— V Univ.-Bibi. Siessen z, e, Nunkelrüen⸗ e, Zucker⸗Fabrikation. 3, okonomiſcher und ſtaatswirthſchaftlicher Hinſicht praktiſch dargeſtellt vom Freyherrn von Koppy auf Krayn in Schleſien. N Breslau und Leipzig, bei Wilhelm Gottlieb Korn, 18 1 0, Nochmalige Aufforderung an die Bewohner des Preußiſchen Staates, insbeſondere aber a n meine ſchleſiſchen Landsleute, zur nuͤtzlichſten Befoͤrderung der fuͤrs Allge⸗ 1 meine hoͤchſt vortheilhaften Verbreitung der Fabrikation auf Zucker, Sirop, Rum ꝛc, aus Runkelruͤben. Allerdurchlauchtigſter, Großmaͤchtigſter Koͤnig! Allergnaͤdigſter Koͤnig und Herr! Wenn ich es wage Ewr. Koͤnigli⸗ chen Majeſtaͤt dieſe kleine Schrift allerunterthaͤnigſt zuzueignen: ſo ge⸗ ſchieht es in der Ueberzeugung, daß die Fabrikation des Zuckers aus Run⸗ kelruͤben ſowohl das Beſte des ganzen Continents uͤberhaupt, als auch ins⸗ beſondere den Vortheil der unter dem milden Scepter Ewr. Majeſtaͤt ſich gluͤcklich füͤhlenden Voͤlker zu nahe be⸗ trifft, als daß dieſe Schrift, deren Ge⸗ genſtand gedachte Zuckerfabrikation und ihre mehrere Verbreitung iſt, nicht mit Allerhoͤchſtdero vaͤterli⸗ chen Abſichten, den Flor der preußi⸗ ſchen Staaten moͤglichſt zu befoͤrdern, uͤbereinſtimmen und ihr Verfaſſer da⸗ her ſich ſchmeicheln ſollte, daß Ewr. Majeſtaͤt geruhen werden, dieſelbe eines wohlwollenden Blickes zu wuͤr⸗ digen. 1 In dieſer Ueberzeugung und mit den Empfindungen der tiefſten Ehr⸗ furcht erſterbe ich Ewr. Koͤnigl. Majeſtaͤt Krayn, bei Strehlen in Niederſchleſien, den 2oſten April 1810. allerunterthaͤnigſter der Freiherr von Koppy. Vorerinnerung. — Wenn Ausdruck und Schreibart in dieſer kleinen Schrift nicht den geuͤbten Schriftſteller verrathen; ſo wird der geneigte Leſer die Guͤte haben, ſolches bei einem alten invaliden Sol⸗ daten zu uͤberſehen; da ihm ſein ehemaliger Beruf und ſeine nachherigen landwirthſchaftli⸗ chen Geſchaͤfte nie Zeit und Raum gaben, ſich die Eigenſchaften eines guten Schriftſtellers zu erwerben. In Betreff des gutgemeinten End⸗ zwecks, welchen der Inhalt dieſer Blaͤtter hof⸗ fentlich zu erkennen geben wird, hoffe ich we⸗ gen der Fehler in obiger Ruͤckſicht Entſchuldi⸗ gung und Nachſicht. Meine einzige Abſicht, die mich beſtimmt hat, meine praktiſchen Er⸗ fahrungen und Ueberzeugungen von dem hohen Werthe und der unzuberechnenden Nutzbarkeit der inlaͤndiſchen Zuckerfabrikation fuͤr das All⸗ vI Vorrerinnerung. gemeine ſowohl, als fuͤr die einzelnen Indivi⸗ dua des Staats, meinen Zeitgenoſſen durch den Druck mitzutheilen, iſt lediglich, um meine lebende Mitwelt mit dem praktiſchen Betriebe dieſes neuen Erwerbzweiges bekannter zu ma⸗ chen, und, wenn moͤglich, von ſolcher ein leb⸗ haftes Intereſſe fuͤr eine Fabrikation zu gewin⸗ nen, die, allgemein verbreitet, den vortheilhaf⸗ teſten Einfluß auf einen in verkurztem Zeit⸗ raum wieder herzuſtellenden Wohlſtand der Nation, ſowohl im Ganzen als im Einzelnen, ohnfehlbar zeigen wuͤrde. Hoͤchſt zufrieden und hoͤchſt belohnt wuͤrde ich ſeyn, wenn gluͤck⸗ liche Folgen meinen guten Abſichten entſpre⸗ chen ſollten! Inhalr⸗ . Seite Erſter Abſchnitt. Kurzgefaßte Geſchichte der Kray⸗ ner Zuckerfabrik, in Betreff ihrer Entſtehung und ihrer Schickſale. 1 Zweiter Abſchnitt. Weſentliche Vortheile bei Ausuͤbung des Fabrikationsgeſchaͤftes 11 Dritter Abſchnitt. Ueber die Fabrikationskoſten, 2 inclusive des Einkaufs der Ruͤben, ſo wie uber den Ertrag an Fabrikaten, welche bei gehoͤriger Behand⸗ lung in mehrjaͤhrigem Durchſchnitt, wofern nicht außerordentliche Unglücksfaͤlle eintreten, mit Ge⸗ wißheit zu erwarten ſind 31 Vierter Abſchnitt Ueber die ſehr bedeutenden Er⸗ ſparniſſe in Betreff des Koſtenaufwandes bei kuͤnf⸗ tiger Errichtung eines ſolchen Etabliſſements, in Beziehung auf die Koſten, welche die hieſige Fabrik durch ihren Erbau verurſacht hat. 36 Fuͤnfter Abſchnitt. Ueber den Anbau der Runkel⸗ Ruͤben und deſſen vortheilhafteſte Behandlung; desgleichen uͤber die ſo wichtigen Vortheile eines jeden Ackerbeſitzers bei dem Erbau dieſer Nuͤben, ſowohl in wirtöſchaftlicher Ruͤckſicht, als auch be⸗ ſonders dadurch, wenn er bei ausgebreiteter Zuk⸗ kerfabrikation, auf den ſichern Abſatz an die Fabri⸗ ken mit Gewißheit rechnen kann. 4²½ Sechſter Abſchnitt. Von den bedeutenden Vor⸗ theilen, welche ſich ein Fabrikinhaber ſowohl von den Blaͤttern der Runkelruͤben, als auch von den Trebern aus der Brennerei, bei gehoriger Anwen⸗ dung mit Gewißheit verſchaffen kann. 55 VII Inhalt. .. Seite Siebenter Abſchnitt. Grundſätze zum vortheil⸗ haften Betriebe dieſer Fabrikation, mit Hinſicht auf das gemeine Wohl. 59 Achter Abſchnitt. Ueber den mäßigen Feuerungs⸗ bedarf zum Betriebe eines ſolchen Etabliſſements, in Ruͤckſicht der etwanigen Bedenklichkeiten, daß eine allgemeine Fabrikation dieſer Art ſehr leicht einen Mangel an Feuerungsmaterial, oder wenige ſtens erhoͤhte Preiſe deſſelben bewirken koͤnne. 6 5 Neunter Abſchnitt. Von dem vortheilhaften Ein⸗ fluſſe, welchen dieſe Fabrikation in ſo mannichfal⸗ tiger Ruͤckſicht fuͤr diejenigen Guͤter hat, wo eine Fabrik etablirt iſt. 68 Zehnter Abſchnikt. Ueber den wohlthäͤtigen Ein⸗ fluß, den dieſe Fabrikation, allgemein verbreitet, in etreff vermehrter Induſtrie, zur Folge haben wuͤrde. 1— Eilfter Abſchnitt. Ueber den Einfluß dieſer Fa⸗ brikation ſowohl in Bezug auf das allgemeine Wohl, als ſelbſt in Betreff der Staatswirthſchaft 76 Zwoͤlfter Abſchnitt. Ueber die heilſamen Wir⸗ kungen dieſer Fabrikation in Mißwachsjahren, wo ſie, allgemein verbreitet, einer allzudruͤckenden Theurung vorbeugen koͤnnte. 80 Dreizehnter Abſchnitt. Nachtraͤgliche Bemer⸗ kungen, verbunden mit gutgemeinten Aeußerungen und Vorſchlaͤgen zur baldigen Verbreitung dieſer 1 Fahrikation. 83 Erſter Abſchnitt. Kurzgefaßte Geſchichte der Krayner Zucker⸗ Fabrike, in Betreff ihrer Entſtehung und ihrer Schickſale bis 1810. —— In den erſten Monaten des Jahres 1805 fand ich in dem ſchleſiſchen Provinzialblatte eine elngeruͤckte An⸗ zeige von dem Herrn Direktor Achard, uͤber die Zucker⸗ fabrikation, und uͤber die Reſultate der in deſſen Ver⸗ ſuchs⸗Fabrike in Cunern geſchehenen Arbeiten, um aus Naunkelruͤben mehrere Fabrikate, als Zucker, Syrup, einige Sorten veredelter Zuckerbrandteweine und Eſſig zu produziren. Dleſes veranlaßte mich zu Betrachtun⸗ gen uͤber dieſe Fabrikation und deren unzuberechnende, wichtige und wohlthaͤtige Folgen, welche ſelbige be⸗ wirken muͤßte, wenn dieſe Fabrikation ein allgemeiner, neuer Erwerbszweig Europens wuͤrde. Und ſchon da⸗ mals bildete ich mie im Geiſt alle die gluͤcklichen Folgen, ſowohl fuͤr Europa uͤberhaupt, als fuͤr jeden vorzuͤglich thaͤtigen Staat insbeſondere; ſelbſt auch fuͤr unſere ſchwarzen Bruͤder Afrikas, wenn es mir gelingen ſollte meine diesfaͤlligen Wuͤnſche in Erfuͤllung gehen zu ſe⸗ hen. Hierbei kann ich nun allerdings nicht leugnen, daß, bei meiner ſo innigen Anhaͤnglichkeit an die Preu⸗ Fiſche Monarchle, mich die frohe Hoffnung belebte, daß, A 2 unter dem Scepter unſers hoͤchſt verehrten Monarchen, dem Wohlſtand und vermehrte Induſtrle in ſeinen Staaten ſo ſehr am Herzen ltegen, Preußens Bewoh⸗ ner vor allen uͤbrigen Sraaten einen bedeutenden Vor⸗ ſprung erringen wuͤrden. Dieſe Betrachtungen hatten ſich meiner Seele ſo tief eingepraͤgt, daß ſie das Ver⸗ langen in mir erzeugten, naͤher mit dieſer Fabrikation bekannt zu werden, und in dieſer Abſicht die Verſuchs⸗ fabrike des Herrn Direktor Achard perſoͤnlich zu beſu⸗ chen. In der Mitte des Maͤrzmonates that ich dieſem Verlangen Genuͤge, unterrichtete mich bei dieſem ſo kenntnißrelchen, als wahrhaft nuͤtzlichen Gelehrten ſo wohl von dem Werthe dieſer Fabrikate, als auch von der Art und Weiſe, wie ſolche produciret werden. Das unendliche Vergnuͤgen, welches mir die naͤhere Kenntniß der Fabrikationsart dieſer Produkte verſchaffte, erregte in mir den Wunſch, um die koſtenſpieligere Handarbeit zu erſparen, durch Erfindung einer Maſchinerie, welche faͤhig waͤre, taͤglich eine ſehr bedeutende Menge von Runkelruͤben zu verarbeiten, dieſe vortreffliche Fabrika⸗ tion im Großen thunlich und gemeinnuͤtzig zu machen; indem bei der Verſuchsfabrike des Herrn Direktor, ſo wohl was die Waͤſch⸗Reibe⸗ als auch Preßmaſchine be⸗ trifft, auch bei einem ſtarken Aufwande von Menſchen, kein allzubedeutendes Quantum von Ruͤben taͤglich ver⸗ arbeitet werden konnte. Ich aͤußerte meinen Wunſch gegen den Herrn Di⸗ rektor Achard, und wurde hierauf von ihm belehrt, daß ſowohl der Herr Direktor, als auch deſſen Faktor Herr Buſſe, ein ſehr geſchickter Mechanikus, nicht allein ſchon laͤngſt auf Erfindung einer Maſchinerie, die den 3 vorerwaͤhnten Endzweck zu erreichen faͤhig waͤre, be⸗ dacht geweſen; ſondern, daß ſich Herr Buſſe auch ſchmeichele, eine Neibe⸗ und Waſchmaſchine, ſelbſt eine Preſſe erſonnen zu haben, deren Conſtruktion von der Art ſey, daß dieſe Maſchinen das vollkommen lei⸗ ſten wuͤrden, was zur Erſparung von Menſchen, und zu einer ſehr bedeutenden taͤglichen Verarbeitung von Ruͤben erforderlich waͤre; auch, daß Herr Buſſe bereits Modelle im Kleinen von dieſen Maſchinen verfertiget habe. Auf meine Bitte wurden mir dieſe Modelle vorgezeigt, und ſie ſchienen mir, ſo weit meine Einſicht reichte, ſehr zweckmaͤßig eingerichtet zu ſeyn. Da nun meiner Ueberzeugung nach dieſe Maſchinen, wenn ſie im Großen das wirklich lelſteten, was ſie im Modell verſprachen; naͤmlich bei Errichtung einer produciren⸗ den Fabrike im Großen, die Fabrlkationsgeſchaͤfte gluͤck⸗ lich und mit maͤßigen Koſten betreiben zu helfen; ſo wurde in mir der Wunſch um ſo lebhafter, eine der⸗ gleichen Fabrike etabliren zu koͤnnen. Und ohnerachtet die Unternehmung von einem Etabliſſement dieſer Art, als das erſte ſeines Gleichen, im Fall des Mißlingens und in Betreff des dabel gehabten betraͤchtlichen Koſten⸗ aufwandes, fuͤr einen Mann von nur maͤßigen Gluͤcks⸗ guͤtern, ziemlich kritiſch war, und ich mir auch, ſelbſt bei dem gluͤcklichſten Erfolge dieſes Unternehmens, noch Schwierigkeiten genug vorſtellen konnte: ſo war ich den⸗ noch nicht faͤhig, die Begierde zu unterdruͤcken, ein ſolches Etabliſſement zu wagen. Ich muß geſtehen, daß ich ſchon oft auf die Gedanken gerathen bin, eine unſicht⸗ bare Macht habe auf meinen Geiſt gewirkt; da bis zu dem endlich gefaßten beſtimmten Entſchluſſe meine A 2 Seele in ununterbrochenem Kampfe mit ſich ſelbſt ſtand.. Genug, ich fuͤhlte mich, trotz aller mir ſelbſt ge⸗ machten Bedenklichkeiten, faſt moͤchte ich ſagen, uͤber⸗ natuͤrlich gedrungen, in dieſes Unternehmen zu entriren. Auch glaube ich, daß jeder denkende Redliche, dem die allwelſe Leitung einer uͤber Menſchenwohl und menſchli⸗ chen Schickſale wachenden Gottheit keine Fabel duͤnkt, mit mir auf aͤhnliche Betrachtungen geleitet werden wird, wenn er bedenkt, daß, wenn dieſes von mir ge⸗ wagte Unternehmen nicht vor dem Ausbruche des Krie⸗ ges ausgefuͤhrt wurde, auch der Beſtdenkendſte und Wohlhabendſte nicht Muth und Kraft genug gehabt ha⸗ ben wuͤrde, an ein ſolches Werk zu gehen; da uͤber⸗ dies, waͤhrend dieſes Krieges, die Verſuchsfabrike des Herrn Direktors Achard in Feuer aufgleng, durch wel⸗ ches traurige Ereigniß dieſe ſo viel verſprechende Zucker⸗ fabrikation wenn auch nlcht ganz verſoren gehen, doch wenigſtens fuͤr einen ſehr langen Zeitraum in Vergeſ⸗ ſenheit gerathen mußte. 4 Mein Entſchluß war gefaßt, und ich betrieb den fuͤr einen Privatmann ſo wichtigen Bau, und die An⸗ ſchaffung aller dazu erforderlichen Maſchinen und Ge⸗ raͤthſchaften mit ſo vielem Eifer, daß ich, trotz ſo mancher Schiierigkeiten, dennoch am Schluſſe des Jahres mit dem noͤthigſten Ausbau und Anſchaffung des zur Fa⸗ brikation wirklich Nothwendigen dahin gekommen war, mit Verarbeitung von 300 Centner Nuͤben dlie erſte Probe machen zu koͤnnen. Hierbei kann und darf ich nicht unterlaſſen dem Herrn Direktor Achard meinen waͤrmſten Dank fuͤr alle die mir bei Errichtung dieſer 5 Fabrike guͤtigſt geleiſteten Gefaͤlligkelten oͤffentlich abzuſtat⸗ ten; indem dieſer, um die Zuckerfabrlkation aus Runkel⸗ ruͤben ſich hoͤchſt verdient gemachte Mann, nicht alleln ſelbſt mit aller moͤglichen Anleitung und gutem Rath mich zu unterſtuͤtzen bemuͤht war, ſondern auch die Guͤte hatte, mir ſeinen damaligen Faktor, Herrn Buſſe, auf bei⸗ nahe 9 Monate gaͤnzlich zu uͤberlaſſen. Dieſer letzt genannte eben ſo brave Mann, als geſchickte Mechani⸗ kus, hat allerdings, wie ich hier anzuzeigen nicht unter⸗ laſſen zu duͤrfen glaube, einen hoͤchſt wichtigen Einfluß auf den gluͤcklichen Erfolg der hier produzirenden Fa⸗ brike gehabt; indem ohne ſeine angeſtrengten Bemuͤhun⸗ gen, die von ihm erſonnene Maſchinerie aufs zweckmaͤ⸗ bigſte zu beſorgen und anzuordnen, eine vortheilhafte Betreibung der produzlrenden Fabrikation nicht ſtatt gefunden haben wuͤrde. Mit allem Rechte kann man Herrn Buſſe unter diejenigen Maͤnner zaͤhlen, welche durch Anſtrengung ihrer Geiſteskraͤfte und zweckmaͤßige Anwendung ihrer erlanaten Kenntniſſe zum allgemeinen Wohl Belohnung und Auszeichnung verdienen, welche ihm auch nicht fehlen wuͤrden, wenn ſeine Verdienſte um dieſe, dem Staat ſo viele Vorthelle anbietende, Fabrikation, zur naͤhern Kenntniß unſers, das Ver⸗ dienſt ſo gern belohnenden Monarchen, kommen ſollten. Bei dieſem erſten Verſuche in den Fabrikattonsgeſchaͤf⸗ ten hatte ich vor allen Dingen die Freude zu ſehen, daß die nach den Modellen des Herrn Buſſe verfertigten Maſchi⸗ nerien in der That das leiſteten, was ſie leiſten ſollten. Auch konnte ich, was dieſen erſten Verſuch betrifft, ſowohl in Ruͤckſicht der Quantitaͤt als Qualltät der Fabrikate ſehr wohl zufrieden ſeyn; obgleich ſelbige durch praktl⸗. ſche Erfahrungen ſich noch einer großen Verbeſſerung ſaͤhig zeigten. 1 1806 beendigte ich den ganzen Ausbau der Fa⸗ brike; ich war aber noch damit beſchaͤftiget, als der un⸗ gluͤckliche Krieg ausbrach, der mich, wie die mehrſten Bewohner Schleſiens, ſeinen ſo harten Druck im voll⸗ ſten Maaße fuͤhlen ließ. Er ſetzte mich in die druͤckend⸗ ſten Sorgen, ſowohl wegen meiner Beſitzungen und deren Ertrag, als auch wegen dem hoͤchſt bedeutenden Koſtenaufwande, welcher ſich bei Errichtung dieſes Eta⸗ bliſſements aus Unkunde der Erſparungen, die gemacht werden konnten, und aus andern zufaͤlligen Urſachen, auf beinahe volle 40,000 Rtlr. beltef. Eben ſo trau⸗ rig war auch der Einfluß auf dieſe neue Fabrikation, welchen dieſer das Land verheerende Krleg bewirkte; denn im Fruͤhjahr 1806 mangelte es noch an hinlaͤng⸗ lichem Saamen, um durch den Sommer mehr als 1100 Cntr. weiße Runkelruͤben erbauen zu koͤnnen, und in den naͤchſtfolgenden beiden Sommern druͤckten peinliche Sorgen und allzuharte Bedraͤngniſſe Muth und Kraͤfte zu ſehr darnieder, um den Erbau des Materiale mit den noͤthigen Anſtrengungen und Eifer betreiben zu koͤn⸗ nen. Ob indeſſen gleich nur im J. 1806, 1100 Cntr. Ruͤ⸗ ben erbauet und verarbeitet werden konnten; ſo gewann dennoch die Fabrikatlon in nachſtehenden Ruͤckſichten: 1) weil man, bei unermuͤdetem Nachdenken unter den prak⸗ tiſchen Arbeiten, ſich Kenntniſſe in Ruͤckſicht einer noch vortheilhaftern Verfahrungswelſe, bei einem oder dem andern dieſer Fabrikationsgeſchaͤfte, zu erwerben Gele⸗ genheit hatte, welches auf die Quantitaͤt und Qualitaͤt der Fabrikate einen erwuͤnſchten Einfluß zeigte; 2) well 7 ein Theil des Publikums naͤhere Keuntniß von dieſer Fabrikation und deren Fabrikaten Gelegenheit zu erlau⸗ gen hatte, und dadurch Mehrere einiges Intereſſe fuͤr die gute Sache gewannen. Im J. 1807 bis 1888 war es aus ſchon angefuͤhrten Gruͤnden wiederum durchaus unmoͤglich, eine bedeutende Quantitaͤt an Materiale zu dieſer Fabrikation aufzubringen, weswegen auch in jenem Winter nur 1400 Cntr. verarbeitet werden konnten; denn obgleich im Junius der Tilſiter Friede geſchloſſen wurde, ſo empfand doch die Preußiſche Monarchie das Gluͤck deſſelben erſt gegen das Ende des Jahres 1808. Von hier an bis 1809 konnten die Fortſchritte des ſtaͤrkern, eigenen Anbaues, auch noch nicht ſehr betraͤcht⸗ lich ſeyn; weil die druͤckende Anweſenheit fremder Ar⸗ meen Muth und Kraͤfte darnieder beugte. Indeſſen konnte doch ſchon ein kleiner Anfang mit Ankauf von weißen Runkelruͤben, welche in hieſiger Gegend erbauet waren, gemacht werden, ſo, daß, inclusive des ei⸗ genen Erbaues, 3000 Cntr. Ruͤben verarbeitet werden konnten. In dieſem Jahre 1809 bis 1810, wo ſchon ein etwas bedeutenderer Einkauf von dieſer Art Nuͤben aus den hieſigen Gegenden gemacht werden konnte, werden, mit Inbegriff des eigenen Erbaues, 5000 Cntr. verarbeitet, und es iſt alle Wahrſcheinlich⸗ keit vorhanden, daß in der naͤchſten Fabrikatlonszeit die Fabrike ſo viel Ruͤben aufbringen wird, als ſie zu verarbeiten faͤhig iſt; da alle diejenigen, welche in hie⸗ ſiger Gegend mit dem Erbau dieſer Nuͤben den Aufang gemacht haben, uͤberzeugt ſeyn werden, daß der Erbau derſelben, ſowohl in Ruͤckſicht des ſo bedeutenden baa⸗ ren Ertrages, als auch des gewiſſen Abſatzes, und 3 ſelbſt in Ruͤckſicht ſeines vortheilhaften Einfluſſes in die Wirthſchaft hoͤchſt annehmlich ſey. Von hier an kann nun freilich erſt Rechnung ge macht werden fuͤr alle gehabte Muͤhe, Sorge und Ar⸗ beit, fuͤr die darauf verwendeten, beſonders fuͤr einen. Privatmann in den gegenwaͤrtigen Zeiten, ſo aͤuſſerſt wichtigen Summen, einen der Unternehmung lohnen⸗ den Ertrag bei dieſem Fabrikationsgeſchaͤfte zu erhalten. Bis jetzt konnte dieſes wegen der geringen Quantttaͤt von Ruͤben, welche aufzubringen und zu verarbeiten moͤglich war, ſo wie bei der in den erſten Jahren noch mangelnden hinlaͤnglichen Kenntniß der vortheilhaſte⸗ ſten Betrelbungsmethoden der Fabrikationsgeſchaͤfte und wegen des ſo harten Drucks des Krieges, nicht ge⸗ ſchehen. Uebrigens arbeitete die Fabrik mit dielem“ Gluͤcke, ſobald ſie nur durch praktiſche Arbeiten mit den Vortheilen bei dem Betriebe dieſer Fabrikation vertrau⸗ ter geworden war. Im Jahre 18083 bis 180) erlitt ſie bedeutenden Schaden im Zuckergewinn, welchen zwey widrige Vor⸗ faͤlle veranlaßten. Der erſte war dieſer: Die Zucker⸗ ſtube hatte eine doppelte, hoͤlzerne Decke; da hier nun eine ſtets ſtarke Feuerung ſtatt finden muß, ſo machte man mich auf die damtt verbundene Feuersgefahr auf⸗ merkſam. Man rleth mir, dieſer Stube eine ſolche Decke zu geben, wobei nicht ſo leicht eine Entzuͤndung zu be⸗ ſorgen ſey. Dieſes wurde auf folgende Art bewerk⸗ ſtelliget. Man nahm die unter den Balken befeſtigte Bretterdecke hinweg, draͤngte Stuͤckholz zwiſchen die Balken, durchflocht dieſes mit Stroh, welches mit Lehm umkleidet war, zog daruͤber einen dergleichen Ueberzug 2 und ebnete dieſen in der Art, daß auch die Balken, wie die ganze uͤbrige Decke, einen ſolchen Ueberzug von Lehm bekamen. Zur Verfertigung dieſer Decke konnte man aber, leider! nicht eher gelangen, als gegen den Herbſt, in der letzten Haͤlfte des Sommers. Die ſpaͤte Austrocknung war die Folge davon; es vergiengen mehrere Monate, und da die voͤllige Austrocknung der Decke in dem erſten Zeitraum der Fabrikation noch nicht erfolgt war: ſo konnte der kryſtalliſirbare Saft von einer bedeutenden Menge taͤglicher Arbeiten auf keine Weiſe zum Kryſtalliſiren gebracht werden; im Gegen⸗ theil bekam er anſtatt der Kryſtalldecke eine Decke von Schimmel, und man gewann von allem dieſem kryſtal⸗ liſirbaren Safte keinen kandisartigen Zucker und nur ſehr wenig Farin; auch hoͤrte dieſes widrige Ereigniß nicht eher auf, bis durch ſehr ſtärkes Heizen die Decke der Zuckerſtube gaͤnzlich ausgetrocknet war. Der zweite widrige Vorfall war: man konnte nicht genug Schuͤſ⸗ ſeln zum Aufſtellen des kryſtalliſirbaren Syrops erhal⸗ ten, weil eine, zur gehoͤrigen Zeit erforderliche Anſchaf⸗ fung wegen dem Drucke der Zeit nicht thunlich war. Dieſer Mangel an Schuͤſſeln verurſachte, daß man den kryſtalliſirbaren Syrop anſtatt 1 ¾ Zoll hoch, 4 bis 5 Zoll hoch aufſetzen mußte; welches hohe Aufſetzen der Kryſtalliſation gleichfalls hoͤchſt nachthetlig wurde, und einen bedeutenden Ruͤckſchlag an Zucker verurſachte; indem die 3500 Cntr. verarbeitete Ruͤben, nach der mit einer der letzten Tagearbeiten gemachten Probe, von welcher man den kryſtalliſirbaren Syrop in gehoͤri⸗ ger Hoͤhe aufſetzte, ein Quantum von circa 115 Cntr. Zucker haͤtten ausgeben muͤſſen, anſtatt, daß man nu⸗ 4⁰0 einige 70 Cntr. von der ganzen Fabrikation gewann⸗ In der diesjaͤhrigen Fabrikation habe ich dagegen alle Hoffnung, die Fabrike mit Vortheil und Vergnuͤgen ar⸗ beiten zu ſehen; indem, da alle obgewalteten Hinder⸗ niſſe aus dem Wege geraͤumt ſind, die Kryſtalliſation ſchnell und gluͤcklich von ſtatten geht, wodurch der Zuk⸗ ker an Quantität und Qualitaͤt außerordentlich gewinnt. unterdeſſen hat auch die Fabrike im vorigen Jahre ſich einen höchſt wichtigen Vortheil verſchafft, welcher darin beſteht, daß ſie Gelegenheit fand, durch einen Raffi⸗ neur aus der Roſtocker Raffinerie, welcher an die Fa⸗ brike von da geſchickt wurde, um zum Behuf eines auch daſelbſt zu errichtenden Etabliſſements die ſaͤmmtlichen Fabrikarionsgeſchaͤfte zu erlernen, den hieſigen Zuckerſie⸗ der das Rafftniren erlernen zu laſſen; wodurch ſich dle Fabrike dann auch in den Stand geſetzt ſiehet, den ge⸗ wonnenen Zucker ſelbſt raffiniren zu koͤnnen.— Schon ſind einige 20 Cntr. raffinirt, wovon groͤß⸗ tentheils ein ſehr ſchoͤner Melis erhalten worden iſt, und was man von dieſem zu Raffinade umgearbeitet hat, ſteht ſicher keiner der feinſten Raffinade des Aus⸗ landes etwas nach. Vom Auslande ſind, außer dem ſchon erwaͤhnten, noch verſchiedene Lehrlinge, an hieſi⸗ ge Fabrike uͤberſchickt worden, z. B. aus Baſel, aus Augsburg, und einer iſt noch hier, welcher fuͤr die Fa⸗ brik beſtimmt iſt, welche der Herr Hofrath Fuhrmann in Kiow in Rußland errichtet. Ich ſchließe dieſe kurze Geſchichte mit dem innig⸗ ſten Danke gegen eine allguͤtige Vorſehung, die Gedei⸗ hen meinem guten Willen gab, zum kuͤnftigen erhoͤhten Wohl der Menſchheit und zur Minderung menſchlichen 11 Elends etwas beizutragen. Ich habe das frohe Ge⸗ fuͤhl, daß, im Fall auch meine lebende Mitwelt meine guten Abſichten verkennen, mir Vergroͤßerungsſucht meiner Gluͤcksguͤter unterſchleben und nicht bedenken wollte, daß es in eigennuͤtziger Ruͤckſicht die groͤßte Thorhelt geweſen ſeyn wuͤrde, einen ſehr bedeutenden Theil meines Vermoͤgens einem ungewiſſen Erfolge aufzunpfern, dennoch die Nachwelt, die geſegneten Fol⸗ gen dieſer Fabrikation genleßend, meinem Andenken dankbare Empfindungen goͤnnen wird! Zweiter Abſchnitt. Weſentliche Vortheile bei Ausuͤbung des Fabrikationsgeſchaͤftes. Da vielleicht dieſe kleine Schrift Manchem nuͤtzlich werden kann, welcher kuͤnftig ein ſolches Etabliſſement zu unternehmen ſich entſchließet: ſo halte ich es fuͤr meine Pflicht, derjenigen Vortheile hier zu gedenken, welche genau beobachtet werden muͤſſen, wenn man die Fabrikate in gehoͤriger Gaͤte und belohnender Menge erhalten will. Ich werde die durch praktlſche Arbeiten, unermuͤdetes Nachdenken und mannichfaltigen Verſuche erlangten Kenntniſſe, von vorher nicht genug bekannt geweſenen Vortheilen, nach meinem beſten Wiſſen an⸗ zeigen, und zu dieſem Endzweck von den Geſchaͤften einer jeden Werkſtatt ſprechen. Ich ſetze indeſſen hier⸗ bei voraus, daß derjenige, welcher ein ſolches Etabliſſe⸗ ment errichten will, ſich bereits durch Anſchaffung des 12 fuͤrtreſſlichen Werkes, welches der Herr Dlrektor Achard herausgegeben hat, und worin der Herr Ver⸗ faſſer bemuͤht geweſen iſt, alles, was nur irgend auf dieſe Fabrikation Bezug haben kann, nach Moͤglichkeit zu erſchoͤpfen, ſich eine anſchauliche Ueberſicht von aller hierzu erforderlichen Maſchinerie und Geraͤthſchaften er⸗ worben haben wird, und uͤbergehe daher, um nicht weit⸗ laͤuftig zu werden, die ſchon in dem beruͤhrten Werke deutlich aus einander geſetzten techulſchen Beſchreibun⸗ gen der Konſtruktion und des Gebrauchs alles desjeni⸗ gen, was zum Betriebe der Fabrikattou erforderlich iſt. Auch muͤßte ich in Betreff der uͤbrigen geneigten Leſer, die hiervon keinen Gebrauch machen wollen, befuͤrchten, in einer ſo kurz gebraͤngten Beruͤhrung der Maſchinerie und Geraͤthſchaften dieſer Fabrikation, als der Raum dieſer kleinen Schrift erlaubt, ihnen nicht hinlaͤnglich deutliche Begriffe verſchaffen zu koͤnnen, welches Ermuͤ⸗ dung, der ich auszuweichen wuͤnſche, veranlaſſen wuͤr⸗ de; da uͤberdies zu erwarten iſt, daß dieſe unvergleich⸗ lich gemeinnatzige Fabrlkation immer weiter um ſich greifen duͤrfte, daß, und wenn auch erſt in ſpaͤtern Zei⸗ ren, ein jeder Gelegenheit haben wird, ſich in ſeiner Naͤhe durch eigene Anſicht die deutlichſten Begriffe hier⸗ von zu verſchaffen. Den Anfang moͤge der an die Werkſtatt anſtoßende Aufbewahrungsort der Runkelruͤhen machen. Das Materiale zu dieſer Fabrikation, ſo wohl in Betreff der Einerndte, als auch der Art und Weiſe, die Run⸗ kelruͤben in ihrem Behaͤlter gegen Froſt und Faͤulniß nach Moͤglichkeit zu ſchuͤtzen, iſt allerdings eins der wichtigſten Beſorgniſſe. Mir hat Erfahrung die Ue⸗ 13 berzeugung verſchafft, daß, um Faͤulniß und Auswach⸗ ſen zu verhuͤten, das ſicherſte Mittel ſey, den Zugang der Außern Luft moͤglichſt zu verhindern, und daß man daher bei einem Fabrikgebäude, wie das meinige iſt, wo der Ruͤbenbehaͤlter an der Außenſeite laͤngs des ganzen Gebaͤudes fortgehet, denſelben in drei gleiche Theile theilen muͤſſe. Ein jeder Theil muß durch eine dichte Queerwand von dem andern geſchieden werden; wobet ſich von ſelbſt ergiebt, daß beide Scheidewaͤnde mit ei⸗ ner wohlpaſſenden Thuͤre verſehen ſeyn muͤſſen. Der erſte Theil des Behoͤlters wird bei dem Einbringen der Nuͤben, welche trocken, vom Erdboden gereinigt und unbeſchaͤdigt ſeyn muͤſſen, dergeſtalt angefuͤllt, daß nur ſo viel Raum darin uͤbrig bleibe, daß zwiſchen der Decke und den Ruͤben noch eine dichte Belegung von Stroh Platz habe. Wenn dieſer in der Art angefllt iſt, ſo wird mit dem zweiten Theile auf gleiche Weiſe verfahren. Iſt dieſes geſchehen, und die Thuͤre gegen alles Eindringen der Luft beſtens verwahret; ſo konſer⸗ virt man den dritten Thetl des Behaͤlters, um daſelbſt diejenigen Ruͤben zu placiren, welche gekauft und taͤg⸗ lich eingeltefert werden, um ſie ſogleich, ſo lange der Einkauf dauert, zu verarbetten; indem dieſe Ruͤben ſchon deshalb ohne Nachtheil nicht lange liegen bleiben koͤnnen, weil ſelbige, von Wurzeln und dem obern Krautkopf wohlgereiniget, nur käͤuflich angenommen werden koͤnnen, ſo zubereitet aber beim Liegen nicht we⸗ nig an Saft verlieren wuͤrden. Was den Froſt be⸗ trifft, ſo iſt der Behaͤlter, wenn er wie hier mit dem Gebaͤude vereiniget iſt, und uͤber ſeiner Decke bewohnte Zimmer hat, nur von der Auſſenſelte her, gegen das 14 Eindringen des Froſtes zu verwahren. Eine Satzwand von Stroh an der innern, und eine von Raſen an der aͤußern Seite hat bis jetzt dagegen gute Dienſte geleiſtet. Zur vollkommenſten Sicherheit aber bei der anhal⸗ tendſten ſtrengſten Kaͤlte wird eine ganz dichte, bretter⸗ ne Wand, zwiſchen welcher und der Mauer ein leerer Raum von eintgen Zollen bleibt, der vorzuͤglichſte Ab⸗ leiter der Kaͤlte ſeyn. Noch muß ich in Ruͤckſicht der Konſervatton der Ruͤben nochmals empfehlen, ja darauf zu ſehen, daß keine andere, als voͤllig trockene Ruͤben in den Behaͤtter kommen. Ich habe zu dem Ende in der hieſigen Fabrike die Einrichtung getroffen, daß diejenigen Ruͤben, die nicht voͤllig trocken eingebracht werden koͤnnen, ohne ſonderliche Beſchwerde in Koͤrben durch eine Winde auf den unterſten Fabrikboden gebracht werden. Hier koͤnnen ſie wegen des daſelbſt befindlichen großen Raumes weitlaͤuftig aufgeſchuͤttet werden, in wenig Tagen voͤllig abtrocknen, und alsdenn durch hierzu beſonders gelaſſe⸗ ne Oeffnungen ſehr leicht in Koͤrben in den Behaͤlter herabgelaſſen werden. In der Werkſtatt ſelbſt findet man zufoͤrderſt die Waſchmaſchine, bei welcher weiter nichts anzuzeigen iſt, als daß ſie ganz ſo iſt und auch ſo gebraucht wird, wie ſie gleich allen uͤbrigen Maſchinen und Geräthſchaften, in dem vom Herrn Direktor Achard herausgegebenen Werke uͤber die Zuckerfabrikation ꝛc. in der Zeichnung ſowohl, als in der Beſchreibung dargeſtellt wird, und daß ſie im praktiſchen Gebrauche ihre Dienſte vollkom⸗ men leiſtet. Von den Reiben, in welchen die Ruͤben in eine zerriebene Maſſe verwandelt werden, und die 15 von einem Muͤhlwerk, das durch ein 34 Fuß hohes Nad, welches durch 2 ſtarke Ochſen in Bewegung ge⸗ ſetzt wird, kann, meiner Ueberzeugung nach, weder etwas beſſeres noch zweckmaͤßigeres erfunden werden; weil dieſes Reiben die zerriebene Maſſe ganz in der Art liefert, wie ſie beſchaffen ſeyn muß, wenn der Zuk⸗ kerſaft durch die Rollpreſſe rein und in hinreichender Menge herausgebracht werden ſoll. Es verſteht ſich uͤbrigens von ſelbſt, daß die Saͤgen in dieſen Reiben mit der groͤßten Genauigkeit nach Beſchaffenheit der Ruͤben, die auf die Reiben gebracht werden ſollen, hoͤ⸗ her oder niedriger geſtellt werden muͤſſen. Hlerzu, ich wiederhole es nochmals, gehoͤret viel Accurateſſe, und eine durch Erfahrung erlangte Kennt⸗ niß des Werkmeiſters; auch werden jederzeit wohlge⸗ ſchaͤrfte Saͤgen ſchlechterdings dazu erfordert. Um zu erhalten, daß die Rollpreſſe, auf deren Bahn die zer⸗ riebene Maſſe aufgebreiret wird, das vollkommen leiſte, was ſie zu leiſten faͤhig iſt, muß die Ruͤbenmaſſe auf dem uͤber den Roſten ausgebreiteten leinenen Tuche durchaus in einer gleichen Höhe von 2 bis 3 Zollen auf der Bahn vertheilt ſeyn, und das leinene Tuch, in welches die Maſſe eingeſchlagen iſt, taͤglich mit ei⸗ nem friſchen verwechſelt werden; indem ſonſt der Saft die Durchgaͤnge des Tuches ſo feſt zuſammenklebt, daß ſelbiges den Saft nicht mehr durchlaͤßt, und ein an⸗ ſehnlicher Theil davon wieder zuruͤck in die Maſſe tritt. Es iſt durchaus nothwendig, daß ein jedes leinene Tuch, ehe es wieder zum Gebrauch kommt, vorher in einem Keſſel oder in einer Pfanne mit Waſſer wohl ausgekocht werde; weil ſonſt der an das Tuch ange⸗ 16 trocknete Saft durch bloßes Waſchen ſich nicht gehoͤrlg herausbringen laͤßt. Das mit Zuckerſaft geſchwaͤngerte Waſſer, worin ein ſolches Tuch ausgekocht worden iſt, kann in der Brennerei mit bedeutendem Vortheil ange⸗ wendet werden. Schuͤttet man die Maſſe hoͤher als 3 Zoll hoch auf, ſo bleibt, ohnerachtet des ſtarken Drucks des gegen 80 Cntr. ſchweren marmornen Cy⸗ linders(weil ſelbiger zur Schonung der Zeit unauf⸗ haltſam ſeinen, obgleich langſamen, Gang fortſetzen muß, und alſo jeden Theil der Maſſe nur ſehr kurze Zeit druͤckt) zu viel Saft in dem untern Thelle der Maſſe ſitzen, welcher alsdann fuͤr den Zuckergewinn verloren geht. Hierbet iſt nun allerdings erforderlich, daß die Roll⸗ preſſe ſo viel Raum in ihrer Laͤnge erhalte, als ſolche in Raͤckſicht des in der Werkſtatt befindlichen Raumes nur immer erhalten kann: damit ohnerachtet des niedri⸗ gen Aufſetzens der Maſſe dennoch eine dedeutende Quan⸗ titaͤt auf einmal aufgebracht werden kann. Auf die hieſige Rollpreſſe können in der hier angegebenen Hoͤhe gegen 5 Cntr. auf einmal aufgebracht werden. Die Bahn bieſer Preſſe iſt, ſo weit ſelbige mit Roſten belegt werden kann, volle 34 Fuß lang. Auch iſt genau dar⸗ auf zu ſehen, daß die Maſſe durch die ganze Bahn moͤg⸗ lichſt gleich vertheilt werde; und da es nothwendig iſt, daß dieſe Maſſe, nachdem der Cylinder einmal daruͤber weggerollt worden, ehe er das zweltemal daruͤber geht, vorher wohl umgeruͤhrt werde, welches Aufruͤhren auch fuͤr den dritten und letzten Gang des Cylinders wieder⸗ holt werden kann; ſo hat man wohl Achtung zu geben, daß diejenigen, welche die Preſſe bedienen, die Haͤnde 17 ulcht ſchonen, und uͤberhaupt den Fleiß bel dͤleſer Arbelt nicht ſparen. In Anſehung des Saftes, welcher an beiden Enden der Preßbahn, aus der unter der Preß⸗ bahn befindlichen Ninne in die untergeſetzten Wannen laͤuft, iſt wegen der kalten Klaͤre durchaus zweckmaͤßig, daß, nach jedesmaligem Ausleeren der Wannen, der in die irdenen Toͤpfe zum kalten Klaͤren gebrachte Saft ſogleich das ihm erforderliche Maaß von Schwe⸗ felſaͤure erhalte; indem mich die Erfahrung gelehret, daß, wenn bet ſpaͤt beendigter Arbelt alle die den Tag hindurch gefuͤllten Toͤpfe erſt nach vollbrachter Arbeit geſaͤuert wurden, und alsdenn den darauf folgenden Morgen, ſo fruͤh als es erforderlich iſt, der Saft in die Klaͤrpfanne, um heiß geklart zu werden, gebracht wird, die Klaͤrung nicht ſo gut und vollkommen von ſtatten gegangen, als wenn der Saft einige Stunden laͤnger mit der erhaltenen Saͤure ſtehen konnte. Auch ſcheint dieſes in der Natur der Sache zu liegen, weil die Schwefelſaͤure dem Safte deshalb zugeſetzt wird, um die in dem Safte befindlichen Nebenſtoffe aufzuld⸗ ſen, und die demſelben bei der heißen Klaͤre zuzuſetzende Kreide und Milch faͤhig zu machen, dieſe aufgeloͤſete Stoffe an ſich zu ziehen und mit dieſen vereint ſowohl uͤber dem Safte eine dicke zuſammenhaͤngende Haut, als unter demſelben einen dicken Bodenſatz zu formiren. Da nun wahrſcheinlich ein nicht allzukurzer Zeitraum erforderlich iſt, bevor die gaͤnzlich e Aufloͤſung vollendet wird: ſo muß es unausbleiblich ſchaͤdlich ſeyn, wenn der Saͤure zu dem Aufloͤſungsgeſchaͤfte nicht Zeit genug gelaſſen wird, B Was mich in dieſer Meinung beſtaͤrkt, daß es vor⸗ thellhaft ſey, wenn der Saft einen nicht zu kurzen Zeit⸗ raum in der kalten Klaͤre ſtehet, iſt, daß in hieſiger Fabrike gemeiniglich der Saft, welcher Sonnabend ge⸗ wonnen wird, den Sonntag uͤber in den Toͤpfen kalt geklaͤrt ſtehen bleibt, und erſt Montag fruͤh in die Klaͤr⸗ pfanne zum Heißklaͤren gebracht wird, am reinſten und klaͤrſten aus der heißen Klaͤre kommt. Hierbei halte ich die Anzeige noch fuͤr nothwendig, unter den praktiſchen Arbeiten uͤberzeugt worden zu ſeyn, daß die concentrirte Schwefelſaͤure, wenn ſie die in dem Werke des Herrn Direktor Achard vorgeſchrie⸗ bene Verduͤnnung erhalten, und nach dem gleichfalls darin angegebenen Maße dem Safte zugeſetzt werden ſoll, ja nicht unter 80 Grad haben muͤſſe; indem ſonſt, wenn ſolche etwas ſchwaͤcher nach eben erwaͤhnter Vorſchrift in Anwendung gebracht wird, eine nicht ganz erwuͤnſchte Klaͤrung erfolgt, wofern nicht jeder Topf ein etwas vermehrtes Maaß erhaͤlt. Ueberhaupt hat mich die Erfahrung gelehret, daß, ſo ſchaͤdlich ein zu geringer Grad von Schwefelſaure fuͤr die Erhaltung eines rei⸗ nen kryſtalliſirbaren Syrups iſt, ſo durchaus unſchaͤdlich iſt es, wenn man die angegebene erforderliche Saͤure auch in einem etwas vermehrten Maße zuſetzt. Ein ſehr bedeutender und wichtiger Vortheil fuͤr den Fabrik⸗Inhaber ſo wohl, als fuͤr das Gerathen des kryſtalliſrbaren Syrups bei deſſen Behandlung in der Siederei iſt, daß der Saft ſowohl in der Klaͤr⸗ als Verdampfpfanne, in einem moͤglichſt kurzen Zeitraum dahin gebracht werde, wohin er gebracht werden ſoll; denn nicht allein, daß dadurch eine laͤngere Dauer des 19 Klaͤrens und Verdampfens, als bet einer gehoͤrigen Ein⸗ richtung der Feuerherde und ihrer Zuͤge unter den eiſer⸗ nen Keſſeln, deren kochender Waſſerinhalt den Dampf zum hinlaͤnglichen Erhitzen der Pfannen liefern muß, ein druͤckender Aufwand von mehrern Feuermaterlalien erforderlich waͤre, ſo will auch der Saft, wenn er zu langſam in die ihm noͤthige Erhitzung gebracht wird, keine ſo vollkommene Klarheit, als gut und nothwendig iſt, auf der Klaͤrpfanne erhalten; ſo wie ſelbiger auch auf den Verdampfpfannen, wenn die Operation des Verdampfens zu langſam von ſtatten gehet, nicht jene bittere Seleuit⸗Rinde, welche auf ſeiner Oberflaͤche ent⸗ ſtehen muß, und welche mit der groͤßten Genaulgkeit durch einen Schaumer abgenommen werden muß, ge⸗ hoͤrig bilden, welches veranlaßt, daß einige bittere Theile in dem Safte zuruͤckbleiben, die ſich bei der Kry⸗ ſtalliſatton an den Zucker anhaͤngen; weshalb man, wenn oben Erwaͤhntes ſtatt gefunden hat, denn auch bei dem kandisartigen Zucker bisweilen ein wenig fin⸗ det, der einen bittern Nachſchmack hat. Bet hieſiger Fabrike iſt durch Unkunde der zweckmaͤßlgſten Feuerheer⸗ de und ihrer Zuͤge lange Zeit hindurch faſt die Haͤlfte mehr Feuermaterlal aufgegangen, als gegenwaͤrtig; auch hat die Operation des Klaͤrens ſowohl, als die des Verdampfens, jedes viele Stunden mehr erfordert, als jetzt, wodurch oft das oben erwaͤhnte Uebel verur⸗ ſacht worden iſt. Erſt ſeit einiger Zeit bin ich von einem, in dem Fach von profitabler Anlegung der Feuerheerde, ſehr geſchickten Manne durch zweckmaͤßi⸗ gen Bau der Keſſelofen von dieſem Uebel erlſet wor⸗ den. B 2 20 Uebrigens iſt bei den Geſchaͤften in der Siederei keine beſondere Bemerkung zu machen; da alle die dar⸗ in gefordedte Verrichtungen aufs genaueſte in dem Werke des Herrn Direktor Achard beſchrieben worden ſind. Nur eins ſcheint mir zu bemerken noͤthig zu ſeyn; naͤmlich, daß der Zuckerſieder auf den Zeitpunkt wohl Achtung zu geben hat, wenn das Verdampfen des Saf⸗ tes ſo weit gediehen, als es zur kuͤnftigen Kryſtalliſa⸗ tion am vortheilhafteſten iſt, indem ein zu ſtarkes Ver⸗ dampfen jederzeit nachtheiliger iſt, als ein zu ſchwaches ſeyn kann, da der Syrup, wenn er auf die Schuͤſſeln ſchon ſehr dick gebracht wird, ſchwerer und langſamer kryſtalliſirt, als derjenige Syrup, welcher nicht dicker, als ein gutes Oel iſt. Dieſes ſchelnt auch in der Ruͤck⸗ ſicht begreiflich zu ſeyn, weil das Kryſtalliſiren vorzuͤg⸗ lich durch die in der Zuckerſtube unterhaltene Waͤrme von 25 bis 30 Grad bewirkt wird. Iſt nun der Syrup ſchon von da an, wo er in die Schuͤſſeln aufgeſetzt wird, ſehr dicke: ſo kann die Waͤrme nicht ſo leicht eindrin⸗ gen, als in einen nur maͤßig verdickten Syrup; welches alſo einen langſamern Gang der Kryſtalliſirung verur⸗ ſacht. Der Zuckerſieder kann ſich hierbei, in Ruͤckſicht der Hinlaͤnglichkeit des Verdampfens, genugſam uͤber⸗ zeugen, wenn er einen Loͤffel mit Saft aus der Pfanne nimmt, ſolchen gegen das freie Tageslicht haͤlt und ſanft auf den in dem Loͤffel befindlichen Saft blaͤſet. Bemerkt er nun durch dieſes Blaſen ganz kleine Falten, die ſich auf der Oberflaͤche von einer kaum bemerkbaren duͤnnen Haut formiren: ſo hat die Verdampfung ihren erfor⸗ derlichen Grad erreicht. 21 Bei den auf der Zuckerſtube befindlichen Geſchaͤf⸗ ten habe ich Folgendes als einen ſehr bedeutenden Vor⸗ theil der Fabrtkation und der Fabrikate ganz zweckmaͤ⸗ ßig gefunden. Zufoͤrderſt wird der kryſtalliſirbare Sy⸗ rup in den Sedimentir⸗Toͤpfen auf die Zuckerſtube gebracht, in welchen er 20 bls 24 Stunden ruhig ſte⸗ hen bleibt, um alsdann auf ein von Eichenholz verfer⸗ tigtes Gefaͤß gebracht zu werden, welches inwendig durch und durch mit einem Lackfirniß, den nichts abzu⸗ loͤſen faͤhig iſt, dergeſtalt uͤberzogen ſeyn muß, daß der ganze innere Raum des Gefaͤßes einen vollkommenen Lack⸗Ueberzug hat. Dieſes Gefaͤß muß von der Groͤße ſeyn, daß es den ganzen gewonnenen Syrup einer Ver⸗ dampf⸗Pfanne faſſen, und ſeiner Geſtalt nach etwas ko⸗ niſch ſeyn kann. Am Boden muß es 1 bis 1+ Zoll hoch einen Hahn zum Ablaſſen haben, auch auf ein Geſtell ſo hoch aufgeſetzt ſeyn, daß die Schuͤſſeln unter den Hahn geſtellt werden koͤnnen, die bis zu der beſtimm⸗ ten Hoͤhe mit Syrup aus dieſem Gefaͤße angefuͤllt werden. Der Syrup wird ſachte und mit Behutſam⸗ keit aus den Sedimentlr⸗Toͤpfen nach Verlauf des oben erwaͤhnten Zeitraums in dieſes Gefaͤße abgegoſ⸗ ſen, bis auf dasjenige, was ſich auf dem Boden als Dickes angeſetzt hat, und bleibt darin noch 30 bis 40 Stunden unberuͤhrt ſtehen, wo denn mehr als hinlaͤng⸗ lich Zeit iſt, daß ſich das Wenige, was noch im Syrup als Dickes ſich zu ſetzen ſaͤhig iſt, auf den Boden des Gefaͤßes ſinken kann, der darin noch befindliche Syrup wird nunmehr bis auf den Hahn im Gefaͤße rein und klar abgelaſſen werden koͤnnen. Elne jede Schuͤſſel wird nur 1 ½ Zoll hoch aufgeſetzt, in welcher Abſicht 22 waͤhrend des Aufgießens ein kleines Maaß, woran die Zolle bemerkt ſind, in die Schuͤſſel geſtellt wird. Durch das Aufbringen des Syrups aus den Toͤpfen in vorer⸗ waͤhntes Gefaͤß wird beabſichtiget, daß der Syrup aufs vollkommenſte auf die Schuͤſſeln gebracht werde, wel⸗ ches bei dem Ausgießen der Toͤpfe in die Schuͤſſeln der Fall nicht immer iſt, weil die kleinſte Bewegung bei dieſem Geſchaͤfte etwas von dem Bodenſatze unter den auf die Schuͤſſeln zu gießenden Syrup bringen kann. Die in dem Werke des Herrn Direktor Achard an⸗ gegebenen thoͤnernen Ablaßroͤhren an den Sedimentir⸗ Toͤpfen habe ich beim praktiſchen Gebrauch deshalb nicht brauchbar gefunden, weil ſelbige ſehr ſtark und feſt verſchloſſen werden muͤſſen, wenn ſie keinen Syrup durchlaſſen ſollen; nunmehr aber der Zerbrechlich⸗ keit um ſo eher ausgeſetzt ſind, wenn der feſt hin⸗ eingebrachte Pfropfen mit einiger Gewalt herausgenom⸗ men werden ſoll. In der Behandlungsweiſe des auf die Schuͤſſeln aufgeſtellten kryſtalllſtrbaren Syrups und des davon durch Kryſtalliſation zu gewinnenden Zuckers bin ich, wie der Leſer finden wird, ſehr von der ange⸗ gebenen Behandlung des Herrn Dlirektor Achard ab⸗ gewichen, ich werde aber auch zeigen, nachdem ich die Art und Weiſe, wie in hieſiger Fabrik dieſe Behandlung hetrieben wird, werde angegeben haben, welche Vor⸗ theile von der hier ongenommenen Verfahrungsart fuͤr den praktiſchen Betrieh einer producirenden Fabrik erwachſen, welchen Einſluß ſelbige auf die Verbeſſerung der Fabrikate hat, und wie fern bei praktiſchen Arbei⸗ ten einer Fabrik im Großen die hieſige gegenwaͤrtige Behandlung, der, welche Herr Direktor Achard ange⸗ 23 geben, vorzuziehen, und Zeit und Raum erſparend iſt. Ich habe bereits geſagt, daß der Syrup nicht hoͤ⸗ her, als 1½ Zoll hoch auf die Schuͤſſeln, der ſchnellern Kryſtalliſation wegen, gebracht wird. Nach 3, hoͤchſtens 4 Wochen, iſt bei gehoͤrig unterhaltener Waͤrme der Zuk⸗ kerſtube der Syrup mit einer nicht unbedeutend ſtarken Kryſtalldecke uͤberzogen. In dieſe Decke macht man ohn⸗ gefaͤhr woͤchentlich zweimal eine oder ein paar Oeffnun⸗ gen in der Groͤße eines Zweigroſchenſtuͤckes, um dem Syrup einen Zugang der warmen Luft zu verſchaffen. Dieſe Kryſtalldecke wird nach Verlauf des hier angege⸗ benen Zeitraums in großen Schelben abgenommen, und in Schuͤſſeln, deren Boden, gleich einem Durchſchlag, mit mehrern Loͤchern verſehen iſt, gebracht. Der un⸗ ter der Kryſtalldecke in der Schuͤſſel befindliche Syrup wird auf eine andere Schuͤſſel abgegoſſen, und aber⸗ mals zum Kryſtalliſiren in ſchon angegebener Hoͤhe auf⸗ geſtellt. Der auf dem Boden der Schuͤſſel ſich formirte Kryſtall aber, wird wieder in Schuͤſſeln mit einem durchloͤcherten Boden gethan, deren Loͤcher indeſſen ein wenig groͤßer, als in denjenigen Schuͤſſeln ſind, wo die auf der Oberflaͤche des Syrups befindliche Kryſtall⸗ decke in Scheiben zum Ablaufen aufgeſtellt wird. Dieſe Schuͤſſeln, wenn ſie mit dem abgenommenen Kryſtall⸗ oder kandisartigen Zucker gefuͤllt ſind, werden nunmehr an einen Ort gebracht, wo weniger Waͤrme als in den Zuckerſtuben befindlich iſt, damit der Syrup, der noch an dem Kryſtall iſt, vollends ablaufen koͤnne. Er kann aus dem Grunde nicht in der heißen Zuckerſtube bleiben, damit der am Kryſtall noch befindliche Syrup nicht zu ſchnell trockne, ehe er ablaufen kann, und an den kandisarti⸗ gen Zucker antrockne. Nach etlichen Tagen, wenn der Kryſtall rein abgelaufen iſt, kommt er auf ein paar Tage wieder in die Zuckerſtube zum Abtrocknen, ſo, daß man, nach der HOperation des Abnehmens des kry⸗ ſtalliſirten Zuckers, laͤngſtens binnen 8 Tagen, ſehr ſchoͤnen, trocknen und reinen kandisartigen Zucker er⸗ haͤlt. Dieſe Operation wird mit jeder Schuͤſſel alle Monate wiederholet, bis die Kryſtalliſation ſo welt vor⸗ uͤber iſt, daß keine feſte, kandisartige Decke auf der Oberflaͤche des aufgeſtellten Syrups mehr erſcheinet; ſondern ſtatt dieſer nur eine etwas zuſammenhaltende nachgebende Haut, unter welcher der Syrup mit klei⸗ nen unzuſammenhaͤngenden Zuckertheilen vermiſcht iſt. Wenn er in dieſem Zuſtande ſo weit iſt, daß man keine Vermehrung der kleinen Zuckertheile bemerken kann: ſo wird die in den Schuͤſſeln vermiſchte Maſſe von Zucker und Syrup in großen irdenen Gefaͤßen ſo lange gufbewahret, bis man ſelbigen unter die Preſſe bringen kann. Der alsdenn durch die Preſſe von dem Syrup geſchiedene Zucker iſt der Farin. Der abge⸗ preßte Syrup aber wird auf Faͤſſer gebracht, die nicht gelegt, ſondern aufgeſtellt werden, und von welchen die oben ſtehenden Boden herausgenommen werden und nur als Deſkel dienen. Wenn der Syrup in ſolchen Faͤſ⸗ ſern einige Monate lang ſtehet, ſo ſetzt ſich auf dem Boden dieſer Faͤſſer ein, wie Sand, feiner Zucker, oft 9 bis 10 Zoll hoch aus dem Syrup, ab. Ueber die⸗ ſem Zuckerhoden wird das Faß angebohrt, wo man ſelbigen vermittelſt eines Hahnes bequem zum Verkauf ablaſſen kann. Ehe dieſes geſchehen, kann der Syrup 25 nicht ohne bedeutenden Verluſt des Zuckergewinns ver⸗ kauft werden; indem, wenn man allen Syrup, wel⸗ chen man durch das Abpreſſen erhaͤlt, in der Art, wie hier geſagt worden, auf Faͤſſer ſtellt, und das Abſetzen des Zuckers gehoͤrig abwartet, der Betrag deſſelben durch eine ganze Fabrikationszeit, ſich wenigſtens auf 2 000 Pfund belaufen duͤrfte. Noch iſt hierbei zu bemerken, daß der ausgepreßte Syrup, ehe er aufbewahret wird, noch etwa 8 Tage auf Schuͤſſeln gebracht, in der Zuckerſtube aufgeſtellt werden muß, um ſelbigen das wenige Waſſer verduͤn⸗ ſten zu laſſen, welches beim Preſſen durch das Anfeuch⸗ ten des Preßtuches und der zu verarbeitenden Maſſe ſelbſt in den Syrup gekommen iſt. Die Vortheile bei der hler angenommenen Behand⸗ lung, ob wan gleich bei der erſten Anſicht das Gegen⸗ theil glauben ſollte, ſind erſtens: daß Zeit, Raum und Schuͤſſeln erſpart werden. Zwar braucht man zum erſten Aufſetzen des aus einer Verdampfpfanne erhal⸗ tenen kryſtalliſirbaren Syrups, wenn man ſtatt 3 nur 1 Zoll aufſetzt, doppelt ſo viel Schuͤſſeln; allein, da dieſe Schuͤſſeln nur einen 2 ½ Zoll hohen Nand er⸗ fordern: ſo kann man deren in jeder Abtheilung auch noch einmal ſo viel placiren, als bei den zu Anfang ge⸗ hrauchten Schuͤſſeln mit Raͤndern von beinahe 7 Zoll hoch moͤglich war. Bei der ſchnellen Kryſtalliſation und dem oͤftern Abnehmen des kandisartigen Zuckers erhaͤlt man bei jedem Abnehmen ſo viel⸗Schuͤſſeln zu⸗ ruͤck, daß nach Verlauf von 8 Wochen kaum der dritte Theil von den zuerſt aufgeſtellten Schuͤſſeln ſtehen bleibt, Auch wird demjenigen, welcher mit dieſem Geſchaͤfte 26 unbekannt iſt, ſehr leicht begreiflich ſeyn, daß, wenn mehrmals ſowohl von der Oberflaͤche, als vom Boden eine bedeutende Quantitaͤt Zucker abgenommen wird, nur ein ſehr maͤßiger Theil an Syrup uͤbrig bleiben könne, wozu 1 4½ Zoll hoch aufgeſetzt, nur wenig Schuͤſ⸗ ſeln erforderlich ſind, und nach Verlauf von 12 Wo⸗ chen nicht der fuͤnfte Thell. Da ich nun nicht ſo gluͤcklich war, bei der in des Herrn Direktor Achards Werke beſchriebenen Methode die aufgeſtellten Schuͤſſeln unter 4 bis; Monaten ſo weit gebracht zu ſehen, daß ich die Kryſtalliſation fuͤr voll⸗ endet anſehen konnte, und jede aufgeſtellte Schuͤſſel alſo einen ſo langen Zeitraum ſtehen laſſen mußte: ſo wird bei einer genauen Erwaͤgung der Geſchichtserzaͤh⸗ lung der jetzt eingefuͤhrten Behandlung leicht begreiflich, daß gegenwaͤrtig an Zeit und Raum gewonnen, und daß an Schuͤſſeln waͤhrend der Dauer einer Fabrikationszeit weniger, als vorher, erforderlich ſind. Der zweite ſehr wichtige Vortheil iſt, daß bei der jetzigen Behandlung faſt aller zu gewinnende Zucker ganz von Syrup gereiniget erhalten wird. Drittens erlangt man dadurch auch die große An⸗ nehmlichkeit, daß man berelts, laͤngſtens nach Verlauf von 6 Wochen vom Aufang der Fabrikation, ſchoͤnen verkaufbaren Zucker erhaͤlt, welches bei den in die Tau⸗ ſende, wegen dem Aukauf der Ruͤben ſowohl, als we⸗ gen der Fabrikationskoſten, gehenden Ausgaben eine eben ſo noͤthige, als angenehme Sache iſt. Endlich gewinnt man hierdurch an verminderter und verkuͤrzter Arbeit; indem, wenn ich jede Schuͤſſel mehrere Monate ſtehen laſſen muß, um den Inhalt 27 derſelben das werden zu laſſen, was er werden ſoll: die neue Fabrikation eintreten wuͤrde, ehe ich die Zuckergeſchaͤfte der alten beendiget haͤtte. Was den Einfluß betrifft, den die vorbeſchriebene Behandlung auf die Verbeſſerung der Fabrikate hat: ſo wird 1) wie ſchon erwaͤhnt worden, der kandisar⸗ tige Zucker rein von Syrup erhalten; 2) wird der, welcher von der obern Decke abgenommen wird, in⸗ einer ſehr hellgelben und annehmlichen Reinheit und Farbe erhalten. Was ich uͤbrigens von den Vorthellen, welche die hier beſchriebene Behandlungsart verſchafft und von deren Einfluß auf die Fabrikate geſagt habe, beweißt ſchon, daß die bei der hieſigen Fabrik gegenwaͤrtig ge⸗ braͤuchliche Verfahrungsart auf der Zuckerſtube Vorzuͤge in mehr als einer Ruͤckſicht vor der zuerſt hier einge⸗ fuͤhrten, und vom Herrn Dir. Achard in deſſen Werke beſchriebenen Methode habe. Bei der Behandlung der Zuckerfabrikation auf der Zuckerſtube hat die hieſige Fabrike in den erſten Jahren der Fabrikation nicht wenig mit der Unannehmlichkeit zu kaͤmpfen gehabt, daß die zum Auspreſſen erforder⸗ liche von Zucker und Syrup gemengte Maſſe nur ſehr langſam und nicht ſo rein, als zu wuͤnſchen war, durch die Schrauben⸗Preſſen getrennt werden konnte. Auch dieſes iſt gegenwaͤrtig gluͤcklich gehoben, und das er⸗ ſtens durch eine ſehr viel leiſtende wohlgerathene Hebel⸗ Preſſe, deren Erfindung ich abermals dem braven „Herrn Buſſe zu verdanken habe, und durch deſſen Guͤte mir auch das Modell von ſelbiger zu Theil wor⸗ 28 den iſt. Zweitens, durch das Mittel, die Maſſe von Zucker und Syrup, ehe ſie eingepreßt wird, ſehr ſtark erwaͤrmen zu laſſen. Die Fabrik kann gegenwaͤrtig woͤchentlich gegen 7 Cntr. rein ausgepreßten Farinzucker erhalten. Die jetzt hler gebraͤuchliche Verfahrungsart beim Abpreſſen des Zuckers iſt folgende: Die beinahe aus 2 Cntr. be⸗ ſtehende Maſſe von Zucker und Syrup, die abgepreßt werden ſoll, wird einige Stunden vorher, ehe ſie auf die große Preſſe komnit, dicht an einen in der Zucker⸗ ſtube befindlichen, heißen Ofen in großen Schuͤſſeln auf⸗ geſtellt. Wenn ſie hier nun durch und durch ſtark er⸗ waͤrmt worden iſt, ſo wird ſie in der Preſſe in ein ſtark angefeuchtetes lelnenes Tuch, nachdem ſie vorher mit ein wenig lauem Waſſer, wie ein Brodteig, wohl durch⸗ knetet worden, eingeſchlagen, und durch den von Zeit zu Zeit verſtaͤrkten Druck der Preſſe in 24 Stunden V dahin gebracht, daß oft das Abpreſſungsgeſchaͤft gaͤnz⸗ lich vollbracht iſt. Sollte indeſſen der Fall eintreten, daß der Zucker in 24 Stunden noch nicht vollkommen rein abgepreßt iſt, welches entweder durch unzulaͤngli⸗ che Erwaͤrmung der Maſſe vor dem Einpreſſen, oder, wenn das kleine Gemach, worin die Preſſe befindlich iſt, zu ſehr auskuͤhlt, bewirkt wird: ſo wird, um kei⸗ nen Aufenthalt zu machen, der nicht ganz rein abge⸗ preßte Zucker in die bis jetzt im Gebrauch geweſenen kleinen Schraubenpreſſen gebracht, darin, wie in der großen Preſſe, in ein gut angefeuchtetes Tuch, eben ſo durchknetet, wie vorher erzaͤhlt worden, eingeſchlagen, wo er, hei maͤßiger Anwendung des Drucks der Schrau⸗ 29 benpreſſen, nach Verlauf von 24 Stunden aufs voll⸗ kommenſte ausgepreßt ſeyn kann. Die Verfahrungsart bes Raffinements uͤbergehe ich deshalb mit Ställſchweigen, weil ſie ganz dieſelbe iſt, die bei dem Raffintren des indiſchen Zuckers angewen⸗ det wird, welche derjenige, dem an naͤherer Kenntniß derſelben gelegen ſeyn ſollte, weit vollkommener in einer jeden Raffinerie erhalten, als eine hier aufgeſetzte Beſchreibung geben kann. Ich gehe nunmehr zur Brannteweinbrennerei und zur Eſſigfabrikation uͤber, wobei ich anzeigen muß, daß in der Verfahrungsart von beiden keine bedeuten⸗ den Abaͤnderungen von der hieſigen Fabrik bis jetzt ge⸗ macht worden, als diejenige iſt, welche der Herr Dir. Achard in ſeinen Schriften uͤber dieſen Gegenſtand aus⸗ fuͤhrlich angegeben. Daß die Zuckerbrannteweine bei hieſiger Fabrik an Quantitaͤt und Qualitaͤt vorzuͤglich gerathen, mag hauptſaͤchlich aus folgenden zwey Urſa⸗ chen herruͤhren, naͤmlich; erſtens, daß die in der Werk⸗ ſtatt auf Zucker abgepreßte Maſſe beinahe noch ein Drittheil Saft enthaͤlt, wenn ſie zum Kochen in die Brennerei gebracht wird; zweltens wird der Zeit⸗ punkt genau wahrgenommen, daß die Mayſche auf die Blaſe gebracht wird, ſobald ſie eine angenehme Weinſaͤure zu bekommen anfaͤngt, und man nicht zum Nachtheil des Weingelſtes, wie viele Brenner zu thun pflegen, die Saͤuerung zu weit trelbt; auch triffl das hieſige Waſſer zum Brennen vorzuͤglich gut ein. In Betreff des Eſſigs kann ich verſichern, daß, wenn auf die gehoͤrige Art, wie in dem Werke des Herrn Dir. A. vorgeſchrieben, verfahren wird, und der dazu genom⸗ mene Nachlauf vom Branntewein nicht unter 9 Grad Geiſt behaͤlt, auch eine bedeutende warme Temperatur an dem Orte, wo er aufgeſtellt wird, ununterbrochen ſtatt findet, man mit Gewißheit auf den Gewinn eines Eſſigs rechnen kann, der an Schaͤrfe, Wohlgeſchmack und Wohlgeruch keinem Weineſſig etwas nachglebt. Indeſſen muß ich hierbei geſtehen, daß, da es bis jetzt hier an einem dazu erforderlichen warmen Gemach zum Aufſtellen des Eſſigs gefehlt hat, die Eſſigfabrika⸗ tion bei weitem nicht ſo ſtark betrieben worden iſt, als es haͤtte geſchehen koͤnnen. Nach dem, was ich von derjentgen Behandlungsart bei dieſer Fabrikation geſagt, worin man, beſonders bei den Geſchaͤften auf der Zuk⸗ kerſtube, Abaͤnderungen zu treffen unter den praktiſchen Erfahrungen, fuͤr unumgaͤnglich nothwendig fand, um die Zuckerſorten zeitiger, ſchoͤn und moͤglichſt rein von Syrup zu erhalten, auch Raum und Schuͤſſeln zu er⸗ ſparen, ſchließe ich dieſen Abſchnitt mit der Verſiche⸗ rung; daß bei den hier beſchriebenen Verfahrungsarten kein kuͤnftiger Fabrik⸗Inhaber Nachtheil finden duͤrfte. Dritter Abſchnitt. Ueber die Fabrikationskoſten, inclusive des Ein⸗ kaufs der Ruͤben, ſo wie uͤber den Ertrag an Fabrikaten, welche bei gehoͤriger Behandlung im mehrjaͤhrigen Durchſchnitt, wofern nicht außerordentliche Ungluͤcksfaͤlle eintreten, mit Gewißheit zu erwarten ſind. —— Zu den Fabrikationskoſten gehoͤren: 1) Die Salarla der Officianten, inclusive der Tantième; 2) Lohn und Koſt fuͤr die Fabrikarbelter; 3) fuͤr Tageloͤhner und verſchiedene Nebenarbeiten, als Holzſaͤgen, Einraͤumen des angefuͤhrten Holzes und Torfes, fuͤr das Beputzen der Ruͤben u. ſ. w. Zu dieſer letztern Arbeit werden, des geringern Lohnes wegen, nur Kinder von 10 bis 14 Jahren ge⸗ nommen; 4) Feuerungsmaterial; 5) Scheidungsmittel, als Schwefelſaͤure, Kreide und Milch. 6) Hefen in die Brennerei; 7) Birkene Holzkohlen zum Kreidebrennen und zur Deſtillation der Zuckerbranntewelne; 8) Beleuchtung; 9) Unterhaltungskoſten von Preß⸗ und Seihetuͤchern, fuͤr Boͤttcherarbeit, thoͤnerne Gefaͤße, hanſne Seile und Koͤrbe; 10) Noparaturkoſten fuͤr Schmiede, Tiſchler, Mau⸗ rer, Zimmerleute, Klempner, Muͤhlbauerarbeit und fuͤr Anſchaffung des Materiale z zu den eben genann⸗ ten Reparaturen; 11) Koſten, um das Fabrikgebaͤnde im baulichen Stande zu erhalten; 12) extraordinaire Ausgaben, und endlich 1 3) kommt noch zu den Fabrikationskoſten der Einkauf der weißen Runkelruͤben. Der Geldbetrag von allen dieſen Erforderniſſen und Ausgaben wird ſeyn: Rtlr. Gr. a.) Salarla und Tantième fuͤr Offictan⸗ ten, hoͤchſtens 1200— NB. Den Offleianten wird bei hieſiger Fabrik, ſobald die Fabrik durch hinrei⸗ chendes Matertale volle Arbeit hat, von jedem Reichsthaler des reinen Ertrages 1 Ggr. Tantième zur Aufmunterung, zum Zutrauen, Eifer und Fleiß gegeben. b) Fur Lohn und Koſt, oder Deputat fuͤr die in Dienſten ſtehenden 16 Fabrik⸗Ar⸗ beiter 960— c) fuͤr einige bisweilen benoͤthigte Tage⸗. loͤhner in der Fabrikationszeit 150— d) fuͤr 250 Klaftern Holz, pro Klafter 3 Nklr, fuͤr 160,000 Stuͤck Torfziegeln, pro 1000 1Rtlr. 17 ſgr. und fuͤr 50. Schock Anzuͤndeholz, pro Sch. 2 Rtlr. 1000— e) fuͤr 18 Cntr. Schwefelſaͤure bei Verar⸗ bettung von 14000 Cntr. Runkelruͤben, pro Cntr. 39 Rtlr. f) fuͤr 65 Cntr. Kreide, pro Cntr. 4 Rt. g.) fuͤr 6000 Quart abgelaſſene Milch à 3 d'. h) fuͤr Beleuchtung 1) fuͤr birkene Kohlen k) fuͤr Anſchaffung und Unterhaltungsko⸗ ſten von Preß⸗ und Seihetuͤchern ꝛc. 1) fuͤr Materiale und Reparaturkoſten von Schmiedearbeit u. ſ. w. m) auf Unterhaltung des Fabrikgebaͤudes im baulichen Stande n) extraordinaͤre Ausgaben 0) fuͤr den Einkauf von 8000 Cntr. weiſ⸗ ſen Runkelruͤben, pro Cntr. 8 Ggr. Den Einkauf der weiſſen Runkelruͤben habe ich hier pro Cntr. 8 Gor angegeben; ob ich ihn gleich gegenwaͤrtig mit 12 Ggr. in gutem Gelde bezahle. Ich kann aber, meiner Ueberzeugung nach, den Ankauf die⸗ ſes Materlale auf keinen Fall hoͤher veran⸗ ſchlagen, und zwar aus beiden nachſtehenden Gruͤnden: weil, bei gehoͤriger Verbreitung des Anbaues dieſer Art Ruͤben der Verkaͤu⸗ fer fuͤr den Preis von 8 Ggr. ſolche ſehr gern ablaſſen kann und wird; da, zweitens, der Erbauer auf keine Weiſe durch einen Preis von 8 Ggr. gutes Geld pro Cutr. C Rtlr. 7⁰² 260 70 79 20 90 150 150 50 2 666 16 34 wegen niedrigen Ertrages von dieſem Andau abgeſchreckt werden kann; indem auch bet dem mittelmaͤßigſten Ertrage im mehrjäͤhri⸗ gen Durchſchnitte jeder mit dieſen Nuͤben bebaute Morgen Acker, nach dem ſo eben erwaͤhnten Preiſe pro Cntr. einen Ertrag von 26 Rtlr. 16 Ggr. abwirft. Und noch uͤberdies iſt der Betrag der Baaͤtter dieſer Ruͤben, die, ſo wie die Wurzeln dem Er⸗ bauer verblelben, als das fuͤrtrefflichſte Nutz⸗ futter fuͤr melkes Rindvieh, und theils als Blaͤtter zu Taback ins Geld geſetzt, aufs mindeſte pro Morgen mit 10 Rtlr. zu ver⸗ anſchlagen. In welcher Art ließe ſich auch bei dieſem Preiſe wohl denken, daß ein Land⸗ mann ſeine Aecker hoͤher benutzen koͤnnte? Der Zinſenbetrag fuͤr das Kapital, wel⸗ ches die Errichtung des Etabliſſements ge⸗ koſtet, und welches wegen der ſo wichtigen Erſparungen, die, wle ich bereits oben er⸗ waͤhnt habe, dabei gemacht werden koͤnnen, auch da, wo die Baumateriallen am theuer⸗ ſten ſind, ſich hoͤchſtens auf 24— 30,000 Rtlr. belaufen kann, kommt nunmehr noch zu 5 p.C. gerechnet, in Anſchlag mit Es wuͤrde alſo, da ich uͤberzeugt bin, alle Koſten moͤglichſt hoch angeſchlagen zu ha⸗ ben, der ganze Fabrikationsbetrieb jaͤhrlich betragen Rtlr. Gr. 1508— 89985 Rt. 35 Die Koſten des eigenen Ruͤbenerbaues koͤnnen ei⸗ gentlich gar nicht veranſchlaget werden, weil ein Gut, wo eine ſolche Fabrik im Gange iſt, zehnmal mehr ge⸗ winnt, als alle Geldausgaben bei Anpflanzung und bei der Erndte der Ruͤben nur immer brtragen koͤnnen; auch darf man wegen der dabel vorkommenden Ackerar⸗ beit weder ein Pferd, noch ein Geſinde mehr halten, und die Handarbetten muͤſſen die Leute, welche bei der Fabrik im Dienſt ſtehen, verrichten. Dagegen koͤnnte man die Anfuhre des Feuermatertale und andre Fuhren, welche durch die Fabrikatlon veranlaßt werden, hoͤch⸗ ſtens auf 300 Rtlr. veranſchlagen. Hierdurch wuͤrde alſo die Summe aller erforderlichen Ausgaben bis auf 9298 Rtlr. ſteigen, welche die jaͤhrliche Fabrikation von 14000 Centr. Runkelruͤben, ohne zu hoch ge⸗ ſpannte Anſtrengung, in einer Fabrik von der Einrich⸗ tung, wie die hieſige iſt, erfordern wuͤrde. Meinen unter der praktiſchen Behandluͤng dieſer Fabrikation gemachten Erfahrungen zufolge, ſind nut bei gehoͤriger Wahrnehmung der hier obwaltenden Ver⸗ fahrungsart, nachſtehende Reſültate im mehrjaͤhrigen Durchſchnitt, mit Zuverſicht zu erwarten. Als: an kandisartigem Zucker und Farin 6 3006 Pfund oder davon an raffintrtem 36770— an ordinaͤrem Syrup 42000— an durch das Naffiniren gewonnenem Syrup 14500— an Arak zu x, Rum und Conjak zu 4 1 70oa Quart an ſehr feinem Eſſig. 10500— 8 3 36 Ich uͤberleſſe es daher einem Jeden, ſich dieſe Fa⸗ brikate auch nach den moͤglichſt niedrigſten und clvilſten Prelſen zu berechnen, und ich bin uͤberzeugt, daß noch immer ein ſehr lohnender Gewinn fuͤr den Fabrikinha⸗ ber verbleiben wird; und ſollte ſich auch dieſer oder jener widrige Zufall zu ſeinem Nachtheill ereignen! Von den hinzutretenden Vortheilen, welche ſowohl durch den eigenen Betrieb, als durch die Fabrikation ſelbſt fuͤr die Beſitzungen des Fabrikinhabers in wirth⸗ ſchaftlicher Ruͤckſicht ſowohl, als in vermehrter, baa⸗ rer Einnahme erfolgen muͤſſen, will ich in einem be⸗ ſondern Abſchnitte handeln. Vierter Abſchnitt. Ueber die ſehr bedeutenden Erſparniſſe in Betreff, des Koſtenaufwandes, bei kuͤnftiger Errichtung eines ſolchen Etabliſſements; in Beziehung auf die Koſten, welche die hieſige Fabrik durch ihren Erbau verurſacht hat. Wenn ich den nothwendigen Koſtenaufwand bei Er⸗ richtung einer Fabrik, wie die meinige iſt, nach demje⸗ nigen, welcher hier ſtatt gefunden hat, angeben wollte: ſo wuͤrde die Angabe weit uͤber die Summe hinausge⸗ hen, welche bei gehoͤriger Ruckſicht auf unſchaͤdliche Er⸗ ſparmſſe und in Betreff des Baues auf wenlger koſt⸗ ſpielige Einrichtung beſ einem dergleichen Etabllſſement 37 unumgaͤnglich erforderlich ſeyn wuͤrden. Bet Errichtung der hieſigen Fabrik trafen uͤberdies mehrere Umſtände zuſammen, welche dieſes Unternehmen außerordentlich vertheuerten, und dieſe waren hauptſaͤchlich 1) daß in dem Jahre 1805, in welchem dieſer Bau unternommen wurde, eine höchſt druͤckende Theu⸗ rung ſtatt fand, welche mich noͤthigte, allen erforderli⸗ chen Handwerkern ſowohl, als den Handlangern, wenn ſie die zur Arbeit erforderlichen Kraͤfte haben ſollten, die volle Haͤlfte des gewoͤhnlichen Lohnes zuzuſetzen. Noch bedeutender aher war der Umſtand, daß ich bei den ſo hohen Preiſen des Pferdefutters, bei der ſo außerordentlich benoͤthigten Menge von Fuhren, welche ſich ſchon dadurch vertheuerten, daß ein großer Theil des Materials mehrere Meilen weit herbeigeholt werden mußte, faſt doppeltes Fuhrlohn als gewoͤhnlich zu ge⸗ ben gezwungen war. 2) wurde ich durch das Lokale genoͤthiget, um der Fabrik einen ſchickllichen Platz zu geben, mehrere Ge⸗ baͤude, als die Brau⸗ und Brannteweinbrennerei, ein Gebaͤude, worin Stallung fuͤr Pferde und Ochſen, und anderer Raum zum wirthſchaftlichen Gebrauch befindlich war, und eine Scheuer abtragen zu laſſen, und auf an⸗ dern Plaͤtzen neu aufzubauen. Dieſes zuſammengenom⸗ men vertheuerte das Unternehmen mindeſtens um 10,000 Rtlr. Auch war es ſowohl in Betreff des Baues ſelbſt, als in Ruͤckſicht der Maſchinerie und Ge⸗ raͤthſchaften nothwendig, dieſe und jene Koſten verur⸗ ſachende Abaͤnderungen zu machen. Eine bedeutende Erſparung, die bei einer anderwei⸗ tig zu errichtenden Fabrik dieſer Art in Betreff des Ge⸗ 38 baͤudes, ohne Nachtheil fuͤr die Fabrikation, wuͤrde 1) die ſeyn: daß ſowohl der obere Stock, welcher hier, die Zuckerſtube ausgenommen, zur Wohnung fuͤr Offt⸗ cianten und Fabrikarbeiter eingerichtet iſt, wegfiele; als auch ²) der mit der Fabrik verbundene Raͤbenbehaͤlter, welcher hier die hintere Seite par terre laͤngs des ganzen Gebaͤudes einnimmt; weil durch letztern das Fabrikgebäͤu⸗ de eine ſo große Breite erhalten muß, durch die ſowohl in Ruͤckſicht des hierbei erforderlichen ſtaͤrkern vermehrten Gebaͤlkes, als des dadurch nothwendig werdenden brei⸗ ten und hohen Dachſtuhles, und des in dieſer Ruͤckſicht erforderlichen Aufwandes von ſtarkem Holze, und ver⸗ mehrter Bedachung, der Bau ſehr koſtſpielig wird. Eben ſo verurſacht auch das Auffuͤhren eines zwei⸗ ten Stockes, der wie hier ein ſo breites und hohes Dach tragen und alſo mit ſtarken Mauern verſehen ſeyn muß, eine ſehr wichtige Vertheurung des Baues. Zwar iſt nicht zu leugnen, daß die Fabrik dadurch an Bequem⸗ lichkeit und aͤußerm Anſehen gewinnt. Allein in den jetzigen Zeiten iſt Erſparniß eine zu nothwendige Ruͤck⸗ ſicht, als daß man ihr nicht einiges an Bequemlichkeit und aͤußerm Anſehen aufopfern ſollte. Die Zuckerſtube, welche allerdings nicht anders, als uͤber der Siederet angebracht werden kann, wuͤrde als ein Frontiſpice bis an das gebrochene Dach Platz finden muͤſſen; und da wegen des ſchmaͤlern Gebaͤudes ſelbige keine große Breite haben kann: ſo wird es ihrer Tiefe zugegeben werden muͤſſen. Der Ruͤbenbehaͤlter wuͤrde indeſſen, wenn es das Lokale nur einigermaßen erlaubt, dergeſtalt anzulegen ſeyn, daß er mit ſeinem obern Ende gn die Fabrik in der Art ſtieße, daß man 39 durch eine Thuͤre aus der Werkſtatt ſogleich in den Be⸗ haͤlter treten koͤnnte. Und da ihm eine Breite von 15 Ellen gegeben werden koͤnnte, ſtatt daß der hieſige nur 10 Ellen Breite hat: ſo duͤrfte er nicht ſo lang ſeyn. Erlaubte es die Trockenheit des Platzes, worauf der Behaͤlter zu ſtehen kommt: ſo koͤnnte ſelbiger auch als ein halbes Souterrain mit„ Ellen Vertiefung unter der Oberflaͤche, und 6 Fuß uͤber derſelben angelegt werden. Auch wuͤrde es nicht unſtatthaft und zum Schutze gegen den Froſt nuͤtzlich ſeyn, wenn die erforderllchen Woh⸗ nungen uͤber dem Behaͤlter angelegt wuͤrden. Ein Stock⸗ werk von 8 bis 9 Fuß Hoͤhe duͤrfte dazu hinreichend ſeyn. Und da bei der unbedeutenden Brelte dieſes Gebaͤudes kein ſehr ſchweres Dach erforderlich iſt; ſo duͤrften auch die Mauern dieſes Stockwerks kaum 2 Fuß Staͤrke haben. 5 Durch dieſe veränderte Einrichtung in der Anlage der Gebaͤude, muͤßten, meines Erachtens nach, mehrere Tauſend Rtlr. erſpart werden. Auch bet der Maſchi⸗ nerie wuͤrde hier und da einige Erſparniß ſtatt finden; z. B. die eiſernen Roſte auf der langen Preßbahn, wie ſie hier bei der erſten Einrichtung angeſchafft wurden, ſind nicht allein unnoͤthig, ſondern ſogar nachtheilig, weil ſie in der Kaͤlte, wenn die Preßwalze daruͤber hin⸗ gehet, wie Glas ſpringen. Ich habe ſie daher hier ab⸗ geſchaft, und in ihre Stelle Roſte von Eichenholz, mit Lackfirniß uͤberzogen, machen laſſen, wobei& erſparet worden. Auch duͤrfte in der Brennerel die große Pfanne vön ſehr ſtarkem geſchmiedetem Elſenblech, worin der Abraum gekocht wird, nicht angeſchafft, ſondern an de⸗ ren Stelle ein Apparat, wie der in der Siederei ge⸗ 40 braucht werden; naͤmlich, daß man zum Kochen der Maſſe Dampf anwendet; nur mit dem Unterſchiede, daß die Maſſe hier in hohen hoͤlzernen Bottichen befind⸗ lich iſt, und daß die Daͤmpfe aus Keſſeln von gegoſſe⸗ nem Eiſen durch die kupfernen Noͤhren in die Maſſe ſelbſt hineingeleitet wuͤrden; wo ſie auf dieſe Art ſchuell zum Kochen gebracht werden muͤßte. Schon bei dieſer Etnrichtung wuͤrde gegen die Anſchaffung der Pfannen eine Erſparniß ſtatt finden. Welt bedeutender aber würde dieſe ſeyn, wenn man von der neuern Erfin⸗ dung des Kupferſchmidts, Herrn Bauch in Neiſſe, Ge⸗ brauch machen wollte, nach welcher ſowohl in der Sie⸗ derei, als Brennerei ungemein viel Feuerung erſparet wird, und nach welcher man nur eine Klaͤrpfanne in der Siederet und nur eine große Brannteweinblaſe in der Brennerel, anſtatt der gegenwaͤrtigen zwey noͤthig haͤtte, ohne verminderte Arbeit befuͤrchten zu duͤrfen. Nach alle dem nun, was ich hieruͤber angefuͤhrt habe, glaube ich die Ueberzeugung haben zu duͤrfen, daß, nach Maaßgabe des hoͤhern oder geringern Preiſes der Baumaterialien einer oder der andern Gegend und an⸗ derer Lokalumſtaͤnde, zur Errichtung von einem derglei⸗ chen Etabliſſement ein Kapital von 20— 25000 Rtlr. vollkommen hinreichen duͤrfte. 41 Fuͤnfter Abſchnitt. Ueber den Anbau der Runkelruͤben und deſſen vortheilhafteſte Behandlung; desgleichen, uͤber die ſo wichtigen Vortheile eines jeden Ackerbe⸗ ſitzers bei dem Erbau dieſer Ruͤben, ſowohl in wirthſchaftlicher Ruͤckſicht, als auch beſonders dadurch, wenn er bei einer ausgebreiteten Zuk⸗ kerfabrikation auf den ſichern Abſatz dieſes Pro⸗ duktes an die Fabrik mit Gewißheit rechnen kann. — Der Anbau des Materials zur Zuckerfabrikation ver⸗ dient allerdings das fleißigſte Studium, um die Art und Weiſe auszumitteln, wie ſelbiger mit dem moͤglich⸗ ſten Vortheil betrieben werden kann. Ich habe den Anbau dieſer Frucht auf mannichfaltige Art verſucht, und bin endlich bet der Verfahrungsart, welcher ſich ge⸗ genwaͤrtig hier bedient wird, als, meiner Einſicht nach, der zweckmaͤßigſten zur Erzielung einer reichlichen Ernte ſtehen geblteben. Das gute und zeitige Anziehen der Pflanzen iſt die erſte erforderliche Nothwendigkeit, wenn man auf eine geſegnete Ruͤbenerndte Rechnung machen will. Hier werden ſolgende Vorkehrungen dazu getroffen: Den Pflanzenacker(den ich vorſaͤtzlich auf dem Feldacker anlegen laſſe, weil ich gefunden habe, daß die auf dem Felde gezogenen Pflanzen, wenn ſie in den Ruͤ⸗ benacker verſetzt werden, ein weit vorzuͤglicheres Wachs⸗ thum haben, als diejenigen, welche in Gartenland er⸗ zogen werden) laſſe ich im Spaͤtherbſt mit Duͤnger be⸗ 42 fuͤhren, und alsdenn in Beete getheilt mit Erdboden dergeſtalt bewerfen, daß der Duͤnger voͤllig bedeckt iſt. Daß der hierzu erforderliche Erdboden aus den tiefen und breiten Furchen genommen wird, welche man theils zu dieſem Endzweck, theils, um den Acker durch die Winternaͤſſe nicht dem Ausſauren auszuſetzen, an bei⸗ den Seiten der Becte ausgraͤbt, und daß, wo nicht vorzuͤglich guter Abzug iſt, noch auf einen, am rechten Orte angebrachten, gut und gehoͤrig tief ausgegrabenen Waſſerlauf, Bedacht genommen werden muß, iſt einem jeden ſachverſtaͤndigen Ackerbearbeiter ohne meine Erin⸗ nerung bekannt. Sobald im Fruͤhjahr dieſer Pflanzenacker ſo viel an Feuchtigkelt verloren, daß er bei dem Umgraben ge⸗ hoͤrig zerfaͤllt: ſo wird der ganze Acker dergeſtalt gut und tief durchgraben, daß er als eine voͤlltg gleiche Flaͤche erſcheint, und in ſchmale, 3— 4 Fuß breite Beete, welche durch kaum einen Fuß breite Fur⸗ chen von einander abgeſondert ſind, abgetheilt. Auf dieſe Beete nun, nachdem ſie vorher durch den Rechen ganz klar und gleich gemacht worden, wird der Saame auf folgende Art untergebracht. Man macht naͤmlich mit einem nicht zu langen, einen Daumen ſtarken, vier⸗ kantigen, unten zugerundeten Stuͤck Holz am Anfange des erſten Beetes eine nur einen guten Zoll tiefe Rinne guer uͤber das Beet, legt in ſelbige 2 Zoll weit aus einander die Saamenkoͤrner einzeln und bedeckt den Saa⸗ men, indem man die Rinne wieder zumacht. Neben der erſten Rinne wird die zweite gemacht, und der Saa⸗ men auf die naͤmliche Art untergebracht, bis zu Ende eines jeden Beetes des zum Pflanzenbau zubereiteten Ackers. Bei dieſem Einlegen des Saamens iſt vorzuͤg⸗ lich darauf zu ſehen, daß er nicht tiefer als einen guten Zoll unter die Erde komme, welil bei einer tiefern Be⸗ deckung die Pflanze zu lange Zeit braucht, ehe ſie ſich zeigt; auch wohl bei ſchwerem Regen, wodurch die Oberflaͤche der Erde eine feſte Decke erhaͤlt, gar nicht zum Vorſchein kommt. Dieſe Art den Saamen zu le⸗ gen, iſt allerdings beſchwerlicher und Zelt raubender, als das Ausſaͤen des Saamens; aber in der Folge zur Erzlelung guter und ſtarker Pflanzen, dem Saͤen des Saamens, oder vielmehr der Kapſeln, worin die Saa⸗ menkoͤrner befindlich ſind, ſehr welt vorzuziehen; denn hei dem Saͤen bekommt manche Saamenkapſel mehr Raum, als zu ihrem Wachsthume nothwendig iſt; ein bei weitem groͤßerer Theil aber faͤllt ſo dicht zuſammen, daß, da ohnedies aus jeder Saamenkapſel 3, 4.— Pflanzen hervorſprleßen, ſelbige ſo dicht bei einander ſtehen, daß eine vor der andern nicht gedeihen kann, und die Pflanzen zum groͤßten Nachtheil ſchwach in der Wurzel bleiben, anſtatt, daß jene, weil die Saamen⸗ korner jeder Kapſel gleichen Raum zum Wachsthum ha⸗ ben, ſtarkwurzliche Pflanzen werden. Da auch, wie ſchon erwaͤhnt worden iſt, aus jeder Kapſel mehrere Pflanzeu entſprießen, ſd wird von dleſen immer die ſtaͤrkſte aus⸗ gezogen und verpflanzt; wodurch die andern beſſern Raum zum ſchnellern Nachwuchs bekommen. Auch iſt das Legen der Koͤrner auf eben beſchriebene Art dem Ausſaͤen der Saamenkapſeln deshalb ſchon vorzuziehen, weil man von einer Metze dergleichen Saamenkapſeln ſo viel und mehr gute und ſtarke Pflanzen eräeugen 44 kann, wenn ſolche auf vorher beſchriebene Art geleget ſind, als man von zwei Metzen erhalten kann, die aus⸗ geſaͤet worden ſind. Und da, bevor man den Saamen ſelbſt erzeugen kann, derſelbe ſelten und theuer iſt, ſo iſt deſſen Erſparniß eine ſehr angenehme Sache., Noch muß ich in dieſer Ruͤckſicht bemerken, daß die Kapſel des Saamens von einer Haͤrte iſt, die ſich nur langſam in der Erde aufloͤſet, und in einem trockenen Fruͤhjahr koͤnnen leicht 6— 8 Wochen vergehen, ehe man eine Pflanze zu ſehen bekommt. Um nun dieſem un⸗ erſetzlichen Verluſte in Zeiten vorzubeugen, ſo iſt das Ein⸗ quellen der Saamenkapſeln hoͤchſt zweckmaͤßig. Ich, um den Saamen zugleich ein wenig anzufeuchten, laſſe die Saa⸗ menkapſeln in einem oder mehreren Gefaͤßen mit lauem Waſſer, worin Hornſpaͤne befindlich ſind, einweichen. Nach 4 oder 7 Tagen wird der groͤßte Theil dieſes Waſſers abgegoſſen, und der durchnaͤßte Saame, an einem mehr warmen als kalten Orte, in den Gefaͤßen, worin er eingeweicht worden, ſo lange ſtehen gelaſſen, bis die Keime durchbrechen und er nunmehr auf oben beſchriebene Weiſe vortheilhafter in den Boden gebracht werden kann. Nunmehr will ich zu der Beſtellung des Ruͤben⸗ ackers uͤbergehen, wenn man ſich gegruͤndete Hoffnung auf eine reichliche Erndte machen will. Es iſt, auch hier am beſten gethan, wenn man den Duͤnger im Herbſt auf den Acker bringt und ihn noch vor dem Winter un⸗ terpfluͤgt. Im naͤchſten Fruͤhjahr, ſobald man nur ohne Schaden auf den Acker kann, wird der im Herbſt geſtuͤrzte oder umgepfluͤgte Acker gut mit den Eggen zerriſſen, hernach ſo tief als immer thunlich, gewandt, 45 und wenn er in der Wendefurche ohngefaͤhr 3— 4 Wochen gelegen: ſo wird er abermals mit den Eggen gut eingeriſſen und dann mit dem Ruhrhacken mit ſo tiefen als engen Ruhrfurchen, als moͤglich, durchfah⸗ ren. Wo das Inſtrument des Rahrhackens nicht uͤb⸗ lich iſt, ſo kann man den Acker, wahrſcheinlich mit eben ſo gutem Erfolge, mit dem Pfluge queer durch und moͤglichſt tief aufackern. Nun blieibt der Acker ohnge⸗ faͤhr 8 Tage, blis er ſich etwas geſetzt hat, ruhig liegen; alsdenn aber wird er mit der Egge wieder klar und vollig gleich geegt. In dieſer Verfaſſung ruht er nun, bis man dahin gelangt iſt, den Acker bepflanzen zu können. Alsdenn wird das ganze Feld ins Quadrat gepfluͤgt, und, wenn dieſes geſchehen, ſo wird es noch⸗ mals ganz klar und gleiche elugeegt. Hierauf wird der mit einem Pferde beſpannte Abzeichner genommen. Dieſes iſt ein Inſtrument, wel⸗ ches beinahe das Anſehen eines großen Nachrechens hat, womit man das Getrelde mit einem Pferde nachzure⸗ chen pflegt. Er iſt auch gleich dieſem mit 2 Deichſeln verſehen, zwiſchen welchen das Pferd gehet, hat aber nur 5 Zinken, wovon ein jeder 15 Zoll von ſeinem Nachbar entfernt iſt. Dieſe Zinken ſind in dem Auer⸗ balken des Abzeichners eingezapft. Ihre Laͤnge iſt exclusive des Zapfens 6— 7 Zoll und ihre Figur ohngefaͤhr dieſe. Derjenige, welcher dieſen Abzeich⸗ ner, vermittelſt zweier an deſſen Querbalken befeſtigten Stricken, leitet, ſetzet oben, an dem einen Ende des Quadrats, den Abzeichner ſo ein, damit, wenn der⸗ jentge, welcher auf dem Pferde ſitzt, ſich bemuͤhet, ganz 46 gerade auszurelten, dle 5 Zinken des Abzeichners laͤnge dem Quadrat herunter 5 ganz gleiche Linten ziehen. Am Ende des Quadrats wird mit dem Abzeichner um⸗ gedrehet und ſelbiger ſo eingeſetzt, daß deſſen erſter Zinken in die fuͤnfte der vorhin gemachten Linien ein⸗ greift; worauf denn derjenige, welcher auf dem Pferde ſitzt, den Weg wieder ganz geradeaus zuruͤck nimmt. Und ſo wird fortgefahren, bis das ganze Quadrat der Laͤnge nach in Linien von 15 Zoll Entfernung von ein⸗ ander abgetheilt iſt. Hierauf wird dieſes Abzeichnen quer durch das Quadrat auf gleiche Weiſe angefangen und vollendet; wodurch denn das ganze ins Auadrat geackerte Stuͤck Land in viele kleine Vierecke von 15 Zoll Laͤnge und Breite abgezeichnet iſt. Genau, in jeden Winkel dteſer Auadrate, wird auf den Punkt, wo die Linien einander durchſchnelden, eine Runkelruͤbenpflanze geſteckt, und wahrend, daß die Pflanzer mit dem Be⸗ ſetzen des erſten Quadrats beſchaͤftiget ſind, wird eilt zweites Quadrat, eben ſo wie das erſte, bis zum Pflan⸗ zenſtecken fertig gemacht, und nun wird ſo fortgefahren, bis der ganze Acker bepflanzt iſt. Da das Pflanzen, wenn ſolches ſchlecht gemacht wird, eine der Hauptur⸗ ſachen iſt, welche eine magere Nuͤbenerndte bewirken konnen: ſo iſt mit aller Aufmerkſamkeit darauf zu ſe⸗ hen, daß ſolches in jeder Ruͤckſicht mit der groͤßten Vorſicht und Zweckmaͤßigkeit geſchehe. Um dem Austrocknen der Pflanzen vorzubeugen, fuͤllt man einen Zuber auf zwei Drlttheile ſeines Rau⸗ mes mit Duͤnger⸗Lache an, und thut ſo viel ganz friſchen, nicht mit Stroh vermiſchten, weichen Küh⸗ duͤnger hinein, daß bei gehoͤrigem Umruͤhren ein ſehr 47 duͤnner Brei daraus wird. Dieſe Maſſe wird in dem Zuber mit auf den zu bepflanzenden Acker genommen, wo man dann die Pflanzen in kleinen Haufen von der Groͤße zuſammenlegt, daß man ſolche mit. beiden Haͤn⸗ den umfaſſen kann. NB. Die Pflanzen in dieſem kleinen Haufen muͤſ⸗ ſen ſo gelegt werden, daß ſaͤmmtliche Wurzeln dort, wo der Blaͤtterwuchs angehet, in ganz gleicher Rich⸗ tung liegen. Man faßt alsdenn mit belden Haͤnden einen ſolchen Haufen von Pflanzen bei den Blaͤttern auf einmal zuſammen und taucht die Wurzeln bis an die Blaͤtter in den oben erwaͤhnten Brei ein. Man legt hlerauf dieſe Pflanzen etwas ausgebreitet an den Erd⸗ boden, beſtreut ſie mit ein paar Handvolle Aſche, wen⸗ der dann dieſe mit Aſche beſtreuten Pflanzen um und beſtreuer nunmehr auch die, welche vorher unten lagen. Auf dieſe Weiſe bekommen die Pflanzen einen ſich lange feucht haltenden Ueberzug, der ſie, auch bei der anhal⸗ tendſten Duͤrre, gegen das Vertrocknen ſchuͤtzet, und ihnen auch einen nahrhaften Stoff zur Befoͤrderung ihres Wachsthums mittheilet. In Ruckſicht der Pflanzen ſelbſt muß zufoͤrderſt genau Achtung gegeben werden, daß keine Pflanzen aus den Pflanzenbeeten ausgezogen werden, deren Wurzeln nicht mindeſtens die Staͤrke des Stleis von einer Gipspfeife haben; indem man darauf mit Gewiße heit rechnen kann, daß man von einer Pflanze mit ſchwachen Wurzeln nie eine Ruͤbe von bedeutender Große bekomme; da deren zu ſchwache Saugewurzeln zu lange Zeit brauchen, ehe ſie der jungen Nuͤhe hinlaͤngliche 48 Nahrung zufuͤhren koͤnnen. Bei dem Geſchaͤfte des Pflanzens ſelbſt, muß man, beſonders bei trockner Zeit, kein anderes, als ein vierkantiges Pflanzholz dulden; indem das durch das runde Pflanzholz gemachte Loch wohl uͤber die Häͤlfte wleder ſchnell zulauft, ehe man die Pflanze hineinbringen kann. Hterdurch wuͤrde die in die Erde gebrachte Wurzel der Pflanze krumm gebo⸗ gen werden, welches nicht allein ihr Wachsthum hin⸗ dert, ſondern auch eine verkruͤpelte Ruͤbe zur Folge hat, die größtentheils aus vielen in einander verſchlungenen Wurzeln beſteht. Ein vierkantiges Pflanzenholz hinge⸗ gen verurſacht in der Oeffnung, welche durch ſelbiges in die Erde gemacht wird, vier Waͤnde, die wentgſtens auf die kurze Zeit, bis die Pflanze in die Erde gebracht wird, die gemachte Oeffnung nicht zufallen laſſen. Ue⸗ brigens muß bei dem Pflanzen genau Achtung gegeben werden, daß die Wurzel der Pflanze durchaus ſenkrecht in die Erde zu ſtehen komme und der Boden laͤngs der Wurzel etwas angedruͤckt werde. Nur bei Beobachtung alles deſſen kann man auf ein baldiges Bekleiben der Pflanzen und in Betreff der ſenkrechten Lage der Wurzeln, auf eine Ruͤbe von gehoͤriger Läͤnge und Staͤrke rechnen. Wenn der Ruͤ⸗ benacker ausgepflanzt iſt, die Pflanzen beklieben und ſo weit im Wachsthum gekommen ſind, daß ihre Blaͤtter „— 5 Zoll Hoͤhe haben, alsdann wird mit dem klei⸗ nen, hierzu beſonders verfertigten, mit einem Pferde be⸗ ſpannten Haken in ganz gleichen Linien zwiſchen den jungen Ruͤben hoͤchſtens 3 Zoll tief der Boden aufge⸗ worfen und die Erde rechts und links an die junge Ruͤbe gebracht. Wenn die Linlen durch die Lange des Ackers 49 durchfahren ſind, ſo geſchiehet ein gleiches durch dle Breite. Durch dieſe Operation erhaͤlt jede Pflanze auf allen 4 Seiten des Quadrats, in welchem ſie in der Mitte ſtehet, einen lockern Damm um ſich. Dieſer kleine Haken hat die Geſtalt eines gewoͤhnlichen Ruhr⸗ hafens, nur daß er einige Zoll ſchmaͤler ünd kuͤrzer⸗ und mit einem ganz einfachen Geſtell verſehen iſt, an welchem die ſogenannten hoͤlzernen Ohren fehlen, damit die Pflanze nicht mit Erde uͤberſchuͤttet werde. Wird ja das Kraut der jungen Nuͤbe etwas mit Erdboden bedeckt, ſo laͤßt man eins oder ein paar Kinder dem Haken folgen, welche die Erde wieder herunterbringen. Hierauf bleibt der Ruͤbenacker unberuͤhrt 14 Tage bis z Wochen liegen, binnen welcher Zeit das Kraut der jungen Nuͤben bis zu einer anſehnlichen Groͤße hekan⸗ woͤchſt. Nunmeht wird eine andere Art Ruhrhaken, det zum Gebrauch auf den Ruͤbenaͤckern, ſo wie zum Aufruhretn der Kartoffeln beſonders gemacht iſt, angewendet. Die⸗ ſer Hafen ſteht, in Betreff ſeiner Breite und Laͤnge des Schaares, zwiſchen dem gewoͤhnlichen Nuhrhaken und dem eben etwaͤhnten kleinett Haken mitten inne, und hat an ſeinem Geſtelle anſtatt det hoͤlzernieit Ohren tleine Streichbreter, welche matt ſo weit und enge ſtel⸗ len kann, als es noͤthig iſt. Mit dieſem Haket wer⸗ den die Linien abermals der Laͤnge und Brelte nach einige Zoll tief durchfahren, wodurch erſtetis eine tiefere zum Aufnehmen und Abfuͤhren öes uͤberfluͤſſigen Re⸗ genwaſſers fähige Furche entſtehet, und zieitens der auf allen Seiten der jungen Nuͤben befinöͤliche Damm aufs neue aufgelockert und erhoͤhek wird. DX 56 Dieſe Art der Behandlung des Anbaues der Ruͤ⸗ ben befoͤrdert das Wachsthum derſelben ungemein und hat auch die Annehmlichkeit, daß der Anwuchs des Unkrauts weder Zeit noch Raum gewinnt; indem der Acker bis zur Beendigung der vorgeſchriebenen Arbei⸗ ten zu kurze Zeit zu dem Aufkommen des Unkrauts lie⸗ gen bleibt. Und nach der zuletzt geſchehenen Arbeit breiten ſich die Blaͤtter der Ruͤben ſo ſehr aus, daß ſte beinahe den ganzen Acker decken, und daher kein Un⸗ kraut empor kommen kann. Das Beblatten der Run⸗ kelruͤben kann bei denjenigen Ruͤben, welche zur Zucker⸗ fabrikation erbauet werden, nur in folgender Art ſtatt finden, daß naͤmlich, ſo lange die Ruͤbe noch im Wachs⸗ thum iſt, keine andern Blaͤtter abgebrochen werden duͤr⸗ fen, als die entweder ſchon ganz oder doch meiſtentheils gelb geworden ſind. Dieſe Blaͤtter, welche man ſchon 2 Monate nach dem Bepflanzen des Ackers auf ſelbi⸗ gem ſammeln kann, ſind die vorzuͤglichſten zum Ge⸗ brauch als Miſchung unter den Tabak. Nach Verlauf von 3 Monaten von Bepflanzung des Ackers an gerechnet, iſt, nach meiner Bemerkung, das Wachsthum der Ruͤbe gaͤnzlich beendiget, von wo an denn auch ein Theil der Blaͤtter, wenn man mit der Ruͤbenerndte den Anfang noch nicht macht, ohne Nachtheil abgeblattet werden kann. Die Ruͤbenerndte, welche mit Ende des Septembers, wenn die Ruͤben kurz vor oder bald nach Johannis gepflanzt worden ſind, den Anfang nimmt, muß, ſo viel nur immer moͤg⸗ lich tſt, bei trockner Witterung vollbracht werden. Nach meinen Erfahrungen iſts am beſten gethan, ſolche mit einer dreizackigen Duͤngergabel auszuheben; weil mit dieſem Inſtrument der Beſchaͤdigung der Ruͤben am leichteſten ausgewichen werden kann, welches bei Ruͤben, die aufbewahrt werden ſollen, aufs moͤglichſte zu beob⸗ achten iſt. Diejenigen, welche die Ruͤben aus dem Erdboden heben, muͤſſen angehalten werden, ſolche, ſo viel es ſich thun laͤßt, vom Erdboden zu reinigen, wel⸗ ches nur, wenn der Acker zu der Zeit, wenn man die Ruͤben ausheben laͤßt, naß iſt, ſchwierig wird. Außer⸗ dem macht dieſes nicht viele Umſtaͤnde; denn durch ein paarmaliges Anklopfen mit der Ruͤbe an den Stiel der Duͤngergabel, oder an das Grabſcheit, faͤllt der Boden von der Ruͤbe ab. Sobald die Ruͤben aus der Erde gebracht ſind, ſo iſt es in Ruͤckſicht der Fuhren und Ar⸗ beit am vortheilhafteſten, wenn man gleich auf dem Felde die Blaͤtter in der Art abſchneidet, daß die gruͤn⸗ liche Decke der Ruͤbe, woraus die Blaͤtter gewachſen ſind, mit wegkommt; worauf denn die Ruͤben unge⸗ ſaͤumt in den Behaͤlter gebracht werden koͤnnen. Was die ſo hoͤchſt bedeutenden Vorthelle betrifft, welche der Runkelruͤben⸗Anbau uͤberhaupt jedem Acker⸗ beſitzer gewaͤhret: ſo iſt es in der That ſehr zu ver⸗ wundern, daß er nicht ſchon laͤngſt, auch aus wirth⸗ ſchaftlichen Ruͤckſichten, allgemeiner betrieben wird. Mir iſt wenigſtens keine Frucht bekannt, die einen ſo mannigfaltigen Einfluß ſowohl auf Verbeſſerung der Wirthſchaft ſelbſt, als auf den erhoͤhten Ertrag hahen ſollte. Schon in Ruͤckſicht des Ertrages des Ackers ſelbſt, iſt, wie mich die Erfahrung uͤberzeugt, die Run⸗ kelruͤbe diejenige Frucht, nach deren Erzeugung man bei der ihr nachfolgenden Getreidefrucht, ſicher, es ſey D 2 Herbſt⸗ oder Fruͤhjahrsſaat, wenn der Saante nur zur gehoͤrigen Zeit in die Erde gebracht wird, darauf rechnen kann, eine eben ſo reichliche, wo nicht noch reichlichere Erndte zu haben, als waͤre es die erſte Frucht in ſriſchen Duͤnger geſaͤet. Dieſes findet weder bei Koͤrnern noch Huͤlſenfruͤchten, noch anderm Wurzelwerk ſtatt. Be⸗ trachtet man nun die Ruͤbe ſelbſt in ihrem ſo bedeuten⸗ den und reichen Ertrage als Viehfutter: ſo wird mon bel ihrem zweckmaͤßigen Gebrauche eingeſtehen muͤſſen, daß durch ſie eine Rindviehheerde, ſowohl in Betreff der Schoͤnheit und Groͤße, als in Ruͤckſicht ihrer Er⸗ giebigkeit an Milch und Butter, einen ſehr hohen Grad von Vortrefflichkeit erlangen kann; indem ihre Blaͤtter, welche man durch einen ſehr großen Theil des Sommers und Herbſtes, als das vortrefflichſte Milchfutter benutzen kann, mehrere und ſchoͤnere Mllch verſchaffen, als ſelbſt um Johannts das ſchoͤnſte Kleefutter. Ich kann we⸗ nigſtens meinerſeits betheuern, daß ich die Jahre hin⸗ durch, ſeitdem hier der Ruͤbenanbau ſtark betrieben wird, durch die Monate September und Oktober, in welchen die Runkelruͤbenblaͤtter am ſtaͤrkſten gefuttett werden, ohnerachtet des ſchon um dieſe Zeit ſehr nach⸗ laſſenden Nutzens der Viehheerden, dennoch anſehnlich mehr an Butter und Milch gewonnen habe, als ſelbſe um Johannis bei dem ſchoͤnſten und reichlichſten Klee⸗ futter. Wenn das Futter der Blaͤtter aufhoͤrt, ſo tritt die Nuͤbe ſelbſt an ihre Stelle. Dieſe in Pfannen mit Waſſer gekocht, zerſchnitten, oder klein geſtampft, in moͤßiger Quantitaͤt gleichſam, um den landwirthſchaft⸗ lichen Ausdruck zu brauchen, als Mengſel der Watzen⸗ Spreu und Sommerſtroh⸗Siede, iſt ein dem Vieh 53 ſehr wohlſchmeckendes und, in Betreff des reichlichen Mlilchertrages, hoͤchſt nuͤtzliches Futter. Selbſt das Waſſer, worin die Ruͤben gekocht worden ſind, beſtehet nunmehr aus einer etwas fetten ſuͤßen Bruͤhe, und iſt, mit Waſſer und etwas Kleye vermiſcht, dem Rindvieh ein hoͤchſt bellebtes Getraͤnke. Und will man, daß die neu abgewoͤhnten Kaͤlber in ihrem erſten Jahre eine außerordentliche Groͤße und Staͤrke erhalten ſollen: ſo gebe man ihnen nur roͤglich die vorerwaͤhnte Traͤnke, bei dem ihnen zukommenden Heuſutter in mäßiger, doch ja⸗ nicht zu reichlicher Quantitaͤt, klein geſchnittene, ganz weich gekochte Ruͤben an Haberſpreu gemengt; und man wird ſich ſelbſt verwundern, wie ſchnell ſie groß und ſtark werden. Nicht ohne Urſache habe ich hier Maͤßigkeit in An⸗ wendung der Runkelruͤben empfohlen, weil ſelbige, we⸗ gen lhrer vielen Zuckertheile, bei dem haͤufigen Gebrauch die innern Theile des Viehes angreifen und zum Laxiren bringen wuͤrden. So nuͤtzlich dem Rindvieh bei gehs⸗ riger Anwendung der Gebrauch der Runkelruͤben wer⸗ den kann, eben ſo wichtige Dienſte koͤnnen ſie jedem Be⸗ ſitzer einer Schaafheerde bei zweckmaͤßigem Gebrauche leiſten. Wer durch die Monate, wo das Schaaf im Stalle vom trockenen Futter leben muß, taͤglich auf 300— 400 Schaafe ein Futter von 2 Cntr. rohen Runkelruͤben(da die Natur des Schaafes dieſe Ruͤbe roh vertraͤgt) klein gehackt und mit feiner Siede ver⸗ mengt, bis zum neuen gruͤnen Futter auf dem Felde geben kann; der wird nicht allein bei der naͤchſten Woll⸗ ſchur uͤber die Menge ſeiner Wolle ſowohl, als uͤber ihr ſchweres Gewicht Freude haben koͤnnen. Bauet 54 der Landmann aber die weiße, zur Zuckerfabrikation anwendbarſte, Runkelruͤbe an, und hat er Gelegenheit ſie zu dieſem Zweck ins Geld zu ſetzen: ſo koͤnnte er wohl ſchwerlich auf ſeinem Acker etwas vortheilhafteres erzeugen. Ich hezahle heute den Centner ſolcher Ruͤben mit 12 Ggr. gutes Geld; ich will aber auch annehmen, daß bei einem allgemeinen Erbau ihr Preis civiler wuͤrde und man dafuͤr nur 8 Ggr. gäbe: ſo wuͤrde dennoch der baare Ertrag eines Morgens Acker, bei dem An⸗ bau von weißen Runkelruͤben, bel weitem hoͤher ſeyn, als der Ertrag von jeder andern nur denkbaren Frucht; indem bel gehoͤriger Bearbeitung des Ackers und zweck⸗ maͤßiger Behandlung beim Anbau der Ruͤben, ſelbſt auf mittelmaͤßigem Boden, in mehrjaͤhrigem Durchſchnitte, ſichere Rechnung auf mindeſtens 100 Cntr. Ruͤben pro Morgen gemacht werden kann. Hundert Cntr. betra⸗ gen, den Cntr. zu 3 Ggr., 33 Rtlr. 8 Ggr., wenn ich nun den Werth der Blaͤtter noch mit 6 Rtlr. 16 Ggr. veranſchlage: ſo nehme ich unausblelblich in jeder Raͤckſicht den niedrigſten Werth an. Dieſer zuverlaͤßige Ertrag von 40 Rtlr. auf einen Morgen Ackerland iſt wohl das non plus ultra, was man ſich zu wuͤnſchen erlauben kann. Sechſter Abſchnitt. Von den bedeutenden Vortheilen, welche ſich ein Fabrik⸗Inhaber ſowohl von den Blaͤttern der Runkelruͤben, als auch von den Trebern aus der Brennerei, bei gehoͤriger Anwendung, mit Gewißheit verſchaffen kann. — Außer dem in ſo mancher Hinſicht ſchaͤtzenswerthen, und fuͤr die Menſchheit ſo unentbehrlichen Fabrikate, welche die Runkelruͤbe unter gehoͤriger Bearbeitung lie⸗ fert, darf ein jeder Fabrikinhaber bei zweckmaͤßiger An⸗ wendung mit Zuverſicht darauf rechnen, durch die Blaͤtter der Ruͤben ſowohl, als durch den Ruͤckſtand, oder Treber, welche von der gekochten und nochmals auf Branntewein ausgepreßten Ruͤbenmaſſe aus der Brennerei zum Futter fuͤr Maſt⸗Rind⸗und Schaaf⸗ vieh uͤbrig bleiben, ſeine Wirthſchaft hoͤchſt bedeutend zu verbeſſern, und ihr einen ſehr anſehnlich erhoͤhten Ertrag abzugewinnen. Zufoͤrderſt wird durch eine Fabrik, welche bei ange⸗ ſtrengtem Fleiße in einer Fabrikationszeit 14000 Cntr. Runkelruͤben verarbeitet, der Beſitzer derſelben eine beinahe verdoppelte Anzahl von Nutz⸗Rindvieh in der beſtmoͤglichſten Futterung zu erhalten in den Stand ge⸗ ſetzt, indem die Blaͤtter und die Treber der Ruͤben eine eben ſo reichliche als vortheilhafte Futterung durch volle 9 Monate im Jahre verſchaffen. Auch, da man ſtatt des gewoͤhnlichen Strohes die Treber, unter Siede von Sommerſtroh geſchnitten, fuͤttert, ſo wird dadurch, des ſtarken Viehbeſtandes ungeachtet, die Haͤlfte an 56 Stroh erſparet, welches zur Streu verwendet den Duͤn⸗ gervorrath anſehnlich vermehret. In Betreff des Ertrages des Rindviehbeſtandes kann ich feſt behaupten, daß, wenn ein Gut, welches ehedem einen Beſtand von 30 Stuͤck melfen Rindviehs unterhalten konnte und von ſelbigen einen Ertrag von 300 Rtlr. erhielt, nach Errichtung einer Fabrike der Art mindeſtens 70 St. weit beſſer und reichlicher, als vorher jene 30 zu unterhalten im Stande iſt, und von dieſen mit mehrerer Gewißheit auf einen Ertrag von 6oo Rtlr. als ehedem auf 300 rechnen kann. NB. Der Ruͤckſtand von 25 Cntr. Ruͤben iſt voll⸗ kommen hinreichend, den 50 St. Kuͤhen mit hinlaͤngli⸗ cher Siede vermiſcht, taͤglich zweimal ein ſatthaftes Fut⸗ ter zu geben. Von der ſich auf dem Boden der Mayſch⸗ tonne ſetzenden dicken Mayſch, bekommt man mit zwei Theilen gekochten Waſſers und mit etwas Aftrich, Schroot und Kleye vermiſcht, eine dem Vieh ſehr wohl⸗ ſchmeckende und nuͤtzliche Traͤnke,— Der Schaafheerde glebt man gleichfalls taͤglich ein Fut⸗ ter von dergleichen Trebern, mit fein geſchnittener Siede gemengt, welches ihnen bei weitem mehr nuͤtzet, als 3 Futter von dem Stroh, welches man ihnen gewoͤhnlich vorzulegen pflegt. Bei dieſem Futter erhaͤlt ſich die Schaafheerde ſo munter und ſtark, und der Anwuchs einer dichten, langen und fetten Wolle gedeihet ſo herr⸗ lich, daß man ſich mit Zuverlaͤßigkeit im naͤchſten Fruͤh⸗ jahr auf einen reichlichen Gewinn ſchoͤner Wolle freuen kann. Ganz vorzuͤglich aber iſt die gluͤckliche Folge disſer Futterung bei dem Muttervieh ſichtbar, indem 6 durch ſelbiges die tragenden Schaafmuttern nicht allein bei vollen Kraͤften blelben, ſondern auch nach dem Lam⸗ men ihre jungen Laͤmmer durch reichliche und gute Nah⸗ rung ſo ſchnell wachſen machen, daß ſolche nach etli⸗ chen Monaten eine bewundernswuͤrdige Staͤrke und Groͤße erhalten. An Stroh wird auch eine ſehr bedeu⸗ tende Erſparniß, die gleichfalls eine ſehr anſehnliche Vermehrung des Duͤngers veranlaſſen kann, gemacht⸗ und zwar dadurch: ohne dieſes Futter von Trebern mit Siede, braucht man taͤglich ein Futter Heu und 4 Futter Stroh; bei jenem Futter aber ſind taͤglich nur ein Futter Heu und zwei Futter Stroh hinreichend. Es werden daher taͤglich 2 Futter Stroh erſparet. Nü. Man braucht zwar zu dem zu den Trebern noͤthigen Heckſel auch einiges Stroh, allein doch nicht ein Drittheil ſo viel, als das Stroh betraͤgt, welches man den Schaafen auf einmal vorlegt. Auf eine Schaaf⸗ heerde von 700 Stuͤck ſind die Treber von 10 Cntr. Nuͤben zum taͤglichen Futter vollkommen hinlaͤnglich. Zu den 12 Ochſen, welche zur Fabrikation nothwendig ſind, um abwechſelnd das Rad zu treten, und welche taͤglich dreimal mit dergleichen Trebern mit Heckſel ge⸗ mengt, gefuͤttert werden, ſind die Treber von 15 Cutr. Ruͤben vollkommen hinreichend. Dieſem zufolge braucht man alſo taͤglich fuͤr Ochſen, Kuͤhe und Schaafe den Ruͤckſtand von 45 Cntr. Ruͤben, und es bleiben daher täglich die Treber von 35 Cntr. Ruͤben uͤbrig, womit man noch 27 Stuͤck zur Maſtung aufgeſtellte Ochſen dergeſtalt verſorgen kann, daß ſolche nach 14— 17 Wochen als vollkommen gemaͤſtete Ochſen verkauft und alſo durch eine Fabrlkationszeit zwei dergleichen Maſtun⸗ gen vollbracht werden koͤnnen. In Betreff der Blaͤtternutzung als Tabak will ich noch anſuͤhren, daß zu dieſem Behufe die Sammlung derjenigen Blaͤtter am nuͤtzlichſten und ſchicklichſten iſt, welche durch die Monate Augaſt and September ſchon auf dem Acker gelbbraun werden. Von einem Felde von circa 30 Morgen kann man, im Fall es nicht an Sammlern fehlt, wohl zwiſchen 80— 100 Cntr. zu⸗ ſammenbringen, welche in ſolchen Jahren, wo der Ta⸗ bak nicht allzu reichlich gerathen, ſehr gern, wenigſtens mit 5 Rtlr. pro Cntr. bezahlt werden. In Jahren, wo der Tabak gut gerathen, thut man beſſer, ſolche aufzuheben, da ſie lange Zeit, ohne zu verderben, auf⸗ bewahret werden koͤnnen. Man wird ſie zu ſeiner Zelt ſchon ſuchen und ziemlich gut bezahlen. In Jahren hingegen, in welchen der Tabak mißrathen iſt und dieſe Blaͤtter haͤufig als Tabak geſucht werden, kann man bei der Ruͤbenerndte ſelbſt noch eine große Quantitaͤt braun gewordener Blaͤtter zu den ſchon erwaͤhnten thun, und dadurch die Einnahme von Blaͤttern zu Ta⸗ bak vermehren. Da nun alles dieſes, was ich hier von dem Ge⸗ brauch der Runkelruͤbenblaͤtter und den Trebern geſagt habe, ſich auf Gewißheit gruͤndet: ſo hoffe ich mich keiner Uebertreibung ſchuldig zu machen, wenn ich be⸗ haupte, daß beide dem Fabrikinhaber ſehr bedeutende Vortheile gewaͤhren. 59 Siebenter Abſchnitt. Grundſaͤtze zum vortheilhaften Betriebe dieſer Fabrikation, mit Hinſicht auf das gemeine Wohl. Ein Fabrikinhaber, der bei dieſer Fabrikation bedeu⸗ ter de Vortheile gewinnen will, wird, meines Erach⸗ tens, zufoͤrderſt als erſten Grundſatz zu befolgen haben: durch hinlaͤngliches Materiale ſich in den Stand zu ſe⸗ tzen, ſo viel als moͤglich das hoͤchſte Auantum, welches der Einrichtung ſeiner Fabrik nach, zu verarbeiten thun⸗ lich iſt, zu erreichen, indem die geſunde Vernunft lehret, daß der Inhaber einer Fabrik, ſie ſey, von welcher Art ſie wolle, nur durch ſchnellen Abſatz von vielen Fabri⸗ katen wahren Gewinn haben kann. Da aber viele Fabrikate nur durch fleißige Arbeit und ein ſchneller Ab⸗ ſatz nur durch gute Waare, und, nach Beſchaffenheit der Umſtaͤnde, durch moͤglichſt billige Preiſe erlangt werden kann: ſo muß das hoͤchſte Beſtreben eines Fa⸗ brikinhabers dahin gehen, die Geſchaͤfte mit moͤglichſter Zweckmaͤßigkeit zum Gewinn guter Fabrikate zu betrei⸗ ben, und, wie bereits erwaͤhnt worden, ſo viel an Ma⸗ terlale, als ſeine Fabrik zu verarbeiten faͤhig iſt, ſich zu verſchaffen bemuͤht ſeyn, um ſich ſowohl viele als gute Fabrikate zu verſchaffen; wodurch er dann in den Stand geſetzt werden wird, annehmliche Preiſe zu ma⸗ chen, bei welchen ein ſchneller Abſatz nicht fehlen kann. Dieſes iſt um ſo mehr zu beruͤckſichtigen, da Produkte dieſer Art zu den dringendſten Beduͤrfniſſen des menſch⸗ 60 lichen Lebens gehoͤren. Der zweite Grundſatz muß, meiner Meinung nach, der ſeyn: ſowohl den Ofſician⸗ ten, als den Arbeitern in der Fabrik, ein gutes Aus⸗ kommen zu geben, damit ſie weder zur Untreue geretzt werden, noch auch ihre Geſchaͤfte mit Traͤgheit und Un⸗ luſt verrichten, und man dadurch nicht genoͤthiget wer⸗ de, oͤfters mit ihnen zu wechſeln, welches der Fabrika⸗ tion unausbleiblich nachtheilig ſeyn wuͤrde; indem dieſe Geſchaͤfte Kenntniſſe und Uebung verlangen, wenn ſol⸗ che gut und ungeſaͤumt verrichtet werden ſollen. Jn dieſer Ruͤckſicht iſt es auch weit vorzuͤglicher, im wirkli⸗ chen Dienſte der Fabrik ſtehende Arbeiter, als Tageloͤh⸗ ner zu haben; insbeſondere, weil die im Dienſt ſtehen⸗ den Fabrikarbeiter den Sommer hindurch den Ruͤben⸗ Anbau koͤnnen betreiben helfen; da hingegen bei den Tagearbeitern dieſes der Fall nicht iſt, weil die meiſten ihrer eigenen Verhaͤltniſſe wegen beſchaͤftiget ſind. In Ruͤckſicht der Officianten iſt es vorzuͤglich noͤ⸗ thig, da ſo wohl von ihrer Kenntniß und Erfahrung, als von ihrer Treue, Thaͤtigkeit und Ordnung, der gute Fortgang der Fabrikation hauptſaͤchlich abhaͤngt, daß dieſe, indem ſie gegen die Sorgen fuͤr die Lebensbeduͤrf⸗ niſſe geſichert ſind, ihre Dienſtgeſchaͤfte mit Luſt und Liebe zur Sache verrichten. Und da es in der menſch⸗ lichen Natur zu liegen ſcheint, daß der Menſch, wenn er ſich bei ſeinen Geſchaͤften lebhaft fuͤr das moͤlichſte Gedeihen der Sache, in welcher er arbeitet, intereſſiren ſoll, einen vermehrten Vortheil nach Verhäͤltniß ſeines angewandten Fleißes habe: ſo werde ich von da an, wo die Fabrik wegen hinlaͤnglichem Materiale in voller 61 Arbelt ſtehen kann, den bel der hieſigen Fabrikation beſtaͤndig bleibenden Offieianten von der reinen Ein⸗ nahme eine beſtimmte Tantième zukommen laſſen, wo⸗ durch zugleich der Vortheil erwachſen kann, daß, wenn einer dieſer Offleianten ſich der Untreue oder der Ver⸗ nachlaͤßigung ſeiner Geſchaͤfte ſchuldig machen ſollte, dle uͤbrigen ſolches nicht dulden wuͤrden. Der dritte Grundſatz, welchen, wie ich glaube, ein Fabrikinhaber, ſowohl in Ruͤckſicht ſeines eigenen Vor⸗ theils, als in Ruͤckſicht aufs gemeine Beſte billig haben und befolgen ſollte, iſt der: wenigſtens öͤle groͤßte Haͤlfte der zu verarbeitenden Ruͤben in der umliegenden Gegend einzukaufen. In Ruͤckſicht ſeines eigenen Vor⸗ thells koͤnnte es dem Unkundigen zwar ſcheinen, daß es fuͤr den Fabrlkinhaber weniger koſtſpielig waͤre, wenn er das ganze Ruͤbenquantum, welches ſeine Fabrik zu verarbeiten faͤhig iſt, auch ſélbſt erbaue; alleln dieſes iſt in der That nur der Schein, und man kann mit allem Recht das Gegentheil behaupten. Ich werde mich be⸗ muͤhen den Leſer durch Folgendes davon zu uͤberzeugen⸗. Ich habe beretts geſagt, daß in einer Fabrik, wie die hleſige iſt, eine Fabrlkationszeit hindurch bei gehoͤrig ange⸗ ſtrengtem Fkeiße 14000 Cntr. Runkelruͤben verarbeitet werden koͤnnen. Zu dem Erbau diefer Ruͤben gehoͤrten eigentlich 140 Moegen Acker, wenn man den Ertrag auf 100 Cntr. annimmt; da aber in manchen Jahren die Witterung ſo unguͤnſtig iſt, daß an dieſem Ertrage ſehr kelcht ein Bedeutendes abgehen kann: ſo wuͤrde mon, um keinen Mangel an hintaͤnglichem Matertale zu haben, wenigſtens 30 Morgen mehr dazu vorbereiten 62 und alſo 170 Morgen mit Runkelruͤben anbauen muͤſ⸗ ſen. Schon das Pflanzungsgeſchaͤft einer ſolchen Menge von Ruͤben, welches laͤngſtens binnen einem Zeitraume von 5 Wochen beendigt ſeyn muß, wuͤrde mehr als 100 Menſchen erfordern. Wer aber, und haͤtte er auch eine ſehr große Wirthſchaft, koͤnnte wohl darauf rechnen, im Fruͤhjahr eine ſo große Menge von Menſchen, wo ohnedies die arbeitenden Häaͤnde nicht zu⸗ reichen wollen, ohne große Unbequemlichkeit zuſammen zu bringen? Und braͤchte er ſie auch zuſammen; wie⸗ viel aͤußerſt ſchlechte Pflauzen wuͤrden nicht darunter und wie viel Aufſeher erforderlich ſeyn, wenn nicht ſehr wenige und ſehr ſchlechte Arbeit durch den Tag voll⸗ bracht werden ſollte! Ferner: woher ſollte die ſo große Menge von Daͤnger kommen, da ein Ackerfeld von 170 Morgen zu Runkelruͤben, nur mittelmaͤßig gedungen, und auf den Morgen nur 10 vierſpaͤnnige Fuder ge⸗ rechnet, 1700 Fuder Duͤnger erfordern wuͤrde? Je⸗ der Sachverſtaͤndige wird mir geſtehen, daß dieſes nur eine mittelmaͤßige Duͤngung waͤre. Auch bei der aus⸗ gebreitetſten Wirthſchaft von mehreren Vorwerken wuͤrde ohne bedeutenden Nachtheil fuͤr die uͤbrigen Aecker eine ſolche Quantitaͤt von Duͤnger nicht wohl aufzubringen ſeyn. Selbſt bei der Erndte wuͤrde durch Mangel an arbeitenden Menſchen, beſonders bei naſſer Witterung, ein zu großer Zeitraum erfordert, um ſelbige ohne wich⸗ tigen Nachtheil fuͤr dieſe Frucht zu vollbringen. Auch wuͤrde zu dem Einbringen der Ruͤben und der Blaͤtter ſehr viel an Geſpann erforderlich ſeyn, welches ohne großen Nachthetl fuͤr die nunmehr zu beſtellende Herbſt⸗ ſaat nicht aufzubringen waͤre. Alles dieſes zuſammen genommen, wuͤrde, wenn üͤberdies im Laufe des Sommers die Witterung dem Wachsthum der Ruͤben nicht guͤnſtig ſeyn ſollte, auch bei einem Aufwande von 170 Morgen Acker, dennoch oͤfters ein fehlendes Materiale fuͤr eine jaͤhrliche Fabri⸗ kation von mehrern 1000 Cntr. zur Folge haben. Be⸗ rechnet man alſo die ſo wichtigen Koſten, die Nach⸗ theile und unvermeidlichen Unfaͤlle, welche ein zu weit getriebener Selbſt⸗Erbau ſehr leicht zur Folge haben kann, und dann uͤberhaupt noch den hoͤchſt wichtigen Schaden, wenn eine durch unguͤnſtige Witterung be⸗ wirkte magere Erndte, einen bedeutenden Abgang am Materiale, welches verarbeitet werden koͤnnte, veran⸗ laßt: ſo muß es einem jeden, wie mir deucht, der den hierbei denkbaren Vortheil, gegen den ſo oft unvermeid⸗ lichen Nachtheil gehoͤrig zu berechnen und zu wuͤrdigen weiß, einleuchtend ſeyn, daß ein auf den ganzen Bedarf einer Fabrik beabſichtigter Selbſt⸗Erbau, nicht allein weit gewagter, ſondern auch in mehreren Ruͤckſichten ſehr koſtſpielig ausfallen duͤrfte, als wenn der Fabrik⸗ Inhaber ſich auf 6000 bis hoͤchſtens 7000 Cntr. ei⸗ genen Erbau einſchraͤnkt, und den ganzen uͤbrigen Be⸗ darf aus der umliegenden Gegend ſeines Ortes erkauft. Fuͤr den denkenden und richtigen Beurtheiler als Fabrik⸗ Inhaber ſchmeichle ich mir durch das hieruͤber Geſagte hinlaͤngliche Veranlaſſung zu der Ueberzeugung gegeben zu haben: daß, auch in Ruͤckſicht ſeines eigenen Vor⸗ theils, es am erſprießlichſten ſeyn werde, mindeſtens die groͤßte Haͤlfte des ihm benoͤthigten Materials ſich durch Ankauf zu verſchaffen. 64 Ich will hier nur noch Einiges uͤber den Einſiuß auf das allgemeine Beſte erwaͤhnen, wenn die Fabrik⸗ Inhaber ſich dahin einrichten, den groͤßten Theil ihtes Bedarfs durch Ankauf aus der umliegenden Gegend zu erhalten. Da der Anbau dieſer ſo gemeinnuͤtzigen Frucht, wenn deren Ankauf zur Zuckerfabrikation von einer bedeutenden Anzahl von Fabriken ſtatt faͤnde, dem Erbauer einen gewiſſen Abſatz und einen reichlichen Er⸗ trag ſicherte, ohne Zweifel ſchnell um ſich greifen wuͤr⸗ de; beſonders da bei dem Mangel an baarem Gelde die Preiſe der laͤndlichen Produkte hoͤchſt wahrſchelnlich ſehr ſinten werden: ſo wuͤrde der Landwirth zum haͤufi⸗ gen Anbau dieſer Frucht ſchon deshalb disponirt werden, da er in ſelbigem bei den heutigen bedraͤngten Zeiten eine neue Erwerbquelle findet. Wenn nun der Au⸗ kauf der Runkelruͤben einen verbreitetern Anbau derſel⸗ ben bewirken muͤßte: ſo wuͤrde eine zweite heilſame Folge, eine, jezt ſo ſehr fehlende, vermehrte Cireula⸗ tion des baaren Geldes auf dem Lande ſeyn; ſo wie ferner der ausgebreitete Anbau dieſer nuͤtzlichen Frucht auf erhoͤhte Viehnutzung und verbeſſerte Ackerkultur einen wirkſamen Einfluß zeigen wuͤrde, indem die im Wachsthum zuruͤckgebliebenen kleinen, fuͤr die Zuckerſa⸗ brikation nicht tauglichen Ruͤben, ſo wie die Blaͤtter derſelben nebſt den Wurzeln dem Landmaun ein gutes Futker fuͤr ſein Nutzvleh abgeben, welches ihm einen ſehr erhoͤhten Ertrag von ſelbigem verſchafft. In Betreff der Ackerkultut iſt es wohl ſehr ein⸗ leuchtend, daß, da alle Aecker, welche zum Erbau der Nankekruͤben zubereitet werden, eine ſeht gute und vleſ⸗ faltige Bearbeitung erfordern, dadurch ein fuͤrs Ganze ————-— 65 ſehr wichtiger Thell der Felder fuͤr mehrere Jahre und folgende Fruͤchte ſehr tragbar gemacht werden. Zum beſſern Gedeihen dleſer Fabrikatton ſelbſt wuͤrde endlich der Ankauf der Runkelruͤben von den Fabrikbeſitzern noch den erwuͤnſchten Einfluß haben: daß der groͤßte Theil der Nation, durch die ihm ſelbſt daraus erwach⸗ ſenden Vortheile, ein ſehr lebhaftes Intereſſe an dieſer Fabrikation gewinnen wuͤrde. Achter Abſchnitt. Ueber den maͤßigen Feuerungsbedarf zum Be⸗ triebe eines ſolchen Etabliſſements, in Ruͤckſicht der etwanigen Bedenklichkeiten, daß eine allge⸗ meinere Fabrikation dieſer Art ſehr leicht einen Mangel an Feuerungsmaterial, oder wenigſtens erhoͤhte Preiſe deſſelben bewirken koͤnne. In Betreff des Feuerungsmaterlals hat dieſe Fabrika⸗ tion das Angenehme, daß alles, womit man Waſſer in baldiges und vollkommnes Kochen bringen kann, es ſey Holz, Steinkohlen oder Torf, hierbet ohne Nach⸗ theil fuͤr dte Fabrikation und zur Erreichung deſſelben Endzwecks angewendet werden kann; nur mit dem Un⸗ terſchiede, daß man, im Fall Steinkohlen oder Torf ge⸗ braucht werden ſollen, die Feuerungsheerde ſo anlegen muß, daß dieſes Feuerungsmatertal ſo viel Zug und Luft bekomme, als erforderlich iſt, ſelbiges in voller Glut und Flamme zu erhalten. Auch in der Siederet E 66 findet das Bedenken keinesweges ſtatt, daß der Saft oder der Syrup von dem unangenehmen Geruche der Steinkohlen oder des Torfes in Betreff ſeines Ge⸗ ſchmacks etwas Widriges an ſich ziehen koͤnnte, indem, erſtens, der zu klaͤrende und zu verdampfende Saft nur durch ihm zugeleitete Daͤmpfe die ihm erforderliche Er⸗ hitzung erhaͤlt, und, zweitens, da die Feuerungsofen oder Heerde ſo eingerichtet werden koͤnnen und muͤſſen, daß, ſo wie die Zuͤge Dampf und Rauch durch die Schornſteine fuͤhren, auch zugleich der Geruch dieſes Feuermaterials mit fortgenommen wird. Was den Feuerungsbedarf in der Brennerei betrifft, ſo ſind Steinkohlen und Torf, wie die Erfahrung ſchon laͤngſt gelehrt hat, wenigſtens eben ſo anwendbar, als der Gebrauch des Holzes; ja, es iſt ſogar unter die Bla⸗ ſen oder Toͤpfe aller Art, welche zum Branntweinbren⸗ nen erforderlich ſind, der Torf unſtreitig das dienlichſte von allem Feuerungsmaterial, weil eine hierzu erfor⸗ derliche maͤßige und ſtets gleiche Erhitzung zu ſeinen na⸗ tuͤrllchen Eigenſchaften gehoͤrt. Was den Bedarf des Feuermaterials bei einer ſolchen Fabrik betrifft, ſo wuͤrde ich, nach den gegenwaͤrtig erforderlichen Feuerun⸗ gen, jaͤhrlich circa 200 Klaftern Holz, 3 300 Schock Torfziegeln und 50 Schock Gebundholz zum Aufzuͤnden des Torfes bei einer Verarbeitung von 14000 Cntr. Runkelruͤben noͤthig haben. Da aber der Kupferſchmidt Herr Rauch in Neiſſe, ein Mann, der ſich durch die Erfindung von Apparaten das groͤßte Verdienſt erwor⸗ ben hat, vermittelſt welchen durch Daͤmpfe, welche aus einer einzigen großen Pfanne kommen, deren Waſſer⸗ Inhalt in ſtarkem Kochen erhalten wird, eine anſehnli⸗ .„———,——— 67 che Brennerei und Brauerei zu gleicher Zeit dergeſtalt in ihrem vollen Betriebe unterhaͤlt, daß jede Bierpfanne und jede Branntweinblaſe hinlaͤnglich erhitzt wird, und ihren Inhalt, er ſey Waſſer, Bier oder Mayſche, zum gehoͤrigen Kochen bringt: ſo koͤnnte man durch Anſchaf⸗ fung dieſer Apparate auf eine große Erſparung des Feuermaterials mit Zuverlaͤßigkeit rechnen. Herr Rauch macht ſich uͤberdies verbindlich, durch ein einziges Feuer, welches das Waſſer einer großen Pfanne in ſtarkes Ko⸗ chen ſetzt und erhaͤlt, ſowohl in der Siederei als Bren⸗ nerei die erforderliche Erhitzung zu bewirken. In dieſem Falle, und wenn man auch ſowohl fuͤr die Siederei be⸗ ſonders, als auch fuͤr die Brennerei eine dergleichen Feuerung veranſtaltete, wuͤrde mehr als die Haͤlfte der Feuerung erſpart werden, ſo, daß alsdenn zu dieſem ganzen Fabrikationsbetriebe, inelusive der Zuckerſtube, wenn man auch kein anderes Feuermaterial, als Holz brauchte, hoͤchſtens 200 Klaftern erforderlich ſeyn koͤnn⸗ ten. Bei einem ſolchen maͤßigen Bedarf iſt daher wohl die Beſorgniß, daß bet einer anſehnlichen Verbreitung der Zuckerfabrikation ein Mangel an Feuerungsmaterial erwachſen koͤnne, ſehr uͤberfluͤßig. Man nehme den Fall an, Schleſten habe 100 ſol⸗ che Fabriken, die, nach Beſchaffenheit ihres Lokale, theils mit Holz, theils mit Torf und Steinkohlen ihre Fabrikation betrieben: ſo wuͤrden, wenn man zwei Theile Holz, einen Theil Steinkohlen und den letzten Theil Torf veranſchlagte, 10,000 Klaftern Holz, 20,000 Schfl. Steinkohlen, und 38000 Schock Torf er⸗ forderlich ſeyn. Wer koͤnnte alſo wohl bei einem ſo geringen Aufwande fuͤr ein Land, wie Schleſien, wo 2 68 dieſer Feuerungsbedarf gewiß nicht den 200oſten Theil ſeines ihm jaͤhrlich benoͤthigten Feuermaterials be⸗ troͤgt; wuͤrden uͤber dieſes bei allen bedeutenden Braue⸗ relen und Brennereien Schleſiens die vorher erwaͤhnten Feuerungsmethoden eingefuͤhrt: ſo koͤnnte die Haͤlfte des vorigen Feuerbedarfs erſparet werden; welches ge⸗ wiß zweimal ſo viel betragen wuͤrde, als 100 Zucker⸗ fabriken benoͤthiget ſeyn duͤrften; wer koͤnnte, ſage ich, wohl mit einigem Grunde behaupten, daß, in Ruͤckſicht eines groͤßern Feuerungsaufwandes, die Ausbreltung der Zuckerfabrlkation einſt nachtheilig ſeyn koͤnnte? Reunter Abſchnitt. Von dem vortheilhaften Einfluß, welchen dieſe Fabrikation in ſo mannichfaltiger Ruͤckſicht fuͤr diejenigen Guͤter hat, worin eine Fabrik etablirt iſt. Schon jeder theoretiſche, noch mehr aber der prakti⸗ ſche Landwirth muß von der unwiderſprechlichen Wahr⸗ heit uͤberzeugt ſeyn: daß vor allem andern, um ein Landgut in den moͤglichſten Flor und reichlichſten Ertrag zu ſetzen, zufoͤrderſt, nebſt einem vollkommen hinlaͤnglichen Geſpann, der Beſtand des Nutzviehes, hauptſaͤchlich die Schaafe und das Rindvieh, ſowohl in Ruͤckſicht der An⸗ zahl, als der Guͤte und des Wohlſtandes in die moͤglich⸗ ſte Vollkommenheit zu ſetzen erforderlich ſey. Ferner, daß 69 außer dieſem die Felder durch eine gute und oͤftere Duͤn⸗ gung in den Stand geſetzt werden, bei einer zweckma ßigen Bearbeitung, einen moͤglichſt ergiebigen Ertrag zu gewaͤhren. Beides findet oft ſelbſt der erfal renſte und bemittelteſte Landmann, bei einem ungünſtigen Lo⸗ kale ſeines ihn umgebenden Bezirks, entweder gar nicht oder doch nur mit dem groͤßten Koſtenaufwand ausfuͤhr⸗ bar. Wo aber ein ſolches Etabliſſement befindlich iſt, iſt das Ohenerwaͤhnte, beim gehoͤrigen Gebrauch der Abgaͤnge des Materials, als der Abgaͤnge von der Fa⸗ brikation ſelbſt, eine ohnfehlbare Folge; indem, wenn die Anpflanzung der Ruͤben zeitig genug ihren Anfang nimmt, volle 6 Wochen vor dem erſten Oktober, als dem Anfange der Fabrikation an, die Blaͤtter der Ruͤ⸗ ben dem Rindvieh ein ſo hinreichendes Futter verſchaf⸗ fen, daß eine verdoppelte Heerde von Nutzrindvieh hin⸗ länglich damit verſehen und auch durch dieſes Futter dahin gebracht werden kann, ſowohl in Betreff der Quantttaͤt als Guͤre, einen Milchertrag zu liefern, den es in der fraͤhern Jahrszeit, wo es weniger altmelke iſt, in dem reichlichſten Kleefutter fand, nicht gewaͤhren koͤnnte. Von dem erſten Okcober an bis zu Ende des Monats Aprll, liefert die Fabrikation durch ihre ganze Dauer, taͤglich an 20 Cntr. Treber, als Abgang, wo⸗ von 12 Cntr. fuͤr die Fabrikochſen, fuͤr das Nutzrind⸗ vieh und fuͤr die Schaafe vertheilt, 8 Cnutr. aber zur Fuͤtterung von 25 Stuͤck Maſtochſen verwendet wer⸗ den koͤnnen. Durch den Monat Mai, bis dahin, wo Gras und Klee wieder in vollem Flor ſind, koͤnnen die aufbewahrten Wurzeln der Nuͤben taͤglich, hinlaͤnglich gekocht, und mit Siede und Spreu gemenzt, dem Rind⸗ 7 vieh ein Futter abgeben, welches daſſelbe bei vollen Kraͤften erhaͤlt. Wenn nun der denkende und erfahrne Landwirth berechnet, daß er beinahe durch eine verdoppelte Menge von Nutzkuͤhen, welche durchs ganze Jahr in dem kraͤf⸗ tiaſten und nahrhafieſten Futter erhalten werden koͤn⸗ nen, einen mehr als doppelten Geldertrag von ſeiner Viehheerde erhalten muß; wenn er ferner den im 6ten Abſchnitt erwaͤhnten, hoͤchſt vortheilhaften Einfluß be⸗ rechnet, welchen dieſe Futterung auf den Nutzen der Schaafheerde hat und endlich noch den ſo bedeutenden Vortheil betrachtet, welcher durch die Maſtung entſte⸗ het: ſo muß es ihm einleuchtend ſeyn, daß ſeine wirth⸗ ſchaftlichen Einnahmen durch dieſe Fabrikation einen ſehr betraͤchtlichen Theil hoͤher ausfallen werden. Eben ſo uͤberzeugend ſollte es ihm, deucht mich, ſeyn, daß er durch ſelbige in den Stand geſetzt wird, ſeine Vieh⸗ beſtaͤnde auſehnlich zu vermehren und in den hoͤchſten Wohlſtand zu bringen. Allein eben ſo wichtig iſt auch der vortheilhafte Ein⸗ fluß, welchen dieſe Fabrikation ſeinen Feldern verſchafft. Duͤnger iſt bekanntlich das noͤthigſte Beduͤrfniß eines Landwirths, wenn ihm ſeine Felder ergiebige Erndten liefern ſollen. Auf welche Art und Weiſe koͤnnte man ſich wohl verſprechen ſo vielen und ſo guten Duͤnger aufzubringen, als durch die Veranlaſſung dieſes Eta⸗ bliſſements; da ihn ſolches in den Stand ſetzt, eine, inclusive der Fabrikochſen, mehr als verſoppelte Men⸗ ge Rindvieh durch ganze Jahr in dem reichlichſten und kraͤftigſten Futter zu erhalten. Da er ferner durch das Futtern der Treber mit Heckſel einen hoͤchſt bedeutenden 77 Aufwand an Futterſtroh erſparet, welchen er zur Streu verwenden kann, und’ endlich 25 Stuͤck Maſtochſen die ganze Fabrikationszeit hindurch unterhalten kann: ſo iſt es leicht begreiflich, daß ein Fabrlkinhaber an Duͤnger von der beſten Art mehr als noch einmal ſo viel wie ehedem gewinnen muß, wodurch er in den Stand geſetzt wird, ſeine Felder in die vollkommenſte Duͤngung zu bringen. Selbſt die Ackerkultur kann und muß ſehr hedeutend durch ein ſolches Etabliſſement gewinnen; denn zuvoͤrderſt iſt zur gegruͤndeten Hoffnung einer reichlichen Ruͤbenerndte, die im gten Abſchnitt erwaͤhnte Behandlung der Ruͤbenaͤcker ſehr zweckmaͤßig; allein ſie gewaͤhrt auch die gewiſſe Hoffnung, durch ſelbige dieſe Felder fuͤr mehrere Jahre vorzuͤglich tragbar und locker zu machen, und von Quecken und andern Wurzeln des Unkrautes zu reinigen. Auch hat mich die Erfaͤhrang ſelbſt uͤberzeugt, daß auf dieſen Feldern die beiden hin⸗ ter den Ruͤben folgenden Getreldefruͤchte den in andern Feldern bei friſcher Duͤngung wenigſtens gleich gerathen. Wenn man alſo annimmt, daß jaͤhrlich 70 Morgen auf einem ſolchen Gute, mit Runkelruͤben bebauet wer⸗ den, ſo wird dadurch ein bedeutender Theil des Ackers in vorzuͤgliche Kultur geſetzt. Endlich gewinnt auch ein Fabrikinhaber bedeutend an vermehrtem Geſpann; indem er die 12 Ochſen, wel⸗ che waͤhrend der Fabrikation das Rad treten, außer dieſer Zeit zur Bearbeitung ſeiner Felder zu Huͤlfe neh⸗ men, dieſem und jenem Theil der Aecker eine nuͤtzliche Furche mehr geben und die Ackerarbeiten uͤberhaupt zur gehoͤrigen Zeit beendigen kann. Und wie bedeutend der Vortheil von vermehrtem Geſpann, beſonders bei dif⸗ ficller Witterung iſt, wird wohl jeder Gutsbeſitzer, der mehrere Jahre gewirthſchaftet hat, nicht verkennen. 7 ——— Zehnter Abſchnitt. Ueber den wohlthaͤtigen Einfluß, den dieſe Fabri⸗ kation, allgemein verbreitet, in Betreff vermehr⸗ ter Induſtrie zur Folge haben wuͤrde. — Wenn ſchon inlaͤndiſche Fabriken eins oder das andere im Lande gewonnene rohe Erzeugniß zum nuͤtzlichen Ge⸗ brauch fuͤr die menſchliche Geſellſchaft verarbeiten, den⸗ jenigen, welche auslaͤndiſche rohe Produkte zu gleichem Gebrauch benutzen, weit vorzuziehen ſind, indem ſie nicht allein den Ausfluß des Geldes fuͤr das rohe Ma⸗ terial erſparen, ſondern auch eine vermehrte Induſtrie unter den Bewohnern des Staats durch die Erzengung und Bearbeirung des rohen Matertals bewirken, und dadurch einem groͤßern oder kleinern Theil der Nation Beſchaͤftigung und Unterhalt verſchaffen; um wie viel mehr wuͤrde die Verbreitung der Fabrlkation auf Zucker u. ſ. w. in ſo mannichfaltiger Ruͤckſicht elnen hoͤchſt heilſamen Einfluß auf permehrte Induſtrie zur Folge haben! Bei einer jeden andern Fabrikation er⸗ haͤlt gemeiniglich nur ein ſehr kleiner Theil der Staats⸗ bewohner Gewinn und Beſchaͤftigung, bei dieſer hinge⸗ gen wuͤrde durch eine allgemeine Verbreitung einſehr 73 großer Theil der Nation, ſowohl durch die Fabrikation ſelbſt als durch das Erzeugniß des rohen Materials, auch beſonders in Betreff des vortheilhaften Einfluſſes auf die Landwirthſchaft uͤberhaupt, wohlbelohnende Beſchaͤf⸗ tigungen erhalten. Die Fabrikation allein betrachtet, wuͤrde nicht nur durch die Betreibung der Fabrikgeſchaͤfte einer bedeutenden Anzahl von Staatsbuͤrgern einen gu⸗ ten hinlaͤnglichen Unterhalt verſchaffen; ſondern es wuͤrde auch durch die Errichtung und Unterhaltung vie⸗ ler dergleichen Etabliſſements einen ſehr großen Theil der arbeitenden Menſchenklaſſe, theils durch Verferti⸗ gung von ſo verſchiedenen Arbeiten, die ſowohl zur Er⸗ richtung ſolcher Etabliſſements, als zum Betriebe der Fabrikation erforderlich ſind, theils durch gemeine Hand⸗ arbeit des Tageloͤhners volle Beſchaͤftigung und verbeſ⸗ ſerten Unterhalt finden. Bei reiflicher Betrachtung alles des hier Beruͤhrten ſchmeichle ich mir, daß der wahre Patriot und aͤchte Men⸗ ſchenfreund mit mir zugleich den ſehnlichen Wunſch hegen wird, daß dieſe Fabrikation zur moͤglichſt ſchnellſten Verbreitung gelangen moͤchte, da keine andere denkbare Fabrikation mit dieſer, in Betracht ihres ſo mannichfaltig heilſamen Einflußes auf vermehrte innere Induſtrie und auf den durch ſelbige zuruͤckkehrenden Wohlſtand der Nation, zu vergleichen ſeyn duͤrfte. Auch in den gluͤck⸗ lichſten Zeiten wuͤrde die Verbreitung einer Fabrikation dieſer Art von den heilſamſten Folgen ſeyn, um wie viel mehr bei dem gegenwaͤrtigen Drange der Zeiten! Ganz beſonders aber ſollte, nach meiner Meinung, Schleſien dieſe Huͤlfsquelle mit der angeſtrengteſten Thaͤ⸗ 74 tigkelt ergreifen, da die heutigen merkantiliſchen Ange⸗ legenheiten fuͤr ſolches die traurige Folge haben, daß ſeine Leinwandmanufakturen eine ſo druͤckende Stockung erleiden, wodurch ein anſehnlicher Theil der arbeitenden Menſchenklaſſe Mangel an baarem Gelde erleldet, und wo der Zufluß an baarem Gelde vom Auslande ſo druͤckend fuͤrs Allgemeine gehemmt wird; auch auf eine baldige gluͤckliche Veraͤnderung dieſer traurlgen Com⸗ mercial⸗Lage noch wenig heitre Ausſichten vorhanden ſind. Angeſtrengte Thaͤtigkeit hierin koͤnnte Schleſien in einem kurzen Zeitraume dahin bringen, nicht allein ſei⸗ nen elgenen Bedarf zu gewinnen, ſondern auch dei be⸗ nachbarten Auslande von dieſer Fabrlkation uͤberlaſſen zu koͤnnen; wodurch nicht allein der Ausfluß des baa⸗ ren Geldes geſchwaͤcht wuͤrde, ſondern auch ein niche unbedeutender Zufluß dieſes ſo unentbehrlichen Metalls vom Auslande zu gewinnen ſeyn duͤrfte. Noch eine wichtige Ruͤckſicht ſollte einen jeden Be⸗ ſitzer einer bedeutenden Landwirthſchaft anreizen, in dieſen Erwerbzweig zu entriren. Die Erfahrung hat naͤmlich von jeher gelehret, daß zu den Zeiten, wo die in Circulation befindliche Geldmaſſe nicht hinreichend zu den Beduͤrfniſſen einer Nation iſt, die gewoͤhnlichen landlichen Produkte in einen ſo niedrigen Preis gera⸗ then, daß ſolche in keinem richtigen Verhaͤltniſſe mit den Beduͤrfnlſſen und Ausgaben des Landwirths ſtehen, welches in der Folge mehrere traurige Wirkungen nach ſich zjehet. So leidet z. B. die Ackerkultur, weil ein großer Theil der Landwirthe in ſeinen Vermoͤgensum⸗ ſtaͤnden zu ſehr zuruͤckgeſetzt wird, um den durch Un⸗ faͤlle, welche oͤfters in einer Landwirthſchaft vorkommen, 7⁵ erlittenen Schaden erſetzen zu koͤnnen, woraus zuletzt der gaͤnzliche Verfall ihrer Gluͤcksumſtände entſteht, wo⸗ durch auch zugleich der Werth des Grundeigenthums aͤußerſt herabſinket, und als weitere Folge nicht allein Tauſend von Grundeigenthuͤmern in die bedauernswuͤr⸗ digſte Armuth gerathen, ſondern auch wohl eben ſo viele andere Famtlten, welche ihr groͤßeres oder kleineres Vermoͤgen au den vorher vielleicht mehr als doppelten Werth habenden Guͤtern ſtehen hatten, mit jenen glei⸗ ches Schickſal erfahren laͤßt. Eben ſo traurig iſt auch in der Folge der Einfluß, welchen dieſes auf den Bewohner der Staͤdte nach ſich zieht. Der groͤßte Theil derſelben gewinnt ſelne vor⸗ zuͤglichſte Nahrung durch den Abſatz, den er mit ſeinen Waaren oder mit ſeinen Handwerksprodukten fuͤr den Landmann exrhaͤlt; iſt dieſer nun groͤßtentheils in einer bedraͤngten Lage: ſo muß er nicht allein ſich ſelbſt und den Seinigen, ſondern auch ſelnen Wirthſchaftsbeduͤrf⸗ niſſen ſehr oft das Noͤthigſte entziehen und ein großer Theil der ſtaͤdtiſchen Bewohner wird nahrungslos. Al⸗ lein bei dieſen neuen bis jetzt vom Auslande erhaltenen Produkten, laͤßt ſich nicht allein in Ruͤckſicht ihres un⸗ entbehrlichen Bedarfs, ſondern auch, im Fall ſie kuͤnf⸗ tig durch eine ſtark ausgebreitete Fabrikation dahin ge⸗ deihen ſollten, daß mehr als das inlaͤndiſche Beduͤrfniß von dieſen Fabrikaten gewonnen wuͤrde, und ein ſicherer Abſatz vom Auslande zu erwarten ſeyn duͤrfte, mit Ge⸗ wißheit erwarten, daß ſolche nicht bis zu einem Preiſe herabſinken moͤchten, der den Fabrlkinhaber allen loh⸗ nenden Gewinn entziehen ſollte. —— 76 Eilfter Abſchnitt. Ueber den Einfluß dieſer Fabrikation, ſowohl in Bezug auf das allgemeine Wohl, als ſelbſt in Betreff der Staatswirthſchaft. —— Oſchon aus mehreren der vorſtehenden Abſchnitte die geſegneten Folgen hervorgehen, welche durch die Ver⸗ breltung dieſer Fabrikation die Geſammthelt der Staats⸗ buͤrger ſich zu erfreuen haben wuͤrde: ſo ſcheint es mir dennoch nicht uͤberfluͤßig zu ſeyn, dleſen hellſamen Ein⸗ fluß noch in andern Anſichten zu betrachten, als z. B. durch eine ſtark verbreitete Fabrikation koͤnnte nicht allein durch deren Fabrikate die ſo wuͤnſchenswerthe Vermin⸗ derung der mittelbaren Exportation des ohnedies ſo ſehr mangelnden baaren Geldes ſtatt finden, ſondern auch durch die betraͤchtliche Maſtung, welche eine ſolche Fa⸗ brik durch die Treber, exclusive deſſen, was auf die Schaafe und das Rindvieh verwendet wird, leiſten kann, koͤnnte Schleſien, wo nicht ganz, doch groͤßten⸗ theils der ſogenaunten polniſchen Ochſen entuͤbriget ſeyn. Unſere an Fluͤſſen liegenden Gegenden haben vor⸗ zuͤglich Gelegenheit, im Fall eines lohnenden Ertrages, junge Ochſen von einem großen und ſtarken Gebaͤude anzuziehen, welche von hinreichenden Fabriken zum Auf⸗ ſtellen auf die Maſtung zu vielen Tauſenden gekauft und werthmaͤßig bezahlt werden wuͤrden. Und belegte eine hoͤchſte Landesregterung diejenigen Ochſen, welche aus dem jetzigen Ruſſiſchen auf die ſchleſiſchen Maͤrkte ge⸗ bracht werden, mit neuen erhoͤhten landesherrlichen Ge⸗ —— ⏑⏑———— 77 faͤllen: ſo wuͤrden die einlaͤndiſchen Kaͤufer genoͤthiget ſeyn, den Erkauf der fremden Ochſen ſo ſchwach als möglich zu betreiben, und ſich dagegen der inlaͤndiſchen Maſtochſen zu bedienen, wo dann das fremde auf die hieſigen Maͤrkte gebrachte Vieh dem groͤßten Theile, und nicht, wie ſeither, dem kleinſten Theile nach, den aus⸗ laͤndiſchen Kaͤufern uͤberlaſſen bliebe. Hierdurch nun wuͤrde jaͤhrlich wenigſtens eine halbe Milllon Rtlr. im Lande erhalten werden. Auch duͤrfte der durch dieſe Fabrikation zu befoͤrdernde ſchnellere Geldumlauf und deſſen verminderter Ausfluß nach dem Auslande, ſogar in moraliſcher und polizeilicher Hinſicht, wohlthaͤtigen Einfluß auf das allgemeine Wohl haben. Da es unwiderſprechlich erwieſen iſt, daß bei fortwaͤhrender Vergroͤßerung des Mangels an baarem Gelde und bei ſtockender Circulation des noch im Staate vorhandenen, die im Lande zu erzeugenden Nahrungs⸗ mittel in einem, bereits jetzt hoͤchſt unverhaͤltnißmaͤßigen, Preiſe mit den ordinaͤren, und noch mehr durch den Drang der Zeit veranlaßten extraordinaͤren Ausgaben ſtehen: ſo iſt eine eben ſo unvermeldliche Folge davon, daß ein anſehnlicher Theil der durch Handarbeit ſich naͤhrenden Menſchenklaſſe ſich ohne Arbeit befinden wuͤrde, indem der Ackerbeſitzer ſich außer Stand ſiehet, alle und jede Arbeiten, welche er bei gluͤcklichen Zelten zum Flor und zum Nutzen ſeiner Landwirthſchaft durch Lohnarbetten verrichten ließ, zu unterlaſſen, und nur die allernothwendigſten und dringendſten Arbelten betreibt oder betreiben laͤßt. Und da er noch uͤberdies in der moͤglichſten Verminderung ſeines Dlenſtgeſindes Erſpa⸗ 78 rungen zu machen ſich gezwungen ſieht, wodurch mehrere Tagearbeit ſuchende Menſchen entſtehen; ſo iſt die un⸗ ausbleibliche Folge davon, daß es eine große Anzahl Menſchen ohne Arbeit giebt und alſo auch, der wohl⸗ feilen Zeit ungeachtet, an Unterhalt fehlet. Die weitere Folge davon iſt, daß, da ohnedies die Religioſitaͤt und Moralitaͤt bet dem groͤßten Theile des gemeinen Volkes auf ſehr ſeichten Gruͤnden beruhet: ſo ſuchen ſie ſich wegen Mangel an einem zu erhaltenden Dienſt entweder durch Betteln oder durch Stehlen zu ernaͤhren, welches die Moralitaͤt dieſer Menſchenklaſſe endlich ganz vertilgt und die Landespollzet zwingt, ſich groͤßtentheils mit dem traurigen Geſchaͤfte zu befaſſen, Diebe und Verbrecher einzufangen und ſie der Gerech⸗ tigkeit zu uͤbergeben. Wie willkommen ſollte alſo ein ſolches Mittel ſeyn und mit welchem Eifer ſollte man es ergreifen, welches dergleichen traurigen Folgen vor⸗ zubeugen faͤhig iſt.. Wenn, wie wohl unſtreitig gegruͤndet iſt, eine in einem Staate erhoͤhte Induſtrie und eine im ſchnellen Umlauf ſtehende, unter den Staatsbuͤrgern moͤglichſt gleich vertheilte Geldmaſſe, einen hoͤchſt erwuͤnſchten Ein⸗ fluß auf die landesherrlichen Revenuͤen zur Folge hat, und wenn das Gegentheil auch in dieſer Hinſicht die widrigſten Folgen bewirket, ſo glaube ich mir ſchmeicheln zu duͤrfen, daß die Ausbreitung dieſer Fabrikation auch in Bezug auf Staatswirthſchaft, eines lebhaften In⸗ tereſſe des hoͤchſt verehrten Monarchen nicht ganz un⸗ wuͤrdig ſeyn wuͤrde, Uebrigens kann wohl die Wahr⸗ heit von keinem denkenden Menſchen bezwelfelt werden, daß, wenn ohnedies die im Staate befindliche Geld⸗ maſſe geringe iſt, und noch dazu eine zu ungleiche Ver⸗ theilung, eine in ſo weit ſtockende Circulation der noch vorhandenen Geldmaſſe ſtatt findet, daß die thaͤtige In⸗ duſtrie der Staatsbuͤrger dadurch unterdruͤckt wird, eine dergleichen Lage der Dinge auf die Staatseinkuͤnfte einen hoͤchſt nachtheiligen Einfluß haben muͤſſe; denn, wenn ein fuͤrs Ganze nur ſehr geringer Theil der Staats⸗ bewohner im Wohlſtande lebet, alle uͤbrigen aber mehr oder weniger in einer bedraͤngten Lage ſich befinden und ſich gluͤcklich ſchaͤtzen muͤſſen, wenn ihnen nur die noth⸗ wendigſten Lebensbeduͤrfniſſe bleiben; duͤrfen alle dieſe wohl Gebrauch von den hoͤhern Lebensgenuͤſſen, oder wohl gar, was zum Luxus gerechnet werden kann, machen? Und, muß dieſes nicht einen hoͤchſt ſchaͤdlichen Mangel an Conſumtion alles desjenigen verurſachen, was, wie billig, die bedeutendſten Gefaͤlle fuͤr die Staatseinnahmen zu tragen hat? Und duͤrften zuletzt nicht auch ſelbſt die von jeher feſtſtehenden Abgaben aller Art in eine dem Staate ſehr nachtheillge Stockung gerathen? Wer ſollte wohl ſo wenig Patriot ſeyn, daß er nicht mit mir gleich eifrig ſeine Wuͤnſche vereinigte, daß der Staat in einer baldigen allgemeinen Verbreitung dieſer Fabrikation einen neuen Erwerbzweig erlangen moͤge, der durch vermehrte Induſtrie, durch ſchnellen Umlauf des baaren Geldes und durch verminderten Ausgang deſſelben ins Ausland, den vaterlaͤndiſchen Staaten aufs neue einen bluͤhenden Wohlſtand entgegen fuͤhrte! —— 80 Zwoͤlfter Abſchnitt. Ueber die heilſamen Wirkungen dieſer Fabrikation in Mißwachsjahren, wo ſie, allgemein verbrei⸗ tet, einer allzudruͤckenden Theurung vorbeu⸗ gen koͤnnte. —— Welche druͤckenden und hoͤchſt traurigen Folgen, be⸗ ſonders fuͤr die arme arbeitende Menſchenklaſſe, in Miß⸗ wachsjahren durch eine außerordentliche Theurung ent⸗ ſtehen koͤnnen, haben wir ohnlaͤngſt im Jahre 1805 erfahren, wo die Preiſe zu einer ſolchen Hoͤhe ſtiegen, daß es denen, welche durch taͤgliche Handarbeit ihr Brod gewinnen muͤſſen, ſehr haͤufig nicht moͤglich ward, ſo viel zu verdienen, um nur mit trocknem Brod ihren Hunger zu ſtillen. Zur Vermeidung einer fuͤr die Menſchheit ſo druͤckenden Lage, koͤnnte wohl nichts er⸗ ſprießlicher ſeyn, als wenn man in einem dergleichen Mißwachsjahre die zur menſchlichen Nahrung gebraͤuch⸗ lichen Getreideſorten lediglich zu Brod und Kucheſſpeiſe anwenden, zur Zubereitung der Getraͤnke, als zum Bier und Branntewein aber, eine andere Frucht gebrauchen koͤnnte. In Betreff des Branntweins hat man ſich zwar bis jezt ſehr haͤufig dazu der Kartoffeln bedienet; da aber dleſe zur Saͤttigung eben ſo anwendbar und ſchmackhaft als das Brod und andere Speiſen ſind, welche aus dem Getreide bereitet werden: ſo wird da⸗ durch in theuern Jahren eins der beſten Saͤttigungs⸗ mittel entzogen und in Ruͤckſicht einer zu vermindernden Theurung ſehr wenig gewonnen. Allein, koͤnnte man eine andere Frucht ausfindig machen, welche nicht zum 8„† * Verſpeiſen geeignet iſt, und aus welcher man ein kraͤf⸗ tiges, geſundes und wohlſchmeckendes Getraͤnke, ſowohl an Bier als an Branntewein bereiten kann; ſo wuͤrde eine allerhoͤchſte Landesreglerung dadurch in den Stand geſetzt, allen Gebrauch von Getreide zu Bier und Branntewein in Mißwachsjahren durchaus zu unter⸗ ſagen! Und da man ſich wohl mit Gewißheit uͤber⸗ zeugen kann, daß ein volles Dritthell des zur Nahrung des Menſchen beſtimmten Getreides auf vorgenannte Getraͤnke aufgehet: ſo iſt wohl ein dergleichen Mißwachs⸗ jahr faſt nicht denkbar, in welchem bei Erſparung von einem Drittheil des jaͤhrlichen Getreide⸗Aufganges eines Landes, dennoch eine wahrhaft druͤckende Theurung ſtatt finden koͤnnte. Da nun durch dieſe Fabrikation von der auf Zucker abgepreßten Ruͤbenmaſſe, nicht allein ein den Branntwein von Getreide weit hinter ſich laſ⸗ ſender vortrefflicher Branntewein entſtehet, ſondern auch aus eben dieſer Maſſe ein ſehr geſundes, wohlſchmecken⸗ des, kraͤftiges und dauerhaftes Bier bereitet werden kann: ſo iſt wohl unleugbar, daß auch in Ruͤckſicht auf Mißwachsjahre nicht lelcht etwas ſtatt finden koͤnne, welches ſo viel zur Verminderung menſchlichen Elends belzutragen im Stande waͤre, als eben dieſe Fabrikation. Was das vorhin erwaͤhnte Bier betrifft, welches aus eben der Maſſe bereitet werden kann, aus welcher der Branntewein bereitet wird, und welches wahrſchein⸗ lich noch nicht allgemein bekannt iſt: ſo halte ich es nicht fuͤr uͤberfluͤßig, als ehrlicher Mann zu verſichern, daß ich ſelbſt im verfloſſenen Jahre von der Ruͤbenmaſſe, wo⸗ F 82 von zwei Drittheile des Saftes auf Zucker abgepreßt waren, 3 Cntr. am Gewicht dazu verwendet habe, um ein kleines Gebraͤue Bier davon zubereiten zu laſſen. Und ich kann mit Zuverlaͤßigkeit verſichern, daß ſolches eben ſo wohlſchmeckend, als kraͤftig und dauerhaft war; auch auf die Geſundheit eher einen vortheilhaften als ſchaͤdlichen Einfluß hatte. Uebrigens wird dieſes Bier auf keine andere Art bereitet, als das Bier aus Getreide. Dieſe Maſſe wird naͤmlich auf der Doͤrre, ſo wie das Malz von Ge⸗ treide gedoͤrrt und uͤbrigens beim Brauen ſelbſt ganz in der mit dem Getreide gewoͤhnlichen Art verfahren; nur daß man noch etnmal ſo viel Hopfen nimmt. Die⸗ ſes Bier war im Monat April gebrauet worden und mit Ende des Julius noch von derſelben Guͤte, welche ees gleich nach der Zeit ſeiner Abgaͤhrung hatte. Noch muß ich anſuͤhren, daß ich von diefen 3 Cutr. Ruͤben⸗ maſſe 500 Quart Bier von obenerwaͤhnter Beſchaffen⸗ heit erhalten habe. Wer ſich das Gemaͤlde des Elends anſchaulich zu bilden faͤhig iſt, welches bei Mangel⸗ Jahren in vielen tauſend Familien der aͤrmern Volks⸗ klaſſe bei einer zahlreichen Menge nach Brod ſchreiender Kinder ſtatt findet; wenn Vaͤter und Muͤtter verge⸗ bens alle ihre Kraͤfte anſpannen, die dringendſten Le⸗ bensbeduͤrfniſſe zu erringen; noch mehr, wer ſich das huͤlfloſe Alter, deſſen Kraͤfte angeſtrengte Arbeit nicht mehr verſtatten, in ſolchen Zeiten fuͤr Hunger ſchmach⸗ tend, lebhaft zu denken vermag: ſollte dieſer nicht ſchon, wenn Menſchenliebe ſeiner Seele kein unbekanntes Ge⸗ 83 fuͤhl iſt, von ganzem Herzen eine allgemeine Verbrei⸗ tung dieſer Fabrikation, als ein kraͤftiges Verwah⸗ rungsmittel gegen eine die Menſchheit druͤckende Theu⸗ rung ſehnlichſt wuͤnſchen? Dreizehnter Abſchniet. Nachtraͤgliche Bemerkungen, verbunden mit gut⸗ gemeinten Aeußerungen und Vorſchlaͤgen zur baldigen Verbreitung dieſer Fabrikation. In Beziehung auf alles das, was ich auf Erfahrung und Wahrheit ſich ſtuͤtzend, in den vorhergehenden Ab⸗ ſchnitten uͤber dieſe Fabrikation geſagt habe, ſollte wohl jeder, dem das allgemeine Wohl der Staatsbuͤrger eine ſeinem Herzen wahrhaft wuͤnſchenswerthe Sache iſt, ganz dahin vermogt werden, das allerlebhafteſte Intereſſe an der Ausbreitung dieſer Fabrikation zu nehmen, welche in ſo mannichfaltigen Ruͤckſichten unzuberechnende hell⸗ ſame Vortheile dem Staate zu verſchaffen ſo ganz ge⸗ eignet iſt, und welche ohne Uebertreibung, beſonders in Betreff der Lage unſerer gegenwaͤrtigen Zeiten, neues Leben und neuen Wohlſtand im Staate wieder aufbluͤ⸗ hen zu laſſen, den wichtigſten Beitrag leiſten wuͤrde. F5 2 34 Auch bin ich feſt uͤberzeugt, daß Tauſende aͤchter Pa⸗ trioten bei erlangter naͤherer Anſicht und der dadurch veranlaßten richtigen Beurtheilung des hohen Werthes einer verbreiteten Fabrikation dieſer Art, alles ihnen nur Moͤgliche fuͤr die gute Sache zu thun, bemuͤht ſeyn werden. Es waͤre doch aber auch ſehnlich zu wuͤnſchen, daß hierin nur Eine Stimme im Publlkum herrſchte, und daß die Schwaͤche, die einem großen Theil der menſchli⸗ chen Geſellſchaft eigen iſt, nehmlich dem, was das Ausland liefert,(meiſtentheils nur vorurtheilswetſe) einen groͤßern Werth als den einlaͤndiſchen Erzeugniſſen beizulegen, von jedem, der auf Vaterlandsliebe An⸗ ſpruch macht, voͤllig abgelegt werden moͤchte. Da die⸗ ſelbe ſchon in gluͤcklichen Zeiten dem Wachsthum des Wohlſtandes und einer erhoͤhten Induſtrie im Staate ſehr nachtheilig iſt; ſollte ſie nicht um ſo viel mehr in den heutigen bedraͤngten Zeiren ganz unterdruͤckt wer⸗ den? Muß nicht der wahre Patriot aus ſo vielen in die Augen leuchtenden, auch in dieſer Schrift beruͤhrten, Gruͤnden, moͤglichſt das zu entbehren bemuͤht ſeyn, was wir vom Auslande erhalten und dagegen gern ſich deſ⸗ ſen bedienen, was das Vaterland hervorbringt? Die Anhaͤnglichkeit fuͤrs Fremde ſollte von jedem vernuͤnfti⸗ gen, ſich ſelbſt und das allgemeine Wohl liebenden Menſchen, als eine ſchaͤdliche Schwaͤche gemieden wer⸗ den. Vorzuͤglich verdient aber wohl dieſe Fabrikation und ihre Fabrikate das lebhafteſte Intereſſe eines jeden gaten Staatsbuͤrgers, da ſie gehoͤrig verbreitet, dem 8⁵ allgemeinen ſowohl als dem einzelnen Mitgliede des Staats unzuberechnende Vortheile verſchaffen wuͤrde. Um in Betreff des Vortheils fuͤr jedes einzelne Mitglied der menſchlichen Geſellſchaft nur Eins zu erwaͤhnen; wer iſt wohl, den nicht die gegenwaͤrtigen hohen Zuk⸗ kerpreiſe druͤckten, und wuͤrden bei einer ausgebreiteten einlaͤndiſchen Zuckerfabrikation nicht ſehr elvile Preiſe von dieſem Fabrikate kuͤnftig ohnfehlbar ſeyn und nie mehr in Ruͤckſicht des Zuckers druͤckende Preiſe be⸗ fuͤrchtet werden duͤrfen, wo hingegen bet dem des Aus⸗ landes durch die oͤftern Seekriege dies nur zu oft der Fall iſt? Wenn man freilich ſchon gegenwaͤrtig von mir verlangen wollte, geringe Preiſe fuͤr meine Fabri⸗ kate zu beſtimmen, ſo wuͤrde man etwas begehren, was uͤber meine Kraͤfte gehet;: denn wenn man uͤberlegt, daß, laut meiner gemachten Anzeige im erſten Abſchnitt, durch die Jahre, in welchen fabriciret worden, nicht einmal ein Sechstheil an Materlale aufgebracht werden koͤnnen, was in dieſer Zeit, vermoͤge der Einrichtung der Fabrik, verarbeitet werden konnte, ſo muß es ei⸗ nem jeden einleuchtend werden, daß bei einer ſo weni⸗ gen Fabrikation und bei dem zeitherigen Drange der Zeiten, nur die hohen Preiſe dieſer Fabrikate(die den⸗ noch um ein Bedeutendes niedriger als die des Aus⸗ landes dieſer Art jederzeit feſtgeſetzt waren) es moͤglich machten, daß der Betrieb der Fabrikation ſtatt finden konnte; indem die bis jetzt her wegen Mangel an Ma⸗ teriale ſo wenig bedeutende Verarbeitung in Verhaͤltniß der Fabrikationskoſten, wenn durch hinreichendes Ma⸗ teriale die Fabrik volle Arbeit haben könnte, beinahe dreifache Koſten verurſachte. Auch waͤre ſehr zu wuͤn⸗ ſchen, daß es nicht Menſchen gaͤbe, die, theils aus Man⸗ gel an, Gefuͤhl fuͤr das Wohl der Menſchheit, theils aus egoiſtiſchen Abſichten, keine Gelegenheit verabſaͤumen, auch das Heilſamſte fuͤr das allgemeine Wohl herabzu⸗ wuͤrdigen und die Vorurtheile des Schwachſinnigen noch mehr zu befeſtigen und zu verbreiten, welche auch wohl gar in der Einbildung ſtehen, daß mir dieſe Fabrikatlon ſchon gegenwaͤrtig bei dem hohen Preiſe dieſer Fabrikate einen außerordentlichen Gewinn verſchaffe, und aus wahr⸗ ſcheinlich nicht loͤblichen Abſichten, den Werth derſelben verringern. An dieſe ergehet bei dieſer Gelegenheit die Bitte, zu bedenken, daß ich in den vler Jahren, in wel⸗ chen die Fabrik, nur ſo viel als ſie an Matertal aufzubrin⸗ gen faͤhig war, verarbeiten konnte, und welches wenig uͤber ein Sechstheil desjenigen betraͤgt, was ſie waͤh⸗ rend dieſer Zeit, waͤre hinreichender Materiale vorhan⸗ den geweſen, haͤtte verarbeiten koͤnnen; ich ſage, dieſe moͤchten bedenken, daß dieſe hohen Preiſe nichts mehr bewlrken konnten, als daß ſie mich in den Stand ſetz⸗ ten, bei einer ſo geringen Verarbeitung und den zeithe⸗ rigen ſo bedraͤngten Zeiten die Fabrikation dennoch nicht liegen laſſen zu duͤrfen. Da indeſſen die Vorſehung die gute Sache doch zuletzt obſiegen laͤßt: ſo hoffe ich mit Zuverſicht, daß viele dieſe ſo wichtige Angelegenheit einer naͤhern Betrachtung wuͤrdigen und dadurch dieje⸗ nigen, welchen es weder an gutem Willen noch an Kraft und Thaͤtigkeit fehlet, beſtimmen werden, ſowohl ihres eigenen, als des allgemeinen Wohls wegen, dergleichen Fabriken zu errichten; ſo wie ich von jedem vernuͤnfti⸗ 87 gen Beſitzer einer groͤßern oder kleinern Landwirthſchaft mich uͤberzeugt halte, daß er aus eben den hier und in dem Ften Abſchuitt angefuͤhrten Gruͤnden den be⸗ deutenden Erbau der weißen Zuckerrunkelruͤben zu be⸗ trelben, gewiß nicht unterlaſſen wird. Ein ſehr bedeutendes Hinderniß der Errichtung von einem dergleichen Etabliſſement ſcheint allerdings, ſelbſt fuͤr den bemittelten Mann, das Aufbringen des Koſten⸗ aufwandes in den gegenwaͤrtigen Zeiten zu ſeyn. Allein, da ohnerachtet der hierbei moͤglichen Erſparniſſe, eine bedeutende Summe hierzu erſorderlich iſt: ſo bin ich dennoch verſichert, daß es noch viele Privatmaͤnner un⸗ ter den Gutsbeſitzern der preußiſchen Monarchie giebt, die ohne allzuheftige Anſtrengungen eine Summe von 20000 Rtlr., welche hierzu erforderlich ſind, aufbrin⸗ gen koͤnnten; und das um ſo mehr, da ohne Zweifel mehrere davon eigenes Baumateriale beſitzen duͤrften, in welchem Fall noch ein ſehr Bedeutendes von dieſer baaren Summe abgienge. Auch bin ich feſt uͤberzeugt, daß von Seiten Sr⸗ Koͤnigl. Majeſtaͤt alles, was bei den gegenwaͤrtigen Zeit⸗ laͤuften zur Aufmunterung und Befoͤrderung von der⸗ gleichen zu errichtenden Etabliſſements der Staat zu ver⸗ fuͤgen im Stande iſt, nichts verabſaͤumt werden wird, was das Publikum uͤberzeugen kann, daß unſer hoͤchſt verehrungswuͤrdiger Monarch das lebhafteſte Intereſſe an der bald moͤglichſten Verbreitung dieſer ſo hoͤchſt ge⸗ meinnuͤtzigen Fabrikation nimmt. Auch wird unaus⸗ 83 bleiblich fuͤr die Zukunft darauf Bedacht genommen werden, den Betrieb dieſer Fabrikation in moͤglichſten Flor zu bringen und zu erhalten, und bei kuͤnftig eintre⸗ tendem offenem Seehandel ſolche Maaßregeln zu treffen, daß kelne etwa anzuwendenden Manoͤver des Auslan⸗ des die inlaͤndiſche Fabrikation zu erſchweren, oder wohl gar zu unterdruͤcken vermoͤgend ſeyn werden. Uebrigens verſichere ich aufs theuerſte, daß ein jeder, welcher ein ſolches Etabliſſement errichtet, ſobald er nur im Stande iſt, ſowohl durch eigenen Erbau als durch Erkauf der Zuckerrunkelruͤben das volle Materiale, welches ſelne Fabrik zu verarbeiten faͤhig iſt, erhalten zu koͤnnen, aus dem Ertrage der Fabrik in wenigen Jah⸗ ren den Koſtenaufwand, welchen dieſelbe veranlaßte, gern zu vergeſſen alle Urſache haben wird. Da unter⸗ deſſen die durch die Zeitumſtaͤnde veranlaßten Bedraͤng⸗ niſſe der ſaͤmmtlichen unter dem preußiſchen Scepter ſtehenden Provinzen, den ſehnlichen Wunſch fuͤr jeden wahren Patrioten und aͤchten Menſchenfreund entſtehen laſſen, daß die Ausbreitung dieſer Fabrikation als ein unfehlbares Mittel, nicht allein den Wohlſtand der Be⸗ wohner der preußiſchen Monarchie nicht noch tiefer ſin⸗ ken zu laſſen, ſondern auch den kraͤftigſten Beiſtand zu leiſten, den ehemaligen Wohlſtand wieder herbeizufuͤh⸗ ren, doch ſo ſchnell, als immer moͤglich bewerkſtelliget werden koͤnnte: ſo wird, wie ich glaube hoffen zu duͤr⸗ fen, gewiß der groͤßte Theil meiner Mitbuͤrger Nachſte⸗ hendes als unmaaßgebliche Meinung, auf welche Art und Weiſe die Verbreitung dleſer Fabrikation ſchnell um 89 ſich greifen koͤnne, nicht aus unguͤnſtigen Geſichtspunk⸗ ten betrachten. Meiner Einſicht nach giebt es vier Wege, auf wel⸗ chen die Ausbreitung dieſer Fabrikation vervielfaͤltiget werden koͤnnte. Der erſte wuͤrde der ſeyn, daß wohi⸗ habende Privatperſonen, welche bebeutende Beſitzungen haben, dergleichen Etabliſſements errichten. Der zweite: wenn mehrere benachbarte Guesbeſitzer, um ſich den Koſtenbetrag bei der Errichtung einer Fabrik zu erleich⸗ tern, zuſammentraͤten, und ein ſolches Etabliſſement ge⸗ meinſchaftlich betrieben. Z. B. vier oder fuͤnf benach⸗ barte Gutsbeſitzer, welche einen tragbaren Boden ha⸗ ben, und die vielleicht noch uͤberdies ſowohl das wich⸗ tigſte Baumatertale, als den Feuerungsbedarf von ihren Beſitzungen ſelbſt zu liefern im Stande ſind, treten in Verbindung zuſammen, ein ſolches Etabliſſement ge⸗ meinſchaftlich zu errichten und zu betreiben; dieſe koͤn⸗ nen verhaͤltnißmaͤßig einen noch erhoͤhtern Gewinn bet dem Fabrikationsbetriebe haben, als der einzelne Fabrik⸗ Inhaber, weil ſie den ſaͤmmtlichen Bedarf ihres Ma⸗ terials, und wenn ſie auch ihre Fabrik auf eine noch groͤßere Verarbeitung einrichteten, durch eigenen Erbau erlangen, und mithin die erforderlichen baaren Ausla⸗ gen bei einem jaͤhrlichen Fabrikationsbetriebe um einige tauſend Reichsthaler vermindert ſehen. Auch wuͤrden dieſe Gutsbeſitzer bel einem hierzu erforderlichen ſehr bedeutenden Runkelruͤben⸗Erbau, außer dem Gewinn von der Fabrikation, auch der heilſamen Folgen ſich erfreuen koͤnnen, welche ein ins Große getriebener An⸗ G 90 bau dieſer edlen Frucht der Wirthſchaft ſelbſt zuwege bringt.— Ein dritter Weg koͤnnte, deucht mich, der ſeyn: Wir haben in den preußiſchen Staaten eine ſehr bedeutende Raffinerie in Berlin, eine in Breslau, eine in Hirſchberg und, wo man nich recht berichtet hat, noch eine vierte in Frankfurt. Ohne Zweifel be⸗ ſtehen die Inhaber dieſer Rafftnerien aus in Verbindung getretenen Geſellſchaften wohlhabender Maͤnner. Wenn dieſe ſich nun gefallen ließen, ohnweit ihren Raffinerten einige dergleichen Etabliſſements anzulegen, und ſich zu dieſem Zweck laͤndliche Beſitzungen in den Gegenden ihrer Rafflnerien, oder in ſolchen Gegenden, wo ſie das Material leicht zu Waſſer an die Siederei trans⸗ portiren laſſen koͤnnten, zu verſchaffen: ſo wuͤrden ſie wenigſtens die Haͤlfte des erforderlichen Materials ſelbſt erbauen koͤnnen, und wenn ſie auch die andere Haͤlfte kaͤuflich an ſich braͤchten, ſo glaube ich dafuͤr haften zu koͤnnen, daß ſie den Rohzucker alsdann wohlfeiler ha⸗ ben wuͤrden, als zeither.— Ein vierter Weg koͤnnte endlich auch noch der ſeyn, wenn die verſchlede⸗ nen in den preußiſchen Staaten viele Landguͤter beſitzen⸗ den Kommenden und geiſtlichen Stiſter ihren eigenen Vortheil und das allgemelne Wohl ſich ſo weit intereſſi⸗ ren ließen, daß die Beſitzer der erſtern und die Vorſte⸗ her der letztern zur Errichtung von dergleichen Etabllſ⸗ ſements ſich beſtimmten. Indeſſen iſt nicht zu leugnen, daß, wenn durch Errichtung mehrerer Fabriken dieſe Fabrikation ſich verbreitet, zu deren Gedeihen und Flor auch durch⸗ 91 aus erforderlich iſt, daß der Anbau der Zucker Runkel⸗ Ruͤben im Lande allgemein mit der groͤßten Thaͤtigkeit betrieben werde, damit ſich dieſe Fabriken hinlaͤngliches Material zu verſchaffen im Stande ſind, um ihre Fabri⸗ kationsgeſchaͤfte mit demjenigen Quantum von Ruͤben, auf welches die Fabrik eingerichtet iſt, bald nach ihrer Entſtehung vollſtaͤndig betreiben zu koͤnnen. Es iſt aber auch mit der hoͤchſten Zuverſicht zu er⸗ warten, daß Sr. Koͤnigl. Majeſtaͤt in der Ueberzeugung, daß der allgemein verbreitete thaͤtigſte Anbau dieſer in jeder Ruͤckſicht hoͤchſt gemeinnuͤtzigen Frucht, einen ganz ausgezeichneten Einfluß auf das allgemeine Wohl habe, huldreichſt geruhen werden, ſolche Verfuͤgungen treffen zu laſſen, welche die ſchnelle Verbreitung von dieſem Anbau zur unfehlbaren Folge haben, indem ſchon die Vorzeit gelehret hat, daß ohne die kraͤftigſte Mitwirkung einer allerhoͤchſten Landesreglerung die Ausbreitung, auch der wuͤnſchenswertheſten Erzeugniſſe, nur ſehr langſam von ſtatten gehe; da der groͤßte Theil der Ackerbeſitzer, beſonders im Bauernſtande, ſich ſehr ſchwer und langſam zu dem Anbau von etwas be⸗ ſtimmen kann, welches vorher noch nicht von ihm be⸗ trieben wurde. Den redendſten Bewels von dem, was ich hier ſage, kann der Anbau der Kartoffeln, dieſer jetzt eben ſo gebraͤuchlichen als nuͤtzlichen Frucht geben. Dieſer Anbau befand ſich z. B. hier in Schleſien nach dem ſiebenjaͤhrigen Kriege noch ſehr in ſeiner Kindheit und G 2 92 wuͤrde es, wenn es dem groͤßten Theile der Ackerbe⸗ ſitzer uͤberlaſſen geblieben waͤre, auch wahrſcheinlich noch laͤuger, als ein Jahrzehend geblieben ſeyn, wenn nicht eine damalige allerhoͤchſte Landesregierung die ernſt⸗ lichſten Maaßregeln zur Befoͤrderung des Anbaues der Kartoffeln genommen haͤtte. Und ich erinnere mich noch heute ſehr wohl, daß zu jener Zeit ein großer Theil des Bauernſtandes uͤber die ernſtlichen Befehle, welche ihn noͤthigten, dieſen Anbau mit Thaͤtigkeit zu betreiben, und der ihm jetzt ſo erſprießlich iſt, nicht wenig unzufrieden war. Meine eifrigen Wuͤnſche fuͤr die gute Sache und das allgemeine Wohl veranlaſſen mich, hierdurch noch⸗ mals vor dem Schluſſe dieſer kleinen Schrift meine ſaͤmmtlichen Mitbuͤrger der preußiſchen Staaten drin⸗ gend zu bitten, den Inhalt deſſen, was hier geſagt worden iſt, einer reiflichen Ueberlegung zu wuͤrdigen, und wenn man nach deſſen genauen unpartheilſchen Pruͤfung und näheren Ueberzeugung, zu welcher ich jedem auf Verlangen nach Moͤglichkeit zu verhelfen bereit bin, den ganzen Werth und den in ſo mannich⸗ faltiger Ruͤckſicht hoͤchſt bedeutenden Einfluß, auf die Wiederherſtellung und Verbeſſerung des allgemeinen Wohlſtandes, als unzubezweifelnd anerkennt; auch durch richtige Bgrachtung von der unumſtoͤßlichen Wahrheit ſich uͤberzeugt, daß, wie es in der Natur der Sache liegt und wie es die Geſchichte der Voͤlker alter und neuer Zeiten beweiſet, daß der Wohlſtand des Allgemeinen mit dem des einzelnen Staatsbuͤrgers in einer ſo unauf⸗ 93³ loͤslichen Verbindung ſtehet, daß das Sinken oder Stei⸗ gen des erſtern gleiche Wuͤrkung auf den letztern zur Folge hat: ſo wird doch wohl mit Zuverſicht zu hoffen ſeyn, daß jeder Gut⸗ und Edeldenkende alles, was ihm in ſeinen Verhaͤltniſſen nach ſeinen Kraͤften ſowohl zur Verbreitung des Erbaues von Zuckerruͤben, als zur Fa⸗ brikation dieſer Zucker⸗Art ſelbſt, zu leiſten moͤglich iſt, be⸗ muͤht ſeyn wird. Ich ſollte ſchon deshalb glauben auf eine freundliche Aufnahme und auf einen gluͤcklichen Erfolg dieſer meiner Bitte rechnen zu duͤrfen, weil es bei eint⸗ gem Nachdenken einem jeden einleuchtend ſeyn muß, daß kein Privatintereſſe mich hierzu veranlaſſen koͤnne, da im Gegentheil, beſonders bei der heutigen merkantiliſchen Verfaſſung, deren Verbeſſerung vielleicht noch durch einen bedeutenden Zeitraum aufgeſchoben bleiben moͤch⸗ te, meinem Privatvortheil eine ſparſamere Verbreitung dieſer Fabrikatien zutraͤglicher ſeyn duͤrfte, als eine all⸗ gemeine. Auch wuͤrden wir Bewohner der preußiſchen Staaten uns vor unſerer eigenen Mitwelt zu ſchaͤmen alle Urſache haben, wenn dieſe ſo bedeutende und ſo vielen Elnfluß habende Fabrikation, welche in unſern Staaten nicht allein ihre Entſtehung, ſondern auch einen gewiſſen Grad von Vollkommenheit erhalten hat, bei uns verabſaͤumt wuͤrde, waͤhrend man bereits in meh⸗ reren entfernten Landen das Moͤglichſte thut, um davon Gebrauch zu machen, Bis jetzt behaupten die Bewoh⸗ ner der preußiſchen Staaten unſtreitig mit den erſten Rang unter den thaͤtigſten und induſtrioͤſeſten Voͤlkern Europens; ſollten wir bei dieſer ſo wichtigen ſich uns darbietenden Gelegenheit unſern zeitherigen wohlverdien⸗ 94 ten Ruhm nicht ferner beizubehalten ſuchen? Gewiß, das koͤnnen und werden ſich Preußens Bewohner nicht zu Schulden kommen laſſen! ¹ Verbeſſerungen: Seite 15. Zeile 1. fehlen hinter dem Worte: Muͤhlwerk, die Worte: getrieben werden; Ebendaſ. Z. 2. hinter dem Worte Ochſen fehlt das Wort: getreten;. S 17. Z. 20. ſtatt aufzuloͤſen, leſe man: abzuſcheiden; Ebend. Z. 22. ſtatt aufgeloͤſete, leſe man: abgeſchie⸗ dene; S. 18. Z. 24. hinter dem Worte etwas fehlt das Wort: weniges; Ebend Z. 31. ſtatt dadurch leſe man: durch; S. 22. Z. 5. ſtatt vollkommenſte auf leſe man: voll⸗ kommenſte rein auf;. S. 36. Z. 5 und 7. leſe man: ereignen, ſo wird ſelbiger vonlden hinzutretenden Vortheilen uͤberwogen; Ebend. Z. 8. fehlen hinter dem Worte: Betriev, die Worte: des Runkelruͤben⸗Erbaues; Ebend. Z. 11 und 12. leſe man: und wovon ich in einem andern Abſchnitte handeln werde; S. 44. Z. 11. ſtatt: in Zeiten, leſe man: an Zeit; Ebend. Z. 13. ſtatt: anzufeuchten, leſe man: zu be⸗ fruchten; 45. Z. 22. ſtatt: 15 Zoll, leſe man: 20 Zoll. S. 46. Z. 9 und 13. ſtatt: 15 Zoll, leſe man: 20 Zoll. S. 53. 3 8 hinter dem Worte Traͤnke fehlt das Wort: und; S. 62. Z. 11. ſtatt: Pflanzen, leſe man: Pflanzer; S. 74. Z. 5. ſaatt: Mangel an bgaarem Gelde, leſe 6 man: Mangel an Erwerbsmitteln. . 85. Z. 17 und 18. ſtatt nicht einmal, leſe man: hoͤchſtens. = AX 45— N S78 1 ½ eNeA