—COQC—V—A—OCOCQ⏓..nZpp—p————ᷓ˙— 2——— Jd e veranlaßt durch die Einleitung zur National⸗Oekonomie des „ Herrn Grafen Julius von Soden. Dem Letztern zur Pruͤfung vorgelegt von Heinrich Wilhelm Crome, Hofrath und Landſyndieus. Leipzig 138079, bey Johann Ambroſius Barth. d 1 inia vin 1 niſt. 1 d 94,5 V ftin te n un emehe geſant, ſehn w Vorrede. Stan ſeit mehreren Jahren las ich in Erholungs⸗ ſtunden mit Vergnuͤgen Schriften, welche ſich mit Ge— genſtaͤnden der National-Oekonomie und der Staats⸗ wirthſchaft beſchaͤftigen. Allein nicht leicht hat ein Buch uͤber dieſe Gegenſtaͤnde ein ſo großes Intereſſe fuͤr mich gehabt, wie die National⸗Oekonomie des Herrn Gra⸗ fen von Soden, nicht leicht hat ein Buch mich mehr ge⸗ reizt, um meine Kenntniſſe in dieſen Wiſſenſchaften zu vermehren, und nicht leicht hat mich etwas ſo ſehr an⸗ geſpornt, mein eigenes Nachdenken in Thaͤtigkeit zu ſetzen, wie die aͤußerſt wichtige Einleitung, welche der IV— Verfaſſer jenem ſeinem Werke voranſchickt. Meiner Schwaͤche bewußt, wage ich's weder ſuͤr noch wider die dort geaͤußerten Grundſaͤtze abzuſprechen. Aber ſodjel ſcheint mir unverkennbar zu ſeyn, auf ihnen ruhet, wo nicht einzig, doch in einem bedeutenden Grade das hoͤchſte Gut des Menſchen, Freiheit. Mit jenen ſte⸗ het und faͤllt dieſe. Aus dieſem Grunde duͤrfte jene Einleitung fuͤr die ganze Menſchheit von einem hohen außerordentlichen Intereſſe ſeyn. Freilich wer blos froh iſt, ſein Futter hier auf Erden gefunden zu haben, wer ſein Weſen oder Unweſen ſo gut oder ſo ſchlecht wie es gehen will, recht nach der Weiſe der Empiriker forttreibt; wer am Zuͤgel dieſes trau⸗ rigen Gaͤngelbandes gefuͤhllos zuſehen kann, ob Recht oder Unrecht, Grundſaͤtze oder Willkuͤhr herrſchen, ob jenes Heiligthum der Menſchheit geachtet, oder ob Despotie alle Bande zerreißt, welche allein im Stan⸗ de ſind, Menſchen an Menſchen zu knuͤpfen, fuͤr den iſt ſo etwas, als wovon hier die Rede iſt, nur ein todter Buchſtabe, deſſen Sinn er nie zu faſſen vermag. Nichts weniger als Begierde zu tadeln, und die von dem Verfaſſer geaͤußerten Grundſätze nieder 48 nig G gnd Ho ſchan win acec leri3. iic ud2 4 ir unſgi teſſe — v zu reißen, nur der rege Wunſch, dieſe wo immer moͤglich aufrecht zu erhalten, das ſehnliche Verlan⸗ gen, auch ein Schaͤrflein beyzutragen, um ſie der Hauptſache und dem Weſentlichen nach, wenn's moͤg⸗ lich ſeyn koͤnnte, fuͤr alle Einwuͤrfe zu ſichern, be— wog mich, das Nachſtehende zu ſchreiben. Stimmt auch der verehrungswuͤrdige Verfaſſer mit meinen hier geaͤußerten Ideen nicht voͤllig oder vielleicht gar nicht uͤberein; nun ſo vertraue ich doch auf ſei⸗ nen Edelmuth ſo viel, er werde dem Beſtreben in einer Angelegenheit, die fuͤr die Menſchheit ſo wich. tig iſt, Grundſaͤtze, die, wenn's moͤglich waͤre, on. umſtoͤßlich ſind, aufzufinden, Gerechtigkeit wiederfah⸗ ren laſſen*). *) Dieſer Aufſatz wurde nicht geſchrieben, um ihn durch den Druck allgemein bekanut zu machen, ſondern blos um ihn der Praͤfung des Hrn. Grafen von Soden vorzulegen. Ich ſchickte dieſem das Manuſeript zu. Er legte auf meine Ar⸗ beit einen groͤßern Werth, wie ich erwartete und wie ſie wahrſcheinlich verdient. Er ermunterte mich, den Aufſatz drucken zu laſſen. Blos dieſes machte mich ſo kuͤhn, ihn auch der Beurtheilung des groͤßern Publikums vorzulegen. War es der Muͤhe werth, daß es geſchahe? wird und kann mein Bemuͤhen Veranlaſſung geben, um Wahrheit in die⸗ ſer uͤber alles wichtigen Angelegenheit zu finden, um meh— reres Licht uͤber ſie zu verbreiten? Beſſere Koͤpfe moͤgen daruͤber entſcheiden. VI Uebrigens muß ich bemerken, daß das von mir Vorgetragene nur eine Folge von denjenigen Grundſaͤtzen, welche der verewigte Kant in ſeiner Rechtslehre vortraͤgt, zu ſeyn behauptet. Habe ich dieſe unrecht verſtanden, oder ſind ſie wohl gar un⸗ richtig; ſo macht das Nachſtehende auf Haltbarkeit keine weitere Anſpruͤche. —— 5* von dem Herrn Grafen von Soden zur Begruͤndung einer National-Oekonomiekunde aufgeſtellte Grundſatz: „Strebe darnach, um ſowohl deinem Geiſte als deinem „Koͤrper den hoͤchſt moͤglichen Grad von Vollkommenheit „zu verſchaffen,“ iſt, ſo weit ich's einſehe, ein categoriſcher Imperativ, wel— chen die praktiſche Vernunft gebietet. Er iſt eben ſo, wie der Imperativ: „halte alle Vertraͤge,“ ein Poſtulat der Vernunft, welches gar nicht weiter erwieſen werden kann, und welches ich wenigſtens nicht weiter zu er— weiſen vermag. Jener Grundſatz ſetzt eine Maxime voraus, welche als ein allgemeines Geſetz fuͤr alle Menſchen gelten kann. Er ſcheint mir aber, ſo wie er dort ſtehet, blos ethiſch und nicht rechtlich zu ſeyn, blos dem Gewiſſen, nicht dem Foro anzugehoͤren. Denn Jeder muß es ohne wei—⸗ tere Deduction einſehen: daß Keinem die Befugniß zuſtehen koͤnne, irgend Jemanden, der einen freien Willen hat, zu zwingen, daß er ſich vervollkommnen, oder nur nach Ver⸗ vollkommnung ſtreben ſolle, und umgekehrt kann ich von Niemanden gezwungen werden, mich zu vervollkommnen. Hier wuͤrde aller aͤußerer Zwang ſehr am unrechten Orte an— gewandt ſeyn, indem es keiner Macht moͤglich iſt, dem, der den feſten Vorſatz faßt, ſich nicht zu vervollkommnen, dazu 3 zu noͤthigen. Ich ſoll mich alſo vervollkommnen, blos weil es jener Imperativ befiehlt, weil es Pflicht iſt, ohne auf irgend eine andere Triebfeder Ruͤckſicht zu nehmen Jener Grundſatz duͤrfte daher, ſo wie er dort ſtehet, blos der in— nern Geſetzgebung angehoͤren. Wenn nun der Verfaſſer ſagt:„Politiſch, d. h. in die⸗ „ſem ſtaatsbuͤrgerlichen Verhaͤltniſſe betrachtet, iſt „dieſe allgemeine Vervollkommnung ſo gut als das Prinzip, „auf welchem das Weltbuͤrgerrecht und die Weltbuͤrgerpflicht „ruhen, kein blos ethiſches, ſondern ein rechtliches „Prinzip,“ ſo will es mir nicht recht einleuchten, wie ein Prinzip, welches— ſobald man es ſich außerhalb eines Staats denkt— unverkennbar nur ethiſch iſt, blos durch den Eintritt in einen Staat, zu einem rechtlichen werden koͤnne. Und dabei kann ich's auch mit dieſer eben erwaͤhnten Aeußerung des Verfaſſers nicht vollkommen reimen, wenn es S. 16. heißt:„das ethiſche Prinzip der National⸗Oekono⸗ „mie, das Prinzip der Humanitaͤt ſchließt das Zwangs— „Recht aus.“ Denn iſt dieſes richtig; ſo kann es auch in einem Staate nicht zu einem rechtlichen Prinzipe umge⸗ formtiwerden, weil Recht ſtets Zwang zur Folge hat, und weil der Staat, genau genommen, gar keine Rechte ſchaffen, ſondern nur die proviſoriſch vorhandenen, durch ſeine Macht ſichern kann. Ich fuͤhle indeß dunkel, daß, auf einer Seite die Sache betrachtet, etwas wirklich Rechtliches in jenem Prinzipe liege, und daß es daher fuͤr die Menſchheit von ſehr wohlthaͤtigen Folgen ſeyn muͤſſe, wenn es zu einem recht⸗ lichen Prinzipe erhoben werden koͤnnte. Auf der andern Seite ſcheint mir aber auch etwas rein ethiſches darin zu liegen, und daß es— weil es gewiß ſtets uͤble Folgen fuͤr die Menſchheit hat, wenn der Staat rein ethiſche Pflichten erzwingen will— daher auch von den uͤbelſten Folgen ſeyn muͤßte, jenen Imperativ unbedingt fuͤr einen rechtli— chen auszugeben. Meine Ideen lieruͤber, die nur ſchlichter Menſchenverſtand hervorbrachte, and die wahrſcheinlich keine philoſophiſche Critik aushalten, ſnd folgende: Der Imperativ: Strebenach Vollkommenheit, iſt und bleibt blos ethiſch, man nag ihn außerhalb oder inner⸗ halb des Staats ſich denken. Aber er ſcheint mir— wie— derum ſowohl innerhalb als außerhalb des Staats— die gewiß nicht blos ethiſche ſondern auch zugleich rechtliche Folge zu haben, daß ich nichts unternehmen oder unterlaſſen darf, wodirch irgend einer meiner Nebenmenſchen in den Streben, in dem Fort⸗ ſchreiten zur Vollkommenheit aufgehaltenwer⸗ de. Jener Imperativ gebietet zwar blos meinem Gewiſſen mich zu vervollkommnen. Er giebt zwar ſchlechthin Nieman den das Recht in die Haͤnde, durch aͤußern Zwang mich zi meiner Bewoltomumnng zu noͤthigen— welches auch ohe— dem außer den Grenzen aller Macht liegen moͤchte.— Per weil es meine und aller Menſchen moraliſche Pflicht iſt, den hoͤchſten Grad geiſtiger und koͤrperlicher Vollkommenhit zu erringen; ſo erhaͤlt nicht blos Jeder ein vollkommnes alßeres 3 wangsr echt, von jedem neben ihm lebenden zu ordern, daß er ihn auf keine Art in ſeinen Fortſchritten zu Vervoll⸗ kommnung ſtoͤre, ſondern es liegt auch Jedem dienicht blos ethiſche ſondern auch vollkommen rechtliche Swangs⸗ pflicht ob, keinen Menſchen in den Fortſchrittn zur Ver⸗ vollkommnung zu hindern. Denn eine Marine, wornach ein Menſch den andern hindern wollte, ſich zuvervollkomm⸗ nen, die kann unmoͤglich als ein allgemeines Geſetz gelten, und wuͤrde, wenn ſie geltend gemacht werden ollte, die ganze ——— Menſchheit zerruͤtten. Ein ſolcher Zuſtand koͤnnte mit der Freiheit von Jedermann nach einem allgemeinen Geſetze un— moͤglich zuſammen beſtehen. Jeder handelt alſo gewiß un— recht, welcher ſeinen Nelenmenſchen hindert, daß er ſich vervollkommne. Jener Inperativ, in ſo fern er nicht blos ethiſch, ſondernauch rechtlich iſt, heißt alſo nunmehr: Hindere Niemanden in dem Streben und in den Fort⸗ ſchritten zur Vollkommenhät. Der Satz: ohne die Befoͤrderung des moglichſt groͤßten phyſiſchen Wohlſtandes der Menſchheit, iſt's nicht moͤglich, die groͤßte Vervollkommnung, den wahren Adel derſelben hervorzubringen, jede Abnahme des phy⸗ ſiſchen Wohlſtandes der Menſchin iſt auch zugleich ein Hinderniß ihrer Vervollkommnung, kann zwar keiner Bezweifelung unterworfen ſeyn, aber er iſt unverkennbar zur empiriſch und kann blos durch Erfahrung gefunden wer⸗ da. Ob er nun um deswillen hier verwerflich ſey? das ver— ma ich— weil ich viel zu wenig Philoſoph bin— nicht zu burtheilen. Faſt ſcheint es mir aber, daß er aus dieſem Grune nicht verwerflich ſeyn koͤnne, weil mir auch der Satz: ohne Feſthaltung der Vertraͤge kann eine menſchliche Geſellſcaft gar nicht beſtehen, in eben dem Maße blos empiriſch und dennoch zur Aufrechthaltung des categoriſchen Imperatin: erfuͤlle alle Vertraͤge, unentbehrlich iſt. Nehmeich nun dieſen zuletzt erwaͤhnten Lehrſatz als wahr und als einn ſolchen, der hier zu einer Demonſtration taug⸗ lich iſt, an; ſo duͤrfte aus dem bisher Geſagten ſolgen: 1) Nienand in der Welt hat das Recht, mich durch aͤußern Zwang zu noͤthigen, daß ich meinen phyſiſchen Wohl⸗ ſtand vermehren ſolle, und ich darf unter keiner Bedingung V iijif nur F Mi wiekt GrU billen men E1 dn hanis leicn? b komt⸗ O6G de dene n2 Anog- Vong ſche d Stal2 keitse enie auch S. — Nou ne N 8 un ag ewe hatt ſcher tder un⸗ un⸗ e ſic nicht jt ali Fort⸗ glichſt iſes bahren 3 phhe ch ein keiner fennbar en wer, aas ver⸗ — nicht dieſem ich der ſchliche e blos riſchen wahr n taug⸗ gen h darh n Woſt dinguns — 5 dieſen aͤußern Zwang egen irgend Jemand anwenden, denn nur ein inneres ethiſcher Geſetz legt uns allen die moraliſche Pflicht auf, unſer phyſiſces Wohlſeyn zu vermehren, weil wir ohne dieſes nicht im Stande ſind, unſer Ich zu dem Grade von Vollkommenheit zu bringen, zu welchem wir es billig bringen ſollten. Dagegen habe ich aber 2) das vollkommne Recht, pon allen meinen Neben⸗ menſchen zu fordern, daß ſie mir keide Hinder niſſe in den Weg legen, um mein phyſiſches Wohiſeyn zu einem hoͤ— hern Grade von Vollkommenheit zu bringen, weil dieſes zu⸗ gleich ein Hinderniß ſeyn wuͤrde, um mein Ich zu vervoll⸗ kommnen, und mir liegt aus eben dem Grunde die rechtliche Schuldigkeit ob, Niemanden eiwas in den Weg zu legen, welches die Vermehrung ſeines phyſiſchen Wohlſtandes hin— dern oder unmoͤglich machen koͤnnte. Wie außerhalb oder vor der Errichtung eines Staats die Angelegenheit der Menſchen in Ruͤckſicht ihres phyſiſchen Wohlſeyns proviſoriſch rechtlich, meinen Ideen nach, aus⸗ ſehe, das erhellet aus dem bisher Geſagten. Da nun alle Staatsgewalten ihrer innern Natur nach ihre Rechtlich— keit blos dem ſtillſchweigenden oder ausdruͤcklichen Aner— kenntniß des National-Willens zu danken haben; ſo kann auch im Staate nichts mehr und nichts weniger pexemtoriſch Rechtens ſeyn, als was es ſchon vor der Exiſtenz des Staats proviſoriſch war. Hieraus folgt, wie es mir ſcheint: 1) der Staat darf unter keiner Bedingung irgend einen Menſchen durch Zwangsmittel noͤthigen, ſeinen phyſiſchen Wohlſtand zu vermehren, oder auch nur ſeinen Unterhalt zu erwerben. Denn hierzu irgend Jemanden zu zwingen, dazu hatte weder ein Einzelner noch die Geſammtheit der Men— ſchen vor Errichtung eines Staats ein Recht. Sie konnte ſolches alſo unmoͤglich irgend Jemansen, folglich auch im Staate keiner Staatsgewalt uͤbertragen. 2) Dem Staate liegt die Pflicht ob, alle diejenigen Mittel zu ergreifen und auszafuͤhren, welche dahin zielen: daß es einem jeden Unterthen moͤglich werde, ſeinen phyſi— ſchen Wohlſtand durch ſeine Thatigkeit auf die hoͤchſt moͤg— liche Stufe von Vollcommenheit zu bringen. Er iſt daher ſchuldig a) alle Hinderniſſe aus dem Wege zu raͤumen, welche das Vermoͤgen der Unterthanen beſchraͤnken, um ihren groͤßtmoͤglichſten phyſiſchen Wohlſtand zu erreichen. V b) Poſitive Veranſtaltungen zu treffen, welche G ein weiteres Feld oͤffnen, auf dem es jedem Einzelnen V durch ſeine Thaͤtigkeit moͤglich wird, ſeinen phyſiſchen Wohlſtand zu vermehren. Denn wenn wir uns die Menſchen außerhalb eines Staats, jedoch ſaͤmmtlich von dem pflichtmaͤßigen Vorſatze, einen Staat, d. h. ein rechtliches Beyeinanderleben, begruͤn— den zu wollen, beſeelt denken; ſo lag ihnen allen die nicht G blos ethiſche, ſondern auch zugleich rechtliche Pflicht ob, in ſo weit ihre Kraͤfte hinreichten, diejenige Obliegenheit, welche ich ſo eben als Pflichten des Staats bezeichnete, zu b erfuͤllen. Thaten Einzelne dieſer Menſchen dieſes nicht; ſo legte derjenige oder diejenigen, die dieſes nicht wollten und nicht thaten, den uͤbrigen die es wollten, Hinderniſſe in den V Weg, um ihren phyſiſchen Wohlſtand zu dem hoͤchſten Grade von Vollkommenheit zu bringen, und geſchah dieſes; ſo trach⸗ teten jene darnach, dieſe zu verhindern, daß ſie ihre geiſtigen oder phyſiſchen Kraͤfte, kurz ihr Ich nicht zu der Vervoll⸗ kommnung bringen ſollten, zu welchen ſie die Natur berufen — — 7 Din hatte. Und das heißt, wie wir vorhin geſehen haben, ſie verfuhren widerrechtlich. Lag aber dem Menſchen vor Errichtung eines Staats igen den.. die nicht blos ethiſche, ſondern vollkommen rechtliche Pflicht drc ob, ſolche Einrichtungen zu treffen und zuzulaſſen, welche es nis moͤglich machten, daß jeder Einzelner unter ihnen den moͤglichſt dher groͤßten Grad von phyſiſchem Wohlſtand erreichen koͤnne; ſo mußten ſie auch dem gewaͤhlten Staatsoberhaupte eben elche dieſe Pflicht auflegen und zur Bedingung machen. Denn hren ſie waͤhlten das Staatsoberhaupt blos desfalls, damit ein vollkommen rechtlicher Zuſtand peremtoriſch unter ihnen vech moͤglich werden moͤge, vergaͤßen ſie es aber vielleicht, dem zei Staatsoberhaupte das vorhin Bezeichnete als eine Schuldig— jic keit und Pflicht vorzuſchreiben; ſo errichteten ſie keinen durchaus rechtlichen Staat, weil ſie das Staatsoberhaupt nicht zu etwas rechtlich verpflichteten, wozu ein Jeder unter eines ihnen rechtlich verpflichtet war, und weil ſonſt unter ihnen orſatze der gewiß nie rechtliche Zuſtand, daß ein Staatsbuͤrger dem beerün⸗ andern Hinderniſſe in den Weg legen duͤrfe, um ſeinen phy— e nicht ſiſchen Wohlſtand zu vermehren, fortgedauert haben wuͤrde. Pficht Sollte es vielleicht hieraus erhellen: daß alle Menſchen⸗ enheit haufen ohne Unterſchied, welche des rechtlichen Vorhabens te, zu ſind, einen Staat zu errichten, nothwendig es dem ht; ſo Staatsoberhaupte zu einer rechtlichen Pflicht machen muͤſſen: en und im Staate alle Einrichtungen zu treffen, welche es moͤg— in den lich machen, daß unbedingt jeder Einzeluer zu dem hoͤchſt n Grnh moͤglichen Grade von phyſiſchem Wohlſtande durch ſeine Thaͤtigkeit zu gelangen im Stande ſey; ſo trate deitin ſo muß nothwendig jedem Staatsoberhaupte die vollkommne Vrrul Befugniß zuſtehen, alle diejenigen Mittel zu ergreifen, d baii welche erforderlich ſind, um jene ſeine Pflicht in Ausuͤbung —y—y——— bringen zu koͤnnen, indem es ſich geradezu widerſprechen wuͤrde, irgend Jemanden eine Pflicht aufzubuͤrden, und ihm das Recht zu unterſagen, diejenigen Mittel ergreifen zu koͤn— nen, um die Erfuͤllung der Pflicht in Wirklichkeit zu ſetzen. Ich ſehe ein, wie viel die Ausuͤbung dieſes eben bezeichneten Rechts des Staats, in ſo fern deſſen Grenzen nicht uͤber— ſchritten werden, zur Vervollkommnung der ganzen menſchli— chen Geſellſchaft beyzutragen im Stande ſeyn kann. Ich werde es aber auch mehr als zu deutlich gewahr, wie leicht es eines Mißbrauchs fahig iſt, wie bequem es die Staats— oberhaͤupter zu einer Egide gebrauchen koͤnnen, um hinter denſelben ihre Tendenz zur Willkuͤhr zu verbergen, ja letztere dadurch mit einem rechtlichen Firniß, wie billig nicht der Fall ſeyn ſollte, zu uͤbertuͤnchen. Ich zittere vorzuͤglich um deswillen fuͤr jenes Recht, weil es, von einer gewiſſen Seite betrachtet, ſelbſt uͤber das Eigenthum der Einzelnen erhaben ſeyn muß. Ich begreife es daher, wie durchaus noͤthig es iſt, jenem Rechte der Staatsoberhaͤupter die beſtimmteſten Gren— zen vorzuzeichnen, ich fuͤhle es aber auch, wie ſchwer dieſes iſt, und wie wenig meine Kraͤfte hinreichen werden, um dieſe Grenzlinie ſcharf genug zu ziehen. Blos um meine Ideen fuͤr den groͤͤſſten Mißdeutungen zu ſichern, ſetze ich folgen— des hinzu: 1) Meine Abſicht iſt nicht dahin gerichtet, dem, wie es mir ſcheint, aͤußerſt verderblichen Gluͤckſeligkeits-Prinzipe zu huldigen. Ich will nicht, daß der Staat den Weibern Putz und Maͤnner, dem Juͤnglinge ſeine Geliebte, dem Manne Ehre, dem Greiſe Gold, dem Spieler Gewinn, dem Fau— lenzer Ruhe und Genuß, dem Cyniker ſeine ſchmutzige Exi— ſtenz zu verſchaffen ſich beſtreben, oder wohl gar waͤhnen ſolle, er habe ein Recht ſich zu bemuͤhen, um ſolche Zwecke zu ————— er3 nus. che2 0. dunf 17 nint! in Tr 6ol,5n ſorct ſeictt 2 ü9 b§ul0 ———;⸗——.— * — —————— 9 erreichen. Nein, meine Abſicht gehet blos dahin: alle Staatsoberhaͤupter ſollten das vollkommne Recht haben, ſol— che Vorkehrungen zu treffen, daß unbedingt jeder Unterthan einen freien Spielraum habe, und ein unbegrenztes offenes Feld vorfinde, worauf er ſeine Thaͤtigkeit— in ſo fern ſie nicht rechtswidrig iſt— ausuͤben koͤnne, um durch dieſe, alſo durch ſich ſelbſt, zu dem hoͤchſtmoͤglichſten Grade von Wohlſtand zu gelangen. Dieſer Zweck iſt gewiß weſentlich von jenem unterſchieden, ohngeachtet ſes ſehr wohl moͤglich ſeyn kann, daß ſelbſt dieſer letzterwaͤhnte Zweck, der nur zu leicht um ſich greifenden Willkuͤhr einen Vorwand leihe, um widerrechtlichen Maßregeln einen Anſctrich von Rechtlichkeit zu geben. 2) Meine Abſicht iſt nicht dahin gerichtet, dem Staats— oberhaupte die Pflicht aufzubuͤrden— folglich ihm auch kein Recht einzuraͤumen— fuͤr die Exiſtenz oder Subſiſtenz irgend eines Unterthanen, oder, wie ſich Fichte in ſeinem geſchloßnen Handelsſtaate ausdruͤckt, fuͤr das Nebenein— anderbeſtehen der Menſchen im Staate direet zu ſorgen. Denn wenn wir uns die Menſchen außerhalb eines Staats, obgleich ſaͤmmtlich mit dem rechtlichen Vorhaben beſeelt, ei⸗ nen Staat begruͤnden zu wollen, vorſtellen; ſo duͤrfte es ſchwer ſeyn, einen cathegoriſchen Imperativ zu ſinden, wel⸗ cher es dem Menſchen als eine rechtliche Pflicht auflegte, fuͤr die Exiſtenz und Subſiſtenz ſeines Nebenmenſchen— von Verhaͤltniſſen, worin Eltern gegen ihre Kinder, oder Ehegat— ten gegen einander ſtehen, und von Menſchen im Staate, welche unvermoͤgend ſind, ihren Unterhalt zu erwerben, rede ich hier nicht— Sorge zu tragen, oder das Nebeneinander⸗ beſtehen mehrerer Menſchen zu bewirken. Nein, jeder einzel— ne Menſch iſt ſchuldig, fuͤr ſeine Exiſtenz, fuͤr ſein Beſtehen 10———4³ ſelbſt zu ſorgen, er kann und darf dieſe große Laſt ſeinen Nebenmenſchen nicht aufbuͤrden. Auf dieſen kann daher un— moͤglich die rechtliche Chie und da bey beſondern Fallen viel⸗ leicht einmal eine blos ethiſche) Pflicht ruhen, dieſe ſchwere Buͤrde zu tragen. Iſt das aber richtig; ſo kann unmoͤglich die Geſammtheit einer Nation dem Staatsoberhaupte weder die Pflicht noch das Recht uͤbertragen, fuͤr die Eriſtenz, fuͤr das Beſtehen der Menſchen im Staate uͤberhaupt oder einzel— ner Klaſſen derſelben Sorge zu tragen, denn der Nation ſelbſt ſtehet weder dieſes Recht zu, noch liegt ihr dieſe Pflicht ob. Folglich ſind unbedingt alle Maßregeln des Staats, welche durch keinen andern Grund als den: daß der Staat fuͤr die Exiſtenz, fuͤr das Beſtehen vieler oder weniger Untertha⸗ nen zu ſorgen habe, motivirt ſind, unbedingt widerrechtlich. Folglich kann es rechtlich nie vertheidigt werden, wenn der Staat bemuͤhet iſt, ein Nationalkoſthaus anzulegen, um dar— aus viele oder wenige Unterthanen zu fuͤttern. 3) Liegt dieſemnach dem Staate keine Pflicht ob, fuͤr die Exiſtenz und das Beſtehen der Unterthanen direct zu ſor— gen. Sind die Maßregeln, welche er unternimmt, blos um dieſen Zweck zu erreichen, ſtets widerrechtlich; ſo muͤſſen auch alle Maßregeln, welche blos den Zweck haben, um den phyſiſchen Wohlſtand einzelner Unterthanen auf Koſten der Uebrigen zu verbeſſern, unbedingt widerrechtlich ſeyn. Sehr richtig bemerkt Kant, das Staatsoberhaupt beſitze nichts zu eigen, außer ſich ſelbſt. Die Steuern(im weit— umfaſſendſten Sinne des Worts genommen), welche die Un— terthanen ihm darbringen und darzubringen ſchuldig ſind, machen kein Eigenthum fuͤr ihn, ſondern blos ein heiliges Depoſitum aus, das blos niedergelegt wurde, damit im Staate die groͤßte Uebereinſtimmung mit Rechtsprincipien 11 moͤglich gemacht werden koͤnne. Verwendet das Staatsober⸗ haupt dieſes Depoſitum zu irgend einem andern wie zu dem bezeichneten Zwecke; ſo vergendet es widerrechtlich fremdes Eigenthum, und die Handlung laͤßt ſich, am Maßſtabe des Rechts gemeſſen— einen andern haben wir dann, wenn vom Staate die Rede iſt, nicht— auf keine Weiſe verthei— digen. Alſo alle Gelder, welche der Staat z. B. verwendet, um Fabriken aufzuhelfen, die ſind widerrechtlich verwandt. Trift ein Staat wohl gar ſolche Maßregeln, durch welche di— rect oder indirect die eine Klaſſe von Unterthanen einer an— dern Etwas entrichten muß, damit dieſe beſſer fortkommen, damit ſie ihre Exiſtenz erhalten, damit ſie beſtehen koͤnne; ſo ſpielt er ſogar die traurige und veraͤchtliche Rolle des Cris— pins. Alſo alle Kornſperren ſind durchaus und unbedingt wi⸗ derrechtlich. 4) Ich habe geſagt, der Staat ſey verpflichtet und be— rechtigt: alle Einrichtungen zu treffen, welche dahin zielen, um es moͤglich zu machen, daß unbedingt jeder Einzelner im Stande ſey, durch ſich ſelbſt und durch ſeine Kraͤfte den hoͤchſtmoͤglichen Grad vom phyſiſchen Wohlſtande zu erreichen. Waͤhlt hingegen der Staat hier einzelne Unterthanen oder eine Klaſſe derſelben aus, eroͤffnet er nur dieſen ein Feld, worauf ſie ihren phyſiſchen Wohlſtand vermehren koͤnnen, verſchließt es aber fuͤr alle uͤbrigen; ſo handelt er widerrecht— lich, denn nicht dieſe wenigen Auserwaͤhlten, ſondern unbe— dingt die ganze Nation hat dem Staate jene Rechte und Pflichten uͤbertragen. Die Nation ſagte nicht, und konnte nicht und durfte nicht zum Staatsoberhaupte ſagen: wir uͤber⸗ tragen dir das Recht fuͤr einzelne Wenige, mit Ausſchließung aller uͤbrigen, Mittel und Wege zu eroͤffnen, um ihren phyſi⸗ ſchen Wohlſtand zu vergroͤßern. Haͤtte ſie dieſes gethan; ſo 12 wuͤrde ſie vollkommen widerrechtlich gehandelt, das heißt, ſie wuͤrde eine Maxime aufgeſtellt haben, die unmoͤglich als ein allgemeines Geſetz gelten kann. Denn wuͤrde es zu einem all⸗ gemeinen Geſetz, daß der Staat bald hier bald dort einzelne Unterthanen mit Ausſchließung der uͤbrigen auswaͤhlen koͤnn— te, um blos fuͤr ihre Exiſtenz oder doch wenigſtens dafuͤr zu ſorgen, daß ſie ein Feld geoͤffnet fanden, um darauf zu ihrem phyſiſchen Wohlſtande gelangen zu koͤnnen; ſo muͤßten noth⸗ wendig am Ende Unterthanen uͤbrig bleiben, welchen es un— moͤglich wuͤrde, auch nur ihren Lebensunterhalt zu erwerben, geſchweige denn ihren phyſtſchen Wohlſtand zu dem hoͤchſtmoͤg⸗ lichen Grade von Vollkommenheit zu bringen. Hierzu ſind aber alle Menſchen durch die Natur berufen, und ſie haben die Befugniß, uͤber Unrecht ſich zu beklagen, ſo bald ihrer Thaͤtigkeit hierin irgend eine Grenze geſetzt wird. Alſo un— bedingt alle Monopole und das ganze Gilden⸗- und Zunftweſen iſt widerrechtlich. 5) Das Eigenthum und die Rechte der Einzelnen muͤſ⸗ ſen allerdings in jedem Staate das heiligſte unverletzlichſte Kleinod nicht blos in Verhaͤltniß der uͤbrigen Unterthanen, ſondern auch ſelbſt in Verhaͤltniß des Staatsoberhaupts ſeyn. Nicht blos weil es— als von welcher Ruͤckſicht hier die Rede iſt— voͤllig unmoͤglich iſt, daß, ohne vollkommne Sicher— heit des Eigenthums, die Menſchen zu dem hoͤchſtmoͤglichen Grade vom phyſiſchen Wohlſtande gelangen koͤnnen, zu wel— chem ſie von der Natur berufen ſind; ſondern auch, weil es ſich geradezu widerſprechen wuͤrde, wenn ſich die Menſchen zu Errichtung eines Staats um deswillen vereinigten, um ihre proviſoriſchen Rechte peremtoriſch durch den Staat zu ſichern, und wenn ſie in eben dieſem Staate dem Staatsoberhaupte erlauben wollten, nach Belieben Eingriffe in jenes Eigenthum ih dal Er d auhe 2 V ſhao iſr 2 in 10 Fenet G a ue do ſe m „dahi »pn ch —— und in jene Rechte zu machen. Ich hoffe es wenigſtens, daß mir hierin nicht leicht jemand widerſprechen wird. Wenn nun aber der Staat einen unverkennhar nuͤtzlichen und wohl⸗ thaͤtigen Canal oder Chauſſee anlegt; wenn er, um ein ſol— ches wahrhaft gemeinnuͤtziges— das ſetze ich voraus— Werk anlegen zu koͤnnen, mehreren oder auch vielen Eigen— thuͤmern— verſtehet ſich gegen eine hinreichende Entſchaͤdi— gung— ihr Eigenthum wegnimmt, woher komme's, daß wenigſtens der Unbefangene dadurch nicht wie durch ein Un⸗ recht, wie durch einen Raub empoͤrt wird, ſondern ſich viel⸗ mehr uͤber das Benehmen des Staats freuet, ohnerachtet es doch ſcheinbar ein Eingriff in das wohl erworbene Eigenthum iſt? Dieſes begegnet gewiß jedem mit ſchlichtem Menſchen— verſtande Begluͤckten. Er fuͤhlt es, daß in jener Handlung des Staats kein Unrecht ſteckt, ohnerachtet er ſich der Gruͤnde warum? nicht immer deutlich bewußt iſt, und ohngeachtet ihn das Zwingen, um ſein Eigenthum fahren zu laſſen, die Sache etwas zweifelhaft macht. Ich erklaͤre mir die Sache auf folgende Art. Wenn wir uns einmal eine Maſſe vernuͤnftiger Men— ſchen vor Errichtung eines Staats denken, die voͤllig friedlich ihr Eigenthum proviſoriſch unter ſich getheilt hatte, die eben im Begriff ſtand, ſich ein Staatsoberhaupt zu waͤhlen, um jenes ihr proviſoriſches Eigenthum peremtoriſch fuͤr die ganze Zukunft zu ſichern; ſo mußte jeder— wenn naͤmlich alle von der Idee und von dem feſten Willen beſeelt waren, einen vollkommnen rechtlichen Staat zu begruͤnden— zu jedem andern nothwendig ſagen:„ich erkenne zwar dein „proviſoriſches Eigenthum an und will, daß es im Staate „peremtoriſch werde. Aber minund dir liegt die rechtli⸗ „che Pflicht ob, es nicht zu verhinern, daß allen unter uns „der groͤßte der freieſte Spielraum gelaſſen werde, ihren phy⸗ „ſiſchen Wohlſtand auf die hoͤchſte Stufe von Vollkommenheit „zu bringen, weil wir im entgegengeſetzten Falle dem Stre— „ben der Menſchheit nach Vervollkommnung ein bedeutendes „Hinderniß in den Weg legen wuͤrden. Wollte ich nun dein „Eigenthum als etwas durchaus Unbedingtes dir zugeſtehen; „ſo koͤnnte es doch bei unſerm Streben nach Vollkommenheit, „welches uns ein cathegoriſcher Imperativ befiehlt, moͤglich „ſeyn, daß grade dieſes dein dir jetzt angewieſenes Eigen⸗ „thum, welches ich und wir uͤbrigen alle jetzt anerkennen, ein „unuͤberſteigliches Hinderniß waͤre, um das phyſiſche Wohlſeyn „von uns allen nicht auf die Stufe von Vollkommenheit brin— „gen zu koͤnnen, welche dann Statt haben wuͤrde, wenn dein „Eigenthum allgemeines Eigenthum der ganzen Nation ge⸗ „blieben, oder wenn es wenigſtens anders wie jetzt modificirt „waͤre. Wir koͤnnen und wollen daher dein Eigenthum nicht „ganz und gar als unbedingt anerkennen, ſondern wir „muͤſſen es uns, aus dem vorhin angefuͤhrten Grunde, vor— „behalten, daß, wenn es ſich dereinſt vielleicht einmal ergeben „ſollte, daß dein Eigenchum, blos weil es dein ausſchließliches „Eigenthum iſt, unſer aller Streben nach Vergroͤßerung des „phyſiſchen Wohlſtandes bedeutende Hinderniſſe in den Weg „legte, wir dir zwar nicht dein Eigenthum nehmen— das „wuͤrde immerhin Naub bleiben— ſondern ein anderes an⸗ „weiſen koͤnnen, welches eben ſo gut iſt, wie das dir jetzt aſ— „ſignirte.“ Wenn man anders zum Voraus ſetzt— und es muß ge⸗ wiß geſchehen, wenn von einem urvbedingt rechtlichen Staate die Rede ſeyn ſoll— daß die zanze Maſſe derjenigen Men— ſchen, welche einen Staat eruchten wollte, mit dem Vorſatze belebt war, vollkomme; rechtliche Einrichtungen darin zund dircll2 weil 21 ches? hmdi iiht d ds durch2 dmſe r umi dberh Ie hn 8 12 beiſis tion u getbi529 voleltzie ergeum auch in den n Mehl heben is 2 fena ünem 2 Räit2 vateigs hintag waͤhran 9 wußte 15 uyy⸗ zu treffen, ſo war jeder Einzelner rechtlich verpflichtet, enheit die eben erwaͤhnte Sprache gegen jeden Einzelnen zu fuͤhren, Stte⸗ weil ohne dieſer dem Streben nach Vervollkommnung, wel— endes ches ein cathegoriſcher Imperativ beſiehlt, ein bedeutendes deirn Hinderniß in den Weg gelegt ſeyn wuͤrde. Wenn dieſes aber hen; richtig iſt, und das Staatsoberhaupt wurde nun erwaͤhlt, um eit das proviſoriſche Eigenthum eines jeden Einzelnen peremtoriſch lich durch ſeine unwiderſtehliche Macht zu ſichern; ſo wurde auch . demſelben von der Nation keinesweges aufgetragen— nur in vermoͤge eines Auftrags der Nation kann aber ein Staats— n oberhaupt Rechte und Pflichten erhalten— das Eigenthum n⸗ eines jeden Einzelnen als etwas ganz und gar Unbeding⸗ ein tes zu betrachten, ihn in alle Ewigkeit hin unbedingt da— ge⸗ bei zu ſchuͤtzen, ſondern mit der fuͤr die ganze Maſſe der Na— eirt tion ſo aͤußerſt wichtigen Modification, daß jeder ſein ihm an— ht gewieſenes Eigenthum alsdann gegen ein hinreichendes Equi⸗ wie valent wieder abtreten muͤſſe, wenn es ſich uͤber kurz oder lang ot⸗ ergeben wuͤrde, daß dieſes Eigenthum von der ganzen oder gen auch einem Theile der Nation zu einem Mittel gebraucht wer⸗ ſes den koͤnne, um damit den phyſiſchen Wohlſtand Aller oder s Mehrerer zu einer hoͤheren Stufe von Vollkommenheit er— 9 heben zu koͤnnen. Iſt dieſes aber richtig; ſo leuchtet es von 6 ſelbſt ein, daß und warum das Privateigenthum der Unter⸗ u⸗ thanen nichts voͤllig Unbedingtes ſeyn koͤnne, daß und warum n 5 einem jeden Staatsoberhaupte die Pflicht obliegen und das Recht zuſtehen muͤſſe: einem jeden Unterthan dann ſein Pri⸗ gu vateigenthum zwar nicht wegzunehmen, ſondern gegen ein aate hinreichendes Equivalent zu vertauſchen, ſobald der ebener⸗ dene waͤhnte Fall eintritt. ſaze So ſtellte ich mir die Sache jedoch mit dem vollen Be⸗ wußtſeyn vor, wie leicht es moͤglich ſeyn koͤnne, daß ich ſie —— 16— von einer unrichtigen Seite anſah, oder wenigſtens, daß die obige Entwickelung die Sache noch nicht hinreichend erſchoͤpft und beſtimmt. Es ſcheint mir indeß, daß das bisher Geſagte zur Er— laͤuterung und Beantwortung 1) der Frage: in wie fern iſt der Staat rechtlich befugt, ſich um das Eigenthum der Einzelnen im Staate zu bekuͤm— mern und ihm Schranken zu ſetzen? wenigſtens etwas bei— tragen koͤnne. Es duͤrfte naͤmlich ſo viel daraus erhellen, daß dem Staate die vollkommne Befugniß zuſtehe, alsdann dieſem Privateigenthume Schranken zu ſetzen, wenn es un— verkennbar gewiß iſt: daß dadurch der ganzen, oder auch ei— nem bedeutenden Theile der Nation die Mittel und Wege ver— ſperrt werden, ihren phyſiſchen Wohlſtand zu einem groͤßern Grad von Vollkommenheit zu bringen. Kaum braucht es aber erinnert zu werden, daß derjenige, welcher auf irgend eine Art durch die Maßregeln des Staats etwas verliert, nothwendig eine vollſtaͤndige Entſchaͤdigung erhalten muͤſſe, weil ſonſt der Staat augenfaͤllig widerrechtlich handeln duͤrfte. Ob es uͤbri⸗ gens aber nicht außer den angegebenen noch andere Faͤlle geben koͤnne, welche nicht unter dieſe Cathegorie paſſen und wo dennoch der Staat rechtlich befugt ſey, das Eigenthum den Einzelnen zu entnehmen oder ſolches zu beſchraͤnken, dar⸗ uͤber wage ich nichts zu entſcheiden, ohnerachtet es mir bis da— hin nicht hat gluͤcken wollen, irgend einen andern Fall der Art auffinden und aus Rechtsprincipien herleiten zu koͤnnen. So wie indeß das vorhin von mir Vorgetragene vielleicht etwas zur Erlaͤuterung der obigen Frage beitragen koͤnnte; eben ſo kann ſolches auch 2) dahin fuͤhren, um die Frage: worin beſtehet der Zweck der Staaten? und kann allgemeine Gluͤckſelig⸗ zisn föa 112 StNd ben d ſoll— Sun 8 emor Glüs uito 6 3 unn fich G der n haun n b zuge ne Necd zu eher. Staa3. tiv, Un i ufſn e dech 8 Grundg z egn. * ligtet Deng begr worah beſte ſin —— 17 h keit als ein ſolcher aufgenommen werden? beantworten zu koͤnnen. 1. Will man diejenige Pflicht und dasjenige Recht des 8 Staats, welches ich vorhin aus Rechtsprincipien zu deduciren ja bemuͤhet war, vom Rechte— wie jedoch billig nicht geſchehen 3 ſollte kee trennen und behaupten, weil jenes Pflicht des 4 Staats ſey, und weil dadurch wenigſtens allgemeiner Wohl⸗ bii ſtand moͤglichſt verbreitet wuͤrde, alſo ſey allgemeine len Gluͤckſeligkeit Zweck des Staats; ſo duͤrfts, wenn nun uin nicht noch mehrere Rechte dem Staate eingeraͤumt wer— 8 nae den ſollen, alles auf einen Wortſtreit hinaus laufen. Sehr u e fuͤrchte ich indeß, diejenigen, welche den letzterwaͤhnten Zweck Fede der Staaten annehmen, werden und muͤſſen den Staatsober⸗ goöͤhern haͤuptern noch mehrere Rechte, wie vorhin geſchehen iſt, 6 zugeſtehen. Vermoͤgen ſie es, ſolche insgeſammt aus nd eine Rechtsprinzipien herzueiten, dann kann dabei nichts eai zu erinnern ſeyn. Aber den Schuh umzukehren, fuͤr die eil ſouſt Staatsoberhaͤupter einen vermeinten cathegoriſchen Impera⸗ ei llri tiv, naͤmlich den te Fäll verbreitet in euren Staaten allgemeine Gluͤckſeligkeit, ſſen und aufzuſtellen, und darauf die Deduction ihrer Pflichten und genthum Rechte zu gruͤnden, das ſcheint mir ohne hinreichenden en, dau— Grund und fuͤr die Menſchheit von den uͤbelſten Folgen zu bis da⸗ ſeyn. 131 Fall der Die Maxime: verbreite allgemeine Gluͤckſe⸗ leiten ligkeit, kann ſchwerlich als ein allgemeines Geſetz gelten. etragene Denn da die allgemeine Gluͤckſeligkeit nur aus dem In⸗ eitrahen begriff der Gluͤckſeligkeit aller Individuen, woraus das Allgemeine zuſammengeſetzt iſt, thet der beſtehen kann, und da gewiß jedes jener Individuen kſelig ſeine Gluͤckſeligkeit in etwas andern und verſchiedenen ſetzt; 2 ————— 18 ſo wuͤrde jener vermeinte Imperativ der Sache nach ge⸗ bieten: Suche es zu befoͤrdern, daß ein jeder einzelner Menſch dasjenige erreiche, worin er ſeine Gluͤckſeligkeit ſetzt. Auf den erſten Blick muß es aber Jeder, welcher uͤber die Sa— che nachdenkt, finden, daß eine ſolche Maxime unter keiner Bedingung zu einem cathegoriſchen Imperative, zu einem allgemeinen Geſetze erhoben werden duͤrfe, ja daß, wenn es geſchahe, alle Moral und alles Recht dadurch ganz und gar zertruͤmmert werden wuͤrde. Denn auf dieſe Art muͤßte es ethiſche und rechtliche Pflicht ſeyn, dem Spieler ſeinen Ge— winn, dem Wolluͤſtling die Befriedigung ſeiner Leidenſchaft, dem Faulenzer ſeine arbeitsloſen Tage, dem Naͤuber ſeinen Raub u. ſ. w. wo immer moͤglich zu verſchaffen, weil alle dieſe Menſchen in der Befriedigung dieſer eben ſo unmorali— ſchen als rechtswidrigen Leidenſchaften den hoͤchſten Grad ihrer Gluͤckſeligkeit ſetzen, und weil es mir unmoͤglich zu ſeyn ſcheint, von Jemanden, welcher allen Laſtern und rechtswidrigen Hand⸗ lungen der Menſchen, worin dieſe ihre Gluͤckſeligkeit ſetzen, entgegen arbeitet, mit Grunde behaupten zu koͤnnen: er be⸗ muͤhe ſich, allgemeine Gluͤckſeligkeit in der Welt zu verbreiten; da er in Wahrheit der allgemeinen Gluͤckſelig⸗ keit geradezu entgegen arbeitet, und hoͤchſtens die Gluͤckſelig— keit der immer ſehr duͤnn geſaͤeten tugendhaften und rechtlich handelnden Menſchen durch ſein Benehmen befoͤrdert. Es duͤrfte daher vollkommen klar ſeyn, die Marime: verbreite allgemeine Gluͤckſeligkeit unter den Menſchen, oder auch: verhindere Niemanden an der Befriedigung deſſen, was er fuͤr ſeine Gluͤckſeligkeit haͤlt, kann unmoͤglich weder als ein ethiſches noch als ein rechtliches 61 uTta ſum 30 2 dilles sn in deS ß iu f tbetn ſd aa 3 t [vi. los it V 6g h Gſt k detn a fe g b ga b A ni enge gak e es Ge⸗ haft, einen lalle norali⸗ ihrer cheint, Hand⸗ ſeben, er be⸗ elt zu fſelig⸗ ſelig⸗ htlich ge: nſchen, n, bes cich 19 Geſetz gelten. Der Menſch lebt wahrlich nicht in der Welt, um dem nachzujagen, was er fuͤr ſeine Gluͤckſeligkeit haͤlt, ſondern um das zu thun, was ihm Pflicht unbedingt gebietet. Iſt dieſes aber richtig, dann konnte und durfte ein Volk, welches im Begriff ſtand, durch Errichtung eines Staats ein rechtliches Zuſammenleben moͤglich zu machen, dem Staatsoberhaupte unmoͤglich als rechtliche Pflicht etwas uͤbertragen, was geradezu gegen ihrer Aller Pflichten lief, und geſchah das nicht; ſo kann und darf ſich kein Staats— oberhaupt das Recht anmaßen, Maßregeln blos unter dem Vorwande zu treffen, weil dadurch die allgemeine Gluͤck⸗ ſeligkeit ſeines Staats oder ſeines Volks befoͤrdert werden wuͤrde. 3 Wollte man gegen das bisher Geſagte vielleicht einwenden: es ſey keine wahre, ſondern nur eine vermeinte Gluͤckſeligkeit, wenn der Laſterhafte und geſetzwidrig han— delnde Menſch ſolche in die Befriedigung ſeiner Leidenſchaften ſetzte, folglich verbreite der Menſch und dasjenige Staats— oberhaupt, welches Laſter und rechtswidrige Handlungen zu be⸗ kaͤmpfen ſuchte, doch immer mehr allgemeine Gluͤckſeligkeit, als wenn es Jedermans Gluͤckſeligkeit zu befoͤrdern ſich beſtrebte; ſo duͤrfte es doch noͤthig ſeyn, dagegen folgendes zu erwaͤgen: a) Daß wirklich dadurch, wenn ein Staatsoberhaupt bemuͤhet waͤre, den unmoraliſchen und geſetzwidrigen Hand— lungen der Unterthanen entgegen zu arbeiten, eine allge— meinere Gluͤckſeligkeit wuͤrde verbreitet werden, als wenn er bemuͤhet waͤre, das, was jeder Einzelner fuͤr Gluͤckſeligkeit haͤlt, folglich alle Laſter und geſetzwidrigen Handlungen, moͤg— lichſt ins Werk zu richten, das ſcheint mir keinesweges der Fall zu ſeyn. Gluͤck und Ungluͤck hienieden in der Welt iſt etwas durchaus Relatives und Individuelles. Es iſt nicht moͤg⸗ —— 20— lich, daß auch nur zwei Menſchen darin, was ſie fuͤr ihr Gluck halten, uͤbereinſtimmen koͤnnen. Aller Streit und alle Be— lehrung daruͤber, was wahre Gluͤckſeligkeit ſey, muß aufhoͤren, und kann unter keiner Bedingung auf eine conſequente Art gefuͤhrt werden. Denn wenn auch der Moraliſt, welcher aus dem Gluͤckſeligkeitsprinzip den laſterhaften Wolluͤſtling zu be— kaͤmpfen bemuͤhet iſt, noch ſo deutlich erwieſe, er wuͤrde nur wenige Jahre oder Monate auf dem angefangenen Wege fort⸗ gehen und mehr als ein halbes Jahrhundert leben, folglich die Summe ſeiner Gluͤckſeligkeit ſehr vergroͤßern koͤnnen, wenn er ſeine Leidenſchaften bekaͤmpfte, und der Wolluͤſtling antwortete auf dieſes Geſchwaͤtz: ich finde bey weitem ein groͤßeres Maß von Gluͤckſeligkeit darin, wenn ich auch nur ſechs Wochen allen meinen Leidenſchaften den Zuͤgel ſchießen laſſen kann, als wenn ich ein Jahrhundert hindurch dieſe be— kaͤmpfen und mir eben dadurch Gewalt anthun ſoll; ſo ſehe ichs nicht ein, was darauf geantwortet werden koͤnnte. Ich muß daher dafuͤr halten, daß Gluck und Gluͤckſeligkeit der Menſchen hienieden auf Erden etwas durchaus Unbeſtimmba⸗ res iſt, welches ſich blos nach einem jeden Individuc noth⸗ wendig modeln muß. Wollte ich nun auch nicht behaupten, daß die Summe der Laſterhaften und der geſetzwidrig han— delnden Menſchen groͤßer ſey, als die Summe derjenigen, welche tugendhaft und geſetzmaͤßig handeln; ſo duͤrfte doch die Summe der unmoraliſchen und geſetzwidrigen Handlungen groͤßer unter den Menſchen ſeyn, wie die Summe der tuͤgend⸗ haften und geſetzmaͤßigen. Da nun jede Ausuͤbung von Pflicht eine Muͤhe, eine gewiſſe Ueberwindung und Bekaͤm— pfung von entgegen ſtrebenden Leidenſchaften mit ſich fuͤhrt, da es ferner ſchwerlich behauptet verden kann, derjenige, wel— cher der Menſchen Muͤhe und Bekaͤmpfung deſſen, worin ſie b V b mt 6Gi lſchts neh git ner S obe u In ol- a ni dad G Unshe ror id Gos ſt un 23 rg 2. meih diede 2 nichag 21 ihre Gluͤckſeligkeit ſuchen, befiehlt, befoͤrdere dadurch ihre zeitliche(die ewige iſt dem Staate ganz fremd) Gluͤckſeligkeit, und da die Summe der Kaͤmpfe, welche die Menſchen an— wenden muͤſſen, um tugendhaft und geſetzmaͤßig zu handeln, die Summe der Freuden und Vergnuͤgungen, welche ſie da— durch, daß ſie ihren Leidenſchaften den Zuͤgel ſchießen laſſen, hier auf Erden zu genießen haben, bei weitem uͤberwiegen moͤchte; ſo ſcheint es mir auch klar zu ſeyn, daß dasjenige Staatsoberhaupt, welches bemuͤhet iſt, die Summe der mora⸗ liſchen und rechtlichen Handlungen der Staatsbuͤrger zu ver— mehren, keinesweges allgemeine Gluͤckſeligkeit ver⸗ groͤßerte, ſondern ſie augenſcheinlich verminderte. Hier koͤn— nen alſo nur zwey Falle eintreten. Entweder die Staats— oberhaͤupter ſind ſchuldig, allen Laſtern, allen Leidenſchaften und allen geſetzwidrigen Handlungen, nicht nur freien Lauf zu laſſen, ſondern ſogar von Oben herab zu befoͤrdern, um dadurch eine allgemeine Gluͤckſeligkeit unter ihren Unterthanen zu verbreiten, oder— wenn jenes, wie Jeder von ſelbſt einſiehet, unmoͤglich Statt haben kann— das ganze Gluͤckſeligkeitsprincip muß unbedingt aufgegeben werden, und iſt als Zweck der Staaten durchaus unhaltbar. Doch geſetzt b) es ſey richtig, daß nur durch die maͤchtigſte Befoͤrde⸗ rung der Moralitaͤt und Legalitaͤt der Menſchen eine allge— meine Gluͤckſeligkeit verbreitet werden koͤnne; dann wuͤrde die Maxime 4 verbreite allgemeine Gluͤckſeligkeit— nichts weiter heißen, als, bemuͤhe dich, Moralitaͤt und Legalitaͤt allgemein zu ver— breiten, weil nur hierdurch eine allgemeine Gluͤckſeligkeit moͤglich ge— macht verden kann. Jene Maxime wuͤrde ſich alſo in dieſe 8 22—— aufloͤſen. Nun ſcheint es mir zwar, daß es beſtimmter und allerdings der Lage der Sache angemeſſener ſeyn wuͤrde, wenn man behauptete, der Zweck der Staaten beruhe in der allgemeinſten Verbreitung der Moralitaͤt und Legalitaͤt unter den Staatsbuͤrgern, als wenn man behauptet, allgemeine Gluͤckſeligkeit ſey Zweck der Staaten, denn durch den zuerſt behaupteten Zweck wuͤrde doch etwas mehr die unbedingte Willkuͤhr, wel— cher bey dem letztern Thuͤr und Thor geoͤffnet wird, beſchraͤnkt. Aber es muß nothwendig hierbey noch erwogen werden, daß Moralitaͤt unmoͤglich anders als durch Belehrung und Ueber⸗ zeugung hervorgebracht werden kann, daß es voͤllig unthun⸗ lich iſt, durch Geſetze und durch Gewalt zu bewirken, daß die bloße Idee der Pflicht die einzige Triebfeder der Handlun⸗ gen der Menſchen werde, daß es vor Errichtung eines Staats gewiß keinesweges eine rechtliche, ſondern eine blos ethi⸗ ſche Pflicht der vorhandenen Menſchen war, um zu bewirken, daß durch Beiehrung und Ueberzeugung moraliſche Handlun⸗ gen der uͤbrigen Menſchen hervorgebracht werden moͤchten, und daß alſo dem erwaͤhlten Oberhaupte weder eine rechtli⸗ che Pflicht, noch eine rechtliche Befugniß eigentlich uͤber⸗ tragen werden konnte: die Summe der moraliſchen Hand— lungen im Staate zu vergroͤßern und zu verbreiten, weil we— der jene Pflicht noch jenes Recht auf der vorhandenen Men⸗ ſchenmaſſe ruhete. Wurde aber dem Staatsoberhaupte bey Er⸗ richtung des Staats weder die Pflicht noch das Recht uͤbertra⸗ gen, Moralitaͤt allgemein und am wenigſten durch Zwang zu verbreiten; ſo kann unmoͤglich eben dieſe Verbreitung der Mo— ralitaͤt als ein directer Zweck der Staaten angeſehen werden. Folglich bleibt von der vorhin aufgeſtellten Maxime nichts wie — — — — — iſ,an ent aen ſien bu legenast ſäſ An en duchSnn fendn e ehtant ethiſch ſen ian 8 waru d — 23 und die Legalitaͤt uͤbrig, und ſolglich duͤrfte es immer mit Kant venn als richtig angenommen werden koͤnnen, daß nur die groͤßtmoͤglichſte Uebereinſtimmung der Ver⸗ faſſung mit Rechtsprincipien der einzig moͤgliche Zweck der Staaten ſey. So viel ſehe ich indeß ein, koͤnnte und wollte ich anneh⸗ glitat keit men, die vor Errichtung des Staats vorhandene Menſchen⸗ eten maſſe habe die ihr obliegende blos ethiſche Pflicht: Mora⸗ vel⸗ litaͤt durch Belehrung und Unterricht ſo allgemein als moͤglich akt. zu machen, ihrem Souveraͤn mit zu ſeiner Regentenpflicht daß gemacht; ſo wuͤrde dem Staatsoberhaupte unverkennbar die ber⸗ vollkommne Befugniß zuſtehen— nicht die Unterthanen zu hun⸗ moraliſchen Handlungen zu noͤthigen, denn wer ſo etwas be⸗ ß die hauptet, der widerſpricht ſich ſelbſt, ſondern— Lehr— und Schulanſtalten anzulegen, damit durch Belehrung und Unter⸗ taats richt Moralitaͤt ſo viel als immer moͤglich iſt, unter den Un⸗ ethi terthanen verbreitet werden moͤge. Ob es uͤbrigens erlaubt iſt, jene Fiction hier anzunehmen, daruͤber wage ich nicht zu dlun⸗ irken, din⸗ entſcheiden. So viel ſcheint mir indeß klar zu ſeyn: Wider⸗ thten, ſtreitet wirklich jene Fiction auf keine Art der Vernunft; tli⸗ ſo laͤßt ſich daraus das Recht des Staats: Schulen anzu⸗ bet⸗ legen, die Unterthanen zu noͤthigen, ihre Kinder dahin zu and⸗ ſchicken, ſie deshalb zu beſteuern, und uͤberhaupt Maßregeln we zu treffen, welche der Immoralitaͤt— in ſo fern ſich dieſe Ren⸗ durch aͤußere, wenn gleich dem Rechte nicht zuwider lau⸗ vEr fende, Handlungen an den Tag legt— ſo viel als thunlich denr entgegen wirken, und es befoͤrdern koͤnnen, daß ſelbſt blos ng zu ethiſche Pflichten allgemeiner ausgeuͤbt werden, am leichte⸗ e Nr⸗ ſten herieiten und deduciren. rader Bis dahin habe ich wenigſtens keinen Grund gefunden, sn warum es nachtheilige Wirkungen haben koͤnne, wenn man 24 9⸗ 7 annimmt, das eben erwaͤhnte Recht ſey den Staatsoberhaͤup⸗ tern anvertrauet. Denn wenn es gleich— wie Hr. Hof— rath Luͤder zeigt— nicht uͤber allen Zweifel erhaben iſt: ob's nicht beſſer ſey, wenn Lehranſtalten den Staatsoberhaͤup⸗ tern nicht anvertrauet waͤren; ſo glaube ich, lehrt doch die Geſchichte wenigſtens ſo viel, daß durch dieſe von den Staats⸗ oberhaͤuptern angeordneten Lehranſtalten eine ſo große Maſſe von Wohlthaten uͤber das ganze menſchliche Geſchlecht ver— breitet iſt, daß es ſtets ſehr problematiſch bleiben duͤrfte, wel⸗ cher von den beyden Wegen, der bisher beobachtete, oder aber der von dem Hrn. Hofrath Luͤder vorgeſchlagene, von beſſeren oder uͤblern Folgen fuͤr die Menſchheit ſeyn werde. Auch ſo viel duͤrfte unverkennbar ſeyn, daß jene Fiction dem obigen von mir nach Kant angenommenen Zwecke der Staa⸗ ten nicht blos nicht widerſtreite, ſondern auch zur Erreichung deſſelben kraͤftig mitwirke. Denn jemehr die Summe der wahrhaft moraliſchen Handlungen im Staate vermehrt wird, um deſto groͤßer iſt auch gewiß die Summe der blos rechtli— chen. Es kann daher um ſo weniger etwas dabey zu erinnern ſeyn, die obige Fiction anzunehmen. Ja es laͤßt ſich nicht ohne Schein behaupten: daß, weil die groͤßtmoͤglichſte Ueber— einſtimmung der Verfaſſung mit Rechtsprincipien Zweck der Staaten ſey, und weil dann, wenn das Staatsoberhaupt alle zweckmaͤßigen Mittel anwendet, um Moralitaͤt unter den Menſchen zu verbreiten, dadurch jener Staatszweck zwar nicht direct aber doch indireet werde befoͤrdert werden, aus jenem Zweck das Recht der Staaten, Lehranſtalten anzulegen und uͤberhaupt der Immoralitaͤt der Menſchen entgegen zu arbeiten, hergeleitet werden koͤnne. Das Reſultat von dem bisher Geſagten beſtehet darin, 1) daß der Zweck der Staaten in der groͤßtmoͤglichſten Ueber— intilt dolt ſend t untet t achte’n zue b uasi her de as ein de 79 un 221 Piem geſttel) Pliche ſchi danity⸗ Nahns dan. zuen bem —— einſtimmung der Verfaſſung mit Rechtsprincipien beſtehe, Hof 2) daß, wer dafuͤr haͤlt, dieſer Zweck'ey noch nicht umfaſ⸗ ni. ſend genug, allenfalls den hinzuſetzen koͤnne, Immoralitaͤt tſaun unter den Menſchen ſo ſelten als moͤglich zu machen, ohnge— ui achtet dasjenige Staatsoberhaupt, welches ſich den ſerſten Aaatä Zweck recht unverruͤckt vorſetzt, ſchon von ſelbſt den letztern Naſe zu erreichen ſich beſtreben wird, um jenen Hauptzweck in ei— t ven ner deſto groͤßeren Vollkommenheit zu erreichen. Daß aber vel⸗ 3) unter keiner Bedingung allgemeine Gluͤckſeligkeit dder als ein Zweck der Staaten aufgeſtellt werden duͤrfe. Selbſt von. der Hr. Graf von Soden, deſſen Scharfſinne es an mehre⸗ verde. ren Stellen ſeiner National⸗Oeconomie nicht entgangen iſt, n dem daß Befoͤrderung der allgemeinen Gluͤckſeligkeit unmoͤglich Staa⸗ Zweck der Staaten ſeyn koͤnne, redet demſelben dennoch an ichung einer Stelle das Wort, indem er ſagt: ne der„Die Staatswirthſchaft, als mit Zwangs⸗Recht verbun⸗ widd,„dene Pflicht, iſt eine Staats-Gewalt, und in dieſem rechtli„Sinne kann man das rechtliche Daſeyn einer innern„begluͤckenden Gewalt keinesweges beſtrei⸗ nicht„ten.* Ueber, Wie es mir ſcheint, ſo folgt aus den von dem Verfaſſer auf— k der geſtellten Grundſaͤtzen weiter nichts, als daß dem Staate die aupt Pflicht ohliege, und folglich auch das vollkommne Zwangsrecht den zuſtehen muͤſſe: eine jede Veranſtaltung im Staate zu treffen, war damit jeder Unterthan den hoͤchſtmoͤglichen Grad vom phyſi— aus ſchen Wohlſtande durch ſeine Thaͤtigkeit zu erreichen im Stan⸗ legn de ſey. Soll dieſes nun eine begluͤckende Gewalt ge⸗ en z nannt werden, und will man ſolche nicht weiter ausdehnen, dann finde ich, wie ſchon oben geſagt iſt, nichts weiter dabey dnii zu erinnern, weil ich uͤber Worte nicht ſtreiten mag. Allein pnber bemerken muß ich doch, a) daß ſich ein Staat recht gut denken 26— laͤßt, worin das Staatsoberhaupt jene ſeine Pflicht auf das vollkommenſte erfuͤllt, ja, worin die Nation den hoͤchſtmoͤgli⸗ chen Grad vom phyſiſchen Wohlſtande erreicht haͤtte, worin aber dennoch keine allgemeine Gluͤckſeligkeit anzu⸗ treffen waͤre, und bey weitem der groͤßere Theil von Indi— viduen in einem hohen Grade ungluͤcklich lebte. Denn ohn— geachtet phyſiſcher Wohlſtand unverkennbar ein aͤußerſt ſchaͤtz⸗ bares Mittel iſt, um gluͤcklich leben zu koͤnnen: ſo iſt und bleibt es doch nur ein Mittel, das fuͤr ſich allein den Zweck, naͤmlich Gluͤckſeligkeit, nie zu Wege bringt. Wahre Weisheit muß nothwendig hinzukommen, wenn jenes Mittel tauglich ſeyn ſoll, um dieſen Zweck zu erreichen. Sonſt wird es— wie die taͤgliche Erfahrung zur Genuͤge lehrt— nur ein zweyſchneidiges Schwerdt in den Haͤnden eines Wahnſin⸗ nigen. Welch eine uͤbergroße Anzahl von Menſchen wurde und wird taglich blos um deswillen hoͤchſt ungluͤcklich, weil ſie ſich im Beſitze großer Gluͤcksguͤter befand und befindet! Wer alſo phyſiſchen Wohlſtand ſynonim mit Gluͤckſeligkeit haͤlt, der vermiſcht Mittel und Zweck, und thut gewiß nicht wohl, wenn er dieſe ganz verſchiedene Begriffe mit ein und demſelben Ausdrucke bezeichnet. Eben ſo wenig und noch weniger duͤrften— wie es von dem Verfaſſer§. 7. geſchiehet— Begluͤckung und Ver⸗ vollkommnung hies als ſynonim behandelt werden. Es leuchtet von ſelbſt ein, daß derjenige Menſch, welcher wahr— haft an ſeiner Vervollkommnung akbeitet, eigentlich damit anfangen muß, wo nicht auf alle Begluͤckung zu verzichten, doch gewiß nie eine Handlung zu unternehmen oder zu unter⸗ laſſen, um ſich dadurch zu begluͤcken, ſondern blos um das zu thun, was die Pflicht gebietet. Fuͤhlt er ſich hier⸗ durch gluͤcklich: ſo iſt das eine geſegnete Folge ſeines Ringens 327 nach Vollkommenheit. Aber wird ſelbſt dieſe— wenn ich mich ſo ausdruͤcken darf— edlere Art von Begluͤckung das Ziel, wornach er ſtrebt, erfuͤllt er das, was Pflicht gebietet, nicht blos weil ſie es gebietet, ſondern weil ihm die Pflicht— erfuͤllung Begluͤckung gewaͤhrt: ſo verlieren alle ſeine Hand— lungen den ethiſchen Werth, und das Ziel, wornach er ſtrebt, näͤnilich Vervollkommnung, kann auf dieſem Wege nie er— reicht werden. Alſo Begluͤckung und Vervollkommnung koͤn⸗ nen und duͤrfen in Ruͤckſicht einzelner Menſchen nie als ſyno— nim behandelt werden, und eben ſo wenig in Ruͤckſicht des Zwecks der Staaten. Denn dasjenige Staatsoberhaupt, welches ſich zum Zweck ſetzte: alle ſeine Unterthanen zu dem hoͤchſtmoͤglichſten Grad von Vervollkommnung gelangen zu laſſen, das waͤrde zwar dasjenige, was ich mir als Zweck der Staaten denke, ſehr wohl erreichen koͤnnen, aber es wuͤrde, wie es mir ſcheint, der Begluͤckung der Unterthanen eben ſo taͤglich entgegen arbeiten muͤſſen, wie dieſes dasjenige Indi— viduum thun muß, welches wirklich bemuͤhet iſt, um ſich ſelbſt zu vervollkommnen; aber wenigſtens duͤrfte Begluͤckung dann nie das Ziel ſeyn, wornach das Staatsoberhaupt ſtrebte, weil eben dadurch dasjenige der Vervollkommnung zernichtet werden muͤßte. Koͤnnte und wollte man aber auch b) Vervollkommnung, phyſiſchen Wohlſtand und Gluͤck⸗ ſeligkeit der Unterthanen in dieſer Ruͤckſicht als ſynonim be— trachten, dann moͤchte ich doch, um das Wohl der Menſch— heit willen, weit eher rathen, zu behaupten: der Zweck der Staaten ſey Befoͤrderung des phyſiſchen Wohlſtandes, oder auch Vervollkommnung der Unterthanen, als Befoͤrderung der allgemeinen Gluͤckſeligkeit. Denn bey jenen Ausdruͤcken kann ſich doch Jeder etwas Beſtimmtes denken, ſie ſind un— verkennbar keinen groben Mißdeutungen unterworfen, und 28 ſie bleiben, ſobald man ſie auf noch ſo viele Individua an⸗ wendet, immer ein und dieſelben. Der Letztere hingegen iſt und bleibt hoͤchſt ſchwankend, und beſtimmt ſich nach den Nei⸗ gungen, Charakter und Temperament eines jeden Individui ganz verſchieden, ſo daß er auch nicht einmal bey zweyen In- dividuis ein und derſelbe Begriff bleiben kann. Sitzen edle Menſchen am Kuder der Staaten, dann wird freilich, wenn ſie auch Gluͤckſeligkeit als Zweck der Staaten betrachten, und wenn ſie ihn auch unablaͤſſig zu erreichen bemuͤhet ſind, den⸗ noch alles im Staate wohl ſtehen. Aber dem Despotismus wird jener Zweck ſtets eine Bruſtwehr bleiben, hinter wel— cher er auch die grauſamſten Handlungen und Maßregeln aus⸗ zuuͤben und auf die glaͤnzendſte Art zu vertheidigen vermag. Dieſem aber aus allen Kraͤften entgegen zu arbeiten, das ge⸗ bietet die Vernunft. Der Hr. Graf von Soden faͤhrt in jener Stelle ſo fort: „Sie(ſo weit ich's verſtehe, die begluͤckende Ge⸗ „walt) liegt als Pflicht des ſtaatsbuͤrgerlichen Men⸗ „ſchen in ſeinem Willen, den er durch ſeinen geſetz⸗ „gebenden Repraͤſentanten erklaͤrt, und durch ſeine voll— „ziehenden in Ausuͤbung bringen laͤßt. So wie dieſer „Wille, als Wille zum geſelligen Verein, alle Ruͤckſich— „ten auf das Selbſt des Einzelnen ausſchließt; ſo muß „er ſie auch als weltbuͤrgerlichen Willen ausſchließen.“ Ich bemerke deshalb Folgendes: a) Jeder einzelne ſtaatsbuͤrgerliche Menſch hat aller— dings den Willen, ſich zu begluͤcken. Es ſoll und muß ferner der Wille aller Menſchen durch das Pflichtgeboth be⸗ ſtimmt werden. Aber ich kann mir keinen deutlichen Begriff davon machen, was damit geſagt ſeyn ſoll, wenn es hier DA non diih w u ſtnan fantse knD 7 A.S dG irge L aupi. Sas ſchn negt 29 na an⸗ heißt: die begluͤckende Gewalt laͤge als Pflicht in dem gen iſ Willen des Staatsbuͤrgers. Es ſcheint mir ferner dieſe ihe Stelle unvermerkt auf die Idee zu leiten, als wenn die wüͤ Staatsbuͤrger allen ihren Willen, oder beſtimmter, alle 1 In ihre Wuͤnſche— folglich auch den ſich zu begluücken— ih- nele rem Repraͤſentanten, dem Staatsoberhaupte, uͤbertragen haͤt⸗ wenn ten. Das duͤrfte aber nicht richtig ſeyn, den Gebothen der und Vernunft widerſtreiten, und zu verberblichen Folgerungen den⸗ fuͤhren. Nein, es kann und darf nur angenommen werden: nns, daß die Menſchen ihrem Staatsoberhaupte denjenigen Wil— de len uͤbertragen haben, von welchem ein cathegori⸗ us. ſcher Imperativ unbedingt geboth, daß ſie ihn dag. haben mußten, um ein rechtliches Zuſammenle⸗ 5ge⸗ ben moͤglich zu machen. Da aber die praktiſche Ver⸗ nunft gewiß durch keinen cathegoriſchen Imperativ befiehlt: tt: Du ſollſt gluͤcklich leben, oder du ſollſt deiner Gluͤckſeligkeit nachſtreben, ſondern du ſollſt unbedingt das thun, was dir n de Pflicht gebietet, du magſt uͤbrizens ſo ungluͤcklich werden, ie wie du willſt; ſo muß es auch einleuchten, wie unrichtig es vl iſt, wenn in jener Stelle behauptet wird: der Staatsbuͤrger üir habe durch ſeinen Willen dem Staatsoberhaupte die begluͤk— t⸗ kende Gewalt anvertrauet. b) Zeigt zwar der wuͤrdige Herr Verfaſſer in der letzten nl Periode jener Stelle deutlich genug, daß ſeine Idee keines— weges dahin gerichtet ſey, als wenn jeder Staatsbuͤrger ſeine individuellen Grillen und Traͤume von Gluͤckſeligkeit als aller Wuͤnſche dem Staatsoberhaupte uͤbertragen koͤnne, indem er muß ausdruͤcklich ſagt: der Wille des Staatsbuͤrgers, daß das ih be⸗ Staatsoberhaupt die begluͤckende Gewalt ausuͤben ſolle, Bexuif ſchloͤſſe alle Ruͤckſichten auf das Selbſt des Einzel⸗ a hin nen aus. Allein geſtehen muß ich: daß, wenn ich mir ein⸗ — Zööö 30 2 mal eine Nation vorſtelle, welche ihrem Oberhaupte das Recht, allgemeine Gluͤckſeligkeit uͤber ſie zu verbrei⸗ ten, ausdruͤcklich uͤbertruͤge, und wobey jedes einzelne Indi— viduum zugleich erklaͤrte: das Staatsoberhaupt ſolle bey jener Verbreitung der allgemeinen Gluͤckſeligkeit gar keine Ruͤck⸗ ſicht auf irgend ein Individuum nehmen— ich dann keinen Begriff davon habe, wie es dem Staatsoberhaupte nur moͤg⸗ lich ſeyn werde, den erhaltenen Auftrag zur Vollziehung zu bringen. Denn wenn es ſich auch behaupten ließe, daß durch Befoͤrderung der Moralitaͤt und Legalitaͤt, wo nicht in dieſem, doch gewiß in jenem Leben, eine groͤßere Maſſe von Gluͤckſeligkeit unter den Menſchen verbreitet werden wuͤrde; ſo ſcheint es mir doch immer ſich ſelbſt zu widerſprechen: wenn man behaupten wollte, uͤber eine Maſſe von vielen Indivi— duen, welche ſaͤmmtlich die ſtaͤrkſte Tendenz haben, in unmo⸗- raliſchen und illegalen Handlungen ihr Gluͤck zu ſuchen, werde auf dieſer Welt(von einer zukuͤnftigen kann hier offenbar nicht die Rede ſeyn) allgemeine Gluͤckſeligkeit verbreitet, und dennoch koͤnne jener unmoraliſchen und illegalen Tendenz der Individuen nicht allein nicht gehuldigt, ſondern ihr grade⸗ zu entgegen gearbeitet werden. Es bleibt hier alſo, wie ſchon bemerkt iſt, nichts anders wie die Alternative uͤbrig. Entweder muß das Staatsoberhaupt allen Laſtern und allen illegalen Handlungen ſyſtematiſch Thuͤr und Thor oͤffnen, und eben dadurch Gluͤckſeligkeit ſo allgemein wie moͤglich verbrei⸗ ten, oder der Immoralitäͤt und Illegalitaͤt muß aus allen Kraͤften entgegen gearbeitet, und eben dadurch die Summe deſſen, was jedes Individnum fuͤr Gluͤck haͤlt, vermindert werden. Wer jenen Zuſtand der Dinge fuͤr einen Staat haͤlt, und wer in dieſem Falle behauptet, Verbreitung allgemeiner Gluͤckſeligkeit jey Zweck der Staaten, der traͤgt etwas vor, 31 k di welches wenigſtens in den Gang meiner Ideen nicht paſ⸗ tbre⸗ ſen will. Indi⸗ Die moͤglichſt genaue Beſtimmung und Begrenzung ſo— ſener wohl der Pflichten als der Rechte der Staatsoberhaͤupter— Rite deren Macht ohnedem genug Willkuͤhrliches in ihre Verfah⸗ leinen rungsart ſtets hineingewebt hat, und in Zukunft immerfort nög— hinein weben wird— iſt von einem ſo hohen außerordentli⸗ 9 z1 chen Intereſſe fuͤr die Menſchheit, daß ſelbſt ein fehlgeſchla⸗ daß genes Beſtreben, zur Feſtſetzung jener Grenzen einen Beytrag tin zu liefern, Nachſicht hofft. Es wuͤrde nur Arroganz ſeyn, von wenn ich mir einbildete, dieſe Grenzen genau bezeichnet zu nde; haben. Es wuͤrde noch ungleich thoͤrichter ſeyn, wahnen zu benn wollen, auch nur das mindermaͤchtigſte Staatsoberhaupt divi⸗ werde nun ſeine Handlungen in jene Grenzen einſchließen. nmo⸗ Aber wenn irgend ein Princip dazu tauglich iſt, die Pflichten verde und Rechte der Staatsoberhaͤupter ohne alle Grenzen zu enbar laſſen und unbedingt alle ihre Handlungen mit einem und Schleyer von Rechtlichkeit zu umhuͤllen; ſo iſt es zuverläͤſſig der der ſchwankende, relative und durchaus empiriſche Begriff von lade⸗ allgemeiner Gluͤckſeligkeit. Der Ausbruch des Despotismus wie eines Staatsoberhaupts muͤßte wahrlich aͤußerſt empoͤrend rig. ſeyn, wenn es— ſo lange man allgem eine Gluͤckſelig— llen keit als Zweck der Staaten annimmt und daraus die und Rechte der Staatsoberhaͤupter verkehrt genug herleitet— rei unmoͤglich fallen ſollte, ihn auf die conſequenteſte Art zu ver⸗ alen theidigen. Jeder, welcher dieſes wahre Palladium der Will⸗ mmt kuͤhr und des Despotismus bekaͤmpft, muß ſich daher der indeut Wahrheit nahern, wenn er ſie gleich noch lange nicht hät, vollſtaͤndig erreichte. Denn hier duͤrften nur zwey Falle ein⸗ treten. Entweder die Rechte der Staatsoberhaͤupter ſollen weinet und muͤſſen durchaus ohne alle Grenzen bleiben, dann iſt b vok, ——— ———— 3 2—1 5 Verbreitung allgemeiner Gluͤckſeligkeit die allervortrefflichſte Maxime, welche nur immer als Zweck der Staaten aufgeſtellt werden kann. Dann iſt aber auch der Willkuͤhr und dem Despotismus Thuͤr und Thor geoͤffnet. Oder die Rechte der Staatsoberhaͤupter ſollen und muͤſſen in beſtimmte Grenzen, gleichguͤltig welche, eingeſchloſſen ſehn, dann iſt es vor allem Andern erforderlich, jenen Grundſatz als Zweck der Staaten zu entfernen, weil dabey die Staatsgewalt nie Grenzen er— halten kann. Jeder Grundſatz, welcher dahin fuͤhrt, die oberſte Staatsgewalt in irgend eine Grenze zu ſchließen, der kann mangelhaft, unvollſtaͤndig, ja unrichtig ſeyn, aber er naͤhert ſich gewiß der Wahrheit, weil ein rechtlicher Staat, und ein darin befindliches Staatsoberhaupt, dem nicht ein— mal die Vernunft Grenzen ſeiner Rechte zu ſetzen vermoͤchte, ſtets ein Widerſpruch bleiben duͤrfte. Nach einem ſolchen Zu— ſtande zu ſtreben, in welchem es moͤglich iſt, mit Gewißheit zu behaupten, ſo weit, aber auch nicht weiter gehen die Rechte der Staatsoberhaupter, welche ihnen die Vernunft zu⸗ billigt, das gebietet Pflicht, unbekuͤmmert darum: ob es nun auch je ein Staatsoberhaupt geben kann und geben wird, welches jene Gebothe der Vernunft und nur dieſe zur Aus— uͤbung bringen wird. Denn iſt in dieſer Ruͤckſicht nur erſt die Wahrheit und zwar vollſtandig gefunden, ſtehen unum— ſtoͤßliche Grundſaͤtze dieſer uͤber alles wichtigen Materie da, dann werden vielleicht noch Jahrhunderte verfließen, ehe ſie eine andere Wirkung hervorbringen, ais daß ſie allmahlig immer mehr Beyfall finden. Zuletzt kann aber die Wahrheit der Willkuͤhr trotzen und ihres Sieges gewiß ſeyn. Auch eine unbegrenzte Macht muß doch am Ende ihre Kniee fuͤr ſie beu⸗ gen, ſie muß ihr huldigen, und iſt mit allen ihren despoti⸗ ſchen Umgebungen viel zu ohnmaͤchtig, um ihr auf die Dauer Vans 5 lic he e wi nu g mn be —tla 33 fücſſe entgegen ſtreben zu koͤnnen. Dies iſt der einzige aber auch gehelt hinreichende Troſtgrund, welchen derjenige, welcher ſich mit ddem Nachdenken uͤber Makerien von der vorliegenden Art beſchaͤf⸗ te de tigt, dann aufzufaſſen vermag, wenn er um ſich her in die kenzen,“ Welt blickt. Liegt in den Reſultaten ſeines Nachdenkens nur talem Irrthum, dann verdienen ſie nur Vergeſſenheit, taaten welche ihnen fruͤh genug zu Theil werden wird, Iſt aber ein en e; Funken von Wahrheit dazwiſchen gemiſcht, ja geben ſie nur :, die Veranlaſſung, daß dadurch in beſſern Koͤpfen Wahrheit ge— 1, der weckt und gefunden wird, dann iſt dieſes dem Wohldenkenden ber er ſchon eine hinreichende Beruhigung und eine ſuͤße Be— Otaat, lohnung. 1 t ein⸗ Bezeichnet auch das vorhin Vorgetragene die Grenzen ͤhte, der Rechte der Staatsoberhaͤupter noch bey weitem nicht voll— en Ju ſtaͤndig und genau genug; ſo laͤßt es ſie doch nicht ohne ißheit. alle Grenzen, wie das betruͤbte Gluͤckſeligkeits-Princip. en die Was dieſes fuͤr Unheil uͤber die Welt verbreitet hat, und taͤg— iſt zu⸗ lich noch verbreitet, welche Mißgriffe dadurch entſtanden und ob cs wie man unter Anleitung deſſelben ewig hin und her ſchwankte wird, und noch ſchwankt— wie Despotismus ewig ſchwanken muß Aus-— das lehrt die Geſchichte und die taͤgliche Erfahrung. Ich raſ daͤchte daher, es ſey Pflicht, den Großen der Erde nicht fer— um⸗ ner vorzuſagen, ſie waͤren dazu vorhanden, um wie Goͤtter, da, Menſchen zu begluͤcken. Ich daͤchte es ſey Zeit, es ihren ſe Einſichten anſchaulich zu machen, daß dieſer Zweck nicht nur nyüg außerhalb den Grenzen ihrer Pflichten, ſondern auch ſelbſt zeheit jenſeit der Grenzen ihrer Macht liege, und daß folglich keine ſein ihrer Handlungen durch dieſen Zweck gerechtfertigt werden Klen koͤnne. Es ſcheint mir nothwendig zu ſeyn, einen andern ani Maßftab auszuforſchen, an welchem mit mehrerer Sicherheit dun die Handlungen der Großen gemeſſen werden koͤnnen. Sollte „ 5 — Zö——ö——— es nun auch je dahin kommen, daß die Haͤupter der Erde um die Gluͤckfeligkeit ihrer Unterthanen voͤllig unbetuͤmmert waͤ— ren; ſo duͤrfte dabey die menſchliche Geſellſchaft nichts verlie— ren, denn wenn in einem Staate die groͤßtmoͤglichſte Ueber⸗ einſtimmung mit Rechtsgrundſaͤtzen Statt haͤtte; ſo wird allem Anſehn nach allgemeine und individuelle Gluͤckſeligkeit der Menſchen— in ſo fern ſie uͤberhaupt hier auf Erden Statt haben kann— ſchon hinterdrein ganz von ſelbſt nachſolgen, und in einem groͤßern Maaße nichfolgen, als wenn die Staatsoberhaͤupter ſich bemuͤhen, ſie durch directe Mittel her⸗ beyzufuͤhren, wodurch immer nur wenigen Individuen ge— nutzt und Tauſenden unendlich geſchadet wird. Mehrere hoͤchſt achtungswuͤrdige Philoſophen geriethen, in ihrem edlen Beſtreben, wo moͤglich zu bewirken, daß das Recht im Staate herrſche, auf die Idee, dieſen Zweck nicht blos dadurch, daß ſie ihn als ein Gebot der praktiſchen Vernunft aufſtellten, ſondern auch noch durch beſondere Staatsfor⸗ men ſichern zu wollen. So wie ſie blos aus der Vernunft erwieſen hatten, daß in jedem Staate das Recht heerſchen ſolle; ſo glaubten ſie auch blos aus der Vernunft Regeln ab— ſtrahiren und vorſchreiben zu koͤnnen: wie jeder Staat im Innern nothwendig geformt ſeyn muͤſſe, wenn darin nur das Recht die Herrſchaft fuͤhren ſollte. Kurz, ſie woll— ten das Recht durch die Staatsſorm ſichern. Da meh⸗ rere Philoſophen, deren Verdienſt weder mein Beyfall zu er— hoͤhen noch mein Tadel zu verringern vermag, von dieſer Idee belebt waren; ſo iſt's allerdings vermeſſen, wenn ich hier den Gedanken an den Tag zu legen wage, daß es mir ſcheine: es liege gaͤnzlich außerhalb den Grenzen der rein ab— ſtrahirenden Vernunft, irgend eine Staarsform aufzu— finden, von der es ſich behaupten ließe: blos die Vernunft enun Sot K banlle, Ar Ai Wan beichie 6 a e n Verr ich e 3 auch a ſere g Ren 10 20 — 35— Edm gebiete, daß ſie als ideales Muſter fuͤr alle Staaten gelte,“ 3 vi und ihr muͤßten ſich dieſe, wenn ſie jener Gehoͤr geben woll— uetie ten, nothwendig naͤhern. Es ſcheint mir vielmehr, daß, Ulier wenn auch ein Volk von dem ernſten Vorſatze belebt waͤre, dülen einen durchaus rechtlichen Staat zu errichten, es dennoch teit de bey der Frage: wie fangen wir es an, welche Einrichtungen Sut treffen, welche Staatsform waͤhlen wir, damit nun in Zu— olgen, kunft das Recht unter uns herrſche? keinesweges die abſtra— in die hirende Vernunft, ſondern blos die Klugheit und die Erfah⸗ her⸗ rung um Rath fragen, das heißt, ſo genau als moͤglich un— en ge⸗ terſuchen muͤſſe: auf welcher Stufe von Cultur die Nation ſtehe? Wie groß die Zahl derſelben, wie ihr Charakter be— lehen, ſchaffen ſey u. ſ. f. Kurz ich halte dafuͤr, diejenigen Men⸗ aß das ſchen, welche einem Staate die innere Einrichtung zu dem nicht Zwecke, daß das Recht ſo viel wie moͤglich darin hern ſche, ge⸗ enunft ban wollen, Hlnden keine ſpekulative Philoſophen zu ſeyn. tsfor⸗ Aber ſie muͤſſen ſehr kluge, ſehr große Menſchen-, Laͤnder⸗, ernunft Volker⸗ und Geſchichtskenner ſeyn. erſchen Gern geſtehe ich, daß ich dasjenige, was ich hier be⸗ (ln ab⸗ haupte, mehr dunkel fuͤhle, als daß ich's zu erweiſen und am nat im wenigſtens ſchulgerecht zu erweiſen vermoͤchte. Alein da viel⸗ darin leicht in einer nicht ganz geringen Zahl von Koͤpfen, die, wie woll⸗. es mir ſcheint, eben ſo irrige, als fuͤr die Tuaneggen ſehr meh⸗ nachtheilige Idee herrſcht: es koͤnne nichts nuͤtzen, dahin mit— zu er⸗ zuwirken, damit das Recht herrſche, ſo lange die Ideale von dieſer Vernunft⸗Staats⸗Formen nicht realiſirt waͤren; ſo wage n ih ich's aus dieſer Urſache nicht nur, das ſchon Geſagte, ſondern ds mit auch das Folgende blos als Ideen dahin zu legen, damit beſ⸗ rein abe ſere Koͤpfe Gelegenheit haben, ſolches zu pruͤfen, zu widerle— aüfju gen, oder zu berichtigen. ernäuſt Ueber den Zweck: daß naͤmlich das Recht in jedem 36— Staate moͤglichſt herrſchen ſolle und muͤſſe, daruͤber ſind mei— nes Wiſſens wo nicht alle, doch gewiß die ſcharfſinnigſten Phi— loſophen einig, ſie moͤgen uͤbrigens dafuͤr halten, daß die Monocrati, oder die Democrati, oder die Ariſtocrati der ein⸗ zig rechtliche Staat ſey. Sie moͤgen wie Kant wollen, daß in dem Vernunft⸗Staate die geſetzgebende, ausuͤbende und richtende Gewalt getrennt werden muͤſſe, oder daß, wie Fichte, ein Ephorat zu dem durchaus rechtlichen Staate erforderlich ſey, oder ſie moͤgen ſonſt noch andere Staatsformen erſinnen. Meine Abſicht gehet hier nicht dahin, irgend eine jener Staatsformen tadeln zu wollen. Allein ſo viel duͤrfte doch klar ſeyn, wenn anders der vorhin erwaͤhnte Zweck dasjenige iſt, wornach alle ſtreben, und den alle jene Ideale von Staatsformen erreichen ſollen; ſo muß der ſpekulative P)i⸗ loſoph den blos klugen Mann, den Menſchenkenner, den Kenner der gegebenen Nation und der Geſchichte, kurz den Empiriker wenigſtens anhoͤren, wenn dieſer ihm Gruͤnde vortraͤgt, oder wohl gar durch Beyſpiele aus der ſchon ge⸗ machten Erfahrung erweiſt, daß, im Fall die als Ideal auf⸗ geſtellte Staatsform— ſey ſie uͤbrigens welche ſie wolle— auf dieſe oder jene gegebene Nation angewandt und bey ihr eingefuͤhrt werden wuͤrde, das Recht entweder gar nicht, oder doch in einem mindern Grade heerſchen wuͤrde, als wenn eine von jenem Ideale gaͤnzlich abweichende Staatsform dort eingefuͤhrt werden ſellte. Denn wollte der Philoſoph dasje— nige, was ihm der Empiriker vorzutragen bereit waͤre, nicht einmal vernehmen, und ſolches vielleicht mit der verachtenden Miene abweiſen, weil alle jene aus Menſchen- und Voͤlker— kenntniß, aus Erfahrung ꝛc. hergenommene Gruͤnde ſein auf⸗ geſtelltes Ideal gar nicht treffen koͤnnten, indem ſich die Men⸗ ſchen darnach, keinesweges aber ſein Ideal nach den Men⸗ formenn eint 1 71,— ſein. da h nidn Idaer ngli danm: u ————ʒ—ʒ—y—y—V—X—ÿ—ñ» 37 . nd mii ſchen richten muͤſſe; ſo muß doch erwogen werden, daß der in Phi⸗ Staat uͤberhaupt, das heißt der Zuſtand des Herrſchens des daß die Rechts, ſelbſt nach den Grundſaͤtzen aller Philoſophen, nicht der ein etwa blos Ideal bleiben, ſondern unter Menſchen, und zwar en, daß unter ſehr menſchlichen Menſchen angewandt werden ſoll. nde und Sobald nun der Empiriker ſich anheiſchig machte, blos Fichte aus empiriſchen Gruͤnden erweiſen zu wollen: daß das aufge— dderlich ſtellte Ideal von Staatsform nur bey einer einzigen Nation ſinnen.— ſie ſey groß oder klein, ſie befinde ſich wo man will— jener nichts tauge, indem dabey das Recht gar nicht oder nicht in te doch dem Maaße herrſchen koͤnne, als wenn eine andere Staats— djeꝛige form eingefuͤhrt werden wuͤrde; ſo duͤrften nur zwey Faͤlle le vn eintreten. Der Philoſoph muß entweder ve Pji⸗ a) den von ihm ſelbſt demonſtrirten Zweck der Staaten r, den ſeinem Ideale von Staatsform aufopfern und behaupten: ob urz de das Recht im Staate herrſchen werde, das kuͤmmert mich Gruͤne nicht, die Vernunft gebietet unbedingt, daß das aufgeſtellte hon g⸗ Ideal von Staatsform befolgt werden ſolle, es moͤgen uͤbri— al auf gens Folgen daraus entſtehen, welche da wollen. In dieſem polle— Falle ſcheint es mir zwarz muͤſſe der Empiriker nothwendig bey ihr ſchweigen, und wenn er auch noch ſo erhebliche Gruͤnde vor⸗ t, oder zutragen haben ſollte. In dieſem Falle bleibt aber die Herr— wenn ſchaft des Rechts gar nicht mehr Zweck, ſondern dieſer beſte⸗ mort het alsdann in der als ein Ideal aufgeſtellten Staatsform, unter dasje⸗ welche ſich vorgeblich alles beugen ſoll. Ich kann es mir „vict nicht vorſtellen, daß ſich ſo etwas mit Grunde behaupten laſſe, denn in dieſem Falle wuͤrde alles in Verwirrung gerathen. Die als das hoͤchſte Gut der Menſchen aufgeſtellte Freiheit wuͤrde jener Staatsform aufgeopfert, und die praktiſche Ver⸗ nunft wütde ſich ſelbſt widerſprechen. Sie wuͤrde naͤmlich bald gebiethen: die Freiheit des Menſchen ſolle und muͤſſe htenden Volker: ein auf⸗ die Men⸗ en Men 38— in dem hoͤchſt moͤglichen Grade erhalten und das Recht herr— ſchend gemacht werden, es moge koſten was es wolle. Bald aber auch, die ideale Staatsform muͤſſe zur Wirklichkeit ge— bracht werden, und wenn auch Freiheit und Recht dadurch zertruͤmmert werden wuͤrde. Solche Widerſpruͤche koͤnnen aber unmoͤglich in den Geboten der Vernunft liegen. Oder aber b) der Philoſoph, welcher ſein vermeintes Vernunftideal von Staatsform dahin ſtellt, und der dabei dem Zwecke, Frei⸗ eit und Recht der Menſchheit moͤglichſt zu ſichern, unbedingt 9 3 alles unterordnet, der muß ſich entſchließen und herablaſſen, die Gruͤnde des Empirikers, der ihm blos aus Erfahrung er— weiſen will— ich ſage gar nicht erwieſen hat— daß bey der als Ideal aufgeſtellten Staatsform das Recht in allen, oder in verſchiedenen, oder auch nur in einem gegebe⸗ nen Staate, gar nicht oder nicht ſo vollſtaͤndig als moͤglich iſt, herrſchen werde oͤder geherrſcht hat, anzuhoͤren und zu vernehmen. Fuͤhlt er es, daß dieſes ſeine Schuldigkeit iſt, wenn er anders den von ihm ſelbſt anerkannten Zweck der Staaten ſeiner Staatsform nicht aufopfern will; ſo daͤchte ich muͤßte er nothwendig allmaͤhlig gewahr werden, daß er ſich, indem er ein vermeintes Ideal von Vernunft-Staatsform aufzuſtellen bemuͤhet war, auf ein Feld wagte, welchesz der Speculation gar nicht, ſondern einzig der Klugheit, der Beob— achtung der Menſchen- und Voͤlkerkenntniß u. ſ. w. angehoͤrt. Denn Gebote der praktiſchen Vernunft, die koͤnnen ſchlechthin unter keiner Bedingung durch empiriſche Gruͤnde widerlegt werden, und derjenige, welcher ſie wirklich durch Abſtrac⸗ tion fand, der iſt unter keiner Bedingung ſchuldig, die Ein⸗ wuͤrfe, welche blos Empiri dagegen vortraͤgt, auch nur an— zuhoͤren, geſchweige denn zu widerlegen, Wenn der Em⸗ pnt n ſien 4 daweiſt ſch d Da ild Jan 1 ſce u is Pi voh 2 Einwu n dil t. ſcheidum Iiü von Jas b ſoemes nß 1 ſü Fun dmnit ime dienier nem 0 den(ar Alehm. verſus ſt herr⸗ Bald keit ge⸗ dadurch koͤnnen Ner fftidenl „Frei⸗ ſedingt laſſen, ung er⸗ daß be allen, gegebe⸗ glich iſ und zu ldigkeit veck der chte ich er ſich tsform eg der Beobe⸗ zehdt. echthin derlegt Aoſtra⸗ die Ene nur at, der Ene — 39 piriker zum Philoſophen ſagte, ich will dir aus den Grund⸗ ſaͤtzen der Klugheit, der Menſchenkenntniß und der Geſchichte erweiſen, daß keine Vertraͤge erfuͤllt werden duͤrfen; ſo kann ſich dieſer mit Grunde umdrehen und jenen blos verlachen. Da ich aber gezeigt zu haben vermeine, daß Jeder, welcher ein Ideal von Staatsform als ein ſolches, welches blos die prakti— ſche Vernunft vorgeblich geboͤte, dahin ſtellt— es ſey uͤbri— gens beſchaffen wie es wolle— nothwendig, wenn er den von ihm ſelbſt aufgeſtellten Zweck, nicht aufopfern will, alle Einwuͤrfe, welche Klugheit, Erfahrung, Menſchenkenntniß u. ſ. w. dagegen vielleicht machen koͤnnten, anhoͤren muͤſſe; ſo glaube ich's auch wenigſtens ſcheinbar gemacht zu haben, daß das Aufſtellen von idealiſchen Staatsformen gar nichts iſt, was der Speculation angehoͤrt, ſondern daß hier Klug⸗ heit, Weisheit, Menſchen;- und Voͤlker- und Laͤnderkenntniß alles einrichten und alles— verſtehet ſich mit ſteter Ruͤckſicht auf das Gebot der praktiſchen Vernunft, daß das Recht ſo viel als immer moͤglich iſt im Staate herrſchen ſolle— ent— ſcheiden muͤſſe. Man beleuchte einmal die von den groͤßten Philoſophen, von Rouſſeau, Kant und Fichten als Ideal aufgeſtellte Staats⸗ ſormen. Betrachtet man ſie— wie nothwendig geſchehen muß— blos als Mittel, damit das Recht herrſchen und die Freiheit der Menſchen moͤglichſt geſichert werden ſolle, dann iſt's zwar hier der Ort nicht, ſie zu tadeln, ſie moͤgen immerhin hie und da als taugliche Mittel zu dieſem Zwecke dienlich ſeyn koͤnnen, und alſo auch, in ſo fern ſie dieſes in ei— nem gegebenen Falle bewirken, als Staatsformen, die aus den Geboten der praktiſchen Vernunft abgeleitet ſind, gelten. Allein man ſtreiche einmal den vorerwaͤhnten Zweck weg, man verſuche es ſelbſtſtaͤndig blos durch Abſtraction zu beweiſen: 40—, daß z. B. bei dem Volke die geſetzgebende Gewalt ruhen, oder daß die drei Staatsgewalten in jedem Staate getrennt, oder daß darin ein Ephorat eingefuͤhrt werden muͤſſe, und es ſcheint mir unmoͤglich zu ſeyn, daß ein ſolcher Beweis je koͤnne gefuͤhrt werden. Keine Staatsform kann nach meinen Ideen etwas Abſolutes ſeyn, ſondern alle ſind nur Mittel, und bedingt durch Freiheit und Recht. Was wollen alſo alle die von den Philoſophen als Ideale aufgeſtellten Staatsfor— men der Sache nach ſagen? Wie es mir ſcheint, blos folgen— des:„Die Vernunft gebietet unbedingt, daß das Recht „herrſchen, daß die Freiheit der Menſchen auf die hoͤchſtmoͤg— „liche Art ſolle geſichert werden. Weil nun Menſchen-, Laͤn— „der;, Voͤlker- und Geſchlechtskenntniß, weil Klugheit und „Weisheit lehren, daß dann unter jedem Volke jenes Gebot „der Vernunft zur Wirklichkeit kommen werde, wenn z. B. „dem Volke die geſetzgebende Gewalt anvertrauet, wenn die „drei Staatsgewalten getrennt, wenn ein Ephorat eingefuͤhrt „werden wird; ſo gebietet auch die Vernunft, oder, wenn „man lieber will, ſo gebietet das Rechtsgeſetz die Einrichtung „jener Staatsſormen.“ Ich weiß es wohl, daß weder Rouſ— ſeau, noch Kant, noch Fichte dieſes irgendwo geſagt haben. Aber es ſcheint mir, es wuͤrde fuͤr das Wohl der Menſchheit beſſere Folgen gehabt haben, wenn ſie es gethan haͤtten, weil es dann weit fruͤher klaͤrer geworden waͤre, daß die Funktion der Philoſophie, die blos aus den Geboten der praktiſchen Vernunft etwas erweiſen will, in Ruͤckſicht des Staats damit ſich ſchließen muͤſſe, daß ſie darthue a) daß uͤberhaupt das Recht in einem jeden Staate, ſo viel als immer moͤglich iſt, herrſchen ſolle, und b) was in einem jeden einzelnen Falle wirklich Rechtens ſey. 6 ¹6 Slugln gget 112 daff wiell i. ſeynln fienen 90 2 T Otaa 1 0 nen?o. nan De weiſdn de in da V heit 6 Uos ian. ober d. 1* Nne weiſnin er jdhn Ae3, — 45 1 38 5 Püde ſah daßm iüher ergeben habe daß 3 ledigtich der Klugheit uͤberlaſſen bleiben muͤſſe, in einem jeden einzelnen 5 3 gegebenen Staate die Mittel und Wege aufzufinden, um jene 45 Herrſchaft des Rechts zu realiſiren. Hieraus duͤrfte dann die Vnn vielleicht manchen auffallende Folge entſtehen, daß das Da— din ſeyn eines natuͤrlichen Staatsrechts wenigſtens in ſo b ale fern bezweifelt werden muͤßte, wenn es ſich anmaßte, eine fsfor⸗ Staatsform aufzuſtellen, welche zum unabaͤnderlichen Muſter gann fuͤr alle Staaten dienen koͤnnte, indem unbedingt jede ſech Staatsform, ſie mag uͤbrigens beſchaffen ſeyn wie ſie will, in naͤg— einem jeden einzelnen Staate unbedingt rechtlich und der Ver⸗ u nunft vollkommen gemaͤß ſeyn duͤrfte, ſobald ſich von ihr er— tund weiſen laͤßt, daß vermoͤge derſelben in dem gegebenen Volke belot die Herrſchaft des Rechts und die Freiheit der Staatsbuͤrger 3 8. in dem hoͤchſt moͤglichen Grade geſichert ſey. Kurz, wo Frei⸗ n die heit und Recht thronet, da iſt ein Staat, und wenn auch fihtt blos Empiri dieſe Wirkung ſelbſt mit Weglaſſung eines Staats⸗ wenn oberhaupts hervor zu bringen vermoͤchte. htung Es iſt gewiß ein großes Uebel, wenn der handelnde Rouſ⸗ V Menſch den Geboten der Vernunft, die ihm der Philoſoph er— Aber weißt, nicht gehorchen will und vielleicht beide verlacht, weil ſere er jene als Hirngeſpinſte betrachtet, und dieſen einer unnuͤtzen 1es Arbeit beſchuldigt, daß er ſie zu deduciren bemuͤhet war. tion Aber es duͤrfte auch ein Uebel ſeyn, wenn ſich der Philoſoph hen außer ſeiner Sphaͤre auf ein Feld wagt, das nur dem klugen amit Manne, dem Menſchen- und Voͤlker- und Geſchichtskenner angehoͤrt, wenn er auch hier Geſetzgeber ſeyn, und dieſen 4, ſ durch taͤuſchende Worte und Wendungen verleiten will, die Regeln, welche er aus Geſchichten, aus Voͤlker- und Men⸗ qens ſchenkenntniſſe richtig abſtrahirt hat, gaͤnzlich hintan zu ſetzen und als Thorheiten zu verachten, blos weil die praktiſche Ver⸗ / ——————OO nunft vorgeblich ein anderes gebieten ſoll. Diejenigen Phi⸗ loſophen, welche ſich damit beſchaftigten, ſogenannte Vernunft⸗ Staatsſormen aufzuſtellen und dabey alle uͤbrigen fuͤr Noth— ſtaaten auszugeben, waren nicht immer zugleich auch große Menſchen«, Geſchichts- und Voͤlkerkenner. Sie hatten noch ſeltener Hand ans Werk gelegt, wenn es darauf ankam, es ins Werk zu richten: daß in einem gegebenen Staate das Recht moͤglichſt herrſchen ſolle. Es iſt daher auch kein Wun⸗ der, daß, wenn man die von den Philoſophen als Ideale auf⸗ geſtellten Staatsformen am Maßſtabe der Geſchichte, der Menſchen- und Voͤlkerkenntniß mißt, man dann bald gewahr wird, daß ſie bloße Gedankendinger ſind, daß ihnen nie Rea— litaͤt gegeben werden kann, und daß, wenn ein Volk je un— weiſe genug ſeyn ſollte, ihnen nach puͤnktlicher Vorſchrift des aufgeſtellten Ideals Realitaͤt zu geben, nicht allein der allge— mein anerkannte Zweck, naͤmlich das Herrſchen des Rechts, nicht nur gar nicht erreicht werden koͤnne, ſondern die Nation in eine unaufhoͤrliche Anarchie nothwendig verwickelt werden muͤßte, welches alles ſchwerlich der Fall ſeyn koͤnnte, wenn dieſe Staatsformen ſolche Ideale waͤren, von welchen die Ver⸗ nunft geboͤte, daß alle Staaten ſich beſtreben muͤßten, dieſe Form allmaͤhlig zu erhalten. Es kann moͤglich ſeyn, daß ich mir einen unrichtigen Begriff von einem Staatsformideale mache. Aber es iſt mir doch ſehr wahrſcheinlich, daß eine Staatsform, von der blos der einſichtsvolle Mann zu erwei⸗ ſen vermoͤchte, daß ſie nie oder nur aͤußerſt ſelten das Herr— ſchen des Rechts hervorbringen und befoͤrdern werde, unmoͤg— lich als ein Ideal und zwar als ein ſolches Ideal, deſſen Annahme die Vernunft geboͤte, aufgeſtellt werden koͤnne. Geſchiehet dieſes aber dennoch; ſo entſtehet hieraus die, wie es mir ſcheint, ſehr uͤbele Folge, daß alle diejenigen, welche rf ten füht tot ſult inan ſt folgen 4 ten, u05 ghuberb faune” nen ab. un Sch?. nit veſc Gbotc ſeit o6: dieſen E 42 ſe 6570 n, 52 ten, la leiten! Vem ſt. loſoohrs. mndang hi⸗ nunft⸗ Nuth⸗ große noch , es 1 dns dun⸗ uf⸗ der dhr Rea — —— 43 welche praktiſch mittel- oder unmittelbar das Ruder der Staa⸗ ten fuͤhren, und die billig nichts unablaͤſſiger wie das Natur⸗ recht ſtudiren ſollten, indem es die Gebote enthaͤlt, welche bey ihnen taͤglich zur Frage kommen und die ſie unbedingt zu be⸗ folgen ſchulbig ſind, allmaͤhlig immer mehr Ekel dafuͤr erhal— ten, und weil ſie gewahr werden, daß jene Rechtslehrer ihnen glaubend machen wollten, nicht nur das Herrſchen des Rechts hange blos von oft ganz und gar unausfuͤhebaren Staatsfor⸗ men ab, ſondern auch die Vernunft ſchriebe Gebote vor, de⸗ ren Schaͤdlichkeit die taͤgliche Erfahrung lehrt, nunmehro nur mit vergroͤßerter Verachtung auf alle auch noch ſo evidente Gebote der Vernunft herabblicken und auf den fuͤr die Menſch⸗ heit ſo verderblichen Gedanken gerathen, es ſtehe ihnen frei, dieſem nach Willkuͤhr entgegen zu handeln. Es verlohnt ſich gewiß der Muͤhe, zu unterſuchen, wo— her es ruͤhre, daß mehrere große ſcharfſinnige Philoſophen das, wie es mir ſcheint, ſtets unhaltbare Unternehmen wag⸗ ten, blos aus der Vernunft ein Ideal von Staatsform her⸗ leiten und bilden zu wollen? Ich wage es, daruͤber folgende Vermuthung an den Tag zu legen. Ohngeachtet jene Phi— loſophen erwieſen, daß das Recht in jedem Staate nicht nur unbedingt herrſchen muͤſſe, ſondern auch, daß alles Recht nur aus der Vernunft hergeleitet und nur darin begruͤndet ſeyn koͤnne; ſo ließen ſie ſich dennoch von dem aͤußerſt taͤuſchenden Satze volenti non fit injuria mehr, wie vielleicht geſchehen durfte, hinreißen. Sie ſagten: ſo lange jemand uͤber einen Andern etwas verfuͤgte und insbeſondere ihm ein Geſetz vor— ſchriebe, ſo lange bliebe die Moͤglichkeit vorhanden, daß er ihm dadurch Unrecht zufuͤge. Dieſe Moͤglichkeit des Un— rechts falle aber dann weg, wenn jeder uͤber ſich ſelbſt alle Geſetze beſchloͤſſe, dem volenti non fit injuria. Aus dieſer —ᷓ a4 Urſache wollten dieſe Lehrer des Naturrechts, daß wenigſtens die geſetzgebende Gewalt, vielleicht auch wohl gar die aus— uͤbende und rechtſprechende in letzter Inſtanz, bald unter die⸗ ſer, bald unter jener Modification, nur beim Volke ruhen follte. Gerade hierdurch wurden eben die Philoſophen, wel⸗ che ſich ſo ſehr das Anſehen geben, alles blos aus der Ver⸗ nunft erweiſen zu wollen, wie es mir ſcheint, mehr wie zu ſehr Empiriker, und ihre Lehrgebaͤude laſſen es ſehr im Dun— keln und aͤußerſt zweifelhaft: ob ſie wollen, daß in einem jeden Staate die ewig unveraͤnderlichen blos aus der praktiſchen Vernunft abſtrahirten Rechtsgeſetze gelten ſollen, oder aber, ob nur dasjenige zum Geſetz erhoben werden muͤſſe, wovon das ganze Volk will, das Geſetz ſeyn ſolle. Daß dieſes zwei verſchiedene Zwecke ſind, wird Jeder, der uͤber die Sache nachdenkt, auf der einen Seite wenigſtens dunkel fuͤhlen, indem dasjenige, was auch alle Mitglieder einer Nation wollen, blos weil ſie es wollen, unmoͤglich ein Vernunftgebot ſeyn kann, und indem die praktiſche Ver⸗ nunft nirgend befiehlt, daß unbedingt alles was alle Mitglie— der einer Nation wollen, ohne zu unterſuchen, wie dieſes Wollen beſchaffen ſey, ins Werk gerichtet werden muͤſſe. Auf einer andern Seite muß ihm aber doch die Sache wieder ſehr zweifelhaft werden, weil die Vernunft gleichfalls will, daß die Freiheit der einzelnen Menſchen ſo wenig, wie es nur immer moͤglich iſt, beſchraͤnkt werden ſoll, und weil ſie daher jedem Einzelnen geſtattet und nothwendig geſtatten muß, al— len denen Rechten, welche ihm zuſtehen, freiwillig zu entſa— gen, dergeſtalt, daß wenn er das entſagte Recht dennoch noch fordern wollte, er nothwendig mit dem volenti non fit in- juria abgewieſen werden muͤßte. Es duͤrfte daher auch klar ſeyn, daß, ſelbſt nach den Imperativen der praktiſchen Ver⸗ nand geulk alegn prib ſen— fan t lch 78. nen D b b der en in una! rerisn i fu karra eilt u diche —— 45 gtens nunft, der Wille der einzelnen Menſchen, blos weil er h gewollt wird, ohne weiter auf die Materie deſſelben zu ſehen, die⸗ allerdings hinreichen koͤnne und muͤſſe, um vermoͤge deſſelben, uuhen die Rechte derjenigen Einzelnen, die wirklich dieſen Willen ue an den Tag legten, zu beſtimmen und zu begrenzen. Vr⸗ Denken wir uns daher in der Idee— denn von einer ie zu praktiſchen Ausfuͤhrung der Sache kann hier nicht die Rede Dun⸗ ſeyn— einen Staat, worin gar kein anderes Geſetz vor— eden handen waͤre, und gar nichts anderes geſchaͤhe, als was wirk⸗ hen lich unbedingt alle Staatsmitglieder in irgend einem Mo⸗ ber, mente gewollt und genehmigt haͤtten; ſo bliebe es zwar auf dah der einen Seite noch immer moͤglich, daß alle dieſe Geſetze in Theſi den Geboten der Vernunft zuwider liefen— weil eder, unmoͤglich etwas blos deshalb, weil es alle Mitglieder ei— ſtens ner Nation wollen, der Vernunft gemaͤß ſeyn kann.— Al⸗ lieder lein auf der andern Seite duͤrfte es doch auch in Hypotheſi öglich klar werden, daß in jenem in der Idee angenommenen Falle, Ver⸗ ein der Vernunft gemaͤßer Zuſtand herbeigefuͤhrt waͤre, weil gglie⸗ dieſe will, daß jeder Einzelner alle ſeine Rechte blos durch ieſes ſeinen freien Willen ſoll begrenzen und beſtimmen koͤnnen, Auf und folglich, da alle Einzelne dieſes wirklich gethan haͤtten, ſehr die Unmoͤglichkeit, daß irgend Jemanden unter ihnen Unrecht daß geſchehe, herbeigefuͤhrt ſeyn wuͤrde. nur Sobald indeß zwiſchen eine auf dieſe Art vereinte Men— äher ſchenmaſſe irgend ein Dritter treten ſollte, welcher ver— „ab langte, blos nach Vernunftgeſetzen behandelt zu werden, atſo⸗ und welcher nicht freiwillig den ihm nach der Vernunft zu⸗ ͤrac ſtehenden Rechten ſo wie die uͤbrigen entſagen wollte, dem Nt in⸗ folglich das volenti non it injuria nicht entgegengeſetzt wer⸗ h bwr den koͤnnte; ſo duͤrfte es allmaͤhlig deutlich werden, daß jene Lur Menſchen entweder in gar keinen, oder, wenn das viel⸗ — 46 leicht zu viel geſagt iſt, nicht in einem ſolchen Staate lebten, wie die Imperativen der Vernunft wollen, daß er vorhanden ſeyn ſoll. Daß jener Dritter unmoͤglich in dem hier fingirten Staate aufgenommen werden koͤnnte, muß Je⸗ dem einleuchten. Denn ihm koͤnnte, bei den geltenden— nach der obigen Vorausſetzung— vern unftwidrigen aber dennoch allgemein genehmigten Geſetzen in ei⸗ nem jeden Momente ſeines Lebens Unrecht zugefuͤgt werden, weil alle uͤbrigen darnach handeln, und nur ihm allein das volenti non fit injuria nicht entgegen geſetzt werden duͤrfte. Jeder muß es daher gewahr werden, daß ein ſolcher Staat, wie der hier angenommen iſt, unter keiner andern Bedingung durch neue Staatsmitglieder rekrutirt werden koͤnnte, als wenn dieſe ſaͤmmtlich zuvor die vernunftwidrigen Ge⸗ ſetze des Staats gleichfalls genehmigten, damit auch ihnen, ſobald die letztere zur Ausuͤbung gebracht wuͤrde, ſtets das vo- lenti non fit inzuria entgegen geſetzt werden duͤſte. So we⸗ nig nun auch die Vernunft irgend einem Einzelnen es wehrt und wehren kann, denen Rechten, die ſie ihm zubilligt, freiwillig zu entſagen, eben ſo wenig gebietet ſie doch auch, daß irgend jemand ſeinen Rechten entſagen ſolle. Da ich aber gezeigt zu haben vermeine, daß in einem Staate, worin nur die von allen Staatsmirgliedern,(ohne weitere Unterſu⸗ chung, ob ſie vernunftwidrig oder vernunftmaßig ſind) gebil⸗ ligten Geſetze gelten, unmoͤglich jemand unter einer andern Bedingung herein treten kann, als wenn er zuvor den ihm von der Vernunft zukommenden Rechten entſagt und ſich blind— lings dem unterwirft, was alle wollen, da ferner der Staat gar keine Einrichtung iſt und ſeyn darf, welche blos fuͤr die⸗ jenigen Individuen, die ihn errichteten, gelten, ſondern der eine Dauer auf die ganze Zukunft hin haben ſoll; ſo 9096 Ana 14, dan aGt nan ei n daön fee Gunde lersn de din . ai taate aß er dem 5 Je⸗ en— igen n ei⸗ den, ein fte. dat, ung vrin ſſ⸗ dern ihm lind⸗ Staat tdie⸗ i del ; ſe 47 moͤchte es deutlich werden: daß ein Zuſtand der Dinge, worin nur ſolche Geſetze gelten und nur das geſchehen ſoll, was alle, die ihn errichteten, in irgend einem Moment wollten, hoͤchſtens fuͤr einen Nothſtaat unter den erſten Errichtern an— geſehen, aber keinesweges fuͤr einen rechtlichen Staat, ſo wie ihn die Vernunft will, daß er vorhanden ſeyn ſoll, angeſehen und betrachtet werden koͤnne, indem dieſe will, daß unbedingt Jeder unbedingt alle diejenigen Rechte genieße, welche ſie ihm zubilligt, das heißt, daß er den hoͤchſtmoͤglichen Grad von Freiheit erhalte. Es duͤrfte ferner aus dem bisher Geſagten erhellen: daß zwar das volenti non Rt injuria, ſobald von Individuis die Rede iſt, vollkommen angewandt werden und dem Individuo, das etwas gewollt hat, mit Grunde Rechtens ſtets entgegen geſetzt werden koͤnnen, daß wenn man aber darnach trachtet, Staaten ſo bilden zu wollen, damit darin nur die Geſetze herrſchen und das geſchehen ſolle, was alle wollen, ohne Ruͤckſicht darauf zu nehmen, ob es ver— nunftmaͤßig oder vernunftwidrig iſt, man in Wahrheit nach einem Zuſtande der Dinge ringt, der es unmoͤglich macht, daß Jeder alle die Rechte, welche ihm zuſtehen, ausuͤben koͤnne, folglich ſeine wahre Freiheit verlieren muͤſſe, der dabey alle Grundſatze von Recht gaͤnzlich zermalmt, weil er den Wil— len aller an die Stelle der Vernunftgebote ſetzen und eben dadurch bewirken muß, daß der Zweck der Staaten hoͤchſt em⸗ piriſch werde, und alle ſeine ethiſche und rechtliche Tendenz verliere. 1 Wird nun außer dieſem noch erwogen, daß es, ſobald von Ausfuͤhrung und praktiſcher Anwendung die Rede iſt — und der Staat ſoll doch kein bloßes Gedankending bleiben — wo nicht voͤllig unmoͤglich, doch aͤußerſt ſchwierig ſeyn wuͤrde, einen Staat, worin wirklich in einem auch noch ſo 48 kleinen Momente unbedingt alle Staatsmitglieder alle Ge⸗ ſetze freiwillig und ausdruͤcklich genehmigt haͤtten, zu reali— ſiren, daß ferner der Staat— ſobald er nur von einiger Groͤße iſt— ſehr wohl mit einem in der Sonne ſtehenden Bienenkorbe zu vergleichen iſt, deſſen Bewohner ſich in jedem auch noch ſo kleinen Zeitraume bald vermindern, bald ver⸗ mehren, und daß es folglich unter die vollkommen unmoͤgli⸗ chen Dinge gezaͤhlt werden kann, einen Staat ſo zu organi— ſiren und zu realiſiren, daß man in jedem Momente mit Wahr⸗ heit behaupten koͤnnte: alle Mitglieder deſſelben haͤtten zu irgend einer Zeit alle darin beſtehenden Geſetze genehmigt; ſo duͤrfte hieraus ſelbſt das Vergebliche, nach einem ſolchen Zuſtande zu ſtreben, klar genug hervorgehen. Nun nehme man die Syſteme mehrerer Philoſophen uͤber das Naturrecht zur Hand. Auf der einen Seite wird darin mit großem Scharfſinne gezeigt: daß jeder Staat und deſſen Geſetze nothwendig mit den Rechtsprinzipien, welche die Ver— nunft gebietet, uͤbereinſtimmen muͤſſe, und daß dieſes der Zweck der Staaten ſey. Beleuchtet man aber dagegen die von eben jenen Rechtslehrern als Ideale aufgeſtellte Staats⸗ formen; ſo haben ſie alle bey weitem mehr die Tendenz es zu bewirken, daß in einem jeden Staate— freilich unter mancherlei Formen und Modificationen— nur das ge— ſchehe, was das Volk will, unbekuͤmmert, ob es den Gebo⸗ ten der Vernunft gemaͤß ſey oder nicht. Grade weil aber die— ſer letzte Zweck, wie es mir ſcheint, nichts weniger wie aus der praktiſchen Vernunft abgeleitet, ſondern ſchlechthin empi— riſch iſt, indem er in die Stelle der aus der Vernunft abgelei— teten Grundſaͤtze, den Willen des Volks ſetzt. Grade weil jene Rechtslehrer durch ihre Staatsformen nur dieſen empiriſchen Zweck erreichen wollten; ſo mußte jene auch eben V der on. Laf trten ac itters ſih di „in. nuen de ple 12 doc n V jelein! eſtelnes ter. ſt, dir tie 1 ſäne Ui fuf ann dalmig den J. dß e Unded 49 lle 7 bin ſo empiriſch werden. Weil indeß durch andere, als durch einger die von ihnen vorgeſchlagene, Staatsſormen der letztere ſehr henden mangelhafte Zweck unmoͤglich erreicht werden konnte; ſo wur— ieden den ſie verleitet, ja in die Nothwendigkeit geſetzt, alle uͤbri— db ver gen als rechtswidrig zu verdammen, und vermeinten, die mäͤle von ihnen aufgeſtellten Staatsformen waͤren wirklich, weil zgu ſie dahin zielten, den letzterwaͤhnten Zweck ins Werk zu rich— Vlt⸗ ten, ſolche Muſter, von denen die Vernunft gebiete, daß je⸗ e h der Staaf ſich ihnen nothwendig naͤhern muͤſſe. git ätieſ indeß jene Rechtslehrer den don ihnen ſelbſt mit ſahen ſo vielem Scharfſinne aufgeſtellten Lehrſatz, daͤß der Zweck aller Staaten in der groͤßtmoͤglichſten Uebereinſtimmung der diler Verfaſſung mit den blos aus der praktiſchen Vernunft abgelei— de teten Rechtsprincipien, beruhe, unverruͤckt ins Auge gefaßt; — haͤtten ſie erwogen, daß wenn auch in einem Staate— wie ſich Kant ausbpüfft—„der Ubeteinſeilsnnende und vereinigte „Wille Aller, ſo fern ein Jeder uͤber Alle, und Alle uͤber ei— Cir„nen Jeden eben daſſelbe beſchließen, mithin der allge— en di„mein vereinigte Volkswille geſetzgebend waͤre,“ den⸗ asti⸗ noch jenen Geboten der praktiſchen Vernunft ſehr oft, ja enj e vielleicht unter allen Staatsformen am allerleich⸗ niter teſten, gradezu entgegen gehandelt werden koͤnne, indem s der unter allen Geſetzgebern gewiß keiner in dem Maaße unfaͤhig Beb⸗ iſt, die Imperativen der praktiſchen Vernunft aufzuſinden, die wie eine große Volksmaſſe. Haͤtten ſie erwogen, daß bey ie dus einer durchaus rechtlichen Geſetzgebung, ſchlechthin nichts dar— emi⸗ auf ankommen kann, ob Einer, oder Viele, oder alle Natio— abgele⸗ nalmitglieder das Geſetz wollen, ſondern einzig, ob es mit de veil den Imperativen der praktiſchen Vernunft uͤbereinſtimmt, ja dieſen daß es ſehr wohl moͤglich iſt, daß ein Geſetzgeber, welcher ich eben unbedingt den Geboten der Vernunft Gehoͤr geben will, 4 50— nach dieſen poſitive Geſetze, von welchen er mit Gewißheit weiß, daß ſie kein einziges Nationalmitglied will, zu ertheilen, und zur Execution zu bringen unbedingt ſchul⸗ dig iſt; haͤtten ſie es erwogen, daß wahre rechtliche Freiheit der Staatsbuͤrger nur in dem Staate herrſchen koͤnne, wo nie eine andere Macht als die des Geſetzes gilt, und wo nie das Geſetz eine andere Sprache als die der Vernunft fuͤhrt, daß im Gegentheil diejenige(man nenne ſie wie man will) Freiheit, vermoͤge deren der Staatsbuͤrger nur denen Geſetzen gehorcht, zu welchen er ſeine Zuſtimmung gab, nichts wie eine Afterfreiheit iſt, die hoͤchſtens als ein Mittel — und wie ich glaube hoͤchſt truͤgliches— um jene zu errin⸗ gen ſeyn kann, folglich Derjenige, welcher es als ein Ver⸗ nunftgebot aufſtellt, daß die geſetzgebende Gewalt nur beym Volke ruhen muͤſſe, Mittel und Zweck, Form, Materie und innere Guͤte des Geſetzes durchaus verwechſelt, und die Be⸗ griffe daruͤber verwirrt; haͤtten ſie es endlich erwogen, daß wenn das hier Geſagte unrichtig ſeyn ſollte, das ganze Natur— recht ſo gut als vertilgt, und alles Nachdenken, aus der blo— ßen Vernunft Rechtsgeſetze zu abſtrahiren, nur Thorheit ſeyn duͤrfte, indem dann alle allgemein guͤltige Grundſaͤtze uͤber Recht nothwendig verſchwinden muͤſſen, der Rechtslehrer erſt in Ruͤckſicht deſſen, was Rechtens ſey, die Nationen zu be⸗ fragen in die Nothwendigkeit geſetzt waͤre, und in einem je⸗ den einzelnen Staate nur dasjenige nicht blos geſetzlich, ſon— dern auch rechtens ſeyn toͤnnte und duͤrfte, was die Na⸗ tion will, aber keinesweges was die praktiſche Vernunft ge⸗ bietet; ſo wuͤrden jene großen Maͤnner bald gewahr geworden ſeyn, daß das taͤuſchende volenti non ii inſuria— wovon hier das ganze Ungluͤck herzuruͤhren ſcheint— bey der vor— liegenden Materie unmoͤglich angewandt werden darf, indem, —yʒy—;ͤ— kaarg „be 23 — h ein gn das Reſ0. nu kla de 1 vißhei„ 3 feſ th er ſheit wenn es anders feſtſtehet, daß in einem jeden Staate die in in Gebote der Vernunft in Ruͤckſicht des Rechts geltend gemacht Au werden ſollen, nichts darauf ankommen kann, was die Na— Keiſe tion will, das geſetzlich ſeyn ſoll. Sie wuͤrden ferner ent— n, m deckt haben, daß dieſe Geſetze nothwendig auf einen feſtern und we Boden gebauet und aus einer reinern Quelle, wie blos aus unni dem Willen des Volks, hergeleitet werden muͤſſen. Sie je man wuͤrden gewiß wenigern Werth auf große Volksverſammlun⸗ denen gen gelegt; ſie wuͤrden ſchwerlich behauptet haben, daß die däal, geſetzgebende oder oberſte Staatsgewalt nur dem vereinigten Näu Willen des Volks zukommen koͤnne, weil ſelbſt in dieſem ver— üie einigten Willen des Volks— wenn er auch in irgend einem inTa Staate wirklich gefunden werden koͤnnte— die Gebote der beym praktiſchen Vernunft weit weniger wie in den Geſetzen der ie und Monokraten und Ariſtokraten anzutreffen ſeyn duͤrfte. Frei— ie Be lich wenn Kant an einem andern Orte ſagt:„Es iſt Pflicht n, diß„der Monarchen, ob ſie gleich autokratiſch herrſchen, dennoch Natur⸗„republikaniſch(nicht demokratiſch) zu regieren, d. i., das er ble„Volk nach Principien zu behandeln, die dem Geiſte der it ſen„Freiheitsgeſetze, wie ein Volk mit reifer Ver⸗ jüber„nunft ſie ſich ſelbſt vorſchreiben wuͤrde, gemaͤß ſind, wenn tr uſ„gleich den Buchſtaben nach es um ſeine Einwilligung nicht u be⸗„befragt wuͤrde,“ wenn ſo die Sache modificirt wird, dann en je: kann unmoͤglich dabey etwas zu erinnern ſeyn. Allein wie „ſou⸗ hiermit einige Stellen der Kantiſchen Rechtslehre in Ueber— he Nar einſtimmung gebracht werden koͤnnen? wie es moͤglich ſey, uft ge darnach die gaͤnzliche Trennung der Staatsgewalten, und die worden geſetzgebense Gewalt des Volks als ein Gebot der Ver— wovon nu uft aufzuſtellen? das vermag ich wenigſtens nicht zu er, der vol⸗ klaͤren, da es mir voͤllig unmoͤglich zu ſeyn ſcheint, daß ein jndem, Volk je mit reifer Vernunft handeln koͤnne, und da der ——— 1„ —— richtig urtheilende Monarch weit eher und mit weit mehr Zuverlaͤſſigkeit die Freiheitsgeſetze, die ſich ein Volk, wenn es nach reifer Vernunfe handelte, ſelbſt vorſchrei⸗ ben wuͤrde, auffinden wird, als wenn er unweiſe genug das Aufſuchen dieſer Freiheitsgeſetze dem Volke ſelbſt anver⸗ trauete, ſich zu einem bloßen Vollzieher deſſen, was das Volk gewollt habe— gleichguͤltig wie es beſchaffen ſey — herabwuͤrdigte, und auf dieſe Art die Theilung der Ge— walten moͤglich machte. Alle Verſuche, Staatsformen blos aus der Vernunft herzuleiten, um ſie der Menſchheit als Ideale, denen ſich Je— der anzunaͤhern verpflichtet waͤre, vorzuhalten, die duͤrf⸗ ten dieſemnach ſtets mißrathen, und nie das leiſten, was ſie dem Zwecke nach leiſten ſollen. Ernſter Wille, verknuͤpft mit vielen Kenntniſſen und wahrer Weisheit, die koͤnnen, wenn ſie einem einzelnen beſtimmten Staate eine Verfaſſung geben, unſtreitig mitwirken, daß vermoͤge dieſer Verfaſſung das Herrſchen des Rechts in dem beſtimmten Staate befoͤrdert, daß die Freiheit der Staatsbuͤrger darin moͤglichſt geſichert werde. Allein unbedingt jede Staatsform, jede Verfaſſung als ſolche, und wenn ſie auch noch ſo viele Spuren der Weis⸗ heit truͤge, ſcheint mir immer, wenn anders die Nation nicht ſchon grau darunter wurde, eine ſchwache Bruſtwehr gegen Willkuͤhr und Unrecht zu ſeyn. So viel kann wohl nicht be— zweifelt werden, iſt eine Staatsform— wie ehemals die Polniſche— von der Art, daß alles ſehr leicht in eine Anar⸗ chie uͤbergehen kann; ſo iſt ſie entſchieden ſchlecht und ver— werflich. Erwartet man aber blos von dem Organismus einer Staatsform mehr, als daß ſie der Anarchie ſteure und dieſe ſo weit als immer moͤglich entferne; ſo wird man ſich ewig taͤuſchen. Faſt moͤchte ich behaupten; die von un⸗ b ſem 2u. 1 5 Ten 8 de P. Veltii 9, tad gvellt 314 1 pett keiſs gebe n dnt- ch m lich ſur ſit 6*„ mͤſ ſt der d 10 ſcera nen! f. wir 1 die d theig di weife AM vong ſersnt daßd — 53 meht ſern neuern Lehrern des Naturrechts, namentlich von Kant wenn und Fichte, aufgeſtellten Staatsformen haben vorzuͤglich die ſchrei⸗ Tendenz, dafuͤr zu ſorgen, daß von Oben herab die Rechte genng der Staatsbuͤrger nicht gekraͤnkt und verletzt werden ſollten. ame Wer koͤnnte, wer wollte wohl einen ſolchen Zweck in Theſi is das tadeln? Aber es kann und darf dieſem der erſte und Haupt— en ſey zweck aller Staatsformen— naͤmlich der Anarchie einen Ge⸗ haltbaren Damm entgegen zu ſetzen— nie aufgeopfert werden. Nun moͤchte es aber nicht ſehr ſchwer ſeyn, zu er— runft weiſen, daß wenn in einem Staate z. B. die drey Staats⸗ Je⸗ gewalten wirklich voͤllig und unbedingt getrennt wuͤr⸗ daef⸗ den— welches mir in der Ausuͤbung gar nicht einmal moͤg— vas ſe lich zu ſeyn ſcheint— oder wenn irgend wo eine ſolche kuͤnſt— ftmit lich verwickelte Staatsform, wie ſie Fichte vorſchreibt, reali— wenn ſirt werden ſollte, ſehr bald Anarchie nothwendig eintreten geben, muͤßte. So lange aber dieſe Hyder nicht gaͤnzlich bekaͤmpft J das iſt; ſo lange bleibts gewiß eine vergebliche Muͤhe, an eine dert, vergroͤßerte Herrſchaft des Rechts zu denken. ſichert ſſing Die Staatsgewalt ſey in einer phyſiſchen oder morali⸗ peis⸗ ſchen Perſon vereint, ſie ſey unter viele oder wenige Perſo⸗ niht nen auf dieſe oder jene Art vertheilt. Wir werden, wenn geen wir nur beobachten wollen, ſehr bald gewahr werden, daß, le⸗ wie muͤhſam wir auch darnach ſtreben, mit Weisheit hier zu die theilen, und kuͤnſtlich verwickelte Staatsformen zu erſinnen, 4 puar die Natur dennoch alles auf Einheit zuruͤck fuͤhrt, und alles ver: weit einfacher zur Wirklichkeit bringt, als es nach unſern iemus Planen ſeyn ſollte. Es iſt, wie von Genz ſagt, beſchloſſen feut von einer Macht, die unſerer kurzſichtigen Klugheit und un— vin ſers ohnmaͤchtigen Ehrgeitzes zu ſpotten ſcheint, beſchloſſen⸗ un- daß die Herrſchaft uͤber die Welt nur Wenigen gehoͤren ſoll. wt 54— Die Staatsform ſey noch ſo verwickelt, dem Buchſtaben nach moͤgen noch ſo viele unter noch ſo verſchieden combinirten For— men das Ruder des Staats fuͤhren ſollen. Die Wahrheit wird immer darin beſtehen, daß— wenn anders nicht alles in Anarchie zuruͤckfallen ſoll— dennoch nur Einer, er heiße uͤbrigens Monarch oder Demagog, dieſes Ruder zu fuͤhren vermag und wirklich fuͤhrt. Koͤnnten und wollten wir aber auch hiervon wegſehen; ſo bleiben Alle, denen eine Staatsgewalt anvertrauet werden kann— es moͤgen deren Viele oder Wenige ſeyn— ſtets Menſchen, und zwar ſolche Nenſchen, welchen nothwendig eine große Macht anver— trauet werden muß, die ihnen hinreichende Mittel und Wege an die Hand giebt, um ungeſtraft das Unrecht herrſchend machen zu koͤnnen. Dieſe Macht kann und darf auch nie un⸗ ter mehrere ſo vertheilt werden, daß unter ihnen ein vermein— tes Gieichgewicht hervorgebracht werde, weil dann der Zu⸗ ſtand der Anarchie— als das groͤßte Uebel, welches der Menſchheit begegnen kann— wo nicht ſofort vorhanden, doch gewiß jeden Tag mit Grunde zu befuͤrchten ſtehet. Es muß alſo der innern unveraͤnderlichen Natur der Sache nach, unbedingt in jedem Staate irgend eine, gleichguͤltig welche, unwiderſtehliche UWebermacht vorhanden ſeyn, die leider das Vermöogen behaͤlt, ungeſtraft unrecht handeln zu koͤnnen. So lange die Menſchen ſchuldig bleiben, den Geboten der Vernunft zu gehorchen, ſo lange iſt jeder von ihnen ſchuldig, mitzuwirken, damit ein Zuſtand der Dinge hervorgebracht werde, wo das Recht ſo viel als moͤglich herrſche. Allein ſo lange Menſchen Menſchen regieren werden und regieren muͤſſen; ſo lange werden wir uns auch mit ſogenannten Noth⸗ ſtaaten behelfen muͤſſen, und ſo lange wied es nur eine Thor— heit bleiben, Staatsformen idealiſiren zu wollen, in welchen G& —₰ A Ade b mnfe ſn ſalm wein a daß V da ſc. R E I ſcal hun inngs. Nis ſchn b H 3 3 55 89 vermoͤge einer mechaniſchen Nothwendigkeit das Recht Tahxjet heree... 13 Iſt es aber auch von einer Seite hoͤchſt traurig, daß ein ni ale. unerbittliches Schickſal dieſes Loos uͤber die Menſchheit ge—. mer) e worfen zu haben ſcheint; ſo duͤrfte doch auf der andern Seite ude du fuͤr die letztere noch ein Mittel vorhanden ſeyn, zwar kei— ullen vi nesweges um ſich jener Macht, welche Unrecht thun will, di⸗ nen eine rect zu widerſetzen, ſondern blos um ihre Kraͤfte, ſich ſolche 5 dere Handlungen zu erlauben, zu laͤhmen, und dagegen immer en ſoche mehr diejenigen Kraͤfte zu ſtaͤhlen, welche dahin zwecken, um t mver dem Rechte die Herrſchaft zuzuſichern. Dies einzige Mittel und Vag duͤrfte blos in der genaueſten Feſtſetzung und der allge⸗ herrſchend meinſten Verbreitung unumſtoͤßlicher Grufͤndſaͤtze uͤber ih nie i die Rechte und die Pflichten, welche die Vernunft allen vermein⸗ Staatsoberhaͤuptern vorſchreibt, beruhen. Dasjenige unter n der zu⸗ ihnen, welches ein Vergnuͤgen daran findet, nicht nach Ver⸗ ſdiches de nunft, ſondern nach Willkuͤhr zu handeln, das wird zwar oihanden, Anfangs dieſe Grundſaͤtze verachten, vielleicht auch verlachen thet. Es und verſpotten. Aber ein ſolcher Souverain, und wenn auch ache nach ſeine Macht in andern Hinſichten noch ſo unbegrenzt ſeyn i welche ſollte, muß doch allmaͤhlig gewahr werden, daß der letztern ie leider wenisſtens in ſo weit von der Natur Grenzen geſteckt ſind, kännen. daß ſie nie dazu tauglich ſeyn und hinreichen kann, um aus oten der den Koͤpfen vieler Tauſenden, vielleicht vieler Millionen, ſchuldig, richtige Grundſaͤtze zu vertilgen. Er wird und muß rgebrach es zeitig genug gewahr werden, daß er einem Strome, der Allein ſt ſchon alles außer ihn uͤberſchwemmte, ohnmaͤchtig einen un⸗ d regieten haltbaren Damm entgegen zu ſetzen bemuͤhet iſt. Er muß es aten Nath⸗ inne werden, daß er mit Knabenarmen in das Naͤderwerk der Natur eingreift, und den thoͤrichten Wahn hegt, große Men⸗ tine Thuu ſchenmaſſen, die von den Geboten der Vernunft durchdrin⸗ jin welhe ——— 56— gen und nur bereit ſind, dieſen zu gehorchen, zu Maſchinen herabzuwuͤrdigen, welche ſeiner vernunftwidrigen Willkuͤhr froͤhnen ſollen. Es muß ihm endlich fuͤhlbar werden, daß die Aeußerung ſeiner Macht nur dann ſcheitert, wo er ſich ver— meſſen gegen die Vernunft auflehnt, hingegen einen voͤllig unbegrenzten Spielraum behaͤlt, ſobald er ihren Geboten ge— horcht. Er wird und muß alſo die Vernunft und das Recht am Ende wo nicht. lieb gewinnen, doch weniger verachten, zumal wenn er allmaͤhlig immer mehr gewahr wird, daß er an der Hand dieſer Fuͤhrerin nicht blos ein Eden um ſich her ſchafft, ſondern auch durch die innere Staͤrke ſeiner Nation zugleich diejenige ſeiner Macht taͤglich vergroͤßert. Statt uns alſo mit der undankbaren und gewiß vergebli— chen Arbeit zu beſchaͤftigen, Staatsformen zu erſinnen, in welchen ein rechtlicheres Zuſammenleben ſcheinbar mehr be— foͤrdert werden ſoll, laßt uns alle unſere Geiſteskraͤfte anwen— den, um mit unumſtoͤßlicher Gewißheit behaupten zu koͤnnen: dieſe Handlung duͤrfen alle, jene hingegen kein einzi— ges Staatsoberhaupt nach den Geboten der Vernunft un— ternehmen. Nur Thoren werden hiervon ſchleunig gute Wir— kungen erwarten. Aber auch nur Thoren werden aus dieſem Grunde jenes Bemuͤhen verwerflich finden, oder wohl gar verſpotten. Leſen wir Geſchichte, ſo erfahren wir, daß ſich Staats⸗ oberhaͤupter nicht ſelten erlaubten, ihre Unterthanen mit der Gewalt der Waffen zu Glaubensbekenntniſſen zu zwingen, oder wohl gar die ſchuldloſeſten Menſchen um deswillen auf eine ſchauderhafte Art hinrichten zu laſſen, weil ſie etwas an⸗ ders fuͤr wahr hielten wie ſie. Sollte es wohl in unſerm Zeitalter ein Staatsoberhaupt wagen, einen Johann Huß hinrichten zu laſſen, und zwar aus der Urſache, warum jener Jaſchüne Lileih daß die ſch ver in uüli boten ge⸗ as Recht elachten, daß er ſch her Nation vergebli⸗ nnen, in ehr be⸗ anwen⸗ konnen. einzi⸗ nft un⸗ te Wir⸗ dieſem ohl gar jtaats⸗ nit der ingen, len auf vas an⸗ unſerm in Hui im jener — 57 hingerichtet wurde? Wenn ſich ferner in unſerm Zeitalter alle Maͤchte des kultivirten Europa vereinigten: um die Einwoh⸗ ner des kleinſten Laͤndchens mit Gewalt zu einem Glauben, zur Annahme einer Religion zu zwingen. Sollte wohl jene unermeßliche Macht hinreichen, um dieſen Zweck zu errei— chen? Und warum nicht? Weil eine unermeßliche Anzahl von Menſchen von der Wahrheit vollkommen uͤberzeugt iſt, daß es etwas durchaus Vernunftwidriges ſey, irgend Jemand zu ei— nem Glauben, zur Annahme einer Religion mit Gewalt zu zwingen, oder ihm das Leben zu nehmen, weil er eigene Re— ligionsbegriffe hegt. Bruͤſtend wollen wir nun aber nicht gleich waͤhnen, wir, die wir keine Ketzer mehr verbrennen, waͤren nun kluͤger und handelten beſſer und rechtlicher wie un⸗ ſere Vorfahren. Nein wir wollen zwar der Vorſehung dan⸗ ken, daß die Menſchheit in den Schritten zur Vervollkomm⸗ nung ſo weit fortgeruͤckt iſt, daß jene vernunftwidrigen Hand⸗ lungen nicht weiter Statt haben koͤnnen. Aber wir wollen dabey um uns herum blicken, ob wir nicht Handlungen der Staatsoberhaͤupter gewahr werden, deren wir kaum achten und die vielleicht eben ſo vernunftwidrig ſind, wie das Hin⸗ richten der Ketzer. Wir wollen dann aus Gruͤnden zeigen, daß ſie den Geboten der Vernunft durch jene Handlungen zuwider handeln, daß Vernunft keine Grade habe, und folg— lich die Staatsoberhaͤupter ſich jener in eben dem Maaße, wie der Ketzerverbrennung zu ſchaͤmen haben. Wir wollen auf dieſe Art einen Saamen ausſaͤen, unbekuͤmmert wehin er faͤllt, und wann er Fruͤchte tragen wird. Endlich findet er, wenn er anders voll gewachſen war, einen Boden, in dem er zu keimen vermag, und dann werden dereinſt unſere Nach⸗ kommen ernten. Wir wollen es allen Voͤlkern der Erde an⸗ ſchaulich zu machen ſuchen, daß eine jede Staatsform, welche — 2 ———— 58— nur dazu tauglich iſt, um der Anarchie zu ſteuern, Anhaͤng⸗ lichkeit und Achtung verdiene, weil das Herrſchen des Rechts in ſelbiger und eine wahre Freiheit der Staatsbuͤrger mehr von dem Grade der Kultur und der Sittlichkeit, worauf ſich die letztere erheben wollen, als von der Staatsform abhaͤngt. Wir wollen dabey das reiche Vermaächtniß von Wahrheit, Sittlichkeit und Recht, welches uns unſere Vorfahren ſchon uͤberlieferten, nicht ferner unerkannt genießen. Wir wollen uns vielmehr ernſtlich beſtreben, auch aus unſern Mittein ei— nen Beitrag zu jener Hinterlaſſenſchaft zu legen, damit wir ſie reicher vermehrt der Nachwelt wieder abliefern, damit wir dem kommenden Geſchlechte eine Schuld entrichten, welche dem Vergangenen nicht mehr abgetragen werden kann, und damit wir an der unvergaͤnglichen Kette, welche durch alle Menſchenalter ſich windet, auch unſer vergaͤngliches Daſeyn befeſtigen. Grade weil es mir ſcheint, der Herr Graf von Soden liefere durch ſeine National⸗Oekonomie, einen aͤußerſt ſchaͤtzba⸗ ren Beitrag, um dem fuͤr die Menſchheit ſo wichtigen Ziele: die Rechte und Pflichten der Staatsoberhaͤupter nach den Vorſchriften der Vernunft feſtzuſetzen und zu begrenzen, all— maͤhlig naͤher zu ruͤcken, hat ſie ein großes Intereſſe fuͤr mich. Nach einer vielleicht viel zu langen Abſchweifung, zu der mich der Wuͤnſch verleitete, es zeigen zu koͤnnen, von welch einer unendlichen Wichtigkeit die genaue Feſtſetzung jener Rechte und Pflichten, fuͤr die Menſchheit iſt, erlaube es mir der wuͤrdige Verfaſſer, noch einmal zu ſeiner Einleitung zuruͤck— kehren zu duͤrfen. Ich war im Anfange dieſes Aufſatzes zu erweiſen bemuͤ— het, daß jedem Menſchen— auch ohne Ruͤckſicht auf Staats⸗ verbindungen zu nehmen— das vollkommne Recht zuſtehe, ih im Drr ane mn * M 1 d6 eng V— 59 )gr Auhn⸗ von allen uͤbrigen zu fordern, daß ihn Niemand in dem Be— Rchs ſtreben, ſeinen phyſiſchen Wohlſtand moͤglichſt zu vergroͤßern, d niit Hinderniſſe in den Weg lege. Ich war ferner zu zeigen be⸗ Vni ſch muͤhet, daß den Staatsoberhaͤuptern das vollkommne Zwangs⸗ ſäſim recht zuſtehe: alle Einrichtungen in einem Staate zu treffen, ajihi wodurch es moͤglich gemacht werden kann, damit jeder einzel— en ſchn ner Staͤatsbuͤrger zu dem hoͤchſtmoͤglichſten Grade vom phyſi— wollen ſchen Wohlſtande zu gelangen im Stande ſey. Ich war end⸗ tein ei⸗ lich dieſes dem Staate eingeraͤumte Recht fuͤr Mißdeutungen nit wit zu ſichern und insbeſondere zu zeigen bemuͤhet, daß wenn ihm nitwir ſolches auch eingeraͤumt werden muß, der Zweck derſelben den— dllche noch nie in Verbreitung einer allgemeinen Gluͤckſeligkeit ge— nn, und ſetzt werden duͤrſe. Wenn man nun die Frage aufſtellt: urch ale Worin beſtehet, was iſt National⸗-Oekonomiekunde? ſo glaube Daſeyn ich darauf antworten zu muͤſſen: Diejenige Wiſſenſchaft, welche ſich, ohne einige Ruͤckſicht Soden auf die beſondern Verhaͤltniſſe eines beſtimmten Staats zu ſchäzba⸗ nehmen, damit beſchaͤftigt, die Mittel aufzufinden, wodurch en diele: jedes Individuum der in Geſellſchaft zuſammen lebenden ach den Menſchen, wenn es ſeine Thaͤtigkeit innerhalb den Gren⸗ en, al zen, welche das Naturrecht vorſchreibt, anwenden will, ir mich. den hoͤchſtmoͤglichen Grad vom phyſiſchen Wohlſtand zu dr mich erlangen und zu bewahren im Stande iſt. heiner Ich hoffe es wenigſtens, der wuͤrdige Verfaſſer werde bey Rechte dieſer Beſchreibung deſſen, womit ſich die National-Oekono— nir der mie nach meinen Ideen beſchaͤftigen ſoll, voͤllig uͤbereinſtim— zut. men, da in ſeiner Einleitung mehrere Stellen enthalten ſind, welche gerade das ſagen, was ich hier behauptet habe. Nur Hbeni bitte ich eine Bemerkung hinzufuͤgen zu duͤrfen. Jedoch kei— Stans nesweges in der Abſicht, als wenn ich hier fuͤrchtete, der Ver— nrdh faſſer waͤre einer entgegen geſetzten Meinung, ſondern blos es, — um die Sache moͤglichſt zu beſtimmen. Es ſcheint mir naͤm— lich bey Feſtſetzung deſſen, womit ſich die National⸗Oekonomie zu beſchaͤftigen hat, noͤthig zu ſeyn, es zur ausdruͤcklichen Be⸗ dingung zu machen, daß jedes Individuum ſeine Thaͤtigkeit ſelbſt anwenden muͤſſe, um zu dem hoͤchſtmoͤglichen Grade von Wohlſtand zu gelangen. Geſchiehet dieſes nicht; ſo gewinnt die Sache beinahe das Anſehen, als wenn man durch die hier in Frage kommende fuͤr die Menſchheit ſo wichtige Kunde, dem Faullenzer eine Eſelsbruͤcke banen wollte, damit er um deſto mehr ſeinem ſtaatsverderblichen Laſter nachhaͤngen koͤnnte. Durchdrungen von der Wahrheit, daß Arbeit dem Staate alles ſchafft, uͤberzeugt, daß es eine der heiligſten Pflichten der Staatsoberhaupter iſt, der Faulheit entgegen zu arbeiten, habe ich allen Verdacht entfernen wollen, als ſolle nach meinen Ideen die National-Oekonomiekunde lehren, auf welchem Wege der Faullenzer am bequemſten Genuß erhalte. Nein, ſie ſoll lehren, welche Mittel und Wege eroͤffnet werden muͤſ⸗ ſen, damit dem Fleißigen Gelegenheit verſchafft werde, um ſeinen phyſiſchen Wohlſtand durch ſeine eigene Thaͤtigkeit er— werben und auf die hoͤchſte Stufe von Vollkommenheit brin⸗ gen zu koͤnnen. Wenn es ſich dieſemnach ferner fraͤgt: worin beſtehet, was iſt Staatswirthſchafts⸗Kunde? ſo glaube ich antworten zu muͤſſen: es ſey diejenige Wiſſenſchaft, welche ſich damit beſchaͤftigt, um in einem gegebenen Staate mit ſteter Ruͤckſicht auf die beſte— hende Verfaſſung und auf die Localverhaͤltniſſe des Staats, uach Anleitung der Vorſchriften der National⸗Oekonomie⸗ kunde, und ohne ſolchen je zuwider zu handeln, die Mittel aufzufinden, wodurch jedes in dem gegebenen Staate le⸗ bende Individuum, wenn es ſeine Thaͤtigkeit anwenden b V Pale b derme 61 ban will, den hoͤchſtmoͤglichen Ciad vom rhyſiſchen Wohlſtand titinde zu Aangen und zu bewahren im Slandseſi intei Sollte pfelleicht in den hier feſtgeſetzten Bezgriffen von Na⸗ Greme tional⸗Oekonomie⸗- und Staatswirtyſchaftsrunde etwas Wah⸗ res liegen; ſo bedarf es kaum erinnert zu werden, daß es ſegn thoͤricht gehandelt ſeyn wuͤrde, wenn ich mir das Verdienſt re ie anmaßen wollte, dieſe Wahrheit entdeckt zu haben. Nein, 4 Aund⸗ dankbar erkenne ich's, daß ich hier dem aͤußerſt ſchaͤtzbaren t er un Bemuͤhen des Verfaſſers, den Inbegriff jener Wiſſenſchaften nüünn. feſtzuſetzen, alles zu danken habe. Da indeß der Begriff, Sinit welchen ich mir von der Staatswirthſchaft mache, nicht voll⸗ Mäte kommen mit denjenigen des Verfaſſers uͤbereinſtimmt; ſo mag laneim, es mir vergoͤnnt ſeyn, es hier bemerklich machen zu duͤrfen, ih meinen in welchen Punkten mein Ideengang voͤllig mit demjenigen welcen des Verfaſſers uͤbereinſtimmt, und auch in welchen ich wenig— .Nin ſtens etwas von den Behauptungen des letztern abweiche. Ich den mäͤſ⸗ ſtimme ſerde, um 1) mit dem Verfaſſer uͤberein, wenn§. 7. und 8. das gkeit e⸗ Prinzip der National-Oekonomie und folglich auch dasjenige eitbein der Staatswirthſchaft in das allgemeine Streben der Menſch— heit nach einer hoͤhern Vollkommenheit geſetzt wird. Sollten eſtefet ja meine Ideen hier etwas anders modificirt ſeyn, wie dieje— worten gen des Verfaſſers; ſo habe ich mich daruͤber zu Anfang die⸗ ſes Anfſatzes ſchon hinreichend geaͤußert. Ich ſtimme um in 2) damit uͤberein, wenn§. 12. die National⸗Oekonomie⸗ ebeſte kunde das Naturrecht der geſelligen Menſchheit in Abſicht der ötaats, Erhaltung und Befoͤrderung ihres phyſiſchen Wohlſtandes ge⸗ onomie⸗ nannt wird. Nur darf dieſes wohl nicht ſo ganz woͤrtlich ver⸗ Mitte ſtanden werden, denn es ſcheint mir, daß die Lehren der Na— taate ke tional⸗Oekonomie mehrere ja viele Theile enthalten, welche mnwenden ſchwerlich in die Grenzen des Naturrechts eingeengt werden ———————M——4—“— 632— koͤnnen. Ja wollte man jenes buchſtaͤblich nehmen; ſo wuͤrde die National⸗Oekonomie als eine beſondere Wiſſenſchaft ver⸗ ſchwinden, und nur einen Theil des Naturrechts ausmachen, welches doch ſchwerlich wird behauptet werden koͤnnen. Allein demohngeachtet ſcheint mir ſo viel richtig zu bleiben, daß ſo wie in einem moͤgligſt rechtlichen Staate das Naturrecht dem Geſetzgeber die Normen an die Hand geben ſoll, wie er ſeine poſitive Geſetzgebung einzurichten hat, eben ſo muͤſſen die Ge— ſetze der National-Oekonomie dem Staatswirthe die Regeln vorſchreiben, wie er verfahren ſoll, und auf dieſe Art kann wenigſtens Vergleichungsweiſe National-Oekonomie das Na⸗ turrecht des Staatswirths genannt werden. Ich ſtimme 3) mit dem Verfaſſer darin uͤberein, daß dem Staats— oberhaupte die unbedingte Pflicht obliege, folglich auch noth— wendig das unbedingte Recht zuſtehen muͤſſe, in einem jeden Staate alle diejenigen Veranſtaltungen zu treffen, welche es wahrhaft bezwecken, daß jedem einzelnen Unterthan, wenn er ſelbſt ſeine Thaͤtigkeit anwenden will, alle Mittel und Wege eroͤffnet und alſo ein freier Spielraum verſchafft werde, um ſein individuelles phyſiſches Wohlſeyn zu erhalten, und zu der groͤßtmoͤglichſten Vollkommenheit zu bringen. Ich halte endlich 4) dafuͤr, daß der Verfaſſer den Dank der ganzen Menſchheit verdient, wenn er mit einem regen Eifer fuͤr Wahrheit und mit einem edlen Gefuͤhle fuͤr Freiheit und fuͤr Recht, es uͤberzeugend darzuthun bemuͤhet iſt,„daß die „Staatswirthſchaft die prohibitiven Geſetze der National⸗ „Oekonomie reſpectiren und einen großen Theil ihrer praͤcep⸗ „tiven Geſetze aufnehmen muͤſſe, daß alle Beſtimmungen, „welche die Staatswirthſchaft aus der National⸗Oekonomie „uͤbertraͤgt, nur negativ ſeyn koͤnnen, und daß das Feld ihrer un ſur en ealte „ſtal b kreie 1 1 bas Dann En mihe Snn ſite dubei „kin „N b nüne„poſitiven Beſtimmungen nur da geoͤffnet ſey, wo es die Na⸗ gaft le⸗„tional⸗Oekonomie durch poſitive Geſetze nicht geſchloſſen unattn,„habe. Daß eben hierdurch fuͤr die Staatswirthſchaft die n. Alin„Grenzlinie ihrer Zwangsgewalt und ihres Zwangsrechts ge⸗ 1, daß ſo„zogen werden maͤſſe.“ Wenn er ſagt:„Die National⸗Oeko⸗ ſct dn„nomie fordere eine Staatswirthſchaftliche Organiſation der er ſene„geſellſchaftlichen Verfaſſung, welche ſie in dem freien Spiel⸗ die Ge⸗ V„raume der Sorge, daß und wie jedes einzelne Glied Negenn„den hoͤchſtmoͤglichen Grad von Wohlſtand in der geſellſchaft⸗ tkann„lichen Verfaſſung erreichen koͤnne, nicht hemme. Indem ſie a6 N⸗„die Quellen des Wohlſtands der geſelligen Menſchen aufſu— ne„che, und die Mittel ihn zu erhalten und zu erhoͤhen angebe; Staats⸗„ſo ſey bey einer zweckmaͤßigen Organiſation der Staatsver⸗ G vothe⸗„faſſung, der Juſtiz ꝛc. dem Wirkungskreiſe der National⸗ m jeden„Oekonomie, naͤmlich der Sorge, daß jedes Individuum die elche es„aus dieſem Zuſtande der Dinge reſultirende Vervollkomm⸗ wenn er„nungsfaͤhigkeit benutze, freier Spielraum geoͤffnet.“ Wenn Wege er ſagt:„Die Staatswirthſchaft muͤſſe die Geſetze der Natio⸗ de, un„nal⸗Oekonomie in Abſicht des individuellen Wohl⸗ zu det„ſtandes mit heiliger Ehrfurcht ſchonen, da ihr Wirkungs⸗ halte„kreis von der National-Oekonomie erſt ausgehe; ſo muͤſſe „ſie die Grundſaͤtze pruͤfen, auf welchen jene ruhe, und alles zanzen„was ihrem Spielraume im Wege ſey, zu entfernen ſuchen.““ rfuͤr Wenn er aus der National-Oekonomie ſo gut wie aus der d ſut Staatswirthſchaftskunde alle Grundſaͤtze zu verbannen be— aß die muͤhet iſt, welche nur auf den Krieg gegen alle uͤbrigen dional Staaten berechnet ſind, wenn er in beiden nur ſolche Grund— graep ſaͤtze, welche weltbuͤrgerlich ſind, aufnehmen will und nungen, dabei behauptet:„nur diejenige ſtaatswirthſchaftliche Theorie dauun„koͤnne wahr und richtig ſeyn, welche die geſammte civiliſirte dd ihte„Menſchheit umfaſſe, der ganzen großen Familie Vortheil ge⸗ 7 ——ööö——˙˙˙ʃ—́ ———— 6⁴4— „waͤhre, und ſtatt jeder einzelnen Nation die naͤmlichen „Waffen zu einem ewigen Kriege in die Hand zu geben, die „heftigſte und der menſchlichen Seele natuͤrlichſte Fehde, den „ewigen Krieg um Wohlſtand, den Kampf des Neids und der „Eiferſucht, in dem allgemeinen Frieden des Wohls, in ein „allgemeines Beſtreben aufloͤſe, ſich wechſelſeitig zu bezluͤcken, „in der allgemeinen Gluͤckſeligkeit ſeinen eigenen Wohlſtand „zu ſuchen, und ſo alle Nationen, alſo die geſammte Menſch⸗ „heit in einen ſchoͤnen freundlichen Kranz zu flechten.“ Wenn er endlich ſagt:„Die ⸗National⸗Oekonomiekunde entwickele „aus dem phyſiſchen und moraliſchen Organismus der Menſch⸗ „heit die Geſetze, nach welchen der geſellige Menſch nach „Wohlſtand ſtrebe, und der Mittel, dieſe im geſellſchaftlichen „Zuſtande zu erlangen und zu erhalten. Kraft ihres Prinzips „duͤrfe ſie ſogar idealiſiren, und ſie waͤre die Poeſte der Berei— „cherungskunde zu nennen. Die Staatswirthſchaft hingegen „duͤrfe zwar die Geſetze der National⸗Oekonomie nie verletzen, „ſie muͤſſe ſich auch den Idealismus derſelben anzueignen ſtre⸗ „ben, aber ſie muͤſſe allenthalben, wo es Natur und Verhaͤlt⸗ „niſſe gebieten, zu der proſaiſchen Wirklichkeit zuruͤckkehren. „So wie die National⸗Oekonomie alles Empiriſche aus⸗ „ſchloͤſſe; ſo muͤſſe hingegen in der Staatswirthſchaft alles „Empirik ſeyn, was nicht als unmittelbares Reſultat jener „Wiſſenſchaft rein in dieſe heruͤber getragen werden koͤnne. „Die letztere muͤſſe die Formen, welche Gewohnheit, Sitten „und Verfaſſung geheiligt haben, reſpectiren, aber raſtlos da⸗ „hin arbeiten, ſich die Geſetze der National-Oekonomie an— „zueignen, ſo wie es der Zeitgeiſt, die Regierungsform, der „Charakter des Volks ohne gewaltſame Erſchuͤtterung geſtatte. „Was National⸗Oekonomie verbiete, duͤrfe in der Staats⸗ „wirthſchaft keine Stelle ſinden, und ſo muͤßten auch ihre Ge⸗ rde9 ſerdern fe ditt fiit n ulr iſe9s nnn e ba dedb ffeins. ſſſcren „dan l vſoke „del ihtet zdder! wvüͤrd „Gren Ah „ain Neie 65 rinſchen„ſetze der Markſtein des ſtnatswirthſchaftlichen Zwangsrechts ten, d„ſeyn. Jene muͤſſe daher dieſe allenthalben in die Grenzen he, dn„der Rechtlichkeit ihrer Prinzips zuruͤckbannen.“ zunddt Alle dieſe Grundſaͤtze ſcheinen mir von einem ſo außer⸗ , in ein ordentlichen, einleuchtenden, nahen, allgemeinen und umfaſ—⸗ nüt,* ſenden Intereſſe fuͤr die ganze Menſchheit zu ſeyn, daß, wenn öhltin je ein ſcharfſinniger Kopf auftreten ſollte, der die Unrichtig⸗ Nenſi⸗ keit derſelben zu erweiſen vermoͤchte, ich wo nicht allen Glau⸗ Venn ben an Wahrheit verlieren, doch wenigſtens nicht ohne Zittern nvikeſe dieſe widerlegende Demonſtration leſen wuͤrde, indem ich mir Nſ dann einbildete, ſelbſt die pratttſche Vernunft verbaune in ud eben dem Maße, wie manche Haͤupter der Erde es verſuchten, nſth b die Menſchheit zu einer ewigen Sklaverey. Nrnis Dagegen will nun aber bey folgenden Stellen der Gang. rBerti meiner Ideen nicht vollſtaͤndig mit denjenigen des Herrn Ver⸗ uuggen faſſers uͤbereinſtimmen. Der letztere ſagt:§. 3 ionn man däem V„den Geſellſchaftskontrakt in ſeine Urbeſtandstheile aufloͤſt; 1 ſe V„ſo laßt ſich auch aus ihm kein anderer Zweck, als das Wohl dſe„der Geſellſchaft folgern. Die Staatsgewalten haben 3„ihrer Natur nach, ihre Rechtlichkeit in dem ſtillſchweigenden e V„oder ausdruͤcklichen Anerkenntniß des Nazionalwillens; es 8„wuͤrde alſo allenthalben die Staatswirthſchaft außer den „Grenzen ihres Auftrags liegen, alſo einzig als ſpekulative hei„Kunde erſcheinen, deren Anwendung ſich auf alſurpation ſin„gruͤnden, alſo dem Sittengeſetze widerſtreben, alſo nach Püi„rein philoſophiſchen Anſichten aus der Reihe der Wiſſenſchaf⸗ b„ten verſchwinden muͤßte.§. 6. Wenn wir den Staat ün„nach rein metaphyſiſchen Anſichten in die drey Gewalten ab⸗ ſei theilen; ſo finden wir in keiner derſelben die Kauſalitaͤt geknat.„der Staatswirthſchaft. Die geſetzgebende Gewalt enthaͤlt Auni nur den vereinigten Willen der Staatsbuͤrger zu Erhaltung hte Ge⸗ 5 8 1 ——,———öJ—Yeu eeee — „der Uebereinſtimmung ihres buͤrgerlichen Daſeyns nach „Rechtsprineipien; der vollziehenden, die nur dieſen ver⸗ „einigten Willen vollſtreckt, und der richtenden, die nur „dem Staatsbuͤrger das Seine zuerkennt, iſt die Staats⸗ „wirthſchaft vollends fremd.§. 7. Der Staast beſtehet, „nach rein metaphyſiſcher Anſicht, in der Univerſalitaͤt der „Staatsbuͤrger, welche den Boden ihrer Wohnung als noth⸗ „wendige Bedingung der Exiſtenz, als Praͤdikat einſchließt; „die oberſte Staatsgewalt uͤberſchreitet den beſtimmten Zweck „der buͤrgerlichen Vereinigung, ſo oft ſie weiter gehet, als, 3„das Heil des Staats zu begruͤnden und zu erhalten; ſo oft „ſie ſich alſo mit der Begluͤckung und Vervollkomm⸗ „nung beſchaͤftigt. Dann fehlt der Staatswirthſchaft aller „Gegenſtand und ihrem Princip alle Rechtlichkeit. „§. 12. Die Staatswirthſchaftskunde, als ein Theil der „Staatsverwaltungs⸗Wiſſenſchaft, begreift alle die Grund— „ſaͤtze, welche in alleiniger, ſtrenger und ausſchließender Be⸗ „ziehung auf dieſen Staatszuſtand anzuwenden ſind, um der „Geſammtheit der Staatsbuͤrger als Geſellſchaft in „Abſicht ihres phyſiſchen Wohlſeyns den hoͤchſtmoͤglichen Grad „der Staats⸗Vollkommenheit zu gewaͤhren.§. 13. Die „Staatswirthſchaftskunde hat es nur mit dem Geſammt⸗ „vermoͤgen der Geſellſchaft im Ganzen zu thun, mit dem „Wohl des Staats und deſſen Erhoͤhung und Erhaltung. „§. 14. Dem gemaͤß iſt alſo die Tendenz der Staatswirth⸗ „ſchaft, dem Staate als Staat, mithin in politiſcher und „ökonomiſcher Hinſicht den hoͤchſten Grad der Vollkommenheit „zu dem Zwecke ſeiner Staatseriſtenz zu geben.§. 17. „Das Princip der National⸗Oekonomie iſt: das hoͤchſte Sit⸗ „tengeſetz, des Wohlwollens, der Humanitat, und dem gemaͤß: „Begluͤckung der Nazionalindividuen; aber in dem Prin⸗ 38„cip der Seenaesdepealtuſ liegt dazn kein e Pflicht⸗ alſo iem„auch kein Zwangsrecht. Da Princip der Staatsverwal⸗ 8„tung iſt nur Begruͤndung, Sicherung und Bewahrung der b tmts„Staatsgeſellſchaftlichen Vortheile, in ſo weit ſie uiůg)„aus der geſellſchaftlichen Verbindung unbedingt fließen. Das i de„ethiſche Prineip der National⸗Oekonomie, das Princip der neiſ„Humanitaͤt ſchließt aber das Zwangsrecht aus, weil ihliet„es um der unvermeidlichen Kolliſtonen mit dem hoͤchſten dreck„menſchlichen Gute, der Freiheit, willen, in dem naͤmlichen t, als,„Augenblicke aufhoͤren, und ſeine Quelle, naͤmlich die hohere leſt„Moralitaͤt, verlaͤugnen wuͤrde.§. 21. Auch die Staats⸗ tomm⸗„wirthſchaft iſt alſo, nach Herſtellung der Rechtlichkeit ihres ſt aller V„Prinzips, eine Staatsgewalt, und ſchließt alſo ein ichkeit.„Zwangsrecht ein. heil der Nach den hier extrahirten Stellen bleibe ich wenigſtens Grunde daruͤber ungewiß, und es iſt mir 1) nicht voͤllig klar, was der De⸗ der Verfaſſer darunter eigentlich verſtehet, wenn er den Zweck um der der Staaten darin ſetzt, das Wohl oder das Heil des aft in Staats zu begruͤnden und zu erhalten. Es bleibt in Grad mir 2) ungewiß, ob er den Staatsoberhaͤuptern die begluͤk— 3. Die 1 kende Gewalt zuſpricht oder nicht? und was er eigentlich dar⸗ mmtt unter verſtehet? Es wird 3) zweifelhaft, ob nach den Ideen nitdem V des Verfaſſers die Staatswirthſchaft in dem Geſellſchafts— tung. Contracte, wenn man ihn in ſeine Urbeſtandtheile aufloͤßt, wirth⸗. wirklich liege oder nicht? Es ſcheint beinahe 4) als wenn der er und— Verfaſſer außer der geſetzgebenden, vollziehenden und rich— nenheit tenden Gewalt, noch eine vierte davon abgeſonderte, naͤm⸗ §. 17. lich die Staatswirthſchaftliche, anzunehmen geneigt iſt. Es ſte Eit bleibt mir 5) dunkel, ob der Verfaſſer die Geſetze der Natio— gemäj: nal⸗Oekonomie unter die blos ethiſchen rechnet, oder ob m Paine er will, daß ſie auch zu den rechtlichen gezaͤhlt und folglich 7 68— ein Zwangsrecht hervorbringen ſollen? Es iſt mir endlich 6) nicht vollkommen deutlich geworden: womit ſich nach den Ideen des Verfaſſers die Staatswiethſchaft beſchaͤftigen, worin beſtimmt ihr Gegenſtand beſtehen, ob ſie blos die Geſetze der National⸗Oekonomie auf einen gegebenen Staat anwenden oder ob ſie vielleicht etwas davon noch verſchiedenes ins Werk richten ſoll? Es kann moͤglich ſeyn, daß ich den Sinn des Verfaſſers nicht vollkommen gefaßt habe; es kann moͤglich ſeyn, daß er alle die hier erregten Zweifel ſehr leicht hinweg zu raͤumen vermag; es kann endlich moͤglich ſeyn, daß ſie bey andern Le⸗ ſern der von Sodiſchen National⸗Oekonomie gar nicht ein— mal aufſtiegen. Allein der unendlichen Wichtigkeit der Sache wegen hoffe ich, wird es mir der wuͤrdige Verfaſſer erlauben, daruͤber meine Ideen an den Tag legen zu duͤrfen. 1) Wenn der Zweck des Staats darin beſtehen ſoll: deſ⸗ ſen Wohl, deſſen Heil zu begruͤnden und zu erhalten; ſo vermag ich mit dieſen Worten keinen andern deutlichen, be— ſtimmten und paſſenden Begriff zu verbinden, als denjenigen, welchen Kant jenen Worten unterlegt, indem er ſagt, ſie be— deuteten ſoviel, der Zweck der Staaten gehe dahin den Zuſtand der groͤßten Uebereinſtimmung der Verfaſſung mit Rechtsprinzipien hervor zu bringen. Nimmt man dieſe Auslegung als richtig an, haͤlt man an die⸗ ſen, wie es mir ſcheint, hinreichend beſtimmten Begriffe feſt, und verbannet alle Nebenbegriffe, welche das ſchwankende Gluͤckſeligkeitsprinzip ſo gern unvermerkt an die Hand giebt; ſo moͤchten mehrere der vorhin erregten Zweifel von ſelbſt ver— ſchwinden. Iſt's naͤmlich richtig, was ich zu Anfange dieſes Aufſatzes zu deduciren bemuͤhet war, daß es nicht blos eine tthiſt hfich Ne ten ſt hrintt dieſer Zvang ſnd dit iich uns Iichet i 8s 395 Jerun. Kenut augen 1 Mo nanita räͤge, nicht (it eb Nagen) 3 Wehe alſd ſe C d we NMatit wied. 09 it enii erhi ſche, ſonbern zugleich eine rechtliche wahre Zwangs⸗ nah de pflicht ſey r. vorin Niemanden in dem Streben nach— und in den Forrſchrit⸗ zſ ten zu einer groͤßern Vollkommenheit zu hindern, Idinie— ſo bringt auch National-Oekonomie, deren oberſtes Geſetz in at dieſer ebenerwaͤhnte cathegoriſcher Imperator iſt, wahre Zwangsrechte und wahre Zwangspflichten hervor. Allerdings gerfaſſer ſind dieſe Rechte vor Errichtung eines Staats blos proviſo⸗ „daß er riſch, und werden dann erſt peremtoriſch, wenn der Staat er⸗ taumen richtet iſt. Aber demohngeachtet bleibt jenes Recht ein wah⸗ dein be⸗ res Zwangsrecht in eben dem Maße wie das Poſtulat der nict an⸗ Vernunft: erfuͤlle die errichteten Vertraͤge. Ich kann es da— de Snce her nicht fuͤr wahr und richtig annehmen, wenn der Verfaſſer erlauben, ſagt: das ethiſche Prinzip der Nazional-Oekonomie, das „Princip der Humanitaͤt, ſchließt das Zwangsr echt aus, „weil es, um den unvermeidlichen Kolliſionen mit dem hoͤch⸗ „ſten menſchlichen Gute, der Freiheit, willen, in dem naͤmlichen „Augenblicke aufhoͤren, und ſeine Quelle, naͤmlich die hoͤhere oll: deſ alten; ſo in, 3„Moralitaͤt verlaugnen wuͤrde.“ Denn das Prinzip der Hu⸗ An ug manitaͤt ſcheint mir gleichfalls zu gebieten: erfuͤlle deine Ver— jed⸗ traͤge, weil, wenn keiner Vertraͤge zu erfuͤllen rechtlich 4(nicht blos moraliſch) verpflichtet ſeyn ſollte, die ganze Menſch⸗ ruſim heit eben ſo wenig zu dem Grade von Vollkommenheit zu ge— langen im Stande waͤre, als wenn Jedem erlaubt wuͤrde, an dier Andern Hinderniſſe in den Weg zu legen, um ihren phyſiſchen tife fi, Wohlſtand zu erhalten und zu vergroͤßern. So wenig es vankende alſo dem Prinzipe der Humanitaͤt zugegen ſeyn kann, daß nd gieht; die Erfuͤllung der Vertraͤge erzwungen werden, eben ſelbſ ve V ſo wenig leidet ſolches darunter, wenn das oberſte Geſetz der nge dieſe National⸗ Oekonomie durch Zwang zur Wirklichkeit gebracht los eine V wird. 79 4—— Freilich wenn man die blos ethiſche Pflicht: ſtrebe darnach, um ſowohl deinen Geiſt als deinen Koͤr⸗ per zu dem hoͤchſtmoͤglichen Grade von Vollkom⸗ menheit zu bringen, zu einer Rechtspflicht erheben und irgend Jemand, er heiße Staatsoberhaupt oder Mitbuͤrger, gegenuͤber ſtellen wollte, der die Erfuͤllung dieſer Pflicht als ein Recht zu erzwingen die Befugniß haben ſollte, dann wuͤr⸗ de allerdings das hoͤchſte menſchliche Gut, die Freiheit, in unvermeidliche Kolliſionen mit jenem Zwangsrechte kommen, dann wuͤrde ſie in dem naͤmlichen Augenblicke aufhoͤren, und das Princip ſeine Quelle, naͤmlich hoͤhere Moralitaͤt;, ver⸗ laͤugnen. Aber gebietet das Geſetz blos: verhindere Nie⸗ manden in dem Beſtreben nach einer groͤßern Vollkommenheit, macht es nur dieſes zu einer rechtlichen erzwingbaren Pflicht; ſo finde ich bis dahin keinen Grund, warum es mit der Frei⸗ heit unvertraͤglich ſeyn ſollte. Denn das Streben nach einer groͤßern Vollkommenheit, das kann mit der Freiheit von Je⸗ dermann nach einem allgemeinen Geſetze zuſammen beſtehen. Derjenige, welcher Jemand daran hinderte, wuͤrde alſo dieſem unrecht thun, und desfalls ſich nicht mit Grunde beklagen koͤnnen, daß ſeine Freiheit eingeſchraͤnkt werde, wenn man ihn noͤthigte, jene Verhinderung zu unter⸗ laſſen. Alſo das Princip der National⸗Oekonomie ſchließt al⸗ lerdings ein Zwangsrecht in ſich. Wollte man das Gegen⸗ theil hiervon annehmen; ſo wuͤrden die Geſetze derſelben blos Moralgeſetze ſeyn, welche nie erzwungen werden koͤnnten. Und ſoll anders— wohin doch im Ganzen die Idee des Ver⸗ faſſers zu gehen ſcheint— die Staatswirthſchaftskunde, die auf einen gegebenen Staat angewandte National⸗Oekonomie⸗ kunde lelbes Reth fugt. Staob fonal” Geſells nute dn, ſe en Ur ir N die EEih0s fionets dirt 3 wüedt andent Viih V an, b techton uut de R i R. beſän buͤrg mir daß trag wich T 71 ſtrebe kunde ſeyn; ſo duͤrfte es bey jener Vorausſetzung unmoͤglich aia bleiben, für de oberſte Staatsgewalt ein Zwangsrecht nach Kn m Neihtsprineipien zu begränden⸗ vermoͤge deſſen ſie die Be⸗ ſan. fugniß hielts⸗ Staarswwirthſchaft i einem gegebenen fitt Saate ausaͤben zu ämen Deun ſind die Geſeke der Na⸗ zuir tional„Oekonomie blos moraliſche Vorſchriften; ſo koͤnnen die Geſetze der von ihr abgeleiteten Staatswirthſchaft gleichfalls hen, in nur ethiſch ſeyn, und duͤrfen um ſo weniger erzwungen wer— annin, den, da die Staatswirthſchaft, ſelbſt mach der gewiß richti— 1 ind gen Behauptung des Verfaſſers, den prohibitiven Geſetzen d, 1n der National-Oekonomie nicht entgegen handeln darf, und nt N die praͤceptiven ſich ſo viel als moͤglich zu eigen machen muß. wenzet, Gehoͤrte es alſo z. B. unter die prohibitiven Geſetze der Na— Miiht tional⸗Oekonomie, Niemanden zu etwas zu zwingen, und der Frei⸗ duͤrfte die Staatswirthſchaft dieſen nie entgegen handeln; ſo dch einer wuͤrde es der letztern unverkennbar unmoͤglich ſeyn, auf eine von Je V andere Art, als blos durch Belehrung zur Thaͤtigkeit und beſthen. Wirkſamkeit zu gelangen. Nimmt man aber im Gegentheil rde aſo an, daß das Princip der National⸗Oekonomie Zwangs⸗ Giue rechte in ſich ſchließe; ſo ergiebt es ſich werde, unte⸗ 2) von ſelbſt, daß Staatswirthſchaft allerdings in den Urbeſtandtheilen des geſellſchaftlichen Contracts liege. Daß die Rechtlichkeit aller Gewalt der Staatsoberhaupter nur eeßt al⸗ in dem— verſtehet ſich in dem durch die Vernunft gehoͤrig Gegen: beſtimmten— Willen, nur in dem Auftrage der Staats— ben Ubb buͤrger aufgeſucht, und darauf gebauet werden koͤnne, ſcheint konnten. mir zwar vollkommen richtig zu ſeyn, aber daraus folgt nicht, des Ver daß Staatswirthſchaft außerhalb den Grenzen dieſes Auf⸗ unde, die trages liege. Ich war zu Anfange dieſes Auſſatzes zu ent⸗ kkoromie wickeln bemuͤhet, daß, wenn eine Menſchenmaſſe ſich durch ——.. 1 —2—8ͤͤööööö—öqꝑo-—e· die Wah eines Oberhaupts zu einem Volke, zu einem Staate conſtituiren und vollkommen die Gebote des Rechts voll— ziehen wollte; ſo ſey ſie ſchuldig und ein cathegoriſcher Impe— rativ befoͤhle es ihr, jenem die Staatswirthſchaft, das heißt, das Recht mit zu uͤbertragen: auf alle Art und Weiſe dafuͤr zu ſorgen: daß Niemanden im Staate Hinderniſſe in den Weg gelegt werden, ſeinen phyſiſchen Wohlſtand durch ſeine Thaͤtigkeit zu der hoͤchſten Stufe zu bringen. Es liegt daher nach meinem Dafuͤrhalten die Kauſalitaͤt der Staatswirth⸗ ſchaft allerdings in den drey Staatsgewalten. Soll naͤmlich die Geſetzgebende den vereinigten Willen der Staatsbuͤr⸗ ger zu Erhaltung der Uebereinſtimmung ihres buͤrgerlichen Daſeyns nach Rechtsprincipien enthalten, und zwar voll⸗ ſtaͤndig enthalten; ſo gebieten dieſe letztern unverkennbar das eben angedeutete Hauptgeſetz der National⸗Oekonomie. Wollen alſo die Menſchen vollkommen rechtlich im Staate neben einander leben; ſo muß die geſetzgebende Gewalt Ge— ſetze ertheilen, welche es bezwecken, damit jener phyſiſche Wohlſtand aller Unterthanen durch ihre Thaͤtigkeit erreicht und Keinem deshalb Hinderniſſe in den Weg gelegt werden koͤnnen. Die Unterthanen ſind unbedingt ſchuldig, alle Ge— ſetze, welche zu dieſem Endzwecke gegeben werden, die puͤnkt— lichſte Folge zu leiſten, nicht blos weil es die Macht will, ſondern weil es die Grundſaͤtze des Rechts gebieten, Liegt aber die Kauſalitaͤt der Staatswirthſchaft in der geſetzgebenden Gewalt; ſo bedarf es keiner weitern Deduction, daß ſie auch eben ſo in der vollziehenden liegen muͤſſe, weil dieſe jenen vereinigten Willen vollſtreckt, folglich auch jene zur Realiſirung der Staatswirthſchaft noͤthigen Geſetze nothwendig vollſtrecken muß. V V V V V V feran 1o7 dn eimt du — 73 n Stan Aber auch ſelbſt der richtenden Gewalt iſt die Staats⸗ ts vl⸗ wirthſchaft keinesweges fremd. Liegt die letztere, wie ich ge— u Inge⸗ zeigt zu haben vermeine, mit in der geſetzgebenden, und ds heiſt giebt dieſe zu dem erwaͤhnten Zwecke poſitive Verordnungen; ſe ufit ſo verſtehet es ſich ſchon von ſelbſt, daß die rechtſprechende in den Gewalt ſchuldig iſt, in Gefolg dieſer poſitiven Geſetze ihre c ſein Erkenntniſſe einzurichten. Aber geſetzt auch, die geſetzge— tdaher bende Gewalt habe in einem Staate gar keine poſitive Ge⸗ wütth⸗ ſetze jener Art gegeben; ſo moͤchte ich dennoch behaupten, imlic daß Staatswirthſchaft keinesweges außerhalb den Grenzen nebär⸗ der richtenden Gewalt liege. Der dagegen gemachte Ein⸗ läica wand, daß die letztere dem Staatsbuͤrger nur das Seine tvoll zuzuerkennen ſchuldig ſey, iſt zwar allerdings ſcheinbar, kennbar aber auch nur ſcheinbar. Denn dieſes Seine des Un⸗ nomie. terthanen kann, wie ich oben gezeigt zu haben vermeine, Otaate nach Rechtsprincipien nie etwas ganz und gar Unbedingtes alt Ge⸗ ſeyn, ſondern jeder Unterthan hat es mit der Einſchraͤnkung hyſiſche, erhalten, wenn es kein Hinderniß wird, daß die uͤbrigen erreicht Unterthanen zu einem hoͤhern Grade vom phyſiſchen Wohl⸗ werden ſtand gelangen koͤnnen. le Ge⸗. vntt Um meine Ideen hieruͤber ſo viel als moͤglich fuͤr Miß— wil, deutungen zu bewahren, erlaube man mir folgendes Beyſpiel. Die Zehntpflichtigen einer Jeldmark ſollen einnral in einen 4 Lande, worin uͤber dieſe Angelegenheit gar keine poſi⸗ in de tive Geſetze vorhanden ſind, gegen einen Zehntherrn klagend duttien, 1 auftreten, und nicht blos behaupten, ſondern auch vollkom⸗ miſe men erweiſen— das ſetze ich hier unnachlaͤſſig zum vor⸗ ach uch d aus— daß, wenn jener Zehnte ferner auf die bisher ge⸗ nGiſtze wohnte Art gezogen werden ſollte; ſo wuͤrde es ihnen Allen voͤllig unmoͤglich werden, zu dem Grade vom phyſiſchen 1 ——————— 2 14 Wohlſtande zu gelangen, welchen ſie leicht zu erreichen ver⸗ moͤchten, ſobald die Zehntziehung nicht mehr geſchaͤhe. Wenn ſich ferner jene Zehntpflichtigen erboͤten, den Zehntherrn we— gen des Schadens, welchen er durch Entbehrung des Zehntens erleiden wuͤrde, vollkommen zu entſchaͤdigen— dieſes ſetze ich hier wieder als eine unnachlaͤſſige Bedingung zum vor— aus.— Und wenn nun die Zehntpflichtigen bey dem Richter darauf antruͤgen: in Rechten zu erkennen, daß der Zehntherr das angebotene vollſtaͤndige Equivalent ſtatt des Zehntens anzunehmen verpflichtet ſey; ſo gebe ich ſo viel gern zu, daß der Beweis, welcher den Zehntpflichtigen zu fuͤhren obliegt, nicht leicht zu fuͤhren iſt, ich gebe ferner zu, daß das dem Zehntherrn gebuͤhrende vollſtaͤudige Equiva⸗ lent oft noch weit ſchwerer auszumitteln ſeyn duͤrfte. Ich gebe es endlich zu, daß wenn der Richter bey einer Klage jener Art nicht aͤußerſt ſorgfaͤltig zu Werke gehet, er dem Zehnt⸗ herrn ſehr leicht einen Theil ſeines Eigenthums entnehmen kann. Allein ſetze ich einmal als gewiß zum voraus, der vorerwaͤhnte Beweis ſey vollſtaͤndig gefuͤhrt, und das ange⸗ botene Equivalent ſey in jeder Ruͤckſicht hinreichend, um den Zehntherrn ſchadlos zu halten; ſo wuͤrde ich in der Stelle des Richters kein Bedenken tragen, den Zehntherrn von Rechtswegen zu verurtheilen, das angebotene Equivalent ſtatt des Zehntens anzunehmen, wenn ich anders als gewiß annehmen duͤrfte, daß blos die Gebote des Na⸗ turrechts in Foro eine Klage zu begruͤnden vermoͤchten. Freilich wer das Eigenthum als etwas durchaus Unbe⸗ dingtes betrachtet, und wer ſich nicht uͤberzeugen kann, daß es eine rechtliche Pflicht der Menſchen ſey, Niemanden in den Fortſchritten zur Erreichung eines groͤßern Wohlſtandes 75 en ve b hinderlich zu ſeyn, der wird mich wahrſcheinlich wegen jener Lemn V Behauptung verketzern und dabey beſchuldigen, daß dadurch. un we⸗ das Eigenthum wankend gemacht werde. Allein bey einer uencac naͤhern Pruͤfung der Sache duͤrfte es erhellen, daß dieſes dieſes letztere nicht der Fall ſey, weil man ſchwerlich mit Wahrheit im vor⸗ V zu behaupten vermag, demjenigen, welcher ein vollkommen ſicter hinreichendes Equivalent fuͤr ſein Eigenthum erhaͤlt, werde F der ſolches genommen, oder auch nur geſchmaͤlert. Der Zehnt— t des herr wuͤrde alſo in dem vorhin beſtimmten Falle nur genoͤthigt, viel ſein Eigenthum gegen ein anderes zu vertanſchen, und ſeiner en ſu Willkuͤhr, andere Menſchen zu verhindern, einen hoͤhern deſ Grad von Wohiſtand erreichen zu koͤnnen, der wuͤrden durch glida: jenes Erkenntniß nur die Grenzen geſetzt, welche Rechisprin⸗ hgebe cipien gebieten. ſener ehat Wie es mir ſcheint; ſo liegt etwas ſehr Aehnliches wo hmen nicht voͤllig Gleiches in der roͤmiſchen actione communi di- der videndo, vermoͤge deren Derjenige, welcher mit Mehreren angt irgend eine Sache pro indiviso beſitzt, die Uebrigen noͤthi⸗ end gen kann, daß ſie mit ihm theilen, damit Jeder ſeinen An— Nder theil pro diviso erhalte. Gehet man von dem Princip aus, ee daß das Eigenthum etwas voͤllig Unbedingtes ſey; ſo iſt dieſe rene Gemeinſchafts⸗Theilungsklage gewiß eben ſo ſehr den Rechts⸗ ders grundſaͤtzen zuwider und erſchuͤttert eben ſo ſcheinbar das Ei⸗ R genthum, wie die vorhin von mir bezeichnete. Denn koͤnnte es den Unterthanen erlaubt ſeyn, ihr Eigenthum nach einer . voͤllig unbedingten Willkuͤhr ſtets grade ſo zu behalten, wie Unbe ſie es einmal beſitzen; ſo koͤnnte auch Jeder, wider den eine ,d Gemeinſchafts⸗Theilungsklage angeſtellt Lonid⸗ ſolche ſedad⸗ dein lich dadurch aus dem Wege raͤumen, daß er ſagte: kich will fun nicht theilen, und ich will mein Eigenthum pro indiviso be: —ÿyy y———— 76 halten. Die Roͤmer gingen zwar von keinen national oͤko⸗ nomiſtiſchen Grundſaͤtzen aus, wie ſie jene Klage durch poſi⸗ tive Geſetze ſanctionirten, indem ſie dadurch nur oͤftere Strei⸗ tigkeiten verhuͤten wollten. Allein ſehr viele Gemeinſchafts- Theilungsklagen laſſen ſich auch— abgeſehen von poſitiven Geſetzen— aus den Principien der National⸗Oekonomie vollkommen rechtfertigen, und ſoll blos die Wahrſſchein⸗ lichkeit vieler Streitigkeit ein hinreichender Grund ſeyn, um dem Eigenthume der Unterthanen Schranken zu ſetzen, und um zu gebieten, daß ſie das bisher pro indiviso beſeſſene Eigenthum nunmehr pro diviso beſitzen ſollen; ſo vermag ich keinen Grund zu finden, warum ein poſitives Geſetz, welches verordnete, daß Jeder ſein Eigenthum zu vertauſchen ſchuldig 1——— ſey, ſobald erwieſen wuͤrde, daß vermoͤge dieſes Tauſches mehrere Unterthanen einen großen phyſiſchen Wohlſtand zu erreichen im Stande waren, den Rechtsprincipien zuwider laufen ſollte. Ferner nimmt man den von mir aufgeſtellten Grundſatz nicht als richtig an; ſo ſcheint es mir durchaus unmoͤglich zu ſeyn, es nach Rechtsprincipien zu vertheidigen, wenn z. B. der Staat eine Feſtung, oder einen Hafen, oder einen Canal, oder eine Heerſtraße anlegt, und dazu das Privateigenthum Einzelner benutzt. Man hatte zwar laͤngſt ein dunkles Ge⸗ fuͤhl(welches hier ſelten truͤgt) davon, daß der Staat noth⸗ wendig hierzu ein Recht haben muͤſſe, und daß folglich das Eigenthum der Unterthanen nichts voͤllig Unbedingtes ſeyn koͤnne. Weil man aber den wahren Grund hiervon aus Rechtsprincipien herzuleiten verſaͤumte, ſo verkroch man ſich aus Bequemlichkeit auch hier unter den weiten Mantel, den man Wohl des Staats oder allgemeine Gluͤckſe⸗ 77 ni;it ligkeit nennt, der ſo manche Handlungen der Staatsober⸗ tc zeſf. haͤupter bedecken muß, bey dem ſich aber entweder gar Snri V nichts Beſtimmtes denken laͤßt, oder der, wenn man ihm ſchafts⸗ V den Kantiſchen Begriff unterlegt, fuͤr ſich allein gar ſititen) nicht faͤhig iſt, irgend eine Handlung der Menſchen uͤber⸗ onomie haupt und insbeſondere diejenigen der Staatsoberhaͤupter zu hein⸗ rechtfertigen. Denn ſoll Wohl des Staats, ſoll all⸗ ſeyn, V gemeine Gluͤckſeligkeit die groͤßtmoͤglichſte Ueberein⸗ tzen, V ſtimmung im Staate mit Rechtsprincipien, bedeuten; ſo muß ſene es Jedem einleuchten, daß wenn irgend Jemand behauptet: dih er handle rechtmaßig, weil er das Wohl des Staats dühs V oder allgemeine Gluͤckſeligkeit befoͤrdere, dieſes eine huldig V wahre petitio principii iſt, indem er, bevor er das letztere ſches V mit Grunde zu behaupten vermag, erſt darthun muß, daß d zu b er den Rechtsgrundſaͤtzen gemaͤß handle, und in dem Rechts⸗ vider principe allerdings das Wohl des Staats oder allgemeine Gluͤde ſeligkeit, aber dieſes unter keiner Bedingung jene her— vorzubringen vermag, denn Wohl des Staats(wenn man dſatz obigen Begriff nicht damit verbindet) iſt in eben der Maaße, hzu. wie allgemeine Gluͤckſeligkeit, etwas durchaus Empiriſches. „B. Rechtsgrundſaͤtze muͤſſen aber, abgeſehen von aller Empiri, nal nothwendig blos durch Abſtraction gefunden werden. Es iſt um daher unter keiner Bedingung moͤglich, daß blos Wohl des ge⸗ Staats oder allgemeine Gluͤckſeligkeit irgend eine Handlung uhe der Menſchen zu rechtfertigen im Stande iſt. das ſehn Wenn alſo die eben erwaͤhnten Handlungen des Staats aas als rechtlich dargeſtellt werden ſollen; ſo iſt es unumgaͤnglich nſich noͤthig, zuvor aus Rechtsprincipien zu erweiſen, daß das Ei— ,un genthum der Unterthanen nichts voͤllig Unbedingtes ſeyn jäiſe koͤnne. Denn ſollte der entgegen geſetzte Fall hier eintreten; — 8JſͤͤͤZö—ö—ͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤöͤͤͤͤööö ſo vermag der Staat eben ſo wenig wie Privatperſonen den Tauſch dieſes Eigenthums als ein Recht zu fordern, weil der Staat eben ſo wenig wie Privatperſonen zu irgend einer Handlung befugt ſeyn kann, welche außerhalb den Grenzen des Rechts liegen. Da aber dem Staate jenes Recht ſchwer— lich beſtritten werden kann; ſo hoffe ich auch, aus dem bisher Geſagten erhelle es deutlich genug, daß allerdings die Kauſa⸗ litaͤt der Staatswirthſchaft in allen drey Staatsgewalten, be⸗ ſonders aber in der rechtsſprechenden liege. Ohnerachtet dieſes der Verfaſſer§. 6. gradezu in Abrede ſtellt; ſo ſcheint es mir hiermit nicht voͤllig zu harmoniren, wenn es§. 21. heißt:„Die Nazional⸗Oeckonomie beſtimmt „z. B. den Markſtein der Ehrfurcht fuͤr Eigenthums— Rechte, „weil die Ueberſchreitung dieſes Markſteins die Produkzion „laͤhmen, alſo ihre Operazionen zerſtoͤhren wuͤrde. Sie be— „grenzt aber auch die Eigenthums⸗Rechte bis auf dieſen „Markſtein, weil eine unbegrenzte Ausdehnung derſelben die „Anwendung ihres Princips unmoͤglich machen wuͤrde, deſ— „ſen Rechtlichkeit doch im Peincip der geſelligen Verei— ‚nigung liegt Jenen Punkt alſo in den Triebſedern der „menſchlichen Seele aufzufinden, iſt der Gegenſtand der Na— „zional⸗Oekonomie. Ihn den aufgefundenen Geſetzen gemäß, „nach den Modiſikationen menſchlicher Verhaͤltniſſe zu be⸗ „ſtimmen, der Gegenſtand der Staatswirthſchaft. Durch „jenes Geſetz erhaͤlt ſie alſo das Zwangs⸗Recht.“ Die⸗ ſes ſtimmt voͤllig mit meinen vorhin an den Tag gelegten Ideen uͤberein. Altein es ſetzt unverkennbar nicht blos zum voraus, daß in der Staatsgewalt ein vollkommnes Zwangs⸗ recht ruhen muͤſſe, um die Geſetze der Nazional⸗Oekonomie und Staatswirthſchaft zur Ausuͤbung zu bringen, ſondern es ſagt dieſes auch ſehr beſtimmtund deutlich. — 8 2* den ben d viel AlG ſon Srt ( niſt ntã ſchaf indet ſenis ſenn übec R Gan daulc V ſich n wen weni Geſt hach — 79 ſonen den Es laſſen ſich daher die in den§. 6 und 21 gemachten beil der Behauptung nicht wohl auf eine andere Art vereinigen, als nd eine wenn man annimmt, der Verfaſſer habe außer der geſetzge⸗ Grrnze benden, executiven und rechtſprechenden Gewalt noch eine tſchu vierte, naͤmlich die Staatswirthſchaftliche begruͤnden wollen. nlicher Allein dieſes ſcheint mir theils unnoͤthig, theils unthunlich zu Kauſa⸗ V ſeyn. Das erſtere weil ich gezeigt zu haben vermeine, daß en/ be⸗ Staatswirthſchaft wirklich mit in jenen drei Staatsgewalten b enthalten iſt. Das letztere hingegen um deswillen, weil die Abrede ſtaatswirthſchaftliche Gewalt alsdann doch wieder in eine ge⸗ uniten, V ſetzgebende, ausuͤbende und richtende eingetheilt werden muͤßte, eſimat indem, wenn ſie zur Ausuͤbung gebracht werden ſollte, dennoch „Rechte, jene drei Gewalten in Thaͤtigkeit geſetzt werden muͤßten. Auſ⸗ dukzion ſerdem muß aber noch erwogen werden, daß, wenn anders Sie be⸗ uͤberhaupt die Eintheilung aller Staatsgewalt in eine geſetz⸗ dieſen gebende, vollziehende und richtende etwas taugt, ſie das ben die V Ganze nothwendig umſchließen muß. Folglich kann und d,, deſ darf nicht noch eine vierte oder fuͤnſte hineingeſchoden werden. Verei⸗ rn der 3) Nach den§. 12, 13, 14 und 15 zu urtheilen, ſoll er N⸗ ſich Staatswirthſchaft nur mit den Grundſaͤtzen beſchaftigen, enni, welche in ſtrenger Beziehung auf den Staatszuſtand anzu⸗ u br⸗ wenden ſind, um der Geſammtheit der Staatsbuͤrger als duch Geſellſchaft in Abſicht ihres phyſiſchen Wohlſeyns den dir hoͤchſtmoͤglichen Grad der Staatsvollkommenheit zu deria gewaͤhren. Sie ſoll nur mit dem Geſammtvermoͤgen un der Geſellſchaft im Ganzen zu thun haben. Sie ſoll dem 1 Staate als Staat den hoͤchſten Grad der Vollkommenheit, Ninse zum Zwecke ſeiner Staatsexiſtenz geben. Aus ihr ſoll kononie„— 4 udern d die Leitung der Staatsgeſam mtheit zum Zwecke des Staatsreichthums hervorgehen. Nun hege ich zwar tei⸗ —————— nesweges die Idee, die Staatswirthſchaft ſolle ſich um Indi⸗ vidua, wie ein Vater um ſeine Kinder, bekuͤmmern, damit die⸗ ſes Individuum auf dieſem, jenes auf jenem Wege ſeinen phyſiſchen Wohlſtand zu erhalten und zu erhoͤhen im Stande ſey. Nein, ſie muß dafuͤr ſorgen, daß dasjenige, was der Verfaſſer Urſtoff nennt, ein jeder einzelner Unterthan in ei⸗ nem Staate, wenn er will, mit dem groͤßten Maße von Frei⸗ heit und in dem hoͤchſten Grade von Vollkommenheit, um ſei⸗ nen phyſiſchen Wohlſtand zu vergroͤßern, bearbeiten kann. Sie muß dahin arbeiten, daß— in ſo fern es moͤglich iſt— keinem einzigen Individuo Hinderniſſe in dem Wege liegen, um durch dasjenige, was der Verfaſſer induſtrielle und com⸗ merzielle Productivkraft nennt, ſeinen phyfiſchen Wohlſtand zu vergroͤßen. Solchergeſtalt beſtimmt und modificirt, muz ſich alſo Staatswirthſchaft, nach meinen Ideen, allerdings um Individua und um individuellen Wohlſtand grade in eben der Art und auf eben die Weiſe wie National— Oekonomie be⸗ kuͤmmern, nur mit dem einzigen Unterſchiede, daß dieſe die ganze civiliſirte Menſchheit, jene hingegen einen einzelnen gegebenen Staat zum Augenmerk nimmt. Wenn auf dieſe Art die Staatswirthſchaft verfaͤhrt; ſo wird ſie zwar indirect, aber gewiß am beſten das Geſamm tvermoͤgen der Geſell⸗ ſchaft im Ganzen vermehren und erhoͤhen. Sie wird auf dieſem Wege das Wohl des Staats am ſicherſten erhalten⸗ Sie wird auf dieſem Wege der Geſammtheit der Staatsbhuͤrger als Geſellſchaft in Abſicht ihres phy⸗ ſiſchen Wohlſeyns den hoͤchſtmoͤglichen Grad der Staats⸗ vollkommenheit gewaͤhren. Aber es ſcheint mir, daß das Geſamm tvermoͤgen der Geſellſchaft im Ganzen, daß die Geſammtheit der Staatsbuͤrger als Geſellſchaft, daß Staatsvollkommenheit, daß Staatswohl als ſolthes, nh wans Lefft heis ſam g unteus der 0 van geht ſh lift ſchat habt lehre thura keit tund. auch vertt undi 81 daß Staatsexriſtenz und Staatsgeſammtheit direct außerhalb den Grenzen der Staatswirthſchaft liege. ſch un Inde , danit die⸗ dehe einen in Stande Wenn unbedingt alle Staatsgewalten das thun, was ſie nach Rechtsprinzipien zu thun ſchuldig ſind; ſo ſcheint mir, werde die Erhaltung und Erhoͤhung des Staarswohls, die e, was der than in ei ahee Befoͤrderung der Graats volltommenhrit der Geſammt⸗ in kaun. heit der Staatsbuͤrger als Geſellſchaft und des Ge, lich it— ſammtverm g ens der Geſellſchaft im Ganzen(in ſo fern gehgn, unter ſetztern wirklich der Complexus des eigenen Vermoͤgens d der Geſellſchaftsmitglieder und nicht gemeinſchaftliches[Fi— Pellted nanzen] verſtanden edei), davon als eine Folge hervor⸗ . gehen und als eine ſolche betrachtet werden muͤſſen. Wenn n nu⸗ ſich alſo irgend eine Wiſſenſchaft mit dieſen Gegenſtaͤnden be— ünäis ſchaͤftigen ſoll; ſo iſt's die Staatsverwaltungs⸗Wiſſen⸗ 3 ſchaft, welche— ſo weit ich die Idee des Verfaſſers gefaßt nomie be⸗ habe— das Ganze der Staatsgewalt umfaßt, und weiche dieſe die 5 dii lehrt, was nur immer ein Staatsoberhaupt thun kann und endie thun muß, um einen moͤglichſt rechtlichen Staat zur Wirklich— auf der keit zu bringen. Hiervon macht aber die Staatswirthſchafts⸗ inirue kunde nur einen Theil aus. Als ſolcher muß ſie allerdings Geſell⸗ auch nach jenem Zwecke ſtreben, weil alle Theile der Staats— Die iWo verwaltungswiſſenſchaft dahin ſtreben muͤſſen. Aber zunaͤchſt icalene und direct hat ſie ſich um das Geſammtvermoͤgen der Geſell— it der 3 2 ſchaft im Ganzen, um die Geſammtheit der Staatsbuͤrger dres doh⸗ als Geſellſchaft, um Staatsvollkommenheit und 5taate Staatsexiſtenz nicht zu bekuͤmmern. Sondern ſie hat di ds nur dafuͤr zu ſorgen, daß alle Geſetze der National⸗Oekono⸗ n, daß die mie in ihrer groͤßten Vollkommenheit und Reinheit in einem haft, da gegebenen Staate, ſo weit es nur immer deſſen Localverhaͤlt- als ſolaſ, niſſe zulaſſen wollen, angewandt und befolgt werden. Und 6 —yj —-—— 82— ſo wie der National-Oekonomiſt uͤberhaupt und im allgemei⸗ nen die Mittel und Wege aufzufinden hat, daß und wie jedes Individuum den hoͤchſt moͤglichen Grad vom phyſiſchen Wohl— ſtand zu erreichen vermag; eben ſo hat der Staatswirth dafuͤr zu ſorgen, daß einem jeden einzelnen Gliede des gegebenen Staats alle Mittel und Wege offen ſtehen, um zu dem hoͤchſt⸗ moͤglichen Grade vom phyſiſchen Wohlſtande in demſelben zu gelangen. Nur auf dieſe Art ſcheint es mir moͤglich zu ſeyn, die National⸗Oekonomie, das Naturrecht der Staatswirthſchaft nennen zu koͤnnen. Nur auf dieſe Art ſcheint es mir moͤglich zu ſeyn, mit Grunde behaupten zu duͤrfen: daß die Staats⸗ wirthſchaft die prohibitiven Geſetze der National-Oekonomie reſpectiren und einen großen Theil der praͤceptiven Geſetze aufnehmen muͤſſe. Nur auf dieſe Art ſcheint es mir moͤglich zu ſeyn, daß ſich behaupten laſſe: eben hierdurch wuͤrden fuͤr die Staatswirthſchaft die Grenzen ihrer Zwangsgewalt und ihres Zwangsrechts gezogen. Denn ſobald ſich der Gegen— ſtand, womit es National-Oekonomie zu thun hat, naͤmlich der phyſiſche Wohlſtand der Einzelnen, von dem Gegenſtande, womit ſich Staatswirthſchaft beſchaftigen ſoll— Geſammt⸗ heit der Staatsbuͤrger als Geſellſchaft, als Staatsvollkom⸗ menheit, Geſammtvermoͤgen der Geſellſchaft im Ganzen, und Staatsexiſtenz— trennt, ſobald es nicht ein und derſelbe Gegenſtand bleibt, den beyde zu bearbeiten haben; ſo fuͤrchte ich, der Staatswirth werde immer Auswege ſuchen und Aus— wege finden, ſobald es von ihm verlangt wird, die Geſetze der National⸗Oekonomie in einem gegebenen Staate anzuwen— den, und ihnen auf keine Art entgegen zu wirken. Ich fuͤrchte, er werde oft nicht ohne Schein, ja ſelbſt nicht ohne Grund zu behaupten im Stande ſeyn: fuͤr ihn koͤnnten un⸗ Öt? fohn den!3 den h V nung V Einz b ſteunt Stel kechl b Sua ſeande n 1 daoje mir und ſenen Gaſe weſc — v——== Zö3[3¶ꝰ1ꝰꝰͤſͤͤoͤoͤoͤooſ 83 allgemar moͤglich die Geſetze der National-Oekonomie als gebietende nie jdes 1 Vorſchriften gelten, weil dieſe den Wohlſtand der Ein⸗ u Vohl⸗ zelnen zum Gegenſtande hatten. Nicht um dieſe, ſondern ti defüt blos um die Staatsgeſammtheit zum Zwecke des ggebenen Staatsreichthums, nur um Staatsexiſtenz, nur um, n oͤchſ⸗ Staatsvollkommenheit habe er ſich zu betuͤmmern, elben zu folglich koͤnne er den Wohlſtand der Einzelnen gaͤnzlich aus den Augen ſetzen, ſobald nur dieſer letztere Zweck erreicht wer— d, die den wuͤrde. Auf dieſe Art wuͤrde aber die rechtliche Ord— iſchaft nung der Dinge umgekehrt werden. Denn der Wohiſtand der mäͤglich Einzelnen im Staate iſt gewiß nicht da, um der Staatserxi— Sua, ſtenz, um der Staatsvollkommenheit willen. Sondern der kkonomie Staat ſoll exiſtiren, der Staat ſoll zu einer hoͤchſtmoͤglichen Geſche rechtlichen Vollkommenheit gedeihen, damit die Einzelnen im moͤglich Staate zu dem hoͤchſtmoͤglichen Grade vom phyſiſchen Wohl⸗ den füͤt ſtande gelangen. Dieſes muß daher fuͤr die Staatswirth⸗ alt und ſchaft Zweck und keinesweges ein bloßes Mittel ſeyn, um da— Gegen durch ilgend einen andern Zweck— ſey es welcher es wolle— naͤmlich zu erreichen. nſinde Ich glaube gern und wuͤnſche es noch mehr, daß im We— annt⸗ ſentlichen die Ideen und die Abſicht des wuͤrdigen Verfaſſers eltome mit den Meinigen uͤbereinſtimmen, aber blos weil ich fuͤrchte, nnd dasjenige was er vortraͤgt, moͤgte zu uͤbeln Conſequenzen Ver— uſibe anlaſſung geben, ſchrieb ich das hier Geſagte nieder. uͤrchte d Ans⸗ Daß Finanz⸗- oder Kammeralwiſſenſchaft, nach den von cte der mir aufgeſtellten Grundſaͤtzen, von der National Oekonomie⸗ nuver und Staatswirthſchaftskunde ſehr verſchieden, und eine von . 3c jenen getrennte Wiſſenſchaft ſey, ergiebt ſich aus den bisher tt ehne Geſagten von ſelbſt. Die Finanz-oder Kammeralwiſſenſchaft, tin ur welche ich fuͤr Synonima halte, kann ſich nur damit beſchaͤf— dn un 3 —y——ÿÿu 84— tigen: wie das zu oͤffentlichen Zwecken beſtimmte, und von dem Eigenthume der Unterthanen ſchon getrennte gemein— ſchaftliche Vermoͤgen des Staats auf die zweckmaͤßigſte Art bewirthſchaftet werde. Rechtsgrundſaͤtze haben es zu beſtim— men, was der Staat bedarf, das heißt, der Staat darf nichts ausgeben, als was noͤthig iſt, damit die groͤßte Ue⸗ bereinſtimmung der Verfaſſung mit Rechtsprincipien moͤg⸗ lich und vorhanden ſey. Er darf alſo auch nichts mehr von dem Privateigenthume der Unterthanen einfordern, als was zu dieſem Zwecke erforderlich iſt. Die Finanz— wiſſenſchaft hat bei Entſcheidung der Frage: ob uͤberhaupt etwas noͤthig ſey? gar keine Stimme. Wohl aber kann ſie, wenn ſchon beſchloſſen iſt, daß etwas veranſtaltet wer⸗ den ſolle, beſtimmen, wie viel die Ausgabe zu dem beſtimm⸗ ten Zwecke austragen werde. Stehet es feſt, wie viel der Staat bedarf; ſo muß nothwendig die Staatswirthſchaft ihr Geſchaͤft antreten. Denn da es von einer Seite die Sache betrachtet, unverkennbar gewiß iſt, daß unbedingt alles, was der Unterthan von ſeinem Privateigenthume miſ⸗ ſen muß, um den Staat zu erhalten, den Geſetzen der Na— tional⸗Oekonomie zuwider lauft, weil es nothwendig eine Verminderung des phyſiſchen Wohlſtandes der Einzelnen im Staate mit ſich fuͤhrt, da aber auf der andern Seite ohne dieſe Verminderung des Privatvermoͤgens der Einzelnen gar kein rechtlicher Zuſtand, gar kein Staat vorhanden ſeyn kann; ſo muß die Staatswirthſchaft dafuͤr Sorge tragen, daß und wie dieſe nothwendige Verminderung des Privat⸗ eigenthums auf eine ſolche Art geſchehe, damit dem Zwecke: den groͤßtmoͤglichſten phyſiſchen Wohlſtand unter den Ein⸗ zelnen hervor zu bringen, durch die auszuſchreibenden Steuern in dem mindeſten Grade entgegen gewirkt werde. di et ſhralen tthobers nach us Geſhſ ten dit bas 1 um dien Puntiſt ffuet— ſate un Otaatei ſo ferrn eußerhe ep ſol und in Rechti it kei derwa dvekk liche T e, und von nte gemein niͤßinſe At b u beſim, Etnat daf guüßte Ue⸗ lpien mig⸗ hts me ht infordern, e finan⸗ ibehoupt aber kann raſtet wer⸗ beſimm⸗ je viel der vitthſchft Seit die unbedingt hume miſ⸗ der Na⸗ endig eine zelnen im Sdaite ohne Einzelnen anden ſeyn ge tragen, des Miivats em Jvect er den En⸗ ſchreibenden wirkt welde⸗ —— 85 Die Staatswirthſchaft muß es alſo beſtimmen und vor— ſchreiben, auf welche Art die feſtgeſetzte Steuerquantitaͤt erhoben werden ſolle. Iſt dieſes geſchehen, erſt dann tritt nach meinen Ideen die Finanzwiſſenſchaft ihr eigentliches Geſchaͤft an, und ſorgt nun dafuͤr: wie ſie am zweckmaͤßig⸗ ſten die Steuern— worunter ich unbedingt alles verſtehe, was der Unterthan von ſeinem Eigenthume entbehren muß, um die Staatsexiſtenz zu erhalten— welche nicht blos der Quantitaͤt nach beſtimmt ſind, ſondern weshalb auch ſchon feſtgeſetzt iſt, auf welche Art ſie erhoben werden ſollen, er— halte und verwalte. Wann, was und wie viel von dem Staatsvermoͤgen ausgegeben werden ſolle, das liegt— in ſo fern es nicht blos Verwaltungskoſten betrift— gaͤnzlich außerhalb dem Wirkungskreiſe der Finanzwiſſenſchaft, denn es ſoll und darf nur das ausgegeben werden, was erforder— lich iſt, um dem Staate die hoͤchſtmoͤgliche rechtliche Voll— kommenheit zu gewaͤhren. Endlich ſelbſt bey der Verwal⸗ tung des Staatsvermoͤgens iſt die Finanzwirthſchaft alle Geſetze der Staatswirthſchaft zu befolgen ſchuldig, damit auch nicht auf dieſem Wege dem Streben der Einzelnen zu einer groͤßern phyſiſchen Wohlhabenheit entgegen gewirkt weeden koͤnne. Wenn anders dieſe Grundſaͤtze richtig ſind, ſo muß die Finanzwiſſenſchaft in enge Grenzen eingeſchloſſen ſeyn und in einem jeden Staate, welcher nach der hoͤchſtmoͤglichen Rechtlichkeit ſtrebt, eine untergeordnete Rolle ſpielen. Damit iſt keinesweges geſagt, daß derjenige, welcher ſich mit der Verwaltung der Finanzen beſchaͤftigt, und ſolche auf eine zweckmaͤßige Art beſorgt, dem Staate nicht aͤußerſt erſprieß— liche Dienſte leiſten koͤnne. Nur darf hier die Ordnung der ————- 86 Dinge nie umgekehrt und die Nation nie wie ein bloßes Mittel betrachtet werden, um die Finanzen des Staats zu vermehren, denn es laͤßt ſich nie nach der Vernnnft an⸗ nehmen, daß ſich je eine Nation um deswillen zu einem Staate gebildet habe, damit ihr Oberhaupt Gelegenheit nehme, die einzelnen Mitglieder wie ein Mittel zu gebrau— chen, um das, was man Finanzen nennt, zu vergroͤßern. Der einzige wahre Zweck jedes Staats bleibt immer die groͤßte Uebereinſtimmung der Verfaſſung mit Rechtsprinzi⸗ pien. Unbedingt alles, was nur immer ein Staat unter— nimmt, muß ein Schritt zu dieſem Ziele ſeyn, und folglich darf ſich auch die Finanzwirthſchaft keinen erlauben, der außerhalb der Bahn liegt, welche das Recht bezeichnet, und noch weniger einen ſolchen, welcher nach einem entgegen— geſetzten Ziele gewandt waͤre. Erwaͤgen es alle diejenigen, welche ſich mit Finanz— wiſſenſchaft beſchaͤftigen, erwaͤgen es diejenigen, welche mit patriotiſchem Eifer unnachlaͤſſig bemuͤhet ſind, die Finanzen ihrer Souveraͤne zu vergroͤßern, daß unbedingt jede Na⸗ tion— ſie ſey uͤbrigens von Natur reich oder arm— dann, wenn unter ihr das Recht auf die moͤglichſt voll— kommenſte Art herrſchte, zuverlaͤſſig den hoͤchſtmoͤglichſten Grad von Nationalwohlſtand erreichen wird. Erwaͤgen ſie ferner, daß dann, wenn der moͤglichſtgroͤßte Nationalwohlſtanb in einem Staate vorhanden iſt, mit ihm auch zugleich der groͤßtmoͤglichſte Fond, die unverſiegbarſte Quelle geſchaffen worden, um daraus Staatsfinanzen mit leichter Muͤhe bil⸗ den zu koͤnnen; ſo ſollte ich glauben, ſie wuͤrden allmaͤhlig immer weniger mit Verachtung auf die Gebote des Rechts herabblicken. Schienen ihnen ſolche auch in der Geſtalt dit ein hpfen eines Zwecks Anfangs nur wie theoretiſch⸗philoſophiſche mds Snans Grillen; ſo ſollte ich doch glauben, ſobald ſie wahre Men— Unnſ m ſchenkenner und Menſchenbeobachter ſind, wuͤrden ſie ihnen ln n inn 4 dennoch blos als Mittel, um große Staatsreichthuͤmer t Giunnſe 8 anhaufen zu koͤnnen, allmaͤhlig immer mehr in einer lieb— utm. lichern Geſtalt erſcheinen. Ja ſollte die ſchoͤne Harmonie, kargiſen welche rund um ſie herum durch die große Achtung, welche innn di jeder fuͤr Recht hegte, nothwendig verbreitet werden muͤßte, datterj ſie vielleicht reizen, dieſen Zuſtand der Dinge nur Jahr⸗ Sunt mn zehnte hindurch fortdauern zu laſſen; ſo duͤrfte die Erfah— jund gic rung ſie beſſer wie alle Demonſtration von dem aͤußerſt pa— Klaaden, R rador ſcheinenden Lehrſatze uͤberzeugen: daß die ſtrengſte gheichne, un Beobachtung aller Gebote des Rechts, nicht blos die erſte, em entgege ſondern auch eine ſolche Finanzquelle ſey, ohne deren Er— oͤffnung unbedingt alle uͤbrigen nothwendig uͤber kurz oder lang gaͤnzlich verſiegen muͤſſen. mit Finan wvelche mit ie Finanzen gt ſee Na der am 3—— glicſt vol⸗ Wimöglicſſen. gwihen ſe cawohlſtand zuglech de e geſchffn Miͤhe bie en ilniſt t ds Nadit der Giji —üZ— —,— ————————-— 7 — 8. A 8———— 5— A ³ 3 V V 4 5 2 1 t ³ unn — Colour& Gre Blue CQyan Green Vellow HNed Magenta . Wnhite Grey! Grey 2