S 8 —— I ttzog Färer 1 — 9——— 4 —— 4 — —“— 4 2/69 7 G— John Luccock, Wollhäaͤndler zu Leeds, uͤber Wolle im Allgemeinen und uͤber die Engliſchen Vließe insbeſondere. Aus dem Engliſchen mit Anmerkungen von Martin Heinrich Schilling, Herzogl. S. Meiningiſchem Oekonomie⸗Commiſſaͤr und ordentl. Lehrer an der Forſt⸗ und Landwirthſchafts⸗Akademie zu Dreißig⸗ acker; ord. Mitglied der lateiniſchen Societaͤt zu Jena. Erſter Theil. Leipzig, 1321. in der Baumgaͤrtnerſchen Buchhandlung. Die Voll Lande Er 9. 1. N . 2. BJ §. 3. And .3, Tet .5. Mfe 15 Die weinen 4 1. Das empfän Iwei 9 Vegte 4 1 Degt §, 10. Umſt dern un . 9) An nens auf 15. D'Eff ſeeuipel,, 11. i) Ne *a h enr 5. a 8 2— S— ———yööͤöZöoöZöoöooZooͤoöoo——————————— Inhaltsanzeige. Einleitung. Die Wolle fordert die Aufmerkſamkeit des Paͤchters, des Landeigenthuͤmers, des Fabrikanten und des Publicums. S. 1 Erſter Abſchnitt. Wolle im Allgemeinen. §. 1. Nicht alle Schafe tragen Wolle. 10 §. 2. Beſchrethung ihrer Pelze...„„. 11 §. 3. Andere wolltragende Thiere.... 13 §. 4. Verwandtſchaft zwiſchen Wolle und Haar..„. 13 §. 5. Pflege verbeſſert die Vließe.. 21 §. 6. Die Wollpflege ſteht mit den Künſten und der allge⸗ meinen Bildung in Verbindung.. 23 §. 7. Das Fell des Schafes iſt beſonders für werbeſerung empfaͤnglich.... 26 Zweiter Abſchnitt. Ueber veredelte Wolle. §. 8. Begriff der veredelten Wolle..... 228 §. 9. Begriff der urſpruͤnglichen Wolle.. 29 §. 10. Umſtaͤnde, welche die Veredelung der Wolle beför⸗ dern und einen entfernten Einfluß darauf äͤußern. 29 §. 11. a) Zufall und Laune.—.... 30 §. 12. b) Der geſellſchaftliche Zuſtand... 32 §. 13. c) Die Kunſt des Feldbaues..„.. 33 §. 14. d) Der herrſchende Geſchmack.. 34 §. 15. e) Das Behagliche der wollenen Kleidung... 35 §. 16. f) Entdeckung der filzenden Eigenſchaft.. 36 §. 47. 8) Anwendung der Kuͤnſte des Webens und Spin⸗ nens auf die Wolle.. 37 §. 18. h) Erfindung von Maſchinen: Weberſtuhl, Sriunie Krempel, Kamm....... 39 §. 19. i) Die Faͤrbekunſt.„ 132 §. 20. k) Einrichtung beſonderer Manufactur, n.„ 484 eenͤſͤſͤſſſ — IV— gewieſen in der Geſchichte von: 6. 21. a) Perſienn..... d. 22. b) Rom §. 23. c) Venedig........ 5. 24. d) Spanien....... §. 25. e) Den Niederlanden.... §. 26.) Brittannien..... S. 27. 2) Ftankreich.... §. 2s. h) Irland....... §. 28 b. 1) Schweden und Rußland.... * 29. a) Worſteds........ 30. b) Tapeten, Teppiche. 4.. c) Strumpfſtrickerei und Strumpfweberei.. 2. d) Geſtrickte Muͤtzen und Filzhuͤte.. 0 7 0 — „ heben und ſenken einen Artikel.... die Vließe haben: Allgemeine Bemerkungen und Grundſaͤtze.. a) Die Canſtitution des Schafes... 36. a) Deren Einfluß auf die Farbe.. 6) Auf die Structur des Haars.„. „P) Auf den Fettſchweiß, Dotter. b) Die Temperatur des Climmn.. 40. c) Trockniß und Feuchtigkeit.„ 00 Co CS Co C 0 ₰ ◻⏑ ... 2 .41. d) Weide und Futter..„... . 42. e) Weidekraͤuter... 2. 1 5. f) Der Boden... 00 ‿½ * . — . in Hinſicht auf: 5. 45. a) Die Geſundheit und Reinlichkeit. §. 46. 8) Gleichförmigkeit des Wollbaars.. 1 „* 9 §. 48. 1) Von Dotter, Fettſchweiß... 5. 49. 2) Von Schmuz, Sand, Lehm. 1. §. 50. 3) Von Pech. * ⸗*. 0ℳ* 5. 54. 4) Von Ausleerungen. 3.. 7: 8. 52. 3) Von Feuchtigkeit.„... R . 5 22 §. 53, d) Verfahren beim Scheeren,„. *½ 28 ₰—— ————— . Einfluß der Wollenmanufactur auf die Wolleultur, nach⸗ 8. 45 46 48 Einfluß der Erfindung neuer Zeuge auf die Wolleultur. Æ 33. Der allgemeine Geſchmack, nicht erkuͤnſtelte Mittel 00 — Beſondere Umſtaͤnde, welche unmittelbaren Einfluß auf 113 123 124 g) Aufmerkſamkeit des Schaͤfers auf ſeine Heerde. 127 17. P) Reinheit der Pließe von fremdartigen Subſtanzen. 130 — — — — —=r — 2 2 —— —=— —————— —— — 0 -——X—e —. — ——₰ §. 54. Allgemeine Bemerkungen uͤber Reinheit der Wolle in Bezug auf Kauf und Verkauf.. S. §. 55. ⁸) Die Zeit der Schur, das Abfallen der Vließe. §. 56.°) Das Ausraufen der Vließe.... §. 57. h) Beſchwerliche Wanderungen. 4. §. 58. i) Allnaͤchtliches Einſperren in Staͤlle.. §. 59. k) Kunſtlicher Futterbau...„„ §. 60. 1) Das Eintheeren des Vließes.„.. §. 61. m) Das Alter des Thieres..... . 62. n) Krankheiten des Vließes... §. 63. Allgemeine Bemerkungen...... Dritter Abſchnitt. Ueber die weſentlichen Ei⸗ genſchaften der Wolle. §. 64. Die Zuͤchter klagen über Mangel an Belehrung. §. 65. Das Geſchaͤft des Wollhaͤndlers(Wool stapler). §. 66. Die in England uͤbliche Methode, die Wolle zu ortiien.... §. 67. Andere Irſtrumext⸗ fordern andere Eigenſchaften von d Wolle. Die Kratze,(Krempel, Kardaͤtſche). g. 68. Krinſelung....—.. 3 §. 69. Laͤnge des Vließes..... §. 70. Der Kamm...... §. 71. Kaͤmmwolle und Kratzwolle. 2.... C. 72. Geſchmeidigkeit„... §. 73. Zaͤhigkeit und Bruͤchigkeit..„. §. 74. Die filzende Eigenſchaft..... §. 75. Die Stampfe oder Walkmuͤhle. 2.. §. 76. Die Weichheit des Wollhaars... K. 77. Krb der Wolle....— 1 §. 78. Das ſpecifiſche Gewicht der Wolle.... §. 79. Der Gernch der Wolle..,. §. 89. Die Echtheit des Haars.. §. 81. Wollzuͤchter und Wollhaͤndler... Vierter Abſchnitt. Die Wolle Englands. §. 82. Saͤmmtlich unvollkommen..... 5. 83. Zwei Claſſen der Wolle...... §. 84. Bezirke, welche Langwolle liefer.r.. §. 85. Beſchreibung der langwolligen Schafe... §. 86 Dichtheit oder Gedrungenheit des Stapels bei den — v— verſchiedenen Schafſorten.. 2 4 * A 10 ͤ 10 ddͤ — ᷣ — —— —.,—— X— — vI— §. 87. Quellen, aus denen der Verfaſſer ſeine Kenntniß der Engliſchen Wolle geſchoͤpft hat.. S. 23: §. 88. Schwierigkeit, das Verhaͤltniß des Schafſtandes zu der Ackerzahl auszumitteln..„. 234 b * I. Langwolle. A. Teeswater ⸗Bezirk. §. 89. a) Durham........ 237 §. 90. b) Yorkſhire...„ 240 Die B. Lincoln⸗Bezirk. t §. 91. a) Holderneß..... 241 §. 92. b) Lincolnſhire....... 243 b§. 93. c) Norſolkſhire.„... 253 V D. §. 94. d) Cambridgeſhitet.. 2364 V §. 95. c) Huntingdonſhire....„„ 257 3 Claß be c. Leiceſter⸗(oder Dishley⸗) Bezirk. San *§. 96. a) Leiceſterthttre... 50 antes —§. 97. b) Northamtonſhire....„„ 294 ig §. 95. c) Rutlandſhire..... 2 267 §. 99. d) Warwickſhire...... 263 der! §. 100. e) Staffordſhire... 272 ſchene §. 101. Gebraͤuche der Lincoln⸗ und eiceſter⸗ Bezirke. 273 Eran 3 jeul D. Kent⸗Bezirk. ttn 9. 102. ²) Die Romney⸗Marſch.... 275 1 §. 103. b) Andere Marſchen...... 280 nwer §. 104. Gebraͤuche und Maͤrkte.. 284 konnen E. Devonſhire⸗ Bezirk. V §. 105. South Hams....„,... 282 a0 §. 106. Gebraͤuche und Gewichter. 934 Klümc F. Cotteswold⸗Bezirk. in §. 407. Glouceſterihire.... 2367 5 bis d 5. 108. Hauptſumme der Langwvole.. 198 ham denken 5“ di In ii ſin hane —— 331 234 — Einleitun g. Die Wolle fordert die Aufmerkſamkeit des Pachters, des Landeigenthuͤmers, des Fabri⸗ kanten und des Publicums. Die Wolle iſt ein Artikel, der mit dem Intereſſe aller Claſſen der Ge ſſellſchaft in ſehr enger Verbindung ſteht. Betrachten wir ſie als ein Erzeugniß faſt eines jeden Land⸗ gutes in dem Koͤnigreich, ſo wird ſie der unmittelbare Gegenſtand der Aufmerkſamkeit fuͤr den geſammten Stand der Ackerbauer, und derſelbe Grundſatz, der es wuͤn⸗ ſchenswerth macht, daß wir von dem Boden alle ſeine Erzeugniſſe in der hoͤchſten Vollkommenheit erhalten moͤch⸗ ten, findet auf die Wolle in einem weit hoͤheren Grade Anwendung als auf die meiſten andern Artikel. Wir koͤnnen in der That nicht umhin zu wuͤnſchen, daß unſere Vließe alle die Vorzuͤge beſitzen moͤchten, welche das Klima und die Verhaͤltniſſe des Landes zulaſſen, und daß ihrer Verbeſſerung nicht eher eine Grenze geſetzt wuͤrde, bis die hoͤchſte Vollkommenheit erreicht waͤre; denn nur dann erſt kann der Zuͤchter fuͤr ſeine Muͤhe und ſein Nach⸗ denken den verdienten Erſatz, ſo wie der Landeigenthuͤmer die Intereſſen von ſeinem Capital, und die Belohnung fuͤr ſein Zutrauen, die er zu erwarten berechtigt iſt, von ihnen erhalten. — 2— Wenn nun die Guͤte der Wolle ſchlechter, oder ihre Menge geringer iſt, als ſie ſeyn ſollte, ſo verliert der Staat jaͤhrlich einen Theil derjenigen Vortheile, zu deren Gewinnung ihn die Natur auffordert, und erwiedert ihre Freigebigkeit mit dem hoͤchſten Undank. Je hoͤher und beſſer wir unſern Boden benutzen, deſto groͤßer iſt der Lohn fuͤr unſere Betriebſamkeit, und deſto mehr erhoͤhen wir unſern Wohlſtand. Als ein Manufactur⸗Artikel nimmt die Wolle wenig⸗ ſtens den zweiten Platz hinſichtlich der Wichtigkeit ein. Sie traͤgt ſehr viel zu den Annehmlichkeiten und Verſchoͤ⸗ nerungen des geſellſchaftlichen Lebens bei. Sie verſchafft einem großen Theil unſerer Bevoͤlkerung Beſchaͤftigung und Brot, und traͤgt zu gleicher Zeit, wie alle aͤhnliche Manufacturen, zur Macht und zum Reichthum des Lan⸗ des bei. Wenn man aber annehmen koͤnnte, daß dieſe ihre Unterſtuͤtzung vorenthalten, oder ſelbſt eine geraume Zeit hindurch in Unthaͤtigkeit verſinken ſollten, ſo wuͤrden die Arbeitsleute dem Lande ſehr ſchwer zur Laſt fallen; ſie muͤßten ihren Unterhalt von wohlhabenden, thaͤtigen und wohlwollenden Menſchen empfangen. Es iſt daher wuͤnſchenswerth, die Wollmanufacturen in ihrer vollen Thaͤtigkeit zu erhalten, und ihren wohlthaͤtigen Einfluß, wo moͤglich, allgemein und dauernd zu machen. Die beſte Weiſe dieß zu erreichen iſt, daß man die Leute mit Ver⸗ arbeitung der beſten Materialien beſchaͤftigt, durch ſie Waaren von der preiswuͤrdigſten Eigenſchaft erzeugt, und zwar ſolche, die am meiſten geſucht werden, und zugleich von dem urſpruͤnglich angelegten Capital die hoͤchſten Zin⸗ ſen bringen. Dieſe beſchaͤftigen in ihrer Vollendung faſt — 0 — A — 3— ire in der Regel eine groͤßere Menge Haͤnde als Fabri⸗ 7a t der ken von geringerer Bedeutung, ſie geben hoͤhere Loͤhne, und deren ſetzen den Armen in einen behaglichen Zuſtand. Gluͤckli⸗ ihre„ cher Weiſe iſt gegenwaͤrtig der vorherrſchende Geſchmack 8 und in Brittanien auf Kleider von der erſten Guͤte gerichtet, t der und ſehr wenige unter uns moͤgen geene in ſchlechteren er⸗ öhen ſcheinen. Daher iſt die Nachfrage nach Prima⸗Wolle beſtaͤndig im Steigen, und die Weberſtuͤhle rufen laut zu enig⸗ dem Landwirth und dem Kaufmann, ihrem Mangel abzu⸗ ein. helfen. Daher traͤgt auch Jedermann in einem hoͤhern ſch⸗ Grade zu der oͤffentlichen Beſchaͤftigung bei, bringt ein chafft groͤßeres Capital in Umlauf, als bei der Verarbeitung zung geringerer Waaren noͤthig iſt, und giebt ihr diejenige Thaͤ⸗ liche tigkeit, welche die Quelle des Wohlſtandes iſt. Lan- Wenn wir uͤbrigens, anſtatt die rohen Materialien dieſe. von unſern einheimiſchen Erzeugniſſen zu liefern, dieſe in. ume andern Laͤndern aufſuchen, oder ſie von mitbewerbenden den Voͤlkern einfuͤhren, ſo fuͤgen wir uns ſelbſt einen weſent⸗* ſie lichen Schaden zu, und uͤberliefern unmittelbar einen 84 gen Theil unſerer Vortheile fremden Haͤnden, eine Handlungs⸗ nhet weiſe, die, ſo edel und uneigennuͤtzig ſie auch in perſoͤn⸗ 68 llen licher Hinſicht erſcheinen mag, in politiſcher Hinſicht die 4 fluß, ſtrengſte Ruͤge verdient. Aus dieſer Ruͤckſicht koͤnnen beſte wir, wie ich fuͤrchte, unſern gegenwaͤrtigen Paſſivhandel Vet⸗ mit Spaniſcher Wolle nicht rechtfertigen, ohne zugleich ſee darauf hinzudeuten, daß unſere Vorfahren zu nachläͤſſig 3 und oder zu unachtſam geweſen ſind, welchen Vorwurf, wie 6 gleich ich vertraue, ihre Soͤhne von ihrem Charakter abwaͤlzen 33 Zin⸗ werden.. 4 faſt Wenn das rohe Material ſo ſchlecht iſt, daß man 3 1* — 4— b auch ſelbſt mit dem hoͤchſten Scharfſinn nicht Waaren dar⸗ V dß aus verfertigen kann, ſo oͤffnen wir der Einfuhr mitbe⸗ än werbender Fabriken ein weites Thor, und ob wir gleich u verſuchen moͤchten, durch Verbote und Strafen den Weg h zu verſperren, ſo werden ſie ſich dennoch bei uns ein⸗ V ber ſchleichen und zu haͤufig Gegenſtaͤnde des Beſtrebens ſeyn, n hauptſaͤchlich wenn ihr Vorzug in irgend einer Hinſicht de deutlich in die Augen faͤllt. Dadurch untergraben ſie p ſtillſchweigend die Grundfeſten unſerer eigenen Manufactu⸗ ſ ren, indem ſie eine unguͤnſtige Meinung von ihnen erwe⸗ 5 cken, und werden, wenn ſie in betraͤchtlicher Menge in 1 b das Land gebracht werden, 3 dieſelben nach und nach un⸗ thaͤtig machen und endlich umſtuͤrzen. Was, fuͤrwahr, V kann dasjenige Land, deſſen Einwohner beſtaͤndig ſtille und b heimliche Einfuhr fremder Waaren wuͤnſchen, anders er⸗ t warten, als daß diejenigen, die ſich im Lande mit der 1 Verfertigung derſelben Waaren beſchaͤftigen, ihr Benehmen V ſ mit neidiſchen Augen belauern, und bei jeder Gelegenheit, do wo ſie ſich beſchwert glauben, bereit ſeyn werden, eine n weniger unſichere Art, ihre Kraͤfte und ihr Capital anzu⸗ N legen, zu ſuchen? Da hingegen auf der andern Seite ein 1 Vertrauen auf die vorzuͤgliche Guͤte ihrer Materialien 1 und auf ihre Verarbeitung ſie aufmuntert, ihre Geſchaͤfte m weſter auszudehnen, der groͤßte Sporn zu neuen Unter⸗ g nehmungen iſt, Schwierigkeiten entfernt, die Kraft des u Geiſtes erneuert, Capitale zuſammenbringt, und dem Reichthum neue Wege eroͤffnet. fer Gluͤcklicherweiſe haben Brittanniens Waaren auf den fit fremden Maͤrkten einen ausgezeichnet guͤnſtigen Ruf er⸗ t langt, und es iſt eine geſunde und nothwendige Politik, fden f er⸗ —, oliti. X daß wir Alles thun, was in unſern Kraͤften ſteht, um ihn noch mehr auszudehnen und zu befeſtigen, Vorurtheile zu unterdruͤcken, Schwierigkeiten, die ihrer Einfuͤhrung im Wege liegen, zu entfernen, und Vergleichungen zu veranlaſſen, die ſicherlich zu unſerm Vortheile ausfallen muͤſſen. Aber eben dieſe Ueberlegenheit erregt Eiferſucht, die nicht uͤberſehen werden darf. Sie ſpornt die Voͤlker, welche unſere Waaren erhalten, zu unausgeſetzter An⸗ ſtrengung, um ihre Einfuhr zu hindern; und, um die Fabriken aͤhnlicher Art, die bei ihnen beſtehen, zu foͤrdern, beſchweren ſie unſere Waaren mit hohen Abgaben, oder verbieten ſie gaͤnzlich. Es iſt klar, daß wir in einer ſolchen Lage unſern Handel nur ſo lange aufrecht erhalten koͤnnen, als wir Waaren von vorzuͤglichern Stoffen, oder beſſerm Gewebe, oder zu einem niedrigern Preiſe liefern koͤnnen, nur ſo lange, als wir unſern Nebenbuhlern neue Gegen⸗ ſtaͤnde der Nachahmung geben koͤnnen, und darauf be⸗ dacht ſind, daß ſie uns in dem Streben nach Vollkom⸗ menheit nicht zuvorkommen. Deßwegen fordern unſere Manunfacturen beſtaͤndig diejenigen, die das rohe Material liefern, auf, dieſes ſchleunig zu veredeln, um ihre Ueber⸗ legenheit uͤber auswaͤrtige entſcheidender zu machen, da⸗ mit ſie in den Gegenden, die ſie aufnehmen, feſtern Fuß gewinnen, und ſich dahin verbreiten moͤchten, wo ſie noch nicht zugelaſſen werden. Der Ausfuhrhandel mit einem Artikel, deſſen Ma⸗ terial im Lande erzeugt wird, iſt von ſehr großer Wichtig⸗ keit; denn ſo lange die Weberſtuͤhle unſeres Landes mehr liefern, als zu unſerm Bedarf nothwendig iſt, kann der Ueberſchuß nur auf dieſem Wege einen Ausgang finden. Ir. 4 ——————————— — 6— Er haͤlt unſere einheimiſchen Maͤrkte frei, und erweckt den Grad von Wetteifer, der fuͤr alle heilſam iſt. In dem Augenblick aber, wo dieſer Ueberſchuß zur Laſt liegt, ſin⸗ ken die Preiſe, ſtockt die Arbeit, und Mißvergnuͤgen herrſcht unter denjenigen, die zuerſt getroffen werden, und die gewoͤhnlich zu ſchlecht unterrichtet ſind, um die Urſache von der Veraͤnderung, die ſie in ihrer Lage wahrnehmen, zu entdecken. Auch ſollte derjenige,— der das Mate⸗ rial, aus welchem Waaren verfertigt werden, erzeugt, und auf den die geringſte Herabſetzung in ihrem Werthe zuletzt druͤcken muß,— ſich nicht einbilden, daß ein ge⸗ ringer Ueberſchuß auf dem Markte von geringem Belange ſey; denn es iſt kaum begreiflich, wie viel ein Umſtand der Art auf die Nachfrage nach Waaren, und auf ihren Preis wirken koͤnne. Dieſe Bemerkungen ſind auf Manufacturen im Allge⸗ meinen anwendbar, haben aber einen ganz beſondern Bezug auf die Wollmanufacturen, nicht allein weil die Wolle ein Erzeugniß unſers Landes iſt, ſondern weil die Waa⸗ ren, zu welchem ſie verarbeitet wird, in den meiſten ge⸗ maͤßigten Gegenden des Erdkreiſes einen hauptſaͤchlichen Theil der Kleidung ausmachen, und zu vielen haͤuslichen Zwecken gebraucht werden. Wenn wir die lange Reihe von Jahrhunderten, in welchen dieſes ſchaͤtzbare Material zu einigen der erſten Bequemlichkeiten des Lebens gebraucht worden iſt, und die unermeßliche Zahl von Perſonen erwaͤgen, welche die Wolle zu einem Gegenſtand ihrer Aufmerkſamkeit gemacht haben, ſo werden wir faſt verleitet zu glauben, daß ſie bereits in ihrem vollkommenſten Zuſtand erzeugt werden, ————— —— — 7+ daß ihre allgemeinen Eigenſchaften uͤberall begriffen ſeyn muͤßten, und daß die ſicherſten Mittel, um Nutzen dar⸗ aus zu ziehen, ſchon allenthalben angewandt wuͤrden. Wenn wir aber den Zuſtand der„wolltragenden Thiere,“ entweder in unſerm eigenen Lande, oder auch unter den Auslaͤndern gewahren, ſo werden wir genoͤthigt eine ganz entgegengeſetzte Meinung anzunehmen; und die Verbeſſe⸗ rungen, die faſt in jedem Zweige der Wollmanufactur in verſchiedenen Perioden ihrer Geſchichte vorgenommen worden ſind, dienen dazu, uns zu uͤberzeugen, daß noch viel zu thun uͤbrig iſt, ſelbſt bei Voͤlkern, die am meiſten Urſache haben, ſich ihrer großen Fortſchritte zu ruͤhmen. Die Unvollkommenheit des Brittiſchen Vließes iſt in den letzten Jahren allgemein erkannt, und die Art und Weiſe, es zu verbeſſern, ſehr eifrig aufgeſucht worden. Die Verſuche eines Fuͤrſten, der auf jede Art die Wohl⸗ fahrt ſeiner Unterthanen zu befoͤrdern bemuͤht iſt, haben es zur Gewißheit gebracht, daß Englands Bopen und Clima ſich zu Hervorbringung viel feinerer Wolle eignet, als hier im Allgemeinen erzeugt worden iſt, und haben unter den vornehmeren großen Landeigenthuͤmern einen Unter⸗ nehmungsgeiſt verbreitet, von welchem ſich die gluͤcklich⸗ ſten Erfolge vorher ſagen laſſen. Die Beſtrebungen des Brittiſchen Wollvereins haben waͤhrend ſeines Beſtehens viel dazu beigetragen, um Schottlands Berge mit einer verbeſſerten Race des nuͤtzlichſten unter den vierfuͤßigen Thieren zu beſetzen, und laſſen uns erwarten, daß die Zeit nicht ſehr entfernt ſey, wo die Vließe des noͤrdlichen Theils der Inſel in keinem Betracht hinter denen der ſuͤdlichen Bezirke bleiben werden, und Wns ihre Anzahl in einem ſehr — 6 4 51 1 4 7 7 ſtarken Verhaͤltniß ſich vermehrt haben werde. Auch die entif Beſtrebungen einzelner Privatperſonen, die ſich Muͤhe ge⸗ V Eng 9 geben haben, ihre Guͤter mit einer beſſern Race Schafe de zu beſetzen, die entweder aus den Staͤllen der ausgezeich⸗ ſim netſten Zuͤchter genommen, oder mit Ueberlegung aus den falti Laͤmmern ihrer eignen Zucht gewaͤhlt worden ſind, geben T ihnen Anſpruͤche auf den Dank eines jeden, der im Stande eie iſt, mit einem edlen Stolz den wachſenden Reichthum ſei⸗ ce g nes Landes zu betrachten. litt Gedrungen von dem ernſtlichen Wunſch, ſo weit es häitd in ſeiner Macht ſteht, die Verbeſſerung der Brittiſchen zitd Vließe zu foͤrdern, uͤbergiebt der Verfaſſer folgende Blaͤt⸗ San ter dem Publicum zur freundlichen Aufnahme, mit der eunde Ueberzeugung, eine Arbeit unternommen zu haben, die in aindi vieler Hinſicht hat unvollkommen ausfallen muͤſſen. Bis⸗ artt her hat noch niemand, wenigſtens ſo weit die Kenntniß des Verfaſſers reicht, es verſucht, die weſentlichen Eigen⸗ ſchaften der Wolle,— die Umſtaͤnde, von welchen ihre Tauglichkeit fuͤr Manufacturen abhaͤngt, die Eigenheiten der Brittiſchen Vließe,— noch auch, wie viel Wolle die Brittiſchen Inſeln erzeugen, zu beſchreiben, obgleich die Unterſuchung von dergleichen Gegenſtaͤnden bei dem ge⸗ genwaͤrtigen Stand politiſcher Forſchung und landwirth⸗ ſchaftlicher Verſuche von der hoͤchſten Wichtigkeit zu ſeyn ſcheint. Worauf er bei ſeiner Lectuͤre uͤber dieſe Puncte 1 geſtoßen iſt, iſt entweder zu allgemein, um viel Befriedigung zu geben, oder in einer Menge beſonderer Schriften zu weit zerſtreut, als daß es von allgemeinem Nutzen ſeyn koͤnnte. Uebrigens hat er alle die Huͤlfe, die er aus den Schriften anderer haben konnte, treulich benutzt, und — die egt⸗ cafe eich⸗ den eben ande ſei⸗ tes chen laͤt⸗ der ein dis⸗ des el⸗ hre ten die die gk⸗ tth⸗ ſeyn nete ung mzu ſeyn den und — 9— ergreift die Gelegenheit, ſeine Verbindlichkeit zu bezeugen. Einige von den Bemerkungen, auf die er geſtoßen, und die er aufgenommen hat, waren ihm neu; viele ſind durch ſeine eigenen in verſchiedenen Bezirken Englands ange⸗ ſtellten Beobachtungen, und durch ſeine auf ſein Geſchaͤft als Wollhaͤndler verſchiedene Jahre hindurch verwandte Aufmerkſamkeit beſtaͤtigt worden. Die Folgerungen, die er gezogen hat, ſind aus bewaͤhrten Vorderſaͤtzen herge⸗ leitet, und ſollen, obgleich nicht die unumſtoͤßliche Gewiß⸗ heit derſelben bewieſen werden kann, doch hoffentlich alle⸗ zeit der Wahrheit nahe kommen. Und wenn aus dem Ganzen hervorgeht, daß er Gegenſtaͤnde, welche ſeine Landsleute intereſſiren, auf eine ihrer Aufmerkſamkeit wuͤrdige Weiſe behandelt habe, ſo iſt ſeine hoͤchſte Er⸗ wartung befriedigt. fählt, 9 dund . m Erſter Abſchnitt. 1 Wolle im Allgemeinen. anar lſidem §. 1. Nicht alle Schafe tragen Wolle. ntet Wir ſind ſo daran gewoͤhnt, dieſe Subſtanz als das em ausſchließliche Erzeugniß des Schafes zu betrachten, und gt zwar als das beſondere Kennzeichen dieſer Thiergattung, den daß derjenige, der uns ſagt, dieſe Meinungen ſeyen nicht bon wohl begruͤndet, einigermaßen in den Verdacht geraͤth, i als wolle er uns mit Maͤhrchen beluſtigen, oder verſuchen, wie weit ſich unſere Leichtglaͤubigkeit erſtrecke. Wenn ein vom Schaf, was niemals Wolle trug, zufaͤllig unſere Auf⸗ zott merkſamkeit auf ſich zieht, ſo nehmen wir es fuͤr ein Thier, undt in deſſen Bildung die Natur von ihrer feſten Bahn abge⸗ ſin wichen iſt. Mit welchem Mißtrauen aber auch ſolche derm Nachrichten aufgenommen werden moͤgen, ſo iſt es doch im eine außer allen Zweifel geſetzte Thatſache, daß es Schafe Su giebt, die auf ihren Nuͤcken eben ſo gar keine Wolle haben aum wie der Hirſch oder Windhund. In jeder andern Hin⸗ A rech ſicht ſind ſie wahrhafte und eigentliche Schafe. Es iſt* nN eben ſo unmoͤglich, ſie unter eine andere Claſſe zu brin— ſchſ gen, als es unmoͤglich iſt, zu laͤugnen, daß die verſchie⸗ V dsa denen Spielarten von Hunden zu derſelben Familie gehoͤ⸗ us, ren, bloß weil dieſe Spielart eine weiche, jene eine rauhe zuben. Bekleidung hat. — 11— §. 2. Beſchreibung ihrer Pelze. Doch haben die meiſten Schafe, denen die Wolle fehlt, eine Art Pelz. Bisweilen ſtarren ſteife, kurze und dunkle Haare aus der Haut in betraͤchtlichen Zwiſchen⸗ raͤumen von einander, etwa wie die Borſten beim Schwein, und laſſen dazwiſchen die Fleiſchfarbe der Haut erblicken; andere haben einen groben, doch glatteren Pelz, deſſen ſeidenartiger Glanz zum Befuͤhlen einladet, und welcher unter der Behandlung eines morgenlaͤndiſchen Schaͤfers eine Dichtigkeit bekommt, wie kaum dergleichen bei unſern gut geputzten Pferden fich findet. Schafe dieſer Art fin⸗ den ſich in einem großen Theil der Tartarei, waͤhrend die von einem rauheren Aeußern in Afrika, Oſtindien und im Chineſiſchen Reich verbreitet ſind. Eine andere Art Schafe, wenn wir den Unterſchied vom Pelz allein hernehmen, traͤgt ein viel laͤngeres und zottiges Haar, das nicht dicht ſteht, aber in einem derben und wellenfoͤrmigen Stapel herniederhaͤngt. Auf den er⸗ ſten Anblick gleichen dieſe dem alten langwolligen Schaß der mittellaͤndiſchen Grafſchaften; bei einer naͤheren An⸗ ſicht zeigt ſich ihr Pelz ganz deutlich als eine haarige Subſtanz, welche an ihrer Wurzel eine feine kurze und fluumartige Wolle verbirgt. Dieſe wird vermittelſt zweckmaͤßiger Inſtrumente von dem Haar abgeſondert un in Manufacturen gebraucht. Dieſe Art Vließe findet ſich ſehr haͤufig im noͤrdlichen Europa, in vielen Theilen des Ruſſiſchen Reichs, an den Kuͤſten des ſchwarzen Mee⸗ res, unter den aſiatiſchen Tartaren, am Vorgebirge der guten Hoffnung und in Suͤdamerika. Dieſe Vließe weichen in der Laͤnge des Haars, in — —— m— —— ——— Gewicht, Farbe, und in der Menge der ausſcheidbaren kurzen und ſeidenartigen Wolle ſehr betraͤchtlich von einan⸗ der ab. Bei einigen iſt das Haar ſehr lang, und ſcheint iſt dazu gemacht, der Strenge der nordiſchen Winter zu wi— e lch derſtehen. Bei andern iſt es durch ſeine Leichtigkeit mehr l fuͤr mildere Gegenden und fuͤr Thiere geeignet, die in weit ſiru ausgedehnten Wuͤſten, deren ſalziger Boden nur ſpaͤrlie ohe ches Gras treibt, ihr Futter zuſammen ſuchen muͤſſen. Nach dem, was wir gegenwaͤrtig uͤber dieſe Heerden wiſſen, aüt iſt es nicht moͤglich, uͤber die ungefaͤhre Menge der wei⸗ das chern Subſtanz, die ſie liefern, irgend eine Meinung auf⸗ ſeh zuſtellen; vielleicht betraͤgt ſie kaum mehr als vier Unzen. 1 Das„Haar“ dieſer Wolle, d. h. eine Feinheit oder Grob⸗ R heit des Wollhaars, das Erſte, wornach ein Wollhaͤnd⸗ N ler ſieht, iſt von einer ſehr untergeordneten Beſchaffen⸗ 1 ſo heit, ſo wie wir es etwa zu den ſchlechteſten Fabrikaten ſit verwenden. Tol Die meiſten von den uͤbrigen Schafen, die wir an⸗ zun treffen, liefern diejenige Subſtanz, die wir Wolle nene nen, obgleich die Mannigfaltigkeit ihrer Eigenſchaften, und 1 der Zwecke, wozu ſie verwendet wird, weit groͤßer iſt, als man ſich gewoͤhnlich einbildet; denn faſt jedes Land und genau jede Provinz hat ihr beſonderes Vließ, und eine unter⸗ m ſchiedene Verarbeitung deſſelben. Dieſe Thiere, die einen ſtand mehr oder weniger preiswuͤrdigen Pelz tragen, finden* tn! ſich in Menge in den weſtlichen und ſuͤdlichen Theilen Eu⸗ i 1 ropas, an den noͤrdlichen Kuͤſten von Afrika, in Syrien mch und Perſien, und ſehr wahrſcheinlich auch in einigen Thei⸗ löbel len von Tibet. Sie ſind in Daͤnemark, Schweden und ſind Nordamerika, wo ſie neuerlich eingefuͤhrt worden ſind. un ſͤbaren einan⸗ ſchein zuͦ wi⸗ t mehr in weit ſpaͤrli⸗ nüͤſſen. viſſen, rwei⸗ Jauf⸗ Inzen. jrob⸗ and⸗ fen⸗ aten und tter⸗ inen en Eu⸗ rien jei⸗ ind §. 3. Andere wolltragende Thiere. Es ſchien nothwendig, die allgemeine Ueberſicht der verſchiedenen Vließe zu geben, nicht allein um den gewoͤhn⸗ lichen Irrthum derjenigen zu berichtigen, denen es an Gelegenheit fehlt, ſich genauer zu unterrichten, ſondern ſie auch auf die Bemerkung hinzuleiten, daß, ſo wie einige Schafarten eine Hautbedeckung haben, die nur wenig von der Hautbedeckung anderer vierfuͤßigen Thiere ab⸗ weicht, es auch Thiere gebe, die einen in vieler Hinſicht der Wolle aͤhnlichen Pelz tragen, der auch genau zu den⸗ ſelben Zwecken gebraucht wird. Wir meinen hier vor⸗ nehmlich die Ziege, das Cameel, und den Dromedar im Oſten, und den Vicogna in Suͤdamerika. Wenn dieſe Thiere die Decke, die ihnen die Natur gegeben hat, abge⸗ ſchoren wird, ſo heißt dieß zuweilen Wolle, und dieſe be⸗ ſitzt in der That ſo viele von den Eigenſchaften derjenigen Wolle, die wir vom Schafe erhalten, daß wir gezwun⸗ gen ſind, ſie als gleichartige Subſtanzen zu betrachten. Van kr nelzeupe §. 4. Verwandtſchaft zwiſchen Wolle und Haar. l o, ,kne. Es iſt nicht leicht, zwiſchen Wolle und Haar ganz genau den Unterſchied feſtzuſetzen; denn ob wir gleich im Allgemeinen, wenn uns beides vorgelegt wird, ohne An⸗ ſtand entſcheiden, ſo ſind in vielen Faͤllen die Eigenſchaf⸗ ten beider ſo mit einander vermiſcht, daß die beſten Rich⸗ ter ganz entgegengeſetzte Urtheile faͤllen muͤſſen, und daß nach Verlauf einer kurzen Zeit eine und dieſelbe Perſon bisweilen ihrer vorigen Meinung widerſprechen wird. Es iſt in der That nicht ſehr ungewoͤhnlich, Faden zu finden, die in den verſchiedenen Theilen ihrer Laͤnge beide Sub⸗ 2, 7 4, 0, 4———— ———— — 14— ſtanzen zu deutlich liefern, als daß ſie verkannt werden koͤnnten. Uebrigens zeigt ſich dieß Phaͤnomen, ſo weit ich es zu beobachten Gelegenheit gehabt habe, am haͤufig⸗ ſten bei den Vließen, die durch Cultur nur wenig Veraͤn⸗ derung erlitten haben, die der Beſchaffenheit derjenigen am naͤchſten kommen, welche man von Schafen erhaͤlt, um die man ſich, ſeitdem ihre erſten Stammeltern auf die Berge verpflanzt wurden, wenig oder gar nicht bekuͤmmert hat; hier hat nun die Race eine ſolche Reihe von Jahrhun⸗ derten beſtanden, daß ihr Urſprung jetzt unbekannt iſt. Eine ſolche Art haariger Wolle iſt im Norden von England und unter den rauhern Vließen der gebirgigten Striche Schott⸗ lands ſo ſehr gewoͤhnlich, daß uͤber die Thatſache kein Zweifel mehr bleibet. Dieß kann leicht dadurch beſtaͤtigt werden, daß man die Stichelhaare oder die groͤbern Haare, die ſich in Menge darin finden, aus dem Stapel nimmt, und ſie genau betrachtet. Bisweilen wird bis zur halben Laͤnge eine haarige Subſtanz ſichtbar werden. Das Uebrige iſt Wolle; in dieſem Falle iſt die Wolle im Allgemeinen feiner als der uͤbrige Theil, und iſt mehr dazu geneigt, eine ſehr unregelmaͤßig gekruͤmmte Geſtalt anzunehmen. Der haarige Theil wird bisweilen an dem Ende des Fa⸗ dens gefunden, welcher zur Zeit der Schur der Haut zunaͤchſt war, nicht ſelten am andern Ende, auch hat man ihn in der Mitte bemerkt. Doch duͤrfen daraus nicht voreilig Folgerungen gezogen werden, denn es giebt Millionen Vließe, an welchen ſich dieſe Erſcheinung nicht zeigt, und diejenigen, welche nur ſolche getroffen haben, moͤgen an der Richtigkeit dieſer Angabe zweifeln. Nichts deſto weniger hat man ſolche Faͤden bemerkt, und es moͤgen berden weit aͤufig⸗ beräͤn⸗ enigen erhaͤlt auf die mmert rrhun⸗ Eine d und chott⸗ kein aͤtigt aare, mmt, lben hrige einen eigt, men. Fa⸗ Haut h ha rraus giebt nicht nben, ſchts oͤgen „ dergleichen durch beſondere Aufmerkſamkeit ohne Zweifel in ſo hinreichender Menge wieder gefunden werden, um uns zu uͤberzeugen, daß eine viel naͤhere Verwandtſchaft zwiſchen beiden Subſtanzen Statt findet, als im Allgemei⸗ Ge, 62 nen angenommen worden iſt, und daß durch irgend einen* R.=, en noch unbekannten Proceß waͤhrend des Wachsthums eine Na 5- Subſtanz in die andere verwandelt werden moͤge. Wenn wir genau auf die Beſchaffenheit des Stapels merken, ſo finden wir in vielen Theilen des Koͤnigreichs daß die Spitzen ſehr von dem uͤbrigen Theil verſchieden ſind; ein kleiner Theil iſt oft viel groͤber, bruͤchiger und dunkler als das Uebrige, und von der Art, daß ſehr 8— mhe. +.— A, wenige, die zwiſchen den beiden Subſtanzen einen Unter⸗“ ſchied zu machen gewohnt, Bedenken tragen wuͤrden, es Haar zu nennen. Dieſe Spitzen ſind aber beſtimmt derjenige Theil des Vließes, der bei der letzten Schur vom Scheerer auf dem Thiere zuruͤckgelaſſen wurde. Zu jener Zeit war es ohne Zweifel Wolle, denn der Theil des Fadens, den die Scheere durchſchneidet, um ſie vom Schafe zu trennen(und welcher gewoͤhnlich die Stoppel des Vließes genannt wird), iſt Wolle von der beſten Art, die nur das Thier erzeugen kann; und dennoch ſehen wir, daß ſie, ſo wie ſie im Wachsthum vorſchritt, allmaͤhlig ihre Natur veraͤndert hat, ſo daß in Zeit eines Jahres eine ganz verſchiedene Subſtanz daraus wird. Dieß iſt ein neues Beiſpiel von Umwandlung, welches die Auf⸗ merkſamkeit des Zuͤchters verdient, und die ſehr innige Verbindung zeigt, die zwiſchen zwei Arten von Faͤden Statt findet, welche allgemein als gaͤnzlich von einander verſchieden betrachtet worden ſind. , 4 8 N 1 4 34 1 * 2 1 5 7 8 1 8 4 * 8 “ ͤͤͤͤͤ 7— 46— 1 Die Urſache dieſer ſtufenweiſen Umwandlung haben vend wir darin zu finden geglaubt, daß der Pelz der Kaͤlte Aid und der feuchten Luft, der brennenden Sonnenhitze im dilt zraſee⸗ Sommer, und dem Einfluß des Bodens, auf wel⸗ n d* chem das Thier liegt, ausgeſetzt iſt. Wir haben uͤber⸗ ißres a³ legt, ob dieſe Umwandlung nicht etwa herruͤhrte von der dnt Ausduͤnſtung, die durch die Haut ſchwitzt, und ſich mit tirne der Wolle vermiſcht, oder von Mangel an demjenigen tem Fettſchweiß, Dotter, Yolk, welcher durch Regenſchauer am? von den aͤußern Theilen des Vließes ſo leicht abgewaſchen din wird, oder ob nicht alle dieſe Urſachen vereint dieſe Wir⸗ di kung hervorbringen. Bis jetzt ſind uns keine Erfahrun⸗ di gen bekannt geworden, die uͤber unſere Meinung entſchei⸗ den koͤnnten, und fehlt uns die Gelegenheit ſelbſt Verſuche ea anzuſtellen, um befriedigende Gewißheit zu erhalten. Im V gh Uebrigen iſt es bekannt, daß Schafe, welche auf reicheren V ten Weiden und in guter Pflege gehalten werden, kein Vließ rich mit ſo haarigen Spitzen tragen, wie diejenigen, die auf torde trocknen Brachfeldern liegen, und die eine weite Strecke KAhac mit einer ſchweren Laſt wandern muͤſſen, um ihr Futter b zu bekommen. and d Aus dem Umſtand, daß daſſelbe Thier an unter⸗ und de ſchiedenen Theilen ſeines Koͤrpers, die bisweilen durch lloß s vhegeee eine deutliche und regelmaͤßige, von der Natur gezogene V hrc A, A Grenze von einander getrennt ſind,— und daß dieſe deſen Yhlu 27 Linie nicht immer ſich auf der naͤmlichen Er⸗ der Haut anren jaſſe⸗ 4. G 0 findet; daß insbeſondere beide Arten von Faden oft innig beuich 44 A« d mit einander vermiſcht wachſen; daraus koͤnnten wir den Negli nr Aau, Schluß ziehen, daß die Fluͤſſigkeit, oder was fuͤr eine gelt an yad. ſarure Subſtanz es ſeyn mag, die das eine erzeugt, nicht viel ait mi 1 haben von den abgeſonderten Saͤften verſchieden ſey, welche das Käͤlte Andere bilden. Zwar finden wir zwei Sorten Haar auf itze in vielen andern Thieren, wie z. B. die Maͤhne und den Schweif fwel⸗ der Pferde, welche von der Bedeckung der uͤbrigen Theile uͤber⸗ ihres Koͤrpers ſehr bedeutend abweichen; aber dann fin⸗ on der den wir ſie doch allezeit an den naͤmlichen Stellen, und ch mit niemals auf der ganzen Oberfiaͤche der Haut mit einander enigen vermengt. Daraus ſchließen wir alſo, daß an denjeni⸗ chauer gen Theilen, wo wir ein jegliches wachſen ſehen, irgend aſchen eine beſondere Saͤfte⸗Abſonderung Statt finden moͤge, Wir⸗ die ihrem eigenthuͤmlichen Erzeugniß angemeſſen iſt. ahrun⸗ Bei dem Schaf aber finden wir bisweilen den ganzen tſchei⸗ Kopf, Beine und Bauch mit einem kurzen ſteifen Haar rſüche bedeckt, das zuweilen in eine dichte und ſtarke Wolle ein⸗ Im gehuͤllt iſt. Einige Vließe ſind ganz rein von Stichelhaa⸗ heren ren, waͤhrend andere ganz voll ſind von einem kurzen und Vleß bruͤchigen Haar, das zugleich mit dem Stapel erzeugt Bauf worden, und faſt auf der naͤmlichen Wurzel mit der Wolle trecke gewachſen iſt. zutter Bei dieſem Verſuche, die Umwandlung der Wolle, und den geringen Unterſchied, der zwiſchen dieſer Subſtanz unter⸗ und dem Haar Statt findet, zu beleuchten, habe ich mich durch bloß auf die Brittiſchen Vließe bezogen, weil ſich ein jeder, ogen der es will, leichter mit ihnen bekannt machen kann. Bei dieſe dieſen Pelzen twieh uͤbrigens die Beimiſchung von Stichel⸗ Haut haaren ais enn zufaͤlliger Uniſtand brrathtot, und ihr un Gewicht iſt ün Allgemeinen verhaͤltnismaͤßig gering, im r den Vergleich mit dem Gewicht des ganzen Vließes. Aber es mein giebt auslaͤndiſche Racen, bei welchen, wie ſchon geſagt, tni dieſe mehr vorherrſchend ſind, und wo— im Gegentheil— 2 die Erzeugung der Wolle als etwas außerordentliches V unt und zufaͤlliges betrachtet wird. Wahrſcheinlich wuͤrden ſic wir an dieſen auffallendere Gegenſtaͤnde finden, um unſere 90 Meinungen zu beſtaͤtigen oder zu berichtigen. Gegenwaͤr⸗ ¹. Ki tig kann ich nicht umhin zu glauben, daß urſpruͤnglich i nur ein geringer Unterſchied zwiſchen dem Fell der Schafe het und der uͤbrigen Thiere Statt findet, daß es nur ein Pelz 6 von beſonderer Art und von ſolchen Eigenſchaften ſey, lch 15/ vermoͤge welcher es ſich beſſer fuͤr Manufacturen eignet. 30 Die Bedeckung, mit welcher die Vorſehung, welche be allezeit die Beduͤrfniſſe ihrer Geſchoͤpfe beachtet, die mei⸗ na 4* ſten vierfuͤßigen Thiere verſehen hat, iſt insbeſondere den 5 8 Climaten, welche ſie bewohnen, angemeſſen. In denen,„ wo ein dichter und ſchwerer Pelz eine Laſt ſeyn wuͤrde, fin⸗ d den wir ſelbſt das Schaf von ſeinem gewoͤhnlichen Vließe V Fa entbloͤßt. Auf der andern Seite fuͤhren wir aus den gl Breiten, wo die Strenge des Winters empfindlicher iſt, a jene Pelze ein, die zur Annehmlichkeit und Zierde unſeres ei eigenen Anzugs beitragen, waͤhrend der Eingeborne, mit V untt dem gewoͤhnlichern und weniger theueren Erzeugniß ſeiner über Heerden zufrieden, ſich in Schaffelle huͤllt und die ſan Hand ſegnet, welche ihr Haar dick, warm und ſchwer drar gemacht hat. ben Wenn wir die Felle derjenigen Thiere, die in ihrer ſent Natur, Beſchaffenheit und Bildung am meiſten vom und Schafe abweichen, ſorgfaͤltig unterſuchen, ſo werden wir Auſeh bemerken, daß ſie aus zwei verſchiedenen Arten von Haa⸗- Antan ren zuſammengeſetzt ſind, die eine Art iſt gerade, glaͤnzend mn und ſehr elaſtiſch, die andere mehr biegſam, ſich gekraͤu⸗ den ſ ſelt zeigend und ſanfter anzufuͤhlen. Haͤufig ſind ſie ſehr abet tichts unter einander gemiſcht, und von der mehr flaumigen Art uͤeden zeigen ſich keine auf der Oberflaͤche, indem die uͤbrigen unſete ganz daruͤber hinausragen, in dieſer Hinſicht ganzſich mit nvwit. der Art Vließe uͤbereinkommend, welche wir das Schaf inglich in den nin Gegenden, wo es ſehr vernachlaͤgigt iſt, Schafe hervorbringen ſehen; und der Flaum, oder die Wolle, n Pelz die von bälden verlangt werden kann, iſt nicht allein aͤhn⸗ 1 ſey). lich in ihrem Aeußern, ſondern kann auch zu denſelben net. Zeugen und zwar genau durch daſſelbe Verfahren verar⸗ velche beitet werden, der beſte Beweis, daß ſie ihrer Natur mei⸗ nach nicht ſehr unaͤhnlich ſeyn moͤgen. Es giebt auch te den Felle von anderer Beſchaffenheit, bei welchen dieſe zwei denen, Arten Haare, anſtatt mit einander vermengt zu ſeyn, an „ fin⸗ jedem Faden ihren beſondern Antheil haben. In dieſem 4 Vließe Falle iſt die Spitze oder die Oberflaͤche des Haars mehr g den glaͤnzend; bruͤchig und elaſtiſch, der Theil, welcher der er iſt, Haut naͤher iſt, ſanfter, gekraͤuſelt und wollig, und die nſeres Stelle, wo der Uebergang Statt findet, iſt gemeiniglich „ mit unterſcheidbar und genau bezeichnet, Um ſich davon zu iner— uͤberzeugen, braucht man nur mit gewoͤhnlicher Aufmerk⸗ ) die ſamkeit die Pelze zu unterſuchen, die gewoͤhnlich von chwer Frauenzimmern getragen werden, und man wird ebenfalls bemerken, daß, wenn ſie durch den langen Gebrauch ihrer ſtark gerieben worden ſind, das bruͤchige Haar abbricht, bom und dem Muff und dem Palatin ein rauhes und wolliges en wi. Anſehen giebt, wodurch dieſe zum ferneren Gebrauch g ganz 1Ha⸗ untauglich werden. Uebrigens werden ſie gerade dann aͤnzend am tauglichſten fuͤr die Manufacturen, und werden, nach⸗ eitäu⸗ dem ſie das lange und geſchmeidige Haar verloren haben, e fehr als Stellvertreter der, Wolle aufbewahrt, und bieten einen 9 —————ÿᷣQ᷑—— neuen Grund ar fuͤr die Meinung, daß dieſe beiden Sub⸗ oße ſtanzen ſehr nahe mit einander verwandt ſeyen. beſtzt Wenn wir von der Betrachtung der Thiere, die deem Natu Schafe ſo unaͤhnlich ſind, wie der Baͤr, der Biber, der* Veß Fuchs, zu denen zuruͤckkehren, welche in einiger Ver⸗ mede wandtſchaft mit ihm ſtehen, wie der Mufflon und die d Ziege, ſo darf es uns nicht uͤberraſchen, eine weit groͤßere Com Aehnlichkeit in ihren Vließen zu finden. Das lange zott: ainm tige Haar der letzteren wird, wie bekannt, auf dieſelbe col Weiſe wie die Wolle geſponnen und wie unſer gewoͤhnli⸗ ander ches Wollengarn gebraucht, und die Aehnlichkeit geht ſo lien weit, daß es, ungeachtet einer oͤfteren Unterſuchung, noch Dſ heutiges Tages ungewiß iſt, ob die beruͤhmten Caſhmir⸗ Shawls aus einem Material gearbeitet ſind, was vom Schafe, oder von der Ziege gewonnen iſt. V hat Die zottige Bedeckung der Ziege iſt zwar ſehr ver⸗ ran ſchieden von derjenigen, die wir bei den meiſten unſerer rich gut gepflegten Schafheerden finden; in vielen Theilen düſe b Aſiens jedoch ſcheinen ſie zuſammen zu weiden, und ſol⸗ benn a len nach der Behauptung Einiger eine Mittelrace erzeu⸗ beſhrin gen, die ſowohl im Gerippe(Karkaſſe), als im Vließe nele C . mit der ſchlechteſten Schafrace eine ſehr genaue Aehnlich⸗ ridese keit zeigt. Selbſt auf unſerer Inſel iſt von denjenigen, lchagn die(vielleicht zu voreilig) aus der Aehnlichkeit der Felle tber un ihre Meinung beſtimmt haben, behauptet worden, daß engefuh eine Abart des Schafs, die ſehr weit uͤber Schottlands gut i Hochlande verbreitet iſt, ſeine Eigenthuͤmlichkeit dem Blute dennt dieſer niedrigeren Thiergattung verdanke. 13 R „Der Muflon, der Argali des Dr. Pallas, welcher U jetzt faſt gaͤnzlich aus Europa verbannt iſt, hat eine ſo A ieſelbe zoͤhnli⸗ eht ſo , noch ſhmir⸗ vom r bel⸗ ſerer eilen ſol⸗ tzeu⸗ ließe glich⸗ agen, Felle daß lands Blute lcher e ſo — 21— große Aehnlichkeit mit unſerm einheimiſchen Schafe, und beſitzt ſo viele ſeiner Eigenſchaften, daß er von den Naturforſchern als der Urſtamm betrachtet wird. Ihre Vließe ſind ſich in der That ſo aͤhnlich, daß das, was von dem einen geſagt wird, faſt mit gleichem Rechte auf das andere angewandt werden kann. Sie beſtehen im Sommer aus einem kurzen, weichen Haar, aͤhnlich einem Hirſchfell, im Winter aus einer flaumaͤhnlichen Wolle, mit Haaren vermengt, die uͤberall, wenigſtens anderthalb Zoll lang an ihren Wurzeln, einen feinen wol⸗ ligen Flaum verbergen, deſſen Farbe gewoͤhnlich weiß iſt.“ Dieſes iſt die Beſchreibung, die Dr. Anderſon in ſeiner vortrefflichen Nachricht uͤber im Ruſſiſchen Reiche gefun⸗ dene Schafe gegeben, und die Dr. Pallas bekannt gemacht hat. Andere Schriftſteller ſagen, ſeine Farbe ſey„nuß⸗ braun, grau und eiſengrau.“ Vielleicht mag er in den verſchiedenen Lagen, unter welchen er gefunden wird, dieſe verſchiedenen Faͤrbungen annehmen. Er iſt jetzt, wenn auch nicht gaͤnzlich, doch beinahe allein auf Aſien beſchraͤnkt, und iſt ſo ſchuͤchtern, daß, ſo wie ſich neue Colonieen anſiedeln, er aus ihrer Naͤhe zu den wildeſten und nackten Klippen entweicht, wo er mit Wohl⸗ behagen in der Sonne liegen kann. Wer ſich weiter dar⸗ uͤber unterrichten will, den verweiſen wir auf die oben angefuͤhrte Schrift und andere naturhiſtoriſche Werke. Die Haut eines Muflon iſt dem Brittiſchen Muſeum von Mr. Pennant verehrt worden. §. 5. Pflege verbeſſert die Vließe, und zwar zuerſt ihre Farbe. Wenn wir auf dieſe Weiſe die verſchiedenen Arten Vließe beobachten, die in den Gegenden, wo die Haus⸗ ——— ——ͤͤhͤhͤͤͤͤͤͤͤſ—-——— thiere die wenigſte Veraͤnderung erlitten haben, erzeugt V frrun werden, und bemerken, wie nahe ſie mit den Fellen der⸗ Eth jenigen zuſammentreffen, die noch in ihrer angebornen Kü Wildheit leben, ſo gewahren wir die erſtaunlichen Wir⸗ 1 di kungen der Pflege. Die beruͤhmten Buͤrden, die jetzt die Schafe Spaniens, Perſiens und Caſhmirs tragen, waren flſ ohne Zweifel in ihrem urſpruͤnglichen Zuſtand ſo grobb nhl und haarig wie diejenigen, welche jetzt in den Wuͤſten der ahr Tartarei, oder in den Suͤmpfen Sibiriens erzeugt werden. V pit Es iſt wahrſcheinlich, daß in die meiſten, wenn nicht in b tnd alle jene Gegenden, die Race, die ſie jetzt bewohnt, aus irgend einer benachbarten Gegend eingefuͤhrt worden iſt. V di Aber die Geſchichte, welche in der Erzaͤhlung landwirth⸗ h ſchaftlicher Angelegenheiten allezeit mangelhaft iſt, iſt nicht e ausfuͤhrlich genug, um uns in den Stand zu ſetzen, jetzt 7 di in einer ſo entfernten Periode uͤber die Zeit, wann ſie zu⸗ ihrau erſt eingefuͤhrt worden ſind, auch nur eine Vermuthung in der wagen zu koͤnnen, eben ſo wenig koͤnnen wir die Spuren ühn von den verſchiedenen Stufen ihrer Verbeſſerung auffin⸗ nt. den. Die Spaniſchen Schafe ſind wahrſcheinlich von der aber, gegenuͤber liegenden Kuͤſte Afrika's eingebracht worden, und funden England verdankt ohne Zweifel die Heerden, die ſeine Wei⸗ golden den zieren, verſchiedenen Gegenden des Feſtlandes. Uebri⸗ welche gens ſcheint aus zufaͤllig von fruͤhern Schriftſtellern hinge⸗ miche worfenen Winken, und aus Verhaͤltniſſen, die in vielen Thei⸗ len des Oſtens beſtehen, zu erhellen, daß die Schafe zuerſt eine ganz ſchwarze, oder eine dieſer nahe kommenden Farbe V gehabt haben. Dieß war ſicherlich der Fall mit Labans Heerde, V 6 der erſten, von welcher wir ſelbſt durch den fruͤheſten eade Schriftſteller eine beſondere Nachricht haben. Sein Schaͤ⸗ iſg — 23— rzengt fer und Schwiegerſohn war zu jener Zeit der unterrichtetſte n der⸗ Schafzuͤchter, und wußte nicht nur ſeine Schafe uͤber die bornen gewoͤhnlichen Maße zu vermehren, ſondern verſtand auch Wir⸗ die Kunſt, eine zufaͤllige Abart fortdauernd zu erhalten, die 6: die zu ſeinem eignen Wohlſtand, und zum Vortheil der Ge⸗ waren ſellſchaft beitrug. Die Veraͤnderung ſcheint nur ſehr all⸗ grob maͤhlig in den ſuͤdlichen Theilen Europa's Statt gefunden en der zu haben, denn ſie hat die weſtliche Kuͤſte nur erſt ſehr derden. ſpaͤt erreicht. So langſam wurden in dieſen Jahrhunder⸗ icht in ten die landwirthſchaftlichen Verbeſſerungen angenommen, , aus daß nicht weniger als 18 Jahrhunderte vergingen, bis en iſt. diaß ſie ſich von Syrien bis Spanien verbreiteten, und der wirth⸗ bequemſte Weg, auf dem ſie vorſchreiten konnten, war nicht durch die noͤrdlichen Reiche Afrika's, denn dort fanden ſie „jetzt ddie ſchnellſte Aufnahme, und die wenigſten Hinderniſſe in ſe zu⸗ ihrem Weiterſchreiten! Zu welcher Zeit dieſe Veraͤnderung thung in der Farbe der Wolle in Griechenland geſchehen iſt, weiß puren ich nicht, und uͤberlaſſe dieß denen zu beſtimmen, welche iffin⸗ mit dem fruͤhen Zuſtand dieſes Landes beſſer bekannt ſind; nder aber, haͤtte ſie nicht vor der Argonautenfahrt Statt ge⸗ „und funden, muͤßte man nicht vermuthen, daß das beruͤhmte Wei⸗ goldene Vließ auf die gelbe Farbe gewiſſermaßen anſpiele, ebri⸗ welche der(Dotter) Fettſchweiß gewoͤhnlich weißen Vließen hinge⸗ miltheilt, ehe ſie gewaſchen ſind? Thei⸗ 4 zerſt§. 6. Wollpflege ſteht mit den Kuͤnſten und der allgemeinen Larbe Bildung in Verbindung. 0 Gewiß iſt es uͤbrigens, daß die Verbeſſerung der Heerden allezeit mit den Fortſchritten der Kuͤnſte und der Civiliſation eng verbunden geweſen iſt, denn in Gegenden, 8 — — 21— wo dieſe gebluͤht haben, finden wir einſtimmig eine Race Schafe, die Wolle von weit vorzuͤglicher Guͤte tragen, als in der ganzen Umgegend anzutreffen iſt. Wo die hoͤch⸗ ſten Wohlthaten des geſellſchaftlichen Lebens nur wenig gekannt und geachtet ſind, treffen wir bisweilen auf den harten und ſcheuen Argali, der vor den Jaͤgern in die Schlupfwinkel entflieht, die nie ein menſchlicher Fuß be⸗ treten hat. Wo aber der landwirthſchaftliche Karſt den Boden kehret, draͤngen ſich die Ziege und das ihr ver⸗ wandte Schaf, die in ihrer Geſtalt oder in ihrem Vließ nur wenig unterſchieden ſind, um das Zelt des Hirten, und fordern die Wartung, die zu ihrem Beſtehen noth⸗ wendig iſt. Solch grobes Vieh wie das, was noch jetzt auf den Ebenen des alten Scythiens herumſtreift, iſt der ſtrengſte Beweis, daß es ſich nie der belebenden Strahlen der Wiſſenſchaft erfreut hat. In andern Gegenden aber, jenſeits der Alpen zum Beiſpiel, erkennen wir die Ab⸗ koͤmmlinge einer Race, die in den beſſern Tagen Roms gebluͤht hat. In der Tuͤrkei entdecken wir, noch ſelbſt unter dem gegenwaͤrtigen Geiſtesdruck, die Spuren von Heerden, die einſt, uͤber die Ebenen Arkadiens verbreitet, das Ergoͤtzen ihres Schaͤfers und der Gegenſtand ſeines Sennes waren. In Syrien und Perſten iſt in der Vor⸗ c * zuͤglichkeit der Vließe, die von ihren Heerden gewonnen oerden, der Einfluß der alten Manufacturen noch immer ſichtbar. Nicht weniger iſt das ehemali ge Lybiſche Wohlleben an der Afrikaniſchen Kuͤſte bemerkbar, wo wir Vließe an⸗ treffen,— die ein Europaͤer mit Recht neidiſch ſeyn koͤnnte. Vielleicht moͤchte auch die Vermuthu ng nicht ungegruͤndet ſeyn, daß der anerkannte Vorzug der Tauri⸗ reung eng mut ſchen Wolle von der fruͤhern Niederlaſſung der Griechiſchen Colonieen, und von der aufmunternden Sorgfalt der in ſpaͤtern Zeiten von Venedig und Genua ausgeſonderten Colonieen her⸗ ruͤhre, welche in dieſer anmuthigen Gegend Wohlſtand und Wohlleben verbreiteten. Spaniens Berge koͤnnen ſich auch nicht eher ihrer verfeinerten Wolle ruͤhmen, als nachdem in dem Lande Kenntniſſe und Unternehmungsgeiſt erwacht wa⸗ ren, und wir haben keinen Grund zu glauben, daß ſeit der Zeit, wo Spanien ſeine Kuͤnſtler quaͤlte, und ihr Geſchaͤft ver⸗ achtete, die Wolle verbeſſert worden ſey. Die gluͤcklich⸗ ſten Tage Großbrittanniens werden ſicherlich dann erſt kommen, wenn der Scharfſinn und der Geiſt, den es entfaltet, die Verbeſſerung ſeiner Heerden vollendet haben wied, die vor faſt ſteben Jahrhunderten begonnen worden, und die, in Hinſicht auf eine Claſſe ſeiner Vließe, ihm lange Zeit einen Vorzug uͤber ſeine Nebenbuhler gegeben hat. Ein Wechſel in dem Sitze der Manufacturen, eine Veraͤnde⸗ rung in den Moden, die Stoͤrung der gewoͤhnlichen Han⸗ delswege, und die unpolitiſchen Geſetze, die zur Siche⸗ rung des Handels erlaſſen wurden, haben eine Zeitlang Englands Fortſchritte gehemmt, und ſeine⸗Landwirthe muthlos gemacht. Gluͤcklicherweiſe aber iſt ihr Geiſt wie⸗ der erwacht und verbreitet ſich mit vermehrter Kraft uͤber die lange Wolle ſo wie uͤber die kurze. Laßt nicht bie Erinnerung an fruͤhere Widerwaͤrtigkeit euern Eifer daͤm⸗ pfen, und laßt nicht die reicheren Ebenen, die ihr in Pflcge nehmt, von einem wollleeren Schafe abweiden, oder gar von einem, das fuͤr den Boden zu geringe iſt. Die Ma⸗ nufacturen muͤſſen Euch zuletzt alles erſetzen. Laßt beiden Arten von Wolle die noͤthige Arbeit angedeihen, und 5 4 —————L—;ÿ— — — 26— ſchreitet mit gleichem und feſtem Schritt der höͤhſten 1 vli Vollkommenheit entgegen! der — mi §. 7. Das Fell des Schafes iſt beſonders fuͤr Verbeſſerung ten empfaͤnglich. xr Vielleicht ſind die Felle anderer vierfuͤßigen Thiere J nicht ſo fuͤr Verbeſſerung empfaͤnglich als das Fell des V di Schafes, ſonſt wuͤrde dieſe Thiergattung wahrſcheinlich b nicht einzig zum Gegenſtand der Pflege erwaͤhlt worden V K ſeyn. Uebrigens fehlen Erfahrungen, um dieſe Frage. a entſcheiden zu koͤnnen, und wir muͤſſen daruͤber unſer Ur⸗ 5 theil noch zuruͤckhalten, denn ich erinnere mich keiner Faͤlle, T wo Verſuche angeſtellt worden waͤren, ausgenommen zu— f faͤllig und unvollkommen. Wenn wir freilich von den. Folgen, welche Sorgfalt und Reinlichkeit und eine ver⸗ ä ſtaͤndige Auswahl der maͤnnlichen und weiblichen Zucht⸗ thiere auf die Haut unſeres Rindviehes und unſerer ha Pferde aͤußern, weiter ſchlleßen duͤrfen, ſo ſind wir ge⸗ e neigt anzunehmen, daß jede Art von Fellen bis zu einem und bis jetzt nicht erwarteten Grad ſchoͤn oder nuͤtzlich gemacht n werden koͤnne. Eine Beſtrebung der Art wuͤrde in einer d Gegend, wo das Land theuer iſt, und wo bedeutende i Fabriken bereits im Gange ſind, ſehr unpolitiſch ſeyn, zu wenn wir vorausſetzen koͤnnten, daß ſie die Aufmerkſam⸗ lb keit der Landwirthe allgemein feſſeln koͤnnte. Ihre Zeit 3 und ihr Nachdenken wird viel beſſer auf die Gewinnung ni ſolcher Materialien verwandt, nach denen bereits Nach⸗ f frage iſt, und die einen ſicheren Gewinn geben. Aber die doh Parks unſers Adels, und die Waldbloͤßen(lawns) unſerer nan wohlhabenderen Zuͤchter waͤren ſehr geeignet zu Schau⸗ hi ſten nu⸗ plaͤtzen von Verſuchen, wo alle nuͤtzliche Vermiſchungen der Viehracen aufgeſtellt, und alle an Gerippe und Fell moͤgliche Veraͤnderungen vor Augen gelegt werden koͤnn⸗ ten. Zur Ehre unſers Zeitalters iſt dieß ſchon ſehr haͤufig der Fall. Doch koͤnnte dieſes Verfahren(System) mit Vortheil noch weiter ausgedehnt werden, und wir wuͤr⸗ den bald finden, daß, je mehr die Beſtrebungen nach Ver⸗ beſſerung ſich vervielfaͤltigen, um ſo ſchneller und ſicherer Kenntniſſe im Lande verbreitet, und was ſich entſchieden als wichtig bewaͤhrt, angenommen wuͤrden. An ſolchen Orten und unter ſolchem Einfluß braucht man das veraͤcht⸗ liche Laͤcheln der Unwiſſenheit und Dummheit nicht zu fuͤrchten, auch kann da die Gefahr nicht Statt finden, daß die Betriebſamkeit, von welcher eine Vnmilie abhaͤngt, mißverſtanden werde. Wenn es moͤglich iſt, in den Fellen der I Thiere uͤber⸗ haupt eine wohlthaͤtige Veraͤnderung zu bewirken, ſo brau⸗ chen wir unſern Vermuthungen keine Grenzen zu ſetzen, und es wuͤrde gewiß ein wichtiger Punct erreicht ſeyn, wenn daſſelbe Thier, das wir zum Schlachten aufziehen, dahin gebracht werden koͤnnte, den Boden zu bearbeiten, und ſeiner Seits ſeinem Eigenthuͤmer einen jaͤhrlichen Zins zu zahlen. Es wuͤrde lange dauern, davon bin ich feſt uͤberzeugt, ehe die gewoͤhnlichen Ochſen unſers Landes dahin gebracht werden koͤnnten, ſelbſt wenn es nüalis) waͤre, dieß zu thun; es giebt aber Rindvieh, was unſere Aufmerkſamkeit in einem hoͤhern Grade verdient, als ihm bisher zu Theil geworden iſt. Dr. Anderſon hat dergleichen namhaft gemacht, und es mit ſeiner gewoͤhnlichen Offen⸗ heit, ſeinem Scharfſinn und geſunden Urtheil beſchrieben. — V 3d di do ſi Zweiter Abſchnitt. N Ueber veredelte Wolle. §. 8. Begriff der veredelten Wolle. V 9 Das zahme Schaf iſt ein ſo ſchwaches und huͤlfloſes u Thier, daß es hinſichtlich ſeines Beſtehens faſt ganz von b der Pflege des Menſchen abhaͤngt, und niemals in weiter Entfernung von deſſen Wohnung gefunden wird. Sich ſelbſt uͤberlaſſen, unterliegt es Krankheiten und wird die G ſ Beute wilder Thiere, oder wenn es dieſe verſchonen, 1 4 wird ſein Vließ der Wohnort von Inſekten, die ſich beſtaͤn⸗ au dig von ſeinem Blute naͤhren, und ſeine Geſundheit zerſtoͤ⸗ hes ren. Seine Feinde ſind in der That ſo zahlreich und 6 beſtaͤndig bei der Hand, daß es ihnen unmoͤglich entfliehen n kann. m Aber nicht jedes Schaf der Art traͤgt ſo genannte ver⸗ aub edelte Wolle, ob es gleich von ſeinem Hirten ſehr ſorg⸗ faͤltig abgewartet wird, und ſein Vließ aus der Verbeſſe⸗ ſch rung der Carkaſe einen zufaͤlligen Vortheil zieht, wie wir tit es in vielen Theilen des noͤrdlichen Europa und in einigen Gegenden Aſiens finden. Wir begreifen unter dieſer allge⸗ 1. 10 meinen Rubrik nur die Claſſe von Vließen, die einmal einen beſondern Gegenſtand der Aufmerkſamkeit des Zuͤch⸗ V ters ausgemacht, und welche dadurch einige Veraͤnderung lttn erhalten haben. In einigen Fällen iſt die Sorgfalt des m — 29— Zuͤchters ſchon laͤngſt wieder erſchlafft, und vielleicht iſt die Guͤte ſeiner Wolle wieder um einige Grade gefallen; doch giebt es nach meiner Meinung wenige, in welchem ſie alle Vortheile ſeiner Aufmerkſamkeit verloren hat und zu ihrer urſpruͤnglichen Beſchaffenheit zuruͤckgekehrt iſt. §. 9. Begriff der urſpruͤnglichen Wolle. Diejenigen, die den vorigen Abſchnitt genau durch⸗ geleſen haben, werden ſich von dem, was wir unter der urſpruͤnglichen Beſchaffenheit der Wolle verſtehen, einen beſtimmteren Begriff gebildet haben, als wenn wir es verſuchen wollten, eine genaue Deftnition davon zu geben. Sie werden bemerken, daß wir es nicht fuͤr noͤthig halten, auf die Zeit zuruͤckzugehen, wo gar kein Unterſchied in den Vließen der Schafe Statt fand, auch angenommen, daß es je eine ſolche Zeit gegeben habe, ſondern daß wir es fuͤr zulaͤßlich halten, in jeder Gegend, wo ſie allgemein vernachlaͤſſigt iſt, und wo wir keine beſondere Spuren von Verbeſſerung auffinden koͤn⸗ nen, ſie als in ihrem urſpruͤnglichen Zuſtanbe befindlich zu betrachten. So iſt die Wolle in Island, Guinea und Sibirien, obgleich in jedem dieſer Laͤnder ſie ſehr weſent⸗ lich von derjenigen abweicht, die in den uͤbrigen erzeugt wird. §. 10. Umſtaͤnde, welche die Veredelang der Wolle befoͤrdern, und einen entfernten Einfluß darauf aͤußern. Alle die Umwandlungen, welche dieſe Subſtanz er⸗ litten hat, nachzuweiſen, iſt in der jetzigen Zeit durchaus unmoͤglich, auch bin ich mit der alten Geſchichte nicht vertraut genug, um uͤber eine fruͤhere Zeit, als da ſie in den verſchiedenen Theilen der gebildeten Welt nach und nach eingefuͤhrt wurden, mit Beſtimmtheit ſprechen zu koͤnnen. Wir muͤſſen uns begnuͤgen, nur einige Umſtaͤnde zu erwaͤhnen, welche auf ihre Verbeſſerung einen bedeu⸗ tenden Einfluß gehabt zu haben ſcheinen, in der Hoffnung, daß ein Gelehrter einmal in Zukunft die in den alten Schriftſtellern zerſtreuten Nachrichten zuſammenſiellen und die Wißbegierde des Publicums uͤber dieſen ſo intereſ⸗ ſanten Gegenſtand befriedigen wird. Die wolltragenden Thiere waren ſehr fruͤhzeitig in den weſtlichen Theilen Aſiens verbreitet; die Zeit, wo ſie nach Europa kamen, iſt zu entfernt, als daß ſie in die Periode der zuverlaͤſſigen Geſchichte fallen koͤnnte. Zuerſt wurden ſie wahrſcheinlich der Milch wegen, die ſelbſt noch jetzt die gewoͤhnlichſte Nahrung der meiſten Hirten⸗ voͤlker iſt, zu Hausthieren gemacht. Aber nicht lange war dieß der einzige Gegenſtand der Pflege ihres Herrn, denn er fand bald, daß ihre Felle auch ſehr geeignet ſeyn, beſonders in feuchten und gebirgigten Gegenden, zu ſei⸗ nem Wohlbehagen ſehr weſentlich beizutragen. Bei die⸗ ſem Stand des geſellſchaftlichen Lebens ſcheinen Schafe und Ziegen faſt gleichen Werth gehabt zu haben, und wenn irgend eins von beiden einen Vorzug genoß, ſo wurde er letzterem Thiere zu Theil. §. 11. a) Zufall und Laune. Vielleicht war die Verbeſſerung des Vlieſſes, wie alle Fortſchritte der Menſchen in den meiſten nuͤtzlichen Kuͤnſten, weniger die Folge der Abſicht als des Zufalls, a ſie hund en zu kaͤnde edeu⸗ zung, allen ellen tereſ⸗ ig in o ſie die erſt elbſt rten⸗ nge rrn, eyn, ſeie die⸗ hafe und ſo wie hen alls, und wenn der Argali wirklich der Stammdater des zahmen Schafes waͤre, ſo muͤſſen bedeutende Veraͤnderungen mit ihm vorgegangen ſeyn, eheswir eine genaue Nachricht daruͤber erhalten haben. Die erſte Heerde, die ausfuͤhrlich be⸗ ſchrieben iſt, wurde etwa 1760(tauſend ſiebenhundert und ſechzig) Jahre vor der chriſtlichen Zeitrechnung in Meſopotamien oder in dem Theile Perſiens gefunden, der zwiſchen den Fluͤſſen Euphrates und Tigris liegt. Sie war vollkommen gezaͤhmt, und beſtand aus Ziegen und Schafen; die erſteren waren ſchwarz, und die letzte⸗ ren braun von Farbe, ein Umſtand, welcher beweiſt, daß die Umwandlung noch nicht ſo weit gediehen war, als haͤtte erwartet werden koͤnnen. Die Beſchaffenheit der Heerde ſetzte einen aus Syrien kommenden Reiſenden nicht in Erſtaunen, welches warſcheinlich der Fall geweſen ſeyn wuͤrde, haͤtte er dergleichen nicht in ſeinem eigenen Lande ge⸗ kannt, und dieß ſcheint anzudeuten, daß in dieſen beiden Laͤn⸗ dern ſchwarz und braun die gewoͤhnlichſten Farben waren. In ſeinem Geburtslande hatte er außerdem noch die Auf⸗ ſicht uͤber die Abkoͤmmlinge von Schaf⸗ und Rindviehheer⸗ den gehabt, die etwa 150(hundert und funfzig) Jahre fruͤher aus Egypten eingefuͤhrt worden waren; und wenn dieſe ihre dunkle und ſchmuzige Farbe ſortdauernd beibe— halten, ſo iſt es mehr als wahrſcheinlich, daß ihre Stamm⸗Eltern keine andere Farbe gehabt haben, und daß die Heerden der damals bekannten Welt in dieſer Hin⸗ ſicht einander ſehr aͤhnlich waren. Waͤhrend ſeines Auf⸗ enthalts in einem fremden Lande blieb er fortdauernd Schaͤfer, und brachte in dem Zeitraum von 14 Jahren menig oder gar keine Veraͤnderung in der Farbe ſeiner Vließe hervor. Am Schluſſe dieſes Termins war die Mke Laune ſeines Herrn die Veranlaſſung, daß als Lohn fuͤr ſdineg den fortgeſetzten Dienſt derjenige Theil der Heerde von tin dem einen angeboten und von dem andern angenommen bene wurde, der etwas weiſſes an ſich haͤtte, und diejenigen ſn. Schaf⸗ und Ziegenlaͤmmer, welche mit einem ſcheckigten fwe 8 Pelze zur Welt kaͤmen, ihre Muͤtter moͤchten nun entweder dem 48 ſelbſt ſcheckigt oder gleichfarbigt ſeyn. Als ein ein erfahr⸗ wiigt . ner Viehzuͤchter ergriff er ſchickliche Maßregeln, um eine ſiae 3 geringelte und geſprenkelte Race hervorzubringen, waͤhrend b er, auf ſeine Bereicherung bedacht, die Ueberlegenheit ſei⸗ * ner Kenntniſſe und ſeine angewandten Mittel ver cheim⸗ wo 5 lichte. Aus dieſem ſcheinbar unbedeutenden Umſtand A 5 entſprang jene gaͤnzliche Umwandlung in der Zucht der dire Heerden, welche zuerſt im Oſten ſich feſtſetzte, und welche V dial nach und nach auch im Weſten ſich gebildet hat. Sie Rere wurde nicht durch die Nachfragen der Manufacturen, auch V langſe nicht einmal durch die Veraͤnderlichkeit des Geſchmacks unger bewirkt; ſondern es iſt eine von den zahlreichen Umſtaͤnden in findes menſchlichen Angelegenheiten, welche die Geſchichte oft an⸗ deutet, aber niemals weiter verfolgt, obgleich ſie auf alle folgende Geſchlechter Einfluß gehabt haben.— deutlc §. 12. b) Der geſellſchaftliche Zuſtand. Bodn Dieſe neue Abart von Schafen faßte bald in dem Ainder Lande, wo ſie entſtanden war, feſten Fuß, und breitete V ſchritt ſich allmaͤhlig fuͤdwaͤrts, ſo weit die Wuͤſte Arabiens reicht, Grmen aus, ſo daß in dem Zeitraum von 300(dreihundert) Jah⸗ ren ihre weiße Farbe zum Sprichwort geworden war. V 1 in Auf die Farbe des Vließes mußte in der That eine beſon⸗ V 5 1 — rdie dere Aufmerkſamkeit gewandt worden ſeyn, und ſie mußte fͤt einen hohen Grad von Vorzuͤglichkeit erreicht haben, denn von ein frommer Dichter jener Zeit vergleicht ſie in ſeiner erha⸗ men benen Schilderung mit dem Schuee, und ein Liebesdich⸗ igen ter 2 kurz darnach verſichert, daß die Zaͤhne ſeiner gten ſchwarzen Geliebten einer Heerde Schafe glichen, die aus eder dem Bade kaͤmen; und obgleich wir in dieſen Faͤllen ge⸗ ahr⸗ neigt ſeyn moͤchten, der Phantaſie des Dichters und den eine ſtarken orientaliſchen Bildern etwas zu Gute zu halten, rend ſo muͤſſen wir doch annehmen, daß die Schoͤnheit des ſei⸗ Vlließes fuͤr das Gleichniß gepaßt habe. In der Wuͤſte, eim⸗ wo die Voͤlker weniger mit einander in geſellſchaftliche zend Beruͤhrung kamen, und wo Wohlſtand und Geſchmack der einen geringeren Einfluß aͤußerten, behielten die Schafe llche vielleicht ihre urſpruͤngliche Farbe beinahe fuͤnf Jahrhun⸗ Sie derte laͤnger bei, ein neues auffallendes Beiſpiel des uch langſamen Fortſchreitens landwirthſchaftlicher Verbeſſe⸗ cks. rungen, beſonders unter Voͤlkern, die ein herumſchwei⸗ nin fendes und unſtaͤtes Leben fuͤhren. 5. 13. c) Die Kunſt des Feldbaues. 3 Dieſe Veraͤnderung in der Farbe der Wolle nahm deutlich die Richtung nach den Gegenden vom fruchtbarſten Boden, und verbreitete ſeinen Einfluß am leichteſten uͤber dem Laͤnder, wo die Kuͤnſte des Feldbaues die groͤßten Fork⸗ fr ſchritte gemacht hatten, und ſchritten ſelten uͤber deren it Grenzen hinaus. Von Perſien, den Euphrates abwaͤrts⸗ ah⸗*) im Hohen Lied Salomonis, Kap. 4, 2. Deine Zaͤhne ſind ar. 8 wie die Heerde mit beſchnittener Wolle, die aus der ſn⸗ Schwemme kommen, die allzumal Zwillinge tragen. 2 13 durch die reicheren Gegenden Syriens, erreichte ſie de uhe ufer des Nils. Doch hat man keinen Grund, anzunehmen, alle daß ſie ſich nur in dieſer Richtung ausgebreitet habe. i Nahm ſie eine Richtung nordwaͤrts, den Fluß hinauf, ſo nd muß ſie bald die Ufer des Phaſis erreicht und ſich in dem alten Koͤnigreich Colchis ausgebreitet haben. In ſpaͤtern Zeiten iſt ſie, wie wir bereits die Vermuthung aufgeſtellt haben, von da nach Griechenland gewandert. ſen ds §. 14. d) Der herrſchende Geſchmackk. m So wie die Moͤglichkeit gefunden war, eine weiße Al Art Wolle zu ſchaffen, ſo ſcheint der Geſchmack der Welt d ihre Erzeugung beguͤngſtigt zu haben, ſonſt wuͤrde ſie bald 5 zu ihrer urſpruͤnglichen Farbe zuruͤckgeartet ſeyn. Woher bal es kommt, daß dieſer Geſchmack entſtanden iſt und ſich die fortdauernd unter den meiſten Voͤlkern ausbreitet, wo des Wolle irgend einer Art erzeugt wird, brauchen wir nicht im zu unterſuchen, die Thatſache iſt hinreichend bekannt, und der hat ſowohl in fruͤheren als in ſpaͤteren Zeiten auf die Be trſot foͤrderung ihrer Veredelung einigen Einfluß gehabt. Und me, da wir die Urſachen der Verbeſſerung unſerer Heerden auf⸗ diig ſuchen, duͤrften wir dieſen Umſtand nicht ganz uͤberſehen. bindu Der hoͤhere Reiz, den Schafe und Ziegen mit weißen daue Vließen einer laͤndlichen Gegend mittheilen, die Sauber⸗ zitt keit, welche Wolle dieſer Art, zu Geraͤthen, haͤuslichen Aer i Beduͤrfniſſen und Bequemlichkeiten oder Kleidungen ver⸗ venn wendet, zu befoͤrdern geeignet iſt, und vor allen die groͤ⸗ lbrec ßere Mannigfaltigkeit und Lebhaftigkeit der kuͤnſtlichen d wir Faͤrbungen, die ſie annimmt, und die immer den Ge⸗ r ſchmack an praͤchtigem uͤberladenem Schmuck, der unter ng ſe de roheren Natisnen ſo gewoͤhnlich iſt, befriedigen— dieß ehmen, alles hat ohne Zweifel großentheils dazu beigetragen, die habe weißen Schafe preiswuͤrdiger zu machen als die braunen uf, ſo und ſchwaͤrzlichen. ſich in . In§. 15. e) Das Behagliche der wollenen Kleidung. ithung Unter einem Volke uͤbrigens, wo Beſitz und Wohl⸗ ert. ſiand faſt gleichfoͤrmig ausgetheilt iſt, muß der Einfluß des Geſchmacks im Vergleich mit dem Einfluß, den die unentbehrlichſten Beduͤrfniſſe bewirken, nur gering ſeyn. wefe Als Kleidungsſtuͤcke kamen bald die Thierfelle in Anwen⸗ r Weſt dung, und die Schaffelle wurden unter den Fellen anderer je bald Thiere ohne beſondern Vorzug getragen, wurden aber Woher bald gewoͤhnlicher, ſo wie die Heerden zahlreicher, und d ſich die wilderen Thiere vertilgt wurden. In dieſem Zuſtand , wo des geſellſchaftlichen Lebens wurden wohl, die Art Felle nicht am meiſten geſucht, welche fuͤr das Clima und die Lage „ und der Menſchen ſich am beſten ſchickten. Die beiden Haupt⸗ Be⸗ erforderniſſe waren ſicherlich ein gehoͤriger Grad von Waͤr⸗ Und me, welche fuͤr das Wohlbehagen und die Geſundheit des n auf⸗ Traͤgers weſentlich nothwendig war, und jene feſte Ver⸗ nſehen. bindung des Haares mit dem Fell, welche das Gewand weißen dauerhafter macht. Die Neigung einiger Schafe, zu einer gauber⸗ Zeit des Jahres ihren Pelz abzuwerfen, wuͤrde den Werth slichen der im hohen Sommer gewonnenen Felle vermindern; und n ver⸗ wenn es moͤglich waͤre, ſolche zu ſchaffen, die bei jeder e gro⸗ Abwechslung der Hitze ihr Haar immer gleich feſt hielten, lichen ſo wuͤrde etwas Bedeutendes gewonnen ſeyn. In einigen n Ge⸗ der noͤrdlichen Gegenden, und in Gegenden von niedrige⸗ unter rer Breite, wo die Temperatur unregelmaͤßig und ſchwan⸗ „ ◻ — 36— kend iſt, finden wir, wenn nicht etwa eine kuͤnſtliche Ab⸗ lfc aͤnderung hervorgebracht worden iſt, eine Art Schafe mit der⸗ zottigem Pelz, deren Vließe ſehr feſt ſitzen. In den wär⸗ ſche meren Gegenden ſind ſo viele Veraͤnderungen auf einander alhe gefolgt, und es iſt uͤber die eigenthuͤmliche Art Wolle, die ben dort fruͤherhin erzeugt worden iſt, ſo wenig bekannt ge⸗ hert worden, daß es unmoͤglich iſt, uͤber ihre beſondern Eigen⸗ 1 ſchaften etwas mit Gewißheit zu ſagen; doch laͤßt ſich nicht vermuthen, daß der geſellſchaftliche Zuſtand dort weniger her Einfluß darauf geaͤußert habe, als wir mit Recht von ei andern Gegenden annehmen koͤnnen, aus denen uns beſſere ſic Nachrichten zugekommen ſind. wj 5. 46. f) Entdeckung der lzenden Eigenſchaft. 1 So lange die mit Wolle bekleideten Schafhaͤute zum nu haͤuslichen Gebrauch verwendet wurden, konnte begreiflicher⸗ Vrr weiſe nur ein Vließ von dem Thiere gewonnen werden, und mußte, wenn ſich ſein Pelz jeden kommenden Sommer, den ¹ es erlebte, abloͤſte, eine ungeheure Verwuͤſtung ſeines Er⸗ zeugniſſes Statt finden. Uebrigens wurde gluͤcklicherweiſe bald die Bemerkung gemacht, daß eben die abgeloͤſten Va Vließe vermittelſt Anfeuchtens und Preſſens zu einer dichten und geſchmeidigen Subſtanz gebildet werden koͤnn⸗ ſenn ten, die fuͤr die gewoͤhnlichen Lebensbeduͤrfniſſe eben ſo geub anwendbar als dauerhaft, und noch paſſender und zierli⸗ kegte cher ſey, als die Haͤute, deren man ſich fruͤherhin be⸗ ereic dient hatte. Dieß ſcheint der erſte Verſuch des Erfin⸗ duer dungsgeiſtes geweſen zu ſeyn, ein wollenes Gewebe zu erin bilden, und nachdem die das Gelingen bedingende Fertig⸗ lch be keit in der Behandlung einmal erworben ward, ſo breitete ntge ſich die Kenntniß dieſer Kunſt ſehr weit aus. Die Zelte der Araber, der Turkomanen und der Tartaren ſind wahr⸗ ſcheinlich die Ueberbleibſel dieſer Kunſt; dieſe ſind naͤmlich alle aus Filz gemacht, welcher aus der mit dem Haare von Ziegen, Cameelen und andern vierfuͤßigen Thieren vermiſchten Schafwolle bereitet wird, und dieſe Zelte, in Verbindung mit dem fuͤt dieſe Art Subſtanz ſelbſt noch gegenwaͤrtig in Perſien und andern oͤſtlichen Gegenden herrſchenden Geſchmack, beurkunden, welchen feſten Fuß Sitten und Gebraͤuche faſſen und uͤber politiſche und gei⸗ ſtige Umwaͤlzungen triumphiren. Die Entdeckung einer ſo wichtigen Eigenſchaft an der Wolle, wie die Verwandlung in Filz iſt, mußte den Werth einer jeden Art Haare, an denen man dieſe Eigenſchaft fand, ſehr erhoͤhen, und mußte durch Vermehrung der feineren Beduͤrfniſſe zur Verbeſſerung der Vließe beitragen. 5. 17. 9) Anwendung der Kuͤnſte des Spinnens und des Webens auf die Wolle. So bald die Menſchen das Nomadenleben mit feſten Wohnſitzen vertauſchten und in Staͤdte zuſammenzogen, gab ihre neue Lebensart Veranlaſſung zu neuen Beduͤrfniſ⸗ ſen und andern Gebraͤuchen, und der Scharfſinn wurde geuͤbt, ihre Forderungen zu befriedigen. In Aegyten legten ſie ſich mit Fleiß auf den Anbau des Flachſes und erreichten bald einen hohen Grad von Fertigkeit in ſeiner Zubereitung. In dieſem Lande wurden die Kuͤnſte des Spinnens und Webens zuerſt erfunden und wahrſchein⸗ lich bei Bereitung jener feinen Leinwand angewandt, die mit Recht ſo beruͤhmt war. Wann dieſe Kuͤnſte aber zu⸗ 4 4 —-——§— — erſt in der Wollenbereitung eingefuͤhrt worden ſind, iſt keinesweges gewiß. Um das Jahr vierzehnhundert und neunzig vor der gewoͤhnlichen Zeitrechnung bemerken wir ſie in Arabien unter Umſtaͤnden, die vermuthen laſſen, daß ſie noch nicht lange daſelbſt bekannt geweſen waren, wielleicht eingefuͤhrt von einem wandernden Volk, was kurz vorher die Ufer des Nils verlaſſen und ſich zuletzt am Jordan niedergelaſſen hatte. Es giebt zwar geſchichtliche Andeutungen, die uns auf die Vermuthung leiten, daß ſie in dem Lande Canaan und in der Gegend von uz mehr als vier hundert Jahre fruͤher eingefuͤhrt geweſen waͤren; unterſuchen wir aber die Ausdruͤcke genau, ſo ſcheinen ſie eher Sprichwoͤrter aus den Zeiten des Geſchichtſchreibers, als aus der Zeit zu ſeyn, deren Begebenheiten er berich⸗ tete. Zu welchen Zeiten dieſe Kuͤnſte aber auch moͤgen erfunden und zum allgemeinen Gebrauch angewandt wor⸗ den ſeyn, ſo iſt doch gewiß, daß bei ihrer erſten Erwaͤh⸗ nung die Gewande, aus Kette(Aufzug) und Einſchlag beſtehend, die gewoͤhnliche Kleidung der Gegenden waren, die an dem oͤſtlichen Ende des Mittellaͤndiſchen Meeres lie⸗ gen, und daß die Heerden, welche das Material erzeug⸗ ten, eine bedeutende Umwandlung erlitten hatten. Von den Ziegen hoͤren wir in dieſen Zeiten weniger als in den vorhergehenden. Der Grund des allgemeinen Geſchmacks fuͤr wollene Kleidung, die durch Webſtuhl und Schiffchen gefertigt war, iſt ſehr leicht aufzufinden in der groͤßeren Geſchmeidigkeit dieſer Subſtanz und in den bequemeren Formen, die ſie anzunehmen geeignet iſt. Unter ihre Vor⸗ zuͤge zaͤhlen wir die Leichtigkeit, mit der ſie in jeder Fami⸗ lie verfertigt werden konnte, den Geſchmack, der ſich in ihrem Gewebe entwickelte, die Menge Beſchaͤftigung, die ſie verſchaffte, und den Anreiz, den ſie dem Scharf⸗ ſinn und der Thaͤtigkeit gab, indem ſie den Wekt⸗ eifer unter dem Volke rege machte. Der Werth des Tuchmachers geht deutlich hervor aus dem Wohlſtand, den es in der Gegend verbreitete, wo die Kunſt des Webers zuerſt erfunden war, aus dem Reichthum, den es daſelbſt anhaͤufte, und aus der hoͤheren aͤußern Bildung und aus dem Einfluß, den es den Einwohnern gab, aus ſeiner allmaͤhligen Einfuͤhrung in benachbarte Laͤnder und der Veraͤnderung, die es in der Thaͤtigkeit, den Neigungen und Beſtrebungen der Menſchen hervorbrachte, und vor allen daraus, daß es in neuern Zeiten noch, trotz allem Wechſel der Dinge, in jedem Lande beſtehet. §. 18. h) Erfindung von Maſchinen. Weberſtuhl, Spinnrad, Krempel, Kamm. Waͤhrend dem die Wollenmanufactur ihren Einfluß ſo erweiterte, und eine damit im Verhaͤltniß ſtehende Wir⸗ kung auf das rohe Material aͤußerte, zog ſie bedeutenden Vortheil aus der Erfindung und Verbeſſerung derjenigen Werkzeuge, die von den Kuͤnſtlern zur Foͤrderung und Be⸗ ſchleunigung ihrer Arbeiten gebraucht wurden. Nachdem die Kuͤnſte des Webens und Spinnens eingefuͤhrt waren, war es unmoͤglich, ohne die Beihuͤlfe irgend einer Art Maſchinerie zu arbeiten; aber die Spindel und der Weber⸗ ſtuhl waren in ihrer erſten Geſtalt in den Haͤnden des Fabrikanten wenig mehr als der Spaten in den Haͤnden des Landmanns. Spinnen und Weben war, wie ſchon be⸗ merkt, wenigſtens funfzehn Jahrhunderte vor der gewoͤhn⸗ lichen Zeitrechnung im Gebrauch, aber nur erſt drei Jahr⸗ A. “ — — — — 2* 8 — 4 „ — hunderte ſpaͤter wird uͤber die Art, wie man dabei ver⸗ fuhr, Nachricht ertheilt. Damals beſtand der Weberſtuhl aus einem hoͤlzernen Geſtelle, was, in mancher Hinſicht von dem neuern abweichend, aber zu denſelben Zwecken gut geeignet war. Die Veraͤnderungen, die damit vor⸗ genommen worden ſind, beſtehen vielleicht mehr in der Lage des Baums und in der Art, wie ſich das Gewirke zum Durchlaſſen des Schiffchens oͤffnet, als in irgend et⸗ was Anderm. Auch war die fruͤheſte Art des Spinnens nicht weniger vollkommen als die, welche in den beruͤhm⸗ teſten mit Manufacturen beſchaͤftigten Laͤndern viele Jahr⸗ hunderte ſpaͤter im Gebrauch war. Das Spinnen geſchah vermittelſt eines Stocks oder Stabes, um welchen die zu ſpinnende Wolle ſorgfaͤltig gewickelt und in der linken Hand gehalten wurde, waͤhrend dem eine rohe Art Spin⸗ del, nachdem ſie zwiſchen der rechten Hand und dem Schenkel hurtig umgedreht worden, an den Faden, welchen die Spinnerin nach und nach mit ihren Fingern verlaͤn⸗ gerte, ſchwebend ſeine Bewegung fortſetzte.. Dieſe ſo einfachen Spinngeraͤthſchaften ſind ſelbſt Jahren waren ſie in der Grafſchaft Norfolk*) nicht unge⸗ woͤhnlich, und der Umſtand, daß ſie ſich ſo viele Jahrhun⸗ derte hindurch fortwaͤhrend im Gebrauch erhalten haben, jetzt noch nicht ganz bei Seite gelegt. Noch vor wenigen iſt der beſte Beweis ihrer Vorzuͤglichkeit. Ueber die Art, wie auf den erſten Stufen ihrer Verarbeitung die Wolle fuͤr dieſe Werkzeuge zubereitet wurde, iſt uns keine Nach⸗ ²¹) Nemnich ſagt S. 440:„Noch iſt von alten Zeiten her der Spinnrocken(Distafl) in Norfolk im Gebrauch. Anmerk. d. Ueberſ. p—e——p——-——, ——V—Bℳñ⁊⁊—;⁰O— 1 ber⸗ erſuuhl inſiht vecken vor⸗ n der wwirke nd et⸗ nnens ruͤhm⸗ Jahr⸗ ſeſchah en die linken Spin⸗ dem lchen rlaͤn⸗ ſelbſt nigen unge⸗ rhun⸗ haben, e Att, Volle Nach⸗ iten her her richt bekannt geworden; wahrſcheinlich geſchah es vor Einfuͤhrung der Kratze(Krempel) entweder mit den Fin⸗ gern, oder durch die Weberdiſtel*), welche mit ihren rau⸗ hen und hakigten Spitzen ſich außerordentlich gut zu die⸗ ſem Zwecke eignet und bis auf den heutigen Tag zu der⸗ ſelben Abſicht im Gebrauch geblieben iſt. Aber die Erfin⸗ dung von Geraͤthſchaften zum Gebrauch des Landbaues und der Manufacturen wird in den Jahrbuͤchern der Ge⸗ ſchichte ſelten erwaͤhnt. Ihre Einfuͤhrung geſchah gemei⸗ niglich langſam und unvermerkt, oder im Fall, daß eine Sage daruͤber auf uns gekommen iſt, ſind die Nachrichten ſo mit Muthmaßungen vermengt, daß man nicht immer wohl daran thut, ihnen Glauben beizumeſſen. Dieſe Bemerkung wird am beſten durch die Krempel, den Kamm und das Spinnrad erlaͤutert, welche Geraͤthe vielleicht in verſchiedenen Perioden ihrer Geſchichte zur Bereitung wol⸗ lener Zeuge gebraucht worden ſind; uͤber ihre Anwendung herrſcht aber ein ſolches Schweigen, daß ein bedeutenber Zweifel uͤber die Zeit ihrer Einfuͤhrung entſteht. Wahr⸗ ſcheinlich trat das erſte dieſer Geraͤthe an die Stelle der Roͤmiſchen Kardendiſtel(carduus), und war, was am natuͤrlichſten zu vermuthen iſt, im Gebrauch, ehe dieſes Reich in politiſcher und wiſſenſchaftlicher Hinſicht den gaͤnzlichen Umſturz erlitt. Aber der Name ſeines Erfin⸗ ders, die Zeit, wann er lebte, und der Ort, wo er die Kunſt, die er verbeſſerte, ausuͤbte, ſind nicht einmal durch einen leiſen Hauch der Tradition auf uns gekommen. Der Kamm, ein anderes wohlbekanntes und allgemein *) Dipsacus Fullonum, von aͤltern Botaniſten mit Unrecht zu dem Geſchlecht Carduus gerechnet, 4 4 1 1 1 gebrauchtes Wekzeug, ſoll nach der gemeinen Sage vom deug Biſchoff Blaiſe(Blaſius) erfunden, von ihm in Alderney ub gebraucht, von da nach Flandern und ſpaͤterhin nach— T England gebracht worden ſeyn. Wahrſcheinlich mag der ſch letzte Theil der Erzaͤhlung richtig ſeyn; wir zweifeln aber, bu ob dem Biſchoff die Ehre der Erfindung gebuͤhrt. Viel⸗ erñ leicht wurde der Kamm erſt nach ſeiner Zeit als ein zur bun Bearbeitung der Wolle gebrauchtes Inſtrument bekannt, 4. äir auch iſt es nicht ausgemacht, ob er Biſchoff on Alderney geweſen iſt. Er lebte in Armenien, ward um die Zeit von Dioklezian zur biſchoͤfflichen Wuͤrde erhoben, und er⸗ litt unter dieſem grauſamen Tyrannen das Maͤrtyrerthum. 1 Ehe er enthauptet wurde, wurde er mit eiſernen Kaͤmmen, ſ durch die ſein Fleiſch zerfetzt wurde, ſchrecklich gemartert, di und daher kam es, daß, nachdem ein Geraͤth der Art 1 unter den Handwerkern in allgemeinen Gebrauch kam, ij dieſe ihn zu ihrem Schutzheiligen erwaͤhlten, aber ohne 6 Bezug auf den Erfinder. Die Verbindung des Rads mit ttt der Spindel zum Behuf des Spinnens iſt ebenfalls in her keiner Geſchichte, die mir in die Haͤnde gekommen iſt, er⸗ oh waͤhnt. Haͤtte ſie ſchon zu den Zeiten der Catharine nnd Statt gefunden, die zuerſt unter die Heiligen geſetzt wurde, b der ſo wuͤrde ſie wahrſcheinlich in den erſten Jahrhunderten der wieder auflebenden Manufacturen allgemeiner ange⸗ du nommen worden ſeyn. Als das Inſtrument in den Nie⸗ hd derlanden allgemein in Gebrauch gekommen war, waͤhlten V dar ſich vielleicht auch diejenigen, die es gebrauchten, nach dem en Gebrauche jener Zeiten einen Schutzheiligen, und waͤhl⸗ dng ten Chatharinen, weil ſie auf dem Rade gelitten hatte.(Eer Aber ob wir gleich von der erſten Einfuͤhrung dieſer Werk⸗ - 43— zeuge ſo wenig wiſſen, ſo war doch, nachdem ſie wirklich gebraucht wurden, ihr Einfluß auf die Befoͤrderung der Verarbeitung und Veredlung der Wolle nicht weniger ſicher und wirkſam, als wenn ſie in der praͤchtigſten Sprache waͤren angekuͤndigt und das Gedaͤchtnis ihrer Erfinder von Jahr zu Jahr waͤre gefeiert worden. Sie verbeſſerten unvermerkt das rohe Material, indem ſie es ihrer Behandlung beſſer anpaßten. §. 19. i) Die Färbekunſt. Unter den verwandten Kuͤnſten, die mit der Berei⸗ tung wollener Zeuge empor wuchſen, die von ihr Unter⸗ ſtuͤtzung erhielten und gegenſein ge Huͤlfe leiſteten, war die Kenntniß, den Subſtanzen eine kuͤnſtliche Faͤrbung zu geben, eine der bedeutendſten. Das Faͤrben wurde ſchon in der fruͤheſten Zeit geuͤbt, und ohne Zweifel durch den Geſchmack an glaͤnzender Kleidung beguͤnſtigt, welcher un⸗ ter rohen Voͤlkern ſo gewoͤhnlich iſt, und welcher in fruͤ⸗ heren Zeiten unmoͤglich einen geringern Einfluß ausgeuͤbt haben kann, als in den gegenwaͤrtigen. Blau, Purpur und Scharlach waren die beliebteſten Farben; und obgleich die Stoffe, aus denen ſie gemacht wurden, gewiſſermaßen unbekannt ſind, ſo haben wir doch die unbezweifeltſten Zeugniſſe fuͤr ihre Vortrefflichkeit und fuͤr den Werth, den man ihnen beilegte. Um ſie in ihrem reichſten Glanze darzuſtellen, mußte eine Auswahl zur Annahme der Far⸗ ben geeignetſten Wolle gemacht werden, und dieß mußte ganz beſonders auf die Aufmerkſamkeit des Sonderers (Sortirers) wirken, obgleich es auch langſamer die Sorg⸗ falt des Schaͤfers erwecken mochte. Im Laufe mehrerer ““ 77 —= * E 8 5 F 8* 1 E K 8 Jahrhunderte konnten uͤbrigens die Wirkungen davon auf das Vließ nicht unbedeutend ſeyn. 3 3. 20. k) Einrichtung beſonderer Manufacturen. So lange die Verarbeitung der Wolle auf die Woh⸗ nungen des Zuͤchters beſchraͤnkt war, und dieſes Geſchaͤft durch ſein Geſinde abgeſondert verrichtet wurde, war we⸗ nig Raum fuͤr Wetteifer und Uebung des Scharfſinns als in ſpaͤtern Zeiten, da ſie der ausſchließliche Beruf eines beſondern Theils der Gemeinheit wurde, und ihr Gedeihen von der Meinung abhing, den andere von den Fabrika⸗ ten hatten. Jedoch wurde ſie in den einfachſten Zeiten Griechenlands nicht fuͤr ein Palaͤſten ungeziemendes Ge⸗ ſchaͤft gehalten, und eine Fuͤrſtin vergab ſich durchaus nichts an ihrer Wuͤrde durch die Aufſicht uͤber die Arbeiten des Webſtuhls, der Spindel und der Faͤrbekufe. In ſolcher Beſchaͤftigung ſuchte ſie ihren Ruhm und zog oft mit ihren eigenen Fingern den verlaͤngerten(ausgedehn⸗ ten) Faden, oder fuͤhrte ihn durch ſich trennende Gewirke, ſich gluͤcklich fuͤhlend, ein glaͤnzenderes, feineres oder reicheres Gewand zu fertigen, als ihre Nebenbuhlerinnen es vermochten. Durch dieſen unſchuldigen Wetteifer ver⸗ anlaßten ſie die heilſamſten Wirkungen auf die Arbeit eines jeden Andern, auf die ihnen unmittelbar untergebene Claſſe und auf die Vließe ihres Landes. Ohne Zweifel waren ſie zuerſt genoͤthigt, ihren Scharfſinn an unvollkommenen Materialien zu uͤben, die Darſtellung reicher und duͤnner Faͤden, denen gleich, die ſie an dem Aegyptiſchen Linnen ſahen, aus grober und elaſtiſcher Wolle zu verſus chen, und dunklen und ſchmuzfarbenen Vließen die ſchoͤne Faͤrbung —— — 45— der verſchiedenen Blumen zu geben. Unter ſolchen Schwie⸗ rigkeiten und angetrieben durch, einen faſt unbegrenzten Wetteifer, ihren Geſchmack zu bilden, und die Eitelkeit ihrer Herrn zu befriedigen, mußte das goldne Vließ von Colchis ihnen ein Schatz geſchienen haben, der es hinlaͤng⸗ lich werth ſey, gewiſſermaßen der Gegenſtand einer gefahr⸗ vollen Reiſe und in Orpheus Geſaͤngen verherrlicht zu werden. Vielleicht kehrten die unerſchrocknen Abenteu⸗ rer, die ausgingen, es zu ſuchen, ohne die lebendigen Schafe zuruͤck, auch konnte man ſie in dieſen fruͤhen Ta⸗ gen vielleicht nicht durch Handelswege bekommen. G 3 §. 21. a) Einfluß der Wollen anufactur auf die Wollcultur, nachgewieſen in der Geſchichte von Perſien. Nachdem die Manufactur den Grad von Vollkom⸗ menheit erlangt hatte, den wir im Oſten wahrgenommen haben, erhielt ſie mehrere Jahrhunderte hindurch keine bedeutende und allgemeine Verbeſſerung. Doch breitete ſie ſich fortwaͤhrend laͤngs den beiden Kuͤſten des Mittel⸗ laͤndiſchen Meeres weiter aus, und wirkte, indem ſie in ihrem Fortſchreiten die Heerden verbeſſerte, wohlthaͤtig auf die Menſchen. Es wuͤrde zu ermuͤdend ſeyn, ſie von Griechenland nach Italien zu verfolgen, ihre Begruͤndung in Rom, und ihre Ausbreitung mit den Waffen dieſes maͤchtigen Reichs durch Gallien nach Brittannien und Spanien zu betrachten. In Perſien, wo die Herr⸗ ſchaft der Ueppigkeit den hoͤchſten Gipfel erreicht hatte, wurden, nachdem die Wollen⸗Manufactur allgemein ein⸗ gefuͤhrt war, die Materialien in hoͤchſter Vollkommenheit erzeugt, und die Arbeit erhob ſich hier zu einem Grad von N 1 — 3 3 1 4 —-—— ———— — 46— Vorzuͤglichkeit, daß ihr nirgends der Rang ſtreitig gemacht wurde. Aber nach der Aufloͤſung dieſes Reichs, der Ma⸗ cedoniſchen Monarchie, und beſonders in noch ſpaͤteren Zeiten, als die Sarazenen mit mehr als viehiſcher Unwiſ⸗ ſenheit, gleich einem ſchwellenden Strom, das Land uͤber⸗ ſchwemmt und niedergeſtuͤrzt hatten, was noch vorzuͤgli⸗ ches beſtand, entflohen Wohlſtand und Ueppigkeit und Unternehmungsgeiſt aus ihren alten Wohnſitzen, und die Mannfacturen wehte der giftige Hauch der Peſt an. Die Bruchſtuͤcke dieſer beruͤhmten Fabriken ſind jetzt noch ſicht⸗ bar und ſetzen den denkenden Beobachter eben ſo ſehr in Erſtaunen, als die ſymmetriſch gebildete Saͤule, die mit Bildhauerarbeit gezierte Mauer, und die weit zerſtreuten Truͤmmer von Balbek, Palmyra und Perſepolis das Auge des verwunderten Reiſenden. §. 22. b) Rom. Die Einfuͤhrung der Wollen⸗Manufactur in die ver⸗ ſchiedenen Laͤnder Europa's iſt uͤberall von uͤber Erwar⸗ tung aͤhnlichen Umſtaͤnden begleitet geweſen. Ihr ging allezeit vemehrter Wohlſtand, Gebrauch der menſchlichen Faͤhigkeiten, erhoͤheter Geſchmack, Kenntniß und Wohl⸗ leben voraus. Sie folgte gemeiniglich den Fortſchritten der Roͤmiſchen Heere, wenn ſie durch ein Land zogen, welches Italien an Bildung nachſtand, und breitete fort⸗ dauernd ihren Einfluß immer mehr aus, bis das Kapitol in ſeinen Grundfeſten erſchuͤttert wurde, und Barbaren die Provinzen verheerten. In dieſer verhaͤngnißvollen Zeit ſuchte der von ſeinem Webſtuhl vertriebene Kuͤnſtler, und der von der ruhigen Pflege des Feldes verjagte Land⸗ ———-————— 8.— 47— nacht mann in der Einſamkeit den Druck zu vergeſſen, der be⸗ Ma⸗ reits auf den Staͤdten laſtete und der ſeinen Einfluß bald kteren auf den abgelegenſten Winkel ausdehnen mußte. Da nwiſ⸗ verloren die der Anregung beraubten menſchlichen Faͤ⸗ ber⸗ higkeiten ihre lebendige Thaͤtigkeit, und wurden weder agli zum Schmuck noch zur Erheiterung des geſellſchaftlichen und Lebens weiter mehr angewandt. Jeder ſuchte nur nach de dem, was zu ſeiner Exiſtenz weſentlich nothwendig war, Die und trug mit truͤber Fuͤhlloſigkeit die Entbehrung jener ſcht⸗ Gemaͤchlichkeiten, an die er gewoͤhnt geweſen war. Die hr in Gegenwart des mit den aus verfeinerten Sitten hervorge⸗ Fnnt henden Genuͤſſen gaͤnzlich unbekannten Vandalen ver⸗ eutet kehrte bald die geſchaͤftigen Staͤdte, die er unterjocht hatte, das in Schlupfwinkel der Unwiſſenheit, Rohheit und Raͤube⸗ rei, und ihre einſt angebauten Feldmarken in unfruchtbare Wuͤſten, oder weit ausgedehnte Waͤlder, wo der Baͤr und der Wolf, oder Menſchen, grauſamer als beide, nach ver⸗ Beute herum ſchweiften. Unter ſolchen Umſtaͤnden war hare die Lage des Landwirths ſehr mißlich. Seine Heerden wei⸗ Jin deten nur aus Duldung. Und als die Tyrannei ihren hoͤch⸗ ie ſten Gipfel erreicht hatte, wurde ſelbſt der Menſch als ehl das unbezweifelte Eigenthum eines Herrn in Anſpruch ge⸗ eitten nommen, der die Grenzen ſeines Staats mit der Spitze dgm, ſeines Schwerts bezeichnet hatte, und der uͤber das fet⸗ Schickſal ſeiner untergebenen Vaſallen ganz nach Belieben hil ſchaltete. Solch ein Druck konnte nun zwar nicht das de Daſeyn der Vließe vernichten, noch auch natuͤrlicherweiſe len dem Schafe die Faͤhigkeit nehmen, Wolle von der naͤmli⸗ ſile chen Beſchaffenheit wie in fruͤhern Jahren zu erzeugen; aber er machte doch die Weide, wo das Thier ſeine Nah⸗ rung ſuchte, weniger fruchtbar, und die Kraͤuter, die es ſa genoß, duͤrftiger. Die einſt eigenthuͤmlichen und wohl din, beſtellten Geſilde verwandelten ſich in unfruchtbare Hei⸗ fen den, wo die wolletragenden Thiere, ohne Unterſchied un⸗ Wo ter einander gemengt, herumirrten und ihr Geſchlecht' ohne Auswahl fortpflanzten. Es laͤßt ſich unmoͤglich be⸗ Ti ſtimmen, wie weit dadurch das Schaf ausartete; wer lah aber annimmt, daß es ſich an Geſtalt oder Vließ habe rinſe verbeſſern koͤnnen, muß von der Landwirthſchaft durchaus Etil nichts verſtehen, der muß vergeſſen haben, daß jede land⸗ u wirthſchaftliche Verbeſſerung abhange von einem freien, trei unternehmenden und gluͤcklichen Banernſtand, daß, ſo wie füh dieſer ſorglos und traͤge geworden, die ſchoͤnſten Plaͤne gen und Entwuͤrfe ſeiner Oberen, den Ertrag ihrer eigenen Be⸗ aüi ſitzung und die Wohlfahrt ihres Landes zu heben, verun⸗ feſe gluͤcken muͤſſen. Uebrigens war den barbariſchen Feld⸗ am herrn in dem achten Jahrhundert dieſer politiſche Grund⸗ V Talt ſatz nicht bekannt, und ihr Druck dauerte in vielen Thei⸗ V fande len Europa's faſt fuͤnf Jahrhunderte hindurch fort. V derten 1 larten §. 23.) Benedig. rürdl Doch vermochten dieſe Zeiten der Finſterniß, wie ſie auſe oft genannt worden ſind, nicht jenen Unternehmungsgeiſt, her! der ſruͤher geweckt war, gaͤnzlich zu vernichten. Vene⸗ A- dig erhob ſich aus Roms Aſche, indem es von einigen, irf die vor jenem mit Recht die Geißel Gottes genannten. gender unmenſchlichen Feind der Menſchheit flohen, als ein fuͤr a ran ſeine Nachforſchung zu verborgener, oder veraͤchtlicher Aufenthalt gewaͤhlt wurde, und die Verbindung zwiſchen) Italien und dem Oſten unterhielt. Dieſe Stadt nebſt iyffe — 4 di s Piſa, Florenz und Genua fuͤhrte die Wollen⸗Manufactur uah ein, und wurde bald durch ſeine Fortſchritte in den Kuͤn⸗ dei⸗ ſten und dem Handel beruͤhmt, waͤhrend ihr Beiſpiel, ihr „Un⸗ Wohlſtand und die daraus folgenden Beduͤrfniſſe des lecht Wohllebens ſehr guͤnſtig auf den Bauer und Schaͤfer wirkten. be⸗ Waͤren ſie aber weniger eiferſuͤchtig auf jeden andern Neben⸗ wer buhler geweſen, waͤren ihre Heerden nie durch das Ge⸗ habe raͤuſch der Waffen beunruhigt, oder aus den gepluͤnderten haus Staͤllen weggetrieben worden, um gelagerte Heerhaufen land. zu ſaͤttigen, und haͤtten ſie ſich in der eifrigen Be⸗ reiew, treibung des Handels verbunden, den einer nicht allein o wie fuͤhren konnte, und der hinreichend war, alle zu beſchaͤfti⸗ Plaͤne gen, ſie haͤtten maͤchtig werden muͤſſen im Verein und Ve⸗ reeich ohne Gleichen. Ihre Mannfacturen wuͤrden ſich erun⸗ feſter begruͤndet und weiter verbreitet haben, und vielleicht Feld⸗ wuͤrden dieſe Staͤdte viel laͤnger die Handelsplaͤtze der und⸗ Welt geblieben ſeyn. So lange dieſe Manufacturen be⸗ hei⸗ ſtanden, war ihr Einfluß ſehr bedeutend, und ſie befoͤr⸗ derten Verbeſſerungen, deren Wirkungen auf den frucht⸗ baren Boden noch immer bemerkbar ſind. Die Wolle des noͤrdlichen Italiens iſt im Allgemeinen in einem beſſern 1 1 1 ie ſie Zuſtand als diejenige, welche wir auf der andern Seite geiſt, der Alpengebirge antreffen; dieß ruͤhrt her entweder von ene⸗ der vorzuͤglichen Pflege, die ſie unter der Roͤmiſchen Herr⸗ igen, ſchaft erhielt, oder von der, die ihr durch die darauf fol⸗— unten genden Republiken angedieh, oder vielleicht daher, daß ſie füͤr zu wenig Zeit hatte, auszuarten. cher 1§. 24. d) Spanien. chen Indem wir den Einfluß der Manufacturen auf die nebſt Schafheerden in den uͤbrigen Theilen Europa's verfolgen, 4 —— 8 3 8* X 8 4 * 8 finden wir von dem Fall des Weſtroͤmiſchen Reichs bis zur Eroberung Spaniens durch die Mauren nichts außerordentliches. Vor dieſem Ereigniß, was um das Jahr ſiebenhundert und dreizehn ſich begab, waren die Heerden dieſes Landes ſehr vernachlaͤſſigt; doch fuͤhrte dieſes be⸗ triebſame Volk bald die verbeſſerten Schafe aus Afrika ein, und gruͤndete die Wollenmanufactur auf helle und heilſame Grundſaͤtze, welche zu dem Wohlſtand und der Macht der von ihnen eroberten Landſtriche beitrugen. Wie weit ſie dieſe Verbeſſerungen getrieben haben wuͤrden, waͤren ſie nicht von den Chriſten, die uͤber die fremden Eingedrunge⸗ nen immer mehr Boden gewannen, abgemuͤhet worden, iſt ungewiß; es iſt aber merkwuͤrdig, daß die Spaniſche Wolle in England ſchon im zwoͤlften Jahrhundert zur Be⸗ reitung feiner Tuͤcher gebraucht wurde und ohne Zweifel vor dem einhelmiſchen Erzeugniß den Vorzug behauptete. Wenn dieſe Verbeſſerung wirklich die Folge von Mauri— ſcher Betriebſamkeit, und nicht etwa zum Theil der vor⸗ zuͤglichen Beſchaffenheit der vor der Ankunft der Eroberer in Spanien erzeugten Vließe zuzuſchreiben war, ſo iſt es eine der erſtaunenswuͤrdigſten Veraͤnderungen, die wir in dem neueren Landbau antreffen, und ein auffallendes Beiſpiel des Einfluſſes der Manufacturen. Dieſer Ein—⸗ fluß aber, ſo groß er auch ſeyn mochte, wurde ſehr ge⸗ ſchwaͤcht, als der Catholicismus der Fuͤrſten die betrieb⸗ ſamen Afrikaner zwang, das Land zu verlaſſen, zu deſſen Bereicherung ſie ſo viel beigetragen hatten, und die Kuͤnſte mit ſich zuruͤck zu nehmen, die ſie mit ſo großem Erfolg betrieben hatten, und noch dazu in emer Zeit, als die Bevoͤl⸗ kerung durch den Durſt nach Gold vermindert war, der is is die Eingebornen ſchaarenweiſe uͤber das Meer gezogen nichts hatte; als die Nachfrage nach Fabrikaten durch die Gruͤn⸗ s Jahr dung von Colonieen lauter wurde; und als der Spanier erden durch die koͤſtlichen Metalle zu uͤbermuͤthig und zu bequem es be⸗ geworden war, die niedrigen und muͤhſeligen Feld⸗ und 3 ein Fabrikarbeiten ſelbſt zu verrichten. Wir haben keinen ilſame ¹ Grund zu vermuthen, daß Spanien ſeit jener Zeit ſeine iht der Heerden ſehr verbeſſert, oder ihre Zahl vermehrt habe; veit ſe denn außerdem, daß es einen ſtarken innern Verbrauch eren ſe befriedigte, der durch die Vertreibung der Mauren ver⸗ runge⸗ mindert wurde, fuͤhrte es einen betraͤchtlichen Ueberſchuß vorden, ſeiner Wolle nach Flandern und England aus, und dieſe aniſche Wolle war ſo beſchaffen, daß ſie in jeder Gegend des Ab⸗ ir Ve⸗ ſatzes gewiß ſeyn konnte. Die Geſetze der Meſta, d. h. weifel denjenigen, nach welchen ſich die wandernden Heerden rich⸗ ptete. ten muͤſſen, haben zu ihrer Verbeſſerung ſo viel nicht beige⸗ auri⸗ tragen, als gewoͤhnlich angenommen wird. Das Hoͤchſte, vor⸗ was vernuͤnftiger Weiſe von ihnen erwartet werden konnte, berer war, daß die Vermengung der Schafe mit einer ſchlechte⸗ iſt es ren Art verhuͤtet wurde, und ſie ſind in einem aͤußerſt ge⸗ e wir ſunkenen Lande ein erbaͤrmlicher Erſatz fuͤr landwirthſchaft⸗ endes liche Energie. Aber das funfzehnte Jahrhundert vollen⸗ Ein⸗ dete noch keinesweges das Elend dieſes ungluͤcklichen Volks. he ge⸗ Es war dem ſiebzehnten vorbehalten, den Manufacturen trieb⸗ und ihrem Einfluß durch die Vertilgung der Arbeiter den deſſen letzten Stoß zu geben, und zwar mit einem Grade von ünſte Unmenſchlichkeit, der nur einem durch religioͤſen Eifer ent⸗ rfolg flammten lang genaͤhrten Groll beigemeſſen werden kann. evoͤl⸗ Wenn jetzt irgend eine Verbeſſerung ſeiner Wolle von Spa⸗ „der nien erwartet werden kann, ſo muß ſie nicht pon ihren 4* Manufacturen ausgehen, obgleich Verſuche gemacht wor⸗ den ſind, ſie wieder ins Leben zu rufen, ſondern von ſei⸗ nen Verbindungeu mit andern Laͤndern und von dem Wunſche, dieſe mit einer an Guͤte unerreichten Waare zu verſehen. Die Wirkung dieſes Grundſatzes muß allezeit ſchwach und beſtaͤndig Stoͤrungen unterworfen ſeyn, in— dem bemerkt wird, daß andere feſten Schritts in ihre Fußtapfen treten und beinahe dahin gelangt ſind, ihnen die Palme zu entreißen. Von einem muthloſen Neben⸗ buhler, der von der Ausfuhr einer Waare abhaͤngt, die von einem jeden Nachbarlande erzeugt wird, und der be— reits fuͤhlt, daß die Ueberlegenheit der ſeinigen zweifelhaft iſt, laͤßt ſich erwarten, daß er den Wettſtreit ohne irgend heftige Kaͤmpfe aufgeben und ſeine Aufmerkſamkeit einem Gegenſtand entziehen werde, nach welchem die Nachfrage hauptſaͤchlich von der Beſtrebung auswaͤrtiger Fabrikanten und von dem Mangel an dem Vorrath, den ſie ſich uͤber⸗ dieß von andern Nationen verſchaffen, abhaͤngt. §. 25. e) Die Niederlande.. Die Kunſt, aus dem Vließ eine warme und dichte Kleidung zu verfertigen, war ſelbſt waͤhrend der finſter⸗ ſten Tage der Unwiſſenheit niemals verloren geweſen. Sie begann wieder aufzuleben und wurde um die Mitte des zehnten Jahrhunderts die ausſchließliche Beſchaͤftigung einer Claſſe der Geſellſchaft in den Niederlanden, wo ſie mehr als vier hundert Jahre hindurch der Ruhm des Vol⸗ kes und die Quelle ſeines Reichthums geblieben iſt. Die Wolle, diez es verbrauchte, war in den erſten wenigen Jahren das Erzeugniß ihrer eigenen Weiden, die noch nicht lange dem Walde abgewonnen waren; als aber die vor⸗ on ſei⸗ dem ere zu lezeit „in⸗ ihre ihnen deben⸗ t, die er be⸗ elhaft rgend einem ftage anten ber⸗ Manufactur ſich erweiterte, wurden die Nachfragen ſtaͤr⸗ ker und aus einer weiteren Entfernung befriedigt. Der Wohlſtand, den ſie verbreitete, wurde bald ſichtbar, die Menſchen haͤuften ſich in dem mit dem Handel beſchaͤf⸗ tigten Lande und trieben ihre Speculationen mit wach⸗ ſender Staͤrke hundert und funfzig Jahre hindurch immer weiter, als eine Ueberſchwemmung des Meeres die Kunſt, die Kuͤnſtler und das Land in einer allgemeinen Verhee⸗ rung zu verſchlingen drohte. Die Zerſtreuung des Volks, was vor dem Ungemach ſtoh, das ſeine Hoffnungen ver⸗ ſenken zu wollen ſchien, gab, anſtatt die in der Wiege lie⸗ gende Mannfactur zu vernichten, dieſer vermehrte Staͤrke, und war die Veranlaſſung, daß ſich zwiſchen dem Nieder⸗ lande und dem Auslande eine Verbindung anknuͤpfte, die fuͤr den Handel von der hoͤchſten Wichtigkeit wurde. Sie trug dazu bei, daß die mit der Wollen⸗Manufactur ver⸗ bundenen Kuͤnſte aus dem Umſturz, der ſie zu bedrohen ſchien, ſich weit ſchneller wieder empor aröbeiteten, und gab einen auffallenden Beweis von der Vorliebe fuͤr die Orte, wo ſie einſt unter dem Schutz einer Regierung, hochdenkend genug, ſie aufzumunkern, und maͤchtig genng, ſie zu ſchirmen, gebluͤht hatten, obgleich dieſe Orte von vielen natuͤrlichen Ungemaͤchlichkeiten zu zu leiden hatten. Der Einfluß dieſer Manufacturen auf die Vließe der Niederlande muß ſehr bedeutend geweſen ſeyn, denn vor dem Jahre neunhundert und ſechzig haben wir keinen Grund, anzunehmen, daß ſie vor denjenigen, die wir in benachbarten Gegenden antreffen, Vorzuͤge ge⸗ habt haben, und doch war dieß nicht lange vor der Zeit, da Flandern und Brabant wegen der Manufactur feiner ——— — ———ℳ — 34— Tuͤcher beruͤhmt wurden, ſelbſt in einer Periode, wo ſie nur wenig fremde Wolle einfuͤhrten. Vielleicht moͤchten die Zeuge denen nicht gleich kommen, die wir jetzt aus den Spaniſchen oder ſelbſt aus den verfeinerten Vließen unſerer eigenen Schafe verfertigen, doch behaupteten ſie den Vor⸗ zug vor den Engliſchen und denen des feſten Landes, Italien und Spanien ausgenommen. Es war um das Jahr zwoͤlfhundert, als die Kaufleute anfingen, die Wolle anderer Gegenden einzufuͤhren, ihre Verbindungen viel weiter auszudehnen, und dadurch immer reicher und ver⸗ noͤgender zu werden. Die Manufacturen hatten eine mehr als gewoͤhnliche Menge von rohem Material verlangt, und die Bevoͤlkerung des Landes hatte den Grad erreicht, welcher die Haltung einer großen Zahl Schafe nicht zu⸗ laͤßt, obgleich ſelbſt die Beſchaͤftigung des Volks von den Vließen, und ſeine Subſiſtenz von der Nahrung, welche die Schafe liefern, abhaͤngt. Wir werden auf aͤhnliche Faͤlle ſtoßen, wenn wir insbſondere von England handeln werden. Das Zuſammenwirken dieſer beiden Urſachen war unſtreitig hinreichend, den Fabrikanten zu veranlaſſen, ſich weiter vom Hanſe zu entfernen und die paſſendſten Wege, um ſeine Webſtuͤhle zu verſorgen, aufzuſuchen. Man haͤtte erwarten ſollen, daß er ſeine Aufmerkſamkeit auf Frankreich und Deutſchland gewandt haben wuͤrde; aber, nicht zu rechnen die feindlichen Stellungen einiger be⸗ nachbarten Fuͤrſten, war das rohe Material zu ſchwer, um mit wenigen Koſten auf den ſchlechten Wegen eines halb cultivirten Landes angefahren zu werden, und die Schiffe Spaniens und Brittanniens, die ihre Rechnung dabei fanden, die Beduͤrfniſſe der Niederlaͤnder zu befrie⸗ ——᷑—᷑—;—L—ꝛ—ꝛ—:—˖—·—·4„.,4ͤ4 4.ͤ———— 1 ſe digen, luden die Waaren faſt unmittelbar vor des Fabri⸗ oten kanten Thuͤr ab, und nahmen ſtatt der Zahlung kaum 3 den etwas anderes als die Zeuge, die er verfertigt hatte. ſerer Daraus begreifen wir den Grund, warum dieſe bluͤhen— Vor⸗ den Wollen⸗Manufacturen einen ſo geringen Einfluß auf ndes, die Vließe geaͤußert haben, die auf dem feſten Lande er⸗ das zeugt wurden, waͤhrend ſie ſo gewaltig auf die Engliſchen Volle Vließe einwirkten; denn der Wollenhaͤndler zog die Art viel Vließe vor, welche den Beduͤrfniſſen ſeines auswaͤrtigen dver⸗ Correſpondenten am angemeſſenſten war und im Ausland meht den leichteſten Abſatz fand. Es konnte kaum erwartet langt, werden, daß ein Volk ſo vertraut mit dem Seeweſen, und reicht von dem Handelsgeiſt ſo beſeelt wie das Engliſche lange t zu⸗ einen Handel mit rohen in ſeinem eignen Lande gewonne⸗ n den nen Materialien treiben ſollte, ohne den Verſuch zu ma⸗ velche chen, ihre Verarbeitung im Lande ſelbſt zu befoͤrdern. Die lliche Englaͤnder wurden wirklich die gluͤcklichen Nebenbuhler deln ihrer ehemaligen Kundleute und zogen allmaͤhlig den Han⸗ nchen del nach ihren Haͤfen hin, der bisher ſeinen Weg nach iſſen, Flanderiſchen Haͤfen genommen hatte, und fuͤhrten bald nſten den Niederlanden eine bedeutende Menge derjenigen Was⸗ ichen. ren zu, die ſie ehemals von dorther bezogen hatten. Un⸗ mmkeit gluͤcklicherweiſe verſiegten damals die Huͤlfsquellen der Nie⸗ arde; derlaͤndiſchen Manufacturen, die Arbeiter waren zerruͤttet, er be⸗ und die Bevoͤlkerung betraͤchtlich vermindert, der Pflus hwer, bekam wieder das Uebergewicht uͤber den Weberſtuhl, und eines ihre Felder wurden, ſtatt von Menſchen angefuͤllt zu ſeyn, die wieder dichter mit Schafheerden beſetzt. Dieſe waren aber nung von einer Race, ganz verſchieden von derjenigen, die fruͤ⸗ efrie⸗ herhin ihre Gefilde geſchmuͤckt und zu dem hohen Ruf der feinen Tuͤcher beigetragen hatten, welche die Quelle ihres Reichthums, und der, Neid der Nebenbuhler geweſen wa⸗ ren. Sie vertauſchten ihren Stamm mit Schafen von factur von Worſted⸗Zeugen und jeder Art der neuen Gewebe(Draperie) eignete. In dieſem Zweige hatte der Kuͤnſtler weniger Mitbewerber; und als die Nachfrage darnach ſich uͤber alle menſchliche Berechnung vermehrte, ergab ſich daraus ein Gewinn, der die Anſtrengungen des Geiſtes ſehr reichlich bezahlte und die Fabrikanten bewog, wiederum in England den Bedarf fuͤr ihre Webſtuͤhle zu ſuchen. Da aber eine verſchiedene Art Wolle noͤthig war, um die neue Art von Manufactur zu befoͤrdern, ſo konn⸗ ten ſie ſich dieſelbe von wenig andern Orten her verſchaf⸗ fen, als aus den Marſchen von Kent und Lincoln und aus der Niederung, die nahe an der Muͤndung des Hum⸗ ber liegt. Von dieſen Plaͤtzen wurden ſie gewiſſermaßen verſorgt, und da wurde der Einfluß der neuen Fabricate am fuͤhlbarſten bemerkt. Die Art Schafe, die damals Aufmunterung fand, hat ſich bis jetzt erhalten und hat einige Verwandtſchaft mit den Schafen, die auf der ge— genſeitigen Meereskuͤſte gezogen, und deren Nachkommen emphatiſch die Bluͤthe Flanderns genannt worden ſind. Seit der Mitte des funfzehnten Jahrhunderts, als die Wollen⸗Manufacturen Brabants und der Niederlande im Allgemeinen verfielen, hauptſaͤchlich in Folge der Volksunruhen, der unpolitiſchen Beſchraͤnkungen, denen man den Handel unterwarf, und der religioͤſen Verfolgun⸗ gen, wanderten die Arbeiter nach Holland, Deutſchland, Frankreich und England aus, wo ſie gaſtfreundſchaftlich einem laͤngeren Stapel, deſſen Haar ſich beſſer zur Manu⸗ ihtes en wa⸗ n von Nanu⸗ neuen te der frage ehrte, en des eiwog, hle zu war, konn⸗ ſchaf⸗ und Hum⸗ aßen icate’ nals hat ge⸗ men als lande der enen zun⸗ and, kllich — 57— aufgenommen wurden und durch ihre Kenntniſſe und Ver⸗ bindungen dazu beitrugen, die Nebenbuhlerſchaft zu befoͤr⸗ dern, die fuͤr ihr Geburtsland ſo verderblich wurde. In Brittannien wurden ſie mit großer Aufmerkſamkeit behan⸗ delt und gruͤndeten zur Dankbarkeit jene Werke, die dem Lande ſeit langer Zeit Nutzen und dermalen Reichthum bringen. §. 26. f) Brittannien. Die Bereitung wollener Zeuge wurde in Brittan⸗ nien durch die Roͤmer eingefuͤhrt, die ihren ungebildeten Unterthanen nicht nur die Kunſt des Webens lehrten, ſon⸗ dern es auch ſo weit brachten, ſie zu bewegen, die Felle, in die ſie bisher gekleidet geweſen waren, gegen das be⸗ haglichere Gewand ihrer Beſieger zu vertauſchen. Sie gruͤndeten eine Manufactur zu Wincheſter von einer ſolchen Ausdehnung, daß das Noͤmiſche Heer daraus verſorgt werden konnte, und es kann nicht angenommen werden, obgleich die Geſchichte davon ſchweigt, daß ſich die Ma⸗ nufactur entweder ganz auf dieſe Stadt beſchraͤnkt haben, oder von dieſem Volke, ſo lang es im Beſitze des Landes war, leicht vernachlaͤßigt worden ſeyn ſollte. Es iſt wahrſcheinlicher, daß, wie die andern Kuͤnſte, die mit den Bequemlichkeiten des Lebens in unmittelbarer Verbin⸗ dung ſtehen, den ganzen Zeitraum hindurch vorwaͤrts ſchritten, ſo auch die Kenntniß des Spinnens und Webens moͤge weiter verbreitet und allgemein in Ausuͤbung ge⸗ bracht worden ſeyn. Vielleicht war die Beſchaͤftigung mit dem Webſtuhl nicht immer von der Beſchaͤftigung mit dem Feldbau getrennt. Wer zu einer Zeit das Schiffchen warf, fuͤhrte zu einer andern den Pflug, oder handhabete — 58— den Flegel; und die alten Britten glichen in dieſer Hinſicht den Einwohnern des feſten Landes. Wenn die Manufac⸗ tur unter dem Schutz der Roͤmer einen Zeitraum von etwa vierhundert Jahren hindurch beſtand, ſo iſt es durchaus nicht wahrſcheinlich, daß ſie von den Eingebornen, nach⸗ dem ihre Freunde ſie verlaſſen hatten, ſollte vernachlaͤſſigt worden ſeyn. Auch findet ſich meines Wiſſens in den Denkmaͤlern der Geſchichte nicht der entfernteſte Wink, wodurch eine ſolche Vermuthung unterſtuͤtzt wuͤrde. Wenn das Schweigen der Geſchichtſchreiber uͤber dieſen Punct etwas beweiſen kann, ſo zeigt es, daß die Aus⸗ uͤbung der Kunſt, Wolle in Tuch zu verwandeln, ſo ge⸗ woͤhnlich war, daß ſie kein Aufſehen machte. Waͤhrend der Raubzuͤge der Pikten, Sachſen und Daͤnen konnten weder an der Manunfactur noch bei den Heerden Verbeſſe⸗ rungen gemacht werden, denn Eigenthum war damals zu mißlich, und der Geiſt der Eingebornen zu ſehr ge⸗ beugt. Alfred war zu edeln Zwecken geboren. Er be⸗ zwang die Eindringlinge(im J. 880.) und richtete ſein Reich wieder auf. Er fuͤhrte eine ſtrenge Policei ein und ſtellte das Eigenthum ſicher. Er munterte die Kuͤnſte auf, dadurch, daß er unter ſeinen Unterthanen Wetteifer erweckte. Er war weit herum gereiſt und hat die zweck⸗ maͤßigen Einrichtungen anderer Laͤnder geſehen, und es laͤßt ſich kaum denken, daß ein Mann von ſeinem Scharf⸗ ſinn, und der ſo viel gethan hatte, um die Wohlfahrt ſeines Volks zu befoͤrdern, gaͤnzlich die Art und Weiſe haͤtte uͤberſehen ſollen, wie ſie ihre Wolle verwendeten, die mit ihren uͤbrigen Genuͤſſen, ihrer Geſundheit und Bildung in dem engſten Zuſammenhange ſteht. Daher —,,— — — + 39— nſcht haben wir Grund zu ſchließen, daß die erſten neunhundert nufat⸗ Jahre der chriſtlichen Zeitrechnung hindurch die Wolle ettda Englands nicht ganz vernachlaͤſſigt worden ſey, obgleich chaus aus den jetzt vorhandenen Urkunden nicht hervorgeht, daß nach⸗ ſie in irgend einer Hinſicht Vorzuͤge vor derjenigen gehabt iſſit habe, die zu derſelben Zeit auf dem feſten Lande erzeugt den wurde. Wink, Aus den Wollpreiſen, die in den erſten Zeitraͤumen uͤrde. unſerer Geſchichte als der laufende Werth der Vließe er⸗ dieſen waͤhnt werden, ſind wir verſucht, anzunehmen, daß dieſer Aus⸗ Artikel mit bedeutender Aufmerkſamkeit gepflegt worden ge⸗ ſey. Um das Jahr neunhundert fuͤnf und zwanzig wurde ein hrend Bließ auf zwei Fuͤnftel des ganzen Schafs geſchaͤtzt; dieſes anten Verhaͤltniß iſt weit groͤßer als gegenwaͤrtig und zeigt, daß die beſſe⸗ Nachfrage nach der Carcaſſe entweder viel geringer, oder die mals Nachfrage nach dem Vließ viel bedeutender damals gewe⸗ ge⸗ ſen iſt als gegenwaͤrtig. Der Preis des Schaffleiſches be⸗ blieb mehrere hundert Jahre hindurch faſt der naͤmliche, ſein aber im Jahr eilfhundert und fuͤnf und dreißig fiel er um ein 50 pro Cent, waͤhrend die Wolle zu derſelben Zeit ſehr unſte hoch im Preiſe ſtieg und einen Zeitraum von zwei Jahr⸗ eifer hunderten hindurch im Steigen blieb. Dieß ruͤhrte wahr⸗ veck⸗ ſcheinlich von den Verbeſſerungen her, die ſie durch Cultur des erhielt, ſo wie von der vermehrten Nachfrage im In⸗ hatf⸗ und Ausland. aört Aus den dunkeln Nachrichten, die uns aus dieſen geiſe Zeiten uͤbrig ſind, vermuthen wir, daß die Zahl der Schafe ten, in dieſem Koͤnigreich ſehr unbedeutend geweſen ſey, und und daß die vor der Regierung Edgar's noch vorhandenen aher Moͤlfe ihre Vermehrung aufgehalten habe. Aber die im Jahre neunhundert ſechs und ſechzig von dieſem Fuͤrſten ergriffenen Maßregeln, dieſe Thiere auszurotten, welche die natuͤrlichen Feinde der Schafe ſind, offenbaren einen Grad von Sorgfalt fuͤr die Erhaltung der Heerden, welche wir kaum in einem ſo fruͤhen Zeitraum haͤtten erwarten koͤnnen, und waren auf eine bewundernswuͤrdige Weiſe dazu geeignet, auf ſie jene Aufmerkſamkeit, die zu ihrer Verbeſſerung beitraͤgt, zu lenken. Es ſcheint uͤbrigens, daß die Verbeſſerung des Vlie⸗ ßes mit der Neigung des Volks fuͤr feines Tuch nicht glei⸗ chen Schritt gehalten habe. Unter der Regierung Hein⸗ rich II.(1154— 1189) wurde Spaniſche Wolle, ohne Zweifel wegen ihrer uͤberwiegenden Vortrefflichkeit, einge⸗ fuͤhrt und in dieſem Reiche verarbeitet; aber die Politik jener Zeit erlaubte es nicht lange, und der Mayor von London wurde befehligt, jedes Stuͤck, in welchem Spa⸗ niſche Wolle gefunden wurde, zu verbrennen. Die Ver⸗ ordnung, welche dieß einſchaͤrfte, war entworfen zur Aufmunterung des Brittiſchen Landwirths und zur Ver⸗ beſſerung ſeiner Wolle; doch koͤnnen wir nicht glauben, daß die Grundſaͤtze, nach welchem dieſe Maßregel ergrif⸗ fen wurde, ſelbſt fuͤr die damalige Zeit hinlaͤnglich ausge— breitet geweſen ſeyn. Sie gingen darauf hinaus, den Handelsgeiſt zu vernichten, der ſich zu zeigen begann, und fuͤhrten die beſten Materialien in die Haͤnde von Fremden, die bereits ihren Werth kannten, und die bald nachher ſelbſt England mit den Waaren verſahen, welche aus ihnen bereitet worden waren. Ums Jahr zwoͤlfhundert und vierzig begann die Einfuhr feinen Tuchs nach Eng⸗ land Aufmunterung zu finden, obgleich dieß fuͤr die Vließe Fürſten weche einen welche varten Weiſe ihrer Plie⸗ zt glei⸗ Hein⸗ ohne einge⸗ Volitit von Spa⸗ Ver⸗ zur Ver⸗ ben, geif⸗ isge⸗ den und nden, chher aus ndert Eng⸗ Bließe — 61— dieſes Landes und fuͤr das Intereſſe der Landwirthe viel verderblichere Folgen haben mußte, als die Verarbei⸗ tung Spaniſcher Wolle moͤglicher Weiſe haͤtte haben koͤnnen, haͤtte nicht der raſtloſe Handetsgeiſt der ublen Richtung entgegen gearbeitet und den Aeberſchuß an Wolle, der daraus entſtehen mußte, ausgefuͤhrt⸗ Dieſe Art Handel zwiſchen Engkand und Flandern beſtand ohne Unterbre⸗ chung etwa hundert Jahre. Aber ein Volk, das wie das Brittiſche einen ſo hohen Unternehmungsgeiſt entwickelt hatte, konnte ſich nicht lange dabei beruhigen, ſein eignes Erzeugniß unverarbeitet andern zu uͤberſenden, von denen es daſſelbe um einen viel hoͤhern Preis wieder zuruͤck em⸗ pfing. Um das Jahr dreizehnhundert und dreizehn(1343) fingen ſie ernſtlich an, die Wollenmanufactur im Lande aufzumuntern. Von der hoͤheren Kunſtfertigkeit der Flaͤ⸗ minger uͤberzeugt, wurden einige aus dieſem Volke auf⸗ gemuntert, heruͤber zu kommen und ſich hier niederzu⸗ laſſen. Sie lehrten den Eingebornen die Kunſt, die Wolle ſo geſchickt wie ſie ſelbſt zu verarbeiten, und halfen den wahren Vortheil der Geſellſchaft befoͤrdern. Nachdem die⸗ ſer wichtige Schritt einmal gethan war, ſo ſpannten die Geſetzgeber ihre zuverſichtliche Erwartung ſo hoch, daß ſie vorausſetzten, die Engliſchen Fabriken wuͤrden bald ausgedehnt genug ſeyn, um ſaͤmmtliche Wolle des Koͤnig⸗ reichs in Anſpruch zu nehmen; um alſo dem Mangel zu⸗ vorzukommen, oder vielleicht vielmehr um ihn hervorzu⸗ bringen, wurde ein Geſetz erlaſſen, das die Ausfuhr der Wolle gaͤnzlich verbot. Der Erfolg zeigte hinlaͤnglich, welch großen Einfluß die Webſtuͤhle der Niederlande auf die Weiden Englands ausgeuͤbt, und wie ſtark ſie auf die — 62— Erzeugung und Verbeſſerung ſeiner Vließe eingewirkt hat⸗ ten. Er zeigt die Thorheit des Unternehmens, den Strom des Handels zwingen zu wollen, eine neue Richtung zu nehmen, und die Leichtigkeit, mit welcher er durch ſanftere Mittel vermocht werden kann, ſeinen Lauf zu aͤndern. Der Ueberſchuß an Wolle ſcheint von der Zeit Hein⸗ rich II. an bis auf die Zeit Eduard III. beſtaͤndig zuge⸗ nommen zu haben, und wurde in der Regel aus den Haͤn⸗ den des Zuͤchters unmittelbar ausgefuͤhrt. Doch iſt es nicht wahrſcheinlich, daß, waͤhrend im Auslande die Nach⸗ frage nach feiner Wolle ſo groß war, der Wollenhaͤndler gar nicht auf die Beſchaffenheit derjenigen, die er zu Markte ſandte, ſollte geachtet haben, noch auch, daß, waͤhrend der Geſchmack fuͤr feineres Tuch im Lande ſich erhielt, der Fabrikant hinſichtlich der Gattung, die er gebrauchte, ohne Auswahl verfahren waͤre. Beide Um⸗ ſtaͤnde trugen dazu bei, des Zuͤchters Aufmerkſamkeit rege zu machen, und veranlaßten ihn, denjenigen Sorten den Vorzug zu geben, die er am leichteſten abſetzen und fuͤr die theuerſten Preiſe verkaufen konnte. Dem gemaͤß finden wir, daß in den ſuͤdlichen Theilen der Inſel, wo man der Manufactur die groͤßte Aufmerkſamkeit ſchenkte, und von wo die groͤßte Menge ausgefuͤhrt wurde, die Heerden ſich in dem beſten Zuſtande befinden, und die Guͤte der Wolle der Erwartung am beſten entſpricht. Der wachſende Ein⸗ fluß des auswaͤrtigen Handels mag mit einiger Genauig⸗ keit nach der Menge der Wolle geſchaͤtzt werden, die er im Anfang und am Ende dieſes Zeitraums ausfuͤhrte. Beim Eintritt des dreizehnten Jahrhunderts betrug —yynn —,— kkt hat⸗ 3, den ichtung durch auf zu t Hein⸗ gzugr⸗ n Han⸗ iſ es Nach⸗ gaͤndler er zu daß, de ſich die er Um⸗ rege den dfür finden n der d von en ſich Vole Ein⸗ nauig⸗ die er e. betrug — 63— e oahrſcheinlich weniger als tauſend acht und ſechszig Saͤcke; um das Jahr dreizehnhundert und vierzig war ſie kaum unter dreißig tauſend, jeder Sack wog dreihundert vier und ſechzig Pfund. 4 5 Nachdem der große Verſuch, der die Ausfuhr der Wolle verbot, gaͤnzlich ſeinen Zweck verfehlt hatte, ging England zu einem weit vernuͤnftigern Syſtem uͤber, um den Nutzen ſeiner Wollen⸗Manufacturen zu befoͤrdern, und ſah dieſe ſich ſtufenfenweiſe zu einer Wichtigkeit erhe⸗ ben, auf die es nicht gerechnet hatte; es ſah, wie ſie ihren Einfluß nicht nur uͤber die fruchtbarſten Theile ſeiner eignen Provinzen, ſondern ſelbſt uͤber die unfruchtbarſten Graf⸗ ſchaften, uͤber die Weiden Irlands und die Schaftriften Spaniens ausdehnte. Es ſah die Huͤgel Schottlands mit einem verbeſſerten Stamm beſetzt und ſuchte ſich nicht nur von dorther mit rohem Material zu verſorgen, ſon⸗ dern auch aus den Kreiſen Deutſchlands, von den Ufern des Tajo(Tagus) aus den Staaten Italiens, den Inſeln des Archipelagus, den Kuͤſten der Berbarei und ſelbſt von den beſchneiten Hoͤhen der Cordilleras. Es hatte Sorge getragen, ſeine Parks(Luſtgaͤrten) mit den wolltragenden Thieren anderer Laͤnder zu beſetzen, hatte ſorgfaͤltig den verhaͤltnißmaͤßigen Werth eines jeden unterſucht und hatte mit unberechenbarem Vortheil das Blut der Negretti mit dem Blute ſeiner einheimiſchen Heerden vermiſcht. Auch ſind die Erzeugniſſe ſeiner Webſtuͤhle gegenwaͤrtig nicht auf enge Grenzen beſchraͤnkt. Es verbreitet ſie uͤber den groͤßern Theil von Europa, laͤngs den Kuͤſten Afrika's, in die Ebenen Indiens, bis an die Grenzen Perſiens, bis an die aͤußerſte Tartarei, in das Reich von China, und nach bei⸗ 3 8 1 1 4 1 5 3 4 1 — 1 1. —, — 64— den Theilen Amerika's. In der Bay von Abukir(1798 ſo 1. Auguſt) oͤffnete ihm ſeine Artillerie wieder den Durch⸗ 1 gang nach der Levante. g9 Die Maßregeln, die ergriffen worden ſind, um die 4 in Ausdehnung der Manunfactur zu foͤrdern, ſind nicht im⸗ mer von der Klugheit eingegeben worden. Bisweilen tn wurde der Landwirth durch ſie muthlos gemacht, un⸗ jitt bekuͤmmert, welche Gattung Wolle er erzeugte, und ein⸗ wir andernmal wieder verleitet, eine Sorte zu pflegen, die den wenigſten Werth hatte; ſelten wurde er aufgemuntert, zu poli verſuchen, ob er nicht die Stuͤhle ſeines Landes mit einem Material verſorgen koͤnnte, was dem gleich kaͤme, das Ma unſere Kaufleute einfuͤhrten, und es wurden ihm nur zu hre oft Klagen ausgepreßt uͤber die Selbſtſucht der Fabrikan⸗ da ten und die Parteilichkeit der Geſetzgebung, Klagen, die Ver nur allzu gerecht zu ſeyn ſcheinen. Einige der Beſchraͤn⸗ ſtom kungen waren gewißlich ſehr weiſe, ſo lange die Manu⸗ nieen farkur mit maͤchtigen und lange feſtgegruͤndeten Gegnern nte zu kaͤmpfen hatte, wurden aber unnoͤthig in dem Augen⸗ blick, wo ſie auf den Maͤrkten den entſcheidenden Ton an⸗ Inder gab, und verderblich in dem Zeitpunct, wo ſie uns ver⸗ ue mochten, das Fehlende im Auslande zu ſuchen, was erſt digner im Lande haͤtte herbeigeſchafft werden muͤſſen, und was ſein auch, wovon man jetzt feſt uͤberzeugt iſt, im Lande haͤtte Deen erzeugt werden koͤnnen. Seit den Zeiten Eduards III. mn (1337— 1377) hat ſich der Zuſtand der Wollen⸗Ma⸗ eeen n nufactur in Brittannien gaͤnzlich umgewandelt. Damals uſt war es nothwendig, auf einen Weg bedacht zu ſeyn, auf welchem unſer jaͤhrlicher Ueberſchuß an Wolle verfauft m werden moͤchte; jetzt iſt es ein unumgaͤngliches Erforder⸗ ae t um die ht im⸗ weilen „ un⸗ i ein⸗ die den tert, zu teinem , das nur zu rikan⸗ n, die chraͤn⸗ Nanu⸗ gnern igen⸗ man⸗ ver⸗ s erſt was hoͤtte s IlI. Ma⸗ antals , auf liauft order⸗ — forderniß fuͤr uns, das Fehlende aufzubringen. In jener Zeit waren die Brittiſchen Vließe fuͤr die Art Tuch, die am geſuchteſten war, ausnehmend gut geeignet; jetzt ſind ſie im Allgemeinen zu denſenigen Fabricaten, die geſucht wer⸗ den, nicht gut genug. Fruͤherhin bezahlten Auslaͤnder eine Abgabe von der Wolle, die ſie von uns erhielten; jetzt bezahlen wir haͤufig eine Abgabe von der Wolle, die wir von ihnen holen. Sicherlich erheiſcht dieſe Veraͤnde⸗ rung der Umſtaͤnde eine entſprechende Veraͤnderung in der politiſchen Geſetzgebung. 3 Doch duͤrfen wir den gluͤcklichen Fortgang der Wollen⸗ Manufactur in Brittannien nicht ganz den vom Staate zu ihrer Foͤrderung ergriffenen Maßregeln beilegen, auch ſelbſt denen nicht, die mit Weisheit angeordnet waren. Die Verbeſſerung des Landbaues, und die Zunahme an Wohl⸗ ſtand und Volksmenge ſowohl im Lande als in den Colo⸗ nieen trug in einem nicht geringen Grade dazu bei, ſie zu unterſtuͤtzen. Die groͤßere Ausdehnung des Ham dels gab uns mehr Ruf im Auslande und bewog andere Voͤlter, nicht nur unſere Abnehmer(Kunden) zu werden, ſondern unſere Manufacturen auch durch ihre eignen Verbindungen zu verbreiten, und der Einſlaß, den ſie in entfernten Laͤndern beſaßen, leiſtete uns bedeutende Dienſte. Der aus den Minen Peru's nach Europa ſtrö⸗ mende Reichthum, und der Oſtindiſche Handel verbreite⸗ ten mehr Geld unter denjenigen, welche unſere Fabrikate kauften, und das Geld, das dafuͤr bezahlt wurde, mun⸗ terte ſowohl unſere Kaufleute ais auch unſere Fabri⸗ kanten auf. Selbſt das Ungemach, was andere Laͤn⸗ der beſiel, hat durch die Verfugungen der Vorſehung 5 —.„·–₰‧ — 66— zu der Wohlfahrt unſeres eigenen Landes beigetragen. Als z. B. die Peſt im ſuͤdlichen Frankreich wuͤthete, als die Mauren unmenſchlicherweiſe aus Spanien vertilgt wurden, als der Herzog Alba die Gefilde Flanderns ver⸗ heerte*), als das Edict von Nantes widerrufen wurde, und die Proteſtanten ſich in ihrer Erwartung getaͤuſcht ſahen, da hoben ſich die Manufacturen Englands und triumphirten durch den Fall ihrer Nebenbuhler. In ſpaͤtern Jahren hat der ſchaffende Geiſt unſerer Landsleute mehr wie irgend eine in der Handelsgeſchichte aufgezeichnete Begebenheit dazu beigetragen, unſern Ma⸗ nufacturen Beſtand und große Ausdehnung zu geben. Die Verbindung der mechaniſchen Kraͤfte in Arkwright's Maſchinen**), und die Anwendung elaſtiſcher Fluͤſſigkei⸗ *) Flaͤminger und Wallonen ließen ſich nieder in Sudbury, (Grafſchaft Suffolk), in Sandwich, in der Grafchaft Kent, (Fabrik von Flanell und Boy); zu Colcheſter, Bocking und anderen benachbarten Gegenden, Grafſch. Eſſex,(Fabri⸗ ken von Sarſchen, Boy und anderen wollenen Artikeln); ums Jahr 1660, waren 2000 Weberſtuͤhle in Colcheſter im Gange, in Devizes, Wiltſhire,(Fabr. von Deutſchen Sar⸗ ſchen), u. ſ. w. Franzoͤſiſche Refuͤgies fuͤhrten 1685. den Filzhut in England ein,(Hutabrik in Wandsworth, Graf⸗ ſchaft Surry) u. ſ. w. Anm. d. Ueberſ. *) Arkwright's verbeſſerte Methode, Baumwolle zu ſpin⸗ nen(von d. J. 1768 und 1775), beſteht hauptſachlich in einer Maſchinerie⸗Verbindung, wodurch die Baumwolle mit der aͤußerſten Genauigkeit, Gleichheit und Vollkommenheit gekratzt, vorgeſponnen und zu Twiſt oder Zettel geſponnen wird. Ein Waſſerrad, oder mehrere, treiben die Maſchine⸗ rie, daher man auch dieſes Garn mit dem Namen von Water⸗Twiſt belegt hat.— Dieſe Maſchinerie iſt nachdem auch zum Wollſpinnen eingerichtet worden.— Hargrave's Jenny ſpinnt den Einſchlag(Weſt).— Vergl. Nemnich' s — — 2— — 67— trag. ten, um Watt's verbeſſerte Dampfmaſchine*) in Bewe⸗ te, als gung zu ſetzen, haben uns ſo hohe fuͤr Manufacturen ge⸗ vertilgt 5* ns ver⸗ neueſte Reiſe durch England, Schottland und Irland ꝛc. wurde,„Juͤbingen 1807. Anm. d. Ueherſ. taͤuſcht*) Die urzpruͤngliche und rohe Idee einer Dampfmaſchine 3 und wird dem Marquis von Worceſter zugeeignet(1663). Un⸗ un gefaͤhr vierzig Jahr darauf brachte Capitaͤn Savary ſel⸗ bige in Anwendung, um das Waſſer aus den Zinnbergwerken G g von Cornwall zu ſchoͤpfen. Sie war aber ſehr unvollkom⸗ unſerer men und leiſtete nicht viel von der verſprochenen Wirkung. eſchichte Newcomen, ein Eiſenkraͤmer, und Crawley, ein Glaſer, . ſetzten in Verbindung mit Savary die Verſuche fort und mn Ne⸗ erhielten 1705 ein Patent fuͤr die beſondere Maſchine, welche geben. ihrer wichtigen Verbeſſerungen wegen unter dem Namen ;72, von Newromen's Engine bekannt wurde. Sie war aber right's noch immer ſehr unbequem und hatte mit vielen Schwierig⸗ iſſigkei⸗ keiten zu kaͤmpfen, bis 1717 Brighton, ein ſehr geſchickter Kuͤnſtler, das Ganze der untergeordneten Bewegungen ſo vereinfachte und in diejenige Form brachte, worin ſie, ohne zuudbury, weſentliche Abaͤnderung, bis auf den heutigen Tag fortdau⸗ ft Kent, ert. Viele davon wurden in Bergwerken gebraucht. Allein ocking es blieb immer das groͤßte Hinderniß, daß eine ungeheure (Fabri⸗ Menge Steinkohlen erforderlich war, deren Verminderung iteln); daher zu unzaͤhligen fruchtloſen Verſuchen Anlaß gab. ſter im Doctor Black, ein beruͤhmter Profeſſor der Chemie, n Sar⸗ zeigte den Weg, die zwiſchen der aufgewandten Hitze und 85. den der Quantitaͤt des producirten Dampfes beſtehende Ver⸗ „Graf⸗ wandtſchaft zu berechnen. Dieß war im J. 1763, und 8 erſ. gegzn dieſe Zeit warde James Watt zu ihm berufen, zu piir um dasr Modell ſeiner Dampfmaſchine zu repariren. Hier chlich in hatte Watt, deſſen Lieblingsbeſchäͤftigung es ſchon lange volle mit war, Verbeſſerungen in der Dampfmaſchine hervorzubrin⸗ nmenheit gen, die beſte Gelegenheit, ſeine Neigung zu verfolgen und ipponnen ſeine bisherigen Verſuche zu mehrerer Reife kommen zu laſ⸗ laſchine⸗ ſen. Hauptſaͤchlich waren ſeine Bemuͤhungen dahin gerichtet, nen von den Dampf immer mehr zu verdichten und die Krafr deſ⸗ nachdin— ſelben mit geringerem Aufwand zu vermehren. Hierin khat rgrave's er gute Fortſchritte; allein, da ſein maßiges Vermoͤgen z0t nnich's den koſtbaren Verſuchen nicht hinreichte, fo haͤtee er letztere — eignete Kraͤfte gegeben, die niemals aus der ſtaͤrkſten Volksvermehrung haͤtten hervorgehen koͤnnen, und eine Thaͤtigkeit des Geiſtes, die ſich vorher noch nie, ſelbſt nicht in dem Streben nach Vermoͤgen oder Ruhm, entwi⸗ ckelt hatte. Es iſt alſo nicht leere Einbildung, wenn wir aus dieſen vortheilhaften Umſtaͤnden den gluͤcklichſten Erfolg weiſſagen und behaupten, daß unſere Wichtigkeit als handelnde Nation erſt in ihrer Kindheit liegt, und daß— wenn nicht etwa politiſche Ereigniſſe ſtoͤrend eigreifen— wir in der Folge, als ſolche, raſchere Fortſchritte machen werden. Die Wirkungen, welche die Manufactur bereits auf die Vließe ausgeuͤbt hat, ſind von der Art, daß ſie unſere Vermuthungen beſtaͤtigen und uns in der Meinung beſtaͤrken, daß wir noch nicht wiſſen, wie weit ihre Ver⸗ beſſerung getrieben werden koͤnne. §. 27. 9) Frankreich. Es haͤtte wohl erwartet werden moͤgen, daß Frank⸗ reich, wegen der Nachbarſchaft der fruͤheſten Sitze der Wollenmanufactur, veranlaßt worden waͤre, aͤhnliche Ma⸗ wohl ganz aufgegeben. Im J. 1773 wurde er aber vom bekannten Boulton in Birmingham engagirt, um mit ihm gemeinſchaftlich eine Fabrik von Dampfmaſchinen(zu Soho) zu unternehmen. Boulton unterſtuͤtte mit ſeinem Vermoͤgen Watt's Geſchicklichkeiten, und ſeitdem ſind die Dampfmaſchinen erſt recht in Aufnahme gekommen und, nicht wie vorhin zu Bergwerken, ſondern auch faſt zu allen Fabriken, wo eine große und beſtaͤndige Kraft erfor⸗ derlich iſt, angewandt worden. Man hat berechnet, daß die Dampfmaſchinen der Brittiſchen Nation taͤglich 75000 Pf. St, erſparen. Nemnich a. a. O. S. 67 ff. Anm. d. Ueberſ. ällſten nd eine ſelbſt entwi⸗ in wie Erfolg t als daß— fen— machen bereits daß ſie Leinung e Ver⸗ rank⸗ ſe der Ma⸗ er vom im mit ten(zu ſeinem ſind die n und, faſt zu erfor⸗ t, daß 75000 rſ. 1 — 69— nufacturen auf ſeinem Gebiete einzurichten. Doch hat es den Anſchein nicht, daß es alle die Vortheile benutzt habe, die ihm ſeine Lage darbot; zu ſehr beſchaͤftigt mit militaͤri⸗ ſchen Angelegenheiten, zu oft in Krieg mit ſeinen noͤrdli⸗ chen Nachbarn verwickelt und durch Umſtaͤnde veranlaßt, der Seiden⸗Manufactur Aufmerkſamkeit zu widmen, ver⸗ nachlaͤſſigte es die Wollen⸗Fabrikation ſehr. Sie wurde zwar als ein haͤusliches Geſchaͤft betrieben, doch aber nicht vor dem ſechzehnten Jahrhundert als ein beſonderes Ge⸗ werbe geuͤbt. Unter ſeinen beiden Miniſtern Richelieu und Colbert machte es bedeutende große Fortſchritte ſowohl in der Art der Fabriken⸗Einrichtungen im Lande, als auch in dem Abſatz nach außen. Gluͤcklicher gelegen zu dem Tuͤrkiſchen Handel als die Englaͤnder und Hollaͤnder, und in dem ſuͤdlichen Theil des Reichs die Gemaͤchlichkeit leichter Tuͤcher vielleicht eher fuͤhlend, als jene in ihrem dumpfen Klima fuͤhlen konnten, gewann es einen uͤberwie⸗ genden Einfluß im Oſten und verdraͤngte jene faſt vom Markte. Um ſeinen Vortheil zu ſichern, wandte es große Sorgfalt auf die Verbeſſerung ſeiner Vließe und verſchaffte ſich auserleſene einheimiſche und Spaniſche Staͤnme zur Beſetzung ſeiner Weiden, Aber die Widerrufung(1685) des den Proteſtanten feierlich gegebenen Verſprechens zerſtreute ſeine Fabrikanten und trieb ſie in fremde Laͤnder, wo ſie groͤßere Gewiſſensfrelheit genießen und ihre Religion mit mehr perſoͤnlicher Sicherheit ausuͤben konnten. Diejeni⸗ gen, welche nach Sachſen fluͤchteten, wurden mit der Menſchlichkeit aufgenommen, worauf Ungluͤck Anſpruch hat, und ſo edelmuͤthig bewillkommnet, wie es von. einem aufgeklaͤrten und fuͤr das Wohl ſeiges Landes be⸗ — 70— 8 — ſorgten Fuͤrſten zu erwarten war. Sie trugen dazu bei, die Manufacturen des Landes zu vervollkommnen, und legten den Grund zu dem Ruf, den es ſeitdem hinſichtlich der Vollkommenheit ſeiner Farbengebung erlangt hat. Sie waren die erſten, welche unter der arbeitenden Menſchen⸗ laſſe jene beſondere Farbe einfuͤhrten, welche das Saͤch⸗ ſiſcheblau heißt. An jedem Orte, wo dieſe Fluͤchtlinge ſich nach und nach anſiedelten, halfen ſie durch ihre Thaͤ⸗ eigkeit, ihre Kunſtfertigkeit, ihre Verbindungen und ihr Capital die einheimiſchen Manufacturen emporbringen, und ſetzten dieſe in den Stand, mit einem entſcheibenderen Uebergewicht ſich mit den Franzoͤſiſchen zu meſſen. Die letzten Unordnungen dieſes ungluͤcklichen Reichs haben neue Auswanderungen veranlaßt, ſeine Kuͤnſtler in Elend geſtuͤrzt und ſeine Handelsverbindungen zerſtoͤrt, und haben ſo auf eine erſtaunenswuͤrdige Weiſe zu dem Ueber⸗ gewicht des Engliſchen Handels beigetragen. §. 28. h) Irland. Die Wollen⸗Manufactur iſt ſeit langer Zeit in Ir⸗ ſand eingefuͤhrt, und ohne Zweifel iſt ihr Einfluß auf die Pließe dort nicht weniger ſicher als an andern Orten ge⸗ weſen. Doch iſt bisher nur diejenige Art verfertigt wor⸗ den, die fuͤr geringere Tuͤcher zum Verbrauch im Lande und fuͤr die Bereitung von Worſteds paßt. Die erſteren cignen ſich fuͤr die Beduͤrfniſſe eines armen Landes, und letztere ſind durch die Ausfuhr ihres Garns gediehen. §. 28 b. ¹) Schweden und Rußland. In Schweden und Rußland iſt die Wollen⸗ Manufactur, als ein beſonderes Gewerbe betrachtet, neu; — ————-————-— beme Nuuge ſchrie ſeyn, An eelett entſe woll den ſogal dere, de N fand, und; u bi, doch hat ſie lange genug beſtanden, um eine erſtaunliche und Veraͤnderung in ihren Heerden zu bewirken. Unter der htlic Leitung wiſſenſchaftlich gebildeter(kenntnißreicher) Maͤn⸗ . Ste ner wurden in neueren Zeiten die beſten Mittel angewandt, chen⸗ um die Verbeſſerung zu foͤrdern, und in beiden Laͤndern Saͤch⸗ wurden neue Schaſſtaͤmme eingefuͤhrt. Daſſelbe gilt von klinge Sachſen und andern Kreiſen des Deutſchen Reichs; und Tha⸗ ſelbſt in Ungariſchen Heerden ſind Verbeſſerungen nicht un⸗ d ihr deutlich wahrzunehmen. eingen,. nderen 1§. 29. a) Worſteds Einfluß der Erfindung neuer Zeuge auf Dee 1 die Wollcultur. haben Außer jenen allgemeinen Wirkungen, welche die Ver⸗ Elend wendung wollener Zeuge zum gewoͤhnlichen Gebrauch auf und die Heerden der verſchiedenen Laͤnder hervorgebracht hat, feber⸗ muͤſſen wir auch den ganz einzigen und beſondern Einfluß bemerken, welcher der Erfindung neuer Arten wollener Zeuge und dem Aufhoͤren der Nachfragen nach alten zuge⸗ ſchrieben werden muß. Es wuͤrde hier zu weitlaͤuftig Ir⸗ ſeyn, alle die Veraͤnderungen nachzuweiſen, welche die de. Manufactur in den verſchiedenen Perioden ihrer Geſchichte n ⸗ erlebt hat, und es wuͤrde uns zu weit von unſerm Zweck wor⸗ entfernen, wenn wir uns an dieſe Unterſuchung wagen Lande wollten. Es iſt moͤglich, daß viele Arten Zeuge durch ſteren den Weberſtuhl geſchaffen worden ſind, von welchen wir und ſogar die Namen verloren haben, und es giebt wieder an— dere, die erſt neuerlich Aufmerkſamkeit erregt haben. Als die Manufactur ſich in einem mehr einfachen Zuſtand be⸗ len⸗ fand, bemerken wir nur zwei Arten Stoffe, naͤmlich Filz und Tuch, obgleich bei beiden wieder es wahrſcheinlich manche Verſchiedenheiten geben mochte. In dieſer Zeit waren die Beduͤrfniſſe des Menſchen ſehr leicht befriedigt, und er ſuchte ſeine Genuͤſſe und die Gegenſtaͤnde ſeiner Laune nicht durch Mannigfaltigkeit zu vermehren. In ſpaͤteren Zeiten aber wurde der Filz nicht nur zu Zelten angewandt, ſondern er wurde ein Theil des Hausgeraͤths, man bedeckte den Divan und den Fußboden damit, waͤhrend das Tuch mancherlei verſchiedene Farben und Muſter anneh⸗ men mußte. In der Folge der Zeit war die Erfindung des Kamms, oder vielmehr die Anwendung dieſes Werkzeugs auf die Wollen⸗Manufactur, Veranlaſſung, dem ſchoͤpferi⸗ ſchen Geiſte neuen Spielraum zu geben, eine Menge ver⸗ ſchiedener Waaren zu erzeugen. Das Verzeichniß ihrer Namen wurde allein ſchon ſo ausgedehnt, daß eine Wie⸗ derholung deſſelben langweilig ſeyn wuͤrde, und doch wurde es in der neuern Zeit noch durch das Hinzukommen der⸗ jenigen Zeuge vermehrt, in welchen die wollenen und Wor⸗ ſted(geſponnenen)⸗Faͤden mit einander vereint ſind, ſo wie auch durch diejenigen Gewebe, in welchen die eine von dieſen Gattungen mit ſeidnen, linnenen, oder baumwolle⸗ nen Faͤden unterwebt iſt. Eine jede von dieſen Gattungen mußte, je nachdem ſie geſucht wurde, je nachdem die Nachfrage ſtieg, oder fiel, einen dieſer Nachfrage entſpre⸗ chenden Einfluß auf unſere Heerden gehabt und deren Ei⸗ genthuͤmer veranlaßt haben, die Laͤnge des Stapels dar⸗ nach zu beſtimmen und die Erzeugung einer hinlaͤnglichen Menge zu verſuchen. So wenig wir die Zeit wiſſen, wenn der Kamm er⸗ fanden worden iſt, ſo unbekannt iſt uns der Zeitraum, in ſet zeit feidigt, e ſeiner . In delten raͤths, aͤhrend anneh⸗ ung des etzeugs hoͤpfer⸗ ige ver⸗ ß ihrer e Wie⸗ wurde en der⸗ Vor⸗ ſo wie evon wolle⸗ ungen m die gtſore⸗ ren Ei⸗ 6 dar⸗ glichen im er⸗ im, in — * —-— 73— welchem zuerſt Worſted⸗Zeuge*) verfertigt worden ſind. Es iſt wahrſcheinlich, daß ſie urſpruͤnglich im Orient gewoben worden ſind, und daß die Kenntniß von ihnen entweder durch Armeniſche Handelsleute, oder durch diejenigen, die von den ſchwaͤrmeriſchen Heereszuͤgen, unternommen, um das heilige Grab der Herrſchaft der Unglaͤubigen zu entreißen, zuruͤckkehrten, nach Europa gebracht worden iſt. Die Gewande, die jetzt von den Tuͤrken getragen werden, von denen einige mit dem Kamm gearbeitet zu ſeyn ſcheinen, die gelegentliche Erwaͤhnung dieſes Werkzeugs in einer Beſchreibung von Angora, und die Nachfrage nach Worſted⸗Zeugen in der Levante beſtaͤ⸗ tigen die Muthmaßung und laſſen uns glauben, daß es in dem Tuͤrkiſchen Reiche ſehr bedeutende Manufacturen der Art gebe, obgleich wir von deſſen haͤuslichen und land⸗ wirthſchaftlichen Verhaͤltniſſen kaum etwas mehr wiſſen, als was aus ſehr oberflaͤchlichen Erzaͤhlungen und unſichern Schluͤſſen zu holen iſt. Nachdem die Kunſt, Worſted⸗Garn zu ſpinnen, in dieſen weſtlichen Gegenden bekannt worden 7 *) Unter Worſted verſteht man Langwolle, die, gekaͤmmt und geſponnen(Worsted Yarn), zu wollenen Zeugen(Worsted staffé) und Struͤmpfen(Worsted stockings) angewandt wird. Der Name Worſted kommt wohl von einem un⸗ gefoͤhr zehn Engliſche Meilen von Norwich gelegenen kleinen Orte Worstead her. Man glaubt, daß hier zuerſt Garn von Langwolle geſponnen, und dieſem, ſowoht als den daraus gewebten Zeugen, deßwegen der Name Worſted beigelegt worden ſey. Der Name Worsted stuffs iſt uͤbrigens in neuern Zeiten in Norwich stuffs verwandelt worden, weil Norwich(in d. Grafſch. Norfolk) ſeit dem 14. Jahrhundert der Hauptſitz der Fabriken von Worſtedzeugen wurde und ſich als ſolcher bis auf die neueren Zeiten behauptet hat. Nemnich ꝛc. S. 439 ff. Anm. d. Ueberſ. 2 — 14— war, bewieſen ſich die Niederlaͤndiſchen Webſtuͤhle thaͤtig, es zu jenen beſondern Arten von Zeugen zu verarbeiten, fuͤr die es ſich eignete, und es ſcheint, als ob der Unterſchied zwiſchen dieſen und den wollenen Zeugen erſt einige Jahre darnach allgemein bemerkt worden ſey. Norwich, ihr erſter Sitz in England, hatte in dem Jahr dreizehnhundert und acht und vierzig einigen Ruhm in dieſem beſonderen Zweige der Manufactur erlangt, war bereits groß und bevoͤlkert, und die Kuͤnſtler waren uͤber die Grafſchaft Norfolk verbreitet, und doch war die Menge des verfertigten Zeugs nicht groß genug, um die Forderung des Reiches zu befriedigen, denn in dem naͤm⸗ lichen Jahr finden wir neue Verordnungen hinſichtlich der Einfuhr der Worſted⸗Zeuge aus fremden Laͤndern. Nichts deſtoweniger finden wir, daß in dem kurzen Zeit⸗ raum von ſieben und zwanzig Jahren dieſes Gewerbe ſich ſo ſehr erweitert hatte, daß, nachdem die Nachfrage nach dieſem Artikel im Lande befriedigt worden war, eine be⸗ deutende Ausfuhr Statt Uinden konnte. Es fand aler Wahrſcheinlichkeit nach eine Art Tauſch⸗ handel mit Worſtedzeugen zwiſchen England und den Nie⸗ derlanden einen betraͤchtlichen Zeitraum hindurch Statt. Wir ſandten ihnen die eigenthuͤmlichen Fabrikate unſerer Webſtuͤhle und empfingen dagegen diejenigen Sorttn⸗ welche nur auswaͤrts gearbeitet wurden. Waͤhrend der Dauer des vierzehnten und der erſten Haͤlfte des anfs zehnten Jahrhunderts machte die Manufactur unnn brochen die reißendſten Fortſchritte, verbreitete fe nur dürch die Grafſchaft Norfolk, ſondern ſelbſt — — 75— hätig Suffolk und Cambridgeſhire; im Fortgang der Zeit ſandte beiten, ſie Colonieen nach Eſſex, den mittleren und ſuͤdlichern b der Grafſchaften, und ſelbſt nach Yorkſhire. In ihrer gluͤck⸗ erſt lichſten Periode erhielt ſie Aufmunterung ſowohl durch ſey. die vermehrte Nachfrage nach Worſted⸗Zeugen im Lande, Jahr als auch durch die Verfolgungen in Gewiſſensſachen, die m in ſich im Auslande erhoben. Die Fleminger, durch reli⸗ war gioͤſe Bigotterie in ihrem eignen Lande unterdruͤckt, ſuch⸗ uͤber ten nach der Sicherheit, die unſere Landsleute ihnen zu e dt verſprechen ſchienen, und fanden Beſchaͤftigung in den im die Werkſtaͤtten des oͤſtlichen Bezirks. An allen den verſchie⸗ naͤm⸗ denen Orten, wo die Wollen⸗Manufactur ſich niederließ, htlich koͤnnen K ihren Einftuß auf die Vließe ſehr leicht bemer⸗ dern. ken. Ohne Zweifel wurden dieſe Orte wegen der Naͤhe zeit⸗ einiger neiien Bezirke des Landes gewaͤhlt, aus denen ſie eſcch mit der Art Wolle verſorgt werden konnten, die zu ihrem nach Beſtehen weſentlich nothwendig war, und welche bei der be⸗ niedern Stufe der Ausbildung, auf welcher, in Vergleich mit jetzt, damals die Kuͤnſte der Landwirthſchaft ſtanden, auf magerm und buͤrrem Boden nicht gewonnen werden uſc konnte. Die Webſtuͤhle der oͤſtlichen Theile des Koͤnig⸗ Ne⸗ reichs hingen, in Hinſicht der Wollenlieferung, von den tatt Niederungen Norfolk's und Lincolnſhire's ab; die im Suͤ⸗ ne den von der Romney⸗Marſch; in den mittlern Grafſchaf⸗ vrn ten wurden ſie verſorgt durch die reichen Wieſen, die ſich der dort im Ueberfluß finden; und in Yorkſhire durch die Kuit Bezirke von Holderneß und Cleveland. Die Einfluͤſſe der Manufacturen auf die Vließe ihrer Gegenden muͤſſen im Verlauf von mehrern hundert Jahren ſehr betraͤchtlich geweſen ſeyn, und es ſetzt uns nicht in Erſtaunen, in ihnen die Schafe zu bemerken, welche von dem natüͤrlichen Zu⸗ ſtande am weiteſten abgewichen ſind. Im Laufe der Zeit haben die Worſted⸗Mannfactu⸗ ren gleich den uͤbrigen Veraͤnderungen erlitten. Gegen⸗ waͤrtig ſind mehrere Arten von Waaren, nach welchen einſt ſtarke Nachfrage war, nicht mehr geſucht, und die Erzen⸗ gung der Materialien, aus denen dieſe bereitet wurden, haͤtte muͤſſen eingeſtellt werden, oder dem Erzeuger zur Ueberlaſt liegen, wenn nicht der erfinderiſche Geiſt ſie zu andern Zwecken verwendet, und der unternehmen de Han⸗ delsgeiſt ſie auf entfernte Maͤrkte gebracht haͤtte. Dieß ſehen wir ſehr deutlich aus der Nachfrage nach Camelots und Shalloons, die nur erſt vor wenigen Jahren in die⸗ ſem Lande ſehr groß war, und die jetzt beinahe ganz auf⸗ gehoͤrt hat. Die Wolle, aus welcher ſie verfertigt wur⸗ den, wird gegenwaͤrtig auf andere Weiſe zu Waaren ver⸗ arbeitet, die eine lange und wolligere Decke(Krap) erfor⸗ dern, oder es werden den alten aͤhnliche Zeuge daraus be⸗ reitet und in andere Gegenden verfahren. §. 30. b) Tapeten, Terpiche. Unter den Artikeln, die bei uns außer Mode ge⸗ kommen ſind, gehoͤren die Tapeten zu den auffallendſten. Gleich alten Gemaͤlden bezeichnen die Ueberreſte derſelben die Sitten fruͤherer Zeiten; und obgleich die Zeichnung nicht immer genau(correct), und auch nicht auf die Zei⸗ ten, in welcher ſie verfertigt wurde, anwendbar iſt, ſo entfaltet ſie doch einen hohen Grad von Erfindungsgeiſt und die ausgezeichnetſte Kunſtfertigkeit. Die Proben, die ich geſehen habe, waren im Allgemeinen ſehr alt, und die 3 2.. 5 Wolle, aus der ſie verfertigt waren, zeigte ſich uͤber meine hoͤchſte Erwartung vorzuͤglich. So lange in Eng⸗ 1 2* fatu land ſehr ſtarke Rachfrage darnach war, wie dieß gegen⸗ Aei. waͤrtig im Auslande der Fall iſt, hatten ſie gewiß einen einſt verhaͤltnißmaͤßigen Einfluß auf die Beſchaffenheit der rzen⸗ Wolle; der Abgang dieſes Einfluſſes wird aber aufs reich⸗ rden, lichſte erſetzt durch den allgemeinen Gebrauch des moder⸗ t zur nen(carpet) Teppichs.*) ſie zu 6 Han⸗*) Im J. 1750 wurde das Teppichweben nach Chaillot's Me⸗ Dieß thode in London eingefuͤhrt. Zwei Geſellen hatten dieſen ts ihren Meiſter verlaſſen, und wurden von, einem Moorn tld aufgemuntert, unter ſeiner Direction eine Teppichfabeik n die⸗ in London anzulegen. Sie hatte einen guten Fortgang, Hauf⸗ und 1757 erhielt Moor von der Sociery of Arts eine Be⸗ 3 lohnung fuͤr ſeine beſte Nachahmung der Tuͤrkiſchen Tep⸗ wur⸗ piche. In der Folge hat ſich dieſer Zweig nach andern Ge⸗ mver⸗. genden von Großbrittannien hingezogen. Die Verſchieden⸗ heit, und darnach die Benennungen der Engliſchen Teppiche erfor⸗ ſind folgende: Wilton Carpets ſind auf der Ober⸗ be⸗ flache wie Pluͤſch oder Sammet geſchoren und aufgeſchnit⸗ ten(daher auch die Benennung Pile or Plush Carpets). Sie werden jetzt am meiſten und ſchoͤnſten in Kidderminſter gemacht(wo 1772 ſchon uͤber 250 Stuͤhle im Gange waren; die Zahl der dabei beſchaͤftigten Menſchen in und außer der Stabt iſt uͤber 3000). Persia Carpets ſind nicht aufge⸗ e ge⸗ ſchnitten, und haben mehr Aehnlichkeit mit Nadelwerk. dſten. Die Kette dieſer beiden Arten iſt Linnen, der Einſchuß Wolle. Scotch Carpets ſind duͤnner, und, wie die folgenden, Kette ſelben und Einſchlag von Wolle. RKidderminster Carpets find hnung eigentliche Schottiſche Teppiche. Carpeds made in imita- 8 ei tioen of Turkey Carpets, ganz nach der Methode der Per⸗ . ſiſchen, ausgenommen, daß die Figuren oder Muſter eine ſt, ſo Nachahmung der Tuͤrkiſchen ſind. Axminster Caxpets wer⸗ sgeit den nicht wie die vorigen aus ſchmalen Stuͤcken zuſam⸗ 1 men genaͤhet, ſondern in ein ganzes Stuͤck gewebt. Rugg m die Sarpets, kleine rauhe Teppiche. Nemnich a. a. O. S. 214. nd dle Anmerk, d. Ueberſ, —yhöö—öĩÿõʒ„—„»„ V sz V V §. 31. Strumpfſtrickerei, und Strumpfweberei. di Vor dem Jahre funfzehnhundert ein und ſechzig wa⸗ 1 ren die Beinbedeckungen(zwiſchen dem Knie und dem Fuß) aus wollenem Tuch gemacht, wie gegenwaͤrtig in einigen 2 Theilen Aſiens; um die Zeit aber, als die Kunſt Strume⸗ 3 pfe zu ſtricken*) eingefuͤhrt, und unter ſparſamen Haus⸗ h frauen allgemein bekannt und ausgeuͤbt wurde, bekam die V c Pflege der langen Wolle durch den vermehrten Gebrauch V eine neue Aufmunterung, und die grauen Vließe wurden 6 8— 1 zum Hausgebrauch beſtimmt. Dieſe Art Manufactur wurde ¹ ebenfalls der Gegenſtand ungetheilter Aufmerkſamkeit und wurde mit dem beſten Erfolg in den Grafſchaften Leiceſter und Nottingham, zu Aberdeen in Schottland**) und zu Bala**) in Nordwales eingerichtet. Die Erfindung des 4 Wirkſtuhls****), nachdem erſt ſieben und zwanzig Jahre 1 J *) Geſtrickte Struͤmpfe wurden in England zuerſt 1564 ge⸗ ſa tragen. Nemnich ꝛc. S. 422. 3 *α) In guten Jahren werden in der Grafſchaft Aberdeen an 1 70, 000 Dutzend Paar Struͤmpfe geſtrickt, Werth nahe an ib 200, 000 Pf. St.— Es wird fuͤr dieſen Nahrungszweig üi zaͤhrlich ungefaͤhr 20, 000 Pf. St. Wolle eingefuͤhrt; der 1d Werth der inlaͤndiſchen mag an 2000 Pf. St. betragen. w 1 Anm. d. Ueberſ. ***) Nemnich erzaͤhlt S. 295:„Bala, ein Hauptmarkt fuͤr wollene Struͤmpfe. Das weibliche Geſchlecht ſtrickt von Sonnenaufgang bis Niedergang unter freiem Himmel, bald auf den Straßen, bald auf dem Markt, bald vor dem Stäaͤdtchen, auf einer zu dieſem Zweck errichteten Anhoͤhe, bald gehend, bald ſitzend. Was ſich das Volk dabei wohl alles zu erzaͤhlen haben mag! denn ich ſah waͤhrend meines. Daſeyns keine einzige Gruppe, wo nicht alle Maͤuler, Welſchtoͤnend, die Luft unaufhoͤrlich erfuͤllt haͤtten.“ **** Der Strumpfweberſtuhl ſoll ein Magiſter, Namens William Lee, im J. 1589 erfunden haben. Er ging, da 1 ſg wa⸗ m Ju) einigen Struͤm⸗ Haus⸗ am die brauch wurden wurde eit und eiceſter und zu g des Jahre 64 ge⸗ ten an he an zweig ; der en. kt fuͤr üt von dimmel, or dem lnhoͤhe/ j wohl meines kaͤuler, amens 9, da — 70— die Nadeln zur Verfertigung der Struͤmpfe angewandt worden waren, zeigt eine Aufmerkſamkeit auf die entſte⸗ hende Kunſt, die zu ihrem Gedeihen, ſo wie zu der feſten Begruͤndung und weitern Ausdehnung ihres Einfluſſes auf die Vließe, viel beigetragen haben muß. Sie verlangte bald eine feinere Wolle, als die war, welche auf dem rei⸗ cheren Boden gewonnen wurde, und eine laͤngere als die, welche die Kratze verlangte. Sie wurde mit der mittlern Gattung verſorgt, welche weder fuͤr Worſted, noch fuͤr Wollenzeuge gut geeignet war. §. 32. 6d) Geſtrickte Muͤtzen und Filzhuͤte. Die Kunſt des Strickens war uͤbrigens in dieſem Lande vor der Zeit, wo ſie zu den eben erwaͤhnten Zwecken angewandt wurde, nicht unbekannt. Die geſtrickten Muͤtzen waren lange die gewoͤhnliche Kopfbedeckung gewe⸗ ſen, und diejenigen, welche ſie verfertigten, beklagten ſich uͤber den allgemeiner werdenden Gebrauch der Filzhuͤte als uͤber einen Umſtand, der ſie außer Beſchaͤftigung ſetzen 4.. wuͤrde. Dieſe waren von dem Jahre vierzehn hundert zwei und achtzig*) an mehr oder weniger im Gebrauch er in ſeinem Vaterlande keine Aufmunterung antraf, mit der Erfindung nach Rouen, wo die damaligen Zeitumſtaͤnde ihm auch nicht guͤnſtig waren. Von ſeinen Geſellen zogen elnige nach England zuruͤck und wußten ſich daſelbſt mit der Strumpfwebermaſchine vortheilhafter zu etabliren. Sie hat ſeitdem manche Verbeſſerung erhalten. Nemnich, S. 422. *) Dieſe Angabe widerſpricht der Angabe Nemnichs, der an mehrern Stellen ſeiner Schrift das Jahr 1685 als den Zeitpunct erwaͤhnt, wo Franzoͤſiſche Refuͤgie's den Filzhut zuerſt in England eingefuͤhrt haͤtten. . 4 Anm. d. Ueberſ. 4 4 3 —-— ——⸗—y- geweſen; doch ruhte der Streit zwiſchen den Fabrikanten nicht laͤnger als hundert Jahre. Unter der Regierung 1c Eliſabeth's(J. 1558 bis 1603) begannen die Mutzen⸗ hm macher einen heftigen Kampf, um dem Abſatz ihrer Neben⸗ u buhler entgegen zu wirken und ihre eigne Waare wieder zu der gewohnten Achtung zu bringen. Da ſie verſchie⸗ V 1n denartige Gattungen Wolle gebrauchten, ſo wechſelte der V ueg Einfluß auf die Vließe, je nachdem die eine oder die an⸗ d dere das Uebergewicht erhielten. 3 §. 33. Der allgemeine Geſchmack, nicht erkuͤnſtelte Mittel he⸗ V von ben und ſenken einen Artikel. V in Die Wirkung, welche die feineren Tuͤcher auf die 1 Wolle aͤußerten, als der Geſchmack daran herrſchend zu 6 werden begann, iſt bereits erwaͤhnt worden, und dieſe 9 angefuͤhrten Beiſpiele moͤgen genuͤgen, um einen Begriff G von den Veraͤnderungen zu geben, welche in den verſchie⸗. denen Zweigen der Wollen⸗Manufactur beſtaͤndig vorfal⸗ 1 len; ein Artikel verkuͤrzt unaufhoͤrlich und faſt unmerklich die Nachfrage nach dem andern, und dieſer ſteigt dann b 4 wieder zu ſeiner vorigen Wichtigkeit empor. Doch wird V i nicht haͤufig bemerkt, daß, wenn der Geſchmack an einer 8 beſonderen Art Waare einmal gefallen iſt, er ſich wieder un zu ſeinem vorigen Einfluß erhebt. Politiſche Beihuͤlfe h mag die Nachfrage etwas laͤnger aufrecht erhalten, als be es ohne ſie der Fall geweſen ſeyn wuͤrde, kann aber doch 8 keine dauernde und nur wenig geltende Wirkung hervor⸗. dun bringen; die unausgeſetzte Wirkung der Urſachen, die den, 4 von der oͤffentlichen Stimmung zugelaſſenen Verfall her⸗ us vorbrachten, werden endlich uͤber alle kuͤnſtliche Mittel, n nd —.— — 81— ant 1 kun wodurch ihnen entgegen gearbeitet werden ſoll, die Ober⸗ Nüten⸗ hand behalten. Aus dieſem Geſichtspuncte betrachten Neben⸗ wir die neulich in der Grafſchaft Lincoln ergriffenen Maß⸗ viebet regeln, um den Verbrauch der langen Wolle zu befoͤrdern rchir und deren Mannfactur in der Gegend, wo ſie waͤchſt, z1. h ie begruͤnden. Trotz aller ausgeſetzten Vortheile, und Te botz t au aller Anſtrengungen, die gemacht werden, ſie ins Werk zu ſetzen, iſt es dennoch mehr als wahrſcheinlich, daß der Plan ſcheitern wird; denn es iſt vergeblich, daß Frauen ttel he von Stande auf Baͤllen und an oͤfentlichen Orten in Scof fen von inlaͤndiſcher Manufactur erſcheinen, ſo lange der groͤßere Theil des weiblichen Geſchlechts in dem Bezirk uf die den glaͤnzenden Schmuck der gedruckten Callicos, oder das nd zu mehr fließende Gewand von durchſcheinendem Muslin vor⸗ diſ ziehet, ſo lange als die Dimities den Calimancoes, und egtff Kattun den Worſteds vorgezogen werden, oder ſo lange ſche⸗ Ziegenleder(Kid), Spaniſch Leder und Marocco vor ew ig rfal⸗ dauerndem Stoff den Vorzug behaupten. Es iſt von weit klich groͤßerem Einfiuß und ihrer Natur angemeſſener, daß un⸗ dn ſere Frauen den aufſteigenden Geſchmack beſtimmen, wird und daß ſie, wenn er fuͤr das gemeine Weſen vortheil⸗ einer haft iſt, dann allen Zauber ihrer Reize zu Huͤlfe nehmen, vieder um ihn zu unterſtuͤtzen,— als daß man ihnen anmu⸗ ihülfe thet, eine Kleidertracht aufrecht zu erhalten, die ſchon , als veraltet iſt. Gegenwaͤrtig werden faſt alle Artikel der doch weiblichen Kleidung, und viele Artikel, die zur haͤuslichen erbor⸗ Bequemlichkeit gehoͤren, in Hinſicht des rohen Materi- eden, als aus fremden Laͤndern bezogen, als h i ugniſſe eines her⸗ entfernten Himmelsſtrichs, die erſt ſeit einem Lahrhundert, Nittel und unter denen manche erſt ſeit kaum 6 0 Jahren beigant ſind. Es iſt ſicherlich klug von den Britten, daß, ſo lange Maͤrkte gefunden werden koͤnnen, wo die Waaren von Alt⸗ Engliſcher Mode abzuſetzen ſind, ſie dieſe, unerachtet der Abnahme des inlaͤndiſchen Verbrauchs, ſowohl auf dem Stuhl als auf dem Acker erzeugen; daß ſie ihre aͤußerſte Kraft aufbieten, um, wie es gegenwaͤrtig geſchieht, mit unſerer eigenen Wolle die Beduͤrfniſſe derjenigen zu befrie⸗ digen, welche den Seidenſtrauch anbauen, waͤhrend wir uns ſelbſt in die gefaͤlligeren Fabricate kleiden, welche aus den Materialien, die ſie uns dagegen ſenden, gefertigt ſind. So lange dieſe Art Tauſchhandel beſteht, kann die Gefahr eines Ueberfluſſes an Vließen nicht eintreren, und die zahl⸗ reichen wollenen Artikel, welche wir hervorbringen, ſo wie die Mannigfaltigkeit von neuen Muſtern, in welchen ſie zum Bedarf dieſer und anderer Gegenden dargeſtellt werden, geben dem Woll⸗Zuͤchter die groͤßte Sicherheit, daß ihm kein Ueberſchuß, noch in vielen kommenden Jah⸗ ren nicht, zur Laſt liegen bleiben wird, wenn er nur ſorg— faͤltig darauf achtet, was geſucht wird, und dann dieß mit Aufmerkſamkeit cultivirt. §. 34. Allgemeine Bemerkungen und Grundſaͤtze. Beſondere Umſtaͤnde, die unmittelbaren Einfluß auf die Vließe haben. Dieß iſt die Wirkung der großen Urſache, von wel⸗ cher alle Verbeſſerung der Wolle abhaͤngt, ihre Verwen⸗ dung zu gewinnreichen Zwecken. Ich habe verſucht, ſie von den fruͤheſten Zeiten an zu erforſchen und einen ge⸗ ſchichtlichen Abriß zu geben von ihren Fortſchritten, von den Kuͤnſten, welche mit der Manufactur verknuͤpft ſind, von den Werkzeugen, die zu ihrer Ausuͤbung gebraucht ſe ung worden ſind, von den Veraͤnderungen, welchen ſie unter⸗ vonöul worfen geweſen iſt, und die von England in Ruͤckſicht auf jretde ſie befolgte Politik, zu allen Zeiten die bekannten Grund⸗ uf dem ſaͤtze als erwieſen annehmend, daß der Werth mit der uſßerſe„Nachfrage im Verhaͤltniß ſteht, und daß jedermann die⸗ t, mit jenige Waare zu erzeugen bemuͤht iſt, welche ihm ſeine befrie⸗ Arbeit am beſten zu bezahlen verſpricht. Um uͤber dieſen id wir Gegenſtand einen vollſtaͤndigen Ueberblick zu haben, wird che aus es noͤthig ſeyn, uns zur Betrachtung derjenigen ganz be⸗ igt ſind. ſonderen Urſachen zu wenden, welche unmittelbar auf das Gefahr Vließ einwirken. dizahl⸗ Bei dieſem Verſuch fuͤhlen wir aber eine mehr als gen, ſo gewoͤhnliche Schuͤchternheit; denn obgleich es ein Gegen— welchen ſtand iſt, der ganz auf Erfahrung beruht, und bei deſſen rgeſtellt Beruͤhrung alle ungegruͤndete Theorieen unnuͤtz und be⸗ herheit, truͤglich ſind, zwingen uns Offenheit und Wahrheitsliebe n Jah⸗ zu bekennen, daß wir keine landwirthſchaftliche Erfah⸗ t ſorg⸗ rungen gemacht haben, und daß wir ſelbſt mit den erſten m dieß Anfangsgruͤnden des Landbaues gaͤnzlich unbekannt ſind. Faſt ganz auf das Gebiet des Handels beſchraͤnkt, ken⸗ nen wir die Landwirthſchaft nur aus Nachrichten und Zeſondere ſind deßwegen allezeit in Gefahr, grobe Mißgriffe zu thun, haben. wenn wir auf vorgefaßte Theorieen Thatſachen, die uns von wll⸗ berichtet worden ſind, beziehen und Folgerungen aus Verwen⸗ ihnen herleiten. Sollten dieſe Blaͤtter alſo in die Haͤnde ucht, ſe eines Viehzuͤchters von Profeſſton fallen, ſo empfehlen wir nen ge⸗ ſie ſeiner Nachſicht und bitten um offenherzige, freundliche n, von Belehrung. ft ſid, Der Naturforſcher hat gewoͤhnlich das Schafge⸗ raucht ſchlecht eingetheilt nach ſeinem Vließ, nach der Farbe des 6* Geſichts und der? Beine, nach dem Bau der Ohren, Hoͤr⸗ ner, des Schwanzes und des Rumpfs. Der Viehjzuͤchter (Grazier) theilt es genau auf dieſelbe Weiſe ein, aber ſtatt den Ausdruck Species(Art) zu gebrauchen, betrach⸗ tet er eine jede Claſſe als eine beſondere Zucht(Race); und um die Abaͤnderungen, die er bemerkt, zu unterſchei— den, nennt er ſie Kreuzungen(Kreuz⸗Zuchte). Der Ausdruck entſpringt, wie man geſtehen muß, nataͤrlich aus ſeinen beſonderen Zwecken und iſt keinesweges un⸗ paſſend. Der Wollhaͤndler auf der andern Seite, deſſen Aufmerkſamkeit hauptſaͤchlich auf das Vließ gerichtet iſt, hat ſeine eigenthuͤmliche Anordnung, er unterſcheidet das haarige Schaf, das, was mit Haar vermiſchte Wolle traͤgt, und das reine Wolle tragende Thier. Die erſte dieſer Claſſen hat offenbar mit ſeinem Gewerbe nichts zu ſchaffen. An den Pelzen der beiden letzten Claſſen bemerkt er zahlloſe Verſchiedenheiten und ordnet ſie nach der Farbe des Haars, der Laͤnge des Stapels, nach dem Bo⸗ den, auf welchem das Vließ erzeugt, und nach der Ge⸗ gend, wo es geſchoren worden. Dieß ſind die Haupt⸗ puncte, auf welche er achtet. Der letzte iſt nur in ſo weit von Wichtigkeit, als er mit ſeiner Kenntniß des Be⸗ zirks in Verbindung ſteht. Er dient dann dazu, ihm einen allgemeinen Begriff von der Wolle zu geben, welche zufaͤl⸗ nig Gegenſtand der Unterhaltung iſt. Daher verbindet er gemeiniglich mit ſeiner Beſchreibung des Vließes den Na⸗ men des Koͤnigreichs oder der Grafſchaft, wo es gewach⸗ ſen iſt. Er ſpricht von der Wolle Spaniens, Portugals, oder Deutſchlands, von den Vließen von Suſſex, von Norfolk, von Sh hrospſhire, von Northumberland, oder von en, Här ehzüchten n, abet betrach⸗ (Nacé); terſchei⸗ 3 Der natuͤrlich ges un⸗ e, deſſen ſchtet iſ eidet das e Woll Die erſie ichts zu bemerft ich der im Bo⸗ eer Ge⸗ Haupt⸗ ir in ſo des Ve⸗ zmm einen he zufäͤl⸗ dindet er den Na⸗ gewuch⸗ tugals, r, von der von — 85— Schottland und verſchafft durch das Beiwort, was er gebraucht, einem andern Wollhaͤndler einen Begriff von den Eigenſchaften der Wolle, gerade ſo wie die Viehzuͤchter ſich uͤber die Eigenſchaften der Schafe verſtaͤndigen, wenn ſie mit einander von dem Norfolk⸗, dem Ryeland⸗, dem Cheviot⸗, oder dem Diſhley⸗Zuͤchter reden. Die Eintheilung der Vließe in beſtimmte Claſſen, welche der Wollhaͤndler ſo unabaͤnderlich annimmt und in ſeinem Geſchaͤfte ſo nuͤtzlich findet, ſteht in enger Verbin⸗ dung mit einer Thatſache in der Naturgeſchichte, welche, laͤngſt als uͤber jeden moͤglichen Zweifel erhaben, begruͤn⸗ det iſt, daß naͤmlich das Schaf ſo organiſirt iſt, daß es das ſeiner beſondern Zucht zukommende Vließ traͤgt, und daß bei jeder jaͤhrlich wiederkehrenden Schurzeit daſſelbe Thier unter denſelben Umſtaͤnden eine gleiche Art Wolle liefert. Wenn alſo die Farbe des Haars einmal weiß war, ſo wird man ſie wieder ſo finden; wenn der Stapel lang war, ſo wird er in derſeben Geſtalt wiederkehren, wenn er grob und haarig war, ſo wird er noch ſo ſeyn. Eine temporaͤre(voruͤbergehende) und theilweiſe Veraͤn⸗ derung in dem Vließe mag wohl durch Umſtaͤnde, die wir nachher anfuͤhren wollen, bewirkt werden, man hat aber keinen Grund anzunehmen, daß in irgend einem Fall die Conſtitution des Thieres ſo veraͤndert wurde, daß es eine Art Wolle tragen ſollte, die fortdauernd verſchieden bliebe von derjenigen, die das CThier ſonſt lieferte. Die Wir⸗ kung unbedeutender Urſachen auf die Wolle faͤllt immer in die Augen, und ihre Einfluͤſſe ſind ziemlich genau ange⸗ merkt worden; aber die Folgen, welche einige der bedeu⸗ kenderen bewirken, dergleichen z. B. durch die Temperatur, welcher das Schaf ausgeſetzt wird, durch ſeine Nahrung und ſeine Geſundheit ſehr ſchnell herbei gefuͤhrt werden, hat man unerwaͤhnt und vielleicht zu oft unbemerkt gelaſ⸗ ſen. So weit unſere Kenntniſſe gegenwaͤrtig reichen, muͤſ⸗ ſen wir die geringe Verſchiedenheit, die wir an den Vließen derſelben Heerde in verſchiedenen Schurzeiten bemerken, nicht der Conſtitution des Thieres, oder irgend einer Ver⸗ anderung zuſchreiben, die in ſeinen charakteriſtiſchen Ei⸗ genſchaften Statt findet, ſondern dem Einfluß aͤußerli⸗ cher Umſtaͤnde, die beſtaͤnd ig wechſeln und ſelten, oder faſt nie, in zwei auf einander folgenden Jahren gleiche Ver⸗ aͤnderung bewirken. Wenn es eine gut begruͤndete That⸗ ſache iſt, daß die Vließe, welche das Schaf erzeugt, ein⸗ ander aͤhnlich ſind, und wenn es nicht in der Gewalt von weniger heftig wirkenden Urſachen liegt, einen weſentlichen Unterſchied an ihnen hervor zu bringen, dann iſt dieß der ſtrengſte Beweis, wie wichtig es fuͤr den Wolluͤchter iſt, ie Eigenthuͤmlichkeiten ſeiner Heerde wohl zu beachten, die Erzeugung guter Vließe nicht von zufaͤlligen und aͤußeren Umſtaͤnden abhaͤngig machen zu wollen, ſondern ganz und zuverſichtlich auf die Eigenſchaften zu vertrauen, mit welchen die Natur ſeine Schafe begabt hat. Die Beſtaͤndigkeit thieriſcher Eigenſchaften zeigt ſich wohl kaum anderswo deutlicher als in der Beſtimmtheit und Regelmaͤßigkeit, mit welcher bei den Schafen die Eltern ihre ausgezeichneten Eigenthuͤmlichkeiten auf ihre Nachkommenſchaft uͤbertragen. Es iſt leicht, in dem Lamm beider Eltern Geſichtszuͤge, Naturell und Vließ aufzufinden, aber doch ſo verſchmolzen und gemaͤßigt, daß daraus ein ganz eigenthuͤmlicher Charakter erwaͤchſt. — 8 7— dahrung Welch ein erſtaunlich großes Feld hat der große Ordner werden der Natur durch dieſe Einrichtung dem Menſchen zur tt gela⸗ Uebung ſeines Geiſtes und beharrlichen Strebens eroͤffnet! n, miſ In dieſem, ſo wie in den meiſten uͤbrigen Faͤllen, hat er es Vliefn in des Menſchen eigne Haͤnde gelegt, fuͤr ſeinen Vortheil nerken, zu ſorgen. Dadurch iſt der Schaͤfer in den Stand geſetzt, r Ver⸗ die beſondern Vorzuͤge ſeiner Heerde mit den Vorzuͤgen hen Ei⸗ einer andern zu vereinigen und beide zu verbeſſern. Die⸗ außtrli⸗ ſen Umſtand ergriff der groß Bakewell und ſchuf durch ihn 1, oder eine Schafrace, die ſeinen Namen auf kuͤnftige Geſchlech⸗ che Ver⸗ ter bringen wird. Sein Beiſpiel verbreitete ein reges te That⸗ Streben, Verſuche zu machen, unter ſeinen Gewerbrege⸗ gt, ein⸗ noſſen, welche mit dem gluͤcklichſten Erfolg nach ſeinen alt von Anſichten verfahren ſind, und verſpricht ſeinen Einfluß ſo ntlichen weit zu verbreiten, bis die erſte unter den menſchlichen jeß der Kuͤnſten einen unbeſchreiblich hoh en Grad der Vollkom⸗ ter iſt, heit erlangt haben wird. Von dieſer Verbindung der achten, elterlichen Eigenſchaften in deren Nach kommenſchaft haͤn⸗ n und gen wir hinſichtlich der kuͤnftigen W Verbeſſerung der Britti⸗ ondern ſchen Vließe ab, und wir haben die Hoffnung, daß dieje trauen, nigen, deren Oberaufſicht es anvertraut iſt, ſich nicht e beruhigen werden, als bis ein jedes vierfuͤßiges Thier, gt ſich welches Wolle traͤgt, den hoͤchſten Nutzen bringt. mtheit Die Verbeſſerung der Wolle beſteht,— daran muͤſ⸗ fin die ſen wir immer denken— darin, daß wir ſie fuͤr die if ihrt Mannfacturen geeigneter machen. Veraͤnderungen, welche in dem dieſen hohen Zweck verfehlen, ſind im Fall, daß ſie ab⸗ Pließ ſichtlich bewirkt ſind, laͤppiſch und veraͤchtlich. Wenn ſie t, daß die Wolle fuͤr eine Verrsendung zu nuͤtzlichen Zwecken we⸗ niger empfaͤnglich machen, ſo verdienen ſie und ihre Be⸗ vwaͤchß t 8 *⁴ * 3 2 ——— — ss— oͤrderer den ſtrengſten Tadel eines enfgekkirten Landbauers, weſcher erklaͤrt, daß„die T Verſchlechterung der Vließe ein Verrath an dem Staate ſey.“ Die Manufacturen ſind aber ſo veranderlich, und ihr Bedarf in Hinſicht des rohen Materials iſt in den vergangenen Zeiten ſo ſchwankend geweſen, daß der Viehzuͤchter(Grazier) mit dem Schar f⸗ blick eines Staarsmannes die oͤffentlichen und haͤuslichen Leoſan ige des Augenblicks beachten muß, wenn er von den Ruͤcken ſeiner Schafe eine Waare c gewinnen will, die den hoͤchſten innern Werth beſitzen und begierig geſucht ſeyn ſoll. Es wuͤrde thoͤricht ſeyn, die Beſchreibung eines Schafs zu verſuchen, welches in jedem Lande das ſchaͤtz⸗ barſte Vließ tragen moͤchte. Die Verhaͤltniſſe der ver⸗ ſchiedenen Nationen weichen ſo weit von einander ab, und ihre Sitten, ihre Kleidung und ihre Manufacturen ſind ſo ſehr verſchieden, daß die Wolle, welche bei dem einen Volke von dem hoͤchſten Werthe iſt, von andern ſehr ge⸗ ring geachtet wird. Das in der Bucharei, einem ausge⸗ dehnten Lande Aſtens, wo die Schafe mit eben ſo viel Sorgfalt wie in vielen Gegenden Europa's gepflegt wer⸗ den,— angenommene landwirthſchaftliche e Syſtem liefert eine der deutlichſten Erlaͤuterungen zu dieſer Bemerkung. Hier in den weſtlichen Theilen der alten Welt wird weißen Vließen der Vorzug gegeben, und zwar aus Gruͤnden, die man fuͤr ſehr gewichtig haͤlt; dort aber ſind ſchm Schafe mehr gefchätzt, weil ſie eine Art Pelz liefern, die unter den benachbarten Voͤlkern viel getra gen und zu einem hohen Preis bezahlt wird. In Europa zichen wir 75* ſte auf wegen der Carcaſſe(wegen des Sleiſches); in jenem a 8— warze —— dbautes, liet ein ren ſind e rohen vankend Scherf⸗ Uslichen er von vil, die geſucht g eines 3 ſchaͤt⸗ der ver⸗ ab, und en ſind einen hr ge⸗ ausge⸗ d viel t wer⸗ liefert erkung. weißen ruͤnden, hware n, die und zu en wir jenem — 89— Theile von Aſien aber werden ſie wegen der Haut gehal⸗ ten. Hier werden die aͤlteren Schafe geſchlachtet, und die Laͤmmer aufgezogen, um an die Stelle von jenen zu treten, dort aber werden die Laͤmmer umgebracht, und die Schafmuͤtter beibehalten, ſo lange ſie fruchtbar ſind. Unter uns iſt ein wolliges Fell ein Gegenſtand der erſten Wichtigkeit, die Einwohner jener Gegend aber ſind dar⸗ um bekuͤmmert, daß ihre Heerden ſich durch ein weiches und ſeidenartiges Haar auszeichnen. So ſehr weichen zwei Nationen in ihren Begriffen von Schoͤnheit, Nuͤtzlichkeit und innerem Werthe ab. In einem Lande alſo wie Eng⸗ land, deſſen Wollen⸗Manufacturen begruͤndet, und wo viele Artikel fuͤr einen fremden Markt beſtimmt ſind, muͤſ⸗ ſen die Einwohner den Geſchmack und die Vorurtheile eines jeden Volks beachten und ihre Waaren den Begriffen, die ihre Kundleute uͤber Vorzi 5 Lihiei hegen, anpaſſen und ihrem Handel die groͤßte Ausdehnung geben. Bei dem Beſtreben, dieſe großen Iracf zu erreichen, ruft der Fabrikant beſtaͤndig den Wollzuͤchter an, ihm beizuſtehen durch Zulegung ſolcher Schafracen, welche ein fuͤr ſeinen Zweck am beſten paſſendes Vließ tragen. Er erſucht ihn, nicht gleich ſeinen Vorfahren, fuͤr alte Staͤmme und fuͤr alte Behandlungsarten ſo eingenommen zu ſeyn, daß er ſich nur mit Widerwillen dem beſtaͤndigen und herrſchenden Einfluß der uunnnehre unterwerfe. Er bittet ihn, nicht den Beſtrebungen des Webſtuhls entgegen zu arbei⸗ ten, ſondern ſo viel Keie ſeinen Beduͤrfniſſen zuvor zu fommen. Er verſichert die Schaßzuͤchter, daß ihr Vor⸗ theil mit dem ſeinigen Hand in Hand gehe, daß mit dem rohen Material gut unterſtuͤtzte und reichlich verſorgte 1 1 1 b 1 * Fabriken am beſten ihren Platz behaupten, daß dann das ausgelegte Capital und die verwendete Arbeit ſich am be⸗ ſten bezahlt, und daß der Gewinn allezeit zwiſchen ihnen beiden getheilt wird. Er bittet ſie, zu bedenken, daß er ſeinen Gehuͤlfen immer nur mit dem aͤußerſten Schmerz ver⸗ laſſen habe und nur allezeit in Folge von Umſtaͤnden, die we⸗ der er noch ſie im voraus berechnen konnten, und daß er der erſte geweſen ſey, der ihnen die neue Art Wolle, die ſie pflegen muͤßten, angab. §. 35. a) Die Conſtitution des Schafes. Die Urſachen, die eine ſo erſtaunliche Verſchieden⸗ heit in den Vließen bewirken, ſind uns großentheils unbe⸗ kannt; und ſchreiben wir ſie der Conſtitution des Thieres zu, ſo treffen wir auf einen Gegenſtand, der die Welt von unſerer Unwiſſenheit zu uͤberzeugen geeignet iſt. Da aber die Wirkungen, die aus dem Einfluß des Bluts (der Race) erfolgen, immer gleichfoͤrmig ſind, ſo giebt dieß eine Grundlage ab, auf welche der Schafmeiſter ſein Verfahren mit der groͤßten Zuverſicht ſtuͤtzen kann, und ſetzt ihn in den Stand, den Erfolg von Verbindungen in der Viehzucht mit bewundernswuͤrdiger Beſtimmtheit vor⸗ aus zu ſagen. Doch woher es kommt, daß die Farbe des einen Vließes von der des andern ſo gaͤnzlich verſchieden iſt; daß ein Theil eines Thieres ein undurchſichtiges und bruͤchiges Haar erzeugt, waͤhrend ein anderer eine durch⸗ ſcheinende und elaſtiſche Wolle traͤgt; warum bei einigen Zuchten das Vließ auf die Carcaſſe beſchraͤnkt iſt, und bei andern das ganze Thier umhuͤllt; warum einige Schaf⸗ ſtaͤmme weiße Wolle erzeugen, obgleich ihre Geſichter und ſ u das um be⸗ ihnen daß er ver⸗ jewe⸗ daß er e, die ieden⸗ unbe⸗ des er die t iſt. Auts giebt ſein und n in vor⸗ des ieden und urch⸗ igen bei haf⸗ und Beine ſchwarz ſind; und woher es kommt, daß wir niemals das Gegentheil davon fanden, naͤmlich eine Schafrace mit weißen Geſichtern und Beinen, die ſchwarze Vließe traͤgt— dieß koͤnnen wir nicht ſagen. Ueber dieſe Dinge ſind wir ganz und gar unwiſ⸗ ſend; und ſo wie manche Fragen aͤhnlicher Art, die ſo⸗ wohl in Hinſicht auf Schafe, als auch in Hinſicht auf vierfuͤßige Thiere verſchiedener Art, ſehr leicht aufgeworfen werden koͤnnten, ſo muͤſſen vielleicht alle zur Loͤſung dieſer Fragen angeſtellte Unterſuchungen, Trotz den Erklaͤrungen des Gelehrten und den practiſchen Bemerkungen des auf⸗ merkſamſten Zuͤchters, noch lange unbeantwortet bleiben. Die in den Parks unſers Adels ſo gewoͤhnliche Zucht von geſprenkelten Schafen iſt weit verſchieden von derjenigen, welche gemeint iſt, wenn wir von einer mit weißen Geſich⸗ tern und weißen Beinen reden, die ein ſchwarzes Vließ traͤgt. Bei der ungeheuren Mannigfaltigkeit, welche die charakteriſtiſchen Merkmale dieſer Art in ihrer Vertheilung auf dem Koͤrper des Schafs und in ihrer Groͤße anneh⸗ men, iſt es vielleicht moͤglich, ein einzelnes Schaf aufzu⸗ finden, deſſen Vließ ſchwarz iſt, und deſſen Geſicht und Glieder ganz ungefaͤrbt ſind; doch haben wir keinen Grund zu glauben, daß es eine Zucht der Art geben ſollte, eine Race, welche dieſe beſondere Eigenſchaft von den Eltern auf die Kinder mehrerer Generationen hindurch fortge⸗ pflanzt hat. „§. 36. a) Deren Einfluß auf die Farbe. Es giebt keinen andern Schafſtamm, in welchem die Natur die Farben ſo ganz nach Laune vertheilt, wie 4 4 4 8 3 4 1 4 4 — ¶— bei dem geſprenkelten. Die meiſten von denen, welche ein ganz anderes wie die Gliedmaßen gefaͤrbtes Vließ tra⸗ gen, zeigen eine Neigung, Laͤmmer von einer dunkleren Faͤrbung, wie ſie ſelbſt ſind, zu werfen, ſo daß die Heerde, wenn ſie der Beſitzer ohne ſorgfaͤltige Aufſicht ließe, nach Verlauf von wenigen Generationen ganz ſchwarz werden wuͤrde. Dieſe Bemerkung iſt von einigen der einſichts⸗ vollſten Zuͤchter gemacht worden. Sie iſt hervorgegan⸗ gen aus ihrer ſehr innigen Kenntniß des Thieres und aus der Sorgfalt und Wachſamkeit, welche ſie unum⸗ gaͤnglich noͤthig finden, um die ſchoͤne weiße Farbe jenen Vließen zu bewahren. Haͤtten ſie ſich der fruͤhern Ge⸗ ſchichte des Schafs erinnert, als dieſes von ſeinem unge⸗ zaͤhmten Zuſtand noch wenig abgewichen war, haͤtten ſie ſich die Thatſachen, deren in dem fruͤhern Theil dieſes Abſchnitts Erwaͤhnung geſchehen iſt, ins Gedaͤchtniß zu⸗ ruͤck gerufen, ſo wuͤrde ſie dieſer Umſtand wahrſcheinlich nicht befremdet haben. Sie wuͤrden mit geringerem Be⸗ denken ihre Meinung ausgeſprochen haben,„daß die Na⸗ tur in dieſem Fall ſich nur beſtrebte, in die Bahn zuruͤck⸗ zukehren, von welcher ſie des Menſchen Geiſt und Be⸗ triebſamkeit lange entfernt gehalten hat.“ So hartnaͤckig ſucht ſie die alte Spur wieder auf, daß ſie ſelbſt von un⸗ gefaͤrbten Eltern, in deren Bilbung und Pließen die Cul⸗ tur ihre vollendetſten und geprieſenſten Veraͤnderungen hervorgebracht hat, ein ſchmuzig gefaͤrbtes Lamm hervor⸗ bringt, als wenn ſie uns daran erinnern wollte, daß, ob⸗ gleich in dieſen wohlgezogenen Heerden gezwungen, ein mo⸗ diſches ſtandesmaͤßiges Gewand zu tragen, ſie bei dem geringſten Nachlaſſen ſtrenger Zucht geneigt ſey, dieſes ——— welche mitt einem nachlaͤſſigern und geringern Anzug zu vertau⸗ tß tra⸗ ſchen. Die Heerden mit ſchwarzen und farbigen Geſich⸗ kkleren tern, an deren Vließen die Neigung, auszuarten, am haͤu⸗ eerde, figſten wahrgenommen, und woraus der Schluß gezogen nach worden iſt, daß der urſpruͤngliche Stamm ganz ſchwarz derden von Farbe waͤre, ſind auch ſehr weit uͤber die Oberflaͤche 6 ichts⸗ der Erde verbreitet. Selbſt in Laͤndern von der hoͤchſten gegan- Bildung, und wo man ihrer Wolle die aͤußerſte Aufmerk⸗ 3 und ſamkeit ſchenkt, erhalten ſie ſich faſt unveraͤndert und A unum⸗ beweiſen, wie viel noch in der Ausbildung eines Thieres 3 jenen erwartet werden koͤnne, welches uns naͤhrt und kleidet. 8 n Ge⸗ Der Stamm, der ſich durch die weiße Farbe ſeines Ge⸗ 8 unge⸗ ſichts auszeichnet, iſt in viel engere Grenzen eingeſchloſſen, een ſie findet ſich am haͤufigſten in den reicheren Landſtrichen, dieſes traͤgt, ſowohl hier als auswaͤrts, nach der allgemeinen g zu Wahrnehmung, die laͤngere Wolle und wird ſelbſt in den lnlich Gegenden, wo er auf weit ausgedehnten Huͤgeln herum Be⸗ irrt, allgemein fuͤr das zarteſte Vieh gehalten. Na⸗ 8 ruͤck⸗§. 37. f) auf die Structur des Haars. Se⸗ Die Eigenthuͤmlichkeiten des Blutes(der Race) ſind naͤckig aber nicht nur mit der Farbe der Vließe verbunden, ſie u un⸗ haben auch einen ſehr weſentlichen Einfluß auf die eEul⸗ Structur des Haars. Die Faͤden, welche ver⸗ ungen ſchiedene Schafſtaͤmme erzeugen, ſind weit verſchiedener ewor⸗ in ihrer Beſchaffenheit, als diejenigen, die nicht darauf zu o⸗ achten gewohnt ſind, ſo leicht begreifen werden. Unter⸗ Nmt⸗ ſucht man ſie mit Huͤlfe des Mikroſkops, der einzigen Art, den mit den feineren Eigenſchaften der Wolle bekannt zu wer⸗ dieſs den, ſo erſcheinen die Faͤden von weißen Vließen vollkom⸗ — 94— men durchſichtig und farblos; ſie haben die groͤßte Aehn⸗ lichkeit mit Stuͤckchen von ſorgfaͤltig geſponnenem Glas. Einige ſehr gute Wollkenner haben daruͤber ſo geſprochen, als ob ſie die Genauigkeit dieſer Beſchreibung bezweifelten, und ſcheinen die Haare als eine undurchſichtige aber ge⸗ glaͤttete Subſtanz zu betrachten; doch beweiſt ſie ſich als unbezweifelt durchſichtig durch die Wirkung, die ſie auf die Lichtſtrahlen hervorbringt, wenn dieſe von einem guten Spiegel durch ſie auf die Linſe fallen. Er wirft ſie zuruͤck, ganz nach den Geſetzen durſcheinender Koͤrper, und genau mit denſelben Erſcheinungen wie die Cryſtalliſation von Salzen vermittelſt des Sonnenmikroſkops. Die haarigen Theile der Stapel, hingegen erſcheinen, durch die naͤmli⸗ chen Inſtrumente betrachtet, voͤllig undurchſichtig; wo ſie in Wolle uͤbergehen, wird der Faden hell und durchſichtig. Dem Wollhaar eines ſchwarzen Schafes, obgleich es, mit dem unbewaffneten Auge unterſucht, jegliche Eigenſchaft der Wolle zu beſitzen ſcheint, fehlt dennoch die Klarheit, welche die Zuſammenſtellung von Linſen zeigt. Seine Un⸗ durchſichtigkeit iſt jedoch nicht immer gleichfoͤrmig. Ich habe bisweilen einen ſchwarzen Faden mit weißen durch⸗ ſcheinenden Flecken ſeiner ganzen Laͤnge nach beſetzt geſe⸗ hen, welches aufs deutlichſte zeigt, daß ſeine Undurch⸗ ſichtigkeit und Farbe eher die Wirkung der Anordnung in den das Haar zuſammenſetzenden Theilen iſt, als irgend eine durch die Haut des Thiers gebildete Abſonderung. Die Oberflaͤche ſchwarzer Faͤden erſcheint, ſo weit man es unterſcheiden kann, glatt und ebenmaͤßig, wie die von weißern, und ihre Umriſſe eben ſo gut begrenzt, ſo daß die Farbe wahrſcheinlich von etwas von der Anordnung ſchi ſtim 8 te Aehn⸗ n Glas. prochen, eifelten, ber ge⸗ ich als ſie auf mguten zuruͤck d genau ſon von daarigen naͤmli⸗ wo ſie ſichtg 9, mit nſchaft arheit, e Un⸗ Ich durch⸗ t geſe⸗ ndurch⸗ zung in irgend derung. nan es ie von daß dnung (Bildung) der Oberflaͤche verſchiedenem herruͤhrt, welches das Licht einſaugt, oder zerſtreut. Die Durchſichtigkeit der Wolle, welche bei der beſten Art Vließe am vollkom⸗ menſten gefunden worden iſt, ſcheint mit der Zucht der Schafe in Verbindung zu ſtehen, und iſt daher ein der Aufmerkſamkeit der Wollzuͤchter wuͤrdiger Gegenſtand. Es giebt einige andere Schafſtaͤmme, welche eine durch ihren Glanz merkwuͤrdige Wolle tragen; obgleich das Haar nicht ganz undurchſichtig iſt, ſo ſcheint doch deſſen Oberflaͤche eine ſehr feine Politur, gleich der von einer metallenen Nadel, zu beſitzen, und der helle Schein, mit dem es die Lichtſtrahlen zuruͤckwirft, hat ihr unter den Kuͤnſilern(Handwerkern) die beſondere Benennung ſilber⸗ haarige Wolle verſchafft. Dieſe wird am haͤufigſten auf dem Ruͤcken von Schafen gefunden, deren Wollhaor auf⸗ fallend lang und haarig iſt. Sie iſt nicht mehr ſo haͤufig in England, als ſie ehemals war, und die Landwirthe wer— den wohl daran thun, ſie gaͤnzlich zu verbannen. Es giebt noch andere Staͤmme, welche Pließe tragen, deren Haar des matten und kraͤnklichen Anſehens wegen merkwuͤrdig iſt, ohne Glanz und faſt ohne Elaſticitaͤt, und einige ha⸗ ben in ihrem ganzen Aeußern, ſo wie in der Structur des Fadens, eine Aehnlichkeit mit roher Baumwolle. Unter den Vicugna⸗Wollen treffen wir eine faſt undurchſichtige Stapel, die ſich aber durch ihr glattes und ſeidenartiges Gewebe auszeichnet. Die beſondere Geſtalt des Fadens wird ſehr wahr⸗ ſcheinlich durch die Geſtalt des Poren in der Haut be⸗ ſtimmt, durch den er ſich hervordraͤngt. Bei einigen Schaf⸗Familien ſehen wir das Haar vollkomn en rund und — 96— ebenmaͤßig, wie genau gezogener Draht, und bei andern iſt ſte gleichfoͤrmig platt und glatt, wie eine duͤnne Stange von fein geglaͤttetem Stahl. Dieſer Unterſchied iſt oft durch den bloßen Anblick zu entdecken, zeigt ſich aber deut⸗ licher, wenn das eine Ende des Fadens feſt gehalten wird, waͤhrend das andere um ſeine eigne Axe zwiſchen den Fingern gedreht wird. Es wirft, wenn es platt iſt, dann die Lichtſtrahlen auf dieſelbe Weiſe zuruͤck, wie die Metall⸗Schnitzeln, die wir von Gold⸗ und Sllbertreſſe erhalten, thun, wenn ſie auf gleiche Weiſe behandelt werden, und uͤber deren Geſtalt wir keinen vernuͤnftigen Zweifel haben. Dieſe Verſchiedenheit der Anordnung, die wir in den Theilen bemerken, welche die den verſchie⸗ denen Schafracen eigenthuͤmlichen Faͤden bilden, und die Geſetze, nach welchen dieſe Anordnung geſchieht, ſind Ge⸗ genſtaͤnde, welche wohl von denen beachtet zu werden ver⸗ dienen, welche Zeit und Neigung haben, ſie zu verfolgen, ſo wie auch von denen, deren Aufgabe es iſt, Wolle in ihrer vollkommenſten Geſtalt zu erzeugen. F. 36.*) auf den Fettſchweiß(Dotter). Ein anderer wichtiger Gegenſtand, der mit dem groͤßten Rechte ihrer Aufmerkſamkeit zu empfehlen waͤre, iſt die Beſchaffenheit derjenigen Subſtanz, welche ſehr ge⸗ woͤhnlich mit dem Haar unſerer Vließe innig vermiſcht gefunden, und welche, wegen ihrer gelben Farbe und Steife, ihres Eidotter aͤhnlichen Anſehens, ganz paſſend Dotter (Yolk) genannt wird. Die Erforſchung ihrer Eigenſchaf⸗ ten und der guten Wirkungen, die ſte auf das Bliet waͤh⸗ rend ſeines Wachsthums außert, iſt eigentlich mehr das dj andern eStange d iſt oſt ber deut⸗ gehalten zwiſchen platt iſt wie die llbertreſſe behandelt nuͤnftigen ordnung, berſchie⸗ und die ſind Ge⸗ den ber⸗ efolgen, Bolle in mit dem in waͤrt, e ſehr g⸗ vermiſcht nd Eteff Dotter genſchaf⸗ t. mehr das Geſchaͤft des Zuͤchters als des Wollhaͤndlers, und es ſtehen ihm Mittel im Ueberfluß zu Gebote, ſich daruͤber zu unter⸗ richten. Bisher ſind ſie— man muß es geſtehen— zu ſehr vernachlaͤſſigt worden, doch zeigen die wenigen That⸗ ſachen, die uns zugekommen ſind, daß ohne Huͤlfe des Dotters, oder einer andern Subſtanz, die ſtatt jener wirk⸗ ſam iſt, keine Wolle von den beſten Eigenſchaften erzeugt werden koͤnne. Die beruͤhmten Racen von Berry, von ein ſanfteres und feineres Haar erhielten, ſondern auch Caſtilien und Perſien haben, wie man uns berichtet, den groͤßten Vorrath von Dotter und tragen zugleich jene ſchaͤtzbaren Vließe, welche von den Fabrikanten der Gegen⸗ den, wo ſie geſchoren werden, ſo begierig geſucht werden, um im Stande zu ſeyn, ſelbſt entfernte Maͤrkte mit den geſchaͤtzteſten Waaren zu verſorgen. Das Beſtreben, die Vließe Englands, Deutſchlands und Schwedens durch die Einfuͤhrung fremden Blutes zu verbeſſern, hat uͤber⸗ all gleiche Beweiſe von dem Werth dieſer nahrhaften Sub⸗ ſtanz geliefert, nicht nur dadurch, daß die Abkoͤmmlinge in den Stand geſetzt wurden, zu deſſen Ernaͤhrung und Unterhaltung eine weit groͤßere Menge dieſer ſchaͤtzbaren Fluͤſſigkeit zu liefern. Und ſelbſt die einheimiſchen Racen unſerer Inſel, in welchen mehrere Jahrhunderte hindurch unvermiſchtes Blut gefloſſen iſt, beweiſen bei aufmerkſa⸗ mer Unterſuchung, daß das Vermoͤgen, geſunden und nahrhaften Dotter in reichlicher Fuͤlle hervorzubringen, eine der wichtigſten Eigenſchaften wolltragender Thiere iſt, und daß es kaum eine Eigenſchaft giebt, in welcher ſie weiter, von einander abweichen. Das Vließ ſelbſt zeigt, wenn es ohne Waͤſche geſchoren wird, am deutlichſten, 7 — 98— daß die Bruſt und die Schultern der Schafe es im Allge⸗ meinen viel reichlicher geliefert haben, als die von den Lebenstheilen entfernten Gliedmaßen, und die guten Ei⸗ ge nſchaften des Wollhaars, was an jenen Stellen erzeugt wird, kann ſelbſt der unerfahrenſte Beobachter unterſchei⸗ den. An den Hintertheilen derjenigen Thiere, welche lange vernachlaͤſſigt worden ſind, wird ſehr gewoͤhnlich ein gro⸗ ber und zottiger Stapel wahrgenommen, und die Wolle wird feiner und ſchaͤtzbarer, ſo wie ſie ſich den Vorder⸗ vierteln naͤhert; in Faͤllen aber, wo die Schafe veredelt, und eine groͤßere Menge thieriſcher Saͤfte nach den Schen⸗ keln geleitet wurden, hat der Hintertheil des Vließes nicht nur an Ausdehnung verloren, ſondern das Haar daran iſt auch duͤnner geworden, ein Umſtand, der in vielen Hinſichten wohl der Aufmerkſamkeit des Zuͤchters wuͤrdig iſt. Die Menge des Dotters, die unſere einheimiſchen Racen erzeugen, iſt im Allgemeinen geringer als die von fremden Schafen; doch iſt ſelbſt unter ihnen der Unter⸗ ſchied ſo betraͤchtlich, daß er Stoff zu ſehr nuͤtzlichen Vermuthungen liefert. In den ſuͤdlichen Theilen der In⸗ ſel reicht es hin zur Erzeugung eines Pelzes, welcher die Heerden in den Stand ſetzt, die Haͤrte des Winters aus⸗ zuhalten ohne irgend eine andere Bedeckung, auch reicht es hin, das Vließ vor dem Duͤnn⸗ oder Haarigwerden zu bewahren; aber in den noͤrdlichen Theilen des Koͤnigreichs und auf Schottlands Bergen erzeugen einige von den Schaf⸗ ſtaͤmmen daſſelbe in ſo geringer Menge, daß es fuͤr den Landwirth nicht gerathen iſt, ſeine Heerde der Strenge des Winters auszuſetzen, ohne ſie mit einer kuͤnſtlichen Bedeckung aus Fett, mit Theer vermiſcht, zu verſehen, — — 99— in Alle⸗ um, wie er ſagt, ſie warm zu halten. Doch geſteht er bon da ein, daß er dieſes ſchmuzige Kleid fuͤr die guten Eigen⸗ uten E ſchaften des Vließes eben ſo unerlaͤßlich nothwendig finbet, erzeugt als es fuͤr die Geſundheit des Thieres iſt; ohne daſſalbe tterſchei⸗ wird die Wolle haarig, duͤnn und ſchwach, mit ihm iſt das ſe lange Vließ voll, ſanft und reich, beſitzt eine hinreichende Menge iin geo⸗ von geſundem gelbem Dotter, und waͤchſt offenbar viel ie Woll beſſer, nachdem das Theer aufgelegt worden, als zuvor; Vorder⸗ die Natur, die Guͤte und die Beſchaffenheit der Wolle wird vetedelt ganz erſtaunlich dadurch verbeſſert. Aus dieſen Umſtaͤnden n Schen⸗ ſchließen wir, daß der Dotter, eine Subſtanz, die ſo ſehr ßes nicht voernachlaͤſſigt worden iſt, ſchon lange die Aufmerkſamkeie ar daran des Zuͤchters verdient haͤtte, und welche eine lange Reihe n vielen von Jahrhunderten hindurch beſtaͤndig unter ſeinen Augen zwͤrdig ſich befunden hat— nicht allein zu der Erzeugung eines einiſchen ſchaͤtzbaren Vließes noͤthig, ſondern die eigentliche Speiſe die von der Wolle iſt. Die Franzoſen haben ſich mehr Muͤhe ge⸗ Unter⸗ geben als die Englaͤnder, um die Natur dieſes koſtharen utzlihen Oels und ſeine Wirkungen auf das Vließ zu ergruͤnden, der In⸗ ob wir gleich uns weit aͤlterer Manufacturen als ſie, und ſcher die ddees Beiſtandes der Geſetze ſeit mehr als vierhundert Jah⸗ ers aus⸗ ren ruͤhmen koͤnnen. Auf der andern Seite des Kanals ich reicht ſind geſchickte Fabrikanten aufgemuntert worden, Verſuche erden zu zu machen, um ſich zu uͤberzeugen, daß einige der beſten nigreichs Eigenſchaften der Wolle großentheils von der Menge des— nSchaf⸗ Dotters abhaͤngen, in welchem das Vließ erzeugt wird. fir den Die Engliſche Wolle, welche ſie pruͤften und auffallend Strenge mangelhaft in dieſer Hinſicht fanden, erklaͤrten ſie fuͤr nſluchen hart, trocken und fanl(ungeſund). Da ſie den Cha⸗ erſäſen rakter von philoſophiſchen Forſchern annahmen und die 7* — 1900— Geheimniſſe der Natur zu ergruͤnden verſuchten, ſo haben wir das Vertrauen, daß Vorurtheile, welche zwiſchen wetteifernden Kuͤnſtlern zu oft Statt finden, auf ihr Ur⸗ theil keinen Einfluß gehabt haben, auch ſind unſere Lands⸗ leute noch nicht ſo weit voraus, um uns zu ſtolz zu ma⸗ chen, ſelbſt von einem Juͤngern und einem Feinde zu lernen. Manche, die uͤber die Sache nachgedacht haben, haben aus der oͤligen Beſchaffenheit des Dotters den Schluß gezogen, daß er aus dem gewoͤhnlichen durchduͤn⸗ ſtenden Stoff, den alle Thiere ausſchwitzen, beſtehe, ver⸗ miſcht mit einem Theile jener fettigen Subſtanz, welche die Schafe in ſo großer Menge abſondern. Aber M. Vau⸗ quelin, der ihn der Probe der chemiſchen Analyſe unter⸗ worfen hat, erklaͤrt als das Reſultat ſeiner Verſuche, der groͤßere Theil davon ſey eine Seife mit einer Baſis von Potaſche, und der Ruͤckſtand beſtehe aus dieſem Salz in Verbindung mit andern Subſtanzen. Das Ganze betrachtet er als das Erzeugniß des Thieres, ohne daß Beſtandtheile hinzukaͤmen, welche das Vließ zufaͤllig von dem Boden oder der Streu, auf welchen das Schaf liegt, annehmen moͤchte. Die Nachricht, welche dieſer gelehrte Chemiker uͤber dieſen Gegenſtand mitgetheilt hat, iſt nebſt einigen Bemerkungen uͤber das Verfahren, Wolle zu rei⸗ nigen und zu bleichen, in dem Philosophical Magazine, Vol. 19. zu finden. Wir bedauern, daß ein ſo geſchick⸗ ter Mann ſeine Verſuche nicht weiter verfolgt und zu er⸗ gruͤnden verſucht hat, ob der Dotter bei allen den ver⸗ ſchiedenen Schafracen gleich ſey, und wie weit er ab⸗ wei die ſo häben zwiſchen ihr Ur, Lands⸗ zu ma⸗ inde zu haben, ters den urchdüͤn⸗ ehe, ver⸗ welche M. Vau⸗ ſe unter⸗ Gerſucht, r Baſis dieſem 3Ganze ene daß lig von zaf liegt, gelehrte ſſt nebſ e zurter⸗ agauine, geſchic⸗ d zu el⸗ den ver⸗ er ah⸗ — 101— weiche von dem Stoff, der von andern wolltragenden vierfuͤßigen Thieren ausgeſchwitzt wird. Auf welche Weiſe der Dotter auf die Wolle wirkt, iſt nicht genau bekannt. Manche haben ihn als den uͤber⸗ fluͤſſigen Vorrath derjenigen Subſtanz betrachtet, welche den Faden bildet, und welche waͤhrend des Wachsthums des Wollhaars durch irgend einen unbekannten Proceß ſich zu einer durchſichtigen Maſſe verdichtet, waͤhrend Andere vielleicht mit mehr Grund vermuthen, daß es eine beſon⸗ dere Abſonderung ſey, welche durch die Haut ſchwitzt und durch Vermiſchung mit dem Haar es ſanft, geſchmei⸗ dig und geſund macht, faſt ſo darauf wirkend, wie das 2 Del auf einen Streifen Leder, wenn er darein eingetaucht⸗ und vollkommen geſaͤttigt wird. Eine ſehr ſchwierige und verwickelte Frage iſt uͤber die Art und Weiſe aufgeworfen worden, auf welche die Wolle den Dotter einſauge, ob allein vermittelſt der Wurzel, oder auch durch die Poren, welche vermuthlich auf der ganzen Laͤnge des Haars zer⸗ ſtreut ſind. Da aber die Loͤſung dieſer Frage fuͤr die Praxis keinen Nutzen verſpricht, ſo wollen wir ſie den Vertheidigern jener Hypotheſen uͤberlaſſen und uns da⸗ mit begnuͤgen, ſie nur erwaͤhnt zu haben. Indem wir uͤber die eigenthuͤmliche Conſtitution der Schafe ſprachen, haͤtte nicht viel uͤber die Ratur des Dot⸗ ters und ſeinen innigen Zuſammenhang mit den guten Ei⸗ genſchaften der Wolle geſagt zu werden gebraucht, waͤre nicht dieſes unterſcheidende Kennzeichen der verſchiedenen Schafſtaͤnme zu ſehr vernachlaͤſſigt worden. Im Allge⸗ meinen iſt dieſe Subſtanz ohne irgend eine beſondere Be⸗ ziehung auf die Race des Thiers, oder auf die Eigenſchaf⸗ 1 8 2— ——— — 102— ten des Vließes, die es traͤgt, bemerkt worden; biswei⸗ len iſt es eben ſo ganz unbeachtet gelaſſen worden wie der Sand oder Heuſame, welche zufaͤlligerweiſe mit dem Haar vermiſcht ſind. Und doch iſt die Anlage, dieſe ſchaͤtz⸗ bare thieriſche Seife zu erzeugen, ſicherlich ſo wichtig als manche andere Eigenthuͤmlichkeiten der Schafe und darf nicht uͤberſehen werden, wenn wir ihre verſchiedenen Ab⸗ arten beſchreiben, oder fuͤr nſere Wüüthſizattsgofe aus⸗ waͤhlen. Ich habe noch keins dieſer Thiere oder ihre Ergeng⸗ niſſe geſehen, von welchem behauptet worden ſey, daß es von einem jeden Theil des Koͤrpers eine gleich feine Wolle liefere, vermuthe aber, daß, wenn man dieſe Zucht genau unterſuchte, es ſich zeigen wuͤrde, daß der Dotter in gleicher Menge auf jeder Stelle der Carcaſſe ezeugt werde. Die Schafe, welche auf ihren Baͤuchen und Schenkeln Wolle erzeugen, wie z. B. die Merinofamilie, haben ſehr wahrſcheinlich auch einen guten und geſunden Dotter bis herunter auf die Knoͤchel(Fetlock), waͤhrend diejenigen, bei welchen dieſe Theile mit einem kurzen und undurchſichtigen Haar bedeckt ſind, wie bei der Wiltſhire⸗ Zucht, dieſe fuͤr Wolle ſo wohlthaͤtige Abſonderung nur von den obern Theilen des halbbedeckten Koͤrpers liefern. Die Unaͤhnlichkeit der von dieſen beiden Schafarten gelie⸗ ferten Vließe, die vollſtaͤndige Einhuͤllung der einen, die ſpaͤrliche Bedeckung der andern, leitet uns zu der Vermu⸗ thung, daß die Menge der Wolle, die wir von einem ein⸗ zelnen Schafe erhalten, großentheils durch die Behand⸗ lung des Zuͤchters beſtimmt werde. Wenn er ſich der Reinheit des Spaniſchen Bluts naͤhert, kleidet er ſeine —Oꝭʒ——’—— biswei⸗ den wie wit dem eſchaͤt⸗ ;tig als d darf nen Ab⸗ fe aus⸗ Erzeug⸗ ſeh, daß ſch feine ſe Zucht Dotter azeugt en und familie, eſunden vaͤhrend tzen und Liltſhire⸗ rung nut s liefern. eten gele⸗ inen, di r Vermu⸗ einem ein⸗ Fehand⸗ ſich der er ſäne — 103— Heerden in eine Art von großem Oberrock(surtout), wel⸗ cher alle Theile des Thieres einhuͤllt, die aͤußerſten Enden des Geſichts und der Fuͤße ausgenommen; und waͤhlte er ſeine Boͤcke von den Hoͤhe⸗Bloͤßen(Wolds) von Marl⸗ borough, im Fall er in eine ſolche Auszeichnung eine Ehre ſetzen ſollte, ſo wuͤrde er wahrſcheinlich eine Race hervor⸗ bringen, welcher beides, Wolle und Dotter, fehlte. Es iſt bereits angemerkt worden, daß es die hoͤchſie Thorheit ſeyn wuͤrde, irgend einen beſondern Schafſtamm auszuzeichnen als denjenigen, welcher unter allen Um⸗ ſtaͤnden als der beſte betrachtet werden koͤnnte. In die⸗ ſer Hinſicht muß die Meinung des Wollzuͤchters durch die Beduͤrfniſſe der Manufactur und die Lage ſeines Hofes beſtimmt werden; aber dennoch bleibt es unbezweifelte Thatſache, daß,— mag er nun lange oder kurze Wolle erzeugen, von groͤberem oder feinerem Haar, mag dieſe gut oder ſchlecht ſeyn, den Zwecken, fuͤr die ſie beſtimmt iſt, angemeſſen ſeyn oder nicht,— der Werth der Wolle ſich nach der Menge von geſundem und heilſamem Dotter, in welchem ſie erzeugt worden iſt, richte. §. 39. b) Die Temperatur des Klima. Hier, ſo wie in jedem andern Fall, iſt die Zucht(Nace) von der aͤußerſten Wichtigkeit. Sie iſt die Baſis, auf welche alle Verbeſſerungen der Heerde gegruͤndet ſeyn muͤſſen, die einzige Quelle der Hoffnung, daß Beſtrebungen, feine Wolle von erſter Guͤte zu erzeugen, von gluͤcklichem Erfolg ſeyn werden. Den Schafhirten werden gewoͤhnlich andere Dinge aufgebuͤrdet, die kaum mehr in ſeiner Gewalt ſte⸗ hen, als die Winterſtuͤrme, oder die ſchwuͤle Hitze des —ÿõ——— 4 4 4 1 — 104— N Herbſtes. Er kaun wohl ſeine Heerden gegen die heftig⸗ ſten Einwirkungen jener nachtheiligen Einfluͤſſe ſchuͤtzen, ſie gaͤnzlich hindern, vermag er aber nicht. Die Race aber, die Conſtitution ſeiner Schafe kann er beinahe nach ſeinem Willen lenken, ſie iſt ſeiner eignen Leitung unter⸗ geben und verdient ſeine erſte Ruͤckſicht. Die Tempe⸗ ratur, welcher die Schafe ausgeſetzt ſind, iſt lange als eins der vorzuͤglich wirkenden Mittel bei der Erzeugung feiner Wolle betrachtet werden. Man bemerkte, daß dieſe preiswuͤrdige Subſtanz ſich am haͤufigſten in Laͤndern finde, welche den Einfluß eines milden und wohlthaͤtigen Him⸗ melsſtrichs genießen, der weder der druͤckenden Hitze der heißen, noch den ſtarrmachenden Winden der kalten Zone ausgeſetzt ſind. Die beſten Vließe werden in Spanien, Italien und Perſien gewonnen; Laͤnder, welche faſt unter den naͤmlichen Parallel⸗ Kreiſen liegen und eine Tempera⸗ tur genießen, die hinreicht, jene ſtarke und regelmaͤßige Ausduͤnſtung des Thieres zu unterhalten, welche der Er⸗ zeugung guter Eigenſchaften in der Wolle unbezweifelt guͤnſtig, obgleich zur Feinheit des Wollhaars nicht unum⸗ gaͤnglich nothwendig iſt. Es wurde angenommen, daß ein groͤßerer Grad Hitze die Saͤfte der Schafe verfluͤchtigte und dadurch der Wolle die Nahrung entzoͤge, und daß das Vließ aus dieſer Urſache kurz, duͤnn und haarig wuͤrde. Auf der andern Seite vermuthete man, daß in Gegenden, wo das Klima weniger warm waͤre, der Dot⸗ ter, oder was immer das Wachsthum des Wollhaars befoͤrdern moͤge, ungeſchickt gemacht wuͤrde, eine feinhaa⸗ rige Wolle zu erzeugen, wodurch dann das Vließ grob, lang und zottig wuͤrde. Dieſe Meinung ward unterſtuͤtzt, hefti⸗ ſchützen, ie Nace hhe nach gunter⸗ empe⸗ ge als eugung aß dieſe ern finde, hen Him⸗ Hitze der ten Zone Spanien, aſt unter empera⸗ maͤßige der Er⸗ weifelt unum⸗ en, daß duͤchtigte und daß d haarig , daß in der Dot⸗ Wollhaars d feinhan⸗ ließ gio anterſit —— 1— 105— nicht nur durch die Wahrnehmung der Lage der Gegenden, wo die beſſern Vließe erzeugt werden, ſondern auch durch die Bemerkund, daß, wenn ein Schaf ſein Klima veraͤn⸗ derte, es eine Nachkommenſchaft hervorbrachte, die ihm ſelbſt weniger glich als den wolltragenden Thieren ſeiner Umgebung, und daß nach wenigen Geſchlechtern ſeine Abkoͤmmlinge von den einheimiſchen Schafen kaum mehr zu unterſcheiden waren. Die Beiſpiele, welche mit der groͤßten Zuverſicht als hinlaͤngliche Beweiſe von dem all⸗ gewaltigen Einfluß des Klimas angefuͤhrt worden ſind, waren geſammelt aus Nachrichten, welche uͤber Engliſche nach Weſtindien, uͤber Spaniſche nach Sud⸗Amerika, dem Vorgebirge der guten Hoffnung und einigen andern Laͤn⸗ dern verpflanzte und uͤber diejenigen Schafe gegeben wor⸗ den ſind, die von den Hollaͤndern regelmaͤßig nach der Inſel Jara gebracht wurden. Die Ausartung ihrer Nach⸗ kommenſchaft iſt als ein hinreichender Grund fuͤr die Mei⸗ nung angeſehen worden, daß die Conſtitution des wolletra⸗ genden Thieres nicht im Stande ſey, ohne Nachtheil die uͤbermaͤßige Hitze jener ſuͤdlichen Gegenden zu ertragen. Aber bei dieſen angefuͤhrten Beiſpielen ward die Vermiſchung des Bluts gaͤnzlich uͤberſehen und abgeſchmackt genug von dem Thiere erwartet, ein Lamm zu gebaͤren, was genau demjenigen aͤhnlich waͤre, was es in ſeiner Heimath nach der Paarung mit einem ihm im Vließ aͤhnlichen Wid⸗ der geworfen haben wuͤrde. Die Unzulaͤnglichkelt dieſes Beweiſes iſt jetzt allgemein erkannt; denn durch genauere Beobachtungen iſt entdeckt worden, daß das Engliſche Schaf, nach Jamaika verſetzt, dieſelbe Art von ſtarkem Vließ traͤgt wie in der Heimath, und daß, weun ihre 4 1 — 4 1 — 106— Race vor einer Vermiſchung mit dem einheimiſchen Stamm bewahrt wird, ihre Nachkommen eine Wolle tragen, die derjenigen genau gleicht, welche ſie in dieſem Klima ge⸗ tragen haben wuͤrden. Man hat gefunden, daß ſelbſt die haarigen einheimiſchen Schafe dieſer Inſel, welche ur⸗ ſpruͤnglich, aller Wahrſcheinlichkeit nach, von dem Spani⸗ ſchen Feſtlande abſtammen, und deren Pelz gar keine Wolle beigemiſcht ſeyn ſoll,— dieſe Subſtanz in kleinen, unter ihrer ſtaͤrkeren und bruͤchigeren Decke verborgenen Quantitaͤten erzeugen und ſie wahrſcheinlich in einem noch groͤßeren Maße erzeugen wuͤrden, wenn man zweck⸗ maͤßige Mittel anwendete, ſie zu pflegen. In einem Lande aber, wo das Vließ nicht abgeſchoren wird, und in einem Klima, wo das wollige Haar wenig im Gebrauch iſt, iſt es nicht zu verwundern, daß die Heerden vernachlaͤßigt, oder ihre Erzeugniſſe wenig geachtet ſind. Die naͤmlichen all gemei⸗ nen Bemerkungen ſind auf die Spaniſchen Schafe anwend⸗ bar, welche nach den Amerikaniſchen Colonieen verpflanzt worden ſind. So lange man zuließ, daß ſie ſich mit denen vermiſchten, welche aus andern Himmelsgegenden einge⸗ fuͤhrt worden waren, artete die Race beſtaͤndig aus; ſeit— dem man aber Sorge getragen hat, ſie abgeſondert zu er⸗ halten, iſt von Buenos⸗Ayres eben ſo gute Wolle nach Spanien eingefuͤhrt worden, als dieſelben Schafe in ihrer Heimath erzeugt haben wuͤrden. Auf dem Vorgebirge der guten Hoffnung haben die Spaniſchen Heerden alle die naͤmlichen Erſcheinungen geliefert. So wie ſie von dem inlaͤndiſchen Blute rein erhalten wurden, ſind die Laͤmmer durch die Schoͤnheit ihrer Vließe ausgezeichnet geweſen, und die Abkoͤmmlinge eines Paares, welches ſelbſt bis zu ——— tanm gen, die ſima ge⸗ elöſt die he ur⸗ Spani⸗ r keine kleinen, orgenen einem n zweck⸗ NLande einem , iſt es der ihre gemei⸗ wend⸗ flanzt denen einge⸗ ; ſeit⸗ zu er⸗ le nach in ihter itge det ällt di on dem Limwer eweſen, bis zu ——————— ——,—— — 107— den entlegenſten Kuͤſten von Neu⸗Suͤd⸗Wales verpflanzt worden iſt, deſſen Voreltern von Spanien nach den Ver⸗ einten Staaten und von da nach Afrika gebracht worden waren, erzeugen ein vollkommen ſchoͤnes Vließ, um, wie man behauptet, dem beſten Erzeugniß der Leoneſiſchen Berge den Rang ſtreitig machen zu koͤnnen. Auch verlie⸗ ren die nach der Kuͤſte von Java geſandten Thiere ihr Vließ nicht deßwegen, weil die Hitze des Klimas mit dem Wachsthum der Wolle unvertraͤglich iſt, ſondern offenbar, weil die natuͤrliche Beſchaffenheit des Landes um Bantam ſich zu der Conſtitution des Schafes ſchlecht paßt. Sie wer⸗ den auf die Gebirge von einer kuͤhleren und trockenern Lage getrieben, nicht ſowohl in der Abſicht, ihr Vließ zu erhalten, als um ihre Geſundheit zu ſichern und ihr Leben zu verlaͤngern. Das Vorfinden feiner Wolle in den mehr gemaͤ⸗ ßigten Himmelsſtrichen iſt aus Urſachen hergeleitet worden, welche von der natuͤrlichen Neigung jener Klimate, ihre Erzeugung zu befoͤrdern, ſehr abweichen. Die Vortrefflichkeit der Spaniſchen, Italieniſchen und Perſiſchen Vließe iſt bereits den alten Manufacturen bei⸗ gemeſſen worden, welche unaufhoͤrlich eine lange Reihe von Geſchlechtern hindurch auf die Heerden gewirkt haben. Dieſer Urſache iſt ſie am natuͤrlichſten zuzuſchreiben, und man braucht ſich daher nicht nach einer andern umzuſehen. Haͤtte die vorzuͤglichere Art Wolle ihre Vortrefflichkeit bloß von dem Einfluß der Sonne, der Wolken und des Bo⸗ dens erhalten, ſo muͤßten die Vließe der ſuͤdlichen Theile von Frankreich, der Tuͤrkei und Arabien, ſelbſt die Vließe von dem noͤrdlichen Theile Hinduſtans und China, eine ſehr bedeutende Aehnlichkeit mit einander haben; auch — 7 5—————————————— 1— 3 — E 3 8 X b —* * K N 1 * 2 82 4 2 e 4 . 8 —————— — 108— haͤtte die Spaniſche Wolle durch ihre Verpflanzung auf die Berge Mexiko's und der Vereinigten Staaten von Amerika nicht ſehr ausarten koͤnnen. Wenn ein maͤßiger Waͤrme⸗ grad zu der Exiſtenz wohl tragender Schafe unumgaͤnglich nothwendig geweſen waͤre, ſo wuͤrde keins auf der Kuͤſte von Guinea, noch in den brennenden Strichen Bengalens gefunden worden ſeyn; es wuͤrde unmoͤglich ſeyn, daß beide Unterſchiede, jene, welche eine ſchaͤtzbare Wolle lie⸗ fern, und jene, denen dieſe fehlt, faſt in denſelben Ebe⸗ nen neben einander ſich finden und mit derſelben Begierde dieſelben duͤrren Graͤſer freſſen koͤnnten. Die Woll⸗Er⸗ zeugung ſelbſt unter dem Aequator iſt einer der uͤberzeu⸗ gendſten Beweiſe, daß auf die Vließe die ſchwuͤle und druͤckende Hitze des Klima keinen ſo großen Einfluß habe, als die Conſtitution der Thiere, die ſie erzeugen. Doch iſt der Einfluß der Hitze auf die Wolle nichts deſto weniger merkwuͤrdig. Doct. Anderſon hat in ſeinen Bemerkungen uͤber die Vließe deutlich bewieſen, daß das waͤhrend vorherrſchender heißer Witterung erzeugte Woll⸗ haar ſichtbar groͤber iſt, als das, welches das naͤmliche Schaf in der kaͤltern Jahreszeit liefert. Er nimmt an, daß der hoͤhere Waͤrmegrad die Poren der Haut ausdehnt, und daß die Abweſenheit der Waͤrme ſie zuſammen zu zie⸗ hen ſtrebt, ſo daß das Haar, was durch ſie gedraͤngt wird, in demſelben Verhaͤltniß duͤnner oder dicker wird, als der Durchmeſſer der Oeffnung weiter oder enger iſt. Es iſt zu bedauern, daß er ſeine Verſuche nicht uͤber die verſchiedenen Schafracen ausgedehnt und nicht beobachtet hat, ob die Wirkung bei allen gleich ſey, denn es ſcheint, daß ſeine Heerde eine reichliche Menge jener Wolle erzeu⸗ ahf de Amerika Waͤrme⸗ zanglich Küſte galens , daß ile lie⸗ en Ebe⸗ degierde oll⸗Er⸗ lberzeu⸗ ile und 5 habe, nichts ſeinen 3das Vol⸗⸗ mliche mt an, sdehnt, zu ze⸗ edraͤngt er wird nger iſ üͤber die ſobachtet ſcheint le erzel⸗ — 109— genden Feuchtigkeit lieferte, und daß die Pordn, durch welche ſie drang, beſtaͤndig damit angefuͤllt waren. Wir geſtehen, daß dieſe Verſuche, ſo weit ſie reichen, voll⸗ kommen befriedigend ſind, und ſie uͤberzeugen uns, daß ein hoher Waͤrmegrad auf das Vließ eine ganz entgegen⸗ geſetzte Wirkung hervorbringt, als ihm im Allgemeinen zugeſchrieben wird; daß er das Haar groͤber, ſtatt feiner, zu machen ſtrebt. Wahrſcheinlich moͤchte es leicht ſeyn, uͤber den Einfluß der Temperatur, ſelbſt in ihrem aͤußerſten Grade, mit Gewißheit zu entſcheiden, wenn ein Schaf, nach entgegengeſetzten Klimaten gebracht, dort geſchoren, und die Vließe mit denen verglichen wuͤrden, die es zu Hauſe geliefert hat. Wenn die Art, auf welche die Wolle er⸗ zeugt wird, genauer beachtet, wenn die Wirkungen der wechſelnden Jahreszeiten ſorgfaͤlttg angemerkt, wenn Sorge getragen wuͤrde, die Vließe, welche ein einzelnes Schaf unter verſchiedenen Lagen und unter veraͤnderter Behandlung geliefert hat, aufzubewahren, ſo daß ſie mit einander verglichen werden koͤnnten, und wenn der Stapel in regelmaͤßigen Zeit⸗Zwiſchenraͤumen gemeſſen oder be⸗ merkt wuͤrde, ſo wuͤrden wir hinſichtlich der Wollerzeu⸗ gung eine Menge Thatſachen ergruͤnden, die wir gegen⸗ waͤrtig nicht kennen, und wuͤrden dann vielleicht im Stande ſeyn, Wolle von einer weit vollkommneren Beſchaffenheit zu liefern. Bis unſere Kenntniſſe vollſtaͤndiger werden, muͤſſen wir den Einfluß der Temperatur als auf einen ein⸗ zigen Punct beſchraͤnkt betrachten, welcher nur verlangt, daß der Schafhirt nicht unnoͤthiger Weiſe ſeine Heerde der aͤußerſten Hitze, oder der aͤußerſten Kaͤlte, noch auch irgend einem launenhaften Wechſel ausſetze. Wenn er die —-—— — 110— beſten Vließe zu erzeugen wuͤnſcht, muß er die Zucht mit emſiger Aufmerkſamkeit pflegen und den Mangel an thaͤ⸗ tiger Sorgfalt nicht laͤnger mehr durch die Klage zu ent⸗ ſchuldigen ſuchen, daß ſeine Heerden nicht auf den ſonni⸗ gen Gebirgen von Leon ſoͤmmern und ihr Winterfutter nicht an den ergiebigen Ufern des Duero erhalten. Die beruͤhmteſten Heerden dieſer Gegenden haben bereits ohne Nachtheil fuͤr das Vließ uͤber die mildern Huͤgel Eng⸗ kands, die Ebenen Frankreichs und Sachſens, durch einige Thaͤler Schwedens, bis zu den Ufern des Plata, bis ins ſuͤdliche Afrika und bis in die aͤußerſten Gegenden der Aſiatiſchen Inſeln ihre Colonieen verbreitet. §. 40. c) Trockniß und Feuchtigkeit. Die Wirkungen der Trockniß und der Feuchtigkeit auf die Wolle ſind, obgleich nicht haͤufig von dem allge⸗ meinen Einfluß des Klima unterſchieden, ſehr bedeutend und verdienen die genaue Aufmerkſamkeit des Zuͤchters. Man hat, wie ich glaube, noch keine Anſtalten getroffen, zu ergruͤnden, in welchem Grade dieſe Urſachen auf das Vließ wirken, und unſere Belehrung hinſichtlich ihrer muß aus allgemeinen Faͤllen und aus der herrſchenden Meinung derjenigen geſchoͤpft werden, die durch ihre Geſchaͤfte aufgefordert werden, auf die Eigenſchaften der Wolle zu achten. Unter den mit dieſem Artikel vertrauten Perſonen giebt es wenige, die bei der Unterſuchung der Vließe eines Bezirks, von welchem der eine Theil viel trockener als der andere iſt, nicht einen merklichen Unter⸗ ſchied unter den Vließen bemerken ſollten, die man ihnen zur Anſicht vorlegt. Wir finden faſt ohne Ausnahme, zucht mi lan thi⸗ zu ent⸗ en ſonni⸗ kerfutter n. Die its ohne el Eng⸗ „ durch latg, bis Gegenden ichtigkeit m alge⸗ deutend ichters. troffen, 5Vließ uß aus Meinung Geſchäͤfte er Woll ertrauten hung der heil vit en Unter⸗ an ihnen snahme, — 111— daß in Niederungen und Marſchgegenden ein Schaf ein laͤngeres und groͤberes Wollhaar erzeugt als ſeine Nach⸗ barn, die auf den hoͤher liegenden Guͤtern weiden. Bis⸗ weilen giebt der Landwirth auf dieſen trockenern und ge⸗ ſuͤnderen Feldern einer Schafrace den Vorzug, die kleiner iſt als die, welche die Weide reicherer Guͤter im Beſitze hat, einer Schafrace, welche nach dem Futter weiter zu gehen und mit weniger Beſchwerde den Weg nach einem entfernten Pferch zu machen vermag, und welche ein von dem Vließe der ſchweren Heerden zu abweichendes Vließ traͤgt, als daß es mit ihm keine Vergleichung geſtatten ſollte, um die beſtimmte Wirkung ihres feuchteren Auf⸗ enthalts mit Gewißheit zu erforſchen. Doch giebt es einige Faͤlle, in welchen wir faſt mit derſelben Sorgfalt gewartete und beinahe in gleichem Stand erhaltene Glie⸗ der derſelben Familie in beiden Theilen des Bezirks finden, und bemerken, daß die Wolle der einen kuͤrzer, feiner und leichter iſt als das Vließ der andern. Vielleicht mag die Ungleichheit zum Theil herruͤhren von der gerin⸗ geren Menge Nahrung, welche die Schafe auf mageren Feldern finden koͤnnen, von den außerordentlichen Stra⸗ pazen, unter denen ſie ſich die Nahrung verſchaffen, und der wenigeren Zeit, die ſie der Ruhe und dem Kauen wid⸗ men; nachdem man aber Unſtaͤnden der Art allen den Einfluß eingeraͤumt hat, welchen man ihnen vernuͤnftiger Weiſe einraͤumen kann, bleibt noch ein bedeutender Antheil an der Wirkung uͤbrig, welche wir mit einiger Zuverſicht der vorherrſchenden Feuchtigkeit oder Trockniß der Land⸗ guͤter, wo die Vließe gewachſen waren, beimeſſen. Kein Wollhaͤndler, deſſen Meinung auf eine lange Beobachtung 4 4 1 —— —. ———— —ͤͤͤ gegruͤndet iſt, wird, nach meiner Ueberzeugung, in Suͤm⸗ pfen und Duͤnſten feine Wolle aufſuchen. Er erwartete, die Vließe ſolcher Lagen groͤber, haariger und ſchlaffer zu finden, als diejenigen, welche da erzeugt ſind, wo die Sonnenſtrahlen unmittelbar auf den Boden fallen und ſowohl die Vließe als den Aufenthaltsort der Schafe trocken und geſund erhalten. Die Feuchtigkeit, welche ſo haͤufig— die Gipfel der hoͤhern Gebirge umgiebt und auf ihren Schultern ruht, beſonders wenn ſie den aus dem Ocean aufſteigenden Duͤnſten ausgeſetzt ſind, iſt fuͤr den Stapel nicht weniger verderblich als die Nebel der Seeen und Suͤmpfe. Auf den Gebirgen Irlands, Schott⸗ lands und Norwegens, welche von den Kuͤſten des Atlan⸗ tiſchen Meeres ſich erheben, und die deſſen Einfluß aus⸗ geſetzt ſind, finden wir Vließe von ſehr untergeordneter Beſchaffenheit, in Vergleichung mit denen, welche die naͤmliche Schafart in geſchuͤtztern Lagen erzeugt, und die im Werth noch weiter unter denen ſtehen, die man von den trockneren Abhaͤngen der Caſtiliſchen und Kermaniſchen Berge erlangt. Das Schetlaͤndiſche Schaf, das, obgleich dem Einfluß der Feuchtigkeit aufs heftigſte ausgeſetzt, ein kurzes und ſchaͤtzbares Vließ erzeugt, und die ſonſt uͤber Schottlands Hochlande verbreitete Race, welche, Trotz ihrer mit Wolken umhuͤllten Weide, eine weit vorzuͤgli⸗ chere Wolle lieferte, als die iſt, welche jetzt dort erzeugt wird,— dieſe beiden Schafracen moͤgen zu Beiſpielen gewaͤhlt werden, um zu zeigen, daß dieſen Urſachen zu viel beigemeſſen worden ſey, und man hat vernuthet, daß die an den Schafen von Cornwall und den Moraͤſten in n Lincolnſhire ſichtbare Veredelung beweiſe, e eine ſeuchte Atne unbe bewe nerer iht auf Verbe ten, bon in ih beſſe gen! hhan sſ tiſch und denn geſchi velche anthal wendd Vorre weit haar Vin 1 ————— it ein, Atmoſphaͤre ſey mit der Erzeugung guter Wolle nicht ſo rderti unvertraͤglich, als wir behauptet haben. Dieſe Beiſpiele haftr u beweiſen aber keineswegs, daß dieſe Schafracen auf trocke⸗ wo die neren Weiden und ſorgfaͤltiger als gegenwaͤrtig gepflegt, 9 und nicht ein viel beſſeres Vließ hervorbringen wuͤrden, als ſie Schafe auf feuchter Weide geliefert haben, und die angefuͤhrten welche Verbeſſerungen wuͤrden wahrſcheinlich raſcher vorgeſchrit⸗ ſebt und ten, leichter bewirkt worden ſeyn und einen hoͤhern Grad den aus von Vorzuͤglichkeit erlangt haben, waͤren ſie an Heerden it für in ihrer Natur und den guten Eigenſchaften der Wolle dbel der beſſer geeigneten Lagen verſucht worden. Die uͤblen Wirkun⸗ Schott. gen des Waſſers auf das Wollhaar waͤhrend deſſen Wachs⸗ 5 Atlan⸗ thums mag von der Leichtigkeit herruͤhren, mit welcher uß aus⸗ es ſich mit dem Dotter vermiſcht und eine Menge jener thie⸗ tordneter riſchen Seife wegnimmt, welche fuͤr die gute Beſchaffenheit elche di und ſelbſt fuͤr das Beſtehen der Wolle ſo nothwendig iſt; und die denn wenn Sorge getragen wird, dieſem Verluſt durch nan bon geſchickte Anwendung von Theer, mit Butter vermiſcht, criſcen welche als Ableiter des Waſſers wirken, vorzubeugen, ſo oögleic enthaͤlt der untere Theil des Stapels, der nach der An⸗ nogeſett wendung der Salbe gewachſen iſt, einen hinreichenden die ſouſt Vorrath von ſtarkem und naͤhrendem Dotter, und iſt eine he Tuoß weit vorzuͤglichere Art Wolle als jene Spitzen des Woll⸗ votzügl haares, welche ohne allen Schutz der triefenden Naͤſſe der 3 erztugt Winterzeit ausgeſetzt geweſen ſind. viin§. 41. d) Weide und Futter. 3 nchen zu. nuthet Einige der beſten Eigenſchaften der Wolle, beſon⸗ wräſten ders von der feineren Art Vließe, ſind dem Einfluß der ſeuchte Weide zugeſchrieben worden. Ausgedehnte und offene Nuuullultututtttttttttttttetututt — 114— Hoͤhe⸗Bloͤßen(Wolds), um die der Landwirth ſich nur wenig bekuͤmmert, wo die Schafe ſich mit großer Anſtren⸗ gung nur ſpaͤrlich naͤhren koͤnnen, ſind oft als unumgaͤnglich nothwendig zur Erzeugung jenes ſanften und duͤnnen, allge⸗ mein bewunderten Wollhaars dargeſtellt worden. Die fein⸗ ſten Vließe, die man in unſerm Vaterlande geſammelt hat, hat man im Allgemeinen von den maͤßig hohen Bergen und von Feldern erhalten, die ſich nicht ruͤhmen koͤnnen, durch die fruchtbar machenden Vorraͤthe(collections) von des Landwirths Hofe bereichert worden zu ſeyn. Sie ſind das Erzeugniß weiter Wuͤſten, wo die Rechte der Einzelnen nicht zu unterſcheiden ſondern ſo vermengt ſind, daß ſie ein gemeinſames Eigenthum bilden und ohne Un⸗ terſchied demjenigen Vortheil bringen, der ſich ihrer be⸗ dient. Solche Vließe, das Erzeugniß von erſchoͤpfter Weide und mageren Thieren, ſind gemeiniglich kuͤrzer, leichter und feiner, als diejenigen, welche wir aus Nie⸗ derungen und von reichlicher genaͤhrten Carcaſſen erhalten. Es ſcheint, daß die Nahrung, welche ein Schaf zu ſich nimmt, durch die Hand des allgemeinen Wohlthaͤters da⸗ hin geleitet werde, diejenigen Saͤfte zu liefern, die es naͤh⸗ ren, und die bei Thieren der Art ſo wuͤnſchenswerthe fleiſchige Muskeln erzeugen, daß die Bildung des Pelzes nur ein untergeordneter Zweck in dem Gange der Natur ſey, und daß die jenem Zwecke guͤnſtige Feuchtigkeit erſt dann abgeſondert wuͤrde, nachdem jene, die fuͤr das Be⸗ ſtehen und die Geſundheit des Thieres weſentlich iſt, er⸗ zeugt worden iſt. Daher kommt es, daß die von den Gemeinweiden gelieferten Vließe, die man von halbver⸗ hungerten Schafen erhalten hat, alle ohne Ansnahme klen und ſanft 4 Er aber/ Fukttt eien! Sifter grßer de ſi lich e beſon V verht beſlte mmnt Erzeu Manu⸗ achtet digentlc Echafte kchaupt welchen den Bo ſchied ihre T V ſchicſi angefüh beweſer den wac wei Er ————————2—ööö 4 98 kleln und leicht ſind, daß ihr Haar allezeit duͤnn, ſchwach mgingic und kurz iſt, daß ſie ſchlechter beſchaffen und weniger nen,alg ſanft ſind⸗ als ſie ſeyn ſelten, und nahe am Grunde des De fi Ssapels Zeichen bon Weſedeling tragen. Die Schafe malt ha aber, welche auf reicheren Weiden graſen, wo fie zeicht un Vergm Iutte finden, was ihre Lßluſt befriedigt und zugleich . einen Ueberſchuß von den zu ihrem Wohlbefinden noͤthigen en koͤnnen, e r....2 bieſiprit. othigen Ulection) Wafien lieſtrt, agen Piieße bon laͤngerem Hnaar, von 1 groͤßerem Gewicht und einer vorzuͤglicheren Beſchaffenheit, ſehn. E die ſich zu vielen Zwecken der Wollen⸗Manufactur ſicher⸗ Racſt d lich weniger eignen, aber wenn man ſte bloß als von einer mengt i beſondern Schafrace gelieferte Wolle betrachtet, einen dem 1d chew verhungerten Wollhaar ſehr uͤberlegenen innern Werth üm 3 beſitzen. Der Gedanke, daß trockene Brachfelder, Ge⸗ erſchixfig meinweiden und hungrige Triften nothwendig waͤren zur glch kine Erzeugung guter Wolle, entſtand in den fruͤhern Zeiten der t aus Ni danufackur, wo die Conſtitution der Schafe wenig be⸗ in erhaltun achtet wurde, und wo man dem Boden beimaß, was haf zu ſih eigentlich die Wirkung der Zucht oder der Familie des thaters da⸗ Schafes iſt, und das wird ſelbſt jetzt noch von Einigen de nih⸗ behauptet, welche zwiſchen den verſchiedenen Racen, mit henswerthe welchen eine Gegend beſetzt iſt, nicht ſo leicht als zwiſchen des pehes den Bodenarten, aus welchen ſie beſteht, einen Unter⸗ der Ntut ſchied finden. Der Zuſtand der Spaniſchen Heerden, und gtigkeit aſt ihre Behandlung durch Schaͤfer, deren vorzuͤgliche Ge⸗ ur das e ſchicklichkeit allgemein anerkannt iſt, ſind oft als Beiſpiele ih if, u⸗ angefuͤhrt worden, welche die Unmoͤglichkeit hinlaͤnglich e von den beweiſen ſollten, daß die feinſte Wolle auf uͤppigen Wei⸗ halbbet⸗ den wachſen koͤnnte. Es wurde bemerkt, daß ſie ſich in A Slahhe zwei Sorten theilten, in die wandernde und ſtehende; 8* — 116— daß die letztern, welche das ganze Jahr hindurch auf den Ebenen und beſten Feldern ihrer Heimath blieben, eine weder durch ihre Feinheit, noch durch andere gute Eigen⸗ ſchaften ausgezeichnete Wolle lieferten, waͤhrend jene, welche von den Niederungen nach den gebirgigen Provinzen wan⸗ dern muͤßten und gezwungen waͤren, die Gewaͤchſe der Bergſpitzen aufzuſuchen, auf welchen ſie den Sommer hinbraͤchten, beim Herannahen des Winters, zu ihren vorigen Huͤrden zuruͤckkehrend, ein Vließ von ausneh⸗ mender Schoͤnheit lieferten, was auch zur Bereitung von wollenem Tuch ſich erſtaunlich gut eigne. Einige behaup⸗ ten ſteif und feſt, daß dieſe Vorzuͤglichkeit des Stapels von den Beſchwerden herruͤhre, welche die Schafe ertra⸗ gen muͤßten; dann von dem Klima und den Kraͤutern der Gebirge, auf welchen ſie die heißeſte Jahreszeit hinbraͤch⸗ ten; daß, wenn ſie in den Ebenen geblieben waͤren, ihre Vließe ſich nicht von denen der ſtehenden Heerden unter⸗ ſchieden haben wuͤrden; und daß, wenn dieſe letztern die Ge⸗ birge beſtiegen haͤtten und behandelt worden waͤren wie die andern, ſie auch eine vorzuͤglichere Wolle geliefert haben wuͤrden. Doch erwaͤhnen dieſe Herren kein Beiſpiel von einer ſolchen Veraͤnderung in der Behandlung; ſie be⸗ ſchreiben keinen, in der Abſicht, ihre Wirkungen zu ergruͤn⸗ den, angeſtellten Verſuch; ſie vergeſſen, daß es in Spa⸗ nien eben ſo gewiß verſchiedene Schafſtaͤmme giebt wie in einem andern Lande, und daß die Wolle eines jeden Bezirks, wo Manufacturen errichtet und mit Eifer und Sachkenntniß lange betrieben worden ſind, nicht gleich⸗ foͤrmig ſeyn koͤnne. Mit nicht groͤßerer Wahrſcheinlichkeit leitet man die Vorzuͤglichkeit der Spaniſchen Wolle von Echa Engl Land laͤnge Einig herget gewe gere) haben durch Viäi der? etwa eines thum und/ war e⸗ dem T Engliſ und au theilt Älloe und i lche deno wahr) Seche nahe a Nüuhnt ki ihrem — 117— h auf dir Schafen her, welche im funfzehnten Jahrhundert aus eben, ene England dahin geſandt worden ſeyen, weil die Wolle dieſes ute Eigun⸗ Landes wegen ſeiner vorzuͤglichen Eigenſchaften damals ne, welch laͤnger als dreihundert Jahre ausgezeichnet geweſen waͤre. zen wan⸗ Einige Schafe, welche zu verſchiedenen Zeiten aus Spanien aͤchſe der hergebracht und, auf den Waldbloͤßen der Gutsbeſitzer Somuer geweidet worden ſind, haben ſchwerere, groͤbere und laͤn⸗ ihren gere Vließe geliefert, als man von ihnen erwartete, und ausneh⸗ haben ſcheinbar die Meinung beſtaͤtigt, daß die Wolle eitung ton drrc den Wechſel des Klima, der Behandlung und der ge behau Weide eine große Veraͤnderung erlitten haͤtte. Ein Vließ s Staple der Art wurde mir verwichenen Sommer gezeigt, es wog af ertre etwa 9 Pfund und hatte, durch eine ſehr reichliche Menge autem d eines eher gelblichen Dotters unterſtuͤtzt, ein gutes Wachs⸗ t hinit⸗ thum gehabt, war offenbar das Erzeugniß eines Bocks rirm, ihr und hatte beinahe das ganze Thier umhuͤllt. Die Wolle dun unt⸗ war etwa 9 Zoll lang auf der Schulter und vier Zoll an Inn diee dem Bauch, feiner als das gewoͤhnliche Erzeugniß großer, ren wie die Engliſcher Schafe; aber der Stapel war wohl gebildet iut ben und ausnehmend dicht; das Haar war gleichfoͤrmig ver⸗ iſpil van theilt und nur wweſ gelockt. Dieſes Schaf wear aus ſt b⸗ Bilboa durch ein Kauffahrteyſchiff mitgebracht worden di l und war vielleicht wie die meiſten von jenen, die auf aͤhn⸗ 1 i liche Weiſe eingefuͤhrt werden, an Bord genommen wor⸗ 1 1 3 den ohne Ruͤckſicht auf die Familie, aus der es abſtammte, gi 19 wahrſcheinlich von den Wieſen, welche gewoͤhnlich die ſins ſeden Seehaͤfen umgeben, oder ſelbſt von den Marſchen, welche Efir ud nahe an den Muͤndungen der Fluͤſſe ſo haͤufig ſind. Man dt glic⸗ hat keinen Grund zu glauben, daß dieſe Schafe ſelbſt in ennikt ihrem Vaterlande ein geringeres Vließ geliefert haben Wolle von wuͤrden, vielweniger einen Grund anzunehmen, daß ſie mit dem beſten Blut der vorzuͤglicheren Racen gekraͤftiget geweſen waͤren. Eine Matratze, die zu Cadix gekauft und wahrſcheinlich mit dem Erzeugniß der Umgegend aus⸗ geſtopft war, enthielt die ſchlechteſte Wolle, die ich je⸗ mals geſehen habe; zwar war ſie beſſer als das Haar auf den Schenkeln der Engliſchen Schafe, aber nicht ſo gut als das Hintertheil von der ſchlechteſten Art unſerer Vließe. Wenn wir von einer ſo unvollkommen vorliegenden That⸗ ſache einen Schluß machen duͤrften, ſo wuͤrde daraus fol⸗ gen, daß es in Spanien eine Schafrace gebe, die eine ſehr ſchlechte Wolle erzeugt, oder eine, deſſen Vließ Bauch und Schenkel des Thieres nicht bedeckt. Wir legen ſehr wenig Gewicht auf ſo unvollkommen beſchriebene Thatſa⸗ chen und erwaͤhnen ſie nur, weil ſie eine Methode ange⸗ ben, ſich uͤber die Erzeugniſſe eines Landes zu belehren, die gemeiniglich ſehr vernachlaͤſſigt worden iſt. Die Ma⸗ nufacturen enthalten immer die beſten Muſterkarten der rohen Materialien. Aus den genaueſten Beſchreibungen der Wolle Spanieus, die in meine Haͤnde gekommen ſind, leuchtet hervor, es ſey kein Grund vorhanden, anzuneh⸗ men, daß die Schafe dieſes Landes ganz zu Einer Familie gehoͤren. Ueber den Zuſtand der wandernden Heerden haben wir die genaueſten Nachrichten, waͤhrend der Zuſtand der ſtehenden Heerden entweder ganz mit Stillſchweigen uͤber⸗ gangen, oder nur obenhin beruͤhrt wird. Doch bekom⸗ men wir aus den Bruchſtuͤcken, die auf dem Felde der ſtatiſtiſchen Forſchung zerſtreut umher liegen, einige Winke, die uns bewegen, den Schluß zu machen, daß, wenn wir nach einigen oberflaͤchlichen daruͤher bekannt gewordenen 7 daß ſe gekräftigt r geian gend aus⸗ e ich je Haar auf üt ſo gut er Vließe den Thar⸗ araus fol eeine ſihl teß Bauth legen ſeht e Thatſc⸗ ode ange⸗ belehren, Die Ma⸗ aöten der eibungen men ſind, anzuneh⸗ er Fawile ꝛden haben uſtand de (igen iber⸗ öch belon⸗ Felde der ge Wint, wenn vit ewotdenen — 119— gachrichten annehmen wollten, die Staͤmme von Wiltſhire und von Lincoln ſeyen genau die naͤmlichen, unſere Mei⸗ nung uͤber die Brittiſchen Vließe gerade ſo genau ſeyn wuͤrde als uͤber die Spaniſchen, wenn wir uns ein⸗ bildeten, daß dieſelbe Race auf den Gebirgen von Segovia herumklettere und auf den Ebenen von Sevilla liege. Wenn wir der Nahrhaftigkeit der Weide, als Haupt⸗ urſache, das Vorhandenſeyn der groben Wolle beimeſſen wollten, ſo wuͤrden wir ſie haͤufiger auf den Ruͤcken von Schafen bemerken, die durch ihre Fettigkeit ſich auszeich⸗ nen, und die Geſtalt des Haars wuͤrde in manchen Faͤllen den Zeitpunct anzeigen, wenn ein Schaf die magere Trift und Gemeinweide mit der Wieſe und der reichen Koppel vertauſcht habe, denn die Guͤte der Wolle muͤßte in dem Verhaͤltniß geringer werden, als ſich der Zuſtand des Schafes verbeſſerte. Dennoch wird im Gegentheil allge⸗ mein die Bemerkung gemacht, daß das von einem gut gefuͤtterten Thier geſchorene Vließ vorzuͤglicher iſt als das von einem mageren erzeugte; und daß der Grund des Stapels, der Theil naͤmlich, welcher waͤhrend des Fruͤh⸗ lings gewachſen iſt, wo die Nahrung reichlicher und die Carcaſſe fleiſchig und ſchwer wird, oft ſchaͤtzbarer iſt als die uͤbrigen zu einer Zeit gewachſenen Theile, wo die Felder das wenigſte Futter hergaben. Wir wiſſen ſehr wohl, daß Langwolle in ihrem voll⸗ kommenſten Zuſtand nicht von Schafen erwartet werden koͤnne, denen es an der Menge von Futter fehlt, welche die Natur zu ihrem Unterhalt erfordert. Wenn das Thier vom y-— — 120.— Hunger gedruͤckt wird, verwendet es faſt das ſaͤmmtliche Futter, welches es empfangt, auf die Erhaltung der Car⸗ caſſe. Die gebieteriſchen Forderungen des Hungers muͤſſen, wo moͤglich, befriedigt werden, und die wollerzeugende Feuchtigkeit, von welcher Art ſie auch ſeyn mag, wird den nothwendigſten Beduͤrfniſſen der Natur unmittelbar zinsbar gemacht. Dieß iſt eine der Huͤlfsquellen, die ſie in Anſpruch nimmt, um das Leben und die Geſundheit des Thieres zu erhalten, ſie opfert eine geringe Neben⸗ ſache auf, um ein weſentliches Gut zu erhalten, und das Vließ bleibt leicht, als ob es nur die Haͤlfte ſeines Wachs⸗ thums erreicht haͤtte, indem das Haar kurz und etwas feiner iſt, als es bei einem reichlichen Futter geweſen ſeyn wuͤrde. Dieſe Wirkungen ſind oft in der landwirthſchaft⸗ lichen Praxis geſehen worden. Sie waren viel gewoͤhnli⸗ cher, ehe es unter den Viehzuͤchtern Gebrauch wurde, fuͤr einen reichlichen Vorrath von Winterfutter zu ſorgen, und werden noch immer bemerkt, wenn ſich die kaͤltere Jahreszeit unerwartet ſtreng zeigt, oder der zaudernde Fruͤhling verlangt, daß der Schaͤfer ſein Futter mit ſparſamer Hand austheilt. Hunger zieht, gleich der Kaͤlte, die Poren der Haut zuſammen und verringert den wollnaͤhrenden Dotter, oder macht iß hn zu ſeiner na⸗ tuͤrlichen Beſtimmung ſchlecht geeignet, druͤckt mit em⸗ pfindlicher Haͤrte die zarteren Racen, laſtet aber beſonders ſchwer auf den Laͤmmern, welche zwei Winter hindurch ihr Vließ getragen haben. Die kraͤftigere Race, jene naͤmlich, welche den Bergſtuͤrmen trotzt und mit Geduld und Beharrlich keit den gefrornen Schnee durchbricht, um ihre Nahrung zu ſuchen, welche mit der groͤbſten Koſt der nmtliche der Cae⸗ müſſen eugende , wird ſttelbar die ſie ſundheit Neben⸗ und das Wachs⸗ detwas ſen ſeyn hſchaft⸗ woͤhnli⸗ wurde, ſorgen, kaͤltere dernde er mit ich der reingert ner na⸗ nit em⸗ ſſonders hindurch e, ſene Gedudd ht, um Koſt der ———— aaoöoöoöͤönͤnͤnaaͤͤͤͤöZZöZöSSͤöoö—ö—S— — 121— rauheſten Weide zufrieden iſt, traͤgt uͤbrigens in ſei⸗ nem Vließe keine ſolchen Merkmale von geſtoͤrter Geſund⸗ heit oder verdorbenem Dotter, ob es ſich gleich ſelbſt ſchuͤtzen und ernaͤhren muß. Die Wirkungen des Kungers ſollten immer ihrer wirklichen Urſache angerechnet werden, ſie ſind weniger mit den Eigenſchaften der Weide als mit der Conſtitution und dem Naturell des Thieres verknuͤpft und lehren uns, daß dieſe allezeit dem Gute, wo jenes aufgeſtellt wird, angemeſſen ſeyn ſollten. Die Traͤgheit derjenigen Ge⸗ ſchoͤpfe, welche Langwolle erzeugen, erfordert, daß ihr Futter kraͤftig, uͤberfluͤſſig und in der Naͤhe ſey, waͤhrend die Vergrace, mit einem unſtaͤten Temperament begabt, welches die Grenzen einer engen Weide verſchmaͤht, ſeine Nahrung auf weiten Wanderungen ſucht, obgleich es ſich dieſelbe im reichſten Ueberfluß mit geringerer Muͤhe verſchaf⸗ fen koͤnnte. Das Schaf hat, wie die meiſten andern Thiere, ſeine Gewohnheiten, ſeinen Inſtinkt, findet ſein Vergnuͤgen an der Lebensart, an die es gewoͤhnt iſt und aͤndert ſeine Neigungen nur allmaͤhlig oder durch Bluts⸗ vermiſchung. Backewell und Culley waren mit ſeinen Eigenthuͤmlichkeiten gut vertraut, und es iſt ihnen gegluͤckt, eine Race zu erſchaffen, bei welcher das Ebenmaß der Ge⸗ ſtalt mit der Eigenſchaft vereinbart iſt, den Umſtaͤnden mit einer bewundernswuͤrdigen Leichtigkeit ſich anſchmie⸗ gen zu koͤnnen. Die Diſhley⸗Schafe von ſchwerem Vließ und Temperament haben ſich uͤber die reichen Felder von Leiceſterſhire und Lincolnſhire verhreitet, waͤhrend die von den Cheviot⸗Huͤgeln, mit leichten Bließen und mit langen, — 4 1 b 1 — — 122— wohlgebildeten Gliedmaßen, die Gebirge des Nordens und Schottlands erklimmen. Wenn dieß genaue Anpaſſen der Race an die Ver⸗ haͤltniſſe des Guts erreicht, wenn das Futter in hinlaͤng⸗ licher Menge vorhanden iſt, um das Schaf geſund zu er⸗ halten und ſein Vließ mit einem Ueberfluß von jenem ſchaͤtzbaren Dotter zu verſehen, wenn die Heerde jene Ruhe und Behaglichkeit genießt, nach welcher alle Thiere begehren, ſcheint der bloße Reichthum oder die Armuth des Bodens keinen Einfluß darauf zu haben, das Vließ entweder groͤber oder feiner zu machen. In dem Laufe weniger Monate ſind Heerden bisweilen genoͤthigt, ihre Weide zu wechſeln und auf Boden von ganz entge⸗ gengeſetzter Beſchaffenheit ihre Nahrung zu ſuchen, und doch wird, wenn ſie naͤmlich ihr hinreichendes Futter ha⸗ ben, und wenn ihnen an ihrer Behaglichkeit nichts abgeht, wohl niemand jemals eine Veraͤnderung in der Feinheit der Wolle bemerkt haben. Wenn ſie unter ſolchen Umſtaͤnden die Graͤſer der Gebirge gegen das nahrhafteſte Futter ver⸗ tauſcht haben, ſo ſoll ihr Vließ, wie man glaubt, nicht groͤber geworden ſeyn, als es vorher geweſen war. Wenn aber ein Schaf, welches gewohnt geweſen iſt, ſeine Nahrung mit Muͤhe zu ſuchen, es mit großer Leichtigkeit erhaͤlt und mehr Stunden der Ruhe und dem Kauen widmet, ſo wird der Stapel ſeines Vließes, obgleich er ſeine Feinheit be⸗ haͤlt, betraͤchtlich laͤnger. Dieſe Wirkungen ſind oft in den verſchiedenen Heerden deſſelben Kirchſprengels bisweilen an den Individuen deſſelben Gutes bemerkt worden. Dieß iſt uͤbrigens mehr Wirkung der Ruhe als der Weide und ſolte alſo jener als der naͤchſten Urſache beigemeſſen werden. — §. 42. e) Weidekraͤuter. Die außerordentliche Feinheit der Spaniſchen Wolle, faſt ſiebenhundert Jahre hindurch ein Gegenſtand des Nei— des der Englaͤnder, iſt unter andern Urfachen lange Zeit den eigenthuͤmlichen Kraͤutern der Gebirge, auf welchen die Schafe ihre Sommer⸗Monate hinbringen, zugeſchrieben worden. Sie lieferten, behauptete man, eine große Menge aromatiſcher Pflanzen, welche die Heer⸗ den ſehr genau unterſchieden und ſehr begierig verzehrten, ſo daß man es deßwegen fuͤr aͤußerſt thoͤricht hielt, die Erzeugung einer gleichen Wolle in einem Lande zu erſtre⸗ ben, welches nicht im Stande waͤre, die Heerden mit der naͤmlichen koͤſtlichen Nahrung zu verſehen. Aber ein Rei⸗ ſender, der die Weiden Spaniens mit dem Auge eines Pflanzenkenners unterſucht hat, verſichert uns, daß ſene geprieſenen, weit uͤber die Meecresflaͤche erhabenen Ebe⸗ nen keine von denen anderen Gegenden, unter denſelben Breitegraden und von derſelben Hoͤhe, weſentlich verſchie⸗ dene Graͤſer liefern. Wir koͤnnten, wenn dieß die Ur⸗ ſache waͤre, erwarten, daß die an den Waͤnden der lufti⸗ gen Pyrenaͤen geſammelten Pließe in Hinſicht der Guͤte jenen Vließen von anerkannter Schoͤnheit gleich ſeyn muͤß⸗ ten, die man auf den Hoͤhen von Caſtilien und Leon findet; daß ſie der Wolle gleichen muͤßten, welche die Schaltein der Alpen und Appeninen, der Cancaſiſchen und Altaiſchen Gebirgsketten bedeckt und eümäite die Vließe vom At⸗ las, von Syrien und Perſien muͤßten einander faſt gleich ſeyn; auch koͤnnte an den geringeren Pelzen Englands, dieſe moͤchten nun auf den fuͤdlichen Hoͤhe⸗Bloͤßen(South Dowus), dem Cotteswold, oder auf den Cumbriſchen à 1 8 4 1 3— —— — 124— Bergen erzeugt ſeyn, keine große Ungleichheit bemerkbar ſeyn. Auch wuͤrde es in keinem Falle gerathen ſeyn, die Veredelung unſerer Heerden zu verſuchen, ohne zugleich eine gleichzeitige Veraͤnderung unter den Pflanzen unſeres Gutes zu bewerkſtelligen, ſtatt Ruͤben und Kohlſaat (Rapps) muͤßten wir Thymian und Majoran bauen. Doch wollen wir nicht laͤnger nach theoretiſchen Grund⸗ ſaͤtzen uͤber dieſe Dinge ſprechen; die Frage iſt durch die Einfuͤhrung Spaniſcher Heerden in jedem Welttheil, in Laͤn⸗ dern, wo Boden, Clima, Temperatur und Kraͤuter ſehr weit von einander abweichen, klar entſchieden. An jedem Orte liefern ſie, wenn ſie nur vor dem verderblichen Ein⸗ fluß einer Vermiſchung mit ſchlechterem Blute verwahrt werden, ein Vließ von einer hoͤheren Guͤte, auf welches weder ein Unterſchied des Futters noch der Behandlung Einfluß hat, was ſich durch vortreffliche Eigenſchaften eben ſo ſehr auszeichnet, als das Vließ ſeiner Stamm⸗ Eltern. 3 1§. 43. n) Der Boden. Der erfahrene Wollhaͤndler laͤßt aber keinesweges die Beſchaffenheit des Bodens, auf welchen die Heerden geweidet haben, unbeachtet. Verniiſchen ſich kreidehal⸗ tige Erden mit dem Wollhaar, ſo aͤußern ſie auf daſſelbe eine ſehr eigenthuͤmliche Wirkung und bilden das cha⸗ rakteriſtiſche Ausſehen jener Art Vließe, welche der Fabri⸗ kant durch den Namen Kreiden⸗Wolle unterſcheidet. Dieſe Subſtanzen machen ſie trocken und hart und benehmen ihr jenen Glanz und jenes fettige Anſehen, welches die meiſte uͤbrige Wolle beſitzt, und jene filzende Eigenſchaft, die ſie zur Behandlung in der Walkmuͤhle geeignet macht. tekbar ſeyn, ggleich ſeres lſaat men. und⸗ die aLan⸗ ſehr ſedem Ein⸗ vahrt lches ‚ung aften um⸗ eges erden dhal⸗ ſſelbe cha⸗ Fabti⸗ Dieſe ehmen es de chaft, nacht. — 125— Vielleicht bewirkt dieſe Erdart ihren ſchaͤdlichen Einfluß auf die Wolle dadurch, daß ſie jenen Dotter verzehrt, der mit den beſten Eigenſchaften dieſes Vließes ſo innig ver⸗ bunden iſt, oder daß ſie jene beſondere Verbindung der Fluͤſſigkeit zerſtoͤrt, welche ſie zur Ernaͤhrung des Woll⸗ haars am geſchickteſten macht. Alle Vermiſchungen von Erden mit dieſer Subſtanz, ſelbſt die Beimiſchung von reinem Kieſelſand, machen ſie weniger tauglich zu den Zwecken, zu denen ſie die Natur beſtimmt hat, und der Landwirth ſollte es ſich angelegen ſeyn laſſen, ſie ſelbſt von der geringſten fremden Beimiſchung frei zu erhalten. Er wird einen weſentlichen Unterſchied zwiſchen den Wir⸗ kungen des Kalkſteins und der Kreide auf ſeine Vließe bemerken; denn der erſtere, welcher gewoͤhnlich mit einer Schicht Pflanzenerde bedeckt iſt, vermiſcht ſich nicht ſo leicht mit der Wolle und bringt ſie in ſehr gutem Zuſtande hervor, obgleich ſelten mit den beſten Eigenſchaften be⸗ gabt. Hinſichtlich dieſer Bodenart wird in Dr. Aikin's Beſchreibung der Umgegend von Mancheſter eine Thatſache ſehr weitlaͤuftig erzaͤhlt, welche die genaueſte Aufmerkſam⸗ keit des Zuͤchters wie des Wollhaͤndlers verdient. Es wird verſichert, daß wenn von zwei Schafheerden genau von derſelben Zucht und, wie ich glaube, in demſelben Zuſtand, die eine auf Kalkboden, die andere auf Gries (grober Sand) geſetzt und dort eine gegebene Zeit gelaſ⸗ fen werden, das Gewicht der erſteren um vier Pfund aufs Viertel ſtaͤrker ſeyn wird als das der letzteren, und daß ein noch groͤßerer Unterſchied in ihren Vließen Statt findet. Bei genauer Unterſuchung moͤchte ſich vielleicht finden, daß die Beobachtung nicht mit aller der Genauigkeit gemacht 3 1 4 7 1 4 1 — — 126— worden ſey, welche landwirthſchaftliche Verſuche erfor⸗ dern, oder daß die auf dem Sandſtein weidenden Schafe entweder mehr Hunger oder mehr Beſchwerden erduldet haben als ihre Cameraden, ein Umſtand, welcher wenig⸗ ſtens jemanden, der kein Zuͤchter iſt, durch das geringere Gewicht der Carcaſſe angedeutet zu ſeyn ſcheint. Eine Reihe von Verſuchen, darauf berechnet, die Wirkungen der Bodenarten auf die Feinheit, die Laͤnge und die allge⸗ meinen Eigenſchaften der Wolle ins Licht zu ſtellen, wuͤrde fuͤr den Schaͤfer erwuͤnſcht und fuͤr den Fabrikanten be⸗ lehrend ſeyn. Gegenwaͤrtig bilden wir uns ein, daß, um ihr Vließ im beſten Zuſtande zu erzeugen, die Schafe allezeit eine uͤppige Weide in trocknen Lagen auf Kalkboden unter einem milden Himmel genießen und auf den dichten Teppichen gruͤner Raſen lagern muͤßten. Hier muͤßten wir wieder bemerken, und die Bemer⸗ kung kann nicht zu oft gemacht werden, daß der Einfluß der Weide, des Klima und der Temperatur dem Einfluß der Race gaͤnzlich untergeordnet iſt. Davon haͤngen die groͤßten Veraͤnderungen ab, davon erwarten wir die beſte Veredelung der Heerden, dieſe nimmt vor allen die Sorg⸗ falt des Schaͤfers in Anſpruch, dieſe muß er den unab⸗ aͤnderlichen Verhaͤltniſſen ſeines Gutes und den Forde⸗ rungen Hes Fabrikanten gemaͤß einrichten. Bei einem ſo ſchwierigen Geſchaͤfte, und welches auf eine Subſtanz Bezug hat, die fuͤr Abaͤnderung ſo empfaͤnglich iſt, daß ſie binnen einigen Jahren außerordentlich gut gemacht'oder aller ſchaͤtzbaren Eigenſchaften beraubt werden kann, ſollte er jeden Vorgang mit der aͤußerſten Aufmerkſamkeit beob⸗ =— 127.— erfo⸗ achten, ſollte er eine gruͤndliche Kenntniß der Natur, der Schaft Wwiollen⸗Manufactur und des Handels beſitzen. duldet veng§. 44.) Aufmerkſamkeit des Schaͤfers auf ſeine Heerde. ngere Gluͤcklicher Weiſe iſt die Zeit laͤngſt voruͤber, wo er Eine einen Muͤßiggaͤnger bei ſeiner Heerde vorſtellte, mehr ngen nach der Ehre geizend, daß die Thaͤler widerhallen moͤch⸗ allge⸗ ten von den wohlklingenden Weiſen ſeines Rohrs, als vuͤrde daß ſeine Schafe Beweiſe liefern moͤchten von ſeiner en be⸗ vorzuͤglichen Kenntniß und Sorgfalt; wo er mehr da⸗ , un mit beſchaͤftigt war, die ſanften Gefuͤhle ſeines Herzens Sthafe einer bluͤhenden Schaͤferin zuzufluͤſtern, oder aus ihren boden reizenden Haͤnden den bunten Blumenkranz zu empfangen, ſhten als damit, die Geſtalt ſeiner Schafe und die Eigenthuͤm⸗ lichkeiten ihrer Vließe aufmerkſam zu beobachten; wo er den frohen Reihen bildete und leicht uͤber den Raſen hin⸗ huͤpfte, anſtatt die Winke zu merken, die ihm taͤglich die Na⸗ mer⸗ fiuß tur uͤber ihre verborgenen Wirkungen gab, und ſie mit einer fuß jeden andern, unter Leitung eines erfinderiſchen Kopfes mit de geſundem Urtheil und nach Erfahrungsſaͤtzen veranlaßten, biſe zu vergleichen; anſtatt die Fortſchritte der Manufacturen Sorg⸗ zu beobachten, die erſten Anzeigen der Veredelung zu ergrei⸗ Inh⸗ fen und das Erzeugniß ſeiner Heerde dem neu entſtehenden Fane Beduͤrfniß anzupaſſen. Aus den Arkadiſchen Gefilden iſt un ſ zwar der allzu gluͤckliche und harmloſe Hirte durch die rohe üfen Gewalt eines muͤrriſchen und ſchwerfaͤlligen Eroberers , M vertrieben worden; von den Brittiſchen Brachaͤckern aber fodi ſind die verdroſſenen Faulenzer, denen, nachdem ſie ſich aur den ganzen Tag auf der Koppel geſonnt haben, es am heob⸗ Abend ſauer ankommt, mit ſchwerem Schritt ſich heim⸗ — 128— waͤrts zu ſchleppen,— zu nuͤtzlichen Beſchaͤftigungen und geſelligen Sitten angelockt, nicht gezwungen worden. Der Beruf des Schaͤfers iſt endlich mit den Beſtrebungen des Naturforſchers vereint worden, und die Verbindung der Wiſſenſchaft mit thaͤtiger Betriebſamkeit traͤgt viel dazu bei, die Schafe der Brittiſchen Inſeln zu veredeln, den Beſtand ihrer Manufacturen zu befeſtigen, und deren Wirkungs⸗ kreis auszudehnen. Die durch Bakewell's ſchoͤpferiſchen Geiſt geleiteten, und durch des verſtorbenen Herzogs von Bedford Scharfſinn, Beredtſamkeit, Vermoͤgen, Einfluß und Menſchenliebe unterſtuͤtzten Verſuche werden das An⸗ denken dieſer beiden Maͤnner lange Zeit theuer erhalten, waͤhrend die folgenden Geſchlechter die Fruͤchte von deren Bemuͤhungen in Hinſicht der Veredlung der Heerden und der Verbeſſerung der Wolle ernten werden. §, 45.) In Hinſicht der Geſundheit und Reinlichkeit. So empfaͤnglich iſt das Vließ der Verbeſſerung, daß es die Aufmerkſamkeit, die ihm gewidmet wird, ſehr ſchnell belohnt. Wenn es nur frey bleibt von den Dor⸗ nen, Kletten und Unreinigkeiten, die es ftuͤher von den ſchlecht behandelten Brachfeldern annahm, wenn es nur irgend anderswo als auf Rainen genaͤhrt wird, die kaum etwas mehr als Binſen oder trockenes und unſchmackhaf⸗ tes Gras erzeugen, und wenn es vor den Inſekten ge⸗ ſchuͤtzt wird, die es ſo oft heimſuchen und das Schaf quaᷣ⸗ len, ſo nimmt es einen beſſern Schein an und wird wirk⸗ lich brauchbarer. Keinem auch nur oberflaͤchlichen Be⸗ obachter kann es entgehen, daß Koth, magere Weide und Ungemach dem Vieh eben ſo nachtheilig ſind, als Schmuz Armuth und Hunger dem Menſchen⸗ ——— — — —= igungen worden. tebungen dung der dazu bei Beſtand kkungs⸗ eriſchen dds don Einfluß das An⸗ rhalten, n deren den und hkeit. ing, daß d, ſeht en Dor⸗ von der Res kur die kum machef eften g⸗ haf au⸗ jd wit⸗ hen de⸗ zede und Echr — — 129— §. 46.) Gleichförmigkeit des Wollhaars. Hat nun der Schafmeiſter beſtimmt, welche Art Wolle das Gut, das er im Beſitz hat, am beſten zu lie⸗ fern vermag, ſo muß er dahin ſtreben, von ſeiner Heerde das vollkommenſte Pließ, ſo gleichfoͤrmig in allen Stuͤcken, als es die Natur erlauben will, zu erhalten. Wir ſehen keinen Grund, warum jemand eine Ehre darein ſetzen ſollte, von einer Heerde, und beſonders von dem Ruͤcken eines einzelnen Schafs, jene mannigfaltigen Wollſorten aufzubringen, die fuͤr ihrer Natur nach ganz verſchiedene und oft ſehr weit von einander entfernte Manufacturen geeignet ſind. Bei dem alten Syſtem der Schafhaltung war dieß ein ſehr gewoͤhnlicher Fehler des Vließes und iſt bei dem neuen noch nicht gaͤnzlich entfernt. Ich habe noch nie einen einzigen Fall getroffen, wo eine von den Hinter⸗ theilen des Thieres geſchorene Flocke nicht viel groͤber als eine von der Schulter geweſen waͤre, obgleich ſie in einigen Faͤllen einander viel aͤhnlicher geweſen ſind, als ich es ſonſt fuͤr moͤglich gehalten habe. Es ſoll Vließe geben, die in ihrer ganzen Ausdehnung ſo durchaus ebenmaͤßig gleich ſind, daß Perſonen, die gewohnt ſind, Wolle zu beobachten, und ſelbſt Fabrikanten nicht im Stande gewe⸗ ſen ſind, irgend einen Unterſchied in der Feinheit des Haars zu entdecken. Wenn Stapel von den verſchiedenen Theilen des Schafs abgeſondert ihnen vorgelegt worden ſind, ſo haben ſie, wenn ein Unterſchied Statt fand, bis⸗ weilen diejenigen fuͤr die beſten ausgeſprochen, welche von den zum Leben weſentlichen Koͤrpertheilen am entfernteſten gewachſen ſind. Dieß iſt die Beſchreibung, welche Dr. Parry uns von dem Vließ ſeiner neuen Zucht giebt, die 9 1 3 4 — 130— er durch Vermiſchung von Spaniſchem Gebluͤt mit dem Gebluͤt der Ryeland-Race erhalten hat. Die Thatſache verdient die ſorgfaͤltige Beachtung des Wollzuͤchters, denn die Vortheile, die daraus entſpringen wuͤrden, wenn ein Schaf nur Eine Wollſorte, und zwar auf allen Theilen des Leibes von gleicher Feinheit erzeugte, ſind gar nicht zu berechnen, ſie ſind jedermann einleuchtend. Die Moͤg⸗ lichkeit, ſolch eine Race hervor zu bringen, ſcheint durch die eben angefuͤhrten Thatſachen beſtaͤtigt zu werden und iſt nach dem Zuſtande, in welchem wir die Felle der uͤbrigen Hausthiere finden, wahrſcheinlich. §. 47. 7) Reinheit der Vließe von fremden Subſtanzen. Ein jeder, der auf die Beſchaffenheit der zum Ver⸗ kauf gebrachten Vließe achtet, weiß, daß eine große Menge fremdartiger Subſtanzen mit der Wolle vermiſcht ſind. Die reinſten Vließe Brittanniens, welche ſich wegen ihrer ausgezeichneten Eigenſchaften mit den Vließen faſt eines jeden andern Landes meſſen koͤnnten, ſind gewoͤhnlich mit Fett, Sand, Gras, Pech und ſelbſt mit den Ausleerun⸗ gen des Schafes beſchwert. Wir wiſſen nicht, ob es dem Zuͤchter moͤglich iſt, ſeine Wolle vollkommen rein und unverfaͤlſcht zu erhalten, ohne einen Aufwand zu machen, der in vielen Faͤllen nicht wieder bezahlt werden moͤchte, und ohne vielleicht mehr Zeit und Arbeit darauf zu verwenden, als mit der Aufmerkſamkeit vertraͤglich ſeyn moͤchte, welche die wichtigeren Geſchaͤfte ſeiner Wirth⸗ ſchaft von ihm fordern. Und doch iſt es, ohne daß er gerade ſeinen Vortheil einer unnoͤthigen Genauigkeit auf⸗ opfert, wuͤnſchenswerth, daß der Stapel ſo vollkommen als der —.——————— — 131— t mi dem — Thalſcht ters, denn als moͤglich frey ſeyn moͤchte von allen den Dingen, die dem Fabrikanten eine Abgabe auflegen und ſein Geſchaͤft verdrießlicher und ſchwieriger machen. wern n Theile§. 48. Reinheit vom Dotter(Fettſchweiß). gar nicht Der Dotter, der mit der Wolle die ganze Zeit ihres Die Mi⸗ Wachsthums hindurch ſo innig vermiſcht geweſen iſt, t durch di daß er mit ihr einen feſten und faſt undurchdringlichen den und ſ Pelz bildet, trennt ſich durch die in Brittannien uͤbliche der übrign Waſch⸗Methode nicht vollſtaͤndig von der Wolle, ſelbſt nicht wenn das Geſchaͤft in einem aufs beſte eingerichte⸗ b ten Teich und von den ſorgfaͤltigſten Arbeitern verrichtet ſanzn. wird. Die Spanier, mit den aus der Reinheit der Wolle zum Ve⸗ entſpringenden Vortheilen vertrauter, ſcheeren ihre Heer⸗ oße Meng den, ohne ſie der Unruhe auszuſetzen, welche auf die meiſten riſcht fin vierfuͤßigen Thiere heftig wirkt, wenn ſie mit Gewalt in zegen ihnt ein Element getaucht werden, fuͤr welches durch Natur feſt eins und Gewohnheit ſie beſonders untauglich ſind. Die onlih mi Wollhaͤndler zerreißen(ſortiren) das Vließ, wenn es noch Auslerun⸗ im Dotter iſt, waſchen die verſchiedenen davon erhaltenen ſt, ob es Sorten mit einer der Nachahmung eines Brittiſchen Fabri⸗ mmen in kanten wuͤrdigen Sorgfalt und erreichen einen an den uſwnd g Engliſchen Vließen faſt nicht gekannten Grad von Reiu⸗ ahit verde heit. Wenn die Schafe auch vor der Schur jemals ſo beit datuf vollkommen gewaſchen, und alle Muͤhe angewandt wuͤrde, aglch ſin ſie in der Zwiſchenzeit zwiſchen beiden Geſchaͤften rein zu er Vih erhalten, ſo wird der Stapel doch wieder verdorben, in⸗ ne daß ir dem ſich die Ausduͤnſtung des den brennenden Sonnen⸗ igtat af ſtrahlen ausgeſetzten und von der Laſt eines beſſer fuͤr ollonme die Winter⸗Monate geeigneten Pelzes gedruͤckten Thie⸗ 9* res mit dem Vließe vermiſcht. Engliſche Wolle in dem beſten Zuſtand, in welchem ich ſie jemals, eben von dem Ruͤcken des Schafes genommen, beobachtet habe, enthielt etwa zum zwoͤlften Theil ſeines rohen Gewichts dieſe Sub⸗ ſtanz, die fuͤr das Vließ zwar waͤhrend ſeines Wachs⸗ thums wichtig, aber nicht von dem geringſten Werth in dem Proceß der Manufactur iſt; oft betraͤgt ſie den ach⸗ ten Theil des Gewichts; wenn ſie ſtark mit Theer beſtri⸗ chen iſt, wie in dem Norden der Inſel, ſo betraͤgt die Menge der reinen Wolle ſelten mehr als die Haͤlfte und in vielen Faͤllen bedeutend weniger. Die ſehr verſchiedene Beſchaffenheit, in welcher Brittiſche Vließe zu Markt ge⸗ bracht werden, erklaͤrt einigermaßen die Verſchiedenheit der als laufend gleichzeitig angegebenen Wollpreiſe in ver⸗ ſchiedenen Bezirken. Um ſich einigermaßen einen richtigen Begriff von ihrem inneren Werth zu bilden, und um uͤber den verhaͤltnißmaͤßigen Werth unſerer eigenen, oder der aus andern Laͤndern eingefuͤhrten Vließe eine gut begruͤn⸗ dete Meinung zu erhalten, iſt es noͤthig, ſie auf den Probierſtein vollkommner Reinheit zu bringen, um nur Wolle mit Wolle zu vergleichen. Dieſer Punct iſt be⸗ reits durch die Behandlung feſtgeſetzt, welcher die Wolle unter den Haͤnden des Fabrikanten unterworfen wird. In dem einen oder dem andern Theil des Verfahrens wird der bei weitem groͤßere Theil der Wolle mit Seife gerieben, oder im Waſſer gekocht, und wenn ſie dieſe Be⸗ handlung aushaͤlt, ohne einen Theil ihres Gewichts zu verlieren, ſo wagen wir ſie fuͤr hinlaͤnglich rein zu allen Zwecken der Manufactur zu erklaͤren. — — 133— ei tän§. 49. Reinheit von Schmuz, Sand, Lehm u. dergl. bon dem„.. entzit Das gegenwaͤrtige in einigen Theilen des Reichs, ſe Euh beſonders da, wo das Waſſer ſpaͤrlich, und die Schaͤfer 6 2ᷣ. 2 7 8 4 ⸗ Wachs nachlaͤſſig ſind, uͤbliche Verfahren, die Schafe zu waſchen, 1 7. 1 4 gertzi bringt, anſtatt das Vließ von allem Sand, Lehm und an⸗ hm.. 2 Vi a derem Unrath, mit dem es beſchwert iſt, zu ſaͤubern, deſſen ach⸗. e„. 1 noch eine groͤßere Menge hinein. Wie zwecklos es ſey, el.,„ 83 3 7 h 3 die Schafe in ſtehendes Waſſer und ſchlammige Pfuhle zu 8 ragt die— 7. 1.. 3 tauchen, oder ſie zwei bis dreimal durch ein von ihrem 3 e e 0. 3— . und Durchwaden getruͤbten Baͤchlein zu treiben, leuchtet wohl ſäiane einem jeden ein, und der Nachtheil, der oft daraus ent⸗ ärt g⸗ ſteht, daß ſie noch naß auf ſtaubigen Wegen getrieben S idenhet werden*), oder in dieſem Zuſtande auf trockenen Brach⸗ in ver⸗ 3 richigen*) In dem Koͤnigreiche Tunis ſucht man abſichtlich Sand und A um uͤber Staub mit der Wolle zu vermiſchen. Thomas Maggill er⸗ — zaͤhlt in ſeiner neuen Reiſe nach Tunis, S. 140, nach der der der Deutſchen Bearbeitung von M. H. Schilling, Weimar 1816: egruͤn⸗ Die Wolle erhaͤlt ihren groͤßeren oder geringeren Werth ſd von dem Boden, wo ſie gewonnen wird, und von der mehr uf den oder weniger betraͤchtlichen Menge Sand oder Staub, den um nur man darunter miſcht, um ihr Gewicht zu vermehren, indem ſ be⸗ jeder Bezirk ſeine beſondere Weiſe hat, dieſen Betrug zu A ſpielen. Es glebt einen Bezirk, wo die Schaͤfer zu dieſer e Well Abſicht ſich eines ſehr ſonderbaren Mittels bedieuen. Bei en widd. heißer und trockener Witterung jagen ſie vor der Schur die 6 Schafe im Sande herum, bis ſie durch vieles Laufen in eine rfahtens ſtarke Ausduͤnſtung gerathen. Der ſeine Sand, und der it Sift Staub, den dieſe Thiere in ihrem ſchnellen Laufe aufregen, 3 ſetzt ſich in ihre Wolle und haͤngt ſich wegen des Schweißes diſe Be ſehr feſt an. Dieſes mehrere Tage hinter einander wieder⸗ ichts zu holte Jagen entſpricht ſeinem Zwecke dermaßen, daß die Al Wolle zuweilen weniger wiegt als der Sand, der ſich da⸗ d1 9 in mit vermiſcht ſindet; uͤberdieß dringen die feinſten Stanb⸗ theilchen ſelbſt in die Schweißloͤcher der Wolle und verleiben ſich dieſen dergeſtalt ein⸗ daß ſie nur mit der außerſten ————.——— aͤckern und ſandigen Feldeen ihr Lager erhalten, iſt an der Farbe und Beſcaubtheit des Stapels ſichtbar. Es iſt ſel— ten, daß wir bei Unterſuchung eines Buͤndels Wolle nicht mehr oder weniger von jenen Subſtanzen antreffen, die ſie verunreinigen, und ſind vollkommen uͤberzeugt, daß es auch dem ſorgfaͤltigſten Landwirth nicht allezeit moͤglich ſey, ihre Beſchmuzung zu verhuͤten. Das Verfahren mancher Zuͤchter, die in der Zeit, wo das Vließ zur Schur vorbereitet wird, mit unermuͤdeter Sorgfalt daruͤber wa⸗ chen und ihre Wolle frei von allem fremden Zuſatz zu erhalten ſuchen, iſt jaͤhrlich ein Vorwurf fuͤr diejenigen, welche ihre Heerden ohne einen beſtimmten Zweck zu wa⸗ ſchen ſcheinen, und die ſich in der Zeit, wo ihr Vließ trocknet, ganz und gar nicht um ſie bekuͤmmern. §. 50. Vom Pech. Der Gebrauch, die Schafe vermittelſt geſchmolzenen Pechs oder einer Salbe, wovon dieß den Hauptbeſtand⸗ theil bildet, zu zeichnen, iſt fuͤr die Engliſche Wolle, be⸗ ſonders fuͤr die laͤngeren Sorten, ſehr nachtheilig, indem dieſe dadurch fuͤr die Fabrikation von Worſted⸗Zeugen, ihre natuͤrliche und eigentliche Beſtimmung, ganz un⸗ tauglich werden. Man hat ſchon lange daruͤber geklagt, und es ſind fuͤr die Erſindung einer Salbe, die dem naͤm⸗ lichen Zweck entſpraͤche, ohne dem Stapel nachtheilig zu Schwierigkeit daraus geſchieden werden koͤnnen; auch bewirkt die Waͤſche einen bedeutenden Abgang. Man verſichert, daß die Wolle aus der Umgegend von Tunis dadurch bis auf vierzig von hundert, die von Suſſa 45 bis 50, die von Sfax, 50 bis 553, an ihrem Gwichte verlieren.“ Anm. d. Ueberſ. — 135— ſin ſeyn, Belohnungen ausgeſetzt worden. Das Merkzeichen, siſ ſ wie es gegenwaͤrtig im Gebrauch iſt, macht große Schwie⸗ le nic rigkeiten und manche Koſten, denn in den erſten Stationen fen, di der Bearbeitung muß es von dem Vließ abgeſondert wer⸗ daß ts den, und es werden zu dieſem Geſchaͤfte gewoͤhnlich Kna⸗ moͤglich ben gegen 1 Schilling oder 2 Krone woͤchentlichen Lohn erfahren gebraucht. Wenn dieſe Arbeit fuͤr ſich abgeſondert ver⸗ ar Schur richtet wird, ſo iſt der Lohn fuͤr jedes Pfund gezeichnete über wa⸗ Wolle gemeiniglich etwa 1 Ferthing(½ Penny), wo es an Guſatz zu Beſchaͤftigung mangelt, an andern Orten Penny. Wenn iejenigen ein Vließ aufgerollt geweſen iſt, ſo ſind nach der gebraͤuch⸗ zu wa⸗ lichen und geſetzlichen Art zu wickeln alle Theile deſſelben r Vließ ſo aus einander gedehnt, oft ſo zerriſſen und unter einan⸗ der gemengt, daß es der Arbeiter durchaus unmoͤglich in ſeiner natuͤrlichen Lage vor ſich ausbreiten kann. Er muß dann eine betraͤchtlich laͤngere Zeit darauf verwenden, roßzenen als ſonſt noͤthig geweſen waͤre, jedes Bruchſtuͤck, was heſtand⸗ unter ſeine Augen kommt, zu unterſuchen und nach dem lle, be— Pechzeichen zu ſuchen, was immer einen bedeutenden indem Raum einnimmt und bisweilen unter allen uͤbrigen Thei⸗ arugan len des Vließes zerſtreut iſt. Nachdem es von den andern gaaz un Theilen geſondert iſt, bringt er alles auf einen Haufen, gtla der nun dem Beſchneider(clipper) uͤbergeben wird; iſt er 4 em nim⸗ nun hinlaͤnglich gereinigt, ſo kommt er wieder unter ſeine hellgn Haͤnde und wird zum zweiten Mal ſortirt. Wenn aber ein Schaf nicht mit Pech oder einer andern dem Stapel nach⸗ ih buit iheiligen Subſtanz gezeichnet iſt, ſo wird keine dieſer Ne⸗ enr benkoſten und Nebenarbeiten noͤthig⸗ ſeder Theil des „ die w Vließes wird vom Tiſch aus ſogleich zu ſeiner beſondern Gattung gethan und iſt fuͤr den Fabrikanken unmitielbar berſ⸗ EEEEEE33 — 136— brauchbar. Die beſte Art, der Beſchwerlichkeit, welche das Zeichen veranlaßt, vorzubeugen, wuͤrde vielleicht ſeyn, es vom Vließ zu nehmen, ehe das Schaf geſchoren wird; da wird es leicht gefunden, haͤngt zuſammen und wird vom Scheerer mit geringer Muͤhe und mit wenig Nachtheil fuͤr den, der ihn angeſtellt hat, von der Wolle zu ſondern ſeyn. §. 51. Von Ausleerungen. Wir freuen uns zu bemerken, daß man in den letz⸗ ten Jahren die Schafe nicht ſo jene ungeheuren Laſten ihrer eignen Ausleerungen, welche ſo haͤufig die gruͤnendſten und ſchoͤnſten Weiden ſchaͤndeten, hat hinter ſich her ſchlep⸗ pen laſſen. Gegenwaͤrtig findet man ſie im Allgemeinen ſauber und unbelaſtet, ein Zeichen von dem beſſer werden⸗ den Geſchmack und Bildung ihrer Herren. Auch haben die Wollhaͤndler nicht mehr ſo viel Urſache, ſich uͤber jene ſchaͤndlichen Betruͤgereien zu beklagen, die man ſonſt gegen ſie verſuchte, indem man eine große M denge Unrath mit in die Vließe wickelte, um deren Gewicht zu ve rmehren. Wenn gegenwaͤrtig vom Zuͤchter Betruͤgereien ausgeuͤbt werden, ſo ſind ſie gemeiniglich von feinerer Art, die nach ſeiner Meinung immer unentdeckt bleiben, oder deren Spuren irgend einer andern Urſache als der S chlechtigkeit ſeines Charakters zugeſchrieben werden muͤſſen. Finden wir aber einen laͤngs dem aufgerollten Vließe geſtreuten ſtreifen Sand; oder finden ſich deutliche Zeichen, daß es in feuchtem Zuſtand gewunden worden iſt, welches beides ein Anfaͤnger im Sortiren unterſcheit den kann; bemerken wir, daß die Buͤndel auf einer dumpfigen Tenne, in der nord⸗ oͤſtlichen Ecke einer Scheune, fern von dem Einfluſſe der welche ſiht ſeyn en wird, nd wir dachtheil ſondern den liz den ihrer mnendſſen ſchley⸗ gemeinen werden⸗ h haben her jene gegen mit in ſehren. sgeuͤbt de nach r deren chtigkei Finden ſtreuten daß es beides ken wi⸗ r notd⸗ luſſe der — ά— —— dem Betrug nicht das Wort. Ein Schurke iſt, wer ſich ——— ſͤſͤqnlqlqqnqnäöõAõAẽẽéͤéͤͤͤͤͤõö—Zö—Zö—öZöZöͤͤ — 137— Atmoſphaͤre und der Sonne auf Haufen liegen, als be⸗ fuͤrchte man, daß ſie ausduͤnſten moͤchten; ſehen wir dieſe Dinge, ſo koͤnnen wir nicht umhin, ſie einer nicht immer zufaͤlligen Urſache zuzuſchreiben. Und ſollten nun ſolche Buͤndel von dem Wollhaͤndler mit einer etwas ungewoͤhn⸗ lichen Genauigkeit gewogen werden, ſo darf der Zuͤchter nicht ſtreng ſeyn, denn der eine Betrug wird bloß geſpielt, um den Folgen des andern zu begegnen, und es wuͤrde ein bloßer Tauſch ſeyn, haͤtte der Wollhaͤndler nicht den Vor⸗ theil, den letzten Stich(im Spiel) zu haben, und ſo iſt er ziemlich ſicher, die Leſe zu gewinnen. Doch reden wir zu Betrug erniedrigt, und ſein Name ſollte in der Geſig⸗ ſchaft gebrandmarkt ſeyn. §. 52. Von Feuchtigkeit. Es iſt nicht wahrſcheinlich, daß Perſonen, deren Aufmerkſamkeit wiederholt auf die Eigenſchaften der Wolle geleitet wird, ganz und gar nicht wiſſen ſollten, wie leicht die Wolle Feuchtigkeit einſaugt; vielleicht wiſſen aber wenige, wie hartnaͤckig ſie die Feuchtigkeit zuruͤckhaͤlt. Eine Quan⸗ titaͤt Wolle, die keine Spuren von einem außerordentlichen Feuchtigkeitsgrad verrieth, wurde einem ſtarken Hitzegrad unterworfen und bis zum Kraͤuſeln getrocknet. Bei der Unterſuchung, wo ſie noch warm war, fand es ſich, daß ſie den achten Theil ihres urſpruͤnglichen Gewichts verloren hatte, das ſie in wenigen Tagen dadurch, daß ſie bloß dem gewoͤhnlichen Einfluß der At asſohin ausgeſetzt wurde, beinahe wieder erlangte. Vielleicht mag die Nei⸗ gung, Feuchtigkeit anzuziehen, einige auf die Vermuthung — 138— gebracht haben, daß die Wolle, nachdem ſie vom Schafe getrennt worden, noch wachſe. Die Sache iſt nicht wahr⸗ ſcheinlich; die Gewichts⸗Vermehrung, der einzige Um⸗ ſtand, auf welchem dieſe Meinung heruhte wird leicht durch genuͤgendere Urſachen erklaͤrt. §. 53. d) Verfahren beim Scheeren. Zu der froͤhlichen Zeit, wo die Heerden ihres Pel⸗ zes entledigt werden und den jaͤhrlichen fuͤr den empfan⸗ genen Schutz und Unterhalt ſchuldigen Zins bezahlen, ver⸗ ſammelt man ſie gewoͤhnlich auf einer graſigen Koppel nahe an der Behauſung ihres Herrn, oft innerhalb des Gebiets der Pomona, wo mit Erroͤthen laͤchelnd ſie ihre Herbſtſegnungen reift. In der beſten Abſicht ordnet der Oberaufſeher dieſes Geſchaͤfts an, daß der Raſen huͤbſch glatt gemaͤhet wird, bringt aber dadurch, ohne etwas Boͤſes zu ahnen, eine ungeheure Menge kurzer Grasſpitzen hervor, die ſich, ungeachtet ſeiner aͤußerſten Sorgfalt, an den Stapel haͤngen und mit dem Vließ aufgewickelt werden. Sie fuͤgen zwar der Wolle keinen weſentlichen Schaden zu, verurſachen aber dem Arbeiter, der ſie ein⸗ mal heraus leſen muß, große Muͤhe; denn auf einigen Stufen ihrer Verarbeitung, welche die Wolle durchgeht, ehe ſie an den Conſumenten gelangt, muͤſſen ſie daraus geſchieden werden. Wenn ſie in Faden gedreht und mit der Subſtanz des Tuchs verarbeitet werden, ſo werden ſie der Gegenſtand der Aufmerkſamkeit des Noppers(Aus⸗ klaubers), welcher fuͤr jedes Knoͤtchen, was herausge⸗ zogen wird, ein Loch in dem Stuͤck zuruͤcklaͤßt, was ent⸗ weder auf der Walkmuͤhle, oder durch die genauere Arbeit ———— — 139— Schnſe des Feinnaͤhers(fine drawer) ausgebeſſert werden nahr muß*). Die Schwierigkeiten, die aus der Vermiſchung ge Un⸗ 4 t durch*) Zum beſſern Verſtaͤndniß der im Laufe dieſes Werks in Beziehung auf Tuchfabrikation vorkommenden Ausdruͤcke,* folgt hier eine Beſchreibung der Proceſſe von der ro⸗ ben Wolle an bis zum vollendeten Tuche, und zwar ¹) wie ſie in den Tuchfabriken des weſtlichen Theils 8 Pel⸗ von England vorkommen. Die Wolle wird im Groben mpfan⸗ gereinigt(pitch marked), gewaſchen in ſtrenger Urinlange und Waſſer(scoured), in den Wolf(Devil) geworfen und en, bet⸗ vom Staube gereinigt(picked), geolt(oiled) mit Gallipoli⸗ Koppel Oel, 2 Pfd. auf 20 Pfd. Wolle, geſchrobelt(seribbled) alb ds aauf einer Maſchine, geſtrichen(carded) auf einer Maſchine, —. locker vorgeſponnen(slubbed) mittelſt einer Maſchine(the ſie ihre billy), fein nachgeſponnen(spun) mittelſt eine Maſchine net der(the Jenny), das Kettgarn geleimt(sized with glue), ge⸗ 3 webt.— Das Tuch, wenn es vom Weber kommt, wird huͤbſch voom Oel gereinigt(scoured) in Taubenmiſt, die Knoten, etwas und mittelſt eines eignen Inſtruments die Haͤrchen, Split⸗ 2, ter u. ſ. w. ausgezupft(burled and spiled), mit Seife ge— ſoltzen walkt(milled), mit Diſteln gerauhet(dressed with teazels), gfalt, zuweilen auch mit Kratzen(cards) dreymal geſchoren(cut), vickelt im Stuͤck gefaͤrbt(dyed in the piece), die Splitter und Faͤſerchen wieder ausgezupft(spiled and haired) und die tlichen Loͤcher mit Seide zugeſtopft(drawn), endlich mit Preßſpaͤnen ſi ein⸗ gepreßt(Pressed). 1 2. 2) wie in Yorkſhire. einigen Die Wolle wird erſt mit den Haͤnden von Knoten und rchgeht⸗ andern Unreinigkeiten geſäubert(moated 8 picked or daraus cleaned), dann geoͤlt und in den Wolf(Willy or Devil) geworſen. Von da wird ſie auf der Sribbling machine ge⸗ und mit kardet, durch die Slubbing machine in lockere Rollen formirt, und dieſe durch die Jenny spinning machine in Faͤden fuͤr wetden den Weber ausgeſponnen. Nach dem Weben wird das Tuch 8(Aus⸗ von Oel gereinigt Gcoured), die Splitter, Fäden ꝛc. werden trausge⸗ von Maͤdchen ausgeklaubt(burled).. Nun wird es gewalkt (milled) und geht wieder durch die Haͤnde der Maͤdchen was eut⸗(burled); dann wird es mit Diſteln gekratzt oder gerauhet t Abbeit(raised), qus dem Rauhen geſchoren(cropped), wieder mit — 140— trockner Pflanzentheile mit der Wolle entſtehen, ſind ſehr bedeutend, dieſe moͤgen nun aufgeleſen ſeyn von den auf ſchlecht gehaltenem Lande ſo gewoͤhnlich erzeugten Unkraͤu⸗ tern, oder vom Heue, welches in Folge des gewoͤhnlichen Baues der Raufe, und weil man die Schafe ihr Futter om Schober rupfen, oder ſie ſich zum Schirm darunter drs aͤngen laͤßt,— ſeinen Samen und kleineren Theile auf das Vließ, beſonders auf den Theil, der nahe am Kopfe ſte, ausſchuͤttet. Die Schaͤfer auf den Hoͤhe⸗Bloͤßen (Downs) von Marlborough haben, wenn ich anders recht verſtehe, eine andere Art Raufen eingefuͤhrt, deren Bau einigen den alten gemachten Vorwuͤrfen zu be⸗ gegnen verſpricht. §. 54. Allgemeine Bemerkungen uͤber Reinheit der Wolle, im Bezug auf Kauf und Verkauf. Einige dieſer Umſtaͤnde moͤgen fuͤr unwichtig und unter der Aufmerkſamkeit des Wollzuͤchters gehalten werden. Vielleicht mag man uns ſagen, wie dieß bereits Diſteln gerauhet und kommt endlich verſchiedene Male, nach⸗ dem es fein werden ſoll, unter die Scheere. Die erſte Schur heist cut over, die uͤbrigen heißen second cut, third cut und die letztere Linished. In dieſem Zuſtand wird es zum letzten Mal geſaͤubert(burled) und ausgebeſſert, oder die Locher und Riſſe zugenaͤhet(drawn). Dann wird ver⸗ mittelſt einer Brushing machine das Bürſten vorgenommen. Schlieslich wird es entweder kalt oder heiß gepreßt. Das Erſtere(zold pressing) geſe hieht immer, das Letztere(Hot pressing) aber auf Beſtellung. Zum Heißpreſſen gehoͤren Preßſpaͤne(pressing paper) fuͤr jede Falte des Tuchs, fer⸗ ner geheizte Eiſenplatten(IIot irons) fuͤr jedes Stuͤck Tuch, und dicke Pappdeckel(Pences) zur Deckung der Platten. Anm,. d. Ueberſ. ind ſcht den auf Unkraͤu⸗ nlichen Futter runter ile auf Hopfe Blößen anders „deren zu be⸗ ole, im jg und gehalten bereits le, nac Die erſe rut, thind vird es ett, oder witd vet⸗ enommen. t. Da kete(ot gehöten ot, fet ück Tuch, tten. — ——— — 441= geſchehen iſt, daß mehrere von ihnen dazu geeignet ſeyen, verſchiedenen Claſſen von Arbeitsleuten Beſchaͤftigung zu geben, die ohnedieß den Kirchſprengeln, zu denen ſie ge⸗ hoͤren, zur Laſt fallen muͤßten; daß der wahre Grund, warum wir der unreinen Wolle die Merkzeichen und die Klunkern vorwerfen, der Preis ſey, um den ſie gekauft wird; und daß, wenn die Vließe durch die Entfernung der Unreinigkeiten wirklich leichter und ſchaͤtzbarer gewor⸗ den waͤren, die Wollhaͤndler fuͤr den tod(ein Wollgewicht) doch nicht mehr geben wuͤrden als damals, wo ſich der Buͤndel in einem ſchlechteren Zuſtand befand. Man ſieht mit Erſtaunen, mit welchem Anſchein von Weishelt dieſe Bemerkungen bisweilen vorgebracht werden; und ver⸗ ſchmaͤhet man auf ſie zu antworten, weil es unmoͤglich iſt, der Dummheit etwas begreiflich zu machen, oder das Vor⸗ urtheil zu berichtigen, ſo iſt der Triu mph uͤber uns unver⸗ hohlen und bisweilen vom lauten Gelaͤchter des Unverſtandes begleitet. In den letzten Jahren ſind aber die Wollzuͤchter in den Grundſaͤtzen ihres Geſchaͤftes beſſer unterrichtet worden und haben es gewagt, die Weisheit der urgroß⸗ vaͤterlichen Maximen in Zweifel zu ziehen und vom ver⸗ alten Verfahren abzuweichen. Einige von ihnen ſind jetzt uͤberzeugt, daß alle Unkoſten, denen ſich der Wollhaͤndler, und ſelbſt der Fabrikant unterziehen muß, moͤgen ſie durch Abfall, Transport und Arbeit entſtehen, zuletzt auf ſie ſelbſt zuruͤckfallen. Sie geben jene allgemeine Handels⸗ maxime zu, daß naͤmlich der Preis, welchen ein Conſu⸗ ment fuͤr eine Waare bezahlt, nach einem Durchſchnitt der Jahre gerade nicht geringer und nicht groͤßer iſt als die Summe, die ſich aus den erſten Auslagen fuͤr die —————— — 4 3 b x— ——— — 142— rohen Stoffe, aus den Arbeitskoſten und aus dem billigen Vortheil desjenigen ergiebt, deſſen Capital und Kenntniſſe bei der Fabrikation in Anſpruch genommen werden. Wenn alſo, waͤhrend der Preis der Waaren derſelbe bleibt, und die unvermeidlichen Ausgaben bei deren Production ſich veraͤndern, irgend eine Veraͤnderung in der Hauptſumme Statt findet, deren einzelne Poſten wir eben angegeben haben, dann muß der Ueberſchuß oder das Fehlende auf Rechnung des Landwirths geſetzt werden, und ſein Beutel wird ohne Zweifel jenen empfangen, oder das andere her⸗ geben muͤſſen. Die Wahrheit dieſer Behauptung wuͤrde, im Fall ſie einer Beſtaͤtigung beduͤrfte, zur Genuͤge beſtaͤ⸗ tigt werden, wenn wir die Geſchichte der Wollenmanufac⸗ tur nur waͤhrend der letzten zwanzig Jahre um Rath fra⸗ gen wollten. Es iſt alſo der Vortheil des Wollzuͤchters, durch alle nur moͤgliche Mittel es dahin zu bringen, die noͤthigen Ausgaben des Fabrikanten zu mindern, ſeine Wolle in dem Zuſtand auf den Markt zu ſenden, in wel⸗ cher ſie mit der wenigſten Zeit und Muͤhe in eine brauch⸗ bare Waare umgewandelt werden kann. Nichts, was dar⸗ auf Bezug hat, iſt unbedeutend. Jede Weiſe, dahin zu gelangen, iſt bemerkenswerth. Es iſt nicht moͤglich, daß je⸗ mand von geſundem Verſtande in der Thut glauben ſollte, ein Wollhaͤndler kaufe den Unrath und die Unreinigkeiten irgend einer Art, die mit einem Buͤndel Wolle eben ver⸗ miſcht ſind, um denſelben Preis wie die Wolle. Bei Schaͤtzung der Vließe muͤſſen der Abfall, das Fuhrlohn und die Ausgaben aller Art berechnet werden; dieſe bilden eine Summe, die von dem abgezogen werden muß, was das Vließ wirklich gaͤlte, wenn es an dem Orte, wo es biligen enntnſſe . Wenn bt, und cion ſich tſumme gegeben inde auf in Beutel dere her⸗ g wuͤrde ige beſta⸗ nanufac⸗ rath fra⸗ zuchters, gen, die , ſeine in wel⸗ brauch⸗ das dar⸗ dahin zu daß ſe⸗ ben ſollte, einigkeite eben vit⸗ lle. Rii Führlh iſe biden nruß, vnd te, wo 66 — gewachſen iſt, gereinigt, verarbeitet und verkauft wuͤrde. Der Landwirth alſo, welcher unreine Wolle zu Markte ſen⸗ det, faͤhrt Duͤnger fort, welcher am beſten ſeinem eige⸗ nen Felde zugewendet wuͤrde. Er ſendet ihn auf die Fel⸗ der bisweilen ſehr entfernter Grafſchaften und bezahlt fuͤr das Fuhrlohn dahin einen ungeheuren Preis. §. 55.*) Die Zeit der Schur. Abfallen der Vließe. Bei Behandlung der Wolle, beſonders wenn wir ſie in einem vollkommenen Zuſtand erlangen wollen, iſt die Zeit der Schur, wenn auch nicht von erſter Wichtigkeit, doch eine Sache, die einige Aufmerkſamkeit verdient. Es iſt oft verſichert worden, daß das Vließ, wenn es ganz der Wirkung der Natur uͤberlaſſen wird, ſich ſelbſt von der Haut des Schafs abloͤſe und abfalle, indem es das Thier mit einem kurzen und weichen Flaum bedeckt hinterlaſſe, wel⸗ cher ſich als der neue Pelz auf der erſten Stufe des begin⸗ nenden Wachsthums zeige. Dieſes Abwerfen erfolgt bei beſonders heißer Witterung und mag mit Recht als ein Zeichen der Weisheit betrachtet werden, mit welcher der Schoͤpfer, immer fuͤr das Wohlſeyn ſeiner Geſchoͤpfe be⸗ ſorgt, jeden Theil ſeiner Werke bezeichnct hat. Doch zeigt ſſich das Abfallen des Pließes nicht als ein charakte⸗ riſtiſcher Zug der Schafgattung, nicht als ein allgemeines Geſetz, welchem alle Schafe unterworfen ſind, weil man bemerkt hat, daß manche Individuen zwei ganzer Jahre ihren Pelz behalten, und einige wenige ihn ſogar drei Sommer hindurch getragen haben. Wir ſehen nicht, daß ſich dieſe Faͤhigkeit, das Vließ zu behalten, ganz auf eine beſondere Zucht von Schafen beſchraͤnkte; ſie iſt bei — 4 1 1 — 14— verſchiedenen der Engliſchen Arten, ſo wohl bei denen ſehn, vom einheimiſchen, als auch bei dem mit einer fremden ſchei Race vermiſchten Stamm bemerkt worden, und die Sache⸗ einzu iſt auch in Spanien und Deutſchland nicht ganz unbekannt. nat Doch beſitzen nicht alle Individuen dieſe Eigenſchaft. Die natu Zuchten, welche die feineren Arten Wolle erzeugen, ver⸗ den lieren einen Theil ihres Fells bald im Fruͤhjahr und deing wuͤrden vor Ausgang des Sommers wahrſcheinlich das aiem Ganze auf dieſelbe Weiſe abſchaͤlen, wenn der Menſch übert nicht dazwiſchen traͤte und ſich zu ſeinem Gebrauch die V dn Bedeckung zueignete, welche dem Vierfuͤßler uͤberfluͤſſigz chen geworden iſt. Das Haar der langwolligen Schafe ſcheint b Sche feſter in der Haut zu ſitzen als das der andern Zuchten, wah denn wenn das Thier die ganze Zeit hindurch, wo die NAla Wolle waͤchſt, in gutem Zuſtande und bei guter Geſund⸗ ir heit erhalten und vom Schaͤfer wohl gewartet wird, ſo Pad daß es ſich wohl befindet, ſo findet ſich kein Zeichen von(cf einer Reigung, das Vließ abzuwerſen; es wird, wenn 8 deer Stapel zum Merkmal dienen kann, die kaͤlteſten und heißeſten Jahreszeiten hindurch mit gleicher Feſtigkeit ge⸗ V eher d halten, waͤhrend jene Schafe, welche den ganzen Winter] ſnd, hindurch auf Gemeinweiden oder auch nur in Koppeln V da 6 bei ſtrenger Koſt haben zubringen muͤſſen, ſehr leicht den V t 6 Pelz fallen laſſen, wenn das Futter reichlicher, und das bon Thier wieder in ſeinen natuͤrlichen Zuſtand verſetzt wird. mach Da das Thier waͤhrend der Wintermonate vom Fleiſch ſen un gefallen iſt, und die Natur mehr Nahrung verlangt, als abgele herbeigeſchafft werden kann, ſo ſcheint die Abſonderung ſes (abgeſonderte Feuchtigkeit), welche Wolle erzeugt, zerſtoͤrt,“ begn oder zu andern Zwecken der Natur verwendet worden zu uß = 145— di dam ſeyn, und das Vließ, weiches deren beraubt war, Ar⸗ freda ſcheint unfaͤhig, im Fruͤhling die erneuerten Saͤfte wieder he Salhe einzuſaugen, bleibt aber auf der Haut die folgenden Mo⸗ bekannt nate hindurch, bloß als eine todte Subſtanz, und da die f. di natuͤrlichen Saͤfte wiederum abgeſondert werden, ſo bil⸗ n, ver⸗ den ſie ein neues Vließ, was allmaͤhlig das alte ver⸗ ir und draͤngt. Wahrſcheinlich werden zuerſt die Haare von ich das einem ſpaͤrlichen Dotter erzeugt, denn ſie ſind faſt alle Nenſch uͤberein zugeſpitzt, und werden allmaͤhlig dicker, bis ſie aauch die den ganzen Durchmeſſer der Poren einnehmen, aus wel⸗ berfuͤſſg chen ſie hervorkommen. Wenn der ſchlechte Zuſtand des fe ſchein Schafes mit dem Abfallen des Vließes verknuͤpft und die Zuchten, wahre Urſache davon iſt, und weil keins der doppelten wo de Vließe Merkmale eines ungeſunden Zuſtandes, oder Geſand eine ſchlechte Art Fleiſch, waͤhrend der ganzen Zeit ſeines vwitd, ſo Wachsthums, zeigt, ſo ſcheint es wahrſcheinlich, daß jedes ſchen ben Schaf, wenn es gehoͤrig in Acht genommen wird, ſeinen d, vemm Pelz behalten koͤnnte. ſſen iud Erſcheinungen, die man an Vließen, welche zwei gkit ge oder drei auf einander folgende Jahre hindurch gewachſen Wnter ſind, wahrgenommen hat, machen es wahrſcheinlich, daß Keppeh der Stapel zuletzt ſein Maximum von Laͤnge erreicht; ob leicht dn er aber auf dem Ruͤcken des Schafs bleiben, oder ſich und d von der Haut abloͤſen und einem neuen Wollhaar Platz tt wid machen wuͤrde, welches eben ſo lange Zeit hindurch wach⸗ n Gliſt ſen und dann, gleich dem vorigen, dem Thiere unnuͤtz und ngt, is abgelegt wuͤrde,— dieß wiſſen wir nicht. Meines Wiſ⸗ vndem ſens ſind keine Verſuche angeſtellt worden, um dieſen liii Gegenſtand zu ergruͤnden, auch ſind wir in England nicht uea wißbegierig genug geweſen, um die allmaͤhlige Zunahme 10 1 4 3 — 446— der Wolle in den verſchiedenen Jahreszeiten anzumerken. Herr Fink in Sachſen hat dem Ackerbau⸗Amte eine vor⸗ zuͤgliche Schrift uͤber Schafe mitgetheilt und bemerkt, daß durch das in Deutſchland gewoͤhnliche Verfahren, die Schafe des Jahres zweimal zu ſcheeren, ein Zehntel mehr Wolle gewonnen wuͤrde, als wenn ſie nur einmal geſcho⸗ ren werden; daß ein Schaf, in zwei Jahren einmal geſcho⸗ ren, ſicher ein Drittheil weniger Wolle geben wuͤrde, als wenn es viermal in zwei Jahren geſchoren wuͤrde, und daß ein Schaf, in drei Jahren einmal geſchoren, nur die Haͤlfte der Wolle geben wuͤrde, als es gegeben haben wuͤrde, wenn es ſechsmal in drei Jahren geſchoren wor⸗ den waͤre. Herr Fink ſetzt hinzu, je laͤnger die Wolle iſt, deſto weniger ſchnell waͤchſt ſie, bis ſie zuletzt, wenn ſie die von der Natur beſtimmte Laͤnge erreicht, ganz ſtille ſteht und nicht laͤnger mehr waͤchſt. Unglücklicher Weiſe hat dieſer einſichtsvolle Wollzuͤchter, der ſeine Beobachtungen mit einem hohen Grad von Beſtimmtheit und Klarheit vor⸗ gelegt hat, uns nicht belehrt, ob die verſchiedenen von ihm angegebenen Verhaͤltniſſe des in ein, zwei oder drei Jahren gewachſenen Vließes hergenommen ſind vom Gewicht oder vom Maße des Stapels. Wenn vom erſte⸗ ren, war die Wolle gewaſchen oder im unreinen Zuſtand? Wenn in dem Dotter gewogen, moͤgen die aufgeſtellten Verhaͤltniſſe ſehr narichtig ſeyn, weil das Vließ, das mehr als Einen Winter hindurch gewachſen und der Feuchtigkeit der Witterung ausgeſetzt iſt, eine bedeutende Menge jenes Dotters verloren haben mag, welchen es behalten haben wuͤrde, waͤre es zu zwei verſchiedenen Zeiten geſchoren worden. Dieſe merkwuͤrdige Schrift, obgle verdi Natu chen gtößt ſie ett ſch eb nen, des I Eie! großt etwa durch in d ſchic Heerd Vilen Laltar kann. und di verlan den, ſchtre ſen iſ drfe Fruhl ————— — 147— nn obgleich über dieſen Geſondelen Punet nicht befriedigend 8), nert, u verdiänt die eee ſe Aufindrkſanele Gie erzäͤhlt in der hen n Naturgeſchiehte des Schafes nicht gewoͤhnliche Thatſa⸗ chen und giebt zu verſtehen, daß die Wolle von der ,— ißetei Dentſthen Zucht ihre hoͤchſte Lange erreicht, wenn — ſie etwa vier Jahre auf dem Leibe bleibt, und ſelbſt dann 3 giſch ſich eben nicht geneigter zeigt, ſich von der Haut zu tren⸗ üͤe: a nen, als die menſchlichen Haare nach der naͤmlichen Zeit ünde, 1 des Wachsthums ſich geneigt zeigen, vom Kopfe zu fallen. n, nur di Sie liefert Angaben, aus welchen wir ſchließen, daß die ben hija groͤßte Laͤnge des von jener Schafrace gelieferten Stapels hore dir etwa dreizehn Zoll iſt, und die uns vermuthen laſſen, daß eWole durch beſondere Sorgfalt ein jedes Thier dieſer Gattung wem ft in den Stand geſetzt werden koͤnnte, ſeinen Petz eine fuͤr zftill ſth ſchicklich geachtete Zeitlaͤnge hindurch zu behalten. Veiſe hat Daraus geht hervor, daß die Schurzeit, wenn die zuhtengen Heerde in einem geſunden Zuſtande iſt, ganz nach dem rhei die Willen des Schaͤfers und nach der Art Wolle, deren cidenen Cultur er am rathſamſten gefunden hat, beſtimmt werden zwei ode kann. Wenn die Vorurtheile der Gegend es zuließen, ſind von und die Manufactur einen ſehr kurzen und zarten Stapel nvom 1 verlangte, ſo koͤnnte ſolcher leicht dadurch erlangt wer⸗ 4 en zuſinnd;— den, daß man das Vließ zu zwei verſchiedenen Zeiten aufgeſtälin ſchoͤne. Die Wolle, welche im Wintervierteljahr gewach⸗ 3 Vließ, do ſen iſt, wuͤrde,— wenn wir nach den Preiſen urtheilen 4 en und d duͤrfen, welche von fremden Fabrikanten, die ſowohl 6 bedeutn Fruͤhlings- als Herbſtwolle zu verarbeiten pflegen, dafuͤr welchen d 10* vetſchiedene*) Die neueſten Unterſuchungen ſind vom Hofrath und Prof, g Schrſt Sturm(in Bonn). ———„““““öͤͤſͤͤſͤſ—— uuuuttttllllltttttettttttttttttttttetetteuuulli 1 — 4148— bezahlt werden— mehr werth ſeyn, als diejenige, die nur in der waͤrmeren Jahreszeit erzeugt worden iſt. Aber die Verſchiedenheit im Preiſe wird uͤberwogen durch die groͤßere Menge Wolle, und mehrere Jahre hindurch wurde bemerkt, als der Preis des Artikels im Steigen war, daß die Herbſtwolle in Deutſchland theurer bezahlt wurde als diejenige, die im Fruͤhjahr geſchoren und verkauft worden war. Die meiſten Zuchten feinwolliger Schafe in Brit⸗ tannien erzeugen, was auch bedacht werden ſollte, einen Stapel, uͤber den ſich diejenigen, die ihn zu wollenen Tuͤchern verarbeiten, wegen ſeiner uͤbermaͤßigen Laͤnge be⸗ klagen, ein Fehler, der mit dem beſten Erfolg dadurch gehoben werden koͤnnte, wenn man ihn haͤufiger abſchnitte. In dieſem Lande aber, wo, in Hinſicht der Beſchaffenheit und der Gegenſtaͤnde, ſo wie in Hinſicht des erforderlichen Materials, ſo verſchiedenartige Manufacturen beſtehen, muͤſſen die Scheeren mit der aͤußerſten Vorſicht angewandt werden. Ein großer Theil der Brittiſchen Vließe wuͤrde ganz unbrauchbar werden, wenn ſie von dem Thier oͤfter als einmal im Jahre getrennt werden ſollten. Die Wor⸗ ſted⸗Manufacturen verlangen faſt ohne Ausnahme Wolle, die 12 Monate gewachſen hat; die Strumpfwirkerei*) koͤnnte kaum ohne ſolche beſtehen; und manche der von unſern feinſten Heerden gelieferte Wolle iſt ſo zart, daß ihre groͤßte Laͤnge erforderlich iſt, um ohne Schaden den Proceß des Kratzens(carding) und Walkens abzuhalten. Doch giebt es eine Menge Vließe, deren gute Eigenſchaf⸗ ten, meiner Meinung nach, mehr in die Augen fallen *) Zu den Strumpfwaaren(Hose trade) gehoͤren auch Hand⸗ ſchuhe, Muͤtzen u. ſ. w. Anm. d. Ueberſ. vuͤrd beſor biete üÜhkes ngſei b zu kka Vale ägeu V leicht geſſet V Eha bun del —— 8—— — 149— äſenige, d. 1 3 wuͤrden, wenn ſie haͤufiger geſchoren wuͤrden, und deren 9 beſondere Beſtimmung bei der Bearbeitung dieß nicht ver⸗ u bietet. b unch und Wenn es alſo moͤglich iſt, eine durch die Feinheit Rtwan, wi ihres Haars ausgezeichnete Schafrace zu erſchaffen, die wurde ab zugleich im Stande iſt, ihren Pelz zwei Sommer hindurch uft naün zu tragen, ſo iſt ein leichter Weg aufgefunden, eine lange fe in di Wolle von weit vorzuͤglicherer Guͤte zu bekommen, als olle, eim irgend bisher erzeugt worden iſt, von ſolcher Guͤte viel⸗ zu wolleen leicht, daß unſere Worſted-Fabrikanten dadurch in Stand n laͤnge h⸗ geſetzt wuͤrden, der beneideten Schoͤnheit der Indiſchen g dadurc Shawls den Rang ſtreitig zu machen und die koͤſtlichſten abſchnitt baumwollenen und ſeidenen Gewebe nachzuahmen. Schon ſchaffenhei die bloße Moͤglichkeit, eine ſolche Art Wolle zu erzeugen, orderlichen ſollte die Aufmerkſamkeit der Herren(Fabrikanten) in beſtehen, Norwich*) erwecken. Sie ſind am beſten im Stande, ingewandt ße wuͤrde*) Mr. John Taylor(Fabrikant in Norwich) machte im J. jer dft 1806 von dem Zuſtand der Manufacturen von Norwich fol⸗ hier dfter gende Schilderung. Die Ebbe unſers Handels iſt dem Krieg 4 Die Wet⸗ nicht allein beizumeſſen, ſondern wir muͤſſen geſtehen, daß ine Woll unſere Hauptartikel außer Gebrauch gekommen ſind. Die yme u Kleidungen von Wolle, ſo lebhaft und bunt ſie auch an— fwirkeri) Blumen und Streifen waren, haben den ſanften und gefaͤl⸗ he der bor ligen baumwollenen Fabrikaten den Platz eingeraͤumt, und . obgleich viele vom ſchoͤnen Geſchlecht ſich durch das Tra⸗— zart, d gen von leichten baumwollenen Zeugen die traurigſten Fol⸗— zchaden di gen und ſelbſt den Tod zugezogen haben, ſo iſt doch die 3 2 ſ Mode allmaͤchtig, und das Leben wird aufs Spiel geſetzt. aözuha 3 Der Verfall unſerer alten Fabrikwaaren hat unſere Spe⸗ Eggenſche⸗ culation auf die Erfindung von neuen Artikeln geleitet. Vor ugen folle mehreren Jahren verfertigte man hier einige den Indianiſchen ug nachgeahmte Shawls. Die Aehnlichkeit war leidlich, und ſie fanden bei ungleich geringeren Preiſen geſchwinden Ab⸗ Hand⸗ 4 4 21* 4 R ncj gang. Seitdem ſind ſie ein betraäͤchtlicher Handlungsartikel Ueberſ — / 1 — 150— die Zwecke, zu welchen ſie anwendbar ſeyn wuͤrde, anzu⸗ Sat geben; den unermeßlichen Werth ſolch einer Manufactur V Ver im Lande gelegen, wie das unſrige iſt, und den innern. des Werth eines Vließes bemerkbar zu machen, welcher den! ſei Werth aller gewoͤhnlichen Erzeugniſſe weit uͤbertreffen V muͤßte. Doch brauchen wir, indem wir von einem ſo Reer ungewoͤhnlichen und ſo ſchaͤtzbaren Material ſprechen, halt nicht auf die Moͤglichkeit, es zu gewinnen, hinzudeuten. dann Das Blut der Merino⸗Nace mit ihrem weichen duͤnnen, ail. nur etwas mit ſchlechterem vermiſchten Haar, hat bereits dinl auf manche einzelne Vließe, ſowohl in Brittannien als in voch 4 3 4 ſeu nach allen Theilen der Welt geworden, und da einem Shawl erre von 10 Schill. dieſelbe Verſchiedenheit von Farben und 6 Muſtern, als einem Shawl von 5 Guineen, mitgetheilt Fla werden kann, ſo waren alle Claſſen des weiblichen Ge⸗ ſche ſchlechts im Stande, ſich darein zu kleiden. Anfaͤnglich des wurden ſie aus Seide und feiner Wolle zuſammen geſetzt, in der Folge aus Seide und Baumwolle, aus Seide und Vi⸗ ſf bo cogne⸗Wolle, wie auch aus dem feinen Haar der Seehunde. het, Gegenwaͤrtig wird der groͤßere Theil durchaus von allen Ar⸗ ten des Abfalls der Seide gekaͤmmt, geſponnen und zu Crim- vid, son Shawls von außerordentlicher Große gewebt. Dieſe der T ſind ſehr Mode geworden. Jetzt ſcheinen die Fabrikanten ſnf geneigt zu ſeyn, mit den Indianiſchen Shawls wirklich ſc wetteifern zu wollen. Zu dem Ende haben ſie ſich Partieen dere der feinſten Wolle aus Indien kommen laſſen und verſuchen ale es, Shawls ganz aus Wolle zu weben und ſelbige, eben 5 ſo wie die Indianiſchen, mit Blumen zu ſchmuͤcken. Sie der werden wegen ihrer großen Feinheit und Muhez ſie zu fabri⸗ m ciren, theurer als die ſeidenen zu ſtehen kommen. Es bleibt aber die Frage, ob die Fabrikanten in Norwich im Stande ine ſeyn werden, den wollenen Shawls eben die Dauerhaftigkeit von und den Reichthum verſchiedener Farben und eben die Leich⸗ erve tigkeit des Gewebes, als es die Indianiſchen Shawls in in einem ſo ausgezeichneten Grade beſitzen, mitzutheilen.— RNemnich zc. S. 443 ff. Anm. d. Ueberf. deng de, ana⸗ Lanufaetn den innern elcher da bbertrefin einem ſe pren nzudeuten. en düͤnnen, hat beret nien als i inem Shakl Farben und mitgetheilt blichen Ge⸗ Anfänglich geſetzt, in ee und Vi⸗ Seehunde. mallen At⸗ dzu Crim- bt. Dieſe Fabrikanten ls virklich ich Partieen nd verſuchen elbige, khen ücken. Ei ſie zu fabti n. Co lleit — im Stände auethaftigket ben die biit⸗ n Shavls in tzutheilen. Ueberf — 151— Sachſen, einen ſo ſtarken Einfluß gehabt, daß dieſe zur Bereitung von Worſted⸗Zeugen geſchickt ſind, in Hinſicht des Gewebes die hoͤchſte Erwartung befriedigende Fein⸗ heit beſitzen. Wenn aber der Charakter oder die Beſchafſenheit der Heerde es wahrſcheinlich machen, daß das Vließ bei an⸗ haltend heißem Wetter ſich von der Haut loͤſen wird, dann bezeichnet die Natur ſelbſt die zur Schur geeignete Zeit. Wenn Schafe fuͤr die Wuͤnſche des Fabrikanten hinlaͤnglich kurze Wolle erzeugen, ſo muͤßte die Schur den⸗ noch aufgeſchoben werden, wenigſtens wenn durch das fruͤhere Scheeren fuͤr das Thier kein beſonderer Vortheil erreicht werden ſoll, bis daß der neue Pelz als ein feiner Flaum mit der Grundflaͤche des Stapels vermiſcht er⸗ ſcheint; denn dieſer, mit dem alten Vließ geſchoren, macht die Wolle zur Bereitung wollener Tuͤcher tauglicher. Er iſt von Natur weich, fein und unelaſtiſch; traͤgt zur Zart— heit, Dichtheit und Staͤrke des Fadens, wozu er gedreht wird, bei; und kann ſo verarbeitet werden, daß er auf der Oberflaͤche des Tuchs die Vortrefflichkeit ſeiner Eigen⸗ ſchaften zeigt. In der derben Sprache des Tuchmachers, der oft ſeine Gedanken in ſehr angemeſſenen, Lültſche 8 allezeit in den zierlichſten Worten ausdruͤckt, wird W der Art durch die Beiwoͤrter eßbar(ſchmackhaft) und Ln⸗ mig(foody and flowery) bezeichnet, Ausdruͤcke, welche in einem Engliſchen Ohr unmittelbar die Ueberzeugung von der hohen Achtung, in welcher ſolche Vließe ſtehen, erwecken. Bei langer Wolle, die zur Bereitung von Worſted⸗ Zeugen verwendet wird, iſt eine geringe Beimiſchung von 1 —ooohoöoöoö—öoöoͤoͤhohgfpf„ 1 4 ¹ 1 1 4 1 f 4 — 152— dem neuen Pelz von keinem Werth, weil ſie durch den erſten Proceß, dem ſie unterworfen wird, von dem laͤngern Theil des Wollhaars vollkommen getrennt werden wuͤrde. Dieſe Scheidung des laͤngeren von dem kuͤrzeren Haar iſt einer der Hauptzwecke, wozu der Kamm angewendet wird. Auch bei allen jenen Artikeln, die, obgleich aus langer Wolle verfertigt, mit der Kratzmaſchine nach Art des wol⸗ lenen Tuchs bearbeitet werden, wobei der Hauptzweck iſt, eine lange und wohlgeſtaltete(knap) Decke hervor zu bringen, kann dieſe kurze und flaumige Subſtanz nicht von weſentlichem Nutzen ſeyn. Große Wolle ſollte alſo geſchoren werden, ſobald als der Stapel lang genug iſt, um den Zwecken zu entſprechen, zu denen ſie der Fabri⸗ kant beſtimmt. Sollte der Zuͤchter es ſchwierig finden, dieſen Zeitpunkt nach ſeinem eignen Urtheil zu beſtimmen, ſo wird ihm ſein Wollabnehmer, wenn es ein Mann von Beobachtungsgabe und rechtlicher Denkungsart iſt, ſehr gern Belehrung geben. §. 56.(£) Ausraufen der Pließe. Einige ſehr zart fuͤhlende Menſchen haben auf den barbariſchen Gebrauch, ſtatt mit der Scheere das Vließ pom Leibe zu trennen, es den Schafen aus den Ruͤcken zu rupfen, laut geſcholten. Indem ſie ihrer Einbildungs⸗ kraft allzu freien Lauf ließen, haben ſie den ſympatheti⸗ ſchen Gefuͤhlen ihrer Herzen in einer Sprache Luft gemacht, die ganz dazu geeignet iſt, den hoͤchſten Unwillen gegen die grauſamen Folterer eines ſo ſanftmuͤthigen und huͤlfloſen Geſchoͤpfs zu erregen. Sie beſchreiben deſſen Todeskämpfe unter der Operation in Ausdruͤcken, bei denen das Herz den eitn ngern Thel irde. diſt ar iſt eine ndet widd aus langer t des wol⸗ ptzweck iſt hervor zu bſtanz nicht ſolltt alſ genug iſ der Fabri rig finden, beſtimmen, Mann von ſſt, ſehe en auf den das Ylii den Rucm inbildungs⸗ ſympathtt ift gewact en gegen de d huͤfſeſe „ empf bdesille „bbe 2 Hers 1 d95 — — 153— bluten moͤchte, und bei denen faſt der Entſchluß in der Seele erwacht, den Apoſteln nachzueifern, unter jene rohen Barbaren zu wandern, um ihnen die erſten Grund⸗ ſätze der Menſchlichkeit zu lehren. Doch waͤhrend wir die Gefuͤhle ehren, von welchen ſolche Schilderungen ausge⸗ hen, koͤnnen wir kaum uns enthalten, uͤber das Zerrbild zu laͤcheln, was ſie aufſtellen, uns erinnernd, daß dieß Verfahren nur da angewandt wird, wo die Schafe ihr Vließ abwerfen, ſo bald der Sommer wiederkehrt, und daß das Geſchaͤft zu einer Zeit vorgenommen wird, wo das Vließ ſo loſe an dem Thiere haͤngt, daß es faſt durch bloße Beruͤhrung abgetrennt werden kann, daß ein großer Cheil deſſelben bereits zwiſchen den Gebuͤſchen, wo das Schaf geweidet hat, oder auf den rauhen Huͤgeln, wo es ſich lagerte, haͤngen geblieben iſt, und daß die Dienſtlei⸗ ſtung dieſer grauſamen Haͤnde bisweilen durch das Gegen⸗ einanderdraͤngen der Schafe, wenn ſie durch einen engen Weg getrieben werden, unnoͤthig gemacht wird. Die Scheeren ſind uͤbrigens nuͤtzliche Werkzeuge, durch deren Huͤlfe ein ſorgfältiger Arbeiter die Wolle ohne die geringſte Muͤhe abloͤſet, und zugleich den Theil des Vließes zuſammen haͤlt, der ohne ſie zwiſchen den Gebuͤſchen zerſtreut, oder auf den Triften verloren worden waͤre. Die verſtorbene Kaiſerin von Rußland brachte zwanzig Auslaͤnder auf ihre Beſitzungen, um ihren Unterthanen zu lehren, wie dieſe menſchliche und einfache Arbeit verrichtet werde. Dieß ſind einige der Hauptgegenſtaͤnde bei der Be⸗ handlung des Vließes, auf welche die Aufmerſamkeit eines jeden Schaͤfers gerichtet ſeyn ſollte, der nach der Ehre ſtrebt, ſeine Wolle in dem begehrlichſten Zuſtand auf —ꝛ————8— — 1544— den Markt zu ſenden. Er ſollte hauptſaͤchlich die Gleich⸗ foͤrmigkeit ihres Haars, ihre Reinheit und Vollkommen⸗ heit des Wuchſes beachten. Es giebt einige andere mit 1 der Behandlung der Schafe verknuͤpfte Umſtaͤnde, welchen die Erzeugung feiner Wolle oft zugeſchrieben worden iſt, und die deßwegen unſere Beachtung fordern. V 4 I E . 6. 57. h) Beſchwerliche Wanderungen. e Ehedem wurde es fuͤr unumgaͤnglich nothwendig er⸗ T achtet, daß die Schafe, von denen die preiswuͤrdigſte Wolle erwartet wurde, die Weiden, die ſie waͤhrend der Winterzeit ernaͤhrt hatten, verlaſſen und nach andern in einer mehr noͤrdlichen oder hoͤheren Gegend liegenden wan⸗ dern muͤßten. Es wurde bemerkt, daß die Heerden Spa⸗ niens, welche die kuͤrzeſten Tage auf den ſonnigen Ebenen ö Eſtremadura, Sevilla und Cordova, die laͤngeren auf den Gebirgen von Caſtilien und Leon, und die Zwiſchen⸗ zeit auf der Wanderung von einem Standort zum andern zubraͤchten, ein viel feineres Wollhaar erzeugten als jene, —— die im Verlaufe des Zeitraums, der zur Ausbildung ihrer Vließe gewoͤhnlich fuͤr noͤthig erachtet wird, nicht der Be⸗ ſchwerde zweier langen Maͤrſche unterwonfen waͤren. Ohne Ruͤckſicht auf andere Urſachen wurde der Unterſchied bis⸗ weilen gaͤnzlich der aus der einen Behandlungsart noth⸗ wendig entſpringenden Bewegung und dem aus der andern ſich ergebenden ſtehenden Zuſtand zugeſchrieben, und es b ward fuͤr unmoͤglich gehalten, in Laͤndern, die keine ſo b ausgedehnten Triften, und kein ſo verſchiedenes Clima b wie Spanien beſitzen, und wo die geſellſchaftlichen Ver⸗ b V haͤltniſſe ſolch einen Wechſel der Weide verboͤten, derglei⸗ ———yy————— e Glich chen jenen Heerden geſtattet iſt, einen eben ſo vorzuͤglichen ſkonnen Pelz zu erzeugen. Als aber dieſe Schafrace nach Frank⸗ dere mit reich verpflanzt wurde, ſo wurde bald entdeckt, daß dieſe welchen Behandlungsart nicht nothwendig waͤre, weder zur Ge— den iſt ſundheit der Heerde, noch zur Vollkommenheit der Wolle. In Sachſen und England iſt der Verſuch mit gleichem guten Erfolg wiederholt worden, und in Schweden bleibt die Spaniſche Race, anſtatt zur Ermuͤdung und zur Veraͤnde⸗ vendig er⸗ rrung des Clima nach entlegenen Gebirgen zu wandern,— wuͤrdigſe laͤnger als die Haͤlfte des Jahrs im Stall und behaͤlt 3 hrend der dennoch immer die Guͤte ihres Pelzes bei. Die Meinung, 64 indern in daß Wandern und Abmattung zur Erzeugung feiner Wolle den wan⸗ nothwendig ſeyen, iſt in der That faſt verdraͤngt, und es den Spa⸗ wuͤrde hoͤchſt unpaſſend ſeyn, dieſe Forderung an die— n Ebenen ſchwerere Art Schafe zu thun, denn indem dadurch die eren auf Geſundheit des Thieres beeintraͤchtiget, und das Thier 1 vſſchen⸗ von Fleiſch gebracht wuͤrde, wuͤrde ſich gewiß das Vließ 1 andern ſehr verſchlechtern. Die leichtern und mehr unruhigen ns jene, Thiere machen ſich viel Bewegung, ſtreifen weit umher ung ihrer auf den Hoͤhe-Bloͤßen(Dowuns), und erzeugen in der der Fe⸗ Regel ein Vließ von vorzuͤglicher Guͤte; aber die Feinheit mn. Ohnt des Haars iſt Folge des Bluts, ſie ſteht in keiner naͤheren hied bi⸗ Verbindung mit den Beſchwerden, als mit der Laͤnge oder att voth⸗ Geſtalt des Schwanzes, oder mit dem Vorhandenſeyn er andern der Hoͤrner; ſowohl dieſe, als das Vließ, koͤnnen nach „nd t Cefallen geaͤndert werden. . e keme§. 58. i) Allaͤchtliches Einſperren in Ställe. 5 4 In Laͤndern, wo die feineren Wollſorten erzeugt dagli werden, haben einige bemerkt, daß die Schaͤfer jede Nacht 1 — 156— ihre Schafe in zu dieſem Zweck errichtete Gebaͤude ein⸗ V ſ ſchließen, und ſchreiben dieſem Umſtand die Vorzuͤglichkeit n der Vließe zu. Ohne Zweifel hilft jede Aufmerkſamkeit, 10 die zur Geſundheit und zum Wohlbefinden des Thieres beitraͤgt, ſein Wollhaar verbeſſern Aber nicht aus dieſer n beſondern Abſicht wurden Staͤlle aufgebaut; ſie wurden zuerſt eingefuͤhrt, als Raubthiere in der Naͤhe der Weide 1 und des Gebaͤudes die Heerde beunruhigten und gefaͤhrde⸗ Ä ten, und man nimmt jetzt zu ihnen hauptſaͤchlich in Ge⸗ mi genden ſeine Zuflucht, wo ſich dieſe Thiere noch vorfin⸗ 3 den, oder noch nicht lange vertilgt ſind; in einigen andern d bedient man ſich deren aus bloßer Gewohnheit. Einige t Schaͤfer von dem gegenwaͤrtigen Geſchlecht bleiben bei der 3 Gewohnheit, die Schafe in Staͤlle zu ſperren, aus dem 2 Grunde, weil ſie bei ihren Vorfahren uͤblich geweſen, 1 waͤhrend andere, welche die Wirkungen davon mit mehr Aufmerkſamkeit beobachtet haben, dieſe Sitte theils ge⸗ prieſen, theils getadelt haben. Eine große Anzahl Schafe in ein niedriges, enges dumpfiges Gebaͤude zuſammen zu nen draͤngen, muß aber, obgleich das Vließ einigen Vortheil rii aus der groͤßern Menge des gelieferten Dotters ziehen urſ mag, haͤufig von den verderblichſten Folgen begleitet ſeyn. W Bisweilen ſind in dem Laufe einer einzigen Nacht Hun⸗ Ei derte von der Heerde erſtickt; und es muß immer gefaͤhr⸗ li lich ſeyn, die Schafe aus dieſen duͤnſtenden Gefaͤngniſſen, 1 giftig wie das Loch der Calcutta, heraus zu jagen und de der Schauderkaͤlte der Morgenluft auszuſetzen. Das b da Thier muß von den haͤrteſten Eltern abſtammen, was V gen ohne eine Zuſammenſchrumpfung ſeiner Poren und einen Ver daraus folgenden Nachtheil fuͤr die Wolle zu erleiden, eine bo dude ei üͤglchtät kſamkei Thieres us dieſer wurden r Weide ſfährde⸗ hin Ge⸗ vorfit⸗ n andern Einige bei der zus dem geweſen, it mehr ils ge⸗ Schafe men zu Vortheil ziehen tet ſeyn. ht Hun⸗ geſähr⸗ gniſſen, gen und Das 1, was d einen en, enhe — 157— ſolche Behandlung aushalten ſoll. Die Franzoſen be⸗ merken, daß unuͤberlegt vorgenommenesEinſtallen der Schafe Schaden brachte, und empffehlen an, daß die Staͤlle weit und luftig ſeyen, und daß die Heerden inne behalten werden, bis daß der Thau vom Boden verdunſtet iſt; oder deutlicher, ſie fordern von uns, die Heerde nicht der aͤußerſten Hitze oder der aͤußerſten Kaͤlte, noch ploͤtzlichen Uebergaͤngen von der einen zur andern auszuſetzen. Wenn mit gehoͤriger Sorgfalt dabei verfahren wird, ſo mag ohne Zweifel das Einſtallen der Guͤte der Vließe dienlich wer⸗ den, indem es die Geſundheit der Schafe erhaͤlt, die regelmaͤßige Erzeugung des Dotters befoͤrdert, und deſſen Zerſtoͤrung durch Sonnenhitze und Regenſchauer vorbeugt. In allen Faͤllen aber, wo es dem Schafe nachtheilig iſt, muß es auch fuͤr das Vließ verderblich ſeyn. 8 §. 59. k) Kuͤnſtlicher Futterban. Der Gebrauch kuͤnſtlicher(angebauter) Graͤſer in dem neuen Landbau, der in den meiſten Theilen des Koͤnig⸗ reichs ſo allgemein eingefuͤhrt iſt, iſt oft als eine Haupt⸗ urſache der Entartung angegeben worden, welche an der Wolle in den Faͤllen bemerkt wurde, wo ein Bezirk die Eigenthuͤmlichkeiten ſeiner Vließe aͤnderte. Die nachthei⸗ ligen Wirkungen des Klee, des Rapſes und der Ruͤben waren vor wenigen Jahren die gewoͤhnlichen Geſpraͤche derjenigen Fabrikanten und Wollhaͤndler, welche fanden, daß die Vließe, welche ſie zu kaufen und zu gebrauchen gewohnt geweſen waren, aus den Bezirken, wo ſie ihre Verbindungen hatten, faſt verbannt waren. Ohne zu bedenken, daß der Anbau dieſer Pflanzen das Gut in den 1 4 1 1 f 4 — hoo— y—y—— — 1358— Stand ſetzte, einen ſtaͤrkern Viehſtand aufzuſtellen, und daß der Schaͤfer in Folge deſſen bewogen ward, die Conſtitu⸗ tion ſeiner Schafe zu wechſeln, ſchrieben ſte bloß der Saf⸗ tigkeit der Graͤſer zu, was in der That die Wirkung der Race war. Sie konnten nur die Veraͤnderung bemer⸗ ken, die das Vließ erlitten hatte, ſie konnten dieß nur beklagen, weil die Wolle bisweilen zu dem Zwecke, zu welchem ſie dieſelbe brauchten, untauglich geworden war, obgleich ſie manchmal bloß als das Erzeugniß eines Land⸗ guts, aus dem der Zuͤchter Vortheil ziehen muß, oder als ein fuͤr irgend einen andern Zweig der Manufactur geeig⸗ netes Vließ betrachtet, ſehr verbeſſert worden war. Wenn ein Bezirk, in welchem die neue Wirthſchaftsart eingefuͤhrt wurde, fruͤherhin fuͤr die Worſted⸗Manufacturen geeig⸗ nete Langwolle erzeugt hatte, ſo wurde dieſe nun ſtaͤrker und beſſer paſſend fuͤr die Gewalt des Kamms, und wenn die feineren Vließe dort gewoͤhnlich geliefert worden wa⸗ ren, ſo wurde das Haar ſanfter, weicher und ſchaͤtzbarer. Die Veraͤnderung wurde von denjenigen am bitterſten ge⸗ fuͤhlt, welche die ſchwaͤcheren und feineren zu Strumpfwaa⸗ ren geeigneten Arten der Kaͤmmwolle, und jene auf Ge⸗ meinweiden erzeugten geringen Vließe gekauft hatten, die ſich ſelbſt in den reichſten Bezirken haͤufig fanden und zur Bereitung wollener Tuͤcher gebraucht wurden. Es iſt zu wuͤnſchen, daß bei allen Verbeſſerungen in dem landwirth⸗ ſchaftlichen Syſtem, beſonders bei denen, die darauf be⸗ rechnet ſind, den Boden zu bereichern und eine groͤßere Menge Schaffutter mit geringerer Anſtrengung und Be⸗ ſchwerde fuͤr die Schafe zu liefern,— der Wollzuͤchter darauf bedacht ſeyn moͤchte, lieber die Wolle ſeiner alten und daß Lonſtitu⸗ der Saf⸗ ung der bemer⸗ dieß nur ecke, zu den war, es Land⸗ oder als tur geeig⸗ cr. Wenn ingefuͤhrt en geeig⸗ n ſtaͤker und wenn den wa⸗ ätzbarer. iſten ge⸗ iwpfwaa⸗ auf Ge⸗ atten, die und zu Es iſt iu jandwitth⸗ darauf be⸗ ne groͤßele und B⸗ gebkihe diner alten — — 159— Heerde zu veredeln, als eine neue auf ſein Gut zu bringen. Die fruͤhere wird bereits von einer ſchon beſtehenden Ma⸗ nufactur begehrt, und wird fuͤr dieſe immer paſſender werden, die andere moͤchte aber den Handels⸗Nachfragen und den Beduͤrfniſſen der benachbarten Wollhaͤndler durch⸗ aus nicht angemeſſen ſeyn. Es iſt gewiß ſehr wuͤnſchenswerth, daß ein jedes Landgut mit der fuͤr die Beſchaffenheit des Bodens ge⸗ eignetſten Schafrace beſetzt ſeyn moͤchte; es ſind aber oft Heerden bemerkt worden, die einen Mangel an Aufmerk⸗ ſamkeit auf dieſen wichtigen Umſtand von Seiten des Wollzuͤchters zu verrathen ſcheinen. Bisweilen verſucht dieſer, wie man bemerkt haͤt, ein ſchweres Vließ zu er⸗ zeugen, auf Boden, der von Natur arm und mager iſt, und welcher ein ſo ſpaͤrliches Futter liefert, daß, um es zuſammen zu ſuchen, ein ſolcher Grad von Anſtrengung erforderlich iſt, den man von ſchwerfaͤlligen und uͤberla⸗ denen Thieren vernuͤnftiger Weiſe nicht fordern kann. Das merkwuͤrdigſte Beiſpiel von Mißverhaͤltniß zwiſchen dem Vließ und dem Boden, das ich jemals geſehen habe, war nahe an der Straße, die von Downham in Norfolk nach Brandon fuͤhrt. Die Weide war eine von der magerſten Art, und die Heerde war augenſcheinlich eine Blendlings⸗Zucht, in welcher das Blut der Norfolk⸗Race mit dem jener ſchwe⸗ ren ungehoͤrnten Schafe vermiſcht war, die man in eini⸗ gen benabarten Marſchen ſo haͤufig findet. Vielleicht mochte der Landwirth eine Menge reicheren Landes beſitzen, fuͤr welches dieſer Schafſtamm ſich gut eignete, und viel⸗ leicht mochte es bloß ein Zufall ſeyn, der veranlaßte, daß ſie auf einem ſo mageren und unergiebigen Boden ange⸗ 4 4 1 ——— — 160— troffen wurde; wir muͤſſen alſo unſern Tadel zuruͤck halten und dem Schaͤfer einen hoͤhern Grad von Beurtheilungs⸗ kraft zutrauen, als er zu beſitzen ſchien. Das Umgekehrte von dieſem Fall koͤnnen wir ſelten bemerken, weil gerin⸗ gere Vließe, wenn ſie auf reichem Boden wachſen, durch dieſen in der Regel verbeſſert werden, und wir ſetzen vor⸗ aus, daß der Schaͤfer ſein Land allezeit ſo ſtark beſetzen wird, als es nur zu tragen vermag. Fuͤlle, Geſundheit und Ruhe ſind, wir ſagen dieß wiederholt, dem Vlieſß allzeit guͤnſtig, Hunger aber, und Krankheit und uͤber⸗ maͤßige Anſtrengung ſind geeignet, es zu zerſtoͤren. Von allen den Schafarten, welche ſich in Großbrittannien be⸗ finden, muͤßte ſicherlich eine Zucht aufzutreiben ſeyn, die fuͤr die Verhaͤltniſſe des Gutes paßte. Der zZuͤchter, wel⸗ cher eine fuͤr ſeinen Boden geeignete beſitzt, ſollte ſie ſehr werth halten und Sorge tragen, daß er das Gewicht ihres Vließes nicht ſchneller vermehrte, als er die Guͤte der Weide verbeſſerte. §. 60. 1) Das Eintheeren des Vließes.. Haͤufig finden wir Wolle, die offenbar ohne ein hin⸗ reichendes Maß jener naͤhrenden Saͤfte erzeugt worden iſt, welche das Haar dicht, geſchmeidig und weich machen, und die zuweilen als Erſatz dieſes Mangels angewandte Salbe, die in mancher Hinſicht ein ganz vorzuͤgliches Er⸗ gaͤnzungsmittel iſt, bringt Wirkungen auf den Stapel her⸗ vor, wodurch er fuͤr die Behandlung in der Manufactur weniger geſchickt gemacht wird. Das Oel, welches die Salbe enthaͤlt, iſt gewiß ſehr nuͤtzlich, aber das Theer, eine ſchmuzige und zaͤhe Subſtanz, haͤngt ſich ſo feſt an — 2————“— — 161— 2 hun die Wolle, baß es das Haar bisweilen zerfrißt, indem es netket den Theit, auf welchen es unmittelbar aufgeſtrichen ei g wurde, duͤnn, rauh und ſchwach macht. Iſt die Wolle mit jener Schmiere beſtrichen worden, ſo iſt ſie weniger 9, durc faͤhig, die ſanfteren und zarteren Faͤrbungen anzunehmen, 3 bor⸗ die man den verſchiebenen Artikeln der Wollen⸗Manufac⸗ b ſeben tur mittheilen zu koͤnnen, wuͤnſchen muß. Ein Theil des ndi Schmnzes, welcher nach allen vorbereitenden Proceſſen hartnaͤckig kleben bleibt, loͤſt ſich unter den Ingredienzen und üüa⸗ der Faͤrbekufe auf und macht dieſe ungeſchickt, jenen leb⸗ Ne Vun haften Glanz mitzutheilen, den ſie einer reineren Wolle mnien 8. gegeben haben wuͤrden, und wenn gleich der Kuͤnſtler ſeine ſeyn, di Gefaͤße mit einer reichlicheren Menge Faͤrbematerialien ſter, wel⸗ verſieht. Bei den folgenden Proceſſen der Manunfactur e ſie ſcht macht dieſer ſchmuzige Stapel noch viel groͤßere Schwie⸗ ich ihres rigkeiten, er iſt einem ſtaͤrkeren Abgang unterworfen als Nuͤte der die reinere Wolle, obgleich wir ſchon einen billigen Nach⸗ laß fuͤr das Gewicht des Schmuzes geſtatten, den er augenſcheinlich enthaͤlt; auf der Jenny(Spinn-Ma⸗ ſchine)*) und dem Weberſtuhl, den zum Spinnen und 1 eein hin⸗ Weben gebrauchten Maſchinen, wird von Seiten der Ar⸗ vorden iſ beiter groͤßere Genauigkeit und mehr Geduld erfordert, und hmachen, das daraus bereitete Tuch iſt geringer an Guͤte und weni⸗ ngewandte niger an Menge, als man von derſelben Wolle in reinem lches ä. Zuſtande erhalten wuͤrde. Dieſe dem Theer gemachten tapel her. *) Im J. 1767. erfand James Hargrave, ein Weber in der danufackut Naͤhe von Blackbure(in Lancaſhire), die Jenny, womit eine elches di Menge Faden zu gleicher Zeit geſponnen werden, und die fuͤr West oder Einſchlag bis jetzt noch die beſte Maſchine as Cheit, geblieben iſt. Gemeiniglich iſt ſie fuͤr 84 Faͤden eingerichtet. ſo fiſt an Nemnich, S. 364. Anm. d. Ueberſ. 11 — 162— Beſchuldigungen, wenn es als ein Erſatzmittel fuͤr den Dotter des Schafes auf die Wolle gebracht wird, ſind hauptſaͤchlich aus dem Munde der Tuchmacher geſammelt und ſcheinen mehr als hinreichend, ihn zu veranlaſſen, eine weniger verderbliche Salbe zu fordern. Der einzige Umſtand, der als ein Gegengewicht gegen dieſe Vorwuͤrfe angefuͤhrt werden kann, iſt die Conſiſtenz, die es dem Oel oder andern fettigen Subſtanzen, mit welchen es ver⸗ miſcht iſt, mittheilt, wodurch dieſe auf der Wolle kleben bleiben, obgleich ſie der Hitze des Thieres und dem erwei⸗ chenden Einfluß des Regens ausgeſetzt ſind. Aber wenn es bei allen Erſatzmitteln der Art wuͤnſchenswerth iſt, ſo nah als moͤglich die Verbindungen der Natur nachzuahmen, ſo ſollten wir in allen Faͤllen, wo das Schaf wegen der Eigenthuͤmlichkeit ſeiner Conſtitution nicht im Stande iſt, zur Sicherung eines ſchaͤtzbaren Vließes eine hinreichende Menge Dotter zu liefern, auf die wachſende Wolle eine dicke Bedeckung von Seife auftragen. Dagegen wird der Schaͤfer den ſehr gegruͤndeten Einwurf machen, daß die Anwendung eines ſo hoch beſteuerten Artikels ihm, wenn er nicht zu dem geſetzmaͤßigen Nachlaß berechtigt iſt, zu theuer kommen, und die Seife, wenn ſie vom Regen oder Thau feucht wuͤrde, ſich leicht von dem Vließe trennen wuͤrde. Man moͤchte fragen, giebt es keine Mittel, wo⸗ durch das Vließ in den Stand geſetzt wird, die Seife, ohngeachtet der Feuchtigkeit, der es ausgeſetzt wird, feſt zu halten? Da wir aber die verderblichen Wirkungen des Theers gezeigt haben, ſo wird der Wollzuͤchter, der mit den Eigenthuͤmlichkeiten des Schafs beſſer vertraut iſt, wohl ein Mittel auffinden. Es moͤchte vielleicht vortheil⸗ haft In eine dem Pri fünſt ben Vo. Chi nur beol wor b ſache geleg tele Sch letas Ihhre vas factu lch el füͤr den und 4 Vorwähſe die es den hen es ber⸗ volle kleben dem erwei⸗ Aber wern rth iſt, ſo hzuahmen, wegen der Stande iſt rreichende volle eine wird der daß die m, wenn gt iſt, zu degen odet he trennen ittel, wo⸗ die Eeift, witd, fiſ gagen des „der nt aut ſt vorihei⸗ — ——— — 163— haft ſeyn, wenn die Zuͤchter in den ſuͤdlichen Theilen der Inſel, beſonders diejenigen, deren Heerden nicht leicht eine reichliche Menge geſunden Dotters liefern, oder die dem Einfluß eines kreidigen Bodens ausgeſetzt ſind, ihre Bruͤder im Norden nacheahmten und die Schafe mit einem kuͤnſtlichen Wollfutter(Wollſpeiſe) verſaͤhen. §. 61. m) Das Alter des Thieres. Manche, welche die beſten Gelegenheiten gehabt ha⸗ ben, die Natur des Schafes und das Wack chsthum der Wolle zu beobachten, haben gezweifelt, ob das Alter des Thieres Einfluß auf das Vließ habe; und diejenigen, welche nur wenig Gelegenheit, die Wolle in ihrem Wachſen zu beobachten, gehabt haben, ſind dem Irrthum ſehr unter⸗ worfen, indem ſie in dem Vließe bemerkte Einfluͤſſe Ur⸗ ſachen zuſchreiben, welche dem Vermuthen nach im Thiere gelegen haben. Doch giebt es unter den mit der Lang— wolle vertrauten Perſonen wenige, die nicht das Alter der Schafe, beſonders der Schafmuͤtter, als einen Umſtand betrachten, der den Werth des Stapels herabſetzt. Die Jaͤhrlingswolle*), oder das erſte Vließ vo neinem? amm, was aͤlter als ein Jahr iſt, war unter den alten Manu⸗ facturarten(modes) hoch geachtet; und haͤtte das neuer⸗ lich eingefuͤhrte Maſchinenweſen nicht es wuͤnſchenswerth gemacht, Stapel von gleichmaͤßiger Laͤnge zu erhalten, die bei dieſen Claſſen von Vließen nicht ſo leicht erreicht wird, als in der von Hammeln erhaltenen, ſo wuͤrde ſie ihren 11* *) Hoxwool. Hog heißt in Lincolnſhire ein Schaf, was? Jahr alt iſt. Anm. d. Ueberſ. — — 164— Vorrang noch immer behaupten, wie es an allen den Or⸗ ten der Fall iſt, wo das Garn mit der Hand geſponnen wird.*„ Sie arbeitet ſich beſſer als die von aͤlteren Scha⸗ fen, indem ſie gediegner(plaſtiſcher), weicher und feiner iſt. Wenn die Meinung der Wollhaͤndler richtig iſt, ſo verliert das Schaf im hoͤchſten Alter die Faͤhigkeit, eine tuͤcht ige Wolle zu erzeugen; denn es giebt fuͤrwahr eine der Ver⸗ muthung nach von alten Schafmuͤttern gelieferte Art Wolle, die nur wenig gute Eigenſchaften beſitzt. In ſol⸗ chen Pelzen iſt das Haar hart und ſchimmernd, wurde offenbar in ſpaͤrlichem Dotter erzeugt, die Stapel trennen ſich leicht von einander, und die Wolle ſtirbt in der Schale (bowl). Dieſe techniſche Redensart wird in der ge⸗ woͤhnlichen Sprache nur ſchlecht wiedergegeben, wenn wir ſagen, daß die Stapel in einer Miſchung von heißem Waſſer und aufgeloͤſter Seife leicht ſinken, und daß ſie ein zottiges und runzeliges Anſehen bekommen. Solche Wolle wird, der aͤußerſten Sorgfalt ungeachtet, ſelbſt auf der letzten Stufe der Bearbeitung, Spuren ſchlechter Bereitung(Arbeit) zeigen, und die Arbeit, die noͤthig iſt, ſie fuͤr das Spinnrad tauglich zu machen, koſtet funfzig Procent mehr, als bei Wolle von hoͤherer Guͤte. Die Verbeſſerung langer Wolle ſollte daher damit beginnen, alle ſolche Vließe aus den Heerden zu verbannen. Wenn ihre ſchlechten Eigenſchaften in der That Begleiter des Alters ſend, ſo iſt das Heilmittel entdeckt und zur Hand. Selbſt ***) Wie ein Wakefield(in Yorkſhire), wo ein betrachtlicher Erwerbzweig in neueren Zeiten entſtanden iſt, naͤmlich das Spinnen von Lammwolle zu Garn für Struͤmpfe. Anm, d. Ueherſ. bei bis W als oht Hil len den de d geſponnen lteren Sche nd feinte ſ , ſo veelit eine tüͤceg ne der Ver llieferte de zt. In ſe⸗ tnd, wurd tapel trenne in der Schal in der ge⸗ eben, wem von heißen und daß ſi n. Solche ztet, ſelbſt ſchlechter naͤthig iſ dſtet funfig Gäͤtt. N eginnen äl Wenn ihtt r des Alels and, Sälſ 1 tetribtlc „nimlig do pff. Ueherf — 1635— bei der kuͤrzeren Art Vließe ſind die Einfluͤſſe des Alters bisweilen bemerkbar, ſind aber in der Manufactur von Wollenzeugen nicht von ſo großem Nachtheil begleitet, als in der Manufactur der Worſted⸗Zeuge; man ſieht ſie ohne Verdruß, und ſie gehen bisweilen ſelbſt durch die Haͤnde des Wollhaͤndlers, ohne bemerkt zu werden. §. 62. n) Krankheiten des Vließes. Indem wir von veredelter Wolle ſprechen, wuͤrde es paſſend ſeyn, die Krankheiten zu erwaͤhnen, denen ſie unterworfen iſt, ſtaͤnden ſie im Allgemeinen nicht in enger Verbindung mit dem ungeſunden Zuſtand des Thieres. Ein krankes Schaf traͤgt immer ein ſchlechteres Vließ, und der Schaͤfer, der gluͤcklich genug iſt, es in einen guten Zuſtand zu verſetzen, bewirkt einen dem gemaͤßen Einfluß auf die Wolle. Die Raͤude, obgleich dem Stapel von langer Wolle ſehr ſchaͤdlich, kann nicht ſowohl als eine Kraͤnklichkeit des Vließes, ſondern mehr als ein Uebel⸗ ſtand betrachtet werden, und der Winterflecken(winter stain), eine gruͤnliche Farbe, welche die Wolle bisweilen annimmt, theilt ſich gewoͤhnlich dem Vließ eines ſehr fleiſcharmen, von Hunger gequnaͤlten und von rauhen Winterwinden erſtarrten Schafes mit. Die Neigung des Pelzes, ſich auf dem Ruͤcken des Schafes zu filzen, iſt eine ſehr ſonderbare Eigenheit der Wolle und verdient eine genauere Aufmerkſamkeit, als ihr bis jetzt zu Theil geworden iſt. Sie ſcheint in manchen Faͤllen die Wirkung des Bluts zu ſeyn, iſt faſt gaͤnzlich auf die groͤßere Sorte Vließe beſchraͤnkt und befaͤllt ſie ſelten eher, als bis das Haar etwa die Haͤlfte ſeines Wachsthums erreicht hat. Die Urſache 14 4 4 — 166— der cotting in the pile genannten Krankheit iſt mir gaͤnzlich unbekannt, und ich wuͤrde mich gluͤcklich ſchaͤtzen, daruͤber Belehrung zu erhalten. §. 63. Allgemeine Bemerkungen. Die Umſtaͤnde, die zur Cultur der Wolle beigetra⸗ gen haben, ordnen ſich in zwei abgeſonderte Claſſen, und wir haben die wichtigſten von beiden erwaͤhnt; diejenigen, deren Einfluß unmittelbar auf das Vließ gerichtet iſt, und diejenigen, die geeignet ſind, die Aufmerkſamkeit ihres Eigenthuͤmers zu erwecken. Von den erſteren koͤnnen wir, wenn ſie nicht mit den letzteren verbunden ſind, nur theil⸗ weiſe und unbedeutende Veraͤnderungen erwarten; wenn aber der Schaͤfer, begierig zu erforſchen, wie weit er ſeine Schafe ſowohl, als deren Vließe veredeln koͤnne, die un⸗ erklaͤrlichen Kraͤfte der ſchaffenden, immer nach feſten Geſetzen wirkenden Natur ergreift und ſelbſt dieſe nach ſeiner Abſicht leitet, ſo koͤnnen unmoͤglich die Grenzen angegeben werden, die ſeinen Fortſchritten Schranken ſetzen moͤchten. Der Brittiſche Schaͤfer hat alle Aufmunterung, das ſich ihm oͤffnende Feld mit Zuverſicht zu betreten, denn ſeit Caͤſars Zeiten(der die Manufactur einfuͤhrte) bis jetzt gab es keinen Zeitraum, wo ſo viele ermunternde Umſtaͤnde zuſammen wirkten, ihn anzutreiben und ſeinen Willen zu beſtimmen. Die Anwendung des Maſchinenweſens in ſei⸗. ner vollkommenſten Geſtalt auf die Wollen-Manufactur, der vermehrte Wohlſtand im Lande ſowohl, als auswaͤrts, der allgemeine Gebrauch des feinen Tuchs zu Kleidungs⸗ ſtuͤcken, der groͤberen Fabricate zu zahlloſen faſt neuen Beduͤrfniſſen, die erſtaunliche Ausdehnung des auswaͤrti⸗ tiheit iß ne kklch ſczn bolle beigene Claſſen, w nt; diefenige richtet it, un rlſamkeit i en koͤnnen we d, nur thel darten; wem weit er ſenn zune, die un nach feſten ſe nach ſeiner nangegeben zen moͤchten 8, das ſch en, denn ſii bis jeßt g nde Umſäne en Willn weſens in ſi Manufactu. ls auswätt⸗ u Kledunge in faſt nele des ausvii — 167— gen Handels, der wachſende Speculationsgeiſt unter den Brittiſchen Kaufleuten, die zunehmende Geſchicklichkeit des Fabrikanten, die Verbreitung der Naturkenntniſſe und des Geſchmacks an Verſuchen unter unſeren vorzuͤglicheren Zuͤchtern vereinigen ſich, um ſein Unternehmen zu beguͤn⸗ ſtigen, und geben uns die Verſicherung, daß die Verbeſ⸗ ſerung in den Vließen unſers Landes bald geſchehen muͤſſe⸗ welche durch ihre Groͤße uͤberraſchen und durch die Raſchheit ihres Gelingens befriedigen werde. Brittannien, obgleich nicht das erſte Land, welches einen eingebornen Schafſtamm durch eine Auswahl von auswaͤrtigen Zuch⸗ ten zu veredeln ſtrebt, betreibt jetzt die Vermiſchung des Bluts mit einem Eifer, der ſelbſt diejenigen zu uͤberholen verſpricht, die lange vor ihm den Wettlauf nach dem Ziele der Vollkommenheit begonnen haben. Die Anſtren⸗ gungen der Auslaͤnder ſollten, ſtatt ſeinen Eifer zu ſchwaͤ⸗ chen, Brittannien zu doppelter Thaͤtigkeit ermuntern, ſoll⸗ ten den Alt⸗Engliſchen Stolz heraus fordern, und ſollten ſeinen Schaͤfern eben den Ehrgeiz einhauchen, ſich durch Schoͤnheit des Vließes auszuzeichnen, der den Fabrikan⸗ ten hinſichtlich der vorzuͤglichen Arbeit beſeellt. ——————— ——— 8 3 4 — 165— Dritter Abſchnitt. Ueber die weſentlichen Eigenſchaften der 3 1 Wolle. §. 64. Die Zuͤchter klagen uͤber Mangel au Blehrung. Indem im Laufe des vorigen Abſchnitts uͤber veredelte Wolle und uͤber die Mittel, wodurch ſie verbeſſert worden iſt, geſprochen wurde, konnte nicht vermieden werden, diejenigen Eigenſchaften zu erwaͤhnen, die ſie beſonders fuͤr die Zwecke der Manufacturen geeignet machen; doch ſchien es am beſten, ihre ausfuͤhrlichere Beſchreibung auf⸗ zuſparen, damit die mehr der Aufmerkſamkeit des Woll⸗ zuͤchters beſonders wuͤrdigen Gegenſtaͤnde in einem eignen Abſchnitt zuſammengeſtellt erſcheinen moͤchten. Wenn die Verbeſſerung der Wolle ganz allein darin beſteht, daß ſie den Manufacturen angemeſſener gemacht wird, ſo fragen ſehr begreiflich die Wollzuͤchter: Welches ſind die Eigenſchaften, welche die Fabrikanten am werthe⸗ ſten ſchaͤtzen? Was ſollte unſer beſtimmtes und beſonde⸗ res Ziel bei unſerm Streben nach Veredlung der Wolle ſeyn? Da wir uͤber dieſen Gegenſtand nicht unterrichtet ſind, ſo ſind wir, ſagen ſie, großen Mißgriffen ausge⸗ ſetzt, und unſere Wolle mag ihre ſchlechteſten Eigenſchaf⸗ ten gerade von den Maßregeln herleiten, von denen wir am erſten ihre Veredelung erwarteten. Zu oft haben — — 169— wir unſere Kenntniß uͤber Gegenſtaͤnde der Art bloß aus dunkeln. Andeutungen zuſammen getragen, welche die Kaͤu⸗ fer gelegentlich haben fallen laſſen, an deren Offenherzig⸗ keit und Geradheit wir aber große Urſache zu zweifeln haben. Dieſe Herren, die ſicherlich die genaueſten Keunt⸗ niſſe ſowohl von der Wolle, als dem Fabrikweſen beſitzen muͤſſen, theilen im Allgemeinen nur ſehr ſpaͤrliche B Beleh⸗ rung mit und ſcheinen beſorgt, daß wir, in deren Macht Jlebtung. es allein ſteht, die Eigenſchaften der Wolle zu veraͤndern, zu viel von deren Eigenthuͤmlichkeiten und deren Gebrauch verſtehen moͤchten. Sie erzaͤhlen uns oft, daß ihr Werth aften deß ber beredelt 8 ſert worda geſunken ſey, weil die Nachfrage darnach ſich vermindert 3 den verdnn habe; und doch finden wir keinen Ueberſchuß an Wolle. H e beſondes Man verſichert uns, daß die Artikel, zu welchen unſere 8 ocen; doc Wolle verarbeitet worden, nicht mehr verfertigt wuͤrden; riibung afſ und dennoch kaufen ſie dieſe Wolle begierig; und haben tdes Vol⸗ wir die Eigenſchaften, die ſie einſtmals erhoben, cultivirt,. nem eigngen ſo muͤſſen wir ſie faſt ohne Ausnahme als die zeedebieh⸗ , ſten Veraͤnderungen tadeln hoͤren. Dieſes Schwanken liegt alein darin zu offen da, als daß wir es nicht bemerken ſollten, und ger gemacht der Wollkaͤufer darf es uns nicht verargen, wenn wir es V r: Welches ſeiner Laune, oder der Abſicht uns irre zu fuͤhren, zu⸗ am wertht⸗ ſchreiben.... und biſond⸗ Dieß ſind die Klagen, die der Zuͤchter bei der Nuͤck⸗ der Pöle kehr faſt jeden Sommers aͤußert, dieß die Beſchwerden, 4 unterriche die er im Ernſte gegen den Wollhaͤndler erhebt. Manche ifen ausè- von ihnen ſind gaͤnzlich ungegruͤndet und haben ihren Eigenſchf⸗ Urſprung einzig in dem M Mangel beſſerer Kenntniß, oder n denen vi in dem Mißtrauen auf der einen Seite, welches immer woft habn die Folge eines zweideutigen nehnen⸗ von der audern 1 1 4 4 4 —— — 170— Seite iſt. Doch warum ſollte zweideutiges Benehmen und Mißtrauen fortdauern? Deßwegen, weil die Be⸗ ſchaͤftigungen des Wollzuͤchters und des Wollhaͤndlers mit einem braven Benehmen und rechtlichen Grundſaͤtzen un⸗ vertraͤglich ſind? Oder weil ein lang beſtehendes Vorur⸗ theil eine fuͤr beide Theile gleich ehrenruͤhrige Behand⸗ lungsart der Geſchaͤfte eingefuͤhrt hat? Der Verfaſſer dieſer Blaͤtter wird ſich gluͤcklich ſchaͤtzen, wenn er durch dieſen Verſuch dem Wollzuͤchter einige allgemeine Begriffe uͤber die Eigenſchaften der Wolle beizubringen, im Stande ſeyn ſollte und einige von den Zaͤnkereien beizulegen, die lange Zeit die Verhandlungen der Kaͤufer und Verkaͤufer eines ſo beſtaͤndig gebrauchten Artikels geſchaͤndet haben. Bei Beſchreibung dieſer Eigenſchaften wird er die Klarheit einem geſchmuͤckten Styl vorziehen und die Ordnung allein beobachten, in welcher ſie ihn vor die Seele treten. Diejenige Wolle zeichnet ſich offenbar am meiſten durch gute Eigenſchaften aus, die vermittelſt der gebraͤuch⸗ lichen Inſtrumente auf die vollkommenſte Weiſe und mit der geringſten 5 Nuͤhe und den wenigſten Koſten zu einer ſch atzbaren Waare verarbeitet werden kann. Es wuͤrde unnutz ſeyn, zu unterſuchen, welches wohl die ſchaͤtzbarſten Linenſchee der Wolle werden wuͤrden, wenn ekwa in i Geſchmack derer, die zuletzt die wollenen Waaren ver⸗ deeſen, eine Veraͤnderung vorfiele, wenn die gegen⸗ waͤrtig geſuchten einmal nicht mehr gemacht wuͤrden, oder wenn die Inſtrumente der Manufactur vervollkommnet wuͤrden. Der gegenwaͤrtige Zuſtand des Fabrikweſens, der Juſtrumente und der Nachfrage beſtimmt die Grenze unſerer Unterſuchungen. Sarthae dell de A. ;aͤndlirs n dſäͤtzen u⸗ des Vorn⸗ ge Veſenee t Veffaſi n er dart ine Vegrff im Etmn en, dielang aufer eine aben. Ae je Klarhet nung alein ken. m meiſten gebraͤuch⸗ und mit nw iner Es wünde haͤtzbatſte mn etwa in daaren vet⸗ die gegen⸗ rden, oder ollkommnet brikweſens dit Gerni —— in ſeinen Haͤnden erhaͤlt die Wolle den erſten Grad der — 171— §. 65. Das Geſchaͤft des Wollhaͤndlers(Stapler). Die Vließe, ſo wie ſie von den Ruͤcken der Schafe kommen, enthalten ohne Ausnahme verſchiedene Wollar⸗ ten, die ſehr haͤufig zur Bereitung ganz verſchiedenartiger Waaren brauchbar und zu ganz von einander abweichen⸗ den Behandlungsarten in der Manufactur geeignet ſind. Das Hauptgeſchaͤft des Wollhaͤndlers(Stapler) iſt, die Theile der vermiſchten Maſſe zu ſondern, ſie in die gehd⸗ rigen Claſſen zu theilen, und die Fabrikanten mit der be⸗ ſondern Wollſorte zu verſehen, die zu den Waaren, die ein jeder von ihnen verfertigt, erforderlich iſt. Dieß Ge⸗ ſchaͤft iſt ganz verſchieden von demjenigen, welches des Wollhaͤndlers Aufmerkſamkeit in dem dreizehnten und den beiden folgenden Jahrhunderten beſchaͤftigte, wo er bloß die Vließe ſeines Landes, wo nicht gaͤnzlich, doch faſt gaͤnz⸗ lich, unſortirt auf einen fremden Markt zu bringen hatte. Gegenwaͤrtig macht ihn ſeine Beſchaͤftigung zum Unter⸗ haͤndler(Geſchaͤftstraͤger) des Fabrikanten, oder vielmehr Behandlung, wodurch ſie brauchbar gemacht wird; es wird ſein Geſchaͤft und ſein Vortheil, den Zuſtand des Handels zu beobachten, die Veraͤnderung in der Nachfrage nach verſchiedenen Artikeln zu merken, die Natur und die Guͤte der Wolle zu kennen, und dem Zuͤchter die Eigen⸗ ſchaften des Vließes zu bezeichnen, welche nach und nach von groͤßerer oder geringerer Wichtigkeit werden. Die Kunſt des Wollſortirens, vor einigen Jahrhunderten faſt unbekannt, hat ſich in den leßzten hundert Jahren bedeu⸗ tend gehoben, und ſo wie die Thrilung der Arbeit in den meiſten andern Zweigen des Fabrikweſens zu deren Foͤrde⸗ 1 3 1 I — —— rung beitrug, ſo hat ſie bei der Bereitung wollener Zeuge ſehr weſentliche Vortheile erzeugt. Doch haben manche, die ſich mit Wollſortiren beſchaͤftigen, aber von den Fabri⸗ kanten weit entſernt ſind und keine ihrer Klagen hoͤren, entweder keinen beſtimmten Zweck im Auge, oder machen ihre Sache ſo ſchlecht, daß der Fabrikant zum zweitenmal die Koſten daran wenden muß, oder daß ihre Sorten auf dem Markte unter ihrem wahren Werth weggehen. Per⸗ ſonen, welche dieſe Bemerkung trifft, ſollten immer beden⸗ ken, daß bei jeder Miſchung von grober und feiner Wolle unmoͤglich zu verhuͤten iſt, daß erſtere nicht das Aeußere des Fadens und die Oberflaͤche des Stuͤcks bilde, ſo daß bei allen ſchlecht gemachten Sortimenten der ſchlimmſte Theil der Wolle ſichtbar wird, wenn ſie durch die Haͤnde des Fabrikanten geht. Dieſe V errichtung, uͤber welche Doct. Parry, der eine Perſon warb, etwas Wolle nach Spaniſcher Art zu ſortiren, klagt, erfordert eine viel groͤßere Genauigfeit, als denjenigen leicht begreiflich zu machen iſt, die dieſe Arbeit nur haben verrichten ſehen. Haͤtte ein gewoͤhnlicher Arbeiter das Vließ bloß quer uͤber die Lenden zerriſſen, die Raͤnder abgenommen und das uͤbrige faſt ohne Unterſchied in drei Theile getheilt*), ſo wuͤrden wir dieß eine nachlaͤſſige und kunſtloſe Verrichtung genaunt haben, und haͤtte man uns den Lohn fuͤr die Arbeit abgefordert, den der Doctor bezahlte, *) Die Sorten der Spaniſchen Wolle ſind: 1) Refina(auf den Saͤcken mit R. bezeichnet), die feinſte wird auf Engliſch Prime Wool genannt; 2) Fina(F.), die feine und zweite (Sorte, auf Engliſch choice Locks; 3) Tercera(T.) auf Engliſch Pribs; bisweilen kommt auch Quarta(Q.) vor. Nemnich, S. 217. ſener zug en manthe den Fade⸗ geen hornn der madhen zweitenma Sorten af hen. per mer boͤn⸗ einer Pole as Aeußer de, ſo dii ſchlimmit die Haͤnd ber welche Vohe nach eine viel öm das eilt*), ſ unſtloſe n uns den ar bezahlte Reſina(tu auf förgli h b t zweit J.) uf 3 1 — ſo wuͤrden wir uns ſolcher r Ausdruͤcke bedient haben, in denen wir uns nicht gerne aͤußern. g. 66. Die in Eugland uͤbliche Methode, die Wolle zu ſortiren. Dieß iſt die in Spanien gewoͤhnliche Weiſe, die Wolle zu ſortiren; der Engliſche Fabrikant findet es aber ſeinem Vortheil angemeſſen, in der Sonderung der Wolle genauer zu Werke zu gehen, und hat eine viel groͤßere Anzahl von Abtheilungen in ſeinem Sortirungs⸗Verfahren daneger. In dieſem Lande giebt es drei Hauptarten von Vließen, und jede von ihnen wird auf eine verſchiedene Weiſe ſor⸗ tirt. Die feinſte umfaßt alle zur Bereitung der wollenen Artikel geeignete und begreift den bei weitem groͤßten Theil der Wolle Großbrittanniens; die zweite begreift die laͤngere Wolle, die zu Worſteb⸗Zeugen geeignet iſt; und die dritte beſchraͤnkt ſich auf Wolle von mittlerer Laͤnge, welche zur Strumpfwirkerei gebraucht wird. Die Anzahl von Sorten, in welche die Vließe einer jeden Claſſe ge⸗ theilt werden, iſt immer wilkkuͤrlich; doch iſt durch den Gebrauch eine unvollkommene Art von Syſtem eingefuͤhrt, nach welcher ſich die meiſten Wollhaͤndler richten. Die bei den Strumpfwirkern angenommene Anzahl von Abthei⸗ lungen iſt gewoͤhnlich ſechs oder ſieben, und der dazu ge⸗ brauchten Benennungen ſind nur zwei, Drawing und Matching; in den Unterabtheilungen aber unterſchieden durch die Beiwoͤrter gewoͤhnlich, fein, blau, braun und super. Die fuͤr Worſted⸗Zeuge geeigneten Vließe, wenn man ſie nach einer Stufenfolge, die meiſtens die im Lande erzeugte Art Wolle begreift, betrachtet, laſſen etwa ſech⸗ zehn Sorten zu, die zur Haͤlfte von der Wolle von Scha⸗ 8 5 fen, die ſchon mehr als einmal geſchoren worden ſind, und zur andern Haͤlfte von den Jaͤhrlings⸗Vließen erhal⸗ ten werden. Diejenigen, welche die kuͤrzere Wolle ſorti⸗“ ren, machen bisweilen gegen ſiebzehn verſchiedene Ab⸗ theilungen in einem Haufen Vließe*), und ſehr wenige Wollhaͤndler, ſelbſt diejenigen, welche die geringeren Buͤndel dieſer Art kaufen, rechnen weniger als neun Sor⸗ ten; aber die Fabrikanten begnuͤgen ſich bisweilen mit drei oder vier Unterſcheidungen. Die Namen, welche in dem Oſten des Koͤnigreichs gewoͤhnlich den aus den kuͤrzeren Vließen gemachten Sorten beigelegt werden, liefern eine belehrende Aufklaͤrung uͤber die wachſende Feinheit des Wollhaars, ſeitdem die Kunſt des Sortirens zu einem beſonderen Geſchaͤft gemacht wurde, und zugleich uͤber die zunehmende Kunſtgeſchicklichkeit des Sortirers, der faſt ununterbrochen die Geſtalt des Haars mit groͤßerer Genauigkeit zu unterſcheiden bemuͤht geweſen iſt. Der Name der geringſten Sorte, oder No. 1. iſt Kurz⸗grob(Skort-Coarse) und bezeichnet ihren Charakter ſehr gut. 2. Livery**)(zu Tuch fuͤr keman aeuint in helie 3. Abb(Kette) getheilt wurde. *) Unter Pile of Wool verſteht man das Product einer ein⸗ zelnen, fuͤr ſich beſtehenden Heerde;— Pile of fleeces heißt wahrſcheinlich eben ſo viel. Anm. d. Ueberſ. *¼) Der Ausdruck Livery kommt noch heute in der Eintheilung des Engliſchen Tuchs vor. Das breite Tuch(Broadicloth) 5 bis— Xard breit) wird naͤmlich nach Guͤte und Feinheit folgendermaßen unterſchieden: 1) Livery eloth fuͤr Lackayen, auch ſonſt fuͤr die niedrige Claſſe, Preis zwiſchen 7 bis sr Schill. per Yard; 2) Second cloth, auch wohl Reüne No.4 u Die! die S reiht terab Beſſ nder tden ſind gen ethll olle ſori⸗ eddene Ä. er weri geringeren neun Ser, en mit dee he in den n fürzern jefern en. inheit des zu einem leich uͤber rers, der grofferer 1. Der bezeichnet en, in welche ſrüherti purde. einer 1 leeces heißt Uebetſ. Eintheilung roadiclotb) d Feinbet ür Lackhen, ſchen bis vohl Reüne .— — 175— 5 No. 4. Zweite(Second). Wahrſcheinlich eine zweite oder beſſere Abb(Kette), und die erſte Veraͤnderung in der Weiſe zu dereen die entweder aus der Veredlung der VPließe, oder aus den Fortſchrit⸗ ten in der Kunſt, dieſe zu ſortiren, entſtand. Dieſer und alle die folgenden Namen ſcheinen, ſo wie ſie auf einander kommen, einmal an der Spitze der Liſte geſtanden zu haben. 1 5. Dowurights(vollkommen). Vielleicht ſollte da⸗ mit der Begriff von dem hoͤchſten Grad der Voll⸗ kommenheit bezeichnet werden. 6. Head(Haupt) oder oberſte 7. Super-Head(uͤberoberſte). Eine Steigerung der vorigen Sorte. 8. Picked-Lock(ausgeleſene Flocke). Zuerſt viel⸗ leicht in kleinen Quantitaͤten gemacht. 9. Choice-Lock(Wahl⸗Flocke). Noch vorzuͤglicher. 10. Prime-Lock(erſte Flocke). Die letzte in der Reihe aufgefuͤhrte Sorte, auch einmal Pie-Nie genannt, anſpielend auf die beruͤhmte Geſellſchaft dieſes Namens. Die Namen der uͤbrigen ſind von dieſen hergeleitet, und die Sorten, die ſie bezeichnen, ſind an den Stellen einge⸗ reiht, wo die Zwiſchenraͤume weit genug waren, um Un⸗ terabtheilungen einzuſchieben. Sie ſind bezeichuet durch Beſſere Livery, Geringere Abb, Beſte Secunda, und durch andere Beiwoͤrter der Art. Dieſes Sorten⸗Verzeichniß cloth genannt, die Preiſe zwiſchen 10 und 16 Schill. ³) Second superfine cloth, von 17 bis 20 Schill., beide wer⸗ den aus der beſten inlaͤndiſchen Wolle gewebt; 4) Best Spaniah oder auperfine cloth. Anm, d. Ueberſ. — 176— ſteigt nach dem Haar oder der Feinheit der Wolle und begreift den Theil Vließes, der ſich zu Tuͤchern von den lichtern Farben eignet; und um den Theil des Vließes, der nur fuͤr ſtaͤrkere Jarben paßt, oednen zu koͤn⸗ nen, ſtellen wir eine mit jener gleichlaufende Reihe von Sorten auf, die gewoͤhnlich Greys heißen, von dem er⸗ ſten, zweiten und dritten Rang. Den Franzoͤſiſchen Fa⸗ brikanten, die bisweilen ſehr genau in ihrer Sortirungs⸗ Weiſe ſind, beſonders was die feineren Zweige der Ma⸗ nufactur betrifft, iſt vom Herrn O'Aubenton gerathen worden, ſich eines Mikrometers zu bedienen, um die Ge⸗ ſtalt des Haars mit vollkommener Genauigkeit zu erfor⸗ ſchen. Das Haar meiner eignen Sorten ordnet ſich nach der Unterſuchung vermittelſt einer an einer graduirten Skale angebrachten Linſe in folgende Dimenſionen. Das Hinte ertheil(Breech) oder Kurz⸗grob(Chort coarse) be⸗ greift alle die kurzen und ſehr ſchlechten Flocken, und die Livery die feineren, doch mit einer betraͤchtlichen Breite des Haars. Der Durchmeſſer des Haars bei allen uͤbri⸗ gen ergiebt ſich, wenn wir einen Zoll, den wir als Ein⸗ heit betrachten, durch die einem jeden Namen beigefuͤgte Zahl dividiren: Beſſere Liverey durch fcchsßundert(600). Fine-Grey durch ſiebenhundert und zwanzig(720). Zweite(Seconds) durch achthundert(800). Downrighis durch neunhundert und zwanzig(920)- Head— ein tauſend(1000). Super— eilf hundert und ſechzig(1160). Picked-Lock— zwoͤlf hundert und achtzig(1280). Choice— vierzehnhundert(1400).— zen zu 4 Reihe bon on dem ⸗ ſiſchen za⸗ Sortirungs⸗ ſe der Mo en gerthen un die Ge⸗ t zu erfor et ſich nc graduirtn nen. Dah oalse) be — und die jen Breite allen uͤbri⸗ ir als Ein⸗ beigefüͤg (600). gig(720)' 9) zig(20) (1160) „ 77 — — 177— Eine Probe von maͤßig feiner Spaniſcher Wolle er⸗ reichte ſechzehnhundert. Dieß ſind die Durchſchnitts⸗ zahlen aus verſchieden wiederholten Meſſungen und wer⸗ den von mir als die Probierſteine derjenigen Sorten be⸗ trachtet, hinter deren Namen ſie ſtehen. Es iſt der Zweck des Wollhaͤndlers, wenn er Vließe kauft, um einen gegebenen Preis ſo viel als moͤglich von den vorzuͤglicheren Sorten zu erhalten. Bei ihm iſt die Feinheit der Wolle die erſte Ruͤckſicht, und die Fabri⸗ kanten, ſeine Kunden, koͤnnen allezeit Wolle von der erſten Guͤte verarbeiten, wenn ſie dieſelbe um einen Preis be⸗ kommen koͤnnten, der ihnen geſtattete, den Markt zu be⸗ ſuchen. Die Duͤnnigkeit(Schwaͤche, Zartheit) des Haars kann ſehr ſelten oder gar nicht als ein Nachtheil fuͤr das Vließ betrachtet werden, aber Grobheit macht es ſehr haͤufig zu verſchiedenen Zwecken untauglich. Zu dem Streben nach Wolle von vorzuͤglicher Guͤte wird der Woll⸗ haͤndler unaufhoͤrlich angetrieben durch die wachſende Nachfrage nach Waaren von dem zarteſten Gewebe, und dieß ſollte den Zuͤchter veranlaſſen, durch hohe Vortreff⸗ lichkeit ausgezeichnete Vließe von ſeinen Heerden zu ge⸗ winnen. Der Verbrauch der Spaniſchen Wolle bei uns beweiſt nachdruͤcklich, daß, ſo wie der Geſchmack an fei⸗ nen Tuͤchern vorherrſchend wird, der Fabrikant die Ma⸗ terialien ſich verſchafft, wenn gleich ihr Gebrauch unſere Wollzuͤchter entmuthigen und unſere einheimiſchen Er⸗ zeugniſſe entbehrlich machen muß. Auch iſt keine Gefahr zu befuͤrchten, daß die Pflege feiner Wolle unſere groͤbe⸗ ren Fabriken ohne die erforderlichen Materialien laſſen wuͤrde, denn die reicheren Felder des Koͤnigreichs werden 12 —————öööööööööö—ö—öööö 3 2 —————— —.— 1 4 — 178= fortwaͤhrend mit einer Schafrace beſetzt werden, deren Wolle noch in vielen Geſchlechtsaltern nicht fuͤr die zarte⸗ ren Fabrikate geeignet ſeyn wird; und in dem Verhaͤltniß, als ſich die Landguͤter in den niederen Gegenden Schott⸗ lands und faſt in jedem Bezirke Irlands ſich verbeſſern, koͤnnen wir erwarten, daß die Vließe, welche ſie liefern, zu den Zwecken beſſer geeignet ſeyn werden, zu denen die mittleren Wollſorten Englands gegenwaͤrtig verwendet werden. Sollte es aber nothwendig werden, die groͤbere Waare einzufuͤhren, ſo wuͤrde es weit vortheilhafter ſeyn, von Fremden zu kaufen, was leicht aus vielen Gegenden zu erhalten iſt, als von einer uͤbermuͤthigen Nation abzu⸗ haͤngen, die den Eingebungen unſerer Nebenbuhler unter⸗ worfen iſt. §. 67. Andere Inſtrumente fordern andere Eigenſchaften von der Wolle. Die Kratze,(Kraͤmpel, Kardaͤtſche). In dem gegenwaͤrtigen Zuſtand der Wollen⸗Manu⸗ factur iſt die Laͤnge des Stapels ein Gegenſtand von der hoͤchſten Wichtigkeit, ſie beſtimmt das Vließ fuͤr ſehr ver⸗ ſchiedenartige und durch ganz verſchieden gebaute Inſtru⸗ mente hervor gebrachte Fabrikate. Es wird ſchwierig ſeyn, denen, die mit der Structur der Kraͤmpel(der Kratze) und des Kamms nicht bekannt ſind, einen hinlaͤnglich voll⸗ ſtaͤndigen Begriff zu geben, wie ſie gehandhabt, und zu welchen Zwecken ſie gebraucht werden, um im Stande zu ſeyn, den Zweck des Fabrikanten, oder die Eigenſchaften der Wolle zu faſſen, die zu den beſonderen Verrichtungen paſſend ſind. Die Kraͤmpel iſt ein ſchwaches laͤngliches Bret mit einer großen Zahl kurzer, gekruͤmmter Draht⸗ ſüͤch zub üͤber ſette eg al vaͤte V gehalt ſtruct b dere V dari 87 den ſ ren rod men Rle ſchwe natut dine⸗ —— — tden, dere ir die zar Verhält aden Schet⸗ h verbtſen e ſie lifin, zu denen z g vervendt , die grtten lhafter ſon len Gegenda Nation abh uhler unten baften von d 2 len⸗Manu⸗ nd von der dar ſehr ber⸗ aute Inſt⸗ hwierig ſeyn (der Ktatt langlich vol⸗ abt, und zu n Stande l Ligenſcheftn gerrichtungen s langlihes uter Drahe⸗ — — 179— ſtuͤcke, oder gekruͤmmter Zaͤhne verſehen, auf welche die zu bearbeitende Wolle gehaͤngt wird, indem man dieſe uͤber jene in einer der Kruͤmmung der Haken entgegen ge⸗ ſetzte Richtung zieht. Iſt das Inſtrument voll, ſo wird es auf den Schenkel des Arbeiters mit den Zaͤhnen auf⸗ waͤrts gelegt und da mit der linken Hand an einem Griff gehalten, waͤhrend eine andere Kraͤmpel von gleicher Con⸗ ſtruction, welche die Zaͤhne unterwaͤrts hat, und in einer der erſten entgegen geſetzten Richtung, mit der rechten Hand daruͤber hingezogen wird. Die Arbeit wird ſo lange fort⸗ geſetzt, bis der Arbeiter glaubt, daß die Wolle zwiſchen den Zaͤhnen vollkommen zerriſſen, getrennt und vermiſcht ſey*), worauf er ſie dann durch ein beſonderes Verfah⸗ ren aus den Inſtrumenten nimmt und ſie fuͤr das Spinn⸗ rad zubereitet. Der Zweck dabei iſt, die Wolle vollkonz⸗ wen zu trennen, aufs innigſte zu miſchen und dunne Rollen oder rovelling(Kaͤtzchen) von dem moͤglich ſchwaͤchſten Gefuͤge daraus zu machen, die nur durch die natuͤrliche Kraͤuſelung oder durch die Neigung des Haars, eine Zickzack⸗ oder Wellenform anzunehmen, zuſammen 12* *) Es giebt eigentlich mehrere Sorten Inſtrumente, auf weſ⸗ chen die Wolle nach einander gekraͤmpelt wird, und die ſich theils durch den weitern Stand der Zaͤhne oder Stifte, theils durch die Staͤrke des Draths, der dazu genommen wird, unterſcheiden. Die, welche die groͤbſten und am wel⸗ teſten ſtehenden Zaͤhne haben, und womit das erſte Bear⸗ beiten vorgenommen wird, heißen Reiß⸗ oder Brech⸗ kaͤmme(breaking); die zweite Sorte, welche ſich durch mehrere und feinere Zaͤbne unterſcheidet, heißt K ratz⸗ oder Krampelkaͤmme(carding); die zum dritten Bearbeiten heißen Schrobeln(seribbliug). Anm. d. Ueberſ. ———————————— gehalten werden. Daraus iſt klar, daß die zwei Haupt⸗ eigenſchaften, welche Kraͤmpel⸗Wolle erſordert, in Kuͤrze des Wollhaars und einer Anlage in dem Haar, eine faltige oder gewundene Form anzunehmen, beſtehen. Wenn die erſte dieſer Eigenſchaften nicht gehoͤriger Maßen vorhanden iſt, ſo iſt Arbeit erforderlich, um die unmaͤßige Laͤnge der Stapel zu vermindern; groͤßere Koſten und laͤngere Zeit ſind zur Bearbeitung noͤthig, Ruͤckſichten, die bei Tuch⸗ machern immer gewichtig ſind, und von dem Zuͤchter nicht uͤberſehen werden duͤrften. Es ſcheint kaum moͤglich, daß der Stapel der Tuchwolle, wenigſtens der zur Bereitung der feineren Fabrikate gebrauchte Theil deſſelben, zu kurz ſeyn koͤnnte, wenn er nur den Grad der Kraͤuſelung be⸗ ſitzt, um eine Rolle(ein Kaͤtzchen) daraus machen zu xXoͤnnen. Ein großer Vortheil der neueren Maſchinerie entſteht aus der vollſtaͤndigeren und gleichfoͤrmigeren Art, auf welche der Stapel zerriſſen wird, und der Hauptpunct der Aufmerkſamkeit bei dem Schrobler(scribler)*) iſt der, daß die Wolle nicht mehr zerriſſen wird, als es die Kruͤmme des Haars geſtattet. §. 68. Kraͤuſelung. Die beſondere Eigenſchaft, ſich zuſammen zu zie⸗ hen*), kann in der Wolle in keinem zu hohen Grade vorhanden ſeyn, wenn ſie dazu beſtimmt iſt, irgend eine Art Waare daraus zu machen, die eine dichte und glatte Oberflaͤche erfordert; denn eine je groͤßere Anzahl von kleinen Kruͤmmungen ſie in einer gegebenen känge des *) ſ. d. Anmerk. zu S. 139, 1. **) The shriveling quality, die eigenſchaft,. ſich zu traͤuſeln. wei Hauhe t, in Kide eine fati Wenn de vorhanden e Laͤnge d laͤngere zi ie bei Tuh⸗ Zuͤchter dit noͤglich, de ir Bereitun den, zu kun zuſelung he machen zu Maſchineri nigeren Att Hauptpunct der)*) iſt als es die men zu ſi hohen Giad „irgend ei e und glt „Anzahl bon r Käng d zu kraͤuſeh — 181— Haars enthaͤlt, deſto mehr kann ſie ohne Schaden zerriſ⸗ ſen werden, und jeder Theil einen hinlaͤnglichen Grad von Kraͤuſelung behalten, um ſich an ſeine Nachbarn zu ketten und ſo ein unbegreiflich duͤnnes und durchſcheinendes Ge⸗ fuͤge zu bilden. Je duͤnner dieſes Gefuͤge gemacht, und eine je groͤßere Oberflaͤche(Ausdehnung) ihm gegeben werden kann, einen um ſo laͤngeren Faden wird es liefern, und um ſo feiner wird das daraus bereitete Tuch werden. Die Nothwendigkeit dieſer beſonderen Eigenthuͤmlichkeit der Tuchwolle erhellet aus der Art, wie Haar von feſtem und ſchlichtem Faden ſich zerſtreut, wenn es auf derſelben Maſchine bearbeitet wird; da die einzelnen Theile keine Verbindungsmittel unter einander haben, ſo fallen ſte ein⸗ zeln von der Maſchine, machen keine Rollen(Käͤtzchen) und koͤnnen eben deßwegen nicht zu einem wollenen Faden geſponnen werden. Sollen aus der Wolle ſolche Fabri⸗ kate gemacht werden, die ſich durch eine lange und glatte (Krap) Decke(Oberflaͤche) auszeichnen, wie z. B. wollene Bettdecken(blankets), und Tuͤcher zu weiten Ueberroͤcken, ſo moͤchte die Kraͤuſelung in einem zu ſtarken Verhaͤltniß ſchaͤdlich ſeyn, indem die Decke dadurch weniger eben⸗ maͤßig und dicht wird. In den Oberflaͤchen aber, welche loͤcker und mit Fleiß verwirrt bleiben,(wenn der Aus⸗ druck erlaubt iſt), wie z. B. bei Tuͤchern zu leichten großen Roͤcken, Frießen und Swan-downs(Schwanen⸗ Flaum), iſt ſie hoͤchſt nuͤtzlich, und dieſes verſchiedene Ver⸗ halten zeigt unter andern deutlich, wie wuͤnſchenswerth es iſt, daß Wolle fuͤr einen beſtimmten Zweck erzeugt wer⸗ den moͤchte, nicht aber, wie es gewoͤhnlich geſchieht, auf Geradewohl, und von ſolchen Eigenſchaften, die der 1 4 4 8 1 5 1 4 „» — 4182— Zuͤchter entweder gar nicht kennt, oder von denen er, wenn er ſie auch bemerkt, weder den Werth noch den Ghabraugh. kennt. Doch darf der Wollpfieger nicht glauben, daß jede Art von Kraͤuſelung, die er an den Vließen ſeiner Schafe bemerkt, ein Zeichen ſey, daß ſich die kardaͤtſchte Wolle zuſammen ketten, und eine Rolle, die erſte Grundlage des Fadens, bilden werde; denn es giebt eine Art von Kraͤuſelung in dem Stapel, welche der Tuchmacher eben ſo ſorgfaͤltig vermeidet, als er die andere aufſucht. Sie zeichnet ſich dadurch aus, daß die Kruͤmmungen in dem Wollhaar auf eine ganz eigne Weiſe in einander paſ⸗ ſen, als wenn ſie durch einen von außen auf den Stapel wirkenden Druck gebildet worden waͤren, nicht aber durch eine Urſache, die auf jedes einzelne Haar beſonders wirkt, ſo wie es durch die Poren der Haut kommt. Die Ver⸗ theilung des Haars in Stapel dieſer Art hat einige Aehnlichkeit mit der Richtung der Fibern in einem ge⸗ kruͤmmten Stuͤck Zimmerholz, oder vielleicht gleicht ſie genauer wellenfoͤrmig gebogenen Metallſtangen, die alſo geſtaltet ſind, daß der erhabene Theil der einen in die Hoͤhlung der andern paßt. Wir koͤnnen keinen Grund angeben, warum dieſe Art Wolle als tadelhaft verworfen wird, wenn es nicht etwa die groͤßere Laͤnge der Kruͤm⸗ mungen iſt, die es verhindern, daß der Stapel nicht ſo Lut aus einander gebracht werden kann, als es geſchehen ſollte, und daß jeder Theil noch das Vermoͤgen behalte, ſich mit den nahe liegenden zu verbinden; dieſe Eigen⸗ thuͤmlichkeit iſt uͤbrigens als nachtheilig bekannt und 4 muß gemieden werden. Bei einigen der feineren Woll⸗ — —-— gen er, wenn en Oebraut en, daß ſ ſeiner Eth tſchte A te Grundli eine Art w hmacher t ere aufſiͤct ümmungenä einander piſ den Etryt ͤt aber dur enders witi Die Vu t hat einig einem ge⸗ icht gleich gangen, d der einen i keinen Grun fft verwotſn e der Kür pel nicht es geſchehe gen behale dieſe Ehin bekannt ui rineten Wol⸗ 2—— — 183— arten, welche dieſe kraͤuſelnde Eigenſchaft in einem hohen Grade beſitzen, iſt die Sehne des Bogens bisweilen nicht laͤnger als der hundertſte Theil eines Zolls, bei denen von geringerer Guͤte aber, wo die Khuͤmmung nicht von der ſchaͤtzbarſten Art iſt, mißt die Sehne, oder der Zwi⸗ ſchenraum zwiſchen den beiden aͤußerſten Puncten der Kruͤmmung, den ſechzehnten und bisweilen ſelbſt den ach⸗ ten Theil eines Jolls. Dieſe große Verſchiedenheit in den Bogen iſt auch jedem ungeuͤbten Auge leicht erkennbar und verdient beſonders die Aufmerkſamkeit des Zuͤchters. Er wird Proben der ſchlechteren Art am haͤufigſten bei Vließen finden, die von einem Schaf, das von ſehr ver⸗ ſchiedenartigen Eltern abſtammt, geſchoren worden ſind. Es ſind noch keine Mittel aufgefunden worden, dieſe beſonders ſchaͤtzbare und namenloſe Eigenſchaft der Wolle mitzutheilen, in welcher ſie ſich von Natur nicht findet. Wir haͤngen daher in Hinſicht deren Bewirkung von dem Zuͤchter allein ab und wuͤnſchen ſehnlich und aͤngſtlich, daß er bei den verſchiedenen Blutsvermengungen, die er fort⸗ waͤhrend in ſeiner Heerde vornimmt, nicht eins der unter⸗ ſcheidenden Kennzeichen der Wolle aus dem Geſicht verlie⸗ ren, und daß er dieſes eben ſowohl als jede andere ſchaͤtz⸗ bare Eigenſchaft der Wolle mit der aͤußerſten Sorgfalt foͤrdern moͤge. In einem Lande, wo die Carcaſſe des Schafs hoͤher geſchaͤtzt wird als ſein Pelz, und wo die Erziehung der Wolle hoͤchſtens nur ein untergeordneter Gegenſtand der Sorge des Landwirths iſt, iſt es wuͤnſchenswerth, die Race ſo vollkommen als moͤglich zu machen, damit wir davon ohne Auſtrengung eine ſelbſt in den geringſten Eigenheiten ausgezeichnete Wolle erhalten. In der Bucha⸗ ———— —— ——— —-——— ———* 2———— — 3 — 184— rei aber, wo dem Schaͤfer mehr an dem Vließ als an der Geſundheit und ſelbſt dem Leben ſeines Schafes gele⸗ gen iſt, werden kuͤnſtliche Mittel angewandt, um etwas dieſer zuſammenziehenden in dieſen weſtlichen Gegenden ſo * hoch geſchaͤtzten Eigenſchaft Aehnliches hervor zu bringen. Dort wird das Lamm, ſobald es geboren iſt, in linnene Binden gewickelt, der Sonne ausgeſetzt und taͤglich mit Waſſer begoſſen. So wie es an Groͤße zunimmt, werden die Binden allmaͤhlig weiter gemacht, doch ſo, daß der Druck auf die Wolle allezeit noch betraͤchtlich bleibt. Da⸗ durch wird der Pelz gegen die Haut gedruͤckt und erhaͤlt ein wellenfoͤrmiges oder gebluͤmtes(damascirtes) Anſe⸗ hen, welches als ſein hoͤchſter Vorzug geachtet wird. Wenn auch angenommen werden koͤnnte, daß dieſes Zu⸗ ſammenpreſſen des Vließes jene Art von Kraͤuſelung er⸗ zeugte, welche als eine vorzuͤgliche Eigenſchaft an Engli⸗ ſcher Wolle betrachtet wird, ſo wuͤrde dieß Verfahren doch zu koſtbar und beſchwerlich fuͤr unſere Schaͤfer ſeyn, und der hoͤhere Preis, fuͤr welchen ſolche Wolle verkauft werden koͤnnte, wuͤrde kein hinreichender Erſatz dafuͤr ſeyn. Haͤtten wir aber Gelegenheit, die Buchariſchen Vließe zu unterſuchen, ſo wuͤrden wir ſehr wahrſcheinlich finden, daß ſie zu der Wollen⸗Manufactur im geringſten nicht geeigneter ſeyen, als ſie auch ohne jene muͤhvollen Anſtal⸗ ten geweſen ſeyn wuͤrden. 8 §. 69. Laͤnge des Vließes. Die meiſte der gegenwaͤrtig in dieſen Koͤnigreichen erzeugten Wolle iſt zu lang fuͤr die vollkommene Behand⸗ lung der Kraͤmpel, und der erſte Proceß, dem ſie unter⸗ wor vel A. bra bra wen kann ———e— — 185— diß dl n worfen wird, nachdem ſie die Haͤnde des Wollhaͤndlers Schafts gi verlaſſen hat, iſt darauf berechnet, ſie kuͤrzer zu machen. ' um dtte Dieß iſt der eigentliche Zweck der Bauart und des Ge⸗ Gegeneng brauchs der erſten Maſchinen, auf welche die Wolle ge⸗ t zu beinn bracht wird. Aber der Zuͤchter hat ein viel leichteres und“ t, in immn weniger koſtſpieliges Mittel in ſeiner Gewalt, denn er taglch n kann leicht eine Schafrace ziehen, deren Pelz fuͤr mmt, werde den feinſten Zweck kurz genug iſt, oder er kann ihn ſo, da des Jahrs mehr als einmal ſcheeren, ſelbſt fruͤher als er bleibt. d die Haͤlfte ſeiner Laͤnge erreicht hat. Doch ſollte er t und echit eine Maßregel der Art nur ſehr vorſichtig gebrauchen, rirtes) Anſe denn er wird bemerken, daß die Wolle vor der zwei⸗ achtet wid ten Schur in der einen Jahreszeit nicht genau derjeni⸗ z dieſes z gen gleich iſt, die er in der andern bekommen hat. Obgleich (aͤuſelung e⸗ etwas geringer an Guͤte, kann ſie in der Hand eines erfah⸗ t an Engli⸗ renen Fabrikanten zu vorzuͤglichen Zwecken verwendet wer⸗ Verfahren den. Iſt der Schafhirt geneigt, den Verſuch zu machen, der haͤfer ſeyn, keinesweges neu iſt, ſo wird er natuͤrlich in Erwaͤgung ziehen, lle verkauff ob der Zuſtand ſeiner Heerde, die Beſchaffenheit der Jah⸗ dafuͤr ſin. reszeit, und das Clima ſeines Landguts es geſtatten wollen. en Vließe zu g. 70. Der Kamm. lich fndan Die zur Bereitung von Worſted⸗Zeugen irgend einer ingſeennih Art beſtimmte Wolle wird zuerſt in einen zum Spinnen ollen Ani geeigneten Zuſtand durch den Kamm gebracht, ein in ſei⸗ nem Bau ſowohl als in ſeiner Wirkung von der Krempel ſehr verſchiedenes Inſtrument. Es beſteht vornehmlich aus einem Stuͤck Holz, das in ſeiner Geſtalt dem Buch⸗ ſtaben T ſehr aͤhnlich iſt. Durch das Haupt⸗ oder das Königkeichn ene Sehan Querholz, welches im Allgemeinen etwa drei Zoll breit j e. in ſe unn iſt, ſind eine Anzahl ſehr langer ſcharfer Zaͤhne(Zinken) ————— —— ———— — — 186— geſchlagen. Sie ſind fein zugeſpitzt, aus gut gehaͤrtetem Stahl gemacht, und gewoͤhnlich in drei Reihen geſteht, etwa dreißig in jeder, und ſtehen beinahe ſenkrecht auf dem Holze. Die Handhabe des Kamms wird durch den ſenkrechten Theil des Buchſtabens verſinnlicht. Beim Gebrauch dieſes Inſtruments wird die Wolle mit Sorg⸗ falt auf die Zaͤhne gehaͤngt, dergeſtalt, daß ſie uͤber die Stirn des Hauptes herabfaͤllt; iſt der Kamm hinlaͤnglich angefuͤllt und befeſtigt, ſo wird ein anderer Kamm derſel⸗ ben Art durch die Wolle gezogen, ſo daß ſie entwirrt, und jedes Haar eben und gerade gelegt wird. Wenn wir den vollen Kamm als den menſchl ichen Kopf betrachten, der durch ein langes, vernachlaͤſſigtes und verwirrtes Haar entſtellt wird, das wir wieder in ſeine natuͤrliche und ſchoͤne Ordnung bringen, ſo werden wir eine ſehr richtige Vorſtellung von der Wirkung und dem Nutzen dieſes In⸗ ſtruments bei der Worſted⸗Manufactur haben. Schon der Name’zeigt ſeinen Urſprung, Gebrauch und Nutzen. Aber der Kamm wird noch zu einem andern Zweck als bloß dazu gebraucht, das Haar gerade und gleich zu legen, denn der Stapel von langer Wolle ent⸗ haͤlt gewoͤhnlich eine betraͤchtliche Menge Haare, die kuͤr⸗ zer als die Mehrzahl derer ſind, aus welchen das Vließ beſteht, und auch eine Menge langer, welche in natuͤrliche und unaufloͤsliche Knoten verſchlun gen ſind, die hoͤchſt nachtheilig ſind, wenn ſie in die Worſted⸗Garne verarbeitet werden. Dieſe werden vermittelſt des Kaͤmmens zwiſchen den Zaͤhnen des Inſtruments geſammelt, und durch ein ſehr kuͤnſtliches und geſchicktes Verfahren, das laͤngere Haar aus dem Kamme zu nehmen, laͤßt der Arbeiter jene — 187— Ahitn ſo lange darin, bis er die reine und taugliche mit ſei 11 3 nen Fingern herausgenommene Wolle in Ordnung ee ge ih anf hat, die nach einem Altengliſchen Ausdruck, der ſehr durch da ſend die Geſtalt bezeichnet, die er ihr geea 4 buſ je dei Scheibe(Brotſchnitte, sliver,) genannt wird So ui Sone das Inſtrument von den Knoten oder noil gerei t 3 ſie uber de ſo iſt es wieder geſchickt, die Arbeit zu wiederholen 3 5 hinlänglch Kamm exfordert alſo offenbar, daß die Wolle bei 1 1 amm derſe cher er angewandt wird, Laͤnge genug befibe 3 ur tvittt md Auseinanderlegen auf den Zaͤhnen zu zeſeatten⸗ 2n enn wir d oder Zaͤhigkeit genug, um, ohne zu reißen i zun achten, de Durchziehen des Inſtruments noͤthige Nuskelkraft f 6. rites hin halten, und einen ſolchen Grad von Kraͤuſelung, um„. ürliche un Stande zu ſeyn, eine dichte und zuſaumnenpängende Gahedhe Phrrihtg(sliver) zu bilden. he diſts Ju⸗ Selbſt bis auf den heutigen Tag iſt der Kamm bei⸗ Schen nahe noch in ſeinem einfachen Zuſtand; ſowohl in ſeiner duten Bauart, als in ſeinen Groͤßenverhaͤltniſſen ſind ſeit der dandn zeit, wo er nach Europa gebracht wurde, ſehr wenige erdde un Veraͤnderungen gemacht worden, und vielleicht iſt dieß Volle ett- der Hauptgrund, warum wir in dem Haar langer Vließe e, die ki hinſichtlich der Feinheit, ſo wenig Unterſchied finden Bei das Vli weitem der groͤßere Theil der in England erzeugten Wolle nctillh dieſer Art weicht, wenn das Haar genau gemeſſen wird— de häti nur den zweihundertſten Theil eines Zolls von einander a8. verarbeitt Der Durchmeſſer des Haars iſt ſelten ſtaͤrker, als der afte ſechshundertſte Theil eines Zolls und gewoͤhnlich nicht wduc in feiner als der achthundertſte; eine aus kuͤrzeren Vließen ausgeſuchte und der Behandlug des Kamms unterwor⸗ das laͤnget, fene, ſehr geringe Quantitaͤt, moͤchte den tauſendſten Theil gbeüer ſne — krreichen. Um feine Wolle vermittelſt dieſes Inſtruments zu bearbeiten, muͤßte ſein Bau weniger plump, die Zaͤhne feiner, kuͤrzer und naͤher an einander geſtellt ſeyn, die auf ihn gebrachte Ladung betraͤchtlich geringer, und muͤßte ſich von einem weniger kraͤftigen Arm fuͤhren laſſen. Doch die Fabrikanten des Worſted⸗Garns ſind am beſten im Stande, uͤber Muthmaßungen der Art zu entſcheiden, und ich wage es nicht, ihr Gebiet zu betreten, indem ich mich damit begnuͤge, einen der Aufmerkſamkeit wuͤrdigen Gedanken vorzulegen. Mit einem Worte, wenn eine Nachfrage nach feinerem Garn Statt findet, als gewoͤhn⸗ lich gemacht wird, und nach Waaren von einem vorzuͤg⸗ licheren Gewebe, ſo finden ſich Fabrikanten, wollen ſie ſich nicht einen ſtraͤflichen Mangel an Handelsgeiſt zur Laſt fallen laſſen, allezeit bereit, darnach zu ſuchen, und ent⸗ ſchloſſen, wo moͤglich das eine zu erhalten und das an⸗ dere zu verfertigen. So wie dieſer lobenswerthe Eifer erregt und aufgemuntert wird, ſo werden die zur Vollkom⸗ menheit der geſuchten Artikel noͤthigen Materialien ſchleu⸗ nig entweder von außen herbei geſchafft, oder im Lande erzeugt, und zur Vollendung der Fabrikate geeignete In⸗ ſtrumente verbeſſert oder erfunden. Doch ſcheint es beſonders ſchwierig zu ſeyn, die Kraͤfte des Mechanismus auf die Manufactur der feineren Sorten des Worſted⸗Garns anzuwenden; denn obgleich ſie ſeit langer Zeit in der Bereitung faſt eines jeden Arti⸗ kels von wollenen Zeugen, und ſelbſt mit gutem Erfolg zum Spinnen groͤberer Nummern der Worſteds, gebraucht worden, ſo ſind doch der Kamm und das Spinnrad(Ca- therine wheel) noch heutiges Tages die einzigen Werk⸗ — 189— anat zeuge, durch die man die duͤnneren Garne erhält. Das t eh, ſehr genaue Zuſammenwirken der Muskeln des Kaͤmmers, Wir wenn er die Scheibe(sliver) legt, und der Spinnerin fuͤr ade, u) die Laͤnge und Duͤnne des Wollhaars angemeſſene Bewe⸗ 1 hren laſin gung, wenn ſie den Faden zieht, erfordern vielleicht eine am diſa Geſchicklichkeit, die, obwohl mehr aus Gewohnheit als enſhda aus Ueberlegung hervorgehend, nicht vertraͤglich iſt mit „uh ü dem unveraͤnderten Gang einer unverſtaͤndigen Maſchine. it wuͤrdige wenn eine§. 71. Kaͤmmwolle und Kratzwolle, ls gewahn⸗ Es iſt nothwendig, daß die Kaͤmmwolle unſerer Ge⸗ 44 en dorzi gend einige Kraͤufelung oder die Neigung, die Laͤnge des wolenſt Haars zuſammen zu ziehen, beſitze, denn ohne dieſe koͤnnte ſt zur lſ der Arbeiter keine Scheibe zu Stande bringen; es iſt aber und ent⸗ nicht wuͤnſchenswerth, daß dieſe Eigenſchaft ſtark vorherr⸗ 4 à dus an⸗ ſchen ſollte. Der Grund, warum lange Wolle ſich ſo rthe Effe weſentlich von dem Haar kuͤrzerer Vließe unterſcheiden Volliom⸗ moͤchte, wied leicht begriffen werden, wenn wir auf die 3 en ſchleu⸗ Verrichtung des Spinnrads merken. Bei dem Drehen V in Lande eines Wollfadens, wo der Stapel vorher kardaͤtſcht worden gnete J iſt, und wo die einzelnen Stuͤcke deſſelben in der aͤußerſten Unordnung nur durch ihre natuͤrliche Krummheit verbunden ſeyn, di ſind, wickelt das Drehen des Rads ſie ohne Ordnung er feineren und in jeder moͤglichen Richtung liegend, zuſammen. obgleic Beim Spinnen eines Worſted⸗Fadens aber, wo vorher ꝛden Aeti⸗ ein Haar neben das andere in der regelmaͤßigſten Ordnung im Erfolg gelegt worden iſt, wird das Haar in der Richtung ſeiner gebraucht Laͤnge ausgezogen, indem jedes Haar mit allen neben ihm ead(Ca- liegenden parallel iſt, und wird ſpiralfoͤrmig zuſammenge⸗ en Wrrk⸗ dreht, etwa wie die Windungen einer zuſammengeſetzten — 190— Schraube. Wenn dieſe Haare ihre Laͤnge in einem be⸗ traͤchtlichem Grade zuſammenzoͤgen, ſo koͤnnten ſie nicht gehoͤrig geordnet, noch ſo regelmaͤßig ausgezogen werden, wie es die Arbeit erfordert, ſondern wuͤrden in den Faden in unregelmaͤßiger und hoͤckeriger Geſtalt ge⸗ dreht werden, was dem Garn und den Waaren nachthei⸗ lig iſt, die daraus bereitet werden. Die allgemeine Beſchreibung der verſchiedenen Pro⸗ ceſſe, durch welche die Wolle auf den erſten Stufen der Bearbeitung geht, wird hoffentlich jedermann verſtaͤndlich und hinreichend ſeyn, den Zuͤchter zu uͤberzeugen, daß die guten Eigenſchaften der Vließe nicht Kinder der Laune ſind, daß Wolle nicht willkuͤrlich zu einem dem Fabri⸗ kanten beliebigen Gebrauch verwandt werden kann, ſondern daß die Natur ihre beſondere Beſtimmung angiebt, daß der Arbeiter gezwungen iſt, das rohe Material mit allen ſeinen Maͤngeln anzunehmen und es zu Zwecken zu verwen⸗ den, fuͤr die es am beſten paßt, obgleich er Eigenſchaften in demſelben wahrnimmt, die ſeinen Fabrikaten Nachtheil bringen, und es beklagt, daß es ihm mit all ſeiner Ge⸗ ſchicklichkeit und all ſeinem Fleiß nicht moͤglich ſey, ihrem uͤblen Einfluß zu begegnen. In ſolcher Lage blickt er aͤngſtlich um Huͤlfe nach dem Zuͤchter, als der einzigen Perſon, welche die Eigenſchaften der Vließe veraͤndern und einen vollkommenen Stapel hervorbringen kann, und hofft ganz natuͤrlich, daß ſeine Beduͤrfniſſe beachtet und ſeine Wuͤnſche befriedigt werden moͤchten. Vielleicht moͤchte der unabhaͤngige Geiſt des Fabrikanten gekraͤnkt werden, wenn wir zu verſtehen gaͤben, daß er der Arbei⸗ ter des Schaͤfers iſt, ſonſt koͤnnten wir den Landwirth = — tinen ze ſieritt rusg zogen wüͤrden i Heſtalt ge nachthe⸗ denen Pn⸗ Stufen de verſeaͤndlih ugen, daß der Laugt em Fabri n, ſondern giebt, daß mit allen verwen⸗ enſchaften Nachtheil ſiner Ge⸗ ey, ihrem blickt er er einzigen veraͤndenn kann, 1nd achtet und Veellicht ſ gekräutt der Arber⸗ dandwith * — 191— fragen, ob er nicht ſehr ſorgfaͤltig bemaͤht iſt, guten Saa⸗ men zu ſaͤen, um dem Muͤller und Mehlhaͤndler eine vor⸗ zuͤgliche Waare zu liefern, waͤhrend er ſich eine tadelns⸗ werthe Sorgloſigkeit hinſichtlich der Guͤte derjenigen Waare zu Schulden kommen laͤßt, die er dem Kaͤmmer, dem Spinner und dem Weber liefert. Die Laͤnge der fuͤr den Kaͤmmer geeigneten Wolle iſt von vier Zoll aufwaͤrts. Die Strumpf⸗Manufactur er⸗ fordert einen betraͤchtlichen Theil von derjenigen, die von vier bis acht Zoll mißt, und die laͤngere Sorte iſt ge⸗ woͤhnlich zur Verfertigung von Worſted⸗Garn be⸗ ſtimmt, ein Artikel, der in der Art ſeiner Bearbeitung eine große Verſchiedenheit zulaͤßt. Der kuͤrzere Stapel iſt zu wollenen Zeugen faſt jeder Art zu gebrauchen, die, außer der ganzen Menge dieſer Sorte im Lande erzeug⸗ ter Vließe, auch noch große Zufuhren von auswaͤrts erfordern, und eine nicht unbedeutende Menge derjenigen Wolle, welche die Laͤnge der Kaͤmmwolle erreicht hat, wird der Behandlung der Kardaͤtſche unterworfen. Dieß iſt uͤbrigens vornehmlich diejenige, welche die zuſammen⸗ ziehende Eigenſchaft in einem zu hohen Grade beſitzt, die zu ſchwach iſt fuͤr den Kamm, oder gebraucht wird, um Zeuge daraus zu machen, die eine lange und gut gehobene Oberflaͤche erfordern. Zuͤchter ſind im Stande, die Lange des Stapels durch verſchiedene Mittel zu vermehren. Da die meiſten von dieſen bereits erwaͤhnt worden ſind, ſo wird es hier hinreichend ſeyn, ſie bloß kuͤrzlich wieder zu nennen. Die Leitung der Zucht iſt nicht nur das natuͤrlichſte und leichteſte, ſondern auch das am allgemeinſten angewandte — 4 4 1 I 1 1 f “ . 7 — 192— Verfahren. Der Erfolg davon iſt dauernder als von andern, zu denen man zuweilen ſeine Zuflucht nimmt, aber weniger frei von verderblichem Einfluß; denn man bemerkt nicht ſelten, daß der Bock, indem er ſeinen Nachkommen eine vermehrte Laͤnge der Stapel mittheilt, ihnen auch ein groͤberes Haar giebt. Das Fuͤttern der Schafe mit nahr⸗ hafteren Graͤſern, mit Ruͤben und Oelkuchen, wodurch auf die Carcaſſe, wie auf das Vließ, ſtark gewirkt wird, ſcheint ein von verderblichem Einfluß freies Verfahren zu ſeyn, die Laͤnge der Wolle zu vermehren, erfordert aber, daß das Thier beſtaͤndig gut, ſelbſt im Ueberfluß gehal⸗ ten werde, und die Wirkungen dieſes Verfahrens dauern nicht laͤnger, als das Verfahren beibehalten wird. Ein anderes von der Natur vorgezeichnetes, aber ſelten viel⸗ leicht mit dieſer beſondern Abſicht angenommenes Verfahren, die Laͤnge des Stapels zu vermehren, iſt, daß die Wolle zwei volle Jahre hindurch auf dem Schafe bleibt; dazu iſt nur die Sorgfalt erforderlich, daß das Thier in der Zeit, wo das Vließ im Wachſen iſt, nicht von Kaͤlte oder Hunger leide. Kach meiner eignen beſchraͤnkten Kenntniß von dem Zuſtand der Worſted⸗Mannufactur ſcheint es wuͤnſchens⸗ werth, daß die Wollzuͤchter eine groͤßere Menge ſowohl von den groben und ſchweren Vließen liefern moͤchten, die ſich zur Bereitung der geringeren Artikel eignen, als auch von jenem uͤberfeinen Stapel, welcher anwendbar iſt zu Krepp, Bombazine, Shawls und einigen der uͤbrigen koſtbaren Gewebe der Norwicher Stuͤhle. Es iſt ſehr zu wuͤnſchen, daß die Feinheit dieſer Fabrikate zu einem hoͤ⸗ heren Grade der Vollkommenheit gebracht werden moͤchte, ——— 5———————:—-——— ——————— 8 1 und daß alle Kraͤfte aufsehoten wuͤrden, das neuere Ma⸗ abme ſchinenweſen zu Garn von Vvorzuͤslicherer Güre einzurichten. ürdn Wenn dieß bewirkt werden koͤnnte, ſo wuͤrde es vielleicht mehr als irgend etwas anders dazu beitragen, unſern ün auhin Worſted⸗Manufacturen neues Leben einzuhauchen, wuͤrde emt mi ſie in den Stand ſetzen, mit einigen der koſtbaren Fabri⸗ i brdan kate Indiens zu wetteifern und mit gluͤcklicherem Erfolg vict nih dem druͤckenden Einfluß baumwollener Zeuge zu widerſte⸗ erfahren hen. Wir wuͤnſchen keinesweges, Maßregeln zu empfeh⸗ ordert ce len, die dahin zielten, die Verarbeikung dieſes auslaͤndi⸗ ſuß gha⸗ ſchen Materials zu mindern, oder ſeine Fortſchritte zu eens dauen hemmen, koͤnnen aber nicht ohne Bedauern bemerken, wird. En daß es das Uebergewicht erhaͤlt, zur gaͤnzlichen Zerſtoͤrung ſelten dil⸗ des Geſchmacks an Worſted⸗Fabrikaten. Verfahren zhe g. 72. Geſchmeidigkeit. leibt; dazu Die Geſchmeidigkeit(Biegſamkeit) der Wolle iſt auch jier in der eine jener Eigenſchaften in dem Stapel, welche die ge⸗ Kalte ode naueſte Aufmerkſamkeit des Schaͤfers verdienen, indem ſie von dem Fabrikanten als eine weſentliche Eigenthuͤmlich⸗ ß von den keit geſchaͤtzt wird. Alle unbiegſame und ſproͤde Sub⸗ wuͤnſchene ſtanzen ſind offenbar zu vielen von jenen Proceſſen un⸗ nge otoh tauglich, denen die Wolle unterworfen werden muß, ehe nöchten, d ſie zu dem vollkommenen Zuſtand der Bearbeitung gebracht 1, als aud werden kann, die mit der Bequemlichkeit und Zierde des dbar iſti Lebens ſo innig verbunden iſt. Es iſt unmoͤglich, einen dir übriht lang gedehnten Faden daraus zu bereiten, deſſen Duͤnne zſſt ſlhen und Dichtheit ihn tauglich machen ſoll für die Behand⸗ 9 tinen hi⸗ lung auf dem Stuhl, auf der Walkmuͤhle und in der dn nich Preſſe. Fuͤr manche Artikel der Wollen⸗Manufactur b 13 ————ÿ—ÿ—ꝛO⸗˖;-ñ·———————— Q—— — 194— kann in der That die Wolle nicht zu viel Geſchmeidigkeit beſitzen, wenn ſie nicht dadurch die Neigung verliert, ihre Laͤnge zuſammen zu ziehen und eine gekruͤmmte Geſtalt an⸗ zunehmen, die wir bereits als eine der beſten Eigenſchaf⸗ ten des kuͤrzeren Stapels beſchrieben haben. In den fei⸗ neren Proben der Spaniſchen Wolle ſind dieſe beiden Eigen⸗ ſchaften auf eine bewundernswuͤrdige Weiſe vereint, die Kraͤuſelung des Haars iſt aͤußerſt fein und echt, und ihre plaſtiſche Eigenſchaft iſt zum gewoͤhnlichen Sprichwort geworden; aber dem Stapel der meiſten Brittiſchen Vließe wird vorgeworfen, daß er unbiegſam und elaſtiſch ſey, die Wirkungen verhindere, welche das Spinnrad hervor⸗ bringen ſollte, und den Faden loſe und borſtig mache. Doch iſt zu bemerken, daß wollene Artikel eine große Mannigfaltigkeit in den Graden der Elaſticitaͤt von der Wolle, aus der ſie gemacht werden, verlangen. Diejeni⸗ gen, welche dazu beſtimmt ſind, der aͤußerſten Heftigkeit des Winters zu widerſtehen, wie z. B. Bettdecken(blan- kets) und fearnoughts*), desgleichen Pluͤſche(Shags) und einige Sorten Fußteppiche(carpeting) verlangen einen ſehr hohen Grad von Elaſticitaͤt, ſo daß der Arbei⸗ ter im Stande iſt, eine lange und aufſchwellende(knap) Oberflaͤche zu machen; bei den feineren und duͤnneren Fa⸗ bricaten aber, deren Oberflaͤche aͤußerſt wohl geglaͤttet ſeyn ſoll, iſt ein hoher Grad von Elaſticitaͤt ſehr nachthei⸗ lig. Sie verurſacht allezeit, daß ſich die Subſtanzen hart und ſtachlicht anfuͤhlen, weil die Enden der Haare, aus dem Faden herausſtarrend und uͤber die Oberflaͤche *) Fearnoughts, eine uͤberaus ſchwere Art von Kalmuck. Anm. d. Ueberſ. des pf bef 37 de er —— — 195— chwedigee des Tuchs hervorragend, beim Anfuͤhlen genau dieſelbe Em⸗ erliert, in pfindung wie eine unendliche Menge kurzer, ſcharfer, darin Geſtalt ae befeſtigter Spitzen erregen. Um Wollen⸗ und Worſted⸗ Eigenſhe⸗ Zeugen jeder Art, mit Ausnahme der eben erwaͤhnten, In den ſ die Vollendung zu geben, iſt unter andern die Verminde⸗ eiden Eg„rung dieſer außerordentlichen Elaſticitaͤt ein Gegenſtand bereint, der Sorgfalt des Arbeiters. Zu dieſer Abſicht gebraucht echt, m er die Scheere, die(singing stoves) Seng⸗Ofen und Sprichdet die Preſſe mit ihren erhitzten Platten, und iſt im Stande iſchen Aa vermittelſt dieſer Huͤlfsmittel und großer Anſtrengung Klfiſt ſ eine glatte, weiche und glaͤnzende Oberflaͤche herzuſtellen; nrad her die Wirkung aber, die er dadurch auf ſtark elaſtiſche rſiig nuhe„Wolle hervorbringt, iſt kaum etwas mehr als temporaͤr, eine gi weil Feuchtigkeit ihre vorige Unbiegſamkeit(Wider⸗ fit don d ſpenſtigkeit) wieder herſtellt und ihr den Glanz raubt, . Duim der ihr aufgedruͤckt worden war. Die Wirkung der Hitze 1 erfigtt auf Wolle iſt ſehr ſonderbar, denn, in einem maͤßig hohen kin(hlar Grad angewandt, ſcheint ſie der Wolle die Kraft mitzu⸗ de(Sg theilen, ſich auszudehnen, als wenn ſie ein degeſtſeltides Abſto⸗ vulun ßen zwiſchen den Haaren, aus welchen der Stapel beſteht, bewirkte, und es wird in den Proceſſen der Wollen⸗ und Wor⸗ ſ di di ſted⸗Manufacturen mit großem Vortheil haͤufig Gebrauch 4 din davon gemacht, und in Verbindung mit der Preſſe dient dunnera ſ ſie dazu, das Haar in der kuͤnſtlichen Richtung zu halten, ohl elin die ihm gegeben worden iſt, eine Wirkung, die man ſich ehr naaſte leicht durch die Brenneiſen des Haarkraͤuslers verſinnli⸗ e Eübſin chen kann.— Das Aneignen(Anbringen) dieſer ver⸗ n der Pn nachlaͤſſigten Eigenſchaft mag der Zuͤchter ſeiner Aufmerk⸗ ie durtſi ſamkeit ſehr angelegentlich empfohlen ſeyn laſſen, weil, Falmuc. wenn wir nach einigen der von den beruͤhmteſten Zuchten d Ueberſ 13* —— —,————öööööö—ö—öö—ö—ö—ö—ö—— EEöEö—ö—ö—ö—ö—ö—oöo—o — erzeugten Vließe urtheilen duͤrfen, ſie mit dem Blut des Thiers ſo enge verknuͤpft iſt wie jede andere Eigenſchaft, die von den Eltern den Kindern mitgetheilt werden kann, und eine ſehr wichtige Ruͤckſicht iſt, wenn wir die Voll⸗ kommenheit des Haars zu ſchaͤtzen haben. §. 73. Zaͤhigkeit und Bruͤchigkeit. Die kurze Beſchreibung, die ich vorhin von der Weiſe, wie die Wolle gekaͤmmt wird, ſo wie von der Wirkung, die durch die Kraͤmpel auf dieſelbe bezweckt wird, gegeben habe, wird denjenigen, die mit dieſen Proceſſen nicht vertraut gewe⸗ ſen ſind, einigermaßen einen Begriff von dem Werth eines hinlaͤnglichen Grades von Zaͤhigkeit*)(Biegſamkeit, im Gegenſatz von Bruͤchigkeit—) in dem Wollhaar verſchaf⸗ fen. Wenn der Stapel ſchwach und leicht zerbrechlich iſt, ſo wird er nicht im Stande ſeyn, die Gewalt auszu⸗ halten, mit welcher der Kamm durchgezogen werden muß. Ueber der Arbeit zu Stuͤcken brechend, ſammeln ſich die Bruchſtuͤcke in dem Inſtrument und geben nur ein noil (Knoten),— einen Artikel, der in der Fabrikation von Worſteds von keinem Nutzen iſt. Der Zuͤchter mag leicht wahrnehmen, ob ſeine Kaͤmmwolle zu ſchwach iſt; denn wenn der Stapel bricht, ſo wie er mit den Fingern der beiden Haͤnde ſtark gezogen wird, ſo mag er allezeit dar⸗ aus ſchließen, daß ſie zu Worſted⸗Zeugen ſchlecht ſich eigne und am gewoͤhnlichſten ganz unbrauchbar dazu ſey. Wenn er es unternimmt, die Zucht einer vorzuͤglicheren Art langer Wolle zu foͤrdern, ſo iſt es von der groͤßten Wichtigkeit, daß er die Staͤrke und Geſundheit des Sta⸗ pels in Acht nehme; denn wenn die Vließe, die er ſorg⸗ *) toughnels. dem Dlutde te Eqgenſhiß werden im wir die do von der Wi r Würkung, „gegeben ſa vertraut gede zmn Werth ein gſanket, n lhaar berſchi ht zerbeedt Gewalt ausy werden mi meln ſich d nar ein nol brikation be ter mag lit ach iſt; dm Fingern de er alltzei d Iſchlecht ſ zbar dazu vorguͤglchen n der gröſtt heit dis E „deett ſi — — 497— faͤltig gepflegt und deren Haarlaͤnge er vermehrt hal, nicht hinlaͤnglich ſtark fuͤr den Kamm ſind, ſo hat er nicht nur ſeinen Zweck verfehlt, ſondern noch obendrein ſeine Wolle verdorben. Auch iſt beſondere Sorgfalt noͤthig, wenn der Eigenthuͤmer einer langwolligen Heerde durch Auswahl von Boͤcken mit kuͤrzeren Vließen die Wolle feiner zu machen ſucht, denn es giebt nur ſehr wenige Zuchten in dem Koͤnigreiche, die zugleich feine und fuͤr den Kamm hinlaͤnglich ſtarke Vließe tragen. Ein verſtaͤn⸗ diger Wollhaͤndler, der die Engliſchen Vließe lange beob⸗ achtet hat, und von deſſen Einſicht und Redlichkeit ich unter den aufgeklaͤrteſten Landwirthen mit der verdienten Achtung ſprechen gehoͤrt habe, klagt in ſeinen ſchriftlichen Aeußerungen uͤber dieſen Gegenſtand, daß durch die Ver⸗ edelung der Schafe in den Grafſchaften Huntingdon, Northampton, Leicester und Lincoln die Eigenſchaf⸗ ten der Stapel ſehr verſchlimmert, daß die Wolle zu ſchwach gemacht worden ſey fuͤr die Manufacturen nach der alten Einrichtung, und fuͤgt hinzu: Dieß iſt ein Uebel⸗ welches ſich bald ſelbſt heilen muß, denn lange ſtarke Wolle wird die preiswuͤrdigſte werden. Auf der andern Seite aber darf die Kardaͤtſch⸗Wolle nicht einen zu hohen Grad von Staͤrke oder Zaͤhigkeit be⸗ ſitzen, weil der erſte Proceß, dem ſie unterworfen wird, dazu beſtimmt iſt, das Haar in kleine Stuͤcke zu zerreißen, was keinesweges vollfuͤhrt werden kann, wenn das Haar ſtark genug iſt, die Gewalt abzuhalten, die ihr mit der Kardaͤtſche angethan wird, und unverſehrt durch die Zwi⸗ ſchenraͤume der Zaͤhne zu gehen. Auch darf man nicht glauben, daß das kuͤrzere Haar nicht allzu zart ſeyn koͤnne; — 198— denn bisweilen wird es ſo ſchwach gefunden, daß es, indem es durch die Maſchine geht, in kleinere Stuͤcken zer⸗ riſſen wird, als es die natuͤrliche Gekruͤmmtheit des Sta⸗ pels geſtattet, und es wird dann durch die Bewegung der Walzen(der Cylinder*) leicht zerſtreut und verſchlaͤudert, auch wird das Tuch, wenn die Wolle, aus der es berei⸗ tet iſt, nicht eine betraͤchtliche Zaͤhigkeit beſitzt, nicht ohne Nachtheil die heftigen Schlaͤge der Walkmuͤhle aushalten. §, 74. Die filzende Eigenſchaft. Man hat, wie ich glaube, der filzenden Eigenſchaft der Wolle noch keine techniſche Benennung gegeben, ob⸗ gleich ſie laͤngſt zu nuͤtzlichen Zwecken angewandt und von weſentlicher Wichtigkeit in der Fabrikation vieler Arten wollener Zeuge iſt. Sie iſt die Baſis, auf die ſich bei uns die Hutmanufactur ſtuͤtzt, und iſt im Auslande ſchon mehrere Jahrhunderte zur Fertigung von Hausge⸗ raͤthſchaften benutzt worden. Bei der Bereitung von Worſted⸗Zeugen braucht man ſie nicht, auch iſt ſie nicht nothwendig zur Verfertigung der Struͤmpfe, Bettdecken (blanket), Flanelle,(Baize**), noch irgend eines andern Artikels, der nicht in die Walkmuͤhle kommt. An eini⸗ gen von dieſen, wenn ſie von Wolle gemacht ſind, in wel⸗ cher dieſe Eigenſchaft in ſtarkem Maße vorhanden iſt, fin⸗ det die Hausfrau viel nachtheiliges und beklagt ſich, daß ihre Struͤmpfe und ihre Flanelle zu ſchwach wuͤrden und ſich zu bald abnutzten. Aus der verſchiedenen Weiſe, **) Cylinder⸗Kratze. **) Baize iſt eigentlich eine Art Flanell; von Flanellen giebt es vielerlei Qualitaͤten. Baize PFlanells ſind die ſtaͤrkſten und dickſten Flanelle. Aum. d. Ueberſ. n, ds Stäͤckn a. eit des Et ewegung de derſchläudet, der es bari⸗ t, nicht ohne gle aushalen n Eigenſchet gegeben, u⸗ ndt und vot vieler Aet auf die ſic in Auslande on Hausge⸗ reitung von Hiſtſie nich „Hettdeckn eines anden tt. An ei⸗ ſind, in ul nden iß fn beklagt ſch vach wüͤtde denen Veſt lanelen lit n die fültin geberß ——— ——y— — 199— wie man dieſe Artikel bereitet, moͤgen wir folgern, daß im Allgemeinen die filzende Eigenſchaft faſt an jeder Art feiner und kurzgeſtapelter Vließe ſchaͤtzbar, und daß ſie bei dem groͤßeren Theil der laͤngeren und groͤberen Woll⸗ ſorten nicht wuͤnſchenswerth ſey. Es giebt wenige Dinge, in welchen die auf dieſen Inſeln am gewoͤhnlichſten anzu⸗ treffenden Schafracen mehr von einander abweichen, als in dem Vermoͤgen, ein Vließ zu liefern, was dieſe ſchaͤtz⸗ baren Eigenſchaft vollkommen beſitzt, oder dem dieſe nur theilweiſe mangelt. Man kann ſie beſchreiben als eine Neigung in dem Haar, wenn es maͤßiger mit Feuchtigkeit vereinter Hitze ausgeſetzt wird, zuſammen zu hangen und eine dichte und beugſame Subſtanz zu bilden. Dieſe Ei⸗ genſchaft gehoͤrt aber nicht ausſchließlich dem Wollhaar des Schafes an; das Haar anderer Thiere, beſonders des Kameels, des Dromedars, der Ziege und des Bibers beſitzt ſie bekanntlich in einem hohen Grade; vielleicht fehlt ſie einigen wenigen von den kruͤzerhaarigen Fellen ganz⸗ obgleich das laͤngere Haar, und das, welches eine glatte und harte Oberflaͤche mit einem hohen Grad von Zerbrech⸗ lichkeit(Bruͤchigkeit) hat, nur ſchwache Merkmale ihres Daſeyns zeigen. Ich habe nie eine Spur von ihr in dem Haar des menſchlichen Kopfs gefunden, ausgenommen bei dem in Polen gewoͤhnlichen krankhaften Zuſtand deſſelben, auch nicht in den Maͤhnen⸗ und Schweifhaaren der Pferde, eben ſo wenig in den Schweinsborſten, obgleich ſie ſaͤmmt⸗ lich waͤhrend des Wachsthums, in dem rohen und verar⸗ beiteten Zuſtand ſehr genau beobachtet worden ſind. Unter den Thieren, deren Pelze dieſe ſchaͤtzbare Ei⸗ genſchaft beſitzen, zeichnet ſich das Schaf am meiſten aus, —-—— — 2 —————;——————— — ÿ— E ——;ÿ—˖———— 22* — 200— und wenn wir von der Menge der in allen Theilen des Oſtens gebrauchten Filze und von dem leichten Verfahren, nach welchem einige von ihnen bereitet werden, einen Schluß ziehen duͤrfen, ſo ſcheint es, daß der Wolle des weſtlichen Aſtens dieſe Eigenſchaft nicht mangele; die Wolle Frankreichs beſitzt ſie in einem ausgezeichneten Maße; und das beneidete Erzeugniß Spaniens uͤbertrifft die Wolle der Nachbarlaͤnder in dieſen ſo wie in den meiſten uͤbrigen Vorzuͤgen. Aus den Vließen Englands ſind als die ge⸗ eignetſten fuͤr die Walkmuͤhle diejenigen ausgeſucht wor⸗ den, welche man von den Norfolk⸗, Morf⸗*) und Che⸗ viol⸗Zuchten erhaͤlt, waͤhrend die Southk-Downs allge⸗ mein verſchrieen ſind, daß ſie eine Art Wolle erzeugen, welcher, Trotz alles deſſen, was zu ihrem Gunſten geſagt worden iſt, offenbar wenigſtens dieſe gute Eigenſchaft fehlt. Vielleicht mag dieß einigermaßen von der Kreide⸗ haltigkeit des Bodens herruͤhren, auf welchem dieſe Schafe weiden, denn wir haben bemerkt, daß ſowohl dieſe als die Wiltshire-Zucht, wenn ſie auf anderen Boden ver⸗ ſetzt werden, eine Wolle erzeugen, die ſich auf der Walk⸗ muͤhle zu einer feſten Maſſe verdichtet, obgleich langſa⸗ mer als die Wolle von einigen andern Familien. Aus dieſem Umſtand duͤrfen wir aber nicht den Schluß machen, daß der in der filzenden Eigenſchaft der Vließe bemerkte Unterſchied gaͤnzlich vom Boden hekruͤhre, weil wir auf Boden, den man als der Wolle nicht nachtheilig kennt, verſchiedene Schafarten ſinden, deren Pließe dieſe Eigen⸗ ſchaft nicht in gleichem Grade beſitzen. Zuͤchter koͤnnten ³) Im Suͤden von Shropfhire: vgl. Shropſhire, Abſchn. IV. 9. 141. 3 leie zuſ ——j———— — 291— Djin e leicht ergruͤnden, welcher Urſache dieſe Verſchiedenheit zu⸗ Verfähte e.. ch Nioe G. 3 zuſchreiben ſey, und da ſich die South-Down-Zucht ſo den, im weit uͤber das Land ausbreitet, wird es ſicherlich Pflicht Nalene des Zuͤchters von Suſſer, jeden Tadel von ihren Heerden ngelr; i zu entfernen. eten ghi Die filzende Eigenſchaft der Wolle iſt dem Auge nicht ft diuu ſichtbar; und obgleich es einige ſehr allgemeine Erſchei⸗ ſen üüri nungen(Zeichen) giebt, welche die Gegenwart oder die als diege Abweſenheit dieſer Eigenſchaft andeuten, ſo ſind dieſe doch geſucht no ſo unbeſtimmt, daß die beſten Wollkenner dieß als einen ) un G. Punct betrachten, uͤber den man nur durch Probiren zur Wuüs alhe Gewißheit kommt. Die Anwendung von Feuchtigkeit, ſe erzeugn Waͤrme und Druck iſt das gewoͤhnlichſte Verfahren, dieſe nſten geſag Eigenſchaft in Thaͤtigkeit zu bringen. Ohne Huͤlfe der Eigenſcht erſten bleibt ſie voͤllig ſchlafend; die beiden letzteren wer⸗ der Kredde den gebraucht, um den Proceß zu beleben(anzufriſchen). ſeſe Schaff Die Neigung eines jeden Fadens(ihread), ſeine Laͤnge⸗ dieſe als zuſammen zu ziehen, ſo wie er Feuchtigkeit einſaugt, iſt doden ver⸗ nicht nur allgemein anerkannt worden, ſondern einige Ar⸗ der Wal⸗ ten werden fuͤr ſo regelmaͤßig wirkend und gegen jede ge⸗ ich langſe ringſte in der auf ſie wirkenden Urſache vorfallende Ver⸗ lien. Aux aͤnderung fuͤr ſo empfindlich gehalten, daß ſie zu den die ſluß machn groͤßte Genauigkeit fordernden Arbeiten der philoſophiſchen ße bematt Naturforſcher als beſonders tauglich gebraucht werden. eil wir a Der wollene Faden beſitzt aber die Eigenſchaft, noch zu⸗ eilig kemn ſammengezogen zu bleiben, nachdem die Urſache, welche ieſe Eir die Zuſammenziehung hervor brachte„ zu wirken aufgehoͤrt ter koͤntn hat, waͤhrend die meiſten andern, wie z. B. Schnuͤre von n Katzendarm(catgut), Roßhaar, Linnen, Hanf und Baum⸗ Aiſchn. wolle ihre vorige Laͤnge wieder annehmen. Wir wiſſen —. 202— gegenwaͤrtig noch zu wenig, um die Urſache dieſer dau⸗ ernden Zuſammenziehung angeben zu koͤnnen, vermuthen aber, daß dieß davon herruͤhre, daß die Theilchen des Fadens, die mit einander in thaͤtige Beruͤhrung gebracht worden ſind, ganz aus demſelben Grunde zuſammen haͤn⸗ gen, wie die bleiernen Kugeln bei dem gewoͤhnlichen in den Vorleſungen uͤber Naturphiloſophie vorgebrachten Verſuche, die Anziehungskraft der Koͤrper zu erklaͤren. Bei dieſem Verſuch iſt es noͤthig, das Blei von allen fremdartigen Subſtanzen zu reinigen, wenigſtens an den Puncten, wo die Baͤlle einander beruͤhren; bei dem Filzen der Wolle aber iſt es im Gegentheil eben ſo nothwendig, irgend eine Fluͤſſigkeit zu gebrauchen, die ſich innig mit der Wolle vermiſcht und die Anziehung befoͤrdert, wie es das Oel thut, wenn es aus derſelben Abſicht zwiſchen zwei Glasplatten gegoſſen wird. Maͤßige Waͤrme unter⸗ ſtuͤtzt den Proceß offenbar, aber warum ſie dieß thut, und wie ſie wirkt, iſt groͤßtentheils unbekannt. Der Grad Hitze, welcher erfordert wird, um die filzende Eigenſchaft der Wolle in die ſtaͤrkſte Thaͤtigkeit zu ſetzen, ſteht bedeu⸗ tenb unter dem Siedepunct des Waſſers; eine hoͤhere Temperatur loͤſt das Gewebe des Fadens auf und ver⸗ mehrt die Elaſticitaͤt des Haars, indem ſie ihm ſo die Neigung mittheilt, von dem Kern des Tuchs abzuſtehen (wegzuſtarren) und ſeine Oberflaͤche zu verderben. Die Preſſe ſcheint dazu zu dienen, daß ſie eine groͤßere Zahl Puncte in Beruͤhrung bringt und den Faden von der Luft befreit, die in ſeinen Zwiſchenraͤumen ſteckt. Von dem Gange, den die Natur bei dem Filzen nimmt, iſt aber ſo wenig bekannt, daß der Fabrikant, der uͤberlegte Ver⸗ diſſer dan vermuthen ilchen de g gbracht umen hän hnlichen i gebrachten ecklätn. von aln as an da dem Fiben atthwendig innig mi t, wie es t wiſchn me unter⸗ hut, und er Gtad genſchaft ͤt bede⸗ ne hoͤßer und ber⸗ m ſo di nue en. ßert 2 der Luft Von dem daber ſi gte Va⸗ —— ——— 2 ————————ͤͤ————ſſͤſͤſͤſͤſͤſͤſͤſſͤſͤ — 203— ſuche anſtellen, ihren Gang ſorgfaͤltig beobachten und die Reſultate mittheilen wollte, ſeinem Lande einen ſehr nuͤtz⸗ lichen Dienſt leiſten wuͤrde. §. 75. Die Stampf⸗ oder Walkmuͤhle. Die Weiſe, dieſe verborgene Eigenſchaft in Thaͤtig⸗ keit zu bringen, iſt nicht allezeit dieſelbe geweſen. In den rohern Zeiten ſcheint ſie durch den von dem Gewicht des menſchlichen Koͤrpers verurſachten Druck erregt worden zu ſeyn, indem das Tuch in ſeinem rauhen Zuſtande unter die Fuͤße der Arbeitsleute gelegt und von dieſen ſo lange geſtampft wurde, bis es hinreichend verdichtet war. Da⸗ her wurde die zu dieſem Geſchaͤft angeſtellte Perſon ein Tuchtreter, Walker*) geheißen, und die nachher zur Er⸗ reichung deſſelben Zwecks eingefuͤhrte Maſchine wurde eine Tret⸗ Stampf⸗ oder Walkmuͤhle genannt. Mrs. Guthrie benachrichtigt uns in ihrer Reiſe durch Tauris, daß die Tartaren noch dieſes patriarchaliſche Verfahren anwenden. Sie breiten zwei bis drei Schichten angefeuchteter ge⸗ kaͤmmter Wolle aus, ſtampfen ſie einige Stunden un⸗ ter den Fuͤßen und verfertigen ihre Fußteppiche ohne Huͤlfe des Weberſtuhls, oder der neueren Erfindung der Walzen. Doch iſt dieſe gelehrte Fran, die auf ihrer Reiſe ſehr viele Kenntniſſe ſammelte, vielleicht im Irrthum, wenn ſie die Wolle als gekaͤmmt beſchreibt, weil dieſes Verfahren erſt lange nach den Zeiten der Patriarchen angewandt wurde und eine Bekanntſchaft mit den Kuͤn⸗ ſten vorausſetzt, die mit dem Sinn ihrer Bemerkungen im Widerſpruch ſteht. Wenn die Wolle mit einem Inſtru⸗ *) Walker, Waulker, von Walk, gehen, treten. à4 — 204.— ment und nicht mit den Fingern allein zubereitet war, ſo geſchah dieß wahrſcheinlich vermittelſt der wilden Diſtel, wenigſtens haben wir Grund, dieß zu vermuthen, wenn dieſe Pflanze dort gefunden wird. Die erſte Verbeſſerung in der Kunſt des Tuchwalkers beſtand nach meiner Mei⸗ nung darin, daß die Arbeitsleute ſtatt der auftechten eine ſitzende Stellung erhielten, wodurch die Arbeit raſcher und bequemer von Statten ging. Mr. Pennant, meines Wiſſens der einzige, der von dem Verfahren auf dieſer Stufe eine Nachricht gegeben hat, ſah es auf ſeiner Reiſe nach den Hebriden auf der Inſel Skye anwenden. Bei meiner Ruͤckkehr von Beinn⸗shuardal, ſagt er, bin ich mit der Auffuͤhrung, ich will es ſo nennen, des Luagh ober des Tuchſtampfens(Tuchwalkens) unterhal⸗ ten worden. Zwoͤlf oder vierzehn Weiber in zwei gleiche Haͤlften getheilt, ſitzen am Boden zu beiden Seiten eines langen, der Laͤnge nach gerippten Bretes, worauf ſie das Tuch legen; zuerſt fangen ſie an, es ruͤckwaͤrts und vor⸗ waͤrts mit ihren Haͤnden zu bearbeiten, und ſingen zu glei⸗ cher Zeit; ſind die Haͤunde muͤde, ſo gebraucht ein jedes Weib ſeine Fuͤße zu demſelben Zweck(immer noch im Sitzen), und ſechs oder ſieben Paar nackte Fuͤße ſind in der heftig⸗ ſten Bewegung, eins gegen das andere arbeitend. Da ſie unterdeſſen ſehr eifrig in ihrer Arbeit werden, ſo ſteigt die Wuth(Begeiſterung) des Geſangs und erreicht eine ſolche Hoͤhe, daß man glauben ſollte, einen Haufen weib⸗ licher Daͤmonen verſammelt zu ſehen. Der Gegenſtand des Geſangs bei dieſer Gelegenheit iſt bisweilen Liebe, bisweilen Lobpreiſung und Erzaͤhlung der Thaten der alten Helden, gewoͤhnlich aber ſind alle Melodieen langſam und * t war, ſ den Dſſl then, tem derbeſienm niner Mi⸗ techten i raſcher und nt, meines Hauf dieſe auf ſeaner anwenden. gk er, hbi nnen, des ) unterhal⸗ wei gleich eiten eines zuf ſie das und vor⸗ en zu glei⸗ ein jedes im Sitzen) der hefti⸗ d. Daſi l figtdi richt ein ufen veb⸗ Gegenſtnd ſlen Lebe n der alti noſam In) * — 205— traurig. Dieſer Verfaſſer giebt eine deutliche Zeichnung von dem Luaghad; wenn er es aber einen Stellvertreter der Walkmuͤhle nennt, ſo iſt meiner Meinung nach ſeine Sprache nicht beſtimmt genug. Die Walkmuͤhle wurde wahrſcheinlich durch die Flaͤ⸗ minger zuerſt nach England gebracht und giebt von dem Zeitalter, in welchem ſie eingefuͤhrt ward, eine hohe Meinung, ſowohl durch die Einfachheit ihrer Bauart, als auch durch die Vollkommenheit, mit der ſie die ihr aufgegebene Arbeit verrichtet. Waͤhrend manche hochge⸗ prieſene Verbeſſerungen, welche ſeit jener Zeit eingefuͤhrt wurden, wieder bei Seite gelegt ſind, ſteht dieſe Maſchine da wie ein ehrwuͤrdiger alter Mann mitten unter juͤn⸗ geren, als ein lang bewaͤhrter treuer Diener, die Bewun⸗ derung der Juͤnglinge, ſteht und ſich ruͤhmt, daß er die angewieſene Arbeit eines jeglichen Tages noch eben ſo ruͤſtig verrichten koͤnne wie in ſeiner Jugend. Dieſe alte Maſchine verdient unſere Achtung, weil ſie die erſte auf die Wollen⸗Manufactur angewandte Verbindung mechani⸗ ſcher Kraͤfte und mehrere Jahrhunderte hindurch in jedem Lande des gebildeten Europa allgemeiner eingefuͤhrt war als irgend eine andere nennbare Maſchine. Etwas, obgleich nur wenig, iſt geſchehen, um ihr Aeußeres und ihre Wir⸗ kung umzugeſtalten; die Veraͤnderungen aber, die daran vorgenommen worden ſind, ſind in Vergleich mit den bei andern Maſchinen bemerkbaren Veraͤnderungen unbedeutend, ich haͤtte beinahe geſagt, nichtswuͤrdig. Doch ſollte einſt ein zweiter Arkwright aufſtehen und ſeinen wundervollen Schoͤpfergeiſt darauf richten, ſo wird die Walkmuͤhle eine von der gegenwaͤrtigen eben ſo abweichende Geſtalt bekommen —ͤ ——— V — 4½ K und in ihrer Wirkung eben ſo verſchieden ſeyn, wie die neuere Jenny(Spinnmaſchine), von dem alten Spinnrad, wie die Kraͤmpelmaſchine mit den ſich umdrehenden Wal⸗ zen und der angebrachten Veraͤnderung der Bewegung von dem ſchlechten, fruͤherhin mit der Hand gelenkten Werkzeug abweicht. Sonſt war die Arbeit der Walkmuͤhle ſehr muͤhſelig und langweilig. Ein Stuͤck Tuch mußte damals dreißig Stunden nach einander darin bleiben, waͤhrend es jetzt in ſieben bis acht Stunden dicht genug wird, eine Erſpa⸗ rung an Zeit und Arbeit, welche fuͤr den Vortheil des Fabrikanten von guter Vorbedeutung iſt. Dieſe merkwuͤr⸗ dige Veraͤnderung muß zum Theil der Verbeſſerung in der Art zu ſpinnen, der groͤßeren Geſchicklichkeit der Arbeits⸗ leute auf dem Webſtuhl ſowohl, als in der Muͤhle, der Auswahl von Materialien, welche die filzende Eigenſchaft in dem hoͤchſten Grad beſitzen, dem allgemeinen Geſchmack an duͤnnerem Tuch und vielleicht der Verbeſſerung des rohen Materials beigemeſſen werden. Doch muß man geſtehen, daß der Wollzuͤchter zu dem aus dieſer Quelle entſpringenden allgemeinen Beſten weniger beigetragen hat als die meiſten uͤbrigen mit der Manufactur in Ver⸗ bindung ſtehenden Perſonen. Wenn er die Erzeugung von Vließen zu befoͤrdern wuͤnſchte, in welchen die filzende Eigenſchaft ſtark vorherrſcht, ſo wuͤrde ich nach meiner gegenwaͤrtig geringen Kenntniß von der Sache ihm anra⸗ then, beſonders auf Herbeiſchaffung eines natuͤrlichen, reichen und nahrhaften Dotters, welchen das Wollhaar waͤhrend ſeines Wachsthums empfaͤngt, ſeine genaueſte Aufmerkſamkeit zu richten;— wo der Boden oder das Elin Ne ſien ſan Luc betſ mach ———-—————³ —DIIhiII— ͤ&&& pPpf—j,— — 207— Aee Clima ſeines Landguts die Erzeugung einer hinreichenden hendn de Menge deſſelben nicht geſtattet, ſich nach dem moͤglich be⸗ deug ſten Erſatzmittel umzuſehen; 8 und um ſeine Aufmerk⸗ ſamkeit rege zu erhalten, die ausdruͤcklichen Worte des nd glüt Tuchmachers nur zu wiederholen, welcher in der Regel verſichert, das Tuch wird auf der Muͤhle entweder ge⸗ ehr niſt macht oder verdorben. mals duiß rend es ſ§. 76. Die Weichheit des Wollhaars. jeine eiß Indem wir die weſentlichen Eigenſchaften der Vließe Vorthili aufzaͤhlen, duͤrfen wir die Weichheit des Haares nicht eſe nerti vergeſſen; denn ein jeder, deſſen Kenntniß der Manufac⸗ ſerung an tur⸗Waare hauptſaͤchlich von dem Kaufe eines oder zweier der Abii Roͤcke in dem Laufe eines Jahrs herruͤhrt, achtet genauer Näͤhle, n auf die Farbe des Tuchs und auf die auf den Sinn des eEigenſct Gefuͤhls hervorgebrachte Wirkung als auf andere Um⸗ n Geſchmah ſtaͤnde. In der That wird die Weichheit der Oberflaͤche, ſſerung d die ihm ein Stuͤck darbietet, haͤufig als ein Beweis der h muß ma Guͤte der Materiale, aus denen es gemacht worden, an⸗ dieſer Ouel geſehen. Der Fabrikant, allezeit aufmerkſam auf den herr⸗ „bogetragn ſchenden Geſchmack, giebt ſich daher Muͤhe, durch ſeinen getur in De⸗ Webſtuhl ein Gewebe hervor zu bringen, das ſich durch ſe Erzeuyun ſeine ſeidenartige Glaͤtte auszeichnet, eine Eigenſchaft, en die fhe die der geſchickte Tuchbereiter(Zurichter) durch jeden nach mii guͤnſtigen Umſtand, den er entweder am Stuͤck oder in den he ihm am Wirkungen der Natur wahrnimmt, zu erhoͤhen ſtrebt. Bnatüric Die hoͤchſte Kunſt vermag aber nur wenig, wo das Haar aas Polli von Natur hart iſt. Die daraus gemachten Stuͤcke wer⸗ int genuſ den immer verſchmaͤht, ſie moͤgen dem Kaͤufer nun ange⸗ den vorr boten werden in den Hallen, dem Kaufhauſe, oder in des —j††— h 4.— 2 — ⏑⏑—Q—— — 208— Kleinhaͤndlers Laden, waͤhrend die aus Wolle von einem ſanfteren Gewebe gemachken leichter und theurer verkauft werden. Der uUnterſchied der Wolle in Hinſicht der vor⸗ liegenden Eigenſchaft iſt wahrhaft erſtaunenswuͤrdig, manche iſt ſo hart und haarig, daß daraus verfertigte Waaren der Hand beinahe einen ſtechenden Schmerz ma⸗ chen, eine Wirkung, welche immer Mißfallen erregt und nie ganz vollſtaͤndig gehoben werden kann, ſelbſt nicht bei Waaren, wo die Art der Bereitung und Vollendung*) ſie ſehr gluͤcklich verbirgt. Die meiſten Menſchen verbin⸗ den, wenn ſie von dieſer Eigenſchaft ſprechen und ſie durch den bereits gebrauchten Ausdruck bezeichnen, damit einen Begriff von derjenigen Empfindung, welche Seide auf den Sinn des Gefuͤhls hervorbringt; es giebt aber einige, welche ſcheinen, als ob ſie mit demſelben Ausdruck einen Begriff von derjenigen Empfindung geben wollten, welche durch Flaum⸗ oder Baumwolle auf das Gefuͤhl erweckt wird. Die erſte entſteht aus der eigenthuͤmlichen Glaͤtte des Haars, die letztere von dem geringen Widerſtand, den es gegen den Druck aͤußert. Dieſe ſeidenartige Weichheit haͤngt wie die meiſten uͤbrigen Eigenſchaften der Vließe ſehr von der Zucht des Schafes ab, ſo wie von der Menge Dotter, die ſie be⸗ ſtaͤndig hergeben. Einige Bezirke liefern einen beſonders glatten und zarten Stapel, an welchem, gleich der beruͤhm⸗ ten Wolle von Shetland und Vigo, Weichheit den un⸗ terſcheidenden Charakter ausmacht. Der Spanier, vor welchem wenige eines weicheren Vließes ſich ruͤhmen koͤn⸗ nen, kennt den Werth dieſer Eigenſchaft und die wahr⸗ * Finish bedeutet eigentlich die letzte Schur. on einem verkauſt der vor⸗ swürdi, zerferi ſmwerz me⸗ rregt und nicht be endung“) en berbin und ſe en, damt Seide auf der einige, zuck einen , welche erweckt Glaͤtte and, den e meiſtn ucht de ie ſie be beſondee wberüͤhu⸗ t den un nier, bo zömen fä die wahe 2“—— —ÿy — 209— ſcheinlichſten Mittel, dieſe zu befoͤrdern, ſo vollkommen, daß er nicht nur mit beſonderer Sorgfalt auf die Zucht, welche nach den Gebirgen wandert, aufmerkſam iſt, ſon⸗ dern auch vor der Schur die Schafe in Schwitzbaͤder (Schwitzſtuben, Schwitzbehaͤlter) einſperrt, um das Wolhhaar mit Dotter zu ſaͤttigen und zu erweichen. Und auch bei uns wird, wenn die Race gleichartig iſt, die weichſte Wolle von Heerden gewonnen, die in gutem Stande auf lehmigem Boden gehalten worden ſind, und in deren Vließe der Schaͤfer durchaus keine verſchlucken⸗ den(Kalk⸗) Erdtheilchen hat kommen laſſen. Im Laufe der Geſchaͤfte traf ich einmal ein kleines Buͤndel Wolle, von Schafen von Weſtmoreland gewonnen, die nach dem Ge⸗ brauche jener Gegend mit einer Miſchung von Theer und Fett im Herbſt geſchmiert, nach Huntingdonſhire getrie⸗ ben und waͤhrend der Winter⸗ und Fruͤhlings⸗Monate auf dem waͤrmeren Boden dieſes ſuͤdlichen Bezirks geweidet worden waren. In dieſem Theil des Koͤnigreichs war getheerte Wolle ein durchaus neuer Artikel, und die Un⸗ moͤglichkeit, durch die gewoͤhnliche Verfahrungsweiſe allen Schmuz von dem obern Theil des Stapels abzubringen, beunruhigte den Eigenthuͤmer, der, als ein ehrlicher Mann, das Vließ mit der Stoppel auswaͤrts wickelte, was we⸗ der in jener Gegend gewoͤhnlich war, noch auch von dem⸗ ſelben Landwirthe bei den andern Buͤndeln geſchah, um deſto beſſer den Schmuz zu verbergen. Dieſe zuruͤckge⸗ worfenen Vließe, welche von Hand zu Hand gingen, weil ſie nicht dazu taugten, unter die gewoͤhnliche Wolle der Umgegend gemiſcht zu werden, kamen endlich in meinen Beſitz und enthielten die ſanfteſte Wolle, die ich femals 14 „———————————— ——y———— 1— ———— 4—.—— —““d⁊⁊⁊⁊ſs————J;———— — 210— von Engliſchem Gewaͤchſe unterſucht habe. Ihr Stapel war vollkommen frei von Stichelhaaren und wildem Haar (Hundshaar), die auf den Ruͤcken noͤrdlicher Schafe ſo gewoͤhnlich ſind, und war viel feiner als die Wolle, welche man gewoͤhnlich in Weſtmoreland, oder Huntingdonſhire findet, aber zu lang fuͤr die Kardaͤtſche und zu zart (ſchwach) fuͤr den Kamm; in anderen Hinſichten beſaß ſie faſt jede ſchaͤtzbare Eigenſchaft. Es boten ſich keine Mit⸗ tel dar, die eigentlichen durch die Veraͤnderungen des Clima, des Futters und der Behandlung hervorgebrach⸗ ten Folgen, welche dieſe Schafe wahrſcheinlich empfunden hatten, genau zu ergruͤnden; aber die eben angege⸗ benen Thatſachen laſſen uns vermuthen, daß ſie ſehr bedeutend und aͤußerſt wohlthaͤtig geweſen ſind. Sie ver⸗ aulaſſen uns zu dem Wunſch, daß der Verſuch mit ge⸗ nauerer Aufmerkſamkeit auf die Heerde wiederholt werden moͤchte, beſonders da die Vermehrung der Weichheit in den ſuͤdlichen Wollſorten aufrichtig zu wuͤnſchen iſt. §. 77. Farbe der Wolle. Ueber die Farbe der Wolle iſt ſchon genug geſagt worden, um den Vortheil vollkommener Weiße ins Licht zu ſtellen; doch ſcheint es wuͤnſchenswerth, daß die mit dieſem Vorzug unvertraͤglichen Erſcheinungen an den Brit⸗ tiſchen Vließen genauer kenntlich gemacht wuͤrden, damit der Zuͤchter ſie bemerken und verbeſſern koͤnnte. Der Dotter hinterlaͤßt oft in dem Wollhaar eine tiefe gelbe Faͤrbung, die vermieden werden muͤßte, wenn ſie ohne Nachtheil fuͤr den Stapel verhuͤtet werden koͤnnte. Ein ſcharffinniger Franzoͤſiſcher Chemiker machte einige mit der — 211— Ir Ern Kunſt, Wolle zu bleichen, in Verbindung ſtehende Ver⸗ uiden ja ſuche, dehnte ſie aber nicht weit genug aus, um wichtige trEzh Aufſchluͤſſe zu erhalten, und begnuͤgte ſich damit, auf das Dalh näh wohl bekannte Verfahren, das Tuch mit Schwefeldaͤmpfen nindenit zu raͤuchern, hinzuweiſen; auch hat niemand anders ein und zu ſ auf den unverarbeiteten Stapel anwendbares Verfahren ten biſ entdeckt, durch welches dieſer vollkommen farblos ge— h keim R macht wuͤrde. Wir wenden uns alſo an den, der einzig derungen u und allein uͤber die Eigenſchaften der Wolle nach Gefallen ervorgebnn ſchalten kann, und bitten um Aufmerkſamkeit. An eini⸗ ch enpfune gen Wollſorten, welche ſchaͤtzbare Eigenſchaften im hoͤch⸗ eben anga ſten Grade beſitzen, und deren Dotter offenbar uͤberfluͤſſig daß ſie ſh und reich geweſen iſt, ſehen wir keine unguͤnſtigen Faͤr⸗ d. Siem bungen und ſind veranlaßt zu glauben, daß ſich Voll⸗ ſuch mith kommenheit der Farbe erreichen laͤßt, ohne irgend eine rholt wern gute Eigenſchaft des Stapels aufzuopfern. Selbſt in als Weichheiti weiß angenommener Wolle bemerken wir geringere Abwei⸗ iſt chungen von jener Reinheit, die an allen Vließen ſo wuͤn⸗ ſchenswerh iſt, und außer der als Wirkung des Dot⸗ ters eben erwaͤhnten gelben Farbe haben Vließe ſehr haͤu⸗ zenug gü fig von der Conſtitution des Schafes, oder der Beſchaffen⸗ ſße ins lit heit des Bodens, worauf es weidet, eine blaue, eine daß deri braune, oder eine roͤthliche Faͤrbung angenommen. Sehr an den di gewoͤhnlich ſind graue Haare mit den weißen ſo innig ver⸗ tden, dur miſcht, daß ſie auch dem ſchaͤrfſten Auge entgehen, bis die nn. N Wolle gewaſchen iſt, was nicht immer vorher geſchieht, e tiefe de ehe ſie zu Tuch gemacht wird, wo der Jabrikant dann bis⸗ ſe h weilen findet, daß ſie nicht dazu tauge. die feineren Far⸗ e1 1 ben zu erhalten, und deßwegen nicht fuͤr die Zwecke ſich bnn eigne, wofuͤr er ſie beſtimmte. Vielleicht mehr als die b 14* — 2 7 —õÿyJͤͤͤͤͤͤſ- — 242— Haͤlfte der in England erzeugten kurzen Wolle iſt nicht frei von dieſem Fehler, ein Umſtand, der den Zuͤchter ver⸗ anlaſſen ſollte, genauer, als es bisher geſchehen iſt, dar⸗ auf zu achten. Alle kuͤnſtliche Faͤrbungen(Anſtriche), die er dem Vließ vermittelſt Roͤthel, oder Ocher giebt, um die Schoͤnheit der Heerde zu erhoͤhen, ſind der Wolle eben ſo nachtheilig, als die von unſern modiſchen Damen gebrauchte Schminke die Haut verdirbt. So wie dieſe geſchminkte Wolle unter des Faͤrbers Hand kommt, vermengen ſich, wenn ſie nicht mit einigen Aufwand an Zeit und Arbeit gewaſchen worden iſt, die fremden Beſtandtheile mit den faͤrbenden Stoffen und benehmen ihnen die Kraft. Aber in der That, was koͤnnen wir anders als dunkle, ſtumpfe, matte, truͤbe und ſchwankende Farben erwarten, wo die Wolle gefaͤrbt wird, wie es nur zu ſtark Gebrauch in Yorkſhire iſt, ohne gewaſchen zu ſeyn, in unreinen Gefaͤßen und mit Materialien, die auf einer unabgeſtaͤubten Tenne zuſam⸗ men gemiſcht ſind, wo kurz vorher vielleicht Stoffe ge⸗ mengt wurden, durch die eine ganz verſchiedene Faͤrbung hervorgebracht werden ſollte! Solches unreinliche Ver⸗ fahren verdient Tadel. Die Franzoſen ſollen viel reinli⸗ cher in ihrer Faͤrberei ſeyn wie wir, und ihre Farben vorzuͤglicher als die unſrigen. §. 78. Das ſpecifiſche Gewicht der Wolle. Ein anderer Gegenſtand, auf den der Wollzuͤchter ge⸗ nauer Acht haben ſollte, als es bisher geſchehen iſt, iſt das ſpecifiſche Gewicht oder die relative Schwere der Wolle. Wenn er das verhaͤltnißmaͤßige Gewicht der ver⸗ ſchiedenen Wollproben zu erforſchen wuͤnſcht, ſo muß er ſotg Reir wele Jwiſ Ven ſoche Als d Urthe de Gol gen nen ten ten Wol ken! daß und (ceell drei“ dels e ii nitt üchter de en iſt de lrich) d ebt, um ſ lle eben gebrauct geſchmi nengen ſih und Aahe ile mi d ft. Aber npfe, matt, die Voll n Yorkſyir ffaßen und ane zuſam⸗ Stoffe ge⸗ e Faͤrbun nliche Vr⸗ viel rei ihre Catba e. lzuͤchker g hen it, ſ chwere de icht der e ſ uiß ———— ——“ — — — 2413— ſorgfaͤltig eine jede von ihnen auf denſelben Grad der Reinheit bringen, muß die Feuchtigkeit heraustreiben, welche die Wolle hartnaͤckig zuruͤck haͤlt, und alle in den Zwiſchenraͤumen des Stapels ſteckende Luft entfernen. Wenn dieß nicht genau geſchehen iſt, ſo werden die Ver⸗ ſuche, die er anſtellen mag, nichtig und truͤgeriſch ſeyn. Als ich zuerſt auf dieſen Gegenſtand Acht gab, um mein Urtheil uͤber ſeinen Werth zu berichtigen, glaubte ich, daß die Schwere aller Wolle, wie das Gewicht des reinen Goldes, vollkommen gleich ſey, und vermuthete, daß eine genaue(richtige) Kenntniß des wahren Gewichts der rei⸗ nen Wolle mich in den Stand ſetzen wuͤrde, mit der groͤß⸗ ten Beſtimmtheit die Menge der uͤbrigen damit vermiſch⸗ ten Subſtanzen anzugeben. Doch zeigte es ſich bald, daß Wolle in dem reinſten Zuſtand, in welchem ich ſie erhal⸗ ten konnte, nicht genau daſſelbe relative Gewicht beſaß, daß es, mit Waſſer verglichen, zwiſchen fuͤnf und ſiebzig und hundert ſchwankte, d. h. einige Proben waren wirklich (reell) leichter als andere, im Verhaͤltniß von vier zu drei*). Die Verſuche wurden fuͤr die gewoͤhnlichen Han⸗ delszwecke richtig genug gehalten, werden aber nicht als hin⸗ *) Eine Thatſache, die zu meiner Kenntniß gekommen iſt, nachdem dieß geſchrieben war, macht es wahrſcheinlich, daß verſchiedene Arten Wolle nicht denſelben Grad von Reinheit erlangen, ſelbſt wenn ſie mit der aͤußerſten Sorgfalt in warmem Waſſer und aufgeloͤſter Seife gewaſchen werden, und daß in den darauf folgenden Proceſſen der Manufactur einige Proben noch Unreinigkeit verlieren, waͤhrend andere ihr volles Gewicht behalten, ſo daß das meiſte und ſchwerſte Tuch bisweilen von derjenigen Wolle erlangt wird, welche am wenigſten dazu geeignet ſchien. Anm. d. Verf. 2ööööööoöb — —.„. 1 —————————B 8 4 3 — 214— laͤnglich genau fuͤr die feineren Berechnungen des Philoſo⸗ phen erachtet. Auch war ich nicht im Stande zu erfor⸗ ſchen, ob die bemerkte Verſchiedenheit nur zufaͤllig war in den beſonderen Wollarten, die vor mir lagen, oder ſich nach irgend einem allgemeinen mit der Race, oder mit den Umſtaͤnden, unter welchen die Wolle erzeugt ward, zuſam⸗ menhaͤngenden Geſetz richtete. Die bloße Grobheit oder Feinheit des Stapels bewirkt deſſen ſpeciſiſche Schwere nicht, auch weicht die feine, geſchloſſene und wohl ge⸗ waſchene Wolle der Schulter(des Vordertheils) in dieſer Hinſicht nicht ſehr weſentlich von dem duͤnnen und haari⸗ gen Hintertheil ab. Der Tuchmacher unterſucht gewoͤhn⸗ lich dieſe Eigenſchaft der Wolle, ohne ſich der Gruͤnde bewußt zu ſeyn, auf welchen ſie beruht; er weiß wohl, daß ein gegebenes Gewicht von einigen Wollſorten mehr Tuch erzeugen werde als dieſelbe Menge einer eben ſo feinen Sorte, die von einer andern Weide gewonnen iſt; er ſchreibt aber gewoͤhnlich die Verſchiedenheiten der Maſſe, die er in den Woltuͤchern bemerkt, der Reinheit der einen Probe und der außerordentlichen Menge des mit der andern vermengten Schmuzes zu. Dieſes Urtheil iſt im Allgemeinen ſehr richtig; wenn er aber die Groͤße eines Wollſacks mit ſeinen Augen mißt und ſeine Straff⸗ heit mit ſeinen Fingern unterſucht, ſo ſollte er erwaͤgen, daß eine große Verſchiedenheit Statt findet in der Elaſti⸗ eitaͤt der Wolle, in der Art, wie die Pelze gelegt und gepackt ſind, und in der ſpeciſiſchen Schwere, wodurch in dem außern Verhalten eines Buͤndels ein eben ſo großer Unter⸗ ſchied bewirkt werden mag als durch die Reinheit oder Unſanberkeit des Stapels. Wie wichtig es ſey, die Wolle p lei tend/ einem Bewe ob er Gwic b beden verme V bekan ander trril nach erſo V kein. tur d belken beſten ſcheft V allgen Gewa Die Gun wit; —— ——————. 4 — 215— 3 lin ſo leicht als moͤglich zu machen, iſt einem jeden einkeuch⸗ ffällg un tend, welcher erwaͤgt, daß die Menge Tuch, welche von n, an ſj Linem Fegtbenen Gevicht uule gewonnen wird, der echte der mit de Veieis ihres Weerthe iſt. Doch hat der Züchter, als ar gin 8 er zinen ſo klapei Grundſatz ganz vernachlaſſigte, das nihet an Gewicht ſeiner Vließe zu vermehren geſercöt, ohne zu b bedenken, ob er auch die Menge und Dichtigkeit der Wolle ie Ednn vermehrte, ein Unterſchied, mit dem jeder Tuchmacher M neſlg bekannt ſeyn muß, ob er gleich ſeine Vorſtellungen in einer e in in andern Sprache ausdruͤcken mag, denn er kauft das Ma⸗ und han⸗ terial nach dem Gewicht und verkauft es verarbeitet it geroſe nach dem Maß. In dieſem Fall kann hinſichtlich der 6 Erin Perſon, von welcher wir Verbeſſerung erwarten muͤſſen, weiß woß kein Zweifel Statt finden. Der Fabrikant kann die Na⸗ ſorti mit tur der Materialien nicht umwandein, er muß ſie verar⸗ ner chen ſ beiten, wie er ſie findet, und aus den unvollkommenen die wonnen iſ beſten ausſuchen. Seitdem aber die Kunſt, die Eigen⸗ heiten der ſchaften der Eltern⸗Schafe in ihren Kindern zu vereinigen er Reinhet allgemein bekannt iſt, hat es der Wollzuͤchter in ſeiner Nenge ds Gewalt, erſtaunliche Veraͤnderungen hervorzubringen. ieſes rth Die Natur hat die Landbauer zu den Hauptſpendern ihrer er die Giiß Gunſtbezeugungen beſtellt, und die Geſellſchaft erwartet ſine Stuf mit Recht viel von ihrer Aufmerkſamkeit. 4 er erwaͤge G der Cloſt§. 79. Der Geruch der Wolle. 3 tund gevet Der Geruch der Wolle, obgleich ſehr oſt als ein durch in de Merkmal ihrer Beſchaffenheit gebraucht, iſt unter den roßer Unn darauf Bezug habenden Umſtaͤnden einer der am wenigſten bedeutenden. Wenn er nur keinen unangenehmen Ein⸗ einheit t druck auf die Geruchsnerven macht und keine von den ey die Pal — 216— Folgen der Feuchtigkeit verraͤth, ſo giebt es keinen beſon⸗ dern Geruch, dem wir vor einem andern einen Vorzug beimeſſen. Reine und vollkommene Wolle, vermuthe ich, hat keinen Geruch; doch iſt es eine ganz ſonderbare That⸗ ſache, daß Vließe in verſchiedenen Laͤndern, und ſelbſt in den verſchiedenen Provinzen deſſelben Reichs erzeugt, ver⸗ moͤge ihres eigenthuͤmlichen Geruchs eine ſtrenge Beſchei⸗ nigung des Bezirks, in welchem ſie gewachſen ſind, an ſich tragen. Die Sache beruht hauptſaͤchlich, wie ich vermuthe, auf der Conſtitution der Thiere, weil das Vließ eines Bocks von dem Vließe eines jeden andern Schafs zu unterſcheiden iſt, und vierfuͤßige Thiere von verſchiede⸗ nen Gattungen bekanntlich ſehr von einander abweichende Eindruͤcke auf den Geruchsſinn erregen. Es waͤre wohl der Muͤhe werth, den Grund dieſer Erſcheinung genauer zu erforſchen, beſonders da unſere Forſchungen in der Natur in der Regel durch die Erlangung nuͤtzlicher Kenntniſe belohnt werden. §. 80. Echtheit des Haars. Es iſt aber eine bei weitem wichtigere Eigenſchaft noch zu betrachten uͤbrig, die der Wollzuͤchter mit der ſtreng⸗ ſten Aufmerkſamkeit beobachten ſollte. In der Kunſt⸗ ſprache heißt ſie die Treue(Echtheit) des Haars, und ich kenne keinen Ausdruck, der den Begriff ſo vollkommen erſchoͤpfte. Als von der Beſchaffenheit(hinſichtlich der Guͤte) der Vließe in dem vernachlaͤſſigten Zuſtande die Rede war, wurde bemerkt, daß ſie aus einem groben, zottigen Haar, und aus einer mehr ſanften und flaumigen Wolle zuſammengeſetzt ſeyen. Die natuͤrliche Wirkung inen ſe nen Voxgc ermuthe h rbare Tha⸗ und ſelhſ tzeugt, ben nge Leſch en ſind, n c, wi ij l das Vae ern Schaii verſchiede abweichende waͤte woſl ng genaut gen in de nuͤlicher ſchaft na— der ſtren⸗ der Kunſ aars, und vollkommen ichtlich de aſtande de en groben flaumign e Wukung ——.— —————— 1——— . — — 217— der Cultur iſt die Verbannung der groben und ſproͤden Faͤden aus dem Stapel, und die Vermehrung derjenigen Subſtanz, die ſanfter und geſchmeidiger iſt. Ohne die genaueſte Aufmerkſamkeit aber iſt eine lange Reihe von Jahren erforderlich, um das Wollhaar vollkommen zu machen, und die Vließe⸗Pfleger erſchlaffen gewoͤhnlich in ihrer Aufmerkſamkeit, ehe ſie die Wolle gleichfoͤrmig (gleichartig) gemacht haben. Die meiſten Vließe Schott⸗ lands ſind noch mangelhaft; viele von den auf den Ebe⸗ nen Englands erzeugten feineren Sorten, und ſelbſt die Italieniſchen und Spaniſchen, koͤnnen, Trotz ihrer geruͤhm⸗ ten Vortrefflichkeit, keinen Anſpruch auf den Vorzug ma⸗ chen, von einem Haar, welches den Stapel ſchaͤndet, vollkommen frei zu ſeyn. Bisweilen ſtehen die ſchlechte⸗ ren Faͤden einzeln im Pelz zerſtreut und geben ihm, indem ſie uͤber die allgemeine Oberflaͤche ſich erheben, ein locke⸗ res Anſehen, welches die gewoͤhnliche Vorſtellung von ihm, als einem baͤrtigen(ſtachligen) Pelz, rechtfertigt. Unter der allgemeinen Beſchreibung einer nicht echt⸗ haarigen Wolle begreifen wir auch diejenige, bei welcher die Spitzen des Stapels groͤber ſind, als der Theil deſ⸗ ſelben, welcher der Haut naͤher iſt, ſo auch diejenige, wo ein Theil des Fadens fuͤr ein unbewaffnetes Auge bemerk⸗ bar duͤnner iſt als ein anderer. Bei der Unterſuchung mit dem Mikroſkop finden wir ſelten Wolle, welche die ganze Laͤnge des Haars hindurch gleich fein waͤre. Haͤufig wird ſie ſchleunig duͤnner, als ob der Pore, durch wel⸗ chen ein Faden gegangen, ſich zuſammengezogen und all⸗ maͤhlig ſich zu ſeiner natuͤrlichen Weite wieder ausgedehut und ſo dem Haar verſtattet haͤtte, in demſelben Verhaͤlt⸗ 4₰ — 4 5 4 ——ͤͤͤͤͤͤͤͤZöZͤͤͤͤ- — 218 niſſe dicker und gleichfoͤrmiger zu werden. Bisweilen iſt ein Haar, wenn man es von der Seite anſieht, auf der einen Flaͤche gerade und glatt, auf der andern dagegen ſehr unregelmaͤßig gezahnt, als ob ſein Pore nur auf der einen Seite eine Zuſammenziehung erlitten haͤtte. Jede dieſer kleinen Abweichungen beſtaͤtigt die Meinung des Doct. Anderſon, welcher glaubt, daß die Poren der Haut ſich ausdehnen und zuſammenziehen, ſo wie die Tempera⸗ tur, welcher das Schaf ausgeſetzt iſt, auf einen hoͤheren Waͤrmegrad ſteigt oder kaͤlter wird. Doch haben dieſe Unregelmaͤßigkeiten auf den Werth der verarbeiteten Stoffe keinen weſentlichen Einfluß, wenn ſie nicht leicht in die Augen fallen. Wenn dieſe ploͤtzlichen Zuſammenziehungen in der Geſtalt des Haars bei langer Wolle vorkommen, ſo ſind die Folgen viel verderblicher als bei den kuͤrzeren Pelzen, denn ſie machen oft den Stapel zu ſchwach, um die Gewalt des Kammes aushalten zu koͤnnen, und ganz untauglich zu der ihr eigenthuͤmlichen Verarbeitung. Die⸗ ſer duͤnnere Theil des Fadens, welchen die Fabrikanten ein Gelenk(Knoten, Abſatz) nennen, wird haͤufiger bei Jaͤhr⸗ lings-Vließen als bei andern wahrgenommen und wird gemeiniglich nahe am Grunde des Stapels gefunden, offenbar die Wirkung einer Urſache, welche thaͤtig war, waͤhrend dieſer Theil des Haars durch das Fell ging, und welche nur eine kurze Zeit hindurch anhielt, denn die unmittelbar uͤber und unter dem Gelenke(joint) befindli⸗ chen Theile erſcheinen in ihrem natuͤrlichen Zuſtand. Die Zeit, wo dieſe Wirkung hervorgebracht wurde, kann durch Beobachtung der Laͤnge der ſeit dem gewachſenen Wolle genau ausgemittelt werden, und vielleicht mag dieſer Um⸗ Sweltn i te. Jod inung de der hauh eTempete en hoherm zaben diſ eten Stofe icht in de nziehungen orkommen, n küͤtzeten wach, um und ganz ng. Die⸗ kanten ein bei Jäͤhr⸗ und wid gefunden hatig wal, Fell ging „ demn di befndl and. Ae fann durch enen Volt dieſer Un⸗ ——— —j — 219— ſtand auf die wahren Urſachen derſelben hinleiten, als welche, wie ich glaube, man in der Regel entweder in Kaͤlte, Hunger oder Krankheit finden wird. Das Gelenk(Knie) iſt bei langer Wolle bemerkbarer als bei kurzer, ohne Zweifel weil erſtere ſchneller waͤchſt als letztere, denn ein Schaf von den ſchwereren Racen erzeugt einen Stapel von funfzehn Zoll Laͤnge in derſelben Zeit, wo ein anderer vielleicht kaum mehr als drei Zoll zunimmt, und das Langwolle tragende Thier iſt gemeiniglich zarter(weichli⸗ cher) als ein anderes, weniger im Stande, die Haͤrte der Stuͤrme und die nagenden Schmerzen des Hungers zu er⸗ tragen. Vielleicht mag der Unterſchied zwiſchen einem Theil des Fadens und dem andern betraͤchtlicher ſeyn, als ſelbſt Wollzuͤchter es wiſſen. Ich habe einige aus dem ſchlechteſten Theile eines Vließes gewaͤhlte Haare ge⸗ troffen, wo der Unterſchied zwiſchen dem Durchmeſſer der Spitze und dem des andern Endes wenigſtens wie fuͤnf zu eins war, ſo daß eine gegebene Laͤnge eines Wollhaars, aus dem einen Theil des Stapels genommen, fuͤnf und zwanzig Mal ſo viel wiegt als dieſelbe Laͤnge, von dem andern Theil genommen. Dieſer aͤußerſte Fall iſt erwaͤhnt worden, um den Wollzuͤchter zu uͤberzeugen, daß die Echtheit des Haars keine ſo unbedeutende Eigenſchaft ſey, und um wo moͤglich ſeine Aufmerkſamkeit darauf zu lenken, denn es giebt ſehr wenige Brittiſche Vließe, in welchen die Spitzen des Stapels nicht ſichtlich groͤbere Wolle ſind, als ſeine Grundflaͤchen. Mit Vergnuͤgen er⸗ kennen wir es, daß ſchon viel geſchehen iſt, um den Feh⸗ ler zu verbeſſern, obgleich wir hinzuzuſetzen gezwungen ſind, daß noch viel zu thun uͤbrig ſey. 1 . 8 —y ͤn 6 2 — hhhhZZ—ͤͤͤͤIͤöͤöͤöö—öI—IſͤͤͤZöͤöͤͤſͤſͤhͤſſͤſ- V 9 ——— 220— 7 Die kurze, von den Geſchaͤften des Kardaͤtſchens, Kaͤmmens und Spinnens eben gegebene Beſchreibung iſt hinreichend, zu zeigen, wie ſehr wichtig es iſt, daß der Fabrikant im Stande ſey, Wolle von einem vollkommenen Haar zu waͤhlen, und daß dieſe beſonders keine Ungleich⸗ heiten der Faͤden beſitze, daß dieſe in ihrer ganzen Laͤnge gleichmaͤßig elaſtiſch und gleich ſtark ſeyen; denn Wolle, welcher Gleichfoͤrmigkeit in irgend einer dieſer Eigenſchaf⸗ ten abgeht, wird ihren groͤberen Theil immer auf die Oberflaͤche des Tuchs legen. Dieſe Thatſache iſt wieder⸗ holt erwaͤhnt worden, weil ſie dem Gedaͤchtniß des Woll⸗ haͤndlers und des Schaͤfers nicht genug eingepraͤgt wer⸗ den kann.. In dem Stapel findet ſich noch eine andere Gattung von Haar, welche dem Tuch und den meiſten andern Ar⸗ tikeln noch nachtheiliger iſt als die eben beſchriebenen Arten. Es iſt gewoͤhnlich kurz, ſproͤde und durchſichtig, Lanz demzenigen gleich, was auf den Backen und Schen⸗ heln der meiſten Engliſchen Schafe waͤchſt. Seine Farbe iſt gemeiniglich weiß, bisweilen grau oder braun, und bei den Brittiſchen Fabrikanten heißt es ein Kamm(kemp) der Stichelhaar, und nicht ſelten wegen ſeiner Aehnlich⸗ keit mit dem Haar der Gattung felis Katzenhaar. Sti⸗ chelhaare ſind gewoͤhnlich groͤber als die Wolle, in wel⸗ cher ſie gefunden werden, und oft ſo damit vermengt, daß ſie nicht einmal durch die Bewegung der Schrobel⸗Ma⸗ ſchine*) davon getrennt werden koͤnnen. Sie wollen keine känſtlichen Faͤrbungen, außer von den aͤtzendſten Ingredienzien, annehmen und verderben durch ihre Haͤrte, *) scribbling-machine. icht durch Wac int läſ find, ausle den, und derdiithne ſchräüung ſt, d d vollkomnen ein Unglih Lanzen lit denn Aal, er Eigenſch umer auf che itt vide niß des Va geprägt we⸗ dere Gattn en andern Ae beſchricbem durchſichi und Sch Seine Fn aun, undlt aum(ken ner Aehulch haar. Ei lle, in 1 rmengt, de hrobel⸗N Sie wele en aͤzendſtn hue San — 221— durch die Schaͤrfe ihrer Spitzen und ihre(Grobheit die Waare, unter welche ſie gemengt ſind. Die ge woͤhnlich von ihnen heimgeſuchten Vließe ſind ſolche, die von vernach⸗ laͤſſigten Schafracen oder alt gewordenen Thieren erzeugt ſind, und man trifft ſie eben ſo gut bei Britt iſchen als bei auslaͤndiſchen Staͤmmen. Bei langen Vließ en werden ſie nicht ſehr haͤufig bemerkt; wenn ſich aber dergleichen fin⸗ den, ſo kommen ſie in den noil(Knoten)*) zuſammen und machen es viel weniger tauglich. §. 81. Wollzuͤchter und Wollhaͤndler. Dieß ſind die allgemeinſten Eigenſchaften der Vließe, auf welche der Fabrikant achtet, und wir hoff en, daß ſie ſo beſchrieben ſind, daß der Wollzuͤchter im Stande iſt, ſich beſtimmte Begriffe uͤber Gegenſtaͤnde zu b ilden, die er beſtaͤndig im Geſichte behalten ſollte. Er hat ſich oft be⸗ klagt, daß der Wollhaͤndler ihm ein Vließ dem andern nach Laune vorzuziehen ſchiene, und iſt dadur ch irre gelei⸗ tet worden, daß er bemerkte, wie von dem Ainen Kaͤufer vorgeſchlagene und lebhaft anempfohlene Ve rbeſſerungen von einem andern gaͤnzlich gering geſchaͤtzt oder als ver⸗ derblich verworfen wurden. Haͤtte aber der Landwirth bedacht, daß Wolle zu verſchiedenen Zwecken gebraucht wird, die eine angemeſſene Verſchiedenheit in den Mate⸗ rialien verlangen, daß der Fabrikant der einen Waare ſelten weiß, auf welche Art die andere gemacht wird, und daß ſich die meiſten Wollhaͤndler damit begnuͤgen, nur eine Art Wolle zu kaufen, ſo wuͤrde er eher eine Ver⸗ ſchiedenheit der Meinung vermuthet haben, als uͤberraſcht *) Vergl. S. 1c. 1 4 4 1 I 1 1 3 4 8 — 222— worden ſeyn, als er dieſe fand. Es iſt ſonderbar, daß ein ſo ſehr einfaches Geſchaͤft, wie das zu ſeyn ſcheint, das darin beſteht, eine gewiſſe Anzahl Vließe zu kaufen, dieſe in eine beliebige Zahl Theile zu zerreißen(ſortiren) und die Sorten in ihrem rohen Zuſtande zu verkaufen, ſo ſehr getheilt ſeyn ſollte; einer der beſten Beweiſe, daß die Kunſt, ſo einfach ſie ſcheint, einen hohen Grad der Vollkommenheit erreicht hat. Perſonen, welche ihre Wolle im Suͤden von England kaufen, kaufen entweder ſelten im Norden erzeugte Vließe, oder ver⸗ ſtehen deren Werth nicht zu beurtheilen. Einige legen ihr Capital hauptſaͤchlich im Oſten an, andere das ihrige faſt ganz im Weſten, und manche halten ſich in der Mitte. Sehr viele machen Geſchaͤfte in langer Wolle, eine große Anzahl beſchraͤnkt ſich bloß auf die kuͤrzere, waͤhrend einige nur die geringeren Sorten verſtehen; andere handeln entweder allein mit den fei— neren, oder mit den fremden Wollſorten. Wir reden hier nicht von Perſonen, die durch die oͤrtliche Lage auf eine einzige Wollſorte beſchraͤnkt ſind, ſondern die an dem Markt ſelbſt wohnen, wo jegliche Art ver⸗ braucht wird, und denen das Reich und die Welt offen ſteht; von Perſonen, durch deren Haͤnde bei weitem der groͤßere Theil der in Großbrittannien er⸗ zeugten Vließe gehen muß, und die vielleicht am guͤn⸗ ſtigſten geſtellt ſind, um ſich hinſichtlich der Eigen⸗ ſchaften der Vließe und des Zuſtandes der Manufac⸗ tur ſehr genau zu unterrichten. Sie erwarten viel von den Wollzuͤchtern, ſind aber geneigt, nachſichtig gegen ſie zu ſeyn, in Erwaͤgung, daß auf jedem Gute derba, diß ſeyn ſchi e zu kaffn en(dotin zu verkaſt ſen Bereſ, hohen n dnen, welht ufen, fufm 2, oder der Einige lon andere das zalten ſch te in langn bloß auf d geren Sotn mit den ſi Wir raͤn oͤrtliche lu ſondern che Art den d die W Hande bi ittannien de cht an gi der Eihn er Marufie rwarten b nutſſci jedem bit — Umſtaͤnde vorhanden ſind, auf welche der Zuͤchter ach⸗ ten muͤßte, deren Natur er nicht aͤndern kann, und deren Wirkungen, ungeachtet alles deſſen, was er thun kann, immer ſichtbar bleiben werden. Es iſt wuͤnſchenswerth zu erfahren, in wie weit ihr ver⸗ derblicher Einfluß unvermeidlich ſey, und durch welche Mittel dieſem entgegen gewirkt werden koͤnne. Des Wollzuͤchters eigner Vortheil, die maͤchtige Triebfeder faſt eines jeden Handels⸗ und landwirthſchaftlichen Ge⸗ ſchaͤftes, muntert zu Erforſchung und Anwendung von Heilmitteln auf. 1 2 * 4 3 4 4 — —————— —.— — 224— Vierter Abſchnitt. Die Wolle Englands. §. 82. Saͤmmtlich unvollkommen. Bereits erwaͤhnte Umſtaͤnde laſſen uns natuͤrlich erwar⸗ ten, daß die Wolle von England und Wales weder durch die beſten, noch durch die ſchlechteſten Eigenſchaften ſich auszeichnet. Als die Wollmanufactur in Brittannien von Eduard III.(1327 bis 1377) zuerſt ernſtlich beach⸗ tet und durch freiſinnige politiſche Grundſaͤtze aufgemun⸗ tert wurde, hatten die Vließe des Koͤnigreichs durch die Nachfrage nach ihnen in den Niederlanden eine ſehr große Verbeſſerung erhalten. Aber der allgemeine Geſchmack im Lande, geleitet durch das Clima und durch die zu jener Zeit herrſchende Einfachheit der Sitten, verlangte ein dickes und ſchweres Tuch, welches die Dauerhaftigkeit des Doublet mit der Weichheit, Geſchmeidigkeit und Waͤrme, die zu jener Zeit nur von Wolle oder von Seide erhalten werden konnten, verbinden mußte. Solch ein glattes und ſtarkes(kerniges) Tuch zu verfertigen, war das Streben der Fabrikanten; und da auf dieſe der Ge⸗ ſchmack des Publicums mehr Einfluß hat als der Ge⸗ ſchmack des Hofs, ſo fertigten ſie dieſes, beſonders im Norden des Koͤnigreichs, fortwaͤhrend bis zum Schluß des ſiebzehnten Jahrhunderts und bewirkten dadurch, daß Guͦt ten ſtat mac aus un ſehr No rii und Wo gegt ſebh heme linen ————— daß ſich die Brittiſchen Vließe nur bis zu einer mittleren Guͤte erhoben. In dem Laufe dieſes Zeitraums veraͤnder⸗ ten die Frauen großentheils ihre Kleidertracht und trugen ſtatt der Roͤcke aus Linsey-Woolsey*) oder ſelbſtge⸗ machtem Tuch nun den duͤnnern, feinern und zierlichen aus einer Mannigfaltigkeit von Worſted⸗Zeugen erhalte⸗ ds. nen Anzug, und ſelbſt das maͤnnliche Geſchlecht machte ſehr ſtarken Gebrauch davon. Dieſe Veraͤnderung der b Mode brachte eine erſtaunliche Wirkung auf die von der tätlih anr reichſteu Weide des Koͤnigreichs gewonnenen Vließe hervor s weder dh und machte ſie fuͤr den Kamm tauglich. Aber die langen nſcheftn äh Wollſorten waren auch aus Urſachen, die hier nicht an⸗ Fritamm gegeben werden koͤnnen, in einem Zuſtand geblieben, der nnſlth be ſelbſt ſchlechter war als der von einigen leichtern Vließen tt aufgeme bemerke. Nationen in ſüdlichern Breiten und unker chs durch einem trockneren Clima fanden dunnere und leichtere ie ihr ji Gewehe beguemer und haben deßhalb die Verbeſſerung ne Geſchni ihrer Vließe weiter getrieben⸗ hdie zu in§. 83. Zwei Claſſen der Wolle. 4 verlingt 3 Bei der Beſchreibung der Vließe dieſes Landes wird aueßefi es am paſſendſten ſeyn, ſie in zwei Claſſen zu theilen, neddgkitn welche ſich ſowohl durch die Laͤnge des Stapels, als durch 4 der vi die Art der Verarbeitung von einander unterſcheiden; aus . Solh der einen werden wollene, aus der andern Worſted⸗Zeuge— ferligen n verfertigt. Die Schafe, von welchen dieſe verſchiedenen dieſe de 6 Wollſorten erlangt werden, laufen nicht immer in derſel⸗ a der ben Heerde unter einander vermiſcht, oder graſen auf befͤdes: Schli*) Aus Flachs und Wolle zubereitetes Zeug, halb aus Garn 3 zum und halb aus Wolle; Beiderwand⸗ Anm. d. Ueberſ⸗ tun dydut 15 — 226— denſelben Weiden; gemeiniglich findet man jede Art auf ihrem eigenen Boden und unter einer eigenthuͤmlichen Behandlung. Bisweilen iſt die Grenze, die ſie trennt, ſehr ſcharf gezogen; ein ander Mal ſind die Weiden ſo ver⸗ miſcht, oder die Eigenſchaften des fuͤr das ſchwere Schaf paſſenden Bodens aͤndern ſich ſo allmaͤhlig, daß der Schaf⸗ ſtamm ein doppeltartiges Anſehen, und das Vließ einen unbeſtimmten Charakter bekommt. Der menſchliche Er⸗ findungsgeiſt aber, der ſich immer zu helfen weiß, hat ſelbſt dieſen Fehler des Vließes zum Nutzen der Geſell⸗ ſchaft gewandt und zur Strumpf⸗Manufactur benutzt.. §. 84. Bezirke, die Langwolle liefern. Langwolle findet ſich in vielen abgeſonderten Theilen Englands, doch haͤufiger auf der oͤſtlichen als auf der weſtlichen Seite und oft naͤher der Kuͤſte als dem Innern des Reichs. Bisweilen wird ſie auf einigen wenigen Aeckern erzeugt, die ein ganz verſchiedenartiger von einer ganz andern Schafrace beweideter Boden umſchließt; dieſe Striche, zu klein, um allgemeine Aufmerkſamkeit zu erregen, werden unerwaͤhnt bleiben, und ihre Wolle wird in das allgemeine Erzeugniß des Bezirks, wo ſie waͤchſt, mit eingeſchloſſen werden. Unter den groͤßeren Bezirken von langwolligen Schafen iſt der bemerkenswertheſte und noͤrdlichſte nahe an der Muͤndung des Tees gelegen, welcher Fluß das Bisthum Durham von der Grafſchaft York trennt. Der zweite, welcher fuͤglich der Lincoln⸗ Bezirk genannt werden mag, begreift die ſuͤd⸗oͤſtliche Spitze von Yorkſhire, beinahe ganz Lincolnſhire und die moraſtigen Strecken von Huntingdon, Cambridge und Nori Mat umg bon ſch if wold casli teſter laͤng Daſe anzud naͤmt antde aber vvelch Sch wod erzeu unſt ſreng ſede Ait af enthümſch e ſie tung eiden ſo t⸗ hwere E g der Sih Vlitß tmn enſchlice en weiß, he en der Giſt ur benuzt. n. abgeſonderte dſelichen d er Kſte a jauf einihr nartiger be umſchli erkſamkeit Voll wih d ſie vacßt eren Seiin kenswerth Les gelegth r Grafſchi der Linech ſud⸗iſlch ire und di nbtidge und — —— — 227— Norfolk. Dieſe Art Wolle wird gefunden in den kleineren Marſchen von Eſſex und von Kent, welche die Seebuchten umgeben, iſt aber in groͤßerer Menge in den Marſchen von Romney und von Guilford. Wir treffen ſie in den Graf⸗ ſchaften Dorſet, Devon und Cornwall, auf den Cottes⸗ wold⸗Bergen, in einigen abgeſonderten Theilen von Lan- cashire, Oxford, Bedford und Stafford, in ganz Lei⸗ ceſter, Rutland, Northampton und Huntingdon und laͤngs der Ufer der groͤßeren Fluͤſſe. In dieſen ausgedehnten Bezirken, von denen einige weit von einander liegen, iſt in den charakteriſtiſchen Zuͤ⸗ gen der Schafe ein viel groͤßerer Unterſchied bemerkbar als in den Eigenſchaften der Wolle, die ſie erzeugen. Langwolle zeichnet ſich aus durch Uebereinſtimmung der Vließe in Gewicht und Farbe, in der Laͤnge des Stapels und der Beſchaffenheit des Haars. Boden, Weide, Be⸗ handlung und Race machen zwar einen kleinen Unterſchied, doch iſt dieſer in Vergleich mit der bei kleinen Vließen Statt findenden großen Mannigfaltigkeit ſehr unbedeutend. Dieſe Thiere haben auch einige allgemeine Zuͤge, welche anzudeuten ſcheinen, daß die meiſten von ihnen zu der naͤmlichen Familie gehoͤren. Unter kurzwolligen Schafen entdecken wir leicht eine Menge ſehr verſchiedener Racen; — aber im ganzen oͤſtlichen Theil des Koͤnigreichs haben die, welche den laͤngeren Stapel tragen, weiße Geſichter und Schenkel und ſind ohne Hoͤrner, und vielleicht in allen Faͤllen, wo das Geſicht Flecken hat, oder das Haupt ein Horn erzeugt, mag das Vließ ſeine Laͤnge mehr von zufaͤlligen Umſtaͤnden als von der Race haben. Die groͤßten An⸗ ſtrengungen, die jetzt von Schaferei⸗Beſitzern gemacht 15— ——dd““ͤͤ ͤͤ ͤͤͤͤöͤöͤöͤöͤͤöͤͤͤöͤͤaſſſ — 1 9 5 4 . 4 — 228— werden, um die beſten Racen, beſonders unter den ſchwe⸗ ren Arten, hervorzubringen, gehen dahin, die unterſchei⸗ denden Zuͤge zu vernichten und ſie einander immer mehr gleich zu machen. Uebrigens bleibt der Unterſchied unter langwolligen Schafen noch immer groß genug, um eine allgemeine Beſchreibung von ihnen zu rechtfertigen. 6. 95. Beſchreibung der langwolligen Schafe. Es iſt nicht noͤthig, daß ihre Eigenthuͤmlichkeiten mit der kleinlichen Genauigkeit, die ein Zuͤchter verlangt, aufgezaͤhlt werden muͤſſen; es wird hinreichend ſeyn, einige der ſtaͤrkeren Zuͤge zu erwaͤhnen, die den Wollhaͤndler in den Stand ſetzen, die Familien von einander zu unter⸗ ſcheiden und die Vließe mit ziemlicher Genauigkeit zu ordnen. Die Dishley⸗ oder die Neu⸗Leiceſter⸗, auch unter dem Namen ihres erſten Stifters, Bakewell, bekannte Zucht hat ſich weiter ausgebreitet als irgend eine andere und faßt immer mehr Fuß, faſt zum gaͤnzlichen Verderben einiger aͤlteren Zuchten. Es iſt ein nicht ſehr großes Schaf, beſitzt aber eine runde gedrungene Carcaſſe, die ganz mit Wolle von einer maͤßigen Laͤnge bedeckt iſt. Die Stirn iſt platt, ohne einen Haarbuͤſchel, das Geſicht eher klein und ſpitzig, von einer vollkommenen weißen Farbe, und ſein Blick iſt ſanft und ruhig. Es iſt eine ungehoͤrnte Zucht(polled breed) und hat, wie alle Engliſche Schafe, keine Wolle an den Schenkeln, und das Vließ zeigt ſich aͤußerlich geſchloßen(dicht) und eben. Das Lincolnſhire⸗Schaf, welches fruͤherhin faſt das einzige in dem ganzen moraſtigen Bezirk bekannte Thier der Art war, traͤgt eine laͤngere, groͤbere und zottigere Pole laͤnge Geſtl VWolle cher V mit t wate grißte hate traͤgt wird und Di über fund einig weiße Peine nachle Geaff Ihre biew habe keine Bein Carc Thei ande V Geſ⸗ wiſſe — 229— den ſchwe⸗ Wolle auf einer groͤßeren und groͤberen Carcaſſe. Es hat unttrſche⸗ laͤngere Beine als die Dishley⸗Race, ein weniger ſpitziges mmer meht Geſicht, beſonders abwaͤrts, das Vorderhaupt traͤgt oft hied unter Wolle, ſeine Zuͤge ſind ſtark und plump, und ſein Blick um eir eher keck und muthig. Es iſt auch eine ungehoͤrnte Zucht en. mit weißem Geſicht und weißen Schenkeln. Die Tees⸗ water iſt eine noch laͤngere und ſchlankere, vielleicht die fe. groͤßte Zucht von Schafen in dem Koͤnigreich. Das Schaf jmlihkein hat ein weißes Geſicht und weiße Beine, keine Hoͤrner und tberling traͤgt eine auffallend lange, grobe und ſchwere Art Wolle, ſeyn, eing wird aber jetzt ſelten rein gefunden, indem die Bakewell⸗ Uhendlern und andere Zuchten an ſeine Stelle geſetzt worden ſind. Die langwolligen Schafe der Romney⸗Marſch ſind uͤber der mittleren Groͤße der meiſten, die in England ge⸗ funden werden, aber nicht ſo ſchwer und wohlgebildet wie r zu untt⸗ mauigkeit gi niien einige adere, ſie haben keine Hoͤrner, und im Allgemeinen igend tit weiße, nur bisweilen dunkle oder gefleckte Geſichter un ginzlchen Veine. Die Carcaſſe iſt oft ſehr Krb wie bei den ver⸗ niht ſcr nachlaͤſſigten Zuchten der binnenlaͤndiſchen eren) ed Euſß Grafſchaften, und die Beine ſind unverhaͤltnißmaͤßig lan bedect Ihre Wolle iſt nur von einem mittelmaͤßigen Stapel s dis bſt bisweilen ſehr dicht auf der Haus⸗ In Devonſhire nienget haben die Schafe, welche dieſe Art Wolle tragen, alich 5 keine Hoͤrner, aber ein graues oder buntes Geſicht und 1 4 Inghin Beine von derſelben Farbe mit einer dicken und ſchweren ſ Enſt Carcaſſe. Dieſe werden hauptfachlich in den fuͤdlichen d ds N Theilen der Grafſchaft gefunden; doch werden ſehr haͤufis Che 9 andere als langwollig geſchildert, die Hor ner und weiße in ſik Geſichter haben; ihr Vließ iſt ubrigens von einer unge⸗ fannte Lht ( 44 5, S s enen wiſſen Lange und mag in manchen Zallen zu Worſed⸗ und zotiote 2 — 230— Zeugen gebraucht werden; doch dieß ſoll genauer eroͤrtert werden, wenn wir die Wolle eines jeden Bezirks ausfuͤhr⸗ licher beſchreiben. Die letzte Race dieſer Art Schafe, die uͤber eine bedeutende Flaͤche verbreitet iſt, iſt die von den Cotteswold⸗Bergen, die, obgleich auf hohen, trock⸗ nen Feldern zu Hauſe, doch Wolle von anſehnlicher Laͤnge erzeugt. Das Thier iſt von mittlerer Groͤße, ohne Hoͤr⸗ ner, hat ein weißes Geſicht, kurze Beine und ein ſchwa— ches Vordertheil. Mr. Marſhall haͤlt es fuͤr einen ein⸗ heimiſchen(urſpruͤnglichen) Stamm und widerſpricht der ſo gewoͤhnlich gehegten Meinung, daß Spaniſche Schafe durch dieſe Engliſche Race veredelt worden waͤren. §. 86. Dichtheit oder Gedrungenheit des Stapels bei den verſchiedenen Schafſorten. Von der Dichtheit des Stapels, oder, wie die Fabri⸗ kanten es nennen, cloddineſs(Gedrungenheit) der Wolle, kann man einigen Begriff erhalten, wenn man die Laͤnge des Haars und das Gewicht des Vließes mit der Aus⸗ dehnung der Oberflaͤche, auf welcher ſie gewachſen iſt, vergleicht. Bei Angabe dieſer Groͤßenverhaͤltniſſe koͤnnen wir uͤbrigens nicht genau ſeyn, indem von derſelben Schafrace erhaltene Vließe oft ſehr bedeutend von einan⸗ der abweichen. Die von der Dishley⸗Race gewonnenen moͤgen nahe an acht Pfund geſchaͤtzt werden, und da der Stapel eher kurz als anders iſt, und die Carcaſſe des Thiers rund und gedraͤngt, ſo iſt die Zahl der auf dem Fell enthaltenen Quadratzolle nicht ſehr ſtark, und folg⸗ lich waͤchſt die Wolle ziemlich dick darauf. Die Lincoln⸗ Zucht hat ein groͤßeres Fell, welches vielleicht etwa eilf Pfun der! einer ſtehe mehr Von und t telch V fſch neun lerh die jhre als 2 erdttert ausfüͤhr, cafe, die von den en, trock⸗ zer Laͤnge hue hor⸗ in ſchwa⸗ einen ei⸗ richt de che Schf en. s bei den die Fabei der Wolle die Laͤnge der Aus⸗ vachſen iſ iſſe konna jderſälben von einan⸗ gewonnenen und da det arcaſſe d er auf dem und foſ⸗ ie Lineolt t etvg dl —— 231— Pfund Wolle erzeugt, aber der Stapel iſt viel laͤnger als der von dem Leiceſter-Schaf erhaltene; und da er auf einer groͤßeren Oberflaͤche waͤchſt, ſo muß er viel duͤnner ſtehen, denn der Unterſchied in der Laͤnge des Stapels iſt nehr als hinreichend, die groͤßere Schwere aufzuwiegen. Von dem Teeswater⸗Schaf, einem ſehr großen Thier, und was Wolle von einer außerordentlichen Laͤnge traͤgt, welche oft nicht ſo rein, und nach meiner Meinung ſpeci⸗ fiſch ſchwerer als die Lincolnſhirer iſt, erhalten wir nur neun Pfund auf jedes Vließ, ein Umſtand, der die Feh⸗ lerhaftigkeit des Stapels deutlich zeigt. Hingegen ſchien die Cotteswold⸗Race, als ich vor einigen Jahren uͤber ihre heimathlichen Berge kam, kleineres Vieh zu ſeyn als das meiſte uͤbrige, was lange Wolle traͤgt; es er⸗ zeugte etwa ſechs und ein halb Pfund, aber kuͤrzere Wolle als die Lincoln⸗ und Treswater Race. Das BVließ ſoll jetzt am Gewicht zugenommen haben und ſelbſt bis auf neun Pfund betragen, ein Umſtand, welcher anzeigt, daß der Stapel ſowohl laͤnger, als voller geworden iſt, daß ſich das Haar verbeſſert und der Vortheil des Zuͤchters vermehrt hat. §. 87. Quellen, aus denen der Verfaſſer ſeine Kenntniß der Engliſchen Wolle geſchoͤpft hat. Ehe wir uns aber auf eine ausfuͤhrlichere Beſchrei⸗ bung der Wolle, welche dieſe Koͤnigreiche erzeugen, ein⸗ laſſen, mag es gut ſeyn, die Quellen anzugeben, aus denen wir unſere Kenntniſſe geſchoͤpft, und die Art, wie wir ſie benutzt haben. Meine Kenntniß der verſchiedenen Wolarten iſt aus der Aufmerkſamkeit gefloſſen, die jeder — 2. ——————— —õ—y—yy——— 1 1 1 3 I 1 —— Wollhaͤndler ihnen nothwendig widmen muß, wobei mir ein Aufenthalt in verſchiedenen Theilen des Reichs zu Statten gekommen iſt, wo mir alle drei Arten der Engliſchen Wolle unmittelbar unter die Augen kamen; dieſe Kennt⸗ niß wurde noch permehrt durch gelegentliche Beſuche in den entlegneren Bezirken. Doch giebt es Theile von Eng⸗ land, die ich nie geſehen habe; um nun einige Kenntniß von den dort erzeugten Vließen zu erlangen, habe ich die beſten oͤrtlichen Beſchreibungen ſorgfaͤltig benutzt. Die Nachrichten uͤber die Vließe und die mit dem Gegenſtand der Unterſuchung zuſammenhaͤngenden Umſtaͤnde ſind aus⸗ gehoben und mit meinen eignen Bemerkungen in den fol⸗ genden Blaͤttern zuſammengedraͤngt worden, und ich glaube nicht, daß ſie deßwegen weniger Glauben verdienen ſollten, weil ſie nicht wirklich aus meiner eignen Feder gefloſſen und nicht nach an Ort und Stelle gemachten Beobachtungen entworfen worden ſind. Vielleicht moͤgen ſie der Beachtung um ſo wuͤrdiger ſeyn, denn es ſind ſchon jetzt mehrere Jahre verſtrichen, ſeitdem einige der erwaͤhnten Ausfluͤge gemacht worden ſind; einige waren ohne irgend einen Bezug auf die Vließe der Bezirke unter⸗ nommen, und alle ohne den entfernteſten Gedanken, eine Beſchreibung der Engliſchen Wolle oöffentlich herauszugeben. Die Veraͤnderung, die ſeit den letzen zwanzig Jahren in der Art der Schafhaltung unaufhoͤrlich Statt gefunden hat, iſt eine den meiſten bekannte Sache. Die Menge neuer Verkoppelungen(Gemeinheitstheilun⸗ gen)*), die ſchleunig auf einander gefolgt ſind, bewirkte *) Eine Aufzaͤhlung der(in Großbrittannien und Irland) er⸗ laſſenen Gemeinheitstheilungs⸗Bills vom Jahr 1774 bis —¼ — 233— nobtime eine bedeutende Veraͤnderung in der Gattung von Scha⸗ Neichs ſ fen, die in einem beſtimmten Bezirk gehalten werden, und Englicha verbannt ſie in manchen Faͤllen ganz aus dem Gebiete. eſe Kennt Selbſt die Veredelung der Heerden, die jetzt ſo eifrig be⸗ deſuche n trieben wird, und welche das Blut verſchiedener Schafarten von Eng⸗ Kennin 1813. findet ſich in Sir John Tinclair's Code of Agricult. 2 Append. p. 41. No. VIII. und zwar nach zwei Perioden, ab: ich di jede zu 20 Jahren, naͤmlich vor und nach der Gruͤndung des tzt. Di Ackerbau⸗Amtes. 4 1774. 59 47914 73 1 Gegenſim 4775. 38 1703„ 76 ſind aus. 4776. 55, 4796.. 70 1 4777„„ 88 4797. 86 in den i 4778„. 61 1798„. 52 A und ich 171 66 1799. 65 3 berdinn 1788 35 1800 82 — 4781.. 22 1801. 19 znen Fedet 1782.. 17 1802.. 158. gemachtn 4788.. 15 4303. 92 3 4784.. 12 4304. 52 ht woͤgen 4785.. 22 1805 68 nes ſind 1786.. 25 1806 76 4 787„. 21 4807.. 9 lünge de 13.. 34 1890b8 33 nige waren 1793. 31 1809.. 122 „, e. 119). 23 1310.. 107 ite znin 1791.. 334 1814.„ 133 inken, ele 1792„. 35 1812*. 156 uszugtte. 1793.. 33 1813.. 183 i Wwant 749 1883 . Jedes Jahr im gedes Jahr im jaufhöllch Durchſchnitt 37 Durchſchnitt 94 ate Eate Die Extra⸗Bills in den Jahren 1794— 1813 beliefen etsthellun⸗ ſich auf 1134; und da jede Bill im Durchſchnitt, die Ver⸗ „hewütk beſſerung von wenigſtens 2000 Ackern beförderte, ſo müſſen dadurch im Ganzen 2, 268, 000 Acker in England allein in ln e dieſen letzten Jahren verbeſſert worden ſeyn. r nn li Anm. d. Ueberſ. ——— — 234— unter einander miſcht, hat in den Zuͤgen der Heerden und den charakteriſtiſchen Merkmalen der Vließe ein groͤßeres Schwanken hervorgebracht als die Verkoppe⸗ lung der Gemeinheiten. Dieß hat ſehr weſentlich dazu beigetragen, das Erzeugniß einer ſehr großen Menge von Pachthoͤfen umzuaͤndern, und verurſacht, daß unſere Be⸗ ſchreibung der Wolle unvollkommen wird, beſonders da wir in vielen Faͤllen auf Nachrichten bauen muͤſſen, die vor zehen bis vierzig Jahren mitgetheilt worden ſind; und obgleich alle Mittel angewandt worden ſind, jede ein⸗ zelne Angabe nach den neueſten Mittheilungen zu berichti⸗ gen, ſo muͤſſen wir doch die Nachſicht des Publicums fuͤr die Irrthuͤmer in Anſpruch nehmen, die ſich in folgende aus dieſen und andern Quellen gefloſſene Angaben einge⸗ ſchlichen haben. §. 88. Schwierigkeit, das Verhaͤltniß des Schafſtandes zu der 1 Ackerzahl auszumitteln. Doch iſt es viel leichter, ein Vließ, auf eine den dem Wollhaͤndler verſtaͤndliche Art zu beſchreiben, als die Menge Feld anzugeben, auf welcher ſie erzeugt wurde, oder eine beſtimmte Vorſtellung hinſichtlich der Ackerzahl, die im Koͤnigreich zum Unterhalt der Schafe verwandt wird, zu erwecken. In der Beſchreibung der landwirth⸗ ſchaftlichen Verhaͤltniſſe Englands und Irlands iſt es nicht ungewoͤhnlich, eine Angabe der Ackerzahl, die ein Gut enthaͤlt, und der Schafe, die es ernaͤhrt, zu finden; dieſe ſind geſammelt und nach den Bezirken, zu welchen ſie gehoͤren, zuſammengeſtellt worden, und die Durch⸗ ſchnittsſumme betrachtete man als ein ſchoͤnes Bild von dem Schafſtand in der Grafſchaft. Man muß aber wiſ⸗ ſen, laſſe von ſeyn wo durc das jeug ſach des Yie eine des Li der niß gebe Dur gche auf heerden jeße in erkoppe lich dau enge von ſere Be⸗ ders da ſea, dee ind; und jede ein bericht⸗ ſuums füt folgende en einge⸗ des zu der eine den als die —¼ t wurd, Ackerzahl verwandt landwint ds iſt e i, di in zu finden u welchen ie Durg⸗ Bild vol abir u — 235— ſen, daß auch hierbei en großer Theil dem zufall uͤber⸗ laſſen worden iſt; bisweilen moͤgen die Beſchreibungen von Landguͤtern, die man uns gegeben hat, weit entfernt ſeyn, uns ein treues Bild von den Bezirken zu liefern, wo ſie gelegen ſind. Der Boden mag ausgezeichnet ſeyn durch ſeine Paßlichkeit fuͤr dieſe Viehrace oder durch das Gegentheil; er mag ein groͤßeres Gewicht Wolle er⸗ zeugen als der, welcher ihn umgiebt, oder mag haupt⸗ ſaͤchlich vom Rindvieh beweidet werden, obgleich ein Theil des Bezirks wegen der Menge ſeiner Schafe beruͤhmt iſt. Bisweilen iſt eine ſehr betraͤchtliche Triftgerechtigkeit mit einem Gute verbunden, die nicht in dem Flaͤchengehalt des Bodens mit begriffen iſt; in dieſem Fall wird der Viehſtand nicht durch die Ackerzahl, die in Bezug auf denſelben angegeben iſt, ernaͤhrt, und wird im Verhaͤlt⸗ niß zu der Ackerzahl zu viel Vieh fuͤr den Diſtrict ange⸗ geben werden. Ich habe es fuͤr das angemeſſenſte gehalten, die Durchſchnitts⸗Menge des Viehſtandes mit dem Flaͤchen⸗ gehalt der Grafſchaften in Verbindung zu bringen, weil auf dieſem Wege es viel leichter war, die Ausdehnung des Koͤnigreichs zu beſtimmen als auf einem andern; und die wenigen Faͤlle, wo eine Abweichung von dieſer Regel Statt gefunden hat, ſind ausdruͤcklich angegeben worden. Die Groͤßen⸗Maße der Grafſchaften, ſind, was den ſuͤdli⸗ chen Theil Großbrittanniens betrifft, allezeit von Cary's Engliſchem Atlas genommen; und obgleich ſeine Meinung uͤber die Ausdehnung einer Grafſchaft oft von der Meinung anderer Perſonen abweicht, ſo ſchien es doch raͤthlicher u ſeyn, ſich nach einer Autoritaͤt zu richten, als den — 236— Leſer durch verſchiedene Groͤßen⸗Angaben zu verwirren und in die Nothwendigkeit geſetzt zu ſeyn, die Glaubwuͤrdig⸗ keit einer jeden derſelben zu beweiſen. Aber auch hier iſt eine Ouelle von Irrthuͤmern, denn Bezirke, die nach den genaueſten Karten gemeſſen ſind, weichen von der Wahr⸗ heit ab; indem naͤmlich dieſe auf einer horizontalen Ebene entworfen ſind, ſind die Erhoͤhungen des Landes nicht in Anſchlag gebracht worden, obgleich dieſe zu den luftig⸗ ſten Gebirgen empor ſteigen. Landguͤter im Gegentheil werden immer nach der Oberflaͤche gemeſſen, und der Un⸗ terſchied, der aus dieſen beiden Arten, die Ausdehnung eines Landes zu erfahren, hervorgeht, wird oft eben ſo groß ſeyn, als der Unterſchied zwiſchen der Summe der belden Seiten eines unregelmaͤßigen Prisma, und zwiſchen der dritten, bisweilen ſo groß als der Unterſchied zwiſchen der Oberflaͤche eines Kegels und deſſen Grundflaͤche. Auch darf man das Ganze des Landguts nicht als Wolle erzeu⸗ gend betrachten, denn die Meſſung begreift gemeiniglich die Koppelhecken und die Gebuͤſche, haͤufig auch die Haus⸗ ſtaͤtten und Gebaͤude. Und die von einer Karte abge⸗ nommene Ausdehnung der Oberflaͤche begreift nicht nur dieſe, ſondern auch den Flaͤchenraum von Staͤdten und Gebaͤuden jeder Art, von Waͤldern, Gewaͤſſern, voͤlligen Wuͤſten und Landſtraßen. Fuͤr alles dieſes hat man im Allgemeinen ein Achtel von der gegebenen Ausdehnung einer Grafſchaft abgezogen, und in Faͤllen, wo der Abzug nicht geſchehen iſt, ſind die Gruͤnde fuͤr dieſe Abweichung angegeben; und obgleich in manchen Faͤllen dieſer Abzug zu ſtark ſeyn mag, ſo giebt es einige andere, wo er ge⸗ wißlich zu gering iſt. Da ich wohl fuͤhlte, daß ich be⸗ ————— vitten und ubwäͤrdi⸗ ch hier ſ enach den der Waht⸗ len Ebene ndes nicht den lftig⸗ Gegenthel ind der Un⸗ usdehnung ft eben b zumme der nd zwiſchen d zwiſchen iche. Auch olle erzeu⸗ meiniglich dee Haus⸗ arte abge nicht nur taͤtten und —, volligen t man in usdehnung der Abzg lbweichung iſer Abhuh wo er g⸗ daß i le — — 237— ſtaͤndig in Gefahr war, in Irrthum zu fallen, ſo habe ich, wie ein beſorgter Steuermann, der durch einen Ar⸗ chipelagus(ein Inſelmeer) mit unvollkommenen Karten faͤhrt und nur durch das ſchwache Zwielicht des Abends unterſtuͤtzt wird,— ſo oft als moͤglich Sorge getragen, das Blei zu heben und den ſchwachen Schimmer des ent⸗ fernten Leuchtthurms zu erhaſchen, der mich vor dem Schiffbruch ſicher leiten ſoll. Die in folgenden Blaͤttern dargelegten Meinungen ſind ſo oft als moͤglich mit denen anderer Perſonen verglichen, und wo wir abweichen, ſind beide der Beurtheilung des Publicums uͤberlaſſen worden. Zu ſagen, daß die Angaben keine Irrthuͤmer enthalten, wuͤrde eine hoͤchſt thoͤrichte Anmaßung ſeyn; ſie als ein Gewebe von Irrthuͤmern darzuſtellen, wuͤrde, nach meiner Meinung, aber eben ſo ungerecht ſeyn. I. Langwolle. A. Teeswater⸗Bezirk. g. 89. a) Durham. Wenn wir, um unſerm Wege durch die verſchiedenen Bezirke von langer Wolle eine regelmaͤßigere Richtung zu geben, mit dem noͤrdlicheren Theil des Koͤnigreichs begin⸗ nen, ſo feſſeln die Teeswater⸗Schafe zuerſt unſere Aufmerkſamkeit. Sie haben ihren Namen von dem male⸗ riſchen Fluß, deſſen Gewaͤſſer das Bisthum Durham von der Grafſchaft York trennen. Da ſie bloß fuͤr reicheren Boden geeignet ſind, ſo ſind ſie faſt nur auf die Niederun⸗ gen beſchraͤnkt, die ſich auf beiden Ufern des Fluſſes bis zu einer betraͤchtlichen Entfernung von demſelben ausdeh⸗ nen. Ihr Bezirk iſt verhaͤltnißmaͤßig klein, er iſt begrenzt ——————y—yyy—y— 1 4 4 1 1 1 - 28—. vom Meer und von den Hochlanden von Durham und Yorkfhire, die ſich weſtwaͤrts ausdehnen, bis ſie ſich in das fruchtbare Thal neigen, welches der Grenze beider Grafſchaften Reichthum giebt, und der Zucht eine Oeff⸗ nung laſſen, ſich weiter nach Norden und Suͤden zu ver⸗ breiten; nach Weſten erſtreckt ſich der Bezirk nicht weiter als bis an den Fuß der Gebirge, die durch den Namen Teesdale⸗Forſt bezeichnet werden. In dem Thal von York ſind die Zuͤge des Teeswater⸗Schafs ſehr gemildert durch eine Vermiſchung mit dem Dishley Blut. Denn Vließen dieſer Gegend, obgleich fuͤr ſchoͤn ausgegeben, ſcheinen mir, wenn ich nach dem unbearbeiteten Stapel und nach der geringen Menge, die ich kennen gelernt habe, urtheilen ſoll, manche weſentliche Eigenſchaften der Wolle zu fehlen. Das Haar ſchimmert zu ſehr, wo der Dotter durch den Regen abgewaſchen worden iſt, iſt ſchwer, bis⸗ weilen hart, und nicht allezeit echt(gleichfaͤdig), iſt an dem Grund des Stapels feiner und weicher als an der Spitze. Der Hintertheil des Vließes iſt lang und haarig, und die Wolle nimmt von der Erde eine ſchmuzige Farbe an und wird nur ſehr unvollkommen gewaſchen. Es iſt uͤbrigens zu bemerken, daß die Wolle, die ich ſowohl beim Schafzuͤchter als bei dem Fabrikanten unterſuchte, ganz von dem noͤrdlichen Ufer des Tees war. Unter ihren gu⸗ ten Eigenſchaften wurden bemerkt die Laͤnge und Zaͤhig⸗ keit des Stapels, wodurch ſie zu der Behandlung mit dem Kamm und der groͤberen Art von Worſted-Zeugen ganz vorzuͤglich tauglich wird. Die Schafjzuͤchter dort werden ohne Zweifel ihren Vortheil befoͤrdern, wenn ſie Sorge tragen, daß, indem die Carcaſſe durch das Dishley⸗ Ed ane de V Ne es fan nich —————— 1 1 4 3 8 1* 5 6 ¾ 1 — 239— ham und Schaf vermehrt wird, daß Vließ fuͤr ſeine natuͤrlichen und e ſich i. angemeſſenen Zwecke nicht zu ſchwach und zu kurz werde. ze beider Denn von einem echten Race⸗Schaf dieſer Art hat das ine Dif⸗ Vließ zwiſchen ſechs und achtzehn Pfund; gekreuzt mit der t zu ver New-Leicester- und der Northumberland⸗Race wiegt ht weite es zwiſchen ſechs und zehn Pfund, und im Durchſchnitt Namen kann ein von Durhams reicherem Boden erlangtes Vließ Thal von nicht hoͤher als auf neun Pfund geſchaͤtzt werden. gemildett. ft. Dem Der Beſtand dieſer Schafe auf einer gegebenen Menge tsgegeber, Landes iſt ſehr abweichend in den verſchiedenen Theilen en Stapl des Bisthums, indem er zwiſchen einem halben Schaf auf eent habe einen Acker Landes und mehr als dem doppelten ſchwankt; dr Welt. im Ganzen kann man etwa zwei Schafe auf drei Acker der Dottet rechnen. Die Ausdehnung des fuͤr dieſe Wollgattung hwer, bis⸗ tauglichen Landes kann moͤglicher Weiſe nicht mehr als den—— ), iſt on dritten Theil der ganzen Grafſchaft betragen, denn ſowohl s an der die oͤſtlichen als weſtlichen Theile deſſelben ſind ſehr bergig, nd haatig obgleich gewoͤhnlich gruͤn. Der Niederungs⸗Boden iſt 4 ige Fuie reich und lehmig und zur Erzeugung ſchaͤtzbarer Wolle 1 n. Es ſehr geeignet. Wird, wie oben erwaͤhnt, ein Achtel fuͤr wwoh bei Holz, Waſſer, Gebaͤnde und Landſtraßen abgezogen, ſo dtt, un iſt die Zahl der ergiebigen Aecker hundert taufend acht hun⸗ jihrun g. dert, mit einem Beſtand von ſieben und ſechzig taufend 8 ud zihi zideihundere Schafen, und zwei tauſend fuͤnf hundert und— dlung mi zwanzig Vaͤndel Wolle liefernd. Ein bedeutender Theil 8.Hergn derſelben wird in der Grafſchaft verarbeitet und traͤgt, dir dt nebſt vielen andern Umſtaͤnden, beſonders der Ausfuhr ihrer Minerale, dazu bei, die Einwohner zu bereichern. wenn ſt Das hier zwiſchen dem Wollkaͤufer und Verkaͤufer uͤbliche s Dehl — 240— Gewicht iſt der Stein von vierzehn, achtzehn oder vier und zwanzig Pfund. §. 90. b) Yorkſhire. In Yorkſhire, deſſen verſchiedene Bodenarten, verſchiedenes Clima und verſchiedene Ackerbau⸗Syſteme verſchiedene Wollarten hervorbringen, bemerken wir bloß die Art, von der hier beſonders die Rede iſt; verſchiedene Theile dieſer ausgedehnten Grafſchaft erzeugen ſie, be⸗ ſonders die Abtheilung Cleveland, die an dem nordoͤſt⸗ lichen Ende liegt, und Holderneſs, jenes lange Vorge⸗ birge, welches auf der einen Seite vom Humber, und auf der andern vom Ocean beſpuͤhlt wird. Einige der engen Thaͤler auf der weſtlichen Seite der Grafſchaft, die durch deren zahlreiche Stroͤme befruchtet werden, erzeu⸗ gen auch eine Mannigfaltigkeit von langwolligen Schafen und weiden ſie ſelbſt bis an die Fuͤße der benachbarten Gebirge. Eine kleine Manufactur von Worſted⸗Zeugen, die in dieſen reizenden Thaͤlern ſich findet, hat zur Schaf⸗ haltung ermuntert und des Schaͤfers Geſchmack gelei⸗ tet, aber in dem mehr ausgebreiteten Thale von York verarbeitete die benachbarte Wollen⸗Fabrik alle gewonnene Wolle ſelbſt, obgleich in der Carcaſſe und den Vließen der Schafe große Verbeſſerungen gemacht worden ſind, und ein Theil der Wolle ſich zum Kaͤmmen eignet. Ueber die Abtheilung Oleveland hat ſich die Tees⸗ water⸗Zucht ſehr allgemein verbreitet, und war, bis man den Werth der Bakewell⸗Zucht kennen lernte, die einzige langwollige Schafart, die in dieſem lehmigen Bezirk ge⸗ funden wurde. Nach den gewoͤhnlichen Abzuͤgen enthaͤlt ſi ein enäh im d vier! Vliß 3 1 der ve Racee Sind des lande da di Wele kürzer weſen tehn eder odenatten t⸗Syſtem wir blaß verſchiedn en ſie, be em norddſ— nge Vorge zmmber, und Einige der ſſchaft, di den, etzel⸗ een Schafen enachbarten d⸗Zeugen zur Schaf⸗ mack gel :von Nat gewonnin den Vließen porden ſi et. h die Lae⸗ ar, bis man „die en Hrzitt ge igen dachä — 241— ſie ein und ſechzig tauſend zwei hundert und funfzig Acker, ernaͤhrt etwa vierzehn tauſend drei hundert Schafe, welche, im Durchſchnitt acht Pfund auf jedes gerechnet, gegen vier hundert und ſiebzig Buͤndel Wolle erzeugen. Die Vließe hier ſind denen am anderu Ufer des Fluſſes aͤhn⸗ lich und haben dieſelbe Beſtimmung. Die ganze Menge der von dieſer ſonſt groben, nun aber mehr verfeinerten Race erzeugten Wolle belaͤuft ſich auf beinahe drei tauſend Buͤndel.— Da uns keine Mittel zu Gebote ſtehen, die Menge des von der ſchweren Schafart i in den Thaͤlern der Moor⸗ lands*) beſetzten Landes mit Gewißheit zu erfahren, und da die Menge der daſelbſt auf dem Kamm verarbeiteten Wolle nur gering ſeyn kann, ſo mag ſie mit unter den kuͤrzeren Vließen begriffen werden, ohne daß dadurch ein weſentlicher Irrthum in den Rechnungen zu befuͤrchten iſt. B. Lincoln⸗Bezirk. . 91. a) Holderneß. Aber Holderneß liefert eine Wolle von einem beſtimmteren Charakter. Dieſer Theil der Grafſchaft war fruͤherhin mit Schafen von der Lincoln⸗Race beſetzt, jetzt aber weidet er, wie die meiſten Bezirke aͤhnlicher Art, Heerden, in deren Bau und Vließ einige ſtarke Kennzei⸗ chen einer ſchoͤneren Race ſichtbar ſind. In dieſem niedri⸗ gen und fruchtbaren Landſtriche von einem ſchweren Bo⸗ den iſt die Rindviehzucht ein Hauptgegenſtand der Auf⸗ merkſamkeit der Zuͤchter und macht den Schafſtand aͤußerſt *) The Moorlands, eine gebirgige Gegend, der noͤrdliche Theit der Graſſchaft Stafford. Anm. d. Ueberſ. 16 — 242— gering; die hoͤchſte Anzahl, die ich zu erforſchen im Stande geweſen bin, betraͤgt nur fuͤnf und zwanzig auf hundert und ſieben Acker. Es ſind in der That große und wohl geſtaltete Thiere, die ſchwere und langgeſtapelte Vließe tragen, deren Gewicht im Durchſchnitt kaum geringer als acht Pfund ſeyn kann, und das Land, auf welchem ſie erzeugt werden, iſt nicht geringer als hundert ſieben und zwanzig tauſend ſechshundert und achtzig tragbare Aecker. Da aber dieſe Groͤße der Weide nur durch die Karte aus— gemittelt iſt, ſo iſt ſie dem Irrthum ſehr unterworfen. In einem Lande, wie dieſes iſt, was von wenigen Land⸗ ſtraßen durchſchnitten iſt, die dazu nur ſchmal durch die Felder des Zuͤchters laufen, wo kaum ein wuͤſtes Fleck zu finden iſt, nur wenig Waſſer, und Staͤdte von der klein⸗ ſten Art, iſt der Abzug eines Achtels von der Geſammt⸗ fiaͤche ſehr ſtark. Dieſe Beſchreibung des Landes iſt mehr nach einer Reiſe durch den weſtlichen Theil deſſelben, als nach einem allgemeinen Ueberblick der ganzen Ausdehnung entworfen, und rund um die Kuͤſte ſcheint es offener und weniger fruchtbar zu ſeyn. Die Menge der erzeugten Wolle wird auf zwei tauſend acht hundert Buͤndel, die Vließe von vier und achtzig tauſend Schafen, geſchaͤtzt. Wahr⸗ ſcheinlich wird ein großer Theil davon zu wollenen Zeu⸗ gen verarbeitet, und das Ganze wird, wie ich glaube, in die Manufackuren von West Ricding geſandt. Dieſe Abtheilung der Grafſchaft York ſollte als ein Theil jenes unermeßlichen, Langwolle erzeugenden Landſtrichs betrachtet werden, der ſich von Holderneß bis nach Norfolk, und von der Mitte von Warwickſhire bis an das Meer erſtreckt, ein Bezirk, der eine große Man⸗ nigfal ner G fir e Wirth Wole Kanda richnu tennt Filen febi von V des o den wohl V nigen V Wieſe hat a Niden nen be⸗ wird. langer Fleck, und( von! hunde groͤßer Gleich ſieg i ———————Z— —— 2 9 4 8—— 3 ——— ————— — 243— im Siand nigfaltigkeit von Vließen hervorbringt und innerhalb ſei⸗ uf hunde ner Grenzen einige Strecken Hoͤheland enthaͤlt, die ſich e und weſt fuͤr ein leichteres Vließ und fuͤr eine ackerbautreibende 5 Uii Wirthſchaft eignen. Auf dieſen hoͤheren Feldern iſt die geringer a Wolle, obgleich weder leicht noch kurz, beſſer fuͤr die welchem ſt Kardaͤtſche als fuͤr den Kamm geeignet und muß bei Be⸗ ſieben uh rechnung der Vließe von dem allgemeinen Erzeugniß ge⸗ gbare Aecke trennt werden. Doch iſt es unmoͤglich, dieß in allen e Karte au Faͤllen mit der erwuͤnſchten Genauigkeit zu bewirken; denn unterworfn. ſelbſt auf einigen der leichten Bodenarten werden Schafe enigen Lan von der ſchwerſten Art gehalten und moͤgen vermittelſt al durch d des aͤußerſt nahrhaften Futters, das nicht immer von ſſtes Flect den Weiden, zu welchen ſie gehoͤren, gewonnen wird, ſo⸗ on der kei wohl hinſichtlich der Carcaſſe, als des Vließes, mit denje⸗ er Geſanm nigen Heerden verglichen werden, welche auf den reichſten des iſ ui Wieſen weiden. Die Veraͤnderung der Mauufacturen eſelben, a hat auch verurſacht, daß ein großer Theil der auf den Ausdehnmn Niederungs⸗Guͤtern erzeugten Wolle auf Kraͤmpelmaſchi⸗ offener m nen bearbeitet und zur Bereitung wollener Zeuge verwandt eugten Ve wird. „ die Ni§. 92. b) Lincolnſhire. it. B Lincolnſhire beſitzt, hinſichtlich der Erzeugung ul p langer Wolle, große natuͤrliche Vorzuͤge und iſt das e ich gu Fleck, auf welchem ſie wahrſcheinlich zuerſt mit Geiſt und Erfolg gepflegt wurde. Dieß ſind die Weiden, min 1 von denen die Webſtuͤhle Norfolk's faſt fuͤnf Jahr⸗ werzaugee hunderte hindurch verſorgt worden ſind, und welche den oldetu groͤßern Theil dieſes Zeitraums hindurch ein Vließ ohne vikſii 6 Gleichen geliefert haben. Die kangwolle von Leiceſter 33 ſtieg in der Achtung in einer viel ſpaͤteren Zeit; und ob⸗ 16 — 244— gleich jetzt die Diſhley⸗Rare ſich faſt uͤberall in den be⸗ nachbarten Grafſchaften eingeſchlichen hat, und obgleich die alte Lincolnſhire⸗Zucht faſt ganz verdraͤngt iſt, ſo hat doch der Streit zwiſchen den Anwalden(Vertheidigern) beider Racen lange gedauert und iſt noch nicht vergeſſen, ein entſcheidender Beweis, daß das große grobe Thier der ſumpfigen Landſtriche, ſowohl in der Carcaſſe, als Wolle, einen hohen Grad der Vollkommenheit erreicht hatte. In dieſen Bezirk treten wir mit Gefuͤhlen der Achtung fuͤr das Andenken an ſeine alten Schaͤfer und fuͤhlen Ver⸗ trauen zu den neueren Fuͤhrern, die uns durch ſeine aͤußerſt gruͤnen Weiden und in ſeinen noch unausgetrock⸗ neten Moraͤſten herum gefuͤhrt haben. So wie der Name Young's erwaͤhnt wird, erinnert ſich jeder Landbauer an den Charakter dieſes beruͤhmten Landwirths, der mit ſei⸗ ner gewohnten Einſicht und Thaͤtigkeit die Stelle eines Secretaͤrs beim verehrlichen Ackerbau⸗Amte verwaltet. Fuͤr ſeine Bemerkungen bin ich ihm viel Dank ſchuldig; ſie beſtaͤtigen die auf meinen durch dieſe erſtaunlich frucht⸗ baren Bezirke in verſchiedenen Richtungen unternommenen Reiſen gemachten Beobachtungen ſowohl, als auch dieje⸗ nigen, die ich aus den Schriften anderer geſammelt hatte. In dem Zeitraum von einigen Jahren hat in Hinſicht der Schafe dieſer Grafſchaft und der Vließe, die ſie er⸗ zeugen, eine große Veraͤnderung Statt gefunden. Die meiſten jener Weiden, die ſich durch die Schwere ihres Viehes, ſowohl des Rindviehes als der Schafe, ausgezeich⸗ net haben, zeigen ſtatt jenes groben bebuͤſchelten Thieres, was als das urſpruͤngliche von Lincolnſhire beſchrieben worden iſt, die Verbindung zwiſchen dieſem und der Bake⸗ V großt wel⸗ funge Som zut ſelten ſch meſſe zucht nach Kaͤm wiede a ora wuͤrd den. Graff der ra der V ſe. alsh die re 1 Graf geſer ein du ih fihrt Gewi ſie zu ſchied —y————— — 245— lin da⸗ well⸗Zucht in einer großen Mannigfaltigkeit von Abſtu⸗ nd obglit fungen. Die reine Lincoln⸗Race traf ich auf einer im iſt, ſo he Sommer 1804 durch den reichſten Theil der Grafſchaft ttheidigen) zur Beobachtung der Vließe unternommenen Reiſe nur vergeſſe ſelten an; aber in der Nachbarſchaft von Boſton naͤherten eThier de ſich, wenigſtens nach meinem Dafuͤrhalten, die Schafe am als Voll, meiſten dieſer Race. Die Einfuͤhrung der New⸗Leiceſter⸗ hatte. Jn Zucht hat ohne Zweifel die Wolle feiner und kuͤrzer ge⸗ Achtung füt macht und auch die Farbe verbeſſert, ſie hat aber einen fuͤhlen Da⸗ großen Theil jener Zaͤhigkeit verloren, welche bei guter durch ſein Kaͤmmwolle eine unerlaͤßliche Eigenſchaft iſt. Wenn dieſe nausgetrac⸗ wieder hergeſtellt werden koͤnnte, ohne daß der ſonſt ie der Ram an dieſen Vließen bemerkbare Schimmer wieder hervor⸗ andbauer n gebracht, und ohne daß das Haar ſtaͤrker oder groͤber der mitſi⸗ wuͤrde, ſo wuͤrde der Stapel noch weit mehr veredelt wer⸗ Stelle eine den. Ohne Zweifel iſt die leichtere und weichere, in der e verwalit Grafſchaft erzeugte Wollſorte ſehr ſchaͤtzbar zur Bereitung nk ſchuld der rauheren Wollenzeuge, ſie beraubt aber die Nation nlch fruc der Vortheile, die aus der Worſted⸗Fabrication erwach⸗ ternonwenn ſen. Einige politiſche Schriftſteller haben ſich geaͤußert, Fauch di als hielten ſie es von keiner erheblichen Wichtigkeit, ob zmmmelt het die reichſten Weiden des Koͤnigreichs, und namentlich dieſer at in hinſch Grafſchaft, Kaͤmm⸗ oder Kardaͤtſch⸗Wolle lieferten, ver⸗ „dir ſerr geſſend, daß die zu Worſted⸗Zeugen verarbeiteten Vließe unden.” ein weit groͤßeres Capital und eine groͤßere Anzahl Haͤnde be zu ihrer Verfertigung gebrauchen, und wenn ſie ausge⸗ eihr Lun fuͤhrt werden, dem gemeinen Beſten einen betraͤchtlicheren ſten Thiets Gewinn bringen, als ſie gebracht haben wuͤrden, waͤren ebbeſchtibe ſie zu Wollen⸗Zeugen verarbeitet worden. Der Unter⸗ nd der dil⸗ ſchied zu Gunſten der Worſted⸗Zeuge iſt, nach einer ober⸗ — ————- —— 4 — 1 ————·—, “ — 246— flaͤchlichen Berechnung, beinahe wie drei zu eins. Ich will damit nicht geſagt haben, daß Worſted⸗Artikel das rohe Material dreimal theurer bezahlten, als die Wollen⸗ zeuge; aber daß, wenn eine Summe Geldes zu Wolle an⸗ gelegt wird, die auf beide Arten verarbeitet werden ſoll, und aus deren einer Haͤlfte Zeuge der einen, und aus deren andern Haͤlfte Zeuge der andern Art bereitet werden, dann wuͤrde das von einem Theil dieſes Materials in An⸗ ſpruch genommene Capital die Arbeitskoſten und die zufaͤlligen Ausgaben, die gemacht werden muͤſſen, ehe es an den auswaͤrtigen Abnehmer gelangt, es nothwendig machen, daß dieſer an dieſes Land einen dreimal ſo hohen Preis zahlen muß, als fuͤr das andere, und daß der Nutzen fuͤr den Staat folglich in demſelben Verhaͤltniſſe ſteht. Aber das gegenwaͤrtige Benehmen der Zuͤchter, welche ein feines, leichtes und weiches Vließ von dem Boden zu erhalten ſuchen, der dazu geeignet iſt, Lang⸗ wolle zu erzeugen,— iſt der Art, als ſollte die Worſted⸗ Manufactur zuletzt aus dem Koͤnigreiche verbannt werden, wuͤrde dieß nicht durch jenen unwiderſtehlichen Handelsgeiſt verhindert, den Sir Joſhua Child ſo treffend geſchildert hat, der allezeit die geſuchten Artikel liefern und in die⸗ ſem beſonderen Falle die gaͤnzliche umwandlung der Brit⸗ tiſchen Langwolle verhuͤten wird. Die Zuͤchter in der Grafſchaft Lincoln ſcheuen ſich zwar, Maßregeln zu ergrei⸗ fen, wodurch ihre Pließe gewichtig werden moͤchten, weil ſie noch nicht vergeſſen haben, wie ſehr waͤhrend der Dauer des Amerikaniſchen Krieges der Werth der Wolle geſunken war, und welch eine große Menge ihnen jedes Jahr liegen blieb; gegenwaͤrtig iſt aber kein Anſchein zu b— 247— 5 ins. Ic der Gefahr vorhanden, daß ein aͤhnlicher Ueberſchuß ent⸗ 9 ſetit ds ſtaͤnde; denn damals war dem Brittiſchen Kaufmann der 6* ie Volln Zutritt zu den Maͤrkten auf eine weit nachdruͤcklichere Tolle m⸗ Weiſe verſchloſſen, als wahrſcheinlicher Weiſe je vwieder erden ſol, der Fall ſeyn wird, wenigſtens nicht ohne das Zuſammen⸗ und aus treffen von erſtaunenswuͤrdigern Umſtaͤnden, als ſelbſt et werden, diejenigen waren, die wir in den letzten funfzehn Jahren als in An⸗ erlebt haben. Es iſt durchaus nicht wahrſcheinlich, daß und de er zu gleicher Zeit von beiden Continenten einmal wieder en, ehe ts ausgeſchloſſen werden ſollte, und Malta, im Beſitz Groß⸗ nothwendi brittanniens, ſetzt ihn in den Stand, mit Sicherheit und al ſo hohen Gluͤck ſelbſt bis an die Kuͤſten der Levante zu handeln. nd daß de So lange alſo die Nachfrage nach Worſtedzeugen auf den Vethaͤtniſt öͤſtlichen ſowohl, als auf den weſtlichen Maͤrkten fort⸗ er Zuͤchte, dauert, mag der Landwirth verſichert bleiben, daß Vließe ß von dem von einem langen, geſunden und zaͤhen Stapel geſucht iſt, Lang ſeyn werden. Wenn er hinſichtlich des Werths von eVorſted⸗ Malta fuͤr den Vertrieb der Engliſchen Worſted⸗Zeuge at werdin noch eines Beweiſes bedarf, ſo mag er den Preis der aandelsgii Lang⸗Wolle im Sommer vor der Schlacht von Abukir geſchibden mit demjenigen vergleichen, der im naͤchſten Jahre dafuͤr und in die bezahlt wurde, und er wird die vollkommenſte Befriedi⸗ der Sii gung finden. Die Grafſchaft Lincoln iſt zur Erzeugung der langen zter in di ane— Wolle ſowohl, als derjenigen, die zu groͤberm Wollenzeuge ti⸗ 8 erforderlich iſt, ſo gut geeignet, daß es recht ſehr zu ährend dn wuͤnſchen iſt, jede Art moͤchte bis zur Vollkommenheit der Volt dort ausgebildet werden, und der Schaͤfer moͤchte ſeine huen ids Bließe einem beſtimmten Zweck anpaſſen und alle ſehwan. jnchein u kende Eigenſchaften davon verbannen; denn da in Hin⸗ —j —†.⁊j— 1————————-——— -——— 224 ſicht der Zwecke, zu welchen die beiden Wollſorten ver⸗ wandt werden, ein eben ſo großer Unterſchied Statt ſindet, als in dem Gebrauch, den man von Weizen und Gerſte macht, ſo muß man eben ſo viel Sorgfalt anwen⸗ den, den uUnterſchied zwiſchen den Vließen zu bewahren, als man zu verhuͤten ſucht, daß die verſchiedenen Ge⸗ treidearten auf demſelben Felde nicht unter einander vermengt wachſen. In den Niederungen dieſer Grafſchaft, die in dem ſuͤdoͤſtlichen Theil derſelben liegen, iſt der Schafſtand aus⸗ gezeichnet ſtark. Eine Nachricht hat ihn zu acht auf einen Acker angegeben, und eine andere, welche die Wirth⸗ ſchaftsart auf einem aͤhnlichen, obgleich von den Moraͤ— ſten entfernten Boden beſchreibt, ſchaͤtzt den Schafſtand auf ſieben fuͤr dieſelbe Strecke Landes; aber in beiden Faͤllen umfaſſen die Guͤter das beſte Land, und die Laͤm⸗ mer ſind ſehr wahrſcheinlich in den Viehbeſtand mit ein⸗ eingeſchloſſen, und vielleicht moͤgen die Schafe in einem groͤßeren, und das Rindvieh in einem geringeren Ver⸗ haͤltniſſe auf jenen Guͤtern vorhanden ſeyn, als dieß auf Guͤtern gleicher Art gewoͤhnlich der Fall ſeyn mag. Be⸗ richtigen wir alſo dieſe Angaben durch andere, ſo ſcheint es, daß die Anzahl von Schafen auf jeden Acker im Durchſchnitt ſich auf drei belaufe. Die ganze Ausdeh⸗ nung der reicheren Weiden betraͤgt etwa vier hundert drei⸗ zehn tauſend neun hundert(413900) Acker, nach Abzug eines Achtels fuͤr Waſſer, Straßen u. ſ. w. Wenn dieſe Angabe richtig iſt, ſo iſt die Anzahl von Schafen, die ſie unterhalten, etwas mehr als eine Million zweimal hun⸗ dert und vierzig tauſend(1240000), die etwa ſechs und — 249— ien e vierzig tauſend fuͤnf hundert Buͤndel Wolle erzeugen. iid Sta Auf dieſer Art Boden wird das Vließ zu 9 Pfund ge⸗ eten un ſchaͤtt, welches wahrſcheinlich der Wahrheit ſehr nahe lt anwen⸗ kommt, weil das Gewicht bisweilen bis auf vierzehn bewahten, ſteigt, und weil diejenigen, die dieſe Grafſchaft kennen, enen Ge⸗ bei Schaͤtzung des Erzeugniſſes derſelben die Vließe ennander zu acht und ein halb und zu neun Pfund annehmen; der Durchſchnitt iſt deßwegen ſo gering angenommen, weil dit in di in einigen Theilen der Grafſchaft die Schafe nicht mehr fſand aus⸗ als fuͤnf Pfund Wolle erzeugen. t auf einen Auf den Marſchen, die ſich von der Muͤndung des die Virthe Humber laͤngs der Kuͤſte bis zur ſuͤdlichen Grenze der den Mori⸗ Grafſchaft ausdehnen und wahrſcheinlich gegen zwei hun⸗ Schafſtand dert tauſend Acker enthalten, iſt der Schafbeſtand ſehr „in beiden abwechſelnd. Zur Winterszeit und in den Jahren, wo d die Laͤm der Boͤden naß iſt, wird die Zahl der Schafe ſehr ſtark d mit ein⸗ vermindert, und ſelbſt in den guͤnſtigſten Sommern darf in einen ſie nicht hoͤher als zu einem halben Schaf auf einen Acker zeren Ver⸗ Landes geſchaͤtzt werden, und jedes Mließ etwa zu och⸗ z dieß af Pfund Wolle. Das Ergebniß auf deſem Boden waͤre mag. Se alſo, nach den gewoͤhnlichen Abzuͤgen, in runden Zahlen ſo ſchen ausgedruͤckt, ſieben und achtzig aiſend fuͤnf hundert n Acker in Schafe, und an drei tauſend Bündel Wolle. ge Ausde In den uͤbrigen Theilen von Lincolnſhire iſt der Bo⸗ V den von mehr untermiſchter Beſchaffenheit und fuͤhrt auf mn den verſchiedenen Guͤtern einen Viehſtand, der großen⸗ naj theils den Eigenthuͤmlichkeiten des Bodens angemeſſen iſt. Kae Auf den Wolds und Heiden(Heaths) von Lincoln und fen, eimal hun⸗*) The Wolds, eine große Heidegegend im Nordoſten der Jſcchs m Grafſchaft.— Am beſten durch Höhebloͤßzen uherſetzt. 1 1 5 — 250— Ancaſter war das Vließ fruͤherhin viel leichter als in den reicheren Theilen der Grafſchaft; jetzt aber iſt ſeine Groͤße betraͤchtlich vermehrt worden, durch die Weide, Wirthſchaft, durch Kreuzung und durch die Sorgfalt, mit welcher man fuͤr reichliches Winterfutter ſorgt und die Heerde mit naͤhrenderem Futter verſieht, als die gewoͤhnlichen Weiden liefern. Durch dieſe Zuſchuͤſſe unnd durch die allgemeine Einfuͤhrung der New⸗keiceſter⸗ Zucht ſind die Landwirthe in den Stand geſetzt, eine groͤ⸗ ßere Anzahl Schafe zu halten und mehr Hammelfleiſch und mehr Wolle zu liefern, als ohne dieß auf dem von Natur trocknen und unfruchtbaren Boden moͤg⸗ lich geweſen waͤre. In einigen Faͤllen iſt ſelbſt von ſolchem Boden durch Huͤlfe von Hafer und Oelkuchen ein eben ſo ſchweres Vließ gewonnen worden, als von Schafen, die auf den uͤppigſten Weiden graſen, ein uͤber⸗ zeugender Beweis, daß die Leibesbeſchaffenheit(Conſtitu⸗ tion) und Nahrung der Heerde auf die Erzeugung von Fleiſch und Wolle groͤßeren Einſtuß haben als Clima, oder Boden, oder irgend etwas anderes. Aber in dieſen Theilen der Grafſchaft wird eine Quantitaͤt Wolle erzeugt, die nur zum Kardaͤtſchen tauglich iſt, und muß deßwegen zu der kurzen Wolle des Koͤnigreichs gezaͤhlt werden. Die Ausdehnung des Strichs vermiſchten Landes, welcher Wolle von ver laͤngeren Sorte liefert, betraͤgt nahe an ſieben hundert acht und funfzig tauſend und fuͤnf hundert (758500) Acker; aber ungluͤcklicher Weiſe iſt der Vieh⸗ beſtand, der darauf gehalten wird, nicht immer mit der Genauigkeit angegeben, die bei Beſchreibung landwirth⸗ ſchaftlicher Gegenſtaͤnde zu wuͤnſchen iſt; bisweilen wird er 4—-————y——— — ͥ—— 1„ ———y—ͤͤnöön—* 1— 3 — 251— als i mit dem auf hoͤher liegenden, Guͤtern verwechſelt und nicht ſt ſen ſelten mit dem der reicheren Bezirke. Nach meinem Da⸗ Wäͤ fuͤrhalten betraͤgt er zwei Schafe auf drei Acker, jedes falt, mi mit einem Vließ von acht Pfund. Die Anzahl der Schafe gt und betraͤgt alſo nahe an fuͤnf hundert und fuͤnf tauſend ſieben als die hundert(505700), und die Wolle ſechzehn tauſend neun zuſchͤſſe hundert Buͤndel. Doch iſt dieſe Angabe etwas unter Liceſter⸗ dem gegenwaͤrtigen Erzeugniß dieſer Strecke Landes, weil eine gri⸗ es wenige Grafſchaften giebt, deren Viehbeſtand auf den welfleſch hoͤher liegenden Guͤtern eine ſo allgemeine Umwandlung auf dem erlitten hat, und wo die neuerdings eingefuͤhrte Zucht das en moͤg Land in Hinſicht der Weide beſſer benutzte als die alte, elbſt von und weil bei Zuſammenzaͤhlung der Schafe nur aͤltere Dllkuchen vor langer Zeit mitgetheilte Nachrichten benutzt werden als von konnten. ein uͤber⸗ Wenn man dafuͤr etwas in Anrechnung bringt, ſo onſtitu⸗ wird dieſe Angabe des Viehbeſtandes von Lincolnſhire ung von nicht weſentlich abweichen von derjenigen, die von dem Elma, Secretaͤr des Ackerbau⸗Amtes in ſeiner Ueberſicht uͤber in dieſen dieſe Grafſchaft mitgetheilt worden iſt. Beide Angaben rerzeug. beruhen auf ganz verſchiedenen Berechnungen, liefern aber deßtegen hinſichtlich der Anzahl der Schafe ſo nahe zuſammentref⸗ dn. De fende Reſultate, daß ſie einander wechſelſeitig unterſtuͤtzen velche und uns veranlaſſen zu glauben, daß keine von beiden nahe i ſehr von der Wahrheit abweiche. Mr. Arthur Young bunde rechnet nach runden Zahlen und nahm im Jahr 1800 ir Vih⸗ an, daß die Vließe der Grafſchaft im Durchſchnitt neun t de Pfund wiegen moͤchten, und die ganze Menge der erzeug⸗ dwich⸗ ten Wolle mehr als neunzehn tauſend Buͤndel uͤber die heu von mir geſchaͤtzte Zahl betruͤge. Der Unterſchied ſcheint — 1 2 2 —————öööö—ö—ö—öö—ö—ö—ö—öoöooͤͤoͤͤͤͤͤͤͤͤͤ-⸗— — 252— aus dem vermuthlichen Gewicht der Vließ e zu entſtehen, die dieſer Heer im Durchſchnitt annimmt. Er ſtellte ſeine Unterſus chungen mit dem Intereſſe an, welches er immer an dergleichen Forſchungen nimmt, und theilte ſie mit ſei⸗ ner gewoͤhnlichen Genauigkeit und Aufrichtigkeit mit und mochte zu der Zeit, als er ſchrieb, der Wahrheit nahe genug gekommen ſeyn; fuͤr jetzt aber ſcheint ſeine Rech⸗ nung zu hoch, und zwar aus Gruͤnden, die wir in der Ueberſicht ſelbſt aufſinden. Nr. Young rechnet die Vließe der Lincoln⸗Zucht im Durchſchnitt nur zu zehn Pfund, die von der reinen Diſhley⸗Race in dieſer Graf⸗ ſchaft zu ſieben und vier fuͤnftel Pfund, und die Wolle von der vermiſchten Art zu neun Pfund. Aber ſeit den letzten fuͤnf Jahren ſind die Diſhley⸗ Schafe ſehr allgemein eingefuͤhrt worden, und ihre Vließe, die faſt ſortwaͤhrend leichter werden, haben die Total⸗Menge der Wolle be⸗ deutend vermindert; und das Durchſchnitts⸗Gewicht von neun Pfunden ſcheint beſonders auf Vließe, die auf den reicheren Weiden gewachſen ſind, Bezug zu haben, ohne die Menge der Tuchwolle, die auf ſandigem Boden erzeugt wird, zu beruͤckſichtigen. Dadurch finde ich mich zu der Hoffnung bewogen, daß die eben hingeſtellte Angabe nicht ſehr weit von der Wahrheit abweicht, obgleich man zuge⸗ ben muß, daß ſie zu ſehr unguͤnſtigen Vermuthungen, hin⸗ ſichtlich der Worſted⸗ Mannfactur, fuͤhrt; denn von den Weiden der binnenlaͤndiſchen und oöͤſtlichen Bezirke muͤſſen die Webſtuͤhle von Norwich, von Sudbury, von Nord⸗ hampton und von Halifax immer nech ihre Arbeitsmate⸗ rialien erwarten. tſtehen, llte ſtint er immer mit ſar mit und eit naht ae Nech⸗ oir in der hnet di zu zehn ſer Graf⸗ die Wele ſeit den allgemei twahrend Volle be⸗ vicht von auf den e, ohne n erzeugt ich zu der gabe nicht nan zug⸗ ngen, hin⸗ von den fe müͤſen on Nord⸗ heitmate⸗ §. 93. c) Norfolkſhire. Die langwolligen Schafe haben ſich uͤber einen klei⸗ nen Theil von Norfolk verbreitet und ſind in jenem weſt⸗ lichen Theil der Grafſchaft befonders haͤufig, welcher, durch den Ouse von den hoͤher liegenden Bezirken getrennt, wegen der niedrigen und feuchten Beſchaffenheit des Bo⸗ dens Marſchland heißt. Dieſelbe Sorte Wolle wird auch in ſehr geringen Quantitaͤten auf den niedrigen, in der oͤſtlichen Spitze der Grafſchaft vertheilten Weiden und an den Ufern des Yare gefunden. Wahrſchainlich wurden die Heerden des Marſchlandes urſpruͤnglich aus den be⸗ nachbarten Suͤmpfen eingebracht; denn obgleich ſie leich⸗ ter ſind und ein leichteres Vließ erzeugen, als die Schafe von Lincolnſhire, ſo zeigen ſie doch ſo viele aͤhnliche Zuͤge, daß ſie den Beobachter uͤberzeugen muͤſſen, ſie gehoͤren zu derſelben Familie. Die nahe Nachbarſchaft des leichtern Viehſtammes mag dazu beigetragen haben, ihre Zuͤge weniger ausgezeichnet und ihre Vließe weniger ſchwer zu machen. Dieſe niedrigen Landſtriche erzeugen im All⸗ gemeinen Langwolle, die ſich zu der Worſted⸗Manufactur eignet, und die zu der Art Zeuge zu Norwich verarbeitet wird. Die Groͤße des in dieſem aͤußerſten Theil des Lin⸗ coln⸗Bezirkes unterhaltenen Viehbeſtandes betraͤgt etwa eilf Schafe auf acht Acker, deren jedes ein Vließ von ſieben Pfund traͤgt. Die ganze Ausdehnung des Landes in dieſer Abtheilung von Norfolk betraͤgt etwa zwei und dreißig tauſend Acker, und die der uͤbrigen Marſchen ein und dreißig tauſend drei hundert und funfzig, auf welchen der langwolligen Schafe ſehr wenige ſind. Da aber der auf einer gegebenen Flaͤche gehaltene Viehbeſtand nicht er⸗ 1 9 — 1 1 ““ —— — 4 1 7 1 r — — S 2 1 8 4, . 4“ 5 2₰ ——⸗ — 254— waͤhnt worden iſt, ſo kann die Anzahl der Vließe nicht ausgemittelt werden, und es wird keinen weſentlichen Irrthum veranlaſſen, wenn wir ſie ganz weglaſſen. Viel⸗ leicht mag die feuchte Beſchaffenheit der Weide, die auf der Landſeite von ganz verſchiedenen Bodenarten voͤllig umgeben iſt und mit der groͤßeren Langwolle erzeugenden Bezirken in keiner Verbindung ſteht, den Landwirth be⸗ wogen haben, dem Rindvieh mehr Aufmerkſamkeit zu ſchenken als den Schafen. Im Ganzen ſchaͤtzen wir alſo die Zahl der langſtacheligen Vließe in Norfolk auf acht und dreißig tauſend fuͤnf hundert, deren Gewicht ſich auf eilf hundert und zwanzig Buͤndel belaͤuft. §. 94. d) Cambridgeſhire. Der Lincoln⸗Bezirk fuͤr Langwolle umfaßt auch einen betraͤchtlichen Theil von Cambridgeſhire. Etwa die halbe Grafſchaft erzeugt kurze Vließe, die von Schafen erhal⸗ ten werden, welche mit der Norfolk⸗Zucht ſehr nahe ver⸗ wandt ſind; aber in den ſumpfigen Gegenden und auf der Inſel Ely*) iſt die Langwolle vorherrſchend und wird in der Manufactur von Worſted⸗Zeugen zu denſelben Zwecken benutzt, wie die von den trockneren Weiden. Aber der Boden iſt ſo ſehr abweichend von dem in Lincolnſhire, und ſeine Entwaͤſſerung und ſein Anbau ſind ſo unvoll⸗ kommen, daß der darauf gehaltene Schafbeſtand, ſo wohl in Hinſicht der Race als der Anzahl, ſehr wechſeln muß. *) Isle of Ely, der noͤrdlichſte Theil der Grafſchaft, ein Marſch⸗Diſtrict, der groͤßten Theils von den Fluͤſſen Ouse und Nen umgeben iſt. Das viele Waſſer iſt mit großer Muͤhe und Koſten abgezogen, und das Land zu Wieſen und Aeckern benutzt worden. Anm. d. Ueberſ. jeßt nicht ſentlichen en. Viel⸗ „ die auf en ooͤllg eugenden dirth be⸗ ankelt zu wir alſo auf acht t ſch af auch einen die halbt fen erhal⸗ nahe ver⸗ d auf der und wird denſelben den. Abet ncolnſhi ſ unvoll ſo wohl ſeln muß ſcaft, ein uſſen Ouse mit gvßet Wieſen umd eberſ ————d1 ͤ=—D———B————ÿVm— aaͤͤhͤͤͤhͤͤͤſͤnnͤnn —————— — 255— Ein Fremder, der von den reichen Wieſen von Long⸗ Sutton und Holbeach nach dem noͤrdlicheren Theil von Cambridgeſhire reiſt, erſtaunt uͤber die Abwechslung, die innerhalb einiger Meilen in dem aͤußern Anſehen der Ge⸗ gend Statt findet, ohne daß gerade hoͤher liegende Wei⸗ den dazwiſchen kommen. Anſtatt der reichen und gruͤnen⸗ den Gefilde, von denen er eben erſt umgeben war, durch⸗ geht er nun einen ſchlammigen, mit Waſſerpflanzen uͤber⸗ zogenen Bezirk, und wo das Auge uͤber eine unermeßliche Flaͤche hinſtreift und weder einem Gebuͤſch noch einem Baum begegnet, um die Einfoͤrmigkeit der Anſicht zu mil⸗ dern, denn der runde Seſichtskreis wird bloß durch die nackten und ſtarren, zur Entwaͤſſerung gebrauchten Wind⸗ muͤhlen und durch die fernen Hoͤhen von Norfolk und Huntingdon unterbrochen. Wer mit jenen wankenden (weichen) Wegen nicht bekannt iſt, fuͤhlt ſich bisweilen wegen ſeines Lebens beunruhigt, und die oͤde Landſchaſt traͤgt dazu bei, alle Hoffnung auf Beiſtand abzuſchneiden. In ſolch einer Gegend kann der Schafbeſtand unmoͤglich ſtark ſeyn; denn wenn das Land durch irgend einen un⸗ abwendbaren Zufall, oder durch ein außerordentlich naſ⸗ ſes Jahr unter Waſſer geſetzt wird, ſo ſend die Heerden nur ſehr ſchwer von dem Untergang zu retten und muͤſ⸗ ſen auf die ſicherer gelegenen Guͤter vertheilt werden. Bei der Wiederkehr beſſerer Zeiten wird ein Viehbe⸗ ſtand ſchleunig von allen Seiten her, wo man nur unter den vortheilhafteſten Bedingungen dazu kommen kann, zuſammen gekauft; die Heerden bekommen aber dadurch einen bunten und ſchwankenden Charakter, und die Woll⸗ haufen enthalten eine groͤßere Mannigfaltigkeit von 4 ———ꝛ—xxP—BB—— 4 4 1 4 4 — 256— Pließeen, als in irgend einem andern Theil des Bezirks zu finden iſt. Von den ſchwarzen Torf⸗Beſtandtheilen des Bodens bekommt die Wolle dieſes Landes ein blaues und ſchmuziges Anſehen, das ſie nie wieder verliert, ſelbſt nicht, wenn ſie mit der aͤußerſten Sorgfalt gewaſchen wird, und die Vereinigung der verſchiedenen Schafarten jn einer Heerde bewirkt eine Vermengung von Eigenſchaf⸗ ten in den Vließen, die bisweilen ſo unvertraͤglich mit einander ſind, daß die Vließe fuͤr jede Art von Manu⸗ factur ſchlecht taugen. Im vergangenen Sommer unter⸗ ſuchte ich ein einzelnes Vließ aus dieſer Gegend, deſſen Stapel nicht laͤnger als drei Zoll und ziemlich fein, ganz den Schimmer, die Sproͤdigkeit und die ſchlechte Kruͤm⸗ mung des Haars beſaß, die bei den groͤbſten Sorten der Lincoln⸗Zucht gefunden werden, jeder Stapel war faſt abgeſondert von ſeinem Nachbar gewachſen, beſaß, als kurze Wolle betrachtet, jede verwerfliche Eigenſchaft, und ſeine Laͤnge war zum Kaͤmmen durchaus untauglich. Es ſchien das Erzeugniß eines Schafs zu ſeyn, deſſen Eltern von den unaͤhnlichſten Racen abgeſtammt haben mochten. In dieſem fuͤr das Wohlbefinden und die Geſund⸗ heit der Schafe ſo ſchlecht geeigneten noͤrdlichen Theil von Cambridgeſhire, und wo ihnen, da ſie in einem ſpaͤrlich bewohnten Lande weiden, nur wenig Sorgfalt gewidmet werden kann, belaͤuft ſich der Beſtand nicht uͤber ein Schaf auf zwei Acker. Ein einſichtsvoller Landwirth, der dieſen Landſtrich gut kennt, ob er gleich in einem an⸗ dern(Theil der Grafſchaft wohnt, ſchaͤtzte den Beſtand zu einem Schaf auf ſechs Acker, bemerkte aber, daß die Anzahl im Winter viel geringer waͤre als waͤhrend der Sommt ſchlech vird Sch wadd waich Liü denn b de, der erzeu von jedes b ſchied V für ku das T d t ſteft tond von welch welch leßte dem und Wole n de Baiſtts indtheilen in blaues ert, ſelbſ gewaſchen chafarten zenſchaf⸗ glch mit n Manu⸗ ger unter⸗ nd, deſſen ein, garz hte Kruͤm⸗ Sorten der war faſt beſaß, als chaft, und lic. Es ſen Eltern mochten. e Geſund⸗ Theil bot m ſpaͤrlich gewidmet t uͤber dn Landvitth einem an⸗ en Beſen t, daß 1l ahrend de — 257— Sommermonate, und ſchien ſeine Meinung nach dem ſchlechteſten Theil der Suͤmpfe gebildet zu haben. Wenn — wir die Zahl der Schafe an Ort und Stelle zur Zeit der Schur im Durchſchnitt zu eins auf drei Acker ſchaͤtzen, ſo werden wir wahrſcheinlich nicht weit von der Wahrheit ab⸗ weichen. Aber nicht die ganze Maſſe der hier erzeugten Vlieſie darf in die Claſſe der Kaͤmmwolle geſetzt werden, denn wenigſtens ein Drittheil muß davon abgezogen wer⸗ den, als nur zum Kardaͤtſchen tauglich. Die Quantitaͤt der Langwolle iſt alſo nahe an vierzehn hundert Buͤndel, erzeugt auf hundert und achtzig tauſend Acker Land, und von ein und vierzig tauſend ſieben hundert Schafen, deren jedes ein Vließ von beinahe acht Pfund traͤgt. §. 95. e) Huntingdonſßhire. Der Boden von Huntingdonſhire iſt in ver⸗ ſchiedenen Theilen der Grafſchaft ſowohl fuͤr lange, als fuͤr kurze Wolle geeignet. In dem nordoͤſtlichen Theil iſt das Vließ groß und zum Kaͤmmen gut paſſend; aber auf den trockneren Feldern nach dem Mittelpunct der Graf⸗ ſchaft hin, und an der Grenze von Cambridgeſhire, ſuͤdlich von dem Ouse, wird es leichter, und die Schafe ſind von vermiſchter Race, die einige Zuͤge an ſich haben, welche denen der ſchwereren Heerden gleichen, und andere, welche von der Norfolk⸗Race herzuruͤhren ſcheinen. Dieſe letztere Schafart macht augenſcheinlich Fortſchritte in dem Lande, und ihre Zuͤge werden jaͤhrlich ſichtbarer, und ſie verſpricht die auf dem ſandigen Boden gewachſene Wolle fuͤr die Wollen⸗Manufactur geſchickter zu machen. An der Northamptonſhire⸗Grenze iſt das Vließ von einer 17 3 4 1 3 . ——— —— noch ſchwankenderen Art, ein Theil wird in der Nachbar⸗ ſchaft gekaͤmmt und beſchaͤftigt die zahlreichen Armen mit Spinnen, ein anderer Theil wird nach Leiceſter geſandt und zu Struͤmpfen verarbeitet, ein dritter Theil findet ſei⸗ nen Weg nach Yorkſhire und wird zur Bereitung wolle⸗ ner Zeuge gebraucht, waͤhrend das Uebrige unter die Werkſtaͤtten von Bury St. Edmund's*) und die Web⸗ ſtuͤhle von Norwich vertheilt wird. Bei Heerden von ſo ſchwankendem Charakter, und in einem Lande, von wel⸗ chem man ſo wenig genaue Nachrichten hat, iſt es nicht leicht, in Hinſicht der Menge des zur Erzeugung von Langwolle geeigneten Landes ſowohl, als in Hinſicht der Anzahl Schafe, die es ernaͤhrt, vollkommene Befriedi⸗ gung zu erhalten. Mr. Mayxwell, der Verfaſſer der land⸗ wirthſchaftlichen Ueberſicht uͤber dieſe Grafſchaft, deſſen Beſchreibung ich nicht geſehen habe, giebt die Menge des Marſchlandes auf neun und vierzig tauſend Acker an, welche Schaͤtzung etwas hoͤher iſt als die Schaͤtzung an⸗ derer. Wenn wir fuͤr den reicheren Boden in den uͤbri⸗ gen Theilen der Grafſchaft eine gleiche Summe hinzu⸗ ſetzen und annehmen, daß hundert tauſend Acker zur Un⸗ terhaltung langwolliger Schafe benutzt werden, und daß jeder Acker ein Thier ernaͤhrt, ſo werden wir wahrſchein⸗ lich alle Kaͤmmwolle, die daſelbſt erzeugt wird, umfaſſen. Das Vließ kann ſelbſt bei den ergiebigſten Heerden im Durchſchnitt nicht mehr als ſieben Pfund wiegen; und wir ſchließen daraus, daß die hoͤchſte Quantitaͤt Langwolle, *) In der Grafſchaft Suffolk, wo die armen Leute inſonder⸗ heit Worſtedgarn, vornehmlich fuͤr Norwich, ſpinnen. Anm. d. Ueberſ. 1 ' 8 V b d V de de finf achtzi eben V des! daſelh nvol alsa vomi b werd b und V ren! einen b boro und ton d ſcheint komme haben, la und faun zurE ſand⸗ zieſig finden fir ſ epnet von di — J.—.– ———I1öZ—Iöoöoö—ö—ö—ö—öZ——“ — 259— er Rachber, die dorther erhalten werden kann, wenig uͤber zwei tauſend Armen nit fuͤnf hundert Buͤndel betragen mag, die von ſieben und Re geſandt achtzig tauſend fuͤnf hundert Schafen geſchoren und auf 4 fudtſi eben ſo vielen Ackern Land erzeugt werden. Bei Schaͤtzung tung woll⸗ des Viehſtandes von Huntingdonſhire und der Menge der unter di daſelbſt erzeugten Wolle ſind die Data mehr aus einer di Ved⸗ unvollſtaͤndigen Kenntniß von dieſem Theil des Reichs, dden von ſo als aus den Meinungen der daſelbſt wohnenden Leute ge⸗ d, bon wi⸗ nommen und werden vermuthlich fuͤr zu hoch gehalten „ſſtes nict werden, denn einige von den Marſchen ſind aͤußerſt naß, zeugung bo und ſie enthalten verſchiedene ausgedehnte Seeen. Hinſct de Dieſen unermeßlichen Strich niedrigen und fruchtba⸗ ene Feftid⸗ ren Landes, der aus einem großen Theil von Lincolnſhire, ſer der an⸗ einem kleinen Theil von Northampton, oͤſtlich von Peter⸗ ſhaft, deſen borough, einem Theile von Huntingdon, der Inſel Ely, ſie Menge de und aus dem Theil von Norfolk, der durch den Ouse d Acker a von dem uͤbrigen Theil der Grafſchaft getrennt iſt, beſteht, haͤtzung a ſcheint die Natur zur Erzeugung von Langwolle in dem voll⸗ n den uͤbr kommenſten Zuſtand, den ſie erreichen kann, geſchaffen zu umme hin haben, und es wuͤrde abgeſchmackt ſeyn, ſo lange, als die Acker zur le⸗ Nachfrage nach dieſer Wollſorte fortdauert, ſolch uͤppiges een, und di und nahrhaftes Gras zur Unterhaltung nackter Schafe zu be⸗ wahrici⸗ ſtimmen, wie bisweilen der Wunſch geaͤußert worden iſt, oder d, unfiſa zur Ernaͤhrung ſolcher Schafe, deren Wollhaar dem der Rye⸗ m Heerda land⸗ oder South⸗Down⸗Zucht aͤhnlich ſeyn ſoll. Die wiegen; ud hieſigen Schaͤfer werden es ihrem Vortheil angemeſſener dt Kungul finden, wenn ſie fortfahren, ein Vließ zu pflegen, was fuͤr ſchon beſtehende und fuͤr diejenigen Manufacturen ge⸗ eute inſone eignet iſt, welche ſchon lange in Hinſicht ihres Beſtehens ſpiunen. von dieſen Weiden abgehangen haben, und wenn ſie die⸗ d Ueberſ 17* d 1 4 3 4 — 260— jenigen Aenderungen anbringen, welche den Worſted⸗ Fabrikanten in den Stand ſetzen, dem gegenwaͤrtigen Ge⸗ ſchmack zu entſprechen,— als wenn ſie eine modiſche Schaf⸗Race einfuͤhrten, deren Erzeugniß ſich beſſer eignet fuͤr andere Boden, als fuͤr den, auf welchem ſie leben, beſſer fuͤr andere Manufacturen, als die, welche es bis jetzt verlangt haben, und fuͤr andere Abnehmer, als dieje⸗ nigen, die bis jetzt die Wollenzeuge von Lincoln geſucht haben.. C. Leiceſter⸗(oder Dishley⸗) Bezirk. Vielleicht iſt es kaum thunlich, den Bezirk der Dishley⸗Schafe, als von dem eben beſchriebenen unterſchieden zu betrachten, weil ihr Blut mit dem des in Lincolnſhire einheimiſchen Stammes jetzt aufs innigſte vermiſcht iſt, und ihre zuͤge faſt auf jeder Weide dieſer ausgedehnten Grafſchaft zu unterſcheiden ſind; doch da ſie noch immer etwas ausgezeichnetes haben, und weil einige Landbauer die alten Benennungen noch nicht bei Seite gelegt haben, ſo iſt es uns wenigſtens verzeihlich, wenn wir ſie beibehalten. §. 96. a) Leiceſterſhire. In Leiceſterſhire gab es ſonſt außer den kleinen Thieren, welche die einſamen Wuͤſten von Charnwood Forest durchſtreifen und als eine kurzwollige Art ſpaͤter⸗ hin erwaͤhnt werden muͤſſen,— zwei verſchiedene Schaf⸗ racen, gewoͤhnlich unter dem Namen der Alten und Neuen Leiceſters bekannt; aber gegenwaͤrtig hat die erſtere der letzteren ziemlich allgemein Platz gemacht. Die Schafe von der alten Zucht waren große rauhe Thiere, in vielen von d ttu grobe vilb beſoß Vrrß ſt he undt wach ſchij abtt Kiim werd ſer? von einen lung, b n Vorſte⸗ aetigen G ne modſſc eſſer eignt ſie leben, che es bs ads dieje oln geſucht ezirk. Weirt da beſchriebenn dem des ufs nuiſ Weide dii d; dochd „ und t h nicht b verzeihlih Dharnwon- Att ſpätr dene iſi und Neue erſtere di de Ehhi e, in iln — — 261— von den Theilen, auf welche die Zuͤchter viel Aufmerkſam⸗ keit richten, ſchlecht geſtaltet und trugen ein langes, zaͤhes, grobes und haariges Vließ. Deſſen Farbe war uͤbrigens viel beſſer als die von einigen andern Wollſorten, und es beſaß ausgezeichnete Eigenſchaften zur Verfertigung von Worſted⸗Zeugen. Die Race, die an ihre Stelle tritt, iſt bereits beſchrieben worden, iſt viel ſchoͤner an Geſtalt und erzeugt ein weicheres und feineres, gleichmaͤßig ge⸗ wachſenes Vließ, welches auch noch einige andere Eigen⸗ ſchaften von hoch vollkommener Wolle beſitzt, welches aber zu kurz und zu ſchwach iſt, um zu der vorzuͤglichſten Kaͤmmwolle, die ſich zu Worſtedgarn eignet, gezaͤhlt zu werden. In der Strumpf⸗Manufactur iſt ein Theil die⸗ ſer Wolle ſehr brauchbar geworden, und die Anwendung von Maſchinen auf dieſe Manufactur wird wahrſcheinlich einen groͤßeren Bedarf noͤthig machen. Aber die Verede⸗ lung, die man an einigen Wollſorten des Leiceſter⸗Bezirks wahrnimmt, darf nicht einzig der Race beigemeſſen wer⸗ den; zum Theil mag ſie herruͤhren von der groͤßeren Sorg⸗ falt, mit der man die Schafe haͤlt, und von der beſſeren Behandlung der Weide, wo ſie graſen. Der Bezirk, welcher recht eigentlich der Neuleice⸗ ſter⸗Zucht angehoͤrt, umfaßt die Weiden ſeiner hei⸗ mathlichen Grafſchaft, die Felder von Rutlandſhire und die Koppeln in den Grafſchaften Northampton und War⸗ wick; er umfaßt auch die reicheren Auen in dem oͤſtlichen Winkel von Staffordſhire und den Suͤden von Derby. In dieſem ganzen ausgedehnten Landſtrich, in Hinſicht der Groͤße der zweite, welcher Langwolle erzeugt, iſt die Diſhley⸗Zucht allgemein eingefuͤhrt worden, ihre Eigen⸗ — ͤͤͤͤͤſͤͤſſn 1 5———————⏑ÿʒÿʒÿ—ℳ—— —2 — 1 4 18 — — 262— ſchaften ſind nicht nur den Heerden, die auf den vorzuͤg⸗ lichſten Feldern weiden, eingeimpft worden, ſondern auch denen, die auf Brachaͤckern ſich aufhalten, und in einigen Faͤllen ſind ſie bis zu den kahlen Gemeinweiden gedrungen. Der Stapel, den ſie erzeugt, iſt fuͤnf bis ſieben Zoll lang, gemeiniglich gut gebildet und ven einer ſchoͤn weißen Farbe; und es giebt, meiner Meinung nach, wenige Bezirke in dem Koͤnigreich, wo das Vließ ſo rein erhal⸗ ren, oder in ſo guter Ordnung zu Markte geſandt wird, und nicht viele, wo der Zuͤchter fuͤr ſeine auf den Pelz ſowohl, als auf die Carcaſſe ſeines Schafs gewandte Auf⸗ merkſamkeit reichlicher bezahlt wird. Dieſe ſo allgemein eingefuͤhrten Schafe hat man als auffallend mangelhaft in Hinſicht des Gewichts ihrer Vließe geſchildert; aber obgleich die Menge Wolle, die ſie liefern, geringer iſt, als diejenige, welche von der Lincoln⸗Zucht geſchoren wird, ſo wird das Gewicht doch ſelten als das einzige Kennzeichen der Vortrefflichkeit betrachtet, und im Ver⸗ gleich mit dem alten Beſatz der Grafſchaft liefern ſie auf einer gegebenen Flaͤche eine groͤßere Menge Wolle als jener; und da ſie reinlicher gehalten werden, als es mit den Schafen fruͤherhin der Fall war, ſo iſt das weſent⸗ liche Gewicht der von einem Individuum erzeugten Wolle nicht ſehr mangelhaft. Aber nach den Nachrichten, die man uͤber das Gewicht der von derſelben Zucht in den Niederungen von Lincolnſhire und der auf den trocknen Weiden der Grafſchaft Leiceſter erzeugten Vließe aufbe⸗ wahrt hat, ſcheint ſich die Wage um ein halb Pfund zu Gunſten der erſteren zu neigen. Der Boden von Leiteſterſhire, obgleich etwas ab⸗ 5——————y—————————————— —— 3 4—.— * en borzä ndern aac in einige gedrungen., dolllang in weißtn ), wenigt riin erhal ſandt witd uf den ge vandte Auf oallgemen mangelhaſt ldert, aber geringer ſ t geſchorn das einze d in Ve⸗ ern ſie af Volle al als es ni das veſet⸗ gten Vole tichttn, d ucht in d den trobin ließe auft db Ppfund n ttuvas — — 263— wechſelnd, beſteht hauptſaͤchlich aus einem reichen frucht⸗ baren Lehm, der zur Erzeugung vorzuͤglicher Langwolle gut geeignet iſt; aber wegen der dort eingefuͤhrten Schaf⸗ Wirthſchaftsart kann das Vließ ſelbſt von dem beſten Boden im Durchſchnitt nicht hoͤher als zu ſieben und ein halb Pfund gerechnet werden, und vielleicht mag es fuͤr ſaͤmmtliche Langwolle der Grafſchaft ſich nicht einmal auf ſieben belaufen. Die Groͤße des Viehſtandes ſchwankt in den verſchiedenen Kirchſprengeln zwiſchen einem drei Vier⸗ tel Schaf, und zwiſchen ein und ein Achtel Schaf auf einen Acker, und wenn ich in der Wahl der Guͤter, deren Vieh⸗ beſtand gezaͤhlt worden iſt, gluͤcklich geweſen bin, ſo koͤn⸗ nen in der ganzen Grafſchaft, die Forſte von Charnwood und Bardon ausgenommen, im Durchſchnitt etwa ein und zwanzig Thiere auf zwei und zwanzig Acker Land gerechnet werden. Vielleicht moͤgen diejenigen dieſe Rechnung fuͤr 4 niedrig halten, welche erwaͤgen, daß der Schafbeſtand von manchen zu eins auf den Acker, von andern noch hoͤher, und von einigen wenigen zu ein und ein halb an⸗ gegeben wird. Aber in ſolchen Faͤllen iſt es nichts unge⸗ woͤhnliches, daß Leute von den Guͤtern, die unmittelbar in ihrer Naͤhe liegen, und wo nur Eine Wirthſchaftsart eingefuͤhrt iſt, ihre Schaͤtzung machen, ohne einen allge⸗ meinen Ueberblick uͤber den Bezirk, in welchem ſie wohnen⸗ zu nehmen, oder zu bedenken, daß in entfernten Gegen⸗ den eine andere Schafart gehalten werden und von dem Eigenthuͤmer nach andern Grundſaͤtzen behandelt werden koͤnne. Zieht man von der Ausdehnung von Leieeſterſhire die Menge des Forſtgrundes ab, der ſich wahrſcheinlich auf ———— 1—— 4 5 ———-——— — 264— etwa funfzig tauſend Acker belaͤuft, und bringt man das nicht artbare Land auf die gewoͤhnliche Weiſe in Anſchlag, ſo bleiben etwa drei hundert acht und neunzig tauſend ſie⸗ ben hundert(398700) Acker uͤbrig, welche Langwolle liefern; dieſe ſind mit drei hundert achtzig tauſend fuͤnf hundert(380500) Schafen beſetzt und erzeugen mehr als eilf tauſend Buͤndel Wolle. §. 97. b) Northamptonſhire. Northamptonſhire gehoͤrt fuͤglich zu dem Be⸗ zirk der Dishley⸗Schafe, weil dieſe Zucht nicht nur auf den reichen und gruͤnenden Weiden der Grafſchaft, deren viele mit den uͤppigſten Auen verglichen werden koͤnnen, das Uebergewicht bekommen, ſondern ſich auch auf den trockenſten Brachen verbreitet hat, indem ſie ein beſſeres Fleiſch und ein vorzuͤglicheres Vließ liefert als der alte Stamm. Die nicht befriedigten(noch in der Gemeinheit liegenden) Felder dieſer Grafſchaft ſind noch zahlreich, und die Guͤter liegen oft durch den ganzen Sprengel, zu wel⸗ chem ſie gehoͤren, in kleinen Stuͤcken zerſtreut, und die Heerden, die aus den Schafen ſaͤmmtlicher Landwirthe beſtehen, liefern nur einen duͤnnen und ſchlecht gehaltenen Stapel, viel leichter, als er ſeyn ſollte, und von einer ſehr ſchlechten Farbe. In den verkoppelten Bezirken(wo die Gemeinheiten getheilt ſind) iſt der Zuͤchter im Stande, ein vollkommneres Schaf zu halten und eine vorzuͤgli⸗ chere Wollſorte zu erzeugen, aber die bereits beſchriebenen Maͤngel der Dishley⸗Vließe werden faſt in jeder Heerde bemerkt und verdienen die beſondere Beachtung derjeni⸗ gen Perſonen, die in einer fruͤherhin wegen ſeiner Wor⸗ — die man das b Anſchlan, auſcnd ſie Langwole iſend fanf gen miehr u dem Bt⸗ iht nur auf aft, deren en koͤnnen, ch auf den ein beſeres 1s der alt Gemeinhet lreich, und I, zu wel⸗ t, und de Landwitthe gehaltenen von einer ezieken(it im Stande e vonzügl⸗ ſſchriebenen der heütde ng derſen⸗ intr i — 265— ſted⸗Manufacturen ſo beruͤhmten Grafſchaft wohnen, wo dieſe aber dermalen faſt allgemein geſunken ſind und ein zahlloſes und traͤges Armuth hinterlaſſen haben. Viel⸗ leicht giebt es wenige Bezirke in dem Koͤnigreich, wo das Vließ mehr Aufmerkſamkeit erfordert als Northampton⸗ ſhire, denn auf einigen Bodenarten bekommt es nicht nur ein braunes und ſchmuziges Anſehen, ſondern das Woll⸗ haar iſt auch grob, haarig, ſchimmernd und hart und beſitzt einen nicht erwuͤnſchten Grad von Elaſticitaͤt. Eine von den guten Folgen der Einkoppelung einer ſolchen Art Landes und des Niederlegens deſſelben zur Weide iſt die, daß das Vließ vor einem Boden verwahrt wird, der den Dotter aufzehrt und dem Stapel ſchadet. Die Vließe dieſer Grafſchaft liefern eine Menge derjenigen Sorten, die zur Wollen⸗Manufactur angewandt werden muͤſſen, obgleich ſie von den Ruͤcken der Thiere lang genug geſcho⸗ ren werden, um einen andern Faden zu liefern; und an den Grenzen der Grafſchaft, gegen Rutland und Bucking⸗ hamſhire hin, und in einigen andern Theilen derſelben ſind die Sthafe zu klein, um eine zum Kaͤmmen geeignete Wolle zu liefern. Da es aber unmoͤglich iſt, dieſe beiden Wollſorten von einander zu trennen, ſo muß bei der Schaͤtzung des Erzeugniſſes dieſes Theils von Großbrit⸗ tannien das Ganze unter den groͤßeren Vließen begriffen werden, bis die ganze Summe dieſer Art Wolle, die das Reich erzeugt, ausgemittelt iſt. Nach den beſten Nach⸗ richten, die ich habe auftreiben koͤnnen, iſt der Schafbe⸗ ſtand ſtaͤrker als in manchen andern, eben ſo fruchtbaren Bezirken, die dazu eine groͤßere Menge Gras erzeugen. Er betraͤgt gegen acht Schafe auf ſieben Acker; vielleicht ————-— 1 n ——— ͤͤͤͤZ—- , — 266— mag dieſe Annahme aber eher zu hoch ſeyn, da in einigen Faͤllen eine Triftgerechtigkeit mit einem Gute verbunden, aber nicht in dem Flaͤchengehalt deſſelben mit inbegriffen iſt. Dieſe Grafſchaft enthaͤlt auch eine groͤßere Menge Waldung als manche andere, welches wahrſcheinlich die Zahl der artbaren Aecker unter die herab ſetzen moͤchte, die wir durch Abzug eines Achtels von der ganzen Aus⸗ dehnung erhalten; doch iſt der dadurch etwa entſtehende Fehler zu gering, als daß wir von der eimal feſt geſtellten Regel abweichen ſollten. Einige der Landguͤter dieſer Grafſchaft ſollen nach der Angabe ein und ein halb Schaf auf jeden Acker halten, andere nur ein halbes, und einige wenige mehr als die doppelte Anzahl. Ein gut unterrich⸗ teter Viehzuͤchter, ein Mann von nicht gewoͤhnlichem Schlag, hat mir geſagt, daß er in Northamptonſhire den Schafbeſtand zu eins auf den Acker ſchaͤtzt, und das Ge⸗ wicht des Vließes, mit Inbegriff aller Sorten, koͤnne fuͤglich nicht hoͤher als zu ſechs Pfund geſchaͤtzt werden, ſo daß das Erzeugniß der Grafſchaft ſechzehn tauſend Buͤn⸗ del Wolle betraͤgt, auf fuͤnf hundert und ſechzig tauſend Acker artbaren Landes, und von ſechs hundert und vier⸗ zig tauſend Schafen. Ein Wollhaͤndler, der faſt in dem Nittelpunct der Grafſchaft wohnt, hat die Gefaͤlligkeit gehabt, mir zu ſagen, daß er meine Angabe des Ge⸗ wichts der Vließe im Durchſchnitt zu ſechs Pfund fuͤr zu hoch hielte; unter ſeinen genauern Bekannten findet er nicht, daß das Schaf mehr als etwa fuͤnf Pfund Wolle liefere, und nimmt an, daß dieſes Gewicht am genaue⸗ ſten den Vließen der Grafſchaft entſprechen werde. Da aber einige der reicheren Gruͤnde ſicherlich ſchwerere Vließe —+—’.—nb— —— — — 267— m enign als von ihm angegeben iſt, liefern, und weil wir in an⸗ ardunda dern zweifelhaften Faͤllen die hoͤhere Durchſchnittszahl ge⸗ inbegrifen nommen haben, ſo wurde es fuͤr das beſte erachtet, die⸗ 5 Nenge jenige beizubehalten, die ſich aus vielen andern Nachrich⸗ ſcenih ten ergeben hatte. en moͤcht nen 3§. 98. c) Rutlandſhire. entſazende Waͤre Rutlandſhire von Boden umgeben, der ſt geſtelten ſich nur fuͤr feine und kurzgeſtapelte Wolle eignete, ſo zuͤter diſer wuͤrde das Erzeugniß dieſer kleinen Grafſchaft ſehr ver⸗ halb Schaf ſchieden ſeyn von dem gegenwaͤrtigen; denn nichts hat und inie wohl den daſigen Landwirth bewegen koͤnnen, ein ſchweres t unternih⸗ Vließ zu cultiviren als die reichen Weiden und die großen woͤhnlchen Schafe in der ganzen Umgegend, und die Nachfrage einer onſhitt da alten vorhandenen Manufactur in der Provinz und in nd das Ee⸗ deren Naͤhe. Das Land, obgleich fruchtbar, liegt großen⸗ ten, kom theils hoch und trocken und iſt in dieſer Hinſicht zur werden, ſ Schafweide gut geeignet; da aber ein bedeutender Theil ſend Vir⸗ deſſelben unter dem Pflug liegt, ſo ſcheint es nicht, als ig tuin ob es fuͤr das ſchwere Dishley⸗Schaf paſſe. Die ſanf⸗ tund vir ten Erhoͤhungen des Landes machen es anmuthig und aſ in di ſetzen das weidende Vieh vielmehr den Blicken des Reiſen⸗ rfälin den aus als die reicheren Auen von Lincolnſhire. Auf . dee be den fluͤchtigſten Blick iſt es ſichtbar, daß die Backwell⸗ und ftn Zucht, ohnerachter aller der Hinderniſſe, die ſie in einer nda ackerbautreibenden Gegend zu uͤberwinden hat, hier einen . Wll ſtarken Einfluß auf den Viehſtamm gehabt und das einhei⸗ und 4 miſche Schaf vielleicht ſehr verbeſſert hat. Da mir jedoch m 4 uͤber die Ausdehnung und das Erzeugniß der Landguͤter anufs bis jetzt keine Nachrichten in die Haͤnde gekommen ſind, ſo ere Vleſ — ——JIddIln3l..ʒũ— — 468— kann ich uͤber dieſen Gegenſtand nur eine ungefaͤhre, auf das aͤußere Anſehen und die Verhaͤltniſſe des Landes ge⸗ ſtuͤtzte Muthmaßung aufſtellen. Die Anzahl der Schafe betraͤgt, nach meiner Meinung, nicht uͤber hundert und vierzehn tauſend auf hundert und ſiebzehn tauſend ſechs hundert Acker ſo genannten artbaren Landes. Wenn das Vließ im Durchſchnitt fuͤnf Pfund wiegt, ſo wird ſich das ganze Erzeugniß der Grafſchaft auf beinahe zwei tauſend vier hundert Buͤndel Wolle belaufen. Der Stapel iſt von einem ſchwankenden Charakter, ein betraͤchtlicher Theil der Vließe eignet ſich zu den Worſted⸗Manufacturen, ein anderer Theil zu Strumpfweberei, und ein dritter, nicht geringer Theil, zu Wollen⸗Zeugen. Ein gelber Anſtrich iſt die vorheerſchende Farbe der Wolle, ausgenommen auf den Weiden, deren Raſen ein dichtes Gras erzeugen, wel⸗ ches die Weiße der Wolle erhaͤlt, und auf einigen der leichteren Bodenarten, wo das Aeußere der Vließe duͤnn und braun iſt. Der groͤßte Theil der in dieſer Grafſchaft erzeugten Wolle iſt mit einer hinreichenden Menge Dotter verſehen, um die unteren Theile des Stapels vor Verder⸗ ben zu ſichern; und das Haar ſteht ſo dicht auf der Haut, daß diejenigen Wirkungen des Waſſers und des Sandes, welche bei einem duͤnneren Vließe ſo oft wahrgenommen werden, verhuͤtet werden. Bei den vernachlaͤſſigten Scha⸗ fen ſind, wie gewoͤhnlich auch anderwaͤrts, die Spitzen des Stapels grob und haarig. §. 99. d) Warwickſhire. Manche, die den landwirthſchaftlichen Zuſtand von Warwickſhire geſchildert haben, bringen uns auf die ——yyy———— 7 — 269— hre, euf Vermuthung, daß die Dishley⸗Schafe auf die Schafe ndes ge⸗ dieſer Grafſchaft nicht ſo fruͤh Einfluß gehabt haben, als Schaff man haͤtte erwarten koͤnnen. Es verdient aber bemerkt zu dett und werden, daß alle landwirthſchaftliche Verbeſſerungen nur d ſih langſame Fortſchritte machen; ſind ſie auf dem einen Gute enn das mit Erfolg angewandt worden, ſo werden ſie auf denen, ſih das die dieſes umgeben, eingefuͤhrt und verbreiten ſich ſo taufend allmaͤhlig, bis der ganze Bezirk ihre Wohlthat empfindet; Staprl iſ werden aber Hinderniſſe in den Weg gelegt, ſo werden her Thel die wohlthaͤtigſten Syſteme in ihrem Fortgang aufgehal⸗ uren, in ten, und es vergehen oft viele Jahre, ehe ſie mit ihrer ter, nicht gewoͤhnlichen Raſchheit weiter ſchreiten koͤnnen. So war :Andrich es mit den Schafen des niedrigen Theils von Warwick⸗ nnntn eu ſhire; die Weiden, wo ſie graſeten, lagen nicht nur ent⸗ gen, wi fernt von den Wieſen von Dishley, ſondern es erhoben nigen de ſich auch die Hoͤhen von Bardon und Charnwood zwiſchen eße dinn ihnen und unterſagten den landwirthſchaftlichen Verkehr, refſchaft bis die beruͤhmte Zucht die oͤffentliche Aufmerkſamkeit in duttt einem hohen Grade auf ſich gezogen und ſich uͤber die Verder reichen Iluren ſeines Mutterlandes verbreitet hatte. Ehe. der Haut ſie bis an die Ufer des Avon vordringen, und ehe ſie ſo⸗ Sus gar den äußerſten Rand der Grafſchaft, den dieſer Fluß eman haudtſachlieh zert, erreichen konnte, mußte die Landeigen⸗ tnehr thumer und Päͤchter ein Unternehmungsgeiſt beſoslen, mußte eSren ein Geſchmasf an landwirthſchaftlichen Verſuchen uͤber 1 8 die Gemeinplaͤtze der Unwiſſenheit ſiegen und dem beiſſen⸗ den Hohn eingebildeter Dummheit Trotz bieten. Daher behielten die alten rauhen und langbeinigen Thiere von und un Warwickſhire, die dem Boden eigenthuͤmlich waren, und 5 die den Naturforſcher, der ſie zu claſſificiren verſuchte, in s au 270— Verlegenheit bringen moͤchten,— ihre ſchlechten Eigen⸗ ſchaften einen bedeutenden Zeitraum hindurch bei, waͤh⸗ rend ſich das ſchoͤnere und eintraͤglichere Leiceſterſhire⸗ Schaf in andern Gegenden ſchnell ausbreitete. So rauh und unſcheinbar aber dieſe Race in den Augen des Zuͤch⸗ ters erſcheinen mochte, ſo ſoll ſie doch ein gutes Vließ geliefert haben, eine Wolle, die man in manchen Faͤllen fein genannt hat. Dieſer Ausdruck iſt ſo arg gemiß⸗ braucht worden, daß er gegenwaͤrtig nur einen unbe⸗ ſtimmten Begriff erweckt; denn waͤhrend dem der Woll⸗ haͤndler faſt immer den Begriff von Duͤnnheit damit ver⸗ bindet, ſo ſcheint der Landbauer und der mit Wolle we⸗ niger vertraute zu wuͤnſchen, daß ein langer, wohlgebildeter und weißer Stapel darunter verſtanden wuͤrde; oder ſie gebrauchen das Wort als gleichbedeutend mit gut. Von der auf den reicheren Auen von Warwickſhire gewachſenen Wolle gebraucht, bedeutet dieſer Ausdruck, daß das Vließ groß, und der Stapel wohl gebildet, vielleicht auch daß die Farbe gut war; aber es iſt kein Grund vorhan⸗ den, zu vermuthen, daß das Wollhaar duͤnnner geweſen und ſich zu einer groͤßeren Laͤnge habe ſpinnen laſſen als das von andern Orten her erhaltene. Gegenwaͤrtig ha⸗ 1 ben einige von den Vließen eine roͤthliche Faͤrbung, die ſie entweder von dem Boden, oder durch den Geſchmack des Landwirths bekommen haben, und ein großer Theil des Haars iſt ſehr weich. Ich habe Wolle dieſer Graf⸗ ſchaft auf dem Kamm verarbeiten ſehen, die in vielen an⸗ dern, fuͤr die Wollen⸗Manufactur guͤnſtiger gelegenen Gegenden des Reichs die Kardaͤtſche beſchaͤftigt haben wuͤrde und vielleicht, nach meiner damaligen Vermuthung, V V V V V — — — —————— ————S— — 271— n Lihn. auf dieſem letzten Inſtrumente mit dem groͤßten Vortheile ii, wih⸗ wuͤrde verarbeitet worden ſeyn. Da aber ſeit einiger iſterſyiee⸗ Zeit, wo dieß bemerkt wurde, einige Jahre verfloſſen So rauh ſind, ſo moͤgen ſowohl in dem Vließ, als in der Art, es es Zülh, zu verarbeiten, große Veraͤnderungen Statt gefunden s Vließ haben. a Fällen Die Wolle dieſer Grafſchaft iſt mannigfaltig wie 3 gumſß⸗ ihre Oberflaͤche und ihr Boden. Langgeſtoppelte Vließe nen unbe⸗ werden hauptſaͤchlich in dem Theil derſelben gefun⸗ der Vol⸗ den, der ſuͤdlich vom Avon und an der Grenze von Lei⸗ amit bit⸗ ceſterſhire liegt. Weil aber einige von den Nach⸗ Volle we⸗ richten, die uͤber die Zahl der Schafe bekannt gemacht gebibdtt worden, ſchwankend ſind und aufgenommen waren, ehe oder ſt die Veraͤnderungen Statt gefunden hatten, die an den t. Voh meiſten Orten waͤhrend der Paar letzten Jahre reißend wachſentn ſchnell auf einander gefolgt ſind, ſo koͤnnen wir nicht das daß das Vertrauen auf ſie ſetzen, was zu wuͤnſchen iſt, wenn man icht auch eine allgemeine Schaͤtzung uͤber einen ſchwierigen Gegen⸗ vorhan⸗ ſtand aufſtellen will, die ſelbſt bei den beſten Huͤlfsmitteln aewiſe noch immer einen hohen Grad von Unſicherheit behalten gſen al muß. Der Schafbeſtand iſt uͤbrigens am ſtaͤrkſten in dem üetig he ſuͤdoͤſtlichen Theil der Grafſchaft, und am ſchwaͤchſten auf ung, it dem entgegen geſetzten Punct. Selbſt auf den reichſten Seſchnut Auen, im Vergleich mit andetn Iönlicher Art in den be⸗ ze dhal nachbarten Grafſchaften, konnen wir die Anzahl der Schafe ſi n nicht hoͤher als zu ſieben auf acht Acker Land ſchaͤtzen. 1. Und nach den beſten Nachrichten, die ich bis jetzt erhalten ieſanc habe, vermuthe ich, daß die Menge der zur Erzeugung gelgn langer Wolle verwendeten Weide etwa hundert zwei und . achtzig tauſend Acker betraͤgt, daß das Gewicht des Vlie⸗ m 1 4 4 21 8—— ₰ᷣ —Z—Z8öZhöhhhhhͤhöhöhͤöͤöͤnͤnͤnͤͤͤͤͤ1—n——— ßes nicht viel uͤber fuͤnf Pfund ſteigt, und glauben, daß in der Grafſchaf hundert und ſechzig tauſend Schafe ſind, welche jaͤhrlich etwa drei tauſend vier hundert Buͤndel Kaͤmmwolle erzeugen. Man hat geſagt, daß in Warwickſhire, welches, nach Mr. Wedge,(von C. Cruttwell, Ehrw. citirt) ſechs hundert und achtzehn tauſend Acker enthaͤlt, mehr als der vierte Theil von Gaͤrten, Waͤldern, Fluͤſſen, Kanaͤlen, Wegen, Wuͤſten und Gemeinheiten eingenommen wurde, ſo daß vielleicht ein Achtel der Flaͤche, als Abzug fuͤr nicht artbares Land, zu wenig iſt, beſonders da in dieſem Falle nicht einmal Staͤdte oder Gebaͤude irgend einer Art er⸗ waͤhnt werden. Doch duͤrfen wir nicht immer den Boden, der gewoͤhnlich Gemeinheit oder Wuͤſte heißt, als ganz nutzlos fuͤr Schaͤfereien betrachten, weil er oft zur Som⸗ merweide fuͤr eine betraͤchtliche Anzahl Heerden dient und ſo den beſſern Boden in der Wollerzeugung unterſtuͤtzt. In dieſem Fall behalten wir alſo das alte Verhaͤltniß bei, ob es gleich nicht ganz genau ſeyn mas. §. 100. e) Staffordſhire. In dem Theil von Staffordſhire, welcher mit zu dem Leiceſterſhire⸗Bezirk gezogen werden muß, wird eine ſo geringe Menge Wolle erzeugt, daß es in der Hauptſumme der in dem Reich erzeugten langen Wolle nur einen unerheblichen Fehler verurſacht, ob wir ſie mit auffuͤhren oder ganz uͤbergehen. Große Vließe werden hauptſaͤchlich auf dem reichen Boden in der Naͤhe des Trent, in dem ſuͤdoͤſtlichen Winkel der Grafſchaft gefun⸗ den, und der dortige Schafbeſtand, nach der mit der Nen Sch Ech Ma betre died und üb berk Lnnc gebt aen gen werd Ggw gewa auen leder zehn den bew ſche Pfau dien alter ein V gewj auben, daß Schaft ſid dert Dunde e, welches, eitirt) ſechs deßt als der n, Kmͤlen, umen durd, dzug für nicht N deeſcn File einet It i nr den doden, ißt, ab am öft zur eon⸗ den dient und ng untfüzt Verhlcnß be , welcht ni e muß, uch aß es in de langen Volt b wir ſie me leße vetdn der Niſe d5 ſtañ iin det ni d Menge Landes auf vielen Guͤtern verknuͤpften Anzahl Schafe zu urtheilen, wahrſcheinlich nicht hoͤher als ſieben Schafe auf fuͤnf und zwanzig Acker. Die ſaͤmmtliche Menge des Landes, auf dem die ſchwere Rare weidet, betraͤgt vielleicht nicht mehr als vierzehntauſend Acker, die drei tauſend ſieben hundert Thiere dieſer Art ernaͤhren und etwas uͤber hundert Buͤndel Wolle erzeugen. §. 101. Gebraͤuche der Lincoln⸗ und Leiceſter⸗Bezirke. In dieſem kleinen Theil von Staffordſhire iſt es uͤblich, die Wolle nach dem tod von dreißig Pfund zu verkaufen; faſt in jedem andern Theil der Leiceſter⸗ und Lincoln⸗Bezirke iſt der tod von acht und zwanzig Pfund gebraͤuchlich, und um es dem Verkaͤufer bequem zu ma⸗ chen, werden von dem Wollhaͤndler ein Paar Siebenpfund⸗ gewichte mit an den Ort gebracht, wo die Wolle gewogen werden ſoll. Sie ſind gewoͤhnlich in einer platten Form gegoſſen, mit dem Wappen Sr. Majeſtaͤt verſehen und gewoͤhnlich nach der Tower⸗Aich geregelt. Um ſie be⸗ quem zu Pferde fortſchaffen zu koͤnnen, ſind ſie durch einen ledernen Riemen verbunden, der bisweilen fuͤnf bis ſech⸗ zehn Unzen wiegt. Dieſen laſſen einige Landwirthe mit den Gewichten auflegen, um den tod voll zu machen, und bewirken eigentlich ein Gewicht fuͤr ihre Wolle, das zwi⸗ ſchen acht und zwanzig Pfund zehn Unzen und dreißig Pfund ſchwankt. Der Gebrauch, ſich des Riemens zu be⸗ dienen und ihn zu wiegen, wird gewoͤhnlich auf den Grund alter Parliaments-Acten in Schutz genommen, welche ein ſolches Uebergewicht verſtatten ſollen, als ein Gegen⸗ gewicht gegen die Feuchtigkeit und den Schmuz, den die 18 ———ͤͤͤͤͤßͤ„ͤJ„GGÿÿÿcÿꝑ9„U ——· — 274— Vließe enthalten; gegenwaͤrtig aber wird dieſer Gebrauch bloß aus Gewohnheit beibehalten, da er durch kein Geſetz geheiligt wird. Als der Gebrauch, ſich der Tower⸗Ge⸗ wichte zu bedienen, zuerſt aufkam, ſo war der Zweck dabei ſehr loͤblich, denn es wurden dadurch endloſe Zaͤnkereien verhuͤtet, welche immerwaͤhrend muͤſſen entſtanden ſeyn, wenn der Landwirth ſeine Wolle durch Handkauf verkaufte, ein Verfahren, das jetzt in Brittannien ganz bei Seite gelegt iſt. Statt die Rechtlichkeit aber zu befoͤrdern, iſt es bisweilen Veranlaſſung zu Betrug geweſen; denn wenn der Kauf nicht mit einer genauen Angabe des Gewichts des tod, ſo wie des Preiſes der Wolle, abgeſchloſſen war, ſo war die fuͤr eine gewiſſe Summe Geldes verkaufte Quantitaͤt nur nominal und mußte durch die Gewiſſen⸗ haftigkeit oder Klugheit des Kaͤufers beſtimmt werden. In manchen Faͤllen war die Gewichtsvermehrung des tod auf dreißig Pfund nur ein Erſatz fuͤr den Unrath, der oft in den Vließen gefunden wurde. Die Art, wie die Wolle gebunden wurde, war ſchandbar betruͤgeriſch, denn die Buͤndel enthielten außer Schmuz mancherlei Art Klunkern (dag-locks), Wolle von todten Schafen und ſolche, die geſchoren worden, ehe der Stapel ſeine volle Laͤnge erreicht hatte, von welchen die alten techniſchen Namen jetzt ſelbſt unter den Wollhaͤndlern faſt in Vergeſſenheit gekommen ſind. Falſches Binden, oder das Einbinden von Wolle oder irgend einer Subſtanz in ein Vließ, die eigentlich nicht dazu gehoͤrt, wird noch vom Geſetz geruͤgt und mit einer ſehr hohen Geldbuße beſtraft. Die Landwirthe aber, wenigſtens die aufgeklaͤrten unter ihnen, werden in ihren Handelsgeſchaͤften von beſſeren Grund⸗ faſt grif Rol liche ſchw des ͤber ————————= ——— 3 3——X .„ 3 8 ſer örni ſaͤtzen geleitet, als die Strafgeſetze einfloͤßen, und die kei beſt unredlichen werden bald hinlaͤnglich bekannt, ſo daß ihnen Tower⸗Gt.. kein Vortheil durch Schleichwege zuwaͤchſt, welche die Zweck dabij ganze Zunft in uͤblen Ruf bei ſolchen Leuten bringen, die, e Zaͤnkereien durch die Vergehen Einzelner aufgebracht, gern ein allge⸗ tanden ſeyn, meines Urtheil ſprechen. Wollkaͤufer wuͤrden nach meiner uf verkaufte, Ueberzeugung ihren eignen Vortheil ſehr berathen, wenn inz bei Seitt ſie alle oͤrtliche Gebraͤuche bei Seite legten und die ffordern, i Wolle von den Landwirthen nach den naͤmlichen offenen z denn wem(deutlichen) Grundſaͤtzen, die unter ihnen angenommen es Gewichts ſind, woͤgen. In der That ſind die Landwirthe jetzt weit ſchloſſen war, beſſer mit den Handels⸗Grundſaͤtzen vertraut als fruͤher⸗ es verkauft hin, ſo daß ſie die Vortheile recht gut einſehen, die aus ie Gewviſcn einem allgemeinen Gewicht von einem geregelten Maß umt werden. und aus dem Umtauſchen der oͤrtlichen Gewohnheiten ge⸗ ung des tot gen allgemeinere Gebraͤuche entſpringen, und ich kenne th, der oſt Wollhaͤndler, die ſich freuen, wenn ihre Gewichte, die edie Woll Zeichen und Zeugen der Rechtlichkeit, fuͤr unnuͤtz gefunden „ demn die werden. it Kuuntem D. Kent ⸗Gezir. und ſalhe§, 102. a) Romney⸗Marſch. volle ling 4 e,1 4 ſchen Namm Der naͤchſte Bezirk fuͤr lange Wolle beſchraͤnkt ſich Vergiſr faſt ganz auf die Grafſchaft Kent, und bei weiten der s Einbiden groͤßere Theil waͤchſt nahe an ihrem ſuͤdlichen Ende. Die Aleß b Romney⸗Marſch mag als die natuͤrliche(urſpruͤng⸗ 1 Th, liche) Weide derjenigen Schafe betrachtet werden, deren 17 9 ſchwere Vließe ſich vor allen andern in dem ſuͤdlichen Theil raft. 1 des Reichs auszeichnen und die ſich in kleinen Haufen nen 7. 1 3 runtem uͤber die meiſten andern Niederungen in der Grafſchaft ſren Gnn⸗ 18* —e 1———— — 276— verbreitet haben. Mr. Marſchall glaubt, daß die in dem fuͤdlichen Theil Englands einheimiſchen Schafe von einem gemeinſchaftlichen Stamm ausgegangen ſeyen, der ſich von dem der Mittellaͤndiſchen Grafſchaften durch die Farbe des Geſichts und durch die Hoͤrner auszeichne. Aber die Marſchſchafe ſind, wie alle langwollige Schafe, die wir auf den Ebenenen von Lincolnſhire und auf den Weiden des Leiceſter⸗Bezirks zu bemerken Gelegenheit gehabt ha⸗ ben, eine ungehoͤrnte(polled) Race mit weißen Geſich⸗ tern und Beinen, mit Ausnahme einiger Individuen, die man gewoͤhnlich an den Raͤndern der Marſchen findet, die in ihren Geſichtern einige graue Flecke zeigen, der ſicherſte Beweis eines durch Vernichtung mit der alten Race der Hoͤhelands⸗Guͤter verdorbenen Blutes. Die Wolle, welche die Marſch erzeugt, eignet ſich gut zu Worſted⸗Zeugen; aber der Stapel iſt bisweilen zu ſpitz und zu hart an den Enden und zeigt bisweilen an der Oberflaͤche des Vließes eine blaͤulige Faͤrbung, die bei Wolle, die auf niedrigen und reichen Weiden erzeugt wird, nicht ungewoͤhnlich iſt. Naͤher an der Haut iſt die Farbe viel beſſer, und das Haar hat etwas von der gelben Farbe, die bisweilen von einem reichen und geſunden Dotter her⸗ ruͤhrt. Es iſt auch ein Umſtand bei mancher von dieſer Wolle merkwuͤrdig, den ich niemals bei der Wolle irgend eines andern Bezirks bemerkt habe, die Stoppel der Vließe hat den Anſchein, als ob ein gelbes Pulver unter das Haar geſtreut worden waͤre, feſt an der Wolle hinge, und macht auf den Sinn des Gefuͤhls einen Eindruck, der dem durch einen gewichſeten Faden erregten aͤhnlich iſt. Dieß kommt wahrſcheinlich von dem Dotter, der durch einen bs welch ſoho helle Leict nicht bei t Nen⸗ jider beha Eta Dott erwe ſach und altt Ti geren dieſer beſen von ten für deſe nen feine gebe ſtreb der, eand — 277— 6 die indm bis jetzt unbekannten Proceß verdichtet(erhaͤrtet), durch e von einen welchen aber das Haar den bei der alten Lincoln⸗Race e, der ſc ſo haͤufig bemerkten Schimmer verliert, ſo wie auch jenes jch die Futt helle und klare Ausſehen, welches die Wolle der New⸗ Aber die Leiceſter-Zucht ſo vorzuͤglich auszeichnet. Dieß iſt aber fe, die wi nicht der Charakter aller langen Vließe der Grafſchaft; den Weiden bei weiten der groͤßere Theil derſelben beſitzt eine reichliche t gthabt ha⸗ Menge jenes nahrhaften und oͤligen Dotters, welcher bei eißen Geſich⸗ jeder Witterungs⸗Veraͤnderung ſeine fluͤſſige Geſtalt bei⸗ dividuen, de behalten und zur Geſundheit und Vervollkommnung des ſchen fndet Stapels beigetragen hat. Auch fuͤgt der ſich verdichtende zeigen, der Dotter der Wolle den Schaden nicht zu, den man haͤtte nit der alten erwarten moͤgen; denn ohngeachtet dieſes anſcheinenden lutes. D Nachtheils, liefert ſie beim Kaͤmmen vorzuͤgliche Arbeit ſich gut zu und eine dichtere(zuſammenhaͤngendere) Scheibe als die ellen zu ſpit alte Wolle von dem Leiceſter- ſowohl, als vom Lincoln⸗ elen an der Vezirk. Dieſer Umſtand mag zum Theil von dem gerin⸗ g, die bii geren Grad von Elaſticitaͤt herruͤhren, welche die Wolle neugt wird dieſer Marſchen beſitzt, welche Eigenſchaft fuͤr manche ſt di Farbe beſondere Zwecke ſehr wuͤnſchenswerth iſt, welche aber gelben Farb⸗ von dem Zuͤchter in den mittellaͤndiſchen Grafſchaften ſel⸗ Detter he ten erreicht wird, ohne jene Zaͤhigkeit zu zerſtoͤren, die tvon di faͤr gute Kaͤmmwolle unumgaͤnglich noͤthig iſt. Die Menge Wolle romd dieſer in Kent gewonnenen Waare iſt jaͤhrlich im Abneh⸗ dl der i men, wenn die Verſicherung, daß der Stapel kuͤrzer und feiner werde, gegruͤndet iſt, und daß es wenige Wollſorten rnau gebe, bei welchen die Duͤnnheit mit groͤßerem Erfolg er⸗ „ ſtrebt werde. In dieſem Bezirk kommt ein Beiſpiel von uc, 1 der großen Umwandlung vor, die in dem Viehſtamm des 4* 99 Landes durch den Unternehmungsgeiſt ſeiner Zuͤchter mag hervorgebracht worden ſeyn, denn die Schafe werden jetzt beſchrieben als Thiere mit kurzen Beinen, runden aͤchten Tonnen⸗Leibern, zart gebildet, und ein ausgezeichnet weißes Vließ tragend. Aber der herrſchende Gebrauch, die Laͤmmer zu ſcheeren, muß dem Fabrikanten den Vor⸗ theil rauben, den er aus der Jaͤhrlingswolle ziehen moͤchte, obgleich er einige andere Zweige der Wollen⸗Manufactur mit dem Artikel verſieht, den ſie verlangen. Einige Theile dieſer ausgedehnten Grafſchaft erzeu⸗ gen Wolle von einem ſchwankenden Charakter, ſolche, die ſowohl durch die Kardaͤtſche, als durch den Kamm bear⸗ beitet werden kann, wie es die Umſtaͤnde, beſonders die Nachfrage nach der einen oder andern Sorte erhei⸗ ſchen, und machen es ſchwierig, den Boden, welcher Langwolle erzeugt, von dem zu ſondern, der nur den kuͤr⸗ zeren Stapel liefert. Derjenige, der ſich fuͤr das ſchwe⸗ rere Schaf am beſten eignet, liegt rund um die Kuͤſte in verſchiedenen getrennten Stuͤcken, laͤngs des ſuͤdlichen Ufers der Themſe, auf der Inſel Sheppey und in dem Gehoͤlz(Weald) von Kent; aber die Ausdehnung deſſel⸗ ben wird ſehr verſchieden geſchaͤtzt; denn einige rechnen, daß die Marſchen in der ſuͤdlichen Spitze nur vier und vierzig tauſend Acker enthalten, waͤhrend andere in abwei⸗ chenden Annahmen ſelbſt bis ſiebzig tauſend ſteigen. Dieſe Angaben ſind nur dadurch mit einander vereinbar, daß man annimmt, jene, welche uns die groͤßeren Zah⸗ len geben, begreifen unter der Romney⸗Marſch noch einen Theil des Gebuͤſches(Weald), der daran grenzt, oder einen Theil der Niederungen von Suſſex, die Ebenen levels) von Guilford und von Pevenſey. Mr. Pennant 4 — 279— erden jezt giebt in ſeiner Reiſe nach der Inſel Wight ſechs und en achten vierzig tauſend neun hundert und zwanzig an, als die Sgezeichnt eigentliche Zahl der ſchoßbaren(scotted) Aecker, und ſei⸗ Gebrauch,. ner Angabe koͤnnen wir ſicherlich folgen, wenn wir die den Vor⸗ Groͤße des Schafſtandes dieſer Marſchen ſchaͤtzen. Da en moͤcht, ſie wenige Staͤdte, Wege und Stroͤme, und nur wenig anufactur Wald enthalten, ſo koͤnnen wir jene Ackerzahl ohne Abzug beibehalten. Sieben verſchiedene Angaben von dem Schafbeſtand haft erzeu⸗ der fruchtbaren Ebenen von Romney geben im Durch⸗ ſolche, die anm begt⸗ ſchnitt fuͤnf Schafe auf einen Acker, welche Zahl kein an⸗ ſonders die derer Theil des Reichs aufzuweiſen hat. Da aber das rtt ethe⸗ Land faſt ganz den Schafen gewidmet iſt, und die Laͤmmer n, velche hoͤchſt wahrſcheinlich mit dem aͤlteren Theil der Heerde ir den kir zuſammen gezaͤhlt ſind, ſo ſcheint die Zahl nicht unglaub⸗ dus ſchwe lich, obgleich ein Mann, deſſen Schriften bereits ange⸗ Küſte i fuͤhrt worden ſind, uns belehrt, daß der ungeheuer große ſädlichen Beſtand, der auf dem Lande erhalten werden ſoll, nicht nin dem gerechtfertigt werde durch das aͤußere Anſehen der Felder⸗ ung deſe durch die Beſchaffenheit des Bodens, und auch nicht durch i vehmn die an Ort und Stelle geſammelten Nachrichten. Wir halten — alſo die Anzahl der Schafe zu fuͤnf auf den Acker fuͤr nicht 3 1 bi 4 ſo ganz zuverlaͤſſig. Zur Winterszeit wird die Groͤße des 4 4 ehn Schafbeſtandes auf dieſen kalten und ſtuͤrmiſchen Ebenen end Kin ſehr vermindert, indem die Laͤmmer nach geſchaͤtzteren r nie Orten geſchickt werden; zaͤhlte man ſie alſo in dieſer Jah⸗ dhern a reszeit, ſo wuͤrde ſich eine geringere Zahl Schafe, und ein hroch inn weniger betraͤchtliches Erzeugniß an Wolle ergeben, als kent, un wirklich Statt findet. 3e Clin Es iſt nicht wahrſcheinlich, daß die Vließe von die⸗ Nr. penen ——————— —— * — 280— ſem Theil von Kent im Ganzen uͤber ſieben Pfund wiegen ſollten, obgleich einige Beiſpiele von einem bis auf zwoͤlf und vierzehn Pfund ſteigenden Wollertrag eines einzelnen Schafes angefuͤhrt werden. Das Gewicht der Vließe wird durch die ſo allgemein herrſchende Sitte, die Laͤm⸗ mer zu ſchreren, ſicherlich vermindert, und dieß erklaͤrt einigermaßen die geringe Wolle, die man von einem Be⸗ zirk erhaͤlt, welcher lange Zeit durch dieſen Artikel, ſo⸗ wohl bei denen, welche ihn erzeugen, als bei denen, welche ihn verarbeiten, einen großen Ruf gehabt hat. Denn die Data, die uns geliefert worden ſind, berechtigen uns hinreichend zu dem Schluß, daß die Marſch nicht weniger als hundert fuͤnf und achtzig tauſend voͤllig aus⸗ gewachſene Schafe ernaͤhrt und nicht weniger als fuͤnf tauſend vier hundert Buͤndel Wolle erzeugt. Bei Rech⸗ nungen dieſer Art iſt es unmoͤglich, zu unumſtoͤßlicher Gewißheit zu gelangen; aber in dieſem Fall erhaͤlt der Schluß durch die Meinungen einiger Landwirthe befriedi⸗ gende Gewißheit, die, an Ort und Stelle wohnend, in einem Falle dieſer Art als competente Richter gelten koͤnnen, und welche die Menge Wolle betraͤchtlich hoͤher als zwan⸗ zis Pfund auf den Acker anſchlagen. §. 103. b) Andere Marſchen. Dieſe beruͤhmten Schafe erzeugen, wenn ſie in eine andere Gegend der Grafſchaft gebracht werden, ein leich⸗ teres Vließ, oder die Weide darf nicht ſo ſtark von ihnen beſetzt werden. Auf der Inſel Sheppey, auf den ihr nahe gelegenen, ſo wie auf den Niederungen, die hie und da zerſtreut an den Luͤſten gefunden werden, erzeugt dieſelbe ————j————„— — 281— d niga Schaf⸗Race ſieben Pfund Wolle, aber der Beſtand be⸗ auf zwilf traͤgt nur fuͤnf Stuͤck auf drei Acker. Wenn ſie eine enzenen trockenere und weniger uͤppige Weide haben, ſo werden er Aiz ihre Vließe duͤnner und leichter und fallen einmal wenig⸗ N lin. ſtens auf vier und ein Viertel Pfund, als das Durch⸗ s erklaͤt ſchnittsgewicht, herunter, ein auffallender, doch kein un⸗ gewoͤhnlicher Beweis von der Folge des Hungers oder unmaͤßiger Anſtrengung. Es iſt nicht leicht, die, von der Romney⸗Marſch abgeſonderte Flaͤche Landes in Kent auszumitteln, die der Unterhaltung langwolliger Schafe inem Be⸗ ttiktl, ſo⸗ bei denen, thabt hat. berecheigen gewidmet iſt; ſie kann aber dreiſt zu fuͤnf und zwanzig arſch nicht tauſend Acker in dem oͤſtlichen Theil der Grafſchaft und ülligaus⸗ zu vierzig tauſend an den Ufern der Themſe, der Medway 8 als funf und einiger andern Gewaͤſſer angenommen werden. Dieſe Bei Aech⸗ ernaͤhren mehr als hundert und acht tauſend Schafe und— 4 iſtoͤßlicher liefern dem Fabrikanten beinahe drei tauſend zwei hundert. erhaͤlt der Buͤndel Wolle. Die Marſch von Gullford, die an die ebeftiedi⸗ Romney⸗Marſch ſtoͤßt und einen Theil dieſes Bezirks A in einen bildet, iſt mit unter der Ackerzahl begriffen, die der Rech⸗ en ionnen, nung zum Grunde liegt, und die Pevenſey⸗Ebene iſt faſt 4 als zwan⸗— gaͤnzlich fuͤrs Rindvieh beſtimmt und liefert ſo wenig g Wolle, daß die angegebene Menge als das Geſammt⸗ V Erzeugniß des Bezirks angeſehen werden kann. §. 104. Gebraͤuche und Maͤrkte. — Or—— g — 4. 4. K 1 2—2* 5—,———————ʒÿ———ßM———-— 4! fehs Die Vließe werden hier entweder nach dem Pfunde, von ihre oder nach Buͤndeln von zwei hundert und vierzig Pfund, en ihr nſ mit einer kleinen Zugabe fuͤr Abgang, verkauft; und es he wa ſcheint nicht, als ob ein beſſedes Verfahren angewandt ugtdiſte werden koͤnnte, denn das Gewicht, das man gebraucht, 2 1— — 9 D—D—o3mmſſh11A ‿— — 282— iſt beſtimmt und dem Kaͤufer ſo gut bekannt, als dem Verkaͤufer, und iſt dasjenige, deſſen ſich die Wollhaͤndler in den meiſten ſuͤdlichen Theilen Englands unter einander ſelbſt bedienen. Exeter iſt der Hauptmarkt, auf welchen die Langwolle von Kent gebracht wird; vier tauſend Saͤcke werden in dieſe Stadt zum Gebrauch der Fabrikanten in Weſten Englands eingefuͤhrt; das uͤbrige wird von den Wollhaͤndlern gekauft und findet ſeinen Weg zu den Webſtuͤhlen des Nordens, oder es mag vielleicht ein klei⸗ ner Theil derſelben auf den Stuͤhlen von Norfolk und Suffolk verarbeitet werden. E. Devonſhire Bezirk. §. 405. South Hams. Da ich den Theil Englands, der weſtlich von der Linie, die von Briſtol*) nach Lewes*) gezogen gedacht wird, liegt, niemals beſucht habe, ſo iſt die Beſchrei⸗ bung, die ich von den Schafen und Vließen der weſtlichen und ſuͤdlichen Grafſchoften zu geben im Stande ſeyn werde, hauptſachlich aus den Nachrichten zuſammen ge⸗ tragen, die andere daruͤber geliefert haben. In Devon⸗ ſhire finden wir noch einen Bezirk fuͤr lange Wolle; er beſchraͤnkt ſich aber faſt ganz auf den ſuͤdlichen Theil der Grafſchaft, obgleich der Stapel in der ganzen Grafſchaft laͤnger iſt, als der groͤßte Theil derjenigen Wolle, die gewoͤhnlich fuͤr die Kardaͤtſche geeignet gehalten wird, iſt oober entſchieden paſſend zum Kaͤmmen in den South⸗ s) In Sommerſetſhire. ) In der Grafſchaft Suſſex. — 283— ls dem. 4 händle Hams und längs der Ufer der Hauptſtrome. Die enardte Schafe werden gewoͤhnlich in zwei Elaſſen getheilt, in die walze ge hoͤrnte Mace, und in diejenigen, die nach dem pro⸗ Siit vinciellen Ausdenck Notts oder Knors heißen, wel⸗ neen ſ chen manche eine dritte Art hinzu fuͤgen, die ſich von den beiden andern Arten durch eine beſondere Hervorragung an de(Beule) auf dem Haupte auszeichnen. Einige glauben, 3 dn ſie ſeyen eine gemiſchte Race; Mr. Marſchall aber meint, ſm ie ſie gehoͤren zu einer beſonderen Familie. In den Soutk- alt und Hams, einem Landſtrich, der ſich weit in den Kanal er⸗ ſtreckt und durch ſein mildes Clima und ſeine reizenden Gegenden beruͤhmt iſt, gleicht das Vließ demjenigen, was von der Romney⸗Marſch erhalten wird, und wird zu denſelben Zwecken in den Manufacturen der Grafſchaft gebraucht. Die ungehoͤrnte Race ſoll auf den Auen des ton der Ex, und namentlich in der Naͤhe von Tiverton vorzuͤg⸗ gdach lich groß ſeyn; gegenwaͤrtig aber ſcheint in dem groͤßeren eſchei⸗ Theil des Bezirks die Dorſetſhire⸗Zucht am meiſten in der ſilchen Node zu ſeyn und hat ihren hoͤheren Vorzug von der de ſeßn Erzeugung fruͤher Laͤmmer erhalten. Auch das Dishley⸗ imen gi⸗ Schaf, das wir, den Romney⸗Bezirk ausgenommen, in Devon⸗ jedem langwolligen Bezirk gefunden haben, iſt ſelbſt bis olle; er auf dieſe entlegenen Weiden gedrungen und hat zur Ver⸗ lheil der beſſerung ihrer Heerden beigetragen. Gleich den groͤßeren rafſcheft Schafen in andern Theilen des Reichs, beſitzen die olle, de Devonſhire⸗Schafe weiße Geſichter und weiße Beine, eird, it einige wenige an der oͤſtlichen Seite des Bezirks ausge⸗ Soull- nommen, welche dielleicht durch die Vermiſchung mit den ſchlechteren Racen der Grafſchaft entſtanden ſind und das Kennzeichen ihrer Entartung in den Flecken, die ſie — 284— an ſich haben, und an der ſchmuzigen Farbe ihres Vor⸗ derhauptes darlegen. In dieſer Art Wolle ſind die Pließe zu neun Ppfund gerechnet worden, einige wenige haben achtzehn Pfund gewogen; da aber das Haar nicht gewoͤhnlich dick auf dem Ruͤcken des Thieres ſteht, ſo moͤgen vielleicht acht Pfund, im Durchſchnitt angenommen, uns einen einiger⸗ maßen genauen Begriff von der Menge, die der Bezirk liefert, geben. §. 106. Gebraͤuche und Gewichte. Bei den Landwirthen im Suͤden von Devonſſhire iſt es nicht uͤberall gebraͤuchlich, ihre Heerden zu waſchen, und einige verſtaͤndige Leute haben ihr Verfahren wegen ſeiner Nuͤtzlichkeit gerechtfertigt; die Wolle, ſagen ſie, haͤlt beſſer, wiegt mehr, und der Dotter, der von einer ſeifenartigen Beſchaffenheit iſt, befoͤrdert das Waſchen des Wollhaars. Da jedoch dieſes Verfahren in allen uͤbrigen Bezirken, welche lange Wolle erzeugen, und ſelbſt in denen unbe⸗ kannt iſt, wo die Carcaſſe und der Pelz mit der ſchaͤrfſten Aufmerkſamkeit beobachtet und mit dem beſten Erfolg ge⸗ pflegt worden ſind;— da es bei kuͤrzerer Wolle am ge⸗ woͤhnlichſten in aͤrmern Bezirken gefunden wird, wo der Boden kalt oder feucht iſt, und die Schafe geſchmiert wer⸗ den, um ihre Geſundheit zu bewahren, wo die Landwir⸗ the unter dem Druck leben, und die Landwirthſchaft ſchlecht verſtanden, oder erſt ſeit kurzen wiſſenſchaftlich behandelt wird;— da, anſtatt dem Fabrikanten, der durch die Reinheit ihrer Farbe ausgezeichnete Artikel verfertigen moͤchte, Koſten zu erſparen, es mehr Arbeit macht und — 285— Yo⸗ groͤßere Koſten verurſacht, ſo kann ich nur glauben, daß dieß Verfahren verderblich ſey und anzeige, daß die Pfund Grafſchaft nicht die ſchnellen Fortſchritte in der Kunſt des pfund Ackerbaues gemacht habe, durch die ſich einige andere ik auf Theile des Reichs ausgezeichnet haben. Wenn der Werth t acht des ungewaſchenen Vließes in dieſem Theil von Devonſhire iniger⸗ zu fuͤnf und ſtebzig angenommen worden iſt, ſo bemerken Beiitk wir, daß eine Quaniitaͤt, die in einem reineren Zuſtand verkauft wurde, an fuͤnf und neunzig reichte, indem wir etwas mehr als ein Viertel des Gewichts auf den Dotter rechnen, der die ungewachſenen Vließe ſchwerer machte. iſt es Es giebt wenige Wollhaͤndler,— davon bin ich uͤber⸗ , und zeugt,— die nicht daraus ſchließen werden, daß entwe⸗ ſeinee der die Wolle, die gewaſchen worden war, nicht rein beſſer, war, oder daß die Menge des Dotters, in welcher die artigen Wolle erzeugt ward, geringer als noͤthig geweſen ſey. haars. Wenn dieſer Mangel aus der Conſtitution des Schafes irken, entſpringt, ſo muß ſie fuͤr fehlerhaft gehalten werden; unbe⸗ wird er durch die Feuchtigkeit des Clima's erzeugt, ſo ärfſten muß einige Sorge getragen werden, das Vließ gegen ng ge⸗ deren zerſtoͤrende Einfiuͤſſe zu ſichern, was leichter in einer m ge⸗ Gegend auszufuͤhren iſt, wo die Myrthe bisweilen den vo dir ganzen Winter hindurch unbedeckt bluͤht, als in Bezir⸗ t wer⸗ ken, wo die Heerden der aͤußerſten Strenge des erſtarren⸗ Idwi⸗ den Sturms ausgeſetzt ſind. jſcht An Orten, wo die Bewirthſchaftungs⸗Weiſe ſo aflch mannigfaltig, und der Boden ſo verſchieden iſt, wie in durch Devonſhire, iſt es kein Wunder, d⸗ß in dem einen ertigen Sprengel Gebraͤuche herrſchen, welche in einem andern t um gaͤnzlich unbekannt ſind; demnach finden wir, daß nicht N 8 4 — — —ꝰ—————— — — 286— 8 nur in der Art, das Vließ zu behandeln, eine Ver⸗ ſchiedenheit Statt findet, ſondern daß die Wolle auch bisweilen mit einem Pfund von achtzehn Unzen gewo⸗ gen wird, waͤhrend an andern Orten des Pfundes von ſechszehn Unzen Erwaͤhnung geſchieht. Wenn das erſte bei ungewaſchener Wolle gebraucht wird, und das andere bei der, die durch den Teich gegangen iſt, ſo bewirkt dieß einen Unterſchied von einem Achtel zu Gunſten des Dotters und macht den Mangel an die⸗ ſer naͤhrenden Subſtanz weniger bedeutend, als wir angenommen haben. In einigen Faͤllen haben wir gefunden, daß ein Pfund von ein und zwanzig Unzen gabraucht wurde; aber es ſchien ſich nur hauptſaͤchlich auf die Geſchaͤfte des Manufactur⸗Herrn mit ſeinen Spinnern zu beſchraͤnken. Der Wollpreis in dieſer Grafſchaft wird uͤberall nach Pfunden angegeben; aber das zwiſchen Kaͤufer und Verkaͤuſer uͤbliche Gewicht iſt der tod von acht und zwanzig Pfund. Nach der beſten Schaͤtzung, die ich von dieſem weſtlichen Bezirk entwerfen kann, enthaͤlt das Land, auf welchem die groͤßeren Schafe leben, etwa dreihun⸗ dert ſieben und achtzig tauſend fuͤnf hundert Acker; die Schafe belaufen ſich auf beinahe hundert vier und neunzig tauſend, und erzeugen ſechs tauſend vier hun⸗ dert und funfzig Buͤndel Wolle. Dazu koͤnnte man noch eine kleine Menge fuͤgen, welche in Sommerſet⸗ ſhire und Cornwall erzeugt wird; da aber dieſe Wolle mſt den kuͤrzeren Vließen dieſer Grafſchaften zu ſehr vermengt iſt, ſo muͤſſen wir ſie in der Rechnung uͤbergehen. ——.———— ——.*.. 1 — 287— ne Ver⸗ le auch F. Cotteswold ⸗ Bezirk. gewo⸗ g. 107. Glonceſterſhire. des ton Der letzte, der kleinſte, und der ſonderbarſte un⸗ as etſt ter den Langwolle erzeugenden Bezirken liegt in Glou- 5 das cestershire. Die Cotteswold⸗Berge, welche lange ſi ſo als das Fleck beruͤhmt geweſen ſind, woher die vor⸗ ptel zu zuͤglichſten unter den Spaniſchen Heerden ſtammten, an die⸗ werden noch immer als die ausgezeichnetſten Schaf⸗ ls wie trifften Englands angeſehen; wenn aber die von die⸗ en wit ſen Weiden gelieferte Geſchichte genau iſt, ſo muͤſſen g Unen die Heerden ihre Natur ſowohl, als ihr Erzeugniß ſachlch ſehr veraͤndert haben, und man hat, Trotz der Mein ſeinen nung eines ausgezeichneten Zuͤchters, keinen Grund zu ditſer vermuthen, daß dieſe luftigen Hoͤhen ein ſchweres ; aber Schaf zu der Zeit ernaͤhrt haben ſollten, als man icht iſt vom Ackerbau nur wenig verſtand, und die Gegend weniger bevoͤlkert war, als ſie es gegenwaͤrtig iſt. dieſem Ihr groͤßerer Stamm wurde ſehr wahrſcheinlich aus Aand, dem Suͤden von Warwickſhire und aus dem Norden reihun⸗ von Oxford eingefuͤbrt, und das Daſeyn eines ſolchen Acktr Schafes auf ſolchem Boden muß Erſtaunen erregen. ier und In Hinſicht der Erhebung und des Aeußern im Allg er hun⸗ meinen haben ſie einige Aehnlichkeit mit den Hoͤhe⸗ Vloßen e mmn(Downs) von Suſſex und Kent, und in der duͤnnen merſtt Lage der Gewaͤchserde mit den unbeſchirmten Ebenen Well von Suffolk; aber ſie ernaͤhren eine ſehr verſchiedene du ſeht Art Schafe und erzeugen Wolle von einem entgegen⸗ cuumj geſetzten Charakter zeugend, daß bei der Pflege der 3 laͤngeren Vließe weit mehr von der Behandlung als —““ E 4 3— 1 4 ——— — 288— von dem Reichthum der Weide abhange, und daß ſie, wenn es noͤthig iſt, auf den trockenſten Huͤgeln erzeugt werden moͤgen, wenn nur die Heerde entwe⸗ der vermittelſt angebauter Graͤſer oder anderer Nah⸗ rungsmittel ihre Freßluſt ſtillen und in Ruhe bleiben kann. Dieß iſt ebenfalls der einzige Bezirk, welcher, einen kleinen Theil von Yorkſhire ausgenommen, Lang⸗ wolle von Kreide⸗Huͤgeln liefert; alle uͤbrige Weiden, auf welchen die ſchweren Schafe gefunden werden, ſind beruͤhmt wegen des Reichthums ihres Lehmbo⸗ dens, und wegen der verhaͤltnißmaͤßig tiefen Lage ihrer Oberflaͤche. Die Moorlaͤnder von Yorkſhire, die Hei⸗ den von Lincoln, die Forſte von Leiceſter, die kahlen Ebenen von Kent, und die Huͤgel von Devonſhire ernaͤhren, ſo wie ſie ſich uͤber die gewoͤhnliche Hoͤhe der Umgegend erheben, ein kleineres Schaf, ob ſie gleich von allen Seiten mit Schafen der ſchwerſten Art umgeben ſind. Auf den Cotteswold⸗Bergen aber iſt der Stapel der Wolle ſechs bis acht Zoll lang, und das Vließ wiegt im Durchſchnitt gegen acht Pfund, und in dem Thal von Glouceſter werden einige der kleinſten Zuchten im Koͤnigreich gefunden. Die Wolle des Bezirks, obgleich unter allge⸗ mein fuͤr unguͤnſtig gehaltenen Umſtaͤnden erzeugt, iſt ſtark, von guter Farbe, eher grob, aber weich. Die Dishley⸗Zucht, die auf dieſen von ihren heimiſchen Wei⸗ den ſo ſehr verſchiedenen Hoͤhe⸗Guͤtern eingefuͤhrt worden iſt, hat eine ſchoͤne Carcaſſe erzeugt, aber ein gerin⸗ geres und mangelhafteres Vließ als das von dem ein⸗ ———— 5 8*.— ———— — 289— 1 z Und d ntnn— heimiſchen Schaf erhalten. Auf ſolchem Boden iſt, wie kerrde e man behauptet hat, ein ſtarker Schafbeſtand uner⸗ derir Ii laͤßlich, beſonders ſo lange die Landwirche bei ihrem duhe bltt gegenwaͤrtigen Syſtem bleiben; und da die Gegend der ni, wetz Conſtitution des Thieres angemeſſen iſt, ſo iſt es nicht wahrſcheinlich, daß man die Schafhaltung eingehen laſſen ſollte; und wirklich iſt ſeit vielen Jahren der Beſtand immerfort im Zunehmen geweſen. Nach ſol⸗ chen allgemeinen Nachrichten, verglichen mit den Ver⸗ haͤltniſſen der Gegend und dem Beſtand, der auf aͤhn⸗ umen, Lan rige Waün, den wena⸗ dres dehrüs · das hr lichem oder guͤnſtigerem Boden gehalten werden kann, it, de h muß die Anzahl der Schafe ausgemittelt werden; denn a i es iſt mir nicht ein einziger Fall vorgekommen, wo 1 Deuhhg die Zahl der Thiere in Verbindung mit einer gegsbe⸗ 3 i nen Flaͤche Landes auf den Cotteswold⸗Bergen ange⸗ af, ob ſ geben worden waͤre. Vielleicht iſt ein Stuͤck auf den Acker gerade der Beſtand, der unterhalten werden kann, weil die Berge nicht wie manche andere Wei⸗ den dem Graſen ganz gewidmet ſind, und die Heerde auf einem Ackerbau treibenden Gute bei dem Eigen⸗ thuͤmer nur eine Nebenſache iſt. Der Bezirk enthaͤlt er ſchwerin Bergen cht t Zoll lang gegen acht ſter werde gefunden. etwa zwei hundert tauſend Acker und erzeugt viel⸗ leicht etwa ſechs tauſend ſieben hundert Buͤndel Wolle. unter alge⸗ Sie wird gewoͤhnlich nach dem tod von acht und zwan⸗ ezeugt, ſi zig Pfund gewogen; es iſt aber mehr als wahrſcheinlich, weich Di daß ein großer Theil derſelben, ohngeachtet deſſen, niſchen Wi⸗ was uͤber die Eigenſchaften des Stapels geſagt worden, hrt wordn durch die Manufacturen von Oxfordſhire und Glouce⸗ e ein grr ſterſhire zu Wollen⸗Zeugen verarbeitet werden mag. on dem bſl 19 1. ———————— — 290— Es iſt auffallend, daß ein ſo merkwuͤrdiger Bezirk wie dieſer von denen, die uͤber landwirthſchaftliche Gegen⸗ ſtaͤnde geſchrieben haben, nicht genauer geſchildert wor⸗ den iſt, und daß die Zwecke, zu welchen die Wolle verwandt wird, nicht einmal angedeutet worden ſind. §. 108. Hauptſumme der Langwolle. Dieſe abgeſonderten(beſondern) Theile des Reichs, deren Vließe wir beſchrieben haben, enthalten faſt alle die Schafe, welche Langwolle erzeugen; einige wenige Guͤter in anderen Lagen liefern ein Vließ, deſſen Sta⸗ pel hinreichende Laͤnge und Zaͤhigkeit beſitzt, um ver⸗ mittelſt des Kamms bearbeitet zu werden; aber die Menge iſt zu gering, um Aufmerkſamkeit zu erheiſchen, wenn wir nicht tiefer in den Gegenſtand eindringen wollen, als es fuͤr allgemeine Reſultate noͤthig iſt. Die Hauptſumme dieſer Art Vließe alſo, welche Eng⸗ land erzeugt, iſt nahe an vier Millionen zweimal hun⸗ dert tauſend(4,200,000), und das Gewicht der Wolle belaͤuft ſich auf hundert ein und dreißig tauſend acht hundert(131800) Buͤndel, den Buͤndel zu zwei hun⸗ dert vierzig Pfund. Zu dieſer Menge geſchorener Vließe (Scheerwolle) muß noch der Theil zum Kaͤmmen geeig⸗ neter Fellwolle hinzugefuͤgt werden, welche die Kuͤrſch⸗ ner jedes Jahr von den Pelzen geſchlachteter Schafe (Gerberwolle) gewinnen. In der Ueberſicht der Land⸗ wirthſchaft von Middleſer, einem Werke, was mit großer Sorgfalt abgefaßt und unter der Bekraͤftigung des gſſh übrig erſter einen aus Sche dert traͤgt geww und tauſe Terf werd crrei ——D—W— Aöö—mm“————— ——r— d— — 291— er Beſit ne des Ackerbau⸗Amtes herausgegeben worden iſt, wird ftiche Gn geſchaͤtzt, daß das Verhaͤltniß der Zuchtſchafe zu den ſchibdet u uͤbrigen Schafen wie drei zu fuͤnf ſey, und daß die zen die U erſtere in einem Alter von fuͤnf, und die letzteren in orden ſi einem Alter von drei Jahren geſchlachtet werden. Dar⸗ aus folgt, daß von dem Beſtand der langwolligen Schafe das Schlachtvieh nahe an eine Million ein hun⸗ le dert und ſieben und ſiebzig tauſend(1, 177000) be⸗ traͤgt, wovon die Vließe, wenn ſie vollkommen aus⸗ gewachſen ſind, im Durchſchnitt eher mehr als ſieben und ein halb Pfund wiegen und etwa vier und dreizig tauſend Buͤndel Wolle liefern werden. Da aber zu Verfertigung der Worſted⸗Zeuge nur die Wolle gebraucht werden kann, die eine betraͤchtliche Laͤnge des Stapels erreicht hat, und die nur in der letzten Zeit des Woll⸗ jahrs zu bekommen iſt, ſo nehme ich an, daß nur die in den beiden Monaten vor der gewoͤhnlichen Schur⸗ zeit ausgerupfte Wolle zu den langen Wollſorten Eng⸗ lands gerechnet werden kann und gegen fuͤnf tauſend 1, ſieben hundert Buͤndel betraͤgt. Da jedoch hierunter dicht i auch die von geſtorbenen Schafen erhaltene W Wolle mit le des Jc halten faſal⸗ tinige ung ß, deſee kn ſitzt, un den; abe d t zu erheite kand eindeen tate noͤtſii „welche ch n zweimal e ig zuhai begriffen iſt, die immer zu weich zum Kaͤmmen iſt, d u ſnen ſo muͤſſen wir zwei hundert ſechs und achtzig Buͤn⸗ ſtrenr i del davon abziehen; denn es wird angenommen, daß Känmnm 3 ein Zwanzigſtel des uneigentlich genannten Schlachtvie⸗ lche di Kü hes auf dieſe Weiſe ſtirbe. Wir haben alſo hundert ſchkttt Ete ſieben und dreißig tauſend zwei hundert acht und zwan⸗ rſicht de zig Vuͤndel als die Hauptſumme der Engliſchen Kaͤmm⸗ etke, nnsn wolle. Aber dieſe ganze Summe wird nicht wirklich zu er Sekrifthig 19* ꝶ — — 292— Worſted⸗Zeugen gemacht; denn außer dem Theil, der zu Wollenzeugen verarbeitet wird und deſſen Betrag wir nicht ausmitteln koͤnnen, enthaͤlt ſie einen großen Theil voͤlligen Abgangs, Wolltheile, die beim Sortiren als zum Kaͤmmen untauglich ausgeſchieden werden muͤf⸗ ſen, die, wenn ſie mit dieſem Inſtrument behandelt werden, etwa ein Siebentel ihres rohen Gewichts in noils(Knoten) liefern. Dieß ſind aber Gegenſtaͤnde, die eher zur Verarbeitung als zur Erzeugung der Vließe gehoͤren und die, obgleich von weſentlicher Wichtigkeit, unſerem Zweck fremd ſind. Ende des erſten Theils. 2 — iI, der Ietrag großen Sortiren en müſ⸗ rhandelt ichts in enſtäͤnde, r Vlißt chtigkel, 44 22 3 3 5 1 — 1 3 4 4 — * 4* — ————— .— JLLLLLNIT b 1LILrA- SLLLALILAJ. 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