[Un.-Bib.. Siessen Beſchreibung einer Reiſe durch das e. 22 Koͤnigreich der Niederlande, welche auf Veranlaſſung des landwirthſchaftlichen Vereins in Bayern gemacht worden von Samuel von Grouner, ehmaligem Oberberghauptmann. A RIBIAOTN D. NIWA ne d f a ß t( Bht. a8, 8] vo n, OLGLIN C. W. Wimmer,— vormaligem koͤnigl. bayer. Profeſſor der Landwirthſchaft, Vorſtand eines landwirthſchaftlichen Inſtitutss mehrerer Geſellſchaften ordentlichem, korreſpondirendem oder Ehren⸗Mitgliede. Erſter Theil. Mit 10 Steinabdruͤcken. Paßanu. Friedrich Puſſiel. 1 3 2 0. N Vorbericht. Seine Majeſtaͤt der Koͤnig von Bayern geruhete durch allerhoͤchſte Entſchlieſung vom 6. Juni 1821 aus dem Fond fuͤr Induſtrie und Kultur unter an— deren betraͤchtlichen Poſten zu Gunſten der Land⸗ wirthſchaft fuͤr das Etatsjahr 18½2 auch einen Be⸗ trag von 1600 fl. zu Reiſe⸗Unterſtuͤtzungen fuͤr landwirthſchaftliche Zwecke zu beſtimmen. Das General⸗Comité des landwirthſchaftlichen Vereins entwickelte in einer Vorſtellung vom 1. Auguſt deſſelben Jahres ſeine Anſicht uͤber dieſen Gegenſtand dahin, daß dieſe Unterſtuͤtzung vorzuͤglich dreien Klaſſen von Reiſenden zu Theil werden duͤrfte. 1. Es gaͤbe naͤmlich Gegenden, wo man die eine oder die andere Verrichtung irgend eines vor⸗ theilhaften Geſchaͤftes mit beſonderen Kunſtgriffen * IV betreibe, im praktiſchen Betriebe manche Anzeigen, Erſcheinungen und Ruͤckſichten beachte, welche ſich von dem blos Durchreiſenden weder vollkommen auf— faſſen, noch weniger durch ſchriftliche oder muͤndliche Ueberlieferungen deutlich genug mittheilen lieſſen. Fuͤr dieſe Faͤlle ſehen demnach Perſonen am geeig— netſten, welche ſich als Arbeiter an Ort und Stelle begeben, dort hinlaͤnglich lange aufhalten, und alle erforderliche Faͤhigkeit und Behendigkeit ſich perſoͤn— lich erwerben wuͤrden. 2. Sey zu wuͤnſchen, daß auf eine vollſtaͤndige Bildung zukuͤnftiger Landwirthſchaftslehrer Bedacht genommen wuͤrde. Daher junge Maͤnner, welche hierin und in den Hilfswiſſenſchaften bereits zureichenden Un— terricht genoſſen, und Faͤhigkeiten dafuͤr entwickelt haben, zu Reiſen in die vorzuͤglichſten Gegenden des Kontinents veranlaßt und unterſtuͤtzt werden duͤrften, damit ſich der Kreis ihrer Kenntniſſe durch eine Summe von verſchiedenartigen Faͤllen und Erfah— rungen noch fruͤher erweitere und berichtige, ehe ſie berufen ſind, ſelbſt zu lehren. 3. Dieſe beiden Klaſſen ſeyen indeſſen immer noch auf das Oertliche beſchraͤnkt, und nicht in der erme voſt die Eint 1921¹ glſ endet dn 3 ein hatte ten, eine ffah⸗ e ſie nmer n der V Lage den Werth und die Wichtigkeit des Einzelnen in den Verhaͤltniſſen zum Ganzen oder zum Andern zu wuͤrdigen, nicht wohl vermoͤgend, die gegen— ſeitigen Vortheile und Hinderniſſe in ihren Wechſel— wirkungen aufzufaſſen. Daher zu wuͤnſchen waͤre, daß auch wiſſenſchaftlich gebildete Maͤnner des Faches von Talenten, eine dritte Klaſſe von Reiſenden bilden moͤchten, welche dasjenige, was dem Inlande noch ermangle, im Auslande allſeitiger auffaſſe, in einer paſſenden Form in das Inland verpflanze, und uͤberdieß die Betriebszweige, Arten und Gelegenheiten ermitt— le, wo die Reiſenden der 1. und 2. Klaſſe ihre Be⸗ duͤrfniſee und die Zwecke des Staates am vollſtaͤn— digſten befriedigen koͤnnten. Das Staatsminiſterium des Innern trat dieſer Eintheilung in einer Entſchlieſſung vom 6. Auguſt 1321 bei. Es war alſo zu erwaͤgen, von welcher Klaſſe nun Reiſende gewaͤhlt, und wohin dieſe ge— ſendet werden ſollten. Fuͤr die 1. Klaſſe war im Jahre 1321 weder ein Zweck gegeben, noch war fuͤr einen ſolchen Fall ein Unterkunftsort ermittelt. Fuͤr die zweite Klaſſe hatte ſich im erſten Augenblicke Niemand von zurei— VI chend ausgewieſenen Eigenſchaften gefunden. Die Wahl war demnach auf Reiſende der 3. Klaſſe be⸗ ſchraͤnkt, und dieſer Umſtand mußte zugleich einen weſentlichen Einfluß auf die Wahl des Ortes aus— uͤben. Es durfte dabei nicht unerwogen bleiben, daß Bayern Kreiſe enthalte, welche auf der Quadrat⸗ meile nur 1611 Perſonen und nur 2184 Stuͤcke Vieh aller Gattungen*) zaͤhlet, daß Bayerns Pro— vinzen Getreidefruͤchte im Ueberfluß bauen, waͤhrend ſie theilweiſe an guten Pferden, an Rindvieh, an Handelsgewaͤchſen u. dgl. Mangel haben. Daher war es wohl raͤthlich, den Wirthſchafts⸗ betrieb und die Vortheile eines Landes kennen zu ler— nen, in welchem auf der Quadratmeile im Durch— ſchnitt 4659, in einzelnen Provinzen 9000 bis 10715 Perſonen ſich naͤhren, und auf jeder ſolchen 50168 Gulden R. W. an oͤffentlichen Laſten zu tragen ver⸗ moͤgen, waͤhrend wir uns durch 21414 fl., welche in Bayern entrichtet werden, ſehr beſchwert finden; wo *) Naͤmlich: Pferde, Ochſen, Kuͤhe, Kaͤlber ꝛc., Schafe und Schweine. L und VII ſich ferner der Viehſtand ohne Einrechnung des Jung⸗ viehes auf derſelben Flaͤche im Durchſchnitt auf 4576 Stuͤck, in einzelnen Provinzen noch betraͤchtlich hoͤher belaͤuft; wo man Getreide- und Handelsfruͤchte neben einander ausfuͤhret,*) und Ernten zu gewinnen ver⸗ ſteht, welche das Ausland lange fuͤr fabelhaft hielt;— ein Land, welches ausgezeichnete Milchwirthſchaft treibt; das die groͤßten Moore und Suͤmpfe ausge— trocknet und urbar gemacht hat, die ſchoͤnſten Wie⸗ ſen beſitzet, und den Flugſand zum ergiebigen Acker— lande umzuſchaffen gewußt! Und dieſes Land iſt das Koͤnigreich der Niederlande, in deſſen Bereich ſich das durch ſeine Milchwirthſchaft beruͤhmte Lim— burg, der ausgezeichnete Ackerbau von Flandern, der Steinkohlenbetrieb der Provinz Luͤttich und Hen⸗ negau, die Kaͤſereien und anſehnlichen Torfſtiche von Suͤdholland, die betraͤchtlichen Poldern und Duͤnen finden, und dem kundigen Forſcher einen Stoff von unermeßlichem Werth zu verarbeiten bieten. *) Die Flaͤche, auf welcher Handelsfruͤchte gebaut werden, ſoll ſich in den Niederlanden zu der, worauf Getreide erbaut wird, verhalten, wie 150 zu 357 —— VIII Selbſt Arth. Young, einer der beruͤhmteſten praktiſchen Landwirthe und Schriftſteller unſerer Zeit, geſtehet in der Beſchreibung ſeiner Reiſe durch Frank⸗ reich und einen Theil von Holland, daß er ſich noch ſo lange fuͤr unwiſſend im Ackerbaue halten wuͤrde, als er den von dem ehmaligen Belgien noch nicht wuͤrde unterſucht haben. Nicht minder guͤnſtig aͤuſſerte ſich unſer ruͤhm— lich bekannte Thaer uͤber die Niederlaͤnder-Wirth⸗ ſchaft. So z. B. ſagt er im 3. Stuͤck des VI. Jahrganges der Niederſaͤchſiſchen Annalen S. 14: »Man wird vielleicht die Wunderdinge nicht ganz be— yſtaͤttiget finden, welche Einige davon erzaͤhlt haben. »Aber ſo viel iſt gewiß, daß ein Acker dort einen „groͤſſern reinen Ertrag giebt, wie vier Aecker yvon gleicher Guͤte des Bodens im Durchſchnitte bei uns geben ꝛc.“ Die Wahl des Landes moͤchte ſonach um ſo mehr gerechtfertiget erſcheinen, als ſich in neuerer Zeit ſowohl England und Frankreich als Deutſchland bemuͤheten, dieſe bewunderungswuͤrdige Quelle einer ſo auſſerordentlichen Produktion naͤher kennen zu lernen. Auc unde 3 iilien en Schre 6 ſadd ter Art kongten olher! 3 culture de lAce —õ—õ——— IX Auch iſt die Literatur des Ackerbaues in dieſem Lande keineswegs ſo reichhaltig, als der Betrieb ſelbſt vortheilhaft iſt. Es iſt zwar aus nachbezeichne— ten Schriften manches Schaͤtzbare zu entnehmen, und es ſind darunter welche, die als Meiſſterſtuͤcke in ih— rer Art betrachtet werden koͤnnen; aber eine Reiſe konnten ſie doch wohl nicht entbehrlich machen. 1. Arthur Young: Reiſen durch Frankreich und durch einen Theil Italiens. 1793. 2. Art. Young: Anals of agriculture and other usiful arts etc. 3. Abbée Mann: Mémoires sur l'agri- culture de la Belgique; dans les Mémoires de l'Academie de Bruxelles. 4. Schwerz: Anleitung zur Kenntniß der belgi⸗ ſchen Landwirthſchaft. Halle, 1807 u. 1308. 5. Procés verbal de la Société d'agri- culture du Departement de la Lys. 1811. 6. Discours sur l'état anien et moderne de l'agriculture et de la botanique dans les Paysbas. par Mr. van Hulthen à la Société de Gand. 1817. 7. Edition correcte, du rapport fait au X nom de la Section d'agriculture, du com- merce et des fabriques, en la se'anne des états du Hainaut. 21. Iuillet, 1817. Tournay inpr. de Dr. Castermann. 8. Rapport fait, a la Société d'agricul- ture et de botanique; du 29. Iuin 1819. par I. B. Delbecq.*) 9. Memoire de Mr. De Beunié, sur l' amé, lioration des terres sabloneuses, dit: terre brujere, ad opté et couronné par l' académie de Bruxelles. 10. Burtin: sur l'agriculture du pays de Waes. 1811. 11. Memoire sur les fonds ruraux du Departement de l'Escaut; par I. F. D. Comte de Lichterveld. à Gand 1315. 12. Bemerkungen uͤber die Brabanter Ackerkul⸗ tur und Landwirthſchaft, in dem 4. Stuͤck des V. *) Seit 1322 erſcheinet von der Société royale des Beaux-arts et des lettres, und von derjenigen fuͤr agriculture et bota- nique zu Gent eine Zeitſchrift in Heften unter dem Titel: Messager des sciences et des arts. 45 Mann,! bir It bon Pd NI. Ja Belo le Bral Bruxcl 1. Jaumne Jaumne a Utrec ¹0. XI Jahrgangs der Annalen der niederſaͤchſiſchen Land⸗ wirthſchaft. 1803. 13. Ueber die Niederlaͤnderwirthſchaft von Abbe Mann, und Antworten deſſelben auf die Frage des Sir John Sinelair, Praͤſidenten des Boards of Agriculture, ſo wie diejenigen, welche Baron von Poͤderlé darauf ertheilt hat, im 3. Stuͤck des VI. Jahrganges obiger Zeitſchrift. 1804. 44. Die Limburger Graswirthſchaft, vom Ober⸗ berghauptmann Grafen von Reden im 6. Band von Thaers Annalen des Ackerbaues. 15. Memoire sur les uf ages ruraux la Belgique, nomément dans la Flandre et le Brabant; par Mr. Du Bai de Fiennes etc. Bruxelles 1817. 16. E'tat de l'agriculture dans le ro- yaumne des Pays-bas. Bruxelles, 18419. 17. Rapport sur l'agriculture des deux Flandres. 18190. 18. E'tat de l'agriculture dans le ro- yaumne des Pays-bas. par Mr. Ropps, Prof. à Utrecht. Bruxelles, 1820. 19. Iohn Sinclair: Hints regarding the XII agricultural state of the Netherlands, com- pared with that of Great-Britain. Es iſt richtig, daß die vorſtehenden Schriften ungemein viele Aufſchluͤſſe uͤber die Niederlaͤnder— Landwirthſchaft gewaͤhren; auch iſt in das Verzeich— niß bei weitem nicht Alles aufgenommen worden, was ſich wirklich vorfindet; und es kann daher nicht in Abrede geſtellt werden, daß man ſich auch ohne Reiſe von dem Betrieb des dortigen Ackerbaues un— terrichten koͤnnte. Allein es iſt dabei zu erwaͤgen, daß der Betrieb der Landwirthſchaft ſeit den letzten 20 Jahren zu den veraͤnderlichen Groͤſſen gezaͤhlt werden muß; daß die angefuͤhrten Schriften nur ei— ner ſehr kleinen Zahl von Landwirthen zugaͤnglich und nutzbar ſind, daß die Schriftſteller mehr oͤder weni— ger einander benuͤtzen, und nicht ſelten mit ihrem Guten auch ihre Irrthuͤmer nachſchreibend verbreiten, welche nur durch perſoͤnliche Anweſenheit berichtigt werden koͤnnen. Dieſe und aͤhnliche Ruͤckſichten haben auch den Praͤſidenten der Ackerbau-Geſellſchaft in England, Sir John Sinclair, bewogen, im Jahre 18414 die Niederlande zu bereiſen, und nach den erhobenen Effahrun dn Rit beatkitn diety an Tagebach welche ſtarb, nie perſonen on Reil yticultur yce, in ztlon Of „Ldinbur auch einge Sͤlche ſi die Wa . funden verd - T . XIII Erfahrungen ſeine Vergleichung des Ackerbaues in den Niederlanden und in Großbrittanien zu bearbeiten. Selbſt die ſchottiſche Gartenbau-Geſell— ſchaft beſchloß, ihre beiden Sekretaͤre Mr. Thomas Dickſon und Pat. Neill in dieſes Land zu ſen— den, um das Beſſere derſelben fuͤr den Gartenbau Schottlands, vorzuͤglich aber fuͤr einen Verſuchsgar— ten, welchen die Caledonian horticultural So— ciety anzulegen geſonnen war, zu ſammeln. Das Tagebuch dieſer im Jahre 1817 ausgefuͤhrten Reiſe, welche jedoch Dickſon, der am 23. May 1817 ſtarb, nicht mitmachen konnte, und durch 2 andere Perſonen erſetzt werden mußte, wurde erſt kuͤrzlich von Neill unter dem Titel:„Journal of a hor-— yticultural Tour, through some parts of »Flanders, Holland and the North of Fran- yce, in the Autumn of 1817; Bya Deputa- „tion of the Caledonian horticural Society. * »Edinburg, 1823,“ bekannt gemacht. Es enthaͤlt auch einige achtungswerthe Blicke auf den Ackerbau. Solche Auctoritaͤten und ſolche Gruͤnde durften fuͤr die Wahl der Niederlande wohl genuͤgend be— funden werden. Der vormalige eidgenoͤſſiſche Oberberghauptmann und koͤnigliche Hauptmann Samuel von Grouner ſchien geneigt, dieſe Reiſe zu unternehmen. Ein Mann von ausgezeichneten Kenntniſſen und Talenten, wel⸗ cher als Oberberghauptmann mehrere techniſche und hydrotechniſche Unternehmungen mit guͤnſtigem Er— folge ausgefuͤhrt, als einer der Stifter an der Gruͤn⸗ dung und an dem Gedeihen des landwirthſchaftlichen Vereines ſtets thaͤtig Theil genommen hat, ſelbſt Guͤterbeſitzer in Bayern war, ſchon fruͤher mehrere Reiſen durch Frankreich und Deutſchland gemacht, und mit allen dieſen Vorzuͤgen noch die eines aͤuſſerſt gewandten, zuverlaͤſſigen Beobachters und eines gruͤnd— lich gebildeten Landwirthes verband, war wohl vor Allen hiezu ganz vorzuͤglich geeignet. Der unerwartet ſchnelle Verluſt einer innig geliebten Gattin hatte dem ſchon fruͤher gehegten Wunſche einer Reiſe in die verſchiedenen Provinzen des Koͤnigreichs der Niederlande neuen Reiz gegeben, und den Herrn von Grouner veranlaßt, die dar⸗ gebotene Gelegenheit, dahin zu reiſen, ſo ſchnell zu ergreifen und in ſo groſſem Umfange auszufuͤhren. Er erhielt zu dieſem Zwecke, ſeinem eigenen nemorig Erirſchun 4. d in dinde p. phalen, General tins füͤgte bom 9. A k die ichen M g di Nerferſce XV Wuuſche gemaͤß, eine Averſal⸗Summe von 2000 fl. und die Modelle und Maſchinen ꝛc., welche er in den Niederlanden angekauft, wurden noch beſonders bezahlt. Herr von Grouner machte in einem Pro⸗ memoria vom 29. July 1824 ſelbſt auf die naͤhere Erforſchung der Verhaͤltniſſe a. der beruͤhmten Gras- und Milchwirthſchaft im Limburg'ſchen, in Antwerpen und Nordholland; b. der Kultur der Torflaͤndereien; c. der Behandlung des feſten und fuuͤſſigen Duͤngers, des Staͤdteduͤngers und des Dunghandels; d. des Armen⸗-Coloniſirungsweſens in der neu begruͤndeten Colonie Freederiks⸗Oord; e. des landwirthſchaftlichen Bauweſens in Weſt⸗ phalen, Limburg und Nordholland aufmerkſam. Das General⸗Comité des landwirthſchaftlichen Ver⸗ eins fuͤgte dieſen Punkten in der Reiſe⸗Inſtruktion vom 9. Auguſt 1821 noch bei f. die Auswahl und den Ankauf von vorzuͤg⸗ lichen Maſchinen, Modellen und Zeichnungen; g. die Leinenfabrikation in allen ihren Theilen zu erforſchen; * XVI h. die Ermittlung zweckmaͤſſiger Unterkunfts⸗ See zur orte fuͤr Stipendiaten der I. Klaſſe; und* a Ge i. nuͤtzliche Verbindungen und Correspondenzen dor An einzuleiten. Feüſſel Herr von Grouner reiste am 24. Auguſt 1821 Paaln von Muͤnchen ab. Er nahm ſeinen Weg uͤber Augs— Küpeln burg, Stuttgart, Frankfurt, Mainz, Bonn, vilboor * Duͤſſeldorf, Henri⸗Chapelle, Verviers, Luͤt⸗ b malle; tich, Tongern, Maaſtrich, wo er das Mars⸗ I Bredai gebiet verließ und ſich nach Haſſelt gegen Suͤd— ſchaat, Brabant wendete. Von da ging ſeine Reiſe nach èr nülh Loͤwen, Bruͤſſel, Mecheln, Tournhout, Ant⸗ lineen Ufe werpen in die Gegend von Contigh, dann nach lis, Beb dem Haag, Leyden, Haarlem, Amſterdam, 1 keren,( Alkmar eine Tour, welche vorzuͤglich die weſtliche hem, G. Kuͤſte des eigentlichen Hollands betraf, von der Muͤn— tryt, F. dung der Schelde bis an den Texel. Von Alkmar Grouner ging ſie zuruͤck nach Amſterdam; von da zu See und Char! uͤber die Inſel Schokland nach Blockzyl im Nor⸗— alttic, den der Provinz Overiſſel, nach Steenwyk und b lſchaffen auf die Armen-Colonie Freederiks⸗Oord; von 3 larj uh hier reiste Herr v. Grouner uͤber Oldemarkt nach Lemer; und von letzterem Orte uͤber die Zuider⸗ Nan nd mehemg 2„ V 1 dhii . XVII See zuruͤck nach Amſterdam. Utrecht, Vianen und Gorkum wurden beſucht, und hierauf die Reiſe von Amſterdam nach Bruͤſſel angetreten. Von Bruͤſſel aus beſuchte er Waterloo, Enghien, Waalmaal bei Loͤwen, Jette, Laken, Boom, Ruͤpelmond, St. Amants, Oordeghem, Aloſt⸗ Vilvoorde, Bonheyden, Antwerpen, Weſt⸗ malle; Tournhout, Bavels, Hoogstraten, Breda in Nord⸗Brabant, Oostmalle, Braa⸗ ſchaat, die Poldern von Doel und Calloo an der noͤrdlichen Spitze der Provinz Oſtflandern am linken Ufer der Schelde; St. Nikolas, St. Gil— lis, Bevern, Waasmuͤnſter, Elverzele, Lo⸗ keren, Gent, Dakenam, Zele, Erenbodeg⸗ hem, Grammont, Voorde, Leſſines, Kor— tryk, Bruge und Oſtende. Nun trat Herr von Grouner ſeine Ruͤckreiſe an, uͤber Doornit, Mons und Charleroi in der Provinz Henegau, Namur, Luͤttich, Aachen, Koͤlln, Bonn, Mainz, Aſchaffenburg, Wuͤrzburg, Bamberg, Nurn⸗ berg nach Muͤnchen. Nanche Orte wurden zu verſchiedenen Zeiten und mehrmals beſucht und hiedurch die Beobach— I. Theil. XVIII tungen vervielfaͤltiget und verbeſſert. Herr von Grou— ner traf am 12. September 1822 in Muͤnchen ein, und verwendete ſomit 1 Jahr und 14 Tage zu der bezeichneten Reiſe. Nach ſeiner Zuruͤckkunft hatte er vor, den Be— richt ſeiner Reiſe zu bearbeiten. Verſchiedene unan— genehme Ereigniſſe ſtoͤrten ihn oͤfters daran, und der beabſichtete Bericht kam nicht zu Stande, ohn— geachtet ſich das General-Comité des landwirth— ſchaftlichen Vereins fuͤr verpflichtet erachtete, ihn wiederholt daran zu erinnern. Herr von Grouner erhielt inzwiſchen im Sommer 1823 Veranlaſſung zu einer Reiſe nach Paris, von wo er erſt im Ja— nuar 1824 zuruͤckkehrte. Kurz nachher am 31. des⸗ ſelben Monats fand er auf einer Reiſe nach ſeinen Guͤtern in der Naͤhe von Weilheim nahe bei dem Orte Traubing etwa 7 Uhr Abends unvermuthet den Tod. Der landwirthſchaftliche Verein in Bayern ver⸗ lor an dieſem wiſſenſchaftlich gebildeten und in mehr— facher Beziehung merkwuͤrdigen Manne ein ſehr thaͤ— tiges und Kenntnißreiches Mitglied. Das General-Comité eilte, die Materialien, Alem, niſe be in die Standy mit alee dann er Seine d gerechten In inicſt und des en, XIX welche Herr von Grouner auf ſeiner Reiſe geſam— melt hat, zu reklamiren, und erhielt ſie mit groſſer Bereitwilligkeit von dem Erben ausgefolgt. Ueber⸗ zeugt von dem ſachereichen Inhalte und dem beſon— dern Werthe derſelben, beſchloß es, nun durch ein anderes Mitglied den Reiſebericht daraus zuſammen— ſetzen und redigiren zu laſſen. Die Wahl fiel auf mich. Ich fand die vorhandenen Materialien unge— mein reich an Gegenſtaͤnden und Beobachtungen, aber ſehr ungleich an Vollſtaͤndigkeit. Herr von Grouner war ein Mann, der von Allem, was das Leben betrifft, umfaſſende Kennt— niſſe beſaß und damit das ſeltene Talent verband, in groſſen Maſſen, gleichſam aus einem hoͤheren Standpunkte zu beobachten, jeden Hauptgegenſtand mit allen ſeinen Wechſelwirkungen aufzufaſſen, und dann erſt jedes Einzelne an ſeinen Ort zu reihen. Seine Beobachtungen ſind daher vielſeitig und haben gerechten Anſpruch auf Originalitaͤt. In ſeinen Reiſebemerkungen verbreitet er ſich zunaͤchſt uͤber alle Gegenſtaͤnde der Landwirthſchaft und des landwirthſchaftlichen Bauweſens, mit be— * XX 1 Sd ſonderer Ruͤckſichtnahme auf die geognoſtiſchen Ver⸗ Gun . 4. 8d haͤltniſſe;*) dann uͤber die Straſſen und Pflaſter; an rih Kanaͤle und Bruͤcken, oder Hydrotechnik im ausge— riſt cithſch ) dehnten Sinne; uͤber Stein- und Schieferbruͤche, vinde Steinkohlenbergwerke und Torfſtechereien, Ziegel- und Kalkbrennereien; uͤber Handel und Fabriken ꝛc.— zwii 3 haben. . Bei dieſer Verſchiedenartigkeit war es eine wichtige Frage, welche Form dem Berichte zu geben ſey?— 8 Herr von Grouner ſcheint waͤhrend ſeiner Reiſe reigler darauf keine Ruͤckſicht genommen zu haben. Er ſam— ſci melte ohne beſtimmten Plan, was er fand. Sollte zufaſen der Bericht ſo bearbeitet werden, wie die Reiſebe— Neiſe ſchreibung durch Frankreich ꝛc. von Arth. Voung,**) digkit ſo wuͤrde er zwar angenehm zu leſen, und lehrreich gewor⸗— beobacht den ſeyn, aber einer der weſentlichſten Zwecke der Reiſe— gerſtits beſchreibungen,„das Vorzauͤglichere in ſeiner Vollkom— wendet „menheit in die Heimath zu verpflanzen“ wegen der 1 geſpütt Zerſtreuung des Materials, nicht entſprochen haben. ge ſch Intereſſ jiehen m *) Herr von Grouner war einer der talentvollſten Schuͤler ſeits abe des beruͤhmten Werners. fir Gil *) In einer aͤhnlichen Form iſt auch The horticultural Tour der Deputation of the caledonian hort Society abgefaßt. und 3000 ſe te XXI Sollte der Bericht aber nach Materialien ge— ordnet abgefaßt, und dadurch der mit Recht ſo be⸗ ruͤhmten„»Anleitung zur Kenntniß der belgiſchen Land⸗ „wirthſchaft von Schwerz' aͤhnlich erſcheinen; ſo wuͤrde man ſeine Anlage zu weitlaͤufig, und die Ausfuͤhrung von ſehr ungleichem Werthe gefunden haben. Es ſchien mir daher, dem Zwecke und den Ma⸗ terialien nach, am angemeſſenſten, den Neiſebericht ſelbſt in topographiſcher Ordnung in zwei Theile ab⸗ zufaſſen,„als den erſten Band der Ergebniſſe dieſer Reiſe“ und darin alle Gegenſtaͤnde in der Vollſtaͤn⸗ digkeit abzuhandeln, in welcher ſie unſer Reiſende beobachtet und aufgezeichnet hat. Dagegen kann ei— nerſeits eingewendet werden, und iſt wirklich einge— wendet worden, daß hiedurch das Intereſſe zu ſehr zerſplittert werde, daß die Wiederholungen des laͤn⸗ ger ſchon Bekannten ermuͤden, und dem Reuern und Intereſſantern die Aufmerkſamkeit des Leſers ent— ziehen muͤſſe u. ſ. f. Der Redakteur mußte anderer— ſeits aber auch erwaͤgen, daß er hier am wenigſten fuͤr Gelehrte arbeite, welchen Bibliotheken mit 20 und 30000 Baͤnden zu Gebot ſtehen; daß dasjenige, XXII was hier wiederholt worden, groſſentheils nur aus theueren Prachtwerken, oder ſonſt ſeltenen Druck— ſchriften entnommen werden kann, und bisher wohl dem groͤſſern Theile ſeiner Leſer unbekannt blieb; daß die Hinweiſung auf Quellen hier eben ſo nutz⸗ los bleiben muͤßte, indem nur ſehr Wenige in deren Beſitz ſeyn koͤnnen; und endlich daß dasjenige, wel⸗ ches dem Einen bekannt und ohne Intereſſe iſt, zehn Anderen neu und von der hoͤchſten Wichtigkeit ſeyn kann. Was hingegen fuͤr dieſe Schrift, welche doch zunaͤchſt Landwirthſchaft und die dahin gehoͤrigen Gewerbe, Bauweſen, dann Handel, Communika— tionsmittel und andere Anſtalten, welche, wie z. B. Erziehung und Bildung des Volkes, mittel- oder unmittelbar damit in Wechſelwirkung ſtehen, im Auge behalten ſoll,— zu fremdartig ſchien, wurde ganz ausgeſchieden: wobei ſich dann der ſonderbare Wi— derſpruch zeigte, daß waͤhrend der eine Gelehrte Nichts abgedruckt wollte, was ſchon in andern Werken be— kannt gemacht wurde, ein Anderer verlangte, daß auch dieſe ausgeſchiedenen Noten noch bearbeitet, und zum Druck befoͤrdert werden ſollen. Keines von Beiden konnte geſchehen. XXIII Syſtematiſch bearbeitet wird im 2. Bande er⸗ ſcheinen Alles, was 1. Urbarmachungen von Moor⸗, Flugſand⸗ und Haideboͤden, 2. Bearbeitung des Bodens, und Werkzeuge hiezu, 3. die verſchiedenen Arten vom Duͤnger, und den Handel damit, 4. den Grasbau, 5. den Fruͤchtebau und Fruchtwechſel mit be— ſonderer Ruͤckſichtnahme auf die Geſpinnſt- und auf die Handelspflanzen uͤberhaupt, 6. Viehzucht, Molkerei und Kaͤſerei, .Linen⸗Spinnerei, Weberei und Bleichen, 8. Ziegel⸗- und Kalkbrennerei in Oefen und im Freien, 9. die Torfſtechereien betrifft. Dieſe Gegenſtaͤnde ſind in ihrem Weſen am vollſtaͤndigſten erforſcht; ſie ſind einer Anwendung und Verbeſſerung im Inlande faͤhig, und ſollten XXIV daher aus neuern Mittheilungen und Beobachtun— gen ergaͤnzt, ſeiner Zeit ſyſtematiſch in einem 2ten Bande vorgetragen werden, waͤhrend ſie im erſten Theile an ihrem Orte nur in Einzeln, wie ſie vor— kommen, abgehandelt ſind. Der vorliegende Bericht wird daher das Eine mit dem Werke Arth. Poungs, das Andere mit jenem von Schwerz gemein ha⸗ ben, ſich aber von beiden durch eine eigene Mannig— faltigkeit von techniſchen Gegenſtaͤnden und originel— len Bemerkungen unterſcheiden. Wo es der Deutlichkeit wegen zu wuͤnſchen, und aus dem vorliegenden Materiale moͤglich war, habe ich auch den Text durch Zeichnungen zu ver— vollſtaͤndigen geſucht. Orte, wohin junge Leute geſendet werden koͤn— nen, um daſelbſt das Eine oder das Andere in der bis jetzt erreichten Vollkommenheit zu erlernen, hat Herr von Grouner ausgemittelt; nicht minder hat er fuͤr den Verein ſehr nuͤtzliche und achtungswerthe Verbindungen eingeleitet. Es wird aber von dieſen Gegenſtaͤnden im Verfolge des Berichtes nicht wei— ter die Rede ſeyn, weil es mir ſchien, daß ſie mehr ————— ————-:———˖——B—B—P—öö: — das etw galten. ei Perſon ſandten ein, deſſ freundſch richt nu titthſcha derdanken, ——————r——— — —⸗-⸗-————— ————————————y— — —— —yyy.———— XXV in das Gebiet der Privatverhaͤltniſſe, als vor das groͤſſere Publikum gehoͤren. Endlich muß ich auch allen den vielen ausge— zeichneten und achtungswerthen Maͤnnern fuͤr die viel— ſeitigen freundſchaftlichen Unterſtuͤtzungen, deren ſich Herr von Grouner auf dieſer Reiſe erfreuen durfte, und denen wir vorzuͤglich den Reichthum ihrer Aus— beute verdanken, hiemit oͤffentlich und allgemein un— ſern Dank ausdruͤcken. Sie namentlich hier aufzu— fuͤhren, duͤrfte ihren Wuͤnſchen vielleicht nicht ent— ſprechen, und uns der Gefahr bloß geben, ihnen das erwieſene Gute mit Unannehmlichkeiten zu ver— gelten. Eine nothwendige Ausnahme tritt hier in der Perſon des hochverdienten ehemaligen k. bayer. Ge— ſandten in den Niederlanden, Freiherrn von Gueſe ꝛc. ein, deſſen ausgezeichnetem Wohlwollen und hoͤchſt freundſchaftlichen Unterſtuͤtzungen in dieſer Beziehung nicht nur Herr von Grouner, ſondern der land⸗ wirthſchaftliche Verein uͤberhaupt, ungemein Vieles verdanken. XXVI In der Abfaſſung des ganzen Berichtes war Treue und Richtigkeit mein erſtes Geſetz. Ich habe es wiſſentlich nicht verletzt; und ſollte es aus Irr— thum geſchehen ſeyn, ſo bitte ich Jedermann zur Berichtigung des Unrichtigen mitwirken zu wollen. Wo die Noten des Reiſenden unvollſtaͤndig, oder fuͤr ſich unverſtaͤndlich ſcheinen, habe ich ſie aus zuverlaͤſſigen Quellen zu ergaͤnzen oder zu erlaͤutern geſucht. Daraus iſt mir aber der Vorwurf erwach⸗ ſen, daß man nicht mehr unterſcheiden koͤnne, was hie— von dem Reiſenden und was dem Redakteur ange— hoͤre. Dieſer Vorwurf kann nur eine wiſſeenſchaftlich hiſtoriſche Beziehung haben, denn hinſichtiich der Sache ſelbſt iſt er ohne Bedeutung; und der Re— dakteur darf wohl fragen, wie er ihn haͤtte umge— hen ſollen?— Die Noten des Reiſenden ſind durch— gehends Bruchſtuͤcke. Auſſer einigen Entwuͤrfen ſind ſelten auch nur die einzelnen Saͤtze ganz ausgeſchrie— ben, und um ſie zu benuͤtzen, mußten ſie umgear— beitet, zuweilen in eine andere Form gebracht, und mit den folgenden Noten in Verbindung geſetzt wer— den. Wo ein wichtiges Raiſonement von dem Rei⸗ — lichete verth, Ferichte gett wo Juſſchue literarſc anderwe Iü XXVII ſenden vorhanden war, wurde es als das Eigenthum deſſelben mit ſeinen Worten wiedergegeben; aber wo dieß nicht der Fall war, erſchien es auch unmoͤglich, dieſen Wunſch der Ausſcheidung zu befriedigen, wenn das Ganze nicht zu einem praktiſch unbrauchbaren, hiſtoriſchen Reiſe-Notenbuche haͤtte gemacht werden ſollen. Ich fuͤhle uͤbrigens wohl, daß eine ausfuͤhr— lichere Literatur bei dieſem Werke ſehr wuͤnſchens— werth geweſen waͤre. Allein, da die Erſtattung des Berichtes ohnehin ſchon mehr als 2½ Jahr verzoͤ⸗ gert worden, ſo ſchien der Nachtheil eines weitern Aufſchubes die allenfallſigen Vortheile einer beſſern literariſchen Ausſtatung zu uͤberwiegen, und meine anderweitigen Geſchaͤfte geboten mir Eile. Ich werde daher in manchem Punkte der guͤti— gen Nachſicht des Publikums beduͤrfen, und ich wuͤnſche nur, daß dadurch der Nutzen dieſer Reiſe nicht geſchmaͤlert werden moͤge. Der vorliegende erſte Theil ſchließt mit der Beſchreibung der in vielen Beziehungen hoͤchſt wich— XXVIII A tigen Armen⸗-Colonie Freederiks⸗Oord, und der zweite Theil wird den uͤbrigen hier vorlaͤufig ange— deuteten Reſt der Reiſebeſchreibung enthalten, waͤh— rend, wie bereits bemerkt, ein zweiter Band die Hauptreſultate ſyſtematiſch vorgetragen nachliefern ſoll. Muͤnchen, im Juli 1825. m M ur Auwatu Den Um vas Shnktgakt. don Stutthe Aimfen. Wimmer. gur ennut e Nain, ncc fin. Dhäbrden V i Mait nnt 9 üülen ruc J n Er ſter Von Muͤnchen nach Augsburg Von Augsburg nach Uumm.. Von Ulm nach Stuttgart.. Stuttgart..... Von Stuttgart nach Wimpfen Wimpſen.... Von Wimpfen nach Frankfurt Frankſurt.. Von Frankfurt nach Mainz. Von Mainz nach Idſtein.. Idſtein...... Wiesbaden.... Von Mainz nach Koblenz. Von Koblenz nach Bonn.. Abſch ₰ . t. . 55 XXX Seite Bonn................. 648 La erhe Bon Duͤſſeldorf nach Jültch........... 24 dun Von Julich nach Aachen..... 772 V b andt V aen Jteede Von Aachen nach Henry⸗Chapellehy 73 V an 9 Hug. Zweiter Abſchnitt. yrs Konigreich der Niederlande...... 76 Inn Hat Provinz Limburg„... 709 an Henri⸗Chapelle in der Provinz Luͤtticth 30 Im Provinz Luͤttich Limbuug... 31 hatlen Verviers 10s V Am Fnn. Lütkich............... 102 V Amſerden Von Luͤttich nach Tongern und Maaſtrich 102 V pord⸗gann Maaſiric„hl.... 409 Net⸗hlc Cantpine Haſſelt........... a245 Von Haſſelt nach. Löwenn 2356 Löwen................ 1758 V Von Loͤwen nach Bruͤſfel........... 1442 V emnröll Bruüſſel........ 1145 ent diſr Von Bruͤſſel uͤber Vilverode nach Mechen. 443 V grinduny d Mecheln............. 190 lunkazmebed Von Mecheln nach Antwerypen.. 152 tiihe der Antwerpen............45 2 eiſe dulge Von Antwerpen nach Hollad. Von Antwerpen nach Bred.. Von Breda nach Dortrecht, Rotterdam. Von Rotterdam nach dem Haag.. Hanngg..... Die Duünen........ Von Haag nach Haarlem.. Leiden....... Von Leyden nach Haarlermrn. Haarlemm.. Von Haarlem nach Amſterdam.. Amſterdaemn„ Rord⸗Kanuuunlhl.. Rord⸗Holland.. Hollannnnnnyh)y... Dritter Abſchu Armen⸗Colonie Freederiks⸗Oord. Zweck dieſer Colonne.. Gruͤndung der Armen⸗Colonie.. Aufnahmsbedingungen fuͤr Armenkoloniſten Oertliche Verhaͤltniſſe der Armen-Colonie Erſte Anlage der Colonie.. * t. XXXII Kalk⸗ und Ziegelbrennen............ 504 Die Miſtbehandlung in der Colonie........ 322 Früchtebau...... 4,5, Der Viehſtan..... 343 Brennmateriale............. 56 Kirchen- und Schulangelegenheiten 333 Das Verhaͤltniß des Coloniſten ſelbſt.... 356 heſuchte das links legende beredelte merſclft in ſ grof Nerinos) ausgefühtt räl, Ne und ſichg vorden. I Theil. I—q———B—ꝛ—·—————— Erſter Abſchnitt. Reiſe von Muͤnchen nach Augsburg. Obſchon der eigentliche Reiſezweck auf den Bereich der Provinzen des Koͤnigreichs der Niederlande be— ſchraͤnkt war, ſo unterließ Herr von Grouner doch nicht, auch auf der Hinreiſe Beobachtungen und Be— merkungen zu ſammeln. Hievon mußten natuͤrlich die gewoͤhnlichen, und im Inlande hinlaͤnglich bekannten Gegenſtaͤnde und Methoden ausgeſchloſſen bleiben. Auf der Reiſe von Muͤnchen nach Augsburg beſuchte er die Beſitzung des Freyherrn v. Ruffin, das links der Straſſe in der Naͤhe von Augsburg liegende Gut Weyhern, deſſen Betrieb ganz auf veredelte Schafzucht nach den Grundſaͤtzen der Som— merſtallfuͤtterung eingerichtet iſt. Dieſer erſte Verſuch in ſo großem Maaßſtabe(mit ohngefaͤhr 1000 Stuͤck Merinos) in einem der aͤltern Kreiſe des Koͤnigreichs ausgefuͤhrt, gefiel Herrn von Grouner ungemein wohl, beſonders da er zugleich mit einer wohlfeilen und ſachgemaͤßen Bauart der Staͤlle unternommen worden. I. Theil. 2 Von Muͤnchen Ausfuͤhrlicher iſt dieſer intereſſante Gegenſtand in den Wochenblaͤttern des landwirthſchaftlichen Ver⸗ eins bereits verhandelt, und es duͤrfte hier nur noch zu bemerken ſeyn, daß Herr Baron von Ruffin ſeine Schafwirthſchaft ſeit dieſem noch mehr ausge— dehnt, zu dieſem Behufe ſein Areal vergroͤßert, und noch einen Schafſtall von bedeutender Groͤße erbaut hat. Es iſt fuͤr den Staat zu wuͤnſchen, daß dieſer Betrieb Nachahmung finde. Die Urſache, daß im Iſar⸗, im Unter⸗ und Oberdonaukreiſe der Preis der Schafwolle und ſelbſt jener der Zuchtthiere ſo niedrig ſteht, liegt nicht in der angeblichen großen Zahl der veredelten Schafe, welche im Gegentheil ſehr gering iſt, ſondern in der zu kleinen Quantitaͤt veredelter Wolle, welche fuͤr jedes ſolide Unternehmen unzurei⸗— chend erſcheint, und in dem vorherrſchenden Mangel an ausgeglichener Wolle, die allein noch auf einen angemeſſenen Preis Anſpruch machen darf. Je mehr ſich aber die Merinoszucht verbreitet, deſto mehr wird die Wolle verbeſſert und hiedurch werden ſchneller Ab— ſatz und gute Preiſe gewonnen werden. Von Augsburg aus beſuchte er das in vor— trefflichem Zuſtande befindliche Gut Affing, welches Sr. Exzellenz, dem koͤnigl. Praͤſidenten der Regierung des Oberdonaukreiſes, Frhrn. v. Gravenreuth ꝛc. gehoͤrt.— Hier ſcheinet unſerem Reiſenden ein ſonſt fuͤr ihn ſehr intereſſanter Gegenſtand entgangen zu ſenn. tetd goch und Aucſ linet ſehen, zum ſammme nes b Daue in I in( met fing ſcheer in den mit Jutte tigun ſpektor ner d ginge greſt, ren T tielen Dardie — nach Augsburg. ſeyn. In dem Rindviehſtalle zu Affing ſind die Fut— tertroͤge oder Barmen ohne Raufen, weder von Holz, noch von Stein, ſondern von eigends hiezu gemach— ten Backſteinen, Ziegelſtuͤcken, zuſammen geſetzt. Dieſe Backſteinplatten ſind von anſehnlicher Groͤße, und mit einer gefaͤllig ausſehenden, ſehr haltbaren Glaſur ver— ſehen, in hoͤlzerne Rahmen gefaßt, ſo, wie man ſolche zum Theil auch aus Sand⸗ oder Kalkſteinplatten zu— ſammengeſetzt findet. Erſtere haben den Vortheil ei— nes betraͤchtlich wohlfeileren Preiſes, einer laͤngeren Dauer und eines gefaͤlligeren Aeußern. Ich habe ſolche in Affing geſehen, welche bereits uͤber 30 Jahre im Gebrauche geweſen, und ſie zeigten ſich noch im— mer ganz tadellos. Die Wirthſchaftsgebaͤude zu Af— fing ſind ſeit 1821 abgebrannt. Se. Exzellenz ver⸗ ſicherten mich aber im Herbſte d. J. 1622, daß Sie in den neu zu erbauenden Staͤllen, welche durchgehends mit Bohlen-Daͤchern bedekt werden ſollten, ſolche Futterbarmen wollten anbringen laſſen, deren Anfer⸗ tigung der als Schriftſteller bekannte Kreisbau-In— ſpektor Herr Voit beſorgte. Einen zweiten Beſuch machte Herr von Grou— ner dem Hrn. Reiber, koͤn. Landrichter in Goͤg— gingen, dem wuͤrdigen Stifter unſerer Kulturs-Kon— greſſe, welche ſich ſtets mehr vervielfaͤltigen, und de— ren Verhandlungen und Unternehmungen ungemein vielen Nutzen im Lande verbreiten. Die vielſeitigen Verdienſte dieſes ſehr achtungswerthen Beamten um 1* 4 Von Muͤnchen die Verbeſſerung der Landwirthſchaft und um den Wohlſtand ſeiner Gegend ſind ſo allgemein anerkannt, daß es hier keiner weitern Anfuͤhrung derſelben be⸗ darf. Ueber die Boden⸗Verhaͤltniſſe von Muͤnchen nach Augsburg bemerkte der Neiſende, daß ſich der Boden von Dachau an, weſentlich veraͤndert zeige, und im Allgemeinen aus ſandigem Lehm be— ſtehe, der uͤber der allgemeinen Niederungs⸗Sand⸗ ſtein-Formation liege, welche der ſuͤdbayeriſchen Lan⸗ desflaͤche zur Unterlage dient. Der Lehm ſey bald mehr bald weniger ſandig, und uͤberall mit feinen Flitter⸗ chen von Glimmer charakteriſirt; wodurch die Sand— ſtein-Unterlage verrathen werde. Von Welbing, einem kleinen Weiler, ziehe ſich eine ſanfte Vertief— ung der Straſſe entlang, in welcher man einige Gru— ben geoͤffnet habe, um Moos-Koth zur Duͤngung der Aecker zu gewinnen. Man finde auf der ganzen Strecke von Dachau bis Friedberg eine Menge Spuren, welche beweiſen, daß das Kothfuͤhren hier in Ehren gehalten werde. Man habe von dieſem Ma— terial zwei Sorten. Die eine ſey ordinaͤres Koth, ein ſandiger Lehmen, welchen die Landleute hier al— lenthalben Mergel nennen; die andere ſey das ſoge— nannte Mooskoth. Von beiden finde man allenthal— halben viele Spuren, jedoch ſtets mehr von erſterem, als von letzterem. Die Mergelgruben von Pfaffen⸗ hofen, von Oberoth u. a. m. ohnweit Adels— wohnü d Nieder finde S ſeb, od doch mi an ein reinen verde. vünſche 9 lagerung breiten! und lehr tem nich d, wie öfiel! nach Augsburg. 5 hauſen ſeyen von anſehnlicher Groͤße, und viele ſolche alte, laͤngſt wieder verraſete Gruben, ſcheinen zu beweiſen, daß in dieſer Gegend der treffliche Ge— brauch des Mergels ſchon alt ſey. Auf der Straſſe von Fuͤrſtenfeld, Mannersdorf und Mehring nach Augsburg hat Herr von Grouner fruͤher daſſelbe bemerkt. Er glaubt, daß man den Mergel und das Mooskoth mit mehr Auswahl aufſuchen, und zum großen Nutzen der Gegend beſſer behandeln, und verwenden koͤnnte. Man vermengt hier beides ge— woͤhnlich im Hofraume mit dem Stall-Duͤnger. Raͤher gegen Augsburg finde man, daß der Niederungs-Sandſtein wieder zu Tag ausgehe. Man finde Sandgruben mit Quaszgries, hoͤchſtens von Ha— ſel⸗, oder Baumneſſen⸗Groͤße, ſtark eiſenſchuͤſſig, je⸗ doch nicht konglommerirt, in gebrochener Schichtung; an einigen Orten ſehr ſchoͤnen feinen weißgraucn, reinen Quarzſand, welcher zum Ziegelmachen gebraucht werde. Der Reiſende glaubt, in dieſer Gegend muͤß— ten Toͤpfer(Hafner) jedes Material, welches ſie wuͤnſchen koͤnnten, antreffen. Herr von Grouner fand, daß in der Kiesab⸗ lagerung des bei Augsburg 14 bis zwei Stunden breiten Lechthales viele Gemeinden einen ſehr ſchoͤnen und lehrreichen Ackerbau betreiben, welcher bei wei⸗ tem nicht das Gepraͤge von Armſeligkeit an ſich tra⸗ ge, wie dieſes bei den Gemeinden im ſogenannten Gfiel bei Muͤnchen der Fall iſt. Er hielt deshalb 6 Von Augsburg eine ſpezielle Bereiſung und Beobachtung der mit Kies erfuͤllten Thaͤler und der verſchiedenen Wirthſchafts⸗ Betriebsarten fuͤr ſehr lehrreich und nuͤtzlich fuͤr einen Staat, der, wie Bayern, ſo viele Kiesboͤden, beſitze. Von Augsburg nach Ulm. Auf der Straſſe nach Ulm fand der Reiſende das Wertachthal betraͤchtlich breiter, als es, dieſem maͤſſigen Fluͤßchen nach, vermuthet werden ſollte. Der Boden beſteht aus einer reinen Flußkies-Unterlage mit einem ſtarken Lager graulich⸗ſchwarzer vortrefflicher Erde bedeckt. Das Feld uͤber dieſer Anhoͤhe hat 2 ½ bis 3 Fuß rothen Lehmboden auf gleicher Kiesunterlage. Das obere ſanfte Huͤgelland erſcheint da allenthalben mit eiſen— ſchuͤſſigem, ſandigen Lehm bedecket. In den Kieshau- fen ſind beinahe keine Urgebirgs-Arten zu entdecken. Man findet nur Gurnigel-Sandſtein,*) Kieſelſchie— fer, rothen und grauen Kalkſtein, Nagelflue, und groͤßere Geſchiebe von Quarz, bis Burgau. Theil⸗ weiſe zeiget ſich dann eine ungeheuere Lehmbedeckung, jedoch kein Quarzkies mehr, wie um Eurasburg und Friedberg, ſondern Kalk- und Sandſtein. Der Lehm ſelbſt aber enthaͤlt ſehr viel Geſchiebe. Bei Zus— marshauſen erſteigt man eine bedeutende Landhoͤhe, — 7 *) Vermutylich nach dem Sandſtein ſo genannt, aus welchem der Gurnigelberg, im Kanton Bern, beſteht. nuf ve Kotſt ſchen! neſſr g ſen, Wäher de) Dlerſch Sraſe immer then „ „ 1 Gün, dand. Gunt der ſan tanken ſier zu fenden den vo Schunt Kiee! wohl e H derließ, T dieſelbe ſen S Nies fts⸗ nen hem 3 nach Ulm. 7 auf welcher ſandiger Lehm den Ackerboden bildet. Das Kothfuͤhren wird bis hieher noch immer betrieben, ob⸗ ſchon man faſt gar keinen Mooserde⸗ oder Torfboden mehr gewahr wird. Es zeigen ſich vortrefflich entwaͤſ⸗ ſerte, ſchoͤne Wieſen, welche aus alten vormaligen Weihern und Suͤmpfen hergeſtellt zu ſeyn ſcheinen. Der Mangel an Urgebirgs⸗Arten, welche ſich im Oberſchwaben ſo haͤufig finden, dauert hier in den Straſſenkieshaufen noch immer fort, ſie beſtehen noch immer aus Gurnigelſandſtein, aus Kalkſtein und ro⸗ them Kieſelſchiefer. Von Grieshaber, auch Kriegshaber, bis Günzburg fuͤhret die Straſſe uͤber ein hohes Huͤgel⸗ kand. Von dieſer Landhoͤhe ziehet ſie ſich auſſerhalb Guͤntzburg in das Donanthal herab, wo indeſſen der ſandige Lehmboden bis nach Leipheim,(belihes ſtarken Hopfenbau treibt, und ohne ein S traſſenpfla ſter zu beſitzen, doch 3 kr. Pflaſtergeld von dem Rei⸗ ſenden erhebt),— fortdauernd und bis etwa 2 Stun⸗ den vor Ulm noch geſunden, dort aber von einem Schuttkegel der Iller vertreten wird. Hier beginnen Kies⸗ und ſumpfige Laͤndereien, welche indeſſen ſehr wohl entwaͤſſert und verbeſſert werden koͤnnten. Herr von Grouner machte, ehe er Bayern verließ, noch folgende Bemerkung: Von Muͤnchen her habe ich nur eine und dieſelbe Hauptgebirgsart gefunden, naͤmlich den neue— ſien Sandſitein, welcher allgemein den noͤrdlichen —— =ö— — 3 Von Augsburg Fuß der Alpen begleitet und das weite Becken zwi⸗ ſchen ihnen und der Kalkſtein-Formation des Jura— und rauhen Alp-Gebirges ꝛc. ausfuͤllet. Es iſt dieſer Sandſtein-Formation eigen, ſehr thonigte Gelaͤnde da zu erzeugen, wo ſie ohne fremde Bedeckung liegt. Allein, alle jene Thaͤler, welche von den Alpen herab ihre Waſſer der Donau zufuͤhren, von der Salza an bis zur Iller, haben dieſe weiche, der Verwitterung durch Luft und Waſſer nicht widerſtehenden Gebirgsmaſſen, und wurden mit be— deutenden Niederlagen von Kies uͤberfuͤhrt. Dieſer iſt naͤher gegen die Alpen von grobem Korn, groͤß⸗ tentheils aus Alpen-Kalkſteinen beſtehend, tiefer hin— ab gegen die Donau iſt er aber oft kleinkoͤrnig, eine, meiſtens aus Quarz- und andern Urgebirgsarten be— ſtehende Kruſt,*) welche manchmal in bloßem Sande uͤbergeht. Die von dieſer ſpeciellen Aufſchemmung frei gebliebenen Landhoͤhen, beſonders jene, die ich zwiſchen Augsburg und Guͤntzburg uͤberſtieg, ſind mit einer ſehr maͤchtigen Thon-Niederlage be— deckt. Welchen Einfluß die Natur der Gebirgsmaſſen auf den Ackerbau hat, und welche vorzuͤgliche Ruͤck— ſicht man bei dieſem Hauptgewerbe der Voͤlker auf die geognoſtiſchen Verhaͤltniſſe nehmen ſollte, werde ich an einem andern Ort zeigen. Fuͤr dießmahl ſey *) Sehr grobkoͤrniger Sand. dern von Wörtes „59 ſenbrenne nen die angrenz ähnlich Gandſtei dre gut ditlen Ke fruchlos Cbe lieben ei zugsweiſe kandwirte Aunntitit ſcen Ver vitthſchaf un ſo m Säjehung — —) deeſe 8 ————— — —— —=— nach Ulm. 9 nur beilaͤufig bemerkt, daß es Gegenden gibt, welche durchaus gewiſſe duͤngende Stoffe nicht gut vertra— gen, die anderen einen reichen Segen gewaͤhren. Ich rede hier nicht von jenen in's groͤßere gehenden, mehr als Erdmiſchungen zu betrachtenden Stoffen wie z. E. Mergel, Thon, Sand, Mooskoth u. ſ. w., ſon⸗ dern von jenen, welche man im naͤhern Sinne des Wortes als duͤngend zu betrachten gewohnt iſt, wie z. B. gebrannter Kalk, Gyps, Aſche, ſelbſt das Ra⸗ ſenbrennen u. dgl. m. Wir haben Gegenden, de— nen dieſe Mittel ungemein zuſagen, waͤhrend dicht angrenzende, ein anderes Gelaͤnde, dem vorigen ganz aͤhnlich, ſie voͤllig fruchtlos finden! So wirket z. E. auf Sandſteingelaͤnden Gyps auf Klee und auf viele an— dere Futterkraͤuter Wunder, waͤhrend man ihn in vielen Kalkgelaͤnden mit geringem Erfolg oder ganz fruchtlos ausſtreuet. Eben ſo, und vielleicht aus gleichen Gruͤnden, lieben eine Menge Gewaͤchſe gewiſſe Gegenden vor— zugsweiſe, waͤhrend ſie an andern, ſo viel ſich der Landwirth auch bemuͤhen mag, dieſelbe Qualitaͤt und Quantitaͤt durchaus nicht erreichen. Die geognoſti⸗ ſchen Verhaͤltniſſe ſind daher bei der Land- und Forſt⸗ wirthſchaft im hoͤchſten Grade eine Beruͤckſichtigung um ſo mehr werth, als bisher gerade ſie in dieſer Beziehung ganz unbeachtet geblieben ſind.“*) *) Dieſe Schlußbemerknng iſt allerdings richtig und wichtig. Wir 10 Von Augsburg In Ulm betrat Herr von Grouner zuerſt das Gebiet des Koͤnigreichs Wuͤrtemberg, welches in neu— erer Zeit ſo ungewoͤhnliche Fortſchritte in Landwirth— ſchaft und Technik zu machen begonnen hat. Das Koͤnigreich Wuͤrtemberg enthaͤlt auf einem fuͤr die Produktion eigentlich minder guͤnſtigen Flaͤ⸗ chenraum von 357 ½¾ Qudratmeilen 1,446,000 Men⸗ ſchen. Es hatte 1817 an nutzbarer Flaͤche: Aedker... 1840502, Wieſen.... 620 477, Allmenden.. 101211, Weingaͤrten. 79296, Waldungen. 1235466, ſomit eine Summe von.. 4576842 wuͤrtember⸗ ger Morgen. ſuchten uns bisher zur Beurtheilung der Boden⸗Beſchaffen⸗ heit durch Chemie und Phyſik zu helfen, aber die Ermitt⸗ lung der Verhaͤltniſſe, in welchem ſich die Thon-, Kieſel— und Kalkerde, Eiſen- und Manganoride, alkaliſcher Salze und organiſcher Truͤmmer in der Ackerkrume finden, iſt of⸗ fenbat nicht viel beſſer, als die gewoͤhnliche Eintheilung, in Weizen, Gerſten- und Roggenboden verſchiedener Klaſſen. Der Untergrund des Bodens, die Form, in welcher das Eine oder das Andere ſich im Boden befindet, ſind aller Er⸗ fahrung nach von hoher Wichtigkeit. Und bisher wird dieſe Verbindung von Materie und Form nur in der Geognoſie beachtet. Nur ſchade, daß dieſe Wiſſenſchaft, durchgehends nur auf Gruͤnde der Wahrſcheinlichkeit bauend, noch ſo un— vollkommen, und vorzuͤglich dem Landwirthe ganz fremd ge⸗ blieben iſt! 3 Ganzen zither b nahe au J Daaxe Perſonen gen Fr Einwoht treibende dglähn Hie dratmeile Neſe Jich Nutbo Getrau nach Ulm. 11 Der Viehſtand betrug in dieſem Jahre: 80870 Pferde, 509040 St. Rindvieh, 488040 Schafe, 16620 Ziegen, 114240 Schweine, 954 Eſel und Maulthiere, daher im Ganzen 1301564 Stuͤck, welche ſich aber durch die zeither bewirkte betraͤchtliche Vermehrung der Schafe nahe auf 1½ Millionen duͤrfte gehoben haben. Im Jahre 1800 wurden im Koͤnigreich 9230 Paare getrauet, 61225 Kinder geboren und 4337 Perſonen ſind geſtorben. Man zaͤhlet in dieſem Lande 130 Staͤdte, 128 Marktflecken, 1115 Pfarrdoͤrfer, 558 kleinere Doͤrfer, 1852 Weiler, 2501 einzelne Hoͤfe, 201 Schloͤſſer und im Ganzen 305470 Haͤu— ſer, welche in einem Werth von 1104269014 fl. ge⸗ gen Feuersgefahr verſichert ſind. Unter 1444165 Einwohner ſind 1736 adeliche⸗, 108496 Gewerb⸗ treibendes, 101575 Bauern⸗ und Winzer⸗, 41913 Tagloͤhner-Familien und 8793 Rentierer. Hiernach treffen im Durchſchnitt auf jede Qua— dratmeile nahe: Kenſchen... Vieh„... Nutzbarer Boden, ohne Wald 7398 W. Morgen. Getraute... „ 4044, 3640 bis 4300. .. 25 Paare. 1 2* Von Augsburg nach Ulm. Geborene...... 1422, Geſtorbene. 121. Hieraus wird ſich ohngefahr auf den Grad der Thaͤtigkeit und Betriebſamkeit ſchlieſſen laſſen, wel— cher in dem inneren Verkehre waltet. Es iſt eben angefuͤhrt worden, daß das Donau⸗ thal bei Ulm nur zum Theil aus Ackerland, von Leipheim gegen Ulm aber großentheils aus ſumpfi⸗ gen Laͤndereien beſtehe, welche einer beſſern Kultur faͤhig ſcheinen. Der Theil, worauf ſich Ackerland be— findet, iſt der noͤrdliche. Der ſuͤdliche beſteht aus ei— nem Mooſe, welches Eigenthum verſchiedener Ge— meinden iſt, und gewoͤhnllch das Ried genannt wird. Von dieſer großen Moosſtrecke wurden nun ſeit 1821, wo Herr von Grouner in Ulm war, durch die Bemuͤhungen des Regierungs-Rathes und Oberamtmannes Herrn Muff in Ulm und durch eine kleine, aber ſachgemaͤſſe Unterſtuͤtzung der Re— gierung, 3553 Morgen von den Gemeinden abge— theilt, nach einem vorausgegangenen Nivellement durch Abzugsgraͤben trocken gelegt, und in Kultur genommen. Eine daſelbſt angelegte Torf⸗Verkohlung und Theerſchwellerei unterſtuͤtzet die Induſtrie des Ganzen; und die Regierung hat durch eine baare Auslage von 060 fl. nutzbaren Raum fuͤr 2 bis 3000 arbeitſame Menſchen gewonnen, und zudem den phy— ſiſchen Zuſtand dieſer Gegend verbeſſert. Von durch das heuern u und von bingen, ungewün zu lernen ten, welch ſchan Ve Älpe auf ſch in ſe, wie! Neiſe noc gemeinen, borwaſte, an vielen dos rauhe dn Gebir torſhreihe ten nitſi Von Ulm nach Stuttgart. 15 Von Ulm nach Stuttgart. Von Ulm nahm unſer Reiſende ſeinen Weg durch das romantiſche Blauthal hinauf nach Blau— beuern und uͤber die rauhe Alpe nach Urach, und von da am noͤrdlichen Fuße der Alp nach Tuͤ⸗ bingen, um dort den, allen Landwirthen ſo verehr— ungswuͤrdigen Herrn Prof. Dr. Schuͤbler kennen zu lernen, welcher dem Publikum uͤber die Beſchaf⸗ fenheit der verſchiedenen Arten von Milch und uͤber die phyſiſchen Eigenſchaften der Ackererden ſo intereſ⸗ ſante und nuͤtzliche Mittheilungen gemacht hat. Ich muß lebhaft bedauern, daß es mir aller angewandten Muͤhe ungeachtet nicht gelang, die No⸗ ten, welche Herr von Grouner uͤber die geognoſti— ſchen Verhaͤltniſſe des Blauthales und der rauhen Alpe aufgenommen zu haben ſcheinet, und worauf er ſich in einer andern bezieht, aufzufinden. Er ſcheinet ſie, wie ich aus andern Umſtaͤnden ſchließe, auf der Reiſe noch verlohren zu haben. Er bemerkt im All— gemeinen, daß auf der rauhen Alpe haͤufig der Kalk vorwalte, daß der Boden ſteinigt, aber doch ſchwer, an vielen Orten großer Waſſermangel ſey, und daß das rauhe Klima dem Landwirthe dieſes hochliegen⸗ den Gebirges ſtrenge Geſetze fuͤr ſeine Verrichtungen vorſchreibe, und ihn zu einer Menge ſinnreichen Mit— teln noͤthige, durch wechle er ſeine Ernten gegen die 14 Sturrgart. unguͤnſtigen Einfluͤſſe der Natur zu erringen und zu beſchuͤtzen vermoͤge. Den Weg von Tuͤbingen nach Stuttgart hat Hr. v. Grouner in der Nacht zuruͤckgelegt, wodurch Beobachtungen ohnehin unmoͤglich geworden ſind. Stuttgart. Hier nahmen ihn vorzuͤglich drei Gegenſtaͤnde in Anſpruch; das landwirthſchaftliche Inſtitut in Ho— henheim und vorzugsweiſe der Direktor deſſelben, Herr von Schwerz, welcher ſich lange in den Nie— derlanden aufgehalten, und uͤber die dortige Wirth— ſchaftsweiſe unter allen, in Deutſchland bekannten Schriften die beſte und vollſtaͤndigſte Beſchreibung herausgegeben hat; dann der dortige landwirthſchaft— liche Verein; und endlich das Straſſenpflaſter, wozu er Auftraͤge von Seite des Magiſtrates in Muͤnchen hatte. In Hohenheim von dem Herrn Direktor von Schwerz ſehr freundſchaftlich empfangen, hielt er ſich 3 Tage auf, und erhielt von demſelben nicht nur alle wuͤnſchenswerthen Aufſchluͤſſe und Weiſungen, ſondern auch ſehr nuͤtzliche Empfehlungsbriefe und Addreſſen. Ueber das Inſtitut ſelbſt bemerkte unſer Reiſende wenig Neues. Er fand alles im beſten Fortſchreiten, und den Umſtand von beſonderem Werthe, daß da— ſelbſt die Forſtſchule mit jener fuͤr Landwirthſchaft vereinigt iſt. Er ſagt: gerade darin liegt das Ungluͤck de For vitthſch unatie dr Ge laſinng, angenehr oleracea velche jerſtört konunen dihen. de Nübe Bei virthſcha bon Gr⸗ Und wurd nit dem Stuttgart. 15 des Forſtweſens, daß man dieſen eigentlichen Land⸗ wirthſchaftszweig von ſeinem Stamme getrennt, ſehr unnatuͤrlich dem Jagdweſen angeſchloſſen, dadurch aber Gegenſaͤtze gebildet, und den Jaͤger zum Tyra— nen des Landwirths, ſtatt zum Bruder deſſelben, ge— macht hat.— Die Waiſen⸗Anſtalt war damals an dem In⸗ ſtitute in Hohenheim noch nicht in der gegenwaͤr⸗ tigen Ausdehnung vorhanden. Ein Inſtitut dieſer Art, verbunden mit einem ſchon beſtehenden, iſt ein ſehr wohlfeiles, aber fuͤr das Land in der That un— beſchreiblich nuͤtzliches und wohlthaͤtiges Unternehmen, deſſen Folgen fuͤr die Zukunft unberechenbar ſind! In Hohenheim wird bekanntlich ſeit einer, fruͤher von Herrn von Grouner gegebenen Veran— laſſung, Guͤlle gemacht. Man theilte ihm nun die angenehme Erfahrung mit, daß der Raͤps, Brassica oleracea laciniata, und die Ruͤben, Brassica rapa, welche in ihrer Ingend ſo oft von den Erdfloͤhen zerſtoͤrt werden, durch die Auffuͤhrung von Guͤlle voll— kommen ſicher ſind, und davon ſehr vorzuͤglich ge— deihen. Eine gleiche Erfahrung hat man ruͤckſichtlich der Ruͤben im Kanton Zuͤrch gemacht. Bei den Mitgliedern der Zentralſtelle des land— wirthſchaftlichen Vereins in Stuttgart fand Herr von Grouner eine ſehr wohlwollende Aufnahme, und wurde von dieſer Stelle noch vor ſeiner Abreiſe mit dem Diplom eines Ehren⸗Mitgliedes erfreuet. 10. Sturtgar r. Dieſer ſeit Kurzem beſtehende Verein genießet den beſonderen Schutz Sr. Majeſtaͤt des Koͤnigs. Er erhielt von dem Koͤnig ein ſehr geraͤumiges Haus eingeraͤumt, worin die Sitzungen der Zentralſtelle, ſo wie auch jene ihrer Kommiſſionen gehalten wer— den, und die Bureaus, das Archiv, die Bibliothek und Modellen⸗Sammlung untergebracht ſind. Anſtand und Wuͤrde ohne Pracht herrſchet im Ganzen, und obſchon die Einrichtung damals erſt begonnen, nicht beendigt war, ſo konnte doch aus dem Vorhandenen geſchloſſen werden, daß das Lokale und die Anlage des Ganzen dem ſchoͤnen Zwecke vollkommen entſpre⸗ chen werde. Auſſerdem iſt dem landwirthſchaftlichen Verein in dem koͤniglichen Park ein zweites Lokale angewie— ſen. Herr von Grouner fand daſelbſt ein ſchoͤnes Gebaͤude, und in dieſem 1. eine Modellen-Sammlung, 2. eine Sammlung inlaͤndiſcher Ackerwerkzeuge; 3. eine Sammlung von inlaͤndiſchen Naturalien aus allen drei Naturreichen; und 4. eine landwirthſchaftliche Bibliothek ſammt Karten und Zeichnungen. Damit iſt ein großer Garten verbunden, ledig⸗ lich zu land- und hauswirthſchaftlichen Verſuchen und zur Saamenzucht beſtimmt, welcher auf koͤnigliche Koſten von einem eigends hiezu angeſtellten Gaͤrtner unter der Leitung der Zentralſtelle beſorgt wird. ———— Seitenhe von ver ſchiedene bheit wir nach Qu Preite, ſolce Au Gulden, dig⸗ und liche rtner Stuttgart. In Anſehung des Stuttgarter Stadtpflaſters, welches in neuerer Zeit eine ſehr heilſame Reform erlitten hat, waren zwei Mitglieder des dortigen Ma⸗ giſtrates mit zwei Pflaſtermeiſtern ſo gefaͤllig, fol— gende Aufſchluͤſſe und Erlaͤuterungen zu geben. Stuttgart hat 138 Pflaſterer⸗Meiſter, wovon viele keine Arbeit haben. Die Pfaaſterſteine werden in den Feldern von Vaihingen gebrochen, nach der Stadt gefahren, und erſt da gerichtet. Die Pflaſte— rer-Meiſter haben in Vaihingen eigene Aecker, worin ſie Steinbruͤche anlegen. Der Stein iſt Leber— ſtein und bildet Schichten von 2 Schuh 3 Zoll Dicke. Dieſe Steine ſpalten ſchwerer nach der Laͤnge als uͤber Hirn, haben wenig Stiche und muͤſſen mit Pul— ver geſprengt werden. Die Steine ſollen Wuͤrfel von 6 bis 8 Zoll Seitenhoͤhe ſeyn. Es iſt nicht geſtattet, Pflaſterſteine von verſchiedener Hoͤhe, wohl aber, ſolche von ver— ſchiedener Breite oder Laͤnge zu verwenden. Die Ar— beit wird in der Regel in Akkord gemacht, und zwar nach Quadratklaftern zu 16 wuͤrt. Fuß Laͤnge und Breite, alſo zu 250 Quadratfuß gerechnet. Fuͤr eine ſolche Quadratklafter wird auf Nebenfahrbahnen 15 Gulden, auf den Trottoirs 13 bis 14 Gulden Ar⸗ beits-Lohn bezahlt; und wenn der Pflaſterer⸗Meiſter Steine, Sand, und alles Materiale liefert, ſo erhaͤlt er 35 fl. dafuͤr.. Man laͤßt in Stuttgart das Pflaſter ſo lange I. Theil. 2 18 Stuttgart. liegen, bis es aufgehoben und neu gelegt wird. Auf das Flicken deſſelben, welches in Wien und Paris die Hauptarbeit iſt, haͤlt man nichts. Herr von Grouner bemerkte mehrere Fehler an dem Stuttgarter-Pflaſter, denen man abzuhelfen vorhatte. 1. Ungleiche Feſtigkeit der Pflaſterſteine; 2. man⸗ gelhaften Verband, beſonders in den Waſſerabzugs⸗— graͤben; 3. daß man zur Unterlage zu feinen, zum Futter hingegen zu groben Sand nehme; 4. daß die Straſſen zu hoch gewoͤlbt wuͤrden. Aus den hin und wieder, vorzuͤglich vom Herrn von Grouner geaͤuſſerten Anſichten koͤnnte man fuͤr das Pflaſter etwa folgende Regeln aufſtellen: a. Moͤglichſt große Pflaſter-Steine mit einer mög— lichſt großen Oberflaͤche, mit lauter rechten Win— keln und voͤllig gleicher Hoͤhe; b. eine vollkommen feſte und ganz ebene Unter— lage, und wo dieſe nicht vorhanden iſt, Her— ſtellung einer ſolchen durch eine waſſerdichte Moͤrtel-⸗Unterlage; c. genauen Satz, guten Bund und moͤglichſt kleine Fugen, welche mit feinem Sand ausgefuͤttert werden ſollen; d. wenn einzelne Steine gelitten haben, die Straſſe fleißig und mit großer Sorgfalt auszubeſſern. Die Gruͤnde zu dieſen Regeln liegen in der Betrachtung und Erfahrung: locke gefet unebe ten⸗g unerli Fl ſtet ſteim einen indem Nuin des p ſſen die O nun d kürxr Auf tris hler ffen gan⸗ gs⸗ zum die derrn fur nög— Lin⸗ nter⸗ Her⸗ ichte eleine ittert traſſe ern. der Stuttgart. 19 1. daß wenn die Pflaſterſteine nicht hart ſind, nutzen ſie ſich beſonders durch das ſchwere Fuhrwerk leicht aus; 2. ſind ſie von ungleicher Haͤrte, ſo nutzet ſich der weiche, zwiſchen dem harten aus, und das Pflaſter bildet Loͤcher, wodurch die oberen Ecken und Seiten der harten Steine entbloͤßt, und ebenfalls der Laſt des Fuhrwerks preis gegeben, ſomit nebſt den weichen ruinirt werden; 3. beſtehet nicht jeder koͤrperliche Winkel des Pfla— ſterſteines aus genau drei rechten Winkeln und ſind die Seitenflaͤchen nicht eben; ſo iſt kein guter Bund moͤg— lich, das Pflaſter bekoͤmmt dadurch weite Fugen, liegt locker, wird an den Ecken der Pflaaſterſteine ſtark ab⸗ gefahren, iſt daher ſchlecht und bald ruinirt. Nur fuͤr unebene Pflaſter ſollen die Steine mit ſchiefen Sei— ten-Flaͤchen benuͤtzt und hergerichtet werden; aber eine unerlaͤßliche allgemeine Bedingung iſt, daß jede der 6 Flaͤchen, von welchen der Pflaſterſtein umgeben iſt, ſtets Rechtecke, nur ſelten Romboiden, bilde. 4. Ohne vollkommene gleiche Hoͤhe der Pfaaſter⸗ ſteine wird das Pflaſter nicht eben, oder ſie veranlaſſen einen fehlerhaften Satz und das Pflaſter bleibt nicht eben, indem einige Steine ſinken, und dann die andern dem Ruin preis geben. Vor dem Legen, oder beſſer Setzen, des Pflaſters muß der lockere Boden bis zu dem fe— ſten Grund in der Form abgehoben werden, welche die Oberflaͤche des neuen Pflaſters erhalten ſoll; ſind nun die Steine von ungleicher Hoͤhe, ſo muͤſſen die kuͤrzeren eine Unterlage von Erde, Kies oder Sand 2* 20 Stuttga erhalten, welche immer locker iſt, und ſich ſpaͤter d biſ ſetzet, wodurch der kuͤrzere Pflaſterſtein uͤber dieſer nach Stelle ſinket, und die Seiten und Ecken ſeines Nach⸗ Thil bars entbloͤßet, die dann durch das ſchwere Fuhrwerk hin, abgedruckt werden. Man erhaͤlt durch dieſen Fehler berden ein ſchlechtes und unebnes Pflaſter. 1 5. Aus dem obigen Grunde iſt eine gleiche und 7 eine ge gleich feſte Unterlage fuͤr jedes Pflaſter nothwendig. Ausnal Wo dieſe aber wegen der uͤblen Beſchaffenheit des terrun natuͤrlichen Untergrundes, oder wegen der in neuerer käanen Zeit ſo haͤufig fuͤr nothwendig erachteten Erhoͤhung der nutzan Straſſen, nicht vorhanden iſt, ſoll die Unterlage von Dieſe waſſerdichtem Moͤrtel ganz neu hergeſtellt werden, wozu beſer d ohnehin Sand und Kies von jeder Gattung zu ge— Pänſer brauchen iſt. Eine ſolche Unterlage wird eiſenfeſt und ſhüch, entſpricht den Bedingungen eines guten und haltba— Nethod ren Pflaſters am beſten, indem ſie das Sinken gleich ſund i hoher Steine unmoͤglich machet. z 6. Wenn aber auch alle obige Vorbedingungen er⸗ tei, fuͤllt ſind, ſo kann das Pflaſter noch durch die Arbeit ver⸗ aellich dorben werden. Kein Stein ſoll in Sand oder lockern nn, Kies, ſondern auf einen aͤuſſerſt feſten Untergrund ſoll ſe d er nur geſetzt werden; alle Steine ſollen beinahe ohne nommen Fugen und genau eben geſetzt erſcheinen; bei Woͤl— Auder bungen oder Vertiefungen aber ſollen die Seitenflaͤ— beilch chen beſonders zugerichtet werden. Weite Fugen er— zeugen die Uebel geſunkener oder ſchlechter Steine, und dieſes iſt hier nicht, wie dort, durch Ausbeſſern —— ———————,— Sturrgart. 21 zu beſeitigen. In Anſehung des Bundes waͤre darauf zu achten, das nirgends die Ecken, als der ſchwaͤchere Theil der Steine, in der Nichtung der Fahrbahn liegen,*) und daß keine Steinreihe locker gefahren werden koͤnne. 7. Da aber eine voͤllige Gleichheit der Pflaſterſteine, ine genaue gleiche Hoͤhe derſelben nirgends wohl ohne Ausnahme erzielt, und einige weiche Stellen im Un⸗ tergrunde nicht durchgaͤngig werden vermieden werden koͤnnen, ſo werden immer einzeine Steine durch Aus⸗ nutzung oder Sinken mit der Zeit Loͤcher bilden. Dieſe ſollen nun ſogleich herausgenommen, und durch beſſere erſetzt werden; indem dadurch allein das uͤbrige Pfaſter gut erhalten werden kann. Je eher dieſes ge⸗ ſchieht, deſto nuͤtzlicher iſt es, und vorzuͤglich dieſer Methode verdanken Wien und Paris den guten Zu⸗ ſtand ihres Pflaſters. Fuͤr den beſten Pflaſterſtein haͤlt man den Fleiſch⸗ ſtein, einen grobkoͤrnigen quarzigen Sandſtein von gelblich weißer Farbe, zum bunten Sandſteine gehoͤ— rend, welcher jetzt ſelten mehr aufzufinden iſt. Man hat daher ſeine Zuflucht zu dem blauen Kalkſtein ge⸗ nommen. Betrugsweiſe erhaͤlt man wohl auch den Quader⸗Sandſtein, welcher viel zu weich und zer⸗ brechlich iſt. *) Weinbrenners Methode zu Pflaſtern ſcheint aus dieſem Geſichtspunkte betrachtet, fehlerhaft. 22 Von Stuttgart nach Wimpfen. Von Stuttgart nach Wimpfen. Am 5. Auguſt trat Hr. v. Grouner ſeine weitere Reiſe uͤber Heilbron, Wimpfen, Jaxtfeld nach Moosbach an, um in Heilbronn die Schleuſſen des neuen Durchlaß⸗Kanals, welcher angelegt worden, um von da bis Canſtadt zu fahren, ausgefuͤhrt durch den Oberſten Hrn. v. Tuttenhofer, Chef des wuͤrtem— bergiſchen Waſſer- und Straſſenbaues, zu beſehen. Bekanntlich konnten die Neckar-Schiffe fruͤher nur bis Heilbronn gehen, weil ſie das dortige Muͤhl⸗ wehr an der Fortſetzung der Fahrt hinderte. Dieſe Kanalſchleuße mußte alſo die Aufgabe loͤſen, die Schiffe uͤber das Wehr zu heben, und ihnen die Fahrt bis Can— ſtadt zu eroͤffnen. Die gelungene Ausfuͤhrung war um ſo ſchwieriger, als das Waſſer ein ſtarkes Gefaͤll hat, viel Kies und Sand mit ſich fuͤhret, und daher zu— gleich einer Verſandung vorgebeugt werden mußte. Die Schleuße liegt am untern Theil des meh— rere hundert Fuß langen, von Quardern erbauten Ka⸗ nales. Oben am Kanale aber liegen ein Paar Stamm— thore, um die Verſandung zu verhuͤten. Das ziem— lich lange Stuͤck des Kanales, welches zwiſchen den Stammthoren und der Schleuſſe, alſo im Oberwaſſer liegt, dienet zum Ausſpuͤhlen des Sandes in der Schleuße, und unterhalb derſelben. Dieſe Vorriich— tung ſcheinet dem Zweck vollkommen zu entſprechen, und iſt eben ſo einfach als ſinnreich. 3 wegen Affnn zälei dech ternde bei ett Porrie über u ] do. zerne gewor Ende chjes E — Srline dieſer nichti dutend Wimpfen. 2⁵ Nahe an dieſen Kanal verdient eine Gypsmuͤhle wegen zwei ſehr vortheilhaften Vorrichtungen einige Aufmerkſamkeit. Sie hat naͤmlich einen beweglichen Zubringer, welcher die Gypsſteine dem Stampfer, durch eine damit verbundene, beinahe horizontale zit— ternde Bewegung, zubringet, ohne daß Menſchen da— bei etwas zu thun haben. Man findet eine aͤhnliche Vorrichtung auch an den bergmaͤnniſchen Pochwerken, aber unſerm Reiſenden ſchien dieſe vorzuͤglicher zu ſeyn. Mit dieſem Zubringer iſt dann auch eine Art von Wegſchaffer verbunden. Es ſind dies kleine hoͤl⸗ zerne Kaͤſten, welche den aus dem Stampfwerke aus⸗ geworfenen zerkleinerten Gyps, an einem Seile ohne Ende in die Hoͤhe bringen, wo er durch ein mehrfa⸗ ches Sieb klar geſiebt, das Grobe aber ausgeſchie⸗ den, und wieder in das Stampfwerk gebracht wird. Die Ausfuͤhrung iſt in dieſer Gypsmuͤhle zwar plump und unvollkommen, die Idee aber ſinnreich und auf Pochwerken aller Art, z. E. Erz, Stein⸗ ſalz, Gyps, kohlenſauern Kalk, Knochen ꝛc. mit großem Nutzen anwendbar. Wim p ſ en. Von hier aus beſuchte Herr von Grouner die Salinen Jaxtfeld und Wimpfen. Die Entſtehung dieſer Salinen iſt fuͤr Bayern und fuͤr Deutſchland wichtig. Fuͤr Bayern, weil es dadurch einen be⸗ deutenden Theil ſeines fruͤheren Abſatzes an Kochſalz 7 4] 6 1 24 3 * — 14 1 3 1 — 24 Wimpfen. verlohren; fuͤr Deutſchland uͤberhaupt, weil die ge⸗ lungenen Bohrverſuche, denen dieſe Salinen ihre Exi— ſtenz verdanken, zu vielen weitern Unternehmungen Veranlaſſung ſeyn, und vielleicht dahin fuͤhren wer— den, daß jedes Land ſeinen Salzbedarf unter dem ei— genen Boden findet, und keines denſelben aus der Fremde holet. Herr von Grouner aͤuſſert an einem Orte, daß er uͤber dieſe Salinen einen eigenen Bericht ab— gefaßt und verſendet habe; aber wohin? konnte ich nicht ermitteln, und auch die Materialien dieſes Be— richtes finden ſich nicht vor. Gegenwaͤrtig, wo in Langdorfs neuer Salzwerkskunde, Heidelberg und Leipzig 1824, dieſer Gegenſtand wiſſenſchaftlich und oͤrtlich ſo umſtaͤndlich und klar abgehandelt iſt, koͤn— nen wir davon Umgang nehmen, und uns mit den allgemeinen Bemerkungen des Reiſenden begnuͤgen. Er iſt der Anſicht, daß die Fabrikationskoſten des Salzes auf dieſen Salinen auf etwa kr. pr. Pfund zu ſtehen kommen, und daß ſie ihrer unguͤnſtigen Lage ungeachtet doch ergiebig genug waͤren, um ganz Deutſchland daraus zu verſehen. Er glaubt jedoch, daß es nur von Bayern abhaͤnge, eine große und andauernde Superoritaͤt uͤber ſeine Nachbarn in der Salzerzeugung zu behaupten, indem er dafuͤr haͤlt, daß ein großer Theil der bayeriſchen Provinzen auf Salz liege, und reichlich Soole enthalte, zudem aber von der Natur in dieſer Beziehung weit mehr be⸗ donſtge gfen, Al Sllin Panern udſ ſäͤnen in der genz anlegen berzich de bad Sah dadtii den O8 ceen m nelete, entdecke feematic nicht als Wimpfen. 25 guͤnſtiget ſey, als namentlich die Gegend von Wim— pfen, der es an Brennmaterialien mangle. Allerdings ſcheint es richtig, daß die ſuͤdoͤſtlichen Salinen Bayerns beſſeres und wohlfeileres Kochſalz gewaͤhren, als die neuen Salinen Wimpfen und Jaxtfeld in Wuͤrtemberg, Rappenau und Duͤrk⸗ heim in Baden. Aber es ſind nicht die Fabrikations⸗ koſten, ſondern es ſind die Transportkoſten, welche das Salz an entfernten Orten vertheuern. Wollte Bayern im Oberdonaukreiſe, oder an ſeinen weſtlichen und ſuͤdweſtlichen Grenzen wohlfeiles Salz erzielen, und ſeinen Salzabfluß nach der Schweiz ſichern, ſo muͤßte es in der Gegend von Kaufbayern, Kempten, Bre— genz ꝛc. Salz erbohren, und dort eine neue Saline anlegen. Es iſt nicht unwahrſcheinlich, daß die wuͤrtem— bergiſche Regierung ein Gleiches verſuchen werde; da die badiſche bereits in Duͤrkheim ſo gluͤcklich war, Salz zu finden, obgleich die Nachbarſchaft des rothen Todtliegenden, welcher ſich vom Schwarzwalde bis an den Odenwald erſtrecket, dies ſehr problematiſch ma— chen mußte. Es iſt daher in allen Gegenden, wo man neuere Formationen, oder Floͤtzgebirgsarten uͤberhaupt entdecket, die Moͤglichkeit vorhanden, die aͤltere Gyps— formation und Steinſalz zu finden, wenn es ſchon nicht als ausgemacht angenommen werden darf, daß das aͤltere Gypslager ſtets auf Steinſalz ruhen muͤſſe. Zehn bis zwoͤlf Bohrverſuche an gewaͤhlten Orten tief genug gefuͤhrt, wuͤrden allerdings daruͤber entſcheiden; 26. Von Wimpfen aber der finanzielle Gewinn wuͤrde wegen der Konkur⸗ renz von Wuͤrtemberg und Baden ſtets gering blei⸗ ben, obſchon die Schweiz nicht unwahrſcheinlich als ein bleibender Abſatzort zu betrachten iſt, da die geognoſtiſchen Verhaͤltniſſe fuͤr die Entdeckung von er— giebigen Salzlagern in dieſem Lande wenig zu ver⸗ ſprechen ſcheinen. Somit wuͤrde es ſich bloß darum fragen, ob ſtaatswirthſchaftliche Ruͤckſichten ſolch ein Unternehmen erheiſchen; und um gruͤndlich hieruͤber zu urtheilen, beduͤrfte man Materialien, welche ich nicht beſitze. Dieſe neuen Salinen ſind auf jeden Fall ein Verluſt fuͤr Bayern. Sie entziehen uns den reinen Gewinn, welchen wir aus dem Salzabſatze in das Ausland bezogen; ſie ſuchen uns den Verdienſt, wel— chen wir an der weiten Verfuͤhrung dieſes Salzes ge— habt, zu entziehen, und ſie ſetzen durch niedrige Salz— preiſe die Landwirthſchaft der Nachbarſtaaten in die gute Lage, mit ihrer hiedurch beguͤnſtigten Produktion gegen uns in eine Konkurrenz zu treten, die uns nach— theilig werden koͤnnte, wenn nicht auch in Bayern in dieſer Beziehung Vorkehrungen getroffen worden waͤren. Von Wimpfen nach Frankfurt. Herr von Grouner gieng von den Salinen, den Lauf des Neckars verfolgend, nach Moosbach und Ebersbach. Zwiſchen letztern beiden Orten durch⸗ laͤuft der Neckar in tiefen Thaͤlern mit ſehr ſteilen Waͤnden die Formation der Todtliegenden. Hier ſind 9 wach der verde len ih nahme meiſt land her. bereite auch d welt, viſen. mehr( nach Frankfurt. 922 die in forſtwirthſchaftlicher Beziehung intereſſanten Hauberge. Die Berggehaͤnge ſind ſo ſchrof und ſteil, daß ihre Benutzung zu landwirthſchaftlichen Zwecken kaum gedenkbar iſt. Die angeſammelte Erde wuͤroe, waͤre ſie nicht durch Baum- und Stockwurzeln befe— ſtiget, nicht nur durch den Regen in kurzer Zeit gaͤnz⸗ lich abgeſpuͤhlt ſeyn, ſondern ſie wuͤrde bei andauern— der Regenzeit in ſogenannten Schliften, auf die unten, dicht am Neckar hinfuͤhrenden Straſſen herabſtuͤrzen und alles verheeren.— Dieſe Hauberge ſind mit Laubholz aller Art be— wachſen, welches in der Regel als Stockausſchlag, oder auf Unterholz, bewirthſchaftet wird. Die Eichen werden aber beſonders geheget, weil ſie durch Abſchaͤ— len ihrer Rinden im Safte, bei weitem mehr Ein⸗ nahme gewaͤhren, als ihr Holzwerth betraͤgt. Die meiſte Eichenrinde wird fuͤr die Gaͤrbereien nach Hol— land und England verkauft, und damit ein anſehnli— cher Handel getrieben. In Holland ſuchet und ſchaͤtzet man vorzuͤglich ſowohl die deutſche Eichenrinde, als das deutſche Eichenholz, das ebenfalls noch immer gute Preiſe dort findet. Die Birken werden geſchaͤlt, ihre Rinde als vor— bereitendes Gaͤrbematerial verwendet, und ſo wird auch die Rinde der Erlen fuͤr die Hutmacher geſam— melt, welche ſie zur ſchwarzen Farbe zu verwenden wiſſen. Da die Rinde des jungen Baumes bei weitem mehr Gaͤrbeſtoff enthaͤlt, als die eines alten, ſo iſt 28 Von Wimpfen der Stockausſchlag fuͤr eine ſolche Nutzung ganz vor⸗ zuͤglich geeignet. aan Dieſer Stockausſchlag wird alle 15 Jahre nie— dergehauen. Der Ertrag an Holz ſoll bedeutend ſeyn, und dennoch rechnet man, daß der Werth der Rinde das Dreyfache von jenem des Holzes betraͤgt. Das gehauene Holz wird ſogleich in die Tiefe gebracht, und dort an der Straſſe nach den verſchiedenen Gat— tungen und Nutzungsarten ſortirt zum Kaufe aufge— ſtellt. Dieſe Benutzung des Bodens iſt uͤberdieß eine bedeutende Erwerbsquelle fuͤr die Tagloͤhner- und Soͤldnerfamilien der Gegend, welche ſich in den da— bei vorkommenden Arbeiten Winter und Sommer RA ihren Unterhalt verdienen oder verbeſſern. V So beachtungswerth dieſer Ertrag an ſich ſchon iſt, ſo iſt er doch nicht der volle Nutzen, welchen V ¹ — — — — . getet O U —— dieſe Hauberge gewaͤhren. Sobald der Schlag ge⸗ V ſinn raͤumt iſt, was in der moͤglichſt ſchnellſten Zeit ge⸗ Gin ſchieht, werden die kleinen Holzreiſer in demſelben V dn gleichfoͤrmig vertheilt, und der ganze Boden wird ab⸗ V nid. gebrannt. Hieruͤber, oft noch ehe der Boden wieder 1 abgekuͤhlt iſt, Buchweitzen, auch Heidekorn genannt, a W polygonum fagopyrum, geſaͤet, und mit Haue und V 6 hat Karſt untergehacket. V Sͤlche Dieſes Hacken geſchieht jedoch nicht tief, und ühen, es werden dabei die gruͤnen Stoͤcke und Wurzeln, di Wa welche wieder ausſchlagen muͤſſen, ſ˖ rgfaͤltig geſchont. tribozeit Man ſagt, daß ſechs Mann im Stande ſeyen, an Ho — 24 nach Frankfurt. 29 taͤglich einen wuͤrtembergiſchen Morgen hievon zu hacken.— Da das Holz im Fruͤhling geſchlagen wird, ſo erhalten die Unternehmer oder Eigenthuͤmer noch in dem naͤmlichen Sommer eine reiche Ernte von Buch⸗ weitzen. Dieſer muß noch ſo zeitlich abgebracht wer— den, daß man ohne weitere Vorbereitung Winter⸗ roggen, Secale cereale hibernum, ſaͤen kann, welcher gleicher Act, aber mit noch ſorgfaͤlti— gerer Schonung der gruͤnen Srtoͤcke und Stumpen, mittels Handhacken untergebracht wird. Auch dieſer ſoll der allgemeinen Verſicherung zu Folge an dieſen ſteilen Gelaͤnden vortrefflich gedeihen, und unſer Reiſende ſah ihn ſelbſt an mehreren Stel— len, und uͤberall ſehr uͤppig ſtehen. In dieſem zweiten Jahre fangen die Stoͤcke ſchon an, ſtark auszuſchlagen, und es ſoll maleriſch ſchoͤn ſeyn, wie der goldgelbe Roggen des Gehaͤnges durch die gruͤnen Buͤſche des Laubholzes ſchattirt wird. Nach dieſer zweiten Fruchternte wird der Platz als Wald, d. h., als junger Anflug betrachtet, und es hat dann keine weitere Zwiſchennutzung Statt. Solche zwei Fruchternten ſchaͤtzet man aber von ſo hohem, reinen Ertrag, daß er hinreichend ſeyn ſoll, den Werth des Bodens fuͤr die ganze 15jaͤhrige Um⸗ treibszeit zu verzinſen. Daher wird auch der Ertrag an Holz und Rinde als reiner Gewinn betrachtet. dann in ganz 30 Von Wimpfen Die hier beſchriebene beſondere Wirthſchaftsweiſe vereiniget allerdings mehrere ſehr weſentliche Vor— theile, die es begreiflich machen, wie man hier ern— ten koͤnne, ohne zu duͤngen noch zu waͤſſern.*) Waͤhrend 13 Jahren ſammelt der Waldboden eine nicht unbetraͤchtliche Menge abgefallenen Laubes, duͤr— rer Sproſſen, thieriſcher Abfaͤlle u. dgl. m., und was davon inzwiſchen nicht verfault iſt, wird am Ende verbrannt. Hiedurch erhaͤlt der Boden eine ſehr anſehnliche Quantitaͤt duͤngender Stoffe, von welchen die zwei ſchnelle aufeinanderfolgenden Fruͤchte vorzuͤg— lich gedeihen muͤſſen, und doch nur ſehr wenig auf— ſaugen koͤnnen. Dem jungen Wald bleibt daher die mehrſte Nahrung in einer aufloͤslichen Form uͤberlaſ— ſen, und daher muß ſeine Triebkraft nothwendig groß ſeyn. Nach 13 bis 15 Jahren, wo der Boden an— faͤngt, ſich zu ſchließen und zu verſaͤuern, wird er hier ſehr zweckmaͤßig geoͤffnet, und durch die Aſche des verbrannten Holzes wieder vollkommen entſaͤuert. Der junge Anflug aber, welcher ſonſt von der Sichel der Graſerinn, von Wind und Wild ſo viele Uebel zu *) Die Hauberge⸗ oder Schaͤlwirthſchaft iſt zwar in mehreren Gegenden Deuſchlands bekannt, jedoch bei weitem nicht ſo allgemein, als ſie es zu ſeyn verdiente, und wird ſelten ſo gut betrieben, wie hier, was die Umſtaͤndlichkeit der vorlie⸗ genden Beſchreibung entſchuldigen duͤrfte. denduog. R vobedent in den deltende dm Ott Reckat dine gof Hebghind vo er nen lißt eingefaßt angelegt, Anſtalten get an d nen ſtar und beſe ton Etar ſet und nach Frankfurt. 31 eiſe ertragen hat, wird durch die beiden Fruͤchte ſehr vor⸗ or⸗ theilhaft geſchuͤtzt; und man mag es wohl auch die⸗ tn ſem Umſtande vorzugsweiſe zuzuſchreiben haben, daß „) dieſe Gelaͤnde ſo ſchoͤnes Stangenholz liefern. ne Man betrachtet deshalb die Erwerbung eines ir⸗ ſolchen Hauberges als die ſolideſte Anlage eines Ka— nd pitals. Dieſe Wirthſchaftsart iſt indeſſen hier ſehr im alt, und man findet ſie theilweiſe in den Rheinge— hr genden bis gegen Bonn auf aͤhnliche Art in An⸗ en wendung. gg⸗ Bei dem Staͤdtchen Ebersbach ergießet ſich ein uf⸗ unbedeutender Bach, die Jetter, am rechten Ufer de in den Neckar. Auf dieſem Bache wird eine be— laſ⸗ deutende Menge Holz aus dem Gebirge gefloͤßet. An roß dem Orte, wo das gefloͤßte Holz, ehe es in den Neckar koͤmmt, ausgezogen wird, fließet der Bach an⸗ eine große Strecke durch Wieſen, auf welchen jeder ˖er Holzhaͤndler ſeinen eigenen Holzplatz angewieſen hat, des wo er das ausgezogene Holz aufſchichtet und trock— der nen laͤßt. Beide Ufer ſind gleichſam mit Steinwaͤllen der eingefaßt. Aber man findet hier keinen Holzrechen zu angelegt, wie ſolches in der Regel bei allen Floß— Anſtalten der Fall iſt; ſondern jeder Holzhaͤndler le— get an dem Orte, wo ſich ſein Holzplatz befindet, ei— eren nen ſtarken hoͤlzernen Balken quer uͤber den Bach, t ſo und befeſtiget dieſen. Daran lehnet er nun Pfaͤhle ui von Stangenholz ſehr ſchief gegen den Lauf des Waſ— klie⸗ „ſers und ſchlaͤgt letztere moͤglichſt feſt in den Boden. 32 Von Wimpfen Auf dieſe Weiſe wird an jedem Ort ein Holzre— chen in laͤngſtens 2 Stunden hergeſtellt, und kann in derſelben Zeit wieder hinweggenommen werden. Er dienet fuͤr alle, koſtet wenig, bedarf keiner Reparatur, und hemmet das Weiterfloͤſſen des Holzes nicht, wo dies gewuͤnſchet wird. Ein ganz gleicher Vorſichts— rechen iſt noch vor der Einmuͤndung der Jetter in den Nekar angebracht, um zu hindern, daß das⸗ jenige Holz, welches allenfalls durch den obern Rechen moͤchte durchgegangen ſeyn, nicht in den Nekar gelangen koͤnne. Auf dieſe, gewiß ſehr zweckmaͤſſige und wohlfeile Art ließe ſich an jedem Stege und an jeder Bruͤcke voruͤbergehend ein Holzrechen anbringen, welcher auſ— ſerdem die Kummunikation nicht im geringſten beein— traͤchtigen wuͤrde. Nahe an dieſem Holzplatze liegt noͤrdlich am Ab— hange des Thales ein Muͤhlſteinbruch. Es iſt, wie alles Geſtein dieſer Gegend, rother Sandſtein, wel— cher der Formation des rothen Todtliegenden angehoͤrt. Herrn von Grouner ſchien es, daß er eine groͤßere Aufmerkſamkeit verdiente, und daß man in dieſer Ge— gend leicht viele der ſchoͤnſten Bau- und Muͤhlſteine gewinnen, und auf dem Neckar, Main und Rhein gut verwerthen koͤnnte. Ebersbach treibt einen anſehnlichen Holzhandel, welcher durch die neuen Salinen an Schwung und Lebhaftigkeit gewonnen hat. —— ——— und nitite Nicht derſch kohe kiſe, äbger gerne in ale ſornit Naten nehml elben d nach Frankfurt. 3³ Auſſerdem wird an dieſem Orte ein betraͤchtli⸗ cher Handel mit Aſche getrieben, welcher theils von Seifenſiedern, theils aus andern Quellen von Heil— bronn, Heidelberg, Mannheim und von den nahen Salinen bezogen und an die Landwirthe des Odenwaldes reiſſend abgeſetzt wird, wo man ihn als ein vortreffliches Duͤngungsmittel betrachtet. Der dort zu Tag liegende Boden gehoͤrt zur Sandſtein⸗ Formation. Auch bedeutende Gaͤrbereien enthaͤlt dieſe Ge⸗ gend. Man hat dort keine runden Tonnen, ſondern viereckige Gruben, und haͤlt dieſe fuͤr geraͤumiger und beſſer, indem darin die Haͤute an ihren Extre⸗ mitaͤten nicht ſo ſtark eingeſchlagen werden muͤſſen. Nicht minder findet man auch in den Lohkaͤſen eine Verſchiedenheit der Behandlung. Man laͤßt dort die Lohe ſehr gut faulen, und bildet dann kleine Loh— kaͤſe, etwa 8 Zoll lang und ô6 ſolche breit mit ſtark abgerundeten Ecken, welche wenig Raum einnehmen, gerne trocknen, und hier ſehr geſucht werden. Sie ſind in allen Faͤllen, wo man eine lange anhaltende, gleich— foͤrmige Hitze fordert, ein ſehr vorzuͤgliches Brenn— Materiale, das auch den Branntweinbrennern die An— nehmlichkeit gewaͤhrt, daß ſich bei dem Gebrauch deſ— ſelben die Maiſche an den Keſſel nicht anleget.*) *) Dieſe Vorausſetzung wird oft beſtritten, und iſt dennoch I. Theil. 3 34 Von Wimpfen Unſeren Muͤnchner Lohkaͤſen legt man zur Laſt, daß ſie uͤbel riechen und ſchlecht brennen. Dies moͤchte wohl daher ruͤhren, daß man die Lohe zu wenig ab⸗ liegen laͤßt, die Lohkaͤſe aber viel zu groß machet, und zu wenig austrocknet. Von Ebersbach uͤber Berfelden nach Er⸗ bach und Michelſtadt fuͤhret die Straſſe durch ein Thal, welches von dem Gamelsbach durchfloſſen wird. Dieß iſt ein Thal, in welchem ſich die ſonſt dem Landwirthe ſo vortheilhaften Waͤſſerungswieſen befinden. Auch hier ſind unzaͤhlige Wieſenwaͤſſerungs— Vorrichtungen, welche aber ſo angelegt und ausge— fuͤhrt ſind, daß ſie bei weitem mehr verderben, als ſie nuͤtzen; indem dadurch Alles verſumpft und zu einer Art von Moos umgeſtaltet wird. Die Schuld liegt nicht an dem Boden, welcher ſandig und alſo waſſerdurchlaſſend ſcheinet, ſondern daran, daß fuͤr den Abzug des Waſſers keine Vorſorge getroffen iſt, und in der Zuleitung deſſelben kein gehoͤriges Maaß be— obachtet wird.— Eine gute Waͤſſerungsordnung, ———.— beinahe ſtets richtig. Denn, Flammen⸗Hitze, Glut⸗Hitze und Dampf⸗Hitze ſind zwar in ſo ferne gleich, daß ſte alle er— waͤrmen, aber in ihren Wirkungen auf die Ablagerung von Stoffen aus der Fluͤßigkeit, auf die Aulegung an den Gefaͤß⸗ boden, auf die Kryſtalliſation eines kryſtalliſirungsfaͤhigen Stoffes ſehr verſchieden, und es iſt ein ſehr nachtheiliger Mangel, daß die Phyſik von dieſen Verſchiedenheiten noch keine Kenntuiß genommen hat. ſt, hte nach Frankfurt. welche polizeylich aufrecht erhalten werden wuͤrde, koͤnnte an ſolchen Orten wahrhaft Wunder wirken! Dieſelben Fehler der Wieſenwaͤſſerung, welche in dem Gamelsbacher Thale gefunden und angezeigt wurden, ſind auch in dem Muͤmlinger-Thale zwi— ſchen Erbach und Michelſtadt zu ruͤgen, obſchon auch die Bemerkung nicht unterdruͤckt werden darf, daß in beiden Thaͤlern einzelne Waͤſſerungen ſehr zweckmaͤßig angelegt, und eben ſo nuͤtzlich ausgefuͤhrt ſind. Die Gegend von Michelſtadt iſt auch in geognoſtiſcher Beziehung nicht ohne Intereſſe. Sie bildet einen großen Keſſel mitten im todtliegenden Sandſtein, in welchem eine ſpezielle neue Kalkſtein— Formation eingelagert iſt. Auf der Flaͤche, wo ſich dieſe beiden Formatio⸗ nen beruͤhren(Ablooſung), befindet ſich Eiſenerz in einer Art Letten eingemengt, zum dichten Brauneiſen— ſtein gehoͤrend, auf welcher ein kleiner Bergbau be— trieben wird.*) Ein Hochofen, in der Naͤhe des Dorfes Steinbach erhaͤlt von daher ſein nothduͤrf⸗ tiges Erz geliefert. *) Hier fand der koͤnigl. w. Bergrath Wiedemann, Verfaſſer eines ſchaͤtzbaren Lehrbuches der Mineralogie, Schuͤler des ehrwuͤrdigen Werners und Stndiengenoſſe unſers Reiſen⸗ den, einen ſehr fruͤhzeitigen Tod durch einen Sturz in einen der dortigen Grubenſchaͤchte. 3* Von Wimpfen In den geognoſtiſchen Verhaͤltniſſen der Gegend, welche die Muͤmling durchfließet, bemerkte Herr von Grouner eine frappante Aehnlichkeit mit jener in der Gegend von Unſtruth in Thuͤringen zwiſchen Artern und Nebra, wecches letztere Gelaͤnde be— kanntlich in der Geſchichte der Geognoſie und des Bergbaues ſehr beruͤhmt iſt. In der Umgegend von Michelſtadt wird viel Obſt gezogen und gedoͤrrt nach Frankfurt in den Handel gebracht. Aus dem Keſſelthale von Michelſtadt trat Herr von Grouner ſeine Reiſe am 9. September uͤber den hohen Gebirgsruͤcken des Odenwaldes nach Darmſtadt und Frankfurt an. Der todtliegende Sandſtein geht hier bei einem kleinen Weiler, Namens Hemich, beinahe auf der oberſten Hoͤhe des Gebirges aus, und man er— kennt ſein Aufliegen auf dem Urgebirge, welches dort aus Gneiß beſteht.— Weiter hinab gegen Brein— ſpach liegen Trappformationen von einem aͤuſeerſt maͤchtigen Lager feinſandigem, mit Suͤßwaſſermu⸗ ſcheln gemengten Thone bedekt, und naͤher bei Darm— ſt adt liegt durchgehends Mandelſtein. Fuͤr den Mineralogen ſcheint daher dieſer Weg lehrreicher zu ſeyn, als fuͤr den Landwirth, welcher an der dort uͤblichen Dreyfelder-Wirthſchaft mit Benutzung der Brache zu Hackfruͤchten, wenigſtens nichts Beſon— ders findet. riedri und d ihter Asſe losſc Name Droe noch onſt deing aher ( heit d den e um de in dr igket nach Frankfurt. 57 Herr v. Grouner mußte eilen, um in Frank⸗* furt noch waͤhrend der Herbſtmeſſe anzulangen, um 6 dort Erkunvigungen uͤber den Hanf-, Flachs-, Lein⸗ 1 wand- und Spitzenhandel zu pflegen, und Nachrich— ten daruͤber einzuziehen. Denn Frankfurt iſt fuͤr dieſe Artikel der bedeutendſte Handelsplatz. Die Schweitzer Leinwandhaͤndler klagten uͤber niedrige Preiſe, konnten aber doch viel fuͤr Spanien und die Kolonien abſetzen. Die Hollaͤnder hatten mit ihrer Leinwand hohe Preiſe gemacht, aber wenig Abſatz, indem die Irlaͤnder zu niedrigern Preiſen losſchlugen, aber auch ſchlechtere Waare boten. Die weſtphaͤliſche Leinwand wurde unter dem Namen der Bielefelder, jedoch um 30 bis 40 Prozent wohlfeiler auszeboten, und man klagte den⸗ noch uͤber Mangel an Abſatz. Die aͤlteſten Maͤkler verſicherten, daß dieſe Waare ſonſt alle Hollaͤnder und Irkaͤnder vom Markte ver— draͤngt und unglaublichen Abſatz gefunden habe, jetzt aber nicht mehr fortwolle. In Anſehung der Bleiche behauptet an Schoͤn⸗ heit auf dieſem Platze die Harlemer⸗Leinwand den erſten, die irlaͤndiſche und flandriſche wetteifern um den zweiten, und die Schweizer erſcheinet erſt im dritten Range. Was hingegen die Dauerhaf⸗ tigkeit betrifft, ſo wollen Einige dieſe Ordnung um⸗ 38 Frankfurt. Nänt kehren, und finden die Urſache in den verſchiedenen alet Bleichmethoden. Wir werden von dieſem Gegenſtande nace im zweiten Bande ausfuͤhrlicher handeln. reſt Im Flachsgarn und Zwirn hatten die Weſtphaͤler große Geſchaͤfte gemacht. Von dem halbbaumwol— Vr len Tiſchzeug hatten die Englaͤnder viel auf der Meſſe, und ſchlugen ſie zu ſehr geringen Preiſen 3 los. Dieſe Waare ſieht neu ungemein ſchoͤn aus,- und machet dem ſchoͤnſten Leinentiſchzeug nicht nur fm den Rang ſtreitig, ſondern uͤberbietet letzteres noch luf bei 2 und Zͤmal geringeren Preiſen. Aber Alle, f welche es verſucht haben, davon Gebrauch zu ma— d chen, waren damit ſehr unzufrieden, indem dieſer Füln Halbbaumwollen-Zeug ſtark ſchmutzet, gelblich wird, Feg und nur von geringer Dauer iſt. 5 Indeſſen war doch die Klage der Leinwand⸗ tetii haͤndler uͤber Mangel an Abſatz allgemein, und ſie rüd hielten dafuͤr, daß der ſtarke Verbrauch der wohl— Vi feileren Baumwollen⸗-Waaren großentheils hieran Fich Urſache ſey. land, Es waͤre die Frage, ob dieſer Gegenſtand nicht Knden noch von einer andern, naͤmlich von Seite der medi— haben ziniſchen Polizey betrachtet werden ſollte. Die chriſtlichen Europaͤer haben die Vertreibung der Peſt und anderer epidemiſcher Krankheiten, wo— von die aͤlteren Chronikſchreiber nicht genug berichten 1 koͤnnen, bekanntlich bloß der Einfuͤhrung der linne⸗ itt nen Leibwaͤſche und der dadurch erzielten groͤßern ut Fraunkfurt. 39 Reinlichkeit zu verdanken. Die Baumwolle ſauget alle thieriſchen Fettarten und beſonders auch das, welches die menſchliche Haut beinahe ununterbrochen ausſchwitzet, gerne auf, und ſie wird in dieſer Be⸗ ruhrung ſchnell gelb und die Fette werden ranzig. Wer daher viel mit Butter oder anderem Fette um— zugehen hat, bedienet ſich gewiß nur leinerner Waͤ⸗ ſche und keiner ſolchen von Baumwolle. Baumwollene, gebrauchte Leibwaͤſche wird, wenn ſie ungewaſchen lange liegen bleibt, ganz gelblich und ſtark riechend, was bei Leinen viel minder geſchieht. Ein Beweis, daß die Verbindung dieſer Stoffe un— geſund, daher Baumwollenwaaren zur Leibwaſche un⸗ geeignet iſt. Auch in den Peſt-Spitaͤlern und in den Contumaz⸗Anſtalten werden Baumwollenwaaren zu den verdaͤchtigen Stoffen gezaͤhlt, und in ihrer Hei⸗ math findet man allerwaͤrts die Peſt in ihrem Gefolge. Bei dem Umſtande, wo ſich ſeit einigen Jahren das gelbe Fieber in Spanien, die Cholera morbus in Ruß⸗ land, auf unſerm Continent gezeigt, und nicht unbedeu⸗ tenden Beſorgniſſen fuͤr die Folge Raum verſchaft haben,*) moͤchte eine Betrachtung ſolcher Art nicht *) Man iſt zwar in neuerer Zeit des Dafuͤrhaltens, daß das gelbe Fieber nicht auf dieſe Weiſe ſich fortpflanze und auf dem Bereich der Seeſtaͤdte beſchraͤnkt ſey; aber dieſes Da⸗ fuͤrhalten duͤrfte die Wichtigkeit ſolcher Ruͤckſi dten ſchwerlich zu verringern geeignet ſeyn. 40 Frankfurt. ganz uͤberfluͤßig, und es koͤnnte nuͤtzlich ſcheinen, ein ſo anerkanntes und uͤberfluͤßiges Mittheilungs⸗Mittel aller Anſteckungsſtoffe moͤglichſt in der Anwendung und dem Verbrauche zu beſchraͤnken. Ueber den Hanfhandel konnte Herr v. Grou⸗ ner wenig Erfreuliches erfahren. Die fruͤher von den rheinlaͤndiſchen Staaten verhaͤngten Ausfuhrverbote des Hanfes ſchienen ihn auf lange Zeit wenigſtens voͤllig vernichtet zu haben. Nach dieſem Verbote hat ſich der Abſatz ſehr vermindert, daher auch der An— bau deſſelben. Die Seeſtaͤdte ziehen ihren Bedarf an Hauf dermalen mehrentheils aus dem Norden und von den Flammaͤndern, welche erſt ſeit dieſem den Hanfbau vortheilhaft finden. Man hat ſich alſo mit dieſem Ausfuhrverbot, oder den gleichkommenden Zoͤllen ei⸗ nen uͤblen Dienſt geleiſtet. Den inlaͤndiſchen Gewer⸗ ben wurde dadurch nicht im geringſten genuͤtzt, aber dem Landbau und dem Ganzen ſehr bedeutend ge— ſchadet, und eine ſichere Erwerbsquelle verſchloſſen. Leider iſt es ſchwer, beinahe unmöglich, einen ſolchen Fehler wieder gut zu machen, das verlorne Zutrauen und den gewaltſam geſtoͤrten Handelszug wieder zu gewinnen! Das Straſſenpflaſter in Frankfurt beſteht groͤßtentheils aus Baſalt, unſtreitig dem haͤrteſten Materiale, das man fuͤr dieſen Zweck waͤhlen kann. Schon in Darmſtadt findet man Baſalt im Pflaſter, ——— 4 tze ic hier ge Jvek d bffc gmäͤe nlelepdde ren, und ſhr etht vermeider Unſtaade werig g Spiege ſchvere abyleit beingen de Frankf rühmten ſen R d ſiraſen lihen d Paſſt Ennſen nere Art ——— . Von Frankfurt nach Mainz. 41 aber nicht ſo allgemein, wie in Frankfurt. Der hier gebrauchte, dichte Baſalt hat indeſſen fuͤr dieſen Zweck dennoch zwei Fehler; wovon der eine darin beſtehet, daß die Pflaſterſteine aus ihm nur mit un— gemeiner Anſtrengung die erforderliche Form der Pa— rallelepiden mit flachen Seitenwaͤnden erhalten koͤn— nen, und daher die Koſten eines ſolchen Pflaſters ſehr erhoͤhen, waͤhrend weite Fugen dennoch nicht zu vermeiden ſind, und der andere Fehler liegt in dem Umſtande, daß Pflaſter von dichtem Baſalt nur ſehr wenig gewoͤlbt werden duͤrfen, weil ſie ſich beinahe Spiegelglatt abfahren, und dann verurſachen, daß ſchwere Fuhrwerke auf ihnen gerne nach den Seiten abgleiten, und anſehnliche Laſten nicht gut fortzu— bringen ſind. Der poroͤſe Baſalt, welcher in der Gegend von Frankfurt gefunden wird, und woraus die weltbe⸗ ruͤhmten Muͤhlſteine gemacht werden, ſchiene aus die⸗ ſen Ruͤckſichten groͤßere Vorzuͤge zu behaupten. Dem ungeachtet ſind die Frankfurter Baſalt⸗ ſtraſſen ſehr ſchoͤn ausgefuͤhrt und in einem vortreff— lichen Zuſtande. Von Frankfurt nach Mainz. Von Frankfurt begab ſich der Reiſende zu Waſſer nach Mainz, wo er ebenfalls großentheils Straſſenpflaſter von Baſſalt, und daran noch ſchoͤ— nere Arbeit fand als in Frankfurt. Es waren je⸗ 42 Von Mainz doch auch eine Art weiſſe Steine, welche er fuͤr dich⸗ ten Kalkſtein hielt, und rothe Sandſteine eingemengt. Wenn dieſes aus Sparſamkeit geſchah, ſo war ſie offenbar am unrechten Orte angebracht, weil hiedurch die gute Beſchaffenheit des ganzen Pflaſters verloren hat, und die anfaͤngliche Erſparung durch die Koſten der kuͤnftigen Reparaturen dreimal uͤberboten wird. Von Mainz nach Idſtein. Von Mainz begab ſich Herr von Grouner uͤber Wiesbaden nach Idſtein, um das dortige landwirthſchaftliche Inſtitut zu beſuchen. Das Herzogthum Naſſau, von welchem hier die Rede iſt, gehoͤrt, obſchon es in der Rheingegend liegt, in landwirthſchaftlicher Beziehung keineswegs unter jene, welche von der Natur beguͤnſtiget ſind. Es hat ein kaltes, rauhes Klima, und großentheils ſehr geringen Boden. Es zaͤhlet indeſſen dennoch auf 90 Quadratmei⸗ len 320000 Einwohner und 4478 Wohnplaͤtze, 8850 Pferde, 1270 Fohlen, 177404 Stuͤcke Rind⸗ vieh, 182610 Schafe, 9476 Ziegen, 63408 Schwei⸗ ne, und 12248 Bienenſtoͤcke. Daſſelbe enthaͤlt fer⸗ ner: 5560 Morg. Gaͤrten, 401670 Morg. Aecker, 137757 M. Wieſen, 10904 M. Weinberge, 801 M. Teiche, 312820 M. Hochwald, 205025 M. Niederwald, 32962 M. Heiden, und 23780 M. te Gihi dunder ſ Pies di beanne nügfihe lut des rraſeurf Man ſn mit T baden ſch an d hes ſch jieſet, u Launus d an b und än Dunkt d känge wo dr Etraſ ne Gedde möſchlaͤß der Hühe ſüdlich le on einer auf eine lanen z Knaagehr nach Idſtein. 43 7. ode Gruͤnde. Alle Verwaltungszweige dieſes kleinen n Landes ſind in einer muſterhaften Ordnung. 15 Wiesbaden iſt durch ſeine warme Heilquelle — ein bekannter und beſuchter, durch die geſchmackvoll 1 ausgefuͤhrten neuen Bauten ein angenehmer Ort; nur das ſchlechte, obſchon aus Baſalt beſtehende Straſſenpflaſter daſelbſt verdienet eine ernſte Ruͤge. Man findet hier zum Theil ſelbſt die Landſtraſ— ſen mit Baſalt beſchlagen. Die Gegend um Wies— baden beſtehet indeſſen aus Thonſchiefer, welcher ſ ſich an vielen Orten dem Talkſchiefer naͤhert. age Die Stadt liegt am Fuße jenes Gebirgs, wel— . ches ſich von Frankfurt bis dahin an den Rhein ſen ziehet, und unter dem Namen: die Hoͤhe oder der i Taunus bekannt iſt. Die Straſſe ſteigt daher von 85 da an bis auf die Platte, wo ſich ein Gaſthaus M und ein fuͤrſtliches Jagdſchloß auf dem oberſten ils Punkt dieſes Gebirges befinden. Sie iſt in einer Laͤnge von 2 Stunden Weges ein ſchoͤnes Monument ni⸗ der Straſſenbaukunſt, und mag eine anſehnliche Sum— ze, me Geldes gekoſtet haben. Man beſchlaget ſie faſt d⸗ ausſchluͤßlich mit einer Art Quarzſchiefer, welcher auf ei⸗ der Hoͤhe, etwa 1000 Schritte von dem Gaſthofe er⸗ ſuͤdlich liegt. Dieſer Quarz iſt ſehr koͤrnig, und kaum et, von einen Sandſtein zu unterſcheiden, eiſenſchuͤſſig, 1 auf eine beſondere Art von Eiſenoker in großen und R. kleinen Fleken gefaͤrbt, und ſcheinet dem Thonſchiefer(?) 1 anzugehoͤren. Die hier bezeichnete Steinart ſtreichet 4 ———————ꝛʒ——— 8 ——õÿõxõx 4 44 Von Mainz ungefaͤhr wie der Gebirgszug mit geringer Neigung, oder mit wenigen Einſchieſſen gegen Weſten, ſo, daß ſie die Bekleidung dieſer Seite des Gebirgsabhanges bildet, und ſelbige gegen Verwitterung ſchuͤtzet. Die Gegend von der Platte bis Idſtein ſchien Herrn von Grouner uͤberall Thonſchiefergebirg zu ſeyn, wovon die Felder voll Quarzkoͤrner liegen, welche der Bearbeitung unguͤnſtig ſeyn moͤgen. Der Acker— bau ſelbſt wird hier ziemlich duͤrftig betrieben. Um ſo beſſer iſt der Zuſtand der Nadelholzwaldungen, die ſich ſehr auszeichnen. Die gemiſchte Wald- und Landwirthſchaft, wie in den Haubergen Wuͤrtembergs, wird auch im Naſſauiſchen theilweiſe vortheilhaft be— trieben. Hier fahret man ſchon durchgehends auf zweiraͤderigen Karren oder Waͤgen. Die Naͤder ſind ſehr groß, von einem Durchmeſſer, welcher zuweilen 6 Fuß rhein. Maaſſes erreichet. Ihre Bauart iſt leicht; damit ſie aber der Laſt, welche man ihnen zu tragen zumuthet, nicht unterliegen, ſind ſie ſehr ſtark ausgeſtellt. Um hiebei die Raͤder dennoch leicht im Gewichte zu erhalten, haben ſie durchgehends ſchmale Radfelgen und leichte Speichen. Hiedurch werden aber die Weggeleiſe tief ausgefahren, und es wuͤrde eine ſtarke Reibung und Abnutzung der Speichen entſtehen, wenn dafuͤr keine Vorkehrung getroffen waͤre. Dieſe Vorkehrung beſtehet nun darin, daß die ſtark auswaͤrts ſtehenden Radſpeichen 8 bis 10 Zoll, ehevor ſie in die Felgen gehen, ſo abgebogen ſind, d di and d nict dir fichung im, i de Auöt cüſt ti tnd di ſäbſt de de N Aedeut als ett 8 ſur( düögeſte hafter. 9 hes Et fürſlice ſchönern. da wurde d Iahte1 Hern p ſes Ni ———.————————,—.— nach Idſtein. 45 daß dieſe Stuͤcke ſenkrecht auf den Felgen ſtehen, und daher mit dem trocknen Boden in der Regel nicht in Beruͤhrung kommen. Dieſe Einrichtung ſcheinet indeſſen keiner Em— pfehlung wuͤrdig, ſondern in der That fehlerhaft zu ſeyn, indem durch dieſes Abſetzen der Radſpeichen, die Auswahl des Holzes dazu, und ihre Verfertigung ſelbſt viel umſtaͤndlicher und ſchwieriger wird, waͤh— rend die ſchmalen Felgen den Weg ruiniren, und ſelbſt von geringer Dauer ſind; das geringe Gewicht der Raͤder aber in Abſicht auf ihren Gebrauch ohne Bedeutung, daher ſonſt keine Erſparung erzielt iſt, als etwa die geringeren Raͤdreifen. Bei der dort allgemein uͤblichen breiten Rad— ſpur(Weggeleiſen) ſchienen daher ſtaͤrkere, weniger ausgeſtellte Raͤder mit breiteren Felgen viel vortheil— hafter. J d ſt e i n. Idſtein ſelbſt iſt ein ſehr kleines unanſehnli— ches Staͤdtchen, in einem engen tiefen Thale, deſſen fuͤrſtliches Schloß wenig geeignet iſt, daſſelbe zu ver— ſchoͤnern. 1 Das hier beſtehende landwirthſchaftliche Inſtitut wurde von der herzoglich naſſauiſchen Regierung im Jahre 1813 errichtet, und die Leitung deſſelben dem Herrn Profeſſor Albrecht anvertraut. Es ſtehet die⸗ ſes Inſtitut mit einem in Idſtein befindlichen Paͤda⸗ —ÿ——ßy— 460 Idſtein. gogium und mit einem Schullehrer-Seminarium in vii, 7 Verbindung. Ein neuerlich dabei errichtetes Thierſpi⸗ erdnunc tal kann als eine weitere weſentliche Bereicherung den land deſſelben betrachtet werden. ragfüchet Der ganze Unterrichtskurs dauert zwei Jahre; arun m und die Zoͤglinge wohnen auſſerhalb des Inſtitutes eafe un und genieſſen uͤberhaupt nur den Unterricht, aber un dm keine Verpflegung in demſelben. Dieſer Umſtand Gäſtächer kommt dem Nahrungsſtande des Staͤdtchens zu gutem. a Lolt Das Gebaͤude des Inſtituts dienet zur Wohnung in Däer des dirigirenden Herrn Prof. Albrecht, und enthaͤlt beſohen die erforderlichen Hoͤrſaͤle, naturhiſtoriſchen Samm— Dan lungen, die Grundlage einer Bibliothek und eines NRei phyſikaliſchen Apparats. Auch war der Anfang einer V wrſſ geognoſtiſchen Karte von Naſſau, und eine Samm— V terordn lung von landwirthſchaftlichen Ortsbeſchreibungen zu V ritſſch ſehen. Beides wird dazu dienen, einſt eine eben ſo en I nuͤtzliche als lehrreiche landwirthſchaftliche Statiſtik dinſt daraus zu bearbeiten. 4 Zur praktiſchen Befaͤhigung dienet den Zoͤglin— Feirin gen der etwas entfernt liegende Hof Gaſſenbach, Graun deſſen Bewirthſchaftung, den neueſten Nachrichten zu V iche Folge, unter die Obliegenheiten des Inſtitutes ge— ar K reihet worden iſt. Fruͤher war derſelbe verpachtet. V deitn Die Schullehrer⸗Kandidaten ſind verpflichtet, vor V Nädtrern ihrem Abgehen aus dem Seminarium einen einjaͤhri— n gen Kurs der Landwirthſchaft anzuwohnen. V zurih Herr von Grouner hielt, und gewiß mit Recht, fiha ———nn——————õ———— Idſtein. 47 dafuͤr, daß die hier und in Hohenheim beſtehende Anordnung, nach welcher die Schullehrer-Kandidaten einen landwirrhſchaftlichen Unterrichtskurs zu hoͤren verpflichtet ſind, dem Lande weſentliche Vortheile ge— waͤhren muͤſſe; indem dieſe in ihrem kuͤnftigen Amts— berufe ungemein viel guten und nuͤtzlichen Gebrauch von dem hier Erlernten machen koͤnnen. Auch die Geiſtlichen, glaubt er, ſollten aus gleichen Gruͤnden ein Kollegium der Landwirthſchaft hoͤren, wie dieß in Oeſterreich geſetzlich, und in Preuſſen am fruͤheſten befohlen worden, und auch in Bayern angeordnet iſt. Den Kandidaten der Kammeralwiſſenſchaft hat es die Regierung zwar nicht zur Pflicht gemacht, das land— wirthſchaftliche Inſtitut zu beſuchen; ſie hat aber verordnet, daß einem jeden derſelben, der einen land— wirthſchaftlichen Kurs in Idſtein angewohnt hat, ein Jahr an ſeiner Akzeß-Zeit fuͤr den Staats⸗ dienſt erlaſſen werden ſoll. Auch von den Sammlungen der durch Zoͤglinge gefertigte Ortsbeſchreibungen verſpricht ſich Herr von Grouner fuͤr eine kuͤnftige Statiſtik vieles Nuͤtz— liche. Indeſſen hat dieſer Punkt dennoch auch noch eine Kehrſeite. Wenn es auch richtig iſt, daß die Berichte des Boards of agriculture urſpruͤnglich von Paͤchtern angefertiget, nach ihren Privat-Abſichten und unrichtigen Anſichten verfaßt, nicht ſelten eben ſo unrichtig als einſeitig ſind, und daß man die in gleicher Abſicht in Frankreich vorzugsweiſe aus den 3 — ————/O:᷑ᷓJ— 48 Fdſtein. Berichten des Praͤfekten zuſammengeſetzte Statistique des Departements de la France weit eher als Mu⸗ ſter eines guten Styles und ſchoͤner Darſtellungs— arten betrachten koͤnne, als fuͤr eine getreue und gemeinnuͤtzige Schilderung der ſtatiſtiſchen und in— duſtriellen Verhaͤltniße des Landes: ſo bleibt es doch ſehr zweifelhaft ob ein Werk, welches aus, zu ver— ſchiedenen Zeiten, von verſchiedenen, in ihren Kennt— nißen und Begriffen noch nicht ausgebildeten Juͤng— lingen, geſammelten Materialien bearbeitet werden ſoll, zuverlaͤßiger und gehaltreicher werden kann. Es ſcheinet, daß die Regierung von Wuͤrtemberg bis jetzt hierin den beſten Weg eingeſchlagen, welche zu dieſem Be— hufe ein eigenes Buͤreau beſtimmt, und angeordnet hat, daß durch dieſes alle erforderlichen Nachrichten an Ort und Stelle erhoben, und dem, in dieſer Beziehung beſonders ruͤhmlich bekannten Profeſſor Dr. Memminger zur Bearbeitung einer Statiſtik des Königreichs zugeſtellt werden ſollen. Das Herzogthum Naſſau hat auch einen land— wirthſchaftlichen Verein, der das Zutrauen der Re— gierung in einem hohen Grade genießet und in allen Landwirthſchafts-Angelegenheiten von allgemeinem In— tereſſe mit ſeinem Gutachten, wie die Zentralſtelle in Wuͤrtemberg, vorerſt vernommen wird. Der Verein gibt ein Wochenblatt und auch Jahresberichte her— aus. Dieſe beiden Schriften ſind in einer gemein— verſtaͤndlichen Sprache geſchrieben und mehr erzaͤhlend ein t Pett ſien ſache Re⸗ llen In⸗ in rein her⸗ nein⸗ lend zerſtoͤrt werden, men, und in ihrer Maſſe unganz werden; und * Idſtein. 49 als belehrend oder unterſuchend, und werden von dem verdienſtvollen Prof. Albrecht redigirt. Alle Gemeinden muͤſſen, die Schulen duͤrfen ſie beziehen. Die Naſſauiſche Regierung hat unter der Leitung des Architekten Herrn Wimpfen meyhrere Verſuche mit dem Piſé(Erdeſtampfbau), und zwar namentlich auch in Gaſſenbach, ausfuͤhren laſſen, welche man ſaͤmmtlich fuͤr mißlungen haͤlt. Man machet ihnen zum Vorwurf: 1. daß die Waͤnde ſich abſchuppen und dadurch —— —— — — 2. daß ſie ſenkrechte und ſchiefe Riſſe bekom— — 3. daß ſie den Bewurf nicht halten, folglich den zerſtoͤrenden Wirkungen des Regens und des Froſtes ſich bloß ſtellen. Dieſer Gegenſtand iſt zu wichtig, als daß es genuͤgen köͤnnte, hier zu bemerken, wie unſer Rei— ſender den Bau unterſucht, und die angefuͤhrten Maͤngel wirklich vorgefunden habe. Bekanntlich muß der Landwirth das Kapital, welches er auf die Gebaͤude verwendet, nicht nur als ein todtes, ſondern als ein zehrendes, dem man den Betrag ſeiner Zinſen nach jaͤhrlich an Unterhaltsko— ſten beizulegen genoͤthiget iſt, betrachten; und ein ſolches muß er daher nach Möoglichkeit ſparen. Ein Erzeugniß dieſer Nothwendigkeit ſind die . Theil. 55 — 5 50 Idſtein. Pifé-⸗Bauten im ſuͤdlichen Frankreich, und die Hundt ſche Bauart in England. Beide dieſe Bauarten bezwecken eine groͤßere Wohlfeilheit des Materials und Erſparung an Ar— beitslohn. Das Weſen des Piſé⸗Baues beſtehet darin, daß nur das Fundament des Gebaͤudes mit Steinen oder Backſteinen und Moͤrtel gemauert, auf dieſes die Thuͤrgeruͤſte geſtellt, und die ſaͤmmtlichen Haupt— und Zwiſchenwaͤnde auf daſſelbe in Wandformen von Brettern aus fetten, mit Waſſer befeuchteten Lehm aufgeſtampft werden. Es wird naͤmlich zwiſchen auf— geſtellte Bretter eine Schichte feuchter Thon oder fetter Lehm einige Zoll hoch aufgeſchuͤttet, und dann ſo lange geſtampft, bis die Stampfen keine Ein— druͤcke mehr machen. Dann wieder aufgeſchuͤttet u. ſ. f. bis die Mauerlatten und das Gebaͤlke zu legen ſind. Alle Wandecken, Fenſterſtoͤcke und dergleichen werden indeſſen dennoch mit Steinen ausgemauert, um ſie ſchaͤrfer und haltbarer zu machen. Die Hundt'ſche Bauart iſt viel neuer und in Deutſchland erſt ſeit 1811 bekannt. Sie unterſcheidet ſich von der vorigen nur in der Auffuͤhrung der eben— falls aus Lehm oder Thon beſtehenden Waͤnde. Nachdem naͤmlich das Fundament fertig iſt, werden die Thuͤrgeruͤſte eingeſetzt, und eine Reihe Lehmen auf das Fundament, jedoch feuchter als beim Piſé— Bau gebracht, 12 bis 13 Zolle breit, und 4 bis 6 ——ꝛçß—UB—‚pjᷓꝗ— zol ſent in li ſſt und ſn durch unte auf⸗ oder ann Lin⸗ d in eidet eben⸗ aͤnde. erden hmen viſe bis 6 Idſtein. 51 Zoll hoch gut vertheilt, und an beiden Auſſeenſeiten ſenkrecht flach geſtrichen. Daruͤber werden Holzſpaͤhne in einer ſchiefen aber parallelen Richtung gelegt, 4 bis 6 Zolle von einander entfernt, und in den Lehm feſt geſchlagen. Nun folgt eine gleiche Schichte Lehm und dieſer eine gleiche Lage Holzſpaͤhne, letztere jedoch ſo gelegt, daß ſie ſich mit erſterer in ihrer Richtung durchkreuzen. In ſolcher Art werden alle Waͤnde bis unter das Dach hergeſtellt. Das Gebaͤlke iſt in beiden Bauarten genau ſo, wie man es bei Steinmauern zu machen geſonnen waͤre, und es wird dabei keine Ruͤckſicht auf das Materiale der Waͤnde genommen. Die Hundt'ſche Bauart hat vor den Piſé den Vorzug, daß durch das eingelegte Holz dem Schwin— den und Reiſſen der Waͤnde vorgebeugt wird. Allein die Arbeit iſt dabei aus freier Hand ohne Wandfor⸗ men umſtaͤndlich, langwierig, und es gelingt ſelten, eine ſenkrechte ebene Wand zu Stande zu bringen. Auf dem Wirthſchaftshof in Gaſſenbach ſcheinet man mit zu feuchtem, oder vielmehr zu naſ— ſem Lehm gearbeitet, und dieſen nicht feſt genug ge— ſtampft zu haben; daher die Riſſe und die Unhalt— barkeit der Waͤnde!— Die Lehmwand iſt aber wie eine Stein-Mauer beworfen; und da der Kalk mit dem Lehm ſich ſehr ſchwer verbindet, ſo iſt es ſehr natuͤrlich, daß ein ſo ungeeigneter Bewurf nicht hal— ten konnte. 4* 52 Fdſtein. Leider! haben unſere Baufuͤhrer in der Regel dat noch immer ſehr mangelhafte Begriffe von den phy— Stteo ſiſchen und chemiſchen Eigenſchaften ihrer Materia— tru lien und nehmen darauf viel zu wenig Ruͤckſicht. ſede Der naſſe Thon vermindert ſich in ſeinem Vo— du lumen durch Austrocknung von 6 bis 18,3 Prozent. dnitt Es muͤßte daher eine Wand, welche ganz naß, und hinde von der einen oder der andern Gattung Thones 100 toc Fuß lang, 10 Fuß hoch, und 1 Fuß dick aufgefuͤhrt endli worden waͤre, daher 1000 Cubikfuß im Volumen rechte haͤtte, durch Austrocknung um 60 bis 183 Cubik— fuß ſchwinden, d. h., ſie wuͤrde ſich, im Falle ſie vede guten Zuſammenhang haͤtte, und kein Hinderniß faͤn— andſ de, im erſteren Falle auf 94 Fuß Laͤnge, 9,4 Fuß Mau Hoͤhe und 0,04 Fuß Dicke zuſammen ziehen; im letz⸗ uneen teren Falle wuͤrde die Laͤnge nach der Austrocknung. nur 31,7—, die Hoͤhe 8,17— und die Dicke nur dn 0,347 Fuß betragen. Da ſich aber dieſer phyſiſchen en Zuſammenziehung durch die Fundamente, durch ein— 3 1 geſetzte Mittelwaͤnde, Thuͤr- und Fenſterſtoͤcke, ſo wie hiur durch das Deckengebaͤlke Hinderniſſe entgegen ſetzen, und der Zuſammenhang gering, oder doch unzurei— yhe chend iſt, ſo entſtehen bei dem mangelhaft ausge— un; fuͤhrten Piſé-Bau nothwendig bedeutende Riſſe, neir Spaltungen und Lockerheit der Waͤnde. u d Um dieſem Uebel zu begegnen, hat man es in Nord⸗Deutſchland vortheilhaft gefunden, die Piſé— um! und Hundt'ſche Bauart zu vereinigen, d. h., man dan Id ſtein. 5⁵ V t hat den Lehm mit 6 bis 10 Zolle lang gehackten Stroh vermengt, und dieſes Materiale zwiſchen Bret— — — — n terwaͤnden auf die Fundament-Mauer nicht geſtampft, 3 ſondern in maͤßig feuchtem Zuſtande eingetreten. 9 Das Stroh, oder auch Holzreiſer, dienen als Bin— N d. demittel, das Reiſſen und Schwinden des Lehmens nd hindernd, und das Eintreten erzeugt eine feſtere und 8 00 trockner Maſſe der Waͤnde; die Bretterformen dienen drt V endlich, um von jedem gemeinen Tagloͤhner eine ſenk— undn rechte, ganz ebene Wand hergeſtellt zu erhalten. 1 di⸗ V Man hat gefunden, daß man bei dieſer Methode 4 ſ V weder die Ecken noch Thuͤre- oder Fenſtereinfaſſungen fü⸗ V auszumauern noͤthig habe, ſondern daß es mit der 4 duß Mauerer⸗Arbeit vollkommen genuͤgt, wenn das Fun— 6 le; dHament 6 Zoll uͤber den Boden heraus gemauert wird. unndg Dieſe Wand nimmt auch eine Weiſſe und ſelbſt 9 ee den Bewurf an, wenn man die trockene Wand zu— ſſchen erſt mit einer warmen ganz duͤnnen Maurerweiſſe, wo— h ein. rin man auch Thon aufgeloͤst hat, uͤberfaͤhrt, und o wie hiedurch eine haltbare Verbindung herſtellet. ſeten,“ Die k. preuſſiſche Regierung hat nicht nur im nzuri Jahre 1821 ein Schulhaus in Weiſſenſee, ſon⸗ ausge dern 13822 auch ein 400 Fuß langes Militaͤr⸗Oeko⸗ Riſt, nomie-Gebaͤude in der oben angezeigten Bauart ſelbſt in Berlin herſtellen laſſen. mes in Da man zu ſolchen Bauten, ſobald das Funda⸗ Piſé— ment hergeſtellt iſt, gar keines Mauerers und keines . man Steines mehr bedarf, und da die ſo ausgefuͤhrten 54 Wiesbaden. Gebaͤude ſich ſehr haltbar und trocken bewaͤhren, ſo iſt ſie wohl uͤberall zu empfehlen, wo man guten Thon oder Lehm in der Naͤhe findet. In Preuſſen hat ſie bereits mancherlei vortheilhafte Anwendung auf dem Lande gefunden. In der Gegend von Idſtein bauet man eine beſondere Art Roggen, Klebroggen genannt, der ſehr wohl gedeihet, und ungemein guͤnſtige Reſultate an Koͤrnern, Mehl und Stroh gewaͤhrt. In Gaſſen— bach pflegt man ihn mit der Hollaͤnder-Grasſenſe zu maͤhen. Eben ſo bauet man fuͤr den Abſatz nach Holland den ſogenannten Fuchs-Weizen, welcher da— hin vorzugsweiſe geſucht wird.*) Wiesbaden. Auf der Ruͤckreiſe uͤber Wiesbaden beſah Herr v. Grouner die Waſſerleitung, wodurch neun oͤffentliche Brunnen in Wiesbaden das Waſſer von einem Wieſenplatze auf der Hoͤhe des Taunusgebir⸗ ges, beinahe 2 Stunden weit in Eiſen-Roͤhren zu⸗ gefuͤhrt erhalten. Die Roͤhrenſtuͤcke ſind 6 Fuß lang, 5 ½ Zoll im Durchmeſſer und etwas mehr als 1 Zoll Eiſenſtaͤrke, vortrefflich im Sande gegoſſen. Jede hat an einem Ende einen erweiterten, 6 Zoll langen Einſatz Behufs ihrer Zuſammenfuͤgung. Sie ſind in *) Leider iſt aus den Noten des Reiſenden nicht zu erkennen, welche Abarten hier gemeint ſeyn moͤgen, und auch in an⸗ dern Schriften mangeln die Aufſchluͤße daruͤber. iſth Ahy denhe men Wiesbaden. 55 ſſoe einen 5 Fuß tiefen Graben gelegt, und zur Reini— gung mit der Ruthe iſt in der Bedeckung deſſelben alle 100 bis 150 Fuß eine Keilfoͤrmige Oeffnung ung von 10 Zoll Laͤnge und 5 Zoll Breite angebracht, V mit einem hoͤlzernen Spunde geſchloſſen und mit dar— ne. uͤber geſetzten Steinen marquirt. kt Ehe man von der Platte herab das Stadtthor te von Wiesbaden erreicht, findet man eine Sand⸗ ⸗ V grube, uͤber welche Herr von Grouner in geogno— nſe V ſtiſcher Beziehung Folgendes bemerkt hat.“ ach Sie hat vollkommen das Anſehen, als ob ſie d; ein eingelagertes Stuͤck desjenigen Sandes und Sand— ſteines waͤre, welche die Glieder der Kreideformation von Paris, Flandern, Brabant und Nord⸗ Deutſchland ausmachen. Sie iſt hellgelblich, ſehr ·ſa feinſandig, ohne Glimmer, und ſo muͤrbe, daß ſie bun nur als Sandgrube benuͤtzt werden kann. ui Dieſe Uebereinſtimmung mit der Kreideformation ſüir iſt bloße Vermuthung, welche aus der ſehr großen 1 e b Aehnlichkeit mit dieſer, und eben ſo großen Verſchie— ſang V denheit derſelben von allen Floͤtzſteinarten hergenom⸗ 5 men iſt. Wuͤrde ſich dieſe Vermuthung jedoch beſtaͤ⸗ de hat tigen, ſo waͤre da, wie im Limburgiſchen der 1 Thonſchiefer des Urgebirges oder des Uebergangsge— ind ii birges, und die neueſte aller bekannten Gebirgsfor⸗ mationen; naͤmlich die Kreideformation in dem hoͤchſt kennen, beſchraͤnkten Raume der Stadt Wiesbaden bei— i u ſammen. Da zwiſchen Wiesbaden und Mainz 56 Von Mainz die Straſſe mit dichtem Baſſalt beſchlagen wird, und wiſ dieſe ſehr neue Baſſaltformation in Heſſen nicht ſed ſelten auf aͤhnlichem Sande liegt, ſo koͤnnte vielleicht üch das Vorkommen einer ſolchen Sandformation bei 14 Wiesbaden dadurch erklaͤrt werden. ini Von Mainz nach Koblenz. andt Von Mainz gieng Herr von Grouner in n Mitte September zu Waſſer nach Koblenz und Bonn. Er konnte ſomit die naſſauiſchen und rheini— 4 1 ſchen ſchoͤnen Rebengelaͤnde nicht naͤher unterſuchen, i und nur von dem beruͤhmten Johannisberg hatte V he er eine Handvoll Erde erhalten, welche er hellroth, n ſehr mild und fettig im Gefuͤhle fand, und dafuͤr Ddiin hielt, daß ſie einem rothen Schiefer(vermuthlich dem Thonſchiefer) ihren Urſprung verdanke. Jentne Man ſagte ihm, daß der Boden des ganzen Rebengelaͤndes mager ſey, und alle drei Jahre ge— aach duͤngt werden muͤſſe, ohne daß die nahe Umgebung fa einen nur einigermaſſen bedeutenden Antheil hiezu fr! liefern koͤnnte. Der Duͤnger wird daher von den hoͤ— dan heren Gegenden zugefuͤhrt und ſehr theuer bezahlt. tethäl 6 Eben ſo liefern die Weſterwaͤlder Dreiſch-(Gras—) Seil 1 Wirthſchaften den ſehr großen Heubedarf an dieſe Al Weinbauern, und erhalten daſſelbe auch ſehr gut bezahlt. s d 1 Indeſſen iſt es mit den Wirthſchaften, welche dr e Heu und Dung verkaufen, eine ſehr mißliche Sache. ferer M Wenn man die Gegenden, in welchen ſich gute den W d nach Koblenz. 57 ünd Waͤſſerungswieſen befinden, ausnimmt, ſo kann man it ſie ohne weitere Beſchraͤnkung aͤrmlich und verderb— i lich nennen, und ſie ſind es in dem Grade mehr, be als ſie leichte Boͤden beſitzen, und verhaͤltnißmaͤßig viel Futter oder Duͤnger verkaufen. Mit jedem 20 Zentner Duͤnger verkauft der Landwirth einen Theil der Produktionsfaͤhigkeit ſei— 1 V nes Bodens fuͤr das naͤchſtfolgende Jahr, welcher, d V nach wiederholten komparativen Verſuchen, mindeſtens ſi⸗ 24¼ Metzen Roggen⸗-, oder 58 Pfund Oelwerth be— n, b traͤgt. Derſelbe Fall tritt ein, ſo oft er 9 Zentner tte Heu oder Stroh verkauft, welche ihm auſſer der Nah— th, rung fuͤr ſeinen Viehſtand ebenfalls noch 20 Zentner ür Duͤnger wuͤrden gegeben haben. m Es iſt nicht genug, daß der Verkaͤufer fuͤr 20 Zentner Duͤnger, den Geldwerth von 2 ¾ Metzen en Roggen, fuͤr 9 ½¾ Zentner Heu, aber nebſt dieſem ge⸗ auch noch den Nahrungswerth bezahlt erhaͤlt.!! Die— ung ſen Werth hat es im Durchſchnitt fuͤr den Kaͤufer; jezu fuͤr den Verkaͤufer kann er betraͤchtlich hoͤher ſeyn; ho denn er verliert durch den Verkauf nicht bloß den ilt. verhaͤltnißmaͤſſigen Ertrag, ſondern er verliert einen 5) Theil der Produktionskraft ſeines Bodens, alſo einen ieſe Theil des Grundkapitals mit allen kuͤnftigen Zinſen, NM. bis dem Boden das ungebuͤhrlich Entzogene wie— ſche der erſetzt ſeyn wird. Wird der Heu- oder Duͤn⸗ che. gerverkauf ſtark betrieben, ſo kann es mit einer ſol— zute chen Wirthſchaft bald dahin kommen, daß der Boden 8 6 V V 58 Von Mainz V keinen reinen Ertrag mehr gewaͤhrt, alſo auch keinen irii wahren Werth mehr hat. So hat mancher Bauer V ſde ſchon ſeinen Hof in lauter Heu, Stroh und Dung V Ohm verkauft! Nur ſehr fette, Duͤngerreiche Boͤden und b uaſ nur Waͤſſerungswieſen koͤnnen den Futterverkauf ent— ban ſchuldigen, der Dungverkauf eines Ackerbauern iſt ing aber niemals und unter keiner Vorausſetzung zu nd, rechtfertigen. Doch muß zugeſtanden werden, daß Dun Graswirthſchaften ein ſolches Mißverhaͤltniß noch am icje eheſten zu ertragen vermoͤgen, und es dort noch kaum ü T fuͤhlen werden, wo eine Getreidewirthſchaft ſchon ſehr pla empfindlich davon zu leiden haͤtte. Duͤnger verkaufen de ſollen nur die Staͤdter, und verſchuldete Landwirthe FPoj machen es ihnen nach, um ihren Glaͤubigern noch ſehr den Hypothekenwerth moͤglichſt zu ſchmaͤlern. am Bei Bingen tritt der Rhein zum erſten atte Male, ſeitdem er von Schaafhauſen bis Walds⸗ iit hut das Juragebirg in der Schweitz durchbrochen, kete und bei Lauffenburg im Frickthale ſich ſogar 5u bis auf das Urgebirg hinab eingegraben hat, in ei— ſſfei nen neuen aͤhnlichen Durchbruch durch das Schiefer— vich gebirg des Taunus und Weſterwaldes auf dem rech⸗ ſihf ten, und des Hundsruͤckens auf dem linken Ufer, hen welche die ganze Strecke von Bingen bis Kob— den lenz einnehmen, eine nordweſtliche Richtung an. Wenn in der Schweiz der junge Rhein den groͤßern Theil des Jura⸗Durchbruches, ſeiner groͤßeren trit Schweſter, der Aare von Brugg bis Waldshuth tne nach Koblenz. 59 en uͤberlaͤßt, ſo tritt er verſtaͤrkt durch die Oberrheini— ke ſchen Fluͤſſe bei Bingen ſeinen ſo eben genannten 4 Gegnern ganz allein in majeſtaͤtiſcher Kraft und Groͤße d entgegen. Er hat bei Mainz ſeinen bisherigen Lauf k⸗ gegen Norden geaͤndert, und jene ſuͤdweſtliche Rich— ſt tung angenommen, welche der Main von Hanau u herab, bis an ſeine Muͤndung laͤngs dem Fuße des 6 Taunus oder Hoͤhengebirges beobachtet. Dieſe weſt— n liche Richtung verfolgt nun der Rhein von Mainz u bis Bingen und Ruͤdesheim. Hier wendet er ſich hr ploͤtzlich wieder nordweſtlich und durchbricht ſowohl fen die eben genannte Gebirgskette, als auch die des the Weſterwaldes und Hundsruͤckens, mittels eines ch ſehr engen, hoͤchſt merkwuͤrdigen Thales, welches kaum ſeinen Waͤſſern und der Landſtraſſe Raum ge— ten ſtattet, und deſſen maleriſche Schoͤnheit die Welt 8: mit Recht bewundert. Hierdurch wird die Gebirgs— en, kette des Taunus und Weſterwaldes von jener des gar Hundruͤckens getrennt, welche ehmals ganz augen— ii ſcheinlich zuſammenhaͤngend war. Die Gebirgsmaſſa, fer⸗ welche der Rhein daſelbſt durchbrochen, iſt Thon— ech⸗ ſchiefer. Die betraͤchtlich inklinirten Schichten deſſel— fer, ben ſtreichen quer durch das Rheinbeete und bieten ob⸗ dem Geognoſten die lehrreichſten Profile dar. 48. Das Wichtigſte, was dieſer Durchbruch an mi— gern neralogiſchen Merkwuͤrdigkeiten darbietet, moͤchte un— eren ſtreitig der Dachſchiefer bei Caub ſeyn, auf welchen uth eine Menge Steinbruͤche angelegt ſind. Es iſt dieß 60 Von Mainz 3 G u werde der ſchoͤne, blaulich graue, ins Eiſenſchwarze uͤber— l gehende Dachſchiefer, welcher an Soliditaͤt, Schoͤn— V he heit und Gleichheit der Farbe den von Angers in Frankreich uͤbertrifft. Man findet davon ſtets einen an— niſg ſehnlichen Vorrath in der Naͤhe des Rheines, der mit muhm, Schieferladungen oft bedeckt iſt; und ein bedeutender i Theil der Staͤdte am Rhein und Main ſind mit iin ſolchen Schieferdaͤchern verſehen. Dieſer Schiefer ge— fea d waͤhrt ohne Widerſpruch die ſchoͤnſte, leichteſte und on dichteſte Bedeckung der Haͤuſer, und ſolche Schiefer— A bruͤche ſind daher ſehr wichtige Bergwerke. 38; Die Form, welche man hier dem Schiefer— ſ giebt, hat viel Nachtheiliges. Die Schiefer erhalten V Nlr hier in der Regel nur zwei gerade Seiten, waͤhrend nuc die andern beiden gerundet und eckig gebrochen ſind; V auch ſind ſie von verſchiedener Groͤße. Hieraus folgt, ier daß jeder ſolcher Schiefer erſt an Ort und Stelle fel gerichtet werden muͤſſe, daß hiebei Vieles davon ab⸗ eud faͤllt, manches Stuͤck ganz unbrauchbar wird, und liht daß man ſomit nicht bloß eine wiederholte Arbeit und habe, ſondern auch eine Menge ſchweren Materials de⸗ weit verfuͤhren muͤſſe, welches am Ende als voͤllig I Denn unnuͤtz abfaͤllt. Dadurch aber wird der Gebrauch V uric des Schiefers erſchweret und vertheuert. Es waͤre b Oroß daher zu wuͤnſchen, daß man den Schiefern hier, mm ge wie in Frankreich und Brabant, eine mehr angemeſs Win ſene Form gaͤbe, wodurch ſie geeignet wuͤrden, ohne weitere Zurichtung zum Decken des Daches verbraucht diſſe n⸗ in nach Koblenz. 61 zu werden.— Man hat hiebei keineswegs nothwen⸗ dig, ſich ſtrenge an die quadratiſche Form zu binden; dieß wuͤrde oft dazu noͤthigen, aus großen, unregel— maͤſſig gebrochenen Stuͤcken ganz kleine Platten zu machen, und beinahe die halben Flaͤchen in Stuͤcken zu ſchlagen. Selbſt lange Rechtecke ſind nicht unbe— dingt nothwendig, und koͤnnten zur Gewinnung groͤſ— ſerer Flaͤchen noͤthigenfalls an allen 4 Ecken abgerun— det werden. Uebrigens ſind dieſe Formen immer von der Qualitaͤt des Schiefers und des Bruches abhaͤn— gig; aber ſtets bleibt es ein großer Vortheil, wenn ſie gleich im Bruche ſo gegeben werden, daß die Platten ohne weiterer Zurichtung auf das Dach ge— braucht werden koͤnnen. Ein weiterer, insbeſondere fuͤr den Handel wich— tiger Unterſchied beſtehet noch in der Dicke der Schie— ferplatten. Die dickern werden in der Naͤhe ver— braucht, und ſind wohlfeiler, die duͤnneren, welche leichter zu transportiren ſind, werden theuerer bezahlt und weiter verfuͤhrt. Man findet in dieſer Beziehung die Dachſchiefer in 8 bis 10 Sorten getheilt.— Wenn ihnen daher ſogleich in dem Bruche die letzte Zurichtung gegeben wuͤrde, ſo koͤnnten in Bezug auf Groͤße, Dicke und Guͤte der Platten ſicher 20 Sor— ten gemacht, und Jedem gegeben werden, was ſeinen Wuͤnſchen und Verhaͤltniſſen entſpraͤche. Eine zweite mineralogiſche Merkwuͤrdigkeit bietet dieſer Durchbruch des Rheines in einem Erzlager 62 Von Mainz dar, welches Kupfer und Blei enthaͤlt, und worauf auch ein Bergbau gefuͤhrt wird. Die Ausbeute deſſelben beſchaͤftiget eine Schmelz— huͤtte, welche am linken Rheinufer oberhalb Kob⸗ lenz ſtehet. Bei Koblenz und an dem gegenuͤberliegenden Felſenkopfe, welcher die Feſtung Ehrenbreiten— ſtein traͤgt, endiget ſich dieſer ſchmale Durchbruch des Rheines. Die Moſel, welche ſuͤdweſtlich bei Koblenz(v. Confluentia) herein kommt, fuͤhret ein erweitertes Thal mit ſich, das einer aͤhnlichen Niederung gegenuͤber auf der Oſtſeite entſpricht. In der Gegend von Andernach faͤngt ein neuer, eben ſo enger Durchbruch des Rheinſtromes an, in welchem ſich rechts und links die Schieferge— birge wieder erheben und naͤher zufammenſtellen. Die oberſten Theile deſſelben ſind, zuerſt am linken, ſpaͤ— ter auch am rechten Ufer, mit einer Baſaltformiation bedecket, welche ſchon mehrmals beſchrieben worden iſt.*) Zu Koblenz beginnt der erſte Regierungs-⸗Be⸗ zirk der k. preuſſ. Provinz Niederrhein, welche *) Man beliebe dieſe geognoſtiſchen Bemerkungen zu vergleichen mit dem Inhalte eines kurz nachher unter dem Titel:»Die „Gebirge im Rheinlande und Weſtphalen nach mineralogiſch“ „und chemiſchen Bezug von Dr. Noͤggerath, Bonn 1322* erſchienenen Werkes. piuſet, 391061 Jeged Stüͤch nach Koblenz. 6³ der Rhein nur in einer kurzen Strecke bis Ober⸗ winter durchſtroͤmet, wo er in die Provinz Cleve— Berg eintritt. Die Provinz Niederrhein enthaͤlt auf 288 Quadratmeilen 1007081 Menſchen, 6180261 Morgen Oberflaͤche, 1642000 Morgen Waldungen, 65 Staͤdte, 63 Marktflecken, 2782 Doͤrfer und Weiler, 263035 Gebaͤude, worunter 6001 oͤffent⸗ liche, 5205 Fabriken und Muͤhlen, 151008 Wohn⸗ haͤuſer, 101321 Staͤlle und Scheunen; 52069 Pferde, 337061 St. Rindvieh, 443478 Schaafe, 21080 Ziegen, 124035 Schweine, im Ganzen 1025573 Stuͤcke Vieh. Von Koblenz nach Bonn. Auf dem linken Rheinufer, oder ſuͤdweſtlich liegt das betraͤchtlich hohe Eyffelgebirg, welches die ausgebreitetſte Baſaltformation in ganz Deutſchland enthaͤlt. Hier beſitzt beinahe jedes Dorf eine Mi— neralwaſſerquelle; hingegen iſt der Ackerbau, Bevoͤl— kerung und Cultur dieſer Gegend hoͤchſt duͤrftig. Mangel an Straſſen und Gaſthaͤuſern machen das Reiſen hier noch beſchwerlicher, und noͤthigen den Fremden beinahe, die Befriedigung aller ſeiner Beduͤrfniſſe mitzufuͤhren, wie die Karavanen des Orients. Bei Andernach haben die Hollaͤnder den beruͤhmten Traß, eine vulcaniſche, oder pseudo-vul— caniſche, der Baſaltformation untergeordnete Gebirgs⸗ 64 Von Koblenz maſſe, welchen ſie zu denjenigen waſſerdichten Moͤrtel brauchen, den ſie Caͤment nennen. Nicht nur bei allen ihren gemauerten Waſſerwerken findet dieſer Traß Anwendung, ſondern ſelbſt, um damit die Fu— gen ihrer Ziegelmauern an Gebaͤuden zu verſtreichen. Der Handel damit hat aber ſehr ſtark abge⸗ nommen, und duͤrfte in Abſicht auf Holland inzwi— ſchen beinahe ganz in Stillſtand gerathen ſeyn. Die erſte Veranlaſſung hiezu, ſagt man, haben die An— dernacher Traßbrecher dadurch gegeben, daß ſie in der letzten Zeit die ſchlechte Waare von der guten nicht ſondern, ſondern beide zu hohen Preiſen ver— kaufen wollen. Die zweite aber gieng daraus hervor, daß man, ſtatt dieſem Uebel durch ſtrenge polizeyliche Aufſicht zu ſteuern, ihm in der Einfuͤhrung eines be— deutenden Ausfuhrzolles ein neues beigeſellte. Dies veranlaßte die hollaͤndiſche Regierung nach einem Surrogat fuͤr dieſes dort ſehr betraͤchtliche Be— duͤrfniß ſuchen zu laſſen. Und wer ſucht, und mit Sachkenntniß ſuchet, der findet, in der Regel. Auch die Hollaͤnder fanden ein ſolches Surrogat in ih— rem Lande, welches ſchon vor zwei Jahren bei allen oͤffentlichen Bauten allgemeine Anwendung fand. Die Traßſteinbruͤche findet man daſelbſt laͤngs des Rheines allenthalben; der Rhein ſelbſt aber ſcheinet mit ſeinem Rinnſale in Thonſchiefer einge— hoͤlet zu ſeyn. Dieſer zweite untere Theil des Rhein— durchbruches durch die Gebirge dauert von Ander— ————::———— nach Bonn. 65 en Nire 45 nach bis etwa eine Stunde oberhalb Bonn, wo it in der ſchoͤne Baſaltkegel, der die Ruinen der alten vr Burg Godesberg uͤber ſich traͤgt, der letzte Berg nittn auf dem linken, und das Siebengebirge die letzten be Baſaltberge auf dem rechten Rheinufer darbieten*) die Gegen Bonn hinab erweitert ſich die Gegend T d und ein freicher Ackerbau ziehet dis Aufmerkſamkeit des Reiſenden auf ſich, welcher bis dahin vorzugs⸗ ſe weiſe nur Steine und Ruinen zu bewundern hatte. Bis hieher theilet der Rheinſtrom den Hunds— Tann ruͤck und die Eyffel von dem Taunus, Weeſter⸗ mhain walde und Siebengebirge, und beendiget hiemit gleichſam ſein deutſches Flußgebiet, uͤbertretend in epeſt. 4 η 2 üinCit die untere, mehr der Nordſee angehoͤrige Haͤlfte deſ⸗ inz ue ſelben. Das Klima, der Boden, die Landwirthſchaft, — Geiſteskultur, ſelbſt Sitten und Sprachen der Be⸗ ang ni wohner dieſer beiden Theile ſind verſchieden und tren— üh d. nen ſich hier. , Id mt In der Naͤhe des Siebengebirges tritt der de duc Rhein in die Provinz Cleve-Berg und durchſtroͤmet ujg i ij dieſe ihrer ganzen nordoͤſtlichen Laͤnge nach. Dieſe bä all Ffand... 1 ſn*) Nach Herrn Hofrath Biſchoff in Bonn gehoͤrt der Thon⸗ 166; 95„. daelbſe lin ſchiefer dieſes Rheindurchbruches und des Eyffelgebirges der mſibi dhe Grauwakke an; und die Bagaltiſchen Gebilde ſind nach eeefe ange demſelben uͤber darunter befindlichen Lavaſtroͤmen gelagert; ſe 1 eben ſo ſey auch der kleine Landſee noͤrdlich von Ander⸗ des Ahe nach, das Lauchemer⸗Meer genannt, ganz von vulkani⸗ uo Aadtt ſchen Gebirgsmaſſen umgeben. I. Theil. 5 —— — 1 8 7 66 Von Koblenz Provinz enthaͤlt eine weit groͤßere Bevoͤlkerung als jene des Niederrheins, indem ſie auf 158,4 Quadratmeilen 965756 Menſchen, 3404746 Morg. nutzbare Oberflaͤche, 67 Staͤdte, 34 Marktflecken, 1003 Doͤrfer, 279578 Gebaͤude, und hierunter 2819 oͤffentliche, 6002 Fabriken und Muͤhlen, 145639 Wohnhaͤuſer, 124318 Staͤlle und Scheunen, ferner 44501 Pferde, 270257 Stuͤcke Rindvieh, 127215 Schaafe, 26308 Ziegen und 62505 Schweine zaͤh⸗ let. Der Viehſtand iſt aber demnach im Verhaͤltniß zur Menſchenzahl ſehr gering, und nur zur Oberflaͤ— che proportional; ein Umſtand, welcher dem großen Fabrikperſonale und dem vorherrſchenden Getreidebau, nebſt einer beſondern Behandlung des Viehes wird beigemeſſen werden koͤnnen. Nit der Univerſitaͤt zu Bonn iſt eine Art landwirthſchaftliches Inſtitut auf der koͤn. Domaͤne zu Poppelsdorf verbunden, welchem der bekannte Schriftſteller Herr Prof. Hofrath Sturm vorſtehet. Die Abſicht, welcher der Errichtung dieſes Inſtitu— tes zum Grunde liegt, ſcheinet die zu ſeyn, daß die Theorie der landwirthſchaftlichen und kameraliſtiſchen Vortraͤge uͤberhaupt in dem Inſtitute zu Poppels— dorf praktiſch belegt werden koͤnne, daß jedem Stu— dierenden alle Zweige des praktiſchen Ackerbaues zur ſpeziellen Einſicht und Kenntnißnahme vorliegen; und daß durch vergleichende Verſuche zweifelhafte Faͤlle zur Entſcheidung gebracht werden ſollen. nach Bonn. 67 Jals Das Inſtitut erhielt 140 rhein. Morgen an 158,1 Guͤtern, welche fruͤher verpachtet waren, das hiezu Na erforderliche Vieh und Inventarium, und zur Er— cken, bauung der Oekonomiegebaͤude 3000 Thaler preuſſ. 2510 Kurrant. 6060) Die Wirthſchaft ſelbſt erhaͤlt jedoch keinen Zu— enere ſchuß und der Nutzen derſelben iſt dem Prof. Herrn 7215 Hofrath Sturm in partem salarii gegeben. Da. zur üih⸗ Zeit, wo ſich Herr von Grouner in Bonn be— Utniß fand, noch Alles im Werden war, ſo ließ ſich nur derft weniges daruͤber notiren. Bemexkenswerth iſt, daß großen man daſelbſt damals ſchon vergleichende Verſuche uͤber debau, den Reinertrag feiner Merinos und den Eiderſtaͤdter wird Marſch-Schaafe, welche letztere ſehr groß und lang— wollig ſind, beinahe jaͤhrlich 2 Limmer und 7 Pfd. Artt Wcoolle geben, eingeleitet hatte. omaͤne Dieſes Eiderſtaͤdter Schaaf ſcheinet kein ande— kannte res, als das eigentliche Zagelſchaaf zu ſeyn, das in arſtehet. einigen Tyroler Thaͤlern in muſterhafter Groͤße ge— Inſtitu⸗ funden wird, und jaͤhrlich bis 12 Pfund Wolle lie⸗ daß die fert. Ich habe fruͤher ſchon, jedoch vergeblich, auf liſtiſcen den Nutzen aufmerkſam gemacht, welcher aus der pyelt⸗ Einfuͤhrung und Veredlung dieſer Thiere, ſtatt unſe— in Stur rer Landſchaafe, ſowohl hinſichtlich der Wolle und aues zut Haͤute, als vorzuͤglich auch in Anſehung des Flei— gen; und ſches und der Laͤmmer erwachſen koͤnnte. Herr von ſt züll Grouner bemerkt, daß alle Kenner in Bonn, und ſelbſt auch der Schaͤfer, welcher mit den Merinos 5* 63 Bonn. aus Sachſen dahin gekommen war, dieſe Anſicht hatten, daß dieſe großen Schaafe eintraͤglicher ſeyn muͤßten als ſelbſt die Merinos, ungeachtet Herr Hofrath Sturm ſich dieſelbe noch nicht hatte eigen machen koͤnnen. Die Landwirthſchaft um Bonn fand unſer Reiſender als eine wahre freie Getreide⸗Wirthſchaft, wo durchaus keine Brache beſtehet, und wo man ſich auch in Anſehung des Wechſels der Fruͤchte an keine beſtimmte Regel haͤlt. Klee und Futterbau wird ſtark betrieben, und nicht das kleinſte Plaͤtzchen bleibt un— genuͤtzt liegen. Nicht ſelten werden zwei bis drei Ma— len Wintergetreide- oder auch Handelsfruͤchte darunter, nach einander gebaut. Dieſer Ackerbau wird durch geſchickte und fleißige Bearbeitung, mehr aber noch durch vieles, beinahe jaͤhrlich wiederholtes Duͤngen erzwungen. Indeſſen findet man keine beſondere Be— handlung des Miſtes, den ſie in ſo großer Menge dadurch gewinnen, daß ſie alles Vieh auf dem Stalle, und zwar durchgehends mit gekochtem Futter fuͤt⸗ tern, und ungemein vieles Stroh einſtreuen, uner— achtet ſie nebenbei auch einen ſtarken Handelspflanzen⸗ bau betreiben. Wir werden von dieſem wichtigen Punkte im zweiten Bande unſſttaͤndlicher handeln, und dort auch den Umſtand naͤher erlaͤutern, warum man hier die Kuͤhe täglich drei Mal melket, waͤh— rend dieß die Schweizer fuͤr eine Todſuͤnde halten wuͤrden. OCQM——BůꝑBꝑB— beſte wind ſchon hier Bonſn. 69 Inſcht V In der Gegend von Bonn hat man theils ei⸗ rſeyn nen ſchweren Boden, und zu ſeiner Bearbeitung ei— Het nen eigenen, von den belgiſchen weſentlich abweichen⸗ eigen den Pflug, welcher ein Vordergeſtell mit großen Raͤ— dern, ein gekruͤmmtes Streichbrett ꝛc. hat, aber noch ünſt wenig bekannt iſt, und ebenfalls im zweiten Bande ſchaft naͤher beſchrieben und gewuͤrdiget werden ſoll, wo 3 V. AQ„. auch die uͤble Bearbeitung des Bodens ſelbſt ange— in ſich kaine geben werden wird. ſak Der Boden iſt hier, wie in ſaͤmmtlichen vom bt un— Rhein aufgetragenen Gegenden, oben ein mehr oder i M⸗ weniger ſandiger Lehm, unter welchem abwechſelnde nunter, Schichten von Sand und Kies bald hoͤher bald tie⸗ durch fer, theils ſchief, theils horizontal gelagert ſind. Der nuch Lehm iſt an einigen Orten ſehr tief, und enthaͤlt üngen haͤufig abgerundete Steine. Be⸗ Straſſen und Wege ſind hier mit Kies beſchla⸗ Menge gen, die Radſpuren ſind weit, und in der Oekono⸗ Stalle mie hat man durchgehends nur zweiraͤderiges, ein⸗— ter fit⸗ ſpaͤnniges Fuhrwerk mit 5 bis 6 Fuß hohen Raͤ⸗ , uner dern, aber ſchmalen Radſelgen. pflanzen⸗ Das Straſſenpflaſter zu Koblenz und Bonn wichtigen beſteht aus Baſalt, und iſt theils ſehr ſchoͤn, theils handeln, minder gut hergeſtellt. , warum. Die Pflaſterer und Ziegelbrenner laͤßt man hier ſchon aus Luͤttich kommen, daher ſinder man auch de halten 4 de bilt hier ſchon, daß die Ziegel im Freien geſchlagen, ge⸗ dh⸗ et, wah; ——j —— — 8*— 3 —— ————,—— 1 4 70 Bonn. trocknet und gebrannt werden, ohne daß man hiezu einer Ziegelhuͤtte beduͤrfte. Man brennt hier die Ziegel im Freien, d. h., ohne Brennofen, mit Steinkohlen, welche zu Schiffe aus der Ruhegegend in Weſtphalen herbeigefuͤhrt werden. Jedermann, welcher einen Lehmplatz ꝛc. beſitzt, laͤßt ſich die Ziegel, welche er braucht, ſelbſt bren— nen, und braucht hiezu nichts als die Steinkohlen zu kaufen. Die Luͤtticher gemeinen Ziegler werden hiezu im Taglohn genommen, oder auch nach den Tauſend Stuͤcken in Akkord gedungen, und die Dienſt— leute des Eigenthuͤmers arbeiten mit. Die Ziegel wer— den hiedurch ſehr wohlfeil gewonnen; jedoch ſind es nur Mauerziegel; denn die Dachplatten werden auch in der Gegend von Bonn in Oefen gebrannt. In dieſer Gegend ſoll man bei Aufgrabung von roͤmiſchen Alterthuͤmern gefunden haben, daß auch die Roͤmer den Piſé-Bau ſchon kannten, und hier eingefuͤhrt hatten. Indeſſen haben die Bewohner der Gegend von Bonn in landwirthſchaftlicher Hinſicht dieſe wohlfeile Bauart wenigſtens durch keine beſſere erſetzt. Ihce Oekonomiegebaͤude befinden ſich in der Regel in einem ſehr mangelhaften Zuſtand, der in jeder Beziehung tadelnswerth erſcheinet. Von Bonn reiſete Herr von Grouner uͤber Koͤln, von welchem er nichts angemerkt, als daß dieſe Stadt im Flußhafen lebhaft, mit einem Ba⸗ Von Bonn nach Aachen. 71 hien V ſaltpflaſter, wie Bonn verſehen, beinahe ganz mit V Schiefer gedeckt, ſonſt aber aͤuſſerſt unrein ſey,— h, nach Duͤſſeldorf. Von hier aus beſuchte er das ſchiff drei Stunden entfernte Landgut des Herrn General ührt Baron von Hompeſch. In dieſer Gegend wird noch immer vorzugsweiſe ſigßt, der Kornbau ſtark betrieben, ohne daß ſie ſonſt et— bren⸗ was ausgezeichnetes darboͤte. 8 Von Duͤſſeldorf nach Juͤlich. den V Herr von Grouner wollte die zwiſchen Duͤſ— wienſt V ſeldorf und Creveld befindlichen botaniſchen An— V wer⸗ lagen des Herrn Fuͤrſten von Salm-Dyk beſuchen, d 66 an welchen er ein Empfehlungsſchreiben des Staats⸗ auch raths v. Hazzi hatte. Er hatte aber viele Muͤhe, das Schloß deſſelben zu erfragen, weil es dort nur bung unter dem Namen, der Dykhof, bekannt iſt. auch In den betraͤchtlichen Anlagen, welche der Fuͤrſt V hier die beſondere Guͤte hatte, dem Reiſenden ſelbſt zu er det zeigen, fand Herr von Grouner einen vorzuͤglichen nſicht Reichthum in den tauſenfaͤltig abweichenden Arten eſſere V und Abarten der Fettpflanzen, Cactus, und eine n der bluͤhende Aloe; vorzugsweiſe aber die herrliche An⸗ er in ordnung und Verbindung der inlaͤndiſchen und aus⸗ laͤndiſchen Pflanzen zu einem entzuͤckenden Gemaͤlde uͤber bemerkenswerth. daß In der Naͤhe dieſer Anlage befindet ſich ein Ba⸗ gut bewirthſchafteter Pachthof des Fuͤrſten, welcher J 1 4 — —y— 72 Von Bonn mit einem Gaſthofe verbunden iſt, deſſen Paͤchter ein ſehr geſchickter Oekonom ſeyn, und was dort ſchon ſelten iſt, noch gut deutſch ſprechen ſoll. Von hier wendete ſich der Reiſende nach Juͤ— lich, welches ſchon an dem Flußbecken der Maas an einem kleinen Fluße, die Roer genannt, liegt, der ſich bei Roͤremonde in die Maas entmuͤndet. Im Juͤlicher Pflaſter findet man einen weiß— lichen Sandſtein mit quarzigten Bindemittel, welcher demjenigen aͤhnlich zu ſeyn ſcheint, der in der Kreide— formation vorzukommen pflegt. Herr von Grouner ſchloß daraus, daß die Hoͤhe, welche das Maasbecken von dem Rheinthale trennt, zur Kreideformation ge— hoͤre, und dieſer Sandſtein darin ſeine Lagerſtaͤtte finde. Schon im Parke zu Salm⸗Dyk fand er Bloͤcke eines ſolchen Sandſteines, von welchen man ihm ſagte, daß ſie aus dieſen Bergen entnommen worden. Daraus beſtehen nun die Hauptſtraſſen in Juͤ⸗ lich, von Luͤtticher Pfaaſterern hergeſtellt. Die Nebenſtraſſen ſind, wie in Muͤnchen, mit kleinen runden Flußſteinen gepflaſtert, welche aus der Roer genommen werden. Juͤlich iſt daher die erſte Stadt, wo man kein Baſaltpflaſter mehr findet. Von Juͤlich nach Aachen. Dieſe Reiſe hat Herr v. Grouner wegen be⸗ reits ſtark vorgeruͤckter Jahreszeit, und um das nach Aachen. 25 tein Wichtigſte in den Niederlanden nicht zu verſaͤumen, ſton mit der Poſt ſehr ſchnell zuruͤckgelegt. Er konnte daher nur im Allgemeinen daruͤber anmerken, daß in Ji— dieſer Gegend eine ſtarke Weidewirthſchaft mit einer an bluͤhenden Obſtbaumzucht vereint, jeder Obſtbaum hin— der gegen mit drei Pfaͤhlen vor den Verletzungen des . Weideviehes geſchuͤtzt ſey; daß alle Wieſen mit vor— veiß⸗ trefflich unterhaltenen lebendigen Einfriedigungen von ſcher Weißdorn verſehen ſind; daß man indeſſen auch hier, eide⸗ wie uͤberall in Suͤddeutſchland, auf den Weideplaͤtzen nner ungleichen Graswuchs und Geilbaͤlten*) antreffe; ecken daß uͤbrigens hier, wie an allen Orten, wo die n ge⸗ Rindviehzucht ſtark betrieben wird, viele Reinlichkeit ſͤtte und ein erfreulicher Wohlſtand nicht zu verkennen er ſey, welcher ſich an dem ſchoͤnen Aeuſſern der Haͤu— man ſer, an dem guten Zuſtande der Befriedigungen, men Daͤchern, Wegen und Straſſen ſehr deutlich aus— ſpreche. Juͤ⸗ Die Stadt Aachen iſt nur hiſtoriſch merkwuͤr— Die dig. Der nahe liegende Laurentius⸗Berg(vulgo einen Lausberg) iſt es aber auch in mineralogiſcher Be— doer ziehung und ruͤckſichtlich der herrlichen Ausſicht, tadt, *) Eine Benennung, welche ſolche Plaͤtze erhalten, wo durch thieriſche Exkremente, die dem Vieh auf der Weide entfal⸗ len und ungetheilt liegen blieben ſind, ein uͤppiges Wachs⸗ be⸗ thum von Unkraͤutern und ſolchen Grasarten ſich einſtellet, das welche das Weidevieh meidet. — * ————— —ꝭ—ꝭ——]ᷓ]ᷓ]]j,-U— 74 Von Aachen welche er uͤber die Gegend von Limburg und Luͤt— dj tich gewaͤhrt. Er beſtehet in ſeinen oberen Theilen Jint aus Sand, welcher oft ſo verhaͤrtet iſt, daß er einen muͤrben Sandſtein bildet, und es ſcheint, daß er, ine als ein untergeordnetes Glied, der Kreideformation alce angehoͤre. ſind. Die ſchwefelleberhartige Heilquelle in Aachen ſchien Herrn von Grouner in der Thonſchieferfor— V teid mation, unter der Kreideformation zu liegen. Die und! Thonſchieferformation, auf welcher in der dortigen V d Gegend einiger Bergbau betrieben wird, fand der Reiſende ſehr ausgebreitet. V ri Das Steinkohlenbergwerk bei Koldue zu beſu— chen, erlaubte Herrn von Gronner die beſchraͤnkte in Zeit nicht. Man findet die dortigen Steinkohlen et— was magerer, als jene zu Luͤttich, und daß ſie daher etwas laͤnger brennen und wirthſchaftlicher ſind als dieſe. Aachen beſitzt ein aͤhnliches Pflaſter, wie Juͤlich, nur iſt es bei weitem ſchoͤner und beſſer. In der Naͤhe dieſer Stadt, an dem Fluͤßchen la Geute, liegt rechts am Wege das ſehr merkwuͤr⸗ dige Gallmay⸗Bergwerk, welcches ſeit uralten Zeiten den meiſten Gallmay hergegeben hat, den Deutſchland verarbeitete. Ein Herr Moſelmann in Luͤttich betreibt dieſen Bergbau mit einenm ſolchen Schwung, daß er jaͤhrlich, laut den Zollregiſtern der Graͤnzmauth 50,000 Ztr. geroͤſteten und gemahlenen Gallmay produziert, wovon kaum 5000 Zentner V 1 4 * 3* 4 M 7 3 4 8 1 —————— EE 2——. ————— 8— — — nach Henri⸗Chapelle. 25 üt— nach Preuſſen gehen, der Reſt aber in Luͤttich zu ien Zink gebrannt wird. nen Ehe man dahin koͤmmt, findet man allenthalben er⸗ jene Feuerſteine und kieſelartigen Sandſteinkoͤrner, ion welche in beſtaͤndiger Begleitung der Kreideformation ſind. en Von der ſteinernen Bruͤcke uͤber die Geute, ſor⸗ bei dem Gallmay-Bergwerke, beginnen Hoͤhen, Die und man trifft am Wege die reine Kreide an den gen Tag ſtehend. der Hier uͤberſchritt nun Herr von Grouner die Graͤnze des Koͤnigreichs der Niederlande bei Henri— heſu⸗ Chapelle, wo er ſich nun am Eingange der be— nkte ruͤhmten Limburger Graswirthſchaft befand. et⸗ her als wie—,—— r. ſchen wuͤr⸗ alten den n in ſchen der lenen 1 ntnet 1 — = —— — —— 4— — ᷣ—— —— —— —C—C————Eoooobſ;“ * Zweiter Abſchnitt. Kdnigreich der Niederlande. Das Koͤnigreich der Niederlande kann ſich eben ſo wenig eines in allen Theilen gleich bluͤhen⸗ den Ackerbaues ruͤhmen, als irgend ein anderes Land von einem gleichem Umfange es kann. Aber es enr⸗ haͤlt Provinzen und Gegenden, in welchen man ein⸗ zelne Zweige deſſelben zu einem hoͤheren Grade von Vollkommenheit gebracht hat, als es von irgend ei— nen andern Lande bekannt iſt. Die Erfolge dieſes beſſern Ackerbaues in ſtaats⸗ wirthſchaftlicher Hinſicht wuͤrden ſich auf eine erfreu⸗ liche und uͤberzeugende Weiſe in Zahlen ausſprechen laſſen, wenn eine Statiſtik dieſes Staates nach ſei— nem gegenwaͤrtigen Beſtande bekannt waͤre. Es iſt zwar lange ſchon ein ſolche ankuͤndiget worden, aber nicht erſchienen. Die aͤltern ſtatiſtiſchen Angaben die⸗ ſes Landes ſind aber durch den Wechſel im Beſitze und an Provinzialeintheilungen, welche es ſeit 1806 erfahren mußte, ſehr unſicher, oft ſelbſt unbrauchbar geworden. ——C—O— de — 106 0 Janre al tgich 4 U 2i505,70 kebon nal hnmmen. dech. 1 tn, Lte, 1 Koͤnigreich der Niederlande. 22 Die vereinigten Staaten hatten bekanntlich bis 1806 eine republikaniſche Verfaſſung. In dieſem Jahre wurden ſie unter Ludwig Bonaparte zum Koͤnigreich Holland umgeformt; im Jahr 138411 aber dem damaligen Kaiſerthum Frankreich einver⸗ leibt, und in Departements eingetheilt. Erſt im Jahre 1814 und 15 wurde das Koͤ⸗ nigreich der Niederlande, wie es gegenwaͤrtig be— ſtehet, gebildet, bei welcher Gelegenheit ein Theil der vormaligen vereinigten Staaten an Preuſſen abgetreten, dagegen aber dem neuen Koͤnigreiche der, in Anſehung des Ackerbaues, beruͤhmteſte Theil der vormals oͤſterreichiſchen Niederlande zugetheilt wurde. Das gegenwaͤrtige Koͤnigreich der Niederlande umfaſſet in Europa 1406,5 Quadratmeilen und dar⸗ auf 5575500 Menſchen, 254 Staͤdte, 140 Markt⸗ flecken, 4117 Gemeinden, 7656 Doͤrfer und Weiler. Im Jahre 13821 betrug die Einnahme des Staates 50,862,322 hollaͤndiſche, oder 49,901,3894 Gul⸗ den Convenzions-Muͤnze.*) Darunter waren 25,503,722 hollaͤndiſche Gulden direkte Steuer, wovon nahe an 18 Millionen auf die Grundſteuer kommen. Die indirekte Steuer belauft ſich eben ſo hoch, wie die direkte. Der Reſt ruͤhret aus Zoͤl— len, Lotto, Domaͤnen und Monopolien her. Es treffen *) Nach dem 2o fl. Fuße gerechnet. ———:õ—C—C————ÿ—ʒOꝭꝑ——— 23 Koͤnigreich der Niederlande. demnach in den Niederlanden auf die Quadratmeile date .... 64 gt im Durchſchnitt 4050 Menſchen, 15045 fl. Grund⸗ ha er M ſteuer und 21783 fl. indirekte Abgaben. in und 53 Grad 34 Minuten, alſo um mehr als zwei Grad, oder etwa 32 Meilen noöͤrdlicher, und auch in ihrer geographiſchen Laͤnge beruͤhren ſich beide Koͤnig— reiche beinahe zwiſchen dem 24ten und 25ten Grad. V So wenig die Niederlande in Anſehung ih— V rer geographiſchen Lage gegen Bayern voraus haben, V d In Bayern betraͤgt die Grundſteuer*) im A) Durchſchnitt auf jeder Quadratmeilen 6360 fl., die m indirekten Auflagen 6007 fl. und man zaͤhlet nur mm 2420 Menſchen auf der Quadratmeile. d Bayern liegt zwiſchen 47 Grad 18 Minuten und 50 Grad 40 Minuten noͤrdlicher Breite, Nie⸗ 1n G derland hingegen zwiſchen 190 Grad 30 Minuten V tan ſ ekaxi *) Im Ganzen 5040230 fl. im Gegentheile noͤrdlicher liegen, eben ſo wenig duͤr— fen ſie ſich eines beſſeren Bodens ruͤhmen. Ihr Bo— al d. den hat großentheils dieſelbe angeſchwemmte Kiesun— rung au terlage, wie das verrufene Iſarthal bei Muͤnchen. V fir ein Ihre unermeßlichen Strecken von Flugſand, Duͤnen, V di Mooren und Suͤmpfen, welche letztere ſie theils ni zoo0 teocken gelegt, theils ausgetorft haben, koſteten weit V unfut ſe mehr Muͤhe und Aufwand, als diejenigen, welche V dlg bi wir beſitzen, erfordern wuͤrden: und keine Gunſt urſtän V n nach tar gliſ 6— 4— 1 AAaen, Provinz Limburg. 720 til hatte die auſſerordentliche Produktion dieſes Landes aͤ⸗ erzeugt und gefoͤrdert, als etwa ein guter und leich— ter Handelsverkehr. Man verdanket in dieſem Lande in Alles dem Fleiß und der Induſtrie ſeiner Bewohner, die geweckt durch einige gute Beiſpiele und getrieben von nur dem maͤchtigen Hebel der Noth. Das Koͤnigreich der Niederlande iſt gegenwaͤrtig uten in 17 Provinzen eingetheilt. Die erſte, welche Herr ie⸗ von Grouner betrat, war die Provinz Limburg, aten von jeher durch eine ausgezeichnete Milchwirthſchaft ſwei bekannt. h in dnig— ad. Provinz Limbur ſg. ih⸗ ben, Dieſe Provinz zaͤhlet auf 84,2 Quadratmeilen dir⸗ 303000 Menſchen, 24 Staͤdte, 6 Marktflecken und Vo⸗ 451 Doͤrfer und Weiler; es iſt daher die Bevoͤlker⸗ ſessun⸗ rung auf die Quadratmeile 3000 nicht unanſehnlich cen. fuͤr eine Gegend, wo Graswirthſchaft vorherrſchend iſt. uͤnen,. Die groͤßte Stadt dieſer Provinz iſt Maſtrich theils mit 3000 Haͤuſern und 18410 Einwohner. Auſſerdem weit enthaͤlt ſie noch 12 Staͤdte oder Maͤrkte, welche von welche 2018 bis 7300 Einwohner zaͤhlen. Dieſe Provinz Gunſt durchſtroͤmet die Maas ihrer Laͤnge nach von Suͤ— den nach Norden. Auſſerdem enthaͤlt ſie auch einige kleine Fluͤſſe, welche ſich theils in die Maas, theils weſtlich in die Dyle ergießen. -———J— 830 Henri⸗Chapelle in der Provinz Luͤttich. Henri⸗Chapelle in der Provinz Luͤttich. Das ehemalige Limburger Land iſt nicht ganz in der jetzigen Provinz Limburg enthalten, ſondern es liegt der ſuͤdliche Theil deſſelben in der Provinz Luͤttich. Dieſe Provinz enthaͤlt 102,5 Quadratmei⸗ len, 368200 Einwohner, 15. Staͤdte, 5 Marktflecken und 682 Doͤrfer und Weiler; wornach hier auf die Quadratmeile 3592 Menſchen treffen. Hier iſt der Steinkohlenbetrieb ſchon ſehr bedeutend; man rechnet auf eine jaͤhrliche Ausbeute von 8,700,000 Zentner. Die Provinz zaͤhlet mehrere nicht unbedeutende Staͤdte, namentlich Luͤttich mit 8000 Haͤuſern und 46,983 Einwohner, Verviers mit 1000 Haͤuſern und 9062 Einwohnern, und ſo noch à groͤßere Orte, welche von 2536 bis 5467 Einwohner enthalten. Die von Suͤdweſt nach Norden durchſtroͤmende Maas, in welche ſich der von Suͤden nach Norden ziehende, nicht unbedeutende Fluß Ourte bei Luͤt— tich ergieſſet, beguͤnſtiget den Verkehr. Herr von Grouner traf von Aachen kom— mend zuerſt auf das an der Straſſe liegende Henri— Chapelle, und nahm ſeine Wohnung in dem auſ⸗ ſerhalb dieſes Ortes liegenden iſolirten Gaſthof Bel— levue(vulgo Belloeil), in welchem 40 Jahre fruͤher auch der Oberberghauptmann Graf von Re— den, ſeine Beobachtungen uͤber die Limburger Milchwirthſchaft geſchrieben hat. ſich Reiſ pffun Pend onde Auel nißtr nacht und tige c ſtind langen Gron folge 2 auf unzih ziune werder Provinz Luͤttich Limburg. 31 Die Schwierigkeiten, in jenen Laͤndern gruͤnd⸗ liche Beobachtungen zu ſammeln, haben noch alle Reiſenden groß, und in mancher Hinſicht unbeſieglich gefunden, theils weil das Volk ſchon in dieſer Ge— gend weder deutſch, noch franzoͤſiſch noch hollaͤndiſch, ſondern walloniſch ſpricht, ein Idiom, das jedem —— Auslaͤnder ganz unverſtaͤndlich iſt, theils weil es ſehr mißtrauiſch iſt, und Jedem, der ſeiner Sprache nicht maͤchtig iſt, fuͤr einen Feind ſeiner Induſtrie haͤlt, und ihm ſolches auch unverhohlen zu erkennen gibt. Nur derjenige, dem es gelingt durch gegenſei— tige Mittheilungen hier Intereſſe einzufloͤſſen, darf ſich Hoffnung machen, uͤber die verſchiedenen Gegen— ſtaͤnde ihres Betriebes vollſtaͤndige Aufſchluͤſſe zu er— langen. Dieſes Mittel iſt es, deſſen ſich Herr von Grouner bei jeder Gelegenheit mit guͤnſtigem Er— folge bedient hat. Das ehmalige Limburger Land liegt faſt ganz zu Graswirthſchaft, und, was gewiß merkwuͤrdig iſt, auf ſtets wechſelnden Bergen und Anhoͤhen, in eine unzaͤhlige Menge kleiner Koppeln, durch lebendige Zaͤune(meiſtens durch Weißdorn) abgetheilt. Sie werden nicht durchgehends, jedoch groͤßtentheils vom Vieh abgeweidet. Der Boden, auf welchem der groͤßte Theil die— ſer Graslaͤndereien liegt, iſt ein gelblich rother, oder roͤthlich gelber Thon, von ſehr ſchwerer(bindiger) Art, der in ſeinem Innern eine große Menge ſcharf⸗ I. Theil. 6 5 ſ ——— —— — 32 Provinz Luͤttich kantiger Bruchſtuͤcke von Feuerſteinen enthaͤlt, welche ſogleich anzeigen, daß man die Kreideformation im Untergrunde habe. Dieſer Thon liegt auch wirklich zum Theil unmittelbar auf Kreide; ſo zwar, daß die Gemeinde Henri⸗Chapelle auf ihre Rechnung ei⸗ nen Kreidebruch angelegt hat. An den Abhaͤngen der Berge kommt dieſe Steinart oft zu Tag, und die Kreide iſt in vielen Hohlwegen zu ſehen. Unter der Kreide liegt ein betraͤchtliches Sandlager, welches je— nem kieſelartigen Sandſtein mit großnierigen Ober— flaͤchen, in einzelnen Lagern in ſich ſchließt, den man hier, ſo wie in der Gegend von Paris zu kubiſchen Pflaſterſteinen ſchlaͤgt. Alle Chauſſeen dieſes Landes ſind damit gepflaſtert. Die Kreideformation ſcheinet ganz horizontal uͤber das Land her gelagert zu ſeyn, und nimmt alle Berge bis auf etwa 3ihrer Hoͤhe von Oben herab ein. Unter der Kreideformation findet man auch die im Luͤtticher Lande ſehr ausgebreitete Steinkohlen⸗ formation, und zwar dergeſtalt, daß die Gemeinden bei Herve und Charneux ꝛc. Schaͤchte von Stein⸗ kohlengruben durch die Kreideformation in das dar⸗ unter liegende Steinkohlengebirg hinabgeſenkt haben. Ein aͤuſſerſt hartes Lager von einem mit Kieſel— Maſſe zuſammengekitteten Conglom erate von Feuer⸗ ſteinen, welches zu unterſt in der Kreideformation liegt, trennet dieſe von der zunaͤchſt darunter liegenden vora vird, man grabe das b ſi d welche on im irklich ß die g ei⸗ der die :der es je⸗ Ober⸗ n man biſchen Landes ontal nt alle herab uch die nkohlen⸗ neinden Stein⸗ das dar⸗ haben. t Kieſel⸗ n Feuet⸗ ormation ſlegenden Limburg.— 33 Steinkohlenformation. Das Steinkohlengebirge ſelbſt aber liegt hier auf dem Uebergangsgebirge, von wel⸗ chem in dieſer Gegend kein anderes Glied, als der ſchoͤne, ſchwarzgraue Uebergangs-Kalkſtein erſichtlich iſt, in welchem die herrlichen Steinbruͤche von Na⸗ mur und Viſé an der Maas betrieben werden, die ganz Holland und Belgien mit ſchoͤnen Qua— dern und zum Theil auch mit gebranntem Kalke ver— ſehen. Die beruͤhmte Gallmay-Grube an der Geu— te, 1 ½ Stunde von hier, deren bereits gedacht wor⸗ den iſt, ſcheinet ebenfalls in dieſem Uebergangskalk⸗ ſtein zu liegen.. Da in dieſer Gegend der obere Theil der An— hoͤhen faſt ganz von der Kreide-, der untere aber haͤufig von der Steinkohlenformation bedeckt iſt, ſo trifft man die Gebilde der Uebergangsformation bei⸗ nahe nur an ſolchen Orten, wo ſich die Fluͤſſe des Landes ſehr tief eingeſchnitten haben, wie dieß theil— weiſe bei der Maas, Veze ꝛc. der Fall iſt. Das mit Feuerſteinen vermiſchte Thonlager, worauf dieſe Graswirthſchaft vorzugsweiſe betrieben wird, iſt nicht ſelten 15 bis 20 Fuß maͤchtig, und man kann in demſelben an jedem Orte eine Grube graben, worin ſich das Regenwaſſer zur Traͤnke fuͤr das Weidevieh ſammelt, und erhaͤlt. Wo das Thonlager ſo maͤchtig iſt, mangelt es aus ſehr begreiflichen Gruͤnden an Quellen, und es iſt daher dieſe Waſſerhaltigkeit des Bodens hier ein 6⸗ 0 84 Provinz Luͤttich weſentlicher Vortheil fuͤr die Weidewirthſchaft. Doch liegt die Grasflaͤche nicht durchgehends auf Thon, in d ſondern an vielen Orten gehen die Kreide und der Nj Sand an den Tag. A Die Graskoppeln ſind klein, und das Vieh Yick weidet darin ohne Hirten, da ſie alle, und beinahe dr T durchgehends mit lebendigen Zaͤunen umgeben ſind. Ruts Sobald ſich das Vieh genug gefreſſen hat, legt es b ſich, um wiederzukauen. Jede Kuh wird auf der bewur Weide von der Melkerin gerufen, und kommt dann ftei ſogleich, um ſich melken zu laſſen. So heimiſch iſt te. dieſes Vieh.*=) ge, Da die Graskoppeln ſehr klein ſind, ſo wird ſtii jede derſelben ſchnell abgeweidet, und das Vieh zer— ed tritt und ruinirt nichts unnuͤtz, wie ſolches auf aus— rechne gedehnten Weideſtaͤchen unvermeidlich iſt, wo das gefüt Vieh, ſtets nach dem Ueppigern, Beſſern ſuchend, 161 weit umher mehr ruinirt als es genieſſet. Der ſchnelle ew A Wechſel der Weidoplaͤtze verſchaffet dem Boden die b I gehoͤrige Ruhezeit, um die Graspflanzen ungeſtoͤrt(Bu vollkommen ausbilden, und ſo eine weit groͤßere lha Quantitaͤt von Produkten erzeugen zu koͤnnen, als V de J dieſes bei einem ununterbrochenem Benagen und Ver— ede letzen der Pflanzen moͤglich iſt. V Gra Kea 1 ds T *) Dieſes Verfahren iſt auch in einigen Gegenden Bayerns uͤb⸗ lich, wo Nachtweide beſteht. — —— 3.— ———— Limburg. 8⁵ dot Zu dieſer Einſicht iſt man in neuerer Zeit auch ha in der Schweiz gelangt, wo man nun mit unſaͤglicher dede V Muͤhe die Alpenweiden abtheilet, wo man zu dieſem 1 b Behufe das erforderliche Einzaͤunungsholz auf den Vich Ruͤcken der Menſchen bis zu den hoͤchſten Gipfeln nahe der Berge zu tragen genöͤthiget iſt, und dennoch den ſnidn. Nutzen uͤberwiegend findet. ſjgs Die Limburger Weiden und Wieſen ſelbſt ſind de bewundernswuͤrdig dicht und gleichmaͤſſig bewachſen, dann V frei von Mooſe und ohne alle grobe Wieſen-Unkraͤu⸗ ſht ter. Sie erhalten in der Regel keinen andern Duͤn⸗ b ger, als den Abfall des Weideviehes, und dennoch wird iſt ihr Zuſtand ſo vortrefflich, daß nach Graf von ih zer⸗ V Reden auf jede 51200 Quadratſchuh eine Kuh ge⸗ faus. rechnet wird, welche Winter und Sommer davon d das gefuͤttert werden ſoll. Dieß wuͤrde auf etwas mehr chend, als 1¼ bayer. Tagwerk mindeſtens 73 Zentner Heu ſchnele betragen. den de Andere rechnen hingegen auf jedes Bonnier ngeſtoͤt V(Bunder) eine Kuh, nebſt den im Ganzen erforder⸗ größete lichen Stieren, Bullen, welche letztere jedoch nie auf en, al der Weide, ſondern ſtets auf dem Stalle gefuͤttert dd Vr werden. Dadurch wuͤrde Werth und Ertrag dieſer Graswirthſchaft auf die Haͤlfte des oben berechneten V Betrages herabgeſetzt. V Folgendes bemerkte Herr von Grouner als terns üh⸗ das Weſentlichſte der Limburger Graswirthſchaft: 1. Die Abtheilung in kleine Koppeln zur Scho⸗ 836 Provinz Luͤttich nung des Viehes und des Futters, ſo wie zur Be— foͤrderung des Graswuchſes. ſand 2. Das Vieh bleibt Tag und Nacht in dieſen deiſ Weidekoppeln, und verliert daher kein Atom Dung ta ſt ungenuͤtzt; uͤbrigens iſt daſſelbe rauh von Anſehen, gruner groß, und gegen den Einfluß der Witterung abge— 1 haͤrtet; aber dennoch von ſchoͤnem Koͤrperbau. du lie 3. Der auf der Weide fallende Miſt wird nicht, wöhn wie bei uns, in Fladen liegen gelaſſen, ſondern taͤg⸗ ſandi lich dreimal ſorgfaͤltig vertheilt, und vorzugsweiſe auf tn T die magerſten Stellen gebracht. ahend 4. Die Haͤlfte der Grasflaͤche wird jaͤhrlich ten Einmal, naͤmlich im Sommer zu Winterfutter ge⸗ tiel maͤht, und das Heu davon nach Hauſe gefahren. lhrin Das Grumet wird aber durchaus abgeweidet. Dieſe tuff e Haͤlfte wird nun mit dem uͤbrigens ſchlecht behan— ſalches delten Winterſtall⸗Duͤnger geduͤngt. Alle drei Jahre G wird mit den Maͤhewieſen und der Weideflaͤche ab⸗ Acdd gewechſelt. Die Limburger finden, daß diejenigen Wie— teſe ſen, welche 3 Jahre nach einander jaͤhrlich Einmal 1 gemaͤht werden, an Graswuchs abnehmen, obſchon ſie un, Stallmiſt erhalten, und glauben, daß dieſer nur durch ſüt ihre Art der Weide wieder aufgeholfen werden koͤnne. Jüve 5. In der Weide ſelbſt wird zwiſchen dem Melk⸗ d4 T und Maſtvieh abgewechſelt. Erſteres jung und zum zuyſt Theil unruhig, iſt der Befoͤrderung des Graswuch⸗ ohre ſes nicht ſo zutraͤglich als das Maſtvieh, welches ſich 8 1 ſehr ruhig verhaͤlt und viel miſtet. nid Limburg. 87 dr Eine merkwuͤrdige Erſcheinung iſt hier der Um⸗ eſen V ſtand, daß man auf den Weidelaͤndereien faſt keine ung V verſengten Urin⸗Flecken findet, und daß ſie auch da, en V wo ſie ſich durch Spuren zeigen, ſchnell wieder von r. gruͤnen Kraͤutern uͤberwachſen werden. Hievon ſcheinet die Urſache in dem Thonboden zu liegen. Man findet dieſe gelben Urinflecken ge⸗ i woͤhnlich auf trockenen Hoͤhen oder auch auf ebenen 3g, ſandigen Weiden, aber wohl ſelten oder nie in feuch⸗ a ten Thaͤlern. Dieſe gelben Flecken ruͤhren von den . aͤtzenden Eigenſchaften des nicht durch Waſſer verduͤnn⸗ lich ten Urins her, und da der bindige Thonboden ſtets ge⸗ viele Feuchtigkeit enthaͤlt, ſo wird ſchon dadurch der heie Urin verduͤnnt, und iſt uͤberdieß auch gehindert, ſo, 1) b auf einmal zu den Pflanzenwurzeln zu dringen, wie at. ſolches in lockerem Boden geſchieht. öte Bekanntlich wirket auch die Stalljauche, der Jr Aadel, auf thonigem Boden aus gleichen Gruͤnden Wie beſſer, als auf ſandigem oder ſonſt trockenen Feldern. unal Indeſſen gehet aus ſpaͤteren Beobachtungen her⸗ ſie vor, daß dieſes Uebel auch auf ſandigem Boden hie⸗ ürch ſiger Gegend nicht gefunden werde, und daß die ane. Abweſenheit deſſelben dennoch mehr der Behandlung ſell⸗ des Weidemiſtes und der Abtheilung der Weiden wird zum zugeſchrieben werden muͤſſen, weil durch dieſes Ver⸗ uch⸗ fahren der Weideboden ſtets in einen beſſern, feuch⸗ ſch ten und humusreichen Zuſtand verſetzt und erhalten wird. 88 Provinz Luͤttich Die zweite Merkwuͤrdigkeit dieſer Weideplaͤtze beſtehet in der Abweſenheit, der den Weiden ſonſt allerwaͤrts eigenthuͤmlichen ſogenannten Geilbaͤlten, Geilflecken, oder Geilhoͤrſte, welche an den Orten entſtehen, wo Kuhfladen gelegen ſind. Unter dieſen Kuhfladen ſterben die Graspflanzen, und im zweiten und dritten Jahre wachſen um den Platz herum Ringe von groben Wieſenkraͤutern, welche das Vieh nicht beruͤhrt. Nach und nach werden auf dieſe Weiſe die groͤßten Weideflaͤchen ruinirt, indem ſich dieſe Flecken immer mehr ausdehnen und alle guten Graͤ⸗ ſer verdraͤngen. Die Niederlaͤnder beugen dieſem Uebel dadurch vor, daß ſie auf den kleinen Raum, welcher dem Weidevieh preis gegeben iſt, taͤglich dreimal dieſe Kuhfladen fleißig zertheilen, und hiedurch das Ue— bel zum Beſſern wenden. Dasjenige, was Anderen die Weiden verdirbt, muß ſie ihnen erhalten, ja ſelbſt beſſer machen, duͤngen. Die Pflanzen ſterben daher hier nicht ab, und das Vieh frißt ſie in der naͤchſten Weideperiode ohne Anſtand wieder. Dieſe Vertheilung der Kuhfladen iſt daher eine der wichtigſten Verrichtungen. Sie geſchieht mit der Schaufel und ganz zuverlaͤſſig taͤglich dreimal. Der Ei— genthuͤmer oder Paͤchter der Wirthſchaft ſiehet ſtrenge darauf, und verrichtet dieſe Arbeit meiſtens ſelbſt, um des zweckmaͤſſigen Vollzuges derſelben ganz verſi— chert zu ſeyn. nun nachde ruhe ban ſor ſen gem funden Krid nahme dir ſd fenhe —— Limburg. 839 Herr von Grouner haͤlt dafuͤr, daß eine Lim⸗ burger Weide ſechsmal ſo viel Ertrag gewaͤhre, als eine gleiche Flaͤche gewoͤhnlicher Weide in Bayern. Aber nicht bloß im Thonboden findet dieſer Vor— zug der Limburger Graslaͤndereien Beſtaͤtigung, ſon— dern der Reichthum des Ertrages und der gleiche und dichte Stand der Graspflanzen wird auch auf Sand und Kreide erzielt. Herr von Grouner unterſuchte einen Gras— platz, in welchem eine Sandgrube angelegt wurde, welche gelblichen, ſehr feinkoͤrnigen Sand enthielt und von dem ſchoͤnſten Graswuchs umgeben war. Der Boden, worauf dieſes Gras gewachſen, war ohne Spur von Thon oder Kalk, ſondern beſtand aus Sand, ſehr vielem Humus und einer ſtarken Gras— narbe. Dieſe Sandgrube wird von dem Eigenthuͤmer nur bis zu einer maͤßigen Tiefe ausgehoben, dann aber wieder eine andere geoͤffnet, Die Grasnarbe wird nun vorerſt von dem neuen Platze abgehoben, und nachdem ſie etwas verrodet iſt, wird die alte Sand— grube damit bedeckt, und hiedurch in kurzer Zeit ne⸗ ben ſorgfaͤltiger Behandlung ein eben ſo ſchoͤner Ra— ſen geſchaffen, als er auf den beſten Thonboden ge— funden wird. Auch an denjenigen Orten, wo die Kreideformation zu Tag liegt, laͤßt ſich keine Ab— nahme des Graswuchſes erkennen, und es faͤllt ſomit hier jede Einwendung, welche ſich auf die Beſchaf— fenheit des Bodens ſtuͤtzt, gaͤnzlich hinweg, weil die 90 Provinz Luͤttich Limburger zeigen, daß man auf ganz entgegengeſetzten Bodenarten gleich vortreffliche Wieſen zu erzielen und zu erhalten im Stande ſey. Waͤſſerung der Wieſen findet hier ſehr ſelten, nur in wenigen Thaͤlern ſtatt. Man haͤlt hier dafuͤr, daß man hiedurch immer etwas ſchlechteres Futter erhalte, und daß ſich das Waͤſſern mit ihrem Haupt— prinzip, der Weide, nicht wohl vertrage. In dieſer Vorausſetzung haben die Limburger gewiß auch recht. Gewaͤſſerte Wieſen gewaͤhren nie ſo feines Heu als geduͤngte, und ſind zur Weide nie ſo vortheilhaft, als trockne. Anders wuͤrde es ſich bei der Stallfuͤtterung und bei einer mehr zuſammen— geſetzten Wirthſchaft verhalten. Waͤhrend des Winters wird der Viehſtand im Stalle gefuͤttert, und da die Limburger kein Stroh machen, ſo wird bloß Steinkohlen-Aſche eingeſtreut. Dieſe Kalkhaltige Aſche in Verbindung mit den Auswuͤrfen des Viehes bildet eine ſehr hitzige Duͤn⸗ ger-Maſſe, welche ſich ſchnell verfluͤchtiget, und wo— von das Wenige, was uͤbrig bleibt, als Duͤnger fuͤr die Wieſen, welche damit geduͤngt werden ſollen, freilich nur einen ſehr geringen Werth behaupten kann. Hier waͤre die Schweizer⸗Guͤlle an ihrem Or⸗ te, und fuͤr die Limburger von unſchaͤtzbarem Werthe. Neben dieſem Duͤnger geben die Limburger auch Kreide⸗Duͤngung, und zwar ganz roh unter dn T und d Fale mengen Ek b die K dann, br. in he I A. noch und aug al Steine it nich genchr wo⸗ fuͤr len, pten Or⸗ arem eger unter Limburg. 91 dem Namen Marne, oder Mergel; oder gebrannt, und vermiſcht mit Steinkohlen-Aſche. In letzterem Falle pflegt man die Steinkohlen mit Kreide zu ver— mengen, und ſie ſo als Brennmaterial zu benuͤtzen. Sie brennen in dieſer Verbindung ſparſamer, und die Kreide brennt ſich dabei ſehr weich, und zerfaͤllt dann, mit der Aſche an die Luft gebracht, zu Pul— ver. Dieſes letztere iſt auch diejenige Aſche, welche in Henri⸗Chapelle als Streu verwendet wird. Man rechnet hier fuͤr die Stallfuͤtterung nur 4 Monate jaͤhrlich, und laͤßt daher das Vieh oft noch bei Reif und Schnee auf der Weide. Die Stallungen ſind in der Regel ſehr niedrig und ſchlecht, mit wenig Licht und ohne andern Luft— zug als durch die Thuͤren. Die Viehſtaͤnde ſind mit Steinen gepflaſtert, und die Steinkohlen-Aſche-Streu iſt nicht geeignet, dieſes harte Lager dem Vieh an— genehm zu machen. Der Miſſt liegt im Freien. Die Krippen ſind vom Boden aufgemauert, und mit 2 aufrechtſtehenden, oben durch einen Querbalken verbundenen Staͤben fuͤr jedes Stuͤck Vieh verſehen. An dieſem wird das Vieh in der Art angehangen, daß es den Kopf durch beide Staͤbe durchbringen muß, um freſſen zu koͤnnen, und daß es mit demſelben nicht anders, als durch eine ſchiefe Wendung wieder zuruͤck kann. Dieſe Staͤbe dienen hier ſtatt eines Kopfrechens, damit das Vieh nicht ſo viel Futter, oder vielmehr gar keines, zerſtreuen und unter den Miſt bringen kann. Sie ————————,————————, EEEEEE 92 Provinz Luͤttich ſcheinen aber weniger zweckmaͤſſig, weil ſie das Vieh auch in ſeinen uͤbrigen Bewegungen hemmen, was beim Kopfrechen nicht der Fall iſt. nͤſ Die Staͤlle ſind gewoͤhnlich uͤber quer im Ge— ud n baͤude, das Vieh ſtehet in 2 Reihen mit den Koͤpfen ha gegen einander. Zwiſchen dieſen iſt der Futtergang. ni Ein Stall von 2 Reihen, wo in jeder Reihe um 9 Stuͤck Vieh ſtehen muͤſſen, zeigte bei ſeiner Aus⸗ NAim meſſung folgende Reſultate: b— Laͤnge des Stalles im Lichten 20 Schuh 6 Zolle, a Breite des Futterganges. 4„—„ V ten; Breite des Viehſtandes von V geno der Krippe bis zur Mauer 9„—„ V ing Hievon fuͤr einen Gang hin— eeeſt ter dem Vieh vorbei 2„ 10„ V nit h Die Staͤbe, zwiſchen welchen Einen das Vieh durchfrißt, ſtehen dern auseinander. 1.„ 2 p„ an S Die Krippe oder der Barme thode, iſt hoh. 1„ 6„ vetbin Dieſelbe iſt breit im Ganzen 1„ 3„ Dieſelbe iſt breit im Lichen 1„ 1„ ſen eig Dieſelbe iſt tief im Lichten—„ 3„ vcen. Dieſer Raum war daher fuͤr ſo viel und ſo dine K großes Vieh ſehr beſchraͤnkt. Alle uͤbrigen gleichen V dieſer mehr oder weniger. Die Stallhoͤhe betraͤgt 6 bis 9 Fuß, und die Staͤbe, an welchen das Vieh 1r. angehaͤngt iſt, ſtehen uͤberall 18 bis 21 Zoll ent⸗ 13 V X Limburg. 93 Vieh fernt, und haben einen Durchmeſſer von 2— 3 Zol⸗ das len. Die Staͤlle ſind hier durchgehends ſehr zweck— maͤſſig gemauert.*) Die Mauern ſind von Ziegelſtein, Ge⸗ und werden, wie uͤberall, mit Kalkmoͤrtel hergeſtellt, fen jedoch ſo, daß an beiden Auſſenſeiten ganz gleiche ag. ſchmale Fugen bleiben. Dieſe Fugen werden dann, ihe wenn die Mauer ausgetrocknet iſt, mit einem eigenen us⸗ Moͤrtel ſorgfaͤltig verſtrichen. Dieſer Moͤrtel wird aus 2 Theilen abgeloͤſchten le, Kalk in Teigform, 3 Theilen geſtoſſenen und geſieb— 3 ten Ziegelbrocken und 1 Theil Kaͤlber- oder Kuͤhhaare gemacht, und mit kleinen Maurer-Kellen ſorgfaͤltig „ aufgetragen, d. h., die Fugen werden damit gut verſtrichen, ohne daß der uͤbrige Theil der Wand da— mit beſchmiert wuͤrde. Er wird in Kurzem ſteinhart. Einen Bewurf bekoͤmmt dann die Mauer nicht, ſon— dern ſie bleibt roth ohne Weiſſe. Da der Bewurf an Staͤllen ohnehin nie haͤlt, ſo verdient dieſe Me— thode, welche Schoͤnheit mit Dauer und Einfachheit verbindet, gewiß alle Anerkennung. Die wohlhabenden Landwirthe verbinden mit die— ſen eigenen Mauern eine beſondere Art von Stall— decken. Es ſind naͤmlich alle Balken der Decke auf eine Kante, und nicht auf die flache Seite, geſtellt, chen gt 6 Vieh*) Die Ziegel⸗ oder Backſtelne, womit man hier mauert, ſind ent⸗ 9 Zolle lang, 4 ½ Zoll breit und 2¼ Zoll dick. 94 Provinz Luͤttich ſo, daß eine der Diagonalen der Balken ſenkrecht V nage auf der Decken⸗Ebene ſtehet, und daß jede der bei⸗ as den Seitenflaͤchen einen Winkel von 45 Graden mit. derſelben bilden. Die obern beiden Balkenflaͤchen bil— den gleichſam die Wiederlager des kleinen Gewoͤlbes, t welches aus Backſteinen von einem Balken zum an⸗ dern hergeſtellt iſt, und worin zuweilen verſchiedene feine Verzierungen angebracht ſind. Um dem Ganzen ein in g gefaͤlligeres Anſehen zu geben, und zugleich an ſtar— nn kem Holze zu ſparen, werden die untern Ecken nicht n ge ſcharf zugehauen, ſondern in ihrer natuͤrlichen Run— ſr dung gelaſſen. Die Balken ſind von Eichenholz. Ve Auch die Gewoͤlbe bleiben, wie die Stallwaͤnde, ohne Bewurf, und die Balken ohne Anſtrich. fn, Oben wird der Boden mit einem Moͤrtelguß di eben gemacht und mit Ziegelplatten belegt. An ande— Ein ren Orten wird bloß eine Art Ziegelbrockenpflaſter in V ntt den Moͤrtelguß gelegt, und in beiden Faͤllen ohne V wi Bretterboden gelaſſen. V b Die Dachſtuͤhle ſind gewoͤhnlich von Eichenholz, V 1 und man findet verſchiedene Buͤnde in demſelben V ſan Dach, je nachdem ſich das vorhandene Holz dazu b u 1 eignet. Die Bedeckung aber beſteht aus Schiefer 1 oder Stroh. Das Stroh wird auf den Daͤchern mit V 5 1 vielem Lehm eingelegt, welcher aber immer wieder lia mit Stroh bedeckt wird, und an einem fertigen Dach nicht ſichtbar iſt. Dieſer Lehm wird nur in 1 Schuh iſ breiten Reihen und in A ſchuhigen Abſtaͤnden aufge— 1 V V b Limburg. 9⁵ tragen, um dem Dach mehr Schwere und Feſtigkeit zu geben. Die Nutzung dieſer Graswirthſchaft zerfaͤllt in zwei Zweige. Der eine iſt Milchgewinn, der andere Maſtung. In erſterer Beziehung ſucht der Limburger ſeine Einrichtung ſo zu treffen, daß ſeine Kuͤhe alle im Fruͤhjahre die Kaͤlber bringen, um bei dem gruͤ— nen Futter den bei weitem groͤßten Theil der Milch zu gewinnen. Im Winter fuͤttert er, wie der Schwei— zer und der Hollaͤnder, nur reines Heu ohne andere Beigabe.. Die Kuͤhe werden hier taͤglich dreimal gemol⸗ ken, ein Verfahren, das in ganz Holland uͤblich iſt. Die Richtigkeit und Zweckmaͤßigkeit dieſer in der Schweiz und in einem großen Theile Deutſchlands nicht uͤblichen Melkmethode werde ich an ſeinem Orte weiter ausfuͤhren, und durch unbeſtreitbare Thatſa— chen zureichend belegen koͤnnen. Man fand aber auch hier, daß das große Schweizervieh, welches ſich uͤber— haupt mehr zur Parade, oder zur Ochſenzucht, als zu Melkvieh eignet, das 3 malige Melken nicht be— ſtand, und uͤberhaupt gegen den Nutzen ihrer Vieh— rage weit zuruͤckſchlug. Die Milch wird theils zu Butter, theils zu Kaͤſe verarbeitet. Die Limburger Butter wird zu Luͤttich im 96 Provinz Luͤttich Handel gebracht, und ſtand ehmals in großem Rufe, hat jedoch durch Betruͤgereien ſtark davon verloren. Von Kaͤſen werden A Sorten gemacht, naͤmlich: 1. ganz magere kleine Kaͤſe; 2. halbfette Kaͤſe, wozu die Abendmilch ver— wendet wird, welche uͤber Nacht geſtanden, und wo— von des Morgens der Rahm zum Buttern abgenom— maen worden; 3. fette Kaͤſe, wozu die Milch, wie ſie von der Kuh koͤmmt, genommen wird; 4. Romadaux⸗Kaͤſe.*) Dieſe werden bloß aus der zuletzt von jeder Kuh gemolkenen Haͤlfte der Abendmilch gemacht, welche bekanntlich weit fetter iſt, als die erſte Haͤlfte, obſchon auch dieſe erſte Haͤlfte wieder beſſer iſt, als jene, welche zu Mittag gemolken worden. Die Limburger Kaͤſe werden auf eine eigene Weiſe verfertiget, was an ſeinem Orte vollſtaͤndiger ausgefuͤhrt werden ſoll. Die Kaͤſe der Limburger und beſonders die Romadoux waren ehmals ſehr geſucht und beruͤhmt. Kleine Betruͤgereien haben die Nach— frage ſehr gemindert und den Handel damit herab— gewuͤrdiget. Die Romadoux waren urſpruͤnglich ein Extra⸗ *) Ramadour iſt ein walloniſcher Ausdruck, und bedeutet »Nachmelken.“ Erze ſüim ſtn neh pena häte nen tigl wüͤn Limburg. 92 Ruft, Erzeugniß ausſchließlich fuͤr die Grundherrſchaft be— ren. ſtimmt. Nachher verlangte man ſie im Handel ſehr nlich: ſtark, und die Limburger ſcheinen es ſpaͤter nicht V mehr ſo genau mit der letzten Haͤlfte der Abendmilch ber⸗ genommen zu haben, aus welcher ſie ausſchließlich wo⸗ haͤtte bereitet werden ſollen. enom, Auf eine, in voller Milch ſtehende Kuh rech⸗ nen die Limburgerr ohngefaͤhr 27 Pfund Milch n der taͤglich, welches etwa 16 Maaß bayeriſch betragen wuͤrde. ſals Alle Milch-, Butter- und Kaͤſe-⸗Arbeit wird t der ausſchließlich von dem weiblichen Perſonale mit vor— ferer zuͤglicher Reinlichkeit beſorgt.*) So ſehr dieſes aber eſſe da, wo es bereits mit zutem Erfolge in Gang ge— trag bracht iſt, lobenswerth erſcheint, weil das weibliche Perſonal gewoͤhnlich den Tag mit einem ſehr ge— dene ſchaͤftigen Nichtsthun hinbringet, und wenn er vor— digr uͤber iſt, wohl etwas verzehrt, aber nichts verdient und hat;— ſo iſt dennoch an andern Orten viele Vor— ſch ſicht nothwendig. Dieſes Geſchlecht iſt im gemeinen ſaſſ Leben viel zu leichtſinnig, als daß es ſich ſelbſt an 1 eine feſte Ordnung, an Genauigkeit und Reinlichkeit halten koͤnnte; es iſt beſonders in der Jugend zu zer— re ſtreut, um an alles zu denken, und vergißt oder un⸗ 3 terlaͤßt das Nothwendigſte. denr*) Davon moͤchte man wohl mit einigem Rechte das Melken ausnehmen duͤrfen. I. Thell. 7 ————, 98 Provinz Luͤttich Beinahe noch alle groͤßere Landwirthe, welche es verſucht, ihren Viehſtand der weiblichen Die— nerſchaft anzuvertrauen, haben ihr Vertrauen ſchwer buͤſſen muͤſſen. Was nun die Maſtung der Limburger betrifft, ſo iſt dieſe ſtets auf die Weidezeit beſchraͤnkt und wird fuͤr eben ſo nothwendig als vortheilhaft gehal— ten; nothwendig zur Verbeſſerung des Graswuchſes, und vortheilhaft, weil ihr Verfahren dabei ſehr ein— fach und dennoch lohnend iſt. Kuͤhe, Ochſen oder Jungvieh werden, ehe ſie an den Fleiſcher oder Metzger kommen, gemaͤſtet. Das Maſtvieh kommt, wie das Melkvieh, aber abgeſon⸗ dert von dieſen, in Graskoppeln, um ſich da ohne andere bedeutende Zugabe, vorzugsweiſe nur vom Graſe zu maͤſten. Man rechnet im Limburgiſchen, daß uͤber Som— mer drei Maſtperioden durchgefuͤhrt werden koͤnnen, und daß auf demſelben Platze um die Haͤlfte mehr Naſtvieh Nahrung findet, als Melkvieh. Das heißt, wenn ein Landwirth ſo viele Weidenſchaft fuͤr Maſt— vieh hat, daß er 4 Melk-Kuͤhe uͤber Sommer dar— auf erhalten koͤnnte, ſo kann er zu gleicher Zeit 6 Stuͤck darauf maͤſten, und wenn dieſe fett ſind, ſol— ches noch zweimal wiederholen, alſo eigentlich 13 Stuͤcke fett machen. Nur gegen das Ende der Maſt⸗ geg zeit wird etwas Mehltrank, Traͤber und Salz ꝛc. ꝛc. als Beigabe gereicht. Auch Schrott, Oehlkuchen, ge— welche n Die⸗ ſchwet betrift, kt und t gehal⸗ vuchſes, ſehr ein⸗ he ſie an t. Das abgeſon⸗ a ohne vom Som⸗ onnen, emehr heißt, Maſt⸗ r dar⸗ Zeit 6 , ſol⸗ ch 13 Maſt⸗ zc. K. 5 en, ge⸗ ſaͤuertes Futter und dergleichen wird dem Maſtvieh auf der Weide in einem Trog gegeben; oft ohne in die Koppel ſelbſt zu gehen, laͤßt man es ihnen mit⸗ tels einer Rinne durch die Hecken in den Trog lau— fen. Die Hauptſache bleibt aber gleichwohl immer Limburg. das gute Gras, welches ſie reichlich finden. Man ſagt, daß im Limburge'ſchen die mehrſte Milch von den Juden gekauft werde, welche Butter und Kaͤs daraus verfertigen. Dieſe Angabe hat zum Theile ihre Richtigkeit. Die Juden kaufen Milch und verfertigen daraus Butter und Kaͤſe, jedoch wie— der nur fuͤr Juden, welche dieſe von Chriſten ver— fertigten Produkte nicht fuͤr kauſcher halten wuͤrden. Die Milchſchuͤſſeln ſind hier theils irdenes Ge— ſchier, theils von Buchenholz. In Henri⸗Chapelle und der Umgebung rechnen die Paͤchter auf 14 Bunder*) Land, alſo auf s bayer. Tagwerk 1 große Kuh, welche taͤglich 20 bis 30 Pfund Heu verzehrt. Hieraus wuͤrde ſich ein Ertrag von 90 Zentner auf das Bunder, oder *) Ein Limburger Bunder Landes betraͤgt ſehr nahe 4 bayer. ſach andern Angaben betraͤgt das Bunder s engl. Acres oder 3,78 bayer. Tagwerk, auch 4 ½ Magdeburger Morgen, oder 5,6 bayer. Tagwerk, endlich auch 1,3 Hekta— ren oder 4,7 bayer. Tagwerk. So verſchieden ſind die An— gaben, noch mehr weichen die Bunder ſelbſt von einan⸗ Tagwerk. der ab. * 6 99 5 g— —— ¹ ——u— ——ᷓn 100 Provinz Luͤttich von 18 bis 22 Zentner auf das bayer. Tagwerk er⸗ geben.*) Ein Paͤchter, welcher 41 Bunder Landes in Pacht hatte(1821) bezahlte dafuͤr jaͤhrlich 110 Ca⸗ rolin oder 1210 fl., und das Gut, welches in dem⸗ ſelben Jahr verkauft wurde, koſtete 100,000 Franks oder 46,044 fl. 40 kr. Da aber der Pacht zu die⸗ ſem Ankaufspreis in keinem richtigen Verhaͤltniſſe ſtand, ſo wollte der Kaͤufer den Pachter ſteigern. Der Pacht in Henri⸗Chapelle, wo das Klima rauh, die Witterung unguͤnſtig und der Bo— den duͤrftig iſt, wird fuͤr das Bunder nie mehr als mit 30 Brabanter Thlr., oder fuͤr das bayer. Tag— werk 16 fl. 12 kr. bis 20 fl. 15 kr. jaͤhrlich bezahlt. Der Graf Reden gibt an, daß der Paͤchter fuͤr jede Kuh jaͤhrlich 4 bis 54 Louisd'or bezahle, welches auf das Bunder nur 15 bis 21 Brabanter Thaler betragen wuͤrde. In dieſen 3 Beiſpielen koͤmmt der Pacht jaͤhr— lich von einem bayer. Tagwerk, und zwar im erſten auf 7 fl. 24 kr., im zweiten auf 20 fl. 15 kr., im dritten auf 12 fl. — *) Dieß waͤre eigentlich wenig und ſtuͤnde in keinem Verhaͤltniß u dem ſchoͤnen und uͤppigen Zuſtande der Wieſen. Das hierin offenbar vorwaltende Mißverhaͤltniß liegt wahrſchein⸗ lich in den grenzenloſen Verſchiedenheiten der Lokalmaſſe. —— — Limburg. 101 eerk er, Im erſten Beiſpiele iſt aber von einem Gute des in die Rede, weſches auch 2 kerdau treibt, und ver⸗ C,, muthlich aus Liebhaberei zu einem ſo hohen Preiſe erkauft worden iſt; im zweiten und dritten Bei⸗ dem⸗ 1,. N nun ſpiele ſind reine Milchwirthſchaften aus verſchiedenen e Zeitabſchnitten gemeint. dii⸗ Der Ertrag kann an und fuͤr ſich nicht hoch ge⸗ knſſ nannt werden; aber auf Kreideboden und in einem 8 hoͤchſt unguͤnſtigen Clima iſt er der Beachtung noch di immer wuͤrdig,— Bo⸗ Ackerland iſt hier ſelten, daher auch wenig Zug⸗ hr als vieh, ſelten Schaafe, und dieſe ſind von einer kleinen, Ta⸗ gemeinen Rage. Dagegen haͤlt jede Wirthſchaft ezahlt. Schweine, natuͤrlich in dem Verhaͤltniß, in welchem ichter Molkenabfaͤlle ꝛc. fuͤr dieſe gewonnen werden. zahle, anter„ e. Von Henri⸗Chapelle begab ſich Herr von jähr⸗ Grouner in das nahe Herve. Obſchon nur ohn⸗ erſten gefaͤhr 2 Stunden entfernt, iſt hier doch das Klima ., im beſſer und der Ertrag der Wieſen groͤßer, als in Henri⸗Chapelle. Die geognoſtiſchen Verhaͤltniſſe ſind hier ohngefaͤhr dieſelben. Nur iſt unter der Kreideformation ein Lager von dunkelblaulich grauem Sandſtein zu bemerken, welcher eine große Menge laͤltij ſtark verkalkter, verwitteter Conchilien verſteinert ber enthaͤlt, und in duͤnnen Schichten mit bituminoͤſen ſe Schieferthon abwechſelt. Da alle dieſe Lagerungen 2 4— 102 Provinz Luͤttich horizontal ſind, ſo gehen ſie in dieſem bergigen Lande nothwendig zu Tage, und uͤben Einfluß auf die Ve⸗ getation. Auch kann wohl das chemiſche Verhaͤltniß derſelben Erdart hier anders ſeyn. Herve liegt uͤber— haupt tiefer und die Wieſenkraͤuter ſind hier weni— ger aromatiſch als zu Eupen, Limburg und Hen⸗ ri⸗Chapelle; daher auch die Butter aus dieſen Orten zum Verſpeiſen auf Brod den Vorzug erhaͤlt, waͤhrend jene von Herve wegen ihrer Fettigkeit vor— zugsweiſe zum Kochen geſucht wird. Herve verſieht ganz Luͤttich mit Butter. Man haͤlt hier auf 3 Bunder Wieſen 4 Kuͤhe, obſchon das Vieh groͤßer und ſchoͤner iſt, als in Henri⸗Chapelle, und bezahlt daher fuͤr das Bun⸗ der 25 bis 26 Brabanter⸗Thaler Pacht, was auf das bayer. Tagwerk 16 fl. bis 17 fl. 33 kr. betra⸗ gen wuͤrde.*) Ein Gut, welches in der Naͤhe von Herve mit 3 ½ Bunder(14 bayer. Tagwerk) Lan⸗ des verſteigert wurde, kam(1821) einſchluͤſſig der Koſten auf 21,000 Franks oder 10,120 fl., obſchon der Zentner fette Kaͤſe nicht uͤber 13 fl. verkauft werden konnte. *) Ein Cultivateur und Eigenthuͤmer in Herve haͤlt auf 8 ½ Bunder,(20 Tagwerk) Sommer und Winter 14 Melkkuͤhe. Die groͤßten Guͤter dieſer Gegend enthalten nicht mehr als etwa 20 Bunder(bei 84 Tagwerk) Landes. Limburg. 105 Lande Die lebendigen Zaͤune, welche hier durchgehends e Ve⸗ von Weißdorn ſind, haͤlt man hoch in Ehren, und iltniß ein Gut, das ſchlecht unterhaltene Zaͤune hat, iſt uͤber⸗ ſchwer zu verkaufen. weni⸗ Zur Herſtellung eines guten Zaunes rechnet man Hen⸗ hier 6 Jahre Zeitbedarf. Alle 5 Jahre wird der le⸗ ieſen bendige Zaun 4 Fuß uͤber dem Boden abgeworfen. haͤlt, Man rechnet hier, daß eine Kuh, welche am vor⸗ 15. April das Kalb bringet, im Verlaufe des Jah⸗ rſecht res 2520 Maaß Milch, die Maaß zu 3 Pfund ge⸗ rechnet, gewaͤhre. Hieraus wuͤrde, 630 Kaͤſe koͤnnen Küht, gefertiget, und das 100 Stuͤck zu 12 fl. gerechnet, ls in ohne Anrechnung der Abfaͤlle, eine Rente von 425 Bun⸗ Gulden erhoben werden koͤnnen: eine Angabe, welche auf etwas zu geſpannt ſcheint, und ſelbſt die beruͤhmten etra⸗ Mallaͤnder Graswirthſchaften weit uͤberteifſt.*) von Die Kaͤſe werden hier immer gleich groß ge⸗ Lan⸗ macht, daher ſind ſie nicht gleich ſchwer; indem die g der im Auguſt, September und Oktober erzeugten beſſer chon und ſchwerer ſind. 100 Kaͤſe erſter Qualitaͤt wiegen kauft 150 bis 165 Frankfurter Pfund, oder 125 bis 137 bayer. Pfund. Man handelt hier nicht nach dem Ge— *) In der That hat ein anderer Eigenthuͤmer dieſer Gegend den Ertrag nur zu 1860 Maaß angegeben, und die Jaͤchter f 3 ½ ie behaupten gar, nur 300 Kaͤſe machen zu können, wodurch 3 als der Milch-Ertrag auf etwa 3000 Pfund oder 1500 bayer. Maaß herabſinken wuͤrde. ————————jÿ— 104 Provinz Luͤttich wicht, ſondern nach der Zahl. 100 fette Kaͤſe koſte— b unſſa ten damals 16— 138 fl. und 100 magere 7— 10 fl. mm Die Graswirthe der Gegend um Herve ſind dn der Anſicht, daß bei dem Maͤhen der Wieſen ſich ritſt das Gras zwar verlaͤngere und hoͤher wachſe, aber ſtets duͤnner werde, und den Wieſen-Unkraͤutern Platz ii mache; bei dem Beweiden derſelben werde es aber a. kuͤrzer, hingegen dichter und beſſer; ſie halten daher ſe de dafuͤr, daß eine Abwechſelung zwiſchen Maͤhen und— Weiden das Vortheilhafteſte ſeyn muͤſſe. Auch wol— nigt len einige bemerkt haben, daß die Kuͤhe, wenn ſie Land uͤber Nacht im Freien bleiben, am andern Tag mehr nicht und beſſere Milch geben, als wenn ſie im Stalle gefuͤttert werden. Dieſe Thatſache mag zwar richtig tirt ſeyn, aber die Schuld davon kann gewiß nicht dem nn O Dache des Stalles, ſondern ſie muß der ſchlechten durche Beſchaffenheit der dortigen Staͤlle beigemeſſen wer⸗ rigen den, wo das Vieh in enge Raͤume zuſammengedraͤngt de ohne Luft und Licht, und das Freie gewohnt, in binden dieſem Kerker gewiß wenig Neigung zur Milchabſon— treib derung haben kann.*) Auſſerdem haben die Limburger Milchwirthinnen die uͤble Gewohnheit, kein Euter zu waſchen, ein W . iber I feine *) Die neuerlich erbauten Staͤlle ſind indeſſen auch hier ſchon h beſſer, und manche ſogar ſchoͤn angelegt. Auch ſind die Staͤlle ſtaeſe hier groͤßerntheils mit Ziegelſteinen gepflaſtert. a unte enn ſie gmehr Stalle richtig dem ꝛchten wer⸗ Naͤngt t, in abſon⸗ innen „ein ſchon Staͤlle Limburg. 105 Umſtand, der bei der Stallfuͤtterung ohne Streu, von Wichtigkeit iſt, und man darf ſich nicht wun⸗ dern, wenn unter ſolchen Verhaͤltniſſen die Weid— wirthſchaft relative Vorzuͤge behauptet. Man laͤßt hier die Kaͤlber nicht an den Kuͤhen ſaufen, ſondern zieht ſie durch Futtern aus der Hand auf, weil man die Milch fuͤr zu koſtbar achtet, um ſie den Kaͤlbern zu goͤnnen. Hier in Herve findet man auch, obſchon we— nige Obſtbaͤume, welche in den hoͤhern Theilen des Limburger Landes wegen der Rauhheit des Klimas nicht fortkommen. Im Ganzen genommen erſcheinet dieſe Gras⸗ wirthſchaft von vielfachem Intereſſe und gewaͤhrt ei nen Ertrag, welchen der Ackerbau auf dieſem Boden durchaus nicht zu geben vermoͤchte; daher auch dieje— nigen Landwirthe hier ſchlimmer daran ſind, welche die Graswirthſchaft mit der Getreidewirthſchaft ver— binden, als diejenigen, welche pure Milchwirthſchaft treiben. Versiers. Der Reiſende hat zwar ſeinen Weg nach Herve uͤber Verviers genommen; ich habe aber vorgezogen, ſeine Beobachtung vor Herve vorzuſetzen, weil ſich dieſe noch auf Graswirthſchaft bezogen, um ſie zu ſchlieſſen, und nicht durch einen fremdartigen Stoff zu unterbrechen. 106 Provinz Luͤttich Verviers liegt in der Tiefe und nicht mehr auf der Kreideformation. Hier hat die Veze ihr tiefes Beete in die Thonſchieferformation eingeſchnit⸗ ten. Die Stadt zaͤhlet an 10,000 Einwohner, 1000 Haͤuſer, alle mit Schiefer gedeckt, hat ein ausge— zeichnet ſchoͤnes Pflaſter von quarzigem Sandſtein, ein neues Theater, aber keine Beleuchtung und keine oͤffentliche Schule! Hier iſt der groͤßte Reichthum und die bitterſte Armuth zu Hauſe; von den brillan— teſten Equipagen und von ſchmutzigen Bettlern fand der Reiſende die Straſſen bedeckt. Hier iſt eine elende Muͤhle, Staberwerk mit 4 bis 4½ Fuß Kropfgefaͤlle, wo der Waitzen nur Einmal aufgeſchuͤttet wird, und dann dem Baͤcker uͤberlaſſen bleibt, wie er die Kleyen heraus bringe. Die Armen, deren es hier ſehr viele giebt, muͤſſen die Kleyen miteſſen. Verviers iſt uͤbrigens durch ſeine Tuchmanu⸗ fakturen ruͤhmlich bekannt, und die vielen Armen ſcheinen hier eine Folge dieſer Induſtrie zu ſeyn. Nan hat hier zu dieſem Betrieb bereits Dampfma— ſchinen in Anwendung gebracht, welche 4 Pferde⸗ kraͤfte haben. Die Vizinalwege dieſer Gegend ſind ſchlecht, und 2 Schuh tiefe Weggeleiſe in denſelben keine Seltenheit. Aber die Elephantenartigen Pferde, wel— chen man auf gutem Weg 25 bis 36 Zentner pr. Stuͤck zu ziehen zumuthet, uͤberwaͤltigen auch dieſen ſchlechten Weg, und die breite Spur der hieſigen mehr e ihr ſchnit⸗ 1000 Usge⸗ ſtein, keine thum illan⸗ fand Aende ffäͤlle, „ und leyen viele anu⸗ rmen ſeyn. fma⸗ ferde⸗ echt, keine wel⸗ pr. ieſen iſigen Limburg. 107 zweiraͤderigen Karren verhindert das Umwerfen. Auch mangelt Material zur Ausbeſſerung. Die Straſſen ſind durchgehends gepflaſtert und werden von Entrepreneurs unterhalten. In dieſer Gegend findet man bereits allenthal— ben Luͤtticher Feldziegelhaufen. Auch die Stein— kohlen ſind hier mit Thon vermiſcht und nicht mit Kreide. Indeſſen hat man hier einen Kalkſtein, wel⸗ cher vortreffliche Quadern, Fenſter und Thuͤreinfaſ⸗ ſungen giebt, die ſehr allgemein ſind. uͤ t t i c. In der Gegend von Luͤttich wird ſchon Ho⸗ pfenbau betrieben. Jede Hopfenrebe wird von der andern 8 Schuh entfernt gepflanzt und mit 2 Stan⸗ gen verſehen. Hingegen laͤßt man dort ſo viel Ru⸗ then aufziehen, als kommen, und ſchneidet ſie nicht, wie bei uns bis auf 2 oder 3, aus. Herr von Grouner zaͤhlte 20 Reben an einer Pflanze. Die Hopfenſtangen ſind von geſchaͤltem Ei— chenholz, 36 bis 40 Fuß lang, 2 ¾ bis 3 Zoll dick, und werden zu 100 Stuͤck aus den Schaͤlwaldungen von Namur fuͤr 2 Brabanter Thaler(5 fl. 24 kr.) bezogen. Der Boden beſtehet aus leichtem, ſehr ſandigem Lehm, und der Hopfen gedeihet hier ſehr wohl. In Luͤttich ſind ſehr viele Bierbrauer, welche durch— gehends nur inlaͤndiſchen Hopfen verbrauchen. ——— —.—— 1 1 4 5 4 2 —— — ———õ———õ—j— —————— 108 Von Luͤttich Von Luͤttich nach Tongern und Maaſtrich. Man findet in dieſer Gegend noch immer die Kreideformation; in der Naͤhe von Tongern mit ungeheueren Feuerſteinklumpen zu Tag ſtehend, und im Allgemeinem mit weiſſem Sande mehr oder we— niger bedeckt. Es ſcheinet, daß hier die Kreide zwi— ſchen 2 Schichten von Sand liege. In dieſer Gegend fand der Reiſende den Bon— ner-Pflug und den Brabanter⸗Pflug neben einander in Anwendung. Jedoch hat der hier uͤbliche Bonner— Pflug ein ebenes, mit Eiſen belegtes Streichbrett. Beide werden von einem Pferde gezogen, obſchon Waitzenſtoppeln damit umgebrochen wurden. Man findet den Brabanter⸗Pflug hier in Abſicht auf ſeine Arbeitsleiſtung vortheilhafter, glaubt aber, daß die breite Sohle deſſelben den Boden zu hart ſchleifen wuͤrde, und daß dieſes Uebel nur dadurch beſeitiget werden koͤnne, daß man mit dem Bonner⸗Pflug wieder in die Quer pfluͤget. Man trifft hier herum kein Grasland, ſondern lauter Getreidefelder. Die Felder ſind ohne Beeten, aber gleichſam durch parallel-laufende Waſſerfurchen abgetheilt. Alle 10 bis 20 Jahre werden die Felder mit Kreide geduͤngt, welche untergepfluͤgt wird. Auf groͤßeren Guͤtern bauet man hier, obſchon nicht allgemein: alle i rich. jier die n mit , und r we⸗ e zwi⸗ Bon⸗ der in ſchon Man ſeine die leifen itiget Pflug dern eten, chen elder ſchon nach Maaſtrich 1009 1. Hafer mit Klee, 2. Klee, 3. Waitzen, 4. Hafer, 5. Wurzelfruͤchte, gelbe Ruͤben ꝛe. O. Roggen, bei ſtarker Duͤngung auch Winter— Gerſte. Die feuchteren Boͤden an der Maas werden großentheils zu Weidanpflanzungen angelegt, wovon die Ruthen alljaͤhrlich abgeworfen, und an Korbflech⸗ ter ꝛc. verkauft werden. Zur Anlage graͤbt man Schuͤſſel⸗ foͤrmige Gruben, und legt im Fruͤhjahre Weidenzweige 18 bis 24 Zolle von einander entfernt ein. Dieſe wer— den ſo mit Erde bedeckt, daß noch einige Augen mit der Spitze der Weidenzweige vorſtechen. In 2 bis 3 Jahren ſtehet dann die Anlage zur Nutzung da, und man zahlet fuͤr das Bunder 5 bis 6 Lonisd'or jaͤhrlichen Pacht. Die Erhaltung dieſer Weiden, wo— von man hier vorzuͤglich die rothe Art liebt, und alle in Staudenform ziehet,— iſt leicht und mit ge⸗ ringer Muͤhe verbunden. NMN ag ſirirch. Maaſtrich ſelbſt fand der Reiſende ungemein reinlich, mit einem der ſchoͤnſten Pflaſter aus ge— hauenen Steinen verſehen. Ihn zog aber der in mi— neralogiſcher Beziehung merkwuͤrdigere Petersberg mehr an. Er fand, daß er zur Kreideformation ge⸗ — ⁰ œpdb—— 110 Maaſtrich. hoͤre, welche ſich uͤber Salm-Dyk, Luͤttich, Tongern bis Maaſtrich erſtrecket. Dieſer Stein, welcher hier zu Land ſehr uneigentlich Sandſtein ge— nannt wird, iſt gelblichgrau, ins Erbſengelbe verlau— fend, weich, und doch klingend, und obſchon weicher als der Pariſer-Kalkſtein, doch identiſch mit dieſem. Die ungeheuern Hoͤhlen des Petersberges ent— ſtehen durch das Brechen dieſes Steines zu Bau— ſteinen. Je tiefer der Bruch gefuͤhrt wird, deſto beſ— ſer wird der Stein. Dieſe Steinbruͤche ſind Eigen⸗ thum der Beſitzer des daruͤber liegenden Grundes, und an die Unternehmer verpachtet, welche ſich in Anſehung des Bruchs an diejenigen Normen halten muͤſſen, welche ihnen durch die Berg-Ingenieurs zu Luͤttich vorgeſchrieben werden. Mehr als die Haͤlfte der Steine muͤſſen gleichſam als Pfaͤhle ſtehen blei⸗ ben; ſie ſind 25 bis 30 Fuß hoch, und haben zwi⸗ ſchen ſich Gaſſen von 12 Fuß Breite mit ganz ebe⸗ nen Decken. Dieſe Anſtalt iſt beſſer und ſorgfaͤltiger geleitet, als jene bei Paris. Man ſchrotet den Stein mit Keilhauen, und ſprengt groͤßere Quader ſodann mit Eiſenkeilen, wornach ſie noch durchgeſaͤgt werden. Es wird hier weit ſchneller 3 Zoll tief und ſchoͤner als in Paris gearbeitet. Man faͤngt oben an und ſchro⸗ tet von einem Ecke abwaͤrts gaſſenweiſe. Das hier ge⸗ wonnene Schrotmehl,— ein pulveriſirter Kalk,— wird an dem Abhange des Berges nach der Maas köhlen Lalka arbeite tigich tockne d S ittich, Stein, tein ge⸗ verlau⸗ veicher dieſem. s ent⸗ Bau⸗ o beſ⸗ Eigen⸗ undes, ſich in halten urs zu Hälfte blei⸗ wi⸗ wbbe⸗ eleitet, n mit n mit n. Es — ————————— Maaſtrich. 4211 hinab gebracht, wo es die Hollaͤnder als Duͤn⸗ gungsmittel auf Schiffen abfuͤhren. Sie ſtreuen es auf die Heideſtreu in den Staͤllen, und finden die— ſes Schrotmehl auf feuchten Boͤden ganz vortrefflich wirkſam. Schichten von Feuerſteinen, wie jene in der Kreide von Meudon, ſind in den untern Theilen des Petersberges in Menge; aber kein Waſſer. Eine einzige Stelle tropfet. Die Luft fand Herr von Grouner ſehr gut, den Boden aber uneben, bald ſteigend und bald fallend. Foſſilien-Knochen, Krokodillen und Schildkroͤ— ten, finden ſich an beſondern Stellen, und es giebt Schichten, welche hieran vorzuͤglich reich ſind. Der Petersberg liegt noch auf Steinkohlen, welche ſich bis in die Campine erſtrecken, und mit der Kreideformation bedeckt ſind. In der Nachbarſchaft dieſes Berges zu Coq rouge fand der Neiſende einen aͤuſſerſt feſten Eſtrich— boden, der ſich ſo hart zeigt, daß man ihm ſelbſt mit Eiſen nichts anhaben kann. Sie beſtehet aus ½ Kalkaſche(?),— 1 Stein— kohlenaſche und ¼ Schmideaſche. Die Materie der Kalkaſche allein mit Waſſer geloͤſcht, wird ſtark be— arbeitet, und dieſes Bearbeiten wird 3 bis 4 Tage, taͤglich einmal wiederholt, dann wird die Maſſe ge— trocknet, zerkleinert und geſiebt. Nun wird ſie mit der Schmide⸗ und Steinkohlenaſche gemengt, und mit ——— E —m — EEE 112 Maaſtrich. Waſſer zu einem Teig gemacht. Dieſer Teig wird 5 bis A mal recht durchgearbeitet und dann aufgetragen. Zuerſt muß es ſehr ſtark und anhaltend eben und feſt geſtoſſen,— wenn die Maſſe aber keine Ein— druͤcke mehr annimmt, mit Hilfe einer Nauerer⸗ Kelle geebnet werden. Der fertige Boden wird mit Rindsblut uͤbergoſſen.*) Auf eine Strecke von 21 Stunden, von Luͤt⸗ tich bis Venloo iſt die Maas wegen zu ſtarkem Gefaͤlle bei niedrigem Waſſerſtande nicht ſchiffbar; deßhalb will man einen Canal herſtellen, um auch auf dieſem Theil die Schifffahrt, welche ſonſt auf der Maas das ganze Jahr nicht unterbrochen iſt, offen zu erhalten. Die Hoͤhlen des Petersberges koͤnnten zu guten Lager-Orten dienen. In dieſem Berge ſollen auch Keller angelegt werden, um ſo mehr, als man hier allenthalben vergeblich nach gu— tem Bier ſucht. In der Naͤhe des Petersberges wird Krapp⸗**) und Reppsbau***) betrieben. e ſcheinet gebrannte Kreide, und *) Dieſe ſogenannte Kalkaſch adere Art die Schmideaſche etwa Holzkohlen⸗ oder eine ar Steinkohlenaſche zu ſeyn. 4 **½ν) Rubia tinctorum. ***) Brassica oleracea laciniata; denn Naͤpſen, Brassica napus, wird in den Niederlanden ſchwerlich gebaut. yUnd; hin we Heinſim vüinge Mgeh wind z gettagen. ben und ne Ein— Nauerer⸗ ird mit Luͤt⸗ ſtarkem ziffbat; n auch nſt auf jen iſt, berges dieſem um ſo ac gu pp⸗*) eide, und ndere Art ica napus, Campine. 113 Eampine, Hier beginnet nun jenes Sandland, welches ſich unter der allgemeinen Benennung der Campine (Kaͤmpenland) in der Kulturgeſchichte des Bodens ſo beruͤhmt gemacht hat. Eine Nachricht, gemaͤß welcher im Herbſte 1821 in der Gegend von Haſſelt bedeutende Urbarma— chungen von Sandlaͤndereien ſtatt finden ſollten, be— wog Herrn von Grouner, ſich vor Allem dahin zu verfuͤgen. Hafſel. Um dem Leſer einen allgemeinen Ueberblick von dieſem Lande zu verſchaffen, und das Urtheil uͤber das Einzelne deſſelben zu erleichtern, will ich dasje— nige hier einruͤcken, was der Abbe Mann dem Board of Agriculture daruͤber vorgelegt hat: »Es iſt bekannt, daß das brabantiſche Kampen, „welches den noͤrdlichen Theil von Brabant ausma— ychet, urſpruͤnglich aus Sand und Haide, mit Seen „und großen Moraͤſten untermiſcht, beſtanden hat, »in welchem man nur hie und da einzelne Faͤhren— yhoͤlzer antraf. Einer Tradition zu Folge, ſoll hier veinſtmals die See geſtanden haben. Heutiges Tages ybringet der Boden allenthalben, wo er noch nicht »angebaut iſt, von ſelbſt nichts als Haide und Faͤh— I. Theil. 8 —— 1 — 1414 Campine. yren hervor. Der Sand iſt hoͤchſt trocken und un— „fruchtbar, und kann nur durch fortgeſetztes Duͤn— „gen fruchtbar gemacht werden. Da ein ſolcher Grund „und Boden fuͤr eine Kleinigkeit zu haben iſt, ſo „haben es ſchon mehrere verſucht, große Strecken „davon urbar zu machen; man hat alle und jede »Mittel dabei angewandt, und die Regierung hat „ dieſe Verſuche auf jede moͤgliche Weiſe unterſtuͤtzt „und befoͤrdert. Bis jetzt habe ich aber noch keinen „gehoͤrt, der, bei allem ſeinem Reichthume, gluͤcklich „hierin geweſen waͤre, und mehrere ſind dabei zu „Grunde gegangen. Alles, was in Kampen angebaut hiſt, ruͤhrt von den darin befindlichen Kloͤſtern her, „vorzuͤglich von den zwei großen Abteyen Tonger— „loo und Everboden. Durch ihre ununterbrochene „Dauer ſeit fuͤnf oder ſechs Jahrhunderten und durch „ihre nicht zu ermuͤdende Induſtrie haben ſie end⸗ „lich uͤber dieſen duͤrren, unfruchtbaren Sand geſiegt, „und manche Strecken deſſelben zu einem hohen Er— ytrage gebracht. Die von ihnen befolgte Methode iſt „einfach und gleichfoͤrmig; ſie unternehmen nie mehr „von dieſem unfruchtbaren Boden zu kultiviren, als „was ſie zur Zeit hinlaͤnglich duͤngen koͤnnen; ſelten „mehr als fuͤnf oder ſechs Bunder in jedem Jahre, „und wenn dieſe durch Arbeit und Duͤngung dahin „gebracht ſind, eine Familie ernaͤhren zu koͤnnen, ſo „laſſen ſie bequeme Wohnungen darauf bauen, und „verpachten ſie unter billigen Bedingungen. Durch — ztwitd groß ydo zrutth n und un⸗ tes Duͤn⸗ er Grund n iſt, d Strecken und jede rung hat mterſtut ch keinen gluͤckich dabei zu angebaut dern her, Tonger⸗ ebrochene nd durch ſie end d geſiegt, ohen Er⸗ ſethode iſt nie mehr eren, als ; ſelten Jahte, g dahin unen, ſo en, und Durch Campine. 115 »Anwendung dieſer Mittel ſind mehrere große Strecken „des Landes Kampen ſehr gut kultivirt und mit Doͤr— „fern, gut gebaueten Haͤuſern und Kirchen bedeckt. Die »Abtei Tongerloo allein beſetzt mit ihren Mitgliedern » 20 Pfarrſtellen auf ſolchen Doͤrfern, die ihr das Da— „ſeyn verdanken. Ich kann hier aus dem zuverlaͤſſigen »Zeugniſſe niederlaͤndiſcher Geſchichtſchreiber noch hin— „zuſetzen, daß ſchon vor acht hundert oder tauſend »Jahren der Anbau dieſer reichen Provinzen groͤßten— ytheils mit denſelben Mitteln und auf dieſelbe Weiſe betrieben worden iſt, als ſie gewiſſermaſſen noch ei— »nen einzigen zuſammenhaͤngenden Wald ausmachten. „»Ein Pachthof in Kampen von 20 Bunder Landes yhaͤlt 2 bis 3 Pferde, ſieben oder acht Kuͤhe, einige »Ochſen, und bauet Rapsſaat, Klee, Roggen, Ha— yfer, und wenig oder gar keinen Waitzen. Es iſt „kaum noͤthig, hinzuzufuͤgen, daß nicht bloß in Kam⸗ »pen, ſondern durchaus uͤberall in den Niederlanden, »auch Kartoffeln, Turnips und Mohrruͤben gebaut „werden. Da hingegen iſt der Anbau des Spoͤrgels »„(Aspergula arvensis L.) mehr dem noͤrdlichen Bra⸗ ybant eigen, obgleich nicht bloß auf dieſe Gegend veingeſchraͤnkt. Er dient den Kuͤhen zum Herbſtfut— yter, und die in dieſer Jahreszeit gewonnene Butter „wird Spoͤrgelbutter genannt, wovon Kampen eine „große Quantitaͤt vornaͤmlich nach Bruͤſſel liefert, ywo ſie zum Kochen gebraucht wird, weil ſie hiezu vortheilhafter und wohlfeiler als andere Butter iſt. 3* 116 Campine. „»Der Spoͤrgelſamen wird auf den abgeernteten Korn— gfeldern ausgeſaͤet, nachdem das Land vorher nur „leicht umgepfluͤgt worden. Die Kuͤhe werden im »Oktober darauf angebunden, und jede erhaͤlt einen „Raum, welcher der ihr zukommenden Futtermenge vangemeſſen iſt. Dieſe Fuͤtterung dauert ſo lange, „bis Froſt einfaͤllt.„ „Da der Spoͤrgel wenig Stroh, und folglich „auch wenig Duͤnger der Maſſe nach giebt; ſo er— „ſetzen die Landwirthe dieſen Mangel auf folgende „Weiſe: die Plaggen oder Soden, welche aus den „Haiden ausgehauen werden, werden in den Staͤllen „zur Streu fuͤr das Vieh gebraucht. Der Grund iſt in „dieſen bis zu einer gewiſſen Tiefe ausgegraben, ſo „daß er eine betraͤchtliche Quantitaͤt dieſer Plaggen „faſſen kann, und friſche nachgeworfen werden koͤn⸗ „nen, ſo wie ſie das Vieh zuſammengetreten hat. »Dieſe enthalten dann eben ſo viele Schichten von „Duͤnger, der ganz von dem Urine und Miſte des »Viehes durchdrungen iſt. Dieſe Streu wird zu gehöͤ⸗ Hriger Zeit erneuert, und der Miſt aus den Staͤllen „auf Haufen gebracht, bis er zum Ausſtreuen aufs „»Feld gefahren wird. Dieſe Miſchung liefert einen „vortrefflichen fruchtbaren Kompoſt fuͤr ſolche Grund⸗ „ſtuͤcke, die mit Korn beſtellt werden ſollen. Auf „ſolche Art erhaͤlt man nun von den Plaggen eine „bei weitem groͤßere Menge Duͤnger, als man durch „das Abbrennen erhalten wuͤrde, welches in einigen deſer ſtehen manch in de G theil figt gerlo kältivi nen g U d en Korn— ther nur rden im lt einen ermenge lange, folglich ſo er⸗ folgende aus den Staͤllen nd iſt in hen, ſo laggen en koͤn⸗ en hat. ten don iiſte des zu gehi⸗ Staͤllen en aufs t einen Grund⸗ n. Auf gen eine an durch einigen Campine. 117 „Gegenden uͤblich iſt. In dem brabantiſchen Kampen „gehet die Hauptabſicht der Landwirthe allezeit dahin, „ſich eine große Menge Duͤnger zu verſchaffen, weil „ohne dieſen alle Bemuͤhungen, einen ſo unfruchtba⸗ „ren Boden zu kultiviren, vergeblich ſind. »Auſſer der Butter verſieht Kampen auch noch „das ganze uͤbrige Brabant, und vornaͤmlich Bruͤſ⸗ „ſel, mit einer Menge von gemaͤſtetem Federvieh: „die Maͤrkte ſind beſtaͤndig damit angefuͤllt, und es „wird das Kampen ſche Federvieh allem andern vor— „gezogen. Auch in Suͤdholland wird es nicht weni⸗ „ger geſucht und geſchätzt. Man hat mehrere Verſuche Hangeſtellt, um in Kampen Holzarten anzupflanzen, „aber vergebens; Foͤhren ausgenommen, koͤmmt keine „fort, und die Foͤhre ſelbſt ſtirbt mit dreiſig oder vier⸗ „zig Jahren ab; bis dahin waͤchst ſie ſehr gut.“ So war es ehemals bis zum Jahre 1705. Seit dieſer Zeit hat ſich vieles geaͤndert. Die Kloͤſter be— ſtehen nicht mehr und in dem Wirthſchaftsbetrieb iſt manches anders geworden; Vieles lebt und wirkt noch in der alten Art fort. Schwerz, der dieſes Land ſtudiert hat, ur⸗ theilt ohngefaͤhr eben ſo von der Campine und fuͤgt hinzu, daß die ehmaligen drei Abteien Ton⸗ gerloo, Everboden und Poſtel gewiß mehr Land kultivirt haben, als alle uͤbrigen Niederlaͤnder zuſam— men genommen.. Ein gleichlautendes Zeugniß giebt ihnen Bal— — 118 Campine ſamo, und Baron Poͤderle beſtaͤtiget dasjenige, was Abbe Mann daruͤber mitgetheilt hat.*) Die Einwohner fand Schwerz ſehr arbeitſam geſittet und wohlgekleidet; nur einzelne Bauernhoͤfe in der Campine machen hievon eine Ausnahme. Die Frauen in dieſem ehmaligen Departement ſind wohl gebildet, weiß und haben Farbe. Sie ſind ſtets ge⸗ ſchnuͤrt und tragen uͤber einem weiſſen Haͤubchen ei— nen gelben Strohhut, von dem ein Paar breite ſei— dene Baͤnder lang herabhangen, und ihnen um die Schultern flattern. Ihre Ohren ſind ſtets mit langen goldenen Ohrringen, und der Hals iſt an dem Sonn— tage mit einem goldenen Geſchmeide geziert. 9) Ueber die Beurbarung und Bewirthſchaftung der Campine beſtehet auch noch ein aͤlteres Werk unter dem Titel:»Me— morie of Vertoog door Isfri dus Thys, Canonik van Tongerloo etc. etc. Over het uytgeven en tot cul- ture brengen der vage en inculte gronden in de Meyerye van's Hertoyen-Basch; door de vrienden derzelven be- kroond teu jaer 1788. Mecheln 1792. Man erſieht daraus: 1. daß die Urbarmachung der Kaͤmpen allerdings ſtets mit Miſt erzwungen werden mußte, und durch ein aͤhnliches Verfahren waͤhrend einer langen Reihe von Jahren er⸗ zielt worden war; 2. welche Duͤngermaterialien dieſem Boden mehr oder we⸗ 1 niger zuſagen; 3. daß ſchon vor 40 Jahren der belgiſche Pflug mit dem gebogenen eiſernen Streichbrette an der linken Seite, mit einem Ruͤſter, mit ſtark gekruͤmmtem Seche und Haſſelt. 1¹9 inin Und dennoch ſind das die Fruͤchte eines duͤrren 1 unfruchtbaren Sandbodens! Oder ſind es vielleicht beiſm nicht viel mehr die Fruͤchte des Fleißes und einer anhiſ wohlerwogenen Induſtrie?— e. Die Nun wollen wir ſehen, was Herr von Grou— dwohl ner gefunden, welcher am 15. Oktober 1821 in 3. Haſſelt eingetroffen iſt. 4 3 Von dem Boden bemerkt er ite ſei 1. die oberſte Schichte iſt braun, Torfaͤhnlich, im die und aus einer ſehr großen Menge ſehr feiner Wur— bie zeln, Eiſenocher, ſauerem Humus ꝛc. und etwas fei⸗ Sonn⸗ nen, weiſſen Sand beſtehend. Sie bildet eine filzige Maſſe von 3 bis 6 Zoll Dicke. Abgeplagget wird dieſer Haideboden nur Flecken— weiſe, Tellerfoͤrmig nur 1 ¼ bis 1 ¾ Zoll tief abge⸗ myine Ne-⸗ nonik ot en.. der Stelze, daß ferner die Egge, Schleppe und Walze Mejerje uͤblich waren; en be⸗ 4. daß man auch ſchon vor dem Jahr 1782 Klee und Knol⸗ lengewaͤchſe da gebaut, und eine ſehr lukrative Wirth⸗ 3 ſchaft gefuͤhrt habe. tets mit Unter dem Titelkupfer, die Feldarbeit darſtellend, ſtehen hnliches folgende charakteriſtiſche Verſe: gren er⸗„Die van cen vage grond wilt ryke winst betragten, „Moet met cen goetgeduld en lydzaembheyd verwagten, det we⸗„De vrugt van zun vernuft, het voord cel van zyn geld, 3„Door mest en werlzaemheyd in't doore zand gestelt.“ nit dem Dieſes von der Akademie zu Bruͤſſel gekroͤnte Werk hat Seite, einen geſchaͤtzten Verfaſſer, iſt aber ſeit lange ſchon vergrif⸗ eche und fen, und ſehr ſelten geworden. 120 Campine ſtochen, und eine Menge Zwiſchenraͤume bleiben ganz. Die untere Wurtzelſchichte iſt holzig, und wenn ſie einige Zeit entbloͤßt liegt, wird ſie muͤrbe und leicht abzuplaggen; ſie zerkruͤmelt dann gerne. 2. Unter dieſer Wurzelſchichte findet man ein Sandlager von humoſen Theilen und Eiſenocher ge— ſchwaͤrzet. Das Eiſen ſpielt in dieſem duͤrren, quar— zigen Boden eine Hauptrolle. Dieſe beiden Schichten ſind oft mit Raſenei— ſenſtein, von welchen man Stuͤcke in der Gegend des Stadtthores zu Haſſelt, bereits etwas verwit— tert, eingemauert findet, verunreiniget. Die zweite Schichte muß daher ſtets mit ſtarken Hauen aufge— brochen werden. Die Brocken werden zerkleinert, oder verwittern, oder muͤſſen abgeraͤumt werden. Dieſe unmittelbare Unterlage ſcheinet das groͤßte und ſchwie— rigſte Hinderniß zu ſeyn, welches der Kultur der Campine ſtets entgegen ſtand und ſo ſchwer zu be— ſiegen iſt. 3. Der eigentliche Untergrund, welcher jedoch tiefer liegt, als eine gewoͤhnliche Ackerfurche reicht, beſtehet aus ſehr feinem weiſſen Flugſand, ohne ei— ner Spur von Thon, und nur da, wo ſtaͤrkere Wur⸗ zeln eingedrungen, von Eiſenoxyd gefaͤrbt.*) *) In Schwerz's Anleitung zur Keuntniß der belgiſchen Land⸗ wirthſchaft 3r Band findet ſich Seite 277 bis 28s eine ziem⸗ lich umſtaͤndliche Beſchreibung des kultivirten und unkultivir⸗ ſen Lanz. wenn ſe nd leich dan ein her ge⸗ „quar⸗ ſenei⸗ hegend verwit⸗ ſweite aufge⸗ ᷑, oder Dieſe hhwie⸗ t der N be⸗ jedoch reicht, ne ei⸗ Wur⸗ Land⸗ ie ziem⸗ kultivit⸗ Haſſelt. 121 Wird dieſer Haideboden abgeplaget, ſo wachſet die Haide an der Oberflaͤche in wenigen Jahren wie— der nach; und daher kommt es, daß auf dieſem Bo⸗ den eine Art Streu-Wirthſchaft betrieben wird. Ein Vortheil, welcher fuͤr Sandlaͤnder, die gewoͤhnlich vielen Duͤnger, ſomit viele Streu brauchen, ſehr wichtig iſt. Die Haideplaggen werden hier ſeit vielen hun— dert Jahren als ſchaͤtzbares Duͤngermaterial benuͤtzt, und ſind auch in einigen Theilen von Nord⸗Deutſch⸗ land als ſolches bekannt. Ihre Gewinnung beſtehet darin, daß man ſonſt nutzlos liegendes Haideland an der Oberflaͤche theilweiſe moͤglichſt flach abſchaͤlet, und die abgeſchaͤlten, oder abgeſtochenen Stuͤcke Ra— ſen ſind die ſogenannten Haideplaggen, welche als Streu verwendet werden. Man ſticht ſie ſehr flach und nur in ſchmalen Streifen oder kleinen ſchuͤſſelfoͤrmigen Flecken ab 1. damit man nicht zu viele Erde mitnimmt; 2. damit die Graswurzeln nicht ausgehoben, ſondern nur abgeſtochen werden, und wieder friſch ausſchlagen und den Boden neuerdings beraſen koͤnnen; ten Haidebodens in der Campine. In ihren weſentlichen Momenten ſtimmt ſie mit der gegenwaͤrtigen Angabe uͤber⸗ ein; aber die dort angefuͤhrten Bodenanalyſen ſind bei dem dermaligen Standpunkte der Agrikultur⸗Chemie ohne alle Nutzanwendung; da man aus ihnen nichts lernet, als daß der Boden keinen Kalk enthalte. 122 Campine 3. damit die von Raſen entbloͤßten Stellen ge— gen den austrocknenden Wind durch die nicht abge— plaggten Stellen gedeckt ſind; 4. damit der Same der reifen Haidegraͤſer dieſe leeren Stellen wieder beſaͤe, und auch an denjenigen abgeplaggten Plaͤtzen wieder neue Raſen erzeuge, wo die vorhandenen Wurzeln verdorrt ſeyn koͤnnten. Darin beſtehet die Weſenheit des Haideplaggens. Der Boden, welcher jetzt der Kultur unterwor— fen wurde, war von den Einwohnern von Haſſelt einer Gemeinde das Bonnier(Bunder) fuͤr ohn⸗ gefaͤhr 314 franz. Francen(das bayer. Tagwerk fuͤr nahe 36 fl.) erkauft worden. Die Benutzung dieſes Bodens, auſſer dem Ab— plaggen, iſt auf 3 verſchiedene Arten uͤblich: 1. Zu Ackerland; 2. zu Kieferpflanzungen; 3. zu Fiſchweihern, abwechſelnd mit Fruͤchten⸗ bau. Die erſte und zweite dieſer Nutzungsarten er— ſcheinen haͤufig, mehr oder weniger in Verbindung ſtehend, waͤhrend die dritte wohl ſelten ſeyn mag. Die Kultur des Haidebodens erfordert Vorbe⸗ reitungen, welche hier in Folgendem beſtehen: a. daß die Haideflaͤche im Rechtecke oder Quadrate von 5, 6 bis 2 Bunder, oder 22 ⅜ bis 28 Tagwerke abgetheilt werde. Zwiſchen denſelben bleiben freie Communications-Wege. Haſſelr. 125 en ge⸗ b. Jedes ſo abgeſteckte Rechteck erhaͤlt eine Erd— äöge wall-Einfriedigung mit einem mitten durchfuͤh— renden 30, 40 bis 50 Fuß breiten Weg. Tab. dieſe I. Fig. 1. ³) nigen Auſſen um dieſe Kampe wirde in kleiner Gra— wo ben ausgehoben, welcher 3 Schuh unten und oden 5 bis 5 ¼¾ weit iſt. Theils davon, theils von den wei— ſens. ter ruͤckwaͤrts aufzuhebenden Haideplaggen, wird ein wor⸗ Erdwall Fig. 1 E G oder Fig. 2 ce gi hergeſtellt, ſelt oben 10 und unten 12 Schuh breit. Bei i und bei ohn⸗ e ſollen kleine Abſaͤtze uͤbrig bleiben. Der Erdwall kfuͤr wird an der vordern Seite g h 3, und an der hin— ef 1 Schuh hoch. Mindeſtens die Einfaſſungsſeiten Ao⸗ dieſes Walles muͤſſen aus Raſenplaggen von 10 bis 11 Zoll Laͤnge, 8 bis 10 Zoll Breite, und ohnge⸗ faͤhr 5 bis 6 Zoll Dicke hergeſtellt werden. Die vor— dere Wand beſtehet daher in der Regel aus 6 La— hten gen ſolcher Raſenplaggen, und jede Lage liegt um 2 Zoll weiter zuruͤck als die vorige. Die ruͤckwaͤrtige er, Wand beſtehet aus 2 ſolchen Lagen. Der mittlere dung Raum wird theils mit Heideplaggen, theils mit Erde aus dem Graben, oder aus den Streifen Fig. rbe⸗ 1 AA, oder Fig. 2 abe ausgefuͤllet. Dieſer Streifen drate 25*) Die Dimenſtonen des Walles ſind hier nach einem 5 mal lben vergroͤßertem Maaße zur Erziclung einer etwas groͤßeren Deutlichkeit aufgetragen worden. 124 Campine wird ohngefaͤhr 1 Fuß tief und nach Bedarf 10 bis 18 Fuß breit ausgehoben, und iſt zu einer Klee⸗ pflanzung beſtimmt. Herr von Grouner fand, daß man dieſe Umſchlieſſungsgraben und Daͤmme mit einer bewun— derungswuͤrdigen Schnelligkeit herſtelle. Die Abthei— lungslinien werden mit Hilfe eines Spatens durch Schlitzgraͤbchen bezeichnet. Der Graben wird ſammt ſeinen Boͤſchungen, alſo in der oberen Breite abge— ſteckt, und mit dem Spaten ſogleich abgeſtochen. Die— ſer Grabenraum wird mit dem Spaten, oder, was auch geſchehen mag, mit der eigends zum Haideplag— gen beſtimmten Schaͤlhaue, in Stuͤcken von der be— reits angegebenen Groͤße abgeplagget, und dieſe Plag— genſtuͤcke werden ſogleich mit der Hau an die aͤuſſere Wall- oder Dammſeite gelegt,*) ohne daß ſie Je— mand in die Hand nimmt. Auf eine aͤhnliche Weiſe wird durch nachfolgende Arbeiten der untere Theil des Grabens ausgehoben, und zur Anfuͤllung ver⸗ wendet. Wenn auf dieſe Weiſe der vordere Graben fer— tig iſt, iſt aber die ganze Hoͤhe des Walles noch nicht erreicht, und es wird, nachdem der ruͤckwaͤrtige Streifen AA abgeſteckt iſt, derſelbe in gleicher Art abgeplaggt, und dieſe Plaggen muͤſſen mit einer etwas *) Unebenheiten werden nach dem Augenmaaße ausgeglichen. Haſſelt. 125 19 di groͤßern Muͤhe zur Vollendung der vordern und der Klee⸗ hintern Seite des Erddammes beigeſchaft werden. Der zweite Erdſtich dient zur Ausfuͤllung des mittleren dieſe Raumes vom Walle. wun⸗ Das Raſenplaggen geht am beſten mit der thei⸗ Plaggenhaue. Dieſe hat einigermaſſen die Form ei⸗ durch ner Senſe, hat einen langen Helm, wie dieſe, iſt ummt mit 2 eiſernen Ringen feſt gemacht, jedoch nur 10 abge⸗ bis 12 Zoll lang und ohngefaͤhr 6 Zolle breit, auch Die⸗ verhaͤltnißmaͤßig dick, mit einem allmaͤhlig ſich bil— was denden Ruͤcken, welcher nicht vorſpringt, wie jener eplag— der Senſe. Der Helm iſt ein runder Stiel, nicht r be⸗ ganz ſo lang als der einer Senſe, hat aber wie je— Plog⸗ ner in der Mitte einen Handgriff, welcher eben ſo ſere benuͤtzt wird, wie der an der Senſe. Je⸗ Der Mann hacket gleichſam Schlagweiſe damit Seiſe in der Richtung nach dem Holzſchuh des linken Theil Fußes, und beinahe horizontal unter den Raſen, ver⸗ reißt das Stuͤck mit der Haue los, und legt es an ſeinem Orte, gewoͤhnlich in Wallmen, wie die Gras— fir mahden oder Wallmen. Das Raſenplaggen gehet alſo noch ſehr ſchnell, und beinahe wie das Maͤhen. Dieſe rige Methode ſcheinet aber bei der Einfriedigungs-Arbeit Art nicht anwendbar, weil dabei die Raſenplaggen nicht was die erforderliche Dicke, Laͤnge und Breite erhalten wuͤrden. Sie kann daher nur bei den Haideplaggen zum Streu- und Duͤngermachen, und Behufs der Ausfuͤllung bei dem Einfriedigungsgeſchaͤft, nicht 126 Campine aber zur Herſtellung der Seitenwaͤnde, Anwendung finden. Ein ſo hergeſtellter Damm haͤlt, ohne betraͤcht— lichen Verfall, 20 Jahre, und wenn er, wie es haͤu— fig geſchieht, mit Holz bepflanzt iſt, noch laͤnger. Man haͤlt dieſe Einfriedigung hier zur Kultur fuͤr unerlaͤßlich nothwendig, und doch werden dieſe Waͤlle zuweilen nach vollfuͤhrter Kultur wieder abge— tragen, und gleichſam als eine Art vegetabiliſcher Duͤnger auf der Kaͤmpe verbreitet. Der Raum, welcher hiedurch der Kultur entzo— gen wird, betraͤgt bei 6 Bunder Landes, nie weni— ger als 53142 Quaderfuß, alſo mehr als 14 Tag⸗ werk, und die Erde, welche ausgehoben und ange— legt werden muß, nicht weniger als 53128 Cubik⸗ fuß; und doch iſt kein Zweck derſelben gedenkbar, wenn ſie nicht ſtets mit Holz bepflanzt und immer erhalten werden. Denn nur in dieſem Falle koͤnnen ſie Schutz gewaͤhren gegen austrocknende Winde und gegen den Andrang des fremden Weideviehes. Das ſcheinet aber auch die Regel zu ſeyn, und iyre Unbewachſenheit und Wiederzerſtoͤrung Thatſa— chen, welche in den Noten des Reiſenden angefuͤhrt ſind, duͤrften unter die Ausnahmen gehoͤren. e. Nach ſo vollendeter Einfriedigung, wird die ganze Haidekaͤmpe abgeplagget. Die dadurch aufgebrachten Heideplaggen werden zum Com— poſtmachen, oder Streumateriale verwendet. A vendung eträͤch, s haͤu⸗ er. Kultur dieſe abge⸗ liſcher entzo⸗ weni⸗ Tag⸗ ange⸗ Lubik⸗ kbar, mmer nnen de und , und hatſa⸗ ffüͤhrt d die durch Com⸗ et. Haſſelt. 127 Dieſen Vorbereitungen folgt nun die Kultur ſelbſt. Das erſte Geſchaͤft iſt das Aufbrechen der ab⸗ geplaggten Haide: es geſchieht mit dem Brabanter— Pflug 14 bis 15 Zoll breit und 3 ¾ bis 4 Zoll tief. Das ſo umgebrochene Land bleibt 3 Monate liegen; dann wird es mit einer umgekehrten, hoͤlzer— nen, mit etwa 6 Zentner beſchwerten Egge geſchleift, was man dort yſtoſſen“ nennt, und hierauf folgt ein 3 bis 4 maliges ſcharfes Eggen mit den Zaͤhnen. So wird die neue Kaͤmpe in kurzen Zwiſchen— raͤumen noch dreimal gepfluͤgt, geſtoſſen und geeggt. Der Zweck dieſer Operation iſt offenbar kein anderer, als die Zerkleinerung des Bodens und die Schwaͤngerung aller Theile mit den verwandten Be— ſtandſtoffen der athmosphaͤriſchen Luft. Wenn die Kaͤmpe ſo vorbereitet iſt, erhaͤlt ſie eine Duͤngung von 400 bis 500 einſpaͤnnige Kar— ren auf das Bunder, oder 120 Fuder pr. Tagwerk, beſtehend aus 2 Theilen Haideplaggen, 1 Theil Strohmiſt(vom Maſtvieh) und 1 Theil Aaljauche (Miſtjauche, von einigen unrichtig Guͤlle genannt). Dieſer wird gebreitet. 1 Mann pfluͤgt mit 2 Pfer— den, und 2 Mann ſchaffen den Duͤnger in die Fur— che. Hierauf wird Roggen gebaut, welcher theils ein— geeggt, zuweilen auch eingepfluͤgt wird. Ausgenom— men von der Roggen-Saat iſt der tiefer ausgeho— 128 Campine bene Sandſtreifen AA, welcher mit Klee beſtellt werd wird.*) 18 Roggen wird hier oft 10 bis 12 mal hinterein⸗ ſein der, bei jedoch haͤufiger Duͤngung gebaut. Wo dieß nicht geſchieht, wird wohl auch Spoͤr⸗ Eat gel, Aspergula arvensis, in die Roggenſtoppeln ge— wiſch baut, und von Einigen ſpaͤter als Duͤngung unter— muüi gepfluͤgt, von Andern als Futter abgeweidet. Klif Wer nicht eine Duͤngung von 400 bis 500 V b Karren fuͤr das Bunder in ſeiner Wirthſchaft er— tel uͤbrigen kann, haͤlt ſich nicht im Stande, eine Kaͤmpe dfi Haide urbar machen zu koͤnnen. fea Einen großen Erſatz gewaͤhren aber die Haide⸗ V St plaggen dieſer Kaͤmpe ſelbſt wieder. Ea Die zweite Art ihrer Nutzung beſtehet in ihrer lus n Anlage zur Holzzucht. Hiezu wird der abgeplaggte lächte Boden 10 Zoll tief umgebrochen, und wenn die ſedi Pflugbalken etwas muͤrbe ſind, 4 bis 5 mal geegget. V Dann werden die beiden Haͤlften der Kaͤmpen, oder ſ b 1 nur eine, wenn die andere zum Getreidebau benutzt Dim aiſſi 4 8 it d *) Leider hat Herr von Grouner uͤber die Behandlung dieſer Kleeſaat nicht das Geringſte erhoben. Es iſt merkwuͤrdig, ſſien, daß dieſe uͤppige Pflanze in dieſem reinen Sand ſogleich ge— W deiht, was im Thonboden niemahls auf Neubruͤchen der Fall aiwech iſt. Aber auch hier in Muͤnchen kam der rothe Klee(Trifa— 1d lium pratense) in beinahe reinem Kies das erſte Jahr ſchon bewundernswerth ſchoͤn. Grau 1 Haſſelt. 129 beſel werden ſoll, in lauter auf den Weg ſtoſſende Beeten von 12½ Fuß Breite abgetheilt, und zwiſchen denſelben Graͤb⸗ nterein lein von 18 bis 20 Zoll Breite und Tiefe ausgehoben. Wenn die Beeten abgeſteckt ſind, wird Kiefern— Spot⸗ Samen in dieſelben geſaͤet, und mit der Erde, n ge⸗ welche mittels 6 bis 3 Zoll ſenkrecht gehobener Spa⸗ unter⸗ tenſtiche aus den Zwiſchengraͤbchen entnommen wird, Wurfweiſe bedecket. 5 500 Der Einfriedigungsdamm oder Wall wird mit Ei⸗ aft er⸗ cheln beſtellt. Auch der Rand der Kiefern-Anlage wird Kaͤmpe oft mit Eicheln beſtellt. Hievon ſollen zwar viele nicht fortkommen; man behauptet aber, daß an den leeren Haidd Stellen, welche dieſe laſſen, Birken, Betula alba; Erlen, Betula alnus; und deutſche Pappeln, Popu- ihrer lus nigra, ſich einfinden. Vermuthlich wird aber der laggte leichte Samen dieſer Holzarten von benachbarten Ein— in de friedigungen vom Winde dahin gefuͤhrt. geegge. Der Reiſende bemerkt, daß er Holzkaͤmpen die— in, odet ſer Art geſehen, welche,— ſelbſt die Eichen auf den benutzt Daͤmmen nicht ausgenommen, einen ſchoͤnen und kraͤftigen Wuchs beurkundeten. Die Raſenplaggen an den Daͤmmen verwittern . mit der Zeit, und haben dann ein roſtfarbes An— un dieſer ſehen, wie ganz unfruchtbare Erde. . uͤrdi.... 2 knne Die dritte Benutzungsart, in welcher die Kaͤmpe zgleich ge⸗. 4 K der fal abwechſelungsweiſe zu Fiſchweiher, und zu Hafer— ee Crile und Kleebau geeignet werden ſoll, hat Herr von Jaht ſchon Grouner nicht klar genug ermittelt. Es heißt, I. Theil. 0 130 Campine „man hebe bloß die Erde, jedoch nicht ſehr tief, „aus und das Waſſer kommt von ſelbſt.“ Das iſt zwar in jener waſſerreichen Gegend ſehr begreiflich. Aber weniger begreiflich iſt es, wie man dieſes Waſſer wieder entfernt, um Haber und Klee darein bauen zu koͤnnen! Aus dem Ganzen ergibt ſich, daß man mit der Urbarmachung der Campine noch immer ſo ziem⸗ lich auf demſelben Punkte ſtehet, wo man vor 200 Jahren geſtanden. Nur im Miſtmachen ſcheinet man es weiter gebracht, und hiedurch eine ſehr weſentliche Erleichterung erzielt zu haben. Die Haideplaggen ſind den Bewohnern der Campine zu dieſem Behufe ein unſchaͤtzbares Gut. Beſonders da ſie ſich ſo ſchnell regeneriren, und foͤrmliche Miſternten gewaͤhren. Man iſt auch in der Campine der Anſicht, daß ihr Ackerbau ohne Haideplaggen gar nicht beͤtrieben wer⸗ den koͤnnte, indem nach angeſtellten vergleichenden Verſuchen der daraus erzielte Miſt fuͤr jenen Boden durch Strohmiſt unerſetzbar ſey. Dieſes befremdende Reſultat ſucht man dadurch zu erklaͤren, daß dieſer Boden den Strohmiſt zu ſchnell zerſetze, und von ihm zu wenig Feuchtigkeit erhalte, waͤhrend die Hai— depflanzen, aus welchen die Haideplaggen beſtehen, vielen Gerbeſtoff enthalten, daher der Verweſung mehr zu widerſtehen, und mehr Feuchtigkeit an ſich zu halten vermoͤgen. Wenn man aber auch dieſe Thatſachen zugeben ſ le Hiide Sand gebau Wat In Vad pektüt haben dͤurc Haſſelt. 131 — ſa tif wuͤrde, ſo bewieſen ſie dennoch nichts, als daß man bei den vergleichenden Verſuchen zu wenig Strohmiſt egend ſi aufzubringen vermochte, und daher ſehr natuͤrlich eine wie man kleinere Ernte erhielt! Hinreichend vieler Strohmiſt und Klee wuͤrde eine groͤßere Ernte gewaͤhren, als hinreichend viel Haideplaggemiſt; eben weil er aufloͤslicher iſt und man mi dennoch mehr Kohlenſtoff enthaͤlt. Aber er iſt nicht 1 ſer ſo jien, ſo leicht zu gewinnen. Uebrigens iſt es klar, daß der 3 bor 200 Haideplaggemiſt, und der Torfkompoſt fuͤr reines heinet man Sandland ſehr zweckmaͤfſige Duͤngermaterialien ſind, weſentiche und daß es den Bewohnern der Campine weit Nlaggen ſiid ſchwerer fallen wuͤrde, die Kultur ihrer Kaͤmpen em Behuft ohne denſelben weiter auszudehnen. ch ſo ſchnel Natuͤrliche Wieſen beſitzet dieſes Land wenig, hren. Na weil das Vorurtheil ſie in dieſem Boden fuͤr un⸗ , daß iit moͤglich hielt. Eben ſo wenig hatte man fruͤher Klee rieben wer gebaut.*) Nur Roggen, Hafer, Spoͤrgel und Buch⸗ gleichende Weitzen, Polygonum fagopyrum, waren hier heimiſch. ien Boden In neuerer Zeit ſcheinet aber die Anlage kuͤnſtlicher Weiden, der Klee-, Kartoffel- und Ruͤbenbau, Stop⸗ pelruͤben und Stoppelmoͤhren, Eingang gefunden zu haben, und der Zuſtand der Campine wird ſich efremdende daß dieſer und von ddie Hai⸗ dadurch merklich beſſern. beſtehen, Verweſung eit an ſich*) Das hat man Herrn von Grouner geſagt. Aber aus dem Fruͤheren iſt erſichtlich, daß man auch ſchon vor 30 Jahren, wenn ſchon beſchraͤnkter, den Kleebau betrieben abe. jn ugee 9* 1³3²2 Campine Da es indeſſen ausgemacht iſt, daß dieſer eiſen⸗ un O haltige Boden eine große Maſſe Duͤnger verlangt, nd d ſo iſt zu wiſſen nothwendig, wie ihn die Bewohner n dieſer Gegend gewinnen. h Sie benutzen hiezu 2 Wege. Der Eine, zum Jeſmg Theil ſchon beruͤhrte, iſt die Compoſtbereitung aus ij i Haideplaggen; der Andere der ſtarke Betrieb von nüce Fruchtbranntweinbrennereien. 9 Raſen- oder Haideboden wird mit der Plaggen— pin haue abgeplaggt, und 2 Reihen Plaggen werden e immer in Wallmen in der Mitte zuſammen gewor⸗ uerd fen, geſammelt, und entweder nach Hauſe gefahren, iaßi oder auf dem Felde zu einem Compoſthaufen aufge— kend ſchichtet. Zu Hauſe werden ſie theils zum Brennen, V jn theils zum Einſtreuen benutzt. i Die Compoſthaufen werden in der Art auf dem b 8 Felde gebildet, daß auf 2 Karren Haideplaggen 1 Hufſn Karren Strohmiſt in abwechſelnden Lagen zu liegen peid komme, und dieſe Maſſe oͤfter mit Aaljauche, zu ginxl deſſen Sammlung Behaͤlter in oder an den Staͤllen auch angebracht ſind, uͤberfuͤhrt und begoſſen wird. Die Jauchebehaͤlter in den Staͤllen enthalten di gewoͤhnlich auch die Exkremente der Menſchen, und uffe ſind mit einer Pumpe verſehen. Zum Ausfahren die— ſten. ſer Jauche bedienet man ſich eines Faßes von der d Form eines abgeſtutzten Kegels, welches auf einem V kunn e gewoͤhnlichen 2 raͤderigen Karren liegt, und an der V u den hi unterſten Daube mit einem Zapfen verſehen iſt. Auf Haſſel t. 135 diſſereſe⸗ dem Compoſthaufen wird dieſer Zapfen ausgezogen, t verlangt, und die Jauche laͤuft gerade auf den Compoſt. Wann Bewohner aber junge Saaten mit Jauche uͤberfahren werden, ſo wird ein Brett horizontal unter das Zapfenloch ine, zum gehangen, damit die Jauche auf dieſes fließet, und tung aus ſſcch auf demſelben beſſer vertheilt. Dieſe Vorrichtung trieb von moͤchte wohl auch bei dem Compoſt beſſer ſeyn. Herr von Grouner hat zwei ſolche Compoſt⸗ plaggen⸗ haufen abgemeſſen. Sie haben die Form, wie Taf. I. n werden Fig. 3. die Seiten⸗, Fis. 4. die obere Anſicht ge⸗ en gevor ben. Sie bilden naͤmlich ein, auf der groͤßern Seite gefahren, liegendes A ſeitiges Prisma; die beiden langen Sei⸗ fm auffe⸗ tenwaͤnde AD und Ell ſind daher ſenkrecht abgeſto⸗ Brennen, chen, und nur die kurzen ABEF und EDIIG bilden Auf⸗ und Abfahrten. dauf dem Bis zum Verlauf eines Jahres ſetzen ſich die Haufen um ¾ihrer Hoͤhe und bewachſen ſich ganz gruͤn, ohne daß die Haideplaggen deswegen ſchon gaͤnzlich verweſet ſind. Die Verweſung derſelben wird laggen 1 nzo begen ljauche, zu eri auch keineswegs abgewartet. en Ställe rd Die Miſtlager an den Staͤllen ſind gewhnlich ird. 2 Fuß tief, und werden mit dem abgefallenen Kar⸗ toffelkraut und andern verwesbaren Subſtanzen ver⸗ ſehen. Auch die Aſche koͤmmt haͤufig dahin. Da indeſſen das Gruͤnfutter hier wenig iſt, ſo enthalten ſſchen, und gfahren die es von der 4 5 ü nen kann es auch nicht viel Vieh⸗ und nur wenig thieri⸗ einen 6 3 31½ ui der ſchen Duͤnger geben, welcher doch zum Compoſtma⸗ an y„ 3 a af chen hier ſo unerlaͤßlich nothwendig iſt. Die menſch⸗ eenn iſt 134 Campine lichen Exkremente, welche man auch fuͤr die en Zweck ſammelt, ſind natuͤrlich viel zu unergiebig fuͤr ſolche Maſſen. Um dieſes Gebrechen zu beſiegen, ſuchen die beſten Landwirthe dieſer Gegend Branntweinbrenne— reien anzulegen. Die Abfaͤlle derſelben geben ein Fut⸗ ter, das einen ſehr fluͤßigen Duͤnger gewährt, und eben dieſer hat fuͤr ſie die groͤßten Vorzuͤge. In dem kleinen Staͤdtchen Haſſelt, das nicht mehr als 6300 Einwohner zaͤhlt, ſind doch 30 große Branntweinbrennereien, welche durch das ganze Jahr ununterbrochen aus 2 großen Blaſen, 16 Hectolitres (59,36 Cubikfuß, oder 21 Eimer 36 Maaß bayer.) faſſend, Lutern und Weinen. Sie brennen ihren Branntwein in der Regel aus Roggen, hatten aber zur Zeit, als dieſer hoch im Preiſe geſtanden, auch Kartoffeln hiezu benutzt. Ihr Verfahren ſcheinet mit dem Gemeinuͤblichen ziemlich uͤberein zu kommen. Bemerkt zu werden verdient, 1. daß ſie mit Brunnenwaſſer anmaiſchen, wel⸗ ches Eifenſchuͤſſig, alſo fuͤr den Gaͤhrungsprozeß un⸗ guͤnſtig iſt; 2. daß ihr Feuermateriale durchgehends aus Steinkohlen beſtehet, und daß ſie damit jaͤhrlich ei— nen Boden der Branntweinblaſe durchbrennen, welcher immer ſchon nach Verlauf von 6 Monaten gewendet wird; 3. daß ſie zum Einmaiſchen das obere, fluͤßigere V dadlich Mſ aus an der 6 nen,t dem ute; Neie ban be het be tiiget dünſti atbeite len un dö leic Haa ſaſge l. t. 155 ein Jyc der bereits ausgeluterten Schlempe, wovon nur das für ſalhe Dickere dem Vieh gegeben wird, abſchoͤpfen, und ſuchen die nebſt dieſem auch den Ruͤckſtand des Lutters verwen⸗ einbrenne⸗ den, welcher beim Weinen in der Blaſe zuruͤck bleibt; ein Fut— 4. daß ſie ihr Malz von dem Rauch der Brannt⸗ jrt, und weinblaſen doͤrren, welches jedoch nicht braun wird, ſondern mit Recht weiß bleibt; und daß Herr von as nicht Grouner bemerkt haben will, dieſes Malz ſey weit 30 gtoße ſtaͤrker gewachſen, als es in Bayern uͤblich iſt, naͤm⸗ ze Jahr lich 2 bis 3 Zoll lang(kaum begreiflich); ettolittes 5. daß der Lutter und der Branntwein, ſo wie baher. endlich auch die Schlempe oder Schlicke, von der n ihren Blaſe in unterirdiſch angebrachte Behaͤlter laufen, ten aber aus welchen ſie mittels Pumpen und Rinnen ſogleich ,, auch an den Ort ihrer Beſtimmung gepumpt werden; 6. daß der Brantwein nach zweimaligem Wei⸗ kölichen nen, rein, ohne Nebengeſchmack und waſſerklar unter dede dem unpaſſenden Namen»Genievers“ ohne wei⸗ tere Vorbereitung in den Handel koͤmmt. Da eine ſolche Brenerei in Haſſelt an die en, u nenſbche; Regierung jaͤhrlich beinahe 4000 Francen an Abga⸗ 5 ben bezahlen muß, das Brennmateriale von Luͤttich ds aus her bezieht, ihre Produkte auswaͤrts abzuſetzen genoͤ⸗ hrlich ei⸗ thiget iſt, und uͤberdieß mit einem an ſich wenig tennen, guͤnſtigen Aufloſungsmittel(Eiſenſchuͤſſigem Waſſer) Yoannten arbeitet: ſo iſt klar, daß dieſer Betrieb hier mit vie— len unguͤnſtigen Verhaͤltniſſen kaͤmpfen muß, und daß flüßigere es leicht waͤre, damit in Konkurrenz zu treten. 136 Von Haſſelt Merkwuͤrdig iſt noch, daß man in Haſſelt das Maſtvieh pur mit ſolcher Branntweinſchlempe, ant ohne andere Beigabe fuͤttert, und daß man von der in an nachtheiligen Wirkung dieſer Fuͤtterung, welche doch ſſades von mehreren Landwirthen bereits will bemerkt wor— d den ſeyn, gegen Herrn v. Grouner nichts erwaͤhnt Audre hat. 15 E: Man hat auch ſchon in Deutſchland verſucht, ven u die Maiſche vor dem Luttern leicht zu preſſen, und 1l5 D dann nur die fluͤſſige Subſtanz zu deſtilliren, die nach J trockenere aber ſogleich als Viehfutter zu verwenden. lefluf Dieſe Methode bewaͤhrt viele Vorzuͤge: durch 1. Erhaͤlt man kaum um etwas weniger Brannt⸗ bon d 3 wein; tnumij 2. gewinnt man ein beſſeres, nahrhafteres Vieh⸗/ 6 futter, und einen ganz fuſelfreien Branntwein; zuch vor 5 3. beſeitiget man die Gefahr, daß ſich die Mai— dnß di ſche anbrennen koͤnne. ſechte Nicht unwahrſcheinlich iſt dieß der einfachſte, gung beſte und vortheilhafteſte Weg zu einem fuſſelfreyen den ki Frucht-⸗ oder Kartoffelbranntwein, und zu einem ſehr fir ſh ergiebigen geſunden Viehfutter zu gelangen. dn and Von Haſſelt nach Loͤwen. ti Von Haſſelt bis Herck dauert noch das Sandland der Campine. Die Haͤuſer ſind großen⸗ yn theils von Backenſtein erbaut, und haben durchge⸗ un hends Strohdaͤcher. 3 nach Loͤwen. 137 ranſi Mit dem Beginnen der Provinz Suͤd⸗Bra⸗ 1 bant bei Herck, worin Loͤwen liegt, beginnet auch on der b ein anderer thoniger Boden, und ein weſentlich ver⸗ ch dag ſchiedener Ackerbau. a hor Die Provinz Suͤdbrabant enthaͤlt auf 60¼ erwͤhnt Quadratmeilen nicht weniger als 458000 Menſchen; 15 Staͤdte, worunter Bruͤſſel mit 25086, Loͤ⸗ verſüht, wen mit 25400 Einwohnern, 12 Marktflecken und en, und 5183 Doͤrfern und Weilern. Sie wird von Suͤden ten, die nach Norden von dem Senne⸗ und von dem Dy— rwenden. lefluß, wovon erſterer durch Bruͤſſel, letzterer durch Loͤwen fließet, und von Oſten nach Weſten Vrannt⸗ von der Demer durchfloſſen. Alle dieſe drei Fluͤſſe entmuͤnden ſich in die Schelde. s Vieh⸗ Auf der Reiſe von Herck bis Loͤwen, und ſpaͤter wein; auch von Loͤwen nach Bruͤſſel fand H. v. Grouner, ie Mai⸗ daß vieler Guͤnſter, Genista scoparia, theils zu Korbge⸗ flechten, oder zur Streu, theils zur vegetabiliſchen Duͤn⸗ infachſte, gung vorzuͤglich auf Sand⸗ oder ſtark ſandigem Thonbo⸗ ſelfeyen den kuͤnſtlich gebaut werde. Man haͤlt dieſe Pflanze hiezu tem ſehr fuͤr ſehr ergiebig, und man glaubt, daß ſie einer je⸗ den andern hiezu vorzuziehen ſey.*) Laͤngſt dem Fluͤßchen Demer ſind ſchoͤne wohl och das großen*) Man ſehe uͤber den Nutzen dieſer Pflanze Schwerz: Anlei⸗ tung zur Kenntniß der belgiſchen Landwirthſchaft 3r Band durchge⸗ Seite 431 u. ſ. w. Ein ſehr ſchaͤtzbarer Botaniker aͤuſſerte jedoch die Anſicht, daß dieſe Pflanze ſchwerlich die ſteife und ————ℳℳℳ⸗———— 8— 9 1583 Löwen. unterhaltene Wieſen, welche theils gewaͤſſert werden. de A. ℳ Es iſt aber bei denſelben ſehr ſorgfaͤltig auf den un— ralſcſſ gehemmten Abzug des Waſſers Bedacht genommen. dij ſe Der Brabanterpflug iſt aller Orten, und groͤſ⸗ d. ſerntheils von einem Pferde gezogen. Selten ſind 2 rri un Pferde daran geſpant, und noch ſeltner findet man ſhn, den rheiniſchen Pflug mit dem beweglichen Streich⸗ Mamn! brett. ſcnel V gf 100 L d weenn. . zu bedde Dieſes iſt eine alte Univerſitaͤtsſtadt, welche eh— ie mals oft bei 2000 Studierende zaͤhlte, jetzt ſind eh, kaum uͤber 200 da zu treffen. idrrauf Die Stadt hat Luͤtticher⸗Pflaſter und zeich⸗ V N net ſich vorzuͤglich durch den Bauſtyl und durch die nn großartige Conſtruktion der Peterskirche und des ennen ſaͤdtiſchen Rathhauſes aus, welche in einem in⸗ a an ponirenden gothiſchen Geſchmacke glaͤnzen. aolhe Hier beginnen die vielen Hollaͤnder Kanalverbin⸗ f Wi dungen. Loͤwen iſt mit Mecheln, einer Stadt in fn der Provinz Antwerpen, durch einen ſolchen ver— h dl bunden. ſiaken⸗ Das Baſſin dieſes Kanals in Loͤwen und ſunn! Be . 1— niglihſt kurzaſtige Genista scoparia, ſondern vielmehr Spartium seo- parium ſeyn werde, welche auch bei uns in der Gegend von nict ho Augsburg und Pfaffenhofen an mehreren Stellen tuf eine vorkoͤmmt. 1 lainen d — ———— Ld wen. 139 Fun die Quai's fand der Reiſende vortrefflich, die Ka⸗ vannnrn nalſchiffe ſehr kurz, aber ſchoͤn gebaut. Er glaubto⸗ nd griy daß ſie wohl 6 Fuß tief im Waſſer gehen lonnten. 1nd 2 Das Baſſin wird durch eine Drehörüche in de nian zwei ungleiche Haͤlften getheilt. Die Drehbruͤcke iſt . ſchoͤn, und Herr von Grouner ſah ſie durch einen Srraih Mann und eine Frau, mittels Seil und Winde ſehr ſchnell auf- und zuwinden. Er ſchaͤtzet das Baſſin auf 100 Fuß Breite und glaubt, daß die Quai's zu beiden Seiten wohl ohngefaͤhr eben ſo breit ſeyn lihe de moͤgen; den Kanal hielt er fuͤr 55 bis 60 Fuß ett ſid breit, und es ſchien ihm, daß 5 bis 6 Kanalſchiffe darauf neben einander fahren koͤnnten. d zeich Nan hatte gerade Ziegel, Dachſchiefer, Bret— nrch die ter ꝛe. eingeladen, und wilder Ochſen Haͤute, Raps— und des Samen und Oelkuchen wurden ausgeſchifft. Man hat nem in⸗ hier eine eigene Art vierraͤderiger Transportwaͤgen, welche ſehr zweckmaͤſſig ſcheinen. Die Tragbaͤume die⸗ alverbin ſer Waͤgen liegen naͤmlich nicht auf den Radachſen, Stadt in ſondern haͤngen an der Achſe der hintern Naͤder tief hen ver, an den Boden herab, und ſind vorn mittels eines ſtarken Bogens und eines Querbalkens ꝛc. zum Ein⸗ en und haͤngen in die vordere Achſe geeigenſchaftet. Bei allen Transportwaͤgen beabſichtiget man eine moͤglichſt niedrige Lage der Tragbaͤume, um das Gut nüm nicht hoch heben zu duͤrfen. Dieſen Zweck ſuchen wir 15 auf eine minder vollkommene Weiſe durch die ſehr kleinen Raͤder unſerer ſogenannten Schanzwaͤgen zu 140 Ldwen. erreichen. Allein dies verurſacht, daß ſie weit ſchwe⸗ laſſen. rer zu fuͤhren ſind, wegen dem kleinen Durchmeſſer ten ee der Raͤder ſtark ſtoſſen, und neben den großen Waͤ lang! gen unterhalten werden muͤſſen. Bei der in Loͤwen höhe uͤblichen Einrichtung kann man hingegen die groͤßten au Wagenraͤder durch die bloße Verwechslung der Trag⸗ V d He baͤume zu dem beſten Trausportwagen jeden Augen— Jnnd t blick umſchaffen. Ein gewiß ſehr weſentlicher und Paſeer nachahmungswerther Vorzug. kegende Da dieſe Waͤgen indeſſen keine Langwied und 4 1 keine horizontalen Tragbaͤume haben duͤrfen, ſo iſt die die Konſtruction der geſenkten Tragbaͤume, durch welche beide Achſen verbunden werden muͤſſen, etwas kuͤnſt⸗ Piſ lich, und fordert eine fleißige Ausfuͤhrung. ähn N Hier zu Loͤwen beginnt nun auch der Dung⸗ füͤhrt handel von einiger Bedeutung betrieben zu werden. V auf u Das Depot des Miſſes liegt dicht an der Vün Stadt an einem Seitenrande des Kanals. Dieſe An⸗ ſtalt beſtehet hier aus zwei Theilen. Hr. v. Grou— thgſ ner ſcheint nicht erfahren zu haben, ob ſie in irgend 3 einer Verbindung ſtehen, oder nicht; er hielt eine Gain ſolche aber fuͤr vortheilhaft und nothwendig. ſaͤen, Der erſte Theil enthielt das Stadtkehrigt. Po⸗ 5 lizeyliche Anordnungen machen es den Einwohnern zur Pflicht, vor den Haͤuſern bis auf die Straſſe zu)u. kehren, und das Kehrigt da in Haͤufchen liegen zu Ban Vrem ¹— 2 ——— ʒ—— Ldwen. 141 8 laſſen.*) Zweiraͤderige Karren holen daſſelbe und lh⸗ 1 Vi ren es auf Haufen, welche am Kanal etwa 50 Fuß lang und 15 bis 20 Fuß breit von verſchiedener nen Hoͤhe aufgehaͤuft werden. Pferdemiſt, Stroh, Heu, füzi Staub u. dgl. machen hier, wie in andern Staͤdten, 8 die Haupt⸗Ingredienzien dieſer Maſſe aus, welche Aäyen⸗ ganz trocken erhalten zu werden ſcheint, obſchon das rfäund Waſſer des Kanals und die Fluͤſſigkeiten der nahe liegenden zweiten Abtheilung Gelegenheit zu der ſo d ſehr nuͤtzlichen Feuchthaltung deſſelben darbieten wuͤr⸗ ſ di dem.) b velce Der zweite Theil beſtehet in einer großen Zahl tins Baſſins, worin ſich die menſchlichen Exkremente befinden. Dieſe werden in 2 raͤderigen Kaſtenkarren von Menſchen gezogen, aus den Haͤuſern dahin ge— Dung⸗ fuͤhrt. Manchmal ſind auch Faͤſſer ſtatt Kaſten dar— rden. auf angebracht, und dann werden ſie mit Pferden a d beſpannt. u⸗ Dieſe Exkrementen,Faͤſſer ſind koniſch, d. h., Gtou⸗ abgeſtutzte Kegel mit 2 Boͤden. Oben war am hin— ken tern Theil dieſer Faͤſſer ein Loch, etwa 15 Zoll im - Gevierte haltend, mit einem keilfoͤrmig, dicht ſchlieſ— 1 ſenden Deckel verſehen, wahrzunehmen, wahrſcheinlich um die Subſtanz mittels einer Rinne einſchoͤpfen zu t. o⸗— vohnern 7*) In Holland iſt das beſſer eingerichtet. raſſe zu **) Wahrſcheinlich ſind ſie nur an ihrer Oberflaͤche trocken, in legen zu ihrem Innern aber feucht und warm gaͤhrend. 142 Von Loͤwen „ koͤnnen; und unten befand ſich am Boden ein Spund⸗ f loch von 6 Zoll Durchmeſſer, wodurch die Exkre⸗ 3 mente in das Baſſin laufen. Die Karrenfuͤhrer laſ⸗ ſen ihre Naͤder ruͤckwaͤrts bis an einen uͤber dds— thenil Baſſin liegenden Balken gehen, nehmen den Spund händen. heraus, und das Faß leeret ſich von ſelbſt. gu in Die verſchiedenen Baſſins liegen nahe an ein⸗ Mui ander, und ſind nur durch ſchmale Zwiſchenraͤume,f 1 und ſelbſt nur durch eine leichte Zwiſchenwand, ge- ilte trennt. ienden Man verkauft die Maſſe ungetrocknet in einem b duher breiartigen Zuſtand, nach einem vorhandenen Eimer⸗ V Maue faͤßchen gemeſſen, welches mit 2 eiſernen Handhaben verſehen iſt. Der Reiſende ſah Bauern, welche da— V nan ſ von geladen und abgefahren. Sie hatten hiezu Kar⸗ mm ſe ren mit Kaſten, welche durch eine Querwand in 2 nm Et . Theile getheilt ſind. Ueber die beſtehenden Accorde V deſs und Preisverhaͤltniſſe konnte er in Loͤwen nichts Zu⸗ meri verlaͤſſiges erfahren.- b did Von Loͤwen nach Bruͤſſel. nicht b Bei Loͤwen finden ſich in einem nahe der rendet Stadt liegenden Sand- und Steinbruch Spuren der M Kreideformation. Man trifft nun an den Straſſen tmilt, und noch mehr an den Doͤrfern ſehr viele Baum— in We Pflanzungen, welche hoch gezogen werden, um ſeiner unals Zeit daraus Bretter ſchneiden zu koͤnnen. Der Bo⸗ gſcha den beſteht fortdauernd aus ſandigem Lehm. 8 —— — 2..„— 4 Spund, e Exrkte— ihrer laſ ber das Spund an ein⸗ rume, d, ge⸗ meinem Eimer⸗ dhaben che da⸗ Kar⸗ in 2 lecoide ts Ju⸗ he der ren der taſſen Baum⸗ ſeiner er Bo⸗ nach Bruͤſſel. 143 nn ſ f e l. Dieſe Stadt von beinahe 10,000 Haͤuſern iſt ebenfalls mittels eines Kanals mit der Schelde ver— bunden. Das Baſſin deſſelben iſt zu Bruͤſſel laͤn— ger und geraͤumiger als jenes zu Loͤwen; die Quai's, deren viele vorhanden, ſind etwas ſchmaͤler. Auch hier findet ſich eine ſehr ſchoͤne Drehe— bruͤcke mit 2 Fluͤgeln, an einer eiſernen vertikalſte⸗ henden Achſe mit Eiſenſtangen als Traͤgern. Sie drehet ſich leicht und ſchnell, und iſt ruͤckſichtlich des Mauerwerkes nicht ſehr koſtbar. Neue Schiffe werden hier ausgewaͤſſert; indem man ſie 6 Wochen lang mit friſchem Waſſer fuͤllet, um ſie auszulohen, und alle aufloͤslichen, extrahirba⸗ ren Stoffe des friſchen Holzes auszuziehen. Wenn dieſes nicht geſchieht, ſo bekommen die Schiffe wenigen Jahren das ſogenannte Feuer, und ihr Holz wird morſch, zerreiblich wie Schnupftaback. An den— jenigen Stellen, wo die Feuchtigkeit von der Luft nicht verdunſtet werden kann, wird Kochſalz ange— wendet. Man ſagt, daß das Auslohen der neuen Schiffe, ehmals, wo die Eichenlohe noch nicht ſo geſucht und im Werthe war, nicht erforderlich geweſen, weil man damals nicht, wie jetzt, dieſes Holz in friſchem Gaft geſchlagen habe. Eichenlohe wurde, nach dem Gewichte, und wie 144 Bruͤſſel. Zimmet in 9 bis 10 Fuß langes Steckenholz einge— T rollt, gerade nach England verladen. kl i Unter die wichtigſten Gegenſtaͤnde fuͤr den Acker⸗ gäüſce bau der Brabanter gehoͤrt wohl der ausgedehnte V ſern be Dunghandel von Bruͤſſel. SLrtn Fuͤr dieſen Handel beſtehet eine beſondere Pri⸗ nn üd vatanſtalt in Bruͤſſel, welche an verſchiedenen Orten Shuſß an den Kanaͤlen der Schelde, Ruͤpel und Den— tk mi der ihre Commiſſionairs gegen Proviſion fuͤr den dran b Dunghandel hat. fal w Zu dem Lokale dieſer Anſtalt fuͤhret ein eigener dernied Quais des Kanals; die Anſtalt unterhaͤlt viele eigene geführ Schiffe, Schnellkarren und nicht weniger als 41 ſanmet Pferde bloß fuͤr Bruͤſſel. h Die Sammlung des Duͤngers in Bruͤſſel iſt b thul 1 an 2 Unternehmer in Akkord gegeben. Es werden hie⸗ V ping zu die Fuhrwerke der Anſtalt ausſchließlich gebraucht, b di und fuͤr jeden Karren, der aber in einem beſtimm— V ten Diſtrikt geſammelt, und ganz gefuͤllt ſeyn muß,— wird etwas Gewiſſes bezahlt. V Die Schnellkarren ſind fuͤr das Kehrrigt, trocke⸗ V 7 nem Miſt ꝛc. beſtimmt, ſind hoͤlzerne Kaͤſten, welche V, ſ ruͤckwaͤrts und oben etwas weiter und breiter ſind, nict h als vorwaͤrts und unten, und welche, da ſie zwey— üüt raͤdig, und ruͤckwaͤrts zum oͤffnen ſind, ſich leicht aus— V un leeren laſſen.*) m —— nd der *) Bekanntlich ruhet der Kaſten der Schnell⸗ oder Sturzkarren I 35 dh 4—— f — 4.— 5. 1 S —————— Bruſſel. 145 Dann unterhaͤlt die Geſellſchaft eine zweite Art zweiraͤderiger Karren fuͤr die Viundangeurs, ol einge. en Acker, 2. 4 er fluͤſige, menſchliche Exkremente, mit liegenden Faͤſ— gaͤehnt ſern von 6 ¾ Fuß Laͤnge und ohngefaͤhr 24 Fuß Durchmeſſer, oben mit einem Zapfen zum Einfuͤllen ere Pri und ruͤckwaͤrts ganz unten im Boden einen gleichen n Drten Behufs der Ausleerung. Karren und Faͤſſer ꝛc. ſind den⸗ ſtark mit Theer angeſtrichen, und dennoch leidet alles für den daran befindliche Eiſen ſehr ſtark vom Roſte. Des⸗ halb wird auch das Eiſen dabei ſo viel als moͤglich nügener vermieden. Jeder Karren wird durch einen Mann iel ägene gefuͤhrt, welcher den Duͤnger auf aͤhnliche Weiſe als 41 ſammelt wie in Loͤwen. Leute und Pferde ſind das Geſchaͤft gewoͤhnt, und es geht daher ungemein ſſel iſt ſchnell und zweckmaͤſſig. Daß alle dieſe Gefaͤhrte ein⸗ nen hie⸗ ſpaͤnig ſind, wird kaum der Erwaͤhnung beduͤrfen. tbtaucht, Die Haufen fuͤr das Kehrigt und die Baſſin beſtimm⸗ eyn muß, auf einer Achſe uͤber der Radachſe, welche nicht in der Li⸗ t, trocke⸗ nie des Schwerpunktes, ſondern weiter ruͤckwaͤrts angebracht welche iſt, ſo, daß vorwaͤrts ſtets ein, jedoch nur kleines Ueberge⸗ 3 ind wicht bleibt. Um dem Kaſten jedoch waͤhrend des Ladens und ter 1 Fahrens eine feſte und ſichere Lage zu verſchaffen, wird der⸗ ſie zwen⸗ ſelbe vorn mittels zweier eiſerner Schubnaͤgeln, Ringen oder ſlich aus⸗ Hacken an die Lahnen oder Querringel befeſtiget, und wenn er entleert werden ſoll, darf man nur dieſe herausziehen, und den vordern Theil des Kaſtens etwas erheben, ſo ſtuͤrzt er ſich ſelbſt, ſeine Entleerung machet gar keine Muͤhe, und Sturzkarren das ſonſt nothwendige Ausſpannen des Zugviehes überfluͤſſig. I. Theil. 10 146 Beruͤſſel. fuͤr den fluͤſſigen Duͤnger ſind wie in Loͤwen, nur in einem groͤßern Maaßſtab ausgefuͤhrt.*) Zum Ausgleichen der Kehrigthaufen werden im— mer 3 bis 4 Maͤnner, und zum Ausſuchen der Stei⸗ ne, welche zuweilen darein kommen, einige Buben verwendet. Die Behandlung des Duͤngers iſt ſehr verſchie— den, je nachdem es die Kaͤufer wuͤnſchen. Die Keh⸗ rigthaufen ſehen auch hier trocken aus, ſind es aber in der That nicht, ſondern werden ſtets etwas feucht erhalten. Wenn ſie friſch angeſtochen werden, rauchen ſie, und ſind im Innern ſo heiß, daß man Eyer darin ſieden kann. Nicht nur in der Hauptanſtalt werden viele ver— ſchiedene Duͤngerarten gemacht, ſondern auch in den auswaͤrtigen Depots treffen die Commiſſionaͤrs noch verſchiedene Anordnungen damit, um die ver— ſchiedenen Begehren ihrer Kunden nach Wunſch be— friedigen zu koͤnnen. Die Nachfrage nach Duͤnger iſt aber hier ſo groß, daß nicht Ein Schiff ohne vorgaͤngige Be— ſtellung verladen wird. — *) Die Kehrigthaufen werden zuweilen bis 3o Fuß hoch. Die Anſtalt hat drei Schmide, einen Wagner, viele Wohnungen fuͤr ihr Perſonale, und bildet einen Hof, an welchen ein Arm des Kanals ſtoßt. Vier große Duͤnger-Baſſin ſtehen durch Schleuſſen miteinander in Verbindung. *. 4 halbe beinal rahmte Griße fäßen über ſchten Bruͤſſel. 147 wen, mn Die Milchwirthſchaften von Anderlacht, eine b halbe Stunde von Bruͤſſel, welche dieſe Stadt verden in beinahe ausſchließlich mit Milch und Butter ver— der Stei⸗ ſehen, und einen gewiſſen Ruhm hierin behaupten, he Buben hat Herr von Grouner ſehr ſorgfaͤltig beobachtet, und ſeine Beobachtungen unſtaͤndlich verzeichnet. verſchie⸗ Sie ſind durchgehends mit Paͤchtern beſetzet, Die Keh⸗ und ihre Wirthſchaft beruhet weſantlich auf den es aber groſſen Wieſenflaͤchen, welche ſie an den thonigen vos ſeucht Ufern der Senne beſitzen. 5 u tauchen Sie treiben Graswirthſchaft und Ackerbau ver— man Cher eint; letzteren beſonders, um viele Wurzelgewaͤchſe zu Winterfutter zu erzeugen. Im Sommer treiben ſie t viele bet⸗ Weidewirthſchaft, melken aber auf dem Stall. Nebſt uich in den der Butter machen ſie auch Kaͤſe, theils aus abge⸗ iſſionaͤrs rahmter Milch, theils aus Buttermilch von 3 bis 4 n de der Groͤßengattungen*) in Weidenkoͤrbchen, ſtatt in Ge⸗ Punſch be faͤßen oder Reifen. Der ganze Betrieb erhebt ſich in keinem Zweige er hier ſ uͤber das Gewoͤhnliche, bleibt aber in vielen Ruͤck— ngige Be⸗ ſichten darunter. Einige dieſer Paͤchter ſammeln die Stalljauche in beſondern, großen, unterirdiſch angebrachten Be⸗ haͤltern, verwenden ſie aber ausſchließlich zu Wurzel⸗ b. N gewaͤchſen und niemals auf Wieſen; weil ſie glauben, Wohnungen welchen ein Baſſin ſtele*) Groͤßerntheils nur ¼ Pfund ſaſſend. 10* 148 Von Bruͤſſel uͤber daß die Butter einen Geſchmack davon bekoͤmme. Sie finden ſie, was in dieſem Boden natuͤrlich iſt, un⸗ gemein befruchtend. Das Pflaſter in und um Bruͤſſel iſt nicht gut, obſchon ſie vortreffliches Material hiezu beſitzen. Es ſind hier nicht mehr Luͤtticher, welche ſeine Her⸗ ſtellung und Unterhaltung beſorgen. Wir werden auf die Gegenſtaͤnde dieſer Stadt ſpaͤter noch einmal zuruͤckkommen, und muͤſſen nun dem Reiſenden nach dem Haag folgen. Von Bruͤſſel uͤber Vilvorde nach Mecheln. „Da wir auf Bilvorde ſpaͤter noch einmal zuruͤckkommen werden, ſo mag es vorlaͤufig genuͤgen, anzumerken, daß ſich an dieſem Orte ein Zucht⸗ oder Arbeitshaus befindet, welches an 300 Arbeiter ent⸗ haͤlt und in dem eine vorzuͤgliche Induſtrie herrſchet. Herr von Grouner ſagt von dieſer Reiſe in einer ausfuͤhrlichen Note:„Von Bruͤſſel uͤber Vilvorde nach Mecheln reiſete ich durch eine herr⸗ lich angebaute Gegend, wovon die groͤßere Haͤlfte durch die laͤngſt dem Sennefluß liegenden Wieſen, die kleinere Haͤlfte aber durch reich angebaute, uͤber⸗ all mit Baumpflanzungen umgebene Ackergelaͤnde gehet. Seit ich Aachen verließ, und in die Nieder⸗ lande eintrat, reiſete ich aller Orten auf gepflaſter— ten Straſſen, den einzigen Weg von Haſſelt bis Dieſt ausgenommen, wo ich einen aus Sand be⸗ Jahees tiſſen Fahrwe dee 3. doglch laden. ſo etn Jaßt Jentner Dſerden eine ſol bei uns ſcht die geht die ſt de Vilvorde nach Mecheln. 149 nt. di ſtehenden Erdweg zu befahren hatte, in welchem die ſi, w ſehr hohen Raͤder oft bis an die Naben in den tie⸗ fen Geleiſen einſanken, welcher daher bei ſchlechtem ii nih Wetter kaum fahrbar iſt. Dieſe, mit geſchlagenen beſten Wuͤrfelſteinen gepflaſterten Straſſen bilden zu allen ne Her Jahreszeiten und bei jeder Witterung eines der wich⸗ tigſten Kommunikationsmittel, worauf die ſchwerſten Stadt Fuhrwerke ſich ungehemmt und unaufhoͤrlich bewegen. n nun Die Zufuhr der Steinkohlen, dem allgemein uͤbli— chen Brandſtoffe in Bruͤſſel wird von Charleroy eln(14 deutſche Stunden entfernt) bis zur Hauptſtadt durch ein uͤberaus huͤglichtes Land auf vierräderigen linmal Waͤgen mit breiten Radfelgen, welche von 5 Pferden, rüͤgen,— 2 an der Deichſel und 3 in Front vorne,— odet beſpannt ſind, uͤber eine ſolche Straſſe betrieben. ent⸗ Jedermann weiß, daß auf einem ſolchen Wagen iſchet. 120 bis 140 Zentner Steinkohlen gefuͤhrt werden, eiſe in obgleich es verboten iſt, mehr als 120 Zentner zu luͤber laden. Vertheilt man dieſe Laſt auf die fuͤnf Pferde, e herr⸗ ſo ergiebt ſich, daß ein Pferd auf ſolchen Straſſen Haͤlfte Jahr aus Jahr ein die enorme Laſt von 20 bis 24 dieſen, Zentner zieht. Obgleich der hieſige Schlag von Zug⸗ uͤber⸗ Pferden ſehr groß, breit und ſtark iſt, ſo iſt doch llaͤnde eine ſolche Laſt auſſer allem Verhaͤltniß gegen die eder⸗ bei uns uͤbliche, und verdient in adminiſtrativer Hin— faſſer⸗ ſicht die groͤßte Aufmerkſamkeit. Hier(in Mecheln) lt bis geht die reiche und intenſive Landwirthſchaft an. Hier nd be⸗ iſt das Land von Contigh, von welchem Schwerz — — —— 2————— ———COCQVO—B—OO,A ·B ·B——.—— 5 3 .——õ— ͦ——— ³— 150 Mecheln. in ſeiner belgiſchen Landwirthſchaft mit Recht eine ſo reitzende Beſchreibung macht.“ Mechel n. Dieſe Stadt zaͤhlet 3120 Haͤuſer und 10025 Einwohner, und liegt an dem Ruͤpelfluß, welcher in einer Entfernung von kaum 4 Stunden in die Schelde einmuͤndet. Sie iſt die ſuͤdlichſte Stadt der Provinz Antwerpen. Dieſe Provinz enthaͤlt 40,5 Quadratmeilen und darauf 298900 Einwohner, ſomit auf die Quadrat⸗ meile 6038, und nur etwas weniger als die Provinz Suͤdbrabant, wo 6636 auf die Quadratmeile treffen. Sie zaͤhlet 6 Staͤdte, 12 Marktflecken, und 270 Doͤrfer. An Pflugland und Poldern gibt man an 198654 Arpents, oder 476352 15 bayer. Tag⸗ werk und an Wald 27184 Arpents, oder 65187 bayer. Tagwerk. Ich glanbe indeſſen, daß dieſe An⸗ gaben unrichtig, um mehr als die Haͤlfte zu groß ſeyen, und ſich auf die alte Provinzial-Eintheilung beziehen. Die Provinz Antwerpen wird nur an ihrer ſuͤdweſtlichen Spitze von der Ruͤpel, und aus der nordweſtlichen Richtung von der Nethe durchfloſſen, welche ſich etwas unter Mecheln in die Ruͤpel ergießt. Die Doͤrfer dieſer Gegend ſind von Stein in Reihen gebaut, enthalten aber in der Regel nur die Juſer und inn Daſter der( nen be veiſſe Nrund; 83 Keotte Mecheln. 151 ſtene ſ Wohnungen der Geiſtlichen und Handwerker, waͤh⸗ rend der Bauer auf ſeinem Feldbeſitze wohnet. Mecheln iſt in dieſer Provinz die zweite Stadt. Sie hat ſehr ſchoͤne Straſſen von zwar kleinen ge⸗ den hauenen Steinen, aber vortrefflich gepflaſtert. Mit⸗ ten auf dem Platze der Stadt iſt auf dem Boden in die eine horizontale Sonnenuhr eingepflaſtert, deren Schat— Sud tenwerfender Zeiger eine eichene 18 Fuß hohe verti⸗ kale Saͤule mit einem Stern an der Spitze von 2 ½ en und Fuß Durchmeſſer iſt. vadrat⸗ Previn Dieſe Sonnen Uhr hat im Durchmeſſer nicht atmeile weniger als 50 Fuß und die 6 Fuß hohen Ziffer und ſind in einem Ring ven 7 Fuß Breite angebracht. nan Auſſer dem Ringe ſind die Weltgegenden verzeichnet, dg und innerhalb deſſelben iſt dieſes Meiſterſtuͤck der r Pflaſtererkunſt mit einfachen Verzierungen geſchmuͤckt. ſ W⸗ Der Grund iſt mit dunkeln ſchwaͤrzlichgrauen Stei⸗ nen belegt; die Kreislinien und Zahlen beſtehen aus u groß . 1 2.— weiſſen, der Kreideformation angehoͤrigen Steinen. eilun hinn Dem Reiſenden ſchien das Pflaſter in Me⸗ ihrer cheln das beſte, was er je geſehen, obſchon man us der hier des weiten Transportes der Pflaſterſteine wegen ftſen, genoͤthiget iſt, ſich mit kleinern Steinen zu begnuͤgen, Rüpel als in Bruͤſſel und in den naͤher liegenden Orten. Man haͤlt hier Alles auf einen ſehr feſten Unter— kein i grund und auf den feſten Satz der Steine. Zu nne dit Trottoirs fand er aber die Backſteine als das em— ———Q—————— —————— 152 Mecheln. pfehlungswertheſte Materiale, wie man ſie auch in Bruͤſſel hat. Mecheln hat eine beſondere Straſſenreinigungs⸗ Anſtalt. Es ertheilt der Magiſtrat einer gewiſſen Zahl von Unternehmern das Recht, an beſtimmt be— zeichneten Plaͤtzen und Straſſen alles Kehrigt und jede Unreinigkeit zu ſammeln, und weiſet ihnen Plaͤtze an, wo ſie dieſe Materialien zuſammenfuͤhren, und fuͤr ihre Zwecke verbreiten koͤnnen. Dieſe Unternehmer haben einſpaͤnnige Karren, wie in Bruͤſſel, und ſind gehalten, die Straſſen zu beſtimmten Stunden unter Aufſicht zu reinigen. Ihre Sammelplaͤtze ſind an mehreren Thoren der Stadt, jedoch nicht an allen. Die menſchlichen Exkremente werden aber von den Einwohnern an Miſtbereiter, und wie man ſagt, theuer verkauft, welche ſie auf weiter von der Stadt entfernte eigenthuͤmliche Plaͤtze in Baſſins fuͤhren.*) Die Anſtalt, welche Herr von Grouner ge— ſehen, hatte 5 Baſſins und jedes konnte etwa 20 Fuß im Gevierte halten; alſo wuͤrde jedes 8000 Cubikfuß *) Hierunter wird die Raͤumung der Abtritte zu verſtehen ſeyn. Denn die menſchlichen Exkremente in den Ecken und Win— keln auf Straſſen und Gaſſen ꝛc. zu ſammeln, ſind gewiſſe alte arbeitsunfaͤhige Perſonen befugt, welche mit Schaufel und Korb verſehen deshalb in der Stadt herumgehen. Was ſie geſammelt, verkaufen ſie an Unternehmer und verdienen ſich damit ihren Unterhalt. oder A wohl— gegrute dn. E Einer und berd breiartige d in 2 J inng ſa Baſa herr d welhe finden ghubt⸗ dß dee ſoicher 64: meht v weniger Franeen dabei rei die als für ſengende Hules den beiſe Alfabe Mecheln. 155 aucj in oder 2007 Eimer faſſen: was aus dem Grunde nicht 1 wohl moͤglich iſt, weil dieſe Baſſins nur in Thon nungs⸗ gegraben ſind, und ſchwerlich 20 Fuß tief ſeyn wer— geviſen den. Es wird der dritte Theil genuͤgen, naͤmlich 0909 unt be⸗ Eimer fuͤr jedes Baſſin. In dieſen Baſſins gaͤhret gt und und verdunſtet die Maſſe, und wird nachher in einem lätze breiartigen Zuſtande verkauft, und Der Verkauf daraus findet in der Regel nur in 2 Jahreszeiten, naͤmlich im Herbſte und im Fruͤh— arren, ling ſtatt. Die Zwiſchenzeit wird zur Fuͤllung der traſen Baſſins und zur Vorbereitung der Maſſe verwendet. nigen. Herr von Grouner konnte nicht erfahren, ob und der welche Kunſtgriffe und Miſchungen hiebei Anwendung b finden moͤgen; daß aber wirklich ſolche Statt finden, nden glaubte er aus dem Umſtande ſchlieſſen zu duͤrfen, heuer daß die Unternehmer den einſpaͤnnigen Karren voll ſernte ſolcher Exkremente mit zehn franzoſiſchen Francen (4 fl. 33 ¾ kr.) bezahlen, und wenn die Maſſe noch r ge⸗ I mehr vergohren und verdunſtet hat, alſo betraͤchtlich Fuß weniger geworden iſt, denſelben doch noch fuͤr 15 ikfuß Francen(6 fl. 50 ¼ kr.) abzugeben vermoͤgen, und dabei reich werden. . Die Karren ſind hier ſowohl fuͤr den fluͤſſigen, ſn als fuͤr den feſten Miſt, Kaſten, welche an allen ein— guiſe ſpringenden Seiten, wo eine Zuſammenfuͤgung des elund Holzes Statt hat, mit genau aufliegenden dreiſeiti— da ſe gen Leiſten verſehen, und ſehr haltbar mit rother en ſch Oelfarbe angeſtrichen ſind. Die Fuͤllung und Ent⸗ . ———jyy———— 8———— 154 Mecheln. leerung der, fuͤr Fluͤſſigkeiten beſtimmten Karren, ge— ſchieht hier durch ratfbemige, an Charnierbaͤndern befeſtigte Klappen. Die Miſthaufen werden kreisrund angelegt und man ſucht ihnen die koͤrperliche Form eines abge— ſtutzten Kegels zu geben. Dieſe Haufen werden oͤfter(2 bis 3 Mal) um⸗ geſtochen, bis ſie fuͤr genug vergohren geachtet und verkauft werden. Ein Stuͤck Papier, ein Reiß oder Stein auf dem Miſthaufen gelten als Zeichen, daß er verkauft ſey. Die Fleiſchknochen werden hier beſonders geſam— melt, und in Schiffsladungen nach England zu ziem⸗ lich hohen Preiſen verkauft. Auſſerdem wird in dieſer Gegend auch ein an— ſehnlicher Steinhandel getrieben. Alle Steine, welche man nur immer auftreiben kann, werden geſammelt, und in ganzen Schiffsladungen nach Holland verſendet, wo ſie zur Ausbeſſerung der Daͤmme*) verwendet werden. Man durchwuͤhlet daher alle Schutthuͤgel mit eiſernen Gabeln, und ſammelt die Steine daraus. Ein Mann, welcher dieß hier zuerſt unternommen, iſt damit reich geworden. Uebrigens ſind fuͤr denſelben Zweck bei Vilvoorde eigene Steinbruͤche angelegt. Der Handel damit iſt *) Vielmehr zu Uferbauten. 4 ſhr b laͤnder richt 6 enn„ d ihels A Atbets der halten termag, derdiene ſt ate und f Dieje Niſſi wenn nehr n J und ü ſolche) beſhäſt dn une Mecheln. 155 n e ſehr betraͤchtlich, und man glaubt hier, daß die Hol— binden laͤnder ohne dieſe Steine ihre Daͤmme und Ufer nicht zu unterhalten im Stande waͤren. dn Sie ſind weiß, ſcheinen kieſelige Sandſteine zu ſeyn, und zur Kreideformation zu gehoͤren. un⸗ Die Daͤcher in Mecheln ſind theils Schiefer, f Ind theils S foͤrmig gebogene, theils endlich flache Ziegel. oder Alle Bettler werden hier gezwungen, in ein „daß Arbeitshaus zu gehen, um ſich da ihre Nahrung und etwas Geld zu verdienen; daher man keinen geſan⸗ Bettler in Mecheln ſieht. uziem⸗ Es iſt unbegreiflich, warum ſich die Staaten oder mindeſten die Staͤdte nicht von Bettlern frei nan⸗ halten. Es iſt gewiß, daß Niemand zu entſcheiden vermag, ob Dieſer oder Jener ſich ſeinen Unterhalt reiben verdienen koͤnne, oder ihn erbetteln muͤſſe. Aber leicht wagen iſt erkannt und entſchieden, daß es fuͤr den Menſchen ſerung und fuͤr die allgemeine Moralitaͤt beſſer ſey, wenn wuͤhlet Diejenigen, welche die Geſammtheit zur Zeit beim und Muͤſſigang erhalten muß, ſich durch Beſchaͤftigung, er dieß wenn auch nur wenig, davon verdienen, und alſo orden. mehr nuͤtzen, waͤhrend ſie weniger koſten. oorde Mit einer kleinen Unterſtuͤtzung wuͤrden leicht wit iſt und uͤberall Privatperſonen zu ermitteln ſeyn, welche ſolche Anſtalten errichten, und darin derlei Perſonen beſchaͤftigen wuͤrden. Arbeitsluſt und Sittlichkeit wuͤr— den unendlich dabei gewinnen. 150 Mecheln. 3 Die Ebbe und Fluth des Meeres ſpuͤrt man V hier ſchon ſehr ſtark. Die Dyle und Ruͤppel ſtei⸗ 4 gen oder fallen dabei in dieſer Gegend ſchon um ei⸗ V nige Fuß; ſo daß die Dyle bei Malines mit der V d Ebbe und Fluth hin⸗ und zuruͤckfließt. Sie ruͤckt h taͤglich um ohngefaͤhr 3 Stunden vor. E ſn Die Stadt enthaͤlt 3 bis à ſchoͤne Oelmuͤhlen, m. welche des Reps⸗ und Ruͤbſenbaues wegen ſehr wich⸗ ngen tig ſind. ngen, Hier findet man endlich auch den Brabanter⸗ an ſ Stall, welchen Schwerz beſchrieben hat. Die Kuͤhe thalte ſtehen auf einem geſchlagenen Tennen von Lehm. Der ander Viehſtand iſt kurz; das Vieh an Stecken angebun⸗ een rei den, ohne Krippe, bloß aus Zubern freſſend, welche NAher ihnen hingeſtellt, und wieder hinweggenommen wer⸗ prangend den. Hinter dem Viehſtande iſt eine weite Grube, eaſten wohin alle 3 bis 4 Tage der Miſt abgezogen wird, gar zer und wohin auch aller Urin abſintert. Das allgemeine dec, Streumateriale ſind hier die Stoppeln, welche mit hält eiſernen Rechen gleichſam aus dem Boden gerauft V D und in Haufen geſammelt werden. Das Stroh hat n.- hier einen zu hohen Preis, als daß man es ohne reinich Noth einſtreuen moͤchte. Eben ſo werden die Quek— de Ack ken ſorgfaͤltig geſammelt, gut getrocknet und dann eung eingeſtreut. den Uebrigens ſcheinet in dieſem Lande in allen Staͤl⸗ dier in len Mangel an Licht und Luft herrſchend zu ſeyn; auch Aeu u hier ſind ſowohl Pferd⸗ als Rindviehſtallungen finſter. Von Mecheln nach Antwerpen. 157 ürt mon del ſe Antwerpen. um ei⸗ nit der Die Neiſe von Mecheln nach Antwerpen rück hat Herr von Grouner am 22. Oktober gemacht. Er fand den Ackerbau dieſer Gegend vortrefflich, ühlen dem Gartenbaue ſehr nahe kommend; die Befriedi⸗ wich⸗ gungen durch Graͤben, Waͤlle und Baumpflanzun⸗ zungen, zuweilen auch noch lebendige Hecken, welche anter⸗ man jedoch hier ſchon fuͤr nachtheilig haͤlt, gut un⸗ Küͤhe terhalten;— herrliche Wieſen; die Ackerbeeten ein⸗ 1. Der ander vollkommen gleich, und wie Gartenbee⸗ gebun⸗ ten rein und fein bearbeitet; die uͤppigſten Weiſſen⸗ weſche Ruͤben⸗, Spoͤrgel⸗ und Moͤhrenſaaten allenthalben wer⸗ prangend. Die Haͤuſer mit durchgehends großen cube, Fenſtern, von Stein⸗ oder Backſtein ſolid und ſo⸗ dird, gar zierlich gemauert, jedoch großentheils mit Stroh weine bedeckt, weil man das Strohdach fuͤr das beſte e wit haͤlt. rrauſt Die Straſſen mit geſchlagenen Steinen gepfla⸗ hat ſtert;— und alle Menſchen in ſichtbarem Wohlſtande ohne reinlich gekleidet. Ein Beweis, daß ſich das Wohl Auck⸗ des Ackerbaues recht gut mit einer großen Beroͤl⸗ dann kerung vertrage! Dem Reiſenden iſt es aufgefallen, daß er auch Stal⸗ hier in dieſem vortrefflichen Ackerbau wieder viele auch Aecker mit Guͤnſter beſtellt fand. Er erhielt dann die iüſer lufklaͤrung: —* 158 Antwerpen. 1. Daß der Guͤnſter in drei Jahren geerntet werden koͤnne; 2. daß er dann holzige Staͤmme(Stiele, Strunken) liefere, welche als Brennmaterial hier fuͤr Kuͤche und Backofen und als Zuͤndmittel zum Ziegelbrennen von großem Werthe ſeyen; 3. daß der dreijaͤhrige Guͤnſter den Boden in einem ſehr fruchtbaren Zuſtand hinterlaſſe, und der⸗ ſelbe dann, ohne andere Duͤngung eine doppelte Ernte gewaͤhre; 4. daß die gruͤnen Zweige des Guͤnſters noch auſſerdem hinreichend ſeyen, um damit ein gleich groſſes Stuͤck gruͤn zu duͤngen, indem man ſie ver⸗ theile und ſeicht unterpfluͤge: und daß dieſes zuſam⸗ men genommen als ein ſehr guter Ertrag betrachtet werden koͤnne. Antwerpen ſelbſt iſt eine ſehr ſchoͤne Stadt an der Schelde mit 10088 Haͤuſern und 60057 Einwohnern. Sie kann als eine Seeſtadt betrachtet werden, und iſt ſtets als eine Schweſter der Hanſe— Staͤdte angeſehen worden, die ſie auch lange Zeit twaͤr; denn obſchon Antwerpen nicht unmittelbar ein der Nordſee liegt, ſo koͤnnen doch alle Handels⸗ Schiffe, und ſogar Kriegsſchiffe dahin gelangen. Die Schelde iſt daher hier ſchon ein bedeuten⸗ der, doch ſehr truͤber Strom, der nichts als den tücht! Franzo ſthung einen ſe tüt de daß d Ale ſern; den T am unt einen K ſchendar der wi alte u noch ſ Antwe miniſtra Ivei an Antwerpen. 159 Kernte feinſten Schlik abſetzet.*) Ebbe und Fluth wird hier ſehr betraͤchtlich, und eine Menge Anſtalten an Ka— (Stiele naͤlen, Schleuſſen und Baſſins ſind, wie die Schiff— rial hir fahrt darauf berechnet. teel zun Die Maſten ſtehen hier wie ein Wald. Alles riecht nach Schiffstheer. Die Anſtalten, welche die Franzoſen in Antwerpen getroffen, waren in An— doden in ſehung der Schifffahrt groß und trefflich. Sie legten und der⸗ einen ſchoͤnen, um das Vierfache verbreiterten Quai te Ernt mit den ſchoͤnſten Quadern eingefaßt, an, ſo hoch, daß die Schiffe anlegen und leicht ausladen konnten. ers noch Alle Seiten-Kanaͤle hat man angefangen zu verbeſ— glic ſern; uͤberall ſind ſchoͤne Aufzugsbruͤcken angelegt. Fuͤr ſe vt den Winteraufenthalt ſind zwei neue groſſe Baſſins zuſan⸗ am untern Theil der Stadt angelegt, die bloß durch rachte einen Kanal verbunden ſind, welcher den breiten Zwi— ſchendamm durchſchneidet. Mitten auf dieſem Damme, der wie alle Quai's gepflaſtert iſt, ſtehet das groſſe, eStuͤt alte und ehrwuͤrdige Gebaͤude der Hanſee; es traͤgt 60057 noch jetzt die Wappen von Hamburg, Luͤbeck und trachte Antwerpen. Hier war ehemals die hanſeeatiſche Ad⸗ hanſe⸗ miniſtration, und nebſt dieſer ein großes Waarenlager. ge Zeit Zwei andere Baſſin, welche zum Ausbeſſern der Schiffe iittelbar zandels⸗ zen.*) Ein ausgezeichnet feiner, waſſerdichter Sand, welcher von mehreren hollaͤndiſchen Stroͤmen, wie z. B. der Schelde, edeuten⸗ reichlich mitgefuͤhrt, und abgeſetzt wird. Die reichſten Wieſen als den von Flandern ſind auf ſolchem Schlick zu treffen. —;::——:—;x::õ⸗õↄ//-— — 160 Antwerpen. dienen, und durch Dampfmaſchinen ausgepumpt wer⸗ den ſollten, ſind unvollendet geblieben. Die Reinigung der Baſſin geſchieht durch Bag⸗ gern. Ein Trichter von Eiſenblech, der unten in ein koniſches Netz ausgeht, und an einer langen Stange befeſtiget iſt, dient dazu. Das Waſſer lauft durch, waͤhrend der Schlamm im Netz bleibt und in ein Schiff ausgeleert wird, welches, wenn es voll iſt, auf die Seite gefuͤhrt, und mit Schaufeln auf eine hoͤlzerne Buͤhne ausgeladen werden kann. Hier lauft die uͤberfluͤſſige Feuchtigkeit ab, und der Bagger dient als Duͤnger dem Feldbau, zu welchem Behuf er in Schubkarren auf Haufen gefuͤhrt wird. Die Schiffs⸗Werſte, welche die Franzoſer mit einem großen Arſenale zwiſchen der Citadelle und der Stadt angelegt haben, und welches ein großes Werk haͤtte werden ſollen, liegt jetzt halb veroͤdet. Es ſind hier nur einige metallene und zwei eiſerne Kanonen nebſt ziemlich vieler Munition auf— bewahrt; das Uebrige iſt an Holzhaͤndler verpachtet. Die Dokken waren zum Ausſchoͤpfen mittels Dampfmaſchinen berechnet, doppelte Thuͤren ſollten die Schiffe ein- und auslaſſen, und im Zwiſchenraume ſollte eine Verdaͤmmung angebracht werden, durch welche zwar Waſſer durchgeſintert ſeyn wuͤrde, was aber ſo⸗ gleich wieder durch eine Dampfmaſchine ausgepumpt worden waͤre. di giſonder 8 dininſch tr. u Sciiffe wetpen Sruſch We gat in ſe Pderth Bevigr 6 hat d Thuem, Pörſe Durchf und gur fdes Ge Hauſe And Jüßzafer und hert. dertolen ſanſäts d dl Antwerpen. 161 npt wer⸗ Weiter oben liegt frei und ganz von der Stadt geſondert die Citadelle. Bun Bis dahin und nicht weiter koͤnnen bewaffnete mi en Linienſchiffe gelangen. Unbewaffnet gehen ſie viel wei— Sung ter. Kauffahrer gehen nach Bruͤſſel, Loͤwen ꝛc. durc, Schiffe von 120 Kanonen legen am Quai in Ant⸗ t an werpen an, und gehen in das Baſſin durch eine ol ff Stauſchleuſſe. f Wegen des Steigens und Fallens des Fluſſes r nuf hat in jedem Baſſin die Einrrittsſchleuſſe Thore und d den Widerthore, um in jedem moͤglichen Falle Herr der fa Bewegung zu ſeyn. Alle dieſe Anſtalten ſind vortrefflich ausgefuͤhrt; ihr oberer Rand dienet allenthalben als Bruͤckenweg en mit fuͤr Fußgaͤnger. nelle Auch in ſeinem Innern iſt Antwerpen ſchoͤn; es ein es hat eine ſchoͤne Cathebrale mit einem herrlichen t hab Thurm, eine große Zahl ſchoͤner Gebaͤude, eine nd wi Boͤrſe in gothiſchem Geſchmack mit vier großen on auf Durchfahrten und eiſernen Gittern, breite, reinliche pachtet. und gut gepflaſterte Straſſen, und man findet hier hſitß jedes Seefahrende Volk lebend und handelnd wie zu Hauſe. polin Antwerpen hat ſomit vielleicht einen der beſten andie Flußhafen Europa's, und liegt uͤberdieß in dem reichſten welch und herrlichſten Landestheil. Gegen Suͤden den wun⸗ über ſ dervollen Ackerbau von Contigh. Im Weſt liegt gepunpt jenſeits der Schelde das in derſelben Beziehung I. Theil. 11 162 Antwerpen. beruͤhmte Waasland auf der hoͤchſten Stuffe der Cultur, die man auf Sandboden noch zu erreichen vermochte, welcher zum großen Theil noch vor 100 Jahren Haide war. Im Oſten liegen die beruͤchtigten Sandkaͤmpen (Campine) noch jetzt reich an Haideflaͤchen und den— noch einen gewaͤhlten und ergiebigen Ackerbau treibend. Die ſchnellere Vorruͤckung der Kultur dieſer Haideflaͤ— chen wird nur durch die Handelsjalauſie der Hollaͤnder vereitelt, welche zu veranlaſſen weiß, daß die Kom⸗ munikationen jenes ausgedehnten Landſtriches vernach⸗ laͤſſiget und hiedurch die Werthe der Produkte und der Guͤter unverhaͤltnißmaͤßig niedrig gehalten wer⸗ den. Gegen Norden liegen endlich die ausgedehnten Poldern mit den reichſten Graslaͤndereyen laͤngs der Schelde bis Santvliet und Bergenopzoom ausgebreitet, welche durchgehends tiefer liegen als die Fluth-Hoͤhe des Meeres und der Schelde, und Boden beſitzen, welcher auch ohne Duͤnger die reich⸗ ſten Ernten gewaͤhrt. Man duͤnget ſie nur mit Aſche von Holz, Steinkohlen oder Torf, haͤlt aber dafuͤr, daß die ungebrannten Steinkohlen, welche ſonſt oft als guter Duͤnger verwendet werden, auf dieſem Lande bei weitem minder duͤngen, als die Aſche dar— aus. Eben ſo wenig iſt hier die Anwendung des rohen Torfes als Duͤnger bekannt; man kennt ihn nur als Brennmateriale. In Edeghem fand der Reiſende in mehreren Ställe Küiden bern g. grüt i dxiin ſe dieſe nin hie dng des d M ſen in tiige In d ceen v auch hi iſee 9 und ſiü Käͤhen nach d füttet ner au Fartefe kocht, M d Na Kiſema veſeze Antwerpen. 163 Suſſe d Staͤllen die ſchon beſchriebene Einrichtung: keine ju erreihen Krippen oder Barmen, ſondern das Vieh aus Zu— h vor 10 bern gefuͤttert, und hinter demſelben die Duͤnger— V grube im Stalle. Er fand aber uͤberall, daß der Miſt andkimpen darin ſehr naß ſey und beinahe darin ſchwimme. und den⸗ Dieſe Wahrnehmung mag wohl daher ruͤhren, daß treibend. man hier zu wenig einſtreut. Um daher die Gaͤhr⸗ Haidefla⸗ ung des Miſtes zu bewirken, hat man hier auſſer Hollaͤnder der Miſtgrube im Stalle, auch noch einen Miſthau⸗ die Kom⸗ fen im Hofe, wohin derjenige koͤmmt, welcher ſchon es vernach einige Zeit in der Miſtgrube im Stalle geweicht hat. odukte und In dieſem Haufen hat er in 14 Tagen bis 3 Wo⸗ zgalten wer chen vergohren. Die fluͤſſige Aaljauche verwenden ſie sged⸗hnta auch hier zur Duͤngung fuͤr Wurzelgewaͤchſe, wo man eyen laͤne ihre Wirkung am beſten findet. enzpjdn Hier treibt man vollkommene Stallfuͤtterung ehetaü und fuͤttert verſchieden. Herr v. Grouner ſah den 5 3 Kuͤhen Mittags Trank mit gekochten Kartoffeln, und 3 nach dieſen Ruͤben ſammt dem Kraute fuͤttern. Man fuͤttert im Winter ſelten Heu, weil das Gras im Som-— der dafit mer aufgezehrt wird, ſondern man gibt dem Vieh tfai ſt Kartoffeln, Kohl, Ruͤben und Moͤhren, groͤſſerntheils auf diſen gekocht, nebſt Mehltrank. Aſc 3 5 Man hat hier ſehr große Milchſchuͤſſeln, worin hu nur alb der Rahm aufgeworfen wird. Sogar Behufs des Kaͤſemachens wird die Milch in Schuͤſſeln mit Lab nahrere verſetzet, und die geronnene Kaͤſe wird mit Loͤffeln 41* 4164 Von Antwerpen in Schachteln gefaßt, geformt und getrocknet. Die Butter wird in ſtehenden Faͤſſern bereitet. Ich komme nun in den Fall, oͤfter von den Poldern und Duͤnen, und von ſolchen lokalen Anſtalten ſprechen zu muͤſſen, welche ausſchließlich den Verhaͤltniſſen Hollands angehoͤren, und nicht allgemein als bekannt vorausgeſetzt werden koͤnnen. Hiebei moͤge nun folgende Erlaͤuterung beruͤckſichtiget werden.— Ein großer Theil von Holland liegt tiefer als das Meer, wenn ſelbes, wie es alle 6 Stunden ge— ſchieht, zu ſeiner Fluthhoͤhe angeſtiegen iſt. Einerſeits durch die Duͤnen(Duynen, eine ſpezifiſche Be⸗ nennung fuͤr die Sandbaͤnke, welche von dem Winde und von den Wellen nach und nach angehaͤuft wor— den), anderſeits durch eine ſehr große Zahl ver— haͤltnißmaͤßig ſehr hoher, kuͤnſtlich hergeſtellter Erd— daͤmme iſt nun das Land von dem Meere getrennt. Zur Zeit der alle ſechs Stunden eintretenden Ebbe, oder des niedrigen Standes des Meeres, iſt daſſelbe Land um etwas hoͤher als der Waſſerſtand; zur Zeit der Fluth aber, wie bereits bemerkt, niedriger. Man kann daher mit Recht ſagen, daß ein großer Theil des Bodens von Holland zwiſchen den zwei Extre— men der durch Ebbe und Fluth alle 6 Stunden ver— aͤnderten Waſſerſtaͤnde liege. Wuͤrden dieſe Daͤmme und Duͤnen nicht vorhanden ſeyn, oder durchbrochen, ſo wuͤrde dieſes Land durch Fluth und Ebbe alle 6 Stunde wieder A hu all Theil al di 6s de Nuulle oon dem werden Fuuniee Cöbe ſen in gem der daher da Paſer dher das auf das Ausniſe lch, ſ, nach Holland. 165 net. Die 14 Stunden unter Waſſer geſetzt, und alle 6 Stunden von di wieder trocken gelegt werden. n dokalen Auf dieſen Gatudbegriſfe beruhen im weſentle ſöließt hen alle Auswäſſerngs⸗Aufalten und der großte nnd niiſ Theil Aller hydrotechniſchen Anſtalten in Holland. fänden, Die Waſſer, welche mit dem Regen, oder mit— tels Durchſinterung aus dem Boden, oder durch tjühnge Quellen u. ſ. w. in dieſe durch Duͤnen und Daͤmme von dem Meere geſonderten Laͤndereien kommen, tiefer als 3 1 werden in den darin gezogenen Kanaͤlen waͤhrend der ain ge Fluthzeit zuruͤckgehalten, bei dem Eintritt der vollen Vunrfin Ebbe aber ziehen ſie durch die Auswaͤſſerungs⸗Schleuſ⸗ iche B⸗ ſen in das Meer. Wind Dieſe Auswaͤſſerungs⸗Schleuſſen ſind wie Ven⸗ it mor tile an Pumpwerken. Sie oͤffnen ſich nach der Seite t dr des Meeres, oder der mit demſelben verbundenen er Ed Stroͤme ꝛc., wenn ein Druck von Innen(d. h. von Rurenni. der Landſeite, durch die Auswaͤſſerungskanaͤle) er⸗ n Clbe, folgt, und wenn das Strom⸗ oder Meerwaſſer dieſen daſſebe Druck nicht durch einen Gegendruck aufhebt, welches zur Zei immer bei hohem Waſſerſtand, niemahls bei niedri⸗ r. Man gem der Fall iſt. Unter dieſer Vorausſetzung kann t Theil daher das in den Auswaͤſſerungs⸗Kanaͤlen befindliche tExtre⸗ Waſſer abflieſſen. Bei dem Eintritt der Fluth ſteiget den vet⸗ aber das Meer- oder Strom-Waſſer, und druͤcket Daͤmme auf das Ventile, oder auf das bewegliche Thor der brochen, Auswaͤſſerungs⸗Schleuſſe, und ſchließt daſſelbe gaͤnz— ealle 6 lich, ſo, daß zwar kein Waſſer durch daſſelbe bis * ————.—— 3 4 ——— ꝗ———ꝭ—Q—QOQOQñQOQjBZBꝛꝑℳ—O§EUů——]‚ ꝛ——, — 166 Von Antwerpen d zur Wiederkehr der Ebbe abziehen, aber auch von nuif dem Fluthwaſſer keines hineindringen kann. e Alle Laͤndereyen nun, welche wie die oben be⸗ h ſchriebenen ſo liegen, daß ſie kuͤnſtlich entwaͤſſert, Eh und waſſerfrei erhalten werden muͤſſen, belegt man ..:: Ken hier mit dem allgemeinen Namen Poldern. Ein dn großer Theil dieſes Koͤnigreichs und auf alle Faͤlle der reichſte und fruchtbarſte Theil deſſelben beſteht in i ſolchen Poldern. V Ar Die dazu hergeſtellten Anlagen ſind ſo großartig ie und bedeutend, daß es Auswaͤſſerungs-Schleuſſen⸗ V da Ventile gibt, durch welche Schiffe paſſiren koͤnnen. V 39 Man hat zwei Hauptklaſſen von Poldern. ſ Die eine Klaſſe iſt bereits beſchrieben. Die andere ſi unterſcheidet ſich hievon dadurch, daß ihre Oberflaͤche u noch tiefer liegt, als der Waſſerſtand zur Zeit der Ebbe iſt, und daß ſie daher gar nicht in das Meer⸗ d oder Stromwaſſer ausgewaͤſſert werden koͤnnen. Jlar Solche Tiefpoldern giebt es viele; ſie ſind durch ſch Austrocknung von inneren Seen(in Holland Meere ſ, genannt) durch tiefe Austorfungen ꝛc. ꝛc. entſtanden. viej Das Regen⸗, Quell⸗ und Durchſinterungswaſſer 1 dieſer Tiefpoldern, muß durch Waſſerhebungs⸗Ma⸗ Vtte ſchinen, welche hier groͤßerntheils vom Winde getrie⸗ Kreid ben werden, gehoben, und in Kanaͤlen abgeleitet wer⸗ den, aus welchen es durch Auswaͤſſerungs⸗Schleuſſen in das Meer oder wohl auch in Binnenwaͤſſer aus. gemuͤndet wird. —. —ͤ—————————— nach Holland. 167 auch don Dieſes iſt der Grundcharakter aller Poldern. Modifikationen treten uͤbrigens haͤufig ein. Alle Pol⸗ oben be⸗ dern haben in der Regel einen aͤuſſerſt reichen twiiſſert, Schlammboden, der groͤßerntheils zu Grasland benuͤtzt egt man wird; doch aber auch an vielen Orten reiche Getrei— n. Ein deernten gewaͤhrt. G Fäͤlle der Die Poldern unterhalb Antwerpen bilden ſeht in vortreffliche Wieſen. Der Boden iſt ſehr fetter Marſchboden, der keinen Duͤnger braucht. Sie liegen reßattig tiefer als der Waſſerſtand der Schelde in der hleuſſen⸗ Fluth, und hoͤher als dieſer in der Ebbe iſt, werden annen. alſo in dieſen Strom ausgewaͤſſert, und zwar durch oldern. ſogenannte Siechl⸗Schleuſſen, welche unter dem groſ⸗ andere ſen Damm*) durchgehen. Dieſe Poldern koͤnnen herſlaͤche durch die bezeichneten Schleuſſen auch gewaͤſſert wer⸗ det der den. Dieſe werden naͤmlich in dem Falle, wo man Meet⸗ die Waͤſſerung beabſichtiget, von Menſchen vor der d. Fluthzeit geoͤffnet, und ſobald ſie eintritt, ergießt id durcj ſich das Seewaſſer uͤber die Poldern, befruchtet Meer ſie, und der Reſt zieht bei der naͤchſteintretenden Ebbe panden. wieder ab. anaſtr In den Pold ern wird wieder Weidewirthſchaft 6⸗M⸗ betrieben, und groͤßerntheils uͤber Sommer Maſtvieh gri geweidet. Die Staͤlle ſind in dieſer Gegend ſehr ſtet wer⸗ cheuſſn*) Die Schelde⸗Daͤmme ſind koloſſale Werke, welche eine ſer aus⸗ Hoͤhe von 20 bis 24 Fuß, und eine Baſſis von 50 Fuß er⸗ reichen, und ſelbſt dieſe Daͤmme bilden ſchoͤne Wieſen. ——— 168 Von Antwerpen ſchlecht, ohne Krippe, ſelten aus Zubern, frißt das Vieh vom Boden auf. Man brauchet hier keinen Dung, und achtet ihn daher auch nicht im geringſten. Auch ſind keine Dunglagen oder Gruben im Stalle vorhanden. So wenig man aber auch den Dung ſchaͤtzet, ſo muß man ihn doch vom Vieh und der Streu annehmen, und dieſer wird dann auf das Land ver⸗ wendet, welches unter dem Pfluge liegt. Der hieſige Pflug hat ſtatt dem Sech, Pflugmeſſer oder Kalter ein Rad, was den Dienſt deſſelben verrichten ſoll. In der hieſigen waſſerreichen Gegend wird viel Rohr zu Dachungen gepflanzt, weil man die Rohr— daͤcher noch beſſer findet als die Strohdaͤcher. Unge⸗ achtet des vielen Waſſers hat man hier doch haͤufig Windmuͤhlen, indem das Waſſer wegen Ebbe und Fluth nicht mehr zum Betrieb von Maſchinen benuͤtzt werden kann, weil es bald vorwaͤrts, bald zuruͤck laufet. Von Antwerpen nach Breda. Breda liegt noͤrdlich von Antwerpen in der Provinz Nordbrabant. Da der groͤßere oͤſtliche Theil der Provinz Antwerpen noch von der Campine, d. h., von den Haide⸗ und Sandboden der Kaͤmpen einge⸗ nommen wird, welche ſchon beſchrieben ſind, und ein großer Theil der Reiſe durch ſolche gieng, ſo gab es wenig Neues zu bemerken. Die Provinz Nord⸗ nach Breda. 169 , frißt das brabant umfaßt 70 Quadratmeilen, und enthaͤlt ier keinen auf der Quadratmeile 3024 Einwohner, im Ganzen deringſta 305900 Einw. in Sul Sie zaͤhlet 16 Staͤdte, 11 Marktflecken und 403 3 Doͤrfer und Weiler, und darunter eine einzige Stadt ng ſchäͤß mit 13100 Einwohnern. Dieſe iſt Herzogenbuſch; der Stra alle uͤbrigen ſind kleiner. zLand un An der ſehr langen noͤrdlichen Graͤnze liegt das der hieſe Stromgebiet der Maas, an der kurzen weſtlichen je— der Kalter nes der Schelde. Die groͤßere oͤſtliche Haͤlfte der hten ſoll Provinz wird von Suͤden nach Norden von dem dwitd viel Drommelfluß durchlaufen, welcher Herzogen⸗ die Johr⸗ buſch beruͤhrt; der weſtliche Theil aber von dem er. Unge⸗ Merckfluß und einem Arm der Maas, die Din— ch häuftg tel genannt. ebbe und Breda iſt eine freundliche Stadt, wo man en benuͤtzt ſchon hollaͤndiſche Sitten und Gebraͤuche findet.*) d pruͤck a. *) Breda ſelbſt iſt eine ſtark befeſtigte Stadt, von dem en in der Merckfluß eingeſchloſſen, und in der Geſchichte der hollaͤn— tie Theil diſchen Kriege nicht unbekannt. Sie enthaͤlt eine ſchoͤne Kir⸗ iche Th che, und in derſelben ein Mauſoleum des Grafen Engel⸗ npine, d. brecht von Naſſau, welches man fuͤr ein Werk des be⸗ den einge⸗ ruͤhmten Michael Angelo Buonarroti ausgiebt. nd ein Hier ſind die Aprikoſen zu Hauſe, welche man in 1 Schottland unter dem Namen»Breda⸗Apricot“' ſo ſehr , o gab ſchaͤtzt und ſucht; obſchon auch hier kein alter Baum dieſer Rord⸗ Sorte zu finden iſt. — A 1—. 8——— ———⸗—ꝛ—;x—O—n— 170 Von Breda nach von dieſe fätte, und Von Breda nach Dortrecht, Rotterdam, nach di dem Haag. ah In Breda hielt ſich Herr v. Grouner nicht nitt d auf, und ſetzte ſeine Reiſe ununterbrochen nach dem amaal Haag fort. Dieſe gieng nun beinahe ſtets im Strom— aeltn. gebiete der Maas bis nahe zu dem unweit der diü Nordſee liegenden Haag. ch her Die Straſſen ſind in dieſem Waſſergebiete mit Püoreb Ziegelſteinen gepflaſtert; eine Einrichtung der Fran— dden, zoſen, fuͤr welche ihnen die Hollaͤnder ſtets dankbar ten, t bleiben werden. Fruͤher waren ſie nicht gepflaſtert,— und bei naſſem Wetter nicht, oder nur mit Lebens— her gefahr zu befahren. Dieſe Ziegelſteine liegen auf ei— End ner der langen Seitenkanten im Sande, und ſind ſepfͤſt wieder mit einem Sandlager bedeckt. Das Pflaſter nen ane iſt ganz eben; wird aber von ſchweren Fuhrwerken D nicht befahren, weil alle ſchweren Laſten zu Waſſer Gand transportirt werden. ſeran Um von Breda nach Dortrecht zu gelangen, funel mußte der Reiſende uͤber einen Arm der vereinigten fite Maas und Waal, das ſogenannte Hollands⸗ diee e Diep ſchiffen. Dieß geſchah in einer kleinen Bucht, d won und bei ſo ſtarkem Nebel und Wind, daß der Steuer⸗ f ara mann von der Fahrt abkam, zuruͤckkehren und die 4 Ueberfahrt von neuem verſuchen mußte. Sie gelang— dann. Der Reiſende und ſeine Geſellſchafter wurden ana — r——— 4 ——ͤ———— ʃ——— ᷣ-— 5 —— Dortrecht und Rotterdam. 171 von dieſem Nebel tropfnaß, als ob es geregnet dam, uat haͤtte, und doch war letzteres nicht der Fall. Dieſe auſſerordentliche Nebelfeuchtigkeit wird fuͤr den Boden*) hier noch durch die ſtarken Thaue ver— uner nicht mehrt, welche Abends ſchon vor Sonnen-Untergang nach den eintreten, und Morgens bis 9 und 10 Uhr ſtark in Strom⸗ anhalten. Die Graͤſer tropfen von dieſer Thaunaͤſſe. nweit der Auf einer kleinen Inſel im Hollands-Diep ſah Herr von Grouner Schlamm und Raſen in biete mit Wuͤrfeln mit dem Spaden ſtechen, und auf Schiffe der Fran⸗ laden, um ſie an neu zu erbauende Daͤmme zu fuͤh— 6 dankbar ren, welche damit ausgefuͤllt werden. gepflaſtet, Ohne ſich in Dortrecht außzuhalten, reiſete iit Lebens⸗ Herr von Grouner nach Rotterdam, die erſte en auf ei⸗ Stadt, welche er geſehen, die ganz mit Ziegelſteinen und ſind gepflaſtert iſt. Alle Straſſen ſind hier auf den Daͤm— Pflaſter men angelegt und mit Ziegelſteinen gepflaſtert. uhrwerken Dieſe Steine werden in den friſchen, feinen zu Waſer Sand geſetzt, und nur mit der Schaͤrfe des Pfla— ſterhammers leicht eingeklopft. Die Arbeit geht ſehr gelangen, ſchnell. Man uͤberſtreut dieſes Pflaſter mit Sand, rrinigten ſtoͤßt es feſt, und uͤberlegt es mit Rohr oder Stroh. llands⸗ Dieſe vegetabiliſche Lage wird wieder mit einer Sand⸗ Bucht, decke von mindeſtens einen Zoll Dicke bedecket, welche Steuer⸗ feſt getreten und gefahren eine Art Tenne bildet, die und die ſe gelang r wurden*) Vielmehr fuͤr die Pflanzen. 122 Von Rotterdam gFy thell faſt waſſerdicht wird. Da der Reiſende das Ziegel— Vi pflaſter auf den Straſſen nirgends entbloͤßt ſah, ſo ve hen iſt zu vermuthen, daß dieſe Decke oͤfters erneuert V tncuns erd. nnereduf Um das Ziegelpflaſter auch ohne Bedeckung und ſefen ſelbſt fuͤr ſchwere Laſten haltbar zu machen, kaͤme es V 4 ring nur darauf an, daß man es dahin braͤchte, Ziegel⸗ V— Bein wuͤrfel etwa von einem Cubikfuß ſehr hart brennen V en enl zu koͤnnen, und alle Schwierigkeiten des ſchlechten V 1 1 1 Pflaſters waͤren uͤberwunden; und daß man dieß V erchude koͤnnte, wenn man ernſtlich wollte, unterliegt nicht V iwe dem geringſten Zweifel. Man kann im Großen eine de ſi Hitze erzeugen, bei welcher ſolche Ziegelwuͤrfel noch und ſch ſchmelzen muͤßten. Aber hier machet man nur kleine ausſechſe Ziegel, und brennt ſie im Freien, daher ſie nicht 8 den wuͤnſchenswerthen Grad von Haltbarkeit gewaͤhren ſcen in Von Rotterdam nach Delft und Haag iſt dung de ein Pflugland eine Seltenheit, und die Pfluͤge ſelbſt Wäſt b haben dieſelbe Form, wie in den Poldern bei da Antwerpen. Die Laͤndereien liegen alle zu ras liche ni nieder, und ſind kaum etwas hoͤher als der Waſſer⸗ V nubung, ſtand der Kanaͤle. Ihr Untergrund iſt oft und haͤufig dr halit nur Torf, mit Schlamm bedeckt, worauf jetzt herr⸗ tiſs S. liches Gras waͤchst. Solche Poldern⸗Wieſen werden def befr gewoͤhnlich von Torfhaͤndlern angekauft, ausgetorft, und dr dann mit Waſſer gefuͤllt liegen gelaſſen. Der Rei⸗ ton ewa ſende bemerkt, daß, wenn dieß ſo fortgetrieben wird, nit Aahr Holland wieder werden wuͤrde, was es war: Waſſer. und dn 3. nach dem Haag. 175 das Jiege Ich theile dieſe Anſicht nicht, und glaube vielmehr, ßt ſah, ſ daß dieſe Torfhaͤndler ihre ausgetorften Laͤndereien, ts erneuer wie Herr von Grouner dem Scheine nach glaubte, keineswegs unbeachtet und nutzlos liegen laſſen, um eckung und andere auf dieſelbe Weiſe auszutorfen. Das ſaͤhe den „kime es ſparſamen, Alles ſorgfaͤltig berechnenden Hollaͤndern e, Ziegel gar nicht gleich. t brenen Bekanntlich hat Crome gezeigt, daß die Con— ſchlechten ferva rivularis, Conf. bulbosa, Conferva setiformis, nan dieß Myriophyllum spicatum, Ulva lubrica, Rivularia an- ret richt diviae folia, Byssus flos aquae, einzeln und verbun— ofen eine den, ſchnell wieder einen neuen Torfanſatz bilden, rfel noch und ſich mit ſtets mehr Pflanzenarten bereichernd die pur Kleine ausgetorften Plaͤtze wieder fuͤllen. ſe nicht Es iſt mir wahrſcheinlich, daß die Hollaͤnder gwvihken ſchon in ihren Austorfungen auf die Wiedererzeu⸗ Hang i gung des Torfes rechnen, und dieſe auf alle moͤgliche luge ſchſt Weiſe beguͤnſtigen. dern bi Daher iſt auch der Verluſt der trocknen Ober⸗ u(rs faͤDhhe nicht zu befuͤrchten, obſchon ſie fuͤr die Gras— Mage nutzung auf lange Zeit wirklich verlohren iſt. Aber r Waſſer⸗. ind haͤufig di⸗ Hollaäͤnder verlangen auch Brennmateriale, und ſeßt heer⸗ dieſes Bedurfniß koͤnnen ſie groͤßerntheils nur mit lnaetd Torf befriedigen.. Irrſ, ud Der geſtochene Torf wird wie Holz in Haufen 3 4 von etwa 6 Fuß hoch geſetzt, und von allen Seiten . mit Rohr bedeckt, welches das Regenwaſſer ableitet beee und den Zutritt der Luft dennoch geſtattet. r. Waſfe⸗ 174 Von Rotterdam I Dieß iſt bei dem Stechtorfe der Fall, welcher V keint,! indeſſen gewoͤhnlich zu techniſchen oder Handwerks— V ſiant! arbeiten verwendet, und bei weitem nicht ſo ſehr ge— RAM ſchaͤtzt wird, wie der Baggertorf, den man fuͤr Kuͤ— Untergrun chen- und Zimmeroͤfen beinahe ausſchluͤßlich verwen⸗ in Dih det. Der Torf kommt indeſſen eben ſo wenig uͤberall dß unge und allgemein vor als bei uns. Ganze Gegenden be— allüch ſitzen keine Schaufel voll, waͤhrend er in andern in tetden n ungeheuerer Menge vorkoͤmmt, und den Gegenſtand iict oft eines ausgebreiteten Handels ausmachet. die vua Der Baggertorf wird mit Baggernetzen, von dinde welchen ſpaͤter noch ausfuͤhrlicher die Rede ſeyn wird, bleibt J mittels kleiner Schiffe aus Torfſuͤmpfen unter dem Kilte, Waſſer hervorgeholt, indem er wie Netzevoll Fiſche richt.. aus dem Waſſer herausgehoben und in das Schiff— dich db chen entleert wird. Iſt ein ſolches Schiffchen damit de an gefuͤllt, ſo wird an's Land gefahren, und auf trocke— d N nes Raſenland ausgeladen. Der ausgeladene teigartige d Torf wird dann mit Rechen zu einer ebenen, etwa genei 3 Zoll hohen Lage angeglichen, und zur Austrock— Schan nung liegen gelaſſen. Sobald der Torf etwas feſter eir i iſt, wird er mit Fuͤſſen ſo feſt getreten als nur im— din be⸗ mer moͤglich, und dann mittels einer Vorrichtung in A 6e Reihen geſchnitten, ſo daß die ganze Torflage in und an lauter einzelne Stuͤcke von etwa A bis 6 Zoll Laͤnge dach eine und Büreite hindurch zertheilt wird. Bei der weiteren du Austrocknung werden nun die Spalten oder Zwi— id bad 1. terd ſchenraͤume immer groͤßer und die Torſſtuͤcke immer gchaten, nach dem Haag. 175 il welhe kleiner, und die voͤllige Austrocknung derſelben wird unduet hiedurch weſentlich befoͤrdert. ſo eh d Obſchon die Wieſen hier ſehr lockern(torfigen) 3 fir Kü Untergrund haben, ſo werden ſie dennoch mit ſchwe— ich verwen⸗ rem Vieh und bei ſchlechtem Wetter beweidet, ſo, daß ungemein Vieles vertreten, und die Oberflaͤche voll Löcher wird. Aber das ſchadet hier nichts. Sie enig uͤberal egenden be andern in werden nicht gemaͤht, und nur, was jedoch auch Gegenſtan nicht oft geſchieht, mit Kalk oder Torfaſche geduͤngt. Die ununterbrochene Feuchtigkeit des Seewaſſers uͤber⸗ ſehen, von windet alle Hinderniſſe der Vegetation. Das Vieh ſeyn wid, bleibt Tag und Nacht auf dieſen Weiden, bis ſtarke unter den Kaͤlte eintritt. Die erſten Reife beachtet man gar tol giſch nicht. Dieß wuͤrde unſerm weniger hart gewoͤhnten s Schif⸗ Vieh uͤbel bekommen. Aber in Holland wird ſchon hen damit das junge Rindvieh, und auch die jungen Pferde wer— nuf wok⸗ den daran gewoͤhnt. etegartige Das Raͤumen der Kanaͤle geſchieht auf die all⸗ enen, etwa gemein uͤbliche und bekannte Art, indem man allen Amusttoc⸗ Schlamm und Unrath ausbaggert mit dem Netze an twas feſter einer eiſernen Reifſchaufel, wie ſie bereits weiter s nur im⸗ oben beſchrieben wurde, und alle Kraͤuter ꝛc. mit einer nichtung in Art Senſe an langem Stiele gleichſam ausreiſſet Lotflage in und an das Land bringet, wozu man ſich zuweilen Zoll Lange auch eines Rechens bedient. er weiteren Auch hier ſind die Strohdaͤcher allgemein uͤblich, oder Jwi— und werden fuͤr die beſten, wenigſtens fuͤr weit beſſer duͤcke imme gehalten, als die Ziegeldaͤcher. Die verſchiedenen Brand⸗ 176 Haag. verſicherungsanſtalten verſichern Gebaͤude mit Stroh⸗ daͤchern gerne, laſſen ſich jedoch davon etwas groͤßere Verſicherungsbeitraͤge bezahlen. Herr von Grouner befand ſich nun in der Provinz Holland ſelbſt. Dieſe enthaͤlt 98,5 Qua⸗ dratmeilen und 777600 Einwohner, daher 7884 auf jeder Quadratmeile. Sie zaͤhlet 32 Staͤdte, 8 Marktflecken und 403 Döorfer und Weiler. Man rech⸗ nete im Jahre 1800, daß dieſe Provinz 201028 Stuͤck Rindvieh beſitze, und jaͤhrlich 140000 Zentner Kaͤſe und fuͤr 24 Millionen Gulden Butter erzeuge. Ha a g. Die Stadt Haag ſelbſt enthaͤlt 6200 Haͤuſer und 44000 Einwohner. Sie iſt der gewoͤhnliche Sommeraufenthalt des Koͤnigs der Niederlande. Haag iſt beinahe ganz mit Ziegelſteinen, wie Delft, Rotterdam und Dortrecht gepfaſtert. In neuerer Zeit hat man jedoch hier verſucht, das Zie⸗ gelpflaſter durch Pflaſterſteine von Tubatz zu erſetzen. Haag iſt mit haͤufigen Kanaͤlen verſehen, die Haͤu⸗ ſer haben uͤberhaͤngende Fagaden, welche auf Pfaͤhlen ſtehen. An allen Orten der Stadt ſind Baͤume gepflanzt, welche ihr ein freundliches lebendiges Anſehen verſchaf⸗ fen. Die Obſtbaͤume pflegt man aber hier ſcharf unter dem Meſſer zu halten, und kein aͤlteres als zweijaͤh— riges Holz zu geſtatten; dieſem Umſtande ſchreibt man ihre ſtarke Fruchtbarkeit zu gute. it Strah⸗ as groͤßer; n in der 5,5 Qua⸗ her 2384 Staͤdte, 3 Man rech⸗ 3 201026 0 Zentter er erjeuge 9 Haͤuſer voͤhnliche inde. gen, wie geoflaſtert. das die⸗ zu erſeßen. . die Haͤu⸗ Pfählen gepflanzt, verſchaf zarf unter weijäh⸗ reibt man ————————— Haag. 177 Das Straſſenkehrigt wird auch in Haag mit zweiraͤderigen Karren geſammelt. Dieſe haben aber geſchloſſene Deckeln und nur der obere Theil der hin⸗ teren Kaſtenwand wird Behufs der Einfuͤllung ge— oͤffnet, ſo, daß der Miſt den Augen des Publikums entzogen iſt. Das Haͤuſerkehrigt und die Steinkohlen-Aſche werden jedoch von einem Manne mit einem Schub⸗ karren abgeholt. In jeder Haushaltung ſind eigene Gefaͤße dafuͤr vorhanden, welche der Sammler taͤg— lich in ſeinen Schubkarren entleert, und wieder an ihren Ort ſtellet. Dieſer Miſt wird hier und in bei— nahe ganz Holland auf Rechnung der Bruͤßler— Geſellſchaft geſammelt und nach Flandern gefuͤhrt. Der aus den Kanaͤlen auf die beſchriebene Weiſe gebaggerte Schlamm wird in einen eigenen Ausladungs⸗Kanal gefuͤhrt, und dort an den Ufern in Beeten von 20 Fuß Breite ausgeladen, um ab— zutrocknen, und dann verkauft zu werden. Die Raͤn— der dieſer Beeten ſind mit Stroh umlegt, und der Boden hat eine Neigung gegen den Kanal, ſo, daß alles aus dem Schlamme ablaufende Waſſer in den Kanal fließt. Ein einziger Mann baggert, fuͤhrt den Schlamm an ſeinen Ort, ladet ihn aus, verbreitet ihn, und faͤngt dann dieſe Arbeit wieder von vorn an. Am 2. November beſuchte Herr von Grouner Scheveningen, ein Fiſcherdorf noͤrdlich vom Haag und hart an der Kuͤſte der Nordſee liegend. Der I. Theil. 12 178 Haag. Weg dahin iſt mit einer geraden Baum-Allee von 6 Reihen Linden-Baͤumen verſehen, welche auf der Weſtſeite vom Winde etwas gedruͤckt und dicht mit Mcoos bewachſen ſind. In der Mittee iſt eine breite Straſſe zum Fah— ren; an beiden Seiten aber ſind Fußwege. Die klei— nen Ziegel, womit die ſchoͤnen Straſſen in Holland gepflaſtert ſind, beſtehen aus Thon, der ſich gelb brennt, und ſind 5 ¾ Zoll lang, 2¼ Zoll breit, 14¼ Zoll dick und glashart gebrannt. Scheveningen iſt ein großes und ſchoͤnes Dorf, welches 2 Seebaͤder enthaͤlt. Der Reiſende zaͤhlte 51 Fiſcherſchiffe, welche waͤhrend der Ebbe am Strande lagen, und ſtatt der Segel mit Fiſcher⸗ Netzen zum Trocknen behangen waren. Alles riecht hier nach Seefiſchen. Dieſer Ort liegt in der erſten Duͤnenlinie, deren es drei gibt, und etwa 20 bis 25 Fuß uͤber der Meereshoͤhe waͤhrend der Ebbe. Die Bildung der Duͤnen hat Aehnlichkeit mit dem Schnee⸗Windwehen. Man ſieht an den Duͤ— nen-Huͤgelformen die Richtung des herrſchenden (Weſt) Windes deutlich. Jeder hoͤhere Huͤgel hat auf ſeiner Weſtſeite eine Windgrube, aus welcher der Wind den Sand aushoͤhlet und an den Huͤgel empor wirft. Herr von Grouner hat ſich oͤfter in dieſer Richtung auf den Huͤgel geſtellt, und jedesmal von den Sandkoͤrnern ein Stechen gefuͤhlt. Im heiſſen Die Duͤnen. 179 Ale wn Sommer ſoll ein ſolcher Windſtrom zum Erſticken che uf i ſeyn. Dieſer Sand iſt ſehr feinkoͤrnig, ohne grobes dicht m Korn und nur mit Muſcheln vermengt; er wird von den Sandpflanzen und den feinen langen Wurzeln zum Fah⸗ und Haarwurzeln derſelben gleichſam mit einem Filze Die klei uͤberzogen. Aber das heftige und fortdauernde Wehen n Holland des Windes laͤßt ſie an vielen Stellen nicht um ſich ſich gelt greifen, indem dadurch unaufhoͤrlich der alte Sand breit, 11 hinweg- und ein friſcher dafuͤr hingefuͤhrt wird. Nur an denjenigen Orten, welche durch ſtets neue Sand⸗ d ſchönes lagen den unmittelbaren Wirkungen des Windes ent⸗ Neiſende zogen ſind, koͤnnen die Sandgraͤſer mit Erfolg wu— rEbbe am chern, und da geſchieht es auch ungemein ſchnell. t Fiſche⸗ Hievon zeichnen ſich vorzuͤglich zwei Sorten aus; eine les riecht mit Bindfadenaͤhnlichen Wurzeln und Gelenken, wie die Quaͤcken, wo jeder Knoten eine neue Pflanze gie, deren treibt, und deren Wurzeln ſehr ſtark und ſchwer ent— iben der zwei zu reiſſen ſind. Die zweite Art hat Wurzeln von 20 Fuß Laͤnge mit Haarwurzeln, welche eben⸗ ſchkeit ni falls eine Laͤnge von 5 bis 6 Fuß erreichen. den di⸗ Da aber ſelbſt an jenen Stellen der Duͤnen, erichenden die ſchon bewachſen, aber doch noch nicht gegen friſche hügel har Sandlagerungen geſchuͤtzt ſind, zwar der Boden nicht us welcher mehr hinweggefuͤhrt, aber doch noch mit friſchem den Hügl Sande uͤberwehet wird, ſo entſtehen verſchiedene ji ſete i Schichten, in welchen die darunter liegenden Sand— 4 3 graͤſer verweſen und verſchiedene Humuslager bilden: näden und ſo kommt es nun, daß man in den Duͤnen In heiſſe 12* 180 Di e Duͤnen. im reinſten Sande vortreffliche Wieſen findet, ohne daß ihre Entſtehung unverhaͤltnißmaͤßig vielen Duͤn— ger gekoſtet haͤtte. Als Herr von Grouner in Scheveningen war, ſtand der Wind Weſſtſuͤdweſt, die Kuͤſte aber laͤuft in ſuͤdweſtlicher Richtung, und daher in einem ziemlich ſpitzen Winkel mit dem Winde, der demnach auch nur kleine Brandungen veranlaſſen konnte. Da es aber, wie bereits bemerkt worden, gerade Ebbe— zeit, und daher eine große Flaͤche Sandes an der Kuͤſte vom Waſſer entbloͤßt und trocken war, ſo bil— dete jeder Windſtoß einen ganzen Sandſtrom, ſo daß in der Richtung deſſelben die ganze Luft davon er— fuͤllt ward.— So bringt das Waſſer immer mehr Sand an die Kuͤſte, und der Wind bringt es an das Land und bildet Duͤnen daraus. Es verſtehet ſich, daß die Anhaͤufung des Sandes von der Stroͤ⸗ mung des Waſſers, und die Bildung der Duͤnen von der Richtung der herrſchenden Winde abhaͤngig ſind. Auf dieſe Weiſe mußten die vielen Duͤnen in Hol— land bei den vorherrſchenden Weſtwinden gebildet werden; und der ſpezifiſchen Schwere des Sandes iſt es zuzuſchreiben, daß ſie Huͤgelreihen und nicht eine Ebene bilden. Auf dieſe Weiſe wird Holland ſtets mehr Land von der See gewinnen. Wenn man auf dem friſchen Duͤnen⸗Strande geht, und der Sand iſt naß, ſo iſt er ziemlich feſt und man geht gut; iſt der Sand aber trocken, ſo Die Duͤnen. 181 di ſinkt man ein, und man bewegt ſich in einem Sand— meere. eningen Die Seebaͤder von Scheveningen ſind in ſol⸗ iſfe abe chen Duͤnen⸗Hugeln eingegraben. in enen Der Kirihhof dieſes Ortes iſt mit einer zwoͤlf Fuß hohen Mauer umgeben, welche auf Pfaͤhlen ſteht. dennach Inwendig iſt er dicht mit Marmorplatten von der nte. Da Groͤße der Graͤber belegt. Herr v. Grouner glaub⸗ de Ehbe⸗ te, ohne dieſe Vorſicht wuͤrde der Wind die Todten wan der noch ausgraben. In einer kleinen Entfernung iſt die P ſobi⸗ Kirchhofmauer mit einer 5 Fuß hohen Wand von n, ſo deß Raſen umgeben, welcher oben bis an die Mauer mit davon a⸗ Sandgraͤſern angepflanzt iſt. Dieſer Sandwall um ner mehr die Mauer iſt wahrſcheinlich dazu beſtimmt, zu hin— zt es an dern, daß der Wind nicht den Sand unter der verſiehet Mauer ſelbſt hinwegſpielen, und dieſe einſtuͤrzen koͤnne. et Stro⸗ Die Einwohner dieſes Dorfes haben wenige ei— inen von gene Fiſcherbarquen, ſondern ſie haben ſolche von ngig ſind. den Eigenthuͤmern in dem Haag gemiethet. in Hol⸗ Auch in den Duͤnen betreibt man vorzugsweiſe gebildet Weide⸗Wirthſchaft und Kartoffelbau. Sandes iſt Man findet hier keine Haiden. In den Wieſen nicht eine iſt eine 5 bis 7 Zoll dicke, dichte Raſenſchichte ge⸗ and ſtets woͤhnlich. In einem Sommer rechnet man hier, wie in Limburg, drei Maſtperioden. „Strande Im hintern Theil des Hofes werden alle Ab— enlich feſt faͤlle des Hauſes, der Kuͤche und der Menſchen, ſo ocken, ſo wie die vielen Fiſchabgaͤnge zu Dung gemacht, und 3———————— 132 Vom Haag zu dieſem Behuf in Haufen geſchichtet. Der groͤßere Theil dieſes Dungers koͤmmt auf die Kartoffelaͤcker, der kleinere auf die Wieſen. Die Kartoffeln werden hier von ausgezeichneter Guͤte, ein Mittelding zwi⸗ ſchen Kaſtanien und Kartoffeln. Die Wieſen zeigen aber die rothen Urinflecken des Weideviehes, welche man in Limburg nicht findet, gerade mit denſelben verderblichen Folgen, wie bei uns. In einer Molkerey-Wirthſchaft zu Ryswyk fand Herr von Grouner 36 Melkkuͤhe, 4 Stuͤck Jungvieh und 2 Pferde. Das Vieh ſtehet in doppelten Reihen mit den Köpfen gegen einander, uͤber Quer die Laͤnge des Stalles abtheilend. Auf 13 Schuh Laͤnge ſtanden 4 Kuͤhe. Der Futtergang iſt 10 Fuß breit, die Laͤnge des Viehſtandes betraͤgt nur 5 Fuß, und hinter den— ſelben iſt ein Graben 1 Fuß 7 Zoll breit und tief, dann folgt ein Gang von 4 Fuß 7 Zoll Breite, ſo, daß fuͤr 8 Kuͤhe ein Raum von 13 Fuß Breite und 21 Fuß 2 Zoll Laͤnge erforderlich iſt. Die Staͤnde ſind ſo kurz, daß alle Exkremente des Viehes ſogleich in die hinter denſelben angebrach— ten Graͤben fallen; und damit ſich das Vieh nicht beſchmutzen koͤnne, ſind uͤber denſelben Seile oder Stangen angebracht, an welche die Schweife des Viehes in der Art feſt gebunden ſind, daß es ſich zwar bewegen, aber den Schweif nie dem Boden nahe bringen, jedoch ungehindert liegen kann. Dieſes luwen dn F der H gen ſehen nach Haarlem. 183 de groͤßer wuͤrde dem Vieh im Sommer doppelt laͤſtig ſeyn, reoffllicke, wo es des Schweifes bedarf, um das Ungeziefer ab⸗ eln werden zuwehren; aber im Sommer iſt es nicht im Stalle, Alding zwi ſondern auf der Weide. Krippen oder Barmen haben eſen zeigen dieſe Staͤlle nicht, ſondern es wird das Vieh aus s, welche Zubern gefuͤttert. denſſelben Die Milch wird in eigenen Keſſeln, nachdem ſie gemolken iſt, in kaltes Waſſer geſtellt und ſchnell Ryswyk abgekuͤhlt. Man glaubt, daß ſie ſich dann laͤnger Stuͤck halte. Die Milchſchuͤſſeln ſind irdene und ſchoͤn gla⸗ ſirt. Man ſtellet ſie mit der Milch 48 Stunden in en wit den den kuͤhlen Milchkeller. Man machet hier durch⸗ känge de gehends Butter und nur magere Kaͤſe. Alle hoͤlzernen ſanden 4 Milchgefaͤße ſind roth oder blau mit Oelfarbe auch die Linge inwendig angeſtrichen. Die Hollaͤnder buttern in ſtehen⸗ inte den den Faͤſſern durch Stoſſen, und bedienen ſich hiezu and tif, der Hunde oder Pferde, indem ihre Butter-Maſchi— Drätt, ſo nen zum Theil mit Triebſtoͤcken und Tretraͤdern ver⸗ Breite und ſehen ſind. Die Butter wird 3 Tage in Salztroͤge gelegt. Erkrenent Zum Kaͤſen iſt man mit doppelten Preſſen verſehen; angärce der hier in Rede ſtehende Milchwirth machet nur im Sommer Kaͤſe, wo das Vieh auf der Weide iſt. Dieſes Gut ſcheint in den Poldern zu liegen, weil es mittels einer Waſſerſchraube, welche vom Vieh nicht Seile oder ife des den ſi Winde getrieben wird, ſich zuweilen des uͤberfluͤſſigen dß Beden Waſſers auf den Wieſen zu entledigen ſucht. Da in⸗ ſem Dieſet deſſen in dieſer Gegend wohl ſchwerlich Poldern n. 184 Leyden. gefunden werden duͤrften, ſo kann hier auch von der Hinwegſchaffung des Durchſinterungswaſſers ſehr fuͤg— lich die Rede ſeyn. Ley den. Leyden iſt eine Univerſitaͤts-Stadt mit 26800 Einwohnern. Herr von Grouner beſah hier vor Allem die Schleuſſen-Anlagen in Catwyk Ein ſehr kleiner Theil des Rheinwaſſers, welcher aus dem Leck bei Vianen nach Utrecht, dort durch eine Schleuſſe in die Vecht und in den alten Rhein getheilt, wovon letzterer uͤber Leyden gelei— tet wird, entmuͤndet ſich bei Catwyk in die Nordſee. Die Duͤnen erhoͤhen aber das Land an dem Seeſtrande ſo ſehr, daß dieſer Ausfluß des Ley— dener⸗ oder alten Rheines fortwaͤhrend geſtoͤrt wurde, und große Verwuͤſtungen und Verſumpfungen immer nur mit großem Koſten- und Arbeits⸗Aufwand ꝛc. verhuͤtet werden konnten. Ein großer Theil dieſes Rheingewaͤſſers mußte ſich durch den Sand durchſintern, und richtete da⸗ durch in den fuͤr Holland ſo ungemein wichtigen Duͤnen große Verheerungen an, ſo wie es den Strand, welcher ſtets von den Catwyker Fiſcher— Bayſen beſetzt wird, ſehr ſtark verdarb. Herr Bruͤ⸗ nings, ein Waſſerbaumeiſter, deſſen Namen kein Hollaͤnder anders als mit dankbarer Hochachtung nennt, ſchlug vor: die Duͤnen oͤſtlich des Dorfes Entwik z ra achüles wruͤnden, d Meere n dn J Verdveſſ Säſeußer der whterne Pole der 7 ren 7 Alge ſchlan Beoba fühtt venige Keyden. 135 ich v.. an de Catwik zu durchbrechen, den Rhein durch einen .. ſer fi neu anzulegenden Kanal dadurch in die Nordſee aus⸗ zumuͤnden, und der großen Gefahr der Hochfluthen des Meeres:(welchen die Duͤnen vorbeugen), die in den Aequinoktien und in den gewoͤhnlichen it 26800 Nordweſtſtuͤrmen auſſerordentlich hoch gehen, hier durch hier vor Schleußen abzuwenden.*) Der große Mann erlebte nur noch den Be⸗ , welcher ſchluß dieſes Planes, aber nicht die Ausfuͤhrung ht, dort deſſelben, welche von ſeinem Nachfolger Conrads den alten unternommen worden, der indeſſen ebenfalls vor ihrer den gelei⸗ Vollendung ſtarb. e Nordſee. Ein mehrere hundert Fuß breiter Durchbruch an dem der Duͤnen, und ein zureichendes Mittel, die Duͤ— es Ley⸗ nen zum Stehen zu bringen, und die Verſandung et wurde, en immer fwand k. *) Das Unternehmen war gewiß um ſo meVhr ſchwierig, als es . mit 2 furchtbaren Gegnern zu kaͤmpfen hatte, naͤmlich mit ers mußtt den Nordweſtwinden, welche die Duͤnen bilden, und jeden ſchtete da Augenblick an Verſandung arbeiten, und dann mit dem Rhein- wichtigen ſchlamm, der in großer Menge dahin gefuͤhrt wird. Nach den Beobachtungen von Manfred, Hartsoͤker und Eſcher e es den fuͤhrt der Rhein jaͤhrlich durch die Baſeler Bruͤcke nicht Fiſcher⸗ weniger als 6,978,425 Cubick⸗Toiſen Schlamm. Wird hin⸗ tr Bruͤ⸗ zugerechnet, was die zahlreichen Fluͤſſe dem Rhein auf ſeinem men kein Lauf durch Deutſchland noch zufuͤhren an Schlamm und ſchlammartigen Stoffen; ſo erwachſet der Betrag ſicher auf chachtung 20 Millfonen Cubik⸗Toiſen an, den Holland zu ſeiner Dorfes Bildung jaͤhrlich nur vom Rheine zugefuͤhrt erhaͤlt!— 166 Leyden. und Wiederausfuͤllung dieſes Durchbruches zu hin⸗ dern, waren unerlaͤſſliche Vorbedingungen dieſes groſſen Unternehmens, wenn dem Werke nicht daſſelbe Schickſal zu Theil werden ſollte, welches den ver— ſchiedenen Verbindungskanaͤlen der Alten, zwiſchen dem rothen und mittellaͤndiſchen Meere durch Wind⸗ verſandungen wiederfahren iſt; ein Schickſal, dem nicht unwahrſcheinlich auch die Landenge von Suez und die Vernichtung mancher Kommunikation in Rechnung zu ſetzen koͤmmt. Der Hollaͤnder betrachtet mit Recht die Duͤ⸗ nen als ein heiliges Bollwerke, als die Schutz— mauer ſeiner Exiſtenz. Daher hat es gewiß die Staaten von Rhynland einen großen Kampf gekoſtet, in einen Vorſchlag zu willigen, wodurch des Landes Schutzwehre zertruͤmmert, und ihr Schickſal einer ungewiſſen Zukunft Preis gegeben wurde. Auch haͤt— ten ſie ſich wirklich gerne das Dreifache koſten laſ— ſen, wenn dieſer alte Rhein in das im Innern des Landes liegende, durch die Schleuſſen von Sparen- dam und Halffweg von aller Ebbe und Fluth gaͤnzlich abgeſchnittene Haarlemer⸗Meer haͤtte ab⸗ geleitet werden koͤnnen. Allein, es ſcheinet, daß der Waſſerſtand dieſes noͤrdlich gelegenen Meeres einer ſolchen Verbindung nicht guͤnſtig war, und man mußte ſich entſchlieſſen, das Unternehmen zu wagen. Die Muͤndung dieſes Durchbruches in die See — — — — — — — —— — 2 — — ſnn dur hälſten Duck de Leyvden. 187 3 en s 3 iſt mit zwei Steindammen⸗ welche ſich weit in riſel die See hinein erſtrecken, verwahrt. Drei Reihen d ir Schleuſſen, jede von der andern 1⁰⁰0 bis 1500 zuſſhen Schritte entfernt, vertheidigen nicht nur das Land hWin, gegen die Fluth und die Stuͤrme der See, ſondern i, det bilden in dem breiten und tiefen Rheinkanal*) Gu Baſſins, welche durch die ſinnreiche Conſtruktion der 9 i Schleuſſen geeignet ſind, allen eingewehten und ein— geſchlemmten Sand in der Zeit der Ebbe wieder aus— iie Dir zuſpühlen. Die an dem Seeſtrande liegende erſte Schleuſ⸗ Sans⸗ ſenreihe beſteht aus lauter Aufziehthoren, welche in Wenen den trefflich gemauerten Pfeilern in Falzen laufen. air, i Die zweite Schleuſſen-Reihe tiefer in das Land Landes hinein hat Drehethore; und die dritte Schleuſſen— i einer reihe hat bloß einfache Fluͤgelthore. uch hit Alle dieſe Schreuſſen ſind wie Bruͤcken mit oien la Bogen gemauert. Die Fallthore der erſten werden mern des mit Winden aufgezogen. Das Mauerwerk iſt 10 Fuß Spaten— dick, und die Fallthore ſind mit Kupfer beſchlagen. d Fluth Die 5 Drehethore der zweiten Schleuſſen-Reihe itte ab⸗ ſind durch ihre Umdrehungsachſen in 2 ungleiche Haͤlften getheilt, und ſo eingerichtet, daß ſie der n dieſes Druck des Waſſers ſelbſt oͤffnet; ihr Schlußmechanis⸗ cbindung chlieſſen, *) Er mag etwa einen 50 Fuß breiten Waſſerſpiegel haben. die See Seine ufer ſind flach und mit Gras bewachſen. 183 Leyden. mus iſt ſo wie der unſerer ſogenannten Klauſen. nus Waͤhrend der Ebbe ſind ſie offen, und werden erſt Vi dann zugemacht, wenn die Meeresfluth am hoͤchſten bh iſt, alſo das Waſſer im Kanal ſeinen hoͤchſten Stand n r erreicht hat. V d 1 Sie ſchlieſſen in dieſem Falle das Seewaſſer, V Jäj welches ſich zwiſchen der 2ten und 3ten Schleußen— V ſa ſ Reihe befindet, ein. b m ne Die oberſte Schleuſſenreihe beſteht nur aus 3 V öitmn gemauerten Bruͤckenbogen, wovon jeder durch ein V ſhüſt Fluͤgelthor geſchloſſen wird.. Das Verfahren iſt im Weſentlichen folgendes: V Bei dem Eintrit der Fluth werden die Schleuſſen Shla der innerſten oder dritten Reihe geſchloſſen. Dadurch am wird nun das Rheinwaſſer aufgeſtaut. Da aber die⸗ V ht ſer Fluß beinahe ohne Gefaͤlle und in viele Kanaͤle V iiinU verzweigt iſt, ſo vertheilt ſich das angeſtaute Rhein— Aah d waſſer ſehr weit ohne betraͤchtlich hoch zu ſteigen, hoͤchſtens 5 bis 6 Fuß. Hingegen tritt das Fluth⸗ V E waſſer des Meeres weit ſtaͤrker und heftiger ein. ſabſt d Wenn dieſes nun ſeinen hoͤchſten Stand erreicht hat, V M werden die Drehethore der zweiten Schleuſſenreihe NAlge geſchloſſen, und dieſes kann auch mit den Fallthoren inlch der erſten Reihe geſchehen. Iſt nun die vollſtaͤndige Paſet Ebbe eingetreten, ſo werden die Fallthore der erſten Schleuſſenreihe geoͤffnet, und das zwiſchen der erſten lthere und zweiten Schleuſſen-Reihe eingeſchloſſen geweſene ͤatth Seewaſſer ſtuͤrzet mit großer Schnelligkeit hinaus, mt Leyden. 180 n Klauſan, und nimmt einen groſſen Theil des Sandes mit fort, werden eiſ welcher fruͤher etwa von der Brandung vor die im hochſie Schleuſſen geſpuͤhlt, oder welcher von der Fluth in ſten Stand den Kanal geſchlaͤmmt, oder endlich, welcher durch den Wind von den Duͤnen hineingefuͤhrt worden. Seewaſſt, Nachdem dieſer Theil des Kanales geleert iſt, Schleußen⸗ oͤffnen ſich die Drehethore der zweiten Schleuſſenreihe, und das darin befindliche Seewaſſer ſtroͤmt mit groſſer ur aus 3 Geſchwindigkeit durch dieſen Theil des Kanales und durch ein ſpuͤhlet Alles aus, was anfaͤnglich noch darin liegen blieb. folgendes. Endlich werden die Fluͤgelthore der dritten Schleuſſn Schleuſſen-Reihe geoͤffnet, und das ſchnell ſtroͤ— Dadurch mende Waſſer reiniget nun den Kanal vollends. aber die⸗ Jetzt erreicht das Kanalwaſſer wieder ſeinen natuͤr— e Kanaͤle lichen Hoͤhenſtand, bis bei dem Wiedereintreten der Rhei⸗ Fluth die beſchriebenen Erſcheinungen der Reihe nach von vorne beginnen. Es iſt klar, daß auf dieſe Weiſe jedem Uebel, ſelbſt der Moͤglichkeit einer Verſandung, vorgebeugt iſt. d ſteigen, das Fluth⸗ 6 m Merkwuͤrdig aber iſ es, daß mit dieſer Kanal⸗ luſſenreihe Anlage eine Saline in Verbindung ſtehet. Es iſt Fallthoren naͤmlich bemerkt worden, daß waͤhrend der Fluth das rolfändi Waſſer des Rheinkanales ſich nicht ſo hoch anſtauet de erſen als die Fluth bes Meeres. Daher ſind an den Flü⸗ der erſen gelthoren der dritten Schleuſſenreihe bei der groͤßten Fluthhoͤhe zweierlei Waſſerſtaͤnde. Derjenige zwiſchen n geweſene n geue der zweiten und dritten Schleuſſenreihe mit Seewaſ⸗ it hinaus, 190 Leyden. ſer betraͤchtlich hoͤher als jener auf der Seite des Rheinkanals landeinwaͤrts mit Flußwaſſer. Dieſer Umſtand iſt zur Gewinnung von Salz⸗ ſoole benuͤtzt. In den Kanal wird ein leeres Schiff geſtellt unmittelbar an die Fluͤgelthore. In dem tief⸗ ſten Theil des Schleuſſenthores iſt ein von der See— ſeite hereinmuͤndendes 6 zoͤlliges metallenes Rohr an⸗ gebracht, welches auf der Landſeite, oder in den Rheinkanal ſo hoch in die Hoͤhe gebogen iſt, bis deſſen obere Muͤndung die obere Ebene des Kanal⸗ ſchiffes erreicht. Der Druck des hoͤher ſtehenden See— Waſſers machet nun, daß der untere, alſo mit Salz am ſtaͤrkſten geſchwaͤngerte Theil des Seewaſſers durch dieſes Rohr in das leere Schiff hinuͤber laufet, und daſſelbe fuͤllet. Von da werden die gefuͤllten Schiffe auf dem Kanale zu einem, von einem Deutſchen errichteten Gradierwerk gefuͤhrt, wo das Seewaſſer von einer Windmuͤhle auf eine Hoͤhe von 400 Fuß gehoben, und durch 4 Waͤnde gradiert wird. Von dem Soo⸗ lenbehaͤlter lauft es wieder in Schifſe, und wird dann als Soolen zum Verſieden nach Leyden ge— fuͤhrt. Eine beinahe gleich wichtige Anſtalt iſt dieje— nige, welche zur Bewaͤſſerung und Entwaͤſſerung des Landes an dieſem Rheinkanal angelegt worden. Die Staaten von Rhynland waren naͤmlich nicht ganz ohne Grund beſorgt, daß ihnen durch den ganjeb nitels e ſerahe hoben, len, un doch ge und daß Naſcine die tiic, Es lit uu ſid, und dire um hn Du Leyden. 191 Siit d neuen tiefliegenden Catwyker⸗Rheinkanal jener Grad von Feuchtigkeit, deſſen ihre Duͤnen-Wieſen be— uen Si duͤrfen, und welchen ſie von dem Durchſinterungs⸗ eres Sif Waſſer des alten Rheines im Ueberfluß erhalten n dem tef hatten, nun entzogen, und ſo vielleicht durch die 8 Si⸗ neue Anlage mehr verlohren als gewonnen werde. t Ma Ein Theil dieſer Beſorgniſſe wurde zwar ſchon mit, li durch die mit jeder Fluth eintretende Aufſtauung des es Kanal Kanalwaſſers innerhalb der dritten Schleuſſenreihe mn Se beſeitiget; allein die Beſitzer der hoͤher liegenden ni Sch Duͤnen⸗Wieſen ſcheinen ſich damit nicht beruhiget ſas dur zu haben. aufet, und Es wurde daher in den hoͤhern Gelaͤnden ein ganzes Kanalſyſtem angelegt, und das Kanalwaſſer auf dem mittels einer Dampf⸗Maſchine an der dritten Schleuſ⸗ kerichteten ſenreihe bis zu den oberſten Duͤnen-Flaͤchen ge— don einer hoben, von wo aus ſich daſſelbe uͤberall hin verthei— ß gehoben, len, und die Wieſen bewaͤſſern wuͤrde. Man hat je— dem Soa⸗ doch gefunden, daß die Kanalaufſtauung hinreichet, und widd und daß es der Bewaͤſſeruug mittels der Dampf⸗ yden ge⸗ Maſchine nicht bedarf. Dieſes Unternehmen iſt in vieler Hinſicht lehr⸗ iſt dieje⸗ reich. Es zeigt, wie viele Hinderniſſe und Schwierig— ſerung des keit auch bei den nothwendigſten Anlagen zu beſiegen den. ſind, und wie viele Vorſicht und Klugheit dazu ge— en naͤmlich hoͤre, um alle Beduͤrfniſſe zu befriedigen. Es mußten durch den hier Duͤnenhuͤgel von 100 Fuß Tiefe durchſtochen 192 Leyden. werden, was dieſes Unternehmen aͤuſſerſt gefahrvoll machen mußte. Es iſt gewiß nicht ohne Intereſſe, die Einrichtung kennen zu lernen, welcher Holland vorzugsweiſe ſeine ausgezeichneten Waſſerbauten und deren Erhaltung verdanket. Alle Gewaͤſſer dieſer hollaͤndiſchen, an die Nord⸗ See graͤnzenden Provinz, eingeſchloſſen von der Maas, dem Leck und von dem P, bilden eine Zahl von Bewaͤſſerungs⸗- und Entwaͤſſerungs⸗Syſtemen, deren Zentralpunkt der groſſe Binnen-See, das ſo— genannte Haarlemer⸗Meer iſt, welches fruͤher in offenem Zuſammenhange mit dem P und der Zuy⸗ derſee geſtanden, folglich dem Spiele von Ebbe und Fluth ausgeſetzt war. Jetzt aber iſt dieſes Binnen⸗ Meer durch die bereits erwaͤhnten Schleuſſen von Sparendam und Halffweg abgeſchloſſen, und von Ebbe und Fluth gaͤnzlich befreit. Durch die Benutzung dieſer Schleuſſen, welche zur Ebbezeit geoͤffnet, nachher aber ſogleich wieder geſchloſſen werden, iſt der Waſſerſtand des Haarlemer⸗Meeres fixirt, und um ein Betraͤchtliches niedriger gelegt worden, ſo daß das Land die Natur der Zwiſchenpoldern ange⸗ nommen hat. Jede dahin auswaͤſſernde Provinz(uiterwate⸗ ring) bildet ein eigenes, von allen uͤbrigen geſondertes Waſſerreich, deſſen Unterthanen oder vielmehr Mit⸗ glieder alle dahin einſchlaͤgigen Grundbeſitzer ſind. Dieſ Sadt V(lem r V wachet und T lſt a I dariten duf ſi racches dieſen nehm nr t ledeut hoſten. Ind G . det, deren bernefr drxiher lit eige alsgegei und ein i denen Wählic 1 dhe Leyden. 193 peitru Dieſe erwaͤhlen einen Rath von ausgeſchoſſenen — Sachverſtaͤndigen, und ſtark betheiligten Maͤnnern Einricung(Hemradschapi), welchem ſie alle ihre hydrotechniſchen zweiſe ſeine Intereſſen mit groſſen Vollmachten anvertrauen. Er Erhalun wachet fuͤr die Dauer und Sicherheit der Daͤmme und Waſſerleitungs-Anſtalten uͤberhaupt ſtreng, und die Nord laͤßt alle Gebrechen und Maͤngel ohne Zeitverluſt re— i dan de pariren. Die Koſten dieſer Unternehmungen werden j in da auf ſaͤmmtliche Grundbeſitzer des betreffenden Waſſer— Syſtenan, reiches nach einer feſtgeſetzten Norm repartirt, und von de, das ſ— dieſen bezahlt. ftüͤher in Dieſer hydrotechniſche Rath ſchlaͤgt neue Unter— der Zur⸗ nehmungen und Verbeſſerungen vor, welche nach ih— Ehhe und rer vorlaͤufigen Gutheißung dem in Holland ſo Binnen⸗ bedeutenden Waterſtaate, worin die Regierung ihre euſſen von beſten Hydrotechniker zaͤhlet und bildet, zur Einſicht „ und von und Genehmigung vorgelegt werden. Benutzung Dieſer theilt ſie auch, wo er es fuͤr noͤthig fin— t geoffnet, det, den benachbarten Hemradſchaften mit, um werden, iſ deren Erinnerungen in Bezug auf ihr Intereſſe zu firirt, und vernehmen; und erſt dann wird eine Entſcheidung worden, ſt daruͤber gefaßt. Der ſogenannte Waterſtaat bildet Idern ange ein eigenes Miniſterium, welches groͤßerntheils aus ausgezeichneten hydrotechniſchen Ingenieuren beſteht, (uiterwats und ein großes Anſehen behauptet. geſondette Eigentlich ſind es aber die Hemradſchaften, elmehr Mi⸗ denen Holland ſeine auſſerordentliche Exiſtenz und biſher ſad Wohlfahrt verdankt. I. Theil. 13 ——— 194 Leyden. Die Koſten werden auf die Grundeigenthuͤmer nach feſtgeſetzten Normen vertheilt. Das anſchauliche Beduͤrfniß, die gleiche Gefahr und das gleiche In— tereſſe bei dem Gelingen, vereinigen alle Kraͤfte fuͤr den Zweck, und verſchaffen Werken das Daſeyn, die ſonſt nimmer entſtehen koͤnnten! Sachſen verdanket einer aͤhnlichen Einrichtung ſei— nen Bergbau; und manches andere Gute iſt wohl ſchon auf ſolchen Wegen realiſirt worden. Ehe man von Leyden aus Catwyl erreicht, gelangt man zu dem ſchoͤnen Dorf Rhynsburg, welches in landwirthſchaftlicher Beziehung durch die auſſerordentlich große Menge Blumenkohl merkwuͤrdig iſt, welchen es auf dem freien Felde pflanzet und mit dem Pfluge bearbeitet. Zu dieſer Pflanzung beziehen die Einwohner von Rhynsburg den Fiſchduͤnger aus dem Fiſcher-Dorfe Catwyk. Der Ort liegt in der Reihe der Duͤnen und der Boden iſt daher fei⸗ ner Sand und wird auch mit Viehduͤnger geduͤngt. Noch am 9. November ſtand Blumenkohl auf dem Felde. Man haͤlt hier einen großen Viehſtand, hat viele und ſchoͤne Wieſen, und bauet auch Wurzelge⸗ waͤchſe, welche vortrefflich gedeihen. Der hieſige Pflug iſt dem Brabanter aͤhnlich, nur minder vollkommen, und ſein Pflugmeſſer iſt am Schar befeſtiget, wodurch die Sicherheit des Ganges weſentlich leidet. Leyden. 195 deigenthuune 4 3hn Die hieſigen Wieſen werden oͤfter unter den n 2 e. ſdi Pflug genommen und ſpaͤter wieder zu kuͤnſtlichen 8. V 1 iihe d Wieſen niedergelegt.*) Wenn eine Wieſe umgebro— ſe chen werden ſoll, ſo geſchieht dieß zuerſt mit dem gſeyn,d Spaten von 2 Mann. Ein Mann ſticht mit ſeiner 4 Schaufel eine 12 Zoll breite Raſenlinie 14 Zoll nricung ſi tief ab, und ein zweiter folgt ihm und ſticht ſte un— jdute iſt wol⸗ ter einem rechten horizontalen Winkel ab, und wen⸗ det ſie um. So wird das Grasland 14 Zoll tief eyk erteich, umgeſtochen und gewendet, und erſt wenn der Raſen hynsburg, einigermaſſen verweſet iſt, folgen Pflug und Egge. ng durch de merkwüͤtdin nzet und mit*) Ich finde nicht, ob Herr von Grouner ſchon bei ſeinem ing beziehen erſten Duͤnen-Beſuch erfahren habe, auf welche Weiſe das Fiſhdnge Pflugland hier zu Grasland niedergelegt werde. 7 Verſuche mit franz. Raygras, Avena clatior, und mit t begt in Fioringras, Agrostis alba, haben in den Duͤnen nicht ge⸗ R daher ſei⸗ lingen wollen. ner gding Von letzterem ließ ſich ein Guͤterbeſitzer Pflanzen aus 3 3 England kommen, welche ſo trocken waren, wie Heu, als ohl auf den ſie ankamen; ſie wurden auf den Rath des engliſchen Ueber⸗ ſenders dennoch in den Boden geſetzt, und zeigten herrliches iſtand hr Gedeihen. Kein Botaniker vermochte einen Unterſchied in düch den Pflanzen des hollaͤndiſchen Fioringraſes, welches nicht ch Wurjäl fortkam, und des engliſchen, welches ſehr ſchoͤn wuchs, zu entdecken. Man hat auf dieſen Umſtand ein groſſes Gewicht iter ähnlic gelegt. Allein da das engliſche Fioringras nicht auf denſelben iſ an Ort zu ſtehen kam, wo das hollaͤndiſche mißlungen iſt, ſo meſſer iſte waͤre es wohl moͤglich, daß jenes im feuchten Boden gedieh, des Gange waͤhrend dieſes im heiſſen Sande der hohen Duͤnen noth⸗ wendig haͤtte kuͤmmern muͤſſen! 13* .——— 196 Leyden. Die Beeten zur Aufbewahrung von Blumen⸗ zwiebeln werden hier 6 Zoll hoch mit Torfſtaub be⸗ deckt. 22s Die Landſtraſſen dieſer Gegend und in Hol⸗ land uͤberhaupt ſind, wie bereits angezeigt worden, mit Ziegel gepflaſtert, und mit Rohr oder Stroh und Sand bedeckt. In der Regel haben ſie die Form Tab. II. Fig. 5 und 6. Fig. 5 iſt die obere Anſicht. AA BB iſt die Fahrbahn; CC ſind Erdwaͤlle an beiden Sei— ten, in welchen abee Waſſerbehaͤlter angebracht ſind; hierauf folgen Fußwege DD EE, welche auſſen mit einem Waſſergraͤbchen verſehen werden. Man trifft in den Duͤnen Baumpflanzungen: Obſtbaͤume, Stachelbeeren ꝛc. Auch viele Erlen. In Rhynsburg fand der Reiſende einen Vieh⸗ ſtall, welcher alle Eigenheiten der Hollaͤnder Stallun⸗ gen in einem richtigen Verhaͤltniß vereinigte. Der Stall iſt nur 2 Fuß hoch, hat wenig Licht und wenig Luft, und iſt auf zwei Reihen Vieh, wie das gewoͤhnlich der Fall iſt, eingerichtet. Tab. II. Fig. 7 ſtellet die obere Anſicht, oder den Grund⸗ riß, und Fig. 8 den Querdurchſchnitt dar. Der mittlere Gang AA BB iſt der Futtergang, 5 Fuß breit und mit flachen Ziegeln gepflaſtert. Daran ſtoſſen ABCC links und rechts die Fut⸗ terkrippen, oben im Lichten 1 Fuß, unten 6 Zoll weit, und 6 Zoll vertieft mit Ziegeln ausgepflaſtert and mi Dann zull nit g iber w de hf wotmn ſeſige in S ſehan ter, V ſichen eolen auuhe ſchen Fihe die po an, m ſo j eai it E hohnii V duan in h V- Aqop dage von Bluma, Torſtub ud in hul geigt worda, oder Etn rm Tab. I ſicht. A4 R beiden Ect gebracht ſind, he auſſen mit flanzungen: Erlen. einen Vieh⸗ der Stallun⸗ ngte. p, hat weri Neihen Vie erichtet. In r den Grund dat. er Futtergan⸗ eflaſtert echts die Fu unten 6 3 ausgepflaſte Leyden. 197 und mit Cement waſſerdicht und haltbar verkittet. Dann folget CC DD oder m eine 3 Zoll hohe, 6 Zoll breite balkenfoͤrmige, oben kreisrundgeformte, mit gutem Moͤrtel verbundene, ſtehende Ziegelreihe, uͤber welche das Vieh frißt. Unmittelbar hieran ſtehen die Pfoſten EE, welche das Gebaͤlke tragen, und worin die 6 zolligen horizontalen Querbalken 00 be⸗ feſtiget ſind. An dieſen und im Boden ſind die run⸗ den Staͤbe Xxxx befeſtiget, an welche das Vieh an⸗ gehangen iſt, und zwiſchen welchen durch es ſein Fut⸗ ter, wie durch einen Kopfrechen, frißt. Dieſe Staͤbe ſtehen von einander 6, 8, 12 bis 16 Zoll ab, und ſollen verhindern, daß das Vieh kein langes Futter gusbeuteln und unter die Fuͤſſe bringen koͤnne. Zwi⸗ ſchen EE, welche 7 Fuß entfernt ſind, ſtehen zwei Kuͤhe. Die Mittellinien jedes Viehſtandes ſind durch die punktirten Linien MN angezeigt. Der Viehſtand ſelbſt iſt von Lehm feſtgeſchla⸗ gen, wie eine Scheunen-Tenne, nur 5 Fuß lang, und die letzten 2 Fuß ſind mit 2 Bretern bedeckt, ſo daß die hintern Fuͤſſe des Viehes auf dieſen Bretern ſtehen. Der Raum von F bis G iſt daher mit Bretern bedeckt, jener von F bis E aber ge⸗ woͤhnlich mit Sand eingeſtreut. Andere Streu findet mnan in den Duͤnen wenig. Auſſerdem kommen wohl auch Haideplaggen ꝛc. vor. Unmittelbar hinter den Viehſtand kommt ein Duͤngergraben, welcher GK= 1 Fuß 2 Zoll, k1= 1 Fuß 6 Zoll, und IH= 10 Zoll tief und breit, und dazu beſtimmt iſt, alle Exkremente des Viehes ſogleich aufzunehmen. Es iſt ſchon fruͤher bemerkt worden, daß die Schweife des Viehes in die Hoͤhe gebunden ſind, wel— ches hiedurch verhindert wird, ſich damit zu beſchmutzen. Auch dieſer Graben iſt bloß der Reinlichkeit wegen da, und die Viehſtaͤnde ſind deßhalb ſo kurz, damit der Miſt entweder ſogleich unmittelbar in den Gra— ben fallen muͤſſe, oder wenn er ja auf die Breter faͤllt, taͤglich dreimal ohne Muͤhe, dahin geſtreift, und ſomit der Stall aͤuſſerſt reinlich gehalten werden koͤnne. Auſſer dieſen Dunggraͤben ſind auch auſſer dem Stalle kleine Miſthaufen von verſchiedenen Abfaͤllen geſammelt, und zu dieſen werden die Stallgraben öͤf⸗ ters entleert. HL= 4A Fuß bis à4 Fuß 2 Zoll iſt ein freier Gang hinter dem Viehſtande, und daran ſtoſſen die Stallmauern. Da die Hollaͤnder, wie die Limburger, ihr Vieh nur waͤhrend dem ſtrengen Winter zu Hauſe, und auſſerdem Tag und Nacht auf der Weide hal⸗ ten, ſo ſtehet der Stall im Sommer leer, und er iſt uͤber Winter ſo reinlich gehalten worden, daß er nun als Raum zum Kaͤſemachen dient. Die naͤmlichen Breter FF 6, auf welchen durch den Winter der Hintertheil des Viehes geſtanden, dienen nun umge⸗ wendet im Sommer als Tiſche und Trockenbreter fuͤr Jans für de und o Von Leyden nach Haarlem. 199 f un tri, die Kaͤſe. Daß man daher hier nie aufhoͤrt, alle des Vih Theile zu waſchen und zu fegen, wird an und fuͤr ſich ſehr begreiflich erſcheinen. en, daß de en ſind, we Von Leyden nach Haarlem. eſhmußn Herr von Grouner machte dieſe Reiſe durch ifeit vege die Duͤnen am 0. November. kurz, dami Haarlem iſt eine ſehr reinliche Stadt mit nden Gra⸗ 2963 Haͤuſern und 21200 Einwohnern. Sie hat ein die Breter ſchoͤnes Pflaſter von kleinen gehauenen Steinen. Die ſeſtreift, und Trottoirs ſind aber, wie in Leyden und Haag, erden koͤnne mit Ziegel gepflaſtert. auſſer den Haar lem beſitzet eine Statue, den Lorenz en Abfaͤllen Janszoon Coſter, welcher von den Hollaͤndern lgraben of⸗ fuͤr den Erfinder der Buchdruckerkunſt gehalten wird, und ohngefaͤhr von dem Jahre 1430 herſtammen ſt ein freier ſoll; obſchon ſich Mainz und Straßburg um die⸗ ſtoſſen die ſelbe Ehre ſtreiten. Die Statue haͤlt den Buchſtaben à in der rechten Hand.*) urger, ih zu Hauſt, Weide hal*) Am 10. Juli 1825 wurde das Jubilaͤum der Buchdruckerkunde 4, und zu Haarl em gefeyert, und be dieſer Gelegenheit beſchloſ⸗ ſen, dem Erfinder auch im Parke zu Haarlem ein Denkmal den, daß a zu ſetzen. Der Magiſtrat ſoll noch jetzt die in Holz geſchnitz⸗ naͤmlichen ten Buchſtaben in einer ſilbernen Kapſel verwahren, womit Winter der das erſte Buch in Haarlem unter dem Titel: WDen spiegel van onze Zaligheyd'“ gedruckt worden iſt. nun umgt Auch in Mainz und Straßburg waren die erſten Buͤcher. enbteter füt religidſen Inhaltes. E—— ——CQO..è—,—— 200 Haarlem. V Hier und in Leyden iſt die Wiege der hollaͤn⸗ V d diſchen Blumengaͤrtnerei. Die Blumenbeeten beſtehen Gieine aus reinem Sande, ohne die geringſte Beimengung nujan von Thon. Dieſer Sand iſt indeſſen ſehr fein, aus 1 den Duͤnen genommen. Die Gaͤrtner graben oͤfters*) rahti ihre Gartenbeeten, welche reichlich mit Duͤnger ver⸗ ſtuſ ſehen ſind, 1 ½ bis 2 Fuß tief aus, um ſie mit ganz den ho friſchem Sand zu fuͤllen, und halten dieß fuͤr ſehr fnue be vortheilhaft und nothwendig. Das Ausgraben ge⸗ nnd in ſchieht im Herbſte. Zu derſelben Zeit wird der friſche d d trockene Sand mit Kuͤhduͤnger zu einem Kompoſt⸗ n d haufen zuſammen geſchlagen, uͤber Winter oͤfters um⸗ Thel geſtochen, und zeitlich im Fruͤhling werden die aus⸗ heeten gehobenen Beeten damit gefuͤllt. Der Blumen-Ka— V talog des Heinrich van Eden u. Comp., Floriſten dügetre in Haarlem, fuͤllet allein 56 klein gedruckte Oktav⸗ 1 lini ſeiten; und man kann daraus auf den hieſigen Blu⸗ RB. l menreichthum ſchlieſſen! fi aä Hier iſt auch das abgefallene Baumlaub ſehr dänm geſucht**) und eine verkaͤufliche Waare. Es wird Kiͤhyr theils zum Bedecken der Beeten uͤber Winter, theils V 1 316 um Terreau, Duͤngererde durch Verweſung daraus 30 d zu bereiten, gekauft. b al ih Aaiſzul und durc *) Sie geben an, alle 10 Jahre geſchehe dieß. Vnn **) Eichenlaub und Nußbaumlaub wuͤrde man zu dieſem Behufe di ſchwerlich ſuchen!(hemals Haarlem. 201 2 Dieſes Laub wird nebſt die ſem zumn Compoſt der Weinet 3 Gaͤrtner benuͤtzt, wovon jedoch Eichen⸗ und Wall⸗ Pa 5 nußlaub ſtreng ausgenommen ſind. 1) Eine andere beſondere Duͤngerart, wovon viel dn iſtes verbraucht, und womit ſtarker Handel getrieben wird, dinge ier iſt der ſogenannte Molm, eine Art Baggertorf aus 4 nit Jan dem Haarlemer Meer. Wenn der Wind die See z für ſeh ſtark bewegt, wird dieſer Schlamm-Torf aufgeruͤhrt graben ge⸗ und an den Strand gebracht, wo ihn die Leute auf der tiſhe das Land zu bringen ſuchen, dann abtrocknen und Kompoſ⸗ gut verkaufen. Auch dieſer Molm machet einen öſters um, Theil des Kompoſtes aus, welcher fuͤr die Blumen— en die aus— beeten mit friſchem Sand bereitet wird. lumen⸗Ka⸗ Hier wurde im Gaſthofe, wo der Reiſende Floriſten abgetreten war, ein neuer Kuͤhſtall gebaut. Er wich kte Oktav⸗ in einigen Dimenſionen von demjenigen ab, welcher igen Blu⸗ Tab. II. Fig. 7 und 3 dargeſtellt iſt. Die Breite fuͤr eine Kuh betrug 3, alſo NN= 6 Fuß, die nlaub ſehr Laͤnge des Standes MN= 54 Fuß; die Tiefe des Es vwiird Kuͤhgrabens GK= 2 Schuh 2 Zoll, jene IH aber kter, theil 1 Fuß àAt Zoll; deſſen Breite Kl= 1 Schuh 14 ng daraus Zoll. Die Breterbreite FG6 betrug nur 1 Fuß 4 Zoll, ihre Dicke aber 3 Zoll. Man ſieht aus dieſem Beiſpiele, daß die Abweichungen unbedeutend ſind, und durchaus keinen andern Zweck beabſichtigen, kein beſonderes Beduͤrfniß befriedigen koͤnnen. Die Bleichereien in Zandport, welche man fem Behufe ehemals fuͤr die erſten in der Welt hielt, konnte ——; — —— —ę— ———— ——— ——— ——————— 202 Haarlem. Herr von Grouner nicht einſehen. Man verweigerte ihm den Eintritt dahin auf das Beſtimmteſte. Eine gleiche Weigerung erfuhr er in den beiden Spitzen⸗ fabriken, welche ſich in Haarlem befinden. Es iſt ſonderbar, daß dieſe Anſtalten jetzt ſich ſo geheim— nißvoll benehmen, wo ſie mehr als je im Verfalle ſind, und nur einen kleinen Theil ihres ehemaligen Rufes noch zu behaupten vermoͤgen. In Anſehung der Bleichereien iſt es den Eng⸗ laͤndern und Franzoſen gelungen, den Haarlemern die beſten Arbeiter fuͤr ihre Etabliſſements zu ent⸗ ziehen. Das Eigenthuͤmliche ihrer Bleicherei ſoll in folgendem Beſonderem beſtehen: a. Daß ſie hiezu nur Quellwaſſer nehmen, welches durch die Duͤnen filtrirt, daher von allen fremden Theilen, und beſonders von dem den Duͤnen ganz fremden Eiſen ganz frei iſt; nur waͤre es moͤg⸗ lich, daß es von der Fluth des Seewaſſers etwas Kochſalz enthielt. b. Die Hollaͤnder Bleicher geben Baͤder von Buttermilch. Die Butter wird naͤmlich hier nicht bloß aus dem Rahm, ſondern wenn die Milch auf⸗ geworfen hat, aus der ganzen Milchmaſſe erzeugt, daher viel mehr Buttermilch gewonnen. c. Sie blaͤuen ihre Leinwand mit Schmalte, ein aus reinem Quarze und aus Kobalt⸗Metall zu— ſammengeſchmolzenes, und durch ſehr feines Stoſſen und Sch brchte die 6, wch naigen: b lher in V dn di de ſege V paanm ſonden Indig auf u g lmet Grad ds d dal als in ‚Rſh fir irr hachſen ſand, w deruit dij ſ ſt bere me grc Haarlem. 205 berweigen und Schlemmen im Waſſer zur hoͤchſten Zartheit ge— nrſſe Eh brachtes Glasmehl. den Sritan Die vortheilhafte Benuͤtzung dieſer Elemente iſt den. Es ſſ es, welcher die Haarlemer⸗Bleichereien ihren ehe— ſo gehein maligen Ruhm verdanken. Die Schmalte will man in Verfal aber in neuerer Zeit fuͤr ſchaͤdlich erklaͤren, weil ſie ehemaligen den Faſerſtoff der Leinwand angreife, und hiedurch das ſogenannte»Schneiden“ der Leinwand veranlaſſe. Wirklich haben die Irlaͤnder, Franzoſen und den Eng⸗ — Flammaͤnder dieſe Blaͤuungsmethode nicht nachgeahmt, 3 ſondern bedienen ſich hiezu eines Niederſchlages von Heri ſol i Indigo, oder Berliner⸗Blau auf Staͤrkmehl, ſelten auf Alaunerde. Aber man muß auch ſo billig ſeyn zu geſtehen, daß ſie die aͤuſſere Schoͤnheit der Haar— r nehinen, lemer-Bleiche noch nicht erreicht haben. ezur ali Wenn die Kartoffeln uͤberhaupt einen hoͤhern A Däntn Grad von Guͤte und Wohlgeſchmack erreichen koͤnnen, ite es mü als dieſes ſchon in der Gegend von dem Haag der daſers etve Fall, und bemerkt worden iſt, ſo kann ſolches nirgend als in den hoͤher liegenden Duͤnen von Haarlem Bäder waoG geſchehen. Herr von Grouner fand keinen Ausdruck hier nihh fuͤr ihren auſſerordentlichen Wohlgeſchmack. Und doch Milch auf wachſen ſie in reinem, beinahe unfruchtbaren Flug— iſe erzeugt ſand, wo ſie nicht ſelten vom Winde ihrer Bedeckung beraubt werden, und gleichſam bloß im Boden liegen. Daß ſie in einem ſolchen Falle aufhoͤren zu wachſen Schmaltt, he 62 i*ſt begreiflich, und ein ſolches Ereigniß verurſacht im— de Stoſſe mer großen Schaden. Daß zu jeder Kartoffelſaat 204 Haarlem. .— 2 V würde d friſch geduͤngt werde, iſt bereits angefuͤhrt, und dieſe Regel zu beobachten iſt in den Duͤnen von Haar⸗ ſ inne lem, welche ungewoͤhnlich hoch liegen, um ſo noth⸗— raſe wendiger, als ſie einen groͤßern Mangel an Feuch⸗ ei. tigkeit haben, als diejenigen, welche niedriger liegen, 74 mm und dem Durchſinterungswaſſer noch zugaͤnglich ſind. V Vaſii Herr von Grouner beſah nun die Schleuſſen n dn, von Sparendam und Halffweg, welche dazu nr z erbaut worden, um das Haarlemer⸗Meer den lener: Wirkungen der Meeresfluth zu entziehen, ohne daß durch dieſe Anlage die Schifffahrt ſelbſt gehemmt ſate wuͤrde. leme Die traurige Wahrnehmung, daß durch die unge Wirkungen von Ebbe und Fluth, durch die Nord⸗ Ihſbe weſt-Stuͤrme, durch auſſerordentliche B Baſſerhoͤhen ꝛc. aufs das Haarlemer⸗Meer nicht bloß aus mehreren niſun inneren kleinen Seen entſtanden, und zu ſeiner der⸗ düͤtde maligen Groͤſſe angewachſen iſt, ſondern ſich jebt wäͤte noch auf Rechnung ſeiner Uferlaͤnder in einer bedenk und! lichen Progreſſion ausdehne, gab zu dem ſehr früh in m ſchon gehegten Wunſche Veranlaſſung, daß Mittel dub und Wege zur Beſeitigung dieſes drohenden Ue bels ſixi aufgefunden werden moͤchten. Die Daͤmme und V Duntte Schleuſſen in Sparendam und Halffweg, ſſctlager wodurch das Haarlemer⸗Meer von dem Y und 1. der Nordſee abgeſchloſſen wurde, ſind eine Frucht ton ein dieſes Wunſches. Die Schifffahrt, welche von dem 2 Haarlemer⸗Meer nach dem P ſehr lebhaft iſt, land d 3———, Haarlem. L0⸗ rt, und di von Hagl, um ſe voth gel an gan wurde dadurch nicht geſtoͤrt; indem die Schlenſſen ſo eingerichtet ſind, daß nicht nur die groͤßten Schiffe ſie paſſiren koͤnnen, ſondern daß ſie auch in Abſicht auf den Waſſerſtand zu zweifachen Zwecken dienen. dliger itm Sie muͤſſen naͤmlich in der Regel gegen den hoͤhern ginglch m Waſſerſtand des P ſchuͤtzen, und doch geſtatten, daß die Sülaßt in den, obſchon ſelten eintretenden Faͤllen, wo dieſer welche d zur Zeit der Ebbe niedriger ſteht, als das Haar— er⸗Meer w lemer-Meer, dieſes ſich zum Theil dahin entleere. en, ohne i Hier iſt vielleicht auch der Ort des groſſen Pro— ſelhſt gehenn jektes zu erwaͤhnen, nach welchem das Haar⸗ lemer-Meer ausgetrocknet, und zu Tief-Poldern aß durch d umgeſchaffen werden ſollte. Der gegenwaͤrtige General⸗ ch die Neu Inſpektor der Waſſerſtaaten, Herr J. Blanken, hat iſerhohen auf Befehl der Regierung die hiezu erforderlichen Ver⸗ s mehreren meſſungen vorgenommen. Das Haarlem⸗ ⸗Meer d ſener der wuͤrde mehr als 20000 Morgen Tief⸗Poldern ge⸗ aun ſcch jiht waͤhren, wenn das Projekt ausgeführt: werden koͤnnte einer bedel und wuͤrde. Nach einem im Druck erſchienenem Plane, em ſehr feit in welchem man ſich auf aͤhnliche in Holland bereits daß Mitt ausgefuͤhrte Unternehmen, welche indeſſen von weit 1 1 Uebe eſchraͤnkterem Umfange ſind, bezieht, werden folgende unme un Punkte als Fundament der Unternehmung vorge⸗ halffwe⸗ ſchlagen: den P uu 1. Dasſelbe ſoll nicht von der Regierung, ſondern ene Feuch von einer Aktien-Geſellſchaft unternommen werden. ce von dan 2. Dieſe erwirbt das entwaͤſſerte Poldern⸗ ſehaft iſ land durch das Unternehmen als Eigenthum. ———.—. 2 —xxxxx——— —————:—õõꝛõ-õ———— 206 Haarlem. 3. Die gegenwaͤrtig beſtehende Schifffahrt auf und zu dem Haarlemer⸗Meer ſoll durch Kanaͤle und Schleuſſen erhalten werden. 4. Das Uebermaaß von Waſſer, welches von Regen, Durchſinterung u. ſ. w. in die Kanaͤle dringen koͤnnte, wuͤrde durch eine Dampfmaſchine in die See abzupumpen ſeyn, durch welches Mittel auch die ur⸗ ſpruͤngliche Entwaͤſſerung bewirkt werden muͤßte. Die Moͤglihkeit iſt nicht in Abrede zu ſtellen; allein die Koſten ſind vorlaͤufig ganz unberechenbar, ſowohl die, welche die erſte Ausfuͤhrung, als jene, welche die Unterhaltung eines ſolchen Syſtems ver⸗ anlaſſen wuͤrde, weil man die Menge des Waſſerzu⸗ fluſſes unter veraͤnderten Verhaͤltniſſen nicht genau zum Voraus zu ermitteln vermag. Wirklich hat das Unternehmen aus Mangel an Fonds bis jetzt nicht begonnen werden koͤnnen. Holland hat das Eigenthuͤmliche, daß es auf der einen Seite an Land waͤchſt, waͤhrend es auf der andern daran verliert. So gewinnt es an Land und Schutz durch die ſtets ſich mehrenden Duͤnen an der Suͤdweſt-Kuͤſte, waͤhrend man aus alten Karten nicht nur erſieht, daß das Haarlemer⸗Meer ehemals ohne Vergleich kleiner geweſen, ſondern daß der ge— genwaͤrtige.jgroße Zuyderſee ehemals zwiſchen Am⸗ ſterdam, Urk und Schokland ein kleiner Land⸗- See, welcher mittels eines kleinen Flußes mit der Nordſee bei Texel im Zuſammenhange geſtanden. Das Land) 1 Srrinü rnggetit ſt Dieſes ſäht war daher hutſem und eigends fidem) kanatſeh Eindt der den ih hier t mit in iger Weſerti ffſhrr ruf rch Kanale elches wmn äle dringen in die Ee⸗ ich die u fißte. zu ſtellen; rechenbar, als jene, ſtems ver⸗ Paſerzu⸗ it genau angel an gen. aß es auf es auf der Land und uͤnen an in Karten rehemals ß der ge⸗ hen Am⸗ ner Land⸗ mit der geſtanden. Haarlem. 202 Das ſogenannte vertrunkene Land(verdronken Land) iſt nichts anders, ald ſolches, das von den Springfluthen und Wellenſchlag nach und nach hin⸗ weggeſpuͤhlt, und nachher mit Waſſer bedeckt worden iſt. Dieſes gehet beſonders ſchnell, wenn es in Folge eines Dammbruches geſchieht, und das Waſſer hie— durch eine beſtimmte Richtung und eine vermehrte Geſchwindigkeit erhaͤlt. Holland kann eine bedeutende Zahl ſolcher ſehr uneigentlicher Verſinkungs-Beiſpiele aufweiſen. Daher iſt man auch in neuerer Zeit ungemein be— hutſam mit der Reperatur ſchadhaft gewordener Daͤmme und Schleuſſen. Ueberall wohnen an Ort und Stelle eigends dafuͤr bezahlte Leute, welche mit allem und jedem Materiale verſehen ſind, das ſie eintretenden Falls nothwendig haben koͤnnten. Der Reiſende hat hier in Haarlem die Be⸗ kanntſchaft des Herrn Oberſchul-Direktor van den Eindt gemacht, eines Mannes, welcher auch mit der deutſchen Literatur ſehr vertraut iſt, und deſſen ich hier aus dem Grunde namentlich erwaͤhne, weil er mit einem ſehr wichtigen National-Unternehmen in enger Verbindung ſteht, von welchem hier das Weſentlichere angezeigt werden ſoll. In Holland ſind naͤmlich wenige Volksſchulen; ſelbſt in den Staͤdten nur ſogenannte Modell-⸗Schulen, und die Normalſchulen ſind nur fuͤr die Schullehrer— Kandidaten beſtimmt. Die Regierung ſorgt in der 208 Haarlem. Regel nur fuͤr den Unterricht der Studierenden, und uͤberlaͤßt den Unterricht des Buͤrgers und Land⸗ mannes den Gemeinden. Daher iſt hierin weniges vorhanden; das Vorhandene iſt aber ausgezeichnet gut, weil auf eine tuͤchtige Bildung der Schullehrer Bedacht genommen iſt. Um nun dieſem Mangel zu ſteuern, hat der Ge⸗ meingeiſt der Hollaͤnder eine Geſellſchaft fuͤr das Allgemein⸗Nuͤtzliche(Maatschapy tot Nuyt van all- gemeen) gebildet, welche durch freiwillige Beitraͤge Unterricht und Bildung zu verbreiten bemuͤht iſt. Herr van den Eindt handelt nun in Gemeinſchaft mit derſelben. Die Fundamentalpunkte der gemein⸗ ſchaftlichen Wirkſamkeit ſcheinen zu ſeyn: a. Die Bildung tuͤchtiger Schulleherer in den Normalſchulen; b. Preisfragen uͤber die beſten Unterrichtsme⸗ thoden; .Preiſe auf die beſten Schulſchriften; d. Druck und Verbreitung guter Schulbuͤcher; .Gruͤndung neuer Schulen; und ungewoͤhnlich ſtrenge Aufſicht auf die Schul— lehrer und auf den Unterricht derſelben. 8 d 2 Der Nutzen dieſes aus der National⸗Intelligenz der Hollaͤnder erwachſenen Inſtituts iſt unbe— rechenbar! Waſ der ſandͤ ſt, d Süͤd I werth der in die finden kumt Alen, it duſe bben ſ di( Dänn weg, àd renden, und und Land, rin venige ꝛusgezeicne Schuͤlchre hat der Ge aft für de yt van al- ſe Beittig bemuͤht iſ jemeinſchaſt eerr gemein⸗ er in den errichtome⸗ n; hulbuͤchtt die Schul Intelligen iſt unbe⸗ Von Haarlem nach Amſterdam. 200 Von Haarlem nach Amſterdam. Dieſe Reiſe hat Herr von Grouner am 13ten November gemacht. Beide Staͤdte ſind durch einen Kanal verbunden. Hier ſah er zuerſt hollaͤndiſche Schutz⸗Daͤmme. Sie ſind beſtimmt, das Land gegen den Wellenſchlag des Meeres zu ſchuͤtzen, und ihre dem Meere zugewandte Seite iſt ſehr flach, mit einem Fingersdicken Huͤrdenflechtwerke bekleidet, und ſtark mit Gras bewachſen. Dieſe Huͤrdenbekleidung reichet nur bis an die Waſſerhoͤhe zur Zeit der Ebbe, und wird ſtets mit der groͤßten Sorgfalt in dem vollkommenſten Zu— ſtande erhalten; was hier von der hoͤchſten Wichtigkeit iſt; denn ein Durchbruch wuͤrde die ganze Provinz Suͤdholland zu zerſtoͤren im Stande ſeyn. Aber dieſe Sorgfalt, ſo groß und bewunderns⸗ werth ſie iſt, wuͤrde voͤllig unzureichend ſeyn, wenn der Untergrund ſehr Waſſerdurchlaſſend waͤre; denn in dieſem Falle wuͤrde unterirdiſche Ausſpuͤhlung ſtatt finden, und die groſſen Meiſterwerke der Waſſerbau— kunſt daruͤber muͤßten fruchtlos zuſammen ſtuͤrzen. Allein, obſchon dieſer Boden aus Sand beſteht, ſo iſt dieſer doch ſo fein und kompakt, daß er beinahe eben ſo waſſerdicht iſt, als es der Thon ſeyn wuͤrde. Die Grundgrabungen, welche man Behufes der Daͤmme und Schleuſſen zu Sparendam, Halff⸗ weg, Amſterdam ꝛc. vorgenommen hat, haben I. Theil. 14 240 Von Haarlem allerwaͤrts den Boden als waſſerdicht bewaͤhrt. Selbſt das groſſe Baſſin der neuen Dokke im Helder hat eine einzige hoͤchſt unbedeutende kleine Waſſerquelle, gleichſam nur wie einen Faden, gezeigt, obſchon es 30 Fuß tief unter das Niveau des Meeres ausge⸗ graben worden. Man hat keine Spur eines Waſſer⸗ druckes von Untenauf entdecken koͤnnen; was bei ei— ner ſo großen und ſo tiefen Grundgrabung in der Nachbarſchaft des Waſſers gewiß ſehr merkwuͤrdig iſt. Die Reſultate von Grundgrabungen und Bohr⸗ verſuchen in Holland, ſprechen dafuͤr, daß es ein aufgeſchwemmtes Land ſey, und 1. in der oberſten Erdſchichte aus Sand, von ſehr feinem Korn, quarzig, dicht gelagert; 2. aus Schlamm, d. h., verweſete Subſtanzen mit ſehr feinem Sand und vielleicht auch etwas Thon innigſt gemengt, von den Seeleuten Modder genannt; 3. die dritte Erdſchichte aus Thon, eine Ver— bindung von ſehr feinem Sand mit Thonerde, abſo— lut waſſerdicht; und a. Darg, einer eigenthuͤmlichen ſehr feſten, dem Torfe homogenen Subſtanz, beſtehe. Dieſe letz— tere iſt etwas ſalzig, und giebt beim Zerſtoſſen einen bituminoͤſen Geruch von ſich, wie der Stinkſtein. Er zieht ſich in verſchiedenen Teufen, oft in ausge— dehnten und maͤchtigen, oft aber auch in ſchwachen und kurz abgeſetzten Lagern, durch die drei erſteren Erdſchichten, und wechſelt mehrmalen mit ihnen ab. 1 Einwo Känigt ttwas datha und g Ils ch ds Geba Rur an d AMlo 4 A Pichti Derth ſo we iſ ſei iſ un in der in dos vird 1 bortif boliid Dauſc ſäbgen nach Amſterdam. 211 Helder t Amſterdam. Waſſergul „vobſtar Dieſe Stadt zaͤhlet 26400 Haͤuſer und 198000 6 Einwohner. Sie iſt bei weitem die groͤßte Stadt im Koͤnigreich der Niederlande, indem keine der andern kaum etwas mehr als den dritten Theil dieſer Einwohner ) keeres aueg ines Paſn 89 1 enthaͤlt. Amſterdam iſt eine Seeſtadt, dazu gebaut tvirdig und gebildet. In dem Straſſen ſchifft man Herum, und Bah⸗ als ob es hier kein feſtes Land gaͤbe. Ueberall trifft d 6 das Auge auf Maſten und Thauwerk, die ſchoͤnen Gebaͤude der Stadt ganz oder theilweiſe maskirend. Nur die unzaͤhligen Aufzugsbruͤcken erinnern hier noch ₰ Snnd, u an die Landeskommunikation, ſo ausſchließlich iſt hier Alles See, und dafuͤr eingerichtet! Sülſtanze In einem Seehafen zeigt ſich erſt die ganze twas Thon Wichtigkeit des Holzhandels, und insbeſondere der et Feaannt; Werth des ſo ſehr geſuchten Eichenholzes. Aber nur äne Ver ſo weit Waſſerſtraſſen fuͤr dieſen Transport beſtehen, nerde, aüſ iſt ſein Betrieb moͤglich. Jede Konkurrenz uͤber Land iſt und bleibt ausgeſchloſſen. Was Europa ſeiner Zeit ſehr füſtn in der Nachbarſchaft der mittelbar oder unmittelbar Dieſe le in das Meer ſich entmuͤndenden Fluͤſſe nicht mehr ſoſſen eine wird gewaͤhren koͤnnen, ſteht in Amerika zu Gebot. ttinkſtein Amſterdam enthaͤlt neben einer Menge der t in ausge vortrefflichſten Anſtalten auch eine Sammlung aller ſchwachen hollaͤndiſchen Ackerbau-Geraͤthſchaften, von einem drei erſteen Deutſchen, dem ehmaligen Miniſterial-Sekretaͤr und t ihnen dh jetzigen Profeſſor der Landwirthſchaft, Herrn Kops 14* 212 Amſterdam. in Utrecht angelegt. Dieſe Sammlung ſtehet auf der Liſte der ſehenswerthen Anſtalten in Amſterdam, welche jedem Fremden durch den Lohnbedienten zugeſtellt wird. Der Stifter wollte ſie mit auf ſeinen neuen Lehrſtuhl nach Utrecht nehmen, aber der Magiſtrat hat den Koͤnig gebeten, daß ſie in Amſterdam belaſſen werden wolle, wo ſie mehr eingeſehen und benuͤtzt werden koͤnne, als in Utrecht, und der Koͤ⸗ nig hat dieſer Bitte willfahret. Den Reichthum, die Wahl und Anordnung die⸗ ſer Sammlung fand der Reiſende weit groͤßer und beſſer, als in den aͤhnlichen Sammlungen zu Paris, Wien und Turin, das Lokale aber etwas zu be⸗ ſchraͤnkt. Jedes Inſtrument iſt in natuͤrlicher Groͤße vorhanden, aus derjenigen Gegend bezogen, wo es vorzugsweiſe uͤblich iſt, mit Bezeichnung deſſen, der es gemacht, und des Preiſes, den es gekoſtet hat. Zaͤumungen, Anſpannungen u. dgl. m. ſind an den hoͤlzernen Thiertheilen ebenfalls in natuͤrlicher Groͤße vorhanden, und viele Portefeuilles mit Planen uͤber beſtehende Oekonomie-Gebaͤude liegen zur Einſicht vor. Nur was wirklich beſtehet, findet hier Aufnahme; Projekte aller Art ſind ausgeſchloſſen. Ein gedruckter raiſonnirender Katalog, der naͤchſtens durch einen zweiten Band bereichert werden ſollte, unterrichtet den Beſuchenden von dem Zweck und Gebrauch eines jeden Gegenſtandes. Mehr Auskunft ertheilet ein ei— gends hiezu aufgeſtellter, ſehr gefaͤlliger Diener, wel— ſtehet auf d ſerdam, val⸗ zugeſtalt win ſeinen naue der Magitt Amſterdan ingeſehen un und der K (nordnung d i groͤßer i en zu Paris etwas zu be rlicher Grih ogen, wo e Jdeſſen, de gekoſtet ha. z. ſind an de irlicher Griß Planen ibe tEinſicht we er Aufnahm, Ein geͤrucn durch eine e, untetticl Gebrauch eine rtheilet ein Diener, ui Nord⸗Kanal. 245 cher ſo ſehr in Anſpruch genommen iſt, daß er oft noch einer Aushilfe bedarf. Von hier beſuchte Herr von Grouner die groſſen Waſſerwerke bei Alkmaar, den Helder ꝛc., und fand da an originellen Einrichtungen an dem groſſen Nordkanal, welcher aus dem Y uͤber Purmerend, Alkaar in das groſſe Baſſin der Dokke am Hel— der und zum Theil durch Tiefpoldern bergab- und aufwaͤrts gefuͤhrt iſt, auſſer einem neu erfundenen Laßſſerhor c. .Rollbruͤcken ſtatt Schleuſſe en, und b. Floßbruͤcken ſtatt Drehe⸗ oder Aufzugsbruͤcken an ſeinem Orte angebracht, welche beſonders bemer⸗ kenswerth ſcheinen, obſchon die dortigen Waſſer— werke uͤberhaupt, aber freilich nur fuͤr den Hydro— techniker oder Militaͤr von groſſem Intereſſe ſind. Die Floßbruͤcken ſind ſo, daß ſie ſich auseinan— der bewegen koͤnnen, wenn Schiffe durchpaſſiren wol— len; was immer leichter und ſchneller geht, als das Aufziehen der Zugbruͤcken. Sie ſind auſſerdem viel wohlfeiler als Zug- und Drehebruͤcken, und eine Er⸗ findung des General-Inſpektors J. Blanken. Die Rollbruͤcken aber ſind beſtimmt, an ſolchen Orten Schleuſſen zu erſetzen, wo die vorhandene, ge⸗ ringe Waſſerquantitaͤt nicht geſtattet, daß durch das Oeffnen der Schleuſſen Waſſer verlohren gehe, und die Waſſerhoͤhe des Kanals mindere. An einem etwa 20 Fuß hohen Rad an der Welle — .ſ———— —————— 5 2 18 3——————— 12 ————,————* —— 2 14 —õ——— 8 ——— 142 Nord⸗Kanal. werden die Schiffe uͤber ein Gefaͤll von 4 bis 5 Fuß Hoͤhe uͤber Rollen gewunden. Daß dieſes langſam gehen muͤſſe, verſteht ſich, aber es gehet, und der Reiſende fand dieſe Rollbruͤcken an mehreren Orten in Anwendung. Die Herſtellung dieſes Kanals wurde Behufs einer beſſeren Kommunikation aus der Nordſee mit Amſterdam, welche fruͤher nur durch die Zuider— See und durch das Y moͤglich war, auf das Ber— langen der Handelsſtaͤdte von der Regierung bewil— ligt. Er wurde auf Aktien hergeſtellt, und mag eine ſehr anſehnliche Summe gekoſtet haben. Denn die beruͤhmte Wilhelms-Schleuſſe, welche eine Schwe— ſter-Anſtalt in Alkmaar hat, erhielt wohl zuerſt in der Welt eine ſteinerne Schleuſſe von 65 Fuß Breite und 24 Fuß Tiefe. Der Kanal ſelbſt hat einen 120 Fuß breiten Waſſerſpiegel und am Boden noch 30 Fuß in der Büreite, theilweiſe aber eine Tiefe von nahe an 100 Fuß. Auſſerdem ſind noch die Schleuſ⸗ ſen bei Buik⸗Stoot mit Faͤcherthoren von 32 Fuß Breite und 30 Fuß Tiefe. Das ganze Unter⸗ nehmen auf Actien ausgefuͤhrt, iſt wenigſtens auf dem europaͤiſchen Kontinente ohne Beiſpiel. Alle oͤffentlichen Bauten werden hier durch Un— ternehmer(Opnemmers) ausgefuͤhrt, und der Inge— nieur hat nur dafuͤr zu ſorgen, daß dieß nach dem Akkorde und nach dem Plane geſchehe. Man findet dieſe Methode in Holland, Frankreich und Englau der Del den den ſu art, relang die vorah geilen rehmer. ten it, Akorde bewäst wenn komme fiftt hälkniſe Handwe 4 bis z du ſes lanſe ſet, und dar hreren Din arde Behuſ kordſee mi ie Zuider, f das Va⸗ rung bewit ĩd mag ein Denn die eine Schwe hl zuerſt in fuß Breite einen 120 noch 30 Dife von ßie Schleuſ⸗ n von 32 nze Unter gſtens auf durch Un⸗ der Inge⸗ nach dem Man findet reich und Nord⸗Holland. 251 England ſehr vortheilhaft, nur der Zunftgeiſt der Deutſchen will ſie nicht aufkommen laſſen; denn von den Zunftmaͤſſigen ſind unter 100 mehr als 60 zu arm, 30 zu bequem, 0 koͤnnen oder wollen die verlangten Buͤrgſchaften nicht leiſten, oder wollen ſich die vorausbedungenen willkuͤhrlichen Abaͤnderungen nicht gefallen laſſen, und ſo bleibt noch Ein befugter Unter— nehmer. Dieſer uͤberfordert, weil er ohne Konkurren— ten iſt, und daher koͤmmt der ſchlechte Zuſtand unſerer Akkordarbeiten! Es iſt daher nicht zu bewundern, und beweist nichts gegen die Zweckmaͤſſigkeit der Sache, wenn bei uns die Akkordarbeiten theuerer zu ſtehen kommen, als wenn ſie auf eigene Rechnung ausge⸗ fuͤhrt werden. Dieß iſt bloß eine Folge des Mißver⸗ haͤltniſſes der Gewerbe und der Unbekanntſchaft unſerer Handwerker mit ſolchen Unternehmen. Die Hollaͤnder⸗Unternehmer waͤhlen ihre Ar— beiter aus allen Provinzen; fuͤr die Spatenarbeit Flammaͤnder, fuͤr Faſchinen und Flechtwerk See— laͤnder, zum Kalkbrennen Frieſen, zum Ziegelma⸗ chen Campiner u. ſ. w. Herr von Grouner bemerkte hier eine Art von Kalkofen, in welchem Muſcheln mit Torf ge⸗ brannt wurden. Der Ofen iſt ein Auſſen koniſch zulaufender Thurm, Innen zilinderiſch von ohngefaͤhr 20 bis 25 Fuß Durchmeſſer und Hoͤhe, und hat an ſeinem Fuß 5 Oeffnungen in gleichen Abſtaͤnden. Es wird eine 216 Nord⸗Holland. etwa 3 Fuß hohe Lage trockenen Torfes, dann eine 1 Fuß hohe Lage Muſcheln und ſo abwechſelnd 5 bis 6 Lagen gelegt, und endlich unten angezuͤndet. Durch die 5 Zugloͤcher wird das Feuer dirigirt, daß es uͤberall gleichmaͤſſig und nicht zu ſchnell brennt, zu welchem Behufe die Loͤcher mehr oder weniger mit Ziegelſteinen verlegt ſind. Wenn alles zuſammen gebrannt iſt, bleibt die Torfaſche unter dem Muſchelkalk, und dieſe Ver bin— dung wird fuͤr ſehr gut und nuͤtzlich gehalten. An einer Seite hat dieſer Thurm eine Thuͤroͤffnung, durch welche er gefuͤllt, und nach dem Erkalten des Brandes wieder entleert wird. Waͤhrend dem Brande iſt dieſe Oeffnung zugemauert. W An dem Dorfe Petten, welches mit ſeinen 3 Reihen hollaͤndiſchen Haͤuſern an der Meereskuͤſte mitten im Graslande liegt, fand der Reiſende ein „Rettungs⸗Boot,“ welches unter der vorigen Re— gierung erbaut worden, weil hier die Schifffahrt be— ſonders gefaͤhrlich iſt, und haͤufig ſich Ungluͤck er— eignet. Das Boot iſt jetzt ganz vernachlaͤſſiget, vieles iſt entfremdet, vieles ruinirt worden. Es war groß genug um 15 bis 20 Perſonen aufzunehmen; und urſpruͤnglich ſolide gebaut. Alle Waͤnde waren ſo ſtark mit Kork belegt, daß es auch dann nicht haͤtte untergehen können, wenn es ſich ganz mit Waſſer gefuͤllt haͤtte. Es war beſtimmt, an den Ort der Ge⸗ ſahr du halb al 1 t höherne düſir hi tn, nuͤr Wo nur nit eri A eand i dn J In d lichen diß 5 in die eine hl dr Hi welke Kluth Meree lebteren Nord⸗Holland. 212 Tanuni fahr zu Land transportirt zu werden, und ruhet deß— angain halb auf Raͤdern von 18 Fuß Durchmeſſer mit 1 dig 3 Fuß breiten Felgen und 12 Fuß weiter Spur. Die 1L dran hoͤlzerne Achſe war ſtark aufwaͤrts gebogen, und an . dieſer hieng das Boot in ſehr ſtarken eiſernen Ket— weniger m ten, nur ohngefaͤhr 1 Schuh vom Boden abſtehend. b Wo nur immer Rettung moͤglich war, konnte ſie da— ſ, bleibt mit erzielt werden. dieſe Vrir Auch eine Salinen-Anſtalt iſt in Petten. Das gehalten, R. Land iſt hier durch einen kuͤnſtlichen Sandwall von dhürzfinng dem Meere getrennt, weil hier keine Duͤnen ſind. Erkalten d In dieſem Walle befindet ſich nun eine Doppelreihe dem Brand eicherner Pfaͤhle, und durch dieſelben gehet ein 44 bis 5 Zoͤlliges bleiernes Rohr einerſeits moͤglichſt tief it ſeinen z in die See hinab, anderſeits durch den Sandwall in Neereskäͤſte eine Huͤtte, und von da auf ein Transportſchiff. In eiſende ein der Huͤtte iſt ein, von Pferden zu betreibendes Pump⸗ digen Re⸗ werk angebracht, mit welchem jederzeit waͤhrend der jiffahrt be⸗ Fluth das ziemlich geſaͤttigte Seewaſſer aus der Anglͤck er⸗ Meerestiefe in das Transportſchiff gepumpt, und auf letzterem zum Gradieren und Verſieden nach Alk⸗ het, vielet maar gefuͤhrt wird. war gruß In der Gegend des Helders, der noͤrdlichſten men; und Spitze der Provinz Holland beſuchte Herr von waren ſo Grouner das von Groͤnlandsfahrern angelegte ſicht häͤtt Fiſcherdorf Huisduin. Hier ſind die Walffiſch⸗ Waſer knochen und Rippen als Balken zu Thoren, zu der Ge⸗ Wieſenbefriedigungen, und allenthalben ſtatt Holz an— 218 Nord⸗Holland. gewandt. Die Haͤuſer ſind beinahe in den Duͤnen vergraben, und die Leute ſehen in ihrer alten groͤn— laͤndiſchen Bekleidung wie halbe Amphibien aus. Der Ort war ſonſt ſehr im Wohlſtande und beruͤhmt, iſt aber bereits beinahe voͤllig in Verfall gerathen. Wer in der Zeit nicht vorwaͤrts ſchreitet, gehet noth— wendig zuruͤck; und der Wahn, daß man es bei dem Errungenen ſchon bewenden laſſen, und ſtill ſtehen koͤnne, hat manchen Staat und manche Familie um ſeinen Wohlſtand gebracht!— Der Reiſende wollte nun die Provinzen Fries⸗ land, Groͤnningen und Drenthe c. beſuchen, fand aber theils keine Gelegenheit von hier uͤber die See zu kommen, und theils wurde ihm bemerkt, daß er in dieſer Jahreszeit auf den Wegen in Fries⸗ land nicht werde fortkommen koͤnnen. Er mußte ſich daher, um in die Kolonie Freederiks⸗Oort zu ge⸗ langen, entſchlieſſen, nach Amſterdam zuruͤckzu⸗ kehren, und von da mit einem Beurtſchiff, einer Art Markt⸗ oder Botenſchiff, wie ſie aus allen Haͤfen der Zuider⸗See regelmaͤſſig nach Amſterdam kommen, dahin zu fahren. Aus den Bemerkungen des Herrn v. Grouner erſieht man, daß die landwirthſchaftlichen Verhaͤltniße der Provinz Holland in den entgegengeſetzten Ex⸗ tremen liegen, indeſſen immer auf einfachen Grund— lagen beruhen. Derjenige Theil des Landes, welcher von den ſind d zuiſh dn O Grun die 9 5 dadurch Sunpf dhngeft auahehe düuft. und ſ Nord⸗Holland. 219 Dinen Duͤnen beſetzt iſt, ſo wie nicht minder die Gegend, lten in welche zwiſchen dem Helder und dem Zype-Pol— aus. Der der liegt, ſtellet eine Sandwuͤſte dar, in welcher berühnn, nur einzelne Hoͤfe und Weiler wie Inſeln liegen. gerathen. Die Hollaͤnder verſtehen die Kultur des Sandes ehet noth⸗ nicht wie die Flammaͤnder; und ſind uͤberdieß durch s bei dem ihre reichen Poldern verwoͤhnt. till ſtehen Vom Zype⸗Polder hinab bis Amſterdam milie um ſind die Laͤndereien entweder Tief-Poldern, oder Zwiſchen-Poldern, welche beide Arten groͤßtentheils Fries⸗ dem Grasbau und der Viehzucht gewidmet werden. Die beſuchen, Grundlage dieſer Viehwirthſchaft iſt die Sommerweide. uͤber die Die Benutzung derſelben groͤßentheils Molkerei. rerkt, daß Weſentlich erleichtert wird dieſe Viehwirthſchaft Fries⸗ dadurch, daß der Hollaͤnder auf ſeiner Weide ußte ſich keines Hirten bedarf, indem alle Weiden mit Ein— t zu ge⸗ friedigungs- oder Waſſerabzugsgraͤben umgeben ſind. zvrückxe Dieſe Graͤben liefern in den Poldern auch einen ff, annr ſehr großen Theil des Duͤngermaterials, indem ſie len Häͤfen ſich ſtets ſchnell mit Schlamm und Sumpf-Pflanzen ſterdam fuͤllen, oft geraͤumt werden muͤſſen, und jedesmahl Dungſtoff liefern; und ſie gewaͤhren dem Vieh nebſt jrouner dieſem das erforderliche Trinckwaſſer. Schlamm und ghaͤtniße Sumpf⸗Pflanzen werden mit den Baggernetzen, von zten Er⸗ ohngefaͤhr der Art, wie ſie bereits beſchrieben worden, Grund ausgehoben und an den Naͤndern der Graͤben ange— b haͤuft. Wenn dieſe Subſtanz etwas abgetrocknet iſt, von den wird ſie mit hoͤlzernen Schippen Wurfweiſe auf der 220 Holland. Wieſe verbreitet. Eine Arbeit, welche durch die uͤb⸗ liche oder nothwendige Eintheilung der Poldern ſehr erleichtert wird. Sie ſind naͤmlich alle in Recht— ecke oder Parallelogramme von etwa 40 bis 50 Fuß Breite, und einer etwas oft auch viel groͤßeren, ver⸗ ſchiedener Laͤnge mittels Graͤben abgetheilt; und es reichet daher von jeder Seite ein Wurf hin, um den Schlamm uͤber die ganze Breite zu vertheilen. Da das Baggernetz, deſſen ſich die Hollaͤnder hier bedienen, auch bei uns Anwendung finden koͤnnte, ſo will ich es naͤher beſchreiben. Ein Ring von 18 Zoll Durchmeſſer, und etwa 4 Zoll Breite, und von der Eiſenſtaͤrke eines ſehr ſchwachen Radreifes iſt mit einer Vorrichtung verſehen, womit er haltbar an eine Stange befeſtiget werden kann; ſeine obere Seite iſt ſchneidend zugeſchliffen, ſeine untere aber mit ſehr vielen Loͤchern zur Befeſtigung des Baggernetzes ver— ſehen. Das Baggernetz ſelbſt iſt ein ſtarkes, aber enges Vogelgarn, von ſtarkem Bindfaden geflochten, oder ge⸗ ſtrickt, und hat ohngefaͤhr die Form einer Halbkugel von 9 Zoll Radius. Soll nun damit der Kanal ge— reiniget werden, ſo ſenkt ein Mann, die Stange in der Hand, den eiſernen Ring ſo zu Boden, daß der Theil, woran der Stiel befeſtiget iſt, nach oben zu liegen kommt, und zieht den Ring langſam gegen ſich am Ufer des Grabens herauf. Der ſchneidende Ring ſchneidet ſich in den Schlamm ein, und fuͤllet das Netz, worin nur die feſteren Subſtanzen bleiben, d5 T ſar: d6 G Arveit docen d dungſ delcher derthei Rähe ſac haben odet veniſ ftei z ds E Rall, nutb läͤnd der ühe den d weil er dieſes Holland. 221 ih dr i das Waſſer aber durchlaufen kann. Und ſo bringt Dolder jeder Zug ein Netz voll Schlamm, das am Rande an Rüh des Grabens mittels Umſtuͤrzen ausgeleert wird. Dieſe 3 30 Su Arbeit gehet ſehr ſchnell und fordert keine vorgaͤngige zeren, ver Trockenlegung des Grabens. ; und es Der zweite, indeſſen gleichwohl vorzuͤglichſte n, Um den Dungſtoff iſt der Weideduͤnger des Viehes ſelbſt, len. welcher ſehr betraͤchtlich iſt, aber nicht ſo ſorgfaͤltig elaͤnder vertheilt wird, wie im Limburg'ſchen. Dieſer en konnte, Muͤhe uͤberhebt die Hollaͤnder die ſtets feuchte Be— g von 16 ſchaffenheit ihrer Polderwieſen; aber eben deshalb „und von haben ſie dennoch auch die unangenehmen Geilhoͤrſte dreifes iſt 1 oder Geilbaͤlten, von welchen ſich die Limburger, altbar an wenigſtens in Abſicht auf ihre Nachtheile, ſo ſchoͤn ere Seite frei zu halten verſtehen. Endlich ſpielt wohl hier auch mit ſehr das Salz des Seewaſſers eine nicht unbedeutende ebes ver⸗ Rolle, wovon noch ſpaͤter die Rede ſeyn, und jetzt bet enges nur bemerkt wird, daß die Behauptung eines Hol— „oder ge⸗ laͤnders,*) daß ihm ſeine chemiſchen Unterſuchungen hHalbkugl der Poldern kein Salz zum Reſultat gegeben, danal g. ohne allen Grund iſt; denn Einmahl muß der Bo⸗ tange in den der Poldern noothwendig Salz enthalten, daß der weil er vom Meerwaſſer feucht erhalten wird, und oben zu dieſes bekanntlich wirklich Kochſalz enthaͤlt, und zwei— m gegen meidende d fuͤlet*) Siehe Schwerz Anleitung zur Kenntniß der belg. Land⸗ bleiben, wirthſchaft. 3r Bd. S. 292. 222 Holland. tens ſind die chemiſchen Boden-Unterſuchungen die— ſes Mannes ohne allen praktiſchen Werth und ſehr mangelhaft, wobei er gar nicht im Stande geweſen waͤre, den kleinen Antheil Kochſalz, welcher ſchwer— lich 135 Prozent betraͤgt, zu entdecken. Nur wenige Wieſen werden zu Winterfutter gemaͤht, und immer nur das Heu, waͤhrend das Grumet jederzeit abgeweidet wird. Man iſt auch hier des Dafuͤrhaltens, daß ein dichter und feiner Gras— beſtand nur durch das Beweiden der Grasboͤden zu erhalten ſey, und daß durch den ausſchließlichen Ge— brauch der Senſe, ſelbſt bei guter Duͤngung, das Gras zwar laͤnger wachſen, aber um vieles duͤnner und groͤber werden wuͤrde. Man hat daher auch in Holland nur weniges und ſchlechtes Winterfutter, und ſorgt deshalb dafuͤr, daß zu dieſer Zeit das Melkvieh trocken ſteht. Traͤ⸗ bern, Wurzelwerk, Krautblaͤtter, Oelkuchen u. dgl. m. muͤſſen aushelfen, und im Nothfalle wird Futter angekauft, welches man zu Waſſer aus den weiteſten Entfernungen zu billigen Preiſen erlangen kann. Da das Vieh Tag und Nacht uͤber Sommer auf der Weide bleibet, ſo wird es auch dort, und zwar dreimal taͤglich, gemolken, welches die Maͤgde beſorgen, welche die Milchkuͤbel auf ſogenannten Ach⸗ ſeljochen, die aber von den in Deutſchland uͤblichen, ſehr verſchieden, viel ſtaͤrker und ſolider ſind, hin⸗ und zuruͤck tragen. Da die Hollaͤnder keine leben— den Holli gen d Iſelbe weder daß große Föni ſehr g ingen die, und ſehr getweſen ſchwer⸗ terfutter end das uch hier Gras⸗ oden zu hen Ge⸗ ng, das dͤnner eniges dafüͤr, bw Traͤ⸗ dgl. w. Futtet veiteſten in. vommer t, und Maͤgde en Ach— iblichen, d, hin⸗ leben⸗ Holland. 223 digen Einfriedigungen ihrer Weideplaͤtze beſitzen, ſo bedecken ſie den Ruͤcken des Viehes mit einem gro— ben Stuͤck Leinwand, etwa von der Groͤße und Form einer Serviette, eine bayer. Elle lang und breit, welches am Bauche mit ſtarkem Bindfaden feſtgebun⸗ den wird. 4 Einige glauben nun, daß dieſes Stuͤck Leinwand den Schutz gegen das Ungeziefer gewaͤhren ſoll, wel— chen die Einfriedigungen theils durch Schatten, theils durch die Gelegenheit es abzuſtreifen darbieten; An⸗ dere ſind der Meinung, daß die Waͤrme des Ruͤckens damit bezielt werden will; und der Reiſende konnte den wahren Grund gar nicht erfahren, weil jeder Hollaͤnder ſein Vieh des allgemeinen Gebrauches we— gen damit verſieht, ohne lauge nach dem Zwecke deſſelben zu forſchen.*) Sonderbar iſt es, daß Herr von Grouner weder in Belgien noch in Holland erfahren konnte, daß dem Vieh irgendwo Salz gegeben werde. Der große Nutzen dieſer Beigabe ſcheinet demnach im Koͤnigreiche ganz unbekannt zu ſeyn. Die Milch wird in Schuͤſſeln von Thon, welche ſehr groß, etwa 24 Zoll im Durchmeſſer und in— *) Selbſt die bewaͤhrteſten hollaͤndiſchen Schriftſteller ſind uͤber den Grund dieſer allgemeinen Bedeckung des Weide⸗Rind⸗ Viehes nicht einig. —ÿ—— —)—ÿ—ÿ—————ꝛ—ꝛ—x—x—x—x—xxxxℳ—— 224 Holland. . 1 wendig glaſirt ſind, in Milchkeller geſtellt, und dort 3 30 bis 36 Stunden zum Rahmaufwerfen ſtehen ge— R 5 laſſen, wenn Butter daraus gemacht werden ſoll. li 1 Sie darf zu dieſem Behuf niemals ſauer werden, Fega G—. 1 zder und es kommt der Rahm ſammt der Milch in das t 1. 3 421 Butterfaß, worin aus der Geſammtmaſſe die Butter an gemacht wird. diſt . 2. Die Hollaͤnder behaupten, daß ſie auf dieſe ii .. 4 9 J 1 Weiſe weniger, aber beſſere Butter bekaͤmen, als de) wenn ſie ihn aus purem Rahm machen wuͤrden. V— 4 6 Dieſe Behauptung ſtehet im Wiederſpruch mit der lüuife Meinung, welche wir daruͤber bisher gehabt, indem dm 4 man geglaubt hat, daß ſich aus der groͤßeren Maſſe der Milch ebenfalls Kaͤſetheile in die Butter mengen, Ilb 1 und denſelben an Quantitaͤt vermehren, an Qualitaͤt dubſch 8„ aber verringern muͤßten. Uebrigens mag ein Unterſchied Ilhen in den mehr ſuͤſſen oder ſauern Zuſtand der Milch Indiſ 6 6 e;. 1 1 begruͤndet ſeyn. Bekannt iſt auſſerdem, daß die Hol⸗ . 4 0—2— laͤnder ihre Butter durchgehends einſalzen, und daß 4..„„ damit ein ſehr ausgedehnter Handel betrieben wird.*) V h V 2 „) Dieſe Sache mag ſich indeſſen verhalten wie immer, ſo ſteht V k noch eine erhebliche Einwendung entgegen. Der Reiſende ſt ſcheint von Einzelnen gehoͤrt zu haben, daß ſie ihren Rahm rit ſammt der Milch buttern, und hat daraus geſchloſſen, wie end er auch in ſeinen Noten entſchieden behauptet, daß in ganz tern 1 Holland Rahm und Milch gemeinſchaftlich in das Butterfaß Nah 1 63 kommen. Dem iſt aber nicht ſo. Ein Hollaͤnder, le Francq 6 5 van Berkhey, Profeſſor der Naturgeſchichte zu Leyden b geſ und dort ſehen ge dden ſol. werden, in das Butter zuf dieſe en, als wuͤrden. mit der ,indem n Maſe mengen, nalitaͤt rſchied Mlcch Hol⸗ nd daß vird.*) ſo ſteht Reiſende en Rahm ſen, wie in ganz Butterfaß praneq Leyden Holland. 225 Sollen fette Kaͤſe gemacht werden, ſo koͤmmt die Milch gar nicht in den Keller, ſondern wird ſo— gleich zu Kaͤſe gelegt. Zu magerem Kaͤſe wird hin— gegen die Buttermilch genommen. In Holland werden die Kaͤſe wieder gepreßt. Sie erhalten zuerſt eine Kugelform, und wenn ſie gepreßt ſind, bilden dieſe Kaͤſelaibe platt gedruͤckte Kugeln. Vom Zieger haben Niederlaͤnder und Hollaͤnder keine Kenntniß. Die Molke wird dem Vieh gefuͤttert. Da die Hollaͤnder nicht einſtreuen und auf Rein⸗ lichkeit ungemein ſtark ſehen, ſo wird ihr Vieh auf dem Stalle ſehr haͤufig gewaſchen und geſtriegelt. Der Stallmiſt iſt dem Hollaͤnder eher eine Laſt, als eine Wohlthat, wie er glaubt. Er verwendet ihn ausſchließlich zu ſeinem Garten-, Gemuͤſe- und Wur⸗ zelgewaͤchsbau. Getreide bauet er ſelten und wenig. Indeſſen findet man doch Heu- und Getreidfeimen hat eine natuurlyke historie van het Rundvee in Holland, und zwar in ö ſtarken Baͤnden herausgegeben, worin Alles, was die hollaͤndiſche Viehwirthſchaft betrift, mit einer ſelte⸗ nen Genauigkeit und Vollſtaͤndigkeit beſchrieben iſt. Darin iſt nun klar ausgefuͤhrt, daß der Rahm allein gebuttert wird. In dem hollaͤndiſchen Magazin fuͤr den vaterlaͤndiſchen Landbau fand der Verfaſſer mehrere Anweiſungen zum Buk⸗ termachen, aber nirgends iſt auch nur der Methode erwaͤhnt, Rahm und Milch gemeinſchaftlich zu buttern. Gleichwohl iſt es Thatſache, daß dieß in einigen Gegenden der Niederlande geſchehe. ——— 226 Holland. 3 in Holland auf dem Felde. Dieſes ruͤhret aber we⸗ da niger von den großen Vorraͤthen, welche ſie hievon nitd einbringen, her, als vielmehr von dem beſchraͤnkten Ma Raum ihrer Gebaͤude. ff Ihre Kaͤſekeller ſind an der Nordſeite des Ge— baͤudes angebracht, und muͤſſen durch waſſerdichtes Pflaſter und waſſerdichte Mauern, mit Cement ver— ſhen ſtrichen, gegen das Eindringen des Waſſers geſchuͤtzt 2 werden. Sie ſind hoͤchſtens 7 Fuß hoch, und niemals 3 oder doch ſehr ſelten gewoͤlbt, ſondern nur mit Bal— ken belegt. Die Kellerthuͤre fuͤhret in die Kuͤche oder in das Vorhaus, welche mit Ziegel gepflaſtert ſind, Häuſ und fleißig gewaſchen und gefegt werden. Die ſchon in ii beſchriebenen Stallungen ſind ſtets an das Wohnge⸗ dinen baͤude anſtoſſend, die Scheunen hingegen getrennt glfäle unter einem beſondern Dache.) Da die reichen Poldern den Hollaͤnder zur h ke Geringſchaͤtzung der Dungſtoffe verleitet haben, und b ſolt da er ſich auf die Kultur der Sandlaͤnder nicht ver— er, ſteht; ſo iſt er froh, wenn er ſeine Abfaͤlle, welche V Hus ſeinem Reinlichkeitsgeiſte zuwider ſind, auf eine be⸗ af d queme Weiſe los werden kann. Dieſen Umſtand ha⸗ uf d ben nun vorzugweiſe die induſtrioͤſen Flammaͤnder lih benuͤtzt, und ſich daraus eine Dungqauelle in Hol— V d land geſchaffen. V ſiung Es iſt bereits erwaͤhnt worden, daß ſich in V d Bruͤſſel eine Duͤnger-Handels-Anſtalt befinde. a Dieſe iſt Eigenthum einer Geſellſchaft, welche auch Holland. 222 ijr 13 den Dunghandel in Holland betreibt. Sie ſchließt ſirn mit den Staͤdten Vertraͤge, beſorgt das Einſammeln, Hrinktn Magazinieren, und die Hinwegfuͤhrung der Dung— ſtoffe aus der Stadt und aus der Provinz. es Ge⸗ Dieſer Handel iſt ſehr bedeutend, und umfaßt dichtes 1. das Straſſen⸗Kehrigt der groͤſſern hollaͤndi⸗ i d. ſchen Staͤdte; ſeſchüͤtt 2. Abtritts⸗ oder Menſchen⸗Exkremente; diemals 3. Torfaſche; t Bal⸗ 4. Oelkuchen. he oder Das Straſſenkehrigt wird alle Tage von den tt ſind, Haͤuſerbeſitzern bis in die Mitte der Straſſe gekehrt, t ſchon in ein eignes Behaͤltniß gefaßt, und im Hauſe an vohnge⸗ einen beſtimmten Ort geſtellt. Dazu kommen noch die etrennt Abfaͤlle und das Kehrigt im Hauſe ſelbſt. In der beſtimmten Stunde, wo der Karren taͤg— er zur lich kommt, wird das Behaͤltniß vor das Haus ge⸗ „ vnd ſtellt, und von dem Sammler in den Karren ent— it ver⸗ leert, wieder an ſeinen Ort zuruͤck, und von den welche Hausleuten in das Haus ſelbſt geſtellt, um es wieder ine be— auf die vorige Art zu fuͤllen.— Man muß geſtehen, nd ha⸗ daß dieſes Verfahren eben ſo einfach als leicht und aͤnder reinlich iſt. Hol⸗ Die hier uͤblichen Karren ſind zweiraͤderig, ein— ſpaͤnnig, jedoch unbedeckt. ſch in Das Kehrigt wird vor der Stadt in der Naͤhe befinde. eines Kanals in Haufen abgeladen, und ſogleich von e auch allen Steinen, Eiſen- oder ſonſtigen Metallſtuͤcken 45* 228 Hollan d. und ſehr ſchwer verwesbaren Koͤrpern durch Ausklau⸗ ben befreiet und trocken liegen gelaſſen, bis es zu Waſſer abgefuͤhrt wird. In den daruͤber abgeſchloſſenen Vertraͤgen iſt feſtgeſetzt: 8 a. daß jeder Hauseigenthuͤmer, bei Vermeidung einer polizeylichen Strafe, das Kehricht taͤglich muͤſſe ſammeln und bereit halten laſſen, und nirgends an— ders wohin davon abgeben duͤrfe; b. daß der Karren dasſelbe taͤglich abholen muͤſſe, und wenn es nicht vor der Hausthuͤre bereit ſtehe, ſich darum durch Anlaͤuten zu melden verpflichtet ſey, worauf der oder die Behaͤlter ſogleich gebracht wer⸗ den muͤſſen; c. daß der Hauseigenthuͤmer beim Ausleeren der Behaͤlter zur Hilfeleiſtung verbunden ſey, wenn dieſe ſo groß und ſchwer ſind, daß ſie durch einen Mann nicht ausgeleert werden koͤnnen; d. daß dieſe Sammel-Karren im Fahren und Ausweichen ein gewiſſes Vorrecht haben. Der Abtrittduͤnger wird auf eine aͤhnliche Weiſe geſammelt. Man hat in Holland keine groſ⸗ ſen Behaͤlter dafuͤr, ſondern in jeden Abtritt iſt ein kleines Geſchirr geſtellt, groß genug, um die Exkre— mente fuͤr einen Zeitraum von 24 Stunden zu faſ⸗ ſen. Taͤglich kommt nun ein 2 raͤderiger mit einer Tonne verſehener Karren und entleert dieſe Geſchirre, wie der vorige die Kehrigtbehaͤltniſſe. wied kinen dirfen terne Unfül daß no gazinen 1 kln m Holland. 229 Aukln Der Abtrittduͤnger wird bis zu ſeiner Abfahrt s 8s ſ in eigene Ziſternen, ohngefaͤhr wie jener in Bruͤſ— ſel und Loͤwen vor der Stadt entleert. gen iſt Die Torfaſche iſt in Holland nicht minder wichtig, wo beinahe ausſchließlich nur Torf gebrannt neidung wird, der bekanntlich viele Aſche giebt. Sie wird miſe wie die vorigen Abfaͤlle ꝛc. taͤglich durch eigene 2 raͤ— ds an⸗ derige Karren abgeholt. Dieſer Karren iſt jedoch mit einem Deckel geſchloſſen. Der Deckel hat mit Klap— muͤſe, pen verſehene Oeffnungen, durch welche die Aſche in t ſiehe, den Karren entleert wird. Es iſt wahrſcheinlich, daß htet ſer, die inneren Waͤnde desſelben mit Eiſenblech belegt ht wer⸗ ſind. Dieſe Aſche wird in der Naͤhe der Magazine ren der der andern zwei Duͤngerarten in groſſen Schoppen dieſe aufgeſchichtet. Sie wird da ſogleich durch ein feines Mann Sieb geſiebt, und das Groͤbere, welches nicht durch— gehet, und aus Kartoffeln, Obſtſchalen ꝛc. beſtehet, ten und wird uͤber den Kehrigthaufen ſorgfaͤltig verbreitet. Da die Torfaſche am laͤngſten das Feuer, oder aͤhnliche einen ſehr hohen Hitzgrad zu unterhalten vermag, ſo de groſ⸗. duͤrfen ſie die Einwohner nur in ſteinernen oder ble— iſt ein chernen Behaͤltniſſen ſammeln. Durch das mehrmalige Exkte⸗ Umfuͤllen und Sieben wird ſie jedoch ſo abgekuͤhlt, zu faf⸗ daß noch niemals ein Brand durch ſie in den Ma— tt einer gazinen oder Handelsſchiffen entſtanden iſt. ſſhirre, Uebrigens handeln mit dieſen bedeutenden Arti— keln mehrere Geſellſchaften und Handelshaͤuſer. —-— ů.——————*———— ——— ———;ÿ———Böö:'— — 230 Holland. Die Duͤngung mit Oelkuchen, von welcher der Herr Abbe Mann in ſeinen Antworten auf die Fragen des Boards of Agriculture nichts wußte, und glaubte, daß ſie nur zu Viehfutter in den Nieder⸗ landen verwendet werden, und deren Gebrauch zum Duͤngen auch Herr Baron Poͤderle in ſeinen Ant⸗ worten bezweifelt, waͤhrend er es wahrſcheinlich findet, daß ſie zu Viehfutter verwendet werden; und daß von denen endlich Herr Staatsrath Thaͤr in ſeinen Annalen der niederſaͤchſiſchen Landwirthſchaft, VI. Jahrgang 3. Stuͤck Seite 77. ſagt, daß ihre Ver⸗ wendung zu dieſem Zwecke nur in einigen Gegenden von England ſich finde,— wurde ſchon vom Herrn Direktor Schwerz als ſehr bedeutend bemerkt, und Herr von Grouner glaubte, daß Brabant und Flandern den hohen Flor ihres Ackerbaues nur durch die Duͤngung mit Oelkuchen zu behaupten im Stande ſeyen! Er behauptet, daß es Haͤuſer in Holland gaͤbe, welche jaͤhrlich um mehr als eine halbe Mil⸗ lion Gulden Geſchaͤfte blos im Handel mit Oelkuchen machen. Die Hollaͤnder Oelkuchen ſtehen uͤbrigens in einem minder guten Ruf, als diejenigen aus andern Provinzen und Laͤndern, und man legt ihnen zur Laſt, daß ſie zu ſtark ausgepreßt ſeyen. Dieſen Vor⸗— wurf haben ſich die Hollaͤnder dadurch zugezogen, daß ſie eine Menge fremder Oelkuchen, welche nicht ſtark n welcher mauf die Fte, und Nieder. uch zum en Ant⸗ findet, nd daß ſeinen , VI. te Ver⸗ zegenden n Herrn kkt, und ant und ues uur upten in Holland aibe Mil⸗ Oelkuchen igens in andern nen zur en Vor⸗ hen, daß ht ſtark Holland. 231 ausgepreßt ſind, ankaufen, und einer nochmaligen Preſſung unterwerfen. Uebrigens ſchlieſſet dieſer Handel ſowohl die Oelkuchen von Kohl-, Raͤbſen- und Mohnſaat,(wel— cher hier ſelten ſcheinet), als auch die von Lein und Leindotter ꝛc. in ſich. deatt fect endli Dritter Abſchnitt. 4 mm Sd Armen⸗Colonie Freederiks⸗Oord. tifer — Einwe Dieſe Colonie iſt durch ihre eigenthuͤmliche Anlage und Ausfuͤhrung fuͤr den Staats- und Landwirth zu Wn einem ſo wichtigen Gegenſtand geworden, und hat iſi die Aufmerkſamkeit des eiviliſirten Europas in ſo und hohem Grade auf ſich gezogen, daß wir ihr hier ſf n eine eigene Abtheilung widmen zu duͤrfen glauben. d5) Die Armen⸗Colonie Freederiks⸗Oord befin⸗ in d det ſich an dem Zuſammenſtoße der vier noͤrdlichſten Provinzen Hollands, naͤmlich Overyſſel, Dren⸗ an. the, Friesland und Groͤningen in der Naͤhe ma von Steenwyk, in einer Lage von nahe 53 Grade iitt noͤrdlicher Breite; alſo um ungefaͤhr 65 deutſche Mei— R len noͤrdlicher als Muͤnchen. e Die Provinz Overyſſel enthaͤlt 61 Quadrat⸗ d meilen, und darauf 153200 Einwohner, 16 Staͤdte, Freet 3 Marktflecken und 108 Doͤrfer und Weiler; die ner, Provinz Drenthe zaͤhlet 37 ¾ Quadratmeilen, 48400 de d Einwohner, 1 Stadt, 2 Marktflecken und 37 Doͤr⸗ ber a fer; die Provinz Friesland enthaͤlt auf 54 ¾ QAua⸗ Armen⸗ Colonie Freederiks⸗Oord. 235 dratmeilen 183600 Einwohner, 11 Staͤdte, 1 Markt⸗ flecken und 336 Doͤrfer; die Provinz Groͤningen endlich hat auf 36 ¾ Quadratmeilen nachzuweiſen 141100 Einwohner, 4A Staͤdte und 280 Doͤrfer.. Dieſe vier Provinzen umfaſſen demnach zuſam⸗ men 180 Quadratmeilen, 526300 Einwohner, 32 Staͤdte, 6 Marktflecken und 351 Doͤrfer, und es treffen im Durchſchnitte auf eine Quadratmeile 27093 Einwohner. Anlage Sie ſind ſuͤdweſtlich von der Zuider-See, ge— irth u gen Weſten und Norden von der Nordſee, nord⸗— ind hat oͤſtlich von dem Dollart, und nur gegen Oſten in ſo und Suͤdoſten vom feſten Lande begraͤnzt. Ihre Lage r hier iſt niedrig, doch hoͤher als die gewoͤhnliche Fluthhoͤhe hen. des Meeres, ſo, daß ſich keine eigentlichen Poldern befin⸗— in dieſen Provinzen befinden. Hingegen enthalten ſie ſchſten ſehr viele Land-Seen, Suͤmpfe und Torfmoore, aber Dten⸗ keine Berge, welche auf dieſe Benennung Anſpruch Nißhe machen koͤnnten. Aller Orten ſind Kommunikationen Gede mittels Kanaͤlen mit der Zuider-See hergeſtellt, Mei⸗ und hiedurch iſt der Verkehr auſſerordentlich erleich— tert. Iodem Um dieſe Provinzen, und vorzuͤglich die Colonie Staͤdte, Freederiks⸗Oord zu ſehen, hatte Herr v. Grou— r; di ner, wie er ſich ſchon in Alkmaar vorgenommen, 46400 die Reiſe dahin von Amſterdam am 27. Novem⸗ Döor⸗ ber zu Schiffe angetreten. Duu⸗ Er wollte uͤber die Zuider-See nach Blok— 254 Armen⸗Colonie zyl; erreichte aber dieſe Stadt nicht, ſondern ge— langte an jenem Tage bei ſtuͤrmiſchem Winde nur auf die Rhede der Inſel Schokland, von wo er des andern Tages bei hoher und ſehr unruhiger See ein beſonderes Schiff nach Blokzyl miethen mußte. Er gelangte gluͤcklich dort an, und fand das Staͤdt— chen, welches in der Provinz Overyſſel liegt, und durch Kanaͤle auch mit der Provinz Drenthe in Verbindung ſteht, ziemlich lebhaft und induſtrioͤs. Ein nicht unanſehnlicher Handel mit geſchnit⸗ tenen Holzwaaren und mit Brenntorf wird hier be⸗ trieben, und zu dem Behuf iſt ein großes Baſſin in Mitte des Staͤdtchens angelegt, das viele Schiffe faſſet. Durch das hoͤher liegende Fluͤßchen Aar iſt Steenwyk mit Blokzyl verbunden, und an letz— terem Orte eine Schleuſſe angebracht, mittels welcher die Kommunikation geleitet wird. Der Fluß ſelbſt ſtehet mit vielen ausgetorften oder auszutorfenden Mooren in Verbindung, hat viele Weiterungen, und darf ohne Gefaͤhrdung der Schifffahrt mit dem Baſſin nicht in ein gleiches Niveau gelegt werden. Zur Zeit der Ebbe werden die Schleuſſen oͤf— ters geoͤffnet, und dann ergießt ſich der Fluß ſtroͤ⸗ mend in das Baſſin und von da in die See, was zur Ausſpuͤhlung des Sandes und Schlammes aus ſeinem Beete dient. Die Torfſchiffe ſind mit Torſſtuͤcken ſo bela— — 5— —B 2 — 82 = — dern ge⸗ de nur wo er er See mußte. Staͤdt⸗ , und he in ös. eſchnit⸗ fieer be⸗ aſſin Scife ir iſt letz⸗ dllcher ſelbſt ffenden n, und t dem erden. en of⸗ ß ſird⸗ „was es aus o bela⸗ Freederiks⸗Oord. 235 den, wie man in Suͤd⸗Deutſchland die Ziegel- oder Backſteine zu laden und außzuſchichten pflegt, der ganze Schiffsraum iſt ſorgfaͤltig damit angefuͤllt, und 6 bis 7 Schichten werden noch auf dem Verdecke angebracht. Bei Regenzeit werden ſie mit Decken gegen alle Feuchtigkeit verwahret. Dieſe Decken ſind theils von Bretern, theils ſind ſie von ſtarker, be— therrter Leinwand(Blachen), theils auch von Stroh— matten, welche zwiſchen zwei Reihen von Gurten eingebunden ſind. Die groͤßten dieſer Torfſchiffe werden haͤufig nur von einem Manne mittels Segel gefuͤhrt. Herr von Grouner fuhr ebenfalls zu Schiff von Blokzyl nach Steenwyk. Er fand das Land zunaͤchſt den Ufern ſo niedrig, daß er nur Wieſen bemerkte, und das Waſſer der Kanaͤle der Oberflaͤche des Bodens gleich hoch ſtand. Im Winter ſind ſie groſſentheils mit Waſſer bedeckt, welches ihnen ſtatt der Duͤngung dienen muß. Man bemerkte dem Reiſenden aber auch, daß dieſe nur von einem maͤſſigern Ertrage ſeyen, als ein großer Theil der an der Kuͤſte der Zuider-See liegenden Wieſen, welche im Winter mit Meerwaſſer bedeckt ſind. Die Urſache liege darin, daß das ſuͤſſe Waſſer, womit dieſe Wieſen gewaͤſſert werden, die Vegetation bei weitem nicht ſo ſehr belebe, als das Salzhaltige Meerwaſſer. Herr von Grouner hatte hievon ſchon gehoͤrt, 236 Armen⸗Colonie und fragte, ob jenes Poldern ſeyen?— man ant— worte ihm: nein! und ſo blieb es ihm raͤthſelhaft, wie jene Wieſen mit Meerwaſſer uͤberdeckt werden koͤnnen, ohne Poldern zu ſeyn. Jedem andern Fremden iſt es bisher noch eben ſo unbegreifllich ge— blieben, und da wenige der hollaͤndiſchen Sprache in dem Grade kundig ſind, um ſich mit dem gemeinen Manne uͤber oͤrtliche Eigenthuͤmlichkeiten zu verſtaͤn⸗ digen, ſo blieb die Urſache dieſer Erſcheinung bisher in der Ferne unerklaͤrt. Herrn von Grouner hat man in Steenwyl dieſes Raͤthſel geloͤſet. Der Grund dieſer Erſcheinung liegt in dem Um— ſtande, daß im Winter, naͤmlich vom Monat No⸗ vember bis Ende Maͤrz beinahe ununterbrochen an— haltender Nordweſtwind blaͤst und dadurch den mitt— leren Waſſerſtand der Zuider-See betraͤchtlich er— hoͤhet, ſo, daß dadurch die Fluthhoͤhe, welche ſonſt niedriger iſt als die Oberflaͤche des Landes, hoͤher zu ſtehen kommt, und das angeſtaute Seewaſſer durch Daͤmmedurchſchnitte und Schleuſſen auf die Wieſen— flaͤchen geleitet werden kann. Es iſt daher richtig, daß dieſe Wieſen keine eigentlichen Polderlaͤnder ſind, aber in Bezug auf ihr Verhaͤltniß zu dem Waſſerſtand der Zuider— See im Winter, koͤnnte man ſie dennoch Winter— poldern nennen. DSolche Verſchiedenheiten ſind in dieſem Lande in bloß oͤrtlichen Verhaͤltniſſen begruͤndet, und nicht ſamm dadue ſad, Kein Freederiks⸗Oord. 232 an an immer gelingt es, den wahren Grund der Erſchei— ſlhat, nung zu erforſchen. werden Dieſes ſind die weſentlichſten ſtatiſtiſchen und andern topographiſchen Verhaͤltniſſe der Provinzen, welche ch ge⸗ die Armen-Colonie Freederiks⸗Oord umſchlieſſen. hein Sie gehoͤren unſtreitig unter die wenigſt guͤnſtigen neinen im ganzen Koͤnigreiche der Niederlande. erſtaͤn⸗ bisher Z weck dieſer Colonfe. t hat In jedem Lande giebt es Arme, und in ſtark bevoͤlkerten Laͤndern giebt es in der Regel viele, weil n Un, es in ſolchen viele Gelegenheit zur Vergeudung der t Ro⸗ phyſiſchen und moraliſchen Kraͤfte des Menſchen giebt. en an⸗ Die Armen ſind aber ein anerkanntes Uebel der mitt⸗ Geſellſchaft, nicht ſowohl weil ſie auf Koſten der Ge— h er⸗ ſammtheit erhalten werden muͤſſen, ſondern vielmehr ſonſt dadurch, daß ſie gewoͤhnlich aus der Hefe des Volkes het w ſind, oder doch dahin ſich geeigenſchaftet haben, den durch Keim aller moraliſchen Verderbtheiten in ſich tragen, bieſen⸗ und dieſen Anſteckungsſtoff in der Geſellſchaft ſtets mehr verbreiten. keine Um dieſem Uebel in ſittlicher Beziehung einiger⸗ g auf maſſen zu begegnen, ſind in England und Nord— ider⸗ Amerika ungeheuere Armentaxen auferlegt worden, inter⸗ welche, wie die direkten Steuern repartirt, eingezo— gen, und zum Unterhalte der Armen verwendet Lande werden. In andern Staaten liegt die Erhaltung d wich derſelben den Gemeinden ob, welche ſie aus milden —— ——————— —·,———-:;;öUonmQ-Q-A-Q-:ʒ;——— —————/—O — ſcheu und laſterhaft werden, und reichlichen Stoff zu 258 Armen⸗Colonie Stiftungen, freiwilligen und gezwungenen Beitraͤgen kinin und aus Gemeindemitteln unterſtuͤtzen.— Allein, es un iſt nicht minder allgemein anerkannt, daß alle dieſe und; Nothbehelfe voͤllig unzureichend ſind; denn Nund 1. iſt die Armentaxe ſehr betraͤchtlich und laͤſtig, und veranlaßt Viele, daraus ihr Leben zu friſten, Als welche ſich bei etwas geſteigertem Fleiße noch ohne iih Unterſtuͤtzung durchbringen koͤnnten;— 2. werden die Gemeinden dadurch furchtſam, und erſchweren die Anſaͤſſigmachungen, weil ſie be— luna fuͤrchten muͤſſen, daß ihnen arme Eltern oder Kinder V nüſte einſt zur Laſt fallen koͤnnten; ſta 3. ſchlieſſen ſich die Armen durch die Unter⸗ emn ſtuͤzung aus Armenfonds, wenn auch nicht gaͤnzlich, V ſh doch groͤßtentheils, geſichert, von allem Handlohnver⸗ iig dienſt aus, und ergeben ſich den Laſtern des Muͤſſig— in I ganges; le 4. finden ſie die Unterſtuͤtzungen fuͤr ihre oft R ungemeſſenen Beduͤrfniſſe ſelten ausreichend, und n nehmen dann ihre Zuflucht zum Betteln, Stehlen, diſen Unterhandeln, und andern unerlaubten und veraͤcht— Beſa lichen Erwerbsarten, welche das ſittliche Gefuͤhl ver— ginhen abſcheuend zuruͤckweiſen wuͤrde; d 5. werden vorzugsweiſe die Kinder zu dieſen Nne und aͤhnlichen Freveln foͤrmlich abgerichtet und be⸗ ſark be nuͤtzt; 6. muͤſſen dieſe letztern daher nothwendig arbeits⸗ V nilce V Freederiks⸗Oord. 239 diträgen kriminaͤlen Unterſuchungen gewaͤhren, indem ſie ſich llin, as von fruͤher Jugend an dem Muͤſſiggange weihen, le diſt und zu Dieben, Gaſſendirnen, Straſſenraͤubern und Mordbrennern ꝛc. heranbilden. laͤſti.. lſſi Es iſt demnach klar, daß ein Staat noch nicht vin Alles gethan habe, wenn er geſorgt, daß ſeine Armen hohne nicht Hungers ſterben.* gtſam Das einzige Mittel, den ſittlichen Zuſtand der 1/.. ſe be⸗ Armen zu beſſern und zu helhachen, iſt eine ange⸗ Kinder meſſene, ununterbrochene nuͤtzliche Beſchaͤftigung der— ſelben. Dieſes hat man auch ſchon in der That an— dunter erkannt, und in mehreren Staͤdten Armen-Be— n lih ſchaͤftigungs-Anſtalten errichtet. Von dieſen wohl— 9/ 24 2.. 3„ thaͤtigen Inſtituten iſt aber wenig andere Wirkung 8 im Publikum verſpuͤhrt worden, als der Verdienſt, welcher einigen Perſonen aus ihrer erſten Einrichtung 6 ſ zugefloſſen, und von ihrem Daſeyn und Fortbeſtand u hat man wenige andere Nachrichten erhalten, als käſ diejenigen, welche die große Aufſchrift:»Armen— 5 Beſchaͤftigungs-Anſtalt“ an den Gebaͤude-Ein— ſen gaͤngen zu geben vermochte. Daß man in Holland eben auch keinen diſſn Mangel an Armen verſpuhren uöge, iſt in einem ſo 1d be⸗ ſtark bevoͤlkerten, an die See graͤnzenden Staate ſehr begreiflich. Man zaͤhlte in der Provinz Oſtflandern, atbeits⸗ welche 624200 Einwohner, ſomit auf jeder Quadrat— zuf z meile 10715 Menſchen enthaͤlt, toſſ ———— ————44—,——— ——————— 240 Armen⸗Colounie 2861 Perſonen wegen Altersſchwaͤche arm; 15837„»„» Arbeitsſcheue oder Mangel; 83100„ y„ Liederlichkeit; 7802»» y Koͤrpersgebrechen; 4842»„ y y Ungluͤcksfaͤlle; 33962 Kinder oder Waiſen arm und unbeſchaͤftigt. Bei einer genauen Unterſuchung duͤrfte ſich er— geben, daß kaum der éte Theil derſelben wirklich Arbeitsunfaͤhig ſey, und daß es im weſentlichen nur darauf ankoͤmmt, eine Beſchaͤftigungsart zu ermitteln, durch welche ſie ſich ihren ganzen Unterhalt, oder doch einen Theil desſelben nicht bloß verdienen koͤn— nen, ſondern verdienen muͤſſen. In dieſem Muͤſſen liegt das Geheimniß der Armen⸗Colonie von Freederiks⸗Oord; es liegen aber auch eine zahlloſe Menge von Zweifeln und Widerſpruͤchen darin. Verſchiedene Fragen und Ruͤckſichten duͤrfen dabei nicht unbeachtet bleiben: 1. Welche Beſchaͤftigung kann den Kraͤften und Faͤhigkeiten der Armen zugemuthet werden, die zu⸗ gleich nutzbringend und nicht mit ferneren Opfern der Geſammtheit verbunden iſt?— 2. wie koͤnnen die Armen vernuͤnftiger Weiſe zur Verrichtung dieſer Arbeiten nach dem Maaſſe ihrer Kraͤfte und Faͤhigkeiten angehaͤlten werden?— 3. wie kann dieſes mit einer ſittlichen Erziehung der armen Kinder vereinigt, und wie koͤnnen letztere für debe und Iuhe dolor (oler ſ c in de kömr der den, tihin J 6s, den tüͤrüche tigen. Naſch htis 1d Freederiks⸗Oord. 241 arm.; . fuͤr die Pflichten und Berufsgeſchaͤfte des haͤuslichen Nanja, Lebens und ihres kuͤnftigen Fortkommens empfaͤnglich und tuͤchtig erzogen werden? 4. wie endlich iſt fuͤr das Unterkommen der armen 1. Jugend, oder mindeſtens der eigenen Kinder der ifigt Coloniſten zu ſorgen? ſch e Es iſt ungewiß, ob ſich die Gruͤnder der Armen⸗ wirlich Colonie Freederiks⸗Oord die zu loͤſenden Fragen zen nur ſo, oder anders geſtellt haben moͤgen. Da dieſe aber witteln, in der Natur der Verhaͤltniſſe gegruͤndet ſind, ſo t, oder koͤmmt es hier vorzugsweiſe nur darauf an, was in en koͤn, der Colonie in dieſer Hinſicht wirklich vorgekehrt iſt. Die Gruͤnder der Kolonie glaubten, und dieß miß der wohl mit Recht, daß der Betrieb des Ackerbaues liegen vor allem nuͤtzliche Gelegenheit zu lohnenden Beſchaͤf— in und tigungen eines jeden Alters und Geſchlechtes dar— biete, daß ferner dieſer Betrieb den bei weitem düͤrfen groͤßeren Theil ihrer perſoͤnlichen Beduͤrfniſſe wieder zu befriedigen vermoͤge, und da dieß Gewerbe das ften und wichtigſte und gewoͤhnlichſte iſt, auch vor allen An— die zu⸗ dern geeignet ſey, die damit vertraute Jugend kuͤnf— Opfern tighin zu ernaͤhren. Aber ſchwer und beinahe unausfuͤhrbar ſcheinet Weiſe es, den Armen zur Arbeit zu zwingen, ohne die na— uuſß tuͤrliche Freiheit des Menſchen dadurch zu beeintraͤch— den?— tigen. Armſeyn iſt noch kein Verbrechen, das den riithung Menſchen den Strafgeſetzen und Zwangsverhaͤltniſſen letztere preis geben darf! Und geſetzt auch, man wollte ſich J. Theil. 16 242 Armen⸗Colonie uͤber ſo gewichtige Ruͤckſichten leicht hinweg ſetzen, welche Aufſicht und Eintheilung mag erforderlich ſeyn, um eine Zwangsarbeit dauernd nuͤtzlich und ergiebig zu machen! In mehreren deutſchen Zwangsarbeits-Anſtalten findet ſich der in den Rechnungen nachgewieſene Verdienſt pr. Kopf taͤglich auf 3, 4 bis 7 Pfeninge ermittelt, und es iſt klar, daß dieß nicht der Weg ſeyn kann, welcher zur nutzbringenden Beſchaͤftigung der Armen gewaͤhlt werden ſoll. In der Armen⸗Colonie waͤhlte man ein haͤus⸗ liches Verhaͤltniß, wo die Hausgenoſſen zwar arbeiten muͤſſen, aber zu ihrem eigenen Vortheil viel und gut arbeiten. Gerade aber in dieſen haͤuslichen und familiaͤren Verhaͤltniſſen iſt auch die zweckmaͤſſigſte Bildung und Erziehung der armen Kinder begruͤndet. Hier ſind ſie auf jede Weiſe beſchaͤftiget; hier lernen ſie alle Berufspflichten und alle Annehmlichkeiten eines thaͤtigen, wohlgeordneten, haͤuslichen Lebens kennen. Indeſſen gieng die Sorgfalt der Gruͤnber dieſer Armen-Colonie nicht uͤber den Kreis der Er— ziehungsjahre hinaus. Sie hielten es fuͤr hinreichend, wenn es keinen unbeſchaͤftigten verdienſtloſen Armen gebe, und wenn die armen Kinder arbeitſam und tugendhaft erzogen, und hiedurch zur Erwerbung ihres Unte zaltes fuͤr die Zukunft vorbereitet und befaͤhiget ſeyn wuͤrden. Dieſer Anſicht zu Folge wird nicht geſtattet, daß. räthen deſem und ſe beverbe l Durfte darin ſe iber vnd m ſ d niſten nießli Tsdeh griſee kommer Häma ſchet ſchhwie iüriye wid, D ſir ft ſt de Clioni J fin R Freederiks⸗Oord. 24 3 38 daß Kinder von Coloniſten ſich in der Eolonie hei⸗ ch un rathen und anſaͤſſig machen; ſondern ſie muͤſſen in dieſem Falle ihre Eltern und die Colonie verlaſſen, und ſich an einem andern Orte um ihre Aufnahme iſtlten bewerben. diſes Unſtreitig liegt hierin ein mißliches Verhaͤltniß. fennge Duͤrften ſich die Nachkommen der Armen⸗-Colonie * Wgg darin verheirathen und anſaͤſſig machen, ſo wuͤrden ftigung ſie uͤber kurz oder lang die ganze Colonie inne haben, und man haͤtte zwar fuͤr die Gegenwart, aber nicht hius⸗ fuͤr die Zukunft geſorgt. Deshalb koͤnnen die Colo⸗ anbeite niſten nie Eigenthuͤmer ihres liegenſchaftlichen nutz⸗ viel und: nießlichen Beſitzthumes werden. en und Da aber anderſeits die Colonie bereits eine groſſe iſſgſte Ausdehnung gewonnen hat, und vorausſichtlich eine noch uͤndet. groͤſſere erlangen wird, daher die heirathsfaͤhige Nach⸗ lernen kommenſchaft ſehr zahlreich, und da ſie aus ihrer ſchketen Heimath entfernt werden muß, ihre Zukunft ſehr un⸗ debens ſicher und ihre Anſaͤſſigmachung an andern Orten Hruͤnker ſchwierig werden duͤrfte; ſo iſt dieſe, ungeachtet der der Er⸗ uͤbrigen lobenswerthen Sorgfalt, welche ihr zu Theil eichend, wird, dennoch zu bedauern. Armen Dieſer Uebelſtand, den man in Holland gar m und ſehr fuͤhlt, und bis jetzt nicht zu beſeitigen vermochte, g ihres iſt das ſtaͤrkſte Argument der Gegner der Armen— ffahiget Colonie.* Indeſſen ſollte man glauben, daß ſich auch hie— ſſtte fuͤr Rath finden wuͤrde. Die Zahl der Armen, 16* 8—————CQ—————— 2à 4 Armen⸗Colonie welche man im Koͤnigreich der Niederlande, wohl aͤbertrieben, auf 340000 Kinder und 260000 Er⸗ wachſene ſchaͤtzet, iſt ſo ziemlich als eine ſtetige, un⸗ veraͤnderliche Groͤſſe u betrachten, und wenn die Armen⸗Colonie einmal die fuͤr dieſe Zahlen erforder⸗ liche Ausdehnung erreicht hat, iſt ſie dem Staat die ſchaͤtzbarſte Provinz und fuͤr die Zukunft groß genug, um den neuen Zuwachs an Armen an die Stelle der abgeſtorbenen zu ſetzen. Es bleiben aber auſſerdem noch Gandſtepden und Sumpflaͤndereien genug uͤbrig, um durch die Kinder der Armenkoloniſten, oder beſſer durch dieje— nigen Zoͤglinge der Armen-Colonie, welche ander⸗ waͤrts kein Unterkommen finden, darauf neue Colo— nien anlegen, und auf ſolche Art dieſe Oedungen ur— bar machen zu laſſen. Gewoͤhnliche Coloniſten, welche groſſentheils aus Arbeitsſcheue und aus andern wenig empfehlenden Ruͤck— ſichten ihre fruͤhern Wohnorte verlaſſen, wuͤrden dieſer Aufgabe unterliegen, wie ſolches die Colonien dieſer Art in Bayern, Ungarn, Polen, Amerika rc. leider! evident genug bewieſen; aber Zoͤglinge dieſer Armen— Colonie, an Fleiß, Anſtrengung und an die Beſiegung aller Arten von Hinderniſſen, durch die Benutzung aller Gattungen von Vortheilen, gewohnt, ſind vor— zugsweiſe zur Realiſirung eines ſolchen, in ſtaats— wirthſchaftlicher Beziehung ohnehin wuͤnſchenswerthen Planes geeignet. niſſ duech Yorbe düſen! geihet hiein Gewol dn die durch den noch nit 9 dche 6 ) rager ſeutbe mich an an Auſch üigen l d Freederiks⸗Oord. 245 de, wol 1 Urbarmachungen und oͤrtliche Wirthſchaftsverhaͤlt⸗ ige, un⸗ niſſe mit Geſchicklichkeit und angeſtrengtem Fleiße denn die durchzufuͤhren und mit Erfolg zu realiſiren, ſind erfetder Vorbedingungen aller Coloniſirung; und gerade an dieſen beiden Punkten iſt noch der Wohlſtand einer jeden vtaat die... 8 grnug geſcheitert. Zoͤglingen von Freederiks⸗Oord duͤrfte hierin ſchwerlich etwas mangeln, und Uebung und Stelle. 3 Gewohnheit gepaart mit dem eignen Intereſſe wuͤr⸗ den dieſen erſetzen, was dem Armen-Coloniſten nur dieypen durch ein Zwangsverhaͤltniß geſichert werden kann. urc d Ein ſolches oder aͤhnliches Supplement moͤchte— üh dihe den hollaͤndiſchen Armen-Colonien fruͤher oder ſpaͤter e ahder noch nothwendig werden, und uͤberall Anwendung e Lolo mit Nutzen gewaͤhren, wo die Verhlaͤltniſſe eine aͤhn— Wei ur. liche Geſtaltung herbeigefuͤhrt. Ich glaube damit den Zweck und die Bedin— ſeils au gungen dieſer und aller Armen-Colonien in den we— en Rück ſentlichſten Grundzuͤgen dargeſtellt zu haben, ohne en dieſer mich auf die bloß oͤrtlichen Motive einzulaſſen, die ieſer An an andern Orten wieder anders ſind, und die klare leider. Anſicht der Dinge nur truͤben koͤnnen. Armen⸗ eſegung Gruͤndung der Armen⸗Colonie. enutzung Allen Umſtaͤnden nach zu ſchlieſſen ſcheinet der— ind vot⸗ koͤnigl. niederlaͤndiſche General van den Boſch die ſtaats⸗ erſte direkte Veranlaſſung zur Gruͤndung dieſer wich— werthen tigen Unternehmung gegeben zu haben. Dieſer General ſchrieb ſchon 1817 eine Ab⸗. . ——COę——————————— 246 Armen⸗Colonie handlung uͤber das Armenweſen in den Niederlan— den,*) worin er darauf gedrungen, daß ſie vorzuͤg— lich beim Ackerbau beſchaͤftigt und durch dieſen er— naͤhrt werden ſollen. Die Grundſaͤtze und Wuͤnſche dieſes merkwuͤr— digen Mannes laſſen ſich, ſo weit ſie dieſen Gegen— ſtand betreffen, etwa in folgenden Saͤtzen darſtellen: 1. Nie ſoll einem Armen auch nur ein Heller, ohne ihn durch Arbeitsleiſtung verdient zu haben, gereicht werden; damit er ſich nicht an Muͤſſiggang gewoͤhne, und ſich nicht den Laſtern ergeben koͤnne, welche das gewoͤhnliche Gefolge deſſelben ausmachen. 2. Die Armen ſollen ununterbrochen beſchaͤfti— get werden, und der Staat ſoll ihnen durch Arbeit Verdienſt zuflieſſen laſſen, wenn auch dieſe unnoͤthig oder gar nutzlos waͤre. 3. Er haͤlt daher Armen⸗Colonien fuͤr noth⸗ wendig, und glaubt, daß es billig und raͤthlich waͤre, die maͤnnliche Bevoͤlkerung ſtets in den Waffen zu uͤben und ſaͤmmtlich zum Kriegsdienſt zu verpflichten, weil er der Anſicht iſt, daß dieſe Verpflichtung eine Verguͤtung der Laſt waͤre, welche ſie der Geſammt— heit ſind, und daß die Furcht vor derſelben fuͤr *) Verhandeling des generaal majoor van den Bosch, over de mogelykheid, de beste wyze van uitvoering en de be- langryke voordeelen eener algemeene armen-inrigting in't Ryk der Nederlanden. Freederiks Oord. 242 Nade Viele ein Sporn des Fleißes und der Betriebſam⸗ ſe botzüg, keit ſeyn, und ſomit die Zahl der Armen vermindern diſſen er wuͤrde. 4. In den Armen⸗Colonien muͤſſe militaͤriſche nerkwuͤr⸗ Strenge und Ordnung erſetzen, was den Coloniſten Gegen⸗ an Kenntniſſen, Arbeits- und Ordnungsliebe mangle. arſtellen: Der General van den Boſch war nicht im— Heller, mer in Europa. Er hatte fruͤher eine Beſitzung in haben, Java, wo ihm der Zufall eine Anzahl gefluͤchteter ſſiggang Chineſen, und darunter einen Mandarin vierter kͤnne, Klaſſe, Tjan⸗hoek, letzteren als Paͤchter, zugefuͤhrt. zmachen. Dieſer Mandarin zeigte ausgezeichneten Verſtand, beſchäftit. und bewaͤhrte ſich als ein Ackerbauer ohne gleichen. Arbeit Was der General auch immer unternehmen mochte, nnoͤthig nie erreichten ſeine Ernten die des Chineſen, und er fand es am Ende vortheilhaft, ſich mit demſelben vath⸗ zu aſſociiren. Der General van den Boſch hatte c wine ſeine Beſitzung in Java um 25000 Rirdaller affn zu erkauft, und, ehe er nach Europa zuruͤckgekehrt, fuͤr pflchten 150000 Rixdaller verkauft. So ſehr hatte der nn eine chineſiſche Mandarin den Ertrag zu ſteigern ge⸗ eſammt⸗ wußt! en fir Die Grundſaͤtze und Handlungsarten des Man— darins ſind auf den General van den Boſch uͤbergegangen, und dieſer hat ſie nun nach Europa ch, ever gebracht. Ein Umſtand, welcher insbeſondere in Bezug J de be auf Duͤngerbereitung von ſo groſſer Wichtigkeit iſt, daß kinibſön er ſchon an und fuͤr ſich die hoͤchſte Aufmerkſamkeit —————— ——õꝛ—— ¹ 2468 Armen⸗Colonie verdient; und er war es auch ohne Zweifel, der dem General dieſe beſondere Vorliebe fuͤr den Ackerbau eingefloͤßt, und veranlaßt hat, ſich mit Gegenſtaͤnden dieſer Art zu beſchaͤftigen. Ohngefaͤhr in derſelben Zeit, wo der General ſeine Anſichten uͤber die Erhaltung und Beſchaͤfti— gung der Armen durch den Druck zur oͤffentlichen Kenntniß gebracht hat, legte eine Geſellſchaft von Freunden der Landwirthſchaft zu Bruͤſſel dem Koͤ⸗ nig einen Plan zur Kultur von Haidelaͤndern zwi— ſchen Antwerpen und Breda, auf Actien auszu⸗ fuͤhren, zur Genehmigung vor. Der General, welcher von dem Inhalte deſſel— ben und von der Bereitwilligkeit des Koͤnigs und der Regierung, dieſes gemeinnuͤtzige Unternehmen auf jede thunliche Weiſe zu foͤrdern und zu unterſtuͤtzen, Kenntniß erhielt, faßte die Idee, oͤde Haidegruͤnde mittels Armen-Colonien zu kultiviren, lebhaft auf, und verfolgte ſie durch alle Stufen der Realiſirung. Um fuͤr dieſes Unternehmen Mittel und Dauer zu gewinnen, wurde eine eigene Geſellſchaft unter dem Namen: Wohlthaͤtigkeits⸗Geſellſchaft, Soci— été de Bienfaisance, Maatschappy van de Welda- digheit, gebildet. Sie erhielt die Genehmigung des Koͤnigs; der Prinz Freederik, zweiter Sohn des Koͤnigs, ſtellte ſich an ihre Spitze und auch der Prinz von Oranien iſt ihr ſpaͤter beigetreten und hat an der Leitung der Geſchaͤfte Theil genommen. groſts libe, Grade ſo m Geſel tot nul de ge Schul ensce ten — welche Jecme wiſſon ren. D dieſe e K Freederiks⸗Oord. 249 de da Mit einer beiſpielloſen Schnelligkeit hat ſich Acaa dieſe im Jahre 13818 zu Haag begruͤndete Geſell— anſinde ſchaft uͤber die hollaͤndiſchen Provinzen verbreitet; im Jahre 1821 zaͤhlte ſie bereits uͤber 10000, und er⸗ General reichte ſpaͤter 50000 Mitglieder. Jedes Mitglied ſeſchäfti⸗ giebt wochentlich 1, alſo jaͤhrlich 52 Sol's freiwil— ntlichen ligen Beitrag.*) aäft von Dieſe Geſellſchaft iſt ſonach in der That ein in Kö groſſes Monument von Gemeinſinn und Vaterlands— en zwi⸗ liebe, wodurch die Hollaͤnder ſich in ſo hohem ausſu⸗ Grade vor anderen Voͤlkern auszeichnen. V Wenn dieß noch eines neuen Beleges beduͤrfte, e deſſe. ſo moͤchte es genuͤgen, auf die dort ebenfalls beſtehende js und Geſellſchaft fuͤr den allgemeinen Nutzen, Maatschappy en auf tot nut van t' allgemeen, hinzuweiſen, welcher Holland izen, den gegenwaͤrtig ſo ausgezeichnet guten Zuſtand ſeiner gründe Schulen verdankt, waͤhrend dieſe fruͤher in einem bedau— t acf, V ernswuͤrdigen Zuſtand und in einer aͤuſſerſt beſchraͤnk— iſirung. ten Zahl ſollen vorhanden geweſen ſeyn. Dauer V Die Wohlthaͤtigkeits-Geſellſchaft iſt es nun, ter dem V welche die Armen-Colonie auf eigene Koſten und soci- Rechnung errichtet und unterhaͤlt. Sie hat zwei Com— Nelda miſſionen, welche die Geſchaͤfte leiten und kontrolli— ig des ren. Der Praͤſident der einen Commiſſion begleitet hn des dieſe Stelle lebenslaͤnglich, und deswegen heißt ſie ch der n und men.*) Ohngefaͤhr 2 fl. 50 kr. hollaͤndiſch, oder 2 fl. 10 kr. R. W. 250 Armen⸗Colonie die permanente Commiſſion, und ſie beſorgt und lei⸗ tet die Geſchaͤfte und Verwaltung der Geſellſchaft und ihres Eigenthumes. Die zweite Commiſſion heiſſet die Aufſichts-Commiſſion und kontrolliret die Handlungen der erſtern. Praͤſident der erſten Com— miſſion iſt Se. k. Hoheit der Prinz Friederich, und Praͤſident der letztern Se. koͤnigliche Hoheit der Prinz von Oranien. Jaͤhrlich wird oͤffentliche Rechnung geſtellt. Eine Zeitſchrift de Staar“ dienet dazu, das Publikum von dem Fortgange dieſer hochwichtigen Unternehm— ung in volle Kenntniß zu ſetzen, und darin zu er— halten.*) Die Wohlthaͤtigkeits⸗Geſellſchaft hat nach ihrer Begruͤndung in der Abſicht,„die Armen durch Ur— barmachung und Bebauung oͤder Gruͤnde zu beſchaͤf⸗ tigen und zu ernaͤhren, hiedurch aber laͤſtige Menſchen zu nuͤtzlichen Buͤrgern umzubilden und die armen Kinder dem ſichern Verderben zu entreiſſen,“ das *) Obſchon dieſe Zeitſchrift, wovon jaͤhrlich 12 Hefte in Oktav erſcheinen, und 12 fl. koſten, vorzuͤglich den hier angegebe— nen Zweck hat, ſo enthaͤlt ſte dennoch groͤſſerntheils andere Mittheilungen. Ihr Inhalt erſtreckt ſich uͤber ſtaatswirth— ſchaftliche, merkantiliſche und landwirthſchaftliche Gegenſtaͤnde, und de Staar liefert Nachrichten und Ueberſichten aus den beſten engliſchen und franzoͤſiſchen Journalen. Den Schluß jedes Heftes machen die Angelegenheiten der Geſellſchaft und der Colonie. Freederiks⸗Oord. 251 n und li⸗ verſandete Gut Weſterbek⸗Sloot, 2 ½ Stunden eſellſhaft von Steenwyk und an der Graͤnze der Provinzen niſſion Overyſſel, Drenthe und Friesland zu einer liret die Colonie angekauft, und ſeit dieſem ihr Areal fuͤr n Con.— dieſen Zweck durch angekaufte oͤde Gruͤnde auf viele deric, Tauſend hollaͤndiſche Arpents ausgedehnt.*) heit der Sie hat die erſte Colonie auf dem erkauften Gute angelegt, derſelben den Namen des an der t. Eine Spitze der Geſellſchaft ſtehenden Prinzen Free— ublikum deriks,„Freederiks⸗Oord' gegeben, und dieſelbe feenehm, zum Sitze der Direktion und Adminiſtration der mzu er⸗ Colonie beſtimmt. Die Geſellſchaft ſelbſt hat uͤbrigens ihren Sitz in Haag behalten, wohin alle Rechnungen i ihrer geſtellt, und die wichtigſten Gegenſtaͤnde zur Ent— rh Ur⸗ ſcheidung geſchickt werden. eſchäf⸗ Die Wohlthaͤtigkeitsgeſellſchaft hat ſich hiebei enſchen folgende Verbindlichkeiten auferlegt: arwen 1. Sie nimmt die Armen und mittelloſen Waiſen 17 das von Staͤdten und Gemeinden unter gewiſſen Beding— ungen in die Armenkolonie auf; ſie erbaut fuͤr jede 6 bis 10 Perſonen auf in Oktar eigene Koſten ein beſonderes Haus; ngegebe 3. ſie giebt fuͤr jede Haushaltung 3 ¾ Arpents is andere atswirth⸗ genſtäͤnde, maus den n Schluß.. efelſcaſt*) Ein hollaͤndiſcher Arpent betraͤgt 35,5 aresmetriſchen Maſſes, oder 2,51 bayeriſche Tagwerk. oder fuͤr drei Haushaltungen 10 ¾ Arpents urbar 252 Armen⸗Colonie gemachten Landes, oder laͤßt es auf ihre Koſten ur— bar machen; 4. ſie verſichert dem Coloniſten fortwaͤhrenden Verdienſt durch Arbeit; 5. ſie giebt ihm bei ſeinem Eintreffen und bis zu ſeiner erſten Ernte Naturalien, Kleider, Moͤbel und Wirthſchaftsinventar vorſchußweiſe; 6. ſie haͤlt ihn ununterbrochen unter Aufſicht und leitet ſeine Wirthſchaft; 7. ſie haͤlt Pferde, Geſchirr und ſolche Vor— raͤthe ꝛc. uͤberhaupt, welche die Kraͤfte des Einzelnen uͤberſteigen, ihm aber doch noͤthig ſind,— fuͤr die Geſammtheit. 8. ſie forgt in Ungluͤcksfaͤllen fuͤr ihn; 9. ſie ſorgt fuͤr Unterricht, Kirchen, Admi— niſtration und gemeinſame Beduͤrfniſſe aller Art. In Anſehung der Religion wird kein Unter— ſchied unter den Coloniſten gemacht; die Bekenner eines jeden Glaubens, daher auch Juden, ſind zu⸗ laͤßſig, und es wird fuͤr die Befriedigung ihrer reli— gioͤſen Beduͤrfniſſe Sorge getragen. Fuͤr Rechtsangelegenheiten und bedeutende Straf— faͤlle hat die Regierung ein eigenes Gericht in Steenwyk errichtet. Die Geſellſchaft rechnet im Durchſchnitt 20 Perſonen auf 3 Haushaltungen, und es iſt im all— gemeinen fuͤr den Anlagsaufwand einer Haushaltung feſtgeſetzt: nang ſbu ——————ÿÿʒßͤ Freederiks⸗Oord. 2⁵ oſten ur a. Fuͤr Erbauung des Hauſes 500 fl. hollaͤnd. b.„ Moͤbel und Geraͤche 100 fl.„ ihrenden c.„ Kleidung... 150 fl.„ d.„ 2 Kühe 150 fl.„ und bis e.„ Kultur und Beſaa⸗ Mbel mung des Bodens... 400 fl.» f.„ den Lebensbedarf, Vor⸗ Aufſit ſchuß...... 50 fl.„ g.„ Vorſchuß an verſchie⸗ Vor⸗ denen Naturalien...... 50 fl.„ nelnen h.„ Flachs u. Wolle zum ſir die Stricken u. Webern. 200 fl.„ i.„ 5¾ Arpents unkulti⸗ virtes Land 3 8 ·.***. 100 fl.„ Admi⸗ Summe 1700 fl.„*) lrt. Die Adminiſtration der Armen-Colonie, welche Unter, i. J. 1821 ſchon auf 7 einzelne Colonien ausge⸗ ekennet dehnt war, leitet der Schoͤpfer derſelben, General ſind zu⸗ er reli⸗ Sinf*) Ohugefaͤhr 1475 fl. R. W. Das VIII. Heft der hollaͤndiſchen Straf⸗ Zeitſchrift de Staar von 1320 liefert am Schluße eine tabel⸗ ht in lariſche Ueberſicht der Einnahmen und Ausgaben vom nten April 1819 bis dahin 1820, aus welcher ich folgendes ausge⸗ hoben habe: 0 tt 2 Die Einnahmen betrugen an Beitraͤgen der Geſellſchafts⸗ im al⸗ Mitglieder, Geſchenken und Ruͤckſtaͤnden 985a2 fl. altung Die wirklich geleiſteten Ausgaben... 6944 fl. Disponibler Reſt==ʒ.......... 24362 fl. —————õ—————— —————= 8————— 254 Armen⸗Colonie van den Boſch, der zugleich Mitglied der beſtaͤn— digen Commiſſion iſt, und bezieht dafuͤr auſſer ſeiner Generalsbeſoldung nichts weiter. Er hat einen Se— kretaͤr und einige Schreiber. Unter ihm ſind ein Direktor, Offizier des 6. Inf. Regiments, und ein Direktions⸗Adjunkt, ein Hauptbuch⸗ halter, ein Fabrik-Direktor, ein Doktor mecd., ein Geiſtlicher von jedem Cultus uͤber die geſammte Colonie wachend und 3 Schullehrer nebſt Gehuͤlfen angeſtellt. Auſſer dieſen ſind fuͤr jede Colonie-Ab— theilung(Numer) ein Unter⸗Direktor, ein Buch⸗ halter, eine Spinnlehrerinn; auf 24 Haͤuſer ein Wykmeiſter; auf 12 Haͤuſer ein Sectionmeiſter vor⸗ handen. Das geſammte Perſonale beſtehet mit ſehr wenigen Ausnahmen, aus Offizieren und Un⸗ teroffizieren des 6. Inf. Regiments. Gegen dieſe militaͤriſche Handhabung einer militaͤriſchen Hingegen betrug das Soll der Ausgaben fuͤr dieſes Jahr 105662 fl., und es iſt daher nicht Alles wirklich bezahlt, ſo⸗ mit iſt der Reſt eine Schuld der Geſellſchaft worden. Die Hauptrubriquen dieſer Ausgaben waren: Erwerbungen an Grund und Boden 3940 fl. Vankoſten........... 537294 fl. Fuͤr Hausgeraͤth. 4050 fl. „ Kleidung............ 5922 fl. „ Spinnefei............. 14642 fl. „ Beſoldungen u. Buͤreaukoſten..... 27625 fl. „ Lebensmittehnlnlntnt... 67466 fl. An verſchiedenen Ausgaben..... 29315 fl. ſteier 8 Vohan um ſi Teim et wwoe Freederiks⸗Oord. 255 8 t beſtin Ordnung haben zwar mehrere Armen⸗Vorſtaͤnde, je⸗ ſer ſeiner doch vergeblich, proteſtirt. nen Se⸗ Die Offiziere und Unteroffiziere haben ind ein von ihrem Berufe in der Colonie, wenige oder viel— nents, mehr keine Kenntniß gehabt, und mußten erſt vom utbuch⸗ General van den Boſch dafuͤr abgerichtet werden. medl., Sie ſind auf die Colonie kommandirt, ziehen aus ſammte der Adminiſtrations⸗Caſſe einen groͤßeren Gehalt, als thuͤlfen ſie beim Regiment erhalten wuͤrden, und es ſteht ne⸗Ab⸗ ihnen frei, nach Belieben wieder die Colonie zu ver— Buch⸗ laſſen und bei dem Regimente einzuruͤcken.*) ſer ein er vor⸗ t ſehr*) Aus einer 1822 in Amſterdam erſchienenen Druckſchrift: Un⸗ vlluishadelsle Pehalinsen voor de vrye kolonien, vol- „gens de jongste Besluiten der permanente kommilsie der Gegen„Maatschappy van Weldadigheid“ oder riſ en Haͤusliche Beſtimmungen fur die freien Colonien, zu Folge der Beſchluͤſſe der beſtaͤndigen Commiſſton der Wohl— thaͤtigkeits⸗Geſellſchaft,— kann ich nachſtehendes uber die Perſonalverhaͤltniße hinzufuͤgen: ſes Jah Ein Adjunkt⸗Direktor erſter Klaſſe hat freie Woh⸗ ult, ſo⸗ nung und jaͤhrl. 1800 hollaͤnd. Gulden, ein ſolcher II. Klaſſe freie Wohnung und 1000 fl. Sie haben 4 bis 5 Colonien und neue Anlagen zu dirigiren. 9z0s fl. Ein Unterdirektor hat jaͤhrlich 365 bis zoo fl. nebſt a9e ſl freier Wohnung. 950 ſl Ein Wykmeiſter hat wochentlich 5 bis ö6 fl., freie 5952 f Wohnung und ſeine Leute koͤnnen in der Fabrik mitarbeiten, 14612 ſf um ſich auſſerdem noch etwas zu verdienen. Wenn er 2 Jahre 71575 f Wykmeiſter war und ſeine Pflichten puͤnktlich erfuͤllte, kann 6466 1 er wochentlich 2 fl. Zulage erhalten. 29515 ſie 256 Armen⸗Colonie Uebrigens findet eine Uebung der Coloniſten in den Waffen nicht ſtatt, obſchon ſolches der General fuͤr raͤthlich haͤlt. Es wird nicht in Abrede geſtellt werden koͤnnen, daß dieſes Perſonale zahlreich iſt; denn es treffen auf 600 Haushaltungen, welche im Durchſchnitte 4000 Arme enthalten ſollen, mindeſtens 150 dafuͤr angeſtellte Perſonen: aber wenn erwogen wird, mit wem es die Adminiſtration hier zu thun hat, daß es die Hefe des Volkes, mit allen Laſtern beladen, jeder Arbeit entwoͤhnt, und des Berufes ganz un— Ein Sektionmeiſter erhaͤlt freie Wohnung und taͤglich 12 Stuͤber. Ein Buchhalter erhaͤlt freie Wohnung und wochent⸗ lich 2 fl. Endlich erhaͤlt ein Aufſeher freie Wohnung und wo⸗ chentlich 5 bis o fl. 5 Der Koloniſt iſt faͤhig durch alle dieſe Stellen ſtuffen⸗ weiſe vorzuruͤcken, wenn er genug Kenntniſſe, Fleiß und eine gute Conduite beſitzt. Der Direktor inſpizirt monatlich. Der Adjunkt⸗Direktor inſpizirt alle ihm untergeord⸗ neten Colonien alle 14 Tage; wachet, daß die Angeſtellten ihre Pflichten erfuͤllen, und erſtattet uͤber den Befund ſchriftlichen Rapport. Der Buchhalter und Unterdirektor viſitiren min⸗ deſtens wochentlich einmal. Der Wykmeiſter viſitirt alle zwei Tage Haus und Einwohner. 2 Der Sektionmeiſter hat die Aufſicht bei der Arbeit. kann. O dine und i ſcnen 109 hältn ——QQ—Q——————Qñññꝭ—C—⸗Bꝛ—nQQQ—C—CQꝰꝑQn.—OQꝑQ—ę—jQ—ꝭꝑꝑęQ—Q— x—ꝑ—Q—O—ᷣ—B—ʒ—ʒ—ʒQ--————⸗———— Freederiks⸗Oord. 257 oniſtn i kundig ſey, welches hier zu fleiſſigen ſittlichen Buͤr— Genenu gern, zu geſchickten Arbeitern, ſparſamen Land— wirthen heran gebildet werden ſoll; ſo iſt wohl klar, kunnan, daß dieß nur durch viele und bis in das kleinſte treffen Detail herabſteigende Beaufſichtigung erzielt werden hſchnite kann. 38 Jede Haushaltung hat einen Hausvater und n, daß eine Hausmutter, in der Regel verheirathete Arme, belden, und ihre Kinder oder Waiſen und andere arme Per⸗— gun me ſonen beiderlei Geſchlechtes bis zur Zahl von 6 bis 10 Koͤpfen, welche letztere zu erſteren in einem Ver— haͤltniß ſtehen, wie Kinder oder Dienſtboten. nd tijlc Freilich muß ſich aus dieſen Elementen, welche ſich beinahe durchgehends ohne Befragung, und zum wochente Theil gegen den Willen der Coloniſten geſtalten, ein Zwangsverhaͤltniß erheben, welches der natuͤrlichen 4 1 Freiheit des Menſchen zuwider iſt, und ihn als eine en ſtuferr Art von Leibeigenen darſtellet. Aber dieſer anſaͤngliche gleiß und Zwang wird bald zu einer wohlthaͤtigen Gewohnheit, und iſt dann nicht mehr laͤſtig. Ohne ihn iſt eine nergeord⸗ ſachegemaͤſſe Verſorgung der Armen ewig unaus⸗ ageſtellten fuͤhrbar, und die Abweſenheit desſelben war Urſache Wejund des Verfalles ſo vieler Colonien.— Wenn das tiren mir⸗ Verhaͤltniß aber demungeachtet fruͤher oder ſpaͤter einem Coloniſten laͤſtig fallen ſoll, ſo ſtehet es ihm Haus und frei, der Adminiſtration aufzukuͤndigen, und die Co⸗ lonie zu verlaſſen. Ein Fall, welcher in Freederiks⸗ tdet I. Theil. 17 253 Armen⸗Colonie Oord bis zu Hrn. v. Grouners Anweſenheit nicht oͤfter als zweimal eingetreten iſt. Die Coloniſten hoͤren hier auf, Arme zu ſeyn, indem ſie in das Verhaͤltniß von Paͤchtern oder Dienſtboten treten, welche, freiwillig oder unfreiwillig, fleißig arbeiten und ſich ihren Unterhalt nach dem Maaße ihrer Kraͤfte erwerben. Fleiß und Liebe zur Arbeit wuͤrde freilich weit mehr geſteigert werden, wenn ſie durch theilweiſe Heimzahlungen Eigenthuͤmer ihres Beſitzthumes werden koͤnnten; aber dann wuͤrde die Colonie bald aufhoͤren eine Armen-Colonie zu ſeyn, und ihrem Zwecke zu entſprechen. Alle die disziplinaͤren und adminiſtra— tiven Anordnungen ließen ſich bei Eigenthuͤmern nicht mehr anwenden, und waͤren bei ſolchen gar nicht zu rechtfertigen. Zudem iſt bei dem Coloniſten das Intereſſe, Eigenthuͤmer zu werden, nicht ſo groß, als bei einem gewoͤhnlichen Paͤchter; denn den Coloniſten kann waͤhrend ſeiner Lebenszeit,— in ſo fern er nicht als Kind, ſondern als Hausvater in die Colonie ge⸗ treten,— Niemand von dem ihm angewieſenen Be⸗ ſitzthume entfernen, wie man den Paͤchter vom Pacht— gute vertreiben kann; der Coloniſt kann ſich, wie der Paͤchter, bewegliches Vermoͤgen erwerben, und zu Gunſten eines jeden Dritten daruͤber disponiren; er kann endlich auſſer der Colonie fuͤr ſich oder die nur au tiket d T bei wei bung nung Staa jaͤhtlie der g. dieſe ¹ obſcho einet ſe gebeſe Alitber nngfi nhmen man nich ſin. Um Freederiks⸗Oord. 250 enheit nich Seinigen auch liegenſchaftliches Eigenthum erwerben, wenn ſeine Erſparungen hiezu hinreichend ſind. ie zu ſeyn, Es kommt dahet bei der Armen-Colonie alles ztern ode nur auf den Grad von Zweckmaͤſſigkeit und Gerech— nfreiwilig tigkeit der Direktion an. Mit dieſer ſteigt und faͤllt nach dem das Wohl der Colonie, und ſie iſt die hoͤchſte und bei weitem ſchwierigſte Aufgabe im ganzen Unter— 1 nehmen. eilich weit einet 4 theilweiſ m Aufnahmsbedingungen fuͤr Armenkoloniſten. nes werden d aufhoͤren Die Wohlthaͤtigkeits-Geſellſchaft hat in Erwaͤ— Zwecke zu gung des Umſtandes, daß ein auf oͤffentliche Rech— omriniſtra⸗ nung erzogenes Kind in den Waiſenhaͤuſern ꝛc. dem tern nicht Staate oder die Kommunen auf 114 bis 120 fl. nicht zu jaͤhrlich an Koſten zu ſtehen komme, und in Betracht der groſſen Zahl ſolcher Kinder, vorzugsweiſe vrch auf ₰ 8 n)t. Irterſſ, dieſe ihre Rechnung gemacht bei einem Das freiwillige Einkommen der Geſellſchaft, ſten kann obſchon ſehr groß, waͤre naͤmlich zur Ausfuͤhrung nicht als einer ſo großartigen Unternehmung nicht hinreichend lonie ge⸗ geweſen, und da die Mitglieder der Geſellſchaft nach nlen Be⸗ Belieben austreten, und ſich hiedurch ihrer Bei— m Pacht⸗ tragspflicht entbinden koͤnnen; ſo waͤre das Unter— , wie der nehmen ſelbſt nicht zureichend geſichert geweſen, wenn / 9.— 5 und zu man nicht auch noch nach andern Mitteln geſtrebt 1 4 niren; er haͤtte. oder die Um nun auſſer den Beitraͤgen der Geſellſchafts— 1—* 260 Armen⸗Colonie Mitglieder auch noch andere Fonds zu erlangen, hat die Geſellſchaft ſich erboten: 1. Jedem Wohlthaͤter, jeder Stadt oder Ge⸗ meinde das Recht einzuraͤumen, immerwaͤhrend 14 arme Perſonen und 6 Waiſenkinder von einem Alter uͤber 6 Jahre, in der Armen⸗-Colonie unentgeldlich, unter⸗ zubringen, zu erhalten, und uͤber die durch Abgang oder Sterbfaͤlle hieraus erledigten Plaͤtze wieder zu disponiren; wenn ſie dafuͤr 2. laͤngſtens waͤhrend eines Zeitraumes von 16 Jahren, jaͤhrlich 360 fl. an die Geſellſchaft in Form eines unaufkuͤndbaren Darlehens fuͤr dieſen Zweck bezahlen. 3. Das naͤmliche Recht biethet die Geſellſchaft Jedermann fuͤr einzelne Plaͤtze zu ertheilen, wenn fuͤr jeden erwachſenen Armen jaͤhrlich 25 fl., und wenn deren Zahl 20 erreicht, fuͤr alle zuſammen 360 fl. waͤhrend laͤngſtens 16 Jahren an die Geſellſchaft jaͤhrlich entrichtet werden. Da hiernach die Geſellſchaft fuͤr jedes Waiſen— kind nur 60 fl. verlangt, waͤhrend ein ſolches ſonſt 114 fl. koſtete, und da ſie einzelne erwachſene Arme fuͤr 25 fl. jaͤhrl. uͤbernimmt, und dieſe Zahlung uͤber— dieß nur laͤngſtens 106 Jahre lang fordert; ſo ſind die Vortheile, welche ſie darbietet, klar und uͤber— zeugend. Es koͤmmt dabei nur darauf an, ob die Geſell⸗ ſchaft dieſes Verſprechen wird halten koͤnnen?— 7 z Haus dntweder ſehn k brauch Stand bis 1 aus d fuͤr a aus i Hiedu zu erft d Jahlen di teſändig Arme in dieſes R ffichtet, du begch Freederiks⸗Oord. 261 angen, ha 1 Da ſie nun den Grundſatz aufgeſtellt hat, daß jeder Arme ſich ſeinen Unterhalt verdienen muͤſſe,— oder Ge Krankheiten und Ungluͤcksfaͤlle ausgenommen,— ſo d 14 arme iſt es bloß nothwendig, daß ſie die Zinſen ihrer Alter uͤber Vorauslagen gedeckt, und an der Hauptſumme jaͤhr— ich unter⸗ lich ſo viel abgetragen erhalte, damit dieſe in 16 Abgang Jahren ooͤllig berichtigt, ſomit frei ſey. wieder zu Die Geſellſchaft rechnet nun 20 Perſonen auf 3 Haushaltungen, und nimmt an, daß ô darunter 5 von 10 enrweder wirklich Kinder ſind, oder doch ſo ſchwach tin Form ſeyn koͤnnten, daß ſie im Verhaͤltniß zu ihrem Ver— ſen Zweck brauche ſich ebenfalls nicht mehr zu verdienen im Stande waͤren, als ſolche. jeſellſchaft Fuͤr dieſe rechnet ſie, daß ein Zuſchuß von 75 wenn fuͤr bis 100 fl. jaͤhrlich nothwendig werden koͤnnte, welche nd wenn aus den Einlagen ſelbſt noch gedeckt werden; und 360 fl fuͤr andere Ungluͤcksfaͤlle ꝛc. bildet die Geſellſchaft ziſelſchaft aus ihren freiwilligen Beitraͤgen beſondere Fonds. Hiedurch ſetzt ſie ſich in den Stand, ihre Verſprechen 8 Waſſen⸗ zu erfuͤllen. ches ſonſ Die Art, wie ſie dabei rechnet, wird nachher in ene Arme Zahlen noch beſtimmter ausgedruͤckt werden. ung iͤber Die erſte Bedingung iſt demnach, ſich bei der „ſo ſid beſtaͤndigen Commiſſion das Recht zu erwerben, und uͤber⸗ Arme in die Colonie ſenden zu duͤrfen. Man erwirbt dieſes Recht fuͤr einzelne Plaͤtze, indem man ſich ver— ie Geſel⸗ pflichtet, waͤhrend 16 Jahren fuͤr jeden Platz 25 fl. 1= zu bezahlen; und man erwirbt es fuͤr 20 Per— 262 Armen⸗Colonie ſonen, indem man dieſe Verpflichtung auf jaͤhrlich 360 fl. erhoͤhet. Die zweite Bedingung beſtehet darin, daß ſich die Armen den Geſetzen der Anſtalt unterwerfen, und daruͤber eine eigene Urkunde unterzeichnen. Dieſe verlangen nun im Weſentlichen: a. Unbedingten Gehorſam den Vorgeſetzten der Colonie; b. ohne Zeitbeſtimmung, daher ſobald wie moͤg— lich, alle erhaltenen Vorſchuͤſſe der Geſellſchaft durch Arbeitsleiſtung zu verguͤten. Dieſe Vorſchuͤſſe betragen nun ohne Einrechnung der Kuͤhe, welche die Geſell— ſchaft eigenthuͤmlich behaͤlt, 550 fl. an Werth im Voranſchlage, und darunter ſind fuͤr Flachs und Wolle zum Stricken und Weben 200 fl., welche ſchon nach Verfluß eines Jahres durch daraus ge⸗ fertigte Produkte in die Kaſſe der Geſellſchaft zu— ruͤckgefloſſen ſeyn ſollen. c. Jeder Coloniſt muß taͤglich zu beſtimmten Stunden und vollkommen gut arbeiten, dabei auch in ordentlichem, reinlichen Anzuge erſcheinen. Fuͤr der Geſellſchaft geleiſtete Arbeit erhalten die Colo— niſten Billeten von entſprechendem Werthe, und gegen dieſe Billeten werden ihnen auf Verlangen Lebensmittel, Kleider oder ſonſtige Beduͤrfniſſe ver— abfolgt; ohne ſolche koͤnnen ſie nichts erhalten. d. Kleider und Mobiliare der Coloniſten muͤſſen ſtets in reinem und gutem Zuſtande auf eigene Recheean werdn Perdien Einath vird die gci be Nechnan betrng c. tirten Hauh echal 5 1 und fü vorſch ———————— Freederiks⸗Hord. 263 auf ſihdi Rechnung erhalten werden. Unordentlich Angezogene werden bei der Arbeit nicht zugelaſſen, und durch drrin, da Verdienſtabzug beſtraft. So lange der Coloniſt nicht mnterwerfe, Eigenthuͤmer ſeines Mobiliars und ſeiner Kleider iſt, hnen. wird dieſes wochentlich unterſucht. Was hierin ſchad⸗ n: haft befunden wird, laͤßt die Geſellſchaft auf ſeine geſeten de Rechnung repariren ꝛc., und zieht ihm den Koſten— betrag an ſeinem Verdienſte ab. d wie mig⸗ e. Coloniſten, welche bei ihrem Eintritte unkul— ſchaft durch tivirten Boden erhalten, oder ſonſt noch keine eigene ſſe betragen Haushaltung zu bilden und zu unterhalten vermoͤgen, die Geſel⸗ erhalten von der Geſellſchaft taͤglich Petth in Waitzenbrod füur„ 6 Duyt*) ſachs und 3 Pfund gekochte Speiſen fuͤr. 12„ k, welche nraus ge Kinder von 12 bis 16 Jahren ſchaft zu 2 Pfund Brod fuͤr 4„ 2 Pfund gekochte Speiſen fuͤr. 3„ eſtimmten abei auch Kinder unter 12 Jahren uen. git 1 Pfund Brod fuͤr.... 3„ ie Col⸗ 1 Pfund gekochte Speiſen fuͤr. 4„ he, und und fuͤr jede Familie wochentlich 1 Pfund Butter Jerlangen vorſchußweiſe auf Abverdienung. gniſſe ver⸗ lten. en muͤſſen uf äͤgen*) 1 Duyt= ¾ Stuͤber= o,3525 Kreutzer R. W. O./—C— ——— ᷣᷣ— 264 Armen⸗Colonie Sobald eine Familie im Stande iſt, ſich woͤ⸗ chentlich 4 fl. zu verdienen, darf ſie ihre eigene Haus⸗ haltung anfangen. k. Auſſer der Arbeit am eigenen Gut iſt jeder Coloniſt verpflichtet, woͤchentlich 1½ Tage Hilfsarbeit fuͤr diejenigen Waiſen-, oder Arbeitsunfaͤhigen Fa⸗ milien zu leiſten, welche ihre 3½¾ Arpent Landes und ihr Vieh nicht ſelbſt zu beſorgen im Stande ſind. Sie erhalten dafuͤr von der Geſellſchaft ein Taglohn, welches im Winter 3 Sols,“) im Herbſte und Fruͤhlinge 10 Sols**) und im Sommer 12 Sols***) betraͤgt. g. Wenn die aufgegebene Arbeit nicht in der beſtimmten Zeit und Tadelfrei verrichtet wird, werden Abzuͤge am feſtgeſetzten Lohne verhaͤngt, wovon der Betrag des kleinſten auf 2e und der des groͤßten auf 4 des wochentlichen Verdienſtes feſtgeſetzt iſt. Ueber die Statthaftigkeit dieſes Abzuges erkennt der Rath der Aufſeher.****) h. Jede Coloniſtenfamilie zahlet der Geſellſchaft aus den Fruͤchten ihres Gutes, oder durch Arbeits⸗ leiſtung einen jaͤhrlichen Pacht von 50 fl. und einen *) 20 kr. 4. ½) 25 kr. **) 30 ½ kr. 2**5) Dieſer Rath beſtehet: a. aus dem unterdirektor, b. aus zwei Wykmeiſtern, und c. aus zwei Coloniſten. nie 9 milien Freederiks⸗Oord. 265 ſch wi Beitrag fuͤr die Adminiſtrations-Aufſichts- und Un⸗- hene Haut, terhaltskoſten der nothwendigen Zugpferde, welche die Geſellſchaft fuͤr ſie haͤlt, jaͤhrlich 25 fl.; ferner den 4 ſeder Pacht fuͤr 2 Kuͤhe jaͤhrlich mit 10 fl. dfus Hiernach koſten die Geſellſchaft jede 3 Coloni— 9 1 ſten-Familien jaͤhrlich: nde 3. Stande 1. Die Einrichtung einer jeden haft en 1700 fl., alſo fuͤr 3 ſolche 5100 fl., und jaͤhrlich 5½4 Proz. Zinſen daraus 280 fl. 30 kr. Herbſte 1 7e Sn nnſer 2. Die Adminiſtrationskoſten ꝛc. nach erhobener Erfahrugg 725 fl.— kr. ht in der 5. Arbeitshilfe im hoͤchſten An— , werden ſatze... 100 fl.— kr. uon de Summe 455 fl. 30 kr. Fübien Die Geſellſchaft erhaͤlt dagegen: 1 1 a. Von denjenigen, welche die Armen in die Colo— nie geben, einen jaͤhrl. Vorſchuß von 360 fl.— kr. cliti 5 b. Miethe von 3 Coloniſten⸗Fa⸗ Arbeit⸗ milien à 50 fl....... 150 fl.— kr. e. Miethe fuͤr 6 Kuͤhe à 5 fl. 30 fl.— kr. d audn d. Adminiſtrationskoſten⸗Bei⸗ trag à 25 fl... 75 fl.— kr. Summe 615 fl. kr. Daher uͤberſteigt ihre Einnahme die Ausgabe jaͤhrlich um 150 ½ fl. :, b. aus Da uͤberdieß die drei Coloniſten-Familien jede — —— S——— — 8 ——————— —— 8—-—— ———-— —ÿ3 266 Armen⸗Colonie ihren Mobilienwerth mit 550 fl., alſo zuſammen mit 1650 fl. nach und nach der Geſellſchaft zuruͤck erſetzen muͤſſen, ſo ſchwindet das Kapital von 5100 fl. auf 3450 fl. und ſomit auch der Zins um jaͤhrlich 90½ fl., ſo, daß theils durch die Abtragungen am Kapital durch jaͤhrliche Ueberſchuͤſſe, theils durch die Minderung der Zinſen, dieſe Ueberſchuͤſſe immer wach⸗ ſen, und das Kapital in kurzer Zeit tilgen muͤſſen, wofuͤr die Geſellſchaft als die laͤngſte Zeit 15 Jahre feſtgeſetzt hat. Iſt aber dieſes Kapital ſammt Zinſen abgetra— gen, ſo hoͤren die Zuſchuͤſſe der Wohlthaͤter ꝛe. auf, welche bis dahin fuͤr jede drei Familien mit jaͤhrlich 360 fl. gefloſſen ſind, und es fraget ſich, wie die Geſellſchaft dann wird beſtehen koͤnnen. Sie hat dann fuͤr jede Coloniſtenfamilie ein Kapital von 1700 fl. vorraͤthig, wofuͤr ſie keine Zin⸗ ſen entrichtet, und ihre jaͤhrlichen Auslagen fuͤr drei Familien ſind dann beſchraͤnkt a. auf die Adminiſtrationskoſten mit. 75 fl. b. auf Arbeitshilfe hoͤchſtens mit 100 fl. Summe 175 fl. Dagegen bezieht ſie von den Coloniſten jaͤhrlich: 4. Miethe à 50 fl....... 1450 fl. 2. Miethe fuͤr 6 Kuͤhe. 30 fl. 3. Adminiſtrationskoſten-Beitrag.. 75 fl. Summe 255 fl. Jahte iſſe Giuld betrag Nilo Gulde ppruüch 2025 90000 berſche Freederiks⸗Oord. 262 ſanmen Demnach einen jaͤhrlichen Ueberſchuß von 80 fl. N inic fuͤr zufaͤllige Ausgaben. K10o Man ſieht daraus, daß die Hollaͤnder hierin mit ihriih einer ihnen eigenthuͤmlichen Sorgfalt und Genauig— gen am keit gerechnet haben. irch die Wenn man die geſammte arme Bevoͤlkerung t wach⸗ des Koͤnigreiches der Niederlande in der Armen-Co— nüſen, lonie unterbringen und ernaͤhren wollte, und annaͤh— IJahre me, daß ſich ihre Zahl auf 500000 belaufe, und 1 die Dauer des Wachsthumes der Colonie auf 48 abgetra⸗ Jahre feſtſetzen wuͤrde, ſo traͤten folgende Beduͤrf— d. auf, niſſe fuͤr dieſes Unternehmen ein. jäͤhrlich 1. Ein jaͤhrlicher Anlehensvorſchuß von 2656250 wie die Gulden, um daraus den hiefuͤr erforderlichen Werths⸗ betrag der Colonie von Einhundert ſieben und zwanzig ie ein Millionen fuͤnfhundert Tauſend Gulden, 127500000 d Ji⸗ Gulden, zu erlangen, welche in 64 Jahren wieder ſi di zuruͤckbezahlt ſeyn koͤnnen; 2. fuͤr die 75000 armen Familien ohngefaͤhr 5 f. 202500 bis 300000 Arpent, oder 710825 bis 100 f 300000 Tagwerk oͤden Landes. — Es waͤre der Unterſuchung werth, ob nicht die 175 fl. verſchiedenen Inſtitute und Perſonen, welche gegen— ihrlih: waͤrtig die Armen erhalten, einen vielleicht gleich 150 f. groſſen jaͤhrlichen Beitrag geben, ohne daß dadurch 30 fl der Hauptzweck erreicht wird. d5 f Die Colonie verlanget fuͤr jeden Armen waͤh— rend einer Dauer von 16 Jahren im jaͤhrlichen 268 Armen⸗Colonie Durchſchnitte 18 bis 25 fl. und bildet daraus ein Kapital, aus welchem immer ein Armer ernaͤhrt und unterhalten wird. Dieſes Kapital iſt in dem Augen— blick, wo der Arme mit einer Einlage von hoͤchſtens 25 fl. in die Colonie aufgenommen wird, ſehr hoch gerechnet, 260 ¾ fl. in Werth; die Zinſen hieraus betragen nur 13 fl. jaͤhrlich! Und dieſe kleine Summe iſt dann hinreichend, den Staat von einem Armen, und von den Uebeln, die ihn begleiten, zu befreien, ihn ſelbſt aber zu ernaͤhren und zu verſorgen. Es giebt wohl kein wohlthaͤtigeres Inſtitut, und keines, welches mit ſo geringen Mitteln ſo groſſes zu leiſten vermoͤchte!*) Oertliche Verhaͤltniſſe der Armen⸗Colonie. In geographiſcher und ſtatiſtiſcher Hinſicht ſind dieſe bereits dargeſtellt. Hier handelt es ſich ſomit *) Zum Belege der Nuͤtlichkeit dieſes Unternehmens will ich aus der erwaͤhnten hollaͤndiſchen Zeitſchrift noch einige ſum⸗ mariſche Auszuͤge von den Verdienſten der Armen und Wai— ſen liefern, welche dort einzeln und namentlich ausgewieſen ſind. I. In der Colonie Nro. 3. haben 100 Haushaltungen vom 21. Juni bis 22. Juli 1320 verdient: Mit Feldarbeit.... 269,95 fl. Mit Spinnen... 19,90 fl. Summe 289,85 fl. ohne eth Fam liſſe taus ein ührt und Angen⸗ öchſtens ir hoch hieraus Summe Armen, efteien, n. Es keines, leiſten will ich ge ſum⸗ d Wai⸗ gewieſen gen vom hne Freederiks⸗Oord. 269 nur mehr um die geologiſchen und topographiſchen Verhaͤltniſſe der Colonie. In geologiſcher Beziehung fand Herr von Grouner viele Granitfindlinge, von einem ziemlich Einrechnung der Arbeit, welche ſie fuͤr ſich ſelbſt geleiſtet, und die mindeſtens eben ſo viel werth war. Die Geſellſchaft gab ihnen dafuͤr: 1. Durch Abrechnung und Verabfol⸗ gung von Naturalien ꝛc... 320,14 fl. 2. Taſchengeld den Waiſenkindern. 19,28 fl. 3. Zur Sparbank.... 3,15 fl. 4. In Reſerve behalten.. 5,15 fl. 4. Baar ausbhezahlt... 58,62 fl. Summe 4241,34 fl. Sie hat alſo fuͤr dieſen Zeitraum einen Vorſchuß von 121 ½ fl. geleiſtet. II. 22 Coloniſten der Colonie Nro. 2. haben vom 16. bis 22. Juli 1820 verdient: Mit Feldarbeit.... 109,66 fl. Mit Spinnen.... 55,73 fl. Mit verſchiedener Arbeit.. 82,20 fl. Summe 245,59 fl. und erhielten zum Verbrauch ꝛc... 135,76 fl. baar ausbezahlt.. 118,20 fl. vorgeſchoſſen... 45,145 fl. zu gut geſchrieben.. 5/80 fl. III. Bis zum Schluſſe des Jahres 1840 haben 52 Coloniſten⸗ Familten bloß mit Arbeit, welche ſie fuͤr die Geſellſchaft ge— leiſtet, ohne Einrechnung desjenigen, was ſie in ihrer eige— —— — — —= —y—— 8 — —— ———— S—=—— 270 Armen⸗Colonie grobkoͤrnigten roͤthlichtem Granite, zum Theil in Gneiß uͤbergehend, und Einige mehrere Cubikfuß groß. Vorzuͤglich werden ſie in der Colonie Wil⸗ lems-Oord gefunden. nen Wirthſchaft gearbeitet, 16863 fl., alſo jede Haushal⸗ tung im Durchſchnitte 524 ⅜ fl. verdient. IV. In einer Woche vom 23. bis 20. Januar 1320 haben 55 arme Maͤdchen der Colonie Nro. 1. verdient: Mit Leinen-Spinnen..* Mit Wolle-Arbeiten.. 6 160,40 fl. 55,83 fl. Summe eben ſo 15 der Colonie Nro. 2.: Mit Leinen-Spinnen... Mit Wolle-Arbeiten... 210,23 fl.; 22,40 Summe fl. 2,65 fl. fl. 30,05 Daher hat eine Perſon von Nro. 1.= 2 10 fl. und eine ſolche von Nro. 2.= 2 fl. in der Woche verdient. V. In der Colonie Nro. 3. trafen vom 5. Juni bis 10. Oktober 1820 125 Waiſenkinder ein, und die Nachweiſung ihres Arbeitsverdienſtes fuͤr den Reſt des Jahres 1820 giebt folgende Reſultate: 1. Sie haben im Durchſchnitte kaum 120 Tage gearbei— tet, waren keiner Arbeit kundig, und in jeder Beziehung ſehr vernachlaͤſſiget. 2. Dennoch verdiente ſie mit Feldarbeit..... mit Spinnen..... mit verſchiedener Arbeit.. 1900 fl. 301 ⅜ fl. 294 fl. Summe 2495¹1s fl. diſſer d„ Froll koumme 1 d 8 Yathe Theil in Cubikfüß e Wil, Haushal⸗ do haben fl. und jent. i bis 10. hweiſung 20 giebt geatbei⸗ eziehung Freederiks⸗Hord. 224 Die zweite Art von Steinen, welche ſich in dieſer Gegend am haͤufigſten finden, ſind jene aus der Kreideformation, Feuerſteine, und jene ſandigen Knollen, wie ſie bei Loͤwen und Bruͤſſel vor— kommen. Da Herr von Grouner nun auſſerdem fand, 1. daß der vorhandene Sand ganz demjenigen der Kreideformation in Korn, Farbe und Miſchungs— Verhaͤltniſſen gleich koͤmmt; 2. daß alle haͤrteren, kieſelartigen Maſſen, wie er ſie in der Brabanter Kreideformation gefunden, auch hier, obſchon in einem ſehr geborſteten Zuſtande vorkommen, waͤhrend 3. Sie erhielten dagegen fuͤr die Haushaltungen... 2078 ⅛ fl. fuͤr die Sparbank. 3.. 181 1 fl. als Taſchengeld.... 226 fl. einbehalten.—. 1 3 9 kfl. Summe 2495 ¾ fl. Solche Reſultate ſprechen uͤber die Zweckmaͤſſigkeit des Unternehmens am entſcheidendſten und uͤberzeugendſten. Von allen dieſen vielen Tauſenden Gulden waͤre auſſerdem nicht einer verdient worden. In Anſehung der Berechnung des Betrages des vorſtehenden Anlagskapitals fuͤr eine weitere Columiſation iſt zu bemer— ken, daß die Zinſen zu dem Kapital geſchlagen, oder davon abgezogen werden muͤſſen; damit diejenigen Leſer nicht etwa glauben, Anſatz und Reſultate waͤren unrichtig, welche in der Jutereſſen-Rechnung keine hinreichenden Kenntuiſſe beſitzen. — 272 Armen⸗Colonie 3. dieſe Gegend von den, den Meerſandbaͤnken ſtets eingemengten Muſchelwerk ꝛc. auch nicht eine Spur enthaͤlt: ſo ſchloß er dataus, daß dieſes Land nicht aus den Sandanſchlemmungen entſtanden, welche der Rhein, die Elbe, die Weſer und Ems hier mittel- oder unmittelbar haͤtten ablagern koͤnnen; daher kein Produkt des Meeres ſey, ſondern der Kreide⸗ formation angehoͤren. Herr von Grouner kann zwar nicht in Abrede ſtellen, daß er in den Torfſchichten, welche einen groſſen Theil der Oberflaͤche dieſes Landes bedecken, viele Spuren gefunden habe, die zeigen, daß das Torfwaſſer und der Haide-Humus einen zerſtoͤrenden Einfluß auf die ſandigten Kieſel-Knollen geaͤuſſert, und daß es demnach moͤglich geweſen waͤre, daß auch der Muſchelkalk hiedurch waͤre aufgeloͤst worden. Allein! wie von jenem, ſo muͤßten ſich auch von dieſem Spuren finden. Solche Spuren aber fanden ſich nicht, und auch in den tieferen Erdlagern wur— den ſie nicht entdeckt. Herr von Grouner ſchließt hieraus, daß ſich die Kreideformation, welche er ſchon im Limburg⸗ ſchen gefunden, durch die Campine, durch Nord— Holland und unter der Zuider-See durch auch in die noͤrdlichſten Provinzen dieſes Koͤnigreichs ſich erſtrecke, und er glaubt, daß die vielen Sandbaͤnke, welche die Hollaͤnder Schifffahrt ſo beſchwerlich machen, Freederiks⸗Oor,d.— 275 indbintn ganz vorzuͤglich dem Daſeyn dieſer harten Formation icht eine in Rechnung zu ſetzen ſey. ſes band Ueber die wirthſchaftlichen Bodenverhäͤltniſſe der welche Colonie bemerkt Herr von Grouner, daß ſie in 2 ens hier Haupt⸗Abtheilungen zerfallen, naͤmlich in Sand— ; daher gruͤnde und Torfgruͤnde. Kreide⸗ Unter den Sandgruͤnden ſind viele bloß mit Haidekraut bewachſen, trocken und arm. Andere aber liegen feuchter und ſind mit einer 6 bis 12 zoͤlligen Alede Torfſchichte bedeckt, daher vorzugsweiſe zur Cultur nden geeignet. Die ganz reinen, bloß mit Haidekraut bewach⸗ d des ſenen Sandgruͤnde kommen gewoͤhnlich in einzelnen, Föenden ziemlich lang gedehnten Erhoͤhungen, mit ſanften eiuſert, Abdachungen vor, und wuͤrden, wenn ſie unter Waſ— e, daß ſer laͤgen, eigentliche Sandbaͤnke bilden. Die worden. Sandſchichte iſt braun und von verſchiedener Dicke. uch von Die Torfgruͤnde bilden Vertiefungen, welche t fanden mit Torfſchichten von verſchiedener Tiefe ausgefuͤllt ern wur⸗ ſind; ihre Ausdehnung iſt betraͤchtlich, und der Torf das einzige Brennmateriale, deſſen ſich die Colonie duß ſch bedient.) nurg— Die Colonie beſitzet nur einen einzigen kleinen Nord—— 3 ech auch*) Obſchon der hieſige Boden keine Spur von Kalk enthaͤlt, ſo eichs ſch wird doch in der Aſche des Torfes, welcher hier geſtochen ndbaͤnke, wird, eine anſehnliche Menge Kalkes, naͤmlich 15 Prozent, machen, gefunden. I. Theil. 18 ————yyͤͤͤaaö „ 27ℳ Armen⸗Colonie 0 Wald, und mehrere alte, mit Eichenkopfholz beſtellte Alleen. Dieſes Holz wird aber ausſchließlich und mit der groͤßten Sorgfalt nur zu Bau⸗ oder Geſchirrholz benuͤtzt. Die Colonie ſteht, wie bereits erwaͤhnt wurde, mittels Kanaͤle mit der Zuider-See in Verbin⸗ dung; dieſes Kanalſyſtem wird ſo viel moͤglich, auch auf die einzelnen Numern der Colonie fortgeſetzt, und durch ſehr einfache Schleuſſen reguliert. Das Clima iſt, wie in der Nachbarſchaft der Meere uͤberhaupt, mild; ſelten gefrieren die ſuͤſſen Waſſer. Aber um ſo nachtheiliger wirken die aus— trocknenden Winde auf den duͤrren Sandboden, bis er durch Reichthum an Humus dieſen ſchaͤdlichen Einfluͤſſen zu widerſtehen vermag. Die Pflanzungen von Hochbaͤumen, welche fruͤ— her in dieſer Gegend kein Hinderniß fanden, wollen in der neueren Zeit nicht mehr gedeihen, und ſelbſt die aͤlteren Baͤume leiden ſichtlich, und drohen zu verdorren. Der Ort Freederiks-Oord ſelbſt liegt nun noͤrdlich von Steenwyk an der Straſſe nach Groͤ— ningen, wo ehmals Weſterbek⸗Sloot war, und hat oͤſtlich die Colonie Nro. 1., nordweſtlich jene Nro. 2., weiter nordweſtlich Nro. 4., in einer noch groͤſſeren Entfernung, aber in derſelben Richtung Nro. 7; die Abtheilung Nro. 5. liegt ſuͤdlich von Freederiks⸗Oord, und Nro. 3. und 6., Wil⸗ 162 Freederikls⸗Oord. 75 1 boſel lems-Oord genannt, liegen weſtlich von Freede— h und mn riks⸗Oord. eſchirhel 4 d Im Dezember 1321 zaͤhlte ti wnch. Nro. 1— 54 Haushaltungen, 1 Verbin id 2 9 ich, auch ner 2 S i0,) 2 rtgeſett, ro.— 4„„ Nro. 5— 3„„ zur Strafe. Dieſes Numer iſt naͤmlich die Omme-Schanze, ein Strafe-Ort fuͤr widerſpenſtige Coloniſten; wohin ſie jedoch nur auf den Ausſpruch des Gerichtes ge— chaft der die ſuͤſſen die aus⸗ 4 7 dden, ſß bracht werden koͤnnen.*) b is ali Nro. 6— 36 Haushaltungen, adlichen Nro. 7— 125„„ . alſo in Summe— 557„„ lche fruͦ⸗ „wollen—— und ſelbſt drohen zu*) In dem XII. Hefte de Staar wird die Kopfzahl der Coloni⸗ ſten fuͤr dieſe Zeit, Anfangs Dezember 1822 in folgender Art angegeben: liegt umn Nro. 1... 34685 nch Gri⸗ Rröo. 2... 365 war, Und Neh. 5**.. 738 „. Nro. 4.. 460 ſſtlih ſen Nro. 3 2 einer noc Nro. 56.... 164 Nichtung Summe 21354 ſdlich von Hierunter ſind 62 Perſonen, welche erſt im November Wil⸗ 1821 in die Colonie eingetreten waren. 4/ 13* 270 Armen⸗Colonie In Anſehung der Lage ihrer Wohnungen iſt es Grundſatz der Colonie, daß jede Haushaltung auf 8Q—„. ihrem Beſitzthume wohne, und daher jede freie Stunde zu deren Bearbeitung verwenden koͤnne. An jeder Straſſe ſind zwei Reihen Haͤuſer, durch einen ziemlich tiefen Graben von der Straſſe getrennt, und mit ihrer vordern Seite 36 Fuß von der Straſſe,*) mit ihren Mitteln aber 30 bis 40 hollaͤndiſche Ruthen, wovon jede ſehr nahe 15 Fuß 4 Zoll bayer. Maaß haͤlt, von einander entfernt. *) Hiernach ſcheinet es, daß entweder die Colonie Nro. 7. uͤberſehen, oder zu Willems⸗Oord 6 mit 3 vereinigt und 2 zu 6 gemacht worden iſt. Dem bisherigen Zugange zu Folge koͤnnte die Colonie auf einen jaͤhrlichen Zuwachs von 700 Perſonen, oder 100 Armen⸗Familien rechnen. Es iſt jedoch zu erwarten und zu wuͤnſchen, daß ſich der Zuſpruch ſeit 1824 betraͤchtlich ver⸗ mehrt habe. Uebrigens war am Schluße Dezembers die Seelen⸗ zahl groͤſſer, indem auch im Laufe des Monats Dezember noch Zugaͤnge Statt gefunden, welche in der obigen Kopf— zahl nicht enthalten ſind. Anderſeits ergibt ſich auch aus dieſer Vergleichung, daß die Geſellſchaft ihren Grundſatz: 6 bis 10 Perſonen auf eine Haushaltung zu rechnen, nicht ſtrenge befolgt, und wahr⸗ ſcheinlich den Wuͤnſchen der Coloniſten in dieſer Beziehung nachgegeben hat; deun es treffen im Durchſchnitte nur un— gefaͤhr 4 Perſonen auf die Haushaltung. Ich vermuthe, daß es in der That 50 Fuß Raum ſind zwi⸗ ſchen dem Wohngebaͤude und dem Straßgraben. erw fuͤr Wo wers Wac W Freederiks⸗Hord. 227 ügen iſt s Atung auf Daraus reſultirt die Tiefe ihres Beſitzthumes mit jede ſrei 70 oder 52 ½¼ hollaͤndiſche Ruthen, oder 6083 ¾ bis nne. 933 ⅛ bayer. Fuß. Das Haus eines jeden Coloniſten Hiuſet, ſtehet in Mitte des Gartens, ſo daß derſelbe an beiden Straſſ Seiten gleiche Breite hat, und noch ruͤckwaͤrts daruͤber Fuß von hinausreicht, wo dann das eigentliche Ackerland be— bis 40 ginnt Ueber die ganze Anlage ſehe man die Skize Tab. 33 Fuß III., zu welcher hier nur noch zu bemerken kommt, enfernt. daß die Wohnhaͤuſer der Colonie-Beamten gewoͤhn— lich in der Mitte der betreffenden Numer liegen, und daß die Kirchen im Jahre 18241 noch nicht erbaut waren. je Nro. 7. einigt und Erſte⸗Anlage der Eolont e. Colonie dei 9) Nachdem Grund und Boden fuͤr dieſen Zweck uni erworben war, mußte fuͤr die Beurbarung deſſelben, fuͤr die Anlage von Straſſen und Kanaͤlen, und fuͤr e Seller Wohnungen zur Unterkunft der Coloniſten geſorgt au werden, ein Geſchaͤft, welches bei dem fortwaͤhrenden Pn une Wachſen der Colonie noch viele Jahre dauern wird. ung, diß Der Haideboden von Freederiks⸗Oord ſchei— wauf eine net eine unverkennbare Aehnlichkeit mit den Kaͤmpen und wahr bei Tournhout ꝛc. zu haben, obſchon Herr von Beziehung e nur ur Grouner zu ſehr in ſeinen Gegenſtand und in deſ— ſen Eigenthuͤmlichkeiten vertieft, nichts daruͤber ange— ſud zui⸗ merkt hat. Die Cultur dieſes ſchwer bezwingbaren Bodens war demnach hier um ſo ſchwieriger, als er — —9—Q˖ſtß—õn— 278 Armen⸗Colonie. ſogleich ſeinen Bearbeiter ernaͤhren ſollte, was man in der Campine nicht verlangt. Der Beurbarung des Bodens ſelbſt gehet die Ausſteckung der Straſſen, Canaͤle und jener 3 ½ Ar⸗ pents Landes, welches jeder Coloniſt erhaͤlt, voraus. Dieſe 34 Arpents oder 2100 hollaͤndiſche Quadrat⸗ ruthen, erhalten die Form eines Rechteckes, und an der Straſſe nie weniger Breite, als 30 Ruthen, wo es aber thunlich iſt, wird dieſe Breite bis auf 40 oder 45 Ruthen vermehrt, und die Tiefe in dem— ſelben Verhaͤltniſſe vermindert. Man ziehet die dadurch bezielte groͤſſere Entfer⸗ nung der Coloniſtenhaͤuſer vor, theils weil man die Sittlichkeit und Moralitaͤt im allgemeinen hiedurch fuͤr beſſer geſichert haͤlt, theils auch weil der Haus— friede der einzelnen Coloniſten damit nur gewinnen kann. Das Beſitzthum eines jeden Coloniſten wird mit einem Waſſergraben zur Entwaͤſſerung des naſſen Bo— dens umfangen, welcher nach den Lokal⸗Verhaͤltniſſen groͤſſer oder kleiner, tiefer oder ſeichter gemacht wird. Das Beſitzthum von je 3 nebeneinander befind⸗ lichen Coloniſten, alſo 10 ¾ Arpents, oder nahe 26 ½ bayer. Tagwerk wird auf 3 Seiten mit einem 3 bis à Fuß hohen, 12 Fuß breiten Damm umgeben, und dieſer Damm wird mit Holz bepflanzt. Er iſt auf ſolche Art beſtimmt, die austrocknenden Winde von dem urbaren Lande der Coloniſten abzuhalten, was man tgehet de jer 5¹ A, t, voraus. Quadrat , und an Ruthen, te bis auf fe in dem⸗ re Entfer, man die hiedurch r Haus⸗ gewinnen wird wit aſſen Ba⸗ haͤltniſſe icht wird. er befind⸗ nhe 262 im 3 bis umgeben, .Er iſt Winde zuhalten, — Freederiks⸗Oord. 229 und ihm in der Folge Brenn⸗- und Geſchirrholz zu liefern, wenn der vorhandene Torf und das vorhan— dene Holz hiezu nicht mehr hinreichen wuͤrden. Dieſer Damm iſt nur an der Straſſe nicht vor— handen, wo ſeine beiderſeitigen Graͤben ſich mit dem Waſſergraben der Straſſe verbinden. In Tab. III. Coloniſtenbeſitzungen I. II. III. iſt die wahre Tiefe derſelben abgekuͤrzt und eine Ue— berſicht dieſer Eindaͤmmung gegeben. hhh iſt der 12 Fuß breite Damm, welcher die 3 Beſitzungen von 3 Seiten umſchließt, und mit Holz bepflanzt iſt, theils um die Erde fuͤr den Damm zu gewinnen, theils um an beiden Seiten Waſſer— abzuͤge zu haben, von wo zwei Waſſergraͤben iii ein— geſchloſſen, welche ſich in den Straßgraben ergieſſen. Eine gleiche Beſchaffenheit hat es mit den Graͤnz— graͤben iiii.*) Wenn dieſe Begraͤnzungsarbeiten vollendet ſind, oder auch ſchon fruͤher wird Haus und Garten auf die bereits bezeichnete, und im Detail noch ſpaͤter auszufuͤhrende Weiſe hergeſtellt, und zunaͤchſt am Hauſe fuͤr den ankommenden Coloniſten ein beſtimm⸗ tes Maaß urbar gemacht und angebaut. Dieſes Maaß betraͤgt 350 Hollaͤnder Quadratruthen, oder *) Wo es noͤthig ſcheinet, werden auch Ackerbeeten ausgeſteckt und mit Waſſerabzugsgraͤben verſehen. G — — — 230 Armen⸗Colonie nahe 3 ½ bayer. Tagwerk. Der Gang der Urbarma⸗ chung iſt im Allgemeinen folgender: Nachdem durch die Grabenziehung die Trocken— legung auch der naͤſſeren Theile des Bodens bezielt iſt, ſo iſt die erſte Arbeit das Abplaggen der Haide, oder der Oberflaͤche uͤberhaupt. Ich fand nirgends angemerkt, wie tief man dieſe Plaggen abzuhauen pflegt, aber es iſt wahrſcheinlich, daß ſich dieſe Tiefe nach der Natur der Haide richte und von bis 2 Zoll wird betragen koͤnnen. Dieſe Arbeit wird nach Quadratruthen in Ac— cord gegeben, und mit Spaten verrichtet, welche et— was gebogen ſind. Das Schaͤlen mit dem Pfluge hat man noch nicht verſucht, haͤlt es aber fuͤr unaus— fuͤhrbar. Die abgehauenen Haideplaggen werden in kleine Wallmen gebracht, gut abgetrocknet und gebrannt. Wenn der Boden noch tiefer hinab viele ſtarke Wur— zeln und Saͤuere zeigt, ſo wird er nochmals abge— plagget und zum Zweitenmale gebrannt. Dieſes Brennen eines jeden rohen Bodens haͤlt man fuͤr eine unerlaͤßliche Bedingung, wenn das Land noch vor Umfluß von 3 Jahren eine ergiebige Ernte liefern ſoll. Alle Verſuche, es zu vermeiden, waren von nicht befriedigendem Erfolg. Dem Ge— neral van den Boſch hatte dieß ein alter Bauer vorausgeſagt. Da aber der General glaubte, das Land mit einem Uebermaſſe von Duͤnger dennoch zur t Urbarma ie Trockin ens bezict ee Haid, nirgende abzuhauen ieſe Tiefe ¹ bis 2 n in Ac⸗ velche et⸗ Rfuge hat unaus⸗ kleine koraant. ke War⸗ 1 ahge⸗ ens haͤlt un das tgiebige meiden, im Ge— Bauer te, das dcch zut Freederiks⸗Oord. 281 fruͤhern Fruchtbarkeit zwingen zu koͤnnen, ſo bot ihm der Bauer eine Wette auf das Nichtgelingen an. Der zu Folge machten der Bauer und der General ein gleiches Stuͤck Haide urbar. Der Bauer brannte ſeinen Boden, und erhielt im erſten, und ſo auch in den folgenden Jahren gute Ernten. Der General brannte nicht, aber uͤberhaͤufte den Boden mit Duͤn⸗ ger und ſparte keine Arbeit; gleichwohl erhielt er erſt im dritten Jahre eine gute Ernte und verlohr ſeine Wette. So unverletzbar iſt das Gebot zu brennen, daß es auch auf dem magerſten Sand nicht unbefolgt bleiben darf! Wenn der Boden gebrannt, und die Aſche da— ruͤber vertheilt iſt, wird er nach ſeiner Beſchaffenheit naͤher unterſucht, und wenn er arm iſt, werden 400 Fuder à 10 Zentner ganz naſſer Torf auf die be⸗ merkten 34 Tagwerke Boden aufgebracht, daruͤber verbreitet, und dem Winterfroſt und der aufloͤſenden Einwirkung der Luft uͤberlaſſen. Sobald der Torf zerfallen und durch Eggen gut vertheilt iſt, wird der Boden hoͤchſtens 6 bis 3 Zoll tief mit einem beſonders ſtarken Pflug gepfluͤgt, und ſpaͤter mit einer Ruͤhr-Hacke bis auf 16— 138 Zoll tief nach und nach gelockert. Die Hacke iſt ſo gebaut, daß ſie den Boden nur ruͤhret, aber nicht wendet, damit die mit Torfhumus und Aſche bereicherte, ge— 282 Armen⸗Colonie brannte Erdſchichte immer obenauf bleibet, und nicht unten hin vergraben wird. Nur wo man tieferliegend Thon gewahr wird, ſucht man eine ſolche Schichte ſogleich obenauf zu bringen, weil dieſer ſehr ſelten, und dem hier vor— waltenden grobkoͤrnigen Sand zur beſſeren Vegetation ſehr gedeihlich ſcheinet. Uebrigens bleibt es natuͤrlich von der beſonderen Bodenbeſchaffenheit, und von den disponiblen Mitteln abhaͤngig, ob der Boden bis zu ſeiner erſten Bebauung noch eine andere Hilfe oder Duͤngung erhaͤlt. Beſſer als purer Torf und w ohl Oh be⸗ auch gewoͤhnlicher, iſt eine Art Kompoſt aus Pferde⸗, Schafmiſt und Haideplaggen, von deſſen Bereitung ſogleich die Rede ſeyn wird. Spo vorbereitet werden 350 Quadratruthen Landes fuͤr den kuͤnftigen Coloniſten auf Rechnung der Ge— ſellſchaft in folgender Art beſtellt. 1. 150 Q. Ruthen(2 Tagwerk) Garten, und hievon 50 Q. R. mit Gemuͤſen und 100 Q. R. mit Fruͤhkartoffeln; 2. 300 O. R.(1 Kartoffeln; 4 Tagwerk) mit ordinaͤren 3. 300 Q. R. mit Haber, und darin Klee mit Raygras. 4. 100 Q. R. mit Haidekorn, darin Klee mit Raygras.*) *) Die botaniſchen Namen finde ich zwar von Herrn von N rIde 2 N ſelnes 8 Wäſe geniſt & J A. 3 mach Puc Freederiks⸗Oord. 285 und nicht Das iſt nun die Erndte, welche der ankom⸗ mende Koloniſt gewaͤrtigen darf. Die uͤbrigen 1250 Q. R., oder 272 Arpents, oder 5¾ Tagwerk ſeines Beſitzthums ſoll er auf die vorgeſchriebene Weiſe ſelbſt urbar machen, und ſich dadurch ein an— gemeſſenes Taglohn verdienen.*) Indeſſen geſchieht es auch, daß die Geſellſchaft ſelbſt in der Beurbarung weiter geht, und auſſer den 350 Q. Ruthen auch noch die uͤbrigen 1250 ahr wid, benauf zu hier vor, —. eegetation natuͤrlich von den n bis zu 3 t O. R. Landes⸗ ganz oder doch zum Then urbar pied⸗ machet⸗ und im erſten Jahrt ohne Duͤngung mit Buchweitzen beſtellen laͤßt, um Futter und Streu— üeräinn materiale zu gewinnen.**) Den zur erſten Urbarmachung erforderlichen ilandes Duͤnger verſchaffet ſich die Geſellſchaft auf 3 Wegen. der Ge⸗ Naͤmlich erſtens, indem ſie Duͤnger aus Hol— land ankauft, und hieher verwendet. Dieſes hat man ten, vnd „R. mit Grouner nicht verzeichnet, aber allen Umſtaͤnden nach zu ſchlieſſen, ſind unter den Kartoffeln die verſchiedenen Ab— arten von Solanum tuberosum, unter Haber, welcher zum Reifwerden beſtimmt iſt, avena sativa, unter Klee Trifolium Klee mit pratense, unter Raygras das franzoͤſiſche avena elatior, welches auch auf unſeren Boͤden in Verbindung mit Klee ganz vorzuͤglich gedeiht, endlich unter Buchweizen das poly— Klee mit gonum fagopirum zu verſtehen. *) Dieſes wird nach neueren Angaben im erſten Jahre auf 10o fl. im zweiten auf 92 fl. berechnet. **) Der Buchweitzen wird geſchroten den Pferden der Geſellſchaft zerrn von gefuͤttert. erdinaͤren — — 1 284 Armen⸗Colonie in neuerer Zeit entbehrlich gefunden, und bezieht nun keinen andern Duͤnger mehr von Auſſen, als jenen aus der Kavallerie-Kaſerne zu Zwolle. Zweitens durch Ankauf von Heu fuͤr die Coloniſten mittelbar, indem das Vieh Duͤnger daraus liefert. Drittens durch die Unterhaltung eines eigenen Viehſtandes, naͤmlich des Zugviehes, und beſonderer Schafheerden. Das Zugvieh beſtehet aus Pferden und Ochſen, und iſt der Zahl nach ſtreng auf das vorwaltende Arbeits-Beduͤrfniß beſchraͤnkt. Das Schafvieh aber dienet theils zir vorlaͤufigen Nutzung der noch un— kultivirten Haidegruͤnde, und theils zur Erzeugung einer groͤßeren Quantitaͤt Duͤngers fuͤr den Zweck der Urbarmachung, und um fuͤr das Beduͤrfniß der Coloniſten Schafwolle zu gewaͤhren. Die Schafe der Geſellſchaft ſind ſogenannte Haideſchnuken; alſo von der gemeinſten Art. Edlere Racen wuͤrden bei der hieſigen Weide auch nicht beſtehen koͤnnen. Sie werden gewoͤhnlich in Heerden zu 300 Stuͤcke abgetheilt gehalten, Winter und Sommer am Tage geweidet, uͤber Nacht aber in, auf der Weide ſelbſt aufgeſchlagenen hoͤlzernen Staͤllen untergebracht, damit ſie Miſt machen. Dieſe Staͤlle haben eine eigenthuͤmliche Bauart fuͤr eine Gegend, welche um mehr als 60 deutſche Mb, b zu berd d daß S auf da der fü ſenkrec in der durch Sie ſ Sparr tuhet, tenverh Dir Freederiks⸗Oord. 285 bhejießt nnn Meilen noͤrdlicher liegt als Muͤnchen; ſie ſind uͤber— als fere dieß wohlfeil, obſchon vielleicht nicht in jeder Be— ziehung nachahmungswuͤrdig. füt d Tab. IV. Fig. 9 ſtellet den Grundriß eines er daraus in der Armen-Colonie vorhandenen Schafſtalles auf 300 Stuͤck dar, mit Angabe der 3 Strebeſtuͤtzen eixenen pbb, welche auf jeder der langen Seite angebracht ſſondere zu werden pflegen. Der Stall hat 66 bayer. Fuß Laͤnge und 18 Stſin, Fuß Breite, daher 1188 Quadratfuß, und es treffen niltnd auf das Schaf nicht ganz 4 Quadratfuß, ein Raum, ieg dir der fuͤr edlere Schafe viel zu klein waͤre. ſu u An der langen Seite ſtehen alle 6 bis 9 Fuß ſenkrechte Pfoſten, welche zwei Fuß tief und daruͤber Phung in den Boden eingegraben ſind. Auch in der Mitte FIn durch ſtehen eine verhaͤltnißmaͤſſige Zahl Firſtpfaͤhle. üi di Sie ſind etwa 6 Zolle unter dem Zuſammenſtoſſe der Sparren am Firſt abgeſchnitten, auf ihrem Stirnholze Piande ruhet eine Firſtpfete, welche beſtimmt iſt alle Spar⸗ e renverbindungen zu tragen. Dieſe Pfete iſt, entweder h ricl mittels Naͤgel auf den Pfaͤhlen befeſtiget, oder durch 2 Seiten-Scheiter von etwa 3 Fuß Laͤnge, welche u 500 zu beiden Seiten des Pfahles mit Naͤgeln oder Ei— met am ſenbaͤndern an den Pfahl feſtgemacht, und bis an die Wedde Dachſparren emporragend ſind, daher die Firſtpfete brach; zwiſchen ſich liegen haben, eingeſchloſſen. Die beiden Stirnſeiten ſind mit Thoren und Bauart Fenſter verſehen. deutſche 286 Armen⸗Colonie Fig. 10 zeigt eine ſolche Stirnſeite im Durch⸗ ſchnitte von einer innern Anſicht. Alles Riegel⸗Pfeten⸗ und Sparrenholz iſt ungefaͤhr 4 Zolle im Gevierte ſtark; die Pfoſten a ſind natuͤrlich ſtaͤrker, ihr eigent— liches Maaß fand ſich jedoch nirgends verzeichnet. Die Querriegel dd ſind nur 4 Zoll hoch uͤber dem Bo— den angebracht, die ganze Hoͤhe der Pfoſten aber ein— ſchlieſſig der Pfeten dd, die Stelle der Mauerlatten einnehmend, betraͤgt nur 4 Schuh a Zolle; die Hoͤhe des Thores op iſt 8 Fuß 7 Zolle, und deſſen Breite 2 Fuß 1 Zoll; e iſt ein offenes Fenſter. An der Stirnſeite ſind alle Breter ſenkrecht angenagelt, eine jede Seite enthaͤlt deren 5 und das Thor ſelbſt 10, und A in der Querr. Das Thor enthaͤlt 2 Fluͤgel in eiſernen Kegeln und Baͤndern haͤngend und mit Schloß und Riegel verſehen. Die langen Seitenwaͤnde beſtehen aus horizontal aufgenagelten Bretern, deren Ende von oben herab einander decken XxxXXXX, und welche uͤberall 5 an der Zahl ſind. Da man nur 3 Längen braucht, und an der Stirnſeite ein jedes Bret 2 bis 3 Laͤngen giebt, ſo fordert die Bekleidung ſaͤmmtlicher Waͤnde und der Thore eines ſolchen Stalles nicht mehr als 46 bis 50 ganze Breter. An den Seitenwaͤnden ſind keine Fenſter an— gebracht. Eben ſo einfach iſt der Dachſtuhl. Alle 2 Fuß Entfernung iſt ein Sparrenbund, ſo, daß ihrer in nict ine hrhunden beicihe Waidenb dic. da nicht ber terehen, Säiten:A worden i ds Obnffe däckn, ſnd Uir ſt n d Prate ah Freederiks⸗Oord. 827 im Dnth dieſem Stalle, einſchließig der beiden Enden, 34 von gel⸗Pfeten⸗ 13 Fuß Läͤnge ſind. Die Sparren ſelbſt ſind gar rGeviett nicht eingezapft, ſondern bei f nur eingeſchnitten, bei ir eigen s verbunden, und an eine dort durchlaufende Pfete huet. die befeſtiget. dem B⸗ Jeder dritte Sparrenbund iſt mit einem Kreuz⸗ aber ein⸗ bunde i verſehen, wornach alle 6 Fuß ein ſolcher zbuerlatten trift. Auf den Sparren ſind ſehr ſchwache Latten von— die Höe 1 Zoll Dicke und 1 ½ Zoll Breite aufgenagelt, welche n Breite 15½ Zoll entfernt liegen. An der Das Dach ſelbſt iſt von Rohr und Stroh, mit gilt, eine Waidenbaͤndern aufgebunden, und 7 bis 9 Zoll ſelbſt 10, dick. Flüͤgel in Damit aber der Wind dieſe langen Gebaͤude ind mit nicht verſchieben koͤnne, ſind ſie mit Strebeſtuͤtzen verſehen, wie eine ſolche Fig. 10. abe von der diäontal Seiten-Anſicht vorgeſtellt, und ſchon oben bemerkt de hetob worden iſt, verſehen. z an de Jeder Schafſtall iſt auch mit Raufen zum „und an Fuͤttern verſehen, und zwar mit einer Reihe in der gen gielt Mitte des Stalles. Eine ſolche Raufe iſt 15 Fuß nde und 9 Zoll lang, und es ſind deren A in einem Stalle. mals 46 Fig. 11 zeigt die vordere oder Stirn-Anſicht einer ſolchen Raufe nach dem doppelten Maaßſtab nſtt an des Schafſtalles vergroͤßert. Sie ſtehen auf Holz— boͤcken, ſind unter ef= 13 Zoll breit, ed ſelbſt 62 Fui aber iſt nur 3 Zoll; die Hoͤhe ac betraͤgt 3 Fuß, jihrer in die Breite ab 2 Fuß. 288 Armen⸗Colonie Fig. 12 gewaͤhrt eine Seiten⸗Anſicht der Schaf⸗ raufe, hinſichtlich welcher nichts mehr zu erinnern iſt, als daß die Mittel der Sproſſen 33 Zoll von einander entfernt, und daß wahrſcheinlich auch die Tragboͤcke gss noch mit einer weiteren Verbindung bedacht ſind, von welcher Herr von Grouner nichts bemerkt hat. Uebrigens werden dieſe Raufen nach Oben an die Kreuzbuͤnde mit Stricken befeſtiget, damit ſie von den Schafen nicht umgeworfen werden koͤnnen. Man wird nun fragen, wo denn das Heu oder ſonſtige Futter aufbewahrt wird, mit welchem dieſe Raufen gefuͤllt werden ſollen, da der Stall keinen abgeſonderten Dachboden, nicht einmal ein Gebaͤlk hiezu hat!— Mit dieſen Haideſchnucken macht man ſo viele Umſtaͤnde nicht. Links und rechts ein paar Schuh von den langen Waͤnden abſtehend iſt eine Art von Waͤllen aus Haideplaggen im Stalle ange— haͤuft, welche zu Streumateriale dienen; das Heu der Schafe iſt aber im Freien naͤchſt dem Stalle in Linien geſetzt, und bedarf keines Gebaͤudes. Der ganze Schafſtall iſt nur eine Art von Dach, das nur zur Gewinnung eines groͤßeren Rau⸗ mes und zur Erzielung einer groͤßeren Trockenheit 4 Fuß uͤber den Boden gehoben iſt. Von der Miſtbereitung ſelbſt ſey hier vorlaͤuſig nur ſo viel angefuͤhrt, daß 300 Schafe monatlich 300 Fuder Miſt à 10 Zentner gewaͤhren muͤſſen. treten damit plagge der Schn⸗ zu erinnern Joll don h auch de gerbindung ner nichts Oben an nit ſie von een. Heu oder chhem dieſe all keinen n Gebaͤlk acht man ein paar iſt eine alle aage⸗ das Heu Stalle in Art von ren Rau⸗ rockenheit vorlauftg monatlich nͤſſen. — Freederiks⸗Oord. 289 Es werden naͤmlich je auf 24 Fuder Haide⸗ plaggen, welche eingeſtreut werden, ſchon im Schaf— ſtalle 2 Fuder Pferdemiſt beigemiſcht, und damit nach Gutbefinden waͤhrend dem ganzen Monat fort— gefahren. Am Ende deſſelben wird der geſammte Miſt auf das damit zu duͤngende Feld gefahren, und dort unter ſchichtenweiſer Verſetzung mit 3 Fuder le— bendigen, d. h. gebrannten Kalk in einen runden, 5 Fuß hohen Haufen geſetzt, und mit einer Raſen— mauer eingefaßt. In kurzer Zeit werden alle Holz⸗ faſern zerſetzet, alle Saͤuere wird geſaͤttiget, und dieſer Miſt erlangt eine vorzuͤgliche Beſchaffenheit. Auf aͤhnliche Weiſe behandelt die Geſellſchaft auch den Haideplaggen⸗Miſt ihres Zugviehes, welches in aͤhnlichen, nur hoͤheren Schoppen ſtehet, wie die Schafe. 6 Aus gleichem Grunde erhaͤlt auch der ein⸗ tretende Coloniſt von der Geſellſchaft Heu-Vorſchuß, damit er durch Hilfe deſſelben, und durch Haide— plaggenſtreue ꝛc. monatlich 25 bis 30 Fuder Miſt machen, und die Beurbarung und Verbeſſerung ſeines Beſitzthumes fortſetzen und vollenden koͤnne. Einen nicht unwichtigen Gegenſtand bilden die Straſſen in dieſem ſumpfigen Lande. Sie ſind bei vielem Regen ſehr ſchlecht, und aus Mangel an ge— eignetem Materiale nicht leicht in einen guten Zuſtand zu bringen. Die Geſellſchaft widmet ihnen mit Recht eine I. Theil. 10 299 Armen⸗Colonie beſondere Sorgfalt. Sie wurden anfaͤnglich ohne Nuͤckſicht auf den Boden 36 bis 40 Fuß breit in geraden Richtungen abgeſteckt, abgeplaggt, damit Duͤngermateriale gewonnen wurde, und an beiden Seiten wurden 2 bis 3 Fuß tiefe Graͤben ausge— hoben, welche oben bis 6 Fuß, unten 24 Fuß Breite erhalten. Das daraus gehobene Materiale ward zur Erhoͤhung der Straſſe verwendet, und wo dieß noch unzureichend war, wurde aus groͤſſerer Entfernung Sand beigefahren. Man fand aber, daß der Sand in torfigen Strecken ſich bald verlohr, und wenn auch deſſen Auffuͤhrung 3 bis 4 Male wiederholt wurde; denn er bildete mit dem Waſſer einen Brei, und wuſch ſich durch die Torfſchichte bis auf den Grund der— ſelben durch. Selbſt eine Narerlage von Holzfaſchinen konnte dieſes Uebel nicht ganz beſiegen. Endlich rieth ein Bauer, man ſollte das an⸗ faͤngliche Abplaggen der Straſſen an torfigen Stellen nicht nur unterlaſſen, ſondern uͤberdieß mit neuen Schichten von Haideplaggen mit der Raſenſeite nach oben gekehrt bedecken, und dann erſt mit Sand uͤber— fuͤhren. Dieſe Methode hat ſich bisher noch am beſten bewaͤhrt. Der Raſen der Haideplaggen iſt dicht ge— nug, um den Sand nicht durchzulaſſen, und erfuͤllt daher ſeinen Zweck. Aber am Ende wird er verweſen, und dann werden die Straſſen dennoch wieder ſchlecht werden!— M. inabeſend Fiypkar linet wird. D ſhonn i Erwäht hei uns aher no d zuemlich bei neuen nen, ſo dung dr len. Et nil unthe Freederifks⸗Oord. 291 anglch ohe Das iſt richtig; allein dann muß man dieſe Straſſen zuß ka auf dieſelbe Weiſe wieder machen, und die verweſe— aggt, dauit ten Haideplaggen abheben, und als ſchaͤtzbaren Duͤn⸗ räi beden ger verwenden. ben ausg⸗ Das beſchwerlichſte bleibt immer die Zufuhr von Fuß Bral Sand. In der Armen-Colonie, wo Alles auf Hand⸗ ward zu arbeit berechnet iſt, hat man weder viele noch koſt— dieß noch ſpielige Fuhrwerke. Eurfernung 1 Man bedient ſich zu den mehrſten Fuhren, und insbeſondere zu allen Sand⸗ und Erdfuhren ꝛc. eines in torfggen Kippkarrens mit 3 Raͤdern, oder mit 2 Raͤdern und auch deſſen einer Stelze, welcher von einem Pferde gezogen urde; denn wird.*) und vuſch Dieſe Art von 2 raͤderigen Kippkarren, deren rund der, ſchon in den niederlaͤndiſchen Provinzen mehrmals gfaſchinen Erwaͤhnung geſchehen, ſind an vielen Orten, auch bei uns in Bayern, im Gebrauche, an vielen andern e das an⸗ aber noch unbekannt. hen Stellen Da ſie jedoch wegen ihrer Wohlfeilheit und Be— mit neuen quemlichkeit allgemein bekannt zu ſeyn verdienen, und nſeite nach bei neuen Culturen ganz vorzuͤglich nothwendig ſchei⸗ Zand uͤber nen, ſo gebe ich hier eine Zeichnung und Beſchrei— am beſten bung der auf der Armen-Colonie vorhandenen Kipp— dicht ge karren. Sie unterſcheiden ſich weſentlich von unſeren ind erfüll *) Die Stelze iſt eine Verbeſſerung neuerer Zeit; anfanglich und dang hatten ſie alle 3 Raͤder. Man findet nun aber die Stelze verden!— viel vortheilhafter. . 19* 292 Armen⸗Colonie gewohnlichen, welche 2 raͤderig ſind und durch zwei Ochſen gefuͤhrt werden, durch die Hinzufuͤgung eines dritten Rades oder einer Stelze, um ſie mit einem Pferde leichter fahren zu koͤnnen. Tab. V. Fig. 13 iſt ein ſolcher Kippkarren mit einer Stelze von der Seiten-Anſicht vorgeſtellt. Die Raͤder ſind von gewoͤhnlicher Konſtruction und haben 3 Fuß im Durchmeſſer. Das Weggeleiſe iſt 5 Fuß weit, alſo breiter als unſer gewoͤhnliches. Die Felgen und Radreifen ſind 4 Zoll breit. Die Achſe zwiſchen den beiden Nabenhaufen der Raͤder iſt vierkantig, 3 Zoll breit und 6 Zoll hoch. Auch die Deichſel iſt nicht rund, ſondern 4 kantig; 3 Zoll hoch und 4 Zoll breit, und von der Achſe a an ge— rechnet bis an das Ende f, 5 Fuß 6 Zoll lang. Unmittelbar hinter der Radachſe ſind 2 eiſerne Pfan— nen b in Form von Halbkreiſen angebracht, worin die Kippachſe des Karren-Kaſtens ruhet und ſich be⸗ weget. Dieſe Achſe e iſt 3 ¾ Zoll breit und 5 ¼ Zoll hoch, und nur an den 2 Stellen abgerundet, wo ſie in den Pfannen liegt. Der Kaſten ſelbſt beſteht aus ſtarken Bretern und iſt an 3 Orten hhh mit Leiſten von Auſſen umgeben, damit er nicht auseinander ge— druͤckt werden kann. Er iſt 5 Fuß lang im Lichten, 1 Fuß tief, vorne bei i 3 Fuß, und hinten bei g 3 Fuß 2 Zoll weit; auch iſt er oben oft noch um einen Zoll weiter als unten. Er faſſet ſomit etwas mehr als 15 Cubikfuß bayer. Maaſſes. Pe dii Fu Oiü di vitend! anen Iin kan. R nung het de, und begewit üch bif der J. Änſban C 3 Gtelle der Ri Iühe haͤlt,! ſteht, Stehe, it diſs Schaufel annung nittit S. diſſ brchlich, utke ven und das ——⏑O⏑:‧’—V—Q⏑—B——.n—— FreederiksOord. 293 fügung Von ſeinem Ruhepunkt e nach vorne zu i iſt „allg emnes 3 dieſer Kaſten 3 Fuß, und bis an das ruͤckwaͤrtige Ende ꝛ² iſt derſelbe 2 Fuß lang. Bei i iſt ein eiſerner Hacken angebracht, worin, 2 3 mit einen dem , 1 waͤhrend des Ladens und Fahrens der Kaſten mit Ahul einem Ringe angehaͤngt wird, damit er nicht kippen Rea au kann. Bei e iſt die Stelze angebracht; ihre Kruͤm⸗ 133 mung hat denſelben Durchmeſſer, wie die des Ra⸗ 8 nice des, und ſie dienet hier, die Deichſel und das Ue— keen M bergewicht des beladenen Kaſtens zu tragen. Bei † end⸗ 2n Aür lich befindet ſich wieder ein eiſerner Hacken, worin hoch. Auc der Zugbalken(das Drittel) des Pferdes bei der 1, 3 Jul Anſpannung eingehaͤngt wird 2 al ge⸗ Iſt nun der beladene Kiopkarren an Ort und Zel lg. Stelle angelangt und ſoll abgeladen werden, ſo wird mne Pfan der Ring bei i ausgehaͤngt, und der Kaſten in die R, worm Hoͤhe gehoben bis er ruͤckwaͤrts das Uebergewicht er⸗ d ſchd haͤlt, und mit dem Hintertheile auf den Boden auf⸗ d 51 Zäl ſteht, Fig. 14. In dieſer Figur iſt auch ſtatt der det, wo ſe Stelze zu demſelben Zweck ein Rad angebracht. Es eſteht aus iſt dieſes Raͤdchen ſo, wie man ſie an Haͤufel- und nit Leiſten Schaͤufel⸗Pfluͤgen anzubringen pflegt; und die Be⸗ nander ge⸗ ſpannung geſchieht hier an einen Hacken k, welcher Lichten, mittels Stricken oder Ketten bei e und e befeſtiget iſt. ten bei ⸗ Dieſe Beſpannungsart und Vorrichtung iſt ge— um einen brechlicher, koſtſpieliger, und entſpricht dennoch dem was mehr Zwecke weniger, als die Stelze. Beide, die Stelze und das Raͤdchen, haben wenig zu tragen, aber ſie —————— 4 294 Armen⸗Colonie V muͤſſen uͤber alle Gegenſtaͤnde hinweggehen, welche anni ihnen im Wege liegen. Dieß gehet nun bei einem dte Naͤdchen mit ſehr kleinem Durchmeſſer ſchwer; leicht ain 1 ſtoſſet ein ſolches mit einem Bogen von 30 bis 40 b n 3 Grade auf einen kleinen Gegenſtand und fordert me dann eine groſſe Kraft, um ihn zu uͤberwinden. Die V 4 Stelze hingegen iſt ein Stuͤck eines groſſen Rades, in in und gleitet daher uͤber groͤſſere Gegenſtaͤnde noch ſim leichter hinweg, als das Raͤdchen uͤber kleinere. Tha d Vorurtheilsfreie vergleichende Verſuche haben in V Knin ſolchen Faͤllen immer noch zu Gunſten der Stelze V ſin entſchieden. 3 In Anſehung des hier gekippten Kaſtens wird I ditt es der Bemerkung kaum beduͤrfen, daß die hintere Wand g zwiſchen Leiſten laufend, ganz herauszuziehen he ſey, und ehe man den Kaſten kippet, jedesmal V wirklich herausgezogen werden muͤſſe. Nachdem der V aünſch Kaſten geleert iſt, wird ſie wieder eingeſchoben. Sclla Fig. 15 ſtellet die Deichſel nebſt der Achſe und V d der Beſpannung vor. Die Deichſel und ihre Gabel— V ſin mi arme ſind in der Achſe eingezapft, und ihre Abſtaͤnde und We von derſelben rs betragen im Lichten 7 Zoll. bb ſind V diſer S die eiſernen Pfannen, worin die Kaſten-Achſe ruhet imeehanden und ſich beweget. un ſind 2 eiſerne Baͤnder, womit ſeein z die Achſe gebunden iſt, und bei à ſind die Deichſel— gabeln durch einen Quernagel befeſtiget. Fig. 16 ſtellet den Kaſten allein von der oberen) zu M Anſicht dar; die Dimenſtionen deſſelben ſind bereits ſievon de ſehen, wach in bei einn hwer; lei 30 bis 0 und forder dinden. Di ſen Nades, laͤnde noch inere. e haben in der Stelze aſtens wird die hintere uszuziehen jedesmal ddem der oben. Achſe und re Gabel Abſtaͤnde 1. bb ſind ſchſe ruhet er, womit Deichſel der oberen ad bereits Freederiks⸗Oord. 295 angegeben. Seine mittlere Weite pa betraͤgt 3 Fuß 1 Zoll. Die Wand iſt zwar auch wie g zwiſchen Wandleiſten befeſtiget, und es iſt fuͤr gewiſſe Faͤlle auch gut, ſie wie jene herausziehen zu koͤnnen; man findet dieſe Vorrichtung aber nicht ſo allgemein. Bei den Srraſſen⸗Arbeiten ſind nun zu 3 ſol— chen Karren 2 Maͤnner, 2 Knaben und 2 Pferde beſtimmt. Die Knaben laden die leeren Karren, wovon das Pferd aus⸗ und an den bereits geladenen eingeſpannt worden, und die Maͤnner fahren und laden ab. Die Straſſen ſtehen nun aber auch mit den Bruͤcken und Kanaͤlen in der engſten Verbindung. Die Kanaͤle werden in der Colonie uͤberall hin ausgedehnt, wo es die Umſtaͤnde nur immer geſtatten. Da indeſſen das Terrain nicht uͤberall die hiezu wuͤnſchenswerthe Beſchaffenheit hat, ſo werden oft Schleuſſen-Anlagen nothwendig.*) Die Schleuſſen ſind ſogenannte Kaſten-Schleuſ— ſen mit Schuͤtzen ſtatt Thoren, welche mittels Rad und Welle aufgezogen werden koͤnnen. Die Groͤſſe dieſer Schleuſſen, deren in der Armen-Colonie zwei vorhanden ſind, kann daraus ermeſſen werden, daß ſie ein 5 bis 6 Fuß hohes Gefaͤll abſchlieſſen, und *) Aus Mangel an den erforderlichen Dimenſionen kann ich hievon keine Zeichnung geben. 296 Armen⸗Colonie Schiffe durchpaſſiren laſſen, welche 30 bis 50 Fuder Heu geladen haben. Das Ufer des Kanals hat eine Holzbekleidung, uͤber welche an beiden Seiten ein ſenkrechter Pfoſten mit einem einfachen Falz, gegen das Waſſer gekehrt, hervorſtehet, und in dieſem Falze laufet das Schuͤtzen— thor oder die Fallſchleuſſe. Sie wird daher immer vom Waſſer ſelbſt feſt an den Falz angedruͤckt, und ſchlieſſet gut, ohne die Unbequemlichkeiten und die ſtarke Friktion eines geſchloſſenen Falzes zu haben. Mit die⸗ ſer Kaſten-Schleuſſe iſt jedesmal auch eine Bruͤcke verbunden. Die Herſtellungskoſten betrugen, ohne Ein— rechnung des Holzes, bei einer 60 fl., bei der an⸗ dern 65 fl.; eine gewiß ſehr maͤſſige Summe! Sie wurden von einem Zimmermeiſter der dortigen Ge— gend in Accord verfertigt. Um den Kanal aber auch noch an anderen Stellen uͤberfahren zu koͤnnen, waren Bruͤcken erfor— derlich. Da nun der Kanal zu breit iſt, um eine Bruͤcke ohne Joch daruͤber zu legen, und da dieſe Bruͤcken we— gen der unten durchgehenden hoch beladenen Schiffe ſehr hoch ſeyn muͤſſen, und man ſich dennoch die Koſten einer Jochbruͤcke nicht aufladen wollte; ſo nahm man ſeine Zuflucht zu den ſogenannten Bock-Bruͤcken. Jede ſolche Bruͤcke ruhet ſtatt auf 2 Jochen auf 2 Boͤcken, welche weit genug auseinander in das Waſſer geſtellt werden, um die Schiffe zwiſchen ſich bequem durchzulaſſen. Jeder dieſer Boͤcke beſtehet wieder aus echenen hohhevvi rhmt ſi 1' rütſi in ſed 4 gug don 16 b E ten Ra Fuß br len und d. heſtehen heſtimm Bau nit hahe fid ) 3t bedau nil es ber die bendtunget nd der hi ſiron Freederiks⸗Oord. 292 his 5 50 Sude 2 eichenen Pfaͤhlen, welche oben mit einem Trag— holze verzapft und unten mit ſchwaͤcherem Holze ver— lücltdun, rahmt ſind. Auf dieſen Traghoͤlzern und auf den bis her föfa zur noͤthigen Hoͤhe aufgefahrenen und mit Holz be— ſe glkehr kleideten beiden Ufern ruhen die Endsbaͤume, welche s Schüta mit 3 zoͤlligen eichenen Bretern bedeckt werden. Jede aher immer Seite der Bruͤcke iſt mit einem Bruſtgelaͤnder ver— dickt, und ſehen, deſſen Saͤulen mit eiſernen Baͤndern befeſtiget d die ſarte ſind. Und auch eine ſolche Bruͤcke koſtete, uͤber Ab— 1 3 zug des unbeſchlagenen Holzes, in Accord nicht mehr ne Bruͤcke als 60 fl.!*) ohne En⸗ Eine dritte Art von Bruͤcken ſind die ſogenann— bei der an⸗ ten Raſenbruͤcken, welche jeder Coloniſt uͤber den 6 nie! Sie Fuß breiten Straßgraben zu ſeinem Hauſe herzuſtel— tigen Ge⸗ len und zu unterhalten ſchuldig iſt. Dieſe Bruͤcken ſollen naͤmlich aus Haideplaggen anderen beſtehen, und da dieſe nach einiger Zeit verweſen, cen erfor⸗ beſtimmt ſeyn, die Maſſe des Duͤngers zu vermehren. ine Bruͦck Ich muß indeſſen geſtehen, daß ich uͤber ihren rüͤcken we⸗ Bau nichts klares, oder auch nur Befriedigendes chiffe ſehr habe finden koͤnnen, und daß mir die ganze Sache ie Koſten ahm man Bruͤcken.*) Ich bedauere, auch hievon keine Zeichnung liefern zu koͤnnen, en auf 2 weil es mir an den erforderlichen Maaßangaben gebricht. Waſer Aber die Wohlfellheit dieſer Waſſerbauten iſt um ſo mehr b beachtungswerth, als ihre praktiſche Zweckmaͤſſigkeit anerkannt, bequem und der hier angegebene hollaͤndiſche Gulden noch um unge— eder aus faͤhr 6 kr. kleiner iſt, als unſer Gulden. —, 298 Armen⸗Colonie nicht begreiflich iſt, wenn nicht eine gewoͤhnliche hoͤl— zerne Balkenbruͤcke, und bloß die Bedeckung derſel⸗ ben mit Haideplaggen zu verſtehen iſt. Aus einigen, obſchon ſehr unbeſtimmten, Ausdruͤcken in den Noten des Herrn von Grouner glaube ich aber doch auch dieſe Vorausſetzung bezweifeln zu muͤſſen.*) Ungeachtet der Entwaͤſſerungs⸗ und Bewaͤſſerungs⸗ Anſtalten geſchieht es hier doch, daß einzelne Di— ſtrikte durch die trocknenden Winde im Sommer aus Mangel an Feuchtigkeit leiden, andere bei dem An⸗ *) Was ich daruͤber aus zerſtreuten Angaben und Vermuthun⸗ gen aufbringen konnte, beſteht in Folgendem: Die Straſſen⸗ graͤben ſind, wie bemerkt worden, oben 6 unten 2½ Fuß breit, und 3 bis 4 Fuß tief. Aun den Orten nun, wo ſolche Raſenbruͤcken hinkommen ſollen, wird auf die etwa 10 Fuß betragende Bruͤckenbreite von den ſchiefen Waͤnden unten links und rechts noch 15 Zoll ſenkrecht ausgehoben. Die Haideplaggenraſen werden hiezu beſonders 18 Zoll im Gevierte und 6 Zoll dick geſtochen. 3 Lagen ſolcher Ra⸗ ſen werden nun unten ſenkrecht uͤber einander gelegt, und die folgenden 2 bis 3 Lagen wird jede um d oder 4 Zoll mehr einwaͤrts geruͤckt. Durch dieſes Einwaͤrtsruͤcken koͤmmt ein Ueberbau von 2 Fuß zu Stande, welcher dann durch 2 bis s weitere Raſenlagen eine Decke erhaͤlt. Da die Lichten-— breite des Straſſengrabens nur 2 Fuß betraͤgt, und ſeine Lichtenhoͤhe hiedurch auf 30 bis 36 Zoll gebracht, die Bruͤcke demnach einſchließig der Decke 3 ½ bis 5 Fuß von dem Grund des Grabens hoch werden kann: ſo liegt die Moͤglichkit der Sache am Tage; nur ſollte man bezweifeln, daß eine ſolche Bruͤcke 8 Jahre als Fahrbruͤcke dienen koͤnne. Sie wird von 1 Manne in 1 Tage hergeſtellt. rornble berrüben ds Woſ darit die ☛̈ niemal E der W. Groun füͤge ha glühr an do dußg on 00 F 30 d ſa nit hernch nähle ſi Freederiks⸗Oord. 299 öͤhnliche vuni drange von Winterfeuchtigkeit ſo ſehr naß gelegt wer— Aus eing, den, daß fuͤr die Fruchtſaaten Gefahr eintreten koͤnnte. den Ntaj Fuͤr dieſe Faͤlle hat die Colonie durch eine trans— e doch ah portable Waſſerſchraube geſorgt, welche vom Winde 9) betrieben wird. Dieſe hebt bei ſtarker Trockenheit 3 W RAar ſsS*. wiſerung das Waſſer aus dem Aar Fluͤßchen und bewaͤſſert damit die trockenen Diſtrikte; und im Falle des Waſ—⸗ ſeruͤberfluſſes hebt ſie daſſelbe aus den Waſſerabzugs— graͤben und ergieſſet es in den Fluß. Dieſe Waſſer⸗ inzelne Di⸗ pommer aus i dan n ſchraube wurde von den Bauern eines benachbarten Ortes fuͤr die Summe von 300 fl. erkauft, und ſoll d Vernardur ungemein gute Dienſte leiſten. Es iſt uͤberhaupt merk— Die Etraſen⸗ wuͤrdig, wie hoch die Hollaͤnder die Windtriebwerke ſten 274 Fuß in Ehren halten, und wie große Unternehmungen A iih ſie auf dieſes luftige Prinzip baſiren, das ſie noch inden diren niemals getaͤuſcht hat. ben. ndets a Zel Ein Zimmermeiſter, welcher ſich mit dem Bau . di 5 der Windmuͤhlen beſchaͤftiget, bemerkte Herrn von tdiifan Grouner, daß dieſe Windmuͤhle zu kleine Wind— rücken konmt fluͤgel habe; da dieſe nur 14 Fuß lang ſeyen, die daun durch Flucht alſo nur 28 Fuß betrage. Eine Flucht von 3 1 40 Fuß gehe ſchon bei jedem Wind, und eine ſolche d Wit von 60 Fuß, bei welcher jeder der 4 Windfluͤgeln n dem Grund 30 Fuß lang ſey, koͤnne erſt als vollkommen geeig⸗ litkei de net betrachtet werden. Er hielt die Kraft einer Wind— z iein muͤhle fuͤr ungeheuer, und glaubte, daß es noch kei— nem Mathematiker gelungen ſey, ſie zu beſtimmen. 500 Armen⸗Colonie Belidor hat ſie ſeiner Anſicht nach um das zfache zu niedrig geſchaͤtzt. Wir kommen nun an die Coloniſten⸗Wohnungen. Es iſt davon bereits bemerkt worden, daß ſie unmittelbar an ihrem Beſitzthum, in gleicher Ent— fernung von 30 bis 40 Ruthen laͤngſt der Straſſe, und mit ihrer vordern Seite von derſelben 50 Fuß abſtehen; eben ſo iſt angefuͤhrt worden, daß die Ge— ſellſchaft die Koſten ihrer Herſtellung auf 500 fl. fuͤr jede Familie in Anſchlag gebracht hat. Anfaͤnglich wurde die Erbauung derſelben zu 500 fl. an Handwerksleute in Accord gegeben, welche dann die Materialien, beſonders Ziegel und Kalk aus ziemlichen Entfernungen auf eigene Koſten herbei— ſchaffen mußten. Spaͤter fand der Herr General van den Boſch Mittel, beides in der Colonie ſelbſt brennen zu laſſen, und hierdurch eine Erſparung zu erzielen, welche eine Erweiterung der neuen Coloniſtenhaͤuſer ohne Koſtenvermehrung moͤglich gemacht hat. Im allgemeinen kann man die Coloniſten⸗Woh⸗ nungen, beſonders in Anſehung des zu ſehr beſchraͤnk— ten Raumes fuͤr den ſchwaͤchſten Theil dieſer groß⸗ artigen Unternehmung betrachten. Tab. VI. Fig. 17 enthaͤlt den Grundriß eines Coloniſtenhauſes von aͤlterer Eintheilung. BC iſt die ge— gen die Straſſe gekehrte Seite, mit zwei Fenſter mm verſehen. AB hingegen liegt in der Richtung(Flucht) des Einganges von der Straſſe; 1 und 2 ſind Ein— annti nii einen zulech 0 de She tw A Fenangt. der feinen, 3 fäßle ſt ale Tig. 18 1 Shr auf hf keidet. de Fexn ed dache r um verſ llebrigen de Thü laden üb ſand nur und bevah Sceune ur Freederiks⸗Oord. 301 d das gfag gangsthuͤren. a iſt das gemeinſchaftliche Wohnzimmer mit einem Kamine i, welcher zum Kochen und Heitzen Wohnungen zugleich dienen muß. bbb ſind Schlafkammern. e iſt en, daß ſe die Scheune; d der Viehſtall; e ein Abzugsgraben; leicher En. k der Abtritt; und g der Duͤngerhaufen, Gierback der Straſe genannt. zen 50 Fuß Der Grund der Wohnhaͤuſer iſt ganz von Back— daß di C66 ſteinen, aber nicht ſehr tief gemauert, und niemals auf ff 500 f Pfaͤhle oder Buͤrſten geſetzt; von dem Gebaͤude ſelbſt iſt aber nur der bewohnte Theil von BG bis RI, erſelben zu Fig. 18 gemauert, der uͤbrige Theil iſt bloß mit einem ben, welche 1 Schuh hohen Fundamente hh verſehen, uͤbrigens und Kalk auf Pfaͤhlen ſtehend mit Riegeln und Bretern ver— en herbei⸗ kleidet. Das Dach iſt von Schilfrohr, und hat alſo Tvan den die Form eines Strohdaches. brennen Ueber dem Wohnzimmer a befindet ſich unterm erzilen, Dache noch eine Kammer mit 2 kleinen Fenſtern, ſterhäuſe um verſchiedene Geraͤthſchaften darin aufzubewahren. t. Uebrigens iſt der Raum uͤberall aͤuſſerſt beſchraͤnkt; iſten⸗Woh⸗ die Thuͤren ſind ſehr ſchmal; groͤßtentheils 2 Bett— beſchraͤnk⸗ laden uͤber einander angebracht, wie es in Deutſch— iſer groz⸗ land nur in Viehſtaͤllen fuͤr die Knechte zu geſchehen pflegt. Es iſt keine Kuͤche, keine Speiſe und kein driß eines Keller vorhanden; daher die Aufbewahrung von Fleiſch itt die ge und Viktualien ſehr ſchwierig iſt. enſtr um Man kocht, wie bemerkt, im Wohnzimmer, Guch) und bewahret die Kartoffeln im Freien, oder in der ſud En⸗ Scheune unter einer Decke von Erde auf. 502 Armen⸗Colonie Die Scheune von Holz mit Bretern, welche nach der Quer aufgenagelt, und betheeret ſind, dienet zur Aufbewahrung aller Vorraͤthe, wie Haideplaggen, Futter und ſonſtige Erntegegenſtaͤnde,*) zur Hausflur, zum Eingang in den Stall ꝛc. Ihr Boden iſt eine geſchlagene Tenne, und Stall und Abtritt ſind nur durch geflochtenes Gitterwerk, ſelten durch Breter— waͤnde davon abgeſondert. Jeder Coloniſt erhaͤlt anfaͤnglich nur eine Kuh, und ſtatt der zweiten, 10 Stuͤcke Schafe, welche letztere auf die Weide gehen, und bei Futtermangel leichter fortzubringen ſind. Dieſes Vieh ſteht durch— einander in dem kleinen Stallraum. Die Kuh iſt an zwei S aͤbe angebunden, und erhaͤlt ihr Futter vor ſich auf den Boden geworfen, der weder gepflaſtert, noch mit Bretern belegt iſt; auch die Schafe haben keine Raufe. Die Duͤngergrube iſt in der Regel, obſchon nicht immer, rund, und hat einen Durchmeſſer von 12 Fuß. Das Naͤhere uͤber ſie wird in der Ab⸗ theilung uͤber die Behandlung des Miſtes vorkemmen. Fig. 19 ſtellet nun den Grundriß eines Coloniſten— hauſes neuerer Bauart dar. Was an dem alten un— veraͤndert blieb, wurde hier nicht beſonders ausgefuͤhrt. *) In ſo ferne es dieſe ſpaͤter nicht mehr faſſen kann, muͤſſen ſte im Freien in Feimen geſetzt werden. das Häu ds Wohn dettſelen Hammer Kngench. te wacher Däüſtohle abſtaket. Ei dr Thür feſtes, u ſchtich w do zu werder ihn die loniſt ſlb ⸗ liche Enſe ton welchr tern, velhe ſind, diene ieylaggen, t Hausſiur, den iſt eine t ſind mr hh Brete eine Kuh, e, welche ttermangel eht durch⸗ duh iſt an Futter vor epflaſtert, fe haben obſchon neſſet von der A⸗ reemmen. oloniſten— lten un⸗ zgefuͤhrt. n, müͤſſen Freederiks⸗Oord. 308 Das Haus bildet nun ein vollkommenes Rechteck; das Wohnzimmer a wurde hiedurch vergroͤßert; die Bettſtellen bbbb erhielten veraͤnderte Stellen, und 2 Kammern ee ſind nun zunaͤchſt dem Wohnzimmer angebracht. Fig. 20 ſtellet die vordere Anſicht dar, bei welcher man freilich die Unregelmaͤßigkeit des Dachſtuhles bedauern muß. Die hiedurch erzielte Er⸗ ſparung iſt gewiß unbedeutend, und es laͤßt ſich dafuͤr kein anderer Grund auffinden, als der der Aehnlichkeit mit den aͤlteren Coloniſtenwohnungen, deren Dach an der Scheune Fig. 12 Seite EF ebenfalls ſo her— abſinket. Eine weitere Modifikation iſt die Verſehung der Thuͤren 1 und 2 und die Verkuͤrzung des Dach— firſtes, wie dieß aus der Seiten⸗Anſicht Fig. 24 er- ſichtlich wird. Ueber die Stelle, wo der Brunnen angebracht zu werden pflegt, fand ich nichts, auch nicht, ob ihn die Geſellſchaft herſtellen laſſe, oder ob der Co— loniſt ſelbſt dafuͤr ſorgen muͤſſe. Da aber die betraͤcht⸗ liche Entfernung der Coloniſtenhaͤuſer die Benuͤtzung eines gemeinſchaftlichen Brunnens unthunlich machet; ſo muß dieſes Beduͤrfniß fuͤr jede Haushaltung be— ſonders befriediget werden. In Freederiks⸗Oord erhaͤlt der ausgegrabene Brunnen eine Bekleidungs⸗Mauer von Torf⸗Soden, von welcher man glaubt, daß ſie 100 Jahre halten 504 Armen⸗Colonie werde. Sind dieſe Torf⸗Soden, in Abſicht auf das Trinkwaſſer, der Geſundheit nicht nachtheilig?— Man entleeret anfaͤnglich den gegrabenen Brun⸗ nen vom Waſſer, und wirft dann gebrannten Kalk in denſelben; wovon man eine weſentliche Verbeſ⸗ ſerung des Waſſers gewaͤrtiget. Ueber dem Brunnen wird ein Geruͤſte von Bre— tern aufgeſchlagen, an demſelben ein Wellbaum mit Haspel, Sail und Eimer befeſtiget, und der Brunnen iſt hergeſtellt. Schulen, Magazine, Fabrik- und Spinnhaͤuſer ꝛc. ſind eben ſo einfach, aber nach den Beduͤrfniſſen ihrer beſonderen Beſtimmung hergeſtellt. Auch ein Gaſthaus iſt in Freederiks⸗Oord mit 11 Piegen von anſehnlicher Groͤſſe und wohlgewaͤhlter Einthei⸗- lung vorhanden. Kalk⸗ und Ziegelbrennen. Das Ziegelbrennen iſt bei uns in Bayern ein freies landwirthſchaftliches Gewerbe. Der gebrannte Kalk iſt aber ein ſo gemeines Beduͤrfniß des Land⸗ wirthes, daß ier ihn gar nicht miſſen kann. Was daher in dieſen beiden Zweigen in der Armen⸗Colonie unter unguͤnſtigen Verhaͤltniſſen erzielt wird, und die Art, wie man es erjzielt, muß fuͤr uns ein doppeltes Intereſſe haben. Man unterſuchte in dem Bereich des Beſitz⸗ thums der Colonie den Boden mit dem Erdbohrer, ———˖——⏑———.:—— 9— und fi 10 bit ſin dde ncch ſar ürruchbar . Fzigebue neral va iem Ey ſläche heben Schuh abgethe Qundenn lu 15 9 bende Sa dberur dute ven ſ wſhih nit der p trichen le Theil Freederiks⸗Oord. 305 ſcht.— it ufe und fand an mehreren Stellen in einer Tiefe von 4 10 bis 12 Fuß ein Thonlager, welches einige Fuß en rme ſtark oder maͤchtig war. Dieſer Thon iſt zwar immer aanten Kat noch ſtark ſandig, aber doch hinreichend gut, um che Taus brauchbare Backſteine zu geben. - In hieſiger Gegend konnte Niemand mit dem e bon Br Ziegelbrennen im Freien umgehen; daher ließ der Ge⸗ Ubaum mit neral van den Boſch Ziegelbrenner aus dem Staͤdt⸗ Beunnen chen Eyndhofen in der Campine kommen. Auf gleiche Weiſe ließ er ſtatt gebrannten Kalk, die mhaͤuſet See⸗Muſcheln(Scell), woraus der Kalk hier immer edüͤrfniſen gebrannt wird, zu Schiffe von den Ufern der Zuider⸗ Auch ein See kommen, um ſie nach Art der Nordhollaͤnder 1 Piecen ſelbſt mit Torf zu brennen. Einthei⸗ Bei dem Ziegelmachen wird auf folgende Weiſe verfahren. Der Raum, wo man Thon wußte, und aus⸗ heben wollte, wurde in lauter Quadrate von 10 zverr ei Schuh im Gevierte, alſo 100 Q. Schuh haltend, gebenn abgetheilt. Nachher wurden eines oder mehrere ſolche des band Quadrate, aber immer mit Zwiſchenraͤumen von 10 n. Was bis 15 Fuß, ausgehoben, und der 10 Fuß tief ge⸗ hende Sand anfaͤnglich bei Seite geworfen, ſpaͤter viii aber zur Ausfuͤllung der bereits ausgehobenen Qua— jiid drate verwendet. Wenn dieſer Sand ausgehoben iſt, doxpele ſo geſchieht ſolches durch vermehrte Arbeiter auch mit der vorhandenen Thonſchichte, welche auf ein viin zwiſchen liegendes Quadrat in Haufen geſchichtet wird. rdbohte, I. Theil. 20 506 Armen⸗Colonie Es iſt bei dieſer Arbeit Bedingung, daß jedes Qua⸗ drat noch in demſelben Tage auch vom Thon entleert werden muͤſſe, an dem man daran zu graben und abzuteufen angefangen, und daß zwiſchen zwei kurz nacheinander auszuteufenden Quadraten immer ein ſolches ſtehen bleiben muͤſſe; weil auſſerdem die naſ⸗ ſen Sandwaͤnde einſtuͤrzen, und die Grundwaſſer ſo eindringen wuͤrden, daß kein Thon mehr zu gewin⸗ nen waͤre. Dieſe Arbeit wurde anfaͤnglich nur im gelinden Winter verrichtet, und zwar von den Eyndhofener Ziegelbrennern, denen Coloniſten zur Hilfe, und da⸗ mit ſie es lernten, beigegeben worden. Sie wurde im Akkord verrichtet, was auch ſpaͤter durch die Co⸗ loniſten allein geſchah. Das Streichen der Ziegel beginnt im Fruͤhjahre. Der Thon wird hiezu nicht getreten oder geknetet, ſondern bloß mehrmalen unter Waſſerzugieſſen mit naßgemachten hoͤlzernen Schippen umgeſtochen. Er wird jedesmal auf einen Haufen vorwaͤrts zuſammen⸗ geworfen; und dieſes Waſſerzugieſſen, Umſtechen und Vorwaͤrtswerfen des Thonhaufens in der Richtung gegen den Streichplaz wird 3mal wiederholt. Jeder Ziegelſtreicher hat 2 Kinder zum Hinweg⸗ bringen der geformten Ziegel auf den Trockenplaz nothwendig. Hiezu werden die Kinder der Coloniſten verwendet. Die Formen ſind von Holz, und der geformte Thon huͤßern Tyokin dben ge ftin d krite g Aorrocn gaug ſ Folt we ſang ne Sbubke fühut rumen Figyel, Reihe ſch ken ſate d d ſind, er gel ob un ſe Freederiks⸗Oord. 307 ſ jides dar d Thon iſt ſo weich, daß man ihn nur ſammt den hon entlee. hoͤlzernen Formen, aber nicht ohne dieſe, gut auf die grähn m Trockenſtelle bringen kann. Auf dieſem, vorher voͤllig en ſue tr eben gemachten Platze werden die geformten Back⸗ kunner a ſteine durch einen ſachten Umſturz der Form auf ihre den die m breite Flaͤche gelegt, und in dieſer Lage ſo lange zur undwaſtt Abtrocknung liegen gelaſſen, bis ſie feſt und trocken d an gevin genug ſind, um ohne Gefahr auf ihre Kanten ge⸗ ſtellt werden zu koͤnnen. Nachdem ſie in dieſer Stel⸗ Wim gelinden lung noch mehr abgetrocknet ſind, werden ſie auf nohofener Schubkarren in eine Art von Trocken⸗Schoppe ge⸗ e, und da⸗ fuͤhrt und dort parallel auf ihre Kanten in Zwiſchen⸗ Sie wurde raͤumen von ungefaͤhr einem Zoll zwiſchen jeden 2 rh die Co⸗ Ziegeln, und ſo aufgeſtellt, daß jede daruͤber liegende Keihe mit der unteren unter irgend einem Winkel Fruͤhjahre. ſich kreuze; damit der Luftzug von allen Seiten ge— t gkknetet, ſtattet und befoͤrdert wird. gieſſen wit Wo keine Trocken⸗Schoppen hiezu vorhanden ſochen. E ſind, erhalten die aufgeſchichteten ungebrannten Zie⸗ zuſamner gel oben eine Decke von Schilfrohr oder Stroh, ſtechen in um ſie gegen Naͤſſe von Oben zu ſchuͤtzen. r Nütemg Wenn dieſe Backſteine nun einige Wochen auf olt. ihren Kanten in Zwiſchenraͤumen ſo gelegen, und un Himey gut abgetrocknet ſind, ſo werden ſie, zur Erſparung Tockenh des Raumes, wieder auf ihre breiten Seiten, aber Coloniſte dicht zuſammengeſchichtet; wo ſie dann mit einer Decke gegen Naͤſſe geſichert bis zum naͤchſten Brande lie⸗ e geforme gen bleiben. 20* — —————ᷓnenmnmnmnm— —õꝛ— 308 Armen⸗Colonie. Man hat hier zwei Gattungen von Ziegelformen. Die Kleinern ſind die Kaminziegel, 5 ¾ Zoll lang, 3 ½ Zoll breit und 2 Zoll dick; dann folgen die Mauer⸗ ziegel, welche 3 ½ Zoll lang, 4 Zoll breit und 2 Zoll dick ſind. Die Geſellſchaft hat ſowohl fuͤr ungebrannte, als fuͤr gebrannte vorraͤthige Ziegel Schoppen erbauen laſſen, welche 90 bis 100 Fuß lang ſind, auf jeder Seite 16 bis 13 Wandpfaͤhle und in der Mitte 6 bis 8 Firſtpfaͤhle haben, worauf ein leichter Dach— ſtuhl mit einem Rohrdache ruhet. Der ganze Bau hat viele Aehnlichkeit mit jenen der Schafſtaͤlle Tab. IV. Fig. 9 und 10, und unterſcheidet ſich davon weſentlich nur dadurch, daß die Schoppen keine gan— zen Waͤnde und keine Thore haben. Ihre Giebel— waͤnde ſind mit Rohrmatten eingemacht, und ihre Bodenwandungen beſtehen aus Torfraſen. Sie die⸗ nen auch den Arbeitsleuten bei naſſem Wetter als Zufluchtsort. Bis daher iſt die ganze Operation einfach und leicht. Nun ſind aber die geformten und getrockneten Ziegel zu brennen. Das Brennen im Freien ohne Ofen beruhet weſentlich auf einer geſchickten Aufſchichtung der Zie— gel zum Brande, und auf einer angemeſſenen Di— rektion des Feuers. Als Grundſaͤtze koͤnnen hiebei im allgemeinen dienen: ——— ung beo chends ton nar is 15) 1 dn Kanä Jrgi ſſorna⸗ N 3ulrd lan, n die Ma— t und 2 JAl ungebrannte open erbauen , auf jeder et Mitte 6 hhter Dach⸗ ganze Ban gſſtaͤle Tab. ſich dabon keine gan⸗ be Giebel und ihre . Se die— Wetter als einfach und getrockneten en beruhet g der die ſenen di hiebei in Freederiks⸗Hord. 309 1. Jeder Ziegelhaufen wird 20 Fuß tief und 9 Fuß hoch angelegt; 2. die Laͤnge eines ſolchen iſt willkuͤhrlich; 3. auf jede 10000 bis 11000 Stuͤck Zieget iſt ein Feuerloch erforderlich, ſie ſind daher im Mittel kaum 4 Fuß von einander entfernt; 4. die aufgeſchichteten Ziegel werden, mit Aus⸗ nahme der oberſten Lage, ſich kreuzend alle auf ihre Kanten, d. h., auf ihre ſchmalſten Seiten geſtellt; 5. durch den ganzen Haufen muͤſſen im Innern Luftzuͤge angelegt werden, welche mit den Haupt— feuerloͤchern in Verbindung ſtehen; 6. die oberſte Ziegellage wird nach ihrer Breite und moͤglichſt dicht gelegt, dann der ganze Haufe mit einem ſehr weichen Lehm ſo uͤberſtrichen, daß er dadurch eine 2 bis 3 Zoll ſtarke Decke erhaͤlt; 7. Vorſorge iſt zu treffen, daß der Haufen ge— gen allenfallſiges Umſtuͤrzen durch Strebeſtuͤtzen ge— ſichert werden kann. Dieſe Regeln ſind allgemein. In der Ausfuͤhr⸗ ung beobachtet jeder Ziegelmeiſter ein etwas abwei— chendes Verfahren. Als Beiſpiel will ich hier das Verfahren von Freederiks-Oord anfuͤhren. Tab. VII. iſt der Grundriß eines Ziegelhaufens von nur 5 Feuerloͤchern(gewoͤhnlich ſind daran 10 bis 15) mit Andeutung der in der Höoͤhe zu fuͤhren— den Kanaͤle dargeſtellt. 510 Armen⸗Colonie Tab. VIII. iſt derſelbe Ziegelhaufenſatz von der vordern Anſicht gegeben. Die Arbeit beginnt damit, daß der Boden, worauf gebrannt werden ſoll, voͤllig eben gemacht, und dann an einer Seite MN= 20 Fuß die Ziegel Paar⸗ weiſe ſo aufgeſtellt werden, daß ſie auf der Kante mit der Stirne gegen NO ſtehen. Wenn auf dieſe Weiſe 3 Paare oder ô6 ſolche Ziegelreihen geſtellt ſind, ſo iſt die Linie OP erreicht, und man laͤßt nun fuͤr das Feuerloch 10 Ziegeldicken frei, das Legen der Ziegel bei RO beginnend, und mit 6 Reihen bis Fs fortſetzend. Hier wird wieder dieſelbe Breite von 10 Ziegeldicken fuͤr das Feuerloch frei gelaſſen, und auf dieſe Weiſe mit der erſten Lage fortgefahren, bis man ſo viele Feuerlocher angelegt hat, ſo viele Mal 10000 Ziegel gebrannt werden ſollen. Die groͤſſeren Ziegel werden zu unterſt genommen, die kleineren nach oben. Der letzte Rand TUVW wird geſchloſſen, wie der erſte MNOP begonnen worden. Nun kommt die zweite Lage. Dieſe wird auf die erſte in ſich kreuzender Richtung ebenfalls auf die Kanten geſtellt, ſo daß die Stirnſeiten, welche in der erſten Lage nach NO getroffen, nun in die Linie MX kommen, wie es abed Tab. VIII. erſichtlich iſt. Es treffen in dieſer Lage zwiſchen 2 Schierloͤcher AA, ſo wie auch an den Eckſeiten, immer 3 Ziegel der Laͤnge nach. Jede ſich folgende Ziegellage wird an allen 4 Seiten ¼ Zoll zuruͤckgezogen, Tab. VIII. 1. 2 tidid A Nichtun 4 di lic auf 2 jünſic de Lia I dder 5 Hitka inſaß den da der Poden, emmcht, und diegel han f der Kante in auf dieſe ihen geſtel man laͤßt nun das Legen 6 Räihen bi Breite bon elaſſen, und ortgefaßten, t, ſo viele pllen. Die wmmen, die IUW wvidd en worden. iſe wird auf falls auf de „welche in in die Linie rſchtlch iſ elöcher A, Ziegel de g wird an b. VIHI. 1. Freederiks⸗Oord. 511 2.,— um dem Haufen eine pyramidale Form, und hiedurch mehr Feſtigkeit zu geben. Auf dieſe Art werden zuerſt in wechſelnder Richtung 4 bis 5 Ziegellagen aufgeſchichtet. Durch die naͤchſtfolgenden 4 oder 5 Schichten werden die Feuerloͤcher uͤber ſich geſchloſſen. Dieſes geſchieht da⸗ durch, daß bis zur gaͤnzlichen Schlieſſung derſelben die Deckziegellagen immer der Laͤnge, und nie der Dicke nach genommen, und jede um den Betrag ei⸗ ner Ziegeldicke gi vorgeſchoſſen wird, wie ſolches efgh ꝛc. zeigt. Dadurch waͤchſt der innere Raum um 2 Ziegeldicken, welche zu ihrer Ausfuͤllung bei el eingelagert werden. Wenn durch die Fortſetzung die⸗ ſes Verfahrens der innere Raum der Feuerloͤcher bis auf 2 Ziegeldicken geſchloſſen iſt, ſo erfolgt die gaͤnzliche Schlieſſung durch eine uͤber jedem Feuerloch der Laͤnge nach eingelagerte Ziegellage klmn. Beim Beginnen dieſes Schluſſes, nach der 4. oder 5. Ziegellage ſollten auch die erſten horizontalen Hitzkanaͤle opqr Tab. VIII. 2 Ziegeldicken im Lich⸗ ten haltend, im Innern des Haufens angelegt wer⸗ den.*) Alle 8 oder 10 Ziegeldicken ſollen der Breite durch, alſo auf ſaͤmmtliche 20 Fuß etwa 8 bis 10 *) Ich habe dieſe Zuͤge hier 4 eckig gezeichnet, wie ſie fuͤr den Stand des Haufeus am beſten waͤren. Gewoͤhnlich werden ſie aber nur durch ein ſchiefes Zuſammenlehnen zweier Ziegel s eckig und ziemlich reggellos gemacht. 312 Armen⸗Colonie ſolche Hitzkanaͤle zwiſchen 2 Feuerloͤcher angebracht werden. Mit vollendetem Schluße der Feuerloͤcher ſind eben ſo viele ſenkrecht gufſteigende Hitzkanaͤle uͤber jedem Feuerloche opqr Tab. VII. und VIII. anzu⸗ bringen, mit welchen die horizontalen Kanaͤle kom— muniziren, und die Hitze uͤberallhin gleichfoͤrmig ver⸗ theilen. Es verſteht ſich, daß dieſe Kanaͤle alle 4 bis 5 Ziegellagen wiederholt, und uͤberhaupt in je⸗ dem 9 Schuh hohen Haufen meiſtens 3 uͤbereinander angebracht, aber nirgends aus den Haufen in's Freie fuͤhren, ſondern fruͤh genug abgeſchloſſen werden muͤſſen. Wenn der Ziegelhaufen in dieſer Art aufgeſchich⸗ tet iſt, erhaͤlt er, wie bereits bemerkt, die oberſte Lage flach und dicht darauf gelegt, und wird aus der Hand und mit der Mauererkelle mit weichem Lehm 2 bis 3 Zoll dick verſtrichen. Die obere Lage BD wird uͤberdieß einen Fuß hoch mit einer Raſenſchichte be⸗ deckt. Eben ſo wird an beiden Stirnſeiten F und E ein 3 bis 4 Fuß dicker, ſich gegen oben verlaufender Raſenwall FB und DE aufgefuͤhrt. Endlich werden die Schuͤrloͤcher mit trockenem Torf gefuͤllt und angezuͤndet. Das Anzuͤnden geſchieht mit Reißwellen. Bei der Direktion des Feuers koͤmmt es immer darauf an, den ganzen Haufen in allen Theilen gleich heiß zu erhalten. Weil nun die verſchiedenen — ———n— Shin tim, then, tricuf ſch di duucht fauchen 6 mn alen lafdich um de ngälie d de Ji In diſß haufen lige ſen⸗ darn U tedale, d deſeeben de ſnnſau Freederiks⸗Oord. 315 er angeüragt Schuͤrloͤcher durch die angelegten Zuͤge kommunizi⸗ ren, und weil es moͤglich iſt, daß ſich die Hitze oben, oder ſonſt an irgend einer Stelle einen Ausgang verſchafft, ſo muß ſtets dafuͤr geſorgt werden, daß ſich die Waͤrme gleichmaͤſſig vertheile, und jeder Durchbruch durch Verſtreichen oder Belegen mit feuchten Raſenſtuͤcken verhindert werde. terlöcher ſnd kanile über VIII anu Fanäle kon⸗ fiörmig der ih ale Es wird im Verlaufe des Brandes nicht immer nupt in je⸗ an allen Schuͤrloͤchern geheitzt. Manche werden ganz teräinnder luftdicht zugemacht, andere wieder geoͤffnet u. dgl., nins Freie um die Hitze und den Luftzug nach Beduͤrfniß zu ſen welden regulieren. Die Hitze wird in dem Haufen ſo groß, daß aufgeſchig⸗ die Ziegel ſchmelzen und der Haufen zu fallen droht. berſte bage In dieſem Falle muß ſie gemaͤſſiget werden, und der der Hand Haufen da, wo er ſinken will, mit Bretern, welche m 2 bis eine feuchte Raſen-Unterlage erhalten, durch Stuͤtzen B0 wird daran gehindert werden. ſchichte be⸗ Ueber die Dauerzeit des Brandes hat Hr. von F und 5 Grouner in Freederiks⸗Oord keine Angaben er⸗ erlaufender hoben. Man haͤlt dafuͤr, daß die Ziegel gar gebrannt ſeyen, wenn auf jedem Thonziegel ein gleich groſſer trockenem Torfziegel verbrannt worden iſt. Das waͤre ein groſſer Aufwand an Brennma— en. teriale, der uͤbrigens nothwendig von der Qualitaͤt es immer deſſelben abhaͤngig ſeyn muß. Theile Die kleinen Ziegel, welche man in Holland zu ſchudenen Straſſenpflaſter verwendet, werden 3 bis 4 Wochen ————— 314 Armen⸗Colonie lang, jedoch immer nur bei maͤſſiger Hitze gebrannt. Man findet bei dieſer Brennart immer Spuren eines Statt gehabten Schmelzens. Die Ziegel enthalten Eindruͤcke ihrer Umgebung; ſind aber ſehr hart und dauerhaft. Dachziegel wuͤrden vorzuͤglich aus dieſem Grunde mißlingen; indem ſie zu wenig flach und eben aus⸗ fallen muͤßten. 3 Indeſſen hat dieſe Methode fuͤr einen Ort wie Freederiks⸗Oord, wo man nur 2 bis 3 Fuß ſtarke Lehmſchichten trifft, und daher den Ziegelplatz beinahe jeden Brand an eine andere Stelle verlegen muß, hingegen Torf im Ueberfluſſe beſitzt, groſſe Vorzuͤge. Der koſtſpielige Bau von Ziegelhuͤtten und Ziegeloͤfen, der weite Transport des Lehmes oder der Lehmziegeln fallen hiedurch ganz weg, und es bleibt kein Nachtheil uͤbrig, als vielleicht der eines etwas groͤſſren Aufwandes an Brennmateriale. In der Colonie, wo man den Torf nur um den Arbeitspreis anrechnet, den er die Geſellſchaft koſtet, koͤmmt das 1000 Stuͤck ſo gebrannter Ziegel nur auf 5 ½¼ fl. hollaͤndiſch zu ſtehen. Vordem hat die Geſellſchaft ſie fuͤr das Doppelte dieſes Preiſes er— kauft. Ein Gegenſtuͤck zu dieſem Ziegelbrennen iſt das Kalkbrennen im Freien. Das Verfahren hiebei iſt ebenfalls verſchieden, im weſentlichen aber folgendes. ſchlage habn ie E. den ni In. L Tab. I R heide al D hen w 08 1, und ſ drrigen vitd; Zwec tehe nu bea M In d zteite handlan A- len, d inweren runtt g mun bed he gebrann. Spuren eines eel enthalte hr hart und ſem Grunde d eben aus⸗ n Ort wie is 3 zuß Jiegelpla lle verlegen ſitzt, groſe huͤtten und s oder der es bleibt des etwas ef nur um Geſellſcht nter Ziegel em hat d Preiſes er⸗ ien iſt dai verſchieden, —, 4 Freederiks⸗Oord. 515 Auf einem ebenen Platze wird ein Pfahl ge— ſchlagen, daran ein Strang befeſtiget, und mit einem Halbmeſſer von 10 Fuß ein Kreis gezogen, und in die Erde eingeriſſen. Ein zweiter Kreis wird aus dem naͤmlichen Punkte mit 3 Fuß Halbmeſſer gezo⸗ gen. So erhaͤlt man die Kreiſe ABDE und FGIII Tab. IX., wovon der erſtere den Durchmeſſer AD= 20 Fuß, der letztere jenen IF= 6 Fuß hat, und beide aus dem Mittelpunkte C gezogen ſind. Die Torfſtuͤcke, welche zum Kalkbrennen geſto— chen werden, ſind 4 Zoll dick, 4 Zoll breit und 10 bis 12 Zoll lang. Sie muͤſſen ſehr trocken ſeyn, und ſind gewoͤhnlich von leichtem(in Bayern: Flo⸗ derigem) rothen Torf, welcher ſonſt nicht geachtet wird; da er aber ſchnell und leicht brennt, fuͤr dieſen Zweck jedem andern vorzuziehen iſt. Der ſonſt ſo be— liebte Bagger-Torf ſoll zum Kalkbrennen gar nicht zu brauchen ſeyn. Wenn die beiden Kreiſe gezogen ſind, werden 4 Mann zum Aufſetzen des Brennhaufens beſtimmt. In der Regel ſetzet ein Mann an dem aͤuſſern, ein zweiter an dem inneren Kreiſe die Torfſtuͤcke und 2 Handlanger ſchaffen dieſe herbei. Anfaͤnglich werden die Torfſtuͤcke mit ihrer ſchma— len, d. h., mit der Stirnſeite an den aͤuſſeren und inneren Kreis in der Richtung gegen den Mittel— punkt gelegt, wie abed nud etgh zeigen. Nachdem nun beide Kreiſe vollſtaͤndig ausgelegt ſind, gehet es 316 Armen⸗Colonie auch an die Ausfuͤllung des Innern zwiſchen den beiden Kreiſen, waͤhrend der kleine Kreis FGHI ganz leer bleibt. Leere Zwiſchenraͤume zwiſchen den Torſſtuͤcken, werden mit Torfbrocken ausgefuͤllt, und vorzuͤglich darauf geachtet, daß jede Lage eben und gleich feſt werde. Nun wird die zweite Torfſchichte angelegt. Die Anlage dieſer Schichte unterſcheidet ſich von der vorigen darin, daß die Einfaſſungstorfe nun nicht in der Richtung gegen den Mittelpunkt, ſondern nach quer daruͤber gelegt werden, und zwar ſo, wie ſie Tab. IX. iklm und nopd eingezeichnet ſind,*) jedoch nicht ſo weit eingezogen, wie es hier der Deutlichkeit wegen geſchehen iſt, ſondern ſenkrecht uͤber den innern und aͤuſſern Kreis der vorigen Torfe FGHI und ADBE z. B. bei KL. und st. Der zwiſchen inne liegende Raum wird auf dieſelbe Weiſe mittels einer Torflage ausgefuͤllt. Es iſt dieß ein Mauern mit Torf, ſtatt daß ſolches ſonſt mit Steinen und Moͤrtel geſchieht. Nach dieſer Lage folgt eine dritte Torfſchichte. Sie wird gelegt wie die erſte, naͤmlich alle Torf⸗ ziegel mit ihrer Laͤnge in der Richtung gegen den Mittelpunkt; aber der aͤuſſere und innere Kreis werden *) Laufer und Strecker wechſelnd. hitbe Nirr pyſcht Jeſt, Friiſe er nit der fn and knden T füren d ſ näct und 6 ſormig! R. nit der Einiſu di de Mtalwo nen hal aber ſent R gen, wit und inſet nach dem Nuſchel Eniſing werden, u ſcheln aus ſing, mi Freederiks⸗Oord. 312 miſhe ie hiebei um einen halben Zoll einwaͤrts gegen den a dän R Mittelpunkt gezogen, wie es aus der Durchſchnitts⸗ — Anſicht Tab. X. ab erſichtlich iſt. Einige fangen offfich, dieſes Einziehen der Torfſchichten an dem inneren d vyniii Kreiſe erſt nach aufgeſetzter 2ter Torfbank, alſo erſt nd gleih fi mit der 24ten Torfſchichte an. Da aber hieraus kein anderer Nutzen, als etwa der einer unbedeu— agalegt. de tenden Bequemlichkeit erwachſet, hingegen das Ein— ich von de ſtuͤrzen des Hohlkegels damit ſehr erleichtert wird; e nun nigt ſo moͤchte dieſe Methode nicht zu empfehlen ſeyn, nkt, ſonden und es ſcheinet beſſer, auch den innern Kreis gleich— var ſo, vi foͤrmig vom Anfange an einzuziehen. et ſind,*) Nun werden auf dieſe Weiſe 2 Torfſchichten s hier de mit der Vorſicht aufgelagert, daß die Richtung der ſenkrecht Einfaſſungstorfe immer wechſelnd ſich kreuze, und igen Torſe daß die mit ihrer Laͤnge in der Richtung nach dem §. Der Mittelpunkt liegenden Torfziegel jedesmal um ei— ſelbe Weiſe nen halben Zoll eingezogen, die nach quer liegenden dieß ein aber ſenkrecht daruͤber geſchichtet werden. nit Steinen Nachdem auf dieſe Weiſe 2 Schichten Torf lie— gen, wird eine achte Einfaſſung mit Torf im innern orſſhichte und aͤuſſern Kreiſe gemacht, welche mit ihrer Laͤnge ale Torf nach dem Mittelpunkte liegen, und dieſe wird mit gegen den Muſcheln gut ausgefuͤllt. Darauf folgt wieder eine eis werden Einfaſſung mit Torfen, welche in die Quer gelegt werden, und auch dieſe wird im Innern mit Mu— ſcheln ausgefuͤllt. Endlich folgt eine dritte Einfaſ— ſung, mit diametral gelegten Torfen, wie die erſte 518 Armen⸗Colonie war, und wird ebenfalls mit Muſcheln gefuͤllt, und zwar um den innern Kreis etwas hoͤher, als um den aͤuſſeren. Man hat dafuͤr verſchiedene techniſche Benennungen. Eine Lage Torfes heißt eine»Schichte“; alle dieſe Torflagen bis zum Muſchelkalk, nennt man eine„Torfbank' und jede Muſchellage eine»Kalk— ſchichte.“ Auf dieſe Art haͤtten wir nun eine Torf⸗ bank mit 2 Schichten, und eine Kalkſchichte von 12 Zoll Hoͤhe oder Tiefe. 1 W Nun wird auf dieſelbe Art die zweite Torfbank, dann eine Kalkſchichte und ſo weiter gelegt, bis der Haufen mit der 5ten, éten oder Iten Kalkſchichte geſchloſſen, und dieſe nur mehr mit etwas Torf be⸗ deckt wird. Schon waͤhrend dem Bau des Haufens wird in den mittleren hohlen Raum ſehr trockner Torf, Holzreiſer, Stroh u. dgl. leicht brennbares Materiale eingerichtet, und dieſes bis auf 3 bis 5 Fuß an den oberen Rand fortgeſetzt, wo er nur mehr 3 bis 12 Zoll im Lichten weit iſt, und zuweilen noch einen einigen Fuß hohen Kamin aus Torfſtuͤcken aufgeſetzt erhaͤlt. Eigene Luftzuͤge werden nirgends angebracht. In Abſicht auf die Staͤrke der Torfbaͤnke und auf die Tiefe der Kalkſchichten befolgt man verſchiedene Dimenſionen. In Freederiks⸗Oord, wo man Ende Dezember 1321 einen ſolchen Haufen aufgeſetzt, und gebrannt hat, erhielten die unterſten 2 Torfbaͤnke, jede 7 Torfſchichten, die 3te Bank 6 Schichten, die lte d z Ka d n A ) zäl lſche dihängi dhe ft defbin hends d ten, g vüden. M ſcyen, u boig diß ſ Ebenwe ſtet ſch N. Rckt iſ, gewotfen, hien aber ricet f er lrennt mmlſchbar anhalend Freederiks⸗Oord. 319 eln güül, ate Bank 5, und die 5te Bank 4 Schichten. Die he, db m ö5te Kalkſchichte blieb unbedeckt obenauf liegen. 3 uihnit Die erſten beiden Kalkmuſchelſchichten will man „Schichr' 12 Zoll, die 3te 11, die ate 10, die 5te Schichte Veän Nn 9 Zoll tief gemacht haben. Da aber die Tieſe der ie eKal⸗ Kalkſchichten von der Staͤrke der Einfaſſungstorfe eine Tuf abhaͤngig iſt, ſo hat man hierin in der That nicht hte von 10 viel freie Wahl, und es moͤchte beſſer ſeyn, alle Torfbaͤnke und alle Kalkſchichten gleich ſtark zu machen. daſban⸗ Ich habe mich in der Zeichnung zwar durchge— 1 ſ der hends an das Maximum, an 2 Torſſchichten gehal⸗ Kaliſiht ten, glaube jedoch, daß auch 5 ſolche hinreichen a durf be wuͤrden. has vid Man ſagt, daß geſchickte Leute dazu erforderlich her df⸗ ſeyen, um einen Haufen auf 6 Kalkſchichten Hoͤhe Nrtaiil zu bringen, ohne daß ihm der Einſturz drohe; und dieß iſt begreiflich. Billig ſollte man Setzlatte und hij M 6 Ebenwaage dabei zu Rathe ziehen, um ſeiner Sache r 15 3 ſtets ſicher zu ſeyn. noch einen raufßeſtt Wenn der Haufen aber einmal ſteht und be⸗ angebract deckt iſt, wird Feuer in den inneren hohlen Raum ke und auf geworfen, damit er anbrenne. Wenn das Material deſchiddene hiezu aber nicht ſorgfaͤltig gewaͤhlt und locker einge— man Ende richtet iſt, ſo haͤlt es ſchwer, und dauert lang, bis er brennt. Iſt er aber angebrannt, ſo kann er als unloͤſchbar betrachtet werden; denn der ſtaͤrkſte und anhaltendſte Regen vermag ihn nicht mehr zu loͤſchen. geſeßt, und Torfbäͤnke, cſichen, d —-—— ——— 94 520 Armen⸗Colonie 7 ..., ſehoſt Bei gutem Winde hat der Haufen in 3 bis nuſt 4. 5 Tagen abgebrannt.*) Er faͤllt nach und nach zu⸗ nen i 1 1 ſammen, und wenn er abgekuͤhlt iſt, wird Kalk und drunt- Torfaſche miteinander an trockenen Orten aufbewahrt, n 1 und als Kalk verbraucht. Der Zuſatz der Torfaſche Daanale verbeſſert den Muſchelkalk, welcher ohne dieſe zu fett rnbilni ſeyn wuͤrde. Man liebt den auf dieſe Art im Freien ge⸗ di brannten Kalk zu allen Arbeiten weit mehr, als den Puter - in den Oefen gebrannten, welchen man in Alkmar unr dl A erhaͤlt, und bezahlt ihn auch um 20 Prozent theuerer. rägc G. Kahihu 1 Man mißt den Kalk hier in Tonnen. Eine hie⸗ au 1 ſige Tonne betraͤgt, nach den Dimenſionen einer ge— b cagbi 4 1¹ meſſenen halben Tonne, ſehr nahe 6 bayeriſche Cu⸗ bikfuß. Von einem Haufen mit 6 Baͤnken und Schich— V W 3 1 ten, wie er Tab. X. im Durchſchnitte dargeſtellt iſt, ſichen? wo MM die Kalkſchichten und NN die Torfbaͤnke fhft, ſind, gewaͤrtiget man 75 bis 30 Tonmen gebrannten Niſe d Kalk. Dieſer Haufen wuͤrde aber 4¼ tauſend Cubik⸗ ſen Jo fuß Torf,**) und nur nahe an 300 Cubikfuß Kalk⸗ nogen V 1 ſteine. wie *) In Freedriks⸗Oord, wo die Zufuhr vom Torf nicht nd ein 6 ſchnell genug ging, hatte man 2 Tage zum Aufbauen des 1 Haufens gebraucht, und als er fertig war, dauerte es uͤber 2 Stunden, bis er zum Brennen gebracht wurde. In 1 ½ Tagen hatte der Haufen aufgehoͤrt, ſtark zu brennen, und ei. 8 fing an, nach und nach einzufallen; aber man verſicherte dn Herrn von Grouner, daß er noch drei Tage fortgluͤhen veu werde. dn **) Der Haufe in Freederiks⸗Oord ward auf 100 Schock lüem bältni Theil Freederils⸗Oord. 521 hn i àts muſcheln fordern. Da der Kalk daraus nur 50 Ton— und nach z nen betraͤgt, ſo ſind 25 bis 30 Tonnen Torfaſche d Sit un darunter, welche aber hier ebenfalls 15 bis 20 Pro⸗ aufbenchn zent Kalk enthaͤlt. Indeſſen liegt in dieſen berechneten d Toffiſt Quantitaͤten zu den Angaben der Arbeiter kein Miß⸗ diſf du fen verhaͤltniß, und verdient daher Zutrauen. eruin Die hiezu verwendeten Muſcheln werden zur in Alkne Fluthzeit vom Meere ausgeworfen, und bei eingetre— ent theunn tener Ebbe von den Lenten mittels Baggernetzen her⸗ n. Em ſe ausgeholt. Sie bleiben einige Zeit im Preien liegen⸗ u Ii. ſ bis der Regen ſie vom Sande befreit, naͤmlich ihn vaiſhe Cr abgeſpuͤhlt hat. und Shiih⸗ Bei der groſſen Hitze, welche man in einem geſelt iſ, ſolchen Torfhaufen zu erzielen vermag, iſt es kaum zwei— Torfbanke felhaft, ob man nicht auch Kalkſteine auf aͤhnliche Pobrannten Weiſe brennen koͤnne. Es iſt zwar nicht dem gering— ſend Lubi ſten Zweifel unterworfen, daß die Muſcheln leichter bbikfuß Kalt⸗ moͤgen gebrannt werden koͤnnen, als harte große Kalk— ſteine. Aber wo dieſe klein, muͤrbe und poroͤs ſind, wie z. B. der Tuftſtein, ſollte die Sache kauͤm ir— em Torf vict gend einem Anſtande unterliegen, und vielleicht ge— Aufbauen des duerte es üͤder purde. In 113 lübtennen, ud Torf à 260 Stuͤck, alſo auf 25000 Stuͤck Torf angegeben. Da man verſccett o hievon einen Cubikfuß machen, ſo waͤren dieß, ohne die Tdage fortzliſe Brocken ꝛc. zu rechnen, 2778 Cubikfuß: was mit dem hier bezeichneten groͤſſeren Haufen in einem ziemlich richtigen Ver— auf 1oo Sbol haͤltniß ſtehet. I. Theil. 21 322 Armen⸗Colonie laͤnge es auch, ſelbſt aus den haͤrteren groͤſſeren Kalk⸗ ſteinen in ſolchen Haufen die Kohlenſaͤure auszutreiben. Der Kalk iſt in der Armen-Colonie, obſchon noch Vieles gebaut wird, und noch lange gebaut werden muß, nicht ſo ſehr Beduͤrfniß zum Bauen, als vielmehr zum Duͤngen der Felder. Und dieſes Beduͤrfniß wal⸗ tet in torfigen und Haidegegenden uͤberall vor. Daher waͤre eine Nutzanwendung fuͤr ſolche ſehr wuͤnſchens— werth, und gewiß realiſirbar. Ich habe nirgens erheben koͤnnen, wie hoch der Geſellſchaft eine ſolche Tonne Kalk im Preiſe zu ſtehen koͤmmt, nur das hat ſich aus den Noten er— geben, daß dieſer Kalk als Duͤngerzuſatz den Colo⸗ niſten um den Erzeugungspreis, an die in Accord arbeitenden Bauleute aber um den hoͤher ſtehenden kurſirenden Preis des Kalkes in der Umgegend ab— gegeben werde. Die Miſtbehandlung in der Colonie. Ohne Duͤngung gibt es keine ergiebige Ernte. Wo eine große Zahl Menſchen auf einem kleinen Raum zu landwirthſchaftlicher Beſchaͤftigung, ja zum Verdienſt der Befriedigung ihrer geſammten Beduͤrf⸗ niſſe unter Aufſicht geſtellt iſt, ſind eine intenſive Wirthſchaft, ſtarke Duͤngung und wohlgeordnete Ar— beit erſte Bedingungen des Beſtehens. Einen armen Boden fruchtbar zu machen, iſt immer eine ſchwere Aufgabe; ſie iſt aber doppelt vand geben, konnton hfande alle ſi Muim ſact ihn M groſeten Kil (auszutreiben jobſchon goc t werden muff als vielneh eduͤrfniß wi⸗ vor. Daher t wünſchens⸗ wie hoch det Preiſe zu en Roten atz den Cole e in Accord er ſtehenden gegend ab⸗ onie. eebige Ernte inem kleinen ung, ja zun ten Bedürß ne intenſtbe heordnete A. machen, i aber dopbat Freederiks⸗Oord. 525 ſchwer, wenn dieß durch arme, unfleißige und der Sache unkundige Menſchen geſchehen ſoll. Wir haben bisher nur das Beginnen der Ur— barmachung in Freederiks⸗Oord entwickelt; eine fortgeſetzte Verbeſſerung des Bodens muß der Colo— niſt ſelbſt erzwecken, und das Erſte, deſſen er hiezu bedarf, iſt der Miſt. Wir wiſſen, daß er zu 83 Tagwerk Ackerlandes 2 Kuͤhe, oder 1 Kuh und 10 Schafe, daß er ſein Feld, alles zwar nicht unter dem Pfluge, aber un— term Spaten, und ſomit keine natuͤrlichen Wieſen hat. Dieſer Viehſtand waͤre nun bei einer gewoͤhnlichen Behandlung des Miſtes zu beſchraͤnkt fuͤr einen in— tenſiven Wirthſchaftsbetrieb und die Coloniſten wuͤr— den uͤbel dabei beſtehen. Hier aber hat der chineſiſche Mandarin ſeine Kunſt in Anwendung gebracht, und dem General van den Boſch zu Anordnungen Veranlaſſung ge⸗ geben, welche nicht ohne glaͤnzenden Erfolg bleiben konnten.. Die Vorſteher der Colonie verlangen, daß jede Haushaltung jaͤhrlich 300 Fuder Miſt zu 1000 Pfund oder 10 Zentner mache; um damit jedes Jahr alle ſeine Felder duͤngen zu koͤnnen. Dieß iſt das Minimum und betraͤgt 25 Fuder monatlich; man ſucht ihn aber monatlich auf 30 Fuder zu ſteiern. Man rechnet bei uns 20 bis 25 ſolche kleine 21* 524 Armen⸗Colonie Fuder jaͤhrlich auf eine Kuh; hier treffen 150 bis 130, alſo das 2 bis zfache auf eine ſolche. Es muß in einer gewoͤhnlichen Wirthſchaft gut gehen, wenn das Tagwerk alle 3 Jahre 20 Fuder Miſt erhaͤlt; in der Colonie haͤlt ein ſolches jaͤhr— lich 350 Fuder und daruͤber, demnach in 3 Jahren 100 Fuder pr. Tagwerk. Als allgemeine Duͤngerquellen benuͤtzt die Colonie a. die Straſſen, welche alle 6 Monate abge— raͤumt und friſch bedeckt werden; b. die Kanaͤle, welche oͤfters geraͤumt werden muͤſſen; c. die Raſenbruͤcken, welche alle 3 Jahre zuſam— men fallen und erneuert werden; d. die Daͤmme, worauf Menſchen gehen und worauf die Weideſchafe getrieben werden, in gleichen Zeitraͤumen wie die Straſſen. Es iſt ſchon erinnert worden, daß das Straſſen— material in der Colonie aus Haideraſen, Torf und Sand beſtehe. Dieß gibt zwar eine ſehr ſchlechte und kothige Straſſe, welche nur mit den dort allgemein uͤblichen Holzſchuhen zu paſſiren iſt; aber dieſes Ma— terial gibt unter dem Einfluſſe von Luft, Waſſer, mechaniſcher Knetung und thieriſchen Exkremente in kurzer Zeit einen vortrefflichen Duͤnger, welcher halb— jaͤhrig in ſehr bedeutender Quantitaͤt gewonnen wird. Ein aͤhnliches Verhaͤltniß waltet bei den Daͤmmen ob. d leſer dafin t ih mriunte ſiſ und an d Lampi nit der „) Ad Freederiks⸗Dord. 525 1 lö0 le Die Kanaͤle ſchlaͤmmen immer die feinere und 7, beſſere Erde, Torf ꝛc. zuſammen; das aus den Feldern tſſchaft a dahin abgeleitete Waſſer fuͤhrt Humus mit ſich und 2o Jae ſezet ihn dahin ab; folglich iſt das aus den Kanaͤlen olches ſin geraͤumte Materiale ein ſehr achtungswerther Dung— 3 Jahren ſtoff. Daß die Raſenbruͤcken, deren Zahl die der Co— benüͤtt di loniſtenhaͤuſer wahrſcheinlich um mehr als das Drei— ſache uͤbertrifft, zuſammenfaulen, und eine anſehn⸗ nate abge— liche Menge brauchbaren Dungſtoffes liefern, iſt ge— wiß weniger zweifelhaft, als ihr Dienſt iſt, den ſie umt werden als fahrbare Bruͤcken leiſten ſollen. 6 Eine beſondere, und die wichtigſte Duͤngerquelle ahre zuſan⸗ iſt der Stallmiſt. 4 Bei dieſem koͤmmt es aber vor Allem auf hin— gehen und reichendes Streumateriale an, was die Armen⸗Colonie in gleichen zur Zeit ausſchließlich auf ihren Haiden findet. Das wenige Stroh von den Cerralien koͤmmt bei einer s Straſſen ſolchen Miſtquantitaͤt kaum in Anſchlag, und iſt den Torf und Coloniſten theils als Viehfutter, theils zu Daͤchern hlechte und und andern Arbeiten nothwendig. algemein Die Haideplaggen werden hier nicht wie in der dieſes Ma⸗ Campine, mit der Plaggenhaue gehauen, ſondern „Waſfe, mit dem hieſigen Univerſal⸗Inſtrument, dem Spa— temente in ten geſtochen, und in Wallmen oder Haufen gewor— cher hal⸗ fen.*) Sie werden, wenn ſie abgetrocknet ſind, den nnen witd.— immen o*) In Anſehung der Haidevlaggen glaube ich mich hier auf dasje⸗ ————————.4—4—— —— 326 Armen⸗Colonie Coloniſten, die ihrer beduͤrfen, nach Hauſe gefahren, b und von ihnen in der Scheune in dichte Haufen geſetzt. V 4 el D nige beziehen zu koͤnnen, was ſchon S. 121 in der Campine din 1 daruͤber angemerkt worden iſt. Auch hier werden ſie entwe⸗ ciil d der in ſehr ſchmalen Reihen, oder ſchuͤſſelfoͤrmig ausgehoben, d ſo, daß mit dem Abplaggen der Haide, ihr nur die Haͤlfte V t G ihres Raſens genommen, zuweilen die groͤſſere Haͤlfte ſtehen d gelaſſen, und erſt dann auch abgeplagget wird, wenn die zu⸗ dihttt, erſt entbloͤßten Stellen wieder vollſtaͤndig mit Raſen bedeckt V a Hi ſind. aun Man plagget auf dieſe Weiſe alles oͤde Land ohne Aus⸗ hs nahme ab; duͤrre Haide, ſchlechte Wieſen, Torfboͤden u. ſ. w. machen darin keinen Unterſchied; ſie werden auf gleiche Weiſe licha abgeplasget. ⸗ vendi 7 Ueber die Zeit, welche zur vollſtaͤndigen Wiederberaſung 4 eines abgeplaggten Feldes erforderlich iſt, laͤßt ſich nichts o. 1 beſtimmtes angeben, weil dieſe von der Beſchaffenheit der b du. 8 vorhandenen Graͤſer, von der des Bodens, und endlich ſelbſt tern 4 vom Clima und von den herrſchenden Winden abhaͤngig iſt. 2 Aber immer bleibt ein fleckenweiſes Abplaggen die vorzuͤg⸗ ral lichſte Bedingung zur ſchnellen Wiedererzeugung des abgeplagg⸗ für ten Raſens; denn nur hiedurch wird der nachtheilige Ein-. haten fluß des Windes abgehalten, die Feuchtigkeit dieſen Stellen Se zugefuͤhrt und bewahret, und uͤberdieß eine natuͤrliche Be⸗ fä ſamung erzielt. Das ſchuͤſſelfoͤrmige Abplaggen machet mehr V Gener Muͤhe, iſt jedoch zweckmaͤſſiger, als das reihenfoͤrmige, Beült welches zwar leichter gehet, aber der neuen Beraſung nicht dän ſo guͤnſtig iſt. 3 Es verſteht ſich, daß dort, wo Flaͤchen, um ſie zu kulti⸗ d viren, oder zu Wegen, Straſſen ꝛc. abgeplaggt werden, eine als in 1 3½ vollſtaͤndige Abhebung des Raſens, und kein theilweiſes Ab— robhan 3 plaggen ſtatt findet, indem dabet kein friſcher Anflug des Raſens beabſichtet wird. hauſ geſahrn, b Haufen giſt ar in der Canfi werden ſe am⸗ fförmig ausgithn jihr nur dee zit raſſere Hälſe fan wird, wenn i g mit Raſen fät dde Land thregu , Torſboden ſ den auf gleige vi igen Viddtzni it⸗ ii 8 Jaiaiui a, und enli ſ dun Ke bplaggen die ni eugung desahrn det nacthelhhe5 ſigkeit dieſn eie eine natilite ploggen mattt n Gdus teterirel neuen detſtn hen,ur ſeſſ A enlag gg verbhr,-, dlhe te haucts ti un i Freederiks⸗Oord. 327 Um ſie ſpaͤter als Streu zu verwenden, werden ſie nicht Stuͤckweiſe genommen, und eingeſtreut, ſon— dern ſie werden klein von dem Haufen abgeſchroten. Dieß iſt um deßwillen wichtig, weil hiedurch eine hoͤchſt nuͤtzliche Zerkleinerung des Streumaterials erzielt wird. Das Haideplaggenſtechen wird auf Rechnung der Geſellſchaft von den Coloniſten in Accord ver— richtet, und jeder bezahlt dann fuͤr ſeinen Antheil an Haideplaggen der Geſellſchaft wieder ſo viel pro Rata, als ſie dieſe an Arbeitslohn gekoſtet haben. Da indeſſen fuͤr jede Coloniſtenhaushaltung jaͤhr⸗ lich an 230 bis 300 Fuder ſolcher Haideplaggen noth⸗ wendig ſind, und zu dieſem Behufe jaͤhrlich ohngefaͤhr 3 Tagw. zur Haͤlfte abgeplagget werden muͤſſen, und da zur Wiedererzeugung dieſer Plaggen, welche ſammt ihren 1 bis 2 Fuß langen Raſen ſo vorzuͤgliche Streu liefern, laͤngere Zeit erforderlich iſt; ſo waͤre fuͤr jeden Coloniſten auſſer ſeinem 3¼ Arpent ur⸗ baren Landes, noch wohl eben ſo viel Haideland zur Streuproduktion nothwendig. Dieſes ſcheint aber den General van den Boſch, der lieber auf die ſtaͤrkere Bevoͤlkerung der Colonie rechnet, zu viel, und man dachte auf andere Streu⸗Surrogate. Das naͤchſte nun, was ſowohl in der Colonie als in der Gegend uͤberhaupt in groſſer Quantitaͤt vorhanden waͤre, iſt der Torf. Der General haͤlt aber den Torf fuͤr abſolut 3528 Armen⸗Colonie unbrauchbar als Streumateriale. Er ſagt, daß ſich der Torf in den thieriſchen Exkrementen gar nicht, oder doch nicht hinlaͤnglich aufloͤſe, und der faulen Gaͤhrung widerſtrebe. Er haͤlt dafuͤr, daß man den Torf nur durch Vermengung mit gebranntem Kalk oder mit friſcher Torf⸗Aſche zu einem nutzbaren Duͤngermateriale vorbereiten koͤnne, wozu die thieri⸗ ſchen Auswuͤrfe des Viehes voͤllig unzureichend ſeyen. Zu bemerken moͤchte hier ſeyn, daß der Torf jener Gegend ſich voͤllig weiß brennt, alſo kein Eiſen, hingegen 15 bis 20 Prozent Kalk enthalten ſoll. Den Torf verwarf alſo der General, und waͤhlte dafuͤr das Abplaggen des jaͤhrigen Klee- und Ray— graslandes der Coloniſten. Hiedurch wuͤrde der Coloniſt den groͤſſeren Theil ſeiner Streu ſelbſt erzeugen, da er hievon jaͤhrlich 400 Q. Ruthen, und uͤberdieß 300 Quadratruthen Fioringras bauet. Dieſe 300 Quadratruthen Klee und Raygras*) betragen mehr als 1 ¾ bayeriſche *) Ich vermuthe hierunter franzoͤſtſches Raygras. Allein, in einer Note des Herrn von Grouner, fand ich es als eng— liſches Raygras(loliumfperenne) bezeichnet. Dagegen be⸗ merke ich blos, daß das engliſche Raygras wegen ſeines dich- ten und kurzen Wuchſes nur zur kuͤnſtlichen Weide ſich eigne, wovon hier keine Rede iſt; und daß Herr von Grouner im Dezember in Freederiks⸗Oord war, alſo keines auf dem Felde geſehen hat, und wahrſcheizlich nur vom Fiorin⸗ gras auf die Vermuthung gebracht wurde, daß hier engli⸗ ſches Raygras gemeint fey. Dabe herhſe pfänd iber 3 6 Rnen Düͤnger ig, de bexeit Nlage geachet Fade auch d 9 9 „ ſen w o de ſif ſch Dorzan deſer linen, 6 olonſ veelches ſch met Freederiks⸗Oord. 329 gt, daß ſc u gar nih, d da ful daß mnan da anntem Kat in nußbara u die thie. eccend ſon. ß der duf Tagwerk Flaͤchenraum, und koͤnnen, wenn ſie im Herbſte nur 1 Zoll dick abgeplagget werden, 420000 Pfund Streu gewaͤhren, waͤhrend der Coloniſt nie uͤber 300000 Pfund brauchen wird. Es iſt richtig, daß dieſer Klee- und Raygras⸗ Raſen ſehr Humusreich iſt, und daß er ſich ohne Duͤngeraufwand am Boden bilde; es iſt ferner rich— tig, daß die Ernte dieſes Feldes von dem Coloniſten bereits vollſtaͤndig abgenommen iſt, wenn er dieſe kein Eſa Plaggen im Herbſte abnimmt: aber es kann demun— ſten ſol geachtet nicht in Abrede geſtellt werden, daß er dem und wißle Felde hiedurch jenen Duͤngerſtoff entziehet, welcher jund Na auch durch das Unterpfluͤgen, obſchon langſamer, duͤn⸗ gen wuͤrde. Es waͤre daher immer noch die Frage, ſeren Theil ob die anderwaͤrts uͤbliche Methode, gruͤnen Duͤnger⸗ n jährlich ſtoff ſich auf beſondern Feldern zu erbauen, nicht den dratrathen Vorzug verdienen moͤchte?— Die Beantwortung then Klei dieſer Frage gehoͤrt indeſſen nicht hieher, ſondern an bayeriſch einen andern Ort. Es iſt vorlaͤuſig hinreichend zu wiſſen, daß die alen,hb Coloniſten durch das Abplaggen ihres Graslandes, es als eng⸗ welches ſie nicht laͤnger als ſolches benutzen wollen, Ddagegen be⸗ ſich mehr als zureichend Streumateriale verſchaffen ſniedi koͤnnen, und nicht durchaus von den Haideplaggen ei un abhaͤngig ſind. keines auf Uebrigens achtet der General van den Boſch vom ini 2 Fuhren Miſt aus ſolchen Raſenplaggen eben ſo hier engl⸗ hoch in ihrer Wirkung, als 3 Fuhren aus Haide⸗ 550 Armen⸗Colonie plaggen. Ein Umſtand, welcher wohl bemerkt zu wer⸗ den verdient, weil hiedurch ein Theil des entzogenen Dungſtoffes gleichſam durch die beſſere Qualitaͤt wie— der erſetzt wird. Auſſer dieſem Streumateriale wird wohl auch Buchweitzenſtroh u. dgl. benuͤtzet, doch iſt dieſes in Hinſicht auf die Quantitaͤt nicht von beſonderm Be— lange. Das Einſtreuen bei dem Rindvieh geſchieht taͤglich 2 Mal, Fruͤh und Abends. Die Streu ſelbſt bleibt eine ganze Woche, d. h., 7 Tage und 7 Naͤchte unter dem Vieh und wird dann zuſammen ausgemiſtet. Jeden Morgen wird diejenige Haͤlfte des Stall— miſtes, welche unter dem hintern Theil des Rind— viehes liegt, nach vorne geſchafft, und die vordere Haͤlfte zuruͤck, und auſſerdem wird fuͤr jede Kuh 4 Fuder(einſpaͤnig gerechnet) Haideplaggen mit der Schippe in kleinen Stuͤcken von dem Haideplaggen— haufen in der Scheuer abgeſtochen und ebenfalls am hintern Theil des Viehſtandes verbreitet. Am Abend eines jeden Tages geſchieht daſſelbe; der hintere und vordere Miſt werden ausgewechſelt, und es wird wieder friſch eingeſtreut. Bei dem Auswechſeln und Wenden der Streu und des Stallmiſtes beabſichtiget man eine gleichfoͤr— mige Traͤnkung und Bereicherung deſſelben mit thie— riſchen Auswuͤrfen, das beſſere Abtreten des Miſtes lichd dabei line K ſs N ſt, ſ Atten reiche wechſ vwie tels Freederiks⸗Oord. 551 mnerkt zu te, 8 entzogenen zualitit vie vom Vieh und die Zerkleinerung der groͤſſeren Stuͤcke waͤhrend dem 13 maligen Ruͤckwaͤrts- und Vorwaͤrts⸗ ſchaffen ſelbſt. wohl aut Nach 7 Tagen ſind fuͤr jede Kuh 3 bis 4 Fu⸗ ſt dieſes i der Haideplaggen eingeſtreut, bereichert mit jedem nderm Ve Tropfen thieriſchen Abfalles, zertreten und zerkleinert, und zum Theil auch gegohren. Nun wird ausgemiſtet. · geſchih Dabei wird der Stallmiſt im Stalle mit der Schippe Srru ſabf klein abgeſchroten und in die Miſtgrube(Gierbak age und genannt) gebracht, und daſelbſt gleichmaͤſſig vertheilt. zuſammen Bei den Schafen und Schweinen hat nur taͤg— lich des Morgens das Einſtreuen ſtatt. Man rechnet des Stal⸗ dabei auf 10 Weideſchafe ſo viel Streu als auf des Rind⸗ eine Kuh; etwas mehr bei den Schweinen. Da die— ie vordere ſes Vieh aber nicht, wie das Rindvieh, angehangen d Küh 1 iſt, ſondern frei herum laufet, und den Miſt aller n mit der Orten gleichfoͤrmig abtritt und mit Exkrementen be— ideplaggen reichert: ſo hat hier kein taͤgliches Wenden oder Aus— enfalls an wechſeln der Miſtlagen Statt. Dieſer Miſt wird, wie jener des Rindviehes, alle Wochen Einmal mit— öt daſſelbe, tels Abſchroten ausgemiſtet. gevechſil Der Gierbak, Miſtbeehaͤlter, iſt hier ein zir⸗ kelrundes, 3 bis 4 Fuß tiefes Behaͤltniß, worein der Strel der Stallmiſt gebracht wird. Es iſt am Boden und gleichit an den Seitenwaͤnden mit rohen Torfziegeln oder mit mit thit Haideplaggen ausgemauert, und ſoll waſſerdicht ſeyn, des Miſi⸗ was es aber nicht iſt. Der Gierbak liegt ruͤckwaͤrts 332 Armen⸗Colonie des Hauſes, Tab. VI. Fig. 17. g, hat einen Durch⸗ meſſer von zwoͤlf Fuß und zuweilen auch groͤſſer. In jenem Grundriſſe, welcher aus dem Werke des Herrn Staatsrathes von Keverberg entnom⸗ men iſt, ſtehet der Rindviehſtall mittels eines groſ— ſen Abzugsgrabens e mit der Gierbak in Verbin— dung, ſo wie auch der Abtritt f durch einen Kanal damit verbunden angezeigt wird. Dieſes ſcheinet aber beides nicht richtig zu ſeyn, und zwar 1. weil der Stall d durch den groſſen Abzugs⸗ graben viel zu klein wuͤrde; 2. weil dieſer Abzugsgraben keinen Zweck haͤtte, indem die groſſe Menge Streumateriale dafuͤr ſorgt, daß nicht ein Tropfen fluͤſſiger Duͤnger vorhanden iſt, daher nichts in den Graben gelangen und nichts in ihm abziehen koͤnnte; 3. weil der Abtritt ſich verordnungsmaͤſſig in ein Faͤßchen, welches, wie Fig. 19. h zeigt, neben der Gierbak im Boden eingegraben iſt, ergieſſen muß; alſo gar nicht frei in die Gierbak einmuͤnden darf. In dieſer Gierbak bleibt der Stallmiſt 4 Wochen; dann wird ſie geraͤumt. Es ſind demnach in einer vollen Gierbak 4 Lagen Miſt, wovon die erſte oder unterſte 3 bis 4 Wochen, die zweite 2 bis 3 Wochen, die dritte 1 bis 2 Wochen, und die di halte, ſerſlt d ninmt Soähl ſen un tnger hi daſer naß, g do indem es al, dan ſeinen Dur groͤſer. dem Vet erg entnon, eines lguſ in Verbi, einen Kanul „ 1 tig zu ſen en Ahugs weck haͤtt, für ſorgt, vrhanden and vichts zmaͤſſig in gt, neben Wexgieſen einmuͤnde allmiſt ˖ demnach vovon die eite 2 bis und die Freederiks⸗Oord. 555 vierte oder oberſte einige Tage bis eine Woche darauf liegen. Bei jedem Ausmiſten wird der abgeſchrotene Miſt gleichheitlich in der Gierbak vertheilt, es mag Rindvieh⸗-, Schaf-, oder Schwein-Miſt ſeyn. Die Oberflaͤche deſſelben wird nicht bedeckt. Die wohlausgluͤhte Torfaſche aus dem Haus— halte, das Kehrigt und dergleichen Abfaͤlle werden ſorgfaͤltig daruͤber verbreitet. Der Abtritt des Hauſes Tab. VI. Fig. 19 f nimmt auſſer den Exkrementen der Menſchen alles Spuͤhlicht, Kuͤchenabfaͤlle, Seifenwaſſer u. ſ. w. auf, und ergießt ſich in das Faͤschen h, welches ungefaͤhr 4 bayeriſche Cubikfuß oder 1¼ Eimer faſſet. Es iſt ſtreng geboten, daß dieſes Faͤßchen alle 2 Tage voll werden muͤſſe; und dann wird es mit hoͤlzernen Scha⸗ pfen ausgeſchoͤpft und gleichmaͤßig uͤber den Miſt, gleichſam als ein Ferment, vertheilt. Da eine Gier— bak ungefaͤhr 30 Fuder Miſt faſſet, und 4 Wochen liegt, ſo enthaͤlt es 14 ſolche Faͤßchen voll der be— ſten und gaͤhrungsfaͤhigſten Exkremente, im Be— trage von 56 Cubikfuß zugegoſſen. Hiedurch, und durch das zudringende Regen— waſſer wird der Miſt nun feucht, oft aber auch mehr naß, als gut iſt. Weder Guͤlle noch Miſtjauche wird gemacht; indem es Geſetz iſt, daß ſo viel eingeſtreut werden ſoll, damit nicht ein Tropfen thieriſcher Fluͤſſigkeit er— 1 B 334 Armen⸗Colonie uͤbrige. Es iſt daher dasjenige, was der Regen aus⸗ lauget und fortfuͤhret, reiner Verlurſt. Wenn nun die 4 Wochen herum ſind, und der Stall wieder ausgemiſtet werden ſoll, wird die Gier— bak geleert. Zu dieſem Ende wird der Miſt in der Gier— bak mit der Schippe von oben bis unten klein ab⸗ geſchroten, und daneben, z. B. Fig. 19, 84 Lagen⸗ weiſe in einen Stock feſt zuſammen geſetzt, ſo, daß nun zerkleinerter Miſt von jedem Alter in jede Lage zu liegen komme. Dieſe Miſtſtoͤcke werden 3 bis 5 Fuß hoch geſetzt, und auſſen mit einer Decke von Haideplaggen umgeben, beſtimmt, die innere Waͤrme des Miſtſtockes abzuſchließen, und den Zudrang des Regenwaſſers abzuleiten. Nachdem der Haufe ſo 1, 2 bis 3 Monat ge⸗ legen und gegohren hat, wird er auf das Feld ge— fuͤhrt, welches damit geduͤngt werden ſoll. Die Decke von Haideplaggen wird daher ab— genommen, und koͤmmt zu unterſt in die Gierbak. Nun wird der Haufen nochmals mit Schippe ab⸗ geſchroten, und in dem beſchriebenen einſpaͤnnigen Kipp⸗ karren auf das Feld gefahren. Auf dem Feld wird nun dieſer Miſt nochmals auf einen Haufen geſetzt, und dort wird jede Miſt⸗ lage mit einer angemeſſenen, und mehrentheils durch fruͤhere Dungproben feſtgeſetzten Quantitaͤt gebrann⸗ Nägen au nd, und det die Gier, der Gier, klein ab⸗ 81 Lagen, t, ſo, daß jede Lage 3 bis 5 Decke von ere Waͤtme drang des Ronat ge⸗ Fald ge⸗ daher ab⸗ Gierbat Schippe d⸗ nigen Kin⸗ t nochnub jede Mit heils durh t gebran⸗ Freederiks⸗DOord. 335 ten Kalkes eingeſtreut.*) Er bleibt nun hier wieder 2, 3 bis 4 Wochen in Haufen liegen, wo er dann zum vortrefflichſten Duͤnger verweſet iſt, vertheilt, an— geſtreut und untergepfluͤgt wird. Es kommen demnach bei dieſer Miſtbereitung folgende Arbeiten vor: 1. das Plaggenhauen, und ſie in Haufen- oder Wallmen legen; 2. das Plaggen-Nachhauſefahren und ſie in 4 eckige Haufen zu ſetzen;**) 3. das Abſchroten, Einſtreuen und taͤgliche Wenden der eingeſtreuten Plaggen; 4. das Ausmiſten und Einſchichten in die Gier— bak; 5. das Vermengen mit dem Hauskehrigt ꝛc., und das Ltaͤgige Uebergieſſen aus dem Abtrittfaͤßchen; 6. das Abſchroten in der Gierbak, und ſie mo⸗— natlich zu leeren, und den Miſt in Stoͤcke zu ſetzen; 7. die Bedeckung des Miſtſtockes mit Haide— plaggen; *) Er ſoll pr. Fuder 5 bis hoͤchſtens 4 Cubikfuß betragen, und man wird daher auf 300 Fuder jaͤhrlich nicht mehr als etwa 180 bis 300 Cubikfuß, oder 3o bis 48 Tonnen Kalk noͤthig haben. **) Inhaltlich der Bepalingen erhaͤlt jede Coloniſten⸗Haus⸗ haltung jaͤhrlich im Monat Dezember 150 Fuder Plaggen. 336 Armen⸗Colonie V 3. die Abdeckung deſſelben, und ein ferneres 3 Abſchroten, um den Miſt auf das Feld zu fuͤhren; aniha 1 9. deſſen Verſetzung mit Kalk und Aufſchichten de 5 in Haufen auf dem Felde; hüli 4 10. das Vertheilen, Ausbreiten und Unterpfluͤ⸗ gazice gen ꝛc. deſſelben. iß Das iſt freilich viele Arbeit; ſie gewaͤhrt aber K ſch jeder Haushaltung mindeſtens 300 Fuder Miſt jaͤhr⸗ drffſ lich, waͤhrend eine ſolche bei der gewoͤhnlichen Ver⸗ 3 richtung dieſes Geſchaͤftes hoͤchſtens auf 50 Fuder aßül rechnen duͤrfte. ſit wi Bloß durch vermehrte, zweckmaͤſſige Arbeit ge— lge winnt hier jede Haushaltung jaͤhrlich 250 Fuhren, ſcole oder 2500 Zentner Stallduͤnger, ohne dafuͤr irgend in g; eine Geldauslage machen zu muͤſſen. Denn der Kalk— iutic werth beſteht ebenfalls groͤßtentheils in Arbeitswerth Rnauj d der Coloniſten, und der Ankaufspreis ber Muſcheln garſge hiezu wird mehr als hinreichend gedeckt durch den Hadde Werth des im Stall erſparten Strohes. geſtt Nach den bewaͤhrteſten Erfahrungen rentiren ſich fräir aber 20 Zentner Stallmiſt durch eine Erntevergroͤſſer⸗ end n Dfuu ung um 2¾ bayeriſche Metzen Roggenwerth, ſomit 2500 Zentner mit 312 ¼ Metzen Roggenwerth. Ein Be⸗ trag, der allein ſchon groͤſſer iſt, als der jaͤhrliche 7 Geſammtverdienſt mancher Haushaltung, und den in dlung Freederiks-Oord der Coloniſt nur durch vermehr⸗ torden, ten Fleiß und durch eine wohlberechnete Anwendnng titdetſo ſeiner Kraͤfte durch den Miſt gewinnt. mcahen ein firners zu führen Auſſchicte Unterpfl- vährt abe Mit jaͤhr chen Ver⸗ 50 Juder Abeit ge ) Juhren, für itgend der Kalk, eitswerth Meſchel ducch den entiren ſch vergröſer⸗ omit 2500 Ein Be jährlich nd den in Hvermehte lnwendung Freederiks⸗Oord. 337 Wird auch dieſer Gewinn durch den Werths⸗ anſchlag der unabgeplaggten Haiden, oder ſpaͤter durch den Werth des entgangenen Dungſtoffes durch das Abplaggen eines halben Arpents Klee- und Ray⸗ grasfeldes etwas gemindert, ſo bleibt er immer noch betraͤchtlich genug, um den Wohlſtand der Colonie zu ſichern, und den großen Werth dieſer chineſiſchen Verfahrungsart in der Miſtbehandlung zu verbuͤrgen. Es iſt aber dabei unumgaͤnglich nothwendig, daß alle beſchriebenen Verrichtungen mit groſſer Sorg— falt und mit der gewiſſenhafteſten Puͤnktlichkeit voll— zogen werden. Denn wuͤrde man das vielmalige Ab⸗ ſchroten der Haideplaggen, das Wenden derſelben im Stalle, das dichte Setzen in Haufen fuͤr unwe— ſentlich halten und ganz unterlaſſen, oder doch nicht genau verrichten, ſo waͤre die ſchnelle Verweſung der harzigen, mit Gallusſaͤuere und Gaͤrbeſtoff verſehenen Haideplaggen unerreichbar; ſie wuͤrden ganz und un— zerſetzt auf das Feld kommen, dort aber, da ſie in freier Luft nicht verweſen, Jahrelang als Kloͤtze lie— gend mehr ſchaden, als nuͤtzen, indem ſie ſtets dem Pfluge ausweichen, und von der Egge nicht zerſtoͤrt werden koͤnnen. Solche traurige Erfahrungen ſind durch Ueber⸗ eilung und Nachlaͤſſigkeit in der That ſchon gemacht worden, und ich warne hier davor, damit ſie nicht wiederholt werden moͤgen. Das Gute muß man ganz nachahmen, Halbheiten fuͤhren zum Boͤſen. I Theil. 22 8 1 4 1 91 1 556 Armen⸗Colonie Man verfaͤhrt in dieſer Hinſicht in der Colonie ſehr aufmerkſam. Da man aus Erfahrung weiß, daß die Regennaͤſſe und die kuͤhle Temperatur des Herb— ſtes und des Winters der Miſtgaͤhrung und der Zer— ſetzung der Haideplaggen nicht ſo guͤnſtig ſind, als der Sommer, und da ſich gezeigt hat, daß die Co— loniſten mit ihrem Miſte oft zu ſehr in das Feld eilen, ſo hat der General van den Boſch, um den Nach— theilen dieſer Verhaͤltniſſe zu begegnen, Miſtproben eingefuͤhrt. Dieſe Miſtproben beſtehen darin, daß von dem Miſtſtocke, welchen man als reif betrachtet, eine Probe von mittlerer Beſchaffenheit genommen wird, wovon 2 beſtimmte Quantitaͤten abgewogen, und in deſtillirtem oder in Regenwaſſer aufgeloͤst werden. Nach einem 36 bis 43 ſtuͤndigem Stehen darin, werden aus der einen Probe die unaufgeloͤsten Fa— ſern mittels Filtration abgeſondert, und die Fiuͤſſig— keit bis zur Honigsdicke eingedampft. Das Einge— dampfte iſt der Extractivſtoff oder Humus des Mi— ſtes, und je nachdem er viel iſt, kann der Miſt fuͤr gut oder aufloͤslich genug betrachtet werden. Obſchon dieſes Verfahren nicht ganz genau, und nicht von aller Willkuͤhr frei iſt, ſo dient es doch fuͤr den beabſichtigten Zweck ganz vortrefflich, und gewaͤhrt bei aller Einfachheit maaßgebende vergleich— bare Reſultate. Die zweite Miſtaufloͤſung wird mit Lackmuspapier aaf ſte Sitti M it i nubro verden, 1n ſthen i ſttien D nur a ſaſſf ruſß Fäͤderſe nit Ka Freederiks Oord. 339 nuih auf freie Saͤuere verſucht und durch Kalkzuſatz das des Hat Saͤttigungsverhaͤltniß ermittelt. Wenn z. B. 32 Loth ir Je Miſt von dem vorhandenen Kalk 1 ¾ Loth Zu⸗ ſatz erforderten, bis er aufhoͤrte, die Farbe des Lak— in⸗ dü muspapier zu veraͤndern, ſo konnte daraus geſchloſſen deſee werden, daß man einem jeden Fuder dieſes Miſtes Aregled à 10 Zentner ohngefaͤhr 42 Pfund dieſes Kalkes zu⸗ a Nach⸗ ſetzen muͤßte, um die vorhandene freie Saͤuere zu liſtproben ſättigen. Da indeſſen dieſe vegetabiliſchen Saͤuren ſelbſt Vi den nur eine Verbindung von Kohlen-, Sauer- und Waſ⸗ it, en ſerſtoff ſind, und durch einen angemeſſenen Gaͤhrungs⸗ nen wir, prozeß voͤllig zerſetzt werden koͤnnen; ſo iſt es nicht „und in jederzeit nothwendig, ſelbſt nicht immer raͤthlich, ſie werden. mit Kalien ganz zu ſaͤttigen. Wenn ihre Quantitaͤt darin, zu groß waͤre, oder die des Extractivſtoffes zu klein ſich ien Fa⸗ zeigte, ſo iſt es am beſten, den Haufen Miſt abzu— eFüſſi⸗ ſchroten, mit einem verhaͤltnißmaͤſſig kleinern Kalkzu⸗ as Einge⸗ ſatz wieder aufzuſchichten, und mit Haideplaggen gut des M⸗ zu bedecken. Nitt fur Die Zerkleinerung der Maſſe, die in derſelben enthaltenen, thieriſchen Exkremente, die aus dem ge— enau, und brannten Kalke frei werdende Waͤrme, veranlaſſen zu— es doch ſammen in kurzer Zeit eine ſehr heiſſe, alle vegetabiliſche lich, und Faſern zerſtoͤrende Gaͤhrung. Der Miſt wird darin vergleic oft ſo heiß, daß man ihn nicht in der bloſſen Hand zu halten vermag. muspapſe Der General van den Boſch will, daß das 22* 540 Armen⸗Colonie Fuder Miſt, wenn es auf das Feld gefuͤhrt wird, bereits 20 Pfund, alſo 2 Prozent Exrtractivſtoff obi⸗ ger Art gewaͤhren ſoll. Dies wuͤrde im Momente der Ausfuͤhrung 6000 Pfund fuͤr jene 34 Tagwerk betragen, welche ein Coloniſt jaͤhrlich duͤnget. Daß der Torf als Streumateriale hier keine Anwendung finde, iſt ſchon bemerkt worden. Dieſer Umſtand hindert indeſſen nicht, ihn dennoch in zwei Formen ſogleich als Duͤnger zu benuͤtzen. Zuerſt wird ſein Raſen auf die uͤbliche Weiſe abgeplagget, und die hier gewonnenen Plaggen ſind das gewoͤhnliche Streumateriale. Nun folgt eine Torfſchichte, welche mit dem Spaten aufgegraben, in Haufen geſetzt, und da etwas abgetrocknet wird. Die abgetrockneten Torfe werden nun auf den gebrannten Sandboden gefuͤhrt, daruͤber verbreitet, und dem Winterfroſte ausgeſetzt. Bis zum Fruͤhling ſind ſie ſo muͤrbe und locker, daß ſie mit einer Buſch— egge in Pulver zerrieben werden koͤnnen, und nun ei— nen feuchten Duͤnger des duͤrren Sandes bilden. Die zweite Form, in welcher der Torf als Duͤnger verwendet wird, iſt ſeine Aſche, welche man vorzuͤglich auf Klee ſehr wirkſam findet. Der aufgegrabene und abgetrocknete Torf wird zu dieſem Behufe auf Haufen bei gutem Wetter an— gezuͤndet, und die Aſche des zuſammen gebrannten Torfes dann geſammelt. Man war mit dieſem Torfbrennen immer auf die teo un ſo gur in dehalte jnthin Erfadun rice! dieſer, immer ſo wiit ſſt e9 und gu Drenen he tendom Eſſenwie viß ei ——nuu———Q—QO.=—— 8— Freederiks⸗Oord. 341 hu wird, die trockene Sommerzeit beſchraͤnkt; und dieß war ſiof be um ſo mehr unangenehm, als die Arbeit des Plag⸗ Momente gen- und Torfſtechens gewoͤhnlich der Winterzeit vor— dagverk behalten wird. Um ſich nun von Zeit und Witterung . unabhaͤngig zu machen, hat man hier eine engliſche ier keine Erfindung zum Torfbrennen in Anwendung gebracht, Dieſer welche eben ſo einfach als ſinnreich iſt. Es ſind dieß in zwei die Eiſenwiegen-Bogen Tab. IX. Fig. 26. im Grund⸗ riß, Fig. 27. von der vordern Anſicht dargeſtellt. ſe Weiſe Die ganze Eiſenwiege beſtehet aus 2 Eiſenſtaͤben mn ggen ſind 4 Fuß lang, auf welchen 5 eiſerne Bögen aaaaa von aigt eine einem Fuß im Halbmeſſer angebracht werden. hegraben, Unter jeden Torfhaufen wird nun eine ſolche wird. Wiege geſtellt, welche hohl, leer bleibt, und uͤber auf den den Haufen aufgeſchichtet wird. Am Ende wird in bbreitet, die Wiege hinein etwas trockener Torf und duͤrres Krüͤhüng Reiſſig gethan und angezuͤndet. er Buſc⸗ Dieſe Eiſenwiege haͤlt den Luftzug frei, und nun ei— dieſer, in Verbindung mit dem brennenden Torf, iſt ſden. immer im Stande, den naͤchſtumliegenden naſſen Torf dorf als ſo weit auszutrocknen, damit er langſam gluͤhet. Das ſhe man iſt es aber eben, was man wuͤnſchen muß, um viele und gute Aſche zu erlangen, nicht ein ſchnelles orf wird Brennen mit Flamme. Etter ar⸗ Herr von Grouner ſah nach 14 Tagen anhal⸗ brannten tendem ſehr ſtarken Regen, den Torf uͤber ſolchen Eiſenwiegen noch immer unausgeſetzt fortbrennen. Ge⸗ mer auf wiß ein ſehr groſſer Vortheil. 542 Armen⸗Colonie Von einer ſogenannten gruͤnen Duͤngung, wie das Unterpfluͤgen gruͤner Roggenſaaten ꝛc., iſt hier bei der Menge von beſſerem Stallmiſt mit Recht nichts bekannt. Ich erinnere dieß hier, weil man an— derwaͤrts das Gegentheil behauptet hat. Fruͤcht e b. a u. Dieſes Kapitel duͤrfte ſeiner Zeit in der Armen— Colonie ein ſehr ſachreiches und intereſſantes werden. Jetzt, wo die Colonie erſt im dritten Jahre zu be— ſtehen angefangen, wo noch Alles im Beginnen, ur— bar zu machen ꝛc. iſt, und bei dem Umſtande, daß Herr von Grouner im Winter in Freederiks⸗ Oord anweſend war, kann es leider nur ſehr duͤrf— tig und wenig befriedigend ausfallen. Es kann nicht wohl in den Abſichten der Ge— ſellſchaft liegen, den Fruchtwechſel fuͤr alle Coloni— ſten gleichfoͤrmig und unabaͤnderlich feſt zu ſetzen. Da ſie durch die Maßregeln in Anſehung der Miſterzeu— gung das Wohl der Colonie im Allgemeinen geſichert hat, und ſchon dadurch den Coloniſten noͤthiget, ein guter Bauer zu ſeyn, ſo kann ſie ihm in der Wahl ſeiner Fruͤchte etwas mehr freien Spielraum laſ⸗ ſen, um ihm mehr Anreitz zu Fleiß und Spekulation zu geben. Fuͤr den Anfang mußte indeſſen etwas feſt ge— ſetzt werden, und dieß beſtehet darin, daß die 9 ¼ Tagwerk des Coloniſten in 7 Theile getheilt und be— pflanzt werden: 1 nit G nit Fl o Thr 166 l. 166 b. N dde gung, wie 7 iſ hier nit Rech man an, 4 Armen⸗ werden. te zu be⸗ mnen, ur⸗ nde, daß deriks⸗ hr duͤrf⸗ er Ge⸗ Calovi⸗ een. Da ſiſterzeu⸗ geſichert zthiget, min der aum laſ⸗ ation zu feſt ge⸗ die 92 und be⸗ —J———— Freederiks⸗Oord. 345 100 Quadrat Ruthen oder 0,42 bayer. Tagwerk mit Gemuͤſe; 100 Q. R. oder 0,42 b. Tagw. mit Fruͤhkartoffeln; 400 Q. R. oder 1,68 b. Tagw. Klee, Gerſte und Raygras; 400 Q. R. oder 1,68 b. Tagw. Roggen als Gruͤnfutter; 400 Q. R. oder 1,08 b. Tagwerk mit Kartoffeln; 400 Q. R. oder 166 b. Tagw. Roggen zum Reifwerden; 300 O. R. oder 1,26 b. Tagw. Fioringras. Da indeſſen die Plaͤtze fuͤr den Gemuͤſebau, fuͤr Fruͤhkartoffeln, Gruͤnfutterbau und Fioringras in eine foͤrmliche Rotation zu ziehen nicht beabſichtiget ſcheinen, ſo bliebe ſolche nur fuͤr Gerſte, Roggen, Klee und Kartoffeln, und fuͤr dieſe war ſie in der Art beantragt, daß 1. Gerſte mit Klee und Raygras, 2. Klee und Raygras, 3. Roggen, A. Kartoffeln ſich folgen wuͤrden.*) Indeſſen weiß Jedermann, wie hinfaͤllig in kleinen Wirthſchaften eine Fruchtwechſelordnung iſt, *) Neuerlich iſt in den bereits angefuͤhrten Bepalingeun feſt— geſetzt worden, daß der Coloniſt bauen ſoll im 2. Jahre 375 Ruthen mit Roggen, 125»„ Fröuͤhtartoffeln, 250„„ Spaͤtkartoffeln, 150„„ Hafer und Klee, 500„ zu Heu, 100„ zu Garten;, 4 544 Armen⸗Colonie beſonders unter Umſtaͤnden, wo man, wie in der Co— lonie, jede Frucht duͤngen, und zu jeder Stunde auf ſein Feld gelangen kann. Jeder Coloniſt iſt aber gehalten, nicht blos jaͤhrlich ſein ganzes Feld, ſondern jede Frucht, die er darauf baut, beſonders zu duͤngen. Bereits iſt angemerkt worden, daß jeder Colo— niſt mindeſtens 350 Quadratruthen angebaut, und oft auch den Reſt ſchon mit Buchweitzen beſtellt an— tritt. Eben ſo iſt erinnert worden, daß aller Haide— boden vor ſeiner Beſamung gebrannt werden muͤſſe. Was alſo nicht ſchon geſchehen iſt, muß der Colo— niſt nachholen. Die Kartoffeln, eine Hauptnahrung der Colo⸗ im 3. Jahre 300 Ruthen mit Klee, 1000„„ Roggen, 575„„ Kartoffeln, 125„„ Kartof. u. Gruͤnfutter, 100„ zu Garten; im 4. Jahre 1000 Ruthen mit Roggen, 600„„ Stallfutter, 300»„ Kartoffeln, 100„»„ Flachs, 100„ zu Garten, 3o bis 40 hievon mit Fruͤhkartoffeln. Roration: 1 Roggen, 2 Klee, 3 Klee, 4 Roggen, 5 Flachs, Gruͤnfutter, Kartoffeln, 6 Roggen, 7 Kartoffeln, 3 Roggen. Dann wieder von vorne 1 Sommerrogen und Klee ꝛc. ꝛc. hoc. Aren⸗ in he richir kurem ouſeer 4 n der Co⸗ unde auf ct blos cht, die r Colo, t, und ellt an— Haide⸗ muͤſſe. Colbo⸗ Colo⸗ ünfutter, rtoffeln. ggen, 5 feln, s en und Freederiks⸗Oord. 345 niſten, werden im Neubruch, welcher gepfluͤgt und mit der Ruͤhrhacke gelockert iſt, gelegt, wie man ſie in der Schweiz zu legen pflegt; es werden in Reihen mit dem Spaten Stufen ausgehoben, und jeder Sa— menkartoffel mit einer Handvoll heiſſen Schafmiſt eingelegt, und ſpaͤter aus der Hand bearbeitet. Auf kultivirtem Boden werden ſie auf die be— kannte Weiſe, nach vorgaͤngiger Duͤngung, dem Pfluge nach, in die Furche gelegt. Wenn zur Zeit der Kartoffelſaat der Miſt hiezu mangelt, ſo wird auch ſpaͤter durch Ueberduͤngen der— ſelben nachgeholfen. Sobald es dahin kommen wird, daß man zu Ende des zweiten Jahres den Klee- und Raygras— Raſen zu Streu abplagget, ſo gedenket man dieſer Operation im naͤchſten Fruͤhjahr Kartoffeln mit ſtar— ker Duͤngung folgen zu laſſen. Der rothe Klee, Trifolium pratense, geraͤth in der Colonie vortrefflich, und wird 34 bis 4 Fuß hoch. Er wird immer in Vermengung mit Raygras, Avena elatior, gebaut. Er koͤmmt in die geduͤngte Sommerfrucht, wird im Herbſte des erſten Jahres mit Stallmiſt, und im naͤchſten Fruͤhling mit Torfaſche oder nochmals mit kurzem Miſt geduͤngt. Der Ertrag iſt dann freilich auſſerordentlich und beiſpiellos. Man trocknet hier den Klee nach der Klapp— 346 Armen⸗Colonie maier'ſchen Methode in Haufen, und findet dieſe Art ſehr bequem und gut. General van den Boſch hat die Erfahrung gemacht, daß der Klee vorzuͤglich nach, oder mit Haidekorn(Polygonum fagopyrum) gedeihe, und daß, wenn der Klee auf irgend einen Boden mit keiner Frucht gedeihen wolle, er doch mit dieſem Buch— weizen noch aufkomme. Mir ſcheint indeſſen, daß ſich dieſe Erfahrungen vorzugsweiſe nur auf ſehr trockenen Sand beziehen werden, wo der Buchweizen beſſer, als jede andere Samenfrucht, fortkoͤmmt, und dem jungen Klee die nothwendige Feuchtigkeit und einen ſchattigen Stand gewaͤhret. Der Roggen(Secale cereale) iſt als Gruͤn— futter in der Colonie auſſerordentlich beliebt. Er wird Stuͤckweiſe das ganze Jahr vom Maͤrz bis im De⸗ zember hinein geſaͤet, wachſet ſchnell, und gibt auf den wohlgeduͤngten Sandfeldern herrliches Futter. Sein ſchnelles Heranwachſen geſtattet uͤberall, ent⸗ weder vorher oder nachher, noch eine Ernte von Buchweizen oder Ackerſpaͤrgel(Spergula arvensis) ab⸗ zunehmen. Auch der Roggen zum Köoͤrnerertrag gewaͤhrt groſſe Ernten. Man hat mit gutem Erfolg die Stupfmethode, d. h., das Stupfen oder Stecken des Samen dabei in Anwendung gebracht. Uebrigens wird der Roggen ſchon ſeit Jahrhunderten von den tauiſ komm beſtii über 6 t Am Si ſeht alene dch känner ag d (ine n G 9 8 Freederiks⸗Oord. 347 dt di Bauern der hieſigen Gegend auf demſelben Lande, und ohne alle Brache gebaut. Er gedeiht immer fahrung gleich gut; es wird aber auch jede Saat geduͤngt. 17 Das Fioringras Grosſir alba) könnmt in Pflan⸗ kändr zen auf ſtark gebranntem, uͤbrigens fenchtem Boden, in ſeichte Furchen, und etwas bedeckt. Dieſes Gras Dut⸗ wuchert ſehr ſtark, ſcheint aber nur als Weidegras das ihm zu Theil gewordene Lob zu verdienen. kuie Das Hollaͤndiſche Fioringras(der deutſche ſo— dden genannte Windhalm) kommt gar nicht fort. Man le die mußte ſich auch in Freederiks⸗Oord Pflanzen aus Srand England kommen laſſen, die dann, obſchon keine bo— taniſche Verſchiedenheit an ihnen bemerkbar iſt, fort— Grin kommen. Indeſſen will es das Lob doch nicht recht .. beſtaͤtigen, das ihm in einer fruͤhern Druckſchrift id uͤber Freederiks-Oord geſpendet worden iſt, und d es waͤre moͤglich, daß man ſeine Anpflanzung in der a 4 Armen⸗Colonie ganz aufgaͤbe. Ta Natuͤrliche Wieſen haben die Coloniſten nicht. te den Sie ſollten wohl durch 1½4 Tagwerk Fioringras er⸗ is) ab⸗ ſetzt werden. Die Bauern der Gegend haben jedoch allenthalben Wieſen, welche wie die Poldern, je— doch nur im Winter, unter Waſſer geſetzt werden erih koͤnnen. Zeitlich im Fruͤhjahr muͤſſen ſie fuͤr den Ab— 45 zug deſſelben ſorgen, und ſie koͤnnen ohne Dung auf F eine maͤſſig gute Heuernte rechnen. er Weil hier das Waͤſſerungswaſſer ſuͤß und ohne ——Q——————————⸗xxxxxx:P— 343 Armen⸗Colonie Schlamm iſt, ſo iſt ſeine duͤngende Wirkung auch V fin mehr beſchraͤnkt als bei den Poldern. V ſn V fäͤnnr Der Viehſtand. V Die Geſellſchaft haͤlt auf eigene Rechnung hme 1. alles erforderliche Zugvieh, Pferde und Ochſen, V fele, 2. mehrere Heerden Schafe, V gen 3. das Belege-⸗Vieh, V ſebwe und erhaͤlt fuͤr erſteres Lohn, und fuͤr letzteres, und d zur Verguͤtung ihrer ſonſtigen Adminiſtrationskoſten, Nang wie bereits erwaͤhnt worden, von jeder Haushaltung duch jaͤhrlich 25 fl. hollaͤndiſch. jde Jeder Coloniſt hat hingegen von der Geſell— ſchaft zu erhalten 2 Kuͤhe; da er aber anfaͤnglich und durch Mangel an Futter zu Heu-Ankauf, und hie— ſichen durch zu betraͤchtlichen Schulden verleitet wuͤrde, ſo 1 bekoͤmmt er nur 1 Kuh, und ſtatt der zwtiten 10 bäni Schafe, welche ſich beim Tag ihre Nahrung auf Kohf dem Haideland ſuchen, und in der Nacht dennoch Miſt in den Stall liefern. iich Die Kuͤhe, welche den Coloniſten uͤbergeben roli werden, ſind weder von der groſſen hollaͤndiſchen, u d noch von der friſiſchen Art, ſondern von einer klei— Aln nen unanſehnlichen Race. lane Dieß geſchieht abſichtlich; indem der General van den Boſch der Anſicht iſt, daß bei neuen Ur— d barmachungen Quantitaͤt und Qualitaͤt des Futters knnal nicht fuͤr groſſe Viehſchlaͤge tauge; man daher an— Freederiks⸗Oord. 349 auj faͤnglich nur kleine mit Vortheil halten, und erſt ſpaͤter zu groͤſſeren und beſſeren Ragen uͤbergehen koͤnnne. Das Futter iſt jedoch in der Colonie, mit Aus— 3 nahme des angekauften, allerdings ſchlechten Wieſen— iſen, heues, und etwa des zu Heu gemachten gruͤnen Rog— gens,— wenn dieß uͤberhaupt Statt findet,— kei— neswegs unter die ſchlechten, ſondern ſchon jetzt un— und ter die nahrhaften Futterarten zu zaͤhlen. Klee und oſten, Raygras, Fioringras, gruͤner Roggen, Spaͤrgel, altung Buchweizen und Kartoffeln ſind Fruͤchte, bei welchen jede Viehrace gedeihen kann. Geſel⸗ Die Kuh gewaͤhrt nun der Haushaltung Milch nglich und Butter; die Schafe geben Wolle fuͤr den haͤus— hie⸗ lichen Bedarf. , ſo Die Schafe in der Armen⸗Colonie ſind hoch— 4 10 beinigt, lang und groß. Sie haben kleine magere auf Koͤpfe und ſind fein gefeſſelt. ennoch Die Wolle iſt lang und zottig, daher das Vließ nicht dicht oder geſchloſſen, wie es die kurz- und kraus— tgeben wolligen Haide-Schnuken haben. Ihre Wolle wird ſchen, zu den Halbwollen-Zeugen, wovon die Kleider der blei⸗ Coloniſten gemacht werden, zu Struͤmpfen ꝛc., in der Colonie ſelbſt verarbeitet. enetal Dieſe Schafe unterſcheiden ſich alſo weſentlich en Ur⸗ von den norddeutſchen Haideſchnuken, welche klein, utter kurzwollig und oft auch gefaͤrbt ſind. et an⸗ Auſſer den Kuͤhen und Schafen halten ſich die 350 Armen⸗Colonie Coloniſten auch Schweine. Zu dieſem Behufe haben ſie in der Naͤhe des gewoͤhnlichen Viehſtalles Tab. VI. Fig. 19. d ſich noch einen, bald groͤſſeren, bald kleineren Schweinſtall k abgeſondert. Die Schweine ſind Eigenthum des Coloniſten, und werden nicht von der Geſellſchaft angekauft. Mehrere Coloniſten hatten ſich bereits i. J. 1821 ſo Vieles erworben, daß ſie ſich ſelbſt Pferd und Karren angekauft, um gegen Lohn damit zu fuhr⸗ werken. Andere haben der Geſellſchaft ihren Vieh— ſtand zuruͤckgegeben, und ſich dafuͤr einen eigenen an— geſchafft, wodurch ſie die jaͤhrliche Miethe von 10 Gulden erſparen. Es iſt daher nicht zu verkennen, daß der Wohl⸗ ſtand und die Induſtrie dieſer Leute, welche fruͤher gewohnt waren, ſich nur von dem Fleiße Anderer zu naͤhren, im Wachſen ſeyen, und zu erfreulichen Hoffnungen berechtigen.. Brennmateriagale. Es iſt gelegentlich ſchon erinnert worden, daß die Coloniſten nur Torf brennen, indem das Holz ſehr theuer iſt, und jeder Stecken auf irgend eine nuͤtzli— chere Weiſe zur Verwendung kommt. 44) *) Jede Haushaltung hat jaͤhrlich fuͤr 12 bis 15 fl. Brenntorf nothwendig. ———õmmmm——— Freederiks⸗Oord. 3551 fe haben Zu Brenntorf ſticht man nur den guten, ſchwar⸗ lss Tab. zen, ſchweren Torf, bei welchem die vegetabiliſchen n, bald Faſern nur wenig oder gar nicht mehr bemerkbar ſind. Der rothe, leichte, fludrige*) Torf wird mit dniſten, Handhauen aufgehauen, noch ziemlich feucht in Hau⸗ ft. ſen gebracht und zu Aſche verbrannt. .1321 Nur der Brenntorf wird, nachdem er abge— d und plaggt ꝛc. iſt, regelmaͤſſig geſtochen. fuhr⸗ W Das Torfſtechen wird mit dem Spaten von 2 Vieh⸗ Mann verrichtet, wovon der eine vertikal und der nen an⸗ Andere horizontal ſticht, den Torf mit dem Spaten on 10 ſogleich aufhebt und in den hiezu vorhandenen Schub— karren legt. Wohl⸗ Ein Bube fuͤhrt die Torfſtuͤcke in dem Schub— früͤher karren an einen nahen trockenen Ort, und legt ſie oerer mit einem Zoll Zwiſchenraum zum Abtrocknen auf nüchen den Boden. So geht die Arbeit fort. Sobald dieſe Torfſtuͤcke an ihrer Oberfaͤche ei— nen gewiſſen Grad von Trockenheit erlangt haben, werden ſie mit den Haͤnden von Kindern umgewen— det. Wenn ſie auch auf dieſer Seite genuͤgend ab⸗ en, daß—. 4 getrocknet ſind, werden ſie in Mauern mit betraͤcht— hirh lichen Zwiſchenraͤumen zum Luftdurchzug geſetzt. Jüil Bei dieſer Behandlung wird der Torf zwar *⁴) In Bayern ſo genannt, und hier auch zum Kalkbrennen ver⸗ Btenntori wendbar. 4 352 Armen⸗Colonie. krumm und trocknet ſelten gut aus; da ſie aber ein⸗ fach, wohlfeil und wenig zeitraubend iſt, ſo behaͤlt man ſie dennoch bei. Wie er nun hier weiter abgetrocknet iſt, wird daraus zuerſt eine Einfaſſung aus Torfſtuͤcken auf—⸗ gemauert, und die uͤbrigen werden ſodann ohne be— ſondere Sorgfalt einwendig hineingeworfen, ſo, daß das Ganze einen groſſen, unbedeckten Torfhaufen bildet. In dieſer Art bleibt der Torf liegen, bis er von den Coloniſten zur Feuerung abgeholt wird, welche der Geſellſchaft dafuͤr das Koſten⸗Ratum be⸗ zahlen muͤſſen. Die Aufbewahrung in luftigen Schoppen, oder die Verkohlung des Brenntorfes waͤren freilich beſ⸗ ſer; aber dieſe Manipulation ſcheint fuͤr den An⸗ fang zu umſtaͤndlich. Das Torfgraben iſt in den ehemaligen Wes— terbek⸗Sloot, wie in dieſer Gegend uͤberhaupt, ſchon fruͤher betrieben worden. Herr von Grouner traf eine ſolche ausgetorfte Stelle, welche wieder ganz voll gewachſen, und, wie ſich von ſelbſt verſteht, mit Haidekraut bedeckt war. Ein 6 Fuß breiter und eben ſo tiefer Graben fuͤhrte durch die Gegend, und er unterſchied durch die verſchiedene Textur des Torfes die vormals aus— getorfte Stelle. Er hielt den neuen Torf fuͤr ſchlecht und unbrauchbar, und da ihm auch der General van — aber ein⸗ ſo behaͤl ſt, wird en auf⸗ hne be— ſo, daß fhaufen bis er t wird, atum be⸗ en, oder ich beſ⸗ en An⸗ Wes⸗ dethaupt, Hrouner he wiedet t verſieht, t Graben cied durch rmals auss fuͤr ſchect Heneal dan Freederiks⸗Hord. 35³ den Boſch in ſo ferne beiſtimmte, als er ſelbſt zu glauben aͤuſſerte, daß der Torf nur unter gleichen Umſtaͤnden, wie vormals, wieder wachſe, und Jahr⸗ hunderte zur Wiederausfuͤllung eines ausgetorften Beckens erforderlich ſeyen; ſo hielt er dafuͤr, daß ſich diejenigen ſehr taͤuſchen muͤßten, welche auf eine foͤrmliche Brenntorfwirthſchaft rechnen wollten. Indeſſen ſcheint mir, daß dieſe Bemerkungen wenig beweiſen. Herr von Grouner konnte ſich an der Qualitaͤt des nur von Ferne geſehenen Torfes, ſelbſt an der vermuthlich vormals ausgetorften Stelle getaͤuſcht haben. Und daß der Torf unter gehoͤriger Beruͤckſich⸗ tigung der Unſtaͤnde ſehr ſchnellwuͤchſig gemacht wer⸗ den koͤnne, beweiſen die Verſuche und Beobachtun— gen eines anderen Hollaͤnders, des Herrn Marum zu Haarlem, wie ich glaube, uͤberzeugender. Kirchen⸗ und Schul⸗Angelegenheiten. Es iſt im Eingange bemerkt worden, daß in der Armen⸗Colonie voͤllige Religionsfreiheit vorwalte, und daß ſich die Geſellſchaft verbindlich gemacht habe, fuͤr die religioͤſen Beduͤrfniſſe einer jeden Confeſſion, und fuͤr den Schul-⸗Unterricht der Jugend zu ſorgen. Vor der Hand, da die Colonie noch ohne Kirche und ohne Pfarrhaus war, haben i. J. 1321 die Pfarrer von Steenwykerwold und von Vled⸗ den die Coloniſten in geiſtlichen und kirchlichen An— I. Theil. 25 ———— —— ——————— 2—————‧——ꝛ—ꝛ—x————õ——ꝛBꝛxYℳy— ——— 8— 8 3— 354 Armen⸗Colonie gelegenheiten beſorgt, und die Kinder ihrer Confeſ⸗ ſion katechiſirt. G Die Geſellſchaft honorirt dieſe Bemuͤhungen fuͤr jede Coloniſtenhaushaltung einer jeden Confeſſion jaͤhrlich mit 30 Stuͤber, oder etwa 1 fl. 15 kr. unſrigen Geldes. Die Geiſtlichen klagten ſehr uͤber die Ignoranz der Jugend. Dieß duͤrfte wohl uͤberall bei der Bet⸗ teljugend der Fall ſeyn; und um ſo dringender ſollte auf eine angemeſſene Verbeſſerung ihrer Lage Bedacht genommen werden. Zur Zeit der Anweſenheit des Herrn von Grou— ner waren 3 Schulen fuͤr die Jugend vorhanden. Ein Lehrer und Gehuͤlfe lehren in jeder Leſen, Schreiben, Rechnen, Singen, etwas Geographie und Landesgeſchichte. Charaden und dergleichen Aufgaben dienen zu Verſtandes⸗Uebungen. Zwei von dieſen Schulen befinden ſich in Free— deriks⸗Oord in den Colonie Numern 1 und 4, die dritte iſt in Willems⸗Oord. Die Schulſtunden ſind nach den Jahreszeiten verſchieden, weil die Kinder auſſer der Schulzeit ar⸗ beiten muͤſſen. In Freederiks-Oord Nro. 1 hatten am 16. Dezember 1821 von 1 bis 3 Uhr Abends die kleinen Knaben und Maͤdchen gemeinſchaftlichen Un— terricht; von 3 bis 6 Uhr die groͤſſeren Maͤdchen; und von 6 bis 3 die groͤſſeren Knaben. onfiſ aͤhungen onfeſſon 15 kr. gnoranz r Bet⸗ Jſollte edacht Grou⸗ zanden. keſen, ie und gaben Ftee⸗ nd, eszeiten heit ar⸗ en am ads die den Un⸗ aäͤdchen; Freederiks⸗Oord. 355 In der Colonie Nro. 4 war die Unterrichts⸗ zeit von 10 bis 12 Uhr Morgens fuͤr die kleinern Knaben und Maͤdchen; von 2 bis 4 Uhr Abends fuͤr die groͤſſeren Maͤdchen; und von 6 bis 3 Uhr fuͤr die Zroͤſſeren Knaben.- Einer der Lehrer war 3 Jahre in der Wehrli— Anſtalt von Fellenberg in Hofwyl.*) Man hat hier eene gemiſchte Unterrichtsme— thode, welche vorzugsweiſe auf die Bildung des Ver⸗ ſtandes berechnet iſt. Da in der Schule von Religionsſachen nichts vorkoͤmmt, ſo beſuchen ſie die Kinder aller Religions— genoſſen ohne Unterſchied. Dieſer Gegenſtand, die moraliſche Bildung der armen Jugend, iſt ſehr wichtig, und verdient die be— ſondere Sorgfalt vollkommen, welche ihm hier zu Theil wird.**) *) Ein Bruder deſſelben, welcher ebenfalls in Hofwyl war, iſt Sekretaͤr des Generals. **) Man findet in der Colonie folgende Schulſchriften einge— fuͤhrt, welche Herr von Grouner hierher aufgebracht hat: 1. AB0— Boejekie fuͤr kleine Kinder; 4 deute koſtend; „ „FEerste Oefeningen in het lezen, 2½ Stuͤber koſtend; 12 3. Moeder anna en hare Kindertjes; een Schoolbackje. 2 Theile, 3 Stuͤber koſtend.; 4. Ian en ryn rusje, of cerste leeslesjes; 2 Stuͤber koſtend; 5. Grootmoeder en haar RHindje, of derde leeslesjes Stuͤber koſtend; 2 — 85 7 356 Armen⸗Colonie dent Das Verhaͤltniß des Coloniſten ſelbſt. 1 Ige Dieſes Verhaͤltniß iſt in allen weſentlichen Punk⸗ Pft ten durch die Bedingungen ſeiner Aufnahme, durch anh die Lage und Einrichtungen der Colonie feſtgeſetzt. d Arbeit iſt die erſte und vorzuͤglichſte Bedingung inne ſeines Daſeyns; und alle Arbeit wird von den er— füda wachſenen maͤnnlichen Coloniſten in groͤſſeren oder V lſin kleineren Abtheilungen gemeinſchaftlich verrichtet. Die Anordnung der Arbeit, welche jeden kom⸗ menden Tag zu verrichten iſt, erfolgt vom Direktor V di ſchriftlich und wird in militaͤriſcher Form eppedirt. V Fruͤh kuͤndet eine Glocke den Coloniſten die V dj Stunde zur Arbeit an. Sie erſcheinen auf dem Ver— f ſammlungsplatze und werden verleſen. Wer nicht or⸗ g. a 6. Vader lacob en zyne Rindertjes; 12te Auflage, 4 1 Stuͤber koſtend; rich 2. De Kleine Eindervriend; 15te Auflage 3 Stuͤber ko— bert ſtend; gut 6. De Hindervriend; 14te Auflage, 4 Stuͤber koſtend; 9. Verklaring der Bergrede van lezus; 3 Stuͤber ko—— ſtend; 10. Lee bock over den Landbouw; 3te Auflage, 11 ¹ 39 Stuͤber koſtend. b Wim Dieß ſind natuͤrlich nicht alle Buͤcher, welche man bei 1 dem laͤngeren Beſtand der Colonie⸗Schulen brauchen wird; 1 1 aber ſie bezeichnen den Geiſt des Unterrichts. Die Anfangs⸗ d buͤcher ſind beinahe durchgehends mit Figuren in Holzſchnitt 1 verſehen, um den unterricht bildlich zu erlaͤutern, und den d Kindern mehr Intereſſe dafuͤr einzufloͤſſen. m ſt. n Punk⸗ , durch eſeht. dingung den er⸗ en oder et. n kom⸗ Direktor dirt. ten die n Ver⸗ ht or⸗ flage, tüͤber lo⸗ koſtend; über ko⸗ age, 11 man bei en wird; Anfangs⸗ poljſcuitt und den Freederiks⸗Oord. 557 / dentlich gekleidet, oder zu ſpaͤt koͤmmt, wird nicht zugelaſſen, und leidet Abzug am Verdienſte. Die Wykmeiſter und die Sektienmeiſter machen die vor— zunehmenden Apbeiten bekannt, theilen die Leute hie— zu ab, und fuͤhren ſie zur Arbeit. So viel es nur immer thunlich iſt, wird alle Arbeit in Accord, und hiedurch den Coloniſten und ihren Kindern Veran— laſſung gegeben, ſich durch mehr Fleiß und Geſchick⸗ lichkeit ein groͤſſeres als das feſtgeſetzte Taglohn zu verdienen. Kinder von 6 bis 7 Jahren nehmen an dieſen Accordarbeiten Theil. Von einem ſolchen Kinde verlangt man ſchon, daß es ſich wochentlich 6 Stuͤber, oder ungefaͤhr 16 Kreuzer verdiene, obſchon es beſondere Kinderarbeiten gar nicht gibt, ſondern dieſe mit den Erwachſenen beihelfend arbeiten muͤſſen. Neue Ankoͤmmlinge, welche mit der Arbeit noch nicht umgehen koͤnnen, werden unter die Geuͤbteren vertheilt, und lernen bald ihre Arbeit ſchnell und gut verrichten.*) *) In den Bepalingen iſt feſtgeſetzt: Im Sommer um 5, im Winter um 6 Uhr fruͤh leitet die Glocke zum Aufſtehen und die Hausarbeit zu verrrichten. Eine Stunde ſpaͤter wird wieder gelaͤutet, und man verſammelt ſich vor dem Hauſe des Wykmeiſters, wird verleſen und zur Arbeit gefuͤhrt von den Sektienmeiſtern. Wer nicht kommt, verdient dieſen Tag keinen Lohn. Ein Mann kann ſich in Accordarbeit mit Haideplaggenſtechen ꝛc., was in den Monaten Juny 358 Armen⸗Colonie Weder auf dem Arbeitsplatze, noch in der Schule laſſen ſich die Coloniſten durch ankommende Fremde, oder ſonſt ein Ereigniß geniren. Sie arbeiten fort, und nehmen nur wenig Notiz von dem, was um ſie herum vorgehen mag. Dafuͤr, daß jede Arbeit gut und vollſtaͤndig ver— richtet werde, ſorgt der Aufſeher, welcher am Aer— cord nicht Theil hat, und fuͤr den Vollzug haftet. Auſſerdem ſind die Coloniſten in den mehrſten Arbeiten dabei intereſſtirt, daß ſie nicht viel Arbeits— taglohne koſten. Denn wenn ſie z. B. Haideplaggen oder Brenntorf ſtechen ꝛc., und dieſe verurſachen viele Arbeitskoſten, oder ſind von ſchlechter Beſchaffenheit, ſo muͤſſen ſie ſelbſt dieſe Maͤngel wieder buͤſſen; in— dem ſie ſelbſt es ſind, welche die Haideplaggen und den Brenntorf verbrauchen, und der Geſellſchaft das wieder dafuͤr bezahlen muͤſſen, was an Arbeitslohn daran verdient worden iſt. Daher iſt nicht nur der Aufſeher Controlleur der Arbeit, ſondern es kontrollirt uͤberdieß jeder Coloniſt die Arbeit des anderen. und July zu geſchehen pflegt, taͤglich 10 bis 12 Stuͤber, ein Knab von 12 Jahren 6 bis 9 Stuͤber verdienen. Die eine Haͤlfte des Verdienſtes wird in der Regel mit Karten be⸗ zahlt, die zweite aber zur Deckung der Schuldigkeit des Co— loniſten einbehalten. Nur ein Tag wird den Coloniſten wochentlich zur Miſt⸗ bereitung frei gegeben; die uͤbrigen Tage muß er bei der gemeinſchaftlichen Arbeit erſcheinen. ſtd dm ſowiſe ton g ſanme ds F baſen nera, er Schul Frende, en fort, Um ſie dig ver⸗ um A⸗⸗ ſaftet. nehrſten Arbeits⸗ plaggen en viele fenheit, en, in⸗ n und ſt das eitslohn nut der ittollir n. fuͤber, ein Die eine garten be⸗ it des Ce— zur Miſ⸗ er bei der Freederiks⸗Oord. 3559 Das allgemeine Feld⸗Inſtrument in der Colonie iſt der Spaten. Wenig wird mit der Haue, mit dem Pickel, dem Pfluge u. ſ. w. gemacht. Die Co⸗ loniſten erhalten fuͤr ihre geleiſtete Arbeit Billeten von gewiſſem Werthe. Gegen dieſe erhalten ſie Klei— der, Lebensmittel, Heu, Haideplaggen, Brenntorf u. dgl. m.; aber ohne Billet erhalten ſie nichts, auſſer in Ungluͤcksfaͤllen, fuͤr welche durch beſondere Fonds geſorgt iſt. Mit denſelben Verdienſtbilleten bezahlen ſie ih— ren Pacht, ihre Viehmiethe und ihren Adminiſtra⸗ tionskoſtenbeitrag, in ſo fern ihnen dieſer nicht ſchon in der Verdienſtberechnung abgezogen wurde; und endlich tragen ſie einen Theil der Schuld damit ab, die ſie durch Uebernahme der Mobilien ꝛc. bei ih⸗ rem Eintritt in die Colonie gemacht haben. Ein gleiches Verhaͤltniß hat bei den ſogenann⸗ ten Fabrikarbeiten Statt. Dabei iſt vorzuͤglich der weibliche Theil der Colonie beſchaͤftiget, wovon die— jenigen, welche nicht zu den haͤuslichen Arbeiten bei Hauſe bleiben muͤſſen, taͤglich in den Spinnſaͤlen ver— ſammelt ſind. Sie verrichten da unter der Leitung des Fabrik⸗Direktors und unter Aufſicht der Spinn⸗ baſen alle Arbeiten der Linnen- und Wolle-Spin— nerei, Naͤhen und Stricken ꝛc. Eben ſo werden die Coloniſten, welche hier anwendbare Handwerke koͤn— nen, hierin beſchaͤftiget. Die Erzeugniſſe dieſes Gewerbfleißes werden den 360 Armen⸗Colonie Coloniſten um den Preis, welchen ſie der Geſell⸗ ſchaft koſten, auf ihr Verlangen uͤberlaſſen. Hinge— gen iſt keinem Coloniſten geſtattet, Gegenſtaͤnde ſei— nes Beduͤrfniſſes, welche er in der Colonie haben kann, auſſerhalb derſelben anzukaufen. Sie duͤrfen die Colonie ohne ſpezieler ſchriftlicher Erlaubniß ſelbſt an einem Sonntag nicht verlaſſen. Hingegen iſt ih— nen geſtattet in dem Gaſthauſe der Colonie, welches keinen Coloniſten, ſondern einem Buͤrger von Steen— wyk angehoͤrt,— ſich taͤglich, und vorzuͤglich an Sonntagen zu unterhalten. Branntwein zu ſchenken iſt ſehr ſtreng verboten. Hingegen wird in den Spinn— ſaͤlen alle 14 Tage, am Sonntag, Tanzmuſik ge— ſtattet, wobei jedoch nur diejenigen erſcheinen duͤr— fen, welche ſich gut aufgefuͤhrt und fleiſſig gearbeitet haben. Kleine polizeyliche Vergehen der Coloniſten wer— den, je nachdem ſie ſind, mik Verdienſt-Abzuͤgen oder Verweiſen geſtraft; groͤſſere oder Unfolgſamkeit ſtrafet die beſonders dafuͤr angeordnete Polizey⸗-Com⸗ miſſion zu Steenwyk mit Gefaͤngnißſtrafe oder Verweiſung auf die Omme-Schanze, wo ſie wie Straͤflinge zu unbedingter Arbeitsleiſtung angehalten werden.*) *) Einiges ſcheint in den fruͤhern Verfuͤgungen modifizirt wor⸗ den zu ſeyn. So heißt es in der Bepalingen: das Tag⸗ lohn und jeder Verdienſt wird den Coloniſten zur Haͤlfte 4 brifer tot S aupfen 6 d felan 1 berle det Geil Freederiks⸗Oord. 361 ſen. Hinge Jaͤhrlich werden an die drei verdienteſten Co— iſtäͤnde ſii loniſten Medaillen ausgetheilt; eine von Kupfer, eine niie haben von Silber und eine von Gold. Zur Erwerbung der duͤrfen die kupfernen Medallle iſt ausgezeichneter Fleiß und gu⸗ niß ſelbſt tes Betragen erforderlich. Dem damit Belohnten iſt ſen iſt ih⸗ geſtattet, an Sonntagen die Colonie ohne Erlaubniß ,, welches zu verlaſſen. Steen⸗ Um die ſilberne Medaille zu erwerben, iſt er— üͤglich an forderlich, daß der Coloniſt durch eigene Arbeit und u ſchenken Spvinn⸗ d Shu⸗ in Karten bezahlt; die andere Haͤlfte wird fuͤr ihre Beduͤrf⸗ amuſik gt⸗ niſſe und Schuldigkeiten einbehalten. Betraͤgt dieſe weniger heinen duͤr⸗ als die Schuld, ſo wird ihnen der Reſt zur Laſt geſchrieben, g grarbeit und aus der Ernte der Feldfruͤchte bezahlt. Um ihren unterhalt zu verdienen, wird den Coloniſten Arbeit gegeben, welche ſie verrichten muͤſſen, und wenn ſie loniſten wer ſich deſſen weigern, werden ſie vor die Polizey⸗Commiſſion nſt⸗Ahfüh zu Steenwyk geſtellt und auf die Omme-Schanze ver⸗ G. urtheilt, wo ihnen nichts vorgeſchoſſen oder verabfolgt wird, Unfolgſomten i dulne⸗ auſſer ſie haben es wirklich bereits verdient. eh⸗Lom⸗— polie 1 Weil ſich gezeigt hat, daß nicht alle Coloniſten gleich ißſirafe dn geſchickt und ſparſam ſind, ſo wird nur Alles gemeinſchaft⸗ „ wo ſe wi lich gemacht, jede Section, 42 Haushaltungen, verrichtet n annelake mit einander alle Feldarbeit, und jeder bezahlt das darauf 3 anhe erlaufene Taglohn. Es werden daher jedem Coloniſten 50 Gulden fuͤr den Feldarbeitsfond von der Ernte einbehalten. Von ſelner erſten Ernte werden aufgehoben: das Saat⸗ korn fuͤr 2 Jahre, und 160 Schaͤffel(u 40 Pfund, alſo naüffitt ii etwas kleiner wie ein bayer. Metzen), Kartoffeln fuͤr den das dur Winterverbrauch nebſt 36 ſolchen Schaͤffeln Roggen. Der T Reſt wird von der Adminiſtration mit dem Coloniſten gleich⸗ heitlich getheilt. Von der zweiten Ernte wird der dritte — I. Theil 23 —————õõ-—-; ———— Armen⸗Colonie durch beſondere Induſtrie etwas Namhaftes geleiſtet habe; ſie berechtiget ſowohl an Sonntagen als auch an Werktagen auſſer den Arbeitsſtunden ohne Er— laubniß aus der Colonie gehen zu duͤrfen. Die Erwerbung der goldenen Medallle ſetzet den Coloniſt einen jaͤhrlichen reinen Ertrag von 250 fl. nachweiſen koͤnne. Sie entbindet ihn von allen Zwangs— geſetzen der Colonie. Theil fuͤr die Miethe und den Feldarbeitsfond entnommen; und erſt von der dritten Ernte an 5o fl. fuͤr die Miethe, 50 fl. fuͤr den Feldarbeitsfond und 25 fl. zur Schuldenab⸗ zahlung geleiſtet. Diejenigen, welche noch keine Medaille erworben haben, muͤſſen jaͤhrlich in das Magazin der Colonie von ihrer Ernte einliefern: 1. fuͤr Miethe und Feldarbeitsfond, den Werth von 100 Gulden; 2. 36 Schaͤffel Roggen oder eine andere Frucht, damit die Coloniſten⸗Haushaltung taͤglich 6 Pfund Brod daraus erhalten kann; 3. 160 Schaͤffel Kartoffeln, um vom 1. November bis 1. Auguſt, wochentlich 4 Schaͤffel, davon zuruͤckzuerhalten; 4. den Werth von 25 fl. zur Schuldenabzahlung; 5. zwei Stuͤber vom Gulden Arbeitsverdienſt fuͤr Ad— 1 ¹ miniſtrationskoſten; und 6. die Haͤlfte ſeines Verdienſtes fuͤr die uͤbrigen Vor⸗ ſchuͤſſe, welche er empfaͤngt, iſt er auf Abrechnung zuruͤckzu⸗ laſſen ſchuldig. Was hievon eruͤbrigt, bleibt zu ſeiner freien Verfuͤgung geſtellt. Beſitz der ſilbernen voraus, und fordert, daß der . fihn nonme 6 jichun gung d auch bo nit Et rache.— kündigt den er D kaits bedeutan ausdehn d gieeung nannt h dc we iinwirke N meinde m geleiſtt ls auch ne Er— et den 6 der 50 fl. bangs⸗ ommen; Miethe, lldenab⸗ haben, Ernte dn 100 „damit daraus ber bis lten; uͤr M⸗ n Vor⸗ urückzu⸗ rfüͤgung Freederiks⸗Oord. 565 Dieſe Medaillen koͤnnen wegen ſchlechter Auf— fuͤhrung durch richterlichen Spruch wieder ganz ge— nommen werden. Sie werden von den Beſitzern als eine Aus⸗ zeichnung am linken Knopfloche getragen. Die Tra⸗ gung derſelben kann jedoch wegen veruͤbter Exzeſſe auch von dem Direktor auf mehrere Tage ſuspendirt werden, und damit ſind auch alle ſie begleitende Vorrechte ſuspendirt. Demungeachtet iſt der Coloniſt ein freier Mann, der ſich dieſen Geſetzen nur in Folge eines beſon— deren Vertrages unterworfen hat. Sein Verhaͤltniß hat nichts gemein mit der ſogenannten Leibeigenſchaft, mit Stift- und Erbrechten, ſelbſt nichts mit dem Zeit— pachte. Wenn er eine beſſere Exiſtenz zu erlangen weiß, kuͤndigt er der Geſellſchaft auf, und ziehet frei mit dem erworbenen Eigenthume ab. Die Armen⸗Colonie iſt ein reines Wohlthaͤtig⸗ keits⸗Inſtitut, welches in dem Grade nuͤzlicher und bedeutungsvoller werden muß, in welchem es ſich ausdehnet. Dieſe Anſicht ſcheint auch die hollaͤndiſche Re— gierung zu theilen, weßhalb ſie eine Commiſſion er⸗ nannt hat, um die Wege und Mittel anzugeben, durch welche die Regierung foͤrderlich in die Sache einwirken koͤnnte. Möge es in 16 Jahren keine Stadt und keine Ge— meinde mehr in dem Koͤnigreich der Niederlande geben, 364 Armen⸗Colonie Freederiks⸗Oord. welche nicht freie Armenrechte in der Colonie be⸗ ſaͤſſe, und moͤge jener gute Geiſt fortwaͤhrend in dieſem Inſtitute walten, der ſeine Begruͤndung ge— leitet: dann wird es in wenigen Jahren keine wich— tigere und keine ſegenreichere Colonie auf der Erde geben, als die Armen⸗Colonie Freederiks⸗Oord! ————————— Coſoùur& Grey Gortroi Chart Blue Cyan Green Vellow Hed Magenta White 3 Srey 1—— Grey 3 Grey 4 Black Oloùur& Grey Control Chnart e Blue Green Vellow Hed Magenta wiite †r/aneeeeee eeee„Slack