o—yyrꝛꝛygzöürõa 8 Ueber den gegenwaͤrtigen Stand Merinos-Schaak-Zucht einer kurzen Ueberſicht der Einfuͤhrung und Verbreitung derſelben, beſonders im noͤrdlichen Europa. Nebſt Einer kurzen Darstellung des gegenwärtigen Ganges des Woll⸗Handels. Von J. Ph. Wagner. Berlin, bei Duncker und Humblot. — 1835. ) 1 ℳ —— Ueber den gegenwaͤrtigen Stand der Merinos-Schaak-Zucht, mit einer kurzen Ueberſicht der Einfuͤhrung und Verbreitung derſelben, beſonders im noͤrdlichen Europa. Nebſt einer kurzen Darstellung des gegen⸗ wärtigen GSanges des Woll⸗Handels. Berlin, bei Duncker und Humblot. 1835. ————— 4—— ———— 3 1 1 8 1 8* 3 8 8 4 Inhalt. Die Einfuͤhrung und Verbreitung der Merinos in Europa...... Schriften uͤber Merinos⸗Schaafzucht ſeit 1800 bis 181ñ.....„.„...„ Anfang meiner Schaaf⸗ Sortieung. Beſchaffenheit mehrerer der vorzüglichſten Mörd⸗ deutſchen Merinos⸗ und veredelten Heerden, welche jetzt noch vorhanden ſind, aus dem Zeit⸗ raum von 1817 bis 18 0,,,, Einige Bemerkungen uͤber andere Merinos⸗ Staͤmme außerhalb der Koͤnigl. Preuß. Monarchie Meine allmaͤhligen Erfahrungen in der Schaaf⸗ zuchhtwthttt.... Scheiften uͤber Merinos⸗Zucht ſeit 1820 bis 1827 Meine weiteren Erfahrungen...... Einiges uͤber den Ankauf fuͤr Oſtpreußen.. Schriften uͤber Schaafzucht ſeit 1827 bis 1834 Die nunmehrigen Grundſaͤtze und Erfahrungen uͤber Raſſen, Woll⸗Art und Leitung der Zucht Die nunmcehrigen Grundſaͤtze und Erfahkungen uͤber die Ernaͤhrung.... Ueber die aͤußeren Einrichtungen tiner Schaͤferei Ueber die Beſtimmung der Paarung...... Die bekannteſten Merinos⸗Schaͤfereien im noͤrd⸗ lichen Deutſchland................. Ueber die moͤgliche Verſchwindung der Merinos⸗ und hochveredelten Schaafe.... Ueber die Bedingungen der Vergleichung des Werth⸗ Eriengss derſhtedener Schaaf⸗Arten und Raſſennny„. Seite 1 8 9 1² 75 ———— ——j ——— IV Seike XVIII. Ertrags⸗Vergleichung zwiſchen hoch⸗ und mittel⸗ maͤßig veredelten Schaafen.... ·....... 103 XIX. Weitere Ausſichten fuͤr die Vortheile der Meri⸗ nos⸗Schaaf⸗Zucht.............. 107 XX. Bedingungen der beſten Nutzung einer Merinos⸗ Heerde.................... 109 XXI. Ohngefaͤhres Verhalten der Merinos⸗Wollzucht in Europa.................... 112 XXII. Ohngefaͤhres Verhaͤltniß der im Koͤnigreich Preu⸗ ßen erzielten Wollgattungen aller Art.... 113 XXIII. Ueber die Grundlagen der Wollpreiſe.... 113 XXIV. Vorgaͤnge vor den Woll⸗Maͤrkten von 1834.. 119 XXV. Zu Markt gebrachte Wolle im Jahr 1834.. 122 XXVI. Durchſchnitt der Woll⸗Preiſe von 18384 123 XXVII. Vorfaͤlle nach den Woll-Maͤrkten von 1834. 123 XXVIII. Einige Bemerkungen uͤber die jetzigen Klaſſen der Käufer................... 125 XXIX. Ausſichten auf das naͤchſte Schur-Jahr 126 —4 Süte I ittel⸗ . 103 3 J. Die Einfuͤhrung und Verbreitung der Merinos in Europa. Da erſte Einfuührung der Merinos, von welcher wir beſtimmte Nachrichten haben, geſchah bekanntlich im ſechszehnten Jahrhundert unter dem Cardinal imenes in Spanien. Ob diejenigen Schaafe auch Merinos geweſen ſein moͤgen, welche ſchon einige Jahrhunderte fruͤher, im Jahr 1356 unter Peter IV. von Arragonien nach der allge⸗ meinen Peſt, die damals Europa verheerte, aus England herbeigeholt wurden, iſt wohl zu bezweifeln. Das Geſchichtliche der Weiterverbreitung und des ſpaͤteren Zuſtandes der ſpaniſchen Merinos⸗Schaafzucht findet man in den befriedigendſten Nachrichten daruͤber in Volkmann's Reiſen in Spanien, und zum Theil in folgenden, in's Deutſche uͤberſetzten Schriften von Puente, Pluer, Dillon, Caranille, Bourgoing, Townſend, de la Borde, ferner in Randels neuerer Staaten⸗Kunde; Ehr⸗ manns neueſter Erdkunde; Spanien, wie es iſt, und Spanien und die Spanier. Die weitere Verbreitung der Merinos von Spanien aus in die uͤbrigen europaͤiſchen Laͤnder nahm erſt mit dem achtzehnten Jahrhundert ihren Anfang. 1 2 I. Die Einfuͤhrung und Verbreitung Die Englaͤnder verſorgten ſich zwar im Jahr 1450 im Gegenſatz mit 3000 Stuͤck aus Spanien, allein es iſt, wie ſchon erwaͤhnt, die Frage, ob ſchon damals Merinos in Spanien vorhanden waren. Auch laͤßt das Daſein einer verbeſſerten Art gemeiner Wolle am Nieder— rhein, namentlich in dem Fuͤrſtenthum Neuwied, auf die fruͤhere Einfuͤhrung einer verbeſſerten auslaͤndiſchen Raſſe ſchließen. Auch Sachſen und Schleſien beſaßen vor der Einfuͤhrung der Merinos beſſere, als die gewoͤhnlichen Schaafe. Selbſt Koͤnig Friedrich II. verſah die letztge⸗ nannte Provinz noch im Jahr 1748 mit beſſeren Staͤm⸗ men. Allein dies waren immer noch keine Merinos. Die erſte Verpflanzung derſelben von Spanien aus geſchah im Jahr 1743 nach Schweden; 1763 nach Oeſtreich; 1765 kamen die erſten 200 Stuͤck nach Sachſen als ein Geſchenk Koͤnig Carls III. von Spanien an den ſaͤchſiſchen Hof zur Wiederaufhuͤlfe des erſchoͤpften Staats; 1766 legte Daubenton ehen verſchiedenen Schaafarten aus Rouſillon, England, Marocco und Tibet, auch einen Stamm Merinos zu Montbard, Buͤffons Landgut, an; 1775 kam ein Stamm Merinos nach Mercopail in Ungern; 1776 kamen 200 Stuͤck nach Frankreich zur Vertheilung unter mehrere Privatbeſitzer; 1778 kamen die letzten 200 Schaafe und 200 Staͤhre nach Sachſen; 1786 kamen 367 Stuͤck beiderlei Geſchlechts nach Frank⸗ reich, auf die Domaͤne Ramboulllet; 1786 kam ein kleiner Stamm nach Wuͤrtemberg; 1450 in es amals zt das Neder⸗ auf de Naſſe dor der nlichen etztge⸗ Staͤm⸗ 8. n aus ls ein n den pften gfarten „auch uffons noerr; rilung taͤhre tank⸗ — der Merinos in Europa. 3 1786 kamen 200 Schaafe und 100 Staͤhre kurz vor Koͤnig Friedrichs Tode nach Preußen; 1788 kam ein kleiner Stamm nach Anſpach; 1793 kam ein Stamm nach Piemont; 1797 kamen 300 Stuͤck nach Daͤnemark auf die Domaͤne Eſſerum; 1802 kamen 1200 Stuͤck fuͤr 36 Gutsherren nach Preu⸗ ßen, durch die Beſorgung des jetzigen Ober— praͤſidenten, Herrn Freiherrn von Vincke Exzellenz;(1804—1805 wurden gegen 5000 langwollige Schaafe aus der Moldau nach Suͤdpreußen eingefuͤhrt.) 1804 zog ein Baron von Muͤller 2500 Stuͤck Merinos auf ſeine Guͤter in der Gegend von Odeſſa. 1807 kamen die erſten Merinos-Staͤhre in das Groß⸗ herzogthum Weimar aus den Koͤnigl. Saͤchſiſchen und Fuͤrſtl. Lichtenſteinſchen Heerden; 1815— 1816 wurde zu Frankenfelde bei Wrietzen a. O. aus verſchiedenen franzoͤſiſchen Staͤmmen die Koͤ— nigliche Stammſchaͤferei angelegt; ſie betrug damals 1083 Koͤpfe beiderlei Geſchlechts. 1823 wurden mehrere 1000 Stuͤck, unter andern aus den Fuͤrſt-Lichnowskiſchen Heerden nach Rußland, theils fuͤr Rechnung der Krone, theils fuͤr Rech⸗ nung von Privaten, ausgefuͤhrt; 1823 legte ein Herr von Saloz aus der Schweiz eine Merinos⸗Heerde und zugleich eine Schaͤfer⸗Schule in der Krimm anz 1827 zaͤhlte dieſe Heerde gegen 8000 Stuͤck; 1824 kamen vermittelſt Koͤniglicher Unterſtuͤtzung uͤber 1825 10,000 Stuͤck aus den Marken, Schleſien und Sachſen nach Oſtpreußen; 1827 wurden die Herzogl. Anh. Coͤthenſchen Beſitzungen 1* 4 I. Die Einfuͤhrung und Verbreitung in Podolien und Neu-Rußland mit Merinos⸗ Staͤmmen beſetzt, welche ſich gegenwaͤrtig auf 12,000 Stuͤck belaufen ſollen. Ob alle ſeit 130 Jahren aus Spanien bezogenen Merinos von urſpruͤnglich echtem Stamme geweſen ſein moͤgen, iſt ſehr zu bezweifeln. Der Cardinal Kimenes verordnete die Vertheilung der Staͤhre im Lande umher zur Verbeſſerung der eingebornen Raſſen. Die Spanier haben daher eben ſowohl ihre Amerinados, als wir unſere Veredelten. Gleicher Weiſe koͤnnen diejenigen Merinos, welche in der neueren Zeit aus Frankreich nach dem Norden gewandert ſind, aus durchkreuzten Staͤmmen in Frankreich herruͤhren, eben ſo wie Schaafe aus Sachſen, Preußen und Oeſtreich, wenn ſie nur Merinos⸗Wolle tragen, als ſolche weiter verpflanzt werden. Daran iſt nun auch bei der ſo leichten Umformung des Schaaf⸗Geſchlechts nicht viel gelegen, wenn nur die Bedingung erfuͤllt wird, daß diejenige Wollart, welche wir unter den vorhandenen ſuchen, unveraͤnderlich fort— gepflanzt werden kann, was alſo ein gewiſſes Alter der grundſaͤtzlich veredelten Generationen vorausſetzt. Zudem koͤnnen wir nicht wiſſen, was fuͤr eine Varietaͤt die ur⸗ ſpruͤnglichen Merinos in großen Heerden durchſchnittlich getragen haben moͤgen. Daß aber die fuͤr Sachſen unter den Merinos in Spanien getroffene Auswahl das Vorzuͤglichſte aus alten Staͤmmen enthalten haben muͤſſe, was nur zu finden geweſen ſein mag, beweiſet die Zuverlaͤſſigkeit ihrer Fortpflanzung unter ſich und auf fremden Raſſen. Von der Wolle der zuerſt in Sachſen eingefuͤhrten Merinos ſind keine Proben mehr vorhanden. Kurz nach der erſten Einfuͤhrung der Merinos in — —/—,—=— inos⸗ auf genen ſein menes umher panier wir nigen reich uzten haafe e nur funzt nung t die elche fort⸗ et der udem eur⸗ ttlich hſen wahl aben eiſet und rten 3 in der Merinos in Europa. 5 Sachſen und anderwaͤrts, konnte es noch keine beſonde— ren Abſichten oder ſogenannte Tendenzen in der Merinos— Zucht geben. Die Vorzuͤge dieſer Wolle vor der ein— heimiſchen waren ſo einleuchtend, und die hoͤheren Preiſe derſelben ſo uͤberzeugend, daß man ſich mit dem bloßen Beſitz der Schaafe begnuͤgte, ohne ſich in eine Kritik uͤber ihre eigenen Unterſcheidungen einzulaſſen. Die Lo⸗ ſung war nur Raſſe, ohne Prinzipien der Zucht. Hatte eine Generation im Laufe der Veredlung nur das Aeußere des Koͤrpers und der Wolle erreicht, ſo wurde ſie auch ſchon, wie es auch anfaͤnglich nicht anders ſein konnte, zur Fortpflanzung fuͤr tauglich erklaͤrt. Geſchlechtsregiſter fuͤr die Schaafzucht waren noch nicht erfunden. Die Generationen wurden oft nach der Anzahl der Jahre von der erſten Veredlung an gezaͤhlt, und Niemand konnte es ſo leicht einfallen, bei der Wahl eines Zucht-Staͤhres auf zwei Exemplare zu ſtoßen, welche um 4 Generatio— nen von einander verſchieden waren. Haͤtte die churfuͤrſtl. ſaͤchſ. Regierung die ſpaniſchen Staͤmme lange Zeit hin nicht unvermiſcht zuſammenhalten laſſen, ſo waͤre viel— leicht keine Spur mehr im Norden davon vorhanden. Eben ſo wenig, wie die Leitung der Zucht, ſtand auch die Haltung der Neulinge auf feſten Grundlagen. Die Folgen davon waren: ſchwierige Aufzucht, langwie— rige Gemiſchtheit der Heerden und oͤfteres Verſchwinden angeſchaffter Staͤmme. Die Haltung der Heerden war im Allgemeinen nacha laͤſſig. Die Schaafe bekamen bald zu viel, bald zu wenig, bald ungeſunde Nahrung. Die an ſich ſo ſehr gemiſchte Wolle wuchs noch dazu unregelmaͤßig, und wurde mit Unreinigkeiten aller Art belaſtet. Die Waͤſche verdiente oft kaum den Namen, das b — — —— —jj——— 6 I. Die Einfuͤhrung und Verbreitung Abſcheeren war nur ein Kruͤtzen, und ſo war die ganze Darſtellung der Wolle als Waare aͤußerſt ſchlecht. Endlich weckten die verſchiedenen Wollpreiſe zwiſchen Heerden von ohngefaͤhr gleichem Schlage die Aufmerk⸗ ſamkeit der Beſitzer. Zunaͤchſt befliß man ſich einer reinlicheren Herſtellung der Wolle. Man ſorgte fuͤr ge⸗ hoͤrige Streue und Waͤſche, fuͤr die Reinhaltung der Scheerplaͤtze, und fuͤr die Erhaltung des Zuſammenhangs des Vließes beim Scheeren und Verpacken. Allein, all' dies Beſtreben nach Verbeſſerungen fand in den wirth— ſchaftlichen Einrichtungen, in oͤrtlichen Beſchaffenheiten, in der Gewohnheit und Traͤgheit der Leute und ſelbſt in Vorurtheilen der Beſitzer ſehr große Hinderniſſe. So ſchuͤtzte die Einrichtung der Raufen nicht vor dem Ein— ſtreuen des Futters; die gewoͤhnliche Weiſe zu waſchen ließ nicht allenthalben die Waͤſche gleich gut gelingen; zum Abſcheeren der Merinos⸗Wolle fehlte es an paſſen⸗ deren Inſtrumenten. Alle dieſe Urſachen zuſammen ge⸗ nommen ließen das beſſere Verfahren nur langſam vor⸗ ſchreiten. Daher denn ſo große Verſchiedenheiten der Marktpreiſe zwiſchen aͤhnlichen Partien, indem es dem Fabrikanten einen Unterſchied macht, ob die Wolle unter ſeinen Haͤnden noch 20 oder 50 Procent bei der letzten Reinigung verliert.— Zuletzt konnte es aber nicht fehlen, daß aͤußer⸗ lich gleichbeſchaffene Partien von ohngefaͤhr gleicher Quantitaͤt dennoch zu bedeutend verſchiedenem Werthe ge— ſchaͤtzt wurden. Der Grund davon lag in der Verſchie⸗ denheit der Natur der Wolle ſelbſt. Die Beſitzer trachteten nun mehr nach hoͤherer Fein⸗ heit der Wolle und Ausgleichung der Vließe. Dieſes Beſtreben mußte aber um ſo oͤfterer miß— lingen, je weniger noch die Erfahrungen vom Gange der ——— der Merinos in Europa. 7 Veredlung und die ſubtileren Kenntniſſe von den Eigen— ſchaften eines Zuchtſtammes bekannt waren. Nur ſo viel hatte man bald davon eingeſehen, daß die Um— wandlung einer Raſſe keinen mathematiſchen Stufen— gang verfolge, daß die Vermehrung der vaͤterlichen Eigenſchaften an der Nachzucht, oder die Verminderung der muͤtterlichen ſich nicht verhielte wie gerade ½, ½,, ſondern daß die Natur Vor⸗ und Ruͤckſpruͤnge mache, und zuletzt das maͤnnliche Geſchlecht doch die Oberhand behalte. Die Ausfuhr deutſcher Merinos-Wolle nach Eng— land betrug im Jahr 1814 drei und eine halbe Million Pfund Wolle, waͤhrend aus Spanien und Portu— gal neun Millionen Pfund in England eingefuͤhrt wurden. 8 II. Schriften uͤber Merinos⸗Schaafzucht. & II. Schriften uͤber Merinos⸗Schaafzucht ſeit 1800 bis 1817. Diezenigen Schriften, welche bis zum Jahr 1817 uͤber Schaaf⸗ und Wollzucht bekannt waren, beſtehen in fol⸗ genden nach ihrer ohngefaͤhren Zeitfolge: 1) uͤber Schagfzucht im Allgemeinen: 1750. Haſtfer, 1816. v. Angyalffi, 1760. Daubenton, Loſſius, 1796. Fink, Ober⸗Amt⸗ Hubert, mann, Ryß, 1802. Pictet, Schmalz Erfah⸗ 1802. Laſteyrie, rungen, 1802. Teſſiers, Eine in Magdeburg 1804. Culley, ohne Namen des Ver⸗ 1809. Friebe, faſſers uͤber Schaaf⸗ 1811. Staatsrath Thaer, Raſſen und Haltung 1815. Petri, erſchienene Schrift 1816. Rudolph André, war leſenswerth. 2) Ipber Wolle insbeſondere: 1809. Koͤhler, 1816. R. André, eben⸗ 1811. St. R. Thaer in falls in dem zuvor dem oben angefuͤhr⸗ erwaͤhnten Werke ten Werke, deſſelben. 1812. Sturm, ber ol⸗ III. Anfang meiner Schaaf Sortirung. 9 III. Anfang meiner Schaaf⸗Sortirung. In den zuvor angegebenen Schriften war aber noch Nichts uͤber die Art und Weiſe des Wachſens der Wolle, und nur ſehr Weniges uͤber den Einfluß der Nahrung nach Art und Menge, uͤber die aͤußeren Einwirkungen, beſonders der Temperatur, uͤber den Einfluß des Wach⸗ ſens des Koͤrpers, des Zeugens und Gebaͤrens, der Krankheiten und der Erſchoͤpfung der Kraͤfte auf die Wolle enthalten. Woruͤber man aber hauptſaͤchlich noch im Dunkeln ſchwebte, betraf die Wahl der tauglichſten Merinos⸗Wollart ſelbſt, abgeſehen von einem be— ſtimmten Feinheits⸗Grade. Es waren zwar die Zuchter auf den Maͤrkten mit Fehlern und Maͤngeln der Wolle allmaͤhlich bekannt geworden. Dies waren aber blos verneinende Bedingungen. Es fehlte noch immer an der Beſtimmung der poſitiven Unterſcheidungs⸗Merk⸗ male derjenigen Wollart, welche der Fabrikation am beſten zuſage, ohne Ruͤckſicht auf zufaͤllige Beſchaffenheiten der— ſelben. Natuͤrlich mußte es denn auch der Mehrheit der Zuͤchter an der noͤthigen Erfahrung fehlen, wie die zu beſtimmende Wollart zu gewinnen und fortzupflanzen, zugleich aber auch, in wie weit ſie mit Vortheil zu er— zielen ſei. Endlich fehlten zur gegenſeitigen Verſtaͤndi— gung genauere Zergliederungen der Eigenſchaften der 10 III. Anfang meiner Schaaf⸗Sortirung. Wolle im Allgemeinen, und der Merinos-Wolle insbe⸗ ſondere, als man bis dahin kannte. Als ich mich im Jahr 1816 entſchloß, die Muſte⸗ rung der Schaaf⸗Heerden zum Zweck ihrer Verbeſſerung zu meinem Berufsgeſchaͤft zu machen, fand ich die erſte Gelegenheit dazu bei dem Herrn Staatsrath Thaer auf Moͤglin und zu Frankenfelde in der Koͤniglichen Stamm⸗ Schaͤferei. Mit der Schaaf⸗ und Wollzucht gaͤnzlich unbekannt, und ohne alle Anleitung daruͤber konnte ich mich nur an diejenige Kenntniß halten, welche ich von den Eigen— ſchaften der Wolle im gewaſchenen Zuſtande hatte. Das naͤchſte Haupt⸗Augenmerk, welches ich mir da⸗ mals noch bei der Unterſuchung der Heerden vorſetzen konnte, war die Aufhebung ihrer Ungleichartigkeit. Zu dem Ende wurden die Schaafe nach Verſchiedenheit der Feinheits-Grade der Wolle, ſo weit ſich dieſe erkennen ließen, unter Beruͤckſichtigung der Gleichartigkeit der Vließe, in Klaſſen gebracht. Die Anzahl der Wollſortimente im Handel war nicht allenthalben gleich, folglich auch ihre Benennungen ſehr relativ. Waͤre dies aber auch nicht der Fall ge⸗ weſen, ſo konnte doch fuͤr die Zucht keine groͤßere An⸗ zahl von Schaafklaſſen, als 4, in Anwendung gebracht werden, wenn ſich eine jede derſelben von der andern nach feſten Merkmalen noch unterſcheiden ſollte. Bei einem gleichartigeren Vließe entſchied die mehr ſich annaͤhernde oder entfernende Beſchaffenheit der aͤußerſten Theile uͤber die erſte und zweite Klaſſe, und bei ungleichartigeren Vkießen beſtimmte das Vorhanden⸗ oder Nichtvorhanden⸗ ſein einer gleichartigen Wolle auf der vorderen Haͤlfte des Koͤrpers die dritte oder vierte Klaſſe. III. Anfang meiner Schaaf⸗Sortirung. 11 Bei dieſem Verfahren wurde wenigſtens ſo viel er— reicht, daß im Durchſchnitt das Beſſere erkannt und leichter erhalten wurde. Behaͤlt man die vorgedachten Unterſcheidungs⸗Merkmale im Auge, ſo laͤßt ſich leicht denken, daß in jede Klaſſe bei der ſo geringen Anzahl derſelben eine unendliche Menge von Verſchiedenheiten unter den Individuen fallen mußten, die ſich immer wieder in beſſere und ſchlechtere bis auf die zwei letzten Stuͤcke ſondern ließen, von denen keines dem andern gleich war. Daher die Verſchiedenheit zwiſchen gleich— namigen Klaſſen in mehreren Schaͤfereien, die von Man— chen gar nicht begriffen werden konnte. Zudem kam z. B. die verſchiedene Laͤnge der Wolle noch gar nicht in Beruͤckſichtigung, außer bei den Zuchtſtaͤhren. 12 IV. Beſchaffenheit mehrerer norddeutſchen IV. Beſchaffenheit mehrerer der vorzuͤglichſten norddeutſchen Merinos— und veredelten Heerden, welche jetzt noch vorhanden ſind, aus dem Zeitraum von 1817 bis 1822. Im gewaſchenen Zuſtande. Nach dem Gewicht in. Abtheilungen. Im Ite 2te Zte 4te 5te Jahr ſſſ Moͤglin. 1817— 334. 368. 473. 505. 210— Abfall. 1818— 319. 355. 456. 485. 131— ⸗ Die damaligen Preiſe der Wolle waren ohngefaͤhr: ruͤckſichtlich 190. 160. 130. 90. 60 Rthlr. fuͤr —— den Etr. Jahr lte 2te 3te 4te 5te Abthl. Frankenfelde. 1817. 742. 1170. 645. 312 ½. 360 7 Pfd. Unter dieſer aus 7 verſchiedenen franzoͤſiſchen Me— rinos⸗Staͤmmen zuſammengeſetzten Heerde war an keine Einheit der Wolle zu denken. Selbſt die einzel— nen Staͤmme beſaßen ſie nicht. Unter den mit Chante— en Merinos⸗ und veredelten Heerden. 13 loup bezeichneten herrſchte meiſtens noch eine gemeine Veredlung mit grober Lenden⸗Wolle. Unter dem Namen Murat befanden ſich ſchwach gehaltene Schaafe mit muͤrber Wolle. Uebrigens hatten Viele darunter Aehnlichkeit mit feinwolligen ſaͤchſiſchen. Unter denen aus Ramboulllet gab es nur einige Wenige mit ausgezeichnet ſchoͤner Wolle. Die meiſten aber trugen eine mittelmaͤßig feine, harte und nach den Enden zu, ſchlechte Wolle. Die von Malmaiſon zeigten die groͤßte Gleichfoͤr⸗ migkeit im Haar, damals bei einer etwas mehr als gewoͤhnlichen Laͤnge. Die Zeit der letzten Schur war nicht bekannt. Unter Laferté fand ſich die hoͤchſte Feinheit; die unter Dailly aber hatten nicht nur ſehr feine Wolle, ſondern auch das ausgeglichenſte Vließ. Die ſo bekannt gewordenen Moncey's ſtanden in hoher Veredlung; ſie hatten zwar eine zarte, aber noch mehr flach gebogene, und dabei ungleichhaarige Wolle, welche ſich auch ſowohl in Frankenfelde, als anderwaͤrts wieder verloren hat. Von ſaͤmmtlichen Staͤhren waren die wenigſten tauglich. Alle dieſe verſchiedenen Staͤmmchen aber waren mit Wolle gut beſetzt. Das damalige Wollgewicht von 3* Pfd. auf das Stuͤck konnte indeſſen, wegen der Un— beſtimmtheit der letzten Schurzeit und bei einer faſt zu ſtarken Ernaͤhrung, von welcher viel Schweißfett zuruͤck— blieb, uͤber den Woll-Ertrag nicht entſcheiden. Derſelbe hat ſich im Durchſchnitt genommen erſt in der Folge als vortheilhaft bewaͤhrt. In ſolchen Staaten, welche noch Schaafe einfuͤh— ren oder weiter verſetzen wollen, wuͤrden die Directionen 14 IIV. Beſchaffenheit mehrerer norddeutſchen wohl thun, die kuͤnftigen Staͤmme nicht nach den oͤrt⸗ lichen Abtheilungen fortzufuͤhren, ſondern ſogleich das Beſſere aus dieſen herauszuheben, und mit den dazu paſſenden Staͤhren, entweder insgeſammt, oder in weni— gen nach der Natur der Wolle geſchiedenen Abtheilungen abgeſondert und, wie die ſaͤchſiſchen Stammheerden, un— vermiſcht zu erhalten zu ſuchen. Zuſtand mehrerer Heerden vom Jahr 1818. Nach der Stuͤckzahl. Ite 2te 3te 4te Abtheilung. Schleſien.—— Polſchildern. 100. 200. 200. 54. Stafheerde Auf den Vor⸗ ſaͤchſ. Urſpr. werken.. 1000.— Pantenau. 1257. 2169. 1572. 250. Nach dem Wollgewicht. Weſtpreußen. Subkau: ein Theil.⸗ 572 ⅞. 712. 474 ½. 432 ¼. Abfall 231 u. Abtheil. 1. 2. 3. 4. gering. Qualit. 5—— Belſchwitz. 125.219. 240. 248. 449. 372. 848 u. Nach der Stuͤckzahl unmittelbar nach der Schur. — y Finkenſtein. 180.384. 618. 239. 289. 181 9. Ite 2te 3te 4te Abtheilung. Nach der Stuͤckzahl. Pommern. Plathe. 6. 79. 484. 640. Kniphof. 37. 622. 620. 28. en oͤrt⸗ h das dazu weni⸗ lungen un⸗ it. Schleſien. Ober⸗ Merinos⸗ und veredelten Heerden. 15 Ite 2te Zte 4te Abthl. gid bau. 290. 876. 1475. 1457. Groͤbing und 111. 305. 408. 224. Caſimir. Zobten— bei Loͤwen⸗ 87. 175. 328. 120. berg. Schoͤnwalde Nach dem Wollgewicht. Abtheil. 1. 2. 3. 4. Abfall. Reſewitz. 127. 150. 178. 44— 84 Stein. Blumen. 65. 92. 191. 155— Pfd. mit Ausſchl. der Staͤhrwolle. 1819. Abtheil 1. 2. 3. 4. Nach der Stuͤckzahl. In der Mark. Schoͤnhauſen Hannover. bei Tanger⸗ muͤnde. Beide Guͤter. Neuharden⸗„ herg⸗ 15. 201. 580. 371. Hardenberg 182. 546. 908. 529. 267. 646. 600. 209. 1 1 a 1 1 6 1 3 ——————— ——————.———RNMʒ)ͤ:Wk³ NRxgpvpm¼BpPPpfnpßêztztkhuzz.·— —— 16 IV. Beſchaffenheit mehrerer norddeutſchen 1820. Abtheilung I. 2. 3. Großherz. Mecklenburg⸗ Schwerin. * Nach dem Gewicht in Centner. Ivenack, Wolle von 3 Schuren. 1607. 2756. 3577. 73. Nach der Stuͤckzahl. Herzbeg 107. 545. 784. 422. Kittendorf 84. 320. 463. 143. Gülz„ 106. 249. 239. 6. Wolde.. 80. 376. 781. 875. Gr. Herz. Meck⸗ lenburg⸗Strelitz. Koötelowm 201. 477. 240. 32. Luͤbbersdorf 133. 293, 265. 73. 1821. Abtheilung 1. 2. 3. 4. Litthauen. Nach der Stuͤckzahl. Blumberg„„. f 132. 287. 163.— Steinort: mit 400 Stuͤck aus franzoͤſiſchen Staͤmmen, welche zuſammen bleiben und zum kuͤnftigen Hauptſtamm die⸗ nen ſollten. Merinos⸗ und veredelten Heerden. 17 lie 2te Zte 4te Abtheil. — ͦ— ͦ——Oℳ— Auf 20 anderen Guͤ⸗ tern in Litthauen fanden ſich ins— geſammt.. 1284. 3552. 4432. 4204. Oſtpreußen. Auf 16 verſchiedenen Guͤtern fanden ſich insgeſammt. 593. 1947. 3586. 2616. 182ö2. Weſtpreußen. Auf 33 verſchiedenen Guͤtern fanden ſich: ſ 823. 2159. 3203. 1710 . nebſt 431— öte Abtheil. 18 V. Einige Bemerkungen uͤber andere Merinos⸗ g V. Einige Bemerkungen uͤber andere Merinos⸗ Staͤmme außerhalb der Koͤnigl. Preuß. Monarchie. So war alſo um die Zeit von 1817 bis 1822 der Zuſtand der Schaaf-Veredlung im noͤrdlichen Deutſch— land außerhalb Sachſen. Der groͤßere Theil der ver⸗ edelten Schaafe fiel in die beiden unterſten Abtheilungen, folglich auch unter den jedesmaligen Durchſchnittspreis der Marktpreiſe. Das ſuͤdliche Europa hatte damals in der Merinos— Zucht und Veredlung keine Vorſpruͤnge vor dem noͤrd— lichen. In Frankreich, der Schweiz und Italien zeich⸗ neten ſich nur einige wenige Staͤmme aus. Nur in Oeſtreich machten die Kaiſerlichen und Erzherzoglichen Heerden, in Ungarn mehrere anſehnliche, darunter auch die Stammheerden der groͤßeſten europaͤiſchen Schaͤfereien, die des Fuͤrſten von Eſterhazy, in Maͤhren und Oeſtreichiſch— Sfhleſien aber faſt alle Heerden ruͤhmliche Ausnahmen. Hieher gehoͤren auch die Großherzoglich-Badenſchen, von welchen ein Stamm auf einer Koͤnigl. Bairiſchen Do⸗ maͤne in Schleſien ſtand. Diejenigen von den aͤlteſten Saͤchſiſch-ſpaniſchen, welche ſich ſchon immer ausgezeichnet hatten, waren außer den Koͤniglichen Stammheerden die zu Klipp— hauſen, Dahlen, Boͤrlen, Schloß Rochsburg, Gersdorf, — Staͤmme außerhalb d. K. P. Monarchie. 19 Machern, Dreiſchkau, Ehrenberg, ohne etwa andere hie— her gehoͤrigen ausſchließen zu wollen. Wolle und Schaafe hat Schreiber dieſes ſeit dem Jahre 1812 ſelbſt kennen lernen. „Viele derſelben kamen in ihrer Wollart ſchon ziem— rino⸗ lich uͤberein. So mußten z. B. nach Rochsburg Staͤhre uß von Klipphauſen gekommen ſein. Allen aber fehlte da⸗ mals diejenige Uebereinſtimmung in der Wolle, welche in der neueren Zeit allen Merinos- und hochveredelten Heerden zu geben moͤglich geworden iſt. Eine jede Heerde hatte ihre beſonderen Eigenthuͤmlichkeiten. Man merkte der Nuͤancen, die noch keinen Namen hatten. Die Unter— utſch⸗ ſchiede im Koͤrperbau fielen mehr ins Auge. Doch theil⸗ er⸗ ten ſie ſchon den Vorzug mit einander, daß ſich ſelten ungen, noch ein Stuͤck mit Haut-Wuͤlſten fand. preis inos⸗ noͤrd⸗ zeich⸗ ur in glichen auch ereien, ſchiſh⸗ ahmen. 7, von Do⸗ . ——.—— —̃4—QOQL—Q—ͤ —— ———— ſchen, waren Klipp⸗ dorf, —;—— 2* — — . — ⁹ 20 VI. Meine allmaͤhligen Erfahrungen VI. Meine allmaͤhligen Erfahrungen in der Schaafzucht. Der nothwendigen Veraͤnderung der Wolle jun⸗ ger Schaafe mit dem Wachsthum des Koͤrpers wurde ich nach Verlauf eines Jahres inne, nachdem ich in Frankenfelde die vorzuͤglichſten Jaͤhrlings-Staͤhre fuͤr einige Herrſchaften in Schleſien um vieles Geld erſtan— den hatte, und ſie im naͤchſten Jahre faſt allenthalben fuͤr unfaͤhig erklaͤren mußte. Niemand wußte es damals beſſer. Einer dieſer Staͤhre koſtete uͤber 100 Thaler. Die Anzeichen der Laͤmmer zu ermitteln war ſchwieriger, noch mehr aber die Entdeckung der Urſachen des ſo oͤfteren Fehlſchlagens der Paarung in dem Aeußeren der Zuchtthiere, wenn nichts Geſchichtliches von denſelben vorhanden war. Um die Laͤmmer bald nach der Geburt beurtheilen zu lernen, verſah ich ſolche, welche irgend eine Auszeich— nung an ſich trugen, mit beſonderen Zeichen, und unter— ſuchte ſie das Jahr darauf. Und ſo gelangte ich ſchon fruͤhzeitig zu Wahrzeichen am Lamm, als man noch lange nachher die Moͤglichkeit in Zweifel zog, mit einiger Wahr— ſcheinlichkeit die kuͤnftige Artung deſſelben vorherbeſtim⸗ men zu koͤnnen. Schwieriger aber blieb die Entdeckung der Urſachen fehlgeſchlagener Paarungen, in ſo weit ſie aus der jun⸗ wurde ich in re füͤr erſtan⸗ halben amals er. war ſachen in dem htliches rtheilen uszeich⸗ d unter⸗ hſchon hlange Wahr⸗ beſtim⸗ rſachen ſie aus in der Schaafzucht. 21 dem Aeußeren der Bedeckung mit Wolle entnommen wer⸗ den konnte. Abgeſehen vom Alter einer Raſſe treibt auch haͤufig die Natur ihr Spiel. Unwiderlegbare und oft ſehr auffallende Beweiſe dafuͤr liefert uns jedes Zwillings⸗Paar. Schreiber dieſes iſt ſogar, aber nur einmal, das eine Zwillings-Lamm mit ſchlichten groben, und das andere mit kurz gelockten Haͤrchen vorgekom— men. In der Regel aber lag die Schuld am Stamm— Paare, und in den meiſten Faͤllen auf der maͤnnlichen Seite. Nicht lange nachher, als ich angefangen hatte, mich mit der Muſterung der Schaafheerden abzugeben, folg— ten Beſitzer und Nichtbeſitzer meinem Beiſpiel. Es wur— den in Zucht und Haltung verſchiedene Anſichten ge⸗ bracht, oder vorkommende Erſcheinungen verſchiedentlich ausgelegt. Daher fand ich nach Verlauf einiger Jahre zur Erhaltung des bis dahin genoſſenen Zutrauens fuͤr noͤthig, dem landwirthſchaftlichen Publikum meine Er— fahrungen und gewonnenen Anſichten, ſo weit ſie bis dahin reichten, oͤffentlich mitzutheilen, in meinen„Bei— traͤgen zur Kenntniß der Wolle und Schaafe.“ So duͤrftig auch der Inhalt derſelben noch war, ſo verbrei— teten ſie ſich doch uͤber Gegenſtaͤnde der Woll-Zucht und Woll-Anwendung, die bis dahin wenig oder noch gar nicht zur Sprache gebracht waren. Dieſe Schrift er— langte den Beifall des competenteſten Richters damaliger Zeit. Ein Rezenſent aber achtete ſie kaum einer Er— waͤhnung werth. Was von ſeinem Urtheil zu halten ſei, bewies eine Behauptung deſſelben drei Jahre ſpaͤter, nach welcher es zwei Haupt-Merinos-Wollarten gaͤbe, die eine, welche von unten auf wuͤchſe, und den auf die Haut gefallnen Staub mit ſich in die Hoͤhe naͤhme, die andere, welche von obenher anſetzte, und als Beweis den — —— — —— —— —— — —— 22 VII. Neuere Schriften uͤber Merinos⸗Zucht. Staub auf der Haut liegen ließe. Seit der Erſcheinung dieſer erwaͤhnten Fiebel fing aber Mancher uͤber Schaaf— zucht und Wolle zu ſchreiben an, der wohl ohne ſie noch eine Zeitlang gewartet haͤtte. VII. Schriften uͤber Merinos-Zucht ſeit 1820 bis 1827. Kurz nach der Erſcheinung meiner Beitraͤge und ſpaͤter⸗ hin bis zum Jahr 1827 kamen uͤber Schaafzucht und Wolle folgende Schriften zum Vorſchein: 1820. Lucock, aus dem Engliſchen uͤberſetzt. Ihr In⸗ halt reicht bis 1806. Das Original koͤnnte aber vielleicht ſpaͤter erſchienen ſein, indem der ver— ſtorbene Staatsrath Thaer deſſelben mit keiner Silbe erwaͤhnt. 1823. Perrault de Jotemps, Baron. 1823. Korth. 1823. Die Verhandlungen des Leipziger Woll⸗Convents. 1823— 1824. Freiherr von Ehrenfels. 1825. Schmalz. 1826. Koppe. — von Schuͤtz. — Roͤver, Elsner. Abhandlungen uͤber Wolle und Schaafzucht waͤhrend dieſer Periode in den Moͤgliner Annalen und den oͤkon omiſchen Neuigkeiten. nnung haaf⸗ noch vents. hrend den VIII. Meine weiteren Erfahrungen. 23 VIII. Meine weiteren Erfahrungen. Noch war nicht ermittelt, wie man den Fehlern des aͤußeren Wuchſes, des Verknotens und Zwirnens der Wolle, ſo weit es etwa noch in der Raſſe laͤge, ferner begegnen koͤnne, indem die Wahl dichter beſetzter Zucht⸗ thiere allein dieſe Hinderniſſe der Anwendung nicht zu heben vermochte. Eben ſo wenig war unter den verſchiedenen Meri⸗ nos⸗Wollarten diejenige feſtgeſtellt, welche der Fabrika⸗ tion und zugleich der Zucht am meiſten zuſage, indem auch bei der wuͤnſchenswertheſten Feinheit und aller uͤbri⸗ gen untadelhaften Beſchaffenheit dennoch in der Natur der Wolle zu weſentliche Unterſchiede uͤbrig blieben, welche der einen Art vor der andern Vorzuͤge gewaͤhr⸗ ten, ohne daß die Elementar-Verhaͤltniſſe davon bekannt waren. Endlich war man im Allgemeinen damit noch gaͤnz⸗ lich unbekannt, wie jede beſondere Art der Nahrungs⸗ mittel in einer taͤglichen beſtimmten Menge auf diet Wolle wirke. Was die naͤhere Unterſuchung der Merinos-Wolle in Ruͤckſicht der aufgeſtellten Forderungen betraf, ſo fand ſich ſchon in den Jahren 1821 und 1822 bei mir die Ueberzeugung, daß nur die Merinos⸗Wolle, deren Laͤngen⸗ Verhaͤltniß bei mittelhohen Bogen ohngefaͤhr wie 1 zu 24 VIII. Meine weiteren Erfahrungen. I* ſteht, diejenige ſei, welche ſowohl der Fabrikation als der Oekonomie der Schaafhaltung am meiſten zuſage, indem ſie jedes Feinheits⸗Grades anderer Merinos⸗Wolle empfaͤnglich ſei, die moͤglichſte Dichtheit auf der Haut zulaſſe, zugleich die erwaͤhnten Fehler des aͤußeren Wuchſes am wenigſten befoͤrdere, vor allen aber unter uͤbrigens gleichen Verhaͤltniſſen die ſanfteſte Elaſtizitaͤt mit ſich fuͤhre. Mein ganzes Beſtreben ging von nun an darauf hin, dieſe Wollart allenthalben, wo ich Heerden zu klaſ⸗ ſifiziren hatte, oder zur Berathung zugezogen wurde, her⸗ vorzuheben und zu empfehlen. Am allerſchwierigſten blieb die Beobachtung des Einfluſſes der verſchiedenen Arten von Nahrungsmitteln in ihrem verſchiedenen Zuſtande auf die Wolle, nachdem mir die Folgen des Mehr oder Weniger ſchon fruͤher kenntlich geworden waren. Bei der gleichzeitigen Mitwirkung ſo vieler inneren und aͤußeren Urſachen auf Koͤrper und Wolle laͤßt ſich jede einzelne um ſo ſchwieriger und ſeltner entdecken, je ſeltner es vorkoͤmmt, daß eine Erſcheinung ſich oͤfter wiederholt, waͤhrend dem alle andern Umſtaͤnde ſich ver⸗ aͤndert haben, eine Bedingung, welche doch ſchlechter⸗ dings erforderlich iſt, wenn auf eine Verbindung zwiſchen Urſache und Wirkung mit einiger Wahrſcheinlichkeit ſoll geſchloſſen werden koͤnnen. Auf ſo viele darauf Bezug habende Faͤlle konnte ich gar keine Ruͤckſicht nehmen, wenn mir entweder nur muthmaßliche oder gar abſicht⸗ lich entſtellte Angaben gemacht wurden. Endlich nach jahrelangem Beſtreben gelangte ich denn doch dahin, auch dieſen Naturgeſetzen ſo weit auf die Spur zu kommen, als zur Lenkung des Unterhalts einer Heerde zur Nothdurft erforderlich iſt. VIII. Meine weiteren Erfahrungen. 25 nals In Betreff der Schaafwaͤſche ſtellte ich die mannich⸗ ncge faltigſten Verſuche an, und fand endlich fuͤr Nothfaͤlle Wle die anwendbarſten Methoden. Kein Handgriff ſelbſt blieb haut mir unbekannt. 1 Die Schaaf-Scheeren ſuchte ich zu verbeſſern. Es 4 iſt nur Schade, daß die zweite verbeſſerte Form, nach ſiitit meiner Angabe, in Deutſchland theurer zu ſtehen koͤmmt, als eine gute engliſche Lichtſcheere im Detail⸗Verkauf. datauf Bei dieſen Scheeren ſind die Scheide-Klingen von den klaſ Buͤgeln abgeſondert, und werden in Knie eingeſchoben, her⸗ welche abwaͤrts im rechten Winkel ſtehen, ſo daß die b Biegung dieſer Schaaf⸗Scheere Aehnlichkeit mit der einer des Kelle hat. Die vielerlei Verſuche und das oͤftere Miß⸗ ütta lingen der Proben haben mir viele Koſten verurſacht. chden Wenn uͤbrigens jede corrupte Abaͤnderung einer Sache uüher eine neue Erfindung heißen ſoll, ſo giebt dieſe Scheere Gelegenheit genug dazu. neren Meine Beſchaͤftigung wuͤrde den Beſitzern der Heer⸗ ſich den nur einen voruͤbergehenden Vortheil, und ſogar beim n, je Verkauf der Wolle nach Schaaf⸗Klaſſen oft einen augen⸗ Pfter blicklichen Nachtheil gebracht haben, wenn ich nicht zu— h ver⸗ gleich anſchauliche Belehrung damit verbunden haͤtte, ſo ichte daß Jedermann mit geſunden Augen und geſundem Ver— ſchen ſtande fuͤr ſich allein in der Zukunft dieſelben Beobach⸗ it ſol tungen anſtellen, und dieſelben Grundſaͤtze nach Erforder⸗ Bezun niß der Umſtaͤnde abgeaͤndert anwenden und befolgen ümen, laſſen konnte. denn Spur derde 26 IX. Einiges uͤber den Ankauf IX. Einiges uͤber den Ankauf fuͤr Oſtpreußen. In dieſe Periode faͤllt naͤmlich die ſo anſehnliche Un— terſtuͤtung, welche Se. Koͤnigl. Majeſtaͤt von Preußen der Provinz Oſtpreußen theils an Schaafen, theils in Gelde zu demſelben Zweck Vorſchußweiſe zukommen ließen. Die Veranlaſſung dazu bewirkte Se. Exzellenz der Herr Geheime⸗Rath und Oberpraͤſident von Schoen. Der wirkliche Ankauf in der Mark, in Schleſien und Sachſen betrug gegen zwoͤlf Tauſend Stuͤck. Es geſchah in den Jahren 1824 und 1825, wo fuͤr ein ge⸗ woͤhnliches Maͤrz⸗Schaaf in Sachſen 10 bis 12 Thlr. bezahlt wurden. Demungeachtet kam der Durchſchnitts⸗ Werth der nach Oſtpreußen gelieferten mit Einſchluß der bedeutenden Unkoſten nicht ſo hoch zu ſtehen. Da mir vom General⸗Bevollmaͤchtigten, dem Herrn Obriſt von Bruͤnneck, ein Theil dieſes Geſchaͤfts uͤber⸗ tragen wurde, ſo iſt es vielleicht manchem Leſer nicht unintereſſant, daruͤber hier eine ausfuͤhrliche Mittheilung zu finden. Im Jahr 1824 kaufte ich und ſuchte aus in der Gegend von Magdeburg zu Groß⸗Wanzleben un— ter 480 Stuͤck 192 zu 7 Thlr; zu Groͤningen unter 125— 100 zu 6 Thlr.; zu Kloſter Groͤningen unter 600— 200 zu 6 Thlr.; zu Etgarsleben unter 150— 41 zu 4 ½ Thlr.; zu Schneitlingen unter 330— 300 zu 52 Thlr.; zu Ermsleben unter 250— 200 zu 6½ Thlr.; =—=e G S S= 2—2— ☛ 2Zn B d—— + ᷣ&☛ GꝘ— fuͤr Oſtpreußen. 27 zu Willerode unter 140— 75 zu 5 Thlr.; zu Giebichen⸗ ſtein unter 517— 168 zu 43¾ Thlr.; in den Herzogthuͤ⸗ mern Anhalt zu Schirau unter 242— 134 zu 74 Thlr.; zu Moſigkau unter 75— 50 zu 7 Thlr.; ebendaſelbſt unter 80— 38 zu 42 Thlr.; zu Maͤrzin unter 80— 41 zu 3 ½ Thlr.; zu Weihſand unter 160— 80 zu 6 Thlr;; unter 80— 21 zu 5 Thlr.; im Lauf 49 zu 6 Thlr; im Koͤnigreich Sachſen zu Frankenhauſen unter 192— 127 zu 3 Thlr.; zu Poſchwitz unter 185— 129 zu 5 ½ Thlr.; zu Kitſchen unter 60— 41 zu 3 Thlr.; zu Bockwitz 10 Stuͤck zu 3 Thlr.; im Jahr 1825 in Schleſien zu Triebelwitz unter 70— 65 zu 2 Thlr. 26 Sgr.; zu Blumen unter 70— 50 zu 6 Thlr.; zu Jacobsdorf aus einem unbeſtimmten Haufen 4 Stuͤck zu 6 Thlr.; zu Gelſchau unter 600 Stuͤck 196 zu 7 Thlr. und 142 zu 6 Thlr.; zu Oberſteinsdorf aus dem Gan— zen 100 Stuͤck zu 7 Thlr.; zu Wenigrachwitz unter 400 Stuͤck 104 zu 722 Thlr.; zu Peterwitz aus einem un— beſtimmten Haufen 94 zu 5 Thlr.; zu Conitz desgleichen 36 Stuͤck zu 7 Thlr.; zu Heinersdorf desgleichen 75 zu 5 Thlr.; zu Petersdorf 54 Stuͤck zu 9 Thlr.; zu Neu⸗ dorf bei Loͤwenberg desgleichen 60 zu 5 ½ Thlr.; in der Gegend von Magdeburg und Halberſtadt: zu Kloſter Burchardi aus einem unbeſtimmten Haufen 100 Stuͤck zu 8 Thlr.; zu Groͤningen desgleichen 125 Stuͤck zu 6 Thlr.; ebendaſelbſt aus 160— 110 zu 7 Thlr.; zu Groß-Alsleben aus einem unbeſtimmten Haufen 104 Stuͤck zu 11 Thlr.; zu Kloſter Groͤningen desgleichen 178 zu 6 Thlr.; zu Groͤningen noch aus 140— 50 Stuͤck zu 9 Thlr.; zu Schneitlingen aus 650— 200 Stuͤck zu 7 Thlr.; im Herzogthum Sachſen zu Skeuditz aus dem Haufen 21 Stuͤck zu 8 Thlr. und 14 Stuͤck zu 8 Thlr.; zu Klein Liebenau desgleichen 144 Stuͤck 28 IX. Einiges uͤber den Ankauf zu 9 ½ Thlr.; zu Skeuditz noch 12 Stuͤck zu 7 Thlr.; zu Pakiſch unter 80— 40 Stuͤck zu 9 Thlr.; zu Frie⸗ dersdorf unter 160— 50 zu 9 Thlr.; ingleichem 12 Stuͤck zu 8 Thlr. Die ganze Stuͤckzahl der Schaafe, welche ich nach. dieſer Auseinanderſetzung zu der fuͤr Oſtpreußen be⸗ ſtimmten Maſſe in Auftrag gekauft hatte, belief ſich auf 4136 Mutterſchaafe, ausgeſucht unter mehr als 6000, zu dem Durchſchnitts⸗Preiſe von 6 Thlr. 13 Sgr. mit Ausſchluß der Unkoſten. Dazu kamen 123 Staͤhre aus folgenden Schaͤfereien: 8 Stuͤck aus Paretz zu 25 Thlr.; 2 aus Weihſand zu 15 ¾ Thlr.; 32 aus Poͤttnitz, ausgeſucht unter 139 Stuͤck, zu 15 Thlr.; 12 aus Rogau zu 27 22 Thlr. im Durchſchnitt; 3 aus Pantenau zu 35 Thlr.; 6 aus Gelſchau zu 20 Thlr.; 16 aus Petersdorf zu 35 Thlr.; ebendaſelbſt noch 9 zu 35 Thlr.; 6 aus Oberſteinsdorf zu 26 ½ Thlr.; 6 aus Osdorf zu 25 Thlr.; noch 13 aus Paretz zu 24 Thlr.; 1 aus Falkenberg zu 20 Thlr.; 1 aus Friedersdorf zu 35 Thlr.; 4 aus Behlendorf zu 15 Thlr.; 4 aus Wollup zu 25 Thlr.; in Allem alſo 123 Staͤhre im Durchſchnitt zu 245 Thlr. Außer den zuvor verzeichneten Ankaͤufen habe ich die Aushebung mehrerer andern durch den Herrn General⸗Bevollmaͤch⸗ tigten erhandelten Partien vollzogen. Die Auswahl dieſer und aller uͤbrigen Schaafe ge⸗ ſchah, ſo viel nur irgend moͤglich, nach den im Vorher⸗ gehenden aufgeſtellten Grundſaͤtzen, die ſich auf Erfah⸗ rung ſtuͤtzten, wenn auch die Wolle in Ruͤckſicht der Feinheit unterſchiedlich ausfiel. Dies ließ ſich bei einem Ankauf ſo großer Maſſen in ſo kurzer Zeit, bei oft ſehr fuͤr Oſtpreußen. 29 beſchraͤnkter disponibler Anzahl, und zu ſo verſchiedenen Preiſen billiger Weiſe nicht anders erwarten. Was daran bei der Uebernahme fehlte, wurde nicht bezahlt. Die Unkoſten konnten bei ſo bedeutenden Maſſen nicht unbedeutend bleiben. Eben ſo wenig waren An— ſteckungen unterwegs zu vermeiden. Viele Stuͤcke kamen daher mit Raͤude oder Blattern an. Auch Klauen⸗-Uebel fand ſich unter ihnen. Die Vertheilung der Schaafe geſchah durch andere Bevollmaͤchtigte. Das Schlimmſte war, daß nicht jedem Haufen ein erfahrner Schaͤfer mitgegeben werden konnte, woran die Provinz Mangel litt, wie zum Theil jetzt noch. Der ſchlechteſte Haufen von ohngefaͤhr 400 Stuͤck, welche von Niemand verlangt wurden, kam endlich mit allem behaftet, was nur ein Schaaf befallen kann, im Schlag- und Schneewetter nach Jaeſchkendorf. Der Beſitzer, Herr Reichs⸗Graf von Finkenſtein, erfreut ſich gegenwaͤrtig aus dieſem Stamme einer der ſchoͤnſten Heerden in der Provinz. Ohngefaͤhr zwei bis drittehalb Jahre nach der Ein— fuͤhrung dieſer Schaafe, fuͤr welche alſo kaum noch die Streue gemacht war, wunderten ſich Schriftſteller, die zugleich Oekonomen waren, daruͤber, daß man in den wirthſchaftlichen Verhaͤltniſſen der Empfaͤnger der Schaafe noch keine Veraͤnderungen bemerken koͤnne. Den Refe— renten konnte es nicht unbekannt geblieben ſein, daß die meiſten der vertheilten Haufen nur 50 bis 200 Stuͤck betrugen. Dergleichen foͤrdert man aber zu Tage, wenn es den Schreibern an gemeinnuͤtzlichem Stoffe fehlt. Die Folgen konnte fuͤr eine im gegenwaͤrtigen Welt— handel ſo iſolirt ſtehende Provinz nicht anders als ſeegensreich ſein. Nicht nur, daß die meiſten Land⸗ 30 X. Neueſte Schriften uͤber Schaafzucht. guͤter ihre Hauptrente aus den Schaͤfereien liefern, ſon⸗ dern die Preiſe der Wolle haben ſich in den letzten Jahren den Marktpreiſen von Breslau und Berlin naͤher geſtellt, als bei der dieſſeitigen Entfernung von den weſtlichen Conſumtions⸗Oertern zu erwarten war. Schriften uͤber Schaafzucht ſeit 1827 bis 1834. Gegen das Ende des Jahres 1827 trug ich meine ſeit 1820 weiter geſammelten Mittheilungen und Erfah⸗ rungen unter dem Titel„Ueber Merinos⸗Schaaf⸗Zucht“ zuſammen. Dieſe Schrift enthielt naͤhere Auseinander— ſetzungen der verſchiedenen Merinos⸗Woll⸗Arten und die genaueſte Auszeichnung der fuͤr Anwendung und Zucht gleich nuͤtzlichſten derſelben, ferner meine Erfahrungen uͤber den Einfluß der Nahrung auf die Merinos⸗Wolle, mit naͤheren Nachrichten uͤber Waſch- und Scheer⸗ Methoden. Von Rezenſenten wurden Zweifel erregt, ob ich wohl ſeit 1820 bis 1827 außerhalb Oſtpreußen haͤtte Erfahrungen ſammeln koͤnnen, woruͤber ich mich wohl nicht zu rechtfertigen habe; auch wurde mir theilweiſe Mangel an Ordnung und Unverſeaͤndlichkeit zugeſchrie⸗ ben. In praktiſchen Faͤchern iſt es fuͤr Unſtudirte ſchwer, gelehrten Anforderungen in jener Beziehung zu genuͤgen. Vor mir hatte es aber noch Niemand verſucht, das Na— turhiſtoriſche mit den techniſchen Forderungen und den ——— den X. Neueſte Schriften uͤber Schaafzucht. 31 Grundſaͤtzen der Zucht und Haltung zu vereinbaren, und nach der Erſcheinung meiner beiden Schriften finde ich in anderen eben keine verbeſſerten Methoden dazu. In Hinſicht auf Verſtaͤndlichkeit will ich nicht in Abrede ſtellen, daß mancher Satz, mancher Ausdruck haͤtte aus— fuͤhrlicher ſein koͤnnen. Indeſſen habe ich doch aus dem Inhalt mehrerer anderen ſeitdem erſchienenen Schriften erſehen, daß man mich doch ſo ziemlich verſtanden hat. Nach 1827 bis Oktober 1834, da ich dieſes ſchreibe, ſind weiter folgende Schriften uͤber Woll- und Schaaf— Zucht erſchienen: „Die Zuͤchtung der Merinos“, bei Unzer in Koͤnigsberg; Benedict, Magdeb., H.; Herrmann, Freiberg, Wagner; v. Ruffin, Muͤnchen, Fin⸗ ſterlin; Frh. v. Puttlitz, Berlin, Nicolai; Petri, Wien, Schaum— burg u. Comp.; von Buttlar, Marburg, Krieger; Leibitzer, Leipzig, Wi⸗ gand; von Hammerſtein, Zelle, Schulb.; Loͤhner, Prag, Calve; Elsner, Berlin, Cosmar; Putſche, Leipzig, Baum— gaͤrtner(Encyclop.); Block, in ſeinem Werk uͤb. Landwirthſchaft;— vorzuͤglich leſenswerth; Weſtphal, Berlin, uͤber Wollſortiren; Schmalz, uͤber Thier⸗Ver⸗ edlung; Schmalz, 1833, Koͤnigs⸗ berg, Gebruͤder Born⸗ traͤger. Von dieſer letzten Schrift hieß es in der Ankuͤndi— gung, trotz ihres geringen Umfangs duͤrfte ſie die vor— zuͤglichſte ſein, welche man bis jetzt uͤber veredelte Schaaf⸗Zucht beſitze. Nach der Vorrede iſt ſie zunaͤchſt fuͤr den Schaͤfer-Unterricht beſtimmt. In dieſer Bezie— 32 X. Neueſte Schriften uͤber Schaafzucht. hung wird ihr der ihr gebuͤhrende Werth nicht abge⸗ ſprochen werden koͤnnen. Um aber auch dem angehen⸗ den Zuͤchter zu genuͤgen, dazu fehlt ihr noch Manches, indem uͤber die nothwendigſten Prinzipien uͤber Schaaf⸗ und Woll⸗Eintheilung, ſo wie uͤber die Erfahrungs⸗Saͤtze uͤber Zucht, Huͤtung und Fuͤtterung kuͤrzer weggeſchritten wird, als der Zweck auch eines kuͤrzeſt gefaßten Lehr⸗ buches erfordert. Auch duͤrfte manche Anſicht des Herrn Verſaſſers nicht getheilt werden. Die naͤchſte Einthei— lung aller vorhandenen Merinos z. B. als die allge⸗ meinſte unterſcheidet zwei Hauptraſſen, die Infantados und Elektorals. Der erſten wird als in der Regel ein klebriger Schweiß und die ſchlechtere Wolle zuge⸗ ſchrieben, mit Ausſchluß der Kraͤftigkeit. Die Infantado⸗ Heerde machte aber nur eine Raſſe der Merinos aus, und da die Leoneſiſche Wolle die vorzuͤglichſte war, wor⸗ unter auch die Infantados gehoͤrten, ſo koͤnnen unter jener Benennung nicht alle Merinos verſtanden werden. Aber auch als Raſſe betrachtet kommen derſelben die oben erwaͤhnten Eigenſchaften weder ausſchließlich noch in der Mehrheit der Individuen zu. Die Veranlaſſung dieſes Irrthums ſtammt noch aus einer Zeit her, da man meiſtens nur veredelte und ſich ſelbſt uͤberlaſſene Heerden vor Augen hatte. Das Gegentheil erweiſet ſich ſo wohl aus dem Ge⸗ ſchichtlichen der erſten ſaͤchſiſchen Merinos⸗Staͤmme, welche zugleich aus der Infantado-Heerde entnommen waren, als aus anderen Staͤmmen in anderen Laͤndern. Alle Merinos⸗Heerden in der Provinz Leon enthielten, was die Wolle betrifft, einen Durchſchnitt deſſen, was bei ſich ſelbſt uͤberlaſſenen Heerden die Natur in ihren Spiel⸗ Raͤumen giebt; auch iſt es nicht erwieſen, daß eine der⸗ ——,————. ge⸗ ſen⸗ hes, aaf⸗ bäͤtze tten Lehr⸗ errn thei⸗ ge⸗ dos ein uge⸗ ado⸗ aus, vor⸗ nter een. die och ſung „da ſſene Ge⸗ welche zaren, Alle was bei piel⸗ der⸗ X. Neueſte Schriften uͤber Schaafzucht. 33 ſelben diejenige Raſſe, welche in kurzen Loͤckchen gebo— ren wird, ausſchließlich beſeſſen habe. Es iſt ferner kein Grund vorhanden, die beſte Me— rinos⸗Wolle nicht auch den Original⸗Raſſen zugeſtehen zu wollen, wenn ſie auch gegenwaͤrtig in Spanien nicht mehr zu finden ſeyn ſollte; denn wir finden ſie außer— halb auf jeder Spiel⸗Art des Koͤrpers. Die Unterſcheidung der Merinos in zwei Haupt— Klaſſen, eine jede mit einem beſonderen Koͤrperbau und zugleich mit einer beſonderen Wollſorte, faͤllt daher gaͤnzlich weg. Es verurſacht nur Verwirruug der Be⸗ griffe, wenn ein Anfaͤnger auf einer beſchriebenen In— fantado⸗Raſſe eine beſchriebene Elektoral-Wolle findet, und ſo umgekehrt. Der fuͤr die Wollzucht am beſten geeignete Koͤrper mit der beſten Wolle iſt aus allen Leoneſiſchen Staͤm— men herauszuheben, und weiter zu verbreiten, wo ſich nur jetzt noch dergleichen finden moͤgen. Die Vorzuͤge der ſaͤchſiſchen Staͤmme lagen nicht in beſonderen Eigenthuͤmlichkeiten beſonders gehaltener Raſſen; denn heute noch finden ſich Spuren koͤrperlicher Abweichungen, die ſie an ſich trugen; ſondern der Grund lag in der Wahl der Individuen. Das Verdienſt der Erhaltung und Verbreitung haben die Nachbarlaͤnder der Krone Sachſen und der Aufmerk— ſamkeit einzelner Beſitzer von Herrſchaften und Guͤtern zu verdanken. Endlich iſt die Eintheilung aller Merinos-Wolle in gedehnte und gedraͤngte, ſobald es ihre Anwendung in der Fabrikation betrifft, unzureichend, indem dieſe weder das zu ſehr Gedehnte noch das zu ſehr Gedraͤngte ver— langt, und ſelbſt die Oekonomie der Merinos-Zucht bei dieſer letzten Forderung am meiſten betheiliget iſt. 3 3 4 34 XI. Die nunmehrigen Grundſaͤtze u. Erfahrungen Dieſe Auseinanderſetzungen werden angehenden Schaaf⸗Zuͤchtern ſchon genuͤgen, um ſich nicht von dem Leſen anderer Schriften uͤber Schaaf⸗ und Wollzucht abhalten zu laſſen, wozu die Ankuͤndigung des Buches wohl verleiten koͤnnte. Denn noch iſt keine davon dem Praktiker entbehr⸗ lich, welcher ſich von Allem genau unterrichten will, am wenigſten diejenigen, deren Verfaſſer ſich die Ernaͤhrung der Schaafe und die Einrichtung einer Schaͤferei im Einklang mit den uͤbrigen Beſtandtheilen einer Landwirth— ſchaft zum Hauptgegenſtand ihrer Unterſuchungen ge⸗ macht haben. Hierher gehoͤren namentlich die Werke von Petri, Koppe und Block. Faſt alle die genannten Schriften weichen in den Angaben des erforderlichen Nahrungs⸗Bedarfs von ein⸗ ander ab. Zur Beurtheilung derſelben werden die An— merkungen dienen, mit welchen die hiernaͤchſt folgende Ueberſicht uͤber die nunmehr in der Schaaf⸗Zucht feſtge⸗ ſtellten Erfahrungen und Grundſaͤtze begleitet ſind. XI. Die nunmehrigen Grundſaͤtze und Erfahrungen uͤber Raſſen, Woll⸗Art und Leitung der Zucht. Nach Vorausſchickung des Vorhergehenden laſſen ſich nunmehr diejenigen Grundſaͤtze und Erfahrungen zuſam⸗ menſtellen, nach denen gegenwaͤrtig die Schaaf⸗Zucht be⸗ trieben wird. nden dem zucht iches lbeht⸗ l, am hrung i im irth⸗ ge⸗ derke n den ein⸗ e An⸗ lgeende fſge⸗ und l⸗Att ſen ſich zuſam⸗ ucht be⸗ uͤber Raſſen, Woll⸗Art und Leitung der Zucht. 35 Die allgemeinſte Eintheilung der europaͤiſchen Schaaf— Arten in Niederungs⸗ oder Marſch-Schaafe, in gemeine Hoͤhen⸗Schaafe und in Merinos rechtfertiget ſich als die natuͤrlichſte, ſowohl durch die Verſchiedenheit des Koͤrpers und der Lebens-Art, als der Wolle, die ſie tragen. Ohne uns bei den koͤrperlichen Unterſcheidungs⸗ Merkmalen dieſer verſchiedenen Schaaf⸗Arten laͤnger auf⸗ zuhalten, wollen wir gleich zu den Unterſcheidungen der— ſelben nach ihren verſchiedenen Woll-Arten uͤbergehen. Unter den in dieſer letzten Hinſicht verſchiedentlich ge— machten Eintheilungs-Verſuchen bleibt folgende Methode die einfachſte oder natuͤrlichſte. Wir haben Schaafe mit ſchlichter und krauſer Wolle. Die ſchlichte theilt ſich in lange und kurze. Die lange ſchlichte wird von Niederungs⸗Schaafen, die kurze ſchlichte von gemeinen Hoͤhenſchaafen getragen. Zu den erſten gehoͤren die Flanderſchen, Texelſchen, Oſtfrieſiſchen, Eider⸗ ſtaͤdtiſchen und aͤhnliche Raſſen. Die gemeinen Hoͤhen— ſchaafe zerfallen ebenfalls wieder nach ihrem Aufenthalt und ihrer Nahrung in von einander abweichende Raſſen. So z. B. das Haidſchucke in der Luͤneburger Haide macht keine beſondere Art, ſondern nur eine Raſſe von Hoͤhenſchaafen aus, deren Wolle ſich untereinander, wenn auch verſchieden, doch aͤhnlich bleibt. Die krauſe Wolle zerfaͤllt in regelmaͤßig und un— regelmaͤßig gekraͤuſelte. Jene gehoͤret ausſchließlich den Merinos an; die unregelmaͤßig gekraͤuſelte aber entſteht theils waͤhrend der Kreuzung maͤnnlicher Merinos mit gemeinen Schaafen, theils durch Fortzucht unvollſtaͤn— dig gebliebener Kreuzungen, theils findet ſie ſich auch bei gemeinen Schaaf⸗Arten, deren Urſprung weiter nicht bekannt iſt. S Noch giebt es von den Marſch-Schaafen hin und 3* 36 XI. Die nunmehrigen Grundſaͤtze u. Erfahrungen wieder eine Raſſe, deren Wolle zwar regelmaͤßige, aber ſehr weitlaͤufige Wellen ſchlaͤgt, und zwiſchen der ganz ſchlichten und der feingekraͤuſelten Merinos-Wolle in der Mitte ſteht. Sie koͤmmt ſelten vor, und hat in der An— wendung keine beſonderen Vorzuͤge, außer daß die Lamm⸗ Wolle derſelben zu Huͤten verbraucht wird. Unter echter Merinos-Wolle wird eine ſolche ver— ſtanden, welche, abgeſehen von ihrer Feinheit, auf einem geſunden, gehoͤrig und gleichmaͤßig genaͤhrten erwachſe— nen Koͤrper am einzelnen Haar regelmaͤßige oder gleich— foͤrmige Windungen oder Bogen zeigt, ſo weit ſie nicht durch aͤußere Eindruͤcke entſtellt ſind, deren Haare ferner in Geſtalt, Laͤnge und Durchmeſſer moͤglichſt uͤberein— ſtimmen, und weder auf den edleren noch unedleren Stellen des Vließes mit fremden vermiſcht ſind. So— genannte Stichel⸗Haare finden ſich indeſſen, wiewohl ſelten und in ſehr geringer Menge, in ganz vortrefflichen Merinos⸗Vließen. Wob ſie ſich aber ſichtbar haͤufig zei⸗ gen, da halte man dergleichen Individuen von der Paa— rung zuruͤck, indem ſie ſich ſehr leicht, wie Unkraut, ver— mehren, in der Fabrikation aͤußerſt hinderlich, und durch die Bearbeitung nur wenig zu entfernen ſind. Jedes Individuum, das die oben beſchriebene Wolle traͤgt, iſt ein Merinos, gleichviel, wie der Koͤrper be— ſchaffen iſt, ob mit oder ohne Hoͤrner, mit groͤßerem oder kleinerem Koder. Nur die uͤbrigen Hautfalten ſtehen unſeren Abſichten im Wege, und deshalb ſind diejenigen unter ihnen zur Fortpflanzung beſonders zu ergreifen, welche ſich darin am wenigſten auszeichnen, wie dies denn auch im noͤrdlichen Deutſchland faſt all— gemein ſchon geſchehen iſt. Dieſe letzten begreift man gegenwaͤrtig unter der beſonderen Benennung Elektoral⸗ uͤber Raſſen, Woll⸗Art und Leitung der Zucht. 37 Schaafe, in ſo fern ſie zugleich die beſte Merinos⸗Wolle tragen. Das Aeußere eines Schaafes entſcheidet nie uͤber die Wolle, ſobald es nicht offenbare Hinderniſſe an Koͤr⸗ per und Wolle zur Schau traͤgt, welche unſeren Abſich⸗ ten im Wege ſtehen, eben ſo wenig, als ein ſtarker Schweißtrieb uͤber die Natur des Schweißes. Die Eintheilung aller Merinos-Wolle darf nicht zunaͤchſt nach Feinheits-Graden, ſondern ſie muß nach ihrer Geſtalt geſchehen. Zur Bezeichnung derſelben nach beſtimmten Groͤßen-Verhaͤltniſſen giebt ſie uns ſelbſt Gelegenheit an die Hand. Wir kennen den Spiel⸗ raum des Laͤngen-Verhaͤltniſſes der Ausſtreckung des Merinos⸗Haares zu ſeiner natuͤrlichen Geſtalt oder Hoͤhe, in der es waͤchſt. Halten wir dieſen Maaßſtab feſt, ſo kann nie ein Mißverſtaͤndniß entſtehen. Man verſteht ſich in der Ferne und auf immer, ſo lange Merinos— Wolle nur noch in Gebrauch bleibt. Daß bei der Merinos-Wolle in ihrer Anwendung zu Tuch das mittle Laͤngen-⸗Verhaͤltniß, welches ſich aus mittelhohen oder Halbkreis-Bogen ergiebt, und ohnge— faͤhr wie 1 zu 1 2½ ſteht, das vorzuͤglichſte ſei, iſt bereits geſagt, und in meiner erwaͤhnten Schrift vom Jahr 1827 ausfuͤhrlich dargethan worden. Iſt die hier beſchriebene beſte Woll-Art gegehen, ſo — behaͤlt bei der Wahl der Zuchtthiere diejenige Bogen- geſtalt den Vorzug, welche den Ausſchnitt einer Kreis⸗ linie ohne Ecken oder andere Abweichungen zeigt, und deren Waͤnde oder Schenkel am meiſten in gleicher Ebene liegen. Man erkennt dies am leichteſten, wenn man ein Merinos⸗Haar ſeitwaͤrts auf eine Spiegelflaͤche legt. Oft ſtehen die Schenkel gegeneinander etwas ſchraͤg. Dies hat zu der Vorſtellung einer Schrauben⸗ 38 XI. Die nunmehrigen Grundſaͤtze u. Erfahrungen form des Merinos⸗Haares Veranlaſſung gegeben, und Schreiber dieſes iſt in der Encyclopaͤdie des Hrn. Putſche namentlich zurecht gewieſen worden. Haͤtte aber der Verfaſſer des Aufſatzes, Herr Heuſinger, die Sache, be⸗ ſonders an hochgebogener Wolle genauer unterſucht, ſo wuͤrde er gefunden haben, daß das Merinos⸗Haar ſich uͤber eine mehr oder weniger convex gedachte Haͤlfte eines Cylinders hin und her ſchlaͤngelt, jede einzelne Biegung oft die Form einer Krempe annimmt, ſich aber nie um die gedachte Axe ſelbſt windet, ſondern auf der— ſelben krummen Flaͤche immer wieder zuruͤckkehrt, gerade ſo, als wenn man uͤber einen Finger einen Faden hin und her ſchlaͤngelt, ohne dieſen um jenen herum zu wickeln. Dieſe Sache iſt nicht ſo gleichguͤltig, als ſie ſcheinen duͤrfte. Denn je weniger ſchraͤg die Schenkel ſtehen, oder je gerader ſie in derſelben Flaͤche liegen, deſto hoͤher iſt in der Regel die Sanftheit der Elaſtizitaͤt, welche bekanntlich nie die abſolut groͤßte Hoͤhe erreichen darf, deren die Woll-Art im Durchſchnitt wohl faͤhig waͤre. Das zunaͤchſt auf die Geſtalt der Bogen folgende Erforderniß iſt ihre Uebereinſtimmung unter ſich von dem einen Ende des einzelnen Haares bis zum an— dern. Da aber dieſe Geſtalt nach der Spitze zu von aͤußeren Eindruͤcken, und auf den uͤbrigen Theilen des Haares von der Nahrung ſo ſehr abhaͤngt, ſo laͤßt ſich ohne weitere Kenntniß der vorhergegangenen Umſtaͤnde von einer Ungleichfoͤrmigkeit nicht ſogleich auf die Un⸗ tauglichkeit des Zuchtthieres ſchließen. Nur verdienen unter uͤbrigens gleichen Verhaͤltniſſen in demſelben Hau⸗ fen diejenigen den Vorzug, deren Bogen bis zur Spitze hin, beſonders, je laͤnger ſie dem Freien ausgeſetzt ge⸗ weſen ſind, die wenigſten Veraͤnderungen zeigen. Hierauf koͤmmt die Uebereinſtimmung aller uͤber Raſſen, Woll⸗Art und Leitung der Zucht. 39 Haare unter ſich in Laͤnge, Durchmeſſer und Geſtalt zur Beruͤckſichtigung. Eine ungleiche Laͤnge iſt bald zu entdecken, und die Gleichheit der Haare im Durchmeſſer haͤngt, dies lehret die Erfahrnng, in der Regel von der Uebereinſtimmung der Form unter allen Haaren ab. Auf dieſe Eigenſchaft laſſen ſich aber Haare in Maſſe, eben ſo wenig durch einen bloßen Blick in die Wolle auf der Haut unterſuchen, ſondern die Haare muͤſſen unter ſich von einander getrennt und einzeln mit einander vergli⸗ chen werden. Jede Ungleichhaarigkeit bringt wieder daſ⸗ ſelbe hervor, und dies in einem um ſo hoͤheren Grade, je mehr der weibliche Theil ebenſo beſchaffen iſt. Wenn der Fabrikant erklaͤrt, eine gemiſchte Wolle ſei ihm lie⸗ ber, ſo darf der Zuͤchter es dennoch nicht dabei bewen⸗ den laſſen. Erſtlich beweiſet ſich der Vorzug einer gleich⸗ artigeren Wolle durch die hoͤheren Preiſe, welche in der Regel dafuͤr bezahlt werden, und dann waͤre auch ohne Gleichartigkeit der Haare keine Verbeſſerung der Zucht moͤglich. Hauptſaͤchlich verdienen der Ruͤcken vom Nak⸗ ken bis zum Schweife ſo wie der Bauch auf dieſe Eigenſchaft unterſucht zu werden. Der Vortheil eines Vließes mit moͤglichſt gleichen Außentheilen ſpringt eher in die Augen. Durch die Unterſuchung der Gleichartigkeit mehrerer Haare auf ein⸗ zelnen Stellen ergiebt ſich auch die Gleichartigkeit der Wolle auf den verſchiedenen Koͤrpertheilen. Bei der ver⸗ ſchiedenen Einrichtung der koͤrperlichen Huͤlle faſt auf jeder Stelle iſt eine gemeſſene Gleichheit aller Theile eines Vließes vernuͤnftiger Weiſe nicht zu erwarten. Soll aber die Nachzucht gelingen, ſo duͤrfen der Hinter⸗ kopf und die Lenden bis auf die Leiſten und die Gelenke keine ſchlichten Haare tragen. Wenn auch alle uͤbrigen Theile frei davon ſind, ſo finden ſich dergleichen doch 40 XI. Die nunmehrigen Grundſaͤtze u. Erfahrungen noch oft am Hinterkopf. Wenn uͤbrigens die Verſchie⸗ denheit der Wolle auf dem Kreuze von der auf den beſſeren Theilen in der Feinheit der Bogen und des Durchmeſſers ohngefaͤhr nur um* differirt, ſo iſt der Zuchtſtaͤhr unter Vorausſetzung der uͤbrigen Erforderniſſe anzunehmen. Die Wolle artet alsdann gut fort. Die⸗ ſes iſt ebenfalls eine gewiſſe Erfahrung. Soll eine Merinos-Zucht ſicher geleitet werden, ſo muͤſſen erſt alle zuvor erwaͤhnten Forderungen befriediget ſein, bevor an die Feinheit gedacht wird. Dieſe ergiebt ſich aber ſo ziemlich ſchon von ſelbſt, wenn das geſunde unbewaffnete Auge nur Gleichheit unter den Haaren entdeckt. Daß dieſe auch fuͤr die In— ſtrumente nie vollkommen gleich ſein werden, dies laͤßt ſich aus anderen Erſcheinungen in der Natur⸗Erzeugung vermuthen. Bei einer jeden uns gleichartig vorkommen⸗ den Wolle aber laͤßt ſich ſchon vorausſetzen, daß ſie mit unter die feinſte gehoͤrt. Eine naͤhere Ueberzeugung davon gewaͤhret uns die Unterſuchung ihrer Geſtalt und ihres Durchmeſſers. Die Diskuſſionen uͤber die Zulaͤſſigkeit der Biegun⸗ gen des Merinos-Haares als Feinheits-Maaßſtab ſchei— nen endlich zum Stillſtande gekommen zu ſein. Auch nicht einen einzigen gegruͤndeten Beweis hat man da— gegen aufbringen koͤnnen. Daß ſie nicht bei allen Ar— ten von Wolle anwendbar gefunden wurden, war natuͤr— lich. Schlechte Wolle hat keine Kraͤuſelungen, das Lammhaar der Merinos ebenfalls nicht. Bei dieſem finden ſich dieſelben erſt nach der erſten Schur. Der veredelten Wolle fehlen die regelmaͤßigen Kraͤuſelungen. Nur an echter Merinos⸗Wolle mit gleichfoͤrmigen Bie⸗ gungen geben dieſe einen Feinheits-Meſſer ab, und zwar ſchon beim Jaͤhrling. Denn bei der naͤchſt darauf fol⸗ uͤber Raſſen, Woll⸗Art und Leitung der Zucht. 41 genden dritten Schur, die Lammſchur mitgerechnet, fin— det man ſchon mit dem vergroͤßerten Wuchſe des Haa⸗ res auch eine Veraͤnderung der Biegungen. Sie zeigen ſich naͤmlich groͤßer, ohngefaͤhr im Verhaͤltniß wie 4 zu 5 auf gleicher Laͤnge, und bleiben nach vollendetem Wachsthum des Koͤrpers ſo ſtehen. Nur eine ſchnellwechſelnde und eine duͤrftige Nah⸗ rung kann die Biegungen des Merinos-Haares, deren es von Natur faͤhig iſt, unterdruͤcken. Aber bei verbeſ— ſerter Nahrung zeigen ſie ſich auch wieder. Dieſe Biegungen dienen alſo nicht bloß zur Beur— theilung der Feinheit der Wolle, ſondern auch zur Beur— theilung der Raſſe und der Haltung. Optiſche Inſtrumente dieſer Art zeigen Sberhandt nur an einzelnen Haaren einzelne Theile. Will man einen Durchſchnitt haben, ſo muß man ein Haar auf mehreren Stellen meſſen, und zur Beurtheilung einer Mehrzahl von Haaren mehrere darunter vornehmen. Einen weit zuverlaͤſſigeren und bequemeren Maaßſtab aber giebt die Beſchaffenheit der Biegungen. Sie zei— gen den Grad der Gleichheit, Feinheit und zum Theil den der ſanften Elaſtizitaͤt zugleich an. Uebrigens iſt in Betreff der Feinheit der Wolle zu bemerken, daß dem Fabrikanten uͤber einen gewiſſen Feinheitsgrad hinaus, z. B. von 26 Bogen an, weit mehr an den uͤbrigen Beſchaffenheiten der Wolle, als an einer hoͤheren Fein— heit gelegen iſt. Hauptſaͤchlich gilt dies die ſanftere Elaſtizitaͤt. Da dieſe aber von der Geſtalt der Wolle und von der Nahrung zugleich abhaͤngt, ſo muß der Eigenthuͤmer ſchon bei der Wahl der Zuchtthiere auf die in gerader Linie ſtehenden Bogen als die erſte natuͤrliche Grundlage der Sanftheit ſehen, indem bei ſo vielen an— 42 XI. Die nunmehrigen Grundſaͤtze u. Erfahrungen deren Einwirkungen auf die Sanftheit oder Sproͤdigkeit der Wolle das Gefuͤhl nicht zuverlaͤſſig genug iſt. Bei der weiteren Eintheilung der Merinos⸗Wolle nach Feinheits⸗Graden laſſen ſich zwei verſchiedene Prin⸗ zipien anwenden. Entweder kann die Scala nach vor⸗ kommenden Seltenheiten, oder ohne dergleichen Ausnah⸗ men bloß nach dem Durchſchnitt entworfen werden, der ſich unter Anwendung der groͤßten Aufmerkſamkeit und der beſten Mittel bei einer Mehrheit ſolcher Heerden er— giebt, und nach welchem ſich fuͤr die Praxis noch eine namhafte Menge von Individuen erzielen laͤßt. Z. B. wir entwerfen einen Maaßſtab von 3 bis 16 Grad Dollond, oder von 40 bis 12 Biegungen herab, und theilen dieſe Abſtufungen in 4 oder mehrere Abtheilun⸗ gen, ſo wuͤrden die aͤußerſten derſelben auf beiden Enden nur Ausnahmen enthalten. Wir haͤtten alſo eine erſte Abtheilung oder mehrere derſelben faſt ohne Gegenſtaͤnde in der Wirklichkeit. Fuͤr die Praxis, beſonders bei der Zucht kommen folgende Abtheilungen mit der Wirklichkeit eher uͤberein, wenn wir die Endpunkte von 6 bis 11 Grad Dollond, oder von 15 bis 30 Biegungen ſetzen, und die Zwiſchen⸗ Abtheilungen, von denen fuͤr die Zuchtleitung noch zwei genuͤgen, nach Verhaͤltniß beſtimmen. Die Begriffe von Vielwolligkeit und Dicht⸗ heit werden oft noch mit einander verwechſelt. Das Gewicht eines Vließes im gereinigten Zuſtande wird be⸗ dingt durch ſeine Groͤße und durch die Laͤnge und Menge der Wollhaare. Dieſe letzte aber fuͤr ſich genommen haͤngt von dem gegenſeitigen naͤheren oder entfernteren, oder, was daſſelbe iſt, von dem dichteren oder duͤnneren Abſtande der Haare auf der Haut ab. Bei der Wahl verdienet das dichter beſetzte Vließ unter uͤbrigens glei⸗ uͤber Raſſen, Woll⸗Art und Leitung der Zucht. 43 chen Umſtaͤnden den Vorzug, indem ein dichterer Haar⸗ ſtand mehr fuͤr Raſſe und Kraͤftigkeit ſpricht, auch fuͤr Koͤrper und Wolle groͤßeren Schutz gewaͤhrt. Der ſchicklichſte Koͤrperbau zur Erzeugung eines nutzbaren Vließes, wenn die Gleichartigkeit moͤg— lichſt erreicht iſt, iſt derjenige, bei welchem zwiſchen der Tiefe des Vorder- und Hintertheils die wenigſte Ver— ſchiedenheit herrſchet. Das letzte Haupterforderniß des Koͤrperbau's iſt Kraͤftigkeit. Schwaͤchlichkeit fuͤhret in der Regel ei— nen duͤnneren Stand der Haare, leichtere Empfaͤnglich— keit fuͤr Krankheiten und weniger Fortpflanzungs- und Lebenskraͤfte mit ſich. Der ſchwaͤchere Bau zeichnet ſich beſonders durch einen ſchaͤrferen Ruͤcken, ſchmaͤleren Wi⸗ derriß, ſchwaͤcheren Hals und ſchmaͤleren Hinterkopf aus. Der ſtaͤrkere Koͤrper zeichnet ſich aus durch das Gegen— theil von dieſem Allen, zugleich aber auch durch eine dichtere und ausgebreitetere Bewachſenheit des Koͤrpers, und insbeſondere durch einen nicht unterbrochenen Woll— Beſatz des Hinterkopfs, an welchem man keine Queer⸗ Furche wahrnimmt. Was die Erkennung der guten Raſſen betrifft, ſo ſind keine anderen Kennzeichen, als die die Beſchaffen— heit der Wolle auf dem Schaaf mit ſich bringt, vorhanden, wenn nicht noch im Folgenden ein ſchwacher Beitrag da— zu koͤmmt. Es iſt naͤmlich der Schein der Wolle nicht ganz zu uͤberſehen, wie er ſich auf dem Koͤrper des Schaafes uns darſtellt. Ueberblickt man oberflaͤchlich eine Heerde, ſo wird das eine Stuͤck ein ſchwaͤrzliches oder geſchwaͤcht ein ſchwaͤrzlich graues Anſehen haben, waͤhrend ein anderes nur gelblich truͤb oder lehm— artig erſcheint. Bei naͤherer Unterſuchung wird man finden, daß in der Regel die beſſere Wolle mit dem er— 44 XI. Die nunmehrigen Grundſaͤtze u. Erfahrungen ſten Schein verbunden iſt. Eine aͤhnliche Erſcheinung finden wir, wenn wir das Vließ auf dem Koͤrper des Schaafes ſcheiteln. Das eine wird ſeine Wolle in einem hellern, das andere in einem truͤberen Scheine zeigen. Iſt nun die Gelegenheit vorbereitet, die Stammpaare nachzuſuchen, ſo wird in der Regel der hellere Schein von einer edleren Mutter herruͤhren. Doch iſt dieſe Art von Beurtheilung nur auf Individuen anwendbar, welche in demſelben Haufen von gleichem Alter ſind, und einer— lei Nahrung und uͤbrige Haltung genoſſen haben. Was Staͤhre insbeſondere anlangt, ſo darf der Mangel an Hoͤrnern kein Hinderniß ihrer Wahl ſein. Nur vermeide man es, Staͤhre zu nehmen, deren Hoͤr⸗ ner keine vollen zweimaligen Windungen, oder gar die erſte noch nicht erreicht haben, wenn ſie erwachſen ſind. Schon ein Jahr nach der Geburt laͤßt ſich die Anlage des Hoͤrnerwuchſes beurtheilen. In Ruͤckſicht der Verbindung zweier Individuen zur Paarung gelten folgende Saͤtze auch fuͤr die Woll⸗ Erzeugung als unumſtoͤßlich: 1) Vom maͤnnlichen Geſchlecht geht Alles aus. Die Vererbung der Wolle deſſelben iſt ſo getreu, daß man abweichende Stellen von 3— 4 Quadrat⸗ Zoll an der Nachzucht auf derſelben Stelle wie⸗ derfindet; 1 2) daß das weibliche Geſchlecht keine Eigenſchaften, folglich auch keine Fehler des maͤnnlichen um⸗ wandelt; 3) daß die Umwandlung ungemeſſene Vor⸗ und Ruͤck⸗ ſchritte macht, aus denen ſich wenig allgemeine Regeln fuͤr die erſten ziehen laſſen; und daß ſie um ſo langſamer von ſtatten geht, je verſchiedener die gegenſeitigen Eigenſchaften ſind; uͤber Raſſen, Woll⸗Art und Leitung der Zucht. 45 4) daß die Vorſchritte der Umwandlung zuletzt die Oberhand behalten, ohne welches keine vollſtaͤn⸗ dige Veredlung moͤglich waͤre. Daraus fließen folgende Zuchtregeln: a) man ge⸗ brauche keinen Staͤhr, welcher irgend einen auffallenden Fehler hat; b) man vereinige nicht einerlei Fehler von beiden Seiten, duͤnn mit duͤnn, lang mit lang, klein mit klein u. ſ. w.; c) man verbinde aber auch nicht zu ſehr entgegengeſetzte Eigenſchaften, zu lang mit zu kurz; ſehr dicht mit ſehr duͤnn; ſondern d) man ver— einige ſo viel wie moͤglich annaͤhernde Eigenſchaften mit einander. Nur ein Punkt, welcher nicht ſo leicht ins Auge faͤllt, kann bei der Wahl der Zuchtthiere nicht genug zur Beruͤckſichtigung empfohlen werden. Er betrifft den gleichmaͤßigen Abſtand der Haare. Daß ein un— gleicher Abſtand das Straͤngen und Zwirnen herbeifuͤhrt, und beſonders bei duͤnnem Stande alle anderen Fehler des Wuchſes in den Spitzen der Haare mit ſich fuͤhret, iſt bekannt. Es neiget ſich aber alle Merinos-Wolle da— hin, auch bei dem dichteſten Stande ſich in Nadeln zu formiren. Man bemerkt dies ſogleich, wenn man die Wolle auf der Haut ſcheitelt. Diejenigen Staͤhre nun, welche den groͤßten Hang zeigen, ihre Wolle ſo zu ge— ſtalten, duͤrfen bei der Einzelpaarung durchaus nicht mit aͤhnlichen Mutterſchaafen verbunden werden, indem alsdann dieſe Richtung der Haare, welche nur in der beſonderen Hautbildung ihren Grund haben kann, im— mer mehr zunimmt. Dergleichen Entdeckungen gewaͤh— ret nur die muͤhſame Leitung der Einzelpaarung. Jene iſt eine der wichtigſten in der Merinos-Schaafzucht. Meine eigene Ueberzeugung davon ſelbſt bei der unbe— deutendſten Neigung der erwaͤhnten Art unter zwei Zucht⸗ 46 XI. Die nunmehrigen Grundſaͤtze u. Erfahrungen thieren habe ich den aufmerkſamen Beobachtungen des Herrn Alſen auf Drewshof bei Elbing, wie ſo manche andere Erfahrung zu verdanken. Indeſſen darf man die Forderungen an Merinos in Betreff des gleichmaͤßigen Abſtandes der Haare nicht auf das Aeußerſte treiben wollen, indem es nur hoͤchſt ſelten Exemplare giebt, in deren Wolle bei der Schei⸗ telung das unbewaffnete Auge keine Zwiſchenraͤume ent⸗ decken koͤnnte. Es koͤmmt alſo hier nur auf das Mehr oder Weniger an, wenn man freie Wahl hat. Die Beurtheilung der Merinos⸗Laͤmmer in Be⸗ zug auf Wolle ſteht im Allgemeinen feſt. Die glatt⸗ gebornen haben den Vorzug, und unter dieſen ſolche, welche ſelbſt am Hinterkopf noch frei von laͤngeren Haaren ſind. Ob die Haut uͤberall gut bewachſen iſt, oder nicht, lehret der Augenſchein durch Vergleichung des einen mit dem andern. Auf demſelben Wege findet man auch das feinere und dichter beſetzte. Ein genauer Beobachter kann ſelbſt aus der Art, wie dieſe Loͤckchen gewunden ſind, wenn er ſich daruͤber etwas anmerkt, durch Ver⸗ gleichung mit der Jaͤhrlings-Wolle deſſelben Schaafes, im Voraus manche Beſchaffenheit der kuͤnftigen Wolle erkennen lernen, ſo z. B. das kuͤnftige Knoten aus der ſeſteren Windung des Loͤckchens auf dem Lamm. In— deſſen laſſen ſich keine allgemeine feſte Regeln zu der⸗ gleichen genauen Unterſuchungen angeben. Das kuͤnftig ſtaͤrkere Schaaf unterſcheidet ſich vom ſchwaͤcheren, abgeſehen von der Groͤße, durch breiteren Widerriß und Ruͤckgrat, ſo wie durch einen ſtaͤrkeren Hals und Kopf, durch einen ununterbrochenen Haar— beſatz am Hinterkopf und durch gerade Beine. Bei der Auszeichnung der Laͤmmer findet alſo eine mit das zter den War⸗ afes, Vole as det Jm u der⸗ vom üteren tkeren Haar⸗ ſo eine —— 3 uͤber Raſſen, Woll⸗Art und Leitung der Zuchk. 47 doppelte Wahl ſtatt, erſtlich eine große nach der Wolle unter den oben bemerkten Beruͤckſichtigungen, und eine kleine nach der Beſchaffenheit des Koͤrpers und ſeiner Beſetzung mit Wolle. Dieſe Unterſuchung muß acht bis zehn Tage nach der Geburt des Lammes ſtattfinden. Nur kann ſie nicht auf ſchwach geborne und auf ſolche angewendet werden, deren Muͤtter ſie nicht gut oder gar nicht ernaͤhren koͤnnen. Wenn ein Beſitzer im ganzen Jahre weiter keine Zeit hat, nach ſeiner Heerde zu ſehen, ſo verſaͤume er nur nicht, wenn es irgend moͤglich iſt, bei der Auswahl der Laͤmmer zugegen zu ſein, und dieſe mit einem be— ſonderen Zeichen verſehen zu laſſen. Die anderen duͤr⸗ fen aber auch weder beim Mutterhaufen noch irgendwo in ihrer Unverſehrtheit geduldet werden, ſonſt wird jede Dispoſition zum Theil oder ganz verfehlt. Bei großen Heerden, welche nicht zur Bockzucht beſtimmt ſind, uͤber welche der Umſtaͤndlichkeit wegen keine Spezial⸗Regiſter gefuͤhrt werden, unterlaͤßt man aber noch eine Bezeichnung, welche weit wichtiger iſt, als das Klaſſifikations-Zeichen nach der augenblicklichen, oft nur anſcheinenden Beſchaffenheit der Wolle ſelbſt. Es iſt nicht die der Jahrgaͤnge, ſondern die Kenntlich⸗ machung der Generationen. Unter zwei uͤbrigens dem Scheine nach gleichen Schaafen verdienet doch das von einer aͤlteren Generation den Vorzug. Wie ſollen ſich die Generationen aber kund geben, wenn es an Merkmalen fehlt! Man ſollte nicht glauben, daß Jahr⸗ gaͤnge fuͤr Generationen gehalten werden koͤnnten, und doch geſchieht es. Mancher kann nicht gleich die Moͤg— lichkeit begreifen, wie zwei nur um einige Jahre ver⸗ ſchiedene Individuen, aber um 4 bis 6 Generationen von einander entfernt, noch in derſelben Heerde zuſammen⸗ 48 XI. Die nunmehrigen Grundſaͤtze u. Erfahrungen treffen koͤnnen, und doch iſt dem ſo, wie ich in der Zeit⸗ ſchrift fuͤr Schaafzucht von 1833 in einer leicht faßlichen Zuſammenſtellung bewieſen habe. Eine Bezeichnung der Generationen wird in der Art angelegt und fortgefuͤhrt, daß in jeder fuͤr ſich be— ſtehenden Mutter-Heerde alle Laͤmmer von den vorhan— denen Muͤttern, ſo viele ſie deren auch noch ſpaͤterhin zur Welt bringen, mit 1 bezeichnet werden, Alles, was nach einigen Jahren von Nr. 1. faͤllt, mit 2, die Nach⸗ zucht von 2 mit 3 und ſo fort. Jedes Lamm aber, deſſen Mutter nicht entdeckt werden kann, bekoͤmmt kein ſolches Zeichen. Es verſteht ſich uͤbrigens von ſelbſt, daß die Bezeichnung mit großer Aufmerkſamkeit geſche⸗ hen muß, indem ein Schaaf aus der erſten Generation noch fortfahren kann, Laͤmmer zu bringen, wenn ein junges aus der 4ten bis 5ten Generation ebenfalls da— mit anfaͤngt. Sind Zucht- oder Woll-Heerden auf dieſe Art be— zeichnet, ſo faͤllt es nicht ſchwer, die Generation zu be— ſtimmen, aus welcher die Zuchtſtaͤhre ſollen genommen werden. Denn nicht eine jede ſchlaͤgt ein, indem der Erfolg der Paarung unguͤnſtig geweſen ſein kann. Die Bezeichnung der Jahrgaͤnge mit einer veraͤnderten Art von Zeichen iſt ebenfalls noͤthig. Ent— weder kann unguͤnſtige Witterung das Wachsthum oder die Erndte behindert, oder es koͤnnen Krankheiten ge— herrſcht haben, wodurch auf einige Jahre hin eine merk— liche Schwaͤche unter den Alten und der Nachzucht zu⸗ ruͤckgeblieben ſein kann. Beim Ausmerzen folgt alsdann auf die Schwaͤch⸗ linge die aͤlteſte oder niedrigſte Generation. Um die Einheit der Wolle moͤglichſt zu befoͤrdern, ſucht man Staͤhre, welche in der beſchriebenen Art von 1 -— — — 2 Se nen det einet Ent⸗ odet 1 ge⸗ netk⸗ zu⸗ uͤber die Ernaͤhrung. 49 Wolle moͤglichſt uͤbereinſtimmen und wechſelt mit den⸗ ſelben nicht zu oft. Denn jeder neue Staͤhr bringt auch bei noch ſo großer Uebereinſtimmung eine neue Schattirung in die Wolle. Die weiteren Bedingungen der Nutzung einer Schaͤ⸗ ferei liegen in der Haltung. XII. Die nunmehrigen Grundſaͤtze und Erfahrun⸗ gen uͤber die Ernaͤhrung. Die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit einer groͤ⸗ ßeren Ausdehnung der Viehzucht in der Landwirthſchaft, als die Dreifelder⸗Wirthſchaft in der Regel geſtattet, hat zwar in den letzten dreißig Jahren die Beſitzer bewogen, zur Umwandlung der letzten zu ſchreiten, und wo oͤrtliche Verhaͤltniſſe keinen vortheilhafteren Betrieb der Pferde⸗ oder Rindvieh⸗Zucht geſtatteten, an ihre Stelle eine ver— beſſerte Schaafzucht einzufuͤhren, und ſie mit dem Gan— zen in ein richtigeres Verhaͤltniß zu ſetzen; allein uͤber dieſe Ausfuͤhrung iſt man weniger einverſtanden, als uͤber die Wahl der Schaaf- und Woll-Arten und uͤber die Leitung der Zucht. Jedermann iſt von den beiden Hauptbedingungen der beſten Nutzung einer Schaafhaltung, naͤmlich der Geſundheit der Schaafe und der beſten Beſchaffenheit einer gegebenen Woll⸗Art uͤberzeugt; allein die Verſchie⸗ 4 50 XII. Die nunmehrigen Grundſaͤtze u. Erfahrungen denheit der oͤrtlichen Verhaͤltniſſe, mehr aber noch die Verſchiedenheit der Anſichten von der Schaafhaltung, und der Forderungen an ihre Eintraͤglichkeit haben in das Verfahren ſolche Abweichungen gebracht, daß der ſich ſelbſt belehrende Anfaͤnger ohne eigene Erfahrungen ſich kein feſtes Syſtem daraus zu bilden vermag. Unter den angegebenen Urſachen iſt es hauptſaͤchlich die Verſchiedenheit der Anſichten, welche bis jetzt eine groͤßere Uebereinſtimmung in der Schaafhaltung verhin— dert hat. Die Urſache davon liegt im Mangel an Ge— legenheit, ſich auf dem kuͤrzeſten Wege die dazu noͤthigen Vorkenntniſſe zu ſammeln. Fuͤr's Erſte beſitzen wir noch keine vollſtaͤndige Na— turgeſchichte der gewoͤhnlichſten Futterkraͤuter und Wurzel— Gewaͤchſe fuͤr die Anwendung. Denn bis jetzt iſt das Verhalten ihres Wachsthums und ihrer Beſtand⸗ theile zur Polhoͤhe aus Pruͤfungen in großen Maſſen noch in kein populaͤres Lehrbuch zuſammengetragen. Die Entbehrung dieſer Ueberſichten veranlaſſen aber beim an⸗ gehenden Praktiker Mißverſtaͤndniſſe der vorhandenen Schriften uͤber die Ernaͤhrung der Thiere, ſo wie Miß⸗ griffe in der Zutheilung der Pflanzen auf einem gege⸗ benen Boden, folglich auch in der Feld-Eintheilung und zuletzt in der Fuͤtterung. Von der Verſchiedenheit der tieferen Boden⸗Waͤrme nach Verſchiedenheit der tieferen Unterlagen war in den landwirthſchaftlichen Lehrbuͤchern bis jetzt noch nicht die Rede. Ferner ſind uͤber die Veraͤnderungen der Naͤhrſtoffe in den Futterarten mit dem Laufe der Zeit noch keine Ergebniſſe von Verſuchen mit großen Maſſen bekannt. Ein Pfund Heu enthaͤlt nach einem halben Jahre mehr Halme, als bei der Erndte. Wie es ſich aber eigentlich nn——— 2 1— uͤber die Ernaͤhrung. 51 8 mit der Nahrhaftigkeit verhalteu mag, wiſſen wir nicht 3, genau.(Es iſt hier naͤmlich immer eine und dieſet lbe dſ Portion Heu zu verſtehen.) de Ueber das gegenſeitige Verhalten der gebraͤuchlich— ugen ſten Futter-Arten in Hinſicht ihrer Nahrhaftigkeit ſind wir noch eben ſo wenig im Klaren. So ſcheint z. B. clih das Verhaͤltniß zwiſchen Kartoffeln und Brucken wie Vl. 1 zu 2 ſich zu beſtaͤttigen. Aber der Naͤhrſtoff-Gehalt hin⸗ der verſchiedenen Schlempe nach Verſchiedenheit ihrer ge⸗ Gewinnung iſt noch nicht in großen Maſſen chemiſch gen ermittelt. Die Vorkehrungen zur Erhaltung des Futters und Nae der Fruͤchte, wie die Durchſchichtung des Klees mit utze⸗ Stroh, und die Ueberſtreuung des Bodens, auf welchen t iſ Wurzelgewaͤchſe zu liegen kommen ſollen, mit Kohlen— kand⸗ ſtaub, und mehrere dergleichen, ſind noch nicht allge— aſſen mein genug in Anwendung. Die Die Unterſuchung der Beſchaffenheit des Futters an⸗ vor ſeiner Anwendung iſt eine derjenigen Nothwendig⸗ enen keiten, durch deren Unterlaſſung vielleicht das dritte Mſ⸗ Stuͤck von allen, die nicht vor Altersſchwaͤche abgehen, gege⸗ verloren wird. Selten ſchon, daß das Futter vor dem elung Hingeben ausgeſtaͤubt, geſchweige denn, daß ſein Zuſtand unterſucht wird. Haͤufig weiß man noch nicht ein— Gärne mal, wie man dies anzufangen habe. Und doch iſt die in de Gefahr der Stockluft in allem grobſtengligen Futter bei aiht aller ſeiner ſcheinbaren Trockenheit ſo groß, welche die Anwendung des Geruchs-Sinnes ſo leicht abwenden ſioffe koͤnnte. beine Was aber auch ſelbſt denkenden und kenntnißreichen kannt. Maͤnnern am wenigſten einleuchten will, iſt die Wirkung mehr nicht der Menge, ſondern der Art und Beſchaffenheit der entlic Nahrung auf die Wolle, in dem Grade, wie es wirklich 4* 52 XII. Die nunmehrigen Grundſaͤtze u. Erfahrungen der Fall iſt. Daß aber bei der Umwandlung der Nah— rung im Innern eines Koͤrpers die Spuren ihrer Be⸗ ſtandtheile zu erkennen bleiben, bezeugen unter Andern Tiedemann und Gmelin. Auf eine Menge von Verſuchen haben ſie die Beſtandtheile der in den Magen gekommenen Subſtanzen im Blute der Pfort-Ader an Geruch, Farbe und chemiſchen Beſtandtheilen wieder er— kannt. Wie ließe ſich demnach noch bezweifeln, ob die verſchiedenen Nahrungs-Subſtanzen einen verſchiedent— lichen Einfluß auf die Haarbildung aͤußern koͤnnten, wenn uns auch nicht die Erfahrung ſelbſt ſo anſchaulich davon uͤberzeugte. Man vergleiche indeſſen nur die letzte Butter der Winter-Nahrung mit der erſten einer uͤppigen Gras⸗Nahrung. Auch iſt es kaum noͤthig an das Faͤr⸗ ben der Butterblume zu erinnern. Welcher Unterſchied iſt nicht ebenfalls zwiſchen dem Geſtruͤppe von Haaren eines Pferdes auf einer ſumpfigen Wieſen-Weide und der glaͤnzenden Decke eines mit Hafer genaͤhrten! Nicht minder bemerklich macht ſich eine Verſchiedenheit der Nahrung nach Art und Menge an der Wolle und am Schweiße des Schaafes. Geſtalt, Laͤnge, Durchmeſſer, Schein, Kraͤfte und Schwere geben bald einzeln, bald in Verbindung augenfaͤllige Beweiſe davon. Dieſe Beob⸗ achtungen wuͤrden aber theils nur unvollkommen, theils gar nicht moͤglich ſein, wenn das Haar, gleich einer lebenden Pflanze ſich vom Umlauf der Saͤfte naͤhrte. Dieſes iſt aber nicht richtig, ſondern es wird hervorge⸗ ſchoben, wie bei der Spinne; der Durchmeſſer nimmt zu und ab nach Verhaͤltniß des Zufluſſes der Saͤfte, und die ſubtilſte Verkleinerung deſſelben auf irgend einer Stelle wird nicht wieder durch eine nachherige Verſtaͤr⸗ kung der Nahrung gehoben; ſondern die duͤnnere Stelle des Haares bleibt, wie ſie war, und der wieder dicker —————— b V uͤber die Ernaͤhrung. 53. Mbh. 3 gewachſene Theil folgt nach. Auch beſitze ich eine Probe derr ſchwarzbrauner Wolle, welche in der Mitte der Haare dn mehrere Linien lang weiß iſt, worauf wieder jene Farbe huxm eben ſo folgt, wie ſie vorher geht. Bei einem Kreis— d an lauf der Haarſaͤfte wuͤrde aber dieſe Sonderung nicht haben ſtattfinden koͤnnen. So aber zeigt das Wollhaar, ob de und dies vielleicht mehr, als irgend eine andere Art Hdeſ⸗ Haare, jeden Wechſel in der Beſchaffenheit und Menge ear der Nahrung ſchon acht Tage nachher, oft noch fruͤher; uiich. die Biegungen mit dem Durchmeſſer wechſeln mit ihren ler Veraͤnderungen; bei zu uͤppiger Nahrung ſchlaͤgt ſich ein dinr gelbbrauner Schweiß nieder, wie z. B. nach einer ſtar— 1. ken Fuͤtterung von Klee, Kartoffeln, Erbſen, Roggen, Fi friſcher Saat; bei einer zu kaͤrglichen Nahrung oder bei ſchid zu wenigem Gehalt der Mittel an Naͤhrſtoff wirft die aeni Haut weiße Flimmerchen oder Schindelchen in die Wolle. nd Schon eine andere Art, wenn auch an ſich geſundes Rict aber weniger nahrhaftes Wieſenheu bringt dergleichen der Veraͤnderungen hervor.— iſt Um zu erkennen, ob eine Veraͤnderung von einem naſſ, anderen Futter herruͤhre, darf man nur bei einer abge— wbabd meſſenen Menge ſtehen bleiben. So z. B. reiche man Reob⸗ einige Wochen lang als Zugabe* Pfd. Erbſenſtroh, thele und ſtatt deſſen auf eben ſo lange Zeit eben ſo viel ab— Fünt gedroſchenes Wicken-, auch nur abgedroſchenes Kleeſtroh, naͤhte und unterſuche alsdann die Wolle. erbolge⸗ Zureichende Nahrung laͤßt echte Merinos-Wolle ninmt gleichfoͤrmig und gleichlang wachſen, unzureichende Nah— Säfte, rung dagegen leichtlich ungleichfoͤrmig, in allen Faͤllen einer aber in ungleicher Laͤnge, indem immer einige Haare erſͤr⸗ hinter den andern zuruͤckbleiben. Dieſe kuͤrzeren Haare Stelle bleiben auch feiner. Daher bei grobwolligen Schaafen dicker der leichter zu erkennende Flaum, in ſo fern keine Ver— 54 XII. Die nunmehrigen Grundſaͤtze u. Erfahrungen miſchung mit anderen Raſſen ſtattgefunden hat. Bei öͤfterer und haͤufiger Unterſuchung dieſer Flaumhaare wird man einzelne finden, welche an dem einen Ende bis zur Haͤlfte und daruͤber die Feinheit des Flaumes, und an dem andern die Dicke der uͤbrigen langen Haare haben. Es iſt noch eine Frage, ob der Ziegenflaum bei einer reichlicheren als gewoͤhnlichen Nahrung nicht aͤhn— liche Veraͤnderungen erleiden, oder zuletzt gar verſchwin— den duͤrfte. Beobachtungen hieruͤber haben wir wohl vom Herrn Doctor Lenz in Schnepfenthal zu erwarten. Ein anderes Beiſpiel von der Wirkung zu karger Nahrung liefert uns auch das zahme Gefluͤgel. Bei kaͤrglicher Nahrung zeigen Gaͤnſe und Enten auf der Haut kleinere ſtumpfe Federn zwiſchen den anderen, wel— ches weit weniger oder gar nicht der Fall iſt, wenn ſie gehoͤrig gemaͤſtet ſind. Bei kaͤrglicher Nahrung, welches beſonders im Fruͤh— jahr der Fall iſt, wenn die Stallfuͤtterung aufgehoͤret hat, und die Weide noch knapp iſt, leidet die feinſte zarteſte Wolle am erſten, indem ihr zu wenig Kraft bleibt, dem Druck der Atmoſphaͤre, und noch weniger dem Winde zu widerſtehen, um ſich aufrecht zu halten. Sie verfaͤllt daher in all den fehlerhaften Wuchs mit Knoten u. ſ. w., der ihr in den Augen des Fabrikanten ſo ſehr den Werth benimmt. Kurz das Wollhaar iſt auf allen ſeinen Punkten der Nahrungs-Barometer des Koͤrpers, von dem es getragen wird. Woher anders der jaͤhrliche Wechſel in der Beſchaf⸗ fenheit und dem Gewichts-Verhaͤltniß der Wolle einer und derſelben Heerde, als von der Verſchiedenheit der Weide⸗ oder Stall⸗Nahrung, oder beider zugleich? Hoͤret man doch die Kaͤufer einen ganzen Jahrgang vor dem andern loben. Gewoͤhnlich iſt dies nach einer durch⸗ — rüh⸗ oͤret nſte roft wiget alten. 3 mit kanten aat iſt er dis ſchaf⸗ einet t det Hret tdem durch⸗ uͤber die Ernaͤhrung. 55 gaͤngig naſſen Sommer⸗Weide der Fall. Alsdann iſt aber dieſe Vorzuͤglichkeit nur ſcheinbar. Die Sanftheit gewinnt auf Koſten der Elaſticitaͤt der Wolle und— der Geſundheit der Schaafe. Genug: ſelten iſt das Vließ eines erwachſenen Schaafes dem vorjaͤhrigen gleich. Geſtalt, Laͤnge und Schein der Wolle zeigen ſich jedes Jahr anders. So wie man Jemand vexiren kann, wenn man ihm die naͤmliche Wollflocke nach wiederholtem Wenden und Druͤcken immer wieder als eine neue Probe zur Pruͤfung der Sanftheit in die Haͤnde giebt, eben ſo iſt es auch der Fall mit 3— 4 hintereinanderfolgenden Vließen von dem naͤmlichen Schaaf im geſunden Zu— ſtande und in ſeinen beſten Jahren. Keines iſt dem an— dern gleich, und die Wiedererkennung gelingt ſelten. Daher oft das UÜirtheil der Kaͤufer, welche weder das Verhalten der Generationen zum Ganzen, noch den Ein— fluß der Nahrung kennen, uͤber ploͤtzlichen Ruͤckgang der ganzen Heerde, woruͤber doch nur allein die Jaͤhrlings⸗ Wolle jedesmal entſcheiden kann. Bei Verſetzungen der Schaafe von einem Vorwerk auf das andere, aus einer Gegend in die andere ergeben ſich aͤhnliche aber bleibende Veraͤnderungen, die ſowohl zum Vortheil als Nachtheil gereichen koͤnnen, je nach⸗ dem die fruͤheren Umſtaͤnde waren. Der Wechſel einer vorzuͤglichen Nahrung und ſtrengen Diaͤt mit rauherem Futter und mehr Freiheit im Genuß laͤßt die Wolle auf demſelben Schaaf ſchon nach Verlauf eines Jahres nicht wieder erkennen. Dieſer ſo weſentliche Punkt bei der Schaafhaltung, naͤmlich der Einfluß des Qualitativen der Nahrung auf die Wolle und die gleichzeitig mitſchreitenden Kennzeichen an jedem hervorwachſenden Theil des Wollhaares war im Anfang meiner Beſchaͤftigung mit der Wollzucht 56 XII. Die nunmehrigen Grundſaͤtze u. Erfahrungen weder in Schriften beruͤhrt, noch ſonſt allgemein bekannt, eine ſogenannte maſtige oder magere Futterung als Ge— genſatz ausgenommen, und was ſonſt offenbar in die Augen fiel, ohne die entfernteren Urſachen davon zu kennen. Es koſtete mir daher viele Muͤhe und lange Zeit, bevor ich zwiſchen den Verſchiedenheiten der Nah— rung und ihren Wirkungen auf die Wolle den wahren Zuſammenhang einſehen lernte, beſonders da mir nicht allenthalben die vorhergegangenen Umſtaͤnde treulich an— gegeben wurden. Erſt durch meine muͤndlichen und ſchriftlichen Mittheilungen wurde man darauf aufmerk⸗ ſamer, und nunmehr iſt die Geſtalt des Haares mit dem Durchmeſſer beider in ihren Abweichungen als ein zu— verlaͤſſiges Merkmahl der Nahrung und als eine ſichere Richtſchnur fuͤr die Wollzucht anerkannt. Die Art der angemeſſenen Nahrungsmittel wird bedingt durch die Natur des Koͤrpers. So ſind z. B. Kohl- und Ruͤbenblaͤtter wegen ihrer ſtark blaͤhenden Eigenſchaften fuͤr Merinos-Schaafe gar nicht anwend— bar. Milch von bloßem Kleeheu macht ſteife Laͤmmer. Nach Kartoffeln entſteht leicht Verlammung. Koͤrner nehmen im Magen zu wenig Raum ein; abgedroſchenes Wickenklee- und Buchweizen⸗Stroh nebſt Kaff enthalten in einem großen Umfange zu wenig Naͤhrſtoff. Die erforderliche Nahruugs-Menge wird bedingt einmal durch das Beduͤrfniß des Koͤrpers, und alsdann 1 durch die Erforderniſſe der Wolle. Beide erfordern eine gleichzeitige Beruͤckſichtigung. Wenn auf der einen Seite Koͤrper und Wolle keinen Mangel leiden duͤrfen, ſo kann auf der andern Seite ein gewiſſes Uebermaaß von Nah— rung beiden Theilen ſchaͤdlich werden. In dieſen Ruͤck— ſichten giebt es zwei entgegengeſetzte Graͤnzpunkte fuͤr = .2— ☛—— uͤber die Ernaͤhrung. 57 mt, die Nahrungs⸗Menge, uͤber und unter welche jede Ueber⸗ be⸗ ſchreitung zu vermeiden iſt. di Das Nahrungs-Beduͤrfniß jeder beſonderen Meri⸗ du nos⸗Raſſe richtet ſich nach der Groͤße des Koͤrpers und ng nach ſeiner Bewachſenheit zugleich. Je groͤßer und je Nai⸗ ausgebreiteter und dichter beſetzt: deſto mehr Nahrung thren bedarf er. nich Die Wolle darf weder verkruͤppelt wachſen, noch an. mit Schweiß beladen ſein, oder Hautſchindeln enthalten; und ſondern ſie muß rein, jedes Haar muß ſelbſtſtaͤndig, in e⸗ ſeinen Biegungen gerade aus und auf jedem Punkte in een gleichmaͤßiger Feinheit erſcheinen. Eine Ernaͤhrung, de⸗ welche die Wolle in dieſem Mittel erhaͤlt, iſt die ge— chete hoͤrige. Der ſchnellſte Wuchs feiner Merinos-Wolle erreicht witd in 3 Monat hoͤchſtens einen rh. Zoll, alſo in 1 Monat 3. ohngefaͤhr 4 Linien und in 1 Woche 1 Linie oder 1 Bo⸗ den gen, 25 Bogen auf 1 rh. Zoll gerechnet. nd⸗ In Betreff des Einfluſſes der verſchiedenen Nah— nc. rungsmittel auf die Wolle ſteht der Satz feſt: Alles, tner G was dem Koͤrper geſund iſt, iſt auch der Wolle zutraͤg— henes lich, doch mit der Beſchraͤnkung auf ein gewiſſes Maaß. alten Nur gutes Wieſenheu, welches unter allen Futter-Arten fuͤr das Schaaf die erſte Stelle einnimmt, macht davon edingt eine Ausnahme. In noch ſo großer Menge genoſſen sdann hinterlaͤßt es nie einen Schweiß-Niederſchlag in der reite Wolle. Demnaͤchſt wirken Hafer und Gerſtenſchroot am zeite beſten auf die Wolle. Beim erwachſenen guten Schaaf kann darf aber die Quantitaͤt nicht 4 Loth auf den Tag Mah⸗ uͤberſteigen. Nuck⸗ Alle uͤbrigen Futter-Arten erfordern ebenfalls eine für Beſchraͤnkung in der Menge. Hierher gehoͤren: alle Grasnahrung ohne Unterſchied; aller Klee, ſo wohl im —,— 58 XII. Die nunmehrigen Grundſaͤtze u. Erfahrungen trocknen, als gruͤnen Zuſtande, Kartoffeln, alle Arten Huͤlſenfruͤchte, alle Arten Korn, Schrotmehl. Kurz, alle dieſe Surrogate uͤben, wenn ſie uͤber ein gewiſſes Maaß hinausgegeben werden, einen mehr oder minder nachthei— ligen Einfluß auf die Wolle, indem ſie einen Schweiß⸗ ſatz zuruͤcklaſſen; der Klee, wenn er nicht zur Haͤlfte mit Wieſenheu verſetzt oder abwechſelnd gegeben wird; die Kartoffeln, wenn das Futter 1 Pfd. auf den Kopf uͤberſteigt; alle mehlige Nahrung in Koͤrnern, Huͤlſen— fruͤchten oder Schroot, wenn die taͤgliche Portion mehr als 4 Loth betraͤgt. Dies ſind die ohngefaͤhren Wende— punkte. Bei Lammſchaafen kann die Haͤlfte jeder Art fuͤr ſich mehr angewendet werden. Abgedroſchenes Klee⸗, Buchweizen⸗ und Wickenſtroh, ſo wie Kaff, halten ohne Verbindung mit beſſeren Stroh— Arten Milch und Wolle zuruͤck, und werfen in die letzte Schindeln ab. Die Einrichtung der Weide und Fuͤtterung iſt alſo mit das Wichtigſte. Daß die meiſten Klee⸗Arten im erſten Jahre nach dem Einſaͤen wegen ihres zu uͤppigen Wuch— ſes in der Regel zu keiner Weide-Nahrung dienen koͤn⸗ nen, iſt bekannt. Luzerne und Esparcette kommen in— deſſen unter den gemaͤßigten Klimaten nicht allenthalben mehr fort. Unter dem 54ſten Breitengrade iſt die Lu— zerne, welche ohnedem einen 3 Fuß tiefen Humus-Boden erfordert, ſchon etwas Seltnes, und die Esparcette koͤmmt da gar nicht mehr fort. Zur Weide im erſten Jahre nach dem Einſaͤen bedienet man ſich daher des weißen Klees, weil dieſer nicht ſo ſchnell in die Hoͤhe ſchießt. Da dieſem aber in der Officin vor andern Klee⸗Arten eine blaͤhende Eigenſchaft zugeſchrieben wird, ſo ſichert ſich ein angehender Landwirth ſeine Schaaf⸗ Heerde am beſten, wenn er die Feld⸗Eintheilung ſo ein⸗ lſo ten uch⸗ An⸗ nin⸗ alben e Lu⸗ Boden ſartete eltn chaaf⸗ ſo dn⸗ uͤber die Ernaͤhrung. 59 richtet, daß er von 3 Kleefeldern das einjaͤhrige zu Heu, und die beiden andern zur Weide, das dreijaͤhrige bis zum Umſtuͤrzen zur Laͤmmerweide benutzt und jede Ein— ſaat mit Thimoti-Gras vermiſcht, welches aber wegen der Ungleichheit der verſchiedenen Saamenkoͤrner allein uͤbergeſaͤtt werden muß. Ohne eine ſolche Feld-Einthei— lung und Weide⸗Nutzung ſteht keine Heerde ſicher. Dies hat die Erfahrung allenthalben gelehrt. Die weitere Feld-Eintheilung, an welche ſich ein ſolcher Weide- und Futter-Bau anzuſchließen hat, iſt Sache der Landwirthſchafts⸗Lehre. Daß aber dergleichen Syſteme nicht immer der Oertlichkeit und der augen⸗ blicklichen Einrichtung angemeſſen verſucht worden ſind, wobei Wirthſchaft und Heerden zu Grunde gehen muß⸗ ten, daran hat die Merinos-Schaaf-Haltung an ſich keine Schuld. Der Bedarf an Weideflaͤche iſt nach der verſchiede⸗ nen Beſchaffenheit der Weide ſelbſt ſehr verſchieden. Die Vergleichung des Heu's, welches auf einer be— ſtimmten Flaͤche eines gegebenen Feldes gewonnen wer— den kann, mit der Weidenahrung im gruͤnen Zuſtande, giebt nur einen ſehr unſicheren Maaßſtab an die Hand, indem von Merinos⸗Schaafen keine Weide genoſſen wer⸗ den darf, deren Gewaͤchſe maͤhbar ſind. Bei dieſer Be— ſtimmung koͤnnen daher nur zweijaͤhrige Kleeweiden zum Grunde gelegt werden. Unter dieſen ſind aber die Weide-Verhaͤltniſſe ſo verſchieden, daß an einem Tage auf einem Preuß. Morgen 300 bis 700 Koͤpfe mittler Groͤße unterhalten werden koͤnnen. Die Quotienten die⸗ ſer Zahlen in die Weide-Tage dividirt geben alsdann die Stuͤckzahl an, welche waͤhrend derſelben darauf ge⸗ huͤtet werden koͤnnen. Aus dieſen Angaben laͤßt ſich fur einen gegebenen Boden nach ſeiner Fruchtbarkeit ein ——y—— 60 XII. Die nunmehrigen Grundſaͤtze u. Erfahrungen ohngefaͤhres Verhaͤltniß entnehmen, welches bei den er— ſten Verſuchen, um deſto ſicherer zu gehen, noch nicht erreicht werden darf. Das Verhalten der Nahrhaftigkeit der verſchiedenen Futter-Arten hat ſich nach allgemeinen Erfahrungen in der Anwendung und nach Ghamſchen Unterſuchungen be⸗ waͤhret, wie folgt: 100 Pfd. gutes Wieſenheu; 500 Pfd. Gras; 80 Pfd. gutes Kleeheu; 400 Pfd. gruͤnen Klee;„* ach Bloeks vr. 200 Pfd. gutes Erbſenſtroh; 200 Pfd. mit Klee durchwachſenes Gerſtenſtroh; 200 Pfd. Kartoffeln, eine ſehr oberflaͤchliche Annahme, bei der außerordentlichen Verſchiedenheit derſelben; 3oh Pfd. Turnips, nicht 200 Pfd.; bis 1 Scheffel Koͤrner, je nach Verſchiedenheit der Getreide-Arten; 40 Pfd. Erbſen; 300- 400 Pfd. gewoͤhnl. Sommerſtroh;) doch nur als 400- 600 Pfd. gewoͤhnl. Winterſtroh; Beifutter. Abgedroſchenes Stroh von Wicken, Klee, Buchweizen, ſo wie Kaff iſt noch weit geringer anzuſchlagen. Alles Rauhfutter, welches als Haͤckſel gegeben wer— den ſoll, muß ſehr geſund ausgeſucht werden, indem das Schaaf alsdann nicht mehr liegen laſſen kann, was ihm ſchon durch den Geruch zuwider waͤre. Das Aufbruͤhen des Haͤckſels mag manchen Stoff entwickeln, es waͤre aber auch die Frage, ob nicht der eine oder andere verfluͤchtiget oder untauglicher werde. Außerdem ballt ſich aufgebruͤhtes Futter im Magen hme, nheit t det verde. Nagen uͤber die Ernaͤhrung. 61 mehr, als im natuͤrlichen Zuſtande. In dieſem muß es auch hoͤchſt wahrſcheinlich die Ausduͤnſtung ſehr befoͤr⸗ dern, indem Getreideſtroh im Allgemeinen einen bedeu— tenden Theil von Schwefelſtoff zu enthalten ſcheint, wie die Farbe ſeiner Oberflaͤche und ſeiner Flamme wenig— ſtens andeuten. Wenn es irgend zu vermeiden iſt, ſo gebe man in den kaͤlteſten Monaten gar keine Wurzelgewaͤchſe, ſon— dern nur vor und nach denſelben. Ihre beſte Wirkung aͤußern ſie noch vor der Keimzeit. Fuͤr die Lammſchaafe iſt es am beſten, wenn ſie vor der Lammzeit gar keine bekommen. Auch duͤrfen ſie nur in gemaͤßigter Tempe⸗ ratur zubereitet werden, indem ſie ſo leicht eiſig werden und dann ploͤtzlich den Magen erkaͤlten. Schreiber die— ſes hat zugeſehen, wie ſich kurz nach dem Zerſchneiden die Scheiben mit Eis uͤberzogen. Die taͤgliche Kartoffel-Portion darf bei dem Jaͤhr— ling nicht ½ Pfund, und bei dem erwachſenen guͤſten Stuͤck beiderlei Geſchlechts nicht 1 Pfund uͤberſteigen. Im erſten Fall leiden die Jaͤhrlinge an ihrer Geſundheit und im zweiten Fall leidet die Wolle durch Schweiß⸗ Niederſchlag. Nur den Lammſchaafen koͤnnen die Kar— toffeln taͤglich bis zu 1½ Pfund gegeben werden. Auf alle Faͤlle aber iſt es gerathener, auch dieſe Portion zu vermindern und dafuͤr anderes Futter zu reichen. Man zieht es vor, den Hafer lieber mit den Ris— pen, als in bloßen Koͤrnern zu geben. Nach jeder Erndte wird beſtimmt, wie die Vor— raͤthe hintereinander verfuͤttert werden ſollen, vorausge— ſetzt, daß der Zutritt zu jeder Art von Futter und Stroh von Anfang an offen erhalten wird, und das Dreſchen ſo viel wie moͤglich nach dem Beduͤrfniß der Schaͤferei geſchehen kann..— ——. 5 ——— 62 XII. Die nunmehrigen Grundſaͤtze u. Erfahrungen Im Vorwinter bis gegen die Lammzeit hin wird das mindernahrhafte und leichter vergaͤngliche Futter und Stroh zuerſt verbraucht, doch nicht ohne alle Ver⸗ bindung mit beſſerem Futter, um ſowohl den Zuſtand der Schaafe als den der Wolle gleichmaͤß g zu unterhalten. So dienen z. B. Kartoffeln dem mindernahrhaften Fut— ter zum Gegengewicht. Aus den fruͤher angegebenen Gruͤnden darf aber kein Surrogat vom Klee an bis zur Kartoffel, und eben ſo wenig die magerſten Stroh-Arten eine Zeit lang hin— durch unvermiſcht am allerwenigſten den Lammſchaafen gegeben werden. Als die beſten Verhaͤltniſſe haben ſich folgende Verbindungen zum beſtaͤndigen Wechſel im Laufe des Tages bewaͤhrt: 1 Theil Wieſenheu neben 1 Theil Kleehen; 2 Theile Kartoffeln neben einem Theil Heu; und beim Stroh: 1 Theil Stengelſtroh neben 1 Theil gutem Stroh, ſo daß dieſe verſchiedenen Beſtandtheile im Laufe des Tages abwechſelnd vorkommen. Die Erfahrungen in der Fuͤtterung liegen uns zwar naͤher, als die in der Zutheilung der Weide. Bei jener koͤnnen die Futtermaſſen beſtimmt, die Wirkungen ſchnel— ler beobachtet, und ihre Ordnungsfolge und Vielheits⸗ Verhaͤltniſſe eher regulirt werden. Demungeachtet herrſcht in den Angaben des Bedarfs an trocknem Futter ein eben ſo weitlaͤuftiger Spielraum, wie in den Angaben des Weidebedarfs. Der eine Verfaſſer hat ſeine große Raſſe, oder ſein mittelmaͤßiges Futter vor Augen, der andere ſeine kleinere Raſſe oder ſein vorzuͤgliches Futter; noch andere geben Wechſelfaͤlle an, als welche noch erſt zu verſuchen waͤren, obgleich ſie eigene Heerden halten, und ſo kann der angehende Schaafzuͤchter aus allen die— ſen Angaben nur eine zweifelhafte Anwendung auf gege— bene Verhaͤltniſſe machen. Die Erfahrung hat ſich in— uͤber die Ernaͤhrung. 63 ird deſſen dahin entſchieden, daß bei 2 Pfd. gutem Wieſenheu ter als taͤglicher Nahrung im Durchſchnitt ohne das Stroh, er auf Merinos von mittler Groͤße eine vorzuͤgliche Wolle der erzielt werden kann, wovon Schreiber dieſes ſich ſelbſt ten. zu wiederholten Malen feſt uͤberzeugt hat. Fut⸗ Mehrere Beruͤckſichtigungen erfordern eine beſondere Eintheilung der Futtermaſſe, naͤmlich Geſchlecht, Alter aber und Zuſtand der Schaafe und die Veraͤnderlichkeit der eben Weide⸗Nahrung und des Winterfutters ſelbſt. hin⸗ 1) Einige Wochen vor der Einſtallung duͤrfen die fen Laͤmmer nicht mehr auf die Weide gehen; ebenſo ſich muͤſſen im Fruͤhjahr die juͤngſten Laͤmmer nach Er— zufe oͤffnung der Weide noch eine Zeitlang zuruͤckge⸗ Tbeil halten werden, wenn ſie ſpaͤt geboren ſind. heu; 2) Einige Wochen vor der Einſtallung, ſo wie einige heil Wochen nach Eroͤffnung der Weide beduͤrfen alle eile Haufen ein kleines trockenes Futter in magerem Heu oder in gutem Stroh, welches allmaͤhlig ver— dat mehrt oder im Fruͤhjahr vermindert wird, und als eNe Vorbeugungsmittel gegen Waſſerſucht oder Durch⸗ mniſ fall dienet; ets⸗ 3) das Nahrungs⸗Beduͤrfniß der verſchiedenen Ge⸗ riüt ſchlechter iſt verſchieden; bei einer ſtrengen Oeko— I dh nomie laͤßt ſich das Verhaͤltniß zwiſchen Haͤm— ghen meln, Mutterſchaafen und Staͤhren ſtellen, wie grfe 1 ½3 2;3 2 ½; und 4, bei dem Jungen eines jeden „ Geſchlechts auf ³ 1 3 5) Der heranwachſende junge Haufen bedarf einer iil allmaͤhligen Zulage; heſ 6) der traͤchtige Mutterhaufen desgleichen, ohngefaͤhr läſe⸗ 4 Wochen vor der Lammzeit mit allmaͤhliger 8 Steigerung bis zu 50 Prozent, womit bis zur gede⸗ Eroͤffnung der Weide fortgefahren, und von da ſich in⸗ —ꝛ—x⸗x—:.P—n—— 64 XII. Die nunmehrigen Grundſaͤtze u. Erfahrungen an nach einigen Wochen unter allmaͤhliger Ver⸗ minderung geſchloſſen wird; 7) auch die Laͤmmer erfordern gehoͤrige Beruͤckſichti⸗ gung 4 Wochen nach ihrer Geburt an; 8) die allmaͤhlige Abnahme der Nahrhaftigkeit des Futters aller Art erfordert im allgemeinen eine ſolche Eintheilung, daß auch bei den erwachſenen guͤſten Haufen anfaͤnglich eine geringere, und ſpaͤ⸗ terhin eine etwas groͤßere Portion gegeben wer— den kann; endlich muß 9) einiger Vorrath fuͤr die Zeit der Schaaf⸗Waͤſche und Wollſchur und fuͤr eintretende Regentage zu⸗ ruͤckbehalten werden. Ein ohngefaͤhrer Entwurf zur Futtervertheilung waͤre folgender: Vier Wochen vor dem Schluß der Weide wird an magerem Heu oder Aehrenſtroh gegeben: auf den Staͤhr 12 Pfd., auf den jungen Staͤhr 2 Pfd.; auf das Schaaf 1 Pfd.; auf das junge Schaaf 3 Pfd.; auf den Ham⸗ mel ¾ Pfd.; auf den jungen Hammel 2½ Pfd. Die gaͤnzliche Einſtallungszeit kann in noͤrdlicheren Gegenden von der Mitte Oktober an bis Mitte May, alſo 210 Tage gerechnet, und fuͤr die Steigerung der Futter⸗Portionen koͤnnen 3 Perioden, eine jede von 70 Ta⸗ gen angenommen werden. Die alten Staͤhre bekommen in der erſten Periode 2 ½ Pfd. Heunahrung, in der zweiten 2 ½ Pfd., in der dritten 3 Pfd.; die jungen Staͤhre nach derſelben Folge 1 ½ Pfd., 2 Pfd., 2 † Pfd.; die Haͤm⸗ mel 1 ½ Pfd., 2 Pfd., 2 ½ Pfd.; die jungen Haͤmmel 1 Pfd., 1½ Pfd., 1 ½ Pfd.; die guͤſten Schaafe 2 Pfd., 2 Pfd., 2 ½ Pfd.; die jungen Schaafe 1 Pfd., 1 Pfd., 1 ½ Pfd.; die Lammſchaafe 2 Pfd., und von der Lamm⸗ zeit an 3 Pfd. bis zu Ende der Einſtallung. n Ner⸗ ſichti⸗ it ds n eine hhſenen wer⸗ äſche e R⸗ g waͤt wird an Stäͤhr Schaaf en Ham⸗ atdüchern jitte My getung de von 70 T kommen in der zweite tähre nah di hin⸗ hünmel 229K, n yſd., t Lamm⸗ uͤber die Ernaͤhrung. 65 Nach Eroͤffnung der Fruͤhjahrs⸗Weide wird noch einige Wochen lang Rauhfutter nachgegeben und all⸗ maͤhlig damit aufgehoͤrt. Das Lamm bekoͤmmt 4 Wochen nach ſeiner Ge— burt vom beſten Heu in der erſten Haͤlfte bis zur Weide 4 Pfd. und in der andern* Pfd. Bevor aber nicht eine beſtaͤndige gute Witterung eingetreten iſt, koͤnnen ſie nicht auf die Weide gelaſſen werden. Mit der taͤglichen Futterfolge wird es ſo fuͤr das Zweckmaͤßigſte gefunden: Stroh, Traͤnke, Heu oder an— deres Futter; Stroh, Traͤnke, Stroh; wobei das Aehren⸗ ſtroh das erſte und letzte Futter ausmacht. Nach der vorhergehenden Eintheilung des Futters kommen vom 15. September an bis zum 14. Mai, alſo waͤhrend 240 Tage an taͤglicher Heunahrung im Durch— ſchnitt auf den Staͤhr 2½ Pfd.; auf den jungen Staͤhr 1 Pfd.; auf den Hammel 13 Pfd.; auf den jungen Hammel 12 Pfd.; auf ein guͤſtes Schaaf 14½ Pfd.; auf ein einjaͤhriges 1½ Pfd.; auf ein Lammſchaaf 2 ½ Pfd.; auf ein Lamm* Pfd. von ſeiner Geburt an. Nehmen wir zum ohngefaͤhren Verhaͤltniß einer Heerde 100 Mutterſchaafe, 100 Hammel und 100 Stuͤck Jungvieh; ſo ergiebt ſich ein Durchſchnitt von 12½ Pfd. Heunahrung auf den Kopf als der geringſte, unter wel⸗ chem Merinos-Heerden nicht gehalten werden koͤnnen, mit Ausſchluß der Laͤmmer. Zur Erhaltung der Gleichmaͤßigkeit des Wollwuch— ſes und des Milch-Zufluſſes ſchneide man niemals eine Art Futter ploͤtzlich ab, ſondern fuͤhre das alte und neue allmaͤhlig uͤber. Die Vertheilung des fuͤr eine Schaͤferei beſtimmten Futters geſchieht jetzt planmaͤßiger, als vor 40— 50 Jahren. Man zaͤhlt nicht mehr nach Fuder, Raufen 5 66 XII. Die nunmehrigen Grundſaͤtze u. Erfahrungen und Einlegen, ſondern uͤberzeugt ſich naͤher nach Um— fang und Gewicht von den Vorraͤthen und vertheilt dieſe etwas uͤber die Zeit, wann die Stoͤrche erſcheinen, fuͤr unvorhergeſehene Faͤlle weiter hinaus. Schon die Schur⸗ zeit erfordert dieſe Vorſicht; die Regentage aber blei— ben ungewiß. Ergiebt ſich bei einem Ueberſchlag der Futter-Vor⸗ raͤthe gleich nach der Erndte im Verhaͤltniß zum Be⸗ ſtand der Heerde ein Defizit: ſo wird zunaͤchſt die fol⸗ gende Lammzucht beſchraͤnkt. Die ſchwaͤcheren Mutter⸗ ſchaafe, gleichviel von welchem Alter, werden zuruͤckge— laſſen. Dieſe Verfuͤgung gewaͤhret den Vortheil, daß im Fruͤhjahr Futter erſpart wird; daß das ſchwaͤchere Muttervieh zu Kraͤften gelangen kann, und keine ſchwache Nachzucht in die Heerde eingeſchoben wird. Die Raſſe bleibt alſo kraͤftig. Reicht die Beſchraͤnkung der Lammzucht noch nicht zu, dem vorauszuſehenden Mangel an Unterhalt zu weh⸗ ren, ſo verdient die nothwendige Erhaltung eines kraͤf⸗ tigen Mutterſtammes die allererſte Beruͤckſichtigung, und demnaͤchſt die Erhaltung aller uͤbrigen in einem gleichen Zuſtande. Zu dem Ende muß alles Schwaͤchliche ohne Unterſchied des Alters und Geſchlechts in ſo weit aus den Heerden entfernt werden, bis hinlaͤngliche Siche— rung da iſt, damit nicht alle miteinander durch eine zu kaͤrgliche Fuͤtterung fuͤr jede Krankheit reif werden, und zugleich weniger und nach Umſtaͤnden eine ſchlech⸗— tere Wolle geben, als bei einer gehoͤrigen Gleichſtellung der Stuͤckzahl zu den Vorraͤthen. Bleibt aber der Mutterhaufen wohl erhalten, ſo ſtellt ſich die vorige Groͤße einer Heerde bald wieder her. en h Um⸗ t dieſe en, füt Echur⸗ der ler er⸗Vor⸗ im Be⸗ die fol⸗ lutter⸗ ick ge⸗ daß wächete chwache e Naſſe nicht weh⸗ kraͤf⸗ d dd glechen he ohne deit aud Siche⸗ ch ain werden, ſchlch⸗ ſlellung fen, ſo der het. uͤber die Ernaͤhrung. 67 Ueber die Einrichtung der Landwirthſchaft zur Schaaf⸗Zucht. Seit ſo vielen Jahren iſt dieſer Gegenſtand von den erſten Theoretikern in ſyſtematiſchen Werken und Jour— nalen ſo weitlaͤuftig verhandelt worden, daß man glau— ben ſollte, die allgemeinen Regeln, welche auf die be— ſonderen Faͤlle anzuwenden waͤren, haͤtten laͤngſt ihre Feſtſtellung erhalten. Und doch muß der bloße Zuſchauer daran zweifeln, wenn er bemerkt, wie begierig man ſich noch jetzt in oͤffentlichen Zeitſchriften nach den beſten Methoden erkundiget, und wie viele Wirthſchaften unter ſehr guͤnſtigen Oertlichkeiten durch den Wechſel ihrer Einrichtung in ihrem Ertrage ruͤckgaͤngig geworden ſind. Es giebt dies einen offenbaren Beweis ab, daß die Kenntniß angehender Landwirthe von einer Menge No— menklaturen von Wirthſchafts-Einrichtungen an ſich nicht hinreicht, den Erfolg eines Uebergangs aus dem einen in das andere Syſtem zu ſichern, daß vielmehr das Gelingen einer Umaͤnderung eben ſo wohl von der Art, wie dieſe geſchieht, als von dem Syſtem ſelbſt ab— haͤngt, welches verfolgt werden ſoll, und es bleibt merk— wuͤrdig, warum man ſich nur hauptſaͤchlich mit den Fruchtfolgeſyſtemen an ſich, und weit weniger mit ihrer Anpaſſung an die Dreifelderwirthſchaft unter der minde⸗ ſten Stoͤrung der bisherigen Verhaͤltniſſe beſchaͤftiget hat. Der Einwand:„die Oertlichkeit beſtimmt Alles“ gilt bei der Unterſuchung allgemeiner praktiſcher Regeln nicht. Es giebt auch in dieſem Fach einige, welche auf alle Faͤlle anwendbar ſind. Der hiernaͤchſt folgende Plan iſt ein Verſuch, welcher noch ſehr viele Einwuͤrfe leiden mag, deſſen Befolgung aber doch manchen Neuling in der Praxis vor der Zerruͤttung ſeines Vermoͤgens be⸗ wahrt haben duͤrfte. 5* 1 1 68 II. Die nunmehrigen Grundſaͤtze u. Erfahrungen Allmaäaͤhliger Ueberg ang von 3 Feldern in 9 Felder. Rotation. 1. Winterung. 2. Soͤmmerung. 3. Brache. 4. Winterung. 5. Soͤmmerung. 6. Soͤmmerung. 7. Klee⸗Heu. 8. Klee⸗Weide. 9. Klee⸗Brache. Das Das Das Brachfeld Winterfeld, Somerfeld Sumuna in 3 Theile lin 3 Theilein 3 Theile. Jahr. 11 213 111 213[111 213 18 lsle Uebergang. vEESSESEAEA 2s SSSBBXNK2,3,22 2s SSSEMGKSS&2 2152 ites W WKSSKS K W32 3/ 1 5tes SSASKSWISKS2331 6tes[S&WWKſSSKSI22372 7tes WIKISISIKBIKIWIWI3 21311 Anfang der Rotation. stes ſSKB[K MſWKS.S.2.%3 3 1. 9tes KWALWIK SSLK BS233[1 10tes KSSKBSWWK23[3[1 IItes& BSMNKSSK2,221 1ns NLRSSKſESK231 1u SSRS SKXOE2,3ſ21 I4tes BſSKWKWS RS2ſ33 1tes KVSKSſSKSſ2A I6tes SIKISISſKRISIKWIVIZ3I31 Schluß und Erneuerung. 17. Jahr wie s. SIKlBIKlIWIWIKlISISI2131811 ————, intetung. e⸗Vehbe. Umma Neln. — —!— ͥ—!— 1—1-1— ſeſle ER A— =r=r=r= — — A= —= 11= —4 — uͤber die Ernaͤhrung. 69 Die vorſtehende Fruchtfolge laͤßt den Klee erſt im 10 Jahre wieder auf derſelben Stelle erſcheinen. Waͤhrend des Uebergangs treten nur 2 Jahre, das 3te und é6te ein, wo nur 3 des Areals mit Halmfruͤch⸗ ten beſetzt ſind. Dagegen ſteht in der Rotation ſelbſt das 5te Feld neben Hackfruͤchten zum Theil noch zur Dispoſition fuͤr Sommer-Getreide, wobei keinem Felde in Ruͤckſicht ſeiner fruͤheren Nutzung zu viel aufge⸗ legt wird. Die Weidefelder kommen zwar nicht neben einan— der zu liegen. Die Verfolgung dieſes Plans hat aber eben ſo viele Wirthſchaften zerruͤtten helfen, indem man dabei die Revolution des Ueberganges ins Unendliche verlaͤngern muß. Zudem iſt das Nebeneinanderliegen der Weideſchlaͤge keine Nothwendigkeit. Im Gegentheil hilft ihre Zerſtreuung die Ordnung im Huͤten noch mehr erhalten. Eine Trift muß freilich angelegt werden, und zwar um die Schaͤferei im Kreiſe umher, ohne den Fel⸗ dern zu viel Land zu nehmen. Von dieſer Trift kann, wenn einmal die Rotation im Gange iſt, jedes Jahr der nicht beruͤhrte Theil, alſo ohngefaͤhr die Haͤlfte noch beſonders benutzt werden. 79 XIII. Ueber die aͤußeren Einrichtungen XIII. Ueber die aͤußeren Einrichtungen einer Schaͤferei. Die Einrichtung der Staͤlle iſt ſo verſchieden, als es Oertlichkeiten und Anſichten giebt. Bei einem Neubau ſind indeſſen folgende bewaͤhrte Angaben zur Beruͤckſich— tigung zu empfehlen. Lehm verdienet vor allem andern Material den Vorzug. Man erhebe nur das Fundament etwas uͤber die Erde, und bringe den Lehm nicht unmittelbar auf Feldſteine. Die Laͤnge eines Gebaͤudes wird uͤber einen ge— wiſſen Grad hinaus demſelben nachtheilig. Anſtatt einer Laͤnge von 200 bis 300 Fuß theile man lieber dieſelbe, und ſetze dafuͤr 2 Gebaͤude von 100 bis 150 Fuß auf einer Linie, 10— 15 Fuß von einander entfernt, indem man dieſen Zwiſchenraum zu einem verdeckten Gange macht. Die Tiefe nimmt man, ſo weit es die Oertlich— keit geſtattet, bis zu 40 und etlichen Fuß. Die Hoͤhe darf in Gegenden, wo die Kaͤlte 18— 20 Grad R. erreichen kann, 9— 10 Fuß vom Grunde nicht uͤberſchreiten. Die Seitenthuͤren zu den Ein- und Ausgaͤngen der Haufen mache man wenigſtens 9— 10 Fuß weit. ——— ⏑—-«“§9 DbDp(—. einer Schaͤferei. 71 Das Heuloch benimmt im Innern des Stalls Ueberſicht und Raum, und Wandſtreben desgleichen. Dieſe letzten ſind auch bei ſelbſtſtaͤndigen Gebaͤuden von 100 bis 150 Fuß Laͤnge uͤberfluͤſſig. Zur Ableitung des Stall-Dunſtes helfen keine Schornſteine. Der Zug deſſelben bricht ſich am rechten Winkel, und greift daher das Holzwerk um die Oeff⸗ nung herum noch eher an. Man zieht es daher vor, in jedem dritten Sparrenfelde dicht unter der Decke auf jeder Seite uͤber den Dachſchwellen zwei einander gegen— uͤberſtehende Oeffnungen zu laſſen, durch welche die Luft beſtaͤndig freien Abzug behaͤlt, und auch die feinſten Duͤnſte mit ſich abfuͤhren kann, durch welche eben die Gebaͤude am meiſten leiden. Dieſe Oeffnungen werden mit Klappen verſehen, welche ſich wagerecht bewegen muͤſſen. Fenſter⸗Oeffnungen allein fuͤhren nicht zu die— ſem Zweck, indem ſich die feinen Duͤnſte auch nur bei einem Zoll tiefen Saum an den Waͤnden nicht von der Stelle bewegen. Die Waͤnde unter den Fenſtern werden etwas geflaͤcht. Unter den Raufen⸗Formen verdienen die runden den Vorzug, doch nur unter der Bedingung, daß der untere Durchmeſſer mit der Krippe wenigſtens 4 Fuß enthaͤlt, und der Stall-Raum vollſtaͤndig benutzt werden kann Das Weitere daruͤber habe ich bereits in meiner Schrift uͤber Merinos-Schaaf-Zucht geſagt. Der Schutzbretter zur Verhuͤtung des Einfallens des Futters in die Wolle kann man entbehren, wenn man die Raufen⸗Sproſſen 3 bis 3 ⅞ Fuß lang ma⸗ chen laͤßt. Zu den Scheide⸗Waͤnden oder Vorzuͤgen nehme man 72 XIII. Ueber die aͤußeren Einrichtungen keine unbehuͤlflichen Horden, ſondern leichte Leitern mit 3 ⅞ Fuß hohen Sproſſen. Alle Staͤbe zu den Raufen und Vorzuͤgen laſſe man ſchneiden, und nicht zu ſchwach machen. Ihre Entfernung im Lichten kann bei den Raufen 3 ½ Zoll und bei den Vorzuͤgen 4 Zoll ſein, ſo daß die Jaͤhr⸗ linge nicht durchkriechen koͤnnen. Alle Pfeiler und ſtehenden Geraͤthe werden ab⸗ gerundet. Der Stall-Raum ſelbſt wird auf folgende Art ab⸗ getheilt. Den Ausgaͤngen gegenuͤber, auf der andern Seite wird den ganzen Stall hindurch ein 4— 5 Fuß breiter Gang gelaſſen, und abgeſperrt. Das Gitter wird mit ſo viel Oeffnungen zu Eingaͤngen als fuͤr gut gefun⸗ den wird, und jede Oeffnung mit einem Schieber ver— ſehen.. Hinter dieſem Gitter werden die Traͤnkrinnen und uͤber denſelben Klappen angebracht, ſo daß ſie vom Gange aus angefuͤllt werden koͤnnen. Die Vorzuͤge, welche von Haufen zu Haufen queer durch den Stall gehen, werden in der Mitte mit Schie— bern verſehen, ſo daß man nicht noͤthig hat, in der Mitte des Stalles der Laͤnge nach einen beſonderen Gang leer zu laſſen. Der Platz fuͤr die Huͤttchen und den nachherigen freien Aufenthalt der juͤngſten Lammſchaafe, der erſte, welcher zu ſichern iſt, wird auf derjenigen Giebelſeite genommen, welche am meiſten geſchuͤtzt iſt. Auf dieſem Platz werden die Huͤttchen laͤngs den Waͤnden ange— bracht. Ein jedes derſelben bekoͤmmt ſeine Thuͤr, und innerhalb derſelben eine kleine Krippe und eine kleine Raufe. Zum Herein⸗ und Herausbringen des Schaafs, — mit laſſe Ihre äll Jäͤhu⸗ und dom gueet öchie⸗ in der nderen herigen erſt, belſeite dieſem ange⸗ und kleine haaff, / einer Schaͤferei. 1773 des Futters und der Traͤnke ſind dieſe Oeffnungen ſehr bequem, und die Wolle iſt vor dem Einfallen des Fut— ters geſchuͤtzt. Anſtatt des einzelnen Traͤnkens iſt es beſſer, wenn mehrere Huͤttchen eine gemeinſchaftliche Rinne haben. Der uͤbrige Raum des Stalles wird zur Aufnahme ſo vieler Schaafe beſtimmt, daß ſie einen bequemen Auf— enthalt haben, naͤmlich fuͤr jedes traͤchtige Schaaf einen Kreis, deſſen Durchmeſſer es ſelbſt iſt, alſo ohngefaͤhr 11— 12 Quadrat⸗Fuß. Jede hundert bis hundert zwan— zig Stuͤck muͤſſen fuͤr ſich abgeſperrt werden. Zur Seitenſtellung der Schaafe waͤhrend des Futter⸗ Einlegens werden außerhalb am Stalle verdeckte Schop— pen oder Schauer angebracht, weil das Zuſammendraͤn— gen im Stalle Verlegenheiten verurſacht, auch zu viel Raum erfordert. Die Stall-Temperatur darf nicht 10 Grad R. uͤber⸗ ſteigen. Zur Moderirung derſelben kann man die Stall— Thuͤren in die Queere theilen laſſen. Auf der Ausgangsſeite des Stalles unterlaſſe man nicht, eine Pflanzung niedriger Baͤume anzulegen, und den Platz wohl zu ebnen. Der Schaͤfer locke ſeine Schaafe hinter ſich her. Dieſe Angewoͤhnung iſt wegen Feuers-Gefahren noth— wendig. Die Engliſchen Schaͤfer fuͤhren einen ausge— ſtopften Leithammel auf einen kleinen niedrigen Wagen hinter ſich her. Alles bisher uͤber Stall-Einrichtung und Schaaf— Haltung Geſagte iſt laͤngſt bekannt, allein der angehende Landwirth findet in den wenigſten Schaͤfereien Alles bei— ſammen, indem oft ſchon die Oertlichkeit eine andere Einrichtung erfordert. — —III—IöIöIöͤöͤöͤͤͤͤſIſͤſI11 —— 71 XIII. Ueber d. aͤußeren Einrichtungen einer Schaͤferei. Zur Erhaltung des Futters wird ein von allen Seiten gegen Feuchtigkeit und Duͤnſte wohl verwahrtes Lager erfordert. Bei einer Stalldecke, welche den Dunſt durchlaͤßt, iſt eine Heerde mit den Laͤmmern jaͤhrlich den Folgen multrigen Futters ausgeſetzt. Das Futter wird am meiſten geſichert, wenn es mit Stroh bedeckt und durchſchichtet, und mit Dach und Wand in keiner Beruͤhrung gelaſſen wird. Zu dem Ende werden gleich mit dem Anbruch eines Heu-Haufens, oder noch vorher ringsum freie Gaͤnge gemacht. Stallfuͤtterung fuͤr beſtaͤndig iſt nicht wirthſchaftlich, wo es kurze Weide giebt, welche weder zur Gewinnung des Futters, noch fuͤr anderes Vieh benutzt werden kann. Außerdem iſt Gruͤnfutter auf Haufen gefaͤhrlicher als in ſeinem freien Stande, wo es Luft und Winden beſtaͤndig ausgeſetzt iſt. Auch machen die Unkoſten der Herbeiſchaffung und des Einfuͤtterns einen Unterſchied gegen die Koſten des Huͤtens. Schlaͤgt endlich die Kleeſaat fehl, ſo muß doch ausgetrieben werden. Das Horden entſteht aus Mangel an Streue, und duͤngt ohne weitere Belaͤſtigung. Allein dieſe Duͤngung iſt nicht nachhaltig, und am vortheilhafteſten nur auf kaltem Boden. Der Nachtheil des Hordens kann aber fuͤr die Heerde je nach Beſchaffenheit der Umſtaͤnde ſehr groß werden, wenn Bodenkaͤlte und Naͤſſe mit feuchten und kalten Naͤchten zuſammenwirken. Die Aeußerung der Folgen zeigt ſich am erſten am Muttervieh und an den Laͤmmern. Dieſe bekommen den Durchfall, magern ab, und viele koͤnnen es nicht uͤberſtehen. Was als— dann am Leben bleibt, hat ſich freilich bewaͤhrt. Es koͤmmt alſo auf jede beſondere Oertlichkeit an, ob das Horden in allen wirthſchaftlichen Beziehungen vortheil⸗ haſter, oder nachtheiliger ſei. gung r auf aber e ſeh zuchten ßerung und an magern d als⸗ . Es bb das ortheil⸗ XIV. Ueber die Beſtimmung der Paaruug. — ‿* XIV. Ueber die Beſtimmung der Paarung. Dieſe betrifft ſowohl die Leitung der Zucht als die Feſtſtellung der Laͤmmerzahl in wirthſchaftlicher Be— ziehung. Was das erſte betrifft, ſo wird ein jeder Dirigent, welcher die erforderlichen Eigenſchaften der beſten Woll— traͤger kennt, dieſe auch bei der Auswahl der Stamm— thiere anzuwenden wiſſen. Indeſſen moͤgen hier die Angaben einiger Verfah— rungs⸗Weiſen, welche darauf Bezug haben, naͤmlich beim Claſſifiziren der Heerden und Auszeichnen einzelner Staͤhre nach ihren Vorzuͤgen mit wenigem folgen. Unter den Bedingungen der Unterſuchung iſt es eine der erſten, daß wenn dieſelbe im Laufe des Win— ters geſchah, ſie nach dem Austreiben in wichtigen Faͤl— len zu wiederholen iſt, indem die Schaafhaltung nicht blos auf den Aufenthalt im Stalle beſchraͤnkt bleiben kann, die Einwirkung der freien Natur aber beſonders bei Wolle junger Thiere erſt zeigt, wie ſie ſich bildet, wobei indeſſen, wenn gehordet wird, darauf beſondere Ruͤckſicht zu nehmen iſt. Das Alter kann nicht ſehr genau nach der Beſchaf⸗ fenheit der Zaͤhne beurtheilt werden, indem der Wechſel bei dem einen fruͤher, dem andern ſpaͤter eintritt und 76 XIV. Ueber die Beſtimmung auch nicht gleiche Perioden haͤlt, ſo daß die Verſchie— denheit des Alters bei gleicher Beſchaffenheit der Zaͤhne in verſchiedenen Heerden um 4—6 Monat abwei⸗ chen kann. Einſchnitte in die Vorderzaͤhne treten oft ſchon mit dem dritten Jahre ein, und die Vollzahl der Zaͤhne kann bei dem einen Individuum noch geſchloſſen ſein, waͤhrend ſie bei dem andern ſchon im fuͤnften Jahr zu ruͤffeln anfaͤngt. In Betreff der Klaſſiſizirung der Heerden ſtehen fol— gende Regeln feſt. Die Feinheit darf nicht die erſte Grundlage der— ſelben ſein, ſondern dazu muß zunaͤchſt die Unterſchei— dung der verſchiedenen Merinos-Woll⸗Arten nach ihrem Laͤngen⸗Verhaͤltniß zum natuͤrlichen Wuchſe dienen. Demzufolge werden zunaͤchſt 2 Haupt⸗Abtheilungen ge⸗ macht, wenn eine Heerde noch verſchiedenartige Wolle in ſich enthaͤlt: die Iſte bekoͤmmt die Individuen mit mittelhoch gebogener Wolle, und die andere alles Uebrige, abgeſehen von Feinheit. Bei dieſer letzten Haupt⸗Ab⸗ theilung koͤnnen weitere Unter⸗Abtheilungen gemacht wer⸗ den, von denen die eine ſolche Wolle enthaͤlt, welche ſich der erſten Haupt-Abtheilung naͤhert. Dieſe Methode fuͤhret bei gemiſchten Heerden am naͤchſten zum Ziel. Die erſte Haupt-Heerde theile man nach den For⸗ derungen an einzelne Zuchtthiere ebenfalls in 2 Unter⸗ Abtheilungen, wenn Stammfaͤhige Individuen vorhanden ſind. Die erſte enthaͤlt den Haupt-Stamm, aus wel⸗ chem kuͤnftig allein die Staͤhre genommen werden, in⸗ ſofern ſie die erforderlichen Eigenſchaften beſitzen. Die Laͤmmer dieſes Stammes von beidem Ge— ſchlecht koͤnnen, wenn keine Spezial⸗Regiſter gefuͤhrt werden, bald nach ihrer Geburt mit einem Loch⸗Eiſen, För⸗ Unter⸗ rhanden wel⸗ en, iue t Ge⸗ geführt „Eſſen, der Paarung. 77 das nur der Aufſeher bei ſich verwahren muß, einmal in einem Ohr bezeichnet werden. Laͤmmer, welche ab⸗ arten, bekommen dies Zeichen nicht, und werden nach dem Abſetzen von ihren Muͤttern unter die uͤbrigen Hau⸗ fen gethan. Will man mit der Klaſſification noch weiter gehen, ſo zerfaͤlle man den Zuchtſtamm nach denſelben Grund— ſaͤtzen nochmals in 2 Theile. Weiter gehe man aber nicht. Alle Staͤhre, welche ſich zur Zucht eignen, claſſi— fizire man nicht, ſondern man rangire ſie einzeln nach ihren beſonderen Vorzuͤgen. Der Werth eines Zuchtthieres wird nach den Gra⸗ den der erforderlichen Eigenſchaften beſtimmt, die es an ſich traͤgt. Offenbare Untauglichkeiten der Wolle und des Koͤrpers, wie in die Augen fallende Ungleichheit der Wolle auf dem Ruͤcken und dem Widerriß; ganz ſchlichte Haare an den Außen-Enden des Vließes; das Perlen und Straͤngen der Wolle, klebriger, nicht loͤsbarer Schweiß und eine allzugroße Schwaͤche des Koͤrpers, ſo wie andere Maͤngel, geſtatten keine Zulaͤſſigkeit zur Zucht. An einem Staͤhr ſind zu unterſuchen: Woll-Art, Gleichhaarigkeit auf jeder Stelle; Gleichfoͤrmigkeit des einzelnen Haares; Gleichartigkeit der Wolle auf den ver— ſchiedenen Koͤrpertheilen; Feinheit; Laͤnge; Schwere des Vließes; Grad der Dichtheit; Grad des gleichmaͤßigen Abſtandes; Bewachſenheit am Hinterkopf. Von dieſen Eigenſchaften ſind die zwei vorletzten nicht zu meſſen, alle uͤbrigen ſind in Groͤßen beſtimmbar. Die gering— — ſten zulaͤſſi: Die hoͤchſten Bei Staäaͤhren. gen Grade. Grade. 1) Die Woll-Art nach dem Laͤn⸗ genverhaͤltniſßf. 13, 13. 78 2) XIV. Ueber die Beſtimmung Die gering⸗ ſten zulaͤſſi- Die hoͤchſten gen Grade. Bei Staͤhren. die Gleichhaarigkeit nach der Anzahl der ungleichen Haare unter 20.. „» 5 2 2 3) die Gleichfoͤrmigkeit nach der fehlenden Anzahl Bogen des ausgewachſenen Haares... 4) die Gleichartigkeit der verſchie⸗ denen Koͤrpertheile nach dem mindern Feinheits⸗Verhaͤltniß 5) 6) 7 8) 9) des Kreuzes zum Blatt in den fehlenden Bogen auf 1 Zoll. (6 feine Bogen ſind ohnge⸗ faͤhr 1 Grad Doll gleich.) Die Feinheit nach der Anzahl der Bogen auf 1 Zoll.... Die Kanikel⸗Staͤhrchen zaͤh⸗ len freilich mehr. Die Laͤnge der Wolle in Zoll: und Die Schwere des Vließes in viurdenn Der Dichtheits⸗Grad; dieſer ergiebt ſich annaͤhernd aus der Laͤnge der Wolle und Schwere des Vließes; Der gleichmaͤßige Abſtand der Haare, das Gegentheil vom Straͤngen, kann nur nach dem Augenmaaß beurtheilt werden. 2. 2. 24. Grade. 1. 28. 11 der Paarung. 10) Die zuſammenhangende Be⸗ wachſenheit des Hinterkopfs oder ein Mangel daran faͤllt von ſelbſt in die Augen. 79 Bringen wir die verſchiedenen Groͤßen-Maaße dieſer Ei— genſchaften auf einerlei Maaßſtab zuruͤck, ſo laͤßt ſich der abſolute Werth eines Zuchtthieres arithmetiſch beſtimmen, z. B. in 100 Theilen: die Woll⸗Art: Längen⸗Verhaͤltniß: 13. 1 ½. 17. 1¼. in 100 Theilen: 1. 33 ⁄. 662. 100. die Gleichhaarigkeit: 1 ungleiches Haar unter 10. 15. 20. in 100 Theilen: 1. 50. 100. die Gleichfoͤrmigkeit: fehlende ude in der Spitze 4 1. in 100 Theilen: 1. 33 4. 663. 100. die Gleichartigkeit der Koͤrpertheile: am Kreuz fehlende Bogen auf 1 Zoll: 2. 1. 1. in 100 Theilen: 1. 50. 100. die Feinheit: Bogen auf 1 Zoll: 24. 26. 28. in 100 Theilen: 1. 50. 100. die Länge: in Zoll: 31. 3. 2. und 11. 2. 2 ½. beide Reihen 1 in 100 Theilen: 1. 50. 100. 80 XIV. Ueber die Beſtimmung die Schwere: in Pfund: 2 ½. 2. 3. in 100 Theilen: 1. 50. 100. Die ſanfte Elaſtizitaͤt, die Dichtheit und Gleich— maͤßigkeit des Haarſtandes, ſo wie die Bewachſenheit des Hinterkopfs werden jede in ihrem hoͤchſten Grade gleich 100 gerechnet, und bei jedem gegebenen Exemplar nach ohngefaͤhrem Befinden abgeſchaͤtzt. Der hoͤchſte Grad aller erwaͤhnten 11 Eigenſchaften oder der hoͤchſte Werth derſelben an einem ſolchen Zucht— ſtaͤhr waͤre alſo gleich 1100; und die an einem Exem— plar gefundenen Grade jeder einzelnen Eigenſchaft mach— ten alſo ſo viele 1100tel aus. Die Anwendung auf gegebene Preiſe-Verhaͤltniſſe geſchaͤhe auf folgende Weiſe: geringſter Preis 10 Thlr.; hoͤchſter Preis 230 Thlr. Differenz 220 Thlr., getheilt in 1100. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß die Anwendung nur auf Individuen von gleichem Alter und unter uͤbrigens gleichen Umſtaͤnden gemacht werden kann. Theilen wir alle vorerwaͤhnten Eigenſchaften eines Zuchtthieres in 4 Abſtufungen, ſo daß auf eine jede 25 Hunderttheile fallen, ſo laͤßt ſich auf die verſchiedenen Grade ihrer Verbindung eine geometriſche Steigerung des Werthes anwenden; z. B. wenn ſich alle Eigenſchaf— ten in dem Spielraum von 1 bis 25 hielten, Werth gleich 1; von 25 bis 50 gleich 2, und ſo weiter. Bei der Wahl unter mehreren Individuen von glei— cher Klaſſe verdient dasjenige den Vorzug, deſſen Eigen⸗ ſchaften zuſammengenommen die hoͤchſte Zahl geben. Herr Alſen hat dieſen Gegenſtand in einer beſon— deren Schrift ausfuͤhrlicher entwickelt. Spezial⸗Regiſter Glüch⸗ chſenhei n Grade kremplar ſchaften Zucht⸗ Erem⸗ mach⸗ aͤltniſſe Thlr.; ietheill gnut Ugend en ones jede 5 hiedenen teigerung genſcho⸗ , Verh dr bon glei⸗ mEigen⸗ ben. er beſor⸗ Regſſer der Paarung. 81 lohnt es nur der Muͤhe uͤber die Individuen der Zucht⸗ ſtaͤmme zu fuͤhren. Wo es aber die Umſtaͤnde nicht wohl zulaſſen, da werden zur Begattungs-Zeit die beſten Staͤhre mit den beſten Mutterſchaafen zu einer Heerde oder zu Abthei— lungen auf einem oder mehreren Vorwerken vereiniget. Sind beide Geſchlechter mit Sorgfalt ausgeſucht, ſo verliert der Beſitzer bei dieſer Methode, wobei der Zufall unter dem Beſſeren ſein Spiel treibt, eben Nichts von Bedeutung fuͤr den Augenblick. Nur iſt die Einzel— Paarung belehrender wegen des beſtimmten Erfolgs be— ſtimmter Faͤlle, und traͤgt daher weit mehr zur ſchnellen Foͤrderung des Viſſeenſchaftlichen hierin bei. In Betreff der Laͤmmerzucht richtet ſich die Be⸗ ſtimmung der Anzahl nach dem Beduͤrfniß der Heerde oder nach dem Futtervorrath, und nach dem letzten auch die Lammzeit ſelbſt. Dieſe mitten in den Winter zu ver— ſetzen, dagegen hat ſich ſchon die Erfahrung ausgeſpro— chen. Nur findet gegenwaͤrtig eine andere Feſtſtellung der Lammzeit ſtatt, naͤmlich auf die Mitte November bis dahin Dezember. Ohne vieliaͤhrige Erfahrung laͤßt ſich uͤber die Vortheile dieſer Einrichtung wohl nicht entſcheiden, obgleich der erſte Anſchein dafuͤr ſpricht. Naͤmlich: Eine gleiche Nutzungs-Periode von 6 Jahren und 4 Laͤmmern vom Schaaf vorausgeſetzt, erfordern die November-Laͤmmer gegen die Februar⸗ und Maͤrz⸗Laͤm⸗ mer in dieſer ganzen Periode einen einmaligen Mehr— aufwand von einer dreimonatlichen Futterzulage fuͤr das Mutterſchaaf und einem dreimonatlichen Unterhalt des Lammes. Bei einer ſchlechten Spaͤtherbſtweide kann ſich die Zulage fuͤr das Mutter-Schaaf in Art und Menge bedeutend erhoͤhen muͤſſen. Unterſuchen wir dagegen die 6 8² XIV. Ueber die Beſtimmung Vortheile dieſer Einrichtung, ſo waͤren es folgende. Fuͤr's erſte eine kraͤftige Ernaͤhrung des Embryo vermoͤge der guten Sommerweide; ferner der Genuß einer nahrhaf— teren Muttermilch und eines nahrhafteren Futters gleich nach der Geburt im Vorwinter, folglich Kraͤftigkeit des Koͤrpers von Anfang an; alsdann mehr, und wenn nicht eine in jeder Ruͤckſicht beſſere, doch eine ſanftere Wolle, als bei Laͤmmern, welche im tiefen Winter geboren wer⸗ den. Ob aber in derſelben Nutzungs⸗Periode 1 Lamm mehr zu rechnen ſei, als von Schaafen, die im Maͤrz geboren ſind, dies hebt ſich beim erſten Ueberblick, indem zwiſchen dem naͤchſtvorhergehenden Monat November und der naͤchſten Verkaufzeit im letzten Lebens-Jahre keine weitere Lammung ſtattfinden kann. Wollte man aber einwenden, das November-Lamm koͤnne ſchon im zwei— ten Lebens⸗Jahre, das Maͤrz⸗Lamm aber erſt im dritten zur Paarung gelaſſen werden, ſo laͤßt ſich dieſer Ein— wurf durch die Anwendbarkeit deſſelben Aufwandes bei Maͤrz⸗Laͤmmern widerlegen. Finden aber bei November⸗ Laͤmmern außer einem beſſeren Woll-Ertrage, welcher uͤbrigens die uͤberſchießenden Koſten nicht zu decken ver— mag, ſonſt noch weſentliche Vortheile ſtatt, ſo beſtehen ſie erſtlich in der fuͤr die Schaafmeiſter wohl zu beruͤck— ſichtigenden Erleichterung der Pflege der Muͤtter und Laͤmmer waͤhrend des tiefen Winters, und alsdann in der Faͤhigkeit der letzten, fruͤher auf die Weide gehen zu koͤnnen, als die Maͤrz⸗Laͤmmer, und auch gewoͤhnliche Winternahrung zu ſich zu nehmen. Nur die Verſetzung der Lammzeit erfordert einige Jahre, es ſei denn daß man Fruͤh- und Spaͤtlaͤmmer zugleich haben will. Im letzten Fall laſſen ſich die ſtaͤrkſten Zutreter fuͤr die November-Laͤmmer waͤhlen. Ueber die Dauer der Saͤuge-Zeit von 11— 12 Ade.Firs mie der 3 ruhrhaf⸗ ttas geich ſigtet de wenn nict ere Vol, brren wi⸗ I Lann 1 Maz t, indem dovembet ahte keine man aber im zwe⸗ n dritten ſer Ein⸗ des bei Nember⸗ wache eden de⸗ ſ beſthen zu berii⸗ lütter und alsdann in e gehen z geriuihe net ainige oitlämmet n ſch die ahlen. 1- der Paarung. 83 Wochen iſt man allgemein einverſtanden. Was aber leicht uͤberſehen werden kann, iſt der Umſtand, daß die Laͤmmer, je beſſer die Muttermilch geweſen, und je ma— gerer das Futter iſt, welches darauf folgt, ſichtbar ver⸗ fallen, und im Wachsthum zuruͤck bleiben. Ueber den Stand der Veterinaͤr⸗Wiſſenſchaft. Die Veterinaͤr-Wiſſenſchaft in Betreff des Schaaf⸗ Geſchlechts iſt an ſich wohl ſo weit gediehen, als es ohne Selbſt⸗Erfahrung der Aerzte uͤber die Entſtehungs⸗ Arten der Krankheiten moͤglich ſein kann. Und ſo lange denſelben keine Gelegenheit gegeben wird, auf Koſten der landwirthſchaftlichen Vereine ſyſtematiſche Verſuche mit Weiden, Futter und Traͤnke auf Tod und Leben wiederholt anſtellen zu koͤnnen, ſo lange wird Kluges und Fades daruͤber geſprochen und geſchrieben werden. Allgemeine Fingerzeige, der Wahrheit naͤher zu kom— men, giebt die taͤgliche Erfahrung an die Hand. Man will es zwar paradorx finden, daß die wich⸗ tigſten Schaaf-Krankheiten, des Gehirn- und Ruͤcken— Marks und des Blutes zunaͤchſt in der Art der Genuͤſſe ihren Grund haben ſollen, und doch erweiſet ſich dies wiederholt auf eine unbeſtreitbare Weiſe. Warum zei— gen ſich dieſe Krankheiten in einem Jahre geringer, als im andern? Warum geht die Drehkrankheit bei verſtaͤrk— ter Einwirkung ſchlechter Weide in die Knupper uͤber? Warum kann eine Heerde noch im Stalle von Bleich— und Waſſerſucht befallen werden? Warum bleibt die naͤmliche Heerde auf dem einen Vorwerk davon befreit, und, wenn ſie verſetzt wird, auf dem andern nicht, wenn die Urſachen nicht in der Natur der Weide, des Futters oder des Waſſers laͤgen? Waͤren dieſe in der Beſchaffen⸗ heit der Luft begruͤndet, warum wiederholen ſich denn 6* 84 XIV. Ueber den Stand d. Veterinaͤr⸗Wiſſenſchaft. dieſelben Erſcheinungen immer auf derſelben Stelle? Beiſpiele hieruͤber anzufuͤhren iſt ganz uͤberfluͤſſig, indem ſich ein Jeder, welcher bei der Schaafzucht nur einige Jahre verweilt hat, vom Geſagten uͤberzeugt halten wird. Durch dieſe Erweiſe wird aber die Vererblichkeit der einen oder andern der erwaͤhnten Krankheiten noch nicht aufgehoben, obgleich es noch nicht erwieſen iſt, daß ein mit zerſtoͤrtem Gehirn- oder Ruͤckenmark be— haftetes maͤnnliches Individuum noch zeugungsfaͤhig ſei, wiewohl dieſelben Folgen von einer bloßen Dispoſi⸗ tion vielleicht unbedingt koͤnnen angenommen werden. Schluß. Die bisherige Darſtellung der Grundſaͤtze, nach denen bei der Merinos-Schaafzucht verfahren werden muß und wird, iſt zu oberflaͤchlich, um fuͤr ein voll— ſtaͤndiges Syſtem zur Selbſtbelehrung gelten zu koͤnnen; ſie iſt aber ausfuͤhrlicher, als ein encyelopaͤdiſcher Artikel deſſelben Inhalts ſein kann, und dienet dem Landwirth— ſchafts⸗Befliſſenen zur Hinweiſung auf den richtigen Weg und zur richtigen Beurtheilung anderer Schriften, deren Lectuͤre nicht verſaͤumt werden darf, waͤhrend ſie zugleich dem unbetheiligten Liebhaber der Sache eine kurze Ueberſicht des Geſchichtlichen und der Verfahrungs⸗ Weiſe bei der Schaaf-Haltung gewaͤhret. Es waͤre noch manches Nuͤtzliche uͤber die Art, wie das Waſchen und Scheeren auf verſchiedenen Guͤtern vollzogen wird, zu ſagen. Allein dies wuͤrde die gegen— waͤrtige Darſtellung zu weitlaͤuftig machen. Anziehen⸗ der wird es dagegen manchem geehrten Leſer ſein, die Namen ſolcher Herrſchaften und Landguͤter hier bei⸗ ſammen zu finden, auf denen gegenwaͤrtig die Merinos⸗ Schaaf⸗Zucht vorzugsweiſe getrieben wird. .——-= ſ. Shelle? indem enige did. blchtet n noch ſen iſ uk be⸗ bßthig Spoſi⸗ n. XV. Die bekannteſten Merinos⸗Schaͤfereien ꝛc. 85 XV.. Die bekannteſten Merinos-Schaͤfereien im noͤrdlichen Deutſchland. Es wuͤrde aber ein beſonderes ſtatiſtiſches Werk erfor⸗ dern, wenn man alle Guͤter des noͤrdlichen Deutſchlands, auf welchen ſich Merinos mit Einſchluß aller hochver— edelten Schaafe befinden, in geographiſcher Ordnung und nach den politiſchen Abtheilungen hintereinander folgen laſſen wollte. Fuͤr den gebildeten Geſchaͤftsmann waͤre auch ein ſolches uͤberfluͤſſig, indem ſeine eigene Kund— ſchaft und der Beſuch der Maͤrkte ihn beſtaͤndig unter— richtet halten. Dem Anfaͤnger koͤnnen indeſſen einfache Ortsverzeichniſſe nicht anders als willkommen ſeyn, in— dem ſowohl auf Informations- als Geſchaͤfts-Reiſen um ſo leichter eine Kette ſich bilden laͤßt. Die nachfolgenden Verzeichniſſe enthalten unter Vor⸗ ausſchickung der bekannteſten vorzuͤglichſten Heerden des Koͤnigreichs Sachſen dieſe ſelbſt, ſo wie alle uͤbrigen in unabſichtlicher Ordnung. Sollte daher der Eine oder Andere der Herren Beſitzer ſein Haupt-Gut nicht auf derjenigen Stelle aufgefuͤhrt finden, wohin es eigentlich gehoͤren ſollte, ſo muß ich um Entſchuldigung bitten. Die Namen der Guͤter ſind nicht in alphabetiſcher Ordnung, indem dieſe bei dem Gebrauch einer Spezial⸗ Charte zu nichts fuͤhren kann. 86 XLV. Die bekannteſten Merinos⸗Schaͤfereien Koͤnigreich Sachſen. Die Koͤniglichen Stamm-Heerden: Lohmen, Rennersdorf, Stolpe, Hohenſtein. zä 7 Klipphauſen; Dahlen; Boͤrlen; Gersdorf! Machern; Niedergersdorf; Rothwermsdorf; Dreiſchkau; Hirſch⸗ ſtein; Schoenfeld; Heſelicht; Lausnitz; Weißlach; Neu— kirchen; Glaubitz; Naundorf; Batzdorf; Auguſtenberg; Mutſchen; Doͤhlen; Barnitz; Weißtropy/ Rothſchoͤnberg; Luͤtſchena⸗; Maxen5 Gamich; Marſchwitz; Collmen; Penig; Rochsburg; Glaucha; Ehrenberg; Waldenburg; Glauſchuͤtz; Seegeritz; Groitſch; Gutthal; Leiſewitz. Bis hierher die vorzuͤglichſten in willkuͤhrlicher Ord— nung, und ohne andere ausſchließen zu wollen. Koͤnigreich Sachſen. (Fortſetzung.) Ebersbach; Lauterbach; Trebſen; Koͤnigsfeld; Buch; Muͤgeln; Kroptowitz; Poltitz; Poltenberg; Falkenhayn; Kienitſch; Leilitz; Groͤditz;z Munzig; Elbersdorf; Choren; Lampertswalde; Obereule; Winterode; Krautwelke; Grasdorf; Cunersdorf; Bomſen; Schleinitz; Roitzſch; Sahlis; Breitenfeld; Kloſchwitz; Niſchwitz“ Kaeltſchau; Wedelwitz; Thalwitz; Roͤcknitz; Nieder-Jahne; Koͤditz; Alt⸗Oſchatz; Mokritz; Trebitz; Zankſchwitz; Muͤcheln; Goſeln; Robſchuͤtz; Schlettau; Pillnitz; Schladitz; Guͤn⸗ theritz; Gautſch; Loͤsnig; Kitſchern; Tauben⸗ hayn; Peiſchwitz; Glaucha; Bockwitz; Poſchwitz; Gauerwitz; Groebern; Bonitz; Ketwitz; Lockewitz; im noͤrdlichen Deutſchland. 87 Schoͤnfeld; Bernſtein; Lauenſtein; Oelſen; Liebſtadt; Langhennersdorf; Balzdorf; Waeldgen bei Wurzen; An— germuͤhle; Gauernitz; Muckern; Lauſigk oder Gei⸗ thenz Priesnitz; Floͤsberg; Meuſelwitz; Colitz; Bosnitz; Markendorf; Loſſa; Jahne; Frankenhauſen; Otterwitſch; Zankerode; Leim; Saalhauſen; Schweda; Cannewitz; Duͤrren⸗Reichenbach; Hof; Bodelwitz; Barnitz; Balsdorf; tien Janitshauſen; Elſchau; Plotha; Cotitz; Calbitz; Zſchirla; Hirſch⸗ Belgershayn; Haynichen bei Leipzig; Haynichen bei Neu⸗ Altenburg; Ponitz; Groß⸗ſchocher; Zeſta; Baſelwitz; berg; Zottowitz; Groebaz Delitz; Sachſendorf; Bornitz; Seher⸗ bag hauſen. be Herzogthum Sachſen mit Ausſchluß des Lau⸗ ſitzſchen Theils. Zſchepen; Schenkenberg; Storkwitz; Laue; Loͤb⸗ Ord⸗ nitz; Lemſel; Dapernae Paupitſch; Schwemſal; Kreiſchau; Zwetauz Hohenpriesnitz; Droſſin; Zottowitz; Wiederode; Falkenberg; Dahlewitz; Mau⸗ ken; Triſtewitz; Delitzch; Loͤsnig; Kloͤden; Ammel-Ju⸗ ſterwitz; Bucholz; Roitſche Briſtaͤblich; Pretſch; Bo⸗ Suh; delwitz; Zſcheplin bei Delitſch; Pakiſch; Seyda; Roitſch; Baſelwitz; Nuͤdersdorf; Dahlenbergz A;, nhayn; 3;;; dur Baͤrendorf. Hegee h) ne Gegend von Halle, Halberſtadt, Magdeburg ꝛc. ehe„Wollmirſtaͤdt; Gr. Wanzleben; Athensleben; Barbpy;„. füß Angern; Kehnert; Neuhaldensleben; Seehauſen; Althale⸗ 4. zeie densleben; Kerben; Winningen; Kochſtaedt; Hecklingen; ein⸗ Groͤningen; Wernigerodez Kloſter Burchardi bei Hal⸗ den. berſtadt; Gottesgnaden; Egeln; Weſteregeln; Etgarsleben; Gr. Alsleben; Hackenſtaedt; Oſchersleben; Schlanſtaͤdt; dis Schraplau; Endorf; Harkerode; Ermsleben; Willerode; ) ———OO: 88 XV. Die bekannteſten Merinos⸗Schaͤfereien Giebichenſtein; Schraplau; Oſtrau; Wettin; Rothenburg; Friedeburg; Brachwitz; Walbeck; Quenſtaͤdt; Wiederſtaedt; Greiffenhagen; Kloſtermannsfeld;z Wimmelburg; Sittchen⸗ bach; Bornſtaedt. Lauſfi zz. Clausnitz; Lauske; Jenkendorf; Gratz; Siegersdorf und Kletzſchdorf; Crone; Neuendorf; Waldau; Schreibersdorf; Reibersdorf; Kieß⸗ lingswalde; Pellmannsdorf; Sellendorf bei Dahme;— Beſtow; Boſchwitz; Heinsdorf; Ukrauz Strellen; Wir⸗ chen; Kleinhof; Preſtau; Hohen⸗Ahlsdorf; Reichen⸗ bach; Hartmannsdorf; Graefendorf; Reins⸗ dorf; Zagelsdorf; Tornow; Gr. Jeſeritz; Klein-Mehſe; Dre hy; Herwigsdorf; Luͤbenau; Dahme; Gers⸗ dorf;“ Schenkendorf; Seeſe; Gr. Luͤbenau; Kaem⸗ men; Saßleben; Ocherroſen; Rettern; Altena; Zinz; Weiſſenburg; Markendorf; Glaubitz; Kaße; Kredel; Za⸗ gelsdorf; Zſcharſitz; Stuͤlpe; Luckau; Martſendorf; Nie⸗ der⸗Gurig.. Oberſchleſien. Caſimir; Leobſchuͤtz; Kalinowitz; Nam ieſt; Ober⸗Glogau; Doberau; Dombrowka; Dame⸗ rau; Schoͤnewitz; Roſen; Sternalitz; Schoͤn⸗ walde; Wierusczowz Schweinern; Camenz; f. v. Herberſtein; Sotoff; Kuchelna; Skrezel⸗ litz; Eckersdorf; Schlockwitz; Reinsdorf Eich⸗ berg; Thomas⸗Waldenburg; Jacobsdorf; Zuͤlz; Sims⸗ dorf; Gr. Strehlitz; Neurode; Rosny, Mieluczin, Johnſtohn; Luband; Gletſchen; Winſcowitz; Schmaardt; Kugern; Laaſan. ͤ — im noͤrdlichen Deutſchland. 89 Mittel⸗Schleſien. Reſewitz; Ober- und Nieder⸗Muͤhlwitz; Galwitz; Pontwitz; ſaͤmmtlich dem Herrn General⸗ Landſchafts-Director, Grafen von Dyhrn gehoͤrig. Bern⸗ ſtadt; Buchelsdorf; Schleuſe; Trembatſchau; Blacwitz; Herr von Buddenbrock; Radſchuͤtz; Zobten; Hennigsdorf; Langhelwigsdorf; Ruxz Hart⸗ lieb; Thielau; Toeſchwitz; Huͤhnern; Gr. Elgut; Neudorf; Teltſch; Barzdorf; Reichelsdorf; Kuhnern; Koeben; Alt⸗Chemnitz; Krieblowitzz Strien; Backſchuͤtz Krumbach; Lampersdorf; Wegmeiler; Goldnitz; Ellgut; Bunkay; Frauenhayn; Schilkwitz; Alt-⸗Wohlauz Rotbſchloßz Herrnſtadt;[(Militſch, Craſchnitz, Feſtenberg, Gohſchuͤtz,] Graf von Reichenbach; Steiſſau; Mahlen; Liſſa bei Breslan; Kohlhoͤhe; Peterwitz bei Jauer; Siedlitz; Krolau; Seiffrodau; Zweibrodt; Duͤrrjentſch; Bankwitz; Camerau; Elend; Schöff Ellgut; Schwarzenau; Randſau; Malitſch; Schillkwitz; die Gf. Yorkſchen Beſitzungen; Panten. Seedorf; Boberau; Leiſersdorf; Zobten bei Lö⸗ wenberg; Pantenau; Polſchildern; Rettkau; Weiſſenrode; Kummernick; Petersdorfz Blumenz Mittelſteinsdorf; Schierau; Nieder⸗Thomas⸗Waldau; Alt⸗Wardau; Ottendorf; Hollſtein; Guͤldenſtroͤm; Adels— dorf; Modelsdorf; Goͤllſchauz; nebſt denjenigen Schaͤfe⸗ reien, aus welchen fuͤr Oſtpreußen angekauft wurde, und welche hier nicht alle genannt ſind. Niederſchleſien und Graͤnze der Neumark. Kaltwaſſer; Sieben⸗Eichen; Wieſenthal; Tauer; Mallwitz; Linderode; Herzogswalde; Mittelſeifersdorf; Streidelsdorf; Warthau; Wolffshagen; Siegersdorff bei Freyſtadt; Leiſſersdorf; Sorau. Je 90 XvV. Die bekannteſten Merinos⸗Schaͤfereien Groß⸗Herzogthum Poſen. Owinſk; Kaczewo; Lewitz; Kl. Kirſchbaum; Lie⸗ ben; Polajewo; Czaicze; Lyskowo; Filehne; Zamoſtrelle; Zamoczin; Wirſitz; Grabionne; Crojanke; die Koͤnigl. Hollaͤndiſche Herrſchaft bei Koſten; Stenezewo; Dombrowka; Bialosliwe; Gosczieiwo; Czoncin; Kobelnik; Kruſchwitz; Zſtrellno, Czer⸗ bone; Wieczeezin bei Bromberg. Die oͤſtlichen Provinzen des Koͤnigl. Preuß. Staates. Gegend zwiſchen der Memel und Weichſel. I. Lithauen. Kreis Angerburg: Steinort; Sperling; An⸗ gerapp. Kreis Darkehmen: Gailboden; Wedernz Beinunen; Menkimmen; Ernſtburg; Eiſche⸗ riſchken; Koͤnigsfelde; Wilhelmsberg; Kleczo⸗ wen; Tarputſchen; Julienfelde. Kreis Gol⸗ dapp: Groß Blandau. Kreis Gumbinnen: Plicken; Buylinz; Gruͤnwaitſchen; Czirgupoͤnenz Brakupoͤ⸗ nen; Blumberg; Staneitſchen; Kieſelkehmen; Nemmersdorf. Kreis Inſterburg: Laugallen; Friedrichsgabe; Lugowen; Pieraginen; Nor⸗ kitten. Kreis Lyck: Skomatzko; Stradaunen; Lyck; Baitkowen. Kreis Pillkallen: Kuſſen; Loͤbegallen; Krumbkowkeiten. Kreis Oletzko: Drosdowen; Zedranken; Nordenthal; Wenſoͤwen; Statzen; Czychen; Polommen. Kreis Ragnit: Tuſſainen; Kindſchen; Gerskullen; Lesgewangminnen; Sommerau; Wiſchwill; Kaſſigkehmen. Kreis Sens⸗ burg: Sorquitten; Broedinen. Kreis Stallupoͤnen: (A12—½4 im noͤrdlichen Deutſchland. 91 Geritten; Tollmingkehmen; Waldukadel; Sodargen; Enzunen. Kreis Tilſit: Schreitlaugkenz Baubeln. II. Oſtpreußen. Kreis Allenſtein: Nickelsdorf; Pathaunen. Kreis Braunsberg: Woͤlke; Gr. Koͤrpen. Kreis Pr. Eylau: Pr. Eylau; Sislack; Nerfken; Tolx; Borken; Wildenhof; Beisleidenz Graventhin; Kilgis; Knauten; Neuken; Penken; Gr. Waldeck. Kreis Fiſchhauſen: Kirſchnenen. Kreis Pr. Friedland: Abbarten; Domnau; Galben; Redden; Krafts⸗ hagen; Hermenhagen; Liekeim; Puſchkaiten; Poſthenen; Gr. Schwaraunen; Sehmen; Schoͤnbruch. Kreis Gerdauen: Gnie; Korklack; Willkam; Kur— kenfeld; Abellinen; Lonſchken; Polleiken; Trunt— lack; Skandau; Laggarben; Stablack; Gerdauen. Kreis Heiligenbeil: Brandenburg; Bregden; Car⸗ ben; Kaimgallen; Groß Klingbeck; Kobbelbude; Lindenau; Luiſenhof; Kukehmen; Kuppgallen; Roſſen; Schettninen; Willkenit. Kreis Heils⸗ berg: Dittrichsdorf; Elditten; Klotainen. Kreis Preuß. Holland: Neu⸗Kußfeld; Wieſe; Hohendorfz; Juden; Canthen; Behlenhof; Weeskenit; Solainen; Stol⸗ len; Wickerau; Schlobitten; Podangenz Ellend; Draulitten; Weeskenhof; Pr. Mark; Schlodien. Kreis Koͤnigsberg: Arnau; Friedrichſtein; Trem— pau; Kappkeim; Neſſelbeck; Condehnen; Rinau; Kuggen; Suddenicken; Willkuͤhnen. Kreis La⸗ biau: Paddem; Drooſten. Kreis Memel: Proekuls. Kreis Mohrungen: Mothalen; Proͤkelwitz; Jaeſch⸗ kendorf; Maldeiten; Terpen; Venedien; Beſten⸗ dorf; Saſſen; Glocken; Reichertswalde; Kalli— ſten; Kloben; Banners; Saeubersdorfz; Nege⸗ 92 XvV. Die bekannteſten Merinos⸗Schaͤfereien lack. Kreis Neidenburg: Balden; Grodtken; Koſſlau. Kreis Oſterode: Langguth; Froͤdau; Schmuͤckwalde; Haſenberg. Kreis Ortelsburg: Gr. Borken; Ja⸗ blonken. Kreis Raſtenburg: Doͤnhofſtaedt; Lang⸗ heim; Praſſen; Schrengen; Salzbach; Tolxdorfz Warnickeim; Wendehnen. Kreis Roͤſſel: Banſen; Mol⸗ ditten. Kreis Wehlau: Kleinhof⸗Tapiau; Po⸗ dollen; Eiſerwagen; Neumuͤhl; Koppershagen; Sandittenz Schrombehnen. III. Weſtpreußen auf dem rechten Weichſetn Ufer. Kreis Elbing: Cadienen; Neu-Schoͤnwaldez Drewshof. Kreis Stuhm: Stangenberg; Bruch; Buchwalde; Gr. Wapplitz; Trankwitz. Kreis Chriſt⸗ burg: Plonaken. Kreis Marienwerder: Kloetzen; Ger⸗ men; Neudoͤrfchen; Zitſchen; Gr. Krebs. Kreis Grau⸗ denz: Leiſtenau; Kittnowo; Zawda; Schoͤnwalde; Swen⸗ ten; Dombrowken; Mellno; Zakreczewo; Ellernitz; Bialloblott; Roggenhauſen; Rheden; Czumillowo; En— gelsburg; Czepanken. Kreis Roſenberg: Gr. Bel⸗ ſchwitz; Neudeck; Finkenſtein; Brunau; Nipkau; Groß Jauth; Schoöͤnberg; Goldau; Langenau; Ludwigsdorf; Gr. Falkenauz Faulen; Brauſen; Januſchau; Heinrichsdorf; Raudnitzz Limbſee; Plau— then; Pachutken; Kl. Tromnau; Peterwitz. Kreis Loͤbau: Loͤbau; Longkorreck. Kreis Strasburg: Dem⸗- bowalonka; Gr. Konojad; Jablonowo; Sumowo; Guttowo. Kreis Culm: Oſtrometzko; Gezyn; Grubno; Trezepcz; Mgocz; Gorinnen; Blendowo; Wychorce; Storlus; Baierce; Althauſen. Kreis Thorn: Stawkowo; Wypcz; Kuczwalli; Wymislowo; Zelgno; Grabia. ———————uuu—— ſen im noͤrdlichen Deutſchland. 93 Uhe Unter den hier zuvor verzeichneten beſten Heerden tg0 zwiſchen der Memel und Weichſel ſind die hiernaͤchſt fol⸗ bune genden von der Beſchaffenheit, daß ſie, um von einzel— IAnd nen nicht mehr zu ſagen, in Bezug auf Wollzucht und j olrdaif wirthſchaftliche Vortheile zugleich keine Verbeſſerungen 4 Ner zu wuͤnſchen uͤbrig laſſen, die als weſentlich betrachtet 4 h werden koͤnnten. Sie folgen hier nach dem Alphabet: jagen Banners; Beisleiden; Belſchwitz; Blumberg; Buy— lin; Czirgupoͤnen; Dembowalonka; Drewohof; Eiſche— ſel riſchken; Faulen; Grubno; Hohendorf; Jablonken; Jaeſchkendorf; Julienfelde; Kaimgallen; Kappkeim; Korklack; Kraftshagen; Langgut; Ludwigsdorf; Nerfken; dalde, Neudeck; Neuſchoͤnwalde bei Elbing; Nordenthal; Plau— Bruch; then; Rinau; Roſſen; Schmuͤckwalde; Schlobitten; Ghriſ⸗ Schoenberg; Schrengen; Stablack; Staneitſchen; Stein— Ger⸗ ort; Truntlack; Tuſſainen; Wilhelmsberg; Willkenit. Grau⸗ Dieſen gleich zu achten ſind die Haupt-Heerden Swen⸗ und Staͤmme folgender Guͤter, deren uͤbrige Heerden leni; in wenigen Jahren ausgeglichen erſcheinen werden: d Ge Graventhin; Gerskullen; Gr. Borken; Kalliſten; . S4⸗ Kilgis; Kindſchen; Kleinhof Tapiau; Knauten; Koͤnigs— Nakan, felde; Koppershagen; Langheim; Lesgewangminnen; Lu⸗ angenau gowen; Nickelsdorf; Pieraginen; Praſſen; Puſchkaiten; Brauſen, Redden; Romsdorf; Sanditten; Schoͤnbruch; Schreit— Plau⸗ laugken; Sehmen; Sorquitten; Schettninen; Schlo— z Ktei dien; Tolx. Die hier gegebenen Auszuͤge gruͤnden ſich blos dar— :Dem⸗ 3 38 auf, daß ich die darin aufgefuͤhrten Heerden noch in Zanovo; um⸗ den letzten 5 Jahren ſpeziell unterſucht habe. chert; Die noch fehlenden Merinos⸗Schaͤfereien aus dem miono; noͤrdlichen Deutſchland folgen bei einer andern gelegent⸗ h. lichen Schrift nach. 1 Schließlich iſt noch zu berichtigen, daß die im Laufe 94 XVI. Ueber die moͤgliche Verſchwindung dieſes Jahres in Dresden zu Markt gekommene Wolle von einigen oͤffentlichen Zeitſchriften auf 40— 50 Tau⸗ ſend, von anderen auf 20 Tauſend Stein angegeben worden iſt. Dieſe letzte Angabe hat die Wahrſcheinlich⸗ keit fuͤr ſich, wobei zugleich der unverkaufte Reſt nur gegen 2000 Stein oder c. 400 Centner geſchaͤtzt wird. XVI. Ueber die moͤgliche Verſchwindung der Me— rinos⸗ und hochveredelten Schaafe. Eingeführte Thier⸗Raſſen koͤnnen leicht wieder verlo— ren gehen, wenn die Kenntniß zur Leitung der Zucht oder auch das Intereſſe fuͤr ihre Fortdauer fehlt. Das erſte ſcheint mit den beiden Anſchaffungen in Spanien fuͤr das Koͤnigreich Preußen in den Jahren 1786 und 1802 der Fall geweſen zu ſein. Jene Schaafe ſind zerſtoben, ſo daß man auch keine Spur mehr von ihnen weiß. Von den anderen hat Schreiber dieſes noch vor 15 Jahren in einer davon abſtammenden Heerde eine bedeutende Anzahl vorzuͤglicher Zuchtthiere gefunden. Allein damals legte man noch keinen Werth auf die feineren Unterſchiede der Zuchtthiere, und auf das Alter einer Raſſe. Daher hatten ſich die urſpruͤnglichen Ab⸗ koͤmmlinge immer mehr verloren, und die Mehrzahl be⸗ ſtand bloß aus mittelmaͤßig veredelten Schaafen, welche ſ deh dn äule 1-Au lin anien Taäat uft Ra n gſtagt e an c⸗ md N. n jüt. driörfunzer n w m n. zwEthui Shu mir e räbtt Nii n foc mend 1 uhtthe de g e der Merinos⸗ und hochveredelten Schaafe. 95 nur den ſtarken Schweißtrieb geerbt hatten. Weil man ſich aber mit der Schaafwaͤſche noch nicht ſo zu helfen wußte, wie gegenwaͤrtig, ſo wurden ſie von den Beſitzern allmaͤhlig abgeſchafft. Ein Theil jener Schaafe war be— kanntlich auf die Herrſchaften des Fuͤrſten von Lich⸗ nowski gekommen, wo ſie zu dem bald darauf ſo be— ruͤhmt gewordenen Stamme vielleicht vieles beigetragen haben moͤgen. Erkuͤnſtelte Schaaf⸗Raſſen gehen um ſo leichter ver⸗ loren, als dies Geſchlecht ohnehin im zahmen Zuſtande ſo ſehr zu Abweichungen geneigt iſt, wenn nicht die Wahl der Zuchtthiere auf das Sorgfaͤltigſte im Sinne des Zwecks unterhalten wird. Gegenwaͤrtig aber ſucht man ſogar die beſten Me— rinos abſichtlich wieder zu verdraͤngen, und andere Raſ⸗ ſen in der Hoffnung einer groͤßeren Eintraͤglichkeit an ihre Stelle zu ſetzen. Die angefuͤhrten Gruͤnde ſind fol— gende. Fuͤrs erſte ſcheint den Beſitzern das Verhaͤltniß des Werth⸗Ertrages zwiſchen den feineren und minder— feinen Merinos zum Nachtheil der erſten zu bedeutend gewichen zu ſein, und die letzten offenbar mehr einzu⸗ bringen. Ferner die Unterhaltungs-Koſten der minder⸗ feinen kommen ihnen geringer vor, und der Mehrertrag ihrer Wolle ſcheint ihnen die Differenz eines geringeren Preiſes bei weitem zu uͤberwiegen. Auch zeigen ihnen minderfeine Schaafe mehr Ausdauer, und ſind nicht ſo leicht Krankheiten unterworfen. Die Veranlaſſungen die⸗ ſer Anſichten waren folgende. Fuͤrs erſte hielt man zu leichtwollige Schaafe. Nach der Einfuͤhrung der Veredlung wurde die kuͤrzere und feinere Wolle immer am hoͤchſten bezahlt, wie noch heute, nur wegen ihrer anfaͤnglichen Seltenheit in einem hoͤheren Verhaͤltniß. Feinheit beſonders war die Loſung. — 96 XVI. Ueber die moͤgliche Verſchwindung In Ermangelung der geeignetſten Zucht⸗Thiere oder der Bekanntſchaft mit ihren Erforderniſſen griff man zu der bekannten Abart der Seidenſpinner, welche jedem Zuͤch— ter bekannt ſind. Fuͤr den mit der Sache minderbe— kannten Leſer ſei hier bloß erwaͤhnt, daß ſo wohl von gemeinen Schaafen, als von Merinos oder ihren Ab⸗ koͤmmlingen oft Schwaͤchlinge entſtehen, deren Zartheit des Koͤrpers mit der uͤbrigen Raſſe gar keinen Vergleich aushaͤlt. Bei den Merinos geben die Ewachſenen die— ſer Abart oft nur ½ Pfd., und wenn es hoch koͤmmt 1½ Pfd. der allerfeinſten und zarteſten Wolle, welche noch die Lamm-Wolle ihrer Raſſe uͤbertrifft. Bei dieſer Wolle fanden die Sortimentshaͤndler faſt ein noch groͤ— ßeres Intereſſe als die Fabrikanten ſelbſt, indem jene die hoͤheren Sortimente damit ausſchmuͤckten, und durch ihre Empfehlungen auch viel zur Verbreitung dieſer Raſſe oder vielmehr Abart beitrugen. Allein dieſe Wolle wurde den Produzenten nicht ſo bezahlt, daß ſie ihre Rechnung dabei haͤtten finden koͤnnen. Waͤre dies aber auch der Fall geweſen, ſo ſtanden doch der Haltung und Fortzucht ſolcher Schwaͤchlinge zu viele Hinderniſſe im Wege. Sie ſind naͤmlich gegen Nahrungs-Mittel und aͤußere Eindruͤcke ſehr empfindlich, zur Fortpflanzung wenig geeignet und fuͤr alle Arten von Krankheiten am erſten disponirt. Kaum daß ſie bei etwas magerem Fut— ter ihr Leben friſten, und im Laufe deſſelben drei geſunde Laͤmmer zur Welt bringen, welche die Kraͤftigkeii der Mutter haben. Selten iſt es, wenn das erſte und letzte Lamm ohne Ammen fortkommen. Ihre Lebens-Dauer iſt kurz und zum Fettmachen taugen ſie gar nicht. Merk— wuͤrdig iſt es, daß ſie oft von Stamm-Eltern erſcheinen, welche aͤußerlich nicht das geringſte Merkmahl einer ſol— chen Abartung an ſich tragen. Die Kaufleute empfah— dda der in zn der e zi mindake wohl wn hhren A⸗ zarthet Vergleich nen die⸗ kümrt welche deſer ich gi⸗ en jene d durch jdieſer Volle le ihre obet g und nniſſe im ittel und flanzung eiten am erem Fur⸗ d geſunde lgkti der und lizte z⸗Dauer t Metk⸗ ſcheinen, iner ſol⸗ empfah⸗ der Merinos⸗ und hochveredelten Schaafe. 97 len dieſe Wolle, ohne zu wiſſen oder zu bedenken, wie ſehr das Intereſſe der Schaͤferei-Beſitzer dabei gefaͤhrdet ward. Proben von ſolcher Jaͤhrlings⸗-Wolle galten fuͤr die hoͤchſten zu erſtrebenden Muſter. Kam zu der an ſich ſo kaͤrglichen Wollergiebigkeit der beſchriebenen Raſſe eine ſchlechte Ernaͤhrung und Pflege, und in Folge derſelben das Wollfreſſen der Laͤmmer noch hinzu, ſo blieb von Wolle faſt gar nichts mehr uͤbrig. Wer keinen eigenen Zuchtſtamm hatte oder zu ha— ben glaubte, wurde von anderen Beſitzern mit derglei⸗ chen verſehen, und durch die hohen Wollpreiſe geblendet zur Bezahlung eines theuren Preiſes verleitet. Es lag in der Natur der Sache, daß dieſe Abar⸗ ten auf die Laͤnge der Zeit mit minderfeinen, aber reich⸗ wolligeren und robuſteren Schaafen keine Vergleichung aushalten konnten. Indeſſen zeigten ſich den Beſitzern erſt nach mehreren Generationen die Folgen jener Wahl in den nachtheiligſten Verhaͤltniſſen der Preiſe zu der Wollmenge und in der groͤßten Schwierigkeit ihrer Er⸗ haltung. Sie waren ſchon ziemlich allgemein— und zwar unter dem Namen erſter Elektoral⸗Raſſe— ver⸗ breitet, und bis jetzt haben ſich ihre Spuren nach ſo vielen Jahren noch nicht ganz aus der Mehrzahl der Individuen mancher Heerde verwiſchen koͤnnen. Wahrſcheinlich lag auch in der ſpaͤteren gaͤnzlichen Ausrottung derſelben aus den Koͤnigl. Saͤchſiſchen Stamm⸗ heerden, welche ebenfalls dergleichen gehabt haben konn⸗ ten, der Grund des Vorwurfs auf der Leipziger Zuſam⸗ menkunft im Jahr 1823, daß ſie naͤmlich nicht mehr ſo viele Elektoral-Wolle lieferten, wie fruͤher, ein Vor⸗ wurf, welchen, inſofern dieſe Vermuthung richtig waͤre, die Adminiſtration wohl auf ſich nehmen konnte, indem 7 98 XVI. Ueber die moͤgliche Verſchwindung ſie eine Raſſe unterdruͤcken half, welche den beſten Heer⸗ den des Landes einen fruͤhzeitigen Untorgan haͤtte be⸗ reiten koͤnnen. Eine andere Urſache der verfehlten Eigenſchaften der Zuchtthiere lag in der fruͤhzeitigen Auswahl der Stammboͤcke ſchon als Laͤmmer, die oft von den unwiſ— ſendſten Menſchen getroffen wurde, worauf alle anderen maͤnnlichen Geſchlechts ſogleich auf immer unbrauchbar gemacht wurden. Dieſen Modus behielt man hin und wieder noch bei, als man ſchon die Koſten der jaͤhrlichen Sortirung der Heerden anwandte. Außer dieſen Mißgriffen in der Wahl der Zucht⸗ thiere gab es aber auch andere davon unabhaͤngige Ur⸗ ſachen, welche den Woll⸗Ertrag der Heerden ſchmaͤlern mußten. Dieſe lagen in der Art, wie dieſelben gehalten und wie die Zuchtſtaͤmme benutzt wurden. Theils hatte man noch keine gehoͤrige Einrichtung der Weide getrof⸗ fen, theils reichte man den Schaafen zu wenig Nahrung oder Traͤnke oder beides zugleich. Ein ſolches Verfah— ren hatte entweder in der Verkennung ſeines eigenen Vortheils bei beſſerem Wiſſen, oder in der Unbekannt⸗ ſchaft mit der Sache ſeinen Grund. Den hoͤchſten Woll⸗ Ertrag ſuchte man in der groͤßten Anzahl der Koͤpfe. Wie viel einem Schaaf an gewoͤhnlicher guter Heu-Nah⸗ rung zukomme, um nicht nur ſein Daſein zu friſten, ſon⸗ dern auch Wolle zu erzeugen und ein Lamm zu ernaͤh— ren, daruͤber waren lange Zeit die Meinungen noch ſehr getheilt, eben ſo wie uͤber das Verhalten der Surrogate in ihrem beſten Zuſtande. An eine moͤgliche Verſchie— denheit in jeder Art von Futter fuͤr ſich genommen wurde zu wenig gedacht. Die Zulage der Lammſchaafe beſtand gewoͤhnlich in einer gemiſchten Traͤnke. Dadurch werden aber die Schaafe verwoͤhnt. Reines Waſſer ſau— ———=———— g 8 6———— —— 1 1 der Merinos⸗ uͤnd hochveredelten Schaafe. 99 aſ fen ſie nicht mehr. Die Zuthaten in Schroot oder Oel⸗ b kuchen ſind theuer. Die Portionen bleiben zu knapp, 3— und die Vierzaͤhner ſitzen mit ihren Laͤmmern in Ver⸗ onſhſe ſchlaͤgen, weil ſie keine Milch haben, und auch keine uepaht dr haben koͤnnen. Auch fuͤr die gewoͤhnliche Traͤnke fehlte den umſ es an Vorrichtungen. In Ermangelung der Naͤhe des alle andenn Waſſers iſt das weite Treiben der Schaafe bei ſchlech⸗ mörauchbar ten Wegen beſchwerlich und bei ſtarkem Froſt kaum zum n Hin un Waſſer zu gelangen; es gefriert, ſo wie auf dem Eiſe jiſtlicen Rinnen aufgehauen werden; oder wenn das Waſſer weit zu tragen iſt, ſo bekommen die Schaafe in der Regel d ducht zu wenig. Die Eimer⸗Traͤnke bei vielen gleichzeitig ab⸗ engge k⸗ zuſperrenden Schaaf-Muͤttern taugt deshalb gar nicht. ſchmälern Wie ließe ſich wohl bei ſolchen und aͤhnlichen Ein— en gehalten richtungen und Handlungs⸗Weiſen eine Befoͤrderung des heils hatte Wollwuchſes erwarten! Was lebendig geboren wird, de gettof⸗ ſtirbt haufenweiſe am Wollfraß oder vor Mangel, wenn Nahrung nicht ſchon der Embryo erſtickt iſt. Perfah⸗ Endlich fuͤhrte eine zu fruͤhe Anſtrengung der Kraͤfte 3 agenen durch den beſtaͤndigen Gebrauch des Zulaſſens der Jaͤhr— Unbekannt⸗ linge zur Begattung und durch die Zutheilung einer ſten Vale zu großen Anzahl Mutterſchaafe fuͤr einzelne Staͤhre der Fiyfe nothwendig eine Schwaͤchung und Verkleinerung der Heuii⸗ Raſſe, und mit denſelben ein minderdichtes und kleineres Vließ herbei. Dies war ebenfalls einer von den Punk⸗ fuſten, ſr⸗ — ten, welche auf dem Leipziger Woll⸗Convent nicht ge— nch⸗ ugſ nugſam widerlegt wurden, indem nur Ausnahme⸗Faͤlle eumogct dazu dienen ſollten. Es iſt aber doch ein Unterſchied, Viſi⸗ ob ein heranwachſendes Individuum nur einige Mal gnunntn oder fuͤr beſtaͤndig ſeine Kraͤfte hergeben ſoll. Iunſchacfe Die Folgen eines zu fruͤhen Gebrauchs ſowohl des maͤnnlichen, als des weiblichen Geſchlechts zur Zucht Daduch Sinlſcn. ner zeigen ſich, wenn auch nicht an den naͤchſten, doch an Waſſet ſol⸗ ſ 100 XVI. Ueber die moͤgliche Verſchwindung ꝛc. den ſpaͤteren Generationen, indem ſie an Groͤße und Kraft zuruͤckbleiben, was ſich beim erſten Ueberblick uͤber eine Heerde bemerken laͤßt, welche noch zum Theil eine aͤltere Raſſe von einem groͤßeren und kraͤftigeren Bau enthaͤlt. Dieſelbe Beobachtung laͤßt ſich an den Nach— kommen alter ſchwacher Muͤtter und an den letzten Sproͤßlingen entkraͤfteter Staͤhre aus demſelben Jahr— gang ohne viele Muͤhe machen. Außerdem wirken ſchwache Staͤhre ſelbſt auf die Veredluug zu wenig ein. So waren die Einrichtungen und das Verfahren in der Schaaf⸗Zucht, bei denen man den Werth⸗Ertrag einer feinwolligen Heerde nicht mehr befriedigend fand. Manche, welche auch ihren Vortheil beſſer verſtan⸗ den, und das Gegentheil befolgten, machten wieder zu große Forderungen an die Ergiebigkeit feinwolliger Schaafe, und mochten ſich nicht mit 2 Pfd. im Durch⸗ ſchnitt mit Ausſchluß der Laͤmmer begnuͤgen. Aus dieſen Gruͤnden ließen ſich nun ſo ſehr viele Beſitzer bewegen, anſtatt in die richtige Bahn einzulen— ken, faſt ohne alle weitere Beruͤckſichtigung der uͤbrigen Erforderniſſe der Zucht-Thiere nur nach Vielwollig⸗ keit zu ſtreben. Durch dieſe Richtung der Merinos-Zucht, worin mancher Beſitzer von dem Abnehmer ſeiner Wolle jetzt im entgegengeſetzten Sinne gegen fruͤhere Empfehlungen beſtaͤrkt wird, um jedem Vorwande einer Preis⸗Erhoͤhung vorzubeugen, ſind aber die hochveredelten Heerden in Gefahr, allmaͤhlig von anderen minder edlen Raſſen ver— draͤngt zu werden, was denn um ſo leichter geſchehen kann, wenn unguͤnſtige Zufaͤlle, z. B. naſſe Jahre, hin⸗ zutreten. Auf dieſe Weiſe koͤnnen ganze Striche, Pro— vinzen und Laͤnder ihrer beſten Raſſen los werden. Merinos⸗Schaafe und die ihnen zunaͤchſt ſtehenden r. i und ic aber dhil äne eten Dau en Nach: n letzen n Jahr⸗ wirken nig ein. rfahten Ettrag fand. derſtan⸗ ſeder zu wolliger Durch⸗ viele zulen⸗ üorigen ollig⸗ „worin olle jetzt ehlungen kthoͤhung etden in ſſen ber⸗ zſchehen t, hin⸗ „ Peo⸗ 4 ehenden XVII. Ueber d. Bedingungen d. Vergleichung ꝛc. 101 ſind aber ein National⸗Gut, deren Wolle durch keinen andern natuͤrlichen Sroff, ſelbſt nicht von verwandter Art erſetzt werden kann. ¹ 6 XVII. Ueber die Bedingungen der Vergleichung des Werth⸗Ertrages verſchiedener Schaaf-Arten und Raſſen. Um dahin zu gelangen, muͤſſen wir auf die Unter⸗ ſuchung des Ertrages einer ganzen Wirthſchaft zuruͤck— gehen, in welcher und durch welche eine Heerde nur als Ganztheil nuͤtzen kann. Da, wo die Oertlichkeit die freie Wahl in der Be⸗ nutzung beſchraͤnkt, faͤllt alle Vergleichung zwiſchen den anwendbaren und nicht anwendbaren Bewirthſchaftungs⸗ Methoden von ſelbſt weg. Wenn aber auf einem gegebenen Gute verſchiedene Syſteme anwendbar ſind, welche nicht in dem naͤmlichen Jahre abſchließen, da muͤſſen zur Vergleichung ihres Ertrages von beiden Seiten ſo viele Rotationen berech⸗ net werden, als noͤthig ſind, um in einem Jahre mit einander zu enden. Bei zwei verſchiedenen Wirthſchafts⸗Syſtemen kann ein beſtimmter Zweig, wie die Schaaf-Zucht, in dem einen minder eintraͤglich ſein, als in dem andern, der —.——— 102 XVII. Ueber d. Bedingungen d. Vergleichung ꝛc. Total-Ertrag des erſten aber im entgegengeſetzten Ver⸗ haͤltniß ſtehen, aber auch ſo umgekehrt. Bei verſchie— denen Arten von Bewirthſchaftungen koͤnnen alſo Ertrags⸗ Vergleichungen der naͤmlichen Zweige zu Nichts fuͤhren. Dieſe koͤnnen nur da angewandt werden, wo auf beiden Seiten dieſelben Verhaͤltniſſe der Wirthſchaften ſtatt⸗ finden. Gleiche Bedingung iſt auch erforderlich, wenn zwei verſchiedene Zweige in Hinſicht ihres Ertrages mit ein— ander verglichen werden ſollen. Dies kann naͤmlich nur dann erſt zu einem beſtimmten Reſultat fuͤhren, wenn bei dem unterſtellten Wechſel des einen Zweiges mit dem andern alles Uebrige gleich bleiben kann, und außer je⸗ nem Wechſel nicht die mindeſte Veraͤnderung vorgenom— men werden darf. Bei verſchiedenen Schaaf-Arten laͤßt ſich alſo eine Vergleichung ihrer gegenſeitigen Rente nur dann an— ſtellen, wenn ſie gleiche Lebens⸗Art theilen koͤnnen, wie z. B. bei einer Stallfuͤtterung zwiſchen Niederungs⸗ und Hoͤhenſchaafen, aber nicht, wenn der eine von beiden Theilen oder beide zu gleicher Zeit die verſchiedenartigen Weiden genießen ſollen. Anwendbar iſt ferner eine ſolche Vergleichung zwiſchen gemeinen Landſchaafen und Me⸗ rinos, indem die eine Art an die Stelle der andern tre— ten kann, gleiche Angewoͤhnung an Aufenthalt und Be⸗ handlung vorausgeſetzt. Es kann indeſſen nur noch der Unterſchied dabei ſtattfinden, daß fuͤr eine gewiſſe Kuͤrze der Weide-Nah⸗ rung auch nur eine gewiſſe Koͤrpergroͤße beſtimmt wer⸗ den mußte. Eine ſolche Unterſuchung muß aber nicht nur alle Koſten und alle Ertrags⸗Zweige als Gegenſaͤtze umfaſſen, —* gr. XVIII. Ertrags⸗Vergleichung zwiſchen ꝛc. 103 in Na⸗ ſondern ſie muß auch auf die ganze Nutzungs⸗Periode W des Schaafes, z. B. auf 6 ⅞ Jahre ausgedehnt werden. b btnßf Wenn aber uͤber eine Landwirthſchaft noch keine Gene⸗ hto ſütn. ral⸗ und Spezial⸗Ertrags⸗Rechnungen gefuͤhrt werden, da auf bede bleiben ſeparate Aufſtellungen von dem Ertrage einzelner ſten ſtte Zweige beſonders in Betreff ihres Antheils an allgemei⸗ nen Particular⸗Unkoſten leicht zu unvollſtaͤndig. venn zwei mit ein⸗ rich nur— , wenn wit dem auße je vorgenom⸗ XVIII. dſß ein Ertrags-⸗Vergleichung zwiſchen hoch⸗ und mit⸗ In gn⸗ eg: 6 8 telmaͤßig veredelten Schaafen. 8 1 em Die vorgeblichen Behauptungen der Neuerer laſſen denctigen ſich aber durch Erfahrungs⸗Gruͤnde ſaͤmmtlich widerlegen. eine ſelhe Erſtlich: in Betreff des Unterhalts nimmt das Merinos mit den geringſten Futter⸗Arten vorlieb, bei denen ein d Me vnde veredeltes nur beſtehen kann. Es genießt Heidekraut, t und Br Geniſter und Stroh eben ſo gut, wie das veredelte. Durch Angewoͤhnung kann es eben ſo gut von einer chied dlei Nahrung zur andern uͤbergehen, wie dieſes. Was aber eenſ fuͤr das eine unverdaulich und ungeſund iſt, iſt es auch hen. fuͤr das andere. Nahrungsmittel, welche veredelter Wolle Pin zutraͤglich und naͤhrend ſind, ſind es auch fuͤr die feine tuu äll echte; was das Wachsthum der veredelten befoͤrdert, fiſe uͤbt denſelben Einfluß auf die beſte. Sind die gewoͤhn⸗ 44 4 lichen Nahrungsmittel ſchlecht, ſo bedarf das veredelte 104 XVIII. Ertrags⸗Vergleichung zwiſchen hoch⸗ Schaaf ebenſowohl der Surrogate, als das Merinos. Das letzte bedarf aber eben ſo wenig der Koͤrner, als das veredelte, wenn es gewoͤhnliches Futter in gehoͤriger Beſchaffenheit und Menge bekommen kann. Es bedarf auch nicht mehr Nahrung, als dieſes. Wobei das Me⸗ rinos zu Grunde geht, dabei kann das veredelte auch nicht beſtehen, und um ſo weniger, als eine jede in der Umwandlung begriffene Raſſe nicht die koͤrperliche Dauerhaftigkeit beſitzt, als eine darin vollendete. Dieſe Erfahrung bietet ſich erſt nach vielfaͤltigen Beobachtun⸗ gen dar. Soll die Wolle eines veredelten Schaafes in beſter Beſchaffenheit und Menge erzeugt werden, deren daſſelbe faͤhig iſt, ſo bedarf es derſelben Nahrung, War⸗ tung und Pflege wie das Merinos bei gleicher Aufgabe. Einwuͤrfe durch Beiſpiele mit dem Minimum von Nah⸗ rung zur Lebensfriſtung verwaiſeter Heerden gelten hier nicht. Die Rede iſt hier von den Bedingungen der beſten Nutzung. Das veredelte kann ſo wenig hun⸗ gern, wie das Merinos, ohne die Wolle fahren zu laſ⸗ ſen; in naſſen Jahren gehen, wenn ſie nicht in Acht ge— nommen werden, veredelte Heerden ſo wohl verloren, als Merinos-Heerden unter denſelben Umſtaͤnden; die veredelten ertragen nicht mehr Kaͤlte und Naͤſſe, als dieſe. Mit der Ueberwinterung der Merinos im Freien ſind im Gegentheil in Polen und Ungern gluͤckliche Ver⸗ ſuche gemacht worden, ob dies gleich nicht beſtaͤndiger Gebrauch werden koͤnnte; fuͤr die Zuzucht iſt das Me⸗ rinos eben ſo vortheilhaft, als das veredelte. Iſt es einmahl angewoͤhnt, ſo hat es in der Lebensdauer noch Vorzuͤge. Schreiber dieſes kennt mehr als ein Beiſpiel, daß ſelbſt verſetzte Schaafe noch im 15. Jahre Laͤmmer bekommen haben, und noch im 20. Jahr mit auf die Weide gingen.— = — 8———ä4 K c⸗ Manos. un als ghüüger Ei bedaf das M⸗ delte auc de in de ürperlihe . Dieſe duchtun⸗ afes in deren J) Wan⸗ Aufgabe. on Nah⸗ ten hier en der - hun⸗ zu laſ⸗ icht R⸗ verloten, den; die ſe, als n Freien iche Ver⸗ eſtändige das M⸗ cs uur noch Beſpiel, lammet auf die und mittelmaͤßig veredelten Schaafen. 105 Die uͤbrigen Unterhaltungs⸗Koſten ſind fuͤr beide Arten dieſelben. Derjenige Beſitzer, welcher ſeine Heerden im Laufe der Veredlung ſtehen laſſen will, erſpart zwar fuͤr den Augenblick die Anſchaffungs-Koſten neuer Staͤhre, aber ein groͤßerer Verluſt wartet ſeiner in der Zukunft. Die nuͤtzlichſte fuͤr Jedermann erreichbare Merinos⸗ Raſſe iſt diejenige, welche im erwachſenen Zuſtande bei einem nicht uͤbermaͤßigen Unterhalt von 2 Pfd. Heu⸗ Nahrung durchſchnittlich 2 Pfd. der beſten, mit Zuver⸗ aͤſſigkeit fortzupflanzenden Wolle erzeugt, ſo daß in einer Heerde auf den Jaͤhrling ohngefaͤhr 1½ Pfd., auf das Mutterſchaaf 2 Pfd. und auf den Hammel 2 ½ Pfd. zu rechnen ſind. Mit einer ſolchen Schwere der Vließe laſſen ſich noch die beſten Eigenſchaften der Merinos⸗ Wolle verbinden. Theilen wir die veredelten Schaafe in 2 Klaſſen, waͤhrend wir die hochveredelten als echte Merinos betrachten, in ſo fern ſie die dahin gehoͤrigen Forderun— gen erfuͤllen, ſo ergiebt ſich das Gewichts⸗Verhaͤltniß bei gleichem Unterhalt und unter uͤbrigens gleichen Umſtaͤnden fuͤr jene 3 verſchiedenen Abtheilungen aller Erfahrung zufolge, wie hier ſteht: das gering ver⸗ edelte Schaaf erzeugt 2 ½ Pfd. Wolle, das veredelte von mittlem Grade 2 ½ Pfd. und das Merinos 2 Pfd. Wolle. Mit einer Veraͤnderung der Nahrung treten auch Veraͤnderungen in den Zahlen ein, aber das Verhaͤltniß wird nicht verruͤckt. Unter allen Annaͤherungen beſtaͤti— get ſich die hier angenommene in den allermeiſten Faͤllen. Das Preis⸗Verhaͤltniß zwiſchen feiner und gering veredelter Wolle ſtand vordem allerdings viel hoͤher, in der Regel wie 3 zu 1, oft wie 4 zu 1. Aber durch 106 XVIII. Ertrags⸗Vergleichung. die Vervollkommnung der Fabrikatur in Verbindung mit der Vermehrung hochveredelter Heerden hat es ſich ſeit mehreren Jahren niedriger geſtellt, und wird auch ohne beſondere Veranlaſſungen ſeine vorige Hoͤhe ſchwerlich fuͤr immer wieder erreichen. Zu dieſen allgemeinen fort⸗ dauernden Einfluͤſſen geſellten ſich noch in den letzten unruhigen Jahren ein verminderter Abſatz feiner Tuch⸗ waaren im Welthandel, und bei den Ruͤſtungen ſo vieler Maͤchte ein verſtaͤrkter Begehr nach mittelfeiner und gut ordinaͤrer Waare. Dadurch aber hob ſich die groͤßere Eintraͤglichkeit echter Merinos-Wolle noch nicht auf. Das Preis⸗Verhaͤltniß zwiſchen dieſer und der gering veredelten Gattung blieb naͤmlich wie 2 zu 1 ſtehen, und ſo ſteht es noch. Alſo: Gering veredelte 2 K. gut vered. 2 ½u. echte Merinos: 2. Preis⸗Verhaͤlt⸗ niß. 1 ⸗ 6 0 2 1„o·. 2 ⸗ Differenzen 2 ⅜. 3 ⅞. 4 nn mit ſic ſit hohne hwerich en fort⸗ letzten Tuch⸗ vieler dd gut ißere auf. ering ſehen, 3.29. 2⸗ 4 XIX. Weitere Ausſichten fuͤr die Vortheileꝛc. 107 XIX. Weitere Ausſichten fuͤr die Vortheile der Merinos⸗Schaaf⸗Zucht. Merinos⸗Wolle bleibt Beduͤrfniß, ohne ein Erſatz⸗ Mittel neben ſich zu haben. Ihr einziger Verbrauch beſteht noch in ihrer Verwendung zur Bekleidung, ein Beweis, daß die bis jetzt erzeugte Maſſe zur Befriedi⸗ gung dieſes Beduͤrfniſſes noch nicht hinreicht. Fuͤr diejenigen Laͤnder, welche bis jetzt Merinos⸗ Schaafzucht getrieben haben, koͤmmt wohl die Mitbe⸗ werbung Suͤd⸗Rußlands und Auſtraliens ins Spiel; allein mit der Ausbreitung der Schaaf-Zucht in die— ſen Laͤndern geht es fuͤr das erſte nicht ſo ſchnell, als die ſanguiniſchen Hoffnungen erwarten ließen. Die herrſchenden Extreme der Witterung in Europa haben den Beſtand im Allgemeinen ziemlich verkleinert, und die Production von Auſtralien betraͤgt gegenwaͤrtig im⸗ mer noch nicht mehr, als von der Einfuhr Großbritan⸗ niens„*½, und von aller Merinos⸗Wolle in Europa ohn⸗ gefaͤhr—*s. Hernach iſt zu erwarten, daß neben der allmaͤhligen Steigerung der Wollerzeugung in den genannten Laͤndern ſich auch die Conſumtion allmaͤhlig vermehren wird, ſowohl in Rußland ſelbſt, als in den andern Welttheilen, ſo wie Geſittung, Freigebung der Sklaven, Induſtrie und Handel Fortſchritte machen. ——— 108 XIX. Weitere Ausſichten fuͤr die Vortheile ꝛc. Die Ausſichten, welche die Eiſenbahnen von Suez und Panama eroͤffnen, laſſen ihr Ende noch nicht abſehen. Mit Huͤlfe der Dampf⸗Schifffahrt wird die Zeit fuͤr Ge⸗ ſchaͤfte verkuͤrzt, es werden nicht mehr ſo große Fonds zu Unternehmungen in die Ferne erfordert, der Zinſen⸗ belauf bleibt geringer, alles laͤßt ſich mit mehr Zuver— laͤſſigkeit berechnen und ausfuͤhren, und Waaren- und Stoff-Preiſe werden ſtetiger. Der bisherige Engliſche Handel in Wollen-Waaren nach Oſtindien und China, welcher direkt gefuͤhrt wird, betraͤgt nach oͤffentlichen Angaben erſt gegen 1 Million Pfund Sterling. Uebrigens nimmt in Colonien die Vieh-Zucht in dem Grade wie— der ab, als die Bevoͤlkerung zunimmt. Die Merinos⸗Wolle insbeſondere wird vor der Lang⸗ wolle immer den Vorzug behalten. Jene kann dieſe, dieſe aber nicht jene erſetzen. Die Merinos-Wolle allein giebt die ſchoͤne Decke auf der Flaͤche des Zeuges; ihr Farben-Luͤſter, ſo wie ihre Erwaͤrmungs-Faͤhigkeit und Dauerhaftigkeit im gewalkten Gewebe ſind fuͤr andere Woll⸗Gattungen unerreichbar. Die gemeine Wolle, die mittelmaͤßig veredelte und die echte Merinos-Wolle ſtanden waͤhrend der letzten 7 Jahre bei allen hoͤheren oder niedrigeren Preiſen in fol— gendem ſehr nahe zutreffenden Verhaͤltniß wie: 1. 1 ½. 3. Und diejenigen Gattungen, welche ſich um das Mit— tel der beiden letzten drehen, ſind fuͤr Jedermann er— zielbar. Die Engliſche Landwolle ſtand fruͤher zwiſchen 8 und 12 Pences oder 6 ¾ bis 10 Silbergroſchen das Pfund. Seit der Freigebung der Ausfuhr aber und bei dem allgemeinen Begehr nach Wolle jeder Art iſt ſie auf das Doppelte geſtiegen, naͤmlich auf 20 Silbergro⸗ ſchen. Dennoch aber hat der Deutſche Landwirth, —2— — ð½ 8 . * 2u8 und abſehen. fer Ge⸗ he Fonds t Zinſen⸗ t Juver⸗ ten⸗ und Engliche Ghing, itlichen rigens à wie⸗ Lang⸗ dieſe, allein ihr und ndete te und zten 7 in fo 1. II. 5 Mit⸗ ann er⸗ cen 3 n das nd bei ſſt ſie ergto⸗ wirth, XX. Bedingungen der beſten Nutzung ꝛc. 109 welcher ſowohl Niederungs⸗ als Hoͤhen⸗Schaafe halten koͤnnte, keine Urſache einen Tauſch zu verſuchen. Bei dem doppelten, dreifachen Aufwand an Futter haͤlt den Englaͤnder der hohe Fleiſch-Preis ſchadlos, in Deutſch⸗ land aber koͤnnen wir nur jaͤhrlich auf 1 Lamm mehr, und zuletzt beim Verkauf des Alten nur auf das Drei— fache des Preiſes eines unſerer gewoͤhnlichen Schaafe rechnen. Etwas anders iſt es mit dem Beſitzer in der Niederung. Bedingungen der beſten Nutzung einer Merinos⸗ Heerde. Wenn nicht die Naͤhe des Abſatzes einer mittelfeinen Wolle an inlaͤndiſche Fabrikanten ihre Erzielung mit groͤßerem Vortheil anraͤth, ſo iſt es immer beſſer, hoch⸗ veredelte Schaafe fuͤr den Welthandel zu halten. Man muß nur die Raſſe zu waͤhlen, und die Schaaf⸗Wirthſchaft gehoͤrig einzurichten wiſſen. Das richtige Verhaͤltniß zwiſchen den Vorraͤthen der Nahrung an Weide und Futter und der Kopf⸗-Zahl zu treffen, iſt die erſte Aufgabe fuͤr einen Wirthſchafter. Es bedarf keiner großen Rechnungs-Anlage, um zu uͤberſehen, auf welche Seite ſich der Erfolg einer angemeſſenen Ernaͤh⸗ rung hinwendet. Mancher Beſitzer, welcher den Anfang mit einer kleinen Heerde machte, vergleiche doch einmal den Woll⸗Ertrag derſelben mit dem Ertrage der ſpaͤter vergroͤßerten Heerde. Wenn ihm die erſten 150 Stuͤck 3 Centner Wolle und ſtarke Laͤmmer brachten, ſo wird 110 XX. Bedingungen der beſten Nutzung er nach einigen Jahren daſſelbe Verhaͤltniß ſehwelich wieder finden. Angeborne Schwaͤchlichkeit und kaͤrglicher Unterhalt machen das Thier weit weniger empfaͤnglich fuͤr weniger verdauliche oder ungewoͤhnliche Nahrung, aber empfind— licher gegen naſſe Weide und Kaͤlte, es mag von ge⸗ meiner Art oder hoch veredelt ſein. In dieſen Faͤllen iſt auch die Sterblichkeit in den Heerden groͤßer. Nach— baren, deren Schaafzucht in aͤhnlichen Verhaͤltniſſen ſteht, uͤbrigens in der Kraͤftigkeit der Thiere und dem Unterhalt von einander verſchieden iſt, koͤnnen nach dem Eintritt widerwaͤrtiger Faͤlle am erſten Beobachtungen daruͤber anſtellen, unter was fuͤr Umſtaͤnden die eine Heerde vor der andern weniger gelitten hat. Schwaͤche gebiert wieder Schwaͤche. Bei einer ſchwierigen Aufzucht, wo der groͤßere Theil des Zuwach⸗ ſes immer wieder zu Grunde geht, beſtehen die Haupt— Heerden groͤßtentheils aus aͤlteren Individuen, welche ſich vor den uͤbrigen gleichzeitigen durch einen feſteren Koͤrperbau ausgezeichnet haben. Indem ſie aber ſo lange benutzt werden als es gehen will, ſo iſt eine ſolche Heerde allen Unbequemlichkeiten und Beduͤrfniſſen in Bezug auf Ernaͤhrung und Pflege beim Lammen und Saͤugen unterworfen, und die Mutterheerde bringt in dieſem Falle trotz ihrer angebornen Ausdauer dennoch Schwaͤchlinge zur Welt, und laͤßt keine Ueberzahl ent— ſtehen. Dadurch faͤllt aber die Nutzung enier Heerde um ſo geringer aus. Was eine richtige Stellung der Kopfzahl zur Nahrung thut, zeigt folgendes einfache Beiſpiel. Die eine Heerde zaͤhlt 1000 Koͤpfe, und dar⸗ unter 300 Mutterſchaafe. Bei einem kaͤrglichen Unter⸗ halt werden jaͤhrlich 1500 Pfd. Wolle und 100 Ueber⸗ zaͤhlige gewonnen. Die andere Heerde enthaͤlt nur 700 nelich Untethalt tweiiger empfud. von ger n Fällen . Nah⸗ aͤltniſen nd dem ch dem tungen ie eine ſei einer duwach⸗ Haupt⸗ welche feſteren abet ſo ze ſolche iſſen in nen und ringt in dennoch zahl ent⸗ t Heerde lung der iinfache nd dar⸗ Unter⸗ leber⸗ nut 700 einer Merinos⸗Heerde. 1¹1 Koͤpfe und darunter 240 Mutterſchaafe. Bei gleichem Unterhalt, welchen jene 1000 Stuͤck zuſammen genießen, und der hier ohne Abzug auf die andern 700 verwandt wird, giebt dieſe letzte Heerde 1575 Pfd. Wolle und 200 Ueberzaͤhlige. Dies iſt ein Erfahrungs-Satz. Und nun welche Verſchiedenheit noch in den Nebenumſtaͤnden! Bei der Schaafhaltung dreht ſich die wirthſchaftliche Frage, wie bei jedem andern Unternehmen um das Ver⸗ halten des Ertrages zu den Koſten, und nicht um die Groͤße der Stuͤckzahl. Im Gegentheil jede unnoͤthige Steigerung derſelben vermehrt noch die Unkoſten, abge⸗ ſehen vom Unterhalt. 3 Wie ſehr erleichtert nicht eine zweckmaͤßige Ernaͤh⸗ rung das Lammen und das Annehmen der Laͤmmer, aber welche Laſt und Koſten im entgegengeſetzten Fall! und welcher Unterſchied in Ruͤckſicht des Geſammt⸗Ertrages einer Heerde, wenn eine verhaͤltnißmaͤßige Ueberzahl vor⸗ handen iſt! Durch dieſe koͤnnen bei billigen Preiſen die Zinſen des Anſchaffungs-Kapitals zum Theil oder ganz gedeckt werden, waͤhrend ein anderer Beſitzer dieſelben vom Wollertrag abziehen muß. Je groͤßer aber die Ein⸗ ſchraͤnkung des Unterhalts und der Pflege unter das Gehoͤrige herab, deſto groͤßer der Verluſt, indem als⸗ dann von Ertrag nicht mehr die Rede ſein kann. Diejenigen Laͤnder, welche von der Schaaf⸗Haltung den groͤßeren Nutzen ziehen werden, werden auch die Wolle um den geringſten Preis, ſobald es darauf an⸗ koͤmmt, feil ſtellen koͤnnen. 112 XXI. Verhalten der Merinos⸗Wollzucht. XXI. Ohngefaͤhres Verhalten der Merinos⸗Woll⸗ zucht in Europa. Einige Annaͤherung an das Wirkliche laͤßt ſich in die— ſem Verſuch nicht erwarten, beſonders, da die ſtatiſti⸗ ſche Ueberſicht dieſes Zweiges bei den Englaͤndern ſelbſt fehlt. Nehmen wir fuͤr Deutſchland, Preußen, Oeſterreich und Ungern.... 21 Millionen Schaafe an, fuͤr Frankreichhh. 6— fär Englann 20— und fuͤr die uͤbrigen europaͤiſchen Staaten 2— ſo bekommen wir 59 Millionen Schaafe, und mit Neuſuͤdwallis als außer⸗ Europaͤiſch................ 1— 60 Mllionen. Das Verhaͤltniß der Ausfuhr zwiſchen Deutſchland mit Einſchluß Ungerns und Spaniens hat ſich ſeit den letzten 20 Jahren ſehr zum Nachtheil des letzten geaͤndert: 1814. Ausfuhr aus Spanien und Potugal 9 Mill. Pfd.; aus Deutſchland 3 ½ Mill. 1832...... 31 ⸗ ⸗— 337 ⸗ Bekanntlich begreifen die Englaͤnder alle Wolle, welche aus Deutſchen Haͤfen ihnen zugefuͤhrt wird, unter dem Namen Deutſcher Wolle. ⸗Wol⸗ in di⸗ ſtatiſt⸗ Kfehlt. Nilionen onen — — lllionen. tſchland ſeit den eaͤndert: 3r Mll. 94⸗ welche ter dem XXII. Wollgattungen. XXIII. Wollpreiſe. 113 XXII. Ohngefaͤhres Verhaͤltniß der im Koͤnigreich Preußen erzielten Wollgattungen aller Art. Merinos. G— 5 emeine Landwolle. Mittelfeine Wolle. Feine Wolle. 1 3 2 2 6 6 Der 12jaͤhrige Durchſchnitts⸗Preis von 1821 bis 1833 war folgender: 47 ½ Rthl. 80 Rthlr. 110 Rthlr. XXIII. Ueber die Grundlagen der Wollpreiſe. Die Preiſe der Wolle hangen im Allgemeinen von dem Verhaͤltniß des Verbrauchs zu ihrer Erzeugung, dem— naͤchſt in jedem beſonderen Fall von dem Verhaͤltniß des Begehrs zu den Vorraͤthen, und endlich von der Lage der Parteien als Produzenten und Conſumenten ab. Die Production kann ſich abſichtlich und unabſicht— lich veraͤndern. Eine freie Vermehrung geht außerordentlich ſchnell 8 Z—x——— 114 XXIII. Ueber die Grundlagen 1 vorwaͤrts. Nach 4 Generationen z. B. ſteigt ein weib⸗ V d 3 licher Stamm von 100 Stuͤck Hoͤhenſchaafe nach Ab⸗ V d zug von 20 Prozent jaͤhrlich auf 631 Stuck gleichen Geſchlechts, bei 15 Prozent auf 714, bei 10 Prozent V d auf 950, und bei 5 Prozent Verluſt auf 1235 Mutter⸗ V ſchaafe. Ja nach dem Zulaſſungs-Alter von 1ꝛ½ oder 2 b b 6 Jahren betraͤgt die Dauer der 4 Generakionen 14 oder 18 Jahre. Aber auch bei einem geſchloſſenen Etat koͤnnen noch bedeutende Vermehrungen ſtattfinden, naͤmlich durch einen groͤßeren Aufwand an Nahrung; durch laͤngere Beibehaltung eines Theils der ſonſt Ueberzaͤhligen; durch Vermehrung der Zuzucht von dieſen Ueberzaͤhligen, end— lich durch Zulaſſung der Jaͤhrlinge um 1 Jahr fruͤher, wenn ſie bis dahin erſt im Alter von 2 ½ Jahren zuge⸗ b laſſen wurden, vorausgeſetzt, daß die wirthſchaftliche — Einrichtung eine ſolche Veraͤnderung in der Nahrungs⸗ Verwendung erlaubt; ſo daß in einzelnen Heerden der jaͤhrliche Woll-Ertrag ſich um †— X leicht vermehren —— kann. Nehmen wir den Beſtand eines Landes auf 12 Millionen Schaafe, und darunter nur den dritten Theil V der Wirthſchaften an, bei denen eine ſolche Vermehrung moͤglich waͤre, ſo haͤtten wir in einigen Jahren leicht 1 Million Schaafe, alſo 2 Millionen Pfund Merinos⸗ Wolle mehr. b Auf die entgegengeſetzte Weiſe und in einem hoͤhe⸗ ren Grade kann eine Minderung der Woll⸗Erzeugung V entſtehen. Denn zu einer abſichtlichen Veraͤnderung des Unterhalts und der Stuͤckzahl der Heerden koͤnnen durch b jahrelange unguͤnſtige Witterung und gewaltſame Auf⸗ 1 loͤſungen derſelben unberechenbare Verluſte hinzutreten, 1 welche die allgemeine Woll-Production nach wenigen V Jahren auf ¾ oder ¾³ leicht herabſetzen koͤnnen. Und a vit⸗ ih l⸗ gleichen Nozent Mutter der 2 14 oder noch durc ggere dech „end⸗ ruühet zuge⸗ ftliche ings⸗ der dhren u Wheil ehrung leicht erinos⸗ hoͤhe⸗ eugung i des durch Auf⸗ reten, niigen Und der Wollpreiſe. 115 eine voruͤbergehende allgemeine Verminderung iſt immer leichter zu erwarten, als eine Vermehrung. Auf erlittene nachtheilige Veraͤnderungen ſtrebt in— deſſen der Beſitzer immer wieder nach der Wiederher⸗ ſtellung eines angemeſſenen Gleichgewichts ſeines Schaaf⸗ Beſtandes zur Wirthſchaft, indem er denſelben nicht allein um der Wolle willen haͤlt, und beim gewoͤhnlichen Gang der Sache ſchwebt die jaͤhrliche allgemeine Wollerzeugung eines Landes zwiſchen 5 und 10 Prozent auf und ab. Die Conſumtion wollener Waaren wird bedingt durch Klima, Verfaſſung, Sitten, Staats⸗Beduͤrfniſſe und Erwerbs⸗Vermoͤgen eines Volks. Vergebliche Hoffnung, einen eben anwachſenden Staat oder ein neuentdecktes Volk ohne Tauſch⸗Vermoͤ⸗ gen als einen unausfuͤllbaren Canal von Beduͤrfniſſen zu betrachten, ſo lange man jene Fundamente aller Con⸗ ſumtion von denſelben noch nicht kennt. Voruͤbergehend wirken auf das allgemeine Beduͤrf⸗ niß wollner Waaren anhaltende Erſcheinungen in der Temperatur und Ruͤſtungen; bleibender dagegen die Sit⸗ ten und das Erwerbs⸗Vermoͤgen eines Volkes. In Zeiten eines allgemeinen Drucks z. B. iſt es keine Kleinigkeit, wenn bei 20— 30 Millionen Wolle tragender Menſchen ein Kleidungs⸗Stuͤck, welches bis⸗ her alle 4 oder 3 Jahre erneuert wurde, um ein Jahr laͤnger aushalten muß. Es iſt aber leicht anzunehmen, daß die allgemeine Conſumtion wollener Waaren ſich jaͤhrlich eben ſo wohl, als die Production um erhoͤhen oder erniedrigen kann. Treffen nun von beiden Seiten gleichzeitig entge— gengeſetzte Veraͤnderungen zuſammen, ſo kann das Ver⸗ haͤltniß der augenblicklichen Vorraͤthe zum Bedarf ſehr hoch zu ſtehen kommen. So geben z. B. ½ Wolle mehr 8˙* 116 XXIII. Ueber die Grundlagen und X Bedarf weniger einen Ueberſchuß an Vorraͤthen von 50 Prozent uͤber den Bedarf. Mit der Conſumtion wollner Waaren haͤlt aber der Begehr nach Wolle nicht immer gleichen Schritt. Je groͤßer die Entfernung ihrer Beſtimmungs-Oerter iſt, deſto unbeſtimmter iſt fuͤr die Waarenhaͤndler der Ein⸗ gang der Nachrichten und der Rimeſſen, folglich auch das Vermoͤgen und der Entſchluß der von jenen abhan— genden Fabrikanten und Wollhaͤndler, von neuem zu kaufen. Jeder Woll-Ankauf beruht in der Regel nur auf der Wahrſcheinlichkeit des weiteren Beduͤrfniſſes. Aus den bisher angegebenen Gruͤnden iſt es alſo nicht moͤglich, daß die Wollpreiſe ſich eine Zeitlang auf glei⸗ cher Stufe erhalten koͤnnen. Man hat es verſucht, fuͤr die Wende-Punkte des Steigens und Fallens der Wollpreiſe beſtimmte Perio— den zu ermitteln, ohne zu bedenken, daß die Beſchluͤſſe der Cabinete uͤber Krieg und Frieden und ihre Verfuͤ⸗ gungen uͤber Ein⸗ und Ausfuhr nach Ablauf der Trac⸗ taten an keine Zeit mehr gebunden ſind. Eben ſo we— nig beſondere Ereigniſſe im Geld- und gemeinen Ver— kehr. So hat das Jahr 1825, wo die Suͤdamerikani⸗ ſchen Anleihen zum Theil in Waaren negoziürt wurden, mit den Jahren 1818 und 1833 Nichts gemein. Wolle iſt nur ein Theil eines Fabrikats. Daher, wenn andere Huͤlfsſtoffe im Preiſe ſteigen, ſo aͤußert eine ſolche Erſcheinung ihren Einfluß umgekehrt auf die Wolle bei gleichbleibenden uͤbrigen Verhaͤltniſſen. So wenig die Conſumtion in den verſchiedenen Gattungen der Wollenwaaren gleichen Schritt haͤlt, ſo wenig kann dies auch mit dem Begehr in den verſchie⸗ denen dazu gehoͤrigen Wollgattungen der Fall ſein. Die eine wird vor der andern geſucht. onäthen at dber Schrit. erter iß der Ein⸗ ich auch abhan⸗ lem zu el nur iiſes. dwcht u gle⸗ ſtte des Perio⸗ ſchlſſe Verfü⸗ Dar⸗ ſo we⸗ en Ver⸗ gerikani⸗ wurden, . Daher, daͤußer auf de jidenen alt, ſ erſchie⸗ in. Die der Wollpreiſe. 117 Wohl aber aͤußern die Preiſe verwandter Wollgat⸗ tungen, die ſich gegenſeitig erſetzen koͤnnen, einen gegen⸗ ſeitigen Einfluß. Die Erniedrigung der einen druͤckt auch die andere, und die Erhebung der einen zieht auch die andere nach ſich. Die Preiſe einer Gattung Wolle koͤnnen ſich nicht zu einer Zeit allenthalben gleich ſein. Die Concurrenz wirft ſich bald hier, bald dahin ſtaͤrker. Es iſt vielſeitig die Frage aufgeworfen worden, was fuͤr einen Nutzen Maͤrkte eigentlich gewaͤhrten. Die Entſcheidung daruͤber ergiebt ſich aus folgendem Fuͤr⸗ undwider. Durch oͤffentliche Maͤrkte werden Kaͤufer und Ver⸗ kaͤufer in den Stand geſetzt, das Verhaͤltniß des Be⸗ gehrs zu den Vorraͤthen, der Kaufluſtigen zu den Be⸗ ſitzern beſſer zu uͤberſehen, und Forderungen und Ange⸗ bote zu erfahren. Ohne Maͤrkte dagegen wiſſen beide Theile nicht ſo zuverlaͤſſig, was ſie fordern oder bieten ſollen. Der Eine oder der Andere kann ſich dadurch eine gute Gelegenheit verſcherzen. Der Kaͤufer fuͤr ſich genießt durch die Maͤrkte den Vortheil, daß er nicht auf das Ungewiſſe reiſen darf, um zu ſehen, ob die Wolle noch vorhanden iſt, ob Gat⸗ tung, Beſchaffenheit und Menge ihm genuͤgen. Dieſer letzte Umſtand koͤmmt beſonders den Kleinfabrikanten zu ſtatten. Auf dem Markte dagegen hat er, je haͤufiger derſelbe beſetzt iſt, in jeder Beziehung freie Wahl. Nur muß er dieſe etwas theurer bezahlen. Dagegen vermei⸗ det er unnoͤthige Reiſekoſten und das Riſiko, ſeinen Be⸗ darf nicht mehr zu finden. Der Beſitzer der beſſeren „Waare hat dagegen den Vortheil des prompteren Ab⸗ ſatzes und des hoͤheren Preiſes. Nur ſchlechtere Wolle iſt in Gefahr, weit niedriger bezahlt zu werden oder gar —õ——õ——õÿõ:;ʒ——— ——— 118 XXIII. Ueber die Grundlagen der Wollpreiſe. liegen zu bleiben. Dafuͤr hat aber auch ein Jeder, der noch zuruͤck ſteht, die beſſeren Muſter vor Augen. Außer⸗ dem riskiren die Beſitzer ganzer Striche nicht mehr uͤber— gangen zu werden, was beſonders Einzelnen widerfahren kann, wenn Speculanten in einem gewiſſen Bezirk ſtellen⸗ weiſe aufkaufen, und nun das Geruͤcht verbreiten, es ſei in der ganzen Gegend Nichts mehr zu haben. Auch un— terliegen einzelne Schaͤfereien nicht mehr einem nach— theiligen Geruͤcht. Ohne Maͤrkte wird am Jordan Alles ſchlecht gemacht, was daſelbſt waͤchſt, Alles vom Phrat aber gelobt, und ſo umgekehrt. Die Beſchaffenheit einzel— ner Schaͤfereien wird unterdruͤckt gehalten, wenn nicht gar verſchrien, ſei es nun um Concurrenten abzuhalten, oder weil man die Wolle nicht auf das Angebot hingeben wollte. Nur einen Nachtheil haben Maͤrkte, welcher bald die eine, bald die andere Partei trifft. Dieſer beſteht in dem Einfluß der Maſſe der Concurrenten auf jedes einzelne Glied, wenn ſich die Menge in Trab ſetzt, ent— weder zu kaufen oder zu verkaufen. Der dadurch ent— ſtehende Schaden gleicht ſich bei denen, welche ihn uͤber— ſtehen koͤnnen, durch den Wechſel der Unſtaͤnde wie⸗ der aus. Der Maͤrkte duͤrfen nur nicht gleichzeitig zu viel oder zu wenige ſein, und ſie muͤſſen leicht erreicht wer— den koͤnnen. Sind ihrer zu viele, ſo ſchwankt der Be— ſuch bald hier, bald dorthin. Sind ihrer zu wenige, und iſt die Entfernung zu groß, ſo kommen die entle⸗ genſten Beſitzer am ſchlimmſten davon. Bei ſchwaͤcherem Begehr haben es die Fruͤhmaͤrkte in der Regel am beſten, bei ſtaͤrkerem aber die Spaͤt⸗ maͤrkte. Bei zu hohen Proiſer einer Gattung Waare wird iſe. de, der Aſer⸗ it über⸗ erjahren ſtelle⸗ „ es ſaj uch un⸗ nach⸗ r Alles Yhrat inzel⸗ t gar , odet noiben r bald deſteht jedes ent⸗ h aut⸗ über⸗ e wie⸗ zu viel t wer⸗ er Be⸗ venie, entle⸗ arkte pät⸗ wird XXIV. Vorgaͤnge vor den Woll⸗Maͤrkten. 119 dieſe verlaſſen und eine andere ergriffen. Mit einer ſol⸗ chen Veraͤnderung wechſelt auch das Beduͤrfniß in den verſchiedenen Wollgattungen. Und da bei jeder verſchie⸗ denen Zeug-Art auch die Fabrik⸗Einrichtungen verſchie⸗ den ſind, ſo laͤßt ſich nicht ſo leicht eine Aenderung auf Speculation darin treffen. Das Beduͤrfniß unter den verſchiedenen Wollgattungen kann ſich alſo auf lange Zeit hin veraͤndern. Iſt Tuch zu theuer, ſo wird Halb⸗ tuch oder glattes ungewalktes Zeug getragen. Sollten die Englaͤnder hierin die Oberhand behalten, ſo wuͤrde es um einen großen Theil unſerer Tuchmanufakturen und Merinos⸗Schaͤfereien geſchehen ſein. Eine Umwand⸗ lung beider auf dem Feſtlande wuͤrde jenen aber ſehr erwuͤnſcht ſein, indem nur auf den wenigſten Stellen deſſelben Langwolle erzielt werden kann. XXIV. Vorgaͤnge vor den Woll⸗Maͤrkten von 1834. Das vorhergehende Jahr ſchloß mit einigem Sinken der Woll-Preiſe auf der November⸗Meſſe zu Frankfurt an der Oder. Das gleichzeitige Contrahiren auf die naͤchſte Schur zu hoͤheren Preiſen der mittelfeinen Wolle, als je zuvor erhoͤret war, iſt bekannt. Ohne Zweifel ſah man ſchon das kuͤnftige Verhaͤltniß zwiſchen den zu erwartenden Vorraͤthen aller Gattungen zu dem Bedarf im Voraus ein. Laͤngs dem ſchwarzen Meere und den 120 XXIV. Vorgaͤnge vor den Woll⸗Maͤrkten. ſuͤdlichen Kuͤſten des mittellaͤndiſchen hatten Kriege, und im noͤrdlichen Europa unguͤnſtige Witterung mehrerer Jahre die Heerden vermindert, Ruͤſtungen die Vorraͤthe weggeraͤumt, und neue Speculationen warteten nach der Beſchraͤnkung der Engliſch-Oſtindiſchen Compagnie auf neue Unternehmungen nach Aſien. In der Neujahr⸗Meſſe zu Leipzig wurden ziemlich große Partien wollner Zeuge fuͤr Amerika gekauft. Von den Fuͤrſtlich⸗Eſterhazyſchen Guͤtern war die Wolle von 190,000 Koͤpfen zu dem Preiſe von 120 Thlr. Cour. verkauft, auf 19 Stuͤck 40 Pfd. Wolle gerechnet, und die von den Herrſchaften des Erzherzogs Carl ſchon auf 1835 verkauft. In Oſtpreußen war faſt kein Centner mehr zu ha⸗ ben. Die Jagd nach dieſer Wolle von der Weichſel an bis zur Memel war ſchon im November ſo groß, daß ein Kaͤufer allein 70 Unterhaͤndler ausgeſandt haben ſoll. Schon im Februar galt die Engliſche Langwolle zu Lon— don, anſtatt ſonſt ¾ Schilling, jetzt 2 Schilling. Die⸗ ſes Steigen war mit eine Folge der Freigebung der Ausfuhr dieſer Wolle aus England. Auf der Februar⸗Meſſe in Braunſchweig wurden alle reichen Tuchlager geleert, doch noch zu keinen der Wolle angemeſſenen Preiſen. Im Maͤrz, auf der Meſſe zu Frankfurt an der Oder, ging das ordinaͤre Tuch gut ab, die uͤbrigen Sorten aber weniger, weil bekanntlich im Laufe des Winters ohne dringende Umſtaͤnde keine großen Reiſen unternom⸗ men werden. Dagegen wurde von 4000 Centner Wolle vieles, und zu hohen Preiſen verkauft. Um dieſelbe Zeit kam noch viele Wolle aus Oeſter— reich nach Leipzig, wo die Wollſortirer unbeſchaͤftiget waren, wie oͤffentliche Blaͤtter meldeten. 9 ege, und mhrerer Vortithe nach der gnie auf ziemlch f. vor die )Thl. chnet, ſchon zu ha⸗ hſel an F, daß n ſoll. Lon⸗ Die⸗ ng der wurden nen der r Oder, Sorten Winterz mom⸗ Polle eſter⸗ äftiget XXIV. Vorgaͤnge vor den Woll⸗Maͤrkten. 121 Zu Huͤckeswagen, einem der beruͤhmteſten Fabrik⸗ Oerter im Kreiſe Duͤſſeldorf, wurde viel Tuch aufgekauft. Dieſer Umſtand und der guͤnſtige Ausgang der Meſſe zu Braunſchweig veranlaßten eine lebhafte Thaͤtigkeit der Fabriken. In der Jubilate⸗Meſſe zu Leipzig war der Abſatz beſonders in Mitteltuch nach Italien bedeutend. In den uͤbrigen Sorten aber zeigte ſich der Begehr ſchwach. Man ermartete niedrigere Wollpreiſe, die dann auch ein— traten. Waͤhrend der Oſtermeſſe zu Frankfurt am Mayn fanden zwar gar keine Woll⸗Verkaͤufe ſtatt, allein es zeigte ſich nachher, daß der ganze Vorrath von 1500 Ballen zu unpreiswuͤrdig geweſen war. In Spanien hatten die Franzoſen ſchon die Wolle auf den Doͤrfern aufgeſucht. 12² XXV. Zu Markt gebrachte Wolle ꝛc. XXV. Zu Markt gebrachte Wolle im Jahr 1834 mit Einſchluß unbeſtimmter verkaufter Partien. (Laut oͤffentlichen Nachrichten.) Im Fruͤhjahr Bautden... Dresden... Deſſau. * 9 4 4. 3,„ 4. 24 * 3 Wuͤrtemberg... Weimar.. Mecklenburg. Braunſchweig. Preußen. Magdeburg.. Stettin.. Breslau.. Berlin.... Stralſund.. Thuͤr. Muͤhlhauſen. Koͤnigsberg. 2 2 24—* 8,000 21,000 44,000 35,000 1,200 1,000 4,200 Quanti⸗ taͤten. 1,200 9,000 1,500 10,700 2,500 Centner. 114,400 114,400 Davon blieben unverk. 400 1,500 200 2,000 1,200 1,900 4,000 8⁰⁰ Anmerk. Die Angabe von Koͤnigsberg enthaͤlt ohngefaͤhr x von der in den oͤſtlichen Provinzen erzielten Quantitaͤt. 1½,☛. 2— un 1837 Partien. Dabon blieben unvetf. 100 L5oo 2 2 0 1200 1900 4000 80 wyefähr zielten XXVI. Preiſe 1834. XXVII. Vorfälle ꝛc. 123 XXVI. Durchſchnitt der Woll⸗Preiſe von 1834. Der Spielraum der Preiſe auf den Fruͤhjahrs⸗Maͤrkten war folgender: gemeine Landwolle 42 bis 50 Thlr. veredelte bis zur Iſten Quantitaͤt Merinos⸗Wolle von 65— 130 Thlr. Das Ganze in 3 Abtheilungen angenommen theilten ſich die Preiſe ſo ein: 65— 87. 88— 119. 111— 130 Thlr. fuͤr geringer veredelte; hoͤher veredelte; feine Merinoswolle. Ausgang der Wollmaͤrkte außer Deutſchland. Auf dem Peſther Johannis⸗Markt ging die Mittel⸗ Wolle gut ab, die feinere weniger. Daſſelbe war auch der Fall auf dem Auguſt-Markt, wo eine Maſſe von 70,000 Cent. zuſammen war. Die ordinaͤren und mittlen Sorten gingen ſo ziem— lich zu den fruͤheren Preiſen weg, die feineren aber er⸗ litten eine Erniedrigung von 20 bis 25 Prozent und blieben zum Theil liegen. Zu Pawlowſk(in oͤffentlichen Blaͤttern ſtand Pe⸗ tropawloſk), Gouv. Woroneſch, kamen 21,000 Pud à 40 Pfd. zuſammen und wurden zu 27 bis 53 Rubel, alſo 100= 30— zu 24 bis 48 Thlr. Cour. der Cent⸗ ner verkauft. XXVII. Vorfaͤlle nach den Woll⸗Maͤrkten von 1834. Nach den Wollmaͤrkten liefen die Deutſchen Sommer⸗ und Herbſtmeſſen fuͤr die Tuchmanufakturen gut ab. 124 XXVII. Vorfaͤlle nach den Woll⸗Maͤrkten. In Frankfurt an der Oder fand das Mitteltuch, in Braunſchweig alle Tuchlager der Fabriken aus dem Regierungs⸗Bezirk Duͤſſeldorf raſchen Abſatz. Auf der verwichenen Michaelis-Meſſe zu Leipzig wurde ſchon in den erſten Tagen von Tuch Alles weggeraͤumt. In der Fabrikſtadt Huͤckeswagen des genannten Bezirks wurden die Lager ſelbſt aufgeſucht. Die Thaͤtigkeit der Fabriken wurde demnach fort— waͤhrend unterhalten, wozu die Freigebung des Deutſchen Binnen⸗Handels ebenfalls das ihrige beitrug. In Burg glaubte man nicht mit den Woll-Vor— raͤthen ausreichen zu koͤnnen. Daß ſich im Laufe des Sommers das Verhaͤltniß des Bedarfs an Wolle zu den Vorraͤthen nicht anders geſtellt, ſondern eher geſteigert haben mochte, bewieſen die letzten Wollmaͤrkte im Oktober. In Brieg wurden 80 Centner zweiſchuͤrige Wolle im Durchſchnitt zu 67 Thlr. verkauft. Im vorhergehenden Jahre war der Preis ſogar 76 Thlr. geweſen. In Bautzen kamen 2789 Stein à 22 Pfd. zu Markt, und 410 Stein nehen nur uͤbrig. In Breslau fanden ſich 19800 Centner, darunter ge⸗ gen 5000 Centner inlaͤndiſche, die uͤbrige auslaͤndiſche Wolle zuſammen, worunter gemeine Wolle mit 48 bis 53 Thlr., die ein⸗ und zweiſchuͤrige veredelte aber mit 65 bis 75 Thlr., und hochfeine zweiſchuͤrige mit 80 bis 85 Thlr. bezahlt wurde. Wie viel davon unverkauft geblieben war, war noch nicht bekannt. Es iſt zweifelhaft, ob nach dem allgemeinen Ver⸗ luſt der Heerden durch die fruͤheren naſſen Jahre, wel— chem jedes Land unterlag, im laufenden Jahre in der Koͤnigl. Preuß. Monarchie mehr als 10 Millionen Schaafe uͤberhaupt zur Schur gekommen ſein moͤgen. hen. tetuc„in alls dem Aid e ſchon n t. In de ks wunden nach font Deutſchen l⸗Vor⸗ ethätniß t anders bewieſen wurden t zu 67 dar der kamen ) Stän untet ge⸗ laͤndiſche t 48 bis aber mit t 8 bi nverkeuſt rn Ver⸗ t, wel⸗ in der dillionen moͤgen. XXVIII. Einige Bemerkungen ꝛc. 125 Ihr Woll⸗Ertrag, zu 2 Pfund angenommen, wuͤrde ſich demnach auf 20 Millionen Pfund belaufen. Davon ſind in dieſem Jahre gegen 120,000 Centner oder etwas uͤber 13 Millionen Pfund oͤffentlich abgewogen worden. Nach einem mehrjaͤhrigen Durchſchnitt der letzten Zeit betrug die Ausfuhr an inlaͤndiſcher Wolle gegen 45000 Centner oder ohngefaͤhr 5 Millionen Pfund, und 15 Millionen Pfund Wolle kaͤmen demnach auf den inlaͤndiſchen Verbrauch. XXVIII. Ennige Bemerkungen uͤber die jetzigen Klaſſen der Kaͤufer. Bcken wir einige Jahre zuruͤck, ſo ſtellen ſich uns un⸗ ter den Klaſſen der Kaͤufer bedeutende Veraͤnderungen dar. Bei den ſo großen Kapitalien, welche in gegenwaͤr⸗ tiger Zeit die verbeſſerten Fabrik-Anlagen koſten, war der Verfall der Tuchmacher⸗Gewerke und Wollen⸗Zeug⸗ Fabrikanten auch neben einer Kratz⸗ und Spinnmaſchine unvermeidlich. Sie arbeiteten immerhin theurer, und ſtellten ihre Fabrikate nicht in der Vollkommenheit dar, und blieben außerdem vom Walker, Faͤrber und Bereiter noch abhaͤngig. Die Klein-Fabrikanten in den Marken und Schleſien werden dies ſo ſehr empfinden, wie im Großherzogthum Poſen, in Weſtpreußen und Hinter⸗ Pommern die noch uͤbrig gebliebenen in Zamoczin, Lapuſchin, Callies, Neudamm, Tempelburg, Falkenburg, Jaſtrow, Biſchofswerder, Rieſenburg, Deutſch-Eylau, und in Oſtpreußen Preuß.⸗Eylau u. m. a. In Frankreich haben ſich die Fabrikanten in Elbeuf 9 126 XXIX. Ausſichten auf von 600 auf 400, in Louviers ſeit 3 Jahren um 3, in Sedan um die Haͤlfte vermindert. In Nord⸗Amerika loͤſete ſich neulich die groͤßte Tuch⸗Manufaktur in Neuhampfhire auf; 423 Arbeiter wurden außer Brod geſetzt. In dem Verhaͤltniß, als ſich die Zahl der Fabri⸗ kanten vermindert, ſcheint ſich die Zahl der Zwiſchen⸗ haͤndler im Wollfache vermehren zu wollen. Im Jahr 1831 erſchienen auf dem Breslauer Markt 107 Groß⸗ haͤndler, darunter 29 Englaͤnder und 2 Nord⸗Amerikaner, und 314 Groß⸗ und Klein⸗Fabrikanten. In dieſem Jahre dagegen 193 Groß⸗Haͤndler, darunter 42 Englaͤn⸗ der, 340 Fabrikanten, aber auch noch 3 juͤdiſche Kauf⸗ leute aus Oeſterreich, 55 aus Schleſien und 199 aus dem Großherzogthum Poſen. In Berlin waren gegen 8 bis 10 tauſend Centner Wolle in zweiter Hand. Der Wollverkehr duͤrfte in wenigen Jahren eine Veraͤnderung erleiden, wenn fuͤr die Hauptſtraßen Dampfwagen erlaubt werden ſollten, welche nach den Angaben der Englaͤnder eine doppelte Laſt in der Haͤlfte der Zeit um geringere Koſten fortſchaffen. Entlegenere Schaͤferei-Beſitzer wuͤrden alsdann mit den Fabrikanten leichter in unmittelbare Verbindung treten koͤnnen, die Maͤrkte haͤufiger beſucht werden, und die Fabrikanten freiere Wahl haben. XXIX. Ausſichten auf das naͤchſte Schur-Jahr. Der Gang des Wollhandels im laufenden neuen Schur⸗ Jahr laͤßt ſich unter gleichbleibenden allgemeinen Um⸗ m„ in 3 Abein der Fabr⸗ Jriſche Im Jyht 7 Guyß⸗ rikaner dieſem engläͤn⸗ 3 Kauf⸗ 99 aus Centnet t eine ſnaßen ch de Häͤlſte legenete iikanten en, die ikanten das naͤchſte Schur⸗Jahr. 127 ſtaͤnden ziemlich wahrſcheinlich vorausſehen, auch wenn der Bedarf nicht weiter ſteigt. Es iſt naͤmlich gewiß, daß im laufenden Schur⸗Jahr nicht ſo viel Wolle er— zeugt werden kann, als das vergangene lieferte. Es fehlt allgemein an zureichendem Futter, und bis zur Schur werden in den minder ſorgfaͤltig gehuͤteten Heerden in Folge des Weide⸗ und Waſſermangels noch große Verluſte entſtehen, indem in Ruͤckſicht des letzten faule Waſſer⸗Timpel, worauf das durſtige Thier zueilt, bekannt⸗ lich eher ſchaden, als naſſe Weiden.— In Schleſien gab man ſchon dieſen Herbſt Schaafe in Futter. In der Gegend von Bialyſtock waren bereits Krank⸗ heiten ausgebrochen. In Boͤhmen und Maͤhren, in der Gegend um Wien, im ſuͤdlichen Deutſchland, in Curland, beſonders aber in Neu⸗Rußland und in der Krimm herrſchte ebenfalls Futternoth. Trotz dieſer Umſtaͤnde laͤßt ſich uͤber die Preiſe, wie ſie ſich gegen die Schurzeit ſtellen koͤnnen, noch Nichts mit Wahrſcheinlichkeit vermuthen. Die Preiſe der Dinge hangen jetzt von mehreren Einwirkungen ab, als vordem. Gegenwaͤrtig werden die betraͤchtlichſten Fonds ſo ſchnell aus ihrer Beſtimmung zuruͤckgezogen, als ſie darauf verwendet wurden; Banken laſſen Millio— nen ausfließen, und ziehen ſie nach Gutduͤnken wieder ein. Dadurch entſtehen dann Hemmungen im Betrieb, gegenſeitige Credit-Verweigerungen und Falliſſemente. Ein tauſend Centner Wolle aus einer Concurs* Maſſe irgendwo kurz vor der Schurzeit zur Auction gebracht, koͤnnen auf die Preiſe aller Maͤrkte Einfluß haben. Seitdem ich den vorhergehenden Aufſatz niederge⸗ ſchrieben hatte, verbreitete ſich in Folge der vielen Fal— 128 XIIX. Ausſichten auf liſſemente im Wollhandel unter den Produzenten die Beſorgniß uͤber allzutiefes Sinken der naͤchſten Wollpreiſe, welches Viele derſelben noch bereitwilliger machen duͤrfte, auf die von allen Seiten her ertoͤnenden Aufmunterun— gen ihre Merinos⸗Heerden aufzugeben, und ſich der Er— zielung einer Kaͤmmwolle zu befleißigen, gleichviel ob vermittelſt einer veredelten Merinos⸗ oder Niederungs⸗ Raſſe, woraus dann fuͤr die National⸗Wirthſchaft die Folgen entſpringen wuͤrden, daß die Tuchfabrikation in Ruͤckſicht der Wolle, die Zeugfabrikation aber in Ruͤck⸗ ſicht des Abſatzes ihrer Waare mehr vom Auslande ab— haͤngig wuͤrde. So wie aber gegenwaͤrtig noch das Verhaͤltniß der inlaͤndiſchen Tuchfabrikanten zu den Woll⸗Produzenten ſteht, koͤnnten ſich nur ſolche von den letzten zu jener Umſattlung entſchließen, welche ſelbſt nicht rechnen koͤnnten, vorausgeſetzt, daß ſie nicht Crethi und Plethi, ſondern eine echte Merinos-Heerde ſchon beſitzen, oder in kurzer Zeit dazu gelangen koͤnnen. Wenn auch England die Markt⸗Preiſe der Merinos⸗ Wolle nicht mehr allein, ſondern neben den inlaͤndiſchen Fabrikanten nur mit dirigiren hilft; ſo beherrſcht es doch den Preis der Kaͤmmwolle bis jetzt in ganz Europa noch allein, indem es erſtlich unter allen Laͤndern die groͤßte Anzahl dieſer Schaafe, groͤßtentheils mit der aus⸗ geſuchteſten Wolle, vielleicht mehr als 20 Millionen, wegen der Maſt auf das zweckmaͤßigſte unterhaͤlt, und die Landwirthe nicht noͤthig haben, ihre Rente allein auf den Werth⸗Ertrag der Wolle zu ſetzen. Daher iſt auch in England keine Woll-Art dem Wechſel des Preiſes mehr ausgeſetzt als dieſe. Der Durchſchnitt deſſelben war im vergangenen Jahre 1833 1 Schilling 5 Pence, oder nahe 142 Silb. Groſchen das Pfund. Allerdings blendet das Geſchrei uͤber das Wollgewicht der Leiceſter ente die dolhuſ, ſen dürſ nunterun⸗ der Er hviel oh derungs⸗ haſt die ktion in de ab⸗ h das u den von den e ſlbſt Crethi ſchon linos⸗ diſchen e doch Eutopa etn die er aus⸗ lionen, it, und ein auf ſ auy ruſes ſeben ence, dings ſeeſer das naͤchſte Schur⸗Jahr. 129 und aͤhnlicher Raſſen, beſonders wenn Ausnahmen her⸗ vorgezogen werden, allein der Durchſchnitt deſſelben iſt nur 7— 8 Pfd. Ein Schaaf giebt alſo einen Brutto⸗ Ertrag von 3 Thlr. 245 Sgr. jetzt, wo die Preiſe am hoͤchſten geſtanden haben. Fruͤher waren es nur 9— 12 Pence. Man vergißt nur zu leicht bei der Verſchrei⸗ bung ſolcher Schaafe des Rezeptes zu ihrer Befriedi⸗ gung. Uebrigens ſind, wie ſchon fruͤher auseinander⸗ geſetzt worden iſt, dergleichen Berechnungen zu einſeitig. Bei kurzer Weide koͤnnen Marſch-Schaafe nur auf dem Stalle gehalten werden. In den Koͤnigl. Preuß. Lan⸗ den ſind es nur die Beete der groͤßeren Stroͤme, an denen Marſch⸗Schaafe gehalten werden koͤnnen, und Gegenden, welche der Masdeburger Boͤrde aͤhnlich ſind. Daß bei jenen Preiſen blos veredelte Merinos⸗Schaafe nicht rentiren wuͤrden, ſpringt in die Augen. Hoͤhere Preiſe der Kaͤmmwolle auf dem Feſtlande duͤrfen nicht locken, indem wir hier den Fall einer kuͤnftig vermehrten Production unterſtellen muͤſſen. Zudem bleibt die Er— zielung einer Kaͤmmwolle immer ſchwierig. Denn, in⸗ dem ſie wenigſtens das Doppelte der Durchſchnitts⸗Laͤnge einer Tuchwolle erfordert, wirkt jede Nahrungs⸗Veraͤn⸗ derung auf einen um ſo laͤngeren Theil des Haares. Endlich ſind Wollen-Zeuge mehr der Moden⸗Laune un⸗ terworfen als Tuch. Die Beſitzer feiner Heerden beklagen ſich zwar uͤber ein unverhaͤltnißmaͤßiges Sinken der Preiſe im Vergleich mit andern, darum aber haben ſie noch nicht aufgehoͤrt, wie wir geſehen haben, am beſten zu rentiren, die ge— hoͤrigen Bedingungen vorausgeſetzt. Auch gegenwaͤrtig ſind die Ausſichten noch nicht ſo ſchlimm, als Viele be— fuͤrchten. Zwar wird der Abſchlag der Preiſe nicht ge⸗ ring ſein; dies wird aber mehr die Mittelſorten treffen, 130 XXIX. Ausſichten auf und zwar zum gemeinſchaftlichen Beſten der Produzen⸗ ten und Conſumenten in Hinſicht auf die Zukunft. Denn nur noch einige Jahre ſolche enormen Preiſe: und der groͤßere Theil der mittlen Fabriken, des eigentlichen Kerns, welcher fuͤr die Beduͤrfniſſe des Staats und des Publi— kums ſorgt, und die Wollproduction im Staate haupt⸗ ſaͤchlich naͤhrt, indem gegen* derſelben auf vaterlaͤndi— ſchem Boden verarbeitet werden, wuͤrde geſprengt ſein, und es wuͤrde zuletzt an Kaͤufern fehlen. Daß eine be— deutende Erniedrigung fuͤr die mittlen Wollgattungen zu erwarten ſteht, liegt in folgenden Umſtaͤnden, wenn keine neuen hinzutreten. Fuͤr's erſte werden von den Maͤrkten entfernt bleiben die Verkaͤufer, welche nicht zur Klaſſe der eigentlichen Zwiſchenhaͤndler gehoͤren, welche letzten den Artikel aus der einen fernen Gegend der andern uͤberliefern und unter denen die Sortiments-Haͤndler die Hauptklaſſe ausmachen. Alsdann werden leider außer einigen Zwiſchenhaͤndlern auch mehrere Fabrikanten fehlen, die, wenn auch ein jeder fuͤr ſich noch ſo beſchraͤnkt, im— mer das Gewicht auf der großen Schale vermehren helfen; ferner werden viele Großhaͤndler von denen, welche bei Ver⸗ moͤgen bleiben, dennoch vorlaͤufig nur einen geringeren Fond auf das Geſchaͤft verwenden wollen. Auf der an⸗ deren Seite endlich wird mancher Produzent ſich nicht lange auf's Speculiren legen koͤnnen, indem die gegenwaͤr⸗ tigen Umſtaͤnde der Landwirthſchaft dieſes nicht wahr⸗ ſcheinlich machen. Dieſen Vorausſetzungen ungeachtet iſt es hoͤchſt wahr⸗ ſcheinlich, daß ſich das naͤchſtkuͤnftige Verhaͤltniß des Be⸗ gehrs zu den zu erwartenden Vorraͤthen, auch wenn dieſe, was zu hoffen waͤre, den diesjaͤhrigen gleichbleiben ſollten, dennoch guͤnſtig ſtellen wird. Die Hoffnung einer ſich gleich⸗ bleibenden Schur muͤſſen wir indeſſen aufgeben. Angenom⸗ Umgr⸗ nit dmn und en Kern⸗, ‚s Publ- e haupt⸗ terland⸗ gt ſein, eine he⸗ gen zu keine ariten Klaſſ letzten andern andler außet ehlen, im⸗ ſefen i Ver⸗ ngeten er an⸗ ˖nicht enwaͤr⸗ waht⸗ vyjt⸗ ge⸗ dieſe, Uiten, leich⸗ emnom⸗ das naͤchſte Schur⸗Jahr. 131 men, daß, um bei den K. Preuß. Staaten ſtehen zu bleiben, volle 10 Millionen Schaafe zur Schur kaͤmen, ſo duͤrfen wir das Woll⸗Erzeugniß doch nicht hoͤher, als zu einem Centner auf ſechzig Stuͤck anzuſchlagen wagen. Unter dieſer Vorausſetzung wuͤrde das Ganze nur 170,000 Centner betragen. Rechnen wir fuͤr das Ausland auch nur 30,000 Cent. davon ab, ſo blieben demnach fuͤr den inneren Verbrauch nur 140,000 Cent. uͤbrig, und die Dif⸗ ferenz gegen das Jahr 1828 wuͤrde an 50,000 Centner als ſo viel weniger ausmachen. Die Nachrichten uͤber den ſo bedeutenden Ausfall der Futter-Erndte in allen Euro⸗ paͤiſchen Laͤndern haben ſich ſeitdem immer mehr beſtaͤtiget. Dennoch iſt es ein Gluͤck fuͤr die Produzenten und die uͤbrigen Wollhandlungen, daß die Falliſſemente nicht kurz vor der Wollſchur ausgebrochen ſind. Bis dahin werden die Auctionen voruͤber ſein, und die Capitaliſten werden von den ſtehen gebliebenen Haͤuſern eine be— ſtimmte Ueberſicht erlangt haben. Was den Antheil der Englaͤnder an den naͤchſten Wollmaͤrkten betrifft, ſo duͤrfte dieſer immerhin gering geblieben ſein, wenn ſich nicht ſchon jetzt ihr Wollhan⸗ del und ihre Fabriken wieder mehr belebt haͤtten. Denn nach den eigenen Berichten derſelben war die Einfuhr des gegenwaͤrtigen Jahres bis Ende Auguſt groͤßer geweſen, als die Einfuhr von 1833 um dieſelbe Zeit. Allein ſeit 2 Monat wurde außer Wollenwaaren ſelbſt Wolle in großen Partien nach Nord⸗Amerika begehrt. Da ſich indeſſen die Engl. Fabrikanten, indem die Vertheuerung der Wolle nicht von ihnen ſelbſt ausging, nur zu ihrem Beduͤrfniß mit Wolle verſehen haben, und bis zur Schur die beſten Partien, wie gewoͤhnlich, wenn auch zu niedrigeren Preiſen vergriffen ſein werden; ſo 132 XXIX. Ausſichten auf das naͤchſte Schur⸗Jaht. haben wir immerhin Engl. Fabrikanten auf den Deutſchen Maͤrkten zu erwarten. Die unverkauft gebliebenen min⸗ der qualifizirten Vorraͤthe koͤnnen ihnen auch um 50 Pct. billiger den Vortheil dort nicht gewaͤhren, welchen ſie hier bei einem Abſchlag von nur 20 Pet. der letzten Preiſe bei friſcher und guter Waare aus der erſten Hand oder auf Commiſſions⸗Lagern geſichert finden. Die Wolljagd auf dem Feſtlande ſeit dem Oktober 1833 bis zum Februar 1834, beſonders in den von den Maͤrkten entlegenſten Gegenden— der Strich zwiſchen der Weichſel und Memel ward der vorzuͤglichen Wolle wegen ſchon Ende November faſt gaͤnzlich geraͤumt— laͤßt ſich aus dem einſeitigen Grunde einer ausgedehn⸗ teren Speculation nach den anderen Welttheilen nicht wohl erklaͤren. Denn auch Farbeſtoffe, Baumwolle und Seide wurden zu gleicher Zeit zu Zielpunkten gemacht, und die letzte in einem Augenblick, wo die Seidenwaa⸗ ren im Preiſe ſanken, auf 40— 50 Prozent hoͤher ge⸗ trieben. Es haͤtte ſelbſt nicht planmaͤßiger angelegt wer⸗ den koͤnnen, wenn irgend eine Verbindung die Abſicht gehabt haͤtte, alle bei dieſen Artikeln betheiligte Klaſſen in Unruhe, Verlegenheiten und Gefahr ihrer Subſiſtenz zu ſetzen. So aber duͤrſte nur anzunehmen ſein, daß eine verfehlte Ausſicht auf Krieg den erſten Anſtoß da⸗ zu gegeben habe, und der Strom der Menge kennt keine andere Motive als Nachahmung. Indeſſen muß man aber auch geſtehen, daß bei aller liberalen Publicitaͤt im Großverkehr kein Artikel mehr im Dunkeln gehalten wird, als gerade Wolle. (Geſchrieben im November 1834.) — Gedruckt bei C. Feiſter. aht. Ruſſhen ten win⸗ 50 Jt. lchen ſi er lezten et erſten den. Ottober von den wiſchen Volle unt— gedehn⸗ en nicht olle und gemacht, denwaa⸗ ſiher ge⸗ Wet⸗ e Awſicht ennt keine muß mant blicttit im gehalln — erinos Schaaßzucht und Wllhandel. 1 11ſ 1l ' dſlühh GA f 1' Ul! AN MI l O em 5 6 8 —yy4 mit einer kurzen Ueberſicht der Einfuͤhrung und Verbreitung derſelben, beſonders im noͤrdlichen Europa. des Woll⸗Handels. Goloùũr& Grey Sortrol Chart Blue Cyan Green Vellow Hed Magenta Wnite. Grey 1— Greya Grey 3 Grey 4 LLLLIII' NTIILIN. Jh ennd aaf KEE l 11—” a Glp 11 ſinin l- dt 1 ſl 1''Ä- einer kurzen Ueberſicht der Einfuͤhrung und Verbreitung derſelben, beſonders im noͤrdlichen Europa. Nebſt mer kurzen Darstellung des gegenwärtigen Ganges des Woll⸗Handels. 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