Giessen * A BIBITOTINHE R D. R0X GIPHEN ACAbDLMIE DES LANDA AES 2.u MOEGL.IN — Anweiſung — zur gandwirthſchaftlichen Baukunſt, von D. Gilly, Koͤniglichem Geheimem Ober⸗Bau⸗Rath; nach deſſen Tode herausgegehen von D. G. Friderici, Koͤniglichem Regierungs⸗Bau⸗Rath zu Berlin. Erſten Theils erſte Abtheilung. Mit illuminirten Kupfern. Halle 181r. Im Verlage der Rengerſchen Buchhandlung 26 Handbuch Land-Bau⸗Kunſ, vorzuͤglich ſh 2 * * in Ruͤckſicht auf die Conſtruction der Wohn⸗ und Wirthſchafts⸗Gebaͤude fuͤr— angehende Cameral⸗Baumeiſter und Oeconomen, von D. Gilly, Koͤniglichem Geheimem Ober⸗Bau⸗Rath; nach deſſen Tode herausgegeben von D. G. Friderici, Könislichem Regierungs⸗Baurath zu Berlin. Dritten Theils erſte Abtheilung. Mit illuminirten Kupfern. Halle 1811. Im Verlage der Rengerſchen Buchhandlung. Vorrede. Wenn nur die Zahl der Tage das eigentliche Leben des Menſchen be⸗ zeichnete, wenn blos nach der Dauer des angenehmen Genuſſes, in der Geſellſchaft ſeiner Familie und Freunde, das Alter des Menſchen⸗ freundes gezaͤhlt werden muͤßte: dann waͤre der Verfaſſer dieſes Werks, mein mir ewig unvergeßlicher Lehrer und Freund, der Welt eben ſo, viel zu fruͤh als den naͤchſten Seinen und mir, entriſſen worden. Doch, Klagen bringen uns die Entſchlafenen nicht wieder zuruͤck, aber Hochachtung ihrer edeln Thaten, und, ſo weit unſere Kraͤfte es geſtatten, ein Fortſchreiten auf der von ihnen vorgezeichneten Bahn, kann ſie fuͤr unſern Geiſt fortan beleben und lange nach ihrem Hinſchei⸗ den uns Troſt⸗ und Genußvoll vergegenwaͤrtigen. Wird alſo das wahre Leben nur nach der Summe edler Thaten gerechnet, wird nur jeder fuͤr die Welt nuͤtziich verlebte Tag unſerm wahren Leben zugezaͤhlt: dann iſt der verewigte Verfaſſer dieſes Werks ſeines hohen und ruhmvollen Alters wegen zu beneiden. Doch nicht be⸗ neidet, vielmehr durch ſein Beiſpiel verſtaͤrkt, werde der Trieb jedes Juͤnglings und jedes Mannes, in ſeinem Wirkungskreiſe, ſo wie er, der Kunſt und der Welt wahrhaft nuͤtzlich zu werden, um einſt eben ſo ruhmvoll ſein mit Ehren grau gewordenes Haupt in den Mutterſchooß der Erde nieder zu legen. Die mir ewig unſchaͤtzbare Bekanntſchaft des Verſtorbenen gewann ich im Jahre 1795, als derſeibe eben mit der Idee umging, das Hand⸗ *+ IV Vorrede. buch der Land⸗Baukunſt zu bearbeiten. Ob ich dem ſeligen Ver⸗ faſſer zu einiger Mitwirkung dazu geeignet ſchien, oder was ihn ſonſt beſtimmen mochte, vieles mit mir uͤber dieſen Gegenſtand zu beſprechen, geziemt ſich fuͤr mich nicht zu eroͤrtern. Genug, mir ward die Ehre, wo nicht an der Abfaſſung, doch an der Ausfuͤhrung dieſes verdienſt⸗ lichen Werks Theil zu nehmen. So war ich denn Zeuge von der Bearbeitung und Herausgabe der beiden erſten Baͤnde dieſes Werks, und da der Selige Niemanden, der ſeine Kunſt oder Wiſſenſchaft mit regem Eifer betrieb, die Theilnahme an allen ſeinen Kenntniſſen und Erfahrungen entzog; ſo wurde ich nicht nur mit dem Plane des ganzen Unternehmens bekannt, ſondern ich darf es mir ohne Ruhmraͤthigkeit geſtehen, hierbei zugleich ſeine Freundſchaft und ſein offenes Zutrauen in einem ſehr hohen Grade gewonnen zu haben. Da der Plan des Verfaſſers von dieſer Zeit an dahin ging, dies Werk noch mit einem dritten Bande, uͤber die Anlage ganzer Ge⸗ baͤude, jedoch immer nur in Ruͤckſicht ihrer Conſtruction, zu voll⸗ enden; ſo gab dies ſeinem ohnehin raſtloſen Streben nach Fortſchrit⸗ ten in Wiſſenſchaften einen noch regern Trieb, welcher ſich in Hinſicht des Umfangs dieſes wichtigen Unternehmens, zwar nur auf ſeine innere Kraft gruͤnden konnte, die er ſich jedoch nicht ſelbſt geſtand, noch weniger zur Schau zu tragen geneigt war; ſondern die nur diejenigen, welche das Gluͤck ſeines naͤhern Umgangs genoſſen, in ihrem ganzen Umfange wahrzunehmen vermochten. Mit alleiniger Kenntniß, oder nur mit Huͤlfe anderer Schriften, ein ſolches Werk unternehmen zu wollen, konnte nicht in der Idee eines Mannes liegen, der weniger auf eigenen Vortheil als auf Nutzen ſeiner Zeitgenoſſen bedacht war; aber Erfahrungen, theils durch eigene An⸗ ſchauung, theils von bewaͤhrten Baumeiſtern geſammelt, waren ihm die liebſten Quellen: und da es in ſeinem Geſchaͤftskreiſe ihm ſo leicht moͤg⸗ lich wurde, ſowohl ſeldſt viel zu ſehen, als auch die gemachten Erfah⸗ rungen anderer Baumeiſter einzuerndten; ſo fuͤhlte er ſich bald in den „ Vorrede. v Stand geſetzt, durch Ausarbeitung einzelner Materien den Anfang zu dieſer Fortſetzung zu machen. Doch, haͤuslicher Gram uͤber den Tod eines hoffnungsvollen Soh⸗ nes, einer liebenswuͤrdigen Tochter und einer guten Gattin, die ſo lange die treue Gefaͤhrtin ſeines Lebens geweſen war, dieſe harten Schlaͤge des Schickſals in einem Zeitraume von wenigen Jahren, ſpannten ſeine Le— bens⸗ und Thatkraft zwar ſehr ab, konnten indeſſen dieſeibe noch nicht ganz unterdruͤcken. Mir und noch einigen wenigen wurde nun der belehrende Auftrag, aus ſeinen einzelnen Auſſaͤtzen und geſammelten Er⸗ fahrungen und Nachrichten einzelne Materien auszuarbeiten, welche dann von ihm durchgeſehen und vervollkommnet wurden. So ging dieſe Ar⸗ beit ſeit vier und mehrern Jahren fort, bis endlich die durch Krankheit, Leiden und Drangſale des Kriegs von allen Seiten angefallene Kraft des ehrwuͤrdigen Mannes unterlag und ſich ſein fuͤr die Welt und den Staat ſo fruchtreiches Leben am 5ten Mai 1808 nach vollbrachtem 60ſten Jahre ſanft endete. Mit der Beſtattung ſeiner koͤrperlichen Huͤlle auch die noch unvoll⸗ endeten Produkte ſeines Geiſtes fuͤr immer zu begraben, ſchien aus dem Grunde eine Verkuͤrzung des Urtheils der ihn Ueberlebenden zu ſeyn, weil gerade in der Kunſt und Wiſſenſchaft, worin der Verewigte faſt ein halbes Jahrhundert ruhmvoll gewirkt hatte, die laͤngſten Erfahrungen und Beobachtungen die erſprießlichſten ſind. Indem ich alſo hiermit ſein letztes Produkt der Welt uͤberliefere, darf ich, ohne ſelbſt daruͤber zu urtheilen, von Kennern und aͤchten Kunſtfreunden ein gerechtes Urtheil erwarten. Wenn gleich aber am Tage ſeines Hinſcheidens zwar ſaͤmmtliche Ma⸗ terien bearbeitet, doch noch nicht alle vollendet waren, ſo hat dennoch der Wohlſelige die Reihenfolge derſelben beſtimmt. Und da er nach ſei⸗ nem immer beobachteten Grundſatze nicht ſcheinen wollte, was er nicht wirklich war, ſo hatte er auch nicht die Abſicht, ſich mit Anweiſungen, welche zu tief in die Landoͤkonomie ſelbſt eingreifen, zu befaſſen. Er wollte deshalb nur von der Conſtruction der oͤkonomiſchen Gebaͤude 2 IV Vorrede. handen. Dies veranlaßte ihn, die Ordnung der zu beſchreibenden Ge⸗ baͤude vorzuͤglich nach den Hauptunterſcheidungen ihrer Conſtruction fol⸗ gen zu laſſen. Die Theilnahme nun, welche der Verfaſſer mir bis zu ſeinem Tode an dieſem Werke geſtattet hatte, beſtimmte deſſen hinterlaſſene Wittwe, mir ſaͤmmtliche Aufſaͤtze und Collectaneen zu uͤberliefern. Was noch nicht vollendet war, habe ich ſeit der Zeit bearbeitet, und manche ſeit der Zeit gemachte Beobachtungen auch anderer Kunſtverſtaͤndigen be⸗ nutzt. Demnach uͤberliefere ich der Welt ein Werk, welches im Ganzen den Geiſt des wuͤrdigen Verfaſſers, in der Einkleidung aber hier und dort den Herausgeber verrathen wird. Da alſo mein ausgedehnteres Wirken an dieſem Werke gewiſſer⸗ maßen erſt da anfaͤngt, wo das Wirken des ſeligen Verfaſſers aufhoͤrte, ſo hat mich dies zu der Idee veranlaßt, als Titelkupfer die Anſicht der Ruheſtaͤtte der Familie Gilly auf dem Kirchhofe vor dem Halli⸗ ſchen Thore hierſelbſt, zu waͤhlen, in welcher Gruft die koͤrperlichen Re⸗ ſte des verewigten Verfaſſers neben denen ſeiner wuͤrdigen erſten Gattin und ſeiner Tochter ruhen. Berlin im November 1810. Der Herausgeber. —— —— in ——+— 22 VII Inhalts⸗Anzeige. Nachtraͤge zu den erſten beiden Theilen dieſes Handbuchs der 2 99 9 d. 9⸗ . 10, 11. 12. 13. 14. 16. 16. 17. 18. 119. 20. 21. 22. 23. 24. 25. . 26. 9998898992898989989989999999990 Land⸗Baukunſt. Von Gruͤndung der Gebaͤude auf ausgemauerten Brunnen. Conſtruection der gemauerten Brunnen. Von den Feldſtein⸗Arbeiten. Vom Sypalten der Feldſteine. Vom Sprengen der Feldſteine. Vom Mauern mit Feldſteinen. Von der noͤthigen innern Verblendung der Feldſteinmauern. Vom Piſé⸗Bau insbeſondere, und andern Lehm⸗Bauarten 4berbauyt, Zweierlei Arten der Auffuͤhrung der Piſé⸗Mauern. Beſchaffenheit der zum Piſé⸗Bau erforderlichen Erde. Vom Fundamente zu den Piſé⸗Mauern. Geruͤſte zum Piſé-Bau, um Mauern in großen Maſſen zwiſchen Brettern zu ſtampfen. Beſchreibung des Staͤmpfers(Piſoir). Beſchreibung der Auffuͤhrung der Umfangsmauern eines Gebaͤudes. Von Auffuͤhrung der Scheidemauern. Was bei Thuͤren und Fenſtern zu beobachten. Piſé⸗Gebaͤude von zwei Stockwerken. Zweite Art Piſs⸗Mauern von einzeln geſtampften Steinen. Beſchreibung der hierzu noͤthigen Form. Beſchreibung des hierzu erforderlichen Staͤmpfers und des Stampfens ſelbſt. Vom Vermauern der Piſé⸗Steine. Vortheile der Bauart mit einzelnen Piſé⸗Steinen. Vom äaͤußern und innern Abputz der Piſé⸗ und anderer Lehmmauern. Vom Abdecken der Bewaͤhrungsmauern aus Lehm. Von der ſchicklichen Jahreszeit, Lehmmauern aufzufuͤhren, Von den Baukoſten der Piſé⸗Mauern. VIII 92929A9A9S ◻ 9999 ◻ 81 98 + △ 5 42. 43. . 44. 45. 46. 47. 48. 49. 50. 51. 52. 53. 54. 55. 56. . 57. 58. 59. 60. 61. . 62. SSSSSASSSSSSASS299299 Inhalts⸗Anzeige. Allgemeine Bemerkungen uͤber den Bau mit Lehm. Von den Lehmſchindel⸗Daͤchern uͤberhaupt. Anfertigung der erſten Art, oder der doppelten Lehmſchindel⸗Daͤcher. Eine andere Art doppelter Lehmſchindel⸗Daͤcher. Verfertigung der zweiten Art, oder der einfachen Lehmſchindel⸗Daͤcher. Eine andere Art einfacher Lehmſchindel⸗Daͤcher. Eine dritte Art einfacher Lehmſchindel⸗Daͤcher. Eine vierte Art einfacher Lehmſchindel⸗Daͤcher. Anfertigung ſolcher Lehmſchindel⸗Daͤcher, die noch mit einem ordentlichen Strohdache uͤber⸗ deckt werden. Verichie dene andere Dachdeckungen mit Lehm. Von der Vorzuͤglichkeit der Lehmſchindel⸗Daͤcher fuͤr den Landmann. Von den Baukoſten der Lehmſchindel⸗Daͤcher. Einige Nachrichten von Vorſchlaͤgen, hoͤlzerne und mit Stroh Rdochtt Gebaͤude Wetter⸗ und Feuerfeſt zu machen. Von Wetterfeſten Ziegeldaͤchern. Nachtraͤge, wegen Mauerung und Eindeckung der Geſimſe, Anfertigung der blechernen Dach⸗ rinnen, Dachfenſter ꝛc. Erſter Abſchnitt. A. Von den Scheunen. Verſchiedenheiten in der Hauptanlage der Getreideſcheunen. Tiefe der Scheunen. Breite der Tennen. Hoͤhe der Scheunen. Breite der Banſen. Ausmittelung der Groͤße der Scheunen. Lage der Scheunen. Verſchiedenheit der Bauarten der Scheunen. Conſtruction der aus hoͤlzernem Fachwerk verbundenen Scheunen. Auswechſelung der Balken in den Scheunen. Vom Bau maſſiver Scheunen. Von Anfertigung der Tennen und Scheunenfluren. Einiges uͤber Dreſchmaſchinen. Innerer Ausbau der Scheunen. Luftzuͤge in den Scheunen. Conſtruetion der Scheunen⸗Thorwege. Scheunen⸗Gebaͤude in Geſtalt der Feimen. Von den Bohlendaͤchern. Allgemeine Regeln bei Anwendung der Bohlendaͤcher. Von der zweckmaͤßigen Anwendung der Bohlendaͤcher. 96 28 99999Se UeesssSSeASSSSSSSASSASAA 75. 81. . Engliſche Heu⸗ und Klee⸗Feimen. . 97⸗ . 98. 99⸗· Inhalts⸗Anzeige. IX Von Anfertigung der Bohlenſparren. Von der Forſtverbindung der Bohlendaͤcher. Verbindung der Bohlenſparren auf ihren Schwellen oder Balken. Anwendung der Bohlenſparren zu einem Dache auf einer, uͤbrigens in gewoͤhnlicher Art er⸗ baueten Scheune.. Anwendung der Bohlenſparren, um daraus ein ganzes Scheunengebaͤude zu verbinden. Verband dieſer Bohlenſcheune nach der Tiefe. Verband dieſer Bohlenſcheune nach der Laͤnge. Einrichtung einer hinlaͤnglich hohen Einfahrt, bei ſehr niedrigen Umfaſſungsmauern. Ein anderer Vorſchlag zur Verbindung einer Scheune mit Bohlenſparren. Einige Bemerkungen uͤber den Ausbau der Bohlenſcheunen. Von den Interimsſcheunen. B. Von den Feimen⸗ oder Diemengeruͤſten zur Aufbewahrung des Ge⸗ treides. Heufeimen hieſiger Art. Getreidefeimen hieſiger Art. Mausfeldiſche Feimen. Deſſauiſche Feimen. . Feimen⸗Geruͤſte von Herrn Leideritz. Engliſche Meules oder Getreide⸗Feimen. Engliſche transportable Scheunen oder Dreſchtennen. C. Scheunen zu Heu, Stroh, Torf und anderm Behuf. Anlegung einer großen Heuwaage. Groͤße der Tabacksſcheunen. Grundſaͤtze zur Ausmittelung der Groͤße einer Torfſcheune. Wie der Torf in einer Scheune, zur Conſervation des Gebaͤudes aufgepackt werden muß. Conſtruction einer Torfſcheune aus Bohlenſparren, und zwar mit hoͤlzernen Fronten. Conſtruction einer Torfſcheune aus Bohlenſparren, und zwar mit maſſiven Fronten. Conſtruction eines Schauers aus Bohlenſparren, ohne eigentliche Frontwaͤnde. D. Reitbahnen, Exereierhaͤuſer ꝛc. Conſtruction einer hieſigen Reitbahn. Conſtruetion einer andern hieſigen Reitbahn. Vom Aufrichten großer Bohlendaͤcher. Noch einige Bemerkungen uͤber große Bohlendaͤcher. Vom Eindecken der Bohlendaͤcher. Zweiter Abſchnitt. A. Von den Wagen⸗ und Holzſchuppen auf dem Lande,. Von den in einem Schuppen unterzubringenden Gegenſtaͤnden. Von Ausmittelung der Groͤße eines Schuppens. 2. Conſtruction des Mauerwerks an dieſem Schuppen. Conſtruetion des Zimmerwerks an dieſem Schuppen. Vom innern Ausbau eines Schuppens. Franzoͤſiſche Bauart der Schuppen. Eine andere hieſige Bauart der Schuppen. B. Von den Magazinen. Von den Getreide⸗Magazinen. Von den Licht⸗- und Luftoͤffnungen in Getreide⸗Magazinen. Von der den Magazin⸗Gebaͤuden zu gebenden Tiefe und Etagen⸗Hoͤhe. Von der innern Einrichtung eines Getreide⸗Magazins. „Von Ausmittelung der Groͤße eines Getreide⸗Magazins. Conſtruction der Magazin⸗Gebaͤude. Von Salz⸗ Magazinen. Von der innern Einrichtung eines Salz⸗Magazins. Conſtruction eines Salz⸗Magazins. Conſtruction eines Magazins, in welchem loſes Salz aufgeſchuͤttet wird. Conſtruction eines Magazins, in welchem Sachen gegen das Gefrieren geſichert werden ſollen. Von der zweckmaͤßigen Lage eines Magazins. Von den Huͤlfsanſtalten bei Magazinen. „Von den ßeuerloͤſchungs⸗Anſtalten bei Magazinen. C. Von den Schafſtaͤllen. Lage eines Schafſtalles. Innere Hoͤhe eines Schafſtalles. Inhalts⸗Anzeige. „Von der Einrichtung und Anlage eines Schuppens mit einem Getreidebode „FEtagenhoͤhe eines Schuppens und des Getreidebodens. u daruͤber. Von Anlegung der Thuͤren, Fenſter, Luftzuͤge und Heuluken in Schaffaͤllen. Von Conſtruction der Decke in Schafſtaͤllen. „Von den Raufen und Krippen in Schafſtaͤllen. „Von dem noͤthigen Futter fuͤr Schafe. „Von Ausmittelung der Groͤße eines Schafſtalles und des noͤthigen Futtergelaſſes. Conſtruetion eines Schafſtalles. Schafſtaͤlle in Scheunengebaͤuden. Offene Schuppen. Dritter Abſchnitt. .A. Federvieh⸗Stäͤlle. „Lage der Federvieh⸗Staͤlle. Einrichtung und Conſtruetion der Federvieh⸗Staͤlle. Federvieh⸗Maſſſtaͤlle. B. Von den Schweineſtaͤllen. Von der Abſonderung, Lage und Groͤße der Schweineſtaͤlle. “ 9. §. * SSSSSSSSSSSSSSASSSSS2AA AAA SAAAA 139. . 140. . 141. 142. 143. 144. 145. 146. 147. 148. 149. 150. 15r. 152. 153. 154. 135. 156. 157. 158. 159. 160. 161. 162. 163. 164. 165. 166. 167. 0 168. 169. 170. 171. . 173. . 173. 174. . 175. Inhalts⸗Anzeige. XT Was in Abſicht der Reinhaltung der Schweine beim Bau der Staͤlle fur ſelbige zu beobach⸗ ten iſt. Von der Hoͤhe, der Decke, den Luftzugen und dem Bodenraum in Schweineſtaͤllen. Von der Anlage und Einrichtung der Schweineſtaͤlle. Conſtruction der Schweineſtaͤlle. C. Von den Rindvieh⸗Staͤllen. Von der Stellung oder Anordnung der Reihen des Rindviehes in einem Stalle. Von Anlage der Futtergäͤnge, Krippen und Raufen und des Futtergelaſſes. Von den Fußboͤden in Rindviehſtaͤllen. Von der innern Hoͤhe und von den Decken in Rindviehſtaͤllen, auch Futterböden. Von den Futterkammern, Geſindeſchlafkammern, Käͤlberſtaͤllen ꝛc. Von der Lage eines Kuhſtalles. Vom Molkenhauſe. Beſchreibung der Anlage eines Kuhſtalles nach Fig. 164. Beſchreibung der Anlage eines Kuhſtalles nach Fig. 163. Beſchreibung der Anlage eines Kuhſtalles nach Fig. 166. Beſchreibung der Anlage eines Kuhſtalles nach Fig. 167 und 168. D. Von den Pferdeſtaͤllen. Von dem noͤthigen Stallraum der Pferde und Breite der Gaͤnge in Pferdeſuͤllen, Lage und Hoͤhe der Pferdeſtaͤlle. Luft und Dunſtzuͤge in Pferdeſtaͤllen. Von Anlage der Thuͤren und Fenſter in Pferdeſtaͤllen. Von den Decken in Pferdeſtaͤllen. Ob die Pferdeſtaͤnde mit Klinkerſteinen gepflaſtert oder mit Bohlen ꝛc. belegt werden muͤſſen. Von dem noͤthigen Abhang der Fußboͤden in Pferdeſtaͤnden. Conſtruction der hoͤlzernen Fußboͤden, Krippen und Raufen in Pferdeſtaͤllen. Conſtruetion der mit Klinkern gepflaſterten und mit eiſernen Krippen und Raufen verſehenen Pferdeſtaͤnde. Von den verſchiedenen Vorrichtungen zur Abtheilung der Pferdeſtäͤnde. Von Anlage und Conſtruction eines Pferde⸗ und Ochſenſtalles auf dem Lande. Von Anlage und Conſtruction herrſchaftlicher und Cavallerie⸗Pferdeſtaͤlle. Von den uͤber Pferdeſtaͤllen etwa anzulegenden Wohnungen. Einiges uͤber Geſtuͤte, und was bei Anlegung der Staͤlle dazu zu wiſſen am noͤthigſten iſt. Vierter Abſchnitt. A. Von der Anlage der Brau⸗ und Brennerei⸗Gebaͤude. Das Malzen. Das Brauen. Das Branntweinbrennen. Lage eines Brau⸗ und Brennhauſes. Hoͤhe eines Brau⸗ und Brennhauſes, nebſt Decken, Fenſtern und Thuͤren in demſelben * XI Inhalts⸗Anzeige. §. §. §. §. 180. Einiges uͤber die vorbeſchriebenen Brau⸗ und Brennerei⸗ Anlagen, in Hinſicht auf gute 9AAS 176. Ausmittelung der Raͤume im Brau⸗ und Lremhauße⸗ auch der Grihe d der Gefaͤße fuͤr einen beſtimmt angenommenen Fall. 177. Beſchreibung einer Brau⸗ und Premnerein Anlage fuͤr den vorhin angenommenen Fall. 178. Ausmittelung der noͤthigen Raͤume im Brau⸗ und Brennhauſe, auch der Groͤße der Gefaͤße, fuͤr einen beſtimmt angenommenen zweiten Fall. 179. Beſchreibung einer Brau⸗ und Brennerei fuͤr den vorhin angenommenen zweiten Fal. Conſtruction. . 181. Beſchreibung einiger Brau⸗ und Brennerei⸗Anlagen. B. Von Anfertigung der Brau⸗ Geraͤthe, Anlage der Pfannen, Blaſen, Darren e.. 182. Von Anfertigung der Brau⸗ und Quellbottiche und der Kaͤhlfaͤfer. 183. Von Conſtruction der kupfernen Braupfannen. 184. Von den Branntweinblaſen, Blaſenhelmen und Kuͤhlroͤhren. 185. Von Anlage der Braupfannen⸗Feuerungen. 136. Von Anlegung der Blaſen⸗Feuerungen. . Von Anlegung der Darren. für einen Gefaͤße, auf gute laſen, Einleitung. Dae Verſchiedenheit der Guͤte des Bodens zur Erzeugung landwirthſchaftlicher Pro⸗ ducte; das nicht uͤberall gleiche Verhaͤltniß der Groͤße des Ackers, der Wieſen und der Huͤtungen gegen einander; die Lage eines Guthes, in Hinſicht auf den Abſatz der Produkte; die Verſchiedenheit des Klima's, und mehrere andere dergleichen Ruͤckſichten, bewirken faſt in jedem Lande, ſelbſt in einzelnen Provinzen und Diſtricten, ja oft bei einzelnen Guͤthern, eigenthuͤmliche Wirthſchafts⸗Methoden und andere Verhaͤltniſſe in den Arten und der Anzahl des Viehes, der Fuͤtterung und Benutzung deſſelben, der zu bauenden Producte und der Aufbewahrung derſelben ꝛc. Wenn nun bei jeder dieſer verſchiedenen Wirthſchafts⸗Methoden dennoch alle Mahl zweckmaͤßig eingerichtete Gebaͤude gefordert werden; ſo folgt daraus eine ſehr große Mannigfaltigkeit der Einrichtung und Anlage der Gebaͤude, und daraus wieder⸗ um, daß eine allgemeine Anweiſung zur zweckmaͤßigen Anlage landwirthſchaft⸗ licher Gebaͤude beinahe unter die Unmoglichkeiten zu rechnen ſeyn duͤrfte. Da indeß die Forderungen hierbei, welche den Baumeiſter angehen, allgemein darin beſtehen, ein jedes landwirthſchaftliche Gebaͤude„ nach Maaßgabe der eigen⸗ thuͤmlichen Abſicht, mit den wohlfeilſten Mitteln dauerhaft„ Feuerſicher und bequem aufzufuͤhren, und dieſe Regeln, naͤhmlich die einer guten Conſtruction der Gebaͤu de, auf gewiſſen allgemeinen Grundſaͤtzen beruhen; ſo ſcheint es, aus dieſem Geſichts punkte betrachtet, weniger ſchwierig zu ſeyn, eine ziemlich allgemein brauchbare Anwei⸗ ſung zur landwirthſchaftlichen Baukunſt zu liefern, zumahl alsdann das, ** 2 xXIV Einleitung. was die Anlage und Einrichtung der Gebaͤude betrifft, vorzuͤglich von dem Landwirthe nach ſeiner individuellen Abſicht und Methode erwartet wird. Was hierbei von einigen(mir ſehr achtbaren) Landwirthen erinnert wird, naͤhm⸗ lich daß man die landwirthſchaftlichen Gebaͤude und darunter vorzuͤglich die, welche zur Aufbewahrung der Producte dienen, ſo leicht und wohlfeil bauen moͤge, als es nur moͤglich iſt, um der Oeconomie die zu ſolidern Gebaͤuden mehr erforderlichen Bauko⸗ ſten, welche Zins auf Zins bedeutend waͤren, zu erſparen; ſo ließe ſich hiergegen vie— les und wichtiges einwenden, wenn hier der Ort waͤre, daruͤber Unterſuchungen an⸗ zuſtellen, oder wenn dieſe Meinung dem Zwecke der folgenden Anweiſungen eigentlich entgegen liefe. Dem Baumeiſter muß es, wie gedacht, einzig darum zu thun ſeyn, ein Gebaͤude mit den wohlfeilſten Mitteln moͤglichſt dauerhaft und zweckmaͤßig zu bauen; und wenn ſo, mit dieſen Kenntniſſen einer guten Conſtruction ausgeruͤſtet, von ihm nach der vielleicht beſondern Abſicht des Landswirths eine noch leichtere und wohlfeilere Bauart gefordert werden ſollte; ſo wird er dieſes Verlangen dann um ſo eher und ſiche⸗ rer zu erfuͤllen im Stande ſeyn, da ihm genau bekannt iſt, auf welchen Hauptpunkten die Feſtigkeit eines Gebaͤudes beſonders beruht, und wo er, Behufs der verlangten re⸗ lativen Soliditaͤt deſſelben, etwas nachlaſſen könne. 8 Es muß alſo, den Eingangs erwaͤhnten Grundſaͤtzen zufolge, die Einrichtung und Anordnung der oͤkonomiſchen Gebaͤude dem an ſeinem Orte erfahrenen Landwirthe zwar uͤberlaſſen bleiben; allein der Wille des Landwirths hierin muß wiederum der kunſtmaͤßigen Einſicht des erfahrenen Baumeiſters in der Art unterworfen ſeyn, daß, wenn letzterer die von dem Landwirthe verlangte Einrichtung und Anlage eines Gebaͤu⸗ des den Regeln der Feſtigkeit und Dauer entgegen laufend finden ſollte, er die Einrich⸗ tung ſo abaͤndern koͤnne, daß, zwar mit der moͤglichſten Erfuͤllung der Abſicht des Land⸗ wirths, dennoch jener Hauptzweck, naͤhmlich eine dauerhafte Conſtruction, nicht ver⸗ fehlt werde. Das Zweckmaͤßige der Einrichtung und Anlage, verbunden mit einer dauerhaften Conſtruction eines Gebaͤudes, kann alſo nur dann am ſicherſten erreicht werden, wenn beide, der Landwirth und der Baumeiſter, ſich gehorig mit einander verſtaͤndigt und geeinigt haben. Hierzu gehoͤrt aber, daß beide nicht nur ihr Fach gruͤndlich verſtehen, ſondern auch einer in des andern Kunſt ſich zureichende Kenntniß verſchafft habe. Daher iſt dem angehenden Baumeiſter nicht genug zu empfehlen, von allen Ge⸗ ſchaͤften in den verſchiedenen Gewerben, Fabriken ꝛc., folglich auch von der Landwirth⸗ endwirthe 7 naͤhm⸗ velche zur ls es nur n Bauko⸗ egen vie⸗ gen an⸗ gentlich in ſeyn, bauen; don ihm hlfeilere d ſiche⸗ punkten aten re⸗ ichtung dwirthe um der /, daß, Gebaͤu⸗ Einrich⸗ sLand⸗ icht ver⸗ kerhaften , wenn digt und erſtehen/ e. len Ge⸗ nwirth⸗ Einleitung. xXV ſchaft, ſo viele Kenntniſſe, als es ihm nur moͤglich iſt, ſich zu verſchaffen, denn nur hierdurch vermag er ſich in den Stand zu ſetzen, die Zweckmaͤßigkeit der Anlage und Einrichtung der verſchiedenen Gebaͤude zu treffen, ſolche oft bis in das kleinſte Detail zu verfolgen, und ſo die beſtmoͤglichſte Conſtruction mit dem Zweck und der Abſicht des Gebaͤudes zu verbinden. Ungeachtet aller ſolcher Bemuͤhungen des angehenden Baumeiſters wird es ihm indeſſen immer noch an ſelbſt gemachten Erfahrungen in den verſchiedenen andern Kuͤn⸗ ſten und Gewerben mangeln, mittelſt welcher aber doch eigentlich nur allein die klein⸗ ſten ſowohl als die groͤßten Vortheile erlernt, und auf die Anlage und Conſtruction der dazu erforderlichen Gebaͤude angewendet werden koͤnnen. Daher iſt es um ſo noͤthi⸗ ger, wenn der angehende Land⸗Baumeiſter ſich die moͤglichſt ausgebreitetſte Kenntniß von der Landwirthſchaft, inſonderheit von dem, was darin auf die Anlage und Ein⸗ richtung der Gebaͤude Bezug hat, zu verſchaffen bemuͤht iſt, ohne ſich jedoch hiernaͤchſt daruͤber eine entſcheidende Stimme anzumaßen. Wenn ich nun zur Belehrung angehender Baumeiſter fuͤr das Zweckmaͤßigſte hal⸗ te, Beiſpiele von Gebaͤuden aufzuſtellen, welche als muſterhaft anerkannt werden, mit Anfuͤhrung der Urſachen zu dieſer oder jener Einrichtung derſelben, und wenn ich dabei hauptſaͤchlich dasjenige im Auge zu behalten geſucht habe, was in Abſicht der moͤglichſt wohlfeilſten und dennoch dauerhaften Conſtruction zu beobachten ſei; ſo ha⸗ be ich allerdings, um eine Baſis zu meinen Erlaͤuterungen zu erhalten, mich fuͤr eine oder die andere Einrichtung der Gebaͤude beſtimmt erklaͤren muͤſſen. Dieſes habe ich auch, mit Aufſtellung meiner Gruͤnde aus der Landwirthſchaft, jedoch nur als Moti⸗ virung der vorgeſtellten Plaͤne und mit Unterordnung meines Urtheils unter das des er⸗ fahrenern Landwirths, deshalb gethan, um an dieſen hierdurch erlangten beſtimmten Plaͤnen vorzuͤglich nur die Conſtruction der Gebaͤude zeigen zu koͤnnen. Nur in dieſer Hinſicht wuͤnſche ich die hie und da eingeſtreueten dkonomiſchen Bemerkungen betrachtet zu ſehen. Dieſerhalb, und weil der eigentliche Zweck dieſes dritten Bandes dee Handbuchs der Land⸗Baukunſt darin beſteht, die Conſtruction der ver⸗ ſchiedenen landwirthſchaftlichen Gebaͤude zu zeigen; ſo iſt auch die Reihenfolge der ab⸗ gehandelten Materien abweichend von der in vielen andern Schriften aͤhnlichen Inhalts. Es ſind naͤhmlich die beſchriebenen Gebaͤude hier nicht nach ihrem oͤkonomiſchen Ge⸗ brauch, ſondern nur nach der Aehnlichkeit ihrer Conſtruction geordnet, und daher oft XVI Einleitung. Gebaͤude von ſehr verſchiedenartigem Gebrauch, als z. B. Seheunen und Ritbahnen, unter einerlei Klaſſe geſtellt worden. So weit ich von dem Gedanken entfernt bin, in den, in den Jahren 1797 und 1798 erſchienenen beiden erſten Baͤnden dieſes Handbuchs der Land⸗ Baukunſt alles erſchoͤpft zu haben, ſo bin ich vielmehr uͤberzeugt, daß darin ſowohl in Abſicht der Kenntniß der Baumaterialien als auch deren Verbindung zu einem Ge⸗ baͤude, oder in der eigentlichen Conſtruction, noch manche Luͤcke auszufuͤllen iſt, und auch hier, wo von der Zuſammenſetzung ganzer Gebaͤude gehandelt werden ſoll, noch wohl verbleiben wird. Indeſſen glaube ich doch, bei den folgenden Abhandlungen auf viele in jenen Theilen des Handbuchs vorhandene Anweiſungen, um Wiederhohlungen zu vermeiden, Bezug nehmen zu duͤrfen. Eine gleiche Bezugnahme habe ich mir in Abſicht der Schriften Anderer, mit Anfuͤhrung derſelben, erlaubt, um durch Verglei⸗ chung der verſchiedenen Meinungen das Zweckmaͤßigſte entweder zu beſtaͤtigen oder erſt auszumitteln. 8. Unvollkommenheit iſt das Reſultat aller menſchl ichen Werke, und daher unbe— fangenes Anerkennen des Beſſern und freimuͤthiges Mittheilen deſſelben der einzige Weg, um ſich und andere der Vollkommenheit naͤher zu fuͤhren. In dieſer Hinſicht darf ich Entſchuldigung hoffen, wenn ich in dieſem, ſchon der Zuſammenſetzung gan⸗ zer Gebaͤude gewidmeten Bande, noch einige Nachtraͤge zu den erſten beiden Baͤnden uͤber die Conſtruction einzelner Theile eines Gebaͤudes geliefert, und zwar, in ſo fern ſie als einzelne Materien beſtehen konnten, oder zu weiten Umfang hatten, ſelbige voran geſchickt; in ſo fern ſie ſich aber in die Beſchreibung der ganzen Gebaͤude verweben ließen, ſel bige an ihrem Orte eingeſchaltet habe. Es werden demnach die hier abgehandeltan Materien in nathſtozender Ornuns folgen,, als: Nachtraͤge zu den erſten beiden Theilen dieſes Handbuchs der Land⸗ ⸗Baukunſt, und zwar: Von Gruͤndung der Gebaͤude auf ausgemauerten Brunnen. Von den Feldſtein⸗Arbeiten. Vom Piſé⸗Bau insbeſondere, und andern Lehmbauarten uͤberhaupt. Von den Lehmſchindel⸗Daͤchern. Von Mauerung und Eindeckung der Geſimſe, Anfertigung der blechernen Dachrinnen, Hohl kes en, Dachfenſter ꝛc. een Einleitung. XVI Sodann: Erſter Abſchnitt. Von Anlage und Conſtruction ſolcher Gebaͤude, welche einen ganz hohlen innern Raum und keinen Dachboden erfordern, als Scheunen, Feimen⸗Geruͤſte, Torfſchuppen, Reitbahnen. Zweiter Abſchnitt. Von Anlage und Conſtruction ſolcher Gebaͤude, welche zwar auch einen innern freien Raum, aber eine Balkendecke und Bodenraum erfordern„ als Wa⸗ genſchuppen, Getreide- und andere Magazine, Schafſtaͤlle ꝛc. Dritter Abſchnitt. Von Anlage und Conſtruction ſolcher Gebaͤude, welche nur eine ganz einfache, ih⸗ rem Zwecke gemaͤße innere Abtheilung und Bodenraum erfordern„ als Fe⸗ derviehſtaͤlle, Schweineſtaͤlle, Rindviehſtaͤlle und Pferdeſtaͤlle. Vierter Abſchnitt. Von Brauereien, Brennereien und Darrhaͤuſern. Hiermit wird der gegenwaͤrtige dritte Band des Handbuchs der Land⸗Baukunſt ſchließen, und Kenner moͤgen beurtheilen, ob die Reichhaltigkeit der Gegenſtaͤnde und ihre Behandlung, oder eine unnoͤthige Weitlaͤufigkeit noch einen vierten Band noth⸗ wendig gemacht hat, in welchem folgen werden: Laͤndliche Wohngebaͤude, als Tageloͤhner⸗, Koſſaͤthen⸗, Bauern⸗, Forſt⸗, Schul⸗, Prediger⸗, Vorwerks⸗ und Amtshaͤuſer, nebſt der Anlage ganzer Gehoͤfte. Oeffentliche Landgebaͤude, als Kirchen, Kirchhoͤfe, Leichenhaͤuſer, Gefaͤngniſſe, einiges uͤber Zucht⸗ und Arbeitshaͤuſer und die Anlage ganzer Doͤrfer. Herrſchaftliche Wohngebaͤude und Gartenhaͤuſer. Verſchiedene Bauwerke, als Feuerleitern, Feuerleiterſchauer, gewoͤhnliche Spri⸗ tzen⸗, Glas⸗ und Treibhaͤuſer, Bienenſchauer, Eisgruben, Brunnen, Pum⸗ pen und andere Waſſerleitungs-Anſtalten, Gehege, Bewaͤhrungen, Pfla— ſter und einiges uͤber Chauſſeen. Miszellaneen und ein Haupt⸗Regiſter aller in den vier Baͤnden dieſes Handbuchs zerſtreut erwaͤhn⸗ ten Materien. xVvII Einleitung. Endlich rathe ich dem angehenden Baumeiſter noch an, ſich auch mit andern vor⸗ handenen Schriften uͤber die Land⸗Baukunſt, ſo viel als moͤglich iſt, bekannt zu ma⸗ chen, vorzuͤglich aber, jede ſich darbietende Gelegenheit, Wirthſchaftshoͤfe und die Einrichtung deren Gebaͤude kennen zu lernen, zu benutzen, und ſich uͤber die Vor⸗ theile, vielleicht auch uͤber die Fehler derſelben, mit erfahrenen Oekonomen zu beſpre⸗ chen. Auch iſt zu wuͤnſchen, daß er ſich ſo viel als moͤglich mit den in verſchiedenen Schriften zerſtreut vorkommenden Holzerſparenden Feuerungs⸗Anlagen, mit den zur Wirthſchaft noͤthigen und die Arbeit erleichternden Maſchinen, ingleichen mit dem, was bei Gartenanlagen und Verſchoͤnerung der Landſchaften durch wenig koſtende, aber mit Geſchmack gewaͤhlte Mittel geſchehen kann, und dergl. mehr, entweder aus Buͤchern oder aus wirklichen Ausfuͤhrungen, genau unterrichte, und ſo keine ihm vor⸗ kommende Schrift oder kein, auch noch ſo gering ſcheinendes, Bauwerk ohne Aufmerk⸗ ſamkeit oder gar mit Gleichguͤltigkeit betrachte. ern vor⸗ zu ma⸗ und die ie Vor⸗ beſpre⸗ diddenen den zur t dem, tende, r aus vor⸗ merk⸗ Nachtraͤge zu den erſten beiden Theilen dieſes Handbuchs der Land⸗Baukunſt. 66 — 55 Von Gruͤndung der Gebaͤude auf ausgemauerten Brunnen. §. 1. Be den gewoͤhnlichen Landgebaͤuden, deren Conſtruction und Anlage eigentlich dieſes Werk gewidmet iſt, wird zwar der Fall nicht leicht ein⸗ treten, daß eine kuͤnſtliche Gruͤndung derſelben unternommen werden muͤßte; auch wuͤrde man derſelben ſo viel als moͤglich durch Verlegung der Bauſtelle zu entgehen ſuchen, weil jede kuͤnſtliche Gruͤndung, abgeſehen von den groͤßern und hiernaͤchſt nicht unmittelbar nuͤtzenden Koſten, auch ſelten die abſolute Feſtigkeit einer Gruͤndung auf gutem, feſtem, gewachſenem Boden erhaͤlt. Da indeſſen doch zuweilen in Staͤdten, wo die Anlage der Straßen keine Ver⸗ legung der Bauſtelle verſtattet, zu kuͤnſtlichen Gruͤndungen geſchritten werden muß, und dieſer Fall auch wohl den angehenden Landbaumeiſter trifft; ſo darf die noͤthige Anweiſung dazu hier nicht fehlen. A 2 Von Gruͤndung der Gebaͤude Im erſten Theile dieſes Werks iſt uͤber Grund und Boden und ver⸗ ſchiedene kuͤnſtliche Gruͤndungen ſchon gehandelt worden. Nach dieſer Zeit iſt aber noch eine andere Art derſelben, nähmlich die Gruͤndung auf ausge⸗ mauerten Brunnen in Anwendung gekommen, welche ich hier der Voll⸗ ſtaͤndigkeit wegen nachholen muß. Anm. Eine umſtaͤndlichere Anweiſung dazu iſt von mir im Jahre 1804 in der hieſigen Real⸗ ſchul⸗Buchhandlung herausgegeben worden. Das Geſchichtliche dieſer Gruͤndungs⸗Methode iſt kuͤrzlich folgendes. In einem der Hefte vom Jahre 1805 des Magazin encyclopédique ou Journal de Sciences etc. wird die Be⸗ ſchreibung dieſer Gruͤndung von einem Arabiſchen Schriftſteller, der im Jahre 1161 Ae⸗ gypten durchreiſte, mitgetheilt. Auch in dem im Jahre 1802 zu Paris herausgekommenen Mémoire sur les travaux des Constructions hydrauliques, par Alexander le Goux de Flaix etc. wird geſagt, daß dieſe Gruͤndung auf Brunnen ſchon im Jahre 1360 in Indien uͤblich geweſen ſey. Ferner erwaͤhnt Philibert de l'Orme, der Erfinder der Bohlendaͤcher, in ſeinem 1567 in Paris herausgekommenen Werke uͤber die Architectur Tom I. pag. 46 etwas aͤhnliches von einer ſolchen Gruͤndung. Hier in Berlin kam im Jahre 1798 der hieſige Buͤrger, Herr Benjamin George, ganz von ſelbſt auf dieſe, von allen bisherigen Methoden ganz verſchiedene Gruͤndung, und wendete ſolche an, um darauf ein maſſives Gebaͤude von zwei Etagen, 76 Fuß lang, 24 Fuß tief, aufzufuͤhren, und ſeit der Zeit iſt dieſe Gruͤndung bei mehreren, zwei und drei maſſive Etagen hohen Gebaͤuden in Ausfuͤhrung gekommen. Wenn der feſte Baugrund ſich erſt in einer anſehnlichen Tiefe von 18 und 2o oder noch mehreren Fuͤßen unter der Oberflaͤche, auf gefuͤllter lockerer eiſenartiger Erde, oder unter Sand mit Waſſer vermiſcht, befindet, oder mit Torf oder Moraſt bedeckt iſt; ſo muͤßte, nach der bisherigen Gruͤndungs⸗ Methode, ein ſogenannter liegender Roſt von Balken und Bohlen, oder gar ein Pfahlroſt gelegt werden, beſonders weil in mehr als 18fuͤßiger Tiefe eine bloße Ausmauerung, wegen des vielen Waſſerſchoͤpfens und Ausgrabens der ganzen Bauſtelle, die Koſten eines Roſtes mehrentheils uͤberſteigt. In dieſem Falle, und wenn der feſte Baugrund nicht viel mehr als 20 Fuß unter der Oberflaͤche der Erde angetroffen wird, iſt die Gruͤndung auf Brunnen in Abſicht der Erſparung, ſo wohl an Zeit als an Koſten, mit vielem Vor⸗ theil anzuwenden. Anm. In der 1740 zu Paris herausgegebenen Schrift: Recherches sur la nature et l'éten- due d'un ancien ouvrage des Romains, appellé communement Briquetage de Marsal etc. par Mr. d' Artezé de la Sauvagere etc. wird erwaͤhnt, daß die ganze Stadt Mar⸗ ſal in Lothringen, vermittelſt einer, aus willkuͤhrlich geformten und gebrannten Stei⸗ nen, bloß mit Aſche ꝛc. aus den Ziegeloͤfen zuſammen geworfenen, 3 bis 7 Fuß dicken Schicht, auf einem Moraſte feſt und dauerhaft erbaut befunden worden. Dieſe Bauart der Roͤmer, welche ſie auch bei ihren Chauſſeen als Unterlage anwendeten, und die Vi⸗ truv Statumen nennt, moͤchte aber wohl in unſern Holz⸗ und Geldaͤrmern Zeiten keine ver⸗ eit iſt sge⸗ Voll⸗ Real⸗ r Hefte ie Be⸗ Ae⸗ nenen X de dien cer, . 46 rge, und 24 drei 19 erer mit gs⸗ gar tefe ens . In ater men Vor⸗ ten- sal ar⸗ Stei⸗ ſken uart Vi⸗ teine auf ausgemauerten Brunnen. 3 Anwendung finden, und zu der, vom Herrn Jexierski aus Warſchau, im Hamburger Correſpondenten 1799 No. 6 bekannt gemachten, wohlfeilen Einſchraubung der Pfaͤhle, welche auch Herr Buſchendorf, in der Leipziger Anzeige von der Michaelis⸗ Meſſe 1798, ſo wie im Journal fuͤr Fabrik ꝛc. Juli 1803 angeprieſen hat, wird ſchwerlich je ein Baumeiſter rathen. §. 2. Die Conſtruction und Senkung der Brunnen, welche als Grundpfeiler die Stelle des Fundaments vertreten, iſt aus den Figuren 1 bis 10 zu er⸗ ſehen. Fig. 1 aa iſt ein Kranz, welcher aus doppelten 1zoͤlligen Brettern mit eiſernen Naͤgeln in der Art zuſammen genagelt wird, daß die Koͤpfe der⸗ ſelben, wie aus der Zeichnung erſichtlich iſt, abwechſeln. Wenn das weiche Erdreich 6 bis 7 Fuß an der beſtimmten Stelle des Brunnens ausgehoben iſt; ſo wird gedachter Kranz horizontal gelegt, und mit dem Mauern des Brunnens von gewoͤhnlichen, beſſer aber von keilfoͤrmig geſtrichenen Steinen und Kalkmoͤrtel der Anfang gemacht, wie die ate Figur bei bb zeigt. Iſt der Brunnen 5 bis 6 Fuß hoch aufgefuͤhret, und man will zum Senken deſſelben ſchreiten; ſo wird das Mauerwerk nach Fig. 3 mit duͤnnen Brettern c und einem Taue d geſchient(wie ſolches auch im Grund⸗ riſſe in der 4Aten Figur zu bemerken iſt), um beim Senken, wenn ſolches, wie es oͤfter der Fall iſt, nicht in ganz vertikaler Richtung von Statten geht, das Verſchieben und Auseinanderdraͤngen der Steine zu vermeiden. Nunmehr wird das Waſſer, welches ſich im Brunnen geſammelt hatte, ausgeſchoͤpft und mit dem Senken der Anfang gemacht. Das unter dem Kranze vorhandene Erdreich wird, nach Erforderniß, mit einer Hacke oder mit einem Stoßeiſen, wie die Brunnenmacher gebrauchen, losgeſtoßen, oder mit einem Spaten in⸗ nerhalb des Umkreiſes des Kranzes 1 bis 1½ Fuß tief ausgegraben, und der Brunnen ſinkt, ſobald ihm dieſe Unterſtuͤtzung genommen, bis auf den annoch beſtehenden Boden hinab. Auf dieſe Art faͤhrt man mit dem Senken ſo lange fort, bis der Kranz den feſten Boden erreicht hat. Hierbei iſt aber zu bemerken, daß, wenn der geſchiente obere Theil ſo weit hinunter gekommen iſt, daß er vom Erdreich umſchloſſen wird, die Schienen abgenommen und wieder um den hoͤher aufgemauerten Theil des Brunnens angelegt werden. Wenn der Brunnen den feſten Boden erreicht hat; ſo wird ein, auf zwei Latten genagelter, runder Boden von 1†zoͤlligen Brettern Fig. 1 und 4 in denſelben hinuntergelaſſen, und mit einigen großen Steinen beſchweret, damit ihn das Waſſer nicht wieder in die Hoͤhe heben kann, und dann werden einige Karren feiner Kalk und Mauerſchutt darauf geworfen. Dieſer feine Schutt A 2 Conſtruction der geſenk⸗ ten Brunnen. 4 Von Gruͤndung der Gebaͤude wird ſich durch die Oeffnungen des Bodens draͤngen, und, wie in Fig. 5 bei g zu ſehen, alle vorhandenen Zwiſchenraͤume ausfuͤllen, nachdem wiederum ab⸗ wechſelnd einige Karren Moͤrtel und einige Karren Steine hineingeworfen worden. Die Steine muͤſſen aber nicht zu groß ſeyn, weil ſonſt Zwiſchen⸗ raͤume entſtehen, und das Ganze nicht die gehoͤrige Feſtigkeit erhalten wuͤrde. Iſt auf dieſe Art der Brunnen ausgefuͤllt, und, ſo bald man uͤber dem Grund⸗ waſſer bequem darin arbeiten kann, ordentlich ausgemauert(dergeſtalt, daß die letzte Lage, wie bei h Fig. 5, einige Zoll uͤber der Brunneneinfaſſung erhaben bleibt, um fuͤr das Zuſammenſetzen der Ausgfuͤllung einigen Spielraum zu laſ⸗ ſen), dann wird der nunmehrige Brunnenpfeiler ungefaͤhr 1½ Fuß hoch, nach dem Profil Fig. 5 i, und dem Grundriſſe Fig. 6, mit großen Steinen uͤber⸗ mauert. Auf dieſer Lage wird Fig. 7 k das Mauerwerk eingezogen, und die Pfeiler werden als Fundament zu den Boͤgen 1½¾ bis 2 Fuß hoch aufgefuͤhrt und abgeglichen. Nunmehr werden die Lehrboͤgen 1 auf die Ecken der Pfei⸗ ler Fig. 8 bei m aufgeſtellt, welche, wie es ſich von ſelbſt verſteht, hiernaͤchſt wieder weggenommen werden. Alsdann mauert man die Boͤgen nn, auf welchen demnaͤchſt das Fundament zu dem zu erbauenden Gebaͤude aufgefuͤhret wird. Die Staͤrke der Boͤgen richtet ſich nach der zu tragenden Laſt, ſo wie hiernach auch die Weite der Brunnenpfeiler im Lichten. Die Entfernung der letztern wird wieder nach dem Zwecke des zu errichtenden Gebaͤudes beſtimmt; doch werden ſie gemeiniglich unter die Pfeiler oder Schaͤfte des Gebaͤudes, wie der Grundriß Fig. 9 zeigt, angeordnet; auch iſt es gut, bei freiſtehenden Gebaͤuden außerhalb der Ecken, Brunnen, wie eben dieſer Grundriß zeigt, und nach dem Profil Fig. 10, Strebeboͤgen darauf anzubringen. Zuweilen dringt das Grundwaſſer ſo ſtark zu, daß die Ausſchoͤpfung des⸗ ſelben unmoͤglich wird. Die Ausmauerung kann aber deſſen ungeachtet ſtatt finden, indem man den eingeſchuͤtteten Moͤrtel und die kleinern Steine mit langen Stangen fleißig umruͤhrt, und mit eben dieſen Stangen die Steine demnaͤchſt zuſammen ſtampft, um abwechſelnd fuͤr die groͤßern Steine gerade Lager zu verſchaffen, deren Zwiſchenraͤume wiederum, durch das Umruͤhren der kleinern Steine und durch den Moͤrtel, gehoͤrig ausgefuͤllt werden. So viele und mancherlei Ueberlegungen und Vorſicht die Anwendung der ausgemauerten Brunnen bei großen und ſchweren Gebaͤuden, beſonders aber bei Waſſerbauten, nach den bereits beigebrachten Bemerkungen erfordern moͤchte; ſo iſt doch als gewiß anzunehmen, daß dieſe Bauart in gewoͤhn⸗ lichern Faͤllen und bei leichtern maſſiven und hoͤlzernen Gebaͤuden von zwei 5 bei mn ab⸗ vorfen ſchen⸗ wuͤrde. Grund⸗ daß die Haben vteine gerade n der der aber dern oͤhn⸗ zwei auf ausgemauerten Brunnen. 5 bis drei Stockwerken, nach den hier ſchon vorhandenen Beiſpielen eine weitere nuͤtzliche Anwendung finden kann, bis eine laͤngere Erfahrung groͤßere Fort⸗ ſchritte ſichert. Eine Hauptbedingung wird aber immer bleiben, daß dieſe Gruͤndung nicht anders, als unter den Augen eines thaͤtigen, und auf die ſolide Ausfuͤh⸗ rung unablaͤſſig wachenden Mannes geſchehen muß. Ein Koſtenuͤberſchlag wuͤrde, wegen des Unterſchiedes der Materialien⸗ Preiſe und des Arbeitslohns, auch wegen der verſchiedenen Local⸗Umſtaͤnde, doch fuͤr andere Oerter und Bauſtellen nichts beſtimmtes an die Hand geben; jedoch iſt zu bemerken, daß, im Ganzen genommen, ein auf geſenkten Brun⸗ nenpfeilern aufgefuͤhrtes Fundament etwa nur ein Drittel derjenigen Koſten erfordert, welche eine, durchaus bis auf den feſten Grund herabgehende Grund⸗ mauer koſten wuͤrde. Welcher Gewinn iſt es aber nicht auch fuͤr das allge⸗ meine Beſte, daß jene Conſtruction kein Holz erfordert, ſtatt daß zu einer Pilotage eine Menge der ſtaͤrkſten und laͤngſten Baͤume erforderlich iſt! ———Ag Von den Feldſtein⸗Arbeiten. —— §. 3.. Der Feldſtein, ein von Witterung und Atmoſphaͤre nicht zu zerſtoͤrendes Ma⸗ terial, verdient beim Bauweſen eine vorzuͤgliche Beachtung. Schon unſere fruͤhern Vorfahren erkannten nicht nur den Werth dieſes Bau⸗Materials, um daraus ihre, der Zerſtoͤrbarkeit trotzenden Hauptgebaͤude aufzufuͤhren, ſondern ſie verſtanden auch die Kunſt der weitern Bearbeitung deſſelben in einem ſo hohen Grade, daß wir noch jetzt oft uͤber die faſt unglaubliche Muͤhſamkeit der davon verfertigten, auf uns gekommenen Kunſtwerke erſtaunen. Freilich war es, wie in ſo vielen Stuͤcken, auch darin anders als jetzt, daß man naͤhm⸗ lich die Laͤnge der Zeit zur Ausfuͤhrung ſolcher Bauwerke nicht ſo aͤngſtlich berechnete, und daß beſonders der, noch nicht ſo allgemein uͤberhand genom⸗ mene Luxus erlaubte, mehr Zeit, Muͤhe und Koſten auf die Ausfuͤhrung eini⸗ ger, den folgenden Jahrhunderten zu uͤberliefernden, oͤffentlichen Gebaͤude zu 6 Von den Feldſtein⸗Arbeiten. verwenden, waͤhrend daß Wohn⸗ und andere gewoͤhnliche Gebaͤude dagegen Vom Spal ten der Feld⸗ ſteine. mit einer außerordentlich abſtehenden Leichtigkeit erbaut wurden, welche faſt jede folgende Generation noͤthigte, ſie zu erneuern und ihren dabei immer mehr und mehr ausgedehnten Beduͤrfniſſen anzupaſſen. Die Anwendung der Feldſteine zum Bauen zerfaͤllt in zwei Hauptabtheilun⸗ gen: in die Bearbeitung der Feldſteine ſelbſt, und in die Anwendung der rohen und allenfalls zerſprengten Feldſteine zum Mauern, Pfaaſtern ꝛc. Das erſtere, naͤhmlich die Bearbeitung der Feld- oder Granitſteine, iſt eine Kunſt, welche zwar in vielen Gegenden bisher ununterbrochen fortgeſetzt, in andern Gegenden aber dergeſtalt vernachlaͤſſiget worden iſt, daß dem Fleiße und Eifer geſchickter und erfahrner Baumeiſter, daſelbſt dieſe ſo nuͤtzliche Beſchaͤftigung jetzt wieder in Gang gebracht zu haben, unſere Achtung und unſer Dank gebuͤhrt. Außer mehreren Gutsbeſitzern und Baumeiſtern in hieſiger Gegend hat ſich beſonders fuͤr Berlin der Koͤnigl. Geh. Ober⸗Hofbaurath, Herr Becherer, dadurch in dieſer Kunſt verdient gemacht, daß durch ſeinen Eifer fuͤr dieſe gute Sache nicht nur viele Trottoirs mit Granit⸗ platten belegt, Freitreppen gemacht und Barrieren mit Granitpfeilern umzogen, ſondern auch viele Leute in dieſer Arbeit unterrichtet worden ſind, und ſo dieſe Kunſt gemein⸗ nuͤtziger gemacht worden iſt. Auch das hieſige Steinmetz⸗Gewerk machte unterm 17ten Juni 1806 bekannt, daß bei deſſen Altmeiſter, Herrn Hofacker, zu allen Zeiten dergleichen Arbeiten von Granit zu Treppenſtufen, Thorwegſchwellen, Platten, Prellpfaͤhlen, Laternen⸗Traͤgern ꝛc. zu den bil⸗ ligſten Preiſen zu haben waͤren. d. 4. 3 Außer den, bereits im erſten Theile§. 148 aufgezaͤhlten Beiſpielen von Arbeiten dieſer Art bemerke ich noch, daß z. B. in Meklenburg und Ham⸗ burg die Bearbeitung der Feld⸗ oder Granitſteine bisher noch immer betrie⸗ ben und davon Schaͤlungen und dergleichen aufgefuͤhrt, auch Pflaſterungen angefertigt worden; aber als Haupt⸗Producte des Kunſtfleißes verdienen gewiß die vortrefflichen Graniteinfaſſungen der Newa und die 52 Granitſaulen der Kaſanſchen Muttergottes⸗Kirche in Petersburg obenan zu ſtehen*). *) Jede Saͤule iſt 29 Fuß 2 Zoll hoch und 3 ½ Fuß dick, aus Einem Stuͤcke. Zu dieſem eigentlichen Bearbeiten des Granits werden die Steine nicht mit Pulver geſprengt, ſondern ſie muͤſſen auf die Art, wie bereits im erſten Theile§. 11 beſchrieben worden, geſpalten werden. Anm. Von dem Abſpalten der, zu der oben gedachten Kaſanſchen Muttergottes⸗Kirche er⸗ forderlichen langen Granitbloͤcke ſteht in der Berliner Spenerſchen Zeitung No. 88 vom Jahre 1806 folgende Nachricht:. „Es werden mit beſonders dazu geſchmiedeten Spitzhaͤmmern in horizontaler Richtung, „Rinnen in den Felſen gehauen, ſo weit von einander, als die Maſſe, welche, zu einer Von den Feldſtein⸗Arbeiten. 7 gegen„Saͤule behauen werden ſoll, es erfordert. Um nun einen dergleichen langen Granit⸗ faſt„block vom Felſen abzuloͤſen, werden mit geſtaͤhlten eiſernen Stangen hohle Cylinder nmer noder Loͤcher, je eines 2 Zoll weit von dem andern entfernt, auf folgende Weiſe in den „Felſen gebohrt. Eine Reihe von 50 bis 60 Arbeitern ſitzt auf dem Felſen; jeder von „dieſen haͤlt ſeine Bohrſtange; vor jedem ſitzenden ſteht ein anderer Arbeiter und ſchlaͤgt elun⸗„mit einem ſehr großen Hammer auf die Bohrſtange, wodurch der Granit endlich in nfeinen Staub zermalmt wird. Stark duͤrfen die Schlaͤge nicht ſeyn; ſonſt wuͤrde we⸗ der„gen des Zuruͤckprellens vom harten Granit die Stange, dem, der ſie haͤlt, beide Faͤuſte Das—„zerſchellen. Das Bohren geht folglich ſehr langſam. Der Bohrſand wird mit kleinen, unſt„an eiſerne Staͤbe geſchmiedeten Loͤffeln aus dem Cylinder herausgeholt. Je tiefer die „Loͤcher werden, deſto unbequemer wird das Ausraͤumen des Sandes, welches zuletzt dern„anders nicht geſchehen kann, als daß man Waſſer in den Cylinder gießt und eine hoͤl⸗ fer nzerne Stange raſch hineinſtoͤßt. Das herausgepreßte Waſſer nimmt dann von dem aus⸗ „gebohrten Sande etwas mit. Sind nun ſaͤmmtliche 130 Bohrloͤcher gegen 4 Fuß tief ung nin den Felſen hineingearbeitet(folglich etwas tiefer als der Durchmeſſer der Saͤule be— rt.„traͤgt), ſo werden in gemeldete, horizontal in den Felſen gehauene Rinnen eiſerne 8„Keile geſteckt; eine Reihe von Arbeitern ſtellt ſich davor hin mit großen eiſernen Haͤm⸗ rlin nmern, und im Tempo ſchlagen ſie alle zugleich, jeder auf ſeinen Keil, bis die noch ient„maſſiven Zwiſchenraͤume der Bohrloͤcher krachen, ſpalten, und die ungeheure Maſſe vom 33„Felſen ſich trennt. Bis dahin bleibt es zweifelhaft, ob der lange, ſchmale Felſenblock „in einem einzigen Stuͤcke und in der erforderlichen Form ſich abloͤſen werde. Geſchieht „der Bruch fehlerhaft, ausgeſplittert und nicht aus Einem Stuͤcke; ſo iſt die, mehrere 3„Wochen lang dauernde Arbeit von 100 Menſchen verloren; ein Fall, der ſich wegen der F bei nglasartigen Sproͤdigkeit des Granits, aller moͤglichen Vorſicht ungeachtet, ſchon ereignet „hat. Nach der Trennung von der Felſenwand wird nun der Block abgerundet, die nein⸗ it zu bil⸗„Saͤule wird aus dem Groben geformt, auf Walzen vermittelſt Flaſchenzuͤge ungefaͤhr 9oo „Schritt weit ans Ufer geſchafft, nach Petersburg verſchifft und dort vollends ausgear⸗ „beitet, worauf der Saͤule die hoͤchſt muͤhſame und langſam zu erreichende Politur gegeben. „wird. Jede dieſer Saͤulen haͤlt 280 Kubikfuß Granit à 120 Pfund: ſie wiegt alſo 33680 „Pfund. Aus dem Groben gearbeitet, mit Inbegriff des Waſſer⸗Transports, koſtet ſie 2800. don„Rubel, und da ihrer in allem 52 ſeyn ſollen, ſo laͤßt ſich aus dem, was dieſer einzige m⸗„Artikel koſtet, auf die Summe ſchließen, welche der ganze Bau dieſer Kirche erfordert ꝛc.“ ere⸗§. 5. en. 3.. 2. 38 Das Sprengen der großen Feldſteine mit Pulver iſt im erſten Theile nom Liene ; 272 2 gen der Feld⸗ de dieſes Handbuchs als eine bekannte Sache nur beilaͤufig erwaͤhnt worden. Da eine. es indeß zuweilen eine gefaͤhrliche Sache fuͤr den Arbeiter war, ſo ſind ſeit der Zeit Verſuche gemacht und Erfahrungen geſammelt worden, wodurch die Gefahr gaͤnzlich abgewendet werden kann. Ehe ich von dieſer Verbeſſerung iht rede, muß ich zuvor das gewoͤhnliche Sprengen mit Pulver beſchreiben. Die ten dazu erforderlichen Inſtrumente ſind folgende: 1) Ein aus gutem Eiſen beſtehen⸗ der und unten ſtark verſtaͤhlter ſogenannter Steinbohr Fig. 11, A und B, unge⸗ an faͤhr ¾ Zoll im Durchmeſſer ſtark und 16 bis 13 Zoll lang, womit ſchon ein 3 Fuß hoher Feldſtein hinlaͤnglich gebohrt werden kann. Unten erhaͤlt dieſer 18, Bohr die Form eines Meißels. Damit derſelbe ſich aber nicht zu leicht um⸗ in 8 Von den Feldſtein⸗Arbeiten. lege und abnutze, ſo muß die Anſchaͤrfung mehr ſtolz oder kurz, als flach ſeyn. Ferner muß die Anſchaͤrfung(wie aus Fig. 11 A zu erſehen) etwas breiter, als der Stiel ſeyn, damit derſelbe leicht heraus und hereinbewegt werden kann. Wegen des noͤthigen Schaͤrfens muß ein Arbeiter wenigſtens ſechs ſol⸗ cher Bohreiſen haben. 2) Ein eiſerner Ladeſtock Fig. 12, welcher aber nicht ganz ſo ſtark, auch nicht ſo lang als der Bohr ſeyn darf. 3) Eine kupferne Zuͤndnadel Fig. 13, einige Zoll laͤnger als der Bohr und ungefaͤhr zwei Linien ſtark, auch unten zugeſpitzt. Unterhalb am Ladeſtock muß ſich eine kleine Rinne befinden, in welche die Zuͤndnadel beim Laden eingelegt wird. Endlich 4) ein etwas ſtarker, eiſerner Hammer. Das Bohren und Sprengen wird nun folgender Maßen verrichtet. Der Bohr wird, wie aus Fig. 14 zu erſehen, ſenkrecht auf den Stein geſetzt und bei jedem Schlage des Hammers auf derſelben Seite etwas umgedreht. Da⸗ mit aber die Arbeit erleichtert, und der Bohr nicht erhitzt werde, iſt es noth⸗ wendig, die Stelle des Steins, wo das Loch gearbeitet wird, zum oͤftern mit Waſſer zu benetzen, welches zur Erleichterung der Muͤhe vermittelſt eines, in einem Waſſerfaſſe befindlichen, ganz feinen Ausguſſes(Fig. 14), oder auch mit einem, um das Loch gelegten, naſſen Lappen geſchehen kann. Iſt nun das Loch der Groͤße und Feſtigkeit des Steins gemaͤß, tief genug gebohrt(wel⸗ ches ſich nicht im allgemeinen beſtimmen laͤßt, indem weichere Steine weniger tief als haͤrtere gebohrt werden duͤrfen); ſo wird zum Laden ſelbſt geſchritten, wobei aber alle nur moͤgliche Vorſicht zu beobachten iſt, indem durch Unvor⸗ ſichtigkeit die Arbeiter ſich in Leibes⸗ und Lebensgefahr ſetzen. Es wird naͤhmlich, nachdem das Loch gehoͤrig ausgetrocknet worden, eine Quantitat Pulver(welche bei harten Steinen ungefaͤhr ½, und bei weichen Steinen nur ¼ der Tiefe des gebohrten Loches ausfuͤllt) hineingeſchuͤttet, die Zuͤndnadel(welche, damit von dem Pfropfen nicht das Zuͤndloch verfuͤllt werde, allenfalls mit einem Rohrhalm uͤberzogen werden kann) wird etwas in das Pulver geſteckt, und dann wird, vermittelſt des Ladeſtocks und des Hammers ein, aus klein geſchlagenen Ziegelſtuͤcken und broͤcklichtem Lehm beſtehender Pfropfen feſt aufgeſetzt, wobei die Zuͤndnadel in der im Ladeſtock befindlichen Rinne liegt, wie aus Fig. 15 zu erſehen. Iſt dieß geſchehen, ſo wird der Ladeſtock und die Zuͤndnadel herausgezogen, der Rohrhalm aber bleibt ſtecken, und es wird ſolcher mit dem Steine oben gerade abgeſchnitten. Das Rohr wird nun ganz mit Pulver gefuͤllt, ſo daß noch etwas davon auf den Stein ſelbſt ſeyn. reiter, verden s ſol⸗ k, auch g. 13, unten 4, in arker, Von den Feldſtein⸗Arbeiten. 9 ſelbſt zu liegen kommt, welches vermittelſt eines etwas langſam brennenden Zuͤnders angebrannt wird. Ehe die Kohle des Zuͤnders das Pulver im Steine anbrennt, hat der Arbeiter gewoͤhnlich Zeit genug, ſich in Sicherheit zu be⸗ geben. Nur bei ſtuͤrmiſchem Wetter muß auch dahin geſehen werden, daß der Zuͤnder vom Zuͤndloche aus, mit dem Winde und feſt liegt; es iſt daher bes— ſer, die Steine nur bei ſtillem Wetter zu ſprengen. Daß das Laden und Feſtſtampfen des Pfropfens vermittelſt des eiſernen Ladeſtocks und Hammers allerdings eine ſehr gefaͤhrliche Arbeit iſt, wird jeder leicht einſehen. Hierzu kommt aber noch der Umſtand, daß, wenn der Pfropfen feſt aufgeſetzt, und das Pulver dadurch comprimirt wird, ſolches ſich nicht ſo vortheilhaft entzuͤndet, als wenn es locker in der Kammer liegt, daher daſſelbe gewoͤhnlich auch nicht mit einem, ſondern mit zwei kurz auf einander fol⸗ genden Knallſchlaͤgen explodirt, wodurch dann die Kraft der Ladung getheilt wird, und diejenige Exploſion, welche den zweiten Knall verurſacht, nicht mehr die Wirkung leiſten kann, als wenn alles mit einem Mahle zerſprengte. Dieſem allen auszuweichen, hat man ſeit einiger Zeit ein ſicherers und wirkſameres Laden und Sprengen dadurch erreicht, daß man, nachdem die erforderliche Quantitaͤt Pulver ganz locker eingeſchuͤttet worden, einen ſtarken Strohhalm ein wenig in das Pulver aufſetzt, das ganze uͤbrige gebohrte Loch. mit feinem und trocknem Sande um den Strohhalm herum anfuͤllet und dann wie vorgedacht anzuͤndet. Dieſe Art zu laden, wobei das Pulver locker bleibt und kein feſter Pfropfen aufgeſetzt wird, ſichert die Arbeiter vor aller Gefahr, und wird nicht nur von allen geuͤbten Schuͤtzen als die wirkſamſte aner⸗ kannt, ſondern verurſacht auch, daß das Pulver ſaͤmmtlich mit einem Mahle abbrennt, folglich mit der moͤglichſt groͤßten Wirkung den Stein zerſprengt. Anm. Das Refultat mehrerer hierin gemachten Verſuche, ſo wie viele der folgenden, ſehr ſchaͤtzbaren Erfahrungen bei Anwendung der geſprengten Feldſteine zum Mauern verdanke ich der gefaͤlligen Mittheilung des Koͤnigl. Ober⸗Hofbauraths, Herrn Moſer, unter deſſen geſchickter Special⸗Direction die Chauſſee von Berlin nach Freyenwalde und die dazu erforderlichen Gebaͤude ſehr nachahmungswuͤrdig ausgefuͤhrt ſind. Dieſe Operation des Sprengens iſt jedoch nur bei ſehr großen Steinen nothwendig; kleinere Steine bis beinahe 2 Fuß im Kubus groß, koͤnnen mit ſtarken Haͤmmern oder Poſſekeln zerſchlagen werden, ohne daß es dazu anderer Huͤlfsmittel bedarf. Die beim Sprengen der Feldſteine abfallenden, ganz kleinen Stuͤcke wer⸗ den noch kleiner zerſchlagen, und zur uͤberſchuͤttenden Ausfuͤllung des Feldſtein⸗ pflaſters allhier mit vielem Nutzen angewendet. B Vom Mau⸗ ern mit Feldſteinen. Von den Feldſtein⸗Arbeiten. G. 6. Zum Mauern mit Feldſteinen ſind geſprengte, folglich mit Flaͤchen und Kanten verſehene Steine vorzuͤglich zu waͤhlen; kleinere, unzerſchlagene Feldſteine dienen zum Mauern nur in ſo weit, als deren Form wenig rund, oder die Mauer ſehr ſtark iſt. Daß Mauern von Feldſteinen ſtaͤrker, als die von Mauerſteinen angelegt werden muͤſſen, hat in dem, hierbei nicht ſo leicht als bei Mauerſteinen moͤglichen Verband ſeinen Grund. Vorzuͤglich iſt aber dahin zu ſehen, daß die Steine auf ihr beſtes Lager, oder ſo gelegt werden, daß immer die groͤßte Flaͤche unten kommt; auch muͤſſen die, innerhalb der Mauer befindlichen Raͤume beſonders fleißig mit kleinen Stein⸗ ſtuͤcken ausgeſtopft, und es muß dazu hinlaͤnglich Kalk genommen werden. Bei dem, nach den aͤußern Flaͤchen der Mauer liegenden Theile der Schichten muͤſſen dagegen die Luͤcken und hohlen Raͤume erſt dann verzwickt werden, wann die darauf folgende Schicht ſchon gelegt iſt, weil im entgegen geſetzten Falle durch das Heraufbringen der zur folgenden Schicht gehoͤrigen Steine, welche ver⸗ moͤge ihres Gewichts in ihren irregulairen Formen ſich nicht gut bewegen laſſen, die Ausgleichungen wieder herausdringen wuͤrden; vorzuͤglich aber, weil die Verzwickung im erſteren Falle alsdann ſo geſchehen kann, daß ſie in die, zwiſchen der obern und untern Schicht gebildeten Raͤume zugleich und genau paßt. Weder zu kleine noch zu große Feldſteine paſſen ſich zum Mauern: erſtere nicht, weil ſie viel Kalk koſten, und die Mauer nicht ſo tragbar, als von mittelmaͤßig großen Steinen wird, und letztere nicht, weil der Verband mit denſelben ſehr ſchwierig zu erhalten iſt. b Hierzu kommt noch die bewaͤhrte Erfahrung, daß, da die Feldſteine als weniger poroͤſe Koͤrper, die Feuchtigkeit aus dem Kalke nicht ſo ſchnell als die gewoͤhnlichen Mauerſteine anziehen, eine Mauer aus Feldſteinen auch nicht ſo ſchnell ihre erforderliche Feſtigkeit erlangt, ungeachtet hiernaͤchſt, wenn die Cohaͤſion voͤllig darin erreicht iſt, die Feſtigkeit einer Mauer von Feld⸗ ſteinen die einer jeden andern Mauer faſt uͤbertrifft. Es iſt daher ſchon der Fall geweſen, daß Feldſtein⸗Mauern, welche bei einiger bedeutenden Laͤnge keine vor⸗ zuͤgliche Dicke hatten, wenn waͤhrend der Arbeit ſtarke Regenguͤſſe ſie trafen, eingeſtuͤrzt ſind, weil der Kalk uͤberall in denſelben noch zu weich war. Deshalb iſt auch nothwendig, die Feldſtein⸗Mauern, eben ſo wie die Lehmmauern, bei eintretendem Regenwetter einſtweilen mit Ruͤſtbrettern zu bedachen.. Die Ecken, ſo wie die Thuͤr⸗ und Fenſter⸗Einfaſſungen ſolcher Ge⸗ Von den Feldſtein⸗Arbeiten. 11 d baͤude mit gebrannten Mauerſteinen aufzufuͤhren, iſt ſchon im erſten Theile chen Seite 280 erwaͤhnt worden. Es geſchieht dieß in hieſiger Gegend auf dem l 9. 2 2 Nagene Lande faſt uͤberall, weil man es immer noch zu muͤhſam findet, ſolches aus keuh, Feldſteinen zu bewirken, ungeachtet ſelbſt Woͤlbungen, z. B. uͤber Fenſtern 1, gls und Thuͤren ꝛc. mit ſchieferfoͤrmigen Feldſteinen ſehr gut ausgefuͤhrt werden i nict koͤnnen*). Nimmt man aber, wie die Erfahrung lehrt, an, daß der Ver⸗ tzuͤglich band zwiſchen Mauerſteinen und Feldſteinen nicht ſo gut, als aus einerlei der L Material bewirkt werden kann; ſo ergiebt ſich, daß zwar die Einfaſſungen n die, und Woͤlbungen der Thuͤren und Fenſter mit Mauerſteinen, theils wegen tein⸗ der vielen Ecken und Winkel, theils weil ſelbige innerhalb der uͤbrigen Bei Mauer gewiſſermaßen eingeſchloſſen liegen, noch wohl geſtattet werden koͤn⸗ iſſen nen, daß aber die Eckpfeiler durchaus nicht anders, als wie die uͤbrige Mauer die und Plinte, naͤhmlich von Feldſteinen ausgefuͤhrt werden ſollten. Eine naͤhere durch Erfahrung hierin fordert mich auf, meine, im erſten Theile am gedachten Orte ver⸗ gegebene, und auf die damahlige allgemeine, nur auf dem Lande gemachte Er⸗ vegen fahrung gegruͤndete Aeußerung hiernach abzuaͤndern. . weil*) Wenn im Rothenburgiſchen und Magdeburgiſchen die Fenſterboͤgen, ſelbſt mit, theils run⸗ n die den, theils ſehr unfoͤrmigen Eiſenſchlacken, welche indeſſen auf einer dichten Unterſchalung 7 mit Gips vergoſſen werden, zu machen ſind; ſo kann eine ſolche Ueberwoͤlbung, aus gettau Schiefern von Feldſteinen mit Kalk vermauert, um ſo weniger Bedenken haben, wenn tern: nur die Unterſchalung etwas laͤnger als bei Mauerſteinen, naͤhmlich bis zur voͤlligen Er⸗ haͤrtung des Kalks unter den Boͤgen gelaſſen wird. In den genannten Gegenden werden als auch aus Brocken und Abgaͤngen der Sandſteinbruͤche, welche dort Mauerſteine genannt band werden, ganze Gebaͤude mit Kalk vermauert, aufgefuͤhrt. Der Ober⸗Hofbaurath, Herr Moſer, hat auch unter andern das eine, Chauſſee⸗Haus nahe bei dem in hieſiger Gegend liegenden Dorfe Blumen⸗ hnell berg dadurch mit einem aͤußerſt ſchoͤnen Anſehen erbaut, daß derſelbe un— auch ter den vorhandenen weißen, ſchwarzen, blauen und rothen Feldſteinen wenn eine Auswahl traf, und damit einzelne ganze Partheien der Front-Mauer Fel⸗ von gleichen Farben auffuͤhrte. Fal Da, wo irgend nur geſprengte Feldſteine zu haben ſind, ſollten an allen bor⸗ Gebaͤuden wenigſtens die Plinten von denſelben aufgefuͤhrt werden, weil ſie ffen, ohne Putz verbleiben koͤnnen und von der Witterung unzerſtoͤrbar ſind. die—§. 7. Von der noͤ⸗ a Gegen das Auffuͤhren der Wohngebaͤude ganz von Feldſteinen wendet higen in⸗ man mit Recht ein, daß ſie innerhalb ſehr feucht oder naß, folglich der glendußig der Ge⸗ menſchlichen Geſundheit nachtheilig ſind, auch zum Verſtocken der Bauhoͤlzer mauern. B 2 12 Von den Feldſtein⸗Arbeiten. und Meubeln Anlaß geben. Man hat zwar behauptet, daß, wenn die Feld⸗ ſtein⸗Mauern außerhalb nicht beputzt oder mit Kalk beworfen werden(welches ohnehin eine Verſchwendung ſeyn wuͤrde), dieß nicht der Fall ſey; allein die Erfahrung will zu dieſer Behauptung nicht ſtimmen. Um indeß auch dieſem Uebel zu begegnen, hat Herr Moſer beim Bau der Chauſſee⸗Haͤuſer die Feldſtein⸗Mauern innerhalb mit gebrannten Mauerſteinen auf die Art verblenden laſſen, daß waͤhrend der Auffuͤhrung der Feldſtein⸗Mauern in zwei⸗ bis dreifuͤßigen Entfernungen neben und uͤber einander ſogenannte Bijnder von Mauerſteinen, welche 3 Zoll von der innern Mauerflaͤche vorſtan⸗ den, mit eingemauert, und daß nachher, wenn das Gebaͤude unter Dach war, um dieſe Binder und neben denſelben die ganzen inneren Mauerflaͤchen mit Mauerſteinen auf der hohen Kante verblendet oder bekleidet und daruͤber erſt geputzt wurden. Da auf dieſe Art, indem die Mauerſtein-⸗Verblendung mit Kalkmoͤrkel gegen die Feldſteine gemauert wird, noch außer dem gewoͤhnlichen Abputze eine Schicht Kalkmoͤrtel zwiſchen den Feld⸗ und Mauerſteinen entſteht; welche, der Natur des Kalks gemaͤß, die Feuchtigkeiten weder anzieht noch durchlaͤßt, ſo beſtaͤtigt die Erfahrung, daß es in dieſen Haͤuſern eben ſo trocken iſt, als in Haͤuſern von gebrannten Steinen. Das Verblenden der Feldſtein⸗Mauern innerhalb mit gebrannten Mauer⸗ ſteinen geſchieht noch auf verſchiedene andere Arten. Da naͤhmlich das Fundament gewoͤhnlich einen Abſatz von 3 bis 5 Zoll von der darauf ſtehen⸗ den Feldſtein⸗Mauer bildet, ſo dient dieſer der Verblendung zum Funda— ment. Man faͤngt alsdann unten mit einer Laufſchicht an, und legt drei vier, bis fuͤnf dergleichen uͤber einander, bindet dann zwei bis drei Strek⸗ kerſchichten uͤber einander durch, und wo die Feldſtein⸗Mauer etwa nicht zu⸗ laͤßt, daß die ganzen Strecker hineinbinden koͤnnen, ſchlaͤgt man von den Streckern um ſo viel ab, und bindet wiederum da durch, wo die Feldſtein— Mauern es zulaſſen. Eine ſolche, fuͤnf Zoll ſtarke Verblendung iſt am leich— teſten waͤhrend der Auffuͤhrung der Feldſtein⸗Mauer anzubringen, jedoch iſt als⸗ dann, um die Verſchiedenheit im Setzen, naͤhmlich der Mauer gegen ihre Verblendung, moͤglichſt zu verhindern, viel Fleiß und Vorſicht beim Mauern zu beobachten, daher die erſt gedachte Art ſicherer und anwendbarer iſt. „Es iſt aber auch nicht noͤthig, die Verblendung fuͤnf Zoll ſtark zu ma⸗ chen, ſondern hinlaͤnglich, wenn ſolche, wie erſt gedacht, nur 2 ½ bis 3 Zoll ſtark wird; allenfalls koͤnnen noch hie und da einige Naͤgel mit großen Koͤpfen Feld⸗ elches in die Bau ſteinen Nauern annte rſtan⸗ war, mit uͤber rkel eine „der t, ſo ls in zuer⸗ das hen⸗ nda⸗ rei rek⸗ W⸗ den ſtein⸗ leich⸗ als⸗ ihre eern ma⸗ Zoll pfen Von den Feldſtein⸗Arbeiten. 13 in die Fugen zur Feſthaltung der Verblendung eingeſchlagen werden. Es kann ſogar die Verblendung nur mit Dachſteinen geſchehen, die mit Naͤgeln und Drath befeſtigt werden. Dieß iſt beſonders bei bereits ſtehenden, alten Gebaͤuden von Feldſteinen anwendbar, weil ſonſt die Verblendung gegen die Thuͤreinfaſſungen zu weit vorragen wuͤrde. Der alte Putz wird in dieſem Falle abgeſchlagen, die Fugen werden aufgeriſſen, und dann die Dachſteine in Kalk gegengedruͤckt, mit Drath und Naͤgeln befeſtigt und daruͤber geputzt. Die Naͤgel und der Drath verroſten zwar nach einiger Zeit; hat aber der Kalk bis dahin gebunden, ſo haͤlt das Ganze von ſelbſt feſt. In Gegenden, wo der Gips nicht zu theuer iſt, miſcht man dieſen hierzu gern unter den Kalk, weil dieß ſchneller bindet. Da die Mauern von Feldſteinen, wie ſchon Eingangs des vorigen§. geſagt worden, ſtaͤrker als Mauern von gebrannten Steinen, des Verban⸗ des und der ſchon Anfangs noͤthigen Feſtigkeit wegen ſeyn muͤſſen; ſo iſt es zweckmaͤßiger, die innern Scheidewaͤnde nicht von Feldſteinen, ſondern von gebrannten oder auch ungebrannten Steinen, Fachwerk ꝛc. zu machen; vor⸗ zuͤglich muͤſſen die Feldſteine von den Feuermauern entfernt bleiben. In Vieh⸗ ſtaͤlen und andern dergleichen Gebaͤuden, wo wenige und folglich auch ſtaͤr— kere Scheidewaͤnde ohnehin ſchon erforderlich ſind, koͤnnen da, wo Feldſteine im Ueberfluſſe zu haben ſind, ſolche auch zu den Scheidemauern mit vielem Nutzen angewendet werden. Auch zu ſolchen Bauanlagen, auf welche Feuchtigkeit und Witterung gemeinſchaftlich und ganz vorzuͤglich zerſtoͤrend wirken, z. B. Mauern an Freitreppen und Rampen, Grotten ꝛc., wo es ſchwer iſt, den Putz und ſelbſt oftmahls die Mauerſteine gegen fruͤhe Verwitterung zu erhalten, ſind die aus geſprengten Feldſteinen aufgefuͤhrten Mauern, beſonders wenn ſolche ſo⸗ gar noch nach den Farben der Feldſteine geordnet werden, nicht nur mit Nutzen in Anwendung zu bringen, ſondern es iſt auch eine vorzuͤgliche Schoͤn⸗ heit damit zu erreichen. Anm. Der nunmehr verſtorbene, hieſige Mauermeiſter, Herr Pilz, hat ſein allhier in der Frie⸗ drichsſtraße belegenes Haus, waͤhrend des Abputzens mit kleinen, und an den aͤußern Seiten glatten Feldſtein⸗Stuͤcken, nach verſchiedenen Farben geordnet, dicht neben einander ausdruͤcken laſſen, welches nicht nur ein ſchoͤnes Anſehen gewaͤhrt, ſondern auch dem Hauſe eine unveraͤnderliche Farbe, die jedesmahl bei einem Regenſchlage dagegen erneuert wird, gegeben hat. Wenn Feldſtein⸗Mauern auf ſolche Art nach ihren verſchiedenen Farben gemauert werden, wodurch ſie dann auch zur Zierde gereichen; ſo iſt 14 Vom Pisé-Bau ins beſondere, dem Auge faſt nichts unertraͤglicher, als wenn der ſichtbare Moͤrtel ſeine ge⸗ woͤhnliche, weiße Farbe behaͤlt; es muß dann vielmehr der Moͤrtel immer diejenige Farbe erhalten, welche die Steine haben, zwiſchen welche er ver⸗ mauert wird. Dieß iſt mit Beimiſchung von Kohlenſtaub oder Ziegelmehl, je nachdem der Kalkmoͤrtel roͤthlich oder blaͤulich ausſehen ſoll, zu bewirken. Vom Pisé-Bau ins beſondere, und andern Lehm-⸗Bauarten uͤberhaupt. — §. 8. Bei Abfaſſung des erſten Theils dieſes Handbuchs im Jahre 1797 war we⸗ gen des Pisé-Baues noch weiter nichts in Schriften bekannt, als die An⸗ weiſung des franzoͤſiſchen Baumeiſters Cointeraux, wovon im gedachten Theile das Weſentlichſte, und die Bemerkung mitgetheilt worden, daß man vorzuͤglich in Schleſien ſehr beſchaͤftigt ſey, dieſe Bauart, beſonders auf den Guͤtern des Herrn Baron von Leſtewitz einzufuͤhren. Seit dem obgedachten Zeitpunkte hat aber der Verfaſſer gegenwaͤrtiger Schrift Gelegenheit gehabt, weit genauere Befchreibungen des Pisé-Baues zu ſammeln, die Ausfuͤhrung dieſer Bauart ſelbſt zu ſehen und zu unterſu⸗ chen, auch ſie ſelbſt in Ausuͤbung zu bringen, ſo daß er ſich dadurch in den Stand geſetzt ſieht, hier eine umſtaͤndlichere Belehrung uͤber den Pisè- oder Erdſtampf⸗Bau mitzutheilen. Wenn ich in der Zeit, als ich den erſten Theil dieſes Handbuchs niederſchrieb Seite 37(viel⸗ leicht etwas voreilig) geſagt habe„daß ich, nach ſelbſt gemachten Verſuchen, nicht ein⸗ „ſaͤhe, warum man dem Pisé-Bau den Vorzug vor der Bau⸗Art mit Lehmpatzen, „einraͤumen ſolle, da erſterer einen groͤßeren Koſtenaufwand verurſache;“ ſo habe ich dagegen die eben daſelbſt folgende Anmerkung „daß vielleicht vieles an dem Benehmen und der Uebung der Arbeiter liegen koͤnne, um „ſolchen geſchwinder und wohlfeiler auszufuͤhren“ vollkommen beſtaͤtigt gefunden, daher ich jene Meinung mit Vergnuͤgen hierdurch zu⸗ ruͤcknehme. te ge⸗ mmer ver⸗ mehl, en. und andern Lehm⸗Bauarten uͤberhaupt. 15 Ich halte mich indeß verpflichtet, diejenigen Quellen hier anzuzeigen, aus welchen die folgende Anleitung geſchoͤpft worden... Zufoͤrderſt wurde der damahlige Bau⸗Conducteur, und jetzige Bau⸗Inſpec⸗ tor, Herr Held, auf Veranlaſſung des Koͤniglichen Ober⸗Baudepartements nach den, dem Herrn Freiherrn von Leſtewitz und dem Herrn Unverricht zugehoͤrigen Guͤtern in Schleſien geſchickt. Auf erſteren ſind unter der Leitung des dortigen Wirthſchafts⸗Inſpectors, Herrn Kade, und deſſen Herrn Sohns viele und große Wirthſchaftsgebaͤude von Pisé, eine und zwei Etagen hoch aufgefuͤhrt, und ſowohl die Herren Kade als auch Herr Unverricht, unter deſſen Leitung ebenfalls dergleichen Gebaͤude aufgefuͤhrt wurden, hatten die Gefaͤlligkeit, den Herrn Held von allem genau zu unterrichten, ſo daß dieſer in den Stand geſetzt wurde, eine ſehr genaue und vollſtaͤndige Beſchreibung zu liefern. Der Verfaſſer ſah unterdeſſen die, unter der Leitung des Herrn Ober⸗ Baudirectors Dauth zu Leipzig unweit dieſer Stadt ausgefuͤhrten, weitlaͤufigen Pisé-Bauten. Dieſer uͤberhaupt ſehr geſchickte Baumeiſter hatte nicht nur bei Nachahmung des, freilich durch Cointeraux in Deutſchland bekannt gewordenen Pisé-Baues viele Verbeſſerungen theils der Utenſilien, theils auch der Bearbeitung der geſtampften Waͤnde ſelbſt, erfunden und aus⸗ geuͤbt; ja es hatte derſelbe auch die Gefaͤlligkeit, dem Verfaſſer alle bei dem Pisé-Bau gemachten Erfahrungen mitzutheilen. Hierauf beſuchte der Verfaſſer ſelbſt den Herrn Cointera ux, ſah die von ihm ausgefuͤhrten Pisé-Bauten in ſeiner Ecole d'architecture rurale bei Vincennes unweit Paris, und ſchaffte ſich die Ueberzeugung, daß man in Schleſien und Leipzig und wahrſcheinlich an mehreren Orten weit mehr in dieſer Sache gethan, auch daß die Utenſilien und das Main d'oeuvre, im Vergleich mit den Cointeraupſchen Methoden, ſchon anſehnlich und zweck⸗ maͤßig verbeſſert worden. Ferner wurden auf dem, dem Koͤnigl. Geh. Cabinets⸗Rath, Herrn Beym, gehoͤrigen, auf der Straße von Berlin nach Potsdam belegenen Gute Stegelitz, unter ſpecieller Aufſicht des damahligen Koͤnigl. Bau⸗Inſpectors, jetzigen Ober⸗Baudirectors, Herrn Trieſt, einige große Gebaͤude von Pisé unter den Augen des Verfaſſers aufgefuͤhrt. Auch von dem verdienſtvollen Ober⸗Bergrath, Herrn Eiſelen, ſind mir viele ſeiner ſehr ſchaͤtzbaren Erfahrungen in dieſer Bauart, beſonders was den wichtigſten Theil, naͤhmlich den Abputz derſelben betrifft, mitgetheilt worden. 16 Vom Pisé-Bau ins beſondere, Anm. Plinius Lib. 7, Cap. 57 giebt die Bruͤder Euryalus und Hyperbius zu Athen als die erſten Erfinder der Lehmgebaͤude an, und beſchreibt ſowohl die Pisé-Arbeit, zwiſchen Brettern zu ſtampfen, in welcher Art Hannibal einige Thuͤrme in Spanien auffuͤhren ließ, als auch die Bauart mit einzeln geſtampften Pisé-Steinen, mit welchen in Griechenland, Kleinaſien, Aegypten, Afrika, Italien und Gallien, gerade in der Zeit, als die Baukunſt daſelbſt am meiſten bluͤhete, viele Gebaͤude und Tem⸗ pel aufgefuͤhrt worden. Letzteres erzaͤhlt auch Vitruvius Lib. 2, Cap. 3 u. 8. Ungeachtet des hohen Alters dieſer Bauart wurde ſelbige dennoch im 150ſten Stuͤck der Hamburger neuen Zeitung des Jahres 1803 als eine wichtige Entdeckung folgender Maßen angekuͤndigt: „Ein gewiſſer Herr Cointeraur will die Kunſt erfunden haben, Haͤuſer aus Einem „Stuͤck zu bauen, die 500 Jahr ſtehen koͤnnen.“ Schon im Jahre 1786, alſo ehe noch Cointeraux ſeine vermeintliche Erfindung be⸗ kannt machte, wurde von einem Manne, Nahmens Johann Rudolph, der ſich fuͤr ei⸗ nen Stempelarbeiter ausgab, und aus Eisleben in Sachſen gebuͤrtig war, im Dorfe Niesczewitz in Cujavien ein Haus von im Ganzen geſtampftem Pisé erbaut. Dieſes Haus iſt noch feſt und gut, obgleich es eben nicht nach der, ſeitdem ſehr vervollkommneten Kunſt erbaut iſt. Zu verwundern bleibt es indeß immer, daß man dieſe ſo nuͤtzliche Bauart nicht ſchon damahls mehr kultivirte; allein auch hierin, ſo wie in vielen andern Faͤllen, ließen ſich die Deutſchen erſt durch die Anpreiſungen eines Aus⸗ laͤnders zum Zutrauen ermuntern. An Buͤchern uͤber den Pisé-Bau ſind, ſo viel dem Verfaſſer bekannt geworden, folgende erſchienen:. Beſchreibung einer neuen Erleichterung und Verbeſſerung bei dem Erdſtampf⸗ oder Pisé-Bau, von Unverricht, Eigenthuͤ⸗ mer des Guts Jauerik bei Schweidnitz, Mitglied der oͤkonomi⸗ ſchen Geſellſchaft des Fuͤrſtenthums Schweidnitz, mit Kupfern, 1803. Der Verfaſſer iſt der naͤhmliche, der vorhin unter dieſem Nahmen genannt worden, jetzt aber verſtorben iſt. Ferner: Bemerkungen beym praktiſchen Verſuch des Pisé- Baues, oder bei Auffuͤhrung der Gebaͤude mit geſtampften Lehm⸗ ziegeln, nebſt Beſchreibung einer hierzu erfundenen Stampf⸗ maſchine, von Andr. Joh. Heukendorff, Amtsverwalter zu Do⸗ beran, mit 1 Kupfertafel, 1804. Dieſe beiden Schriften ſind uͤberaus zweckmaͤßig und belehrend. Dagegen iſt aber erſchienen: Die Pisé-Baukunſt in ihrem ganzen Umfange, oder voll⸗ ſtaͤndige und faßliche Beſchreibung des Verfahrens, aus bloßer geſtampfter Erde, ohne weitere Zuthat, Gebaude und Mauer⸗ werk von aller Art wohlfeil, dauerhaft, ferner feſt und ſicher gegen Einbruch aufzufuͤhren, aus dem franzoͤſiſchen Original des ————— 2 und andern Lehm⸗Bauarten uͤberhaupt. 17 Athen Arbeit, des Herrn Cointeraux bearbeitet und mit Zuſaͤtzen verſehen, zarien von Chriſtian Ludwig Seebaß, Profeſſor der Philoſophie bei Viin der Univerſitaͤt zu Leipzig, erſter und zweiter Theil mit Kupf. 8. Leip⸗ d dem⸗ zig in der Baumgaͤrtneriſchen Buchhandlung(ohne Jahrzahl, allein 1803 agit erſchienen). an In dieſer Schrift, welche die Pisé-Baukunſt in ihrem ganzen Umfange vollſtaͤndig und faßlich enthalten ſoll, findet man aber weiter nichts, als was Linen ſchon laͤngſt aus den Cointeraurſchen Schriften ins deutſche uͤberſetzt wor⸗ un be den iſt, aber, im Widerſpruch mit der Ankuͤndigung auf dem Titel keine ein⸗ für ei zige eigene Anmerkung des Verfaſſers. 1 war, Was das ſonderbarſte iſt, uͤber die, bei Leipzig im Vergleich mit dem Verfahren des Coin⸗ Piss teraux in jeder Hinſicht ſehr verbeſſerten Methoden des Pisé-Baues findet man in m ſehr dieſem Buche weiter nichts angefuͤhrt, als S. 146 im erſten Theil: z man„Daß auch der Magiſtrat ſeit drei oder vier Jahren verſchiedene Pisé-Gebaͤude habe auf⸗ ſo wie„fuͤhren laſſen, welche ſich ohne einige Verſchlimmerung erhalten, und daß eben dieſe 5 Aut⸗„Bauart auch daſelbſt von Privat⸗Perſonen gewaͤhlt worden ſey; und Seite 178 heißt es: kannt Daß man es in Leipzig noch nicht gewagt habe, Wohnungen von zwei Stockwerken „(mit Pisé) aufzufuͤhren,“. welches ſogar eine Unwahrheit iſt; denn es befindet ſich daſelbſt ein Magazin⸗Gebaͤude von rung Pisé von zwei Stockwerken.— . Anſtatt daß Herr Seebaß ſein Buch noch mit allerlei ganz unſtatthaften, aus thuͤ⸗ dem franzoͤſiſchen des Ingenieur Borhemp entnommenen Grillenfaͤngereien uͤber die mi⸗ Decoration der Pisé-Gebaͤude u. a. m. angefuͤllt, haͤtte er lieber das ſolide und ver⸗ beſſerte anfuͤhren ſollen, was der deutſche Kunſtfleiß in dieſer Bauart hervorgebracht hat. ern, Wenigſtens haͤtte doch der Herr Profeſſor der Philoſophie, da er den Pisé-Bau in ſeinem ganzen Umfange beſchreiben wollte, der Erfindung des Cointeraux, Sand aber mit dem Ruͤckſtande der Salpeter⸗Auslaugung, Behufs daraus zu ferti⸗ gender Pisé-Steine, zu vermiſchen, erwaͤhnen ſollen. 3 . Herr Cointerauy hat naͤhmlich unter andern, in No. 3⁰7 des Jahrganges 11(1803) 86- deß Journal des Batimens des Monuments et des Arts, ein Schreiben an den Redac⸗ hm— teur dieſes Journals einrücken laſſen, in welchem er, auf eine, nur einem franzoͤſiſchen Schwaͤtzer eigene Art, ſeine gluͤckliche Erfindung, loſen Sand mit den Abgaͤngen der apf⸗ Salpeterſiedereien zu mengen, ankuͤndiget.„Dieſe Abgaͤnge beſtehn,“ ſagt er,„in Do⸗„nichts anderem, als in dem Ruͤckſtande von den wiederholten Auslaugungen bei der „Salpeter⸗Fabrikation. Sie enthalten keine ſalzartigen Beſtandtheile mehr, daher auch „keine Spur vom Salpeter. Die Salpeterſieder nennen dieſes Ruͤckbleibſel le blanc „und fuͤhren es als Schutt weg.“ Herr Cointeraug will nun aus dieſem, durch Vermiſchung mit trocknem Sande, ſolche Pisé-Steine verfertigt haben, welche die Feſtigkeit der Bruchſteine(Quadern) dergeſialt uͤbertreffen, daß die Thuͤrhaken nur mit oll⸗ der groͤßten Muͤhſamkeit darin befeſtigt werden koͤnnten.„Es iſt gewiß,“ ſagt unſer En⸗ ßer thuſiaſt,„daß man, nach dieſer meiner Erfindung, kuͤnftig uͤberall weit dauerhafter und ſo „bauen wird, daß ich denjenigen Gebaͤuden, welche mit ſolchen Steinen aufgefuͤhrt wer⸗ ger⸗„den, eine Dauer von fuͤnf Jahrhunderten zutraue.“ her Ein gruͤndlicher deutſcher Phyſiker, dem ich dieſe Auspoſaunung mittheilte, antwor⸗ nal tete mir:„Herrn Cointeraux's Erfahrung iſt kein neues Reſultat. Loſer Sand, mit Vom Pisé-Bau ins beſondere, „den Abwuͤrfen der Salpeterſiedereien(welche gewoͤhnlich aus Dammerde, Kalk, Aſche „und mehr oder weniger verrotteten Pflanzentheilen beſtehen) gemiſcht, giebt, wie es „ſcheint, gerade ein Gemenge, das man nicht guͤnſtiger von der Natur vorbereitet aus⸗—. „graben koͤnnte, um es zur Pisé-Arbeit zu gebrauchen. Daß das Hauptmaterial indeß 8 „ſelten und nur in der Naͤhe von ſogenannten Salpeter⸗Plantagen zu haben ſeyn wird, „halte ich, der Natur der Sache nach, fuͤr unzweifelhaft. Vor den Thoren von Paris b „konnte Herr Cointeraux wohl ohne Muͤhe ſoviel davon zuſammen bringen, um ſich „ein Haͤuschen damit aufzubauen. „Trotz ſeines guten Glaubens iſt es mir uͤbrigens ſehr wahrſcheinlich, daß dieſe neue „Manier von Pisé-Mauern mit der Zeit ſich wieder zur Salpeter⸗Erzeugung eige⸗ „nen, und dadurch die Dauer ſowohl als die Salubritaͤt der davon erbaueten Haͤuſer „nicht wenig leiden duͤrfte.“ Ein junger Architect, welcher gegenwaͤrtig(1808) von Paris zuruͤck gekommen iſt, und auch den Herrn Cointerauy beſucht hat, ſagt, Herr Cointeraux habe verſchiedene Kleinigkeiten, und unter andern auch kleine Saͤulen von 3 Fuß Hoͤhe und 3 bis 4 Zoll Durchmeſſer, welche bedeutende Laſten truͤgen und dabei von außerordentlicher Haͤrte waͤren, aus einer(wie Herr Cointeraux vorgegeben) neu erfundenen Miſchung zubereitet, aber die Miſchung als ein Geheimniß behandelt, jedoch behauptet, daß die Beſtandtheile an al⸗ len Orten ſich faͤnden, mithin die Miſchung uͤberall zu machen waͤre. Es ſteht alſo zu er⸗ warten, daß Herr Cointerauyx uns bald in einem neuen Werke mit dieſer Erfindung be⸗ kannt machen wird. So vortrefflich der Lehmbau uͤberhaupt, und alſo auch der Pisé-Bau, in Ruͤckſicht der Holzerſparung, der Feuerſicherheit u. ſ. w. auch iſt; ſo wird er doch immer nur eine noth⸗ duͤrftige, bloß bei Land⸗ und Wirthſchaftsgebaͤuden anwendbare Bauart bleiben, und auch b da den Feldſtein⸗ oder Ziegelmauern, wenn man letztere auf eine nicht zu theure Art haben kann, immer nachſtehn. Wozu alſo ein weitlaͤufiges Geſchwaͤtz uͤber Verzierung der Pisé- Gebaͤude mit Feſtons, Armaturen, Wappenſchilden, Malereien u. ſ. w.(wie Hr. Seebaß anweiſen will), die doch von Lehm und auf Lehm, wenigſtens der Witterung ausgeſetzt, ſchlechterdings unhaltbar ſind, und deren ſie, als gewoͤhnliche Landgebaͤude, auch nicht be⸗ duͤrfen! Dagegen waͤre es ſehr wuͤnſchenswerth, daß man zu einem haltbaren, glatten Abputz, zum Schutz der Lehmmauern, mehrere Verſuche anſtellte und gruͤndliche Erfahrun⸗ gen ſammelte. Abhandlungen, wie die, unter No. 16 im zweiten Hefte des in Leipzig— herauskommenden Magazins aller Erfindungen uͤber den Pisé-Bau, verdienen, ſo wie andere, in demſelben Werke enthaltene, zur praktiſchen Bau⸗ kunſt gehoͤrige Aufſaͤtze keine Erwaͤhnung, weil ſie nur ſehr ſeichten In⸗ halts ſind. Herr Cointeraup hoͤrt ebenfalls nicht auf, eine Berechnung nach der andern uͤber den Pisé-Bau mit gewohnter, hoͤchſt uͤberfluͤſſiger Redſelig⸗ keit drucken zu laſſen, als da ſind: Rapport fait sur l'école d'architecture rurale. Nouveau traité d'écouvre etc.. L'art de peindre sur le Pisé, publié derechef en Tan 11 ou 1803. Toits ou planchers incombustibles etc.(1800). —y——n„— und andern Lehm⸗Bauarten uͤberhaupt. 19 u Es wuͤrde zu weitlaͤufig ſeyn, die bei den aufgefuͤhrten Bauten bemerk⸗ et aus⸗- ten, verſchiedenen Methoden der Ausfuͤhrungen des Pisé-Baues, oder das⸗ indeß 3.. 3„ 8.: 4 wid jenige, was in vorgedachten Schriften daruͤber enthalten iſt, hier umſtaͤnd⸗ Paris lich anzufuͤhren und Vergleichungen daruͤber anzuſtellen. Man hat ſich alſo um ſch begnuͤgt, aus allen dieſen Bemerkungen und Ausgaben das zweckmäaͤßigſte aus⸗ iſe weh zuheben, und der in dieſen Paragraphen enthaltenen Anweiſung zur moͤglichſt ng eige⸗ beſten Ausfuͤhrung des Pisé- Baues in kurzen Anmerkungen beizu⸗ Hauſer fuͤgen. 3 8, u 8§. 9. 88 Die Frage, ob es beſſer ſey, die Mauern zwiſchen aufgeſtellten Zweierlei Ar⸗ aber Brettwaͤnden in großen Maſſen, oder einzelne große Steine in een der Auf⸗ n al⸗. Formen zu ſtampfen und mit letztern ordentlich zu mauern, wird ſich ann iihe zde 4 63 beſten beantworten laſſen, wenn die Beſchreibung beider Bauarten voran⸗ern. gegangen ſeyn wird. 4 —t der§. 10. u Ueber die, zum Pisé-Bau zu gebrauchende Erde iſt zufoͤrderſt zu Beſchaffen⸗ haben bemerken, daß uͤberhaupt eine jede thon⸗ oder lehmartige, mit hii, de zun liss. nicht zu vielem Sande vermiſchte, und von allen Vegetabilien erforder li⸗ 8 voͤllig gereinigte Erde zum Pisé-Bau brauchbar iſt. Ganz chen Erde. tbe⸗ reiner Lehm, Toͤpferthon oder Letten, giebt zwar feſte Pisé-Arbeit; allein ſie atten trocknet ſchwer und iſt dabei zum Aufreißen geneigt, welches beſonders bei 5 einzelnen Steinen nachtheilig iſt, indem die verſchiedenen Lagen, welche beim dzig 1 Stampfen auf einander folgen, blaͤttrig werden oder Schichten bilden, die ſich au, von einander trennen. Der etwas ins roͤthliche fallende, mit Kies oder gro⸗ au⸗ bem Sande vermiſchte Lehm, wenn er auch mit Kieſel⸗ oder Kalkſteinchen, Ir⸗ welche nicht uͤber einen Zoll groß ſind, vermiſcht ſeyn ſollte, und daher zum Ziegelbrennen untauglich waͤre, iſt zum Pisé-Bau brauchbar, indem die Stein⸗ der chen ſogar die Verbindung beim Stampfen vermehren. Dergleichen Erde aber lig⸗ findet man faſt aller Orten, und ſelbſt in mehrerer oder minderer Tiefe unter Sandſchellen, da hingegen reine Ziegelerde weit ſeltener angetroffen wird, ſo daß aus dieſem Grunde die Verfertigung der Pisé-Steine weit leichter iſt — und faſt uͤberall ſtatt finden kann. ou Jede zuſammen klebende Erde, ſie mag eine Farbe haben, welche ſie will, und alſo ſelbſt die graue und lettige ſchwarze Gartenerde, von vorgedachter Eigenſchaft, iſt zum Pisé-Bau tauglich. C 2 2o Vom Pisé-Bau ins beſondere, Zu fette Lehmerde oder Letten kann zwar mit Sand und ſcharfem Kies, ungefaͤhr in dem Verhaͤltniſſe von 3 der erſteren, Sand, und † gro⸗ bem Kies, oder ganz fetter Thon, mit ½ grobem Sand und* Kieſel vermiſcht, kann allenfalls zum Pisé-Bau brauchbar gemacht werden; es iſt aber leicht einzuſehn, daß dieß ſchon mit einigen Beſchwerlichkeiten verknuͤpft iſt, indem dieſe verſchiedenen Materien recht wohl durch einander gebracht werden muͤſ⸗ ſen, wenn die Steine nicht blaͤttrig werden, und ſich theilweiſe abloͤſen ſollen. Verſuche haben ergeben, daß diejenige Erde, welche erforderlich iſt, um einen feſten Koͤrper von Pisé zu bilden, etwa ꝛ¹3 mehr wiegt, als die daraus geſtampften Steine, welche Erſcheinung der durchs Stampfen ausgetriebenen Luft und Feuchtigkeit zuzuſchreiben ſeyn duͤrfte. Das Gewicht der Pisé-Steine wird allerdings ſehr verſchieden ſeyn; in⸗ deſſen kann man nach angeſtellten Verſuchen den Kubikfuß zu 160— 180 Pfund annehmen. Die zuſammen haͤngenden Theile oder Kloͤße der ausgegrabenen Erde muͤſ⸗ ſen zufoͤrderſt mit der Schaͤrfe des Spatens, ſo viel als moͤglich aus einander geſtoßen, und es muͤſſen zugleich die zu großen Steine, das Holz und Wurzel⸗ werk herausgeworfen werden. Da nun die Erde zum Stampfen weder zu naß, noch zu trocken ſeyn muß, weil ſie im erſtern Fall nicht eigentlich zuſammen, ſondern nur von einer Stelle zur andern und blaͤttrig geſtoßen werden koͤnnte, im an— dern Fall aber nicht zuſammen halten wuͤrde; ſo iſt derjenige Grad von Feuch⸗ tigkeit, den ſie hat, wann ſie ausgegraben wird, der ſchicklichſte*), oder wenn die Erde ſo beſchaffen iſt, daß ſie ſich in der Hand zuſammen druͤcken laͤßt, doch aber keine eigentliche Spur von Naͤſſe zuruͤck aͤßt. Damit nun die Erde weder zu ſehr austrockne, noch zu ſtark durchnaͤßt werde, muß ſie alsbald nach der Ausgrabung unter einen, nach der ſo genannten Wetterſeite leicht mit Brettern oder wenigſtens Strauch bedeckten Schuppen gebracht werden. *) Es iſt daher am gerathenſten, jeden Morgen, einige Stunden vor Anfang der Stampf⸗ arbeit, nur ſo viel Pisé-Erde ausgraben zu laſſen, als den Tag uͤber verbraucht wer⸗ den ſoll. Zu den, in ganzen Maſſen zu ſtampfenden Pisé-Mauern muß die Erde allmäͤhlig ausgegraben und nach der Bauſtelle gebracht werden. Will man aber einzeln Pisé-Steine anfertigen, ſo iſt es beſſer, ſolches gleich auf der Stelle zu verrichten, wo die Erde gegraben wird, und die Steine nach dem Bau zu ſchaffen, welches auch als ein Vorzug der Bauart mit einzelnen Steinen gegen das Stampfen ganzer Mauern angeſehen werden kann. und andern Lehm⸗Bauarten uͤberhaupt. 21 arfem Jedoch kommt es hierbei hauptſaͤchlich auf oͤrtliche Beſchaffenheit, auf gro⸗ gehoͤrige Veranſtaltungen, und mit der Zeit erlangte Erfahrungen mehr an, ich als auf das, was ſich hieruͤber ſagen laͤßt. licht§. 11. indem So wie bei allen Lehmmauern, ſo auch bei dem Pisé-Bau, iſt ein, Vom Funda⸗ müſ nicht nur uͤber die Erde erhoͤhtes, ſondern auch, wegen der Schwere deon ede llen. der Pisé-Mauern, ſolides und daher gut verbundenes, mit Kalkern. 4 „um gemauertes Fundament nothwendig. Die Tiefe und verhaͤltnißmaͤßige traus untere Breite richtet ſich nach der Beſchaffenheit des vorgefundenen Grundes, die enen obere Breite aber nach der Breite der darauf aufzufuͤhrenden Mauer(ſiehe im erſten Theil§. 119 bis 121). Die Hoͤhe uͤber der Erdflaͤche ſollte aber in in⸗ keinem Fall unter 2 Fuß an denjenigen Stellen angenommen werden, wo 80 das Terrain am hoͤchſten iſt, wenn ſelbiges nicht durchweg eben oder wage⸗ recht ſeyn ſollte, und der uͤbrige Theil alſo bei abhangendem Terrain nach der nuͤſ⸗ wagerechten Linie von dem hoͤchſten Punkte um ſo viel hoͤher aufgefuͤhrt wer⸗ ader den muͤßte. 1 7 rzel⸗ Zum Fundamente koͤnnen durchweg gute Ziegel, oder auch Feld⸗, Bruch⸗ naß, oder Kalkſteine genommen werden; jedoch muͤſſen im letztern Fall die beiden dern letzten Schichten von Mauerſteinen aufgefuͤhrt werden, weil dieſe die Erdfeuch⸗ an⸗ tigkeiten den Pisé-Mauern nicht ſo mittheilen, als ſolches bei Feld⸗ oder an⸗ ch⸗ dern Steinen geſchieht. Auch laͤßt ſich die Gleichung der Mauern mit Zie⸗ enn gelſteinen beſſer erhalten. ßt, Am beſten iſt es, wenn nach der 16ten Figur A 1½ Fuß uͤber der Erde rde eine Plinte etwa 1 bis 1 ½ Zoll abgeſetzt, und auf dieſelbe dann noch 6 bis ach 8 Zoll hoch mit gebrannten Mauerſteinen mit Kalk gemauert wird, welches zu⸗ mit gleich verhindert, daß das, von dem gewoͤhnlich zu machenden Plinten⸗Abſatze heraufſpruͤtzende Waſſer die Pisé-Mauer nicht treffen kann. au9 Die Hoͤhe des Fundaments muß zugleich in der Art beſtimmt werden, uer daß bei Wohnungen die Fußboͤden nach Fig. 16 wenigſtens einen Fuß unter der Oberkante des gedachten, 2 Fuß hohen Unterſatzes bleiben, oder daß die r) Pisé-Mauern erſt wenigſtens 6 Zoll uͤber der Oberflaͤche des Fußbodens ih⸗ fam ren Anfang nehmen, um eine zufaͤllige Benaͤſſung der Fußboͤden von den Pisé- er Mauern abzuhalten. Bei Stallungen wird es beſſer ſeyn, das Fundament en noch etwas mehr, und, nach Verhaͤltniß der Anhaͤufung des Miſtes, uͤber hen dem Fußboden zu erhoͤhen, welches an ſeinem Orte noch beſonders vorkom⸗ men wird. 22 Vom Pisé-Bau ins beſondere, Anm. Mit einer geſchickten und uͤbrigens fleißigen Ausfuͤhrung kann die dem Landmanne ſo nützliche Lehm-Bauart durch folgenden Vorſchlag des Herrn Boͤthke ſehr erleichtert wer⸗ den; naͤhmlich, daß das Gebaͤude nicht bis zur Oberkante des Fundaments mit Schutt und Erde ausgefuͤllt, ſondern ein Theil der Fundament⸗Hoͤhe uͤber der Erde, ſchon mit zur Etagen⸗Hoͤhe benutzt wird(ſiehe Fig⸗ 16, B). §. 12. Geruͤſte zum Zu derjenigen Bauart, nach welcher die Pisé-Mauern in beweglichen Lise Ban Formen in großen Maſſen geſtampft werden, gehoͤren die Formen⸗Geruͤſte in großen und der Stoͤßer(pisoir). Naſſen zwi⸗ Anm. Es wird zwar manches als eine Wiederholung der im erſten Theile von Fig. 12 bis ſchen Bret⸗ 54 vorgeſtellten Maſchinen hier erſcheinen; da jedoch die Vollſtaͤndigkeit dieſer Abhandlung tern zu ſtam⸗ erfordert, jede Verbeſſerung ſo wohl der einzelnen Maſchinen ſelbſt, als auch ihres Ge⸗ pfen. brauchs deutlich anzugeben, ſo darf ich wohl geneigte Entſchuldigung erwarten. Die Formen⸗Geruͤſte beſtehen aus mehreren ſolchen Gattern oder Raͤh⸗ men, wie Fig. 17, wobei die Kloben⸗Saͤulen ab, ab durch die obern Quer⸗ riegel*) od, und durch die untern ef durchgehen, und vermittelſt der Keile kk feſt zuſammen gehalten werden koͤnnen. *) Wegen der noͤthigen lothrechten Stellung der Geruͤſte haben die obern Querriegel cd Vor⸗ zuͤge vor den, im erſten Theil Fig. 26 nach Cointeraux angegebenen Stricken. Am beſten werden dieſe Stuͤcke aus hartem Eichen⸗ oder Buͤchenholze, ſonſt aber auch von kienenem Holze verfertigt. Die Staͤrke dieſer Hoͤlzer iſt aus der Figur nach dem Maßſtabe zu ent⸗ nehmen. Die Hoͤhe h i richtet ſich nach der Hoͤhe der aufzufuͤhrenden Mauer. Gewoͤhnlich wird eine Hoͤhe von 4 ½ bis 5 Fuß hinreichend ſeyn, weil alsdann eine Mauer von 3 bis 9 Fuß, durch ein nochmahliges Uebereinanderſtellen der Form angefertigt werden kann, wie aus der Figur deutlicher erhellen wird. Anm. Soll die Hoͤhe h i uͤber /5 Fuß betragen, ſo muͤſſen die Staͤnder und Riegel etwas ſtaͤrker ſeyn, als ſie hier vorgeſtellt worden, weil das fortwaͤhrende Stampfen ein außer⸗ ordentliches Draͤngen gegen die Seitenwaͤnde verurſacht. Die Breite im Lichten der Klobenſaͤulen wird nach der Dicke der auf⸗ zufuͤhrenden Mauer beſtimmt. Sie iſt gemeiniglich zwiſchen 1 ½ bis 2 Fuß. Damit aber auch die zwiſchen dieſe Mauern fallenden Unterabtheilungen von Zollen erhalten werden koͤnnen, ſind in den Querſtuͤcken erweiterte Zapfenloͤcher angebracht, wie auch ſchon im erſten Theile Fig. 20 und 21 angegeben wor⸗ den, um vermittelſt der Keile(hier k, Fig. 17) die Klobenſaͤulen in beliebiger Weite zu ſtellen. Die hier vorgeſtellte Figur iſt auf eine, etwas uͤber 1½ Fuß dicke Mauer eingerichtet. und andern Lehm⸗Bauarten uͤberhaupt. 23 Die Querriegel muͤſſen bei den Zapfenloͤchern mit aufgetriebenen eiſernen Ringen g verſehen werden, um das Spalten des Holzes zu verhuͤten. Da es gut iſt, den Pisé-Mauern auf beiden Seiten eine, zwar nur geringe Doſſirung von etwa einer Linie auf den Fuß Hoͤhe zu geben*); ſo iſt auch aus dieſem Grunde eine Verlaͤngerung der Zapfenloͤcher noͤthig. *) Der Herr Ober⸗Baudirector Dauthe in Leipzig gab den Umfaſſungsmauern der da— ſelbſt erbauten Pulverhaͤuſer außerhalb gar keine, innerhalb aber eine 18 zoͤllige Doſſirung, ſo daß die Mauern uͤber der Erde unten 3 Fuß, und oben nur 18 Zoll ſtark gemacht wurden. Zur Erleichterung des Stellens der Klobenſaͤulen koͤnnen nach der 18ten Figur A und B an den Seiten der Zapfenloͤcher kleine Loͤcher aaa etwa ¾½ bis 3¾ Zoll aus einander gebohrt, und eiſerne Naͤgel durchgeſtochen werden, um die Zapfen der Klobenſaͤulen ſo lange zu halten, bis alles gehoͤrig verkeilt iſt. Auch koͤnnen die Querriegel Im und no Fig. 17 in ganze und halbe Zolle eingetheilt werden, um zugleich als Maßſtaͤbe zur Dicke der Mauern zu dienen. 1 Außer dieſen Form⸗Geruͤſten muͤſſen noch dergleichen fuͤr die Ecken des Gebaͤudes vorhanden ſeyn. Fig. 19 ſtellt ein ſolches Geruͤſte im Grundriſſe vor, wobei zu bemerken, daß die aͤußere Eckſaule nach einem einwaͤrts gehenden rechten Winkel gezimmert iſt. Das Holz zu einem ſolchen Eckgeruͤſte muß etwas ſtaͤrker, als zu den vorgedachten, und bei einer 5 fuͤßigen Hoͤhe wenig⸗ ſtens 3 Zoll ſtark ſeyn. Anm. Herr Unverricht bediente ſich anſtatt der hoͤlzernen Unterriegel und Keile eiſerner, ſo daß erſtere zugleich durch die Formbretter gehn, wie ſolches in Fig. 20 deut⸗ lich zu ſehn iſt. Da, wie wir bald ſehn werden, die unteren Riegel durch die Mauer zu liegen kommen; ſo verurſachen die eiſernen nicht ſo große Oeffnungen, als die hoͤlzernen. H. 13. Der Staͤmpfer(Pisoir) muß jederzeit aus hartem und ſchwerem Holze Beſchrei⸗ verfertigt werden. Um die Pisé-Erde recht dicht an die Seitenbretter zu Luns dn, ſtampfen, auch in die Ecken gelangen zu koͤnnen, giebt man dem, an einem(Pisoir). Stiele befeſtigten Stampfklotze die, in der Fig. a1 nach dem dazu gehoͤrigen Maßſtabe vorgeſtellte Form, oder es kann der Staͤmpfer nach der, im erſten Theile dieſes Handbuchs Fig. 24 und 25 dargeſtellten Form gemacht werden, wo der untere Theil zuſammen geſchaͤrft iſt. Beide Arten von Staͤmpfern ſind in Abſicht des Gebrauchs ziemlich gleich, daher man ſich uͤberhaupt eines von dieſen Staͤmpfern, oder des letztern beim Beginnen des Stampfens, um die Erde durchzuarbeiten, und nachher des erſtern bedienen kann. 24 Vom Pisé-Bau ins beſondere, Dieſe prismatiſch gearbeiteten Staͤmpfer muͤſſen oberhalb mit einem eiſer⸗ nen eingelaſſenen Ringe b umzogen ſeyn, weil ſonſt durch das anhaltende Stampfen der eigentliche Stampfklotz von ſeinem Stiele leicht aufgeſpal⸗ ten wird. Auch kann derſelbe unten mit Eiſen beſchlagen werden, wodurch die einzelnen Lagen einigermaßen Einſchnitte bekommen, und die, auf eine ge⸗ ſtampfte Erdlage aufzuſchuͤttende, friſche Erde ſich deſto beſſer mit jener ver⸗ bindet. Der in Fig. 22 vorgeſtellte Meißel, und der im erſten Theile Fig. 22 und 23 vorgeſtellte Hammer dienen zum Aushauen und Abſtechen der Vertiefungen in die Pisé-Mauern, um die Unterriegel einzulegen. Auch ſind 2zoͤllige und einige ſchwaͤchere Bretter, einige Schrauben mit ihren Schluͤſ⸗ ſelkoͤpfen, Aexte, Saͤge, Bleiloth und Winkeleiſen noͤthig. Beſchreibung der Auffuͤh⸗ rung der Um⸗ fangsmauern eines Gebaͤu⸗ des. Zufoͤrderſt ſoll nun die Verfahrungsart beſchrieben werden, um eine vier⸗ ſeitige Mauer ohne Fenſter⸗ und Thuͤroͤffnungen aufzufuͤhren. Das hierbei vor⸗ kommende Hauptverfahren bleibt bei allen Mauern daſſelbe, und nur die Fenſter⸗ und Thuͤroͤffnungen verurſachen verſchiedene Nebenumſtaͤnde. §. 14. Wir wollen annehmen, daß, nach der Fig. 23 A, die Mauer ein Qua⸗ drat einſchließen ſoll, deſſen Seiten 24 Fuß lang ſind, und daß die Pisé- Mauer 8 Fuß hoch und 1 ½ Fuß ſtark oder dick werden ſoll. Angenommen, daß die Plinte, nach dem 11ten§., 1½ Fuß uͤber der Erde reichen ſoll; ſo mauere man ſolche ſo hoch, und entweder ganz mit Mauer⸗ ſteinen 1 Fuß 3 Zoll, oder von Feld⸗ und Bruchſteinen 21 Zoll breit. Hierauf lege man, jedoch nur in der Breite der Pisé-Mauer ſelbſt, alſo mit Abſetzung der Plinte, wie aus dem Profil Fig. 16 zu erſehen iſt, erſt eine flache und dann ein Rollſchicht von Mauerſteinen. In dieſen beiden Schich⸗ ten werden zugleich die Oeffnungen fuͤr die untern Riegel der Geruͤſte ausge⸗ ſpart. Dieſe Geruͤſte werden, je nachdem die Formbretter ſtark ſind, 3 bis 4 Fuß von Mitte zu Mitte aus einander aufgeſtellt. Hieraus ergeben ſich die Anzahl der Geruͤſte und die Stellen, wo jene Vertiefungen in der Mauer offen bleiben muͤſſen, welche die Breite der Riegel erhalten. Daß fuͤr die Eckgeruͤſte eben ſolche Vertiefungen bleiben muͤſſen, verſteht ſich von ſelbſt. Nachdem das Fundament in vorgedachter Art vollendet worden, wird zur Aufrichtung der Formen⸗Geruͤſte geſchritten. Es werden die Schwellen derſel⸗ ben nach Fig. 17 auf die abgeſetzte Plinte gelegt, und wenn dann die ge⸗ dachten beiden Mauerſtein⸗Schichten uͤber der Plinte 8 Zoll hoch, dagegen die Geruͤſt⸗ —,— — —— ·˖ Q2 eiſer⸗ altende eſpal⸗ odurch ne ge⸗ er ver⸗ Theile ſtechen Auch üß vier⸗ vor⸗ die und andern Lehm⸗Bauarten uͤberhaupt. 25 Geruͤſtſchwellen nur 4 bis 5 Zoll hoch ſind, ſo greifen die Formbretter um 3 bis 4 Zoll an die beiden gemauerten Schichten hinunter; dadurch erhaͤlt die zu ſtampfende Pisé-Mauer genau die, durch die beiden Schichten angege⸗ bene Staͤrke der Mauer und wird feſt mit derſelben verbunden. Vortheilhaft waͤre es nun allerdings, wenn alle Mauern auf ein Mahl geſtampft werden koͤnnten; allein man wird ſelten ſo viele geuͤbte Arbeiter zuſammen bringen, oder ſo viele Geruͤſte vorraͤthig haben, um dieß in Ausuͤbung zu bringen; auch kann die Laͤnge eines jeden zu ſtampfenden Stuͤcks nur nach der Laͤnge der Formbretter(ſo daß naͤhmlich ſolche noch zu handthieren ſind) vorgenommen werden. Denn es geht nicht immer fuͤglich an, daß da, wo zwei Bretter in ih⸗ ren Laͤngen zuſammen ſtoßen, ein Formgeruͤſte aufgeſtellt werden kann, welches doch unumgaͤnglich noͤthig ſeyn wuͤrde, daher man ſich begnuͤgen muß, die Mauern nur theilweiſe anzufertigen, jedoch an den Ecken dergeſtalt„ daß im⸗ mer von denſelben ab, zu jeder Seite ein Stuͤck Mauer mitgemacht werde, oder daß man mit nur einer Seite der ganzen Mauer Fig. 23 A nicht bei einer Ecke anfange oder aufhoͤre. Bei dem in der Fig. 23 A angenommenen Beiſpiele faͤngt alſo die Arbeit mit dem Theile a, b, o an. Hierzu ſind nun gewoͤhnliche, und Ein Eck⸗Formgeruͤſte erforderlich. Die Geruͤſte werden nicht eher feſt gekeilt, bis die untern Bretter einge⸗ bracht ſind, und alles vollkommen lothrecht abgerichtet iſt. Dabei thut man am beſten, wenn man zuerſt die Geruͤſte 1, 4, 5, 6 und 10, Fig. 23 A, nach der vorhin erwaͤhnten Entfernung, auf⸗ und abrichtet und alsdann, vermittelſt einer ausgeſpannten Schnur, den dazwiſchen befindlichen Geruͤſten ihre Stel⸗ lung giebt. Wenn die Mauern eine geringe Doſſirung erhalten ſollen, ſo muß die obere Weite der Formen 1 m, Fig. 17 darnach feſt geſtellt werden; ſie kann hier zum Beiſpiel, wenn die untere Breite mit Inbegriff der beiden Bretter 21 Zoll betraͤgt, zu 20 Zoll angenommen werden. Zufoͤrderſt wird an jeder innern Seite der Geruͤſte ein Formbrett einge⸗ ſetzt, und wenn alles gehoͤrig abgerichtet, die Keile feſtgeſchlagen, und der ganze Kaſten zwiſchen den Geruͤſten von 1 bis 10, Fig. 23 A an den Enden durch zwei Kopfbretter, wie pa Fig. 17, geſchloſſen worden; ſo werden die gedachten Kopfbretter durch die Schluͤſſelſchrauben ssss, welche auch in dem Grundriſſe Fig. 23 B, desgleichen in der perſpectiviſchen Zeichnung Fig. 24 unter vorgedachten Buchſtaben zu erſehen ſind, feſt gehalten. Dieſe Kopf⸗ D 26 Vom Pisé-Bau ins beſondere, bretter muͤſſen aber nach oben hin um ſo viel ſchmaͤler ſeyn, als die geringe Verjuͤngung der Mauer es erfordert. Will man ſtatt der hoͤlzernen Unterriegel eiſerne gebrauchen, ſo iſt bei dem Verfahren weiter kein Unterſchied, als daß hierzu keine Einſchnitte im Fundamente noͤthig ſind, ſondern die eiſernen Riegel koͤnnen, wie aus der Figur 20 zu erſehn iſt, auf der Oberflaͤche der Fundamentmauern, oder viel⸗ mehr auf der Rollſchicht liegen, weil bei dieſen Riegeln die Seitenbretter heruntergreifen.. Zwiſchen jedem Formgeruͤſte ſtellt ſich nun ein Arbeiter mit einem Stempel zum Stampfen, und von andern wird die Erde heran getragen. Ehe die erſte Erde in die Form geſchuͤttet wird, muß an den Brettern zu beiden Seiten auf das Fundament in der Form, ein Streifen von gutem ſcharfem Kalkmoͤrtel ge⸗ legt werden. Beim Einſchuͤtten der Erde iſt genau darauf zu ſehn, daß ſol⸗ cches jederzeit nur in einer 4 Zoll hohen Lage geſchiehet, weil die Maſſe ſonſt nicht feſt genug geſtampft werden kann. Die Arbeiter ſtoßen nun dieſe Erdlagen zufoͤrderſt mit der Spitze des Stempelſtiels, vorzuͤglich an den Seiten der Form, bis ſie einige Feſtigkeit erhalten hat, und alsdann gebrauchen ſie den Stempel ſelbſt, und zwar, indem ſie die flache Seite deſſelben gegen die Formbretter kehren, ſtampfen ſie die Maſſen zuerſt an dieſen Brettern feſt, als⸗ dann wenden ſie ſich mit dem Stoͤßer gegen die Mitte. Am beſten wirkt der Stempel, wenn der Arbeiter den Stiel deſſelben nur loſe mit der linken Hand fuͤhrt, und ihn mit der rechten wechſelsweiſe hebt und fallen laͤßt. Wenn der Stempel keine merklichen Eindruͤcke mehr macht, ſondern beim Stampfen ordent⸗ lich wieder in die Hoͤhe prellt, ſo kann man auf die hinlaͤngliche Feſtigkeit der geſtampften Erde ſchließen. So wie nun die erſte Erdſchicht in der Art fertig iſt, wird, ehe man friſche Erde aufſchuͤttet, innerhalb, vorlaͤngs der Seiten— bretter, wieder ein ſchmaler Streifen von gutem Kalkmoͤrtel gezogen, auch wer⸗ den allenfalls kleine Mauerſtein⸗Stuͤcke in dieſen Kalkſtreifen eingezwickt“*). Die Ecken des Gebaͤudes werden aber mit Mauerſteinen auf der flachen Seite, wie in Fig. 23 B zu erſehn, ausgefuttert, worauf eine friſche Erdſchicht eingeſchuͤt⸗ tet, und, wie vorgedacht, bis zur Hoͤhe des erſten Formbrettes, mit dem Stampfen, den Kalkſtreifen und den Mauerſteinen an den Ecken, lagen⸗ weiſe fortgefahren wird. *) Bei mehrern Bewaͤhrungs⸗Mauern in Schleſien ſind wechſelsweiſe uͤber einander 1 bis 1 ½ Zoll hohe Schichten Kies, mit bindenden Erdtheilen vermiſcht, mit eingeſtampft wor⸗ den Hedches eine ſehr harte und rauhe Außenſeite gab, und zur Feſthaltung des Putzes viel beitrug. eringe t bei te im s der eviel⸗ bretter und andern Lehm⸗Bauarten uͤberhaupt. 27 Alsdann wird das zweite Formbrett innerhalb an beiden Seiten des Geruͤſtes eingeſetzt, zwiſchen welchen man das ſogenannte Mauermaß r, Fig. 17, einklemmt. Auch wird nun der, durch die Aufſetzung der zweiten Reihe von Brettern entſtandene Kaſten, an den Enden, wie vorhin mit Kopf⸗ brettern geſchloſſen, welche jedoch, wie aus Fig. 23 B, und Fig. 25 zu erſehn, etwa um 8 Zoll*) einwaͤrts zu ſtehn kommen, worauf dieſer Theil bis an die obere Kante des zweiten Bretteraufſatzes, wie vorhin beſchrieben, feſt geſtampft wird, wobei oͤfters nachgeſehn werden muß, ob die Geruͤſte ſich auch nicht aus dem lothrechten Stande verruͤckt haben, und eben ſo verfaͤhrt man mit dem Aufſatze der dritten und vierten Bretterreihe, und der Ausſtampfung des zwi⸗ ſchen ſelbigen befindlichen Raums. *) Herr Ober⸗Baudirector Dauthe in Leipzig ſetzt bei jeder, etwa 3 Zoll hoch geſtampften Schicht, nur um eine Brettſtaͤrke, alſo ungefaͤhr um 2 ½ bis 2 Zoll, einwaͤrts ab(ſiehe Fig. 26). Dadurch wird der Vortheil erhalten, daß nur das erſte Kopfbrett gut befeſtigt werden darf, die uͤbrigen Bretter zu den gedachten kleinen Abſaͤtzen aber gegen das erſte Kopfbrett, und ſo eins gegen das andere, geſetzt werden. Wenn nun auf dieſe Weiſe ein Theil des Umfangs der Mauer in der Hoͤhe der Geruͤſte fertig iſt, ſo werden letztere aus einander genommen, und zur weitern Auffuͤhrung der Mauer aufgeſtellt. Zu dem Ende muͤſſen, nachdem die Keile geloͤſt ſind, die Saͤulen und obern Riegel abgenommen, die untern Riegel heraus geſchlagen werden. Die Loͤcher aber, worin die hoͤlzernen Unter⸗ riegel lagen(wenn man ſich derſelben ſtatt der eiſernen bedient)„bleiben noch vor der Hand offen, und werden erſt nach voͤllig vollendeter Pisé-Arbeit, nicht mit Lehm oder Pisé-Erde, ſondern mit gebrannten Mauerſteinen in Kalk voll gemauert. Hierbei iſt anzumerken, daß man die vier Geruͤſte, 1, 2, 9 und 10, Fig. 23 A, an den Enden der angefangenen Mauer a, c, ſtehn laͤßt, weil ſie zugleich zum folgenden, daran ſtoßenden Satze dienlich ſind. Die abgenommenen Geruͤſte werden nun weiter von d bis e und f, und von m bis 1 und k, Fig. 23 A, aufgeſtellt, auch wird mit dem Stampfen der Mauer ſo verfahren, wie vorhin gelehrt worden, wobei jedes Mahl die Zuruͤckſetzung der Kopf bretter*) zu beobachten iſt. Unterdeſſen werden in dem fertigen erſten Satze, wegen der nun folgenden, hoͤhern Stellungen der Formen, in dieſem Pisé die Loͤcher zu den untern Riegeln, ebenfalls 2 bis 3 Zoll tiefer, als dieſe Riegel hoch ſind, eingehauen. Uebrigens werden die Geruͤſte fuͤr den unterſten Pisé- Satz von d bis e und f, von m bis 1 und k, ſo wie endlich von g bis h und i, nach und nach, wie jedes dieſer Stuͤcke voll geſtampft iſt, aufgeſetzt, welche 2 28 Vom Pisé-Bau ins beſondere, Ordnung aus dem Grunde zu beobachten iſt, damit die bereits geſtampften Theile der Mauer nicht zu ſehr trocknen, ehe die anſtoßende, neue Stampfung erfolgt, wodurch ein feſterer Verband bewirkt wird. ») Durch die Zuruͤckſetzung der Kopfbretter erhalten die Theile der Pisé-Mauern eine Ver⸗ bindung, welche mit derjenigen der großen Quaderſteine Aehnlichkeit hat, wie in Fig. 27 erſichtlich iſt. Vorzuͤglich iſt zu beobachten, daß an den Ecken des Gebaͤudes nicht mit nur einer Fronte angefangen werde, weil, wenn hiernaͤchſt der Schluß mit der andern Fronte auf dieſer Ecke erfolgen ſoll, die erſtere Fronte von dem Stampfen der letztern heraus gedraͤngt wird.— Ein gleiches findet auch bei Verbindung der Scheidewaͤnde mit den Fron⸗ ten ſtatt, welche, wie nachher gezeigt werden wird, auf ein Stuͤck ihrer Laͤnge mit den Fronten zugleich geſtampft werden muͤſern. In Leipzig beobachtete man dieſe Regel nicht, ſondern man machte, nach Fig. 26, in die kleine Abſtufung ab eine Nuthe, in welche ſich der anſtoßende Satz verband. Unter der geſchickten Leitung des mehr gedachten Herrn Ober⸗ Baudirector Dauthe gelang dieß zwar eben ſo gut, aber als allgemeine Re⸗ gel fuͤr Anfaͤnger in dieſer Bauart halte ich die erſt erwaͤhnte Methode fuͤr zu⸗ verlaͤſſiger, ſo wie auch das Stampfen der Ecken eines Gebaͤudes in Einem Stuͤcke auf die beſchriebene Art eher zur Regel zu empfehlen iſt, als die Zuſam⸗ menſetzung, welche in Fig. 26 bei c angegeben worden. um den Gang des Geſchaͤftes noch deutlicher zu machen, und damit dieſer Stufenverband gehoͤrig erreicht werde, bemerke man, daß, nach der a3ſten Figur A, abo das erſte, def das zweite, mlk das dritte, und ghi das vierte Stuͤck iſt, welche vier Theile jeder fuͤr ſich geſtampft werden. Man wird bemerken, daß jeder dieſer Theile zehn Geruͤſte mit Inbegriff der an den Ecken beſindlichen, und(wie ſogleich vorkommen wird) der Fortſetzung wegen noch zwei mehr erfordert*). Iſt nun zum Beiſpiel das erſte Viertel fertig, ſo werden die Geruͤſte von No. 3 bis 3 weggenommen und in das andere Viertel bis F angebracht; 1, a, und 9, 1o bleiben aber ſtehn, weil ſie zu den folgenden Theilen noͤthig ſind, indem der Raum zwiſchen dieſen Geruͤſten wegen des gebildeten Stufenverbandes noch nicht ganz voll geſtampft iſt, ſondern dieß erſt erfolgen muß. Eben dieſes findet hiernaͤchſt zwiſchen f, g, k, i, und a, m ſtatt. Auf dieſe Weiſe ergiebt ſich aus der 27ſten Fig., daß alles gehoͤrig geſchloſſen worden, und eben dieſe Einrichtung gilt pften fung Ver⸗ ig. 27 mit dem und andern Lehm⸗Bauarten uͤberhaupt. 29 bei einem jeden laͤngern Gebaͤude, und bei mehrern Abtheilungen der For⸗ men⸗Aufſtellungen. *) Es iſt die Bemerkung gemacht worden, daß es die Koſten verringert, wenn viele Geruͤſte mit einem Mahle aufgeſtellt und voll geſtampft werden koͤnnen. Iſt nun, nach der bisher beſchriebenen Conſtruction der erſte Satz der Pisé⸗Mauern vollendet, ſo muͤſſen die Zuruͤſtungen fuͤr den folgenden auf den unterſten angebracht werden. Der dieſerhalb fuͤr die Unterriegel noͤthigen Ein⸗ ſchnitte oder Vertiefungen in die untern Pisé-Mauern iſt bereits gedacht worden. Hierbei wird nun in allen Stuͤcken eben ſo verfahren, wie bei dem untern Satze; nur iſt in Abſicht des ſtufenweiſen Verbandes zu bemer⸗ ken, daß, wenn z. B. bei dem untern Theile der Pisé-Mauer a, o, p, b, Fig. 27 der Anfang gemacht worden, bei dem folgenden Satze die Mauer mit dem Theile g, r, s, t, angefangen werden muß. Durch dieſe Abwechſelung bei der Fortſetzung der hoͤhern Theile der Mauer ergiebt ſich der zweckmaͤßige Verband der ganzen Mauer*). Auch iſt hierbei noch zu erinnern, daß die Stellung der Klobenſaͤulen bei dem obern Satze ſich nach der, der Mauer zu gebenden Doſſirung richten muß, und daß ſie alſo um ſo viel aus dem Lothe zu ſtellen ſind. Hiernaͤchſt iſt das An⸗ feuchten der Mauer mit einer Gartenſpritze, bevor die friſche Erde aufge⸗ ſchuͤttet wird, nicht aus der Acht zu laſſen. Daß bei fortzuſetzender Hoͤhe der Mauern Geruͤſte erforderlich ſind, um die Erde bequem hinauf ſchaffen zu koͤnnen, verſteht ſich zwar von ſelbſt, aber am zweckmaͤßigſten werden ſolche nach Fig. 28 in Form der Rampen mit aufgenagelten Lauflatten ver⸗ anſtaltet, und in der Mitte wird allenfalls eine freie Bahn fuͤr das Rad der Karre gelaſſen, wenn naͤhmlich ſo lange Rampen angebracht werden, daß die Erde mit einer Karre und nicht bloß mit Molden hinauf geſchafft werden kann. *) An einigen Orten in Schleſien hat man zur Befoͤrderung des Verbandes, uͤber oder auf einander, perpendikulaͤr ſtehende Brettſtuͤcke, nach der Dicke der Mauer, in gewiſſen Entfernungen mit eingeſtampft, welches aber, wo uͤbrigens die Erde zum Pisé-Bau tauglich befunden wird, ſehr uͤberfluͤſſig iſt, und wo ſich nicht dergleichen gute Erde fin⸗ det, da ſollte man dieſe Bauart ganz unterlaſſen.— .§. 15. Wenn Scheidemauern vorkommen, ſo iſt es ein Haupterforderniß, ſel⸗Von Auffuͤh⸗ bige mit den Haupt⸗ oder Umfaſſungsmauern gehoͤrig zu verbinden. Hierzu rung der ; 3 7 Scheide⸗ dient folgendes Verfahren. Es ſey in der Fig.„9, A das Fundament mauern. einer Umfaſſungsmauer, und B das einer Scheidemauer; ſo iſt es eine Haupt⸗ Was bei Thuͤren und Fenſtern zu beobachten. 5o Vom Pisé-Bau ins beſondere, ſache, den untern Riegel a des Geruͤſtes fuͤr die Scheidewand ſo nahe als moͤglich an die Hauptmauer zu bringen, und in dieſer die der Scheidewand naͤchſten Geruͤſte bb ſo nahe bei der Scheidewand zu ſtellen, als der Riegel a ſolches erlaubt, damit die, gewoͤhnlich im rechten Winkel, beſſer aber auf die Giehrung zuſammen ſtoßenden Formbretter o und d an dieſen Stellen recht ſcharf zuſammen treffen; oder man kann nach Fig. 30 die Geruͤſte ee der Hauptmauer ſo ſtellen, daß ſie gleich mit der aͤußern Seite der Formbretter der Scheidemauer buͤndig ſtehn. Da indeſſen die Scheidemauern gewoͤhnlich nur ſchmal ſind, ſo wird hierdurch der Raum zum Stampfen zu ſehr beengt, und die erſte Methode iſt daher beſſer. Uebrigens bleibt das Verfahren bei der Arbeit daſſelbe, wie vorher ge⸗ lehrt worden; nur muß nicht aus der Acht gelaſſen werden, die Theile A und B, oder die Haupt⸗ und Scheidemauern bei ihrer Vereinigung zugleich vollzu⸗ ſtampfen, und in der Scheidemauer den ſtufenfoͤrmigen Verband anzubringen. Auch koͤnnen die Winkel nach Fig. 30 aus Mauerſteinen beſtehen, welche, wie Seite 26 vorgekommen iſt, gleich mit eingeſtampft werden. §. 16. Jede Oeffnung in eine Pisé-Mauer zu Thuͤren oder Fenſtern verurſacht allerdings einige Schwierigkeiten. Auf eine zwar ungekuͤnſtelte Art werden die Fenſter und Thuͤroͤffnungen in den Pisé-Mauern dadurch gebildet, daß man hoͤlzerne Zargen mit der aͤu⸗ ßern Mauerflaͤche buͤndig und abgeſtreifte Bretter aufſtellt, an welche herum die Erde geſtampft wird; allein dieſe Methode iſt dennoch weitlaͤufig und in Abſicht der Dauerhaftigkeit nicht recht zweckmaͤßig. Es iſt daher beſſer, der⸗ gleichen Oeffnungen mit gut gebrannten Ziegelſteinen folgender Maßen einzu⸗ faſſen. Vom Fußboden an wird ein Kaſten kodf Fig. 31 C in das Form⸗ geruͤſte geſetzt, und der uͤbrig bleibende Theil ceed wird als Bruͤſtung voll ge— ſtampft, und wenn Fig. 31 A die Bruͤſtungshoͤhe ab des Fenſters mit der geſtampf⸗ ten Erde erreicht iſt; ſo wird die Breite des Fenſters im Lichten od Fig. 31 C bemerkt, und man bringt daſelbſt Kopfbretter ef Fig. 31 A an und be⸗ feſtigt ſie mit den Schluͤſſelſchrauben. Innerhalb gegen dieſe Bretter werden nun die zur Einfaſſung des Fenſters Fig. 31 C dienenden Mauerſteine in Kalkmoͤrtel eingelegt, und die Erde wird bis zur Hoͤhe der Form f, e, Fig. A gegen dieſe Steine geſtampft, wobei mit dem gehoͤrigen Feſtſtampfen der Pisé- Erde gegen die Steine, auch daß letztere nicht zerſtoßen werden, ſehr vorſichtig —— und andern Lehm⸗Bauarten uͤberhaupt. 31 umgegangen, und, um in die kleinen Winkel reichen zu koͤnnen, der Staͤm⸗ pferſtiel zur Huͤlfe genommen werden muß. Wenn nun die Geruͤſte fuͤr den zweiten Theil der Hoͤhe der Mauer nach der Fig. 31 B aufgeſetzt ſind, ſo werden andere Kopfbretter ik bis zu derjenigen Hoͤhe, welche das Fenſter er⸗ halten ſoll, angebracht, bei welchen man unten ein Paar Naͤgel 11 in die Formbretter vorſchlaͤgt. Hierauf wird das Gegenlegen der Mauerſteine und das Stampfen fortgeſetzt. Um die Fenſteroͤffnungen in der ſchicklichſten Art mit einer Woͤlbung zu ſchließen, ſchneide man ein Paar dreizoͤllige Bohlenſtuͤcke, die in den Figu⸗ ren 31 B und D mit m bezeichnet ſind, etwas laͤnger, als die Fenſteroͤff⸗ nung im Lichten betraͤgt, in der Form des Bogens, und ſtelle ſie auf die Kopfbretter, wie aus Fig. 31 D bei m zu erſehn iſt. Dieſe Boͤgen wer⸗ den nun mit Brettſtuͤcken benagelt, auf welchen der Bogen n Fig. B und D von Mauerſteinen auf der langen Kante, oder einen halben Stein ſtark in der ganzen Breite der Mauer mit Kalk gewoͤlbt wird. Ueber dieſem Bogen kann man nun die Erd⸗Stampfarbeit mit aller Sicherheit vornehmen; jedoch muͤſſen die erſten Stoͤße nicht zu ſtark ſeyn. Nach vollendeter ſaͤmmtlicher Arbeit werden die Chablon⸗Bretter m weg⸗ genommen, und die dadurch entſtandenen Zwickel z Fig. D werden mit Mauer⸗ ſtein⸗Stuͤcken in Kalkmoͤrtel ausgefuͤllt. Durch dieſe Conſtruction entſteht nun kein gerader Sturz, und man muͤßte alſo auch oben gerundete Fenſter haben. Bei gemeinen Gebaͤuden kann da⸗ her eine oben gerade Blockzarge von zweizoͤlligen Bohlen eingeſetzt, mit Bank⸗ eiſen befeſtigt und der Raum bis zum Bogen zugemauert werden. Dieſe Blockzarge wird zugleich das Fenſterfutter bilden. Will man aber lieber einen gemauerten Anſchlag zu Fenſterraͤhmen haben, in welchen die Fluͤgel einwaͤrts aufgehen; ſo darf man nur nach Fig. 32 A noch Stuͤcken Holz o und o, von etwa 4 Zoll Breite und der Dicke des Fenſteranſchlags gleich lang, vertikal gegen die innere Seite der Kopfbretter ſtellen und hier⸗ nach die Mauerſteine einlegen. Der aͤußere Sturz des Fenſters a, b, Fig. 32 B, kann alsdann wie bei andern maſſiven Gebaͤuden durch eine ſcheidrechte Woͤlbung gemacht, und der innere od bogenfoͤrmig gewoͤlbt werden. Es wird wohl niemanden ſchwer fallen, nach dieſer Anweiſung auch bei den Thuͤroͤffnungen in den Außenmauern auf gleiche Art zu verfahren. Bei den Thuͤren in den ſchwaͤchern innern oder Scheidemauern iſt es ge⸗ 32 Vom Pisé-Bau ins beſondere, woͤhnlich, ſogleich eine eben ſo breite Blockzarge einzuſetzen, und die Stampf⸗ arbeit bis an ſelbige herangehn zu laſſen; jedoch muͤſſen dieſe Zargen in ihrer Oeffnung an den Seiten und oben waͤhrend des Stampfens abgeſteift werden. Pisé-Ge⸗ baͤude von zwei Stock⸗ werken. In ſtaͤrkern Mauern iſt es beſſer, die Zargen von Kreuzholz nach Fig. 33 anzufertigen, ſolche an den Seiten mit Brettern auszuſetzen und ſie auf ſolche Art in der Mauer feſt zu ſtampfen. Anm. Das zum Theil von Cointeraux angegebene Verfahren, bei den gewoͤhnlich nur ſchmalen Fenſteroͤffnungen in gemeinen Haͤuſern die Fenſter mit hoͤlzernen Zargen nnd beſonders den Stutz mit Holz zu bedecken, iſt einigermaßen leichter, als das oben ange⸗ fuͤhrte, und man wird ſich alſo deſſelben in dergleichen Faͤllen bedienen koͤnnen. Wenn Fig. 34 A, ab die Fenſteroͤffnung im Grundriſſe andeutet, ſo fuͤhre man, wie vorgedacht, an den Seiten die Wangen und einen Anſchlag mit Mauerſteinen bis zur erforderlichen Hoͤhe auf, und lege uͤber die Oeffnung zwei, wenigſtens vierzoͤllige Bohlen c und d Fig. 34 A und B, die an beiden Seiten um etwas in die Mauer faſſen, und an den Enden(ſiehe Fig. A) Ausſchnitte haben, auch ſich an den breiten Seiten bei e Fig. B um etwas uͤberdecken, damit die Erde beim Stampfen nicht durchdringen koͤnne; auch muͤſſen dieſe Sturzhoͤlzer waͤhrend des Stampfens unterſtuͤtzt werden. Bei Fen⸗ ſterbreiten, die uͤber 3 Fuß betragen, kann man lieber ſechszoͤlliges Holz nehmen, weil die ganze Laſt der obern Mauer darauf ruht. §. 17. Obgleich Beiſpiele vorhanden ſind, daß Gebaͤude von zwei und meh⸗ reren Stockwerken aufgefuͤhrt worden; ſo ſcheint dieß doch bei der bisher ge⸗ zeigten Conſtruction, wo die Mauern vermittelſt Geruͤſte und Formen theil⸗ weiſe und in großen Maſſen aufgefuͤhrt werden, wegen Aufſtellung dieſer Ge⸗ ruͤſte und Formen, immer etwas umſtaͤndlich zu ſeyn, und eben ſo die Art, ſelbſt Giebel auf zwar einſtoͤckige Gebaͤude aufzufuͤhren. Denn wenn man nur bedenkt, wie beſchwerlich es ſeyn muß, die Erde auf eine groͤßere Hoͤhe als die Eines Stockwerks hinauf zu ſchaffen, die Formengeruͤſte gegen Sturmwinde ge⸗ hoͤrig zu befeſtigen, und beſonders, um wie viel ſpaͤter ein Bau von mehrern Stockwerken unter Dach kommen, und vor Regen geſchuͤtzt werden kann; ſo muß aus dergleichen Betrachtungen wohl bald der Schluß folgen, daß der Bau zweier Stockwerke und der Giebel bei einſtockigen Gebaͤuden mit ein⸗ zelnen geſtampften Pisé-Steinen allenfalls zulaͤſſiger ſeyn moͤchte, als in der erſt beſchriebenen Art. Auch und andern Lehm⸗Bauarten uͤberhaupt. 33 Auch dabei iſt nicht zu laͤugnen, daß das Hinaufſchaffen der großen Pisé- Steine in einer etwa uͤber 12 Fuß gehenden Hoͤhe, nicht allein wegen ihres anſehnlichen Gewichts, ſondern auch deshalb beſchwerlich iſt, weil ſolches mit vieler Behutſamkeit geſchehen muß, um die Kanten und Ecken dieſer Steine nicht abzuſtoßen. Ferner haben die Dachgiebel keine Verbindung mit inneren Scheidewaͤnden. Daher mir wenigſtens ſehr hohe und breite Dach⸗ giebel vom Pisé uͤberhaupt nicht gefallen; vielmehr wuͤrde ich anrathen, ſich mit dem Vortheile zu begnuͤgen, den ſchon die, mit Bequemlichkeit und Sicher⸗ heit aufgefuͤhrten, einſtockigen Gebaͤude von Pisé gewaͤhren, die Giebel derſel⸗ ben aber von Holz auszubinden und mit gebrannten Mauerſteinen dergeſtalt auszumauern, daß ein halber Stein von dem Holze vortritt, und alſo von außen eine Steinflaͤche vorhanden iſt. Eben ſo hat man auch ſchon Geſimſe mit ihren Gliedern und Schornſtein⸗ roͤhren von geſtampfter Erde oder Pisé gemacht; allein außer den vielen Um⸗ ſtaͤnden, welche die hierzu noͤthigen Formen erfordern, iſt dergleichen Arbeit doch nicht recht tuͤchtig, und als eine zu weit getriebene Anwendung dieſer, außerdem doch ſchon ſehr nuͤtzlichen Bauart anzuſehen; daher es beſſer ſeyn wird, beides von gebrannten Maurerſteinen, allenfalls die Schornſtein⸗ roͤhren von Luftſteinen, und uͤber dem Dache mit gebrannten Steinen aufzufuͤhren.— §. 168. Eine andere Art Pisé-Mauern beſteht darin, große Quadern von ge⸗Zweite Art ſtampfter Erde in Formen anzufertigrn und die Mauern damit in gehoͤrigem dan Wauern Verband aufzufuͤhren. Das ſchicklichſte Maß dieſer Steine iſt 13 Zoll lang, nen geſtampf⸗ 6 ¾ Zoll breit und eben ſo hoch. ten Steinen. 6. 19. Die hierzu benoͤthigte Form iſt in der Fig. 35 A, B vorgeſtellt. Sie be⸗Beſchreibung ſteht aus zwei Wangenſtuͤcken a, a, a, deren Enden mit eiſernen Ringen um⸗ 3 zogen ſind. Dieſe Wangen ſind vermittelſt vier Riegel b, b, b, b mit Form. Keilloͤchern, o, c, c, o, und drei Mittelriegeln e, e, e ohne Keile, alles von gutem kernichtem Eichenholze, verbunden*). Durch dieſe Wangen und Riegel werden ſechs Faͤcher gebildet, wovon jedes 14 Zoll lang, 7 Zoll breit, und bis auf die 4 Zoll ſtarke Unterlag⸗Bohle d, d, eben ſo tief iſt*). Die Kanten dieſer Faͤcher werden mit umgekrempten Eiſenblech beſchlagen**u). E 54 Vom Pisé-Bau ins beſondere, Die Grundbohle iſt, wie aus der Fig. B zu ſehen, mit vier eiſernen An⸗ kettel⸗Haken kf an den Wangen befeſtiget. Die Form ruhet nur ſtumpf ohne weitere Verbindung, als die der Ankettel-Haken, auf der Bohle d, muß aber mit dieſer Grundbohle auf einem ſehr feſten und vollkommen gerade geebneten Platze liegen. *) Herr Bergrath Eiſelen hat ſich mit vielem Nutzen einer Form bedient, deren lange Seitenwangen 6 Zoll breit und 1 Fuß hoch waren. Dieſe Form wurde nach Verhaͤltniß ihrer Laͤnge auf 2 bis 3 Unterlagen gelegt und in letztere 6 Zoll tief bis auf die Boden⸗ bohle eingelaſſen, wodurch alſo die Faͤcher des Kaſtens nur 6 Zoll tief blieben, alſo ſo dick, als die zu ſtampfenden Steine werden ſollten. **) Die den Pisé-Steinen zu gebende Groͤße, und beſonders die Dicke derſelben, richtet ſich, wenn die Hauptecken und die Kanten der Fenſteroͤffnungen mit gebrannten Stei— nen in Kalk gemauert werden, nach der Dicke der letzteren, und zwar in ſo fern, als des guten Verbandes wegen allemahl, wenigſtens in der dritten Schicht gebrannter Ziegel, einige Steine in die Pisé-Mauer einbinden oder eingreifen muͤſſen. Wenn alſo die ge⸗ brannten Mauerſteine 2½ Zoll dick ſind, ſo muͤſſen die Pisé-Steine nach geſchehener voͤlli⸗ ger Austrocknung 6 Zoll dick ſeyn. Ferner koͤmmt es auf oͤrtliche Erfahruug an, wie viel oder wenig eine oder die andere Erdart bis zur Austrocknung ſchwindet. Hiernach richtet ſich, in Abſicht des ordentlichen Verbandes mit den gebrannten Steinen, die Groͤße der einzelnen Stampfformen. ***) Fuͤr Lehrlinge im Stampfen dieſer Steine, welche oft die Riegel der Form treffen, iſt es beſſer, die Kanten mit X½ Zoll ſtarken, eiſernen Schienen zu beſchlagen, weil das Blech zu bald loſe werden wuͤrde.. In Fig. 35 C iſt eines der beiden langen Wangenſtuͤcke mit ſeiner in⸗ nern Anſicht vorgeſtellt, und daraus zu erſehn, daß ſo wohl die verkeilten Rie⸗ gel bbbb, als auch die Mittelriegel ooo, nicht allein durch beide Wangen⸗ ſtuͤcke gelocht, ſondern zugleich mit ihrem vollen Holze in die Wangenſtuͤcke verſetzt ſind, wodurch, wenn die Keile in den Riegeln ſtark angezogen ſind, die ganze Form ſehr feſt verbunden iſt. Einige finden eine zweireihige Form(ſiehe im erſten Theil Fig. 31 u. 32) vortheilhafter; allein mehrere Arbeiter hindern ſich, und Eine Form auf ſechs Steinen, welche durch zwei Mann geſtampft werden, iſt beſſer, weil durch die Erſchuͤtterung vom Stampfen mehrere Steine in einer Form nicht recht feſt werden wuͤrden, indem alle Steine in der Form mit einem Mahle nach und nach, und nicht einzelne Steine fuͤr ſich, fertig geſtampft werden muͤſſen, um auf dieſe Art die noͤthige natuͤrliche Erdfeuchtigkeit der Pisé-Erde zu be⸗ nutzen; daher auch die Form fuͤr zwei Mann nicht viel groͤßer, als fuͤr ſechs Steine ſeyn darf. Man thut aber wohl, zwei dergleichen Formen zu haben; denn indem die zwei Arbeiter noch an der einen ſtampfen, ſchlaͤgt ein dritter die ſchon voll geſtampfte Form aus einander und nimmt die Steine heraus. und andern Lehm⸗Bauarten uͤberhaupt. 35 An⸗.§. 20. dhne Der Staͤmpfer von hartem Eichenholze mit ſeinem Beſchlage von I Beſchreibang aber Zoll ſtarkem Eiſen iſt in der Zöſten Figur A und B von beiden Seiten vor⸗ fordhirrzre heten geſtellt, und dabei nur noch zu bemerken, daß, wie ſich wohl von ſelbſt ver⸗Staͤmpfers, ſteht, die Breite ab des Staͤmpfers kleiner, als die Breite der Form ſeyn um lug muß, um in allen Richtungen ſtampfen zu koͤnnen. 3 hältni., zoden⸗ Die Erde zu den Pisé-Steinen muß beſonders gut von allen Vegetabi⸗ ſſo ſo lien, als Wurzeln, Stroh, Gras, auch von großen Steinen u. ſ. w., gerei⸗ 3 nigt ſeyn, und es iſt gut, wenn ſie allenfalls etwas lehmiger oder fetter iſt, ſichtet 3, 3 als zur Stempelarbeit in ganzen Maſſen. 1 33 Beim Stampfen der Steine wird in jedes Fach zuerſt nur eine Schaufel ge⸗ voll Erde geworfen, dieſe mit dem Stiel des Staͤmpfers in den untern Ecken 4 der Form recht feſt angeſtampft, ſodann wieder eine Lage von drei Finger ie 5 3.: 4 uac hoch friſcher Erde eingeworfen, und dieſe feſt geſtampft, indem der Arbeiter nißs auf der Form ſteht, und die Spitze des Staͤmpfers abwechſelnd, ſo wohl nach der Laͤnge, als nach der Breite des Steins, fuͤhrt. Vorzuͤglich iſt darauf zu ſehn, daß die jedesmahl geſtampfte Lage nicht mehr als 12½ Zoll dick werde. Auch muß, wie gedacht, nicht ein einzelner Stein in ſeiner Form ganz fertig fr geſtampft werden, ſo daß die andern zuruͤck bleiben, ſondern es muͤſſen alle ie⸗ zugleich allmaͤhlig verfertigt werden. en⸗ Anm. Daß das Feſtſtampfen einzelner Schichten zu einem Steine eine gleichfoͤrmigere Feſtig⸗ cke keit durch den ganzen Stein bewirken muͤſſe, als wenn die Form mit einem Mahle ganz voll geſchuͤttet, und ſo die ganze, zu einem Steine erforderliche Lehm-Maſſe mit einem nd, Mahle geſtampft werde, kann wohl keinem Zweifel unterworfen ſeyn; daher ich mir von der in No. 71 der Berliniſchen Spenerſchen Zeitung vom Jahre 1807 erwaͤhnten Coin⸗ „ terauxſchen Maſchine, die er crecise(von orées und assise) nennt, vermittelſt welcher, 55) durch einen einzigen Druck, Pisé-Steine, Ziegel und Werkſtuͤcken gemacht werden ſollen, echs wenig Nutzen verſpreche. die Auch der jetzige Ruſſiſch⸗Kaiſerliche Hofrath und Profeſſor der Exegetik und der orien⸗ .. taliſchen Literatur zu Dorpat, Herr von Hezel(vormahls Gutsbeſitzer in Thuͤringen), feſt macht in einer kleinen Schrift:„Kurze Beſchreibung der vierten und beſten und Hezelſchen Erdſtampf⸗Maſchine ꝛc., Dorpat 1806, bei M. G. Grenzius;“ eine Maſchine, ganz in der Art, wie unſere gewoͤhnlichen, von Pferden getriebenen im Stampf⸗Maſchinen, bekannt, vermittelſt welcher jedesmahl, durch 21 bis 24 Staͤmpferſtoͤße, he⸗ 20 und mehrere Erdquadern(Pisé-Steine) verfertigt werden koͤnnen. Die Vorrichtung 3 iſt zwar ſinnreich genug, indem, ungeachtet des fortwaͤhrenden Umlaufs des Pferdes, den⸗ 1 noch jedesmahl, nach 21 bis 24 Staͤmpferſtoͤßen auf jeden Stein, das Stampfen vermoͤge n; eines Sperrhakens angehalten, und waͤhrend eines dreimahligen Umlaufs des Pferdes ter(Behufs des Herausnehmens der fertigen Steine, durch Wegnahme der Unterlage, und des neuen Ausfuͤllens der Formen mit Lehm), die Staͤmpfer in der Hoͤhe gehalten werden. 2 56 Vom Pisé-Bau ins beſondere, Dennoch aber iſt dieſer Vorrichtung der gegruͤndete Vorwurf zu machen, daß die Pisé- Steine vermittelſt derſelben nicht in einzelnen Schichten, ſondern in der mit Lehm uͤber⸗ fuͤllten Form mit einem Mahle, alſo nicht feſt genug geſtampft werden. Was aber, der Erfahrung des Herrn iꝛc. von Hezel zufolge, zur Vermehrung der Feſtigkeit der Pisé-Steine von Nutzen ſeyn kann, iſt, in der zu ſtampfenden Dicke des Steins ab, Fig. 37 B, in den Gegenden e und d kleine duͤnne Hoͤlzer dergeſtalt zu legen, daß naͤhmlich das Holz bei c, in der Richtung e g, Fig. 37 A, und das Holz bei d in der Richtung k h, alſo jedes Mahl uͤbereck gelegt wird. Bei großen Pisé-Bauten wuͤrde es rathſam ſeyn, den Staͤmpfer, wie bei Pochwerken, an eine Feder zu haͤngen, und die Form ſo einzurichten, da . 5 5. ſelbige in einem Geleiſe hin und her geſchoben, oder auch nur der Staͤmpfer, nachdem die Arbeit fortruͤckt, verſetzt werden koͤnnte, welches die Arbeit des Stampfens ſehr erleichtern wuͤrde. Sind nun die Steine geſtampft, ſo wer⸗ den die Keile geloͤſt, und die Krammen aufgemacht, worauf man dann die Wan⸗ gen abnehmen und die Steine bequem heraus nehmen kann. Die verfertig⸗ ten Pisé-Steine werden nun an einem der Zugluft ausgeſetzten, oben bedeck⸗ ten Orte zur voͤlligen Austrocknung, mit einigen Zwiſchenraͤumen, auf und gegen einander geſtellt. Dieſe voͤllige Austrocknung erfolgt ſehr bald, und da⸗ her iſt es nicht noͤthig, vielmehr wuͤrde es ſchaͤdlich ſeyn, ſie jaͤhlings an der Sonnenhitze trocknen zu wollen. §. 21. Vom Ver⸗ In Abſicht der Vermauerung dieſer Steine iſt weiter nichts zu erinnern, mausen der als daß ſolches, wie bei gewöhnlichem Mauerwerk mit Ziegeln in Verband geſchieht, wobei die Fugen moͤglichſt duͤnne zu halten, und, wenn bloß mit Lehmmoͤrtel gemauert wird, dahin geſehn werden muß, daß die Fugen außer⸗ halb etwas offen bleiben. Daß Lehm- oder Pisé-Steine am zweckmaͤßigſten mit einem Lehmmoͤrtel vermauert werden, iſt wohl einleuchtend genug, obgleich die Erfahrung lehrt, daß der zum Moͤrtel verbrauchte Lehm, beſonders wenn die Fugen der Pisé- Steine etwas groß gelaſſen werden, zuſammen ſchwindet, da er nicht die Dichtigkeit der Steine beſitzt. Dieſes Schwinden iſt nun beim Kalke nicht ſo ſehr der Fall, indeß kann der dem Lehmmoͤrtel hieraus entſpringende Vorwurf durch ein fleißigeres Vermauern der Pisé-Steine mit kleinern Fugen fuͤglich aufgehoben werden. Wenn daher einige erfahrne Baumeiſter den Kalkmöͤrtel, auch zum Vermauern der Lehmſteine im allgemeinen, in Vorſchlag bringen; ſo gebe ich ſolches nur in ſo fern zu, als dieß dazu beitraͤgt, den Abputz hiernaͤchſt an den Kalkfugen haltbarer zu machen, wie weiterhin vorkommen ꝙp — und andern Lehm⸗Bauarten uͤberhaupt. 37 wird. Um dieß zu bewirken, duͤrfen aber nur die aͤußern Grenzen der Fugen, und zwar nur an den Front⸗Mauern, mit einem Kalkmoͤrtel, und der uͤbrige Theil der Fugen durch die Dicke der Mauer mit Lehmmoͤrtel vermauert wer⸗ den, welches, obgleich muͤhſam, jedoch beiden Zwecken, naͤhmlich der Haltbarkeit des Putzes, und, durch den Lehmmoͤrtel, einem beſſern Verband der Lehm⸗ ſteine genuͤgen wuͤrde. Herr Bau⸗Director Dauthe in Leipzig hat ſich vielfaͤltig des folgenden Moͤrtels zum Mauern mit Nutzen bedient, wozu ihm vielleicht die Geſchichte, nach welcher in Aegypten die Lehmziegel mit dem bei Babylon gefundenen Erdpech vermauert wurden, Veranlaſſung gegeben haben mag. Ein Kubikfuß Waſſer wird in einem gegoſſenen, eiſernen Keſſel oder Grapen ſiedend gemacht, und unter beſtaͤndigem Umruͤhren, vermittelſt ſtarker Reiſer, mit † Kanne oder 24 Kubikzoll reinem Schiffstheer vermiſcht, und bis zur voͤlligen Vermiſchung wird mit dem Umruͤhren fortgefahren. Nun wird geſiebte Pisé-Erde mit dieſem Theerwaſſer vermiſcht, und daraus ein Mauermoͤrtel gemacht, wobei darauf zu ſehn iſt, daß dieſe Vermiſchung geſchieht, waͤhrend das Waſſer noch warm iſt. Weil es bei den Pisé-Steinen nicht ſo leicht angeht, als bei Mauer⸗ ſteinen, durch halbe und Viertelſteine, oder ſogenannte Quartierſtuͤcke, die be⸗ ſtimmte Laͤnge eines Stuͤcks Mauerwerk und zugleich den Verband zu erhalten; ſo wuͤrde es gut ſeyn, und eben ſo leicht angehn, bei dem Entwurf zu einem Gebaͤude die Weite zwiſchen den Fenſtern und Thuͤren und andern Dimenſionen des Gebaͤudes dergeſtalt zu beſtimmen, daß immer in der Laͤnge ſo wohl, als auch in Abſicht einer nach Verhaͤltniß ihrer Dicke angenommenen Hoͤhe, eine Anzahl ganzer Steine gerade hinreichte. Uebrigens koͤnnen die geſtampften Pisé-Steine, vermittelſt einer ſogenannten Steinſaͤge ohne Zähne, auch in halbe und ¾ Steine fuͤglich zerſchnitten werden. §. 22. Ehe wir nun von dem Abputze der Pisé-Mauern und andern Nebenſtuͤcken Vortheile d. reden, welche die Pisé-Mauern der erſten Art, naͤhmlich derjenigen, die zwi⸗ Jnne nun ſchen Formen in Einem Stuͤck geſtampft, gegen die der zweiten Art, d. i. der⸗ Piss-Stei⸗ jenigen, die aus einzelnen, zuvor geſtampften Steinen aufgefuͤhrt werden, noth⸗nen. wendig machen, wird es noͤthig ſeyn, die Vortheile und Nachtheile beider Bau⸗ arten zu erwaͤgen. Die erſt gedachten Pisé-Mauern erfordern, wie wir geſehn haben, viele 38 Vom Pisé-Bau ins beſondere, genau gearbeitete Geruͤſte, Bretter und Eiſenwerk. Dieſe Mauern muͤſſen ganz im Freien aufgefuͤhrt werden, und ſind daher, ehe ſie unter Dach kom⸗ men, mancherlei Unfaͤllen durch ſtarke Regenguͤſſe ausgeſetzt. Ferner gehoͤrt eine bis jetzt noch nicht genug geuͤbte Erfahrung dazu, die folgenden Pisé- Saͤtze gehoͤrig lothrecht und in Verband auf die untern, bereits geſtampften Saͤtze zu bringen, welches, wenn es nicht gehoͤrig beobachtet wird, nicht nur einen unangenehmen Eindruck macht, ſondern ſogar dem mit dieſer Bauart unbekannten Auge gefaͤhrlicher zu ſeyn ſcheint, als es vielleicht wirklich iſt. Auch das oftmahlige Ablothen und Verſetzen der Geruͤſte verurſacht viel Zeitverluſt. Zu allem dieſem kommt dann noch, daß, da der Lehm in ſeiner natuͤrlichen Erdfeuchtigkeit zum Pisé-Bau uͤberhaupt verwendet werden muß, dieß bei dem Stampfen in Geruͤſten, wegen etwaniger Entfernung des Baues von der Lehmgrube, oft nicht moͤglich iſt, daß ferner, wegen der noͤthigen Be⸗ ſchleunigung des Baues, viele Menſchen auf ein Mahl erfordert werden, und daß endlich, wenn die Saͤtze nicht ſchnell genug gegen einander geſtampft wer⸗ den koͤnnen, und zu trocken werden, dieß zuweilen Riſſe und Fugen in der Mauer veranlaßt. Dagegen koͤnnen die Pisé-Steine an einem bedeckten Orte und faſt zu jeder Zeit angefertigt und aufbewahrt werden, und mit ihrer Anfertigung iſt zugleich die Hauptvorbereitung zum Bau geſchehn. Dieſe Arbeit kann auch zu einer Zeit geſchehn, wann mancher Arbeiter nichts an⸗ ders zu thun hat, anſtatt daß das Pisé-Stampfen im Freien nur zur Som⸗ merzeit, wann die Feld⸗ und andere Arbeit viele Menſchen beſchaͤftigt, vor ſich gehn muß, weshalb ſie dann ſeltner zu haben und theurer ſind. Endlich, ſo ſind die im Vorrath geſtampften Pisé-Steine trockner, mithin nicht nur zweck⸗ maͤßiger zum Bau zu verwenden, ſondern auch leichter, als der friſch ausge⸗ grabene Lehm heran zu fahren, wie denn auch, da die Mauern alsdann ge⸗ wiſſer Maßen gleich nach dem Aufmauern trocken ſind, ein haltbarer Putz ſo⸗ gleich angetragen werden kann. Ferner haben wir aus der vorhergehenden Beſchreibung erſehn, daß die Ausfuͤhrung der Fenſter⸗ und Thuͤroͤffnungen in dieſen Pisé-Mauern mancher⸗ lei Umſtaͤnde erfordert, und daß die Hervorbringung rechtwinklichter Seiten an den Ecken der Gebaͤude faſt unbedingt eine Ausfuͤllung mit Mauerſteinen erfordert, die auch an ſich ſehr gut ſeyn muͤſſen, und worin doch mancher Stein durch das Stoßen mit dem Staͤmpfer zerbricht. Iſt hingegen das Fundament gelegt und das Dach abgebunden, und ſind Materialien zur Bedeckung deſſelben vorhanden, auch die Pisé-Steine fertig; und andern Lehm-Bauarten uͤberhaupt. 39 ſo kann von letztern die Mauer in kurzer Zeit anfgefuͤhrt, das Dach aufge— bracht und gedeckt werden, ſo daß die Mauern alsbald vor allen Zufaͤlligkei⸗ ten der Witterung geſichert ſind, und da auch die Austrocknung der Pisé- Steine ſchon geſchehn iſt, ſo kann ein davon errichtetes Gebaͤude, wenn es ſeyn muß, noch eher bezogen werden, als eins von den friſch geſtampften und noch nicht hinlaͤnglich ausgetrockneten, groͤßern Maſſen, die, weil die heftige Sonnenhitze zum Theil die Austrocknung bewirkt, auch davon Riſſe und Spruͤnge bekommen, beſonders da, wo die einzelnen Theile mit einander ver⸗ bunden werden. Mit den Fenſter⸗ und Thuͤroͤffnungen hat es beim Gebrauch der Pisé-Steine gar nichts zu ſagen, indem ſelbige mit ſolchen ohne alle Umſtaͤnde richtig aufgefuͤhrt werden koͤnnen, auch wird ſelbſt eine Ausfuͤllung der Ecken mit Mauerſteinen zugleich leicht zu bewirken ſeyn, wenn naͤhmlich die Groͤße der Pisé-Steine auf die§. 19 erwaͤhnte Art mit den zu verwen⸗ denden, gebrannten Steinen in ein gehoͤriges Verhaͤltniß geſetzt worden iſt. Nach allem dieſem ſollte wohl der Pisé-Arbeit mit einzelnen Steinen der Vorzug vor der andern Art, in ganzen Maſſen zu ſtampfen, gebuͤhren. Daß wir aber ohne weitern Beweis auch anfuͤhren ſollten, letztere Arbeit ſey feſter als jene, davon iſt der Grund nicht einzuſehn. Ja, mag es ſogar, wie die Erfahrung zu beſtaͤtigen ſcheint, wohlfeiler ſeyn, gerade Bewaͤh⸗ rungsmauern, worin keine Thuͤr⸗ und Fenſteroͤffnungen vorkommen, die auch nicht ſehr hoch zu ſeyn pflegen, und wobei eine beſonders accurate Ar⸗ beit nicht ſo ſehr noͤthig iſt, theilweiſe in großen Maſſen zu ſtampfen; ſo wird dennoch beim Haͤuſerbau die Bauart mit einzelnen Pisé-Steinen ge⸗ wiß vortheilhafter und beſſer anzuwenden ſeyn. §. 23. Den aus Lehmpatzen, Luftſteinen, Pisé, oder uͤberhaupt aus Lehm auf⸗Vom aͤußern e. 5 2.. 4 d 2 gefuͤhrten Mauern einen haltbaren aͤußern Abputz, und dadurch zugleich die Aopuge der noͤthige Decke gegen Einwirkung der Witterung zu geben, iſt eine der ſchwie⸗Piss- und .— ,. ützli ¹ lb den anderer rigſten Aufgaben, und hat, ſeiner Nothwendigkeit und Nuͤtzlichkeit halber, ne huumanern, Erfindungs⸗ und Beobachtungsgeiſt mancher Baumeiſter und Freunde der oͤkonomiſchen Baukunſt bereits beſchaͤftigt. Wenn man naͤhmlich die zeitherigen vielen Erfahrungen zuſammen ſtellt, ſo findet ſich, daß ſo wohl ein auf gewoͤhnliche Art angeworfener, als ein nach kuͤnſtlichern Vorbereitungen angetragener Kalkanwurf oder anderer Abputz, in 40 Vom Pisé-Bau ins beſondere, einigen Faͤllen ſich fortdauernd gut erhalten hat, in andern dagegen ſehr bald wieder abgefallen iſt. Solche Verſchiedenheit in der beſtehenden Erfahrung beweiſet offenbar, daß die heterogenen Eigenſchaften des Kalks, gegen die des Lehms, nicht in jedem Falle mit gleicher Leichtigkeit durch die Kunſt gehoben werden, ſondern vielmehr, daß außer einer, auf Beobachtung und Erfahrung gegruͤndeten Be⸗ handlung, bei Auffuͤhrung der Mauern ſelbſt, auch auf die Guͤte oder Feſtig⸗ keit des getrockneten Lehms in Ruͤckſicht der Wahl der Mittel, dem Abputze Haltbarkeit zu geben, geſehn werden muͤſſe. So iſt es naͤhmlich einleuchtend, daß auf einer, aus fetten, folglich nach der Austrocknung ſehr harten und feſten Lehmſteinen aufgefuͤhrten Mauer der Kalkanwurf bloß in den offen ge⸗ laſſenen Fugen ſich feſter halten muͤſſe, als wenn die Steine aus magerm und daher nach der Austrocknung broͤcklichtem Lehm gemacht ſind, weil die Feuch⸗ tigkeit des friſch angetragenen Kalks den fetten Lehm nicht ſo leicht erweicht, und folglich der Kalkanwurf bei ſeiner Austrocknung an den Lehmſteinen feſtere Anhaͤngepunkte findet. Wenn wir nun in Betrrachtung ziehn, daß theils hierauf ſelten geachtet, andern Theils auf die Jahreszeit und Witterung, in welcher dergleichen Lehm⸗ mauern aufgefuͤhrt und vielleicht vor ihrer voͤlligen Austrocknung beputzt wer⸗ den, wenig Nuͤckſicht genommen wird, welches letztere doch ganz vorzuͤglich auf die Haltbarkeit des Abputzes Einfluß hat; ſo ergiebt ſich zugleich, warum, wie vorgedacht, an einem Orte(wo alle dieſe Erforderniſſe vielleicht durch guͤnſtige Umſtaͤnde ſich von ſelbſt ergaben) die allereinfachſten Mittel einen haltbaren Abputz bewirkten, waͤhrend an andern Orten(wo beſondere, unguͤnſtige Um⸗ ſtaͤnde zuſammen trafen) auch durch die muͤhſamſten Mittel kein feſter Abputz erhalten werden konnte. Anm. Die voͤllige Austrocknung der Lehmmauern vor dem Abputzen iſt nicht allein deshalb nothwendig, damit der Anwurf feſtere und haͤrtere Flaͤchen, um ſich anzuhaͤngen, finde, ſondern auch, weil, wenn eine noch feuchte Lehmmauer geputzt wird, der Kalk fruͤher, als die Lehmmauer ſelbſt trocknet, letztere ſich daher ſpaͤter ſetzt, und ſo von dem Abputze ſich abloͤſt. Wir finden ja in der Erfahrung, daß, obgleich der Kalkanwurf auf einer, aus gut gebrannten Steinen beſtehenden Mauer in der Regel ſehr feſt bin⸗ det, derſelbe dennoch an einigen Orten ſchlechterdings nicht feſt verbleiben will, wenn vielleicht in der Wahl der Jahreszeit, ſowohl zur noͤthigen Austrock— nung der Mauer, als des Putzens ſelbſt, gefehlt worden, oder wenn die Steine von ſchlechter Beſchaffenheit ſind. Auch in ſolchen Faͤllen muͤſſen wir uns kuͤnſt⸗ — ,— und andern Lehm⸗Bauarten uͤberhaupt. 41 kuͤnſtlicher Mittel bedienen, den Mauern die gegen die Witterung erforderliche Decke zu verſchaffen, als z. B. durch Abſchlagung des alten Putzes, Auf⸗ hauung der Fugen, Antragung einer Art Cement⸗Moͤrtels, oder Abreiben und Oehlen der Mauerflaͤche ꝛc. Da nun uͤberdieß wohl niemand die ungebrann⸗ ten Steine mit den gebrannten in gleichen Rang ſetzen, noch behaupten wird, daß der Kalkanwurf auf den Lehmſteinen dieſelbe Verbindung, wie an guten gebrannten Steinen eingehe; ſo folgt von ſelbſt, daß in der Regel nur durch kuͤnſtliche Mittel den Lehmmauern ein haltbarer Abputz gegeben werden kann, und es darf nur noch bloß die Frage ſeyn, welches unter den verſchiedenen bekannten Mitteln das wohlfeilſte, zweckmaͤßigſte und uͤberall anwendbarſte ſey. Da die im Ganzen geſtampften Pisé-Mauern keine Fugen haben, ſo wollte Cointerauy(ſiehe erſten Theil dieſes Handbuchs Seite 34), daß mit einem Spitzhammer viele Vertiefungen, welche in ſchraͤger Richtung von oben nach unten in die Mauer gehn, gemacht werden ſollten, um dadurch dem Kalkanwurfe Anhaͤngepunkte zu verſchaffen, welches aber in der Regel nicht hinlaͤnglich iſt. Anm. Schon fruͤher habe ich angezeigt, wie man beobachtet haben wolle, daß der Mergelkalk beſſer als der Steinkalk ſich an Lehmmauern halte, und Vitruv berichtet, daß die Alten lieber den Kalk, der aus einem durchloͤcherten Kalkſtein gebrannt war, als den aus feſtem Kalkſteinl, zum Abputze auf Lehmmauern waͤhlten, obwoh⸗ letzterer beſſer zum Mauern erachtet wurde. Auch gaben ſie dem magern Flußſande den Vorzug vor dem fetten Grubenſande. Uebrigens machten ſie auf einem zwei⸗ bis dreimahligen Anwurfe von ſolchem Kalkmoͤrtel noch einen zwei⸗ bis dreimahligen Anwurf von Marmorſtaub und Kalk. Herr von Goldfuß raͤth folgenden Abputz: Nachdem die Lehmmauer ausgetrocknet iſt, wird ſelbige mit einem abgeſtumpften Beſen vom Staube gereinigt, dann angefeuchtet, mit einem aus Lehm, gehacktem Stroh und Flachsſchefen beſtehenden Moͤrtel ſtark beworfen, abgerieben, und wenn der Anwurf etwas betrocknet, aber noch weich iſt, werden mit einem ab⸗ geſtutzten Beſen dicht neben einander kleine Loͤcher hinein geſtoßen. Gleich darauf wird ein mit grobem Kies und Kaͤlberhaaren vermiſchter Putzkalk angeworfen, mit dem Reibebrette glatt gerieben, und nach einiger Abtrocknung werden abermahls mit dem abgeſtumpften Beſen Loͤcher hinein geſtoßen, ſo daß er das Anſehn eines Krausbewurfs erhaͤlt. Endlich wird dieſer Abputz mit einer Miſchung aus friſch geloͤſchtem Kalk und Rinderblut beſtrichen, welche demſelben eine gruͤnliche Farbe giebt. Herr ꝛc. Boͤthke, in ſeiner ſchon mehr gedachten Schrift, findet den beſten Putz⸗ moͤrtel in dem aus Kalk, Kaf und Lehm gemiſchten ſogenannten Sparkalk, und raͤth an, nach geſchehener guten Austrocknung, wieder einige feuchte Witterung zum Antragen des Abputzes abzuwarten. So viel iſt nach der Erfahrung gewiß, daß das Putzen bei ſehr heißer, trockner Witterung nicht ſo vortheilhaft fuͤr die Dauer geſchieht, als bei truͤbem, kuͤhlem, wenn auch nicht feuchtem Wetter; indeß ſcheint es doch, wie gedacht, und ungeach⸗ tet ſich Herr B. aus Erfahrung von der Dauerhaftigkeit dieſes Abputzes uͤberzeugt haͤlt, außer der guten Austrocknung der Lehmmauern vor dem Abputzen, im Allgemeinen auf Vorrichtungen anzukommen, welche an der Lehmmauer ſelbſt vorgenommen werden muͤſſen, um dem Abputze die erforderlichen Anhaͤnge⸗Punkte zu verſchaffen. F 4² Vom Pisé-Bau ins beſondere, Ich werde zu dem Ende hier dasjenige mittheilen, was in Schleſien auf den Guͤtern des Herrn Baron von Leſtewitz, in und bei Leipzig vom Herrn Dauthe, und auf verſchiedenen Huͤttenwerken von dem Ober⸗Berg⸗ rath Herrn Eiſelen, hierin gethan und zweckmaͤßig befunden iſt. Die Zubereitung der in ganzen Maſſen geſtampften Pisé-Mauern, Be⸗ hufs des Abputzes, geſchah nach S. 26 in Schleſien von den Herren Kade und Unverricht dadurch, daß auf jeder, etwa 3 Zoll hoch geſtampften Schicht Kalkmoͤrtel⸗Streifen mit eingedruͤckten kleinen Mauerſtein-Stuͤcken an die Formbretter gelegt und in jeder Schicht mit eingeſtampft wurden, wo⸗ durch die Mauern an ihren aͤußern Flaͤchen, in geringen Entfernungen uͤber einander, Streifen von einem Material erhielten, mit welchem der Kalkanwurf die innigſte Verbindung eingeht. Außerdem wurden noch, ſo bald die Stampf⸗Form abgenommen worden, Loͤcher mit einem Spitzhammer in die Lehmwand geſchlagen. War die Austrocknung der Mauer geſchehn, ſo ward ſo viel ungeloͤſchter Kalk und geſchlaͤmmter, ſcharfer Sand genommen, als in Einem Tage zum Abputze verarbeitet werden ſollte, und zwar vom Sande 3. Aus dem Sande wurde eine Grube oder ein Becken bereitet, der ungeloͤſchte Kalk hinein gethan, und nur ſo viel Waſſer zugegoſſen, daß alles hinlaͤnglich angefeuchtet war, worauf alles bis nach voͤlligem Loͤſchen des Kalks ruhig ſtehn blieb. Spuͤrte man, daß der Kalk ſich nicht hinreichend loͤſchte, ſo wurde der Sand noch etwas mehr angefeuchtet. Hatte der Kalk aufgehoͤrt zu fermentiren, ſo miſchte man ihn mit dem Sande ſorgfaͤltig durch. Mit dieſem Moͤrtel wurde die Lehmmauer, nachdem ſolche vom Staube gereinigt, und nur ſo viel, als in einzelnen Pauſen beputzt werden ſollte, jedes Mahl beſonders benetzt worden war, zuerſt berappt. Auf dieſen Bewurf wurde, wenn derſelbe trocken war, ein gewoͤhnlich zubereiteter Putzmoͤrtel angetragen und abgeglichen, ſo daß der ganze Abputz etwa † Zoll, und wo moͤglich noch ſchwaͤcher ausfiel. Dieſer Abputz hat ſich zeither ſehr gut erhalten, ungeachtet die Daͤcher nicht uͤber⸗ gebaut ſind. Will man dieſen Abputz noch mehr zu conſerviren ſuchen, ſo uͤberſtreiche man ihn mit Steinkohlen⸗Theer, oder mit einer, mit Leinoͤhl vermiſchten Farbe. Anm. Einige dieſer Gebaͤude in Schleſien ſind auf einem ſehr ſchwachen Kalkputze, mit einer Miſchung von Leinoͤhl, Kohlenſtaub oder Ziegelmehl geſtrichen worden. Wenn man ſich nicht an das maſſive Ausſehn eines Gebaͤudes aus Lehm bindet; ſo iſt eine Schlaͤmme oder ein Anſtrich auf die bloße Lehmmauer, aus und andern Lehm⸗Bauarten uͤberhaupt. 43 Leinoͤhl, Holzaſche, Sand und Lehm, oder auch aus reiner Theergalle ſehr gut; indeß gehoͤrt hierzu eine Mauer aus ſehr feſtem, fettem Thon. Auch hat man folgenden Anſtrich vorgeſchlagen: Auf 1 Pfund Leinoͤhl, wenn es warm ge⸗ worden, werden 4 Loth kleine Stuͤckchen Pech und 3 Loth Bleiglaͤtte zugeſetzt, womit es ſo lange ſiedet, bis der hoͤlzerne Ruͤhrſtock braun wird. In warmen Sommertagen uͤberſtreicht man mit dieſer heißen Maſſe die Lehm⸗ oder auch Ziegelwaͤnde, und nach zwei oder drei Tagen, wenn es trocken iſt, wiederholt man den Anſtrich. Mit vorſtehender Quantitaͤt koͤnnen 18 Quadratfuß vier Mahl angeſtrichen werden. Wer dieſe Farbe an⸗ ders haben will, der kann ſie nachher mit einer beliebigen Oehlfarbe beſtreichen. Beſon⸗ ders an der Wetterſeite iſt ein ſolcher Ueberzug von großem Nutzen. In der Gegend von Leipzig hat man ſich anfaͤnglich eines gewoͤhnlichen Putzmoͤrtels von Eisberger Kalk und reinem Kiesſande bedient, und die⸗ ſen Moͤrtel, nachdem er ſo duͤnne wie ein dicker Theer gemacht worden, der⸗ geſtalt angetragen, daß der Maurer, indem er das Gefaͤß mit dem Moͤrtel in der linken Hand hielt, mit der Kelle in der rechten Hand eintauchte, und jedesmahl ſo viel, als ſich an die Kelle gehangen, gegen die Mauer warf. Dieſer ſo genannte rauhe oder geſtippte Putz hat ſich nun ſchon ſeit dem Jahre 1795 gut erhalten, ungeachtet man nicht fuͤr noͤthig gefunden hatte, die Fugen der aus einzelnen Pisé-Steinen verfertigten Mauern offen zu laſſen. Fruͤher gebrauchte man zum Vermauern der einzeln geſtampften Pisé- Steine dieſelbe Pisé-Erde als Moͤrtel, oder eigentlich wurden die Steine nur mit etwas Waſſer auf einander gerieben, als aber ſpaͤterhin der§. 21 be⸗ ſchriebene Moͤrtel aus Schiffstheer, Waſſer und Pisé-Erde zum Mauern An⸗ wendung fand, iſt mit demſelben auch in eben der Art, wie mit vorgedachtem Kalkmoͤrtel, geputzt worden, welches Herr ꝛc. Dauthe fuͤr wohlfeiler, als mit dem Eiſenberger Kalkmoͤrtel haͤlt. Anm. Derjenige Theer, welchen man nicht aus den Staͤmmen, ſondern aus dem Zopfholze ſchwelt, wird von den Schiffbauern fuͤr den beſten gehalten. Um die vorgedachten, bei den im Ganzen geſtampften Pisé-Mauern ein⸗ gelegten Streifen Kalk mit Steinſtuͤcken vermiſcht, auch bei den aus geſtampf⸗ ten Pisé-Steinen zu fertigenden Mauern zu erhalten, duͤrfte es vielleicht gut ſeyn, wenn die Fugen der nur mit wenigem Waſſer auf einander zu reiben⸗ den Steine etwa 3 Zoll tief von der Außenflaͤche in die Mauer mit Kalk— moͤrtel, in welchen Steinſtuͤcke zu druͤcken ſind, verlegt, und die Steine ſelbſt in moͤglichſt geringer Dicke geformt wuͤrden. Anm. Die Lehmmauern, anſtatt des Abputzes, mit Brettern zu bekleiden, verdient kaum der Erwaͤhnung. Eben ſo wenig kann es Nachahmung verdienen, die Lehmmauern mit ge⸗ brannten, in der Mitte ihrer hintern Flaͤchen mit Hakenzapfen verſehenen Flieſen zu bekleiden, wie man ſchon vorgeſchlagen hat. F 2 Vom Pisé-Bau ins beſondere, Die beim Vermauern der Lehmpatzen und Luftziegel in die Fugen gelegten hoͤlzernen Haͤkchen, in Geſtalt der Nelkenableger, haben zur Feſthaltung des Putzes recht gute Dienſte geleiſtet, nur erfordert es ein vorſichtiges Einlegen der Reiſer, wenn der Putz hiernaͤchſt nicht zu dick, und eben dadurch wieder wandelbar werden ſoll. Der hieſige Architekt, Herr Louis Catel, ſagt in ſeiner kleinen Schrift: Guter Rath fuͤr den Landmann, welcher durch die Folgen des Krieges ſein Wohnhaus, Staͤlle und Scheunen verlohren hat. Berlin 1808, bei Braunes:„Eine dreijahrige Erfahrung hat mich von der Guͤte folgenden Verfahrens, „den Abpuß auf Luftſtein⸗Mauern haltbar zu machen, voͤllig uͤberzeugt. Ich ließ kleine „Dachſtein⸗Scherben, wozu auch kleine Scherben von geſprengten Feldſteinen gebraucht „werden koͤnnen, ſogleich, nachdem ein Luftſtein geſtrichen war, auf eine ſeiner Vertikal⸗ „Flaͤchen, in den naſſen Lehm ſo eindruͤcken, daß das breite Ende des Steinchens im Lehm „ſteckte und die Spitze einen halben Zoll hervor ſah; es wurde ein Theil der zur aͤußern „Umfaſſung gehoͤrenden Steine auf die eine Laͤufer⸗Seite, und andere auf die eine Strecker⸗ „Seite auf dieſe Art beſpickt. Jede Laufer⸗Seite hatte drei eingedruͤckte Stuͤcke, und jede „Strecker⸗Seite, eines dieſer Scherben; ſie trockneten ſo feſt in den Stein, daß keine Ge⸗ „walt anders, als mit dem Zerbrechen deſſelben, den Scherben heraus ziehen konnte. Bei „dem Bau einer Mauer wurden nun die beſpickten Laͤufer- und Streckerſeiten nach außen „geſetzt. Hierdurch erhielt die aͤußere Flaͤche der Wand eine große Rauhheit, welche durch „die offenen Fugen noch vermehrt wurde. Auf dieſe rauhe Flaͤche ward der Put angetra⸗ „gen, und die Berappung mit einem ſtumpfen Beſen geſtipt, wodurch ſie noch feſter in alle „Tiefen eindrang.“ Wenn dieſes Verfahren nicht fuͤr zu koſtſpielig und umſtaͤndlich angeſehn werden muͤßte, ſo ließen ſich auch den Pisé-Steinen waͤhrend des Stampfens ſolche Steinſtuͤcke an ihren Außenſeiten beimiſchen. Den Mauern von Luftſteinen, welche gewoͤhnlich die Groͤße von gebrannten Mauer⸗ ſteinen haben, iſt am ſicherſten durch eine, einen halben Stein ſtarke Verblendung von gebrannten Steinen ein halibarer Abputz zu verſchaffen. An dieſe Vorſchlaͤge ſchließt ſich die Erfindung des ſchon fruͤher erwaͤhnten Ruſſiſch⸗ Kaiſerlichen Hofraths und Profeſſors, Herrn von Hezel, vermittelſt einer Art von Be⸗ rohrung den Abpuß auf Lehmauern haltbar zu machen. Schon in der Sammlungen nuͤtzlicher Aufſaͤtze ꝛc., die Baukunſt betreffend, ſechstem Jahrgange im zweitem Bande bemerkte ich, daß in No. 134 des Hamburger Correſpondenten vom Jahre 13805 in einem Schreiben aus Mitau geſagt worden:„Der erſt kuͤrzlich „errichteten Univerſitaͤt Dorpat ſcheint Europa die Ehre der Erfindung ſehr einfacher „Mittel aufbewahrt zu haben, ſo wohl an Gebaͤuden mit Lehmpatzen, als von Pisé einen „vollkommen haltbaren Kalkbewurf, vermittelſt einer aͤußerſt wohlfeilen Berohrung zu „geben.“ Da ich mir damahls eine aus Drath, Naͤgeln und Rohr beſtehende Berohrung dachte, ſo hielt ich ſolche ſchon deshalb fuͤr zu koſtſpielig. Nach der Zeit habe ich durch den verehrungswuͤrdigen Landrath, Herrn Baron von Loͤwenſtern, die von dem Hamburger Torreſpondenten gemeinte Schrift des Herrn von Hezel erhalten, welche den Titel fuͤhrt: Zuruf an Rußlands Voͤlker zur Einfuͤhrung nicht nur ſchoͤnerer, ſondern auch dauerhafterer, Feuerſicherer und doch wohlfeiler Haͤuſer ꝛc. Dorpat 1805, bei Gauger, und daraus erſehn, daß die Berohrung zwar ohne Drath und Naͤgel geſchieht, dennoch aber wegen der muͤhſamen Arbeit immer noch zu koſtbar ſeyn duͤrfte. Die Erfindung des Herrn von Hezel theilt ſich in dreierlei Vorſchlaͤge, naͤhmlich e, aus Baſt(Baſtmatte) mit einem Knoten an einem Ende ver⸗ erſtlich:„es ſollen klein „ſehne Flechten oder Zöpfe gemacht, und deren ſo viel als moͤglich beim Mauern in die 42 in und andern Lehm⸗Bauarten uͤberhaupt.. 45 „Fugen dergeſtalt eingelegt worden, daß nur die Knoͤtchen vorſtehn, an welche ſich hier⸗ „naͤchſt der Putz halten ſoll.“ Zweitens:„Beſſer noch werde dieſer Zweck erreicht, wenn man geſpaltene Ruthen „oder Teichrohrſtiele(Schilfrohr) in ihrer natuͤrlichen Laͤnge allemahl in 6zoͤlligen Ent⸗ „fernungen von einander mit ungefaͤhr 6 Zoll langen Baſtbaͤndern umſchlinge, dicht hinter „dem Rohrſtengel einen Knoten mache, und bei jeder aufgemauerten Schicht dergleichen „bebundene Rohrſtengel laͤngs der laufenden Fuge dergeſtalt einlege, daß nur die volle „Rohrdicke vor der Mauer vorſtehe, die Enden der Baſtbaͤnder aber mit eingemauert „wuͤrden.“ Drittens:„Am ſicherſten und beſten werde aber der Abputz auf Lehm⸗Mauern „dadurch erhalten, wenn die eben gedachten Rohrſtiele laͤngs den laufenden Fugen, um ſo „viel von der Mauer vorgelegt wuͤrden, daß hiernaͤchſt noch andere Rohrſtiele hinter die „erſtern, und zwar perpendiculair, geſteckt werden koͤnnten.“ So lange der Baſt innerhalb des aͤtzenden Kalkanwurfs dauert, ſo lange muß aller⸗ dings der Abputz ſehr haltbar ſeyn. Erfahrungen ſprechen noch nicht dafuͤr; indeſſen iſt eine ſolche Berohrung, ſchon der muͤhſamen Arbeit und Koſten wegen, nicht fuͤglich zu rathen. Der K. Ober⸗Bergrath, Herr Eiſelen, der mir viele ſeiner gruͤnd⸗ lichen Erfahrungen im Pisé- und Lehmpatzen⸗Bau mitzutheilen die Guͤte gehabt hat, raͤth folgenden Putzmoͤrtel an: 2 Theile geloͤſchten ½ Theil venbſcſen Kalr 1 ¾ fein geſtoßnes Ziegelmehl. zu Sand geſtoßene Eiſenſchlakken, oder andere glaſige Eiſen⸗ ſchlakken. Theil ordinaͤren, reinen, grobkoͤrnigen Sand. Theile geloͤſchten Theil vüuſcenn Kalr. 1½ Ziegelmehl. ½ Theil Schlakkenſand. 1 ¾ ordinaͤren, reinen, grobkoͤrnigen Sand. Der ungeloͤſchte Kalk wird ſehr gut pulveriſirt, die uͤbrigen Species wer⸗ den mit Waſſer fleißig durch einander gemiſcht und zu einem Brei geſchlagen, alsdann wird das Kalkpulver zur Verdickung hinzu gethan; dieß ſoll einen aͤußerſt feſt bindenden Putzmoͤrtel geben. Hat man nicht Schlakken genug(welche jedoch in jeder Dorfſchmiede ſich finden werden), ſo kann man dieſen Abputz vorzuͤglich auf der Wetterſeite der Gebaͤude gebrauchen. In einem ſchriftlichen Aufſatze hieruͤber ſagt Herr ꝛc. Eiſelen:„Wenn „man ein frappantes Beiſpiel ſehen will, wie ſich meine erwaͤhnte Miſchung Hb Oder: 0 D olr⸗ 46 Vom Pisé-Bau ins beſondere, „des Putzmoͤrtels mit gepochten, glaſigen Schlakken, gegen diejenige verhaͤlt, „die man insgemein, durch bloße Vermiſchung mit Sand, ohne Auswahl „anzuwenden pflegt; ſo darf man nur eine Reiſe nach Hegermuͤhl, am „Finow⸗Kanal, machen. Dort iſt vor mehrern Jahren, auf Veranlaſſung „des Koͤnigl. Preuß. Forſt⸗Departements, eine Hegemeiſter⸗Wohnung ange⸗ „legt, mit Lehmpatzen in den aͤußern Waͤnden erbaut und auf gewoͤhnliche „Art geputzt worden. Schon in dem darauf folgenden Jahre war der meiſte „Putz abgefallen, ſo daß die Gebaͤude ein ruinirtes und unangenehmes An— „ſehn hatten, und da, wo die Witterung wirken konnte, in den Waͤnden aus— „gewaſchen waren, auch jetzt(1805) wohl ſchon zum dritten Mahle reparirt „ſeyn moͤgen. „Gleichzeitig iſt auf dem nahe dabei belegenen Meſſingwerke ein anſehn⸗ „liches Stallgebaͤude mit Pultdach, hohem Giebel und freier, gegen Abend „liegender Ruͤckwand, gleichfalls von Lehmpatzen, aufgefuͤhrt und mit dem von „mir vorgeſchlagenen Moͤrtel beputzt worden. Noch im December vorigen „Jahres war an dem Putze dieſes Gebaͤudes nicht die geringſte, irgend be⸗ „deutende Verſehrung wahr zu nehmen, ungeachtet der in beiden Faͤllen an⸗ „gewandte Lehm zu den Lehmpatzen von ein und derſelben Feldmark und von „einerlei Beſchaffenheit geweſen iſt, und letzt gedachtes Gebaͤude, auf einem „der hoͤchſten Punkte in dortiger Gegend, der Witterung von allen Seiten „ausgeſetzt ſteht. Aehnliche Beiſpiele liefert das Koͤnigliche Kupferhammer⸗ „werk bei Neuſtadt Eberswalde ꝛc.“ Uebrigens haͤlt Herr Eiſelen gleich— falls fuͤr noͤthig, ſo wohl zur allgemeinen Feſtigkeit dieſer Gebaͤude, als auch aus der beſondern Ruͤckſicht zur Feſthaltung des Abputzes, die Ecken der Thuͤren und Fenſter⸗Einfaſſungen von gebrannten Mauerſteinen aufzu⸗ fuͤhren. Beilaͤufig muß ich bemerken, wie Herr Eiſelen aus Erfahrung ſich uͤberzeugt haͤlt, daß es beſſer ſey, Pisé-Steine, Lehmpatzen und Luftſteine ꝛc. mit Kalkmoͤrtel, als mit Lehm zu vermauern, auf welche Art dann auch die oben von ihm angefuͤhrten Gebaͤude erbaut worden ſeyen. Ich trete dieſer Meinung in ſo fern vollkommen bei, als der Kalk in den Fugen zur Feſthal⸗ tung des Abputzes allerdings viel beitraͤgt; vielleicht iſt aber eben dieß auch dadurch zu erreichen, wenn, wie ich ſchon vorhin§. 22 gedacht, nur ein Theil der Fugen, der mit dem Abputze in Beruͤhrung kommt, mit Kalk, uͤbrigens alles nur mit Lehm vermauert wird. In Ruͤckſicht aller hier beſchriebenen Vorſchlaͤge und Beiſpiele bemerke —ᷣ und andern Lehm⸗Bauarten uͤberhaupt. 47 ich im Allgemeinen, daß, wenn der Bau aus Lehmpatzen, Luftſteinen, oder Pisé immer nur als ein wohlfeileres Erſatzmittel gegen den Bau aus ge⸗ brannten Steinen angeſehn werden muß, man auch bei Aufſuchung der Huͤlfs⸗ mittel, einen dauerhaften Abputz derſelben zu erhalten, ſich nicht von dieſem Geſichtspunkte entfernen und einen Abputz in Vorſchlag bringen darf, wodurch der Vortheil dieſer Bauart in Abſicht der Koſten wieder verloren geht; viel⸗ mehr muß der Abputz auf dergleichen Lehmmauern, wenn nicht wohlfeiler, doch auch nicht koſtſpieliger, als auf Mauern von gebrannten Steinen ſeyn. Aus dieſem Grunde kann ich nur den, von den Herren Eiſelen, Dauthe, und an den gedachten Orten in Schleſien angewendeten Methoden beitreten, und, ſo wohl im Vertrauen auf die Sachkenntniß dieſer Maͤnner, als auch aus eigener Ueberzeugung, ſolche als die zweckmaͤßigſten und anwendbarſten Mittel empfehlen. Mit dem innern Abputze der Lehmwaͤnde hat es dagegen weit weniger Schwierigkeiten. Wenn naͤhmlich dieſe Waͤnde nur ganz ſchwach beputzt und abgerieben werden, ſo haͤlt ſich ſolches in der Regel ſehr gut. §. 24.. Um den aus Pisé, Lehmpatzen oder Luftſteinen aufgefuͤhrten Bewaͤhrungs⸗Von Abdek⸗ mauern die noͤthige Bedeckung oder Abdachung zu geben, wird, wenn die ngane Abdeckung mit Dachſteinen geſchehen ſoll, zufoͤrderſt die Oberflaͤche der Mauer, mauern aus nachdem ſolche in gehoͤriger Form nach Fig. 38 abgeſchraͤgt worden, ange⸗ Lehm. feuchtet, mit vielen Mauerſtein⸗Brocken ausgedruͤckt, und eine etwas uͤber einen Zoll dicke Lage von Kalkmoͤrtel darauf gelegt, und in dieſe werden die Dach⸗ ſteine in doppelter Deckart eingedruͤckt. Ein weniger vortheilhaftes Verfahren hierbei iſt, einige hoͤlzerne Unter⸗ lagen, a Fig. 39, welche an den Seiten uͤber die Mauer greifen, in etwa vierfuͤßigen Entfernungen, auf die Mauer zu legen, mit Brettern bb, welche an den Seiten einige Zoll uͤber die Unterlagen hervorragen, abzudecken, und zwiſchen die Unterlagen bis an die Deckbretter mit Strohlehm auszufuͤllen. Da der Wind dergleichen Bedeckung ſehr leicht beſchaͤdigt, ſo werden gewoͤhn⸗ lich die Deckbretter noch an verſchiedenen Orten mit Haufen von vermiſchtem Lehm, Stroh und Ziegelſtuͤcken, zwiſchen welche auch noch Strohlagen gelegt werden koͤnnen, belaſtet. S. 2 Von der . 25. ſchicklichen Unter die Urſachen, welche den Lehmmauern ſchon ſehr oft unverdienten Jahreszeit, Tadel zugezogen haben, gehoͤrt beſonders die unſchicklich gewaͤhlte Jahreszeit aufzufuͤhren. 48 Vom Pisé-Bau ins beſondere, zum Bauen. Es iſt nicht zu laͤugnen, daß das rohe Lehm⸗Material eine noch vorſichtigere Wahl der Bauzeit und Witterung, als gebrannte Mauerſteine erfordert, da es ein leicht zu erweichendes Material iſt; allein auch von den Mauern aus gebrannten Steinen lehrt die Erfahrung, daß, wenn ſie im ſpaͤten Herbſte erſt vollendet werden, ſie vom Froſte, oder viel— mehr von einem ſchnellen Wechſel zwiſchen feuchter Witterung und Froſt, ſehr leiden, und, wie bereits§. 6 angemerkt worden, ſelbſt Feldſtein⸗Mauern von einem heftigen Regen ſo erweicht werden koͤnnen, daß ſie zuſammen ſtuͤrzen. Anm. In den Hamburger Addreß⸗Comtoir⸗Nachrichten vom Maͤrz 1¹796 wird folgendes Beiſpiel angefuͤhrt:„In Hamburg ſiel ein, aus Pisé erbautes Gebaͤude ein, weil es zu „ſpaͤt im Herbſte angefangen worden, und alſo nicht gehoͤrig austrocknen konnte; auch „hatte man eine Seite des Hauſes ohne ein gehoͤrig erhoͤhtes Fundament an die Doſſirung „des Walles geſetzt, wodurch der Schnee ſich gegen dieſe Mauer lagerte und das herunter „rieſelnde Waſſer die Wand erweichen und durchnaͤſſen koͤnnte.“ War bei einem ſo un⸗ regelmaͤßigen Verfahren wohl etwas anders zu erwarten? Bei allen Bauten aus Lehm iſt hauptſachlich dahin zu ſehn, daß ſolche in der erſten Haͤlfte des Jahres unter Dach gebracht werden, nicht nur, weil in dieſer Zeit gewoͤhnlich der wenigſte Regen faͤllt, und die Mauern noch Zeit zum Austrocknen behalten, ſondern auch, damit ſelbige, nach geſchehener Austrocknung, in den heißen Sommertagen, oder doch noch bei guter Jahres⸗ zeit geputzt werden koͤnnen, indem ſie nicht, ſo wie Mauern aus gebrannten Steinen, den Herbſt und Winter hindurch ohne Abputz gelaſſen werden ſoll⸗ ten. Gegentheils muß aber auch damit nicht fruͤher im Jahre angefan⸗ gen werden, als bis keine ſtarken Froͤſte mehr zu befuͤrchten ſind, weil der Froſt der gefaͤhrlichſte Feind der noch naſſen Lehmmauern iſt. Dieſer Umſtand, in Vergleichung mit der Groͤße des Gebaͤndes und der Anzahl der Arbeiter, muß daher auch um ſo mehr beruͤckſichtigt werden, wenn von einem Gebaͤude von zwei Etagen die Rede iſt, und ſelbſt ein großes Gebaͤude von nur einer Etage muß wegen Mangels an Arbeitern aus die⸗ ſen Urſachen lieber theilweiſe aufgefuͤhrt, und waͤhrend der Arbeit, bei eintre⸗ tendem, ſtarkem Regen mit einer leichten Abdachung verſehn werden. Eben ſo iſt bei einfallendem Regen dahin zu ſehn, daß der, zu dem zu ſtampfen⸗ den Pisé erforderliche Lehm vor ſtarker Durchnaͤſſung geſichert werde. §. 26. Von den Baukoſten Aus der Erfahrung iſt bekannt, erſtlich, daß der friſch ausgegrabene Mauern. Lehm in der Regel die Haͤlfte ſeines Volumens beim Feſtſtampfen verliert, oder und andern Lehm⸗Bauarten uͤberhaupt. 49 oder daß zwei Kubikfuß ausgegrabener Lehm zu einem Kubikfuß Pisé- Mauer gehoͤren. Zweitens, daß ein Kubikfuß friſch geſtampfter Pisé un⸗ gefähr 180 Pfund, nach voͤlliger Austrocknung aber ungefaͤhr 160 Pfund wiegt. Drittens, wenn die einzeln geſtampften Pisé-Steine 13 ½ Zoll lang, 6 ⅞ Zoll dick oder hoch, und 6 ½ Zoll breit ſind, folglich x† Kubikfuß enthal⸗ ten, zwei Arbeiter auf einer Trage oder Buͤrge jedes Mahl drei Steine, welche zuſammen ungefaͤhr 170 Pfund wiegen, heran tragen koͤnnen. Vier⸗ tens, eben ſo viel an Gewicht, koͤnnen folglich ſelbige bei den im ganzen zu ſtampfenden Pisé-Mauern, alſo 2 Kubikfuß friſch ausgegrabenen Lehm heran tragen. Fuͤnftens, ein zweiſpaͤnniges Fuder kann bei mittelmaͤßigem Wege nicht mehr als 40 Stuͤck trockne Pisé-Steine fortſchaffen. Hiernach laſſen ſich die erforderliche Quantitaͤt Lehm, die noͤthigen Handlanger und die Fuhren berechnen. Anm. Sollte der Bau ſchon bedeutend hoch werden, ſo kann es die Arbeit ſehr beſchleunigen, wenn die einzelnen Pisé-Steine, vermittelſt eines Flaſchenzuges, hinauf gezogen werden. Das Arbeitslohn zu beſtimmen, iſt allerdings eine ſehr relative Sache, weil es dabei auf den Fleiß der Arbeiter und auf den Preis des Tagelohns ankommt. Als einen Mittelſatz hat aber die Erfahrung gelehrt, daß, waͤhrend einer Arbeitszeit von des Morgens 6 Uhr bis Abends 7 Uhr, drei mittel⸗ maͤßig fleißige Arbeiter 3o Kubikfuß, mit Inbegriff des Verſetzens der For⸗ men, im Ganzen ſtampfen, oder in zwei Formgeruͤſten, jedes von ſechs ein⸗ zelnen Steinen, 130 Stuͤck Steine von vorgedachter Groͤße verfertigen koͤnnen. Ferner kann ein Maurer, mit Huͤlfe zweier Handlanger, waͤhrend der eben gedachten Zeit 250 bis 300 Stuͤck ſolcher Steine vermauern. Wenn nun ungefaͤhr 445 Stuͤck dergleichen Pisé-Steine(mit Inbegriff des Bruchs) zu einer Schachtruthe gehoͤren, dabei dem Maurer 12 Groſchen, und jedem der beiden Handlanger 8 Groſchen Tagelohn gerechnet werden; ſo koſtet eine Schachtruthe zu mauern 3.. 1 Rthlr. 21 Gr. 4 Pf. und die Steine dazu zu ſtampfen, wenn jeder Arbeiter 3 Gr. Tagelohn erhaͤlt,.. 3— 10— 2— Alſo, ohne Lehm und Anfuhr deſſelben, jede Schacht⸗ ruthe.... 5 Rthlr. 7 Gr. 6 Pf. Rechnen wir bei der im Ganzen zu ſtampfenden Pisé-Arbeit gleichfalls jedem Arbeiter 8 Groſchen Tagelohn; ſo koſtet nach vorſtehenden Vorausſetzun⸗ gen jede Schachtruthe, ohne Lehm und Anfuhr deſſelben, 4 Rthlr. 19 Gr. 2 ¾ Pf. G 50 Vom Pisé-Bau ins beſondere, Anm. Die Geruͤſte ſind in beiden Faͤllen nicht in Anſchlag gebracht, weil ſelbige, wenn ſie einmahl vorraͤthig ſind, zu mehrern Bauten gebraucht werden koͤnnen. Eigentlich laͤßt ſich aus vorerwaͤhnten Urſachen uͤber die Koſten im Allgemeinen nichts beſtimmen, daher ich es lieber auf Tagewerk reducirt habe, wonach ein jeder nach Local⸗ Umſtaͤnden den Preis beſtimmen kann. So hat z. B. bei einem Bau in der Naͤhe von Berlin jede Schachtruthe von ein⸗ zelnen Pisé-Steinen 5 ⅞ Thaler, und von im Ganzen geſtampfter Pisé- Arbeit 6 ½ Thaler, mit Inbegriff der Geruͤſte und Utenſilien, dagegen in Tſchierna und Jauernig in Schleſien die im Ganzen geſtampfte Pisé-Arbeit pro Schachtruthe nur zwiſchen 3 Thaler 4 Groſchen, und 2 Thaler 10 Groſchen gekoſtet. Herr ꝛc. Boͤthke giebt in ſeiner mehr gedachten Schrift eine Vergleichung der Koſten vom Bau eines Deputanten⸗Hauſes, von 57 Fuß Laͤnge, 25 Fuß Tiefe, 1 Etage Hoͤhe und mit Strohdach gedeckt, wobei das Tauſend gebrannte Mauerſteine nur zu 7 Thaler, das Stuͤck Mittel⸗Bauholz zu 1½ Thaler, das Fuder Lehm von 8 Kubikfuß zu 2 ½ Groſchen, und die Schachtruthe Lehmpatzen⸗Mauer nur zu 1 Thaler Arbeitslohn angenommen iſt. Hiernach koſtet ſolches a) von Lehmpatzden.. b) von gebrannten Ziegeln.... c) von ausgemanertem Fachwerk.. d) von ausgeſtaktem und gelehmtem Fachwerk. Und von Pisé-Steinen wuͤrde ein ſolches Gebaͤude nach dieſen und obigen Preiſen koſten. 628— 13— 4— Desgleichen von im Ganzen geſtampftem Pisé.. 617— 8——— Dieſe Berechnung ſcheint nun zwar nicht zu Gunſten der Pisé-Arbeit zu ſprechen, in⸗ dem ſie beinahe eben ſo viel, als von gebrannten Mauerſteinen koſtet, welches darin ſeinen Grund hat, daß bei der Pisé-Arbeit die hieſigen theuern Arbeits⸗Preiſe angenommen worden ſind; allein, ſo wie es bei allen ſolchen Vergleichungen immer auf Lokal⸗Umſtaͤnde ankommt, ſo iſt es auch hiermit. Denn wenn man z. B. hiergegen die Koſten vergleicht, welche die im Ganzen geſtampfte Pisé-Arbeit an den genannten Orten in Schleſien ge⸗ koſtet hat; ſo wuͤrde vorgedachtes Gebaͤude nur 501 Rthlr. 6 Gr. betragen haben, und noch vortheilhafter wuͤrde die Vergleichung fuͤr Pisé- und andere Lehm⸗Arbeit ausfallen, wenn die hieſigen theuern Holzpreiſe in Anſchlag geſtellt wuͤrden. . 550 Rthlr. 12 Gr. 4 Pf. . 659— 8— 10— 529— 20— 8— 4665— 5— 3— „„ §. 27. Allgemeine Die Erfahrung ſpricht ſo wohl fuͤr die aus Lehmpatzen und Luftziegeln, Danebenwenals fuͤr die aus Pisé aufgefuͤhrten Gebaͤude*). Indeſſen wuͤrde es unrecht Bau mit ſeyn, der erſtern Bauart mehr Zutrauen, als der letztern zu ſchenken, wenn Lehm. ſich ſolches nicht auf eine, aus Mangel an ſachverſtaͤndigen Arbeitern, viel⸗ leicht koſtſpieligere Ausfuͤhrung gruͤndet. Denn daß letztere Arbeit eine weit feſtere Mauer geben muß, kann gar nicht gelaͤugnet werden, und daß ſie bei ſachkundigem Verfahren auch verhaͤltnißmaͤßig nicht koſtſpieliger iſt, glaube ich im vorigen§. bewieſen zu haben. Ja man hat ſogar an einigen Orten ge⸗ funden, daß durch das, den Lehmpatzen beizumiſchende Stroh nebſt den Scheven ſolche koſtbarer, als Pisé-Steine geworden ſind. Wenn aber nur von beiden Pisé-Bauarten die Rede iſt, ſo glaube ich, daß, obgleich die in ganzen Maſ⸗ und andern Lehm⸗Bauarten uͤberhaupt. 51 ſen zu ſtampfende Arbeit fuͤr Gebaͤude von einer Etage und mit wenigen Oeffnungen unſtreitig die wohlfeilſte iſt, dennoch die aus einzeln geſtampften Steinen fuͤr Gebaͤude von mehrern Etagen und vielen Oeffnungen anwend⸗ barer und ſogar zweckmaͤßiger ſeyn duͤrfte, weil das mehrmahlige Uebereinan⸗ derſetzen der Formgeruͤſte ſehr leicht einen Fehler in dem lothrechten Stande einer hohen Mauer herbei fuͤhren kann. Wollte man vielleicht aus dem Grunde den Lehmpatzen oder Luftſteinen vor den Pisé-Steinen den Vorzug geben, weil erſtere kleiner ſind, mithin ſich theils beſſer regieren laſſen, theils mehrere Fugen geben, woran ſich, nach§. 23, der Abputz beſſer halten kann; ſo antworte ich, daß auch die doppelte Zeit auf die Vermauerung eines Pisé- Steins verwendet werden kann, da er das doppelte Volumen eines Lehm⸗ patzen enthaͤlt. Allenfalls koͤnnten aber auch die Pisé-Steine kleiner geſtampft werden, und was die Haltbarkeit des Abputzes betrifft, ſo ſpricht dafuͤr die Erfahrung, daß, wenn auf den Flaͤchen der weit feſtern Pisé-Steine einige Loͤcher eingehauen werden, ſolche, mit Huͤlfe des Moͤrtels, zwiſchen den Fugen den Abputz recht gut halten. *) Schon Pauſanias berichtet, daß Mantinea Mauern von Luftziegeln hatte, und da die Lacedaͤmonier, welche die Stadt belagerten, mit den gewoͤhnlichen Belagerungs⸗Maſchinen nichts gegen die Mauern ausrichten konnten; ſo leiteten ſie den Fluß Ophis gegen die Mauern, wodurch ſie dann aufgeloͤſt wurden und einſtuͤrzten. Herr Cointeraux ſagt in ſeinen Schriften, daß, als vor mehrern Jahren die Stadt Lion belagert war, die von Pisé erbauten Haͤuſer nur unſchaͤdliche Eindruͤcke von den Kanonen⸗Kugeln erhielten, indeß andere Haͤuſer theils zuſammen ſtuͤrzten, theils abbrannten. Auch Herr Boͤthke erzaͤhlt in ſeiner mehr erwaͤhnten Schrift, daß, ungeachtet die Hitze eines nahen Feuers eine Lehmpatzen⸗Mauer beinahe auf einen Fuß ihrer Dicke durch⸗ drungen hatte, ſolches der Mauer nicht nur nichts geſchadet, ſondern ſie vielmehr noch feſter gemacht habe, da hingegen der Kalk in Mauern von gebrannten Steinen gewiß gaͤnzlich zerſtoͤrt geweſen ſeyn wuͤrde. Derſelbe Verfaſſer erwaͤhnt auch unter andern, daß der Herr Landrath von Oppeln, auf ſeinem Gute Lansk bei Pakosky, ein Brauhaus mit Wohnungen darin von Luftziegeln erbauen laſſen, und daß ſich ſolches ungemein gut erhalten habe. Obgleich in Schleſien, Sachſen und andern Gegenden, Gebaͤude von zwei und mehrern Etagen, ſo wohl von im Ganzen geſtampften Maſſen, als einzelnen Pisé-Steinen aufgefuͤhrt, ja ſelbſt Geſimſe, Schornſteinroͤhren ꝛc., von Pisé geſtampft worden und ſich gut erhalten haben; ſo kann ich doch im Allgemeinen nicht anders dazu rathen, als daß ſolches unter eben ſo ſachver⸗ ſtaͤndiger und fleißiger Aufſicht, als an jenen Orten geſchieht. Ich bin auch feſt uͤberzeugt, daß, um dem Zwecke dieſer und der uͤbrigen Lehm-Bauarten zu entſprechen, naͤhmlich geſunde, feſte und wohlfeile Landgebaͤude aufzufuͤhren, man es darin gar nicht ſo weit uͤbertreiben duͤrfe. Eben ſo G 2 — 52 Vom Pisé-Bau ins beſondere, ſehr tadle ich es(was jedoch ſchon an einigen Orten geſchehn iſt), Mauern, und ſogar frei ſtehende Bewaͤhrungs⸗Mauern ohne Fundament von Grund aus zu ſtampfen. Im Innern der Gebaͤude moͤgen ſich ſolche bei einem ſehr trocknen Grunde allenfalls eine Zeit lang halten, aber da dergleichen Ueber⸗ treibungen mit der Zeit doch einmahl mißgluͤcken muͤſſen; ſo thut dieß in den Augen der Richtkenner der guten Sache weit mehr Schaden, als man Vortheil zu erreichen hoffte. Anm. Einen Beweis hiervon giebt unter andern das 297ſte Stuͤck des Reichs⸗Anzei⸗ gers von 1803, in welchem ein Herr H. A. von Stemdel vor dem unvorſichtigen Gebrauch der Patzen oder Luftziegel warnt, und ſolche fuͤr ein ganz unvollkommnes Bau⸗Material erklaͤrt, da ihm ein bei Regenwetter verfertigtes und mit Erde bedecktes Gewoͤlbe uͤber einem Ziegelofen eingeſtuͤrzt iſt. Wenn Herr von Stemde l dieſen Verſuch ſelbſt, und zwar mit Recht unvorſichtig nennt, wie kommt er denn zu der Inconſequenz, daraus die Untauglichkeit des Materiats beweiſen zu wollen? Warum ich ſelbſt, Gebaͤude von zwei und mehrern Etagen davon aufzufuͤhren, im Allgemeinen nicht anrathe, geſchieht vorzuͤglich aus dem Grunde, weil ein ſolcher Bau ſpaͤter unter Dach kommt, und bis dahin der Regen, bei nicht hinlaͤnglicher Vorſorge, vielen Schaden thun kann. Eben ſo rathe ich auch nicht im Allgemeinen, Gewoͤlbe von Pisé-Stei⸗ nen aufzufuͤhren. Denn da die Pisé-Steine uͤberhaupt nicht ſo klein ſeyn koͤnnen, als Ziegelſteine, und ein ſolches Gewoͤlbe die Laͤnge eines Pisé-Steins zur Dicke erhalten muͤßte; ſo erfordern ſie nicht nur ſtarke Lehrboͤgen, ſondern auch ſtarke Widerlager, und da dergleichen Gewoͤlbe auch nur wenig Breite erhalten koͤnnen, ſo iſt es leichter, wohlfeiler und doch wohl auch dauerhafter, ſie von gebrannten Ziegeln und Kalk aufzufuͤhren. Anm. Der Herzoglich⸗Saͤchſiſch⸗Weymariſche Baumeiſter, Herr ꝛc. Steinert, giebt in ſei⸗ ner Schrift: Entwurf einer neuen feuerfeſten Bauart mit gewoͤlbten Decken und Dachungen ꝛc. Weimar 180z, bei Hoffmann, eine Anweiſung, ſo wohl die Decken uͤber Zimmern, als auch Gothiſche Spitzboͤgen, anſtatt der Sparren, von Luftziegeln zu woͤlben. In den Sammlungen nuͤtlicher Aufſaͤtze, die Baukunſt betref⸗ fend, 1803, zweitem Bande, habe ich auch dieſes getadelt, und dadurch wohl hin⸗ laͤnglich zu erkennen gegeben, daß ich, ohne dem Werthe, oder der Nuͤtzlichkeit des Lehm⸗ patzen⸗, Luftziegel⸗ und Pisé-Baues auch nur im mindeſten etwas vergeben zu wollen, dennoch denſelben nicht zu Spielereien herabgewuͤrdigt, oder zu Dingen, die ſelbſt von ge⸗ brannten Ziegeln ausgefuͤhrt immer mißlich bleiben werden, angewendet wiſſen will. Wenn daher in einer Recenſion der von mir, in den gedachten Sammlungen 1797(zweitem Bande) beilaͤufig geaͤußerten Gedanken:„ob nicht in der Fortification passagere die Waͤlle und Gewoͤlbe von Lehmpatzen aufzufuͤhren ſeyn duͤrften,“ ge⸗ ſagt worden, daß mich mein Steckenpferd nun ſchon verleite, Feſtungen von Lehmpatzen erbauen zu wollen; ſo ſcheint es, daß ich entweder zufaͤllig oder abſicht⸗ lich mißverſtanden ſeyn muͤſſe, da ich, wie gedacht, nur die kortification passagere und keine beſtehenden Anlagen gemeint habe. Daß ferner andere, bloß mir —— und andern Lehm⸗Bauarten uͤberhaupt. 53 zu Gefallen, dieſes Steckenpferd mitreiten, wie derſelbe Recenſent meint, wird dadurch widerlegt, daß im 57ſten Stuͤck des Journal des Batimens et des Arts an IX. wirklich der Vorſchlag gemacht worden, bei Feldbefeſtigungen, kleinen Redouten oder Tèͤtes de pont ſich der Pisé-Mauern zu den Bruſtwehren zu bedie⸗ nen, indem ſolche mehr Sicherheit gegen feindliches Geſchuͤtz, als die von gebrannten Steinen leiſteten, welche letztern durch das Herumfliegen der Steinſtuͤcke den Truppen weit gefaͤhrlicher waͤren. Mag Herr Cointeraux immerhin lehren und anrathen, Gewolbe, Saͤulen, Geſimſe ꝛc. aus Pisé zu verfertigen, diejenigen Beiſpiele davon, welche ich bei demſelben geſehn habe, koͤnnen meine vorher geaͤußerte Mei⸗ nung nicht abaͤndern, indem die gemachten Verſuche keinesweges nachahmungs⸗ wuͤrdig ausgefallen waren. Zweckmaͤßiger und belohnender, als alle dieſe und andere dergleichen, zu nichts fuͤhrende Speculationen iſt es, mit dieſer Bau— art lediglich bei dem Landbau ſtehn zu bleiben, dem Landmann ſeine Woh⸗ nungen, Staͤlle und Scheunen davon aufzufuͤhren, und dadurch dieſer Klaſſe von Bewohnern nicht nur den feuerſichern Maſſiv⸗Bau wohlfeiler zu machen, ſondern auch den, vielen Staaten hoͤchſt nachtheiligen Holzbau endlich zu verbannen. Schon Vitruv ſagt:„Fachwerk, moͤchte ich wuͤnſchen, waͤre „nie erfunden worden; denn je vortheilhafter es in Anſehung „der Gewinnung des Raums und der Geſchwindigkeit der Aus⸗ „fuͤhrung iſt, um deſto mehr iſt es in Ruͤckſicht der Feuers⸗ „gefahr dem gemeinen Weſen nachtheilig, da es ſich, gleich „Fackeln, entzuͤndet.“ Bei dem in den mehrſten Gegenden ſchon ſo ſehr fuͤhlbaren Holzmangel wird jeder Eigenthuͤmer veranlaßt, ſein brauch⸗ bares Bauholz immer hoͤher im Preiſe anzuſchlagen, wodurch der Holzbau immer mehr und mehr vertheuert wird. Der Vortheil des Baues mit Lehm⸗ ſteinen erhoͤht ſich aber dadurch noch mehr, daß man, um dennoch feuerfeſt zu bauen, ſelbſt das zum Brennen der Ziegel benoͤthigte Holz erſpart, und wenn die ſo leicht moͤgliche Entzuͤndung eines hoͤlzernen Hauſes und das zum Wiederaufbau benoͤthigte Holz in Anſchlag gebracht werden; ſo iſt es vernuͤnftiger Weiſe faſt gar nicht zu begreifen, warum der Lehmbau noch nicht ganz allgemein auf dem Lande Anwendung findet. Die ſogenannten Lehmſen(Lehmhaͤuſer), wie ſolche in vielen Doͤr⸗ fern Schleſiens erbaut werden, geben, in Abſicht der Feuerſicherheit, hier⸗ uͤber das ſprechendſte Beiſpiel. Der Bauer baut ein dergleichen Gebaͤude, ge⸗ woͤhnlich von zwei Etagen auf ſeinem Gehoͤfte, vorzuͤglich um darin ſeine beſten Habſeligkeiten und ſein Getreide feuerſicher unterzubringen, welchen 54 Vom Pisé-Bau ins beſondere, Zweck es auch vollkommen erfuͤllt und ſich ſehr gut conſervirt. Dabei koſtet ein ſolches Haus von 20 Fuß lang, 18 Fuß tief, dieſen Leuten, da ſie ſich das mehrſte davon ſelbſt anfertigen, ungefaͤhr 60 Thaler. Anm. Die Bauart dieſer Haͤuſer iſt folgende: Es werden die aͤußern Waͤnde 3 Zoll ſtark von Fachwerk, und zwar innerhalb buͤndig verbunden, die Faͤcher ausgeſteckt, die innere Seite mit Strohlehm gerade geklebt, und ſaͤmmtliche Stiele und NRiegel an der aͤußern Seite mit hoͤlzernen hervor ſtehenden Naͤgeln benagelt. An dieſe Naͤgel werden dann etwa 6 Zoll dick die Waͤnde außerhalb mit Lehm beklebt, oder gleichſam verblendet. Nur Unbe⸗ kanntſchaft mit dem ordentlichen Lehmpatzen⸗ oder Pisé-Bau, oder Vorurtheil koͤnnen die Urſachen ſeyn, warum dieſe Leute auch noch das Holzwerk in den Waͤnden verſchwenden. Herr ꝛc. Boͤthke ſagt in einer Anmerkung ſeiner mehr erwaͤhnten Schrift ſehr richtig:„Den Bauer haͤlt vorzuͤglich die Koſtbarkeit des Fun⸗ „daments ab, von dem ihm doch ſo nuͤtzlichen Bau mit Lehmpatzen ꝛc. Ge⸗ „brauch zu machen, da er gewohnt iſt, ſein hoͤlzernes Wohn⸗- und Wirth— „ſchaftsgebaͤude ohne alles Fundament, bloß auf Schwellen zu ſetzen. Um „alſo ihm zu Huͤlfe zu kommen, mag er immerhin das Fundament, ſo weit „es in die Erde koͤmmt, bloß trocken ohne Kalk ausſchlagen, und nur uͤber „der Erde daſſelbe mit Kalk mauern, und auch das nur ſo weit, als die „Mauern von außen einiger zukommenden Naͤſſe ausgeſetzt ſind; die innern „Fundamente koͤnnen ſaͤmmtlich mit Lehm gut verzwickt angefertigt werden.“ In ſo fern es die Erſparung durchaus erfordert, und das Fundament wie ge⸗ woͤhnlich nur wenig Tiefe in der Erde hat, wuͤrde ich gleichfalls eher noch dazu, als zum Fachwerksbau rathen. Es ſcheint wirklich zur Befoͤrderung der Lehm-Bauarten nothwendig zu ſeyn, daß, wie bei den Lehmſen gedacht worden, der Landmann ſelbſt mit An⸗ fertigung derſelben bekannt gemacht werde, um ſelbſt mit Hand anlegen zu koͤnnen, und dadurch der Handwerksleute nicht viel mehr als ſonſt zu beduͤr⸗ fen, folglich moͤglichſt an Baukoſten zu erſparen. Hierzu moͤgte ſich die in ganzen Maſſen zu ſtampfende Pisé-Arbeit am beſten eignen, weil bei den uͤbrigen Lehm⸗Bauarten die Kenntniß eines Maurers, in Ruͤckſicht des Ver⸗ bandes der Steine zu einer Mauer, beſonders erforderlich iſt. Anm. In Rußland hat unter der beſondern Aufſicht des Staatsraths Lwew von 1797 bis 1804 eine Schule beſtanden, in welcher, auf Koſten des Staats, nach und nach 815 Bauern im Pisé-Bau praktiſch unterrichtet ſind. Es iſt ſehr zu erwarten, daß ſolches fuͤr Ausbrei⸗ tung dieſer Bauart von großem Nutzen ſeyn wird. Auch der Collegien⸗-Rath, Herr Meyer zu Saratow, im ruſſiſchen Gouvernement gleiches Nahmens, hat ſich um die Einfuͤhrung des Lehmpatzen⸗Baues ein großes Verdienſt erworben, indem derſelbe auf ſeinem Gute nahe bei dieſer Stadt, zwei Sommer hindurch, auf ſeine Koſten dieſe Bauart praktiſch lehrte, und dadurch eine Menge Arbeiter zuzog, und andern Lehm⸗Bauarten uͤberhaupt. 5⁵ welche nachher in der gedachten Stadt, die zur Haͤlfte abgebrannt war, uͤber hundert Haͤuſer aus Lehmpatzen erbauten. Es iſt ſchon fruͤher erwaͤhnt worden, daß, wenn hie oder da der Abputz auf den Außenſeiten der Lehmmauern aus Local⸗Urſachen nicht gelingen ſollte, alsdann die Luftziegel die beſte Anwendung finden; wenn naͤhmlich die aͤußern Mauern mit gebrannten Ziegeln verblendet werden, mit welchen ſie ſich in vollkommen richtigen Mauerverband ſetzen laſſen. In ſolcher Art koͤnnen, wenn ſonſt alles nach Regeln einer guten Conſtruction behandelt wird, und die Mauern waͤhrend der Arbeit bei entſtehendem Regen gehoͤrig zugedeckt werden, Gebaͤude von zwei und mehrern Etagen Hoͤhe, auch in Ruͤckſicht des Abputzes mit Sicherheit aufgefuͤhrt werden. Anm. In hieſiger Gegend hat unter andern der Herr von Hacke, auf ſeinem Landgute Machnov, ein großes herrſchaftliches Wohngebaͤude von zwei Etagen und einem hohen Souterrain von Luftſteinen mit Verblendung der Außenſeiten, der Fronten und Giebel aufgefuͤhrt. Es ſind in dieſem Gebaͤude ſogar die innern Scheide⸗ und Mittelmauern im Souterrain ganz von Luftziegeln, und nur ein acht bis zehn Zoll hoher Unterſatz, vom Kellerpflaſter an, mit gebrannten Steinen gemauert worden. Es ſteht dieſes Gebaͤude nun ſchon gegen zehn Jahre, ohne auf irgend eine Art, weder im innern noch aͤußern Abputze, einige Beſchaͤdigung erlitten zu haben. Was indeß das Mauern der Souterrain⸗ Waͤnde aus Luftſteinen betrifft, ſo will ich ſolches wieder nicht zur Nachahmung empfehlen, beſonders wo der Boden nicht von ſolcher Trockenheit, als am gedachten Orte iſt. Von Bedeckung der Daͤcher, und zwar beſonders von den Lehmſchindel⸗Daͤchern. §. 28. Die Vermoͤgensumſtaͤnde des Landmannes erlauben ihm ſelten, die Daͤcher Von den ſeiner Wohn⸗ und Wirthſchaftsgebaͤude mit Ziegeln zu decken; er waͤhlt ſe uhnhi, aber auch oft nur deshalb nicht, weil die jaͤhrlich daran erforderlichen Repara⸗uͤberhaupt. turen, wegen der Menge der Gebaͤude, und weil dazu allemahl ein Maurer nothwendig iſt, fuͤr die Folge zu koſtſpielig werden. Die dagegen ſubſtituir⸗ ten Stroh⸗ und Rohr⸗Daͤcher ſind dem Landmanne wohlfeiler, geben ge⸗ 56 Von Bedeckung der Daͤcher, woͤhnlich ein dichteres Dach, und koͤnnen durch Dachdecker vom Lande ange⸗ fertigt und reparirt werden. Dieſe ſehr gegruͤndeten Ruͤckſichten beſtimmen im Allgemeinen die Wahl der letztern Daͤcher; allein wenn die durch ſelbige ſo oft entſtandene Feuersgefahr mit in Betracht gezogen wird; ſo waͤre zu wuͤn⸗ ſchen, daß ſie nie in Anwendung kaͤmen. Um daher die beſagten Vor⸗ theile ſammtlich zu erhalten, und die Nachtheile zu vermeiden, kenne ich fuͤr Landgebaͤude keine vortheilhaftere Dachdeckung, als die mit Lehmſchindeln. Sie beſtehn aus ſolchen Materialien, welche der Landmann gewoͤhnlich in der Naͤhe hat, geben ein ſehr dichtes Dach, ſind, allen Erfahrungen zufolge, ſehr dauerhaft, wohlfeil, vollkommen feuerſicher, und koͤnnen mit aͤußerſt einfachen Manipulationen von Leuten, die nicht mehr Kenntniß, als die gewoͤhnlichen Strohdach⸗Decker beſitzen, gemacht und reparirt werden. Die Hauptſache nun, um dieſe dem Landmanne ſo nuͤtzliche Sache allge— meiner in Anwendung zu bringen, kann nur durch deutliche Beſchreibungen der verſchiedenen Arten der Lehmſchindeln und ihrer Anfertigung geſchehen. Schon im zweiten Theile dieſes Werks habe ich Anweiſungen dazu gegeben; da ich aber ſeit jener Zeit noch viele nuͤtzliche Erfahrungen daruͤber geſammelt habe, ſo will ich mich bemuͤhen, hier eine umſtaͤndliche und deutliche Beſchrei⸗ bung mehrerer und darunter ſehr leicht zu verfertigender Arten von Lehm— ſchindel-Daͤchern nachzuholen. Es laſſen ſich die, mir bis jetzt bekannt gewordenen Lehmſchindeln fuͤglich in drei verſchiedene Arten eintheilen, als: Erſtlich, die ſchon im zweiten Theile§. 79 erwaͤhnten, ſogenannten doppelten Lehmſchindeln, wenn naͤhmlich die Schindeln auf bei⸗ den Seiten mit Lehm beſtrichen auf das Dach gelegt, alsdann die obern Flaͤchen nochmahls mit naſſem Lehm belegt, und Stroh oder Rohrbuͤſchel zur Decke derſelben in dieſen Lehm eingeſtoßen werden. Hierzu ſind auch die, im zweiten Theile§. 80 beſchriebenen, ſogenann⸗ ten Speckdaͤcher zu rechnen. Zweitens. Wenn nur eine Seite der Schindeln mit Lehm beſtrichen und dieſe Seite auf das Dach gelegt wird, die andere, unbeſtrichene Seite aber zugleich das Strohdach ausmacht. Hierzu gehoͤren die, im zweiten Theile§. 78 beſchriebenen Lehmſchindeln, und heißen ſolche einfache Lehmſchindeln. Drittens. Lehmſchindeln, die ebenfalls auf beiden Seiten mit Lehm beſtrichen und zwar beſonders von den Lehmſchindel⸗Daͤchern. 57 beſtrichen auf das Dach gelegt, und dann mit einem gewoͤhnlichen Strohdache bedeckt werden. Anm. In dieſe Klaſſe gehoͤren die vom Herrn ꝛc. Boͤthke in ſeinem mehr gedachten Werke beſchriebenen Lehmſchindeln. §. 29. Die im zweiten Theile§. 79 erwaͤhnten Lehmſchindel⸗Daͤcheranfertigung verdienen, wegen ihres aus der Erfahrung gezogenen, vorzuͤglichen Nutzens ſolcher gemeinnuͤtzigen Gegenſtaͤnde nicht leicht zu viel, wohl aber eher zu wenig geſchehn kann; ſo hoffe ich Entſchuldigung zu erhalten, wenn ich bei⸗ laͤufig manches der Vollſtaͤndigkeit wegen aus dem gedachten zweiten Theile hier wiederholen muß. An Werkzeugen ſind dazu erforderlich: Ein Tiſch, deſſen Laͤnge, ac Fig. 40, 7 Fuß, die Breite 3 Fuß und die Hoͤhe 2 ½ Fuß beträgt. Von dem einen Ende aa dieſes Tiſches meſſe man, nach dem entgegen geſetzten Ende bis bb, eine Laͤnge von 5 Fuß ab, als ſo groß die Laͤnge der Lehm⸗ ſchindel ſeyn ſoll, und mache daſelbſt die Einſchnitte bb. Die Breite aa und bb iſt zugleich die Breite der Schindel. Ferner werden an der Seite a a zwei bis drei Bretter ad, ad befeſtigt, welche ſchraͤg herunter bis zur Erde reichen, und dazu dienen, die fertigen Lehmſchindeln vom Tiſche herunter ſchleifen zu koͤnnen. Eine Kelle Fig. 41, welche theils zum Aufſchuͤtten des praͤparirten Lehms, theils zum Anſtreichen deſſelben uͤber das Stroh gebraucht wird. Es iſt ſelbige 7 Zoll lang, 4 Zoll breit und ½ Zoll dick, an beiden Ecken abge⸗ rundet und auf der hohen Kante etwas abgeſchaͤrft, wie auch mit einem, 1 Fuß langen, ¾ Zoll ſtarken, runden Stiel verſehn. Das Streichbrett Fig. 42 dient zum glatten Ausſtreichen des Lehms auf der Schindel, und iſt 7 Zoll lang, 4 Zoll breit, ¾ Zoll dick, an den Ecken abgerundet und hat einen hoͤlzernen Handgriff. Das ſogenannte Deckbrett Fig. 43, A, B, C, D, welches beim Ein⸗ decken dieſer Lehmſchindeln gebraucht wird, iſt 1½ Fuß lang, 6 Zoll breit und 1 ½ Zoll dick, von Eichen⸗ oder Buͤchenholz. Auf der einen Seite ab, Fig. B befinden ſich neun Stuͤck, einen Zoll lange, eiſerne Zaͤhne, welche theils 3.. 1 Art, oder der eine naͤhere Beſchreibung, um jedermann in den Stand zu ſetzen, dieſe doppelten Arbeit ohne Anſtoß vornehmen zu koͤnnen, und da eines Theils hier manche kehmſchin⸗ Verbeſſerungen angegeben werden ſollen, andern Theils bei der Beſchreibung del⸗Daͤcher. N 58 Von Bedeckung der Daͤcher, zum Auflockern des Strohes beim Decken, theils zum Geradekaͤmmen deſſel⸗ ben(wenn es ſich zuweilen umlegt) dienen. Auf der untern Flaͤche dieſes Deckbretts Fig. A befinden ſich neun, nach der Laͤnge des Brettes einge⸗ ſchnittene, einen halben Zoll tiefe, auf der einen Seite ſenkrechte, auf der andern Seite ſchraͤg gehende Reifen, wie im Profil Fig. D zu ſehen iſt. Auf der obern Flaͤche des Bretts iſt ein hoͤlzerner Handgriff Fig. C, an wel⸗ chem ſich an dem einen Ende ein kleiner eiſerner Haken c befindet, um an denſelben das Deckbrett waͤhrend des Deckens zuweilen anzuhaͤngen. Zwei, von Brettern, auf gewoͤhnliche Art zuſammen gearbeitete Lehm⸗ kaſten, ungefaͤhr 6 Fuß lang, 4 Fuß breit und 10 bis 12 Zoll hoch; in dem einen wird der Lehm praͤparirt, in den andern aber wird der praͤparirte Lehm zum Gebrauch gethan. Außer obgenannten Werkzeugen ſind noch erforderlich einige Spaten zum Graben des Lehms, eine hoͤlzerne Lehmſchuͤppe, ein Handbeil, eine Lehmhacke, wie die Maurer zum Moͤrtemachen gebrauchen, einige Mulden und Waſſereimer, ein ſogenannter Knaggenbohrer, welcher Loͤcher von ¾ Zoll Weite ſchneidet, ein Deckbaum nebſt Tau, wie die Dach⸗ decker zum gewoͤhnlichen Strohdach gebrauchen, nur etwas ſtaͤrker, und eine Leine zum Heraufziehen der Schindeln. Der zu den Schindeln zu verwendende Lehm muß nicht zu mager ſeyn, auch keine Mergeltheile enthalten. Es wird derſelbe erſtlich in einen gewoͤhn⸗ lichen Sumpf, 1 Fuß hoch, geworfen, und mit Waſſer dergeſtalt begoſſen, daß er voͤllig durchweicht, das Waſſer aber nicht uͤber dem Lehm zu ſtehn kommt. In dieſem Sumpfe muß der Lehm wenigſtens einen halben Tag liegen; dann wird er in einen der vorhin erwaͤhnten Kaſten geworfen, in dem⸗ ſelben von allen kleinen Steinen und Wurzelwerk gereinigt, und ſo lange mit den Fuͤßen getreten, bis er zu einem ziemlich duͤnnen Brei wird. Der auf dieſe Art praͤparirte Lehm wird nun in den andern Kaſten zum Gebrauch gethan. 3 Die Schindelſtuͤcke, welche am zweckmaͤßigſten aus Schwammbaͤumen gekloͤbt und mit dem Handbeil oder Schneidemeſſer bearbeitet werden, muͤſſen, wenn die Schindeln, wie vorher angenommen, 3 Fuß breit ſeyn ſollen, 3 Fuß 4 Zoll lang, und ³ Zoll ſtark werden. Nunmehr wird mit Anfertigung der Lehmſchindeln ſelbſt folgender Maßen verfahren. Man nimmt ſo viel gutes, glattes Rockenſtroh, als man mit bei⸗ und zwar beſonders von den Lehmſchindel⸗Daͤchern. 59 den Haͤnden greifen kann, ſtoͤßt es mit den Stammenden einige Mahl auf die Erde, und legt daſſelbe in Form eines Pfauenſchwanzes auf den oben be⸗ ſchriebenen Tiſch, ¾ Zoll dick, dergeſtalt, daß die Aehrenenden 9 bis 12 Zoll (ſ. Fig. 44 A) uͤber den Tiſch uͤber haͤngen. Auf dieſelbe Art wird eine zweite und dritte Lage gemacht, bis die Stammenden des Strohes bei dem Ein⸗ ſchnitt bb, Fig. 44 B zu liegen kommen. Alsdann wird auf dieſe drei Strohlagen praͤparirter Lehm, † Zoll hoch, bis an die Grenzen aa, bb ge⸗ ſchuͤttet, und vermittelſt der Kelle Fig. 41 uͤberall, vorzuͤglich aber da, wo das Stroh doppelt liegt, ſo lange geſtoßen, bis man uͤberzeugt iſt, daß der Lehm das Stroh durchdrungen hat. Nun wird bei aa in Fig. 44 B ein Schindelſtock gelegt(welcher nach Maßgabe ſeiner vorhin beſchriebenen Laͤnge an jeder Seite um 2 Zoll uͤber den Tiſch reicht), und die bei eee Fig. 44 B befindlichen Aehrenenden werden uͤber den Stock gebogen(wie in Fig. 44 C bei v zu ſehen), in den Lehm eingedruͤckt, mit der Kelle, beſonders da, wo der Stock liegt, in den Lehm geſtoßen, damit das Stroh ſich glatt um den Stock lege, und dann werden die uͤbergelegten Aehrenenden duͤnne mit Lehm beſtrichen. Iſt dieſes geſchehen, ſo werden zwei Stuͤck zuſammen gedrehte Stroh⸗ wuͤrſte, jede ½ Zoll dick, auf die Kanten des Tiſches in c,, o, o, Fig. 44 C gelegt, welche Wuͤrſte aber ſo lang ſeyn muͤſſen, daß ſie uͤber aa und uͤber die Einſchnitte des Tiſches bb um 9 Zoll uͤberreichen. Dann werden die Enden ac, ac der Strohwuͤrſte, nach unten, um den Stock herum und wie⸗ der herauf gebogen, auch(wie in Fig. 44 E zu ſehn iſt) etwas ausgebreitet und mit Lehm duͤnne beſtrichen. Hierauf wird das herunter haͤngende Stroh dd, Fig. 44 C um die Strohwurſt oo herauf gebogen, in den Lehm ge⸗ druͤckt, laͤngs der Strohwurſt(ſo wie vorhin bei dem Schindelſtock) feſt ge⸗ ſtoßen und wieder mit Lehm ſchwach beſtrichen. Nunmehr mache man ſich wieder eine, Zoll ſtarke zuſammen gedrehte Strohwurſt ab Fig. 44 D, welche mit jedem Ende 9 Zoll uͤber die Breite des Tiſches reicht, lege ſie dicht vor die Einſchnitte des Tiſches(welche in Fig. 40 mit b b bezeichnet worden), biege ſie unterhalb der Strohwuͤrſte d d herum und herauf, und lege ſie etwas ausgebreitet nach der Laͤnge der Schin⸗ del, wie in Fig. 44 E bei bb zu ſehn iſt, worauf ſie mit Lehm feſt ge⸗ ſtrichen wird. Alsdann wird das bei oco, Fig. D befindliche Stroh etwas aus einander gebreitet und die Haͤlfte davon uͤber die Wurſt ab herum ge⸗ bogen(wie bei gg in Fig. 44 D zu ſehn iſt), daſelbſt mit der Kelle nach der Linie hi laͤngs der Wurſt feſt geſtoßen, mit duͤnnem Lehm verſtrichen, H 2 60 Von Bedeckung der Daͤcher, und alsdann wird die ganze Schindel mit dem Streichbrette Fig. 42 glatt ge⸗ ſtrichen. Endlich wird die ganze Schindel mit Haferkaff oder Haͤckſel beſtreuet, der⸗ ſelbe ganz leiſe in den Lehm gedruͤckt, und die Schindel von dem Tiſche laͤngs der Bretter adda Fig. 40 herunter gezogen. In Fig. 44 F iſt eine voͤllig fertige Schindel vorgeſtellt. Nachdem dieſe Schindeln unter einem bedeckten Schauer bloß an der Luft*) einen halben Tag getrocknet haben, werden ſie bis zu zehn Stuͤck auf einander gepackt, und ſo bis zum Eindecken aufge— hoben. Ihre Dicke betraͤgt uͤberhaupt ¾ Zoll. *) Es muͤſſen die Schindeln beim Trocknen nicht der Sonne ausgeſetzt ſeyn, weil ſie ſonſt zu ſchnell trocknen und aufreißen. Die Belattung des Daches geſchieht folgender Maßen: An die Spitze des Daches Fig. 45 wird zuerſt ein, 6 bis 8 Zoll breites Brett ge⸗ nagelt, alsdann 1 ¾ Zoll von der Oberkante dieſes Bretts bis zu dem Punkte a abgemeſſen. Von dem Punkte a an meſſe man 5 Fuß bis b, woſelbſt wieder ein ſolches Brett angenagelt wird. Eben ſo von b nach o, von o nach d u. ſ. w. bis herunter, werden jedesmahl 5 Fuß, als ſo lang die Schin⸗ deln gemacht ſind, abgemeſſen, und daſelbſt eben dergleichen Bretter, ſo wie auch eins am untern Ende des Aufſchieblings, dicht uͤber dem Geſimsbrette, angenagelt. Auf dieſe Bretter werden die Schindeln, vermittelſt hoͤlzerner Naͤgel, welche unterhalb vor den Enden der Schindelſtoͤcke eingeſchlagen wer⸗ den, aufgehangen. Zwiſchen dieſen Brettern werden ſtarke, gewoͤhnliche Latten in 10 ͤzoͤlligen Entfernungen, nicht weitlaͤufiger aus einander genagelt, weil ſonſt die Schindeln in den Zwiſchenweiten leicht durchſchlagen koͤnnten. Die gedachten Bretter werden deshalb anſtatt der Latten gebraucht, damit jede obere Schindel da, wo ſie mit der untern dicht zuſammen ſtoͤßt, ein gutes Auflager erhalte. Gewoͤhnlich trifft es ſich, daß die letzte Entfernung, unten von e bis k, kleiner als 5 Fuß iſt; in dieſem Falle macht man eben ſo kurze Schindeln, als dieſe letzte Entfernung erfordert. Der Grund, warum die Ein⸗ theilung von oben herunter angefangen wird, beruht darin, weil die Schin⸗ deln in der untern Lage, welche dann gewoͤhnlich kuͤrzer wird, ſich leichter als die groͤßern herum werfen laſſen, auch weil man bei der unterſten Lage den unſicherſten Standort hat. Die Latten und die gedachten Bretter muͤſſen uͤbrigens 1 Fuß uͤber die Giebel reichen, und daſelbſt muͤſſen noch, 1 Fuß breite ſogenannte Windbretter, auf die Art, wie im zweiten Theile Seite 145 be⸗ ſchrieben worden, befeſtigt werden. 1 und zwar beſonders von den Lehmſchindel⸗Daͤchern. 61 Bevor zur Eindeckung des Daches geſchritten werden kann, muͤſſen die erforderlichen Bordſchoͤfe, Deck⸗ und Forſtbunde, und zwar zuerſt die Bordſchoͤfe, auf folgende Art angefertigt werden. Man nimmt ſo viel langes, reines und gerades Stroh, als man in bei⸗ den Haͤnden feſt zuſammen gedruͤckt halten kann, ſtoͤßt es mit den Stamm—⸗ enden einige Mahl auf die Erde, um ſaͤmmtliche Aehren unten zuſammen zu bekommen, und bindet es(wie in Fig. 46 A zu ſehn) 9 Zoll von unten herauf mit einem Strohbande feſt, worauf ein ſolches Bordſchof mit einem Handbeil unten gerade gehauen wird. Sechs Zoll uͤber dem Strohbande faͤngt man an, ſelbiges nach Fig. 46 B dergeſtalt ſchraͤge nach oben abzu⸗ hauen, daß oberhalb etwa nur 60 Halme unverſehrt bleiben. Zu den Deckbunden wird eben ſolches, reines, gerades Stroh, und zwar ſo viel genommen, daß jedes Bund 6 Zoll im Durchmeſſer haͤlt. Dieſe Bunde werden nach Fig. 47 A ein Mahl 1 Fuß von unten herauf bei a, das zweite Mahl 3 Fuß von unten herauf bei b mit einem Strohbande feſt gebunden, und ſodann ſo wohl unten gerade, als auch in der Mitte zwiſchen beiden Strohbaͤndern nach der Linie od durch, und 1 Fuß uͤber dem obern Strohbande b nach der Linie efk abgehauen, wodurch man zwei ſolche Deckbunde, jedes 2 Fuß lang, wie ſie in Fig. 47 B und C vor⸗ geſtellt ſind, erhaͤlt. Anm. Wer Rohr zu den Deckſchoͤfen anwenden kann, erhaͤlt ein dauerhafteres Dach, und der Vorwurf, daß das Rohr zu den gewoͤhnlichen Rohr⸗ und Strohdaͤchern ſich nicht ſo feſt aufbinden laſſe, als das Stroh, faͤllt hier bei den Lehmſchindeln ganz weg. Hierbei iſt zu bemerken, daß die zwei untern Reihen der Deckbunde laͤnger als hier beſchrieben worden, naͤhmlich die zur erſtern Reihe 2 ½ Fuß, und die zur zweiten Reihe 2 ½ Fuß lang ſeyn muͤſſen. Die Forſtbunde werden eben ſo wie die Deckbunde verfertigt, nur mit dem Unterſchiede, daß in der oberſten Reihe jedes Bund 6 Zoll lang und 4 Zoll im Durchmeſſer ſtark, die darunter folgende zweite Reihe aber 1 Fuß lang wird. Die Ruͤſtung zur Eindeckung eines ſolchen Lehmſchindel⸗Daches be⸗ ſteht, ſo wie bei einem gewoͤhnlichen Strohdache, aus einer Leiter, welche bis uͤber den Forſt hinaus reicht, und einem ſtarken ſogenannten Deckbaum. Der Deckbaum wird, wie aus Fig. 48 A und B zu erſehn, an dem einen Ende durch ein ſtarkes ſogenanntes Decktau, welches an der oberſten Latte, oder einem Sparren befeſtigt iſt, getragen, an dem andern Ende aber auf 62 Von Bedeckung der Daͤcher, die Leiter feſt gebunden. Am Giebel, dicht am Windbrette, wird eine ſtarke Stange in Verlaͤngerung der Dachflaͤche ſchraͤg herunter geſtellt und befeſtigt, auf welcher beim Anfange des Deckens der Deckbaum ruht, wie in Fig. 48 vorgeſtellt worden. Das Hinaufſchaffen der Schindeln auf das Dach ge⸗ ſchieht, wie ſchon im zweiten Theile Seite 160 erwaͤhnt worden. Ehe die erſte Schindel auf das Dach geſchafft wird, ſchlage man auf die Mitte der anſtatt der Latten dienenden Bretter, Fig. 45 und zwar 4 bis 5 Zoll vom Windbrette entfernt, hoͤlzerne Naͤgel aghi ꝛc. ein, welche 2 Zoll uͤber den Latten hervor ſtehn. In Fig. 49 ſind ſelbige mit oba bezeichnet. Nunmehr ziehe man die erſte Lehmſchindel A Fig. 49 auf das Dach, werfe ſie um, ſo daß die mit Lehm und Haferkaff beſtrichene Seite derſelben auf die Latten zu liegen kommt, druͤcke die Schindel dicht hinter dem Schindel⸗ ſtocke auf den erwaͤhnten hoͤlzernen Nagel durch, nachdem zuvor das uͤber⸗ ſtehende eine Ende des Schindelſtocks abgehauen worden iſt, damit die Schin⸗ del dicht gegen das Windbrett anſtoßen kann. Jetzt haͤngt die Schindel A auf der einen Seite an dem Nagel a, auf der andern Seite wird ein eben ſolcher hoͤlzerner, 2 Zoll uͤber die Latte vorſtehender Nagel d, aber nur dicht an der Schindel unter dem Schindelſtock eingeſchlagen, ſo daß dann die Schindel A, vermittelſt des Schindelſtocks, auf den beiden Naͤgeln a und d ruht. Nun wird die zweite Schindel B Fig. 49, dann C u. ſ. w., eine nach der andern hinauf geſchafft, und in gedachter Art, vermittelſt der hoͤlzernen Naͤgel, befeſtigt. Hierbei iſt nur zu bemerken, daß allemahl die obern Schin— deln nicht uͤber die untern uͤberdecken, ſondern nur ſcharf zuſammen ſtoßen, wie in Fig. 50 A bei o zu ſehn iſt; worauf das an der Schindel B noch uͤberhangende Stroh oc, Fig. 44 F nach der Linie qw, Fig. 49 mit dem Handbeile auf einem untergelegten Knuͤppel abgehauen wird. Ferner wird die Schindel D, Fig. 49 auf das Dach gebracht, und eben ſo, wie vorhin mit den Schindeln AB C geſchah, durch den Nagel d geſteckt, doch ſo, daß die Schindel D* Zoll uͤber die Schindel A uͤberdeckt, worauf ſolche auf der andern Seite gleichfalls an einem Nagel g aufgehangen wird. In eben der Art werden alle uͤbrigen Schindeln auf dem Dache befeſtigt, wobei aber zu bemerken iſt, daß jedesmahl nicht mehr als ungefaͤhr 3 bis 4 Schindeln uͤber einander und 4 bis 5 Schindeln neben einander, oder eigentlich nicht mehr aufgelegt werden, als in einem Tage mit der nun folgenden Strohbe⸗ deckung eingedeckt werden koͤnnen. 90, 60, uet ner wü ür t re⸗ und zwar beſonders von den Lehmſchindel⸗Daͤchern. 65 Alsdann wird die Leiter uͤber die letzten Schindeln(alſo hier NO P) etwa drei Zoll gehoben, und unter die Leiter werden ſo dicke Kloͤtze gelegt, daß der winkelrecht gemeſſene Abſtand von dem Lattenbrette bis zur Oberkante des Lei⸗ terbaums 1 Fuß betraͤgt, wodurch alsdann die Oberkante des Leiterbaums eine Lehre abgiebt, wie ſtark das Dach mit Stroh gedeckt, oder eigentlich beſpickt werden ſoll. Hierauf wird der Deckbaum in vorbeſchriebener Art befeſtigt und zur fernern Eindeckung auf folgende Weiſe geſchritten. Zufoͤrderſt wird das, uͤber das Dach herabhaͤngende Stroh ttt, Fig. 49 von den Schindeln ADGKN wie in Fig. 44 F an einer Schindel zu ſehn iſt) nach der Linie xy, Fig. 49 abgehauen; ſodann wird eine Breite von fuͤnf Schindeln lang, und eine Hoͤhe von 5 Fuß hoch, etwa ³¾ JZoll dick, mit wei⸗ chem Lehm beſtrichen(wie in Fig. 49 mit der dunkeln Stelle angegeben wor⸗ den). Hierauf werden die Bordſchoͤfe Fig. 46, eins dicht neben dem andern, dergeſtalt aufgelegt und in den Lehm gedruͤckt, daß ſelbige unten 4 bis 5 Zoll uͤber der aͤußerſten Kante des Geſimsbrettes uͤberſtehn, daß ferner oberhalb die ſchraͤg gehauenen Seiten der Bordſchoͤfe auf dem Lehm zu liegen kommen(wie aus Fig. 50 A zu erſehn iſt), und daſelbſt nach Fig. 51 etwas ausgebreitet und in den Lehm feſt gedruͤckt werden. Alsdann beſtreiche man dieſe erſten Bord⸗ ſchoͤfe von oben herunter bis an die Strohbaͤnder ¾ Zoll ſtark mit Lehm, und lege vor die Baͤnder eine Latte a, Fig. 50 A, vor welche, der Feſthaltung wegen, einige hoͤlzerne Pfloͤcke einſtweilen geſteckt werden. Auf dieſe Latte lege man, den ganzen Deckgang entlang, naͤhmlich vom Windbrette bis zur Leiter, die, Seite 61 und Fig. 47 beſchriebenen, 2x½ Fuß langen, erſten Deck⸗ bunde, in der Art, nach Fig. 52, daß die Schloͤſſer der Strohbaͤnder oben zu liegen kommen. Man druͤcke ſelbige etwas in den Lehm, ziehe die Latte a, Fig. 50 A nebſt den Pfloͤcken heraus, lege ſolche oben auf die Deckbunde in b dicht hinter die Strohbaͤnder, klemme die Latte zwiſchen dem Windbrette und der Leiter feſt und befreie die Deckbunde ſaͤmmtlich von ihren Strohbaͤndern, aus⸗ genommen dasjenige, welches zunaͤchſt der Leiter liegt, wie in Fig. 48 A bei aa angedeutet iſt. Hierauf lockre man das Stroh etwas auf, druͤcke daſſelbe, indem man die Hand oder das Knie auf die Latte legt, herunter, damit es feſt liege und nicht herunter gleiten kann, und ſtoße es verloren mit dem Ballen der Hand etwas ſchraͤge nach der Dachflucht hinauf, nehme alsdann das Deckbrett Fig. 43, und ſchlage mit den, an der untern Flaͤche deſſelben befindlichen Reifen ſo lange, und in der Art gegen die Stammenden der 64 Von Bedeckung der Daͤcher, Deckbunde, bis die gerade Dachflucht heraus kommt, wo ſich alsdann alle Spitzen des Strohes in den Lehm eingeſchlagen haben. Die Latte, welche in Fig. 50 A in b gelegen, wird nunmehr um 3 Zoll nach e Fig. 50 B, hinauf gelegt, und von der Latte an wird, wieder 3 Fuß hinaufwaͤrts, alles mit Lehm ² Zoll ſtark beſtrichen. Auf dieſe Latte e werden die 2x½ Fuß langen, zweiten Deckbunde mit ihren Baͤndern oben gegen die Latte gelegt, worauf man die Latte wieder heraus zieht, ſolche in f Fig. 50 B legt, die Deckbunde von den Strohbaͤndern befreit und ganz wie vorher mit dem Eindecken verfaͤhrt. In dieſer bisher gezeigten Art werden ſodann die dritte und alle folgenden Lagen mit den, 2 Fuß langen, gewoͤhnlichen Deckbunden Fig. 47 B0, bis zum Dachforſte fortgeſetzt. Die Verfoͤrſtung der Lehmſchindel⸗Daͤcher wird auf mancherlei Art gemacht. Die erſte, welche ich hier umſtaͤndlicher beſchreiben will, iſt dieje⸗ nige, welche im zweiten Theile 162 erwaͤhnt worden. Im Allgemeinen iſt anzumerken, daß mit der Verfoͤrſtung nicht eher vorgeſchritten werden kann, als bis auf beiden Seiten des Daches gleich lange Strecken bis zum Forſte hinauf gedeckt worden. Hierauf wird eine, im Durchmeſſer 3 Zoll ſtarke Strohwurſt g in Fig. 53 A, welche rund herum mit Lehm beſtrichen wor⸗ den, in die Spitze des Daches zwiſchen den zwei oberſten Latten gelegt. Ue⸗ ber dieſe Strohwurſt, und zwar von a bis b, Fig. 55 A, ſtreiche man nochmahls Lehm und fange das Decken des Daches mit 12 Zoll langen Forſt⸗ bunden wieder an, in derſelben Art, wie die vorigen. Iſt dieß geſchehn, ſo beſtreiche man das obere Stroh der Forſtbunde von d bis g Fig. 53 B mit Lehm, decke die 6 Zoll langen Forſtbunde, eben ſo wie die vorigen, ein, und beſtreiche auch wieder den obern Theil von a bis f Fig. 53 B ſchwach mit Lehm. Jetzt wird die andere Seite des Dachs, oder vielmehr des Forſtes, in eben der Art bis dahin gebracht, worauf noch oberhalb der Spitze die ganze Flaͤche aokf, Fig. 53 B mit Lehm, der mit gehacktem Stroh vermiſcht iſt, in abof be⸗ tragen und ſpitz zugeſtrichen wird. Beſſer als dieſe, iſt folgende Verfoͤrſtung befunden worden. Man deckt, wie vorher beſchrieben worden, beide Seiten des Dachs, bis ungefaͤhr 3 Fuß unter der Spitze deſſelben. Sodann wird ebenfalls in die Spitze des Dachs eine Strohwurſt m Fig. 54, welche rund herum gut mit Lehm beſtrichen worden, gelegt, auch werden die Schindeln und die Strohwurſt, wie eme zeigt, mit Lehm 1 Zoll hoch uͤberſtrichen. In dieſen Lehm wird, 2 Zoll ſtark, langes gutes Stroh eingedruͤckt. Hierauf mache man 4 Fuß lange, 8 bis 9 Zoll und zwar beſonders von den Lehmſchindel⸗Daͤchern. 65 9 Zoll ſtarke Forſtbunde, welche an den Aehrenenden, wie die Bordſchoͤfe Fig. 46, jedoch unter einem Winkel von 45 Graden, ſchraͤg zugehauen ſind, und lege ſie auf der Wetterſeite des Dachs dergeſtalt, daß die Schloͤſſer der Stroh⸗ baͤnder oben zu liegen kommen, dicht neben einander, laͤngs dem Forſt, und die Stammenden dieſer Bunde 14 Zoll uͤber die Spitze des Dachs uͤberragen. Auf dieſe Bunde lege man zwei ſtarke Latten c und d, Fig 54, und ziehe dieſelben auf jedem Sparren mit eiſernen Naͤgeln nur ſo viel an, daß die Forſtbunde nicht herunter gleiten koͤnnen. Alsdann ſchlage man mit dem Deckbrette die Stirn der Stammenden bh laͤngs dem Forſte gerade, befreie die Bunde von ihren Baͤndern, lege das Stroh der Bunde uͤberall gleich ſtark aus einander, und ſchlage die Naͤgel dk und ci feſt. Auf der andern Seite des Dachs verfahre man eben ſo, wobei ſich jedoch nach der Zeichnung Fig. 54 von ſelbſt verſteht, daß die Forſtbunde nur 3 Fuß lang werden, weil ſie gegen die vorgedachten anſtoßen. Hinter den Latten wird, um das fruͤhere Verfaulen derſelben zu verhindern, eine Schraͤge, von Lehm mit gehacktem Stroh vermiſcht, gegen geſtrichen, wie auf der Figur etwas dunkler angemerkt worden. Anm. Herr Manger giebt in ſeiner oͤkonomiſchen Bauwiſſenſchaft folgende Ver⸗ foͤrſtung an:„Man laſſe das Rohr⸗ oder Strohdach am Forſte verflechten, nagle alsdann „auf beiden Seiten deſſelben nicht allzubreite Bretter, und zwiſchen dieſelben ein paſſendes „Stuͤck Holz oder Holm. Dieſes bedecke man mit in Kalkmoͤrtel gelegten Hohlſteinen, und „nagle ſie mit langen Naͤgeln feſt.“ In Holland werden zuweilen die Strohdach⸗Foͤrſte mit einer Art breiter Hohlziegel bedeckt, welche bei den Lehmſchindel⸗Daͤchern um ſo eher anzuwenden ſeyn duͤrften, da letztere mit der Zeit nicht ſo ſehr als bloße Strohdaͤcher ſich zuſammen druͤcken, wodurch naͤhmlich dann die Hohlſteine nicht mehr feſt an die Strohbedeckung anſchließen. Uebri⸗ gens koͤnnen die Hohlſteine auf dem Forſte mit Lehm ausgefuͤllt, und da, wo ſie ſich uͤber⸗ decken, in Kalk gelegt, und mit langen Naͤgeln an den Sparren befeſtigt werden. Da, wo Dachſteine zu nicht gar hohen Preiſen zu haben ſind, kann fol⸗ gende Art der Verfoͤrſtung mit weit geringerer Muͤhe angewendet werden. Erſtlich wird das Dach, wie vorher beſchrieben worden, auf beiden Seiten ſo weit gedeckt, bis die Spitzen des Strohes ſo eben den Forſt erreicht haben (ſiehe Fig. 55), und in die Spitze des Dachs eine, gut mit Lehm beſtrichene Strohwurſt g gelegt. Vorher werden auf den Sparren, zwiſchen dem oberſten Brette und der erſten Latte, die Brettſtuͤcke de und kg, welche ſo ſtark als die Latten ſeyn muͤſſen, befeſtigt. Hierauf nagle man, 10 ½ Zoll von der Spitze des Daches entfernt, eine ſtarke Latte a mit eiſernen Naͤgeln auf die Sparren, und in die Spitze des Daches eine 4zoͤllige Stolle b(deren Naͤgel, ſchraͤg ge⸗ J 66 Von Bedeckung der Daͤcher, ſchlagen, das oben am Sparren befindliche Brett erreichen muͤſſen), und decke auf dieſe Latten mit Dachſteinen doppelt zu einem Kronendache, nachdem die erſten, auf dem eingedeckten Stroh liegenden Reihen gut in Lehm gelegt worden. Saͤmmtliche Raͤume zwiſchen den Latten a und b werden mit Lehmſtroh gut ausgefuͤllt, und auf den Dachſteinen werden die Hohlſteine, nachdem ſolche von unten mit Lehmſtroh ausgefuͤllt worden, ſo weit ſie ſich uͤberdecken, mit Kalk⸗ moͤrtel verlegt. Anm. Ueber dieſe Art der Verfoͤrſtung, mit Dachziegeln auf Strohdaͤchern, iſt ſchon im zweiten Theile Seite 149 geurtheilt worden. Hier duͤrfte nur noch anzufuͤhren ſeyn, daß, da die Lehmſchindeln eine feſtere Unterlage geben,(weil die Strohbedeckung auf derſelben nicht ſo ſtark, als bei Strohdaͤchern iſt), die Forſtbedeckung mit Dachziegeln hier um ſo eher angewendet werden koͤnnte, zumahl da es ſonſt uͤberhaupt an einer hinlaͤnglich dauer⸗ haften Verfoͤrſtung bei den Lehmſchindeln noch mangelt. Wenn jede Lehmſchindel 5 Fuß lang, a* Fuß breit und ungefaͤhr ¾ Zoll ſtark iſt, ſo gehoͤren zu einer Quadratruthe(da ſie ſich nur wenig aͤberdecken) 12 Stuͤck Schindeln, und dazn 48 Pfund Stroh, 6 Kubikfuß Lehm, 12 Band⸗ ſtoͤcke à 3 Fuß lang, und ½ Sack Spreu. Ferner ſind zu der Etroßbedeckung uͤber den Schindeln erforderlich 768 Pfund Stroh nach Abgang der Aehren, und 18 ½ Kubikfuß Lehm. Was das Arbeitslohn betrifft, ſo koͤnnen acht Mann in einem Tage 45 Lehmſchindeln anfertigen, und wenn jeder derſelben 6 Gr. Tagelohn erhaͤlt, ſo koſten zwoͤlf Schindeln zu einer Quadratruthe ungefaͤhr 12 Groſchen, 9 ½ Pfennig. Das Anfertigen der Strohſchoͤfe, nebſt dem Beſpicken und Verfoͤrſten des Da⸗ ches, koſtet, je nachdem die Arbeiter hierin mehr oder weniger Fertigkeit beſitzen, 2 bis 2½ Thaler, ſo daß das ſaͤmmtliche Arbeitslohn fuͤr eine Quadrat— ruthe Lehmſchindel⸗Dach auf 2 ½ bis 3 Thaler zu rechnen iſt. §. 30. Eine andere Die in der Altmark gebraͤuchlichen Lehmſchindel-Daͤcher weichen nur Net ondel in wenigen Stuͤcken von den vorigen ab, und zwar: Anſtatt des Tiſches, wor⸗ ſchindel⸗Daͤ auf die Lehmſchindeln gefertigt werden, nimmt man hier eine Wagenleiter cher. Fig. 56, welche auf niedrige Ruͤſtboͤcke gelegt wird. Auf dieſe Leiter wird eine Latte be, etwa 2x¼ bis 2 ½ Fuß, als ſo breit die Schindel werden ſoll, von dem einen Leiterbaume entfernt, auf die Sproſſen feſt gebunden, und dazwi⸗ ſchen wird das Stroh, etwa 1 Zoll dick und 10 Fuß lang, dergeſtalt gleichfoͤrmig ausgebreitet, daß die Wurzeln des Strohes allemahl uͤber die Aehrenenden uͤber⸗ reichen;z auch werden da, wo dieſes Uebereinanderliegen d des Strohes ſtatt findet, und zwar beſonders von den Lehmſchindel⸗Daͤchern. 67 einzelne Strohhalme aa von unten herauf durchgezogen und auf der Flaͤche ausgebreitet. Hierauf wird 1 Zoll hoch praͤparirter Lehm gethan, mit der Kelle durchgeſtoßen, mit dem Strichbrette glatt geſtrichen, an dem einen Ende mit einigen Halmen Stroh eine Schleife um den Stock gewickelt, das uͤbrige Stroh aber herauf uͤber den Stock gelegt, in den Lehm gedruͤckt, mit Lehm uͤber⸗ ſtrichen, und die Schindel mit Haferkaff uͤberſtreuet, welcher etwas eingedruͤckt wird. Nahe bei der Mitte des Stocks werden zwei Weidenbaͤnder d d ge⸗ ſchuͤrzt, um daran die Schindel auf das Dach zu ziehen und an die Latten zu befeſtigen. Hierauf werden die Schindeln in ſo weit getrocknet, daß ſie noch Biegſamkeit genug behalten, um ſich in ihrer Laͤnge uͤber die Latten und Sparren gehoͤrig fuͤgen zu koͤnnen. Die Bordſchoͤfe, oder Bordknoͤpfe(wie man ſie in der Altmark nennt) werden 3 Zoll dick, und nahe am Wurzelende feſt gebunden, dabei ſind ſie 1¾ Fuß lang und werden, wie die Bordſchoͤfe Fig. 46, nach oben zu ſchraͤg zugehauen. Die uͤbrigen Deckbunde werden in derſelben Art wie bei gewoͤhn⸗ lichen Strohdaͤchern, jedoch nur 1 Fuß dick, gebunden, und die Aehrenenden werden abgeſchlagen. Zuweilen wird auch Rohr anſtatt des Strohes zu den Deckſchoͤfen gebraucht. Die Belattung und die Anbringung des ſo genannten Bordbrettes ge⸗ ſchieht ſo, wie im zweiten Theile Seite 155 angegeben worden; nur die Ein⸗ deckung der erſten Schicht mit Strohpuppen faͤllt gaͤnzlich weg. Das Hinaufſchaffen dieſer Lehmſchindeln, das Auflegen der mit Lehm beſtrichenen Seite auf die Latten, ſo wie das dichte Anlegen an die an den Giebeln befindlichen Windbretter, ferner das Abſchlagen des etwa uͤber das Bord und Geſimsbrett hervor ragenden Strohes geſchieht ganz nach vorbe⸗ ſchriebener Art; nur das Befeſtigen der Schindeln wird nicht durch vorge⸗ ſchlagene Naͤgel, ſondern mit Bindweiden an den Enden des Schindelſtocks gemacht. Ferner werden dieſe Schindeln ſo uͤber einander auf das Dach ge⸗ legt, daß ſie ſich um 1 ½ Fuß uͤberdecken, folglich jede nur um 8 ½ Fuß lang einfach liegt(ſiehe Fig. 57). Auf dieſe Art kann zuweilen der Fall eintreten, daß die Schindeln in einer Reihe weniger als 10 Fuß lang gemacht werden muͤſſen. Der zweite Gang der Schindeln wird dicht neben den erſtern geſchoben, der uͤberragende Stock derſelben wird unter die benachbarte Schindel geſteckt, und die Stoßfugen werden gut mit Lehm verſtrichen. Wenn auf dieſe Art eine ganze Dachſeite(oder beſſer nur eine ſolche Anzahl Schindeln, als in einem Tage J 2 Se oge 68 Von Bedeckung der Daͤcher, mit Rohr oder Stroh bedeckt werden koͤnnen) mit Schindeln belegt iſt, dann wird bei dem Verdecken der Stroh⸗ oder Rohrſchoͤfe uͤber die Schindeln da⸗ mit angefangen, daß erſtlich die nur 3 Zoll dicken Bordſchoͤfe, von dem Wind⸗ brette an, laͤngs der Fronte dicht neben einander auf die mit Lehm beſtriche⸗ nen Schindeln, und zwar mit den Wuͤrzelenden dicht gegen das Bordbrett gelegt und auf den Lehm feſt angeſtrichen werden. Die Breite eines ſolchen Ganges laͤngs der Fronte betraͤgt gewoͤhnlich nur 2 ½ Fuß. Ferner werden dieſe in Lehm befeſtigten Bordſchoͤfe nebſt den Schindeln bis ungefaͤhr zur dritten oder vierten Latte hinauf mit Lehm beſtrichen, die vorhin gedachten gewoͤhnlichen Deckbunde von Stroh oder Rohr, und zwar die erſte Reihe um etwas uͤber das Bord⸗-oder Geſimsbrett vorragend, aufgedeckt, mit dem Deck⸗ brett von vorne etwas zuruͤck geſtoßen, ſo daß alle Halme in den Lehm kom—⸗ men und das Dach die verlangte, ſchraͤge Lage erhaͤlt. Auf dieſe Art wird bis zum Forſte dergeſtalt fortgefahren, daß die Stroheindeckung nie unter 9 Zoll und nicht uͤber 12 Zoll dick wird. Die in der Spitze des Dachs entſtehende Luͤcke wird mit Lehm und einer Strohwurſt, wie vorgedacht, ausgefuͤllt, alsdann aber der Forſt auf folgende Art gemacht. Man nimmt ſo viel Halme gutes langes Stroh, als man in beiden Haͤnden gedruͤckt faſſen kann, und nachdem ſolches durch Aufſtoßen auf die Erde gerade geſchoben worden, nimmt man die Haͤlfte dieſes Strohes, knuͤpft es mit der andern Haͤlfte an den beiden Aehrenenden feſt zuſammen, und macht mehrere dergleichen Knoͤpfe oder Buͤſchel. Nun wird die ganze obere Kuppe des Daches, etwa 2 Fuß breit, mit reinem Lehm beſtrichen, und dieſe Buͤſchel werden auf beiden Seiten des Daches dergeſtalt gedeckt, daß die Knoten in der Mitte zu liegen kommen, und beide Enden an den Seiten des Daches her⸗ unter haͤngen. So wird ein Buͤſchel dicht neben dem andern feſt in Lehm gedruͤckt, und zuletzt eine Kuppe von Lehm, der mit kurz gehacktem Stroh ver⸗ miſcht iſt, aufgetragen, wodurch dann der Forſt nach Fig. 57 fertig iſt. Zu einer Quadratruthe dergleichen Lehmſchindel⸗Dachs ſind erforderlich: 78 Stuͤck Deckſchoͤfe, jedes 1 Fuß im Durchmeſſer ſtark und ungefaͤhr 12 Pfund ſchwer, 3 bis 4 Bund Stroh à 30 Pfund ſchwer zu den Schindeln, Bord⸗ und Forſtſchoͤfen, 18 bis 20 Kubikfuß Lehm und 12 Stuͤck Schindelſtoͤcke. §. 31. Zu den ein ſachen Lehmſchindeln gehoͤrt die ſogenannte Habaner Peea Daͤ⸗ Icfdrann Ihre Anfertigung geſchiehet folgender Maßen. 4— und zwar beſonders von den Lehmſchindel⸗Daͤchern. 69 *) Von dieſer aus Ungarn ſtammenden Dachdeckung handelt eine kleine Schrift, unter dem Titel:„Beſchreibung eines Habaner Strohdaches, von Adam Landgraf. „Mit Kupfern. Wien 1801, bei Matthias Andreas Schmidt.“ Schon im Jahre 1772 wurde dieſe Schrift in Presburg bei F. A. Patzke aufgelegt. Man verfertigt ſich einen Tiſch Fig. 58 A, deſſen Laͤnge 4 Fuß, und Breite 2 ½ Fuß betraͤgt, und der von drei Seiten mit ſenkrecht ſtehenden, 6 Zoll hohen Leiſten umſchloſſen iſt. Die beiden langen dieſer Seitenſtuͤcke ſtehen im Lichten um 2 Fuß, ſo viel naͤhmlich die Breite der Schindeln betragen ſoll, aus einander, und koͤnnen nach der vierten, offen bleibenden Seite des Tiſches etwas niedriger ſeyn. Die eine dieſer Seitenleiſten iſt 3 Fuß acht Zoll lang, und bei c befinden ſich zwei kleine Loͤcher x v, jedes von ½ Zoll im Durchmeſſer (ſiehe Fig. 538 B und D), von welchen das tiefer liegende v genau 3 Fuß von der Ruͤckwand entfernt iſt. Mit dieſen Loͤchern correſpondiren zwei, an einem hakenfoͤrmigen Holze f(Fig. 58 A) angebrachte Einſchnitte d und e Fig. B, deren Beſtimmung bei Anfertigung der Schindeln naͤher angegeben werden ſoll. Damit dieſer Haken in die Verlaͤngerung der zweiten Seiten⸗ wand gh Fig. A aufgeſtellet werden kann, hoͤrt letztere bei h mit einer Ab⸗ ſchraͤgung auf. In einer Entfernung von 6 Zoll von der Ruͤckwand befindet ſich noch eine niedrige, 3 Zoll hohe Querleiſte i k Fig. A. Auf dieſen Tiſch lege man feſt zuſammen gedruͤcktes Stroh, 1 Zoll hoch, und ſtoße daſſelbe mit ſeinen Stammenden gegen die Querleiſte i k Fig. 58 E, ſo daß die Aehrenenden uͤber den Tiſch hinuͤber reichen. Auf dieſe Strohlage lege man † Zoll hoch weichen Lehm, und zwar 9 Zoll von der Querleiſte i k entfernt, und bis an den Haken F Fig. E, ſtoße ihn einige Mahl mit der Kelle, damit derſelbe in das Stroh eindringe, und ſtreiche ihn glatt. Wie⸗ derum auf dieſe Lehmlage lege man eine zweite Strohlage, 1 Zoll ſtark, und zwar ſo, daß die Wurzelenden gegen die Ruͤckwand, ag Fig. 58 F, anſtoßen, und breite daſſelbe gleichfoͤrmig aus. Hierauf ſtecke man einen, an beiden Enden zugeſpitzten, ¾ Zoll ſtarken und 2 Fuß 4 Zoll langen, ſichtenen Schin⸗ delſtock mit dem einen Ende in das Loch v Fig. B, und mit dem andern in den correſpondirenden Einſchnitt e. Nun wird das Stroh mit einer zweiten, ſchwachen Lehmlage Fig. F(welche ſo weit reicht, als ſich die nachher umzu⸗ ſchlagenden Aehrenenden des Strohes erſtrecken werden) glatt uͤberſtrichen. Das herabhaͤngende Stroh wird uͤber den Dachſtock geſchlagen, und mittelſt eines zweiten, etwas ſtaͤrkern Stocks, der nur zu dieſem Behuf einzeln vor— handen iſt, und mit einem Ende in das Loch x Fig. B geſteckt, mit dem an⸗ dern Ende aber in den gegenuͤber ſtehenden Einſchnitt d geklemmt wird, 70 Von Bedeckung der Daͤcher, niedergedruͤckt. Alsdann wird das Stroh da, wo es in der Gegend des Dach⸗ ſtocks umgeſchlagen iſt, mittelſt eines kleinen Stoͤßels Fig. H(welcher, ſo lange derſelbe nicht gebraucht wird, in einer bei m angebrachten Scheide ſteckt) laͤngs dem Schindelſtocke feſt geſtoßen, damit ſich das Stroh dicht am Stocke anlege, und mit Lehm beſtrichen, um den Kopf der Schindel zu bilden. Nach⸗ dem dieß geſchehen, wird von dem Dachſtock an, bis 12 Zoll von der Ruͤck⸗ wand a, g Fig. 58 G, eine Lehmlage ½ Zoll ſtark aufgetragen und mit dem Stoͤßel Fig. H dergeſtalt tuͤchtig in das Stroh gearbeitet, daß mit der abge— ſchaͤrften Kante deſſelben der Lehm nach der Richtung der Strohhalme durch⸗ geriſſen, und gewiſſermaßen durchwirkt wird, wodurch der Lehm die Stroh⸗ halmen im Innern der Schindel umhuͤllet. Endlich wird die Oberflaͤche mit einem Streichbrette glatt gerieben, wodurch dann die Schindel im Durchſchnitte das Anſehen Fig. C erhaͤlt. Anm. Der Herzoglich⸗Meklenburgiſche Profeſſor der Oekonomie, Herr Karſten, giebt im zwoͤlften Stuͤcke der Monatsſchrift der RMecklenburgiſchen landwirth⸗ ſchaftlichen Geſellſchaft zu Roſtock, die Anweiſung, die Lehmſchindeln auch ober⸗ halb, ſo weit ſolche von den darauf folgenden bedeckt werden, mit Lehm zu beſtreichen. Der obere Stock wird nun abgenommen, der von demſelben bedeckt geweſene Theil wird mit Lehm beſtrichen, und die Schindel, welche vermittelſt des erſt⸗ gedachten Stocks aus der Form gezogen worden, wird nach dem zum Trocknen be⸗ ſtimmten, bedeckten Platze getragen, woſelbſt dergleichen bis zu funfzehn Stuͤck auf einander, nachdem jede derſelben mit etwas Sand oder beſſer mit Haferfaſf beſtreuet worden, gepackt werden koͤnnen. Das Aufdecken dieſer Schindeln geſchiehet wie gewoͤhnlich in der Art, daß die mit Lehm beſtrichene Flaͤche derſelben auf die Latten gelegt wird. Durch die nach außen gekehrte, lehmfreie Flaͤche der Schindel hat alſo das Dach ſchon eine, wenigſtens 1 Zoll dicke Strohbedeckung; allein zu noch mehrerer Sicher⸗ heit dienet der Umſtand, daß der, dem Kopfe entgegen geſetzte, untere Theil der Schindel, welcher, bei Eindeckung einer Schindel uͤber die andere, ganz un⸗ bedeckt bleibt, nach Fig. 58 E und G ganz vom Lehm frei iſt, ſo daß bei der vollendeten Eindeckung eine Strohdecke von 3 Zoll ſtark uͤber die ganze Flaͤche des Daches ausgebreitet iſt, mithin, vermoͤge der feſtgeſetzten Belattung von 10 Zoll Weite*), und bei der angenommenen Laͤnge der Schindeln von 3 Fuß, ſelbige in jedem Puncte des Dachs dreifach liegen. *) Wegen der bedeutenden Laſt dieſer Daͤcher muͤſſen dazu ſehr ſtarke Latten genommen werden. Um die Schindeln an die Latten zu befeſtigen, wird aus der obern Stroh⸗ —,— —,— und zwar beſonders von dem Lehmſchindel⸗Daͤchern. 71 decke, in der Gegend des hervorragenden, zugeſpitzten Dachſtockes, an beiden Seiten ein ſchwaches Strohſeil gedreht, um den Dachſtock und die Latte ge⸗ ſchlungen und zur Bildung eines Knotens noch einmahl durchgeſteckt*). Hierbei muͤſſen die Schindeln ſo dicht als moͤglich auf einander gedruͤckt, und die Dach⸗ ſtoͤcke der nachbarlichen Schindeln wechſelſeitig in einander geſteckt werden, wo⸗ urch die richtige Lage derſelben vorzuͤglich beſtimmt wird. ) Die Befeſtigung der Schindeln vermittelſt Bandweiden duürfte wohl vorz üglicher ſeyn, da das uͤbrige Stroh von demjenigen Theile, woraus die Baͤnder gedreht w den, nur ver⸗ möge des Anklebens in dem Lehm ſich haͤlt, mithin ein Herausziehen deſſelben ſehr leicht moͤglich iſt. Daß die Aufdeckung dieſer Schindeln im erbande, oder ſo geſchieht, daß die Fugen durch die, zunaͤchſt hoher liegenden Schindeln bedeckt werden, verſteht ſich, ſo wie bei allen einfachen Lehmſchindel⸗Daͤchern, von ſelbſt. Dieſerhalb muß auch von den Windbrettern der Giebel an, abwechſel nd, mit einer ganzen und mit einer halben Schindel angefangen, und von der unterſten oder Bord⸗ ſchicht, nach dem Forſte hinauf in einer ſchrägen Richtung gedeckt werden. Die untere oder Bordſchicht wird aus kuͤrzeren, naͤhmlich nur 18 Zoll langen, f beiden Seiten mit Lehm beſtrichenen Schindeln gemacht, und auf der un⸗ erſten Latte, welche 14 Zoll von der äußerſten Kante des Simsbrettes entfernt genagele wird,(ſiehe Fig. 59 A) befeſtiget, wodurch alſo die Schindelbedeckung * Zoll uͤber das Simsbrett hervorragt. Zur Unterſtutzung dieſer Schindeln iſt s nothwendig, ein Brett a dergeſtalt auf das Ende der Aufſchieblinge zu nageln, da ſſelbe e Zoll uͤber die Balk ken 3b⸗rraßt. Da nun dieſe erſte Schin⸗ ₰ * 5 eſondere Schrndeh von 2 Fuß 4 Zoll Laͤnge geferee werden. Die Schin⸗ deln der dritten Reihe von gewohnlicher Laͤnge bedecken dann auch noch die erſte g 60 ☛ — — ganz, und nur erſt die vierte Reihe tritt um 10 Zoll mit ihrer Unterkante von den untern zuruͤck. Anſtatt des vorhin angefübrten, uͤber die Aufſchieblinge hervorragenden Brettes, kann man ſich auch, wie in Fig. 59 B angegeben iſt, einer doppelt gelegten Dachziegel⸗Reihe bedienen, welche auf einer, mit ihrer Oberkante 7 Zoll vom Ende der Aufſchieblinge befeßt gten Latte haͤngt. In dieſem Falle iſt aber auch nes(wie aus der Figur zu erſehen) eine Latte am Ende der Aufſchieb⸗ 2 9 Ig 5 den) ſch linge erforderlich, und zwar muß ſolche hochkantig aufgenagelt werden. Ferner muß dann die erſte Schindelreihe die Dachſteine ganz bedecken, die zweite ritte Reihe aber muͤſſen in ganz kleinen Abſtufungen, und nur erſt die ₰ +, Eine andere Art einfacher Lehmſchindel⸗ Daͤcher. nen Schindeln zu nehmen ſind. 72 Von der Bedeckung der Daͤcher, vierte Reihe von der dritten um volle 10 Zoll zuruͤck treten, wornach ſich alſo die Laͤnge der Schindeln in den unterſten Reihen richtet. Wenn auf die vorher beſchriebene Art bis oben hinauf gedeckt worden, wo die Schindeln der beiden Dachſeiten moͤglichſt nahe an einander ſtoßen muͤſſen; ſo wird alsdann, um den Forſt zu bilden, eine Lehmſchindel nach der Richtung des Dachſtocks queruͤber gebogen(weshalb der Stock in der Mitte zerbrochen wird), um auf beiden Seiten anzuliegen. Dieſe Schindeln werden, ſo wie die Hohlziegel, um 1 Fuß uͤber einander gedeckt, ſo daß eine jede den Forſt auf 2 Fuß Laͤnge bedeckt, wozu die am wenigſten trock— Sodann wird zubereitetes Lehmſtroh zum Forſte auf das Dach gebracht und dergeſtalt uͤber den Lehmſchindel⸗Forſt ausge⸗ breitet, daß die Unebenheiten deſſelben, welche durch die zerbrochenen Schindel⸗ ſtoͤcke entſtehen, gehoͤrig ausgeglichen und verflochten werden. Anm. Die Verbreitung dieſer Habaner Dachbedeckung in Schleſien, woſelbſt ſolche mit vielem Beifall angewendet wird, iſt beſonders dem Herrn Bau⸗Inſpector Fritſche zu verdanken. Aus einem gewoͤhnlichen Scheunenbunde Stroh, welches 25 bis 30 Pfund wiegt, koͤnnen 5 dergleichen Lehmſchindeln gemacht werden; mithin gehoͤren zu einer Quadratruthe 420 bis 440 Pfund Stroh, 17 bis 18 Kubikfuß Lehm und 84 Schindelſtoͤcke. Fuͤr die Anfertigung der Schindeln und das Auf— decken derſelben ſind fuͤr das Stuͤck 6 Pfennige, folglich fuͤr eine Quadrat⸗ ruthe Dach 1 Thaler und 13 Groſchen bezahlt worden. §. 32. Die in der Gegend von Querfurth gebraͤuchlichen Lehmſchindeldaͤcher ſind den beſchriebenen aͤhnlich. Um aber doch die Abweichungen derſelben zur beliebigen Wahl zu ſtellen, mag eine kurze Beſchreibung derſelben hier folgen. 3 Man verfertigt einen Tiſch von 6 bis 7 Fuß Laͤnge und 3 Fuß Breite, eben⸗ falls mit Leiſten an drei Seiten deſſelben. Auf dieſen Tiſch wird, 2 Fuß von der hintern Querleiſte entfernt,(Fig. 60 A und B) ein ſchmales, 3 bis 4 Zoll breites Brett a b quer uͤber den Tiſch dergeſtalt befeſtiget, daß die Oberkante deſſelben ſchraͤg in der Hoͤhe ſteht(ſiehe Fig. B). Um die Lehmſchindel zu machen, wird ein halbes Bund Stroh auf dem Tiſche, mit den Wurzelenden gegen das Brett a b ausgebreitet, ſo daß die Aehrenenden oc des Strohes uͤber dem Tiſche hinaus liegen. Nun ſchiebe man —,— und zwar beſonders von den Lehmſchindel⸗Daͤchern. 73 man mit der Hand das oben aufliegende Stroh einzeln uͤber das Querbrett und ſtreiche weichen Lehm uͤber die ganze Flaͤche abed Fig. 60 C. Hierauf wird die andere Haͤlfte des Bundes Stroh uͤber das Brett ab hinaus gelegt, und gleichfoͤrmig ausgebreitet, ſo daß die Aehrenenden noch in die, eben gedachte Lehmlage eingreifen, dabei aber mit den Wurzelenden etwas uͤber dem Tiſche uͤber⸗ ſtehen Fig. C und B. Auf dieſe Strohlage wird wieder Lehm geſtrichen, ein ¾ Zoll ſtarker Schindelſtock wird bei e d auer uͤber die Aehrenenden gelegt, und letztere werden um den Stock gebogen und mit Lehm feſt angeſtrichen. Das bei f g Fig. 60 D uͤberhaͤngende Stroh wird mit einem Beil gerade gehauen. Nachdem das Dach auf 18 Zoll weit mit ſtarken Latten belattet worden, werden die Schindeln an den Schindelſtoͤcken auf die Latten mit Weidenbaͤndern feſtgebunden, wo dann die 6 Fuß langen Schindeln vom untern Bord an, alle⸗ mal uͤber drei der unter ihnen liegenden Schichten decken, wie in Fig. 61 vor⸗ geſtellet iſt, wonach ſich folglich die Laͤnge der Schindeln in den unterſten drei Schichten richtet. Auf der Seite deckt jede Schindel um* Zoll uͤber die be⸗ nachbarte.. Iſt auf dieſe Art an beiden Seiten des Dachs bis zum Forſte hinauf ge⸗ deckt worden, ſo verfertige man ſtarke Strohſeile, welche aus zwei Strohlaͤn⸗ gen mit den Aehrenenden zuſammen geknuͤpft ſind, lege in die Spitze des Daches eine ſtark mit Lehm beſtrichene Strohwurſt g Fig. 61, und beſtreiche die Lehm⸗ ſchindeln auf 2 Fuß Breite an jeder Seite des Daches vom Forſte herab mit Lehm, lege hierauf die eben beſchriebenen Strohſeile, eins dicht neben dem andern, in den Lehm, ſo daß der Knoten derſelben auf der Spitze und beide Enden an jeder Seite des Dachs herunter haͤngen. Dann wird Lehm, der mit gehacktem Stroh vermiſcht iſt, 1 Fuß breit, nach unten 1 ½ Zoll ſtark, in der Spitze des Dachs aber 5 Zoll ſtark(ſiehe Fig. 61), aufgetragen, und mit dem Reibebrette, welches dabei oͤfters in Waſſer zu tauchen iſt, glatt ge⸗ ſtrichen. So wohl bei dieſer als bei der vorgedachten Habaner Dachdeckung reichen die Latten nebſt den Windbrettern uͤber die Giebel hinaus. Zu einer Quadratruthe dergleichen Daches ſind erforderlich 440 Pfund Stroh, 32 Stuͤck Schindelſtoͤcke, 17 Kubikfuß Lehm, und fuͤr die Schindeln zu machen und einzudecken wird pro Stuͤck 3 Pfennige bezahlt, welches fuͤr 32 Stuͤck zu einer Quadratruthe 21 Groſchen 4 Pfennige betraͤgt. §. 33. Eine dritte Eine dritte Art einfacher Lehmſchindel⸗Daͤcher, wie ſolche vorzuͤglich im Art einfacher Mannsfeldſchen uͤblich ſind, iſt bereits im zweiten Theile§. 73 beſchrie⸗ K Lehmſchindel⸗ Daͤcher. Eine vierte Art einfacher Lehmſchindel⸗ Daͤcher. 74 Von Bedeckung der Daͤcher, ben worden. Was daher die Anfertigung der Schindeln ſelbſt betrifft, ſo iſt dabei nichts weiter zu bemerken; allein die Eindeckung derſelben, welche am angefuͤhrten Orte mit mehreren Strohpuppen und Beflechten der Giebelkanten beſchrieben worden, kann auf eben ſo zweckmaͤßige Art und mit geringerer Muͤhe folgender Maßen geſchehen. Das Dach erhaͤlt naͤhmlich an den Seiten Windbretter, welche auf die Latten, wie bei gewoͤhnlichen Strohdaͤchern, befeſtigt ſind, und um ungefaͤhr 1 Fuß uͤber die Giebel hinaus reichen. Die Lattung geſchieht in einfuͤßigen Entfernungen, und es werden die Schindeln der erſten Reihe, welche mit ihrem untern Ende unmittelbar auf dem Simsbrette ruhen, 1 Fuß lang, die Schin⸗ deln der zweiten Reihe 2 Fuß und die der dritten und uͤbrigen Reihen 3 ⅞ Fuß lang, 2 ½ Fuß breit und ungefaͤhr 2 ½ Zoll ſtark gemacht. Hieraus folgt, daß eine Schindel die andere von oben nach unten nur 2 ½ Fuß uͤber⸗ deckt. Auch muͤſſen ſie im Verband und zugleich ſo gelegt werden, daß ſie ſich auch an den Seiten um 1 ½ Zoll uͤberdecken. Zu einer Quadratruthe ſolchen Schindeldachs gehoͤren ungefaͤhr 400 Pfund Stroh, 58 Stuͤck Schindelſtoͤcke, 10 Kubikfuß Lehm, und die daraus zu machenden 50 Lehmſchindeln werden, mit Inbegriff des Eindeckens, an Arbeits⸗ lohn mit 12 ½ Groſchen bezahlt. §. 34. Eine vierte Art einfacher Lehmſchindel⸗Daͤcher, wie ſolche auf den Fib. Schmelzhuͤtten im Fuͤrſtenthum Naſſau⸗Siegen gebraucht werden, und n Jung's ſtaatswirthſchaftlichen Ideen(Erſtes Heft, Marburg 1798) be⸗ ordn ſind, wird folgender Maßen angefertiget. Man laͤßt ſich ein Paar duͤnne, leichte Tiſchblaͤtter verfertigen, deren jedes hoͤchſtens 3 Fuß lang und 2 Fuß breit iſt. Ueber ein ſolches Brett verbrei⸗ tet man eine Lage von gutem geradem, ſtarkem Rockenſtroh, einen guten Finger dick, und beſtreicht daſſelbe mit erweichtem Lehm ſo dicht, daß er recht zwiſchen die Halme hinein dringt, und ſo dick, daß oben kein Halm zu ſehen iſt; an den Stoppelenden laͤßt man das Stroh 2 Zoll lang, und oben gegen die Aehren zu noch mehr unbeſtrichen. Mit dieſem Tiſchbrette traͤgt man das Strohblatt dem Dachdecker zu, der es nun ſo vom Brette an den Ort auf die Latten rutſchen laͤßt, wo es liegen ſoll. Hier bindet er es dann, wie bei dem Strohdecken gewoͤhnlich, mit Band⸗ ſtoken und Bindweiden an die Latten feſt; folglich kommt die Lehmſeite des Blattes oben. » — und zwar beſonders von den Lehmſchindel⸗Daͤchern. 75 Waͤhrend der Zeit ſtreichen unten die Arbeiter wieder ein anderes Stroh⸗ blatt auf einem zweiten Tiſchblatte; dieſes wird dann eben ſo hinauf getragen und auf das erſtere Strohblatt dergeſtalt gelegt, daß es nur ein Paar Zoll hoͤher hinauf geruͤckt wird. Da nun die Stoppelenden des Strohes nicht be⸗ ſtrichen ſind, und nur dieſe hervorragen, ſo ſieht ein ſolches Strohdach nicht anders als ein gewoͤhnliches aus, und wenn es darauf regnet, ſo leiten die Stoppelenden den Regen ab; der innere Lehm aber bleibt auch im ſtaͤrkſten Regen trocken. Ein ſolches Dach, welches in ſeiner ganzen Dicke gewoͤhnlich 4 bis 6 Zoll betraͤgt, hat alſo in der Mitte einen Kern von Lehm, der 2 bis 3 Zoll dick iſt und zuſammen haͤngend durchs ganze Dach geht; die Ober⸗ und Unterflaͤche aber iſt reines Stroh. Dieſe Bedeckung dauert, ungeachtet oft Stroͤhme von Funken darauf regnen, ſehr lange, und zwar bis das Stroh weggefault, und der Lehm dem Regen ausgeſetzt iſt. Die Lattung kann bei ſo ſchwachen Lehmſchindeln, beſonders da ſie noch ganz naß auf das Dach gelegt werden, nicht viel uͤber 6 Zoll Weite betra⸗ gen. Ferner geht aus obiger Beſchreibung hervor, daß, da jede Schindel die unter ihr liegende bis auf 2 oder 3 Zoll ganz bedeckt, bei ihrer Laͤnge von 3 Fuß, beinahe noch die zwoͤlfte Schindel die erſte deckt, folglich, wenn das Dach dennoch nicht dicker als 6 Zoll iſt, jede Schindel kaum ½ Zoll dick ausfallen darf. Anm. In aͤhnlicher Art wird die Anfertigung der Lehmſchindeln auch in des Herrn von Pfeiffer's oͤkonomiſchen Schriften angegeben. §. 35. Die, in einigen Gegenden in Weſtpreußen und im Neſtdiſtrikt, Anfertigung vorzuͤglich in der Stadt Camin gebraͤuchlichen Lehmſchindel⸗Daͤcher, ſind von ſlchere den vorbeſchriebenen darin verſchieden, daß uͤber die, nach der erſten Art auf cher, die noch beiden Seiten mit Lehm beſtrichenen Schindeln ein vollſtaͤndiges Strohdach mit einem or⸗ ... 7 dentlichen gedeckt wird. Die Anfertigung derſelben iſt folgende. Strohdache Man meſſe die Sparrenlaͤnge desjenigen Dachs, welches mit Lehmſchin⸗ uͤberdeckt deln bedeckt werden ſoll, dividire die Laͤnge des Sparrens/ mit 3, 4, oder 5, ſo, daß der Quotient nicht uͤber 6 bis 3 Fuß betraͤgt, wodurch man die Laͤnge der einzelnen Schindeln erhaͤlt. Ihre Breite wird gewoͤhnlich zwiſchen 2 ½ bis 3 Fuß angenommen. Geſetzt nun, jede Schindel ſollte 8 Fuß lang und 3 Fuß breit werden; ſo wird auf einem, 8 Fuß langen und 3 ½ Fuß breiten Tiſche, nach der Laͤnge deſſelben und in der Breite, welche die Schindel erhalten K 2 werden. 76 Von Bedeckung der Daͤcher, ſoll, gutes langes Stroh, 1 Zoll dick, dergeſtalt in Schichten von od nach ab Fig. 62 A gelegt, daß allemal die Stammenden von den Aehrenenden des Strohes, ſo wie bei efgh und i k zu ſehen, um 12 Zoll uͤberdeckt werden. Eben ſo muͤſſen auch die Aehrenenden des Strohes bei od um 9 bis 12 Zoll uͤber den Tiſch reichen, an welcher Seite des Tiſches ſich ſo, wie ſchon in Fig. 40 angegeben worden, einige ſchraͤg bis zur Erde reichende Bretter be⸗ finden, um hiernaͤchſt die fertigen Schindeln vom Tiſche zur Erde bequem bringen zu koͤnnen. Auf dieſes Stroh lege man in den Grenzen cabd, Zoll dick, guten und weichen Lehm, und ſtreiche ihn mit dem Streichbrette glatt und gerade. Auf den Lehm lege man quer uͤber den Tiſch, nach Fig. 62 B, wieder eine Lage Stroh, und zwar ſo, daß die Stammenden in der Mitte des Tiſches ſich wenig uͤberdecken, die Aehrenenden aber an beiden langen Seiten uͤber den Tiſch reichen; dieſe wird abermahls in der Flaͤche acdb mit Lehm be⸗ ſtrichen. Nunmehr werden ſaͤmmtliche, an den vier Seiten uͤber dem Tiſche vorſte⸗ hende Aehrenenden auf gewoͤhnliche Art aufwaͤrts uͤbergeſchlagen*), nachdem vorher an den vier Ecken(wie in Fig. 62 C zu ſehen iſt) Schuͤrzknoten ge⸗ macht und in den Lehm feſt gedruͤckt ſind, darauf nochmahls mit Lehm ſchwach beſtrichen und dann mit Haferkaff beſtreuet, wodurch dann eine ſolche Schindel ungefaͤhr 1¾ Zoll ſtark geworden iſt. Zuweilen wird das Stroh ſo gelegt, daß an beiden Seiten ab und od Fig. B die Aehrenenden uͤberhaͤngen, welche um einen Stock uͤbergeſchlagen werden. *) Beſſer wuͤrde es ſeyn, die Aehrenenden des Strohes pp, Fig. B nach unten umzuſchla⸗ gen, wodurch ein beſſerer Verband erhalten werden koͤnnte. Hierauf wird die Schindel auf die, abhaͤngend gegen den Tiſch ſtehenden Bretter gezogen und vermittelſt derſelben von zwey Arbeitern nach demjenigen Orte getragen, wo ſie getrocknet werden ſoll. Daſelbſt wird die Schindel auf ein anderes Brettlager, und zwar ſo gelegt, daß die lehmfreie Seite nach oben zu liegen kommt, worauf ſolche ebenfalls mit Lehm beſtrichen und mit Kies oder Grand beſtreuet wird. Die zweite Schindel wird auf die erſte, und ſo werden 10 bis 12 Stuͤck auf einander gelegt. Nachdem das Dach mit gekloͤbten Latten*) 1 Fuß von Mittel zu Mittel belattet worden, ſo werden die Schindeln, welche im Caminſchen Lehmbacken heißen, ehe ſie voͤllig trocken ſind, folgender Maßen auf das Dach geſchafft. Auf ein ſchwaches Brettergeruͤſte mit untergenagelten Leiſten und zwar beſonders von den Lehmſchindel⸗Daͤchern. 77 wird die halb trockene Lehmſchindel gelegt, und von zwei Arbeitern zur Bau⸗ ſtelle getragen, daſelbſt an einem, durch beide obere Oehſen der Schindel geſteckten Stock auf die, an das Dach gelehnten Bretter hinauf gezogen und mit den gedachten Oehſen vermittelſt Bandweiden an die Latten, und zwar die erſte Schindel oberhalb am Forſte(z. B. in C Fig. 49), ſo wie die zweite unter der erſten(in B) u. ſ. w. befeſtiget, dergeſtalt, daß ſie ſich weder von oben nach unten, noch an den Seiten uͤberdecken, dagegen aber die Fugen ſogleich mit praͤparirtem Lehm gut verſtrichen werden. *) Geſchnittene Latten von einer nach Maaßgabe der Sparrenweite hinlaͤnglichen Staͤrke ſind, wie ſchon oft erwaͤhnt worden, in Abſicht der Holzerſparung immer vortheilhafter. Sobald auf dieſe Art ein Baumgang von i2 bis 14 Fuß Breite, nach der Laͤnge des Gebaͤudes gerechnet, mit Lehmſchindeln belegt iſt, wird ein ge⸗ woͤhnliches Strohdach mit Strohſchoͤfen und Bandſtoͤcken, 10 bis 12 Zoll ſtark, darauf eingedeckt. Zu dieſem Behufe ſteht ein Arbeiter im Dachboden und der andere auf dem Dache, wovon letzterer die Bandweiden durch das Dach hinunter, und erſterer dieſelben unter die Latte durch die Schindel wieder zuruͤck ſteckt, worauf alsdann der obere Dachdecker die Bandweide uͤber den Dach⸗ ſtock feſt zieht, zuſammen bindet, und mit Lehm bedeckt. Der unten im Dache ſtehende Arbeiter hat, im Falle etwas Lehm von den Schindeln abbroͤckeln ſollte, ſolchen bei der Hand, um die Schindeln ſogleich wieder damit zu ver⸗ ſtreichen. Wenn das Strohdach auf dieſe Art von unten hinauf bis zum Forſte gedeckt iſt, ſo wird eine, 6 bis 3 Zoll ſtarke, gut mit Lehm durchwirkte Strohwurſt a Fig. 63 in den Winkel des Forſtes gelegt, und daſelbſt angebunden, und auf gewoͤhnliche Art wird nach S. 64 ꝛc. mit Strohlehm eine Forſtabrundung darauf gemacht. Anm. Hier koͤnnte die, im zweiten Theile Seite 149, Fig. 175 A und B angegebene Ver⸗ foͤrſtung mit dem Vortheil eines beſſern Ausſehens angewendet werden. Zu einer Quadratruthe Dach von dieſer Art gehoͤren ungefaͤhr 11 bis 1200 Pfund Stroh, 10 Kubikfuß Lehm und 6 Stuͤck Bandſtoͤcke. Das Arbeits⸗ lohn fuͤr Anfertigung der Lehmſchindeln wird mit 1 Thaler 3 Groſchen, die Stroheindeckung mit 1 bis 1 ½ Thalern, und der laufende Fuß Verfoͤrſtung mit 6 Pfennigen bezahlt. Anm. In einigen Gegenden wird ſogar nur 18 Groſchen bezahlt, woraus alſo zu ſchließen iſt, nicht nur, wie ſehr es auf die Fertigkeit der Arbeiter ankommt, ſondern auch, wie weit es in der Fertigkeit dabei gebracht werden kann, 78 Von Bedeckung der Daͤcher, Diejenigen Lehmſchindeln, womit die mehrſten Haͤuſer in der Stadt Camin bedeckt ſind, weichen gegen die eben beſchriebenen nur darin ab, daß das Stroh, ehe man es mit Lehm beſtreicht, kreuzweis uͤber den Tiſch nach Fig. 62 B gelegt, dann erſt mit Lehm beſtrichen, und tuͤchtig durchgeknetet wird, die Aehrenenden des Strohes aber nach oben uͤberſchlagen werden, und an einem Ende ein Schindelſtock auf gewoͤhnliche Art eingelegt, auch ſogleich auf der andern Seite mit Lehm beſtrichen wird. Anm. Zu dieſer Art Lehmſchindel⸗Daͤcher gehoͤren auf 1 Quadratruthe 6 Kubikfuß Lehm und 1030 Pfund Stroh, und das Arbeitslohn wird, fuͤr die Lehmſchindeln zu machen, auch ſolche nebſt dem Strohdache aufzudecken, daſelbſt mit 3 Thalern bezahlt. Herr ꝛc. Boͤthke giebt in ſeiner mehr erwaͤhnten kleinen Abhandlung an, das Stroh nur einfach nach der Laͤnge des Tiſches zu legen, und mit Lehm auf jeder Seite ungefaͤhr * Zoll dick zu beſtreichen, ehe die Aehrenenden uͤbergelegt und feſt angedruͤckt werden. Die Eindeckung geſchieht wieder in der vorbeſchriebenen Art, nur mit dem Unterſchiede, daß eine Schindel uͤber die andere, ſo wohl von oben nach unten, als auch an den Seiten um einige Zoll uͤbergedeckt, und jedesmahl nicht mehr Schindeln aufgelegt werden, als noch in demſelben Tage mit dem Strohdache bedeckt werden koͤnnen. Auch werden dieſe Schindeln nur 5 Fuß lang und 3 Fuß breit gemacht. Herr ꝛc. Boͤthke nimmt die Groͤße der Lehmſchindeln in eben der Art an. Es iſt aber vorzuͤglicher, die Schindeln ſo klein als moͤglich zu machen(wie auch ſchon im zweiten Theile§. 79 erwaͤhnt worden); weil dadurch ſo wohl das Hinaufſchaffen der Schindeln erleichtert, als auch ſolche beſſer erhalten werden. Anm. So ſehr nun zwar die Verkleinerung der Lehmſchindeln zu empfehlen iſt, ſo ſind jedoch die ſogenannten Schnoͤpfchen, wie man ſie zu Cammin nennt, keinesweges nachzuah⸗ men. Dieſe Schnoͤpfchen beſtehn darin, daß man Strohpuppen, wie ſolche zu einem gewoͤhnlichen Strohdache gebraucht werden, jedoch nur 18 Zoll lang, 6 Zoll breit, auf der untern Seite ganz mit Lehm, 1 Zoll dick, beſtreicht, mit einer Naſe(wie an einem Bieber⸗ ſchwanz⸗Ziegel) verſieht, und vermittelſt derſelben dieſe Schnoͤpfchen auf die Dachlatten haͤngt. Der am 3ten October 1801 geweſene Sturm hat aber die auf dieſe Art gedeckten Daͤcher ſehr uͤbel mitgenommen. §. 36. Veiſchiedone Die Daͤcher auf den ſo genannten Lehmſen(Lehmhaͤuſern) in einigen udereeh. Dörfern Schleſiens, welche auch Lange in ſeiner Schrift, uͤber unverbrenn⸗ mit Lehm ꝛc. liche Haͤuſer, beſchrieben hat, haben mit den Lehmſchindel⸗Daͤchern einige Aohnlichkeit. Es werden naͤhmlich die Sparren auf ihrer Außenſeite mit ſchmalen Brettern, und zwar mit 3 Zoll breiten Zwiſchenraͤumen, benagelt. Auf dieſe Schalung wird Strohlehm, ungefaͤhr 6 Zoll dick, getragen, und in und zwar beſonders von den Lehmſchindel⸗Daͤchern. 79 den Zwiſchenraͤumen der Bretter befeſtigt. Sodann werden nochmahls leichte Sparren uͤber dieſen Lehmſchlag gelegt, welche einige Fuß uͤber das Gebäude uͤberhangen, und ſich oben auf dem Forſte bloß durch eine ſchickliche Zuſam⸗ menfuͤgung tragen, auch mit einigen langen, eiſernen Naͤgeln an den untern Sparren befeſtigt werden koͤnnen. Ueber dieſe letztern Sparren wird ein leich⸗ tes gewoͤhnliches Strohdach gedeckt. Anm. Wenn dieſe Gebaͤude, wie bereits S. 93 erwaͤhnt worden, auch an ihren Außenwaͤnden mit Lehm bekleidet worden, ſo lehrt die Erfahrung, daß ſie voͤllig feuerſicher ſind, indem allenfalls nur das Dach bis auf die Lehmbedeckung abbrennen kann, weshalb auch die au⸗ ßern Sparren nicht mit den Balken in Verbindung geſetzt werden muͤſſen. Nur die Gewohnheit, und daß jene Leute ſich die Lehmarbeit ſelbſt machen, ihnen alſo dadurch der Bau wohlfeiler zu ſtehn kommt, kann ihnen zur Beibehaltung derſelben Veranlaſſung geben, welcher ſonſt jede andere Art von ordentlichen Lehmſchindel⸗Daͤchern weit vorzuziehn iſt. Ein anderer Vorſchlag iſt dahin gegangen, die Latten in einfuͤßigen Entfernungen aufzunageln, 3 Zoll hoch mit Lehmſtroh zu umwinden, und hiernaͤchſt ein ordentliches Strohdach darauf zu legen. Da aber der Decker alsdann die Bandſtoͤcke nicht auf die gewoͤhnliche Art mit den Latten verbin⸗ den kann, ſo ſollen durch die Lehmung zuvor Loͤcher gebohrt, und mit Huͤlfe eines zweiten Arbeiters, der im Dachboden ſteht, die Bindweiden durch und wieder hervor um die Latten gezogen werden. Herr Steinert in Gotha will, daß, anſtatt der Umwindung mit Strohlehm um die Latten, ordentliche Platten von Lehmpatzen⸗Maſſe geformt, ſolche zwiſchen die Sparren vermauert, und zu dem Ende, damit die Platten nicht in zu großer Breite ſich tragen duͤrfen, allemahl zwiſchen zwei Sparren noch ein dritter, und zwar auf einen Riegel oder eine Austrumpfung, geſetzt werden ſoll. Ueber dieſen Lehmplatten ſoll hernach eine 18zoͤllige Lattung und ein gewoͤhnliches Strohdach ſtatt finden. Endlich bemerke ich noch, daß vorſtehende verſchiedene Arten von Lehm— ſchindel⸗Daͤchern, ſo wie ſolche wirklich ausgefuͤhrt werden, deshalb ſo umſtaͤndlich beſchrieben worden, um unter allen das beſte heraus zu heben, und dieſe fuͤr den Landbau ſo nuͤtzliche und noͤthige Sache der Vollkommen⸗ heit immer naͤher zu fuͤhren. Als eine Hauptſache zur Dauerhaftigkeit der Lehmſchindel⸗Daͤcher iſt noch zu erinnern, daß die Eindeckung derſelben nur bei gutem Wetter ge⸗ ſchehn muß, zu welchem Ende auch(wie bereits bei einigen Arten derſelben erwaͤhnt worden) nicht mehr Schindeln in einem Tage aufgelegt werden muͤſ⸗ ſen, als noch an demſelben Tage mit Stroh uͤberdeckt werden koͤnnen. 80 Von Bedeckung der Daͤcher, §. 32. Von d. Vor⸗ Ueber die Dauerhaftigkeit und Feſtigkeit der Lehmſchindel⸗Daͤcher ſpricht zuͤglichkeit d. Lehmſchin⸗ die Erfahrung hinlaͤnglich. Schon vor Jahrhunderten ſind in einigen Gegen— del⸗Daͤcher den, vorzuͤglich aber in der Stadt Camin, im Reßzdiſtrikt, Daͤcher dieſer Art fuͤr den Land⸗gemacht worden, und die aͤlteſten Greiſe wiſſen daſelbſt ſich nicht zu erinnern, mann. daß bei heftigſtem und anhaltendem Regen die Lehmſchindeln erweicht, oder, bei entſtandenem Brande in einem benachbarten Hauſe, das Gebaͤude angezuͤndet worden waͤre, ungeachtet die Haͤuſer, z. B. in Camin, ſehr nahe an einander ſtehn, ja ſelbſt viele derſelben(was am meiſten zu bewundern iſt) bis jetzt, ohne eine Reparatur hoͤchſt noͤthig zu beduͤrfen, ſich erhalten haben. Aus gleicher Ueberzeugung haben ſchon Colonien in Preußen vor einigen Jahren um die Erlaubniß nachgeſucht, kein Gebaͤude in ihre Feuer⸗ Societaͤt aufnehmen zu duͤrfen, welches nicht mit einem Lehmſchindel⸗ oder Ziegeldache verſehn ſey. Wenn die Lehmſchindeln auf die§. 29 erwaͤhnte Art mit Rohr beſteckt oder beſpickt werden, wird ihre Dauer um ſehr vieles verlaͤngert. Eine, aus gutem Stroh gemachte Bedeckung der Lehmſchindeln waͤhrt in der Regel 5o und mehrere Jahre*), und es kann ihnen dann noch eine neue Stroh⸗ oder Rohrbedeckung gegeben werden, indem man das alte Etrol nebſt einem Theile der Lehmlage herunter ſchabt, eine neue Lehmlage von ³ Zoll*) dick auftraͤgt, und auf die angezeigte Art mit neuem Stroh oder Rohr beſpickt. Auf dieſe Art kann man ein Lehmſchindel⸗Dach auf ſehr lange Zeit erhalten. *) Gute Ziegeldaͤcher ſind zwar von laͤngerer Dauer, wie dieß die Erfahrung an ſehr alten Gebaͤuden zur Genuͤge lehrt; allein, da nicht uͤberall gute Dachſteine gemacht werden koͤnnen, weil dazu beſonders gute Erde und fleißige Bearbeitung derſelben erforderlich iſt, ſo ſind unſere heutigen Dachziegel leider mehrentheils von der Art, daß ſie ſchon in den erſten fuͤnf Jahren einer weſentlichen Reparatur beduͤrfen, und wenn dieſe binnen 30 Jahren fortgeſetzt wird, ſo kann man gewoͤhnlich annehmen, daß das ganze Dach zum zweiten Mahle bedeckt worden. Schlecht gebrannte Dachziegel haben auch zur Folge, daß ſie, wenn ſie im Winter das Schneewaſſer eingeſogen haben, und ein ſchleuniger Froſt eintritt, entweder zerſpringen oder abſchilbern. **) Wie im zweiten Theile Seite 165 gezeigt worden, wird bei den ſo genannten Speckdaͤchern der Lehm 6 Zoll hoch uͤber die Schindeln getragen. Dieß iſt eine ungeheure Belaſtung, und bei vorbeſchriebener Anfertigung der Lehmſchindel⸗Daͤcher iſt ſie nicht noͤthig, daher auch letztere in jedem Falle den Vorzug von den Speckdaͤchern verdienen. Kleinere Reparaturen an den Lehmſchindel⸗Daͤchern, beſonders an denen der erſten Art, werden dadurch bewirkt, daß man kleine Strohbuͤndel von etwa 9 Zoll Laͤnge zuſammen faßt, die uͤber der ſchadhaften Stelle befindliche Strohdecke mit dem Streichbrette aufhebt, unter dieſes Stroh etwas Lehmbrei auf —,—*$*ʃ 8 und zwar beſonders von den Lehmſchindel⸗Daͤchern. 81 auf die Schindeln bringt und die neue Strohpuppe hinein ſteckt, auch ſolche mit dem Deckbrette nach der Richtung der Dachflaͤche gerade und in den Lehm klopft. Da bei dieſer Art von Lehmſchindel⸗Daͤchern das Deckſtroh ſelbſt in dem Lehm ſteckt und klebt, ſo kann uͤbrigens weniger Reparatur hierbei, als an den Strohdaͤchern ſtatt finden, da auch die Voͤgel ſie nicht ſo leicht zu beſchaͤdigen vermoͤgen. Anm. In der Altmark, wo das bekannte Heidekraut(Erica) bis zu 3 Fuß Laͤnge waͤchſt, hat man ſich ſchon deſſelben ſtatt des Strohes zur obern Bedeckung bei den Lehmſchindeln bedient, welches noch den Nutzen hatte, daß die Kraͤhen ꝛc. dieſes Kraut meiden. Ferner lehrt die Erfahrung, daß ein gut angefertigtes Lehmſchindel⸗Dach waſſerfeſter iſt, als ſelbſt die doppelt gedeckten Ziegeldaͤcher. Sind die Ziegel von beſonderer Guͤte, ſo kann zwar durch die Eindeckung derſelben auf boͤh⸗ miſche Art(wie weiterhin gezeigt werden ſoll), oder auch ſchon durch das ge⸗ woͤhnliche Verſtreichen ein dichtes Dach bewirkt werden; allein ſind die Dach⸗ ziegel nicht von dieſer beſondern Feſtigkeit und ebenen, geraden Formen, ſo verurſacht das Einſtecken eines neuen Ziegels, an die Stelle eines zerbrochenen, das Aufnehmen einer groͤßern Stelle, wodurch mehrere Ziegel aus ihrer Ver⸗ bindung geloͤſt, und, außer durch das Verſtreichen, nicht wieder in eine ſo dichte Lage, als erforderlich iſt, um das Eindringen des Schnees zu verhindern, ge⸗ bracht werden koͤnnen. Alles dieſes iſt bei den Lehmſchindeln nicht nur nicht zu beſorgen, ſondern ſie haben auch den wichtigen Vorzug, daß der Bodenraum im Sommer kuͤhler und im Winter waͤrmer, als unter Ziegeldaͤchern iſt. Daß ein Ziegeldach ein beſſeres und anſtaͤndigeres Anſehn, als ein Lehm⸗ ſchindel⸗ oder Strohdach hat, wird niemand in Abrede ſtellen koͤnnen, weshalb letztere auch, meiner Meinung nach, nur auf dem Lande angewendet werden ſollten. Bei Feuersgefahr aber, wo zuweilen die Ziegel von der Hitze zerſprin⸗ gen und nicht nur dem Feuer einen Zugang zum Dachwerk verſchaffen, ſondern auch durch das Herabfallen den loͤſchenden Perſonen gefaͤhrlich werden, haben die Lehmſchindel⸗Daͤcher uͤberall einen Vorzug vor den Ziegeldaͤchern. Da ſie uͤberdieß weder ganz vom Feuer zerſtoͤrt werden koͤnnen, noch Flugfeuer verurſachen, ſo iſt ihr Vorzug vor den gewoͤhnlichen Stroh⸗ und Rohrdaͤchern, durch die Zuſammenſtellung der taͤglichen traurigen Nachrichten von abgebrannten ganzen Staͤdten und Doͤrfern, gegen die vorerwaͤhnte Feuerſicherheit der Stadt Camin Jahrhunderte hindurch, vollkommen entſchieden. Anm. Sollte nicht außer dem Verluſte, welchen jeder Einzelne bei einer Feuersnoth leidet, auch noch im Allgemeinen der Verluſt desjenigen Bauholzes, welches zum Wiederaufbau unentbehrlich iſt, zur Ausbreitung der Lehmſchindel⸗Daͤcher auffordern? Da in Doͤrfern, L 82 Von Bedeckung der Daͤcher, wenn die Gebaͤude auch allenfalls in den Waͤnden maſſiv erbaut ſind, dennoch gewoͤhnlich die Strohdaͤcher zur Fortpflanzung des Feuers, mehr als die hoͤlzernen Waͤnde Gelegen— heit geben. Es ſollte alſo beim Bau der Landgebaͤude, da, wo es nicht gaͤnzlich an Lehm fehlt(und dieß wird ſich ſelten finden), gar nicht mehr von gewoͤhnlichen Stroh- oder Rohrdaͤchern, ſondern nur davon die Rede ſeyn, welche Art unter alten bekannten Lehmſchindel-Daͤchern die beſte und in jedem Betracht die vor— zuͤglichſte ſey. Wollen wir dieſe Frage aus den vorhergehenden Beſchreibungen beantworten, ſo duͤrfte ſie folgender Maßen ausfallen. Die§. 31 bis 54 beſchriebene zweite Art, oder die einfachen Lehm⸗ ſchindel⸗Daͤcher, ſind zwar die leichteſten in Abſicht ihrer Anfertigung, indem es dazu keines ordentlichen Strohdach⸗Deckers, ſondern nur eines einiger Maßen angelernten Tageloͤhners bedarf; allein nicht nur die Strohdecke dieſer Daͤcher iſt ſehr ſchwach, und daher der Vergaͤnglichkeit mehr als die uͤbrigen unter⸗ worfen, ſondern ſie bilden auch eine ſtufenfoͤrmige Dachung, welche theils nicht ſo gut als die andere ausſieht, theils aber auch, was noch wichtiger iſt, die Veran⸗ laſſung giebt, daß beſonders auf der Wetterſeite der Schnee und Regen, vom Winde gegen die Abſatze getrieben, daſelbſt aufgehalten wird und das Dach fruͤher beſchaͤdigt. Die,§. 29, 30 und 35 beſchriebene, erſte und dritte Art Lehmſchindel⸗ Daͤcher iſt zwar muͤhſamer und mit mehrerer Geſchicklichkeit anzufertigen, leiſtet aber alles, was der gedachten zweiten Art mangelt, und hat das vollſtaͤndige Ausſehn eines gewoͤhnlichen Strohdaches, iſt daher auch wegen ihrer ſtaͤrkern Strohbedeckung dauerhafter. Da indeſſen die dritte Art, bei wel⸗ cher ein vollſtaͤndiges Strohdach uͤber die Lehmſchindeln gedeckt wird, bei ent⸗ ſtehendem Feuer mehr als die erſte Art(obwohl gar nicht in Vergleichung mit den gewoͤhnlichen Strohdaͤchern, weil durch die Lehmſchindeln keine Zug⸗ luft zuſtroͤmen kann) ein Flugfeuer giebt; ſo iſt ſie da, wo ſich in der Naͤhe noch gewoͤhnliche Stroh⸗ oder Rohrdaͤcher befinden, nicht anzurathen, dagegen, wo ſaͤmmtliche Gebaͤnde, wie in der gedachten Stadt Camin, mit Lehm⸗ 1 ſchindel⸗ oder Ziegeldaͤchern verſehn ſind, gewiſſer Maßen fuͤr noch dauerhafter als die erſte Art zu halten, und leichter. Da aber, ſo lange die Lehmſchindel⸗ Daͤcher noch nicht uͤberall gegen die gewoͤhnlichen Strohdaͤcher vertauſcht wer— den, die Feuerſicherheit noch mehr, als die Dauerhaftigkeit der Lehm⸗ ſchindel⸗Daͤcher der Haupt⸗Geſichtspunkt bei der Wahl unter der verſchiedenen Arten derſelben ſeyn muß; ſo verdient die erſte Art§. 29 bis dahin vor⸗ gezogen zu werden. N und zwar beſonders von den Lehmſchindel⸗Daͤchern. 83 §. 38. Der Vorwurf, den man den Lehmſchindel⸗Daͤchern gewoͤhnlich macht, iſt Von d. Bau⸗ die Laſt, welche ſie auf dem Dache verurſachen. Es iſt zwar nicht zu laͤug⸗ boßimn heder nen, daß ſie ſchwerer, als die gemeinen Stroh⸗ oder Rohrdaͤcher ſind, und da⸗ Daͤcher. her mehrere Sparren als letztere beduͤrfen; dennoch aber iſt die Laſt der ſchwer⸗ ſten Lehmſchindel-Daͤcher nicht viel groͤßer, als die der doppelten Ziegeldaͤcher, und einige Arten der Lehmſchindeln ſind ſogar um vieles leichter, wie ſich aus folgender ungefaͤhren Berechnung ergiebt. Zu einer Quadratruthe Ziegel⸗Kronendach, 11 Zoll weit gelattet, ſind 625 Ziegel erforderlich, welche nach angeſtellten Verſuchen ungefaͤhr 2636 Pf. wiegen. Zu einer Quadratruthe Lehmſchindel⸗Dach von der erſten Sorte§. 29, ſind noͤthig: 24 ½ Kubikfuß friſch ausgegrabener Lehm, welcher(nach§. 26) nach ſeiner Austrocknung nur 80 Pfund wiegt, ſi ind... 1947 Pfund. An Stroh...... 816— Sind 2763 Pfund. Zu einer Quadratruthe Lehmſchindel⸗Dach von der zweiten Sorte§. 33 ſind noͤthig: an Lehm 10 Kubikfuß, à 80 Pfund. 800 Pfund. An Stroh...... 440— Sind 1240 Pfund. Zu einer Quadratruthe Lehmſchindeln von der dritten Sorte, wie ſolche in der Stadt Camin gemacht werden,§. 35, gehoͤren 6 Kubikfuß Lehm à 80 Pfund...... 480 Pfund. An Stroh..... 1080— Sind 1560 Pfund. Zu einer Quadratruthe gewoͤhnliches Strohdach gehoͤren 60 Bund, oder ungefaͤhr 1200 Pfund Stroh. Hiernach iſt alſo gegen Strohdach die erſte Sorte Lehmſchindeln 1563 Pfund ſchwerer, die zweire—— 40—— die dritte—— 36o—— und gegen Ziegel⸗Kronendach die erſte Sorte ehuſipindel⸗Dach 127 Pfund ſchwerer, die zweite—— 1396 Pfund leichter, die dritte——— 1076 Pfund leichter. L 2 84 Von Bedeckung der Daͤcher, Nehmen wir nun an, daß bei den gewoͤhnlichen Strohdaͤchern eine Spar⸗ renweite von 5 Fuß, und bei Ziegeldaͤchern eine von 3 Fuß gewoͤhnlich iſt; ſo ergiebt ſich, daß ſelbſt die erſte oder ſchwerſte Art der Lehmſchindel-Daͤcher noch mit einer Zfuͤßigen Sparrenweite, bei hinlaͤnglich ſtarken Latten die zweite Art Lehmſchindeln mit einer 4 bis 4 ½ fuͤßigen Sparrenweite ſich be⸗ gnuͤgt. So richtig es alſo auch iſt, daß die Lehmſchindel⸗Daͤcher mehr Sparren als die Strohdaͤcher erfordern; ſo iſt doch ihr vorerwaͤhnter Vortheil, naͤhmlich die Feuerſicherheit und mit derſelben folglich die Ho l[zerſparung ſo bedeutend, daß der anfangliche groͤßere Holzaufwand zum Dachwerke in gar keine Betrachtung kommen kann. 1 Anm. Ohne den Begriff„Feuerſicherheit“ zu weit ausdehnen zu wollen, ſo iſt doch nicht zu laͤugnen, daß ein maſſives Gebaͤude mit einem Strohdache, und ein hoͤlzernes Gebaͤude mit einem Lehmſchindel⸗- oder Ziegeldache, beide nicht als feuerſicher betrachtet werden koͤnnen, ungeachtet letzteres gewiß nicht ſo leicht als erſteres angefochten werden kann. Um daher die Landgebaͤude feuerſicher, wohlfeil und holzerſparend zu er— bauen, muͤſſen, außer den Lehmſchindel⸗ Daͤchern, auch noch die Mauern von Lehm⸗ oder Pisé-Steinen erbaut werden, wo naͤhmlich gebrannte Mauer⸗ und Dachſteine nicht zu den wohlfeilſten Preiſen zu haben ſind. So wie die Koſten fuͤr jede Bauarbeit nur nach den Local⸗Umſtaͤnden zu beſtimmen ſind, ſo laͤßt ſich auch der Preis fuͤr die Lehmſchindel⸗Daͤcher im allgemeinen nicht feſt ſetzen. Eine Vergleichung der Koſten der verſchiedenen Dach⸗Deckungsarten kann aber dazu dienen, nach den verſchiedenen Orts⸗ umſtaͤnden die Preiſe derſelben auszumitteln. Man nehme alſo an, daß ſo wohl zu den Ziegel⸗ und Lehmſchindel⸗, als auch zu den gewoͤhnlichen Strohdaͤchern die Lattung gleich ſey, ferner, daß das Bund Stroh 2 Groſchen, die Fuhre Lehm à 3 Kubikfuß 2½ Groſchen, und das tauſend Dachziegel 10 Thaler bis zur Bauſtelle koſten ſoll, ſo ergeben ſich folgende Preiſe. Zu einer Quadratruthe Lehmſchindel⸗Dach von der erſten Sorte gehoͤren: 41 Bund Stroh à 20 Pfund, à ² Groſchen 3 Rthl. 10 Gr.— Pf. 3 Fuhren Lehm à 3 Kubikfuß, à 2 ½ Gö.—— 7— 6— Arbeitslohn... 3————— Sind 6 Rthl. 17 Gr. 6 Pf. Zu einer Quadratruthe Lehmſchindel⸗Dach von der dritten Sorte gehoͤren: 3 und zwar beſonders von den Lehmſchindel⸗Daͤchern. 85 6 Kubikfuß Lehm...— Rthl. 2 Gr. 3 Pf. 54 Bund Stroh, à 2 Gr... 4— 12——— Arbeitslohn.... 2— 14——— Sind 7 Rthl. 4 Gr. 3 Pf. Zu einer Quadratruthe gewoͤhnliches Strohdach gehoͤren: 60 Bund Stroh, à 2 Gr... 5 Rthl.— Gr.— Pf. Arbeitslohn.... 1— 12——— Sind 6 Rthl. 12 Gr.— Pf. Zu einer Quadratruthe Ziegel⸗Kronendach gehoͤren, außer den Hohl⸗ ſteinen, 625 Stuͤck Dachziegel, das Tauſend à 10 Rthl. 6 Rthl. 6 Gr. Pf. 4½ Wiſp. Kalk nebſt Sand zum Verſtreichen, à 2 Rthl....—— 12——— Deckerlohn, das Tauſend 1 ½ Rthl.—— 21— 9— Das Verſtreichen, das Tauſend 16 Gr.—— 10——— Sind 3 Rthl. 1 Gr. 9 Pf. Aus dieſer Vergleichung ergiebt ſich, daß das gewoͤhnliche Strohdach das wohlfeilſte, die Lehmſchindel-Daͤcher aber immer noch wohl⸗ feiler, als ein doppeltes und mit Kalk verſtrichenes Ziegeldach, mit welchem ſie doch in Abſicht der Guͤte und Dauerhaftigkeit gleich zu ſtellen ſind, ſeyn wuͤrden, ungerechnet den allgemeinen Vortheil der Erſparung desjenigen Hol⸗ zes, welches zum Brennen der Dachjziegel erforderlich iſt. §. 39. Das Beduͤrfniß, dem Landmanne ein wohlfeiles, wetterfeſtes, Einige Nach⸗ feuerſicheres und moͤglichſt leichtes Dach zu verſchaffen, hat viele nannedaen Schriftſteller, die uͤber die Landbaukunſt ſchrieben und vielleicht die Lehm-hoͤlzerne, ſchindeln nicht kannten, mit mancherlei andern Verſuchen beſchaͤftigt. Es ſind mit Stroh daraus unzaͤhlige Vorſchlaͤge entſtanden, welche, wenn man einen mit denn echie de andern wieder in Verbindung bringen wollte, nochmahls ein Heer von Vor⸗ ter⸗ u. feuer⸗ ſchlaͤgen erzeugen wuͤrden. Die weſentlichſten und mehrſten dieſer Vorſchlaͤge feſt zu ma⸗ reduciren ſich aber auf einen Ueberguß oder Anſtrich der Stroh⸗ en. und Rohrdaͤcher*), in welchem der Haupt⸗Beſtandtheil Lehm iſt, oder in einer mit einem Firniſſe uͤberzogenen Lehmbedeckung**). Um ſo auffallender iſt es daher, daß andere Schriftſteller, welche(nach ihren Schrif⸗ ten zu urtheilen) die eigentlichen Lehmſchindeln ſchon kannten, ſich dennoch 86 *) *) Von Bedeckung der Daͤcher, mit aͤhnlichen anderweitigen, unzureichenden Vorſchlaͤgen beſchaͤftigten, anſtatt ihre eigene Kenntniß von der zweckmaͤßigen Anfertigung der Lehmſchindeln mehr auszubilden. Das mehrſte Aufſehn hat der, vom Doktor Glaſer zu Suhle erfundene, und in den Hanuoͤverſchen Anzeigen vom Jahre 1761, ſo auch unter andern in der Ab⸗ handlung des Herrn Lange„Ueber Wetterfeſte Daͤcher“ bekannt gemachte Anſtrich, obgleich ohne hinlaͤnglichen Grund, erregt. Die Miſchung dieſes Anſtrichs ſollte aus drei Theilen geſchlemmtem Lehm, einem Theil geſchlemmtem Thon und einem Theil Mehl— kleiſter beſtehn, und damit ſollte nicht nur das Holz in Gebaͤuden, ſondern auch das Stroh auf den gemeinen Stroh- und Lehmſchindel⸗Daͤchern feuerfeſt angeſtrichen werden.. 5 Der Herr von Herzberg in ſeinen Vorſchlaͤgen zur Verbeſſerung der bis⸗ her uͤblichen Daͤcher, Breslau bei Korn 1774, ſchlaͤgt zur Verhinderung des Flugfeuers bei Strohdaͤchern vor, fetten Letten oder Thon im Salzwaſſer bis zu einer duͤnnen Bruͤhe aufzuloͤſen, mit dieſer Aufloͤſung das Strohdach zu begießen, gleich nachher, wenn es noch naß iſt, es mit Sand zu beſtreuen, und wenn es dann trocken geworden, es mit einer Miſchung aus Kalk, ſaurer Milch und Eiern etliche Mahl zu uͤbergießen. Auch in der Berliniſchen Zeitung No. 99 des Jahres 1804, und in mehrern oͤffentlichen Blaͤttern findet ſich die Anzeige, daß Herr Biwanko in Wien eine Maſſe, die aus Thon, Sand, Ziegelmehl und etwas Leinoͤhl⸗Firniß zuſammen geknetet zu ſeyn ſcheine, verfertige, welche, auf Stroh⸗ oder hoͤlzerne Daͤcher aufgetragen, ſolche nicht nur gegen Nachtheile vom Regen und Schnee ſchuͤtze, ſondern auch feuerfeſt mache. Im Anzeiger der Deutſchen, No. 135 vom Jahre 1808, giebt ein gewiſſer Herr Jahn zu Sondershauſen folgende Miſchung an: Man loͤſe einige Pfund Alaun in einem großen Keſſel heißen Waſſers auf, und gieße dieſe Aufloͤſung nach und nach auf guten getrockneten Lehm, welcher tuͤchtig durch einander zu einem dicken Brei getreten werden muß. Wenn nun das Dach mit Stroh gedeckt iſt, ſo ſtreicht man den, auf dieſe Art zubereiteten Lehm von einer Stelle zur andern mit einem Streichbrette auf das Stroh, ſo daß der Lehm gleichſam zwiſchen das Stroh gepreßt wird, und letzteres wieder zum Vorſchein kommt. Der Alaun zieht ſich nun durch die ganze Strohlage, und bewirkt, in Verbindung mit dem Einfluſſe der Luft, daß der Lehm ſo hart wird, daß ihm kein Regen mehr ſchadet, und das Dach dem Feuer widerſtehn kann. Herr von Dahlberg, in ſeinen Beitraͤgen uͤber die Baukunſt, giebt an, die Spar⸗ ren und Latten mit einem hinlaͤnglich ſtarken Lehmſchlag zu belegen, und ſolchen mit dem, vom Herrn Bau⸗Inſpector Schmidt in Erfurt erfundenen Anſtrich, welcher aus ¹ Pfund Leinoͤhl, 4 Loth Pech und 8 Loth Bleiglaͤtte beſteht, zu verſehn. Manger giebt dagegen in ſeiner Oekonomiſchen Bauwiſſenſchaft folgenden Ueberzug an: Wenn die Lehmflaͤche des Dachs glatt gemacht iſt, ſo wird, unter maͤßiger Anfeuchtung mit Rindsblut oder Theergalle, die Dachflaͤche mit ſcharfem Sande, Hammerſchlag oder Feilſpaͤnen zum oͤftern abgerieben und dicht geſchlagen, nnd dieſe Arbeit wird ſo lange wiederholt, bis ſich keine Ritzen zeigen. Daß ein bloßer Firniß auf Lehmdaͤchern da, wo er der Sonne ſehr ausgeſetzt iſt, nicht von Dauer ſeyn wuͤrde, ſahen einige der Herren Erfinder bald ein, und ſuchten daher ihren gemachten Vorſchlag durch einen neuen zu vervollſtaͤndigen, naͤhmlich die gefirnißten Daͤcher mit Strohmatten, welche von einer feuerfeſten Maſſe durchzogen waͤren, zu uͤberdecken ꝛc.*). Daß in⸗ ——— er und zwar beſonders von den Lehmſchindel⸗Daͤchern. 87 deſſen alle dergleichen Anſtriche und Veranſtaltungen bei den Daͤchern den vor⸗ hin beſchriebenen Lehmſchindel⸗Daͤchern, ſo wohl in Ruͤckſicht der Koſten, als der Dauerhaftigkeit ſehr nachſtehen, wird Sachverſtaͤndigen von ſelbſt ein⸗ leuchten. *) Herr von Dahlberg verlangt, daß die Strohmatten mit dem Glaſerſchen Anſtrich durchzogen oder getraͤnkt, und mit Kalk abgeweißt werden ſollen. Lange dagegen beſchreibt in ſeiner Abhandlung uͤber Weteerfeſte Daͤcher einen von ꝛc. Friedrich zu Wol⸗ kersdorf gemachten Verſuch, aus Stroh, welches mit einer Maſſe aus neun Theilen thonigtem Lehm, einem Theil Abgang von Haaren, Lederlauge, Aſche, * Sand und Flußwaſſer durchwirkt iſt, Matten zu machen, und damit die Daͤcher zu bedecken, oder ſie auch unter die Stroh⸗ und Schindeldeckung anzubringen, welche letztere in dieſem Falle dann auch mit derſelben Maſſe beſtrichen werden muͤſſe. Ferner hat man die laͤngſt aufgeworfene Idee, ganz unverbrennliche Haͤuſer zu bauen, durch verſchiedene Anſtriche der Hoͤlzer zu erreichen ge⸗ ſucht. Soll dieſe Idee rein und vollſtaͤndig ausgefuͤhrt werden, ſo gehoͤrt dazu, daß die Mauern, Fußboͤden, Decken und das ganze Dach von Stein, die Thuͤren und Fenſter von Eiſen ſeyn muͤſſen. Da aber dergleichen Gebaͤude nur zu den Grillen und Kunſtſtuͤcken gehoͤren, welche wegen ihrer Koſtbarkeit gemeinnuͤtzig zu ſeyn aufhoͤren; ſo wird es immer zweckmaͤßiger bleiben, die Waͤnde in den Gebaͤuden des Landmannes auf eine wohlfeilere Art, wenn nicht ganz von gebrannten Steinen, doch von Pisé-Steinen oder Lehmpatzen, und die Daͤcher mit Lehmſchindeln zu erbauen. Im Innern ſeines Hauſes kann, bei einer vernuͤnftigen Anlage, jeder Wirth fuͤr die Feuerſicherheit Sorge tra⸗ gen, und bedarf es deßwegen nicht koſtbarer Bauausfuͤhrungen; allein da gegen die aͤußerliche Anſteckung durch Feuer keine Vorſicht im Innern ſchuͤtzen kann, ſo iſt es die Pflicht eines jeden guten Hauswirthes, und ſollte ihm ſo⸗ gar Gewiſſensſache ſeyn, das Holz aus den Waͤnden ganz zu verbannen, da⸗ gegen das Innere und Aeußere ſeiner Gebaͤude nicht nur in Ruͤckſicht ſeiner ſelbſt, ſondern auch ſeiner Nachbarn feuerſicher zu bauen. Solches allein mit einem Anſtrich des Holzes erreichen, und alſo mehr als bloße Conſervation deſſelben bewirken zu wollen, ſcheint mir nicht der richtige Weg zu ſeyn; viel⸗ mehr ſtimme ich daruͤber Herrn Manger bei, welcher in ſeiner Oekonomi⸗ ſchen Bauwiſſenſchaft, am Schluſſe des Abſchnittes„Bedachun⸗ gen“ ſagt:„Ich bin gar nicht in Abrede, daß ſolche Anſtriche einigen „Nutzen haben koͤnnen; aber meiner Einſicht nach wahrſcheinlich nur im „Kleinen. Fuͤr das Haus eines Profeſſors der Naturlehre, der die Anſtriche „beſtaͤndig im beſten Stande unterhielte, moͤchten ſie ſich ſchicken, damit er „ſeinen Zuhoͤrern zeigen koͤnnte: Seht da! Holz und Stroh kann unverbrenn⸗ 88 Von Bedeckung der Daͤcher, „bar gemacht werden! Bei gemeinen Dorfwirthen hat es Noth, daß ſie alle⸗ „mahl zu gehoͤriger Zeit ihre Rohr⸗ und Strohdaͤcher ausbeſſern, welches ſie „doch „auch meiſtentheils von Jugend auf gelernt haben, geſchweige denn, wenn ſie noch Sachen zum Ueberſtrich anſchaffen, ſolche zubereiten, beſtaͤndig „unterhalten und zu rechter Zeit anwenden ſollen ꝛc.“ Anm. Außer dem, bereits im zweiten Theile Seite 323 erwaͤhnten Boulardſchen An⸗ ſtriche, ſind noch folgende, ſo genannte feuerfeſte und Holz conſervirende Anſtriche bekannt. Herr von Herzberg ſagt in dem ſchon erwaͤhnten Vorſchlag zur Verbeſſerung der Daͤcher: Man beſtreiche das Holz mit warmem Theer, und beſtreue ihn, ehe er voͤllig trocken iſt, mit fein geſiebtem Sande, welcher mit einem Brette glatt abgerieben wird. Ferner mache man eine Maſſe, jedes Mahl nur in kleinen Portionen, aus einem Theil Ziegelmehl, ½ Theil geſtampften Steinkohlen oder Schlakken, oder Traß, und zwei Theilen geſiebtemſcharfem Sand. Hierzu nehme man Kalk, der in einem verdeckten Kaſten geloͤſcht worden, und alles wird mit Seifenſiederlauge angefeuch⸗ tet. Dann werden drei Theile un geloͤſchter pulveriſirter Kalk dazu gethan, und hiermit wird der Anſtrich ſo oft wiederholt, bis er † Zoll ſtark iſt, und dann mit Kalk u. Eiweißabgeweißt. Herr Lange erwaͤhnt eines Anſtrichs aus Eiſenblech⸗Beize, mit einem reichhalti⸗ gen Eiſen⸗Bolus, welcher tiefer in das Holz dringt, mithin auch feſter, als der von Herzbergiſche Anſtrich halte. Noch erinnere ich mich, von einer Miſchung eines feuer⸗ ſichernden Pulvers vom Profeſſor Palmer in Wolfenbuͤttel irgendwo geleſen zu haben. Es beſteht aus 6 Pfund Kupferwaſſer, 1 Pfund rothem Oker und 1 Pfund Schwe⸗ fel. Dieſe Dinge werden zu feinem Pulver geſtoßen, und das mit Leim beſtrichene Holz damit beſtreut. Verſchiedene andere ſo genannte feuerfeſte Anſtriche ſind noch an mehrern Orten angekuͤndigt worden; da aber ihre Erfinder mitunter durch anſehnliche Praͤnumera⸗ tionen daran profitiren wollten, ſo ſind ſie gewoͤhnlich ein Geheimniß geblieben, woran die Welt vielleicht auch nicht viel verloren hat. Zur bloßen Conſervation des Holzes leiſtet ein Anſtrich mit Steinkohlen⸗Theer, oder Kalk mit Molken, oder Lehm mit Steinkohlen⸗-Aſche vermiſcht, gute Dienſte. Im 14ſten Stuͤck des Reichsanzeigers vom Jahre 1797 wird bemerkt, daß ein Ueberzug von Spalm, welchen Eirini de Erings im Jahre 1721 erfnnden, und Gautier in den Observations sur l'histoire naturelle P. X. Obs. 6 beſchrieben hat, ein ſicheres Mittel gegen die Einwirkungen der Luft und Naͤſſe auf Holz ſey, und ſich auch an Schif⸗ fen vortheilhaft beſtaͤtigt habe. Um das Holz gegen Faͤulniß und Wurmfraß zu ſichern, iſt unter andern auch folgende Miſchuug vorgeſchlagen worden: 14 Pfund geſtoßenes Harz, allmaͤhlig uͤber dem Feuer geſchmolzen, 1½ Pfund Ruͤboͤhl, 28 Pfund rein ausgewaſchener Sand, und 3 ¾ Pfund Mennige, unter ſtetem Umruͤhren hinzu gethan, geben nach der Erkaltung eine harte Maſſe, welche, wenn ſie zum Anſtrich gebraucht werden ſoll, nochmahls ſo geſchmolzen werden ſoll, daß man auf 6 Pfund derſelben allemahl 1 Pfund Oehl hinzu thut, und ſie dann ſiedend heiß auf das Holz ſtreicht. Auch das Auslaugen des Holzes ſichert daſſelbe gegen Wurmfraß, giebt dem Holze aber ganz andere Geſtalten, und macht es der Feuchtig⸗ keit ſehr empfaͤnglich. Um das Holz feuerbeſtaͤndiger zu machen, ſo daß es wohl verkohlen, aber nicht bren⸗ nen kann, hat das Koͤnigliche Ober⸗Hofbauamt allhier, beim Bau eines großen Korn⸗Magazins, ſaͤmmtliches Holz in einer Lauge von gruͤnem Vitriol und Alaun kochen laſſen. Man machte einen, 52 Fuß langen Kaſten, legte darin die Balken ꝛc. auf Unterlagen, und zwei Keſſel waren dazu beſtimmt, aus dem einen die heiße Lauge in den Kaſten hinein zu pumpen, und ſie aus demſelben in den andern Keſſel wieder heraus zu —.— —.— und zwar beſonders von den Lehmſchindel⸗Daͤchern. 89 zu laſſen. Jedes Stuͤck Holz blieb zwoͤlf Stunden darin, und dieſes Verfahren koſtete etwa ſo viel, daß die Auslaugung ſaͤmmtlicher Hoͤlzer zu einem mittelmaͤßig großen, maſ⸗ ſiven Hauſe nur 100 Thaler betragen wuͤrde. Nachher ward ſaͤmmtliches Holz noch mit einem etwa † Zoll ſtarken, thonichten Anſtriche verſehen. §. 40. An den Ziegeldaͤchern lehrt die Erfahrung, daß, wenn ſie nicht innerhalb Von wetter⸗ verſtrichen ſind, Regen und Schnee vom Winde hindurch getrieben werden, ſeſen ieget und da ſich letzteres mehr bei neuen als bei alten Daͤchern zeigt; ſo zog man daraus den natuͤrlichen Schluß, daß der in alten Daͤchern angehaͤufte Schmutz, Spinngewebe ꝛc. jenes Eintreiben des Regens ꝛc. hinderten. Deshalb hat man fuͤr neue Daͤcher die Eindeckung mit Moos vorgeſchlagen(ſiehe im zweiten Theil Seite 174). Die einer ſolchen Mooseindeckung vorgeworfene Feuergefaͤhrlichkeit wollte der Commiſſions⸗Rath, Herr Muͤller in Hamm, durch die aus Kuhhaaren und Schafwolle gewirkten Haardocken*) verbeſſern, und dieſe anſtatt des Mooſes zum Unterlegen unter die einzudeckenden Dach⸗ ziegel gebrauchen, welches aber wieder zu koſtbar iſt, ſo daß endlich, nach mehreren dergleichen Vorſchlaͤgen und Verſuchen, das gewoͤhnliche Verſtreichen der Daͤcher doch in jeder Hinſicht fuͤr das beſte befunden wurde. *) Siehe Leipziger Anzeigen von der Michaelis⸗Meſſe 1805. Anm. Als eine ſehr gute Maſſe zum Verſtreichen der hier gewoͤhnlichen Dachziegel(Bieber⸗ ſchwaͤnze) iſt folgendes vorgeſchlagen worden. Man nehme ganz reine Thonerde, oder geſchlemmten guten Lehm, ungefaͤhr 2 Scheffel, laſſe von 3 Metzen Rockenmehl(ohne Kleie) einen Mehlbrei kochen, und vermiſche dieſen ſorgfaͤltig mit dem Thon, wenn letzte⸗ rer ſchon die gehoͤrige Steifigkeit hat. Ferner nehme man gut ausgedroſchene Flachs⸗ ſchefen(denn es iſt nur um das Faſerige derſelben zu thun), miſche 3 Schfl. davon unter den mit Mehlkleiſter vermiſchten Thon oder Lehm, und laſſe es 12 Stunden lang ruhig ſtehen, in welcher Zeit ſich alles gut aufgeloͤſt hat. Zum Gebrauch darf die Maſſe weder zu ſteif, noch zu duͤnne ſeyn. Weil ſie ſehr zaͤhe und buͤndig iſt, faͤllt ſie nicht leicht ab und giebt den Ausdehnungen der Ziegel nach. Beſſer als die Flachsſchefen ſind gut ausgeklopfte und ausgezupfte Kuhhaare. Um etwas Mehlkleiſter zu erſparen, kann ein Theil Rindsblut genommen werden. Die ſo genannten Boͤhmiſchen Daͤcher ſind insgemein ſehr dicht oder wetterfeſt. Ihre Anfertigung hat unter andern der verdienſtvolle, nunmehr verſtorbene Kammer⸗Direktor, Herr Stubenrauch, im zweiten Bande des Jahrgangs 1799 der Sammlungen nuͤtzlicher Aufſaͤtze ꝛc. die Baukunſt betreffend, folgender Maßen beſchrieben. „In Boͤhmen, Sachſen und der Nieelauſitz werden die Ziegeldaͤcher M 9o9 Von Bedeckung der Daͤcher, „von Dachdeckern gelegt, welche ein ganz beſonderes Gewerk, wie die Schie⸗ „ferdecker, ausmachen und weiter keine Maurerarbeit verrichten ꝛc.“ „Der Decker faͤngt an, das Dach von der rechten zur linken Seite zu „decken. Wenn Walme auf dem Gebaͤude ſind, ſo erfordert die ſchraͤge Rich⸗ „tung, daß auf der Seite, wo die Hohlſteine liegen, um eine perpendiculaire „Richtung der Dachziegel zu erhalten, letztere verhauen werden muͤſſen*). „Dazu nehmen die Decker verhaͤltnißmaͤßig große Bruchſtuͤcke von Dachſteinen „und fuͤgen dieſe ſehr genau an einander, wozu ſie den Hammer Fig. 64 „(welcher bei a eine Spitze und bei b eine Schaͤrfe hat) gebrauchen, mit „deſſen ſpitzem Ende ſie zuvoͤrderſt die Bahn hauen, und dann mit der Schaͤrfe „den Stein trennen. *) Daß ſehr flache Walme, beſonders bei der gewoͤhnlichen Eindeckung, ſich nicht anders, als durch das Eindruͤcken einiger Steine in Moͤrtel feſt eindecken laſſen, geht aus der Fig. 65 hervor, indem die Raͤume a nur mit Ziegelſtuͤcken, welche keine Naſe haben, ausgefuͤllt werden koͤnnen. „Wenn nun ganze Steine eingelegt werden, ſo nimmt der Decker den „Ziegelſtein in die linke Hand, faͤhrt mit der ſcharfen Seite der Kelle Fig. 66 „die Kante des Steins hinauf oder herunter, damit, wenn auf ſolchem etwa „eine Ungleichheit iſt, dieſe abgehauen wird. Dann nimmt er eben dieſe „Kelle, und ſchoͤpft aus einem Faſſe den Kalkmoͤrtel*), beſtreicht von unten „nach oben mit einem Zuge die eine Kante des Steins, paßt ſolche genau „an den vorliegenden Stein an, thut zwei Schlaͤge mit dem Stiel der Kelle „an die reine Kante, und nimmt den vorgequollenen Kalk mit der Kelle ab. *) Der Kalk, den dieſe Dachdecker gebrauchen, wird jeden Morgen zur Arbeit friſch geloͤſcht und mit geſiebtem, ſcharfem Mauerſande in gewoͤhnlicher Art gemiſcht. Wenn außerdem die Dachſteine innerhalb des Dachs verſtrichen werden ſollen, ſo werden Sand, Kalk und Lehm, zu gleichen Theilen mit einander vermiſcht, dazu ge⸗ nommen. 6 „Die ganze Procedur wird mit der aͤußerſten Geſchwindigkeit gemacht. „Auf den Sims des Daches wird auf 3³3 der Hoͤhe des erſten Steins quer— „uͤber eine Kelle Kalk, der nur duͤnne zubereitet wird, geworfen(welches die „Decker Querſchlag nennen), die Seite aber wie gewoͤhnlich mit Kalk be— „ſtrichen, feſt angedruͤckt und ſo auch auf der zweiten und dritten Reihe ver⸗ fahren, wo dann drei, vier, bis fuͤnf Fuß hoͤher hinauf der Querſchlag auf „3 des Steins von oben gelegt wird. Dieß geſchiehet deshalb, weil man „gewoͤhnlich innerhalb in dem Winkel des Daches nicht gut verſchmieren kann. „Man kann aber auch die Daͤcher ganz in Querſchlag legen laſſen. —,——— und zwar beſonders von den Lehmſchindel⸗Daͤchern. 91 „Bei einem ganz in Querſchlag gelegten Dache kann dann der Wind keinen „Schnee oder Regen hinein treiben. Anm. Die unterſte Schicht der Dachſteine auf das Geſims in Kalk zu legen, iſt ſchon im erſten Theile Seite 271 getadelt worden. Die daraus entſpringenden Nachtheile ſollen in der Folge noch mehr erwieſen werden. „Wenn auf dieſe Art nach der linken Seite hin gedeckt worden, ſo wird „der Schluß des Daches nach oben hin gemacht, wozu die Decker ſich einer „Art von Leiter, welche mit Stroh umwunden iſt, bedienen. Die Hohlſteine „werden wie gewoͤhnlich in Kalk gelegt und genau auf einander gepaßt.“ Das Ganze dieſer Deckungsart beſteht alſo hauptſachlich darin, daß die Steine neben einander und auf einander mit Kalkmoͤrtel vermauert werden. Wo außerordentlich gute, feſt gebrannte und gerade Ziegel vorhanden ſind, muß allerdings hierdurch ein dichtes und feſtes Dach gemacht werden koͤnnen; allein wenn bei dem jetzigen Speculations⸗Geiſte, da, wo viel gebauet wird, die Dachziegel⸗Erde ſchlecht zubereitet, und die Ziegel ſchlecht gebrannt werden, oder viele Ziegeleien, ſo wenig ſich auch ihre Erde zu Dachziegeln qualificirt, dennoch dergleichen anfertigen; ſo iſt das eigentliche Vermauern ſolcher Dachziegel nicht anzurathen, weil dadurch die kleinſte Reparatur zu ſehr erſchwert und vertheuert wird. Folglich kann in ſolchen Faͤllen nur das ge⸗ woͤhnliche Verſtreichen ſtatt finden. Anm. Außer dem, was ich uͤber die Verfertigung der Dachziegel bereits im erſten Theile um⸗ ſtaͤndlich geſagt habe, will ich hier noch dasjenige einſchalten, was der hieſige Architekt, Herr Louis Catel, in einer kleinen Schrift: Vorſchlaͤge zu einigen weſentlichen Verbeſſerungen der Fabrikation der Ziegel, ꝛc. Berlin bei Maurer 1806. uͤber die Vermiſchung und Reinigung der Ziegelerde ſagt. Es iſt naͤhmlich nicht in Abrede zu ſtellen, daß ſo wohl die Reinigung der Ziegelerde von Kalk und andern kleinen Steinen, als auch die Vermiſchung und Durcharbeitung der ſchlechtern Ziegelerde mit Thon, oder der zu fetten Erde mit Sand, ſo unumgaͤnglich nothwendig dieß auch zur Anfertigung guter Ziegel iſt, dennoch auf dem gewoͤhnlichen Wege, durch das Einſumpfen, eine hoͤchſt ſchwierige und dabei eine ſolche Sache bleibt, bei welcher der Ziegelmeiſter mehrentheils dem guten Willen ſeiner Arbeiter uͤberlaſſen iſt. Um dieſem allen abzuhelfen, ſchlug Herr Catel vor, die Ziegelerde vollig auszutrocknen, ſie dann mit einer ſchweren Walze zu zerdruͤcken und ſo vermittelſt des Durchſiebens von allen feſten Koͤrpern zu reinigen, auch auf dieſe Art zugleich jede Erdart mit einer, ebenfalls zu Staub zerdruͤckten Beimiſchung von Thon fetter, oder durch getrockneten Sand, Ziegelmehl, Torfaſche ꝛc. magerer zu machen. Ferner war ein Gebaͤude(in deſſen mittlern Abtheilung die erwaͤhnte Reinigung der Erde und das Streichen der Ziegel geſchieht, in deſſen beiden, an den Seiten befindlichen Abtheilungen aber die Trockengeruͤſte und kleinen Ziegeloͤfen, in Geſtalt der Toͤpferoͤfen, um durch deren Waͤrme die Ziegel zu trocknen, errichtet werden) erforderlich, um ſo wohl im Winter, als im Sommer Ziegel zu brennen. Ein, hiernaͤchſt von demſelben Herrn Verfaſſer in folgendem Werke: Guter Rath fuͤr denjenigen Landmann, welcher durch die Folge des Krieges ſein M 2 —²†¾ 92 Von Bedeckung der Daͤcher, Wohnhaus ꝛc. eingebuͤßt hat. Berlin 1808, bei Braunes, geſchilderter Verſuch beſtaͤtigt indeß die alte Wahrheit, daß nur Erfahrung die beſte Lehrmeiſterinn ſey, indem Herr Catel daſelbſt ſeine Vorſchlaͤge modificirt, und zur Reinigung und Vermiſchung der Erde das Schlemmen, zum Trocknen der Ziegel einen gewoͤhnlichen Heizofen, und zum Brennen einen groͤßern Ofen in etwas veraͤnderter Geſtalt angiebt. Die zu flachen oder niedrigen Daͤcher bewirken das Verwittern der ſchlechten Dachziegel noch fruͤher, welches unter andern durch die obern Theile der Manſard⸗Daͤcher zu beweiſen iſt. Denn da der ſchmelzende Schnee oder Regen ſich auf denſelben laͤnger, als auf ſteilern Daͤchern aufhalten kann; ſo zieht das Waſſer um ſo mehr in die Steine ein, und ein ſchleunig eintreten⸗ der Froſt macht, daß ſelbige zerſtuͤckeln oder zerſchilbern. Das Klima im tie— fern Norden gewaͤhrt den Dachſteinen gewiſſer Maßen eine laͤngere Con⸗ ſervation, weil Froſt und Thauwetter daſelbſt nicht ſo oft, als in ünſerm ge⸗ maͤßigten Klima abwechſeln und wiederkehren. Wenn man uͤberhaupt das, was unſer mit Froſt und Waͤrme, Wind und Regen nur zu oft abwechſelndes Klima in Abſicht der Daͤcher verlangt, ſo wohl bei ſorgfaͤltiger Verfertigung der Ziegel, als auch bei der Conſtruction der Daͤcher ſelbſt mehr beachtete; ſo koͤnnte auch durch die, von dem hieſigen Raths⸗Zimmermeiſter, Herrn Richter, in Vorſchlag gebrachten Dachziegel, Fig. 67 ein vollkommen dichtes Dach, ohne alle Verſtreichung und Vermaue⸗ rung bewirkt werden. Die Ziegel aa, Fig. 67 werden naͤhmlich, jeder mit einem eiſernen Na⸗ gel auf die 14 Zoll aus einander befindlichen Latten genagelt, zu welchem Ende oben durch jeden dieſer Ziegel ſogleich beim Formen ein Loch hindurch geſtochen werden muß. Die Ziegel bb werden dagegen bloß auf die Falze der untern gelegt, wo dann ſelbige dadurch, daß ſie oben ſchmaͤler als unten ſind, auch um ungefaͤhr ¼ ihrer Laͤnge unter den obern Ziegeln liegen, feſt ruhen. Freilich gehoͤrt hierzu eine ſorgfaͤltige Bearbeitung der Ziegel, ſo wohl bei der Zubereitung der Erde, beim Formen und Trocknen, als auch beim Brennen, wodurch ſie dann allerdings auch koſtbarer als gewoͤhnliche Ziegel werden duͤrften. Da jedoch von der Dichtigkeit des Dachs mehrentheils die Erhaltung des weſentlichſten Theils eines Gebaͤudes und deſſen Benutzung abhaͤngt; ſo wuͤrden ſich die groͤßern, hierauf zu verwendenden Koſten nach einer richtigen Berechnung wohl bezahlt machen. Indeß, ſo lange nicht einmahl an eine ordentliche Verfertigung der gewoͤhnlichen Bieberſchwaͤnze mit Ernſt ge— dacht wird, ſind alle andern, umſtaͤndlichern Vorſchlaͤge zur Verbeſſerung der Daͤcher nur fromme Wuͤnſche. und zwar beſonders von den Lehmſchindel⸗Daͤchern. 93 Anm. Dahin gehoͤren auch die, im Reichsanzeiger No. 21, von 1802 in Vorſchlag ge⸗ brachten Plan⸗, Kehl⸗, Grad⸗, Anſet⸗ und Forſtziegel, um die ganzen Steine zu dieſem Geſchaͤfte nicht verhauen zu duͤrfen. Ohne die hierbei obwaltenden Schwierig⸗ keiten und Bedenklichkeiten ſaͤmmtlich zu erwaͤgen, will ich nur der in Fig. 68 vorgeſtellten ſo genannten Planziegel erwaͤhnen. Dieſe Ziegel, welche, nach der Beſchreibung zu vermuthen, nur fuͤr Splittdaͤcher beſtimmt ſind, ſollen von unten 3 Zoll herauf um ½ Zoll dicker, als im uͤbrigen Koͤrper ſeyn, damit beim Unterlegen der Splitte(welche dann nur von a bis b reichen duͤrfen) die Ziegel unten dicht auf einander ſchließen. Wenn man hierbei bedenkt, daß beim Formen dieſer Dachziegel ſo wohl die Naſe, als die untere Ver⸗ ſtaͤrkung in einer Vertiefung des untergelegten Brettchens liegen muß; ſo wird der Ziegel beim Zuſammentrocknen in der Mitte zerreißen, oder er muͤßte denn gleich nach dem For⸗ men mit ſeiner obern Flaͤche auf ein anderes Brettchen gelegt werden, wobei aber wieder zu befuͤrchten iſt, daß er beim Trocknen ſich verwirft. In einem Stuͤck des Beobachters an der Spree, vom Jahre 1805, wurde geſagt, daß ein gewiſſer Uhrmacher in Poſen eine vollkommnere Art Dachdeckung mit gewoͤhnlichen Bieberſchwaͤnzen erfunden habe. Das Ganze dieſer Erfindung beſteht, nach eingezogener, genauer Erkundigung, darin, daß die Ziegel nicht gerade herunter, ſondern nach Fig. 69, dergeſtalt ſchraͤg auf eine 10 Zoll weite Lattung gehangen werden, daß ihre untern Enden um 5 Zoll außer der lothrechten Linie nach einer Seite hin liegen, und ſich dabei laͤngs den Seiten um 1 Zoll überdecken. Das aͤußere Ausſehn eines ſolchen Dachs iſt nichts weniger als ſchoͤn, und da man von innen bei jedem Dachziegel, da, wo er ſei⸗ nen benachbarten und den unten liegenden Ziegel zugleich decken ſoll, das helle Tageslicht durch große Oeffnungen ſehn kann; ſo verdient dergleichen Deckart keine Nachahmung. Schon oft iſt die Frage aufgeworfen worden, warum man die italieni⸗ ſche Deckungsart in unſern Gegenden nicht einzufuͤhren ſuche. Ihre Con⸗ ſtruction iſt ungefaͤhr folgende: Auf die ſehr flachen Daͤcher, welche gewoͤhn⸗ lich auf die, im zweiten Theile Fig. 162 vorgeſtellte Art verbunden ſind, werden die ganz ſchwachen Sparren ſehr nahe neben einander, und auf ſelbige nach Fig. 70 Flieſen a gelegt. Auf die Flieſen kommen die ſo genannten Unterziegel b, welche an beiden Seiten aufwaͤrts ſtehende Raͤnder haben, und uͤber dieſe Raͤnder die obern oder Hohlziegel c zu liegen. Daß dergleichen Eindeckung ſchwerer, als unſere Ziegeldaͤcher ſeyn muͤſſe, auch daß ſie nur bei ſehr flachen Daͤchern anwendbar ſey, wenn die Ziegel nicht herunter gleiten ſollen, wird wohl niemand bezweifeln. Letzteres iſt aber gerade der Umſtand, welcher, wenigſtens in unſern nordiſchen Gegenden, meiner vorher geaͤußerten Meinung nach, ihre Nachahmung nicht erlaubt. Das vortheilhafteſte und zweckmaͤßigſte Material, die Daͤcher zu decken, wuͤrde wohl die ſo genannte Steinpappe ſeyn, weil durch ihre geringe Laſt zugleich vieles in dem Verbande des Dachwerks zu erſparen waͤre; es bleibt daher immer noch zu wuͤnſchen, daß ſolche mehr in Gang kaͤme, da die damit angeſtellten Verſuche ihre Anwendung rechtfertigen. Anm. Außer den, im zweiten Theile§. 86 und Seite 325 hieruͤber gegebenen Nachrichten, iſt noch folgendes nachzuholen: 94 2) 3) 4) 5) 6) Von Bedeckung der Daͤcher, In den Sammlungen nuͤtzlicher Aufſaͤtze und Nachrichten, die Baukunſt betreffend(erſter Band des Jahrgangs 1798 Seite 117), beſinden ſich die Re⸗ ſultate der, vom Herrn geheimen Ober⸗Finanzrath Boſe veranſtalteten, chemiſchen Unterſuchungen uͤber die vom Herrn von Herzberg erfundene, und von Herrn Dreſcher in Breslau verfertigte Steinpappe. Nach denſelben beſteht die Miſchung aus 76,25 Kalkerde, 2, 75 Alaunerde, 1 Kieſelerde, 4 Eiſenkalk, 7 Papiermaſſe. Von der, vom Herrn Lescynskowsky in Thorn verfertigten Steinpappe uͤber⸗ ſandte ich bei meiner Anweſenheit in Paris, im Jahre 1803, einige Stuͤcke dem Herrn Camille, Redacteur des dort erſchienenen Journal des batimens, wovon eins derſelben ordentlich gebrannt war. Kurz darauf erſchien meine Zuſchrift an Herrn Camille in No. 288 gedachten Journals ꝛc. mit Bemerkungen, unter andern uͤber die gebrannte Steinpappe:„ſie beſtehe aus einer ausgeſuchten, wohl zubereiteten und eben ſo vorſichtig „gebrannten Thon⸗ und Kieſelerde zugleich, ſey von einer ſchoͤnen rothen Farbe und leiſte „den kraͤftigſten Widerſtand. Ungeachtet der geringen Dicke, ſey ſie wenigſtens ſo ſolide, „als die beſten Dachziegel. Waͤre die Compoſition der andern Gattung dieſer Steinpappe „auch die beſte, ſo waͤre dennoch die Wahl unter den eingeſandten Sorten ſchwer ꝛc.“ Hiernaͤchſt hatte Herr Lescynskowsky die Guͤte, mir einige, uͤber ſeine Steinpappe ge⸗ machte Fragen annoch folgender Geſtalt zu beantworten: Die Groͤße der Tafeln ſey verſchieden, indem ſie 144,196, auch wohl 255 Quadratzoll groß gemacht werden koͤnnten. Die ſpeziſiſche Schwere der ganz feuerfeſten Gattung ſey 1,97e, und die der andern Gat⸗ tung o,996. Sie koͤnne aber noch viel leichter gemacht werden, wenn man ſie zum Ge— brauch innerhalb der Gebaͤude anwenden wolle. Was die Laͤnge der Dauer anbetreffe, ſo ſpreche freilich noch keine erprobte funfzig⸗, und noch weniger hundertjaͤhrige Erfahrung für die Sache. Allein jeder Sachkenner werde ſich aus Grundſaͤtzen der Phyſik uͤberzeugen, daß ein Fabrikat, in welchem Kieſel⸗, Eiſen⸗ und Alaunerde die Haupt⸗Beſtandtheile ausmachten, und wobei ſich die Materien vollkommen beruͤhrten, eine lange Dauer gewaͤhren muͤſſe, welche, wenn ſie nicht die der gewoͤhnlichen Dachziegel uͤbertreffe, doch wenigſtens derſelben gleich ſeyn werde. Klima, trockene und heiße, naſſe und kalte Temperatur habe keinen Einfluß. Die Platten werden auf einer Seite mit eiſernen, verzinnten Naͤgeln befeſtigt. Jeder Grad von Neigung des Daches paſſe fuͤr dieſes Deckmaterial, und die Steinpapp⸗ Tafeln ließen ſich auch fuͤr jede beliebige Dachform fabriziren. Der Preis laſſe ſich nicht genau beſtimmen, da dieß von der Naͤhe der Materialien und davon abhange, ob ſolches im Großen, fabrikmaͤßig, oder im Kleinen betrieben werde. Im erſtern Falle koͤnne ein ſolches Dach nicht theurer, als ein doppeltes Ziegeldach zu ſtehn kommen; durch allgemeine Einfuͤhrung wuͤrde die Sache viel vortheilhafter werden. Endlich, ſchreibt Herr Lescynskowsky, ſey er leider durch ſo viele Schwierigkeiten abgeſchreckt worden, daß er den Entſchluß gefaßt habe, entweder die Sache auf ſich be⸗ ruhen zu laſſen, oder ſie gegen eine verhaͤltnißmaͤßige Entſchaͤdigung einem andern zu entdecken. Ob die, in der Berliner Zeitung No. 99 und im 56ſten Stuͤcke des Verkuͤndigers vom Jahre 1804 angekuͤndigte Erfindung des Herrn Bivanko in Wien, aus einer Maſſe, die aus Thon, Sand, Ziegelmehl und etwas Leinoͤhl⸗Firniß beſtehn ſoll, Dachziegel zu verfertigen, welche durch bloßes Trocknen an der Luft, ſteinhart und dem Waſſer un⸗ durchdringlich wuͤrden; ob dieſe Erfindung, ſage ich, der des Herrn Lescynskowsky gleich zu achten ſey, duͤrfte nach der Beſchreibung im gedachten Stuͤck des Verkuͤndigers wohl noch zu bezweifeln ſeyn. Auch neuerlich iſt wieder im Muͤnchner Intelligenzblatte, No. 6 vom Jahre 1808, die Anzeige gemacht worden: Michael Kag, ein thaͤtiger Buͤrger zu Muͤhldorf —,— — ⏑⏑——— ——½——— und zwar beſonders von den Lehmſchindel⸗Daͤchern. 95 am Inn, verfertige ſeit einiger Zeit Pappe(Pappdeckel) von ſeiner Erfindung, die als Dachſchindeln gebraucht werden koͤnnten, und als ſolche bereits mit gutem Erfolge an Ge⸗ baͤuden gebraucht worden waͤren. Allen Einwirkungen der Atmosphaͤre, denen ſie ausge⸗ ſetzt ſind, haͤtten ſie bisher widerſtanden. Im Anzeiger der Deutſchen, No. 74 vom Jahre 1808, wird eine baldige Mittheilung des Naͤhern von dieſer Erfindung ver⸗ ſprochen. Moͤchte es doch einem der Erfinder dieſes, wegen ſeiner Leichtigkeit beſonders wich⸗ tigen Deckmaterials gelingen, mehr Gemeinnützigkeit als bisher zu bewirken! Der Nutzen wuͤrde auch fuͤr die laͤndlichen Gebaͤude groß und wichtiger ſeyn, als das Werk einer Grille des daͤniſchen Canzellei⸗Raths Chriſti, welcher zu Hoop in Norwegen ein Haus und eine Kirche von Papiermaſſe gebaut hat, wovon im ö9ſten Stuͤck des Freimuͤthigen, vom Jahre 1808, Nachricht gegeben wird. Die, im Morgenblatte, No. 76 vom Jahre 1808, bekannt gemachte Dachdeckung mit Zinkplatten, wovon der Quadratfuß 40 Kreuzer gekoſtet haben ſoll, iſt noch zu neu, um daruͤber mit aller moͤglichen Umſicht urtheilen zu koͤnnen; ſo wie es auch uͤber die, im Magazin fuͤr Handlung und Gewerbskunde, im zweiten Bande von 1804, vom Architekten, Herrn Harthmuth in Wien, neu erfundene Art Backſteine, zu welchen weder Holz, Torf noch Kohlen erfordert werden, zur Zeit noch an Erfahrung fehlt. §. 41. Es iſt ſchon im erſten Theile Seite 271, und vorher in einer An⸗Nachtraͤge, merkung erinnert worden, daß die unterſten Schichten der Dachſteine niemahls maaen ne auf das Geſims in Kalk gelegt werden muͤſſen. Hiervon ruͤhren gewoͤhnlich die Lindeckung an den Geſimſen mit der Zeit ſichtbar werdende Näͤſſe, und das Abfallen des der Geſimſe, Putzes, auch das fruͤhere Verwittern der untern Schichten Dachſteine her. vnſeung Wenn naͤhmlich die, auf dem Geſimſe liegenden Dachſteine das Waſſer filtri⸗ nen Dachrin⸗ ren(da ſie wegen des von oben herab laufenden Waſſers allemahl am laͤngſten nenh. ach naß bleiben); ſo theilen ſie, wenn ſie in Kalk gelegt ſind, unmittelbar dem Geſimſe die Feuchtigkeit mit. Um dieſes zu verhindern, hat man aus der Erfahrung fuͤr zweckmaͤßig befunden, auf die Vorderkante des Geſimſes(ſiehe Fig. 154 des erſten Theils) da, wo die Dachſteine das Geſims mit ihrer Fläche beruͤhren wuͤrden, ein gewoͤhnliches hoͤlzernes Dachſplitt, und ſo die Dachſteine ganz iſolirt von dem Geſimſe zu legen. Ferner iſt mit Bezug auf das, was bereits im erſten Theile Seite 269 von Mauerung der Geſimſe geſagt worden, hier noch nachzuholen, daß, wenn die haͤngende Platte eines Geſimſes etwas mehr Vorſprung erhal⸗ ten ſoll, als mit gewoͤhnlichen Mauerſteinen bewirkt werden kann, und etwa keine Geſimsſteine bei der Hand ſind, das ganze Geſims von Dachſteinen, welche, wenn ſie etwa keine Naſen mehr haben, doch zu nichts anderm, als zum Setzen der Oefen zu verwenden ſind, aufgemauert werden koͤnne. Man erhaͤlt dadurch zugleich den Vortheil, daß ſo wohl ohne muͤhſames Zuhauen 96 Von Bedeckung der Daͤcher, der Steine faſt jedes kleine Glied ordentlich vorgemauert, als auch, daß das ganze Geſims von dauerhafteren Steinen(welches die Dachſteine in Anſehung ihrer Maſſe doch immer ſeyn muͤſſen) ausgefuͤhrt wird. Dem, was im zweiten Theile Seite 186 von den blechernen Dachrinnen geſagt worden, iſt hier noch eine weſentliche Erfahrungsregel beizufuͤgen. Man hat naͤhmlich vorzuͤglich darauf zu ſehn, daß, wenn die Rinne auf das Dach gelegt wird, alle Mahl die vordere Kante b Fig. 71, um ein gut Theil niedriger, als derjenige Theil a des Blechs, welcher auf die Latten zu liegen kommt, ſich befinde, welches leider ſehr oft verfehlt wird. Der Vortheil hiervon beſteht darin, daß, wenn bei ſtarken Regenguͤſſen, oder aus andern zufaͤlligen Urſachen, das Abfallrohr ſich verſtopfen, und dann die Rinne ſich mit Waſſer anfuͤllen ſollte, ſolches eher uͤber die Vorderkante b uͤberſtuͤrzen, als hinten in das Dach eindringen kann, wodurch im letzteren Falle fuͤr die Balken und Decken des Hauſes ein ſehr großer Nachtheil entſteht. Auch in Betreff der Abfallroͤhren iſt, zum guten Abfall des Waſſers aus den vorhin erwaͤhnten Dachrinnen, beſonders nothwendig, die obere Einmuͤn⸗ dung des Abfallrohrs nach Fig. 72 ſo weit als moͤglich zu machen, und dieſe Weite erſt unterhalb des Geſimſes, bis zu der gewoͤhnlichen Weite des Ab⸗ fallrohrs zuſammen zu ziehen, auch letzteres, je nachdem aus einer laͤngern oder kuͤrzern Dachrinne mehr oder weuiger Waſſer abzuleiten iſt, 3, 4, 5, bis 6 Zoll weit anzulegen. Daß uͤbrigens die Dachrinne mehrere Mahle im Jahre von den Dach⸗ ſtein-Schilbern und dem, was Kraͤhen und andere Voͤgel hinauftragen, mit einem Beſen gereinigt werden muß, verſteht ſich von ſelbſt. Bei Anfertigung der ſogenannten Hohlkehlen, wovon gleichfalls im zweiten Theile Seite 186 Erwaͤhnung geſchehen, iſt hier noch anzufuͤhren, daß, wenn ſolche gegen das, durch den Wind eindringende Waſſer recht dicht halten ſollen, an beiden Seiten nach Fig. 73 Umbiegungen, ungefaͤhr x Zoll breit, ſtatt finden muͤſſen. Denn wenn die Dachſteine auch noch ſo gut und weit genug in die Hohlkehle uͤberdecken, ſo hat der Wind doch zu⸗ weilen die Gewalt, das Waſſer uͤber die Seiten der Hohlkehlen in das Dach zu jagen, vorzuͤglich wenn wegen der Lage der Daͤcher die Rinne mehr nach der einen, als nach der andern Seite ſich hinneiget, welches ſich beſonders da, wo ein ſteiles und ein flaches Dach gegen einander ſtoßen, ereignet. Eine ſolche Umbiegung der Seiten aber häͤlt nicht nur das hinein gejagte Waſſer und zwar beſonders von den Lehmſchindel⸗Daͤchern. 97 Waſſer auf, ſondern ſchließt auch die Hohlkehle deſto dichter gegen die Dach⸗ ſteine an. Außer den, im zweiten Theile beſchriebenen verſchiedenen Arten von Dach⸗ fenſtern, ſind ſeit der Zeit noch die ganz blechernen Dachfenſter mehr in Gebrauch gekommen. Da die Beſchreibung derſelben, welche der Koͤnigl. Hof⸗Bauinſpector, Herr Langhans jun., im erſten Bande vom Jahre 1800 der Sammlung nuͤtzlicher Aufſaͤtze und Nachrichten, die Baukunſt betreffend, geliefert hat, voͤllig zweckmaͤßig und deutlich iſt, ſo kann ich dieſelbe daraus hier entlehnen.„Wie viel Ungemaͤchlichkeiten die „bisher uͤblichen Kappfenſter oder Dachlucken haben, iſt nicht allein allen „Bau⸗ und Werkmeiſtern, ſondern auch allen Hauswirthen zur Genuͤge be⸗ „kannt. Man braucht nur anzufuͤhren, daß, außer dem leicht moͤglichen Ein⸗ „dringen des Regens, die meiſten Kappfenſter die Dachſparren belaͤſtigen und „niederdruͤcken, woraus denn eine Vertiefung gegen den andern Theil des „Daches und aus dieſer Waſſerloͤcher entſtehen.“ „Da ferner die Vereinigung des kleinen Daches derſelben mit dem „Hauptdache immer Schwierigkeiten verurſacht, bei welchen man ſich zwar „durch Verſchmieren mit Kalk zu helfen ſucht, aller Sorgfalt ungeachtet aber „immer Gelegenheit giebt, daß uͤber kurz oder lang der Regen, beſonders das „Schneewaſſer bei aufgehendem Froſte, eindringen kann, ſo macht man ge⸗ „genwaͤrtig die Kappfenſter folgender Maßen ganz von Blech, Fig. 74.“ „Es beſtehet ſolches aus einem hoͤlzernen halbrunden Rahmen Fig. 74 A, „deſſen Centrum in b iſt. Dieſer iſt auf einer, nach der Form des Daches „ſchief liegenden, blechernen Grundflaͤche o lothrecht aufgeſetzt, und ſodann „ganz mit Blech nach ſeiner Form und NRuͤndung uͤberdeckt. Alles iſt aus „verzinntem Pontonbleche gemacht, zuſammen geloͤthet und angeſtrichen. „Selbſt der Rahmen Fig. 74 C, worin die Glasſcheiben eingeſezt ſind, kann „aus doppeltem, in Karniß gearbeitetem Bleche beſtehen.“ Anm. Um die lothrechte Stellung der vordern Anſicht f d, Fig. 74 B, welche mit der auf der Dachflaͤche des Dachfenſters einen ſpitzen Winkel macht, zu erhalten, muß jedesmahl erſt dieſer Winkel vermittelſt einer ſogenannten Schmiege auf dem bereits fertigen Dache gemeſſen werden; daher dergleichen Dachfenſter fuͤr jede verſchiedene Dachform anders gemacht werden muͤſſen. „Die Grundflaͤche c wird mit einigen Naͤgeln auf die Latten feſt gena⸗ „gelt und mit den Dachziegeln nach der Zeichnung eingedeckt. Hierbei iſt „folgendes zu bemerken: Die Grundflaͤche des Dachfenſters liegt von i bis e N 98 Von Bedeckung der Daͤcher, „Fig. 74 B auf den Latten, und iſt zum Theil mit den Dachſteinen bedeckt; „von e bis k aber kommt ſolche auf die Dachſteine zu liegen, daher ſie bei e „eine Biegung aufwaͤrts bekommen muß.“ „Die Naͤnder der Grundflaͤche, ſo weit dieſelben unter den Dachſteinen „liegen, erhalten eine Umbiegung aufwaͤrts, oder einen Falz von † Zoll“(wie in der Zeichnung Fig. 74 A mit den doppelten Linien, und vorher in der Beſchreibung der Hohlkehlen Fig. 73 angegeben worden).„Ferner geht der „Glasrahmen nach aufwaͤrts auf, und iſt mit zwei kleinen Charnieren Ir „Fig. 74 C, bei welchen der Stift heraus gezogen werden kann, angemacht, „oberhalb aber mit einem kleinen Haken verſehen, wodurch der Glasrahmen „innerhalb angehakt werden kann.“ In Abſicht der Eindeckung dieſer Dachfenſter iſt folgendes zu bemerken: „Es wird die blecherne Grundflaͤche o nach einer ſchief laufenden Linie, und „zwar nach der Form, wie die Dachſteine neben und uͤber einander eindecken, „ſtufenweiſe ausgeſchnitten*), wie in o zu ſehen iſt. Sodann wird auf jeder „Latte ein Dachſtein an das Blech herangeſchoben, wodurch die Fugen zwi⸗ „ſchen dem Bleche und den Dachſteinen vollkommen gedeckt werden. Oben „bei p wird das Blech um die Dicke des daneben liegenden Steins in die „Hoͤhe gekroͤpft, worauf die folgende Schicht Steine unmittelbar zu liegen „kommt, ſo daß alſo weder irgend ein Stein zugehauen, noch in Kalk gelegt „werden darf.“ *) Die obere Linie dieſer Ausſchnitte muß allemahl mit der Oberkante der Latten zuſammen treffen. „Noch iſt anzufuͤhren, daß bei oo ꝛc. das in die Hoͤhe gebogene Blech „den darauf liegenden Stein keinesweges hoͤher, als die Dicke des darneben „liegenden Steins, tragen darf. Es kann alſo durchgehends nur ungefaͤhr „um einen halben Zoll in die Hoͤhe gebogen werden; bei q muß es zuſpitzen „und die Umbiegung ganz aufhoͤren, damit dort der Dachſtein dicht auf dem „Bleche oder der Latte aufliegen kann.“ „Die hier angegebene halbrunde Form iſt nicht durchaus nothwendig, „ſondern es kann ein ſolches Fenſter auch die Form eines Zirkel⸗Segments, „mithin mehr als die doppelte Hoͤhe des Bogens zur Laͤnge deſſelben erhalten, „ſo wie uͤberhaupt die Groͤße ſich nach den Umſtaͤnden und nach der Beſtim⸗ „mung richtet.“ Ein Kappfenſter dieſer Art, ungefaͤhr 2 Fuß 10 Zoll lang und 2 Fuß hoch, koſtete allhier zeither 7 bis 6 Thaler. —,— ——— und zwar beſonders von den Lehmſchindel⸗Daͤchern. 99 Anmerkung. Die, vor einiger Zeit im Reichsanzeiger von dem Ziegelmeiſter Muͤller in Oſtroan bei Stauchwitz in Sachſen angekuͤndigten Dachfenſter aus Ziegelerde, aus Einem Stuͤcke beſtehend, duͤrften, wenn ſie auch ſonſt alles leiſteten, was von einem gut eingedeckten Dachfenſter verlangt wird, dennoch deswegen weniger Nachahmung finden, weil es entweder ſehr umſtaͤndlich ſeyn moͤchte, ein ſolches Fenſter nach der verlang⸗ ten Dachſchmiege zu beſtellen, zu formen und zu brennen, oder es muͤßte die Dachſchmiege nach den fertigen Dachfenſtern angelegt werden, welches letztere wohl nicht zu verlangen iſt. In gewiſſer Art beſſer iſt der Vorſchlag, an einigen Stellen des Daches glaͤſerne Dach⸗ ziegel anſtatt der gewoͤhnlichen zu legen. Das Licht im Dache wird dadurch zwar erhal⸗ ten, ohne eine Art von Dachfenſtern zu beduͤrfen; allein da dann die, in den Dachboͤden, beſonders im Sommer, noͤthige Luft nicht anders als allenfalls nur durch Giebelfenſter herbei zu ſchaffen iſt, ſo ſind die glaͤſernen Dachziegel anſtatt der Dachfenſter nur auf kur⸗ zen und frei ſtehenden Gebaͤuden anzuwenden. Auch rathe ich einem jeden, dabei aufmerk⸗ ſam zu ſeyn, daß durch Hoͤhlungen in den glaͤſernen Dachziegeln nicht etwa ein Focus entſtehe, durch welchen, bei ſehr heißen Sonnenſtrahlen, eine Entzuͤndung brennbarer Sachen im Dachboden erfolgen koͤnnte. 23 100 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler — ——— Erſter Abſchnitt. Von Anlage und Conſtruction ſolcher Ge⸗ baͤude, welche einen ganz hohlen, innern Raum und keinen Dachboden erfordern, als Scheu⸗ nen, Feimen⸗Geruͤſte, Torfſchuppen, Reit⸗ bahnen u. ſ. f. ——O— §. 4a. A. Von den Getreideſcheunen. Z4 den einfachſten Gebaͤuden in Anſehung der Conſtruction gehoͤren die Scheunen, daher die verſchiedenen Anlagen und Conſtructionen derſel⸗ ben, der Abſicht dieſes Werks zufolge, zuerſt beſchrieben werden ſollen. Eine Scheune(Scheuer, Stadel) iſt ein Gebaͤude, worin der Land⸗ mann das eingeerntete, unausgedroſchene Getreide, oder Heu, Stroh, Tabak ꝛc. aufbewahrt, und gegen die ſchaͤdliche Einwirkung der Witterung ſchuͤtzt, und das Getreide ausdriſcht. Die Getreideſcheunen gehoͤren, in hieſiger Gegend, und nach der hie— ſigen Landwirthſchafts⸗Methode, zu den noͤthigſten Landgebaͤuden. In Eng⸗ land und auch in einigen Gegenden Deutſchlands bedarf man dagegen deren * 1 1 Gebaͤude ohne Dachboden, als Getreideſcheunen ꝛc. 101 weniger oder gar nicht, indem man das Getreide auf dem Felde in Miethen, Feimen, Diemen(meules, engl.) unter einiger Bedeckung aufſetzt und aufbewahrt, mithin nur kleinerer Scheunen, bloß zum Ausdreſchen und Auf⸗ bewahren des in einem einzelnen Feimen enthaltenen Getreides bedarf. Anm. In England haben daher die eigentlichen Scheunen keine großen Einfahrten, ſondern nur kleine Thuͤren. In verſchiedenen oͤkonomiſchen Schriften, z. B. in den Leipziger Anzei⸗ gen von den Jahren 1800 und 1801, wird der Feimen⸗ oder Diemenbau ſehr angerathen, aber daſelbſt auch von andern Oekonomen getadelt und modi⸗ ficirt; daher kommt es auf diejenigen Grundſaͤtze und Methoden an, welche jeder Oekonom fuͤr die beſten haͤlt und anwendet. Wenn aber auch Scheunen fuͤr nothwendig gehalten werden, ſo ſollte dann doch der Raum, welchen die⸗ ſelben faſſen, nicht mehr als eine gewoͤhnliche Ernte enthalten, weil die Unterhaltung ſolcher Gebaͤude niemahls ohne Nutzen ſeyn darf, dagegen beſſer der Mehrbetrag einer reichern Ernte alsdann in Interims⸗Scheunen, Schafſtaͤllen oder Feimen aufzubewahren iſt. Des Baumeiſters Sache iſt indeſſen gewoͤhnlich, die Groͤße einer Scheune fuͤr eine gegebene Quantitaͤt Garben, Centner Heu, Bunde Stroh u. ſ. w. zu beſtimmen, und das Gebaͤude einer ſolchen Scheune, oder eines Feimen⸗ Geruͤſtes ꝛc. gehoͤrig und zweckmaͤßig zu conſtruiren. Es zerfäͤllt alſo die Beſchreibung dieſer Gebaͤude in mehrere Unterabthei⸗ lungen; naͤhmlich erſtlich von den Getreideſcheunen ſelbſt, und zwei⸗ tens von den Interims⸗Scheunen, Feimen⸗Geruͤſten und Scheu⸗ nen zu anderm Behuf ꝛc. Eine jede Scheune fuͤr ſich beſteht aus einer Einfahrt oder einem Flur, und aus dem Raume zum Gelaſſe fuͤr das Getreide, Heu, Stroh ꝛc. ſelbſt, welcher letztere Taß oder Banſe genannt wird. In einer Getreideſcheune iſt der gedachte Flur mit einem Lehmſchlage oder Eſtrich zum Ausdreſchen des Getreides verſehn und heißt alsdann eine Tenne. §. 43. Ueber die eigentliche Anlage der Tennen ſind die Meinungen der Oeko⸗Verſchieden⸗ nomen hier und da getheilt. Einige wollen, daß die Tenne in der Miebe heiten nder durch die ganze Laͤnge des Gebaͤudes, andere, daß ſie ebenfalls nach der Laͤnge der Getreide⸗ des Gebaͤudes, aber laͤngs einer Frontwand, noch andere, daß ſie in keiner ſcheunen. von beiden Richtungen, ſondern quer, oder nach der Tiefe des Gebaͤudes an⸗ 102 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler gelegt werden ſoll. Die erſte Art nennt man Mittellangtennen, die zweite Art Seitenlangtennen, und die dritte Art Quertennen. In oͤkonomiſcher Hinſicht wird von den Mittel⸗ und Seitenlangtennen geruͤhmt, daß ſich in einer ſolchen Scheune die Abtheilung fuͤr Winter⸗, Sommer⸗ und Brachfruͤchte weit beſſer bewirken laſſe, als in Scheunen mit Quertennen, ferner, daß in der Ernte bei eintretenden Regenſchauern mehrere Getreide⸗ wagen unterfahren und darin Schutz finden, auch mehrere Kornarten zugleich ausgedroſchen werden koͤnnen. Andere behaupten, daß die Quertennen einen kuͤrzern und beſſern, die Reinigung des Getreides befoͤrdernden Luftzug beim Ausdreſchen darbieten, auch die Arbeiter in jeder Tenne beſſer uͤberſehn werden koͤnnen, und ich mei⸗ nerſeits bin geneigt, dieſer Meinung, auch ſchon deshalb Beifall zu geben, weil, auch ohne auf die beſſere Conſtruction zu ſehen, doch bei weitem die mehrſten Landwirthe, die Quertennen vorziehn, weshalb ſie an den mehrſten Orten ſo angetroffen werden. Daher ſoll auch von dieſen nur hier die Rede ſeyn. In architectoniſcher Hinſicht kommt hierbei in Betrachtung, daß, wenn die Banſen(beſonders bei Mittellangtennen) nicht zu wenige Tiefe erhalten ſollen, die ganze Tiefe des Gebaͤudes 50 und mehrere Fuß betragen muß, wozu alſo langes, ſtarkes, jetzt ſeltenes Holz erfordert wird*). Scheunen mit Seitenlangtennen brauchen zwar nicht viel tiefer, als die mit Quertennen ge⸗ baut zu werden; der Verband derſelben kann aber nicht ſolide ſeyn, indem die eine lange Frontwand außer aller Verbindung mit dem uͤbrigen Gebaͤude und alſo ganz iſolirt ſteht. 1 *) Die Anſchaffung laͤngerer, mithin theurerer Balken und anderer Hoͤlzer erlaubt daher bei Landgebaͤuden von gewoͤhnlicher Bauart auch nicht immer, den mathematiſch richtigen Grundſatz, naͤhmlich„jeden verlangten Raum mit den wenigſt moͤglichen Um⸗ „faſſungswaͤnden einzuſchließen,“ mit Nutzen in Anwendung zu bringen. Die Banſen muͤſſen nicht viel uͤber 3o Fuß lang ſeyn, weil ſonſt die Garben von dem, auf die Tenne gefahrnen Wagen nicht mehr bequem nach dem Ende der Banſe hingeſchafft werden koͤnnen*). Reicht nun bei kleinen Wirthſchaften, z. B. bei der eines Bauern oder Koſſaͤthen, eine ſolche Banſe hin, den ganzen Garbeneinſchnitt zu faſſen; ſo wird die Dreſchtenne daneben, und alſo an einer Giebelſeite angebracht. Iſt aber eine ſolche Banſe nicht hinreichend, ſo wird der noͤthige Raum in zwei Theile oder Banſen getheilt, wovon, zugleich mit groͤßerer Bequemlichkeit, eine fuͤr den Sommereinſchnitt, — ,— ie Gebaͤude ohne Dachboden, als Getreideſcheunen ꝛc. 103 die andere fuͤr den Wintereinſchnitt beſtimmt wird, und die Tenne wird dann zwiſchen beide Banſen gelegt. Sind aber bei groͤßerm Getreidegewinnſte, oder auf Vorwerken mehrere Banſen von gedachter Groͤße erforderlich; ſo werden allemahl auf jeder Seite einer Tenne eine Banſe, und ſo bis zu drei Tennen mit ihren ſechs Banſen, in einem Gebaͤude angelegt. Mehr als drei Ten⸗ nen mit ihren ſechs Banſen ſollten billig nicht in einem Gebaͤude unterge⸗ bracht werden, weil ſonſt die Laͤnge der Scheune auf eine, in mancherlei Ruͤckſicht ſchaͤdliche Weiſe vergroͤßert wird, wohin wohl beſonders gehoͤrt, daß bei einem etwa entſtehenden Feuer ein zu großer Theil des Getreides verloren geht, welches bei mehreren, gehoͤrig aus einander gebauten Scheunengebaͤu⸗ den vielleicht nicht der Fall ſeyn wuͤrde. Der geringe Vortheil, bei einem Gebaͤude die Erbauung eines Giebels zu erſparen, kann wohl jenem Nachtheil nicht gleich geachtet werden. *) In einigen Gegenden werden die Banſen 4o bis 50 Fuß lang gemacht; ſie liegen dann aber zwiſchen zwei Tennen, und die Scheide⸗Giebelwand faͤllt weg, welches jedoch wegen der geringeren Feſtigkeit des Gebaͤudes nicht zu wuͤnſchen iſt. §. 44 Die Tiefe der Scheunen muß ſich oͤfters nach den vorhandenen Lokal⸗ Umſtaͤnden richten. Obwohl viele hierbei den Umſtand in Betrachtung ziehen, daß die tieferen und daher kuͤrzeren Gebaͤude, bei gleichem inneren Raume oder Gelaſſe, gegen laͤngere und ſchmaͤlere Gebaͤude, weniger Umfangswaͤnde als die letzteren brauchen; ſo muß jedoch die Tiefe der Scheunen ſehr oft nach der Laͤnge des vorhandenen Balkenholzes beſtimmt werden. Es muß aber dabei auch billig auf die Bequemlichkeit des Ausdreſchens in den Scheun⸗ fluren, und alſo auf die zweckmäßige Laͤnge der Dreſchtennen Ruͤckſicht ge⸗ nommen werden. Beim Ausdreſchen wird naͤhmlich zu den erſten Garben⸗ lagen auf jeder Seite der Tenne wenigſtens zwei Fuß Raum fuͤr die Koͤrner und zu der zweiten und dritten Garbenlage noch mehr Raum erfordert. Es geht alſo hierdurch ein Theil des Raums auf der Tenne in der Breite verlo⸗ ren, daher in der Laͤnge der Tenne, oder in der Tiefe des Gebäudes wieder nicht zu wenig geſchehen muß, um noch Raum genug fuͤr eine hinlaͤngliche Anzahl Garben auf der Tenne zu erhalten. In großen Oekonomien, wo mehr als eine Tenne mit ihren Banſen erforderlich iſt, muß daher die Tiefe der Scheunen dennoch nicht weniger als 36 Fuß, und wieder nicht mehr als 45 Fuß betragen; denn ſelbſt da, wo die Laͤnge und Staͤrke des vor⸗ Tiefe der Scheunen. 104 b Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler handenen Bauholzes letzteres erlauben duͤrfte, iſt nicht anzurathen, uͤber dir letztgedachte Tiefe hinauszugehen, indem, außer der groͤßeren Schwierigkeit des Verbandes der Scheune, auch der noͤthige Luftzug bei Reinigung des Getreides geſchwaͤcht wird. §. 45. d Breite Die Breite der Tennen richtet ſich nach der vorerwaͤhnten Anlage der er Tennen. 4 4 2„. Garben, ſo daß wenigſtens zwei Lagen mit ihrer Strohlaͤnge nach der Breite der Tenne angelegt werden koͤnnen. Hierzu iſt, mit Inbegriff des Raums zum bequemen Ausdreſchen, ungefaͤhr 11 Fuß Breite noͤthig. Wird hierzu noch der oben erwaͤhnte Raum fuͤr die Koͤrner laͤngs den langen Seiten der Tennen gerechnet; ſo iſt fuͤr die Tenne uͤberhaupt eine Breite von 15 Fuß erforderlich, welche bei kleinen Scheunen allenfalls auf 13 Fuß eingeſchraͤnkt werden kann. §. 46. Hoͤhe der Die Scheunen erfordern eine ſolche Hoͤhe, daß die beladenen Erntewa⸗ Scheunen, gen bequem durch die anzubringenden Einfahrtsthore durchgefahren werden koͤnnen. Wird nun die Hoͤhe dieſer Thore zu 11 bis 13 Fuß angenommen, und bei hoͤlzernen Scheunen die Hoͤhe der Schwelle und des uͤber die Scheun⸗ thore zu legenden Sturzholzes, ſo wie des Rahmſtuͤcks, hinzu gerechnet; ſo erhaͤlt man eine innere Hoͤhe, vom Scheunflur bis an die Balken, von 14 bis 15 Fuß, und ſo verhaͤltnißmaͤßig mehr bei maſſiven Scheunen, wenn die Einfahrtsthore uͤberwoͤlbt ſeyn ſollen. Man findet aber auch in einigen Gegenden bis zu 20 Fuß im Lichten hohe Scheunen, um mehreren Gelaß zu bewirken. Allein dieß erfordert bei Scheunen von Fachwerk ſchon ſehr ſtarkes Holz in den Waͤnden oder eine Verſtaͤrkung der maſſiven Mauern, um dem dadurch vergroͤßerten Druck des Gebaudes widerſtehen zu koͤnnen. Dieß iſt wenigſtens in Abſicht der Con⸗ ſtruction zu beruͤckſichtigen nothwendig. Vielleicht duͤrfte aber auch das Ein⸗ banſen bis ins Dach, beſonders bei ſehr tiefen, und folglich auch mit ſehr hohen Daͤchern verſehenen Scheunen, unbequem werden. H. 47- Breite Die Laͤnge der Banſen richtet ſich nach der Tiefe des Gebaͤudes; ihre, der Banſen. der Bequemlichkeit wegen angenommene Breite aber kann, wie bereits erwaͤhnt worden, ir it en, Gebaͤude ohne Dachboden, als Getreideſcheunen ꝛc. 105 worden, auf 30 und etliche Fuß geſetzt werden. Letztere muß ſich auch eini⸗ germaßen nach der, fuͤr die zu waͤhlende Dachdeckung paſſenden Entfernung der Sparren von einander richten, wie ſolches bereits im zweiten Theile§. 3 umſtaͤndlich abgehandelt worden. Da aber auch einige Schriftſteller uͤber die oͤkonomiſche Baukunſt der Meinung ſind, daß in beiden, zu einer Tenne gehoͤrigen Banſen ſo viel Garben Platz finden muͤſſen, als diejenige Anzahl Dreſcher, welche auf einer Tenne Platz haben, etwa in 6 Monaten ausdreſchen kann, und die Erfahrung lehrt, daß 3 bis 4 Dreſcher auf einer, ungefaͤhr 15 Fuß breiten und 36 bis 40 Fuß langen Tenne Raum genug haben, um binnen 6 Monaten etwa 300 Schock Garben auszudreſchen; ſo wuͤrde hiernach eine jede Banſe, in einer 40 Fuß tiefen und 15 Fuß in den Waͤnden hohen Scheune, eine Breite von 50 Fuß erhalten muͤſſen, welches, ſo wohl in Ruͤckſicht des Verbandes, als auch we⸗ gen der groͤßern Muͤhe des Einbanſens, nicht uͤberall anwendbar ſeyn moͤchte. §. 48. Wenn zufoͤrderſt die, nach den vorhandenen Umſtaͤnden anzunehmende, oder eine andere der vorher gedachten, zweckmaͤßigen Tiefen, und die Hoͤhe einer Scheune, beides im Lichten gerechnet, feſtgeſetzt worden; ſo ergiebt ſich die Breite der Banſen zuſammen genommen, oder die Laͤnge des Gebaͤu⸗ des, folgender Maßen: Der Inhalt der einzelnen Garben iſt allerdings ver⸗ ſchieden, je nachdem der Boden laͤngeres oder kuͤrzeres Stroh liefert. Im letztern Falle pflegt man jedoch fuͤr eine Garbe Weizen oder Rocken 4, und im erſtern Falle 5 Kubikfuß zu rechnen. Es iſt aber daher ziemlich zutreffend, wenn in ſolchen Gegenden, wo ſtarkes urd langes Stroh wächſt, im Durch⸗ ſchnitt fuͤr jedes Schock Garbenfruͤchte 3““, in andern aber 240 Kubikfuß Raum gerechnet werden. Wenn nun hiernach der geſammte Kubikraum fuͤr eine einzuſcheuernde Quantitaͤt von Getreide nach Kubikfuͤßen gefunden worden iſt; ſo dividirt man dieſe Summe mit dem Flaͤcheninhalt des Profils der Scheune, und zwar, indem der untere Lichtenraum nach der Tiefe und Hoͤhe, oben aber, oder im Dache, nur der Raum bis an den Kehlbalken gerechnet wird. Der Quotient aus der Diviſion des kubiſchen Inhalts zeigt demnach die Breite ſaͤmmtlicher Taſſe an. Wird nun hierzu die Breite der Scheunflure und die Dicke der Giebel⸗ und Taſſenwaͤnde gerechnet; ſo erhaͤlt man die Laͤnge der ganzen Scheune. Ein Beiſpiel mag dieß deutlicher machen. . O Ausmittlung der Groͤße der Scheu⸗ nen. 106 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler Es ſoll eine Scheune zum Einbringen von 280 Schock Garben erbaut werden: Das feſtgeſetzte Profil ſoll ſeyn 34 Fuß breit, 15 Fuß hoch, beides im Lichten, 170 34 510 Quadratfuß. Die Laͤnge des Balkens 34 Fuß, Des Kehlbalkens 16— 50— 25 aggquirte Laͤnge. Die Hoͤhe vom Balken bis an den Kehlbalken 3 200 Quadratfuß. Alſo 510+ 200= 710 Quadratfuß Proofilflaͤche. Wenn nun 280 Schock Garben, jedes zu 300 Kubikfuß, einen Raum von 34,000 Kubikfuß erfordern, und 84,000 Kubikfuß durch das Profil der Scheune= 710 dividirt werden; ſo zeigt der Quotient 113 die Länge des⸗ jenigen Raums an, welcher zur Unterbringung der angegebenen Quantitaͤt von Getreide erforderlich iſt. Da, wie ſchon gedacht, 30 Fuß die ſchicklichſte Breite eines Taſſes iſt; ſo ſieht man, daß A dergleichen ſtatt finden koͤnnen, und wenn zwiſchen dieſen 4 Banſen zwei Flure, jeder von 15 Fuß Breite, angebracht werden; ſo wird die Laͤnge der Scheunen 4. 30= 120,+ 2. 15= 30, alſo 150 Fuß betragen, wozu die Dicke der Giebelmauern und der Taßwaͤnde kommt, und woraus die ganze aͤußere Laͤnge des Gebaͤudes ſich ergiebt. Anm. Genau genommen wuͤrden hier fuͤr die Breite eines Taſſes nur 29 Fuß heraus kommen. Geſetzt aber, daß dieß nach der Berechnung noch etliche Fuß weniger betruͤge; ſo kann im— mer das groͤßere Maß von 3o bis 32 Fuß fuͤr einen Taß angenommen werden, um ſich nicht von der regulaͤren Vertheilung der Balken und des Sparrwerks zu ſehr zu entfernen, wenn auch dadurch das Scheunengebaͤude um etliche Fuß laͤnger werden ſollte, als es die Berechnung mit ſich bringt. Man wird ja leicht einſehen, daß die angenommenen Saͤtze, von 240 bis 300 Kubikfuß fuͤr ein Schock Garben, und ſelbſt die Angabe des unterzubrin⸗ genden Getreides nicht auf ſo ſtrengen Grundſaͤtzen beruhen, daß man es noͤthig haͤtte, ein ſolches Verwahrungsgebaͤude nach dieſen Angaben ſo genau bis auf einige Fuß und Zoll abzumeſſen. Denn in geſegneten Ernten wird etwas uͤbriger Raum immer ſehr willkom⸗ men ſeyn. Der uͤber der Tenne befindliche Raum kommt uͤbrigens auch nicht zur Berech⸗ nung, ſondern wird zur Unterbringung der Brachfruͤchte angenommen.. —— Gebaͤude ohne Dachboden, als Getreideſcheunen ꝛc. 107 §. 49. Die ſchickliche Lage der Scheunen bei einem Gehoͤfte erfordert, daß ſie auf einem trocknen, etwas erhoͤhten Boden angelegt werden, damit nicht die Erd⸗ oder andere zufließende Feuchtigkeiten in ſelbige eindringen und das Ge⸗ treide verderben. Um in den Tennen beim Dreſchen und Sichten des Getrei⸗ des einen guten Luftzug zu erhalten, ſollen die Scheunen wo moͤglich mit den langen Fronten gegen Morgen und Abend gerichtet werden, weil von dort her die mehrſten Winde ſtreichen. Auch muͤſſen die Scheunen eine freie Lage ha⸗ ben, damit, ſo wohl vom Hofe als vom Felde, bequem in und durch die Tenne gefahren werden kann. Wenn aber die Lage einer Scheune keine Durchfahrt in beiden Fronten verſtattet; ſo wird, anſtatt des Scheunthors, nach dem Felde eine hinlaͤnglich große Luͤckenoͤffnung angebracht, durch welche ſo wohl die Luft beim Sichten des Getreides gehoͤrig ſtreichen, als auch beim Einfahren die Deichſel des Wagens hindurch reichen, oder wenigſtens nicht das Fachwerk beſchaͤdigen kann. Endlich hat es in wirthſchaftlicher Ruͤckſicht vielen Nutzen, wenn die Scheunen ſo liegen, daß der Landwirth ſie von ſeiner Wohnung uͤberſehen kann, daher ſie wo moͤglich dem Wohnhauſe gegenuͤber ihre Stelle haben ſollten. §. 50. Lage der Scheunen. Die Außenmauern der Scheunen koͤnnen von Holz, mit geſtaktem Verſchieden⸗ oder gemauertem Fachwerk, von Feldſteinen, gebrannten Ziegel⸗ ſteinen, Lehmpatzen, oder aus geſtampfter Erde(Pisé) aufgefuͤhrt werden. Zu den hoͤlzernen Waͤnden iſt es rathſam, etwas ſtarkes Holz zu neh⸗ men, weil ſie ſonſt, wegen ihrer bedeutenden Hoͤhe, von 12 Fuß und daruͤber, durch den Druck des Getreides leicht nach außen hin gebogen, und alſo ſehr ſchadhaft werden koͤnnten. Dieſe Waͤnde muͤſſen uͤbrigens zwei Mahl verrie⸗ gelt, und an den Enden mit Sturmbaͤndern verſehen werden. Nach dem, was uͤber den Bau der hoͤlzernen Waͤnde uͤberhaupt, bereits im erſten Theile dieſes Handbuchs angefuͤhrt worden, wird ein mehreres anzufuͤhren nicht noͤthig ſeyn, als beilaͤufig die Erinnerung, daß die Unterſeite der Schwelle wenigſtens 18 Zoll uͤber dem hoͤchſten Punkt der Bauſtelle(falls ſelbige nicht durchweg wagerecht ſeyn ſollte) gelegt, und uͤberall gehoͤrig untermauert werden muß. Feldſtein⸗Mauern ſchicken ſich vortrefflich zu den Scheunen, indem die Mau⸗ ern dieſer Gebaͤude nicht durch viele Oeffnungen unterbrochen werden, welches O 2 heit der Bau⸗ arten der S. 108 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler die Conſtruction mit Feldſteinen ſehr erleichtert. Die Staͤrke und Dicke der⸗ ſelben wuͤrde bei kleinen Scheunen 2, bei groͤßern aber, und beſonders wenn die Mauern uͤber 12 Fuß Hoͤhe erhalten, 2 ½ Fuß betragen muͤſſen. Ein gleiches gilt in Anſehung der von Lehmpatzen aufzufuͤhrenden Waͤnde der Scheunen, welche wenigſtens eben die gedachte Staͤrke oder Dicke haben muͤſſen. Von der Conſtruction ſo wohl der Feldſtein⸗, als auch der Ziegel⸗, Lehmpatzen⸗ und Pisé⸗Mauern iſt bereits das noͤthige in den vorhergehenden Theilen dieſes Handbuchs und von§. 3 bis 27 dieſes Theils angefuͤhrt worden. Anm. Die, im erſten Theile Seite 290 beſchriebenen, von Herrn Schloͤbach in Vorſchlag ge⸗ brachten Scheunenwaͤnde mit gemauerten Pfeilern und dazwiſchen eingelegten Bohlen ha⸗ ben nur wenig Eingang und Nachahmung gefunden. Vermuthlich, weil es doch mit man⸗ cherlei Beſchwerlichkeiten verbunden iſt, die etwa verfaulten Bohlen aus den Faͤchern her⸗ aus zu nehmen und neue dafuͤr einzubringen. Die leichteſte Bauart der Scheunen iſt wohl diejenige, welche in Polen uͤblich iſt. Eingegrabene, elſene Stangen, welche oben eine Gabel haben, vertreten die Stelle der Stiele; auf dieſen Gabeln liegen andere elſene Stangen, welche die Rahmſtuͤcke der Wand vorſtellen. An dieſe iſt nun ein, ebenfalls aus runden Stangen beſtehendes Sparrwerk (welches auf einem, in der Mitte der Scheune angebrachten Unterzug, der von Gabelſtan⸗ gen unterſtuͤtzt wird, ruhet) anſtatt der Zapfen und Zapfenloͤcher mit Weidenruthen befeſtigt, und das Fachwerk zwiſchen den elſenen Stangen iſt in ſaͤmmtlichen Umfaſſungswaͤnden mit Strauch ausgeflochten. Wird nur das mit Stroh gedeckte Dach dicht erhalten; ſo ſind uͤbrigens dieſe leichten Waͤnde eher vortheilhaft als nachtheilig. Denn ſie gewaͤhren einen guten Luftzug fuͤr die Erhaltung des Getreides, und den ſeitwaͤrts anſchlagenden Regen haͤlt das ausgeflochtene Fachwerk hinlaͤnglich ab. Warum ſollten auch dergleichen leichte Schuppen fuͤr das Getreide nicht hinreichend ſeyn, da man uͤberall einen guten Luftzug fuͤr das Getreide verlangt, und in England faſt gar keine Scheunen hat, ſondern das Getreide frei auf dem Hofe, in Haufen(Feimen oder Diemen genannt) aufſtellt? §. 351. Die Mauern der Scheunen moͤgen von Holz oder Fachwerk, von Stei⸗ nen oder maſſiv, oder von geſtampfter Erde(Pisé) aufgefuͤhrt werden, ſo iſt werkverbun die Balken- und Sparreneintheilung, nach Maßgabe des anzuwendenden De⸗ denen Scheu⸗ ckungs⸗Materials, immer dieſelbe. Anm. Leider find die gewoͤhnlichen Stroh⸗ und Rohrdaͤcher die gebraͤuchlichſten; denn Ziegel⸗ daͤcher ſind koſtbar. Da nun aber auch, beſonders bei Scheunen einfache Ziegeldaͤcher am wenigſten rathſam ſind, weil ſie Schnee und Regen leicht durchlaſſen, und die Reparatur der Ziegeldaͤcher auf dem Lande ſo beſchwerlich iſt; warum ſteht man denn wohl noch an, wenigſtens bei Scheunen, die den groͤßten Reichthum des Landmanns enthalten, da uͤberdieß eine Rettung der Garben bei einer entſtehenden Feuersgefahr faſt unmoͤglich ſ Gebaͤude ohne Dachboden, als Getreideſcheunen ꝛc. 109 iſt, die in Hinſicht auf Feuerabhaltung erprobten Lehmſchindel⸗Daͤcher allgemein einzu⸗ fuͤhren? Von den hoͤlzernen Waͤnden und deren Verbindung iſt ſchon im erſten Theile§. 149 gehandelt und dabei unter andern geſagt worden, daß die Zu⸗ ſammenſetzung, oder das Stoßen der Schwellen allemahl unter einem Wand⸗ ſtiel zutreffen muͤſſe. Anm. Hierin hat mir unter andern der Zimmermeiſter, Herr Leideritz, in ſeiner Anlei⸗ tung zur Zimmermannskunſt, Deſſau 1300 im erſten Theil, und der Architekt, Herr Sturm, in ſeinen Bemerkungen uͤber die niederdeutſche Landbaukunſt, Ber⸗ lin 1806, widerſprochen. Sie behaupten naͤhmlich, daß der Stoßpunct der Schwellen durch den Stielzapfen noch mehr geſchwaͤcht werde, und daher das Zuſammenſtoßen nur zwiſchen zwei Stielen ſtatt finden muͤſſe. Mit gebuͤhrender Achtung vor dem Verdienſte dieſer Maͤnner beziehe ich mich jedoch wieder auf das, was ich in dem angefuͤhrten§ des erſten Theils ſchon geſagt habe, daß naͤhmlich, wenn das Fundament gut und tuͤchtig gemacht iſt, die Stiele ſogar ohne Schwelle, und nur mit einem, nahe an ihrem Fuße eingeblatteten Riegel(wie hier in Berlin bei tuͤchtiger Arbeit gut conſervirte Beiſpiele vorhanden ſind) auf das Fundament geſetzt wer⸗ den koͤnnten. Warum ich jedoch dazu nicht gerathen, das liegt bloß darin, weil man auf dem Lande nicht immer ſo gute Arbeit erwarten darf. Indeſſen beweiſen doch dergleichen Beiſpiele, daß die Wandſchwellen hauptſaͤchlich nur die Fluchthaltung der Stiele bewirken ſollen, und daß, wenn auf jedem Stoße das obere Blatt der Schwelle etwas ſtaͤrker, als das untere gemacht, und der Stoß durch einen darauf ſtehenden Stiel feſt auf einander gehalten, ja ſogar geankert wird,(und wenn dieß ganz in der Naͤhe der Bundſtiele, oder der Mittel⸗ und Scheidewaͤnde geſchieht) dadurch die Fluchthaltung der uͤbrigen Stiele, folglich der Zweck der Schwellen beſſer erreicht wird, als wenn der Stoß zwiſchen zwei Stiele trifft. An den Ecken der hoͤlzernen Gebaͤude, naͤhmlich unter den Hauptſtielen der⸗ ſelben iſt ja dieß ohnehin nicht zu vermeiden. Eben dieß iſt auch der Geſichtspunct, aus welchem ich die Sache betrachtete, indem ich, die Schwellen ſogar nur von ſtarkem Halbholz zu machen vorſchlug, wovon ich gleichfalls ſehr viele, gut conſervirte Beiſpiele anfuͤhren koͤnnte. Daß aber das Stoßen der Schwellen nicht unter den Thuͤrſtielen, oder in ihrer Naͤhe, auch nicht in der Thuͤre ſelbſt geſchehen muß, iſt eine Hauptregel, die ich ebenfalls angerathen habe, und worauf auch Herr Leideritz ſehr aufmerkſam macht. In der Regel werden in den Thuͤroͤffnungen die Schwellen um etwas ausgeſchnitten, weil ſonſt entweder der Tritt uͤber dieſelben hinweg zu hoch ſeyn wuͤrde, oder die Schwellen ganz verfuͤllt werden muͤßten. Dieſes Aus⸗ ſchneiden muß jedoch nicht zu tief geſchehen, und muß die Schwelle nicht zu ſehr verſchwaͤcht, noch weniger ganz heraus geſchnitten werden, wenn nicht die Nothwendigkeit ſolches ſchlechterdings fordert. Da aber die hoͤlzernen Schwellen moͤglichſt hoch uͤber der Erde liegen ſollen, um das Verfaulen der⸗ ſelben beſſer zu verhindern; ſo muͤſſen vor den Hausthuͤren einige Stufen angelegt werden. Vor den Einfahrts⸗Thorwegen, beſonders der Scheunen, dieſerhalb hohe Auffahrten oder Appreillen anzulegen, wuͤrde unzweckmaͤßig 110 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler ſeyn; daher hier die vorgedachte Nothwendigkeit eintritt, die Schwellen in den Thorwegen ganz heraus zu ſchneiden. Dieſes Ausſchneiden der Hauptſchwellen muß aber ſehr ſorgfaͤltig, und auf folgende Art geſchehen. Mit dem Tennenboden in der Wange wird eine beſondere Schwelle c Fig. 75 gelegt, auf welche die beiden Thorwegſtiele aa herunter gehen, und auf welcher ſie eingezapft, auch mit Abweiſern dd, welche zur Verbindung der Schwelle— mit den beiden Stielen beitragen, verſehen werden. Die Hauptſchwelle wird bei bb in die Thorwegſtiele verzapft. Anm. In Betreff der Form und Stellung der Stiele bei Scheunen, gegen den Druck des unausgedroſchenen Getreides, verweiſe ich auf das, was daruͤber im zweiten Theile S. 13 in der Anmerkung, und in Betreff der gehoͤrigen Anfertigung der Fundamentmauern an denſelben, auf das, was im erſten Theile§. 119 bereits geſagt worden, wobei ich hier nochmahls wiederhole, daß die, in einigen Provinzen uͤbliche, zu nahe Zuſammenſtellung der Stiele, wobei ſelbige noch außerdem ſaͤmmtlich von ſehr ſtarkem Ganzholze verbunden werden, wirklich ſehr uͤberfluͤßig und holzverſchwenderiſch iſt. Die Tennenwaͤnde und Giebel muͤſſen ohne Ausnahme mit ſchraͤgen Sturm⸗ baͤndern(nach Fig. 8 B im zweiten Theilh) verſehen, und dadurch Dreiecke ver⸗ bunden werden, welche nach mathematiſchen Grundſaͤtzen unverſchiebbar ſind. Dieſe Tennen⸗ und Giebelwaͤnde, zwiſchen den erwaͤhnten Balken und Schwel⸗ len verbunden, geben dem ganzen Gebaͤude, in Hinſicht auf einen Druck oder Schub gegen die langen Fronten, die eigentliche Steifigkeit und Feſtigkeit; woraus dann abermahls folgt, daß, je laͤnger die Banſen, oder, mit andern Worten, je entfernter dieſe Verbindungspuncte(zwiſchen welchen die Front⸗ waͤnde fuͤr ſich, frey ſtehen) angelegt werden, deſto wandelbarer die Conſtru⸗ ction einer ſolchen Scheune iſt. So wohl wegen des Schubs, den die Sturmwinde vermittelſt der Gie⸗ belflaͤchen dem Gebaͤude zufuͤgen koͤnnen, als wegen des feſten Standes des Gebaͤudes uͤberhaupt, muß auch auf einen tuͤchtigen Verband nach der Laͤnge des Gebaͤudes geſehen werden. Der Laͤngenverband der Scheunen beſteht nur in den Fronten und in denjenigen Baͤndern, welche von den Unterzugſtaͤndern ſchraͤg nach den Unterzuͤgen hinauf gehen. Dieſe letzteren Baͤnder leiſten frei⸗ lich(da ſie ſich nur erſt in einiger Hoͤhe gegen die aufrecht ſtehenden Saͤulen und nicht gegen den Fuß derſelben ſtuͤtzen) nicht viel mehr, als daß ſie den Unterzug unterſtuͤtzen helfen. Deshalb muͤſſen in den Fronten an verſchiedenen Stellen, wenigſtens an den vier Enden derſelben, eben ſolche, ſchraͤg von der Schwelle bis in das Rahmſtuͤck hinauf gehende, ſo genannte Sturmbaͤnder, wie oben bei den Tennenwaͤnden erwaͤhnt worden, angebracht werden. Dieſe Gebaͤude ohne Dachboden, als Getreideſcheunen ꝛc. 111 Baͤnder ſind bei Scheunen, deren Faͤcher nur ausgeſtakt und gelehmt werden, allemahl unentbehrlich, dagegen bei Scheunen, deren Faͤcher ausgemauert werden, nur ſo lange, bis die Faͤcher ausgemauert ſind, nothwendig, weil nachher ein ausgemauertes, quadratiſches Fach unmoͤglich in die Rautenform verſchoben werden kann. Anm. Ueber die eigentlich zweckmaͤßige Stellung aller ſolcher Sturmbaͤnder ſind ſchon ver⸗ ſchiedentlich Zweifel aufgeworfen worden, ob ſie naͤhmlich nach Fig. 76 in der Stellung ab, oder in der Stellung cd ſtehen muͤſſen. In der Hauptſache duͤrfte es ziemlich gleich⸗ gultig ſeyn, da in beiden Faͤllen unverſchiebbare Dreiecke entſtehn, und das Band an dem einen Ende dem Schub entweder an demſelben, oder doch an dem andern Ende wider⸗ ſtrebt. Wenn indeſſen doch daruͤber etwas beſtimmt werden ſoll, ſo halte ich dafuͤr, daß, da die Kraft der Sturmwinde eher den obern Punkt b, als den untern Punkt c auf der Schwelle in Bewegung zu ſetzen ſtrebt, es doch wohl zweckmaͤßiger ſeyn duͤrfte, die Gegen⸗ ſtrebung oben am Anfallspunkte, folglich das Band in der Richtung ab, als in umgekehr⸗ ter Stellung cd anzubringen, wo naͤhmlich der angegriffene Punkt b am entgegen geſetz⸗ ten Ende der Wand, durch das an dieſem Ende nach oben entgegen ſtrebende Band, Wi⸗ derſtand findet, und auch der, im erſten Theile Seite 286 gezeigte Nachtheil eintritt, daß das Stirnholz der Schwelle bei c, durch die nahe zuſammen ſtehenden Zapfenloͤcher des Bandes und des Eckſtiels zu ſehr geſchwaͤcht wird. Im Dachverbande waͤre, nach dem, im zweiten Theile Seite 50 ange⸗ fuͤhrten mathematiſchen Grundſatze eigentlich kein Verband nach der Tiefe nothwendig, wenn ſelbiger nicht zugleich die Sparren gegen den Druck der Eindeckung in der Mitte ihrer Laͤnge unterſtuͤtzen muͤßte. Eben daſelbſt iſt ferner Seite 51 in der Anmerkung geſagt worden, daß, wenn die Kehlbalken weggelaſſen und dagegen die Stuhlſaulen mit ihren Raͤhmen ſchraͤg unter die Sparren(wie in Fig. 77) geſtellt werden, zu viel Bodenraum fuͤr das Gehen auf demſelben verlohren gehen wuͤrde, auch nicht in jedem Gebaͤude die Mitte des Balkens dazu hinlaͤnglich unterſtuͤtzt iſt. Alle dieſe Bedenklichkeiten finden in einem Scheunenverbande von nicht mehr als 36 Fuß Tiefe nicht ſtatt. Es wird darin auf keine beſondere Benutzung des Bodens zum Gehen ge⸗ rechnet, und der Balken iſt genau in ſeiner Mitte unterſtuͤtzt. Daher in einem ſolchen Scheunendache der Kehlbalken fuͤglich erſpart werden kann, ohne den, vermittelſt der Raͤhme und des Dachſtuhls beſtehenden Laͤngenverband im mindeſten zu ſtoͤren. 6. z2. Um den Schub derjenigen Sparren, welche auf Stichbalken ſtehn, fuͤr Auswechſe⸗ lung d. Bal⸗ die Wechſel, in welche die letztern verzapft ſind, unſchaͤdlich zu machen, und ken mithin noch mehr fuͤr den lothrechten Stand der Frontwaͤnde in den Scheu⸗Scheunen. Vom Bau maſſiver Scheunen. 112 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler nen zu ſorgen, koͤnnen die Wechſel entweder nach Fig. 78 A etwas ſeitwaͤrts geſprengt, oder nach Fig. 78 B mit ſchraͤgen Strebebaͤndern aa verſehn wer⸗ den. Der Nutzen iſt ohne weitere Beſchreibung deutlich; nur iſt noch das zu bemerken, daß die erſtere Art Fig. A fuͤr diejenige Verbindung, wo die Balken nur 4 Fuß aus einander, folglich drei Stichbalken in einem Wechſel liegen, dagegen die andere Art Fig. B fuͤr eine Balkenweite von 5 Fuß, aus leicht einzuſehenden Urſachen, am anwendbarſten iſt. Anm. In den verſchiedenen, uͤber die Baukunſt vorhandenen Schriften, unter andern in Hrn. Meinert's landwirthſchaftlicher Bauwiſſenſchaft, und an mehrern Orten fin⸗ det man wohl in der Wirklichkeit verſchiedene andere Verbindungen der Scheunen mit langen, von unten herauf gehenden Verſtrebungen, ſo auch die Anwendung der, im zwei⸗ ten Theile Seite 129 und 133 beſchriebenen Krubſaciusſchen Daͤcher und der Holfter⸗ ſcheunen. Allein die Erfahrung lehrt, daß die, hier beſchriebene, ſimple Bauart der Scheunen mit gehoͤrigen Unterzuͤgen und doppeltem, ſtehendem Dachſtuhl, wenn ſonſt alles gehoͤrig angefertigt worden, bei wenigerm Holzaufwande dennoch hinlaͤngliche Feſtigkeit gewaͤhrt. §. 53. Beim Bau maſſiver Scheunen von gebrannten Mauerſteinen, Feldſteinen oder Kalkſteinen ꝛc. gilt alles das, was bereits in den beiden erſten Theilen, desgleichen hier§. 3 bis 27 erwaͤhnt worden, und iſt nur noch zu bemerken, daß eine Scheune von 36 bis 38 Fuß Tiefe eine Staͤrke der Front⸗ und Endgiebel⸗Mauern von zwei Steinen, oder aus Feldſteinen von 2 Fuß, und darnach die erforderliche Fundamentsſtaͤrke erhalten muß. Scheunen einer noch groͤßern Tiefe muͤſſen um deswillen ſtaͤrkere Fronten und Endgiebel er— halten, weil dieſe Gebaͤude ohne Scheidewaͤnde ſind, und folglich die Front⸗ mauern bei ihrer anſehnlichen Hoͤhe in ſehr großen Abſtaͤnden frei ſtehen. Die innern Scheidegiebel zur Abtheilung der einzelnen Scheunenraͤume ſind, wenn die Tiefe des Gebaͤudes nicht uͤber 36 Fuß betraͤgt, 1½ Stein, vom Fundamente bis zur Dachſpitze, ſtark genug. Findet dieß ſtatt, ſo muß ang jeder Seite ein Balken mit ſeinem Dachgebinde gelegt werden. Daher fuͤhren einige, um ein Gebind neben ſolchem Giebel zu erſparen, die maſſive Mauer nur bis unter den Balken herauf, legen darauf einen Balken und verbinden darauf den Dachgiebel von Fachwerk, wobei aber die Feuerſicherheit nicht ſo, wie bei ganz maſſiven Giebeln beobachtet wird. Die Tennenwaͤnde werden in jedem Falle nur aus Holz verbunden. Iſt eine maſſive Scheune im Lichten wenigſtens 14 Fuß hoch; ſo kann der Thorweg, ohne Beeintraͤchtigung des Einfahrens, noch ordentlich, und zwar in Gebaͤude ohne Dachboden, als Getreideſcheunen ꝛc. 113 in Einem Zirkelſtuͤcke uͤberwoͤhbt werden. Iſt aber die Hoͤhe geringer, ſo daß durch das Ueberwoͤlben der Thorweg fuͤr einen beladenen Erntewagen zu nie⸗ drig ausfallen duͤrfte; ſo kann derſelbe mit einem Sturz⸗ oder Latteholze um ſo eher bedeckt werden, da nichts weiter, als die Balken darauf ruhen. Je⸗ doch muͤſſen dieſe Sturzhoͤlzer wegen ihrer langen, freien Lage wenigſtens 12 Zoll hoch und 10 bis 11 Zoll ſtark ſeyn, und um etwa 2 bis 3 Zoll von der aͤußern Flaͤche zuruͤckgelegt, auch in eben ſolcher Tiefe an beiden Seiten in die Mauern-Falze eingemauert werden, um dadurch einen Anſchlag fuͤr den Thorweg zu erhalten. Zuweilen wird an maſſiven Scheunen in der Balkenhoͤhe ein Geſims ge⸗ mauert. Wenn aber uͤber dem Thorwege ein Latte⸗ oder Sturzholz liegt, wird der Lauf des Geſimſes dadurch unterbrochen; daher es in ſolchen Faͤllen ſchicklicher iſt, gar kein gemauertes Geſims, ſondern nur ein ſimples Stirn— brett an ſaͤmmtliche Balkenkoͤpfe zu machen. Soll eine Scheune von vorbeſchriebenen Dimenſionen aus Lehmpatzen erbaut werden; ſo muͤſſen die Einſchließungsmauern zwei Lehmpatzen, d. i. (nach Theil I. Seite 27) 2 Fuß ſtark ſeyn. Hiernach richtet ſich die Staͤrke des Fundaments, wie ſolches bereits im erſten Theile, und, in Betreff des uͤbrigen Verfahrens bei den Lehmmauern, hier unter dem Artikel Pisé- Mauern erwaͤhnt worden. Die Scheidegiebel zur Abtheilung der einzelnen Scheunen, innerhalb eines ſolchen Gebaͤudes von Lehmſteinen, wuͤrden entweder vom Fundamente bis zur Dachſpitze(wegen ihrer Hoͤhe) eben ſo ſtark, als die Fronten, oder vom Fundament bis zum Balken 1 ½ Fuß ſtark ſeyn und darauf ein Dach⸗ giebel von Fachwerk, oder auch die ganzen Giebel von Fachwerk gemacht werden muͤſſen. In beiden letztern Faͤllen geht aber der Vortheil maſſiver Brandgiebel verlohren, welcher doch bei langen Scheunengebaͤuden ſo weſent⸗ lich iſt. Die Ecken der aus Lehmſteinen erbauten Gebaͤude, oder auch die Ein⸗ faſſung an den Thorwegen von gebrannten Steinen zu machen, hat wegen der leichten Beſchaͤdigung der Lehmmauern einen weſentlichen Nutzen, und iſt davon unter dem Artikel Pisé ſchon Erwaͤhnung geſchehn. Am beſten aber wird dieß bei Mauern von Luftziegeln gelingen, mit welchen die gebrannten Steine am leichteſten verbunden werden koͤnnen. Die Thorwege in Scheunen von Lehmpatzen zu uͤberwoͤlben, wuͤrde wegen ihrer großen Breite nicht anraͤthlich ſeyn. Es muͤſſen daher ſolche, P 114 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler wie vorgedacht, mit einem breiten, oder beſſer, mit zwei neben einander liegen⸗ den Sturz⸗ oder Lattehoͤlzern von vorerwaͤhnter hinlaͤnglicher Hoͤhe belegt werden. Eben ſo koͤnnen die Haken zum Einhaͤngen der Thorwege in Lehm— mauern nicht ihre hinlaͤngliche Feſtigkeit erhalten; daher es nothwendig iſt, in jedem Thorwege oder jeder Thuͤre nach Fig. 33 ein verſchwelltes und ver⸗ riegeltes Geruͤſte, welches mit den obern Lattehoͤlzern verzapft wird, anzu⸗ bringen. Zwiſchen den beiden Schwellen des Geruͤſtes kann der Raum mit Feldſteinen ausgepflaſtert werden. Ferner iſt es bei Lehmmauern nothwendig, uͤberall, wo groͤßere Oeffnun⸗ gen, Behufs der Luftzuͤge, angelegt werden ſollen, ordentliche Zargen von ſchwachem Kreuzholz, mit hinlaͤnglich langen Ohren und Vertiefungen(ſiehe Theil I. Fig. 135) zur Befeſtigung derſelben anzubringen. Endlich iſt in Betreff der aͤußern Schlußgiebel noch zu bemerken, was 1 bereits im erſten Theile Seite 275 Fig. 160 erwaͤhnt worden, daß, weil ganz bis in die Dachſpitze hinauf gehende Giebel von Lehmſteinen nicht haltbar ſind, ſolche oberhalb gewoͤhnlich von Fachwerk gemacht und mit dem, Fig. 160 daſelbſt angegebenen Schlaggebrett verſehen werden muͤſſen. Es kann aber der Dachgiebel auch von ausgemauertem, und mit einem halben Stein maſſiv verblendetem Fachwerk gemacht werden, wenn auch unten der ſtaͤr⸗ kere Giebel ganz von Lehmpatzen, oder noch beſſer gleichfalls von Luftſteinen mit einer Verblendung von ½ Stein gebrannter Steine gemacht waͤre. Von der Bauart der Scheunen aus geſprengten Feldſteinen iſt das hin⸗ laͤngliche bereits§. 6 geſagt worden. §. 54. Von Anferti⸗ Ein guter, feſter und ebener Tennenboden iſt in Scheunen einer der gung d. Ten⸗ vorzuͤglichſten Gegenſtaͤnde, weil ſonſt das Getreide nicht rein ausgedroſchen Scheun⸗ werden kann. Die Anfertigung derſelben iſt verſchieden. Sie werden ſo wohl fluren. aus Bohlen, als auch aus Lehmſchlag gemacht. Erſtere ſind wohl nicht an⸗ zurathen, weil ſchon die Dielen in einem Zimmer, in welchem doch die Zug— luft nicht ſo anhaltend ſtreicht, vollends die Bohlen einer Tenne, uͤber welche die Zugluft abſichtlich geleitet wird, gegen das Verwerfen, Nachtrocknen, Aus⸗ einandergehen und Aufreißen, ungeachtet aller kuͤnſtlichen Spuͤndung, nicht geſichert werden koͤnnen, wodurch aber bei einer ſolchen Tenne, welche uͤber⸗ dieß unten hohl verlangt wird, ſehr viel Koͤrner verlohren gehen wuͤrden. Was alſo die Lehmtennen anlangt, ſo werden ſolche wieder auf verſchiedene Gebaͤude ohne Dachboden, als Getreideſcheunen ꝛc. 115 Art gemacht und theilen ſich in ſo genannte trockne und naſſe Tennen. Zu den trocknen Tennen wird naͤhmlich Lehm, welcher mehr thonig als lehmig iſt, in hinlaͤnglicher Quantitaͤt, und zwar in ſeiner natuͤrlichen Erd⸗ feuchtigkeit angefahren, und durch Schlagen und Treten mit den Fuͤßen ſo lange bearbeitet, bis alles wie ein feſter Teig iſt, wobei alle Steine und harte Klumpen heraus genommen, auch allenfalls der Lehm, wenn er ſchon zu trocken geworden ſeyn ſollte, mit einer Gießkanne beſprengt werden muß. Dieſer durchgearbeitete Lehm wird in den Scheunflur 18 Zoll hoch aufge⸗ ſchuͤttet, mit Spaten wagerecht geglichen und geſchlagen, dann aber von einer gehoͤrigen Anzahl Menſchen, mehrere Stunden hinter einander, mit den Fuͤßen, Tritt neben Tritt, gleich und eben getreten, damit keine Hoͤhlen oder Ver⸗ tiefungen weder oben noch durch die ganze Maſſe verbleiben, welche ſonſt Riſſe verurſachen. Hierauf werden ein Paar Bretter auf die Maſſe gelegt, worauf die Leute treten, um mit den Fuͤßen keine Gruben zu machen, und dieſe Leute fangen an einer Seite der Tenne an, mit Pritſchblaͤueln, welche prismatiſche Vertiefungen der Laͤnge nach haben, von oben her alles vermit⸗ telſt des Schlagens zu ebenen, wobei die Arbeiter, auf und mit den Brettern, bis an das andere Ende der Tenne fortruͤcken. Nach dieſer Arbeit bleibt die Tenne 48 Stunden lang ruhig liegen, um ſo zu trocknen, daß der Lehm nicht mehr an den hoͤlzernen Schlaͤgeln kleben bleibt. Hierauf wird der ganze Bo⸗ den eine ganze Zeit lang mit Dreſchflegeln Schlag neben Schlag feſt geklopft und wieder 24 Stunden ruhig gelaſſen. Alsdann faͤngt der Lehm an zu trocknen und Riſſe zu bekommen, worauf wieder mit Dreſchflegeln geſchlagen wird, bis alle Riſſe feſt werden, und in dieſer Art wird nach und nach fort⸗ gefahren, bis ſich gar keine Riſſe mehr zeigen. Nunmehr werden auf eine Tenne, welche auf vorbeſchriebene Weiſe von ungefaͤhr 12 bis 15 Fuhren Lehm geſchlagen worden, etwa 4 bis 5 Eimer Rindsblut*) gegoſſen, und mit einem Beſem eben geſtrichen, worauf ſich das Blut uͤberall gleichfoͤrmig einzieht. Auf das, noch feuchte und zaͤhe Rinds⸗ blut wird eine Karre voll Hammerſchlag geſtreut, welcher feſt getreten und in den folgenden Tagen, alle a4 Stunden eine Stunde lang mit Dreſchflegeln Strich an Strich feſt geſchlagen wird, bis alles recht hart, und in etlichen Tagen nicht das mindeſte Ritzchen zu bemerken iſt. *) Einige nehmen auch, anſtatt des Ochſenbluts, Theergalle. Die ſo genannten naſſen Tennen werden folgender Maßen gemacht. Man grabe den Boden der Tenne etwas uͤber einen Fuß tief aus*), P 2 ff 3 116 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler ebene denſelben und fuͤlle ihn mit kleinen Kieſeln, die gerade und eben ge⸗ harkt oder gerechet, und moͤglichſt feſt zuſammen geſtoßen werden. Ueber die Kieſellage bringe man 4 Zoll hoch trocknen, fetten und klein geſchlagenen Thon, und ſtampfe auch dieſen feſt. Dieſen Boden uͤberſchuͤtte man nach und nach mit, in Waſſer verduͤnntem Thon. Die Feuchtigkeit wird ſich in den untern, trocknen Thon ziehen und den obern leicht verhaͤrten. Hier entſtehen Riſſe und Spruͤnge, die mit vorgedachten Pritſchblaͤueln zu⸗ ſammen geſchlagen werden muͤſſen, und dieſe Arbeit iſt die unentbehrlichſte. Iſt mit moͤglichſter Sorgfalt auf dieſe Art die Tenne geebnet, ohne Riſſe und ziemlich trocken, dann uͤberziehe man dieſe Oberflaͤche mit Rindsblut, wel⸗ ches mit noch einmahl ſo vielem Waſſer und mit dem feinſten Thon ver⸗ miſcht worden, oder nach andern mit Rindsblut, Hammerſchlag und Pferde⸗ urin, oder mit Zuckerwaſſer und Sirup, vermittelſt eines Mauerpinſels, und wenn dieſer Ueberzug trocken geworden, wiederhole man ein ſolches Ueberſtrei⸗ chen noch etliche Mahle, bis ſich keine Riſſe weiter zeigen. *) Das Ausgraben findet uͤbrigens nur da ſtatt, wo hiernaͤchſt die Tenne mit der aͤußern Erd⸗ flaͤche wagerecht, oder doch nur um ein weniges uͤber derſelben erhoͤht ſtehen ſoll. Zur Conſervation der geſchlagenen Tennen gehoͤrt, daß jaͤhrlich vor der Ernte alle etwa entſtandene Vertiefungen oder Abbroͤcklungen mit Rindsblut oder Theergalle und fein geſchlagenen Lehm wieder ausgeglichen, vorzuͤglich aber, daß allemahl beim Einfahren Bretter dahin gelegt werden, wo die Raͤder laͤngs uͤber die Tenne laufen. §. 56. Einiges uͤber Um das Ausdreſchen des Getreides geſchwinder und wohlfeiler, als ſol⸗ Dreſchma⸗ ſchinen. ches auf die gewoͤhnliche Art durch Menſchen mit den ſo genannten Dreſch⸗ flegeln geſchieht, zu bewirken, ſind ſchon unzaͤhlig viele Mittel und Maſchinen ſo wohl in Vorſchlag gebracht, als auch angewendet worden. Schon in den fruͤheſten Zeiten, und noch jetzt in mehrern Laͤndern bediente man ſich der Ochſen und Pferde, um ſie uͤber das ausgebreitete Getreide zu treiben, und daſſelbe ſo mit ihren Fuͤßen austreten zu laſſen. Andere ſpannten dieſe Thiere vor beſonders dazu eingerichtete Wagen von vier bis zwanzig Raͤdern, oder auch vor eine Art von Schlitten, und ließen nicht nur durch die Fuͤße dieſer Thiere, ſondern auch vermittelſt der Wagenraͤder oder der Unebenheiten unter den Schlitten das Getreide aus den Aehren heraus arbeiten. In beiden Faͤl⸗ len war aber die Unbequemlichkeit damit verknuͤpft, daß entweder die Thiere 3 Gebaͤude ohne Dachboden, als Getreideſcheunen ꝛc. 117 jedesmahl, wenn ſie ihren Urin laſſen wollten, heraus getrieben werden muß⸗ ten, oder daß ihre Excremente mit unter das Getreide vermiſcht wurden. Deshalb hat mancher erfinderiſche Kopf darauf geſonnen, mittelſt eigener, von Menſchen, Thieren, Wind oder Waſſer in Bewegung zu ſetzender Maſchinen das Korn aus ſeinen Aehren zu ſchaffen, und dieſe Speculationen werden im⸗ mer noch fortgeſetzt, weil man entweder mit der Wirkung der bisherigen Ma⸗ ſchinen noch nicht uͤberall zufrieden iſt, oder weil man auch die Reinigung des Getreides und deſſen Abſonderung vom Stroh ꝛc. damit verbinden, und doch die Maſchine nicht zu ſehr zuſammen geſetzt, auch nicht zu theuer ma⸗ chen will. Anm. Es wuͤrde mich zu weit von dem Zwecke dieſes Werks abfuͤhren, wenn ich alle die verſchiedenen Maſchinen dieſer Art hier beſchreiben wollte. Um indeſſen doch einige der⸗ ſelben zu erwaͤhnen, will ich ſolche ſo, wie ſie in des Herrn Krüͤnitz„Oekonomiſcher Encyclopaͤdie 9tem Theile“ beſchrieben und in Kupfern dargeſtellt worden, hier kuͤrzlich anzeigen. Die Hauptverſchiedenheiten derſelben laſſen ſich ungefaͤhr folgender Maßen eintheilen, 1) Dreſchmaſchinen mit Dreſchflegeln, 2) mit Stampfen, 3) mit Walzen. Die allererſte Dreſchmaſchine iſt in Curland im Jahre 1670 in Paddern erfun⸗ den, und einige Jahre lang mit Nußen gebraucht worden. Sie war mit Dreſchflegeln verſehen. Da ſelbige aber kurze Zeit nachher durch Verwahrloſung verbrannte; ſo iſt keine naͤhere Beſchreibung derſelben vorhanden. Eine verbeſſerte Dreſchmaſchine wurde im Jahre 1700 im Braunſchweigſchen Amte Ertzen angelegt. Sie beſtand aus einer Welle, an welcher 27 Dreſchflegel befeſtigt und vermittelſt eines Waſſerrades in Bewegung geſetzt wurden. Der gedielte Tennenboden, welcher auf Rollen ruhete, mußte nebſt dem darauf liegenden Getreide nach und nach un⸗ ter die Welle fortgeſchoben werden. Mit dieſer Erfindung haben folgende Maſchinen große Aehnlichkeit: Die vom Doktor Weygang in Goldingen im Jahre 1726 erfundene; die, in einer zu Luͤttich im Jahre 1764 erſchienenen kleinen Schrift, und in Flachet's Unterſuchungen zur Befoͤrde⸗ rung der Kuͤnſte ꝛc. Hamburg 1767 beſchriebene; ſo auch die im Kopenhagener Ma⸗ gazin von Feſter 1762 bekannt gemachte. Bei der letztern aber und bei der zu Lüttich erfundenen Maſchine bleiben die Tennenböden ſtehen, und nur die Maſchinen werden fortgeruͤckt. Im Jahre 1761 erfand der Mechanikus Holfeld zu Berlin eine Dreſchmaſchine, in welcher der Tennenboden rund iſt, und ſo auf einer Spindel ruhend, unter einer, mit Dreſchflegeln verſehenen Walze gedreht wird. Eine ſolche Maſchine iſt auf dem, in hieſiger Gegend befindlichen Graͤflich⸗Podewilsſchen Gute Guſow angewendet worden. Die, von dem Abt des Kloſters Bergen bei Magdeburg Herrn Haͤhn, und die von Wilhelm Evers von Schwillington in der Provinz YVork bekannt gewordenen Dreſchmaſchinen beſtehen, anſtatt der Dreſchflegel, aus mehrern Stampfen, von kubiſch geſtalteten, unten mit tiefen Reifen verſehenen, an Staͤben befindlichen, hoͤlzernen Kloͤtzen. Ferner erfanden Bleichert Trozelius zu Stockholm 1734, und der vorgedachte Abt Haͤhn 1769 eine Art Dreſchmaſchinen, in welchen eine oder mehrere, koniſch geſtal⸗ tete, ſchwere Walzen, welche mit einer, im Mittelpunkte aufrecht ſtehenden Welle verbun⸗ den waren, auf einem Tennenboden dergeſtalt herumliefen, wie ungefaͤhr die Walzen, auf 118 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler welchen die Haube einer hollaͤndiſchen Windmuͤhle ſich drehet. Dieſe Walzen hatten tiefe Reifen, welche bei den meiſten Walzen nach deren Laͤnge, bei einigen Walzen aber auch nach deren Umkreiſe eingeſchnitten waren, um ſo jeden Punkt der Tenne beſſer beruͤhren, und die Koͤrner ausquetſchen zu koͤnnen. Außer den, hier erwaͤhnten Dreſchmaſchinen giebt es noch eine Menge andere, welche aber gewoͤhnlich zu einer der vorerwaͤhnten Klaſſen zu zaͤhlen ſind, und entweder mit Kur⸗ beln durch Menſchen, oder mit einem Trittrade, oder an einem Goͤpel durch Thiere, oder vom Winde, oder vom Waſſer getrieben, und wie gedacht auch zuweilen mit Sichte⸗ oder Reinigungsmaſchinen verbunden worden. Unter andern aber exiſtirt im Amte Balgarden bei Tilſit in Preußen eine Dreſch⸗ maſchine, welche ſich von den vorerwaͤhnten darin unterſcheidet, daß das auszudreſchende Getreide zwiſchen zwei, mit Reifen verſehene, eiſerne, gegen einander laufende Walzen (wie die Hanfkoͤrner in den Handmuͤhlen), durchlaͤuft, wodurch die Koͤrner herausgedruͤckt und ferner durch andere Vorrichtungen vom Stroh und Staube gereinigt werden. Alle Dreſchmaſchinen fuͤhren aber, mehr oder weniger den Uebelſtand mit ſich, daß das Stroh ſaͤmmtlich zerquetſcht und z. B. zum Deckſtroh und der— gleichen untauglich gemacht wird. Zum Futter wird es zwar dadurch vor⸗ theilhafter, indem zuweilen in dem unzerquetſchten Haͤckſelſtroh ſich eine Menge Luft befindet, welche dem Vieh ſehr nachtheilig werden kann. Wenn aber das Stroh nicht bloß zum Fuͤttern verwendet wird, ſo muß alsdann ſo viel von den Garben, als an geradem Stroh, etwa zum Dachdecken und dergleichen erforderlich iſt, durch Menſchen mit Dreſchflegeln ausgedroſchen werden. Ferner fuͤhrt eine Dreſchmaſchine, beſonders von der groͤßern und voll— kommnern Art, die Unbequemlichkeit mit ſich, daß das Getreide aus allen Scheunen nach der Maſchine transportirt werden muß, wodurch nicht nur Zeit, ſondern auch viele Koͤrner verlohren gehen. Es iſt daher dieß eine Erfindung, welche nur da von weſentlichem Nutzen ſeyn kann, wo es ent— weder uͤberhaupt an Leuten zum Dreſchen fehlt, und wo man bei einem ſchleunigen Steigen der Getreidepreiſe in kurzer Zeit viel Getreide ausdreſchen will(denn eine gut eingerichtete Dreſchmaſchine driſcht wenigſtens acht bis zehn Mahl mehr aus, als drei bis vier Dreſcher in der naͤhmlichen Zeit), oder auch, wenn ſo, wie vorzuͤglich in England, das Getreide ohnehin von den im Felde ſtehenden Feimen nach der Dreſchtenne in dichten Kaſten ange⸗ fahren wird. Anm. Da man, wie ich ſchon oben geſagt, die Dreſchmaſchinen noch jetzt immer mehr zu vervollkommnen ſucht, alſo die Erfahrung noch fuͤr keine der bisherigen allgemein ent⸗ ſchieden hat, auch die naͤhere Beſchreibung der vorerwaͤhnten Maſchinen zu viel Raum in dieſem, nicht eigentlich fuͤr Maſchinen geeigneten Werke einnehmen wuͤrde; ſo habe ich von keiner derſelben eine Zeichnung beigefuͤgt. In der Allgemeinen Literaturzeitung vom Jahre 1808 wird„Eine Abbildung und Be⸗ Gebaͤude ohne Dachboden, als Getreideſcheunen ꝛc. 119 n„ſchreibung einer durch Erfahrung erprobten ꝛc. Maſchine, wodurch das Getreide auf eine „ſehr einfache Art, mit geringer Muͤhe und unbedeutenden Koſten, von Wicken und Raden „gereinigt wird, vom Freiherrn von Stadt, 1806. mit Kupfern, und bei Ferſtl in Graͤtz nzu erhalten“ angekuͤndigt, welche von zwei, nur ſchwachen Menſchen in Bewegung geſetzt werden kann. Recenſent meint aber, daß ſie vor den fruͤhern Maſchinen dieſer Art keine Vorzuͤge beſitze. §. 56. Die vorher erwaͤhnten Tennenwaͤnde, welche die Tenne von den Banſen Innerer Aus⸗ trennen, werden ungefaͤhr 5 Fuß hoch von dem Scheunflur herauf, entweder bau der Sch. mit Brettern bekleidet, oder ausgeſtakt und gelehmt. Erſteres, nahmlich das Beſchlagen mit Brettern, ſoll auf Koͤnigl. Aemtern im Preußiſchen Staate, obgleich es das dauerhafteſte iſt, zur Schonung des Bau⸗ und Nutzholzes nicht mehr ſtatt finden; daher das Ausſtaken und Lehmen um ſo mehr ge— waͤhlt werden muß, als eine Ausmauerung derſelben nicht zweckmaͤßig ſeyn wuͤrde, indem ſolche von den Dreſchflegeln gar zu leicht ruinirt werden duͤrfte. Die uͤbrige Hoͤhe der Tennenwaͤnde uͤber der Ausfachung bleibt ganz offen. Gewoͤhnlich wird der Erdboden in den Banſen geebnet, feſt geſtampft und dann, wann das Getreide eingebracht werden ſoll, mit loſem Strauch⸗ werk belegt, damit die erſten Garben einen elaſtiſchen Boden finden, und die Koͤrner nicht ſo leicht ausfallen koͤnnen. Diejenigen Koͤrner, welche deſſen ungeachtet ausfallen, ſind zwar vorzuͤglich zur Saat zu gebrauchen, weil ſie die reifſten ſind. Da aber viele derſelben dennoch auf dem bloßen Erdboden in den Banſen verlohren gehen und eingetreten werden; ſo duͤrfte es wohl nicht verſchwenderiſch, ſondern vielmehr oͤkonomiſch ſeyn, wenn die Banſen⸗ boͤden da, wo beſonders die gebrannten Ziegel in nicht zu hohen Preiſen ſtehen, auf der flachen Seite gepflaſtert, oder auch nur mit einem feſten Lehmſchlage verſehen wuͤrden. §. 57. Daß eine luftige Lage des Getreides demſelben ſehr dienlich iſt, verſteht euftzuͤge in d. ſich wohl von ſelbſt, und deshalb iſt die Anbringung hinlaͤnglicher Luftzuͤge Scheunen. um ſo nothwendiger, je dichter die Einſchließungsmauern oder Waͤnde der Scheunen ſind. Hieraus folgt alſo, daß bei maſſiven Scheunen auf zweck⸗ maͤßige Luftzuͤge mehr, als bei hoͤlzernen Scheunen, durch welche gewoͤhnlich die Luft hie und da beſſer durchdringen kann, Ruͤckſicht genommen werden muß. Bei den hoͤlzernen Scheunen laſſen ſich die Luftzuͤge in den Fronten 120 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler nicht fuͤglich anders, als vermittelſt der gewoͤhnlichen Kreuzloͤcher, anbringen, welche, wenn es fuͤr noͤthig erachtet werden ſollte, gegen das Eindringen der Voͤgel, vermittelſt dichter Drathgitter verwahrt werden koͤnnen. Aber bei maſſiven Scheunen laſſen ſich nicht nur gegen Voͤgel, ſondern auch gegen das Einregnen, Einſchneien und zufaͤlligen Brand ꝛc. beſſere Maßregeln tref⸗ fen, wenn die Luftzuͤge, nach Fig. 79 A oder B*) entweder horizontal oder aufrecht gehend unterbrochen werden. Außerdem koͤnnen die Luftzuͤge auch, nach Fig. 80 A oder B angebracht werden, welche letztere beſonders nicht nur dem Verband der Mauer nicht ſchaden, ſondern auch gar nicht uͤbel aus⸗ ſehen. *) Fig. A iſt im Grundriſſe, und Fig. B im Profil vorgeſtellt. Andere laſſen an ſolchen Scheunen, welche kein gemauertes Geſims ha— ben, ſondern deren Balken uͤber den Fronten ſchraͤg verſchnitten ſind, entwe⸗ der ganz oder theilweiſe das Stirnbrett an den Balkenkoͤpfen fehlen, und be⸗ wirken dadurch einen Luftzug. Das, was dagegen von einigen erinnert wird, daß naͤhmlich durch dieſe Oeffnungen das Getreide geſtohlen werden koͤnne, verdient wenig Ruͤckſicht, weil es doch wohl zu weitlaͤufig ſeyn wuͤrde, auf dieſem Wege das unausgedroſchene Getreide zu entwenden. Weit mehr hat man die Kornboͤden gegen Dieberei zu ſichern. Die ſo genannten Dunſtzuͤge von Brettern, in Geſtalt der Schornſteine entweder von den Balken oder von den Kehlbalken zum Dache hinaus, ha⸗ ben wohl fuͤr das unausgedroſchene Getreide nicht den großen Vortheil, den einige davon ruͤhmen. Daher ich deren Beſchreibung hier weglaſſe und an ihrem Orte, wo ſie von wahrſcheinlicherm Nutzen ſind, naͤhmlich bei den Viehſtaͤllen, davon ein mehreres erwaͤhnen werde. Anm. Herr Meinert in ſeiner Oekonomiſchen Bauwiſſenſchaft ſchlaͤgt vor, einen hoh⸗ len Raum, etliche Fuß tief unter den Boͤden der Scheunen anzulegen und in der Plinte einige Loͤcher zu laſſen, damit die Katzen in dieſen Raum gelangen und die Maͤuſe vertrei⸗ ben koͤnnten. Mich duͤnkt, daß es dann noch beſſer waͤre, unter den Fußboden gleich ſo tief zu gehen, daß man ſich dieſes Raums zum Aufbewahren der Kartoffeln und anderer Gartengewaͤchſe bedienen koͤnnte. Die Scheunen aber mit ihren Dreſchtennen dieſerhalb oben, im zweiten Stockwerke eines Gebaͤudes, anzulegen, wie ſolches zum Theil in England und in einigen Gegenden Deutſchlands geſchiehet, heißt wohl die Vorſicht zu weit treiben. Bei der bisher angenommenen Breite der Banſen, wo naͤhmlich von dem Scheunflur bei geoͤffneten Thorwegen noch Licht genug hereinfallen kann, bedarf es auch keiner Dachfenſter, welche ohnehin bei oͤkonomiſchen Gebaͤuden dieſer Art eher vermieden als angebracht werden muͤſſen, indem ſie faſt jedes⸗ mahl Gebaͤude ohne Dachboden, als Getreideſcheunen ꝛc. 121 mahl mehr oder weniger zum Eindringen des Regens Gelegenheit geben. Als Luftzuͤge ſind ſie, beſonders bei Ziegeldaͤchern, auch entbehrlich, indem durch dieſe Daͤcher Luft genug hinein ſtreichen kann, und bei dichten Stroh⸗, Rohr⸗ und Lehmſchindel⸗Daͤchern wuͤrde ich eher einige Luftzuͤge durch die Balken⸗Stirnbretter anrathen. Aus dieſen Gruͤnden bedarf es auch keiner gewoͤhnlichen Fenſter in den Umfaſſungsmauern der Scheunen. §. 58. Außer dem§. 55, S. 113 erwaͤhnten Falze, in welchen der Thorweg Conſtruction anſchlaͤgt, muß auch unten in der Mitte des Thorwegs entweder eine Schwelle, dehen oder wenigſtens ein aufwaͤrts ſtehender, eingepflaſterter Feldſtein befindlich ſeyn, gegen welchen der Thorweg anſchlaͤgt. Iſt eine Schwelle vorhanden, ſo kann der Thorweg unten und oben mit Riegeln, und in der Mitte mit einem Schloſſe verſehen ſeyn. Iſt aber nur ein Feldſtein zum Gegenſchlagen des Thorwegs unten vorhanden, ſo muß der Thorweg einen ſo genannten Schwen⸗ gel erhalten, und vermittelſt deſſelben befeſtigt und verſchloſſen werden. Ein ſolcher Schwengel wird uͤbrigens auch wohl da angebracht, wo außer demſel⸗ ben der Thorweg unten und oben mit eiſernen Riegeln verſchloſſen werden koͤnnte. Die Thorwege und Thuͤren brauchen in dieſen Gebaͤuden nur vom Zim⸗ mermann, alſo von ungeſpundeten oder geſpundeten, etwa auch gehobelten Brettern, und mit aufgenagelten Leiſten gemacht zu werden; wobei jedoch zu merken iſt, daß, wenn bei aa Fig. 81 die Baͤnder und Haken ſind, die Lei⸗ ſte b in der Richtung od und nicht in der Richtung ek aufgeſtellt werden muß, weil ſolche in erſterer Art zugleich eine Steife gegen die Verſackung des Thorwegs iſt. Ein jeder Thorweg⸗Fluͤgel von der Hoͤhe, wie zu Scheunthoren noͤthig iſt, wuͤrde beſſer drei Baͤnder erhalten, wovon die oberen mit Haken, und die unteren mit ſo genannten Zapfen verſehen ſind. Die gewoͤhnlichen Baͤnder mit ihren Haken bei hoͤlzernen Thorwegsſtielen ſind im 2ten Theil Fig. 342 P beſchrieben worden. Naͤhmlich die Haken in maſſiver Mauer haben Anker, welche mit eingemauert werden; bei den Haken in hoͤlzernen Stielen aber waͤre noch anzurathen, die Hakenſpitzen nach Fig. 32 durch den Stiel hindurch gehen und inwendig mit einem Splint verſehen zu laſſen. In Betreff der Zapfenbaͤnder iſt noch folgendes anzufuͤhren. In das Fundament wird um einen Theil unter dem Thorweg⸗Pfeiler ein Wuͤrfel a Q9 122 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler Fig. 83 von feſteſtem Sand⸗, Feld⸗, oder gutem Kalkſtein, etwa 10 Zoll im Quadrat groß, welcher der Pfannenſtein heißt, dergeſtalt eingemauert, daß er nur etwa 2 bis 3 Zoll uͤber der Erdflaͤche oder Thorwegs⸗Schwelle vorſteht. In der Mitte dieſes Steins iſt eine Vertiefung, in welche eine ſtaͤhlerne Pfanne, die etwa eine, ½ bis 1 Zoll große Vertiefung und 1½ Zoll im Durchmeſſer zur Breite hat, eingelaſſen und mit Blei feſt vergoſſen wird. In dieſer Pfanne ſteht der Kegel des Zapfenbandes, wie aus der Figur deutlich zu erſehen iſt. Anm. Das Holz b in Fig. 33 bedeutet die Schwelle, wie ſolche in Fig. 75 mit demſelben Buchſtaben bezeichnet iſt. Außer dieſer Art, die Thorwege einzuhaͤngen, giebt es noch eine, bei Scheunen von Fachwerk gewoͤhnliche Art, mit hoͤlzernen Pfannen ꝛc., welche folgender Maßen angefertigt wird: Wenn in Fig. 84 A, B, C und D aaa der Thorweg⸗Stiel iſt, ſo wird durch denſelben, oben bei b, ein von zaͤhem und feſtem Holze verfertigter Ring, mit ſeinem ſtarken Zapfen durchgelocht und inwaͤrts bei o mit einem Keil feſt⸗ gekeilt. Unten wird ein aͤhnlicher Zapfen durch den Stiel befeſtiget; jedoch bildet der untere eine ordentliche Pfanne d, worin der Zapfen von dem Hin⸗ terſtuͤcke e des Thorweg⸗Fluͤgels ſich dreht. Dagegen iſt oben nur ein ſimpler Ring, durch welchen hindurch der Zapfen vom Hinterſtuͤcke e des Thorweg⸗ Fluͤgels ſteckt, daher der obere Theil ein Halsband, der untere aber eine Pfanne heißt. Auch von Eiſen macht man zuweilen den Beſchlag in aͤhnlicher Art, in⸗ dem man oben und unten durch den Stiel Ringe nach Fig. 35 A durchlocht und inwaͤrts mit einem eiſernen Splint verſieht. Oder man ſchlaͤgt unten an der Schwelle und oben am Rahm Fig. 835 B dergleichen runde Buͤgel mit Krammen und Naͤgeln an, worin der Thorweg⸗Fluͤgel alsdann ſo wohl unten als oben mit durchgehenden Zapfen ſich dreht. Da die oben gedachten, hoͤlzernen Halsbaͤnder vielleicht nicht immer zu haben ſind, oder von einigen nicht fuͤr ſicher genug gehalten werden; ſo macht man auch unten die hoͤlzernen Pfannen und oben die eiſernen Halsbaͤnder. §. 59. Schenen Der Koͤnigl. Preußiſche Ober⸗Baudirector, Herr Trieſt, hat in einer ebäaude..... Geſtat der kleinen Schrift:„Anleitung zu einer holzerſparenden, raumgewin⸗ Feimen.„nenden und wohlfeilen Conſtruction der Scheunen. Berlin, Gebaͤude ohne Dachboden, als Getreideſcheunen ꝛc. 125 „im Induſtrie⸗Comtoir 1808.“ einen Scheunverband entworfen, wel⸗ cher durch folgende, von dem verdienſtvollen Oekonom, Herrn Geheimen Rath Thaͤr, ihm aufgeworfene Frage veranlaßt worden:„ob nehmlich ſich nicht „zwiſchen den hier uͤblichen Scheunen und den bekannten Feimengeruͤſten eine „andere Conſtruction, als mittleres Verhaͤltniß, angeben laſſe, wobei, außer „der Wohlfeilheit und der Holzerſparung, der fuͤr Scheunen ſo noͤthige Luft⸗ „zug und die Dauer bezweckt wuͤrde, und ob hierzu die Form der Taſſe nach „einem Polygon die zweckmaͤßigſte ſeyn duͤrfte?“ Die Aufloͤſung dieſer Frage giebt nun Herr Ober⸗Baudirector Trieſt durch folgende Conſtruction: Die beiden Taſſe oder Banſen(wovon in Fig. 36 A, B, C, D die Haͤlfte vorgeſtellet iſt) bilden, jedes fuͤr ſich, ein zwoͤlfſeitiges Polygon, wovon die Linie cd Fig. A zwei Seiten in eine gerade Linie zuſammen zieht, vermittelſt welcher Breite die Tenne H mit den Banſen verbunden iſt. Das Ganze jedes Taſſes bildet bis unter das Dach eine abgeſtumpfte pyramidaliſche Form, 24 Fuß hoch, welche von oben nach unten, an allen Seiten 3 Fuß Doſſi⸗ rung, und im untern Durchmeſſer 44 Fuß Tiefe hat. Der Zwiſchenbau H zur Tenne zwiſchen zwei Banſen iſt 32 Fuß lang, 22 Fuß tief, mit gleich⸗ falls ſchraͤg ſtehenden Umfaſſungswaͤnden, und bis unter das Dach 15 Fuß hoch. Der innere Raum einer jeden Banſe iſt ganz frei, weshalb das Getreide darin, wie in einem Feimen, pyramidaliſch gepackt wird, und, damit der noͤ⸗ thige Luftzug darin nicht mangele, ſollen nur die beiden unteren Faͤcher aus⸗ gemauert oder ausgeſtakt, die obern zwei Reihen Faͤcher aber mit Flechtwerk von Weiden gleichſam vergittert werden. Anm. Wenn das Ausflechten der Faͤcher in den Scheunen, in Hinſicht auf Regen und Voͤgel, nicht getadelt wuͤrde; ſo koͤnnte ſolches bei den geraden Waͤnden der gewoͤhnlichen Scheu⸗ nen mit demſelben Nutzen geſchehen. Der Architect, Herr Louis Catel, macht in einer kleinen Schrift:„Guter Rath „fuͤr denjenigen Landmann, welcher durch die Folgen des Krieges ſein „Wohnhaus, ſeine Staͤlle und Scheunen eingebuͤßt hat. Berlin, bei Brau⸗ „nes 180⁰8.“ den Vorſchlag, die Außenwaͤnde der Scheunen mit halb aufgetrennten Schwarten oder Schalen, in 6zoͤlligen Entfernungen zu bekleiden. Bei allen dieſen Vor⸗ ſchlaͤgen iſt aber entweder die Feuerſicherheit oder Holzerſparung nicht genug beruͤckſichtigt, und es iſt jedesmahl vorausgeſetzt, daß das Getreide, wie in einem Feimen, mit den Aeh⸗ ren nach einwaͤrts gepackt werden muß, wenn naͤhmlich der Regen oder die Voͤgel keinen Schaden verurſachen ſollen. Das Fundament bedarf einer Staͤrke von 3 ½ bis 4 Fuß, und die Plinte, welche außerhalb eckig iſt, innerhalb aber eine zirkelrunde Form bildet, iſt zu Q 2 124 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler 3 Fuß Staͤrke, und zu 1 ½ Fuß Hoͤhe uͤber der Erde angenommen. Auf die⸗ ſer Plinte werden die langen Schwellen ba, a f, etc. Fig. A, und auch die V kurzen Schwellen nes, ot, eto. gelegt und mit einander uͤberſchnitten. Um 1 den innern Enden der kurzen Schwellen s, t, etc. ein feſtes Auflager zu ge⸗ ben, ſollen daſelbſt Pfaͤhle p Fig. C, mit der Handramme in die Erde geſchla⸗ gen werden, und um den Wanden einen feſten Stand zu geben, ſoll die V Plinte zwiſchen den Schwellen, bis unter den erſten Riegel a hinauf gemauert, und, von den kurzen Schwellen aus, ſollen ſchraͤge Streben x, innerhalb ge⸗ gen die Stiele geſtellt werden. 3 Auf den 11 bis 12 Zoll ſtarken und 3 Zoll breiten eilf Hauptſtielen eines Taſſes wird das Dachwerk folgender Maßen verbunden. Starke Baͤnder s Fig. 36 C und E, gehen von den Wandſtielen zu den Sparren hinauf, und kurze Stichbalken t, aus ſo genanntem Halbholze, wer— den auf einiger Laͤnge von dieſen Baͤndern bis zur Vorderkante u, auf beiden Seiten bis auf 3 Zoll ihrer Dicke abgearbeitet, und ſo wohl durch die Baͤn⸗ der s, als durch die Stiele durchgelocht. Hinter den Baͤndern s nach innen behalten dieſe Stichbalken auf ungefaͤhr 2 Fuß ihrer Laͤnge ihre volle Halb⸗ holz⸗Staͤrke, auf welche Vorſpruͤnge der Stichbalken ein runder Kranz(wie ein Bohlenſparren, aus doppelten 1 ½ Zoll ſtarken Brettern gearbeitet), welcher in Fig. B zu ſehen iſt, gelegt und feſt angebolzet wird. Dieſer Kranz widerſteht dem Schub ſaͤmmtlicher, aus zweizoͤlligen Boh⸗ len beſtehender Sparren, welche ſo wohl in den Baͤndern s und in den Haupt⸗ ſtielen in ſo genannten Schlitzzapfen ruhen, als auch auf den, 3 Zoll dicken Stichbalken feſt genagelt ſind. Die Hoͤhe des Dachs, von den Balken bis in die Spitze, betraͤgt in den Banſengebaͤuden nicht mehr als 9 Fuß, und ſaͤmmtliche zwoͤlf Sparren laufen, in der Spitze, mit verſetzten Zapfen in einen ſo genannten Kaiſerſtiel x Fig. 36 F und G zuſammen, welcher letztere dann noch mit einer runden, etwa 4 bis 5 Fuß im Durchmeſſer breiten, aus Brettern zuſammen geſchla⸗ genen Bedeckung verſehen wird. V Soll das Dach mit Brettern gedeckt werden, ſo ſind dieſe zwoͤlf Stuͤck, unten 9 Fuß aus einander ſtehende Sparren hinreichend; ſoll aber die Ein⸗ deckung mit Stroh oder Rohr geſchehen*), ſo muß zwiſchen jedem Paar die⸗ ſer Sparren noch ein Sparren auf folgende Art angebracht werden. Auf den Riegel m Fig. E, C und D wird ein Stiel geſetzt, der mit einem Balken, ſo wie mit ſeinem Sparren, wie vorher gedacht iſt, verbunden wird. Damit Gebaͤude ohne Dachboden, als Getreideſcheunen ꝛc. 125 aber der Riegel m die Laſt des Sparrens ꝛc. nicht allein zu tragen erhaͤlt, muß dann noch eine Bohle v Fig. E von einem Hauprſtiel zum andern, und in dieſelben, ſo wie auch in den Zwiſchenſtiel, eingelaſſen und befeſtigt werden. *) Da nach dieſer Beſchreibung das Dach nur etwas mehr als„† der Tiefe zur Hoͤhe hat; ſo wuͤrde ich nur zu einer Bretterdachung rathen. Eine Bedachung von Rohr oder Stroh, in welcher jeder eingedeckte Halm noch um vieles flaͤcher liegt, duͤrfte den Regen zu lange aufhalten, wodurch derſelbe leicht eindringen, wenigſtens das Stroh ſehr bald zerſtoͤren moͤchte. Die Balken in dem vom Gebäude vorſtehenden Theile des Dachs wer⸗ den mit duͤnnen Schlethoͤlzern, nach Art der geſtreckten Windeldecken, dicht an einander belegt, mit Strohlehm umwickelt, und auf beiden Seiten gerade geſtrichen. Das Ausflechten der drei oberen Faͤcherreihen kann auf zweierlei Art ge⸗ ſchehen. Entweder man befeſtigt geſpaltene, duͤnne Hoͤlzer perpendiculaͤr in die Faͤcher, vermittelſt eingeſtaͤmmter Falzen, und durchflicht dieſe mit Weiden, oder man flicht, nach Art der Gehege, ganze Tafeln, ſetzt dieſe in die Faͤcher ein, und verſieht ſie mit uͤbers Kreuz geſtellten Latten, um das Eindruͤcken derſelben vom Winde zu vermeiden. Die Conſtruction des, fuͤr die Tenne beſtimmten, mittlern, geraden Theils dieſer Scheunen iſt folgende: Die Balken s von Halbholz(Fig. F) erhalten dieſelbe Verbindung, wie vorher bei den Hauptbvbindern gedacht iſt, nur mit dem Unterſchiede, daß hier die Balken im Ganzen durch die Tiefe des Ge⸗ baͤudes gehen, die Baͤnder mit Verſetzung in die Stiele eingelaſſen, die an den Enden abgearbeiteten Balken durch die durchlochten Baͤnder geſteckt, und die Sparren in dieſe verlaͤngerten Baͤnder eingelaſſen werden, alles aber gehoͤ⸗ rig verkeilt und vernagelt wird. Oberhalb dieſer Sparren kommt ein Traͤger a Fig. F zu liegen, der außerhalb der Sparren noch durch die geraden Waͤnde od Fig. A unterſtuͤtzt wird und zugleich zur Verankerung der Taſſe mit dieſem geraden Theile dient, daher derſelbe auch genau unter die Balkenlage der Taſſe zu liegen kommen muß. Hierdurch und durch die vorgedachte Hoͤhe der Waͤnde in dem geraden Theile erhaͤlt das Dach eine Hoͤhe in der Mitte von 7 Fuß. Herr Ober⸗Baudirector Trieſt iſt der Meinung, daß dieſe Verbindung nicht nur zu Getreideſcheunen und Torfſchuppen, ſondern auch zu Garten⸗, Tanz⸗ und Betſaͤlen, ja ſelbſt zu kleinen Landkirchen, in welche auch das Licht von oben herab eingeleitet werden kann, mit Nutzen anzuwenden waͤre. Erſteres, naͤhmlich die Nuͤtzlichkeit und Ausfuͤhrbarkeit ſolcher Gebaͤude zu 126 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler Scheunen und Torfſchuppen, kann keinesweges in Abrede geſtellt werden, un⸗ geachtet noch durch keine Erfahrung uͤber die Dauerhaftigkeit zu urtheilen iſt. Aber zu Landkirchen und dergleichen, nicht fuͤr wenige Jahre aufzufuͤhrenden, oͤffentlichen Gebaͤuden ſcheint mir die Durchlochung der Hauptſtiele und Baͤn⸗ der, und die dadurch noͤthige Verſchwaͤchung der Balken doch einen zu leich⸗ ten Verband zu bewirken, wozu dann noch kommt, daß man in ſolchen Ge⸗ baͤuden nur ſehr muͤhſam zur Dachreparatur gelangen koͤnnte, und daß(ſelbſt davon abgeſehen, daß das Dach von innen keinen angenehmen Anblick geſtat⸗ tet) auch die Eindeckung, beſonders bei dem ſo flachen Dache den Regen ſehr leicht eindringen laſſen moͤchte, welches ſelbſt bei viel ſteilern Daͤchern oft der Fall iſt, und fuͤr die verſammelten Zuhoͤrer immer ſehr unangenehm ſeyn wuͤrde. Weit eher trete ich dem Herrn Verfaſſer darin bei, fuͤr eine reiche Ernte, wenn das Getreide entweder nicht ſaͤmmtlich, oder fuͤr eine regnichte Erntewit⸗ terung, wenn es vielleicht naß in die vorhandenen Scheunen gebracht werden muͤßte, dergleichen leichte Scheunengeruͤſte in Vorrath zu halten, und ſolche im Nothfall im Außenfelde anſtatt der Feimen aufzuſtellen, wo dann anſtatt des Fundaments nur einige Pfaͤhle vor den Schwellen in die Erde gerammt zu werden brauchten. Herr Ober⸗Baudirector Trieſt zeigt durch eine Berechnung, daß in dieſe neu projectirte Scheune von zwei Banſen ungefaͤhr 315 Schock Garben ge⸗ packt werden koͤnnen, ſo auch, daß, außer dem Vorcheil, daß dazu nur kurze Hoͤlzer noͤthig ſind, gegen jede andere Bauart der Scheunen von gleichem Inhalte ein Weſentliches am Werthe des Holzes erſpart werde. Den Punct abgerechnet, daß dieſer Verband, beſonders im Dache, viel leichter und da⸗ durch weniger dauerhaft, als die gewoͤhnliche Bauart iſt, kann obige Be⸗ hauptung nicht beſtritten werden. Dem Einwande, daß das Banſen, wegen groͤßerer Entfernung der Taſſe von der Tenne, mehr Zeit und Arbeit als ge⸗ woͤhnlich koſten werde, ſucht der Verfaſſer dadurch zu begegnen, daß das Ge⸗ treide durch die, mit Strauch beflochtenen Faͤcher von außen in die Scheune gereicht werden koͤnne. Wenn aber der ganze Zweck dieſes Vorſchlags dahin gehen ſoll, eine Scheune zu bauen, welche dem Getreide einen eben ſo guten Luftzug, als in den Feimen verſchaffe; ſo muͤßten eigentlich ſaͤmmtliche Faͤcher nicht ausgemauert, ſondern nur ausgeflochten werden. Geſchieht aber dieß bei ſol⸗ chen bleibenden Gebaͤuden, welche in einem Gehoͤfte gewoͤhnlich zugleich einen Theil der Bewaͤhrung ausmachen; ſo moͤchte das Ausflechten wiederum nicht die verlangte Sicherheit gewaͤhren... Gebaͤude ohne Dachboden, als Getreideſcheunen ꝛc. 127 Anm. Obgleich ich uͤber dieſe Conſtruction noch einige Zweifel aͤußere; ſo ſoll dieß doch das verdienſtliche derſelben nicht verringern. Vielmehr moͤgen meine Aeußerungen veranlaſſen, ſolche gelegentlich noch mehr zu vervollkommnen, welches für dieſe Art laͤndlicher Gebaͤude gewiß von großer Wichtigkeit ſeyn wird. §. 60. Wenn ich außer dem, was uͤber die Anwendung der Bohlendaͤcher be⸗ Von den reits im zweiten Theile von§. 58 bis incl. 67 abgehandelt worden, hier Bahten. nochmahls im Allgemeinen davon rede, ſo geſchieht dieß eines Theils, um dasjenige, was ich in einer, uͤber dieſen Gegenſtand, und beſonders uͤber Anwendung der Bohlendaͤcher bei Scheunen, im Jahre 1801 herausgegebenen Schrift geſagt habe, hier an ſeinen Ort eingeſchalten, andern Theils aber auch, um die, ſeit jener Zeit geſammelten, gepruͤften Erfahrungen zur Vervollkommnung der Conſtruction dieſer Daͤcher hier mitzutheilen. Anm. Ich fuͤrchte keinen Tadel, vielmehr hoffe ich, von Baumeiſtern und wahren Freunden der Baukunſt Beifall zu erwerben, wenn ich alle diejenigen Verbeſſerungen, deren dieſe Conſtruction der Daͤcher bedurfte und vielleicht noch bedarf, hier freimuͤthig niederlege. Es geht dadurch der großen Nutzbarkeit derſelben nicht nur nichts ab; ſondern ſie hat, wie ſich im Folgenden ergeben wird, dadurch, daß dieſe, fuͤr unſere Gegenden noch ſehr neue Dach⸗Conſtruction ſtrenge beobachtet wird, einen weſentlichen Zuwachs an Gemeinnuͤtzig⸗ keit gewonnen. Suchen wir nicht noch taͤglich, in unſerer ganz gewoͤhnlichen Bauart der Daͤcher, und andern Conſtructionen Verbeſſerungen zu bewirken? Warum ſollten wir uns denn in der viel neuern Conſtruction der Bohlendaͤcher ſchon am Ziele duͤnken? Der Tad⸗ ler jeder Neuerung verwirft zwar ſolche gleich nach dem erſten mißlungenen Verſuche, ſo wie der bloße Theoretiker ſchon alles a priori zu beſtimmen verlangt; aber der prakti⸗ ſche Baumeiſter, der mit gehoͤriger Sorgfalt jede Erfahrung pruͤft, kommt zwar ſpaͤter, aber deſto ſicherer zu einem beſtimmten Reſultat. Erfahrungen haben naͤhmlich gelehrt, daß zwar, nach den im zweiten Theile angewieſenen Regeln, bei zweckmaͤßiger Anordnung und fleißiger Arbeit, bedeutend große, wie auch kleine Gebaͤude, mit Bohlendaͤchern nicht nur gluͤcklich ausgefuͤhrt ſind, ſondern auch den Sturmwinden kraͤftig widerſtanden haben. Gegentheils ſind aber auch andere Gebaͤude mit ſolchen Bohlendaͤchern durch eben dieſe Sturmwinde theils ſchadhaft geworden, theils ganz einge⸗ ſtuͤrzt. Obgleich nun bei den eingeſtuͤrzten Bohlendaͤchern gewoͤhnlich nur, entweder eine fehlerhafte Form des Bogens, oder eine uͤbermaͤßig große Hoͤhe des Dachs, ohne weitere innere Verbindung, oder ein nicht gehoͤriger Laͤngen⸗ verband, oder eine nachlaͤſſige Arbeit, oder mehr als einer dieſer Fehler zu⸗ ſammen vereinigt, den Einſturz herbeigefuͤhrt haben: ſo wird doch niemand laͤugnen koͤnnen, daß durch dieſelben Sturmwinde auch viele, auf gewoͤhnliche Art, und mit ſo genannten deutſchen Daͤchern conſtruirte Gebaͤude zerſtoͤrt, oder gaͤnzlich umgeworfen worden ſind. 128 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler Anm. Um unter mehreren nur einige Beiſpiele anzufuͤhren, ſchrieb mir ein Baumeiſter aus Schleſien, im Jahre 1801.„In Wilkau, einem Gute des Herrn Grafen Carmer, hat „der Sturm drei maſſive und mit deutſchen Daͤchern erſt im vorigen Jahre neu er⸗ „baute Scheunen total umgeworfen, ſo daß nur noch das Fundament auf 6 Zoll Hoͤhe un⸗ „veraͤndert liegen geblieben iſt. Es iſt merkwuͤrdig, daß dieſe Scheunen innerhalb eines „Zeitraums von fuͤnf Jahren nun zum dritten Mahle vom Sturmwinde umgeworfen „worden ſind.“ Liegt hier nicht eine fehlerhafte Conſtruction klar am Tage? Wer wuͤrde alſo dieſerhalb die maſſive Bauart der Scheunen mit deutſchen Daͤchern im allgemeinen tadeln, oder gar verwerfen? Ein, in hieſiger Gegend von einer maſſiven Scheune herabgeworfenes Bohlendach war bei einer ſechs und vierzig fuͤßigen Tiefe halbzirkelfoͤrmig geſtaltet, und zwar mit einem Radius von nur 20 Fuß, wobei die Sparren unterhalb noch uͤber 4 Fuß hoch per⸗ pendikulaͤr auf den Balken ſtanden, und durch die untern Knaggen ihre Abdachung erhiel⸗ ten, und oberhalb die Spitze oder der Forſt, 4 Fuß uͤber den Sparren, durch lange Auf⸗ ſchieblinge gebildet wurde, wodurch das Dach im Ganzen eine Hoͤhe von 28 Fuß erhielt. Dergleichen uͤbermaͤßig hohe Daͤcher ſetzen dem Winde nicht nur zu große Flaͤchen entgegen, ſondern es werden auch, durch die zu ſtarke Rundung des Dachs, die der Angriffsflaͤche entgegen geſetzten Sparren auf die nachtheiligſte Art angegriffen. Es wird alſo zu einem feſten und dauerhaften Gebaͤude nicht nur ein wiſſenſchaftlich uͤberlegter Entwurf zur Conſtruction deſſelben, ſondern auch eine geſchickte und vorſichtige Ausfuͤhrung erfordert. Letztere ſteht deshalb nicht immer in der Gewalt des Baumeiſters, weil er vielleicht oft durch anderweitige Geſchaͤfte genoͤthigt wird, einem Gewerksmeiſter, der zu außergewoͤhnlichen Arbeiten nicht die gehoͤrige Um⸗ und Einſicht beſitzt, die ihm an dem Bau zuſtehende Arbeit, zumahl wenn ſolche nicht einmahl auf der Bauſtelle gemacht wird, allein zu uͤberlaſſen, woraus dann, vorzuͤglich auf dem Lande, zuweilen ſolche Fehler entſtehen, daß man veranlaßt wird, von einer Conſtruction, die, von geſchickten Haͤnden ausgefuͤhrt, ſich als gut be⸗ ſtaͤtigt hat, abzugehen, dagegen eine ſolche zu waͤhlen, die, wegen mehrerer Verbandſtuͤcke auf alltaͤgliche Art, leichter zu erhalten iſt, oder doch nicht ſo leicht unter unkundigen Haͤnden mißgluͤcken kann. §. 61. Allgemeine Das, was bei der Conſtruction der Bohlendaͤcher nach den bisherigen hegonn be Erfahrungen vorzuͤglich zu beruͤckſichtigen iſt, laͤßt ſich kuͤrzlich auf folgende dor Bohlen Hauptſaͤtze reduciren: daͤcher. 1) Die Bogenform der einzelnen Sparren an jeder Seite des Dachs muß aus einem einzigen, und nicht aus mehreren Zirkelpuncten, und das Zirkelſtuͤck eines Sparren muß ſo flach als moͤglich geſtaltet werden; denn der flachſte Bogen wird mit ſeiner convexen Seite immer noch Widerſtand genug gegen einen aͤußern Druck leiſten, da hingegen ein ſehr Gebaͤude ohne Dachboden, als Getreideſcheunen ꝛc. 129 ſehr runder Sparren, der zwar einem aͤußern Drucke noch mehr widerſteht, dem, ihm gegen uͤber ſtehenden Sparren aber weniger, als ein ſteiler Sparren entgegen ſtrebt. Es iſt daher genug, wenn die Sparren nur ſo viel Rundung haben, daß ſie ſich ſelbſt frei tragen koͤnnen. Die Erfahrung lehrt ferner, daß ſehr runde Bohlenboͤgen oben mit ihrer Spitze a Fig. 87 ſich ſenken, und an den Seiten bei b und d ausbrauchen, wenn dieſe, ihre ſchwache Punkte b und d(welche ſie mit den Gewoͤlben gemein haben) nicht geankert ſind. Dieſe Neigung zum Senken, nebſt der Nothwendigkeit einer Veranke⸗ rung, nimmt zu, je mehr der Bogen beider Sparren ſich dem halben Zirkel naͤhert, und nimmt ab, je ſteiler beide Sparren in der Form eines gothiſchen Bogens gegen einander ſtehen. Wegen des etwanigen Ausbrauchens der Bohlenſparren iſt daher auch nothwendig, die maſſiven Frontwaͤrde, welche zuweilen vor den Sparren in die Hoͤhe gefuͤhrt werden, mit den Sparren in keine Beruͤhrung zu ſetzen. 2) Aeußern die Bohlenſparren an ihren untern Punkten eine Federkraft, weshalb, wenn ſie nicht in einem durchgehenden Balken, ſondern auf, laͤngs den Fronten liegenden Schwellen ſtehen, letztere gegen das Herausſchieben ſehr gut verſichert werden muͤſſen. Anm. Die Bohlenſparren der, 120 Fuß im Durchmeſſer großen Kuppel der Halle aux bleds in Paris, welche vor einigen Jahren abbrannte, mußten ſich mit ihren Schwellen gegen eine breite, maſſiv uͤberwoͤlbte, um die ganze Kuppel herumlaufende Arkade ſtuͤtzen, da ſie erſt auf 40 Fuß hohen Mauern mit ihren Boͤgen ihren Anfang nahmen. 3) Auch muß die Staͤrke und die Anzahl der Bretter zu den einzelnen Bohlenſparren nach dem Verhaͤltniſſe der Tiefe der Gebaͤude zunehmen. So wuͤrde ich z. B. bei Gebäͤuden unter 24 Fuß Tiefe jeden Sparren aus 2 à 1 ¾ Zoll ſtarken Brettern, von 24 bis 36 Fuß Tiefe aus 2 à 1½ Zoll —-— 36— 40——— 2 à 14— — 40= 43—— 3 417— — 45— 50——— Bohle von 2 Zoll in der Mitte, und auf jeder Seite ein Brett von 1 ½ Zoll ſtark*), von 50 bis 60 Fuß Tiefe aus 3 Bohlen à 2 Zoll ſtark u. ſ. w., um jede 5 Fuß groͤßere Tiefe des Gebaͤudes, bei ganz hohlen, innern Raͤu⸗ men um* Zoll ſtaͤrker zu machen, vorſchlagen, und außerdem noch anrathen, bei Tiefen von 36 und mehrern Fuß, allemahl in gewoͤhnlichen Entfernungen, ſo genannte Binder von groͤßerer Staͤrke zu machen. Zur Staͤrke der Binder R 130 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler koͤnnte dann die, nach oben gedachter Regel zunaͤchſt darauf folgende Dimen⸗ ſion gewaͤhlt werden. *) Warum hier lieber drei, als zwei Holzſtaͤrken angenommen worden, hat darin ſeinen guten Grund, weil dann auf jeden Stoß die im Ganzen verbleibende Staͤrke der Hoͤlzer groͤßer, als die durch den Stoß getrennte, verbleibt. In dieſer Hinſicht wuͤrden auch zu einem Sparren, der 3 Zoll dick ſeyn ſoll, drei Bretter à 1 Zoll beſſer ſeyn, als zwei Bretter à 1 ½ Zoll ſtark, wenn nicht zu der geringen Tiefe, zu welcher dieſe Dimenſion nach obiger Regel gehoͤrt, die groͤßere Muͤhe und Arbeit wohl erſpart werden koͤnnte. Eine Ausnahme von dieſer Regel kann da ſtatt finden, wo zweierlei Bogenſparren in einander angelegt werden ꝛc., wie in der Folge vorkommen wird. Herr Zimmermeiſter Leideritz zu Deſſau ſagt in dem zweiten Bande ſeiner im Jahre 1800 herausgegebenen, lehrreichen Zimmermannskunſt:„Mir ſcheint es zweck⸗ „maͤßiger zu ſeyn, wenn man“(es iſt von dreifachen Sparren bei tiefen Gebaͤuden die Rede)„die Sparren nicht durchgaͤngig von dreifachen Brettern, ſondern ſelbige am „untern Ende ſtaͤrker, als am obern macht, naͤhmlich das erſte Drittheil der Sparren— „laͤnge von unten herauf vierfach, das zweite Drittheil dreifach, und das obere Drit⸗ „theil zweifach. Ferner iſt es eben ſo vortheilhaft, wenn man zu den obern Theilen „ſolcher Sparren die ſchmaͤlſten, und zu den untern Enden die breiteſten Bretter „waͤhlt. Dieſes Verfahren iſt dem Sparren auch angemeſſener, denn die ganze Laſt, welche „derſelbe zu tragen erhaͤlt, wird doch dem untern Ende zugefuͤhrt, alſo erfordert auch das „untere Ende mehr Staͤrke, als das obere.“ Was die Verſtaͤrkung der Sparren an ihrem untern Ende betrifft, ſo muß ich darin dem Herrn Leideritz, beſonders wenn von ſehr tiefen Gebaͤuden die Rede iſt, vollkom⸗ men beipflichten, und man hat auch in dieſer Art ein Modell zur Wiederherſtellung der Kuppel der Halle aux bleds in Paris in Vorſchlag gebracht. Aber die Bretter am obern Theile der Sparren abſichtlich ſchmaͤler, als die untern zu waͤhlen, dem kann ich(Herr Leiderit handelt hier eben von ſehr rund geſtellten Boͤgen) aus dem Grunde nicht bei⸗ treten, weil, je mehr der Sparren oberhalb ſich der Horizontal⸗Linie zuneigt, deſto ſchwaͤ⸗ cher ſein Widerſtand iſt, der doch durch breite Bretter, die mit einer deſto groͤßern Flaͤche gegen einander verbunden ſind, ſehr verſtaͤrkt wird. Ueberdieß werden auch, nach dem Vorſchlage des Herrn Leideritz, die Sparren durch ihre nach unten immer mehrfache Zuſammenſetzung unterhalb ſchon hinlaͤnglich verſtaͤrkt. Nach einer, im 14aſten Stuͤck 1808 der Zeitſchrift„Morgenblatt“ enthaltenen Nach⸗ richt aus Paris vom 27. Mai, iſt man gewilligt, die Kuppel der dortigen Mehlhalle aus gußeiſernen Boͤgen zu machen, und ſolche mit verzinnten Kupferplatten zu bedecken. 4) Zu wuͤnſchen waͤre es, daß auch die Breite der Bretter zu den Bohlenſparren, nach einem gewiſſen Verhältniſſe gegen die groͤßere Tiefe der Gebaͤude, zunehmen koͤnnte, weil dieſe zur Steifigkeit der Sparren ſehr viel beitraͤgt. Daher ſind wenigſtens zu den tiefern Gebaͤuden die moͤglichſt brei— ten Bretter zu waͤhlen. Auch muͤſſen die Brettſtuͤcken, woraus die Bohlen— ſparren zuſammen geſetzt werden, ſo lang als moͤglich ſeyn*), um deſto weni⸗ ger Stoͤße zu erhalten; denn auf jedem Stoße, wo Hirnholz auf Hirnholz ſteht, wird, ſelbſt bei der beſten Bearbeitung, ſich ſolches dennoch um etwas in einander treiben, wodurch die Feſtigkeit der Naͤgel, mit welchen die Bret⸗ ter der Sparren zuſammen genagelt ſind, um ſo mehr leidet, je mehr Stoͤße — Gebaͤude ohne Dachboden, als Getreideſcheunen ꝛc. 131 ein Sparren hat. Da aber, wegen der aͤußern Rundung der Sparren, die Laͤnge der Brettſtuͤcke ſich nach der Breite der vorhandenen Bretter richtet, und es ſehr unrecht ſeyn wuͤrde, die Sparren deshalb ſehr zu verſchmaͤlern; ſo folgt hieraus zugleich, nicht nur, daß krumme Bretter, welche ſonſt weniger beim Bauen angewendet werden koͤnnen, hierzu beſſer, als gerade Bretter ſind, ſon⸗ dern auch abermahls, daß ſchon deswegen eine ſteile Kruͤmmung des Spar⸗ rens hierzu vortheilhafter, als eine rundere iſt. *) Wenn nach den Anweiſungen des Erfinders der Bohlendaͤcher, Philibert de l'Orme, ſo auch in meinen fruͤhern Schriften uͤber dieſe Art Daͤcher, verlangt wird, daß die Brett⸗ ſtuͤcke, aus welchen die Bohlenſparren zuſammen geſetzt werden, nicht unter 4 Fuß, und nicht uͤber 6 Fuß lang ſeyn ſollen; ſo bezieht ſich dieß nur darauf, daß, wenn gerade Bretter dazu genommen werden, bei groͤßerer Laͤnge der Stoͤße, die Breite der Bretter zu ſehr durch die aͤußere Abrundung verlieren wuͤrde, welche Breite jedoch ſehr weſentlich noͤthig iſt. 5) Die Erfahrung lehrt ferner, daß ſolche Bohlenſparren, deren Stabili⸗ taͤt nicht mehr ihrer Laͤnge oder Hoͤhe angemeſſen iſt, vorzuͤglich wenn heftige Sturmwinde ſie in Bewegung ſetzen, ſo auch ſchon von ihrer eigenen Laſt, in der untern Haͤlfte ihrer Hoͤhe ſich nach den Seiten hin ver⸗ ſchiedentlich ausbiegen, wodurch eine Trennung der Brettſtuͤcke, aus welchen ſie beſtehen, ſo wie die Wandelbarkeit des ganzen Daches erfolgt. Denn ſo viel auch ein Brett, auf die hohe Kante gelegt, zu tragen ver⸗ mag, ſo iſt es doch im entgegen geſetzten Falle das ſchwaͤchſte der beim Bauen vorkommenden Hoͤlzer, wenn ſeine breite Seite ſich dem Drucke ꝛc. entgegen neigt. Wenn daher Bretter oder Bohlen, auf die hohe Kante gelegt, tragen ſollen; ſo hat man vorzuͤglich dafuͤr zu ſorgen, daß ſie auf keine Art aus dieſer Lage weichen koͤnnen. Philibert de l'Orme hat deshalb die Verrie⸗ gelung ſaͤmmtlicher Sparren(welche im zweiten Theile Fig. 144 vorge⸗ ſtellt iſt) vorgeſchlagen. Dieſe Verriegelung hat aber auch viele Nachtheile, indem ſie die Sparren ſchwaͤcht. Es kann daher ſolches bei Gebaͤuden von geringer Tiefe, wo die Sparren nur kurz ſind, durch Windlatten, wie im zweiten Theile Fig. 151 C vorgeſtellt ſind, geſchehen. Bei tiefern Gebaͤu⸗ den und laͤngern Sparren aber muͤſſen, außer dieſen, alsdann auch ſtaͤrker zu waͤhlenden Windlatten, noch horizontal laufende, und uͤber die Sparrendicke von inwendig uͤbergekaͤmmte Bohlen, oder auch Stollenhoͤlzer, zwiſchen den Windlatten, in 8 bis 10fuͤßigen Entfernungen uͤber einander, verbunden wer⸗ den. Die aͤußere Kante der Bohlenſparren wird gewoͤhnlich ſchon durch die, darauf genagelten Dachlatten in ihrer gehoͤrigen Richtung erhalten. R 2 132 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler 6) Das, was hier zur Verhinderung des Ausbiegens der Sparren mit ihren Flaͤchen angegeben worden, dient zugleich zu dem, bei jedem Dache noͤthigen Laͤngenverbande. Bei Gebaͤuden, an welchen das Bohlendach zwiſchen zwei ſtarken, maſſiven Giebeln, oder zwiſchen zwei Walmen einge⸗ ſchloſſen iſt, wird dieſe Vorrichtung mit gewoͤhnlichen, jedoch fleißig und feſt angelegten Windlatten(ſiehe im zweiten Theil Seite 125) vollkommen hin⸗ reichen. Allein wo dergleichen ſtarke Giebel oder Walme fehlen, da muß durch ordentliche Rahmhoͤlzer und eine vollſtaͤndige Verſtrebung nach der Laͤnge der Gebaͤude geſorgt werden, wie in der Folge angewieſen werden wird. Die, oben in der Spitze liegende Forſtbohle, von der im zweiten Theile gehandelt worden, hat man nach der Zeit verſchiedentlich anders angebracht, naͤhmlich ſo, daß die Sparren nicht mehr dagegen anſtehen, ſondern ſich ſelbſt uͤberblatten, oder in eins zuſammen laufen. Laͤngere Sparren muͤſſen uͤber⸗ dieß in einzelnen Stuͤcken aufgerichtet, und nach dem Aufrichten erſt oben mit einander verbunden werden, weil große Bogen im Ganzen ſehr leicht beim Aufrichten zerbrechen wuͤrden. Die Forſtbohle, welche uͤberhaupt nur als ein Rahm oben im Dache betrachtet werden kann, wird dann uͤber die zuſammen geſetzten Sparren eingekaͤmmt. 7) Als eine allgemeine Regel iſt ferner das fleißige Zuſammennageln der einzelnen Brettſtuͤcke zu einem Sparren zu beobachten. Es geſchieht ſolches gewoͤhnlich mit Naͤgeln aus ſehr trocknem, kienenem Holze; indeſſen iſt es doch gut, ja nothwendig, an den Stoͤßen eiſerne Naͤgel von gutem, zaͤhem Eiſen, die ſich umnieten laſſen, zu nehmen, welche aber, wenn ihre Koͤpfe nicht groß genug ſind, ſich zuweilen in das Holz draͤngen, oder gar abſpringen. Die ſchwarzen Punkte in Fig. 91 zeigen die eiſernen, und die offenen Rundungen die hoͤlzernen Naͤgel an. Letztere muͤſſen nicht nach Fig. 88 A vollkommen rund, ſondern nach Fig. 88 B etwas laͤnglicht ge⸗ arbeitet werden. Wenn nun, in dem Fig. 39 vorgeſtellten Stuͤcke eines Bohlenſparrens die runden Nagelloͤcher durchgebohrt worden; ſo muß der hoͤlzerne Nagel dergeſtalt durch die Bretter durchgeſchlagen werden, daß die langere Seite deſſelben nach der Laͤnge der Bretter(wie bei dc) zu ſtehen kommt, damit der Nagel beim Einſchlagen in dieſer Richtung mehr gegen das Hirnholz, als gegen die, nach der Breite der Bretter befindlichen Seiten des Nagellochs andraͤnge, um nicht die Bretter zu ſpalten. Iſt der Nagel durchgeſchlagen, ſo wird der unten durchreichende Theil deſſelben, dem Brette gleich, weg geſtaͤmmt, und daſelbſt der Nagel dann ver⸗ Gebaͤude ohne Dachboden, als Getreideſcheunen ꝛc. 155 keilt, wobei zu beobachten iſt, daß, um gleichfalls dadurch nicht die Bretter zu ſpalten, der Keil nach der Richtung ek Fig. 39 eingeſetzt werden muß. Die Brettſtuͤcke zu den Sparren in Gebaͤuden von hoͤchſtens 40 Fuß Tiefe koͤnnen fuͤglich mit hoͤlzernen Naͤgeln von trockenem, kienenem Holze, und an den Stoͤßen mit eiſernen Naͤgeln von gutem, zaͤhem Eiſen, die ſich gehoͤrig umnieten laſſen, genagelt werden. Zu Sparren in Gebaͤuden von mehr als 40 Fuß Tiefe werden am beſten lauter gute eiſerne Naͤgel genom⸗ men, beſonders wenn die Brettſtoͤße nur kurz ſind. Zu Gebaͤuden von 60 Fuß Tiefe iſt es uͤberdieß noch ſehr zu rathen, die Stoͤße ſaͤmmtlich mit gu⸗ ten eiſernen Schrauben anſtatt der Naͤgel zu befeſtigen. Anm. Der Koͤnigliche Waſſerbau⸗Inſpector, Herr Neumann, theilte mir im Jahre 1807 einen Vorſchlag aus ſeiner, damahls noch ungedruckten Muͤhlen⸗Baukunſt mit, nach wel⸗ chem die Brettſtuͤcke zu den Bohlenſparren, anſtatt der Naͤgel, mit hoͤlzernen Schrau⸗ ben zuſammen geſchraubt werden ſollen, wobei ſich Herr Neumann auf die Erfahrung bezog, daß der Herr Baron von Bibran auf Modlau ſein dortiges Schloß mit, auf dieſe Art zuſammen geſchraubten Bohlenſparren habe erbauen laſſen. Das Ganze beſteht darin, daß Schrauben von etwa 18 Zoll Laͤnge und 1 ½ Zoll Dicke aus ſehr trockenem und zaͤhem Holze geſchnitten, und durch die Dicke der Sparren, anſtatt der vorher beſchriebenen Naͤgel, durchgeſchraubt werden, wobei alſo eine ſolche Schraube nach Maßgabe der Dicke der Bohlenſparren zu mehrern Loͤchern zu gebrau⸗ chen iſt. Wenn die Bretter ſo glatt zuſammen gearbeitet wuͤrden, als wenn ſie auf einander geleimt werden ſollten, und dann die hoͤlzernen Schrauben von ſehr trockenem und zaͤhem Holze recht dicht und genau in die gebohrten Schraubenmuͤtter paßten; ſo wuͤrden die Brettſtuͤcke vermittelſt ſelbiger wohl ziemlich feſt auf einander halten. Da aber die Bret⸗ ter gewoͤhnlich nur rauh auf einander gearbeitet werden, und es alſo beim Nageln ſehr darauf ankommen muß, die Bretter recht dicht auf einander zu treiben; ſo kann dieß nicht fuͤglich mit hoͤlzernen Schrauben, ſondern beſſer mit Naͤgeln geſchehen. Auch das Spalten der Bretter iſt bei den ſtarken, hoͤlzernen Schrauben eher, als bei den vorher be⸗ ſchriebenen, hoͤlzernen Naͤgeln zu befuͤrchten. Bei den, oben gedachten, eiſernen Schrauben iſt daher gleichfalls ſehr dahin zu ſehen, daß die Bretter dicht auf einander getrieben werden. Auch ſollen, nach der vorerwaͤhnten Anwendung der eiſernen Schrauben, ſelbige nur eigentlich einen ſicherern Zuſammenhalt der Bretter an den Stoͤßen bewirken, als durch die hoͤlzernen und eiſer⸗ nen Naͤgel zu erwarten iſt, welche letztern bei ſehr langen Sparren waͤhrend des Aufrich⸗ tens in ihrer Umnietung ſehr leicht abbrechen. 8) Bei ſehr tiefen und folglich ſehr hohen Bohlendaͤchern tritt noch der uͤble Umſtand ein, daß man entweder nur ſehr muͤhſam, oder, wenn(wie zu⸗ weilen in Reit- und Exercierhaͤuſern) die innere Bogenform mit Brettern be⸗ ſchalt iſt, faſt gar nicht zur Dach-Reparatur von innen gelangen kann, und das Mißliche und Beſchwerliche bei Dach⸗Reparaturen von außen iſt ſchon oͤfter hier erwaͤhnt worden. Um alſo die noͤthigen Dach⸗Reparaturen 154 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler von innen bewirken zu koͤnnen, iſt es bei ſehr tiefen Gebaͤuden, z. B. Reit⸗ und Exercierhaͤuſern und Kirchen, vorzuͤglich gut, einen Bogen innerhalb zur Tra⸗ gung der Schaͤlung, und einen außerhalb, Behufs des Daches ſelbſt, anzu— bringen(zwiſchen welchen man uͤberall zum Dache kommen kann), und ſolche mit einander zweckmaͤßig zu verbinden, wodurch auch der Verband des ganzen Daches ſehr gewinnt. Da dieß nur von Bohlendaͤchern uͤber ſehr großen, hohlen Raͤumen zu verſtehen iſt, uͤber welche ſonſt ein, mit vielen Koſten ver— knuͤpftes Haͤngewerk angebracht werden muͤßte; ſo wird dieſen Vorſchlag wohl nicht der Vorwurf einer, gegen die ſonſt uͤbliche Dachverbindung mit einem Haͤngewerke, vergroͤßerten Koſtbarkeit treffen. Vielmehr behalten die Bohlen⸗ daͤcher, ſelbſt in dieſem Falle noch immer den Vorzug, daß ſie nur aus Hoͤl⸗ zern von ganz geringer Laͤnge ausgefuͤhrt werden koͤnnen, wogegen die Haͤnge⸗ werke ſehr lange Bauhoͤlzer erfordern; den ſchoͤnern Anblick, welchen ein hoher, frei uͤberſpannter Raum in dergleichen Gebaͤuden gewaͤhrt, uͤberdieß ungerechnet. §. 62. Von d. zweckF. Es eignet ſich die Conſtruction der Bohlendaͤcher, mit Ruͤckſicht auf die wweiim un im vorigen§. angegebenen, allgemein zu beobachtenden Regeln, ganz vorzuͤg— Bohlen⸗ lich fuͤr ſolche Gebaͤude, welche einen ganz freien, oder doch nur wenig zu daͤcher. verbauenden, innern Raum ohne Dachboden erfordern. Dahin gehoͤren Scheunen, Torfſpeicher, Reitbahnen, Kirchen, Kuppeln ꝛc. Die durchgehenden Balken in den, auf gewoͤhnliche Art erbauten Getreideſcheunen und Torfſpeichern ſind nebſt ihren Unterſtuͤtzungen nicht allein dem Aufpacken hinderlich, und als langes, ſtarkes Holz koſtſpielig; ſondern ſie erleiden auch von dem darauf gepackten Getreide oder Torf einen, fuͤr das ganze Gebaͤude nachtheiligen Druck. Die Bohlendaͤcher hingegen uͤberſpannen den zu gebrau⸗ chenden Raum ganz frei, und haben auch noch den Vortheil, daß ſie, beſon— ders in Scheunen, den aufzupackenden Garben eine pyramidaliſche Geſtalt ge— ben, wodurch letztere weniger gegen die Seitenwaͤnde druͤcken koͤnnen. Bei Gebaͤuden, welche eine Balkendecke und nur einen freien Boden⸗ raum erfordern, wird der Vortheil ihrer Anwendung in etwas verringert. Es iſt naͤhmlich z. B. zu beiden Dachverbaͤnden Fig. 95 und 77, einer Berech⸗ nung zufolge, gerade gleich viel Holz, dem kubiſchen Inhalte nach, erforder⸗ lich; jedoch mit dem ſehr weſentlichen Unterſchiede, daß zu den Bohlendaͤchern immer nur ganz kurzes Holz gebraucht wird, und ſie dennoch einen freiern Bodenraum, als die gewoͤhnlichen Verbindungen gewaͤhren. “.——, Gebaͤude ohne Dachboden, als Getreideſcheunen ꝛc. 155 Zu Gebaͤuden, in welchen die Bohlenſparren vom Fußboden durch die Deckenbalken hinauf gehen, um uͤber letztere das Dach zu formiren, wird mehr Holz, dem Kubik⸗Inhalte nach, als zu einem gewoͤhnlichen Dachverbande er⸗ fordert; weshalb ſie in dieſer Art nur in ſolchen Faͤllen, die dieß ganz eigen⸗ thuͤmlich erfordern, angewendet werden ſollten, weil der Vortheil der Bohlen⸗ daͤcher hierbei groͤßten Theils verſchwindet. §. 63. Die Anfertigung der Bohlenſparren geſchieht folgender Maßen. Auf Von Anfer⸗ einem geebneten Platze wird ein Balken ab Fig. 90 wagerecht gelegt, und in deſſen Mitte wird ein anderes Stuͤck Holz od rechtwinklicht eingepaßt. Alsdann wird auf dem Balken ab die Breite, und auf dem zuletzt gedachten Holze od die Hoͤhe des Dachs bezeichnet. Auch werden da, wo(nach der Zeichnung, oder nach der, auf dem Platze zu machenden Operation) die Central⸗ Punkte e, f, aus welchen die Boͤgen gezogen werden ſollen, hintreffen, Hoͤlzer in den Balken ab eingezapft, und die Mittelpunkte e und k werden genau darauf bemerkt. Dann werden einige Unterlagen gelegt, und auf dieſe, wie die Figur zeigt, einige Bretter mit eiſernen Naͤgeln geheftet. Nunmehr wird eine, vermittelſt eines Stifts bewegliche Latte eh, zuerſt in dem einen Mittelpunkt e und nachher in dem andern k angebracht, welche bis an den Punkt g oder k reicht. Nun wird mit einem, an dem Ende der Latte zu haltenden Rothſtein die Form oder die Lehre fuͤr die Sparren auf dem Reißboden vorgeſchrieben. Iſt die Form der Bohlenſparren auf dieſe Art vorgezeichnet, ſo wird eine Lage Sparrenbretter auf dem Reißboden nach der Laͤnge der Brettſtuͤcke ein⸗ getheilt, und die Fugenſchnitte werden, nach den, in Fig. 90 angegebenen Mittelpunkten e und k, wie ſolches die angehaltene Latte daſelbſt zeigt, vorge⸗ riſſen, welches vorzuͤglich mit vieler Genauigkeit geſchehen muß, indem die Feſtigkeit der Bohlenſparren von dem ſcharfen Anſchließen der Bretter in ih⸗ ren Stoßfugen abhaͤngt. Auf die untern Bretter wird dann die zweite Lage von Brettern derge⸗ ſtalt aufgelegt, daß die Fugenſchnitte der untern Bretter auf die Mitte der oben liegenden Bretter zutreffen. Z. B. Wenn in Fig. 91 A, ga, ab, bo ꝛc. die untern Bretter vorſtellen; ſo ſind hi, ik ꝛc. die obern Bretter, deren Fugenſchnitte ſaͤmmtlich genau auf den Mittelpunkt, aus welchem der Spar⸗ ren beſchrieben worden, gezogen werden muͤſſen. In Fig. 91 iſt das Verſchießen(Verwechſeln) der Fugenſchnitte der tigung der Bohlenſpar⸗ ren. 136 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler auf einander liegenden Brettſtuͤcke, und zwar in Fig. 91 A bei einem zwei⸗ fachen, und in Fig. 91 B bei einem dreifachen Sparren, ſo wie ferner von a bis o zu erſehen, wie die aͤußere Kante der Bretter abgerundet iſt. Die Ausrundung der innern Kanten iſt aber nur dann nothwendig, wenn in beſondern Faͤllen die Daͤcher inwendig mit Brettern verſchalt werden ſollen. Da es nun bei den wirthſchaftlichen Gebaͤuden auf die innere Ausrundung nicht ankommt, ſo kann jedes Brett, wie in Fig. 91 A von h bis k ange⸗ deutet iſt, innerhalb eine gerade Kante behalten. Es kommt auch nicht dar⸗ auf an, daß die Bretter genau gleich breit ſind, ſondern es kann innerhalb eines vor dem andern vorſtehen. Die Bohlendaͤcher koͤnnen auch, ſo wie die geraden, ganze und halbe Walme auf den Giebelſeiten erhalten. Da ſich aber die Walmdaͤcher uͤber⸗ haupt nicht gut mit Stroh, Rohr oder Lehmſchindeln eindecken laſſen, und die ganzen Walme bei großen Bohlendaͤchern doch hie und da ſchwache Punkte darbieten, weil die Schiftſparren aus Brettern ſich nicht wie ganzes oder Kreuzholz in die Gradſparren verzapfen laſſen; ſo iſt es beſſer, bei den Boh⸗ lendaͤchern, wenn es moͤglich iſt, die Walme wegzulaſſen, und ſich der gerade hinauf gehenden Giebel zu bedienen. Will man indeſſen bei Bohlendaͤchern, die etwa mit Ziegeln gedeckt werden ſollen, Walme haben; ſo wird die Figur der Gradſparren folgender Maßen gefunden. Wenn z. B. ab Fig. 92 A, der ſo genannte Bundſparren iſt, an wel⸗ chen der Walm anfallen ſoll; ſo wird die Linie od gezogen, und ſelbige in Fig. 92 C aus e in k getragen. Nun wird die Linie ik Fig. 92 B, welche gleich iſt der Linie ac in Fig. 92 A, in beliebig viele, gleiche Theile getheilt, und auf jeden Theilungspunkt wird eine Perpendicular-Linie gezogen. Hier⸗ auf theilt man die Linie efk Fig. 92 C in eben ſo viele, gleiche Theile, als die Laͤnge ik, und errichtet auf derſelben Perpendicular⸗Linien. Werden nun dieſe in Fig. C, nach den beigeſetzten Nummern, mit den in Fig. B cor⸗ reſpondirenden Linien gleich lang gemacht; ſo geben die Punkte Imno ec. die Hoͤhe des Gradſparrens auf jedem Punkte an, und aus der Zuſammenziehung dieſer Punkte aus freier Hand entſteht die Form der Gradſparren. Die hal⸗ ben Walme erfordern ein aͤhnliches Verfahren, und die Laͤnge der Schiftſpar⸗ ren zu finden, iſt jedem Zimmermann bekannt. §. 64. Gebaͤude ohne Dachboden, als Getreideſcheunen ꝛc. 137 H. 64. Anfaͤnglich hatte man, wie ſchon gedacht, die Gewohnheit, nach Fig. 93 Von d. Forſt⸗ A, zwei gegen einander uͤber ſtehende Sparren eines Gebindes mit einer Ver⸗ derbindang ſatzung in eine ſo genannte Forſtbohle einzuſtellen. Da aber dieſe Ver⸗daͤcher. ſatzung, nach Verhaͤltniß der Dicke einer etwa 3 bis 4 Zoll ſtarker Bohle, nur ſehr wenig betragen konnte; ſo iſt die Beſorgniß entſtanden, daß, wenn der untere Zapfen der Bohlenſparren, oder der Balkenkopf, oder die Schwelle, worauf die Sparren ſtehen, etwa ſchadhaft werden, und einer der Sparren ſich dadurch auch nur um ein weniges herunter ſetzen ſollte, derſelbe ſich leicht oben aus ſeiner Verſatzung in der Forſtbohle herausziehen, und das Dach da⸗ durch wandelbar werden koͤnnte. Es iſt alſo fuͤr beſſer befunden worden, die Forſtbohle nicht mehr in vorgedachter Art anzubringen, ſondern die Sparren in ihrer Spitze nach Fig. 93 B gegenſeitig zur Haͤlfte uͤber einander zu blatten, und ſelbige zuſammen zu nageln, dagegen aber, um dennoch durch eine Forſtbohle eine Verbindung nach der Laͤnge des Dachs zu erhalten, letztere nach gedachter Figur dergeſtalt einzuziehen, daß die an ihren Spitzen zuſammen ge⸗ blatteten Sparren 1 ⅞ bis 2 Zoll in die Forſtbohle, und dieſe auf die, an den Seiten der Sparren angenagelten Querſtuͤcken(oder Zangen) a ebenfalls ein⸗ gelaſſen wird, wie ſolches aus dem, in vorgedachter Figur mit punktirten Linien angehaͤngten Laͤngen⸗Profil b der Forſtbohle, und den darauf bemerk⸗ ten Einſchnitten deutlich zu erſehen iſt. Weniger gut, jedoch fuͤr kleine Bohlendaͤcher hinlaͤnglich, wird die Forſt⸗ bohle nach Fig. 93 C uͤber die Sparren in ſelbige eingelaſſen. Zur Haltung der Foſtbohle dienen alsdann die, an den Seiten angebrachten, und auf die Srvarren genagelten Knaggen, wodurch zugleich die ſtumpfe Spitze der Spar⸗ ren etwas ſteiler wird. Bei ſehr tiefen Gebaͤuden koͤnnen auch, anſtatt der Forſtbohle, Rahm⸗ ſtuͤcke von Kreuzholz in die Ecken der, an die Sparren angenagelten Brett⸗ riegel(Zangen) eingelaſſen werden. §. 6z. Die Zapfen der Bohlenſparren, mit welchen ſie in den Balken oder der Verbindung Schwelle einſtehen, werden(vorausgeſetzt, daß ſaͤmmtliche Zapfenloͤcher genau der Bohlen⸗ von gleicher Tiefe gearbeitet worden) nach Fig. 94 A und B ſo breit, als uen auf ſaͤmmtliche Bretter eines Bohlenſparrens dick ſind. Iſt die ganz gleiche Tiefe Schwellen der Zapfenloͤcher nicht zu erwarten; ſo kann, nach Fig. 94 C, bei Sparren oder Balken. S 158 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler von zweifachen Brettern, von jedem Brette etwa † Zoll ausgeſchnitten, oder, nach Fig. 94 D, bei Sparren von mehrfachen Brettern, eins derſelben ganz weggeſchnitten werden, um dem Zapfen eine Bruͤſtung zu geben. Wenn die Bohlenſparren bei hoͤlzernen Gebaͤuden neben einem Wandſtiel auf breiten und dabei ſchwachen Schwellen ſtehen; ſo iſt, nach Fig. 94 F, bei nur zwei⸗ fachen Sparren, ein Brettſtuͤck als Zapfen hinreichend. Ja wenn das ab⸗ waͤrts ſtehende Brett b zum Zapfen gewaͤhlt wird; ſo bleibt dadurch auch noch volles Holz in der Schwelle bei a, zwiſchen dem Zapfen des Stiels und dem Zapfen des Sparrens, und es kann der Sparren alsdann noch, nach Fig. 94 E, gegen den Stiel genagelt werden. Ferner iſt zu bemerken, daß die Schwellen, worauf die Bohlenſparren ſtehen, nur eine Hoͤhe oder Dicke von etwa 8 Zoll beduͤrfen, dabei aber 3 Zoll breiter, oder doch wenigſtens eben ſo breit, als die Bretter der Bohlenſparren ſeyn muͤſſen. In beiden Faͤllen nun werden die Bohlenſparren von der aͤußern Kante o der Schwelle Fig. 94 E um 3 Zoll zuruͤck geſetzt, um, bei hoͤlzernen Umfaſſungswaͤnden, die Sparren von der Einwirkung der Witterung zu ent⸗ fernen, und, bei maſſiven Frontmauern, letztere vor dem moͤglichen Drucke der Sparren zu ſichern. Hat die Schwelle nur die Breite der Sparren, ſo er⸗ halten letztere hinter der Schwelle ein Blatt d. Da aber, bei einer Neigung des Sparrens nach auswaͤrts, dieſes Blatt ſehr leicht abſplittern moͤchte; ſo geht hieraus die Nothwendigkeit hervor, breitere Schwellen, auf welchen die Sparren mit ihrer ganzen Breite ſtehen, zu machen. §. 66. Anwendung Um, nach vorgedachten Regeln, auf einer, in gewoͤhnlicher Art erbauten oan an e Scheune, ein Bohlendach, und zwar mit ganz geraden Dachflaͤchen zu einem Dache erhalten, kann ſolches nach Fig. 95 folgender Maßen conſtruirt werden. wine Die Scheune ſey 36 Fuß tief, und die halbe Tiefe ſey zur Hoͤhe des gewoͤhnlicher Dachs angenommen. Nachdem die Linien ab und ag gezogen ſind, wird Art erbauten aus a und b mit der ganzen Laͤnge des Balkens bg ein Centrum geſucht, Scheune. eben ſo auch aus a und g. Aus dem zuerſt gefundenen Centrum bis c, wird die Bogenlinie doe gezogen, wodurch der Bogen doe ungefaͤhr den zwoͤlf⸗ ten Theil ſeiner Sehne de zur Hoͤhe in der Mitte erhaͤlt. Auf der andern Seite verfaͤhrt man eben ſo. Um den Punkt o gegen ein etwaniges Ausbiegen zu ſichern, vorzuͤglich aber, um die Laſt der Eindeckung von dem untern Ende d des Bogenſpar⸗ Gebaͤude ohne Dachboden, als Getreideſcheunen ꝛc. 139 rens, woſelbſt er auf dem freien Balken ſteht, beſſer abzufangen, ſteht der Knaggen boo unten mit einem Zapfen in dem Balken, und uͤberdieß iſt er bei c, noch außer dem angenagelten Blatte, mit einer Verſatzung in den Bohlenſparren eingeſetzt. In der Spitze e werden beide Bohlenſparren zur Haͤlfte uͤber einander geblattet, und außerdem, nebſt den, aus axzoͤlligem Bohlenholze beſtehenden, oberen Knaggen oder Sattelhoͤlzern ac, mit Brett⸗ ſtuͤkken h(Forſtzangen) zuſammen genagelt, auf welche letztere die dreizoͤllige Forſtbohle, oder ein Forſtrahmen e, uͤbergekaͤmmt iſt. Bei dieſer flachen Bogenform der Sparren koͤnnen, ſelbſt aus geraden, nur 15 Zoll breiten Brettern, die Brettſtuͤcke noch etwas uͤber 7 Fuß lang erhalten, und alſo deſto oͤfter genagelt werden. Die Dicke der Bohlenſparren beſteht fuͤr ſolche Daͤcher, von nur 36 Fuß Tiefe, aus zwei, 1 ¾ Zoll ſtarken, ſo genannten Tiſchlerbrettern; die untern Knaggen aber muͤſſen, wegen der oben beſchriebenen Verbindung, aus szoͤlligem Kreuzholze gemacht werden. Die Conſtruction des untern Baues nebſt der Balkenlage bleibt uͤbrigens, wie im zweiten Theile Fig. 3 vorgeſtellt worden. Bei einem Dachverbande der Scheunen auf gewoͤhnliche Art mit geraden Sparren beſteht der Laͤngenverband nur aus den Bändern in den Dach⸗ ſtielen, wobei die Dachraͤhme mit den Giebeln verankert werden. Da nun an dem, Fig. 95 vorgeſtellten Scheunverbande die Dachrähme nebſt den Dach⸗ ſtiel⸗Baͤndern zum Laͤngenverbande fehlen; ſo iſt noͤthig, aber auch hierbei hinlaͤnglich, wenn einige ſchmale Bretter als Windrispen ſo wohl gerade, als ſchraͤge unter die Bohlenſparren befeſtigt und mit den Giebeln verankert werden. §. 67. Vergleicht man den Verband einer Scheune, nach der beſchriebenen Fi⸗ gur 95, gegen die, bisher gewoͤhnlichen und in Figur 3 des zweiten Theils vorgeſtellten Scheunengebaͤude mit deutſchen Dächern; ſo erfordern beiderlei Arten immer noch Balken, Unterzuͤge, Unterzugſtaͤnder und Bänder, mitten im Scheunenraume, und es wird nach Figur 95 nur ein freier Raum im Dache gewonnen. Werden aber die Sparren, nach Figur 96, gleich unten auf eine Schwelle geſtellt; ſo wird in dem Gebaͤude, nach dem Wunſche der Oekonomen, ein ganz freier Raum erhalten, welcher indeſſen, eben weil alle ſonſt gewoͤhnlichen Verbandſtuͤcke, als durchgehende Balken ꝛc. darin ver⸗ mieden werden ſollen, nun auch mit deſto mehr Vorſicht conſtruirt werden muß. S 2 2 Anwendung der Bohlen⸗ ſparren, um daraus ein ganzes Scheunen⸗ gebaͤude zu verbinden. 140 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler Der in Figur 96 A entworfene Verband einer Bohlenſparren⸗Scheune ſtellt auf der einen Haͤlfte einen Binder, und auf der andern ein Leer⸗ geſpaͤrr, beide gegen eine Fronte von Fachwerk, Fig. 96 B aber einen der⸗ gleichen Binder gegen eine maſſive Umfaſſungsmauer vor. Dieſe Scheune iſt zwiſchen den Schwellen der Bohlenſparren, alſo im Lichten, 40 Fuß tief. Die Umfaſſungswaͤnde ſind, von der Erde an, mit Inbegriff der Balkenhoͤhe, 15 Fuß 10 Zoll hoch, um die noͤthige Hoͤhe der Einfahrtsthorwege fuͤr herr⸗ ſchaftliche, große Erntewagen auf die gewoͤhnliche Art zu erhalten, welches aber bei der Conſtruction in Form der Bohlendaͤcher auch auf eine andere Art, mit niedrigen Umfaſſungswaͤnden, wie weiterhin vorkommen wird, zu erhalten iſt. Um nun das Dachrecht nicht zu flach zu machen, ſo iſt ſolches, von der Balkenhoͤhe bis in die aͤußerſte Spitze, 19 Fuß hoch angenommen*). Etwa 15 Zoll darunter liegt die Spitze a der Bohlenſparren. Die Schwellen liegen, zur beſſern Conſervation derſelben, 2 Fuß uͤber der Erdflaͤche und ſind, ſo wie die Breite der Bohlenſparren, 16 Zoll breit angenommen. Drei Zoll von der Vorderkante der Schwellen zuruͤck ſtehen die Bohlenſparren, weshalb alſo die Sparren, nach Fig. 94 E, innerhalb mit einem Blatte verſehen ſind. Hierdurch ergeben ſich die beiden Endpuncte a und b der Sparren. Ein Achttheil der Sehne a, b giebt die Hoͤhe des Bogens in ſeiner Mitte c, und aus dieſen drei Puncten a, b und o ſind die Mittelpuncte, aus welchen die Bogenlinie der Sparren gezogen wird, auf die bekannte Art geſucht wor⸗ den. Den Bogen noch flacher zu machen, wuͤrde den Scheunraum unnoͤ⸗ thig beſchraͤnken. Durch mehrere Rundung aber wird ſeine Neigung zum Ausbiegen in der Gegend des Punctes o vergroͤßert, wozu noch kommt, daß, wenn der Stiel e, f dem Bogen nachgeruͤckt werden ſollte, alsdann das Strebeband d, k zu ſteil ſtehen wuͤrde. Uebrigens ſind die Bohlenſparren wegen ihrer Laͤnge in den Bindern von dreifachen, 1 zoͤlligen, und in den Leerſparren aus zweifachen, 1 zoͤlligen Brettern angenommen worden. *) Dagbei maſſiven Umfaſſungsmauern, mit Beibehaltung der innern Tiefe, die aͤußere Tiefe groͤßer wird; ſo muß dann auch das Dach hoͤher werden. §. 63. derbn, Die ganze Conſtruction dieſes Scheunenverbandes beſteht nun, erſtlich in tenſcheune Anſehung des Querverbandes, in folgendem: nach der Die Binder ſtehen nach der Laͤnge des Gebaͤudes eben ſo weitlaͤufig Tiefe. vertheilt, als in einem ganz gewoͤhnlichen Verbande, und je nachdem das Gebaͤude ohne Dachboden, als Getreideſcheunen ꝛc. 141 Dach mit Ziegeln oder mit Stroh gedeckt werden ſoll, ſtehen 2, 3 oder 4 Leer⸗ oder Freigebinde allemahl zwiſchen zwei Bindern, ſo daß die Binder uͤberall nicht viel uͤber 15 Fuß aus einander ſtehen, wie auch der Grundriß Fig. 96 F und G(wobei auf ein Strohdach gerechnet worden) zu meh⸗ rerer Deutlichkeit ergiebt. Um das Ausweichen der Schwelle zu verhindern, waͤre bei maſſiven Umfaſſungsmauern Fig. 96 B weiter keine Vorrichtung noͤthig, indem die Schwelle gegen ſolche hinlaͤnglichen Widerſtand findet*). Bei hoͤlzernen Um⸗ faſſungswaͤnden aber(Fig. 96 A), wo die Stiele derſelben zugleich auf der Bohlenſparren⸗Schwelle ſtehen, iſt weiter gar nichts vorhanden, wogegen ſich dieſe Schwelle nach außen hin ſtuͤtzen ſollte. Dieſerhalb wird in jedem Bin— der ein Stiel e, k Fig. 96 A ſo weit innerhalb zuruͤckgeſetzt, daß zwiſchen die— ſem Stiel und der aͤußern Fronte eine anſehnliche(hier 5fuͤßige) Fundaments⸗ ſtaͤrke entſteht. Solche Fundamentpfeiler werden nun einzeln unter jedem Binder, wie aus dem Grundriſſe Fig. F und G zu erſehen, ungefaͤhr 2 bis 2 ½ Fuß ſtark, vor dem uͤbrigen, 2 Fuß ſtarken Frontenfundamente vorgelegt. Um aber auch dem Stiel e, k einen feſten Stand zu geben, wird das Fundament unter der Oberflaͤche des Terrains innerhalb der Scheune, um die Staͤrke des Stiels annoch vorgelegt(S. Fig. A). Damit nun die Bohlen⸗ ſparren⸗Schwelle eine vollkommene Feſtigkeit erhalte, wird, von dem Stiele e, f aus, eine kurze Querſchwelle g uͤber die Frontſchwelle ſorgfaͤltig uͤberge⸗ kaͤmmt, und die Querſchwelle wird in den gedachten Stiel e f, entweder mit einem ſchwalbenſchwanzmaͤßigen Blattzapfen, oder auf die, im zweiten Theile Fig. 17 angegebene Art gut befeſtigt*). *) Sollten die Umfaſſungsmauern von Lehmpatzen oder Pisé aufgefuͤhrt werden; ſo muͤſſen wenigſtens noch einige Schichten uͤber der Oberkante der Schwelle von Feld⸗ oder Mauer⸗ ſteinen mit Kalk gemauert werden, um der Schwelle ein deſto feſteres Widerlager zu ver⸗ **) iieres das Stoßen der Schwellen zwiſchen zwei Bindern zutreffen, und die Binder etwas weiter als 15 Fuß aus einander ſtehen ſollten, ſo kann zur Verankerung der Schwel⸗ len daſelbſt eine Vorrichtung m Fig. 96 A angebracht werden, welche einen, nur etwa 2 Fuß in die Scheune hinein vorſpringenden, und dabei ungefaͤhr 2 Fuß ſtarken Funda⸗ mentpfeiler erfordert. Der Stiel ek ſoll aber nicht allein die untere Schwelle feſt halten, ſon⸗ dern auch in einer gewiſſen Hoͤhe die Bohlenſparren gegen das Ausweichen ſichern. Zu dem Ende ſind ſo wohl in allen Gebinden kurze Stichbalken h uͤber dem Rahmen k ſtark uͤbergeklauet, und die Bohlenſparren mit ihrer gan⸗ zen Dicke(wie aus dem Laͤngenprofil Fig. 96 H zu erſehen) in die Balken ein⸗ 142 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler gelaſſen, und gut daran genagelt, als auch das Sturmband d f ſtrebt gegen den Stiel ef, und auf dieſe Art dem Ausweichen der ſaͤmmtlichen Bohlenſparren entgegen. Dieſes Band df muß unten in die Querſchwelle eingezapft, und oben gegen den Rahmen geklauet, nicht daſelbſt in den Stiel verzapft werden. Eben dieſes ſo noͤthigen Sturmbandes wegen, und da es andrerſeits gut iſt, wenn der Stiel ef ſo nahe als moͤglich hinter dem Bohlenſparren ſteht, iſt bei der Hoͤhe der Frontwaͤnde, in Betreff der Form des Bogens, ſehr darauf Ruͤckſicht zu nehmen, daß der Raum zwiſchen dem Stiel e f und der Frontſchwelle, breit genug werde, um das Band d f hin⸗ laͤnglich ſchraͤg ſtellen zu koͤnnen, indem es hier nicht tragen, ſondern zum Schub dienen ſoll. 4 Anm. Allenfalls koͤnnten auch die hoͤlzernen Fronten um ein ſehr weniges, oben nach einwaͤrts uͤberhangend, errichtet werden, weil, ſelbſt bei der beſten Arbeit, dennoch durch die Laſt der Eindeckung einiges Setzen der Sparren erfolgt, welches wir aber auch bei andern, gewoͤhnlichen Conſtructionen bemerken. Lange Balken in den Bindern zur Verankerung der Bohlenſparren, anſtatt der Stich⸗ balken mit den beſchriebenen Stielen und Sturmbaͤndern, durch die ganze Tiefe des Ge⸗ baͤudes zu legen, welche dann wieder einen groͤßern Holzaufwand, und eben die Verhinde⸗ rung des innern Raums bewirken wuͤrden, welches beides durch die beſchriebene Conſtruc⸗ tion gerade vermieden werden ſoll, wuͤrde den eigentlichen Zweck und Nutzen der Bohlen⸗ daͤcher ganz aufheben. Jedoch iſt die Durchlegung eines Balkens in jedem hoͤlzernen Schei⸗ degiebel, wo derſelbe bei hoͤlzernen Scheunen, wie bekannt, zur Schwelle des Giebel⸗Fach⸗ werks dient, allerdings von großem Nutzen. Um den Bohlenſparren, noch hoͤher hinauf abermahls eine Unterſtuͤtzung zu geben(wenn naͤhmlich ſelbige nach den bisher beſchriebenen Vorrichtun⸗ gen noch fuͤr nothwendig erachtet werden ſollte), tritt bei den hohen hoͤlzer⸗ nen Umfaſſungswaͤnden der Scheunen der guͤnſtige Fall ein, daß, wenn die Knaggen in die Balken ordentlich eingezapft und oben in die Bohlenſparren mit einer Verſatzung und einem Seitenblatte befeſtigt werden(S. Fig. A), dieſe zugleich als Steifen gegen die Sparren dienen, deren Schub zwar einen Zug in den Balken, und dem zufolge eine Wirkung auf das Band d f ver⸗ urſacht, eben deshalb aber die Stellung des Bandes ſo ſchraͤg als moͤglich erfordert. Da bei den Scheunen mit maſſiven Umfaſſungsmauern die Wirkung der Bohlenſparren oberhalb ganz von den Mauern entfernt bleiben muß; ſo koͤnnen auch die Stichbalken nicht auf die Mauern gelegt werden. Aus die⸗ ſem Grunde kann den Bohlenſparren auch nicht eben ſo, wie vorher bei den hoͤlzernen Waͤnden, auf welchen die Balken feſt aufliegen, bemerkt wurde, mittelſt der Knaggen nach oben hin eine Gegenſtrebung gegeben werden. Gebaͤude ohne Dachboden, als Getreideſcheunen ꝛc. 143 ſri Oder es muͤßten, dicht hinter der Frontmauer, auf die Bohlenſparren⸗ licen Schwelle noch einige Stiele o Fig. B aufgeſtellt, auf folche ein beſonderer wele Rahmen v unter die Balken gelegt, und kein maſſives Geſims gemacht, ſondern den nur ſo, wie bei hoͤlzernen Fronten, die Balkenkoͤpfe ſchraͤg verſchnitten werden. 1und Wie die Knaggen daſelbſt mit den Trempeln zu unterſtuͤtzen ſind, iſt aus der t dem Fig. 96 B zu erſehen. Jorm Die Stiele o Fig. B ſind aber, bei fleißiger und guter Bearbeitung der R dem Bohlenſparren, in Scheunen von nicht mehr als 40 Fuß Tiefe auch gar nicht hin⸗ noͤthig. Denn, um ſelbſt ohne dieſe Stiele die heruͤber reichenden Knaggen gut zum unterſtuͤtzen zu koͤnnen, brauchen nur die Stichbalken abgekuͤrzt und kleine Trem⸗ pel r zur Unterſtuͤtzung der Knaggen aufgeſetzt, oder gar die maſſive Mauer nach 5 b Fig. 96 D niedriger angelegt zu werden, durch welches letztere Mittel zugleich, Laſ ohne irgend an der Brauchbarkeit einer ſolchen Scheune etwas zu verlieren, wern— 8 noch an Baukoſten erſpart wird. Süch⸗ In der Spitze a des Dachs werden die Bohlenſparren uͤber einander ge⸗ 88 blattet, in welchem Falle dann auf jeder Seite des Sparrens eine, aus einem anſtrue ſtarken Brette beſtehenden Forſtzange angenagelt werden muß, auf welcher ohlen V die Forſtbohle ruhet und uͤbergekaͤmmt wird. S6 Wenn auf ſolche Art der Querband(und zwar in der gewoͤhnlichen Ver⸗ theilung der Binder, welche auf die Scheidegiebel, auf die beiden Tennen⸗ dung waͤnde, und in die Mitte jeder etwa 30 Fuß langen Banſe zutreffen muͤſſen) run⸗ conſtruirt worden; ſo iſt dann noch der Laͤngenverband zu beruͤckſichtigen. §. 69. ger⸗ So wohl um die Bohlenſparren gegen das Ausweichen nach den Seiten Verband fs hin zu ſichern, als auch zum Längenverbande ſelbſt, dienen außerhalb die dieſerhah 4) Latten ſehr weſentlich, innerhalb aber muͤſſen, in gleichen, etwa 8 fuͤßigen nach der Ten Entfernungen uͤber einander, ſchmale Bretter k Fig. 96 A, C und H feſt Laͤnge. 8 angenagelt werden. Zwiſchen dieſe Bretter werden dann, einen Binder um 4 ue⸗ den andern, kurze Bretter min), mo, rp und ra, nach Fig. C und H, in iglich. Form eines Kreuzes genau eingepaßt und gut angenagelt, wodurch die Spar⸗ han ren im Dache ſelbſt hinlaͤnglich gegen einen Schub nach der Laͤnge geſichert ſind. Der untere Bau findet ſeinen Laͤngenverband, noch außer den Front⸗ 3 mauern oder Waͤnden ſelbſt, in den, mit einem Rahmen und Baͤndern verſehenen 4 Stielen ef Fig. H, an welche die Sparren vermittelſt der Stichbalken befe⸗ den ſtigt ſind. Auf die Sparren daſelbſt kann noch innerhalb ein Brett in der un Gegend i Fig. A der Laͤnge nach genagelt werden. den. 144 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler In Scheunen, welche hinlaͤnglich ſtarke, maſſive Scheide⸗ und Endgiebel haben, wird dieſe Laͤngenverbindung hinlaͤnglich ſeyn. Allein bei ſchwaͤchern maſſiven Giebelmauern, oder gar hoͤlzernen Giebeln, welche, nach der, in Fig. 96 A angegebenen Form, dem Sturmwinde ſchon eine ſehr bedeutende, und in ihrer Mitte mit dem Gebaͤude gar nicht verbundene Flaͤche darbieten, iſt es ſehr zweckmaͤßig, jeden Endgiebel mit hinlaͤnglichen Strebewaͤnden gegen den Windſtoß, die uͤbrigen innern Scheidegiebel der einzelnen Scheunen aber, wenn mehrere Tennen und Banſen in dem Gebaͤude ſich befinden, nur in ſo weit mit einer Verſtrebung zu verſehen, als zu deren aufrechten Stellung und Haltung an und fuͤr ſich noͤthig ſeyn duͤrfte. Die Verſtrebung an den Endgiebeln, ſo wohl in einer maſſiven, als in einer hoͤlzernen Scheune, iſt in Fig. 96 A, C und F deutlich angegeben. Die Verſtrebung an den innern Scheidegiebeln aber kann nach Fig. G und H, wie ſolche auch in meiner Ab⸗ handlung uͤber Bohlendaͤcher vom Jahre 1301. Fig. 51 und 52 angegeben iſt, gemacht werden. Dieſe letztere Verſtrebung iſt bei Scheunen von geringerer Tiefe auch an den Endgiebeln anzuwenden. Bei den innern Scheidegiebeln muß, wie ſich von ſelbſt verſteht, eine ſolche Verſtrebung an beiden Seiten angebracht werden. Noch iſt anzumerken, daß, da in hoͤlzernen Scheunen die Bohlenſparren mit dem uͤbrigen Giebelverbande außerhalb buͤndig ſeyn muͤſſen(wie im Grund⸗ riſſe Fig. G bei w zu erſehen iſt), der Giebelſparren nicht in die Frontſchwelle, ſondern in die Giebelſchwelle, und zwar erſt neben dem Eckſtiel, außer der Flucht mit den uͤbrigen Sparren, geſtellt, und daher unterhalb ſteiler als die uͤbrigen Sparren angefertigt wird, ſo wie denn uͤberall, wo der Bohlenſpar⸗ ren vor Balken, Stiele und dergl. vorbeiſtreicht, erſterer in letztere einzulaſ⸗ ſen iſt, und der Zapfen des Bohlenſparrens, zur Schonung des Holzes in der Schwelle, nach Figur 94 F nur aus einem einzelnen Brette gemacht werden muß. H. 70. Einrichtung Bei der bisher angenommenen Hoͤhe der Umfaſſungsmauern und Waͤnde, fiwaruße he⸗ welche zugleich die zweckmaͤßige Anbringung der Luftzuͤge geſtattet, kann auch ben Einfahrt, die noͤthige Hoͤhe der Einfahrtsthorwege auf gewoͤhnliche Art erlangt wer⸗ beſaheir⸗ den. Da aber oft die Erſparung in den Baukoſten den Maßſtab zur Hoͤhe f afſungs⸗der Umfaſſungsmauern geben moͤchte; ſo iſt in Fig. 96 D und E eine Verbin⸗ mauern. dung angegeben, wie bei einer, nur 10 Fuß hohen, maſſiven Umfaſſungs⸗ mauer, —— –– Gebaͤude ohne Dachboden, als Getreideſcheunen ꝛc. 145 mauer, der in Fig. 96 A vorgeſtellte Verband der Scheune beibehalten, und deſſen ungeachtet die noͤthige Hoͤhe der Scheunenthore von 12 bis 15 Fuß er⸗ halten werden kann. Es wird naͤhmlich die Frontmauer ab Fig. E zu dem Thorwege, von der uͤbrigen Frontmauer cod der Scheune um ſo viel zuruͤck geſetzt, als nach dem Profil Fig. D in der runden Aufſteigung der Bohlenſparren zu dieſer Hoͤhe erforderlich iſt. Wenn nun in dieſem Profil die ſaͤmmtlichen kleinen Stich⸗ balken in eben der Hoͤhe von der Schwelle, wie in Fig. A angelegt werden; ſo macht alsdann die Thorwegsmauer ba Fig. E und D mit dem Unterzuge g die Gleiche, auf welcher die Stichbalken zur Tragung der Bohlenſparren uͤber dem Thorweg eine feſte Unterſtuͤtzung finden. Bei e und k in Fig. 96 E, woſelbſt ſich die Tennenwaͤnde befinden, ſind Binderwaͤnde, wie durch punktirte Linien in Fig. D bemerkt iſt, ange⸗ nommen. Da aber hierdurch theils der Thorweg ab nur 10 Fuß breit, und die Mauern zwiſchen ae und bk nicht ſtark genug ſeyn moͤchten, daß ſie ohne eiſerne Anker als Widerlager fuͤr einen flach uͤberwoͤlbten Thorwegbogen dienen koͤnnten; ſo iſt im Profil Fig. D nur ein ſtarkes Latteholz gelegt worden, da ohnehin ein Thorwegsbogen in ſolcher Art, ohne hinlaͤngliches Mauerwerk uͤber demſelben angebracht, nicht haltbar iſt. Soll aber der Thorweg entweder uͤberwoͤlbt, oder doch breiter gemacht werden; ſo muͤſſen die hoͤlzernen Binderwaͤnde e und f um einen Sparren weiter aus einander ruͤcken, und die Einſchnitte da und ob der Mauer die⸗ ſen nachruͤcken, ſo daß noch zwiſchen ae und b hinlaͤnglich ſtarke Wider⸗ lager verbleiben. Aus Fig. 96 D iſt ferner zu erſehen, wie das Dachrecht nirgends un⸗ terbrochen wird, und daher auch mit Stroh, Lehmſchindeln ꝛc. gedeckt werden kann, ohne daß Hohlkehlen oder Vorſpruͤnge im Dache ſich finden. Auch duͤrfte der Einſchnitt, den die Thore hier bewirken, bei ſehr tiefen Scheunen, zu einem beſſern Luftzuge uͤber die Tennen hinweg nicht undienlich ſeyn. Anm. Wollte man das erwaͤhnte Hereinſpringen bei ſo niedrigen Umfaſſungsmauern vielleicht vermeiden; ſo muͤßte, wenn das Dach mit Stroh oder Lehmſchindeln gedeckt wird, wo ſich Hohlkehlen nicht gut eindecken laſſen, die hoͤher liegende Einfahrt in Form einer großen Fledermaus⸗Luke gebildet, und das Dach derſelben mit dem uͤbrigen Scheundache verbun⸗ den werden, welches aber weniger Beifall, als der obige Vorſchlag verdient, und groͤßere Schwierigkeiten in Abſicht der Verbindung herbei fuͤhrt. 146 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler H. 21. Ein anderer In Fig. 97 iſt ein anderer Verband zu einer Scheune mit Bohlenſpar⸗ morſceng, ren, und zwar auf einer Seite ein Binder, und auf der andern Seite ein dung einer Leergeſpaͤrr angegeben. Durch die Zangen d und Streben e in den Bin⸗ Schacnt dern werden die innern und aͤußern Bohlenſparren ſehr genau mit einander ren. verbunden, ſo daß ein Ausweichen derſelben nicht moͤglich iſt; ja vermittelſt der Streben widerſtehen ſie auch den, auf die entgegen geſetzte Dachflaͤche etwa ſtoßenden Sturmwinden ſehr nachdruͤcklich. Uebrigens iſt aus der Figur alles deutlich genug zu erſehen, weshalb ich hier nur noch anfuͤhre, daß in den Leergeſpaͤrren die Stichbalken(in welche die Bohlenſparren, um ge⸗ gen das Ausweichen geſichert zu ſeyn, eingeblattet ſind) vermittelſt der Ueber⸗ kaͤmmung an den Unterzuͤgen a a ſehr ſtark ziehen, und letztere daher, wenn etwa die Binder mehr als 15 Fuß aus einander ſtehen ſollten, nachgeben koͤnnten. Deshalb ſind uͤber die Stichbalken hinweg leichte Hoͤlzer von Kreuz— holz bo, bo, Fig. B und C dergeſtalt einzulaſſen, daß ſelbige in c ſcharf zuſammen ſtoßen, und mit ihren Enden bb gegen die Stichbalken der Bin⸗ der ſich ſtuͤtzen, wodurch die Kraft der Unterzuͤge aa gegen das Herauswei⸗ chen ſehr verſtaͤrkt wird. Anm. In der Zulage Fig. 97 B iſt die Balkenvertheilung fuͤr eine Bedeckung mit Rohr⸗ oder Strohdach und in C fuͤr Ziegel⸗ oder Lehmſchindel⸗Dach angenommen worden. H. 72. Einige Be⸗ Das Ausſtaken und Lehmen der Faͤcher in den hoͤlzernen Umfas— merkungen ſungswaͤnden ſolcher Scheunen mit Bohlenſparren hat vor der Ausmaue⸗ uͤber d. Aus⸗.. bau der Boh⸗rung der Faͤcher deshalb einen Vorzug, weil die Bohlenſparren gewoͤhnlich lenſcheunen. neben einem Wandſtiel, oder gar innerhalb eines Faches ſtehen, aus welcher Urſache die Ausmauerung nicht immer feſt genug geſchehen kann. Auch ſichert eine Ausmauerung der Faͤcher nicht ſo gut gegen Einbruch, als die Aus⸗ ſtakung derſelben. Da die in Fig. 96 und 97 beſchriebenen Scheunenverbaͤnde keine durch⸗ gehenden Balken, mithin auch keine Unterzuͤge haben; ſo wuͤrde, wenn uͤber der Tenne eine Balkenlage(wie in ſonſt gewoͤhnlichet Art) verlangt werden ſollte, die Verbindung Fig. 98 dazu anzuwenden ſeyn. §. 73. Von den Die Unterhaltung der Gebaͤude iſt bei großen Wirthſchaften gewiß Wen keine Kleinigkeit. Daher muͤſſen ſaͤmmtliche Gebaͤude derſelben keine uͤberfluͤſ⸗ ſige Groͤße erhalten. Wenn nun aber, bei außerordentlich geſegneten Ernten, 1 —— C Si⸗ e dder Gebaͤude ohne Dachboden, als Getreideſcheunen ꝛc. 147 der vorhandene Scheunenraum nicht hinlaͤnglich iſt; ſo muͤßte das, was die Scheunen nicht faſſen koͤnnen, entweder in Feimen aufgeſetzt, oder in den Schafſtall, oder in eigentliche Interims⸗Scheunen untergebracht werden. Von denjenigen, welche einer ordentlich verbundenen Interims⸗Scheune, die nach gemachtem Gebrauche weggeſchafft und aufbewahrt werden kann, den Vorzug einraͤumen, kann der§. 59 erwäaͤhnte, vom Herrn ꝛc. Trieſt vorge⸗ ſchlagenen Verband einer einzelnen Banſe ſehr fuͤglich angewendet werden. Auch habe ich, in meiner Anweiſung uͤber Conſtruction der Bohlen⸗ daͤcher vom Jahre 1807, zu dieſem Behuf eine Anweiſung gegeben, welche, zu groͤßerer Vollſtaͤndigkeit dieſes Handbuchs, hier eingeſchaltet wird. An der Giebelſeite einer vorhandenen Scheune A muͤßte ſich, nach Figur 99, ein Scheunflur oder eine Tenne, und, außer den Vorder⸗ und Hinter⸗ thuͤren derſelben, auch an der Seite dieſer Tenne eine Thuͤre a befinden. Wenn nun aus vorgedachten Urſachen mehr Scheunenraum erforderlich wuͤrde, als die vorhandenen Scheunen gewaͤhren; ſo ſtreckt man, in gehoͤriger Weite von einander, die, ſchon zu dieſem Zwecke vorraͤthigen Schwellen codd und ef Fig. B, von beliebiger Laͤnge, auf Unterlagen, bis an den Giebel der vor⸗ handenen Scheune. In die, in dieſen Schwellen befindlichen Zapfenloͤcher werden nun die vorhandenen, der zu uͤberbauenden Breite angemeſſenen Boh⸗ lenſparren eingeſtellt, und der Laͤnge nach durch einige aufzunagelnde, ſchraͤge Strebelatten mit einander verbunden, oder befeſtigt. Dieſe Sparren koͤnnen von ganz leichtem und ſchlechtem Holze zuſam⸗ men geſetzt ſeyn, und der vorher erwaͤhnte Scheunflur kann zur Aufbewahrung derſelben dienen. Die Aufſtellung eines ſolchen Bogengerippes iſt etwas ſehr leichtes. Zur Bedeckung des Dachs Figur 99 C kann man Strohmatten, oder allenfalls, nach Art der Wagenkoͤrbe geflochtene, und mit Lehm ausgeſtrichene Tafeln gebrauchen, je nachdem man ſie eben vorraͤthig hat. Dieſe brauchen nicht auf Latten, ſondern nur an die Sparren dergeſtalt angeheftet zu werden, daß die Tafeln ſich einander uͤberdecken. Iſt das Getreide untergebracht, ſo kann der Giebel dieſer interimiſtiſchen Scheune leicht mit Brettern verſchlagen, oder es koͤnnen an denſelben Stan⸗ gen angeſetzt, und dieſe mit Strauchwerk ausgeflochten werden. Hierbei haͤtte man zugleich den Vortheil, daß, wenn das, unter die angebaute Scheune ein⸗ gebrachte Getreide ausgedroſchen werden ſoll, nur die, in dem Giebel der be⸗ ſtehenden Scheune befindliche Thuͤre a geoͤffnet zu werden brauchte, um das T 2 148 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler Dreſchen auf dem erwaͤhnten Scheunflur vorzunehmen, zu welchem Behuf unten in die Thuͤre einige Bohlen in der Hoͤhe einer Tennenflur⸗ Wand ein⸗ gelegt werden. Wenn man nachher der interimiſtiſchen Scheune nicht mehr benoͤthigt waͤre, koͤnnte, wie gedacht, der Scheunflur zur Aufbewahrung der Schwellen und der Bohlenſparren dienen. Damit auch das Getreide in der, auf vorgedachte, leichte Art aufgeſtell⸗ ten Scheune nicht auf der bloßen Erde zu liegen brauchte, koͤnnte, wie ſol— ches in den eigentlichen Scheunen geſchieht, eine Unterlage von Strauchwerk gemacht werden. Sind aber Bretter genug auf einem Vorwerk vorhanden; ſo wuͤrde es noch beſſer ſeyn, den Fußboden damit zu belegen, damit die ausgefallenen Koͤrner nicht verloren gehen. Der untere Theil der Sparren bei der einſtweiligen Scheune wuͤrde, wie Fig. 99 C vorgeſtellt iſt, mit Stoͤcken horizontal ausgeſetzt, und dieſe, als die Waͤnde der Scheune, wuͤrden mit Strauch ausgeflochten. Ob dieſe Scheunenwaͤnde nicht uͤberhaupt, wenigſtens bei Bauern⸗ und Koloniſten⸗ Etabliſſements, hinreichend, ja des Luftzugs wegen ſogar zweckmaͤßig ſeyn moͤchten, wird der Beurtheilung der Oekonomen anheim geſtellt. Da bei einer Interims-Scheune dem Schub der Sparren auf der Schwelle nicht ſo, wie§. 68 an der ordentlichen Bohlendachſcheune gezeigt worden, durch einen innern, kuͤnſtlichen Verband vorgebeugt werden kann; ſo iſt anzurathen, wie in Fig. 99 C bei bb gezeigt worden, laͤngs vor der Schwelle, in Entfernungen von 6 bis 8 Fuß, Pfaͤhle in die Erde zu ſchla⸗ gen, gegen welche die Schwellen ſich ſtuͤtzen koͤnnen. B. Von den Feimen⸗ oder Diemen⸗Geruͤſten zur Aufbewahrung des Getreides. — §. 74. In hieſigen Gegenden iſt man groͤßtentheils daruͤber einig, daß Scheunen zu den unentbehrlichſten Gebaͤuden auf dem Lande gehoͤren. Dagegen haͤlt man 8 rein⸗ znigt glen ſel- ſol perk den; aͤwie Bie 13 teſe teen⸗ Deyn a der D igt an ſo mer 3 den rau Gebaͤude ohne Dachboden, als Scheunen, Feimen⸗Geruͤſte ꝛc. 149 ſolche in einigen andern Laͤndern, z. B. in England, fuͤr ſehr entbehrliche Gebaͤude, indem daſelbſt das unausgedroſchene Getreide mehrentheils in Haufen(meules), welche hier Feimen oder Diemen heißen, unter freiem Himmel aufgeſetzt, und nach und nach zum Ausdreſchen nach dem Ge— hoͤfte in die eigentliche Scheune gefahren wird. Es iſt nicht einzuſehn, wie in dem engliſchen Original der Ackerbau⸗ Geſellſchaft du Bureau d'Agriculture de Londres, wovon Herr Laſteyrie eine Ueberſetzung herausgegeben hat, die Scheunen ſo hoch haben taxirt wer⸗ den, und woher man den Schluß hat machen koͤnnen, daß dieſe Gebaͤude die koſtbarſten von allen oͤkonomiſchen Gebaͤuden ſeyen. Sie erfordern ja nur vier Umfaſſungswaͤnde und das Dach, und nach der Conſtructions⸗Methode mit Bohlendaͤchern weniger langes und ſtarkes Bauholz, als andere Gebaͤude. Gleichwohl wird in jenem engliſchen Original, mit Beiſtimmung des Ue⸗ berſetzers, auch wohl von vielen andern Oekonomen, in Hinſicht auf Erſparung der Baukoſten der Scheunen, empfohlen, das unausgedroſchene Getreide in Haufen(meules) aufzuſtellen, und ſich nur einer kleinen Scheune mit einem Scheunflur zu bedienen, um die Garben auf ſelbiger auszudreſchen. Man ſagt auch, daß das gemaͤhete Getreide, wenn es nicht ganz trocken eingefahren werden koͤnnte, eher in den Scheunen, als in den meules(Fei— men oder Diemen) dumpfig werde, weil es den Scheunen an dem gehoͤrigen Luftzug fehle, auch ſich in den Scheunen viele Maͤuſe aufhielten, welche an- ſehnlichen Schaden anrichteten. Selbſt der beruͤhmte oͤkonomiſche Schriftſteller, Herr Thaͤr, erklaͤrt ſich aus dieſen und noch mehrern Urſachen fuͤr den Gebrauch der meules. In den Sammlungen der Leipziger oͤkonomiſchen Geſell⸗ ſchaft vom Jahre 1799 werden indeſſen viele und ſehr triftig ſcheinende Einwendungen gegen die Feimen oder Diemen aufgezaͤhlt, die ich zum Theil auch von andern Wirthſchaftsverſtaͤndigen gehoͤrt habe. Es wird naͤhmlich geſagt, es leide wohl keinen Widerſpruch, daß es mehr Tagelohn und Zeit erfordere, eine Quantitaͤt Getreide in Haufen aufzuſtellen und hernach einzufahren, als es ſogleich in die Scheunen zu bringen. Ferner heißt es daſelbſt, daß die Voͤgel und Maͤuſe vielen Schaden daran thaͤten, daß, ſo wohl hierdurch, als durch den zweimahligen Transport, viele Koͤrner verlohren gingen, daß liederliches Geſindel, welches ſich oft bei den Diemen lagert, oder boshafte Menſchen aus Rache, unbemerkt und leicht den Die⸗ men anzuͤnden koͤnnten. Auch wird wohl nicht ohne Grund angefuͤhrt, daß Heu⸗Feimen hieſiger Art. ooöooͤoͤͤͤͤͤͤͤſͤſſſſſſ⁄ 150 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler das Bedecken oder Behaͤngen der Haufen vieles Stroh erfordere, welches zum Theil verdirbt; imgleichen, es koͤnne waͤhrend des Aufbauens der Diemen Regenwetter einfallen, welches dann nachtheiliger waͤre, als beim Ge⸗ brauch der Scheunen, weil in den Diemen die Garben feſter zuſammen ge⸗ preßt wuͤrden, und Stroh und Koͤrner auf ſolche Art in den Diemen leichter verduͤrben, wodurch ſelbſt fuͤr den Viehſtand Gefahr entſtehe. Endlich wird daſelbſt geſagt, daß der Regen, wenn der Diemen nicht ſpitzig genug gebaut werde, trotz dem darauf befindlichen Strohlager eindringe, oder daß der Die⸗ men, wenn er ſchlecht, oder nicht feſt genug, und doch dabei hoch angelegt wuͤrde, vom Sturmwinde ſehr leicht umgeworfen werden koͤnne, weshalb zum Aufſetzen in Haufen nach der gehoͤrigen Art und Form geſchicktere Haͤnde, als zum Einbanſen in die Scheune gehoͤrten. In den eben gedachten Leipziger Anzeigen(in dem Stuͤcke von der Oſtermeſſe 1801) wird zwar vielen dieſer angezeigten Maͤngel wider⸗ ſprochen, und der Diemen⸗Bau dennoch angeruͤhmt; indeſſen muß ich dieß er⸗ fahrnen Oekonomen zur Entſcheidung uͤberlaſſen. Mir ſchienen die mehrſten dieſer Widerlegungen in den Leipziger Anzeigen nicht hinlaͤnglich. Das Heu in Feimen auf der Wieſe aufzuſtellen, iſt in Deutſchland an ſolchen Orten, wo viel Wieſewachs, z. B. im Oder⸗ und Warthebruche, vor⸗ handen iſt, und wo fuͤr dieſe Futterſorte ſehr viel Scheunenraum erforderlich ſeyn wuͤrde, ſchon lange im Gebrauch. Es koͤnnen bei dem Heu auch die vor⸗ erwaͤhnten Nachtheile theils nur in geringerm Maße, theils gar nicht ſo, wie beim Getreide vorkommen, und deshalb waͤre an ſolchen Orten der Koſtenauf⸗ wand fuͤr Scheunen, zur Aufbewahrung des ſaͤmmtlichen Heus, gegen den Vor⸗ theil, der in den Feimen am Heu verlohren geht, bei weitem uͤberwiegend. Was nun die Conſtruction der Feimen oder Diemen betrifft, ſo will ich die bekannteſten derſelben in der Ordnung, wie ſie von der einfachſten bis zu einer kuͤnſtlichen Zuſammenſetzung folgen, hier beſchreiben. §. 75. Die Heu⸗Feimen, wie ſolche z. B. im Oder⸗ und Warthebruch gebaut wer⸗ den, beſtehen aus einem hohen Baume in der Mitte, welcher ſeines feſten Standes wegen hinlaͤnglich tief in die Erde gegraben wird. An dieſen Baum wird das getrocknete Heu, unten in einer Anlage von 12 bis 16 und mehrern Fuß im Durchmeſſer, und von da hinauf, pyramidaliſch in die Hoͤhe, bis zu einer Spitze gepackt, welche hiernaͤchſt boben um den Baum mit Strohbaͤndern — · Gebaͤude ohne Dachboden, als Scheunen, Feimen⸗Geruͤſte ꝛc. 151 Sun oder Weiden umbunden wird. Der ganze Haufen bleibt ohne Dach oder ſon⸗ len ſtige Bedeckung. Dieſerhalb aber, und damit das Heu nicht vom Winde ver⸗ e⸗ wehet werden kann, wird es dergeſtalt gepackt, und waͤhrend des Packens be⸗ ſtze⸗ harkt, daß moͤglichſt jeder Halm in den Haufen hinein reicht, und ſo die Halme I er der aͤußerſten Lagen nur mit Einem Ende heraus ſtehen, und eine ziemlich Lird glatte Außenſeite bilden. Put Weil aber die Wieſen in gedachten Gegenden oft vom Waſſer, einige zu— lhei⸗ weilen auf 6 bis 8 Fuß hoch, uͤberſchwemmt werden; ſo wird der ganze Heu— Drat haufen gleich anfaͤnglich ſo hoch von der Erde angelegt, und die Grundflaͤche in deſſelben, welche aus Brettern oder Stangen beſteht, wie in Fig. 100 vorge⸗ nuß, ſtellt iſt, wird mit mehrern eingegrabenen Stielen unterſtuͤtzt. 1§. 76. ſicht⸗ Die Getreide⸗Feimen erfordern aber nothwendig eine Bedeckung, theils Getreide⸗ ſair⸗ weil der Verluſt deſſen, was durch die Witterung an der Außenſeite verderbt d.n hen. dhen wird, zu betraͤchtlich ſeyn wuͤrde, theils auch, weil das Getreide von den Voͤgeln angegriffen wird. Die Bedeckung der Getreide⸗Feimen veranſtaltet man aber tan gern ſo, daß ſolche ſchon waͤhrend des Aufſetzens derſelben, wenn dabei ſchlimme Witterung einfallen ſollte, ſogleich vorhanden iſt. Die einfachſte Vorrichtung adch dazu iſt folgende. sr⸗ Es werden, nach Fig. 101 A, vier Schwellen, von etwa 6zoͤlligem Kreuz⸗ 5 holze und etwa 12 bis 16 Fuß lang, im Quadrat zuſammen verbunden, und an an den Ecken werden Zapfenloͤcher fuͤr vier Sparren gemacht. Gewoͤhnlich ge⸗ beſtehen die vier Sparren, welche oben in der Spitze zuſammen laufen, nur 4 aus Stangen, 4 bis 6 Zoll im Durchmeſſer ſtark. Auf dieſe Sparren wird, lich wie in Fig. 101 B zu erſehen, auf gewoͤhnliche Art gelattet; das Dach wird 70 1u mit Stroh gedeckt; oben auf der Spitze aber wird eine Art hoͤlzerner Teller mit einem Nagel befeſtigt, und dadurch wird die Spitze des Strohdachs bedeckt. Zu den Latten koͤnnen auch runde, alte Stangen ꝛc. gebraucht werden, die man mit hoͤlzernen Naͤgeln nagelt. Hierauf werden vier Baͤume oder runde Stiele, 3 bis 10 Zoll im Durchmeſſer ſtark und etwa 14 Fuß lang, von ihrer Rinde nr geſaͤubert, alle 10 bis 12 Zoll in der Hoͤhe mit einem, ½ Zoll tiefen Kerb ver⸗ 1n ſehen(ſ. Fig. 101 B), und um die vorgedachten Schwellen herum, etwa m 3 Fuß tief in die Erde gegraben, doch ſo, daß die gekerbte Seite derſelben berrn auswaͤrts gekehrt iſt. Ferner wird um jeden der vier Stiele ein Weidenring id iu von dem Umfange, daß er an dem ſtaͤrkſten Theile des Stiels noch ½ Zoll 152 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler Spielraum hat, gelegt. Ein zweiter Ring von Weiden⸗, Birken⸗, oder Eichenholz wird um jede der vier Ecken der Schwellen gelegt, und durch den erſt gedachten Ring ſo durchgeflochten, daß er mit demſelben wie eine Kette zuſammen haͤngt. Auf dieſe Art wird das Dach vermittelſt der Kettenringe zwiſchen und an den vier Stielen aufgehangen, wie aus der Fig. B zu er⸗ ſehen iſt. Will man nun bei dem, nach und nach hoͤher aufzuſetzenden Feimen das Dach hoͤher heben; ſo werden hierzu eine Leiter und zwei Menſchen erfordert. Waͤhrend der eine das Dach an der einen Ecke in die Hoͤhe hebt, ſchiebt der andere den Ring auf einen hoͤhern Kerb. Dieß wird nach der Reihe mit allen vier Ecken gemacht, bis man die verlangte Hoͤhe erhalten hat. Auf eben dieſe Art kann auch das Dach wieder herunter gelaſſen werden. Der Boden oder Grund der Feimen wird mit Feldſteinen ausgeſetzt, und darauf wird Tanger oder trocknes Strauchwerk gelegt. §. 77. Mansfeld⸗ Eine andere Art Feimen⸗Geruͤſte, wie ſolche in der Grafſchaft MNans⸗ ſche Feimen. feld gebaut werden, und in den Leipziger Anzeigen von der Michaelis⸗ Meſſe 1799 beſchrieben ſind, iſt folgende. Auf den Ort, wo ein Feimen gebaut werden ſoll, werden in einer run⸗ den Flaͤche von etwa 21 bis 22 Fuß im Durchmeſſer Bretter oder alte Luken als Unterlage gelegt, und auf dieſe wird das Getreide pyramidaliſch und feſt aufgeſetzt. Hierauf wird ein runder Baum, von 20 bis 24 Fuß Laͤnge und 3 bis 9 Zoll im Durchmeſſer, unten zugeſpitzt und oben, wie in Fig. 102 bei a zu ſehen, mit einem ſtarken, runden Wallzapfen verſehen. Auf dieſen Wallzapfen wird ein eiſerner Ring b, welcher 1½ Fuß im Durchmeſſer, 3 bis 4 Zoll breit, und ½ Zoll dick iſt, und nach außen 16, gleich weit von ein⸗ ander entfernte Loͤcher hat, geſteckt. Dieſer Pfahl mit dem Ringe darauf wird, wenn das Getreide zu einem Feimen aufgebaut iſt, von oben hinein⸗ geſteckt*), und dann werden ſtarke Latten oder Stangen o, welche oben mit eiſernen Haken verſehen ſind, in den, auf dem Pfahle befindlichen Ring ge⸗ hakt, wodurch das Dachgerippe mit ſeinen Sparren vollendet iſt. Die Lat— ten oder Sparren werden nun unten herum in gleichen Entfernungen gelegt, und mit duͤnnen Weidenſtangen belattet. Die Latten werden entweder mit hoͤlzernen Naͤgeln oder mit Weidenband befeſtigt. Endlich wird alles leicht mit Stroh bedeckt. Damit aber oben, wo das Dach in den Ring zuſam⸗ men —õ——õ— der den . atte utnge 1s er⸗ 12 das Gett. Aader Aünit 177 1 d üs⸗ O is⸗ AMun⸗ 1 kken mnſt aund 40² it ſen is roein⸗ rauf lein⸗ D nit eiige⸗ lat⸗ gt, aemit eeicht ſam⸗ men Gebaͤude ohne Dachboden, als Scheunen, Feimen⸗Geruͤſte ꝛc. 153 men laͤuft, kein Regen eindringen koͤnne, wird ein Brettſtuͤck d, welches rund bearbeitet ſeyn kann, mit einem Nagel auf den Pfahl befeſtigt. *) Sollte es nicht leichter und beſſer ſeyn den Pfahl zuerſt zu ſtellen, und nachher das Ge⸗ treide herum zu packen? Obgleich auf dieſe einfache, leichte und wenig koſtſpielige Art ein Feimen gehoͤrig gegen die Witterung geſichert werden kann; ſo iſt doch immer noch zu beſorgen, daß das Getreide waͤhrend des Aufbaues des Feimens vom Re⸗ gen zu ſehr angenaͤſſet werden koͤnnte. Hiergegen wird in dem oben gedach⸗ ten Hefte der Leipziger Anzeigen folgender Vorſchlag gemacht: Man laſſe ſich von ſchlechter Leinwand eine Kappe machen, die auch aus mehreren Theilen beſtehen, uͤber einander gelegt, auf die Sparren befeſtigt, und nach Gefallen auf mancherlei Weiſe gemacht werden kann. Sieht man nun, daß es waͤhrend des Feimen⸗Baues zu regnen drohet; ſo iſt es die Sache einer halben Stunde, den Pfahl mit dem oben aufgeſteckten Ringe in die Mitte des Diemens einzuſtoßen, die Sparren einzuhaͤngen und die Kappe hinuͤber zu ziehen; denn hierzu waͤre das Belatten noch uͤberfluͤßig, außer Einer Latte unten herum, um die Sparren damit zu ordnen. Sollten einige Sparren zu dieſem vorlaͤufigen Gebrauche nach außen zu weit aus einander liegen, und alſo die Leinwand nicht genug geſpannt werden, ſo wuͤrde es her⸗ nach in der Geſchwindigkeit etwas leichtes ſeyn, ſie gleichfoͤrmiger zu verthei⸗ len, oder enger zu ruͤcken, und noch einige vorraͤthige Stangen ohne Haken nur einſtweilen unterzuſchieben. Dieſe Kappe wuͤrde dann auch, wenn, beim Abbau und Einbringen des Diemens, Regenwetter einfallen ſollte, ſehr vortheilhaft ſeyn. §. 78. An andern Orten bedient man ſich der Einrichtung, daß ein ordentlich verbundenes Dach den Haufen oder Feimen bedeckt, welches vermittelſt einer mechaniſchen Einrichtung in die Hoͤhe gehoben, und niedergelaſſen werden kann. Der Zimmermeiſter, Herr Leideritz in Deſſau, hat in einer eige⸗ nen Beſchreibung, unter dem Titel: Abhandlung uͤber Diemen oder Feimen⸗Geruͤſte zur Aufbewahrung der Getreide und Futter⸗ vorraͤthe, nebſt Anweiſung, wie ſolche leicht und wohlfeil zu erbauen ſind, mit drei Kupfertafeln, Deſſau bei Heinrich Taͤn⸗ zer 1800 von zweierlei Arten ſolcher Geruͤſte Nachricht gegeben, die, ihrem weſentlichen Inhalte nach, in folgendem beſteht. U Deſſaui⸗ ſche Feimen⸗ Geruͤſte. 154 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler Die erſte Art, welche von dem Herrn Oberamtmann Holzhauſen zu Groͤbzig im Anhalt-Deſſauiſchen errichtet wurde, hat folgende Beſchaffen— heit. Acht niedrige, maſſive Pfeiler a Fig. 103 A, auf welchen eben ſo viele Mauerlatten b ſtatt der Schwellen liegen, bilden den Umfang des Geruͤſtes welcher hoͤchſtens 28 Fuß im Durchmeſſer betraͤgt. In der Mitte dieſes Raums iſt eine Vertiefung D in der Erde, von der Oberflaͤche an, 4 Fuß tief. Dieſe Vertiefung, 4 Fuß im Quadrat weit, iſt von einer, mit vier Pfeilern d verſehenen Mauer eingeſchloſſen, doch ſo, daß auf einer Seite bei e eine Oeffnung iſt, durch welche eine Perſon bequem hinein kommen kann. So wohl auf dieſer Mauer, als auf den, mit ihr verbundenen vier Pfeilern lie⸗ gen zuſammen gezapfte Mauerlatten k, auf welchen, ſo wie auf den aͤußern b, 16 Stuͤck Balken g und h ruhen, auf welche bei dem Aufbanſen des Getrei⸗ des Stangen ꝛc. gelegt werden. In der vorerwaͤhnten Vertiefung liegen vier, uͤber einander geblattete Schwellchen, welche Fig. B bei k zu ſehen ſind. Dieſe Schwellchen beruͤhren mit ihren Enden alle vier Seiten der Mauer ſo genau, daß der Fuß der darauf zu ſetzenden Saͤulen i keine Verruͤckung leiden kann. Die vier Saͤulen haben neben der Hauptabſicht, das bewegliche Dach an denſelben auf und nieder zu laſſen, noch den Nutzen, daß durch das Rohr, welches ſie in ihrer Stellung bilden, ein gehoͤriger Luftzug im Innern des Haufens erhalten wird, ferner, daß man zwiſchen den Saͤulen vermittelſt der Latten(welche eigentlich verhindern ſollen, daß das Getreide nicht in das mittlere Rohr falle) wie auf einer Leiter in die Hoͤhe ſteigen kann. Nahe uͤber der Erde, bei n Fig. B, iſt ein Riegel, in welchem eine Welle mü mit einem eiſernen Zapfen in einer eiſernen Pfanne ſteckt. Die Welle m iſt auch im Grundriſſe Fig. A zu ſehen. In einiger Hoͤhe, bei o Fig. B, ſind die vier Saͤulen unter einander durch eben ſo viele Riegel verbunden, und in der naͤhmlichen Hoͤhe ſtehen ge⸗ gen die vier Saͤulen vier Streben p, welche ihren Stand auf dem, im Grundriſſe A mit h bezeichneten Balken erhalten. Noch hoͤher hinauf⸗ bei q. iſt eine der vorigen aͤhnliche Verriegelung angebracht. Ganz oben ſind zwei und zwei Saͤulen mit einem Blattſtuͤcke oder Raͤhm r verſehen, und eben ſo von den zwei andern Seiten mit Riegeln s verbun⸗ den. Auf den Blattſtuͤcken r liegt ein Balken t, an welchen ſo wohl das eine Ende eines, nachher naͤher zu beſchreibenden Seils, als auch eine Scheibe oder Rolle befeſtigt iſt. Gebaͤude ohne Dachboden, als Scheunen, Feimen⸗Geruͤſte ꝛc. 155 Um die vier aufgeſtellten Saͤulen befinden ſich zwei, von Eichenholz verfertigte, viereckig zuſammen geſetzte Kraͤnze w und x Fig. B. Der untere Kranz w ruhet auf dem, an ihn befeſtigten Zugbalken v, und iſt mit dem obern Kranze x durch 8 Stuͤck Zangen z verbunden. Auf dem obern Kranze x ſind 16 Sparren aa von ſchwachem Holze aufgeklauet und angenagelt, welche durch eben ſo viele, in die Sparren und in den Unterkranz w einge⸗ lochte Streben bb in die Hoͤhe gehalten werden. Das ganze zirkelfoͤrmige Dach wird belattet und leicht mit Stroh oder Rohr bedeckt. Was das Heben und Niederlaſſen dieſes Daches betrifft, ſo geſchieht dieß durch die, ſchon oben erwaͤhnte, im Durchmeſſer 8 Zoll ſtarke Welle m. An dieſe Welle iſt das untere Ende des zum Ziehen beſtimmten Seils be⸗ feſtigt, welches von da in die Hoͤhe geht, und ſich um die Scheibe 1 ſchlaͤgt. Von dieſer Rolle geht es wieder herunter, und ſchlaͤgt ſich um eine zweite, in den Zugbalken v befeſtigte Rolle. Von dieſer ſteigt es nochmahls in die Hoͤhe, und wird an den Balken t angebunden. Durch dieſes Verfahren zieht man nur die halbe Laſt des Daches vermittelſt der Welle, welche Laſt auch noch durch den Hebel cc ſo ſehr verringert wird, daß drei bis vier Perſonen es mit leichter Muͤhe heben koͤnnen. In jeder der vier Saͤulen ſind an ihren Seiten 9 Stuͤck durch dieſelben gehende Loͤcher u angebracht, in welche man Lattſtuͤcke von feſtem und zaͤhem Holze, zur jedesmahligen Unterſtuͤtzung, des in die Hoͤhe gezogenen Daches, ſteckt. Waͤhrend des Hinaufziehens deſſelben werden ſie jedoch heraus genom⸗ men, weil ſie ſonſt das Durchgehen des untern Zugbalkens v hindern wuͤrden. Die vier Saͤulen ſind oben mit einem Schindeldache bedeckt. Anm. Herr Meinert giebt in ſeiner Landwirthſchaftlichen Bauwiſſenſchaft, Halle 1797, im zweiten Theil Seite 482, eine Beſchreibung eines aͤhnlichen Fei⸗ men⸗Geruͤſtes, welches von dem vorher beſchriebenen im Ganzen nur darin verſchieden iſt, daß die vier Saͤulen, anſtatt auf Schwellen zu ruhen, in der Erde ſtehen und einge⸗ graben ſind. §. 79. Da dieſe Art Feimen⸗ oder Diemengeruͤſte theils zu koſtbar ſind, theils Feimen⸗Ge⸗ das Aufziehen und Herunterlaſſen des Daches doch immer noch zu umſtänd⸗ lich iſt, indem dabei das Hebezeug bald beſchaͤdigt wird; ſo giebt Herr Lei⸗ deritz in vorgedachter Schrift eine eigene Erfindung eines leichtern und wohl⸗ feilern Feimen⸗Geruͤſtes folgender Maßen an. U 2 156 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler Die Fig. 104 zeigt ein ſolches Feimen-Geruͤſte, welches ein Zirkeldach von 34 Rheinlaͤndiſchen Fuß im Durchmeſſer uͤber ſich traͤgt, und unter wel⸗ chem, 25 Fuß hoch, ein Vorrath von 80 Schock Garben aufgebanſet wer⸗ den kann. Die Saͤule a in Fig. B iſt aus einem reinen, geraden und ſtarken Fich⸗ ten- oder Kiefernſtamme gehauen, welcher nach einer Laͤnge von 40 ¾ Fuß an ſeinem Wipfelende wenigſtens noch 13 Zoll im Durchmeſſer halten muß. Dieſer Stamm wird, 13 Fuß vom Stammende herauf gemeſſen, nur abge⸗ ſchaͤlt, und rund gelaſſen, von da an aber bis zum Wipfel 11 ½ Zoll im Qua⸗ drat ſtark beſchlagen, gehobelt, und ſo, wie die fernere Beſchreibung angiebt, bearbeitet. Nachdem dieß geſchehen, wird er 4 Fuß tief in die Erde gegra⸗ ben, wo er ſeinen Stand auf einen Bruchſtein oder platten Feldſtein erhaͤlt. Zur Conſervation des Holzes wird der untere Theil angebrannt, und die Grube um die Saͤule herum wird mit Lehm angefuͤllt und feſt geſtampft. Um der Saͤule ſo wohl fuͤr ſich ſelbſt, als auch gegen Stuͤrme einen feſten Stand zu geben, werden gegen dieſelbe vier Streben o gelehnt, welche unten auf Treibladen b Fig. 104 A und B von eichnem Holze ſtehen. In letztern haut man lange Loͤcher(ſ. Fig. A), in welche dann die Streben o eingezapft, und mit Keilen feſt gegen die Saͤule geſpannt werden. Die Treib⸗ laden werden gegen das Ausweichen dadurch geſichert, daß man unter dem einen Ende einer jeden Treiblade einen Pfahl d einrammt, auf welchen die Treibladen gezapft werden, und unter das andere Ende derſelben einen glatten Bruch⸗ oder Feldſtein legt. Die ganze Erdflaͤche, welche vom Dache bedeckt werden ſoll, muß wenigſtens 9 Zoll mit Lehm erhoͤht, und wie bei einer Scheuntenne feſt geſchlagen werden, damit dadurch ſo wohl das Eindringen des Waſſers, als auch das Aufſteigen der Duͤnſte gehindert wird. Hierbei iſt noch zu merken, daß man in den erſten Jahren dennoch beim Einbringen der Vorraͤthe etwas Stroh auf den geſchlagenen Lehm ſtreuen muß. Oberhalb iſt die Saͤule mit einem ſtarken, zugeſpitzten Bohlenſtuͤcke bedeckt, welches man zur beſſern Conſervation einige Mahl mit Oehlfarbe anſtreicht. Um dieſe Saͤule iſt ebenfalls, ſo wie bei dem vorgedachten Geruͤſte, ein beweglicher Kummet Fig. E angebracht, welcher an der Saͤule auf und nieder geſchoben werden kann. Der untere Kranz e deſſelben beſteht aus eiche⸗ nen, ins Viereck zuſammen gezapften Hoͤlzern, wie Fig. C im Großen zeigt; der obere Kranz k hingegen beſteht aus 3 Stuͤck eichenen Bohlenhoͤlzern, welche nach Art der Kammraͤder zuſammen geduͤbelt ſind, Fig. D. Beide Kraͤnze ſind —.,— — ——— Gebaͤude ohne Dachboden, als Scheunen, Feimen⸗Geruͤſte ꝛc. 157 durch vier Zangen, die 5 Zoll im Quadrat ſtark und von kienenem Holze ver⸗ fertigt ſind, g Fig. B und E, verbunden. Auf dem obern Kranze f ruhen 20 Sparren h, von kienenem, nicht aͤſti⸗ gem, 2 und 3 Zoll ſtarkem Holze. Die, unter jedem Sparren angebrachten Streben i ſind nur 2 ½ Zoll im Quadrat ſtark, welche Staͤrke durch die Er⸗ fahrung fuͤr hinlaͤnglich befunden werden. Die Belattung des Daches ge⸗ ſchieht am beſten mit geriſſenen Latten, weil ſie ſich biegen muͤſſen. Die drei untern Latten k Fig. A ſind ungefaͤhr ¾ Zoll ſtark, und ax Zoll breit, und werden mit Lattnaͤgeln aufgenagelt. Die dieſen folgenden Latten 1 ſind nur 1 Zoll ſtark und 1 ½ Zoll breit, und beduͤrfen ſchwaͤcherer Naͤgel, ſo wie auch die Latten, je mehr ſich die Belattung dem Mittelpunkte naͤhert, deſto ſchwaͤcher gemacht werden, ſo daß man ſie endlich bei m nur von ſo genannten Tonnen⸗ reifen macht, weil dieſe ſich beſſer in kleine Zirkel biegen. Zur Deckung des Daches gebraucht man entweder Stroh oder Rohr, woran noch viel Schilf haͤngt, und die daraus verfertigten Schoͤfe bindet man mit Weiden an. Die ganze Deckung braucht, wenn ſie von einem ge⸗ ſchickten Dachdecker gemacht wird, nicht ſtaͤrker als 4 Zoll zu ſeyn, um voll— kommen das Regenwaſſer abzuleiten. Weil man aber die Stroh- und Rohr⸗ ſchoͤe um die Saͤule herum unmoͤglich gehoͤrig dicht befeſtigen kann, und alſo hier Naͤſſe eindringen koͤnnte; ſo muß man den obern Theil des Daches mit keilfoͤrmigen, 3 Fuß langen, mit Zapfen und Nuthen verſehenen Schindeln decken, welche dicht an die Saͤule paſſen. Dieſe Schindeln werden auf zwei, mit Stricken an die Sparren befeſtigte Reifen genagelt, und mit Oehlfarbe beſtrichen. Das Aufheben und Niederlaſſen des Daches geſchieht durch zwei gewoͤhn⸗ liche Wagenwinden, welche ungefaͤhr, mit Inbegriff der ausgewundenen Stan⸗ gen, 3 Fuß 11 Zoll lang ſind. Soll nun das Dach aus der, in Fig. 104 B gezeichneten Stellung in die Hoͤhe gehoben werden; ſo ſetzt man die Win⸗ den auf die, durch die Saͤule gehenden Scheiden n von zwei Seiten unter den Kranz e, und hebt das Dach 15 Zoll hoch bis in e, wo das erſte Un⸗ terſtuͤtzungsloch in dem Hauptſtaͤnder ſich zeigt. Durch dieſes Loch ſteckt man eine, von recht zaͤhem Holze verfertigte Scheide, und auf dieſer laͤßt man das Dach ruhen. Soll das Dach noch hoͤher ſtehen, ſo ſetzt man zum zweiten Mahle die Winden auf die beiden Kloͤtzchen oder Knaggen p, die ihren Stand auf den zwei Streben c haben, und mit ſtarken, eiſernen Naͤgeln befeſtigt ſind. Von hier aus hebt man das Dach wieder 15 Zoll hoͤher, wo es eben 158 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler ſo, wie beim erſten Heben, mittelſt einer, durch das zweite Unterſtuͤtzungsloch geſteckten Scheide ſeine Ruhe erhaͤlt. Von dem Punkte e, oder dem Orte an, von welchem an die Saäule nach oben zu vierkantig bearbeitet iſt, befin⸗ den ſich 14 Loͤcher uͤber einander durch die Saͤule, und zwar ſo, daß wechſels⸗ weiſe ein Loch von einer Seite, und das folgende von der andern Seite durch die ganze Saͤule reicht. In dieſe Loͤcher werden, Behufs des Aufrichtens oder Niederlaſſens des Daches, Scheiden von zaͤhem Holze geſteckt, und indem die Winden nach und nach auf dieſe Scheiden geſetzt worden, wird das Dach nach und nach bis zur moͤglichſten Hoͤhe gehoben, welche in Fig. B punktirt und wobei die Stellung der Winden angegeben iſt. Eine Hauptſache bei dieſem Heben iſt, daß die Winden jederzeit feſt an⸗ liegen, lothrecht ſtehen, und gleichfoͤrmig gewunden werden muͤſſen. Die Gabelſpitzen der Windeſtangen wuͤrden aber bei mehrmahligem Ge⸗ brauch des Diemens den untern Kranz e ruiniren. Daher paſſe man zwiſchen die Winde⸗Gabelſpitzen ein Stuͤck hartes, feſtes Holz dergeſtalt ein, daß die Spitzen nur noch Zoll uͤber die Hoͤlzchen vorragen. Daß das Aufwinden des Daches nach und nach nicht hoͤher geſchehe, als das Aufbanſen ſolches erfordert, iſt eine zur beſſern Aufbewahrung des Ge⸗ treides noͤthige Vorſicht. Eben dieſe Vorſicht iſt aber auch, beim Abbauen des Diemen⸗Getreides, in Betreff des Herunterlaſſens des Daches noͤthig. Die beſtimmtere Verfertigung des untern Kranzes e iſt durch Fig. C deutlich gemacht. Die Riegelet ſind mit den Hoͤlzern r, vermittelſt durch⸗ gehender Zapfen und Verſatzungen zuſammen geſetzt, und jeder Zapfen iſt zwei Mahl verbohrt und genagelt. Der innere Raum, welchen dieſe Hoͤlzer umſchließen, muß Zoll weiter ſeyn, als die vorher beſchriebene Saͤulendicke iſt, damit ſich der Kranz bequem an der Saͤule auf⸗ und abſchieben laͤßt. In jedes dieſer Hoͤlzer wird bei s ein, 3 Zoll tiefer, oben 3, und unten 5 Zoll breiter ſchwalbenſchwanzfoͤrmiger Einſchnitt gemacht, in welchem nachher die, in Fig. E angegebenen Zangen g eingeblattet werden. Aus dem Mittelpunkte dieſes Kranzes wird mit einer Weite von 11 Zoll ein Zirkel geriſſen, nach welchem hiernaͤchſt, wann die erwaͤhnten Zangen eingeſetzt ſind, vier Brett⸗ chen q, ungefaͤhr 1 ½ Zoll ſtark, aufgenagelt werden. Der obere Kranz D iſt aus acht kurzen, wechſelsweiſe nach Art der Kammraͤder doppelt uͤber einander gelegten Bohlenſtuͤcken verfertigt, und eben ſo mit verkeilten Naͤgeln zuſammen befeſtigt. Das innere Quadrat erhaͤlt mit dem im untern Kranze gleiche Groͤße, und bekommt ebenfalls ſolche ſchwalben⸗ —,— — — Gebaͤude ohne Dachboden, als Scheunen, Feimen⸗Geruͤſte ꝛc. 159 ſchwanzfoͤrmige Einſchnitte s. Die aͤußere Groͤße iſt im Durchmeſſer 2 Fuß 4 Zoll, und wenn beide Kraͤnze, nach Fig. E, zu Einem Kumpten zuſammen geſetzt ſind; ſo iſt derſelbe 9 Fuß 3 Zoll hoch. Aus der Figur iſt zugleich die naͤhere Zuſammenſetzung der Sparren mit ihren Streben am Kumpten zu erſehen. Herr Leideritz giebt nun außerdem, in ſeiner nur vier Bogen ſtarken Schrift, noch näͤhere Auskunft vom Aufrichten des ganzen Geruͤſtes, und von allen uͤbrigen Details, und zwar ſo deutlich und vollſtaͤndig, ſo wohl im Texte als in den Kupfern, daß ich jedem, dem es um Feimen⸗ oder Diemen⸗ bau zu thun iſt, dieſes Werkchen mit allem Rechte anempfehlen kann. §. 80. Es iſt ſchon am Anfange dieſes Abſchnitts erwaͤhnt worden, daß der Fei⸗ Engliſche men⸗ oder Diemenbau(meules) vorzuͤglich in England Anwendung findet, naued und zwar nicht etwa Behufs des uͤberfluͤßigen Getreides bei einer geſeg⸗ Feimen. neten Ernte, ſondern vielmehr fuͤr alles gewonnene Getreide, und zwar derge⸗ ſtalt, daß man die meules um das Gehoͤfte, oder nahe an demſelben, in einem umzaͤunten Raum, in der Naͤhe der Dreſchſcheune aufſetzt. Da jedes⸗ mahl nicht mehr ausgedreſcht wird, als verbraucht oder verkauft werden ſoll; ſo werden die Feimen nur klein, aus 50 bis hoͤchſtens 60 Schock hieſiger Garben aufgeſetzt, und ſie vertreten demnach nicht nur die Stelle der Scheu⸗ nen, ſondern auch der Kornboͤden. Der Grund oder die Unterlage dieſer engliſchen Feimen beſteht aus einem, von Holz verbundenen Roſt, welcher auf Sokeln geſetzt wird, die 2 bis 3 Fuß uͤber der Erde hoch, a Fig. 105, und von gehauenen Steinen, in Zuk⸗ kerhut⸗Form verfertigt ſind, und hernach noch mit Halbkugeln bedeckt werden. Oder man macht unter dem Roſt ein zirkelrundes, eben ſo hohes, gemauertes Fundament Fig. A und B, pflaſtert ſolches inwendig mit Mauerſteinen aus, und legt einen Roſt, von 5 bis 6 Zoll ſtarken, eichenen Bohlen dergeſtalt darauf, daß der Roſt 5 bis 6 Zoll vom Fundamente uͤberſteht, damit kein Ungeziefer an dem Fundamente hinaufkriechen kann. Der Feimen ſelbſt, Fig. 105 B, beſteht dann aus zwei Stuͤcken, aus dem Koöͤrper naͤhmlich und dem Dache. Der Koͤrper wird kubiſch oder eylindriſch, oder noch beſſer keſſelfoͤrmig aufgefuͤhrt; das Dach daruͤber wird aber ſo flach gemacht, als es das Klima und die Umſtaͤnde nur verſtatten wollen. Engliſche transporta⸗ ble Scheun⸗ oder Dreſch⸗ tenne. 160 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler Indem nun das Dach um etwas vor dem Koͤrper des Feimens vorragt, und den Regen abhaͤlt, dabei der Koͤrper vom Dache bis zum Roſte immer etwas eingezogen wird, und das Banſen der Fruͤchte ſo geſchieht, daß die Bunde mit den Aehrenenden nach dem Mittelpunkte des Feimens zu aufwaͤrts, mit den Stoppelenden aber nach der Außenſeite abwaͤrts zu liegen kommen, auch der ganze Feimen dann uͤberdieß rund umher geſchoren wird; ſo kann keine Feuchtigkeit ſich hinein ziehen, und es ſind nur die Stoppelenden der Witterung, folglich dem etwanigen Verderben ausgeſetzt, in welchem Falle ſie zum Duͤnger dienen... Die Materialien zum Dache ſind entweder Stroh oder Schilf, oder auch allenfalls Bretter. Nimmt man Stroh, ſo iſt es rathſam, die Aehrenenden abzuſchneiden, theils um ſie zum Viehfutter noch zu gebrauchen, theils auch, um den Voͤgeln die Veranlaſſung zu benehmen, zur Aushackung der, in den Aehren gebliebenen Koͤrner herbei zu fliegen. Da das Korn in einem Feimen ſich nicht in eine ſolche Spitze banſen laßt, daß man das Dach gerade darauf legen koͤnnte; ſo macht man die Spitze aus Farrenkraut, Bohnenſtengeln, oder andern Materialien von keinem Werth. Um nicht etwa durch ein, waͤhrend der Verfertigung der Feimen, einfallendes Regenwetter zu leiden, hilft man ſich auf zweierlei Art. Entweder man be⸗ wirft den Feimen geſchwind mit Stroh, das man zu dem Ende bei der Hand hat; oder man ſpannt ein getheertes Segeltuch daruͤber aus. Im letztern Falle hat man zwei Tannenbaͤume von gehoͤriger Hoͤhe vorraͤthig, wovon jeder auf einem beſondern Fußgeſtell ſteht, und die man transportiren kann. Dieſe Baͤume ſchiebt man auf zwei einander entgegen ſtehende Seiten des Feimens; das Segeltuch zieht man dazwiſchen auf; man ſpannt es alsdann vermittelſt an den Enden angebrachter Stricke nach Belieben aus, und pfloͤckt dieſe auf der Erde an. Mit dieſen Vorſichtsmaßregeln wird beim Abbau des Feimens ebenfalls verfahren, und der Feimen wird mit einem Mahle abgetragen, zu welchem Ende im Gehoͤfte eine kleine Scheune befindlich iſt, welche außer der Dreſch⸗ tenne nur noch eine Banſe von der Groͤße des Inhalts eines Feimens enthaͤlt. H. 31. Ungeachtet aller dieſer Vorkehrungen, und obgleich die Feimen in der Naͤhe des Gehoͤftes und der Scheune ſtehen, muß man dennoch das Mißliche eines einfallenden Regenwetters(beſonders beim Abbau der Feimen, wenn naͤhm⸗ 2' Gebaͤude ohne Dachboden, als Scheunen, Feimen⸗Geruͤſte ꝛc. 161 naͤhmlich das Getreide zum Ausdreſchen vorzüͤglich trocken ſeyn ſoll, und dem zufolge durch den mindeſten Transport viele Koͤrner verlohren gehen) gefuͤhlt haben, indem man in England ſchon an verſchiedenen Orten eine, in Pearces view of the agriculture of Berkshire zuerſt beſchriebene, transportable Scheune eingefuͤhrt hat. Die Figur 106 giebt eine deutliche Darſtellung ſo wohl der Scheune d ſelbſt, als auch eines läͤnglich viereckigen Getreideſchobers e, der nicht auf einer Unterlage, wie vorgedacht, ſondern platt auf Reiſern errichtet, mit einem Walm abgedacht, und unten an ſeiner langen ſo wohl, als an ſeiner Giebel⸗ ſeite eingezogen iſt. Die Scheune ſelbſt ruht auf einer ſchmalen Schwelle, iſt von Brettern, die uͤber einander faſſen, leicht zuſammen geſchlagen, und mit einem Dache von Schilf bedeckt. Sie iſt as Fuß rheinlaͤndiſch lang, 17 Fuß breit, und 16 Fuß 8 Zoll hoch. Unter den Schwellen ſind kleine Achſen befeſtigt, wor⸗ auf drei Räͤder auf jeder Seite gehen, welche auf hoͤlzernen Geleiſen, die laͤngs dem Schober gelegt ſind, fort gezogen werden. Dieſe hoͤlzernen Geleiſe werden haͤufig in England angewendet. Es ſind entweder Stuͤcken Bauholz von 10 bis 12 Zoll im Quadrat, in deren Mitte man eine Rinne ausge⸗ hoͤhlt hat, die gerade ſo breit und tief iſt, daß die Räder, wozu ſie beſtimmt und eingerichtet iſt, ohne anzuſtoßen oder auszuweichen fortlaufen koͤnnen. Oder man ſetzt ſolche Geleiſe aus gehoͤrig ſtarken Bohlen zuſammen. In Berg⸗ werken hat man ſolche von gegoſſenem Eiſen. Die bewegliche Scheune beſteht aus einer 12 Fuß 9 Zoll breiten Dreſch⸗ tenne a, welche, nach gewoͤhnlicher Art in England, mit Bohlen gedielt iſt, und einen, 7 Fuß breiten Beiſchlag b zum bequemen Herunterbringen des Getreides und zur Aufbewahrung der Koͤrner hat. Am Ende deſſelben iſt die Scheune wiederum mit einer leichten Wand verbunden, in deren Mitte ſich eine Oeffnung zum Herausbringen des Getreides beſindet. Von der Quer⸗ wand an laufen die Seitenwaͤnde und das Dach noch 8 Fuß 3 Zoll(ſiehe c in der Figur) weiter auf dem Schober fort, und erleichtern das Anreißen und Herabbringen deſſelben, indem ſolches unter Dach und Fach, alſo auch beim Regenwetter im Trocknen geſchehen kann. Die Bedachung des Schobers braucht nie eher und nicht weiter abgenommen zu werden, als bis er unter dem Dache der Scheune ſteht. Natuͤrlich muß die Hoͤhe, Breite und Form des Schobers mit der Scheune uͤberein ſtimmen, und in allen Dimenſionen etwas kleiner ſeyn, weswegen es rathſam iſt, eine Schablone bei Errichtung F 162 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler des Schobers zu gebrauchen. Auch iſt es ſehr zweckmaͤßig, ein Fundament von einem Fuß hoch und einem Stein ſtark aufmauern zu laſſen, ſo lang, als die Schober ſeyn ſollen, und darauf die Geleiſe zu legen, in welchen die Raͤder der Scheune laufen. Die Geleiſe muͤſſen betraͤchtlich laͤnger, als die Scheune ſeyn, auch aus mehreren Stuͤcken beſtehen, damit beim Fortſchieben das eine, leer gewordene Stuͤck hinten wieder angelegt werden kann. Ein Thorweg iſt in ſolcher Scheune nicht noͤthig, ſondern man braucht nur Thuͤren und Laden. Wuͤrden mehrere laͤngliche Schober dicht neben einander gelegt, damit die Scheune von einem zum andern gebracht werden kann; ſo iſt auch eine Thuͤre auf der Giebelſeite hinreichend, und eine der hier auf der breiten Seite gezeichneten Thuͤren kann alsdann wegfallen. So bald ein Stuͤck des Schobers abgedroſchen worden, wird die Scheune weiter auf demſelben fortgeruͤckt, und ſo wird nach und nach damit fortgefah— ren, bis der ganze Schober ohne Verluſt und Muͤhe abgedroſchen worden. Die Koſten fuͤr eine ſolche bewegliche Scheune nebſt Geleiſen betraͤgt in England 50 bis 60 Guineen, hier aber, nur nach maͤßigen Preiſen berechnet, 160 Rthlr., und fuͤr Niederſachſen berechnet, 180 Rthlr. Anm. Eine ausfuͤhrlichere Nachricht uͤber dieſen Gegenſtand, ſo wie mehreres uͤber die eng⸗ liſche Landwirthſchaft findet ſich in den Sammlungen nuͤtzlicher Aufſaͤtze und Nach⸗ richten, die Baukunſt betreffend. Berlin, bei Maurer, fuͤnfter Jahrgang 1804. Aus allem dem, was bisher uͤber den Feimen⸗ oder Diemenbau geſagt worden, ſcheint hervor zu gehen, daß es doch wohl ſicherer, und, gegen die Feimen⸗Geruͤſte in Deutſchland gerechnet, zugleich wohlfeiler ſey, ſich der Scheunen vorzugsweiſe vor den Feimen⸗ oder Diemen⸗Geruͤſten, zu bedienen; außer in dem Falle, wenn die Ernte etwa ſo reichlich ausfallen ſollte, daß zur Unterbringung des Getreides gar kein Raum mehr in den Gebaͤuden be⸗ ſchaft werden koͤnnte. Auf großen Guͤtern, wo man ſich durch Erfahrung auf ſolchen Fall vorbereitet, baut man zu dem Ende den Schafſtall mit einem Scheunflur in der Mitte, und bringt in die beiderſeitigen Raͤume als Banſen beſonders das reifſte Getreide, welches man bald ausdreſchet und zur Saat oder zum Futtern gebraucht. Dieſes Verfahren iſt in ſolchen Faͤllen um ſo eher zu empfehlen, als die Schafe ohnehin bis Martini(wann das Getreide aus dem Schafſtalle ſaͤmmtlich ausgedroſchen ſeyn muß) nicht in den Stall getrieben, ſondern zur Wohlthat fuͤr den Acker auf demſelben gehordet werden. Gebaͤude ohne Dachboden, als Scheunen, Feimen⸗Geruͤſte ꝛc. 163 §. 62. Aus eben dem Grunde, aus welchem man in England das Korn in Fei⸗ Engliſche men aufhebt, bewahrt man auch das Heu und den trocknen Klee darin auf. Dieſe Heu⸗ und Klee⸗Feimen macht man jedoch etwas anders, als die Korn⸗ men. Feimen. Erſtlich legt man ſie auf keinen ſolchen Grund, ſondern nur uͤber etwas Holz und Stroh, indem man nicht fuͤr noͤthig haͤlt, der Luft einen Durchzug darunter zu verſchaffen, oder das Ungeziefer mit ſolcher Vorſicht davon abzuhalten, als von den Korn⸗Feimen. Zweitens, weil die Urſachen, warum man die Korn⸗Feimen auch kleiner macht, hier gaͤnzlich wegfallen, bringt man das Heu beim Gebrauche nie erſt in ein anderes Gebaͤude, ſon⸗ dern man ſchneidet das, was man von Zeit zu Zeit davon braucht, mit einem Heumeſſer ſenkrecht nieder in kubiſchen Stuͤcken aus. Drittens giebt man dieſen Feimen nie eine runde, ſondern immer eine laͤnglich viereckige Form. Das Dach macht man moͤglichſt flach, man laͤßt es jedoch uͤber dem Koͤrper hervorragen, und deckt es mit Stroh; der Koͤrper wird aber nicht bedeckt. C. Scheunen zu Heu, Stroh, Torf und anderm Behuf. §. 83. Um große Vorraͤthe von Heu und ausgedroſchenem Stroh aufzubewah⸗ ren, ſind in hieſigen Gegenden zuweilen auch Scheunen erforderlich, welche uͤbrigens ganz, ſo wie die Getreideſcheunen conſtruirt ſind. Nur iſt darin keine geſchlagene Tenne noͤthig; auch koͤnnen die Banſenraͤume groͤßer, als bei den Getreideſcheunen angelegt werden, wenn es naͤhmlich die Conſtruction des Gebaͤudes erlaubt. Zur Ausmittelung der Groͤße einer Heu⸗ und Strohſcheune kann man, nach allgemeinen Grundſaͤtzen, auf das Schock Stroh 240 Kubikfuß, und auf den Centner Heu 15 Kubikfuß annehmen. F 2 Anlegung einer großen Heuwage. 164 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler 8§. 84. Da das Heu nach Gewicht berechnet, und zuweilen ganze Fuhren aus dergleichen Vorrathsſcheunen nach dem Gewicht abgeliefert werden; ſo wuͤrde es zu weitlaͤufig ſeyn, jeden einzelnen Centner abzuwiegen. Zu dem Ende wird in ſolchen Heuſcheunen eine große Wage angebracht, auf welcher zuerſt der leere Wagen, und hernach derſelbe mit Heu beladen gewogen werden kann. Bei Anbringung einer ſolchen großen Heuwage, auf welcher 20 und mehrere Centner Heu nebſt dem Wagen gewogen werden ſollen, iſt folgendes zu beobachten: Sollte naͤhmlich eine gewoͤhnliche, gleicharmige Wage hierzu angelegt werden, ſo muͤßte ihre Stellung auf der Durchfahrt wie in Fig. 107 A in⸗ ab angelegt, und in c der Ruhepunkt ſeyn, damit waͤhrend des Wiegens die Schale, worauf die Gewichte gelegt werden, dem Wagen nicht hinderlich iſt. Dann aber wuͤrde fuͤr die Gewichtſchale b ein hinlaͤnglich leerer Raum in der einen Banſe verbleiben, und der Wagebalken die doppelt abzuwiegende Laſt tragen muͤſſen, welche letztere man doch, zu mehrerer Dauerhaftigkeit der Wage, ſo viel als moͤglich zu verringern ſucht. Dieſe letztere Abſicht wird durch eine ungleicharmige Wage dergeſtalt erreicht, daß der Wagebalken, nach Fig. 107 B in ab angelegt, der Punkt d als Ruhepunkt angenommen, und ob viermahl laͤnger als da gemacht wird, ſo daß mit dem vierten Theil der Gewichte jede daſelbſt zu wiegende Laſt gewogen werden kann. Iſt nun die Scheune z. B. 36 Fuß tief, und der Wagebalken von b bis a 25 Fuß lang; ſo wird ca= 5 Fuß und cb= 20 Fuß lang, und es bleiben von a bis d noch 11 Fuß uͤbrig, auf welcher Laͤnge der Wagen mit ſeiner halben Laͤnge noch hinlaͤnglich Platz findet. Die Conſtruction einer ſolchen Wage iſt in Fig. 108 A und B im Laͤngen⸗ und Quer⸗Profil vorgeſtellt. Es wird naͤhmlich, nach Fig. B, ein ſtarker Balken ef, welcher in Fig. A mit c bezeichnet iſt, quer uͤber die Tenne ge⸗ legt, wogegen die, ſonſt gewoͤhnlich laͤngs uͤber der Tenne liegenden Balken wegfallen koͤnnen. Daß dieſer Balken bei e und f Fig. B mit ſehr ſtarken Stielen, Baͤndern und guten Fundamenten unterſtuͤtzt werden muß, verſteht ſich von ſelbſt. Auf dieſen Balken wird ein ſo genannter Bock Fig. B, wel⸗ cher ſorgfaͤltig, nach Anweiſung des zweiten Theils§. 15. Fig. 37 gearbeitet ſeyn muß, verbunden, und zwiſchen den beiden Stielen deſſelben wird der Wagebalken a b in Fig. A, und a in Fig. B mit ſeinen, von gegoſſenem —· Gebaͤude ohne Dachboden, als Scheunen zu Heu, Stroh ꝛc. 165 und polirtem Eiſen gemachten Wellzapfen, auf ſtaͤhlerne Pfannen gelegt. Damit aber beim Wiegen das ganze Haͤngegeruͤſte unbeweglich feſt ſtehe; ſo muß, nach Fig. A, noch ein zweiter Balken(v in Fig. A, und gh in Fig. 107 B) quer uͤber die Tenne gelegt, und auf derſelben ein eben ſolcher Bock wie Fig. 108 B geſtellt, auch muͤſſen beide nach Fig. A mit Kreuzbändern unter ein⸗ ander verbunden werden. Wegen der großen Laſt, die in a Fig. A an den vordern Theil des Wagebalkens gehaͤngt wird, iſt es gut, eine ſtarke Schiene mit Umkrempun⸗ gen an den Enden(wie in Fig. B zu ſehen) oben uͤber dem Balken, und mit einem Ringe um den ganzen Kopf deſſelben zu befeſtigen, woran die Ketten haͤngen, welche um den mit Heu beladenen Wagen befeſtigt werden. Folglich iſt auch daſelbſt keine Wageſchale noͤthig, ſondern nur Eine dergleichen iſt an dem Ende b des Wagebalkens Fig. A fuͤr die Gewichte erforderlich. Wer mit der mathematiſchen Einrichtung der Wagebalken bekannt iſt, wird wiſſen, Erſtlich, daß ehe mit einer ſolchen Wage richtig gewogen werden kann, der Wagebalken ab mit den daran befindlichen Ketten und der Wag⸗ ſchale, ins Gleichgewicht gebracht werden muß, und zwar dadurch, daß unter das Ende a eine Laſt(z. B. ein Stein oder Blei) befeſtigt wird. Dieß iſt auch deshalb nothwendig, um hiernaͤchſt, wenn das Holz des Wagebalkens Feuchtigkeiten ꝛc. anziehen und dadurch aus dem Gleichgewichte kommen ſollte, das Gleichgewicht an der erwähnten Belaſtung leicht wieder hergeſtellt werden kann. Zweitens, daß, da hier(wegen beſſerer Unterſtuͤtzung) der Aufhaͤnge⸗ oder Unterſtuͤtzungspunkt nicht uͤber dem Schwerpunkte des Wagebalkens, ſondern unter demſelben befindlich iſt, dieſe Wage eigentlich ſehr ſenſible wird, folglich keinen großen Spielraum erhalten darf. Daher muß die Länge der Ketten ſo getroffen werden*), daß, wenn die Gewichte auf die Schale gelegt ſind, der Wagen mit dem andern Ende nur um wenige Zoll in die Hoͤhe gehoben wird. So bald nun die verlangte Menge Heu auf dem Wa⸗ gen geladen iſt, wird ſolcher in demſelben Augenblick(ohne ein ſolches Schwan⸗ ken, welches bei den gleicharmigen Wagen zu ſeyn pflegt) das Uebergewicht erhalten, und wieder auf der Erde zum Abfahren bereit ſtehen. Die Hoͤhe der Durchfahrt einer ſolchen Scheune richtet ſich nach der Höhe der zu be⸗ ladenden Wagen. *) In Fig. 108 hat wegen Mangels an Raum die Laͤnge der Ketten abgekürzt gezeichnet wer⸗ den muͤſſen. — Anlage der Tabaksſcheu⸗ nen. Grundſaͤtze zur Ausmit⸗ telung der Groͤße einer Torfſcheune. 166. Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler §. 85. Was die Scheunen zum Tabakstrocknen, oder zur Aufbewahrung anderer Produkte betrifft; ſo iſt deren Conſtruction aus den bisher angegebenen Bei⸗ ſpielen von Scheunen hinlaͤnglich zu entnehmen. Im Betrreff der erforderlichen Groͤße der Tabaksſcheunen weiß man aus Erfahrung, daß 100 Centner Tabak, auf Schnuͤre gezogen, und zum Trocknen aufgehangen, einen Scheu⸗ nenraum von 60 Fuß Laͤnge, 36 Fuß Tiefe und 20 Fuß Hoͤhe erfordern. Bei den Tabaksſcheunen hat man die Bemerkung gemacht, daß, wenn ſelbige mit Ziegeln gedeckt ſind, der Tabak nicht recht trocknet, und nach ſei⸗ ner naͤhern Bearbeitung entweder zu leicht ſtockt, oder die Blaͤtter von ihren Rippen abfallen, folglich ſolcher Tabak ſich nicht gut conſervirt. Es muͤſſen daher die Tabaksſcheunen mit Stroh⸗, Rohr⸗ oder Lehmſchindel⸗Daͤchern er⸗ bauet werden. §H. 86. Bei der Aufgabe zur Anlegung einer Torf⸗Remiſe fuͤr eine angegebene Quantitaͤt Torf iſt dem Baumeiſter zu wiſſen noͤthig: erſtlich, wie viel Ku— bikinhalt ein Haufen, oder eine Klafter Torf enthaͤlt; zweitens, wie der⸗ ſelbe, zur Verhuͤtung des Drucks gegen die Seitenwaͤnde der Scheune aufge⸗ packt werden muß; und drittens, in welcher Art der Torf darin mit den geringſten Koſten ordentlich aufgepackt werden kann. Der Ausdruck Klafter oder Haufen beim Torf iſt aus einer Verglei⸗ chung des Brennſtoffs deſſelben gegen Holz, durch das Gewicht ent⸗ nommen. Die Groͤße einer Klafter Torf gegen eine Klafter Holz kann alſo im Kubikraum mehr oder weniger verſchieden ſeyn, je nachdem der Torf rein, und auf den Kubikfuß ſchwerer an Gewicht iſt. Unter den verſchiedenen Moos⸗, Leber⸗ und Darcharten des Torfs(wovon letzterer der beſte iſt) wol⸗ len wir aus des Herrn Eiſelen Anleitung zum Ziegelbrennen mit Torf. Berlin 1802, bei W. Vieweg, S. 97, folgende Mittelzahlen nehmen. Eine Klafter gutes kienenes Klobenholz, zu 108 Kubikfuß geſetzt, kann im trocknen Zuſtande zu 20 bis 21 Centner Berliner Gewicht angenom⸗ men werden; dieß giebt fuͤr jeden Kubikfuß etwa 21126 Pfund. Im Durch⸗ ſchnitt rechnet man auf einen Kubikfuß mittelmaͤßig guten Torf 25 Pfund, folglich ſind die 21 Centner Holz mit 92 ½ Kubikfuß compactem Torf im Ge⸗ wichte gleich. Da aber der Torf bei weitem nicht ſo dicht, als das Holz aufgeſetzt werden kann, ſondern der Erfahrung gemaͤß, ſeines wahren In⸗ Gebaͤude ohne Dachboden, als Scheunen zu Torf c. 167 halts mehr an Raum in der Scheune erfordert; ſo erfolget, mit Weglaſſung der Bruͤche, die Zahl 92+ 30= 122 Kubikfuß Raum fuͤr Eine Klafter Torf, welche einer Klafter kienenem Klobenholz von 108 Kubikfuß in Hinſicht auf Nutzung gleich gerechnet wird. Anm. Beim Verkauf des Torfs wird derſelbe gewoͤhnlich in Koͤrben oder Kuͤpen, und zwar ein Haufen zu 240, oder eine Klafter zu 60 Kuͤpen gemeſſen. Wenn nun gewoͤhnlich auf eine Klafter 1500 Stuͤck Torf gerechnet werden, ſo enthaͤlt jede Kuͤpe 25 Stuͤck; jedoch weicht die Anzahl der Torfſtuͤcke zuweilen hiervon ab, je nachdem ſie groͤßer oder kleiner geſtochen werden. Sicherer iſt alſo, den Torf in großen aufgeſetzten Haufen nach obge— dachtem Kubikinhalt, oder wo dieß nicht geſchehen kann, nach Kuͤpen, deren jede reichlich 2 Kubikfuß enthaͤlt, zu kaufen. Die noͤthige Form des Gebaͤudes zu einem Torfſchuppen iſt mit der, einer Scheune gleich. Es wird nähmlich ein, innerhalb von Verbandſtuͤcken moͤg⸗ lichſt leeres, oder ganz hohles Gebaͤude erfordert. Uebrigens iſt ein Torfſchup⸗ pen von einer Getreideſcheune nur darin verſchieden, daß in erſterem kein Scheunflur, alſo auch keine Tennenwände oder ſonſtige Abtheilungen im In⸗ nern des ganzen Gebaͤudes, ja auch(je nachdem die Lage des Torfſchuppens iſt) keine Einfahrt in den langen Seiten, ſondern nur daſelbſt, oder in beiden Giebeln, große Thuͤren zum Eintragen oder Einkarren des Torfs gemacht zu werden brauchen. Eine mehr als 4ofuͤßige Tiefe iſt aber fuͤr Torfſchuppen gleichfalls nicht anzurathen, weil ſie, wenn ſie in der gewoͤhnlichen Art mit deutſchen, geraden Daͤchern gebaut werden, zu langes Sparren⸗ und Bal⸗ kenholz erfordern, und weil, wenn ſie mit Bogendächern gebaut werden, die Sparren aus Bohlen oder mehr als zweifachen Brettern gemacht werden muͤſſen, um die erforderliche Steifigkeit zu erhalten. H. 37. Der Torf in einer Scheune kann bis zu 20 Fuß Hoͤhe, jedoch nicht Wie der leicht hoͤher auf einander gepackt werden, und zwar muß jeder Haufen für Seree ner ſich, in ſeinem ganzen Umfange, vermittelſt ganzer Torfſteine, 2 Stein ſtark Conſervation ordentlich gemauert, in ſeiner Mitte aber nur aufgeſchuͤttet, und ſo jeder des Gehiudes Haufen pyramidenfoͤrmig, wie in Fig. 109 zu ſehen, mit hinlaͤnglicher Doſſi— werſnedaar. rung aufgepackt werden. Dieſe Vorſicht iſt ſo wohl deshalb nothwendig, weil der loſe Torf gegen die Seitenwaͤnde des Gebaͤudes druͤckt, und dadurch ſehr gefaͤhrlich fuͤr das Gebaͤude werden kann, als auch, um den noͤthigen Raum zur Abſonderung mehrerer Torfhaufen und zum Gehen zu erhalten. Wenn nun, wie verlangt wird, das Gebaͤude innerhalb ohne Balken und ganz hohl 168 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler wird; ſo iſt die natuͤrlichſte Frage: wie ſoll man hinzukommen, um den Torf ſo hoch packen zu koͤnnen? Das einfachſte Mittel hierzu iſt, daß man den Torf vermittelſt Anſetztreppen und Karrbretter auf untergeſtellten Boͤcken hin— auf bringt. Da dieſes aber, bei einer Hoͤhe bis zu 15 und 20 Fuß, doch zu muͤhſam, alſo auch zu theuer wird; ſo hat Herr Eiſelen in ſeiner vor⸗ gedachten Schrift folgendes, ſehr zweckmaͤßige Mittel vorgeſchlagen und ſchon oft mit Vortheil in Anwendung gebracht. Es werden naͤhmlich Boͤcke, wie in Fig. 109 B von vorne vorgeſtellt ſind, von etwa neunfuͤßiger Hoͤhe gemacht, und ſogleich bei der Fuͤllung der Remiſe aufgeſtellt, mithin zu einem feſten Stand verpackt, welche Packung ſehr fuͤglich durch kleine Anſetztreppen bis zu der erforderlichen Hoͤhe bewirkt werden kann, ohne den Torf zu ſehr zu zertreten. Iſt dieß geſchehen, ſo werden die Boͤcke mit Laufbrettern zur Packung des obern Raums belegt, und dadurch wird alſo der Vortheil erhalten, daß man gewiſſermaßen einen abgeſonderten Boden erhaͤlt, der auch fuͤr ſich wieder ledig gemacht werden kann. Es werden zwar hierbei ſo wohl Boͤcke als Laufbretter nach und nach verſchuͤttet, allein dann ſind ſelbige auch wieder beim Ausbringen des Torfs zu gebrauchen. Ferner muß außerhalb an einer der Fronten, eine, von der gewoͤhnlichen Balkenhoͤhe ablaufende, 5 Fuß breite Rampe, wie in Fig. 40 des erſten Theils bei den Ziegelſtreich⸗Scheuern gezeigt worden, angelegt wer⸗ den; um, ſo wohl beim Einbringen als beim Herausbringen des Torfs, nach und von dem beſchriebenen, beweglichen Boden kommen zu koͤnnen. Auch iſt nicht noͤthig, die Ruͤſtboͤcke durch die ganze Tiefe des Gebaͤudes mit Bohlen zu belegen, ſondern es iſt hinlaͤnglich, wenn nur zwei Gaͤnge auf dieſelben von 4 bis 5 Fuß Breite gelegt, und ſolche nach und nach weiter geruͤckt, ver⸗ legt, hoͤher hinan gelegt, und uͤberhaupt nach Erforderniß transportirt werden. Die Anbringung hinlaͤnglicher Luftloͤcher iſt eine Hauptſache zur Aus⸗ trocknung des Torfs, daher ſind, außer moͤglichſt vielen Luͤcken in den Umfaſ⸗ ſungswaͤnden, auch noch zwei Reihen Dachfenſter uͤber einander anzulegen. Wenn nun der, Fig. 109 A vorgeſtellte Plan zu einer großen Torfſcheune im Lichten 109 Fuß lang und 38 Fuß tief iſt; ſo wuͤrde es am ſchicklichſten ſeyn, den Torf darin in drei Haufen zu packen, und zwiſchen zwei Haufen allemahl einen Gang, welcher auf der Erde wenigſtens 2 bis 3 Fuß breit iſt, und auf eine Thuͤr nach außen zutrifft, anzulegen. Wenn dann die drei Hau⸗ fen eine Grundflaͤche von 99 Fuß Laͤnge und 34 Fuß Breite einnehmen, und jede Seite, bei ao Fuß Hoͤhe, 6 Fuß Doſſirung bekommt; ſo wird die obere Flaͤche Gebaͤude ohne Dachboden, als Scheunen zu Heu, Torf ꝛc. 169 Flaͤche der drei Haufen 63 Fuß Laͤnge und 22 Fuß Breite enthalten. Dieß zuſammen berechnet, giebt uͤberhaupt einen Kubikinhalt von 47,520 Kubikfuß, oder ungefaͤhr 390 Klafter Torf in dieſer Scheune. Anm. Wer ſich uͤber Kenntniß der Guͤte des Torfs, ſeine weitere Behandlungsart, und be⸗ ſondere Anwendung deſſelben zum Ziegelbrennen naͤher belehren will, dem empfehle ich beſonders das vorgedachte, vom Herrn Bergrath Eiſelen herausgegebene Werk. §. 338. Zur Erlaͤuterung der Conſtruction dieſer Torfſcheune Fig. 109 iſt folgen⸗ Conſtruetion des anzufuͤhren: lheenedal Die Tiefe derſelben, in den Schwellen der Bohlenſparren gemeſſen, iſt Bohlenſpar⸗ 41 Fuß. Die Hoͤhe, von der Oberflaͤche der erwaͤhnten Schwellen bis zur det h aiga oberſten Spitze der Bohlenſparren, betraͤgt 28 Fuß, und das Bogenſtuͤck nen Fronten. eines jeden Sparrens hat* der Laͤnge ſeiner Sehne zur Hoͤhe. Auf der einen Seite, ſo wohl im Grundriſſe A, als im Profil B, iſt die Umfaſſungswand von Fachwerk, und auf der andern Seite maſſiv an⸗ genommen. Die Plinte iſt 1 ½ Fuß hoch; auf dieſer liegen die Schwellen, und ſtehen zugleich die, nur 8 Fuß hohen Frontwaͤnde. Hierbei bemerke man, daß die Knaggen und der ganze Holzverband nicht im mindeſten mit der maſſiven Frontmauer in Beruͤhrung ſtehen, um jeden etwanigen Druck der Sparren durch Windſtoͤße und dergl. von der Mauer abzuhalten. Auch be⸗ findet ſich kein einziger, durch die Tiefe gehender Balken, da ſelbſt die Gie⸗ bel mit ganzen Walmen verſehen werden koͤnnen. In dieſer Figur iſt ein Verband, welcher mit dem der Scheune Fig. 96 nicht ganz uͤbereinſtimmt, deswegen angenommen, um zu zeigen, wie mannich⸗ faltig der Verband mit Bohlenſparren angeordnet werden kann, wenn dabei nur immer die Verſicherung derjenigen Punkte, auf welche es vorzuͤglich an⸗ kommt, beobachtet wird, und dieß iſt(außer dem Laͤngenverbande): die Verhinderung eines nachtheiligen Ausweichens ſo wohl der Schwellen, als der Bohlenſparren, letzterer ungefaͤhr im Mittel ihrer Hoͤhe. Es iſt eine Bedeckung mit Dachſteinen angenommen, weshalb die Spar⸗ ren in Fig. A nur hoͤchſtens 3 ¾ Fuß aus einander ſtehen. Von dem einen Ende des Gebaͤudes an, befindet ſich allemahl auf dem vierten Sparrengebinde(alſo in 15 füͤßiger Entfernung) diejenige Verankerung, welche im Profil B und im Grundriſſe A bei 1m angegeben. Y 170 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler Der Deutlichkeit wegen will ich zuerſt die Conſtruction eines Binders in der einen Haͤlfte des Profils B, in welchem eine Fronte von Fachwerk ange⸗ nommen worden, und nachher die andere Haͤlfte mit der maſſiven Fronte beſchrieben. Der Stiel ba ſteht auf die ſchon fruͤher erwaͤhnte Art mit ſeinem Fuße b hinter einem hinlaͤnglich ſtarken Fundamentpfeiler, um vermittelſt der kleinen Querſchwelle ek die Hauptſchwelle zu ankern. Oben bey a iſt der Bohlenſpar⸗ ren in den Stiel eingelaſſen, und mit demſelben verbolzt. Zwiſchen dieſen Stie⸗ len iſt bei k ein Wechſel eingezapft, welcher durch Baͤnder, von den Stielen ab aus, unterſtuͤtzt wird. Ueber die Wechſel hinweg ſind kurze Stichbalken kh gekaͤmmt, und die Bohlenſparren ſind in letztere eingeblattet, und gut ge⸗ nagelt oder verbolzt. Damit aber die Stiele ba nicht zu vielfaͤltig durchlocht werden, muß man die Stichbalken der Binder bei k, anſtatt ſelbige in die Stiele zu verzapfen, zur Haͤlfte ihrer Breite ausſchneiden, und mit der ver⸗ bleibenden andern Haͤlfte ſo wohl uͤber die Wechſel kaͤmmen, als auch gegen den Stiel ba nageln. Weil ferner die Wechſel bei k nicht in einem Stuͤcke durchgehen, ſondern nur von Stiel zu Stiel eingezapft ſind; ſo koͤnnen die Strebebaͤnder fg auch nicht oben gegen die Wechſel mit einer Klaue geſtellt, ſondern nur mit einer guten Verſatzung ohne Zapfen, gegen die Stiele b a befeſtigt und angenagelt werden; unten ſtehen dieſe Sturmbaͤnder mit einem Zapfen und einer Verſatzung in der Querſchwelle. Eine hinlaͤngliche Breite von k bis e iſt daher nicht nur wegen der noͤthigen Schraͤge des Bandes kg, ſondern auch, um mit dem Stiel bei a den Sparren hoch genug und naͤher an ſeinem ſchwachen Punkte feſthalten zu koͤnnen, nothwendig. Letzteres wird noch beſſer dadurch bewirkt, wenn die Knaggen ah mit den Stielen bei a, und mit den Stichbalken bei h gut verbunden werden, wodurch ein Dreieck ah k entſteht, welches, im Zuſammenhange mit den Frontſtielen und den Baͤndern gf, dem Querverbande eine außerordentliche Feſtigkeit giebt. Im Betreff des Verbandes nach der Laͤnge des Gebaͤudes ſind, wie ſchon erwaͤhnt, außer den ganzen Walmen, noch zwiſchen den Stielen b a die mit Baͤndern unterſtuͤtzten Wechſel k vorhanden. Da indeſſen das ganze Gebaͤude, vom Erdboden bis zur Dachſpitze, 30 Fuß hoch iſt, und der durch die Wechſel bewirkte Laͤngenverband nur niedrig liegt, folglich das reine Dach daruͤber noch uͤber 20 Fuß hoch iſt; ſo muͤſſen außer der Forſtbohle in der Spitze, noch einige ſchmale und lange Bretter vy laͤngs und uͤbers Kreuz (auf die Fig. 96 C und H bereits angegebene Art) angebracht werden. Gebaͤude ohne Dachboden, als Scheunen zu Heu, Torf ꝛc. 171 §. 89. Auf derjenigen Seite des Profils Fig. 109 B, in welcher eine maſſive Conſtruction Fronte angenommen worden, iſt der Verband wieder anders, und zwar noch fiherg, ddet einfacher und leichter, weil daſelbſt, wegen der maſſiven Fronte, nicht auf Bohlenſpar⸗ Verankerung der Schwellen Ruͤckſicht zu nehmen iſt. Litrran Pno Auf einer, uͤber die Hauptſchwelle hinweg gekaͤmmten Querſchwelle d c Fronten. ſtehen, in gehoͤriger Entfernung von der Frontmauer, die Stiele cr. Dieſe werden durch die Baͤnder dr geſteift, und dadurch wird wieder ein Dreieck gebildet, welches uͤberall, wo einem Schub Widerſtand geleiſtet werden ſoll, vorhanden ſeyn muß. Unten bei c muß der Stiel mit der Querſchwelle, ver⸗ mittelſt einer eiſernen Klammer, verbunden werden. Auf die Stiele or iſt ein Rahmen r gezapft, und ſaͤmmtliche Bohlenſparren ſind um etwas darinn eingelaſſen, dabei iſt der Rahmen ſo angeordnet, daß durch Anbringung der Knaggen ein gerades Dachrecht erhalten wird. Dieſer Rahmen wird mit Baͤndern von den Stielen or aus uncerſtuͤtzt. Dieſer Verband, mit noch einigen laͤngs und ſchräg unter die Sparren an⸗ zubringenden Brettern vy, iſt ſo wohl nach der Laͤnge als nach der Tiefe des Gebaͤudes, hinlaͤnglich. Allenfalls koͤnnen zur Verſteifung des untern Theils der Sparren noch eben ſolche Bretter v zwiſchen dem Rahmen xr und der un⸗ tern Schwelle angebracht werden. Ungeachtet der Einfachheit dieſes Verbandes, hat jedoch derſelbe noch darin einige Vorzuͤge vor dem auf der andern Seite des Profils B, weil, vermittelſt des Rahmens r, die Sparren nicht nur in den Bindern, ſondern auch(wie in Fig. 109 Czu ſehen) in den Leergeſpaͤrren hoͤher hinauf, gehalten werden, und eben ſo, auch hoͤher hinauf, noch ein guter Laͤngenverband er⸗ halten wird. Daß die Stiele dr und or allemahl dicht gegen den Binder⸗ ſparren zu ſtehen kommen, verſteht ſich von ſelbſt. Dieſer Verband iſt auch bei noch groͤßern Gebaͤudetiefen anwendbar, und zwar, ohne daß man noͤthig haͤtte, die Stiele or und ba unterhalb weiter in das Gebaäͤude hinein zu ſetzen, um etwa deſto hoͤher am Sparren hinauf reichen zu koͤnnen. Sie brauchen dann nur etwas ſchraͤg, nach dem Innern des Gebaͤudes uͤberhangend, geſtellt zu werden. Um eine große Luke in Geſtalt eines Fledermaus⸗Fenſters auf dem Dache anzulegen, muß freilich nach Fig. 109 C die Schwelle derſelben auf die Front⸗ mauer gelegt werden; aber einen Schub kann die Frontmauer dadurch, wenn die Sparren dennoch etwas ausweichen ſollten, nicht erleiden. Allenfalls Y 2 —— C Conſtruction eines Schau⸗ ers aus Boh⸗ lenſparren, ohne eigent⸗ liche Front⸗ waͤnde. 172 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler wuͤrde dann die Frontwand der Dachluke um ein weniges außer dem Lothe zu ſtehen kommen, wofuͤr aber auch, ſchon beim Aufrichten des Gebaͤudes, zu ſorgen iſt. Die noͤthigen Dachfenſter auf dieſem Dache anzulegen, bedarf nur ſehr einfacher Vorrichtungen, wozu weiterhin Anweiſung gegeben werden wird. §. 90. Zu mancherlei Zwecken koͤnnen auch bleibende Schuppen von einer moͤg⸗ lichſt leichten Bauart, der vorgedachten Interimsſcheune aͤhnlich, verlangt werden. Es wird unter andern das Erz auf dem Koͤnigl. Alaun⸗Bergwerke bei Freienwalde an der Oder unter Schuppen von der in Fig. 110 vorge⸗ ſtellten Art aufbewahrt. Dieſe Schuppen ſind mehrere hundert Fuß lang, 35 Fuß tief, an den Enden, ſo wie unterhalb des Daches, laͤngs den Seiten offen, und man hat ſie gern zu dieſem Behuf ſo niedrig als moͤglich, da das Erz pyramidaliſch, in der Mitte nur 9 Fuß hoch geſchuͤttet wird, um gehoͤrig zu reifen, und eine zu hohe, auf dem Erze ruhende Luftſaͤule demſelben nicht vortheilhaft ſeyn ſoll. Doch muß die Hoͤhe und Form der Sparren ſo ſeyn, daß man innerhalb laͤngs den Sparren noch bequem gehen kann. Die perpendikulaͤre Hoͤhe, von der Oberkante der Schwellen bis zur Spitze der Bohlenſparren in Fig. 110, betraͤgt alſo ungefaͤhr 18 Fuß, und die Hoͤhe des Bogenſtuͤcks eines jeden Sparrens iſt, von deſſen Sehne per⸗ pendikulaͤr gemeſſen, ungefaͤhr 3 Fuß. In dieſen Schuppen bei Freienwalde beſtehen die Sparren aus zweifa⸗ chen, 1¼ zoͤlligen Brettern, und ſie ſtehen noch nach der fruͤhern Anweiſung dieſer Conſtruction(ſ. Fig. 93 A) in einer Forſtbohle zuſammen. Es iſt aber neuern Erfahrungen zufolge beſſer, die Sparren auf die in Fig. 93 B vorge⸗ ſtellte Art im Forſte zu verbinden. Alles uͤbrige wird aus dem Grundriſſe Fig. 110 A und deſſen Profil B deutlich genug zu erſehen ſeyn. Jedoch will ich aus Erfahrung dabei bemer⸗ ken, daß die, an der Untermauerung der Schwelle vorgelegten Pfeiler, welche vermittelſt der Knaggen vom Dache bedeckt ſind, bei der vorgedachten Tiefe und Form des Bohlendachs nicht in groͤßerer Entfernung, als 10 Fuß vom Mittel zum Mittel, und nicht kleiner, als 4 Fuß lang und 4 Fuß breit, beſonders aber nicht hoͤher, als 2 Fuß uͤber der Erde angelegt werden muͤſſen. Denn der Schub des Bohlendachs gegen die vorgelegten Fundamentpfeiler iſt ſo groß, daß z. B. bei Freienwalde an einem Schuppen, an welchem, des unebenen Terrains wegen, einige Pfeiler bis zu 5 Fuß uͤber der Erde hoch angelegt waren, letztere zuruͤckgedruͤckt worden ſind. Gebaͤude ohne Dachboden, als Scheunen, Reitbahnen ꝛc. 173 Dagegen iſt nach Fig. 110 das Fundament, theils zur Befoͤrderung mehreren Luftzugs, theils auch der Erſparung wegen, nicht in einer fort⸗ laufenden Strecke angelegt, ſondern es ſind wechſelsweiſe zwiſchen den Spar⸗ renweiten freie Oeffnungen ohne Fundament gelaſſen, und die Fundament⸗ pfeiler ſind ſo angeordnet worden, daß bei der 5 fuͤßigen Sparrenweite alle⸗ mahl hinter dem dritten Sparren ein Pfeiler ſich befindet, und auf der, mit den Pfeilern verbundenen, theilweiſen Untermauerung der Schwellen ſaͤmmt⸗ liche Sparren gehoͤrig unterſtuͤtzt ſind, wie aus Fig. 110 A deutlich zu er⸗ ſehen iſt. Ferner iſt bei dergleichen Schuppen, wenn ſie keine Giebelverſtrebungen oder ganze Walme haben, fuͤr einen guten Laͤngenverband zu ſorgen. Auch hierin hat die Erfahrung durch den vom Sturmwinde erfolgten Einſturz eines Schuppens gelehrt, daß es nicht hinlaͤnglich iſt, nur einige Latten innerhalb gegen die Bohlenſparren uͤbers Kreuz zu nageln, ſondern daß ſehr lange und ſchmale Bretter in der Art angebracht, wie bereits in Fig. 96 C und H ge⸗ zeigt worden, noͤthig ſind. Sollte aber ein ſolcher Schuppen zu anderm Behuf ganz verſchloſſen werden muͤſſen, ſo laͤßt ſich durch die, in Fig. 110 A, B und C angegebene Giebelverſtrebung ein ſehr guter Laͤngenverband bewirken. Innerhalb koͤnnen dann gegen die Bohlenſparren von f bis c Fig. B Latten oder Bretter, je nachdem der Verſchluß dicht ſeyn ſoll, genagelt werden, welches gleichfalls der Steifigkeit der Sparren zu Huͤlfe kommt. D. Reitbahnen, Exercierhaͤuſer ꝛc. §. 91. Reitbahnen und Exercierhaͤuſer ſind, wenn nicht mehrere Zwecke damit verbunden werden, eigentlich nur mit einem Dache uͤberſpannte, große und freie Raͤume, die auch keines Bodenraums beduͤrfen. Bisher wurden der⸗ gleichen Gebaͤude mit ſo genannten Haͤnge⸗ oder Sprengewerken conſtruirt, wovon ſchon im zweiten Theile dieſes Werks das noͤthige angefuͤhrt worden. 174 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler Da aber, wegen Koſtbarkeit der Haͤngewerke, die Bohlendaͤcher ſeit einiger Zeit mit mehrerem Nutzen und ganz ihrem Zwecke gemaͤß hierzu angewandt worden ſind; ſo ſoll die Beſchreibung der Conſtruction einiger, hier ausge⸗ fuͤhrter Gebaͤude dieſer Art den Beſchluß dieſes Abſchnitts machen. Anm. Die Groͤße der Reitbahnen wird folgender Maßen beſtimmt. Da die Pferde gewoͤhn⸗ lich in der Runde entweder an der Longe gefuͤhrt, oder geritten werden; ſo darf der Durchmeſſer einer ſolchen Volte nicht zu klein ſeyn, weil eine zu kurze Wendung, beſon— ders den jungen Pferden nachtheilig iſt. Aus der Erfahrung weiß man, daß 60 Fuß Durchmeſſer der Volte zureichen, mithin muß die Tiefe einer Reitbahn wenigſtens 60 Fuß im Lichten betragen. Die Laͤnge der Neitbahn wird dadurch beſtimmt, ob eine oder zwei Volten neben einander gebraucht werden. Sollen zwei Volten in einer Reitbahn ſtatt finden, ſo muß ſelbige 120 Fuß lang und 60 Fuß tief ſeyn. Fuͤr eine Volte wird indeß gewoͤhnlich mehr als 60 Fuß Laͤnge angenommen, um noch einigen freien Raum neben der Bahn des Pferdes zu erhalten. Exercierhaͤuſer muͤſſen wenigſtens dieſelbe Tiefe erhalten. Ihre Laͤnge, ſo wie etwa eine noch groͤßere Tiefe, wird nach den Erforderniſſen, ſo wie vorzuͤglich nach den darauf zu verwendenden Koſten beſtimmt. §. 92. Conſtruction Fig. 111 zeigt das Profil der, unter meiner Mitwirkung von dem Zim⸗ Aweririden mermeiſter, Herrn Richter conſtruirten, fuͤr das hieſige Leibhuſaren⸗Regiment neu erbauten Reitbahn, von 120 Fuß innerer Laͤnge und 60 Fuß innerer Tiefe. Die Bogenform iſt ein Halbzirkel, und die Schwellen liegen mit ihrer Oberkante 3 Fuß 9 Zoll uͤber der Erdflaͤche; mithin betraͤgt die innere Hoͤhe 33 Fuß 9 Zoll. Auf die Hauptſchwellen, auf welchen die Gebinde ungefaͤhr 3 Fuß von einander entfernt ſtehen, ſind kurze Querſchwellen a gelegt, welche mit einem Schlitze den Sparren an beiden Seiten umfaſſen, und mit demſelben verbolzt ſind. Ueber dieſe Querſchwellen ſind die Langſchwellen bb gekaͤmmt, auf wel⸗ chen die, 10 Zoll breiten und 5 Zoll ſtarken Stiele bo ſtehen. Dieſe Stiele haben oben bei o auch einen Schlitz, in welchen die, aus azoͤlligen Bohlen beſtehenden, geraden Sparren de mit einer innern Verſatzung eingeſetzt und verbolzt ſind. Jeder Bohlenſparren beſteht aus einer zweizoͤlligen Bohle in der Mitte, und einem 1 ⁄zoͤlligen Brette an jeder Seite, ſo daß ihre ganze Dicke 5 Zoll betraͤgt. Nun bemerke man die, in Fig. 111 auf der Seite A an dem Stiel bo gezeichnete Bogenlinie. Um ſo viel, als dieſe Bogenlinie auf dem 3 Zoll dicken Stiel boo bezeichnet, iſt derſelbe 1 ½¾ Zoll tief an bei⸗ den Seiten ausgearbeitet, und er greift mit der, in ſeiner Mitte verbleibenden iger andt gge⸗ ähn. der eſon⸗ Fuß duß zwei ſtatt der Gebaͤude ohne Dachboden, als Reitbahnen, Exercierhaͤuſer ꝛc. 175 Staͤrke von 2 Zoll in die Mitte der Bohlenſparren⸗Dicke ein, vertritt alſo daſelbſt die Stelle der azoͤlligen Bohle, welche dagegen, in ſo weit der Stiel ſie erſetzt, fehlt. Die, auf beiden Seiten aufzupaſſenden, 1½ Zoll ſtarken Bretter der Bohlenſparren ergeben folglich mit den Stielen bo eine ebene oder buͤndige Flaͤche, bie auf der Seite B des Profils vorgeſtellt worden. Eben ſo greifen auch die, aus einfachen, 2 Zoll ſtarken Bohlen beſtehen⸗ den Sparren de in die Bohlenſparren ein, und beduͤrfen weiter keiner Aus⸗ arbeitung, als die, bei f bemerkten Verſatzungen. Die Kehlbalken gh be⸗ ſtehen dagegen wieder aus 5 Zoll ſtarkem Halbholze, ſind, wie die Stiele bo, ſo weit die Bohlenſparren ſie beruͤhren, bis auf 2 Zoll verbleibender Staͤrke, folglich an jeder der beiden Seiten um 1½ Zoll ausgearbeitet, greifen damit gleichfalls in die Bohlenſparren, anſtatt der dahin gehoͤrenden azoͤlligen Bohle, ein, und haben an ihren Enden g und h Schlitze, in welchen die, 2 Zoll dicken Sparren de liegen. Oben in der Spitze e ſind letztere mit uͤbergenagelten Brettſtuͤcken verbunden. Auf dieſe Art ſind in jedem Gebinde die geraden Sparren de, die Kehl⸗ balken gh, und die Stiele bo innigſt mit den Bohlenſparren verbunden, und indem auf allen gezeichneten Punkten eiſerne Schraubenbolzen durchgezogen ſind, macht alles zuſammen ein Ganzes aus. Oben in die Stiele boe ſind Raͤhme m von Bohlen, die 4 bis 5 Zoll Dicke haben, eingeblattet, und angebolzt, und die Sparren d e ſind mit einer Klaue darauf eingeſetzt. Dieſe, ſo wie die, auf den Kehlbalken liegenden Raͤhme nn machen einen Theil des Laͤngenverbandes aus. Damit erſtere aber dieſem Zwecke noch mehr genuͤgen, gehen, von den Schwellen b aus, Baͤnder in ſchraͤger Richtung bis in dieſe Raͤhme mͤhinauf, welche der Deutlichkeit wegen in dieſem Querprofil nicht haben gezeichnet werden koͤnnen. Noch boͤher hinauf, in der Gegend bei 1, ſind ſtarke Windlatten in ſchraͤgen Rich⸗ tungen uͤber die Sparren de eingeblattet. Unterſuchen wir nun, in wie fern dieſe Verbindung den, im§. 61 er⸗ waͤhnten Erforderniſſen bei Gebaͤuden mit Bogenſparren genuͤget; ſo findet ſich: 1) da durch die Punkte acgh ꝛc. der Halbzirkel in fuͤnf gleiche Theile getheilt iſt; ſo beruͤhren die geraden Sparren, Stiele und Kehlbalken als Tangenten dieſer Theile den Halbzirkel in kfi ꝛc. 2) Die Spitze ghe bildet ein Dreieck, welches, ſo lange es an ſeinen drei Punkten befeſtigt iſt, ſich in keine andere Geſtalt verſchieben kann. 3) Da die Sparren de und die Stiele bo aus ganzen Stuͤcken beſtehn, und ſo wohl unter ſich, als auch mit 176 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler den Bohlenſparren verbolzt ſind; ſo muͤßte, wenn z. B. der Punkt k ſich auswaͤrts biegen wollte, nicht nur der Sparren de ſich biegen, ſondern auch das Dreieck ghe verſchoben, und der Punkt c gehoben werden. Durch die Laſt der Eindeckung, und der Dachverbindung ſelbſt, kann aber der haupt⸗ ſaͤchlichſte Schub ſeine Richtung nur nach der Richtung der Sparren nehmen, und alſo auf den Stielen be ruhen, welche, da ſie 10 Zoll breit, 5 Zoll dick, und mit den Bohlenſparren gleichſam verwebt ſind, einem Drucke nach außen hinlaͤnglich widerſtehn, und ſich auch nicht leicht durch dieſe Laſt nach den Seiten biegen koͤnnen, da ſie mit den Bohlenſparren zwar von Einem Punkte der Schwelle ausgehn, aber hinter denſelben ſtehen. In dieſer Art ſind ſaͤmmtlichen Gebinde verbunden, außer denjenigen, welche wegen der Fenſter in den Fronten ausgewechſelt ſind. Daſelbſt zeigt ſich aber auch ſehr deutlich, daß die Bogenſparren(wenn ſie, wegen ihres Ver⸗ bandes nach der Tiefe, von der auf ihnen ruhenden Laſt nicht nach außen biegen koͤnnen), alsdann, und zwar vorzuͤglich auf dem untern Drittheil ihrer Hoͤhe nach den Seiten ausbiegen; ein Umſtand, welcher hier zwar nur die ausgewechſelten Bohlenſparren getroffen hat, auf den man aber nicht genug aufmerkſam machen kann. Da die Spitze e des Daches noch um 9 Fuß uͤber die Bohlenſparren hinauf reicht; ſo hat es ſich auch ſehr gut thun laſſen, aus ſelbiger an beiden Enden ſo genannte halbe Walme zu formiren, ohne dadurch mit den Bohlen⸗ ſparren ſelbſt in Colliſion zu kommen. Das Dach iſt mit Ziegeln, nach Art eines Doppeldaches gedeckt und verſtrichen. Innerhalb iſt nur ſo hoch geſchalt, als es zur Bequemlichkeit beim Reiten noͤthig iſt. Die Beleuchtung geſchieht vermittelſt eines großen, halbrunden Fenſters in jedem der frei ſtehenden obern Dachgiebel, und durch einige kleinere, halb⸗ zirkelrunde, in der Umfaſſungsmauer, auf der doſſirten Plinte ſtehende Fenſter. An allen vier Ecken befindet ſich ein, 10 Zoll vorſpringendes Riſalit zur Ver⸗ ſtreifung der rings herum iſolirt ſtehenden Fronten. Daß es eine der wichtigſten Regeln iſt, die maſſiven Frontmauern nicht im mindeſten mit den Bohlenſparren in Verbindung zu ſetzen, lehrt die Er⸗ fahrung auch an dieſem Gebaͤude. Es war naͤhmlich an einer, obgleich nur ſehr kurzen Stelle aus Verſehen das gemauerte Hauptgeſims mit den Sparren de in Beruͤhrung gekommen. Kurze Zeit hernach, als das Gebaͤude die Laſt der Bedeckung erhalten, und ſich dadurch in etwas geſetzt hatte, ſcho⸗ ben Gebaͤude ohne Dachboden, als Reitbahnen, Exercierhaͤuſer ꝛc. 177 ben die Sparren de daſelbſt das Hauptgeſims horizontal von der Mauer um 3 bis 4 Zoll hinaus. Anm. Den eben erwaͤhnten Vorfall, ſo auch, daß die Hauptſchwellen, obgleich das Gebaͤnde erſt ſieben Jahre ſteht, und ſie hoch genug uͤber der Erde, auch nicht eingemauert liegen, dennoch ſchon an einigen Stellen angeſtokt ſind, halte ich fuͤr meine Pflicht, zur Belehrung anderer hier freimuͤthig zu aͤußern. Letzterer Umſtand hat in der Folge die Regel veranlaßt, die Schwellen mit ihrer Unterflaͤche nicht durchweg auf die Mauer zu legen, ſondern ſie nur pfeilerweiſe unter jedem Sparren zu untermauern, auch die innere Bekleidung in der Ge⸗ gend der Schwellen mit einigen Oeffnungen zu verſehen, oder noch beſſer die Bekleidung vor den Schwellen ganz wegzulaſſen, damit ſie ſo viel als moͤglich Luft erhalten. §. 93. Der, von dem Koͤniglichen Ober⸗Hofbaurath, Herrn Moſer, angegebene, Conſtruction und vom Hof⸗Zimmermeiſter, Herrn Glatz, ausgefuͤhrte Verband, nach Wel, hungen denn chem vor drei Jahren die Reitbahn fuͤr die hieſige Garde du Corps erbaut bahn. worden, iſt in Fig. 112 A vorgeſtellt. Dieſe Reitbahn iſt gleichfalls im Lichten 60 Fuß tief, aber nur 80 Fuß lang, und hat geradeauf gehende Giebel. Die Sparren beſtehen ſaͤmmtlich aus dreifachen, 1 zoͤlligen Brettern. Anm. Man wird zwar hier bei beiden ausgefuͤhrten Reitbahnen einige Verſchiedenheit der Staͤrke der Bohlenſparren gegen die, von mir im§. 61 angegebene Regel bemerken. Al⸗ lein eben durch die, in dem angefuͤhrten§. verlangte, mehrere Staͤrke der Sparren glaube ich, dem Ausbiegen der Sparren nach den Seiten, welches ſich auch an beiden Reitbahnen gezeigt hat, noch beſſer begegnen zu koͤnnen. Die Schwellen b liegen mit ihrer Oberkante 3 Fuß 9 Zoll uͤber der in⸗ nern Erdflaͤche, und, von der Oberkante der Schwellen perpendiculaͤr gemeſſen bis zur Spitze d der Bohlenſparren, betraͤgt die Hoͤhe 4o Fuß. Die Form der Bohlenſparren iſt alſo ſpitzig, und die Zirkelpunkte ee ſind zu finden, wenn man aus d und b mit einem Radius von 42 ½ Fuß durchſchneidet. Mehrentheils iſt der dritte Sparren ein Binder*), wie ſolcher auf der einen Haͤlfte des Profils gezeichnet worden, und in jedem derſelben liegt eine kleine Querſchwelle g dicht neben dem Sparren, mit der Hauptſchwelle durch einen Schwalbenſchwanz verbunden. Auf dieſen Querſchwellen ſtehen die ſehr breiten und 5 Zoll dicken Stiele ga ebenfalls dicht neben den Sparren. *) Es ſind in allem acht Binder und neunzehn andere Gebinde. Bei aa ſind ſtarke Rahmſtuͤcke uͤber die Sparren gekaͤmmt, und dieſe Rahmſtuͤcke werden in den Bindern durch die gedachten, an die Sparren ge⸗ bolzten Stiele ga, in den Zwiſchengebinden aber durch, an die Sparren ge⸗ 3 —— —— —y—⸗—⸗—⸗—⸗—⸗—ℳ—DZZZZZZR. —M——-V —— “ 8 178 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler nagelte Trempel von Brettern ac getragen. Dieſe Rahmſtuͤcke werden von den fuͤnf eiſernen, quer durch die Tiefe reichenden Ankern, drei Mahl in der Mitte, und an jedem Giebel ein Mahl, und zwar mit ſtarken Schrauben durch die Rahmſtuͤcke verbunden. Die Anker liegen alſo 20 Fuß einer vom andern entfernt, und da ſie ſich, in ihrer bedeutenden Laͤnge, nicht ſelbſt tra— gen koͤnnten, ſo ſind die drei mittleren theils deshalb, anderntheils aber auch, um die oberen Theile der Bohlenſparren vor einem Ausweichen zu ſchuͤtzen, jeder durch die drei eiſernen Trageanker angehangen. Die Anker an den Gie⸗ beln aber haben nur ein Haͤngeeiſen in der Mitte, und ruhen uͤbrigens auf, aus den Giebelmauern entſpringenden, eiſernen Stuͤtzen. Die gedachten Anker aa ſind, auf die, in Fig. 112 B im Aufriſſe und C im Grundriſſe gezeichnete Art, in ihrer Laͤnge drei Mahl zuſammen geſetzt, und zwar jedesmahl da, wo die Haͤngeeiſen ſie umfaſſen. Die Zuſammen⸗ ſetzung beſteht darin, daß allemahl das eine Ende des Ankers aufgeſpalten, und das andere Ende dazwiſchen eingelegt und vier Mahl verbolzt iſt. Oben gehen die mittlern Haͤngeeiſen durch die Forſtbohle d, die uͤbrigen aber ſind nur an die Bohlenſparren gebozlt. Anm. Ein, im Jahre 1804 auf Reiſen befindlicher Architekt ſchrieb mir:„In Padua ward „ich durch die Conſtruction des Rathhauſes, in deſſen oberer Etage ſich ein ungeheurer „Saal von etwa 300 Fuß Laͤnge und 170 Fuß Breite befindet, uͤberraſcht, indem ſich uͤber „dieſem Saal, bei nicht vorzuͤglicher Staͤrke der Mauern, ein Bohlendach mit Walmen nohne durchgehende Balken befindet, ſo daß man innerhalb des Saals die Con⸗ nſtruction des Daches in ſeiner ganzen Woͤlbung ſieht. Die Sparren, Latten und darauf nliegende Bedeckung war innerhalb bunt gemahlt. Obgleich dieſes Gebaͤude uͤber 250 Jahr „alt ſeyn kann, ſo iſt die Art der Conſtruction doch wie die unſrige; die Bohlenſparren „find nur zweifach, und werden durch eiſerne Stangen, die durch die Tiefe des Ge⸗ „baͤudes gehen, und die wegen ihrer Laͤnge verſchiedenemahl durch andere haͤngende eiſerne „Stangen von oben herab getragen werden, vom Schub auf die Mauern verhindert ꝛc.“ Daß eine ſolche Verankerung durch die ganze Tiefe des Gebaͤudes da, wo die Anker nicht hinderlich, oder nicht als ein Uebelſtand im innern Raume betrachtet werden, das ſicherſte Mittel iſt, das Ausweichen der Bohlenſparren zu verhindern, leidet gar keinen Zweifel; nur muß eine ſolche Verankerung ungefaͤhr im Mittel der perpendiculaͤren Hoͤhe des Gebaͤudes angelegt werden. In ff ſind nochmahls zwei Raͤhme uͤber die Sparren geſchnitten(wo⸗ bei aber die Bohlenſparren voͤllig ganz bleiben muͤſſen, welches auch von den vorgedachten Raͤhmen a eben ſo zu verſtehen iſt), um cheils einen Laͤngen⸗ verband zu erhalten, theils um daſelbſt das Schwanken oder Ausbiegen der Sparren nach den Seiten zu verhindern. Das obere Sparrwerk, in welchem auch noch ein Rahmen h liegt, iſt von Kreuzholz, die untern Knaggen ſind aber von azoͤlligen Bohlen und an die Seiten der Sparren befeſtigt. 1 Gebaͤude ohne Dachboden, als Reitbahnen, Exercierhaͤuſer ꝛc. 179 Die Brettſtuͤcke in den Bohlenſparren ſind ſo lang als moͤglich gelaſſen, und daher zwiſchen 10 und 12 Fuß lang, auch mehrentheils an jedem Stoße mit eiſernen Schrauben, uͤbrigens aber mit hoͤlzernen Naͤgeln ver⸗ bunden. Noch befinden ſich oben durch die Forſtbohle d, beinahe an einem Spar⸗ ren um den andern, eiſerne Schienen, um die beiden, zu Einem Gebinde gehoͤrigen Sparren deſto feſter zuſammen zu halten. Die Beleuchtung dieſer Reitbahn geſchieht ſehr vortheilhaft durch zwei, in den Giebeln befindliche, 3o Fuß im Durchmeſſer große, und fuͤnf in je⸗ der Fronte angelegte kleinere, halbrunde Fenſter. Das Dach iſt mit Ziegeln doppelt gedeckt; die Staͤrke der Fronten uͤber dem Banquet, worauf die Schwellen liegen, betraͤgt zwei Stein, und die Giebel ſind unten drei Stein; oben aber, um die Bogenfenſter herum, nur zwei und einen halben Stein, uͤbrigens zwei Stein ſtark. Behufs der innern Verſchalung, welche nur bis zur Schwelle hinauf reicht, ſind mehrere Enden Kreuzholz ki, in Entfernungen von ungefaͤhr 4 Fuß, lothrecht ſtehend, eingemauert. Auch ſind, der vorher erwaͤhnten Regel zufolge, die Schwellen bb nicht durchweg auf das Banquet gelegt, ſondern nur da, wo die Sparren darauf ſtehen, pfeilerweiſe ungefaͤhr 1 Fuß hoch un⸗ termauert, damit auch die Unterfläͤchen der Schwellen moͤglichſt von der Luft beruͤhrt, und dadurch gegen fruͤhes Verſtocken beſſer geſchuͤtzt werden. Das, bei der vorher beſchriebenen Reitbahn erwaͤhnte Seitenſchwanken der Bohlenſparren, welches daſelbſt zwar nur die ausgewechſelten Sparren be⸗ troffen hat, da die uͤbrigen ſaͤmmtlich durch die hinter ihnen ſtehenden, ſtarken Stiele verſtaͤrkt ſind, muß ich hier wieder in Anregung bringen. In dem Fig. 112 vorgeſtellten Verbande ſind nun keine Sparren der Fenſteroͤffnungen wegen ausgewechſelt(welches ohne Verhinderung des Lichts auch ſehr fuͤglich ſo verbleiben konnte, da die innere Bekleidung nur ſehr niedrig hinauf geht); um ſo mehr haben ſich daher ſchon einige der Leerſparren nach den Sei⸗ ten gebogen, weil dieſen die Verſteifung fehlt, welche die Binderſparren durch die neben ihnen ſtehenden Stiele erhalten. Ueberhaupt iſt dieß ein Um⸗ ſtand, gegen welchen man den Verband der Bohlendaͤcher eben ſo ſehr, als gegen das Ausweichen nach außen zu ſichern hat. Denn da die Sparren, im Verhaͤltniſſe ihrer Laͤnge, immer nur wenig Dicke haben, wie auch Herr Leideritz(ſiehe die Anmerkung zu§. 61) ſehr richtig bemerkt; ſo verurſacht die Laſt des ganzen Verbandes nebſt der Eindeckung, einen ſehr ſtarken Druck 3 2 Vom Auf⸗ richten gro⸗ ßer Bohlen⸗ daͤcher. 180 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler auf den untern Theil der Sparren, welche dann daſelbſt nach den Seiten, und zwar innerhalb des untern Drittheiss ihrer Hoͤhe, ausweichen. Um dieß zu verhindern, und die Anwendbarkeit der Bohlendaͤcher moͤglichſt zu vervollkommnen, ſchlage ich vor, in dem untern Drittheil der Hoͤhe mehrere Brettſtuͤcke uͤber einander zwiſchen die Bohlenſparren zu ſpannen, und ſelbige mit untergenagelten Leiſten zu befeſtigen, wodurch die Bohlen— ſparren zugleich nicht, wie durch die vom Erfinder de l'Orme angegebene Verriegelung durchlocht und geſchwaͤcht werden. Ungeachtet dieſer, hier freimuͤthig erwaͤhnten Maͤngel, kann man dennoch aus der ganzen uͤbrigen Beſchaffenheit der beſchriebenen Gebaͤude behaupten, daß ſelbige ſich ſehr gut erhalten, weshalb die Conſtruction derſelben, mit Anwendung der hier erwaͤhnten Vorkehrungen zu noch groͤßerer Sicherheit, fuͤr Gebaͤude von gleicher Tiefe mit Nutzen zur Nachahmung empfohlen wer⸗ den kann. §. 94. So unbedeutend das Aufrichten kleiner Bohlendaͤcher iſt, wovon ich bereits im zweiten Theile Seite 125 Erwaͤhnung gethan, ſo ſteigt jedoch die Nothwendigkeit bedeutender Vorrichtungen dazu, je groͤßer die Bohlen— ſparren⸗Gebaͤude werden, zumahl wenn ſie ſo wie die erwaͤhnten Reitbahnen innerhalb ganz leer von Verbandſtuͤcken ſind. Es werden naͤhmlich dergleichen lange Bohlenſparren nicht im Ganzen, ſondern in wenigſtens zweien Enden aufgerichtet, und alsdann erſt zuſammen geſchraubt und genagelt, weil Sparren von ſo großer Laͤnge im Ganzen, beim Aufrichten zerbrechen wuͤrden. Um nun ſo wohl das Aufrichten als das Zuſammenſetzen auf einander bequem und ordentlich verrichten zu koͤn⸗ nen, iſt innerhalb des zu uͤberbauenden Raumes ein, aus Kreuzholz verbunde⸗ nes Geruͤſte nothwendig, wie ich eins dergleichen in Fig. 112 mit punktirten Linien angedeutet habe. Es ſind daſelbſt No. 1, 2, Stiele aus einem Stuͤcke, e 3 und 3, 4, aber auf einander geſetzte Stiele, welche ſaͤmmtlich in Entfernungen von etwa 15 bis 13 Fuß nach der Laͤnge der Reitbahn aus einander ſtehen. In 1, 5, ſind Streben aus ganzen Enden Kreuzholz, mit vorgedachten Stielen halb uͤberſchnitten, und geben der Ruͤſtung den Querverband. Der Laͤngenverband wird durch die Baͤnder erhalten, welche von den Stielen in die Raͤhme 2, 3, 4, reichen. Ferner ſind 1, 1, ſchwache Schwellen, auf Gebaͤude ohne Dachboden, als Reitbahnen, Exercierhaͤuſer ꝛc. 181 ke Unterlagen ruhend, in welche die Stiele eingezapft ſind; 6, 6, 2, 2, und 4, 4 hen aber ſind ſchwache Bohlen oder Brettern, welche nur an die Stiele genagelt iſ ſind. Auf ſelbigen liegen noch bei 6, 6, Raͤhme, die nebſt den Raͤhmen 3, 3, he dazu dienen, einige Stangen mit Brettern darauf als Ruͤſtung, Behufs des en, Anſchraubens der Anker an die Raͤhme aa, legen zu koͤnnen. 7 Um die Sparren in die Forſtbohle ſetzen zu koͤnnen, werden noch in der ene. Mitte bei 5 ein Rahmen oder eine ſtarke Stange, und daruͤber, ſo wie uͤber die Raͤhme 4, 4, Bretter gelegt, wodurch man zugleich zu den Raͤhmen kf cc gelangen kann. Auf den Raͤhmen 2 und 4, ruhen zugleich die Sparren in, waͤhrend des Aufrichtens, daher jedesmahl die Ruͤſtung nach der Form und it dem Verbande der Bohlenſparren, genau paſſend verbunden werden muß. Be⸗ 1 ſonders erhalten die Raͤhme 2, a, noch in ſo fern ihren beſtimmten Ort, un⸗ gefaͤhr auf der halben Laͤnge der Sparren, als es, wie ſchon erwaͤhnt, nicht gut moͤglich iſt, einen ganzen Sparren bd mit einem Mahle aufzurichten, vielmehr ſelbige in zwei Haͤlften aufgehoben und auf die Ruͤſtungsraͤhme 2, 2, in ihrer eigenthuͤmlichen Art zuſammen geſetzt werden muͤſſen. och§. 95 ·. en⸗ Sollen die Bohlendaͤcher eine leichtere und weniger koſtſpielige Verbin⸗Noch einige ten dung, als die gewoͤhnlichen Haͤngewerke ſeyn; ſo brauchen, wenigſtens fuͤr die 8 vorher angegebenen Tiefen, keine mehrern Verbandſtuͤcke darin angebracht zu große Boh⸗ u, werden, indem ſie in der angegebenen Art ihrem Zweck ſchon vollkommen ent⸗ lendaͤcher. en ſprechen. Allein in Betreff der kuͤnftig daran vorfallenden Dachreparaturen , hat es noch mancherlei Bedenken. Gemeiniglich wird angenommen, daß die ls Dachreparatur von außen auf Leitern geſchehen ſoll; wenn man aber bedenkt, ⸗ daß, um vielleicht nur einen zerbrochenen Dachziegel nahe am Forſte mit de einem nenen zu vertauſchen, mehrere Ziegel ſchon beim Anlegen der Leitern ten zerdruͤckt werden; ſo kann dieſe Veranſtaltung wohl nicht die beſte ſeyn. Weit eher waͤre zu rathen, in ſo hohen, und dabei ohne Dachboden erbauten Ge⸗ 9 baͤuden eigener Geruͤſte in Geſtalt der Feuerleitern auf Rollwagen, oder einer Art großer, doppelter ſo genannter Baumleitern ſich zu den Dachreparaturen innerhalb zu bedienen, und allenfalls dergleichen Leitern im Gebaͤude zu V dieſem Behuf aufzubewahren. Dieſer Umſtand, wenn naͤhmlich bei Dachreparaturen jeder einzelne Stein 1 mit vieler Muͤhe von innen heraus aufgelegt oder eingeſteckt werden muß, macht es auch gewiſſer Maßen zur Regel, dergleichen Daͤcher nicht anders, Vom Eindek⸗ ken der Boh⸗ lendaͤcher. 182 Erſter Abſchnitt. Von Anlage u. Conſtruct. ganz hohler als mit Kronendach zu verſehen, weil die Arbeit und Muͤhe bei einem dichter gelatteten Doppeldache noch groͤßer ſeyn wuͤrde. Es wird aber deſſen ungeachtet ſich ereignen, daß, ehe eine ſolche muͤhſame Reparatur vorgenom⸗ men wird, vielleicht ſchon hie und da einige zerbrochene Steine den Regen oder Schnee durchgelaſſen haben, und dieſes macht wiederum zur Regel, der⸗ gleichen Gebaͤude innerhalb nicht ganz zu verſchalen, weil man dann noch weniger zur Reparatur von innen gelangen, und auch die etwanigen Fehler faſt gar nicht, oder doch nur erſt durch eine beſchaͤdigte Stelle in der Scha⸗ lung entdecken kann. Wenn daher Gebaͤude, z. B. Kirchen, große Saͤle ꝛc., mit einer dicht verſchalten Decke verſehen ſeyn muͤſſen; ſo iſt, bei Bohlendaͤchern, eine koſt⸗ ſpieligere Verbindung mit uͤber einander ſtehenden Sparren, zwiſchen welchen man bequem, und daher oft das Dach unterſuchen kann, erforderlich. Um nicht uͤberfluͤßige Wiederhohlungen zu veranlaſſen, ſollen weiterhin dergleichen Conſtructionen bei Gebaͤuden, die dieſe Vorſicht erfordern, angegeben werden. §. 96. So wie es ſchon bei jedem andern großen Dache ſehr gut iſt, die Eindek⸗ kung mit Dachziegeln nicht erſt auf einer Dachflaͤche zu vollenden, ehe die an⸗ dere Dachflaͤche vorgenommen wird; ſo muß noch weit mehr bei Bohlendaͤchern die Eindeckung moͤglichſt an beiden Seiten zugleich geſchehen, um nicht durch einen einſeitigen Druck die, ohne innere Verbandſtuͤcke(dergleichen doch die ge⸗ woͤhnlichen Daͤcher haben) beſtehenden Bohlendaͤcher zu beſchaͤdigen. Ferner ſind die Bohlendaͤcher, wenn ſie nicht ſo wie in Fig. 111, gerade Dachflaͤchen bilden, in Betreff der Eindeckung mit den Manſard⸗Daͤchern zu vergleichen, die oben eine flache, und unten eine ſteile Dachflaͤche haben. Zu dem Ende muß die Lattung oben enger, als unten ſeyn. Bei dem zuletzt beſchriebenen Gebaͤude wuͤrde ich vorſchlagen, wenn naͤhmlich die Dachziegel 15 Zoll lang ſind, zu einem Kronendache unten 11 Zoll und oben nicht mehr als 10 Zoll weit zu latten. Der dichtern Deckung wegen iſt noch nothwendig, bei ſehr runden Bohlen⸗ daͤchern die Dachziegel zu ſortiren, naͤhmlich die nicht ganz geraden allenfalls unten, die beſſern in die Mitte, und die geradeſten oben, dem Forſte zunaͤchſt zu legen. Anm. Eine dauerhafte Ziegeleindeckung erfordert dagegen, die feſteſten Ziegel unten, und die weniger feſten nach und nach oberwaͤrts zu legen, weil die unterſten Dachziegel, außer dem Regen und Schnee, der ſie ſaͤmmtlich trifft, auch noch die Feuchtigkeiten von den obern Ziegeln uͤber ſich hinweg leiten muͤſſen. Gebaͤude ohne Dachboden, als Reitbahnen, Exercierhaͤuſer ꝛc. 183 In Betreff der Eindeckung ſehr runder Bohlendaͤcher iſt noch folgendes zu beobachten. Wenn man naͤhmlich in Fig. 113 aus einem Punkte a mit ei⸗ nem kurzen Durchmeſſer ab einen Bogen bo, und wiederum mit einem laͤngern Halbmeſſer ae ebenfalls einen Bogen ek beſchreibt, und demnaͤchſt an beide eine gleich lange, gerade Linie, oder(um ſogleich auf den Zweck dieſer Bemerkung zu kommen) einen Dachziegel von der Laͤnge bi oder eh gegen dieſe Boͤgen legt; ſo wird ſich zeigen, daß die, mit dem kleinen Halbmeſſer gezogene Bogenlinie weit mehr von der geraden Linie des Dachziegels abweicht, als die, mit dem groͤßern Halbmeſſer gezogene Bogenlinie. Folglich werden die geraden Dach⸗ ziegel auf einem kleinen und dabei ſehr runden Bohlendache mehr, als auf einem groͤßern oder geradern Dache, klaffen, und dieſes Klaffen wird ver⸗ mehrt, je enger die Lattung iſt. Um daher das Klaffen, beſonders der obern, enger gelatteten Dachziegel⸗ Reihen moͤglichſt zu verhindern, hat man unter andern, bei dem Bau des Schauſpielhauſes in Potsdam, die obern Kanten a der Dachziegel Fig. 114 um etwas verbrochen, welches indeſſen, um nicht die Steine zu zerſchlagen, ſehr vorſichtig geſchehen muß. Anm. Daß die Eindeckung ſo großer Bohlendaͤcher mit Ziegeln, innerhalb nicht verſtrichen wer⸗ den muͤſſe, weil dergleichen Daͤcher bei großen Stuͤrmen einer mehrern elaſtiſchen Be⸗ wegung ausgeſetzt waͤren, als andere gewoͤhnliche Daͤcher, hat man als Grundſatz ange⸗ nommen. In ſo fern die Bohlendaͤcher, wie die bisher beſchriebenen, innerhalb gar keinen Verband durch ihre Tiefe haben, iſt eine groͤßere elaſtiſche Bewegung derſelben durch große Stuͤrme nicht zu laͤugnen, und daher iſt bei Gebaͤuden, in denen bei dicht geſchalten Decken das Eindringen des Regens oder Schnees von Nachtheil ſeyn kann, und die Dach⸗ ziegel dieſerhalb verſtrichen werden muͤſſen, fuͤr eine andere Conſtruction der Bohlen⸗ daͤcher zu ſorgen, wie weiterhin vorkommen wird. — ... Zweiter Abſchnitt. Von Anlage und Conſtruction ſolcher Gebaͤude, welche zwar auch einen innern freien Raum, aber eine Balkendecke und Bodenraum erfor⸗ dern, als Wagenſchuppen, Getreide⸗ und andere Magazine, Schafſtaͤlle u. ſ. f. A. Von den Wagen⸗ und Holzſchuppen auf dem Lande. §. 97. So unbedeutend die, unter der Benennung von bloßen Schuppen bekannten Gebaͤude auch erſcheinen, ſo erfordert dennoch die Verbindung der⸗ ſelben beſondere Vorſicht, indem ſie entweder ganz hohl, und alſo mit keinen Scheidewaͤnden verſehen, oder aber doch in ſo große Raͤume abgetheilt ſind, daß nur wenige Scheidewaͤnde der Verbindung der Außenwaͤnde zu Huͤlfe kommen. Auch wird zuweilen auf dergleichen Schuppen ein zweites Stock⸗ werk geſetzt, oder doch ihr Dachboden mit Getreide oder andern Produkten belaſtet, weshalb dergleichen Schuppen, wenn ſie feſt ſtehen ſollen, oft eine vorzuͤglich gute Conſtruction erfordern. Die —— 65v Gebaͤude welche Balkendecken u. Bodenraum erf., als Schuppen ꝛc. 185 Die Schuppen, Remiſen ꝛc. auf dem Lande dienen zur Unterbringung der Wa⸗ gen, der Ackergeraͤthſchaften, des benoͤthigten. Rutz⸗ und Brennholzes, der Feuer⸗ ſpritzen u. ſ. w., auch wohl theilweiſe oder ganz zur Aufhebung des Torfes, ſo wie denn auch bei großen Vorwerken darin eine ſo genannte: Baukammer angebracht wird, worin die Ackergeraͤthſchaften, Wagen, Schlitten ꝛc. angefertigt werden. Anm. In kleinen Wirthſchaften fehlen dieſe Gebaͤude oft ganz, und es werden alsdann die Wagen in die Scheune geſtellt, die Eggen und Schlitten unter den Ueberbau an den Staͤllen aufgehan⸗ gen, das Holz im Freien, oder alleufalls in einem Stalle neben dem Pferdeſtalle, und das auf⸗ zubewahrende Getreide daruͤber auf den Boden gebracht. §. 98. Es richtet ſich natuͤrlich die Groͤße der Schuppen nach der Beſchaffenheit und Von den in Anzahl der darin unterzubringenden Stuͤcke. Daß aber in Abſicht der Zahl derſelben nun onfehun⸗ ſo allgemeine Grundſaͤtze angenommen werden koͤnnten, als man es in verſchiedenen, bringenden uͤber die Land⸗Baukunſt vorhandenen Schriften antrifft, iſt wohl zu bezweifeln, in— Kugenſbin dem viele beſondere Umſtaͤnde hierin Ausnahmen machen koͤnnen. Wir wollen alſo hier nur geradezu ein Beiſpiel feſtſetzen, daß naͤhmlich ein Schup⸗ pen verlangt wuͤrde oder nothwendig waͤre, worin 2 Kutſchen, 6 Ernte⸗ oder andere Wagen, 6 Pfluͤge, 12 Eggen, 6 Schleppen oder Schlitten, das noͤthige Nutz⸗ und 40 Klafter Brennholz, nebſt Raum zum Klein⸗ machen deſſelben, eine Baukammer, die Treppen nach dem Boden, auch eine Feuerſpritze untergebracht, uͤber dem ganzen Schuppen aber ein Kornboden angebracht werden ſollte. Anm. Eine Kutſche iſt, ohne Deichſel, etwa o bis 12 Fuß lang, 5 bis 6 Fuß breit, und 9 Fuß hoch, mit der Deichſel aber etwa 20 Fuß lang, welche indeß noͤthigen Falls abgenommen werden oder durch den Thorweg vorſtehen kann. Ein Erntewagen iſt von gleicher Laͤnge und Breite, in der Hoͤhe aber geringer, außer zur Zeit der Ernte, wenn die ſo genannten Lintſtäbe auf den Achſen, Behufs der Unterſtuͤtzung der Rungen, angebracht ſind. Ein Pflug iſt etwa7 Fuß lang, und 3 Fuß breit. Eine Egge iſt etwa 4 Fuß lang und breit. Ein Schlitten iſt etwa a bis 5 Fuß lang, und 23½ bis 3 Fuß breit. Eine Klafter Brennholz enthaͤlt 3 Kubikfuß. Eine gewoͤhnliche Feuerſpritze iſt ohne Deichſel etwa 9 Fuß lang„ 5 Fuß breit, und 6 Fuß hoch; mit der Deichſel iſt ſie etwa 17 Fuß lang. §. 99. Außer dem Raume, welchen die in einer Remiſe unterzubringenden Gegenſtaͤnde Don Aaehie nach ihrer verſchiedenen Stellung und Lage an und fuͤr ſich einnehmen, iſt zum beque⸗ kelung der Groͤße eines men Heraus⸗ und Hineinbringen derſelben immer ein etwas groͤßerer Raum erforder⸗ Schuppens. Aa 186 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, lich. Auch die Art des Gebaͤudes, ob ſolches naͤhmlich maſſiv oder von Fachwerk iſt, macht einen Unterſchied in Beſtimmung der Groͤße deſſelben. So wuͤrde z. B. der Thorweg zu einer Wagen-Remiſe, wegen des bequemen Hinein- und Herausbrin⸗ gens der Wagen, weniaſtens 7 ½ Fuß breit ſeyn muͤſſen. Nun iſt bei einem hoͤlzernen Gebaͤude zwiſchen zwei Remiſen-Thorwegen nur ein Stiel von 9 bis 10 Zoll Staͤrke erforderlich; bei einem maſſiven Gebaͤude aber muß zwiſchen den beiden Thorwegen ein maſſiver Pfeiler von wenigſtens 2 ½⅞ Stein oder 2 Fuß 2 Zoll Breite angelegt werden. Daher wird ein maſſives Gebaͤude bei gleich vielen Thorwegen ſchon um etwas laͤn⸗ ger als ein hoͤlzernes ſeyn muͤſſen. Eben ſo muß die Diefe eines Remiſen-Gebaͤudes nach der Stellung der Wa— gen ꝛc. ausgemittelt werden. Wenn z. B., wie vorher gedacht, ein Kutſch- oder Erntewagen mit der Deichſel 20 Fuß lang und 6 Fuß breit angenommen wird; ſo kann die zweckmaͤßige Tiefe eines Remiſen-Gebaͤudes nur auf folgende Art ausgemit— telt werden: r. Soll in jeder Remiſe nur Ein Wanen ſtehen, ſo bedarf das Gebaͤude im Lichten nur eine Tiefe von 19 Fuß, wobei die Deichſel am Wagen bleibt, ohne durch den Remiſen⸗Thorweg vorzuſtehen. Wollte man aber die Deichſel abnehmen, ſo wuͤrde eine Tiefe im Lichten von 12 bis 14 Fuß hinlaͤnglich ſeyn. Anm. Der Deutlichkeit wegen merke ich an, daß ich unter einer einzelnen Remiſe den Raum ver⸗ ſtehe, zu welchem ein jeder Thorweg zunaͤchſt fuͤhrt. 2. Soll im Vordertheile jeder Remiſe ein Wagen nach der Diefe des Gebaͤudes ſtehen, und ſollen hinter zwei derſelben noch ein Wagen in der Quere oder nach der Laͤnge des Gebaͤudes, alſo in zwei Remiſen⸗Raͤumen eigentlich drei Wagen ſte⸗ hen; ſo ſind zur Tiefe des Gebaͤudes im Lichten etwa 19+ 8= 27 Fuß erforderlich. 3. Wenn aber, wie in Fig. 115 A angenommen iſt, zwei Wagen hinter ein⸗ ander nach der Tiefe des Gebaͤudes in jeder Remiſe ſtehen ſollen, wobei die Deichſel des hintern Wagens, etwas zur Seite gebogen, dicht neben dem vordern Wagen liegt; ſo wird die Tiefe des Gebaͤudes im Lichten ungefaͤhr 33 ⅞ Fuß ſeyn muͤſſen. Eben ſo verhaͤlt es ſich mit allen uͤbrigen Raͤumen. Es muß jedesmahl auf die Stellung und die Bequemlichkeit beim Gebrauch der Dinge, welche aufbewahrt wer⸗ den ſollen, vorzuͤglich Ruͤchſicht genommen werden. §. 10o. Um das bisher uͤber Anlage eines ſo genannten Schuppens geſagte anſchaulich zu machen, ſollen nunmehr die, in den Fig. 115 und 116 vorgeſtellten Anlagen„ und zu nd welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Schuppen c. 187 zwar zuerſt in einem ganz maſſiven Gebaͤude Fig. 115 unſtaͤndlich beſchrieben wer⸗ den, wobei eine Tiefe im Lichten von 33 ½ Fuß angenommen worden. Nach der Aufgabe ſollen in dem Holzſtalle a Fig. 115 A 40 Klafter Klo⸗ benholz Platz finden, und außerdem ſoll ein hinlaͤnglicher Raum zum Kleinſchlagen deſſelben vorhanden ſeyn. Eine Klafter Holz iſt 6 Fuß lang, 6 Fuß hoch, und hat 3 Fuß Klobenlaͤnge oder Dicke. Ohne große Unbequemlichkeit kann ſolches fuͤglich ro Fuß hoch gepackt werden. Der Stall iſt 18 Fuß breit, folglich koͤnnen in jeder Schicht nach der Brei⸗ te 5 Klafter, und in g ſolchen Schichten 40 Klafter aufgepackt werden. Die 8 Schich⸗ ten à 3 Fuß Klobenlaͤnge, nehmen von der Diefe des Stalles im Lichten 24 bis 26 Fuß weg; es bleiben alſo zum Kleinſchlagen noch ein Raum von 62 Fuß nach der Tiefe des Gebaͤudes, und, nach Abzug der Treppe, ungefuͤhr 91 Quadratfuß uͤbrig. Die Treppe nach dem Kornboden iſt deshalb vorzugsweiſe im Holzſtalle ange⸗ legt worden, weil ſie daſelbſt am wenigſten hinderlich iſt, indem das Brennholz noch unter die Treppe gepackt werden kann. Die Treppe iſt 4 Fuß breit, um nöthigen Falls mit einem Sacke bequem hinauf⸗ oder hinunter gehen zu koͤnnen, auch iſt ſie dieſerhalb bei ihrer Laͤnge mit einem Ruheplatze in der Mitte verſehen. Dieſe Treppe muß, wie ſich von ſelbſt verſteht, ſo wohl an der Seite mit Brettern feſt verſchlagen, als auch mit Futterſtufen, oder an deren Stelle laͤngs unter den Stufen mit Brettern verſchla⸗ gen werden, um das Stehlen des Getreides moͤglichſt zu verhindern. Ueber der Thuͤre zur Treppe ſo wohl, als uͤber der Holzſtall⸗Thuͤre ſind Fenſter zur Beleuchtung, und allenfalls hinten oder an der Seite des Holzſtalls noch einige Kreuzloͤcher oder Fenſter anzubringen. Die Remiſe b, da ſie wegen der Eintheilung der Vorderfronte die groͤßte, naͤhmlich Ir Fuß 10 ¾ Zoll im Lichten breit und 32 ½ Fuß tief iſt, mag fuͤr die 6 Pfluͤ⸗ ge, 6 Schlitten und 12 Eggen dienen, wozu, wenn die Eggen an die Mauer gehan⸗ gen werden, Raum genug vorhanden iſt. In den uͤbrigen 4 Remiſen odef koͤnnen in jeder 2 Wagen bequem hinter einander ſtehen; jede Remiſe iſt ungefaͤhr 9 Fuß breit und 32½ Fuß tief. In der mittlern Remiſe d iſt in der Hinterfronte noch ein Thorweg angebracht: daher dieſe Remiſe, als eine Durchfahrt betrachtet, auch in der Decke eine zweiſluͤglichte Klapp⸗ thuͤre hat, und im Boden daruͤber eine Winde zum Heraufziehen der Saͤcke mit Ge⸗ treide angebracht werden kann. Anm. Daß kleinere, ſo genannte Bauerwagen einen weit geringern Platz beduͤrfen, verſtehet ſich von ſelbſt. Ueberhaupt werden zuweilen dergleichen Raͤume noch auf mancherlei andere Art modi⸗ ficirt, und wegen der Koſten, die ein ſolches Gebaͤude erfordert, oft ſehr eingeſchraͤnkt angelegt. Aa 2 Schuppens mit einem Ge⸗ treide⸗Bo⸗ den daruͤber. Etagenhoͤhe eines Schup⸗ pens und des Getreidebo⸗ dens. 188 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, Ganze Stuaͤmme Bauholz, ſo wie auch beſchlagene, ſtarke Balken, werden ge— meiniglich an einem andern Orte im Gehoͤfte, allenfalls unter einer leichten Bretter— bedachung aufbewahrt. Kleinere Hoͤlzer aber, als Kreuzholz, Geſchirrholz, Bret⸗ ter ꝛc., wovon weit leichter etwas entwendet oder u nzweckmaͤßig verbraucht werden koͤnnte, muͤſſen, ſo wie auch zu mehrerer Austrocknung derſelben, im Schuppen un— term Verſchluß aufbewahrt werden; und da letztere Hoͤlzer zuweilen eine bedeutende Laͤnge haben, ſo iſt hier in dem Raume g neben der Baukammer darauf Ruͤckſicht ge⸗ nommen worden, indem die Laͤnge dieſes Raums 32 ½ 4 Zoll, und die hintere Breite 4 Fuß betraͤgt. Neben der Nutzholz⸗Remiſe g liegt die Fuß, die vordere Breite 7 Fuß Baukammer h, durch eine Thuͤr mit einander verbunden. In einer ſolchen Baukammer muß Raum fuͤr eine Hobelbank, fuͤr eine Schneidebank, allenfalls auch fuͤr einen Radeſtuhl, ſo wie zur voͤllgen Aufbauung eines Wagens vorhanden ſeyn. Sachen auch herausgeſchafft werden koͤnnen, iſt eine Damit die darin aufgebaueten große Thuͤre aus derſelben nach dem Hofe erforderlich. Die innere Groͤße der Baukammer betraͤgt 21 Fuß 2 Zoll Laͤnge, und 13 Fuß 2 Zoll Breite. Anm. Alllenfalls kann auch die Baukammer und Nutzholz⸗Remiſe ohne Scheidewand in eins gehen. Das Spritzenhaus i iſt im Lichten 16 Fuß lang, 10 Fuß breit, ungeachtet die Spritze ſelbſt nur etwa 5 Fuß breit iſt. Der dadurch uͤbrig bleibende Raum iſt zum Aufhaͤngen der Schlauche, Feuereimer und Handſpritzen noͤthig. Die Ausfahrt muß, wie hier angegeben, wenn es irgend moͤglich iſt, im Giebel, dabei wenigſtens 7 Fuß breit und nach einem hinlaͤnglich freien Raume hin, angelegt werden, damit zur Zeit der Gefahr die Spritze leicht und bequem und mit Si Strohdach ſchon brennt, herausgezogen werden kann. cherheit, ſelbſt wenn etwa das Anm. Weiterhin habe ich zwar die Urſachen angegeben, warum ich die innern Raͤume gerade ſo geordnet habe; indeß will ich ſolche keinesweges als unabaͤnderlich angeſehen haben, da es hier vorzuͤglich nur darauf ankommen ſoll, an einem beſtimmt eines ſolchen Gebaͤudes zu zeigen. §. ror. eingerichten Schuppen die Conſtruction Die Hoͤhe eines Schuppens im Lichten der untern Etage muß zuvoͤrderſt darnach ſich richten, daß die Thorwege zu den Wagen— Remiſen und der Durchfahrt eine hin— laͤngliche Hoͤhe erhalten. Von der Hoͤhe beladener Ernte- oder Heuwagen darf hier die Rede nicht ſeyn, weil ſolche auf einem andern Wege in das Gehoͤfte fahren koͤnnen. Die Hoͤhe der Thorwege in einer Remiſe braucht nur nach der Hoͤhe eines hohen Kutſch⸗ wagens(wenn dergleichen darin aufgeſtellt werden ſollen) eingerichtet zu werden, welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Schuppen ꝛc. 189 wobei es dann nur noch darauf ankommt, ob die Thorwege uͤberwoͤlbt, und wie breit ſie dieſerhalb werden muͤſſen. Eiine hohe Kutſche, wie ſolche zeither Mode waren, iſt 9 Fuß hoch. Um aber durch einen, nur 7 ½ Fuß breiten, und nach einer nicht zu flachen Ellipſe uͤberwoͤlbten Thorweg mit der obern Breite des Kutſchkaſtens ſicher und bequem einfahren zu koͤn⸗ nen, muß der Thorweg wenigſtens 10 Fuß 4 Zoll im Lichten hoch ſeyn. Hierzu die Hoͤhe der Ueberwoͤlbung von 12 Stein und die Hoͤhe der Mauerlatte, zuſammen ¹ Fuß 8 Zoll gerechnet, giebt fuͤr die Hoͤhe der Remiſe im Lichten 12 Fuß, und mit der Hoͤhe des Balkens nebſt der Bedielung 13 Fuß. Nach dieſer letztern Hoͤhe richtet ſich, wie ſich von ſelbſt verſteht, die Anzahl der Stufen in der Treppe, welche daher, zu 771 Zoll Steigung gerechnet, hier 22 Stuͤck à 10 Zoll Breite oder Auftritt erhaͤlt. Wenn aber die Thorwege(wie in Fig. 115 C) nicht uͤberwoͤlbt, ſondern nur mit einem ſtarken Latteholze bedeckt, und darauf entweder unmittelbar das Dach, oder noch eine hoͤlzerne Etage geſetzt, oder das ganze Gebaͤude nur von Holz und Fachwerk, wie Fig. 116, erbauet werden ſoll, dann kann die Hoͤhe der Remiſe im Lichten um 1 Fuß g Zoll niedriger werden. Die Thorwege brauchen dann nur g Fuß 6 Zoll im Lichten hoch zu ſeyn, welches fuͤr die Remiſe ſelbſt eine Hoͤhe im Lichten von 10 Fuß 3 ½ Zoll, und mit den Balken nebſt Bedielung darauf 11 Fuß 32 Zoll betraͤgt. Fuͤr dieſe letztere Hoͤhe erhaͤlt alsdann die Treppe nur 19 Stufen von etwas uͤber 7 Zoll Steigung und 10 Zoll Auftritt. In den hier beruͤhrten Plaͤnen iſt angenommen worden, daß noch eine Etage uͤber dem eigentlichen Schuppen maſſiv oder von Fachwerk, aufgefuͤhrt werden ſoll. Ueber dergleichen Remiſe einen Kornboden anzulegen, iſt um deswillen von vielem Nutzen, weil einmahl daſelbſt das Getreide am luftigſten liegt, zum andern, weil die Balken ohne Hinderniß des untern Raums hinlaͤnglich unterſtuͤtzt werden koͤnnen, und drit— tens, weil dadurch die Koſten fuͤr das Dach und Fundament vortheilhafter benutzt werden. Die Hoͤhe der zweiten Etage braucht zu dieſem Behuf nur 8 Fuß im Lichten zu betragen. Die zweite Etage in dem Fig. 115 vorgeſtellten Remiſen⸗Gebaͤude, welches 98 Fuß lang und 36 Fuß tief iſt, kann 81½ Wiſpel, und der Dachboden daruͤber 69 Wiſ⸗ pel Getreide Cr Fuß 10 Zoll hoch aufgeſchuͤttet) faſſen, wenn, außer den Gaͤngen, Fluren und Umſchippeplaͤtzen, auf jeden Scheffel 1 Quadratfuß gerechnet wird. Der Hafer kann zwar wohl bis 3 Fuß hoch geſchuͤttet werden; allein, die uͤbrigen Getreide⸗ ſorten wuͤnſchen die Oekonomen nicht gern hoͤher als etwa 11 Fuß ſchuͤtten zu duͤrfen, 190 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, daher fuͤr die Hoͤhe der Schuͤttung eine Mittelzahl von 1-Fuß 10 Zoll angenommen worden iſt. Anm. Die naͤhern Grundſäͤtze uͤber das Maaß und die zweckmaͤßige Anordnung der Aufſchuͤttung des Getreides kommt unterm Artikel Magazin vor. §. 102. Conſtruetion In Betreff der Conſtruction eines maſſiven Schuppens Fig. 115 iſt folgendes des Mauer⸗ zu beobachten. nafs Sesara Bei der ſchon bedeutenden Groͤße dieſes Gebaͤudes von 98 Fuß Laͤnge und 37 pen. Fuß Diefe, in welchem ſo wenig Scheidemauern vorhanden ſind, iſt bei der Anlage der einzelnen Behaͤltniſſe vorzuͤglich auf die Feſtigkeit des Gebaͤudes geſehen worden, naͤhmlich, daß jedem Giebel zunaͤchſt eine Scheidemauer ſtatt findet, um die Enden des Gebaͤudes kraͤftiger und ſolider, als ſie ohne dieſe Einrichtung ſeyn wuͤrden, dar⸗ zuſtellen. Es iſt demnach die Baukammer an dem einen, und der Holzſtall an dem andern Ende angelegt worden. Die Ueberwoͤlbungen der Remiſen-Thorwege verurſachen naͤhmlich einigen Schub, mehr oder weniger, je nachdem ſolche rund oder flach gewoͤlbt ſind, und dieſer Schub aͤußert ſich jedesmahl vorzuͤglich auf die Pfeiler an den Enden des Gebaͤudes, waͤhrend der gegenſeitige Schub der mittlern Boͤgen ſich auf die mitt⸗ lern Pfeiler nur in einen lothrechten Druck aufloͤſet. Nun gewaͤhren hier die beiden kleinern Eingaͤnge nach dem Nutzholz⸗Magazin und nach der Treppe, ohne Verſchwen⸗ dung des Platzes, eine Verſtaͤrkung der vorletzten Pfeiler, welche, wenn die Remi— ſen⸗Thorwege an einander bis zu den Enden des Gebaͤudes angelegt waͤren, nicht ſo gut ſtatt finden koͤnnte. Zugleich wird dadurch eine Symmetrie in der Vertheilung der Thorwege erhalten. Anm. Ich weiß ſehr wohl, daß es bei laͤndlichen Gebaͤuden dieſer Art auf ſtrenge Beobachtung der Symmetrie keinesweges ankommt; indeſſen bin ich doch der Meinung, daß der Baumeiſter dieſelbe da, wo ſie, als letzte Ruͤckſicht betrachtet, angebracht werden kann, nicht abſichtlich ver⸗ nachlaͤſſigen muß. 4 Die ſaͤmmtlichen Umfaſſungsmauern ſind r Fuß 9 Zoll oder 2 Stein ſtark, welche Staͤrke wegen der Hoͤhe und des freien Standes der Mauern(ſ. S. 241 im erſten Theile) gar nicht zu viel, aber bei geſchickter Maurerarbeit auch hinlaͤnglich iſt. Die langen Scheidemauern ſind aus gleicher Urſache 1½ Stein oder 1 Fuß 4 Zoll ſtark, und die Mauern um das Spritzenhaus haben zur mehreren Dauer gegen Be— ſchaͤdigungen derſelben, auch weil die eine zugleich als Mittelwand gilt, eben dieſelbe Staͤrke erhalten. Die Scheidewand der Baukammer aber iſt, weil ſie nicht lang iſt, nur 1 Stein oder 10 Zoll ſtark angenommen worden. gendes d 37 nlage den, den ar⸗ dern nchen voͤlbt enden tung neiſter h ver⸗ ir rin iſ. poll Pe⸗ elbe lang welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Schuppen ꝛc. 191 Wird die zweite Etage maſſiv aufgefuͤhrt, ſo duͤrfte vielleicht mancher, wegen der geringen Hoͤhe derſelben, die Staͤrke der Umfaſſungsmauern zu 1½ Stein fuͤr ſtark genug halten. Da indeſſen gar keine Scheide- oder Mittelwaͤnde in der zweiten Erage vorhanden ſind, auch die Maurerarbeit nicht immer auf dem Lande mit gehoͤri⸗ gem Fleiße ausgefuͤhrt wird; ſo bin ich der Meinung, die Umfaſſungsmauern daſelbſt, wie unten, 1 Fuß g Zoll oder 2 Steine ſtark zu machen. Wenn die zweite Etage von ausgemauertem Fachwerk gemacht wird, ſo iſt es zu mehrerer Feuerſicherheit des Gebaͤudes gut, wenigſtens die Giebel mit ½ Stein maſſiv vor dem Fachwerke, und mit denſelben verbunden, zu verblenden. Eine ſolche maſſi— ve Verblendung kann, wenn die Thorwege der untern Etage uͤberwoͤlbt ſind, auch an beiden Fronten der zweiten Etage um ſo eher ſtatt finden, da in dieſem Falle das Holzwerk innerhalb ohne Berohrung und ganz frei verbleibt. In andern Faͤllen, wenn innerhalb eine Berohrung des Holzes nothwendig iſt, wird durch eine aͤußere Verblendung das Holz ganz eingeſchloſſen, wodurch es ſehr fruͤhzeitig verſtockt. Gewoͤhnlich werden die Fundamente von Feldſteinen, und in hieſiger Gegend auch von Kalkſteinen gemacht. Die Tiefe derſelben richtet ſich nach dem Baugrunde; ihre Staͤrke aber wird nach Maaßgabe der Tiefe und der obern Mauerſtaͤrke beſtimmt. Wird naͤhmlich zu der Staͤrke der reinen Mauer in erſter Etage von 1 Fuß 9 Zoll, der aͤußere Sprung der Plinte von 1 bis 1 ½ Zoll hinzugerechnet, ſo giebt dies zu⸗ ſammen eine Staͤrke von z Fuß 10½ Zoll. Wenn nun das Fundament wenigſtens 4 bis 5 Zoll von der Plintenmauer, an beiden Seiten vorſpringen ſoll, ſo muß die obere Staͤrke des Fundaments 2 Fuß 6 Zoll bis 2 Fuß 8 Zoll betragen. Da auf dem Lande gewoͤhnlich guter Boden angetroffen wird, ſo iſt dieſe Staͤrke fuͤr die ganze Fun⸗ damenttiefe von 3, 4 bis 6 Fuß gewoͤhnlich hinreichend. Sollte aber der gute Grund erſt 3 bis 10 Fuß tief ſich finden, ſo wuͤrde, etwa in der halben Hoͤhe vom Grunde herauf, noch ein ſo genanntes Banquet 3 bis 3½ Fuß ſtark, und auf die Mitte deſſel⸗ ben erſt das weitere Fundament von 2 Fuß 8 Zoll ſtark bis zur Erdgleiche aufgefuͤhrt werden muͤſſen. Im uͤbrigen beziehe ich mich auf das, was in dieſer Hinſicht ſchon im erſten Theile von Seite 191 bis Seite 196 geſagt worden. Einige Bauleute moͤchten vielleicht unter den einzelnen Thorwegpfeilern, zur Er⸗ ſparung der Koſten, nur einzelne Fundamente anlegen. Bei fleißiger Arbeit wuͤrde dieß,(wenn jeder Pfeiler in vorgedachter Staͤrke und dabei 4 bis 5 Fuß lang gemacht wird) auch um ſo eher deshalb zu entſchuldigen ſeyn, weil an den beiden Enden der Fronte lange, in Einem Stuͤcke fortlaufende Fundamente vorhanden ſind. Allein beſ⸗ ſer bleibt es in jedem Falle, auch unter den Thorwegen hinweg, das Fundament in 192 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, eins fort gehen zu laſſen. Unter einem hoͤlzernen Gebaͤude, beſonders von zwei Eta— gen Fig. 116, wuͤrde das Fundament allerdings laͤngs unter ſaͤmmtlichen Waͤnden in eins fort gelegt werden muͤſſen, um dem nur ſchwachen Fundamente mehr Zuſam⸗ menhang zu geben. Innerhalb der Thorwegsoͤffnungen muß uͤbrigens das Fundament nicht bis zur Erdgleiche, oder ſo hoch wie unter den Thorwegspfeilern aufgefuͤhrt wer⸗ den. Vielmehr kann ſolches um 6 Zoll daſelbſt tiefer liegen bleiben, um entweder eine Radeſchwelle, oder auch nur eine Feldſtein-Pflaſterung und den Klobenſtein zur Be⸗ feſtigung des untern Riegels am Thorwege daruͤber hinweg legen zu koͤnnen. Die Fundamente unter den Unterzugsſtaͤndern in den Remiſen ſind fuͤr ſehr be— deutend zu halten, beſonders in dem vorliegenden Falle, wo Getreideboͤden auf ihnen ruhen ſollen. Sie muͤſſen an der Oberflaͤche der Erde 1½ bis 2 Fuß im Quadrat ſtark und bei 6 bis g fuͤßiger Tiefe derſelben noch ſtaͤrker, auch bei dieſen obern Staͤr— ken doſſirend aufgemauert werden, felglich unten in der Erde verhaͤltnißmaͤßig ſtaͤr⸗ ker, als oben ſeyn. Auf dieſe Pfeiler-Fundamente muͤſſen alsdann große Wuͤrfel oder Sockel von Feld⸗, Sand⸗, oder Kalkſteinen, oder auch nur Kreuzſchwellen von Bohlen oder Halbholz(ſiehe Fig. 31 im zweiten Theile), welche den groͤßten Theil des Funda— ments bedecken und dadurch das ganze Fundament zur Tragung der Laſt bringen, ge— legt, und darauf die, wenigſtens 10 Zoll im Quadrat ſtarken Stiele ſtumpf, beſſer aber mit kurzen Zapfen in die Wuͤrfel oder Schwellen geſtellt werden. Iſt das Fundament bis zur Erdgleiche, oder beſſer, damit das Traufwaſſer von außen nicht in das Gebaͤude dringe, 6 Zoll uͤber die Erdflaͤche aufgefuͤhrt, dann wer⸗ den die Plintenmauern angelegt, ſelbige 1 ½⅞ bis 2 Fuß hoch aufgefuͤhrt, und mit einer Rollſchicht abgeglichen; darauf aber wird nach Abſetzung einer Plinte von 1 bis 12 Zoll die uͤbrige Hoͤhe der Mauer bis zur Gleiche, auf welche die Mauerlatten zu liegen kommen, das heißt alſo bis 3 oder 4 Zoll unter den Balken, aufgefuͤhrt, wobei auf fleißigen Verband, und ſchmale Fugen, hier beſonders in den einzelnen Thorwegs⸗ pfeilern zu ſehen iſt. Daß zu der ganzen Plinte, oder wenigſtens zur aͤußern Verblendung derſelben, die feſteſten Steine genommen werden, geſchieht deswegen, damit ſoſche gar nicht be— putzt, ſondern nur abgerieben zu werden braucht, und folglich durch das Gegenſpritzen der Traufe kein Abfallen des Abputzes erfolgen kann, wodurch ſchlechtere Steine zu leicht auswittern wuͤrden. In ſolchen Faͤllen alſo, wenn nur die obere Mauer, nicht aber die Plinte beputzt wird, muß beim Mauern der Plinte wenigſtens 1 ½ Zoll Vor⸗ ſprung d, di En⸗ den in zuſam⸗ ament wer⸗ er änt ur Be⸗ r be⸗ ihnen drat aͤr⸗ ſar⸗ von oder zunda⸗ 1, ge⸗ beſſer welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Schuppen ꝛc. 193 ſprung von der darauf ſtehenden Mauer gelaſſen werden, weil, wenn der Putz Zoll ſtark angetragen wird, die Plinte alsdann doch nur 1 Zoll reinen Vorſprung behaͤlt. Wegen der zweiten Etage iſt nichts weiter zu bemerken, als daß die Bruͤſtung der Fenſter ſo wohl da, als im Dachboden nur 2 Fuß hoch angenommen worden, da⸗ mit die Luft deſto naͤher uͤber das Getreide ſtreichen kann. Was das Band- und Hauptgeſims in Fig. 115 B betrifft, wenn naͤhmlich dergleichen angebracht werden ſollten, ſo iſt daruͤber ſchon im erſten Theile§. 145. Anweiſung gegeben worden. Je⸗ doch iſt außerdem noch zu bemerken, daß es allemahl zur dauerhaften Conſtruction der Geſimſe an nicht ſehr ſtarken Mauern gehoͤrt, daß wenigſtens das Obergeſims uͤber die Balken, das Untergeſims aber gegen die Balkenſtirnen gemauert wird, damit der Verband der Steine im Obergeſimſe deſto tiefer in die Mauer reiche. Wenn ein Gebaͤude noch fruͤh im Jahre, das heißt im Julius oder Auguſt, unter Dach kommt, und alſo dann noch gute, jedoch nicht zu heiße und zu trockene Witterung zu erwarten iſt, dann kann daſſelbe noch in dem naͤhmlichen Jahre abge⸗ putzt, oder nur berappt werden, welches letztere das dauerhafteſte, mithin fuͤr der⸗ gleichen Gebaͤude auch das zweckmaͤßigſte iſt. Kommt aber das Gebaͤude viel ſpaͤter unter Dach, dann iſt fuͤr die Dauerhaftigkeit des aͤußern Putzes ſehr zu rathen, ſol— ches erſt im naͤchſten Fruͤhjahr bei trockener, ſcharfer Luft zu putzen; denn das Abfal⸗ len des Putzes iſt nicht nur eine Unzierde eines maſſiven Gebaͤudes, ſondern verurſacht auch eine ſchaͤdliche Einwirkung der Witterung auf die Mauerſteine. Daß bei der Anlage vorliegenden, maſſiven Gebaͤudes, welches einzelne Pfeiler und lange, frei ſtehende Mauern ohne Scheidewaͤnde hat, und uͤberdies zwei Eta⸗ gen hoch iſt, auf Luftſteine, Lehmpatzen, Pilé-Steine ꝛc., Ruͤckſicht genommen wer⸗ de, moͤchte ich, ſo ſehr ich auch dieſe Bauart an ihrem Orte zu vertheidigen immer noch hinlaͤngliche und gepruͤfte Gruͤnde habe, dennoch nicht allgemein anrathen. Wenn ein ſolches Gebaͤude von Feld- oder Kalkſteinen erbaut werden ſollte, ſo faͤllt, wie ſich von ſelbſt verſteht, die Beſtimmung der Mauerſtaͤrken nach Steinlaͤngen von ſelbſt weg, und es wuͤrden bei dieſem Gebaͤude von zwei Etagen die Fronten we— nigſtens 2 Fuß ſtark ſeyn, und dabei die einzelnen Thorwegpfeiler von behauenen Steinen, auch die Mauern der zweiten Etage, welche den Getreideboden umſchließen, wenn ſolche von Feldſteinen ſeyn ſollen, wegen der Feuchtigkeit innerhalb mit Mauer⸗ ſteinen verblendet werden muͤſſen. Auch den Kalkſteinen gereicht das Abputzen oft ſehr zur Conſervation, weil ſelbige, im Freien und unbeputzt, wenn ſie entweder nicht ganz reif, oder von der feſteſten Sorte, oder nicht im Fruͤhjahr gebrochen ſind, von der Einwirkung der Witterung ſehr leiden. Bb Conſtruction des Zimmer⸗ werks an die⸗ ſem Schup⸗ pen. 194 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, Was die Eindeckung des Dachs betrifft, ſo muß ſolches kein Splittdach, ſon⸗ dern ein Doppel- oder auch ein Kronendach(ſiehe Theil II.§. 81.), und dabei noch gut verſtrichen ſeyn. Ferner iſt darauf zu ſehen, daß die, hier angebrachten Fle⸗ dermaus⸗Dachfenſter auf die Theil II.§. 178. und Fig. 194 B gezeigte, gute Art ein⸗ gedeckt werden. Aum. Es iſt hier nachtraͤglich zu beruͤhren, daß es bei unſern jetzigen kurzen Dachſteinen beſſer iſt, ein Kronendach nur 10 Zoll weit zu latten. Ferner iſt zu bemerken, daß ein Stroh⸗ oder Rohrdach außer der Feuergefaͤhrlichkeit auch deshalb hier nicht gut anwend bar ſeyn duͤrfte, weil bei Gebaͤuden von 2 Etagen Hoͤhe, ſo wohl deſſen neue Anfertigung, als auch deſſen kuͤnftige Reparatur, welches alles von außen auf hohen Leitern geſchehen muͤßte, zu umſtaͤndlich ſeyn wuͤrde; Lehmſchindel⸗Daͤcher, welche der Repara⸗ tur weit weniger beduͤrfen, ſind daher auch in dieſem Falle den Strohdaͤchern vorzuziehen. §. 103. Ungeachtet man bei Anlage ſolcher Gebaͤude, in welchen Korn, oder andere La⸗ ſten auf Boͤden geſchuͤttet werden ſollen, jederzeit von dem Grundſatze ausgehen muß, die Balken gehoͤrig und ſorgfaͤltig zu unterſtuͤtzen; ſo koͤnnte es dennoch uͤberfluͤſſig ſchei⸗ nen, daß in den Fig. 115 und 116 aufgeſtellten Beiſpielen die Balken, bei einer nur 37 fßigen Tiefe des Gebaͤudes, mit zwei Unterzuͤgen unterſtuͤtzt ſind, mithin nur auf 10 bis 11 Fuß Laͤnge frei liegen. Ich erklaͤre mich hieruͤber folgender Maßen. Wenn die vielen Unterzugsſtaͤnder unten in der Remiſe hinderlich ſeyn ſollten, ſo kann allerdings ein Unterzug wegfallen. Dagegen muͤſſen dann Balken von wenig⸗ ſtens 10 Zoll hoch und 9Zoll breit, und zwar in Einem Stuͤcke, gewaͤhlt werden. Der⸗ gleichen langes und ſtarkes Holz iſt aber oft nur mit großen Koſten in ſolcher Menge her⸗ beizuſchaffen. Es iſt daher in dieſen Beiſpielen angenommen worden, daß ſaͤmmtliche Balken von Halbholz,(naͤhmlich ein Mahl aufgeſchnittenem Holze) oder von ſchwa— chem Ganzholze(naͤhmlich ſo genanntem Mittelholze), welches uͤberall leichter zu ha⸗ ben iſt, und zwar ſo gemacht ſind, daß nur uͤber jedem Thorwegpſeiler ein ganz durch⸗ gehender Balken ſich befindet, die uͤbrigen Balken aber auf die beiden Unterzuͤge wech⸗ ſelſeitig geſtoßen, und im Dache wegen des Schubs der Sparren mit Hakenkaͤmmen und eiſernen Klammern verbunden werden. Die Unterzugsſtaͤnder ſind ſo vertheilt, daß ſie jedesmahl mit den Thorwegpfei⸗ lern in gerader Linie ſtehen; dadurch ſtehen ſie aber ſehr nahe bei einander, und ſie wer⸗ den uͤberdieß wegen der zweifachen Unterzuͤge doppelt vermehrt. Bei der im Plane ge— zeichneten Stellung der Wagen ſcheinen die Unterzugsſtaͤnder zwar nicht hinderlich zu ſeyn; wenn es aber doch verlangt werden ſollte, einen Staͤnder um den andern wegzu— laſſen, und dadurch mehr freien Raum in der Remiſe zu ſchaffen, ſo geht es eben des⸗ d, „ſon⸗ dabei See⸗ ein⸗ ſer iſ, t auch wohl hohen vara⸗ welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Schuppen ꝛc. 195 halb, weil zwei Unterzuͤge vorhanden ſind, um ſo eher an, auf die verbleibenden Un⸗ terzugsſtaͤnder, und ohne ihren Stand in der Flucht hinter den Thorwegpfeilern zu ver⸗ aͤndern, Joche(wie im zweiten Theile Seite 28 und daſelbſt Fig. 21 B ange⸗ wieſen worden) zu hinlaͤnglicher Unterſtuͤtzung der Unterzuͤge anzubringen. Dieſe Vorrichtung wuͤrde dann auch in der zweiten Etage, und zwar Stiel auf Stiel, an⸗ zubringen ſeyn. Im Dache aber waͤre dies nicht noͤthig, wenn nicht auch die Kehl⸗ balken belaſtet werden, weil der Dachſtuhl an und fuͤr ſich wenig druͤckt, folglich die Vertheilung ſeines Druckes auf gewoͤhnliche Art angenommen werden kann. Dieſe Vortheile, naͤhmlich Erſparung des langen und ſtarken Holzes, und Gewinnung des Raums, ſind bei einem einfachen Unterzuge, welcher ſo wohl an und fuͤr ſich, als auch ſaͤmmtliche Balken, ſtaͤrker ſeyn muͤßten, entweder weniger oder doch ſchwieriger zu erreichen. Anm. Bei Balkenlagen, auf welche Getreide geſchuͤttet werden ſoll, kommt es nicht ſo ſehr auf die Staͤrke der Balken, als auf die, fuͤr ihre Laͤnge noͤthige Unterſtuͤtzung an. Denn der Wider⸗ ſtand oder die Tragbarkeit eines 10 Fuß horizontal frei liegenden Balkens, im Vergleich mit ei⸗ nem von 20 Fuß in freier Lage, iſt mehr als doppelt ſo groß, in welchem Verhaͤltniß jedoch das ordinaͤre ſtarke Holz gegen das Mittel⸗oder Halbholz nicht ſteht. Folglich muß eine doppelte An⸗ zahl Unterzuͤge nebſt Staͤndern, ungeachtet viel ſchwaͤcherer Balken, dennoch dem Gebaͤude um vieres vortheilhafter ſeyn. Die Balken muͤſſen der Kornſchuͤttung wegen nur 3 bis hoͤchſtens 3 ½ Fuß von Mittel zu Mittel entfernt liegen; und da wenige Scheidewaͤnde vorhanden ſind, muͤſ— ſen diejenigen ganzen Balken, welche auf den Pfeilern liegen, ſo wohl in der erſten, als auch in der zweiten Balkenlage mit den Fronten verankert ſeyn.(Siehe im erſten Theile Fig. 124.) Die Sturzhoͤlzer uͤber die Thorwege Fig. 115 C und E muͤſſen wo moͤglich aus einem Stuͤcke beſtehen, weil dies ſo wohl zum Zuſammenhalt der einzeln ſtehenden Thorwegpfeiler mit dem ganzen Gebaͤude, als auch zu mehrerer Feſtigkeit der Sturz— hoͤlzer an ſich vieles beitraͤgt. Wenigſtens muͤſſen die Laͤngen der Sturzhoͤlzer ſo lang als moͤglich gewaͤhlt, und dann auf die Mitte eines Pfeilers geſtoßen und verklammert werden. Ob in dem vorliegenden Falle die Balkenlage uͤber der erſten Etage geſtackt und gelehmt, oder bloß gedielt werden muͤſſe, kommt lediglich auf Beruͤckſichtigung des Umſtands an, daß ohne Stackung ſehr leicht Loͤcher von unten durch die Fußbretter ge⸗ bohrt und Getreide entwendet werden kann, welches bei einer geſtackten und gelehmten Decke nicht ſo leicht moͤglich iſt. Der Baumeiſter kann ſich hierin nach dem Willen Bb 2 196 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, des Oekonomen richten. Beſſer fuͤr die luftige Lage des Getreides, und zur Verhin⸗ derung der Maͤuſeneſter zwiſchen den Fußbodenbrettern und Windelboͤden iſt es aller⸗ dings, wenn auch die erſte, ſo wie in jedem Falle die zweite Balkenlage nicht geſtackt, ſondern bloß mit trocknen, geſpundeten Brettern belegt wird.*) In dem Falle, daß geſtackt und gelehmt werden ſoll, muͤſſen da, wo nach vorgedachter Art die Balken nur aus Halbholz beſtehen, ſelbige nicht gefalzt werden, ſondern man muß ſtarke Latten mit eiſernen Naͤgeln daran gut befeſtigen. Wenn Kornboͤden uͤber Staͤlle oder Wohnungen angelegt werden ſollen, ſo iſt das Ausſtacken und Lehmen zwiſchen den Balken nur der von unten aufſteigenden, dem Getreide nachtheiligen Duͤnſte wegen nothwendig. 1 *) Die verſchiedene Art der Magazin⸗Fußboͤden nebſt Spundung der Bretter kommt unter dem Ar⸗ tikel Magazin umſtaͤndlich vor. Die Hoͤhe des Dachs bis in die Spitze iſt hier auf 16 Fuß angenommen worden. Im zweiten Theil Seite 49 iſt zwar geſagt, daß Daͤcher, welche mit Ziegeln doppelt gedeckt werden, ſehr fuͤglich nur ꝛ der Tiefe zur Hoͤhe erhalten duͤrften, welches alſo hier 12 Fuß waͤren. Allein dies iſt nur von ſolchen Daͤchern zu verſtehen, auf wel— chen entweder gar keine, oder doch nur ſolche Dachfenſter angebracht werden, deren Sparren nicht ſchraͤg nach der Dachſpitze hinauf gehen, und wo Dachziegel von gehoͤ⸗ riger Guͤte vorhanden ſind(ſiehe vorher Seite 92). Wenn daher hier Fledermaus⸗ Fenſter, als ſolche, welche in Anſehung ihrer Laſt dem Dache am wenigſten nachthei— lig, und doch ihrem Zwecke vollkommen entſprechend ſind, angenommen werden; ſo kommt es vorzuͤglich darauf an, daß der Abfall des Dachfenſters ſelbſt, oben von deſ⸗ ſen Mitte nach beiden Seiten herunter bis zur Schwelle„ immer noch viel flaͤcher blei⸗ be, als der Abfall vom Forſte des Hauptdachs uͤber die Mitte des Dachfenſters. Denn da das Regenwaſſer natuͤrlich dem ſtaͤrkſten Abfalle folgt, ſo muß durch die Form des Dachs und Dachfenſters gemeinſchaftlich dafuͤr geſorgt ſeyn, daß das Waſ⸗ ſer vom Forſte gerade herunter uͤber das Dachfenſter, und nicht von der Mitte des leßteern nach den Seiten in die Fugen der Dachſteine aaͤuft. Da einestheils, der noͤthigen Luft und des noͤthigen Lichts wegen, die Dachfen— ſter nicht zu niedrig ſeyn duͤrfen, andern theils aber, aus dem vorher erwaͤhnten Grun⸗ de, die Breite der Fledermaus-Dachfenſter ſich nach ihrer Hoͤhe richten muß(wie im zweiten Theile Seite 79 angegeben worden); ſo haben nicht mehr als 4 Stuͤck an je⸗ der Seite des Dachs angebracht werden koͤnnen. Außerdem roͤnnen noch erforderlichen Falls in den Dachgiebeln einige ordentliche Fenſter angebracht werden. 1 welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Schuppen ꝛc. 197 eie§. 104. dha Der Fußboden des Spritzenhauſes kann entweder mit Feldſteinen gepfla⸗ Vom innern bi. ſtert, oder noch beſſer auf Unterlagen von Kreuzholz mit 2 bis 3 zoͤlligen Bohlen gedielt Dzuche u werden, um der Spritze einen gehoͤrig trockenen und reinlichen Stand zu geben. In Plens⸗ Pm der Baukammer wauͤrde, wegen gerader Aufſtellung der darin zu erbauenden Sa⸗ atten chen, ebenfalls eine Ausbohlung oder Auspflaſterung am zweckmaͤßigſten ſeyn. Ke Der Nutzholz⸗Gelaß und der Holzſtall brauchen nur planirt und die den Erde feſt geſtampft zu werden. iaa Die Wagen⸗Remiſen muͤſſen entweder ſaͤmmtlich, oder doch wenigſtens die mittlere, durch welche hindurch gefahren werden ſoll, mit Feldſteinen gepflaſtert Ir ſeyn. Die Thorwege derſelben muͤſſen, wie ſich von ſelbſt verſteht, von außen auf⸗ ſchlagen, auch muͤſſen bei maſſiven Thorwegpfeilern die Falze von etwa 4 Zoll Brei⸗ 33 te und 3 Zoll Tiefe gemauert, und die noͤthigen Haken zugleich waͤhrend der Aufmaue— wit rung der Pfeiler mit Ankern eingelegt werden. üß Die Anfertigung der Thorwege nebſt ihrem verſchiedenartigen Beſchlag iſt ſchon 94 im zweiten Theile und hier§. 58. beſchrieben worden; indeſſen iſt noch zu bemerken, An daß an den Thorwegen, welche nach dem Felde heraus fuͤhren, mithin einen Theil der ihi Befriedigung des Gehoͤftes ausmachen, der Thorweg-Schwengel innerhalb, alſo an 34 dem Fluͤgel, welcher zuerſt anſchlaͤgt, angebracht, und bei a Fig. 117 A mit einem be⸗ hoͤlzernen Pflock oder Vorhaͤngeſchloß in die, durch den Schwengel durchreichende, b eiſerne Kramme verſchloſſen werden muß. Auch muß alsdann bei d unten und oben 6 ein eiſerner Schubriegel ſeyn. Sollte befuͤrchtet werden, daß Diebe den hoͤlzernen . Schwengel durchſchneiden, und den Thorweg oͤffnen moͤchten, ſo wuͤrden auch noch bei 4 c oben und unten eiſerne Riegel gute Dienſte leiſten. „ In dem angenommenen Falle, wenn der Thorweg nach außen aufſchlaͤgt, befin⸗ i den ſich Baͤnder und Haken des Thorwegs außerhalb, weswegen die Schrauben, mit di. welchen die Baͤnder gewoͤhnlich befeſtigt werden, ſo angebracht ſeyn muͤſſen, daß die ſehr glatt und rund bearbeiteten Koͤpfe derſelben nach außen, und die Muttern, welche 3 leicht abzuſchrauben ſind, nach innen ſich befinden. Da aber, wie gedacht, auch die ¹ Haken außerhalb vielleicht von den Dieben herausgearbeitet werden duͤrften; ſo koͤnnen bei e und f an beiden Seiten, und zwar unten und oben, alſo uͤberhaupt ſo ge⸗ nannte Ruͤckriegel, wovon in Fig. 117 B einer in einem groͤßern Maafſtabe vorge⸗ ſtellt iſt, angeſchraubt werden. Dieſe Ruͤckriegel greifen mit dem Ende gh in die Thorwegſtiele oder Mauer, wenn der Thorweg zugemacht wird, und ziehen ſich von 198 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, ſelbſt heraus, wenn derſelbe geoͤffnet wird. Auf dieſe Art koͤnnen Baͤnder und Haken von Dieben außerhalb abgebrochen werden, die vier Ruͤckriegel, mit den, bei c und d angebrachten, vier ordinaͤren Riegeln inwaͤrts, halten dennoch den Thorweg ver⸗ ſchloſſen. Anm. Ein mehreres fuͤr dieſe und äͤhnliche Sicherheitsvorkehrungen findet man in„Riemann „uͤber die Verwahrung der Gebaͤude gegen Diebe. Leipii 1800. Bei Fleiſcher „dem juͤngern.“ Die Fenſter koͤnnen von kienenem Holze, beſſer aber von eichenem Hoſze, auch entweder in Blei, oder mit Sproſſen in Kitt verglas't gemacht werden. Bleifenſter ſind ſo wohl in der Tiſchler⸗, als Giaſer und Anſtreicharbeit wohlfeiler; auch, wenn eine kleine Scheibe in denſelben zerbricht, iſt dieſe nicht ſo theuer zu erſetzen, als bei Sproſſenfenſtern. Dagegen ſind letztere dauerhafter als erſtere. Die Fenſter in der zweiten Etage, ſo wie auch die Dachfenſter, welche fuͤr den Getreideboden dienen, brauchen eigentlich gar nicht verglas't, alſo weder mit Sproſſen, noch mit Bleiſcheiben verſehen zu ſeyn. Dagegen muͤſſen ſie(wegen Abhaltung der Voͤgel) mit Drath ziemlich enge beflochten, und außerdem mit Luken zur Abhaltung des Regens verſehen ſeyn. Die Drathgitter nehmen die Stelle der gewoͤhnlichen Fen⸗ ſter ein; bei den Luken aber iſt es am vortheilhafteſten, wenn ſelbige nach außen auf— ſchlagen, und folglich mit eingemauerten Haken verſehen ſind.*) Jedoch werden ſol⸗ che auch zuweilen inwaͤrts aufſchlagend eingerichtet, theils, um die Fagade nicht zu verunſtalten, theils auch, um ohne Oeffnung der Drathgitter die Luken auf- und zu-“ machen zu koͤnnen. *) Die anderweitigen Vorrichtungen bei den Fenſtern fuͤr Getreidebehaͤltniſſe kommen unterm Artikel Magazin vor. Anm. Fuͤr diejenigen Anfaͤnger in der Baukunſt, welchen die noͤthige Staͤrke der einzelnen Holz⸗ ſtuͤcke in einem Gebaͤude noch nicht aus deren eigentlichem Zweck, oder aus Erfahrung bekannt iſt, mag noch folgendes dienen. Die Unterlagen unter einem Fußboden werden etwa 3 Fuß aus einander gelegt, und fuͤr Aus⸗ bohlung 6 bis7 Zoll im Quadrat, fuͤr Bretterdielung aber nur etwa 5 Zoll im Quadrat ſtark angenommen. Thuͤrzargen werden gemeiniglich aus Halbholz(d. h., gewoͤhnlich ſtarkem Holz, ein Mahl aufgeſchnitten), folglich etwa 16 Zoll breit und ⁵ Zoll dick gemacht. Mauerlatten werden, wie ſchon fruͤher gedacht, von 42 bis 5 zoͤlligem Quadrat, oder ſo ge⸗ nanntem Kreuzholze gemacht. Die Sturzhoͤlzer uͤber den Thorwegen, wenn naͤhmlich wie in Fig Irs C die zweite Etage von Fachwerk aufgefuͤhrt werden ſoll, dienen alsdann, uͤber den Thorweg hinweg, anſtatt der Mauerlatten, und die Balken werden darauf wie gewoͤhnlich eingekammt. Obaleich nun durch dieſe Einkämmung nicht viel verloren geht, ſo muͤſſen dennoch dieſe Sturzhoͤlzer, da ſie auf 7 ½ Fuß Weite die Balken ꝛc. zu tragen haben, ¹ Fuß hoch und weigſtens 10 Zoll ſtark ſeyn. Die Balken koͤnnen, wie ſchon vorher gedacht, in dem vorliegenden Falle, bei 3 fuͤßiger Ent⸗ —— d welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Schuppen ꝛc. 199 Hain fernung und zweifachen unterzuͤgen, entweder aus Halbholz, oder ſchwachem Ganzholze von und d 7 bis 8 Zoll Staͤrke im Quadrat ſeyn. Sollte auch die untere Etage von Fachwerk erbauet werden, wie Fig. 116 A BC, ſo nuͤr⸗ ver⸗— 4 4 P ber den die Schwellen von Halbholz, naͤhmlich ungefaͤhr 10 Zoll breit, 5 Zoll hoch; die Eck⸗, Bund⸗ und Thorweg⸗Stiele von 10 bis 12 Zoll im Quadrat ſtark, die uͤbrigen Stiele in den Waͤnden eWant aber von Halbholz, und die Riegels bis 6 Zoll ſtark gemacht werden koͤnnen. gleiche Die Saumſchwellen und Raͤhme der zweiten Etage wuͤrden 8 Zoll hoch und?7 Zoll breit, die Eckſtiele in der zweiten Etage 10 Zoll im Quadrat und ausgewinkelt, die uͤbrigen Stiele unge⸗ faͤhr 7 Zoll breit und 5 Zoll dick, die Riegel aber 5 bis 6 Zoll ſtark zu machen ſeyn. auch Die Keylbalken im Dache, wenn naͤhmlich nicht uͤber ſelbige gedielt wird, ſind 6 bis 7 Zoll fenſter hoch und 5 bis 6 Zoll breit, die Raͤhme?7 bis 8 Zoll hoch und 6 bis7 Zoll breit und eben ſo die Stuhlſaͤulen; die Baͤnder in den Stuhlſaͤulen aber von 5 Zoll im Quadrat ſtark genug. Sollte wenn aber ein gedielter Boden uͤber den Kehlbalken angelegt werden, dann wuͤrden die Kehlbalken, 5 bei Raͤhme und Stuhlſaͤulen 1 Zoll mehr in ihrer Hoͤhe, Staͤrke oder Breite erhalten muͤſſen. Die Sparren werden, bei ihrer Laͤnge von etwa 24 Fuß und bei ihrer Entfernung von etwa 3 Fuß, 6 Zoll hoch und 5 Zoll breit gemacht. den Die Treppen muͤſſen wegen ihrer Breite von 4 Fuß nicht anders, als aus 3 zoͤlligen Bohlen ſ— zzu den Wangen und 2 zoͤlligen Bohlen zu den Stufen gemacht werden. vſſen, Die Unterzuͤge ſo wohl unter der erſten als zweiten Balkenlage koͤnnen hier, da zwei vor⸗ g der handen ſind, 10 Zoll hoch und g bis 10 Zoll breit werden. Bei der geringen Entfernung, in krung welcher die Unterzugsſtaͤnder nach der Länge auseinander ſtehen, ſind keine Baͤnder daran er⸗ 8 forderlich. Fen§. 105. auf Die, auf den Boulevards in Paris befindlichen Remiſen der Wa⸗ Franzoͤſiſche n ſo⸗ genhaͤndler c. haben, bei mehrentheils ſehr anſehnlicher Tiefe, innerhalb einen henun.n. gt zn ganz freien Raum, und ſind mit einer Dacheonſtruction verſehen, die wegen ihrer be⸗ d zu⸗ ſondern Leichtigkeit beim erſten Anblick dem Kenner einige Bewunderung abndthigt. Anm. Nachſtehende Beſchreibung und Zeichnung, nebſt mehrern andern dergleichen, uͤberſandte ttita mir der Architect Herr Louis Catel, als er ſich im Jahre 1799 in Paris befand. Bei meiner Anweſenheit daſelbſt im Jahr 1803 habe ich mich hernach ſelbſt davon uͤberzeugt. holz Von den verſchiedenen Verbaͤnden derſelben theile ich in Fig. 118 die Dach⸗ kannt verbindung eines ſolchen Schuppens mit, deſſen Diefe 42 Fuß betraͤgt. Die Balken rAus⸗ ſind von doppelten, einen Zoll ſtarken, zuſammen genagelten Brettern,(Fig. B) t fun hochkantig geſtellt, und in der Mitte geſtoßen, dabei aber in der Mitte(wie die Zeichnung A zeigt) um etwas uͤber die wagerechte Linie gehoben. Die Hoͤhe des N Dachs in der Mitte betraͤgt ꝛz der Tiefe. Die Sparren ſind gleichsfalls aus doppelten, g5 einzoͤlligen Brettern, und ſtehen 4 Fuß von Mittel zu Mittel aus einander. Auch . die fuͤnf Haͤngeſaͤulen ſind aus einzoͤlligen Brettern, liegen aber zu beiden Seiten 8 eines jeden Gebindes(wie aus der perſpectiviſchen Zeichnung 118 B zu erſehen), und urch umfaſſen den Sparren und Balken, wobei ſie mit eiſernen Klammern mim, welche uuf an ihren Enden Bolzen haben, die durch die vier Brettdicken reichen, befeſtigt und erb angeſchroben ſind. 200 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, Da die Sparren in den Balken keine Zapfen haben koͤnnen, ſo ſtehen ſie in ſelbi— gen bloß mit Verſatzungen, und ſind eben ſo, wie vorgedacht, zuſammen gebolzt. Der Laͤngenverband beſteht lediglich darin, daß bei oo Fig. A und B, vier Riegel durch die Balken, und zwei dergſeichen durch jeden Sparren, der Laͤnge des Eine andere hieſige Bau⸗ art der Schuppen. Gebaͤudes nach, gehen, welche ſo, wie de l'Orme bei der Verriegelung der Bohlen— ſparren lehrt, allemahl an jeder Seite eines Balkens oder Sparrens mit Keilen ver⸗ ſehen ſind. Das Dach iſt mit Schiefer gedeckt, und um die Schiefertafeln befeſtigen zu koͤn⸗ nen, ſind von Sparren zu Sparren(ſiehe Fig. 118 C) ſchwache Stoͤcke ee auf an⸗ genagelte Conſols f geſpannt, ſo daß ſie mit der Oberkante der Sparren eine gleiche oder ebene Flaͤche bilden, und uͤber dieſe Stoͤcke ſind ganz ſchwache Sparrhoͤlzer k, oder eigentliche Latten, in 14 bis 15 zoͤlligen Entfernungen geheftet, auf welche die Schiefertafeln genagelt werden. So ſtehen dieſe, aͤußerſt leichten Haͤngewerke ſchon ſeit geraumer Zeit, ohne im mindeſten Spuren von Schadhaftigkeit zu zeigen. Der Dachboden wird zwar nicht benutzt, weshalb die Balken auch nicht bedielt ſind; da der Zweck dieſer Gebaͤude aber auch nichts weiter, als einen bedeckten, voͤllig freien Raum erfordert, ſo erfuͤllen ſie, wie die Erfahrung lehrt, dieſen Zweck ganz, und verdienen wegen ihrer vorzuͤglichen Holzerſparung wohl nachgeahmt zu werden. §. 106. Der hieſige Zimmermeiſter, Herr Steinmeyer, hat im vorigen Jahre auf ſeinem Gehoͤfte einen Schuppen erbauet, welcher unten zu einer Baukammer und im Dachboden zur Aufbewahrung der Bretter gebraucht wird. Dieſes Gebaͤude, wovon in Fig. 119 eine Abbildung gegeben wird, iſt 50 Fuß lang und 30 Fuß tief, und iſt darin von andern Gebaͤuden mit geraden Daͤchern verſchieden, daß es ſo wohl unten, als im Dachboden voͤllig freie Raͤume gewaͤhrt, ja daß der Dachboden belaſtet werden kann, und, was das vorzuͤglichſte dabei iſt, aus mehrentheils ganz kurzen Hoͤlzern beſteht. Die Laͤnge des Gebaͤudes(Fig. 119 A) iſt durch aa, bb in drei gleiche Raͤume getheilt, und in dieſen beiden Theilungslinien ab, ab befinden ſich die Bin⸗ der, wie ſelbige in Fig. 119 B vorgeſtellt worden. Die Umfaſſungswaͤnde ſind von Fachwerk auf gewoͤhnliche Art verbunden. Nur bei aa und bb ſind doppelte, oder mit einander verzahnte und verbolzte Stiele geſtellt, wovon die aͤußern von der Schwelle bis zum Rahmen, die innern aber von einem angeſetzten Stuͤck Schwelle nur —— de, in ſeli⸗ t. bier nge des Dohlen⸗ len ver⸗ zu koͤn⸗ ꝛuf an⸗ gleiche jer k, e die hne im r nicht de aber len ſi glichen re auf nd im vovon nd iſt unten, werden duhem glich Vin⸗ von oder der hwelle nur welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Schuppen ꝛc. 201 nur bis c hinauf reichen, auf welchen letzteren die Conſol⸗Balken od gezapft, und mit kurzen, ſtarken Baͤndern unterſtuͤtzt ſind. Auf dieſen Conſol-Balken liegt der Balken e, Fig. B, und zugleich in die Wand⸗ ſtiele verſetzt, verzapft und verankert, und auf ſelbigen iſt das Sprengwerk f mit gu⸗ ten Verſatzungen eingeſetzt, deſſen Hoͤlzer unter den Traͤgern g bloß ſtumpf, jedoch ſehr ſcharf zuſammen ſtoßen, und uͤber dieſe Stoͤße ſind eiſerne Klammern geſchlagen. Ueber den gedachten Traͤgern g liegen die Balken h, deren, außer den beiden Giebelbalken, nur zwei, naͤhmlich in den beiden Bindern, durch die ganze Tiefe des Gebaͤudes gehen, und die durch lange eiſerne Schraubenbolzen i mit dem Sprengwerke und dem untern Balken e feſt zuſammen gehalten werden. Auf den beiden Binderbalken heſtehen nun die Dachbinder Fig. 119 B, und zwar die Hauptſparren k mit Zapfen und Verſatzungen, ſo wohl unten in den Balken als auch oben im Forſtſtielo. Auf den Hauptſparren befindet ſich wiederum ein Spreng⸗ werk l, deſſen Streben mit ihren Stirnen ein Rahmſtuͤck oder ſtarken Riegel m ein⸗ ſpannen, und mit dem Sparren beirr gut verbolzt ſind. Ein ſolches Rahmſtuͤck n wird auch von den Forſtſtielen getragen, und eine Schwelle q iſt vor den Hauptſpar⸗ ren uͤber die Balken gekaͤmmt. Ueber dieſen drei Hoͤlzern n, m, ꝗ liegen nun die Sparren p, welche oben mit einem ſo genannten Schlitzzapfen zuſammen verbunden, und uͤber die Rahmhoͤlzer nm d gekaͤmmt ſind. Dergleichen kuͤnſtlich verbundene Binder befinden ſich im ganzen Gebaͤude nur zwei, naͤhmlich in àb und ab Fig. A. In beiden Geebeln iſt dieſe kuͤnſtliche Vor⸗ richtung weggelaſſen, indem daſelbſt der Ausbau derſelben mit Stielen und Riegeln, den Rahmen und Sparren gehoͤriges Auflager giebt. Der Verband nach der Laͤnge beſteht, im untern Baue in der Verbindung der Fronten, und im Dache, wie das Laͤngenprofil D zeigt, lediglich darin, daß ſaͤmmtliche Sparren in ſchraͤger Richtung auf vorgedachte Art uͤber die Raͤhme und Schwellen nm d gekaͤmmt ſind. Der Vortheil dieſer ganzen Verbindung iſt mithin vorzuͤglich der, daß nur vier Balken e, und vier dergleichen h in den beiden Mittelbindern und beiden Giebeln durch die Tiefe des Gebaͤudes gehen; ferner, daß nur vier Sparren kꝛ auf den Mit⸗ telbindern und vier Sparren p auf beiden Giebeln von laͤngerm Holze in einem Stuͤcke liegen. Alles uͤbrige, naͤhmlich die Zwiſchenbalken s Fig. 119 C, und ſaͤmmt⸗ liche uͤbrige Sparren t ꝛc. beſtehen aus kurzen Hoͤlzern, und ſeldſt die Traͤger g Fig. B, welche von Binder zu Binder nur auf 16 Fuß frei liegen, und die Zwiſchenbalken Ce Von den Ge⸗ 202 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, unterſtuͤtzen, koͤnnen(nach Fig. 30 oder 133 im zweiten Theile) auf den Bindern zuſammen geſtoßen werden. Dieſer Umſtand, daß man Gebaͤude, welche, nach der ganz gewoͤhnlichen Con— ſtruction, ſehr lange und ſtarke Hoͤlzer erfordern, aus kurzen Hoͤlzern eben ſo gut und dauerhaft darzuſtellen vermag, iſt ſo bedeutend, daß fuͤr manche Gutsbeſitzer die Moͤglichkeit der Ausfuͤhrung eines ſolchen Gebaͤudes lediglich davon abhaͤngt, wenn z. B. in ſeinen oder den benachbarten Forſten kein anderes, als nur kurzes, obgleich ſtarkes Bauholz vorhanden iſt. B. Von den Magazinen. —-—-——— §. 107. So viel bedeutend der Nahme Magazin in Abſicht des Gebrauchs auch ſeyn mag, ſo pflegt doch gewoͤhnlich darunter ein Gebaͤude verſtanden zu werden, in welchem, auf einem oder mehrern Boͤden uͤber einander, Waaren und Proͤbuete, als Korn, Salz, Kaufmannsguͤter ꝛc. aufbewahrt werden. Anm. Die ſo genannten Train⸗Remiſen, in welchen waͤhrend des Friedens die Feldwaͤgen, Saͤttel und Geſchirrzeug ꝛc. trocken und reinlich aufbewahrt werden, und alle Gebaͤude aͤhnlicher Art koͤnnen hierunter gleichfalls verſtanden werden. Je nachdem nun die Waaren in einem ſolchen Magazin die Boͤden belaſten oder druͤcken, muß bei Conſtruction derſelben darauf Ruͤckſicht genommen, und je nachdem die Waaren luftig oder kuͤhl aufbewahrt werden ſollen, muß die Anlage und Einrich— tung mittelſt der Boͤden oder Keller getroffen werden. So erfordern z. B. Korn und Salz ſehr gut unterſtuͤtzte Boͤden, letzteres aber, wenn es loſe aufgeſchuͤttet wird, auch ſogar vorzuͤglich feſte Seitenwaͤnde, Mehl in Faͤſſern dagegen eine kuͤhle Lage in der unterſten Etage, und Wein, Bier ꝛc. gute kuͤhle Keller. §. 103. Um das ausgedroſchene Getreide oder Korn aufzubewahren, iſt auf groͤßern treide⸗Ma⸗ Landguͤtern ein zweckmaͤßig angeordneter Raum erforderlich, wovon ſchon vorher bei gazinen, de, indern Con⸗ t und er de wenn gleich mag, chen, dorn, ggen, icher oder dem rich⸗ und rir, ein ern hei welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Magazine ꝛc. 203 Anlegung der ſo genannten Schuppen oder Wagen⸗Remiſen die Rede geweſen iſt. Zuweilen wird auch auf dem Lande das Korn auf den Boͤden des Wohnhauſes oder der Staͤlle aufgeſchuͤttet. Dieß iſt aber ein ſehr uͤbler Gebrauch, welcher allemahl, entweder nur einen einfachen, zuweilen aber auch einen doppelten Nachtheil mit ſich fuͤhrt. Das aufgeſchuͤttete Getreide verurſacht naͤhmlich erſtlich einen außerordentlich ſtarken Druck*) auf die Balken, welche letztere in Wohnungen und Staͤllen doch nicht ſo, wie es dieſer Druck erfordert, ſondern nur wie es die eigenrliche Beſtimmung der Wohnungen und Staͤlle verlangt, unterſtuͤtzt ſind. Aus letzterer Urſache koͤnnen aber die Balken vielleicht auf eine ſo anſehnliche Laͤnge frei liegen(weil dabei nur die Tragung ihrer eigenen Laſt, ſammt der Ausfuͤllung der Decke, beabſichtigt worden), daß ſie von der Laſt des Getreides gebogen werden, wodurch dann Riſſe in der Decke, Abfallen des Putzes, ja ſogar das Einſtuͤrzen der Decke die Folge ſeyn kann. Bei Kornſchuͤttungen uͤber Viehſtaͤllen kommt aber, wie gedacht, noch ein zweiter nach⸗ theiliger Umſtand hinzu: naͤhmlich, anſtatt dem Getreide eine ihm beſonders noͤthige, luftige Lage zu geben, werden hier, je nachdem die Decke conſtruirt iſt, mehr oder weniger die Ausduͤnſtungen des Viehes dem Getreide zugefuͤhrt, und ſolches dadurch dem fruͤhern Verderben Preis gegeben. *) Man kann ſich von der Laſt einer Kornſchuͤttung ſehr leicht uͤberzeugen, wenn man bedenkt, daß ein Scheffel Rocken ungefaͤhr g8o Pfund, und ein Scheffel Hafer 55 Pfund wiegt; jeder Schef⸗ fel aber, bei nur 1 Fuß 10 Zoll hoher Schuͤttung, Einen Quadratfuß Raum auf ſolche Art belaſtet. Aus dieſen Urſachen iſt es rathſam, das Getreide in beſonders dazu erbaute, und ganz dazu beſtimmte Korn-Magazine, oder auf Boͤden uͤber der Wagen⸗Re⸗ miſe oder Baukammer zu ſchuͤtten. Bei der Anlage eigentlicher Korn⸗Magazine hat man zuweilen die Frage aufge⸗ worfen, von welchen Materialien, naͤhmlich ob maſſiv oder von Fachwerk, ſie er⸗ baut werden muͤſſen, wobei dann ſehr oft zu Gunſten der hoͤlzernen Magazine, aus den vermeintlichen Gruͤnden entſchieden worden, erſtlich, weil ſelbige wohlfei— ler, als maſſive Magazine ſehen, zweitens, weil ſich die noͤthigen Luftzuͤge darin beſſer anbringen laſſen, drittens, weil in denſelben der Wurm dem Getreide weni⸗ ger ſchaͤdlich ſey, auch ſogar verdorbenes Getreide durch fleißiges Umſchippen wieder verbeſſert werden konne. Was den erſten Grund betrifft, ſo iſt er durchaus relativ, indem zwar in einigen Gegenden das Bauholz wohlfeil iſt, in andern Gegenden aber ſich mit den Koſten fuͤr Mauerſteine compenſirt. Die Vortheile, welche der zweite und dritte Grund beſagen, ſind durch hinreichende und zweckmaͤßig angelegte Luftzuͤge Cc 2 20⁰% Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, auch in einem maſſiven Gebaͤude, wie die Erfahrung haͤufig lehrt, vollkommen zu er— reichen, und hierzu kommt noch der gewiß unbezweifelte Vortheil mehrerer Dauerhaf⸗ tigkeit und Feuerſicherheit. Sollte indeß das Bauholz wirklich ſo wohlfeil zu erhalten ſeyn, daß das Gebaͤu— de betraͤchtlich weniger von Holz als von Steinen koſten wuͤrde; ſo iſt jedoch anzura— then, wenigſtens die erſte Etage maſſiv zu bauen, damit man das leichte Verfaulen, und das bei ſo belaſteten Gebaͤuden ſehr muͤhſame Wiederherſtellen der untern Schwel⸗ len verhuͤte. §. 109. Von den Ein Haupterforderniß bei Korn-Magazinen iſt der gehoͤrige Luftzug. Hieruͤber Lun nden ſind mancherlei Vorſchlaͤge vorhanden, wovon einige ſehr gemeinnuͤtz und anwend— in Getreide-bar, andere dagegen ſo aͤngſtlich gewaͤhlt ſind, daß, wenn man ſie genau befolgen Magazinen. wollte, dann freilich zugegeben werden muͤßte, daß ein Magazin-Gebaͤude von Fach⸗ werk(worin ſolche leicht, dagegen in einem maſſiven Gebaͤude faſt unmoͤglich ange— bracht werden koͤnnen) beſſer, als ein maſſives ſey. Ohne mich an dergleichen aͤngſtliche Vorſchlaͤge zu binden, deren man, wie die Erfahrung an ſo vielen maſſiven Magazinen lehrt, fuͤglich uͤberhoben ſeyn kann, will ich jedoch einige derſelben hier mit wenigem erwaͤhnen, um meine Bemerkungen daruͤber angeben zu koͤnnen. Zuerſt wird naͤhmlich verlangt, daß unmittelbar unter jedem Fußboden ein Luftzug ſtatt finden ſoll. Unter dem Fußboden der erſten Etage iſt dieß leicht moͤllich zu machen, wie in der Folge gezeigt werden ſoll. Aber dicht unter den Boͤden der uͤbrigen Etagen dergleichen anzubringen, iſt zwar in hoͤlzernen Gebaͤuden durch Offen⸗ laſſung der Faͤcher uͤber den Fenſtern, oder zwiſchen den Balken(wie Borheck in ſeiner Landbaukunſt vorſchlaͤgt) moͤglich; dagegen in maſſiven Fronten uͤber den uͤber⸗ woͤlbten Fenſtern geht es nicht an. Auch iſt es, bei ſo niedrigen Etagen, wie Getrei— de⸗Magazine in der Regel gebauet werden, und wo der Sturz der Fenſter ohnehin ſo hoch als moͤglich an der Decke gewoͤlbt wird, wohl ganz unnoͤthig; nicht zu gedenken der Menge Drathgitter, welche dadurch erſorderlich, und der Menge Luken, welche bei einfallendem Treibregen zuzumachen ſind. Anm. Un die kleinen Luftzug⸗Luken nicht jedesmahl bei eintretendem Regen zumachen zu duͤrfen, wird vorgeſchlagen, ſolche nach außen aufſchlagend, oberhalb mit Baͤndern und Haken zu befeſti⸗ gen, und wie Wetterdaͤcher durch kleine Stuͤtzen, auch beim Regen offen ſtehend zu erhalten. Ferner wird verlangt, daß unmittelbar uͤber jedem Fußboden ein Luftzug ſeyn ſoll. Außer vorgedachten, hier abermahls eintretenden Hinderniſſen, ſolche in maſſiven Gebaͤuden anzulegen, findet noch der Umſtand ſtatt, daß ein ſtarker Wind, welcher de, N zu er lerhaf⸗ Hebaͤu⸗ anzura⸗ faulen, hwel⸗ uͤber end⸗ lgen 0 h⸗ ange⸗ eichen ſſiven er wit n ein öglich der welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Magazine ꝛc. 205 durch dieſe dem Fußboden ſo nahe liegenden Oeffnungen ſtreicht, ſehr leicht das Korn in Bewegung ſetzen, und zu den entgegen geſetzten Oeffnungen hinaus treiben kann. Alle dieſe und mehrere andere Erforderniſſe laſſen ſich ſaͤmmtlich, und zwar, bei einer ſoliden Conſtruction des Gebaͤudes, weit ſimpler erreichen, wenn man nur fol— gende Grundſaͤtze bei Anlage eines Getreide⸗Magazins boobachtet. Erſtlich: Wenn die Diefe des Gebaͤudes nicht uͤber das gewoͤhnliche Maaß von 30 bis einige 40 Fuß hinaus geht; ſo mache man die Etagen nicht hoͤher, als durch⸗ aus noͤthig iſt, d. i. ſaͤmmtliche Etagen, außer der unterſten, mit Inbegriff der Un— terzuͤge, im Lichten 8 Fuß hoch,*) und man lege dabei die Bruͤſtungen der Fenſter nur ſo hoch an, als die Schuͤttung inwendig ſtatt finden ſoll, alſo ungefaͤhr 2 Fuß. Dabei mache man die Fenſteroͤffnungen ſo hoch, als die Ueberwoͤlbung derſelben dicht unter der Mauerlatte nur geſtattet, d. i. 1 Fuß 8 Zoll. Hierdurch bleibt von einer Etagenhoͤhe im Lichten von 8 Fuß, fuͤr die Fenſterhoͤhe im Lichten 4 Fuß 4 Zoll. Bei ſo niedriger Fenſterbruͤſtung wird die Luft gerade uͤber die Oberflaͤche des aufge— ſchuͤtteten Getreides und nahe genug unter der Decke geleitet, wo ſie naͤhmlich zur Dil⸗ gung des Kornwurms nothwendig iſt, und doch zugleich verhindert, daß das Korn nicht zu den Luken hinaus gejagt werden kann. *) Wenn Magazin⸗Gebaͤude mehr als 50 Fuß Tiefe erhalten, ſo muß, wegen beſſerer Zirkulation der Luft, in der Hoͤhe der Etagen verhaͤltnißmaͤßig zugegeben werden. Zweitens: Man mache die Fenſter oder Lukenoͤffnungen 3 bis 3½ Fuß breit, und, damit in beiden Fronten moͤglichſt viele dergleichen ſtatt finden koͤnnen, die Pfei— ler zwiſchen denſelben um nur 1 Fuß breiter als die Luken. Weniger als 4 Fuß breit ſollten die Pfeiler bei einem maſſiven Gebaͤude von mehrern Etagen, der Soliditaͤt wegen, und auch bei hoͤlzernen Gebaͤuden deswegen nicht ſeyn, damit, wenn die Lu— kenthuͤren nach außen aufſchlagen, ſolche an den Pfeilern Platz finden. Drittens: Im Dache gebe man gleichfalls den Fenſtern eine Bruͤſtung von nicht mehr als 2 Fuß Hoͤhe, und mache deren ſo viele, als eine gute Conſtruction und Form der Dachfenſter nur zulaͤßt. Die ſo genannten Fledermaus⸗-Fenſter ſind auch hier die beſten, weil ſelbige die groͤßte Lichtbreite geben, und nicht durch ausgemauerte Seitenwangen die einzelnen Sparren belaſten. Man hat zwar, um mehrere Luftoͤffnungen im Dache zu haben, vorgeſchlagen, fortlaufende Dachfenſter, ungefaͤhr ſo wie im zweiten Theil Fig. 87 vorgeſtellt worden, oder eigentlich eine fortlaufende gerade Wand mit Dachfenſtern zu machen. Allein es iſt dabei, gegen eine foͤrmliche Etage mehr, wenig Vortheil, indem die Dachfenſter⸗ Wand gewiſſermaßen die Frontwand einer Etage ausmacht, und daher vieles von der 206 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, Schraͤge des eigentlichen Daches wegnimmt, weshalb dann daſſelbe um ſo viel hoͤher gemacht werden muß.. Geſetzt aber, man faͤnde bei einem gut verſtrichenen Dache durch die erwaͤhnten Fledermaus⸗Dachfenſter nicht Luftzug genug; ſo laſſen ſich zwiſchen ſelbige entweder noch blecherne Dachfenſter anbringen, oder es laſſen ſich in der Hoͤhe der Bruͤſtung zwiſchen den Dachfenſtern fortlaufende, niedrige, nach Fig. 120 anzuordnende Luft⸗ zuͤge, welche mit Knaggen von Bohlenſtuͤcken auf jedem Sparren unterſtuͤtzt ſind, und deren Lukenthuͤren oöberhalb anſchlagen, anbringen, auch gut eindecken. Letzteres ließe ſich auch fuͤr den oberſten Dachboden anwenden, wenn naͤhmlich auch die Kehlbalken mit Korn beſchuͤttet werden ſollten. Viertens: Der unterſte Fußboden uͤber der Erde muß, ſelbſt bei dem trocken⸗ ſten Erdboden, wenigſtens um 1 bis 1½ Fuß hoch, und bei nicht ganz trockenem Bo⸗ den noch hoͤher uͤber dem Terrain angelegt werden; und wenn darin ein Mehllager in Faͤſſern ſtatt finden ſoll, ſo muß die erſte Etage wenigſtens g Fuß im Lichten hoch, und der Fußboden mit Mauerſteinen gepflaſtert ſeyn. Soll aber eine Kornſchuͤttung auch auf dem unterſten Boden ſtatt finden, ſo iſt es beſſer, denſelben Boden hohl, und laͤngs den beiden Fronten ordentliche Keller— fenſter des Luftzugs wegen anzulegen. Wuͤrde dann, wo es des Grundwaſſers we⸗ gen moͤglich iſt, unter dem Fußboden ein ordentlich gewoͤlbtes Souterrain angelegt, ſo koͤnnte ſolches noch zum Mehllager(wie dieß hier in Berlin in einem der Koͤniglichen Magazine der Fall iſt), oder zu anderm beliebigen Behuf genuͤtzt werden. Wird aber kein ordentliches Gewoͤlbe oder Souterrain angelegt, ſo iſt wenigſtens ein ordent⸗ licher Windelboden gleichfalls mit Luftloͤchern in beiden Fronten erforderlich, theils, um Dieberei zu verhindern, theils auch, um aufſteigende feuchte Duͤnſte, ja ſelbſt ſol— che Ausduͤnſtungen, welche von hinunter gekrochenen und daſelbſt geſtorbenen Thieren, oder von dem, was ſonſt von Thieren dahin getragen wird, vom Getreide abzuhalten. Der Dieberei wegen muͤſſen auch die Kellerfenſter und die Fenſter der erſten Etage mit eiſernen Traillen, und außerdem mit Drathgittern verſehen ſeyn. In der zweiten und dritten und den uͤbrigen Etagen koͤnnte man, zur Verminderung der erſten Baukoſten, anſtatt der Drathgitter auch nur Gitter von getheertem Bindfaden machen, weil ſolche daſelbſt nur wider die Voͤgel und nicht wider Diebe ſchuͤtzen duͤrfen; allein da dieſe Bindfadengitter nur kurze Zeit dauern, ſo iſt die Koſtenerſparung damit auch nur imaginaͤr. Ein unterwoͤlbter Fußboden der erſten Etage kann zur Kornſchuͤttung ſo wohl, als zu einem Mehllager mit Mauerſteinen gepflaſtert, oder auch gedielt ſeyn; nur in Be⸗ —. ude, ie haͤhe vaͤhnten utweder räſtung de Luft⸗ d, und ts ließe Abalken ocken⸗ Bo⸗ ger in boch, „ſo it Kelle⸗ ers we⸗ egt, ſo glichen Wid rdent⸗ heils, ſt ol⸗ ieren, halten. nge mit en und foſten ſoche dieſe nur 1, 366 Be⸗ wel he Balkendecken und Bodenraum erf., als Magazine ꝛc. 207 treff des Mauerſteinpflaſters waͤre noch zu bemerken, daß es zur Kornſchuͤttung auf der flachen Seite, zum Mehllager aber dauerhafter auf der hohen Kante, allenfalls auch nur mit kleinen Feldſteinen gepflaſtert wird. Aus dieſem allen ergiebt ſich hinlaͤnglich, daß der Koſtbarkeit der Anlage wegen, welche eine Kornſchaͤttung in der untern Etage vorausſetzt, ſolche allenfalls nur in Landes⸗Magazinen, oder wo der untere Raum nicht zweckmaͤßiger benutzt werden kann, anzurathen iſt, und daß es alſo fuͤr die kleinern Kornvorraͤthe auf dem Lande wohl angemeſſener ſeyn duͤrfte, den dazu erforderlichen Raum uͤber der Wagen⸗Re⸗ miſe ꝛc. zu beſchaffen. Anſtatt der vorerwoͤhnten Lukenthuͤren hat man ſo genannte Jalouſien(be⸗ wegbare, oder feſtſtehende, wie in Fig. 87 im zweiten Theile) angebracht, welche, um den Regen abzuhalten, nach außen, die Drathgitter hingegen nach innen angelegt werden muͤſſen. Eines Theils geben aber die feſt ſtehenden Jalouſien, wenn ſie gehoͤrig den Regen abhalten ſollen, zu wenig Licht, und wenn ſie bewegbar gemacht werden, ſo muͤſſen, um zu ſelbigen zu gelangen und hinlaͤnglich Licht einzulaſſen, die Drathgit⸗ ter, wenn ſolche alsdann noch noͤthig befunden werden ſollten, jedesmahl aufgemacht, folglich auch dieſe mit ordentlichen Haken und Baͤndern angeſchlagen werden, wogegen die Drathgitter da, wo nur gewoͤhnliche Lukenthuͤren inwendig angebracht ſind, feſt ſtehend ſeyn koͤnnen. Uebrigens haben die Jalouſien, beſonders die bewegbaren, den großen Nutzen, daß ſie, durch bloßes Auf⸗- und Niederſchieben der Brettchen, noch außer dem Schutz gegen den Regen, auch Licht und Luft geben, anſtatt man bei den gewoͤhnlichen Lukenthuͤren fuͤr ein zeitiges Verſchließen derſeibem bei einfallendem Re⸗ gen ſehr beſorgt ſeyn muß. Ferner hat man vorgeſchlagen, um durch Lukenthuͤren, die nach außen aufſchla⸗ gen, nicht nur das Regenwetter abzuhalten, ſondern zugleich Licht und Luft zu erhal⸗ ten, die Lukenthuͤren oberhalb der Oeffnung anſchlagen zu laſſen, und ſie durch Stuͤ⸗ tzen ſchräͤgi in die Hoͤhe wie ein Wetterdach zu ſtellen. In Fig. 121 B, C und D ſind Licht⸗ und Luftoͤffnungen vorgeſtellt, wie ſelche in dem, allhier vor kurzem neu erbauten Magazin angelegt werden. Die mehrſten Fenſteroͤffnungen daſelbſt ſind 5 bis 5 ½ Fuß hoch, ſaͤmmtlich 7 Fuß breit, und mit Zargen verſehen, welche zwei Mittelpfoſten haben. In Fig. 121 B ſind a a kleine Glasfenſter, welche die Boͤden beleuchten, wenn auch alles uͤbrige in den Luken verſchloſſen iſt; b b ſind bewegliche Jalouſien zum Auf⸗ und Herunterklappen; e ſind einfluͤglichte Luken, mit Baͤndern, Haken und Riegeln angeſchlagen. 208 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, Die Jalouſien b ſind in Fig. 121 C und D im Proofil nach einem groͤßern Maß⸗ ſtabe vorgeſtellt, um zu zeigen, wie ſolche mit dem eiſernen Hebel d auf und nieder ge⸗ klappt und mit dem eiſernen Buͤgel g efeſtgeſtellt werden koͤnnen. Indem naͤhmlich die Jalouſien⸗Bretter an ihren Enden mit eiſernen Wellzapfen in der Zarge feſt liegen, und an der innern Kante der Brettchen, mitten im Fenſter, eine ſchwache, eiſerne Stange kg mit den Bretrchen bewegbar, der Hebel d aber an eines der Brettchen unbe⸗ wegbar befeſtigt iſt, werden, wenn man den Hevel d in Fig. O herunter druͤckt, ver⸗ mittelſt des Eiſens kg ſaͤmmtliche innere Kanten der Brettchen herunter gedruͤckt, wo⸗ bei die Brettchen ſich in etwas um ihre Wellen in der Zarge drehen, und hierdurch ſammtliche Brettchen in die horizontale Lage Fig. D geſtellt. Der Buͤgel ge, welcher bei g an das gedachte Eiſen fg mit einem Gewinde be⸗ feſtigt iſt, laͤuft alſo beim Auf⸗ und Zuklappen der Brettchen mit hinauf oder herunter, weshalb derſelbe auch gebogen iſt. Um die Ialouſien in ihrer auf oder zugeklappten Lage feſt ſtellen, oder verſchließen zu koͤnnen, befinden ſich in dem Buͤgel zwei Loͤcher in ſolcher Entfernung von einander, daß, vermittelſt des einen derſelben, bei Fig. D und eines Zapfens auf dem Lattenbrette, die Jalouſien⸗Bretter horizontal geſtellt, und mit dem zweiten Loche im Buͤgel bei i Fig. C in ihrer herunter geſchlagenen Stel⸗ lung auf dem erwaͤhnten Zapfen im Lattenbrette befeſtigt werden koͤnnen. Dergleichen Fenſter befinden ſich an den vier Umfaſſungsmauern, und zwar alle⸗ mahl eines zwiſchen zwei Bindern, mithin in 16⸗ bis 17 fuͤßigen Entfernungen aus einander. Die gewoͤhnlichen Lukenthuͤren in Magazinen werden vom Zimmermann oder vom Tiſchler, von gehobelten Tiſchlerbrettern, mit aufgenagelten, beſſer aber mit ein— geſchobenen Leiſten gemacht. Dieſe Leiſten muͤſſen ſich allemahl inwaͤrts befinden, da⸗ mit der Regen ſie nicht treffen und durch das Eindringen in die Fugen der Leiſten zu bald ein Verfaulen derſelben bewirken kann. Werden die Luken nach außen aufſchla— gend angelegt, ſo muß kein Falz dazu in den hoͤlzernen Stielen gemacht werden, ſondern die Luken muͤſſen flach gegen die aͤußere Flaͤche der Fronte anſchlagen, weil ſonſt in dem untern Falze das Waſſer ſich aufhalten und Faͤulniß verurſachen moͤchte. In maſſiven Fronten kann aber fuͤglich ein Falz gemauert werden, wenn nur die untere Seite des Falzes ſchraͤg ablaufend geputzt wird. Der Beſchlag daran beſteht, wenn ſie einfluͤglicht ſind, außer den Baͤndern und Haͤſpen, in einem Ankettel oder Riegel inwaͤrts, und in einem Sturmhaken auswaͤrts, welcher die Luke, wenn ſie nach außen aufſchlaͤgt und offen ſteht, feſt haͤlt, damit ſie der Wind nicht zerſchlagen kann. Eben dieſe Sturmhaken ſind auch bei zweifluͤglich⸗ ten ud 1 welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Magazine ꝛc. 209 Mag. ten nach außen aufſchlagenden Luken erforderlich. Es erhaͤlt alsdann der zuerſt an⸗ ühnich ſchlagende Fluͤgel oben und unten einen Anfettel oder Riegel, und der andere Fluͤgel ihe einen Riegel in der Mitte. Letzterer Fluͤgel kann auch eine Schlageleiſte erhalten, ah mit welcher er vor den erſten Fluͤgel anſchließt. Der Bequemlichkeit wegen giebt man heu: auch wohl noch jedem Fluͤgel in der Mitte einen kleinen, eiſernen Ring zum Anfaſſen. amunde Die Lukenthuͤren inwaͤrts anzubringen, hat den Nachtheil, daß der Regen un⸗ t, der terhalb, oder auf dem Lattebrette eindringen kann. t. i. Anm. In ſolchen Remiſen, worin Sachen aufbewahrt werden, die vom Staube leiden wuͤrden, terdurch muͤſſen ordentliche Glasfenſter angelegt werden, wobei dann die vorbeſchriebenen Einrichtungen mit Lukenthuͤren und Jalouſien wegfallen. de be⸗§. rro. unter, Sollen alle dieſe Luft⸗ und Lichtoͤffnungen ihren Zweck erreichen, naͤhmlich das Von der, den aypten Licht hinlaͤnglich bis in die Mitte der Boͤden, und die Luft durch das ganze Gebaͤude M gehin e⸗ ‚cher hindurch zu leiten; ſo muß wohl die Tiefe der Magazin-Gebaͤude ihre Grenzen haben. denden. 1 ne, Sg.D Meinerſeits wuͤrde ich fuͤr Magazine eine Tiefe zwiſchen 40 und 50 Fuß fuͤr die vor⸗ fe und Eta⸗ geſtelt theilhafteſte halten, und ſolche nicht leicht uͤber 70 Fuß anlegen. Es iſt aber ſeit gen⸗Haͤhe. n Stel⸗. einem Jahre allhier der Bau des in Fig. 121 vorgeſtellten Koͤniglichen Getreide⸗Ma⸗ gazins von 103 Fuß Tiefe, und mehrere dergleichen ſind in den Preuß. Provinzen dar alle⸗ vollendet, auch hier wiederum eins dergleichen angefangen worden, wovon die Erfah⸗ gen aus rung lehren wird, ob es zu rathen ſei oder nicht, eine ſo große Diefe fuͤr dergleichen Gebaͤude in der Folge allgemein anzunehmen. Daß bei ſo großen Diefen von 60 bis moder 100 Fuß die Hoͤhen der Etagen nicht mehr, bloß nach dem Gebrauch eines Korn⸗ it ein⸗ Magazins, ſondern zugleich mit der Hinſicht, daß das Licht beſſer bis zur Mitte des da⸗ Gebaͤudes, und der Luftzug beſſer hindurch ſtreichen kann, angenommen werden, gen zu folglich dergleichen Etagen im Lichten ſchon an 9 Fuß Hoͤhe haben muͤſſen, i*ſt leicht fſcha⸗ einzuſehen, wogegen, wie vorgedacht, bei geringerer Tiefe nur 7 ½ bis 8 Fuß Etagen⸗ ſorden hoͤhe im Lichten hinlaͤnglich iſt. Die Hoͤhe der erſten Etage richtet ſich, außer dem, ſonſt u. daß ſolche wegen eines Mehllagers 9 Fuß im Lichten hoch gemacht wird, darnach, . 3 daß die, durch die Tiefe des Gebaͤudes anzulegende Durchfahrt, mit Ruͤckſicht auf die vn zu uͤberwoͤlbenden Thorweg⸗Boͤgen, Hoͤhe genug erhaͤlt. §. rIr. rund Das beſte und ſicherſte Mittel gegen Kornwuͤrmer*) und anderes Verderben Von 3 iu⸗ den des Getreides iſt erſtlich, daß die heißen Sonnenſtrahlen von demſelben, ſo wie tung Surrich⸗ rit ſ u auch das Eindringen des Regens vermittelſt der Luken ꝛc. abgehalten, und folglich Getreide⸗ zagüch⸗ Dd Magazins. ten 210 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, zweckmaͤßige und hinlaͤngliche Luft- und Lichtoͤffnungen angelegt werden. Zwei⸗ tens: Wenn von einem maſſiven Gebaͤude die Rede iſt, ſo muß ſolches langſam auf⸗ gebaut und erſt dann, wann die Mauern eine geraume Zeit ausgetrocknet ſind, be— putzt, auch erſt nach voͤlliger Austrocknung beſchuͤttet werden. Drittens: ſo muß auch das Getreide gehoͤrig trocken oder nicht zu friſch und feucht aufgeſchuͤttet wer— en.“*) Viertens aber iſt ſo wohl bei neuen und alten, als bei hoͤlzernen und maſſiven Korn Magazinen das fleißige Umſchippen des Getreides das allerſicherſte Mittel zur Conſervation deſſelben, und insbeſondere da, wo es etwa an hinlaͤnglichen Luftzuͤgen mangelt. *) Im allgemeinen Anzeiger der Deutſchen vom Jahre 1309 im 179ſten Stuͤcke, wird folgendes Mit⸗ tel zur Vertreibung des ſchwarzen Kornwurms vorgeſchlagen: Man ſtecke die Bluͤthenpuſcheln der Hollunderbluͤthen in die von Kornwuͤrmern angegangenen Getreidehaufen an mehrere Stellen, und nach vier und zwanzig Stunden haben ſich alle Kaͤfer entfernt. Am beſten ſind hierzu die friſchen Bluͤthen. **) In des Herrn Thaer's Annalen des Ackerbaues im achten Bande, S. 385 u. f. wird beſchrie⸗ ben, wie in Kurland gewoͤhnlich das Getreide vor der Aufſchuͤttung in eigenen dazu angeriäßteten Gebaͤuden, deren Beſchreibung an ſeinem Orte folgen ſoll, gedarret wird. Damit nun das Umſchippen gehoͤrig vorgenommen werden kann, ſind bei Be⸗ ſchuͤttung jedes einzelnen Bodens eigene freie Plaͤtze, welche auch Luhmen genannt werden, dergeſtalt zu belaſſen, daß z. B. wenn ein Boden 50 Fuß lang beſchuͤttet werden ſoll, zuerſt an dem einen Ende eine Breite von 6 bis 3 Fuß durch die ganze Tiefe des Gebaͤudes zur Luhme verbleibt, nach 8 Tagen aber dieſe Luhme mit dem Um— ſchippen des Getreides vollgeſchuͤttet, und ſo die Luhmenbreite am andern Ende des Bodens entſteht, und ſo wechſelsweiſe alle 8 Tage. Dergleichen Luhmen muͤſſen, wie ſchon gedacht, auf jedem Boden, ja wenn der Boden etwa 100 Fuß lang ſeyn ſollte, muͤſſen ihrer wohl zwei vorhanden ſeyn, welche alſo bei Berechnung der zu be— ſchuͤttenden Groͤße eines Korn⸗Magazins in Anſchlag kommen. Bei Beſchuͤttung der Boͤden iſt ferner in Hinſicht der Conſervation des ganzen Gebaͤudes dahin zu ſehen, daß erſt der unterſte, dann der zweite, dann der dritte Boden und ſ. f., nicht aber zuerſt der oberſte, dann der darunter folgende Boden u. ſ. f. beſchuͤttet werde. Eben ſo muß umgekehrt bei Ausleerung eines Magazins verfahren, naͤhmlich erſt der oberſte Boden, dann der darunter folgende u. ſ. w. entlaſtet werden, damit niemahls die oberſten Boͤden allein beſchuͤttet, und die untern vielleicht leer blei⸗ ben, wodurch von heftigen Windſtoͤßen ein nachtheiliges Schwanken, beſonders eines hoͤlzernen Magazin-Gebaͤudes, verurſacht werden kann. Wenn nun bei dieſem Ver⸗ fahren das Getreide, vermittelſt mehrerer kleiner Klappoͤffnungen mit Roͤhren von Brettern in allen Fußboͤden, z. B. von dem zweiten Boden auf den darunter befind⸗ ude, 3r ei⸗ ſan auf nd/ be⸗ ſo nuß tet wer nen und ſiherſte nglichen des Mit⸗ düſcheln Stellen, trzu die beſchrie⸗ richteten bei Ve⸗ enannt ſchüͤtet eganze m Um⸗ de des zliſſen, ſeyn zu be⸗ danzen dritte uſf ahre, erden, hlei⸗ ines Ver⸗ von efind⸗ welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Magazine ꝛc. 211 lichen erſten, von dem dritten Boden auf den zweiten u. ſ. w. herabgeſchuͤttet wird; ſo kann(wenn auch von einem der untern Boͤden das Getreide zuerſt weggeſchafft werden muͤßte), ſolches von den daruͤber befindlichen Boͤden ſogleich wieder erſetzt, und dies nicht fuͤr eine zu unſtaͤndliche Arbeit geachtet werden, da dieß die Stelle einer förm⸗ lichen Umſchippung und Reinigung des Getreides vom Staube vertritt. Auch hat ein ſolches Verfahren den Nutzen, daß nicht durch die Laſt auf dem oberſten Boden unnd⸗ thiger Weiſe die ſaͤmmtlichen Unterzugsſtaͤnder in allen darunter befindlichen Etagen be⸗ laſtet werden. Anm. Auch in dem engliſchen Werke Communications to the Board of Agriculture etc. London 1797, wird ein, auf dieſe Art und zu gleichem Behuf eingerichtetes Kornhaus, 14 Fuß in Qua⸗ drat groß, und ſieben ſehr niedrige Etagen hoch, beſchrieben. Zur ordentlichen und bequemen Anlage eines Getreide⸗Magazins gehdren, nach Maaßgabe der Laͤnge und etwa noͤthigen Abtheilung deſſelben, ein oder mehrere geraͤu⸗ mige Flure in jeder Etage, auf welchen die Treppen liegen, um nach jeder Abtheilung der Boͤden kommen zu koͤnnen, ohne andere Boͤden paſſiven zu muͤſſen. Die Treppen muͤſſen ſehr bequem, d. h. hoͤchſtens nur mit 7 Zoll Steigung und wenigſtens ro Zoll Auftritt, dabei 4 Fuß breit ſeyn, damit ein Menſch bequem mit einem Sack voll Korn hinauf und herunter gehen kann. Ruhepxlaͤtze oder ſo genannte Podeſte in dieſen Trep⸗ pen zur Bequemlichkeit der Sacktraͤger anzulegen, iſt, bei Etagenhoͤhen von 7 ¾ bis g Fuß im Lichten, nicht nothig, vielmehr koͤnnten ſie mit ſolchen Podeſten leicht zu einer Auswechſelung der Balken Gelegenheit geben, welches moͤglichſt vermieden wer⸗ den muß. Anm. In Remiſen, worin Ruͤſtwagen ꝛc. auf mehrern Boͤden über einander aufbewahrt werden, ſind anſtatt der Treppen, hoͤlzerne, mit Latten benagelte Rampen anzulegen, auf welchen die Wagen vermittelſt Winden auf die verſchiedenen Boͤden geſchafft werden. In dem, allhier neuerlich erbauten Korn⸗Magazin, Fig. 121, iſt in der unterſten Etage kein abgeſonderter Flur, ſondern an allen vier Seiten ſind Einfahrtsthorwege angelegt. An bei⸗ den Enden des Gebaͤudes liegt eine, 6 bis 7 Fuß breite Treppe, um welche in jedem obern Boden, mit Freilaſſung eines breiten Sanges, ein Flur vermittelſt eines Lattenverſchlags vom uͤbrigen Boden abgeſondert iſt. Hinter jeden Thorwegfluͤgel in der erſten Etage ſtehen ſtarke, eingegrabene Pfaͤhle, woran eiſerne Sturmſtangen befeſtigt ſind, vermittelſt welcher die Thorwege ohne Schloß, nur mit ei⸗ nem Riegel ſehr feſt von innen verſchloſſen werden. An einem der vier Thorwege fehlt eine der Sturmſtangen; dagegen iſt das Thor mit einem Schloſſe verſehen, durch welches man von außen in das Magazin gehen, und dann nach Gefallen die uͤbrigen Thore von innen oͤffnen kann. Auch muß im Dachboden*) uͤber den Fluren eine Winde angelegt werden, ver⸗ mittelſt welcher das Korn in Saͤcken nach allen Etagen hinauf geſchafft werden kann. Sollten beſondere Umſtaͤnde, als z. B. wenn die unterſte Etage ſo niedrig iſt, daß nicht durch ſelbige gefahren werden kann, dieß verhindern, ſo muß man leider zu den Dd 2 1 Von Ausmit⸗ telung der Groͤße eines Getreide⸗ Magazins. 2¹2 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, aͤußern Windeluken ſeine Zuflucht nehmen. In ſolchem Falle iſt dann zweckmaͤßig, eine uͤberbauete und mit Klappthuͤren verſehene Windeluke, nach§. 40. Fig. 88 D des zweiten Theils, anzuordnen. Auf dem Boden wird hiernaͤchſt der Sack mit Getreide auf einer Art Schubkarre mit zwei niedrigen Raͤdern, dergleichen die Baͤcker im Ge⸗ brauch haben, weiter fortgeſchafft. *) In dem, Fig. 124 vorgeſtellten Magazin befindet ſich eine Tummelbaumwinde in der dritten Eta⸗ ge, von welcher das Tau bis in die ſechſte Etage hinauf, und von da, durch die Windeloͤcher, durch alle Etagen hinunter geht. Dieß iſt deshalb geſchehen, damit man das Rufen ſo wohl aus der erſten, als aus der ſechſten Etage bei der Winde in der dritten Etage leicht hoͤren kann. Die Windeloͤcher ſind ohne Klappthuͤren und ganz offen, dagegen aber in jeder Etage mit einem Gelaͤnder umzogen. Aus den erwaͤhnten Umſtaͤnden geht alſo hinlaͤnglich hervor, daß die Flure geraͤu— mig, und bei den, in Rede ſtehenden, großen Magazinen wenigſtens 10 Fuß breit, auch durch die ganze Tiefe des Gebaͤudes angelegt werden muͤſſen, um auf denſelben nach den Flurfenſtern in beiden Fronten gelangen zu koͤnnen. §. 112. Nach dem, was bisher uͤber Magazine geſagt worden, kann nun von Ausmitte⸗ lung der erforderlichen Groͤße eines Korn⸗Magazins gehandelt werden. Ein Wiſpel Getreide oder 24 Berliner Scheffel, enthaͤlt genau gemeſſen 42,73 Kubikfuß. Unter den Getreidearten wird der Hafer auf dem Lande nicht mit dem Streichmaaße gemeſſen, und es giebt alsdann der Wiſpel 26 Scheffel. Dieß macht beinahe 46 Kubikfuß, daher eins ins andere gerechnet fuͤr den Wiſpel 44 Kubikfuß, oder fuͤr den Scheffel 1§½ Kubikfuß angenommen werden koͤnnen.— Einige Oekonomen geben zu, daß Weitzen, Rocken und Gerſte 2 Fuß und dar— uͤber hoch geſchuͤttet werden koͤnnen, andere dagegen wollen dieſe Getreideſorten nicht hoͤher als 15 Zoll geſchuͤttet wiſſen. Dieſe Verſchiedenheit liegt ihren naͤhern Erklaͤ— rungen zufolge darin, daß erſtere auf fleißiges Umſchippen, letztere aber weniger dar⸗ auf rechnen. Der Hafer, als das leichteſte, mithin am lockerſten liegende Getreide, koͤnnte(wie ebenfalls von einigen angenommen wird), wenn es ſeyn muͤßte, ohne Nachtheil 3 Fuß hoch geſchuͤttet werden. Wir wollen daher aus allen dieſen Angaben eine Mittelzahl, und zwar die Schuͤttung aller Getreidearten im Durchſchnitt zu 1 Fuß hoch rechnen, wobei alsdann jeder Scheffel Getreide 1 Quadratfuß Raum er⸗ fordert. Anm. Daß altes und trocknes Getreide hoͤher als friſches geſchuͤttet werden kann, verſteht ſich von ſelbſt. zude, kknͤßig 8D des etrede in Ge⸗ itten Etn⸗ nelliher, wohl aus n. tage mit erͤu⸗ breit, ſelden welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Magazine ꝛc. 213 Außer dieſem Raume, den das Getreide ſelbſt bedarf, muß noch auf die noͤthigen Gaͤnge und auf die vorgedachten Umſchippeplaͤtze gerechnet werden. Z. B. Erſtlich muß ein, 2 bis 3 Fuß breiter Gang laͤngs den Fronten ſtatt finden, um zu den Luken und Fenſtern gelangen zu koͤnnen. Zweitens: Je nachdem das Gebaͤude lang iſt, muͤſſen ein, zwei, auch mehrere Gaͤnge quer durch die Tiefe, und wenn das Gebaͤude mehr als 40 Fuß tief iſt, wenigſtens auch ein Gang nach der Laͤnge, von 3 bis 4 Fuß breit, vorhanden ſeyn, um ſo wohl das Getreide nach ſeinen Arten und Qualitaͤten abſondern, als auch mit dem vorerwaͤhnten Rollwagen uͤberall hinkommen zu koͤnnen. Anm. In dem gedachten hieſigen Magazin von 290 Fuß Laͤnge und 103 Fuß Tiefe fand ich nur einen Gang nach der Tiefe in der Mitte, und einen ſolchen nach der Laͤnge von 6 bis 7 Fuß breit. Der Gang laängs den Fronten war 5 bis 6 Fuß, und auf jedem Boden war ein um⸗ ſchippeplatz von 10 bis 12 Fuß breit. Um das, was dieſe Breite der Gaͤnge von dem ganzen Bodenraum ſich zueignet, bei Berechnung der zu beſchuͤttenden Grundflaͤche zu erhalten, muß auch noch die Doſ⸗ ſirung der Getreidehaufen beruͤckſichtigt werden. Liegt naͤhmlich die Schuͤttung 1 Fuß 10 Zoll hoch, ſo muß die Doſſirung auch eben ſo breit angenommen werden, welche Breite dann bei den Mittelgaͤngen ganz, bei den Gaͤngen laͤngs den Fronten aber nur zur Haͤlfte von dem zu beſchuͤttenden Raume in Abrechnung zu ſtellen iſt. Da indeß die Anordnung der Aufſchuͤttung des Getreides, nicht des Baumeiſters, ſondern des Magaziniers Sache iſt, und von letzterm auch eine andere Eintheilung fuͤr gut befun⸗ den werden koͤnnte, ſo iſt es am gerathenſten, fuͤr jeden Scheffel Getreide mit Inbe⸗ griff der Gaͤnge und Umſchippeplaͤtze 1z Quadratfuß anzunehmen. Sollte aber die Schuͤttung weniger, als 1 Fuß hoch gemacht werden, ſo wuͤrde nach der Meinung mehrerer erfahrener Baumeiſter und Oekonomen, fuͤr jeden Schef. fel etwa 2 Quadratfuß an Bodenraum, mit Inbegriff aller etwanigen Gaͤnge ꝛc., ge⸗ rechnet werden muͤſſen, welches dann aber auch in jedem Falle hinlaͤnglich iſt. Anm. Mirr iſt indeß bekannt, daß in Magazinen zuweilen das Getreide auch 4 und mehrere Fuß hoch, ja ſogar nur an einzelnen Stellen des Bodens aufgeworfen wird, waͤhrend andere, dane⸗ ben befindliche Stellen unbeſchuͤttet ſind. Da auf ſolche Art der Raum nicht regelmaͤßig benutzt, und zugleich die Laſt auf einzelne Punkte um mehr als das doppelte vergroͤßert wird; ſo muͤßte der Baumeiſter entweder auf ſolche unregelmaͤßige Schuͤttung mit Verſchwendung des Raums und der Baukoſten bei der Anlage gerechnet haben, oder man muß es ihm nicht anrechnen, wenn in dieſem Falle das Gebaͤude ſehr leidet, und vielleicht Schaden nimmt. Gegentheils kann, bei einer regelmaͤßigen Beſchuͤttung der Boͤden, ein Magazin⸗Gebaͤude bis zu 3 Etagen hoch er⸗ bauet werden. Wenn in der erſten Etage ein Mehllager in Tonnen ſtatt finden ſoll, ſo iſt zur Berechnung der Quantitaͤt Mehl, welche darin Platz finden kann, folgendes zu wiſſen 214 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, noͤthig. Erſtlich: Eine gewoͤhnliche Mehl⸗ oder Salztonne iſt 3 Fuß 2 Zoll lang, und 2 Fuß 3 Zoll im Bauche ſtark, und enthaͤlt, wenn das Mehl gehaͤuft wird, 6 Berliner Scheffel Mehl. Zweitens: Mehr als 3 Tonnen uͤber einander werden theils der Bequemlichkeit wegen, theils um die untern Tonnen nicht ſo ſehr zu druͤcken, nicht gelegt. Hieraus folgt die noͤthige Hoͤhe der untern Etage. Es liegt naͤhmlich jede obere Tonne zwiſchen zwei untern, daher fuͤr 3 Schichten Tonnen uͤber einander nebſt den Unterlagen auch nur 6 Fuß 6 Zoll Hoͤhe zu rechnen ſeyn wuͤrden, und wenn dann noch 2 ½ bis 3 Fuß fuͤr die Unterzuͤge und den Raum uͤber den Tonnen, des Auf⸗ und Abſchichtens wegen nothwendig ſind; ſo muß die erſte Etage, wie§. 110. bereits gedacht, wenigſtens g Fuß, und wenn eine Durchfahrt ſtatt finden ſoll, nach Erfor⸗ derniß noch hoͤher werden. Drittens liegt jede Reihe Tonnen auf 2 Unterlagen von ſchwachem Kreuzholze, und da ſie gewoͤhnlich nach der Laͤnge des Gebaͤudes neben ein⸗ ander gelegt worden, ſo iſt gut, nicht mehr als 2 Tonnen hinter einander zu legen, und allemahl zwiſchen 2 Schichten der Art einen Gang von 4 Fuß breit frei zu laſſen, theils um zu jeder einzelnen Tonne gelangen, theils auch ſelbige den Gang entlang rollen zu koͤnnen. Auch in Hinſicht auf luftige Lage der Tonnen hat dieß weſentlichen Nutzen. Um in ſolcher Art den Platz moͤglichſt vortheilhaft zu benutzen, koͤnnen die Ton⸗ nen zwiſchen den Unterzugsſtaͤndern nach der Laͤnge des Gebaͤudes gepackt wetden, da⸗ mit letztere in den Gaͤngen nicht hinderlich ſind. Wenn in ſolcher Art die Mehltonnen, jedesmahl in zwei Reihen hinter einan⸗ der, und drei Tonnen hoch liegen; ſo brauchen 30 Tonnen einen Flaͤchenraum von ungefuͤhr 112 Fuß lang und 6 ¾ Fuß breit, ohne die noͤthigen Gaͤnge. §. 113. Eouftruetion Da der eigenthuͤmliche Zweck der GetreideMagazine moͤglichſt freie Boͤden erfor⸗ der Magazin⸗ dert, und keine Scheidewaͤnde(welche ſo wohl die Außenmauern mit einander verbin⸗ Gebäunde. den, und die Laſt der Boͤden unterſtuͤtzen, als auch dem lothrechten Stande dieſer, oft ſehr hohen Gebaͤude kraͤftige Stuͤtzen geben) verſtattet; ſo muß dieſer Mangel durch eine kunſtmaͤßige und ſehr ſolide Conſtruction erſetzt werden. Im zweiten Theile§. 13. und Fig. 32 A und B iſt eine Art doppelter Un⸗- terzugsſtaͤnder angegeben, welche ſich als vollkommen zweckmaͤßig durch mehrere Erfahrungen beſtaͤtigt hat. Soll aber, ſelbſt mittelſt dieſer Stiele, der Zweck nicht verfehlt werden; ſo muͤſſen ſolche in Ruͤckſicht der großen Laſt, welche die Balken mit dem darauf ruhenden Getreide verurſachen, nicht uͤber 15 Fuß nach der Tiefe des Ge⸗ —&2ᷓ H⸗F and, Jolllarg uft wir rwerden dräͤcken, nahmich einander und wenn des Auf⸗ . bereits Erfor⸗ gen bon en ein⸗ 4 Kaen, alaſſen, ng rollen Nuhen. die Ton⸗ den, da⸗ er einan⸗ uum bon . en erfot⸗ t verbin⸗ de dieſer Manl er Un⸗ mehrere g nicht ken wit des Ge⸗ welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Magazine ꝛc. 215 baͤudes von einander entfernt ſtehen, wodurch alſo die Anzahl der Unterzuͤge und die Tiefe des Gebaͤudes auf eine zweckmaͤßige Art beſtimmt wird. Damit ferner auch die Unterzuͤge nicht zu lang frei liegen, welche ohnehin der niedrigen Etagen wegen nicht durch lange Baͤnder von den Stielen aus hinreichend unterſtuͤtzt werden koͤnnen; ſo muͤſſen die Unterzugsſtaͤnder auch in Betreff der Laͤnge des Gebaͤudes nicht uͤber 15 bis 16 Fuß weit aus einander ſtehen. Hierzu koͤnnen in— deß ſowohl die Art der Dachbedeckung als die einzelnen Balkenweiten eine Beſtimmung geben. Angenommen naͤhmlich, daß ein, mit Dachſteinen doppelt gedecktes Dach nicht leicht mehr als 3 bis hoͤchſtens 3½ Fuß Sparrenweite erlaubt; ſo ergiebt ſich, daß wenn allemahl der fuͤnfte Balken ein Binder iſt, die Entfernung der Binder und Un— terzugsſtaͤnder bei 3½ Fuß Sparrenweite 16 ½ Fuß, beſſer aber noch bei nur 3 Fuß Sparrenweite, 15 Fuß betraͤgt. Bei Magazinen ſind dies die hauptſaͤchlichſten Be⸗ dingungen, folglich iſt ſehr zweckmaͤßig ſo wohl die Laͤnge als auch die Diefe derſelben nach den eben gedachten Binderweiten zu beſtimmen. Bei Beſtimmung der Tiefe eines jeden Gebaͤudes, ins beſondere aber eines Ma— gazins, iſt auch ſehr auf die Form des Dachs, und auf das Material, womit es ge⸗ deckt werden ſoll, Ruͤckſicht zu nehmen. Kupfer, Blech ꝛc., bei deren Gebrauch zur Dachdeckung die Daͤcher ſehr flach ſeyn koͤnnen, ſind wegen ihrer Koſtbarkeit nicht uͤberall anwendbar, und die gewoͤhnlichen Dachdeckungs⸗Materialien erfordern ſteilere Dachflaͤchen, folglich bei ſehr tiefen Gebaͤuden ſehr hohe und koſtſpielig zu erbauende und unterhaltende Daͤcher. Der Vortheil eines hohen, gewoͤhnlichen Dachs iſt dagegen ſehr gering, indem außer dem erſten Dachboden immer nicht viel mehr als noch ein kleiner Boden uͤber dem Kehlbalken gewonnen wird, welcher die Mehrkoſten eines ſo hohen gewoͤhnlichen Daches nicht entſchaͤdigt. Das in Fig. 121 vorgeſtellte Magazin, welches vor kurzem hier in Berlin neu erbaut worden, iſt 290 Fuß lang, 103 Fuß tief, und 6 maſſive Etagen hoch. Es hat 6 Unterzuͤge in der Tiefe, und 16 Binder in der Laͤnge, dabei gar keinen Dach⸗ verband, ſondern es liegen die obern Balken, welche zugleich die Sparren vorſtellen, in der Mitte nur um 4½ Fuß hoͤher, als auf den Ringmauern, daher dieſe Platform auch ganz mit Kupfer abgedeckt worden. Anm. Das ſaͤmmtliche Verbandholz zu dieſem Gebaͤnde iſt auf die Seite 88 gezeigte Art ausgelau⸗ get, und das Hauptgeſims iſt von gegoſſenen, eiſernen Platten gemacht worden. Bei dieſem Verbande bemerke man, daß nur die untern 3 Etagen mit doppel⸗ ten, die 3 obern Etagen aber mit einfachen, dabei ſehr ſtarken, und zwiſchen den untern Doppelſtaͤndern eingelaſſenen Unterzugsſtaͤndern verſehen ſind. 216 Zweeiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, Ein vorzuͤglicher Nutzen der doppelten Unterzugsſtaͤnder iſt, daß ein hohes Ma⸗ gazin⸗Gebaͤude dadurch mehr Steifigkeit gegen den Druck der Sturmwinde erhaͤlt, daher ſie ins beſondere bei Magazinen mit hoͤlzernen Fronten um ſo weniger weg— zulaſſen ſind, weil letztere an ſich bei weitem den feſten Stand nicht haben, als der— gleichen mit ſtarken, maſſiven Umfaſſungsmauern. In Fig. 122 iſt der Verband eines Magazin⸗Gebaͤudes von 72 Fuß Tiefe und 5 Etagen Hoͤhe(aus meiner ſchon erwaͤhnten Abhandlung uͤber Conſtruction der Boh⸗ lendaͤcher entlehnt) vorgeſtellt. Hierbei wird das, was ich vorher von Vermeidung verſchwenderiſcher Bedachung ſagte, um ſo deutlicher werden, wenn ich bemerke, daß hier gar kein eigentlicher Dachverband vorhanden iſt, ſondern das Dach zug leich die Frontwaͤnde der drei obern Etagen bildet. Daß bei ſolchen großen Tiefen der Gebaͤude die Balken auf die, im zweiten Theile Fig. 30 vorgeſtellte Art geſtoßen werden muͤſſen, verſteht ſich von ſelbſt. Nur iſt hierbei zu bemerken, daß, wo auf einen ſolchen Stoß ein Staͤnder zu ſtehen kommt, wie in Fig. 121 und 122 in den obern Etagen, das Stoßen der Balken auf einan⸗ der nach Fig. 122 D, und wo kein Staͤnder darauf ſteht, neben einander, um deswillen geſchehen muß, weil im letztern Falle das Balkenholz auf ſeiner hohen Kante unverſchwaͤcht verbleibt, im erſtern Falle aber der Stielzapfen beſſer angebracht wer⸗ den kann. Saͤmmtliche Stoͤße werden mit eiſernen Bolzen oder nur mit eiſenen Klammern verſehen. Da, wo die Unterzugsſtaͤnder doppelt ſind, muß auf jeder Seite derſelben ein Balken liegen, und da, wo nur einfache Unterzugsſtaͤnder ſtehen, koͤnnen die Balken nicht anders als auf denſelben, folglich nur einfach liegen. Wenn alſo die doppelten Unterzugsſtaͤnder, mit ihren Balken neben ſich liegend, bis zur Dachbalkenlage, wie in Fig. 32 Theil II. hinauf gehen; ſo kommen im Dache allemahl zwei Gebinde Sparren nahe an einander zu liegen, welches uͤberfluͤſſig waͤre, weshalb es beſſer iſt, die dop⸗ pelten Unterzugsſtaͤnder nur bis zur vorletzten Balkenlage hinauf gehen zu laſſen, und in der oberſten Etage einfache Unterzugsſtaͤnder in der Art, wie in Fig. 121 E ſchon in der vierten Etage geſchehen iſt, zwiſchen die untern aufzuſetzen, wodurch alsdann in der Dachbalkenlage nur jedesmahl Ein Binderbalken und Ein Paar Binderſparren nothwendig ſind. Um daſſelbe auch in Fig. 122 mit den Bohlenſparren zu bewirken, ſind, wie in der Zulage E bei a zu ſehen, kleine Stichbalken zwiſchen den Hauptbalken mit Schwal⸗ benſchwaͤnzen an den Seiten angebracht, worin die Bohlenſparren ſo wohl unten ein⸗ ſtehen, als auch in jeder obern Balkenlage vermittelſt Schlitzen von dieſen Stichbalken umfaßt — — d s My ethält t weg⸗ der⸗ fe und — Boh⸗ idung „ daß h die ten Nr mmt, nan⸗ „um Kante wer⸗ ernen ein Ilten ten ein eren dop⸗ ind in on in mnin rrnn ein val⸗ en⸗ alken nfoßt welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Magazine ꝛc. 217 umfaßt werden. Weiter hinauf, wo in der vierten Etage nur einfache Unterzugsſtaͤn⸗ der ſtehen, auf welchen dann auch, wie vorgedacht, nur einfache Balken liegen, fal⸗ len die erwaͤhnten Stichbalken weg, und es vertreten daſelbſt die Hauptbalken deren Stelle, wie dieß alles aus dem Laͤngendurchſchnitt Fig. 122 B hervorgeht. Zu den Unterzugsſtaͤndern und Unterzuͤgen muß hinlaͤnglich ſtarkes Holz genom⸗ men werden. Jedoch brauchen die Balken, bei einer Balkenweite von 3 Fuß vom Mittel zum Mittel und bei der vorhin gedachten nahen Entfernung der Unterzuͤge und Unterzugsſtaͤnder nur in den Bindern aus ganzem Holze zu ſeyn. Die zwiſchen den⸗ ſelben liegenden, ſo genannten Freibalken koͤnnen, wenn ſie nur wenigſtens ro Zoll hochkantig ſind, aus Halbholz gemacht werden, weil in der Regel bei Magazinen, wo die Fußboͤden von Brettern gemacht werden, keine Stacken oder Windelboͤden zwi⸗ ſchen denſelben ſtatt finden, ja es der luftigen Lage des Getreides angemeſſener iſt, die Balken bloß zu bedielen. In Betreff der Zuſammenſetzung der doppelten Unterzugsſtaͤnder beziehe ich mich auf§. 13. in Theil II., und bemerke hier noch, daß die Fundamente unter den Unter⸗ zugsſtaͤndern mit moͤglichſter Sorgfalt und mit ſehr breiten Grundflaͤchen, dabei mit vielen, aber kleinen Abſaͤtzen, oder noch beſſer doſſirend aufgefuͤhrt, auch auf gutem, feſtem Baugrunde angelegt, und hiernaͤchſt oben mit einem glatt bearbeiteten Feld— oder ſehr feſten Sandſtein bedeckt werden muͤſſen. Es iſt daher ſehr nachahmenswerth, daß die Fundamente unter den Unterzugsſtaͤndern des erwaͤhnten, hier neu erbauten Magazins Fig. 121 mit kubiſch behauenen Kalkſteinen ganz von dem tiefen Grunde herauf gemauert worden. Die, hiernaͤchſt unter den Stielen auf die Fundamente zu legenden, feſten Steine oder Sockeln muͤſſen nach Fig. 123 ungefaͤhr 1 ½ Fuß hoch ſeyn, und in ihrer Oberflaͤche muß an allen Seiten nicht viel mehr, als vier Zoll von den Doppelſtielen vorſtehen. Die Unterflaͤche kann dagegen an allen Seiten unge⸗ faͤhr 4 Zoll groͤßer, als die Oberflaͤche ſeyn. Dieſe pyramidaliſche Form gewaͤhrt den Vortheil, daß das gemauerte Fundament mit einer noch groͤßern Flaͤche von den Un⸗ terzugsſtaͤndern gedruͤckt wird, und die Hoͤhe dieſer Steine bewirkt, daß, wenn ſolche gehoͤrig auf ihrem natuͤrlichen Lager liegend bearbeitet worden, ſie von der Laſt nicht zerquetſcht werden koͤnnen. Es ſind alſo auch aus dem Grunde die doppelten Un— terzugsſtaͤnder beſſer, als die einfachen, weil ſie eine breitere Grundflaͤche gewaͤhren, unter welcher groͤßere Steine auf das Fundament gelegt werden koͤnnen. Anm. In einem hieſigen, ſehr belaſteten Privat⸗Magazin, wo die Unterzugsſtaͤnder einfach, und die darunter gelegten Rotheuburger Sandſtein⸗Platten 3 Fuß im Quadrat, aber nur 64Zoll hoch oder dick waren, wurden letztere voͤllig zerquetſcht, Ee 218 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, Auch iſt dahin zu ſehen, daß wenigſtens die obern Schichten des Fundaments aus moͤglichſt großen Quadern, oder behauenen Feld⸗ oder Kalkſteinen gearbei⸗ tet werden, damit ſolche von dem, unter den Unterzugsſtaͤnder zu legenden Steine, wenn nicht ſaͤmmtlich, doch groͤßtentheils gefaßt oder beruͤhrt werden. Die Unterzugs— ſtaͤnder ſelbſt werden auf die darunter zu legenden Sockeln, entweder vermittelſt eines, in die Mitte des Steins, etwa 3 Zoll tief gehenden Zapfens geſetzt, wie bereits Sei⸗ te 192(beim Schuppen) angewieſen worden, oder es wird erſt ein ſtarkes Bohlenſtuͤck auf den Sockel gelegt und in ſelbiges der Unterzugsſtaͤnder verzapft, welches noch vor⸗ zuͤglicher iſt. Die Unterlegung eines Bohlenſtuͤcks unter den Unterzugsſtaͤnder iſt auch da noͤthig, wo bei kleinen oder unbedeutendern Magazinen, anſtatt des Sockels aus einem Stuͤcke Stein, nur eine bloße Untermauerung der Unterzugsſtaͤnder ſtatt finden ſollte. Wenn wir nun auf das zuruͤck kommen, was Seite 206 wegen Unterwoͤlbung des unterſten Bodens in Magazinen geſagt worden; ſo iſt noch zu bemerken, daß, wenn kein ordentliches Souterrain darunter ſtatt findet, das Fundament unter jeden Unter⸗ zugsſtaͤnder ganz nach der gegebenen Anweiſung conſtruirt, iſolirt geſtellt werden kann. Wenn aber ein ordentliches Souterrain darunter angelegt werden ſoll, und die Fun⸗ damente der Unterzugsſtaͤnder nicht fuͤglich im Keller ſelbſt, ſondern erſt unter dem Kel⸗ lerpflaſter verbreitet oder doſſirend gemacht werden koͤnnen; ſo muͤſſen alsdann, und wenn das Magazin etwa vier bis ſechs Etagen hoch werden ſoll, dieſe Fundament⸗ pfeiler innerhalb des Souterrains wenigſtens 4Ʒ Fuß im Quadrat ſtark ſeyn, und es muͤſſen, ſo wohl Behufs der Kappen oder Kreuzgewoͤlbe zwiſchen denſelben, als auch zum feſtern Stande der Fundamentpfeiler von einem zum andern, Guͤrtboͤgen geſchlagen, auf keinen Fall aber muß ein Unterzugsſtaͤnder auf ein Gewoͤlbe oder Gurt⸗ bogen geſetzt werden. Die Erfahrung, daß zuweilen einzelne Fundamentpfeiler ſolcher Gebaͤude den⸗ noch geſunken ſind, ungeachtet man bei Aufmauerung derſelben ſorgfaͤltig genug zu Werke gegangen war, muß in Abſicht des Baugrundes alle Vorſicht veranlaſſen, in— dem dadurch die Zerruͤttung des ganzen Gebaͤudes erfolgen kann. Sollte alſo der Baugrund nicht uͤberall unter den Unterzugsſtaͤndern von gleicher Feſtigkeit ſeyn, ſo iſt es ſehr vortheilhaft, außer der ſorgfaͤltigſten Gruͤndung derſelben, ſaͤmmtliche Funda— mentpfeiler nahe unter dem Fußboden zuſammen zu woͤlben, wenn auch kein eigent— licher Keller darunter ſtatt finden ſollte.. Was ferner die Umfaſſungswaͤnde der Magazin-Gebaͤude betrifft, ſo mag im⸗ merhin von einigen Oekonomen und Baumeiſtern empfohlen werden, ſolche lieber von de amentt gearbei⸗ Steine rzugs⸗ eines, 8 Sei⸗ enſtuͤc h vor⸗ khig, duͤcke dd wenn Unter⸗ kann. Fun⸗ n Kel⸗ und ment⸗ nd es auch gen utt⸗ welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Magazine ꝛc. 2¹9 Fachwerk, als maſſiv zu bauen. Meiner Meinung nach bleiben doch folgende Nach⸗ theile unwiderlegbar: erſtlich die mehrere Feuergefaͤhrlichkeit; zweitens die fruͤ⸗ here Vergaͤnglichkeit durch Einwirkung der Witterung, wenn naͤhmlich die Schwellen und Raͤhme der Fronten durch Faͤulniß ſich verſenken, waͤhrend die innern Unterzugs⸗ ſtaͤnder, welche vor der Witterung geſichert ſtehen, nicht mitſinken, und dieß um ſo weniger geſchieht, wenn die Unterzugsſtaͤnder doppelt ſind; drittens der unſichere Stand dieſer, innerhalb ohne alle Verankerung durch Scheidewaͤnde aufzufuͤhrenden Gebaͤude, beſonders wenn ſolche nicht tief und dabei ſehr hoch ſind, weshalb auch in Magazinen mit hoͤlzernen Umfaſſungswaͤnden, beſonders da, wo nicht von unten her⸗ auf gehende, doppelte Unterzugsſtaͤnder den lothrechten Stand des Gebaͤudes in etwas ſichern, wenigſtens alle 30 Fuß laͤngs beiden Fronten ſo genannte Strebebaͤnder, wie in Fig. 116 C in ab angedeutet worden,*) von der groͤßten Nothwendigkeit ſind; viertens die Ünſicherheit gegen leicht moͤgliche Dieberei. Wenn naͤhmlich die Fron⸗ ten der erſten Etagen auch nur von ausgemauertem Fachwerk ſind; ſo iſt es ein ſehr leichtes und faſt geraͤuſchloſes Unternehmen, ein Mauer⸗Fach durchzubrechen. *) Um Wiederholungen zu vermeiden, ſind bei Beſchreibung des Schuppens Fig. 116 dieſe Strebe⸗ baͤnder dort uͤbergangen worden. In Abſicht der Stellung derſelben iſt zu erinnern, daß, wenn gleich Seite rir in der Anmerkung die Stellung dieſer Baͤnder nach der Richtung cd Fig. 1 6 C gewiſſermaßen fuͤr zweckmaͤßiger erklaͤrt worden iſt, dennoch hier die Stellung nach der Richtung ab vorgezogen zu werden verdient, weil letztere die Benutzung des Bodenraums weniger, als erſtere hinderlich iſt, und indem das Band den obern Balken unterſtuͤtzt, auf dem untern in einem feſtern Punkte ruht. Dieſe und mehrere dergleichen Umſtaͤnde und Nachtheile ſind uͤberwiegend genug, die Magazine nicht mit hoͤlzernen, ſondern mit maſſiven Umfaſſungsmauern zu bauen, und dieß um ſo mehr, da es nicht ſo gar viel koſtſpieliger ſeyn kann, indem ja innerhalb doch alles von Holz iſt, und alſo nur die Umfaſſungsmauern maſſiv zu erbauen ſind. Bei Beſtimmung der Staͤrke maſſiver Fronten fuͤr Magazine iſt darauf Ruͤck⸗ ſicht zu nehmen, ob das Magazin doppelte, von unten bis oben in einem fort ge⸗ hende Unterzugsſtaͤnder, oder einfache, welche in jeder Etage jedesmahl auf die Balken gezapft werden, erhalten ſoll. Letztere werden vom Sturmwinde weit mehr als erſtere leiden, folglich muͤſſen die Fronten ihnen die noͤthige Sicherheit geben, und ſtaͤrker als bei doppelten Unterzugsſtaͤndern gemacht werden. Weil aber gegenwaͤrtig faſt alle Magazine von mehrern Etagen mit doppelten Unterzugsſtaͤndern gebauet wer⸗ den, und eigentlich auch nie anders gebauet werden ſollten; ſo will ich nur fuͤr dieſe die anzunehmende Maueſſtaͤrke hier angeben. Zu dem, im zweiten Theile Fig. 32 vorgeſtellten Magazin von 45 Fuß Diefe und 4 Etagen Hohe wuͤrde die oberſte Etage 2 Steine, die dritte 2½ Stein, und die Ee 2 220 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, zweite und erſte 3 Steine in allen 4 Ringmauern, und die Giebel im Dache 12½ Stein ſtark angelegt werden muͤſſen. Zu dem Magazin Fig. 122 mit Bogendach von 72 Fuß Diefe und von nur ei⸗ ner maſſiven Etage waͤren die Fronten 2 Stein ſtark zu machen. In Betreff der Giebel aber kaͤme es erſt darauf an, ob das Dach mit ganzen Walmen, oder mit gera⸗ de aufgehenden Giebeln gemacht werden ſoll. Im erſten Falle brauchen die Giebel nicht ſtaͤrker, als die Fronten zu ſeyn. Im zweiten Falle aber, welcher wegen Ge— winnung des innern Raums hier auch wohl der zweckmaͤßigſte ſeyn wuͤrde, koͤnnten die Giebel, entweder von der erſten Etage an, von ausgemauertem und maſſiv verblende⸗ tem Fachwerke, oder auch ganz maſſiv in der unterſten Etage 3 Stein ſtark, und in den obern Stockwerken in der Staͤrke der Fronten aufgefuͤhrt und an die Unterzuͤge geankert werden, wobei aber zwiſchen den Unterzugsſtaͤndern auf einen tuͤchtigen Laͤn⸗ genverband vermittelſt Sturmbaͤnder und Streben zu ſehen waͤre. Solche maſſive, gerade aufgehende Giebel koͤnnen nicht fuͤglich abgeſetzt, naͤhm— lich in den obern Etagen nach und nach ſchwaͤcher gemacht werden, ſondern ſie muͤſſen in ſo fern, als dergleichen Abſaͤtze nicht von außen angelegt und etwa zur Decoration der aͤußern Anſicht benutzt werden, in gleicher Staͤrke von unten bis oben hinauf ge⸗ hen, weil der Bohlenſparren zu ſeinem Verband innerhalb mit dem Giebel eine glatte Flaͤche verlangt, und die Balken, worauf derſelbe ſteht, oder womit er verbunden iſt, doch nicht fuͤglich in die Mauer gelegt und eingemauert werden koͤnnen. Das Verblenden der hoͤlzernen Fronten und Giebel, als Beabſichtigung mehrerer Feuerſicherheit, kann gegen Maſſivbau nur fuͤr einen Nothbehelf gelten, indem, wenn das, auf ſolche Art eingemauerte Holz verſtockt, dann die Reparatur deſſelben, ohne zugleich die ganze Verblendung mit niederzureißen, unmdglich iſt. Die Staͤrke der Ringmauern in dem Fig. 121 vorgeſtellten Magazin iſt, ohne die Riſalite, in der erſten Etage 42 Stein, in der zweiten Etage 4 Stein„in der dritten und vierten Etage 3½ Stein, und in der fuͤnften und ſechſten Etage 3 Stein. Daß das Dach auf einem Magazin vorzuͤglich dicht eingedeckt und verſtrichen werden muß, weil durchdringende Feuchtigkeiten dem Getreide ſehr nachtheilig ſind, ſſt ſchon fruͤher erinnert worden. Das Dach auf dem, Fig. 12r vorgeſtellten Maga⸗ zin iſt auf einer Schalung von Brettern, welche abſichtlich mit einigen Zwiſchenraͤu— men, alſo nicht dicht an einander aufgenagelt ſind, ganz mit Kupfertafeln bedeckt worden. Anm. Daß das Sammeln an Erfahrungen, auch ſelbſt bei gewoͤhnlich ſcheinenden Baugegenſtaͤnden, nie aufhoͤren wird, hat ſich auch bei dem erwaͤhnten Kupferdache beſtaͤtigt. Die Kupferplatten waren von bedeutender Groͤße, und da hierdurch weniger Naͤthe und Falzen darin erforderlich ſtü falſ Lei nict Mii zede nit derſe Gri genan iifunr driſſ dand nini dde, Stein ur ei⸗ ef der t gera⸗ Giebel en Ge⸗ ten die dlende⸗ nd in zuͤge Lan⸗ aͤhm⸗ nüͤſſen ration uf ge⸗ glatte en iſ, rerer venn hne üve der ein. ſichen ſin aar⸗ rau⸗ eckt den, ates erlich welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Magazine ꝛc. 221 wurden, ſo wollte man auch die großen Platten nicht in kleinere zerſchneiden. Durch die, zwi⸗ ſchen den Schalbrettern befindlichen Zwiſchenweiten(welche weislich deshalb gelaſſen worden waren, damit man, bei entſtehender Schadhaftigkeit des Kupferdachs in der Folge, die ſchad⸗ hafte Stelle leichter und beſſer entdecken koͤnne) konnte nun die Zugluft aus dem oberſten Stock⸗ werke gegen die Kupferplatten hindurch dringen, und da dieſe Platten wegen ihrer Groͤße hier⸗ durch zu heftig vom Winde in Bewegung geſetzt und beſchaͤdigt wurden, ſo war man genoͤthigt, Vorkehrungen zu treffen, wodurch die Kupferplatten in mehrern Punkten an die Schalbretter ge⸗ heftet wurden. Der Herausgeber. In einigen Schriften uͤber Baukunſt werden die Gipseſtriche als die beſten Fuß— boͤden in Getreide⸗Magazinen geſchildert. Die Verfertigung derſelben iſt bereits im zweiten Theile§. 106. beſchrieben worden, und wenn ſie auf die daſelbſt angegebene Art gut angefertigt werden; ſo iſt gar nicht zu laͤugnen, daß ſie, als Fußboͤden an und fuͤr ſich betrachtet, recht gut ſind. Aber wie ich bei der angefuͤhrten Stelle be⸗ reits erwaͤhnt habe, ſo erfordern ſie einen geſtackten oder ordentlichen Windelboden, und belaſten daher das Gebaͤude ſehr; daher man ſich lieber der Bretterboͤden ganz oh⸗ ne Ausſtackung bedient. Zu den Bretterboͤden in Magazinen muͤſſen die trockenſten und nicht mit ausfal— lenden Aeſten verſehenen Bretter gewaͤhlt werden, weil, wenn ſie nicht recht trocken ſind, die durchſtreichende Luft ſie nachtrocknet, dadurch die Fugen oͤffnet, und das Getreide dann durchfaͤllt. Gehobelt brauchen ſie nicht zu ſeyn. Die Fugen von unten zwiſchen den Balken mit Leiſten zu benageln, kann eher ſchaͤdlich als nuͤtzlich werden, wenn naͤhmlich das Korn in den Fugen ſtecken bleibt, da⸗ ſelbſt multrig wird, und ſich ſo dem uͤbrigen Getreide mittheilt. Oben auf die Fugen Leiſten zu nageln, waͤre daher bei nachgetrockneten Brettern das beſte, wenn es nur nicht das Umſchippen behinderte. Das beſte bleibt daher, die moͤglichſt trockenſten Bretter zu waͤhlen, ſolche gut und tief zu ſpuͤnden, nahe beim Spunde, und, wenn die Bretter ſehr breit ſind, au⸗ ßerdem noch in der Mitte, folglich dann drei Mahl zu nageln, und, wenn ſolche hier— naͤchſt dennoch nachgetrocknet ſind, ſie wieder aufzunehmen und zuſammen zu ſchieben. Da eine gewoͤhnliche ganze Spuͤndung ſehr leicht abſpringt, indem jeder Theil derſelben bei 1½ Zoll ſtarkern Brettern nur etwa 1 Zoll ſtark verbleibt, und dennoch die Spuͤndung nicht viel mehr, als hoͤchſtens ½ Zoll tief gemacht werden kann; ſo iſt die ſo genannte halbe Spuͤndung Fig. 124 gewiſſermaßen beſſer, da ſolche v3 bis 1 Zoll tief unter einander greift, und jeder Theil die halbe Dicke des Bretts erhaͤlt. Hier⸗ bei muͤſſen aber die Naͤgel nicht in der Mitte der Spuͤndung, ſondern dicht darneben in a und b vorgebohrt und eingeſchlagen, auch wohl, wenn die Bretter ſehr breit ſind, nochmahls in der Mitte genagelt werden. Von Salz⸗ Magazinen. 222 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, Anm. In Leipzig ſah ich eine, vom Herrn Bau⸗Director Dauthe angegebene, mir bis dahin unbekannt geweſene Art, die Fußboͤden zu legen. Es werden nähmlich immer drei gute, trockene Bretter, die hier nur 12 bis 16 Fuß lang ſind, gefugt, und die Kanten werden mit ungeloͤſchtem Kalk und weichem Kaͤſe(ſo genanntem Quargkaͤſe) beſtrichen, und mit Keilen und Zwingen zu⸗ ſammen getrieben, und wenn dieß getrocknet iſt, werden dieſe, aus drei Brettern beſtehenden Tafeln eine an die andere auf den Boden verlegt, feſt an einander getrieben, und mit kleinen Naͤgeln von Stahl auf die Unterlager angeheftet. Die Naͤgel, welche nur ſehr kleine Koͤpfe ha⸗ ben, werden recht tief eingetrieben oder verſenkt, und uͤber ſelbigen werden feine Spähne von Lindenholz mit jener Maſſe von Kalk und Käaͤſe uͤbergeſtrichen, welches ſehr ebene Fußboͤden giebt. Dabei iſt zu beobachten, daß nach den Jahresringen des Holzes die aͤußere Seite der Bretter oberwaͤrts zu liegen kommt. Das Verſenken der Naͤgel waͤre nun bei Magazin⸗Boͤden nicht noͤthig, ſondern nur bei Wohnzimmern anzuwenden. In Magazinen von ausgemauertem Fachwerk, wo der innere Abpußz ſehr leicht von den Stielen ſich abſtoͤßt, und dennoch zuweilen das Getreide gegen die Fronten geſchuͤttet wird, ſollte, zur mehrern Reinhaltung des Getreides ,„ das Fach⸗ werk laͤngs an ſaͤmmtlichen Ringwaͤnden, ſo hoch als die Schuͤttung reicht, naͤhmlich 2 Fuß mit aufgeſetzten Brettern bekleidet, und in maſſiven Magazinen eine breite Fußboden⸗Leiſte laͤngs an die Mauern genagelt werden. Im Dachboden aber muͤſſen 2 Fuß hohe Aufſetzbretter unter den Sparren, und in allen Etagen um jeden, durch den Fußboden heraufkommenden Unterzugsſtaͤnder, Fußleiſten angebracht werden. §. 114. Das Salz wird in Magazinen entweder in Tonnen, oder als loſes Salz aufbewahrt. Dieſe verſchiedene Aufbewahrungsart muß beim Bau der Salz⸗ magazine ganz vorzuͤglich beruͤckſichtigt werden. Denn außer der ſehr großen Laſt, welche das Salz mehr noch, als das Getreide verurſacht, draͤngt das loſe Salz, wenn ſolches zuweilen 6 und mehrere Fuß hoch geſchuͤttet wird, ganz außerordentlich gegen die Seitenwaͤnde. Es ſollten Salz⸗Magazine nie hoͤher, als eine, hoͤchſtens zwei Etagen er⸗ baut werden. Erſtlich, weil das Salz, welches in Tonnen aufbewahrt wird, zwar wohl vermittelſt der Winden auf die verſchiedenen Boͤden hinauf und herunter, aber nicht zur zweckmaͤßigen Vertheilung der Laſt in den verſchiedenen Etagen, wie§. ITr. erwaͤhnt worden iſt, von einem Boden nach dem andern mit ſo leichter Muͤhe geſchafft, werden kann. Dieß hat zur Folge, daß, wenn vielleicht einmahl die untern Boͤden ausgeleert ſind, und der obere noch belaſtet iſt, dem Gebaͤude bei heftigen Windſtoͤßen ſehr bald ein Nachtheil zugefuͤgt werden kann. Zweitens aber, weil das Salz mit einer ungleich groͤßern Laſt auf die Balken, Unterzuͤge und Staͤnder druͤckt. — 3 ühe, diena 1 tinande n fajig 8 aud, dis dahin e, trockae welöſchten vingen zu⸗ ſeſtehenden ait kleigen Kidfe ha⸗ pähne von den giebt. er Bretter nur hei Abpuß en die ag⸗ wmüch breite muͤſſen durch en. loſes Sal⸗ Laſſ wenn gegen gen er⸗ „zwar „alber III, ff, üden ößen mit welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Magazine ꝛc. 223 Anm. Seite 203 iſt erwaͤhnt worden, daß der Rocken bei einer 1 Fuß ro Zoll hoch angenomme⸗ nen Schuͤttung auf jeden Quadratfuß Bodenflaͤche ungefaͤhr mit 30 Pfund druͤckt. Dagegen wiegt eine Tonne Salz von der Groͤße der, Seite 214 erwaͤhnten Mehltonnen, worin etwa 6 Scheffel enthalten ſind, 436 Pfund. Wenn nun, wie gew hnlich⸗ 3 Tonnen uͤber einander gelegt werden, und jede Tonne in der untern Lage ungefaͤhr 773 Quadratfuß Raum einnimmt, ſo wird jeder Quadratfuß mit 171 Pfund, folglich mit mehr als doppelt ſo viel, als vom Ge⸗ treide gedruͤckt. Um daher eine, wie vorher bei den Getreide⸗Magazinen angewieſene, Anzahl Unterzugsſtaͤnder und Unterzuͤge, in Ruͤckſicht der auf jedem Boden ruhenden Laſt des Getreides, auch fuͤr Salz-Magazine von 3 und mehrern Etagen Hoͤhe, in Abſicht der hier viel groͤßern Laſt anzuordnen, wuͤrden beinahe 4 mahl mehr Unterzugsſtaͤnder mit ihren Unterzuͤgen erforderlich ſeyn. Wie wuͤrde aber dieſer Wald von Unterzugs⸗ ſtaͤndern den Raum beſchraͤnken! Anm. In dem, Seite 217 erwaͤhnten, hieſigen Privat⸗Magazin, welches mit einer hohen untern Etage, urſpruͤnglich zu einer Zuckerſiederei beſtimmt, daruͤber aber mit 4 niedrigern Etagen zu Magazin⸗Boͤden erbaut war, wurden nach der Zeit miethsweiſe ſaͤmmtliche Boͤden mit Salz, 3 bis 4 Tonnen boch belegt. Die einfachen Unterzugsſtaͤnder ſchnitten ſich in die Unterzuͤge um mehr als ½ Zoll tief ein; einige zerſprengten die unter ihnen auf den Fundamenten lie⸗ genden Platten von Rothenburger Sandſteinen; andere bogen ſich aus der perpendieulaͤren Li⸗ nie; die Unterzuͤge und die auf ihnen ruhenden Balken bogen ſich ſo, daß letztere ſich ſchon aus den maſſiven Frontmauern gezogen hatten, und gaͤnzlich zu zerbrechen drohten; kurz, es mußte das Magazin ſchleunigſt entlaſtet werden, wenn man nicht dem baldigen Linſtutz des ganzen Gebaͤudes entgegen ſehen wollte. Der Beſorgniß, daß hoͤlzerne Unterzugsſtaͤnder in Salz⸗Magazinen, wegen der großen Laſt(wenn naͤhmlich ein ſolches Magazin hoͤher als zwei Etagen wäre) ſich in einander druͤcken wuͤrden, koͤnnte man zwar dadurch entgehen, wenn man in der unterſten Etage maſſive Pfeiler anſtatt der Unterzugsſtaͤnder anlegte. Da aber deren doch eben ſo viele ſeyn mußten, als hoͤlzerne Staͤnder oben darauf ſtehen ſollen, und die maſſiven Pfeiler auch eine bedeutende Staͤrke von etwa 3 Fuß im Quadrat erhalten muͤßten; ſo wuͤrde, wegen des großen Verluſtes an Raum in der unterſten Etage, wenig Vortheil dabei ſeyn. §. 115. Wenn wir nun die Hoͤhe eines Salz⸗Magazins auf 2 Etagen feſtſetzen, ſo ſind 3 Boͤden zum Niederlegen der Tonnen vorhanden; der Boden uͤber den Kehlbalken aber, wenn letztere gut unterſtuͤtzt ſind, koͤnnte zur Aufbewahrung der leeren Tonnen dienen. Da, wenn das Salz in Tonnen aufbewahrt wird, gewoͤhnlich drei uͤber ein einander gelegt werden; ſo iſt, wie ſchon Seite 214 gedacht worden, jede Etage 9 Fuß hoch zu machen. Die unterſten Tonnen werden in jeder Etage auf Unterlagen von fuͤnfzoͤlligem Kreuzholze gelegt. In der Mitte eines Salz⸗Magazins von ungefaͤhr 100 Fuß Laͤnge iſt ein Von der in⸗ nern Einrich⸗ tung eines Salz⸗Ma⸗ gazins. Conſtruction eines Salz⸗ Magazins. 224 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, Flur, bei groͤßerer Laͤnge aber ſind der Bequemlichkeit wegen zwei und mehrere Flu⸗ re, und außerdem mehrere Thuͤren anzulegen. Ob eine, oder mehrere Durchfahrten erforderlich ſind, kann nur durch die jedesmahlige Localitaͤt beſtimmt werden. In ſolchen Fluren ſind die, durch alle Etagen fuͤhrenden Treppen von 4 bis 5 Fuß Breite mit Podeſten oder Ruheplaͤtzen verſehen. Desgleichen befindet ſich in je⸗ dem Boden uͤber dem mittlern Flur oder Durchfahrt ein Windeloch von wenigſtens 5 Fuß Laͤnge und 4 Fuß Breite, mit Klappthuͤren verſehen. Auch iſt zu dieſem En— de auf dem Dachboden eine Winde, wie ſolche bereits im zweiten Theile angegeben worden, anzulegen. Dieſes Windeloch muß in jeder Balkenlage mit Vorſicht ausge— trumpft werden, weil die bloßen Zwiſchenweiten der Balken dazu zu eng ſind. Zwiſchen jeder Binderweite in beiden Fronten ein Fenſter, und uͤber jedem der⸗ ſelben ein Dachfenſter anzubringen, iſt zur Erhaltung des noͤthigen Lichts und der Luft in Salz-Magazinen hinlaͤnglich. Die Fenſter werden in den maſſiven Fronten zwiſchen 3 bis 3 ½ Fuß breit, und ungefaͤhr 4 Fuß hoch gemacht. Der unterſte Fußboden braucht nicht eigentlich, ſo wie bei den Korn-Magazi— nen, von unten hohl, ſondern nur etwas gegen das aͤußere Terrain erhoͤht und gepfla⸗ ſtert zu ſeyn. Die beſte Pflaſterung iſt mit Mauerſteinen auf der hohen Kante mit Kalk vergoſſen; weniger gut iſt die Pflaſterung mit Mauerſteinen auf der flachen Sei⸗ te, beſſer dann und wohlfeiler iſt die Pflaſterung mit Feldſteinen. Die Balken der obern Boͤden werden, wie ſich von ſelbſt verſteht, nicht ausge⸗ ſtackt, ſondern nur mit Dielen belegt. Die Dielung in Salz⸗-Magazinen, in welchen das Salz in Tonnen aufbewahrt wird, braucht nur von rauhen und nicht geſpundeten, jedoch gefuͤgten Brettern zu geſchehen. In Hinſicht auf die große Laſt muͤſſen es aber hinlaͤnglich ſtarke Bretter ſeyn. §. 116. Zur Conſtruction eines zwei Etagen hohen Salz⸗Magazins, wie ſolches vor kurzem hier in Berlin neu erbauet worden iſt, liefere ich in den Figuren 125 A B C DEF und G eine Anweiſung, zu deren Erlaͤuterung folgendes zu bemerken iſt. Die Laͤnge dieſes Magazins iſt 171½ Fuß, die Diefe 39 Fuß, die Hoͤhe der er⸗ ſten Etage im Lichten 10 Fuß, die der zweiten 9 Fuß; das Dach an ſich aber iſt, aus nachher zu beſchreibenden Urſachen 21 Fuß hoch. Die vier Umfaſſungsmauern nebſt den Scheidewaͤnden, welche den Flur abtheilen(ſiehe Fig. F), ſind ſaͤmmtlich maſ⸗ ſiv, und zwar ſind in der erſten Etage die Fronten 3 Stein, die Giebel 2 Stein, und die Flurwaͤnde 1 ½ Stein, in der zweiten Etage die Fronten 2 ½ Stein, die Giebel 1½ Stein ſtark.— ie d. deſ Jakn rer. Flu chfahrte 4 bi 5 ſich in je⸗ enigſtens eſen En⸗ ngegeben t ausge⸗ em der⸗ d der onten Nagaji⸗ gepfla⸗ inte mit en Sei⸗ ausge⸗ velchen deten, aber es vot AB0 der er⸗ I, aus nulſt maſ⸗ iebel onten Die welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Magazine ꝛc. 225 Die innere Diefe betraͤgt alſo in der erſten Etage 34 Fuß, und darin befinden ſich zwei Unterzuͤge, welche aber nicht die innere Tiefe in drei gleiche Theile theilen, ſondern zur Gewinnung des Raums mehr nach der Mitte, und daſelbſt nur 6 Fuß von einander entfernt ſind, ſo daß die Balken von den Unterzuͤgen bis zu den Fronten auf 12 ½ Fuß Laͤnge frei liegen. In der ganzen Laͤnge befinden ſich außer den Giebeln und den beiden Flurmauern, welche fuͤr ſich die Stelle der Unterzugsſtaͤnder vertreten, noch ro Paar doppelte Un⸗ terzugsſtaͤnder durch die erſte und zweite Etage hinauf.(Die Unterzugsſtaͤnder im Dachboden, welche die Kehlbalken tragen, ſind aber nur einfach.) Die Entfernung der Unterzugsſtaͤnder nach der Laͤnge des Gebaͤudes betraͤgt alſo nicht mehr als 13 Fuß, welche Entfernung bei der vorher geſchilderten großen Laſt des Salzes auch nicht groͤ⸗ ßer ſeyn darf. Jedes Paar Unterzugsſtoͤnder ſteht auf einem gemeinſchaftlichen Fundamente (ſiehe Fig. A), welches oben 10 Fuß Laͤnge, 3 ½ Fuß Breite, unten im Grunde aber noch mehrere Laͤnge und Breite hat. Dieſer Zuſammenhang der Fundamentpfei⸗ ler bewirkt eine weſentliche Vermehrung der Feſtigkeit. Auf den Fundamentpfeilern liegen feſte Sandſtein-Quadern, worauf die Unterzugsſtoͤnder ſtehen. Die Balken liegen in beiden Balkenlagen nur 1 Fuß 7 ½ Zoll weit von Mittel zu Mittel aus einander, und ſind dabei von ganzem Holze hochkantig gezimmert. Zwi⸗ ſchen dieſen geringen Balkenweiten bleibt bei den Bindern nur gerade ſo viel Raum, daß die Unterzugsſtaͤnder hindurch reichen konnen. Sehr ſtarke Unterzuͤge liegen, auf die ſchon fruͤher beſchriebene Art, durch die Mitte der doppelten Staͤnder unter den Balken hinweg, und ſind noch mit ſtarken Baͤndern von den Staͤndern aus unterſtuͤtzt. Nicht auf jedem Balken, ſondern nur auf einem um den andern, ſteht ein Dach⸗ gebind, wodurch alſo die Gebinde 3 Fuß 3 Zoll von einander entfernt ſtehen. Das Dach iſt mit liegendem Stuhl, jedoch mit zweierlei Arten von Bindern außer den Leer⸗ gebinden verſehen. In Fig. 125 A iſt das vollſtaͤndige Profil, und in Fig. 125 D die Zulage vom Dache vorgeſtellt. Im Profil A iſt eine Art Binder enthalten, wel⸗ che in Fig. E einzeln angegeben iſt, und ſich nur jedesmahl auf den Balken, welche in der Zulage Fig. D mit a bezeichnet ſind, alſo 13 Fuß von einander entfernt befinden. Fig. B iſt die zweite Art Dach⸗Binder, welche ſich jedesmahl uͤber den, in der Zulage Fig. D mit b bezeichneten Oalken, alſo ebenfalls 13 Fuß von einander entfernt befin⸗ den. In Fig. OC iſt ein Leergebind vorgeſtellt, wie ſolche ſich allemahl zwiſchen zwei der vorgedachten Binder, auf den in der Zulage D mit o bezeichneten Balken, folglich in Entfernungen von 6 ⅞ Fuß befinden. Jedes dieſer Gebinde hat zwar einen Haupt⸗ Ff 226 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, kehlbalken, welche daher unter ſich nur 3½ Fuß von einander entfernt liegen; allein nur in den Bindern Fig. B iſt jedesmahl ein oberer Kehl⸗ oder Hainbalken verbunden, welche daher unter ſich 13 Fuß von einander entfernt liegen, dabei aber durch die, mit d bezeichneten Raͤhme den obern Sparren die noͤthige Unterſtuͤtzung geben. Die Unterzugsſtaͤnder im Dache befinden ſich allemahl in den Gebinden E, und ſind alſo wie vorgedacht 13 Fuß von einander entfernt. Dieſer zuſammen geſetzte Verband iſt eigentlich deshalb gewaͤhlt, um die Dach⸗ fenſter⸗Sparren zugleich als Dachſparren zu gebrauchen, und ſo die ſonſt gewoͤhnlichen langen Dachſparren zu erſparen. Ferner iſt es durch dieſen Verband leicht moͤglich, was ſonſt zuweilen Schwierigkeiten hat, die Dachfenſter genau uͤber den untern Fen⸗ ſtern und von beliebiger Breite zu machen, weil die Dachfenſter-Stiele auf die Schwellen e nach Willkkuͤhr geſtellt werden koͤnnen. Die Dachfenſter-Sparren und die Riegel derſelben muͤſſen ſich zwar nach den Dachgebinden richten, weil ſie gegen ſolche anlaufen; da aber die Dachfenſter ſich in einer geraden Dachwand befinden, ſo koͤnnen deſſen ungeachtet die Stiele an beiden Seiten eines Dachfenſters willkuͤhrlich geſtellt werden. Die untern Knaggen gh laufen dann entweder gegen die Dachfenſter⸗ Stiele, oder zwiſchen ſelbigen gegen die Sparren. Durch die Anlage ſolcher Dachfenſter wird auch noch der Vortheil erzielt, daß, bei einer hinlaͤnalichen Anzahl derſelben, dennoch keine ausgemauerte Seitenwangen, wie bei den ſonſt gewoͤhnlichen Dachfenſtern, die einzelnen Sparren belaſten. Um dem Dache bei dieſen Abſaͤtzen den erforderlichen Abfall zu geben, iſt ſelbiges, wie vorge— dacht, uͤber die halbe Tiefe hoch gemacht worden. Alles uͤbrige zur deutlichen Beurtheilung dieſes Verbandes wird hinlaͤnglich aus den Zeichnungen zu erſehen ſeyn, und was die Conſtruction des uͤbrigen Ausbaues be⸗ trifft, ſo beziehe ich mich auf das, was vorher bei den Korn⸗Magazinen daruͤber ge⸗ ſagt worden. Nur iſt noch anzumerken„ daß, weil ein eindringender Regen dem Salze ganz außerordentlich nachtheilig iſt, hier, anſtatt der vorgedachten Drathgitter, ordentliche Glasfenſter angelegt werden muͤſſen. Die Lukenthuͤren dienen dann nur zur Sicherheit, daher ſolche auch in den obern Etagen weggelaſſen, und in der untern Etage anſtatt derſelben auch Traillen eingeſetzt werden koͤnnen. Conſtruction§. 117. eines Digt. Diejenigen Magazin-Gebaͤude, in welchen loſes Salz aufgeſchuͤttet wird, erfor⸗ Tor lußs dern eine ganz vorzuͤglich ſolide Conſtruction. Denn da in denſelben das Salz zuwei⸗ Salz aefge len bis ſechs und mehrere Fuß hoch aufgeſchuͤttet wird, ſo werden nicht nur die Fuß⸗ ſchuͤttet wird, ud, n; allen thunden, uch di⸗ n. Die ſad alſ Dach⸗ hnüchen moͤglih, —n Fen⸗ uf die nund gegen en, ſo üͤhrlich fenſter⸗ , daß, angen, m dem borge⸗ jaus be⸗ t ge⸗ dem gitter, in nur untern rfor⸗ wei⸗ diß welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Magazine ꝛc. 227 boͤden dadurch auf eine ungeheure Art belaſtet, ſondern auch die Seitenwaͤnde derge⸗ ſtalt gedruͤckt, daß wenn letztere aus Fachwerk und ohne andere Vorſichts⸗Maaßregeln conſtruirt ſind, ſie nicht den erforderlichen Widerſtand leiſten, ſondern herausge⸗ draͤngt werden. Ein, auf ſolche Art beſchuͤttetes Magazin kann allerdings mehr Salz in ſich faſ⸗ ſen, als wenn das Salz in Faͤſſern aufbewahrt wird. Es werden daher dergleichen Salz⸗Magazine auch gewoͤhnlich nur eine Etage hoch erbaut. Zu mehr als zwei Etagen Hoͤhe wuͤrde ich niemahls rathen, weil ſonſt die der Laſt angemeſſene Anzahl Unterzugsſtaͤnder den Raum noch mehr als bei den vorgedachten Salz⸗Magazinen be⸗ hindern wuͤrde. Anm. Allenfalls kann die untere Etage mit loſem Salze beſchuͤttet, und auf den obern Boͤden das Salz in Faͤſſern aufbewahrt werden. In Fig. 125 B iſt ein, zu dem gedachten Behuf conſtruirter Verband in einem Gebaͤude von Fachwerk vorgeſtellt. Es ſind in demſelben die mit a bezeichneten Stie— le mit Raͤhmen darauf, in Entfernungen von etwa 6 Fuß angebracht; nicht nur, um die Balken auf ihrer Laͤnge von den Unterzuͤgen bis zu den Fronten nochmahls zu un⸗ terſtuͤtzen, ſondern vorzuͤglich, um, vermittelſt eines, etwa 6 Fuß hohen, geſpundeten Bretterverſchlages gegen dieſe Stiele, den Seiteneindruck des loſen Salzes von den hoͤl⸗ zernen Frontwaͤnden abzuhalten. Dergleichen Zwiſchenwaͤnde koͤnnen bei maſſiven Frontmauern allenfalls, wenn naͤhmlich ſelbige ſtark genug ſind, entbehrt werden die maſſiven Mauern muͤſſen aber dann mit Brettern bekleidet werden, weil das loſe Salz den Ka kabputz an den Mauern zerſtoͤrt. Wo die Fenſter hintreffen, kann der Bretterverſchlag unterbrochen, oder bis an die Frontwand zuruͤck ſpringend, angelegt, und ſo als eine Art von Niſche verſchlagen werden, um nach den Fenſtern gelangen zu koͤnnen. Aus dieſem Grunde iſt es auch zweckmaͤßig, die Fenſter in nicht geringern Entfernungen, als 12 bis 15 Fuß von einander, dagegen aber, um zugleich den erfor⸗ derlichen Luftzug zu erhalten, deſto hoͤhere Fenſter anzuordnen. Um allenfalls fuͤr den unterſten Boden nicht eben ſo viele Balken, als zu den obern Boͤden zu beduͤrfen, ſondern einen um den andern zu erſparen, koͤnnen noch Un⸗ terzuͤge b Fig. 125 B auf gute Fundamente gelegt, und der Fußboden, ſtatt daß die obern Boͤden nur mit 13 oͤlligen Brettern gedielt ſind, mit Z zoͤlligen Balken gedielt werden. Daß fuͤr loſes Salz die Fußvoͤden ſaͤmmtlich gut geſpundet werden muͤſſen, verſteht ſich von ſelbſt. Zuweilen ſoll in einem Magazin, welches nicht fuͤr loſes Salz angelegt iſt, den⸗ noch ein beſonderer Raum dazu eingerichtet werden. In dieſem Falle wird ein ſolcher Ff 2 228 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, Raum von Bohlen auf hohl liegenden Unterlagern gebildet, und die, etwa 6 Fuß hohen Seitenwaͤnde werden ganz iſolirt von den Fronten(beſonders wenn ſolche von Fachwerk ſind) angelegt. 4 Da jede, auch nur die geringſte Feuchtigkeit des Bodens dem loſen Salze hoͤchſt nachtheilig iſt, ſo muß ein ſolches Gebaͤude eine hohe und trockene Lage erhalten, mit ſeinem Fundamente vorzuͤglich hoch aus der Erde aufgefuͤhrt, und wo moͤglich unter dem unterſten Boden ein hohler Raum mit Luftloͤchern in der Plinte, die mit Drath⸗ gittern zu verſchließen ſind, gelaſſen werden. Letzteres iſt um ſo leichter auszufuͤhren, da das loſe Salz, ſchon der Reinlichkeit wegen, auch in dem unterſten Raume auf Dielenboͤden geſchuͤttet wird, und mithin Balken daſelbſt gelegt werden. Anm. Im Jourual fuͤr Fabriken und Manufacturen, Mai 1796, wird die Be⸗ ſchreibung eines Salz⸗Magazins zu Nantes geliefert, und darin unter andern geſagt:„die „Mauern deſſelben waren 4 Fuß dick, und der Fußboden aus einer Art Thon beſtehend, wel⸗ „cher in Ruͤckſicht ſeiner Beſtandtheile viel zur Guͤte des Salzes beitragen ſoll, weil er die „waͤſſerigen Theile aus demſelben in ſich zieht, und es daher auch viel reiner und weißer macht. „Aus dieſem Grunde wird auch der Fußboden alle vier Jahre neu gelegt. Uebrigens waren „in den Außenwaͤnden gar keine Fenſter, ſondern in dem Dache, bis zu welchem das Salz auf— „geſchuͤttet wurde, waren kleine Oeffnungen angebracht. Zwei Jahre lang blieb das aufge⸗ „ſchuͤttete Salz in den Saͤlen liegen, und verlohr ungefaͤhr den achten Theil ſeines Gewichts „waͤhrend dieſer Zeit ꝛc.“ Wenn nun, wie vorgedacht, der ungeheuren Laſt wegen nicht mehr als der un— terſte und der erſte darauf folgende Boden mit loſem Salze beſchuͤttet werden; ſo koͤn⸗ nen die Stiele a Fig. B in der zweiten Etage gaͤnzlich wegfallen. Der dritte Boden kann alsdann mit Salz in Tonnen, und der vierte kann mit leeren Tonnen belegt werden. Es iſt nicht zu laͤugnen, daß bei ſo ſtark belaſteten Magazin⸗Gebaͤuden, wenn, nach der bisher beſchriebenen Conſtruction, die Fronten mit den belaſteten Balken in Verbindung ſtehen, bei irgend einigem Setzen oder Sinken der Unterzugsſtaͤnder oder der Fundamente, ſogleich die Fronten und das ganze Gebaͤnde in Gefahr kommen. Sollte es daher nicht beſſer ſeyn, das Gebaͤude ſelbſt von den belaſteten Boͤden gaͤnz— lich zu iſoliren? Wenn naͤhmlich in einem nach Fig. 109 oder 110 verbundenen Schuppen ein Geruͤſte zu einem Boden ohne Zuſammenhang mit dem Schuppen errichtet wuͤrde; ſo koͤnnte dieſer und der unterſte Boden ganz ohne Nachtheil des Gebaͤudes belaſtet wer— den; ja es koͤnnte derſelbe ſogar von der Laſt ſich irgendwo ſenken oder ſetzen, ohne dem eigentlichen Gebaͤude zu ſchaden, da das Gebaͤude und das Geruͤſte ganz von einander iſolirt ſind. * äud 2 4 welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Magazine ꝛc. 229 b di Anm. Da man, um das Salz zu verſchiffen, ſolches in Faͤſſer packen muß, ſo iſt auch bei großen olce von Salz⸗Magazinen auf einen Raum fuͤr eine Boͤttcherei vebſ Gelaß fuͤr Stabholz und Bandſtoͤcke 3 Ruͤckſicht zu nehmen. be ochſ§. 113. tn, ͦmit Um Waaren, welche vom Froſte leiden wuͤrden, in dergleichen Magazin⸗Ge⸗ Conſtruetion ich unn baͤuden ſicher aufzubewahren, werden nach gewoͤhnlicher Art uͤberwoͤlbte Souterrains eines Mage, t daat⸗ angelegt. Da indeß die Localitaͤt nicht immer erlaubt, die Souterrains gehoͤrig tief in dun⸗ Gucen uführen, die Erde zu legen, anderntheils auch der Transport der Waaren hinunter und hinauf gegen das Ge⸗ ume auf zuweilen viele Umſtaͤnde erfordert; ſo hat man bereits den Verſuch gemacht, gewoͤhn⸗ ſhhra dehen liche Remiſen uͤber der Erde, nach Fig. 126, mit doppelten Außenwaͤnden, welche ſollen. hie Be⸗ letztere durch einen ſchmalen Luftraum von einander getrennt ſind, zu dieſem Behuf zu u erbauen. Man geht naͤhmlich hierbei von dem phyſikaliſchen Grundſatze aus, daß die ila de Luft der ſchlechteſte Waͤrmeleiter ſey, und fuͤhrt die doppelten Fenſter zum Beweiſe er nacht fuͤr dieſen Satz an, welche naͤhmlich nicht wegen des zweifachen Glaſes, ſondern we⸗ dna gen der, zwiſchen beiden Fenſtern befindlichen Luftſchicht ſo warm halten. Soll aber 4 une dieſe Luftſchicht die verlangte Wirkung leiſten, ſo muß ſie auch nicht in beſtaͤndiger Be— gevic(hz ruͤhrung mit der Atmoſphaͤre ſtehen, ſondern gewiſſermaßen eingeſperrt ſeyn. Werden nun die Fenſter und Thuͤren zweifach gemacht, und zugleich der Luft⸗ der un⸗ raum zwiſchen letztern von dem Luftraum zwiſchen den Mauern abgeſondert, um ſo kon⸗ uͤberall eine moͤglichſt ruhig ſtehende Luft, nicht aber eine Zugluft innerhalb dieſer Boden Raͤume zu erhalten; ſo ſoll ein ſolches Gebaͤude den Froſt und die Hitze gleich einem bellgt guten Keller von dem innern Raume abhalten. Anm. Der Kaufmann, Herr Muhl in Danzige hat ein Gebaͤnde in dieſer Art erbauen laſſen, venn, wovon ich in Fig. 126 einen Entwurf beifuͤge, und iſt mit dem Erfolge ſehr zufrieden. ken in Im Grnndriſſe A und im Proofil B ſind die erwaͤhnten Luftraͤume innerhalb der toder Mauern angegeben. Um jedem der beiden iſolirten Theile einer ſolchen Mauer die zu ihrem lothrechten Stande noͤthige Steifigkeit zu geben, und dennoch moͤglichſt an deren nmen. uin. Staͤrke zu erſparen, iſt der Luftraum in einem Zickzack in der Mauer angelegt, wo⸗ durch jede Haͤlfte der Mauer pfeilerweiſe verſtaͤrkt wird. Eine ſolche, doppelte Fronte a i iſt z. B. uͤberhaupt 2 ½ Fuß ſtark, und der Luftraum darin iſt 6 Zoll breit; die zur Au⸗ e, ßenflaͤche gehoͤrige Mauer iſt an ihrer ſchwaͤchſten Stelle 1 Fuß, und die zur innern ver⸗ Flaͤche gehoͤrige Mauer iſt an ihren ſchwaͤchſten Stellen 6 Zoll ſtark; jede derſelben dem hat dann aber noch, 6 Zoll in einander wechſelſeitig vorſpringende Pfeiler. Wo die nder Mauerſteine nicht dieſe Staͤrke geben, da muͤſſen ſolche nach den vorhandenen Stein⸗ laͤngen und Breiten abgeaͤndert werden. 230 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, Der Luftraum geht auch vom Fundamente bis nahe unter der Mauerlatte unun⸗ terbrochen in die Hoͤhe, weshalb außer den gedachten Pfeilern wegen des feſten Stan⸗ des der Mauer, auch noch eiſerne Anker, welche an beiden Enden Splinte haben, ſo vielfaͤltig angebracht ſind, wie aus den Zeichnungen durch die darin gezogenen Quer⸗ linien aa ꝛc. ſich ergiebt. §. rro. Von der Ein jedes Magazin muß eine trockene und luftige, folglich eine moͤglichſt freie a cfgeidgen Lage haben, auch, wenn es ſeyn kann, mit ſeinen Fronten gegen Morgen und Abend Magazins. liegen, und ſo wohl durch, als um daſſelbe herum bequeme und freie Fahrten erlauben. Sollte die Lage in Betreff der Weltgegenden bei einem Getreide⸗Magazin nicht anders, als gegen Mittag und Mitternacht gewaͤhlt werden koͤnnen, ſo ſind die Lu⸗ kenthuͤren von beſonderer Nothwendigkeit, indem alsdann die heißen Sonnenſtrahlen, welche die Kornwuͤrmer erzeugen, vermittelſt Zumachung der Luken an der Mittags⸗ ſeite abgehalten, und waͤhrend der Zeit die Luken an der Mitternachtsſeite geoͤffnet werden muͤſſen, um die kuͤhle Luft dem Getreide mitzutheilen. Da ferner aus Suͤden am ſeltenſten Regen kommt, ſo kann dann auch bei dem mehrſten Regenwetter durch Offenlaſſung der Luken an der Suͤdfronte Luft gegeben werden. Jedoch iſt die erſt gedachte Lage gegen Morgen und Abend vorzuziehen, weil an ſehr heißen Sommer⸗ tagen, wo wegen der Hitze an der Mittagsſeite die Lukenthuͤren verſchloſſen gehalten werden, der Luftzug von der andern Seite auch nur geringe ſeyn kann. Kormnagazine auf Aemtern und Vorwerken muͤſſen nicht zu weit vom herr⸗ ſchaftlichen Wohnhauſe angelegt, jedoch auch nicht mit andern am wenigſten mit den, mit Feuerungen verſehenen Gebaͤuden in Verbindung geſetzt werden. Gut iſt es, wenn ſie vom Hausherrn aus ſeinen Zimmern uͤberſehen werden koͤnnen. Große oder oͤffentliche Magazine und Salzſpeicher ſollten nie anders als an ſchiff⸗ baren Stroͤmen erbauet werden, um die Koſten der An- und Abfuhr zu erſparen. In ſolchem Falle muͤſſen ſie dann ſo nahe als moͤglich an den Strom geſetzt, und letz⸗ terer mit einer Schaͤlung verſehen werden, damit die Schiffe nahe am Magazin an— legen, und vermittelſt einer, aus dem Dache hervor ragenden Winde die Guͤter ſo⸗ gleich ein- und ausgeladen, auch von und nach den verſchiedenen Boͤden unmittelbar geſchafft werden koͤnnen. Oft erlaubt es aber der Strom nicht, daß die Schiffe jederzeit ſo nahe an das Ufer legen koͤnnen. Es muͤſſen alsdann vom Ufer bis in den fahrbaren Strom ſo ge— nannte Ladebruͤcken angelegt werden, welche aus eingerammten Pfaͤhlen, mit Jochen, Balken und einer Bohlenbedeckung daruͤber„beſtehen. ſaud, welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Magazine ꝛc. 231 h unan.§. 120. e Wenn entweder in vorgedachtem Falle, oder bei Magazin⸗Gebaͤuden von nur Von den den, ſ einer Etage hoch, nicht mehr unmittelbar mit den Winden im Dache die Guͤter aus⸗Huͤlfsan⸗ en Auer⸗... ſtalten bei uet⸗ und eingeladen werden koͤnnen, dann kann am Ende der Ladebruͤcke folgende, bei den Magazinen. hieſigen Salz⸗Magazinen mit Nutzen angewendete, Maſchine angelegt werden. Anm. Die Angabe derſelben iſt von dem vormahligen Bau⸗Conducteur, Herrn Ravaſ ce, und cſt fteie die Conſtruction von dem hieſigen Zimmermeiſter, Herrn Richter. d Abend Ein, aus vierzoͤlligen Bohlen und mit eiſernen Bolzen gut zuſammen geſetztes, Lguben. hohles, inwendig mit einigen Spreitzhoͤlzern verſehenes, 22 Zoll im Quadrat großes, in nicht Parallelepipedum ab Fig. 127, bildet den Staͤnder, welcher bei a auf einer ſtarken, die Ll⸗ gegoſſenen, unten mit einem Zapfen verſehenen Platte ſteht. Der Zapfen laͤuft in ei⸗ atlen ner gegoſſenen eiſernen, in die Unterlage eingelaſſenen Pfanne. Oben liegt ein dop⸗ ttage pelter Ausleger cd Fig. B, welchen in der Mitte eine ſtarke, mit einem Zapfen ver⸗ zöffnet ſehene Schiene Fig. A umfaßt, deren Zapfen in einer gegoſſenen eiſernen, den Balken Säden e mit einer Schiene umfaſſenden Pfanne laͤuft. Der Ausleger iſt mit Baͤndern un⸗ r durc terſtuͤtzt, welche bei f einſtehen und verbolzt ſind, wo das Parallelepipedum nochmahls die ef. mit einem Boden abgeſchloſſen iſt.— Anm. Beide Zeichnungen Fig. 127 A und B ſind ſo vorgeſtellt, als wenn man mit Weglaſſung innet⸗ einer Vorderwand in das Parallelepipedum hinein ſehen koͤnnte. caten An beiden Seiten von f bis a Fig. B iſt das Gehaͤuſe offen, damit ſo wohl das große Rad durchgreifen, als auch die Taue zur Trommel frei hindurch laufen koͤnnen. ben⸗ An einer Welle, welche durch das ganze Gehaͤuſe geht, und an beiden Enden Kur⸗ käen beln hat, ſteckt das kleine Getrieben von g Zaͤhnen, und dieſes greift in das große d, Stirnrad o von 2 Fuß 10 Zoll Durchmeſſer und 54 Zaͤhnen, an deſſen Welle eine Trommel von 10 Zoll Durchmeſſer iſt, auf welche ſich das Tau aufwickelt. Die Raͤ⸗ ſhif⸗ der ſind von gegoſſenem Eiſen, und fuͤr die Welllager iſt außerhalb am Gehaͤuſe, an daten. jeder der beiden Seiten, eine lange, ſtarke und breite Schiene angebracht, in wel⸗ d lei⸗ cher beide Wellen, ſo wohl die vom großen Rade, als die vom Getriebe mit den Kur⸗ in an beln, laufen. te ſ In dem Ausleger Fig. B befinden ſich an jeder der beiden Seuen, bei c und d talbar meſſingene Rollen, uͤber welche das Tau hinweg geht. Das Tau iſt z. B. mit dem einen Ende bei g auf der einen Seite der Maſchine befeſtigt, laͤuft dann hinauf nach das dem Auslager bei d uͤber einen Bolzen, dann hinunter nach dem Flaſchenzuge i, von ge⸗ da hinauf uͤber die Rolle bei d und hinunter zur Trommel. Nachdem es 4 bis 5 Mahl hen, ſich um die Trommel gewickelt hat, laͤuft es wieder hinauf zur Rolle bei c, von da 232 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, hinunter zum Flaſchenzuge k, dann hinauf uͤber den Bolzen bei c, und iſt bei h auf der andern Seite des Gehaͤuſes mit dem andern Ende befeſtigt. Es iſt alſo ein Tau in Einem Stuͤcke, deſſen beide Enden bei g und h gut befeſtigt ſind. Durch dieſe Anle— gung des Taues, und indem deſſen mittlerer Theil einige Mahl um die Trommel ge— wickelt iſt, wird, waͤhrend des Drehens an den Kurbeln, ein Kloben hinauf gewun— den, indem der andere Kloben ſich hinab windet. Es werden auf ſolche Art z. B. erſt zwei Tonnen an den einen Kloben gehangen, und durch das Drehen der Kurbeln nach der einen Richtung hinauf gewunden. Dann werden der ganze Krahn und mit ihm die Tonnen nach dem Lande gedreht, hierauf die an den andern Kloben zu haͤngenden beiden Tonnen, durch das Drehen der Kurbeln nach der entgegen geſetzten Rich⸗ tung, hinauf gewunden, und ſo wird fortgefahren, wobei alſo, waͤhrend die erſten zwei Tonnen auf dem Lande vom Kloben abgenommen werden, zugleich zwei andere Ton— nen im Schiffsgefaͤße angehangen werden, und der Krahn nur immer zur Haͤlfte um⸗ gedreht werden darf Zum lothrechten, feſten Stande dieſer Maſchine iſt der Balken e(ſiehe den Grundriß Fig. 127 C) noch mit zwei Streben mm, welche mit den Balken des Magazins und mit dem Balken e verbolzt ſind, befeſtigt, wobei der Balken e Fig. A auf einem der Balken l des Magazins(welcher zu dem Ende etwas laͤnger und vom Gebaͤude vorragend iſt) liegt, mit welchem er gleichfalls verbolzt iſt. So lange es noch moͤglich iſt, einen ſolchen Balken e, auf eine nicht zu große Laͤnge vom Magazingebaͤude aus, zur Feſthaltung des obern Theils der Maſchine an⸗ zubringen, ſo lange iſt dieſe Maſchine eine der ſimpelſten und zweckmaͤßigſten. Wenn aber eine Hebemaſchine oder ein eigentlicher Krahn in groͤßerer Entfernung vom Ma— gazin fuͤr ſich ſelbſt feſt ſtehen ſoll, dann koͤnnen die auf den hieſigen Packhoͤfen befind⸗ lichen Krahnwinden, wie ſolche von dem Herausgeber dieſer Schrift ſchon in den Sammlungen nuͤtzlicher Aufſaͤtze ꝛc., die Baukunſt betreffend, 1803, erſter Band, beſchrieben ſind, Anwendung finden. Der Vollſtaͤndigkeit wegen, und weil dieſe Krahnmaſchinen nachher durch die, damit gemachten Erfahrungen noch mehr vereinfacht worden, will ich die Beſchreibung derſelben hier einſchalten. Anm. Die bisherigen großen Krahnwinden, mit welchen Laſten von 60 und mehrern Centnern gehoben werden konnten, beſtanden aus einem Gebaͤude, welches ungefahr 20 Fuß im untern Durchmeſſer und an 30 Fuß Hoͤhe hatte, und auf einer Spindel ruhete. In demſelben wurden, vermittelſt eines großen, vertikal ſtehenden Tretrades die Laſten gehoben. Eine ſolche Maſchine koſtete zwiſchen 5⸗ und 6000 Thaler. Ihre Groͤße ſo wohl als auch ihre Koſtbarkeit veraulaßten, auf Mittel zu denken, wie auf folgende beſſere Art derſelbe Zweck erreicht werden koͤnnte. 3 Die zud, Nauf der dau in ſe Anee amel ge⸗ gewun⸗ .B. erſt eln nach mi ihm ngenden Rich⸗ in zwei Ton⸗ t um⸗ hhe den ken des Fig. 4 d vom große ine an⸗ Wenn Ma⸗ efind⸗ den fend, eibung entem untern urden, ſchine laßten, Die welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Magazine ꝛc. 233 Die in Fig. 123 vorgeſtellte Krahnmaſchine, wovon A den Aufriß von der Sei⸗ te, B denſelben von vorne, und C den Grundriß andeutet, iſt fuͤr Laſten bis zu hoͤch⸗ ſtens 10 Centner beſtimmt, und eine ſolche Maſchine iſt auf dem Packhofe in Pots⸗ dam erbaut. Der Hauptſtaͤnder Fig. A iſt von b bis f viereckig, von f bis oben hinauf aber rund gearbeitet, und ſteht feſt auf einer mit Ankern gut befeſtigten Unterlage b, wel⸗ che auf einem gemauerten Fundament, oder auf Pfaͤhlen ruht, und iſt von den Stre⸗ ben ee Fig. B unterſtuͤtzt. An den Seiten des Staͤnders befindet ſich von oben hinunter bis o eine Scheere gg Fig. A und B, welche nach dem OQuerſchnitt Fig. D durch Joche in i mit einan⸗ der, und mit dem ſo genannten Ausleger k Fig. A und deſſen Untarleger l verbunden iſt. Oben bei h ruht letzteres mit einer eiſernen Pfanne auf einer eiſernen, am Haupt⸗ ſtaͤnder eingelaſſenen Spindel. Vier Fuß in der Erde(oder bei Ladebruͤcken unter dem Bohlenbelag) befinden ſich Unterlagen mm, mit welchen der Ständer durch einen ſtarken Anker verbunden iſt. Dieſe Unterlagen machen den Fußboden eines, an beiden Seiten mit Schaͤlung verſehenen Kanals aus, in welchem das Windetau, welches vorne am Ausleger bei k befeſtigt iſt, von da herunter zur Laſt, dann hinauf, uͤber den Ausleger hinweg, von hinten herunter nach der Rolle o, dann zur Rolle d, und von da bis zur Erdwin⸗ den lauft. Ueber dem Ausleger hinweg wird das Tau mit einem leichten Bretter⸗ dache bedeckt. Wenn nun die Laſt bis zur Hoͤhe des Fußbodens gehoben iſt, dann wird vermit⸗ telſt eines Hebels g Fig. B, der durch eiſerne an die Scheere befeſtigte Ringe durchge⸗ ſteckt iſt, der Krahn gedreht, und die Laſt auf die Erde niedergelaſſen. Anm. Dieſe Maſchine iſt auch als Richtebaum bei der, vor einigen Jahren hier geſchehenen Auf⸗ ſetzung eines neuen Thurms auf der Marienkirche augewendet worden. Laſten bis zu 20 Centner ſchwer zu heben, wuͤrde dieſe Maſchine nicht im Stan⸗ de ſeyn, weshalb das von Robert Hall dem juͤngern in Basford bei Nottingham erfundene, im Journal fuͤr Fabrik und Manufaktur, Januarſtuͤck 1796 beſchriebene Hebezeug, von dem Maſchiniſten Herrn Fritze allhier, in einfacherer Art fuͤr die hieſigen Packhoͤfe in Vorſchlag gebracht, und von dem Zimmermeiſter, Herrn Richter, in einem zweckmaͤßig eingerichteten Gehaͤuſe, nach einem vom Herausgeber dieſer Schrift gemachten Entwurſe, folgendermaßen er⸗ bauet wurde. Fig. 129 A iſt der Grundriß, B der Durchſchnitt von der Seite, und O der Gg 234 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, Durchſchnitt von vorne. Der Haupt- und Mittelſtaͤnder iſt von a bis b Fig. B vier⸗ eckig, und von b bis oben hinauf rund. Auf den feſten Stand dieſes Mittelſtaͤnders iſt alle Sorgfalt zu richten. Es iſt derſelbe unten bei a mit einem ſtarken Zapfen aus gegoſſenem Eiſen auf einem ſtarken, ſandſteinernen Unterlager„in eine gegoſſene, ei— ſerne Pfanne, und bei b mit zwei ſtarken Erdankern, welche durch Querriegel vv Fig. B. mit einander verbunden ſind, feſtgeſtellt, und die Erdanker ſind landwaͤrts mit Pfaͤhlen und Streben 22 Fig. B befeſtigt. Um dieſen Stand des Hauptſtaͤnders in der Erde iſt ein Kaſten von Halbholz co Fig. A, und vW x yy in Fig. B ausge⸗ ſchalt, und vor demſelben laͤngs dem Waſſer erſtreckt ſich eine gewoͤhnliche Bollwerks⸗ ſchaͤlung Fig. B. Auf dem Mittelſtaͤnder ruht die ganze Laſt des Gebaͤudes„ und zwar oben auf ei— nem gegoſſenen, eiſernen Zapfen, welcher in einer, unter dem Ausleger befindlichen Pfanne laͤuft. An dem Ausleger iſt das aus dreizoͤlligen Bohlen beſtehende Gehaͤuſe vermittelſt einer ſtarken, uͤber den Ausleger hinweg gehenden, eiſernen Schiene i Fig. B, und mit Bolzen befeſtigt. Innerhalb wird dies Gehaͤuſe durch die hoͤlzernen Zar— gen gg Fig. B und O gebildet, welche Zargen ſo, wie der Grundriß A zeigt, geſtaltet ſind, und den Mittelſtiel umfaſſen. Der Ausleger beſteht aus zwei auf einander gebolzten ſtarken Hoͤlzern; naͤhmlich unter dem eigentlichen Ausleger h befindet ſich ein ſo genanntes Joch f, welches noch von den Conſolen kk unterſtuͤtzt iſt. Der Ausleger h iſt hinterwaͤrts mit zwei ſtarken eiſernen Schienen q an dem Gehaͤuſe geankert. Der Ausleger nebſt dem, uͤber ihn laufenden Tau iſt mit einem leichten Bretter⸗ dache bedeckt. Auf der hintern Seite des Gehaͤuſes d in Fig. A und B iſt eine Thuͤre, um nach der innern Maſchine zu kommen, und alles iſt außerhalb mit guter Oehlfarbe angeſtrichen. Um die Maſchine und deren Mittelſtaͤnder herum iſt auf der Erde ein Fußboden gelegt, uͤber welchen der Koͤrper der Maſchine ungefaͤhr 6 Zoll hoch hin⸗ wegſtreicht.. Auf dem, in dem viereckigen Koͤrper befindlichen Fußboden ſteht nun die, aus ge— goſſenem, eiſernem Raͤderwerk beſtehende Maſchine, und zwar geht durch den ganzen Koͤrper hindurch eine ſtarke eiſerne, geſchmiedete Welle ée Fig. C, an deren Enden die beiden Kurbeln, und innerhalb des Gehaͤuſes das kleine Getriebe n ſtecken. Die⸗ ſes kleine Getriebe greift in ein großes Stirnrad m Fig. B und O, an deſſen Welle ei⸗ ne aus eiſernen Staͤben(ſiehe Fig. C) beſtehende ſo genannte Trommel o Fig. B ſich befindet, auf welche das Tau ſich aufwickelt. Von dem Verhaͤltniſſe der Groͤße der Trommel, der beiden Raͤder, und der Kurbeln, eines gegen das andere, haͤngt es nach ud, B ier⸗ ſtäͤnders pfen aus tne„a⸗ legal vv arts mit ders in Wausge⸗ Uwerks⸗ auf ei⸗ lichen thavſe 1Fa. en Zar⸗ eſtaltet hmich s noch ſarken etter⸗ huͤre, farbe e ein hin⸗ us ge⸗ anzen Enden Da⸗ ei⸗ ſich der nach welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Magazine ꝛc. 2535 mathematiſchen Grundſaͤtzen ab, ob mit vieler Kraft in kurzer Zeit, oder mit weniger Kraft in laͤngerer Zeit die Laſten gehoben werden ſollen. Daß da, wo die eiſerne Welle ee durch das Gehaͤuſe geht, letzteres nicht allein aus hinlaͤnglich ſtarkem Holze beſtehen, ſondern auch außerdem noch mit eiſernen, an⸗ geſchraubten Wellenlager⸗Schienen p Fig. D verſehen werden muß, verſteht ſich von ſelbſt. Bei b und c in dem Ausleger Fig. 129 D befinden ſich meſſingene Rollen und an dem vordern Ende bei a ein ſtarker eiſerner Haken. An dieſem Haken iſt das Tau mit einem Ende befeſtigt, laͤuft von da herunter zum Kloben d, von da wieder hinauf uͤber die Rolle bei b, dann laͤngs uͤber den Ausleger und uͤber die Rolle bei c, und von c herunter in das Gehaͤuſe auf die Trommel, woran endlich nach mehrmahligen Umwindungen uͤber die Trommel das andere Ende des Taues befeſtigt iſt. Wenn nun eine Laſt genug in die Hoͤhe gehoben iſt, und die ganze Maſchine vermittelſt eines durch zwei Ringe r geſteckten Hebels s gedreht werden ſoll, um die Laſt auf das Land nie⸗ derzulegen; ſo wuͤrde es einestheils zu beſchwerlich ſeyn, die Kurbeln gegen das Zu⸗ ruͤcklaufen bloß mit den Haͤnden zu halten, anderntheils wuͤrde es zu gefaͤhrlich ſeyn, eine Laſt vom Lande nach dem Schiffe hinunter an den Kurbeln aus freier Hand herab zu laſſen. Dieſerhalb iſt an der gedachten, eiſernen Welle ee, außerhalb, dicht am Gehaͤuſe an beiden Seiten, ein Sperrrad t Fig. D mit einem Sperrhaken angebracht, ſo daß beim Hinaufwinden die Laſt nie zuruͤcklaufen kann, und wenn eine Laſt hinab gelaſſen werden ſocl, muß zwar der Sperrhaken ausgehoben werden, aber im Falle ei— nes zu ſchleunigen Ablaufens der Laſt kann er ſogleich wieder in das Sperrrad greifen, und ſo die Laſt in jedem Puncte der Hoͤhe feſthalten. Sollen Laſien bis zu 30 Centnern ſchwer hiermit gehoben werden, ſo muͤſſen, anſtatt der gezeichneten, einſcheibigen Kloben, dergleichen zweiſcheibige angebracht werden. Anm. Ss ſind bereits drei dergleichen Maſchinen allhier erbauet, und die letzte derſelben, deren Bearbeitung ſchon gelaͤuſiger wurde, hat nur 1300 Thaler gekoſtet. Wenn es der Raum erlaubt, ſo ſoll am Schluſſe dieſes Werks ein detaillirter Koſten⸗ Anſchlag von einem ſolchen Krahn erfolgen. §. 121. Auch iſt auf gehoͤrige Feuerloͤſchungs⸗Anſtalten bei Magazin⸗Gebaͤuden Ruͤckſicht zu nehmen. Von den Feuerſicherheits⸗Mitteln, die durch den Maſſivbau, oder durch feuerfeſten Anſtrich der Hoͤlzer allein bewirkt werden koͤnnen, iſt ſchon im vorhergehenden gehandelt worden. Wenn aber durch Unvorſichtigkeit im Innern, oder durch Blitzſtrahl ein ſolches Gebaͤude in Feuer geraͤth; ſo muͤſſen gehoͤrige Anſtal⸗ Gg 2 Von den Feuerloͤ⸗ ſchungs⸗An⸗ ſtalten bei Magazinen. 256 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, ten vorhanden ſeyn, um das Feuer ſchnell zu loͤſchen; denn mit dergleichen Magazi⸗ nen gehen nicht nur das Gebaͤude, ſondern oft bedeutende, und nicht leicht wieder zu erſetzende Vorraͤthe verlohren. Die hierher gehoͤrigen Anſtalten und Huͤlfsmittel koͤn⸗ nen ungefaͤhr in folgendem beſtehen. Erſtlich muß, nach Maaßgabe der Laͤnge des Gebaͤudes, eine gehoͤrige Anzahl Treppen vorhanden ſeyn, um ſo ſchnell als moͤglich uͤberall hinzukommen zu koͤnnen. Zweitens. Auf dem vorletzten, oberſten Boden(in Gebaͤuden von mehr als zwei oder drei Etagen) ſollte ein ſehr großer Waſſerkuͤfen auf Unterlagen ſtehen, und in ſolchen das, durch Rinnen vom Dache aufzufangende Regenwaſſer geleitet wer— den. Da aber bei anhaltendem, vielem Regnen der Kuͤfen uͤberlaufen wuͤrde, ſo muß nahe an ſeiner Oberkante eine hinlaͤnglich große Oeffnung mit einem hinlaͤnglich weiten nach außen fuͤhrenden Abfallrohr befindlich ſeyn, durch welches, wenn der Kuͤfen an— gefuͤllt iſt, das zu viele Waſſer ablaufen kann. Es iſt hierbei große Vorſicht anzu— wenden, daß durch das uͤberlaufende Waſſer nicht dem Gebaͤude ein großer Schaden zugefuͤgt werde. Nahe am Boden des Kuͤfens iſt ein Hahn mit einer Waſſerſchraube befindlich, an welche ein, auf dieſem Boden aufzubewahrender, langer Schlauch ge— ſchraubt werden kann, ſo daß man durch letzteren das Waſſer nach allen unteren Boͤ— den, vermittelſt der, nahe am Kuͤfen befindlichen Treppen, leiten kann. Am Ende dieſes Schlauchs muß ein Rohr befindlich ſeyn, um das Waſſer im Schlauche beliebig leiten und auch aufhalten zu koͤnnen. Wenn die Boͤden lang ſind, ſo muͤſſen ferner auf jedem derſelben ein leerer Kuͤfen fuͤr das herabzuleitende Waſſer, und einige klei— ne Druckſpritzen auf Rollraͤdern vorhanden ſeyn. Gegen eintretenden Froſt muß der Waſſerkuͤfen ausgeleert werden, weil er ſonſt durch denſelben zerſpringen wuͤrde. Dieſe Anſtalt iſt jedoch nur in ſehr hohen Gebaͤuden, wo durch Spritzen von un— ten hinauf bis ins Innere derſelben nicht mehr gereicht werden kann, anzuwenden, und da, wie gedacht, bei anhaltendem Froſte dieſe Anſtalt unanwendbar wird, oder da bei unvorſichtiger Behandlung dieſer Anſtalt dem Gebaͤude viel nachtheilige Naͤſſe zuge— fuͤhrt werden kann; ſo iſt es dieſer Ruͤckſicht wegen beſſer, die Gebaͤude, wenn es ir— gend moͤglich iſt, niedriger zu bauen, und folgende, beſſere Feuerloͤſchungs-Anſtalt anzubringen. Liegt das Gebaͤude nahe oder laͤngs dem Waſſer, ſo kann auf dieſem eine Prahm— ſpritze angelegt, und mit dieſer die Feuerloͤſchung des ganzen Gebaͤudes beſtritten wer⸗ den. Liegt es nicht nahe genug am Waſſer, oder hat es eine ſo bedeutende Hoͤhe oder Tiefe, daß 100 Fuß Schlauch an der Prahmſpritze nicht mehr uͤberall hinreichen koͤn⸗ nen; ſo muß noch eine große Landſpritze vorhanden ſeyn, und die Prahmſpritze wird ande Magxj⸗ vieder zu itel kon⸗ Arzahl nnen. mehr als n ſtehen, itet wer⸗ ſo muß weiten fen an⸗ t anzu⸗ Schaden ſchraube auch ge⸗ ren B⸗ m Ende beliebig ferner ige klei⸗ ruß der en un⸗ und da bei ſe zuge⸗ n s ir⸗ Anſta vuhm⸗ wer⸗ oder kn⸗ ewird welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Magazine ꝛc. 237 nur als Waſſerzubringer zur Landſpritze gebraucht. Im Winter muß um die Prahm⸗ ſpritze herum fleißig aufgeeiſet werden. Anm. Die naͤhere Beſchreibung einer ſolchen Prahmſpritze findet ſich unter andern auch in den Samm lungen nuͤtzlicher Aufſaͤtze ꝛc., die Baukunſt betreffend, Jahrgang 1798 im erſten Bande. Wenn aber ein Gebaͤude ſo entfernt vom Waſſer liegt, daß eine Prahmſpritze nicht mehr als Zubringer benutzt werden kann, und wenn das Terrain, worauf das Gebaͤude ſteht, ſich nicht viel mehr als 12 bis 14 Fuß uͤber dem Grundwaſſer befin⸗ det, kann noch auf folgende Art fuͤr die zur Feuerloͤſchung erforderliche Waſſermenge geſorgt werden. Man lege naͤhmlich nahe am Gebaͤude einen, 10 bis 12 Fuß im Durchmeſſer weiten, und 12 bis 14 Fuß Waſſertiefe enthaltenden, gemauerten Brun⸗ nen an, fuͤhre die Aufmauerung bis zur Oberflaͤche der Erde hinauf, und belege die Oeffnung mit einem Fußboden von ſtarken Bohlen, welcher letztere gegen den Winter auch noch mit Miſt belegt wird, um den Froſt abzuhalten. Auf dieſen Fußboden von ſtarken Bohlen ſtelle man eine folgend zu beſchreibende Spritze mit zwei Druckſtiefeln, zu deren Conſervation noch ein Gehaͤuſe oder Ue— berbau angelegt werden kann. Die Spritze iſt von einer gewoͤhnlichen Landſpritze nur darin verſchieden, daß un—⸗ ter den Stiefeln und dem Windkeſſel ein Luft- und Waſſerdichter Waſſerkaſten ſich befindet, an welchen an jeder Seite in der Mitte unter dem Windkeſſel ein aus Ku— pfer mit ledernen Gelenken verfertigtes Saugrohr, an welchem unten ein Sieb beſind⸗ lich iſt, angebracht, und von der Spritze hinab in den Brunnen geſenkt wird, durch welches die Spritze ſich ſelbſt das Waſſer herauf ſaugt, wuͤhrend es aus dem Windkeſſel vermittelſt der Druckſtiefel und durch den gewoͤhnlichen Schlauch weiter gefuͤhrt wird. Endlich muß noch die erforderliche Anzahl Leitern, um von außen an dem Ge⸗ baͤude hinauf kommen zu koͤnnen, ſo wie vorzuͤglich, wenn das Gebaͤude hoch iſt, ei— ne, nach hieſiger Art conſtruirte, von dem Zimmermeiſter, Herrn Richter, erfun⸗ dene, auf einem Wagen ſtehende, und frei in die Hoͤhe aufzurichtende Feuerleiter vorhanden ſeyn. Anm. Ich werde in der Folge auf dieſen Gegenſtand zuruͤckkommen, und dann die noͤthige Be⸗ ſchreibung dieſer Feuerleiter nachholen. 258 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, C. Von den Schafſtaͤllen. —————— §. 122. Unter den Staͤllen ſind die Schafſtaͤlle diejenigen, welche im Innern nicht nur keine Abtheilungen erfordern, ſondern von den Oekonomen innerhalb ganz frei von Verbandſtuͤcken verlangt werden, weshalb ſelbige auch unter dieſen Abſchnitt gehoͤren. Die vielen Beiſpiele indeß, daß Schafſtaͤlle, welche dieſem Verlangen gemaͤß inner⸗ halb mit zu wenigem Verbande gebauet waren, von Sturmwinden umgeworfen wur⸗ den, ſind Beweiſe genug, daß auch hierin, ſo wie uͤberall, die Feſtigkeit nicht der Bequemlichkeit eines Gebaͤudes nachgeſetzt werden darf. Ob in vielen Gegenden die Schafſtaͤlle zu den nothwendigen Gebaͤuden einer Landwirthſchaft gehoͤren, oder nicht, daruͤber ſind ſchon oft, eben ſo wie vorhin von den Scheunen geſagt iſt, Fragen aufgeworfen worden ,deren Entſcheidung ich erfahr— nen Oekonomen uͤberlaſſe. Anm. Es hat ſeine Richtigkeit, daß die Schafe vor allen andern Haus⸗ und Nutzthieren, we⸗ gen ihrer warmen Bedeckung, beſonders wenn ſie ſchon einigermaßen heran gewachſen ſind, ſich mehr im Stande befinden, der Haͤrte der Witterung zu trotzen. Zum Beweiſe deſſen fuͤhrt Herr Riem im dritten Stuͤck ſeiner Oekonomiſchen veterinatriſchen Hef⸗ te, Leipzig 1800 bei Voß, einen in Montbard im Burgundiſchen gemachten Verſuch an, wo 12 Schafe im Jahre 1767 vom aten November an, den ganzen Winter hin⸗ durch, bei Regen, Schnee und einem Froſte bis zu 13½ Grad Reaumur, nicht nur ohne das mindeſte Obdach ausgehalten haben, ſondern auch munterer und geſunder, als diejenigen Scha⸗ fe geblieben ſind, welche in Staͤllen eingeſperrt waren. Ferner ſagt Herr Riem daſelbſt: „Im Jahre 1770 wurden ein Stoͤhr⸗ und zwei Mutterſchafe in den Thiergarten in Mo⸗ „Litzburg ausgeſetzt Man ließ ſee gleich dem darin befindlichen Wildprette ohne Obdach „des Winters und Sommers herum laufen, wobei ſie die Fuͤtterung nur gleich dem Wild⸗ „prette erhielten. Dieſe Thiere vermehrten ſich in einer Zeit von 12 Jahren bis auf 26 Stuͤck, „ſie lammeten im Freien ohne menſchliche Huͤlfe gut und gluͤcklich, und wurden nicht geſcho⸗ „ren, wodurch die Wolle eine ſolche Laͤnge erhielt, daß die Spitzen der Fuͤße und das „Maul kaum zu ſehen waren. Krankheiten bemerkte man an ihnen gar nicht, ſie wurden „groß und ſtark, und der Geſchmack ihres Fleiſches war wie vom Wildprett.“ Alles dieſes ſcheint zu beweiſen, daß in Gegenden, welche nicht ſchon zu weit im Norden liegen, die hier gewoͤhnlichen großen Schafſtaͤlle, wenn nicht ganz zu entbehren, doch fuͤr die großen Schafe nur ein bloßes Dach mit offenen Ringwaͤnden, und fuͤr die kleinen Laͤmmer kleine, ganz umſchloſſene Staͤlle hinlaͤnglich ſeyn wuͤrden. In England, in einigen Gegenden Frankreichs und auch in der Pfalz, wo zum Theil die Temperatur des Klimaes nicht gemaͤßigter, als hier iſt, werden daher die Schafe entweder gar nicht, oder doch nur in ganz oder halb offene Schafſtaͤlle getrieben. aude, icht nur ftei don gehoͤren. inner⸗ wur⸗ ht der n einer hin von erfahr⸗ ren, we⸗ ſen ſind, ſe deſeen en Hef⸗ :machten ter hin⸗ ne das Scha⸗ ſelbſt: Mo⸗ Dodach Wild⸗ JStuͤck, geſcho⸗ ind das wurden Nyxhen dj fir amer il die et gat welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Schafſtaͤlle ꝛwc. 259 Dem ſei indeſſen, wie ihm wolle, dem angehenden Baumeiſter iſt hieruͤber nur zu wiſſen noͤthig, auf welche verſchiedene Arten das Schafvieh eingeſtallet wird. Es⸗ kann ſolches naͤhmlich auf viererlei Arten geſchehen: r. Auf dem Gehoͤfte wird in einer Ecke, welche die uͤbrigen Gebaͤude bilden, ein Umfang von einer, fuͤr die Herde erforderlichen Groͤße mit Horten umſetzt, wo dann, ſo wie auf dem Felde, die Schafe ganz unter freiem Himmel liegen, welches ein Hortenſtall genannt wird. 2. So genannte ganz offene Schafſtaͤlle ſind Gebaͤude, welche nur aus einem Dache und ganz offenen Seitenwaͤnden beſtehen, und von außen herum mit Horten umſetzt werden. 3. Halb offene Schafſtaͤlle werden gewoͤhnlich ſo erbaut, daß ſie einen eigenen Schafhof einſchließen, wo dann die Fronten und Giebel, welche die aͤußere Einſchließung ausmachen, ausgemauert oder ſonſt auf andere Art dicht verſchloſſen, die Seiten der Staͤlle nach dem Hofe hin aber ganz offen ſind. Zu dieſen drei Arten ſind aber noch beſondere, kleine, ganz umſchloſſene Schaf⸗ ſtaͤlle fuͤr kranke Schafe und junge Laͤmmer erforderlich. 4. Die vierte Art Schafſtaͤlle ſind nun die ganz umſchloſſenen, wie ſol— che hier und in den mehrſten Gegenden und Laͤndern gebraͤuchlich ſind. Bei dieſer Art von Schafſtaͤllen hat der Baumeiſter das mehrſte zu beobachten, daher ſolche hier zuerſt beſchrieben werden ſollen, worauf dann uͤber die drei andern Arten ebenfalls einiges bemerkt werden wird. Anm. Ehe ich fortfahre, muß ich noch einiges in Betreff der Benennung und Eintheilung des Schafviehes und der Schaͤfereien anfuͤhren. So lange die Laͤmmer unten 8 Milchzaͤhne haben, heißen die maͤnnlichen Bock⸗ oder Stoͤhr⸗Laͤmmer, und die weiblichen Zibben oder Kalber⸗Laͤmmer. Wenn die Läͤmmer beiderlei Geſchlechts ein Jahr alt ſind, ſo fallen ihnen die zwei mittelſten Milchzaͤhne aus, und ſie bekommen an deren Stelle zwei laͤngere Zaͤhne oder ſo genannte Schaufeln, und hei⸗ ßen dann Jaͤhrlinge. Wiederum nach einem Jahre verlieren ſie zwei andere Milchzaͤhne, an deren Stelle ihnen andere, laͤngere wachſen, und ſie heißen alsdann Zeitſchafe. Das Wechſeln der Zaͤhne geht ſo bis zum vierten Jahre fort, worin ſie die letzten Laͤm⸗ merzaͤhne verlieren, und worauf ſie nicht mehr im Alter zu erkennen ſind, und abgeſchobe⸗ nes oder abgezahntes Vieh heißen. Unter dem Ausdrucke Merzvieh verſteht man ſo wohl diejenigen Zeitſchafe beiderlei Ge⸗ ſchlechts, welche nicht zur Zucht gebraucht werden koͤnnen oder ſollen, als auch diejenigen Mutterſchafe, welche zur Fortpflanzung nicht mehr tauglich ſind. Beide Arten werden alſo ausgemerzt, und zum Fettmachen oder Maͤſten beſonders geſtallet, oder auch zum Ver⸗ kauf gebracht. So genanntes Schmeervieh ſind Schafe, welche eine gewiſſe Art Raͤude haben, die gewoͤhnlich durch den Gebrauch aͤußerer Mittel gedaͤmpft wird, woran die Schafe aber zuwei⸗ len auch ſterben. Dieſe Krankheit exiſtirt jedoch nicht an allen Orten. Lage eines 240 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, Veredelte Schafe ſind diejenigen, in Anſehung welcher man ſich vormals der engli⸗ ſchen, jetzt aber der ſpaniſchen Boͤcke, welche eine feinere Wolle haben, zur Fortpflanzung und Verbeſſerung der Race bedient. Die Schaͤfereien werden eingetheilt in Zucht- und Hammelſchaͤfereien. Die Zuchtſchaͤfereien muͤſſen in der Naͤhe des Vorwerks liegen, damit der Landwirth auf das Futter und die Pflege des Viehes ſein Augenmerk richten kann; deſſen ungeachtet ſoll⸗ ten ſie, wo große Heerden ſind, nicht mit im Gehoͤfte angelegt werden. Die Hammelſchaͤ⸗ fereien dagegen werden oͤfters an den aͤußerſten Grenzen der Feldmark deshalb angelegt, weil dieſes Vieh ſchlechter, als die Zuchtſchafe gefuͤttert wird, auch durch daſſelbe die abgelegenſten Huͤtungen benutzt, und die entlegenſten Felder geduͤngt werden. In hieſiger Gegend ſind gemeiniglich Schafe und Hammel beiſammen, ſogar oft in einem Stalle. Beſſer iſt es aber, wenn der Hammelſtall beſonders vorhanden iſt. Zu einer Hammelſchaͤferei, wenn ſie entfernt vom Vorwerke liegt, gehoͤrt ein Schaͤferhaus, bloß zur Wohnung fuͤr denſelben. Zu einer Zuchtſchaͤferei aber muͤſſen in dem Schaͤferhauſe eine Kuͤche zum Aufwallen der Milch, desgleichen ein Keller und eine Gelegenheit zum Butter⸗ und Kaͤ⸗ ſemachen vorhanden ſeyn. Nach dieſen Vorerinnerungen kann ich nun zur Beſchreibung der Anlage eines hieſigen guten Schafſtalles uͤbergehen. §H. 123. Das erſte Erforderniß eines Schafſtalles iſt eine gute trockene Lage des Schafſalles. Gebaͤudes, folglich eine etwas erhoͤhete Gegend, und außerdem noch, damit auch das Traufwaſſer nicht in den Stall fließe, eine kleine Erhoͤhung von etwa 6 Zoll im Innern des Stalles, gegen das aͤußere Terrain. Dieſe innere Erhoͤhung kann, da ſie von dem Urin der Schafe durchdrungen wird, alſo eine gute Duͤngung liefert, beim Ausfahren des Miſtes jedesmahl mit weggeſchafft, jedoch ſogleich wiederum mit tro⸗ ckener Erde erſetzt werden. Ferner iſt es ſehr vortheilhaft, dem Schafſtall eine ſolche Lage zu geben, daß die langen Fronten deſſelben gegen Mittag und Mitternacht liegen, und zwar die Fronte nach dem Schafhofe gegen Mittag, welches ſich um ſo eher ausfuͤhren laͤßt, wenn, wie ſchon gedacht, die Schaͤferei nicht im Einſchluſſe des Vorwerkshofes, ſondern in einiger, jedoch naher Entfernung iſolirt angelegt wird. Dieſe Lage gewaͤhrt den Vor⸗ theil, daß, wenn die Schafe im Winter zuweilen des Fuͤtterns wegen in den Hof ge⸗ laſſen werden, der Stall die rauhen Nordwinde abhaͤlt, auch daß, wenn die Thor⸗ wege nach dem Schafhofe geöffnet und mit Bohlen verſetzt werden, die jungen Laͤm⸗ mer im Stalle ſich an den durch Thorweg und Fenſter eindringenden Sonnenſtrahlen erwaͤrmen koͤnnen, welches ihrer Geſundheit ſehr zutroͤglich iſt. Dazu kommt, daß bei einer ſolchen Lage die Sonne im Winter den Stall, wenn die Schafe am mehr⸗ ſten in ihm gehalten werden, erwaͤrmen kann, waͤhrend daß durch die vorhandenen Luftzuͤge oder Fenſter friſche Luft gegeben wird. Dieſer Vortheil hat ſeine unwider⸗ ſprechliche Richtigkeit, indem es jedem Thiere, und ſo auch den Schafen, ſehr ſchaͤdlich iſt, de engli⸗ Intpftanaung lundnirh eachtet ſol⸗ mmelſchi⸗ gſelegt, well ügelegenſen ggat iſt i 3n einer „hloß zur ine Fuͤche Anò 9⸗ hieſigen ge des nit auch Zoll im inn, da t, beim mit tro⸗ daß die Fronte wenn, eern in n Ver⸗ dof ge e Thor⸗ n Läm⸗ trahlen t, uß mehr⸗ denen wider⸗ zadüch iſt welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Schafſtaͤllec. 241 iſt, in ihren ſtrengen Ausduͤnſtungen lange Zeit eingeſperrt zu bleiben, den jungen Laͤmmern aber bei kalter Witterung(wenn ſie nicht von ihrer Geburt an daran ge⸗ woͤhnt, ſondern immer in maͤßig warmen Staͤllen gehalten worden ſind) auf keine an⸗ dere Art friſche Luft, zugleich mit der ihnen noͤthigen Waͤrme, gegeben werden kann. §. 124. Da in rauhen Jahreszeiten, des Windes, Regens und Schnees wegen, die Thorwege und andere niedrig liegende Oeffnungen nicht hinlaͤnglich geoͤffnet werden koͤnnen, um die noͤthige geſunde Luft in den Stall zu laſſen; ſo iſt dem Stalle eine angemeſſene innere Hoͤhe zu geben, damit die Ausduͤnſtungen durch Luftzuͤge in den Frontwaͤnden uͤber den Schafen hinweg, ohne ſie zu beruͤhren, hinausge⸗ Innere Hoͤhe eines Schaf⸗ ſtalles. ſchafft werden koͤnnen. Zu hohe Staͤlle ſind dagegen wieder zu kalt, und verurſachen in Anſehung des Baues und der Unterhaltung mehrere Koſten. Die bekannteſten Schriftſteller, welche uͤber dieſen Gegenſtand geſchrieben, ſind in Betreff der, einem Schafſtalle zu gebenden Hoͤhe zwiſchen g und 16 Fuß verſchie⸗ den. Einige unter ihnen wollen die große Hoͤhe nur deswegen, um ein Senkgebaͤlke zu mehrerem Futtergelaß darin anbringen zu koͤnnen, und ſehen daher weniger auf die Hoͤhe im Lichten des Stalles fuͤr die Schafe ſelbſt. Dergleichen Senkgebaͤlke(ſiehe im zweiten Theil§. 8.) ſind aber immer eine koſtſpielige Bauart, und gehoͤren nicht zu einem kunſtmaͤßigen und ſoliden Verbande. Die erſte Ruͤckſicht bei Beſtimmung der Hoͤhe eines Schafſtalles iſt wohl unſtrei⸗ tig diejenige, daß der Miſt bequem aus demſelben gefahren werden kann, und hieraus wuͤrde meiner Meinung nach die moͤglichſt geringſte Hoͤhe im Lichten zu beſtimmen ſeyn. Der Miſt haͤuft ſich naͤhmlich den Winter hindurch zuweilen auf 2 bis 3 Fuß hoch an, und wenn der Wagen mit Miſt beladen etwa 6 Fuß hoch angenommen wird; ſo muͤſ⸗ ſen die Thorwege wenigſtens 9 Fuß, folglich der Stall im Lichten 10 Fuß hoch wer⸗ den. Die Baͤnder, welche von den Unterzugsſtaͤndern aus die Decke unterſtuͤtzen, koͤnnen nicht als ein Hinderniß angeſehen werden, weil ſolche nur der Laͤnge nach unter die Unterzuͤge anzubringen ſind, und der Wagen auch nur der Laͤnge des Gebaͤudes nach, folglich ohne durch die gedachten Baͤnder behindert zu werden, hindurch zu fah⸗ ren braucht. Anm. In einem Stuͤcke der Zeitſchrift Velocifer erinnere ich mich folgenden Auszug aus der Bibliotheque britannique geleſen zu haben: Der Fußboden in einem Schafſtalle ſoll mit Thon wie eine Tonne geſchlagen, darauf 2 bis 3 Zoll hoch lockere Erde geſchüttet und dieſe mit Stroh bedeckt werden. So wie es im Stalle zu riechen anfaͤngt, bringe man zeitig das noch nicht verfaulte Stroh vor die Krippen, ſchuͤtte von neuem einen Zoll hoch trockene Erde dar⸗ auf, und uͤberdecke ſie mit neuem Stroh u. ſ. f., wodurch der Geruch im Stalle ganz vermie⸗ Hh Von Anle⸗ gung der Thuͤ⸗ ren, Fenſter, Luftzuͤge und Heuluken in Schafſtaͤllen. 242 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, den wird. Die Erde abſorbirt das Ammonium, welches die Schafe ausduͤnſten, es geht mit⸗ hin zum Vortheile des Duͤngers nichts davon verloren, und ſelbiges iſt beſonders auf Wieſen mit Nutzen anzuwenden. Meiner Meinung nach ſollte ſich nach der Anhaͤufung des Duͤngers nicht allein die innere Hoͤhe eines Stalles richten, ſondern es ſollte nach Maßgabe der mehrern Groͤße der Herde in einem Stalle, letzterer auch hoͤher angenommen werden. Nach dem, was Herr Riem in dem ſchon erwaͤhnten Hefte anfuͤhrt, ſchlage ich vor, fuͤr eine Heerde bis zu 500 Stuͤck die Hoͤhe des Stalles 10 Fuß hoch 8300————— 11— hoch — 1ooo————— 12— hoch — 1500——4—4—— 4z— hoch anzunehmen. Bei ſolchen Hoͤhen koͤnnen die Luftzuͤge uͤber den Schafen hinweg be— quem angelegt, und der verhaͤltnißmaͤßig von der Menge der Schafe ſich ſammelnde Dunſt kann durch ſelbige beſſer abgeleitet werden. 1§. 125. Da die Schafe das helle Tageslicht lieben, ſo muͤſſen in den beiden langen Fron⸗ ten eines Schafſtalles, beſonders gegen die Mittagsſeite(oder wenn die eingeſchraͤnkte Lage des Stalles es nicht anders erlaubt, wenigſtens nach der Morgenſeite) Fen⸗ ſter von 2 bis 3 Fuß Hoͤhe und Breite, jedoch in moͤglichſter Hoͤhe vom Fußboden binauf, angebracht werden. Die Anzahl der Fenſter richtet ſich nach der Anzahl der Binder im Gebaͤude, und zwar ſo, daß allemahl zwiſchen zwei Bindern ein Fenſter zu ſtehen kommt. Anm. Herr Lange ſagt in ſeinen Zufaͤlligen Gedanken:„die Fenſter muͤſſen entweder „nicht ſo groß ſeyn, daß man ein Schaf durchſtecken kann, oder ſie muͤſſen mit Traillen „verſehen werden.“ Der Diebſtahl auf dieſem Wege duͤrfte indeß wohl nur von der Feld⸗ ſeite des Stalles zu befuͤrchten ſeyn; woſelbſt denn alſo die Fenſter noch mit Traillen zu ſichern waͤren. Einige Baumeiſter und Oekonomen wollen zwar nur ſo genannte Kreuzloͤcher oder ganz kleine Fenſter, eine Scheibe groß, erlauben, welche der Schaͤfer im Win— ter nach Gefallen verſtopfen kann. Allein einmahl verbinden ſie gewoͤhnlich mit den Fenſtern zugleich die Luftzuͤge, wobei dann, wenn ſolche z. B. bei heller, klarer Kaͤlte verſtopft ſind, auch die Sonnenſtrahlen aus dem Stalle abgehalten werden. Zum andern wollen ſie dadurch die Reparaturkoſten der Fenſter erſparen. Was den letzten Punkt betrifft, ſo iſt derſelbe da„ wo ſo ſtrenge Oekonomie erforderlich iſt, nicht ohne aude 4 geht mit auf Wieſen ict allen t mehrern n. Nach bor, fuͤr veg be⸗ melnde n Fron⸗ hraͤnkte Fen⸗ ßboden ahl der Fenſter tweder traien t Feld⸗ illen zu öcher Win⸗ it den Kälte zum ßten ohne welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Schaſſtaͤlle ꝛc. 245 Grund, jedoch in den mehrſten Faͤllen dem Schafſtande nachtheiliger ,als die beabſich⸗ tigte Erſparung werth iſt. Ferner, um den Stall taͤglich, wenn die Schafe ausgetrieben worden, von al⸗ len Ausduͤnſtungen zu reinigen, ſind die Luftzuͤge oder kleinen Kreuzloͤcher und ſelbſt die wenigen Thorwege zuweilen nicht hinreichend; daher durch die Mitoͤffnung der Fen⸗ ſter dieſer Zweck geſchwinder und beſſer erreicht wird.— Die Einfahrts⸗Thorwege werden in einem ordentlich belegenen Schaf⸗ ſtalle gewoͤhnlich an jedem Giebel oder in der Mitte der Fronten, oder, wenn der Stall ſehr groß iſt, ſo wohl in den Giebeln, als in der Mitte der Fronten angelegt. Der Thorweg in der Fronte nach dem Schafhofe dient zum Ein⸗ und Austreiben der Schafe, und die Thorwege in den Giebeln dienen zum Miſtausfahren, alle zugleich aber, und beſonders die nach dem Felde hinaus, ſind dazu beſtimmt, bei Feuersgefahr die Schafe ſchnell nach allen Seiten aus dem Stalle treiben zu koͤnnen. Die Breite der Thorwege betraͤgt gemeiniglich ro Fuß, und ihre Hoͤhe richtet ſich nach der Hoͤhe des Stalles, jedoch muß letztere, wie vorher erwaͤhnt iſt, nicht unter 9 Fuß, ſondern wo moͤglich noch hoͤher ſeyn, damit auch allenfalls ein beladener Heuwagen hinein fah⸗ ren, und das Heu innerhalb, durch Klappthuͤren in der Decke, nach den Boͤden ge⸗ ſchafft werden kann. Wenn die Thorwege in maſſiven Mauern, anſtatt uͤberwoͤlbt zu ſeyn, mit einem ſtarken Latteholze uͤberdeckt werden; ſo koͤnnen ſie an Hoͤhe gewinnen. Sollen jedoch die Giebel im Dache maſſiv aufgefuͤhrt werden, ſo muͤſſen die Thorwege in ſolchen Giebeln uͤberwoͤlbt ſeyn. Einige kleinere Thuͤren an der Hof⸗ oder Mittagsſeite eines langen Stalles ſind noch außer den Thorwegen nothwendig, um zu den verſchiedenen Abtheilungen oder Abhortungen, welche beſonders in der Lammzeit im Stalle gemacht werden, gelangen, oder auch im Winter, ohne durch jedesmahliges Oeffnen der Thorwege zu viel Kaͤlte einzulaſſen, in den Stall kommen zu koͤnnen. Alle Thuͤr⸗ und Thorfluͤgel am ganzen Stalle muͤſſen nach auswaͤrts aufſchla⸗ gen, theils um dadurch keinen Raum im Stalle zu verlieren, theils auch, um bei Feuersgefahr deſto ſchneller die Schafe heraustreiben zu koͤnnen. 3 Herr Riem ſagt am mehr erwaͤhnten Orte mit Recht:„Die Waͤrme in einem „Schafſtalle muß beſtuͤndig wie eine recht kuͤhle Sommerluft ſeyn, oder wie ſie an hel⸗ „len Herbſttagen zu ſeyn pflegt, weil dieſe Thiere ſchon von der Natur eine warme Be⸗ „deckung erhalten, auch weil es ſehr ungeſund fuͤr die Schafe iſt, wenn ſie im Herbſte „oder Winter aus einem zu warmen Stalle in die Kaͤlte getrieben werden, auch die gro⸗ „be Winterwolle von der Hitze zu ſtark waͤchſt, und das Fell duͤnne und ſchlecht wird.“ H 2 244 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, Um dieſe Temperatur nach Maßgabe der aͤußern Witterung beſſer zu erreichen, glaube ich, mit Grunde wieder auf das zuruͤck zeigen zu koͤnnen, was ich bereits uͤber die Nothwendigkeit der Fenſter in einem Schafſtalle geſagt habe. Da aber das Oeff⸗ nen der Fenſter bei ſehr rauher Witterung theils einen zu großen Luftſtrom nahe uͤber die Schafe hinweg fuͤhren, theils durch ſelbiges Regen und Schnee eingetrieben wer⸗ den wuͤrde; ſo ſind außer den Fenſtern, welche alsdann nur fuͤr die Einwirkung der Sonnenſtrahlen beſtimmt ſind, noch beſondere Luftzuͤge unter der Decke anzulegen. In Betreff der Luftzuͤge in den Umfaſſungswaͤnden ,„ ſagt Borheck in ſeiner Landbaukunſt(Göoͤttingen bei Vandenhoͤck und Ruprecht):„man kann die Fen⸗ „ſter des Stalles 6 bis 7 Fuß vom Fußboden hinauf anfangen, ſie 5 bis 6 Fuß hoch „machen, und den obern Theil derſelben ganz nahe an der Decke 12 bis 14 Zoll hoch „mit einem Drathgitter und das uͤbrige Fenſter mit Glas verſchließen.“ Er ſetzt aber hinzu:„ſo gut auch der Dunſt durch dieſe mit dem Fenſter vereinigten Gitter abge— „fuͤhrt wird, ſo tritt doch der unangenehme Umſtand ein, daß bei windigem Wetter „Regen und Schnee zu leicht durchgetrieben werden kann, dergeſtalt, daß die dahin⸗ „ter ſtehenden Schafe genoͤthigt ſind, ihre Plaͤtze zu verlaſſen, oder daß der Schaͤfer „dieſe Oeffnungen ganz verſtopft, und dadurch zugleich den ſo noͤthigen Luftzug ver⸗ „hindert.“ Er macht daher den Vorſchlag, das Simsbrett an den Balkenkoͤpfen ſtel⸗ lenweiſe wegzulaſſen, und ſo die Luftzuͤge zwiſchen den Hauptbalken unmittelbar un— ter der Decke anzulegen(wie ſchon§. 57. erwaͤhnt worden), wo ſie dann durch das uͤberſtehende Dach von dem Eintreiben des Regens und Schnees geſichert ſind. In ſo fern nach Fig. 130 A durch die auf dem Dachboden befindlichen Bretter ab verhindert wird, daß nicht zugleich die Ausduͤnſtungen im Schafſtalle mit dem, auf dem Boden befindlichen Rauchfutter Communication erhalten, ſind dieſe Luftzuͤge ſehr gut. Bei maſſiven Umfaſſungsmauern laſſen ſich die Luftzuͤge noch auf andere Art nach Fig. 130 B anbringen, wo naͤhmlich der Luftzug ſchraͤg hinauf nach der De— cke ſteigt, und dadurch, daß der Punkt b mit dem Punkt a in der Wagge liegt, das Eintreiben des Regens und Schnees verhindert wird. Dieſe zuletzt gedachten Luft— zuͤge koͤnnen r Fuß hoch und ungefaͤhr 2 Fuß lang ſeyn. Am ſchicklichſten werden ſie mit Zargen von Brettern angefertigt, und es kann ſie der Schaͤfer, wenn es ja noͤthig ſeyn ſollte, innerhalb verſtopfen, oder, da dieß wegen der Hoͤhe ſehr umſtaͤndlich iſt, koͤnnen ſie mit Klappen(welche unterwaͤrts aufſchlagen, und durch eine Schnur uͤber einer Rolle wiederum verſchloſſen werden) verſehen ſeyn. Zum dichten Verſchluſſe duͤrfte es gut ſeyn, den obern Theil der Zarge vor dem untern ſchraͤg vorſtehen zu laſſen. „„ẽ—.—— aude, erreihen, reits iber das Def nahe uͤber eben wer⸗ rkung der zulegen. in ſeiner die Fen⸗ Duß hoch oll hoch t ober er abge⸗ Wetter ie dahin⸗ Schaͤfet zug ber⸗ ffen ſtel⸗ bar un⸗ rch das Vretter dem, ſtzuͤge andere er De⸗ t, das nLuft⸗ nden ſi nuthi- ichſh uͤber hluſſe en zu welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Schaſſtaͤlle c. 245 Anm. Daß bei dieſer Art von Luftzuͤgen die Frontmauern zwiſchen den Balken bis zur Ober⸗ kante derſelben hinauf gemauert werden, und daß, indem ſie die Ausfuͤllung der Balkenfaͤcher ſcharf beruͤhren, die Oeffnungen zwiſchen den Balken dicht verſchließen, verſteht ſich von ſelbſt. Da die Schaͤfer ſelten der Kaͤlte wegen, ſondern mehrentheils nur, um den ein⸗ dringenden Schnee und Regen abzuhalten, die Oeffnungen im Stalle verſtopfen; ſo iſt ſolches bei den eben erwaͤhnten Luftzuͤgen gar nicht noͤthig, und kann mithin der noͤ⸗ thige Luftzug fortdauernd beibehalten werden. Die Anzahl der in Fig. 130 B angege⸗ benen Luftzuͤge richtet ſich, ſo wie die der Fenſter, am ſchicklichſten nach den Bindern des Gebaͤudes, wobei dann ſelbige ungefaͤhr 15 Fuß weit aus einander ſtehen. Die Dunſtfaͤnge in Geſtalt der Schornſteine von der Decke bis zum Dache binaus leiſten gewiß das nicht, was die erwaͤhnten Luftzuͤge bewirken. Da indeſſen einige Oekonomen und Baumeiſter noch fuͤr dieſelben eingenommen ſind, ſo muß ihre Anlage hier mit wenigem erwaͤhnt werden. In Entfernungen von 60 bis 30 Fuß werden in der Decke Oeffnungen von der Breite des Balkenfaches und 5 bis 6 Fuß lang angelegt. Ueber dieſen Oeffnungen werden pyramidenfoͤrmige Schornſteine von Kreuzholz verbunden und mit geſpundeten Brettern dicht bekleidet, ſo daß ihre obere Oeffnung uͤber dem Forſte des Daches ungefuͤhr 2 Fuß im Quadrat betraͤgt. Oben werden dieſe Schornſteine mit einem kleinen Bretterdache bedeckt, und unten in der Decke des Stalles werden ſie zuweilen mit Schiebern ver⸗ ſehen, welche zugeſchoben werden koͤnnen, wenn etwa zu heftige Kaͤlte eintreten ſollte; jedoch iſt dieſe Vorſicht und Veranſtaltung ſo nothwendig nicht. Ein anderer Vortheil laͤßt ſich aber mit dieſen Dunſtroͤhren verbinden, naͤhmlich daß man durch die Oeffnungen derſelben das Heu nach dem Boden hinauf ſtecken kann, und zwar auf die Art, daß auf dem Boden an einer Seite der Röoͤhre eine Thuͤre ange⸗ legt wird. Durch eben dieſelben Oeffnungen wird auch auf verſchiedenen Stellen des Stalles das Heu zum Futtern wieder herunter geworfen. Wo daher dergleichen Dunſtroͤhren nicht vorhanden ſind, muͤſſen verſchiedene Oeffnungen mit dicht ſchließen⸗ den Fallthuͤren in der Decke angelegt werden, damit nicht jedesmahl beim Fuͤttern das Heu die Treppe herunter getragen, und laͤngs dem Stalle vieles davon verſchleppt und vertreten werden darf. Dergleichen Oeffnungen in der Decke, und vorzuͤglich die vorge— dachten Dunſtroͤhren, muͤſſen immer ſehr dicht gehalten werden, damit der Dunſt ſich nicht dem Heu auf dem Boden mittheilen kann. Da indeß die Dunſtroͤhren gewoͤhnlich nur da angebracht werden, wo keine andere Luftzuͤge in den Fronten vorhanden ſind; ſo muß der Dunſt aus allen Theilen des Stalles unter den Oeffnungen der Dunſtroͤh⸗ ren ſich ſammeln, woſelbſt er ſich häufig in Tropfen anlegt, und dadurch zum baldigen Verfaulen der Balken und Dunſtroͤhren Gelegenheit giebt. Schon dieß koͤnnte wohl 246 Zweiter Abſchn. Von Anlage u Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, als hinlaͤnglicher Grund angenommen werden, die vorgedachten Luftzuͤge anſtatt der Dunſtroͤhren anzulegen. Anm. Der Herr Architeet Sturm(jetzt Profeſſor in Jena) ſagt in ſeinen Bemerkungen uͤber die Niederdeutſche Landbaukunſt:„Wenn ich einen Schafſtall nach meinen „eigenen Ideen angeben ſollte, ſo wuͤrde ich nur allenfalls gegen Norden eine ganze Wand „auffuͤhren, auf den andern Seiten aber wuͤrde ich von 1o zu 10 Fuß maſſive oder hoͤlzer⸗ „ne Pfeiler mit Nuthen anbringen, und in ſelbige 1zzoͤllige Bohlen einſchieben(ſ. Fig. 174 „im erſten Theile). Bei dieſer Vorrichtung kann man nach Gefallen mehr oder weniger „Luft zulaſſen, je nachdem man weniger Bohlen einſetzt oder herausnimmt.“ Dachfenſter, die das noͤthige Licht, und dem auf dem Dachboden befindlichen Rauhfutter den erforderlichen Luftzug, mittheilen, ſind allerdings nothwendig, unge⸗ achtet man bei Gebaͤuden dieſer Art gern alles vermeidet, was mehr oder weniger Dach⸗ reparaturen veranlaſſen kann. Von der Conſtruction derſelben iſt bereits im zweiten Theile dieſes Werks umſtaͤndlich gehandelt, und dabei auch erinnert worden, daß zu Strohdaͤchern die ſo genannten Fledermausfenſter ſich am beſten ſchicken, wovon die in Fig. 32 E des zweiten Theils gezeichnete Art hier zu waͤhlen ſeyn duͤrfte. Die Heulu⸗ ken dagegen, wozu am angefuͤhrten Ort gleichfalls mehrere Anweiſungen gegeben wor⸗ den, koͤnnen durch folgende Conſtruction ganz vermieden werden. Man bringe naͤhm⸗ lich da, wo die Heuluke ſtatt finden ſoll, nach Fig. 131 ſtarke und lange Baͤnder bo an, welche von der Wand bis in die Balken reichen, bekleide die Flaͤche von b bis o und die beiden dreieckigen Seiten dicht mit Brettern, lege bei a in einer ſchicklichen Hoͤhe einen Fußboden an, verſetze die Oeffnung d mit einer Thuͤre, und laſſe die Oeff⸗ nung e zwiſchen den Balken offen. Wenn nun in a ein Mann ſteht, ſo kann derſel— be, beſonders wenn der Stall ſehr hoch waͤre, um ſo bequemer das Heu:ꝛc. vom Wa⸗ gen in den Boden ſtecken. Sollte zu der Oeffnung e ein Balkenfach nicht hinreichen, indem eine ſolche Oeff⸗ nung wenigſtens 4 bis 5 Fuß breit ſeyn muß; ſo werden ein oder zwei Balken daſelbſt ausgewechſelt. Damit auch weder die Duͤnſte aus dem Stalle in den Boden, noch die kalte Luft zu ſehr in den Stall dringen, kann zwiſchen den Baͤndern bo und an beiden dreieckigen Seiten, anſtatt der vorgedachten Bretterbekleidung, ordentlich ausgeſtackt und gelehmt werden. §. 126. No y. Die Decke in einem Schafſtalle ſoll nicht allein die Waͤrme darin, beſonders zur faueion er Lammzeit, erhalten, ſondern auch verhindern, daß der Dunſt von den Schafen ſich Schafſtaͤlen. dem auf dem Boden befindlichen Rauhfutter mittheile, welches der Geſundheit der Schafe nicht anders als ſchaͤdlich waͤre. Ferner ſoll die Decke davor ſichern, daß das ude, ſatt der kungen h weinen ne Vund er häͤlher⸗ Fig nt veniger dlichen unge⸗ Dach⸗ eiten aß zu die in eulu⸗ n wor⸗ naͤhm⸗ eer be bis c lichen Def⸗ erſel⸗ Wa⸗ eff⸗ ſelbſt h die eiden ſtackt zur ſich der das welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Schafſtaͤlle c. 247 Geſaͤme ꝛc. vom Boden nicht herunter falle, wodurch die Wolle der Schafe verdirbt, auch ein Theil der nahrhafteſten Fuͤtterung verlohren geht. Nach dieſen dkonomiſchen Erforderniſſen muß alſo die Conſtruction der Decke in einem Schafſtalle folgender Ma⸗ ßen gewaͤhlt werden. Ueber die Balken nach der Laͤnge des Gebaͤudes ſo genannte Schletſtangen zu ſtrecken, auf welche man eine Lage Stroh, die nachher zur Streu gebraucht wer⸗ den kann, legt, und auf welche das Heu gebanſet wird: dieſe Art der Decke iſt wohl in Beziehung auf die angegebenen Ruͤckſichten die ſchlechteſte, weil durch ſelbige ſo wohl die Ausduͤnſtungen hinauf ſteigen, als auch das Geſaͤme herabfallen kann. Einen Dielenboden anſtatt derſelben uͤber die Balken zu legen, iſt aber wiederum, der zu beobachtenden Holzerſparung wegen, nicht anzurathen. Wo die Balken aus ſchwachem Mittelholze, oder auch aus einmahl aufgeſchnit⸗ tenem, ſtarken, naͤhmlich ſo genannten Halbholze gemacht werden, und man alſo ſel— bige durch das Einfalzen der Stakhoͤlzer nicht ſchwaͤchen will, oder wo, einer Stroh— dach⸗Bedeckung halber, die Balken 5 Fuß und daruͤber aus einander liegen, folglich die Windelfache zu ſchwer ſeyn wuͤrden, finden die ſo genannten geſtreckten Win⸗ deldecken die zweckmaͤßigſte Anwendung. Die Anfertigung derſelben(die bereits im zweiten Theile§. 16 und in des Herrn ꝛc. Boͤthke mehrgedachten Beitraͤgen be⸗ ſchrieben worden) beſteht darin, daß nach Fig. 130 B gekloͤbte, etwas ſtarke, kiene— ne, oder elſene, birkene und dergleichen Lattſtaͤmme mit Lehmſtroh umwunden, nach ihrer natuͤrlichen Laͤnge(oder wenigſtens nicht kuͤrzer als uͤber drei Balken reichend) dergeſtalt gelegt und mit hoͤlzernen Naͤgeln angenagelt werden, daß ſo wohl die Stoͤße, als die Stamm- und Zopfenden gehoͤrig mit einander uͤberwechſeln. Alsdann wird oben darauf ein Lehmeſtrich gemacht, und unterhalb werden die Fache glatt geſtrichen. Es iſt aber darauf zu ſehen, daß eine ſolche Decke wenigſtens 6 Zoll dick wird. Die Erfahrung lehrt, daß dergleichen Decken nicht nur alle vorher erwaͤhnte Er⸗ forderniſſe leiſten, ſondern auch den bedeutenden Vortheil gewaͤhren, daß man mit der Vertheilung der Balken, in Betreff der etwa groͤßern Sparrenweiten, nicht ſo wie bei den Windelboͤden genirt iſt. Ferner erhaͤlt man durch den Lehmeſtrich darauf, wel⸗ cher ſaͤmmtliches Deckenholz bedeckt, eine feuerſichere Decke, welche bei einem, im Dache entſtehenden Brande gewiß eine geraume Zeit lang das Feuer vom Stalle ſelbſt abhalten wird. Anm. Da die Entzuͤndung und Fortpflanzung eines Feuers gewoͤhnlich vermittelſt der Stroh⸗ und Rohrdaͤcher geſchieht; ſo macht Herr Lange in ſeiner Abhandlung uͤber wetter⸗ feſte Daͤcher den Vorſchlag, nicht nur die Deckenbalken mit einem feſten Lehmeſtrich zu be⸗ Von den Raufen und Krippen in Schafſtaͤllen. 248 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, decken, ſondern noch uͤber dem Eſtrich andere und ſchwaͤchere Balken mit der Dachverbindung darauf zu errichten, folglich die eigentliche Decke ganz vom Dache zu iſoliren. Dieß aber giebt einen unebenen Dachboden, und iſt wohl uͤberhaupt etwas zu viel zu Gunſten der Strohdaͤcher. Die Lehmſchindel⸗Daͤcher vermindern in jedem Betracht die Feuers⸗ gefahr, und ſind gegen dieſen Vorſchlag auch wohlfeiler auszufuͤhren. Auf der Kirche zu St. Blaſten im Schwarzwalde ſind die Deckenbalken mit einem Eſtrich, der aus 3 Lehm und 3 Saͤgeſpaͤhnen beſteht, belegt. Die Koͤnigliche Churmaͤrkiſche Kriegs⸗ und Domainen⸗Kam⸗ mer hat unter dem 18ten September 1777 wiederhohlt empfohlen, bei Erbauung der Schaf⸗ und Rindviehſtaͤlle auf die ſo genannten halben Windelboͤden Ruͤckſicht zu nehmen. Obgleich die halben Windelboͤden allerdings den oben erwaͤhnten dkono⸗ miſchen Erforderniſſen ebenfalls ein Genuͤge leiſten; ſo wuͤrde ich ſie deſſen ungeachtet nur allenfalls bei ſehr tiefen, und mit Ziegel⸗ oder Lehmſchindel⸗Dach zu ver⸗ ſehenden Stallgebaͤuden aus dem Grunde den geſtreckten Windeldecken vorziehen, weil dann ohnehin nicht nur ſehr langes, folglich ſtarkes Bauholz zu den Balken ge— nommen werden muß, ſondern daſelbſt auch die Balken in nicht zu weiten Entfernun— gen aus einander liegen duͤrfen. Auf die Windelboͤden einen Gipseſtrich zu ſchla⸗ gen, oder ſie mit Dielen zu belegen, wie von Einigen verlangt wird; dieß ſtelle ich je⸗ dem, nach Maßgabe ſeiner Baukaſſe und Ueberzeugung, anheim, bemerke aber mei⸗ nerſeits, daß ich die Ausgleichung der Balkenfache mit Strohlehm bis zur obern Glei⸗ che der Balken bei den Windelboͤden fuͤr vollkommen hinlaͤnglich halte, indem alle vor⸗ her angefuͤhrte Zwecke dadurch ſchon erreicht werden. §. 127. Zweckmaͤßig angefertigte und in gehoͤriger Ordnung aufgeſtellte Krippen oder Raufen ſind in einem Schafſtall, im Betreff der Bequemlichkeit, der Wirthlichkeit mit dem Futter und der Reinhaltung der Wolle, eine Hauptſache. Ich werde in der Folge, bei Berechnung der Geoͤße eines Schafſtalles, auf die gehoͤrige Stellung der Krippen und Raufen kommen. Fuͤr jetzt will ich aber erſt die Verſchiedenheit der Rau⸗ fen beſchreiben.; Die Raufen ſind entweder einfache oder doppelte ꝛc. Die erſteren werden nur an den Umfaſſungswaͤnden befeſtigt, und ſind alſo auch nur da anwendbar, wo kleine Herden in großen Staͤllen ſtehen. Die doppelten Raufen hingegen ruhen auf Fuͤßen, und koͤnnen alſo uͤberall im Stalle geſtellt werden. Folglich koͤnnen die Scha⸗ fe an beiden Seiten ihr Futter herausziehen. Die Raufen moͤgen nun einfach oder doppelt ſeyn, ſo muͤſſen ſie weder zu niedrig, noch zu hoch, noch weniger zu ſchraͤg geſtellt werden. Staͤnden ſie zu niedrig oder zu ſchraͤg, lde, derdindung zdu viel zu ie Feuers⸗ n Eſrich, Kan⸗ nung der Aüͤckſict deone⸗ geochtet U ber⸗ ehen, fen ge⸗ fernun⸗ ſchla⸗ eic je⸗ er mei⸗ Glei⸗ le vor⸗ oder chkeit in der ag der ⸗Rau⸗ verden 1 alf Sha⸗ edrig, der zu crͤ, welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Schaſſtäͤlle ꝛc. 249 ſchraͤg, ſo wuͤrden die Schafe mehr oben, als an den Seiten das Futter heraus ziehen, dadurch nicht nur viel Futter verderben, ſondern ſich auch die Wolle verunreinigen, und dadurch ſo genannte Futterhaͤlſe erhalten. Die zweckmaͤfigſte Hoͤhe der Stellung der Raufen iſt fuͤr gewoͤhnlich große Schafe aus Erfahrung die: die Unterkante der Raufe darf nicht hoͤher und nicht niedriger als 1 ½ Fuß vom Erd⸗ boden ſeyn. Die einfachen Futterraufen, welche nur an den Seitenwaͤnden des Stalles angebracht werden, beſtehen aus gewoͤhnlichen Leitern, von denen der untere Baum auf Bankeiſen ruht, der obere Baum aber vermittelſt gewoͤhnlicher Raufſtangen oder Stricke in ſchraͤger Richtung von der Wand gehalten wird. Die doppelten Raufen, welche uͤberall im Stalle aufgeſtellt werden, koͤnnen auf mehrerlei Art gemacht werden. Die in Fig. 132 angegebene Art iſt aus der Zeich⸗ nung deutlich genug zu erſehen, und daher iſt nur noch zu bemerken, daß die durch— gehenden Staͤbe a und b in Fig. A, welche zugleich die Fuͤße der Raufen ausmachen, gerade nur ſo lang ſeyn duͤrfen, daß die Hoͤhe od, wie oben gedacht, nicht mehr und nicht weniger als 18 Zoll betraͤgt. Die Laͤnge einer ſolchen Raufe iſt gleichguͤltig, in⸗ dem ſie ſaͤmmtlich neben einander der Laͤnge nach geſtellt werden; nur muͤſſen ſie we— nigſtens alle 6 bis 3 Fuß mit Fuͤßen unterſtuͤßt, und die Sproſſen muͤſſen nicht weni⸗ ger als 4 Zoll von einander entfernt ſeyn, auch iſt alles glatt zu hobeln, damit die Wolle der Schafe nicht ruinirt wird. Dieſe Raufen laſſen ſich mit der geringſten Muͤhe transportiren, und, je nach⸗ dem der Miſt im Stalle ſich anhaͤuft, leicht in die Hoͤhe heben. Die in Fig. 133 gezeichnete Art Raufen beſteht aus hoͤlzernen Boͤcken, welche in der angegebenen Geſtalt, wie das Knieholz zum Schiffbau, gewachſen ſind. Der⸗ gleichen Boͤcke, unten mit einer Spitze derſehen ,„ werden in 8⸗ bis rofuͤßigen Entfer⸗ nungen in den Boden, oder ſo wie ſich der Miſt im Stalle erhoͤht, nach und nach in den Miſt geſteckt, und auf dieſelben werden gewoͤhnliche Leitern als Raufen in cd und ce gelegt. Die Hoͤhe ob uͤber der Erde muß wie vorgedacht immer auf 18 Zoll erhal⸗ ten werden. Ein Vorzug dieſer Raufen gegen die vorigen koͤnnte vielleicht darin gefunden wer⸗ den, daß ſie ſich leicht und gaͤnzlich aus einander nehmen, und im Sommer, wann die Schafe auf dem Felde gehordet werden, bequemer aufbewahren laſſen. Ob die Schafe getraͤnkt werden muͤſſen oder nicht, daruͤber ſind die Meinungen der Oekonomen ebenfalls getheill. Herr Riem ſagt daruͤber in dem angefuͤhrten Hefte:„Unwiſſende Schaͤfer haben vieles wider das Traͤnken einzuwenden, wollen Ji 250 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruet. ſolcher Gebaͤude, „ſogar mancherlei Krankheiten der Schafe davon berleiten, und ſind mithin unbillig „genug, den Schafen kein Waſſer zu geben, ungeachtet ihnen Salz zum Lecken ver⸗ „abreicht wird. Die Schaͤfer ſtehen dabei in dem Wahne, daß die Schafe im Som— „mer in dem friſchen Futter ſchon binlaͤnglich Feuchtigkeit erhalten, im Herbſt und „Winter aber den Thau und Schnee lecken; allein ſie wiſſen oder bedenken nicht, wie „ſchaͤdlich es den Schafen, welchen Salz zum Lecken gegeben wird, iſt, wenn ſie an— „halktend duͤrſten, oder im Sommer uͤber ſtehendes Regenwaſſer auf dem Felde, und „im Winter uͤber den Thau und Schnee mit Begierde herfallen, und eigentlich durch „dieſes unreine oder zu kalte Getraͤnk Krankheiten erhalten.“ Anm. Ob den Schafen Salz gegeben werden muͤſſe oder nicht, ſind die Oekonomen zum Theil auch noch ſtreitig. Steinſalz wird den Schafen mit Stricken am Balken haͤugend gereicht, Kochſalz aber in den Krippen vorgelegt. Es koͤnnen daher ſo wohl zum Traͤnken als zum Salzgeben ordentliche Krippen erforderlich ſeyn. In den mehreſten hieſigen Schaͤfereien, wo die Schafe den ganzen Winter hindurch mit Heu dc. gefuͤttert werden, koͤnnen die Krippen, die dann nur zum Salzlecken dienen, außerhalb des Stalles im Hofe ſtehen; wo aber den Schafen auch Hafer, geſtampfte Mohrruͤben, Kartoffeln, oder wohl gar Laub gegeben wird, muͤſ⸗ ſen laͤngs beiden Seiten der Raufen Krippen vorhanden ſeyn. Die Krippen werden nach Fig. 134 etwa 6 Zoll im Lichten tief und breit, und von 13 bis 12 Zoll ſtarken Brettern verfertigt; ſie muͤſſen aber oben abgerundete Kanten haben, und ſo wie die Raufen, wegen Schonung der Wolle, von allen Seiten glatt gehobelt ſeyn. Dieſe Krippen werden auf untergelegte Kuͤtze geſtellt. Es iſt ſchon vorher erwaͤhnt worden, daß die Raufen nicht zu ſchraͤg ſtehen muͤſ⸗ ſen, weil ſonſt die Schafe ſich das Heu in die Wolle ziehen, welcher Unrath ſelbſt beim Verarbeiten der Wolle nicht heraus zu bringen iſt. Wo nun keine Krippen vor den vorher beſchriebenen Raufen ſtehen, wuͤrde dieß jedoch nicht zu vermeiden ſeyn, wenn ſelbige auch ſo ſteil als moͤglich ſtaͤnden, weil manches dieſer Thiere oft aus Neid ſich quer vor die Raufe ſtellt, und alſo die andern quer uͤber daſſelbe hinweg das Heu ſich aus der Raufe ziehen muͤſſen, wodurch aber nicht nur die Wolle verderbt wird, ſondern auch die kleinen Huͤlſen, Haͤlmchen und Geſaͤme verlohren gehen und in den Miſt getreten werden. Dieſen Nachtheilen kann man da, wo nicht etwa kurzes Futter, ſondern nur Salz in den Krippen verabreicht wird, auf die Fig. 135 vorgeſtellte Art abhelfen. Es wird naͤhmlich an den, in Fig. 132 angegebenen Raufen gegen den untern Raufen⸗ baum an jeder Seite ein 9 Zoll breites Brert auf angenagelte Knaggen gelegt, und ud, untilig acen ver in Som⸗ eiſt und it, wie i ſie an⸗ de, und c duuch im Theil gereicht, dden anzen ur zum en auch müͤſ⸗ verden ſtarken vie die Dieſe müͦſ⸗ ſebſt vor ſeyn, Nid Heu wird, den welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Schafſtaͤlle c. 251 auf dem Brette eine kſeine, etwa r Zoll hohe Leiſte befeſtigt. Hierdurch werden die Schafe verhindert, ſich quer vor die Raufe zu ſtellen, und ſie koͤnnen ſo wenig ſich ſelbſt, als andern das Heu in die Wolle ziehen, indem ſie jedesmahl den Hals und Kopf aus⸗ ſtrecken muͤſſen, um das Heu aus der Raufe zu ziehen; ja es faͤllt auch dann das Ge⸗ ſaͤme auf das, eine flache Krippe bildende Brett, wo die Schafe es nach dem Heufutter auflecken koͤnnen. So ſehr indeß ſchon hierdurch fuͤr die Oekonomie des Futters und fuͤr Reinhal⸗ tung der Schafwolle geſorgt ſeyn mag; ſo hat man doch noch dem Umſtande zu begeg⸗ nen, daß naͤhmlich die Schafe, indem ſie das Heu aus der Raufe ziehen, die Schraͤ⸗ ge der Raufe uͤber ihren Koͤpfen haben. Dadurch kann dennoch die Wolle am Kopfe ſich verunreinigen, und was die Hauptſache iſt, die weggedraͤngten Schafe koͤn⸗ nen in die Raufe ſpringen, und ſich(indem ſie ſich daſelbſt weder halten, noch her⸗ ausſpringen koͤnnen) leicht Schaden thun. Herr Riem liefert daher in ſeinem mehr gedachten Hefte die umſtaͤndliche Be⸗ ſchreibung einer doppelten Raufe nebſt Krippe, welche alle obige Erforderniſſe befrie⸗ digt, und deshalb mitgetheilt werden ſoll. In Fig. 136 A, B und C iſt eine ſolche doppelte Raufe nebſt Krippe in ihren drei verſchiedenen Stellungen, im Profil, desgleichen in Fig. D nach der Laͤnge vorgeſtellt. Fig. A iſt die Stellung derſelben, waͤhrend die Schafe an beiden Seiten daraus freſ⸗ ſen; aa und bb ſind Raufenſtoͤcke, wovon aber diejenigen bei aa wenigſtens 4 Zoll, und die bei bb nur 12½ Zoll aus einander ſtehen, damit auf den Staͤben b b das Heu gehalten werden, und nur das Geſaͤme durch die Zwiſchenweiten in die darunter be— findliche Krippe fallen, zwiſchen den Staͤben aa aber die Schafe das Heu hinauszie⸗ hen koͤnnen. Die Krippen darunter ſind etwa g bis 10 Zoll breit und hoch, und koͤnnen aus 1½ Zoll ſtarken Brettern, oder allenfalls aus 2zoͤlligen Bohlen, auch von beliebiger Laͤnge verfertigt werden. Die Raufen aber werden, eine jede um etwa 6 Fuß lang von einem Stiel zum andern, gemacht(Fig. D), weil ſie gehoben und niedergelaſſen werden muͤſſen, ſonſt alſo zu ſchwer ſeyn wuͤrden. Diejenigen Raufenbaͤume, welche z. B. in Fig. B dicht am Mitteelſtiel liegen, ſind mit Stricken oder Weidenbaͤndern etwas locker, jedoch ſo mit einander verbunden, daß ſie in allen drei Stellungen Fig. A, B und O an einander gehalten werden koͤnnen. Auf der Oberkante der Krippen, bei d in allen Figuren ſind vorſtehende und et⸗ was in die Hoͤhe gekroͤpfte Querhoͤlzer befeſtigt, gegen welche die untern Raufenbaͤume Ji 2 252 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, in der Stellung A und B ruhen, daß ſie von den Schafen nicht hin und her geſchoben werden koͤnnen. Die Staͤbe cc ſind entweder ſchwache, eiſerne Stangen, oder hoͤlzerne Sproſ⸗ ſen, deren in jeder Raufe von etwa 6 Fuß Laͤnge nur 3 oder 4 ſeyn duͤrfen. Die Pfaͤhle k in allen vier Figuren ſind aus 3 bis 4 Zoll im Quadrat ſtarkem Holze, gehen zwiſchen beiden Krippen hindurch, werden mit ihren Spitzen in die Erde geſtoßen, und ſind uͤber der Erde ungefaͤhr 5 Fuß hoch. Wenn nun der Schaͤfer das Heu in die Raufe legen will, ſo bringt er ſie in die Stellung Fig. B, indem er die obern Raufenbaͤume vermittelſt eines oder zweier Hoͤl⸗ zer! aus einander ſpannt. Iſt das Heu in der Raufe, ſo nimmt er die Spannhoͤlzer l wieder heraus, und legt die obern Raufenbaͤume zuſammen; dann ſteht die Raufe in der Stellung Fig. A, indem ſie auf der Krippe ruht und zum Theil vermittelſt der Stricke k an dem Haken i haͤngt. So koͤnnen die Schafe waͤhrend des Freſſens we⸗ der ſich das Heu in die Wolle ziehen, noch in die Raufen ſpringen. Sollten aber deſſen ungeachtet einige Schafe waͤhrend des Freſſens ſich quer vor die Raufe ſtellen, ſo koͤnnen die hinter ihnen ſtehenden doch nicht leicht das Heu in der Raufe erreichen, und werden ſich dann ſchon Platz machen. Damit auch das, waͤhrend des Freſſens aus dem Heu in die Krippen fallende Geſaͤme nachher von den Schafen verzehrt werden kann, zieht man hernach die Rau⸗ fen in die Hoͤhe, wodurch ſie in die Stellung Fig. C(welche auch in der Laͤngenan— ſicht Fig. D vorgeſtellt iſt) zu ſtehen kommen. Um dieſes Hinaufziehen zu bewirken, ſind die gedachten Stricke k, wie in allen Figuren zu ſehen iſt, um die Raufenbaͤume geſchlungen, und in den Pfaͤhlen die Loͤ⸗ cher ghi in Entfernungen von g bis 12 Zoll angebracht, in welche letztere man nach Erforderniß die in Fig. D vorgeſtellten Haken g ſteckt, woran die Raufen vermittelſt der Stricke gehangen werden. Die Anfertigung dieſer Raufen iſt zwar viel zuſammen geſetzter, als die der vori⸗ gen, indeß ſcheint ſie auch ihrem Zwecke mehr als jene zu genuͤgen. Den, von Herrn Riem am erwaͤhnten Orte gegebenen Nachrichten zufolge, waren dergleichen Krippen und Raufen ſchon in Schleſien bei dem Herrn von Hamm im Gebrauch. Eben ſo zuſammen geſetzt iſt die in demſelben Hefte von Herrn Riem beſchrie⸗ bene, einfache Raufe nebſt Krippe, welche in Fig. 137 vorgeſtellt iſt, und von dem Herrn Grafen Magnus in Eckersdorf in der Grafſchaft Glatz bereits in Anwendung gebracht ſeyn ſoll. aüde, geſchoben ie Erroſ⸗ t ſterkem die Erde ſie in die ier Haͤ⸗ mhoͤger Raufe elſt der ens we⸗ en aber ſtellen, reichen, fallende e Rau⸗ genan⸗ allen je L⸗ nach nitteſſt rvori⸗ Herm rippen hrie⸗ von s in welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Schafſtaͤlle c. 255 Anm. Laut einer, im tooten Stuͤck des Reichsanzeigers vom Jahr 18ot enthaltenen Nach⸗ richt, hat der Herr Herzog von Holſtein⸗Beck dieſe Raufe auch der Leipziger Oekono⸗ miſchen Soeietaͤt zur Beurtheilung vorgelegt. Der Mechanismus dieſer Vorrichtung beſteht in folgendem. Die Raufe abe Fig. A, welche in ihrer triangularen Form an allen drei Ecken zuſammen befeſtigt iſt, iſt bei a mit eiſernen Baͤndern an die Wandſtiele geheftet, um vermittelſt dieſer Baͤn⸗ der in die Hoͤhe gehoben und in die Stellung Fig. B gebracht werden zu koͤnnen. Die Seiten ab und bo beſtehen aus hoͤlzernen Sproſſen, welche wiederum in der Seite ab nur 12 Zoll, und in der Seite bo wenigſtens 4 Zoll aus einander ſtehen; ac ſind ebenfalls weitlaͤufig angebrachte, eiſerne oder hoͤlzerne Staͤbe, welche nur dazu dienen, die dreieckige Form der Raufe zu erhalten. In Fig. A iſt df ein Brett, welches bei d gleichfalls mit eiſernen Baͤndern an die Wandſtiele befeſtigt iſt, um ſolches in die Lage df Fig. B ahfſchlagen, und einſtwei⸗ len mit dem Vorreiber e in der aufrechten Stellung erhalten zu koͤnnen. Um die Raufe abo einſtweilen in der Stellung Fig. B aufgehoben zu halten, kann bei g in dem Frontſtiel ein Haken g befeſtigt ſeyn, an welchem ſolche vermittelſt der Kette gb gehalten wird. Das Verfahren beim Gebrauch beſteht darin. Wenn der Schaͤfer das Heu in die Raufe legen will, ſo ſteht ſie in der Stellung Fig. A; das Brett df wird in die Hoͤhe geſchlagen, und wenn das Heu in der Raufe iſt, ſo wird das Brett wieder her⸗ unter gelegt. Die Schafe freſſen dann durch die Raufenſproſſen be, wobei der Vor⸗ theil erhalten werden ſoll, daß ihnen die Raufe nicht ſo, wie die ſchraͤge ſtehenden Raufen uͤber den Koͤpfen haͤngt. Aber ich bemerke beilaͤufig, daß, wenn einige Scha⸗ fe ſich quer vor die Raufe ſtellen, es den, hinter ihnen ſtehenden eher, als bei der vo⸗ rigen Raufe moͤglich iſt, das Heu zu erreichen, und ſich ſo dennoch die Wolle zu ver⸗ derben. Das Brett df auf der Raufe dient lediglich dazu, damit die Schafe, wenn ſie auf die Raufe ſpringen, ſich nicht beſchaͤdigen koͤnnen. Haben die Schafe das Heu aus der Raufe verzehrt, dann wird ſie in die Stel⸗ lung Fig. B gezogen, worauf dann auch noch das Geſaͤme aus der Krippe verzehrt werden kann. Dieſe Krippen koͤnnen gleichfalls in beliebiger Laͤnge angefertigt werden. Die Laͤngen der Raufen aber richten ſich darnach, daß ſie noch bequem gehandhabt werden koͤnnen. Wenn laͤngs im Stalle Stiele aufgeſtellt werden, ſo laſſen ſich dieſe letztern Raufen auch doppelt an ſolche anbringen, welches ich aber, ſo wie uͤberhaupt die 254 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤnde, Wahl einer oder der andern Art der beſchriebenen Krippen und Raufen, jedem erfahre⸗ nen Oekonomen uͤberlaſſe. §. 123.. Von dem noͤ⸗ In Betreff des Futtergelaſſes iſt zu bemerken, daß viele Oekonomen fuͤr eee Lnihe ein Schaf auf die 6 Wintermonate, außer dem Erbſen-, Wicken- und anderm fe. Stroh, nur 1 Centner Heu rechnen. Dieß betraͤgt etwa taͤglich Pfund, und iſt mithin das kaͤrglichſte, was ihnen verabreicht werden kann, beſonders wenn ſie nicht daneben Hafer, Mohrruͤben oder Kartoffeln erhalten. Manche rechnen das Heu nur zum Abendfutter, und ſuchen dieß ſo einzutheilen, daß ſie durch Erſparung an ſolchen Tagen, wann die Schafe auf die Saat getrieben werden, etwas uͤbrig behalten, wel⸗ ches ihnen an den Tagen, wann ſie nicht ausgetrieben werden koͤnnen, zugelegt wird. Die Schafe ohne Morgenfutter, oder nuchtern auszutreiben, hat aber den Nachtheil, daß ſie mit heißhungriger Begierde uͤber die Saat, welche zuweilen beſchneit und be⸗ reift iſt, herfallen und dadurch anhaltende Durchfaͤlle erhalten. Wenn aber den Schafen hinreichendes Heu- und Strohfutter gegeben werden ſoll, welches ſich durch beſſeres Gedeihen der Thiere und ihrer Wolle verguͤtet; ſo kann man im Durchſchnitt auf jedes Stuͤck fuͤr die 6Wintermonate vom October bis Maͤrz 2 Centner Heu und Grummet, ohne das Erbſen⸗, Wicken⸗ und andere Strohfutter rechnen.— Was ferner die Pflege, Wartung und uͤbrige Behandlung der Schafe be⸗ trifft, ſo findet man daruͤber in dem oft angefuͤhrten dritten Heft der Herren Riem und Reuter ſehr belehrende Bemerkungen. §. 129. 3 Von Ausmit⸗ Die noͤthige Erſparung beim Bau und die kuͤnftige Unterhaltung der Landgebaͤu⸗ telung der de erfordert, daß ſolche nicht groͤßer„als durchaus noͤthig iſt, angelegt werden. Ue⸗ Groͤße eines Schafſalles ber die Grundſaͤtze zur Angabe der erforderlichen Groͤße der Schafſtaͤlle, mit Ruͤckſicht und des noͤ, auf denjenigen Raum, welcher zu Abtheilungen waͤhrend der Lammzeit erfordert wird, th gauſäni ſind die Oekonomen und Schriftſteller eben ſo ſehr, als in der Meinung verſchieden, ob die Schafſtaͤlle mehr warm als kalt ſeyn muͤſſen, welches letztere von der Groͤße und Hoͤhe der Staͤlle gleichfalls abhaͤngig iſt. Anm. In einigen Schriften, die von Ausmittelung der Groͤße der oͤkonomiſchen Gebaͤude han⸗ deln, hat man ſich auch bemuͤht, Formeln zur Beſtimmung des Verhaͤltniſſes, ſo wohl des ganzen Schafſtandes zu den Aeckern, Huͤtungen und Wieſen, als auch der verſchiedenen Ar⸗ ten von Schafen unter einander anzugeben. Einige rechnen dabei auf jede Hufe Acker 40 bis 50 Schafe, andere nehmen bei einer Drei⸗Felder⸗Wirthſchaft nur die Rockenausſaat ande n trfahre omen füͤr anderm und iſ ſe nich Heu nur nſolchen u, wel⸗ t wird. htheil und be⸗ werden tet; o ober bis andere afe be⸗ Riem zebau⸗ . le⸗ ückſicht widd, hieden, ße und e han⸗ w des en Ar⸗ ker o zſaat welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Schafſtaͤlle dc. 255 zum Maßſtabe an, und rechnen auf jeden Scheffel 3 bis 4 Schafe. Ferner wird ange⸗ nommen, daß die Haͤlfte, oder auch wohl zwei Drittel der Zuchtherde aus Mutter⸗ ſchafen beſtehe, um viele Laͤmmer zuzuziehen, wobei gewoͤhnlich auf zehn Mutterſchafe ein Bock gerechnet, und der uͤbrige Theil der Herde aus Jaͤhrlingen und Laͤmmern beiderlei Geſchlechts beſtehend angenommen wird. Alle dergleichen Berechnungen ſollten aber billig nur dem Oekonomen uͤberlaſſen bleiben, indem die Verſchiedenheit des Ackers, der Wirthſchaftsmethode und andere Umſtände dieß ſehr oft abaͤndern. Der erforderliche Stallraum fuͤr: Schaf wird von den bekannteſten Schriftſtel⸗ lern von 5 bis zu 10 Quadratfuß verſchieden angegeben. Daß ſorches ſehr von der Verſchiedenheit der Oekonomie⸗Princixien, vielleicht gar nur von Meinungen abhaͤngt, beweiſet der, von dem Geheimen Ober-Baurath, Herrn Riedel jun., in den Sammlungen nuͤtzlicher Aufſaͤtze ꝛc., die Baukunſt betreffend, 1797 im zweiten Stuͤck mitgetheilte Aufſatz, nach welchem derſelbe ſich viele Muͤhe ge— geben hat, durch Ausmeſſung verſchiedener Schafſtaͤlle, mit welchen die Oekonomen ſehr zufrieden waren, den fuͤr jedes Schaf erforderlichen Raum auszumitteln. Ob⸗ gleich nun dieß der ſicherſte Weg iſt, um hieruͤber eine Beſtimmung zu erhalten; ſo ha⸗ ben ſeine Ausmeſſungen dennoch vierfach verſchiedene Reſultate, naͤhmlich 5 ½, 6&, 6 und 9 Quadratfuß Stallraum fuͤr jedes Schaf geliefert. Ein anderer Weg zur etwanigen Pruͤfung des zu großen oder zu geringen Betra⸗ ges dieſer Angaben laͤßt ſich durch Eintheilung oder Stellung der noͤthigen Raufen verſuchen. Da naͤhmlich die Schafe waͤhrend des Futterns am mehrſten vertheilt im Stalle ſtehen, alſo den groͤßten Raum einnehmen, auch zugleich nothwendig zu ſeyn ſcheint, daß ſie ſaͤmmtlich und zu gleicher Zeit zu den Raufen und Krippen gelangen koͤnnen; ſo iſt es gewiß, daß nach ſolcher Berechnung der groͤßte Raum fuͤr einen Schafſtall ausgemittelt wird. Ob die Raufen nach der Laͤnge oder Tiefe des Gebaͤudes ſtehen ſollen, hat auf die Ausmittelung der Groͤße des Stalles keinen Bezug, ſondern dieß richtet ſich mehr darnach, ob die Thorwege zum Eintreiben an den Giebeln oder in den Fronten liegen, und wie ſich die Schafe, ohne von den Raufen behindert zu werden, beim Eintreiben am geſchwindeſten im Stalle vertheilen koͤnnen. Die Raufen moͤgen nun nach der Laͤnge oder nach der Tiefe des Gebaͤudes ge— ſtellt werden; ſo bleibt die Frage, wie weit die Diſtanzen ſeyn muͤſſen, in welchen ſie unter einander entfernt ſtehen. Die doppelten Raufen ſind reichlich gemeſſen 2 Fuß breit, und ein Schaf, vor der Krippe ſtehend, iſt ungefaͤhr 3 Fuß lang. Borheck giebt daher fuͤr die Entfernung der Raufen von Mittel zu Mittel derſelben 12 Calem⸗ bergiſche oder 11½ Rheinlaͤndiſche Juß an. Dagegen verlangt Herr Riem(der doch 256 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, ſo ſehr die luftigen und großen Staͤlle anruͤhmt) laut ſeinen Zeichnungen nur g Fuß. Letzteres halte ich gleichfalls fuͤr Pinreichend, und wenn die Raufen wie gewoͤhnlich nach der Laͤnge des Stalles geſtellt werden, und dabei die Entfernung derjenigen Raufen, welche den Fronten zunaͤchſt ſtehen, auf 6 Fuß angenommen wird; ſo erhaͤlt jeder Schafſtall fuͤr eine gegebene Anzahl Raufenreihen zugleich eine beſtimmte Tiefe. Ferner wird allgemein angenommen, daß ein Schaf, vor der Raufe ſtehend, 11 Fuß von der Laͤnge der Raufe einnimmt, wodurch aus der Anzahl der Schafe und der Raufenreihen die Laͤnge des Stalles gefunden werden kann. Wir wollen nun hiernach annehmen, es ſoll ein Stall fuͤr 1000 Stuͤck Schafe erbauet werden, und es ſollen darin vier Reihen doppelter Raufen nach der Laͤnge des Stalles ſtehen; ſo iſt die Rechnung folgende: Eintauſend Schafe an 4 Reihen doppelter Raufen giebt 1292= 125 Stuͤck Schafe in einer Reihe neben einander. Jedes Schaf 1 Fuß breit giebt 125 14 = 156 Fuß Laͤnge des Stalles im Lichten. Ferner 4 doppelte Raufenreihen nach den vorhin angegebenen Dimenſionen, naͤhmlich 9 Fuß von Mittel zu Mittel und 6 Fuß von den Fronten geſtellt, geben fuͤr die Tiefe des Gebaͤudes im Lichten= 39 Fuß. Der Stall fuͤr r00 Schafe wuͤrde hiernach 156 ¾ Fuß lang und 39 Fuß tief im Lichten ſeyn muͤſſen, welches 6093 Quadratfuß uͤberhaupt, oder fuͤr jedes Schaf ungefaͤhr 6½5 Quadratfuß betraͤgt. Erhielte der Stall aber nur 3 Reihen doppelter Raufen; ſo wuͤrde ſeine Diefe im Lichten 30 Fuß ſeyn, dagegen wuͤrden 1232= 167 Stuͤck Schafe in jeder Reihe ſte⸗ hen, und die Laͤnge des Stalles wuͤrde im Lichten 167 11= 209 Fuß betragen. Dieß gaͤbe 6270 Quadratfuß uͤberhaupt, oder ungefuaͤhr 675 Quadratfuß fuͤr jedes Schaf. Wenn indeſſen die Unterzugsſtaͤnder, und in hoͤlzernen Staͤllen auch die Strebe⸗ waͤnde(ſiehe im zweiten Theil Seite 31 Fig. 27) den Raum beſchraͤnken, desgleichen die noͤthige Breite eines vor der Raufe ſtehenden Schafes nicht uͤberfluͤſſig gerechnet iſt; ſo iſt dagegen auch zu bemerken, daß die Schafe, ſo wie angenommen worden, ſaͤmmtlich neben einander vor der Raufe doch niemahls ruhig ſtehen bleiben, ſondern ſich aus Neid beſtaͤndig draͤngen und herum laufen, und wenn auch noch ſo uͤberfluͤſſi— ger Platz vorhanden waͤre. Man kann alſo unter dem letzterwaͤhnten Umſtande mit ziemlicher Sicherheit bei einem Stalle fuͤr 1000 und mehrere Schafe auf jedes Stuͤck 6 ⅞ bis 6½ Quadratfuß, bei Staͤllen aber fuͤr eine kleinere Herde auf jedes Stuͤck 6 ½ bis 7 Fuß rechnen, wel⸗ ches auch mit dem, was ich daruͤber in meinem Abriſſe der Cameral⸗Bau⸗ wiſſen⸗ ſſſſ“ dod 4 4 welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Schafſtaͤlle c. 257 9 Fuß. nich u wiſſenſchaft Seite 94 geſagt habe, und mit den Aus zmittelungen des Herrn Rie⸗ Naufa, del jun. uͤberein kommt. thäſt ſeder Anm. Die Abtheilung der Schafe zur Lammzeit geſchieht gewoͤhnlich durch Horden, und zwar f dergeſtalt, daß diejenigen Schafe, welche fruͤh gelammt, von denen, welche ſpaͤter gelammt 4 haben, in beſondern Räͤumen abgeſondert werden, damit ſo wohl die Mutterſchafe an ihre f ſteherd, 4 Laͤmmer, als auch die Lämmer an ihre Mutterſchafe ſich gewoͤhnen, und die jungen Laͤmmer chefe und von andern Schafen nicht beſchaͤdigt werden. Dergleichen noch kleinere Abtheilungen ſind zuweilen noͤthig, wenn von einem Mutter⸗ ſchafe das Lamm, oder von einem Lamme das Mutterſchaf geſtorben iſt, und ſich erſteres an KSchafe letzteres, oder letzteres an erſteres gewoͤhnen ſoll. Fuͤr kranke Schafe, wenn naͤhmlich die Krankheit nicht anſteckend iſt, werden gleichfalls beſondere Abhordungen im Stalle gemacht. Ein Stall fuͤr 1000 Schafe wuͤrde alſo nach dieſer Beſtimmung bei 39 Fuß JStuck Tiefe im Lichten und fuͤr jedes Stuͤck 6 ¾ Quadratfuß gerechnet, 167 Fuß lang im S Lichten angelegt werden muͤſſen: und wenn man hiernach den Bodenraum berechnet; er Laͤnge 1 85 21 ſo findet ſich, daß derſelbe zugleich vollkommen groß genug iſt, um das Maͤnzfteer zu u(ſiehe§. 128.) daſelbſt aufbewahren zu koͤnnen. 7= 39§. 130. Fuß tif Nach dieſen Regeln, und wenn die Raufen nach der Laͤnge des Gebaͤudes ſte⸗ onſtruetion 5 Shef hen, iſt es alſo nicht willkuͤhrlich, welche Tiefe man einem Schafſtalle geben will. a. Schaf⸗ Sollten aber die Raufenreihen nach der Tiefe des Gebaͤudes ſtehen, ſo richtet ſich die— Tife im zu gebende Tiefe nur nach der ſchicklichen Entfernung der Unterzuͤge, wie ſchon bei den deihe ſte vorher beſchriebenen Conſtructionen erinnert worden. elragen. Die Oekonomen wuͤnſchen wegen Aufſtellung der Raufen und Ausfuͤhrung des r jides Duͤngers die Schaſſtaͤlle innerhalb ganz frei, d. h. ohne Unterzugsſtaͤnder ꝛc. zu haben, und es ſind daher auch einige Baumeiſter in ihren Schriften ſchon auf den Gedanken Strebe⸗ gekommen, ſelbige mit Haͤngewerken zu conſtruiren. Da dieſe aber ſehr ſtarke Neichen Mauern und uͤberhaupt große Baukoſten erfordern, ſo bleibt es wohl der oͤkonomiſchen erechnet Beaukunſt angemeſſener, ſich die Unterzuͤge und die darunter noͤthigen Unterzugsſtaͤn⸗ worde, der gefallen zu laſſen. ſondern Bei einer Tiefe von 30 Fuß im Lichten iſt nur ein Unterzug in der Mitte noth⸗ derfliſ wendig. Wenn aber dann in der Mitte der Giebel Thorwege vorhanden ſeyn ſollen, ſo ſind die dem Giebel zunaͤchſt ſtehenden Unterzugsſtaͤnder beim Ein- und Ausfahren heit bei hinderlich, auch waͤre fuͤr den Unterzug uͤber der Mitte dieſer Thorwege keine hinlaͤng⸗ aufuß liche Unterſtuͤtzung vorhanden, weshalb in dieſem Falle nichts anderes moͤglich iſt, als we⸗ die Thorwege außer der Mitte der Giebel anzubringen. Es iſt daher beſſer, wenn Bau⸗ naͤhmlich ſo langes Holz vorhanden iſt, den Stall 39 Fuß im Lichten tief zu machen, iſſen⸗ V Kk 258 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, ſo daß dann bei zwei Unterzuͤgen die Thorwege in der Mitte der Giebel verbleiben koͤnnen, und an der Laͤnge der Umfaſſungswaͤnde vieles erſpart wird. Bei ſolcher, in Fig. 138 angenommenen Eintheilung der Unterzuͤge, wornach naͤhmlich die Balken nicht zu lang frei liegen, koͤnnen auch, um das lange Bauholz zu ſchonen,(außer den Binderbalken) die dazwiſchen liegenden, ſo genannten Frei— balken auf die Unterzuͤge mit Hakenkaͤmmen geſtoßen werden. Die Eintheilung der Balkenweiten richtet ſich bei jedem Gebaͤude nach der Con⸗ ſtruction der Decke, ſo wie die Sparrenweite nach der Art der Eindeckung. Wenn nun die verlangte Conſtruction der Balkendecke und die Dacheindeckung gegen einander hiernach im Widerſpruche ſtehen, da naͤhmlich bei den ſo genannten halben Windel⸗ boͤden die Entfernung der Balken zwiſchen 3 hoͤchſtens 4 Fuß, und bei den,§. 126. gedachten, geſtreckten Windeldecken bis hoͤchſtens 6 Fuß, dagegen die Sparrenweite zu Ziegel⸗ und Lehmſchindel⸗Daͤchern nicht uͤber 4 Fuß, und zu gewoͤhnlichen Stroh⸗ oder Rohrdaͤchern hoͤchſtens 6 Fuß betragen duͤrfen;*) ſo laſſen ſich die, in Abſicht der Balken⸗ und Sparrenweiten nicht correſpondirenden Conſtructionen des Daches und der Decke auf keine andere Art als durch Auswechſelung der Balken zuſam⸗ men vereinigen. *) Fuͤr Windeldecken, Ziegel⸗ und Lehmſchindeldaͤcher ſind vier Fuß, und fuͤr geſtreckte Windel⸗ decken und Strohdaͤcher ſechs Fuß Sparren⸗ und Balkenweite als das alleraͤußerſte zu be⸗ trachten, welches nie uͤberſchritten werden darf. Beſſer iſt es, ſie geringer, und zwar erſtere nur zu drei Fuß, und letztere nur zu fuͤnf Fuß Weite anzuordnen. Nehmen wir daher an, daß auf einem Schafſtalle eine geſtreckte Windeldecke und ein Lehmſchindeldach ſtatt finden ſollen, und ſetzen wir feſt, daß, wegen der Laſt des Rauhfutters im Dache, die Balken nicht weiter als 5 Fuß aus einander liegen ſol⸗ len; ſo werden(wenn naͤhmlich allemahl der dritte Balken ein Binder iſt, und die Sparren dazwiſchen nach Maßgabe eines Lehmſchindeldachs eingetheilt werden) die Sparrenweiten 3 Fuß betragen, welches zwar eine dem Lehmſchindel-Dache ſehr an— gemeſſene Entfernung iſt, wobei aber ſaͤmmtliche Freiſparren auf Stichbalken ſtehen muͤßten(ſiehe Fig. 139 A)). Umgekehrt, wenn z. B. ein Windelboden und ein Strohdach zuſammen geſetzt werden ſollen; ſo wird unter obigen Bedingungen die Bal⸗ kenweite 3 Fuß und die Sparrenweite 5 Fuß betragen, weshalb wiederum ſaͤmmt⸗ liche Freiſparren auf Stichbalken ſtehen muͤſſen(ſiehe Fig. 139 B). Anm. Sollte die beſtimmt gegebene Laͤnge eines Stalles mit dieſen Balken⸗ und Sparrenweiten nicht genau zutreffen, ſo iſt es immer beſſer, einen Balken mehr, als einen weniger einzu⸗ legen. Eben dieſes iſt auch bei Eintheilung der Unterzugsſtaͤnder und Dachbinder zu be⸗ obachten. ude, ebleiben dornach bol zu Frei⸗ er Con⸗ Wenn inander Hindel⸗ 126, weite reh⸗ Abſicht Daches zuſam⸗ Windel⸗ zu be⸗ erſtere decke Laſt n ſol⸗ d die ) die ir an⸗ ſtehen nd ein Bal⸗ mmt⸗ reiten inxus g he⸗ welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Schafſtaͤllec. 259 Beide erwaͤhnte Sparren⸗ und Balkenvertheilungen ſind eigentlich nicht einer ganz ſoliden und dabei regelmaͤßigen Conſtruction angemeſſen, indem dergleichen Aus⸗ wechſelungen ꝛc. immer nur zu den Nothbehelfen gehoͤren, auf welche man ſich nicht in Abſicht des Schubs der Sparren ganz verlaſſen ſollte. Regelmaͤßiger und beſſer iſt es dagegen, die Art der Decken und der Dachbedeckung ſo gegen einander zu waͤhlen, daß entweder auf jeden Balken, oder doch auf einen Balken um den andern ein Spar⸗ rengebind geſetzt wird. Muß man aber, vielleicht aus beſonderer Oekonomie, die vorerwaͤhnte Balken⸗ und Sparreneintheilung waͤhlen; ſo iſt als eine Hauptregel dabei zu beobachten, die Wechſel ſo nahe als moͤglich an die Fronten zu legen, und in den Balken mit einem Bruſtzapfen(Fig. 2 im zweiten Theil) die Stichbalken aber in den Wechſeln mit ei⸗ nem Schwalbenſchwanz⸗Zapfen(Fig. 12 im zweiten Theil) zu verbinden. Die Wechſel ſo nahe als moͤglich gegen die Fronten zu legen, hat darin ſeinen Grund, um die, durch Einzapfung der Wechſel in die Balken verurſachte Schwaͤchung der letztern ſo nahe als moͤglich an ihrem Auflager anzubringen. Die hierdurch noth⸗ wendige Durchlochung der Balken wuͤrde alſo, wenn die Balken von Halbholz, naͤhm⸗ lich ein Mahl aufgeſchnittenem Ganzholze gewaͤhlt werden ſollten, noch nachtheiliger ſeyn. Daher ſind Balken von Halbholz nur da anzubringen, wo auf dem Balken ſelbſt ein Gebind Sparren ſteht, und auch eigentlich nur bei geſtreckten Windeldecken. Die Unterzugsſtaͤnder mehr als 16 Fuß und bis zu 18 und 20 Fuß weit aus ein⸗ ander zu ſtellen, wie dieß die Oekonomen in Abſicht des innern Raums wohl wuͤn⸗ ſchen, waͤre an ſich zwar wohl mit Huͤlfe der Sattelhoͤlzer(ſiehe im zweiten Theil §. 10. Fig. 21) moͤglich, jedoch deshalb nicht anzurathen, weil dann auch die Dach⸗ binder, deren Raͤhme doch gewoͤhnlich ſchwaͤcher ſind, zu weitlaͤufig ſtehen, auch in hoͤlzernen Staͤllen, die im zweiten Theile Fig. 27 gedachten Strebewaͤnde, zu weit aus einander ſtehen wuͤrden. Die Unterzuͤge muͤſſen durch Baͤnder von den Unterzugsſtaͤndern aus unterſtuͤtzt werden. Eben ſolche Baͤnder auch unter die Binderbalken nach der Diefe des Gebaͤu— des anzubringen, kann hoͤchſtens nur den Nutzen haben, daß die Punkte, in welchem die Dachſtuhlſaͤulen auf den Balken ſtehen, noch beſſer unterſtuͤtzt werden. Da dieß aber bei gehoͤriger Vertheilung der Unterzuͤge nicht von eigentlicher Nothwendigkeit iſt, dagegen letztere Baͤnder beim Durchfahren durch den Stall ſehr hinderlich ſeyn wuͤr— den, ſo iſt es zweckmaͤßiger ſie ganz wegzulaſſen. Einige Baumeiſter haben die eben gedachten, von den Unterzugsſtaͤndern nach den Binderbalken hinauf reichenden Baͤnder auch in Abſicht des Verbandes nach der Kk 2 260 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, Tiefe, gegen den Stoß der Sturmwinde, beſonders in hoͤlzernen Staͤllen, fuͤr noth⸗ wendig gehalten. Dieß iſt aber bei Schafſtaͤllen, welche innerhalb ſo leer von Ver⸗ bandſtuͤcken ſind, allein nicht hinlaͤnglich. Andere haben nebſt dieſen Baͤndern die ſo genannten Spannriegel empfohlen, uͤber deren Unzulaͤnglichkeit ſchon im zweiten Theile §. 11. gehandelt worden iſt, und hier noch bemerkt wird, daß ſie zugleich einen Theil der zum Durchfahren noͤthigen Hoͤhe wegnehmen. In Schafſtaͤllen von Fachwerk ſind daher die im zweiten Theile§. 10. beſchriebe⸗ nen und hier in Fig. 138 A und B mit a angedeuteten Strebewaͤnde noch immer das zweckmaͤßigſte und einfachſte Mittel, dieſe, innerhalb ganz hohle Gebaͤude, gegen den Druck und Umſturz vor den Sturmwinden zu ſichern. Dergleichen Strebewaͤnde muͤſſen wenigſtens an einem Binder um den andern abwechſelnd an beiden Fronten an⸗ gebracht werden. Dieſe, an ſich ſehr nothwendigen Strebewaͤnde beſchraͤnken einigermaßen den Raum im Stalle. Es iſt daher auch aus dieſer Urſache beſſer, die Schafſtaͤlle maſſiv, d. h. von gebrannten Steinen, oder von Lehmpatzen, Piſé ꝛc. zu bauen, weil ſolche Umfaſſungsmauern ohne Strebewaͤnde vermoͤge ihrer eigenen Laſt und breitern Grund⸗ flaͤche ſchon hinlaͤnglich feſt ſtehen. Da der Miſt im Stalle zuweilen bis auf 3 Fuß hoch ſich anhaͤuft, ſo muͤſſen die Fundamente unter den Unterzugsſtaͤndern eben ſo hoch, und, wenn man die,§. 123. erwaͤhnte, innere Anhoͤhung von 6 Zoll mit in Anſchlag bringt, 3 ½ Fuß von der Unterkante der Plinte hoch, von Feld- oder gebrannten Mauerſteinen aufgemauert werden. In Betreff der Anfertigung dieſer Pfeiler⸗Fundamente beziehe ich mich auf das, was daruͤber ſchon vorher in dieſem Abſchnitte geſagt worden, und bemerke nur noch, daß dieſe Fundamente wegen ihrer frei ſtehenden Hoͤhe uͤber der Erde nicht zu kurz, gegentheils aber, um auch die Stellung der Raufen nicht zu ſehr zu hindern, nicht zu breit ſeyn duͤrfen, ſondern nach Fig. 138 A etwa 3 Fuß lang und nur 2 Fuß breit angelegt werden koͤnnen. Dieſe Fundamente werden mit einer Rollſchicht abgegli⸗ chen, eine Kreuzſchwelle, wo moͤglich von Eichenholz, wird darauf gepaßt, und auf ſolche werden die Stiele vermittelſt eines Zapfens geſtellt. Zur Conſervation der Wolle an den Schafen iſt es vortheilhaft, ſo wohl die Kreuzſchwellen, als auch den untern Theil der Unterzugsſtaͤnder rings herum zu hobeln, und wenigſtens 4 Fuß hoch, innerhalb an den Umfaſſungsmauern, glatt zu putzen, wenn auch alles uͤbrige Mauerwerk von innen und außen nur berappt wird. Anm. Einige Oekonomen und Baumeiſter ſchlagen vor, um die Wolle zu ſchonen, die Funda⸗ mentpfeiler im Stalle mit glatt gehobelten Brettern zu bekle den. Einestheiis iſt aber dies, wenn die Pfeiler glatt geputzt weryen, uͤberfluſſig, anderntheits iſt es ſehr koſtſpielig. — — aude, für wtt von Ver⸗ en die ſo ten Thelle nen Theil eſchritbe⸗ nmer das gegen den bewaͤnde ꝛren au⸗ an den maſſid, il ſolche Grund iſen die §. 123. von der emauert iich auf ke nur icht zu ndern, 2 Fuß abgegl⸗ und auf ohl die hobeln ruße, Furdas er dies ——— welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Schaſſtaͤllec. 261 Was die Form und Conſtruction des Daches, der Eindeckung, der Thuͤren und Thorwege ꝛc. betrifft; ſo beziehe ich mich auf das, was daruͤber ſchon vorher und in den erſten beiden Theilen dieſes Werks geſagt worden, und ich bemerke nur noch, daß bei Gebaͤuden dieſer Art, wenn gleich die Umfaſſungsmauern maſſiv ſind, dennoch der Erſparung wegen keine gemauerten Geſimſe gemacht werden, ſondern die im zweiten Theile Fig. 19 A B Cgezeigte Vorrichtung mit den Balkenkoͤpfen Behufs der Traufe gewoͤhnlich angewendet wird. In einem Schafſtalle von der in Fig. 138 A angegebenen Loͤnge muß wenigſtens eine Treppe in der Mitte vorhanden ſeyn, um nach dem Boden gelangen zu koͤnnen. Der obere Theil der Treppe wird feſt mit Brettern bekleidet, mit einer verſchloſſenen Thuͤre und mit Futterſtufen verſehen, damit weder das Heu vom Boden entwendet werden, noch die Duͤnſte auf dieſem Wege ſich dem Rauhfutter mittheilen koͤnnen. Die Treppe wird zunaͤchſt der mittlern Durchfahrt angelegt, doch ſo, daß letztere da⸗ durch nicht behindert wird. Neben dieſer Treppe wird gewoͤhnlich ein Haͤngeboden von einer ſolchen Groͤße angebracht, daß im Winter die, auf dem Felde gebrauchten Horden und im Sommer auch wohl die Krippen und Raufen aus dem Stalle daſelbſt aufbewahrt werden, imgleichen, daß ein oder mehrere Knechte darauf ſchlafen koͤnnen. Dieſes Haͤngegeſtell muß, um auf dem Erdboden des Stalles keinen Raum wegzuneh⸗ men, nicht von unten unterſtuͤtzt, ſondern nur von den Balken herunter durch Haͤnge⸗ ſaͤulen getragen werden. Ferner kann, um auf den Haͤngeboden kommen zu koͤnnen, die Treppe, wie in Fig. A gezeichnet iſt, gebrochen ſeyn, und zwar die untere Rampe derſelben ſo viele Stufen erhalten, als fuͤr die Hoͤhe des Haͤngegeſtelles kkih von der Erde an noͤthig ſind. Die Hoͤhe des Haͤngegeſtelles von der Erde hinauf wird wegen der Anhaͤufung des Miſtes wenigſtens 5 Fuß betragen muͤſſen. Außer dem, was bereits in dieſem und in den erſten beiden Baͤnden dieſes Hand⸗ buchs uͤber den Bau maſſiver Umfaſſungsmauern geſagt worden, iſt hier noch folgen⸗ des zu bemerken. Bei der, in Fig. 138 angenommenen Groͤße eines Schafſtalles, wuͤrden die Fronten und Giebel wenigſtens zwei gebrannte Mauerſteine, von Feldſteinen, ſo wie von Piſé zwei Fuß, und von Lehmpatzen oder Luftſteinen zwei und einen halben Stein ſtark, angenommen werden muͤſſen. In Betreff der Conſtruction der Giebel im Dache zeige ich auf das, was daruͤber bei den Scheunen§. 53 angefuͤhrt worden. Weil die Lehmmauern von dem, im Stalle ſich anhaͤufenden Miſte nach und nach erweicht werden wuͤrden; ſo muß die durchaus von Feld⸗oder gebrannten Stei⸗ nen gemauerte Plinte, außerhalb gemeſſen, wenigſtens 3 ½ Fuß hoch, und nachdem ſol⸗ Schafſtaͤlle in Scheun⸗ gebaͤuden. 262 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, che abgeſetzt worden, noch 6 Zoll daruͤber(wie§. 11 Fig. 16 gezeigt iſt) durch die ganze Mauerſtaͤrke von gebrannten Mauerſteinen oder von geſprengten Feldſteinen mit Kalk gemauert werden. Außer den Pfeilern unter den Unterzugsſtaͤndern kommen in Schafſtaͤllen von Fachwerk die, in Fig. 138 mit y bezeichneten Pfeiler unter den Strebewaͤnden noch hinzu, welche, ſo wie die Untermauerung der Fronten, 3 Fuß uͤber den innern Erd⸗ boden reichen muͤſſen. Ddie Eck⸗ und Bundſtiele, ſo wie die Sturmbaͤnder in den Strebewaͤnden, des⸗ gleichen die Unterzuͤge nebſt Staͤndern, muͤſſen von ganzem Holze und hinlaͤnglich ſtark ſeyn. Die Schwellen dagegen koͤnnen von Halbholz und die Zwiſchenſtiele in den Fronten und Giebeln von ſtarkem Halb⸗ oder Kreuzholze oder ſchwachem Mittelholze gemacht werden, weil hier nicht, ſo wie bei den Scheunen§. 50 bemerkt worden, ein Seitendruck ſtatt findet. §. 13r. Es iſt ſchon§. 31 bemerkt worden, daß bei ſehr geſegneten Ernten die Schafſtaͤl⸗ le zuweilen als Getreideſcheunen, oder umgekehrt, eine der Scheunen als Schafſtall be⸗ nutzt werden. Letzteres iſt indeß eigentlich nur in ſolchen Wirthſchaften anwendbar, wo der ganze Schafſtand gering iſt„ indem in einer gewoͤhnlichen Scheune von zwei Banſen etwa nur 300 bis 400 Schafe Platz finden wuͤrden, folglich eine groͤßere Her⸗ de ſchon eines eigenen Stalles bedarf. Oder man muͤßte denn außer dem Schafſtalle noch eine der Scheunen fuͤr die Haͤmmel oder das Merzvieh gebrauchen. Die doppel⸗ te Benutzung eines Gebaͤudes als Stall und Scheungebaͤude geſchieht in der Art, daß das reifſte oder Saatkorn, ſo wie auch ein Theil des Futterkorns darein gebanſet wird, waͤhrend im Sommer die Schafe auf dem Felde gehordet werden. Gegen Martini wird das Korn ausgedroſchen und hinausgeſchafft, und die Schafe nehmen dann den Raum als Winterſtallung wieder ein. Als Interims⸗Scheune bei unver⸗ hoffter reichlicher Ernte ſcheint dieß zwar von Vortheil zu ſeyn; ob aber auch außerdem, bei gewöhnlichen Ernten, auf dieſen Doppelgebrauch des Schafſtalls gerechnet werden duͤrfe, wollen wir erfahrenen Oekonomen zur Entſcheidung uͤberlaſſen. Ein ſolcher auch als Scheune zu gebrauchender Schafſtall muß dann vollſtaͤndig wie eine Scheune eingerichtet ſeyn, d. h. einen ordentlich geſchlagenen, 15 Fuß brei⸗ ten Scheunflur, und auf jeder Seite deſſelben eine Banſe erhalten. Die Scheuntho⸗ re und Luftzuͤge werden ſo wie in Scheunen, die Fenſter aber wegen des Drucks des Getreides nur klein angelegt. Die Tennenwaͤnde erhalten dieſelbe Verſtrebung wie in — ——— welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Schaſſtaͤlleꝛc. 2653 den Scheunen, und in der Mitte einer jeden derſelben wird eine, 10 Fuß breite Oeff⸗ nung gelaſſen; das uͤbrige aber wird ausgemauert oder ausgeſtackt. Dieſe Oeffnungen in den Tennenwaͤnden werden, wenn die Schafe eingeſtallt ſind, mit Planken etwa 4 Fuß hoch wie in einem Zaune, zugeſetzt, zu welchem Ende die Stiele mit Falzen verſehen werden muͤſſen. Die Laͤnge der Banſen kann zwar zu dieſem doppelten Gebrauch nicht genau be⸗ ſtimmt werden; daher aber ſind bei mehr als 30 Fuß Laͤnge einer jeden Banſe, in Abſicht des feſten Standes eines ſo hohlen Gebaͤudes und wegen des Drucks des Ge⸗ treides gegen die Frontwaͤnde, die Regeln einer guten Conſtruction alsdann deſto ſorg⸗ faͤltiger zu beobachten. Die in§. 46 angegebene Hoͤhe der Scheune kann hier beibehalten werden, weil es den Schafen vortheilhafter iſt, eher einen zu hohen, als einen zu niedrigen Stall zu haben, und weil bei dem Einbanſen des Getreides die Hoͤhe ganz benutzt wird. Ei⸗ ne weſentliche Verſchiedenheit gegen eine ordentliche Scheune erhaͤlt aber ein ſolcher Schafſtall dadurch, daß wegen der noͤthigen Waͤrme im Winter, beſonders zur Lammzeit, uͤberall Balken durchgelegt, und ſolche zu einer ordentlichen Decke fuͤr den Bodenraum zum Futtergelaſſe eingerichtet werden. Die vorher erwaͤhnte Ausſetzung der Oeffnungen in den Tennenwaͤnden mit Plan⸗ ken geſchieht ſo niedrig, daß die Schafe nur verhindert werden, beſtaͤndig den Scheun⸗ flur zu zertreten. Da aber auf dieſe Art die Waͤrme und der Dunſt aus dem Stalle nach dem Dachboden gefuͤhrt werden koͤnnte, wenn die Faͤcher zwiſchen den Balken uͤber der Tenne wie in einer Scheune offen waͤren; ſo muͤſſen auch dieſe Balken ausge⸗ ſtackt und gelehmt, und es muß darin nur eine Oeffnung mit Klappthuͤren gelaſſen wer⸗ den, um durch ſelbige das Heu vom Wagen hinauf ſtecken zu koͤnnen. Die Treppe nach dem Boden, oder auch nur eine Leiter, wird in einer der Banſen angelegt. Daß alsdann auch einige Dachfenſter zur Erleuchtung des Bodens erforderlich ſind, ver⸗ ſteht ſich von ſelbſt. §. 132. Es iſt ſchon§. 122 erwaͤhnt worden, daß die Schafe in einigen Gegenden Offene Deutſchlands, vorzuͤglich aber in England, theils ganz unter freiem Himmel, theils Schafſchur⸗ in ganz oder halb offenen Staͤllen, den Winter hindurch gehalten werden. Was die 9u ganz offenen Schafſtaͤlle betrifft, ſo ſind dazu alle Arten von Schuppen, wie deren ſchon mehrere beſchrieben worden, anwendbar. Es braucht alſo nur noch die Anlage und Conſtruction der halb offenen Staͤlle hier beruͤhrt zu werden. 264 Zweiter Abſchn. Von Anlage u. Conſtruct. ſolcher Gebaͤude, In Fig. 140 A und B iſt die Anlage eines halb offenen oder Schafſtalles vorgeſtellt. Ein laͤngliches, zum Schafhofe beſtimmtes, und auf einem etwas er⸗ hoͤheten Terrain liegendes Viereck abed Fig. A wird an beiden langen Seiten ab und de mit den halb offenen Schuppen nach dem Profil Fig. C, an einer der kuͤr⸗ zern Seiten ad aber mit einem ganz geſchloſſenen Stalle nach dem Profil B einge⸗ ſchloſſen. Die andere, kurze Seite be kann, wenn es die Groͤße der Herde erfor⸗ dert, auch noch mit einem halb offenen Stalle, ſonſt aber nur mit einem Zaune ein⸗ geſchloſſen werden. 3 Die aͤußern Fronten eb und fe, welche zugleich die Bewaͤhrung ausmachen, er⸗ halten keine Oeffnungen, weder Fenſter noch Thorwege; dagegen ſind die, nach dem Schafhofe gekehrten Fronten hi und gk ganz offen, indem das Dach nur auf einzel⸗ nen Saͤulen ruht, wie in Fig. C im Profil zu ſehen, und wenn noch in dem Gehege ik ein Thorweg angelegt wird, ſo kann durch den ganzen Schafhof gefahren werden. Die Hoͤhe dieſer Staͤlle im Lichten wird 10 bis 11 Fuß. Da aber bei dieſer Hoͤhe, wenn die Stielel m in Fig. O die innere Fronte bildeten, bei Strichregen die Schafe nur wenig Schutz finden wuͤrden; ſo iſt es beſſer, noch einen Vorbau zu ma⸗ chen, welcher auf kuͤrzern Stielen on ruht. Dieſe ſaͤmmtlichen Stiele erhalten pfeilerweiſe Fundamente; uͤbrigens aber brauchen allenfalls die Stiele n o nur einge⸗ graben zu ſeyn. Herr Riem hat in dem mehr erwaͤhnten Hefte ebenfalls die Anweiſung zur An⸗ lage halb offener Schafſtaͤlle geliefert, und daneben in einem ganz geſchloſſenen Stal⸗ le, welcher fuͤr kranke und fuͤr Mutterſchafe mit ihren jungen Laͤmmern beſtimmt iſt, die Wohnung des Schaͤfers angelegt, damit der Schaͤfer bei dieſen huͤlfsbeduͤrftigen Thieren ſogleich zur Hand ſei. Ich trete indeß dieſer Meinung aus dem Grunde nicht bei, weil dieß leicht zu Feuersgefahr Anlaß geben kann, und halte dafuͤr, daß es al⸗ lemahl beſſer ſei, keine Wohnung mit Feuerung in dergleichen Gebaͤuden anzulegen. Die hierbei beabſichtigte Bequemlichkeit kann dadurch, daß einer oder mehrere Knech⸗ te im Stalle, entweder unter der Treppe oder auf einem beſondern Haͤngegeſtell ſchla⸗ fen, ebenfalls erreicht, und das Schaͤferhaus in der Naͤhe des Schafſtalles, jedoch iſolirt, erbauet werden. Die, auf ſolche Art zu erbauenden, halb offenen Schafſtaͤlle erhalten gewoͤhn⸗ lich nur eine Tiefe von 12 bis 14 Fuß. Damit nun der Dachboden bei dieſer geringen Tiefe noch bequem benutzt werden koͤnne, ſo iſt den halb offenen Staͤllen ein ſo genann⸗ tes Pultdach, und nur dem ganz geſchloſſenen Stalle, welcher mehrere Tiefe hat, ein zweiſeitiges Dach zu geben. Einige ude hefſtles ttwas er⸗ diim ab ede kür⸗ B ange tde efer⸗ aune ein achen, er⸗ nach dem euf einzel⸗ Gehege werden. bei dieſer gregen die uu zu ma⸗ erhalten nur eitge⸗ zur An⸗ ten Stal⸗ innt iſ⸗ urfigen de nicht ß es al⸗ zulegen. Knech⸗ ſul ſchla⸗ , jedoch gewoͤr⸗ gerinnn gmann⸗ aat, ein Einige welche Balkendecken und Bodenraum erf., als Schaſſtaͤlle c. 265 Einige wollen, daß der unbedeckte Theil des Hofes gepflaſtert und mit Abzugs⸗ rinnen verſehen werde. Auf dem Hofe muͤſſen zwar ein Brunnen und die noͤthigen Traͤnkekrippen angelegt, folglich auch eine Abflußrinne ausgepflaſtert werden; wenn aber der Miſt auf dem Hofe ſich anhaͤuft, ſo wird er durch den auf ihn fallenden Re⸗ gen dennoch auf dem Pfuaſter einen Moraſt verurſachen: daher ſind andere Oekono⸗ men der Meinung, daß die Pflaſterung des ganzen Hofes, außer der Abflußrinne fuͤr den Brunnen und fuͤr die Traͤnkekrippen, nicht noͤthig, dagegen aber erforderlich ſei, den Hof nebſt ſaͤmmtlichen Staͤllen oft und binlaͤnglich mit Stroh zu beſtreuen, um dadurch den Urin der Schafe, als den beſten Theil des Duͤngers, beſſer zu conſervi⸗ ren. Wenn aber, wie Herr Riem verlangt, der Hordenſtall Tag fuͤr Tag ausge⸗ kehrt, und der Miſt in eine Grube gebracht werden ſoll; ſo duͤrfte wiederum ein Pfla⸗ ſter beſſer ſeyn, um nicht nach und nach den Hof zu ſehr zu erniedrigen. Was den Umfang oder die Groͤße einer ſolchen Anlage betrifft, ſo wird in dem Taſchenbuche fuͤr Gutsbeſitzer von Brieger(Breslau bei Korn 1797) ein Maaßſtab angegeben, nach welchem fuͤr 300 Stuͤck Schafe ein Raum von 135 Fuß Laͤnge und 50 Fuß Breite erforderlich iſt. In dieſem Raume ſoll der geſchloſſene Stall die Breite des Platzes von 50 Fuß zur Laͤnge und 15 Fuß zur Diefe erhalten. Von dem uͤbrig bleibenden Theile des Platzes ſoll die Haͤlfte mit halb offenen Schuppen be⸗ ſetzt werden, und die andere Haͤlfte zum Hofe verbleiben. Am Schluſſe des Aufſatzes wird indeß bemerkt:„die Herde ſei groß oder klein, „ſo muß der ganz geſchloſſene Stall immer ſo groß gebauet werden, daß die ganze Her⸗ „de darin Raum habe, denn unſere einſchuͤrigen Schafe moͤchten ſchwerlich ſich je an „die ſtrenge Winterkaͤlte gewoͤhnen.“ Dieſer Meinung glaube ich auch ganz beitreten zu muͤſſen, und es iſt hiernach auch die, in Fig. 138 vorgeſtellte Anlage entworfen worden. Was iſt aber dann der Vortheil der halb offenen Staͤlle, da die Schafe in einem gewoͤhnlichen, ganz freien Hofe eben ſo gut die Luft genießen, und bei Regen und kaltem Wetter in dem nahe gelegenen, gewoͤhnlichen Schafſtalle Schutz finden koͤnnen? —— Ll 6 8 L 9 9 v L E V dl V ſln- 13 YC ihhl. ben dilthl del hd 1 AaletraLAAh Hnrrnenmmnnnmnnannnnnnnmnmmnnrnaunn WAl- Dnun IAAAAAn!- nnnin 1 innacnahnt 4 15 16 17 18 20 21 Oem 1 2 3 5 5 6 7 8 9 10 11 12