Die Verkandlungen der gewerblichen Abtheilung der Verſammltung deutscher Landwirthe zu Potsdam. Auf ausdruͤckliches Verlangen beſonders herausgegeben von ihrem Vorſtande dem Regierungs⸗ Dixektor* Doctor Gebel, mehrer okonomiſchen /ui BN gelehrten Geſellſchaften Mitgliede. D. NXUIGA eIIENX CAbrNIK. MI. AD⸗ ES/ 21 kElIN 5 Es iſt an der Zeit zu begreifen: daß Wiſſen ein Gemeingut ſei, auf welches der Nie⸗ drigſte wie der Hoͤchſte gleichen Anſpruch beſitzen, und daß auch derjenige ſeinem Vaterlande wahr⸗ haft dient, welcher die Wege bahnt, die zu groͤ⸗ ßerem Wohlſtand fuͤhren. ———:ꝛ— 2—— Aauer, Buchdruckerei von Karl Engelhard Opit. 1839. UTe.-Bib.. Siessen Den verehrten Mitgliedern der gewerblichen Abtheilung der Verſammlung deutſcher Landwirthe gewidmet vom Herausgeber. Als Sie mir, meine hochgeehrten Herren! die Pflicht auferlegten, unſere Verhandlungen dem Druck zu uͤberge⸗ ben, um recht bald in ihren Beſitz zu gelangen, ahnete ich nicht, daß mir dadurch eine ſehr ſchwierige Auflage wuͤrde. Das lebendige Wort verhallt und wechſelt ſo ſchnell, daß es kaum erreichbar ſeinen Flug genau zu bezeichnen, viel weniger jede einzelne Schwingung zu ermeſſen und anzugeben; Sie wollen daher nachſichtig ſein, und ſich zufrieden ſtellen, mehr eine Erinnerung unſeres freundlichen Zuſammenwirkens als eine woͤrtliche Wiedergabe unſerer Beſprechungen zu finden.*) Auch Erſtere iſt des Aufbewahrens werth; wenn Maͤnner von ſo weiten Fernen und aus den verſchiedenſten Verhaͤlt— *) Hin⸗ und wieder hab' ich größere Luͤcken durch Anmerkungen zu ergaͤnzen mir erlaubt. 1*+ IV niſſen ſich vereinen, um ſich gegenſeitig ihre Erfahrun- gen mitzutheilen, welche dazu dienen die Muͤhen des Lebens zu erleichtern, und den Genuß dieſes ſchoͤnen Daſeins zu erhoͤhen, ſo iſt dieſes ſchon an ſich ſehr ehrenwerth; wenn dies aber alles mit ſo vieler Freund⸗ lichkeit und Zuvorkommenheit, mit einer ſo allgemeinen gegenſeitigen Achtung geſchieht, wie es in unſrer Ab⸗ theilung vorgekommen, ſo iſt dieſes ein Kennzeichen ei⸗ ner Bildungsſtufe die jedem edlen Gemuͤthe nur fuͤr immer erfreulich bleiben kann. Da Sie uͤbrigens aus⸗ nahmsweiſe mein Amt mir fuͤr ein ganzes Jahr uͤber— tragen, und ſchriftliche Mittheilungen Ihrer Beobachtun⸗ gen und Erfahrungen zu weiterer Verbreitung mir zu⸗ geſichert haben, ſo wollen Sie mir den lebhaften Wunſch auszuſprechen erlauben: daß dieſes recht oft geſchehen, und ſo der Faden nicht abreiſſen moͤge, der uns in Suden oder Norden wieder freundlich zu einander fuͤhret. Peterwitz bei Jauer in Nieder⸗Schleſien, den 5ten Oktober 1839. Gebel. Verhandelt, Potsdam im Schuͤtzenhauſe, den 25ſten Septbr. 1839, Morgens 7 Uhr. Nachdem ſich zur oben angegeben Zeit eine nicht un— bedeutende Anzahl von Landwirthen Behufs Bildung der Abtheilung fuͤr techniſche Gewerbe hier eingefunden hatte, wurden von den Anweſenden 1. zum erſten Vorſtande der Herr Regierungs⸗Direk⸗ tor Doctor Gebel auf Peterwitz in Nieder⸗Schleſien, 2. zum zweiten Vorſtande der Herr Oberamtmann Jacobs aus der Mark Brandenburg, 90* . zu Geſchaͤftsfuͤhrern Herr v. Lavergne⸗Pequil⸗ hen aus Oſt-Preußen und der Oberamtmann Herr H. Bennecke aus dem Magdeburgiſchen erwaͤhlt, und ſomit die Abtheilung fuͤx techniſche Ge⸗ werbe gebildet. Nach einigen, von dem Herrn Direktor Gebel an die Verſammlung gerichteten Worten des Dankes fuͤr das in ihn geſetzte Vertrauen wurde beſtimmt, daß zunaͤchſt die Brennerei, ſodann die Fabrikation des Zuckers aus Runkelruͤben und endlich die Brauerei behandelt wer— den ſolle. 6 Als Eroͤrterungspunkte wurden von dem erſten Vor⸗ ſtande in jedem beſondern Zweige folgende Gegenſtaͤnde angegeben, von welchen die wichtigſten auszuheben. Bei der Brennerei. Kartoffelbau. Vorbereitung, Duͤngung; Zu⸗ bereitung des Bodens. Zeit des Einlegens, Behandlung der Saamenkartoffel, weitere Behandlung bis zur Reife. Bluͤtenabpfluͤcken. Herausnehmen, Aufbewahrung. Ver⸗ edlung der Kartoffeln durch Erzeugung aus Saamen. Erfahrungen und Bemerkungen uͤber die Ertragbarkeit der verſchiedenen Arten an ſich, nach Verſchiedenheit des Duͤngers und der Bearbeitung, in Bezug auf Gehalt fuͤr die Spiritusfabrikation; Einfluß der verſchiedenen Duͤngungsarten und Nichtduͤngung ſo wie des Bodens darauf. Einmaiſchen. Bereitung der Kartoffeln dazu: a. In rohem Zuſtande, ihre Verkleinerung, Bildung von Staͤrke und deren Anwendung. Vortheile durch die Moͤglichkeit dicker Einmaiſchung. b. Bereitung durch Kochen, Verkleinerung, Muͤhlen, Waͤrme welche inne zu halten. Gerſte zu Malz, Waizen zu Malz, Roggen zu Malz; friſches oder getrocknetes, Verhaͤltniß zu den Kartoffeln. Einmaiſchen ſelbſt. Werkzeuge dazu. Verhaͤltniß der trocknen Subſtanz zur fluͤſſigen, Abkuͤhlung, Maiſch— gefaͤße, Groͤße, Beſchaffenheit, Reinigung, Maiſche, Gaͤhrungsmittel, Hefen, Fiſcherſches Gaͤhrungsmit⸗ tel, andre Mittel, Zeit und Art der Anwendung, An— ſtellung, Reife der Maiſche. 7 Werkzeuge zur Ausziehung des Geiſtes, mithin Ap⸗ parate. Apparat ohne Dampf, mit Dampf; Apparate, welche zugleich den ſtaͤrkſten und beſten Spiritus liefern, welche nicht, Vergleichung der Zeit ihrer erforderlichen Thaͤtigkeit und Brennmaterialaufwand, Veredlung des Spiritus, Aufbewahrung des Spiritus, Erfahrungen uͤber Verluſt nach Zeit und Raum, moͤgliche Verhinderung ſeiner Verdampfung, Preiſe. Schlempe, nothwen⸗ dige Beſchaffenheit um als geſunde Nahrung den Thie— ren zu dienen. Vergleichende Verſuche uͤber unentſchie⸗ dene Gegenſtaͤnde. Zuckerbereitung aus Runkelruͤben. Runkelruͤbenbau. Vorbereitung, Duͤngung, Zube— reitung des Bodens. Fruchtfolge. Zeit des Anbaues durch Saamen oder Pflanzen, welche Art verdient den Vorzug? Behandlung waͤhrend des Wachſens, Beblatten, Zeit der Reife, Herausnehmen, Aufbewahrung. Fabrikation. Werkzeuge der Verkleinerung, Ge— winn des Rohſafts nach den verſchiedenen Arten. Trockne Nuͤben, Verhinderung der Gaͤhrung, Klaͤrungsmittel, Geheimniſſe, Syrupbildung, Zuckerbildung in ſeinen verſchiedenen Geſtalten, Raffinirung, Suͤſſungsgrad, Abfaͤlle und Benutzung, Beſteuerung. B i er. Materialien dazu, Waizen, Gerſte, Hafer. Er— forderniſſe der Eigenſchaften: Malz und ſeine Berei— tung; Einmaiſchen, Brauen, Werkzeuge dazu. Durch Dampf, erforderlicher Waͤrmegrad. Hopfen, ſeine Er— zeugung und Eigenſchaften, Art der Anwendung. Abkuͤh⸗ lung, Gaͤhrung, Klaͤrung, Aufbewahrung. Verhinde⸗ rung der Eſſiggaͤhrung, des Faulwerdens. Staͤrke. Ver⸗ ſchiedene Arten; ihre Einwirkung auf die Geſundheit des Menſchen. Hiernaͤchſt trug Herr Oberamtmann Weyhe aus dem Halberſtaͤdtiſchen in gedraͤngter Kuͤrze die Entſte⸗ hungsgeſchichte der Brennerei vor; ging von der Fa⸗ brikation des Brandtweines aus Getraide uͤber auf die— jenige aus Kartoffeln; beruͤhrte alsdann die Anwen⸗ dung des Dampfes dabei; und ſchloß damit: daß es bei der Bereitung des Spiritus aus Kartoffeln vorzugs⸗ weiſe auf drei Punkte ankomme, naͤmlich: 1. auf Erzielung von Kartoffeln mit dem groͤßeſtmoͤ⸗ lichſten Staͤrkegehalte; 2. auf groͤßtmoͤglichſte Verkleinerung der gedaͤmpften Kartoffeln fuͤr die Einmalſchung; und 3. auf Herbeifuͤhrung der beſten weinigen Gaͤhrung. In Bezug auf den erſten Gegenſtand hatte Herr Zenker, Beſitzer eines in der Mark belegenen Ritter— gutes mit lehmigem Sandboden, die Guͤte ſein Ver⸗ fahren Behufs Erzielung der Kartoffeln der Verſamm⸗ lung mitzutheilen. Derſelbe pfluͤgt das zu Kartoffeln beſtimmte Land im Herbſte, bringt im Winter den Duͤnger darauf, und pfluͤgt im Fruͤhjahre die Kartoffeln nach gehoͤriger Vorbereitung des Ackers ſo zeitig als moͤglich ein. An— faͤnglich hat derſelbe die zur Saat beſtimmten Kartoffeln ſo zertheilt, daß an jedem Stuͤcke 3 Augen geblieben, und dann dieſe Stuͤcken ausgelegt. Derſelbe iſt aber von dem Zerkleinern der Saamenkartoffeln abgegangen, weil er die Ueberzeugung gewonnen, daß daſſelbe auf die Hoͤhe des Erndte⸗Ertrages einen nachtheiligen Ein— fluß geaͤußert hat.— Herr v. Koͤller bemerkt hierzu, daß dieſes Re— ſultat ſich auch bei ihm in Pommern und namentlich bei duͤrrer Witterung ergeben habe. 9 Hiergegen behauptet Herr Siegfried aus Preu⸗ ßen, daß ſich jenes Ergebniß nicht uͤberall herausſtelle, ſondern nur von der Art der angebauten Kartoffeln und von der Oertlichkeit, worauf dieſelben angebaut wuͤrden, abhaͤngig ſei; indem namentlich bei den lan⸗ gen Kartoffeln das Auslegen der zerkleinerten keinen ſchaͤdlichen Einfluß auf die Hoͤhe des Ertrages aͤußere. Nachdem einige andere Mitglieder ihre, dieſer An— gabe entgegenlaufende, Erfahrungen mitgetheilt hatten, ſprach Herr Amtsrath Gumprecht ſich dahin aus: daß zwar auf Sandboden das Zertheilen der Saamen-Kar— toffeln einen nachtheiligen Einfluß auf den Umfang des Ertrages aͤußern; daß er fuͤr ſeine Perſon indeß auf ſorgſam bearbeiteten, guten Boden, durch Legung von Keimen, Kartoffeln erndte, welche mehr Staͤrkemehl enk— hielten als anders gelegte, und dadurch, daß er die Keimen naͤher zufammenlege, als dies bei ganzen Kar— toffeln geſchehe, auch an der Quantitaͤt des Ertrages einen Ausfall nicht erleide. Herr v. Taczanowsky bemerkte: daß auf dem reichen Boden Cujavien's es nothwendig ſei die Saa— menkartoffeln zu zerſchneiden, indem bei Legung der ganzen Kartoffeln dieſelben vorzugsweiſe ins Kraut wuͤch— ſen und kleine ſo wie wenige Kartoffeln anſetzten. Hiergegen bemerkte Herr Zenker: daß dieſem Uebelſtande durch weitlaͤuftiges Legen der Kartoffeln— 2 bis 3 Fuß preußiſch auseinander— begegnet werde, weil unter dieſer Bedingung das Licht ſeinen vollen Einfluß ausuͤben koͤnne. Nachdem von einigen Mitgliedern noch angefuͤhrt worden, daß wenn zerſtuͤckelte Kartoffeln gelegt werden ſollen, es nothwendig ſei, dieſe Platten einige Zeit 10 hindurch welken zu laſſen, um dadurch der Faͤulniß vorzubeugen, bemerkte der Herr Amtsrath Cochius: wie von ihm die Erfahrung gemacht ſei: daß, nach⸗ dem durch Fruͤhjahrsfroͤſte die jungen Triebe der geleg— ten Kartoffeln erfroren, die zerſtuͤckelt gelegten Kar⸗ toffeln nicht wieder ausgeſchlagen ſeien, wohl aber die ganz gelegten Kartoffeln neue Triebe entwickelt und ge— ringen Verluſt bei der Erndte gegeben haͤtten. Hiernaͤchſt trug ein Mitglied von der Inſel Ruͤ⸗ gen vor: daß es nur immer die kleinen Kartoffeln ge⸗ legt und niemals uͤber den Ertrag unzufrieden zu ſein Urſach gehabt habe, indem dieſer im Durchſchnitte auf 3 Wiespel gekommen ſei. Der Herr Direktor Gebel ſprach ſich ſodann da⸗ hin aus; daß ſeiner Erfahrung nach, bei kleinen Kar— toffeln die erſte Entwickelung der Pflanze ſchwaͤcher, und bei unguͤnſtiger Witterung der Erndteertrag davon mehr gefaͤhrdet ſei, als wenn große Kartoffeln gelegt wor⸗ den, indem auch bei dieſem Gewaͤchſe der vollkom⸗ menſte Saamen die reichſte Erndte liefere.“ Herr Oberamtmann Jacobs erklaͤrte endlich noch: daß mehrjaͤhrige Erfahrungen, geſtuͤtzt auf comparative Verſuche, ihm die Gewißheit gegeben haͤtten: daß Platten einen circa 16 Procent geringeren Er— trag gaͤben, als ganz gelegte Kartoffeln. Nachdem die Debatte uͤber dieſen Gegenſtand ge— ſchloſſen worden, trug Herr Amtmann Schultze aus Stolzenburg ſein Verfahren bei Bereitung des gruͤnen Malzes und namentlich des ſogenannten Pelzmalzes vor. Die Gerſte wird, nachdem ſie die erforderliche Zeit im Quellbottig gelegen hat, aus demſelben heraus und in Haufen gebracht, in welchen ſie liegen bleibt, bis ſich der Keim durchgehends zu zeigen anfaͤngt. Nach 11 dieſem wird ſie, je nach der Temperatur des Lokales, 3— 5 Zoll hoch, in eine ganz ebene Flaͤche vertheilt, und bleibt hier ſo lange liegen, bis ſie vollkommen in einander gewachſen iſt, dieſelbe wird dann umgekehrt, ſo daß die bisher oben gelegenen Koͤrner nach unten zu liegen kommen, damit auch ſie gleichmaͤßig wachſen koͤnnen. Nach Beendigung dieſes Proceſſes werden dieſe Pelzſtuͤcken zerrieben und ſofort Behufs der Einmai— ſchung durch Walzen geguetſcht. Herr Amtsrath Carwe fuͤhrte an: daß er bei Anwendung des gruͤnen Malzes einige Procente Alkohol weniger gezogen haͤtte, als ihm die Anwendung des gedarrten Malzes gewaͤhrt habe, und es jedenfalls ſchwierig ſei, mit Zuverlaͤßigkeit das richtige Quan— tum des anzuwendenden Malzes zu beſtimmen. Hiergegen erwaͤhnte Herr Zenker: daß er mit dem⸗ ſelben Gewichte gruͤnen Malzes dieſelbe Wirkung her— vorbringe, wie mit dem gleichen Gewichte gedarrten Malzes, ihm deshalb bei Anwendung des gruͤnen Mal— zes eine Erſparniß von ½(33 ¾ Procent) Gerſte zu Gute komme. Schließlich erklaͤrte Heir Amtsrath Carwe ſich be⸗ reit: in der morgenden Verſammlung einen Vortrag uͤber die Bereitung des gruͤnen Malzes und deſſen Ver— wendung in der Brennerei halten zu wollen. Dieſes Erbieten wurde dankbarlichſt angenommen und demnaͤchſt von Seiten des Vorſtandes bekannt ge— macht: daß morgen fruͤh 7 Uhr hier, die naͤchſte Sections⸗Sitzung ihren Anfang nehmen werde. Gebel. Jacobs. H. Bennecke, Geſchaͤftsfuͤhrer. Verhandelt, Potsdam im Schuͤtzenhauſe, den 26ſten September 1889, Morgens 7 Uhr. Nachdem die heutige Verſammlung der Abtheilung fuͤr techniſche Gewerke mit Vorleſen des, uͤber die ge— ſtrigen Verhandlungen aufgenommenen Protokolles begon⸗ nen hatte, empfahl Herr Direktor Gebel die Schrift— von Schwarz uͤber Maiſch⸗ und Gaͤhr⸗Verfahren zur Pruͤfung und machte zugleich bekannt: daß Herr Tur— ley, Fabriken⸗Inſpektor aus Eldena, im Vorzimmer hier, das Modell eines neuen Brenn-Apparates aufge— ſtellt und die Beſchreisun deſſelben beigefuͤgt habe.*) *) Außer dem Dampfkeſſel ſind alle erforderlichen Theile uͤber einander geſtellt, ſo daß der ganze Apparat die Geſtalt eines Zilinders empfangen hat. Raum und Waͤrme— alſo Feuerungs⸗Material— erſparend ſind allerdings dergleichen Apparate, aber es iſt dabei nicht zu uͤberſehen: daß Beſchaͤdigungen an ihnen nicht leicht 1 zu entdecken, und oft ſchwer herzuſtellen ſein. Bei Vor⸗ liegendem koͤnnte der Anſchluß der verſchiedenen Theile leicht undicht werden; der Kuͤhler iſt zu kuͤnſtlich, zu ſchwierig und zu koſtbar in der Ausführung, und wird gewiß nicht mehr, wenn nicht weniger wie die laͤngſt bewaͤhrte Schlange im Kuͤhlfaſſe leiſten. Die Becken ver⸗ dienen eine vergleichende Pruͤfung mit denen von Piſto⸗ rius, weshalb ich hierzu ergebenſt auffordere; ihre An⸗ fertigung iſt bei den Kupferwaaren⸗ Fabrikanten Heck⸗ mann zu Berlin oder Buchholz zu Greifswalde zu er⸗ langen. 13 Hiernaͤchſt trug Herr Amtsrath Carwe ſein Ver⸗ fahren bei Bereitung des gruͤnen Malzes vor. Daſ⸗ ſelbe beſtand ohngefaͤhr in demſelben Verfahren, wie ſolches bereits in der geſtrigen Verhandlung aufgefuͤhrt iſt. Herr Amtsrath Carwe verlangte aber dabei noch: daß die Waͤrme der Gerſte im Spitzhaufen auf 18— 20 Grad Reaumur geſteigert werde. Außerdem empfahl er noch vor dem Umkehren des zuſammengewachſenen Malzes eine genaue Theilung deſ⸗ ſelben in gleichmaͤßige, viereckige Stuͤcke, und ein ge— naues Umkehren derſelben mit dem Bemerken: daß, wenn ja die Gerſte auf der aͤußeren Seite zu trocken geworden ſein ſollte, dieſem Uebelſtande durch ſorgfaͤl— tiges, ſanftes Ueberbrauſen mit Waſſer abgeholfen wer— den muͤſſe, damit auch dieſe Gerſte gehoͤrig keimen kͤͤnne. Sollte ungekeimte Gerſte im Uebermaaße vor— handen ſein, ſo muͤſſe dieſelbe mit einem ſtumpfen Beſen zuſammengefegt und zum Wachſen in einen be— ſondern Haufen geſetzt werden.— Was die Laͤnge des zu erzielenden Keimes anlange, ſo koͤnne derſelbe einen Zoll lang wachſen, er brauche uͤberhaupt nur nicht gruͤn zu werden, dann kͤnne er nicht lang genug wachſen. Hierzu bemerkte Herr Oberamtmann Weyhe: daß ſeiner Anſicht nach es ſehr vortheilhaft ſei, die Gerſte aus der Hoͤhe hinab in den Quellbottig fallen zu laſ⸗ ſen, und die dringende Nothwendigkeit vorliege die Unkrautſaͤmereien, und namentlich die Oelſaͤmereien bei dieſer Gelegenheit abzuſondern. Was das Keimen an⸗ lange, ſo ſei es je nach der Qualitaͤt der Gerſte in dieſem oder jenem Jahre ungewiß wie lang man die Keime derſelben wachſen laſſen muͤſſe; das ſicherſte Kennzeichen in dieſer Hinſicht ſei: 14 die Entwicklung des Graskeimes zu einem erhoͤhten Streifen unter der Epidermis von dem einen Ende des Gerſtenkornes bis zum andern auf der dem Kerbe entgegengeſetzten Seite. Hiernaͤchſt fuhr Herr Amtsrath Carwe fort: wenn das Pelzmalz gehoͤrig gewachſen, wird es mit der Hand ſorgfaͤltig zerkleinert, dann in Schwitzhaufen gebracht und aus dieſen ſofort mit Walzen gequetſcht, indem dieſe Arbeit im hoͤchſten Grade mangelhaft ausfallen wuͤrde, wenn das Malz vor dem Quetſchen trocken ge⸗ worden. 4 Herr Zenker war der Anſicht: daß das Pelzmalz nicht das vorzuͤglichere ſei, er bereite ſein Malz wie die Brauer, nur laſſe er es etwas laͤnger wachſen, und wenn gleich dies ſchwieriger zu bereiten ſei, ſo erziele er doch dadurch einen hoͤheren Ertrag. Herr Oekonom Schwarz aus Fulda bemerkte: daß nach ſeinen 15jaͤhrigen Erfahrungen das gruͤne Malz unregelmaͤßige Gaͤhrung herbeifuͤhre; dieſer Gegenſtand noch nicht gehoͤrig feſtgeſtellt ſei, und er deshalb um anderweitige Verſuche und Mittheilung von andern Bren⸗ nereibeſitzern bitte. Herr Zenker gab noch unter Beiſtimmung der uͤbri⸗ gen Herren an: daß das gruͤne Malz 24 Stunden in Schwitzhaufen erhalten werden muͤſſe. Herr Amtsrath Carwe ging uͤber auf ſein Ver⸗ fahren bei der Einmaiſchung. Daſſelbe iſt folgendes: Nach dem Quetſchen des Malzes wirft er auf 1 Schffl. Kartoffeln 2 ½ Quart kaltes Waſſer— im Herbſte et⸗ was weniger im Fruͤhjahre etwas mehr— in den Ver⸗ maiſchbottig, ſchuͤttet dann das gequetſchte Malz auf einmal herein und laͤßt es durch Maiſchhoͤlzer zu einem duͤnnen Brei ſchlagen. Dann werden die gegquetſchten 15 Kartoffeln nach gerade dazu gethan und durch 4— 6 Mann bis an das Ende der Operation tuͤchtig durch⸗ geſchlagen. Dabei iſt darauf ſtreng zu achten, daß die Temperatur der Maiſche ſich zwiſchen 50— 55 Graden Reaumur erhaͤlt. Hiernaͤchſt bleibt ſie 1 ½ Stunden auf dem Vermaiſchbottig ſtehen bis daß ſich kleine Riſſe und Blaͤschen in der Oberflaͤche zeigen. Die Maſſe hat dann ihre hoͤchſte Zuckerbildung erreicht, und muß ſofort auf das Kuͤhlſchiff gebracht werden. Zur richtigen Erken⸗ nung dieſes Momentes giebt es kein Inſtrument, ſon— dern dieſelbe bleibt lediglich dem menſchlichen Auge und der Zunge uͤberlaſſen.— Das Abkuͤhlen muß ſo raſch wie moͤglich herbeigeruͤhrt werden.— Von dem Kuͤhl— ſchiffe wird die Maſſe alsdann in die Gaͤhrungsbottige gelaſſen, und ſo viel Stellwaſſer dazugethan, daß die Maſſe je nach der Localitaͤt und Temperatur der aͤu⸗ ßern Luft 14— 18 Grad Waͤrme erreicht. Hiergegen bemerkte Herr Oberamtmann Weihe in Uebereinſtimmung mit Herrn Amtsrath Gumprecht: wie ſie nicht der Meinung beiſtimmen koͤnnten: daß zur Zuckerbildung 1 ½ Stunde erforderlich ſeien; daß viel⸗ mehr je nach dem Lokale und der Witterung X bis 3½ Stunden dazu ausreichen. Bei dieſem Gegenſtande wurde noch vom Herrn Amtsrathe Cochius bemerkt, daß ein bekannter tuͤch⸗ tiger Chemiker Hert Fiſcher es fuͤr vortheilhaft halte, das zerquetſchte Malz in einem beſondern Gefaͤße mit Waſſer erſt einruͤhren, und dann waͤhrend der Maiſchung nach Verhaͤltniß der Maſſe hinzu ſchuͤtten zu laſſen. Hiermit erklaͤrten ſich Herr Amtsrath Gumprecht und Herr Oberamtmann Weyhe nicht einverſtanden. Was die Maiſchgefaͤße anbetrifft, ſo war man daruͤber einverſtanden: daß ſie am zweckmaͤßigſten von 4 4 16 gutem, feſtem, jungem Eichenholz hergeſtellt wuͤrden, und die Form derſelben rund oder oval ſein muͤſſe. In Bezug auf die Hoͤhe aber kam man nach vielfaͤltiger Beſprechung dahin uͤberein: daß dieſelbe zur Vermeidung von Alkohol⸗ Verluſt nicht uͤber 4 Fuß und nicht unter 3 Fuß ſein duͤrften. In Bezug auf den Inhalt der Gaͤhrungsgefaͤße war man einſtimmig der Anſicht: daß derſelbe am zweck⸗ maͤßigſten von 2 bis 3000 Quart eingerichtet werde. In Bezug auf Hoͤhe und obere Weite der Gaͤh⸗ rungsgefaͤße legt Herr Oberamtmann Weyhe ein be⸗ ſonderes Gewicht auf den Umfang der Oberflaͤche, wel⸗ che die gaͤhrende Maſſe der Athmosphaͤre darbietet. Dahingegen bemerkte Herr L. Jacobs von hier das Moment der Hoͤhe der Gefaͤße ſcheine mit dem Drucke oder der Dichtheit der Luft in keinem Bezuge zu ſtehen, vielmehr muͤſſe lediglich nach dem Barome— terſtande verfahren werden, um moͤglicher Weiſe nach dem mittleren Drucke das Richtige fuͤr unſere Breiten zu finden. Herr Oberamtmann Weyhe erkennt die Wichtig⸗ keit dieſer Bemerkung an, und will daruͤber Verſuche anſtellen und mittheilen. Herr Amtsrath Gumprecht bemerkte ſodann: daß die Anwendung von hoͤlzernen Harken bei Einmaiſchung, ſeiner Erfahrung nach, vorzuͤglich gute Reſultate gegeben habe, außerdem aber hierbei vorzugsweiſe dahin zu ſe⸗ hen ſei, daß bei dieſer Arbeit ein tacktmaͤßiges Schla⸗ gen beobachtet werde. Herr Oberamtmann Weyhe ſprach ſich dahin aus: daß das Durchmaiſchen am beſten durch Anwendung von Maſchinerie ſchon gegenwaͤrtig verſchiedentlich be⸗ 17 werkſtelligt werde, und bezieht ſich dieſerhalb auf die Bodenſteinſche Brennerei in der Neuſtadt-Magdeburg. Herr Graf Medem und noch ein anderes Mitglied erwaͤhnten einer Maſchinerie, welche zu dieſem Zwicke durch eine Tretſcheibe in Bewegung geſetzt werde. Herr Direktor Gebel brachte noch das Zudecken der Maiſchbottige zur Sprache, welches fruͤher ange⸗ wendet worden. Man war allgemein der Anſicht: daß dies Ver⸗ fahren zwecklos ſei. Herr Amtsrath Cochius hielt es ſogar fuͤr ſchaͤdlich. Hiernaͤchſt wurde die Verſammlung geſchloſſen, und vom Vorſtande bekannt gemacht: daß dieſe Abtheilung morgen fruͤh 7 Uhr ſich hier wieder verſammeln werde. Gebel. Jacobs. H. Benecke, Geſchaͤftsfuͤhrer. Verhandelt, Potsdam, den 27ſten September 1839, Morgens 7 Uhr. Die heutige Verſammlung wurde durch den Herrn Regierungs-Direktor Gebel damit eroͤffnet, daß der⸗ ſelbe aufmerkſam machte: wie es bei Bereitung des Malzes viel darauf ankomme, daß die Gerſte nicht in Duͤnger, am wenigſten in Schafduͤnger gewachſen ſei, worin ſaͤmmtliche Mitglieder uͤbereinſtimmten. Herr Baron von Rieſe fragte: ob man bei der Brennerei ſchon die Einmaiſchung mit Staͤrke verſucht habe? Als Antwort erfolgte von allen Seiten: daß die Staͤrke zwar vor laͤngerer Zeit verſuchsweiſe angewen⸗ det worden ſei, aber ohne guͤnſtigen Erfolg. Herr Oeko⸗ nom Schwarz*) trug mit Bezug auf eine fruͤher von ihm herausgegebene Schrift ein Einmaiſchverfahren vor, welches von dem Hrn. Oekonomie⸗Rath Geier verſucht worden, und darin beſtand: daß das Gaͤhrungsmittel der Maiſche im Bottige fruͤher zugeſetzt wird, ehe und bevor die letzte Verduͤnnung durch Waſſer geſchieht, um dadurch ein ſchnelleres Gaͤhren und eine innigere Ver⸗ mengung mit der Maiſche hervorzubringen. Da indeß dadurch kein beſonders hoher Ertrag erziehlt worden iſt — 400 Prozent vom Scheffel Kartoffeln— und Herr Schwarz ſelbſt eingeſtand, daß bei dem gewoͤhnlichen Verfahren, wenn ihm nur groͤßerer Maiſchraum geſtat⸗ *) Siehe: amtlicher Bericht uͤber die Verſammlung deutſcher Landwirthe zu Karlsruh, S. 145 u. f. 19 tet wird, 480 Prozent Ausbeute gewonnen werden koͤnn⸗ ten, ſo wurde keine beſondere Wichtigkeit weiter auf dieſes Verfahren gelegt. Herr Amtsrath Carve bemerkte, daß er das Fi⸗ ſcherſche Gaͤhrungsmittel aufgegeben, und ſtellte es ſich durch mehreres Beſprechen heraus: daß auch aus andern Brennereien dieſes Gaͤhrungsmittel verdraͤngt worden. Herr Oberamtmann Jacobs trug das in ſeiner Brennerei gebraͤuchliche Gaͤhrungsmittel, wie folget vor: Zur Bereitung deſſelben fuͤr einen Gaͤhrungsbottig von 2300 Quart Inhalt zu 30 Scheffel Kartoffeln, den Scheffel zu 106 Pfund, ſind drei Hefengefaͤße, jedes zu 90 Quart noͤthig. Hiervon nimmt man eines, und maiſcht in daſſelbe 3 ½ Pfd. Gerſtenmalz und 6 ½ Pfd. rohen Roggenſchrot mit 10 Quart 60 Grad nach Reaumur heißem Waſſer ein. Dieſe Einmaiſchung ge— ſchieht kurz vor der Beendigung der Einmaiſchung der Kartoffeln in dem Vormaiſchbottig, damit ſofort nach Beendigung der letztern zwei Eimer Kartoffelmaiſche— zu 10 Quart Inhalt jeder— abgenommen, und zu obi⸗ ger Schrotmaiſche hinzugefuͤgt werden koͤnnen. Dieſe Maſſe wird tuͤchtig durchgemaiſcht, und dann in einen fuͤr ſie beſtimmten Raum geſtellt, welcher zwiſchen 17 bis 18 Grad Temperatur enthaͤlt. Nach 12 Stunden wird dieſe Hefe mit 12 Loth kohlenſaurem Natrum*) angeſtellt, wonach ſich im Verlaufe von abermaligen 12 Stunden eine leichte Gaͤhrung zeigt. Dieſe laͤßt man 12 Stunden andauern, wodann zur Verſtaͤrkung der⸗ ſelben wieder 8 Loth kohlenſaures Natrum zugeſetzt wer⸗ *) Natrum bicarbonicum, welches neuerlich von G. Krauß empfohlen worden, iſt zu theuer, und leiſtet keinen ver⸗ hältnißmaͤßig groͤßern Nutzen, wie die erforderliche Menge des Einfachen; cremor tartari beigeſetzt erhoͤht in etwas die Guͤte des Sfiritus, vermindert aber ſicher den Ertrag. . 2* 20 den, worauf eine heftige Gaͤhrung eintritt. 24 Stun⸗ den nach Einmaiſchung des erſten Gefaͤßes in Ueberein⸗ ſtimmung mit Einmaiſchung der Kartoffeln!, nimmt man das zweite Gefaͤß, maiſcht hierein die doppelte Portion des Obigen nach demſelben Verfahren jedoch mit dem Unterſchiede ein, daß vom kohlenſauren Natrum nicht mehr wie das erſtemal genommen wird. Die dritte Einmaiſchung im dritten Gefaͤße iſt der vorigen ganz gleich, und erfolgt auch in demſelben Zwiſchenraum, wie er zwiſchen der erſten und zweiten ſtattfindet. Die Baͤrme der erſten Einmaiſchung kommt nach 48 Stunden zum Gebrauche, nachdem ſie in den letzten 12 Stunden in heftiger Gaͤhrung geweſen. Von dieſer zum Gebrauch kommenden Hefe werden 10 Quart Mutterhefe in einem Eimer zur Aufbewahrung wegge— nommen. An demſelben Tage 8 Uhr Abends, wird dieſe Mutterhefe, der am zweiten Tage eingemaiſchten, zugegeben, und nach Zuſetzung von 8 Loth kohlenſaurem Natrum tuͤchtig durchgeruͤhrt, wonach augenblicklich eine lebhafte Gaͤhrung eintreten wird, welche am folgenden Tage zur Anſtellung bereit iſt. Ein Zeichen der Guͤte der Hefe iſt ein ſtechender Geruch, erzeugt durch Ent— weichung des kohlenſauren Gaſes, ſo wie ein ſcharfer, ſaurer Geſchmack, und eine Temperatur von 20 bis 22 Grad Reaumur. Hierbei verſteht es ſich von ſelbſt, daß man waͤhrend der erſten 6 Tage der Anwendung derſelben, Preßhefen Behufs der Anſtellung der Maiſche zu Hilfe nehmen muß, bis das oben angegebene Gaͤh⸗ rungsmittel ſeine volle Kraft bekoͤmmt. Bei Anwendung dieſer Hefe hat Herr Ober-Amt⸗ mann Jacobs in ſeiner Brennerei im Jahre 1837/3 8.. 507 Gr. im Jahre 1838/30...... 533 Gr., vom 20. Auguſt bis 1. Juli durchſchnittlich gezogen. 21 Hiernaͤchſt wurde Herr Oberamtmann Livonius um die Gefaͤlligkeit erſucht, ſein, bekanntermaßen von dem ausgezeichnetſten Erfolge begleitetes Verfahren mitzuthei— len. Derſelbe gab an: 36 Stunden vor dem Einmai— ſchen wird mit der Hefenbereitung angefangen; es wird dazu 1 Pfund nicht zu fein geſchrotenes Gerſtenmalz auf 1 Scheffel Kartoffeln zu 108 Pfd., mithin zu einer Einmaiſchung von 36 Scheffel Kartoffeln in ei— nem Bottig von 2400 Quart Inhalt, 36 Pfd. Ger⸗ ſtenmalzſchrot genommen. Dieſer letztere wird dann mit 36 Quart Waſſer zu 60 Grad Reaumur warm eingemaiſcht. Das Einmaiſchgefaͤß wird in die Hefen— kammer geſtellt, welche eine Temperatur von 12 bis 13 Grad Reaumur hat. Hier bleibt die Hefe 24 Stunden ſtehen, und muß auf 22 Grad abgekuͤhlt ſein, wo ſie alsdann mit 1 Loth Preßhefe auf 1 Pfund Malzſchrot angeſtellt wird, und 12 Stunden ruhig ſte— hen bleibt. Ein Zeichen ihrer Guͤte iſt, wenn ſich auf der Oberflaͤche nirgends ein Durchbrechen durch die ſtarke Decke zeigt. Kommt nun die Zeit heran, wo die Ein— maiſchung der Kartoffeln vor ſich gegangen, ſo werden drei Eimer, zu 10 Quart Inhalt, Kartoffelmaiſche und drei Eimer kaltes Waſſer zuſammengemiſcht, derge— ſtalt, daß ein Waͤrmegrad von 22 Grad Reaumur ent— ſteht, und dieſe Miſchung der Heſe beigeſetzt, und ſehr genau mit ihr untereinander gemengt. Bevor indeß dieſe letzte Verrichtung vorgenommen wird, muß die MNutterhefe abgenommen, in ein beſonderes Gefaͤß ge⸗ than, weggeſtellt, zugedeckt und in der Hefenkammer aufbewahrt werden um des andern Tages ihre Anwen— dung ſtatt der Preßhefe 12 Stunden vor dem Einmai— ſchen zu finden. Auf dieſe Art wird nun Tag fuͤr Tag fortgefahren, und iſt nur noch dabei zu bemerken: daß fuͤr jede Maiſchtonne eine beſondere Hefenbereitung 22 in einem beſondern Gefaͤße*) ſtattfinden, und die erſten Tage noch Preßhefe zugeſetzt werden muß, bis die Mut⸗ terhefe die gehoͤrige Staͤrke erlangt hat, und daß, wenn durch irgend eine Veranlaſſung die Hefen unkraͤftig oder untauglich geworden ſind, ſie nicht durch etwaigen Zu⸗ ſatz von Preßhefe zu verbeſſern, ſondern durch voͤllig neu verfertigtes Gaͤhrungsmittel zu erſetzen ſind. Bei An⸗ wendung dieſer Hefe hat Hr. Oberamtmann Livonius 8 ½ bis 8 ½ Prozent vom Quart Maiſchraum gezogen. Herr Oberamtmann Livonius gab ferner noch an: daß das Scheuern der Maiſchbottige von großer Wich⸗ tigkeit ſei, derſelbe beobachtet dabei folgendes Verfah⸗ ren: Nachdem die Maiſche aus dem Bottig genommen, wird derſelbe ſofort mit kaltem Waſſer ausgewaſchen, dann bleibt er eine halbe Stunde ruhig ſtehen, ſo⸗ dann wird er mit lauwarmem Waſſer und ſcharfem Sande vermittelſt ſtumpfer Beſen ſtark geſcheuert; dem⸗ naͤchſt mit einer Lauge von friſchem Kalke und Holz— aſche 80 Grad Reaumur heiß, dieſe Arbeit wiederholt, und eine Viertelſtunde ſtehen gelaſſen. Hierauf wird er wieder mit warmem Waſſer und Sand gut ausge— rieben, demnaͤchſt mit durch Zuſatz von Waſſer ver— duͤnnter Schwefelſaͤure*)(4 Grad Aerometer) gut aus⸗ *) Es iſt wohl nicht zu befuͤrchten, daß die ſo erleuchtete preußiſche Steuerbehoͤrde gegen die Anwendung von 6 Ge⸗ faͤßen Einwendung machen werde, da ſie nie der Forde⸗ rung des Ertrages der Gewerbe nachtheilig entgegen zu treten beabſichtigt, doppelt ſo viel kleine Gefaͤße nicht mehr enthalten, als halb ſo viel noch einmal ſo große, Theilung des Gaͤhrmittels auf 2 Tonnen, die nicht zu gleicher Zeit eingemaiſcht werden, der einen aber abſolut im Ertrage nachtheilig iſt. *½) Sehr zweckmaͤßig, da bekanntlich die ſtaͤrkere Saͤure die ſchwaͤchere zerſtoͤrt. 23 geſtrichen; unmittelbar dahinter aber raſch mit kaltem Waſſer nachgewaſchen. Entſtehen hierbei weiße Flok⸗ ken, ſo hat ſich bereits Eſſigſaͤure gebildet, und es iſt daher auf ihre Vertilgung um ſo groͤßere Sorg— falt zu verwenden. Nun wird endlich das Gefaͤß mit Kalk uͤberſtrichen, ſo eine Viertelſtunde ſtehen gelaſſen, dann tuͤchtig mit warmem Waſſer gewaſchen und 24 Stun⸗ den der Austrocknung der Luft uͤberlaſſen, ſo daß man in der Gaͤhrkammer jedesmal auf einen Tag Gaͤhr⸗ bottige uͤbrig haben muß— wer z. B. bei viertaͤgiger Maiſche taͤglich 2 Bottige abbrennt,— deren 10 aufgeſtellt haben muß, wenn man den gefaͤhrlichen Feind— die Bildung von Eſſigſaͤure vermeiden will. Auf dieſe Art laͤßt ſich das Geheimniß hohen Ertrages einer Kartoffelbrennerei auf folgende 4 Hauptpunkte zuruͤckfuͤhren: mehlreiche Kartoffeln; gutes Malz von vorzuͤglicher Gerſte; kraͤftiges, ſtets gleichwirkendes Gaͤh⸗ rungsmittel, und hoͤchſte Reinlichkeit in allen Gefäßen, mit denen ohne Ausnahme wie oben angegeben, ver⸗ fahren wird. Mit Oelfarbe die Gefaͤße anzuſtreichen, wurde von Herrn ꝛc. Livonius in Uebereinſtimmung mehrerer Mit⸗ glieder fuͤr nachtheilig, und eben ſo wenig die An— wendung von Chlor fuͤr vortheilhaft gehalten. Noch legte Herr Reg.⸗Direktor Gebel die Frage vor: ob noch keine Verſuche zu Entfernung der Schaa⸗ len von der Maiſche gemacht worden, und welcher Er— folg davon entſtanden? worauf mehrere Mitglieder an⸗ zeigten: daß das Verfahren zu muͤhſam und zu koſt— bar ſei, um allgemeine Anwendung zu finden, daher auch uͤberall die Schaalen beigelaſſen wuͤrden. Ingleichen richtete der Vorſtand an die Verſamm⸗ lung die Frage: ob man wohl waͤhrend der Gaͤhrung 24 etwa 24 Stunden vor der Anwendung der Maiſche ein nochmaliges Umruͤhren vortheilhaft gefunden? worauf mehrere der Anweſenden erwiederten: daß ſie daruͤber keine Verſuche angeſtellt, ſondern die Maiſche unge— ſoͤrt jaͤhren ließen. Hiernaͤchſt wurde die Sitzung geſchloſſen und von dem Vorſtande bekannt gemacht: daß die morgende Verſammlung in dem heutigen Locale um 6 Uhr Mor⸗ gens beginnen werde. 4 4 2 Beterer K.A— u. —, ,e — b Ah, 4—, f e 22— tygheAä grf M.A.’ e Mufk e Ak. ———“ 4—,N—,. Fortgeſetzt, Potsdam, den 28ſten Septbr., Morgens 6 Uhr.. Otgleich noch viele Punkte in Betreff der Alkohol⸗ Brennerei zu eroͤrtern geweſen waͤren,*) mußten dieſel⸗ ben doch unerledigt bleiben, da heute der letzte Ver— ſammlungstag war und die Zeit draͤngte, es wurde daher uͤbergegangen zur Runkelruͤbenzucker⸗Fa⸗ brikation. 3 *) Darunter gehoͤrt der allgemeine Wunſch, um Aufhe⸗ bung der Verfuͤgung der Koͤnigl. Preuß. oberſten Steuer⸗ behörde: daß uͤber Nacht in Apparaten, wo die Lutter⸗ blaſen einzeln abgeſchloſſen werden koͤnnen, keine Schlempe in derſelben ſtehen gelaſſen werden darf, wodurch eine unnuͤtze Abkuͤhlung derſelben hervorgebracht, und des Mor⸗ gens ein nicht unbedeutender Mehrverbrauch von Zeit und Feuermaterial veranlaßt wird, ohne daß der Steuerbe⸗ hoͤrde der geringſte Vortheil dadurch erwaͤchſt, noch die Sicherung vor Betrug im entfernteſten geſteigert wird, indem dieſe Verfahrungsart nur in großen Brennereien vorkommen kann, wo die Controlle ohnehin leicht, und Anwendung von Betrug am wenigſten zu befurchten iſt. Bei den dankbar anerkannten ausgezeichnet humanen Ge⸗ ſinnungen unſrer hoͤchſten Steuerbehoͤrde, und bei ihrem ſo entſchiedenen regen Eifer, jedes Gewerbe zu foͤrdern und jedes unnuͤtze Hemmniß zu entfernen, laͤßt ſich mit Zu⸗ verſicht erwarten: daß Hochdieſelbe dieſen dringenden all⸗ gemeinen Wunſch beachten, und dieſe unnuͤtze, fuͤr Ge⸗ genden, wo das Feuermaterial theuer und beſchwerlich herbei zu ſchaffen, ſehr druͤckende Belaͤſtigung, hochgeneigt bald moͤglichſt entfernen werde. 26 Freiherr v. Koppy auf Krayn in Schleſien traͤgt als Reſultat ſeiner langjaͤhrigen Erfahrungen und Beob⸗ achtungen vor: die reine weiße Nuͤbe iſt die zucker— reichſte und beſte; die dunkelrothe die ſchlechteſte; die vielen Spielarten von Ruͤben, werden in dem Verhaͤlt— niß zuckerarm, als ſie ſich von der weißen entfernen. Der Ruͤbenbau im Großen hat Schwierigkeiten, der Acker muß rein, fruchtbar und tief gearbeitet ſein. Die Arbeiten haͤufen ſich, daher ein Theil der Ruͤben aus Pflanzen, der andere aus dem Saamen gezogen werden muß. Die Pflanzen werden nach dem Marqueur geſteckt; die Laͤngereihen haben 22 Zoll, die Querreihen 15 Zoll Entfernung. Die Kerne werden in aufgepfluͤgte Ruͤcken, welche 24 Zoll von einander entfernt ſind, 12 Zoll aus⸗ einander gelegt. Die Punkte auf dem Ruͤcken, wohin die Kerne gelegt werden ſollen, werden durch eine Walze mar⸗ quirt, auf welcher erhabene Rippen, 12 Zoll aus⸗ einander befeſtigt ſind. Die gepflanzten Ruͤben bewach⸗ ſen mehr auf der Oberflaͤche, die aus dem Kern ge— zogenen gehen tiefer in die Erbe. Das Behaͤufeln der Ruͤben iſt nicht rathſam, da viele zarte Theile dadurch verletzt oder beſchuͤttet wer⸗ den, das Lockern mit der Hacke iſt vorzuziehen. Die Reinigung des Bodens von Unkraut iſt bald ſchwierig bald leicht, daher die Koſten bald hoch bald geringe ſind; eine gewünſchte genauere Angabe uͤber den Koſtenpunkt kann fuͤr jetzt nicht gegeben werden, und bleibt zur kuͤnftigjaͤhrigen Verſammlung vorbehalten. Herr v. Koppy geht uͤber zur Fabrikation des Zuckers und der von ihm beobachteten Methode, und wird erſucht, ſeine Erfahrungen in einer ſchriftlichen 27 Abhandlung zu den Akten zu geben, worauf hiermit verwieſen wird; auch uͤbergiebt Herr v. Koppy ein Pro memoria*) die Intereſſen der inlaͤndiſchen Zuckerfabrikation aus Runkelruͤben.**) Herr Amtsrath Gumprecht giebt ſchriftlich eine ſehr kurze geſchichtliche Ueberſicht der Entſtehung der Zuckerfabrikation aus Runkelruͤben, und verweiſt dabei auf das bekannte Werk von Krauſe; und giebt dann ferner Nachricht vom Beſtehen eines Vereines auf Ak⸗ tien zur Fabrikation des Runkelruͤben-Zuckers bei Strie⸗ gau in Schleſien, von welchem Herr ꝛc. Gumprecht Vorſteher iſt. Die groͤßte Schwierigkeit des Beſtehens einer Fa— brik liegt in Herbeiſchaffung genuͤgenden Materiales. Die Striegauer Fabrik iſt auf 50,000 Centner Ruͤben *) Iſt angedruckt. **) Herr Freiherr von Koppy giebt darin zu erkennen: daß die bisherige Fabrikationsart nicht fortbeſtehen koͤnne, indem durch ſie zu viel Kalk mit dem Zuckerſtoff verbun⸗ den, derſelbe daher weniger ſuͤßend und der Syrup faſt gaͤnzlich unbrauchbar werde, auch ſo viel thieriſche Kohle erforderlich ſei, daß ſie zuletzt nicht mehr werde beſchafft werden koͤnnen. Zugleich geht derſelbe auf die Beſteue⸗ rung uͤber, und giebt zu erkennen, daß in der jetzigen Lage eine Auflegung von Steuer alle Unternehmungen der Art auf der Stelle vernichten wuͤrde, wohl aber koͤnnten ſie eine milde Steuer ertragen, wenn die Regierung den indiſchen Zucker hoͤher beſteuerte,— etwa wie in Oeſter⸗ reich oder noch etwas mehr— und dadurch der inlaͤndi⸗ ſchen Fabrikation mehr Schutz gewaͤhrte. Auch giebt der⸗ ſelbe Nachweis uͤber den Gang, welchen die Runkenruͤ⸗ benzucker⸗Fabrik zu Krayn, von ihrem Anfang an bis jetzt genommen, wo ſie ſich vorzuͤglich nur noch mit An⸗ bau des Saamens der beſten Zuckerruͤbe befaßt. Herr ꝛc. Koppy iſt zur Ablaſſung deſſelben gern bereit, wenn nur die Beſtellungen zeitig bei ihm eingehen. 28 berechnet, und liefern 2 derſelben die durch Aktien be⸗ theiligten Landwirthe, welche die Ruͤckſtaͤnde zuruͤcker⸗ 1 halten; X werden gekauft. Die Reſultate ſind bis jetzt nicht erfreulich, die erſte Campagne lieſerte bei der Macerations-Methode 1 ½ Procent Zucker; die zweite Campagne bei der alten Reibe⸗ und Preß⸗Methode 5 ½ Procent Zucker; die Reſultate der dritten Campagne ſind zu erwarten. Der Geldertrag, Gewinn oder Verluſt ergiebt ſich hieraus von ſelbſt, Da die Wiſſenſchaft bis jetzt das beſſere Verfahren noch nicht feſtgeſtellt hat, ſind viele Verſuche und Um— bauten erforderlich geweſen, wodurch das Anlagekapi— tal ſehr bedeutend geworden iſt. Das Ganze der Fa⸗ brikation liegt noch ſehr in der Kindheit und warnt Herr ꝛc. Gumprecht vor Anlage einer Fabrik ohne ge— nuͤgende Kenntniß und genuͤgendes Kapital, Die Verſammlung iſt einſtimmig, daß der Ver⸗ kauf von Rohzucker oder noch beſſer von Syrup, wenn letzterer in großen Quantitaͤten abſetzbar waͤre, der loh⸗ nendſte ſein wuͤrde. Herr Ritter Freiherr v. Rieſe giebt Nachricht uͤber die in Boͤhmen beſtehenden Fabriken. Es werden darin beide Methoden, die alte Reibe- und Preß-Me— thode und das Maceriren angewendet. In neuerer Zeit hat die Fabrikation einen neuen Aufſchwung durch Errichtung der Raffinir-Fabrik des Herrn Richter erhalten, welche eine Central⸗Fabrik bildet, wohin ſaͤmmtliche von den einzelnen Ruͤbenbau— ern producirten Syrupe geliefert werden, um zu Zuk— ker verarbeitet zu werden. Die einzelnen Syrupfabri⸗ ken ſtehen unter Aufſicht des Herrn Richter, der ih— nen die mehr oder mindere Guͤte ihrer Syrupe anzeigt, 29 und das Preisverhaͤltniß darnach feſtſtellt, und verſpricht dieſe Einrichtung ein fuͤr alle Theile lohnendes Ge⸗ deihen. Der Bau der Ruͤben iſt zarter Natur, erfordert einen reinen, reichen Boden, der Ertrag iſt ſehr ab⸗ weichend, bei richtiger Behandlung 200 Centner vom Morgen, aber auch 10 Centner bei mangelhafter. In Luzernſtoppeln gebaut iſt der ſicherſte Ertrag beſter Qualitaͤt zu erwarten; 150 Morgen werden auf der Herrſchaft des ꝛc. von Rieſen in friſchem Duͤn⸗ ger gebaut, wodurch die Anſicht: daß in friſchem Duͤn⸗ ger gebaute Ruͤben nicht kriſtalliſationsfaͤhigen Syrup liefern, berichtigt wird. Endlich erbittet ſich noch Herr Baron von Koppy das Wort um ſich uͤber die Nachtheile der vorſeiend ſollenden Beſteuerung der Runkelruͤben-Zuckerfabrikation in Preußen auszuſprechen; der Vorſitzende bemerkt da⸗ gegen: der angegebene Stoff ſei kein Gegenſtand der hier einer weitern Eroͤrterung unterworfen werden koͤnnte, indeß ſcheine er ihm auch derſelben nicht zu beduͤrfen. Der Staat wiſſe ſehr wohl, daß vor der Hand die Runkelruͤben⸗Zuckerfabrikation keinen ſonderlichen Ge— winn abwerfe, und die Unternehmer eine ſehr bedeutende Steuer, haͤufig aus dem Vermoͤgen, nicht blos aus der Rente, zum allgemeinen Beſten durch den bisher noch immer ſehr geringen Ertrag lieferten, und werde daher, ſo lange dieſer Zuſtand andauere, gewiß auch noch nicht an Beſteuerung denken. Schritte aber das Gewerbe ſo vor, daß es von ſeinem Anlage⸗ und Betriebs⸗Kapital einen entſprechenden Zins empfange, ſo ſei kein Grund vorhanden, daſſelbe den allgemeinen Staatslaſten zu entzie⸗ hen; koͤnne ſolches aber im Verlauf vielleicht von 10 Jah⸗ ren dieſen Zuſtand nicht erreichen, ſo ſei noch weniger Grund vorhanden einen beſondern Staatsſchutz in An⸗ 30 ſpruch zu nehmen; es ſei dann am beſten ſolches ganz fallen zu laſſen. Die Verſammlung erklaͤrte ſich mit dieſer Anſicht ganz einverſtanden, weshalb jede weitere Ausfuͤhrung unterblieb. 4 Da die zugemeſſene Zeit abgelaufen iſt, erklaͤrt der Vorſitzende, Herr Regierungs⸗Direktor Dr. Gebel die Sitzung fuͤr geſchloſſen, ſpricht ſeinen Dank aus, fuͤr die rege Theilnahme und den Eifer, welcher allgemein ſo freiſinnig zur Verbreitung von nuͤtzlichen Kenntniſ⸗ ſen, den verhandelten Gegenſtaͤnden geſchenkt worden iſt, und aͤußert ſein Bedauern, daß aus Mangel an Zeit nicht auch die Bierbrauerei in Eroͤrterung gezogen werden koͤnne. Schließlich zeigte Hr. ꝛc. Gebel noch an: daß auf vielfaches Verlangen die ſo wichtigen Verhand⸗ lungen der techniſchen Abtheilung ſofort dem Druck uͤbergeben werden wuͤrden, und daß deßhalb ein Bogen ausliege, auf welchem die Anzahl der Abdruͤcke zu be⸗ ſtimmen, welche Jeder verlange. Auch erſucht er noch— mals etwaige Anſichten, welche zur Vervollſtaͤndigung der verhandelten Gegenſtaͤnde dienen koͤnnen, nachtraͤg— lich ſchriftlich an ihn einzuſenden. Hierauf wurde dem ꝛc. Gebel ſehr freundlich der ſchmeichelhafteſte Dank fuͤr die Fuͤhrung ſeines Amtes ausgeſprochen, und durch den allgemeinen innigen Ausruf: Es lebe der Koͤnig! die Verſammlung geſchloſſen. Gebel. Pequilhen. Nachſchrift. Noch iſt zu bemerken: daß nach dem Schluß der Sitzung der Vorſtand in Begleitnng mehrerer Herren Mitglieder einen vom Kupferſchmied Schenke aufge⸗ ſtellten verbeſſerten Piſtoriusſchen Apparat beſichtigten, uͤber welchen Folgendes zu bemerken: Der Apparat war mit vorzuͤglichem Fleiß und Auf⸗ merkſamkeit gearbeitet; die Blaſen ſtanden uͤbereinander, und das Ganze hatte die Geſtalt eines großen Zilinders. Der Dampfkeſſel beſaß die Eigenthuͤmlichkeit, daß un— ter ihm noch 2 Siedroͤhre, welche mit ihm in Ver⸗ bindung ſtanden, ſich befanden, um die Siedflaͤche zu vermehren.*) Ferner hatten die Haͤhne den großen Vor⸗ zug, daß ſie ſo eingerichtet waren, daß der Dampf ſie beſtaͤndig zudruͤckte, wodurch die ſo unangenehme Nicht⸗ dichtung vermieden wird. Indeß muß auch bei dieſem Apparat die ſchon fruͤher gemachte Erinnerung wieder⸗ holt werden: daß ſeine Einrichtung kleine vorkommende Fehler ſehr ſchwierig wird entdecken, und noch ſchwie⸗ riger beheben laſſen. Die angebracht ſein ſollende Ver⸗ beſſerung: daß die eindringenden Daͤmpfe ſchlangenartig in einem durchloͤcherten Rohre der Maiſche ſich mitthei— len, wird nicht Stich halten, weil, wenn irgend ein— mal in der Roͤhre ſehr verduͤnnte Luft entſteht, die Maiſche durch die Loͤcher eindringt, ſolche verſtopft, und eine unangenehme Unterbrechung verurſacht. Gebel. *) Es wird zwar dadurch Feuermaterial erſpart, da ſich in⸗ indeß dieſe Roͤhren zeitig mit Waſſerſtein anfuͤllen, und nicht leicht gereinigt werden koͤnnen, ſo werden ſie zei— tig ſchadhaft. In der Abtheilung, welcher die Verhandlungen uͤber die Zuckerfabrikation zugewieſen worden iſt, wurde der Wunſch ausgeſprochen, daß ich mein in der Verſamm⸗ lung muͤndlich beſchriebenes Verfahren bei der Fabrika⸗ tion des Zuckers zu gegenwaͤrtiger Abhandlung ſchrift⸗ lich angeben moͤchte, ich wuͤrde es um ſo lieber thun, wenn hier Zeit und Raum genug vorhanden waͤre, es der Art nieder zu legen, daß es jedem und auch dem, der danach zu arbeiten wuͤnſchte, von Nutzen ſein koͤnnte, doch dies ſcheint mir des Raumes wegen un⸗- moͤglich, ich kann mich hier nur wie in der Verſamm⸗ lung, wo es ebenſo an Zeit gebrach, auf die aͤußer⸗ ſten Umriſſe einlaſſen, bin aber ſehr geneigt, jedem genauere Auskunft zu ertheilen, der es der Muͤhe werth haͤlt, ſich mit mir in Verbindung zu ſetzen, und wuͤrde ſogar geneigt ſein, im Zuſammentritt mit Maͤn⸗ nern, die ſich dazu eignen, eine Art von Reviſions⸗ Fabrik bei mir zu errichten. Was hier uͤber mein Ver⸗ fahren zu ſagen moͤglich ſein moͤchte, wuͤrde ſich auf Nachſtehendes beſchraͤnken muͤſſen. Mein Verfahren beruht auf der richtigen Anwen⸗ dung der Schwefelſaͤure im verduͤnnten Zuſtande, die ſo den Zuckerſtoff, wie man irrig der Meinung war, zu zerſetzen nicht geeignet iſt, wie ich darzuthun im Stande bin. 5 Die Schwefelſaͤure wird einmal bis zweimal 24 Stunden mit dem rohen Safte in Verbindung gelaſ⸗ ſen, aber niemals uͤber 60 Stunden, dann wird ſie mit genau darauf berechneten Quantitaͤten von Kreide und Kalk vom Saft geſchieden, ſo daß keine Spur ———— —„„———, 3³ weder von Saͤure noch Kalk im Saft verbleibt, ſich aber wohl darin etwas Gyps gebildet hat, der aber leicht daraus zu entfernen iſt, und bliebe etwas darin vorhanden, ſich nicht ſo nachtheilig wie der Kalk zeigt. Soweit die Achartſche Methode, in ihrer Ma⸗ nipulation, aber ſehr vereinfacht, keine Saͤurungs⸗ töͤpfe und dergleichen. Nachdem nun der Saft gerei⸗ nigt und geklaͤrt iſt, wird er uͤber thieriſche Kohle, wozu ſehr wenig und gegen die neue Methode ein ſehr unbedeutendes Quantum erforderlich iſt, eingedeckt, der Saft wird dann auf die Sedimentir⸗Tonne gebracht, und dann, wenn er die thieriſche Kohle und den Gyps⸗ niederſchlag abgeſetzt hat, aus Zuckerkeſſeln, wie alle andern Zuckerarten auf Formen gebracht, wo, wenn der erſte Syrup abgelaufen iſt, derſelbe weiter gedeckt und in weißen Rohzucker umgeſchaffen werden kann, aber auch als gelber, ſehr wohlſchmeckender, ſogenann⸗ ter Farin⸗ oder Mehlzucker in den Handel kommen kann. Hierbei habe ich noch zu bemerken: daß dieſer gelbe Farin bei den Deſtillateurs beſonders beliebt war, auch als Geſundheitszucker ſehr geſucht wurde. Daß dieſer gelbe Farin, ſo wie alle vorköommenden Zuckerſorten, in ihren verſchiedenen Farbenarten durch die Operation des Raffinirens leicht zu jedem Grade der Weiße und der Feinheit gebracht werden kann, waͤre wohl zu er⸗ waͤhnen nicht erſt nothwendig, jedoch bemerke ich, daß es bei mir ſelbſt, in der Raffinerie zu Breslau, und neuerdings in der zu Brieg geſchehen iſt. Potsdam, den 30. September 1839. Freiherr von Koppy. Noch i*ſt einer intereſſanten Erſcheinung zu erwaͤhnen, welche Herr Dr. Denker aus Mecklenburg an eini⸗ gen Kartoffelſtauden erzeugte. Von einem Theil war zu⸗ faͤlig der Saamen in Moos gekommen, und ſich dort voͤllig uͤberlaſſen worden; ein andrer Theil war mit Heexel beim Einlegen in den Boden ſtatt Duͤnger um⸗ geben; beide Einlegungsarten hatten einen vorzuͤglich hohen Ertrag gewaͤhrt, ſo daß ſie weitere Verſuche be⸗ beſonders verdienen, indem die erſte Art fuͤr arme Leute, und wo uͤberhaupt Duͤngermangel vorhanden, von den erſprieslichſten Folgen werden kann. e Auch iſt noch anzuzeigen: daß Herr Oekonom Schwarz aus Fulda drei Schriften: I. Anweiſung fuͤr von mir beſonders beauftragte Ku⸗ pferarbeiter zur Anfertigung meiner Dampſ⸗Maiſch⸗ Deſtillir-Apparate. Fulda bei Muͤller, 1838. II. Anweiſung zur Anfertigung meiner Dampf⸗Maiſch⸗ Deſtillir-Apparate, ſo wie meiner Dampf⸗Brannk⸗ weindeſtillir⸗Apparate ꝛc. ꝛc. Erlaͤutert durch fuͤnf lithographirte Tafeln. Fulda, 1839. III. Maiſch⸗ und Gaͤhrverfahren. Eine Anweiſung fuͤr Branntweinbrennerei⸗Beſitzer u. ſ. w. Fulda bei Muͤller, 1839. Gebel. Farbkarte 13 Splungen Abtheilung mmlung „Andwirthe sdam. n beſonders herausgegeben in Regierungs⸗Direktor ter oͤkonomiſchen/ und aften Mitgliede. Zeit zu begreifen: daß das ut ſei, auf welches der Nie⸗ chſte gleichen Anſpruch beſitzen, nige ſeinem Vaterlande wahr⸗ die Wege bahnt, die zu groͤ⸗ hren. ——„4., ,— v r, rl Engelhard Opit. 9. 3 Farbkarte 13 e Slungen Abtheilung mmlung „Andwirthe sdam. i beſonders herausgegeben in Regierungs⸗Direktor ter oͤkonomiſchen/ unb aften Mitgliede. Zeit zu begreifen: daß das ut ſei, auf welches der Nie⸗ chſte gleichen Anſpruch beſitzen, nige ſeinem Vaterlande wahr⸗ die Wege bahnt, die zu groͤ⸗ hren. ——.—— r r, rl Engelhard Opit. 9.