2228— — eene Penjc te dTAr. Was iſt Humus, DV. ,9= Von Franz Koͤrte, Koͤnigl. Profeſſor und Lehrer der Chemie und Naturwiſſenſchaf⸗ ten an dem landwirthſchaftlichen Inſtitute zu Moͤgelin. FSTAAFE ArSANNSATFNNN ANGFEF TTNUFWWAFWNAEWTWMNNASNNN; Berlin 1819, gedruckt bei Carl Friedrich Amelang. ₰ Keine der ſo mannigfaltigen und wichtigen Ent⸗ deckungen in der Naturwiſſenſchaft, welche unſer ſo thatenreiches Zeitalter aufzuweiſen hat, kann fuͤr das wirkliche Leben, wie fuͤr die ewige Wiſſenſchaft, einen ſo wahrhaften und uͤber alle Staaten und Einwohner ſich verbreitenden Nutzen gewaͤhren, als die gemachten Ent⸗ deckungen uͤber den Humus(Pflanzenerde, Dammerde). Lange war es ein Problem, was eigentlich die vor⸗ zuͤglichſte Nahrung der Pflanzen ſey, und die Behauptun⸗ gen und Verſuche eines van Helmont, Tillet, Hales, Bonnet, Duhamel ꝛc. ꝛc. waren entweder bloßes Raiſon⸗ nement, oder durch falſche und einſeitig gemachte Ver⸗ ſuche aufgefundene Reſultate. Gewiß lag die Urſache von der ſonderbaren und ein— ſeitigen Meinung dieſer ſonſt ſo achtbaren Phyſiker in der Unkunde mit den Gasarten, deren Entdeckung auch hier, wie zu ſo vielen andern Gegenſtaͤnden der Phyſik, uns auf eine richtigere Bahn geleitet hat. Aber zu dieſer Unkunde geſellte ſich auch noch die wenige Genauigkeit, hinſichtlich der Begriffe und der fuͤr ſolche gewaͤhlten Worte; ſo war die Benennung Damm— erde, Pflanzenerde ohne allen Zweifel die Urſache, warum mit dieſen Worten ſich unwillkuͤhrlich der Begriff von mineraliſchen Erden verband, die Eigenſchaften dieſer auf jene übergetragen wurden und ſo Anlaß zu einer unab⸗ ehhegen Menge von Zweideutigkeiten in der Theorie und Praxis des Ackerbaues und der Pflanzenphyſiologie gaben. Sauſſuͤre ſcheint zuerſt die Wichtigkeit des Humus A 2 und ſeine charakteriſtiſchen Eigenſchaften erforſcht zu ha— ben; er iſt es wenigſtens, und nach ihm Alex. v. Humbold, Hermbſtaͤdt, Einhof, Crome ꝛc. ꝛc., die uns uͤber dieſen ſo wichtigen Gegenſtand der Naturkunde genuͤgender be⸗ lehrt haben. Als das Hauptreſultat der Sauſſuͤrſchen Verſuche, deren Wahrhaftigkeit und Richtigkeit durch die vielen und großen Erfahrungen des Ackerbaues und der Pflanzenphyſiologie beſtaͤtigt werden, geht hervor, daß der Humus als das vorzuͤglichſte Agens bei der Ernaͤh⸗ rung der Pflanzen anzuſehen ſey, und daß er, wie ſich Humbold ausdruͤckt, die eigentliche Wohnung organiſirter Weſen und die fruchtbare Quelle, aus welcher ſie ihre Nahrung hernehmen, ſey. Er iſt, wie Voigt ſich groß und erhaben ausdruͤckt, eine große allgemeine Pflanze ohne Organiſation, welche die andern Pflanzen ſo auf ſich traͤgt und ernaͤhrt, wie die Knospe vom Stamme getragen und genaͤhrt wird, oder wie im Kaktustrieb auf Koſten des alten Blattſtiels. So haͤlt er, wie ich reislinie zuſammen, in h folgen, er ruft die mich ausdruͤcken moͤchte, die§ welcher Todt und Leben ewig ſich Vergangenheit ins Daſeyn zuruͤck und pflanzt in das ge— — —— ſunkene Leben den Keim der Unſterblichkeit. Die Frage, wie und auf welche Art wirkt der Hu⸗ mus, als ernaͤhrendes Mittel fuͤr die Pflanzen? von allen ihren Seiten aufgefaßt und in ihren mannigfaltigen Be⸗ ziehungen beruͤckſichtiget, iſt alſo eine fuͤr die Natur— kunde und den Ackerbau, ſo wie fuͤr jedem wahrhaft ge⸗ bildeten Mann, hoͤchſt wichtige Frage. Ich werde daher in dem Folgenden mehreres dieſe Frage Betreffendes an⸗ fuͤhren und auf mehrere Geſichtspunkte aufmerkſam zu machen ſuchen, deren ernſte Verfolgung uns vielleicht in der Zukunft eine vollkommene genuͤgende Beantwortung 82 obiger Frage hoffen laſſen duͤrfte. — ha⸗ lnd, iſen be⸗ hen de WMas iſt Humus? Er beſteht in den theils noch inihrer Zer⸗ ſetzung begriffenen, theils voͤllig zerſetzten Ueberreſten und Auswuͤrfen organiſcher Weſen! Wo alſo Leben iſt, wo organiſche Weſen ſind, da iſt auch die Bedingung zur Erzeugung des Humus gegeben. Ueberall, auch die verborgenſten Staͤmme der Schoͤpfung ſind mit Leben erfuͤllt und unabſehbar maͤchtig liegt daher das rohe Material des Humus in dem Weltall verbreitet. Wie hoch wuͤrden ſich dieſe Ruͤckſtaͤnde organiſcher Weſen ſchon aufgethuͤrmt haben, wenn nicht die ewig wechſel⸗ wirkenden Kraͤfte der Natur ſie zu neuem Leben benutz— ten, oder damit das ſchon vorhandene zu erhalten wuͤß⸗ ten. Luther druͤckt ſich in ſeinen Tiſchreden, wie ge— woͤhnlich, ſehr kraͤftig daruͤber aus.„Der liebe Gott „haͤtte eben ſo gut alle Kreaturen aus Nichts machen „koͤnnen, aber nun hat er es ſo eingerichtet, daß eine „aus dem Aas der andern hervorkommt, denn wenn das „nicht waͤre, ſo waͤre die Erde laͤngſt vollgeſchiſſen bis „an den Himmel.“ Voigt nennt ſehr ſchoͤn den Stamm des Baumes, eine hoͤhere Dammerde. Es iſt zu verwunden, wie man nicht ſchon fruͤher auf den Gedanken kam, daß die Ueberreſte und Aus— wuͤrfe des Lebendigen, neuen Stoff zum Lebendigen gebe, (eine Erfahrung, welche die Gegner der generatio aequi- voca zu wenig beruͤckſichtiget haben—), dennoch nicht dieſe Idee, die uns ſo nahe liegt, auf das Leben anwendete, d. h. die Schlußfolge daraus zog, daß ſie die vorzuͤg— lichſte Nahrung lebendiger Weſen, und auf ihrer erſten Potenz, namentlich die der Vegetabilien ſeien. Jedem nur etwas aufmerkſamen Forſeher kann es nicht entgehen, daß die Pflanzen auf humoſen Boden vorzuͤglich gut ge⸗ — 6 deihen, denn das Gegentheil, wegen der Erfahrung, daß auf torfigen humoſen Boden, wenige Pflanzen nur gut gedeihen, behaupten zu wollen, hieße das Kind ſammt dem Bade ausſchuͤtten. Und iſt es nicht wahrſcheinlich, daß ſelbſt die Ueber⸗ reſte der Myriaden von lebendigen Weſen, welche das unendlich weite Luftmeer bewohnen, ſelbſt den Humus hergeben, der nothwendig iſt, um die erſten Spuren des vegetabiſchen Lebens zu begruͤnden? Kaſtner ſagt:„Der „Extractivſtoff der Dammerde verdiente wohl einer naͤhe⸗ „ren Unterſuchung. Noch tiefer als der Keim erſcheint mir „uͤberhaupt der Humus, er iſt ſchon mehr fuͤr die chemi⸗ „ſche Sphaͤre geeignet, hat jedoch noch ſo viel organi⸗ „ſche Selbſtſtaͤndigkeit, dem totalen organiſchen Tode zu „widerſtreben, kein entſchieden chemiſches zu werden. „Aber gerade dieſer Zuſtand des Humus iſt es, der ihn „ſo tauglich fuͤr die Ausbildung der Pflanzen macht; als „halb chemiſches weckt er das Leben, die Behauptung „der eigenen Kraft in der Pflanze, als halb organiſches „dient er zur leichten Nahrung.“(Voigts Anhang zu Theodor von Sauſſuͤres chemiſchen Unterſuchungen uͤber die Vegetation S. 91. Note 3). Luthers Worte ſind daher große Worte; in ſeiner Idee liegt das, was unſere Forſchungen, wo nicht abſo— lut beſtaͤtigt, doch wahrſcheinlich gemacht haben, daß naͤmlich der Humus der Anfang und Endpunkt alles le— bendigen Seyns iſt. Er iſt der Stoff und die Thaͤtigkeit der mit ihm in Contact kommenden Elemente, die Kraft, durch welche er zur Wuͤrkung gelangt. Der Humus iſt alſo ein Produkt der Verweſung, ein Produkt eines langſam fortſchreitenden Verkohlungs⸗ prozeſſes. Sauſſuͤre fand bei der Verkohlung mehrerer vegetabiliſchen Subſtanzen, in dem Humus der Pflanzen 57 13* 5 G 2* immer mehr Kohle als in den Pflanzen ſelbſt. So z. B. erhielt er aus 100 Theilen ausgetrockneten Fichtenblaͤttern (Pinus Abies) 24,5, von 100 Theilen des aus dieſen Blaͤttern entſtandenen Humus, aber 52,5 Kohle, alſo aus letzteren 28 Theile mehr. Mit Recht iſt daher der Humus auch als eine mo⸗ dificirte Pflanzenkohle von mehreren Naturforſchern ſchon betrachtet worden, und er kann auch, wie ich zeigen werde, gleich der Pflanzenkohle mit dem Oxygene Ver- bindungen eingehen, und in gewiſſen quantitativen Ver⸗ haͤltniſſen mit demſelben, ſo auch mit dem Azot und dem Lichte, ſogar im Waſſer aufloͤslich gemacht werden. Doch hiervon weiter unten. Welche naͤhere Beſtandtheile werden in jedem Humus mit Zu⸗ verſicht anerkannt? Die naͤheren Beſtandtheile des Humus, welche ich durch meine eigenen Verſuche erhalten habe, ſind: A. Faſer; noch nicht vollkommen zerſetzter organi⸗ ſcher Theil. 5 a. Extractivſtoff, oder oxydulirter Humus. B. Milder Humus Ab. Oxydirter Humus. Le. Verkohlter Humus. a. Extractivſtoff. C. Saurer Humus. b. Oxydirter Humus. c. Verkohlter Humus. Die Analyſe geſchah mit Humus aus einem hohlen Baume der Roßkaſtanie(Aesculus Hyppocastanum), auf den von Hermbſtaͤdt vorgeſchlagenen aber modificir⸗ ten naſſem Wege.(Magazin der Geſellſchaft naturfor⸗ ſchender Freunde in Berlin. 5ter Jahrgang. 2tes Quartal. S. 124). Es bedarf wohl keines Wortes mehr, welche Art der Un⸗ ———ſſſſſ terſuchung, sb die auf trocknem oder naſſem Wege den Vor⸗ zug hat. Hermbſtaͤdt und Crome haben das was pro et con- tra daruͤber zu ſagen iſt, geſagt und dadurch dargethan, daß die letztere ohne allen Zweifel den Vorzug verdiene. Nur eine Bemerkung, die mir bei meinen Verſuchen aufge⸗ fallen iſt, ſey mir erlaubt. Hermbſtaͤdt ſchlaͤgt in der angezeigten Abhandlung vor, den Humus gleich mit einer milden Natrumslauge zu kochen. Er ſagt, und zwar mit Recht, daß hierdurch aller Humus(der verkohlte nur nicht) aufgeldſt werde, und daß nach der Saͤttigung des Abſudes mit Saͤure, der Humus als ein, aus zarten braunen Flocken gebildeter Niederſchlag erſchiene, die da— uͤberſtehende Feuchtigkeit aber eine hellgelbe Farbe be— ſaͤße. Abgeſehen davon, daß wir auf dieſe Art die Menge des Ertractivſtoffs oder des in reinem Waſſer aufloͤslichen Beſtandtheils des Humus nicht erhalten, ein ſehr wichtiger Gegenſtand, da nach Sauſſuͤre der Extrac⸗ tivſtoff im Waſſer aufgeldſt, nur allein der unmittelbar in die Pflanzengefaͤße eindringende Beſtandtheil des Humus iſt; ſo zeigt auch noch die gelbe Farbe der Fluͤſſigkeit, daß in derſelben noch Humus aufgeldſt ſey, welcher uns alſo auf dieſem Wege entgeht. Hierauf ſchlaͤgt Crome vor, den Humus ſo lange mit deſtillirtem Waſſer zu kochen, bis das Waſſer ſeine natuͤrliche und keine gelbbraune Farbe mehr zeigt. Die ſo erhaltene Fluͤſſigkeit abgedampft, giebt die Quantitaͤt des im Waſſer aufloͤslichen Beſtand⸗ theils des Humus oder des Extractivſtoffes an. Hierauf ſoll man den in den Gefaͤßen zuruͤckgebliebenen Ruͤckſtand ſo lange mit Kalilauge kochen, bis auch dieſe ihre natuͤr⸗ liche Farbe behaͤlt, und nicht mehr von den aufgeloͤſten Theilen des Humus gefaͤrbt wird. Aus der Fluͤſſigkeit ſoll man durch Saͤuren, am beſten durch Salzſaͤure, den Humus niederſchlagen. Die uͤber dem Humus ſtehende Fluͤſſigkeit fand Crome, wie Hermbſtädt und auch ich, noch weingelb, und erſtererer fand durch mehrere ge— machte Verſuche, daß der Alkohol den in der Fluͤſſigkeit noch aufgeloͤſten Humus faͤlle. Da mir die doppelte Faͤllung, naͤmlich durch Saͤure und Alkohol, einmal zu umſtaͤndlich ſcheint, und zweitens bei dem Filtriren und Ausſuͤßen immer ein Verluſt, wenn er auch noch ſo geringe iſt, ſtatt findet, ſo habe ich folgenden Weg gewaͤhlt. Ich wiege das Alkali, wel⸗ ches zu der zum Abkochen beſtimmten Lauge angewandt wird, ſorgfaͤltig, filtrire dieſelbe, ſuͤße den nach dem Kochen von ihr gelaſſenen Ruͤckſtand des Humus aus, und dampfe ie erhaltene Kalihumuslauge vorſichtig ab. Von der in der Abdampfeſchaale erhaltenen Maſſe ziehe ich das Gewicht des angewandten Kali ab, und gelange ſo auf einem weniger umſtaͤndlichen und dennoch genauen Wege, zu der Quantitaͤt der in der Kalilauge aufgelöoͤſten Beſtandtheile des Humus. Die Eigenheiten oder die Charakteriſtik dieſer verſchiedenen Beſtandtheile des Humus ſind zu wichtig, als daß ich ſie nicht hier anfuͤhren ſollte, um ſo mehr, da ich ſie durch eigene Verſuche, theils erſt ausgemittelt, theils die von andern ſchon gemachten be⸗ ſtaͤtigt gefunden habe. Extractivſtoff— gleichviel ob aus mildem oder ſaurem Humus— löſet ſich vollkommen klar im Waſſer auf, und ertheilt ihm, je nachdem die Quantitaͤt deſſelben mehr oder weniger betraͤgt, eine gelbe oder dunkelbraune Farbe und einen nicht unangenehmen bitterlichen Ge— ſchmack. Iſt derſelbe aus mildem Humus, ſo zeigt er keine Spur von Reaktion auf das Lackmuspapier, wohl aber, wenn auch nur wenig, doch etwas, wenn er aus ſaurem Humus geſchieden iſt. Alkalien und Saͤuren ſcheiden weder den aus ſau⸗ ——— 10 rem noch den aus mildem Humus erhaltenen Extractiv⸗ ſtoff aus der waͤſſerigen Aufloͤſung, wohl aber theilen die erſtern derſelben eine dunkelbraune Farbe mit, Schwefel⸗ ſaures Eiſen und mehrere andere metalliſche Salze ſchlagen ihn aus ſeiner Aufloͤſung nieder. Dieſer Nieder⸗ ſchlag iſt nach den von mir zuerſt in dieſer Hinſicht ge⸗ machten Verſuchen nicht mehr im Waſſer aufldsbar. Ein Fingerzeig, wie ſchwefelſaures Eiſen auf die Vege— tation nachtheilig einwirken kann. Hydrothionſaͤure ſchlaͤgt ihn aus ſeiner Aufloͤſung im Waſſer nieder. Der Nieder⸗ ſchlag iſt nicht mehr im Waſſer aufloͤsbar. Dieſe Eigen⸗ ſchaft macht es uns klar, warum der Humus von ſumpfi— gem Boden, aus welchem ſich, allen unſern bisherigen Erfahrungen zufolge, eine bedeutende Menge Hydrothion⸗ ſaͤure entwickelt, ſo wenig im Waſſer aufloͤsliche Theile hat; eine Wirkung dieſer Gasart auf den oyxydulirten Humus, die daher von ſehr großer Wichtigkeit und mei⸗ nes Wiſſens erſt jetzt durch mich beobachtet worden iſt. Dunſtet man den im Waſſer aufgeloͤſten Humus allmaͤhlig ab, ſo erhaͤlt man ſein ſchwarzbraunes, bit— terſchmeckendes Extrakt, das nur mit Muͤhe als trockene Maſſe dargeſtellt werden kann. Auch nach dem Abdun— ſten loͤſt ſich daſſelbe vollkommen klar im Waſſer auf. Der durch Kalilauge aus dem Humus er⸗ haltene Beſtandtheil, oder der oxydirte Hu⸗ mus, zeichnet ſich durch folgende Eigenſchaften aus. In ſeiner Aufloͤſung hat er, je nachdem das quan— titative Verhaͤltniß des Humus zur Lauge groͤßer oder kleiner iſt, auch eine dunkelere oder lichtbraune Farbe. An der atmosphaͤriſchen Luft bleibt die Aufloͤſung mehrere Tage ungetruͤbt. Durch mineraliſche, nicht ſo durch vegetabiliſche Saͤuren, laͤßt er ſich, wo nicht vollkommen, doch groͤß⸗ 5 II tentheils faͤlen. Saͤuren wirken daher nicht aufloſend auf ihn. Das kohlenſaure, ſo wie das aͤzende Kali und das aͤzende Ammonium, loͤſen ihn unvollkommen auf, und die Kalien befoͤrdern daher die Thaͤtigkeit des Bodens, und ihre aufloͤſende Kraft auf den oxydirten Humus giebt uns eine vollkommene richtige Erklaͤrung von der Wirkungsart der Aſchenduͤngung. Der durch Saͤure verurſachte Niederſchlag giebt zu— weilen ein braunes glaͤnzendes Pulver, welches geſchmack⸗ los iſt, und an der Luft trocken bleibt. Gluͤhet man daſſelbe, ſo giebt es etwa 15 Procent einer ſehr lockern, ſchwammigen, ſchwer einzuaͤſchernden Kohle. Der ver kohl t e Hau m u. Ueber die Entſtehung des kohligen Theils des Hu⸗ mus laͤßt ſich eben ſo wenig etwas beſtimmtes ſagen, als uͤber den Verkohlungsprozeß, welchem der Torf und die Braunkohle ihr Daſeyn zu verdanken haben. Abwe— ſenheit des Lichts, der atmosphaͤriſchen Luft, ſo wie hin⸗ gegen die Gegenwart einer freien Saͤure, wenigſtens zu Anfange des Prozeſſes, ſcheinen jedoch unablaͤſſige Be⸗ dingungen zu ſeyn. Nur in Gegenden, welche lange Zeit unter Waſſer ſtanden, und durch dieſes gegen die Einwirkung der Luft geſperrt wurden, ſind bis jetzt die Produkte ſolcher Verkohlungen gefunden worden. Im⸗ mer ſind in dem Boden ſolcher Moore bald Eſſig⸗ bald Phosporſaͤure oder auch metalliſche Salze entdeckt worden. Sie ſcheinen, als bekannte antiſeptiſche Mittel, die Verweſung zu verhindern, und die ihrer Lebensthaͤtig⸗ keit beraubten organiſchen Koͤrper unverweslich, wohl aber geſchickt zu andern Verbindungen zu machen. Oder ſind die Kohlen vielleicht ſelbſt ein Produkt der Verweſung des Waſſers? Eine Frage(ſ. Jour. fuͤr Chemie, Phyſik und 12 Mineralogie von Gehlen. B. 4. S. 175) die durch die Beobachtung von Muͤller, Mitglied der koͤniglichen Ge⸗ ſellſchaft der Wiſſenſchaften zu Kopenhagen, unwiderleg⸗ bar bejahet zu werden ſcheint. Er fand in den Boden⸗ ecken eines wohlzugedeckten Gefaͤßes, in welchem man 35 Tonnen Springwaſſer an einem maͤßig warmen und feuchten Orte der Faͤulniß uͤberließ, eine Maſſe, welche 4 Zoll dick war. Sie hatte ſowohl an der Oberflaͤche als auf dem Bauche eine glaͤnzend-ſchwarze Farbe und glich hierin, ſo wie hinſichtlich der Haͤrte der weichen Steinkohle. Sie zeigte ſich noch feucht, in der Licht— flamme brennbar, und gab einen ſteinkohlenartigen, doch aber nicht ſchwefeligen Geruch. Das zu dieſem Verſuche angewandte Waſſer wurde nachher chemiſch unterſucht, und man fand als Reſultat, daß in zwei Pott des klaren Springwaſſers nur drei Gran alkaliſche Salze und zwei Theile Kalk enthalten war. Wenn ſich bei dieſer Beobachtung nicht fuͤrchten ließe, daß ungewaſchne Haͤnde zu dem Gefaͤße gekommen waͤren, ſo waͤre ein großer Theil unſerer Kohlenlagen und vorzuͤglich des ver⸗ kohlten Humus der Stromniederungen und Seen mit allem Rechte, als ein Produkt der Verweſung des Waſſers, oder wenigſtens doch als ein durch das Waſſer bedingter Stoff anzuſehen. Betrachten wir von dieſem Standpunkte aus die Prieſtleyſche Materie, ſammt ihrer Entſtehung und Ver⸗ nichtung, ſo iſt ſolche allerdings ein ſehr kraͤftiger Be— weis fuͤr jene Produkte des Waſſers. Treviranus(in ſei⸗ ner Biologie) ſagt hieruͤber manches Intereſſante und Voigt(in ſeinem Anhange zu Sauſſuͤre's Werke uͤber die Vegetation), druͤckt ſich daruͤber folgender Geſtalt aus: „Jedesmal fallen nach dem Tode dieſer ohne Saamen „erzeugten Pflanzen, Organismen zu Boden und bilden 13 neinen Schlamm oder eine Erde von gelaͤuterter Beſchaf⸗ „fenheit.“ Eine eben ſo wichtige hierher gehoͤrige Beobachtung iſt es, daß die Braunkohle in der freien Luft weder durch Re⸗ gen noch durch Wind, wohl aber durch den Sonnenſchein in Holzerde mit einem Verluſt von ½ ihres Gewichts zer⸗ ſetzt wird.(ſ. Floͤrke's Repertorium des Neueſten und Wiſ⸗ ſenswuͤrdigſten aus der geſammten Naturkunde, B. 3. S. 260). Schließen wir an alle dieſe Erfahrungen noch die ſo leicht zu machende an, daß das Holz, ſo wie mehrere thieri⸗ ſche Koͤrper, waͤhrend der Verweſung, alſo waͤhrend der Erzeugung des Humus, leuchten; daß wenn Holz unter Waſſer oder in der Erde, tief genug und in nicht zu großen Maſſen liegt, ſolches eine Kohlennatur annimmt; daß die Kohle und alle kohlenſtoffhaltigen Koͤrper im Son⸗ nenlichte mehr Sauerſtoff einſaugen und mehr kohlenſau⸗ res Gas abgeben; daß ſchwarze Koͤrper das mehreſte Licht einſaugen ꝛc., ſo geben, meiner Anſicht nach, dieſe Er⸗ fahrungen einen ſehr achtungswerthen Wink uͤber die maͤchtige Einwirkung des Lichts auf den Verkohlu ngspro⸗ zeß, ſo wie zugleich uͤber die Weiſe, wie der verkohlte Humus fuͤr die Vegetation geſchickter zu machen ſey. Der Graf von Morozze(Gehlens Journal fuͤr Chemie. B. 3. S. 631) ſagt:„Es wäaͤre intereſſant, die Abſorbtion der „Kohlen zu unterſuchen, auf welche man das Licht, durch „gefaͤrbte Glaͤſer fallen laſſen oder noch beſſer die einzel⸗ „nen Strahlen eines Prisma geleitet haͤtte.“ Voigt ſagt (in ſeinem Anhange zu Sauſſuͤres Werke S. 72— 763) „Jeder organiſche Koͤrper beſteht, meinen Anſichten nach, „aus einer Verbindung von Licht und Erde. Hoͤrt dieſe „lebendige Verbindung auf, ſo iſt es natuͤrlich, daß un⸗ „ter ſchicklichen Umſtaͤnden das Licht theils als ſolches, ——aa1==— 14 „theils als das Warmephanomen hervorbringend, wiever „entweichet, und die Erde(ſollte wohl heißen Humus) „zuruͤcklaſſe, die ſich zum Theil als Kohlenſtoff oder „Stickſtoff⸗Verbindung, in Gasform ebenfalls trennt. Sollten wir uͤberhaupt dieſen merkwuͤrdigen Erfah⸗ rungen zu Folge, wie einſt Newton aus dem Brechungs— vermoͤgen des Diamants auf ſeine brennbare Natur ſchloß, nicht auf ihre Lichtnatur ſchließen duͤrfen, ſollte viel— leicht nicht die eine oder die andere Modifikation deſſelben, ein Produkt der Finſterniß ſeyn. Doch hieruͤber werden uns vielleicht kuͤnftige Zeiten Aufſchluß geben. Die Ent— ſtehungsart des verkohlten Humus mag nun ſeyn welche ſie immer wolle, ſo iſt ſo viel gewiß, daß er in der Re— gel nur in Stromniederungen und Moraͤſten, mit dem ſauren Humus gemiſcht und gemengt, oder ſelbſt unter demſelben gelagert, vorkommt. Die erſtere Beobachtung ſcheint fuͤr den Uebergang des ſauren Humus in verkohl— ten zu ſprechen, ſo wie die letztere auf ſein hoͤheres Al⸗ ter hinzudeuten ſcheint. Auch das Verhalten des ver⸗ kohlten Humus, hat viel Aehnlichkeit mit dem der Pflan⸗ zenkohle. Weder Waſſer, gleichviel von welcher Tempe⸗ ratur, noch die Alkalien, ſowohl aͤzende als milde, aͤu— ßern die mindeſte zerſtorende Wirkung auf denſelben, wohl aber die Salpeterſaͤure, welche in bedeutender Menge die Kohle, wenn auch nicht vollkommen zerſtort, ſie doch groͤßtentheils im Waſſer und im Weingeiſt aufloͤslich macht. Eben ſo wird die Kohle, ſowohl auf dem trocknen als naſſem Wege, durch die geſchwefelten Alkalien aufge⸗ loſt. Auf trocknem Wege wird ſie nur durch die ſchwe⸗ felſauren Salze zerſetzt, indem das Oxygen aus der Saͤure der angewandten Salze mit der Kohle zum kohlenſauren Gas zuſammentritt, und der Schwe⸗ fel dadurch freiſ wird, aber mit der Baſis der Saͤure à eine Suͤlphuͤre erzeugt. Beruͤckſichtigen wir in die— ſer Beziehung die Reſultate der Verſuche von Gay Luſſac und Thenard uͤber das Licht,(ſ. Neues Journal fuͤr Chemie und Phyſik von Schweigger. B. 5. H. 3. S. 219 ꝛc.) welchen zufolge das letztere als eine hoͤchſt inten⸗ ſive Waͤrme auf die Koͤrper wirkt, ſo laſſen ſich vollkom— men klar das Vorkommen der Suͤlphuͤre im Sumpf⸗ und Moraſtboden, ſo wie die Erzeugung des geſchwefelten Waſ⸗ ſerſtoffgaſes und endlich die Erfahrungen in der Land— wirthſchaft erklaͤren, nach welchen die Anwendung von Saͤuren und ſchwefelſauren Salzen, namentlich des Ei⸗ ſenvitriols, als Duͤngungsmittel angewandt, bald eine außerordentlich guͤnſtige, bald eine eben ſo unguͤnſtige Wirkung auf die Vegetation hervorbrachte. Alſo oxydulirter, oxydirter und verkohlter Humus, waͤren die naͤheren Beſtandtheile des Humus, die ent⸗ fernteren aber, nach meinem und nach von Sauſſuͤre's Verſuchen, Kohlenſtoff, Waſſerſtoff, Stickſtoff, Sauer⸗ ſtoff und in einigen Faͤllen auch Schwefel und Phosphor. Die wahrhaft erdigen Beſtandtheile, welche mehrentheils aus Kalk, Talkerde, Kieſelerde ꝛc. beſtehen, beruͤck⸗ ſichtige ich hier nicht. Welche Veraͤnderungen erleidet der Humus und durch welche Potenzen erleidet er ſie, um zum naͤhrenden Mittel fuͤr die Pflanzen vorbereitet zu werden? Nur in demjenigen Zuſtande, worin der Humus oder viel⸗ mehr ſeine naͤhern und entfernteren Beſtandtheile, ent⸗ weder in einer Fluͤſſigkeit vorzuͤglich dem Waſſer, oder aber als ein Gas aufgeldſet ſind, kann derſelbe als unmittel⸗ bare Nahrung fuͤr die Pflanzen betrachtet werden. Allen unſern bisberigen Erfahrungen zufolge, ſowohl in dem weiten Gebiete des Ackerbaues, als in dem engen Ge⸗ ———ſ— 16 biete der wiſſenſchaftlichen Verſuche, liegt die Veraͤnde⸗ rung welche der Humus erleidet, um bald mehr bald weniger aufloͤslich zu werden, zwiſchen den beiden Polen der vollkommenſten, zur Saͤure uͤbergehenden Oxydation und der vollkommenſten Deſoxydation. Das Oxygen iſt daher hier, wie in der ganzen organiſchen Natur, eine Hauptpotenz der Veraͤnderung; und alle Potenzen, wel⸗ che das Oxygen zu vermehren oder zu vermindern im Stande ſind, koͤnnen als Kraͤfte betrachtet werden, welche den Humus zur unmittelbaren Nahrung fuͤr die Pflanzen zu verarbeiten vermoͤgen*). Es ſchließt ſich daher dieſe Frage genau an die folgende an. — Wie verhalten ſich insbeſondere in dieſem Prozeſſe die atmos⸗ phaͤriſche Luft, das Waſſer und die im Contact ſtehenden Grunderden in dem Ackerboden? Einer der entfernten und im groͤßten quantitativen Verhaͤltniſſe im Humus ſich befindende Beſtandtheile, iſt der Kohlenſtoff, der nach unſern Erfahrungen bald als Extractivſtoff, bald mit Sauerſtoffgas verbunden(als Kohlenſaͤure) als die vorzuͤglichſte unmittelbare Nahrung der Pflanzen anzuſehen iſt. Wenn der Sauerſtoff unbedingt nothwendig zur Erzeugung des kohlenſauren Gaſes iſt, ſo iſt er nach dem ſo oft wiederholten und be⸗ kannten Verſuche von Sauſſuͤre auch unbedingt nothwen⸗ dig, um einen Theil des Humus im Waſſer aufloͤslich zu machen, *) Ob und in wie ferne Davys Chlorine und Courtois und Jo⸗ dine(wenn das Daſeyn dieſer Stoffe außer allen Zweifel geſetzt werden ſollte) in der Pflanzenwelt wirke, koͤnnen wir noch nicht beſtimmen; wichtig aber koͤnnen beide Stoffe fuͤr die Pflanzenphyſiologie werden, und uns in derſelben Auf⸗ ſchluͤſſe ertheilen, die wir jetzt, ſelbſt nur ſehr gewagt, kaum ahnen duͤrfen. An machen, d. h. oxydulirten Humus(Extractioſtoff) zu er⸗ zeugen. In welcher Form aber, ob in dieſer oder jener die Pflan⸗ zen den groͤßten Theil des im Humus befindlichen Koh⸗ lenſtoffs zu ſich nehmen, iſt im Allgemeinen noch nicht beſtimmt, und moͤgte es auch wohl nie werden; da die Organe eines jeden Pflanzenindividuums und ihre Vege⸗ tationsperioden die groͤßte Relativitaͤt vermuthen laſſen. Ich glaube, daß die Pflanzen den Kohlenſtoff in jeder Form aufnehmen, in welcher ſie ihn habhaft werden koͤnnen, und daß ihre Lebensthaͤtigkeit hauptſaͤchlich in der Zerſetzung der Kohle und in der Verbindung derſelben mit den Gasarten zu andern Koͤrpern, ihren Hauptwirkungs⸗ kreis habe. Sauſſuͤre glaubt, daß die Pflanzen von den ihnen vorgelegten, ihrer Organiſation angemeſſenen Stof⸗ fen, diejenigen am liebſten aufnehmen, welche am mehrſten fluͤſſig und am wenigſten klebrig waͤren. Wenn dieſer Glaube in der Natur zur Wahrheit wuͤrde, wofuͤr meh⸗ rere Thatſachen zu ſprechen ſcheinen, ſo muͤßten wir allerdings die Kohlenſaͤure als Lieblingsnahrung der Pflanzen anſehen. Alſo Oxygen und Waͤrme waͤren die naͤchſten Potenzen, durch welche der Humus veraͤn— dert und zur Nahrung der Pflanzen tuͤchtig gemacht wird. Betrachten wir von dieſem Geſichtspunkte aus unſere atmosphaͤriſche Luft und den Humus, jene aus 0,21 Oxygen, 0,78 Azote, 0,or Kohlenſtoff beſtehend, und dieſen als modificirte Kohle, als einen Stoff, der eine außerordentliche Neigung hat, Gasarten und vorzuͤglich Sauerſtoffgas einzuſaugen, ſo liegt die Wechſelwirkung beider Stoffe auf einander, ſchon von ſelbſt klar vor un— ſern Augen. Der Humus ſauget den Sauerſtoff der Luft ein, ſein Kohlenſtoff verbindet ſich mit demſelben und wird durch den Zutritt der Waͤrme zu kohlenſaurem B 18 Gas. Dieſe Thatſache iſt in den neueren Zeiten, hinſicht⸗ lich der Pflanzenkohle, durch die vortrefflichen Verſuche von Morozzo, Parot, Grindel, Brugnatelli, Rappe und Vogel, und hinſichtlich des Humus von Sauſſure, Alex. v. Humboldt, Landre, Thaers, Einhof und durch meine eigene Verſuche, die ich in Gegenwart meiner Zuhdrer angeſtellt habe, und von denen ich weiter unten ſprechen werde, beſtaͤtiget. Natuͤrlich wird die Quantitaͤt des Koh⸗ lenſtoffes durch die Einwirkung der Luft immer weniger, folglich auch die Quantitaͤt des Humus ſelbſt, und da dieſe Wechſelwirkung beider Stoffe auf einander fort— dauert, ſo liegt hierin die Erklaͤrung, warum der Humus, ſelbſt auf dem cultivirteſten geduͤngteſten Boden, in Waͤl⸗ dern, aus welchen nie Laub oder Nadeln genommen wer⸗ den konnten, dennoch nicht bis zu einer bedeutenden Hhe angewachſen iſt. In dieſer Erſcheinung, in dieſem Verſchwinden des in jedem, auch dem kleinſten Raume der Welt, in jedem Moment in uͤbermaͤßiger Menge erzeugten Humus liegt, wie mich duͤnkt, ein wichtiger Beweis fuͤr die Nothwen⸗ digkeit deſſelben in der Natur, und namentlich fuͤr die Pflanzen. Es iſt ausgemacht, das er nicht zum Mineral werden, nicht unmittelbar als Thiernahrung angenom⸗ men werden kann, daß er in der Verbindung mit der Luft eine Gasart erzeugt, die den mehreſten thieriſchen Koͤrpern toͤdtlich iſt, daß die Quantitaͤt dieſer Gasart in un⸗ ſerer Atmosphaͤre doch ſo außerordentlich gering iſt, und endlich daß die Pflanzen im Boden von dieſer Art vor⸗ zuͤglich gut gedeihen. Sind dieſes nicht Thatſachen, die uns bei dem Hinblick auf die uͤbrigen weiſen Naturge⸗ ſetze mit Recht folgern laſſen, daß der Humus von den Pflanzen verzehrt werde, und hierin das Verſchwinden ſeiner Maͤchtigkeit liege. Es iſt abſurd, wenn man bei 19 ſo klar am Tage liegenden Thatſachen, bei ſo einfachen Vernunftſchluͤſſen, dennoch immer von einer Theorie hoͤrt, nach welcher die Gewaͤchſe ihren Kohlenſtoff nur aus der Luft nehmen ſollen, und uͤberaus naͤrriſch, wenn man, wie Bracconot, dieſe Theorie damit zu widerlegen ſucht, wie man aus einer ſo kleinen Menge von Kohlenſtoff, wie ſich in der Luft befaͤnde, die Entſtehung der uner⸗ meßlichen Lager von Steinkohlen und bitumindſen Holze erklaͤren wolle; das hieße Urſache und Wirkung nach ba— belſcher Weiſe verwirren und in der That den Wald vor Baͤumen nicht ſehen. Wenn Helmont, Tillet und neuerlich von Crell Pflanzen ſehr gut im Waſſer vegetiren ſahen, und da— durch zu behaupten veranlaßt wurden, daß Waſſer(85 Oxygen, 15 Hydrogen nach Lavoiſes, oder 87,41 Oxygen und 12,59 Hydrogen nach v. Sauſſuͤre) allein die Nah⸗ rung der Pflanzen ſey, und dieſe Behauptung als Geſetz aufſtellen wollen, ſo haͤtten ſie bei ihren Verſuchen viel ge⸗ nauer zu Werke gehen muͤſſen, als ſie wirklich gegangen ſind. Die obigen ſo ſehr merkwuͤrdigen Muͤllerſchen Beobach⸗ tungen unberuͤckſichtigt, fand Pfaff im Waſſer, welches er mit der groͤßten Vorſicht deſtillirt und aufbewahrt hatte, in welchem er mit keinem der gewoͤhnlichen Reagentien, Kohlenſaͤure entdecken konnte, dennoch mit eſſigſaures Blei Kohlenſaͤure vorhanden, und ſchließt ſeine Abhand⸗ lung daruͤber mit den Worten:„So ſchwer wird es zu „behaupten, daß man in irgend einem Verſuche reines „Waſſer gebraucht habe.“(ſ. Journal fuͤr Chemie und Phyſik. B. 2. Heft 3. S. 5⁰⁴). Wie verhaͤlt es ſich nun mit jenen Verſuchen von Tillet und Helmont, die hiervon noch nichts wußten? Wie mit de⸗ nen von v. Crell?— Ich ſelbſt habe bei deſtillirtem Waſſer, welches mit der groͤßten Vorſicht deſtillirt war, nach B 2 20 Verlauf von mehreren Monaten wahrgenommen, daß es ſtinkend wurde, ob es gleich, zwar nicht luftdicht, doch ſo verdeckt war, daß kein Koͤrper von außen hineinkom⸗ men konnte. Aber abſolut reines Waſſer, kann unſern bisherigen Erfahrungen zufolge, unter kei⸗ ner Bedingung in Faͤulniß uͤbergehen. Noch ſey es mir erlaubt, die Richtigkeit des neueſten Reſultates zu betrachten, welches von Crell(Journal fuͤr Che⸗ mie und Phyſik von Schweigger. B. 2. S. 261) erhal⸗ ten hat, welches in dem erſten Augenblicke ſo ſehr fuͤr die Verſuche des van Helmont und Tillet ſpricht und vor⸗ zuͤglich jetzt ſo viel Aufſehen gemacht zu haben ſcheint. Er nahm fuͤnf Hyazinthenzwiebeln, wovon drei getrocknet und verkohlt wurden, ſie wogen zuſammen 1269 Gran. Die zwei uͤbrigen, welche er mit A und B bezeichnete, und wovon die erſte 633, die andere aber 710 Gran, alſo zuſammen 1343 Gran wogen, legte er auf gewoͤhn⸗ liche mit Waſſer angefuͤllte Hyazinthenglaͤſer, bedeckte ſie auch mit ſolchen, und verband die Stelle, in welcher beide Glaͤſer zuſammen kamen, mit Blaſen, um alle nur denkbare Beruͤhrung mit der Luft zu vermeiden. So vorgerichtet, ließ er ſie vegetiren, und nahm ſie heraus, als A 7 Blaͤtter von 6“ bis 7“ Hdhe und B 5 Blaͤt⸗ ter von 5“ bis 6“ Hoͤhe hatte. Ob ſie Bluͤthen ge⸗ trieben haben, iſt nicht bemerkt. Der Vegetations⸗Cy⸗ clus war von Ende Octobers bis zum 22. April. Er verkohlte hierauf ſowohl jene zuruͤckgelegten Zwiebeln, als die Zwiebeln und Pflanzen von A und B. Fuͤr er⸗ ſtere fand er in Summa 126 Gran, fuͤr letztere 194 Gran Kohle, alſo bei denen, die nur im Waſſer vege⸗ tirt hatten, und von der Beruͤhrung mit der Luft voll⸗ kommen ausgeſchloſſen waren, 58,639 Gran Kohle mehr, welche er als Produkt der Lebensthaͤtigkeit der Pflanzen 2 ʃ½ anſieht. Ob es gleich eben ſo wahrſcheinlich iſt, daß die Pflanzen Kohlen erzeugen koͤnnen als Erden, ſo ſind doch alle Verſuche, welche dieſes, hinſichtlich der Kohle, haben beweiſen ſollen, noch viel zu mangelhaft, ſo z. B. die des von Crell.„Bei der Ausmittelung der Kohle, ſagt „er, habe ich das bei dieſer Arbeit entbundene gekohlte „Waſſerſtoffgas und das erhaltene Oel vorſaͤtzlich nicht in „Beruͤhrung gebracht, weil ſicher alle Zwiebeln bei ei⸗ „nem ganz gleichen Verfahren im Trocknen und Deſtllli⸗ „ren auch eine der Maſſe entſprechende proportionirte „Menge von ſolchem Gas und Oel gegeben haben wuͤr— „den.“ Eine Vorausſetzung des von Crell, welche fuͤr die Richtigkeit ſeiner ganzen Reſultate Mißtrauen erregt: denn in Zwiebeln, deren Lebensthaͤtigkeit durch die Vege⸗ tation, Produkte mancherlei Art hervorgebracht hat, daſ⸗ ſelbe in quantitativer und qualitativer Hinſicht anzuneh⸗ men, was man in dem ungekeimten annimmt, und dar— auf Rechnungen zu begruͤnden, die ſo wichtige Thatſa⸗ chen beweiſen ſollen, iſt, duͤnkt mich, eine Verfahrungs⸗ weiſe, die zu keiner Wahrheit und Richtigkeit fuͤhren kann. Chaptal hat dargethan, daß der Kohlenſtoff, der im Gewaͤchsreiche cireulirt, in dem dligen, extractiven und harzigen Princip aufgeldſt wird. Und uͤberhaupt wie ſchwierig ſind Verſuche dieſer Art, wenn man alles, was bisher in der Chemie entdeckt worden iſt, beruͤckſichtigt. Die Erſcheinungen in der weiten Natur zeigen ja zu deutlich, daß die Pflanzen ihre meiſte Nahrung aus der Erde und der Luft nehmen, daß die mehreſten Waſſer⸗ pflanzen, ob ſie gleich große Blattorgane haben, folglich fuͤr das Einſaugen der Atmosphaͤrilien beſonders geſchickt ſind, dennoch mehrentheils mit ihren Wurzeln die Erde ſuchen, ob ſie gleich ſolche nicht zur Feſthaltung beduͤr⸗ fen. Doch wieder zur Frage! Die Luft wirkt auf die 22 Veraͤnderung des Humus, dem Geſagten zufolge, vor⸗ zuͤglich durch ihren Sauerſtoffgehalt; ob aber auch durch ihr Azot? daruͤber werde ich unten ein Mehreres zu ſa⸗ gen Gelegenheit haben. Wie wirkt das Waſſer: Einmal activ, das anderemal paſſiv. Activ wirkt daſſelbe: 1) Inſoferne es fuͤr ſich den oxydulirten Humus aufloͤſet und denſelben geſchickter macht, in die Pflanzen einzudringen. 2) Inſoferne es mit Kali verbunden, den oyxydirten Humus aufloͤſet; und 3) Inſoferne es, wie die Verſuche eines de Marty Gournal fuͤr die Chemie von Gehlen. B. 4. S. 142) eines Hellers(Vetteranes Beitraͤge. B. 2. S. 233) u. ſ. w. unwiderlegbar zeigen, den Sauerſtoff der Luft mit einer bis auf unſere Zeit nicht geahneten Begierde, theils ſelbſt einſauget, theils die mit ihm im Contact ſtehenden Koͤrper fuͤr die Aufnahme des Sauerſtoffsgas und vielleicht mehrerer Atmosphaͤrilien beſonders geſchickt macht. Alex. v. Humboldt ſah den Thon Sauerſtoffgas einſaugen, wenn er feucht, nicht aber wenn er voll— kommen trocken war. Da ſich die letztere Wirkung des Waſſers gegen den Humus auf die Einſaugung des Oxygen gruͤndet, ſo laͤßt ſich dieſelbe auch auf das, was ich bei der Luft mich bemuͤhet habe, weitlaͤuftiger auseinander zu ſetzen, reduciren. Paſſiv wirkt das Waſſer, inſofern es in ſeine Be⸗ ſtandtheile, Oxygen und Hydrogen, zerſetzt wird. Alex. von Humbold glaubt aus mehreren Gruͤnden ſchließen zu muͤſſen, daß in der Gewaͤchserde mehr zerſetztes Waſſer ſey, als in den Pflanzenorganen ſelbſt und ſchreibt die 23 große Maſſe von Waſſerſtoffgas, welche in derſelben ent⸗ halten iſt, der Zerſetzung deſſelben zu. Er nimmt dabei an, daß der ſich dabei entwickelnde freie Waͤrmeſtoff das Spiel der Wechſelwirkung ſehr beguͤnſtige. Wenn wir die Erfahrung beruͤckſichtigen, daß in ſumpfigen Ge⸗ genden, in welchen, wo nicht die Verweſung doch die Zerſetzung der Pflanzen auf einem kleinen Raume, von der Natur im Großen betrieben wird, ſich vorzuͤglich die Natur⸗ erſcheinungen der Irrlichter, Feuermaͤnner ꝛc. erzeugen und daß dieſe ihr Daſeyn dem Phosphor⸗Waſſerſtoffgas zu danken haben: ſo glaube ich dieſe Erſcheinungen als einen kraͤfti⸗ gen Beweis fuͤr die Zerſetzung des Waſſers durch die Pflanzenentmiſung oder die Humuserzeugung anſehen zu muͤſſen. Aber eben ſo wie das Sauerſtoffgas mit dem Koh⸗ lenſtoff eine Verbindung eingeht, eben ſo geht das Waſſer⸗ ſtoffgas ſolche mit demſelben ein, und das Produkt(ge⸗ kohltes Waſſerſtoffgas), macht, wie uns die unabſehbare Menge von Erfahrungen in der Natur und in den Werkſtaͤtten der Chemiker und Phyſiker gezeigt haben, ein eben ſo großes Lieblingsnahrungsmittel der Pflanzen aus,„ als das kohlenſaure Gas. Die Wechſelwirkungen der Be⸗ ſtandtheile der Luft, des Waſſers und des Humus auf und unter einander, ſind daher ewig und an kein Mo— ment der Zeit und des Raumes gebunden, wo Unthaͤtig— keit und Weile bei ihnen ſtatt faͤnde. Es iſt engherzig fur das Große der Natur, zu glauben, das der Regen ſoß wie die waͤſſerigen Atmosphaͤrilien nur als Befeuch⸗ tungsmittel wirken. Man rieche nach gefallenem Regen und man wird einen ſtaͤrkenden Geruch wahrnehmen, der um ſo kraͤftiger iſt, je reicher der Boden an Humus war. Nicht der Regen allein, nicht das Waſſer welches er giebt, l zeigt dieſen Geruch, ſondern die Zerſetzung des Waſſers und die Verbindung der Beſtandtheile deſſelben mit dem 24 Humus iſt die Urſache davon. Ein Beweis, daß bei dieſer Ver⸗ bindung ein aͤußerſt fluͤchtiger Stoff erzeugt werden muß. Fuͤr dieſe in der Oekonomie des Weltalls ſo wichtige Verbindung des Waſſerſtoffs mit dem Humus, ſcheint die Natur vor⸗ zuͤglich dadurch geſorgt zu haben, daß ſie demſelben eine waſſerhaltende Kraft gab, welche die des Sandes, des Kalks, ja ſelbſt die des Thons weit uͤberſteigt. Meine Verſuche gaben mir fuͤr den Humus des Aesculus Hippocasta- num: 239 Procent; er kann alſo beinahe drittehalb mal ſo viel Waſſer aufnehmen, als ſein eigenes Gewicht be⸗ traͤgt; dahingegen fand ich die waſſerhaltende Kraft ei⸗ nes lettenartigen Thons nur 45 Procent. Auch das Ein⸗ ſaugungsvermoͤgen der waͤſſerigen Duͤnſte iſt bei den Hu⸗ mus bedeutend, 200 Theile Humus, welche unter eine mit Waſſer geſperrte Glocke in einer porzellanenen Schaale geſtellt waren, hatten nach Verlauf von vier Wochen 61 Theile Feuchtigkeit angezogen. Alles dieſes Geſagte zeigt, wie Wachsthum befoͤr⸗ dernd das Waſſer auf die Pflanzen wirken kann, und wie wichtig fuͤr den Betrieb des Landbaues der groͤßere oder mindere Regenfall einer Gegend iſt. Der Sandbo— den kann einem nicht ganz gluͤcklich gemiſchten Thonbo— den den Rang, hinſichtlich der Fruchtbarkeit, ſtreitig machen, inſofern der Regenfall mit der Thonmiſchung im umge— kehrten Verhaͤltniſſe ſtehet. Der fruchtbarſte Humusboden wird fuͤr den Landwirth Null, wenn er in einer Gegend liegt, die wenig oder gar keinen Regenfall hat. Tillet hatte daher nicht ganz Unrecht, wenn er bei der Beur— theilung eines Bodens, näͤchſt der chemiſchen Analyſe, auch nach dem Regenfalle der Gegend forſchte. Ehe ich zu der Einwirkung der mit dem Humus im Contact ſtehenden Grunderden, auf die Veraͤnderung des erſten uͤbergehe, ſey es mir erlaubt, auch noch etwas uͤber das Verhalten der uͤbrigen Potenzen in der Natur, Licht, Waͤrme, Electricktaͤt u. ſ. w. zu ſagen. Wenn auch die ſcharfſinnigen Verſuche eines New⸗ ton, Eulers ꝛc. uns uͤber die Lehre des Lichts haben vor⸗ ſchreiten laſſen, ſo fuͤhren uns die von Ingenhous, Sen— nebier, Prieſtley, Gay-Luͤſſac, Thenard und von anderer neueren Phyſikern gemachten, hinſichtlich unſers Ge⸗ genſtandes noch ungleich weiter. Durch die Verſuche der erſt genannten drei Phyſiker wurde zuerſt dargethan und befeſtigt, daß die Pflanzen beim Lichte Sauerſtoff aushau⸗ chen, und daß dieſes Gas ſein Daſeyn der Zerſetzung der Kohlenſaͤure im Waſſer zu danken habe. Woodhou⸗ ſens Verſuche und die daraus gezogene Folgerung, daß die Pflanzen die Luft nicht verbeſſerten, ſcheinen mir zu einſeitig und daher nicht kraͤftig und genuͤgend genug, um Sennebiers, Ingenhous und Prieſtley's Erfahrungen zu widerlegen. So ſehen wir alſo das Licht als chemi⸗ ſches zerſetzendes Agens, als ein in der Natur beſtaͤndig wirkendes Mittel, Sauerſtoffgas zu entbinden. Wenden wir das Augenmerk auf die intereſſanten Verſuche von Thaer und Einhof uͤber die Hornvieh⸗Excremente, auf die Verſuche des Alex. von Humbold, Placidus Heinrich und andere an, ſo ſehen wir auf der andern Seite, daß unter dem Einfluße des Lichts, die Abſorbtion des Sauerſtoff⸗ gaſes ungleich ſtaͤrker iſt, als in Abweſenheit deſſelben. Beruͤckſichtigen wir endlich die trefflichen Verſuche von Gay⸗Luſſac und Thenard, ſo wirkt das Licht vollkommen ſo, als eine hoͤchſt intenſive Waͤrme und es laͤßt ſich ſeine chemiſche Wirkung vollkommen auf ſolche reduciren. Es wuͤrde zu weit vom Zwecke der Frage abfuͤhren und uͤber⸗ fluͤſſig ſeyn, dieſes weitlaͤufiger erlaͤutern und deduciren zu wollen. Von dieſem Standpunkte aus angeſchaut, iſt es wenig wunderbar, ja beinahe ſchon a priori zu behaup⸗ 26 ten, daß uͤberall wo Licht alſo auch Waͤrme iſt, der Ge⸗ halt an Sauerſtoffgas gleich groß iſt, was auch durch die Erfahrung des Hrn. Alex. v. Humbold und Gay⸗Luſſac ſowohl in den tiefſten Regionen der Erde, als auch in den hoͤchſten der Atmosphaͤre, zu welchen bis jetzt die Menſchen zu dringen vermochten, vollkommen beſtaͤtigt worden iſt. Da nun aber der Humus, vorzuͤglich durch die Veraͤnde⸗ rung, welche ſein wichtigſter Beſtandtheil, der Kohlenſtoff, durch die Verbindung mit dem Sauerſtoff und der Waͤrme zur Kohlenſaͤure leidet, fuͤr die Ernaͤhrung der Pflanzen wichtig wird, ſo ſehen wir in dieſem Geſagten auch, wie ſehr viel das Licht und die Waͤrme mittelbar zu der Ver⸗ aͤnderung des Humus beitragen. Unmittelbar hieran rei⸗ het ſich die Wirkung der Electricitaͤt auf den Humus. Nach unſern bisherigen Erfahrungen und meinen Anſich— ten nach, koͤnnen wir dieſelbe als Repreſentantin der in— tenſivſten Waͤrme und des intenſivſten Lichtes betrachten. Wir ſahen in dem Vorhergehenden das Oxygen und Hy— drogen mit dem Kohlenſtoffe Verbindungen eingehen, welche gleich wichtig fuͤr die Ernaͤhrung der Vegetation ſind. Die Verſuche des v. Davy, Ritter, Pfaff, Ermam, Cruikſhank, Brugnatelli ꝛc. haben unwiderleglich darge⸗ than, daß an den Polen der Electricitaͤt, Sauer⸗ und Waſſerſtoff erzeugt wird, und haben uns ſo durch ihre Erfahrungen Praͤmiſſen gegeben, welche uns mit Recht erlauben, von den wichtigen Wirkungen der Electricitaͤt auf die Veraͤnderung des Humus, mit beinahe apodicti— ſcher Gewißheit zu ſchließen. Der Magnetismus— iſt uns in ſeinen Wirkun— gen auf die Welt noch zu wenig bekannt; aber wohl moͤglich, ja wahrſcheinlich iſt es, ſeiner oft auffallenden Aehnlichkeit mit der Electricitaͤt zufolge, daß er wie dieſe ———————— 27 wirkt, daß er, wie ich ſagen moͤchte, als eine hoͤhere po⸗ tenzirte der Goͤttlichkeit naͤhere und unſerer ſinnlichen An— ſchauung fernere Electricitaͤt anzuſehen ſey. Auch die Le⸗ bensthaͤtigkeit der Vegetation ſelbſt, muß in dieſem Ge⸗ maͤhlde der ewigen Wechſelwirkung und Thaͤtigkeit der Weltſtoffe nicht vergeſſen werden. Sie erzeugt Oxygen um Kohlenſaͤure aus andern Medien zu bilden, und giebt Oxygen her, um die Kohlenſaͤure zu erhalten. Bracconot fand Bleioxyd in welches er Pflanzen⸗ ſaamen geſaͤet hatte, reducirt.(Journal fuͤr Chemie von Gehlen. B. 9. S. 1837). Ja ſelbſt der werdende Hu⸗ mus wirkt auf den, ſchon ſeiner Vollkommenheit naͤher gelangten, durch das bei ſeiner Verweſung ſich erzeugende Ammonium. So ſehen wir die zu ihrer relativen Ver⸗ nichtung ſchreitenden Koͤrper, als Mittel den ſchon voͤl— lig relativ Vernichteten zu ihrer Wiedergeburt behuͤlflich ſeyn. Wie wirken aber die mit dem Humus im Contact ſtehenden Grunderden? Eine Frage, die fuͤr die Wiſſen⸗ ſchaft des Ackerbaues in unendlich mannigfaltigen Bezie⸗ hungen von der groͤßten Wichtigkeit iſt. Alex. von Hum⸗ bold hat durch ſeine Abhandlung uͤber die Abſorbtion des Sauerſtoffes, vermittelſt der Erden, hierin die Bahn ge⸗ brochen, ſich aber, wie nachfolgende Verſuche darthun, geirret. Ich wog drei gleiche Quantitaͤten Humus vom Aes- culus Hippocastanum ab, und mengte die eine der— ſelben mit kohlenſaurem Kalk(geriebener Krede), die an⸗ dere mit Thon, die dritte mit vollkommen reinem Fluß⸗ ſande. Dieſe drei Gemenge feuchtete ich mit gleich vie⸗ lem deſtillirten Waſſer an. Der Thon nebſt dem Kalk ver⸗ ſchluckten das Waſſer ſehr bald, uͤber dem Sande aber blieb das Waſſer in liquider Form. Die drei Gemenge wur⸗ 28 den hierauf unter Glocken geſtellt und mit Queckſilber geſperrt. Nach Verlauf von zwei Tagen war das Queck— ſilber in der mit Sand plus Humus gefuͤllten am hoͤch⸗ ſten, in der mit Thon plus Humus gefuͤllten weniger, und in der mit Humus und Kalk angefuͤllten faſt gar nicht geſtiegen. Da mir dieſe Erſcheinungen, meiner Meinung nach, zu paradox mit den Erfahrungen des großen, und von mir ſo ſehr verehrten Alex. von Hum— bold waren, uͤberdem die Glocken zu weite Oeffnungen hatten, als daß ſie mich am Ende des Verſuchs eine ge— naue Unterſuchung der Gasarten haͤtten erwarten laſſen koͤnnen, ſo nahm ich das Ganze auseinander und ſtellte einen zweiten Verſuch auf folgende Art an. Ich nahm drei Arzeneiglaͤſer, jedes von ein und zwanzig Kubiczoll Gehalt, machte die Gemenge wie oben und befeuchtete jedes derſelben, doch aber nur ſo, daß ſie ſich zuſammen ballen ließen. Ich brachte dieſe Gemenge in die Muͤn⸗ dungen der Glaͤſer und ſperrte alle drei mit Queckſilber. Nach Verlauf von einigen Tagen ſtieg das Queckfilber in allen drei Glaͤſern, und am Ende der vierten Woche fand ich ein auffallendes Gradverhaͤltniß zwiſchen der Hohe des Queckſilbers und der waſſerhaltenden Kraft der in den Glaͤſern befindlichen Erdgemenge. Ich nahm ſie auseinander und unterſuchte die Gasart, wo ich in allen drei Glaͤſern eine bedeutende Menge von Kohlenſaͤure an⸗ traf. Da mich dieſe Erſcheinung auch jetzt wieder uͤber⸗ raſchte, und die fruͤhere Beobachtung des Queckſilberſteigens uͤber dem Gemenge mit Humus und Sand mir jetzt um ſo auffallender wurde; die Bemerkung des Alex. v. Hum— bold, daß die Erden trocken nicht wirkten, ſo wie die von Hermbſtaͤdt zu jener Abhandlung des Alex. v. Humbold gemachte Notiz hinzeigen,(ſ. Archiv fuͤr Agrikulturchemie. B. I. H. I. S. 151) mir aber auffiel, und mir ferner die 29 wichtige(von de Marty gemachte und von mehreren Phyſikern beſtaͤtigte) Entdeckung, daß das Waſſer den Sauerſtoff in bedeutender Menge einſauge, ſo wie die Meinung von Davy, daß die Erden als vollkommene Metalloxyde anzuſehen ſeyen, vor Augen ſchwebte: ſo kam bei mir der Gedanke, ob nicht das mit den Erden gemengte Waſſer die Urſache der Abſorbtion ſey. Je mehr ich daruͤber nachdachte, je mehr ich die Reſultate meiner Verſuche befragte, deſto wahrſcheinlicher wurde mir daſſelbe, und ich entſchloß mich, durch direkte Ver⸗ ſuche meinen Glauben zu beſtaͤtigen. Ich nahm vier vollkommen ausgetrocknete Glaͤſer, wog ſo vollkommen als moͤglich ausgetrockneten Humus, Thon, Kalk, rein gewaſchenen Flußſand(verſteht ſich doch ſo ausgetrocknet, daß die Natur der Erden hinſichtlich unſeres Verſuches da⸗ durch nicht veraͤndert worden waren) zu gleichen Theilen ab, ſetzte jedes unter einen Cylinder und ſperrte ſolche mit Queckſilber. Nach Verlauf von vierzehn Tagen war bei keinem der vier Cylinder ein Steigen des Queckſilbers zu bemerken. Nach vier Wochen ſtieg das Queckſilber ſehr wenig, aber ſonderbar iſt es, in allen vier Cylindern gleich hoch. Sollte dieſes Steigen nicht durch die Abſorb⸗ tion vermoͤge des Queckſilbers bewirkt ſeyn? Ich mußte mit dieſer mir unerwarteten Erſcheinung die Verſuche ſchließen, werde aber im kuͤnftigen Sommer dieſelben fortſetzen. Ob nun gleich durch dieſe Verſuche noch nicht voll— kommen dargethan iſt, daß das Waſſer die Urſache der Abſorbtion ſey; ſo iſt doch ſo viel ausgemacht, daß ſie nicht dem Thone, wohl aber aller Wahrſcheinlichkeit nach dem mit ihm verbundenen Waſſer zugeſchrieben werden darf. Meiner, durch die Schraderſchen und durch die obi⸗ 30 gen Verſuche und Reſultate begruͤndeten Ueberzeugung zufolge, ſind die wahrhaften Erden, worunter ich hier Thon und Sand verſtehe, nur als Gefaͤße fuͤr die Sta— bilitaͤt, fuͤr die vorhandenen Nahrungsſtoffe der Pflan— zen, und fuͤr die Medien, aus welchen die letzteren erzeugt werden, zu betrachten. Nicht ſo aber die Alkalien; dieſe wirken chemiſch auf die mit ihnen im Contact ſtehenden Koͤrper. Fuͤr den Ackerbau ſind in dieſer Hin— ſicht vorzuͤglich der Kalk und die mit ihm innigſt verwand⸗ ten Mineralien, z. B. der Mergel, merkwuͤrdig. Ge⸗ brannten Kalk hat man, meines Wiſſens noch nicht in der Natur entdeckt, daher uͤbergehe ich denſelben hier. Der Kalk ziehet vermoͤge ſeiner nahen Verwandſchaft zu den Saͤuren, die im Ackerboden und vorzuͤglich im Hu— mus befindliche freie Saͤure an und giebt bei dieſem Prozeſſe nicht nur ſeine Kohlenſaͤure ab, ſondern macht auch den Humus fuͤr die Ernaͤhrung der Pflanzen da⸗ durch geſchickter. Die große Menge von Erfahrungen uͤber die Einwirkung des Kalks auf ſauren Boden, be⸗ ſtaͤfgt das Geſagte. Ferner deutet die Erfahrung, daß der Kalk und der Mergel nur fuͤr eine Reihe von Jah⸗ ren vortheilhaft auf die Vegetation wirken, wenn nicht ſonſt Duͤngung, oder mit andern Worten Humus nach Verlauf derſelben wieder mit ihm in Contact gebracht wird, auf eine zweite Weiſe ſeiner Wirkung. Ohne allen Zweifel verbindet er ſich mit den naͤhern Beſtandtheilen des Humus, vielleicht mit dem Stickſtoff, Kohlenſtoff und Sauerſtoff deſſelben, und erzeugt entweder dadurch ein Produkt, welches fuͤr den Sauerſtoff der Atmosphaͤre empfaͤnglicher iſt, oder aber er laͤßt ſolches zuruͤck. Das Mergeln macht reiche Vaͤter und arme Kinder, ſagt der Landmann, wenn nicht dem Mergel der Miſtwagen folgt, und dieſe allgemein gemachte Erfahrung, welche an ſo ——õ————— 31 vielen Orten ein maͤchtiges Hinderniß des Mergelns zu ſeyn ſcheint, zeigt uns zu deutlich, daß der Kall groͤßten⸗ theils auf Koſten des Humus, die ſo auffallende Wir— kung auf die Vegetation hervorbringt. Jedoch kann der Kalk auch ſelbſt, d. h. unmittelbar, zu der Ernaͤhrung mancher Pflanzenarten beitragen. Die Eſparſette(He- dysarum Onobrychis) gedeihet auf keinem andern Bo⸗ den, als auf ſolchem, der entweder in ſeiner Ackerkrume oder in ſeinem Untergrunde Kalk hat. Ein unlaͤugbarer Beweis fuͤr dies Geſagte iſt die Beobachtung von Mar⸗ ſchall, der die Wurzeln der genannten Pflanze die feſten Kalkſteine aufſuchen, dieſe gleichſam umſtricken, ſich ihrer Kohlenſaͤure bemaͤchtigen, und ſo die feſten Steine in Pulverform verwandelt ſah. Ueberhaupt ſcheint der Kalk beſonders guͤnſtig auf die Vegetation der Diadelphisten zu wirken, woruͤber ich an einem andern Orte Gelegen⸗ heit nehmen werde, ſehr intereſſante Erfahrungen mitzu⸗ theilen. Wenn ich dieſem Geſagten zufolge nur den alkali⸗ ſchen Erden eine wahrhaft chemiſche Wirkung auf den Humus zugeſtehe, den Sand und den Thon aber nur als Gefaͤße betrachte, ſo iſt es doch keineswegs fuͤr den Acker⸗ bau gleichguͤltlig, welcher von beiden das Gefaͤß bildet. Das Gefaͤß, welches die zu der Erzeugung nothwendigen rohen Produkte, nicht nur in einer dem Zwecke ent⸗ ſprechenden Menge aufzunehmen, ſondern auch wirklich und zweckmaͤßig anzuhalten und abzugeben vermag, kann und darf nicht mit dem Siebe der Danaiden in eine Parallele geſtellt werden, das nur reichlich aufzunehmen, nicht aber anzuhalten im Stande iſt. So der Thon und Sand. Wenn man bei dem Einfluſſe ſtehen bleibt, wel⸗ chen, wie ich weiter oben gezeigt habe, die atmosphaͤri⸗ ſche Luft auf den Humus hat, ſo ergiebt ſich ſchon, wie 3²2 ſehr der lockre Boden, welcher der atmosphaͤrifchen Luft unendliche Beruͤhrungspunkte darbietet, zugleich aber auch das Waſſer in verhaͤltnißmaͤßiger Quantitaͤt aufzunehmen und anzuhalten im Stande iſt, d. h. ein ſolcher Boden, in welchem Sand und Thon in einem zweckmaͤßigen Ver⸗ haͤltniſſe gemiſcht und gemengt ſind, den Ackerbau beguͤn⸗ ſtigt. Der reine Sand giebt zwar der atmosphaͤriſchen Luft die mehreſten Beruͤhrungspunkte, haͤlt aber, wenn auch etwas, dennoch außerordentlich wenig das Waſſer zu⸗ ruͤck, der fette Thon hingegen, haͤlt das letztere im Ueber⸗ maaße feſt, waͤhrend er dem Eingange der atmosphaͤri— ſchen Luft Thor und Thuͤre verſperrt. Dieſe Thatſachen fuͤhren auf den Begriff der waſſerhaltenden und waͤrme⸗ leitenden Kraft des Bodens, Begriffe, die erſt durch die Thaerſche Schule zu einer gewiſſen Selbſtſtaͤndigkeit ge— langt ſind. Thaer ſagt in ſeiner Einleitung in die engli— ſche Landwirthſchaft;„Die waſſerhaltende Kraft iſt ein „Umſtand, der in Ermangelung einer genauen Unterſu⸗ „chung des Bodens, ſchon fuͤr ſich viel Aufklaͤrung ge⸗ „ben kann.“ Crome war, meines Wiſſens, der erſte, der uͤber die waͤrmeleitende Kraft des Bodens Ver— ſuche anſtellte und ſie beſchrieb. Die Urſache des guͤnſtigen Erfolges einer vernuͤnftigen(rationellen) Bearbeitung des Bodens, laͤßt ſich auf das Ausſetzen deſſelben an die at— mosphaͤriſche Luft und auf die groͤßere waſſerhaltende Kraft reduciren. Die Bearbeitung des Thonbodens iſt daher derjenigen im Sandboden vollkommen entgegenge⸗ ſetzt. Ferner laͤßt ſich aus der bindenden Kraft des Thonbodens und des dem Thon entgegengeſetzten San— des, die Erfahrung erklaͤren, warum der Sand nach friſcher zweckmaͤßiger Duͤngung nur das erſte Jahr eine ſehr gute Erndte giebt, dann aber in den folgenden we— nig oder gar keine Wirkung der Duͤngung mehr verſpuͤ⸗ ren ren laͤßt, waͤhrend die Wirkung einer guten Duͤngung im Thonboden, mehrere Erndten hintereinander ganz unver⸗ kennbar bleibt. Ich muß, ehe ich von der Betrachtung der Grund⸗ erden abgehe, noch eine Eigenſchaft der Erden berühren, welche in fruͤheren Zeiten bei dem Ackerbau ſo oft zur Sprache gekommen und manchen folgenreichen Irrthum begruͤndet hat. Sie betrifft die Erzeugung des Salpe⸗ ters. Den allgemein gemachten Erfahrungen und aner⸗ kannten Thatſachen zufolge, ſind der Humus, der Kalk oder Kreide, und der Lehm nebſt Thonboden diejenigen Bodenarten, in welchen die Natur vorzuͤglich gern und haͤufig Salpeter erzeugt. Man hat daher dieſen Erden eine beſondere chemiſche Einwirkung, auf die die Salpe⸗ terſaͤure conſtituirenden Beſtandtheile zugeſchrieben, und vorzuͤglich, da der ſalpeterhaltige Boden, einigen Erfah⸗ rungen zufolge, auf die Vegetation ſehr guͤnſtige Wir⸗ kung zeigte, in fruͤherer Zeit bald mehr, bald weniger in Beziehung auf den Ackerbau daruͤber gefabelt. Ohne den genannten Erden, vorzuͤglich dem Kalk, alle chemiſche Wirkung auf die die Salpeterſaͤure erzeugenden Stoffe ab⸗ zuſprechen, glaube ich, daß man nach allen neueren Er— fahrungen die Urſache der vorzuͤglichen Geſchicklichkeit je— ner Erdarten, Salpeter zu erzeugen, mehr in ihrer waſſer⸗ halten Kraft zu ſuchen berechtigt ſey. Einmal ſind jene Erdarten gerade die, welche die groͤßte waſſerhaltende Kraft haben, denn, nach Cromes Verſuchen, folgen ſie hinſichtlich deſſelben ſo, Humus, pulveriger kohlenſaurer Kalk, Mergel, Thon ꝛc. u. ſ. w. Zweitens iſt das Be⸗ feuchten der kuͤnſtlichen Salpeterplantagen abſolut noth— wendig. Drittens erzeugt ſich der Salpeter bei kuͤnſtli— chen Anlagen vorzüͤglich ſchnell bei feuchtem nebelichten Wetter und endlich viertens, haben de Marty's Verſuche S 3a unwiderlegbar dargethan, daß das Waſſer mit einer un— glaublichen Begierde Sauerſtoffgas einſauge. Biot ſagt, in ſeinem Briefe an Bertholet:„Die Einſaugung „(von Sauerſtoffgas) ſchien mir wenigſtens „der Haͤlfte des Umfangs des Waſſers, wel⸗ „ches das Flaͤſchen vor der Oeffnung enthielt, „gleich zu ſeyn.“ Aber auch Azot ſaugt das Waſſer ein, nur nicht mit der Begierde und in dem Maaße, wie das Sauerſtoffgas. Iſt es einmal damit geſchuͤttelt, ſo hoͤrt es auf, mehr davon einzuſaugen, was aber hin⸗ ſichtlich des Sauerſtoffs der umgekehrte Fall iſt.(De Marty's oben angefuͤhrte Abhandlung). Bringen wir alle dieſe Gruͤnde nebſt den Erfahrun⸗ gen uͤber die Erzeugung der Salpeterſaͤure durch die Kunſt, in ein Ganzes zuſammen, ſo finden wir in der waſſerhal⸗ tenden Kraft das Anziehungsmittel der die Salpeterſaͤure conſtituirenden Gasarten, in den Kalien das Bindungs⸗ mittel oder Fixirungsmitel, und in den Erden nur das Gefaͤß, in welchem das Produkt aufbewahrt wird. Biot wirft die Frage in dem erwaͤhnten Briefe auf:„Wird „dieſes immerfort eingeſogene Sauerſtoffgas endlich eine „Saͤure bilden, und von welcher Art wird ſie ſeyn?“ Ich glaube, daß man hier, wie beim Abſorbiren des Sauerſtoffs durch den Thon, etwas auf Rechnung der chemiſchen Eigenſchaften der Erden geſchrieben hat, was aber nicht ihnen, ſondern dem Waſſer zugeeignet wer⸗ den muß. Kann mit Grund mehr als eine Art des Humus als exiſtirend anerkannt werden? Ohne hier die verſchiedenen Arten des Humus, wel⸗ che einen und denſelben Humus zu ihrem Subſtracte haben, und nur durch die Quantitaͤt des aufgenommenen 35 Orygens verſchiedenartig werden(von welchen ſchon wei⸗ ter vorne geſagt worden iſt) zu beruͤckſichtigen, werde ich hier von derjenigen Verſchiedenheit des Humus ſprechen, welche in der Individualitaͤt der organiſchen Koͤrper, aus welchen er gebildet wurde, begruͤndet iſt. Da der Humus nur aus denjenigen Beſtandtheilen der organiſchen Koͤrper und ihrer Auswuͤrfe beſtehen kann, welche nicht durch die Verweſung vernichtet werden koͤn⸗ nen; ſo muß auch der ſpecifiſche Unterſchied dieſer Be⸗ ſtandtheile in verſchiedenen organiſchen Koͤrpern einen Unterſchied in ſeinen Reſten nach der Verweſung, d. h. in dem aus ihnen entſtandenen Humus begruͤnden. An— derer Natur muß daher der Humus von Thieren, an- ders der von Pflanzen, anders der von ihren Koͤrpern, anders der von ihren Auswuͤrfen ſeyn. Dieſer Unter⸗ ſchied iſt dann auch begruͤndet, wenn ſelbſt waͤhrend der Verweſung durch die gasfoͤrmigen und fluͤchtigen Stoffe fixe Koͤrper erzeugt werden ſollten. Aber nicht nur die beiden großen Familien organiſirter Koͤrper, Thiere und Pflanzen, ſondern ſelbſt die Individuen derſelben bilden beſondere Arten des Humus. Die Vorliebe der Inſekten mit welcher ſie den Humus der einen oder der andern Pflanze, die Auswuͤrfe des einen oder des andern Thie- res zu ihrem Aufenthalte waͤhlen, ſcheint in der ſpecifi— ſchen Verſchiedenheit des Humus zu liegen. So z. B. liebt der Hornſchroͤter(Lucanus Cervus) vorzuͤglich den Humus von Eichen zu ſeinem Aufenthalte, und nur un⸗ gern lebt er in dem anderer Baͤume, daher auch ſein Bei— ſammenſein in bedeutender Anzahl in Eichenwaͤldern. Der Roßkäaͤfer(Scarabaeus stercorarius) liebt den noch nicht vollkommenen Humus des Pferdemiſtes, und der Miſtkaͤfer (Scarabaeus ſimetarius) liebt vorzuͤglich den von Kuh⸗ miſt. Aber noch mehr als dieſe leiſen Deutungen und C 2 36 mit abſoluter Gewißheit ſpricht fuͤr die Verſchiedenheit des Humus das freudige Gedeihen mancher Pflanzenge⸗ ſchlechter in einer Humusart, in welcher andere kaum zu vegetiren vermoͤgen. Wendlands Kunſt, die prachtvollen Haidekraͤuter vom Vorgebirge der guten Hoffnung mit aus⸗ gezeichnetem Gluͤcke zu erziehen, beſteht einzig und allein in der Anwendung des Humus von unſerem gemeinen Hai— dekraut(Erica vulgaris). Der Buchweizen(Polygonum Fagopyrum) liebt ausſchließlich den Boden der Haide, waͤhrend andere Pflanzen in demſelben nur hoͤchſt kuͤm⸗ merlich gedeihen. Der Seggen(Carias) und die Bin— ſen(Junci) ſuchen beſonders einen ſauren Humus u. ſ. w. Sollte uͤberhaupt die Urſache des geſellſchaftlichen Beiſammenſeyns mancher Pflanzengeſchlechter, wie z. B. Vaccinium, Erica, Protea Gunidea etc. nicht in dem aus ihrem Geſchlechte entſtandenen und fuͤr daſſelbe von der Natur beſtimmten Humus zu ſuchen ſeyn. Mir ſcheint dies mehr als wahrſcheinlich. Die fuͤr den Ackerbau wichtigſten Modificationen, durch welche die verſchiedenen Arten des Humus begruͤn⸗ det werden, ſcheinen mir in einer groͤßern oder geringern Capacitaͤt fuͤr die Aufnahme von Oxygen, in dem ver— ſchiedenen quantitativen Gehalte an Kohlenſtoff und Waſ⸗ ſerſtoff, und endlich in einem dem adſtringirenden Stoffe ahnlichen Weſen zu liegen. Die Zeit, ſeit welcher die wich⸗ tige Lehre vom Humus zur Sprache gekommen iſt, iſt zu kurz, als das wir erwarten koͤnnten, alles dieſes durch direkte Verſuche bewieſen zu ſehen. Unmittelbar an dieſe Frage ſchließt ſich die folgende: Iſt dieſes der Fall, wie unterſcheidet ſich der Humus nach ſei⸗ ner Abſtammung aus verſchieden gearteten organiſchen Sub⸗ ſtanzen? 54 Der Humus, welcher durch die Verweſung der Thier⸗ und Pflanzenkoͤrper entſtanden iſt, unterſcheidet ſich kon— ſtant durch ſeinen Geruch bei der Verbrennung. Der von Thieren verbreitet den Geruch von verbrannten Federn oder ſonſt von thieriſchen Koͤrpern; der von Pflanzen hinge⸗ gen den Geruch von verbrannten Vegetabilien. Der Unter⸗ ſchied beider Geruͤche iſt zu auffallend, als daß man den einen mit dem andern verwechſeln koͤnnte, und daher ſind dieſe beiden Hauptarten von Humus leicht zu unterſcheiden. Der oxydulirte Humus laͤßt ſich durch ſeine Aufloͤs— lichkeit in deſtillitem Waſſer ſo wie der oxydirte, durch ſeine Nichtaufloͤslichkeit in demſelben, wohl aber durch die Aufloͤslichkeit in Kalilauge und durch ſeine Nichtreac⸗ tion auf das Lackmuspapier, von jedem andern unterſchei⸗ den. Der ſaure Humus reagirt mehr oder weniger ſtark auf das Lackmuspapier, je nachdem das quantitative Verhaͤltniß der freien Saͤure in ihm iſt; der milde oxy— dulirte und oxydirte dahingegen reagirt auch nicht im mindeſten. Der verkohlte Humus giebt ſich durch ſein ſchwar— zes, oft etwas glaͤnzendes, der Pflanzenkohle aͤhnliches Anſehen und durch ſeine Unaufloͤslichkeit im Waſſer und in Kalilauge zu erkennen. Die verſchiedenen Arten von Pflanzenhumus nach den verſchiedenen Pflanzen von denen ſie abſtammen, laſſen ſich auch vielleicht nach der mehr oder minder tief nuͤancirten ſchwarzen Farbe erkennen, da es wahrſchein— lich iſt, daß der Kohlenſtoffgehalt der Pflanzen waͤhrend ihrer Vegetation, mit dem ihres Humus im Verhaͤltniß ſteht, und da bei dem Humus weder Eiſen- noch Man⸗ gan⸗Oxyd, als Urſache der mehr oder weniger ſchwarzen Farbe angenommen werden kann. Auch fuͤr dieſen Gegenſtand iſt der Zeitraum, ſeit 35 deſſen Anfang die Kenntniſſe uͤber den Humus zu laͤutern angefangen wurden, noch zu kurz, als daß, ſelbſt von einer Geſellſchaft thaͤtiger und denkender Maͤnner, die ſich einzig und allein nur damit beſchaͤftigt haͤtten, et— was Vollkommnes, durch direkte Verſuche und Thatſachen bewieſen und dargethan werden konnte. Es iſt in der Zukunft vielleicht moͤglich, von den Humusarten ſo viele und mannigfaltige, aͤußere, phyſi⸗ ſche und chemiſche Kennzeichen aufzufinden, daß ſie nach ihrer Abſtammung eben ſo beſtimmt werden koͤnnen, wie jetzt die Mineralien. Aber lange Zeit und viele treffliche Koͤpfe werden wir dazu noch beduͤrfen. Eben ſo wenig duͤrfen wir in dem erſten Jahrzehend und vielleicht noch ſpaͤter eine vollkommen genuͤgende und durch Verſuche bewieſene Antwort auf die Frage: Welchen Einfluß hat die verſchiedene Grundmiſchung des Hu⸗ mus auf die Erzeugung der ſpeciſiſchen naͤheren Beſtand⸗ theile der Vegetation? zu erhalten hoffen. Was der Gegenwart obliegt, be⸗ ſtehet darin, dasjenige, was durch Verſuche und That— ſachen erwieſen iſt, zuſammenzuſtellen und zu verſuchen aus dem zuſammengeſtellten Winke fuͤr kuͤnftige Arbeiter dieſer Art zu entwickeln. Die Lebensthaͤtigkeit aller organiſchen Koͤrper nimmt, wenn ſie nicht durch außerordentlichen, fremden Einfluß in ihre Funktionen geſtoͤrt und geaͤndert wird, nur die⸗ jenigen Stoffe auf, welche dem Weſen und der Organi⸗ ſation des Koͤrpers, dem ſie zugehoͤrt, angemeſſen ſind. Wo hingegen ſie die derſelben heterogenen Stoffe auf mannigfaltiger Weiſe auszuſcheiden vermag. Dieſes Ver⸗ moͤgen nennen wir, in Verbindung mit noch einigen Ei⸗ genthuͤmlichkeiten, beinden Thieren Inſtinkt. Ob wir be⸗ 39 rechtigt ſind, auch bei den Pflanzen einen Inſtinkt anzu⸗ nehmen, wage ich nicht abſolut zu entſcheiden; jedoch iſt ſo viel gewiß, daß die Pflanzen wie die Thiere eine Auswahl in ihrer Nahrung kreffen und wenn das Ver⸗ moͤgen, welches bei dieſer Auswahl thaͤtig iſt, eine Haupt⸗ feſte zu der Begruͤndung des Begriffs„Inſtinkt“ giebt, ſo koͤnnen wir allerdings auch den Pflanzen einen In⸗ ſtinkt beimeſſen. Hermbſtaͤdt hat in dieſer Hinſicht man— ches Treffliche geſagt.(ſ. deſſen Muſeum des Neueſten und Wiſſenswuͤrdigſtenꝛc. B. 2. S. 211). Fuͤr die Thatſache, daß die Pflanzen eine Auswahl bei ihren Nahrungsmitteln treffen, ſprechen mit ſeltener Gewißheit die techniſchen Erfolge des Thaerſchen Frucht— wechſelſyſtems, ſo wie die Arbeiten der fuͤrſtlich-primati⸗ ſchen Hofgaͤrtner Reiſert und Seiz.(ſ. Thaers Annal. des Ackerbaues. 5. Jahrg. S. 210). Auch Brugmann's Erfah⸗ rungen ſo wie die anderen vieler thaͤtiger Pflanzenphyſio⸗ logen zeugen fuͤr dieſelben. Doch hiervon noch weiter unten. Wenn nun aber bei den Pflanzen dieſes Vermoͤ⸗ gen ſtatt hat, ſo werden wir auf das allgemeine Geſetz gefuͤhrt, daß eine und dieſelbe Pflanzenart immer eine und dieſelbe Art qualitativer Beſtandtheile erzeuge, gleich viel ob ſie in gleichen oder in verſchiedenen Boden- und Humusarten vegetiren. Nicht ſo aber hinſichtlich quantitativen Verhaͤltniſſes ihrer Beſtandtheile. ſes kann durch eine Menge uns noch nicht ganz bekann⸗ ter Modificationen veraͤndert werden, und die Beſchaffen⸗ heit und Quantitaͤt der naͤhern Beſtandtheile abaͤndern. Da hier insbeſondere vom Humus und ſeinen Arten die Rede iſt, ſo haben wir auch nur von der Einwir⸗ kung der entfernteren Beſtandtheile deſſelben, auf die ſperi⸗ fiſche Verſchiedenheit der naͤheren Pfianzenbeſtandtheile zu reden. des Die⸗ 1 Wie ſchon geſagt, ſo beſtehen die entfernten Be⸗ ſtandtheile des Humus, auf welche ſich die durch die trockne Deſtillation deſſelben erhaltenen Produkte und Edukte reduciren laſſen, in Kohlen⸗, Waſſer⸗, Stick⸗ und Sauerſtoff. Das quantitative Verhaͤltniß dieſer Be⸗ ſtandtheile iſt in dem Humus verſchieden, und in dieſer Verſchiedenheit iſt eben die Mannigfaltigkeit des Humus ſelbſt begruͤndet. Aber eben ſo wird auch durch dieſes verſchiedene quantitative Verhaͤltniß dieſer im Humus lie— genden Stoffe, die Qualitaͤt der naͤheren Pflanzenbeſtand⸗ theile erzeugt. Staͤrkemehl, Schleim, Gummi, Zucker u. ſ. w. werden nur durch das quantitative Verhaͤltniß des Kohlenſtoffs zum Qyxygen; fette und aͤtheriſche Oele, Wachs u. ſ. w. werden durch das des Kohlenſtoffs zum Hydrogen, dagegen Gluten, Eiweiß, thieriſch vegetabiliſche Subſtanz ꝛc. durch das des Kohlenſtoffs zum Azote, und die ſaͤmmt— lich vegetabiliſchen Saͤuren werden durch das Verhaͤltniß ihres Subſtracts zum Sauerſtoff beſtimmt. Durch dieſe auf dem analytiſchen und ſynthetiſchen Wege bewieſenen Thatſachen, ſind wir berechtigt zu folgern, daß Pflan⸗ zen, deren individuelle Eigenthuͤmlichkeit durch den groͤ⸗ ßern Gehalt an Kohlenſtoff beſtimmt wird, auch eine groͤßere Menge von Kohlenſtoff zu der Erhaltung ihrer Individualitaͤten beduͤrfen; dieſen nehmen ſie nun entwe— der aus dem Humus oder aus der atmosphaͤriſchen Luft. Ob das erſtere oder das letztere der Fall iſt, koͤnnen wir, meinen Anſichten nach, aus der Art ihres Blattorgans, aus der Menge, Flaͤche und Dauer der Blaͤtter, welche die Natur(nach Bonnets Verſuchen) fuͤr die Einſaugung der atmosphaͤriſchen Gasarten vorzuͤglich beſtimmt hat, ſo wie endlich aus der haarigen Bekleidung der Pflanzen u. ſ. w. beurtheilen. Eben dieſes wird nun auch der Fall mit denjenigen Pflan⸗ ſe 41 zen ſeyn, welche zu der Erhaltung ihrer Eigenthuͤmlichkeit, naͤchſt dem Kohlenſtoffe auch den Waſſerſtoff noͤthig haben, wie z. B. unſere Oelgewaͤchſe; ſo auch mit denen, welche naͤchſt dem Kohlenſtoffe den Stickſtoff beduͤrfen, wie z. B. die Stapelien, die Pilze und gewiſſermaßen, hin⸗ ſichtlich ihres Gluten und Eiweißgehalts, unſere Getreide— arten u. ſ. w. Endlich werden vorzuͤglich viel Oxygen, oder vielleicht ſchon gebildete Saͤuren, diejenigen Pflan⸗ zen zu der Erhaltung ihrer Eigenthuͤmlichkeiten beduͤrfen, welche die eine oder die andere Saͤure zu ihren naͤheren Beſtandtheilen haben. Dieſes Geſagte wird, einige Anomalien ausgenom⸗ men, die wir vielleicht in der Zukunft erklaͤrt zu ſehen hoffen duͤrfen, durch eine Maſſe von Erfahrungen in der Landwirthſchaft beſtaͤtigt. Thaers ſinnreiche und auf Erfahrung geſtuͤtzte Art und Weiſe, das Verhaͤltniß der Erſchoͤpfung eines Bo— dens nach der getragenen Getreideart zu beſtimmen, gruͤndet ſich darauf und und die durch die chemiſche Ana⸗ lyſe gefundenen Beſtandtheile der Pflanzen, verglichen mit den in dem Ackerbaue durch die allgemeine Erfah⸗ rung unwandelbar feſt begruͤndeten Grundſaͤtzen, hinſicht⸗ lich der Duͤngung der Bodenarten, laſſen keinen Zweifel daruͤber mehr zu. So iſt es z. B. eine allgemeine Thatſache, das Oelgewaͤchſe in niedriggelegenen mit ſtarkem Regenfall und Humus verſehenen Gegenden, wo alſo die Erzeu⸗ gung des Waſſerſtoffs in großer Menge und ohne Ende iſt, vorzuͤglich gerathen. Sinapis arvensis(Hederich der Niederungen) Brassica oleracea,(Raps der Landwir⸗ the) ſo wie uͤberhaupt eine große Menge der Tetrady- namisten, lieben vorzüglich tief gelegene waſſerſtoffreiche Gegenden. Belgien hat es daher in dem Anbau der Ruͤbeſaat zu einer ſeltenen Hoͤhe gebracht.(Schwerz Beſchreibung der Belgiſchen Landwirthſchaft). Unſere Sauerampherarten(Rumices) gedeihen nicht auf kalkhaltigem Boden, denn ſie finden hier die zu ihrer Eigenthuͤmlichkeit nothwendige freie Saͤure nicht; daher die Englaͤnder, durch die Erfahrung belehrt, den Mergel anwenden, um den Graswuchs zu befördern, den Sau⸗ erampfer hingegen zu vertilgen.(CThaers Einleitung in die Engliſche Landwirthſchaft. B. 1. S. 200). Der Sauerklee(Oxalis acetosella) liebt vorzuͤg⸗ lich ſchattige, feuchte Gegenden, weil das Sonnenlicht die Aushauchung des Sauerſtoffsgas zu ſehr befoͤrdert. Die Pilze vegetiren vorzuͤglich uͤppig auf noch in der Verweſung begriffenen organiſchen, vorzuͤglich thieriſchen Koͤrpern, in welchen letzteren ſie Stickſtoff in vorzuͤglicher Menge finden. Der Buchweizen geraͤth vorzuͤglich im Haidehumus, denn hier findet er ein Adſtringens, welches Crome durch die Analyſe des Buchweizens fand. Die gewöhnlich und in der Regel roſaroth bluͤhende Hortenſia(Hydrangea hortensis) bluͤhet in einem mit Eiſenoxyd gemengten Boden blau.(Hermbſtaͤdts Grundſaͤtzen der experimen⸗ talen Kammeralchemie. 2te Auflage. 1817. S. 203). Am auffallendſten und das Geſagte zu beweiſen vorzuͤglich geeignet, iſt die Bildung des Salpeters, welchen die Pflanzen, deren Organismus dazu geeignet iſt, zwar auf allen Bodenarten erzeugen, doch aber auf dem in bedeutend groͤßerer Menge, in welchem ſie die Urelemente deſſelben finden. Ein ſehr ſchoͤnes Beiſpiel giebt uns die Runkelruͤbe, ſo wie die uͤbrigen Beetenar⸗ ten. Sie geben auf einem mit animaliſchen Duͤnger, vorzuͤglich mit Schaafmiſt friſch geduͤngtem Boden, kaum eine Spur von Zucker, dahingegen aber eine ſo reichliche 1 2 H 43 Menge von Salpeter, daß man denſelben ſchon durch den Geſchmack wahrnehmen, durch Abdampfen des Saftes aber in großen Kryſtallen darſtellen kann.. Es wuͤrde nicht ſchwer ſeyn, eine unendliche Menge von Thatſachen anzufuͤhren, und mehrere Schlußfolgen in Beziehung auf vorliegende Frage entwickeln zu koͤn⸗ nen, wenn man nicht fuͤrchten muͤßte, zu weitlaͤufig zu werden und zu allgemein bekannte Erfahrungen vorzu— legen. Dieſes iſt es, was ich als weniger Bekanntes uͤber die aufgeworfene Frage ſagen und von welchem ich hoffen kann, daß es Winke ſeyn koͤnnen, deren Verfolgung uns mit groͤßerer Gewißheit in das Speciellere dieſes Gegen— ſtandes fuͤhren wird. Noch ſey es mir erlaubt, die fuͤr die Theorie und Praxis des Ackerbaues wichtigen Endre⸗ ſultate aus dieſer Abhandlung zuſammenzuſtellen. Das Schwefelwaſſerſtoffgas(Trommsdorfs Hydro⸗ thionſaͤure) kann der Vegetation inſofern hinderlich ſeyn, als es den im Waſſer geloͤſten oxydulirten Humus als unaufloͤsliches Pulver niederſchlaͤgt. Der verkohlte Humus iſt aller Wahrſcheinlichkeit nach ein Produkt der Verweſung und des negativen Lichts. Die wahrhaften Grunderden des Ackerbodens ſind nur die Gefaͤße fuͤr die Stabilitaͤt der Pflanzen, ſo wie der vorhandenen Nahrungsſtoffe und fuͤr die Medien, aus welchen die letztern durch die Lebensthaͤtigkeit der Pflanzen erzeugt werden. Nicht der Thon fuͤr ſich hat die Eigenſchaft, das Oxygen aus der Luft anzuziehen, wie Alex. von Hum— bold glaubt, ſondern der groͤßten Wahrſcheinlichkeit nach nur das mit ihm verbundene Waſſer. Ganz trockne Er⸗ den zeigen keine Anziehung ſagt Alex. v. Humbold ſelbſt. Das Waſſeer iſt, hinſichtlich der Eigenſchaft das Sauerſtoffgas der atmosphaͤriſchen Luft einzuſaugen und der Produkte ſeiner Verweſung, ein uͤberaus maͤchtiges und bisher bei dem Ackerbau in mehrerer Beziehung zu wenig bekanntes und beachtetes Agens fuͤr die Vegeta⸗ tion. Die Pflanzen nehmen ihren Kohlenſtoff mehr oder weniger aus der Erde und der Luft, je nachdem ibr Blatt⸗ organ beſchaffen, ihre Belaubung dicht oder weniger dicht iſt; je nachdem ihre Blaͤtter eine groͤßere oder klei⸗ nere Flaͤche der atmosphaͤriſchen Luft ausſetzen; je nachdem die Zeit ihrer Belaubung kurz oder lang, und endlich ihre Oberflaͤche mit mehr oder weniger Wolle, Haaren u. ſ. w. bekleidet iſt. Was die kleinere Blattflaͤche nicht zulaͤßt, kann das poroͤſere Blattorgan und was dieſes nicht ver— mag, die Dauer der Belaubung erſetzen. Hierdurch iſt der Streit zu ſchlichten, ob die Huͤlſenfruͤchte und Kartoffeln mit ihren fuͤr die Einſaugung der Atmosphaͤre ſo ſehr geſchaffenen Blattorganen den Boden im gleichen Verhaͤlt⸗ Wniſſe zu ihrem Nahrungsſtoffe wie die Cerealien ausſau⸗ gen oder nicht. V Andersſons Erfahrungen(ſ. Thaer's Einleitung in die Engliſche Landwirthſchaft. B. 1. S. 399 und 200) zeigen ſonder Zweifel, daß die Kartoffeln einen großen Theil ihrer Nahrung aus der Luft hernehmen. Virgils cchone Stelle: Die Eiche reckt ihre Zweige ſo hoch gegen den Himmel, als ſie ihre Wurzeln in den Tartarus hin— obtreibt, kann nichts dagegen beweiſen, denn die maͤch⸗ tige Eiche wuͤrde ſtuͤrzen, wenn nicht die Natur weis— lich ein Gleichgewicht ihrer Wurzel gegen die blaͤtterreiche Kro⸗ ne geſchaffen haͤtte. Die Pflanze, welche im humusreichen Boden den Teppich mit ihrem glatten Gewande verherr⸗ licht, wird im duͤrren Sandboden behaart und dadurch —.— —— aA— 43 ◻ geſchickt, die Nahrung, welche der karge Boden verſagt, aus dem weiten und reichen Luftmeere zu ſchoͤpfen.. Die Analyſe der Pflanzen, ruͤckſichtlich ihrer entſern⸗ tern Beſtandtheile und des quantitativen Verhaͤltniſſes in den Urſtoffen derſelben, giebt uns Fingerzeige, wie dies Humus⸗ oder uͤber uͤberhaupt die Duͤngerarten auf die ſpecifiſchen naͤheren Beſtandtheile der Pflanzen wirken. Haͤtte Ruͤckert gelaͤuterte Kenntniſſe in der Chemie gehabt, ſchwerlich wuͤrde er ſein Syſtem aufgeſtellt ha⸗ ben; wohl aber zu den Urſtoffen der Pflanzen uͤbergegan⸗ gen ſeyn, die ihrer Natur zufolge, ein aͤhnliches Syſtem begruͤnden laſſen, welches mehr Uebereinſtimmung mit! der Erfahrung und mit der Natur der Sache erwarten laͤßt. Die Verwandlung des Kohlenſtoffs aus dem Humus in Kohlenſaͤure, wird durch direkte Verſuche beſtaͤtigt. Der verkohlte Humus kann durch die Ausſetzung an das Licht, folglich durch zweckmaͤßige Bearbeitung, fuͤr die Ernaͤhrung der Pflanzen geſchickt gemacht werden. Die Braunkohle, ein mit ihm ſo ſehr verwandter Koͤrper, zerfaͤllt aber unter dem Einfluſſe des Lichtes in Pflan⸗ zenerde. Der Eiſenvitriol kann nur da auf die Vegetation vortheilhaft wirken, wo verkohlter Humus mit ihm im Contact kommt; denn die mit ihm jedesmal verbundene Schwefelſaͤure, macht den milden, den oxydulirten und den oxydirten Humus zum ſauren und ſchlaͤgt den im Waſ⸗ ſer aufgeldſten oxydulirten als unaufloͤsliches Pulver nieder. Dem ſauren Humus giebt er daher noch mehr Oxygen und macht ihn folglich fuͤr die Vegetation noch 1 nachtheiliger, als er ſchon an und fuͤr ſich ſelbſt iſt. Der verkohlte Humus bedarf aber einer ſehr betraͤchtli— chen Menge von Orygen und freier Saͤure, wenn er 46 auflosbar werden ſoll, daher auf ihn die uͤberſchuͤſſige Schwefelſaͤure des Eiſenvitriols wohlthaͤtig wirkt. Das Entbinden der freien Saͤure wird durch das Verbrennen der Vitriolhaltenden Koͤrper ungemein befoͤrdert, daher die guͤnſtigen Folgen, wenn die kieshaltigen Torf⸗ und Koh⸗ lenarten, als Duͤngungsmittel angewandt, verbrannt werden. Aehnliches gilt, aller Wahrſcheinlichkeit nach, auch von den uͤbrigen Salzen, welche man ſeit kurzer Zeit als Duͤnger anzuwenden verſucht hat, beſonders von dem ſchwefelſauren Natrum. Noch kann der Eiſen⸗ oitriol vortheilhaft auf die Vegetation wirken, wenn er auf die bereits ſchon vorhandenen Pflanzen aufgeſtreuet wird.(Thaers Annalen des Ackerbaues. B. 10. S. 455). Er wirkt hier als Reizungsmittel auf die Einſaugungs⸗ gefaͤße der Pflanzen, und von ihm gilt daher auch alles ſdas, was der ſcharfſinnige Thaer uͤber die Wirkungsart des Gypſes(in ſeiner Einleitung in die Engliſche Land⸗ wirthſchaft B. 1. S. 207) angiebt.