verderblich. Der erſte bekommt aus dergleichen Wolle kein ſo dauer⸗ haftes Garn, und kann ſie nicht gut bearbeiten, indem ſich die einzelnen Haare in kleine Ballen zuſammen filzen; während der Bearbeitung bekommt das davon gefertigte Tuch Knötchen, wo⸗ durch es an ſeiner Appretur und Feinheit verliert; der letztere wird von Schafen mit ſolcher Wolle nie ſo viel ſcheren, und verliert daher immer an Gewicht. Da die Haare gewöhnlich oben, etwa bey einem Drittel ihrer Länge von der Spitze herein, am ſtärkſten gedreht, und gleichſam verfilzt ſind, ſo kann der oben erwäͤhnte Fehler wohl allerdings zum Theil vermieden werden, wenn man die Spitzen abſchneidet; da aber dieſe dann nur wenig Vortheile gewähren, ſo hat der Fabricant immer beträchtlichen Verluſt an einer ſolchen Wolle, und kauft ſie daher, wenn er ſein Metier verſteht, nie gern. Es iſt übrigens gar nicht zu läugnen, daß dieſer Fehler immer ein Zeichen von einem ſehr feinen Haar iſt, zugleich ver⸗ räth er aber auch Armuth an Haaren. Der Schäfer nennt ſolche Schafe: flüchtig von Wolle, oder ſchlottrige Felle*). Da dieſer Fehler ſehr forterbt, beſonders vom Vater, ſo muß jeder Land⸗ wirth darauf ſehen, Böcke mit dergleichen Fellen nie zuzulaſſen, und ſelbſt die Schafe merze er bald aus, wenn er ſeine Schaͤferey nicht in üblen Ruf bringen, und ſeine Wollernte vermindern will. Da, wie ich ſchon erinnert habe, Wolle, welche dieſen Fehler hat, übrigens immer ſehr fein an Haaren iſt, ſo war mir immer darum zu thun, auf Mittel zu denken, wodurch das Zu⸗ ſammendrehen vermindert werden könnte. Ich ſuchte die Urſache dieſer Erſcheinung in der Feinheit des Haares, verbunden mit Mangel des eigentlichen Kernes, wodurch ſich das einzelne Haar nicht ſelbſt erhalten kann, und nun mit andern, um gleich⸗ *) Auch gezwirnte Wolle. Sie iſt in den ſchütterſten Fellen der Län⸗ ge nach gleichſam pechartig zuſammengeklebt, und ohne Gefahr, ſie zu zerreißen, nicht aus dieſer Lage zu bringen; übrigens ein Feh⸗ ler von den dünnfelligſten Schafen, die man ſchlotterfellig nennt. ſam dre diy ter nic und übe We de imn Wi was Dadt die 5 Grun beſond theils 4 krauſen Haare öihrer Lſſam Jingt Hdet; üun, höten astil. gteſen ar wir a⸗ S ſache il mit zelne N1 leih⸗ mr län⸗ efahr, 4 Feh⸗ 4 Pennt. 227 ſam einen gemeinſchaftlichen Stamm zu bilden, ſich zuſammen⸗ dreht. Ich glaubte daher nichts Beſſeres thun zu können, als In⸗ dividuen der Art nicht nur den Sommer, ſondern auch den Win⸗ ter hindurch eine recht reichliche Nahrung zu geben, und dadurch nicht nur die Anzahl der Haare*), ſondern auch die Elaſticität und vorzüglich den Kern derſelben zu vermehren. Um mich zu überzeugen, brachte ich zwey Schafe, die ſich durch eine gedrehte Wolle ganz beſonders auszeichneten, im Sommer 1811 nicht auf die Weide, ſondern fütterte ſie im Stalle ſo reichlich, daß ſie immer in einem ſehr guten Zuſtande blieben; ſo wie ſie auf den Winterſtand kamen, erhielten ſie gutes Rauhfutter, täglich et⸗ was Hafer und etwas mit Waſſer verdünntes Branntweinſpülicht. Dadurch iſt dieſer Fehler ſo vollkommen verbeſſert worden, daß die Wolle beyder Schafe unter die vorzüglichſte gehörte. Der Grund dieſes Übels ſcheint mir daher bey ſehr feinwolligem Vieh beſonders aus Mangel an Weide und gehöriger Winterfütterung theils zu entſtehen, theils vermehrt zu werden 2). 5) Von der hundshaarigen Wolle. 419. So nennt man diejenige, wo ſich unter der feinen, krauſen Wolle mehr oder weniger ſtarke, perlfarbene, glänzende Haare, wie das Haar eines weißen Spitzes, befinden uh). Dieſer *) Die Anzahl der Haare läßt ſich nicht dusch Kunſt, ſondern durch Veredlung vermehren. **)„ Bey wahrhaft dichtfelligen Schafen iſt dieſer Fehler nie zu finden. ***) Der Herr Verfaſſer verwechſelt hier das Stichelhaar, von dem er gar keine Erwähnung macht, mit dem Hundshaar!— Erſtere ſind kurz, ſpitzig, an der Wurzel dick, ſehr weiß und glänzend; letztere dagegen können mit einem groben Hundshaar von Pudeln oder ſogenannten Spitzeln verglichen werden; ſie ſind etwas wel⸗ lenförmig gebogen, und die Spitzen, die über das Vließ hervorra⸗ gen, etwas gekrümmt. Die Stichelhaare fallen durch das Klopfen und die Wäſche alle rein aus der Wolle, die Hundshaare ſind aber ſchwerer herauszubringen. Am Kopf, am Bauch und an den Unter⸗ ſchenkeln findet man bey ſehr vielen Individuen, und ſelbſt bey 35 228 Fehler erbt nach meinen Beobachtungen vorzüglich vom Vater fort, daher man bey der Wahl des letztern vorzüglich dieſen Um⸗ ſtand berückſichtigen ſoll. Die Hundshaare ſcheinen ganz erſtorben und ohne alles Leben zu ſeyn, ich möchte ſie entartete, durch ei— nen Üüberreiz entſtandene Producte nennen*). Sie ſcheinen mir in der That unter den Haaren das zu ſeyn, was das Mutterkorn unter dem Getreide iſt. Denn auch dieſes iſt ein Product, das durch Überreiz entſtanden zu ſeyn ſcheint. Bey der Verarbeitung der Wolle müſſen dieſe Haare vorher durchaus herausgebracht werden, da ſie nur ein unhaltbares ungleiches Garn geben, und keine Farbe gehörig annehmen, noch halten. Aber wie mühſam ein ſolches Herausleſen ſeyn muß, kann man ſich leicht denken**). In der Regel ſind ſie kürzer, als die gewöhnliche Wolle***). Bey Lämmern findet man ſie zuweilen; ſie fallen aber ſpäter aus, und erſcheinen in der Folge nicht wieder. Man darf ſie aber nicht mit den ſogenannten Stammhaaren verwechſeln, welche die fein⸗ ſten Lämmer oft mit auf die Welt bringen, in wenigen Monathen aber, nachdem die feinere Wolle nachwächſt, vollkommen verlieren, ſo daß dergleichen Lämmer oft die feinſten Vließe liefern. Zur Be— ſtätigung meiner oben angeführten Meinung muß ich hier noch bemerken, daß die genannten Hundshaare nicht alle Jahre, auch bey den Individuen, welche dazu geeignet ſind, nicht in gleicher Menge den echten Merinos, dieſen Fehler, und hier iſt er wenigſtens nicht ſo bedeutend; kommen dergleichen Haare aber in beträchtlicher Menge auf dem Rücken, den Seiten und dem ganzen Körper vor, ſo iſt dieß ein ſehr großer Fehler. *) Sie ſind ein wahrſcheinliches Erbtheil von dem Muflon, indem ſie mehr oder weniger ein Eigenthum des ganzen Schafgeſchlech⸗ tes ſind; doch ſind die Merinos am meiſten davon befreyt. *) Dieſes iſt durch das Klopfen der Vließe auf Hürden mit Stecken leicht zu bewerkſtelligen. ***) Die Stichelhaare gewöhnlich kürzer, und die Hundshaare länger. vol ein — unde Wol kräf 8 verſoe durchn derſ. It We. vercn⸗ Tucg mit a L die 69 bey das an Uin der b anger. 29 vorkommen, vielmehr ſind ſie in einem Jahre in größerer, in einem andern in geringerer Anzahl vorhanden*). 6) Von der hungerigen Wolle. 420. Hungerig nennt der Fabricant diejenige Wolle, welche von ſchlecht geweideten und ſchlecht genährten Schafen kommt. Sie iſt in der Regel kurz, trocken, ribiſch, hat ſich wenig gehoben, iſt im Gegentheile, wie ſich die Schäfer auszudrücken pflegen, ſitzen geblie⸗ ben. Ihr fehlet beſonders die Elaſticität, überhaupt der Kern, da⸗ her ſie ſich nicht gut verarbeiten läßt, ſchlechte Producte liefert, und von Fabricanten auch nur gering bezahlt wird. Es iſt dieß, wie ſich wohl von ſelbſt verſteht, kein Naturfehler, ſondern im⸗ mer die Folge einer ſchlechten Winterfütterung. Wer ſeine Merinos oder bloß veredelten Schafe mit Stroh und wenig ſauerm Heu füttert, wird bald dieſen Hunger in ſeine Wolle bringen; dagegen kann er ihn bey einer hinreichenden und kräftigen Nahrung vermeiden. 7) Von der platthaarigen Wolle. 421. Wir hatten ſchon oben geſehen, daß die Haare von verſchiedener Form, nähmlich bald platt, bald rund im Quer⸗ durchſchnitte vorkommen. Auch bey der Wolle iſt dieß nicht ſelten der Fall. Gewöhnlich iſt hier das Haar rund, bisweilen auch platt. Iſt das Letztere der Fall, ſo verliert die Wolle viel an ihrem Werthe, weil das platte Haar ſich theils ſchon an ſich nicht gut verarbeiten läßt, theils auch der daraus verfertigte Zeug und das Tuch weder die Güte, noch das Anſehen erhält, als von Wolle mit rundem Haar. Man unterſucht die Wolle auf dieſen Fehler, indem man die einzelnen Haare zwiſchen den Fingern drehet. Hier wird man bey einiger Übung durch das bloße Gefühl bald wahrnehmen, ob das Haar vollkommen rund oder platt gedrückt iſt. Wem es hierin an UÜbung fehlt(denn ein ziemlich feines Gefühl gehört dazu), der betrachte nur recht oft die verſchiedenen Arten der Wolle durch *) Dieſe Bemerkung iſt mir in meiner Praxis noch nie vorgekommen. 230 eine gute Loupe auf einem ſchwarzen Grund, wobey man aber die einzelnen Haare ganz aus einander ziehen muß, und wenn er das platte Haar gefunden hat, ſo drehe er es abwechſelnd mit einem run⸗ den öfters zwiſchen den Daumen und Zeigefingern, und er wird ſich durch die öfters wiederhohlten Drehungen bald Übung verſchaf⸗ fen. So entſcheidend der Nachtheil dieſer Wolle iſt, ſo kennen ihn doch nur wenige Fabricanten, und ich habe daher nicht unter⸗ laſſen können, ihn hier zu berühren. Bemerkung. Sehr oft ſpricht der Fabricant von einer geſpalte⸗ nen Wolle. Man pflegt damit einen doppelten Begriff zu verbinden. Oft verſteht man das darunter, was wir ſpitzgewachſen nennen; oft aber auch die Wolle, deren Haar an der Spitze, wie man dieß wohl auch beym Haupthaar findet, wirklich geſpalten iſt. Der letztere Umſtand kommt nicht häuſig vor, und ſcheint nur zufällig zu ſeyn, daher es nicht nöthig iſt, mehr davon zu erwähnen. Sollte ich übrigens einen oder den andern Fehler überſehen haben, ſo bitte ich meine Leſer um Nachſicht; überzeugt bin ich übrigens, daß, wenn man nur die hier gerügten vermindert, man ſeine Schäferey in gutem Stand erhalten wird, Meine Zuſätze zu vorſtehender Abhandlung. Unter die hier überſehenen Fehler der Wolle gehören noch folgende: 422. Wenn die Wolle ſtatt eines natürlichen, reinen, flüſ⸗ ſigen Ohles, mit einer harzigen oder pechartigen Fettmaterie ge⸗ ſchwaͤngert iſt, die ſowohl eine falſche Wollmenge beurkundet, als der Reinigung der Wolle in der gewöhnlichen Waſch⸗Manipulation ſehr viele Hinderniſſe und großen Zeitaufwand verurſachet. 425. Eine verworrene Wolle, die aus Mangel der Anhäng⸗ lichkeit der Wollfäden und der gegenſeitigen Zuneigung zu einan— der, in keiner parallelen Richtung wächſt, und keine regelmäßigen Wollbüſchelchen formirt, hat geringen Werth; indem derley Wolle zur Woll⸗Fabrication deſto werthloſer wird, je verworrener und ungleicher ſie wächſt, deßhalb einen dunklen Schein annimmt, und nicht empfänglich iſt, eine ſchöne Farbe rein anzunehmen. Auch überſteigen derley Wollſorten in der Qualität ſelten die Mittelſorten. Die chen, terun oder haut; hig! ſtalt Reben wenn: dürref ret n. dur ten ßen Jarb welch währ. gehet ihm i abgeri daduro e a un⸗ vird haf⸗ nen ter⸗ llte⸗ Iden. th oft ehl atere yr, Aähjen dich nan rlty. lhe: inan⸗ 1 süigen Wolt r und / und ur luch a orten. 231 424. Starrheit, Sprödigkeit und Steifheit des Haares, das ſich ſchlecht verarbeitet, und aus dem Grunde geringen Werth hat, weil es ein ſprödes, hart anzufühlendes Fabricat liefert, und keine Schönheit der Farbe annimmt. 425. Schwäche, Nachlaß und Mürbigkeit der Wolle bewei⸗ ſet ihre Werthloſigkeit von ſelbſt. 426. Schütterheit, Fladrigkeit und Lockerheit im Wuchſe der Wolle iſt für den Erzeuger wegen des mindern Ertrages ſchon unvortheilhaft, und wegen des ungeſchloſſenen Vließes iſt die Wolle zugleich auch den ungünſtigen Einwirkungen der Witterung ausgeſetzt. 427. In den Spitzen verwahrloſte und verdorbene Wolle. Dieſe entſteht, wenn— je nachdem die Wolle äußerlichen ſchäͤdli⸗ chen Einwirkungen, z. B. anhaltender Feuchtigkeit, öfterm Wit⸗ terungswechſel von Hitze und Feuchtigkeit, auch insbeſondere ſcharfen oder heißen auszehrenden Winden ausgeſetzt worden iſt— die Horn⸗ haut dadurch erweitert, vergröbert, aufgelöſet, oder ſpröde, brü⸗ chig und mürbe geworden, oder die Spitzen ihre urſprüngliche Ge⸗ ſtalt und Stärke verlieren, ſich ſpalten und abſterben. Auch Thau, Nebel und feuchte Ausdünſtungen erzeugen dieſe Fehler; ſo auch wenn nach der Schur die jung emporgewachſene Wolle durch dürre Luft und brennende Hitze, welche ſie verhärtet, ausgedor⸗ ret wird, ſo daß die Spitzen abgeſchnitten werden müſſen, wo⸗ durch die Wolle an Werth perliert; denn die abgeſtorbenen Spi⸗ tzen verurſachen im Spinnen, wenn ſie ſich begegnen, das Zerrei- ßen des Fadens; ſie nehmen auch nicht gleiche Richtung und Farbe an. 428. Die ausgeriebene Wolle an dem Bauche der Thiere, welcher Fehler gewöhnlich durch das Drängen bey den Stallthüren während des Ein⸗ und Austreibens verurſachet wird. Dieſe Wolle gehet für den Eigenthümer nicht allein verloren, und verurſacht ihm überdieß den Nachtheil, daß ſeine theuerſte Wolle durch die abgeriſſenen Theile eine ungleiche Länge im Wuchs erhält, und dadurch an Werth verliert, ſondern wird durch das Reiben auch — 232 entkräuſelt, dadurch verunſtaltet, und nachtheiligen äußern Ein⸗ flüſſen ausgeſetzt. 429. Ungewöhnlich kurze Wolle, welche ſich nicht allein wegen des minderern Werthes ſchlechter rentirt, ſondern auch weniger ſchert. 450. Bräunliche Wolle, die von einem fehlerhaftenFett herrührt, einen dunklen Schein und keine lebhaften Farben annimmt, und deßwegen nicht ſo kaufwürdig iſt; der nähmliche Fall tritt ein mit der Wolle von ſcheckigen Schafen. 431. Verdickter und vertrockneter Hautſchweiß in der Wolle, der durch die kalte Wäſche ſchwer herauszubringen iſt. 452. Durch Wagenſchmiere, Staub, Futter ꝛc. verdorbene Wolle, die oft gar nicht, oder nur äußerſt mühſam und mit Ver⸗ luſt zurecht zu bringen iſt. 435. Die Haarnähte zwiſchen der Wolle im Schafpelz geben auch viele Gelegenheit zum Verderbniß der Wolle, indem ſie Winden, Regen, Staub und den ausſperrenden Sonnenſtrah⸗ len in den heißen Mittagsſtunden Gelegenheit darbiethen, nach— theilig auf die Wolle einzuwirken, welches bey feſtgeſchloſſenen Vließen von ſtumpfen Woll-Sectionen nicht der Fall ſeyn kann. Zwanzigſtes Capitel. Von den Eigenſchaften der Wolle für die verſchie⸗ denen Fabricate. Vom Krampel n. 4354. Bevor die Wolle geſponnen werden kann, muß man ſie entweder krämpeln oder kämmen. Das Letztere geſchieht aber ſelten bey tuchartigen, nur immer bey glatten Zeugen. Zu dem Kräm⸗ peln oder Kardätſchen, wie man es auch nennt, bedient man ſich ent⸗ weder der Handkrämpeln oder der Krämpelmaſchinen, welche letztere, wenigſtens in den neuern Zeiten, ſehr in Gebrauch gekommen ſind. Bey der Wolle, die zu Tüchern verarbeitet werden ſoll, kommt es vorzüglich darauf an, daß ſie ein dichter Filz werde, der durch die letztere Zurichtung vollkommen gemacht werden kann, ohne daß der Faden entblößt werde, ſondern immer gedeckt bleibe. zich⸗ ſalten Am. me⸗ un man aler rän⸗ t chent⸗ Gtter/ an ſind. 88 ſll, 2 verde, kann, obleibe. 233 Um dieſen Filz zu erhalten, muß die Wolle ein wenig zerriſſen werden, wozu ſich die Kardätſchen viel beſſer eignen, als die Käm⸗ me, weil die Zähne daran dichter ſind, und ſie deren auch mehrere haben. Dieß leichte Brechen vermehrt die Haare der Wolle, macht die Fäden krauſer, folglich geſchickter, ſich mit einander zu ver⸗ binden, und durch die Arbeit des Walkens dichter zu werden. Hieraus ſieht man, daß das Krämpeln von ſehr weſentlichem Einfluß auf die Bearbeitung des Tuches ſeyn muß; denn eine gut gekrämpelte Wolle ſpinnt ſich weit beſſer, und verurſacht weniger Abgang, das Tuch webt ſich beſſer und gleicher, und das Walken iſt leichter und vollkommner. Die Vollkommenheit des Krämpelns hängt zum Theil auch von den Inſtrumenten ab, deren man ſich bedient. Es gibt meh⸗ rere Sorten derſelben, auf welchen die Wolle nach einander ge⸗ krämpelt wird, und die ſich theils durch den weiten Stand der Zähne oder Stifte, theils durch die Stärke des Drahtes, der dazu genommen wird, unterſcheiden. Die, welche die gröbſten und am wei⸗ teſten aus einander ſtehenden Zähne haben, und womit das erſte Bear⸗ beiten vorgenommen wird, heißen Reiß⸗ oder Brechkämme; die zweyte Sorte derſelben, welche ſich durch mehrere und feinere Zähne unter⸗ ſcheiden, heißen Kratz- oder Kraͤmpelkämme; die zum dritten Bear⸗ beiten heißen Schrobeln. Nach dem Zauſen geht dann das Krämpeln vor ſich, und zwar auf die Art, daß man es zuerſt mit den gröbſten oder Brech⸗ kämmen, dann mit den Krämpelkämmen, und zuletzt mit den Schrobeln vornimmt. Um aber die Arbeit des Krämpelns zu erleich⸗ tern, ſchmalzt man die Wolle ein, d. h. man läßt eine Quantität Ohl einſaugen, wodurch die Wolle weich und leicht zu kämmen wird, und gezogen werden kann, ohne daß ſie reißt. In Frank⸗ reich nimmt man auf 4 Pfd. Wolle gewöhnlich 1 Pfd. Baumöhl. Zu wenig nehmen iſt nicht rathſam, indem die Wolle nicht geſchmei⸗ dig genug wird; zu viel hingegen macht ſie zu weich, und verur⸗ ‚ſacht nicht ſelten, daß ſich kleine Knötchen in derſelben anſetzen. In einigen Fabriken nimmt man Rübſen⸗ oder Leinöhl ſtatt des Baumöhls, was aber durchaus keine Empfehlung verdienet. Ein 254 hieſiger ſehr geſchickter Tuchfabricant, Herr Weimar, pflegt ſeine Wolle mit Gänſefett zu ſchmalzen, und zieht dieß allen andern Materien vor. Allerdings iſt es auch begreiflich, daß ein thieriſches Fett der Wolle viel aͤhnlicher und homogener ſey, vortheilhafter auf die Wolle wirken müſſe, als ein bloß vegetabiliſches. Andere nehmen zur Wolle, welche zur Kette beſtimmt iſt, auf 8 Pfd. 1 Pfd. Ohl, und 2 Pfd., wenn ſie zum Einſchlag beſtimmt iſt, weil die Kette mehr Fett verträgt. Wie oft eine Wolle vor dem Spinnen kardätſcht werden müſſe, hängt theils von der Feinheit derſelben und des daraus zu verfertigenden Garns, theils von ihrer Länge oder Kürze ab; im— mer ſcheint es aber vortheilhaft zu ſeyn, ſie eher zu oft, als zu ſelten zu krämpeln. 435. Die ſo bearbeitete Wolle wird nun geſponnen, ent⸗ weder auf einem gewöhnlichen Spinnrade mit der Hand, oder auf größern Maſchinen, die durch thieriſche Kräfte, oder, wie dieß in England der Fall iſt, durch Dampfmaſchiuen bewegt werden. 456 Die Spinnräaͤder ſind von verſchiedenem Bau und von verſchiedener Einrichtung. Beym Spinnen ſelbſt iſt ein weſentlicher Unterſchied, je nachdem das Garn zur Kette oder zum Einſchlag verwendet werden ſoll. Der Faden zur Kette wird ſtärker gedreht und rechts geſponnen, während man den zum Einſchlag lockerer ſpinnt und links dreht. Beydes hat ſeinen guten Grund. 437. Wie viel übrigens aus einer gewiſſen Quantität Wolle Garn und Tuch erfolgt, iſt allgemein nicht leicht zu beſtimmen, da es darauf ankommt, ob das Tuch Goer, Soer oder 9oer iſt, d. h. ob es 1500, 2000 oder 2400 Fäden in der Bxeite hat, wornach ſich die Breite und Güte beſtimmt. Durch das Spinnen geht gewöhnlich⸗—2 ab. Zur Elle goer Tuch gehört immer 1 ½ 5 Pfd. reine Wolle. Uörigens verlieret das Gewicht in der Fabricarid n; denn ein Stück Tuch, wozu 40 Pfd. Wolle verabfolgt wurden, wiegt nach dem reinen Walken und dem Ausſperren nur noch 25 Pfd.*) *) Die Vorbereitung und Verarbeitung der Wolle zu den wollenen Tüchern oder Loden zerfällt in 18 beſondere Arbeiten, dahin ge⸗ — dine. Päine Caſemir. Krn des 438. Der Caſemir unterſcheidet ſich vom Tuch dadurch, daß ayter die Faͤden nicht gedeckt ſind, oder daß die Oberfläche nicht aufge⸗ raucht, ſondern ganz glatt iſt. Gewöhnlich nimmt man dazu r it, zweyerley Wolle, nähmlich Kämmwolle zur Kette, und Krämpel⸗ 8 Jlg 1 wolle zum Einſchlag. Daher wird zum Aufzug immer die längſte Wolle erfordert, und von den Tuchfabricanten auch ſehr geſucht. den Der Caſemir wird entweder wie Tuch gewebt, oder er wird ge⸗ 2 zu loin hören: ¹) das Sortiren; ²) das Zauſen; 3) das Flacken oder das Maſchiniren; 4) das Waſchen; 5) das Einfetten oder Schmal⸗ zen; 6) das Kratzen; 7) das Kämmen; 8) das Spinnen zu Garn; nnt⸗ 9) das Haſpeln des Garns; 10) das Aufſcheren; 11) das Schlich⸗ Kdder ten der Kette; 12) das Weben zu Tuch; 13) das Noppen des mwie Tuchs; 14) das Walken; 15) das Rauhen und Scheren; ¹6) das Recken; 1) das zweyte Noppen und Ausbeſſern; 18) das Strei⸗ 3 chen und Preſſen des Tuches. ainn Das Tuch wird um ſo feiner und ſanfter, je feiner und ſanfter umt urſprünglich die Wolle iſt, und je zweckmäßiger dieſes in der Be⸗ ini arbeitung in allen Manipulations⸗Zweigen behandelt, und auch in a dieſer Rückſicht geſchont wird. Die gehörige Dichtheit wird dem 1 Tuche theils durch das Weben, theils durch die Walke gegeben. de Aus feiner Wolle laſſen ſich, bey gleicher Schwere, dichtere Ge⸗ webe verfertigen, als aus grober. Die Decke wird um ſo ſanfter alle und dichter, je ſanfter und dichter das Gewebe ſelbſt iſt. Bey arien, dichtem Gewebe laſſen ſich die Härchen einer gleichartigen und ge⸗ 3 ſchmeidigen Wolle in eine ſolche Lage bringen, daß kein Faden Ab⸗ wahrzunehmen iſt. Eine ſolche Decke wird um ſo vollſtändiger, 12 hN/ je feiner Wolle und Faden ſind, je dichter das Gewebe iſt, und uueu je kürzer die Härchen geſchoren werden. Ein Tuch von einem Pf. dichten Grunde wird im Werthe erhöhet, wenn es zugleich Leich⸗ . zen tigkeit in ſich vereiniget. Beyde Eigenſchaften können nicht ohne eii ein feines, gleichartiges Geſpinnſt, und gleichartige, kraftvolle ee Wolle mit einander vereiniget werden. Überhaupt je feinere, ge⸗ = d.)) ſchmeidigere und kraftvollere Wolle bey einer gehörigen Zuberei⸗ tung einem Fabricat zum Grunde liegt, deſto vorzüglicher ſoll 3 leueu ſolches verfertiget werden können. in ge⸗ 236 körpert, d. h. die Fäden des Einſchlags und der Kette durchkreu⸗ zen ſich nach der Diagonallinie. Zur Kette muß der Faden ſtark gedreht werden, und daher braucht man dazu die längſte Wolle, beſonders die von der Seite und dem Rücken. Flanell. 439. Dieſer wird wie das Tuch, aber nur lockerer und we— niger dicht gewebt. Man nimmt öfters zur Kette und zum Ein— ſchlag Krämpelwolle, wodurch er zärter und feiner wird; dagegen macht man ihn ungleich dauerhafter, wenn man zum Aufzuge Kämmwolle, zum Einſchlag aber Krämpelwolle nimmt. Im erſten Fall muß die Wolle zur Kette länger ſeyn. Übri⸗ gens nimmt man dazu ſehr feine Wolle. Molton. 440. Wird auf ahnliche Art bereitet, aber gekörpert und gewalkt. Auch nimmt man dazu in der Regel eine feinere und weichere Wolle. Biber. 441. Zu dieſem nimmt man gewöhnlich eine ſtarke Wolle, die nicht ſo fein als zum Tuch zu ſeyn braucht. Er wird immer gekörpert, nicht geſchoren, und erhält eine ſtarke Wolle. Kalm u ck. 442. Dazu wird ein ſtarker Faden und lange Wolle ge⸗ nommen, doch wieder gekörpert und mehr gewalkt, als der Bi— ber, daher er ungleich dichter erſcheint. Drap des Dames. 445. Iſt ein Tuch, gewöhnlich von feiner Wolle und fei⸗ nem Geſpinnſt; erhält aber nur die halbe Walke. Halbtuch. 444. Unterſcheidet ſich vom Tuch dadurch, daß es halb ſo etwa gerin den, asdind mund i⸗ 3 jalb o 237 breit wie jenes gemacht wird. Der Kerſey iſt eine beſondere Art davon, der gekörpert und ſehr ſtark gewalkt wird. Wolle für den Zeugmacher. 445. Der Zeugmacher verfertiget in der Regel nur glatte Zeuge, wozu er keine Krämpel⸗, ſondern Kämmwolle braucht. Die meiſten Eigenſchaften der Wolle, welche wir eben angegeben haben, ſind auch dem Zeugmacher angenehm. Beſonders bedarf er einer langen und reinen Wolle, weil er ſonſt beym Kämmen zu viel Abgang oder Kämmlinge haben würde, die er entweder dem Tuchmacher zu ſchlechten Tuchzeugen überlaſſen, oder die er ſelbſt zu geringen glatten Zeugen verarbeiten kann. Er verarbeitet mit größerem Vortheil Landwolle, oder ſolche, die ſich nur im erſten oder zweyten Grade der Veredlung befindet, theils weil ſie in der Regel länger iſt, theils weil die Zeuge, etwa den neu erfundenen Merino ausgenommen, da ſie nur zu geringen Sachen verwendet werden, nicht ſo theuer verkauft wer⸗ den, als daß ſie eine ſo koſtbare Wolle bezahlen könnten. Vom Reinigen der Wolle. 446. Die Wolle, ſo wie ſie von dem Schurplatz kommt, wird zuerſt von dem ihr noch anhängenden Schmutz gereiniget. Die Arbeiter nehmen ſie daher vor ſich, löſen die Klunkern und Unreinigkeiten aus, und zerrupfen ſie, damit das Futter, Stroh u. ſ. w., um ſo eher herausfalle. Dann wird ſie nicht ſelten, be⸗ ſonders wenn ſie viel Unreinigkeiten enthält, auf Hürden in ein⸗ zelnen Flocken geſchlagen, um ſie auf dieſe Art von aller Unrei⸗ nigkeit und allem Staub zu befreyen. 447. Nun folgt das Kämmen. Man ſetzt ſie zu dieſem Be⸗ hufe vorher in Ohl, oder ſchmalzt ſie mit Butter, Schmeer oder Schmalz. Die Butter oder das Schmalz ſcheinen, allen Beobach⸗ tungen gemäß, die beſten Materialien zu ſeyn, obgleich einige dem Ohl den Vorzug geben. 448. Das Kämmen ſelbſt geſchieht vermittelſt der Inſtru⸗ 238 mente, die man Kämme nennt, und die allgemein bekannt ſind. Es gehört dazu zugleich der Kammofen, worin Kohlen unterhalten, die Kämme immer erwärmt, und die Butter flüſſig erhalten wer⸗ den. Der Wärmegrad iſt ein weſentlicher Punct; denn treibt man die Hitze zu hoch, ſo kräuſelt ſich die Wolle, und wird hart; iſt die Wärme zu gering, ſo wird die Fettmaterie nicht gehörig flüſ— ſig, und ſie kann die Wolle nicht durchdringen und gehörig ge⸗ ſchmeidig machen. Wenn die Wolle das erſte Mahl gekämmt wird, ſo bleibt eine ſchlechtere Sorte zuruͤck, die man noch einmahl käm— men kann; ſie erreicht aber freylich nie die Güte und Feinheit der erſten. Das, was nach dem zweyten Kämmen übrig bleibt, ſind bloß gemeine Kämmlinge, die nur zu den gemeinſten und gröbſten Zeugen verwendet werden können. Wenn die Wolle auf dem Schafe gewaſchen wurde, ſo iſt eine weitere Waͤſche unnö— thig; wenn ſie aber ungewaſchen geſchoren wurde, ſo muß ſie vor dem Kämmen durch eine Wäſche gereinigt werden. Bevor die ge⸗ kämmte Wolle geſponnen wird, iſt es immer gut, ſie durch ein Seifenbad zu reinigen; viele Fabricanten ziehen aber die Gewohn⸗ heit vor, nach welcher man erſt die fertigen Zeuge reiniget. 449. Das Spinnen des Garns zu Zeugen iſt von dem zu Tüchern ebenfalls verſchieden. Dort wird das Garn nur loſe ge— ſponnen; hier wird mehr oder weniger ſcharf gedreht, und ehe das Garn verarbeitet wird, zwirnt oder doppelt man es; auch iſt das Rad von dem Tuchmacherrad verſchieden. Die verſchiede⸗ nen Zeuge kann man eintheilen in: Körperzeuge. Zu dieſen gehören: 450. Die Sarſche. Die Sarſche de Nismes iſt die vorzüglichſte; ſie kann auf beyden Seiten rechts getragen werden. Zur Kette ſortirt man die feinſte und längſte Wolle vom Rücken und vom Bauche aus, welche im Spinnen ſtark gedreht und dann gezwirnt wird. Der neu erfundene Merino, der jetzt häuſig zu Damenkleidern gebraucht wird, iſt im Ganzen nichts anders, als ein nes Sorte wird ſt deuge wöhnl 8 iſnd. Alten, wer⸗ — man t; it à ſüß 9 ge wird, kind nhei Lit, 1 und af Senni⸗ Arvor Aige⸗ anwein adn⸗ dn n u ie⸗ nu he d uh roride⸗ ſtdi taarden. ne ücken an dann z / 5 239 eine Art von Sarſche, wozu ganz feine Wolle und ein ganz fei⸗ nes Geſpinnſt genommen wird. Ein Pfund einſchürige Waſch⸗ und Fettwolle bringt 4—9 Strähne. Auf ein Stück von 80 Ellen rechnet man 10 Pfd. Ketten⸗ garn; zum Einſchuß 52 Pfd. 451. Römiſche Sarſche wird aus einerley Wolle ge⸗ macht, iſt aber nur halb rechts. 452. Der Raſch oder die ſchlechte Sarſche für Landleute wird gewöhnlich von Kämmlingen verfertigt, gerauht und ge⸗ walkt, daher heißt ſie auch Tuch⸗Sarſche. 453. Boy iſt feiner, auf der rechten Seite glaͤtterer Raſch. Man verfertiget ihn gewöhnlich von ganz ordinärer Wolle, und braucht ihn als Unterfutter in Tuchkleider. Leinwandartige Zeuge. Dahin gehören: 454. Etamin(Beuteltuch). Hierzu wird eine Mittel⸗ Sorte von Wolle genommen, die man ebenfalls kämmt. Die Kette wird ſtark gedreht, daher die Wolle, wie bey allen dergleichen Zeugen, feſt und kernhaft ſeyn muß. Der fertige Zeug wird ge⸗ wöhnlich gepreßt. 455. Camelott. Dazu nimmt man ebenfalls lange ge⸗ kämmte Wolle. 456. Berkan iſt gleichfalls ein doppelter Camelott; das Garn iſt ſehr ſtark gedreht, und er wird ſtark zuſammen geſchlagen. Geblümte Wollzeuge. 457. Kalmuck. Lange, gekämmte und gezwirnte Wolle. Oft erhält die Kette ſeidene Fäden. 4586. Der Damaſt hat mit dem erſten große Ahnlichkeit, und er wird faſt auf dieſelbe Art bereitet. Wollſammet. Dahin gehören alle ſammetartige Zeuge mit einer zuge⸗ richteten Seite. 240 459. Der Plüſch. 460. Der Kaffa wird wie Sammet gewebt. 461. Struck, ein ſtrumpfartiger Zeug. Kreppzeuge. 462. Dazu nimmt man die feinſte Wolle und die längſte, weil die Kette ſehr ſtark gedreht werden muß. Nach dem Weben wird der Zeug in ſiedendes Waſſer geworfen, wodurch die Ketten— fäden kraus zuſammen laufen und ſtehen bleiben; dieß nennt man das Kreppen. Wolle für den Strumpfwirker. 465. So verſchieden die Strümpfe in Hinſicht ihrer Fein⸗ heit und Weichheit ſind, ſo verſchieden iſt auch die Wolle in ihrer Güte, die dazu genommen wird. Von der Lammwolle nimmt man zu Strümpfen immer die feinſte und längſte, am liebſten die von Jährlingen, und über⸗ haupt die Wolle vom Rücken und von den Seiten. Biberſtrümpfe werden gewöhnlich mit ſpaniſcher oder veredelter Wolle verſetzt. Zu ganz feinen Strümpfen nimmt man wohl auch durchaus feine ſpaniſche oder veredelte Wolle. Die kürzere nimmt man gewöhnlich zu Caſtorſtrümpfen. Die Strumpfwolle wird ſämmtlich gekämmt, wobey aber, je nachdem die Wolle mehr oder weniger rein iſt, der Abgang an Kämmlingen u. ſ. w. groß ausfällt. Auf einen Stein kann man 7— 8 Pfund davon nehmen. Wolle für den Hutmacher. 464. Auch zu dieſem Producte wird größten Theils Wolle ge⸗ nommen; da ſie aber weder gekämmt noch geſponnen, ſondern nur, nachdem ſie auf dem Kratzer geſtrichen, in einen dichten Filz verwandelt wird, ſo geht dieſes um ſo beſſer von Statten, je kür— zer das Haar der Wolle iſt. Aus dieſem Grunde verarbeitet der Hutmacher nur zweyſchürige, und am liebſten Lammwolle. Erſtere wird zu groben Hüten, letztere zu den feinern genommen. Je fei— zängſt, —₰ Weben 3 Ketten⸗ aut man 3 Fein⸗ Mriüter mner die au über⸗ immpfe z gleetzt. uüteine angrlih 39 amt, nini der vnii Stein S ale ⸗ ſorden ten öiß 3 je kir⸗ eitet der e 3e fir ſtere 241 ner die Lammwolle iſt, deſto lieber verarbeitet ſie der Hutmacher; denn es entſteht daraus ein um ſo feinerer und dichterer Filz. Neuere Verſuche, die Lammwolle von ſpaniſchem oder vollkom⸗ men veredeltem Vieh ſtatt der Biberhaare zu den feinſten Caſtor⸗ hüten allein zu gebrauchen, haben den Erwartungen nicht ganz entſprochen; ob man gleich durch ſie an Caſtor viel erſparen kann, ſo iſt man doch nicht im Stande, denſelben ganz zu entbehren*). *) Herr Wirthſch. Rath André führt in ſeinem Abriß der Geographie des öſterreichiſchen Kaiſerth. S. 26 folgende intereſſante Nachricht in Bezug auf die Wolle, Künſte, Gewerbe und Fabriken an: „Mähren, Böhmen, Schleſien ſind der Hauptſitz dieſer Indu⸗ ſtrie. Erſtere Provinz aber liefert die meiſte feine Waare in 30 Tuch⸗ und Caſemir⸗Fabriken; doch noch weit mehr gröbere durch die zahlreichen Tuchmacher ſeiner Landesſtädte. Es verfertigt viel Boys, Moltons, Raſche, Flanelle, wollene Strümpfe, Hand⸗ ſchuhe, hat eine Wollzeugfabrik in Mähriſch⸗Neuſtadt, und eine Wollbandfabrik in Brünn. Die Wollzeugfabrication beſchäftiget in Mähren über 100,000 Menſchen und 10,000 Stühle. Man ſchätzt die geſammte Production auf 20,000 Stück feine Tuͤcher zu 3 bis 4 Mill. fl.; 20,000 Stück Caſemir zu 1,200,000 fl.; 110,000 St. gröbere Tücher zu 4 ½ Mill. fl.; Raſche 24,000 St. zu 850,000 fl.; Boys 20,000 St. zu einer Mill. fl.; Flanelle 16,000 St. zu ¾ Mill. fl.; Moltons 24,000 St. zu 1,200,00o fl.; Ratins 10,000 St. zu 350,000 fl.; kamehlharne und halbſeidene Wollzeuge 8000 St. zu 600,000 fl.; über 200,000 Paar wollene Strümpfe, Handſchuhe, Mützen zu 250,00o fl.(mit Schleſien). Böhmens 16 Tuchfabriken liefern mehr Mittelwaaren, vor al⸗ len Reichenberg, deſſen 1000 Meiſter allein jährlich 50,000 Stück Tuch verfertigen. Böhmen producirt über 70,000 Stück Wollzeu⸗ ge, dann viele Strümpfe und Handſchuhe; 50,000 Spinner und 15,000 Weber beſchäftiget Böhmens Woll⸗Induſtrie. Ungarn zählt 7 Tuchfabriken. Seine Tuchmacher im Norden decken bey Weiten den Landesbedarf nicht; deſto mehr wird im ſüdlichen Theile ſehr grobe Waare für das Landvolk verfertiget. Steyermark beſitzt nur eine Tuchfabrik in Grätz, Kärnthen in Klagenfurth. Zu Linz in Oberöſterreich iſt die kaiferliche Wollzeugfabrik die größte in der Monarchie. Sie beſchäftiget 1300 Meiſter, einige II. 16 242 und 20,000 Spinner, und verarbeitet aus 5000 Centnern Wolle 50,000 Stück Waaren. Galizien erzeugt nur gröbere Artikel, auch für die Armee, und nur zu Zaleszik und Biala wird etwas feinere und zugleich die meiſte Waare verfertiget. In Siebenbürgen erzeugen nur Kronſtadt und Hermannſtadt etwas beſſere Waare, dagegen Heltau für 2 Mill. grobes Bauern⸗ tuch, und Siebenbürgen überhaupt viele wollene Decken. Auch bey dieſer Fabrication fangen die Maſchinen an, Eingang zu finden. Gemiſchte Woll⸗, Lein⸗, Baumwoll⸗ oder Seidenwaaren wer⸗ den in Menge in Mähren, Böhmen, Schleſien und Oſterreich gemacht. a.—2 na⸗ jan jede viſie bare Wolle e, und ich die anſtadt zaueru⸗ 1 ingang 1u wer⸗ erreich 245 Sechſte Abtheilung. Merkantiliſche Notizen, Meinungen, wichtige Handelser⸗ eigniſſe und neueſte Verordnungen in Bezug auf den Wollhandel. Ein und zwanzigſtes Capitel. Beſchreibung derſelben. Oſterreich. 465. In den öſterreichiſchen Staaten wurde der frühere hohe Ausfuhrzoll der Wolle pr. Centner von 8 auf 1 Gulden Conv. Münze, folglich auf einen höchſt niedrigen Betrag, ſchon ſeit mehrern Jahren, herabgeſetzt. Preußiſch⸗Schleſien. 466. In Breslau zahlt alle Wolle, heimiſche und fremde, nur 12 gr. Waggeld pr. Centner, und wenn ſie in die Haͤuſer eingeſetzt wird, 8— 12 gr. pr. Zieche für den Markt an den Hauseigenthümer. Einen Eingangszoll zahlt die fremde Wolle nach Edict vom May 1818 gar nicht, wohl aber einen Aus⸗ gangszoll, ſo wie die heimiſche. 467. In der Woll⸗Magazinirungs⸗Anſtalt des Herrn Ben— jamin Georg zu Verlin werden alle Gattungen Schafwolle zu jeder Zeit zum Verkauf übernommen: 1) Für Lagermiethe, Feuer⸗Aſſecuranz und Verkaufs⸗Pro⸗ viſion werden zwey Procent vom Verkaufspreis berechnet. Außer baren Auslagen finden keine weitern Koſten Statt. * 244 2) Die Wolle wird nach ihrem wirklichen Werthe gegen Feuersgefahr verſichert, und der Verſicherungsbetrag im Lager⸗ ſchein bemerkt; 3) wird, wenn es verlangt wird, ein Vorſchuß zur Hälfte bis 3 des Werths auf die Wolle gezahlt, und das Capital vom Empfänger mit ½ Procent pr. Monath verzinſet; 4) dafür kann die Wolle ein ganzes Jahr in einem ſehr paſſenden und geräumigen Locale lagern. Dem Eigner ſteht es frey, gegen Zurückbezahlung des Vorſchuſſes und Berichtigung der Zinſen und Lagerkoſten, jederzeit über dieſelbe zu disponiren. Wegen des Werthes der Wolle findet in dieſem Falle eine billige Einigung Statt. 5) Sollte die Wolle bis Ausgang des erſten Jahres nicht verkauft worden ſeyn, ſo muß⸗ wenn dieſelbe noch ferner auf dem Lager bleiben ſoll, eine neue Üübereinkunft deßhalb getroffen werden. 6) Sowohl beym Verkaufe, als bey allen andern Gelegen— heiten wird der Vortheil der Verkäufer wahrgenommen, und dieſe werden von Zeit zu Zeit von den Preiſen und den etwa geſchehe⸗ nen Anbothen unterrichtet. Frankreich. 468. Nach Teſſier und du Boſc Annales de l'agric. franc. 1820, Janv. p. 27, 29, können die nördlichen Woll⸗Manufacturen Frankreichs die feinſte, ſeidenartige, ſäͤchſiſche(jetzt wohl überhaupt deutſche) Wolle bey ihren feinen Tüchern gar nicht entbehren, und man führte neuerlich für ſie um 30 Millionen Franken ſolcher Wolle ein. Nach andern Nachrichten(Vergl. André bkon. Neuigk. B. 19. Auß. Beyl. N. O. 5.§. 36) führt Frankreich über 28,000 Centner Wolle jährlich ein, da es noch immer nicht im Stande iſt, ſeinen Bedarf für die Fabriken ſelbſt zu decken, und wenn auch Spanien dazu viel Wolle hergibt, ſo mag doch obige Angabe, in Betreff der deutſchen Wolle, auch wohl dabey be⸗ ſtehen können. Nach den allerneueſten ſtatiſtiſchen Nachrichten iſt Kucti auch der n b von u Verar egen nager⸗ zhilfte 4 vom ri ſehr aht es aung Siren. rüllige aanict natager An. O ſen⸗ angieſe nghe⸗ amc. fuaren „dthaupt 10 und olcher Luigk. 1 über tt in , und bbigt s w he⸗ en iſ 245 Frankreichs jährlicher Bedarf an ausläͤndiſcher Wolle, und zwar an gewöhnlicher Wolle 6— 7 Millionen Kilogramme, und an feiner Wolle über 2 Millionen Kilogramme, welches eine bare Auslage von circa 40 Millionen Livres beträgt. Die ſchon öfters in Frankreich zur Sprache gekommene neue Beſteuerung der fremden Wolle, um die Schafzucht im Lande durch die Merinos mehr zu heben, iſt durch nachſtehende Verord⸗ nung endlich verwirklicht worden, welche ich ihrer Wichtigkeit we⸗ gen in ihrem ganzen Inhalt hier aufnehme, indem ſie für alle Schäfereybeſitzer, Wollhändler und Fabricanten Deutſchlands von hohem Intereſſe iſt, und tiefen Eindruck machte, den aber die Zeit hoffentlich durch Repreſſalien und die Irrthümer, worauf ſo manches darin beruhet, wieder unſchädlich machen dürfte. 469.„Sire! Die Erzeugung der Wolle, vorzüglich der feinern, hat während der letzten 20 Jahre in Frankreich bedeu⸗ tend zugenommen. Schafherden edler Race ſind aus Spanien eingeführt worden, und haben ſich vermehrt; der Überſchuß der königlichen und der größern Privatſchäfereyen iſt jährlich verkauft worden, und hat dazu gedient, die einheimiſchen Racen zu ver⸗ edeln. Frankreich hat ſich ſonach mit einem um ſo koſtbarern Zweige der Induſtrie bereichert, als dieſer ſeine Quelle in der Betriebſamkeit des Ackerbaues hat; ein neues Product von innerm Werthe iſt erzeugt worden; durch die ſchnelle Vermehrung des⸗ ſelben aber iſt dieſer Werth ſelbſt allmählig herabgeſunken. Dieſe Folge war natürlich; denn die Verfertigung wollener Gewebe, obgleich ſie fortſchreitend zugenommen hat, konnte doch mit der noch ſchnellern Reproduction der Schafherden keinen Schritt halten. Der hieraus entſtandene Verluſt war indeſſen nicht bloß Folge des Mißverhältniſſes zwiſchen der Nachfrage und der Repro⸗ duction; gleiche Verhältniſſe führten zu einem gleichen Reſultate auch im Auslande; da dieſes aber reicher an Weiden und min⸗ der mit Grundſtücken belaſtet war, als Frankreich, und da es von unſern alten Tariffen, die in der Wolle nichts, als zur Verarbeitung geeignetes rohes Material erblickten, allzuſehr 6 begünſtigt wurde, ſo beſchleunigte es durch Herabſetzung ſeiner Producte den Verfall der unſrigen. Im J. 1819 waren die Preiſe ſchon ſo geſunken, daß ſie den Schwung der Production hemmten; ſie reichten nur eben noch hin, um ſich die erworbe— nen Vortheile zu erhalten. Zu Anfang des Jahres 1820 wurde das Sinken der Preiſe merklicher, und man erkannte die Noth⸗ wendigkeit, ſich gegen die Einfuhr aus der Fremde zu verwahren. Dieß war indeſſen eine große Neuerung, und man zog daher, als die erſte Idee dazu entſtand, vor, lieber dießſeits des ge— ſteckten Zieles zu bleiben, als eine üͤberſchreitung desſelben zu wagen. Das Geſetz vom 7. Juny erhöhte die Abgaben nur un— bedeutend; aber es war ſchon genug, daß man das Princip einer ganz neuen Beſchätzung der innern Producte aufſtellte; die Feſt⸗ ſetzung der Höhe der Abgaben war nur ein Verſuch, deſſen Fol⸗ gen zu prüfen man ſich vorbehielt. Die Einfuhr aus dem Auslande während der drey Jahre 1817— 1819 betrug im Durchſchnitte jährlich 5,481,000 Kilo⸗ gramme gewöhnlicher, und 850,000 Kilogramme feiner Wolle. Im J. 1820 betrug ſie nur 4,215,000 Kilogramme der erſtern, und 696,000 der letztern Gattung. Die Preiſe waren unbedeu⸗ tend, jedoch auf eine aufmunternde Weiſe geſtiegen. Dieſe Lage der Dinge dauerte inzwiſchen nicht lange. Das Jahr 1821 be⸗ zeichnete ein anſehnliches Sinken der Preiſe. Die Einfuhr der fremden gewöhnlichen Wolle ſtieg in demſelben auf 6,139,000 Kilogramme, und die der feinen auf 737,000 Kilogramme. Dieſer neue Zuſtand wurde von der mit der Prüfung des Zollgeſetzes pro 1820 beauftragten Commiſſion der Deputirten— kammer in die reiflichſte Uberlegung gezogen. Man glaubte, daß es hinlänglich ſeyn werde, den Eingangszoll auf die gewöhnliche Wolle zu verdoppeln, und dieſe Meinung behielt die Oberhand über den in der Kammer gemachten Vorſchlag, den Zoll auf alle Wollgattungen ohne Ausnahme zu verdoppeln. Im Laufe des vo⸗ rigen Jahrs wurden die Sachen noch ſchlimmer, der Preis der inländiſchen Wolle ſiel unaufhörlich auf eine höchſt beunruhigende Zw. Wi billi run, näͤch dere dere Mit aus den me zu ein bet fun fall hin das die den liegt ner die ttion votbe⸗ vurde Nath⸗ ahren. daher, 43 ge⸗ zen nu nur un⸗ i einer eſ⸗ 6 Fol atzahre dKibo⸗ wolle. wern, peu⸗ lag: 2„1 des aidt der 3 00000 wAnng de — uuitte⸗ te, di zahnühe w berzend S uuf dl + des be⸗ — reis der 1 uhigende 247 Weiſe, und gleichwohl haben die kürzlich beendigten Auszüge aus den Handelsverzeichniſſen ergeben, daß ungeachtet unſerer niedrigen Marktpreiſe die Einfuhr aus dem Aus⸗ lande dennoch zugenommen hat, ſie belief ſich im vori⸗ gen Jahre, an gewöhnlicher Wolle auf 7, 482,000 Kilogr., und an feiner Wolle auf 2,220,000 Kilogr. Dieſe letztere Zahl iſt vorzüglich bemerkenswerth. Unter dieſen Umſtänden würden die Miniſter Ew. königlichen Najeſtät ſich beeilt haben, Höchſtderſelben den Vorſchlag zu machen, durch neue geſetzliche Verfügungen dem Üübel abzuhelfen, wenn die Geſchaͤfte der Kammer ſich nicht ihrem Ziele genaht, und wenn die Miniſter nicht vorzüglich bedacht hätten, daß das Geſetz Ew. königl. Majeſtät das Recht verleiht, den Zoll⸗Tariff in den Zwiſchenräumen der Sitzungen beyder Kammern zu modiſiciren. Wir haben dieſen letztern daher, als im Laufe ihrer Berathungen billige Wünſche in jener Beziehung lautbar wurden, die Verſiche⸗ rung geben können, daß zu Ew. königl. Majeſtät Genehmigung nächſtens Maßregeln in Vorſchlag gebracht werden würden, von deren Nutzanwendung die Regierung bereits durchdrungen ſey, deren Umfang jedoch noch die reiflichſte Üüberlegung erfordere. Der Miniſter des Innern und ich haben daher Sorge getragen, eine, aus Mitgliedern der bey dem Miniſterium des Innern beſtehen⸗ den Rathsverſammlung zuſammengeſetzte Commiſſion, zu welcher mehrere Mitglieder der Deputirtenkammer zugezogen worden ſind, zu ernennen, um in Gemeinſchaft mit dem Generalzoll⸗Director eine Arbeir vorzubereiten, die geeignet wäre, die bey der Frag⸗ betheiligten verſchiedenen Intereſſen zu vergleichen. Man hat ge⸗ funden, daß der Werth der Wolle ſeit 1319 um 30—55 Proc. ge⸗ fallen iſt; daß in dieſem Augenblicke alle Lager überfüllt ſind, mit⸗ hin ein triftiger Grund zu einem abermahligen Sinken der Preiſe, das bey der herannahenden neuen Schur nur noch drohender iſt; daß die Haupturſache dieſes Sinkens ohne Zweifel in der fortſchreiten⸗ den Vermehrung der Reproduction, vorzüglich der feinen Wolle, liegt; daß jedoch noch eine andere Urſache davon in der täglich — 248 mehr überhand nehmenden Benutzung der neuen banmwollenen Zeuge geſucht werden müſſe, die zu verſchiedenen Jahreszeiten den Gebrauch der Tücher erſetzen; daß aber dieſe Urſachen, und noch andere, deren Wirkungen zu hemmen in Niemandes Macht ſteht, durch die Einfuhr aus dem Auslande, wodurch der Markt nur noch mehr überſchwemmt werde, und daß ſelbſt dann, wenn dieſe Einfuhr durch erhöhten Eingangszoll etwas vermindert wer⸗ den ſollte(was hinſichtlich einiger Gattungen Wolle, die wir nicht erzeugen, oder von denen man wenigſtens glaubt, daß wir ſie nicht in hinlänglicher Quantität erzeugen, wohl der Fall ſeyn wird), es immer von großem Nutzen ſeyn würde, wenn es dahin käme, daß das mit geringern Koſten, als wir, erzeugende Aus⸗ land ſeine Wolle nur zu ſolchen Preiſen auf unſern Markt brin⸗ gen könnte, die mittels der Steigerung durch die auf jenen Han— delsartikel gelegten Zölle unſern Producenten geſtatteten, für ihre Producte Preiſe zu erlangen, die in einem beſſern Verhält⸗ niſſe mit den ihnen auferlegten Abgaben ſtünden.— Es waren Vor⸗ ſchläge gemacht worden, den gegenwärtigen Tariff auf eine Taxe zu bringen, die mit dem, ſeit dem Jahre 1819 an den Woll⸗ preiſen erlittenen Verluſte übereinſtimme; man hat jedoch das Intereſſe des Ackerbaues für ſich allein nicht berückſichtigen koͤnnen, man mußte ſich vielmehr eingeſtehen, daß unſere Fabricanten, ſelbſt wenn ſie ihren Abſatz im Auslande dadurch, daß ihnen die von ihnen getragenen Abgaben zurück erſtattet würden, auch fer⸗ ner zu ſichern vermochten, doch immer bey einer Erhöhung der Wollpreiſe, die auf den Verkauf der Woll⸗Fabricate nicht ohne einigen Einfluß ſeyn kann, dennoch beeinträchtiget ſind. Auch durfte man nicht die nachtheiligen Folgen außer Acht laſſen, die für den Abſatz unſerer verſchiedenen Producte aus einer allzu— großen Beſchränkung der Einfuhr derjenigen Artikel, die wir dagegen vom Auslande mit eintauſchen, leicht entſtehen könnten. In Hinſicht auf das dießfällige Intereſſe, das beſonders der Auf— merkſamkeit ſtets werth iſt, hat man ſich bemühet, jede Über⸗ ſchreitung des rechtmäßiger Weiſe einzuſtehenden Zweckes zu ver⸗ zu d den als dare der tra Ve⸗ lan! der und dere zurü ein in de ſo la neuen enen Leiten C und 9 Nacht 2 Narkt nwenn en wer⸗ e wir 3 vir 3 ſeyn hahin ru Aus⸗ ko hrin⸗ an han⸗ an für Phalt⸗ anzor⸗ uhaxe woll⸗ 34p0s Inen, nten, di die y fe⸗ 189 der i ohne 11 Auc l, di 4 älhu Lie vit ennten. 2 Auf⸗ luer Zzu ber⸗ 249 meiden, und dieſer Zweck iſt, den Werth unſerer Producte zu erhalten, und die Einfuhren auf einen vernünftigen Maßſtab zu⸗ rückzuführen, einen Maßſtab, der noch zu einer nicht fernen Zeit binreichte, zwiſchen uns und den fremden Ländern Handelsverbin⸗ dungen zu unterhalten, die beyden Theilen gleich nützlich wären, und welche ferner zu erhalten wir uns ſtets im hohen Grade an⸗ gelegen ſeyn laſſen werden. Dieß, Sire, ſind die verſchiedenen Vetrochtungen, die den Entwurf der Verordnung veranlaßt haben, welche ich anliegend Ew. königlichen Majeſtät zur Genehmigung allerunterthänigſt vor⸗ zulegen die Ehre habe. Die nothwendige Bedingung bey einer naͤhmlichen Abgabe bey der Ausführung der aus jenem Stoffe ver⸗ fertigten Fabricate. In der Verordnung iſt hierauf Rückſicht ge⸗ nommen worden; es iſt ſogar billig oder wenigſtens nützlich, als Prämie auf die auszuführenden Gewebe den ganzen Theil der Abgabe zu bewilligen, das eben als eine Folge der Exiſtenz dieſer Abgabe dem Preiſe der inländiſchen Wolle zu Gute kommt; denn ſonſt würde unſer Fabricat im Auslande mit Fabricaten zu concurriren haben, deren erſte Materie wegen der Verſchie⸗ denheit des Abgaben⸗-Syſtems ſeinen Rivalen minder theuer, als ihm, zu ſtehen gekommen iſt. Wir werden daher ſorgfältig darauf Acht geben, welchen Einfluß die neuen Taxen auf den Preis der franzöſiſchen Wolle haben mochten, und wir werden Sorge tragen, daß jene Prämie, oder, um deutlicher zu ſprechen, jene Vergütung niemahls niedriger ſey, als unſer Verhältniß zum Aus⸗ lande, auf deſſen Ausgleichung es ankommt, ſolches erheiſcht. Vor der Hand glauben wir, daß Alles geſchehen ſeyn wird, was Recht und Billigkeit verlangen, wenn man die neuen Abgaben, ſobald deren Entrichtung nachgewieſen würde, vollſtändig und unperkürzt zurückzahlt, und im Übrigen fortfaͤhrt, die bisherige Prämie als ein Aquivalent der Erhöhung, die man ſich vernünftiger Weiſe in der erſten Zeit der vorgeſchlagenen Maßregel verſprechen darf, ſo lange zu zahlen, bis Ew. königl. Majeſtät die Wirkungen des neuen Tariffs auf die franzöſiſche Wolle näher kennen gelernt ha⸗ 250 ben werden. Denn wollte man dieſe Ausfuhr⸗Prämie im Allge⸗ meinen auf die Höhe der neuen Abgaben, ohne daß dieſe wirklich entrichtet wurden, oder wenigſtens bevor die Preiſe der inländiſchen Wolle in einem gleichen Verhältniſſe geſtiegen ſind, berechnen, ſo würde man in eine dem Schatze höchſt nachtheilige Verſchwendung verfallen, die zuletzt nur ſchädliche Folgen für die Intereſſen ſelbſt haben würde, denen man zu dienen vermeinte. Einige Woll⸗Fabri⸗ cate ſind nicht in dem Verbothe mit einbegriffen, mit welchem un— ſere Tariffe faſt alle Producte aus gleichem Stoffe belegen. Wir ſchlagen nicht vor, das Verboth auch auf jene Fabricate auszu⸗ dehnen; die Erhöhung des Eingangszolles auf Wolle gebiethet aber auch eine verhältnißmäßige Erhöhung derjenigen Abgaben, denen jene Fabricate unterworfen ſind. Dieß iſt der Gegenſtand des vierten Artikels der Verordnung, die ich Ew. königl. Maje— ſtät zur Genehmigung vorzulegen mir die Ehre gebe. Unterz. v. Villèle. In Folge dieſes Berichtes wurde der neue Tariff der auslän— diſchen Wolle auf folgende Gebühren feſtgeſetzt: 100 Kilogramme. 1) Gemeine Wolle ungewaſchen das Kilogr. à 1 Fr. 20 Cent. bis 1 Fr. 50 Cent.. 3o Fr. Kalt gewaſchene à 2 Fr. 40 Cent., wenigſtens 75„»„ Warm gewaſchene à 5 Fr. 60 Cent., wenigſtens 80„ 2) Feine, ungewaſchene à 1 Fr. 21 Cent. bis 2 Fr. Ho Cent........ 60„ Kalt gewaſchene à 2 Fr. 41 Cent. bis 5 Fr. 150„ Warm gewaſchene à 5 Fr. 61 Cent. bis 7 Fr. 50 Cent......... 180„ 3) Superfeine ungewaſchene à 2 Fr. 51 Cent. und mehr....... 30„ Kalt gewaſchene à5 Fr. 1 Cent. und mehr 200„ Warm gewaſchene à 7 Fr. 51 Cent. und mehr 240„*) *) Von Frankreich wird kraft dieſer Verordnung im Intereſſe der dor⸗ eilgt⸗ Aich iden A, o wung Zalhſt Mäii⸗ un⸗ a2 Lir 2 u⸗ Zolhet en, us pund f je⸗ M aut i⸗ 251 Im Journal de Commerce findet man Nro. 1253(1823) folgende Anſichten über dieſe Zollerhöhungen.»Warum iſt die fran⸗ tigen Gutsherren unſere Wolle abgewehrt, obgleich vielleicht aus den ſtaatswirthſchaftlichen Gründen, welche der Finanzbericht für die Zollerhöhung von fremder Wolle anführt, ſich das Gegentheil beweiſen ließe. Das Ausland ſoll den Wollpreis herabgedrückt ha⸗ ben, weil es reicher an Weiden iſt, und nicht ſo ſchwere Grund⸗ ſteuern hat, als Frankreich; aber vermehrt denn die ſchwere Zoll⸗ belaſtung der ausländiſchen Wolle in Frankreich die dortige Schaf⸗ weide, und vermindert ſie die dortige Grundſteuer? die Thatſache ſelbſt auf guten Glauben angenommen. Man hat bereits 1819 den Verſuch gemacht, durch ſtärkere Verzollung der fremden Wolle den Preis und Abſatz der inländiſchen zu vermehren; aber wenn im Durchſchnitt von 1817 bis 1819 etwa 5,500,000 Kilogramme gewöhnlicher, und 830,000 Kilogr. feiner Wolle eingegangen ſind, ſo haben ſich die Preiſe 1821 und 1822 um 30 Procent vermin⸗ dert; in dem letztern Jahre ſind aus dem Auslande 7,480,000 Kilogr. gewöhnlicher, und 2,220,000 Kilogr. feiner Wolle einge⸗ führt worden, und es drohet noch ſchlimmer zu werden. Um das zu vermeiden, den Werth dieſer Produete zu erhalten, und die Einfuhr auf einen vernünftigen Maßſtab zurückzuführen, ſoll die fremde Wolle noch höher beſteuert werden. Nimmt hier der Be⸗ richt nicht das in dem Schluß für bejaht an, was in den Vorder⸗ ſätzen verneint wird? Nach dieſen hat die Zollerhöhung die entge⸗ gengeſetzte Wirkung, die man davon hoffte, gehabt; ſie ſollte den Preis der inländiſchen Wolle erhöhen, und die fremde abhalten; die fremde iſt aber mehr als zuvor eingedrungen, und die inlän⸗ diſche hat ſich ſchlechter als zuvor verkauft; dennoch lautet der Schluß auf nochmahlige Erhöhung! Indeß wird das Sinken der Wollpreiſe noch in andern Urſachen geſucht, als in den größern Weiden(wobey Deutſchland wegen des längern Winters doch im Nachtheile wäre) und in den Grundſteuern(die in den deutſchen Gränzländern nicht geringer ſind), nähmlich in den zunehmenden feinen Schäfereyen, welche ſich doch noch immer belohnen müſſen, weil ſie zunehmen, und in dem verbreitetern Tragen von Baum⸗ wollzeugen. Dieſer Grund ſtimmt nun zwar mit der beklagten Vermehrung der Wolleinfuhr nicht überein, könnte ſie aber doch 25² zöſiſche Wolle im Preiſe ſo ſehr geſunken? Gewiß nicht durch die Einfuhr der ausländiſchen; der erhöhte Zoll wird alſo dem Übel vielleicht erklären, und eben dadurch, daß ſie unabhängig von dem inländiſchen Wollverkauf erſcheint, ein Hauptgrund wider die be⸗ lobte Zollerhöhung werden. Wie, wenn die fremde Wolle von dort einginge, wohin ſie wieder als Tuch verarbeitet ausginge; wenn der Wollhandel aus der Fremde, und der Tuchhandel nach der Fremde ſich einander bedingten: der Tuchverkauf den Wollein⸗ kauf, die Frachtgelegenheit, die Zahlungsmittel und Zeit und Ort? Von hoher Bedeutung iſt dagegen die Maſſe der Aus⸗ und Ein⸗ fuhr an ſich. Wenn die Maſſe der Aus⸗ und Einfuhr ſich von Jahr zu Jahr vermehrt, ſo wird niemand daran zweifeln, daß der Handel vortheilhaft geht; denn er würde nicht fortgehen, er würde ſich nicht vermehren, wenn er nicht Gewinn brächte. Nie⸗ mand zweifelt ferner, daß der Reichthum eines Landes nach dem Verhältniſſe der Ausfuhr wachſe; denn ſie iſt das Reſultat der Production. Niemand endlich zweifelt daran, daß der Wohlſtand nach dem Verhältniſſe der Einfuhr wachſe; denn ſie iſt Beweis der Conſumtion, und die Vermehrung der Conſumtion iſt das untrieglichſte Zeichen der Wohlfahrt eines Landes; ein Land kann aber nicht verzehren, ohne zu erzeugen. Man laſſe alſo immerhin ausführen, und man kann verſichert ſeyn, daß der Handel dafür eben ſo viel im Betrage, mit Zurechnung des Gewinnes an der Ausfuhr, einführen wird. Man laſſe einführen, und man kann verſichert ſeyn, daß der Handel dafür eben ſo viel im Betrage, mit Zurechnung des Gewinnes an der Einfuhr, ausführen wird. Das reichſte Land iſt dasjenige, welches am meiſten ausführt; denn es bringt am meiſten hervor, und macht den größten Ge⸗ winn an der Ausfuhr. Das reichſte Land iſt dasjenige, welches am meiſten einführt; denn es verzehrt am meiſten, und hat den meiſten Vortheil von der Einfuhr; ich füge hinzu: auch von der Ausfuhr; denn es kann nicht fortdauernd einführen, ohne auch auszuführen, und es kann nicht einführen, ohne hervorzubringen. Das reichſte Land— ich ſage nicht das mächtigſte— iſt alſo das⸗ jenige, welches zugleich am meiſten aus⸗ und einführt; denn Aus⸗ und Einfuhr ſind unzertrennlich, ſie ſind wechſelſeitige Urſachen und Wirkungen ihres Wachsthums. Dasjenige Land wird ſonach 9 yenn t der Pein⸗ ttort? tuiin⸗ on lyaz er AMiie⸗ anem ucher man tsch, mnndd. 5 nuytt; 4 16⸗ 1 hes 1 dan 2— der n eauc gen. das⸗ t alus⸗ a cheu Wnach 255 nicht abhelfen, wohl aber alle Nachtheile des Prohibitiv⸗Syſtems über uns bringen. Die Ausfuhr der rohen Wolle und der Meri⸗ nos war bis 1814 verbothen. In dieſem Jahre kamen wir um 50⁰,000 Edelſchafe, kaiſerlicher und Privatſchäfereyen, in jenen Departements, welche von Frankreich abgeriſſen wurden. Deſſen ungeachtet ward gerade jetzt die Ausfuhr der Wolle und der Schafe gegen einen kleinen Zoll erlaubt, der 1820 faſt ganz aufgehoben wurde. Im letzten Jahre legte man auf die fremde Wolle, die bisher bloß das gewöhnliche Waggeld entrichtet hatte, einen Ein⸗ gangszoll, verdoppelte ihn 1822, und hat ihn neuerlichſt ſo ge⸗ ſteigert, daß dieſe Verzollung, die man ohne alle Berathung mit Sachverſtändigen aufs ſchleunigſte ins Werk ſetzte, einem gänzli⸗ chen Verbothe faſt gleich kommt. Wir wollen gern glauben, daß man durch dieſe Maßregel die Landwirthſchaft zu unterſtützen meint. Man hat aber vergeſſen, daß die Landwirthſchaft nur durch die National-Gewerbs⸗Indu⸗ ſtrie, niemahls aber durch Einwirkung auf den Verbrauch auswär⸗ tiger Artikel gehoben werden könne. das reichſte werden, in welchem der Einfuhr wie der Ausfuhr am wenigſten Hinderniſſe durch Zolltariffe und Sperren entgegen ge⸗ ſetzt werden. Meiner Meinung nach, müßten Zölle bloße Steuern ſeyn, und keinen andern Zweck haben, als alle andere Steuern: die Einkünfte des Schatzes, mit dem möglichſt geringen Aufwande und Nachtheile für die Conſumenten— denn dieſe ſind die Steuer⸗ pflichtigen für die Zölle— zu vermehren. Wenn es irgend einer gro⸗ ßen Stadt plötzlich einſiele, ihre Schlagbäume und Schlagbeam⸗ ten in Schlagbäume und Beamte für Binnenzölle umzuwandeln, und wenn man, anſtatt ſich darauf zu beſchränken, ſie zur Einzie⸗ hung der Abgaben und Steuern zu gebrauchen, ſich ihrer bediente, die Einfuhr aller Erzeugniſſe zu verhindern, welche in Bezug auf die Stadt als auswärtig zu betrachten ſind; ſo würden, nach Verlauf ſehr kurzer Zeit, drey Viertheile der Bewohner vor Hun⸗ ger ſterben, oder die Stadt aus Mangel an Arbeit und Rahrung verlaſſen. 254 Ferner hat man bey dem Verbothe der fremden Wolle ver⸗ geſſen, daß wir ſie nicht entbehren können, und ihrer ſtets bedür⸗ fen, ohne daß deßhalb unſere inländiſchen Producte im Preiſe ge⸗ fallen wären. Nur erſt ſeit 1819 war dieß der Fall. Gerade 18¹9 aber war die Importation weit geringer, als in den Jahren 1805, 1806 und 1807, wo unſere Wolle ſehr gut bezahlt wurde. 1819 verkauften wir, ins Ausland 525,711 Kilogramme feiner Wolle, und bezogen von daher 453,747 Kilogr., und gerade die feine Wolle fiel am meiſten im Preiſe. Der ſtarke Abſchlag, dem man abzuhelfen ſuchen will, kann alſo keine Folge der Einfuhr ſeyn. Will man etwa annehmen, daß ſich unſer Wollertrag ſeit 1807 vermehrt hätte? Aber dann wäre es ja widerſinnig, bey eigenem Überfluß noch an eine Einfuhr zu denken, und beyden Umſtaͤnden zugleich das Sinken der Wolle zuzuſchreiben. Wo Waaren im Überfluß und zu niedrigen Preiſen ſchon vorhanden ſind, da fin⸗ det keine fremde Zufuhr Statt. Auch läßt ſich keineswegs behaup⸗ ten, daß der Ausländer bey ergiebigern Weiden und wenigern Ab⸗ gaben uns noch mit Gewinn ſeine Waaren zufuühren könne; denn der Eingangszoll von 1820 und 1822 mußte dieſen Gewinn ver⸗ nichten, ſelbſt wenn er nicht ſchon durch die Transportkoſten aus⸗ geglichen worden wäre. Hat dennoch die Einfuhr fortgedauert, ſo muß man vielmehr ſchließen, daß ſie Bedürfniß war. Unſere eigenen Herden können im Geſammt⸗Jahrsertrag geben: 45,659,205 Kilogr., etwa 872,000 Centner, nähmlich: Gemeine Landwolle 39,296,915 Kilogr. oder 786,000 Centn. Veredelte— 3,622,560—— 72/,000— Superfeine— 519,75o0—— 10,000— Wie kann man glauben, daß dieſes Quantum, welches nach des Grafen Chaptal Berechnung etwa 6— 7 Millionen Stück Tuch geben würde, in unſerm Klima zur Bekleidung von 50,000,000 Menſchen hinreichen werde; daher bedürfen wir der fremden Wolle, beſonders in den ordinären und groben Sorten, um ſo mehr, da eine Vermehrung unſerer Herden nicht thunlich ſcheint. bung turen Schi erſtat Erw. üöber die ſt und welch fran, abge ſerte geſpi ferti iſtin ſelbf Verrag dentn. 0— 0— 9 3 nah n Stüt 400/000 cWoll, it,/ da Wir rechnen in Frankreich Landſchafe: 25,648,035 Meſtizen: 1,209,870 reine Race⸗Thiere: 175,420 27,031,325 Beynahe alſo 1000 Schafe auf 1 ◻ Lieue. Churſachſen hat nur 1,364,546 auf 708 ◻ Meilen. Auf das 685 ◻ Meilen große Schleſien rechnet man nur 1,856,678 Stück. In unſerm Landwirth⸗ ſchafts⸗Syſteme macht die Schafzucht keinen iſolirten, unabhängi— gen Zweig für ſich aus, ſondern eine nur für große Güter paſſende Induſtrie, die ſich aber in Frankreich am wenigſten vorfinden. Un⸗ ſere Grundſteuer⸗Rollen beſtehen aus 15 Millionen Beytragender, was, nach Herrn Hennets Berechnung, 8— 10 Millionen Grund⸗ eigenthümer vorausſetzt; und unſere Landwirthſchaft beſchäftigt 4 un⸗ ſerer Bevölkerung, die bey unſerer dermahligen Lage, wo wir ohne Handel und Colonien ſind, weder in den Häfen, noch in den Städten Beſchäftigung finden.“ 470. Herr Dupin hat in einer wiſſeenſchaftlichen Beſchrei⸗ bung von Englands eigenthümlichen Einrichtungen für Manufac⸗ turen, Fabriken, Straßen⸗ und Fabrikenbau, für Seeweſen, Schifffahrt und Seehandel, eine gedrängte überſicht der wahrhaft erſtaunenswürdigen Fortſchritte, welche ſeit 1800 der Kunſt⸗ und Erwerbfleiß in Frankreich gemacht hat, herausgegeben. In dieſer überſicht heißt es:„Durch Einführung der Merinos und durch die ſtrenge Sortirung ihrer Wolle, durch verbeſſerte Weberſtühle und Appretir-Maſchinen, ingleichen durch Beyhülfe der Chemie, welche ſchöne Farben geliefert hat, haben jetzt die feinſten Tücher franzöſiſcher Fabriken den koſtbarſten engliſchen Tüchern den Rang abgelaufen. Durch Einführung der Kaſchemir⸗Ziegen, durch verbeſ⸗ ſerte Maſchinen⸗Spinnerey und durch Vervollkommnung des Hand⸗ geſpinnſtes haben wir ſo bewundernswürdig ſchöne Shawls ver— fertigen gelernt, daß unſere, in den Muſtern den perſiſchen und oſtindiſchen nachgemachten, Shawls in der Türkey und in Perſien ſelbſt für echt oſtindiſche verkauft worden ſind. 471. So bewundernswerth ſie der Qualität nach ſind, eben 256 ſo bewundernswerth, ja kaum glaublich iſt auch die Quantität, in welcher ſie bey uns fabricirt werden. In der einzigen Stadt Paris wurden in der letzt vergangenen Zeit im Durchſchnitte jähr— lich für 14 Mill. Fr. Shawls verfertigt. Die Kaſchemir⸗Gewebe erhielten dieſen Nahmen von ihrem Geburtslande. Es ſcheint freylich paradox, daß die Kunſt, Zeuge, welche unſere Körperwärme am beſten erhalten, folglich am beſten gegen Kälte ſchützen, in hoher Vollkommenheit zu verfertigen, unter einem glühenden Himmelsſtrich, in der Nähe der heißen Zone, erfunden ſeyn ſoll. Aber die Sache erkläret ſich von ſelbſt, wenn man weiß, daß gerade in den heißeſten Klimaten, bey ſtets heiterm Himmel, die Nächte empfindlich kühl zu ſeyn, und den reichlichſten, aber auch der Geſundheit ſehr nachtheiligen Thau zu befördern pflegen. Dieſer tägliche Wechſel der Temperatur macht eine Bekleidung zum Bedürfniß, welche ſeine ſchädliche Einwirkung auf unſere Organiſation mindert. Als die franzöſiſche Armee an der afrikaniſchen Küſte lan⸗ dete, und Agypten eroberte, lernten die Officiere ſehr bald die Kaſchemir⸗Zeuge und ihren großen Nutzen, ſelbſt in gemäßigten Klimaten, kennen und ſchätzen, beſonders die Frauenzimmer, welche, aus verkehrter Mode, damahls faſt halb nackt gingen. Auch fingen die franzöſiſchen Damen, bald nach der Rückkehr der Armee aus Agypten, an, Shawls zu tragen. Frankreichs Fabricanten gaben ſich(nach den Vorleſungen des Herrn Dupin über die angewandte Mechanik im Conserva— ioire des Arts et Métiers zu Paris für den Winter 18 ³½) alle Mühe, dieſe koſtbaren Gewebe nachzumachen, ohne daß es ihnen jedoch gelang. Sie verſuchten es anfänglich mit der feinſten, ſanfteſten Merino⸗Wolle. Aber ihre Shawls mußten gegen die oſtindiſchen Shawls erſter Qualität zurückſtehen. Dieß bewog einen franzöſi⸗ ſchen Fabricanten, den wahren Urſtoff ſelbſt, den Flaum von den in Hoch⸗Aſien einheimiſchen Ziegen, kommen zu laſſen. Die Tibetaner Ziegen wurden nach Frankreich verpflanzt. Aniitit, 2 Staht die jihr ihrem * Zeuge, Crheſten S tigen, heißen jo ſelbſt, e, dey 3i, und 3i Thau aseratur 4 dlih: iin lan⸗ a die inhten niget, z ken. ainn der Ureingen Derva- 34) alle d ihnan ſeim a diſhen manüöſ⸗ mron den an ſanzi. Die neuerdings ſo ſehr vervollkommnete Sortirung, Kämmung und Spinnung der Merinowolle ward auf den Kaſchemir⸗Flaum angewendet, deſſen Eigenſchaften und beſonderer Bau wieder eine ganz eigene Behandlung erforderte. Mancherley Schwierigkeiten mußten überwunden werden. In der letzten Ausſtellung 1825 be⸗ fand ſich ein Zeug, den Herr Caſtelbajac aus dem Flaum der der Regierung gehörigen, in der königl. Schäferey zu Perpignan aufgeſtellten Ziegenherde hatte verfertigen laſſen. Dreiſt könnte man behaupten, daß ſich kein indiſcher Shawl mit demſelben in Abſicht auf Feinheit, Gleichheit und Stärke meſſen kann, ohne daß deßhalb das Geringſte in Abſicht auf Sanftheit und Weich⸗ heit zu vermiſſen wäre. Außerdem hatte eben dieſe Ausſtellung Shawls von außerordentlicher Breite und verhältnißmäßiger Län⸗ ge, von durchaus gleichem Gewebe und aus einem Stücke aufzu— weiſen, was bey den indiſchen Shawls ein ſehr ſeltener Fall iſt, bey welchen man immer deutlich die Stelle ſieht, wo ein neues angeſetzt wurde; die Verzierungen, beſonders in Palmblätterform, machten viele Schwierigkeit. Viel Zeit und Geduld gehört dazu, einen oſtindiſchen Shawl zu Stande zu bringen. Das gefärbte Garn, wodurch Blu⸗ men, Zierrathen, Borduren, Palmblätter ausgeführt werden, wird mit der Hand bald von oben, bald von unten durchs Ge⸗ webe geführt, und durch künſtliche Verſchlingungen Punct für Punct, der Zeichnung gemäß, befeſtigt. Eine Methode, die in jedem andern Lande außerordentlich koſtbar ſeyn würde, und nur in Indoſtan ausführbar iſt, wo der Handlohn für Weiber und Kinder, denen man dieſe Arbeit übergibt, ſehr niedrig ſteht. Die franzöſiſchen Fabricanten ſuchten dieſe Verzierungen auf ähnliche Art, wie bey den broſchirten Zeugen zu Lyon, durch ver⸗ ſchieden gefärbten Einſchlag zu Stande zu bringen, deſſen noth⸗ wendiges Feſtſchlagen aber eine große Haltbarkeit der Kette vor⸗ ausſetzte, welche anfänglich um ſo weniger gelingen wollte, da man ſie von Seide machte. Als man es ſo weit gebracht hatte, Gewebe zu liefern, II. 17 258 die auf einer Seite(aber nur auf dieſer allein) eben ſo ſchön, als die indiſchen Shawls ausgefallen waren, erklärten die Damen, auch auf der untern Seite müßten ſie den aſiatiſchen Shawls gleich kommen, wenn ſie ihnen etwas werth ſeyn ſollten. Indiens Vor⸗ bild mußte demnach vollkommen erreicht werden. Dieſes gelang endlich zuerſt dem Talent des Herrn Banſon. Seit 1819 brachte er dergleichen vollendete Shawls zur öffentlichen Ausſtellung, und fand eine Menge Nachahmer; mit jedem Jahre gelang die Arbeit beſſer, und jetzt läßt ſie nichts mehr zu wünſchen übrig. Zwiſchen indiſchen und franzöſiſchen Shawls findet nur noch der einzige Unterſchied Statt, daß jene zu ihrer Vollendung unend⸗ lich mehr Zeit brauchen, wodurch ſich der große Abſtand zwiſchen dem niedrigen Handlohn in Indoſtan und dem hohen in Frank⸗ reich wieder ausgleicht. So ward binnen zwanzig Jahren ein Fabrications⸗Zweig zum Grünen und Blühen gebracht, der ſowohl in Rückſicht des Stoffes als ſeiner Behandlungsart völlig neu zu nennen iſt. Man hatte dabey die Rivalität eines Volkes zu bekämpfen, das ſeit Menſchengedenken nicht nur Meiſter in dieſer Arbeit, und in ih— rem Alleinbeſitz war, ſondern ſich auch ſeit 5000 Jahren eine vom Vater auf Sohn fortgeerbte ausnehmende Handfertigkeit erworben hatte— und das mit Arbeitern, deren Lohn zehnmahl höher ſtand, und für welche der Stoff ſelbſt aus einer Ferne von mehr als 2000 Meilen herbeygeſchafft werden mußte! Man ahmte aber nicht nur die indiſchen Deſſins in Pal⸗ men ꝛc. nach; man webte auch die ſchönſten Blumen unſrer Län⸗ der hinein, und dieſe Shawls fanden in der Fremde noch grö⸗ ßern Beyfall, als in Frankreich. Man verfertigt allda Shawls aus Merinowolle, Ziegenflaum, bloßer Seide und gemiſcht von Seide und Baumwolle. Jede Fertigungsart hatte ihre eigene Schwierigkeiten, die man glücklich überwand. Man ahmte Zeich⸗ nung und Farben der Kaſchemir-Shawls durch Drucken nach, beſonders in Paris, Lyon, St. Quentin, Nismes und Mühl⸗ hauſen. B tal als men, lgleih 1 Per⸗ Selang tachte aung, 99 die 1o drig. t der 3 end⸗ 4 hen nank⸗ dyeig un des i an dleit i th⸗ mle wit ahl anhen u hal⸗ lin⸗ en gri⸗ a awlz 3 von = gene a eig⸗ 1u/ üühl⸗ 259 Bloß in Paris werden zu Shawls rohe Stoffe im Werth von 5,800,000 Franken verarbeitet, welche durch die Arbeit auf 14,800,000 Fr. erhöhet werden; woran der Ausländer ¼, alſo faſt den ganzen Werth des rohen Stoffes bezahlt. Dieſer Erfolg wird vorzüglich den ſo ſehr vervollkommneten Maſchinerien verdankt, ohne welche dieſe Fabrication noch lange hinter der indiſchen zurück ſtehen müßte. 472. Seit 1815 ſind in den mittäglichen Provinzen Frank⸗ reichs mehr als eine Million Maulbeerbäume angepflanzt worden, und der Seidenbau hat nicht allein in Quantität, ſondern vornehmlich durch Vermehrung derjenigen Sei⸗ denwürmer, welche nicht gelbe, ſondern blendend weiße Seide liefern, ſo bedeutend an Qualität gewonnen, daß wir zu den vorzüglichſten unſe⸗ rer Seidenſtoffe auslandtſches Material ganz⸗ lich entbehren können. 475. Nach den neueſten Berichten wird der jährliche Belauf der franzöſiſchen Manufactur⸗ und Fabriks⸗Induſtrie jetzt über 1870 Mill. Fr. geſchätzt; hiervon bleibt zum Vortheil der Manu⸗ facturen ein Überſchuß von etwas über 182 Mill. Fr. oder un⸗ gefähr 10 Procent, wenn man von der vorgedachten Summe 416 Mill. für den Werth der im Lande producirten rohen Ma⸗ terialien, 186 Mill. für den Arbeitslohn, und 192 Mill. für Geräthſchaften, Gebäude, Steinkohlen, Licht u. ſ. w. abzieht. Zu Mühlhauſen im Elſaß ſcheinen die Baumwoll⸗Maſchinen aus der Erde zu wachſen; in jedem Jahr entſtehen neue, und die Bewohner klagen ſehr über den Steinkohlenrauch der vielen Dampfmaſchinen. Die Baumwolle kommt meiſtens von Louiſiana, Bengalen und Braſilien. In Frankreich ſind im Ganzen 220 Baum⸗ woll⸗Spinnmaſchinen im Gange. Eine der Fabricationen, welche ſich, im ſtarken Betriebe erhält, iſt die des Runkelrüben-Zuckers. Bey der Induſtrie⸗Ausſtellung 1819 ſendete Graf Chap⸗ tal den ſchönſten Zucker ein, der aus dieſer Pflanze bereitet war. Der Runkelrüben-Zucker concurrirt bedeutend mit dem Rohrzu⸗ * 260 cker, beſonders da hohe Zollabgaben die Einfuhr des letztern be— ſchweren. Gegenwärtig ſind 20 Runkelrüben⸗ Zuckerfabriken in vollem Gange, und es wird mehr Zucker von Runkelrüben, und beſonders von Weintrauben, verbraucht, als vom Zuckerrohr. Man berechnet den Verbrauch des Zuckers in Frankreich gegen 40 Mill. Kilogramme(ein Kilogramm iſt etwas über 2 Pfund). Lyon hat jetzt 15,000 Seidenweberſtühle im Gange, und ſowohl in Hinſicht auf die Menge dieſer Fabricate, als auf ihre Vollkommenheit, den vorigen Flor und die alte Höhe erreicht. Frankreich liefert jetzt Flachs⸗Fabricate, worunter die ſchö⸗ nen Battiſte aus dem Nord-Departement ſich auszeichnen, für ungefähr 100 Million Fr., und Hanf⸗ Fabricate für ungefaͤhr 145 Mill. Fr. 474. Von roher Schafwolle verarbeitete Frankreich(182⁰) für den Werth von 95 Mill. Fr., welche zu Waaren veredelt, eine Summe von 258 Mill. Fr. ausmachen. 475. Ganz im Widerſpruche mit der franzöſiſchen neuen Zollauflage auf ausländiſche Wolle, hat Graf Liverpool am 15. März 1824 im Parlament auf die Herabſetzung der engliſchen Zölle von 6 auf Einen Pence pr. Pfund ſeinen Antrag geſtellt, und, ohne Oppoſition zu finden, durchgeſetzt, wodurch der engliſche Markt dem Abſatz unſrer Wolle für den Welthandel gleichſam ganz frey gegeben worden iſt, indem er die merkwürdige Thatſache anführte, daß von 45 Mill. Pfund Sterling Werth, auf welche Großbri⸗ tanniens Ausfuhr ſich davon jährlich belief, 21 Mill. ins übrige Europa, 5 nach Oſtindien und 19 nach Amerika gingen; aber zugleich auch die für die Natur des National⸗Reichthums erprobte, höchſt wichtige Lehre eröffnete, daß das Verboths⸗Syſtem die ſchädlichſten Wirkungen dießfalls erwieſen habe, und daß, erſt ſeit die erſchwerenden Laſten auf die Baumwoll⸗Manufacturen aus dem Wege geräumt, und dieſer Induſtrie⸗Zweig von ſeinen Feſſeln befreyt worden ſey, derſelbe ſich empor zu heben angefan⸗ gen habe. Im Jahre 1780 betrug die Ausfuhr der Baumwoll⸗ waaren nur 355,000 Pfd. Sterl., 1785, zwey Jahre nach dem n ke⸗ en in 1, und rohr. gegen Lund). n und ihre aht. ſto⸗ an für fhr 2 abelt, wen ärz mn mnne Unk ngten inarie, O bri⸗ annrige 2 dler 8 ote, rdie , eit a turen S einen an⸗ d. vol⸗ un dem 261 Frieden, 864,000 Pfd. Sterl., und die der Woll⸗Manufacturen 4 Millionen; jetzt beträgt die Ausfuhr der Baumwollwaaren 57,557,000 Pfd. Sterl., und die der Wollwaaren 7 Mill. Wo kann das Parlament einen beſſern Beweis von dem Vortheil eines freyen Handels finden? Dazu rechne man, daß im vorigen Jahre der inländiſche Verbrauch der Baumwoll⸗Manufacturen ſich auf 52 Mill. belief. Von dieſen ſind 26 Mill. reiner Verdienſt, der unter die verſchiedenen Claſſen des Volks ver⸗ theiltwird! Eine Mill. 200,000 Arbeiter werden dadurch in Thäͤtigkeit geſetzt. Wäre dieſes alles wohl bey beſchränkenden Geſetzen geſchehen? Wie ſieht es dagegen mit den Seidenwerkſtätten aus? Dort iſt der Mangel an Eifer im Fortſchreiten und in der Erfindung bloß eine Folge des Verboth⸗Syſtems. Mit gehörig ſchützenden Auf⸗ lagen gegen fremde Arbeiten thun wir Alles, was nur zum Wohl des Fabricanten möglich iſt. Der Handel⸗ dieſer Beförderer alles Wett⸗ eifers, muß aber frey bleiben. Ein Monopol⸗Syſtem kann nur großen Capitaliſten angenehm ſeyn. Um daher auch dieſem Zweige ſogleich einen Schwung zu geben, ſchlage ich vor, ſtatt am 15. July, ſchon den 25. d. M., die vorgeſchlagenen Maßregeln in Wirkung zu ſetzen, was nähmlich die Verminderung der Zollabgaben auf rohe Seide anbelanget; hingegen das Einfuhrverboth auf verarbeitete Seidenwaaren noch bis July 1826 beſtehen zu laſſen, um dem allgemeinen Wunſche der Arbeiter in dieſem Jahre zu begegnen. (Lauter und allgemeiner Beyfall.) Dieſe Reſolution wurde, nach⸗ dem man gerathen hatte, keine Stimmentheilung eintreten zu laſſen, ſo auch, aber bloß formell ohne Discuſſion, Folgendes angenommen, betreffend: Die Abgabe von fremder Schafwolle ſoll vom nächſten 5. July an, jedoch allmaͤhlig, zum Beſten der dabey betheiligten Perſonen, von 6 auf Einen Penny vom Pfund beſtimmt ſeyn; do. ein Nachlaß eines Zehntheils der Linnen⸗ Ausfuhr⸗Prämie in jedem Jahr, bis zum Aufhören des Ganzen; die Aufhebung des Verboths fremder Manufacte überhaupt, ge⸗ gen Beſteuerung mit 50 Procent. 476. England verdankt dieſen neuen hohen Aufſchwung ſeines 26² Handels⸗Syſtems ſeinem unſterblichen Landsmann Adam Smith, welcher dieſes Licht in ſeinem berühmten Werke über National⸗ Reichthum aufſteckte. Die franzöſiſchen Publiciſten nehmen von den neuerdings eingetretenen, großes Aufſehen erregenden Veränderungen im eng— liſchen Finanzſyſtem Veranlaſſung, allen denjenigen, die ſich mit politiſchen Studien beſchäftigen, die Vertrautmachung mit dem Adam Smith'ſchen Syſtem dringendſt anzuempfehlen. Man muß, wird auch in dem Jaurnal des Débats geſagt, jenes be⸗ rühmte Werk über den National⸗Reichthum als eines der merkwürdigſten Reſultate der modernen Civili⸗ ſation betrachten, die, durch Erzeugung großer, gemäßigter Monarchien, eine Ordnung der Din⸗ ge hergebracht hat, welche der alten Welt, in der es nur Republiken und deſpotiſche Reiche gab, ganz unbekannt war. Die griechiſche Philoſophie, in den hohen Regionen der Moral ſchwebend, ſann nur auf In⸗ ſtitutionen zur Verſicherung der öffentlichen Freyheit, zur Auf— regung der Thatkraft, der Vaterlandsliebe und der tugendhaften Hingebung; ſie verſchmähte es, ſich mit der Wiſſenſchaft der Auflagen, der Einkünfte, kurz, der Finanzen, zu beſchäftigen; dieſe Gegenſtände, welche man den niedern Geiſtern überließ, wurden nach der herkömmlichen Weiſe gehandhabt. Die freyen Völker rechneten allgemein auf den Tribut der unterworfenen Nationen, und auf die Beute von ihren Feinden. Die tugend⸗ haften Männer, Phocion und Cato, würden die ganze Welt zum Vortheile ihres Vaterlandes unbedenklich geplündert haben. Bey einer ſolchen Ordnung der Dinge war wenig Veranlaſſung vor⸗ handen, über die Natur des National⸗Reichthums nachzudenken. Derſelbe Geiſt, die hohen moraliſchen Ideen abgerechnet, waltete bey den modernen Regierungen bis zur Zeit von Sully und Colbert. Damahls aber entſtanden zwey verſchiedene Meinun— gen, deren eine den Landbau als die Grundlage des Wohlſtandes der Staaten anſah, wogegen die andere mehr die MNanufactur⸗ 15 ni. iäi, j an raulen 9 n⸗ 9 Sum 6s ben an Aper⸗ 1 9l. 1 Niel/ ull Tuun⸗ dndes a ur⸗ 263 und Handels⸗Induſtrie in Betracht zog. Denkende und eifrig ſtudierende Männer, die aber in der Staatsverwaltung fremd waren, bildeten Theorien über die Kunſt, die Nationen zu berei⸗ chern. Quesnoy an der Spitze der franzöſiſchen Okonomiſten, Stewart, Haupt derjenigen, die man mit dem Nahmen der Wagehalter(Balanceurs) bezeichnen könnte, weil ſie nur von Handels⸗Bilanz und Prohibitiv⸗Maßregeln träumten, gründeten zwey entgegengeſetzte Schulen. Da trat Adam Smith auf; er bemerkte, daß man weder in der einen, noch in der andern Schule das Princip der neuen Wiſſenſchaft ergründet habe; man hatte die Natur des National⸗Reichthums nicht genau beſtimmt. Er ſtellte den Grundſatz auf, daß die Arbeit der wahre Schatz der Nation iſt, und daß ſie ſelbſt den Preis jener Metalle beſtimmt, welche man als Reichthümer betrachtet, die aber im Grunde nur deren repräſentative Zeichen ſind. 477. England hat alſo nach dem neuen Princip des Adam Smith'ſchen National⸗Reichthums, den Erklärungen des engliſchen Staatsminiſters Liverpool gemäß, 1,200.000 Arbeiter mit Baum⸗ wolle beſchäftigt, und dadurch einen reinen Gewinn oder verhält⸗ nißmäßigen Verdienſt unter die perſchiedenen Claſſen von Arbei⸗ tern vertheilt. 478. Welch ein reges Leben und thätiges Beſtreben werden demnach die Seiden- und Woll⸗Materialien, nunmehr auch von ihren Feſſeln, den drückenden Zöllen, befreyt, und dem Weltmarkt in England geöffnet, zu veranlaſſen Gelegenheit geben, und zwar in einem Zeitpuncte, wo wegen der Handelsverbindungen mit Süd⸗Amerika dem Handel und Wohlſtand Englands noch nie ſo glänzende Ausſichten offen geſtanden ſind, als gegenwärtig, deren Rückwirkungen für die Woll⸗Producenten insbeſondere nicht anders, als nützlich und gewinnreich ausfallen können*), in⸗ *) Die Ausfuhr engliſcher Erzeugniſſe und Manufacturen nach Süd⸗ Amerika hat im vorigen Jahr ſehr zugenommen. Im J. 1821 164 dem das civiliſirte Süd-Amerika nun mit allen Nationen Euro⸗ pa's uneingeſchränkten Handel treiben kann, Englands Capita— liſten ſchon vortheilhafte Contracte, die koſtbaren Bergwerke wie⸗ der um die Hälfte des Ertrags lebendig zu machen, abgeſchloſſen, auch bereits Hand ans Werk gelegt haben; andere Geſellſchaften ſich hingegen zu gleichen und andern Unternehmungen von Zeit zu Zeit nach aͤhnlichen Grundſätzen bilden, und ſomit alle nöthige Hülfsmittel für einen ausgebreiteten und gewinnreichen Handel mit Umſicht ins Leben befördert werden; zugleich aber auch von Seite Englands ein Betriebs-⸗Capital in jene Handelswelt angelegt wird, welches ſeiner Natur und weit ausſehenden Tendenz nach zu urtheilen, verkündet, daß es den feſten Entſchluß gemacht hat, ſeine Handels-Intereſſen davon nicht mehr zu trennen, oder ſeine Betriebs⸗Capitalien zurück zu ziehen. Welche glänzende Hoffnungen, ſage ich, haben die Woll-Producenten und der geſammte Handel aus dieſen wichtigen Ereigniſſen in der Folge zu erwarten, da das Tragen leichter wollener Zeuge ſeit mehrern Jahren bey vielen Völkerſchaften in den wärmern Himmelsgegen— den ſtatt der bisherigen Baumwoll⸗ und Leinwandkleider, die weniger gegen Erkältung ſchützen, immer mehr zur Sitte wird, und ſelbſt ſogar wilde Völkerſchaften, die bisher nackt gegangen waren, mit der Civiliſation zugleich anfangen, ſich in Wolle zu kleiden. 8. 479. Das erſchollene Gerücht, daß Baumwolle das Tuch von Schafwolle erſetzen, oder daß durch eine Verbindung beyder 4 betrug ſie 3,227,560 Pfd. Sterling; im J. 2822, 3,867,959 Pfd. Sterl., und 1823, 5,648,769 Pfd. St. Man glaubt, daß ſie die⸗ ſes Jahr ungleich höher ſich belaufen wird. An fremden Manufac⸗ turen(meiſtens deutſchen) wurden aus England in jenen drey Jahren für 390,209 Pfd. St. dahin ausgeführt; es iſt daher zu hoffen und mit Grunde voraus zu ſehen, daß Deutſchland durch das neue engliſche Handels⸗Syſtem nach und nach bedeutenden Nutzen gewinnen wird. t ruw⸗ b ) iite⸗ r wie⸗ ſen, n fie 2 cheit n jige del meeite annegt 4 eznach ichict, Ader nhlde muner e fe 1ann Zu Seite 265. Gibraltar ging. *) Dieſes iſt rohe Vicogne⸗Wolle, die nach den frühern Naviggtionsgeſetzen nur in brittiſchen Schiffen eingeführt werden durfte, und folglich immer zuerſt nach Cadix und * Länder, von woher importirt 1816 1817 1818 1819 182⁰ 1821 1822 Pfd. Pfd. Pfd. Pfd. Pfd. Pfd. Pfd. Rußland.............. 228,673 13,737 772,483 585,643 75 614 67,147 180,937 Schweden..............—— 414—————— Danemark........ 114,041 111,116 449,833 317,878 13,527 1,301 72,435 Preußen............ 16,712 107,227 24 1,355 68,460 107,10⁰1 29,749 17.634 Deutſchland............ 2,816,655 4,816,567 8,432,237 4,489,478 5,115,442 8,615,526 11,125, 114 Holland............... 143,390 559,402 768,875 105,025 80,189 151,226 240,785 Flandern........... 77,625 321,950 325,566 33,564 105,862 159,361 377,822 Frankreich........... 221,595 770,344 2,129,677 998,640 230,909 251,567 675,148 Portugal............ 495,277 729 254 1/409,490 1,808,251 99,187 118,573 125,209 Spanien............ 2,956,607 6,2 82,073 8,760,627 5,528,966 3,536,229 6,968,927 5,994.298 Gibralkar............ 25,692 19,684 31,181 14,909 3 851 3,515 993 Italien............. 108,234 19,128 56,082 156,652 2,815 16,985 23,917 Malta..............„— 65,244 374,440 5,050— Joniſche 1„.„....———— 167———— . Zauuſg Vuoin......... 26,821 66,695 556,979 348,602 189,584 29,376 9353 Irland ffremde Wolle)... 1,171— 2,179— 98 2,759— Guernſey, Jerſey, Alderney fremde Won⸗ 9..— 5⁰9 112——— 253 Oſtindien und Cyina....— 8⁰⁸ 2,058—— 8,056 18,175 27447 Neuholland...-⸗......... 13,611— 86,52 74,284 99,4 15 175,433 138, 69 Morea............————— 11,969— Cap der guten Hoffnung...... 9,623 12,083 14,481 20,655 13,869 12,153 46,581 Brittiſch⸗ nordamerikaniſche Golonie.....—— 757— 13⁰——— Brittiſch⸗Weſtindien..... 6,329 1,642 349 1,008 760— 1,835 Vereinigte Staaten von Nordamerika.. 43,465 148,904 268,596 57,851 578 3⁰⁸ 3,77⁰ Braſilien..... 5,512 17,969— 667 4,227 3,368 4,467. Cna................—————— 15,660*) Valparaiſo.............————— 14,792—— 160 Buenos⸗Ayres. 206,454 21,707 294,712 1,‚109,855 68,759 7,905 13 Monte Video.—— 4,867———— Im Ganzen fremde Wolle........ 7,517,487 14,051,788 24,720 139 16,094,999 9,770,105 16,̃625,306 19,048,879 Irländiſche Wolle.... 598,807 654,121 1,653,737 89,370 254,628 45,276 260,260 Wolle von Guernſey, Jerſey, Alderney und Man. 1,570 9,934 31,610 5,974 19,015 9,461 44,031 ½ Total der Importation— 6,117,864 14,715,843 26,405,486 16,190,345 10,043,746 16,680,045 19,323,1 70 ⅔ In jedem Jahr bezahlten Zoll..... L. 26,56 L. 49,496]/ L. 87,143]/ L. 63,894] L. 181,860] L. 393,417 L. 402,484 Juhr hezi 7 Kil pe. 36. 9 13 S. 6 ¾ P. 11 S. 6 ⅞ P. 19 S. 6 P. 16 S. 5 P. 13 S. 7 P. 11 Sch. D Auf den Fuß v Schill Schill. Schill..5,3987S. uf den Fuß von....... Schill. 11 ill. 11 11 Den. pr. C. Den. pr. C. en pr. C. 6&☛ v. St. 60 pr. Pf. 60 pr Pf. 6 D. pr. Pf. ſich wiſſ als zieh das Halt und hat d fürcht für d Fabric len W Mag werde fabric der a ſich b ordine dende wihren der Län des im 42 d und 265 Stoffe dieſer Zweck erreicht werden könne, hat ſich gleich bey der Erſcheinung dieſer Fabricate, wie vorauszuſehen war, unbewährt erwieſen. So both man auf deutſchen Meſſen, ſelbſt von Man⸗ cheſter und Leeds aus, dieſen, von beyderley Wolle zuſammen ge⸗ webten neuen Stoff zum Verkauf aus. Er ſollte die Stelle des Dop⸗ pel⸗Caſemirs vertreten, und ſowohl durch die Benennung Mina- cloth(Mina⸗Tuch), als durch ſeine ungemeine Wohlfeilheit den Weg zu einem guten Abſatz bahnen. Die Baumwolle verrieth ſich ſchon beym erſten Blick auf der rauhen Seite, und nur Un⸗ wiſſende konnten verlockt werden; denn nichts iſt unvertraͤglicher, als Schafwolle und Baumwolle in einem Gewebe. Die letztere ziebt ſich bey jeder Feuchtigkeit zuſammen: die erſtere bleibt; das gibt häßliche Runzeln, und Zeuge der Art entbehren aller Haltbarkeit. Man hat die Sache auch in Frankreich mit Merinos und Caſemirs verſucht, iſt aber bald davon zurück gekommen. Alſo hat die Woll⸗Production auch von dieſer Seite nie Eintrag zu fürchten. 480. England, vorzüglich aber London, iſt der Weltmarkt für den Wollhandel und deſſen Preiſe. Die ungeheure Woll⸗ Fabrication Englands und der Abſatz ihres Productes nach al⸗ len Welttheilen hin regulirt den Wollhandel und deſſen Preiſe. Mag immer die jährliche Einfuhr 150,000 Centner angenommen werden(wovon etwa 200,000 St. Tuch und 240,000 St. Caſemir fabricirt werden), ſo beträgt dieſes doch nur den 6. oder 7. Theil der auf eine Million Centner Wolle von 40 Millionen Schafen ſich belaufenden eignen Woll⸗ Production, die jedoch meiſtens ordinäre und gröbere Sorten ſind. 481. Folgendes iſt eine auf officielle Urkunden ſich grün⸗ dende überſicht aller Einfuhren von Wolle nach Großbritannien während ſieben Jahre, mit Angabe des Quantums in jedem Jahre, der Länder, woher die Importationen geſchehen und des Belaufs des im jeden Jahre bezahlten Zolles. (Siehe beyfolgende Tabelle.) 266 482. Aus vorſtehender höchſt intereſſanter Tabelle geht das Reſultat hervor, daß, ungeachtet des beſtehenden ſtarken Ein— gangszolles, die Importationen von Wolle aus Rußland(Odeſſa), Dänemark, Deutſchland, Flandern, Frankreich, Italien, Spa⸗ nien und Portugal in dem Verhältniß ihrer Güte ſehr ſchnell zu⸗ nahm, während aus andern Gegenden, wo keine feine Wolle er— zeugt wird, wie aus Malta, der Türkey, Buenos⸗Ayres ꝛc. die Zufuhr abnahm, indem die Wolle dieſer Länder wegen des entfernten Transportes den ſtarken Zoll zu tragen nicht im Stände iſt. 483. Die engliſche Ausfuhr belief ſich im J. 1822: An Baumwollwaaren. 221,659,000*) „ Wollwaaren.. 5,500,000**) „ Leinwand....... 2,300,000 Seidenwaaren... 156,000 484. Die engliſche Negierung hat, wahrſcheinlich in Er— wägung, daß die Quantität der Wollerzeugung mit dem Bedarf ihrer Manufacturen, ohne die Preiſe der Wolle außeordentlich zu ſteigern, und vielleicht auch nicht ohne Berückſichtigung der Fol⸗ gen der Paccination und der gegenwärtigen Ausſichten für den Aufſchwung des Handels, ſo eben(im May 1824) in Folge der Hamburger Liſte der Börſehalle, mit Bewilligung des Parla⸗ ments einer auf Actien gegründeten Compagnie, mit wirkenden Capitalien von großem Umfange, 1 Million Acres Land in Neu⸗ Süd⸗Wales †) förmlich geſchenkt, unter der feſten Bedingung, **v) 2) *) 5 Millionen mehr als 1820, die Baumwolle iſt 1822 um 10 Proc. geſtiegen. *) ½ mehr als im Jahre 1820. Die Wolle iſt im Jahr 1822 um 13 Proc. geſtiegen. ***) 800,000 mehr als 1820. Dieſer Artikel iſt um 12 Proc. geſtiegen. †) Nach den neueſten Reiſeberichten aus Neu⸗Süd⸗Wales beträgt daſelbſt die Geſammtzahl der von der Colonie in Beſitz genomme⸗ nen Ländereyen 390,000 Acres. Von dieſen ſind 18,000 mit Wei⸗ zen, Gerſte und Roggen, 12,000 mit Mais angepflanzt, 2000 zu unv brin in i Capi um Die zu il mache — „ æx=— — —. — den ſceu⸗ zung, 267 unverzüglich ganz veredelte große Schafherden auf dieſelben zu bringen, und zur Wollerzeugung zu unterhalten. Eine zweyte, in ihrer Art eben ſo wichtige Compagnie, ebenfalls auf Actien⸗ Capital von großem Umfange gegründet, iſt ſo eben im Entſtehen, um in dem unter Neu⸗Holland gelegenen, benachbarten Van Diemenslande einen ganz ahnlichen Plan auszuführen, wo⸗ zu ihr die Regierung 500,000 Acres Weideland zum Geſchenk machen wird*). Gärten angelegt, u. ſ. w.— Die Haupterzeugniſſe der Colonie, welche ausgeführt werden, ſind Getreide und Fleiſch. Die Zahl der nach Neu⸗Süd⸗Wales und van Diemensland Deportirten betrug von 1817—1820 22,217 Männer und 3,661 Weiber. *) Im Jahre 1803 waren nach Capitän Arthur 4000 Schafe, die ſpaniſche Widder zur Nachzucht erhielten, allda vorhanden, und man verſicherte ſchon damahls, daß die Colonie in 20 Jahren alle Wolle liefern würde, die England vom Auslande bedürfe. Bis zum Jahr 15611 fand es ſich, daß nur 4600 Schafe vorhan⸗ den waren, und man bemerkte, daß die Schafeigenthümer nur auf Fleiſch⸗Production Rückſicht genommen, und die Speculation auf Wolle vernachläſſiget, auch wahrſcheinlich nicht verſtanden hatten. Der eigene Bedarf dieſer anwachſenden Colonie an Nah⸗ rungsmitteln; die dort herrſchende Trockenheit, die den Futter⸗ bau ſchwierig macht; die große Entfernung von Europa, und die Schwierigkeiten und Koſten des Transportes überzeugen uns, daß wir von daher nicht viel zu beſorgen haben können. Die Wollproben, welche in den neueſten Zeiten von neuhollän⸗ diſcher Wolle nach Deutſchland gekommen ſind, gehören der Qua⸗ lität nach in die Claſſe der zweyten Generation, und ſind nach dem ſpaniſchen Woll⸗Sortiment, Tertia⸗Wolle. Die auſtraliſche Ackerbaugeſellſchaft, welche in der Parlaments⸗ ſitzung 1824 incorporirt wurde, erhält große Unterſtützung von der Regierung. Ihr Capital beſteht aus 1 Mill. Pfd. Sterl., in 10 000 Actien von 100 Pfd. St. vertheilt. Die Krone überläßt der Geſellſchaft eine Million Acres Land, unter der Bedingung, die Schaf⸗, Wein⸗ und Ohl⸗Cultur ausſchließlich zu befördern, wofür das Klima beſonders geeignet ſeyn ſoll. Es iſt hier zu be⸗ 268 Rußland. 485. Die Tuchfabriken machen vor allen übrigen Gewerbs⸗ Induſtrie⸗Zweigen die meiſten Fortſchritte. Da der nächſte Zweck merken, daß ſich jährlich auf 20 Mill. Pfd. Sterl. in England der Verbrauch der feinen Wolle beläuft, die bis jetzt nur aus Deutſch— land und Spanien gezogen werden mußte. Es frägt ſich aber, ob das dürre Klima Auſtraliens der Cultur der feinen Schafe wegen Futtermangels nicht die nähmlichen unüberwindlichen Hinderniſſe in den Weg legen werde, welche die Bewohner des ſüdlichen Ruß⸗ lands nun ſeit mehrern Jahren belehret haben, daß einige tro⸗ ckene Mißjahre ſchon hinreichend ſind, dasjenige zu zerſtören, was man mit Mühe und großem Aufwande früher bewerkſtelliget hatte. In der That, die Meinung, daß das ſüdliche Rußland einſt in dem europäiſchen Wollhandel eine große Rolle ſpielen wird, ſcheint ſich, laut der neueſten Nachrichten von daher, durch die Erfah⸗ rung keineswegs zu beſtätigen; im Gegentheil, die drey letztver⸗ floſſenen trockenen Jahre in jener Gegend haben eine ſolche Cala⸗ mität unter den dortigen Eigenthümern der Pferde⸗, Hornvieh⸗ und Schafzucht hervorgebracht, daß, wenn durch Zufall noch ein ähnliches trockenes Jahr unmittelbar darauf erfolget, es um die Fortſchritte der Viehzucht in jenen Gegenden auf viele Jahre de⸗ ſchehen iſt! Um ſich eine Vorſtellung von dem dortigen Futter⸗ mangel machen zu können, will ich folgende Thatſachen, die mir von dorther berichtet wurden, anführen. Auf das ſehr trockene 1821 Jahr hatte die Dürre im Jahre 1822 ſchon einen ſolchen Einfluß, daß Güterbeſitzer, die ſonſt z. B. jährlich um 20,000 Rubel Heu nach Odeſſa verkaufen konnten, ſelbſt in den Fall gekommen ſind, nachdem der ganzjährige Vor⸗ rath, worauf in jener Gegend gehalten werden muß, conſumirt war, ſchon etwas kaufen mußten. Im Jahre 1823 waren dieſe Güterbeſitzer, wegen anhaltender Dürre, bemüſſiget, ſtatt, wie ge⸗ wöhnlich, um 20,000 Rubel Heu zu verkaufen, um 30,000 zu er⸗ kaufen, und die Herden wurden außerordentlich vermindert. Im Jahre 1824 war aber wegen Mangels an Regen die Noth ſo hoch geſtiegen, daß manche ſehr vermögliche Güterbeſitzer auf 30— 40 Meilen Wegs das Futter herbeyſchaffen ließen, um das Vieh, war, digen hener⸗ derm Land⸗ ſchem jedes deren dig ein weiter Miniſt Apprete hier au bel Auf als ihre und die ter anve lauf ang ſter in a nd der utſch⸗ tr, ob ſvegen Prniſe Ruß⸗ 9) tro⸗ ii was Uhatte. diſt in icheint derfah⸗ grver⸗ hala⸗ d ieh⸗ lein die 6 v. natter⸗ 4¹ wit 4 1622 8, N . d. mrünten, Ni De⸗ fumirt l enn dieſ 3 wie ge⸗ o it er tt. In 3 ſo hoch 0- 40 Vich, war, durch ſie die dringendſten Bedürfniſſe des Staates zu befrie⸗ digen, und ein vollkommenes Product nur erſt nach weiter gedie⸗ hener Induſtrie und Civiliſation geliefert werden kann; ſo werden dermahlen auch nur grobe und Mitteltücher am meiſten verfertigt. Land⸗ und Seetruppen werden jetzt nicht nur durchaus mit ruſſi⸗ ſchem Tuche gekleidet, ſondern die Regierung behält auch noch jedes Jahr mehrere Millionen Arſchinen zur Verfügung übrig, deren ſie nicht für den Militär⸗Dienſt bedarf. Daraus muß nothwen⸗ dig ein Streben hervorgehen, es in Verfertigung feiner Tücher weiter zu bringen. Hierzu recht aufzumuntern, hat der Finanz⸗ Miniſter, auf Befehl des Kaiſers, in Moskau eine Färberey⸗ und Appretur⸗Lehranſtalt für 150 Lehrlinge errichten laſſen, welche hier aus allen Ständen, gegen eine jährliche Zahlung von 250 Ru⸗ bel Aufnahme, Verpflegung und Unterricht ſinden, und für nichts als ihre Kleidung ſorgen müſſen. Die Lehrzeit iſt auf zwey Jahre, und die Dauer der Anſtalt, deren Leitung dem Fabriksrath Heu⸗ ter anvertraut wurde, auf ſechs Jahre feſtgeſetzt, nach deren Ver⸗ lauf angenommen werden kann, daß eine hinlängliche Zahl Mei⸗ ſter in allen Provinzen Rußlands vorhanden ſeyn werde. Mit großem Ernſte und rühmlicher Energie werden die Tuch⸗ wegen Mangels an Weiden nicht verhungern zu laſſen. Das edelſte Vieh, Pferde, Kühe, Schafe, iſt im Sommer 1824 um den hal⸗ ben Werth des Fleiſches, und umſonſt, zu bekommen geweſen: davon verſicherte mich ein ſehr achtbarer Reiſender, der ſelbſt in jener Gegend begütert iſt. Derley Naturbegebenheiten können zuweilen in ſolchen trockenen Himmelsgegenden in einigen Jahren auf einmahl vereiteln und vernichten, was in fünfzig vorher gegangenen mit außerordentli⸗ cher Mühe und Anſtrengung bewerkſtelliget worden iſt. Gegenden, welche ſolch einem klimatiſchen Wechſel öfters unterliegen, ſind⸗ nicht zu ſoliden merkantiliſch-ökonomiſchen Unternehmungen ge⸗ eignet; daher hat der deutſche Wollhandel von dieſer Seite ſchwer⸗ lich einen bedeutenden Abbruch zu befürchten. 27⁰ Manufacturen im ruſſiſchen Pohlen und in Rußland, beſonders in und bey Moskau betrieben. 486. Es iſt Thatſache, daß ein im Geſchäft ſehr geübter Niederländer für Moskau geworben wurde, und dort mit Unter⸗ ſtützung des Kaiſers eine Manufactur in feinen Tüchern, wie ſie die Städte Eupen und Verviers liefern, in Gang zu bringen. 487. Man kauft nun für ruſſiſche Rechnung in Leipzig edle Wolle, und ſelbſt in Warſchau finden die nähern Schäfereybeſitzer Gelegenheit, derley edle Wolle in der dortigen Fabrik um billige Preiſe abzuſetzen. Es ſcheinen überhaupt die Fabriken einen beſſern Fortgang als die Schäfereyen zu haben. 488. Es ſollen nach und nach an 1000 Köpfe aus den klei⸗ nen preußiſchen Manufactur⸗Städten der Neumark, Schleſiens und des Herzogthums Preußen, aus Züllichau, Cottbus, Grün- berg, Meſeritz u. ſ. w., bey der durch die ruſſiſchen Verbothe ſto⸗ ckenden Beſchäftigung, und durch günſtige Verſprechungen an⸗ gelockt, nach Warſchau und tiefer hinein eingewandert ſeyn. 489. Dieſe erſten Fabrikunternehmer, durch kaiſerliche Be⸗ günſtigungen ermuntert, haben anfänglich mit außerordentlichen Hinderniſſen zu kämpfen; denn es liegt unſtreitig eine ſehr große Annehmlichkeit für die Fabriksherren darin, wenn die Arbeiter von der früheſten Kindheit an zur Fabrication ausſchließlich auf— erzogen ſind. Der höchſte Grad von Fertigkeit und Genauigkeit iſt nur durch ſehr frühe Angewöhnung zu erreichen; und nur Men⸗ ſchen, welche ſchon beym Eintritt in die Jünglingsjahre zu ſehr an die Beſchäftigung ihrer Altern gewöhnt ſind, um noch eine Wahl zu haben, werden bey dem geringern oder wenigſtens un— ſichern Erwerb, der den Fabriksarbeitern in der Regel gewährt werden kann, ſich dennoch dieſer Lebensart widmen, und lieber dabey, als bey einem andern Geſchäft ausharren. Aber dieſe Vor⸗ theile, auf welchen die Wohlfeilheit und die Vollkommenheit der Fabrikarbeiter und der Manufactur⸗Producte beruhet, finden ſie wohl nicht ſobald noch in den Eingebornen. Da wird Nüchtern⸗ Ren mö maͤr hans gen i führ die A den Trane ihnlic ſhöne! ſetzt ut um din Thaer: teyen, ſter der diel 6 underg gelegt ſtand, nützlie ahbgeſe Käufe! Erfolg ders uöter Unter⸗ , wie 9 n edle jeſizer nillge jeſern llei⸗ und Prün⸗ d ſt⸗ n an⸗ then gerße geiter ii auj⸗ digkii (Meu⸗ eu ſeh nch dune u un⸗ gerin litda räee⸗ aheit der du ſü ictern⸗ 271 heit oder Enthaltung vom Trunke wohl nicht immer dem Werk— ſtuhle zur Seite ſtehen, und Hand in Hand mit dem Maſchinen⸗ meiſter gehen!— 490. In Hinſicht der Errichtung eines jährlichen Wollmark⸗ tes in Warſchau iſt von Sr. Maj. Alexander I., Kaiſer aller Reußen, König von Pohlen, ein Patent erlaſſen worden, ver— möge deſſen, in Erwägung, welche Vortheile die Haupt-Woll⸗ märkte in andern Ländern verſchaffen, alljährlich vom Tage St. Jo⸗ hann des Täufers zehn Tage hindurch, vom Jahre 1823 angefan⸗ gen, ein Wollmarkt abgehalten wird. Zur Niederlage der ange⸗ führten Wolle beſteht ein ſicheres Lager in Mariewil, wo auch die Wollwage iſt, und für die Wolle, welche vom Auslande auf den Haupt⸗Wollmarkt nach Warſchau gebracht wird, iſt das freye Tranſito über die Gränze zugeſichert. Königreich Preußen. 491. In keinem Staate ſind noch in ſo kurzer Zeit mit ähnlicher Energie und liberalen Unterſtützungen der Regierung ſo ſchöne Plane zur Emporſchwingung der Woll⸗Induſtrie durchge⸗ ſetzt worden, wie im Königreich Preußen, und dem Genie des um die deutſche Landwirthſchaft hochverdienten Herrn Staatsraths Thaer, als Oberintendanten aller königl. Merinos⸗Stammſchäfe⸗ reyen, ſo wie Sr. Excellenz oem Grafen von Bülow, als Mini⸗ ſter des Innern, gebühret die Ehre, durch unermüdetes Wirken viel Großes und Nützliches gethan, und den Grund zu einem unvergänglichen Narional⸗Reichthum für die preußiſche Monarchie gelegt zu haben. 492. Alles, was dem Aufſchwung der Woll⸗Cultur im Wege ſtand, wurde beſeitigt; hingegen befördert, was ihrem Gedeihen nützlich war. Der Zoll der Wolle wurde gleichſam auf Nichts her⸗ abgeſetzt, um den Handel zu erleichtern, und Wollmärkte, um Käufer aus dem Auslande herbeyzuziehen, mit dem glücklichſten Erfolge eingeführt. 272 495. Kein Staat beſitzt ſo viele Wollmärkte, als die preu⸗ ßiſche Monarchie, worunter der Breslauer und Berliner nicht al⸗ lein ihres großen Abſatzes, ſondern ihrer nachahmungswürdigen Einrichtung wegen ſehr berühmt ſind. Dieſe muſterhaften Anſtal⸗ ten ziehen nicht nur eine Quantität fremder Käufer ins Land, welche ihre Bedürfniſſe hier ſuchen und finden, wie aus der eng⸗ liſchen Einfuhrs⸗Tabelle erſichtlich iſt, ſondern die einheimiſchen Fa⸗ briken befinden ſich wegen der gelegenſamen nahen Auswahl ih⸗ rer Bedürfniſſe ſehr wohl dabey, wofür die Vermehrung der Wollfabriken einen Beweis abgibt. 494. Da man gegenwärtig auch ſehr ernſtlich damit beſchäf⸗ tiget iſt, die zierlichen Shawls nicht nur nachzuahmen, ſondern durch Verbeſſerung der ſo oft höchſt verworrenen Palmetten⸗Muſter auch zu übertreffen, ſo kann man um ſo weniger an einem glück⸗ lichen Erfolge zweifeln, beſonders weil ſich die einheimiſchen Ma⸗ nufacturen unter dem kräftigen Einfluß des Miniſters des Handels, des Grafen von Bülow Excellenz, durch die techniſche Deputation der Gewerbe, der thätigſten Unterſtützungen zu erfreuen haben. Da⸗ hin gehört ein mit königlicher Pracht ausgeführtes Kupferwerk: Vorbilder für Fabricanten und Handwerker beti⸗ telt, welches, nach meiſterhaften Zeichnungen von den erſten Künſtlern inner⸗ und außerhalb der Monarchie geſtochen, unent⸗ geldlich allen Induſtrie⸗Schulen und großen Fabrikunternehmun⸗ gen, die ſich beſonders bey der großen in Berlin Statt findenden polytechniſchen Ausſtellung legitimiren, vertheilt zu werden pflegt. 495. Der Werth der Wolle, welche nach dem Zoll⸗Tariff, nach welchem 3 Rthlr. pr. Centner in die Caſſe fließen, ins Aus⸗ land geht, ergibt Folgendes: Im Jahre 18¹19 betrug die Wollausfuhr 49,378 Ctr. — 49,011— —— 1820—— Der Werth davon, da nur ſortirte Wolle in beſter Qualität aus⸗ geführt wird, einen Centner nur zu 100 Rthlr. angenommen, beträgt in jedem Jahre 4,900,000 Rthlr. Die Ausfuhr an Woll⸗ fabricaten iſt nicht genau zu beſtimmen.. 60 5. Deu Einfl gen 3 übertt II keu⸗ t al⸗ digen nſia⸗ and, eng⸗ in Jo⸗ ihl i g der nſcüſ⸗ endern uſeer aglüc⸗ M⸗ dels, an der Da⸗ gert. eti⸗ ſen waen⸗ amun⸗ eadenden ez vfegt — Taſf 2 3 Aus⸗ 15 3 tr. itit aub⸗ 1 ommen 1 Pell⸗ 275 Im Jahre 2820 ſind verzollt.. 1,977,950 Pfd. verſteuert worden. 49⁰,224— folglich ſind.. 2,487,706 Pfd. als wieder ausgeführt anzunehmen. Die Tabellen des Jahres 1820 liefern nicht volle 9 ½ Mill. Schafe; darunter: ganz veredelte... 9⁰2,446 halb veredelte... 5,119,638 unveredelte... 5,321, 445, wovon etwa 1800 Stück auf die ◻ Meile im Durchſchnitt kom⸗ men. Ergänzt man die Mängel der Tabellen, die von dieſer Art immer zu niedrig ausfallen, ſo dürfte man wohl den Geſammt⸗ ſtand auf 11— 12 Mill. annehmen. Nimmt man 2 Pfd. Wolle im Durchſchnitt jährlich von jedem Schafe an, ſo geben 12 Mill. Schafe 24 Mill. Pfd. Wolle(240,000, Ctr.), und etwa im fol⸗ genden Verhältniß: 2 Mill. feine, 8— halbfeine, 14— Landwolle. Setzt man den Durchſchnittpreis für die erſte Sorte den Stein (zu 22 Pfd.) auf 24, für die zweyte auf 16, und für die dritte auf 8 Thaler; ſo würde der ungefähre Geldwerth betragen: 1) 2,182,000 2) 5,818,000 5) 5,091,000 15,091,000 Thaler. Hamburg. 496. Die Veredlung der Wolle, welche ſeit 25 Jahren in Deutſchland eingetreten iſt, hat auf Hamburgs Handel nützlichen Einfluß gehabt. In dieſem kurzen Zeitraum haben die Bemühun⸗ gen zur Veredlung dieſes Erzeugniſſes alle Erwar tungen ſo ſehr übertroffen, daß ſchon jetzt jährlich 30 bis 40 Mill. Mark Banco II. 18 274 in dieſem Waaren⸗Artikel umgeſetzt werden; der größte Theil wird über Hamburg ins Ausland verſendet. In den Jahren 1820, 1821 und 1822 hat England 8 ½ Mill. Mark Banco an Zoll auf Wolle erhoben, welche aus Deutſchland eingeführt wur⸗ de, und in dieſen drey Jahren, in welchen die Geſammteinfuhr von Wolle in England 46 Mill. Pfd. betrug, haben Spanien und alle übrige Länder nur 21 Mill., dagegen Deutſchland 25 Mill. Pfd., alſo weit über die Hälfte der ganzen Einfuhr, dazu geliefert. 497. Nach officiellen Berichten wurde von deutſcher Wolle in England eingeführt: im Jahre 1816: 2 Mill. 816,655 Pfd.; im J. 1817:4 Mill. 816,567; im J. 1818: 8 Mill. 452,257 Pfd.; im J. 1819: 4 Mill. 459,478 Pfd.; im J. 1820: 5 Mill. 115,442 Pfd.; im J. 1821: 8 Mill. 615,526 Pfd.; im J. 1822: 11 Mill. 125,114 Pfd.— Aber nicht in England allein, ſondern auch in die Niederlande, in Frankreich, Schweden, Dänemark, wurde ſehr beträchtliche Wolle eingeführt, und in wenigen Jah⸗ ren wird der ſchon ſichtbare Bedarf für die amerikaniſchen Frey⸗ ſtaaten ſich bedeutend vergrößern. 498. Die neueſte Herabſetzung des höͤchſt läſtigen engliſchen Einfuhrzolls von 6 Pence auf 1 Pence vom Pfunde wird den Wollhandel ſchon im Allgemeinen außerordentlich befͤrdern, und die Speculation in der Erzeugung und im An⸗ und Verkaufe ſteigern. 4 499. Auf die vorſtehenden Data, ſo wie auf andere Bemer⸗ kungen, gründete die Hamburger Central⸗Caſſe einen Plan zur Errichtung eines allgemeinen Wollmagazins, das natürlich, wenn es, wie nicht zu zweifeln iſt, zu Stande kommt, für Hamburg ſehr vortheilhaft werden, und den dortigen Handelsverkehr bedeu⸗ tend vermehren muß. Da die Wollerzeuger oft in Verlegenheit ſind, und baren Vorſchuß brauchen, ſo leiſtet ihnen die Central⸗ Caſſe ſolchen, welches allerdings für den Augenblick oft einen be⸗ deutenden Vortheil gewährt. bey mehr in vit ſcon Frank Kaſche Frank natürl die C Man indiſe züglic zum der A hat e Koſte werd lichke tet. der Theil ihren dan wur⸗ nfuhr anien d 25 dazu Polle Pfd.; Pfd.; Mil.. 622: ndern nark, und kkaufe zemer⸗ m zur „wenn umburg bedeu⸗ genheit kentral⸗ ꝛen be⸗ Allgemeine Notizen. 500. Die Shawl⸗Fabricate und der Shawl⸗Handel gehören jetzt zu den wichtigſten Handelszweigen. Man kann in der That ſagen, daß durch ihre Koſtbarkeit und Mannigfaltigkeit alles En⸗ toilage⸗ und Spitzenweſen einen Todesſtreich bekommen hat. Brit⸗ ten und Franzoſen, Deutſche und Ruſſen treten hierbey in den regſten Wettkampf. Bekanntlich hat der ſpeculative Ternaux durch die Überſiedelung einer Herde Angora⸗Ziegen aus Perſien nach Frank⸗ reich der dortigen Fabrication von echten Kaſchemir⸗Shawls einen großen Umſchwung gegeben, mehr in der Meinung als in der Sache; denn von jeher kamen ja große Ballen dieſes Stoffes aus der Levante zu uns. 5⁰1. Der König von Frankreich hat auf ſeiner Schäferey bey Perpignan auch dieſe Ziegenzucht königlich gefördert. Mit mehr oder weniger Verfälſchung werden nun dieſe echten Shawls in vielen Fabriken Frankreichs verfertiget, und der Urſtoff iſt ſchon ſo häufig geworden, daß der Kilogramm von 40 auf 18 Franken geſunken iſt. 5⁰2. Man hat in Edinburg und Glasgow auch auf echten Kaſchemirſtoff ſpeculirt, und behauptet, ſelbſt junge Ziegen aus Frankreich erhalten zu haben. Man verfälſcht den Ziegenflaum natürlich mit Seide. Bey genauer Vergleichung zeigte ſich, daß die Edinburger noch netter und in den Muſtern genauer ſind. Man nahm dabey ganz echte indiſche Shawls, wie ſie im oſt⸗ indiſchen Haus in London zur Auction kommen— einer der vor⸗ züglichſten wurde dort ſelbſt an 400 Pfund Sterling geſchätzt— zum Vorbild. Die Menge der Borduren und Palmetten nebſt der Abwechſelung der Farben in dem innern Raume— jedes Feld hat eine andere Grundfarbe— machen die Koſtbarkeit wegen der Koſten der Zubereitung und der Weberey.— Die rein weißen werden von den engliſchen Lady's ſelbſt aller buntfärbigen Herr⸗ lichkeit vorgezogen, und für die Tracht der Vornehmſten geach⸗ tet. Sie dürfen durchaus keine Naht in der Umgränzung der Fel⸗ der zeigen. * 276 505. In Rußland beſtrebt man ſich jetzt, in Verfertigung koſtbarer Shawls den Türken und Franzoſen gleich zu kommen. So will man nahmentlich zu Tambow das Spinnen und Weben der feinen Ziegenhaare zu einer ſolchen Vollkommenheit gebracht haben, daß die dort verfertigten Shawls an Feinheit den tibeta⸗ niſchen nichts nachgeben ſollen. 5⁰ ½. Man iſt jetzt in einigen preußiſchen Fabriken ſehr ernſt⸗ lich damit beſchäftigt, dieſe zierlichen Shawls nicht nur nachzu⸗ machen, ſondern durch Verbeſſerung der oft höchſt verworrenen Palmetten Muſter auch zu übertreffen. Dieß wird gelingen, beſon⸗ ders durch die Ermunterungen, welche unter dem kräftig vermit⸗ telnden Einfluß des Miniſters des Handels, des Grafen von Bü⸗ low, und durch die techniſche Deputation der Gewerbe den einhei⸗ miſchen Manufacturen zu Theil werden. 505. Der Kunſtfleiß hat bey uns, und beſonders in Wien, hierin auch ſchon bedeutende Fortſchritte gemacht. Muſterhaft und höchſt ermunternd für alle Zweige der Induſtrie iſt das Verfahren unſerer höchſt wirkſamen Commerz⸗Hof⸗Commiſſion in Wien für die geſammten bſterreichiſcen Staaten. Ihr Präſident, Sr. Ex⸗ cellenz der rühmlichſt bekannte Herr Philipp Rirter von Stahl, umfaßt alle Zweige des Handels und des inlaͤndiſchen Kunſtfleißes mit raſtloſem und patriotiſchen Eifer. Kunſtfleiß und Ackerbau, überladen mit ihren Erzeugniſſen, erwarten daher mit Zuverſicht zahlreichere Abſatzwege und Erleichterung ihrer Lage, und es iſt zu hoffen, daß die nun regulirten Angelegenheiten der Elbe⸗Schifffahrt auch eine Verbindung der Donau mit der Elbe zur Folge haben kann, welches auf die Ausfuhr der vaterländiſchen Induſtrie⸗Producte nach den überſeeiſchen Ländern von unberechen⸗ baren Folgen werden könnte, indem dadurch günſtigere Verhältniſſe für das Gedeihen von Fabriken und Manufacturen herbeygeführt, der commerziellen Thaͤtigkeit, ſich mit dem Betrieb der induſtriel⸗ len Producte nach dem Auslande zu beſchäftigen, die Mittel ver⸗ ſchafft, und ſo durch künſtliche Mittel die Unterthanen zur Reife des Wohlſtandes geführet werden würden. men. gege Priv mißlu benen Preuf König zu er und i neuen zum gehen Dſter fahrt lirun heres lien eign Com lgung amen. deden aoracht erni⸗ euczu⸗ enen neſon⸗ rnit Bi⸗ aenhei⸗ n ien, Fhund 124 iiſhen etir Slltiſ eführt uſtie⸗ el vel⸗ Reif 277 Im Hesperus, Jahrgang 1823, wird Seite 169 Folgen⸗ des über die Commerz⸗Hof⸗Commiſſion angeführt:„Damit man ſich nur einiger Maßen einen Begriff von der Wichtigkeit dieſer Stelle und von der Thätigkeit der Oberbehörden im Staatsrathe und bey dem Finanzminiſterium mache, welche leitend hier eingrei⸗ fen: ſo will ich einige Beſchäftigungen der Commerz⸗Hof⸗Com⸗ miſſion näher bezeichnen, die ſie theils dereits vollführt, oder die ihr doch aufgetragen wurden. Sie brachte zu Stande: 1. Die Regulirung der Elbe⸗Schifffahrt, beſonders zu Böh⸗ mens Vortheil; 2. einen neuen allgemeinen(ſtrengen, hauptſächlich auch gegen die Schwärzerey gerichteten) Tranſito⸗Tariff; 3. einen allge meinen neuen Zolltariff; 4. eine neue Geſetzgebung und Grundſätze für Ertheilung der Privilegien. Andere wichtige Leiſtungen ſind noch im Werke, oder aber mißlungen. Das letzte dürfte der Fall ſeyn mit den eifrig betrie— benen Verhandlungen, den freyen Verkehr zwiſchen Rußland, Preußen und Pohlen wieder herzuſtellen, ſo wie er im ganzen Königreich Pohlen vor der erſten Theilung Statt fand. Woraus zu erſehen, daß es auch hier nicht an Sinn für Handelsfreyheit und ihre wohlthätigen Folgen fehle. Aber bekanntlich haben die neuen ruſſiſchen Zolltariffe ſich mehr für die gegentheilige Maxime, zum großen Nachtheil der öſterreichiſchen Fabriken erkläret; indeß gehen noch immer außerordentlich viele rohe ruſſiſche Producte nach Oſterreich. Wäͤhrend auf dem nördlichen Flußſe des Kaiſerreichs die Schiff⸗ fahrt möglichſt frey gemacht ward, blieb auch eine ähnliche Regu⸗ lirung der Po-Schifffahrt im Augenmerk. Man weiß nichts Nä⸗ heres, wie weit ein Handels⸗Tractat mit dem Hofe von Braſi⸗ lien zur Reife gekommen iſt. Vermuthlich wirkten die neuern Er⸗ eigniſſe ſtörend ein. Gewiß aber iſt, daß nach der Abſicht des Kaiſers ſich die Commerz⸗Hof⸗Commiſſion noch mit Löſung folgender wichtigen 278 Aufgaben beſchäftigen ſollte, von welchen ich indeſſen nicht im Stande bin zu ſagen, ob, oder wie weit ſie dieſelben zu Stande gebracht, oder ob es von einer oder der andern vielleicht gänzlich abgekommen? a. Eine neue, die ganze Gewerbsverfaſſung ordnende Ge⸗ ſetzgebung; 2. der Entwurf eines Handels⸗Codex; 3. eine Reviſion der beſtehenden Contrebande-Geſetze; 4. die Einführung und Einrichtung ähnlicher Commerz⸗ Kammern, als bisher in Frankreich mit großem Nutzen beſtanden, in den altdeutſchen Provinzen, und, wo möglich, auch in Ungarn und Siebenbürgen; 5. eine zweckmäßigere Einrichtung der zur Abhaltung der Schwärzer aufgeſtellten Gränz⸗Cordone; 6. Prüfung des in frühern Jahrgängen des Hesperus debat⸗ tirten einſeitigen Vorſchlags, alle Colonial⸗Waaren lediglich nur aus den Seehäfen zu beziehen,— ein Vorſchlag, bey welchem Trieſt allein auf Koſten der meiſten übrigen Provinzen gewinnen würde; 7. Aufhebung des bisher beſtandenen Waarenſtämpels. Nun ſage man noch, daß man in Oſterreich nicht liberal denke, nicht fortſchreite, möchte ich gerne triumphirend ausrufen, wenn nicht 8. der Kaiſer(von dem alſo hier der Anſtoß zur Förde⸗ rung mehrern Lichtes und größerer Cultur ausging) die Abfaſſung einer Handels-⸗Statiſtik des öſterreichiſchen Kaiſerſtaates und 9. eine allgemeine öſterreichiſche Gewerbs- und Handlungs⸗ Zeitung, zwar, und mit Recht, als Privat⸗Unternehmung, aber doch unter Leitung der Commerz⸗Hof⸗Commiſſion, und von dieſer den Plan dazu bereits 1818 verlangt hätte; indeſſen wir alle ſeit 5 Jahren mit Sehnſucht vergeblich der Realiſirung beyder höchſt gemeinnützigen und intereſſanten Unternehmungen entgegen ſehen.“ 506. Ich habe mich aus dem Grunde ſo weitlänſig über die Mähr henbe die k. zu fe hat hͤnd oder miſſ „ T ) mer⸗ nnden, d ngan oig der zwebat⸗ t nur dchem dunen =nd 1 dlung 3 mung, rit⸗ und „indeſen ¹ liſtung 1„mungen aüber die 279 Shawls herausgelaſſen, weil in den k. k. Staaten von hochfeiner Wolle bereits Vieles für derley Induſtrie⸗Gegenſtände verwendet wird; und was berechtiget uns in anomaliſcher Hinſicht daran zu zweifeln, daß wir die Feinheit der Seide, des Flaums, der Kaſche⸗ mir⸗ oder tibetaniſchen Ziege nicht mit unſern Merinos in einem Menſchenalter ſollen erreichen können, nachdem der Durchmeſſer eines Seidenfadens 2— 3 eines Wiener Zolles betraͤgt, und wir ſchon Schafe von derFeinheit beſitzen, deren Wollfaden den 4— 5/1ο5 Theil eines Wiener Zolls beträgt. 5⁰7. Die engliſchen Tücher ſind gemeiniglich ſchwerer, als die franzöſiſchen, und von Tüchern ganz feiner Qualität wird auf dem Continent häufig verlangt, daß ſie ſich auch durch leichtes Ge⸗ wicht auszeichnen. Die feinen franzöſiſchen Tücher, beſonders aus den berühmten Manufacturen von Louviers und Sedan ſind da⸗ gegen bey dem hochgeſtiegenen Luxus, trotz ihrem hohen Preiſe, ſehr beliebt; ſo auch die niederländiſchen Tücher aus den zahlrei⸗ chen Manufacturen von Verviers, Francomont, Montjoie, Mal⸗ medy, Aachen, Burſcheid, Dalhem, Stellberg, ꝛc. wohin große Quantitäten über Frankfurt a. M. von unſerer öſterreichi⸗ ſchen, ungariſchen, mähriſch⸗ſchleſiſchen und böhmiſchen Wolle ihren Abſatz finden. 5⁰8. In den k. k. öſterreichiſchen Staaten verarbeiten in Mähren die vielen Brünner, in Böhmen hauptſächlich die Rei⸗ chenberger, in Kärnthen die Klagenfurther und in Oberöſterreich die k. k. Fabrik in Linz große Quantitäten edler Wolle, ſowohl zu feinen Tüchern, als Caſemiren. 509. Der größte Abſatz unſerer feinen Sorten von Wolle hat aber über Hamburg nach England Statt, wohin unſere Woll⸗ händler ſolche unmittelbar in ungeheuren Quantitäten verſenden, oder die Producenten, aus Mangel an Wollmärkten, ſie in Com— miſſion ebenfalls dahin, oder nach andern auswärtigen Märkten, z. B. Breslau, Leipzig*), Frankfurt a. M. ſpediren laſſen. *) In Leipzig und Naumburg wird viele öſterreichiſche, mähriſche, 28⁰ Notizen über die Wollpreiſe neuerer Zeit. 510. Dem Woll⸗Producenten iſt der Abſatz ſeiner erzeug⸗ ten edlen, feinen Wolle von der größten Wichtigkeit, daher iſt es nothwendig ſich üͤber den in⸗ und ausländiſchen Stand und Gang des Handels jederzeit in genaue Kenntniß zu ſetzen, um daraus ſeine Anſichten firiren und zur gehörigen Zeit losſchlagen zu können; denn nur durch die richtige Kunde wird man in den Stand ge⸗ ſetzt, den wahren Werth ſeiner Wolle nach den verſchiedenen Conjuncturen kennen zu lernen, und darnach, den Umſtänden ge⸗ mäß, zu handeln. 511. Hier folgen einige Notizen und Data der Wollpreiſe der neuern Zeit, welche dazu geeignet ſind, eine ziemlich allge— meine Kenntniß und richtige Anſicht von dieſer Sache zu ver⸗ ſchaffen. Der Breslauer Wollmarkt iſt unſtreitig der wichtigſte in, Deutſchland, daher ich auch zuerſt eine Überſicht von der dahin aufgebrachten Wolle während der letzten Zeiten aus den Provin⸗ zial⸗Blättern hier liefere.. (Siehe beyfolgende Tabelle.) 512. Auf der Frankfurter Oſtermeſſe ſtanden die Preiſe in den Jahren.......„.. 1825— 16824: 1) Mähriſche und öſterreichiſche Wolle Supra 25o fl. — Prima 175. 180 fl. — Secunda 140 120- 125⸗ — Tertia 1215 80-100⸗ 70- 75 2 ——— 6———— —— ———— Quarta 90 ungariſche und böhmiſche Wolle verkauft. Iſt doch kaum der 16. Theil der von Leipzig verſandten veredelten Wolle Landes⸗Product. Sperck und Comp. haben in Wien Commanditen, ſo wie eigene Häuſer in London.. Der Fürſt Eſterhazy allein erzeugt auf ſeinen unermeßlichen Beſitzungen über 4000 Centner oder 20,000 Stein Wolle; woge⸗ gen der größte Schafzüchtler in Spanien, der Herzog von In⸗ fantado, kaum die Hälfte hiervon erzeugte. e — zeug⸗ Jits Dg des 2 ſeine anen; 10 ge⸗ 8 pdenen aBin ge⸗ Mhreiſ aäulhe per⸗ ſſe in, d ahin pein⸗ ℳ in au=z: 98 ¹00⸗ 85⸗ 4 n der u. lroduck. e eigene n2 neßlihen 2 woge⸗ 4 een Ji 4 T arb e ll e Zu Seite 280. über die in nachſtehenden Jahren auf dem Breslauer Wollmarkte aufgebrachten Quantitäten von Wolle, nebſt den Preiſen ihrer Sorten. ,“ Jahr Woll⸗Quantum Preiſe der Sorten. Frühlingsmarkt Herb ſtmarkt Extra feine Feine Mittlere Schlechte 1— Stein Pfd. Stein Pfd. Rthlr. ſgl. Rthlr. ſgl. Rthlr. ſgl. Rthlr. ſgl. 1813 vacat———————————— — 95,5390— 16—17— 14— 15— 10— 11— 8— 9— 1814 92,060 9—— 16— 20 12— 14— 10— 11— 8— 9— ——— 48,618 15 18— 20 14— 16— 12—15— 10—12— 18615 86,002— incl. 1,159— 20— 24 15— 18— 12— 14— 9—11— . Stein Pohln. — incl. 2,079— 56,6953— 19— 21— 16— 18— 13— 15— 9— ¹2— St. Pohln. 1816 94,454——— 25— 26 18— 20— 14— 16— 12—13— ——— 5⁰,897— 18— 2° 15— 16— 12— 13— 9— 10— 1817 90,912 6——-—- 28—30 18— 20— 12— 14— 9—11— — incl. 7,322— 44,990 12— 18— 20— 15—16— 13—14— St. Pohln. 1818 108,5338——— 26—36 18—22— 11—15— 10—12— incl. 11,6953— 52,346 3— 16— 18— 12— 14— 9 11— St. Pohln. incl. 4923 Centnes-) Pfd.] 3tVohln. 1819 124,567 95 ½—— 120— 60— 74— 89— 58— 65— 41—52— — incl. 2,553— 9,139 10— 75 ½— 59— 6— 42—56— Ct. Pohln. incl. 1095 ⅓ 1820 27 928 18 Ct. Pohln.— 100— 140— 65—— 80— 56— 56— 42— 48 incl. 4,.192—————————— Et. 18 Pf. P. ——— 10,201 12— 74— 75— 62— 70— 55.6 1821 27,545 45—— 100— 180— 70— 90— 56— 70— 59—3— — incl. 4,83 . Ct. Pohln. 1822 31,304 4⁰——— 170— 117— 80— ⸗ 45— 1823 37,000——— 110—125— 90— 100— 65— 85— 56—4— 2) Einr neuer preußiſcher Centner= 5 St. 26 Loth alten ſchleſiſchen Gewichtes. Schußwolle 1. Sorte*). — 2.— — Locken. Lammwolle...... b 2) Böhmiſche Wolle Prima. V—— Secunda. —— Tertia. —— Rücken.. —— Locken. —— Lamm⸗. —— Sommer⸗. 3) Sächſiſche Wolle Secunda. —— Tertia. —— Quarta —— Rücken.. —— Locken.. —— Lamm⸗.. 4) Würtemberger Wolle Prima. —— Secunda. —— Tertia. —— Baſtard⸗. —— Lammwolle —— Gäͤrberwolle —— Landwolle. —— Tuch⸗Enden V 5) Auf der Frankfurter Michaeli⸗Meſſe: Gewöhnliche Mähr. Prima. —— Secunda —— Tertia. —— Quarta. Supra Prima und Electa. — wurde rein aufgekauft. . * u 1824 160— 200 fl. 125— 140 2 95— 105⸗ 80— 85 2 250—450⸗ *) Von Fein und Supra war in dieſen Sorten nichts da, alles 282 6) Hamburger Preiſe am 3. Januar 1825: Spaniſche Wolle ohne Preiſe... Sächſiſche— aſſeortirte Mecklenburgiſche Wolle. Lammwolle... Ukermarkſche Wolle... Däniſche Wolle fein ſortirt Tertia. Lottwolle..... Lammwolle... .2«**⁴.⁴ 515. Nach den Leipziger Intelligenz⸗Blättern waren die Preiſe in nachgeſetzten Jahren, der ſächſiſche Stein à 22 Pfd., folgende: Jahr. Bauernwolle. Veredelte Wolle. 1801 7— 10 6 Rthlr. 15— 17 Rthlr. 18⁰2 8— 12„ 16— 20 ⸗ 18⁰³ 6— 19 ⸗ 20— 26 ⸗ 18⁰4 8— 16 ⸗ 20— 27 ⸗ 18⁰5 14— 20 ⸗ 24— 30 ⸗ 1806 6— 16 ⸗ 16— 27 ⸗ 18⁰7 9— 16 ⸗ 21— 28 ⸗ 18⁰8 12— 23„ 25— 31 ⸗ 1809 10— 16 ¾ ⸗ 28* 1810 12— 20 ⸗ 26— 5¾% ⸗ 1811 9, 14— 16 ⸗ 19— 21 ⸗ 18¹² 9— 16 ⸗ 20— 24 ⸗ 1813 9— 15 2 16— 23 2 1814 9, 16— 19 ⸗ 25— 26 ⸗ 18¹5 9, 16— 20 ⸗ 19— 26 ⸗ 1816 10, 18— 20 ⸗ 29— 32 ⸗ 1817 12— 27 ⸗ 30— 40 ⸗ 18¹8 30 ⸗ 35,41— 44 ⸗ 18¹9 16— 29 ⸗ 36 1820 16— 24 ⸗ 26— 353 ⸗* 16— 30 ⸗ — ◻½ ‿ u 18— 20 ¾ ⸗ 1824 14— 26 22— 72 Schill. 20— 60 Schill. 18—19 cfil. 283 Im J. 1824 waren im Juny in Leipzig die Wollpreiſe folgende: Ganz feine Wolle pr. Ctrtr. 125— 170 Rthlr. Feine detto- 100— 124* Weniger feine o.——... 80— 90 ⸗ Mittel-——. 60— 75 ⸗ Gewöhnliche—-ʒ-.50— 60 ⸗ Zweyſchürige——. 40— 60 ⸗ 514. Auf dem Berliner Wollmarkte zeigten ſich folgende Preiſe in den nachſtehenden Jahren, der Stein à 22 Pfd.: Jahr Feine Mittlere Ordinäre 1814 15— 26 Rthlr. 9— 12 Rthlr. 6½— 9 ¾Rthlr. 1815 15— 26 ⸗ 10— 15„⸗ 7— 101¼ ⸗ 1616 20— 36 ⸗ 15— 21 ¼ ⸗ 9— 15 ½ ⸗ 18¹17 16 ¾— 37 ⸗ 8 ½— 18 ½ ⸗ 8— 15„⸗ 1818 20— 46 ⸗ 135— 28 ⸗ 8— 15„ 1819 20— 34 ⸗ 9— 18 ⸗ 6— 8 ⸗ 1820 17— 33 ⸗ 9— 18 ⸗ 6— 8 ⸗ Im Jahre 1821 wurden vier Claſſen Wolle gemacht, und es galt die erſte oder feinſte Sorte 28 ½— 40 Rthlr., die zweyte oder feine Wolle 22— 26 Rthlr., die mittlere 15— 21½ Rthlr., und die ordinäre 6 ¾— 14 Rthlr. Im Jahre 1825 wurden auf den Markt gebracht, incluſive derjenigen Wolle, die außerhalb Berlin gewogen wurde, und die aus alten Beſtänden entſtehet, circa..... 140,0Oo ſchwere Stein, im vorigen Jahre waren es detto. 125,000—— alſo mehr als im vorigen Jahr circa 15,000 ſchwere Stein. Dieſe größere Quantität entſtand, theils durch den Mehrgewinn, den die Schäfereyen lieferten, und theils durch die vorjährigen Reſte. Man kann die Quantität folgender Maßen annehmen, von feiner und Mittel⸗Wolle, circa 46,000 ſchwere Stein Mittel⸗Wolle.... 60,000—— ordinäre..... 34,000—— circa 140,000—— 284 Die Verkaufs⸗Preiſe waren ungefähr folgende: Erſte Sorte.. 26— 30 Rthlr. pr. ſchw. St. Zweyte—.. 18-—25— Dritte—.. 12— 16— Vierte—.. 8—12— Ordinäre-.. 4— 64— Es können ungefähr übrig geblieben ſeyn 20,000— 22,000 ſchwere Stein, und iſt anzunehmen, daß das Meiſte noch beym Schluß des Marktes verkauft wird. Der Betrag der dieſen Markt hier verkauften Wolle kann circa 1,700,000 bis 1,800,000 Rthlr. betragen. Die Preiſe von 1824 kommen, der Claſſificirung nach, fol⸗ gendermaßen zu ſtehen, als: Für die extra feine Wolle pro ſchweren Stein 26— 50 Rthr. „„ feine........... 1624„ „„ mittlere.......... 8— 15„ „„ ordinare-.......... 4— 7„ Die nachſtehende Tabelle, aus den Wag⸗Regiſtern entnom⸗ men, gewährt eine genaue Überſicht der Provinzen, ſo wie der Qualität der zu Markte gebrachten verſchiedenen Wollſorten, als: — Benennung Fei ttel⸗ Irdi 3 eine Mittel⸗ Ordin. der Summa ; olle. Wolle. Wolle. Provinzen. 2 W Cent. Pf. Cent. Pf.] Cent. Pf. Cent. Pf. Mittelmark 2659 74 3401 47 bo 19 5969 30 Neumark.. 2393 20] 3051 21 5 27 5497 68 Ukermark... 1150 6 2036 5 92 28 3278 34 Priegniz.. 395 62 110 64 8 56 46 Altmaͤrt.. 55 49 93 79 94 156 2 Vorpommern.. 9⁵² 64 1105 18 68 39 212111 Hinterpommern. 1136 20]° 1289 108 25² 71 2678 25 Herzog. Sachſen. 118 74 3⁰3 3—— 42²¹ 3 Schleſien.. 65 68 133 99—— 199— Großherz. Poſen. 624 19 367[101 45 88 837 98 Preußen.. 74 36 2% 43 44 1¹3³ 322 92 Mecklenburg... 772 79 281 9 27 82 1031 60 Jübriges Ausland. 5⁰ 4 30] 5 U—— 80 63 Summa 9648 25 12,358 97 1093]62 n 74 1 tem rigen die leute zu za ſo ho 285 Hiervon waren bis zum 7. July nach dem Auslande verſendet worden... 35,534 Stein à 20 Pfd. Die Güterbeſtaͤtiger hatten aber noch zu verſenden übernommen. 3 ,150—— Hiernach würden im Ganzen nach dem Auslande verkauft worden ſeyn. 69,664 Stein. Im vorigen Jahre ſind nach dem Aus⸗ lande nur verſendet worden. 38,061— 18 Pfd. mithin in dieſem Jahre. 31,602 Stein 6 Pfd. mehr als im vergangenen ausgeführt worden. Dieſes hat darin ſeinen Grund, daß ſich dießmahl bey Wei⸗ tem mehr Ausländer zu Markte eingefunden hatten, als im vo⸗ rigen Jahre, und daß die engliſche Regierung den Impoſt auf die Wolle um 3 gemaͤßigt hat, weßhalb auch die engliſchen Kauf⸗ leute, da ſie für alle Wollgattungen nur eine und dieſelbe Steuer zu zahlen brauchen, bloß feine Wolle gekauft, und dadurch dieſe ſo hoch im Preiſe gebracht haben. Nach dieſem Markt, wovon der Breslauer den Vortreffer bildete, iſt die Wolle in ganz Deutſchland ſehr bedeutend geſtie⸗ gen, und die Preiſe haben ſich bey feiner Wolle um 30 Procent gebeſſert. 5¹15. Aus dem öſterreichiſchen laſſen ſich, wegen Mangels an Wollmärkten, keine genauen Wollpreiſe hier anführen, und ich bemerke nur im Allgemeinen, wie unſere beſſern Wollſorten nach hieſigem Gewicht verkauft worden ſind. Im Jahre 1814 und 1815 circa 175— 220 fl. C. M. pr. Ctr.; im Jahre 1816 und 1817 um 175— 250 fl. C. M.; im J. 1818 um 200— 300 fl. C. M.; im J. 1819 von 175— 500 fl. C. M.; im J. 1820 von 175— 270 fl. C. M.; im J. 1821 von 150— 240 fl. C. M.; im J. 1822 von 150—220 fl. C. M.; im J. 1825 von 120— 220 fl. C. M.; für das Jahr 1824 waren, als dieſe Bemerkun⸗ gen niedergeſchrieben wurden, noch keine Verkäufe bekannt gewe⸗ 286 ſen, aber alle Nachrichten ſiimmten dahin überein, daß die Wolle ihren niedrigſten Stand erreicht habe, und allgemein wieder im Preiſe ſteige. 516. Die Wollpreiſe ſtanden in London und Briſtol in nach— ſtehenden Jahren, wie folget: Jahr. Erſte Sorte. Zweyte Sorte. Dritte Sorte. 1815 6 ½— 7 Schill. 5— 5 ½ Schill. 4— 4¼ Sciill. 1816 7— 8— 5—6— 3 4— 44— 1817 71— 84— 6—)— 4—5— 1818 9— 10— 6—7— 4—5— 1819 7½—— 5—6— 4—4 4— 1820 7— 8 ½— 5—6— 4— 4— 1821 7— 8— 5—6— 4— 1822 7— 7t— 4 5 3—4— 1625 6-— 8— 6— 6— 4— 41—*) *) Es gehöret merkantiliſche Kenntniß und ſo Manches dazu, das ſelten die Sache eines Nichtkaufmanns iſt, um ſeine Wolle ſelbſt nach England zu ſenden; daher man ſich meiſtens eines Commiſ⸗ ſionärs zu dieſem Zwecke bedienen muß. Ich habe mehrere Verkaufsrechnungen geleſen, worin die Trans⸗ port⸗ und Verkaufskoſten, beym Verkauf der Wolle nach Eng⸗ land, 15 Procent betragen haben, wobey aber bey der herabge⸗ ſunkenen wohlfeilen Fourage und dem herabgeſetzten engliſchen Wollzoll von 6 auf 1 Pence, oder von 12 auf 2 Kreuzer C. M. pr. Pfd. Wolle gegenwärtig ein ganz anderes Verhältniß heraus⸗ kommt, indem pr. Centner 16 fl. 40 kr. C. M. an Eingangszoll in England für den Eigenthümer nun zu Gute kommen. Herr Profeſſor Weber macht in ſeiner Schrift über die Gewinnung der feinen Wolle, Seite 226, folgende Berechnung über ein von Leipzig aus nach London gemachtes Kaufmannsgeſchäft von 14 Ballen Wolle(zuſammen 5240 Pfund netto), daß die Fracht nach Hamburg 12— 14 Rthlr. pr. Schiffspfund incluſive der Zölle beträgt. Die Proviſion in London iſt auf 2 Procent des eigentlichen Verkauf⸗Quantums, und 2 Procent für den rei⸗ 12 n 14 V dratt uſtve gorent V aui ti⸗ 287 Der Vorrath in London Entrepôt betrug am 31. May 1823 von ſpaniſcher Wolle 1,757,562= circa 8000 Ballen von 220 Pfund jeder; von deutſcher und anderer Wolle 1, 101,03 4= circa 2500 Ballen von 400 Pfund jeder. Das aus dem Entrepôt genommene, in Privathäuſern lie⸗ gende Quantum ſchätzt man von deutſcher und ſpaniſcher Wolle auf circa 7000 Ballen. Vergleicht man dieſen Vorrath mit den jährlichen Importationen, ſo iſt er augenſcheinlich ſchwach. In lebhaften Zeiten möchte er die Conſumtion nur 2 bis 2 ½ Mo⸗ nath decken. Zwey und zwanzigſtes Capitel. Bedeutende Wollhandlungen in Deutſchland. Wien. 517. Die Herren von Kahn, Liebenberg, Lämmelfeld, Bie⸗ dermann, Baum, Poppe und Comp., Lippmann ꝛc., ſämmtlich Großhandlungshäuſer. nen Erlös als del credere geſetzt. An Speſen in London kommen eine Menge verſchiedener Einrechnungen vor, als Clariren und Certificat, Einbringen nach London und Krahngeld, Aufladen und Wiegen für die Wolle, alles aber nur einige Schillinge; dann für den Ballen jede Woche Lagermiethe 1 ½ Pence, und eine Menge anderer kleinen nahmenloſen Ausgaben. Die Mäkler⸗ Courtage beym Verkauf in London iſt ½¾, außer London 1 Pro⸗ cent. Wichtig und bedeutend iſt auch das Disconto. Wenn denn allerdings es hoch klingt, wenn in London das Pfund Wolle 8 oder 9 Schillinge koſtet, was ſchon hey 8 Schilling pr. Londoner Pfd., auf den Wiener Eentner 462 fl. 30 kr. C. M.(das Pfund Sterling zu 9 fl. 245 kr. gerechnet) beträgt, ſo muß man doch bedenken, daß bey der Verhandlung der Wolle nach London be⸗ trächtliche Koſten in Abzug kommen, und der Wollhändler auch billig einen guten Profit haben will. Brünn. 518. Herr Ritter von Haͤring, und Auſpitzer, Großhändler. 4 Prag. 519. Herr von Lämmel, Großhändler. Leipzig. Die Herren Joſeph Thomſon, Sperck, Kampe, An⸗ 520. Beyer und Comp., Richter und Comp., Köh⸗ ger und Comp., ler und Comp. Dresden. 521. Die Herren van der Breling, Baſſenge ꝛc. In Gera. 8. — Frän⸗ 522. Herr von Flantz und Comp. Lom In Waldenburg in Sachſen. 525. Herr Landmann, Großhaͤndler. In Apolda bey Jena. 524. Herrn Burkards Söhne et Comp., Großhändler. der In Altenburg. 525. Herr Reichenbach und Comp. 3 In Aachen. hen 526. Herr Stricker und Strebel. Frankfurta. M.. 527. Die Herren Johann Jacob Klotz, J. Crompton, Miroprio. In Braunſchweig. 528. Herren Gebrüder Löbecke und die Häuſer Degener. In Luckau in der Nieder⸗Lauſitz. 529. Die Herren Voigt und Söhne. II fäͤndler. d, An 4e Jih⸗ uüt. ompton, .. gener. 3 289 In Naumburg an der Saale. 550. Die Herren Hopfenſack u. Comp. und Nieder u. Comp. In Lennep. 531. Herr Fuhrmann. In Eſſen an der Ruhr. 532. Herr Waldhauſen. In Jerlohn. 533. Herr Schrümpf. In Breslau. 534. Die Herren Löbecke und Hollmann, Löſch, Gebrüder Fränkel, Frank, Beckmann, Gerhard und Comp., Bauch und Comp. In Düſſeldorf am Rhein. 535. Herr Reichhard. Drey und zwanzigſtes Capitel. Von den wichtigſten Wollmärkten Deutſchlands. Oſterreichiſche Monarchie. 556. In Oſterreich gibt es noch keine Wollmärkte; in Böh⸗ men mangeln ſie ebenfalls*), ſo wie auch in Mäͤhren, Oſterrei⸗ *) Durch Hof⸗Deeret vom 11. Dec. 1772 wurde mehrern Städten in Böhmen, als: Königgrätz, Jungbunzlau, Leitmeritz, Pilſen, Strakonitz und Budweis, die Einrichtung von Wollmärkten der⸗ geſtalt bewilliget, daß dabey aller Zwang beſeitiget bleibe, und nur den Dominien und Fabricanten der Kauf und Verkauf all in Grosso dadurch erleichtert, den Unterthanen aber die Gelegen⸗ heit verſchafft werde, ihre Wolle frey verkaufen, und ſich dem wucheriſchen Ankauf der Juden entziehen zu können. II. 19 29⁰ chiſch-Schleſien, Galizien, Steyermark und Kärnthen. Ungarn bingegen macht auf ſeinen Wollmärkten in Freyſtadtel an der Waag, in Tyrnau, Stuhlweißenburg und vorzüglich in Peſth große Geſchäfte, aber nur meiſtens in ordinären und Mittel⸗Sorten, indem die feine Wolle größten Theils von Speculanten vor der Schur aufgekauft wird, oder die großen Guterbeſitzer ſolche im Auslande in Commiſſion verkaufen zu laſſen bemüſſiget ſind, weil dieſe Märkte noch nicht von fremden Käufern, beſonders der Peſther Medardi⸗Markt, nach Verdienſt benützt und gewürdiget werden*). Dem Landesgubernium wurde aufgetragen, über die Beſtim⸗ mung der Zeit, und über die Eintheilung der Wollmärkte Bericht nach Hof zu erſtatten, und durch Circulare vom 13. Oct. 1775 wurde die bewilligte Errichtung der Wollmärkte zu Strakonitz, Leitmeritz und Jungbunzlau allgemein kund gemacht. Seither zählt Böhmen noch ſechzehn Städte, welche mit den erforderlichen Privilegien zur Abhaltung öffentlicher Wollmärkte an feſtgeſetzten Tagen betheilt wurden; und welchen Verſuch im Großen die Staatsverwaltung dießfalls in Wien veranlaßt habe, wurde mittels der Bekanntmachung der niederöſterr. Regierung vom 24. März 1816 allen Provinzen durch ihre Länderſtellen kund gethan. Die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß die Wollmärkte im öſter⸗ reichiſchen Staate, ungeachtet der öfters bewieſenen Mitwirkung der Staatsverwaltung bisher nicht gedeihen wollten. Daß dieſe Er⸗ ſcheinung nicht aus dem Umſtande herrühren kann, daß der Fa⸗ bricant bereits ſortirte Wolle, nähmlich jene Gattungen wünſcht, welche er zu Tuch, Caſemir, Zeugen, Strümpfen u. ſ. w. be⸗ nöthiget, widerlegt die Erfahrung der auswärtigen Wollmärkte, wo Fabricanten und Wollhändler in ſtarke Concurrenz mit einander treten, und die ökonomiſche Sortirung nach der Einrichtung des dermahligen Zeitgeiſtes, vergeſellſchaftet mit einer reinen Waſchung der Wolle, faſt allgemein die beliebteſte iſt. Es lohnte wahrhaf⸗ tig doch der Mühe, der Quelle dieſes Hinderniſſes auf die Spur zu kommen, und ſolches zu beſiegen! *) Im J. 1816 den 24. März iſt eine Verordnung der niederöſterr. Re⸗ gierung erſchienen, daß die drey Wiener Märkte auch zugleich Woll⸗ deſtim⸗ rihericht . 1S Donit, at den Darkte al im obvbe, al ung dahlen anöſten⸗ üc s der a Er⸗ walt dr⸗ 2 üuſt, , 76 n v. P nätkte, rriuander ung d a Baſchung r. vahthaf⸗ ar it Spur Slerr Ne W l⸗ 1 291 Da die hohe k. k. niederöſterr. Landesregierung aber die Benü⸗ tzung der Wiener Jahrmärkte zum Handelsverkehr mit Schafwolle lediglich dem Privat-Intereſſe der Erzeuger und Wollhändler überlaſſen hat, und ohne daß ähnliche in meinem Aufruf erwähnte Anſtalten getroffen werden, damit ein ſo wichtiges, die National⸗ Induſtrie begründendes Unternehmen zu Stande kommen kann, indem doch Wien, der Hauptſitz des öſterreichiſchen Handels, mei⸗ nes Exrachtens der geeignetſte Ort dafür iſt: ſo werden ſich die Grundbeſitzer des öſterreichiſchen Erbkaiſerthums wohl ſchwerlich ſobald dieſer großen Wohlthat zu erfreuen haben, wenn nicht die märkte ſeyn ſollen. Allein kein Produrent bringt Wolle dahin, weil man, des Abſatzes ungewiß, keinen ſo koſtſpieligen Transport auf gu⸗ tes Glück wagen kann. Auch mangelt es, was eine Hauptſache bey derley National⸗Induſtrie⸗Anſtalten iſt, an einer Credits⸗ Anſtalt, wo der Producent, um nicht in die unangenehme Lage zu kommen, ſein Product verſchleudern zu müſſen, gegen Ver⸗ pfändung ſeiner Waaren um billige Zinſen einen Vorſchuß erhal⸗ ten kann, und dieſe Anſtalt in der Zwiſchenzeit bis zum nächſten Markte zugleich den Verſchleiß der Wolle gegen feſtgeſetzte Preiſe übernimmt und beſorget, ſonſt läuft der Producent Gefahr, ſein Product bey ſchlechten Märkten und Mangel an Käufern wieder heimführen zu müſſen, welcher Gefahr ſich doch kein kluger Menſch ausſetzen kann. Ich habe, um bey unſerer ungeheuern Woll⸗Production dieſen wichtigen Gegenſtand, der ſo große Vortheile dem Producenten und Staate gewährt, wieder anzuregen, im vorigen Jahre eine Schrift verfaßt, welche in allen guten Buchhandlungen zu finden iſt, betitelt: Aufruf an alle Herren Herrſchafts⸗ und Schäfereybeſitzer des öſterreichiſchen Kaiſerthums, die Begründung von Wollmärkten betreffend; nebſt zwey auf Erfahrungen gegründeten Anhängen über ein verbeſſertes, dem Zwecke vollkommen entſprechendes, ein⸗ faches Verfahren, die Wolle auf dem Körperder Scha⸗ fe zu reinigen, und die ökonomiſche Sortirung derſelben, ſo weit ſie den Producenten betrifft, mit andern dahin Bezug haben⸗ den intereſſanten Bemerkungen. Von Bernhard Petri, Wien 1823. *¼ 29² öſterreichiſche Nationalbank es ihrem Intereſſe angemeſſen findet, die nöthigen Einrichtungen durch ihre disponiblen Fonds zu tref⸗ fen, und in dieſe zu errichtende neue, wohlthätige Induſtrie⸗An⸗ ſtalt für die Grundbeſitzer Gelder anzulegen. Man bedenke, wenn ſchon der Breslauer Frühjahrs⸗Wollmarkt, wo jetzt gegen 30,000 Centner Wolle aufgebracht werden, allein einen Geldverkehr von mehr als 2,000,000 Rthlr. veranlaßt, welche wichtige Folgen ein lebendiger Wollmarkt der öſterreichiſchen Monarchie in Wien für die Banquiers und die ganze Stadt veranlaſſen müßte, indem die vielen Käufer und Verkäufer, die ſich im Verkehr hier begegnen würden, mit anſehnlichem Aufwand zu leben pflegen. Ein Han— delsverkehr dieſer Art würde aber nicht allein wohlthätig für die Hauptſtadt einwirken, ſondern zugleich auf alle Provinzen, wo— durch die Reiſenden, die Zu⸗ und Abfuhren der Waarenzüge, ſtrö⸗ men würden⸗ Königreich Preußen. In der preußiſchen Monarchie iſt eine Menge von Woll⸗ märkten eingeführt, worunter viele ſehr berühmt ſind, und von ausländiſchen Kaufleuten häufig beſucht werden. 537. In den Marken iſt mit Ende Juny der Berliner Wollmarkt; Landsberg an der Wartha iſt ebenfalls ſehr be⸗ ſucht, deßgleichen Spremberg und Kottbus, ferner Stet⸗ tin in Pommern, Danzig in Weſtpreußen 14 Tage vor und nach Johannis. 538. Königsberg und Tiſſit in Oſtpreußen. 539. Zu Breslau in Schleſien, Anfangs Juny und An⸗ fangs October. 540. In Nieder⸗Schleſien zu Sagan, Glogau, Schweidnitz, Strehlen, Grünberg, Herrnſtadt, Goldberg, Liegnitz und Löwenberg. 541. In Pommern: Kolberg und Stralſund. 542. Im Herzogthume Poſen: zu Liſſa, Bojanowa, Frauſtadt, Meſeritz, Rawicz, Bromberg. fidet, u tref⸗ rie⸗An⸗ „wenn Jo,ooo Ahr don ſen ein ren für vem die rzegnen Hn⸗ aäür die 11, wo⸗ an ſin⸗ arzoll⸗ von änet ale de⸗ a ter⸗ alt un 7 aun A⸗ al, 1 ſtadt/ 1 1o/ — 295 545. Im Herzogthume Sachſen und der Lauſitz: zu Lie⸗ benwerda, Prettin, Görlitz, Muskau, Calau, Lübben, Sorau, Naumburg, Könnern, Gräfen⸗ haynchen. Die meiſten führen einen Frühjahrs⸗ und Herbſtmarkt. Königreich Sachſen. 544. In Leipzig im Monath Juny, Lauenburg und Bautzen jährlich dreymahl, und in mehrern kleinen Städten. Königreich Würtemberg. 545. In Kirchheim, wo ſich ein ſehr lebhafter Woll⸗ handel zu entwickeln begonnen hat, der mit jedem Jahre bedeu⸗ tender wird. Freye Bundesſtädte⸗ 546. Frankfurt a. M. auf der Oſter⸗ und Michaelis⸗ meſſe. Auf dieſen Meſſen wird in Frankfurt ein großer Zwiſchen⸗ handel getrieben, theils in eigenen Wollhandlungen, theils durch Commiſſions⸗Verkäufe, welche letztere in den Meſſen Statt haben. Die Wolle kommt meiſtens aus Sachſen, Schwaben, Franken, Böhmen, Mähren, Ungarn und Oſterreich. Man zählt dabey beſonders auf Abſatz bey den niederländiſchen Wollhändlern, die zum Einkauf nach Frankfurt kommen, und bey den Tuchfabri⸗ canten. 547. Hamburg ebenfalls zur Meßzeit. Im Mecklenburgiſchen. 548. In Neu⸗Brandenburg, wo die Geſchäfte im⸗ mer lebendiger werden. In Guüſtrow werden jährlich 15— 14,000 Stein Wolle auf dem Wollmarkt verſchliſſen. Boitzenburg beſitzt eben⸗ falls einen Wollmarkt, wo circa 5— 6000 Stein Wolle jährlich verkauft werden. 294 Herzogthum Braunſchweig. 549. Braunſchweig. In Ungarn. 550. In Peſth, Stuhlweißenburg und Tyrnau, und mehrern Ortern. Der Peſther Markt iſt von großer Bedeutung für mittelfeine Sorten, die hier in außerordentlicher Quantität nebſt ordinärer Wolle zuſammengebracht und verkauft werden. Prima, noch viel weniger Electa⸗Wolle, findet man hier zu kaufen: dieſe Wolle wird durch die Wollhändler auf den Thieren aufgekauft, und meiſtens in das Ausland verſendet. lau, und atungüt itit nehſt Siebente Abtheilung. Von den verſchiedenen Arten, die Wolle zu reinigen. Vier und zwanzigſtes Capitel. Vom Schwemmen der Schafe. 551. Im Allgemeinen ſchwemmt man noch bey uns die Schafe, um die Wolle auf ihrem Körper zu reinigen. Damit ſich der Unrath erweiche, werden dieſe Thiere gewöhnlich einige Tage vor der Schur ein- oder zweymahl durch das Waſſer zu ſchwim⸗ men gezwungen, und am folgenden Tage dieſe harte Maßregel noch einige Mahle wiederhohlt, bis die Wolle weiß zu ſeyn ſcheint. Oder nachdem man dieſe Thiere einige Tage vor der Schur, um den angegebenen Zweck zu erreichen, durch das Waſſer zu gehen gezwungen hatte, werden durch einen Bach, in welchem 40— 50 Schritte breit, in einer ſchrägen Richtung, Stangen an Pfählen be⸗ feſtigt worden ſind, damit die Schafe nicht aus der Richtung kom⸗ men können, Maͤnner und Weiber zum Waſchen eingetheilt, welche einander jedes einzelne Schaf in dieſer Schwemme übergeben, um dadurch zu verhüthen, daß keines ertrinke. Bey dieſem Verfahren muß die Eintheilung ſo gemacht werden, daß das Schaf, ehe es aus den Händen des letzten Wäſchers kommt, ſo gut gereinigt iſt, als es die Umſtände erlauben; aber wo die Breite des Waſſers die⸗ ſes nicht zuläßt, da muß dieſe Manipulation zum zweyten und dritten Mahl wiederhohlt werden. Man pflegt ſich gewöhnlich nach Maßgabe der Local⸗ Umſtände zu benehmen, und faſt jede Ge⸗ 296 gend hat einen beſondern Gebrauch, der mehr oder weniger zum Ziele führt.— Dieſe Art zu waſchen iſt für die Thiere ſehr an⸗ greifend, und gewöhnlich, beſonders bey veredelten Thieren, die eine fette Wolle haben, von ſchlechtem Erfolge. 552. Nach der Wäſche müſſen die Schafe mit Vorſicht be⸗ handelt werden, und eine trockene, grüne Weide, wo ſie ſich nicht verunreinigen können, bis zur Schur zu ihrem Aufenthalte be⸗ kommen. Iſt die Witterung günſtig und warm, ſo läßt man ſie am zweckmäßigſten, wo man eine ſchickliche Gelegenheit dazu hat, Tag und Nacht, bis der Pelz vollkommen getrocknet iſt, im Freyen; iſt es aber naß und kühl, ſo muß man dieſes Ziel in lüftigen, aber ſehr trocken eingeſtreuten Stallungen zu erreichen ſuchen. 555. Die Beſchaffenheit des Frühjahres beſtimmt eigentlich die Zeit der Wäſche, und erſt wenn dauerhafte Wärme eintritt, ſoll man in der Regel dieſes Geſchäft vornehmen, welches in un⸗ ſerm Klima ſelten vor dem halben Juny rathſam iſt, indem ſich in dieſer Jahreszeit durch die kräftigere Frühjahrsweide und Wär⸗ me das Fett der Wolle erſt ſtärker entwickelt, welches eine ſo noth⸗ wendige Bedingung aller ihrer guten Eigenſchaften wird, und die Mutterſchafe die ihnen von den Lämmern entzogenen Kräfte nun erſt der Wolle nachhaltend erſetzen können. 554. Wer in unſerm Klima mit Ende Juny die Schur ab⸗ hält, gewinnt nicht allein an Qualität, ſondern auch an Quan— tität, wenigſtens einige Procent Wolle mehr, als wenn man dieſes Geſchäft ſchon im May vorgenommen hätte. Ich habe die gründlichſten Erfahrungen hierüber angeſtellt. Zuweilen machen es aber in waldigen Gegenden die Schafzecken(Acarus ricinus), oder bey verkümmerten Schafen die Schafläuſe(Hippobasca ovina) nothwendig, die Wäſche etwas zeitlicher vorzunehmen, indem ſich dieſe Ungeziefer nach der Schur von ſelbſt verlieren. 555. Es iſt ſchwer anzugeben, wie viel die Wolle durch die Pelzwäſche an Unrath verlieret, indem dieſes Geſchäft zu precär betrieben wird; deßwegen verliert ſich bey einigen 20 bis 25, bey andern 30 Procent Unrath aus der Wolle. üb ſch wie ſce gen nüge fettig ſließen Die L das U. geträn, wälzen toriſch Körpel ren de werde wenn bey d iſ, Käufe ſeitige einzu auf de ſolches gefäht dieſes dr zun ht an⸗ n, de Liht be⸗ h riht alte he⸗ inan ſie au hat, d eeyen; a, ader 2 dentüich antrit, n un⸗ n ſch an bär⸗ wot⸗ tunnd M iſte raͤ⸗ 1e MUah⸗ don wan b be de mchen d 1. yoder orial) em ſch 1 die 4 precit 8 5, bey 297 Fuͤnf und zwanzigſtes Capitel. Über die Schädlichkeit des gewöhnlichen Schaf⸗ ſchwemmens. Beſchreibung eines Verfahrens, wie die Schur vor der Waͤſche, und die ökonomi⸗ ſche Sortirung der Wolle am Vieh zugleich vor⸗ genommen werden kann, nebſt Beſchreibung der ſpaniſchen Wollwaſchung. 556. Man hat ſich durch die Erfahrung mehr als zur Ge⸗ nüge überzeugt, daß die echt ſpaniſchen Schafe zu wollreich und fettig in der Wolle ſind, um dieſe Thiere ſammt der Wolle im fließenden Waſſer zu ſchwemmen und gehörig reinigen zu können. Die Laſt der Wolle macht ſie ſinken, und wenn ſie auch wirklich das Ufer erreichen, ſo ſind ihre Füße zu ſchwach, die mit Waſſer getränkte, große Laſt der Wolle im Pelz zu tragen. Die Thiere ſinken zuſammen, bleiben auf der Erde liegen, wälzen und verunreinigen ſich aufs neue. Zudem iſt es eine no— toriſche Sache, daß die öhlichte Feuchtigkeit, welche aus dem Körper durch die Haut des Thieres und ſelbſt durch die Po— ren der Wolle dringt, durch kaltes Waſſer nicht kann weggebracht werden, und daß eben dieſer Schweiß das Trocknen der Wolle, wenn ſie auf den Thieren gewaſchen wird, ſehr verzögert, welches bey der feinen Wolle viel mehr der Fall, als bey der gemeinen iſt, wodurch bey den Verkäufen entweder der Erzeuger oder der Käufer verliert, und dadurch das im Handel ſo nöthige wechſel— ſeitige Vertrauen vernichtet wird. Nebſt dieſen gegründeten Beobachtungen iſt es nicht ſchwer einzuſehen, was für Wirkungen ein mit Waſſer angefülltes Vließ auf den Körper des Thieres her vorbringen muß(beſonders wenn ſolches mehrere Tage und Nächte dauert), dem die Feuchtigkeit gefährlicher als jedem andern Thier iſt. Wie leicht iſt es möglich, daß nach dem Schwemmen, wie dieſes öfters in dieſer Jahrszeit zu geſchehen pflegt, regneriſche 298 Witterung einfällt; ſollen die in den naſſen Vließen in die Stal⸗ lungen aufſteigenden Dünſte, während mehrerer Tage und Nächte, keinen nachtheiligen Einfluß auf die Geſundheit dieſer edlen Thiere haben? 557. Die Reinlichkeit und Beſchaffenheit der Wolle erfor— dern eben ſo dringend, als die Geſundheit dieſer nützlichen Thiere, die Aufhebung eines ſo zweckwidrigen Verfahrens, als das Schwem⸗ men der Schafe iſt, welches ſo ſehr das Intereſſe des Erzeugers lähmt, und nur durch den Schlendrian bey dem edlen Vieh bis⸗ her erhalten werden konnte. Für die Fortſchritte der Veredlung der Wolle, für den weitern Schwung unſerer Fabriken, für das Auf⸗ blühen dieſes kräftigen National⸗Culturzweiges, ſo wie für ihren leich— tern Abſatz an fremde Käufer iſt es aber unumgänglich erforder⸗ lich, dieſer bisher beſtandenen, ſo verderblichen und ganz zweck— widrigen Manipulation, als das Schwemmen der Schafe iſt, um die Wolle dadurch nur nothdürftig zu reinigen, ein Ende zu ma⸗ chen, und die Herren Okonomen auf mehrerley zweckmäßige Waſch⸗ Manipulationen, die mit dem Stand der Edelheit unſerer Schafe beſſer harmoniren, aufmerkſam zu machen. Es iſt in der That auffallend, daß man in der öſterreichi⸗ ſchen Monarchie, wo doch die Schafzucht ſeit vielen Jahren die bedeutendſten Fortſchritte gemacht hat, ſo lange bey dieſem alten Verfahren, den Fortſchritten der Zeitumſtände zuwider, ſtehen bleiben konnte; da man doch in Spanien, Frankreich, England und Italien ſchon lange von dieſer ſehr unzweckmäßigen Manipu⸗ lation im Allgemeinen abgegangen iſt, auch die Wolle in mehrern dieſer Länder größten Theils erſt nach der Schur und darauf erfolg⸗ ten Sortirung wäſcht. Die Nachtheile, welche hieraus entſprin⸗ gen, ſind vielfältig und ſehr bedeutend: 1. Bleibt bey Verſchiedenheit der Wäſche auf dem Pelze der Werth der Wolle und das Gewicht der Vließe immer precär, wel⸗ ches im Handel zwiſchen dem Erzeuger und Käufer aus dem Grunde das wechſelſeitige Vertrauen ſchwächt, weil es ungewiß iſt, wie viel eigentlich Wolle, und wie viel Schmutz in einem Sacke ent⸗ erhas undr⸗ ugs die 2 Woh hauif thig 5 munt Beftes der e licher Wos weil uniſs unti und unds ſie ligen aben folgn ſtigke Schnl emi⸗ mzit en du — and W ihu⸗ 1 yrern ſarfel⸗ a pein⸗ de tunde 8/ wie =t ent⸗ halten iſt, welches den Handel ins Ausland nicht wenig erſchwert, und dadurch ein immerwährender Mißceredit zum Nachtheil der Waaren genäͤhrt wird. 2. Läßt ſich die Wolle der Merinos und Meſtizen dieſer Art, wie die Erfahrung lehret, durch das Schwemmen nicht rein brin⸗ gen. Alles Fett und die damit vereinigten Unreinigkeiten bleiben, ohne daß ſie das kalte Waſſer angreift, in der Wolle zurück. 5. Durch die unvollkommene Wäſche auf dem Körper des „Thieres wird der Werth der Wolle nicht nur äußerſt ſchwankend erhalten, und daher nicht nach ihrem wahren Werth gewuͤrdiget und verkauft, ſondern dieſer Manipulationsfehler vermehrt auch zugleich zweckwidrig, zum Nachtheil für den Abſatz ins Ausland, die Transportkoſten und Mauthen, auch die baren Auslagen für Wollſäcke zum empfindlichen Schaden des Käufers und Verkäufers, hauptſächlich aber für letzteren, indem die Waare dadurch unnö⸗ thiger Weiſe vertheuert, folglich der Abſatz erſchwert wird. 4. Die Wolle hat in den Tuchfabriken entweder die Beſtim⸗ mung weiß zu bleiben, oder durch allerley Farben gegen leichte Befleckung zu ſchuͤtzen, das Auge zu ergetzen, und den Geſchmack der Käufer dadurch zu befriedigen. Es zeigt ſich aber durch die täg⸗ liche Erfahrung, daß die Wolle in der erſten nachläſſig verrichteten Wäſche ſehr leicht verdorben, und nicht allein für Waaren, die weiß bleiben, ſondern auch für diejenigen, die nachher gefäͤrbt, und beſonders mit feinen Farben verſchönert werden ſollen, ganz untauglich gemacht werden könne, indem ſolche um ſo lebhafter und glanzender ausfallen, je mehr die Wolle ihre höchſte Reinheit und Weiße gleich in der erſten Wäſche erhalten hat. Schwefelt man nachher derley unrein gewaſchene Wolle, um ſie weiß zu bringen, oder behandelt man ſie mit flüſſiger, ſchwef⸗ liger Säure: ſo erhält ſie allerdings einen höhern Grad von Weiße; aber dieſe Behandlung zieht den Nachtheil herbey, daß die Wolle, folglich auch das Fabricat, dadurch hart wird, und an ihrer Fe⸗ ſtigkeit leidet, ſo wie auch, daß ſie nach einiger Zeit, trotz der Schwefelung wieder gelblich wird. 900 5. Verliert die Wolle durch dieſes ganz entgegengeſetzte und widernatürliche Verfahren außerordentlich in ihrer Güte und Geſchmeidigkeit, wenn ſie mehrere Tage und Nächte in ei— nem naſſen Zuſtand ſich befindet, darin unterhalten und zugleich die Transſpiration des Thieres gehindert wird. Die Hornhaut der Wolle wird dadurch zu viel erweicht, durch die Näſſe ausgedehnt und vergröbert. 6. Eben dieſe unterdrückte Transſpiration ziehet bey kränkli⸗ chen und anbrüchigen Schafen unvermeidlich, vorzüglich wenn kalte und regneriſche Witterung nach der Schwemme erfolgt, den Tod nach ſich, indem das naſſe Thier zuweilen 8 Tage in der ſchweren Laſt des durchnäßten Vließes herumgehen muß, während welcher Zeit die Wolle gewöhnlich unreiner, als vor der vorge⸗ nommenen Wäſche wird, und dadurch den Keim zu tödtlichen Krank⸗ heiten, ja oft den augenblicklichen Tod herbeyführt, weil es über— haupt der Natur der Schafe nicht angemeſſen iſt, benäßt zu wer— den, beſonders da das dichte Vließ der Merinos und der von ihnen abſtammenden Meſtizen ohnehin weit ſchwerer trocknet, als von gemeinen Schafen. 7. Da ein gut genäͤhrtes, geſundes, ausgewachſenes leoni⸗ ſches Mutterſchaf beyläufig 6— 7 Pfd. ungewaſchene Wolle auf ſich trägt, und die Meſtizen nach und nach ſich hierin den Origi— nalien nähern ſollen: ſo liegt es in der Natur der Sache, daß das Schafſchwemmen bey ſtufenweiſer Vervollkommnung nicht mehr angewendet werden kann; denn wie köoͤnnte ein ſolches Thier nebſt der Laſt ſeines natürlichen Pelzes zugleich eine drey⸗ auch viermahl größere Waſſerlaſt, die deſſen Vließ während der Wäſche eingeſo⸗ gen hat, bis zur allmähligen Trockniß herumtragen? Bey dünn⸗ felligen Schafen läͤßt ſich dieſes wohl eher bewerkſtelligen, wiewohl immer jauf Koſten der Geſundheit, aber nie ohne große Gefahr und Schaden bey den dichtwolligen Merinos, der beängſtigenden und grauſamen Behandlung, welcher die Schafe bey dem Schwem⸗ men ausgeſetzt ſind, hier gar nicht einmahl zu erwähnen! Dieſe Betrachtungen, die auf den Wohlſtand des Staates und ſeine indie laßn gen dap0 naul im(6 erwät 2 gen? b Rich und rungh ligenn tirune werkij Thien jene brachtg hülfe giſette e und din ei⸗ nugleic Aut der Ant und eränkli d wenn it, den ein der Viihrend d orge⸗ Grank⸗ I üiber⸗ aiwer⸗ aynen von zzn ni⸗ E aui ut ur Sr dß u„weht d rut Puna cingiſ⸗ 8 dunm griewoh cGeiat „ genden r. iwem⸗ n. Ddiſt ad ſine 3 301 individuellen Bewohner eine wichtige Beziehung haben, veran⸗ laßten mich, in Spanien die dort gebräuchlichen Wollwäſchereyen genau zu unterſuchen, und Plane davon zum Beſten derer, die davon Gebrauch machen wollen, mitzubringen, weil ich nach ge⸗ nauer Unterſuchung fand, daß die Wollwäſchereyen der Spanier im Großen die zweckmäßigſten und wohlfeilſten ſind, auch alle die erwähnten Unannehmlichkeiten dadurch völlig beſeitiget werden. 558. In Spanien unterſcheidet man folgende vier Gattun⸗ gen Wolle an einem Schafe:(Man vergleiche damit Tab. 14.) P. oder Prima iſt die edelſte Wolle, und beſteht aus der Rücken, Seiten⸗, Hüften⸗, vordern Schenkel⸗ und Halswolle. S. oder Secunda enthält die obere Schenkel⸗, Bauch⸗ und Halswolle, deßgleichen die Kother- und Bruſtwolle. T. oder Tertia⸗Wolle kommt von den innern Schenkeln, von den Untertheilen des Schenkels, dem obern Theil der Vorder⸗ füße und dem untern Theil der Bruſt, deßgleichen von dem Schopf und dem Schwanz. Nro. 4. Kaida iſt die Ausſchußwolle, die von den Beinen zwiſchen den Schenkeln, von dem Hodenſack, den untern Füßen, und den verunreinigten Theilen des Schafes gewonnen wird. 559. Dieſes iſt auch im Grunde die ſeit der erſchienenen er⸗ ſten Auflage dieſes Werkes ſchon ziemlich allgemein eingeführte Sortirung der Wolle der Producenten. Will man dieſe Sorti⸗ rung nicht nach der Schur, ſondern während derſelben bewerkſtel⸗ ligen, ſo ſchreitet man folgender Geſtalt zu Werke, um die Sor— tirung der Wolle auf dem Vieh auf das allergenaueſte zu be⸗ werkſtelligen. Zuerſt werden die Füße, die innern Schenkel, die Unter⸗ theile, die Bruſt und der Schwanz abgeſchoren, ſodann das Thier gebunden, und nachher die Wolle Lit. T. 3 abgeſchoren und jene Lit. K. und T. auf einen abgeſonderten Haufen vereiniget ge⸗ bracht, nachdem zuvor der Schafmeiſter und ein abgerichteter Ge⸗ hülfe die Gränzlinien dieſer Sorte genau mit Röthel oder rother 5⁰02 Waſſerfarbe bezeichnet hatten. Die ſchmutzigſte Kaida-Wolle (Ausſchußwolle) wird auf einen Haufen abgeſondert gelegt, und beſonders gewaſchen. Das Thier wird losgebunden, und in eine daneben befindliche Separation durch einen Träger getragen, wor⸗ auf eine andere Partie Scherer die Tina⸗ oder Secunda⸗Wolle, nachdem die Gränzlinien durch den Schafmeiſter ebenfalls mit einem Röthelſtriche genau ſind bezeichnet worden, abſcheret. Aus dieſer Wolle wird, ſobald ſie abgeſchoren und weggetragen worden iſt, ein beſonderer Haufen formirt. Nun ſcheren dieſelben Scherer die übrige Sattelwolle Lit. P. an einem Stücke ab. Aus dieſer theuerſten Wollſorte wird nun der dritte oder größte Haufe gemacht. Durch dieſe äußerſt einfache Manipulation iſt die Wolle auf das genaueſte nach ökonomiſcher Art ſortirt, ſo zwar, daß bey ge⸗ nauer Aufſicht kein Sortirer, wenn der Schafmeiſter die Sorten richtig vorgezeichnet hat, ſolche zuverläſſiger von einander abſon⸗ dern kann; ja man hat es in ſeiner Willkühr, falls bey der Claſ— ſification ein Verſehen geſchehen iſt, nach den Vollkommenheiten des Thieres einige Woll⸗Vließe nach Erforderniß in dieſe oder jene Claſſe zu verſetzen, je nachdem ein Schaf mehrere oder min⸗ dere feine Wolle hat. Zugleich wird das Vieh hierdurch außeror⸗ dentlich geſchont, indem es der barbariſchen Behandlung der Wäſche und dem gewöhnlichen Hungerleiden in dieſen Umſtänden, wodurch ſolches ſo augenſcheinlich ſammt ſeiner Wolle veſchwicht wird, nicht unterzogen werden darf. 560. Nach der Schur wird die Wolle ſortenweiſe zu gelege⸗ ner Zeit zu dem Waſchplatz geführet, und die Wäſche allda ent⸗ weder gleich nach der Schur, oder im Laufe des Sommers ver⸗ richtet, oder auch im ungewaſchenen Zuſtande an Fabricanten verkauft*). *) Obgleich man jetzt allgemein für die Pelzwäſche aus nicht zu ver⸗ kennenden wichtigen Gründen eingenommen iſt, ſo iſt doch nicht Vile , und in eine „ wor⸗ Woll, it inen diſſer genit, S5cheter alle auf 3 h ge A'orten nabſon⸗ pEleca aneiten oder znrin⸗ theror⸗ 4 zdüſte astodurch 1, nihr 3 ricanten aſtuw doch nicht N = — Idee ni 2 2 2uerdeee. 4 7 h 0, ne weueere d k 2s 7 2 k Sechs und zwanzigſtes Capitel. 3 Von der Pelzwiſche. 561. Die Wäſche der Wolle auf dem Körper des Thieres, oder 8 die eigentliche Pelzwäſche, die eine reinere Waſchung als das 1 Schwemmen hervorbringt, kann in jedem reinen Waſſer vorge— 3 nommen werden. Ich füge hier Tab. 16. eine leicht ausführbare Idee von einer Schafwaͤſche, die bey jeder Mühle, oder wo ein zu läugnen, daß es eine außerordentliche Schonung für die armen Thiere wäre, wenn die Leibwäſche derſelben erſpart, und ſolche gar nicht gewaſchen zu werden brauchten. Es hat in der That Herr Aloys Seidle in Wien eine Erfindung angekündiget, und von Sr. Majeſtät ein ausſchließendes Privilegium darauf erhalten, welche, wenn ſie ſich wirklich ſo verhält, das Waſchen der Schafe ganz unnütz machen würde. Dieſe Erfindung beſteht darin, daß derſelbe alle Arten von Schafwolle, geſchwemmt oder ungeſchwemmt, ſortirt oder nicht ſortirt, ſchweißig oder nicht ꝛc., zur Wäſche übernimmt, und da⸗ bey nicht mit heißen oder ätzenden, auf die Wolle zerſtörend wir⸗ kenden Mitteln zu Werke gehet, ſondern ſelbe ganz kalt behandelt, und deſſen ungeachtet entfettet. Nach mündlicher und ſchriftlicher Verſicherung des Herrn Aloys Seidle iſt deſſen Wäſche ſo voll⸗ ſtändig, daß die Wolle in der Behandlung für den Sortirer gar nicht verworren wird, und wer z. B. ganze Vließe ſeiner Woll⸗ 4 reinigungsanſtalt übergibt, erhält ſie zur Fabrication vollkommen gereiniget, auf Verlangen, in dieſen ganzen Vließen zurück. Dieſe Erfindung wäre für die Woll⸗Induſtrie von der höchſten Wichtig⸗ keit, um ſo mehr, weil das Waſchen für einen Schafpelz nach ſei⸗ ner Verſicherung nicht über 3 kr. C. M. koſten wird, und jenen Herren Wolleigenthümern, die von ſeiner Erfindung Gebraach machen wollen, ſein Jus zu ihrem Gebrauch, jährlich nach den Stücken ihrer Schafe berechnet, bis zum Verlauf ſeines Privile⸗ giums zum eigenen Gebrauch abtreten will. Er wohnt in Wien in der Alſervorſtadt, Wickenburggaſſe Nro. 20 im 2. Stock, und hat ſeine Woll⸗Waſchanſtalt in Ebreichsdorf V. U. W. W. ERNShulmen N — 5⁰4 Gefaͤll von Waſſer vorkommt, angebracht werden kann. Die Wä— ſche iſt auf den Seiten aufgemauert und der Boden gepfaaſtert. Bey der Waſchung muß das Waſſer, 3 Schuh tief, durch Waſ⸗ ſerfälle angelaſſen werden können. Einige Menſchen können täg⸗ lich etliche hundert Schafe reinigen. Wenn eine zweckmäßige Ein⸗ weichung der Schafe vor der Wäſche vorhergegangen iſt, ſo iſt dieſes das Non plus ultra einer Pelzwaſchung. Die Manipula⸗ tion ergibt ſich aus der Zeichnung von ſelbſt. Wenn man auch nur einen Waſſerfall bewerkſtelligen kann, ſo iſt dieſes ein außerordent⸗ licher Vortheil zur Reinwaſchung der Schafe auf dem Körper der Thiere. Dieſe Idee von Waſchung ſtimmt mit meiner Thereſienfelder Schafwäſche überein, wovon ſpäter die Rede ſeyn wird. Sieben und zwanzigſtes Capitel. Sp aniſche Art, die Wolle zu waſchen. 562. Ich ſchreite nun zu der Beſchreibung der ſpaniſchen Waſch⸗ Manipulation, wovon der beyliegende Plan die eigentlichen Ver⸗ hältniſſe mit größter Genauigkeit ausweiſet. Doch zuvor muß ich noch von einer kleinen Vorarbeit Erwähnung machen. Mehrere Tage vorher, ehe das Waſchgeſchäft beginnet, legt man die ſortirte Wolle nach und nach ſortenweiſe auf eine Hürde von Draht oder Weidenholz, welche von zwey hölzernen Schra⸗ gen oder Stützen getragen wird; hier wird nun dieſe ſortirte Wolle mit glatten Srecken partienweiſe abgeklopft(oder gehauen) und mit den Händen gelüftet, damit die allenfalls vorhandenen Sti— chelhaare, Staub, Anhängſel vom Futter, nachdem ſie einige Nahl gerüttelt worden iſt, davon befreyet werden*). *) Dieſe Operation, um das Futter herauszubringen, iſt in Spa⸗ nien nur bey den Eſtantes⸗Schafen nothwendig, indem die Me⸗ —— Ni⸗ aſtert. 3 Waf⸗ dn tip ne Ein⸗ „ſo ii Lüiplle ruch nur anrdent⸗ T er det Kanfeddet nen. npaſt⸗ tin Der wnih ih nig t, legt 2 Hün 12 2he ae B 85 ren) un mneen Li⸗ nrie eii 3⁰5 Man muß bey dieſem Geſchäfte oft die Hände zu Hülfe neh⸗ men, und die am ſtärkſten verunreinigten Wollflocken öfters ganz auf die Seite legen, um ſie allein zu waſchen, hierauf aber wie⸗ der in ihre Sorten zu bringen. 565. Mit dieſer Wolle werden nun die drey Behälter oder Baſſins mit warmen Waſſer jedes Mahl mit 125 bis 150 Pfd. an Ge⸗ wicht angefüllt, und nach Reaumur mit 45— 55 Grad warmen Waſſer, faſt eine halbe Stunde lang, eingeweicht. Nach Verlauf dieſer Zeit kommt dieſe Wolle in den Canal oder in das kalte Bad, wo ſie gleich rein ausgewaſchen wird. 564. Man rechnet, und ich habe mich aus eigener Erfah⸗ rung davon öfters überzeugt, daß bey gehörigem Eifer mit 3 Baſ⸗ ſins, in welche die Wolle in warmes Waſſer eingeweicht wird, 30— 36 Centner rohe Wolle täglich rein ausgewaſchen werden können, wozu 16 Perſonen nöthig ſind. 565. Sobald obige 5 Baſſins mit Wolle feſt eingefüllt ſind, ſo gießt man, wie ſchon geſagt worden, 50 Grad warmes Waſſer mittels der Pipen darauf; iſt die Wolle beſonders unrein, ſo darf das Waſſer nach Reaumur auch 60 Grad, oder ſo warm ſeyn, daß man nur mit Schmerzen die Hand darin leiden kann.(Zu dieſer Prüfung iſt ein eigener Mann beſtimmt.) Die Baſſins müſſen bis zum Übergehen mit Waſſer gefüllt ſeyn, und die Wolle höchſtens eine kleine halbe, beſſer nur eine Viertelſtunde, darin weichen. Die Gefäße ſollen mit Bretern bedeckt werden können, damit ſich der Wärmedunſt länger darin erhalte. 566. Eine Wärme unter 40 Grad iſt zur Auflöſung der Fet⸗ tigkeit nicht hinreichend, und über 55 bis 60 Grad bindet ſie ſelbe gewiſſer Maßen, kräuſelt die Wolle, und macht ſelbe ſtörrig und hart. Man kann den gehörigen Grad der Waͤrme auch ohne Ther⸗ mometer leicht erkennen: ſobald man nähmlich die Hand rinos Transhumantes, oder Wanderſchafe, das ganze Jahr im Freyen leben, und die Wolle durch Futtertheile nicht verunreini⸗ get werden kann. II. 20 5⁰6 nicht mehr im Waſſer leiden kann, ohne ſie zu verbrennen, ſo iſt ſie zu ſtark. Wenn das Waſſer im Keſſel ſtark ſiedet, ſo temperirt es ſich durch den Ablauf der unter— irdiſchen Röhren in die Baſſins, daß beym Eintritt in ſelbige durch die Pipen oder Hähne ſelten eine höhere Wärme, als 55 bis 60 Grad nach Reaumur Statt hat. Wenn das Waſſer in dem Keſſel ſiedet, ſo füllt man die Baſſins mit Wolle, und läßt dann mittels der Hähne das Waſſer in ſolche laufen. In dieſem Zu⸗ ſtande muß ſie, wie ſchon erwähnt wurde, 15— 25 Minuten (je nachdem die Wolle unrein iſt, nähmlich die unreinſte am längſten) weichen. Man nimmt ſie dann mit einer Gabel oder einem Rechen heraus, und bringt ſie in einen Korb, oder in ei— nen mit Löchern verſehenen Verſchlag, damit das Fettwaſſer aus⸗ rinnen kann. Die in Körbe oder hölzerne Verſchläge eingefüllte Wolle wird mit den Füßen etwas zuſammengetreten, damit das Fettwaſſer durchgepreßt wird, welches, ſobald die Wolle aus dem Baſſin gebracht wird, in einen beſondern Behälter geſammelt, die dünne Flüſſigkeit wieder zum Warmwaſchen der Wolle in den Keſſel kann gebracht werden, der Bodenſatz aber zum Verkauf an Seifenſieder, oder zum eigenen Gebrauche, die Achſen der Wä⸗ gen mit dieſen feſtern Fett-Theilen zu ſchmieren, verwendet wer— den kann*). Während daß man die Wolle in den Canal bringt, wo ein Arbeiter zu deren Empfang in Bereitſchaft ſteht, um ſolche im Waſſer portionweiſe auseinander zu breiten, wird die warme Wäſche in den Baſſins ununterbrochen auf die beſchriebene Art wiederhohlt und fortgeſetzt. 567. Von dem Waſſer⸗Canal kommt die Wolle, nachdem ſolche mit Gabeln öfters gehoben, und nachher der Rechen zum *) Dieſe Verwendung der Waſchbrühe iſt jedoch in Spanien nicht üblich, ſondern ich habe dieſe Vortheile, ſo wie auch, daß dieſe Brühe ein ungemein nützlicher, ſchnell wirkender Jauchen⸗Dün⸗ ger iſt, durch meine ſpätern Erfahrungen bey einer von mir ſelbſt errichteten ſpaniſchen Wäſche entdeckt. ſie rein nen; zuge hen derl ind dier ſten mit zu d Wol eing trag die nicht ter di e zu Ler in unter ellige 2n 5) In den dann d Ju⸗ Enuen riie am 8 oder oin ii⸗ dir aus⸗ A füllee 4 t Rs al dem an nelt, A den nl on „Wi⸗ nze wer⸗ aneingt, , un Ruad die d iiedene S achdem ren zum en rich diu diefe r auDin⸗ dir iit 5⁰7 Ablaſſen eröffnet worden iſt, zum Waſſerbehälter der kalten Wäſche, welcher eine ovale Form hat. Oben liegt ein Holz quer über die⸗ ſen Waſſerbehälter, an das ſich zwey Menſchen ſtützen, welche die ihnen vom Waſſer⸗Canal zukommende Wolle in Empfang neh⸗ men, ſie wechſelweiſe mit dem rechten und linken Fuße treten, um das Waſſer recht durch die Wolle zu arbeiten, ſie dadurch vom Schmutz zu befreyen, und in Flocken im Waſſer hin und her zu bewegen; deßgleichen müſſen ſie auch mit einem Fuße beſtändig im Waſſer rühren, um die Wolle in Bewegung zu ſetzen, und aus einander zu bringen, ſo daß dieſelbe recht gewaſchen wird, ohne daß man dabey viel mit den Füßen auf den Grund kommen darf. Am Ende dieſes Waſſerbehälters iſt ein Fachbret angebracht, durch welches man das Waſſer während des Waſchens auf 15— 16 Zoll hoch ſchwellt; im Laufe des Canals iſt es beyläufig 15, und ge⸗ gen das Ende, wo ebenfalls ein Fachbret iſt, 20 Zoll hoch. Aus dieſem ovalen Waſſerbehälter wird die Wolle, nachdem ſie recht mit den Füßen hin und her bewegt worden iſt, ſobald ſie rein zu ſeyn ſcheint, acht andern in dem Canal befindlichen Perſo⸗ nen, wovon eine unterhalb der andern iſt, über das Fachbret zugemittelt. Die vier erſten arbeiten in dieſem Abfluß⸗Canal ſte⸗ hend und mit den Händen auf den Rand ſich ſtützend, und wie⸗ derhohlen in angemeſſenen Diſtanzen die Beſchäftigung der beyden in dem ovalen Waſſerbehälter befindlichen Menſchen. Die übrigen vier Arbeiter ſind ebenfalls in dem Abfluß⸗Canal hinter den er⸗ ſten, ſammeln ſitzend die Wolle, wie ſie das fließende Waſſer mit ſich fortreißt. Sie bilden daraus, ohne ſie zu winden und zu drehen, Bündel, und drücken das Waſſer aus. Nun wird die Wolle in die hinter dieſen Arbeitern ſtehenden Körbe immerfort eingefüllt, und auf die Gallera zum Ablaufen des Waſſers ge⸗ tragen, wo ſie ſpaͤter in der Preſſe auf die Pedrera gebracht wird. Am Ende dieſes Canals ſind noch zwey Arbeiter beſchäftigt, die Wolle in Empfang zu nehmen, und zu verhindern, daß ſie nicht durch das Gitter, das bey der Schleuſe angebracht iſt, un⸗ ter die Gallexa falle. * 3⁰8 Dieſe zwey Arbeiter müſſen beſtändig die Wollflocken von dem Netze der Gallera ablöſen, damit ſich ſolches nicht verſtopfe, und der Ablauf des Waſſers nicht geſchwellt werde, wobey wohl aufzuſehen iſt, daß ſo wenig Wolle, als möglich, dieſes Draht⸗ detz erreiche, wodurch die Arbeit ſehr gefördert werden wird. Von hier kommt die reine Wolle zur Preſſe*), wo ſie gut ausgepreßt und waſſerfrey gemacht wird, ſodann auf die Pedrera, wo man ſie einige Stunden, gleichartig aus einander gelegt, ſich ausziehen läßt, um ihr dadurch ihren Nerv oder ihre Elaſticität wieder zu geben**).. Auf ſolche Art gewaſchene Wolle beſitzt nun den gehörigen Grad der Reinheit, zu der ſie zu den fernern Behandlungen in den Manufacturen durch ganz gewöhnliche Arbeiter geſchickt ge⸗ macht wird: ſie unterliegt aber ſodann noch der Fabrikwäſche, wo⸗ durch ſie noch einen Abgang vyn 12— 15 Proc. erleidet. 568. Endlich kommt ſie auf die daran ſtoßende, von allen Unreinigkeiten befreyte Wieſe, wo man Haufen daraus macht, die wieder in kleinere vertheilt werden, ſo zwar, daß ſie ganz gleichmäßig über die ganze Wieſe vertheilt iſt, damit Sonne und Wind ſie trocknen können. So bleibt ſie bis zum zweyten oder dritten Tag, und wird täglich früh nach abgetrocknetem Thau einmahl gewendet, oder man trocknet ſie auf Stellagen unter Dächern im Schatten. 369. Thau und Regenwetter ſchaden in dieſem Zuſtande der Wolle gar nichts, ſondern befördern ihre Weiße. Ich habe ſchon Beyſpiele gehabt, daß es zehn Tage nach einander regnete, und man konnte der Wolle nicht den geringſten Fehler anſehen, im Gegentheil wurde ſie dadurch auffallend weiß gebleicht. *) Dieſe Preſſe findet man nicht in Spanien im Gebrauche, ſondern es iſt eine von mir angebrachte Verbeſſerung, wodurch die Geſchäfte, nähmlich das Trocknen der, Wolle, ſehr befördert werden können. **) Dieſe Pedrera(der koſtſpieligſte Theil der Wäſche) wird durch eine einfache Preſſe ganz überflüſſig gemacht. in don ſtoͤfe, wohl Duaht⸗ nd. riie gut deera, 8, ſch iicitit a eiigen rln in lait ge⸗ h we⸗ .1 as allen zmacht, Rhanz masund ug det nanedal vgeuntet große Schonung für die Menſchen und Thiere gewährt. 3 09 570. Iſt die Wolle gehörig getrocknet, ſo wird ſie auf der Wieſe in Haufen gelegt; man ſackt ſie gewöhnlich allda gleich in Ballen von 200— 250 Pfd. ein, und bringt ſie dann ins Maga⸗ zin; auf jeden Ballen ſchreibt man das Zeichen der Quantität und der Qualität. 571. Dasjenige Waſſer, welches Leinwand gut wäſcht, Ge⸗ müſe gut kocht, die Seife gut aufloͤſet, iſt für dieſe Wäſche das beſte. Fließendes reines Waſſer hat viele Vorzüge vor ſtehendem; je rapider der Lauf des Waſſers iſt, deſto geſchwinder kommt man in der Arbeit vorwärts; je härter das Waſſer, deſto unzweckmäßiger iſt es zu dieſem Geſchäfte. 572. Die Wolle verliert gewöhnlich 50 Procent in der Waͤſche, je nachdem die Gegend und die Art des Viehes iſt, viel oder wenig Natrum im Boden enthalten, oder das Vieh dem Staube ausgeſetzt iſt. Durch die Fabrikwäſche verliert ſie höch⸗ ſtens noch 10— 15 Procent. 575. Die Vortheile dieſer Manipulation ſind wirklich höchſt bedeutend, und in ihren Folgen von der allergrößten Wichtigkeit; denn der inländiſche Fabricant empfängt von dem Verkäufer gleich aus der erſten Hand ſortirte und reingewaſchene Waare, wodurch ein wechſelſeitiges ſolides Vertrauen zwiſchen beyden Intereſſenten von ſelbſt erwächſt. Überdieß wird ein bedeutender Theil der Trans⸗ portkoſten erſpart, welches dem Erzeuger zum Vortheil kommt. Gegenſtände von ſo großer Wichtigkeit für den Wollhandel, wodurch Spanien, durch ſeine muſterhafte und beyſpielloſe Ord⸗ nung in guter Sortirung und Wäſche, durch ſeine reine, feine, gute Waare ſich einen ſo großen Credit und Nutzen in dieſem Handel verſchafft hat, verdienen unſere Aufmerkſamkeit, und ſie würden in Deutſchland wegen der großen Schonung der Schafe höchſt wahrſcheinlich doch, ſo wie in Spanien, ihr Recht behaup⸗ ten, wenn es möglich gemacht werden könnte, ſie auf einmahl allgemein einzuführen, indem dieſes vortreffliche Verfahren eine 574. Die Waſchkoſten ſind ſehr unbedeutend, ja in man⸗ chen Gegenden, die waſſerarm ſind, und wo man das Vieh zu entfernten Schwemmen treiben muß, weniger koſtſpielig, als die gewöhnliche Wäſche, indem nach meinen Erfahrungen 16 Perſo⸗ nen 30 Ctr. Wolle täglich waſchen. In Spanien, wo durch gutes Waſſer und abgerichtete Men⸗ ſchen auch 40— 50 Ctr. Wolle(ſpaniſches Gewicht) in einem Waſchhauſe, welches 4 Behältniſſe mit warmen Waſſer hat, täg⸗ lich gewaſchen werden, bedarf man täglich beyläufig 2 Klafter Holz. 575. Die Koſten der Erbauung eines ſolchen Waſchhauſes, das man in allen ſeinen Theilen entweder ganz von Holz oder von Steinen verfertigen kann, betragen ſämmtlich kaum 2 bis 300 fl. C. M.; jedoch muß ich erinnern, daß dasjenige, welches ich erbaut habe, nicht eingedeckt wurde, weil dieſes keine abſo⸗ lute Nothwendigkeit iſt, indem beym Regenwetter das Waſſer gewöhnlich trüb wird, wodurch ſich jede Art Wäſche von ſelbſt verbiethet. 576. Hierdurch kann ein ſchädliches Vorurtheil bekämpft werden, das der Induſtrie und der Geſundheit unſerer Schafe hinderlich, auch unſerm Handel ſehr nachtheilig iſt, und das bloß von dem Schlendrian herrührt. Wir haben wenig ſo grobe Her⸗ den mehr, deren Vließ, gleich jenem der Ziegen, wenig öhlichte Theile in ſich enthielte. Die veredelte Schafwolle bedarf mehr, als das bloße kalte Schwemmwaſſer, um ihr Fett, das ihr den Stämpel des phyſiſchen Adels einprägt, abzuſondern, und ſollte es nicht für manche Herdenbeſitzer ſogar ein ſchädliches Vorurtheil ſeyn, noch Vieh zu beſitzen, deren Wolle man mit kaltem Fluß⸗ oder Teichwaſſer ausſchwemmen kann, da es auf der andern Seite erwieſen iſt, daß zur Wäͤſche der ſpaniſchen Schafwolle, nach dem Reaumur'ſchen Thermometer, 45— 55 und noch mehr Grade Waͤrme erforderlich ſind? 577. Erklärung des Planes eines Lavadero oder einer Woll⸗ Waͤſche bey Segovia, laut beyliegender Kupfertafel XV. 6. WM. 2 .— 1—. 1 6-— — 3 3 T.e El 11 g HAr C, 2t? ernef 6 2 eag, e, eeee,,e, 27¶ οσ a, be, Sue 22, „ 2 ndnzen, 22ſh, mnQ 881 J P uII4) nnplj⸗ 10 heil a) Das kleine Haus, worin der Heizkeſſel iſt, welcher gegen den Boden ſchmäler wird, und aus welchem eine kupfer⸗ ne Röhre, um das Waſſer abzuleiten, gehet. b) Die Holzlage. c) Schupfe, um die Wolle darin unter Obdach zu bringen. d) Die Ventile oder Hähne, wodurch man das warme Waſſer in die e) warmen Waſſeerbehälter, in welchen die Wolle eingeweicht wird, leitet. f) Röhre, wodurch der Keſſel angefüllt wird. g) Der Waſſer⸗Canal, in welchen die Wolle unmittelbar nach dem heißen Bade gebracht wird. h) Der ovale Waſſerbehälter oder die kalte Wäſche. i) Der Ort, wo die Arbeiter zum Empfange der aus dem warmen Bade kommenden Wolle ſich befinden. k) Ein Holz, zu gleicher Beſtimmung, zum Waſchen. 1) Ein Rechen zum Aufhalten der unreinen Wolle. m) Ein Fachbret zum Aufſchwellen. n) Der Canal zum Reinwaſchen der Wolle. 0) Ein Fachbret zum Aufſchwellen des Waſſers. p) Die Gallera, nähmlich ein Geſtell von Latten oder Bre— tern hinter der Schleuſe, welche die Stelle eines Gerü⸗ ſtes vertritt, das mit einem Netze oder mit grober Lein— wand überzogen wird, damit das Waſſer von der Wolle, welche darauf getragen wird, zwar durchrinnen, die Woll⸗ flocken aber nirgends einen Ausweg finden. d) Die Preſſe, wodurch die reingewaſchene Wolle von dem Waſſer ganz befreyet wird, damit ſolche deſto geſchwinder trockne. r) Die Pedrera, eine ſchiefe Stellage, auf welche man die Wolle nach der Wäſche legt, damit das Waſſer abtropfen und abſiekern könne. Bey Anwendung einer Preſſe kann jedoch dieſe Pedrera ganz erſpart werden. s) Das Fachbret, um das Waſſer nach Belieben ſtärker oder ſchwächer zum Waſchen rinnen zu laſſen. Die außern Seiten dieſer Wäſche ſind mit einem Rinn⸗ ſal umgeben und ausgepflaſtert, um zu verhüthen, daß während des Waſchens kein unreines Waſſer in den Canal laufen, und daß das aus den Körben ſich abſiekernde ab— rinnen kann. t) Eine Bank. Die Preſſe iſt bey den ſpaniſchen Waſchanſtalten nicht ge⸗ bräuchlich. Eigene Erfahrungen haben mich jedoch überzeugt, daß die Wolle dadurch nicht nur 24 Stunden früher kann zum Trock⸗ nen gebracht werden(welches in unſerm Klima von großem Nu⸗ tzen iſt), ſondern daß ſogar die Pedrera(der koſtſpieligſte Theil bey einer ſpaniſchen Wäſche) dadurch ganz überflüſſig und entbehr⸗ lich gemacht werden kann. Im Ganzen genommen ſind alle ſpaniſche Waſchhäuſer nach dieſer Einrichtung erbaut, nur bringt die Localität manchmahl in der Form einen kleinen Unterſchied hervor. Acht und zwanzigſtes Capitel. Zweytes Verfahren, die Schweiß⸗Wolle zu reinigen. 578. Die ſortirte Wolle wird ſortenweiſe in weichem, 28 bis 30 Grad warmen Waſſer 6 Stunden lang in Butten gefüllt, wornach die obere fette Hälfte des Waſſers abgeſchöpft, zur fol— genden Behandlung benutzt, und die untere noch einmahl mit friſch zugelaſſenem reinen Waſſer verwendet wird. Die herausgenommene Wolle wird in kleine Körbe und in Keſſel von circa zwey Schuh im Durchmeſſer gethan, welche halb mit obiger Brühe, halb mit reinem Waſſer gefüllt ſind, und 55— 60 Grad Wärme erhalten muß. In dieſem Keſſel wird die Wolle, jedes Mahl ein Körbchen voll, ſechs Minuten lang beſtändig herumgerührt und wieder her⸗ ausgenommen. Die ganze Behandlung muß in zehn Minuten einerd Keſſe But Gall 5¹⁵ mnn vollendet ſeyn. Hierauf wird die Wolle unverzüglich in fließendem 1h Waſſer von obiger Eigenſchaft in Körben, ſo wie bey der Fa⸗ danal 6 brik⸗Wäſche, geſpült, und gleich in eine Art Preſſe gebracht, um 14 4 das Trocknen zu befördern, worauf ſie nochmahls durchgeſeben, und alle gelbe, auch ganz kurze Theile ausgeſchieden werden. Endlich wird die Wolle auf abhängigen Bretergerüſten im Freyen, ise h oder auf einer reinen Wieſe völlig getrocknet und geſackt. Den 8, da ſich auf dieſe Weiſe ergebenden Abgang an Gewicht nimmt man w. nach Unterſchied der Wolle oft zu der im Fett geſchornen 9 Nu Wolle an. Kheil deht⸗ Neun und zwanzigſtes Capitel. s Lavoir public à Paris. aea mahl 579. Ich machte die Pariſer öffentliche Woll⸗Wäſche zuerſt 1 durch die ökonom. Neuigkeiten in Deutſchland bekannt, um ihre Einrichtung hier nicht auch zu beſchreiben. ah 580. Die Wolle, ſie ſey in vollem Fett, oder auf dem Schaf gewaſchen, wird, ſo wie ſie iſt, ſortirt, geringe Stämme in 3— 4, feine bis zu 13— 14 Sorten. 581. So ſortirt kommt ſie zur Wäſche. Dieſe geſchieht auf einem Schiff auf der Seine, in welchem drey gemauerte heizbare 20 mfült, 8 Keſſel zum Sieden des Waſſers, und eben ſo viel große hölzerne e ni Butten zur warmen Wäſche ſind. Rings um das Schiff läuft eine Gallerie mit Vertiefungen, in welchen die Ausſpüler ſtehen. mu 582. Das Waſſer wird in dem Keſſel für feine Prima⸗Wolle auf 45; für Secunda auf 40; für Tertia auf 30; für Quarta ,n auf 25 Grad geheizt; für die geringern braucht es kaum mehr als lau zu ſeyn. cie 583. Hat man noch keine Schweißbrühe, ſo nimmt man das erſte Mahl halb Urin, halb Waſſer, und heizt es auf obige Hr her 3„.„ 94;.„ 3:6 in Grade; bey fernerer Wiederhohlung nur † Schweißbrühe und ¾ 314 Waſſer, ohne allen lrin oder ſonſtige Zuthaten für Prima⸗ bis Tertia⸗Wolle, für geringere braucht es ſehr wenig Schweißbrühe. 584. Das ſo geheizte Bad wird in die Butte gelaſſen, und die Wolle in dem Maß hineingethan, daß ſie ſich leicht darin umrühren läßt. Nach einer halben Viertelſtunde iſt ſie gewöhnlich rein gewaſchen; ſie kann aber auch eine halbe Stunde ohne Ge⸗ fahr im Waſſer bleiben. So wie man ſie herausnimmt, wird ſie ſchnell(falls man nicht, wenn man Urſache hat, mit der Schweiß⸗ brühe ſparſam umzugehen, ſie auf Stangen über eine Butte ab⸗ tropfen laſſen, und ſo die Brühe zu einem neuen Gebrauche ge⸗ winnen will, welche dann mit jener, die in der Waſchbutte iſt, aufs neue im Keſſel geheizt wird) in Koͤrben im Fluß ausgeſpült; je heißer ſie in den Fluß kommt, je reiner wird ſie. 585. So, rein gewaſchen, wird ſie zum Trocknen gehörig ausgebreitet, und nachdem ſie trocken geworden, nochmahls Sorte für Sorte ſorgfältig ſortirt; die gelben und gröbern Theile aus Prima und Secunda zuſammen, ſo wie aus den übrigen Sorten zuſammen, geben zwey neue Sorten, ſo daß, vollſtändig fertig, oft bis zu 17 Sorten entſtehen. Die Futterſtücke werden nach der Wäſche noch beſonders behandelt, nähmlich erſt mit Stecken ge⸗ ſchlagen, was Blühen bildet, die, wieder zerriſſen ꝛc., in einer Art Wolf gehaspelt werden, um das Futter möglichſt auszutrei⸗ ben, was auch ziemlich gut erreicht wird. 586. Die ſo behandelte Wolle hat noch 1 bis 5 Procent Fett, und läßt ſich nach Ausſage vieler unterrichteter Fabricanten lange Zeit ohne Gefahr aufbewahren; nur läßt ſie ſich gleich friſch nach dieſer Wäſche, und eben ſo, wenn ſie ſehr lange gelagert, ſchwer ganz reinigen; im letzten Fall treibt ſie auch das noch übrige Fett aus, wodurch ſie gelblich wird. 587. Geſtehen muß man, daß die aus dem Lavoir royale kommende gewaſchene Wolle für den Verkauf vortrefflich behan⸗ delt iſt, indem die Weiße ſchmeichelt, und die über die Maßen ſorgfältige Sortirung eine Gleichheit hervorbringt, die nicht zu übertreffen iſt. für d kluge denne gen l auf do zu ſor Preisr greifen Von 5 meiner! bey meit Beylag! iſterreid betreffen gung fü Werth diejenige laſſen, rath für d Wolle! durch do gehörige genau b 1 i vuühe. 2 un Gorin nlic A Ge⸗ dſe D eiß⸗ g( dh⸗ un ge⸗ asrit, Güult, 2 diig alhute Uiaus 8 en M 9/ daner nte⸗ nier zuei⸗ ut Aäten as iſh ert, Kiiyr jale jan⸗ üſen ir zu Obgleich in Frankreich der große Haufe von Fabricanten für die nach der Schur gewaſchene Wolle iſt, ſo geſtanden andere kluge Fabricanten, daß ſie die auf dem Thier gewaſchene Wolle dennoch vorziehen, hauptſächlich weil ſie ſich ungleich beſſer reini⸗ gen läßt, als die ſchon warm gewaſchene Wolle. Wird daher nur die größte Sorgfalt angewendet, die Wolle auf das reinſte auf dem Vieh zu waſchen, dann auf das ſtrengſte zu ſortiren: ſo werden die verſtändigen Fabricanten, bey gleichem Preisverhältniß, immer nach unſrer deutſchen Wolle vor andern greifen. Dreyßigſtes Capitel. Von dem Waſchen der Wolle auf dem Körper des Schafes. 588. Nicht unintereſſant dürfte es wabrſcheinlich für manche mneiner Leſer ſeyn, zu erfahren, wie ich meine eigene Woll⸗Wäſche bey meinen Merinos in Thereſienfeld behandle. Die Beſchreibung davon, die ich hier wiederhohle, iſt als Beylage erſchienen in dem Aufruf an alle Herren Güterbeſitzer des öſterreichiſchen Kaiſerthums, die Begründung von Wollmärkten betreffend, von B. Petri. Wien 1825, bey Gerold. 589. Ein möglichſt reines Pelzwaſchen iſt die Hauptbedin⸗ gung für einen guten Verkauf der Wolle, um ihren poſitiven Werth durch einen angemeſſenen Preis belohnet zu ſehen, und diejenigen irren ſehr, welche die Wolle recht ſchwer und ſchmutzig laſſen, und der Meinung ſind, der Conſument werde ihren Un— rath für Wolle bezahlen. Das Schafwaſchen hat eine viel ſorgfältigere Reinigung der Wolle und eine höhere Vollendung der Sache zum Zweck, als durch das bloße Schwemmen der Schafe zu erreichen iſt; und bey gehöriger Behandlung iſt dieſes eine Beſchäftigung, die nur durch genau befolgte Regeln gemeinnützig werden kann. 346 Von einer Waſchanſtalt, welche die gewöhnlichere gröbere Reinigung der Wolle zum einzigen Zweck hat, kann hier eben ſo wenig, als von der Fabrik⸗Waſchung die Rede ſeyn, ſondern hier wird einer ganz entſprechenden Waſch⸗Manipulation erwähnt, die für den Zweck des Dkonomen paßt, und dazu geeignet iſt, eine vollkommene, alſo keineswegs mehr eine nothdürftige, Reinigung der Wolle auf dem Schafe, ohne das Thier zu plagen, oder ir⸗ gend einer Gefahr auszuſetzen, zu bewerkſtelligen. 590. Man hat ſich lange über die Frage geſtritten, ob es am vortheilhafteſten ſey, die Wolle auf dem Körper des Thiers, oder erſt nach der Schur zu waſchen, indem beyde Waſch-Mani— pulationen ſo Manches wider ſich haben, beſonders aber das Woll⸗ Waſchen die genaue Sortirung der Wolle vor dem Waſchen für den Producenten ſchwierig macht, dagegen allerdings aber die Wolle nach der Schur reiner hergeſtellt werden kann; bis endlich die engliſchen Wollhändler und Fabricanten in den neuern Zeiten dem Schafwaſchen, wenn es zweckmäßig und fleißig behandelt wird, den Vorzug hauptſächlich deßwegen einge⸗ räumt haben, weil die Wolle dadurch, vor der Fabrik⸗Waſchung, genau nach den verſchiedenen Abſichten des Fabricanten ſortirt werden kann, was bey einer ſchon warm gewaſchenen nicht mehr ſo thunlich iſt, indem ſolche, ſelbſt auf das fleißigſte nach ſpani⸗ ſcher Art gewaſchen, doch noch 15— 16 Procent in der Fabrik⸗ Wäſche verliert, folglich nicht ſo rein gemacht werden kann, daß der Fabricant ſie nicht noch einmahl in beſondern Waſchanſtalten in die Reinigung nehmen müßte. 591. Eine Hauptaufgabe einer zweckmäßigen Waſchung für den Producenten muß daher die ſeyn, den Werth der Wolle als Waare durch keine unzweckmäßige Behandlung zu vermindern, und da unrichtig ſortirte, auf ſpaniſche Art gewaſchene Wolle kaum mehr ganz richtig zu claſſificiren iſt, der Landwirth aber die dazu nöthigen Kenntniſſe höchſt ſelten ſelbſt beſitzt, und gewöhnlich nur mit Mühe und bedeutenden Koſten, wie die neuern Erfahrun⸗ gen bewieſen haben, ſachkundige Sortirer ſich verſchaffen kann, auch zen willk iſt, dem! wo e ällein ſchen ginal⸗n rern habe,: ic ihre⸗ jedem: ner Lo 1 ſchicklite theil g in ſein wohin führet tet bers tes kal unübeni 1. 1 mäͤßige Letzter, Väſch höchſte iſt na⸗ trigt, Vaſſen lich de wähete viden ſd zen hier 7tt, die— 1, ine Sigung e i⸗ 120b 6 S ierz/ KP koni⸗ 59 Kol⸗ Aen fir ar di ainlih mrviten Mhig milge⸗ irng, Kumtitt hnedt zordni⸗ ori⸗ 11m3, dij acialn 1 5 für E lal aAdern/ 1. kun 102 dazu Sih nur 5 hrun⸗ kun⸗ 517 auch Unkundige die Wolle in der warmen Waſchung leicht verfil⸗ zen und ganz verderben können: ſo muß eine Schafwäſche ſehr willkommen ſeyn, die mit keiner von dieſer Gefahren verknüpft iſt, wodurch nähmlich die Wolle nicht verworren wird, und welche dem Sortirer ſein Geſchäft nach Verſchiedenheit der Sortimente, wo es ſich doch nicht immer um die Feinheit des Haares ganz allein handelt, erleichtert. 592. Nachdem ich in meiner Thereſienfelder original⸗ſpani⸗ ſchen Stammſchäferey und permanenten Verkaufsanſtalt von ori⸗ ginal⸗ſpaniſchen Schafen eine ſolche Schafwaͤſche ſchon vor meh⸗ rern Jahren erfunden, und nach meinen Local⸗Umſtänden erbauet habe, die in der That gar nichts zu wünſchen übrig läßt: ſo will ich ihre Hauptbeſtandtheile hier kurz beſchreiben, indem es dadurch jedem Sachkundigen ein Leichtes ſeyn wird, nach Maßgabe ſei⸗ ner Local-Umſtände ſich eine ähnliche Anſtalt zu errichten. 595. Bey einer guten Schafwäſche iſt vor Allem ein dazu ſchickliches Locale erforderlich, welches durch ſcine Lage den Vor⸗ theil gewährt, daß man den Zu⸗ und Ablauf des Waſſers ganz in ſeiner Macht haben kann. Jeder trockene, etwas erhabene Ort, wohin ein fließendes reines Teich⸗, Bach⸗ oder Quellwaſſer ge⸗ führet werden kann, iſt ohne weiters dazu anwendbar; ungeach⸗ tet bey der ſonſt gewöhnlichen Pelzwäſche in der Regel ein har— tes kaltes Waſſer aus vielerley richtigen Gründen in der Praxis unüberſteigliche Hinderniſſe verurſachet. 594. Die längliche Form einer Schafwäſche iſt weit zweck⸗ mäßiger, als eine unverhältnißmäßig breite Geſtalt derſelben. Letztere wird von der Maſſe des Waſſers, die vorhanden iſt, die Wäſche zu durchſtrömen, um den Schmutz der Schafe abzuführen, höchſtens auf 2— 5 Klafter breit zu beſtimmen ſeyn. Die Länge iſt nach der Zahl der Schafe, die man täglich zu waſchen an⸗ trägt, und nach der Quantität des Waſſers zu reguliren. 595. Meine Schafwäſche hat 6 Cubik-Zoll zufließendes Waſſer, iſt 12 Schuh breit und 60 Schuh lang. Es können täg⸗ lich 80°— 1000 Schafe darin geweicht und ganz rein gewaſchen 518 werden; ſie vereinigt auch den Vortheil, daß man alle Geſchäfte, die hier beſchrieben werden, darin vollſtändig vollenden kann. Die Schafwaſchung zerfällt in zwey ſehr wichtige Hauptgeſchäfte. 596. Die erſte und wichtigſte Arbeit, wovon das Gelingen des Ganzen abhängt, iſt das Vorbereitungsgeſchäft zur Wäſche, oder das ſogenannte Einweichen der Schafe, wel⸗ ches abſolut an einem warmen ſonnigen Tage, oder bey eingrei⸗ fender warmer Luft geſchehen muß, damit das Fett in der Wolle durch die das Waſſer erwärmenden Sonnenſtrahlen während der Wäſche ſich recht innig auflöſen könne. 597. Um eine blendend weiße Wäſche zu erreichen, iſt ins⸗ beſondere nothwendig, die Schafe nach dem erſten Einweichen partienweiſe oder herdenweiſe in eine ſonnenreiche Stellung zu bringen, damit ſich die Fettknötchen durch die Wärme ganz auf— löſen, wornach ſolche noch einmahl, und, wenn es nothwendig iſt, zum dritten Mahle in das durch Luft und Sonne erwärmte Einweichungsbad kommen müſſen. Von der pünctlichſten Befolgung dieſer Regel hängt der glückliche Erfolg der darauf folgenden Wäſche poſitiv ab. Während des Einweichungsgeſchäftes muß die Wolle ſchon eine ſolche reine, weiße Farbe annehmen, die in dem frühern, ſonſt gewöhnlichen Verfahren unerreichbar war. 598. Während des Einweichens darf nur ſehr wenig friſches Waſſer in dieſes Vorbereitungsbad zufließen, damit das Beiz— oder Auflöſungswaſſer mit der natürlichen Seife, die ſich aus dem Vließe der Schafe entbindet, ſo viel als möglich geſchwan⸗ gert wird*). *) Vauquelin hat folgende Grundſtoffe im Schweiße der Schafe entdeckt: ¹) wahre thieriſche Kali⸗Seife; 2) überflüſſiges kohlen⸗ ſaures Kali; 3) eine ziemliche Menge eſſigſaures Kali; 4) Kalk, ohne deſſen Zuſtand noch näher erkannt zu haben; 5) eine Spur von ſalzſaurem Kali, und é) eine thieriſche Subſtanz, welche als Urſache des eigenen, ſonderbaren Geruches des Schafſchweißes tig weit fühl auf Kung dere n fahrue lich es der u⸗ eine riehn auch des ut 4 Paſſec Weißra ſung or einem kann ne du 6 Luft u nen A beyde Wäſchen tenden⸗ ſtifte enn. htige relingen ſcift Ce, wil gingri „ Voll vond der 1aſſt ins⸗ D eächen 1Sng zu 4 g au⸗ aan'endig a auͤxmte 3s gung latvöſte it Bolbe mauhern, nsſiſtis 1 bei 34 eh un 4 ſhwa⸗ 8 Schaft 77' kohlen⸗ a¹) Kl⸗ (eu Shur alcht 6 V 519 Die Eigenſchaft des Waſſers iſt allerdings von großer Wich⸗ tigkeit, indem zum Reinigen und Weißbringen der Wolle das weiche Waſſer vorzugsweiſe geeignet iſt, und ſelbſt der dem Ge⸗ fühle ſo ſehr ſchmeichelnde Griff der Wolle in einem harten Waſſer, auf die ſonſt gewöhnliche Art gewaſchen, viel verliert. Aber die Kunſt kann, in Ermangelung eines weichen Waſſers, jedes an⸗ dere reine, auch ſogar das härteſte Quellwaſſer nach meinen Er⸗ fahrungen zu dieſem Zweck tauglich machen, wenn man es nähm⸗ lich ohne Zufluß in dem Baſſin 8— 10 Tage den Einwirkungen der warmen Luft und der Sonne ausſetzt*), und gleichſam in eine Auflöfung verſetzet, wodurch es ſich mildert und zugleich erwärmt. Ein verhältnißmäßiger Zuſatz von etwas Jauche und Horn⸗ viehmiſt, oder von andern von Stroh befreyten Dingen(ſo wie auch Aſche) begünſtigt dieſen Zweck insbeſondere, und der Effect des weichſten Waſſers wird dadurch übertroffen. Die genaue Beobachtung dieſer Erfahrungen, wodurch jedes Waſſer die nöthige Eigenſchaft zu dem Vorbereitungsgeſchäfte der Weißwäſche der Wolle gewinnen kann, und die innigſte Auflö⸗ ſung aller heterogenen Gegenſtände erfolgt, iſt die Grundlage zu einem entſcheidend glücklichen Ausgange des Waſchgeſchäftes, und kann nicht genug beherzigt werden. 599. Die gehörige Temperatur, nähmlich die Wärme der Luft und des Waſſers, iſt zu einem glücklichen Erfolge einer rei⸗ nen Wäſche ebenfalls höchſt nothwendig und wichtig. Je wärmer beyde vereint einwirken können, deſto reiner und weißer fällt die Wäſche, mit ſorgfältiger Berückſichtigung der übrigen zu beobach⸗ tenden Regeln, immer aus. angenommen wird, der ſich auch durch den Geſtank beym Ver⸗ brennen, und durch ſehr merkliche Spuren von Ammonium bey der Deſtillation zu erkennen gegeben hat. *) Was ich in meiner Schafwäſche durch angebrachte kleine Waſſer⸗ fälle bewerkſtellige, wodurch ich den Zu⸗ und Ablauf des Waſſers ganz in meiner Macht habe. 320 Aus dieſen wichtigen Gründen ſollte das Schafwaſchen in unſerm Klima immer erſt gegen Johanni zwiſchen der Heu-Ernte und dem Schnitt geſchehen. Um dieſe Jahreszeit entwickelt unſer Klima vollkommen die nöthige Wärme, die zur Entbindung des häufigen Fettes in dem Vließe des Merinos⸗Schafes erforderlich iſt. Nur in dieſer Jahrszeit iſt in unſerm Klima die Wolle, durch die Begünſtigung der Wärme und der dadurch vermehrten kräfti⸗ gern Weide, zu ihrer höchſten Vollkommenheit gereift, und die Lämmer können zugleich mit ihren Müttern geſchoren werden*). 600. Um endlich aber dem Einweichungswaſſer zu dieſem Vorbereitungsgeſchäfte der Wäſche die vollſtändig nothwendige Ei— genſchaft eines wirklichen Seifenwaſſers zum Rein⸗ und Weißwa⸗ ſchen der Wolle zu verſchaffen, ſo werden zu dieſer Abſicht in dem Baſſin durch die in zwey Reihen ſtehenden Menſchen, wovon je⸗ der für ſich und ein Schaf einen Raum von 9 Quadrat⸗Schuh benöthiget, um auf einem Puncte ſtehend, Schafe zu waſchen, die ihm durch Zureichen ab- und zugetragen werden, die Schafe einzeln eingeweicht, ſo zwar, daß auf einmahl nur ein Stück durch einen derſelben behandelt, und jedes mehrere Minuten in dieſem durch Luft und Sonne erwärmten Bade gehalten wird, auch die Spitzen der Wolle mit den Händen während dieſer Zeit fleißig, durch eine auf⸗ und abwärtige oberflächliche ſanfte Bewegung, geöffnet und die Fettknötchen dadurch aufgelöſt werden 4„). *) Man überzeuge ſſich durch eomparative Verſuche, in was für ei⸗ nem Kraftzuſtande die Wolle in dieſer Jahrszeit ſich gegen die frühere befinde. Wer z. B. ſeither im halben May ſchor, und nun die Schurzeit gegen Johanni vornimmt, wird im Durchſchnitte pr. Haupt in 12 Monathen, nach Maßgabe ſeiner Schäfereyen, um mehrere Procente mehr ſcheren, indem ſich die Wolle in der wärmern Jahrszeit, wo die Pflanzen ſich im höchſten Kraftzuſtande befinden, an Länge, Kraft und allen ihren zu hoffenden nützlichen Eigenſchaften ſchneller entwickelt und ausbildet, als es in dem entgegengeſetzten Falle möglich iſt. *) Faßt das Baſſin z. B. in zwey Reihen 60—80 Menſchen, ſo kann befin löſſt gehä⸗ kurz die ſa entfe⸗ ſchein harzi⸗ ſowolt 6 fenwa ſpricht deſto dieſes: zu ert in dien liefern der fee — eſen in L Ernte ir unſe ning de 9 dderiih 2 durh 2 kräftr and die 9r en*) dieſen acge Ei⸗ G eißwa⸗ anjin dem 1 woean je 16 Stuh uz iſcen, dd’tafe 38 durch u nieſem 0 die isg lbig/ gung/ 1w. n fit i te jenen i netun im üſſtritt 3 iferiyu, a. le in de 2 ftzuſtnde 11 nüͤtlicen 3 un dem ann ſ 321 601. Durch dieſe Manipulation werden die in der Wolle befindlichen kaliſchen und häufigen Fett⸗Theilchen gänzlich aufge⸗ löſ't, und nach und nach wird ein mit häufigen Seifenblaſen an⸗ gehäuftes gelbbraunes Seifenwaſſer erzeugt, in welchem ſich in kurzer Zeit alle heterogenen Theile in der Wolle innigſt auflöſen, die ſodann in der unmittelbar darauf folgenden Wäſche ſich ſchnell entfernen, und die Wolle in einer auffallend weißen Farbe er⸗ ſcheint, indem das erwärmte Seifenwaſſer*) in das öhlige oder harzige Fett des Vließes eindringt, und die Wolle nach Wunſch ſowohl davon, als von ihren übrigen Unreinigkeiten entbindet. 602. Je trüber und ſubſtantiöſer daher dieſes natürliche Sei⸗ fenwaſſer durch das Einweichen der Schafe wird, je mehr ent⸗ ſpricht es durch ſeine ſich vermehrende Kraft dem Zwecke, und deſto geſchwinder löſen ſich die Unreinigkeiten der Wolle durch dieſes Vorbereitungsgeſchäft zur Wäſche innigſt auf. Die Praxis lehrt, daß, um dieſen Zweck deſto geſchwinder zu erreichen, man am klügſten die fettwolligſten Schafe zuerſt in die Manipulation nimmt, weil dieſe den meiſten Seifenſtoff liefern, und ohne dieß wenigſtens einmahl öfter, als die min⸗ der fettwolligen, in das Seifenwaſſerbad kommen müſſen**). mit eben ſo vielen Schafen zu gleicher Zeit darin manipulirt wer⸗ den, weil jede Perſon ein Schaf in den Händen haben muß, wor⸗ aus die Schnelligkeit dieſer Manipulation jedermann einleuchtend wird. *) Das durch Luft und Sonne erwärmte, gleichſam zur Gährung vorbereitete Waſſer erhält durch die lebendigen Wärmezuleiter— die im Waſſer befindlichen Menſchen und Schafe— zugleich einen ſehr vermehrten Zuwachs an Wärme. *) Wer ein fließendes reines Waſſer zum Reinwaſchen beſitzet, hat nicht nothwendig, ſich eine beſondere Waſchanſtalt zu errichten, ſondern braucht ſich nur eine Vertiefung, die 2 ½ Schuh hoch Waſ⸗ ſer hält, zu dieſem Behuf in der erforderlichen Größe ausgraben und nöthigen Falls mit Holz ausböden zu laſſen, das Waſſer hin⸗ II. 21 32² 603. Um aber eine vollkommen reine und blendend weiße Wäſche zu erzielen, vorzüglich auch das Waſchgeſchäft ſo viel als möglich zu dieſem Behufe zu beſchleunigen, ſo muß nach dieſer vor⸗ genommenen, Alles entſcheidenden Vorbereitungs⸗Manipulation zur wirklichen Wäſche ohne den mindeſten Verzug geſchritten werden; nachdem man ſich nähmlich überzeugt hat, daß alle Fettknötchen der Wolle und alle Klunkern von dem Seifenwaſſer durchdrungen und aufgelöſt worden ſind. Je geſchwinder dieſes möglich iſt, und je we— niger man Zeit verſtreichen läßt, dieſes bewerkſtelligen zu können, damit das braune Kali⸗Waſſer in den Poren der Wolle ſich nicht vertrocknen kann, je reiner und weißer fällt die Wäſche aus, und je mehr wird ſolche insbeſondere auch dadurch beſchleuniget. Je trockner man hingegen die Schafe nach dieſem Einweichungsge— ſchäfte bis zur eigentlichen Wäſche der Wolle werden läßt, je müh⸗ ſamer und ſchwieriger wird die Wäſche gemacht, indem die durch das Seifenwaſſer vollkommen aufgelöſten Fett⸗ und übrigen Schmutz⸗ theile ſich unmittelbar in dieſem friſch aufgelöſten Zuſtande leichter von der Wolle trennen laſſen, als wenn ſie ſich neuerdings durch das Einſaugen damit vereinigen, und darin eintrocknen*). 604. Die Reinwaſchung der Wolle auf dem Körper des Schafes kann, wo ein fließendes reines Bach⸗ oder Teichwaſſer vorhanden iſt, darin vorgenommen werden. Iſt dieſes aber nicht der Fall, ſo kann das Einweichungsbehältniß, wenn es ebenfalls, wie bey mir, mit einigen kleinen Schleuſen zum Ab⸗ und Zulei⸗ ten des Waſſers verſehen wird, zugleich auch zur Reinwaſchung vollkommen dienen, falls der Zufluß des Waſſers hinlänglich be⸗ funden wird. Das trübe Seifenwaſſer wird in dieſem Falle augen⸗ ein zu leiten, und dieſes Geſchäft in dem natürlichen Seifenwaſſer nach oben beſchriebener Art vorzunehmen, wornach die Schafe in fließendem Bach⸗ oder Teichwaſſer ſehr ſchnell rein gewaſchen wer⸗ den können. *) Zum Reinwaſchen iſt kein ſo temperirtes Waſſer erforderlich, als zum Vorbereitungsbad. gewe wur rigk: vollo weiſe 1 Vä⸗ Sch zur i andan nacht Zut; bleich genun den k natüp das 2 rryiſſe dal 2i dr⸗ ran zu t den, u der A und 4 n we⸗ 1 nen, if itt an und ai. uG g⸗ i a⸗ atsrh anes à anſer aatächt 999 all, Aenuli⸗ enntung ann) be angen⸗ 1 Ssrin aft in ſai ir 2 ch, d15 323 blicklich nach dem Einweichungsgeſchäft ab⸗, dafür aber fließendes reines Waſſer eingelaſſen, und nun ohne Zeitverluſt zur eigent— lichen Reinwaſchung der Schafe partienweiſe geſchritten, ſo wie ſie zuerſt in Abtheilungen aus dem Seifenwaſſer kamen, worin ſie eingeweicht wurden. Nun werden die Schafe auf das ſorgfältigſte mit der Hand gewaſchen, und wenn das Einweichungsgeſchäft richtig behandelt wurde, ſo iſt die Reinigung der Wolle mit weit weniger Schwie⸗ rigkeiten verbunden, und geſchwinder als das Einweichungsgeſchäft vollendet, indem die Wolle in dieſem Falle augenblicklich blendend weiß wird. Das Grünlichwerden der Wolle einzelner Schafe bey der Wäſche rührt vermuthlich daher, wenn die aufgelöſten Fett- und Schmutztheile in der Zwiſchenzeit des Einweichungsgeſchäftes bis zur Reinwaſchung der Wolle in chemiſche Verbindungen mit ein⸗ ander treten, und dieſe grünliche Farbe erzeugen, die ſich aber nach der Reinwaſchung und Trockenwerdung der Wolle durch den Zutritt der Luftſäure und des Sonnenlichtes bald wieder weiß bleichet, aber immer beweiſet, daß die Reinwaſchung nicht ſchnell genug nach dem Einweichungsgeſchäft erfolgt iſt. 605. Nach vollendeter Wäſche werden die Herden zum Trock⸗ nen, wie gewöhnlich, auf eine reine und trockne Weide geleitet, wo die Wolle weder kothig, noch ſtaubig werden kann; das Vieh wird dort Tag und Nacht gehüthet, oder des Nachts in einem ſorgfältig ein⸗ geſtreuten Stalle untergebracht, und ſobald die Wolle ganz trocken iſt, die Schur in einem ſehr reinen, entſprechenden Locale— bey mir in einem eigens erbauten Schurhauſe— vorgenommen. 606. Durch dieſe leichte, einfache, und durch die Erfah⸗ rung ſehr entſprechend befundene Waſch⸗Manipulation, die zwi⸗ ſchen der gewöhnlichen und der Fabrik⸗Waſchung gleichſam im Mittel iſt, und der ſpaniſchen kaum nachſteht, aber gegen dieſe den großen Vortheil gewährt, die Wolle unverworren in ihrem natürlichen Wuchſe dem Sortirer zu überliefern, waͤre hiermit das Problem gelöſet, die Merinos und alle fettwollige Schafe * 524 rein und zweckmäßig waſchen zu können, und durch dieſe meine Waſch⸗Manipulation ein praktiſches Beyſpiel aufgeſtellt, wie der Woll⸗Producent ſich eine Wäſche mit ſehr unbedeutenden Koſten errichten kann, die in jeder Hinſicht äußerſt ſchonend für die Schafe iſt, unſerm Wollhandel, wenn ſie allgemein befolgt würde, im In- und Auslande großen Vorſchub leiſten kann, damit! unſere Woll⸗Induſtrie von dieſer Seite nicht länger mehr der ſächſiſchen oder irgend einer andern nachſtehen darf. Die Bevortheilungen und der Mißcredit im Handel können dadurch gehoben, wechſelſei— tiges Vertrauen zwiſchen Käufer und Verkäufer begründet, das wichtige Sortirungs⸗Geſchäft der Wolle erleichtert, vereinfacht, und allen dießfälligen Anforderungen entſprochen werden; dem Producenten aber wird dadurch ein leichtes und ſicheres Verfahren an die Hand gegeben, nebſt größerer Schonung ſeiner edlen Woll— thiere, dieſes ſonſt ſchwierige Geſchäft durch eigene Überzeugung, ſo weit es ihn betrifft, zur nahen Vollendung zu bringen; endlich dadurch auch von dem Gehalte und Werthe ſeiner Wolle ſich eine richtige Üüberzeugung zu verſchaffen, ob und in wie fern ſie allen Anforderungen der Käufer entſpricht, und einen lohnenden Ge— winn'verbürget, um ihren Preis darnach halten zu können. 6⁰7. Wo auch immer eine noch ſo günſtige Gelegenheit zum Waſchen der Schafe vorhanden ſeyn mag, da iſt das Vorberei⸗ tungsgeſchäft zum Reinwaſchen dieſer Thiere bey jeder Schäferey doch unumgänglich nothwendig, dem kein Schafzüchtler heut zu Tag ausweichen kann. Es kann auch in der Nähe eines fließenden Waſſers oder Teiches kaum Localitäten geben, wo man nicht ein längliches Viereck, z. B. 20 Klafter lang und 2 oder 5 Klafter breit im Lichten, und 24 Fuß tief, dieſem wichtigen Zweck widmen, ſolches auspflaſtern oder mit Holz ausböden, und dieſer Vorrichtung einen ſchrägen Ein-⸗ und Auslauf verſchaffen kann, wodurch der ganze Zweck erreicht wird*). *) Weil in meiner Thereſienfelder original⸗ſpaniſchen Stammſchä⸗ ferey und permanenten Verkaufs⸗Anſtalt von Merinos⸗Schafen Thie Me dießs ſche waſer . Waß⸗ z U. letztes achtas Gra nur a das(f den gefls fäß ſr Amff 3 ſeine der löſten ¹ haft in iſere B chen tawgen elſei⸗ 8d das dstt, Inndem 19 hren rryol⸗ 12 1g⸗ un lich nn ine uen ithe⸗ 4 oun uadti⸗ „Sreh 1N u an hüͤden 41 ein 1 Tiſter — rr wek mrritſer aunn, iſhi⸗ α jafen Ein und dreyßigſtes Capitel. Von der Fabrikwüſche oder der gänzlichen Entfet⸗ tung der Wolle. 608. Die Wolle mag nun vor oder nach der Schur auf dem Thier gewaſchen ſeyn oder nicht, ſo behält ſie doch noch immer eine Menge anklebender Fettigkeit, von der ſie befreyt werden muß; dieß geſchieht durch die Fabrikwäſche. Die gewöhnliche Fabrikwä⸗ ſche iſt ſehr einfach, und nichts iſt leichter, als ſortirte Wolle zu waſchen, wenn man nur die erforderlichen Kenntniſſe davon hat. 609. Die Manipulation iſt folgende: Man bereitet ſich ein Waſchwaſſer aus 3altem Urin und ³ Waſſer(Andere verwenden 4 Urin und 4 Waſſer, welches auch hinlänglich iſt), erwärmt letzteres, gibt es in ein Gefäß, miſcht es mit dem Urin, und beob⸗ achtet wohl, daß die Temperatur nicht wärmer iſt, als 40— 45 Grad, oder daß man die Hand darin erhalten kann, und daß es nur †¾ des Gefäßes anfüllt. Man legt nun die Wolle hinein, bis das Gefäß davon beynahe voll iſt; die Wolle bleibt beyläufig ¾ Stun⸗ den in dem Gefäß, dann nimmt man ſie heraus, thut ſie in einen geflochtenen Korb, und läßt die Brühe daraus wieder in das Ge⸗ fäß laufen, da man dieſelbe wieder zum Waſchen brauchen kann. Am beſten geſchieht dieſes durch eine Art Preſſe. 610. Sofort geht man mit Körben zum fließenden Waſſer, ſetzt den Korb darein, und bewegt die Wolle ſo lange in kleinen Quantitäten, mit einer Art Rechen, bis ſie ſolches nicht mehr trübt; wornach man ſie abtrocknen läßt. Hat man kein fließendes Waſſer in der Nähe, ſo taucht man die Wollkörbe in Gefäße mit Waſſer, und gießt reines Waſſer auf die Wolle, bis dieſelbe im dieſer Waſchbehälter ſowohl zum Einweichungsgeſchäfte, als zur eigentlichen Reinwaſchung der Schafe verwendet wird: ſo ſind die Seitenwände gemauert, der Boden ſo wie der ſchräge Ein⸗ und Ausgang für die Schafe aber gepflaſtert. 326 Korbe ſchwimmt; man rüttelt die Wolle öfters mit dem Wollrechen herum, bis ſie rein geworden iſt. Nun wird die Wolle auf einem ſehr reinen grünen Raſen oder einem andern zweckmäßigen Ort getrocknet. 611. Im Sommer ſoll in der Regel die gewaſchene Wolle im Schatten, im Winter aber in geheizten Zimmern getrocknet, und hierauf aufs neue geflockt werden, um ſie wieder aufzulockern. 612. Wolle, die ganz weiß bleiben, oder doch in hellen Farben ausgefärbt werden ſoll, muß im Schatten, die zu dun— klen Farben beſtimmte kann hingegen in der Sonne getrocknet werden. 613. Je älter der Urin iſt, deſto beſſer wäſcht er die Wolle aus. An vielen Orten hat man das Waſchwaſſer in einem Keſſel, um es beſtändig warm zu erhalten; man wirft die Wolle hinein; allein hierbey wird die groͤßte Vorſicht erfordert; denn in dem Au— genblick, da das Waſſer zu warm wird, verdirbt die Wolle, in⸗ dem ſie zuſammenklebt und ſich filzet. Zwey und dreyßigſtes Capitel. Die Waͤſche mit Ohlſeife. 614. Auf ähnliche Art kann man die Wolle mit venetiani⸗ ſcher oder Ohlſeife(zu 1 Centner Wolle werden 5 Pfd. Seife in heißem Waſſer aufgelöſet, und dieſes mit 50— 55 Grad heißem Waſſer zum Waſchen vermiſcht) nicht nur rein weiß waſchen, ſon— dern die Wolle wird dadurch auch weißer und ſanfter, als durch die Urinwäſche. Auch kann man die Brühe, wie oben, in ein Ge⸗ fäß laufen laſſen, und ſolche zum zweyten Mahl, jedoch nicht öf—⸗ ter, zum Waſchen benutzen; auch darf die Wolle nicht über eine Viertelſtunde in dem warmen Seifenwaſſer verbleiben. 615. Vauquelin fand, der Schweiß der Wolle beſtehe: ¹1) aus einer wahren thieriſchen Kali⸗Seife; 2) aus überſchüſſigem kohlenſauren Kali; deßhalb bewirkten Säuren in der durchs Ab⸗ dampfen in die Enge gebrachten Auflöſung desſelben ein ziemlich S audg. die i der 28 kön r 3 zerſus Zw — nihas Schen annem t olle 1 net, Ia ern. rüllln is un⸗ roinet aiüle b 1 ſil, 1 in; 1u4 lu⸗ 1 Mein⸗ aAmtti⸗ à 5D in 9 cien 1 18(oon⸗ JAunt 2 Ge d ir ir S iein 1 1¾ ge: dPmn - 1 nlic lebhaftes Aufbrauſen; 5) aus einer merklichen Menge eſſigſaurem Kali; 4) aus Kalk, von dem er aber nicht wußte, in welchem Zuſtande er ſich darin befinde; 5) aus einer Spur von ſalzſaurem Kali, und 6) aus einer thieriſchen Subſtanz, wovon er den ſon⸗ derbaren Geruch des Schweißes ableitet, der ſich auch durch den Geſtank beym Verbrennen, und durch ſehr merkliche Spuren von Ammonium bey der Deſtillation zu erkennen gab. Die beyden zu⸗ erſt genannten Beſtandtheile, die thieriſche Seife und das über⸗ ſchüſſige Kali, geben, nach Vauquelins eignen Verſuchen, das beſte, wohlfeilſte und bequemſte Mittel ab, die Wolle von ihrem natürlichen Fett zu reinigen. Man darf ſie nur nach meinen Er⸗ fahrungen im warmen Waſſer, das nach Reaumur höͤchſtens 50 bis 55 Grad erhitzt iſt, eine Viertelſtunde weichen laſſen, wobey aber dieſe Gränze genau beobachtet werden muß, ſonſt ſpaltet ſich die Wolle. Außerdem fand er in der Seife das vollkommenſte Reini⸗ gungsmittel. Drey und dreyßigſtes Capitel. Von der Reinigung mit Pottaſche. 616. Mit ¾ Pottaſche entfettet und bleicht ſich die Wolle auch vorzüglich geſchwind; aber dieſes Mittel iſt zu gefährlich, und die Wirkungen davon auf die Dauerhaftigkeit, Feinheit und Milde der Wolle ſind zu zerſtörend, um deſſen Gebrauch empfehlen zu können, welches ich aus eigner Erfahrung verbürgen kann. 617. Im kochenden Waſſer bildet die Wolle ſehr ſchnell eine zerſtörende Veränderung. Vier und dreyßigſtes Capitel. Zweytes Verfahren, die Wolle fabrikmäßig zu waſchen. 618. Man thut die Wolle in eine ziemlich warme, doch nicht ſiedende Brühe von ¾ oder; Urin(ie mehr, deſto beſſer) 3²28 und das übrige Waſſer, worin ſie ganz locker ſchwimmen muß, und öfters gedrückt, gelüftet und gewendet wird. Wie lange dieſes zu geſchehen hat, hängt von der Natur der Wolle ab, und hat nach dieſer 6, 8.— 10 Minuten zu dauern. 619. Das Merkmahl, ob die Wolle ihre Unreinigkeit ver⸗ loren hat, iſt, wenn ſie mit dem Wendeſtock gehoben, ſich leicht aus einander zieht, die Brühe leicht abläßt, und ſchnell einen weißen Schein annimmt; alsdann wird ſie, wie oben, in fließen⸗ dem Waſſer rein ausgeſpült und getrocknet. 8 ſcere Matic forden 8 des compe mein) ſe Verſz kron It mach! L Vort]! die ig werde pauemn daß ſe des§e angenz imaß, * IRatu r ien a it der⸗ id lit a neinen mießen⸗ Achte Abtheilung. Von den Schurgeſchäften und den Arten derſelben. Fuͤnf und dreyßigſtes Capitel. Etwas über die Schafſcheren. 620. J dem Hkonsmen iſt bekannt, wie wichtig gute Schaf⸗ ſcheren, ſowohl in Hinſicht einer zweckmäßigen Form, als eines guten Materials für das Schurgeſchäft, und zwar nicht allein zur Be⸗ förderung der Arbeit, ſondern auch zur Schonung der Thiere ſind. 621. Hiervon überzeugt, haben ſich mehrere Mitglieder des mähr. ſchleſ. Schafzüchtler⸗Vereins in Brünn vereinigt, und comparative Verſuche mit der Troppauer, Piſtinger und der ge⸗ meinen Schafſchere anſtellen laſſen. Herr Staatsgüter-⸗Adminiſtrator von Harkenfeld hat ſolche Verſuche in Schebetau, Herr Oberamtmann Schultſchick in Lands⸗ kron, und Herr Wirthſchafts⸗Director Kratochwill in Raigern machen laſſen. 622. In Schebetau ſprachen die Verſuche durchaus zum Vortheil der neuen, nach engliſchen Muſtern gemachten Scheren, die in Piſting und Troppau von gegoſſenem Stahl nachgeahmt werden. Die Piſtinger hatte jedoch den Vortheil vor der Trop⸗ pauer(welches auch mit meinen Beobachtungen übereinſtimmt), daß ſie wegen ihrer kleinen Form in den verſchiedenen Biegungen des Körpers, vorzüglich bey reichwolligen Schafen, mit Vortheil angewendet werden kann; und da die Schererinnen an die landes⸗ 330 übliche kleine Form gewöhnt ſind, ſo konnten ſie beſſer mit der Piſtinger, vorzüglich Nr. 4, als der großen Troppauer Schere umgehen. Auch der Streichſtahl der Piſtinger Scheren wird ſehr empfohlen. Aus dem Berichte von Landskron zeigt ſich, daß die neuen Scheren den Vortheil der Zeiterſparniß, der gleichern und reinern Schur, und der weit geringern Gefahr der Beſchädigung verbin⸗ den; die neuen Scheren dürfen nicht ſo oft geſchliffen werden, und die dortigen Schererinnen hatten ſich erklärt, daß ſie gern das Doppelte für eine neue Schere bezahlen wollten. Der Herr Wirth⸗ ſchafts⸗Director Kratochwill findet die Troppauer Schere von gutem Material verfertiget, aber zu lang(ſie paßt nach meinen Beobachtun⸗ gen hauptſächlich für große, ſchütterfellige Schafe); die Wolle würde daher von ihr öfters durchſchnitten. Die Piſtinger wäre wegen ihrer kleinern Form anwendbarer, aber das Material wäre bey ſelber ſchlechter, als bey der Troppauer*). Dieſe drey Außerungen ſtimmen zwar nicht durchaus, aber doch im Weſentlichen mit ein— ander überein. 623. Ich kann aus vielen Beobachtungen dieſe Verſuche mit der Verſicherung ergänzen, daß dieſe nach engliſcher Manier verfertigten Scheren ſehr weſentliche Vorzüge vor der gemeinen Schere haben; mit dem Vortheil der ſehr bedeutenden Zeit⸗ erſparniß, einer beſſern Schneide, längerer Dauer derſelben, der gleichern und reinern Schur, und der geringern Gefahr der Be— ſchädigungen vereiniget ſich ein großer Vortheil für die Ar⸗ beiter, und zugleich für den Eigenthümer der Herde, nähmlich, daß dieſe Scheren ſo geformt ſind, daß man, ohne die Hände im mindeſten zu beſchädigen, beſtändig damit fortarbeiten kann; dagegen aber die Arbeiter, um keine Blaſen in die Hände *) Was ich nicht beſtätigen kann, da dieſe Scheren wegen ihrer vor⸗ züglichen Güte und Anwendbarkeit ſich in der hieſigen Gegend ſchnell verbreitet haben. zu be Woll bohl Verl gerich beſtene nertho dem E genthü Von b daß den von all 6. der Rei⸗ nach Ste 6 zu bem abgeſche ein läͤn, wenn de bey den, daß ſolc ten wer daß mang auf das 8 legt; 1 die Sa vollſtänd 531 it der zu bekommen, die Handhaben der gewöhnlichen Scheren mit * D here Wolle vorſichtig umwickeln müſſen, welches durch öftere Wieder⸗ 1 dicr bohlungen bey 70— 100 Schererinnen einen nicht unbedeutenden b f Verluſt an Wolle nach ſich zieht. 3 uuen Mit Piſtinger Schafſcheren ſind ſchon viele Schäfereyen ein⸗ r inenn gerichtet, und ich kann ſie aus inniger Überzeugung jedermann ruetn beſtens anempfehlen. Man bekommt ſie in Wien nächſt dem Kärnth⸗ 125, und nerthore in der Kärnthnerſtraße, in der Eiſen-Niederlage und auf hi dem Eiſenhammer bey Piſting nächſt Wiener. Neuſtadt bey dem Ei⸗ 15 irth⸗ genthümer Herrn Joſeph Müller um ſehr billige Preiſe. 1a uten aadtmwe Sechs und dreyßigſtes Capitel. Pn Von der gewohnlichen Schur nach der Pelzwäſche. 8 624. Eine Hauptregel bey dieſem wichtigen Geſchäfte iſt es, Wunza daß der Schurplatz ſo rein als möglich gehalten werde, beſonders 1 von allem Staube. 625. Die verſchiedenen Haufen der Herde nimmt man nach JMaie der Reihe, nähmlich nach den eingetheilten Sorten her, die nun t priet nach Sorten abgeſchoren und in ſeparirte Haufen eingetheilt werden. inm 626. Man hat ferner bey der Schur der Schafe Folgendes 34 Jiit⸗ zu bemerken: daß die Wolle genau an der Haut und gleichmäßig 1, W abgeſchoren wird, und beſonders zwiſchen zwey Schnitten nicht 1 ein längerer Streifen ſtehen bleibe, wie es zu geſchehen pflegt, d wenn die Schnitte zu breit genommen werden; daß man das Schaf 1 bey dem Binden nicht verletze, noch während der Schur drücke; 2 un daß ſolches durch ungeſchickte Scherer nicht geſtochen oder geſchnit⸗ em ten werde; daß man den Pelz zuſammenhängend behalte, und amikamn:; daß man alle Unreinigkeiten von der Wolle und dem Schurplatz auf das ſorgfältigſte entferne. Die naſſe Wolle verdirbt, wenn man ſie in einen Haufen legt; deßwegen muß man mit genauer Vorſicht zu Werke gehen, die Schur nicht früher anfangen, bis nicht die Pelze auf das vollſtändigſte ausgetrocknet ſind. 4 4 G5inde 1 per vor⸗ 18 Begend 53² 627. Nach Verhältniß der Scherer müſſen eigene Menſchen angeſtellt werden, wovon ein Theil a) für die beſtändige Rein⸗ baltung des Platzes; b) andere für das Aufleſen der verſchiedenen Claſſen von Wolle, wovon jede Perſon nur beſtimmte Sorten be⸗ ſorgen darf; c) wieder andere zum Ab⸗ und Zutragen der Schafe; d) endlich auch einige zum Schleifen und zum Ab- und Zutragen der Scheren zu verwenden ſind. 628. Bey der feinen Wolle kann heutiges Tags die Frage über ein- oder zweymahliges Scheren in einem Jahr nicht ein⸗ treten, obwohl es bey grober Wolle manchmahl vortheilhaft ſeyn kann, zweymahl zu ſcheren, weil dieſe Wolle wegen ihrer Kürze und ihres leichten Filzes für Hutmacher und manche Fabricanten mehr geſucht wird. In England gibt es lange Wollſorten, welche öfters geſchoren werden können. 629. Die Verſuche, die Wolle mehrere Jahre wachſen zu laſſen, habe ich mehrmahl bey Merinos wiederhohlt, und die Bemerkung gemacht, daß dieſes Vieh zwar bis in das dritte Jahr dieſe Bürde tragen kann, dieſes aber allezeit nur auf Koſten der Geſundheit der Thiere geſchehe. Bis zur Schur des zweyten Jahres iſt der Wollabgang zwar unbedeutend, im dritten aber höchſt bedeutend, und das Thier kann in dieſem Falle bey Regenwetter oder ſtarker Hitze die Laſt ſeines Pelzes äußerſt ſchwer fortſchleppen, wird da⸗ durch geſchwächt und zu Krankheiten geneigt gemacht. 63⁰. In Deutſchland hat man keine beſondern Schurhäuſer, wie in Spanien, und man pflegt zu dieſem Behufe wohlein gerich⸗ tete lichte Stallungen, Scheuern, oder nach Maßgabe der Wit⸗ terung, auch reine Graspläͤtze unweit der Schäfereyen zu verwenden. 631. Man rechnet, daß ein ſehr fleißiger Scherer oder der⸗ ley Schererinn täglich 14— 16 Merinos⸗Mütter und halb ſo viel ausgewachſene Böcke ſcheren kann. Bey veredelten Schafen, welche keine ſo gedrungenen Vließe haben, können ſie die Hälfte mehr, oder nach Maßgabe ein noch größeres Quantum ſcheren. Mit einem Barbiermeſſer, das vorn eine zugerundete Spitze hat, ſoll ein exercirter Scherer noch ge— ——— ſchwi Sch⸗ meſſe dem aber mit e gute: Sonn ſpalten weßhal peratur ergiebi eine g Kräften verurſa⸗ Volle, 6 nannten ſchon e gefunde entblöß zukomn dieſer! ganzen brauch, iſt. Es Schur Milch, und die nicht n Thiere ich hie nicht m E ſen 22 Ren⸗ adenen Snn he r a thafe; I 1id Jaagr tin ei⸗ ¹ al ſeyn n ankäürze Vointen —,— — ntsyelche t iaun zu -lu d 4 unzahr uf an der ter ue siſ ſt atzünd, e inkaker er u da⸗ u uchlſer, 1Weheii⸗ 1 4 Wir⸗ „e enden. dn de⸗ 1 Goſ dil 11.⸗Li A wh 42 3 vorn 12 0l xe 335 ſchwinder, als mit der Schere arbeiten; und ein derley mit einer Scheide verſehenes Meſſer, wie die engliſchen Patent Barbier⸗ meſſer ſind, ſoll zu dieſem Behuf beſſer, als jede Schere ſeyn, in⸗ dem man die Wolle genau an der Haut abſcheren kann, wozu aber eine beſondere Übung erforderlich iſt. Ich habe derley Meſſer mit einer Scheide ſelbſt noch nicht geſehen, kann mir aber ihre gute Wirkung vorſtellen. 632. Nach der Schur ſind dieſe Thiere ſowohl gegen heißen Sonnenſchein und rauhe Winde, wodurch die Haarſpitzen ſich ſpalten, als gegen kühle Nächte und alle Räſſe ſehr empfindlich, weßhalb man ſie wenigſtens acht Tage in einer angemeſſenen Tem⸗ peratur wider dieſe äußern Einwirkungen ſchützen, und auf eine ergiebige Weide bringen muß, indem ſie unter dieſen Umſtänden eine große Freßluſt zeigen, weil ihre Natur einen Erſatz an Kräften, von dem in den letzten Zeiten durch den warmen Pelz verurſachten Überreiz an Ausdünſtung und zur Reproduction der Wolle, verlangt. 633. Das Üüberziehen der Schafe mit Ocker⸗Erde(der ſoge⸗ nannten Almagra) habe ich hin und wieder in Spanien, wie ich ſchon erinnerte, bey den Transhumantes⸗Herden im Gebrauch gefunden, um wider die Sonnenhitze und die kalten Winde die entblößte Haut zu ſchützen, und Hautkrankheiten dadurch zuvor⸗ zukommen. Man macht zu dieſem Behufe eine dünne Brühe von dieſer lehmartigen Erde und von Waſſer, und beſtreicht damit den ganzen Körper des Thieres unmittelbar nach der Schur: ein Ge⸗ brauch, der für manche Gegenden vielleicht nicht ganz verwerflich iſt. Es gibt auch Schafzüchtler, welche ihre Schafe nach der Schur über und über mit Buttermilch waſchen, oder mit anderer Milch, die ſie mit vielem Salz und etwas Waſſer vermiſchen, und die geſchornen Schafe damit einreiben, indem dieſes Mittel nicht nur den Schafen die Wolle, ſondern auch jedem andern Thiere die Haare ſtark wachſen machen ſoll. Eigene Verſuche habe ich hierüber noch nicht angeſtellt; wohl aber mit Ohl, jedoch nicht mit gutem Erfolge, indem ich bald belehrt wurde, daß die Wolle, davon überſättigt, ſich vergröberte. Die Verſuche, ſehr fertwollige Schafe vor der Wäſche mit Lehmwaſſer anzuſchmieren, um die Cruditäten der Wolle zu erweichen, und das Fett zu ab⸗ ſorbiren, ſollen ſehr gut ausgefallen ſeyn. Sieben und dreyßigſtes Capitel. Von dem Scheren der Lämmer. 634. Wo die frühe Lammzeit der Lämmer Statt hat, iſt die Lammwolle ein ſehr begehrter Handelsartikel, nähmlich wenn ſie die Länge eines Zolles und darüber erreicht hat. Iſt dieſer Fall wirklich bey der Schur der übrigen Schafe vorhanden, ſo nimmt man die Schur derſelben nach ihrer Reinwaſchung zugleich mit ihren Müttern vor. 655. Das Scheren derſelben iſt aber aus dem Grunde fuͤr die Geſundheit dieſer Thiere nothwendig, weil ihnen das Unge⸗ ziefer zu viel Unruhe und Plagen verurſacht; in Betreff der Lammwolle aber ſelbſt iſt es auch vortheilhaft, dieſes Geſchäͤft gleich im erſten Sommer ihrer Lebenszeit vorzunehmen, haupt⸗ ſächlich, weil ſich die Spitzen derſelben mit dem fortſchreitenden Wachsthum mehr und mehr entkräuſeln, ſpröder und gröber wer⸗ den, ſich entfärben, und endlich abſterben, wodurch ſich der Werth der nächſtjährigen Wolle bedeutend vermindert. Gute Lamm⸗ wolle wird jetzt der andern Wolle im Preiſe von manchen Fabri⸗ canten faſt gleich geſchätzt. Acht und dreyßigſtes Capitel. Von den ſpaniſchen Schurhäuſern. 636. Da es in Spanien ſehr viele große Herdenbeſitzer gibt, ſo hat man auch in dieſem Lande ſehr geräumige, mit allen er⸗ denklichen Bequemlichkeiten verſehene Schurhäuſer errichtet, wo — die Beſitzer theils ihre eignen Herden ſcheren laſſen, und auch an— dern Bet kung niſſe ſehr, wo di und g Ende nieder Von! gen. 9 ſchwitz dieſe A ſie beyn hat nur eine li Schere, zu bere; dieſes L Schur; dig mit rer ſtaͤr, die Län, zirtern geſagt, gobe ſei dis vier ſtert. marmor ſeiner g inmeri welche d 1 1zi, ſi faünn, 1S u ü V 1 4 1nt, in mwenn 1& diſe 6 don, ſo 4angleich n anke für a Welnge⸗ ass der 1 phäft me a zmupt⸗ et unpnden d dr, wer⸗ a der t. rEamm⸗ ar öüi⸗ n 1 er züt⸗ 3 len ir elt/ bd 1 Ir1 uc an⸗ 335 dern um einen der Zahl der zu ſcherenden Stücke angemeſſenen Betrag dieſes Befugniß einräumen. Ich habe folgende Bemer⸗ kungen in Spanien zu machen Gelegenheit gefunden. 657. Dieſe Schurhäuſer beſtehen aus mancherley Behält⸗ niſſen, die zum Zweck des Ganzen erforderlich ſind: a) aus einem ſehr großen, von 2, 5⁰00— 20,000 Stücke faſſenden Stalle, wo die Schafe unmittelbar vor und nach der Schur eingeſperrt, und gegen Regen geſchützt werden können, an deſſen äußerſtem Ende, unmittelbar an den Schurſaal ſtoßend, b) ein beſonderes, niederes Behältniß iſt, welches man das Dunſthaus nennt. Von hier werden die Schafe unmittelbar in den Schurſaal getra⸗ gen. Man muß aber nicht glauben, daß die Schafe hier heftig ſchwitzen müſſen, wie uns einige benachrichtigt haben, ſondern dieſe Abtheilung des Stalles unterſcheidet ſich bloß dadurch, daß ſie beyläufig nur Eine Klafter hoch, und ohne Offnung iſt, und hat nur zum Zwecke, die äußerſt dichte Wolle der Merinos durch eine linde Ausdünſtung etwas geſchickter zum Schnitt für den— Scherer vorzubereiten, nicht aber, um das Gewicht der Wolle zu bereichern, wie man ſehr irrig glaubte. Im Verhältniß, als dieſes Sudadero oder Dunſtgemach leer wird, werden andere Schur beſtimmte Schafe näher zugedrängt, damit ſolches beſtän— dig mit Schafen angefüllt bleibe. Die Widder müſſen wegen ih— rer ſtärkern Wolle allezeit länger in dieſem Behältniß aushalten; die Lämmer hingegen unterliegen dieſer Vorkehrung wegen ihrer zärtern Wolle gar nicht. c) Der S churſaal ſtößt, wie ſchon geſagt, unmittelbar an dieſes Behältniß, und faßt nach Maß⸗ gabe ſeiner Größe 100— 200 Scherer, welche ſtehend, in drey bis vier Reihen eingetheilt, jeder jedes Mahl allein ein Schaf ſchert. Der Arbeitspunct eines jeden Scherers iſt durch eine große marmorne geſchliffene Platte bezeichnet, worauf das Thier in ſeiner ganzen Länge geſchoren wird, und die Ausfeger müſſen ſie immer in ihrer Reinheit erhalten. Die nöthige Zahl Handlanger, welche zugleich das Binden der Schafe an den Füßen zu beſorgen haben, tragen die Thiere ab und zu. zur —— e 36 638. Man rechnet, daß ein Scherer täglich 25 Stücke ſchert; folglich können in einem großen Schurhauſe täglich 3— 5000 Schafe abgeſchoren werden. Die meiſten dieſer Säle, welche ich geſehen habe, waren 15—16 Fuß hoch. Die Fenſter ſind nahe an der Decke angebracht, damit der Sonnenſchein die Arbeiter nicht beläſtige, und werden verſchloſſen gehalten, damit die Aus⸗ dünſtung der Schafe nicht unterbrochen werde. 659. Sobald ein Schaf abgeſchoren iſt, ſo wird es d) in die Pechſtube, um gezeichnet zu werden, transportirt; hier bekommt es das Herdenzeichen, gewöhnlich einen verzogenen Buch⸗ ſtaben, in der Größe von 4 Zoll, auf den Hintertheil des Rü— ckens, aus einer Compoſition von ſchwarzem Pech und Fett be⸗ ſtehend, aufgedrückt, welches ein ganzes Jahr, nähmlich bis zur nächſten Schur ſichtbar bleibt. 640. e) Das Wollmagazin ſtößt unmittelbar an den Schurſaal an. Dieß iſt ein geräumiges, höchſt trockenes Gemach, in welches die Wollträger den Aufhäufern die Wolle überliefern. In dieſem Gebäude ſind alle Offnungen ſorgfältig vermacht, nicht ſowohl, damit die Wolle durch den Zug der Luft nicht an Ge⸗ wicht verliere, ſondern vielmehr, daß ſelbe durch längeres Liegen⸗ bleiben weder ſpröde noch mottenfräßig werde. Hierher wird die Wolle während der Schur getragen, und von hier wird ſie auch den Käufern, welche ungewaſchene Wolle nach dem Gewichte kau⸗ fen, zugewogen. 641. Zur vollſtändigen Einrichtung eines ſpaniſchen Schur— hauſes gehört auch eine Bäckerey, ein Ort, um das Fleiſch aus⸗ zuhacken, Stallungen für Maulthiere und Pferde des Bevoll⸗ mächtigten, des Herdenbeſitzers und des Majorals, ſo wie auch für die Wollkäufer, dann ein ſehr großes Speiſezimmer und eine Küche für die Scherer, indem alle dieſe Menſchen verköſtiget zu werden pflegen; einen Vorhof und mehrere Zimmer für den Ei⸗ genthümer der Herde oder ſeinen Stellvertreter; dann für die Käufer der Wolle und den Majoral, welcher das Commando über das Vieh eigentlich auch bey dieſen Geſchäften zu führen hat. rei lin Her heit Claſf klein Ausn jedes den, gattt claſe in be den, geſch wird inden Fabr noth Ger gan⸗ aiſten: . oe (ce ih 1ne Sitkeite de Au⸗ cchi ; hier . Vuc⸗ 15 Ri⸗ tt he⸗ s bis ar Win den Senah, 1 A iffem. à do nict Iui Ge⸗ u zanegel⸗ duddie 1 Gn auh iante kau⸗ 1Liu⸗ 3 e t ol⸗ 4 1 öetöl oe ach 1790 dine Ke igtr (fnbe ui üit i 1 do ihu ¹ 2 337 642. Obenerwähnte Schaffarbe wird auf folgende Art be⸗ reitet: Unter 4 Loth Theer wird ein Pfund Talg auf einem ge⸗ linden Feuer zuſammengeſchmolzen, und ſo viel Kohlenſtaub dar⸗ unter gemengt, bis die Farbe recht ſchwarz iſt. Sie wird etwas erwärmt angewendet. Neun und dreyßigſtes Capitel. Von der öͤkonomiſchen Sortirung der Wolle. 645. Um die Sortirung der Wolle zu erleichtern, müſſen die Abweichungen der einzelnen Schafe nach der Güte und Be⸗ ſchaffenheit ihrer Wolle in jeder, ja ſogar in der gleichartigſten Herde, und die Verſchiedenheit ihrer Wolle in Betreff ihrer Fein⸗ heit an jedem einzelnen Stücke in Claſſen eingetheilt, und jede Claſſe ein eigenes Unterſcheidungszeichen erhalten, indem oft kleine Abweichungen zum Behufe der Fabricate eine ſehr genaue Auswahl der dazu ſich am beſten eignenden Wolle erfordern. 644. Da eine gleichartig gewachſene Wolle die Seele für jedes ſchöne Fabricat iſt: ſo muß die Wolle der verſch iedenen Her⸗ den, z. B. Zweyſchaufler und Lämmer, von den übrigen Thier⸗ gattungen, nähmlich der Widder, Schöpſe und Mutterherden, claſſenweiſe geſchoren, und die Wolle auch, dieſen Claſſen gemäß, in beſondere Haufen, nach obiger Eintheilung abgeſondert wer— den, wodurch ein richtiges Fundament für das ganze Sortirungs⸗ geſchäft gelegt wird. 645. Wer auf dieſe Ordnung mit Pünctlichkeit hält, dem wird ſeine Mühe bey rationellen Fabricanten gut bezahlt werden, indem oft geringe Abweichungen in der Wolle zum Behufe der Fabricate eine kritiſche Auswahl der dazu ſich eignenden Wolle nothwendig machen, und der Sortirer zwar die Claſſen mit viel Genauigkeit in Anſehung der Feinheit ordnen, in Betreff einer ganz gleichen Länge und verſchiedenen Milde und Sanftheit der II. 22 338 Wolle aber durch dieſes Untereinander öfters fürchterlich compro⸗ mittirt wird. 646. Nun nimmt man die verſchiedenen Claſſen nach ein— ander vor. Die Vließe müſſen, nachdem die ganz groben und ſchmutzigen Theile ſogleich abgeriſſen und nach Claſſen in beſon— dere Haufen gelegt werden, ſo viel als möglich an Einem Stü⸗ cke bleiben, indem eine weitere Zerſtückelung derſelben nach den kleinen Verſchiedenheiten der Wolle nicht in das Fach der ökono— miſchen Sortirung einſchlägt, ſondern eine beſtändige Bekannt⸗ ſchaft mit den Sortimenten und ihren Veränderungen im Groß— handel erfordert, welches in das Fach der Wollhändler einſchlägt. 647. Die Sortirung des Okonomen beſchränkt ſich alſo bloß darauf, dieſes Geſchäft nach den möglichſt genau beſtimmten Claſſen der Schafe im Allgemeinen zu behandeln, dem Sortirer ſein Geſchäft zu erleichtern, und dem Käufer zugleich die Gewiß— heit des Vorhandenſeyns dieſer oder jener Sorte in den verpack⸗ ten Säcken nach dem Gewichte zu verſichern. Zu dieſem Behufe werden bloß alle abweichende Theile am Rande eines Vließes weg— genommen, jeder Schmutz auf das ſorgfältigſte entfernt, alle Flock⸗, kurze Bein⸗ und auch alle gelbe Wolle, jede in ſepa⸗ rirte Haufen, in ihre Claſſen abgeſchieden; das Haupt⸗Vließ aber muß möglichſt unverſehrt und ganz gelaſſen werden, indem die Sortirung in ganzen Vließen ſowohl für Käufer als Verkäufer die vortheilhafteſte iſt. Bleibt in der Waͤſche ein Vließ trüb und fett, ſo iſt es beſ— ſer, dieſes in ſeiner Sorte zu laſſen, aber oben oder unten in dem Ballen zuſammen zu packen und zu bemerken, daß es in geringere Sorten oder in den Ausſchuß zu werfen ſey, wo ſeine Feine nicht zählet, und die Trübe eben ſo ſchadet, wie in der beſſern Sorte. 648. Das Zuſammenlegen der Vließe geſchieht am beſten auf einer Tafel, auf welcher der Grund derſelben unten ausge⸗ breitet wird, und dieſelben von der Seite ſo eingeſchlagen wer— den, daß immer die Spitzen den Grund berühren, und auf dieſe ten: Peh achtr denj. getlt theu⸗ Cla z gane tirtee die ⸗ renie ſie e 8 lichß wie⸗ eri ei⸗ o un neſer⸗ (18 Siü⸗ An ſn h ardne⸗ Kunt⸗ 1 triſtiſ⸗ adsläg. in alſ au ipanten d uirer h 2'wiß⸗ nnpat⸗ n9 rhufe LMre⸗ ntf amnale jet ini pa⸗ er illaber n, usi die ah ifer „Iis ii⸗ d un n in 1 ie cs n dan ſeine t 11 der Svobeſen 1 n suugge⸗ 21 wel⸗ 1¹euſ Art das Zuſammenkleben verhüthet wird. Nachher werden ſie von unten herauf feſt zuſammengerollt, und dieſe Rolle wird mit Vor⸗ ſicht ſpäter in den Sack getreten. Das Binden mit Spagat oder Bindfaden iſt ſchädlich, über⸗ flüſſig, und durchaus nicht zu empfehlen. 649. Üüberhaupt iſt bey jeder Sortirung genaue Aufſicht nöthig, damit jede Sorte von Wolle auf ihren beſtimmten Ort komme, und keine fehlerhaften, viel weniger ſchleuderiſchen Arbei⸗ ten Statt haben. Es muß demnach unter dem Geſetze, daß jeder Pelz bey der Schur ſo viel als möglich ganz bleibe, genau beob⸗ achtet werden, daß keine Sorten vermengt werden. 650. Wolle von gleichen, und auch gleichgehaltenen Her⸗ den auf dieſe Art nach Höfen und Thiergattungen in Claſſen ein⸗ getheilt, gepackt, und Bauch⸗ und Fußwolle, Schenkel⸗, Ko⸗ ther- und Schopfwolle, auch grobe Schwanzlocken ſorgfältig in Claſſen nach der Eigenſchaft des Fadens abgeſondert,— Klunkern ganz weggeworfen— iſt oft beſſer zu verkaufen, als ſchlecht ſor— tirte Wolle, weil bey letzterer der Arbeitslohn nicht nur umſonſt die Waare vertheuert, ſondern der Käufer Betrug fürchtet, wäh⸗ rend er zum Original⸗Zuſtande Vertrauen hat, da er weiß, daß ſie nicht ganz gleich ſeyn kann. 651. Zum Sortiren biethet jede lichte Scheuer, oder jeder lichte Boden ein taugliches Locale. Bierzigſtes Capitel. Von der Sortirung der Wolle für den Handel. 652. Das erſte Princip bey der Sortirung der Wolle für den Handel iſt: gleiche Feinheit und beyläufig gleiche Länge der Wolle auszuſcheiden, und bey jedem einzelnen Vließ alle noch et⸗ wa daran befindliche farbige, ſo wie auch alle weiße Wolle, nähm⸗ lich vom Kother, Schopf, Bauch, Nacken, den Schenkeln, Fü⸗ * 8 340 ßen, Schwanz ꝛc., die nicht den Grad der Feinheit des Haupt— Vließes erreichet, davon in ihre Claſſen abzuſondern*). 655. Zum Sortirungs⸗Geſchäft ſind, z. B. für zwey Sorti⸗ rer, ein Paar große Tiſche, auf welchen die Vließe in ihrer gan— zen Länge ausgebreitet werden können, erforderlich, wozu allen⸗ falls noch zwey gewöhnliche Leute, die man bald abrichten kann, für die gröbere Arbeit verwendet werden, und täglich circa Einen Centner Wolle ſortiren können. Dieß Geſchäft geſchieht auf folgende Art: 654. Die Sortirer nehmen die Vließe einzeln auf die Ta⸗ fel, reißen die unechten Theile davon ab, und claſſifieiren die ge— reinigten Vließe in fünf Sorten, wovon beſonders die erſten drey, und nahmentlich die allererſte, ſtreng gleich zu halten ſind. Das Abgeriſſene und der Abfall beym Scheren wird dann ebenfalls ſor— tirt, reine, ganze Wolle davon kommt in die durch ihre Feinheit angedeutete Sorte der Vließe; gelbe Wolle und kleiner Abfall in zwey beſondere Sorten, die man Stück⸗ und Lockenwolle nennt, und an den äußerſten Extremitäten wächſt; Futterſtücke, wenn, wie zu hoffen, es deren nicht hinlänglich gibt, um eine eigne Sorte daraus zu machen, kommen in die geringeren Stücke und Locken, welche jedoch vom Hunds⸗- oder ganz groben Haar, fauler Wolle und Unrath ebenfalls rein zu halten ſind. *) Ohne Zweifel wird unter den Städten Deutſchlands in Leipzig dieſes Geſchäft am ausgedehnteſten betrieben. Es wird aber viel⸗ leicht mehr ausländiſche als ſächſiſche Wolle daſelbſt ſortirt. Die von den Leipziger und andern nördlichen Handelshäuſern gemach⸗ ten beſſern Sortimente gehen nun aber ſämmtlich unter dem Nah⸗ men ſächſiſcher Wolle, und ſelbſt in Wien ꝛc., wo die Sortirungs⸗ Anſtalten höchſt bedeutend ſind, macht man Electoral⸗Sortimente. Wenn die Waare die erforderlichen Qualitäten beſitzt, ſo macht dieſes keinen Unterſchied; und ſo wird wohl manches, aus origi⸗ nal⸗ſpaniſcher Wolle gemachtes Sortiment, gleich der meinigen, unter dem Nahmen Electoral-Wolle nach England gehen. zuge⸗ derſa der kehrtr eine: End mahle Bun⸗ kreuzi Suuht ori⸗ 1 grn Walen⸗ 1San, tas leiran n uf II ntm g⸗ di fre, ten en Das d uf ſr⸗ i hit in allin le utnund „t uthvie digi d aute 2u Wen, fan zple md mitii wit Foril⸗ an di griach⸗ u 2G l⸗ ngi⸗ an oente ut 1 u p rigl⸗ rr gel⸗ I 341 Iſt alles ſo claſſificirt, ſo werden wieder die Vließe, jede Sorte allein, in ihrer ganzen Größe auf der Tafel ausgebreitet. Haben ſie allenfalls noch etwas Staub oder Sand von der Wä⸗ ſche behalten, ſo muß man ſie mit einem Stecken leicht ausklo— pfen, nur nicht förmlich hauen, was guter Wolle am Anſehen ſchadet. Daher iſt außer dem Sortiren in einer Wollhandlung auch das Reinigen gebräuchlich, indem keine fremden Sachen in der Wolle ſitzen bleiben dürfen*). Iſt dieſes geſchehen, ſo werden 4— 5 Vließe auf einander gelegt, die Schnittſeite dem Tiſche zugekehrt, hierauf ein Quantum der reinen Wolle in Stücken derſelben Sorte, je nachdem deren viel oder wenig iſt; dann wie⸗ der 4— 5 Vließe, mit der Schnittſeite auswärts der Luft zuge⸗ kehrt, ringsum die Pließe einwärts etwas eingeſchlagen, damit es eine gleiche längliche Watte gibt, dann der Länge nach die beyden Enden der Watte in die Mitte zuſammengelegt, und dann noch⸗ mahls beyde Enden zuſammengeſchlagen, ſo daß es einen rundlichen Bund von 20— 25 Pfund bildet, der mit dünnem Spagat kreuzweiſe gebunden wird.* 655. Wenn alle Wolle ſo behandelt und gebunden iſt,— die Stücke und Locken werden ſo, wie ſie fallen, geſackt— ſo wird ſie in hängende Säcke getreten; nähmlich die vorbeſchriebenen Bunde aufgebunden, und zwey und zwey neben einander, die geſchloſſene äußere Seite des Bundes nach außen gegen den Sack zu gekehrt, ſo, daß ſie den ganzen Sack umgeben, die Enden in der Mitte, in die im Handel übliche Breite und Länge von Sä— cken, getreten. Man hüthe ſich, keine feucht zuſammengeſchlagene *) Das Reinigen beſteht theils im Ableſen und Beſchneiden, theils im Klopfen der Wolle auf Hürden, welche von Gurten geflochten ſind. Obgleich das Klopfen oft einen Verluſt von 6— 12 Procent beträgt, und mit Zeit und Koſten vergeſellſchaftet iſt: ſo iſt es doch aus dem Grunde erforderlich, weil keine heterogenen Theile in der Wolle ſitzen bleiben dürfen, und die Geſchmeidigkeit der Wolle dadurch wieder bewerkſtelliget und erhöht wird. 342 Wolle gleich zu verpacken, weil ſich die Haare mit dem Fett ſo zuſammen verkleben, daß man die Wolle nicht anders von ein— ander bringen kann, als daß man Vließ für Vließ einzeln behuth⸗ ſam abſondern muß. Ein und vierzigſtes Capitel. Vom Bleichen der Wolle, und von der Fähigkeit derſelben, Farben anzunehmen. 656. Im eilften Hefte des Heſperus 1815, herausgegeben von dem verdienſtvollen jetzigen Herrn Hofrath André, in Dien⸗ ſten Sr. Majeſtät des Königs von Würtemberg, kommt S. 410 über dieſe Materie, von dem ruühmlichſt bekannten Herrn Dr. A. H. Meineke, eine äußerſt wichtige Mittheilung vor, wovon ich das Wichtigſte mit einigen Bemerkungen hier anführe. 657. Das Bleichen der Wolle, ſagt Herr Meineke, trieb Herr Vauquelin nicht ſo weit, als es die Wichtigkeit des Gegen— ſtandes erfordert, und ich, ſo wie viele andere mit mir, gewiß es gewünſcht hätten. 658. Doch fand er, daß diemit Seifenwaſſer be⸗ handelte Wolle ſich durch die bisher bekannten und angewendeten Mittel am beſten bleichen ließ. 659. So bleichte die liquide ſchweflichte Säure ſehr gut, zerſtörte aber nicht die gelbe Farbe an den Schamleiſten und un⸗ ter den Achſeln; aber die Wolle erhielt dadurch die Eigenſchaft, zwiſchen den Fingern dasſelbe Geräuſch zu machen, wie die ge⸗ ſchwefelte Seide, und nahm einen ſehr ſtarken, unangenehmen, erſt nach langer Zeit ſich verlierenden Geruch an. Den Dampf des brennenden Schwefels(ein allgemein übliches Verfahren) ver⸗ ſuchte er nicht. Als die vorzüglichſte Bleich-Methode fand er, wenn man die mit Seifenwaſſer gereinigte Wolle auf einen Raſenplatz ikeit euuyiben i din⸗ 2 410 286 Dr. 1odon 4 urie 10 hen⸗ a e Rno ten 92 au, 1and un⸗ Mitet, Sie ge 19 men/ rr yampf 783) wi⸗ c wenn Ewlah 345 dem Thau und der Sonne ausſetzt*). Jedoch verloren ſich auch dadurch die genannten gelben Stellen nicht ganz, ſondern wurden nur bleicher*). 660. Von der Wichtigkeit dieſer Sache durchdrungen, habe ich ſelbſt mehrere Verſuche darüber angeſtellt, und die Angabe Vauquelins in Anſehung der Behandlung mit Seife richtig be⸗ funden. Am vorzüglichſten fand ich hierzu die venetianiſche oder Ohlſeife. Eine angemeſſene Menge derſelben, etwa des Ge⸗ wichtes der Wolle, in einem kochenden Waſſer aufgelöſet, er⸗ theilt ſchon ganz allein der Wolle eine auffallende Weiße, die durchs Auslegen an die Luft**r) noch vermehrt wird. Wendet man aber dieſes Verfahren nur als eine Vorbereitung an, und ſchwefelt nachher die Wolle, und behandelt ſie mit flüſſiger ſchwef⸗ lichter Saͤure, ſo erhäͤlt ſie allerdings einen noch höhern Grad von Weiße, aber dieſe Behandlung führt die Nachtheile mit ſich, daß 1) die Wolle dadurch hart, und 2) nach einiger Zeit wieder gelblich wird. 661. Die gute Wirkung, die man beym Leinwandbleichen von der alkaliſchen und kalkerdigen Schwefelleber geſehen hat, in⸗ dem ſie ſich als die kräftigſten Reinigungsmittel bewährten*rer), *) Dieſes iſt das Verfahren der Spanier; ich habe ſolches ſelbſt im Großen mit 70— 80 Ctr., ebenfalls als die beſte Art, die Wolle zu bleichen, gefunden, und man kann das Weißwerden der Wolle dadurch noch vermehren, wenn man ſolche bey ſtarkem Son⸗ nenſchein mit einer Gießkanne öfters beſprenget und umwendet. Der Regen und Sonnenſchein bleichen die Wolle nach einer rei⸗ nen Wäſche am vorzüglichſten. **) Stimmt ganz genau mit meinen Erfahrungen überein. ***) Thau und Sonne. ****) Für manche Leſer, die Gebrauch von dieſer Flüſſigkeit zu machen wünſchten, ſetze ich die Bereitungsart her. 4 Pfd. fein geſtoßener Schwefel, 20 Pfd. gut gelöſchter und durchgeſiebter Kalk, und 16 Gallonen Waſſer(eine Gallone hält etwa 4 Maß) werden gut 544 veranlaßte mich, die Auflöſung des Schwefelkalks auch bey der Wolle zu verſuchen, aber mit ungünſtigem Erfolge. Denn ſtatt daß dieſelbe hätte weiß werden ſollen, färbte ſie ſich im Gegen⸗ theile ſtrohgelb. Auch verſuchte ich noch eine Zuſammenſetzung, die man zu dieſem Behufe noch nicht anwandte, und deren in kei⸗ nem chemiſchen Handbuche gedacht wird, nähmlich die Auflöſung des Schwefels in der Seife. Dieſe mußte nach der Theorie und Analogie erfolgen, da ſich der Schwefel ſowohl in ätzenden Alka⸗ lien, als auch in Ohlen auflöſet. Ich erhielt auch wirklich eine ſtark gefärbte Flüſſigkeit, die aber nicht, wenigſtens nicht bedeu⸗ tend, nach Schwefel roch, auch auf die Wolle nicht die mindeſte Wirkung hervorbrachte. Nach Larani's Beobachtungen über die Wirkung des geſchwe⸗ felwaſſerſtofften Waſſers und der ſchweflichten Säure auf einige Pflanzenfarben, beruhet die Wirkung dieſer Stoffe auf einer wirklichen chemiſchen Verbindung derſelben mit den Pigmenten, die durch kräftigere Potenzen wieder aufgehoben werden kann. Er führt unter andern für die ſchweflichte Säure den Beweis an, daß aus der mit Schwefeldampf gebleichten Seide oder Wolle, mittels Schwefel⸗ oder Salzſäure die ſchweflichte Säure wieder unter einander gemiſcht, und die Miſchung ungefähr eine halbe Stunde in einem eiſernen Keſſel gekocht, indem man ſie von Zeit zu Zeit umrührt. Nach dem Aufwallen wird die Auflöſung des Schwefelkalks klar, und kann nun von dem unaufgelöſten, ſehr beträchtlichen Bodenſatz abgegoſſen werden. Die Flüſſigkeit hat in dieſem Zuſtande beynahe die Farbe des dünnen Weißbieres, iſt aber nicht ſo durchſichtig. Nachher werden noch 16 Gallonen Waſ⸗ ſer auf den Satz gegoſſen, das Ganze wohl unter einander ge⸗ rührt, und dann das Klare abgehellt. Dieß wird mit erſterer Flüſſigkeit vermiſcht, dieſe noch mit 53 Gallonen Waſſer verdünnt, und ſo zum Eintauchen der Leinwand angewendet. Man erhält alſo überhaupt(abgerechnet, was verdampft und in dem Boden⸗ ſatz zurückbleibt) von 4 Pfund Schwefel 60 Gallonen Flüſſigkeit oder Lauge der 9. wicht, der 1 ſtatt gen⸗ 1, die kii⸗ is ung 1 9 und 1Selkt⸗ as leine zheu⸗ itt eſte ve⸗ faniige ainet amen, e Er mun, F, I Her urhabe d diit ui des 6 ehr 1Sa in f G, ſt rs eDiſ : ge⸗ ai ere dee ünnt, an lthält rodel⸗ S iit 545 ausgetrieben werden könne. Sie kann daher unmöglich eine dauernde Wirkung hervorbringen. Andere Verſuche, die ich mit gleich ungünſtigem Erfolge anſtellte, übergehe ich mit Stillſchweigen. 662. Das Bleichen oder Weißmachen der Wolle iſt aber nicht allein für diejenigen Waaren, die ihrer Beſtimmung nach weiß bleiben ſollen, ein wichtiger Gegenſtand, ſondern verdient auch noch bey denen große Aufmerkſamkeit, die nachher gefärbt, und beſonders mit feinen Farben geziert werden ſollen. Eben ſo wie auf Leinen und Baumwolle die lichten und zarten Farben, beſonders rothe(und unter dieſen hauptſächlich Krapp), um ſo leb⸗ hafter und glänzender ausfallen, je mehr ſie durch das vorgängige Bleichen ihre höchſte Reinheit und Weiße erhalten haben: ſo iſt dieß auch bey der Wolle der Fall. Aber hier iſt der Umſtand wohl zu beherzigen, durch welche Mittel es geſchehen iſt. 663. Denn das Bleichen mittels Schwefeldampfes oder liqui⸗ der ſchweflichter Saͤure, darf für manche Farben gar nicht ange— wandt werden, und ich kenne bis jetzt kein beſſeres Mittel, wel⸗ ches für alle Farben paßt, als die Ohlſeife und das Auslegen an die Luft. 664. Außer dem Geſagten iſt nun noch die Thatſache für die Wollfärberey höchſt wichtig, daß der geſunde oder kranke Zu⸗ ſtand des Thieres auf die Wolle und auf die Fähigkeit derſelben, Farbe anzunehmen, einen ſehr weſentlichen Einfluß hat. 665. Hiermit hat uns Herr Roard, Director der Faͤrbe⸗ rey in der königlichen Manufactur zu Paris, bekannt gemacht. Er bemerkte ſchon lange, daß Wolle von verſchiedener Beſchaffen⸗ heit in einerley Farbenbade ungleich gefärbt wurde; am meiſten aber war er erſtaunt, als er dieſe Verſchiedenheit bey Woll⸗Sorten wahrnahm, die ſich in ihren äußern Eigenſchaften vollkommen gleich waren. Dieß war für die Genauigkeit, die beſonders in der Manufactur der Gobelins für jede Tinte erfordert wird, zu wichtig, um nicht zur näheren Unterſuchung anzureizen. Er ſtellte 346 dieſe alſo ſehr ſorgfaltig und vergleichend mit der Wolle der Me⸗ rinos an, die noch ihren natürlichen Schweiß hatte, und zwar von geſunden, kranken, und an Fäulniß geſtorbenen Thieren. Erſt behandelte er jede Sorte allein, dann mit einander, und auch noch mit einer ſchlechten aus der Picardie gemiſcht, die ſich noch auf dem Felle befand, und ſchon durch Kalk verändert war. 666. Zum Waſchen und Einfetten, womit er ſeine ver— gleichenden Verſuche begann, wandte er den Schweiß ſelbſt, die Seife, ätzende Pottaſche, warmes und kochendes Waſſer, und die Seife aus Flandern an. Unter dieſen wirkte die Seife, und be⸗ ſonders die flandriſche, am beſten und vollkommenſten. Letztere gab der Wolle einen ſolchen Grad von Weiße, als man durch andere Mittel ſchwerlich erreichen kann. 3, des Gewichtes der Wolle, in heißem Waſſer aufgelöſet, iſt hinlänglich. Aber das Bad darf nicht über 60 Grad Reaumur erhitzt werden, und die Wolle darf nur eine Viertelſtunde darin bleiben; denn in kochendem Waſſer lei— det ſie ſchnell eine Veränderung. 667. Mit ihrem Schweiße geſponnene Wolle wurde durch das Waſchen vollkommen weiß, wäh⸗ rend die vor dem Spinnenentfettete einen ſchmu⸗ tzigen, gelblichen Stich behielt. 668. Dieſe Erfahrung gab bey erſterer, und auf mannigfaltige Art abgeänderter Wiederhoh⸗ lung jederzeit dasſelbe Reſultat. Dadurch beſtätigte ſich alſo die, in den Werkſtätten allge⸗ mein angenommene Meinung, daß eine anfangs ſchlecht gewaſchene Wolle nicht mehr gereinigt, und auch nachher nicht echt gefärbt werden könne. Der Ver⸗ faſſer leitet dieß von einer fernern Oxydation der färbenden Fett⸗ materie ab, wodurch ſie ihre Auflöslichkeit verliere*). *) Eine dahin Bezug habende Entdeckung habe ich beym Waſchen mit einer ſehr bedeutenden Partie von Wolle gemacht, als man Sc koh ſce der ohne terſu Wol bvon in eit ßes i terſe, lihh mit dießn d Ne i der 2 me. * und ſch 13 var. ver⸗ 31 die 18 und ut he⸗ zsegad Gdere 20. in weiht aG nur ſir lii⸗ Nle i⸗ 31 And 8 loh⸗ t ollee⸗ a feht (n uh 2 Cber⸗ 8 cett d ſen „man 347 669. Es iſt alſo vortheilhaft, der Wolle ihren naturlichen Schweiß zu laſſen. Denn 1) erſpart der Eigenthümer dadurch eine Arbeit, die er nie vollkommen verrichtet; ²) ſchützt der Schweiß gegen Inſecten, und 5) können alsdann die Künſtler, welche die Wolle weiß verarbeiten, ihr den höchſt möglichen Grad von Rein⸗ heit und Glanz geben, den eine ſchon gewaſchene Wolle nie er— langt. Auch durch gasförmige und flüſſige ſchweflichte Säure war dieß dem Verfaſſer bey einer ſolchen Wolle unmöglich zu bewirken. 670. Die gelben Stellen unter dem Bauche und unter den Schenkeln der Thiere verſuchte der Verfaſſer vergebens durch Al⸗ kohol, lebendigen Kalk und ätzende Alkalien fortzuſchaffen. Es ſcheint daher, daß der hier angehäufte Schweiß durch Einwirkung der Luft eine zu innige Verbindung eingegangen ſey, die ſich nicht ohne Zerſtörung des Gewebes aufheben läßt. 671. Ein ſehr wichtiger Punct, den Roard durch ſeine Un⸗ terſuchungen über den Schweiß ausmittelte, war der, daß die Wolle von geſunden Merinos doppelt ſo viel enthielt, als die von kranken und todten Thieren*). Auch beym Verbrennen des in einer porzellanenen Schale zum Trocknen gedampften Schwei— ßes in einem Plaͤtirtiegel zeigte ſich in der Quantität derſelbe Un⸗ terſchied. Bey den kranken und todten Thieren blieb ſie ſich ziem— lich gleich. Der Schweiß ſtehet alſo mit dem Geſundheitszuſtande und mit der Beſchaffenheit der Wolle im genaueſten Verhältniß, und dieß darf uns nicht wundern, indem eine ſo kräftige und verwi— bey einer Hitze von 55— 60 Graden nach Reaumur im warmen Fettwaſſer, ohne mit friſchem zu wechſeln, zu oft die Wolle ge⸗ badet hatte, wodurch ſich endlich in dem braunen Schweiß⸗ oder Waſchwaſſer ein Färbeſtoff durch den zu oft wiederhohlten Ge⸗ brauch entwickelte, welcher der Wolle eine innige bräunliche Farbe mittheilte, die ſogar mit Pottaſche nicht mehr herauszubringen war. *) Aufmerkſame Schafzüchtler waren durch Beobachtungen ſchon lange auf dieſe Thatſache geführt worden. 348 ckelte Abſonderung die vollſte Lebensthäͤtigkeit vorausſetzt. Das Schaf von Guinea, und der ſenegaliſche Widder, die nur mit kurzen Haaren bedeckt ſind, haben faſt gar keinen Schweiß. 672. Um nun das Verhalten der in Unterſuchung genom⸗ menen Woll-⸗Sorten beym Färben zu prüfen, wurden ſie alaunt, blieben 8 Tage in der Beize, und wurden dann mit Cochenille, Krapp, Gelbholz ꝛc. ausgefärbt. Da die andern Färbungsarten keine ſonderliche Abweichung zeigten, ſo iſt hier bloß die mit Co⸗ chenille anzugeben. Die Woll⸗Sorten wurden mit gleichen Theilen Cochenille und Zinnauflöſung behandelt, eine halbe Stunde ge— kocht, mit etwas terra menta geſchönt, gewaſchen und getrock— net. Die Reſultate waren folgende: 675. Bey der Wolle von geſunden Merinos übertraf die Farbe, welche ein ſchönes, etwas ins Gelbe ſpielendes Fleiſchroth war, die von todten und kranken Thieren bey weitem an Lebhaf— tigkeit und Intenſität, ungeachtet ſie von Einer Herde waren. Die der letztern unterſchied ſich unter einander ſelbſt ſehr wenig, doch war die von kranken Thieren zuweilen weniger ſatt. Eine Miſchung zu gleichen Theilen aus allen drey Sorten kam im Er— folge dem der beyden zuletzt genannten gleich, erreichte aber nie die Schönheit der erſtern. 674. Mit ihrem Schweiß, aber ohne Ohl geſponnen, und nachher durch eine einzige Wäſche entfettete Wolle von geſunden Merinos hatte eine reinere und glänzendere Farbe, als die vor— hin genannte erſte Sorte, aber ſie war dunkler, welches zu be— weiſen ſchien, daß die natürliche färbende Materie von Nutzen ſeyn könne. Der Verfaſſer beruft ſich hier auf Seide, die für Carmeſin und einige andere Farben nicht völlig entſchält ſeyn darf 675. Wolle auf dem Felle von Picardie nahm die Farbe nur ſehr ſchlecht an, und dieſe war immer matt und ſchmutzig; aber mit Vermiſchung der Wolle von geſunden Merinos näherte ſie ſich dieſen ſehr. Mit gleichen Theilen von der Wolle todter und kranker Merinos vermiſcht, unterſchieden ſich beyde unter einander wenig; aber ihre Farbe war ſchmutzig und dunkler, als mit wied blum ſung Schm in dem aus 7 ſunde letzt a2 die e lith 1jaf 1 aren. ¹ iig, auine i krt⸗ üd nie rerund 29 dden d vpor⸗ 89 be⸗ alten uuter T 16 349 die der Wolle von bloß kranken und todten Merinos, woraus das Gemiſch doch größten Theils beſtand. 676. In der Küpe gefärbt, gaben dieſe Woll⸗Sorten mit den vorhin genannten Verſuchen vollkommen übereinſtimmende Re⸗ ſultate; jedoch iſt dieſes die einzige Art Färberey, worin Wolle von geringer Güte die Farbe noch ganz gut annimmt; aber das Blau iſt nicht ganz egal, und zieht ſich ſtets ins Schwarze*). 677. Wolle von geſunden Merinos, und mit ihrem natür⸗ lichen Schweiße geſponnen, nahm die Farbe in der Küpe ſehr ſchnell an, und gab ein ſchönes, ſehr dunkles Blau; dagegen die⸗ ſelbe Sorte, und von kranken und todten Thieren, ſo wie auch die Wolle aus der Picardie, nach vorgängigem Waſchen, die Farbe nur ſchwer annahm, und ein ſchmutziges, ins Schwarze ſpielendes Blau gab. Erſtere Probe bewährte ſich in der Prüfung mit heißer flandriſcher Seife als echt, und behielt, ſelbſt nach wiederhohlter Behandlung mit Alkalien, noch eine blaue Korn— blumenfarbe, da hingegen die drey letztern in der Seifenauflö⸗ ſung gänzlich entfärbt wurden. Abermahls ein Beweis, daß der Schweiß zur Befeſtigung der Farbe beytrug. Von drey andern in den Tapetenwirkereyen angewandten Sorten gekämmter Wolle aus Flandern, Holland und der Picardie, die mit der von ge⸗ ſunden Merinos zugleich gefärbt wurden, war die Farbe der letztern ſtets ſatter. *) Hieraus werden ſich die Herren Okonomen belehren, wie wichtig es für den Ruf ihrer Wolle und ihren Credit iſt, jederzeit die Wolle von ihrem geſunden Vieh von jenem der Kranken und Sterblinge ſeparirt an die Fabricanten zu verkaufen, wenn ſie ſich nicht eines poſitiven, unverantwortlichen, ſchändlichen Betru— ges wollen ſchuldig machen. Die Herren Fabricanten werden ſich ihrer Seits aber auch daraus belehren, wie vortheilhaft es iſt, bey einem redlichen Erzeuger von anerkannter Rechtſchaffenheit zu kaufen, ſtatt ſich auf gut Glück Mäklern und Speculanten in die Arme zu werfen. 350 678. Es geht alſo überhaupt aus dieſen intereſſanten Ver⸗ ſuchen als unläugbare Thatſache hervor, daß die Anziehung der Wolle zum Färbeſtoff nach dem geſunden und kranken Zuſtande des Thieres, von welchem ſie genommen iſt, ſehr verſchieden ſey, und daß folglich die Wolle von geſunden Merinos ſtets ſatter ge— färbt ſeyn mußte, als die von kranken und todten derſelben Herde; noch mehr aber, als die gekämmte Wolle Frankreichs und Hol⸗ lands. Man ſieht ferner, welchen Urſachen man dieſe verſchiede⸗ nen Wirkungen zuſchreiben müſſe, die ſich durch äußere Kennzei⸗ chen an der Wolle gar nicht beſtimmen laſſen, ſo verſchieden und ungleich ihre Farbe auch bey einerley Behandlung, und in einem und demſelben Farbenbade ausfallen mag. Endlich ſieht man— um dieſen Aufſatz mit einer recht paſ— ſenden Nutzanwendung zu ſchließen— hier wieder recht deutlich, welche Vorzüge der ſcientifiſche Betrieb eines Gewerbszweiges, nahmentlich der Färbekunſt, vor dem bloß handwerksmäßigen habe. Hundert und mehr Färber von dem gewöhnlichen Schlage hätten eben ſo oft die Verſchiedenheit der Woll-Sorten bey ihren prakti⸗ ſchen Arbeiten wahrnehmen können, ohne je der Sache auf die Spur zu kommen; und wäre Herr Roard nicht zugleich Chemiker geweſen, und hätte er nicht zugleich den Schweiß der Wolle zu analyſiren und zu behandeln verſtanden, ſo würde er nie die Ur— ſache der durch kein äußeres Merkmahl wahrzunehmenden Ver⸗ ſchiedenheit gefunden haben. Ob dieſe Entdeckung überhaupt Gewinn für die Kunſt ſey, kann kein wiſſenſchaftlicher Färber fragen; ob auch für den Beu⸗ tel?— Selbſt kein empiriſcher Fabricant wird anſtehen, ſich im Stil— len und mit Beſchämung eine bejahende Antwort darauf zu geben. Zwey und vierzigſtes Capitel. Von dem Einſacken der Wolle. 679. Beym Einſacken der Wolle iſt vorzüglich zweyerley zu berückſichtigen, nähmlich ob die Wolle bloß nach ökonomiſchen nehn Es i beſon ſonſt, die le hen k. runde eingen verbu und! der W zwey nach Sack Einſa geſche ſen w oder 72 dr G. w uh 18i ſa, i. 9e rundde, t ahil⸗ 1S iede⸗ 2. nzi⸗ 4s und ni nem 2 haß 4 lih, as diet, agiche. adtten unnkti⸗ n die u0 ieer rn s u⸗ uc ber u ſer⸗ u8 beu⸗ 1 Sti⸗ 1 then. 1 ey zu 351 Grundſitzen, oder ſchon merkantiliſch ſortirt worden iſt. Im er⸗ ſten Falle müſſen die Vließe mir aller Behuthſamkeit und Vorſicht etwas lockerer eingetreten werden, damit ſie ſich nicht verwirren, und das Sortirungs⸗Geſchäft zu ſehr erſchwert werde; im zweyten Falle darf ſolche ſo feſt und gleich, als nur immer möglich iſt, eingetreten werden, damit dadurch erzweckt werde, daß Staub und Regen nie einen Eingang zur Wolle bey Verſendungen er— halten können. 680. Die Leinwand, die zu Wollſaͤcken verwendet wird, muß aus dieſem Grunde ſehr feſt und dauerhaft gearbeitet ſeyn. 681. Man verfertigt die Säcke am beſten(wegen Bequem⸗ lichkeit zum Packen und Umpacken auf Reiſen) aus 10— 12 El⸗ len Leinwand, und gibt ihnen drey Breiten. Zwey ſolcher Säcke nehmen die Länge eines Wagens ein, und faſſen 250 Pfd. Wolle. Es iſt von Wichtigkeit, daß die Säcke bey weiten Transporten, beſonders ins Ausland, eine zweckmäßige Form erhalten, indem ſonſt durch ſchlecht getretene und zu große, unbehülfliche Säͤcke, die leicht zerriſſen werden, ein großer Abgang an Wolle entſte— hen kann. 682. In die vier Ecken eines jeden Sackes werden kleine, runde Ballen von Wolle, in der Größe von einer ſtarken Fauſt, eingedrückt, und mit Bindfaden gegen die Seite des Sackes feſt verbunden, damit man ſolchen an dieſen vier Enden leicht tragen und regieren kann. 683. In dieſen Saͤcken, die in einem Reife zum Eintreten der Wolle aufgehängt werden, werden die Wollbündel zwey und zwey neben einander, die geſchloſſene äußere Seite des Bundes nach außen gegen den Sack zugekehrt, ſo, daß ſie den ganzen Sack umgeben, die Enden aber in die Mitte, getreten. Das Einſacken muß bey der Sortirung, die bloß durch den Erzeuger geſchehen iſt, ſehr behuthſam geſchehen, damit kein Vließ zerriſ⸗ ſen werde, jedoch muß der Sack ſo feſt werden, daß kein Regen oder Staub eindringen kann. Die Lämmer-Wolle, ſo wie auch 552 alle Schlacht- und Sterblings⸗Wolle muß ſorgfältig von der übri⸗ gen abgeſondert, und jede Sorte allein verpackt werden. 684. Die Schwere des Sackes mit den Stricken, die, wenn er fertig iſt, einmahl in die Länge und zweymahl in die Quere darum geſchlungen werden, iſt ſo einzurichten, daß ſie circa 4 Procent von dem Brutto⸗Gewicht des Sackes ausmache, welches die handelsübliche Tara für die mähriſche Wolle iſt. Auf ein halb Pfund weniger kann dabey nicht geſehen werden, mehr aber darf ſie nicht haben. Die handelsübliche Tara iſt in Wien 5 Pfd. pr. Sack; in Frankfurt a. M. 4 Procent; in Aachen und bey den meiſten Fabricanten wird die Tara rein berechner. Ein gewöhnlicher wohlgetretener Wollballen wiegt 250 und 300 Pfund, und der leere Sack mit dem Stricke 8 Pfd. Es iſt das Beſte, wenn die Tara mit oder ohne Strick auf dem Wollſack genau bemerkt wird, dann kann ſich ſowohl Käufer als Verkäufer darnach richten. 685. Statt der Nahmen: Electa⸗, Prima⸗, Secunda⸗, Tertia⸗Wolle, wie es anderwärts, wo die Wolle ſchon ſortirt wird, gebraͤuchlich iſt, ſchreibt man bey uns gewöhnlich nebſt dem Nahmen der Herrſchaft und der Schäferey, wo die Wolle ge⸗ wachſen iſt, die Gattung der Wolle mit ſchwarzer Ohlfarbe auf die Säcke; z. B.: Herrſchaft N. Schäferey N. II. oder III. Claſſe ꝛc. Sporco: 254 Pfd. Tara: 4 Pfd. Netto: 250 Pfd. Drey und vierzigſtes Capitel. UÜber die Aufbewahrung der Wolle. 686. Bey dem Aufbewahren der Wolle iſt darauf zu ſehen, daß ſolche an einem trockenen, ja nicht feuchten, dumpfigen Orte ge⸗ in Wi eine Be hri⸗ 18 da, Ain w I ſe is nalhe, 2 Af 18 mehr i Lin rriachen 3 hner. (500 S5 d 1 lſat E ufer Eda, inorttitt tinn dem u ge⸗ ¹ cj auf W 555 gelagert wird, damit man ſie vor dem Modrigwerden oder Ver⸗ ſtocken bewahre, welches ſie verderbt, und werthlos macht. Ein trocknes, feuerfeſtes Gewölbe iſt dafür am ſchicklichſten; man legt darin die unterſten Säcke auf untergelegte Hölzer, und nicht auf den feuchten Boden. Man kann dießfalls nicht vorſichtig genug ſeyn; denn wenn man einen Sack Wolle auch nur mehrere Tage auf trockener Erde liegen läßt, ſo fängt ſie ſchon an zu müchteln und morſch zu werden. 687. Auch muß man ſie vor Ratten und Mäuſen, beſon⸗ ders vor den gefährlichen Motten(Phalaena tinea), welche durch ihre Gefräßigkeit großen Schaden anrichten können, zu ſichern ſuchen. Man erkennt die Gegenwart dieſes Inſectes theils an den herumfliegenden Motten, theils an den kleinen, rauhen, eckigen, grauen und ſchwärzlichen Körnchen, welche man darauf findet, theils an den kleinen Scheiden der Puppen. 688. Schwefelrauch iſt als ein zerſtörendes Mittel dagegen gefunden worden. Auch können ſie den Geruch von in Kien- oder in Terpentin⸗Ohl eingeweichtem Papier, das man zwiſchen die Wollſäcke legt, nicht vertragen. Man nehme zu dieſem Behufe einen Theil Terpentin⸗Ohl und zwey Theile Weingeiſt, und miſche Beydes wohl unter einander. Hiermit befeuchte man ein Papier, oder einen wollenen Zeug, und ſtecke ſolchen zwiſchen die Woll⸗ ſäcke. Der ſtarke Geruch tödtet die Motten(auch Wanzen und Flöhe) und macht ihre Eyer zerplatzen. Ganz neuerlich hat man die Entdeckung gemacht, daß dieſes gefährliche Ungeziefer den ammoniakaliſchen Geruch nicht vertragen kann, weßhalb die Pelz⸗ händler in Rußland mit ſicherm Erfolge ihre koſtbarſten Pelze in trocknen Gemaͤchern verwahren, in welche mittels Röhren aus dem Abtritt dieſer Geruch geleitet werden kann. 689. Die Wolle widerſteht in ihrem Fette laͤnger, als im rein gewaſchenen Zuſtande, dem Verderben, indem ihr natürliches Ohl und das beywohnende Kali die Inſecten abhält, und das Fett ihr zugleich Nahrung gibt, daß die Wolle nicht ſpröde und II. 25 354 brüchig werde, wodurch ſie endlich zur Fabrication ganz unbrauch⸗ bar werden kann. 690. Um dem Verderben fabrikmäßig gewaſchener und gänz⸗ lich entfetteter Wolle zuvorzukommen, pflegen die Fabricanten ſolche nach der reinen Wäͤſche wieder mit Ohl zu ſaͤttigen. BVier und vierzigſtes Capitel. Zweyerley vergleichende Überſichten der gebräuchlichſten Gewichte. Er ſte Tabell e. Vergleichung nach dem Wiener Gewichte. O ſtetrei ch. 691. Der Centner hat 100 Pfd., à 52 Loth, das Loth 4 Quentchen. Das Pfd. wiegt 11,655 holländiſche As. Böhmen. 692. Wie in öſterreich. Doch hat man auch beym Handels⸗ gewicht den Centner zu 120 Pfd., das Pfd. zu 10,697 hollän⸗ diſche As. In den urſprünglich brandenburgiſchen (Preußiſchen) Landen. 695. 100 Pfd. Berliner= 83 ¾ Wiener. Der Berliner Centner zu 110 Pfd., alſo= 91½ Wiener Pfd. Der Stein à 22 Pfd.= 18 ½ Pfd. Wiener. Preußiſch Schleſien. 694. 100 Breslauer Pfd.= 72 Wiener Pfd., und der — ν 28 b 0 1 zuc⸗ 1 zjän 1Anten „( L. ier eein 3555 Centner à 5 ½ Stein, oder 132 Pfd.= 95 Wiener Pfd., 1 Stein alſo= 24 Wiener Pfd. Bayern. 695. Ein Centner à 5 Stein zu 20 Pfd., hat 100 Pfd., und iſt dem Wiener gleich. Sachſen. 69. Der ſächſiſch e Centner à 110 Pfd., iſt= 92 Wiener, 100 Pfd. ſächſiſch ſind alſo= 83 ¾ Wiener Pfd. Wurtemberg. 697. 100 Pfd. Würrembergiſch ſind= 83 ¾ Wiener Pfd. Hannoyver. 698. 100 Pfd. Hannöveriſch ſind= 87 Wiener Pfd., alſo der Centner à 112 Pfd.= 97 Wiener Pfd. Der Stein Wolle à 10 Pfd.= 8 ½ Wiener Pfd. Mecklenburg. 699. Der Centner hat 112 Pfd., und 1oo ſolche= 86 Wiener Pfd. Holſtein(wie Hamburg). 700. 100 Hamburger Pfd. ſind= 86 ⅜ Wiener Pfd. Nürnberg in Franken. 701. 100 Nürnberger Pfd. ſind= 91 Wiener. Der Ctr. hält dort 100 Pfd. Zweyte Tabelle: Vergleichung nach dem Berliner Gewichte. Amſterdam.* V 7⁰2. 1 Schiffspfd. 3 Centner, 20 Ließpfd. oder 300 Pfd. Das Pfd. iſt 5 ½ Proc. ſchwerer, als das Berliner. Anſpach. 7⁰5. Der Centner iſt 9 Procent ſchwerer, als in Berlin. Berlin. 704. 1 Laſt 12 Schiffspfd.„ à 20 Ließpfd.(A 14 Pfd.) oder 3360 Pfd. Der Centner hat 5 ſchwere Stein à 22 Pfd., oder ꝛ0 leichte à 11 Pfd., 1 Pfd. 52 Loth, 1 Loth 4 Quentchen. Braunſchweig. 705. 1 Schiffspfd. 20 Ließpfd. à 14 Pfd. Ein Ctr. 114 Pfd. Bremen. 706. 1 Pfd. ſchwer hat 300 auch 308 Pfd. Das Pfd. iſt 6 ½ Proc. ſchwerer, als das Berliner. V Breslau. 7⁰7. 1 Schiffspfd. 396 Pfd., 1 Ctr. 132, 1 Stein 24 Pfd. Das Pfd. iſt 15 ½ Proc. leichter, als das Berliner. Caſſel. 7⁰8. 1 Centn. 108 Pfd., 1 Pfd. 52 Loth, iſt 5 ¾½ Procent ſchwerer, als das Berliner. Coöln. 7⁰9. 1 Centner 106 Pfd. Das Pfd. iſt dem Berliner ziemlich gleich. 4 2.2 — ne 357 Danzig. wichte 8. 710. 1 Schiffspfd. hat 20 Ließpfd. à 16 Pfd., oder 320 Pfd. — Der Ctr. zu 120 Pfd. Das Pfd. 7½ Procent leichter, als das . Berliner. der doo R Hamburg. 8 711. 1 Schiffspfd. 20 Ließpfd. à 14 Pfd. oder 280 Pfd. 1 Ctr. 112 Pfd., 1 Stein Flachs 20, 1 Stein Wolle oder Federn as in Verin 10 Pfd.; das Pfd. 3 ⅞ Proc. ſchwerer, als das Berliner. Königsberg. „Au) 712. 1 Schiffspfd. 5 Ctr., 20 Ließpfd., 330 Berl. Pfd. 1 1uR, 4uenthen. Koppenhagen. 715. 1 Schiffspfd. 20 Ließpfd. à 16 Pfd., 1 Ctr. 100 Pfd. Das Pfd. iſt 6 ½ Proc. ſchwerer, als das Berliner. Etr. 114 Ph. 3 921 p z g F 2³ 714. 1¹ Ctr. 110 Pfd. oder 5 Stein à 22 Pfd. Das Pn. iſ London. 715. 1 Tun, 20 Hundret oder 20 Ctr. Das Pfd. iſt 3 ½ Proc. leichter, als das Berliner. Stein 4. Nürnberg. 716. 1 Ctr. 100 Pfd. Das Pfd. iſt 9 Proc. ſchwerer, als das Berliner. Paris. 717. 1 Quintal hat 100 Pfd. Das Pfd. iſt 4½ Proc. klei⸗ ner, als das Berliner. it d Pren Roſtock. pfd. 20 Ließpfd. à 16 Pfd., oder dem Belii 300 Pfd. 1 Stein Flachs 20 Pfd., 1 Stein Wolle 10 Pfd. Das Pfd. iſt 9 Proc. ſchwerer, als das Berliner. Schweden. 719. 1 Schiffspfd. 20 Ließpfd. à 20 Pfd. oder 400 Pfd. Das Pfd. iſt 10 Proc. leichter, als das Berliner. Wien. 720. 1 Ctr. 5 Stein à 20 Pfd. alſo 100 Pfd. Das Pfd. iſt 19 ½ Proc. ſchwerer, als das Berliner. 115 X 6 A— da hi Bekanntmachungen. der(on h Folgende ökonomiſche Schriften ſind von dem Verfaſſer erſchienen, und in allen guten Buchhandlungen Deutſchlands zu haben: * Beobachtungen und Erfahrungen 3 über die Wirkungen de r Koͤrner⸗ und Haͤckſelfuͤtterung, in ſo fern ſie auf Stall⸗ oder Winterfütterung der Schafe, des Horn⸗ viehes und der Pferde Bezug hat, verglichen mit den gewöhnlichen Futterarten dieſer Thiere, nebſt meinen geſammelten Beobachtungen über den großen Nutzen der Säemaſchinen, vorzüglich der Ugaziſchen. Ein— in jeder Ruͤckſicht belehrendes Taſchenhbuch f ü r practiſche Güterbeſitzer, Landwirthe, Beamte und alle jene, welche Pferde, Schafe und Hornvieh halten, oder Güter zu verwalten haben. Von Bernhard Petri. Baden, 181g. Aufruf alle Herren Herrſchafts⸗ und Schaͤferey⸗Beſitzer des oͤſterreichiſchen Kaiſerthums, die Begründung von e Wollmaͤrkten betreffend. Nebſt zwey auf Erfahrung gegründete Anhängen über ein verbeſſertes, dem Zwecke vollkommen entſprechendes, einfaches Verfahren, die Wolle auf dem Körper der Schafe zu reinigen, und die ökonomiſche Sortirung derſelben, ſo weit ſie den Producenten betrifft; mit andern dahin Bezug habenden intereſſanten Bemerkungen. Von Bernhard Petri. a n Wien, 1923. Phyſiologiſch⸗comparative Verſuche über die Nahrungskräfte und Eigenſchaften ſehr verſchiedenartiger Futterpflanzen. Ein Taſchenbuch fuͤr Oekonomen. Von Bernhard Petri. Wien, bey Carl Schaumburg und Comp. 1824. ein angen über ein ndes, einſahes aie u eiign, o weit ſie den tzug habenden Verſuche eſciedenariger 1. Comen. * Die wahre Philoſophie des Ackerbaues, o der: ein auf die Erhöhung des Grundeigenthums geſtütztes neues Duͤngerſyſtem, den Ackerbau ſowohl durch eine rationellere Zubereitung als Verwendung des Düngers zum höchſten Ertrag zu ſteigern, eine viel ſchnellere Wirkung und Rückvergütung des Dünger⸗ Capitals zu erreichen, und ſogar mit bedeutend verminderten Koſten alle Producte des Bodens ſehr zu vervielfältigen ꝛc. Von Bernhard Petri. Wien, bey Carl Schaumburg und Comp. 1824. Dieſes erſchienene Buch behandelt auf das ausführlichſte, theo⸗ retiſch und praktiſch, das ganze Verfahren meiner entdeckten ver⸗ beſſerten Zubereitung und Verwendung des Düngers, worüber ich ein ausſchließliches Privilegium von Sr. k. k. Majeſtät erhalten habe. Da erwieſener Maßen die geiſtigen Theile des Düngers, die ſich bey der ſeither beſtandenen Dünger⸗Manipulation verflüchtigen, und bey dem Ackerbau verloren gehen, mehr als die Hälfte von dem ganzen Dunger betragen, den man zur Nahrung der Pflanzen geeignet gemacht hat, bevor man den Rückſtand verwendet, und in der übrig gebliebenen Hälfte nur unbedeutende Kraftſtoffe in Vergleich mit der verfluͤchtigten übrig bleiben; dieſem höchſt wichti⸗ gem Gebrechen aber, ſo wie auch dem eben ſo fehlerhaften Verfah⸗ ren, den friſchen Dünger auf die Felder zu führen, und ſolchen tief in die Erde zu verackern, durch mein Dünger⸗Erzeugungsver⸗ II. 24 fahren nicht nur vorgebeuget, ſondern durch die ſchnelle und ganz verſchiedene Verwendung desſelben eine viermahl größere Fläche an Land begeilet, folglich durch den Werth des im Dünger ſtecken⸗ den und ſich bey ſeiner Anwendung ſchnell reproducirenden Frucht⸗ barkeits⸗Capitals der jährliche Ertrag der Felder in der Praxis des Ackerbaues dadurch viel ſchneller erſetzet und vergütet wird, als dieſes bey dem ſeitherigen Verfahren erreichbar iſt; ſo mache ich das ganze landwirthſchaftliche Publicum auf das in dieſer Schrift beſchriebene Düngerſyſtem— nähmlich auf die Art der Verwen⸗ gung und Zubereitung des Duüngers aufmerkſam, indem der Acker⸗ bau dadurch nicht nur unendlich productiver in ſeinem Brutto⸗Er⸗ zeugniß, ſondern auch in ſeinem Netto-Ertrag verhältnißmäßig ergiebiger, die Fruchtfolgen dadurch erleichtert und begünſtiget, überhaupt aber dasſelbe Capital in einem Jahr zweymahl erzeugt wird, wodurch in der Praxis des Ackerbaues hoffentlich wichtigen Folgen ſich ergeben werden. Bernhard Petri. ½ — dnele mh u. ziſen glze Dünger betir irenden zutt t in de Drats derzütet vid, arii; ſo wue in diſer Shrit Art der derven⸗ inden der laer hem Brutw⸗Er rerhältnialig nd beginigt, veymahl njeugt entlih wihtigen etri⸗ 8 1 6 8 L 9 8 1 V V 5 drhln Dchtin 14 1 C“ ihnſnnniiigHifnſnnnihfenhfniſiſiſinſnnntnnhnhaanmim Oem 1 2 3 4 S 6 1 8 9 10 11 12 13