S 0 1*— 14——. 7 3 1 . 1 , 3 7 Univ.-Bibi. — zum . — — —— — — praktiſchen Wieſenbau. Anleitung 3 3u m praktiſchen Wielenban SSer ʒA Mit beſonderer Berückſichtigung des Zuſtandes und der Bedürf⸗ niſſe der norddeutſchen Wieſenwirthſchaft entworfen von Alexander von Lengerke, Profeſſor der Landwirthſchaft, königl. preuß. Landes⸗Okonomie⸗ Rath und General⸗Secretär des Landes⸗Okonomie⸗Collegiums in Berlin. —— „»Derjenige, welcher macht, daß da zwei Halme Gras wachſen, wo ſonſt nur einer wuchs, ſchafft ſeinem Lande mehr wirklichen Nutzen, als oft alle Politici zuſammen.« Dr. Swift. IL. Mit 1 lithographir ten Zeich„n 969 ph e ACDLN I Zweite verbeſſerte Auflage. s LANDBAns;) 2U okGlAX Prag, Verlag der J. G. Calve'ſchen Buchhandlung. 1 8 44. Gedruckt bei J. Poſpiſchil. 2 ——— Vorrede zur erlten Auklage. 8 Der wirkliche Mangel einer umfaſſenden praktiſchen Anleitung zur Verbeſſerung der natürlichen Wieſen hat die nachfolgenden Blätter hervorgerufen; denn obgleich wir im Beſitze mehrer ausführlichen, wiſſenſchaftlich bearbeiteten Lehr⸗ bücher über den Grasbau ſind, ſo finden wir doch vorzugs⸗ weiſe in denſelben nur immer die ſüddeutſchen Verhältniſſe und die denſelben entſprechenden complicirteſten Culturarten berückſichtigt. Daher kam es, daß Manches darin dem nord⸗ deutſchen ausübenden Landwirthe unverſtändlich und dunkel blieb und an ſich treffliche Lehren der hieſigen Praxis wenig zum Nutzen gereichten. So auch nur läßt es ſich erklären, daß ſelbſt des trefflichen Schwerz Unterricht im erſten Bande ſeines leider noch unvollendeten claſſiſchen Werkes über den „praktiſchen Ackerbau« viel mehr ſtudirt und belobt worden iſt, als die dadurch erlangten Kenntniſſe Bethätigung fanden. Der Leſer iſt demnach darauf vorbereitet, was er von der vorliegenden Arbeit zu erwarten hat. Jene umfangreichen Wieſenreviere mit größtentheils brennbarem Untergrunde, welche einen ſo bedeutenden Antheil des productiven Areals Holſteins und Mecklenburgs und der angränzenden Pro⸗ vinzen ausmachen, finden hier die vorzüglichſte Berückſichti⸗ gung. Die ihrer natürlichen Beſchaffenheit entſprechenden Meliorationen ſind beſonders hervorgehoben. Die Großartig⸗ keit der Arbeiten und die mitwirkenden Nebenumſtände be⸗ dingen eine, beiden entſprechende Simplicität; von die⸗ ſem Geſichtspuncte iſt man bei den verſchiedenartigſten Unter⸗ weiſungen ausgegangen.— Neben den langjährigen eigenen Beobachtungen ſind die uns bekannt gewordenen Erfahrun⸗ gen unſerer ausgezeichnetſten vaterländiſchen Wieſenwirthe und Alles benutzt worden, was aus den Mittheilungen eines Meyer, Plathner, Thaer, Schwerz, Sprengel, Steltzner und anderer tüchtiger Männer der Erreichung unſers Zweckes förderlich erachtet ward. VI Es iſt dieſer— wie geſagt— ein rein praktiſcher.— Stimmen mitunter unſere jetzigen Anſichten mit früher und anderwärts von uns gemachten Außerungen nicht überein, ſo ſehe der Leſer darin einen Beweis, daß ſpätere und gereif⸗ tere Erfahrung uns eines Andern und Beſſern belehrt habe. Der wahrheitsliebende Schriftſteller wird es ſich nur zur Ehre anrechnen und das ihm gezollte Vertrauen auf keine beſſere Weiſe rechtfertigen können, als wenn er ſeine Irrthümer zu berichtigen ſucht, wo und wie ſich Gelegenheit dazu darbie⸗ tet. Möge es uns denn gelungen ſeyn, dem norddeutſchen Wie⸗ ſenbauer— den ſüddeutſchen erkennen wir vorweg als unſern Meiſter— einen Leitfaden in die Hände zu liefern, welcher ſeinen örtlichen Bedürfniſſen und beſchränktern Mit⸗ teln harmoniſch entſpricht! Der Verfaſſer. RXCoer sSS Vorrede zur zweiten Auklage. Der Beifall, den dieſe Schrift, namentlich in denjeni⸗ gen Gegenden gefunden, für welche ich ſie vorzugsweiſe be— ſtimmte, hat mir die Pflicht auferlegt, an derſelben nach Form und Inhalt keine weſentliche Veränderungen vorzunehmen. Ich habe mich vielmehr darauf beſchränkt, Veraltetes und Falſches zu berichtigen und Ergänzungen nur da eintreten zu laſſen, wo ſie mir im Intereſſe der Praxis unerläßlich erſchie⸗ nen. Es iſt damit zugleich dem gegenſeitigen Wunſche der Verlagshandlung und des Verfaſſers, das Buch durch Er⸗ weiterung nicht zu vertheuern, ein Genüge geſchehen, ohne daß ſolches deßhalb noch jetzt im Ganzen an Vollſtändigkeit gegen andere Wieſenbaulehren zurückſtehen dürfte. Berlin, im März 1843. Der Verfaſſer. 2 * * 6 ̊ o o 6 6 n e ⸗** 2*— 2f ⸗.**.* 2 ·. * * 25 In h a 1 4. Erſter Abſchnitt. Zur Statiſtik des deutſchen Wieſenbaues. Seite 1. Nutzen dieſer Überſicht 1 2. Allgemeines Verhältniß des Wieſenlandes zum Acker— 3. ſterreichs Wieſenwachs...... 2 4. Preußens Wieſenwachs.....— 5. Wieſenbau in Baiern..... 4 6. Sachſens Wieſencultur......— 7. Hannovers Wieſenbau.. 4... 5 8. Würtembergs Wieſenwachs. 3 7 9. Badens Wieſenwirthſchaft.... 8 10. Wieſenbau im Großherzogthume Heſſen...— 11. Wieſenwachs im Herzogthume Naſſau.. 9 12. Wieſenwachs Kurheſſens. 10 13. Wieſenbau in Hohenzollern, Homburg, dem Frautſur ter Gebiete..— 14. Herzogthums Braunſchweig Wieſenwachs...— 15. Wieſenwachs in Lippe, Waldeck. 11 16. Wieſenbau in Sachſen⸗Weimar, Gotha, Meiningen ꝛc.— 17. Wieſencultur der anhaltiſchen, ſchwarzburgiſchen, reu⸗ ßiſchen Laͤnder..— 18. Wieſenwachs des Herzogthums Oldenburg.. 19. Der Großherzogthümer Mecklenburg Wieſenbau. 12 20. Der Wieſenbau in Holſtein. 13 21. Treſehhachs der freien Städte Hamburg, Lübeck, Bremen— Zweiter Abſchnitt. Allgemeiner Werth und Wichtigkeit der natürlichen Wieſen. 22. Zur Culturgeſchichte der Wieſen. Frühere Über⸗, ſpä⸗ tere Geringſchätzung. Rückkehr zur rationellen Werths⸗ beſtimmung....... 14 VIII —— Seite 3 §. 23. Speciellere Würdigung der Stellung, welche der Wie⸗ 1 ſenbau unter den landwirthſchaftlichen Culturbranchen einnimmt........ 17 §. 24. Recapitulation der allgemeinen und beſondern Momente der Wieſenökonomie,...—. 20 1 Dritter Abſchnitt. Verſchiedenartige Lage und Beſchaffenheit der natürlichen Wieſen; ihre Vorzüge und Mängel. §. 25. Flußwieſen.— Schaäͤdlicher Einfluß einer mangelhaften agrariſchen Legislatur auf dieſelben.— Salzwieſen. 23 §. 26. Feldwieſen.— Moder⸗Reſervoire.... 24 §. 27. Quellige Wieſen.— Verhalten der Bodenlagen zu den unterirdiſchen Waſſerbehältern.— Urquellen und Quell⸗ hügel....... 3.. 25 §. 28. Moorige Wieſen.— Über deren Entſtehung und Bo⸗ denſchichtung........ 32 Vierter Abſchnitt. Von der Güte und Einträglichkeit der Wieſenpflanzen und ihrem zweckmäßigen Miſchungsverhältniſſe. §. 29. Beſtand der Wieſen im Allgemeinen.... 35 §. 30. Gute Wieſengräſer und Pflanzen. a. Raigras der Engländer, lolium perenne.. 36 b. Die Rispengräſer. 1. Glattes Wieſenrispengras, poa pratensis L. 40 2. Rauhes Wieſenrispengras, poa trivialis.. 41 3. Jähriges Rispengras, poa annua..— 4 4. Meerſtrandsrispengras, poa marifima.. 43 5. Schmalblätteriges Rispengras, poa angustifolia 44 6. Mannagras, poa fluitans....— 3 c. Das Knaulgras, dactylis glomerata..— d. Alopecurus pratensis und geniculatus... 46 e. Wieſenlieſchgras, Timothee, phleum pratense. 48 f. Fiorin, agrostis stolonifera... 49 g. Schwingel; rohrartiger Schwingel, festuca arun- dinacea; Wieſenſchwingel, f. pratensis.. 53 h. Das Kammgras, eynosurus eristatus L... 54 i. Ruchgras, anthoxanthum odoratum... 55 k. Schmielen, aira eaespitosa und aira aquatica 56 e —— ——— ſ— — ——— —— 1I. Wieſengerſte, hordeum pratense... m. Die Bromus⸗Arten... n. Honiggras(wolliges), holcus ſanatus 8. 0. Franzöſiſches Raigras; Wieſenhaber; holeus ave- naceus(Avena elatior L.)... p. Juncus bottnicus.— Juncago maritima. q. Kleearten. Würdigung des rothen Klees als Wie⸗ ſenpflanze. Trifolium hybridum. Trifolium agra- rium. Medicago falcata. Medicago Iupulina.. r. Gelbe Wieſenplatterbſe, lathyrus pratensis.. s. Die Lotus⸗Arten. a. Der Meerſtrandslotus.... b. Gehörnter Schotenklee.... t. Melilotenklee, melilothus offieinalis... u. Die Vogelwicke, vicia cracca... v. Die Schafgarbe, achilleo millefolium. 3. w. Plantago⸗Arten. Wegebreit.... xX. Kümmel, carum carvi. 3... y. Glanzgras, phalaris...... z. Perlgras, melica nutans.... §. 31. Nachtheilige Wieſengräſer und Pflanzen. a. Fingerkraut, Gänſerich, potentilla. 4 b. Ampfer, rumex..... c. Dunengras, eriophorum... d. Riedgräſer, carex acuta und c. Fulpina.. e. Münze, mentha arvensis und m. aquatica.. f. Hauhechel, ononis spinosa.... g. Klapperkraut, rhinanthus erista galli. h. Augentroſt, euphrasia..... i. Ruck, glechoma hederacea. 7.. k. Knötrich, polygonum ydropipar, p. amphibium und p. aviculare. 3. I. Die Wolfsmilch⸗(Euphorbia⸗) Arten. m. Rebendolde(wilder Knoblauch), Oenanthe Kstulosa n. Zeitloſe, colchiceum antumnale o. Waſſerſchierling, cicuta virosa etc.— Trollius europaeus....... p. Silge, selinum.. q. Sonnenthau, drosera rotundifolia und longifolia. r. Hahnenfuß, ranunculus. s. Noch einige der minder gewöhnlich vorkommenden Giftkräuter. a. Habichtskraut, hieracium pilosella. b. Lolium temulentum. 1. c. Bilſenkraut, hyoscyamus niger. d. Stechapfel, datura stramonium.. e. Pferdeſamenkraut, phellandrium aquaticum. *. 99999999 .* 32. 33. 34. 35. 36. 37. . 38. 39. 40. 41. 42. 44. f. Mercurialis perennis, Bingelkraut. g. Eppich, sium latifolium.. h. Wieſen⸗Anemone, anemone pratensis.. t. Der Duwock(Kannenkraut, Schaftheu, Heermus), equisetum palustre und arvense... u. Binſen, jadens; seirpus..... v. Rohr, arundo. w. Arctinm lappa.(Grote Klieven.) x. Großer Huflattich(Loken), tussilago. y. Mooſe. Die Beſtimmung des Miſchungsverhaͤltniſſes der Wie⸗ ſenpflanzen hängt nicht nur von der Natur und Be⸗ ſchaffenheit der Wieſen und dem beabſichtigten Nuz⸗ zungszwecke, ſondern auch von den Eigenthümlichkeiten der Pflanzen, ihrer Wechſelwirkung aufeinander und einer Ubereinſtimmung ihrer Conſtitutionsverhältniſſe zu denen des ſie producirenden Bodens ab. Fünfter Abſchnitt. Unterhaltung der Wieſen. Entſchuldigung wegen Wiederholung von Bekanntem. Maulwurfshaufen. Ebnen derſelben. Wegfangen des Maulwurfs.. Mäuſe; deren Vertilgung. Jülichſcher Räͤucherpüſter. Ameiſen. Maikäfer. Wegräumung von Geſtrüppe, Steinen, Aufgeſchlämmtem Aufräumen der Gräben..... Ausbeſſerung der Brücken, Bachufer. Eggen. Moosvertilgung.... Walzen... 3... Ausſtechen der Unkräuter 3.... Sechster Abſchnitt. Verbeſſerung der Wieſen. 1. Trockenlegung. . 43. Ihre richtige Anwendung und Ausführung. Wechſelwirkung zwiſchen der chemiſchen Conſtitution des Bodens und der organiſchen der Pflanzen . Naturgeſetz des Waſſers. Schichtung des Erdbodens. Unterirdiſche Waſſerbehälter. — 5 84 97 98 101 8— ———— * * 46. 47. 48. 49. 50. 51. 52. 53. §. 54. * * 7* 55. 56. 57. 58. 59. 60. 61. 62. 63. 64. 65. 66. 67. . 65: 140. . 71. Wahrnehmung des Niveaus... Gräben, deren Anlage..... Urſachen der Naſſe.... Unterdrains.. Ableitung des ſtehenbleibenden Tagewaſſers.. Quellenabgrabung....— Trockenlegung durch Bohrlöcher*.. Ableitung übertretenden Stromwaſſers... 2. Erdarbeiten. Verſchiedene Zwecke derſelben. Erſter Fall: Abtragen der Anhöhen und Erdöen der tiefen Stellen..... Raſeneinimpfung. Zweiter Fall: Abheben und Riederſenken des Raſens Dritter Fall: Verjüngung des Raſens. Vierter Fall: Neue Nole oildun durch Erſtickung der alten Narbe. 3.. 3. Beſandung. Wie der Sand wirkt.— Merkwürdige Reſultate der durch Pogge vorgenommenen Sandauffuhren.— Sand macht Dünger entbehrlich.... 4. Aufbruch.— Veranlaſſung und Bedingniſſe der Ackerung.— Anwen⸗ dung von Schlamm und Sand dabei.— Cultur der Wolfsbohnen, der Kohlrüben, des Rapſes auf Moor⸗ wieſen. Meliorationen zu Jürgenshoff und Federow.— Große Vegetation aufgebrochener Salzwieſen.— Schluß⸗Reflexion...... 5. Düngung. Bedürfniß und Zweckmäßigkeit der Wieſendüngung. a. Animaliſcher Dung. Wo derſelbe unbedingt mit Vortheil angewandt wird. Was im Allgemeinen bei der animaliſchen Wieſendün⸗ gung zu beobachten iſt...... 1. Rindviehmiſt..... 8. 2. Pferdemiſt.“.. 3. Schafmiſt. Pferch... 4. 4. Schweinemiſt.. 4—.. 5. Geflügelmiſt.. 6. Menſchliche Excremente 7. Jauche 3. 135 140 — — 2. S S665S 5 S — I2 2 Co doe IX ◻ S. 80. 81. 82. . 83. 84. 85. 86. . 87. 88. 2 89. *. 90. .91. 92. 93. 94. 95. 96. 97. 98. Compoſt. Knochenmehl . Rinderklauen. . b. Vegetabiliſcher Dung. 1. Raſendüngung. . 2. Kartoffelkraut.— Quecken. . 3. Abfall von Handelsgewathſen . 4. Tang . ſc. Mineralien. 1. Mergel; häufige geringe Wirkung desſelben. Eigen⸗ thümliche Vorzüde des 3 Wieſemmergels. Geglühter Mergel. .Kalk 3. Gips... „Aſche.— Salinenabfäͤlle.— Ruß.. 6. Bewäſſerung. Waſſer macht Gras!— Mangelhaftigkeit der hydrau⸗ liſchen Geſetzgebung..... Verſchiedene Bewäſſerungsarten a. Uberſchwemmte Wieſen. Ihr Werth und ihre Behandlung b. Überſtauungswieſen. Worin dieſe Bewäſſerungsart beſteht. Geringer Cre⸗ dit derſelben.. Nachtheile der Überſtauung; ihre eigenthümlichen Vor⸗ züge.. Einrichtung und Vorbereitung der überſtauungswieſen Gebaute ÜUberſtauungswieſen.(Nach Schwerz.) Zu beachtende Bodeneigenſchaft.. Welches Waſſer iſt zur Überſtauung tauglic Wann und wie zu ſtauen iſt. c. Rieſelwieſen. Tendenz der Rieſelung. Werth und Wichtigkeit derſel⸗ ben. Intelligenz der Sollinger, Siegener, Lüne⸗ burger. Die Rieſelungs⸗Matadore Jeſſen, Pog⸗ ge, Schröder. Vergleichende Schlußbemerkung über Wieſenarbeit und Ackerbeſtellung. Nöthige Vorſicht bei der erſten Anlage.— Rückſicht auf Quantität, Berechtigung und Qualität des Waſſers Vergleichender Wieſenberieſelungs⸗Verſuch mit Quell⸗ und Feldwaſſer zu Strieſenow. Fortgeſetzte Wenee(ungen über die Eigenſchaften des Rieſelwaſſers Eigenſchaft des Bodens.— Rieſelungs⸗ Verſuche zu Strieſenow auf bekarrten und unbekarrten Moorwieſen Eigenſchaft der Lage.— Worzüst einer a gewiſſen Aöhän⸗ gigkeit.— Ebnung. 0 ,—“ ““ S — S 2 §. 99. Allgemeine Zurichtungen. 1. Grabenarbeit und Gräben. a. Trockenlegung. b. Beim Bewäſſerungsweſen vorkommende Gra⸗ benarbeit. aa. Allgemeine Bemerkungen. Grabenpflügen. Sie genſches Wieſenbeil. Anfer⸗ tigung tiefer Gräben auf unebenem Boden. §. 100. Fortſetzung. §. 101. §. 102. §. 103. §. 104. O. 105. Schwerz's Handgriffe bei Ausgleichung des Bodens: Abdachung desſelben durch Viſiren. Gleichlegung durch Niveliren.. Schluß der allgemeinen Bemerkungen über Graben⸗ arbeit bei der Bewäſſerung. bb. Specielle Benennung, Zweck und Anlage der Be⸗ wäſſerungsgräben..... 32 2. Waſſerwehren; keitungSaopatate Wäſſerungsmethoden. (Mehr Concretes als Abſtractes).. Fortſchritt vom Rohen zum Conplicirtern. Vermeh⸗ rung und veränderte Richtung der Gräben. Verbeſſerte Wäſſerungsanlage nach Schwerz. Krumme Graben⸗ arbeit des Siegeners. Unzweckmäßigkeit ähnlicher Anlagen für große Flächen.. 3 .Vereinfachung der lüneburgiſchen Wieſenrieſelung. . Schröder'ſche Überrieſelungsanſtalt.. Wie man in Holſtein vergrabene, unebene Wieſen auf einfachem, wohlfeilem Wege zu Rieſelungs⸗Anlagen macht, bethätigt durch Jeſſen's Werk zu Koſelau. §. 109. Culturverfahren zu Panzow in Mecklenburg bei Um⸗ wandlung einer ſehr ſchlechten Wieſe in eine ertrag⸗ reiche Rieſelungswieſe. . Bedingte Nothwendigkeit des Auffluges aus der Sphäͤre S des rationellen Handwerks in die Regionen der Kunſt . Vorſichtigkeitsmaßregeln. 238 244 249 250 . 112. Hangbau. Rückenbau. Siegener Methode; deren 114. 115. 116. 56596 S. §. 117. Mängel und Veränderungen. Flacher Rückenbau auf wagerechtem Boden nach Schwer;z's Anleitung. Ab⸗ weichung auf hangenden Wieſen.. . Darſtellung der neueſten Art der Bewäſſerungswie⸗ ſen im Lüneburgiſchen.(Nach Steltzner).. Bewäſſerungszeit und Weiſe uͤberrieſelter Wieſen Pflege gewäſſerter Wieſen... Werth des Products von gewäſſerten Wieſen 3 d. Bewäſſerung durch Anſtauung in den Gräben. Wo ſie anwendbar und worin ſie beſteht. 251 256 267 277 280 281 6998 658 XIV 7 e. Schwemmwieſen. 118. Werth und Begriff des Schwemmens.. 119. Beſchreibung der Operation. 120. 35 dem Schwemmen zu nehmende allgemeine Rüuck⸗ ichten.. 121. Beſondere Rückſicht bei Anlage von Felderwieſen. 122. Koſten und Extrag geſchwemmter Wieſen 123. Benarbung der neuen Oberfläche, namentlich auch der in Felder gelegten Wieſen. Auch noch Etwas über die Unterhaltung letzterer. 124. Wirkung der Berieſelung auf Sandboden.— Wie man zu Panzow in Mecklenburg eine völlig mit Flug⸗ ſand bedeckte Fläche in eine Kunſtwieſe umſchaffte. 7. Einhegung.— Schutz. 125. Erhöhung des Wieſenertrags durch Anpflanzung ge⸗ eigneter Schutzwehren.—... 126. Zweckmäßige Wahl der Holzart.... . 127. Cultur der unihweiden.... Siebenter Abſchnitt. Benutzung der Wieſen. . Hut. 128. Beſchränkte Anwendung..... 129. Frühjahrshut. 1.... 130. Herbſtliche Beweidung.. 131. Regelmäßiger Wechſel zwiſchen Mahd und Hut. Be⸗ ſtändige Weidung...... 2. Heuernte. 132. Das Schwierige ihrer untadelhaften Vollführung. 133. Wahrzunehmender Zeitpunct. 4.. 134. Die Mahd. 135. Bei der Wahl der Werbungsmethode zu nehmende Rückſichten. 136. Altere Heubereitungsmethode, namentlich in Meck⸗ lenburg....... 137. Verfahren in Holſtein.. 138. Zweckmäßige Arbeitseintheilung beim Häufelungs⸗ Verfahren... 139. Verfahren zu Dehmen bei der Grünbeubereitung. 140. Das Bäumen(Heu böhm'm) in Mecklenburg. . 141. Maſchinen zur Heubereitung. Der Haltroreher der Engländer..—. §. 142. Hockung des Heues 290 6992 143. 144. 145. 146. 147. 148. 149. . 150. 151. 152. 153. 162. — XV Seite Heubereitung auf dem Wege der Selbſterhitzung. Braunheu⸗Bereitung; inwiefern ihre Borzüge ſich rechtfertigten, und dieſes konnten. 333 Brennen des Graſes in wieder auseinander geriſ⸗ ſenen Haufen. Verfahren in Roggow. 3. 334 Verſchiedene Bereitungsarten des Braunheues in England, in der Schweiz, in Holland und Düſeiesland 336 Fütterungswerth des Braunheues. 343 Auf welchem Wege das vorzüglichſte Braunheu zu erzielen und gefahrvollen Erhitzungen vorzubeugen iſt. — Recapitulation über den Werth des Braunheues.— Wo die Bereitung desſelben ſtatthaft und ob ſie Vor⸗ züge vor dem gewöhnlichen Verfahren hat.. 349 Heuwerbung auf ſehr naſſen und überſchwemmten Wieſen..... 357 Das Laden und Einfahren 4 359 Banſen; Einſchobern des Heues; Vorzüge dieſer Me⸗ thode. Wie ihren Nachtheilen vorzubeugen iſt. Beſte Form der Feimen...— Vermiſchung des Heues mit Stroh.. 363 Einſalzen des Heues.— Bereitung verunreinigten Futters.— Einſäuern des Wieſengraſes.— Zuſammenfahren des ungewählten Graſes in Miethen.... 365 Achter Abſchnitt. Landrente und wahrer Werth der Wieſen. .Das Mangelhafte in der Beſtimmung der Landrente 368 . Namhafte Heuerträge in verſchiedenen Gegenden.— . Claſſification der Wieſen. 370 . Unſtatthaftigkeit der fixirten Zahlengrößen des quan⸗ titativen Ertrags an ſich, namentlich beim geſedlichen Taxations⸗Verfahren. 371 . Umſtände, die den Benutzungswerth der Wieſen er⸗ niedrigen oder erhöhen. 1. Beſchaffenheit des Heues...— 2. Sicherheit....... 374 3. Entfernung.— 4. Heuwerbungskoſten. Ausfall derſelben und darnach berechneter Reinertrag der Wieſen: nach Thaer; nach Podewils; nach Burger; in Stegen nach Koppe; in Mecklenburg... 375 Abſatz des Heues. 4.. 387 §. §. 163. Beſchaffenheit der Ackerländereten...— XVI 6. 164. §. 165. (§. 166. Einfluß des Verhältniſſes der Wieſenfläche zu den Ackerländereien auf den Werth der Wieſengrundſtücke. — v. Thünen's Ermittelung der wohlfeilſten Heu⸗ Surrogate und ihrer rentirenden Erzeugung unter widerſtrebenden Verhältniſſen.— Ein zu großes Verhältniß der Wieſen zum Ackerlande mindert den Werth erſterer für die Ackerwirthſchaft... Gelegenheit zu Meliorationen. Ertragsberechnung cultivirter und uncultivirter Wie⸗ ſen in Mecklenburg, und wie ſich ihr Werth zum Acker⸗ lande verhält...—. — 388 391 392 Erster Abschnitt. Zur Statiſtik des deutſchen Wieſenbaues. „Dieſes geheimniß⸗ und kunſtvolle Gewebe der Natur, das in gemäßigten Zonen weder Hitze noch Kälte zerſtören können, gleicht einer immer gedeckten Tafel.“ von Schwerz. — §. 1. Nutzen dieſer Überſicht. Der Andeutung, wie wichtig es für den Einzelnen ſey, vermehr⸗ tes Nachdenken und angeſtrengtere Thätigkeit dem zum Vorwurfe dieſer Blätter gemachten Culturgegenſtande zuzuwenden, möge eine allgemeine Hinweiſung auf den Umfang desſelben in den verſchiedenſten Gegen⸗ den unſeres deutſchen Vaterlandes vorangehen. Es wird ſich dadurch auch bei dem nicht ſpeciell auf Handwerk und Wiſſenſchaft unſeres Ge⸗ werbes und die Früchte beider Angewieſenen der Begriff von dem wichtigen Einfluſſe einer blühenden Wieſencultur auf die Productions⸗ verhältniſſe und das Nationaleinkommen erhöhen. Aber auch Diejeni⸗ gen, welche materielles Intereſſe und ein hierauf baſirtes geiſtiges Bedürfniß zum Studium unſerer Mittheilungen anreizt, werden durch vorherige Auffaſſung des allgemeinen Standpunctes unſerer Wieſen⸗ wirthſchaft inne werden, daß ſchon von vorn herein und abgeſehen von den durch die ſeit vielen Jahrhunderten betriebene Landwirthſchafts⸗ kunſt formirten Zuſtänden in der natürlichen Vertheilung der pro⸗ ductiven Erdoberfläche die dringendſte Anforderung zur umſichtigſten Pflege und Benutzung der vom weiſen Schöpfer unmittelbar mit un⸗ vergänglichem Grün geſchmückten Matten begründet iſt. §. 2. Allgemeines Verhältniß des Wieſenlandes zum Acker. Im Ganzen wird man annehmen können, daß in Deutſchland ſich das mit natürlichen Wieſen ausgeſtattete Areal zu dem des Ackerlandes wie 1: 5 verhält. Übrigens finden wir einzelne Provinzen, wie z. B. Baiern, wo es nicht viel über das Doppelte an dem Pfluge unter⸗ worfenen Ländereien gegen die häufigen Wieſen und Weiden gibt. Es iſt eine ziemlich allgemein zutreffende Wahrnehmung, daß der Ertrag der Wieſenwirthſchaft zu ihrem Umfange in umgekehrtem Verhältniſſe ſteht. Lengerke's Wieſenbau. 1 §. 3. ſterreichs Wieſenwachs. Sſterreich gehört zu den mit den ſchönſten naturlichen Wieſen aus⸗ geſtatteten Staaten. Im Allgemeinen iſt es bekannt, daß die deutſchen „Provinzen ungefähr 22,300,000 preußiſche Morgen Ackerländereien und gegen 18,134,000 Morgen Wieſen und Weiden beſitzen. Wie⸗ viel aber von letztern in die Claſſe der Wieſen, wieviel in die Claſſe der Weiden zu rechnen ſeyen, läßt ſich nicht übereinſtimmend feſtſtellen. Nach Blumenbach beträgt in Niederöſterreich die Oberfläche der Wieſen, wovon der bei Weitem größte Theil aus natürlichen Wieſen beſteht, 410, 110 Joch 1239,85 Quadratklafter, oder mehr als 41 bſterr. Quadratmeilen, d. i. beinahe den 9. Theil der geſammten Oberfläche des Landes. Sie hat demnach ſeit der Ausmeſſung von 1787—1789, wo die Wieſengründe mit Einſchluß der den Wieſen gleichgeſtellten Teiche 381,092 Joch 1412 OQ. Klafter betragen hatten, um 29,018 q½ Joch zugenommen. Oberöſterreich beſitzt nach Blumenbach 371,410 Joch, nach Schopf aber, excluſ. der 29,048 Joch einnehmenden Gär⸗ ten, 505,553 Joch Wieſen. Jedenfalls dürfte der Flächeninhalt dieſer die Hälfte des Acker⸗Areals betragen, während Steiermark nur etwa ein Fünftheil Wieſen weniger, 431,984 Joch, hat. Einer Mittheilung Schmidl's zufolge waren hier im J. 1802 436,984 Joch Wieſen, wenn 1830 deren 480,212 Joch. In Tirol gibt man das Wieſen⸗ land zu 432,492 Joch, das Ackerland zu 377,262 Joch an; aber in jener Summe ſind die Gärten mitbegriffen. Kärnthen und Krain ſind in den ſtatiſtiſchen Handbüchern mit gegen 495,000 Joch, mit nahe an 70,000 Joch Wieſenländereien mehr als Ackerfelder verzeichnet. In Kärnthen ſchätzte man ſonſt die Fläche von jenen auf 250,136 Joch; in Krain waren 1823 244,373 Joch 1160 ⅞ Q. Klafter Wieſen und Gärten. Im Kuſtenlande verhalten ſich die Wieſen zu den Ackern unge⸗ fähr wie 2:3. Schopf gibt von erſtern 159,128 Joch an. Böhmen zählt als eigentliches Wieſenland etwa den 5. Theil ſeines Acker⸗ Areals, mit 796,721 Joch; Mähren nur ungefähr den 7. Theil, mit nahe an 325,000 Joch. §. 4. Preußens Wieſenwachs. Die deutſchen Staaten des preußiſchen Königreichs ſind von der Natur ſehr ungleichartig mit Wieſen dotirt. Über die Größe des Wie⸗ ſen⸗Areals und über das Verhältniß desſelben zu dem Flächeninhalt des Ackerlandes gebricht es durchaus an authentiſchen Zahlen. Folgt ie⸗ 2 9 man Föͤrſter, ſo kommen auf einen Morgen Wieſenland ungefähr 3 ¾ Morgen Ackerland, und es ſind in specie vorhanden in Brandenburg..... 1,435,000 Morgen Wieſenland, Peommern.... 1,700,000„„ Schleſien.....2,150,000„„ Sachſen...... 1,600,000„„ Weſtphalen..... 1,131,000„„ Rheinland...... 960,000„„ In den beiden erſtgenannten Provinzen findet ſich eine überwie⸗ gende Anzahl Wieſen von mittelmäßiger und ſchlechter Beſchaffenheit. In der Mehrzahl der Fälle liegen ſelbige entweder an großen Flüſſen oder Strömen, oder in Niederungen mit ſehr geringem Gefälle. Die beſten Wieſen hat Brandenburg an der Oder, dann an der Havel, an der Spree ꝛc.; Pommern erfreut ſich fruchtbarer Wieſen in der Naähe des Ryckfluſſes, der Bache ꝛc., an ſeinen Salzwieſen und überhaupt in den fruchtbaren Küſtenſtrichen. Viel beſſer in der hier beſprochenen Beziehung ſind Schleſien und Sachſen daran. Wieſen, wie die im ſchleſiſchen Gebirge, oft mit ſechsmaligem reichen Gras⸗ ſchnitte, dann an den Fluſſen Bartſch, Bober, Oppa u. ſ. w., im Magdeburgiſchen, an der Elbe ꝛc., wird Keiner das Prädicat hoher Trefflichkeit verweigern, und überhaupt werden auch in den min⸗ derguten Wieſengegenden ſo regelmäßige Übelſtände, wie Branden⸗ burgs und Pommerns meiſte Grasgründe ſie darbieten, nicht ange⸗ troffen. Das Lob, welches einige Statiſtiker den weſtphäliſchen Wieſen ſpenden, durfen wir keineswegs allgemein nachſprechen; es möchte vielmehr anzunehmen ſeyn, daß es in manchen Gegenden des Flach⸗ landes mehr ſchlechte Wieſengründe gebe, als irgendwo ſonſt im preu⸗ ßiſchen Deutſchland. Im Reg. Bezirk Münſter ſieht es am ſchlechteſten mit der Wieſenwirthſchaft aus; im Mindenſchen wendet man ihr ſchon gröͤßere Aufmerkſamkeit zu; in Arnsberg, zu Siegen, hat ſie be⸗ kanntlich den Höhepunct der Cultur erreicht. Die Rheinprovinz leidet — trotz des neuerlich erwachten Sinnes für Wieſen⸗Meliorationen— fortwährend noch ebenſowohl an guten Wieſen, als an Wieſen über⸗ haupt Mangel. Schwerz nimmt das Verhältniß der Ausdehnung der Wieſen zu der des Ackers im Durchſchnitt nicht ſtärker als 1: 20 an. Durch ſeinen verhältnißmäßigen Reichthum an Wieſen zeichnet ſich der Kreis Geilenkirchen aus. Vortreffliche Wieſen finden ſich auf dem Hundsrück in den von der Saar durchnäßten Gründen. 1*¼ §. 5. Wieſenbau in Baiern. Obgleich dieſes von der Natur geſegnete Land in den beiden letzten Jahrzehnten höchſt erfreuliche Fortſchritte in der Eultur ſeiner ungeheu⸗ ren Heiden, Viehtriften, Filze und Möſer gemacht hat; obgleich Ge⸗ treide⸗, Obſt⸗ und Gartenbau zuſehends in Aufnahme ſind: ſo zeigt doch die ungemeſſene Ausdehnung ſeiner mit dem Namen Wieſen be⸗ legten Flächen noch ein unabſehbares Feld für die landwirthſchaft⸗ liche Thätigkeit. Der geſammte Wieſenwachs des Königreichs nimmt 3,075,958 Tagwerke(à 400 Q. R.= 1,3345 preuß. Morgen) oder 14 pCt. der Total⸗Area ein. Darin participirt: Oberbaiern..... mit 751,789 Tagwerken oder 3,6 pCt. Niederbaiern..„ 476,718„„ 2,3„ Oberpfalz und Regensburg.„ 265,385„„ 1,3„ Schwaben und Neuburg..„ 686,188„„ 3,3„ Mittelfranken.„ 272,890„„ 1,3„ Oberfranken..„ 256,453„„ 1,2„ Unterfrankenu. Aſchaffenburg„ 233,745„„ 1,1„ Pfalz.... 127,790 0,6 Die vorzüglichern Wieſen finden ſich an der Is, Gunz, Wieſent, Wörnitz, Sulzach, Altmühl, Rezat, Regnitz, Aiſch, Zenn, am weißen und rothen Main, an der Saale, Eger, in dem ſogenannten Ahorn⸗ thal im Kreiſe Oberfranken u. ſ. w. Die ſehnlich gewünſchten Haupt⸗ mittel zur allgemeinern Aufhülfe der Wieſenwirthſchaft ſind auch hier Rectification der Flußbetten, Aufhebung des Conflicts mit den Mühlen⸗ werken u. ſ. w. Was auch der baieriſche Landmann in dieſem Cultur⸗ zweige zu leiſten fähig iſt, zeigen unter andern die Wieſenflächen um Amorbach(im Kr. Unterfranken und Aſchaffenburg), wo ganz aus⸗ gezeichnete Wäſſerungsanlagen, und zwar in großer Ausdehnung, von jedem gewöhnlichen Bauer ausgeführt und gepflegt, beobachtet wer⸗ den können. §. 6. Sachſens Wieſencultur. Sachſens geſammter Grasbau umfaßt nur circa 500,000 Mor⸗ gen, alſo ungefähr den 5. Theil ſeines Acker⸗ und den 8. Theil ſeines landwirthſchaftlichen Areals überhaupt. Wieviel von jener erſtern Fläche den Wieſen, wieviel den Weiden zufällt, läßt ſich nicht aus⸗ ſprechen; aber die meiſten und ſchönſten Wieſen beſitzt das Land in den Elb⸗, Elſter⸗ und Pleiße⸗Auen, an der Mulde, der Chemnitz, der —— 5 Spree, Mandau und Neiße. Dagegen mangeln ſie der Lommatſcher Pflege, ſo daß hier die Graſerei oft nur ½, der Flur beträgt, und andern von Flüuſſen entferntern fruchtbaren Strichen empfindlich. Im Ganzen iſt der Wieſenbau hier im regen Aufſchwunge begrif⸗ fen; namentlich findet der Kunſtwieſenbau(meiſt nach Siegener Art) immer größere Ausdehnung, was man zumeiſt dem für die Land⸗ wirthſchaft ſo ſehr beſorgten Miniſterium des Innern zu verdanken hat, indem dasſelbe nicht nur thatſächlich Anregung zu dieſer Melioration gab, wie ſolches die großartige Anlage von Kunſtwieſen bei Schwar⸗ zenberg bezeugt, ſondern auch eine Anzahl Männer zu praktiſchen Wieſenbauern in Jannowitz ausbilden ließ und fortwährend noch den⸗ jenigen Wieſenbeſitzern Prämien ertheilt, welche den Kunſtwieſenbau einführen. Die großartigſten Anlagen dieſer Art exiſtiren in dem eben⸗ genannten Jannowitz bei Ruhland in der Oberlauſitz, dem Grafen v. Gersdorf, dem Apoſtel der höhern Wieſencultur in dieſer Ge⸗ gend, gehörig, und in Rüdigsdorf, einem Gute des Dr. Cruſius. Ferner wurde neuerer Zeit der Kunſtwieſenbau eingeführt: bei dem Obercommiſſär Schmalz in Mühlbach bei Großenhain; auf dem Rittergute Kleinwelmsdorf; bei Dreſſel in Wildenau; bei Fried⸗ rich in Bockau im Erzgebirge; bei Freitag in Brünlas; bei Har⸗ ter in Neudörfchen unweit Mitweida; bei dem Kloſtervoigt v. Po⸗ ſern auf Pulsnitz; bei den Gebrüdern Freiherren v. Gablenz auf Kittlitz und Unwürde; bei dem Gutsbeſitzer Palm in Zadel; bei dem Rittergutsbeſitzer v. Brescius auf Rothnaulitz und dem Oberappel⸗ lationsrathe v. Criegern auf Thunitz. §. 7. Hannovers Wieſenbau. Über Ausdehnung und Vertheilung der Grasländereien im König⸗ reiche Hannover gibt die nachfolgende Tabelle Aufſchluß. Vom Acker⸗ und Grünlande ſind Provinzen und Landestheile. Wieſen Ackerland u. Privat⸗ weiden a. pCt. pCt 1) Fürſtenthum Calenberg.. 816/00 183/1,0 2)„ Goͤttingen... 84 16 3)„ Grubenhagen.... 79 13/7, 20 2h100 4) Grafſchaft Hohenſtein..„... 87*⁸/100 1 20 h100 5) Herrſchaft Pleſſe.... 87 9⁄10] 1 2 h100 2 Vom Acker⸗ und Grünlande ſind Provinzen und Landestheile. 4 Wieſen Ackerland u. Privat⸗ weiden 6) Eichsfeld......... 32,d, a 129, 7) Harz........... 85/0o 9932/00 hb. Fürſtenthum Hildesheim mit Goslar..[89 1/160% 1050⁄100 C. 1) Fürſtenthum Lüneburg mit Dannenberg 74 7/1606 2525⁄10 2) Lauenburgiſche Diſreiete..... 65 /⁄100 34*/100 1) Fürſtenthum Osnadrüc. 68 ,o 3137/100 2) Grafſchaft Bentheim...... 5742/100 42;/100 3)„ Lingen... 61,5⁄160 33 h100 4) Herzogthum reubern Meppen.. 56 100 43 5/100 5) Emsbüyren...... 6926/o. 3907 ſa00 e. 1) Herzogthum Bremen u. Verden.. 632100 36 /100 2) Hadeln. 0«·«ℳ · 2 8* 73³⁴ 100 26 3100 — f 1) Grafſchaft Hoyg...... 7 223/160 27 6/100 2)„„ Diepholz...... 60 ,5/100 39 47/100 3) Heſſiſche Enclaven....... 9251/1 27 /0⸗ 8. Fürſtenthum Oſtfriesland und Harlingerland 433%⁄ 00 56 ²⁰ Im ganzen Lande 70 2⁄10 pECt. Ackerland und 2978/100 Wieſen und Weiden. Hiernach enthält Oſtfriesland auf gleicher Fläche mehr als fünfmal ſo viel zur Viehweide und zur Durchfütterung des Viehes geeignetes Land als Hildesheim, und der Landdroſtei⸗Bezirk Stade zum Theil weit mehr als das Doppelte von demjenigen, was faſt alle übrige Provinzen ſüdlich von Hannover und Hildesheim beſitzen. Dennoch ſind neuerer Zeit der Wieſen in den Marſchländern viel we⸗ niger geworden. Oſtfriesland ſpeciell betreffend, ſo nimmt Arends an, daß ¼ bis% der alten Marſch, die vordem zu Graſe lag, jetzt im Durchſchnitt nur ¼ und mit Beifügung der neuen Marſch we⸗ nig über die Hälfte zu jener Nutzung dienen. Die Güte der Wieſen und den Zuſtand der Wieſenwirthſchaft anlangend, ſo ſind es in den Provinzen Calenberg, Göttingen, Gru⸗ benhagen und Hildesheim vornehmlich die bäuerlichen Wieſengründe, welche ſich noch in einem betrübenden Zuſtande der Vernachläſſigung befinden, als deſſen Urſachen hier und da die Koppelhude und man⸗ 7 gelnde Beſtimmungen über die Waſſerbenutzung genannt werden. Im nördlichen Landestheile finden ſich in den weiten Wieſenräumen zwar neben ſchlechten Partieen viele ergiebige Flächen, aber verhältnißmäßig die meiſten dieſer auf dem mannichfach abgeſtuften Sandboden, wo man bewundernswerthen Fleiß auf die Hervorrufung oder Verbeſſe⸗ rung des Graswuchſes verwendete, während der Landwirth in den von der Natur mit beſſerem Boden begünſtigten Gegenden meiſtens genug an dem zu haben glaubte, was ihm ohne ſein Zuthun gegeben und er⸗ halten ward. Namentlich gilt das in der, wegen ihrer Wäſſerungs⸗ anlagen berühmten Provinz Lüneburg, welche ihre meiſten und beſten Schwemm⸗ und Rieſelwieſen in den ſterilſten Diſtricten und als Schö⸗ pfung und Eigenthum der dortigen Bauern zählt. . Würtembergs Wieſenwachs. Würtembergs Wieſen mögen ſich zu ſeinem Ackerlande etwa wie 1:3 ½¼ verhalten oder(incluſ. der Grasgärten) ungefähr 720,000 dor⸗ tige Morgen(à 384 Q. R.= 1,2344 preuß. Morg.) einnehmen, wovon etwa il auf das Plateau der Alp(der Jurakalkformation) fallen duͤrfte. Seit 30 Jahren und länger wurden in dieſem Lande viel tauſend Morgen Wieſen in Ackerland verwandelt, und die Ver⸗ mehrung der Futterkräuter hat dieſen Abgang nicht fühlbar gemacht. In den eigentlichen Gebirgsthälern, an den Ufern der jene durchziehen⸗ den größern und kleinern Flüſſe(namentlich im Tauber⸗, Jart⸗ und Kocherthale, im Leinthal, Bühlerthal, Brenzthal, in vielen Theilen des Neckarthals, im Remsthal und Filsthal, faſt in allen Thälern der Alp, des Schwarzwaldes und der Bodenſeegegend) finden ſich in nam⸗ hafter Menge ſowohl zur Wäſſerung eingerichtete, als für dieſelben geeignete Flächen, welche dadurch zu dem höchſten Ertrage gebracht werden können. Die Ausführung der Wäſſerungsanlagen läßt aber im Ganzen noch Vieles zu wünſchen übrig. Eigentlich kunſtgerecht, wie im Siegenſchen, in den Vogeſen, in der Lombardei, iſt ſie in Wurtem⸗ berg nur ausnahmsweiſe. Es iſt zwar großer Fleiß unverkennbar, allein eine ziemlich rohe Ausführung und große Waſſerverſchwendung nicht zu läugnen. Am vollſtändigſten organiſirt ſind die Wäſſerungen in den nördlichen Alpthälern, im Lenninger, Uracher, Lindachthale, dann bei Weingarten, O. A. Ravensberg, wo man ebenfalls eine durch Herkommen und Satzungen geordnete Wäſſerung(auf einem Terrain von ungefähr 300 M.) trifft. Man ſieht hier bereits die er⸗ ſten Stufen eines muſterhafteu Betriebes erſtiegen; allein es fehlt im⸗ mer noch viel zu der Höhe, welche unter den gegebenen Verhältniſſen ——— ³—— —— 8—õ—— 3— 8 erreichbar wäre. Überdieß vermißt man an vielen andern Orten, wo die ſchoͤnſte Gelegenheit für Wäſſerungswieſen wäre, jede Spur derſel⸗ ben, und es ſind namentlich größere, zu dieſem Zwecke errichtete Canäle, Schöpfräder an den Flüſſen und derartige Vorrichtungen, durch wel⸗ che noch viel Gebiet zur höchſten Fruchtbarkeit gebracht werden könnte, faſt unbekannt. §. 9. Badens Wieſenwirthſchaft. Badens Wieſenfläche verhält ſich zu dem Acker⸗Areal ungefähr wie 1: 3. Sachkenner ſind entſchieden der Meinung, daß eine Schmä⸗ lerung des Wieſenlandes an vielen Orten mit Vortheil zuläſſig wäre, eine ungleich ſtärkere Rohproduction dadurch erzielt werden, noch viele Menſchen in dieſer Beſchäftigung und Nahrung finden könnten, wo man jetzt vielleicht ſchon von Übervölkerung träumt, vorausgeſetzt frei⸗ lich, daß man ſich andererſeits auch um ſo angelegener ſeyn ließe, das weniger Werdende auf eine höhere Stufe von Vollkommenheit zu brin⸗ gen. Im Ganzen iſt dermalen der Stand der Wieſenwirthſchaft kein lobenswerther; namentlich wird die Bewäſſerung der Grasländer noch ſehr vernachläſſigt; häufig noch findet man Wieſen in ſtark ab⸗ fallenden Thalflächen ihrem natürlichen Zuſtande völlig überlaſſen; wie viel mehr denn die ungleich ſchwieriger zu einer vollſtändigen Be⸗ wäſſerung einzurichtenden Horizontal⸗ und tief liegenden Wieſenſtrek⸗ ken, an denen namentlich die Rheinebene ſo reich iſt! Indeſſen machen auch hier einzelne Landesgegenden rühmliche Ausnahmen. Einen wah⸗ ren Schatz an Wieſen mit reicher Wäſſerung und dem üppigſten Gras⸗ wuͤchſe beſitzt vor allen der Oberrheinkreis. Die hieſigen Mattenbeſitzer bilden beinahe überall beſondere Vereine, und jeder hat ſeine beſon⸗ dern Statuten(Rangordnung), durch welche die Wäſſerungsgeſetze genau ſtipulirt werden; ſogar iſt es in manchen Gemarkungen Sitte, bei dem Verkauf eines Mattenſtückes nicht nur den Wochentag, ſon⸗ dern ſogar die Stunde und die Minute, mit welcher die Wäſſerung anzufangen und aufzuhören hat, in den gerichtlichen Kaufbrief ein⸗ zutragen. 3 §. 10. Wieſenbau im Großherzogthume Heſſen. Heſſen⸗Darmſtadt hat 446,525, Normalmorgen(= 0,77994 preuß. M.) Wieſen, Grasgärten und Weiden, wenn 1,656,385,° M. Ackerland. Der bei Weitem größte Theil des hieſigen Wieſenwachſes fällt auf die Provinzen Starkenburg und Oberheſſen. Zu den mit den 9 vorzüglichſten Wieſen ausgeſtatteten Gegenden gehört der Schwalm⸗ grund, der am Hange des Vogelberges ſeinen Anfang nimmt und ſich bis an das Amt Felsberg zieht, wo ſich die Schwalm in die Eder ergießt. Auch in dem Odenwalde, in dem zwiſchen Reinheim und Überau liegenden Thale ꝛc. gibt es viele und herrliche Wieſen. Ganz Rheinheſſen, das 424,146, Morgen Ackerfeld hat, zählt dagegen nur 29,776, Morgen Wieſen, die meiſten im Canton Oſthofen, die wenigſten im Canton Mainz. Der bedeutendſte Wieſengrund iſt die Niederung des Rheines von Worms an bis in die Gegend von Bin⸗ gen; hiernach folgt das Selzbacher Wieſenthal. Seit der Einführung des Wieſencultur⸗Geſetzes(1830) hat ſich hier die Beſchaffenheit der Wieſen in überraſchender Art und Weiſe gebeſſert. Die Anwendung ſeines Geſetzes wurde ſehr unterſtützt durch, auf Veranlaſſung des heimiſchen Landwirthſchafts⸗ Vereins, Seitens des Oberforſtraths Zamminer ausgeführte, techniſche Unterweiſung junger Leute aus dem Bauernſtande in der Praxis der Wieſenver⸗ beſſerungen; ferner durch die ausgezeichnete Thätigkeit, mit welcher der damalige Secretär der großherzoglichen Vereine, Pabſt, ſich der Anordnung und Leitung der erſten und zum Theil wirklich grandioſen Meliorationen unterzog. Jedenfalls geſchah von den drei Provinzen in Starkenburg das Meiſte, wenngleich hier auch noch manche Verbeſſe⸗ rung zu wünſchen übrig bleibt; namentlich fehlt es nicht ſelten an einer vollſtändigen durchgreifeuden Entwäſſerung. Ähnlich ſteht es in Oberheſſen. Wir finden Gemarkungen mit ſehr lobenswerthem Wieſen⸗ bau, wie z. B. Nidda, neben ſolchen, wo man ſich gar nicht darum bekümmert. Rheinheſſen hat manche Wieſengründe, die nicht bewäſſert werden können, oft aber zufolge des Steigens des Rheins, beſonders innerhalb der Dämme, durch das Quellwaſſer verwäſſert werden. Die außerhalb der Dämme gelegenen Wieſen bekommen durch die Überſchwemmung des Rheins neue Kräfte, aber auch manchmal Ver⸗ ſandung zugeführt. Wo das Wäſſern nicht behindert wird, geſchieht es zum Theil ſchon mit großem Fleiß und Umſicht. §. 11. Wieſenwachs im Herzogthume Naſſau. Nach Haſſel und Keller hat Naſſau 196,000 Morgen Wieſen, und verhalten ſich dieſelben zur Morgenzahl der Äcker wie 1:3 ½. Die Lage, fruchtbare Beſchaffenheit des Bodens und die häufige Bewäſſe⸗ rung desſelben verſchaffen hier, bei umſichtiger Pflege und Benutzung, einen hohen Ertrag von den natürlichen Grasländereien. 10 §. 12. Wieſenwachs Kurheſſens. In Kurheſſen nehmen die Grasländer eine Fläche von 503,604 Morgen, die Ackerländer aber eine Area von 1,652,321 Morgen ein. Daurch reichlichen Wieſenwachs zeichnet ſich beſonders Niederheſſen aus. Zwar iſt derſelbe auch in Oberheſſen, namentlich in den kleinen Fluß⸗ ggeebieten, nicht gering, jedoch nicht zureichend. Dagegen beſitzt letztere Provinz geſunde und zahlreiche Weiden an Bergen und Fettweiden im den Thaͤlern. An beiden mangelt es auch in Fulda nicht; aber der ge⸗ ſammte Grasbau bedarf hier noch mannichfacher Reform. Herrliche Wieſen finden ſich in Hanau im Main⸗ und Kinzigthal. Die neuerer Zeit bewilligten Beihülfen zu Wieſenverbeſſerungen aus Staatsfonds, im Beſondern das Anlernen von Wieſenbauern, äußern auf die Vervollkommnung und Erträglichkeit der heimiſchen Wieſenwirthſchaft zuſehends wohlthätigen Einfluß.— Wieſenbau in Hohenzollern, Homburg, dem Frankfur⸗ ter Gebiete.. Im Ganzen genommen kann man annehmen, daß in dieſen Gegen⸗ den dem Wieſenwachſe der vierte Theil der cultivirten Oberfläche ge⸗ widmet iſt. In einigen Gegenden, z. B. in Hechingen, wo die frucht⸗ baren Thalwieſen von der Starzel, Vohlenbach und andern klei⸗ nen Bächen bewäſſert werden, liefert das Grasland einen ſehr hohen Ertrag. Selbſt in dem nicht ſehr fruchtbaren und klimatiſch rauhen Sigmaringen befördern künſtliche Wieſen eine ausgezeichnete Vieh⸗ zucht; in Haigerloh wird ſolche durch ſtarken Futterbau unterſtützt, welcher letztere in Vöhringen zur Grundlage einer ausgebreiteten Zie⸗ genwirthſchaft dient. §. 14. Herzogthums Braunſchweig Wieſenwachs. Wie überall die hieſige Landwirthſchaft ſich minder durch die Maſſe ihrer Erträge, als durch ein vortheilhaftes Verhältniß derſelben zur cultivirten Fläche auszeichnet, ſo charakteriſirt ſich auch der Wieſen⸗ bau dieſes Landes durch eine umſichtige Benutzung der ihm zu Gebote ſtehenden Hülfsmittel. Das Geſammt⸗Areal der Wieſen mag 74,750 Morgen ſeyn und ſich zu dem des Ackerlandes ungefähr wie 1:7 verhalten. Allenthalben netzt, erquickt und befruchtet der Waſſerdünger die natürlichen Grasänger; denn außer den beiden Hauptflüſſen, der Weſer— deren Thal durch ihre romantiſchen Abwechslungen und er⸗ habenen Naturſchönheiten zu den maleriſchſten Gegenden Deutſchlands 11 gehört— und der Aller, mit ihren Nebenftiſſen, der Lene, Inner⸗ ſte, Fuſe, Ocker ꝛc., durchſchneiden zahlloſe Bäche die romantiſchen Gründe. So erklärt ſich denn das Vorhandenſeyn eines Viehſtapels von über fünfthalb hunderttauſend Häupter, worunter nahe an 100 d9b 3 Stuck Horn⸗ und nicht weit von 390,000 Stüͤc Schafvieh. * 2§. 15. 1— Wie ſenwachs in Vppe⸗ Waldeck. Der Wieſenwachs iſt hier wohl nur zu— der Ackerproduction anzuſchlagen, wird aber durch einen lebhaften Futterbau, namentlich der Cultur des Ackerſpergels(Spergula arvensis major) und der Es⸗ parſette, in dem kalkſteinigen Boden kräftig unterſtützt, ſo daß Horn⸗, Schaf⸗ und Schweinezucht von nicht unbeträchtlicher Ausdehnung ſind und in einem, den natürlichen Verhältniſſen entſprechenden Maße ge⸗ deihen. Auf einer Totalfläche von 712,000 M., wovon 300,000 M. dem Ackerlande, 50,000 M. aber den Wieſen zufallen, findet man 20,000 Pferde, 82,000 Stück Hornvieh, 130, 0⁰⁰ Schafe, 67,000 Schweine und 65,000 Ziegen. §. 16. Wieſenbau in Sachſen⸗Weimar, Gotha, Meiningen ꝛc. Faſt in allen dieſen Ländern findet man nicht nur ſehr gute und fette, ſondern auch reichliche Wieſengründe. Man wird annehmen kön⸗ nen, daß die zum größten Theile ſüßen Wieſen, allenthalben durch ſchmale Gewäſſer und ein mildes Klima in ihrem Graswuchſe begün⸗ ſtigt, incluſ. der Weiden den 5. Theil der dem Getreidebau gewidmeten Flächen betragen. Nur im Altenburgiſchen gibt es im Allgemeinen ſehr wenig Wieſen und unter dieſen ſind auch nur wenige von guter Be⸗ ſchaffenheit. §. 17. Wieſencultur der Anhaltiſchen, Schwarzburgiſchen, Reu⸗ Fiſchen Länder. Dieſe im Ganzen ſehr fruchtbaren Gegenden bieten ebenſowenig einen reichlichen als guten Wieſenwachs dar. Auch ſucht die Kunſt wohl noch nicht genügend die Mängel der Natur zu erſetzen, wenn auch die fruchtbaren Thäler und die von der Elbe, Saale, Elſter, Mulde, Ilm, Wipper ꝛc. und vielen kleinen Bächen durchſchnittenen Auen einer ſolchen Vernachläſſigung nicht das Wort reden. §. 18. Wieſenwachs des Großherzogthums Oldenburg. Die natürliche Beſchaffenheit Oldenburgs ſchließt von der länd⸗ lichen Betriebſamkeit eine blühende Wieſenwirthſchaft aus. Wohl viel, 4 ——— —— 12 aber auch viel ſchlechter Wieſenwachs findet ſich in dem Sand⸗ und Moorrevier des Herzogthums. Wir glauben gern, daß das an ande⸗ rem Orte(ſ. unſere»Landw. Statiſtik«) von uns angegebene Ver⸗ hältniß der Wieſen zum Ackerlande 1:5 nicht zutreffend, ſondern zu niedrig iſt; aber inſofern es die Marſchgegenden mit betrifft, mag es nicht allzuviel von der Wahrheit abweichen. In Birkenfeld ſtellt jenes ſich wie 1 zu reichlich 3.— Von dem Fürſtenthume Lübeck hat man in dieſer Beziehung gar keine Ausweiſe oder vielmehr Schätzungen; aber meine Bekanntſchaft mit der dortigen Ortlichkeit erlaubt mir zu beſtä⸗ tigen, daß der Wieſenbau dort, nach Umfang und Beſchaffenheit, in gerechtem Verhältniſſe zum Ackerlande ſteht. §. 19. Der Großherzogthümer Mecklenburg Wieſenbau. Wenn auch minder reich als Holſtein, iſt Mecklenburg doch mit einer anſehnlichen Wieſenfläche begabt und man wird ſolche wohl zum fünften Theile der Ackerfläche annehmen können. Ein größeres Mißverhältniß herrſcht hinſichtlich der Güte der Wieſen, welche nur an den Flüſſen und Seen von ſüßer Beſchaffenheit ſind; die meiſten Feld⸗ und Waldwieſen haben jenen ſumpfbeizigen Grund, deſſen Ver⸗ beſſerung oder Umſchaffung einen ſo großen Aufwand an Nachdenken, praktiſcher Umſicht, Koſten und Zeit in Anſpruch nimmt.— An der Elde, Sude, Warnow und Nebel breiten ſich die trefflichſten Wie⸗ ſenpläne aus; ſie begreifen faſt den eilften Theil der ganzen Ober⸗ fläche von Mecklenburg⸗ Schwerin. Merkwuͤrdig vor allen iſt hier die von der Elde und Stör begränzte, zwiſchen Neuſtadt und Criwitz liegende große Wieſen-Etendue, benannt»Lewitz«, deren Cultur übrigens ihrem Umfange nicht entſpricht. Einen Pendant dazu bildet im Strelitzſchen die ſogenannte große Wieſe mit dem hohen Bruch, welche den Winkel zwiſchen dem Galenbecker See und dem Land⸗ graben bis zum Putzar⸗See begreift und uͤber eine Q. Meile ent⸗ hält. Vorzügliche Wieſen findet man beſonders um Brandenburg, wo z. B. das Liepzer Bruch, um Friedland und bei Weſenberg. Auch an den vielen Seen dieſer Lande bemerken wir einen umfangreichen Wieſenwachs, deſſen Ertrag, ebenſo wie der der Flußwieſen, bedeu⸗ tend höher und viel regelmäßiger ſeyn würde, wenn die agrariſche Le⸗ gislatur und ſtaatsbkonomiſche Weisheit den Entwäſſerungsgeſetzen gleich nöthige Aufmerkſamkeit in ihrem Entwurfe und in ihrer Aus⸗ führung widmete. Von den intelligenten, in der rationellen Prarxis ſo hoch ſtehenden Landwirthen Mecklenburgs iſt neuerlich Vieles für einen verbeſſerten —— . 13 Wieſenbau geſchehen, wie wir denn auch Gelegenheit haben werden, im Verlaufe dieſes Werkes uns häufig auf die Arbeiten jener zu be⸗ ziehen. Treffliche Rieſelungsanlagen und bewundernswürdige Erd⸗ bekarrungen beurkunden ad ocnlos den hohen Stand auch dieſes Cultur⸗ zweiges in den größern und beſſern Wirthſchaften, ebenſo wie ein nach⸗ theiliger Schlendrian und verkehrte Hutungsgeſetze, Unkenntniß in der Benutzung der von der Natur dargebotenen Meliorationsmittel und natürlicher Stumpfſinn die bäuerliche und ſtädtiſche Wieſen⸗ und Wei⸗ dewirthſtbaſt weit unter mittelmäßig erhält. §. 20.“ Der Wieſenbau in Holſtein. Wir werden annehmen können, daß beinahe der dritte Theil dieſer reich von der Natur ausgeſtatteten Provinz in ihrer cultivirten Fläche auf Wieſennutzung beſchränkt iſt. Ungemein gedeihlich iſt das Product der häufig vorkommenden Salzwieſen, in deſſen Behandlung man ſich eine eigenthümliche Routine erworben hat. Die an Gewäſ⸗ ſern, namentlich Landſeen, reiche weſtliche Seite Holſteins hat auch die meiſten und trefflichſten ſüßen Wieſen, deren Bewäſſerungsanſtalten im Eutinſchen, ſogenannten Oldenburgiſchen, bei Preetz ꝛc. höchſt ſehenswerth und belehrend ſind. Weſtlich findet ſich vielleicht der er⸗ giebigſte Wieſenwachs an den Ufern der Stör. Das gefällwidrige, ſumpfige Alſter⸗, Trave⸗ und Beſte⸗ ꝛc. Terrain bietet faſt nur ſaure, unergiebige Plänen t dar, müiche bisher ihrem natürlichen Zuſtande überlaſſen geblieben ſiä. 21 §.. Wieſenwachs der freien Städte Hamburg, Lübeck, Bremen. Derſelbe iſt, der meiſt ſehr niedrigen Lage der Ländereien, des Be⸗ dürfniſſes der ausgebreiteten Viehwirthſchaft und der Nähe der großen Städte wegen, ſehr bedeutend, und man darf wohl annehmen, daß über die Hälfte ſo viel Land der Heugewinnung gewidmet iſt, als un⸗ ter dem Pfluge liegt. Das Lübeckſche Landgebiet beſteht aus 10,911 Cal. M. Ackerland, 1636 C. M. Wieſen, 615 C. M. Gärten, 2038 C. M. Holzung. Die Hauptmaſſe des Wieſengrundes liegt in den Thälern der Trave und Stecknitz. Bremen beſitzt auf dem rechten We⸗ ſerufer an Wieſen und Weiden circa 38,009 Morgen, wenn nur 32,000 Morgen Acker⸗ und Gartenland, worunter noch ſehr vieles Wechſelland iſt. Das ganze linke(Marſch⸗) Ufer(29,300 Morgenh) iſt in allen niedrigen Theilen, als im Niederviehlande Wieſen⸗ und Weideland. G Soe2e Ss5 Zweiter Abschnitt. 3 Allgemeiner Werth und Wichtigkeit der natür⸗ lichen Wieſen. „Es iſt die Raſenbildung ein ſo großer Vorzug, den die närdlichen Klimate vor den heißen voraus haben, daß wir wohl Urſache haben, dahin zu ſtreben, dieſen natürlichen Vorzug auch auf das Weite zu nuten. 44 1 4 G. Meiſter. 1§. 22. Zur Eulturgeſchichte der Wieſen. Frühere über⸗, ſpä⸗ 4 tere Geringſchaͤtzung. Hekehe ur rationellen Werths⸗ beſtimmung. Wie ſo häufig auch in unſerer Wiſſenſchaft die Extreme ſich be⸗ gegnen, ſind auch, nach der vorherrſchenden Bildungsſtufe der Praxis, die Wieſen der verſchiedenſten Werthbeſtimmung unterworfen worden. Vor Einführung des Kleebaues war der Mangel an Wieſen bei einem Gute hinreichend, um ſeinen untergeordneten Rang, ja ſeine ſchlechte Beſchaffenheit zu bezeichnen. In einigen Gegenden Nord⸗ deutſchlands, namentlich in Mecklenburg, gaben die Wieſen auf eine höchſt unzuverläſſige Art den Maßſtab bei der Bonitirung des Ackers ab. Man ward hierzu durch den Umſtand verleitet, daß heureichere Güter ſtets einträglichere Ernten machten, als die wieſenarmen Höfe; man bedachte aber nicht, daß das Zurückſtehen letzterer mehr in der Gleichheit der Schlageintheilung und Saatenfolge mit jenen, als in der verſchiedenen Heuproduction begründet ſey, und daß die phyſiſche Bodenbeſchaffenheit ſich nach dem Erſchöpfungsmaße regulire. Als Proſerpinens auserſehener Herold, Schubart von Klee⸗ feld, ſeine neue ſegensreiche Cultur proclamirte, da ward die Incon⸗ ſequenz jener Schlußfolge um ſo eindrücklicher, je mehr ſich mit einem ausgedehnten Futterbaue die Grundſätze eines verbeſſerten Frucht⸗ wechſels verbreiteten. Ja, die Erſcheinung, daß manche von Wieſen ganz entblößte, nur auf den Kleebau angewieſene Güter in ihren durchſchnittlichen Erntereſultaten Wirthſchaften, denen eine bedeuten⸗ de Heuwerbung zu Gebote ſtand, den Rang abliefen, bereiteten ſchon zum Theile eine Geringſchätzung des natürlichen Graswuchſes vor, welche die Entdeckung des Mergels auf die Spitze ſtellen ſollte. Wohl den meiſten meiner Leſer wird ein lebendiges und vollſtän⸗ diges Bild von der, durch die allmählige Weiterverbreitung und endlich faſt gänzliche Verallgemeinung dieſer Operation bewirkten Umwälzung — x—ſq-— — — 15 aller zeitherigen Methoden, Regeln und Grundſätze in unſerem Ge⸗ weerbe erinnerlich ſeyn. Leichter Acker ward ſchwer, und umgekehrt letzterer in ſeiner Textur lockerer; ertragloſes Feld fruchtbar; trockene ÄAnger wurden feuchthaltend; ſaure Gründe mild— Alles durch Zu⸗ wendung einer Univerſalſubſtanz, deren faſt zauberhafte Wirkung ſich namentlich auf den Futterbau in der Art erſtreckte, daß die ſonſt dürf⸗ tigen kahlen Weiden, außer einer nie gekannten überflüſſigen ſommer⸗ lichen Ernährung, namhafte Zuſchüſſe für den winterlichen Heubedarf zu liefern begannen. Der Credit der Wieſen ſank nun um ſo tiefer, je mehr der Kar⸗ toffelbau auf dem Felde ſich verbreitete. In verſchiedenen Gegenden Norddeutſchlands mögen zu einer vernachläſſigten Wieſenwirthſchaft auch die Umſtände, daß die natürlichen Wieſen nicht mit in den Pacht⸗ zins eingeſchloſſen und der größte Theil derſelben von einer Beſchaffen⸗ heit war, welche unter den beſtehenden Wirthſchaftsverhältniſſen an eine Verbeſſerung nicht denken ließen, das Ihrige beigetragen haben. Es iſt einmal der menſchlichen Natur eigen, dem, was ſie ſich ohne Widerſtand und Verbindlichkeit aneignete, eine geringere Sorgfalt zu⸗ zuwenden, als das mit Anſtrengung und Sorge Erkaufte von ihr er⸗ fährt. Vorhinein findet dieſe alltägliche Bemerkung gewiß ihre An⸗ wendung auf die Beſitzer ſolcher heureichen Güter, welche, wie es da⸗ mals in Mecklenburg ganz allgemein der Fall war, für ihre Wieſen keinen Pacht entrichteten, alſo ernteten, ohne geſäet zu haben. Man war gewiſſermaßen von Vater und Großvater her gewohnt, dieſe Flächen als eine Zugabe anzuſehen, deren der auf ſie angewieſene Landwirth nun einmal nicht entbehren könne, weil der Productions⸗ werth des Ackers darnach veranſchlagt ſey; übrigens vereinigte ſich die allgemeine Meinung dahin, daß der Aufwand von Wieſenverbeſſe⸗ rungen mit der ſteigenden Bodenrente in einem nicht entſprechenden Verhältniſſe ſtände. Dieſe mitunter noch in der Praris bethätigte An⸗ ſicht gewann nun an Feſtigkeit, als die natürliche Vorliebe für den Acker in Maſſe und Geldwerth ſeiner Erzeugniſſe ſtete Nahrung fand; als die Händearbeit in Folge des vermehrten Bedürfniſſes an Koſt⸗ barkeit zunahm; als die mahnende Stimme, über der Mergelkarre den Düngerwagen nicht zu vergeſſen, allgemeinern Anklang und Beach⸗ tung fand. Der Verein von Neigung, Intereſſe, Kraft und wirth⸗ ſchaftlichem Bedürfniß wandte ſich alſo um ſo eifriger der Scholle zu, ihre beſcheidene Stiefſchweſter— die Wieſe, welche, dem ſinnlichen Auge minder eindrücklich, nur mittelbar und auf Umwegen Ertrags⸗ reſultate begründete— unbeachtet liegen laſſend. Er that dieß um ſo 16 mehr, je weniger kleine Anſtrengungen auf die Verbeſſerung von Plänen genügten, welche in ihrer Grundbeſchaffenheit die Urſachen ihrer Untragbarkeit kenntlich machten. Inzwiſchen war der verbeſſerten deutſchen Landwirthſchaft, welcher durch die Mergelung, den darauf baſirten ausgebreiteten Kleebau, die immer mehr an Ausdehnung gewinnende Kartoffelcultur bereits ſo unerhörte Vortheile erwuchſen, ein neuer, in ſeinem eigenthümlichen Werthe und Einfluſſe auf den Geſammtbetrieb wohl alle frühere über⸗ ragender Gewinn durch die allgemeinere Adoptirung einer Viehzucht⸗ branche geworden, deren bisher nur Sachſen und Sſterreich ſich in entſprechender, werthvoller Ausdehnung erfreuten. Wir meinen die Merinoſchafzucht— dieſen Hebel alles ländlichen Wohlſtandes, dieſen Retter in der Noth! Es waren die Sperrungs⸗, namentlich Englands Maßregeln, alſo eine dadurch begründete gänzliche Stockung im Getreideabſatze, welche die hierauf angewieſenen Wirthſchaften(deren Culturkoſten zu einer früher nicht gekannten Höhe angeſchwollen) mit nun leichter Beſiegung aller Vorurtheile zur umſichtsvollen Einſchränkung und Veränderung eines Syſtems führten, das in ſeiner momentanen Einträglichkeit mit ſeiner erſchöpfenden Eigenſchaft harmoniſch paralleliſirt, das nur eigen⸗ thümliche Localität, entſprechende Landauftheilung, eine dünne Bevöl⸗ kerung, die Lage an einem Weltmeere ꝛc., vom Hauptgeſichtspuncte aus, zu rechtfertigen vermögen.— Das in manchen Gegenden faſt zu häufig gewordene Futter— man denke nur an die Strohvergeudung der holſteiniſchen, namentlich Probſteier Bauern!— begann jetzt zu einem Werthe zu ſteigen, wel⸗ chen die bereits ſichtbar werdende abnehmende Wirkung des Mer⸗ gels fortwährend zu erhöhen prophezeite. Allenthalben da, wo jener Höhepunct des Ackerbaues in nebelgrauer Ferne lag, welchen, wie in nur wenigen auserleſenen Diſtricten, allein ein ſeltener Verein natür⸗ licher und politiſcher Begünſtigungen und die Intelligenz von Jahr⸗ hunderten feſtzuſtellen vermögen, ſtockten die Thätigkeitsäußerungen der Kunſt, verſiegte ihr Brunnen, und gemahnte es an eine Rückkehr zu den, von der Natur nach dargebotenen Quellen, und das um ſo mehr, je minder der Ackerboden einem ausgedehnten und ſichern Fut⸗ terbau entſprach, und je augenſcheinlicher locale Begünſtigungen und wirthſchaftliche Kräfte einer einträglichern Wieſenwirthſchaft das Wort redeten. 1 Was das Bedürfniß des praktiſchen Betriebes jetzt als zeitgemäß und nothwendig erkannt, faßte die, dieſen ſchon ſeit längerer Zeit 4 — 17 überflügelnde Wiſſenſchaft mit nicht minderer Lebhaftigkeit auf, bald den Vorrath älterer und neuerer Erfahrungen in ein rationelles Sy⸗ ſtem vereinigend, und ſo gleichſam den Grundpfeiler zu einem Baue ſetzend, deſſen Fremdartigkeit eine Unſicherheit i in der praktiſchen Hand⸗ habung wohl entſchuldigte. Es iſt jetzt eine Reihe von Jahren vergangen, ſeitdem man von einer frühern Überſchätzung und demnächſtiger unmotivirten Herab⸗ ſetzung der Wieſen zu einer höhern Würdigung derſelben zurückgekehrt iſt. Da geziemt ſich wohl die Frage: Auf welchem Standpuncte der⸗ ſelben befinden wir uns jetzt? Wie ſtellt ihn Theorie und Erfahrun Wiſſenſchaft und Praris feſt? 3 §. 23. Speciellere Würdigung der Stellung, welche der Wie⸗ ſenbau unter den landwirthſchaftlichen Culturbranchen einnimmt. Im Allgemeinen iſt nicht abzureden, daß wir einen dem Stande unſeres Gewerbes entſprechenden Wieſenflor nur in dem kleinern Theile Deutſchlands, namentlich dem ſüdlichen Striche desſelben, gewahr wer⸗ den. Faſt in ganz Norddeutſchland, mit Ausnahme der bäuerlichen Schöpfungen im Lüneburgiſchen und auf dem Harze, iſt die Wiſſen⸗ ſchaft unendlich weiter als die Praxis. Die Urſachen davon motiviren ſich hauptſächlich darin: a. daß man ſeine Kräfte auf zu großen Flächen zerſplitterte; b. daß man verkehrterweiſe Meliorationen anwandte, welche in ſich das Bedürfniß unausgeſetzter Erneuerung trugen und auf Koſten des Ackers die Wieſenrente verzehrten. Wir können uns nicht verſagen, hier, zur Entwickelung dieſer Hauptmomente der herrſchenden fehlerhaften Wieſencultur, ſo wie zur nähern Herausſtellung ihres Bedürfniſſes, einige Worte des trefflichen Schwerz anzuführen, welche in manchen Puncten mit dem, was wir Gelegenheit gehabt haben zu beobachten und demgemäß zu reflectiren, accordiren, wenngleich der Verlauf dieſes Werkes zeigen wird, daß wir keineswegs in jeder Hinſicht mit Schwerz übereinſtimmen*). Bei aller Achtung— ſagt jener Heros deutſcher Agricultur—, die ich den Wieſen zolle, ſo nöthigt die Wahrheit mir doch ein Geſtändniß ab, von dem ich aber wünſche, daß kein Mißbrauch gemacht werde. Manches iſt dem Fleißigen erlaubt, was bei dem Trägen nur ſtraf⸗ 8) Siehe deſſen leider nach; immer unvollendetes und unerreichtes Werk: „Anleitung zum praktiſchen Ackerbau.“ Lengerke's Wieſenbau. 2 18 3 würdig ſeyn wuͤrde. Manches iſt für die auf's Höchſte geſteigerte In⸗ duſtrie einer Gegend nur Nebenſache, was für eine, auf einer niedern Stufe ſtehende Gegend mit Recht die Hauptſache und die Grundlage daſigen noch mangelhaften Gebäudes ausmacht. Für zwei ſo weit aus⸗ einander ſtehende Individuen können nicht durchaus gleiche Regeln. aufgeſtellt werden; und mit Recht mag dem beſſern Theile manche Ausnahme gegönnt ſeyn, die dem andern durchaus nicht geſtattet wer⸗ den kann. Ob nun gleich jede Ausnahme etwas Mangelhaftes dar⸗ bietet, ſo ſteht es doch dem Lehrlinge nicht an, dem Meiſter ſolches vorzuwerfen, wenn er nicht von dieſem die Antwort hören will, die der Löwe einſt einem gewiſſen Geſellen gab:»Du biſt für meine Fehler viel zu klein!« Nach dieſer vorausgeſchickten Warnung, um Mißdeutungen zu ver⸗ hüten, muß ich nur ſagen, daß gerade in den Provinzen, wo der Acker⸗ bau am höchſten geſtiegen iſt, der Wieſenbau ziemlich hintangeſetzt wird. Beweiſe davon geben die braven Altenburger, die Pfälzer, die Elſaſſer, die Belgier, die Norfolker u. ſ. w.»Es iſt nicht in Norfolk«, ſagt Marſhall— dasſelbe paßt wörtlich auf die ebengenannten andern Gegenden—,»wo man eine ſorgfältige Behandlung der Wieſen ſuchen muß. Man darf überhaupt annehmen, daß hier nur ſolche Grundſtücke als Wieſen betrachtet werden, die den Pflug durchaus nicht zulaſſen; alſo nur feuchte, kalte Gründe, die Tiefe der Thäler, das Geſtade der Bäche und Flüſſe. Die Norfolker Landwirthe ſcheinen die Wieſencultur nicht für wichtig genug zu achten, um ſich ſelbe an⸗ gelegen ſeyn zu laſſen. Im Ganzen iſt ihr Boden mehr für den Acker⸗ bau geeignet, und ihre bewundernswürdige Induſtrie, in Bezug auf letztern, gibt ihrem Ackerland einen verhältnißmäßig höhern Werth, als dasſelbe anderswo im Vergleich zu den Wieſen haben würde. Dieſe braven Leute mögen alſo nicht ſo Unrecht haben, als es beim erſten Anblicke ſcheint, wenn ſie ſolche Grundſtücke, die nicht unverkenntlich von der Natur zum Graswuchſe beſtimmt ſind, dieſem entziehen und dem Pfluge für immer übergeben. Bis dahin alſo, bis wir, wir Andern, unſere Wirthſchaft zu der glorreichen Höhe jener Völker erhoben haben, dürfen wir ihre Abwei⸗ chungen nicht zum Vorbilde nehmen, und müſſen bei der Regel, die ſich für die beſtmöglichſte Unterhaltung des Grasbodens ausſpricht, ſtehen bleiben. Indeſſen iſt nicht zu läugnen, daß auch jene braven Leute beſſer thun möchten, zwar nicht ihre Graslande zu vermehren, aber wohl Auf das, was nun einmal Grasland bleiben ſoll, etwas mehr Sorge zu verwenden. So kämen wir auch bei ihnen auf den Stand zurück, den 19 6 2 wir höher für die Veredlung unſerer Wieſen, ſeit ihrer durch Einfüh⸗ Ven äe rung des Kleebaues möglich gemachten Schmälerung, angegeben ha⸗ nü dis ben, nämlich: Weniger Wieſen und dieſe beſſer. rmüidia Auch bei uns ſind nur gute Wieſen die Stütze der Viehzucht, die gtt Hülfe des Ackerbaues, der Reichthum des Betreibers, das Kleinod n ms jedes ländlichen Beſitzthums. Schlechte Wieſen aber ſind des Beſitz⸗ Reinnm thums wie des Beſitzers Schande, der Viehzucht Nachtheil, und ſelbſt erütted mittelmäßige des Ackerbaues Laſt.⸗ a Nir abe Wozu dienen z. B. dem eigentlichen Ackerbaue Wieſen, die alljähr⸗ ten ul d lich ſo viel Dung erfordern, als ſie Dung erzeugen? Wie vermögen aRia ume ſie den Acker, von dem ſo viel gefordert, dem ſo viel entwendet wird, zureichend zu unterſtützen? Wird dieſer ſich nicht beſſer dabei befinden, hͤuwwar wenn er etwas mehr geſchont, das heißt: zum Theil mit Futter zur im wwälr Erhaltung des Viehes beſtellt, der daraus hervorgehende Dung aber eri ernii allein auf ihn verwendet wird? Geht Vortheil aus dem Viehe hervor, n lihe d ſo gehört dieſer in dem Falle dem Acker an, und er iſt in den Jahren, wo er nur Futter und kein Getreide trug, nicht unnütz für den Be⸗ treiber geweſen; geht aber kein Vortheil aus dem Viehe hervor, ſo fällt der unterſtellte unmittelbare Nutzen für den Betreiber zwar weg, der mittelbare aber, oder die durch den Dung jener Futterkräuter bewirkte Verbeſſerung des Ackers zur Erzeugung reichlicher Früchte, der bleibt. Welches Nutzens aber hat ſich der Beſitzer mittelmäßiger Wieſen zu erfreuen, wenn kein unmittelbarer Vortheil vermittelſt des Viehes daraus hervorgeht? Etwa des der Inſtandhaltung der Wieſe durch den daraus erzeugten und wieder darauf verwendeten Dung! Sehr wahr! Wenn aber der Acker unter gleichen Umſtänden noch nebenher reichliche, zu verkaufende Früchte trägt, was bringt in dieſem Falle die Wieſe, als, ſoll ſie im Stande bleiben, unverkäufliches Gras? nude diſ..— 1 Lre iin Aus dieſem geht dann freilich Dung hervor; aber wem kommt dieſer SM tit zu Gute, als der Wieſe? Und was erzeugt die Wieſe dafür, als Stoff entt wben. 3 4 A. zu neuem Dung und nichts weiter! Wir düngen alſo die Wieſe, um dim n Gras zu erzeugen, erzeugen Gras, um Miſt zu machen, und machen Miſt, um die Wieſe wieder düngen zu können, ohne daß wir von Wie⸗ ſe, Gras und Miſt einen andern Vortheil ziehen, als daß der Boden ſich nicht verſchlimmere, ſein Humus ſich allenfalls vermehre, welcher uns aber nur dann erſt einen unmittelbaren Vortheil gewährt, wenn ir mit dem Pfluge darüber herkommen. So was, glaube ich, heißt denn, ſich anhaltend in einem ebenſo nutzloſen als fehlerhaften Kreiſe herumdrehen. Sollte es nun ſowohl für das allgemeine als Privat⸗Beſte nicht gerathener ſeyn, über ſolche 2* 8* 20 Wieſen, die, werden ſie nicht bewäſſert oder anhaltend gedüngt, nur Mooſe, Klapperkraut, und, iſt der Boden etwas ſandig, Heidekraut neeſt etwas kärglichem Graſe erzeugen, den Pflug gehen zu laſſen, und ſie, inſofern ſie dazu geeignet ſind, auf immer oder auf lange Zeit zum Acker zu ſchlagen? Wird bei gehöriger Behandlung nicht Eine gute Klee⸗ oder Futterwicken⸗Ernte, ja wird nicht das Stroh von Einer ihrer Getreide⸗Ernten ſo viel werth ſeyn, als zwei, drei der bisherigen Heuernten desſelben Bodens werth waren? Man vergebe dieſe etwas lange Abſchweifung, die bei einem ober⸗ flächlichen Anblicke eher für eine Schmäh⸗ als Schutzſchrift der Wieſen gehalten werden könnte! Sie ſoll bloß dürftigen, unaufhörlich Duͤnger fordernden, nicht zu bewäſſernden, noch ohne viele Koſten zu verbeſ⸗ ſernden Wieſen gelten. Sie ſoll Denjenigen, der ſich dadurch bewegen ließe, ſolches Grasland in Ackerland zu verwandeln, zugleich bewegen, ſeine Sorgfalt für ſeine übrigen, entweder beſſern oder nicht anders zu benutzenden Wieſen zu verdoppeln, und ſich dadurch, wie ſchon ge⸗ ſagt, wenigere, aber beſſere Wieſen zu verſchaffen. 4§. 24. Recapitulation der allgemeinen und beſondern Mo⸗ mente der Wieſenökonomie. Nachdem wir im Obigen den allgemeinen Geſichtspunct finden, von welchem aus wir uns das Urtheil über Nothwendigkeit, Beſchränkung unnd eine vortheilhafte Praxis der Wieſencultur zu bilden haben, wollen wir verſuchen, ſolches noch in folgenden Sätzen beſtimmter feſtzuſtellen. a. Der Wieſenbau iſt in Gemäßheit der natürlichen Beſchaffenheit der cultivirbaren Fläche Deutſchlands, und in Berückſichtigung des Zuſtandes, worin ſich unſere Landwirthſchaft befindet, ein hochwichtiger und unentbehrlicher Zweig der Agricultur. b. Gute Wieſen, d. h. ſolche, die die Bodenrente des Ackerfeldes erhöhen, ſind unter allen Umſtänden unſchätzbar. e. Wieſen, die mehr conſumiren, als ſie hergeben, oder deren Pro⸗ duct nur als Vehikel des folgenden Wachsthums angeſehen werden kann, leiden nur, unter eigenthümlichen Verhältniſſen und—bedingte Duldung. d. Unumgängliches Bedürfniß iſt der Wieſenwachs 1. in Wirthſchaften mit ſehr ſchwerem Boden, wo die Futtererzeu⸗ gung mit Schwierigkeiten verknüpft und man beim Winterfutter in der Hauptſache auf Heu und Stroh angewieſen iſt. Die Miß⸗ lichkeit des Kleebaues auf kaltem, zähem und feuchtem Thon 8 21 unterſchreibt gewiß jeder erfahrene Landwirth.»Ich habe«, ſagt Arthur Young,»viele Wirthſchaften auf ſtrengem Thon⸗ boden unterſucht, und immer gefunden, daß die, deren Beſitzung zur Hälfte aus Grasland beſtand, beſſere Geſchäfte machten, als andere, deren Grasantheil nicht ſo bedeutend war. Auf keinen Fall«, ſetzt Arthur hinzu,»darf die Grasausdehnung weniger als ein Drittel des Ganzen auf ſolchem Boden betragen.“. mehr hier die Maſſe und Kraft der Futterproduction gegen die des gebundenen Bodens zurückſtehen muß. Der ächte Sandbauer hat eine vage Exiſtenz, wenn ihm auf jedes Haupt Vieh nicht ein tüchtiges vierſpänniges Fuder guten Heues zugerechnet werden kann, und die Wieſen ihm dergeſtalt nicht den, ſeinem Acker ſo nothwendigen, kräftigen, fetten Duͤnger verſchaffen.— Die neueſten Fortſchritte unſerer Kunſt kommen freilich verhältniß⸗ mäßig am meiſten unſerem Sandwirth zu Gute; aber die großen ABorzuͤge der anrlühen Futterproduction wiegt Vor heilſame 3 Jn den Kädtiſchen Landwirtſſhaften, d. 5. wenn lche d ren⸗ tiren und nicht, wie gewöhnlich, eine bedeutende Unterbilanz liefern ſollen. Die Unvortheilhaftigkeit des Heukaufes der Städte und die Wichtigkeit eigener Heugewinnung hat neuerlich unſer Herr v. Thuͤnen mit überzeugender Klarheit entwickelt. Wenn — ſagt er nämlich)— der Bedarf an Heu durch das eigene 4 Crzeugniß nicht völlig befriedigt wird und ein Theil desſelben vom Lande geliefert werden ſoll, ſo muß der Preis des Heues ſo hoch ſteigen, daß dem Landwirthe 1) der Futterwerth des Heues, 2) der Dungwerth desſelben, d. h. der Werth des bei der Verfütterung daraus hervorgehenden Dungs, und 3) die Transportkoſten durch den Preis vergütigt werden. Der Dung hat in der Stadt einen geringern Werth, als auf dem Lande, weil er dort von dem Orte, wo er nützlich verwendet 8 *) Siehe Mecklenb. Annalen 1831. Ebenſo auf Sandgütern. Hier gewährt in unſern nöͤrdlichen Weidewirthſchaften, wenn dürre Sommer einfallen, die Wieſe oft das einzige Rettungsmittel für das hungernde Vieh. Auch hat das Heu als Winterfutter einen um ſo höhern Werth, je 22 werden kann, weiter entfernt iſt, alſo auch nur mit größern Koſten dahin gebracht werden kann. Die Transportkoſten des Heues ſind, im Verhaͤltniß zum Werth desſelben, beträchtlich. Aus dieſen beiden Urſachen muß alſo der Preis des Heues in der Stadt, nach Abzug des Dungwerthes, den Futterwerth, den das Heu auf den Gütern hat, ſehr bedeutend überwiegen. Um⸗ ggeekehrt kann man hieraus wieder ſchließen, daß, wenn der Ankauf ddees Heues für eine Stadt vortheilhaft ſeyn ſoll, der Futterwerth desſelben in der Stadt ſo viel höher ſeyn muß, als auf dem Lande, daß dadurch verminderter Dungwerth und Transport⸗ koſten zuſammengenommen gedeckt werden. Gewinnt aber die Sdtadt ihren Bedarf an Heu auf dem Stadtfelde ſelbſt, ſo be⸗ ſtimmt die Nutzung, die dasſelbe bei der Verfütterung mit Milch⸗ kühen gewährt, den Werth und Preis des Heues in der Stadt. Da nun dieſe Nutzung in der Stadt, wegen des höhern Werthes der Milch, viel größer iſt, ſo muß auch der Werth des Heues dort beträchtlich höher ſeyn, als hier. Ddie Erzeugung des Heues gehört demnach zu den eurglche Productionen der Stadt. e. Wenngleich jene Zeiten vorüber ſi ſind, wo das eepetttorinm des ABC's der Wieſenwirthſchaft dem wiſſenſchaftlichen Bearbeiter unſeres Faches anheimfiel, ja umgekehrt behauptet werden kann, daß die wiſſenſchaftlichen Combinationen das praktiſche Faſſungsvermögen. überflügeln, ſo hat doch die zeitgemäße Tendenz unſeres Gewerbes, ſeiner Ausübung eine ſcientifiſche Grundlage zu geben, ruͤckſichtlich obiger Branche, den gewöhnlich eclatanten Erfolg verſagt. Es rührt dieß davon her, daß die praktiſchen Belege zu unreif, zu allgemein und zu einſeitig waren. Man überzeugt ſich— ſagt G. Meiſter ſehr wahr— von der Wichtigkeit einer Sache oft nicht eher, als bis man mit eigenen Augen geſehen oder einen Augenzeugen geſprochen hat. Jene Vortheile, welche den Fortſchritten deutſcher Agricultur dadurch erwuchſen, daß einzelne hochſtehende, für dieſes ſchöne Fach durch⸗ glühte Maͤnner lehrten, wie der engländiſche Farmer, der induſtriöſe Belgier, der intelligente Pfälzer ꝛc. der Natur ihre Geheimniſſe ablauſchen, fallen hinſichtlich des Wieſenbaues weg. Das iſt keine Branche, wo altergraue Erfahrungen der Norfolker und Bel⸗ gier, der Pfälzer und Elſaſſer uns infallibel leiten können; dieſe gleicht einem beſchifften Binnengewäſſer, wo keine Charte uns als Richtſchnur und vergleichender Nachweis dient, ſondern wo wir, mit 23 Senkblei und Compaß, ganz allein auf uns ſelbſt beſchränkt daſtehen, um den ſicher leitenden Wegweiſer zu ermitteln. So erklärt ſich— in Erwägung des bedächtlichen Sinnes unſeres Landwirthes, den im All⸗ gemeinen nur ſinnliche Eindrücke zur praktiſchen Nacheiferung neuer Methoden anreizen, in Berückſichtigung der Kürze des Zeit⸗ raums, ſeit dem eine verbeſſerte Wieſenwirthſchaft zu den Hauptmo⸗ menten des Gewerbes wieder rangirte, und bei dem wohl nirgends auffallender ſich herausſtellenden Mißverhältniß zwiſchen Beobach⸗ tungs⸗ und Mittheilungsgabe— der viel zu niedrige Stand, wel⸗ chen im Allgemeinen noch der deutſche Wieſenbau auf der Stufenleiter der uns zu eigen gemachten gewerblichen Vortheile einnimmt. Mögen dieſe Blätter dazu beitragen, den mühſamen und weiten Weg zu ebnen und zu kürzen, deſſen Ziel uns ſo große, noch unberech⸗ nete Vorzüge verheißt!— Die Concentration eines belehrenden Aus⸗ hubs eigener und fremder Erfahrungen entſpricht der Erfüllung dieſes Wunſches gewißlich dreimal eher, als die logiſche Lehre des ciceroni⸗ ſchen Kathedikers. Dritter Abschnitt. Verſchiedenartige Lage und Beſchaffenheit der natürlichen Wieſen; ihre Vorzüge und Mängel. „Ich rede nur von natürlichen Wieſen, weil, meiner Ueberzeugung nach, alle trockene, höher liegende Wieſen bei einer guten Oekonomie nicht in ihrem natürlichen Zuſtande bleiben, ſondern abwechſelnd unter dem Pfluge gehalten und dann, künſtlich beſamt, zu Graſe niedergelegt werden müſſen, wenn man aus ihnen den höchſten reinen Ertrag— das beſtändige Object der rationellen Land⸗ wirthſchaft— ziehen will.“ 4 A. Thaer. * * 6. 25. Flußwieſen.— Schädlicher Einfluß einer mangelhaften agrariſchen Legislatur auf dieſelben.— Salzwieſen. Unſere naturlichen Wieſen ſind füglich in vier Abtheilungen zu brin⸗ gen. Die an Flüſſen liegenden, entweder der Überſchwemmung oder dem ſich durchſaugenden Grundwaſſer ausgeſetzten, machen die erſte Abtheilung aus. Wir finden ſolcher Wieſen in unſerem Deutſchland eine ſehr große Menge; der Ertrag entſpricht aber im Ganzen nicht ihrer vortheilhaften, meiſt thonig⸗humoſen Grundbeſchaffenheit, weil ——C—C—C—C—C—C—V—V—V———— 24 die Unregelmäßigkeit der Überſchwemmungen, denen ſie ausgeſetzt ſind, auf Güte und Maſſe des gewonnenen Futters zu nachtheilig ein⸗ wirkt. Es liegt die Abwendung dieſes Übelſtandes nur zu häufig au⸗ ßer der Macht des einzelnen Privatbeſi itzers; denn die ſolche bewir⸗ kenden Operationen der Aufräumung, Vertiefung und Geradelegung des Flußbettes, oder der Eindämmung und zweckmäßigen endlichen Ableitung des unnützen und ſchädlichen Waſſers erfordern nicht nur. den Beitritt der betheiligten Nachbarn, ſondern in der Regel auch die Mitwirkung des Staates, wie denn namentlich Preußens großer Fried⸗ rich auch in dieſer Rückſicht mit ſo erſtaunlichem Erfolge auf die Cultur ſeiner Staaten gewirkt hat. Was bisher, außer den frühern Anordnungen im Preußiſchen, in Hannover, Heſſen, Baden, Sachſen u. a. G. für eine höhere Siche⸗ rung des Wieſenbaues geſchehen iſt, verdiente nicht nur noch in allen dieſen Ländern einen angeſtrengtern Verfolg, ſondern namentlich auch in einigen norddeutſchen Provinzen, wie in Mecklenburg und Holſtein, wo die agrariſche Legislatur in tiefem Schlummer liegt, umſichtsvolle Nachahmnng. Trotz allem Geſchrei über unſere ſchlechten Entwäſſe⸗ rungsgeſetze treten die Stände, welche gerade am meiſten von den be⸗ theiligten Parteien repräſentirt werden, mit keinen Vorſchlägen zu ihrer Reform hervor. Ich meine doch, daß die Kenntniß der Rechte und Obliegenheiten, der Freiheiten und Bedürfniſſe des vaterländiſchen Landbauers, die praktiſche Umſicht und techniſche Fertigkeit, welche zur In's⸗Werkſetzung befriedigenderer Vorrichtungen erheiſcht werden, eher dem Beſitzer der nährenden Scholle, als dem Diener der Gerechtig⸗ keit, deſſen Stimme auch im landwirthſchaftlichen Verwaltungöſac⸗. vorzugreifen pflegt, zuzutrauen ſey und anheim falle? Am baltiſchen Meere, in engen Meerbuſen„treffen wir haufig Salzwieſen an. Das Gras dieſer mit Meerwaſſer überſchwemmten Plänen iſt dem Viehe als Heu und auch als Weide ſehr angenehm. Es mäſtet und milcht vortrefflich, aber natürlich mehr auf einer ſan⸗ digen oder lettigen Wieſe, als auf einer torfigen. So lange dieſe Wieſen nicht etwas höher liegen, als der Spiegel des 3 nahen Meeres, düngt man ſie niemals. §. 26. Feldwieſen.— Moderreſervoire. Dieſes ſind ſolche, welche in Vertiefungen zwiſchen Ackerfeldern, in Thälern, zwiſchen Hügeln, an kleinern Auen und Bächen liegen. So wie die Fluß⸗ oder Stromwieſen in der Regel ihre Entſtehung der 2⁵ . Abſchwemmung ſchlammiger Erde oder der Vermoderung der von dem zurückgetretenen Waſſer hinterlaſſenen Pflanzen verdanken, ſo iſt der Grund dieſer Feld⸗ oder Thalwieſen insgemein das Reſiduum der von den umherliegenden Anhöhen zugeführten und aus dem fetten Bach⸗ waſſer abgeſetzten düngenden Theile. Die meiſt ſandigere Textur dieſes Wieſenbodens erheiſcht zwar eine beſtändige Feuchtigkeit, aber durch⸗ aus muß alle ſich auf der Oberfläche verbreitende überflüſſige Feuch⸗ tigkeit vom Untergrunde gehörig durchgelaſſen werden, wenn die Wieſe nicht eine moraſtige Beſchaffenheit annehmen ſoll. In der Regel reicht in dieſer Rückſicht die Natur der Kunſt begünſtigend die Hand; ge⸗ ringe Aufmerkſamkeit auf die Ableitungs⸗ und Auszugsgräben, auf den Waſſerzu⸗ und Abfluß, beſonders bei heftigen Gewitter⸗ und Schneefluthen ꝛc., können hier meiſt den regelmäßigen Gang der Ve⸗ getation fördern und erhalten. Wir haben eine große Menge ſolcher, zwar der berühmten, durch Thaer bekannt gewordenen Wiltſhire⸗Wieſe nicht vergleichbaren, aber doch höchſt einträglicher Wieſen im fruchtbaren Oſten Holſteins. Sie boten zugleich die Schachten dar, aus welchen der intelligente Land⸗ wirth einen, aus dem ſeltenſten Gemiſche zergangener Vegetabilien und Animalien beſtehenden, mit keiner Düngungsſubſtanz, in ſeiner nach⸗ haltigen Wirkung, vergleichbaren, milden Moder gewann, deſſen er⸗ ſchöpfte Behälter ſich vielleicht erſt nach vielen Jahrhunderten, und auch dann nicht wieder auf die frühere, uns nicht wohl erklärbare Erd⸗ 8 revolutionen beurkundende Art und Weiſe füllen werden. . 8* SEs gibt unter den Thalwieſen auch ſolche, die, außer daß ſie ein ——— eͤ mehr oder minder abdachender Höhenrand umgibt, auch in der itte mit Anhöhen verſehen ſind, welche, nicht allein an und für ſich dürr und unfruchtbar, auch auf die Beſchaffenheit der niedrig gelege⸗ nen Stellen nachtheilig einwirken. Dann findet man mitunter Thal⸗ wiieſen, die den Mittelgrund leichter, magerer Felder bilden, kei SA ufluß erhalten, als bei naſſer Witterung, wo dann häufig des Guten aaͤauf Einmal zu viel wird. In beiden Fällen kann der induſtriöſe Land⸗ 1 wirth meiſt entſprechende Meliorationen vornehmen, über welche am erechten Orte die nöthige Belehrung gegeben werden wird. §. 27. Quellige Wieſen.— Verhalten der Bodenlagen; 41 den unterirdiſchen Waſſerbehältern.— Urquellen und 1,. Quellhügel. n. An dieſen, mehrentheils an dem Fuße von Bergen und Hugeln ge⸗ er legenen, und an ſich mit einer mehr oder minder erdigen, fruchtbaren 26 Krume verſehenen Wieſen iſt ein großer Theil Deutſchlands reich, eben⸗ ſo arm aber noch an ausgeführten glücklichen Verbeſſerungen derſelben, weil man über ihre Entſtehung und den eigentlichen Grund ihrer ſumpfigen und queppigen Beſchaffenheit nicht allgemein und hinreichend genug im Klaren iſt. Schon der nur mit geringer Bodenkenntniß und Beobachtungsgabe ausgerüſtete Landwirth weiß, daß man auf einem nur aus Sandſchich⸗ ten beſtehenden Reviere ebenſo wie auf bis in anſehnliche Tiefe nur Thon enthaltenden Boden lange vergeblich nach Waſſer bohren wird. Es iſt Erfahrungsregel, daß auf jenem erſt die Erſcheinung von Thon oder Felſen das Waſſer ankündigt, gleich wie auf dieſem das Waſſer erſt erſcheint, wenn man eine Sand⸗ oder loſe Steinlage er⸗ reicht hat. Hier deutet die Natur handgreiflich auf ein gewiſſes Verhalten der verſchiedenen abwechſelnden Bodenlagen zu den Waſſerbehältern hin. Eriſtirte eine ſolche Abwechslung nicht, ſo würde nur die Urtiefe und die Oberfläche der Erde Waſſer enthalten; denn entweder ſänke es, vermöge ſeiner Schwerkraft, immer tiefer hinab, oder es könnte gar nicht einziehen und müßte in Gewäſſern ſtehen bleiben. Je verſchiedener die durchlaſſenden und undurchdringlichen Erd⸗ ſchichten abwechſeln, je verſchiedener ſie in ihrer Form und Richtung ſind, um ſo verſchiedenere Raſt⸗, Sammlungspuncte und Ableitungs⸗ bahnen wird das durch die lockere Oberfläche ſenkrecht bis auf eine un⸗ durchdringliche Lage hindurchſinkende, atmoſphäriſche Waſſer ſich wählen. Hinſichtlich des Ausbruchpunctes täuſcht die gewöhnliche, aus dem Geſetze der Schwere hergeleitete Schlußfolge dennoch oft ſehr. Eben⸗ ſo wie dieſer abhängig iſt von dem verſchiedenen Dichtigkeitsgrade der niedrigen Erdlagen, veranlaßt der Niederſchlag der Quelle ſelbſt, zu verſchiedenen Perioden und an verſchiedenen Stellen, eine gewiſſe Re⸗ gelloſigkeit ihres Auf⸗ und Abſteigens. Das Wo und Warum derſel⸗ ben muß forgfältig ermittelt werden, bevor man im Stande iſt, die geeignetſte Stelle und das ſicherſte Verfahren zu wählen, wo und durch welches man dem Waſſer Luft ſchaffen und ſolches auf die bequemſte Weiſe ableiten kann.— Möge es uns erlaubt ſeyn, zur nä⸗ hern Entwickelung des Geſagten einige Worte des verſtorbenen Staats⸗ raths Thaer und des praktiſch ſo hochſtehenden Johann Pogge in Mecklenburg, welcher Letztere über Entſtehung und Formation der Quellen, ſo wie über deren inhärirende Subſtanzen und den Einfluß derſelben, über Urbildung unſerer Erdfläche und Senkung des Waſſers im Allgemeinen, ſo intereſſante Reflexionen aufſtellt, folgen zu laſſen. —— ———————— 27 Je nachdem, ſagt Thaer in ſeiner engliſchen Landwirthſchaft, die durchdringlichen und undurchdringlichen Lagen verſchiedentlich abwech⸗ ſeln, eine verſchiedene Form und Richtung haben, horizontal über⸗ einander liegen oder ſich ineinander verſenken, entſtehen mancherlei Phänomene, die Derjenige, welcher keinen Begriff vom innern Bauu unſeres Erdbodens hat, ſtumm anſtaunt und ſie für Wirkungen über⸗ natürlicher Kräfte zu halten verleitet wird. Hier verſinken Flüſſe in Schlünden und verſchwinden vor unſern Augen; dort bricht vielleicht nahe am Ufer eines andern Fluſſes ein Strom aus einer Höhlung hervor, deſſen Waſſer, der Richtung nach, unter dem andern Fluſſe weggefloſſen ſeyn muß. Zuweilen hören wir, daß das Waſſer eines beträchtlichen Fluſſes plötzlich verſunken und ſein Bett trocken gewor⸗ den ſey; zuweilen, daß ein neuer Quell mit Gewalt hervorgebrochen ſey und ſich mit verwüſtender Macht ein Bett gebahnt habe. Dieſe und viele andere Erſcheinungen der Art laſſen ſich aber leicht begreifen, wenn man jene einfache Einrichtung der Natur vor Augen hat, und ſich einen klaren Begriff von den mancherlei Formen macht, welche durch die Abwechslung der durchlaſſenden und anhaltenden Bodenarten im Innern unſeres Erdbodens entſtehen. Sie laſſen ſich nicht nur nicht begreifen, ſondern geben auch einen Fingerzeig, wie man ſich in manchen Fällen helfen könne; z. B. wie man Seen, die auf der Oberfläche, wegen der ſie umgebenden Anhöhen, nicht abge⸗ leitet werden können, noch zuweilen einen Abzug nach unten verſchaffen kuann, indem man ihren anhaltenden Grund ſo weit durchſticht, bis man auf eine durchlaſſende Erdſchicht gelangt, in welche das Waſſer verſenkt werden kann. Dieſe durchlaſſenden und anhaltenden Schichten liegen, wfe am häufigſten der Fall iſt, horizontal übereinander, oder ſie ſen⸗ ken ſich mit der Oberflaͤche der Berge und Anhöhen parallel abhangend herunter, oder ſie gehen unordentlich und in mannichfaltigen Geſtalten in⸗ und durcheinander. Im erſten Falle, der hortzontalen Lage, ſucht ſich das Waſſer, welches ſich in der lockern Erdſchicht auf der waſſerdichten ange⸗ häuft hat, zwar von allen Seiten einen Weg zu bahnen, und würde, wenn es keinen oder einen völlig gleichmäßigen Widerſtand zu über⸗ winden hätte, von allen Seiten abfließen. Da ſich Letzteres aber nicht denken läßt, ſo bahnt es ſich ſeinen Weg da, wo es an der niedrig⸗ ſten Stelle den geringſten Widerſtand findet. Die niedrigſte Stelle würde es ſeiner Natur nach vor allen wählen; wenn hier aber der Widerſtand zu groß iſt, ſo bricht es auch höher aus, bis der Wider⸗ 28 ſtand durch Zufall oder Kunſt an einer niedrigen Stelle gehoben wird, da es dann, wenn es hier hinreichenden Abfluß findet, jene Bahn verläßt. In dem zweiten Falle, eines ſchrägen Abhanges der Schichten, wird das Waſſer in dem durchlaſſenden Boden auf dem waſſerdichten hinabgleiten, bis es an den niedrigſten Punct kommt, und hier her⸗ vorbrechen. Allein die meiſten Berge haben an ihrem Fuße eine mehr thonartige Oberfläche, welche vermuthlich von dem herabgeſchwemm⸗ ten Thone entſtanden iſt. Dieſe läßt das Waſſer, wenn ſie ſtark iſt, nicht leicht durch, und daher brechen die Quellen in dieſem und im vorhergehenden Falle ſelten an der niedrigſten Stelle, ſondern mehr oberwärts, wo ſie weniger Widerſtand finden, hervor. Im dritten Falle, wo die Erdſchichten unordentlich und inein⸗ ander verſenkt liegen, ſo daß oft ein Strich durchlaſſender Erd⸗ oder Steinarten tief in einen waſſerdichten Boden hineingeht, bilden ſich die ſtärkſten Waſſerbehälter. Das von allen Seiten eingezwängte Waſſer häuft ſich darin an und ſtauet wieder bis oben hinauf. Wenn es an einer niedrigen Stelle Luft bekommt, ſo dringt es, durch den Druck von oben gepreßt, mit erſtaunlicher Gewalt hervor. Herr Johann Pogge, welcher die intereſſante Erfahrung gemacht hat, daß bei Aufſuchung von Urquellen gemeiniglich der oberſte der vorhandenen Quellhügel den Stammbehälter anzeige*), erklärt ſich dieſe Erſcheinung aus der Formationsgeſchichte des Quellgebietes. anſtöglite Wahrheat, fagt e, blabt es, daß ſoles, namlch e naneen auſhungen, ſein Kußere und imets Gebaln der Quelle verdankt, und daß die Natur nach gewi hnlich klar vorliegen⸗ ddeen Geſetzen w . —* ſeten wirkte. Urſache un Folge zeigen ſich hier deutlicher als beim Ackerlande, weil die Cultur noch nicht verändernd eingegriffen. 8 Männer, mit gehörigen Kenntniſſen ausgerüſtet, ihm vorzugsweiſe widmen, Charten und genaue Localbeſchreibungen von Quellgebieten aufnehmen und durch wiederholte Unterſuchungen die Naturgeſetze aufzufinden und mitzutheilen ſich bemühten. Es wäre dieß gewiß kein unnützes Geſchäft und wohl der Beförderung durch den Staat werth. Viele Tauſende von Quadratruthen ſind in unſerem Vaterlande durch Quellen unfruchtbar gemacht, und dieſes Übel vergrößert ſich mit jedem Jahre, wenn ihm nicht begegnet wird. Wird die Quelle aber gehörig geſenkt, ſo kann ſie ſelbſt, außer daß das Quellgebiet fruchtbar gemacht *) Mecklenb. Annalen, 18. Jahrgang. Wegen der Wichtigkeit des Gegenſtandes iſt zu wünſchen, daß ſich 29 wird, mit Nutzen zur Berieſelung angewandt werden, wie dieß z. B. im Großen die herrlichen Wieſen zu Hörſeringen und Soderburg in der Lüneburger Heide beweiſen, wovon ackerbautreibende Staaten ihre Blicke nicht unbefriedigt abwenden werden. Sey es mir erlaubt, eine Meinung über die Entſtehung der Quell⸗ hügel hinzuzufügen. Sie entſtanden aus dem Niederſchlage des Quell⸗ waſſers, welcher demſelben chemiſch oder mechaniſch inhärirte. In die⸗ ſem Niederſchlage lebten Pflanzen, bisweilen auch Thiere, als Con⸗ chylien, Fröſche ꝛc., ſtarben und hinterließen Reſte, welche mit jenem Niederſchlage die Maſſe um die Quelle, den Quellhügel, bildeten.— Ob dieß in Wäldern ebenſo als auf freiem Grunde geſchehe, wage ich nicht zu beſtimmen; doch muß ich bemerken, daß ich noch keinen bedeu⸗ tenden Quellhügel mit Holz dicht beſtanden, wohl aber in ſolchem große verſunkene Eichenbäume gefunden habe, gleichwie ich Quellen reich an Mineral ohne hohe Quellhügel im Walde antraf. Wenn man aber große Bäume unten in dem Quellhügel entdeckt, ſo beweiſ't dieß, daß die Verhältniſſe zur Zeit ihrer Vegetation dieſe begünſtigten, daß damals alſo wahrſcheinlich die Hügel noch nicht exiſtirten, mithin erſt nach Abräumung der Gegend gebildet wurden. Leicht erkennt man auch hierin die Weisheit der Natur.— Vom beglückenden Reiche der Ceres blieb nicht Pandorens Buchſe fern. Die Maſſen wurden hoch, dicht und feſt, und der Druck konnte die Quelle nicht mehr an dieſem Orte ganz durchdringen, vertheilte ſie mithin, wo ſich Auswege fanden, und bildete für die Quelle da, wo der größte Theil an die Luft gelangte, den zweiten Quellhügel und ſofort den dritten. Mit jedem Hügel ver⸗ größerte ſich das Quellgebiet. Gewöhnlich geht die Hügelreihe am Acker herum, bisweilen auch in die Wieſe hinein. Kleine Abtheilungen der Quellen ſteigen in den hohlen Pflanzen⸗ wurzeln, welche ſich faſt überall in der Wieſe finden und von der Oberfläche bis auf den Erdgrund reichen, empor, und daher kommt es, daß man durch tiefe Gräben in ſolchen Wieſen, welche nur auf die getroffenen Röhren wirken, dieſe nicht völlig trocken machen kann; auch liegt der Untergrund der Wieſe tiefer als die Sohle des Abzugs⸗ grabens oder Baches. Um alſo die Wieſe trocken zu legen, muß man die Quelle aus dem Quellhüͤgel, der immer höher am Urſprunge liegt, auffaſſen und ſie nicht in den Untergrund gelangen laſſen. Die Höhe, der Umfang der Quellhügel, ihre Subſtanz ſcheinen im genauen Zuſammenhange zu ſtehen mit dem Niederſchlage aus der Quelle. Die Quellen, welche Herr Pogge in der Bruchkoppel zu Strieſenow ableitete, ſind reichhaltig an Mineral. Sie haben viele 30 Tauſende Quadratfuß Maſſe im Laufe der Zeit abgeſetzt. Eine andere Quelle an der Bornwieſe auf dem Gute Neu⸗Croſſow iſt wenig mine⸗ raliſch, und dennoch liegt vor ihr eine, dem Waſſer undurchdringliche thon- und kiesartige Maſſe, gegen 14 Fuß hoch.— Herr Pogge glaubt, daß dieſes Lager kein Werk der letztern Waſſerfluthungen, ſon⸗ dern auch eines der Quelle iſt; denn dieſe hat große Kraft, und warf in einem Tage gegen 20 Quadratfuß Erde nach dem erſten Aufgraben aus der Tiefe hervor. Angenommen, die Mineralquelle beſtehe ſeit der letzten Gegend⸗ formation in gleicher Maſſe und in gleicher Beſchaffenheit, ſo liegt die Möglichkeit vor, ungefähr aus dem Niederſchlage des Quellwaſſers in einer beſtimmten Zeit das Alter der Quelle oder die Zeit ſeit jener Formation zu berechnen, wenn die Maſſe des im Quellgebiete aufge⸗ häuften Niederſchlages einigermaßen zu beſtimmen wäre. Dieß iſt kein der höhern Speculation unwürdiger Gegenſtand. Das Alter der Bäume erkennt man an Jahresringen; jedes or⸗ ganiſche Geſchöpf trägt die Zeichen der Dauer ſeines Daſeyns an ſich; gewiß fehlen ſie der Erde nicht, nur uns fehlt die Einſicht, ihre Zeichen zu deuten. Überhaupt muß ich geſtehen, fährt Pogge fort, daß die Urquellen ſtets in meinen Augen höhere Bedeutung gehabt haben, als ihnen von Manchen beigelegt worden. Sie kommen gewiß aus weiter Ferne und Tiefe, und oft dachte ich ſie mir als kleine Zweige des Geäders im Erdweſen der Erde. Iſt unſere Erde denn ein todter, regellos geform⸗ ter Körper?— Jedes Geſchöpf denkt und hat Überlegung, inſoweit es der Zweck ſeines Daſeyns verlangt. Was mag wohl ein kleines Inſect auf dem Körper eines großen Thieres, das ihm zum Wohn⸗ orte angewieſen, denken über dasſelbe und über deſſen Thätigkeit? Was denkt der Menſch über die Bewegungen und Revolutionen in der Erde? Beide beziehen dieſe Bewegungen gewiß auf ſich, ſetzen ſich als Endzweck der Schöpfung, aber mit Recht?— Wie groß iſt die Le⸗ bensdauer, die Größe des Inſects? wie groß Beides beim Men⸗ ſchen? wie groß bei der Erde? Beſteht urſprünglich ein Verhältniß zwiſchen Größe und Lebensdauer der Geſchöpfe?— Doch hinweg von Reflexionen, die hier vielleicht nicht am rechten Orte ſind! Abgeſehen von andern Bedeutungen der Quellen in unſerer Ge⸗ gend, können wir aus den ihnen inhärirenden Subſtanzen auf den mi⸗ neraliſchen Gehalt der tiefern Erdſchichten ſchließen. Die Quellen ſind in bergmänniſcher Hinſicht ſorgfältig zu beobachten; ſie zeigen ſich ge⸗ wöhnlich am Fuße der Berge, im Thalzuge. — „ 31 Die mehrſten Thäler entſtanden wahrſcheinlich nach den Bergen. Dort haben Waſſerfluthen das Erdreich weggeriſſen, und ſo erſcheinen als Berge die Stellen, wo das Erdreich ſtehen geblieben iſt. Im Thale iſt man alſo Minerallagen, ältern Formationen, gewöhnlich näher als auf Bergen. Oft finden wir große Steinblöcke, abgeriſſene Fels⸗ ſtücke, iſolirt auf Bergen, umgeben von tiefen Thälern. Das Waſſer konnte ſie unmöglich über die Thäler hinweg oben hinauf ſchleudern; aber wohl iſt die Lage dieſer Steine zu erklären, wenn man annimmt, daß die Thäler erſt ſpäter entſtanden und nur durch Wegreißung die Verbindung aufgehoben und die Berge gebildet wurden.— Zur Klar⸗ heit gelangte ich hierüber, als ich vor einigen Jahren die Rieſenfelſen der ſächſiſchen Schweiz, das Elbthal, mit Aufmerkſamkeit betrachtete. Nicht alle die Thäler, beſonders die Becken, welche größtentheils als Waſſerbehälter, Seen und Teiche erſcheinen, ſind entſtanden durch Wegreißen; ſie wurden gebildet durch Erdfälle, Senkungen. Auch konnten Berge aufgethürmt werden durch entgegenwirkende Fluthun⸗ gen. Vielleicht haben die höchſten Puncte unſeres Landes zur Unter⸗ lage die höchſten Urgebirge, die überhaupt auf die Form der jüngſten Lagerungen ihren Einfluß ausübten. Sehr nöthig wäre ein Geſetz zur Senkung der Quellen auf frem⸗ dem Gebiete. Ich ſollte meinen, der Staat, als Inbegriff des Gan⸗ zen, dürfte wohl vermittelnd in's privative Eigenthum eingreifen. Der Werth unſeres Grundes und Bodens kann durch richtige Be⸗ handlung der Quellen bedeutend erhöht werden. Bei dieſer Gelegen⸗ heit wiederhole ich den Wunſch, daß Herrn v. Thünen's herr⸗ liche„ mit ſolcher klaren Gründlichkeit im»iſolirten Staate« hinge⸗ ſtellte Ideen über Entfernung und Begränzung einer ernſtlichen Prü⸗ fung unterzogen und, was dann wohl nicht zu bezweifeln, in unſerem Vaterlande zur Ausführung gebracht werden möchten. Auch iſt es gewiß nicht unpaſſend, hier eines Werkes zu gedenken, welches der Herr Graf von Schlieffen auf Schlieffensberg unter vielen Schwierigkeiten begonnen und doch glücklich vollendet hat; ich meine die zum großen Nutzen gereichende Senkung des(Wa⸗ rins) Vielgeſter und einiger damit zuſammenhängender Seen, welches, abgeſehen von dem günſtigen Einfluſſe auf die nächſte Umgebung, als ein nachahmungswerthes Beiſpiel, beſonders für Mecklenburg, wo ſo beträchtliche Fläche noch dem Waſſer preisgegeben ſind, zur Ehre des Begründers dauernd beſtehen wird. Gleichfalls möchte hier die Geſetzgebung befördernd eingreifen kön⸗ nen, indem ſich durch feſte Grundſätze, die öffentlich bekannt zu ma⸗ 32 chen wären, Streitigkeiten vorzubeugen ſuchte, welche dergleichen Sen⸗ kungen oft herbeiführen. Ferner wäre es zweckmäßig, alles Terrain, welches dem Waſſer abgewonnen wird, von ſonſt beim Verkauf übli⸗ chen Abgaben zu befreien. §. 28. Moorige Wieſen.— Über deren Entſtehung und Bo⸗ denſchichtung. Den größten Theil des Wieſen⸗Areals im nördlichen Deutſchland nehmen die moorigen Wieſen ein, welche ſich in der Hauptrückſicht von den vorhergehenden unterſcheiden, daß ſie, bei einer mehr oder minder torfartigen Grundſubſtanz, einen undurchlaſſenden Untergrund haben. Je concentrirter die Quellen der Moorwieſen, mit je mindern Schwierigkeiten ihr Abfluß und ihre vortheilhafte Benutzung auf letz⸗ tere verbunden, je tiefer die obere humoſe Erdſchichte und je milder und fruchtbarer dieſe iſt, und je minder die in der Krume und den Grund⸗ ſchichten enthaltenen Eiſentheile und Säuren auf die Vegetation ein⸗ wirken können, von deſto höherem Werthe iſt die natürliche Beſchaf⸗ fenheit dieſer Plänen. Es iſt demnach keineswegs ein ſo ganz verwerflicher Glaube von unſerem Landwirthe, daß von Natur, oder vermöge ihrer ſubſtanziellen Beſchaffenheit, eine Wieſe unfruchtbar und die andere fruchtbar ſey. Wenn der verdienſtvolle Domänenrath Pogge jene Anſicht verwarf und die Annahme machte, daß die Grundſtoffe einerlei Urſprung hätten, die Unfruchtbarkeit nur von verſagter Cultur herrühre, ſo ſcheint dar⸗ aus hervorzugehen, daß er mindeſtens die bei der von ihm hypothe⸗ tiſch angenommenen Formation mitwirkenden Nebeneinflüſſe nicht ge⸗ nugſam gewürdigt habe, vielleicht, weil die ihm vorſchwebenden Ter⸗ rains einem gleichen Schluſſe auf Urſache und Wirkung entſprachen. Wir neigen uns ſehr zu der Anſicht des Herrn Johann Pogge, wornach wir ältern Formationen, Minerallagen, in den Thälern nä⸗ her ſind. Wenn wir, nach Pogge(wahrſcheinlich richtig), anneh⸗ men: daß unſere Moore und Moorwieſen früher Waſſerbehälter ge⸗ weſen, ſo können wir mit gleicher Wahrſcheinlichkeit auf eine, nach Maßgabe des mehr oder minder mineraliſchen Grundes, ſich raſcher oder langſamer entwickelnde Vegetation der torfmachenden Sumpf⸗ pflanzen ſchließen. Langjährige Beobachtung hat nämlich unſere und Anderer Ver⸗ muthung zur Gewißheit erhoben, daß nichts ſo ſehr zur ſchnellen und in's Ungeheure gehenden Vermehrung der ſtickſtoffhaltigen kryptoga⸗ miſchen Gewächſe beiträgt, als Eiſen. In einem um ſo zuträglichern 33 ddla⸗ im Pon das die Baff 8 aller i ichtungen, und dieß mit um ſo größerem Erfolge machte, ie Localität eine Mitwirkung anderer Pflanzenſtoffe, beſon⸗ Holſteins ſind an ſolchen Orten entſtanden, wo kein ſtehendes Ge⸗ wäſſer war, ſondern wo es an einer oder mehren Stellen ungehin⸗ derten Abzug m und daher nie zu keiniger. Dehe. ſich anſammeln kae erkläͤrt gleichfall die von Domänenrath Pogge bezweifelte ſchnelle 3 Wiedererzeugung des Torfes. Dieſelbe iſt, unſerer Anſicht nach, ab⸗ — hängig pon den inhärirenden Beſtandtheilen der Moorquellen, wenn die ſonſtigen Vegetationsbedingungen nicht fehlen. Wer weiß, ob au⸗ ßer dem Eiſen nicht auch noch gewiſſe Salze, namentlich das Kochſalz, — die Reſiduen der Vegetation als Torf und Moorerde darſtellen. Eben⸗ ſo wie auf den Mooren Salzquellen angetroffen werden“)— ſo entſprin⸗ gen die Salzquellen in der Gegend von Oldesloe aus den dortigen Moorgründen—, finden wir in der Nähe derſelben die raſcheſte Repro⸗ duction des Torfes. Auf den Torfkabeln der Sültzer Saline, die vor 48 Jahren ausgeſtochen wurden, ergab ſich bei dem nach Verlauf dieſes Zeitraums wiederholten Stiche, daß die Tiefe desſelben nur ſechs Steine weniger betrug, als früher. Der verſtorbene Oberamt⸗ mann Winkelmann in Sültz verſicherte, daß der Torfgrund gewiß ſeine erſte Tiefe wieder erreicht haben würde, wenn man noch 10 oder 2 Jahre länger mit dem Stiche gewartet hätte. Wir finden in der Nähe der Nord⸗ und Oſtſee, namentlich in 3 Holſtein, Oldenburg(in der erſtern Provinz an den Ufern der Tra⸗ ve, Alſter, Beſte, Rethwiſchau), ſolche Wieſen, wo die Waſſerſtag⸗ nationen das Wieſenerz dergeſtalt angehäuft haben, daß ſeine vor⸗ *) An vielen Orten im Herzogthume Schleswig wurde vormals aus Torf und Moorerde Salz geſotten. Lengerke's Wieſenbau. 1 3 ders von Holz und Holzerde, geſtattete und einen um ſo freiern Abfliuß 8 Waſſer hatte. Die größten Moore und moorigen Wieſenſümpfe 8 berrf chende Einwirkung, bei übrigens wnginſtgen tät zum Fluche der Cultur wird. Es dehs erane herpor, daß ein gewiſſes Verhält⸗ niß, eine Wechſelwirkung, zwiſchen Vegetation und Erdbildung Statt rung ſcheint in der Natur eine entgegengeſetzte Wirkung hervorzubrin⸗ gen. Daraus erklärt ſich dunkel der Widerſpruth, welchen obige Er⸗ 4 ſcheinung ergibt. 1.. 4 Schlufwieſen benannter Art, mit einer dünnen roſtigen und ſan⸗ digen Krume, können nur durch Heraufbringen des Urs, wenn ſolches durch hinzugefügten Mergel ꝛc. verwittert, der Cultur näher gebracht werden. Es gibt in Norddeutſchland Diſtricte, wo Berg⸗ und Ackerbau ſich vortheilhaft in die Hände arbeiten könnten. Wenn dort das Wie⸗ ſenerz 1— 2 Fuß tief unter der Oberfläche gefunden wird, ſo muß* dieſe wohlfeile Förderung dasſelbe dem Hüttenmanne, trotz ſeines be⸗ kannten Fehlers des Kaltbruches, empfehlen. Hat doch in Mecklenburg findet, welches bei den beſſern Sumpfwieſen gewiſſen, uns noch un- bekannten Geſetzen unterliegt. Jedes üÜbermaß der Productionsförde⸗ ddie bergmänniſche Benutzung des Raſeneiſenſteines vor einem Jahr⸗ 4* * * * hundert gute Früchte getragen! Nur ſchlechte Dispoſi ition im Innern, Mangel an Controle und Aufſicht, vorzüglich aber an Induſtrie und 1 Benutzung äußerer vortheilhafter Conjuncturen beim Debit der Pro⸗ 3 ducte, zogen, nach dem Urtheile bewährter Sachverſtändiger, den Ber fall einer Anſtalt nach ſich, welche durch ihre vortheilhafte Lage einen größern Ertrag zu ſichern im Stande geweſen wäre, als irgend ein anderes Eiſenhüttenwerk Norddeutſchlands. Man findet auch Moorwieſen, die theils faſt allein oögeſtorenen Wäͤldern ihr Daſeyn verdanken, theils aus dem Meere und den Me⸗ resproducten hervorgegangen ſind. Letztere Erſcheinung deutet auf— eine merkwürdige Revolution der Vorzeit hin. Eine günſtige Lage und ein gerechter Feuchtigkeitszuſtand bedingen den Werth der Moorwieſen. Manche derſelben ſind durch noch ſo reich⸗ liches Abgraben in der Oberfläche nicht von jener Materie zu befreien, welche im Übermaße ſelbſt die ſchlechteſten Sumpfpflanzen vertreibt. Wir haben, namentlich in Holſtein, einen unſchätzbaren Vorrath von kalkreichem Wieſenmergel in unſern moorartigen Wieſen; unter andern beſtehen große Strecken des Alſterufers allein aus dieſer Subſtanz. Aber nur durch ein Rajolen der ſumpfbeizigen Gründe wird man eine zweckmäßige Vermiſchung des Mergels mit der Krume, welcher widri⸗ genfalls durch dieſelbe auf die Erzſchichte ſinkt, bewirken koͤnnen. SOdeeY5 9 * * —— lche 35 lt⸗. à*. t..— Vierter Abschnitt. 8 m Von der Güte und Einträglichkeit der Wieſen⸗ pflanzen und ihrem zweckmäßigen Miſchungs⸗ .. 8 verhältniſſe. ⸗—— 4 3 4 8„Es kommt ſehr darauf an, daß eine Wieſe nur mit ſolchen Kräutern be⸗ hn 7. ſetzt ſey, welche dem Zwecke, wozu ſie beſtimmt iſt, entſprechen“ es* 3. A. Thaer. aht*— 4§. 29. bnn— Beſtand der Wieſen im Allgemeinen. Vi⸗ Wenn wir mit Aufmerkſamkeit den Teppich unſerer Wieſen betrach⸗ uuß. een, ſo finden wir eine Mannichfaltigkeit der Pflanzen, welche von be⸗. deer Natur dazu beſtimmt ſcheint, eine Gleichmäßigkeit des Futter⸗ urg. eertrages zu ſichern. Wo aber Wärme und Dürre liebende Gräſer neben ir⸗* 3 Kühle und Feuchtigkeit erheiſchenden Pflanzen, wo frühe und ſpäte, rn,. ein⸗ und zweijährige neben perennirenden, hohe und niedrige Gräſer und 4 und Kräuter vereinigt ſtehen, da muß dieſes Miſchungsverhältniß n⸗. 4 allerdings gewiſſen, den klimatiſchen und örtlichen Einflüſſen entſpre⸗ her.. chenden Geſetzen unterworfen ſeyn, um keine Stockung und Ver⸗ nen ſcchllechterung der Vegetation, vielmehr ein ſtetes glückliches Fortſchrei⸗ ein 4 eeen derſelben zu veranlaſſen. Häufig hat die Natur dieſe Geſetze be⸗ fcolgt, urſprünglich handelte ſie wohl immer darnach; aber in Folge ei⸗ eneüä ner ihrer, uns oft unbegreiflichen Launen ſtörte ſie mitunter auch den Mee⸗ 1. Gang derſelben gewaltſam. Ebenſo wie unter begünſtigenden Umſtänden auf die guten Gräſer die ſchlechtern verdrängen, ſehen wir ein natürliches Übermaß der letztern jene allmählig gänzlich ausrotten, und das um igen ſo eher, je mehr ſie hinſichtlich ihrer Lebensdauer, ihres raſchen Wachs⸗ eich-⸗ thums und ihrer Fortpflanzungsart im Vortheil ſtehen. ien, Es iſt ebenſo ſehr die Aufgabe der Kunſt, einen ihren Anſprüchen ibt. nicht entſprechenden Gang der Natur mit Scharfblick zu beobachten, von als ſich der Wohlthaten derſelben zu erfreuen und ihre Segnungen um⸗ dern ſichtig zu benutzen. In dem hier in Betracht kommenden ſpeciellen anz. Falle muß das Studium der Bedürfniſſe und Eigenſchaften der ver⸗ eine ſchiedenartigen Wieſenpflanzen der Wiederherſtellung eines verrückten dria« Verhältniſſes um ſo förderlicher werden, als die Einwirkung der Pflan⸗ zen aufeinander bei dem Culturproceſſe eine überwiegend wichtige Rolle ſpielt, und Güte und Maſſe des Futters faſt immer miteinan⸗ der übereinſtimmen werden. Es kommt nur darauf an, das Gute zur 3*¼ —————————:— 36 rechten Zeit und am rechten Orte zu fördern, um den erwarteten Nuz⸗ zen davon zu genießen, ebenſo, wie es genügen muß, das Schlechte⸗ re, Unbrauchbare inſoweit zu beſchränken, als die Rückſicht auf das Ganze es erlaubt. Dieſe Worte ſollen in der folgenden Wieſenpflanzen⸗ 8 lehre ihre Anwendung finden. Wir geben keinen gewöhnlichen Catalog aller vorhandenen guten, weniger guten und ganz ſchädlichen Wieſen⸗ kräuter, ſondern auf vielfältige Erfahrungen gegründete Bemerkungen über die am gewöhnlichſten vorkommenden, empfehlungswerthen, un⸗ ſchädlichen Pflanzen, deren Standort, Nahrungsvermögen und ſonſtige Eigenſchaften. Der praktiſche Landwirth wird darin mehr Belehrung und ſicherere Anhaltspunete für die Praxis, als in unſern, mit einem ſolchen Aufwande von prunkender Gelehrſamkeit verfaßten wiſſen⸗ ſchaftlichen Grasbüchern finden. * §. 30. 3 Gute Wieſengraſer und Pflanzen. a. Raigras der Engländer, lolium perenne. Wir ſtellen dieß Gras keineswegs deßwegen oben an, weil es uns als das vorzüglichſte Wieſengras gilt, ſondern weil vielleicht noch im⸗ mer unter einem großen Theile unſerer praktiſchen Landwirthe über keine Pflanze eine größere Meinungsverſchiedenheit herrſcht, als über dieſes, nun bereits länger als ein halbes Seculum in Deutſchland cul⸗ tivirte Raigras. Wir wollen die Urſachen des Mißcredits desſelben kurz hinſtellen. Erſtens iſt es Thatſache, daß mancher übrigens brave Skonom das engliſche Raigras verdammt, weil er es gar nicht kennt. In Holſtein hatte man große Saatfabriken davon, als vielleicht auf kei⸗ nen zehn Gütern ächter Same ausgeſäet wurde. Man hatte, beſonders auf den leichtern Sandfeldern, die weichhaarige Trespe cultivirt und brachte, häufig unwiſſentlich, den Samen derſelben als ächtes engli⸗ ſches Gras in den Handel. Noch 1825 mußte in Mecklenburg das bromus mollis gar zu oft für lolium perenne gelten, und Mancher ward dadurch abgeſchreckt. Im Lüneburgiſchen ſah Dr. Sprengel noch einige Jahre ſpäter ſtatt des Raigraſes bromus mollis ausgeſäet(man hatte den Samen aus dem Holſteiniſchen erhalten), und man wun⸗ derte ſich, daß dieſe— hier nur einjährige— Grasart, wovon ſo viel gerühmt worden war, von allen Viehgattungen faſt gänzlich ver⸗ ſchmäht wurde.. 1. Ogpbglleich der eigenthümliche, natürliche Standpunct des lolium pe- renne darauf hinzuweiſen ſcheint, daß dasſelbe ein Ackergras ſey; ob⸗ u ööäöäöäöaöa““ — 37 gleich der Umſtand, daß es an Schmackhaftigkeit und Gedeihlichkeit mit dem ſteten Kurzhalten zunimmt, der Abweidung desſelben mehr das Wort zu reden ſcheint, als ſeiner Benutzung zu Heu, deſſen zwar nicht grobe und rauhe, aber doch meiſtens harte Beſchaffenheit dem Vieh nicht zuſagt: ſo iſt es doch ausgemacht, daß unter entſprechenden Bedingungen das engliſche Raigras ſeinen Platz als Wieſenpflanze immer mit Ehren ausfüllen wird. Der ſüße Lolch hat auch in Mecklenburg viele Feinde, die vom Baue desſelben abrathen; allein die ſeit mehren Jahren gemachten Erfahrungen beweiſen, daß dieß Gras, wie ſo manches andere, bei zweckmäßiger Behandlung und anpaſſendem Boden, viel thut. Es wird jetzt faſt ebenſo ſtark gebaut, wie der Timothee*). Wenn Schrank behauptet, daß die Pferde nach dem Genuſſe des Raigraſes traurig und niedergeſchlagen würden, ſo hat er ſeine Beobachtung vielleicht gar vom Tollkorne entnommen; denn die engliſchen und holſteiniſchen Pferde befinden ſich bei der Fütterung des erſtern ungemein gut. Als Wieſengras kommt es nur darauf an, den lolinm perenne entweder zeitig, häufig oder ſpät zu mähen. In allen drei Fällen kann man ſich ſchmackhaftes und hinlängliches Heu davon ſichern. An ſich iſt das engliſche Raigras ungemein zuträglich, wenn es nur auf thonigem und reichem Boden wächſt. Auch uns iſt es wohl vorgekommen, auf Rieſelwieſen von dieſer Beſchaffenheit eine ungemein üppige Vegetation desſelben angetroffen zu haben, und das um ſo mehr, je reichlicher es vermengt mit Kleearten war. In Flotbeck hat ſich auf feuchtem, nur wenig ſandigem Lehm fol⸗ gendes Ertragsreſultat*) eines Anbauverſuches mit dem Raigraſe der Engländer ergeben: Auf 24 O. Fuß erntete man 6 Pf. friſches Gras= pr. M. 6400 Pf., Länge 14 Zoll;— auf 168 Q. F. erntete man 53 Pf. friſches Gras= pr. M. 8076 ⸗ Länge 18 Zoll;„ Summe der Länge 23 Zoll.. Summe. 14476 Pf. Durchſchnitt pr. Morgen 7238 Pf., Länge 16 Zoll. Unter cultivirten 15 Gras⸗ und Kleearten trug das Raigras in der Größe des Products den entſchiedenſten Sieg davon. *) Siehe Jeppe's Herbarium vivum, ein Werk, deſſen Anſchaffung dem in der Botanik unkundigen Landwirth manche Mißgriffe erſparen kann. **) Dieſes und alle weiter unten angeführte Ergebniſſe wurden auf mit dem Spaten forgfältig umgegrabenen Beeten gewonnen. — 38 4 Schwerz's Erfahrungen beſtätigen dieſen Erfolg. Ich hatte, ſagt er*), mehre Jahre hindurch die Gelegenheit zu be⸗ merken, daß auf einer, mehre Hectaren großen Wieſe, wovon das Gras alljährlich verſteigert wurde, diejenigen Theile immer am höch⸗ ſten hinaufgetrieben wurden, die das meiſte Raigras trugen, obgleich ſolches den übrigen Gräſern an Höhe des Wuchſes nicht gleichkam. Dafür übertraf es ſie aber an dichtem Stande und durch die Eigen⸗ ſchaft, daß es bei dem Hauen weniger an Gewicht verliert, als die andern Gräſer. Die gedachte Wieſe hatte einen thonigen Boden, er⸗ hielt aber kein Waſſer, auch keinen andern Dung, als den des Weide⸗ viehes, da kein Grummet darauf geworben wurde. Indeſſen iſt nicht zu läugnen, daß das Heu des Wieſenlolches zwar nicht grob und rauh, aber doch hart iſt, welches daher rührt, daß er unter die frühen Gräſer gehört, alſo ſchon reif iſt, wenn die Wieſe ſpät gemäht wird. Man ſollte daher ſolche Wieſen, die viel Raigras enthalten, früher als andere mähen, oder, noch viel nützlicher, den erſten Trieb desſelben im Frühjahre abweiden, wodurch der Heu⸗ ertrag, es ſey denn in ſehr trockenen Vorſommern, nicht geſchmälert werden würde. Aus allem dieſem ergibt ſi ich wohl zur Genüge, wo es in dem Intereſſe des Wieſenwirths liegt, dieſe Grasart auf ſeinen Wieſen mehr zu verbreiten oder einzuſchränken. Nach meinen Erfahrungen iſt das Raigrasheu ein den Milchkühen ſehr liebes und gedeihliches Futter; ich habe es häufig von ihnen aus⸗ leſen ſehen.— Wo es mit dem Klee den Hauptbeſtandtheil des Wie⸗ ſengraſes ausmacht, da erleichtert es das Trocknen des erſtern ſehr. Nach Sinclair und Schübler— deren Berechnungen über Ertrag und nahrhafte Beſtandtheile der Grasarten hier und ferner die Fläche von einem engliſchen Acre von 38,376 Par. Q. Schuh und Pfunde des Avoir du poids-Gewichts, von welchem 103,15 Pf.= 100 Cöllner und würtembergiſchen Pfunden ſind, zum Grunde liegt— gibt lolium perenne Ertrag im trockenen Zuſtande: Zur Zeit der Blüthe ô........ 3322 Pf;; zur Zeit der Samenreife........ 4492 Menge der nahrhaften Beſtandtheile: zur Zeit der Blüthe......... 305 zur Zeit der Samenreife........ 643 im Ohmd............ 53 R N N *) In deſſen„Anleitung zum praktiſchen Ackerbau“, Bd. 1. —— 39 100 Theile des grünen Graſes geben J Heu: Fin der Bluͤthe.......... 42,4 Pf.; in der Samenreife.......... 45,0 ⸗ In 100 Theilen des trockenen daues ind nahrhafte xhaiu: in der Blüthe............ 9,1 3 in der Samenreife.......... 14,3 ⸗⸗ Die Ergiebigkeit iſt daher am größten während der Samenreife. Die Samengewinnung desſelben anlangend, ſo muß es, ſpeciell zu dieſem Zwecke cultivirt, ſehr dicht geſäet werden. In Holſtein nimmt man auf 240 Q. R. ¼ Tonne,= 20— 25 Pf. Samen. Man kann auch in den Wieſen reich beſtandene Plätze wiederholt zum Samen⸗ tragen benutzen; es iſt die Eigenſchaft dieſes Graſes, daß es ſich ſehr gut im Lande hält, zum Theil auch deßhalb, weil es ſich durch den ab⸗ fallenden Samen alljährlich ergänzt. Der Zeitpunct der Mahd muß ſehr ſorgfältig getroffen werden; zu frühes Mähen bringt tauben, zu ſpätes wenigen Samen. Anfangs Juli, meiſt vier Wochen nach der Blüthe, wenn die weiche Subſtanz des Korns in's Mehlige übergeht, tritt der rechte Termin der Mahdreife ein. Die Behandlung des Rai⸗ graſes in Garben und Hocken, gleich dem Korne, iſt des mindern Sa⸗ menausfalles wegen anzuempfehlen. Man driſcht in Holſtein das Rai⸗ gras auf den Rapſaatſegeln aus und ſetzt demnächſt das Heu noch ei⸗ nige Tage i in großen Diemen zum Nachtrocknen auf die Koppel oder Wieſe hin. Der Saatreinigung auf der Staubmühle muß mit Hand⸗ ſieben nachgeholfen werden, nach Maßgabe des verſchiedenen Gebrauch⸗ zweckes.— Das vielgeprieſene italieniſche Raigras, lolium perenne italicum, iſt, ſeiner Weichlichkeit wegen, als Wieſengras nur bedingt zu empfehlen. Auf fruchtbarem, kräftigem, ſogenanntem warmen Boden mit oder ohne Bewäͤſſerung, und ſtatt dieſer öftere Düngung, dann auf ſchattigen Waldwieſen dürfte es am paſſendſten ſeyn. Es liefert einen großen Ertrag, iſt ſaftiger als lolium perenne und gewährt dem Viehe, ſowohl grün als getrocknet, ein beſſeres und angenehmeres Futter.— Minder wäͤhleriſch und härter iſt l. perenne tenue; das⸗ ſelbe zeigte ſich in Flotbeck nicht viel minder ergiebig, als I. perenne. Es trug nämlich auf 24 Q. Fuß= 5 ½ pf. pr. M. 5867 Pf., Länge 14 Zoll; auf 120 Q. Fuß 34 Pf.= pr. M....... 7253 ⸗ Länge 16 Zoll; Summe 13120 Pf. Summe der Länge 30 Zoll. Durchſchnitt pr. M. 6560 Pf., Länge 15 Zoll. 40 b Die Rispengraͤſer. 21. Glattes Wieſenrispengras, poa pratensis L. Die eigenthümlichen Vorzüge dieſes häufig wild wachſenden Graſes beſtehen darin, daß es ſich gut mit der Dürre verträgt, früh und an⸗ haltend grünt und nicht nur von dem Rindviehe ſehr gern gefreſſen wird, ſondern demſelben auch im hohen Grade gedeihlich iſt. Der eigent⸗ liche Standort des gemeinen Viehgraſes iſt übrigens guter, fruchtbarer Boden, wo ſeine fortrankende Wurzel, den Quecken gleich, im Lande ſich verbreitet. Hinſichtlich der Heugewinnung charakteriſirt es ſich durch ſeinen ſehr dichten Unterwuchs. Wird dasſelbe durch häufiges Samen⸗ tragen zu häufig, ſo dürfte man in der Futterm aſſe verlieren. Zufolge der in Flotbeck angeſtellten Verſuche hat das Viehgras auf 120 Q. Fuß nur 4 Pf. grünes Gras,= pr. M. 853 Pf., von einer Länge von 6 Zoll gegeben. Es ſtanden unter allen Grasarten nur drei bis vier in der Schlechtigkeit dieſes Ertrags ihm nahe. Nach Sin⸗ elair und Schübler iſt, unter den bekannten Cautelen, von Pos pra- iensis der Ertrag im trockenen Zuſtande: Zur Zeit der Blüthe......... 2871 Pf.; zur Zeit der Reife.......... 3403 Menge der nahrhaften Beſtandtheile zur Zeit der Blüthe 279 zur Zeit der Samenreife......... 199 im Ohmd........... 111 100 Theile des grünen Graſes geben Heu in der Blüthe 49,5⸗ in der Samenreife...... 30,0⸗ in 100 Theilen des trockenen Heues ſind rahrhre Theile: in der Blüthe........ 9,7⸗ in der Samenreife.......... 4,5⸗ Die Ergiebigkeit iſt daher am größten in der Blüthe. Wo man ſich veranlaßt finden ſollte, Samen von dem Viehgraſe zu gewinnen, muß man, wenn die Rispen oben gelb werden, das⸗ ſelbe ſchneiden oder ſtreifen. Während der Trocknung reifen die un⸗ tern Theile der Rispen nach. Nach dem Abdruſche wird der Same durch Drahtſiebe gerieben, um das wollige Weſen, was ihn klumpen⸗ weiſe zuſammenhält, davon zu trennen. Endlich wird er in Mulden ausgeſtäubt. Auf 60 OQ. Fuß mecklenb. gebraucht man 3 Pf. Samen. Man vermiſcht denſelben, damit er auseinandergeht und nicht klumpig bleibt, mit Sägeſpänen. N N N A 8 41 2. Rauhes Wieſenrispengras, poa trivialis.(Poa pratensis minor. Dieſes ſich von dem vorhergehenden Graſe bloß durch die Schärfe der Halme unterſcheidende Wieſengewächs dominirt auf den rrefflichen Überſtauungswieſen der Lombardei und einigen durch ihren reichen Er⸗ Aag beruͤhmten natuͤrlichen Wieſen Englands. Auf der in ganz Eng⸗ land wegen ihrer Ergiebigkeit berühmten Orcheſton⸗Wieſe, in der Nähe der Ebene von Salisbury, ſoll es über 6 Fuß hoch werden. Es liebt Feuchtigkeit und Schatten, und iſt, wenn es raſch vegetirt und in der Blüthezeit(vom Juni bis Auguſt) gemäht wird, ein angenehmes, wei⸗ ches und nahrhaftes Futter. Man wird es bei uns mit großem Erfolge auf fetten Thal- und Feldwieſen, die üͤberſtaut oder bewäſſert werden und keinen zu feſten Boden haben, verbreiten. Obgleich es reichlich Samen bringt, ſo iſt * die Gewinnung desſelben doch mühſam; in Mecklenburg ließen ſich vor einigen Jahren die Samenhändler das Pfund noch mit 14 ggr. bezahlen. Schwerz, welcher in abgetrockneten Teichen das ranhe Viehgras cultivirte, lobt den hohen Ertrag desſelben. Schübler erhielt, in der Blüthezeit getrocknet, auf 1 Morgen(à 150 Q. Ruthen?) 2246 Pf., in der Samenreife 3522 Pf. Die Menge ſeiner nahrhaften Beſtandtheile zur Zeit der Bluthe iſt(nach Schübler) 233; zur Zeit der Samenreife hat es 336 und im Ohmd 223. 100 Theile des grünen Graſes geben Heu: In der Blüthe........... 30,0 Pf.; in der Samenreife..... 45,0 ⸗ in 100 Theilen des trockenen Heues ſt nd nahrhafte Thai in der Blüthe.......... 10,3 ⸗ in der Samenreife......... 9,5 ⸗ Die Ergiebigkeit iſt daher am größten während der Samenreife. 3. Jähriges Rispengras, poa annua. Dieſes noch wenig bekannte vortreffliche Gras verdient beſonders auf Hutungswieſen Empfehlung, wenn es gleich wegen der Dichtigkeit ſeines Standes und ſeiner ausnehmenden Gedeihlichkeit für alle Arten Vieh in keiner guten Mahdwieſe ſeine Platz mit Unehre einnehmen wird. Da dasſelbe ſelbſt in Gegenden, wo man manche treffliche Erfah⸗ rung über die ernährende Kraft oder die ſonſtigen Eigenſchaften der vor kommenden Wieſen⸗ und Weidepflanzen gemacht hat(wie nament⸗ lich in den hannöverſchen Marſchen, deren Viehzüchter die oben be⸗ 3 42 ſprochenen Rispengräſer ihrer zeitigen Erſcheinung, ihres fortwährend freudigen Wachsthums und ihrer Gedeihlichkeit wegen ſo hoch ſchäz⸗ zen), bisher nicht genügend gewürdigt ward, ſo iſt es in der That erfreulich, daß bei unſerer, für das ſtets zunehmende Vieh oft kärglich genug beſetzten Tafel von mehren Vertrauen einflößenden Männern beſondere Culturperſuche damit unternommen worden, deren Nltach. uns eine neue, in dürren Sommern ſo ledirſtige Beiſchuſſel auf 3 Voll⸗ 4 3 kommenſte ſichern. Obgleich die Erfahrungen über poa annua mehr für die Weide⸗ als Wieſenwirthſchaft gehören, ſo wollen wir doch die gerade ſich dar⸗ bietende Veranlaſſung, ſie einem größern Kreiſe Rzgiholen, nitht unbenutzt laſſen. Nach Block gedeiht poa annua auf jedem Boden, welcher in gu⸗ ter Cultur ſteht und nur einige Bodenkraft beſitzt. In Schierau, wel⸗ ches größtentheils nur aus Gerſtenboden zweiter Claſſe beſteht, wird das jährige Viehgras mit großem Nutzen cultivirt. Dr. Sprengel fand auch alle Bodenarten dafür gleich geeignet; ſie müſſen nur feucht ſeyn und etwas Humus enthalten; ſogar zwiſchen Steinen ſproßt es hervor, wenn es daſelbſt nur einige Erdtheile findet. Sobald der Froſt den Acker oder die Wieſe verläßt, beginnt es bis ſpät in den Herbſt hinein zu vegetiren; ja es wächſt, wenn die Witterung nur einigermaßen gelinde iſt, ſelbſt im Winter. Obwohl es keine beträcht⸗ liche Länge erreicht, ſo bildet es doch einen ſo dichten Raſen, daß es das, was ihm an Länge fehlt, durch die Menge der Blätter erſetzt. Unter allen Gräſern verträgt es das Abnagen am beſten.»Es hat«— ſagt der praktiſche Block*)—»einen raſchen Wuchs; das Abweiden ſcheint das Wachsthum der Pflanze zu begünſtigen; denn ſie wächſt nach dem Abweiden binnen wenig Tagen immer wieder hervor. Es verjüngt ſich ununterbrochen; es blüht, verblüht und trägt Samen zu allen Zeiten. Auf fruchtbarem Boden pflanzt ſich dasſelbe ſelbſt un⸗ ter den Füßen der weidenden Thiere fort.«— Dr. Sprengel be⸗ ſtätigt dieß Alles.»Kein Gras«— bemerkt er— vverbreitet ſich ſchneller, als das jährige Rispengras. Es folgt dem Menſchen überall hin, ſelbſt auf die Hochmoore; kurz es iſt ein Gewächs, welches die größte Achtung verdient, obwohl es zum Ärgeruiß der Städter bin⸗ nen kurzer Zeit die wenig befahrenen oder betretenen Straßenpflaſter überzieht.« Für die Senſe couſervir ,erreicht das jährige Rispengras doch *³) Siehe deſſen Mittheilungen de. 1. Band, Seite 183. ———— 43 eine Länge von 1 Fuß. Die Fortpflanzung desſelben durch eigenen Samen findet auch im Getreideacker Statt, ſo daß, wenn derſelbe ein⸗ mal unter dem Korne mit poa annua beſäet worden, eine Erneuerung der Weideausſaat nicht wieder nöthig thut. In dieſer Ruckſicht empfiehlt ſich dieſe Pflanze als wohlthätigſte Begleiterin des Klees, welcher eben⸗ ſo häufig ausſtirbt, als ſich poa annua ohne Unterlaß regenerirt. Un⸗ ſer Herr v. Thünen hat kürzlich auf die Wichtigkeit ihres Anbaues aufmerkſam gemacht, welche ſich noch ſteigert, wenn man erwägt, daß dadurch dem Boden mehr Kraft gegeben als entnommen wird, weil die einen feinhaarigen Stock bildenden Wurzeln beim Umackern ſchnell verweſen und die Erde bereichern. In Tellow fand man das jährige Rispengras in betraͤchtlicher Menge bisher nur in der Nähe des Hofes auf einem Acker, der zu 75 O. Ruthen pr. Scheffel bonitirt iſt*), wo es denn im Spätherbſte der Weide das ſchöne dunkelgrüne Anſehen gibt. Hr. v. Th. glaubte deß⸗ halb, daß nur der vorzüglichſte Acker dieſem Graſe zuſage und daß es auf mittelmäßigem Boden nicht gedeihen würde. Aus Obigem ergibt ſich nun aber, daß der größte Theil des mecklenburgiſchen Bodens die⸗ ſes Gras tragen wird, wenn man den Samen nur ausſtreut. Man bedarf auf 60 Q. Ruthen 2— 3 Pf. Samen, nach Maßgabe ſeiner Vollkommenheit. Die Gewinnung desſelben wird anfänglich ſchwierig und wenig ergiebig ſeyn. Man bezahlt jetzt das Pf. noch mit 1 Thlr. N. 4. Meerſtrandsrispengras, poa maritima. Wir führen hier dieſes, häufig an den Küſten, auf den Außen⸗ teichsweiden vorkommende Gras an, weil es auf unſern Torfwieſen, deren Boden zum Theil reich an Kochſalz iſt, eine ſehr vortheilhafte Verbeſſerung des Raſens bewirken würde, wenn man es durch ſeinen Samen dahin verpflanzte. Wir haben wenigſtens dieſe Pflanze auch da gefunden, wo keine periodiſche Beſpülungen von Salzwaſſer Statt fanden, auf älterem Alluvionsboden, der jetzt, in ſeiner unvortheil⸗ haften Lage und Schichtung, abgeſchnitten von den wohlthätigen Ein⸗ flüſſen ſeiner Urmutter iſt. Aber beſonders die Beſitzer unſerer Salz⸗ wieſen, denen die ſegnende Hand der Natur Grabſcheit und Karre freundlich entwindet, ſind auf die Einimpfung eines Futters hinzulei⸗ *) In Gemäßheit der dem mecklenb. Landesvergleiche angehängten„In⸗ ſtruction für die wirthſchafts⸗ und ackerverſtändigen Ackerleute, welche die adeligen Güter claſſificiren und taxiren ſollen“, ſind bei dem beſten Weizen⸗ acker nicht mehr oder weniger als 75 Q. Ruthen auf einen Roſtocker Scheffel zum Anſchlage zu bringen. 41— ten, das ihre werthvollen Plänen um eine Stufe noch höher bringt, ohne daß die Hervorbringung desſelben nicht gewohnte Opfer an Zeit, Geld und Dünger erheiſct. . Die Küſtenbewohner behaupten, daß das Heu dieſes Graſes ſo gut füttere, als ungewichtiger Hafer. In Oſtfriesland gibt man es dem Viehe auch, wenn es ſchon halb verfault iſt(es trocknet nämlich ſehr ſchwer und muß deßhalb lange liegen), ohne daß dieſes den aller⸗ ggeeringſten Nachtheil davon ſpürt. 5. Schmalblättriges Rispengras, poa angustifolia— narrow- leaved poa, Bindgras der Engländer. Unterſcheidet ſich von poa pratensis durch ſeine kleinere Statur, obwohl es auf fetten Wieſen oft noch größer als jene ihre Stamm⸗ art wird. Es iſt ein ſehr ergiebiges, aber auch ein ſehr wucherndes Gras. 3 6. Mannagras, poa fluitans, ſonſt festuca fluitans. Wächſt bald in, bald außer dem Waſſer, und wird von dem Rind⸗ vieh ſo geliebt, daß es ſich, um ſeinen Genuß zu erlangen, in Gefahr begibt. Man ſagt in England, daß die Cheddar⸗ und Cottenhamkäſe ihm ihre Güte verdanken. Es läßt ſich drei⸗ bis viermal mähen. c. Das Knaulgras, dactylis glomerata. Der Werth dieſes Graſes als Wieſenpflanze iſt neuerlich wieder verſchiedentlich bezweifelt worden; namentlich hat der kenntnißreiche und mit ſo vieler Gründlichkeit arbeitende Verfaſſer des Artikels „Okonomiſche Botanik« in unſerem ſchönen land⸗ und hauswirth⸗ ſchaftlichen Nationalwerke von Putſche gar kein empfehlendes Con⸗ terfei von ihr entworfen. Meine in Mecklenburg gemachten Erfah⸗ rungen und geſammelten Beobachtungen berechtigen mich, die Ehren⸗ rettung des Knaulgraſes zu übernehmen, ohne ihm deßhalb einen un⸗ bedingten Werth einzuräͤumen. Zur rechten Zeit, am rechten Orte iſt das Gras gewiß ſo empfehlungswerth, wie eines. Wo man das Knaulgras falſch taxirte, da hat man es entweder zur Weide genutzt oder zur Heugewinnung verkehrt behandelt. Alle Erfahrungen, welche ich habe einſammeln können, ſtimmen darin über⸗ ein, daß dieſe Pflanze weder das Feſttreten noch das beſtändige Ab⸗ nagen verträgt; ſie muß durchaus jung gemäht und zu Heu gemacht werden; im entgegengeſetzten Falle liefert ſie ein für das Rindvieh min⸗ deſtens ungenießbares Futter. Das Knaulgras liebt jegliche Art Boden, wenngleich der Nach⸗ — 45 wuchs desſelben auf fettem, fruchtbarem Grunde um ſo raſcher und häufiger iſt; indeß wird man ſelbſt auf leichtem Boden 3⸗— Amal mähen können.— Unſer verehrter Mitarbeiter an der Ausbildung der Praxis und Wiſſenſchaft, der geniale Dr. Spalding in Güſtrow, deſ⸗ ſen intereſſanten Wirthſchaftsbetrieb ich in meiner»Reiſe durch Meck⸗ lenburgs beſchrieben habe, und welchem ſo viel daran gelegen war, für ſeine Schafſtallfütterung die zweckmäßigſten Gräſer zu ermitteln, ſtellt das Knaulgras ſelbſt auf dürrem Acker ſehr hoch. In dem ſehr trockenen Jahre 1819 hat er dasſelbe viermal geſchnitten, und hatte noch im Octobermond für die Stallfütterung einen Schnitt vor ſich, der hin und wieder Ähren zeigte. Als im Jahre 1818 der Klee ver⸗ ſagte, weil er im Herbſte 1817 verdorrt war, half das Knaulgras aus, welches, mit dem rothen Klee ausgeſäet, den Platz, den der Klee verlaſſen, ausfüllte und denſelben einigermaßen erſetzte*).— Es gibt der Beiſpiele mehre, daß Knaulgras zum Lehnpunct der Stallfütterung geworden iſt. Trautmann erzählt auch, daß auf der kaiſerlichen Stammherrſchaft zu Vöſendorf mit Knaulgras und Klee die Stall⸗ fütterung geſichert wird. Miiine neueſten Erfahrungen über dasſelbe beziehen ſich hauptſäch⸗ lich auf feuchten, undurchlaſſenden Boden. Herr Jeppe will es auf ſumpfigem Grunde nicht wachſen laſſen, und doch wird gerade dadurch dieſes Gras zur Wohlthat für die Beſitzer ſaurer, kalter Wieſenflächen, daß es hier, wo andere gute Pflanzen ſo leicht ausgehen, ſich erhält. Unter irgend günſtigen Verhältniſſen verdrängt es hier bald die ſchlech⸗ tern Gräſer und dominirt in einem kurzen Zeitraume überall. Ich habe im Grunde kein Gras(mit Ausnahme des Timothee) kennen gelernt, welches, unter ihm ganz entſprechenden Bedingungen, die Futtermaſſe ſtärker vermehrt. Mit Timothee vermengt, haben in Wieſch friſch beſamte Wieſenflächen mir einen außerordentlich reichen Heugewinn geliefert.— Der Profeſſor Schübler hat von 1 i Mor⸗ gen, zur Zeit der Blüthe getrocknet, 11,859 Pfund und als Heu 13, 272 Pfund gehabt; dagegen trug das Knaulgras in Flotbeck auf 120 Q. Fuß nur 4„½ Pfund friſches Gras,= pr. M. 90⁰7 Pfund, von 8 Zoll Länge. Das Knaulgras hat in keinem Falle den Futterwerth der Wieſen⸗ rispengräſer, wenn man es darin gleich in verſchiedenen Gegenden, namentlich in den hannöverſchen Marſchen, dieſen parallel ſtellt. Das beſte Futter iſt es, meinem Ermeſſen nach, für die Pferde, und da *⁴) Mecklenb. Annalen, 6, Jahrgang. — 46 es den ſauern Wieſen zuſagt, ſon tragt es namentiig fſer zur Vermeh⸗ rung der oft mit af den Berkauf berechneten Heuvorrärhe zwec⸗ mis ig bel 2* a. Alopecurus prateusis un gendeulatus. 8— — Erſtgenanntes vortreffliche Wieſengras— der Wieſenfuchs⸗ ſ chwanz-— hat nur den einen Fehler, daß es in ſeinem Standorte— zu wähleriſch iſt und eine unangemeſſene Beſcheidenheit gegen ſeine Collegen beſitzt. Am kühnſten noch tritt es in der Geſellſchaft des eng⸗ liſchen Raigraſes und der Poa⸗Arten auf, deren Überwinder es ſelbſt . mitunter wird. Dazu gebührt ihm aber jedenfalls ein feuchter, fetter Wieſenboden; auf jedem andern läßt er ſich leicht verdrängen, und iſt, wenn es zwiſchen andern, ſpaͤter zur Vollkommenheit kommenden Kräutern ſteht, verloren. Die chemiſche Conſtitution des Wieſengrun⸗ des ſcheint auch hierbei den Ausſchlag zu geben. In ſchwarzer Gartenerde hat der Wieſenfuchsſchwanz mir vier Schnitte geliefert. Die begünſtigten Wieſen, auf welchen er dominirt, müſſen vor oder eben im Anfange ihrer Blüthezeit gemäht werden; dann iſt man vollkommen befugt, ſolches Heu zu dem ſchätzenswerthe⸗ ſten Futter zu rechnen, das exiſtirt. Im Hannöverſchen und in Meck⸗ lenburg findet dieſe treffliche Pflanze für alle Vieharten immer mehr Anerkennung; aber freilich Dung und Waſſer will ſie haben. Die ſo früh hervorkommenden weichen, ſüßen, ſaftigen Halme und Blätter werden von den Kühen, Pferden und Schafen grün und getrocknet begierig gefreſſen; daß dieſes Heu den letztern in Anſehung der Gute ihrer Wolle nicht zuträglich ſeyn ſoll, iſt wohl eine aus Unkunde ein⸗ mal hingeworfene Bemerkung, welche unſere Grasbücherverfertiger einander nachgebetet haben. Der auch in England ſo hoch geſchätzte Wieſenfuchsſchwanz katego⸗ rirt in der Nahrungsfähigkeit mit den Poas. Er hat den Vortheil, daß er von der ſchädlichen Grasraupe(pPha- laena graminis L.), welche häufig die Wieſen verheert, verſchont bleibt, vorzüglich wohl deßwegen, weil er ihr zu ſchnell wächſt, und zur Zeit, wo ſie ſich einzuſtellen pflegt, ſchon zu alt für ſie iſt. Auch die Kälte iſt dem Fuchsſchwanz nicht nachtheilig. Seine Samengewinnung iſt zwar leicht, aber es muß der gehö⸗ rige Zeitpunet dazu früh wahrgenommen werden. Schon Ende Juli und Anfangs Auguſt werden die oberſten Ährchen der zweijährigen Pflanzen anfangen, ſich von der Rispe abzulöſen, und es iſt dann Zeit, ihn einzuſammeln. In den Beuteln ꝛc., worin er geſammelt wird, 47 wird er leicht heiß und verbrennt, weßhalb man ihn bald möglichſt aus denſelben luftig auf einen Boden oder eine Tenne auszuſchütten hat. Vor einigen Jahren bezahlte man in Mecklenburg das Pfund die⸗ ſes Samens noch mit 24 ßl.„“ Man wird ſeinen reichen, fetten Wieſen, welche oft ſo ſtark voen dden Maulwiürfen heimgeſucht werden, ſchon was zu Gute thun, wenn man die auseinandergeſchlagenen Haufen mit dem Fuchsſchwanz be⸗ ſäet. Auf neuen Wieſen wird ſeine alleinige Ausſaat nie rathſam ſeyn, weil er leere Zwiſchenräume bildet; man muß dann ein Gemiſch, mit Berückſichtigung der oben angeführten Sorten, des Ruchgraſes, Kamm⸗ graſes ꝛc., machen. Allein ausgeſäet rechnet der Mecklenburger auf 60 Quadrat⸗Ruthen 2 bis 2 ½ Pf. Samen; man wird aber mit gutem Erfolge das doppelte Quantum nehmen können. In Flotbeck trug auf mehrangeführtem Boden Alopecurus praten- sis auf 120 Q. Fuß 14 Pfund friſches Gras= pr. M. 2987 Pf.; Länge 10 Zoll. . Nach Sinclair und Schübler war, unter den bekannten Cau⸗ telen, der Ertrag im trockenen Zuſtande: Zur Zeit der Bluthe........ 6125 Pf.; G zur Zeit der Reife........ 5819 ⸗ Menge der nahrhaften Beſtandtheile zur Zeit der Blüthe 478 ⸗ ur Zeit der Samenreife..... 461 ⸗ im Ohmd.........8 255 ⸗ 100 Theile des grünen Graſes gaben Heu in der Blüthe 38,5e— in der. Samenreife.......... 30,040 in 100 Theilen fanden ſich nahrhafte Theil: in der Blüthe......„, 8⸗. — in der Samenreife.......... 7,9⸗ Die Ergiebigkeit iſt daher am größten während der Blüthe. Zu Heu gemacht ſteht der Wieſenfuchsſchwanz, da er ſehr ein⸗ trocknet, freilich gegen manche andere Gräſer im Gewichtsverhält⸗ niß zurück; aber einer ſo viel kleinern Portion bedarf es auch zur Sät⸗ tigung des Viehes.— Auf nur einen Hauptbeſtandtheil enthaltendes, der Bewäſſerung fähiges oder überſtrömungen ausgeſetztes Land empfiehlt ſich ſehr der in England bekannte knieförmige Fuchsſchwanz— Alopecurus geniculatus—, welcher auf naſſen, quelligen Wieſen andere angeſäete gute Gräſer unterdrückt. Hinſichtlich des von ihm zu ertragenden Feuchtig⸗ keitsgrades ſteht er in der Mitte zwiſchen dem gemeinen Rispengras und dem Mannagras, und bildet ſo den Übergang von den feuchten Wieſen * 48 2 zu den Pannen(noch nicht vollſtändig in Cultur geſetzte Marſ chlaͤnder); denn er wird auf einigen der reichſten Marſchländereien gefunden und dann nicht nur auf den Fettweiden ſehr gern geſehen, ſondern auch des guten Heues wegen, das er gibt, geſchätzt*. w 3 Wieſenlieſchgras, Timothee**), phleum pratense.— Lin früher bei den Engländern ſehr beliebtes Gras, das jetzt ährend es von jenen wieder ſehr in den Hintergrund geſtellt n einigen Gegenden unſeres Vaterlandes ſich in Gunſten zu erhal⸗ ten weiß. Namentlich hält man in Holſtein und Mecklenburg ſehr viel . von dieſem Graſe, und das inſofern mit Recht, weil auf den moori⸗ ggen Ländereien wenige Pflanzen fortkommen mögen, welche ihm an Frühzeitigkeit, an Güte und Maſſe ihres Wachsthums gleichgeſtellt werden können. Auch auf den Rindviehweiden iſt in unſerem nörd⸗ lichen Klima das Lieſchgras ganz an ſeinem rechten Orte, da der frü⸗ here Fuchsſchwanz hier mißlicher ſcheint. In Verbindung mit Knaul⸗ und Raigras hat man davon eine reichlich und nahrhaft beſetzte Ta⸗ fel für ſeine Heerde. Schwarzer, bolliger Torfgrund iſt der eigentliche Mutterboden 8 des Lieſchgraſes; es kann in blankes Waſſer geſäet werden. Viele un⸗ nütze und rohrartige Pflanzen und das Moos werden dadurch unter⸗ drückt und der Heubeſtand auf jeden Fall ſehr verbeſſert. Doch auch leichte Felder und Knippberge, ſelbſt Sandſchollen, wo es, weil ſeine 3 Wurzeln ſich pelzartig verweben, zur Befeſtigung beiträgt, machen ſeinem Anbaue Ehre.— Ich habe über den Timothee neunjährige, ſtets zu ſeinen Gun⸗ ſeen ſprechende Erfahrungen. Auf Schlufboden iſt er unbezahlbar. Man ſtelle ihn überhaupt in die Kategorie der Sumpfgräſer, und man wird ihm keinen Werth beilegen, welcher ſeiner Individualität nicht * entſpricht. Non omnia possumus omnes! Alſo eingeräumt, daß das Lieſchgras hinſichtlich ſeiner Schmackhaftigkeit und ſeines Nahrungs⸗ — vermögens nicht den höchſten Rang einnehme; daß es namentlich für die Schafe nicht beſonders angenehm iſt: ſo werden doch gewiß Hun⸗ derte von Landwirthen mit mir, der Wahrheit gemäß, ſagen, daß phleum pratense ihren Kühen ſtets gedeihlich, ihren Pferden aber Confect war, und daß die Schafe demſelben gar nicht abhold in ge⸗ *) Siehe Schweitzer's Darſtellung der Landwirthſchaft in Großbri⸗ tannien. ***) Dieſer Name ſtammt von Timotheus Hanſoe, welcher es von Amerika nach England brachte. 49 trocknetem Zuſtande ſind. Richtig behandelt muß es freilich zur Heugewinnung werden; ſeine Nahrhaftigkeit und Schmackhaftigkeit hängen ſehr davon ab. Eben nach der Blüthe iſt der beſte Zeitpunct der Mahd. Will man ihn zu Grünfutter benutzen, ſo wird man um ſo mehr von ihm gewinnen, je kürzer man ihn hält. Wenn Mauke be⸗ hauptet, daß man nur Einen Schnitt davon haben könne, ſo muß er dieſe Behauptung auf Beobachtungen begründen, welche dem Anbauer ein ſchlechtes Zeugniß geben. 1 Bekanntlich wird der Timothee ſehr lang, dann aber hart, holzig und ein ebenſo ſchlechtes Futter, als er jung brauchbar iſt. In Flotbeck, wo die Ertragsreſultate ſämmtlicher, mit Gräſern gemachten Verſuche niedriger als gewöhnlich ausfielen, weil das erſte Jahr des Wachsthums denſelben zum Grunde liegt, trug das Lieſch⸗ gras auf 237 Q. Fuß 25 Pf. friſches Gras= pr. M. 2700 Pf., Länge 31 Zoll. Wenn auch nicht jung, iſt dasſelbe doch auch nicht zur beendigten Vegetation geſchnitten. Nach Sinclair und Schübler iſt, unter den bekannten Caute⸗ len, der Ertrag im trockenen Zuſtande: Zur Zeit der Blüthe 17355 Pf.; zur Zeit der Reife.......... 19397 ⸗ Menge der nahrhaften Beſtandtheile zur Zeit der Blüthe 1595 zur Zeit der Samenreife. 34668 N N N in Ohmd........ 9, 100 Theile des grünen Graſes geben Heu in der Blüthe 42,5⸗ in der Samenreife......... 47,5⸗ in 100 Theilen finden ſich nahrhafte Theile: in der Blüthe........... 9,2⸗ in der Samenreife....... Die Ergiebigkeit iſt am größten während der Samenreife. Ich habe den Timotheeſamen ziemlich reif werden und in der Sonne auf feſter Feldtenne mit Pferden ausreiten laſſen. Derſelbe hat mir ſtets ſehr zugetragen, wenngleich der Abſatz häufig ſchwer, der Preis ſchlecht war. Gemeiniglich variirt derſelbe im Großen zwi⸗ ſchen 2 und 3 fl. f. Fiorin, agrostis stolonifera. Über kein Futtergras iſt in neueſter Zeit mehr und mit größerem Enthuſiasmus geſchrieben worden, als über dieſe, bereits 200 Jahre in England bekannte, ſeit ungefähr dreißig Jahren, zuerſt wohl auf Lengerke's Wieſenbau. 3 —y44 „.ʒ-—·— 50 Veranlaſſung des ihr von Dr. Richardſon*) mitgegebenen Gevatter⸗ briefes, wieder aus dem Grabe erſtandenen Wieſenpflanze. Dennoch harmonirt das Urtheil unſerer praktiſchen Landwirthe, welche dieſelbe anbauten, ſehr wenig miteinander, wahrſcheinlich aus dem Grunde, weil eigenthümlicher Standort und Benutzungsweiſe ſehr verſchieden gewählt waren. Auch iſt es nicht unwahrſcheinlich, daß häufig der an⸗ gewandte Same Schuld an der Verſchiedenartigkeit der Reſultate trug. Nach unſern Erfahrungen iſt das engliſche Fioringras nur auf naſſen und Moorwieſen recht an ſeinem Platze. Wir finden die Hal⸗ me unſerer einheimiſchen, ihm am nächſten verwandten Windhalmart, Agrostis alba**), im leichten Boden ſchwach, wenig gekeimt; es ſenken ſich dieſelben wenig zur Erde, weßhalb nicht viele Wurzeln derſelben in letztere einſchlagen, dieſe alſo auch nicht vieläſtig und ſtarkfaſerig werden und ſich ſehr wenig verbreiten, wogegen auf niedrigem, feuch⸗ tem Lande dieſe Pflanzen eine Menge 4 bis 5 Fuß langer und ver⸗ worrener Ausläufer bilden. Dieſe Beobachtung zeigt deutlich genug, wohin die Natur das verwandte Fioringras verſetzte.— Als im Jahre 1824 die Geſellſchaft des Ackerbaues in Schottland denjenigen Land⸗ wirthen Ehrengeſchenke verſprach und reichte, die des Anbaues des Fioringraſes— auf deſſen gute, durch Verſuche und Erfahrungen er⸗ probte Eigenſchaften einige wiſſenſchaftlich betriebſame Skonomen die⸗ ſelbe auf's Neue aufmerkſam gemacht hatten— ſich befleißigten, ward der erſte und bedeutendſte Preis einem gewiſſen Herrn Maccol, wel⸗ cher auf einer ſehr naſſen Wieſe, deren ganzer Umfang dem Beſitzer alljährlich kaum zehn Schilling eintrug, ſchon im erſten Jahre eine dreißigmal den bisherigen Grasgewinn überſteigende Fiorinernte von dieſer Cultur hatte, zuerkannt. Es iſt ein Unglück für dieſes und manche andere Gräſer geweſen, daß man den Werth derſelben nach ihrer Vielſeitigkeit reguliren zu müſſen glaubte. Man forcirte ſich, in den Berichten über ſeinen Anbau einem zufällig auf trockenem und magerem Boden gelungenen Verſuche eine Bedeutung zu geben, welche ihm durchaus nicht zukommt. Meine eigenen und alle Erfahrungen, die mir über das ächte Fioringras zu Gebote ſtehen, beſtätigen, daß entweder eine begünſtigende feuchte Wit⸗ terung oder ein, den wenigſten Wirthſchaftsverhältniſſen angemeſſene Sorgfalt der Pflege den Fiorinbau auf hohem Boden glücken ließ. *²) In ſeinem»new Essay ou Fiorin-grass, discovery.«(London 1803.) a*) An feuchten, ſumpfigen, ſchattigen Orten wild. Am ufer des Lang⸗ kover Sees bei Schwerin zuerſt von Crome gefunden. including the history ouits —— 51 Für letztern iſt die ihm nahe verwandte Schweſter, das haarförmige Straußgras(Agrostis vulgaris), viel geeigneter; ſolches bildet oft dichte Raſen auf leichten, dürren Höhen, wird von den Kühen, ſeiner zarten Blätter wegen, ſehr gern gefreſſen und läßt kein Moos auf⸗ kommen. Es iſt ausgemacht, daß, wenn A. stolonifera der Engländer auch keine eigentliche Species i*ſt, ſich ſolche doch auf dem engliſchen Boden und in dem engliſchen Klima eigenthümlich ausgebildet hat. Eine Ver⸗ gleichung des ächten Fiorins mit unſerem mecklenburgiſchen weißen Straußgraſe zeigt nicht nur ein variirendes Verhältniß in den einzel⸗ nen Theilen(namentlich ſind die Blätter des letztern viel ſchmäler, als bei dem ächten), ſondern auch der ſüße Geſchmack des Fiorins fehlt dem einheimiſchen, weniger wucherartigen Graſe. Jenes zeichnet ſich beſonders noch durch die langen Ausläufer aus, die über der Erde fortgehen und mit Blättern an den Knoten beſetzt ſind. Aus dieſen Knoten ſchießen neue, lebhaft grüne Sproſſen, in Entfernung von einigen Zollen voneinander, hervor und machen eine Art von Ge⸗ webe durcheinander. Die Länge der Hauptausläufer geht von 1 bis 10 Fuß und ſie grünen den ganzen Sommer hindurch; doch ſind ei⸗ nige bisweilen auch dunkelroth. Im Winter bekommen ſie gern eine weiße Farbe, welche aber nur in der äußern Blattſcheide, die dann welkt, ihren Sitz hat. Die eigentliche Halmſubſtanz iſt ſtets lebhaft grün und ſaftig.- Dieſer nach Coninck's*) Mittheilungen entworfenen, durchaus richtigen Beſchreibung füge ich noch hinzu, daß das Fiorin der Eng⸗ länder eine viel bläſſere, ſchmäaͤlere und mehr zuſammengezogene Rispe wie A. alba hat. Unter der Senſe liefert das Fioringras gemeiniglich ein 14 bis 18 Zoll langes Futter, das durch das bekannte Häufelungsverfahren noch ſehr ſpät im Herbſte zu Heu bearbeitet werden kann. Bei mir haben die Kühe ein größtentheils aus Fiorin beſtehendes Heu mit wahrer Wolluſt verzehrt; eine Wieſe von circa 2 ½ Tonnen(à 240 Q. Ru⸗ then) Landes brachte mir 29 holſteiniſche Fuder Heu(à 700 Pf.). Co⸗ ninck erzählt, daß er auf 2 Quadrat⸗Faden(à 6 Fuß in's Gevierte) 104 Pf. Gras gehabt habe, welches, zu Heu gemacht, 29 Pf. wog. Auf einem ſchlechten Boden erhielt er 433 Liespfund(à 14 Pf.) Heu *) Fiorin gras eller Agrostis stolonifera af Fred. de Coninck. Kopen⸗ hagen, gedruckt von Chriſtenſen, 1816. 30 S. 8. Auszugsweiſe iſt dieſe Schrift im 10. Jahrgange der Mecklenburger Annalen überſetzt. 4* 52 von einer halben Tonne Land, welches von einer Tonne Land dieſes Bodens, die ſonſt nur 50 Liespfund Heu lieferte, doch bedeutend viel iſt. Auch bei ihm fraßen Pferde, Kühe und Schafe es gern und der Milchertrag war darnach bedeutend. Im November gaben 8 Pott Fio⸗ rin⸗Milch 5 Pegel Sahne. Von anderer Milch gaben 8 Pott nur 3— 4 Pegel. Überhaupt gehört das Fioringras in jeder Hinſicht zu den ſpät zu benutzenden Gräſern, weßhalb der Viehzüchter in der Marſch die mit den ihm verwandten Windhalmſorten beſetzten Weiden nicht hoch ver⸗ anſchlagt. Wo aber ſehr daran gelegen iſt, eine ſpäte gedeihliche Außen⸗ weide zu haben, da wächſt der Werth des Fiorins ungemein. Zufolge Davy's chemiſchen Unterſuchungen erklärt ſich das größere Nahrungs⸗ vermögen des Fiorins im Herbſte aus dem ſtärkern Schleimzucker⸗ gehalte, welcher, wenn Nachtfröſte erfolgen, beſonders zunimmt. Alle, welche Fiorin gebaut haben, werden die wohlthätige Wirkung des Fro⸗ ſtes auf ſeine Schmackhaftigkeit kennen gelernt haben. Profeſſor Schübler ſagt von A. stolonifera, daß es, zur Zeit der Bluͤthe getrocknet, auf 1 M. würtemb. 7963, bei der Samen⸗ reife 8575 Pf. gebe. 1 Hermbſtädt fand in demſelben im Sommer: im Winter: auflöslich nährenden Stoff... 51,43 51,35 Schleim oder Stärke..... 43,81 43,24 Zuckerſtofff... 4, 76 5,41 d 100,00 100,00 Daß das auf einer Fiorinweide graſende Vieh ſolches mit Haut und Haar ausrotte, ſtreitet wider meine Erfahrung. Die Torfaſchendün⸗ gung ſolcher Wieſen zeigt ſich ungemein vortheilhaft. Die auf der Häckerlingslade zerſchnittenen Halme geben das beſte und einfachſte Fortpflanzungsmittel dieſer Pflanze ab. Auf dieſe Weiſe kann man auch dieſelbe im Nachjahre über die Winterſaat ſtreuen und hat im folgenden Herbſte häufig eine dichte, filzartig überzogene Fiorin⸗ weide gehabt*).. Fiorin iſt und bleibt aber eine Sumpfpflanze, die nicht auf den Acker gehört; Waſſer iſt ihr Hauptbedürfniß. Nach den neueſten Mittheilungen aus England beſtätigt ſich dieß durchaus. Das Fioringras will ſchwammigen Boden, bewäſſerte Wie⸗ ſen, gedeiht dann aber auch dergeſtalt, daß es dem Gewichte nach viermal *) Siehe Mecklenb. Annalen, 6. Jahrgang, S. 617. — 53 mehr Futter liefert, als jede andere gewöhnlich angebaute Grasart. Es wird von allem Viehe ſo geliebt, daß das aus ihm bereitete Heu demſelben angenehmer als jedes andere iſt, und vegetirt ſo lange im Jahre, daß es den größten Theil des Winters zu Grünfutter dienen kann. Man hat ſogar im December Heu daraus bereitet, da es, in kleine Häufchen gebracht, nicht wie andere Grasarten in Fäulniß übergeht.— Übrigens mag dieſes ein langweiliges und mühſeliges Ge⸗ ſchäft ſeyn. Zu der oben erwähnten Fortpflanzung muß das Land zuvor ſo viel als möglich trocken gelegt werden; denn wenn auch das Fiorin die Feuchtigkeit und Bewäſſerung liebt, ſo darf doch das Waſſer nicht ſtehen bleiben, wenn es gedeihen ſoll. Nachdem man hierauf das zu einer Bepflanzung mit ihm beſtimmte Grundſtück wohl gereinigt und zerkrümelt hat, ſtreut man die Schnittlinge darauf und bedeckt ſie leicht mit lockerer Erde oder mit einer Mengung von Torfaſche und Erde. (Siehe Schweitzer's Darſtellung der Landwirthſchaft i in Großbri⸗ tannien.) g. Schwingel; rohrartiger Schwingel, festuca arundina- cea; Wieſenſchwingel, f. pratensis. Das Urtheil über den Futterwerth der Schwingelgräſer iſt ſehr verſchieden. Unſere Küſtenbewohner ſchätzen dieſelben häufig gering, und der Augenſchein bethätigt ihre Meinung davon, indem man nur im Nothfalle die Feſtuca⸗Arten wegfreſſer ſieht. Ich glaube faſt, daß bei dieſer Grasgattung die chemiſche Conſtitution des Bodens über die Schmackhaftigkeit entſcheidet; denn wie ſoll ich es mir anders erklären, daß anderwärts und auch bei mir die dort verſchmähte Schüſſel mit faſt gierigem Appetite geleert ward. Ähnliches iſt mir häufig mit dem Gerſtenſtroh begegnet, wenn ſelbiges im Untergraſe oder in ſeiner ſon⸗ ſtigen Beimiſchung gar nicht abwich; obwohl es bei meinen Nachbarn und mir auf ganz gleiche Weiſe eingeerntet und conſervirt worden, ließen die dortigen Kühe, deren Fütterung auch durchaus mit der bei mir angewandten gleich war, ſolches ungenoſſen liegen, während die meinigen den gröbſten Theil nur verſchmähten. Wahrſcheinlich würden die Herren Chemiker, wenn ſie ſich der Mühe der Analyſtrung der auf verſchiedenen Bodenarten gewachſenen, übrigens in Beſtellung, Vegetationspflege und in der Einerntung ganz gleich behandelten, ega- len Pflanzen unterzögen, eine Verſchiedenheit der Beſtandtheile ent⸗ decken, welche hinſichtlich des Aneignungsvermögens derſelben bei ab⸗ weichender Grundmiſchung des Bodens und des Einfluſſes, den hete⸗ * — m, — —— 3 54 rogene Nahrungsſubſtanzen auf die Organiſation haben, lehrreiche Winke geben dürfte. Davy, Schwerz, Schübler, Wredow u. A. ennpfehlen den Schwingel ſehr; ja nach Erſterem übertrifft er, in der Blüthe abge⸗ ſchnitten, alle übrige Gräſer an Nahrhaftigkeit. In Mecklenburg hat der Schwingel auch viele Freunde, beſonders der hohe rohrartige, welcher einen viel größern Ertrag als der niedrigere Wieſenſchwin⸗ gel gibt. Fette Stauwieſen ſagen den Feſtuca⸗Arten am beſten zu; dann aber wachſen ſie auch gern und üppig auf den beſſern Moor⸗ wieſen. Wenn ſie dominiren, iſt es nicht rathſam, die Wieſe länger als bis Johannis liegen zu laſſen. Die vielen breiten Blätter und die größere Nahrhaftigkeit der blühenden Halmbüſchel geben ohnehin ein reichliches und um ſo beſſeres Heu. In Flotbeck erhielt man auf 120 OQ. Fuß 5 Pf. friſches Gras= pr. M. 1067 Pf.; Länge 20 Zoll. Festuca arund. liefert nach Sinclair und Schübler zur Zeit der Bluͤthe......... 17866 Pf.; festuca prat. nur...... 6465 ⸗ Die Menge der nahrhaften Beſtandtheile zur Zeit der Blüthe iſt bei erſterem.. 2392 ⸗ „ bei letzterem.... 957 ⸗ zur zeit der Samenreife bei erſterem.... 1595 ⸗ „ bei letzterem... 446 ⸗ 100 Theile des grünen Graſes geben Heu in der Blüthe bei erſterem....... 35,0⸗ „ bei letzterem.. 47,5⸗ In 100 Theilen des trockenen Heues ſind mahrdafe xhei in der Blüthe bei erſterem..... 12,8⸗ „ bei letzterem. 14,8⸗ Auf geeignetem Boden kann der Schwingel wohl 3,— mal gemäht werden. Man hält hier dafür, daß ſeine Fütterung nur den Schafen unzuträglich ſey. Ich habe hierüber keine Erfahrungen. Den Samen des Schwingels kann man durchaus reif werden laſ⸗ ſen, indem er nicht ausfällt. h. Das Kammgras, oynosurus cristatus L. Es gehört dieſe Pflanze freilich zu den guten Wieſengräſern; ſie verdient aber doch keine große Verbreitung, weil ſie, jung gemäht, ſehr wenig Maſſe bringt, in älterem Zuſtande aber hart und dem Viehe unſchmackhaft wird, überhaupt aber nur für die Schafe ein ganz ge⸗ eignetes Futter abgibt. Auf irgend feuchten Wieſen kommt das Kamm⸗ * —— ———— ———— ——— 8—— 5⁵ gras gar nicht fort. Den guten Ruf, welchen es in England genießt, verdankt es ſeiner großen Nahrhaftigkeit als Weidegras für Maſt⸗ hammel. In Flotbeck trug das Kammgras auf 120 Q. Fuß 2 ½ Pfund friſches Gras= pr. M. 533 Pf.; Länge 6 Zoll. Profeſſor Schübler hat berechnet, daß es im trockenen Zuſtande auf 1, M. würtemb., zur Zeit der Blüthe nur 1837, in der Samen⸗ reife aber 4900 Pf. gebe. Auch von dieſem Graſe will man behaupten, daß es ſchlechte Wolle verurſache. Will man friſche Flächen damit beſamen, ſo muß man es mit Wie⸗ ſenfuchsſchwanz, Wieſenſchwingel, Wieſenviehgräſern und Ruchgras vermengen.. i. Ruchgras, anthoxanthum odoratum. Ein nicht ſehr ergiebiges, aber ganz außerordentlich nahrhaftes und beſonders ſeiner mediciniſchen Kräfte wegen empfehlungswerthes Gras. Nur auf ſandigem Acker und wenn es ſich der Reife nähert, wird es von dem Viehe verſchmäht, weil dann das Aromatiſche des⸗ ſelben etwas Widerliches annimmt. Auch dicht an der Wurzel hat dieſe Pflanze eine allzuſtrenge Würzhaftigkeit. Hieraus erklärt ſich vielleicht zum Theil Dr. Sprengel's Herabſetzung desſelben als Weidegras. Er lernte ſolches als ein gefährliches Unkraut kennen, und zwar in manchen Sandgegenden Hannovers; es überzieht nämlich in jenen Gegenden die Roggenfelder und beeinträchtigt das Gedeihen der Saa⸗ ten gar ſehr; man nennt es Martau, Senfenpeſt oder Pink. Es ſcheint aus der Altmark in's Lüneburgiſche eingewandert zu ſeyn und verbreitet ſich von hier aus immer mehr nach Nordweſt; denn vor 10 bis 12 Jahren kannte man es in den Gegenden an der Luhe noch gar nicht, und jetzt ſteht es dort ſo häufig unter dem Roggen, daß es ſo⸗ gar die Stoppelweide verdirbt; denn weder Schafe noch Rindvieh rühren es an. Bei der Roggenernte verbreitet es einen ſo unerträg⸗ lichen Geruch, daß man die Gegenwart desſelben ſchon auf hundert und mehr Schritte bemerken kann.. Anfangs hielt Dr. Sprengel dieſes Gras für eine andere Spe⸗ cies des Anthoxanthum, beſonders deßhalb, weil es im Herbſte ab⸗ ſtirbt; allein genau angeſtellte Verſuche haben gezeigt, daß es wirklich das auf unſern Weiden und Wieſen vorkommende A. odoratum iſt. Es beweiſ't dieß wiederholt, daß die Bodenbeſchaffenheit auf die Lebensthätigkeit und Organiſation gewiſſer Pflanzen eine eigenthüm⸗ 56 liche Wechſelwirkung äußert. Übrigens iſt es auch wohl zum Theil Inſtinct bei dem weidenden Viehe, demſelben eingeimpft in Folge eines weiſen Geſetzes der Haushaltung Gottes, daß es im Freien auch das Ruchgras, gleich andern Gräſern, in der Samenreife vermeidet. Auf mäßig feuchten Wieſen iſt das Ruchgras in jeder Hinſicht am beſten einquartirt. Hier beſtaudet es ſich auch ſehr und verhindert das Hervorkommen des Mooſes. Es kommt ſehr zeitig, häufig ſchon im April hervor, und zur Sommer-Stallfütterung, mit Wieſenfuchs⸗ ſchwanz, rothem Klee und hohem Schwingel vereint ausgeſäet, liefert es zwei bis drei Schnitte. Zu Heu gemäht, erhält nur eine trockene Einwerbung ſeinen aromatiſchen Geruch. Manche Landwirthe behaupten, daß die Fütterung des Ruchgra⸗ ſes die Schafe vor den Pocken verwahre. Im Lüneburgiſchen gebraucht man Anthoxanthum odoratum beim Rindviehe gegen den Durchfall. Will man das Ruchgras in ſeinen Wieſen vermehren, ſo iſt der beſte und einfachſte Weg dazu, ſie einmal brach liegen zu laſſen, da ſich der ſonſt mühſam zu gewinnende Same dann ſelbſt ſäet und ſehr vermehrt. In Flotbeck trug auf 120 Q. Fuß Anthoxanthum odoratum 2 ½ Pf. friſches Gras= pr. M. 533 Pf.; Länge 9 Zoll. Schübler berechnet den Ertrag im trockenen Zuſtande zur Zeit der Blüthe auf........... 2103 Pf.; der Samenreife...... 1837 ⸗ die Menge der nahrhaften Beſtandtheile zur Zeit der Blüthe.......... 122 der Sameureife.......... 311 im Ohmtd......... 239 ⸗ 100 Theile des grünen Graſes geben Heu in der Blüthe.........9g,0⸗ in der Samenreife... 27,0⸗ In 100 Theilen des trockenen Heues ſind nahrhafte Theile in der Blüthe............ 5,8⸗ in der Samenreife.... 16,9⸗ Die Ergiebigkeit iſt daher am größten in der Samenreife. k. Schmielen, aira caespitosa und aira aquatica. Wenn die Raſenſchmiele(A. eaespitosa) gleich auf ſchattigen, brüchi⸗ gen Wieſen ein dichtes, das Moos verdrängendes Futter gibt, und auf Wäſſerungswieſen eine Höhe von 3 Ellen und darüber erreicht, ſo wollen wir ſie doch nicht zur Heugewinnung empfehlen, weil ſie, ir⸗ — 57 gend hart und rauh, von keiner Viehart gefreſſen wird. Deſto empfeh⸗ lungswerther iſt ihre Schweſter, die Waſſerſchmiele, ein ſaftreiches, ſüßes, lockeres Gras, das in Geſellſchaft mit andern Gräſern zwar nicht hoch wächſt, aber, wenn es allein ſteht, eine beträchtliche Höhe erreicht. Es bleibt dann dennoch, ſowohl grün als getrocknet, dem Viehe ſehr angenehm und milcht namentlich vorzüglich. Es wächſt in dem allerſchwammigſten, fetteſten und ſalzigen Boden und verhindert das Wachsthum des Mooſes. Nach Schübler gibt A. aquatica, wenn man es in der Blüthe zu Heu macht, auf 1 Morg. würtemb. 3267 Pf.— Wir machen die Beſitzer von naſſen Wieſen auf die Waſſerſchmiele beſonders aufmerkſam. Will man den in den Samenhandlungen hoch im Preiſe gehaltenen Samen ſelbſt gewinnen, ſo muß man an Gräben und Teichen, auf Bruchwieſen ſolche Stellen aufſuchen, wo er in ziemlicher Maſſe wild wächſt. Dergleichen ſind in Mecklenburg, wo der Wieſenwirth A. aquat. noch unbeachtet läßt, freilich nicht viele. Den Samen einzeln einzuſammeln, iſt ungemein mühſam. Man ſtreift oder ſchneidet ihn beſſer, weil er in der Spitze der Rispe zu reifen anfängt und auch bald den Samen fallen läßt. Iſt er geſchnitten und dann recht ausge⸗ trocknet, ſo reibt man ihn zwiſchen den Händen, wovon er ſehr leicht ausfällt. Man ſchüttet ihn in Molden und ſtäubt das Kaff und die tauben Körner davon.— Auf 60 Q. Ruthen ſäet man 4 Pfund. 1. Wieſengerſte, hordeum pratense. Dieſes Gras macht einen nützlichen Beſtand des Wieſenheues aus, weil es dem Viehe ſo angenehm als nahrhaft iſt. In den Marſchen und im Merſeburgiſchen findet man ganze Wieſen voll. Es iſt auch auf Hutwieſen beſonders empfehlenswerth, weil es das öftere Abna⸗ gen ſo gut verträgt. Wenn man es nur irgend zur Reife kommen läßt, vermehrt es ſich von ſelbſt mit unglaublicher Schnelligkeit. Die viel ſchlechtere Mäuſegerſte, welche man auf hohen, trocke⸗ nen, magern Stellen unſerer Wieſen findet, muß ja jung gemäht wer⸗ den, wenn ſie dem Viehe genießbar bleiben ſoll. m. Die Bromus⸗Arten. Wir wollen hier nur des Bromus mollis und B. giganteus geden⸗ ken. Erſteres(die weiche Trespe) eignet ſich nicht als Wieſenpflanze, weil es, bei ſeinem kurzen Wachsthume, ſich leicht lagert und ſeinen reichen Samen vor der Mahdzeit verliert, wodurch es zum nahrloſen 58 Strohe wird und dann eine ſo harte Beſchaffenheit hat, daß kein Vieh es anrührt. Es iſt nur dann als Wieſengras zu empfehlen, wenn es auf einer neu angelegten Wieſe allein ausgeſäet wird; denn es vegetirt ungemein zeitig, und ſetzt ſchon die Rispe an, wenn das übrige Gras noch klein iſt. Der erſte Schnitt wird ſelten die Mühe lohnen; dar⸗ nach beſtockt es ſich aber und gibt noch mehre Ernten. Bei der Samen⸗ gewinnung iſt große Vorſicht nöthig. Auf trockenem Boden ſäet man auf 60 Q. Ruthen meckl. 4 Pf. Samen im Frühlinge aus. Wenn die Marſchbewohner dafür halten, daß alle Trespenarten vom Viehe verſchmäht werden, ſo bewährt ſich dieſes mindeſtens auf der Geeſt nicht bei der Futtertrespe, B. giganteus. Es hat, ſeiner vortrefflichen Eigenſchaften wegen, bei vielen tüchtigen Landwirthen Norddeutſchlands längſt die verdiente Beachtung gefunden. Der Standort von Bromus giganteus iſt ein thoniger, feuchter Wieſenboden; es liebt Eingeſchloſſenheit und Schatten und iſt daher auf Bruch⸗ und Waldwieſen ganz auf ſeiner rechten Stelle. Die dem Weizen vergleichbare große üppige Pflanze mit ihren zwei Fuß langen, dunkelgrünen, ſaftigen Blättern und ihrer oft drei Vier⸗ tel Ellen langen Rispe blüht zwar nicht früh, erſt im Juli und Au⸗ guſt, kann aber doch in viel jüngerem Zuſtande und ſchon zeitig ge⸗ mäht werden, ohne daß dadurch ihre Beſtockung und weitere Ergie⸗ bigkeit geſtört wird. Es iſt gerade ein großer Vorzug der Futtertrespe für die Stallfütterungswirthſchaften, daß ſie noch ſehr ſpät im Herbſte die kärglicher werdende Tafel für das Rindvieh, dem ſie ganz beſon⸗ ders eine angenehme und geſunde Nahrung gewährt, verſorgt. Zu Heu gemacht, hat Bromus giganteus große Vorzüge vor an⸗ dern Gräſern. In der Blüthezeit gemäht, erhält man ein, dem ſchön⸗ ſten Weizenſtroh ähnliches Stroh, das, wenn es über die Häckerlings⸗ lade gegangen iſt, den Kühen und Pferden ungemein zuträglich iſt. Wie geſagt, iſt dem Beſitzer feuchter Wieſen die Verbreitung die⸗ ſes Graſes nicht genug zu empfehlen. Die Samengewinnung iſt ſehr leicht. Es reift im September. Daß man, wenn man es allein aus⸗ ſäet, auf 60 Q. Ruthen 10— 12 Pf. Samen gebraucht, wie Wre⸗ dow) ſagt, iſt nicht der Fall; mit 5—6 Pf. wird man vollkommen reichen. n. Honiggras(wolliges), holcus lanatus. Bekanntlich hat dieſes Gras viele Widerſacher. Die Engländer halten es fuür ein wahres Unkraut auf den Wieſen; in unſern Mar⸗ *) Siehe deſſen mecklenb. Flora, S. 184. ☛—2—„ * 59 ſchen urtheilt man auch ſehr ungünſtig darüber; Schwerz meint, daß es ein völlig gehalt- und geſchmackloſes Futter ſey. Das ſcheint uns zu hart ausgedrückt. Es iſt wahr, das Honiggras kann als Heu leicht zu dürrem Strohe werden, in dem Fall, daß man es nicht gerade in der Blüthe mäht; wird dieſes aber beobachtet, wobei man, wenn der Standort desſelben von fruchtbarer Beſchaffenheit iſt, noch eine, mit manchen andern Gräſern ſich gleichſtellende Futtermaſſe erhalten wird, ſo gewährt der gedörrte Mehlhalm allem Viehe, beſonders aber den Schafen, eine überaus angenehme und gedeihliche Nahrung. Die Empfindlichkeit des wolligen Honiggraſes gegen Frühjahrs⸗ fröſte und große Winterkälte habe ich nicht kennen gelernt. Da der Same dieſer Pflanze ſo ſehr zum Ausfallen geneigt iſt, werden die erfrorenen Stöcke jedenfalls leicht durch denſelben erſetzt. Gewiß gehört das Honiggras zu den ergiebigern Wieſengräſern. In Flotbeck trugen 120 Q. Fuß 22 ½ Pf. friſches Gras= pr. M. 5560 Pf.; Länge 12 Zoll. Die Ergiebigkeit dieſer Grasgattung an⸗ langend, ſo iſt unſer Wieſenwirth vielleicht noch mehr auf das, ſeiner weichen und ſüßen Blätter wegen, von allem Viehe gern gefreſſene weiche Honiggras(HI. mollis) aufmerkſam zu machen. Zur Zeit der Blüthe(im Junius und Julius) gemäht, erhielt Profeſſor Schübler auf 1%, würtemb. Acker 13,612 Pfund Gras. Da dasſelbe ſo unge⸗ mein nahrhaft iſt, ſehe ich nicht ein, weßhalb ſeine wuchernde Wurzel ihm eine ſchlechte Nachrede verurſachen kann. Im Grunde wächſt der Werth des Honiggraſes nur um ſo mehr, je uneingeſchränkter es auf einer Wieſe vegetirt, da dann eine, ſeiner Natur ganz angemeſſene Be⸗ handlung um ſo weniger der Frage unterliegt. Holcus mollis iſt dem vorigen ſehr ähnlich; in der Mark Bran⸗ denburg findet man es im Flugſande. Auf geringern, namentlich moorigen Bodenarten ſind beide Gras⸗ arten jedenfalls beachtungswerth. 0. Franzöſiſches Raigras. Wieſenhafer; holcus avena- ceus.(Avena elatior L.) Ein in jeder Hinſicht ſehr empfehlenswerthes Gras, wenn auch nicht gerade Qualität und Quantität ſeines Erzeugniſſes über Einen Bogen zu ſpannen ſind! Da aber ebenſo gut ein Fuder Dung nutz⸗ reichere Anwendung leidet, als der Extract desſelben, concentrirt in einer Schnupftabaksdoſe, ſo hat auch als Viehfutter, das ebenſo gut zum Zwecke hat, den Magen der Thiere zu füllen, als ihnen Nah⸗ 60 rungsſtoff zuzuwenden, diejenige Gattung den höhern Werth, bei wel⸗ cher ſich beide Eigenſchaften auf die erfolgreichſte Weiſe vereinigen. Ein mäßig ſchwerer, feuchter Wieſengrund iſt das Element dieſer Pflanze; wird derſelbe gedüngt oder bewäſſert, ſo zeigt ſich ihre Ve⸗ getation von einer außerordentlichen Üppigkeit. Auf überkarrten Wie⸗ ſen, wo der Dünger⸗ dem Erdewagen folgte, habe ich in Mecklenburg das franzöſiſche Raigras vorzüglich ſchätzen gelernt. Im Vereine mit Klee, im Anfange der Blüthe gemäht, gibt es ein ſchönfarbiges, ge⸗ ſchmackvolles Heu. Die Nutzung dazu erhält dadurch einen um ſo hö⸗ hern Werth, da ſie ſo anhaltend iſt. Avena elatior gehört zu den, den dichteſten Raſen bildenden Gräſern, das vom harten Winter nichts leidet, ein ſchon ſehr frühes Futter liefert, und bei irgend zuſagender Witterung 3⸗— Amal vor der Senſe, etliche Fuß hoch, aufſchießt. Aber magern, dürren Boden will es nicht haben, und wenn man es in Ge⸗ wicht und Kraft ſeines Products dem Klee gleichſchätzt, ſo iſt dieß eine franzöſiſche Windbeutelei. Ich kann nur über die Vortheilhaftigkeit dieſes Heufutters für die Kühe urtheilen. Als Häckſel, mit Stroh und Kartoffeln verfüttert, hat es ſich als ungemein angenehm und der Milchvermehrung förderlich be⸗ wieſen. Thaer verwirft das franzöſiſche Raigras für Pferde und Schafe; dagegen meſſen einige Landwirthe demſelben für letztere me⸗ diciniſche Kräfte bei und wollen es auch für das Zugvieh ſehr loben. In Flotbeck trug H. avena auf 24 Q. Fuß 4%½ Pf.= pr. M....... 4300 Pf.; Länge 13 ½ Zoll;. auf 92 Q. Fuß 23 Pf.= pr. M....... 6400 ⸗ Länge 19 Zoll; Summe. 11200 Pf. Summe der Länge 32 ½ Zoll. Durchſchnitt pr. M. 5600 Pf., Länge 16 ½¼ Zoll. Schübler erntete, unter den oft repetirten Cautelen, in der Samenreiſe........... 5717 Pf.; nahrhafte Beſtandtheile warin darin...... 255 ⸗ und 100 Theile des grünen Graſes gaben Heu... 35,0⸗ Die Samen gewinnung vom franzöſiſchen Raigraſe iſt nicht leicht, weil von den, aus einer Staude hervorkommenden 12— 16 Halmen gemeiniglich nur 2—3 gleichzeitig reifen. Auch reifen die Rispen, wie beim Fuchsſchwanz, von der Spitze nach unten zu, ſo daß das Ab⸗ ſchneiden derſelben nicht länger hinausgeſchoben werden darf, wenn ſie oben gelb geworden ſind. Man thut am beſten, den zur Saat beſtimm⸗ 1— —,——-—. —— 61 ten, ſogenannten Wieſenhafer zeitig zu mähen und dann zu dieſem Be⸗ hufe ſtehen zu laſſen. Die abgeſchnittenen Rispen breitet man, zum Nachreifen der weichen Körner, dünn und luftig auseinander, und wenn der Same vollkommen trocken, wird er ausgedroſchen, wobei zu bemerken iſt, daß man ihn, um die Körner nicht breit zu ſchlagen, recht dick anlegen muß. Mit Bromus mollis und H. avenaceus wird noch häufig Verwechslung getrieben. Eine friſche Beſamung mit letzterem erheiſcht wohl 12 und mehr Pfund auf 1 Scheffel mecklenb.— Der von Manchen hochgehaltene Goldhafer, avena flavescens, iſt auf Anhöhen als Schafgras zu empfehlen; in den Wieſen iſt er im Allgemeinen zu unergiebig. Schübler erntete davon in der Samenreife dennoch 4900 Pf.; darin waren nahrhafte Beſtandtheile...... 430 und 100 Theile des grünen Graſes gaben Heu... 40,0⸗ p. Juncus bottnicus.— Juncago maritima. Dieſe Binſenart ſoll hier deßhalb eine Stelle mit einnehmen, weil ihre vortrefflichen, dem deutſchen Landwirth wenig bekannten Eigen⸗ ſchaften den augenſcheinlichſten Beweis liefern, daß die Allgemeinheit des Urtheils über ganze Pflanzengeſchlechter nicht immer in der Praris hinlängliche Beſtätigung findet. Auch ſieht man aus Nachſtehendem recht deutlich, wie untrüglich ſich die chemiſche Conſtitution des Bodens in den Beſtandtheilen der auf ihm wachſenden Pflanzen erweiſ't. Juncus bottnicus(Horngras oder Hörnds in den Marſchen ge⸗ nannt) wächſt, nach Dr. Sprengel*), in großer Menge auf den Außenteichsweiden des Landes Hadeln und des Gerichtes Neuhaus; aber auch auf den Wieſen iſt er hier an manchen Stellen die Haupt⸗ pflanze, und niemals und nirgends ſah Dr. Sprengel einen dichtern Graswuchs, als wo der Jancus bottnicus in Menge vor⸗ handen war. Jede Gattung Vieh frißt ihn ſowohl im grünen als trocke⸗ nen Zuſtande mit großer Begierde; bekanntlich ſind die meiſten Binſen⸗ arten ſonſt nur ein Schweinefutter. Die feinen, glänzenden, lineali⸗ ſchen Blätter dieſer Königin aller Binſen ſind hart und enthalten ſehr wenige wäſſerige Theile; grün und getrocknet beſitzt ſie einen ſehr angenehmen, aromatiſchen, wahrſcheinlich von einem eigenthümlichen ätheriſchen Ole herrührenden Geruch. Sprengel hat ſie einer chemi⸗ — 6 *¹) Siehe deſſen„Beiträge zur Kenntniß der Landwirthſchaft im Königrei⸗ che Hannover.“ Mögliner Annalen der Landwirthſchaft, 22. Band, 2. Stück. 62 ſchen Analyſe unterworfen und folgendes Ergebniß mitgetheilt: 100,000 Gewichtstheile des im Juli geſammelten und bei 250 Reau⸗ mur Wärme getrockneten Juncus bottnieus lieferten: Gewichtstheile. 1) Durch kaltes und bis zu 400 R. erwärmtes Waſſer ausziehbare Theile....... 28,700 2) Durch verdünnte Kalilauge.. 42,400 3) Durch Alcohol und Äther an otsariter Subſtand und wenig Chlorophyl.... 460 4) Pflanzenfaſer........26,600 5) Waſſer........ 1,840 Summe. 100,000 Der Waſſerauszug beſtand aus Schleimzucker, Extractivſtoff, Pflanzeneiweiß, Apfelſäure, bitterer Subſtanz, Kochſalz, ſchwefel⸗ ſaurem Kali und Gips. Die eiweißartige Subſtanz war im Jancus nicht genau zu beſtimmen, wie denn überhaupt nach Sprengel's Ausſpruch dieſer Körper bei Pflanzen, die ſich im getrockneten Zuſtan⸗ de befinden, ſehr ſchwierig auszuſcheiden iſt; demnach kann mehr vor⸗ handen geweſen ſeyn, als hier gefunden wurde. 100,000 Gewichtstheile zu Aſche verbrannten Juncus enthielten: Gewichtstheile. 1) Kalkerde........... 1200 2) Talkerde............. 220 3) Kieſelerde........... 750 4) Alaunerde, Spuren........... 5) Eiſenoryd.....:-“........ 10 6) Manganoryd........... 30 7) Salzſäure............ 950 8) Schwefelſäaure........ 200 9) Phosphorſäure............. 560 10) Kali............ 3260 14) Natron..... 910 Außerdem Kohlenſäure, welche theils urt der Rutene theils mit dem Kali verbunden war. Sprengel bemerkt:»Daß der große Kochſalzgehalt dieſer Pflan⸗ ze viel dazu beitragen muß, ihre nährende Eigenſchaft zu erhöhen, iſt wohl nicht zu bezweifeln; doch nicht minder wird deſſen Nahrhaftigkeit durch die eiweißartige Subſtanz, den Schleimzucker, ſo wie durch den phosphorſauren Kalk geſteigert.« ———— * 63 Dieſer Pflanze im Werthe am nächſten ſtehend, dürfte das auf unſern Oſtſeewieſen häufig wachſende Juncago maritima ſeyn. Feuchte, ſumpfige Wieſen, von Salzwaſſer überſchwemmte oder dem Waſſer abgewonnene Landſtrecken wären zweckmäßig damit zu beſamen. Auf unberaſ'ten Wieſen wird man etwa 3 Pfund Samen pr. Scheffel mecklenb., auf beraſ'ten nur die Hälfte gebrauchen. J. maritima(auch Meerſtrandsſalzbinſe, Salzgras, Säl⸗ ting genannt) wächſt aus einer, von vielen Zaſern zuſammengeſetz⸗ ten, ſchräge in die Erde gehenden, zweijährigen Wurzel, welche ober⸗ halb zwiebelartig iſt, mit lauchähnlichen, unten breiten, rinnenförmi⸗ gen, langen Blättern, die ſammt dem ſeitwärts bloß aus der Wurzel herauswachſenden Blumenſtiel da, wo ſie aus der Wurzel kommen, etwas Zwiebelartiges haben. Der Stiel trägt an ſeiner Spitze eine ährenähnliche Blüthenreihe, welche viel Ahnlichkeit mit der Ähre des breitblätterigen Wegerichs hat. Die ſechsfächerige Samenkapſel enthält einen runden, eifoͤrmigen, geſtreiften Samen. Blüht im Juli, reift im Auguſt und September. Beſonders den Schafen iſt J. maritima wegen ſeines Salzgehalts und ſeines ſalzigen Geſchmacks ein ſehr gedeihliches und angenehmes Futter. Sprengel fand J. maritima(Triglochin maritimum) in den Küſtenmarſchen am häufigſten auf den Außenteichsweiden vor. Heu, worunter ſich viel Trigloch. maritimum befindet, wird von den Marſch⸗ bewohnern ſehr geſchätzt. Eine gleiche Bewandtniß hat es mit Glaux maritima, welche, ihres ſtarken Kochſalzgehaltes wegen, ebenfalls auf den Fettweiden der Außenteiche eine wichtige Rolle ſpielt. q. Kleearten. Würdigung des rothen Klees als Wie⸗ ſenpflanze. Trifolium hybridum. Trifolium agrarium. Me- dicago falcata. Medicago lupulina. Der Klee iſt auf unſern Wieſen einheimiſcher geworden, ſeitdem man das zum großen Theile waſſerſaugende dürftige Gewand der⸗ ſelben mit einem feſtern, reichen Kleide vertauſchen lernte; denn ob⸗ gleich dem Klee der beſte und wohlfeilſte Dünger unſerer Wieſen, das Waſſer, ſtagnirend nicht behagt, ſo iſt Gründigkeit und Erdfeuch⸗ tigkeit doch ſein Element, und nichts iſt ihm willkommener, als jene tiefe, lockere Krume, welche er in dem friſch aufgefahrenen Lande fin⸗ det, wenn übrigens die humoſe Beſchaffenheit desſelben ſeinen Anſprü⸗ chen auf Bodenreichthum entſpricht. 64 ¹ Im Ganzen aber werden unſere gewöhnlichen Kleearten doch mit mehr Sicherheit und Vortheil dem Futterbau auf dem Acker zugewie⸗ ſen werden. Der aufmerkſame Beobachter wird finden, daß auf äl⸗ gleiche gegen die natürlichen Gräſer, ſich auffallend herausſtellt. Sollte man, was bei der großen Zahl unſerer trefflichen Wieſenpflanzen mir unnöthig ſcheint, Bedürfniß fühlen, den Klee in ſeinen Wieſen vor⸗ zugsweiſe zu begünſtigen, ſo wähle man zur Cultur mindeſtens die⸗ jenigen Arten, denen die Natur anſcheinbar ein größeres Anrecht gab. Wir rechnen hierzu namentlich: 1. Den Baſtard⸗Klee, trifolium hybridum, welcher minder gu⸗ ten Boden, als unſer rother Klee bedarf, viel mehr ſtagnirende Feuchtigkeit vertragen kann, länger ausdauert, höher wird und für alles Vieh ein ſehr gutes Futter, wenn auch etwas härter und minder ſüß als Tr. pratense, iſt; 2. den gelben Hopfenklee, rif. agrarium. Dieſes iſt eine ſehr zeitige und ſich ſehr leicht verbreitende Sorte, welche nicht min⸗ dere Futtermaſſe als der rothe Klee gewährt; beſonders iſt ſie, im grünen und trockenen Zuſtande, den Schafen ſehr angenehm. Un den gelben Hopfenklee auf ſeinen Wieſen für immer ein⸗ heimiſch zu machen, genügt es, ihn Einmal im Frühjahre zeitig über dieſelben auszuſtreuen; . den gelben Schneckenklee, medicago faleata; hauptſächlich wegen ſeiner Unempfindlichkeit gegen die Kälte und als Pferde⸗ futter für magere Wieſen empfehlenswerth. Er wächſt in Meck⸗ lenburg wild. 4. Die Hopfenluzerne, medicago lupulina. Dieſe Kleeart iſt ſeit 1816 und 1817, wo der rothe Klee ſo theuer war, bei uns bekannt, kam aber gleich in Mißcredit, weil ſie im erſten Jahre total erfror. Ich habe ſo ungünſtige Erfahrungen darüber nicht gemacht und mitgetheilt erhalten; im Gegentheile hat ſie ſich ge⸗ rade in ſumpfigen Gründen als ausdauernd und ergiebig er⸗ wieſen. Ihr Ertrag kommt in Maſſe dem Timotheegraſe ziem⸗ lich gleich. In Mecklenburg ſieht man die Hopfenluzerne jetzt ſehr häufig die Stelle des rothen Klees vertreten; die Schafe lieben ſie ganz beſonders. In den hannöverſchen Marſchen hält man ſie für eine der beſten Weidepflanzen. In Flotbeck trugen 248 Q. Fuß 26 Pf. ſriſes Gras== pr. M. 2648 Pf.; Länge 26 Zoll. (In England iſt eine Varietät des gemeinen Wieſenklees unter * 8 90 tern Wieſen die Weichlichkeit und Schüchternheit des Klees, im Ver⸗ 4 i— 65 dem Namen Kuhgras(cow grass) als Wieſenpflanze beliebt, weil ſie ſich durch Ausdauer auszeichnet und ſelbſt auf leichtem Sandbo⸗ den üppig wächſt.) r. Gelbe Wieſenplatterbſe, lathyrus pratensis. Dieſe in den Marſchen ſo hochgeſchätzte Pflanze verdient wohl auf trocken liegenden Wieſen Empfehlung, weil ſie viel und ſchmack⸗ haftes Futter liefert. In England ſteht ſie unter dem Namen meo— dow vetehling ſehr in Anſehen. s. Die Lotus-Arten. Es ſind ſolche für den Wieſenbau von ſehr großem, noch nicht hinlänglich gewürdigtem Werthe; insbeſondere haben die Beſitzer von Torf⸗ und Sumpfwieſen Urſache, dieſe Pflanzen an ihrem natürlichen Standorte zu begünſtigen. a. Der Meerſtrandslotus(lotus maritimus). Zuerſt von Däne⸗ mark aus bekannt geworden, hat man ihn ſpäter auch vielfach auf unſern deutſchen Wieſen, namentlich in der Gegend von Halle, Merſeburg, an der Unſtrut ꝛc., gefunden. Obgleich man dem Namen dieſer Pflanze nach ſchließen ſollte, daß ſie nur an Seeufern gehöriges Gedeihen habe, ſo ergaben doch langjährige Beobachtungen, daß ſie nicht minder maſtig und ſchön auf un⸗ ſern moorigen Landwieſen wachſe. Was ſchon Haller und Lin⸗ né von ihrer Annehmlichkeit und Nahrhaftigkeit für das Vieh ſag⸗ ten, hat ſich auch dort, wo ſie keinen ſalzigen Standort hatte, bei Kühen, Schafen und Pferden bewährt. Unter einem zweck⸗ . mäßigen Gemenge von, für Torfwieſen beſonders geeigneten Gräſern empfiehlt ſich dem norddeutſchen Wieſenwirthe lot. ma- ritimus wegen ſeines reichen, gleichmäßigen und auch ſpäten Wachsthums. b. Gehörnter Schotenklee(lotus corniculatus). Nach Schkuhr ſoll es davon mehre Varietäten geben. Sie ſind ſämmtlich ge⸗ gen klimatiſche und ſonſtige im Allgemeinen nachtheilige, örtliche Einwirkungen ſo abgehärtet, als ſte wegen ihrer angenehmen Bitterkeit und ihres würzigen Geruchs dem Viehe eine appetit⸗ liche Nahrung gewähren. Die Milch und Butter der Kühe, welche von dieſer Pflanze genoſſen, erhält eine ſchöne gelbe Farbe und einen vorzüglichen Wohlgeſchmack.»Unter allen Ge⸗ wächſen, welche der etwas moorige Wieſenboden hervorbringt«, ſagt Dr. Sprengel in ſeiner Beſchreibung der Landwirthſchaft 5 Lengerke's Wieſenbau.. 66 auf den Hochmooren Hannovers, ſteht der gehörnte gelbe Klee obenan; denn er liefert ein ebenſo reichliches als nahrhaftes Futter. Der gehörnte Klee iſt in der That ein vortreffliches Futtergewächs und läßt ſich auf moorigem Boden mit dem größ⸗ ten Vortheile anbauen. Er iſt ſowohl grün als trocken gleichgut zu benutzen« ꝛc. Mit Ausnahme des ſogenannten Feldlotus(lo- tus arvensis) iſt der gehörnte Schotenklee von der Natur auf Sumpf und Moraſt angewieſen. Weder ſtagnirendes Waſſer nooch unregelmäßige Hutung iſt ſeinem Wachsthume ſchädlich. Er iſt der allerbeſte Moosvertilger. Zu Heu bereitet, bricht er nicht ſo leicht, als es bei mehren andern kleeartigen Gewächſen der Fall iſt. Ein Aufritzen der Wieſen mit eiſernen Eggen oder Überſchleifung des Wieſenhobels genügt zur Aufnahme ſeines Samens im Frühlinge. Einmal eingebürgert, pflanzt l. corni- eulatus ſich ſowohl durch ſeinen häufigen Samen, als durch ſeine theils knollenartigen Wurzeln zur Genüge fort. t. Melilotenklee, melilothus officinalis. Dieſe Pflanze iſt von Thaer und einigen andern Schriftſtellern als Wieſengras erſter Art mit aufgeführt worden, was ſie aber durch⸗ aus nicht verdient. Obgleich ſie jung dem Viehe nicht unangenehm iſt und der Geſchmack derſelben ihm auf Salzwieſen noch erträglicher wird, ſo iſt ſie doch in älterem und getrocknetem Zuſtande kein empfehlungs⸗ werther Beſtandtheil des Wieſenheues, weil ihr officineller Geruch ſich nicht nur dieſem, ſondern ſelbſt dem Producte der Stallkuh mit⸗ theilt. Ein ganz ähnliches Bewandtniß hat es mit einigen andern, fruͤ⸗ her ſehr geprieſenen Meliloten⸗Arten. u. Die Vogelwicke, vicia cracca. So unangenehm dieſe Pflanze auf dem Acker reſultirt, ſo empfeh⸗ lenswerth iſt ſie auf magern Wieſen, welche ſie fruchtbarer macht, wo ſie das Moos verdrängt und in Geſellſchaft ihr ähnlichen Gelich⸗ ters bedeutende Futtermaſſe liefert. In Stegen iſt ſie auf kalten, mo⸗ derigen Wieſen recht zu Hauſe, und wird, wenn ihr kein Duwock bei⸗ gemengt war, auch von den Kühen begierig gefreſſen; auf den Wei⸗ den verſchwindet ſie mit andern guten Gräſern immer am erſten. Sprengel beſtätigt dieſe Erfahrung, indem er ſagt, daß die Vogelwicke, nach Ausſage der Marſchbewohner, vom Rindviehe ſehr gern gefreſſen werde, was dadurch ſich erweiſe, daß man auf den Weiden höchſt ſelten eine blühende Pflanze antreffe. 67 v. Die Schafgarbe, achilleo millefolium. Verdient mit vollſtem Rechte unter die guten Wieſengräſer geſtellt zu werden, ſowohl ihrer arzneilichen Kraft, als auch ihrer Schmack⸗ haftigkeit wegen, für jegliche Gattung Vieh. Auf Hutwieſen gewährt ſie eine ſehr frühzeitige Nahrung, und es iſt wohl zu wünſchen, daß ſie zu dieſem Zwecke größere Beachtung fände. Die Samengewinnung wäre auf Mähwieſen nicht ſchwieriger, als manche andere. In England wird ſie als eine der beſten Wieſen- und Weidepflan⸗ zen geſchätzt. Sie kommt auf allen Bodenarten fort und kann ſelbſt auf einem an ſich dürren der Trockenheit lange widerſtehen. w. Plantago⸗Arten. Wegebreit. Mir ſind dieſelben als ſchmack⸗ und nahrhaft für das Vieh und keineswegs als ein ſo verderbliches Unkraut für die Wieſen bekannt, als wofür Manche ſie halten. In Holſtein cultivirt man den ſchmal⸗ blätterigen Wegebreit häufig und gern auf Wieſen ,ſowohl zu Heu als zur Graſung. Sprengel erzählt uns, daß man denſelben und mehre andere Wegebreit⸗Arten in den hannöverſchen Marſchen für nahrungsreiche, vom Viehe ſehr gern gefreſſene Gewächſe erkenne; er ſelbſt theilt dieſe Meinung, und ſagt, daß ihre unterdrückende Eigen⸗ ſchaft nicht ſchade, weil ſie mittelbar die Oberfläche bereicherten. Der ſchmalblätterige Wegerich iſt übrigens keineswegs unverträglicher mit andern Gräſern, als mehre der oben angeführten, ihn an Nah⸗ rungsvermögen nicht übertreffenden Gräſer. In Mecklenburg hat man auch Verſuche damit gemacht, welche ſo ausgefallen ſind, daß dieſes Futterkraut gewiß mehr in Aufnahme kommt. Dieß Alles beſtätigen nun die in England, namentlich in Yorkſhire, gewonnenen Erfahrungen. Beſonders ſoll das mit Wegerich reich ver⸗ mengte Heu den Schafen ungemein geſund ſeyn. Der in England als Pferdefutter im Gemiſche mit Klee angebaute P. maritima, welcher auf unſern Oſtſeewieſen wild wächſt und faſt den ganzen Sommer hindurch blüht, behagt auch den Kühen weniger, als den Schafen. Es wird dieſe mehrfach gemachte Wahrnehmung von Sprengel beſtä⸗ tigt, welcher an der Nahrungskraft dieſer Pflanze zweifelt, weil er auf vielen Außenteichsweiden bemerkte, daß von allen daſelbſt wach⸗ ſenden Pflanzenarten der Meerſtrandswegebreit am meiſten vom Wei⸗ deviehe verſchont geblieben war. x. Kümmel, darum carvi. Eine in Norddeutſchland ſehr geſchätzte Wieſenpflanze. In Meck⸗ lenburg ſindet man ſie auf trockenen Wieſen ſehr häufig, in der Ge⸗ 5* 68 gend von Neubrandenburg bei dem Dorfe Mildenitz, und in der Ge⸗ gend von Schwerin an dem Wege nach Neumühlen, auch auf den Wieſen um und an den Wegen vor dem Schelfwerder. Carum cari iſt in allen ſeinen Theilen ein geſundes und ange⸗ nehmes Futter für das Vieh, ſofern man ihn nicht zu ſpät mäht. y. Glanzgras, phalaris. Für ſehr ſumpfige, naſſe, meiſtens unter Waſſer ſtehende Bruch⸗, auch Rieſelungswieſen eignet dieſe Pflanze ſich ſehr; nur hat man für eine frühzeitige Mahd derſelben Sorge zu tragen. Wenn man ſie auch ſchon eben, wenn ſie zu blühen beginnt, ſchneidet, ſo gehört ſie doch zu den ergiebigſten Heugräſern. Profeſſor Schübler gewann auf 1 ¼ Morgen würtembergiſch 12,251 Pf. getrocknetes Glanzgras; es verliert ſolches beim Trocknen ſehr wenig Gewichtstheile. Die Blätter haben eine für Kühe, Schafe und Pferde ſehr angenehme Sußigkeit, und je jünger ſie ſind, einen um deſto angenehmern Fraß geben ſie ab. Die Samengewinnung des Glanzgraſes iſt nicht ſchwierig; es reift beinahe zugleich, wird aber vom Winde leicht ausgedroſchen, weßhalb man die Rispen, wenn ſie gelb werden, vorſichtig abſchnei⸗ den muß. Der Anbau des Glanzgraſes geſchieht am vortheilhafteſten auf naſſem Wieſengrunde in Geſellſchaft mit festuca elatior. Auf 60 Q. Ruthen mecklenb. gebraucht man 3 Pf. Samen. z. Perlgras, melica nutans. Dieſe bei uns nur in Holzungen wild wachſende Pflanze empfiehlt ſich nicht minder als die vorhergehende zur Cultur auf unſern Torf⸗ und Moorwieſen. Zwar gibt ſie nicht ſo viel Heu als das Glanzgras, ſättigt aber im getrockneten Zuſtande viel mehr im Verhältniſſe zu der gereichten Futtermaſſe. Ihre vielen ſaftreichen Blätter und ihre ſüßen Halme werden ſowohl von den Kühen als Schafen mit ungemeiner Begierde gefreſſen. Ein zu kurzes Abmähen muß vermieden werden, weil durch die dann leicht veranlaßte Beſchädigung der Ausläufer die Vermehrung gehindert wird; ebenſo erhöht es die Annehmlichkeit des Futters, wenn das Gras nach dem Mähen einige Zeit liegen bleibt und einen durchdringenden Regen erhält. Nach Schübler gibt Me- nea, in der Blüthe getrocknet, auf 1 Morgen würtemb. 2807 Pf. Aller Wahrſcheinlichkeit nach aber baute derſelbe das ſogenannte blaue Perlgras allein, welches viel minder ergiebig iſt. Einige Landleute —— — 69 wollen behaupten, daß das Vieh nach dem Genuſſe des letztern ſteif würde, was jedoch von Andern widerſprochen wird. Das Perlgras hat auch noch den Vorzug der Frühzeitigkeit. Es macht ſich ſowohl vermittelſt Samen als Wurzel bald einheimiſch. Hiermit wäre das Alphabet unſerer guten Wieſengräſer füglich zu ſchließen*). Wenden wir uns jetzt zu der Schattenſeite unſers Gegen⸗ ſtandes. 8§. 31. Nachtheilige Wieſen⸗Gräſer und Pflanzen. a. Fingerkraut, Gänſerich, potentilla. Obgleich nach unſern landwirthſchaftlichen Compendien einige Po⸗ tentilla⸗Arten Gnade vor mehren Hausthieren gefunden haben ſollen, ſo bemerkte ich doch nie, daß irgend eine Viehgattung, ſelbſt bis auf *) Als geringe, häufig vorkommende Wieſenpflanzen möchten aufzuführen ſeyn: Zittergras(briza media), häufig auf magern Wieſen und überhaupt ſehr genügſam in Bezug auf den Standort, aber ſchwach im Ertrage, ſonſt als Untergras in fruchtbarem Boden zu empfehlen; Bergklee(trifolium montanum), auf trockenen, hoch liegenden Wieſen, trägt wenig ein; hellgelber Klee(trifolium ochroleucum), häufig auf Wald⸗ wieſen;z Wundklee(Anthyllis vulneraria), auf kalkhaltigem, magerem Boden, noch geringer im Ertrage; weiße Wucherblume(Chrysanthemum leu- canthemum), hartſtängelig, mit wenig Blättern, häufig auf trockenen Wieſen; Krätzblume oder Acker⸗Scabioſe(Scabiosa arvensis), Teufelsabbiß, (S. succisa), beide wie die vorige, aber auch auf magern, feuchten Wieſen; Krätzflockblume und Wieſenflockblume(Centaurea scabiosa, C. jacea), ſehr hartſtängelig; Löwenzahn(Leontodon taraxacum), liebt gute feuchte Lage, zwar nahrhaft, verdrängt aber einträglichere Wieſenpflanzen; Wieſenſalbei(Salvia pratensis), auf trockenen, beſonders kalkhaltigen Wie⸗ ſen, die Blätter zerfallen ſehr leicht beim Trocknen und die Stängel ſind hart; breiter Wegerich(Plantago media), gibt wenig aus und ver⸗ drängt beſſere Pflanzen; Kukukslichtblume(Lyehnis floscuculi), auf feuchten Wieſen, von geringem Gehalte; Orchis latifolia, maculata und an⸗ dere Kukuksblumenarten, häufig auf feuchten Höhewieſen, ſehr wenig nahrhaft; Labkraut(Galium moluggo, verum, boreale), ziemlich nahrhaft, aber keicht hartſtängelig, letzteres auf Torfwieſen noch von Werth; Bären⸗ klau(Heracleum sphondylium), hat zwar einen ziemlich reichlichen, nahr⸗ haften Blattwuchs, wird aber zur Heuernte hartſtängelig; Wiefenhaar⸗ ſtrang(Peucedonum silans, officinale), häufig auf torfigen und thonigen Wieſen und hier nicht gerade ſchlecht; wilde Möhre(Daucus carotta), wilde Paſtinake(Pastinaca sativa), häufig auf mittelguten Wieſen, hartſtängelig; Gemüſediſtel(Cirsium oleraceum), auf mittelguten Wie⸗ ſen, noch ziemlich nahrhaft.— Schlüſſelblume(Primula), Glockenblume (Campanula), Augentroſt(Euphrasia), Sternblume(Stellaria), Gän⸗ ſeblume(Bellis), und viele andere, zwar häufig vorkommende, aber ſehr wenig ausgebende Pflanzen gehören noch in dieſe Abtheilung.(S. Pabſt's Lehrbuch der Landwirthſchaft.) 4 6 * 70 die Capitols⸗Verrätherin(wornach das jämmerliche, kriechende Kraut ſeinen Namen führt), Geſchmack an ihrer Schüſſel fand. Da es nun überdieß(wie Erbärmlichkeit das Verdienſt an Dreiſtigkeit meiſt über⸗ trifft) mit ſeinen Blättern alle benachbarte Pflanzen verdrängt, ſo verdient es auf Weiden und Wieſen vertilgt zu werden. Ganz ähn⸗ lich urtheilt Dr. Sprengel.»Die Potentilla Anserina«— ſagt er*) —„fehlt keiner Weſer⸗, Elbe⸗ und Oſte⸗Marſchweide gänzlich. Die beſten Weiden bringen ſie jedoch nur in geringer Menge hervor, ſtatt daß ſie auf den ſchlechteſten Weiden ſehr häufig anzutreffen iſt. Über den Unwerth dieſer Potentilla-Art als Weidepflanze iſt man in den Marſchen völlig einverſtanden; auch ſagt man, daß das Vieh kein Heu liebe, worunter ſich viel Gänſefuß befinde(allerdings iſt ſeine adſtringirende Eigenſchaft allen Thieren zuwider); an einigen Orten behauptet man, daß die Ziegen dieſes Gewächs recht gern freſſen.« (Wie ich in Mecklenburg durch Zufall zu einer kleinen Ziegenheerde gekommen war, welcher im Tüder ein kleiner, reichlich mit Potentilla verſehener Weidediſtrict angewieſen ward, bewährte ſich auch bei die⸗ ſen Thieren die Leckerhaftigkeit— ſo jeder Viehgattung eigen, wenn bei ihrer Futtereintheilung eine regelmäßige Abwechslung zwiſchen wenig ſchmackhaften und gaumenkitzelnden Gaben Statt findet— in Rückſicht auf das Fingerkraut. Von der Weide wurden nur die gewöhnlichen beſſern Gräſer abgenagt; der täglich zweimal gereichte Küchenabfall mußte den Haupthunger ſtillen; von einer beſondern Vorliebe für Gänſerich habe ich wenigſtens nie etwas gemerkt.) »Die Potentilla reptans«, ſagt Sprengel,»kommt nur in den obern Marſchen vor, und da ſie ſtets in geringer Menge vorhanden iſt, ſo wird es hieraus erklärlich, weßhalb man weder zum Lobe noch zum Nachtheile dieſes Gewächſes etwas zu ſagen weiß.« b. Ampfer, rumex. Alle Ampferarten ſind im Grunde auf den Wieſen Unkraut, wenn⸗ gleich der den Kühen nachtheilige gewöhnliche Sauerampfer von den Schafen gern und mit Nutzen gefreſſen wird. In Holſtein, wo die Frauen meiner Deputatknechte ihre Kühe häufig mit Rumex aceto- sella fütterten, wollten dieſelben, wenn auch keine blutige, doch einen Vergang der Milch darnach ſpüren. Rumex aquaticus und maritimus wuchſen mit Polygonum persi- caria(Bitterling) im erſten Jahre zu Neuenwerder, bei meinem ewig *⁴) Siehe am angeführten Orte S. 536. 71 unvergeßlichen Lehrer und Freund, dem Profeſſor Karſten, in der Modererde ſeines abgelaſſenen Teiches in erſtaunender Menge und Größe. Er tilgte beide, indem er ſie den Sommer hindurch mehre Male kurz vor der Blüthe abſchneiden ließ. Seine Kühe fraßen An⸗ fangs dieſe Gewächſe grün mit Klee geſchnitten, aber ſie wurden es zuletzt doch überdrüſſig. Kar ſten ließ das Übrige trocknen, um im Winter den Mangel der Streu dadurch zu erſetzen, ſolches nachher aber ſtatt Stroh zu Häckſel ſchneiden; das Vieh fraß es mit großer Begierde, und ließ nichts als die daumendicken Stängel zurück. Nur die Schafe wollten nicht daran, vermuthlich weil ſie beſſeres Futter gewohnt waren. c. Dunengras, eriophorum. Solches iſt auf unſern Dorfwieſen, wo es oft in bedeutender Menge wächſt, eine wahre Plage. Sowohl ſeine Blätter als Samen⸗ wolle ſind dem Viehe ſehr ſchädlich; daß letztere die Urſache der Ent⸗ ſtehung der ſich in dem Magen der Thiere bildenden Haarkugeln iſt, ſcheint mehr als wahrſcheinlich. Da das Samenkorn vermittelſt ſeines Wollſchweifes ſo leicht über ganze Wieſen geführt wird, und nicht nur augenblicklich das Futter verunreinigt und ſeinen Genuß ſchädlich macht, ſondern auch eine höchſt verderbliche Vermehrung dieſer Un⸗ krautpflanze veranlaßt, ſo hat man für eine recht frühe Mahd ſolcher Stellen, wo dieſes Gras wächſt, und Beſamung derſelben mit raſch wachſenden frechen Wieſenkräutern Sorge zu tragen. d. Riedgräſer, carex acuta und c. vulpina. Hier nur von zwei auf unſern Sumpfwieſen hauptſächlich wuchern⸗ den Riedgräſern, deren Ausrottung jedem guten Wieſenwirth am Her⸗ zen liegen muß! Das ſpitzige Riedgras, carex acuta, mit ſeiner dichten, za⸗ ſerigen, kriechenden Wurzel, das Wachsthum beſſerer Gräſer ſtörend, treibt nur der Hunger dem Viehe hinein— ein Beweis, daß ihm ſolches nicht zuträglich ſeyn kann. Wenn ich auch den, von einigen Landwirthen dem ſpitzigen Riedgraſe gemachten Vorwurf,»daß die Kühe darnach berſten ſollen, wenn ſie zuviel gefreſſen haben«, nicht gerade erfah⸗ rungsmäßig gerecht finde, ſo weiß ich doch ſehr wohl, daß der Genuß eines mit Riedgras ſtark vermiſchten Heues bei mir mit großem Wi⸗ derwillen ſtets verknüpft war, daß meine Kühe ſehr wenig davon fra⸗ ßen, abmagerten und die Milch dabei zurückzogen. Das obiger Pflanze verwandte Sumpfriedgras(C. vulpina) iſt dem Viehe noch mehr zuwider. 72 Um dieſes Unkraut zu vertilgen, iſt ein Abhauen desſelben in der Blüthe und Beſamung der Wieſe mit beſſern Gräſern, die dann durch ihren üppigen Wuchs jenes verdrängen, der ſicherſte Weg. e. Münze, mentha arvensis und m. aquatica. Die Münzarten werden mit Recht von den Molkereiwirthen Nord⸗ deutſchlands verabſcheut, weil ſie erwieſenermaßen nachtheilig auf die Milch wirken. Fingerzeige genug zu ihrer Vertilgung gibt die Wahrnehmung, daß die Münze, wenn auch jung auf Schaftriften ab⸗ genagt, auf unſern Kuhweiden, ſelbſt den ſchlechteſten, unangerührt bleibt. Dr. Sprengel hat auch auf den hannöverſchen Marſchwei⸗ den den Abſcheu, welchen das Kuhvieh gegen die Münze hat, beſtätigt gefunden. f. Hauhechel, ononis spinosa. Iſt auf trockenen Wieſen ein höchſt verderbliches Unkraut, weil es ſich dort ſowohl durch ſeine zwei Fuß tief in die Erde dringende, aus⸗ dauernde Wurzel, als durch ſeinen häufigen Samen ebenſo ſchnell und allgemein verbreitet, wie die alte ſtachelige Pflanze dem Viehe im höchſten Grade zuwider iſt. Kann man es einrichten, Waſſer über mit Hauhechel verunreinigte Wieſenſtrecken zu leiten, ſo iſt dieß das beſte und ſicherſte Vertilgungsmittel. g. Klapperkr au t, rhinanthus crista galli. Wenn dieſe Pflanze auch jung von dem Viehe gefreſſen wird, ſo wird ſie doch in älterem und getrocknetem Zuſtande*) von dieſem *) 100,000 Gewichtstheile lufttrockenen Klapperkrautes, zu Aſche verbrannt, enthielten(nach Sprengel, der im 2. Bande, 2. Heftes ſeiner landwirth⸗ ſchaftlichen Zeitſchrift den Beweis führt, daß die unvollkommene Ausbildung der Körner des ſtark mit Rhinanthus vermiſchten Roggens nicht von deſſen Wurzelausſonderungen, ſondern daher rührt, daß das Klapperkraut alle dem Roggen zur Körnerausbildung nöthige Körper vorweg nimmt): 2,380 Gewichtstheile Kieſelerde, 0,060„ Alaunerde, 0,050„ Eiſen- und Manganorxyd, 1,650„ Kalkerde, 0,320„„ Talkerde, 3,560„ Kali und Natron, 0,385 Schwefelſäure, 0,872„ Phosphorſäure, 0,582„ 2 Chlor. Summe 9,859 Gewichtstheile Aſche(die Kohlenſäure derſelben un⸗ berückſichtigt gelaſſen). —— 73 nicht angerührt; deßhalb, und weil ſie ſich durch ihre frühe Samen⸗ ausſtreuung in einem erſtaunlichen Grade verbreitet und bald allen gu⸗ ten Heugräſern beſtimmten Platz requirirt, iſt ſie mit Recht ein Ge⸗ genſtand der Verachtung und Verfolgung. Wenn der Zuſtand der Wieſe und die Witterung es irgend geſtatten, iſt ein frühes, häufiges, zwei Jahre hintereinander wiederholtes Abweiden der mit rhinanthus crista galli verunreinigten Strecken das geeignetſte Mittel, ihn auszurotten. Es verſteht ſich aber, daß hierzu Schafe genommen werden müſſen, welche durch das kurze Abnagen der erſten jungen Triebe der Vegeta⸗ tion nachtheilig werden. Iſt dieſes nicht zu realiſiren, ſo entſchließe man ſich kurzweg, wenn man ſeine Wieſe retten will, ſie aufzureißen, zu brachen und nach Abnahme zweier Saaten friſch zu beſamen. Wenn auch in ihren Folgen nicht ſo nachtheilig wie die Duwockpeſt, iſt doch die Verbreitung des Hahnenkammes ein höchſt betrübender Gegen⸗ ſtand wichtiger Beachtung für den damit geplagten Wieſen⸗ und Weidewirth. Herr Dr. Sprengel hat auch im Hannöverſchen dieſe Erfahrung gemacht und gleiche Vertilgungsmittel(welche ſich in mehren Gegen⸗ den Norddeutſchlands bereits erfahrungsmäßig erprobten) in Vorſchlag gebracht. Es ſey uns vergönnt, ihn ſelbſt hierüber reden zu laſſen. »Mit vollem Rechte«, ſagt er*),„hält man das Klapperkraut in den Marſchen für eines der gefährlichſten Weiden⸗, Wieſen⸗ und Ak⸗ kerunkräͤuter, indem es nicht nur das Wachsthum der ihm nahe ſtehen⸗ den Pflanzen über die Maßen beeinträchtigt, ſondern weil es auch vom Viehe, ſo wie es nur etwas herangewachſen iſt, gänzlich verſchmäht wird. Der Schade, welcher in den obern Weſermarſchen durch die im⸗ mer mehr überhandnehmende Verbreitung dieſer Pflanze verurſacht wird, iſt ſehr bedeutend, und ſchon mehre Male iſt es zur Sprache gekommen, wie dem Übel am beſten und zweckmäßigſten zu begegnen ſey. Leider iſt an eine gänzliche Vertilgung desſelben um deßwillen nicht zu denken, weil ſowohl die Weiden als die Wieſen und Felder bei dem im Winter oder Frühjahre ſtattfindenden Austreten der Weſer jedesmal mit einer Menge Geſäme, worunter ſich denn auch der des Klapperkrautes befindet, von den obern Gegenden aus ver⸗ ſehen werden; wollte man alſo hier eine gänzliche Vertilgung ſowohl dieſes als auch anderer gefährlichen Unkräuter zu Stande bringen, ſo müßte man zuerſt dafür ſorgen, daß alle oberhalb der Marſchen gele⸗ *) Möglinſche Annalen der Landwirthſchaft, Band 22., S. 538. 3 1 4 † — 74 gene Gegenden davon befreit würden, was indeſſen nicht leicht aus⸗ zuführen ſeyn möchte.— Durch eine Eindeichung der Weſer würde allerdings der Herbeiſchwemmung des Klapperkrautſamens gewehrt werden können, allein dieſer möchten ſich ohne Zweifel die Marſch⸗ bewohner mit Hand und Fuß entgegenſtellen; denn ſie würden dabei der herrlichen Düngertheile verluſtig gehen, welche das Weſerwaſſer mit ſich führt; denn dieſe Düngertheile machen es möglich, daß man, obgleich die Felder ſelten oder gar nicht mit Miſt gedüngt werden, dennoch ſehr ſchönen Weizen, Bohnen und mehre dergleichen Früchte erbauen kann. Da es endlich nicht im Voraus zu beſtimmen iſt, ob die Koſten, welche die Eindeichung verurſachen würde, in einem rich⸗ tigen Verhältniſſe zum zu hoffenden Nutzen ſtehen, ſo iſt es das Beſte, daß die Eindeichung unterbleibt.« Nach unſerer Anſicht bleibt nur ein Mittel zur Verringerung der vorhandenen unermeßlichen Menge Klapperkrautes übrig; dieſes beſteht darin, daß man die Felder und Wieſen ſo viel als möglich zur Weide benutzt und daß man dieſe im Frühjahre jedes⸗ mal recht ſtark mit Schafen betreibt; das Klapperkraut wird dann, weil es, ſo lange es noch jung iſt, von den Schafen gern gefreſ⸗ ſen wird, nicht zum Samenanſatz kommen, und da es eine einjährige Pflanze iſt, ſo wird es auch bald auf die wenigen Pflanzen reducirt ſeyn, deren Samen durch das Weſerwaſſer herbeigeführt wird. Dient der Boden abwechſelnd zur Weide und Wieſe, ſo wird ſogar ein gro⸗ ßer Theil des herbeigeſchwemmten Samens, weil er einen feſten Bo⸗ den findet, gar nicht zum Keimen gelangen; kurz, das ſicherſte Mittel zur Vertilgung des Klapperkrautes wird im Liegenlaſſen der Felder beſtehen. Trockene Jahre begünſtigen übrigens das Klapperkraut im Wachs⸗ thume insbeſondere, und deßhalb hat es in der letztern Zeit ſo außer⸗ ordentlich um ſich gegriffen. In altem Lande will man die Erfahrung gemacht haben, daß das Klapperkraut auf den Weiden und Wieſen verſchwinde, wenn dieſe im Winter eine Zeit lang mit Moorwaſſer bedeckt geweſen ſeyen. Nur Schade, daß das Moorwaſſer zugleich auch andere und zwar gute Gewächſe vertilgt! h. Augentroſt, euphrasia.— Es wächſt dieſe Pflanze häufig auf feuchten Wieſen, gewährt zwar dem Wieſenwirth nicht gerade das, was ihr Name ausſpricht, iſt aber nach unſerer Wahrnehmung ein geſundes, wenigſtens unſchädliches 75 Futter. Daß es, ſtark verbreitet, die guten Eigenſchaften des Heues herabſetze, habe ich nicht Gelegenheit gehabt, zu erfahren. Sprengel ſtellt Euphrasia odontites dem vorhergehenden Unkraute gleich. Viel⸗ leicht mag es auf dem Boden der Außenteichsweiden eine den Kühen unangenehme Bitterkeit erhalten. Auch zur Vertilgung des Augentro⸗ ſtes wird Beſchlagung der verunreinigten Strecken mit Schafen anem⸗ pfohlen.— i. Ruck, glechoma hederacea. Der Ruck, gemeine Gundermann, wird bekanntlich vsn dem Viehe gefreſſen, hat auch einen eigenen gewürzhaften, angenehmen Ge⸗ ruch und einen bittern Geſchmack. Seine wohlthätigen officinellen Ei⸗ genſchaften, die Liebhaberei der Bienen für ihn, laſſen ſchließen, daß die Natur ihn nicht unter die giftigen Pflanzen rangirte; aber er wird durch ihm eigene galläpfelartige, von Inſectenſtichen herrührende Aus⸗ wüchſe dazu gemacht. Dr. Sprengel erfuhr dieß in den Marſchen, beſonders im Oſterſtadeſchen, wo jene fälſchlich für den Samen gehal⸗ tenen Auswüchſe Veranlaſſung des Erkrankens und Sterbens von Pferden ſeyn ſollen. Allerdings iſt es deßhalb dem Landmanne anzura⸗ then, mit ſeinen Pferden kein Ruck enthaltendes Heu zu füttern. k. Knötrich, polygonum hydropiper, p. amphibium und p. avi- 3 culare. Der Knötrich iſt auf feuchten Wieſen in Norddeutſchland nicht ſel⸗ ten. Den ſogenannten Waſſerpfeffer habe ich als eine, dem Viehe ſchädliche Pflanze kennen lernen. P. amphibium(Waſſerflöhkraut) iſt unter meinem Pferdeheu ohne Nachtheil verfüttert. Der ſogenannte Vogelknötrich galt früher dafür, daß er den Schafen Verſtopfung und Fäule verurſache; ich habe hierüber keine Erfahrungen, erſehe aber aus Sprengel, daß dieſe Pflanze jenen Thieren ungemein mun⸗ de, was denn wohl die Unſchaͤdlichkeit derſelben beweiſ't. Als Wieſen⸗ kraut iſt wohl keine Knötrichart empfehlenswerth. Auch p. persicaria, geflocktes Flöhkraut, verdirbt das Heu. I. Die Wolfsmilch-(Euphorbia-) Arten. Alle bei uns wild wachſende Gattungen der Wolfsmilch haben einen ſo ſcharfen Saft, daß er Blaſen zieht; folglich kann der Genuß derſel⸗ ben keinem Viehe geſund ſeyn. Die ſogenannte rundblätterige Wolfsmilch ward bei mir ohne Nach⸗ theil von den Ziegen gefreſſen. Dr. Sprengel ſagt, daß ſie auch den Schafen nicht ſchade und man daher dieſe Thiere zur Vertilgung der⸗ 76 ſelben benutzen könne. Er hat in den Marſchen nur da Euphorbien⸗ Arten angetroffen, wo keine Schafe die Weiden frequentirten. Dieß wäre allerdings ein einfacherer und ſicherer Weg zur Ausrottung, als das wiederholte Abhauen der von unten ſehr ſtark vegetirenden Pflanze. m. Rebendolde(wilder Knoblauch), Oenanthe fistulosa. Auf Sumpfwieſen zu finden. Die ſcharf und ekelhaft ſchmeckende knollige Wurzel iſt ſtark giftig. Wenn die Blätter von den Kühen ge⸗ noſſentſind(was ſelten und ſehr ungern geſchieht), ſo erhält die But⸗ ter einen unangenehmen, bittern Geſchmack. Die Vertilgung des wil⸗ den Knoblauchs tritt zugleich mit der ſteigenden Eultur ein. Auf über⸗ fahrenen, inſonderheit geſandeten Sumpfwieſen verſchwindet er. n. Zeitloſe, colchicum autumnale. Ein auf feuchten Wieſen nicht ganz ſeltenes, mehr aber auf ſüßen, nicht an ſtagnirender Näſſe leidenden Auwieſen einheimiſches Giftge⸗ wächs. Es wird hauptſächlich deßhalb für das Vieh gefährlich, weil unterm Heu ſein Same das ganze Futter vergiften kann. Um die Zeit⸗ loſe auszurotten, müſſen nicht nur im Frühjahre die Stöcke häufig ausgeſtochen, ſondern auch im Herbſte(Colch. aut. blüht im Septem⸗ ber, October, und der Same reift im Mai und Juni des folgenden Jahrs) mit einem ſcharfen Dornenbeſen die Blumen abgekehlt werden, damit ſie ſich nicht befruchten. o. Waſſerſchierling, cicuta virosa etc.— Trollius europaeus. Dieſe bekanntlich nur den Ziegen nicht tödtlich werdende Pflanze muß auch durch häufiges Ausſtechen vertilgt werden. Dasſelbe gilt von dem gefleckten, den Schafen, getrocknet unter Heu, nicht ſchädli⸗ chen Schierling und der ſogenannten Hundspeterſilie. Beiläufig ſey hier erwähnt, daß die in Mecklenburg für verdächtig gehaltene Dotter⸗ blume ohne Schaden vom Viehe gefreſſen werden kann. p. Silge, zelinumm⸗ Die Sumpfſilge, sel. palustre, wird zwar vom Viehe im äußer⸗ ſten Hunger gefreſſen, iſt ihm aber ebenſo ſchädlich, als ihre Schwwe⸗ ſter, s. garrifolium, angenehm und zuträglich. q. Sonnenthau, drosera rotundifolia und longifolia. Auf Sumpfwieſen mit Torfgrund. Man hat ſich vor einer Aus⸗ breitung desſelben in Acht zu nehmen, weil er beſonders den Schafen 17 7 3 —— 77 tödtlich werden kann. Übrigens befördert ſein Genuß bei den Kühen das Rindern. r. Hahnenfuß, ranunculus. Auch das Geſchlecht dieſer Pflanze iſt unter die Giftgewaͤchſe zu rangiren; mindeſtens haben alle Gattungen desſelben etwas Scharfes und Atzendes, daher ſie durchgehends wenigſtens verdächtig ſind. Daß der kriechende Hahnenfuß, r. repens, ein milchvermehrendes Mittel ſey, iſt ein Glaube, welcher wohl auf mangelhafter Beobachtung be⸗ ruht. Dr. Sprengel ſagt: man verſichere zwar in manchen Theilen der Marſchen, beſonders oberhalb Bremen, daß er ein ziemlich gutes Futter für Milchkühe(nicht aber für Maſtvieh) abgebe; allein wo man auf die Pflanzen, welche dem Milchviehe dienlich ſind, ſehr auf⸗ merkſam ſey, z. B. auf den Elbinſeln Wilhelmburg, Altwerder, Neu⸗ hoff und dem hohen Schaar, ferner im Langenbruch bei Harburg, be⸗ haupte man einſtimmig, daß der r. repens(deſſen Trivialname Wild⸗ mark oder Holzmark iſt) ein ſchlechtes Futterkraut ſey. Man habe nämlich die Erfahrung gemacht, daß die Kühe anfänglich zwar viele, zuletzt aber ſehr wenige Milch darnach geben. Man ſage:»der Wild⸗ mark mergelt das Milchvieh aus.« Selbſt Heu, worunter ſich viel krie⸗ chender Hahnenfuß befände, achte man hier gering. In allen Marſchen komme man übrigens darin überein, daß der r. repens ſowohl im grü⸗ nen als trockenen Zuſtande gänzlich von den Pferden verſchmäht werde, und ſchon deßhalb ſolle man darauf bedacht ſeyn, dieſes Gewächs ſo viel als möglich zu vertilgen. Der r. repens erſcheint nach Sprengel auf den Elbinſeln in Maſſe, ſobald die Weiden den Winter über unter Waſſer ſtehen; ein Grund mehr, weßhalb die Einwohner vor den Überſchwemmungen ſich ſo ſehr fürchten. Die in unſern Alſterwieſen häufig wachſenden Ranunkel⸗Arten bringen bei Kühen und Pferden ganz ähnliche Erfolge, wie die oben angegebenen, hervor. Von letztern wird das damit vermiſchte Heu gar nicht gefreſſen; bei erſtern legt es, wenn der Hunger es hineintreibt, den Keim zur Lungenſucht, Egeln in der Leber ꝛc. Die verabſcheuungs⸗ würdigſte und vielleicht am tödtlichſten wirkende Ranunkelart iſt r. sce- leratus. Aber auch ihre Schweſtern, r. aeris und r. ſlammula, ſind er⸗ fahrungsmäßige Urſachen häufigern Viehſterbens, und der Beſitzer von damit beſchmutzten Sumpfwieſen hat ſchon allein aus dieſem wich⸗ tigen Grunde die Cultur derſelben, mit deren Fortſchritt auch dieſe Unkräuter ſich allgemach von ſelbſt empfehlen werden, zum angelegent⸗ 78 lichſten Geſchäfte zu machen. Dr. Sprengel ſagt von dem ſcharfen und brennenden Hahnenfuß*): »Daß der ſcharfe Hahnenfuß, auch ſelbſt im trockenen Zuſtande, ſeine giftigen Eigenſchaften zum Theil enthält, leidet beim Verfaſſer ſchon lange keinen Zweifel mehr. Noch im vergangenen Sommer ſah deer zu Amt Ilten im Lüneburgiſchen eine Wieſe, deren Heu, obgleich ſie außer einigen Gräſern, etwas trifolium filiforme und t. repens, durchaus keine andere Pflanzen hervorbrachte, als ſehr viel ranunculus repens und ſehr wenig r. acris, dem Viehe jedesmal einen heftigen Durchfall verurſachte.— Den brennenden Hahnenfuß hält man in den Marſchen für eine Pflanze, die allen Viehgattungen ſehr ſchädlich iſt. Um ſich zu überzeugen, wie höchſt nachtheilig der ranunculus flam- mula wirkt, hat man nur nöthig, das Vieh zu betrachten, welches auf Weiden ſeine Nahrung findet, die viel von dieſem Gewächſe hervorbrin⸗ gen; es iſt mager, hat ſtruppiges Haar, und gibt, nach Ausſage der Beſitzer, einen ſehr geringen Milchertrag.« Was Sprengel hier ſagt, hat ſeine vollkommene Richtigkeit. Auf den Stegener, mit Ranunkeln überſäeten Sumpfwieſen hat mir eigene Erfahrung den Commentar dazu geliefert. Das von dieſen Flächen ab⸗ genommene Heu bewirkte auch eine regelmäßige Diarrhöe, weßhalb Gras ähnlicher Qualität von meinen Nachbarn ſchon ſeit längerer Zeit gar nicht mehr geſchnitten ward. s. Noch einige der minder gewöhnlich vorkommenden Gift⸗ kräuter. a. Habichtskraut, hieracium pilosella. Wird nur auf trockenen Stellen gefunden; iſt, wenn auch nicht geradezu giftig, doch dem Viehe ſehr unangenehm, wirkt höchſt nachtheilig auf die Milch und bekommt namentlich den Schafen ſehr ſchlecht. b. Lolium temulentum. Dieſes Giftgras(das einzige unter den deutſchen Gräſern) iſt auf Wieſen viel ſeltener als auf dem Acker. c. Bilſenkraut, hyoscyamus niger. Auch, G Gottlob! auf unſern Wieſen ſeltener als die obigen ſchädlichen Unkräuter eingebürgert. d. Stechapfel, datura stramonium. An Bächen; wirkt auf Schafe und Schweine am todtlichſten. e. Pferdeſamenkraut, phellandrium aquaticum. An Gräben und an verſumpften Stellen. Mag gerade nicht abſolut giftig ſeyn, bekommt aber doch namentlich den Pferden ſehr ſchlecht. **) Am angeführten Orte S. 545. 79 f. Mercurialis perennis, Bingelkraut. Mitunter auf Waldwie⸗ ſen. Iſt beſonders den Schafen direct tödtlich. g. Eppich, sinm latifolium. An Bächen und Gräben iſt der Standort dieſer Pflanze. Sie zeichnet ſich durch ihren widrigen Geruch aus, und vereinigt wohl ihre giftigſten Eigenſchaften in der Wurzel, wenngleich auch die vom Viehe jung gefreſſenen Blätter einen nur nach⸗ theiligen Genuß gewähren. h. Wieſen⸗Anemone, anemone pratensis. Hat, wie alle Anemo⸗ nen⸗Arten, in allen ihren Theilen eine große Schärfe. Manche wollen wiſſen, daß ſie den Schafen unſchädlich ſey. Hiermit ſey dieſes Sündenregiſter geſchloſſen! Häufiges Ausſtechen wird dasſelbe bei dem aufmerkſamen Landwirthe nie anſchwellen laſſen. t. Der Duwock(Kannenkraut, Schaftheu, Heermus), equisetum palustre und arvense. Es iſt zum öftern, namentlich neuerlich, behauptet, daß der Acker⸗ duwock kein Wieſe nunkraut und dem Viehe unſchädlich ſey. Beides iſt unwahr. Ich hatte den Ackerduwock ebenſo gut in den Alſterbrü⸗ chen Stegens, als auf meinem vortrefflichen Höheboden in Wieſch; der Genuß desſelben bewirkte aber ohne Unterſchied Milchverminde⸗ rung und Abmagerung.— Die Meiſten mögen den Ackerduwock und den ſogenannten Heermus dann nicht auseinander kennen. Charak⸗ teriſtiſch ſind jenem(dem Ackerduwoch) die 2 Stängel, wovon der eine fruchtbare(Scapus frueticans) im April und Mai als ein nackter grauer Schaft hervortreibt, an der Spitze die Blüthenähre— der an⸗ dere unfruchtbare, der Wedel, erſt im Juni und Juli erſcheint, auf⸗ ſteigend, fußhoch, grün, rauh und ſcharf wie eine Feile anzufühlen und an den Gliedern mit 10— 12 quirlförmig ſtehenden Äſten(Blät⸗ tern) beſetzt. Der Wieſenduwock iſt beſonders an ſeinem feinen, hö⸗ hern, aufrecht ſtehenden Schaft, auf deſſen Spitze die im Mai und Juni reifen Samen tragende zolllange Ähre, und an der Glätte ſeiner gleich⸗ falls quirlförmigen Aſte(Blätter) zu erkennen. Die Fortpflanzung des Duwocks findet in ſolchem Grade durch die langen, braunen, mehre und viele Fuß tief in die Erde dringenden und ihre Sproſſen weit verbreitenden, hinſichtlich ihrer Bildung und Lebensthätigkeit mit Recht den Ouecken vergleichbaren Wurzeln Statt, daß man ſeine praplema⸗ tiſche Erzeugung aus Samen füglich ſo lange ganz auf ſich beruhen laſſen kann, bis es gelungen iſt, die Geſetze, welche erſterer Vermeh⸗ rungsart unterliegen, zu ermitteln.. Unter den bisher angewandten Mitteln gegen den Duwock: haͤu⸗ 80 fige und tiefe Bodenbearbeitung, Abmähen und Abwei⸗ den, Beerdung und Beſandung des damit beſchmutzten Landes, verſchiedenartige Bedüngung, Abgrabung u. ſ. w., hat keines ent⸗ ſchiedenen Erfolg gezeigt. Aber mehre derſelben verdienen, nach wie vor, Beachtung, weil ſie auf naturgemäßem Wege die Abhülfe des Ubels einleiten oder unterſtützen. So wird der Duwock nicht ausge⸗ rottet werden können, wenn man dem Boden nicht durch Abgraben die Säure entnimmt, welche ſeine nährende Mutterbruſt iſt, und da⸗ durch nicht zugleich die andern Lebensbedingniſſe, Näſſe und Kälte, entfernt. Bringt man dann auf ſolches Land den früher nutzlos, ja ſchädlich daran verſchwendeten Dünger, oder Dungerſurrogate, z. B. Gips, ſo wird man ſelben zu Gunſten der angeſäeten Cultur⸗ pflanzen Wirkung äußern und durch das kräftige Wachsthum letzte⸗ rer die Duwockpflanzen mehr und mehr verdrängt, dieſe ſelbſt aber auf dem milder gewordenen Boden in ihrer chemiſchen Conſtitution eine günſtige Veränderung erleiden ſehen. So kann auch auf anderem Wege, mittelſt Beſandung, Erdbekarrung ꝛc., der Erfahrungs⸗ ſatz in Anwendung gebracht werden, daß, je milder und reicher der Boden wird, deſto mehr der Duwock ſich vermindere und an Schärfe verliere. Von dem Abmähen und von dem Abweiden des Du⸗ wocks durch Pferde habe ich nicht weitern Erfolg verſpürt, als der kräftige Pflanzenwuchs an ſich jenen verdrängt; aber daß das Ausſtechen der Duwockſchößlinge und ein damit in Ver⸗ bindung geſetztes Düngen des Feldes, wenn beides mit Fleiß und Beharrlichkeit verfolgt wird, ein ſicheres und auffallend wirkſames Verminderungsmittel der Duwockplage iſt, das ergab nicht allein des Holländers Jan Teuniß van Dam rühmliches Beiſpiel, ſondern be⸗ weiſ't das gleiche Verfahren induſtriöſer Bauern auf dem Mittelrücken Holſteins, in der Gegend von Itzehoe und Kollinghuſen. Vom Dün⸗ ger hat man in Holland— wo man, analog den bereits früher aus⸗ geſprochenen Grundſätzen, Alles, was nur irgend kräftig und wirk⸗ ſam zur Vermehrung, Verbeſſerung und Erhaltung des Grasfilzes auf dem Lande dient, als ein tüchtiges Mittel zur Verminderung und Vertilgung des Duwocks, hier gemeiniglich Unjer(Unheil), Hermoes, Paarde staart, auch Breeke been genannt, anerkannt— beſonders den Schweinemiſt, dann aber auch den Abfall aus den Salzkothen zur Ausrottung des Duwocks geeignet gefunden. Da der Schweinemiſt ſelten in zweckentſprechender Menge zu haben iſt, ſo bedient man ſich (in den ſogenannten Strompoldern) folgenden einfachen Verfahrens: Die Beſitzer ſolcher Heermoesländereien ſchaffen ſich eine gewiſſe An⸗ 81 zahl junger Schweine an; dieſe werden dann geringelt und auf ſol⸗ che mit Heermoes verunreinigte Plätze in abgeſchloſſene Huͤrden ge⸗ bracht, um das darauf befindliche Gras abzuweiden. In dieſe Hürden werden große lange Tröge zum Saufen geſetzt, wo ſie dann zweimal, nämlich des Morgens und des Abends„ regelmäßig ihr Futter be⸗ kommen und auch des Nachts auf den Feldern bleiben, ſo lange, bis ein ſolcher Platz völlig kahl abgeweidet iſt. Da nun der Dünger, ſo wie der Urin, auf dem Platze bleibt, den ſie mit ihren ſpitzigen Füßen tief in den Boden treten, ſo iſt die Wirkung auf den vermehrten Gras⸗ wuchs außerordentlich ſtark und der Heermoes wird durch die Üppig⸗ keit des Graſes überwältigt.— Schweinemiſt hat ſich auch in Holſtein ſehr gegen den Duwock bewährt.— Auch Straßenkoth eignet ſich vorzugsweiſe zu dem beſprochenen Zwecke.— Endlich möchten wir noch beſonders darauf aufmerkſam machen, daß es häufig die größere Feſtigkeit des abgegrabenen, beerdeten, bedüngten, geweideten Bo⸗ dens iſt, welche als mitwirkende Urſache des verminderten Duwock⸗ wuchſes anzuſehen ſeyn dürfte. Wenn irgend ein Gegenſtand ,ſo verdient dieſer— die Ver⸗ tilgung des Duwocks und die Minderung ſeiner Unſchäd⸗ lichkeit für das Vieh— vergleichenden Verſuchen unterzogen zu werden. Man ſollte(nach Sprengel) genau ermitteln, welche Be⸗ ſtandtheile des Bodens die beiden Heermusarten vorzugsweiſe zu ihrem freudigen Wachsthum verlangen(durch Unterſuchung des Bodens und der Duwockpflanzen auf ihre[mineraliſchen] Beſtandtheile). Der Du⸗ wock iſt ſehr reich an Kieſelerde. Von Eiſen enthält er nur ſchwache Spuken; Alaunerde und Mangan gar nicht. Man hat deßhalb vorge⸗ ſchlagen, Löſungen von Eiſenvitriol, ſchwefelſaurem Manganoyxydul ꝛc. Behufs Tödtung des Heermus anzuwenden; und da dieſer nie auf dem jüngern, noch an Seeſalzen reichem Marſchlande vorkommt, ſo glaubt man auch in Waſſerlöſungen von Kochſalz, ſalzſaurer Kalk⸗ erde und ſalzſaurer Talkerde ein Vertilgungsmittel vermuthen zu kön⸗ nen. Da wiederholt angeſtellte Verſuche gezeigt haben, daß ſehr viele kryptogamiſche Gewächſe(Pflanzen von unbekannter Fortpflanzungs⸗ art, oder vielmehr ſolche, bei denen die Geſchlechtswerkzeuge mit bloßen Augen nicht deutlich erkannt werden können— Farrenkräuter, Moo⸗ ſe, Aftermooſe und Schwämme), zu welchen bekanntlich auch die Equi⸗ ſeten gehören, gegen das Ammoniak ſehr empfindlich ſind, d. h. au⸗ genblicklich ſterben, ſobald ſie damit in Berührung kommen, ſo wäre zu verſuchen, ob die beiden fraglichen Pflanzen ſich gleichfalls durch Ammoniak, und zwar durch Löſungen der wohlfeilſten Ammoniak⸗ Lengerke's Wieſenbau. 6 ſalze— von kohlenſaurem und ſchwefelſaurem Ammoniak— tödten oder gänzlich vertilgen laſſen u. dgl. m.— In der zweiten Beziehung — der Unſchädlichmachung des Duwocks als Viehfutter— gälte es immer einen Verſuch, ob ſich der giftige Köper der beiden Heermus⸗ aarten, wenn ſie trocken ſind, wohl leicht durch kaltes Waſſer auszie⸗ heen laſſe. Auch hätte man zu unterſuchen: in welcher Menge das Kannenkraut, dem übrigen Futter beigemiſcht, den verſchiedenen Thieren nachtheilig wird; ob es letztern im trockenen Zuſtande weniger als im grünen ſchade; in welchem Alter es am ſchäd⸗ lichſten wirke; ob es, von gewiſſen Bodenarten hervorgebracht, den Thieren ganz beſonders nachtheilig werde; ob in dem Genuſſe gewiſſer anderer Pflanzen etwa ein Gegengift liege; ob man vielleicht mit Nutzen den mit Duwock gefütterten Thieren Waſſer zu verabreichen habe, welches kohlenſaures Eiſenoxydul in Löſung hält(da nämlich chhemiſche Verſuche gezeigt haben, daß die Equiſetſäure mit dem Eiſen eine unauflösliche Verbindung eingeht, ſo wird dieſes wohl auch im Magen der Thiere Statt finden, und die Equiſetſäure würde dann den Körper wieder verlaſſen, ohne in das Blut übergegangen zu ſeyn); ob durch Braunheubereitung, Selbſterhitzung, Auslaugung(mit ko⸗ chendheißem Waſſer), Säuerung ꝛc. das Duwock⸗Futter verbeſſert werden könne u. dgl. m. u. Binſen, juncus; scirpus. Mit Ausnahme der oben erwähnten Binſenart geben dieſe Pflan⸗ zen n bloß ein Noth⸗ und ſaures Futter ab, und nur der ſchlechte Wie⸗ ſenwirth wird ihre Verbreitung ſehen und dulden. Das dichte Ab⸗ ſchneiden der Sproſſen an der Erde im Frühjahre und Beſtreuen ihres Standortes mit Holzaſche befördern ihre Ausrottung. Auf gehörig trocken gelegten und gepflegten Wieſen ſtellen ſich von ſelbſt keine Bin⸗ ſen und Binſengräſer ein. v. Rohr, arundo. 1 Wenngleich das ſogenannte Dachrohr ein ſehr gedeihliches Futter für die Pferde iſt, ſo bewirkt es doch bei den trächtigen Kühen das Verwerfen und iſt daher unter dem Wieſenheu ein nachtheiliges Bei⸗ mengſel. w. Arctium lappa.(Grote Klieven.) Ein auf den Mecklenburger Wieſen nicht ſeltenes, höchſt verderb⸗ liches Unkraut. Es wird von keinem Viehe gefreſſen, breitet ſich ſehr aus und erſtickt die beſſern Gewächſe. 83 x. Großer Huflattig(Loken), tussilago. Ein auf Wieſen mit lehmigem und mergeligem Grunde nicht gar zu ſeltenes Unkraut. Man findet es namentlich in Holſtein ſehr häufig, wenngleich die Höhe dort ſein eigentlicher Mutterboden iſt. An der Oſtküſte gibt es Reviere von über 100 Fuß Breite damit überzogen. Häufiges Abmähen iſt auf Wieſen, die man nicht umgraben und ackern kann oder will, das gewöhnlichſte Mittel dagegen. Den Untergrund, wiewohl gerathen worden, herauszunehmen und zum Befahren der übrigen Wieſen und Acker zu benutzen, mag eine Radical⸗, aber keine Cur ſeyn, welche der Mehrzahl conveniren dürfte. In andern Gegenden habe auch ich den Huflattig in der Regel an den feuchteſten Orten am üppigſten vegetiren ſehen. Kein Wieſenwirth hat mühſeliger damit zu kämpfen, als der Sie⸗ gener. Herr v. Bönninghauſen erzählt uns, daß manche Flächen von ſonſt ſehr guter Bonität nur noch Loken ſtatt Gras producir⸗ ten. Auch er empfiehlt als einziges Mittel gegen dieſes giftige Un⸗ kraut, vom erſten Frühjahre an bis zum Herbſt ſo oft die Blätter abzumähen, als ſie mit der Senſe gefaßt werden können. Ob hier, ſagt er, die Pflanze durch die wiederholte Verwundung verblutet, oder ob die hohlen abgeſchnittenen Blattſtiele, worin das Waſſer ſich hält, die Faͤulniß bis zur Wurzel bringen, oder ob endlich die Pflanze ſelbſt, wenn ſie ihres Blattorgans während der Vegetationsperiode be⸗ raubt bleibt, erſterben müſſe, iſt noch nicht ausgemacht; aber der Erfolg iſt ganz ſicher, und ich habe ſelbſt Wieſen geſehen, die früher vollſtändig davon überwachſen waren, nun aber, nach einer zwei⸗ jährigen Behandlung ſolcher Art, auch nicht die mindeſte Spur dieſer Pflanze mehr ſehen ließen. 4 Im Naſſauiſchen(zu Dillenburg) vertilgt man den Huflattig noch radicaler dadurch, daß man die im Fruͤhjahre zum Vorſchein kommen⸗ den Samenköpfe mit einem langen Meſſer ſo tief als möglich in der Erde abſticht und die Offnung mit einem Fußtritt zuſtampft, wodurch die Wurzel verfault und die ſchädliche Pflanze mit ihren großen Blät⸗ tern nicht mehr zum Vorſchein kommt. y. Mooſe. Die Plage derſelben findet auf Wieſen mit undurchlaſſendem Bo⸗ den und auf ſolchen Statt, die zu mager ſind, um beſſere Gewächſe zu ernähren. Die Mooſe ſind nicht der Grund, ſondern die Folge der Unfruchtbarkeit. Was zu ihrer Vertilgung gethan werden muß, wird weiter unten Beſprechung finden. M 6* 84 Wir könnten auch das Alphabet der nachtheiligen Wieſen⸗ pflanzen ohne mühevolles Nachdenken ausfüllen und überſchreiten; da wir aber überzeugt ſind, kein erhebliches Unkraut übergangen zu ha⸗ ben, deſſen eigenthümlichen Standort der Wieſengrund ausmacht, ſo glauben wir zweckmäßiger und nützlicher den noch offenen Raum mit einigen allgemeinen Bemerkungen über die Beſtandtheile des Raſens und dem Verhältniſſe desſelben untereinander füllen zu können. Die Beſtimmung des Miſchungsverhältniſſes der Wie⸗ ſenpflanzen hängt nicht nur von der Natur und Beſchaf⸗ fenheit der Wieſen und dem beabſichtigten Nutzungs⸗ zwecke, ſondern auch von den Eigenthümlichkeiten der Pflanzen, ihrer Wechſelwirkung aufeinander und ei⸗ ner Übereinſtimmung ihrer Conſtitutionsverhältniſſe zu denen des ſie producirenden Bodens ab. Fragt ein Wieſenwirth: Welche Gräſer und Kräuter haſt du auf den Wieſen vorzüglich zu begünſtigen? ſo hängt die Antwort ebenſo ſehr von der Natur und Beſchaffenheit der Wieſe, als von dem beab⸗ ſichtigten Nutzungszwecke ab. Richtig kann ſie nur ausfallen, wenn die Eigenthümlichkeiten der Pflanzen, welche man wählt, und ihre Wechſelwirkungen aufeinander gründlich erkannt ſind. In letzterer Rückſicht mangelt es überall noch ſehr an rationellen Erfahrungen, ebenſo wie der Einfluß der chemiſchen Conſtitution des Bodens auf Geſchmack und Nahrungsvermögen der Wieſenpflanzen die Aufgabe ſpäterer Forſchungen bleibt. Was das Bedurfniß eines ſchwerern oder leichtern, oder eines moo⸗ rigen, eines feuchten oder trockenen, eines reichen oder ärmern, eines feſtern oder lockern Bodens anlangt, ſo gibt dafür, wie die vorſtehen⸗ den Paragraphen beweiſen, die Praxis bereits ziemlich genügende Fin⸗ gerzeige. Die abweichende Geſtaltung und Beſchaffenheit einer Menge Grasarten auf verſchiedenartigem Boden legten ſinnlich die Bedingniſſe ihres Lebens und Wohlſeyns an den Tag. Auf gleiche Weiſe lernte man bei der Fütterung der verſchiedenen Gräͤſer ihre eigenthümliche Zu⸗ träglichkeit für beſondere Viehgattungen kennen. Man weiß z. B., daß dem Rindviehe vor Allem behagen: Avena elatior, alopecurus praten- sis, festuca elatior, anthoxanthum, odoratum, agrostis capillaris, bromus giganteus, poa pratensis und aquatica, melica nutans, hol- cus lanatus; man hat erfahren, daß für die Schafe am geeignetſten ſind: aira canescens und caespitosa, poa pratensis und annua, poa trivialis, poa compressa, poa bulbosa, festuca ovina, f. rubra, bro- 4 8⁵ mus mollis, trifol. montanum, achillea millefolium; ebenſo wie für die Pferde ſich festuca fluitans, lolium perenne, agrostis alba, phleum e † —————— — pratense u. a. vorzugsweiſe empfohlen haben. Schon weniger verbreitet, als die allgemeine Kenntniß der Futter⸗ werthe der Gräͤſer für verſchiedene Zwecke, iſt die beſondere über die Wirkung, welche die Aſſimilation einzelner ihrer Stoffe auf die thieriſchen Functionen aͤußert. An einzelnen Beobachtungen darüber nicht arm, wird doch erſt nach längerer Zeit, mit Hülfe der Chemie, die Wiſſenſchaft hier ſi cher! leitende Merkſteine aufſtellen können. Der Molkereiwirti uf ſeinen Wieſen namentlich ſolche Pflan⸗ zen zu begünſtigen, die,„ Zaußer; Zucker, reich an Pflanzenleim, Pflan⸗ zeneiweiß und andern viel Stickſtoff, Phosphor, Schwefel und Chlor enthaltenden Subſtanzen ſind, indem die Kühe, wie nach Sprengel*) die chemiſche Unterſuchung gezeigt hat, nach dergleichen Gewächſen die meiſte Milch geben. Außerdem iſt der wäſſerigen Pflanze vor der trocke⸗ nen, übrigens gleich ſchmackhaften und nahrungsreichen, der Vorzug einzuräumen, weil dieſe natürliche Saftigkeit, wenn ſie nicht, wie bei einigen Gewächſen, durch's Trocknen auf ſchwer verdauliche Weiſe er⸗ härtet, der Milcherzeugung unter allen Umſtänden förderlicher als das jenes erſetzende Waſſergeſöffe iſt. Zu den milchergiebigern Wieſenpflanzen gehören beſonders: lolium perenne, phleum pratense, festuca elatior und pratensis, poa praten- sis unb poa trivialis, aira aquatica, agrostis alba, stolonifera u. a., lotus corniculatus, carum carvi, phalaris etc. Wo es darauf abgeſehen iſt, den Wieſen hauptſächlich ein der Maſt zuſagendes Futter abzugewinnen, da wird man für eine zweck⸗ mäßige Vermengung von Gräſern und Kräutern Sorge zu tragen haben, indem es erwieſen iſt, daß erſtere allein eine geringere Maſtungs⸗ fähigkeit beſitzen, auch mit der größern Verſchiedenheit der Pflanzen, beſonders ſolcher, deren Wurzeln tief eindringen, die Freßluſt und Verdauungskraft des Maſtviehes in entſprechendem Maße zunimmt. Wieſen, welche hauptſächlich dazu beſtimmt ſind, Schaffutter zu erzeugen, dürfen ſchon hinſichtlich der dafür bekannten geeigneten Pflanzenvegetation weniger ängſtlich behandelt werden; denn es iſt be⸗ kannt, daß ſelbſt ſchlechtere Nahrung dieſen ſcharfverdauenden Thieren verhältnißmäßig zuträglicher wird. Es findet hier aber eine umgekehrte Rückſicht bei der Pflanzenbegünſtigung Statt, inſofern ſaure, ſcharfe *⁴) Siehe deſſen ökonomiſche Bemerkungen in der Landwirthſchaſtlichen Zei⸗ tung auf das Jahr 1831. 86 und wäſſerige Theile derſelben ganz andere und entgegengeſetzte Wir⸗ kungen als bei dem Rindviehe(dem ſelbſt erſtere beide bis zu einem ge⸗ wiſſen Grade viel minder zuwider ſind) hervorbringen. Auch die mehr oder minder officinellen Eigenſchaften der Pflanzen verdienen von dem wieſenbauenden Schäfereiwirth beſondere Beachtung. Sprengel hat ſehr Recht, wenn er einem zum Schaffutter beſtimmten Raſen außer den Gräſern andere aromatiſche, adſtringirende und bittere Pflanzen zugetheilt haben wiſſen will. In den Herzogthümern Schleswig und Holſtein iſt es auch eine bekannte Sache, daß alle Pflanzen, die reich an Salztheilen ſind, den Schafen eine ſehr erſprießliche Nahrung ge⸗ währen, weßhalb man denn in den Marſchgegenden, welche geſegnet mit ſolchen Kräutern ſind, die übrigens vernachläſſigte Schafzucht fort⸗ während in Ehren und Würden hält. Unſere Agriculturchemiſten, namentlich der ſehr hochſtehende Spren⸗ gel, haben bekanntlich(vgl.§. 31, t.) neuerer Zeit darauf hingedeutet, daß nachtheilige Gräſer und Kräuter dadurch unſchädlich gemacht wer⸗ den könnten, wenn man ihnen Pflanzen vergeſellſchaftete, deren Be⸗ ſtandtheile den verderblichen Stoff jener unwirkſam machten oder min⸗ deſtens die ſtörende Wirkung desſelben milderten, gleichwie Gift durch Gegengift vertrieben wird. So meint Sprengel, daß, wo z. B. die dem Viehe ſehr ſchädlich werdenden Ranunkelarten wachſen, man für das Aufkommen von Sauerampfer ſorgen müſſe, indem dann, durch die Säure dieſer Pflanze die Schärfe(das Alkaloid) der Ranunkeln abgeſtumpft oder unwirkſam würde. Da wir, wie der geneigte Leſer oben erſehen hat, noch ſo höchſt be⸗ ſchränkt in der Kenntniß ſind, die in der Lage und Beſchaffenheit des Bodens begründeten Vegetationsurſachen unſerer nachtheiligen Wieſen⸗ pflanzen zu heben, verdient ein Fingerzeig ernſte Beachtung, welcher mindeſtens den Einfluß des ſchlechten, unbrauchbaren und tödtlich wer⸗ denden Futters auf die geſunden Beſtandtheile desſelben unwirkſam zu machen verheißt. Es können Wieſenpflanzen auf verſchiedenem Boden gleiches Wachs⸗ thum, aber doch ganz verſchiedene Reſultate bei der Fütterung zeigen. Darauf hat man noch nicht hinlänglich geachtet. Wir wiſſen wohl, daß die Erbſe, Bohne, die Kartoffel, die Rübe ꝛc. von dieſem Gärt⸗ ner wohlſchmeckend, von jenem fade und wäſſerig iſt; aber die Urſa⸗ chen, welche unſer Vieh haben mag, gleiche Gourmanderie bei der Aus⸗ wahl ſeines Futters zu beobachten, bleiben ziemlich unbeachtet. So liegt denn noch ein weites Feld vor uns, die Conſtitutions⸗Verhältniſſe der Bodenarten und der auf ihnen wachſenden Pflanzengattungen in — —— 5 87 Übereinſtimmung zu bringen. Je mehr wir dieſen Forſchungen uns hin⸗ geben werden, deſto ſchneller wird die verwickelte und mangelhafte Wie⸗ ſenpflanzenlehre auf ſicher leitende Grundſätze ructgefihhe und verein⸗ facht werden. Mögen dieſe Andeutungen dazu beitragen, dem Praktiker die Vor⸗ 3 bereitung, Anſtellung und Durchführung dahin abzweckender Verſuche zu erleichtern! Scνππναινννέϋ Fünkter Abschnitt. Unterhaltung der Wieſen. „Wir ſtellen uns auf einen etwas erhabenen Ort, um unſere Wieſe beſſer zu überſehen. Wir ſchauen links und ſchauen rechts, und erblicken friſch aufgeworfene und veraltete Maulwurfshaufen, Steine, Geſträuche und Geſtrüppe; ſchlechte, un- nütze Bäume, verſumpfte Stellen, Unebenheiten; kahle Ameiſenhügel; ſeit lange⸗ her nicht mehr geöffnete oder noch friſch zu ziehende Gräben; am Fuße der Wieſe end⸗ lich einen Bach, der die höhern Ufer untergräbt oder ſonſtigen Unfug auf unſerer Beſitzung anrichtet. Wir fangen an, uns vor uns ſelbſt zu ſchämen, und greifen zu den Mitteln, die alte Schuld abzutragen.“ v. Schwerz. §. 33. Entſchuldigung wegen Wiederholung von Bekanntem. Es iſt wohl anzunehmen, daß die mehrſten meiner Leſer auf dem hier angegebenen Standpuncte eine beſſere Augenweide, wie die ge⸗ nannte, haben werden, und ſo mag es überflüſſig ſeyn, den ſo häufig beſprochenen Gegenſtand dieſes Capitels wiederholt heranzuziehen. Indeſſen können wir uns nicht einbilden, daß unſer Vortrag über den⸗ ſelben nicht zur Verbreitung einiger ihn betreffenden, noch nicht allge⸗ mein genug bekannten und angewandten Kenntniſſe Behufs der Weg⸗ räumung des Verderbens natürlicher Wieſen beitragen möchte. Der Vollſtändigkeit halber folgt alſo hier die kurzgefaßte Lehre über letztere. 4§. 34. Maulwurfshaufen.— Ebnen derſelben.— Wegfangen des Maulwurfs. Obſchon die Natur den Maulwurf darauf angewieſen hat, den Wieſenboden von Engerlingen ꝛc., welche die Graswurzeln benagen, zu reinigen, ſo treten doch Fälle ein, wo man ſich veranlaßt fuͤhlen kann, ſeine Wirkſamkeit mit Gewalt einzuſchränken, nämlich dann, wenn er der Vegetation durch Unterminirung des Raſens mehr Scha⸗ 88 den verurſacht, als ſein vertheilter Erdauswurf ſie unterſtützt und er Veranlaſſung wird zur Einniſtung andern ſchädlichen Gewürms. Auf Rieſelwieſen niſtet er ſich bekanntlich nicht ein, ebenſo wenig auf ſteini⸗ gen, humusarmen Raſenplänen; dagegen iſt er der untrügliche Weg⸗ weiſer einer erdigen, humusreichen Oberdecke. Wo hier nicht die nöthige Sorgfalt zur rechten Zeit angewandt wird, um die aufgeworfenen Hau⸗ fen unſchädlich zu machen, kann die fetteſte Wieſe in gar nicht langer Zeit einer alten vernachläſſigten Hutweide ähnlich werden. Und zwar genügt es nicht, die Haufen, wie gewöhnlich geſchieht, bloß zeitig im Frühjahre auseinander zu ſchlagen, ſondern es muß dieſe Operation nach jedem Schnitte wiederholt werden. Mit vortrefflichem Erfolge habe ich mich dazu ſeit Jahren der von Thaer und Schwerz empfoh⸗ lenen Maulwurfsſchleife bedient, welche ſich von der gewöhnlich ange⸗ wandten durch ein ſtärkeres, ſchärferes Meſſer und die ſehr zweckmäßige Einrichtung, letzterem vermittelſt des Regulators eine flachere und tie⸗ fere Richtung zu geben, vortheilhaft unterſcheidet. Es werden damit, ohne Raſenverletzung, die Haufen ebenſo glatt von dem Grunde ab⸗ gekämmt und ihre Erde nicht minder weitläufig und egal vertheilt, als es von dem Handarbeiter nur immer geſchehen kann. Wenn die aus⸗ gebreitete Erde mit dem Samen guter Gräſer beſtreut wird, ſo iſt jene Arbeit der Wieſenpflege gar nicht zur Laſt zu rechnen, da ſie zur Ver⸗ beſſerung des Bodencapitals augenſcheinlich mitwirkt. Iſt durch frühere Fahrläſſigkeit die Wühlarbeit des Maulwurfs zum Queck⸗ und Wurmneſt und zur Herberge ſchlechter Gräſer gewor⸗ den, dann iſt deren nothwendige Wegſchaffung auf großen Flächen nur mittelſt des ſogenannten Wieſenhobels, einer aus vier Balken beſtehen⸗ den Schleife, welche wechſelweiſe mit ſtarken Hobeleiſen und Zinken verſehen ſind, zu beſchaffen. Dieſes Inſtrument— der ſogenannte un⸗ gariſche Pflug—, eine Anſpannung von ſechs Pferden erfordernd, verſetzt die Wieſe in einen ſehr erſprießlichen Mittelſtand von Acker und Raſen. Wird nach dem Gebrauche desſelben die halb zerriſſene Nar⸗ be mit leichten Eggen völlig gepulvert, demnächſt gewalzt und mit gu⸗ ten Gräſern und Kräutern neu beſamt, ſo hat man dem Reſultate einer förmlichen Verjüngung entgegen zu ſehen. Jedoch wird der hier in Betracht gezogene Fall bei dem dermaligen Stande unſerer Wieſen⸗ cultur nicht häufig vorkommen; im Kleinern wäre dann zeitig im Frühjahre, unmittelbar nach dem Froſte, wo der Boden noch weich iſt, die Zerſtoßung der Haufen mittelſt einer Handramme, welcher Operation auch das Eggen folgen müßte, zu beſchaffen. Nimmt die Vermehrung der Maulwürfe auf Beſorgniß erregende „————— 89 Weiſe zu, ſo hat der intelligente Wieſenwirth ſo zeitig als möglich im Frühjahre durch Wegfangung die Entſtehung neuer Generationen zu ſtören. Das Aufſtellen von Fallen will mir dazu nicht paſſen; alle Fallen, ſelbſt die ſinnreiche niederländiſche, ſind zu zeitraubend und wirken zu langſam. Daß die weiter unten beſchriebene, bei der Mäuſe⸗ vertilgung ſo erprobte Räucherungsmethode auch bei Verbreitung der Maulwürfe zweckmäßige Anwendung findet, glauben wir wohl; aber aus Erfahrung können wir das von dem Engländer Cox empfohlene Stecken von Knoblauch in die Gänge dieſes Ungeziefers beglaubigen, ebenſo wie das uns anderwärts einmal angeprieſene Legen kleiner Stückchen von Picklingen in ſeine Gänge ſich probat erwies. §. 35. Mäuſe, deren Vertilgung.— Jülichſcher Räucherpüſter. Auf fetten, hochgelegenen, natürlichen Wieſen iſt dieſe Plage nicht ſo ſelten, wie Mancher glaubt. Aufgelöſ'ter Kupfervitriol, Arſenik und Krähenaugen, kohlenſaures Baryt ſind erfahrungsmäßig ein herr⸗ liches Mittel dagegen. Wer ſich die Mühe gibt, mehre Male im Win— ter die Gänge dieſes Ungeziefers zuzutreten, dem wird es wenig anhaben. Auf kleinern Flächen empfiehlt ſich jene, dem vaterländiſchen Land⸗ wirthe nicht genugſam bekannte Räucherungsmethode, deren ſich, nach Schwerz“), in dem Jülichſchen faſt jeder Pächter bedient. Wir hätten keine Veranlaſſung, dieſelbe anzupreiſen, wenn wir die Schwefelräuche⸗ rung nicht gegen die Ratten anwendeten und entſprechenden Erfolg da⸗ von verſpürten. Das zur Tilgung der Wieſenmäuſe durch Räucherwerk anzuwen⸗ dende Inſtrument beſteht nebſt einem Handblaſebalg aus einem eiſer⸗ nen Cylinder, der etwa anderthalb Fuß in der Länge und ſechs Zoll im Durchmeſſer hält. Sein unterſtes Ende iſt mit einer feſten Platte geſchloſſen, in deren Mitte ſich eine Offnung befindet; über dieſer iſt von Außen eine 8 bis 10 Zoll lange, etwas krumm gebogene Röhre angebracht. Einen Zoll hoch über dieſer Platte oder dieſem Boden be⸗ findet ſich in dem Cylinder ein Roſt(Gitter), damit das hineinzuwer⸗ fende Räucherwerk nicht die Offnung der Röhre, als den einzigen Aus⸗ gang des Rauches, verſtopfe. Der obere Theil des Cylinders ſchließt ſich mit einem gut paſſenden Deckel, in welchem ebenfalls ein Loch iſt, in welches die Pfeife des Blaſebalgs eingeſtochen werden kann. Von Außen iſt an dem Cylinder eine eiſerne, zweibeinige, bewegliche Stütze *) Siehe deſſen„Belgiſche Landwirthſchaft“, Bd. 2. 90 angebracht. Die hier folgende Figur wird die Sache noch deutlicher machen. Übrigens kommt es nicht ſo genau dabei auf die Proportion an. Mit Inbegriff des Blaſebalgs kommt das Inſtrument auf 8— 9 fl. zu ſtehen.— Den Tag zuvor, als man das Räuchern unternehmen will, tritt man ſo viel als möglich alle Löcher der Mäuſe zu. Da dieſe nur des Nachts diejenigen wieder öffnen, welche zu ihrer Wohnung führen, ſo weiß man beſtimmt, wo man zu räuchern hat, ſtatt daß man ſonſt fruchtlos an manchem nicht mehr bewohnten Loche anſetzen würde. Der Cylinder wird mit Lumpen gefüllt, zwiſchen welche etwas Schwefel⸗ blume oder geſtoßener Schwefel eingeſtreut worden. Man bringt Feuer an die Lumpen, ſchließt den Cylinder mit ſeinem Deckel, und ſchiebt die Röhre davon in ein Mauſeloch. Die Stütze dient, um den Cylin⸗ der in einer feſten und ſchiefen Richtung zu erhalten. Nun wird der Blaſebalg vermittelſt ſeiner Pfeife in das Loch des Deckels eingelaſſen und eine kleine Zeit darauf losgefacht; dann ſetzt man in einiger Ent⸗ fernung wieder bei einem andern Loche an. Es iſt nicht nöthig, ſolches bei jedem Loche, wenn ihrer viele ſind, zu thun; denn der Rauch cir⸗ culirt durch die unterirdiſchen Gänge in der Nähe herum und erſtickt unfehlbar alle Mäuſe. Man hat aus Neugierde mehre Male nachgegraben und ſie ſchock⸗ weiſe übereinander liegend ohne die geringſte Spur des Lebens gefun⸗ den. Will man durchaus keine zuruͤcklaſſen, ſo tritt man gleich nach dem Räuchern die Löcher wieder zu und beräuchert am folgenden —, 91 Tage von Neuem alle Löcher, die ſich in der Nacht wieder geöffnet haben. Schwerz empfiehlt dieſe Rauchoperation als Augenzeuge*). §. 36. Ameiſen.— Maikäfer.— Grasraupen. Das Überhandnehmen der Ameiſen auf einer Wieſe gibt den Ba⸗ rometerſtand ihrer Ertragbarkeit ab. Dieſe Thiere ſchaden nicht nur mechaniſch, ſondern haben wirklich auch auf die Conſtitution des Bo⸗ dens Einfluß, indem ſie eine eigenthümliche Säure von ſich geben und jenem zu viel der, den meiſten Pflanzen zu ihrem Gedeihen erforder⸗ lichen phosphorſauren Kalkerde entziehen*). Die Ameiſenſäure iſt farblos, riecht ſtechend ſauer, ähnlich der Ausdünſtung eines Ameiſenhaufens, und ſchmeckt ſauer; ſie beſitzt bei 16° R. ein ſpec. Gewicht von 1,116, läßt ſich wie Eſſigſäure deſtilli⸗ ren, iſt aber nicht kryſtalliſirbar. Sie bildet mit Alkalien, Erden und Metallen eigene Salze, welche ſalzbitter ſchmecken und beim Über⸗ gießen mit Schwefelſäure den Geruch der Ameiſenſäure entwickeln; ſie beſteht aus 32,97 Kohlenſtoff, 64,22 Sauerſtoff und 2,80 Waſſerſtoff; ſie läßt ſich nach Döbereiner als eine Verbindung von Kohlenoxyd mit Waſſer anſehen.(S. Schübler's Agricultur⸗ chemie.) Die kahlen Herbergen dieſer Thiere, welche nicht nur die guten Gewächſe erſticken, ſondern auch vorzugsweiſe kleine, ſchlechten Ertrag gebende Heugräſer aufnehmen und den Samen derſelben verbreiten, müſſen abgeſtochen und, mit Miſt und Kalk vermiſcht, in Haufen zu Rottdung werden. Die phosphorſaure Kalkerde der umgekommenen Ameiſen zeigt ſich dann als kräftiges Agens dieſes Düngers. In die abgeſtochenen Stellen hat man etwas Grasſamen einzuharken. Die ungehemmte Vermehrung der Ameiſen macht den Wieſenboden nicht ſelten ſo mulmig, daß die Wurzeln von guten Gräſern, wenig⸗ ſtens vom Anfange„keinen feſten Stand erhalten können und man ſich zu einem Umbruche verſtehen muß. Auf dieſem Wege gelingt die Vertilgung der Ameiſen aber nur langſam und iſt koſtſpielig; wird es Einem möglich, durch Aufſtauung ihre Zerſtörung zu bewirken, ſo ſchlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe, indem der Rückſtand des frůher ſchädlichen Ungeziefers in ſeinen bittern Salzen dem Boden *) Siehe am angef. O. S. 438 u. f. **) Siehe Sprengel, S. 429. 92 neue Pflanzennahrung mittheilt und das Waſſer die obere Fläche wieder ſetzt und zuſchlämmt. Gleiche Zerſtörungen, wie die Ameiſen, richten in manchen Jah⸗ ren die Maikäfer an, indem die Larven derſelben den Wieſengrund total unterminiren. Trockene Stellen müſſen mit den Schafen gepfercht werden; die Anwendung einer ſteinernen Walze in der Mittagsſtun⸗ de, wenn die Engerlinge ſich bis nahe an die Oberfläche heben, kann andererſeits auch zu ihrer Vertilgung beitragen. Beide Mittel können aber wenig ausreichen. Auch hier iſt Waſſer das Geeignetſte. Endlich ſind hier noch die Grasraupen, welche von mehren Nacht⸗ ſchmetterlingen, nämlich von Noctua graminis, N. caespitis und N. lolii herrühren, zu nennen. Selbige leben zwar von Gräſern, aber ſie freſſen ſolche nicht ſämmtlich. Die Carex-Arten verſchonen ſie ſämmt⸗ lich, nicht minder Medicago, weißen und rothen Klee, Lotus, Plan- tago, überhaupt die kleeartigen Gewächſe. Für das Aufkommen dieſer iſt daher vornehmlich zu ſorgen, wenn man ſeine Wieſen vor dem Grasraupenfraß ſichern will. Vorzugsweiſe lieben ſie die Schwingel⸗ arten, Festuca ovina, duriuscula, rubra. §. 37. 1 Wegräumung von Geſtrüppe, Steinen, Aufge⸗ ſchlämmtem. Die Hindentung hierauf gehört wohl eigentlich in die Fibel des ökonomiſchen Lehrlings; dennoch mag ſie hier ihren Platz finden, weil Wiſſen und Thun auch in dieſer Rückſicht häufig nicht überein- ſtimmen. Alle drei genannten Gegenſtände ſtören nicht allein unmittel⸗ bar, ſondern auch indirect den Graswuchs, indem ſie den Raum be⸗ ſchränken und den Grund zur Unfruchtbarkeit legen. So unſchädlich einzelne tiefwurzelnde, hochkronige Bäume auf Wieſen Platz finden, ja den Reinertrag derſelben erhöhen können, ſo ſehr wird letzterer durch Strauch⸗ und Staudenwerk beeinträchtigt, indem ſolches ver⸗ mittelſt ſeiner vielen ſeitwärts unterlaufenden Wurzeln den Boden auszehrt und ihn erhärtet. Ähnliches findet Statt, wenn von den Winterfluthen herrührender Steingrus liegen bleibt und benarbt, da alsdann dieſe Stellen kahl und unfruchtbar bleiben, weil ſie den Pflanzenwurzeln kein Eindringen geſtatten, Luft und Sonne auf ſie nicht eindringen können, und die Erdtemperatur ſchon an und für ſich, durch den natürlichen Froſtleiter der Steine, einen viel niedrigern Stand hat. Selten wird man eine Wieſe haben, wo aufgeſchlämmter Sand, Moder ꝛc. nicht ſofort auf geeigneten Stellen eine nutzreiche ———, 93 Anwendung fänden; um ſo unbegreiflicher iſt es daher, daß die kleine Arbeit des alljährlichen Ebnens nur unregelmäßig beſchafft und da⸗ durch der erſte Grund zur Unebenheit und Verſumpfung natürlich fruchtbarer Plänen gelegt wird. §. 38. Aufräumen der Gräben. Es iſt gewiß im Allgemeinen Thatſache, daß viel mehr Sorgfalt auf die Anlage neuer Gräben, als die Unterhaltung der Grabenarbeit gewendet wird; daher kommt es denn, daß jene ſich häufig nicht be⸗ zahlt machen. Nicht ſelten mißt man der natürlichen Bodenbeſchaffen⸗ heit und klimatiſchen Einflüſſen Wirkungen bei, welche gar nicht in ihnen liegen, und ausbleiben würden, wenn man ihnen nur ein klein wenig eigene Thätigkeit entgegenſetzte. Die größte Kunſt des Grabens beſteht mit darin, ſolches zu rechter Zeit zu thun; iſt das geſchehen und in der Anlage nichts verſehen, ſo kann nur regelmäßige Nachhülfe und Ausbeſſerung der Arbeit das daran verwandte Capital erhalten und verzinſen. Man glaubt dieſe oft minder nöthig, wenn die Gräben genügen, den Ablauf des Waſſers nicht zu behindern, ohne zu beach⸗ ten, daß ihre allmählige Einſchrumpfung wieder den erſten Grund zur Entſtehung von Kälte und Säuren legt. Wenn aber dieſe nun endlich wieder vorherrſchend werden und eine Renovation der zu Furchen gewordenen Gräben ſich als Bedürfniß herausſtellt, kann es da nicht mit, Fug und Recht heißen:»Man habe den Schilling geſpart und werfe den Thaler weg«?!. Herr Freudenfeld auf Kowalz— bekanntlich ein einſichtsvoller und praktiſch thätiger Wieſencultivateur— ſagt über das Capitel der Gräbenunterhaltung ſehr verſtändig: »Die Wieſengräben müſſen alle Jahre ausgeſchaufelt werden. Nur ſo hat man davon die volle Wirkung, und ſo iſt es auch am wohlfeil⸗ ſten; denn in Gräben, die das Jahr vorher aufgemacht ſind, ſchau⸗ felt ein Mann 200 Quadratruthen und auch ſpäterhin noch 150 Ru⸗ then à Tag aus; 150 Ruthen koſten alſo 8 ßl., 18 Ruthen ungefähr 1 ßl., mithin die Ruthe in 18 Jahren auch nur ebenſo viel. Wenn die Gräben aber nur 1 Jahr über liegen, ſo iſt die Arbeit ſchon mehr als doppelt ſo ſchwer, und nach vier Jahren muß der Graben ganz neu aufgeräumt werden. Indeſſen, die Hauptſache dabei bleibt immer, daß man nur ſo, wie geſagt, die volle Wirkung von den Gräben hat, worauf Alles ankommt; denn in Wieſen, die nicht trocken genug ſind, hat der Dung faſt gar keine Wirkung.« 94 Wir müſſen hier noch auf einen Umſtand aufmerkſam machen. Man ſchlägt häufig die Räumerde der Gräben auf die Kanten der⸗ ſelben, oder ſtreut ſie ſogleich über das Wieſenbeet. Im erſtern Falle hemmt oder erſchwert man den gehörigen Abzug des Waſſers; die Zerſetzung der ausgeworfenen Erde durch die Atmoſphäre geſchieht nur unvollkommen, und ihre nachherige Abgrabung iſt beſchwerlich und rui⸗ nirt Graben und Raſen. Das ſofortige Verbreiten der Erde iſt um ſo weniger anzurathen, je dicker dieſelbe zu liegen kommt und von ſo roherer, brauner, ſaurer Beſchaffenheit dieſelbe iſt. Auf Duwockwieſen iſt vor Allem jene Operation ſchädlich. §. 39. Ausbeſſerung der Brücken, Bachufer. In mit vielen weiten Gräben durchſchnittenen Wieſen ſind die Brük⸗ ken ein koſtbarer Artikel, hauptſächlich wegen der ärgerlichen Repara⸗ tur, welche ſie erfordern, wenn ſie nicht jedesmal nach ihrer Benutzung nachgeſehen worden ſind. Iſt dieſes, wie es ſich gehört, gleich nach der Heuernte geſchehen, ſo unterſuche man im Frühjahre, was die Witte⸗ rungseinflüſſe zerſtört haben. Die Hauptſache iſt, für eine dichte, regel⸗ mäßige Raſenbedeckung der Faſchinen Sorge zu tragen. Mancher Land⸗ wirth wird erfahren haben, welches Unglück daraus entſtehen kann, wenn die Pferde die Raſendecke der Faſchinenbrücken durchtreten. Eben⸗ ſo gefahrbringend iſt eine ſchiefe Richtung und zu ſchmale Anlage der Wieſenbrücken. Über breite, tiefe Gräben kann ich aus langjähriger Erfahrung die uns durch Schwerz bekannt gewordenen, ſogenannten Schweizer Brücken empfehlen. Es werden dazu zwölf oder mehre dreizöllige Pfähle genommen und zu zwei und zwei dergeſtalt kreuzweiſe in den Graben geſteckt, daß die Spitze des Pfahls in den unterſten Win⸗ kel der einen Seite eindringt und der Kopf des Pfahls auf dem Ufer der entgegengeſetzten Seite aufruht, wie die unten ſtehende Figur an⸗ gibt. In die obere Offnung dieſer Schragen werden Faſchinen gepackt und ſolche mit Raſen zum Darüberfahren bedeckt; durch die unterſte aber fließt das Waſſer ungehindert durch. — 3 ————————— 95⁵ Wo Bäche während des Winters beträchtliche Einbrüche in das Wieſenbeet machten, da iſt ein Fingerzeig gegeben, ihrer Wirkſamkeit nach Kräften freien Lauf und ihnen vor Allem richtiges Gefälle zu un⸗ terhalten. Heckenzäune von Weiden müſſen dann die gefährlichſten Stellen ſchützen. Mancher Bach ſcheint ein gar tuͤckiſcher Geſelle, läßt ſich aber doch mit Leichtigkeit leiten, wenn man ihm ſeine Eigenheiten ablauſchte. Nur muthe man ihm nichts zu, was wider ſeine Natur ſtrei⸗ tet. Ich habe in Wieſch einen ſehr rauſchenden Bach dadurch zur Ord⸗ nung verwieſen, daß ich ſeine engen, mit Holz und Geſtrüppe durch⸗ wachſenen Ufer in ein niedriges, holzfreies Geſtade verwandelte, und er ſo in der Breite den Raum erhielt, welchen ihm die Höhe des Ufers nicht gewähren konnte. §. 40. Eggen. Moosvertilgung. Auf unſern ſauern, noch nicht durch Entwäſſerung und Bekarrung umgeſchaffenen Moorwieſen iſt das Eggen, beſonders nach ſchneerei⸗ chen Wintern, eben wenn der Froſt ſchwinden will, eine vielen Nutzen gewährende Operation. Es iſt dieſes häufig das einzige anwendbare Mittel, großen, von der Natur in jeder Hinſicht ſtiefmütterlich behan⸗ delten Flächen eine momentan lebhaftere Vegetation abzugewinnen. Es hat ſich dasſelbe mehrjährig auf den Alſterwieſen bewährt, wo die ab⸗ geriſſene dicke Moosdecke fuderweiſe weggefahren werden konnte. Daß es aber auch auf moosfreien Wieſen, beſonders vor Mittheilung einer ihnen beſtimmten Düngung, günſtig auf den Graswuchs wirken werde, leidet allerdings keinen Zweifel. Wenn man auf zu rechter Zeit abge⸗ kratzten Moorwieſen Kartoffelſtroh ausbreitet, ſo wird man davon hier eine beſſere Wirkung als von Gips verſpüren, welcher ſich bekannt⸗ lich nur im Elemente der Wärme der Vegetation vortheilhaft zeigt. Wir erinnern uns, mehrfach über die Wirkung des viel Kali enthalten⸗ den Kartoffelkrautes geleſen zu haben. Es ſcheint uns nicht unwichtig, eine Beobachtung zu beſtätigen, die in Berückſichtigung unſers ausge⸗ breiteten Kartoffelbaues und des Mangels zweckmäßiger, einfacher und wenig koſtſpieliger Vertilgungsmittel des Mooſes für die Praris von Wichtigkeit iſt. Es liegen noch mehre Gegenſtände dieſer Art der all⸗ gemeinern Unterſuchung vor, namentlich die Queckendüngung, wel⸗ che der Vernichtung des Mooſes und dem Wachsthume des Graſes ſo förderlich iſt. 96 §. 41. Walzen. Die Anwendung der Walze iſt auf bolligem Wieſenboden von au⸗ genſcheinlichem Nutzen. Man kann annehmen, daß unter übrigens glei⸗ chen Umſtänden der Ertrag des lockern Moorwieſengrundes dadurch um 25 Procent vermehrt werde. A. Young's mitgetheilte Verſuche beziehen ſich auf einen ohnehin genugſam feſten Boden, deſſen Thätig⸗ keit durch eine dichtere Verſchließung Abbruch geſchah. Auch möchten die wenigſten Heugräſer mitten in ihrem Wachsthume das Walzen ve vertra⸗ gen knnen.. 6. 42. 4.„ Auseden, er. Unkraͤutesn Daz iſt oft gleich im Fruͤhjähre der beſte Zeitpunct. Wir erin⸗ nern hier nur an die bereits im März hervorſtechende Zeitloſe, ge⸗ gen deren Verfütterung mit dem übrigen Graſe und Heu man zwar im Würtembergiſchen nichts einzu⸗ wenden hat, welche aber doch im gelindeſten Falle (d. h. in der Periode ihres mindeſten Giftgehaltes, nämlich im Frühjahre) zu einem erbärmlichen, das ſonſtige Heu verderbenden Dürrfutter, das jcdenfalls ⁸ 2 Fe kein Pferd anrührt, gewonnen wird. Dieſes Zwie⸗ belgewächs muß um ſo mehr an ſeiner Verbreitung 6 gehindert werden, da ſolches mit Rieſenſchritten wächſt und binnen wenig Jahren ein Verdrängen der nahr⸗ hafteſten Pflanzen und gänzliche Bo—— bewirkt. Das oben bereits erwähnhe: usſtechengh ſich, wenn damit beharrlich fortgefahren wird, 39 ein leichtes und ſicheres Verfahren bewährt. Man ſticht mit dem ſogenannten Wurzelſtecher(einem aus Stahl verfertigten, meiſelförmigen, unten etwa 2 Zoll brei⸗ ten, ſcharfen Inſtrumente) die aus dem Boden her⸗ vorragende Knospe in ſchräger Richtung ab, und zwar ſolcher Weiſe, daß der tief hineingeſtoßene Ste⸗ cher die Zwiebel mit verletzt, alſo eine Verblutung derſelben erfolgt. Männer, welche dieſes Verfahren drei Frühlinge hintereinander wiederholt haben, ver⸗ ſichern, die Wieſen dadurch ganz von der Zeitloſe gereinigt zu haben. Es iſt dieß um ſo mehr zu be⸗ achten, da die vorgeſchlagenen andern Ausrottungs⸗ 4 mittel, namentlich auch das Abpflücken der Blumen — nnnnn im Herbſte, minder paſſend und probat ſind und ein Umpflügen der durch ſie beſchmutzten Flächen auch keineswegs ſeinen Zweck erfüllt, wie man das unter andern in Hohenheim erfahren hat. Wieſen, deren Futter zu Heu beſtimmt iſt, müſſen ſchon im Früh⸗ jahre von dem ſchädlichen Sauerampfer gereinigt werden, indem widri⸗ genfalls der Ausfall des Samens und die Vermiſchung desſelben mit der Heuſaat ſeine Verbreitung auf doppeltem Wege unterſtützen. Die Ausziehung des Sauerampfers geſchieht zweckmäßig mit dem vorn abge⸗ bildeten Heber. Man ſtößt dabei die Gabel oder eiſerne Doppelſpitze nahe bei der Pflanze in den Boden, wozu das wohlbefeſtigte Zwergholz vermittelſt des Tritts mit dem Fuße hefeſtigt iſt. Nun ziel dder neigt man den Stock Kuß ſich zu, wodurch die Gabel die W umfaßt und, als Hebel auf de gla die Pflanze aus der Erde lüftet. Die Ausrottung der Diſteln, Binſen ꝛc. wird nochmals in Erinne⸗ rung gebracht. Man glaube nicht, letztere ohne mechaniſche Arbeit zu vertilgen. Auch mir hat es ſich beſtätigt, daß die Dungung mit Torf⸗ aſche das Wachsthum der Binſen begünſtigt. Sprengel glaubt, daß dieſes dem Mangan zuzuſchreiben ſey, welches die Torfaſche in größe⸗ rer oder geringerer Menge zu enthalten pflegt; es enthalten nämlich, nach Sprengel's Unterſuchungen, die Binſen ſehr viel Mangan. SCoSo᷑r VS 4½. 3*.¶ Ver „Da man, was übrigens ſehr richtig iſt, alle hochgelegene Wieſen unter den Pflug genommen und nur das zu niedrig gelegene Grasland verſchont hat, ſo ſind nur Sümpfe und Moorgründe zu Wieſen übrig geblieben. Was aber hat man für dieſe, außer etwa, wo man wäſſern kann, gethan? Weil man aber nichts dafür thut, ſo iſt man gewohnt worden, ſich Wieſe und ſaures Gras als nothwendig zuſam⸗ maengehörend zu denken.“ Anonymus.(In den Mähriſchen Mit⸗ theilungen, Jahrg. 1822, 4. Stück.) nechoter Abschnitt. eſſerung der Wieſen. . 1. Trockenlegung. §. 43. Ihre richtige Anwendung und Ausführung. Dhne dieſe Operation iſt durchaus an keine Eultur zu denken. Sie nimmt den erſten Platz unter allen Meliorationsmitteln ein, weil ſie die Lengerke's Wieſenbau. 7 * — ÿ 98 Wirkung aller fernern bedingt. Deßhalb hängt von ihrer richtigen An⸗ wendung und Ausführung Fluch oder Segen ab. Ihre Koſtbarkeit for⸗ dert doppelt zur Vorſicht auf. Wie thöricht würde es ſeyn, dem Spaten freie Thätigkeit einzuräumen, wenn wir über die Fortſchaffung des Waſſers durch unſere Nachbarn in Ungewißheit ſind. Das hieße denn im rechten Sinne des Wortes: ſein Geld in's Waſſer werfen. Ebenſo wenig praktiſche Umſicht würde es verrathen, torfige Heuwieſen, für welche Einem Waſſer zu Gebote ſteht, in dürren Filz und Pilz durch eine regelmäßige Abgrabung zu verwandeln. Ich habe dergleichen Kunſt⸗ ſtückchen wohl im ſüdlichen Holſtein beobachtet, namentlich ganz in mei⸗ ner Nähe, wo ein gelehrter Okonom ſich dreiſt des Kunſtſtücks rühmte, die Vegetation auf Null herabgebracht zu haben. Jeder einfältige Al⸗ ſterbauer weiß, daß naſſe Jahre und langes Wachsthum für ſeine Wie⸗ ſen, deren Lage und Pflege analog, Bedürfniß ſind. Es kann viel beſ⸗ ſere Reviere geben, wo es problematiſch iſt, eine koſtbare Trockenle⸗ gung zu bewerkſtelligen, wenn die Mittel fehlen, die Entſäuerung der Wieſen zu vollenden. Der im obigen Motto herangezogene Andnymüs bemerkt in ſeiner Abhandlung über Futterländer⸗Verbeſſerung erfah⸗ rungsmäßig, daß der in abgezapften und umgehackten Niederungen trefflich gewachſene Klee dem Viehe immer nicht beſſer als Sumpffut⸗ ter mundete. Ohne Erde, Mergel iſt an eine Veränderung der chemi⸗ ſchen Conſtitution des Bodens, wenn gleichwohl an ſeiner mechaniſchen, nicht zu denken. Der Spaten wird einen Theil der Kälte, aber nicht den Eiſengehalt entnehmen— die Säure, welche die nährende Bruſt der Sumpfgewächſe iſt und an welcher ſelbſt die beſſern Gewächſe ana⸗ loge Säfte einſaugen. Unter gewiſſen Verhältniſſen thut etwas zu viel Waſſer mindern Schaden, als zu weniges. G 39 8** 4 §. 44.„ Wechſelwirkung zwiſchen derchemiſchen Conſtitution des Bodens und der vr Joneſchen der Pflanzen. Wir finden hier nochmals Gelegenheit, darauf aufmerkſam zu ma⸗ chen, welche innige Wechſelwirkung zwiſchen der chemiſchen Conſtitution des Bodens und der organiſchen der Pflanzen Statt findet. Wir können uns vielleicht durch Entfernung ſtagnirender Näſſe und mechaniſche Er⸗ wärmung gewiſſer Wieſenboden⸗ Arten eine größere Futtermaſſe, aber nimmer wohlſchmeckenderes Futter verſchaffen, wenn ein denſelben eigenthümlicher Säuregehalt nicht entweder durch längere atmoſphä⸗ riſche, oder durch animaliſche und mineraliſche Düngung ihnen be⸗ nommen iſt. — 99 G. Meiſter*) beſtätigt dieſe unſere, auf langjährige Beobachtung gegründete Bemerkung durch Mittheilung folgender Erfahrung, die ge⸗ wiß auf dem ſo viel ſauren Humus enthaltenden Höheboden Mecklen⸗ burgs bei ſehr vielen Landwirthen Beſtätigung findet. Auf einem ſeiner damals noch ungemergelten Schläge wurde in der erſten Sommerſaat nach dem Winterkorn ein gewundener Streifen von Feldweges⸗Breite ſichtbar, auf dem ſich das Korn durch dichtern Stand, wie durch faſt einen halben Fuß höhern Wuchs vor dem übrigen auf⸗ fallend auszeichnete. Es hatte den Anſchein eines Eggenſtrichs, und es brachte Herrn Meiſter dieſes Anfangs auf die Vermuthung, die Er⸗ ſcheinung möͤge wohl davon herrühren, daß die Eggen nach der Beſtel⸗ lung über den Acker gezogen wären und dieſes zufällig einen ſehr gün⸗ ſtigen Moment getroffen habe. Doch daß dieß geſchehen ſey, wußte ſich Keiner zu erinnern. Nach abgebrachtem Getreide zeigte ſich dieſer Strich noch auffallender in der Stoppel; er fiel von ferne in's Auge, von wo aus er ſich wie ein Weg darſtellte. Das Sonderbarſte aber war, daß er das folgende Jahr in dem Hafer, womit dieſer lehmige Acker u Dreſch gelegt wurde, wieder auf gleiche Weiſe zum Vorſchein kam. Bei näherem Nachforſchen über die Urſache davon zeigte es ſich dann, daß es genau der Weg war, der von einer verlaſſenen Mergelgrube zu einem Ackerſtück führte, welches vor Jahren bei einem erſten Verſuch mit Mergel zugefahren ward. Man hatte damals, noch unbekannt mit den Handgriffen eines fabrikmäßigen Betriebes dieſer Operation, mit Wa⸗ gen gemergelt. Während des Fahrens war der Mergel durch die un⸗ dichten Flochten durchgekrümelt und der Weg war auf dieſe Weiſe mit gemergelt worden. Das Auffallendſte aber war, daß, als man zufäl⸗ lig das Jahr darauf eiſt Woche, nachdem das Vieh ausgetrieben, den Schlag von einer fernen Höhe überblickte, man denſelben Strich ge⸗ wahrte, welcher ſich als ein weißlicher Streifen darſtellte, der den grü⸗ nen Dreſch durchzog. Bei näherer Unterſuchung fand man nun auf ihm der ganzen Länge nach den Boden bis auf die Wurzel kahl gefreſſen, während das Vieh dicht daran und auf dem Strich den Klee hatte unangerührt ſtehen laſſen. Nach einigen Tagen verlor ſich die Erſchei⸗ nung wieder, als nun auch der übrige Theil des Dreſches vom Viehe mehr niedergehalten wurde.. Wenn das Vieh an einer Stelle lieber frißt, als auf der andern, oder wenn es das Futter von einem Stück des Feldes dem von einem *) Siehe deſſen Abhandlung über das Befahren mooriger Wieſen mit Erde, im 14. Bande der Mögliner Annalen. 7* ———́Y N—O—— 1 100 4 andern vorzieht, ſo iſt man gewöhnlich ſehr bereit, es daraus zu erklä⸗ ren, daß daſelbſt andere Gewächſe, welche ſeinem Gaumen beſſer beha⸗ gen, ihren Standort haben. Hier aber iſt das Merkwürdige bei der Sache, daß es ein und dasſelbe Gewächs war, nämlich rother Klee, welchen das Vieh auf der gemergelten Stelle desſelben Ackers vorzog und auf der ungemergelten verſchmähte, wobei es doch immer noch räth⸗ ſelhaft bleibt, wodurch es ſo ſcharf zu unterſcheiden weiß. Es iſt alſo evident, daß die eigenthümliche Beſchaffenheit des Bodens einen direc⸗ ten Einfluß auf den Geſchmack und die Güte der Gewächſe hat, die er als Futter hervorbringt. Sogar in der Farbe zeigt ſich ein Unterſchied. Es iſt eine bekannte Sache, daß das Stroh des auf gemergeltem Bo⸗ den gewachſenen Getreides, beſonders das der Gerſte, ſich durch eine hochgelbe Farbe auszeichnet, während das von ungemergeltem durch ſeine faſt fieberhafte Bläſſe ſtark dagegen abſticht. Bei dem Korne iſt es ebenfalls, nur nicht in ſolchem Grade, der Fall. Es iſt noch zu erinnern, daß jener Boden, obgleich Höheboden, ſäurehaltigen Humus hatte, wie es in ganz Mecklenburg*), Pommern und wahrſcheinlich in ganz Deutſchland und vielleicht allenthalben der Fall iſt, wo kein Kalk in der Ackerkrume enthalten, wenigſtens in den nördlichen Gegenden.— Die Anwendung, die von jener Erfahrung zu machen iſt, möchte wohl die ſeyn, daß man ſich hüten ſoll, über die Vorzüglichkeit mancher Gewächsarten nicht zu früh abzuſprechen, und daß es nothwendig iſt, ſie zuvor nach ihrem verſchiedenen Standorte genauer zu prüfen, ehe man es ſich anmaßt, über ihren Werth zu entſcheiden. Viele widerſpre⸗ chende Behauptungen aber möͤchten in dieſer Wahrnehmung ihren Schlüſ⸗ ſel finden. Es kann leicht ſeyn, daß, wenn man die Unterſuchungen aus dieſem Geſichtspunete anſtellt, das Urtheil über manche Pflanze ganz anders ausfallen wird, als das aus einſeitigen Beobachtungen abgezo⸗ gene, was bisher unſere Meinung leitete. So erweiſ't ſich, um hier ein Beiſpiel anzuführen, das Timotheegras, trotz des darüber geſproche⸗ nen Verdammungsurtheils, das es für hart erklärt, als ein ganz vor⸗ treffliches Gras ꝛc. Man verzeihe dieſe, vielleicht zu weite Abſchweifung von unſerem Thema!— ' ) Für Einige, die dieſe Eigenſchaft des Bodens nicht darin haben entdek⸗ ken können, die Bemerkung, daß es nothwendig iſt, bei unterſuchungen auf Säure das Lackmuspapier in unmittelbare, längere Berührung mit dem Erd⸗ brei zu bringen. Die Säure haftet zu feſt an Humus und theilt ſich dem dar⸗ über ſtehenden Waſſer nicht mit, iſt alſo hier auch nicht zu verſpüren. 101 „*§. 45. aturseſeb des Maſſens Schichtung des Erdbodens, Un⸗ terirdiſche Waſſerbehälter. Iſt man mit ſich ſelbſt einig darüber, daß das Graben nothwendig ſey und keine äußere Hinderniſſe den beabſichtigten Erfolg ſtören wer⸗ den, ſo handelt es ſich um eine richtige Ausführung der Entwäſſerung, welche ebenſo ſehr eine gründliche Kenntniß der Urſachen des zu bekäm⸗ pfenden Übels, als der dagegen anzuwendenden Mittel erheiſcht. Beide ſind ſo mannichfaltig, daß eine Detaillirung derſelben auf dem Papiere zur Rieſenarbeit erwachſen und dennoch nicht in allen Fällen ausreichen würde. Für den Landmann, welchem die auf mathematiſche Gründe ſich ſtützende Waſſerbaukunſt ſo viel fern liegt, als die Entwäſſerungen, Eindeichungen großer Diſtricte, Ziehung von Canälen ꝛe. kein Vorwurf ſeiner Thätigkeit ſind, wird die combinirteſte Anſchauung nicht helfen, wenn er ſich nicht von der, auf richtigen Naturgeſetzen begründeten verſchiedenartigen Entſtehung der Näſſe einen, jenem entſprechenden, klaren Begriff zu verſchaffen und, nach Maßgabe des dann ſich heraus⸗ ſtellenden Bedürfniſſes, die ſich in jedem Locale von ſelbſt ergebenden Mittel zu wählen verſteht. Es iſt bekanntlich dem Waſſer eigenthümlich, eine horizontale Fläche zu bilden. Die Wirkung ſeiner, mit ſeiner Schwere harmonirenden Kraft findet aber ſowohl grund⸗ als ſeitwärts Statt, und es erſtreckt ſich die⸗ ſer Druck ſo weit, als ſeine Verbindung unterbrochen iſt; daher tritt es in zwei miteinander verbundenen Röhren aus der einen in die andere ſo weit heräuf, bis es in beiden im Niveau ſteht*). Da eine Vermin⸗ derung dieſes Drucks durch die Friction überall nicht Statt findet, kommt die Weite der Röhren dabei nicht in Betracht; gegentheils kann, vermöge der Anziehung des Waſſers durch feſte Körper nach dem Ge⸗ ſetze der Haarröhrchen, in einer ſehr engen Röhre das Waſſer höher, als in einer damit verbundenen von großem Durchmeſſer aufſteigen. Lockere Erde wirkt ganz analog. Von der Conſtruction des Erdbodens in durchlaſſenden und un⸗ durchlaſſenden Schichten, folglich die Verbindung des Waſſers er⸗ haltenden oder ſeine Communication trennenden Lagen iſt früher ſchon die Rede geweſen. Dieſem Wechſel und dieſer Mannichfaltigkeit, der Durchaderung des thieriſchen Körpers vergleichbar, verdanken wir al⸗ les Waſſer auf dem feſten Lande, das im entgegengeſetzten Falle ent⸗ *) Thaer’s rationelle Londrßſhef⸗, Band 3. 10² weder ſich in die Mitte des Erdballs verſenken oder unmittelbar dem Meere zueilen würde. Die Tiefe der Senkung, die Beckenweite des Waſſers entſpricht na⸗ türlich der Beſchaffenheit des Schichtenbaues. Sind Grund und Seiten⸗ wände des Waſſerbehälters, ihrer undurchlaſſenden Eigenſchaft wegen, von der Natur feſtgeſtellt und letzterer erhält nur einen, ſein Faſſungs⸗ vermögen überſteigenden Zufluß, ſo findet der Überſchwang natuͤrlich an der niedrigſten Stelle des Bodens ſeinen Ausgang; iſt dieſer im Verhältniſſe des Zufluſſes und Drucks des Waſſers zu enge, ſo hebt ſich ſolches wohl noch höher und fließt dann auch an höhern Stellen über. Die offene oder verdeckte Lage ſolcher Waſſerbehälter, ihre innere Leere oder Ausfüllung(welche nur auf das Maß und den Abfluß des Waſſers Einfluß haben)⸗ ꝛc. ſind indiſferent. §. 46.. Wahrnehmung des Niveaus. Die Ermittelung des Höhepunctes des abzuleitenden Waſſers, ſei⸗ nes Abflußterrains und ſeiner Zielſtelle iſt eine ebenſo unumgängliche als oft ſchwierige Vorarbeit. Der Landwirth empfängt die dazu nöthi⸗ ge Anleitung, wenn er ſich die Elemente der Nivelirkunſt am beſten gleich auf praktiſchem Wege aneignet. 1 §. 47. Gräben; deren Anlage. Bei der gewöhnlichen Ableitung des Waſſers durch Gräben kommt der Zeitpunct ihrer Verfertigung, ihre Richtung, Menge, Gefälle, Tiefe, Weite ꝛc. in Betracht. Umſtände können das Sommergraben gebieten; in den ſeltenſten Fällen aber wird die ſömmerliche Arbeit ſich in Güte und Haltbarkeit der im Frühjahre beſchafften gleichſtellen, des momen⸗ tanen Verluſtes, welcher aus der Verunreinigung der Wieſe im Som⸗ mer erwächſt, gar nicht einmal zu gedenken. Die Richtung, welche man den Gräben zu geben hat, hängt ebenſowohl von ihrem Nutzungszwecke als der Beſchaffenheit des Terrains ab. Die Auffangegräben erhal⸗ ten eine quere Lage, gleichwie die Abzugsgräben die Wieſe auf entge⸗ gengeſetzte Weiſe abwärts durchſchneiden. Beſonders bei an Fluͤſſen ge⸗ legenen Wieſen müſſen erſtere mit der Richtung dieſer accordiren; denn nur ſo ſchneiden ſie die Quellen ab. Auf einen g eraden Graben hält in der Regel der Landmann große Stücke, und das mit Recht; denn nicht nur das Auge, auch die Wieſe ſelbſt verliert bei der ſchiefen Richtung. Aber ſolche bei großen Localſchwierigkeiten mit unverhältnißmäßigem 103 Koſtenaufwande umgehen zu wollen, entſpricht nicht der Tendenz des landwirthſchaftlichen Wirkens. Je naſſer, ebener und tiefer die Wieſe iſt, deſto mehre Gräben wird es erfordern, deſto enger werden dieſelben zuſammengerückt werden müſſen. In Wieſen, die von Quellen aufge⸗ trieben ſind, wird nicht leicht zu viel gegraben; ebenſo in ſolchen, deren Oberfläche ſo feucht iſt, daß ſie noch zu Stichtorf hält; meint man hier die überflüſſige Feuchtigkeit entfernt zu haben, wenn Pferde und Wa⸗ gen getragen werden, ſo irrt man ſich⸗ſehr. Die Gräben müſſen auf ſo kalten, ſauren Wieſen dermaßen vervielfältigt werden, daß die dem Vegetationsproeeſſe nöthige Wärme dem Pflanzenbehälter einverleibt wird. Bis zu dieſem Grade finden wir aber ſelten die Grabenarbeit. auf unſern Wieſen verfolgt, und doch können nur in dieſem Falle die ſpätern Meliorationsverfahren, namentlich die Düngungen, rentiren. Die Landwirthe des vorigen Jahrhunderts ſtanden in dieſer Rückſicht weit über uns, und Schwerz ſagt ebenſo wahr als ſchön:»Zur Schande ſey's geſagt! Unſere Alten, die wir bei den rieſigen Fortſchritten des modernen Zeitgeiſtes oft ſo unverdient herabſetzen, waren fleißigere und achtſamere Leute, als wir ſind. So findet man namentlich auf den Wie⸗ ſen die erloſchenen Spuren ihres Fleißes. Waren gleich ihre Abwäſſe⸗ rungsgräben nicht immer ſo richtig gezogen, als ſie hätten ſeyn müſſen, und ſchienen die ſchlichten Alten ſich überhaupt mehr in krummen als geraden Linien zu gefallen, ſo thaten ſie doch immer etwas, manchmal viel, ſtatt daß wir Andern in den meiſten Gegenden ſeit 30 bis 40 Jahren nichts mehr an den Wieſen gethan haben. Laßt uns denn den Fehler wieder gut machen!« Beſonders ſcharf müſſen ſolche Wieſen ab⸗ gegraben werden, die Überſchwemmungen ausgeſetzt ſind. Die Auffangegräben werden in den meiſten Fällen mit ihrer Sohle horizontal ſtehen müſſen; auch bei den Abzugsgräben hat man ſich vor einer zu ſtarken Gefällgebung in Acht zu nehmen, da in dieſem Falle der ſtarke Waſſerſchuß heftige Aushöhlungen veranlaſſen kann. Iſt eine zu ſtarke Abſchüſſigkeit des Grabens, des Terrains wegen, auf gera⸗ der Linie nicht zu vermeiden, ſo thut man beſſer, ſolche zu verlängern und von jenem auf dieſe ſo viel minder nachtheilige Weiſe zu opfern. Die Tiefe der Gräben wird vom Nivellement beſtimmt, übrigens aber von der Waſſerhaltigkeit und Schichtung des Erdgrundes. Auffan⸗ gegräben eine größere Tiefe als 3 Fuß zu geben, wird ſelten nöthig und rathſam ſeyn. Man muß immer bedenken, daß die Breite der Tiefe conformiren muß, wenn ſolches gleich nicht in dem von Thaer vorge⸗ ſchriebenen Maße nöthig thut. In molligem Moorboden mit unterge⸗ ſchichtetem Sande iſt darauf am meiſten Rückſicht zu nehmen. Hier iſt ———. 104 eine Tiefe unter drei Fuß aber ungenügend. Auf feſterem Boden bedarf es im Allgemeinen nur zwei Fuß tiefer Auffangegräben. Die Vorzüge derſelben liegen in der Land⸗ und Gelderſparung, und darin, daß ſie beſſer ſtehen und wohlfeiler zu unterhalten ſind, zu Tage. In Moorboden iſt es ſehr anzurathen, die Soden zur Abſetzung der Grabenwand zu be⸗ nutzen. Wo die Soden nicht benutzt werden, müſſen ſolche und die loſe Erde allein gelegt, nach Umſtänden gleich benutzt und vertheilt, oder in Haufen zur Entſäuerung entweder allein durch die Atmoſphäre oder Hinzuſetzung von mineraliſchem Dunge aufgeſetzt werden. Eine hier vielleicht der Erwähnung nicht bedürftige Liederlichkeit iſt es, die Gra⸗ benerde dicht auf die Kante auszuſchlagen und liegen zu laſſen, indem ſolche dann durch ihren Druck nicht nur das Einſinken des Grabens be⸗ fördert, ſondern auch die ſpätere Erweiterung desſelben behindert. Wir kommen nochmals darauf zurück, daß es ebenſo wichtig und nothwendig ſey, die Gräben zu unterhalten, als ſie zu machen, und daß man dieß bei Anlage derſelben wohl zu berückſichtigen habe! Möge ſol⸗ ches beſonders von unſern norddeutſchen Wieſenwirthen mehr, als es bisher geſchehen, notificirt werden! §. 48. Urſachen der Näſſe. Es iſt ſchon bemerkt, daß die Erforſchung der Urſache der Näſſe bet der er Trockenlegung unſerer Wieſen die Verfahrungsart dabei bedingt. Ein Anderes iſt es, ob die Feuchtigkeit von ſtagnirender, auf der Stelle ſelbſt niedergeſchlagener atmoſphäriſcher Feuchtigkeit, oder vom Tagewaſ⸗ ſer, vom Quellgrunde, oder von der Austretung oder der Durchſir inte⸗ rung von Stromgewäſſern herrührt. §. 49. Unterdrains. Wo der erſtgenannte Fall auf Wieſen mit undurchlaſſendem Unter⸗ grunde Statt findet, die man zu ſtauen und zu rieſeln im Stande iſt, empfiehlt ſich, um mit dieſen Operationen und den Vorrichtungen zur Entwäſſerung nicht in Conflict zu gerathen die Anlage von unterirdi⸗ ſchen oder verdeckten Waſſerabzügen— Fontanellen, Underdrains. Die Hauptregeln, welche man bei deren Anfertigung zu befolgen hat, beſte⸗ hen in Nachſtehendem: 1) Man gebe ihnen nur ein ſehr geringes Ge⸗ fälle, und um ſo weniger, je größer die Quantität des Waſſers, welches abzuleiten ihnen obliegt, und je lockerer oder poröſer der Boden iſt. 2) Um Arbeit, ſowohl beim Anfertigen der Gräben, als beim Wiederzuwerfen “ 105 derſelben, zu erſparen, mache man ſie möglichſt ſchmal. 3) Sie dürfen keine übermäßige Länge haben, keinesfalls über 200— 300 Fuß lang ſeyn, wenn ſie ſich nicht verſtopfen ſollen. 4) Stets fertige man ſie ſo tief an, daß das Ausfüllungsmaterial in gehöriger Entfernung von der Oberfläche bleibe. 5) Niemals dürfen ſich die unterirdiſchen Abzüge durchkreuzen. 6) Stets müſſen ſie in offene Gräben münden. 7) Bevor man zur Anfertigung der Gräben ſchreitet, welche als verdeckte Abzüge dienen ſollen, muß das Material(Steine, Holz, Raſenplaggen, Moos u. ſ. w.), womit ſie ausgefüllt werden ſollen, längs der Grabenlinie beigefahren werden; denn geſchieht es erſt nach Vollendung der Grä⸗ ben, ſo hat dieſes nicht nur viele Unbequemlichkeiten, ſondern die Grä⸗ ben werden auch leicht dabei beſchädigt. 8) Bei Anfertigung der Grä⸗ ben muß dir obere gute Erde an die eine Seite und die untere an die andere Seite des Grabens gelegt werden. 9) Iſt der Andrang des Waͤſſers ſehr ſtark, ſo dürfen die Gräben nicht eher mit dem Holz, Steinen u. ſ. w. angefüllt werden, bis das hauptſächlichſte Waſſer ab⸗ gezogen iſt. 10) Legt man das Ausfüllungsmaterial in die Gräben, ſo muß es Regel ſeyn, nicht gegen, ſondern mit dem Waſſerlauf zu ar⸗ beiten. 11) Steine ſind am beſten zum Füllungsmaterial geeignet— von den Holzarten: grüne Erlen und Weiden. 12) Je ſtärker der Waſ⸗ ſerzufluß iſt, um ſo gröber muß auch das Füllungsmaterial ſeyn. 13) Das feinſte Material legt man obenauf und auf dieſes wieder eine dünne Schicht Stroh, Heidekraut, Moos, Quecken, Raſen⸗ und Heideplag⸗ gen ꝛc., um dadurch alles Hineinfallen von Erde unmöglich zu machen. 14) Die Erde muß auf das Füllungsmaterial gut feſtgetreten werden; auch häufe man ſie zuletzt etwas an. 15) Endlich müſſen die Abzüge ic an ihrer Ausmündung gut verwahrt werden; am beſten geſchieht dieſes mittelſt Bruchſteinez hat man dieſe aber nicht, ſo ſchlägt man hölzerne Pfähle ein und legt darüber ein ſtarkes Querholz, für deſſen Erneuerung man dann bei Zeiten ſorgt. Auch bei den unterirdiſchen Abzügen iſt es nicht genug, daß man ſie auf das Beſte und Vollkommenſte anfertige; ſie müſſen auch fort⸗ während gut beaufſichtigt werden; hauptſächlich ſind ſie fleißig an ih⸗ rer Ausmündung aufzuräumen. Die geeiglietſte Zeit zur Anlage der Unterdrains iſt auch der Früh⸗ ling*). Weitläufigkeit und Koſten der Anlage von Unterdrains ſind gewiß in manchen Fällen und Verhältniſſen lange nicht ſo groß und be⸗ *) Vgl. Sprengel's Lehre von den urbarmachungen, worin ſo gründ⸗ lich als ausführlich die Einrichtung der verdeckten Abzüge gelehrt wird. 106 deutend, als man ſich einbildet. Wie häufig wird manche Wieſe durch eine offene Begrabung zur wirkſamen Wäſſerung verdorben, und wel⸗ cher Landverluſt, welche koſtbare Unterhaltung ꝛc. iſt damit verknüpft! §. 50. Ableitung des ſtehenbleibenden Tagewaſſers. Wenn man durch locale Begünſtigungen nicht befähigt wird, das ſich von den Anhöhen in Wieſenthäler hinabſenkende und hier ſtehen⸗ bleibende Waſſer nach einer niedrigern Gegend abzuleiten, oder dasſel⸗ be dadurch, daß man am Abhange der Anhöhen einen Fanggraben an⸗ legt, aus welchem dann der Abfluß eine paſſendere und unſchädlichere Richtung erhält, von den exponirten Wieſen abzuhalten, ſo bleibt Ei⸗ nem nichts übrig, als in letztern mittelſt Fanggruben und Verſenkungen, wobei, wenn der Grund ſelbſt Waſſeradern enthält, die Einſchüttung voon Queckſilber in die Bohrlöcher erfolgreich mitwirken kann, die über⸗ flüſſige Näſſe zu entfernen. Die genaue Unterſuchung des Untergrun⸗ des und ſeines Einſaugungsvermögens iſt hierbei aber wohl in Obacht zu nehmen. §. 51. Quellenabgrabung. Üüber die Entſtehung der Quellen und Quellgründe iſt ſchon oben bei Gelegenheit der Abhandlung über die verſchiedenartige Beſchaffen⸗ heit der Wieſen die Rede geweſen. Die im Ganzen herrſchende Unkennt⸗ niß über dieſen Gegenſtand hat in der Wahl der dagegen anzuwenden⸗ den Mittel große Mißgriffe machen laſſen. Beſonders hat der nicht ſelten vorkommende Fall, daß der Hauptſitz der Quellen höher iſt, als wo ſich die Feuchtigkeit zuerſt einfindet, nutzloſe Graͤbereien veranlaßt. Es iſt erfreulich, daß in neuerer Zeit das Nachdenken unſerer ſcharf⸗ ſinnigen Praktiker Erklärungen über die räthſelhaften Erſcheinungen, welche bei dem oft höhern, oft niedern Ausbruch der Quellennäſſe Statt findet, geſucht und gefunden hat. Namentlich iſt der verdiente Joh. Pogge auf Roggow(welchen wir ſchon bei einer frühern Gelegenheit in benannter Rückſicht citirten) mit erfahrungsmäßigen Hulfsvorſchlä⸗ gen in concreten Fällen vorangegangen. Alles, was er über Quellen im Allgemeinen und deren Ableitung ſeinen Gewerbsgenoſſen bekannt macht, trägt ſo ſehr den Stempel eigener Beobachtung und praktiſcher Prüfung, daß wir es uns zum Verdienſt anrechnen, dieſer Materie hier vermittelſt ſeiner Lehren diejenige faßliche Erläuterung zu geben, wel⸗ che der ausuͤbende Landwirth bisher vergebens in unſern Compendien ſuchte. * . 107 »Findet man«, ſagt Herr Pogge*),»ein Terrain, welches un⸗ geachtet ſeiner abhängigen Lage— beſtehe es nun aus vegetabiliſchen oder mineraliſchen Theilen, aus Erde oder Moor— ſich dauernd naß erhält, wenngleich es mit vielen Gräben durchſchnitten wäre, die in der Regel alles Waſſer an ſich ziehen, und wo das Ganze verſäuert genannt wird, ſo kann man aus ſolchen Erſcheinungen mit ziemlicher Sicherheit ſchließen, daß dieſe Gegend eine Urquelle, im Gegenſatze zu den Witterungsquellen, enthalte. 1 Dieſe von Quellen dominirt werdenden Ländereien ſind nach un⸗ ten moorartig, oberwärts erdig, und können Tauſende von Quadrat⸗ ruthen in ſich faſſen. Zeigen ſie ſich frei, ohne Holzbeſtand, Häuſer, Zäune ꝛc., dem Auge, ſo bemerkt es in der Regel am Rande, wo Moor⸗ vom Ackerrande ſich ſcheidet, in erſterem einen Hügel oder eine Hügelreihe, der natürlichen Abdachung der Gegend folgend, welche von beſonders weicher Beſchaffenheit, bisweilen auf einzelnen Puncten ganz unzugänglich und mit hohem Mooſe bedeckt iſt. Meine erſten Verſuche zur Trockenlegung einer ſolchen Gegend machte ich in der Bruchkoppel zu Strieſenow, einer Wieſe mit an⸗ gränzendem feuchten Ackerlande, zuſammen 5⸗— 6000 Q. Ruthen längs des nach Diekhof fließenden Mühlenbaches, welche durchweg verſäuert und naß war und nur auf wenig Stellen das Vieh tragen wollte. Dort zieht ſich eine Erdzunge etwas in die Wieſe hinein, und auf beiden Seiten fand ich mehre kleine Hügel oberhalb der Erdzunge, rechts drei, circa 6 Ruthen jeder vom andern, unterhalb derſelben zwei, 30 Ruthen auseinander, alle in ziemlich gleicher Entfernung von dem niedrigſten Zuge der Gegend, dem Gränzbache. Nachdem ich während mehrer Jahre Wieſen und Ackerland mit zum Theil 4 Fuß tiefen Gräben hin und her durchzogen, ohne eine gehö⸗ rige Abtrocknung zu bewirken, entſchloß ich mich, in möglichſter Tiefe in den Quellhügel ſelbſt hinein zu graben. Ich wandte mich zuerſt nach der höhern rechten Seite der Erd⸗ zunge. Es war aber die Frage, ob die drei Quellhügel miteinander in Verbindung ſtänden oder nicht, ob man in einen oder in alle hin⸗ eingraben müſſe. Ich vermuthete, daß eine Verbindung unter ihnen Statt fände und in einem alle zu entwäſſern wären. Es ſchien mir ſehr zweckmäßig, den am niedrigſten gelegenen anzugreifen, weil zu vermuthen, daß, ſobald aus der unterſten Stelle dem Waſſer Luft gemacht, es aus den höhern Stellen wohl folgen werde. *) Mecklenb. Annalen, 18. Jahrgang, S. 561. 4 108 Zu dem Ende wurde ein Graben am Bache, dem niedrigſten Puncte, mit 5 Fuß Breite angefangen und gerade durch die Wieſe hindurch in vermehrter Breite und Tiefe, im Verhältniſſe zum Anſtei⸗ gen der Wieſe, wagerecht in den Quellhügel hineingeführt, ſo daß das Bachwaſſer nachkam. Bis einige Ruthen vom Quellhügel beſtand das durchgegrabene Terrain größtentheils aus Torf; näher der Quelle war es mehr mit Kalk, Eiſenoxyd und ſonſtigen mineraliſchen Be⸗ ſtandtheilen gemiſcht, und im Berge ſelbſt fand ich faſt ausſchließlich dieſe letztern, unter ihnen eine Thonlage, in welche ich 3 bis 4 Fuß eindrang. Überall zeigte ſich etwas Waſſer, aber keine Quelle; der Graben lief nicht mehr, als alle übrige, obgleich er 9 bis 10 Fuß Tiefe im Quellhügel hatte. Die Gegend blieb naß; mein Zweck war mithin verfehlt. Darauf verlängerte ich den Graben in derſelben Tiefe bis an und in den zweiten Quellhügel ohne einen beſſern Erfolg. Schon entmuthigt und die großen Koſten bedauernd, wandte ich den Graben an den dritten, zum höchſten gelegenen Quellhügel, faſt ohne Hoffnung, das auf der Höhe zu finden, was ich in der tiefern Gegend vergeb⸗ lich ſuchte. Schon hatte ich auch hier beinahe den ganzen Berg durchſchnitten, dasſelbe Waſſer und etwas mehr Mineral, untermiſcht mit Sand⸗ körnern, gefunden, als die Schichtung feſter wurde und, nachdem auch ſie durchbrochen, plötzlich mit Geräuſch eine große Waſſermaſſe, an⸗ fänglich Sand mit ſich führend, dann klar hervorſprudelte. Eine äu⸗ ßerſt angenehme Erſcheinung für mich. Es war ſchon ſpät am Abend. Am folgenden Morgen führte mein erſter Gang mich zur Quelle, und wie groß war mein Erſtaunen, als ich alle fruͤher gezogene Grä⸗ ben, deren auch mehre auf dem Quellhügel angebracht, trocken fand und die ganze Gegend feſter geworden war. Die Quelle ergoß ſich ſchäumend in gleicher Maſſe und die Sohle des Grabens war in einer Nacht ſchon mit röthlichem Niederſchlage aus dem Quellwaſſer bedeckt. Faſt täglich beſuchte ich meine Quelle. Das umgebende Erdreich ſank immer mehr zuſammen; der Graben wurde ſchmäler und endlich ver⸗ ſchuͤttet. Ich mußte ihn deßhalb abkarren und breiter machen laſſen, was jetzt recht gut ging, da das Land die Pferde trug. Zu bemerken iſt, daß nach dem Einſtürzen der Grabenwände das Waſſer ſogleich wieder ſtieg und alle Gräben des Quellgebiets von Neuem wäſſerte. (Wegen des ſtarken Niederſchlags iſt die Quellleitung jaͤhrlich zu reini⸗ gen.) Die Gegend oberhalb der Erdzunge war völlig trocken und feſt geworden, alſo der Zweck erreicht, weßhalb auch die andern, außer dem Hauptgraben, zugeworfen werden konnten, und wo ſonſt nur 109 Mooſe anzutreffen, vegetirten einige Jahre nachher die edelſten Grä⸗ ſer. Das vom Quellhügel Abgekarrte wirkte mergel⸗ und dungartig zugleich auf Ackerland. Einige Zeit darauf wandte ich mich nach der linken Seite unter⸗ halb der Erdzunge und fing dort, die gemachte Erfahrung benutzend, beim oberſten Quellhügel zu graben an. Der beſte Erfolg lohnte hier meine Arbeit, welche übrigens ſchwieriger war, weil das vorgefun⸗ dene Mineral ſich zum Theil zu einer ſchwer durchdringlichen, ſtein⸗ artigen, bald weißlich, bald röthlich gefärbten, poröſen Maſſe verhär⸗ tet hatte, und der zweite Quellhügel trocknete darauf ohne Gräben ab. „ Ähnliche Fälle ſind mir vorgekommen, z. B. zu Strieſenow in der Schulzenwieſe, wo durch eine Quellſenkung in der Wieſe 2000 Q. Ruthen hochgelegenes Ackerland, mit 100 bis 200 Gräben vergeblich durchzogen, welche die Beackerung ſehr erſchwerten, ſammt der Wieſe durch einen Graben ganz trocken und die ſämmtlichen Ackergräben auf dieſe Art unnöthig gemacht wurden; am Moorborn, am Heideholz⸗ berge, zu Zierſtorff im Torfmoor an der Lütow; zu Neu⸗Croſſow in der Bornwieſe. Zu Schlieffensberg hatte Herr Graf v. Schlieffen, lebhaft intereſſirt für alles Gute und Nützliche, am Schloßberge und am Hundebruche einen ähnlichen Erfolg. Es iſt mir auch an manchen Orten die Senkung nicht ganz gelun⸗ gen; aber bei genauer Unterſuchung zeigte ſich immer, daß das Quell⸗ gebiet, der Sitz der Quelle, ſich über die Gränzen meiner Felder hin⸗ aus erſtreckte und mir deßhalb unzugänglich wurde. Iſt die Gegend coupfrt, mit Holz, Gebäuden ꝛc. beſtanden, ſo wird die Auffindung erſchwert. Meine Anweiſung wäre, kurz ausgedrückt, folgende: Man ſuche ſich ſo zu ſtellen, das Quellgebiet mit Einem Blick überſehen zu können; achte auf das natürliche Gefälle der Gegend, welches gewöhnlich doppelt iſt, erſtens wie Berg und Thal zuſammen⸗ genommen, zweitens wenn beide Theile unter ſich betrachtet werden; unterſuche genau die Quellhügel, wähle bei einer Normalbeſchaffen⸗ heit den oberſten und ziehe aus der Tiefe des Thales einen Graben (wenn es erforderlich, wagerecht, ſo daß das Waſſer nachfolgt) in den Quellhügel rechtwinkelig hinein, ſo wird in ihm, nach oft ſchwerer Arbeit, gewöhnlich aus dem Urgrunde die Quelle klar entgegenſpru⸗ deln und der Zweck erreicht ſeyn.« §. 52. Trockenlegung durch Bohrlöcher. In Fällen, wo das Grundwaſſer eine ſo mächtige, undurchlaſſende Erdbedeckung hat, daß man durch eine damit accordirende Tiefe des 110 Grabens ſich das Gefälle vergrübe und eine Rückſtauung veranlaßte, empfiehlt ſich dem deutſchen Wieſenwirthe die in England mit ſo vie⸗ lem Glück angewandte Methode, dem Waſſer mittelſt der Bohrlöcher Ausfluß zu geben. Es werden dieſe nämlich mit einem ſtarken Erd⸗ bohrer in der Sohle des Grabens gemacht, bis zu der Tiefe des ſan⸗ digen oder kieſigen Waſſerbehälters; häufig ſpringt dann das Waſſer mit aller Gewalt hervor und kann, ſich in den Abfangegraben ergie⸗ ßend, in einer beliebigen Richtung fortgeführt werden. Es kommt nur darauf an, den Sitz des Waſſerbehälters richtig zu treffen und ver⸗ mittelſt eines ſolchen mit Bohrlöchern verſehenen Grabens das ganze Quellengebiet, ſo weit es oberhalb der Horizontallinie ſeiner Sohle liegt, trocken zu legen. Auf Mecklenburgs Moorwieſen, wo die Quellen häufig mehr ober⸗ als unterhalb derſelben hervorkommen, wäre ihre Abfangung nach obiger Methode ebenſo land⸗, als zeit⸗ und koſtenerſparend. Auch er⸗ wüchſe durch dieſe einfachere Trockenlegung der Vortheil einer ſo viel leichtern Abführung des in einem höhern Niveau erhaltenen Waſſers. §. 53. Abletkung übertretenden Stromwaſſers. Wie wir ſchon erwähnt haben, iſt die Ableitung des ſich auf den Überſchwemmungen von Flußwaſſer erponirten Wieſen ſammelnden Waſſers eine der ſchwierigſten. Haben die Wieſen keine ebene, nach dem Fluſſe zu abhängige Fläche, ſo muß man jenes Übel durch Durch⸗ ſchneidung aller niedrigen Stellen mit abwärts auf den Fluß zälau⸗ fenden Gräben, deren Auswurf zugleich zur Ausfüllung der Uneben⸗ heiten dient, abzuwehren ſuchen. Erlaubt es die Localität, ſo iſt das Waſſer der Abfangegräben zuvor in einen, mit dem Fluſſe in gleicher Richtung laufenden Abzugscanal zu leiten. Kann der Ausfluß des⸗ ſelben in den Fluß durch eine Schleuſe beliebig geſperrt werden, ſo wird die ſonſt unſchädlich gewordene Näſſe nunmehr auf entgegenge⸗ ſetzte Weiſe die Erhaltung eines gehörigen Feuchtigkeitsgrades der Wieſe unterſtützen. Sehr ſchwierig iſt meiſt die Ableitung des übertretenden Strom⸗ waſſers im Sommer, wenn ſolches durch jeden heftigen Regenguß ꝛc. veranlaßt wird. Hier iſt man in der Regel auf ſeinem eigenen Gebiete in der Wahl der Hülfsmittel ganz beſchränkt, weil man allenthalben an die Schranken fremden Intereſſes und Egoismus ſtößt. Hier ſtehen wir, wie geſagt, vor dem Forum der landwirthſchaftlichen Legislatur, deſſen Pforten ſich aber leider in unſern norddeutſchen Provinzen noch — 111 häufig den Freunden landwirthſchaftlicher Cultur verſchloſſen halten. Möge Britanniens Beiſpiel, moge Friedrichs des Großen mah⸗ nender Schatten die Vorſtände und Repräſentanten der agrariſchen Geſetzgebung aus dem langen, tiefen Schlummer rütteln!— Wie kann es die Sache des privativen Wieſenwirths ſeyn, ſich durch Dämme und Erdmauern gegen Einflüſſe zu ſchützen, deren Ge⸗ walt in ſo ſchreiendem Mißverhältniſſe zu ſeinen individuellen Kräften ſteht? Nichts alſo hier von den Elementen einer Kunſt, die uns auf ein fremdes Gebiet führen würde! 2. Erdarbeiten. §. 54. Verſchiedene Zwecke derſelben. Seit einem Decennium hat man das Grabſcheit, welches früher nur den ſchädlichen Einfluß des Waſſers abzuwehren diente, nicht min⸗ der ämſig geführt, um durch zweckmäßige Ortsverlegung der Erde die Fruchtbarkeit des Wieſengebiets zu erhöhen. Wir erinnern uns noch ſehr gut, wie die Erſcheinung von der Wieſenverjüngungslehre des verdienten Pohl einen lebhaftern Impuls zu jenen wichtigen, im⸗ Hannöverſchen, Altenburgiſchen, Holſteiniſchen ꝛc. längſt praktiſch be⸗ währten Meliorationen gab, deren Mehrſeitigkeit bei dem Unkundi⸗ gern Begriffsverwirrungen fixirte, welche nachtheilig auf die Fort⸗ ſchritte und Ausbreitung ihrer Praxis influirten. Man verwechſelte vornehmlich die abweichende Tendenz des Erdfahrens, Behufs der Wiederbelebung oder Erſtickung des alten Raſens und ſeiner Neu⸗ bildung. Wir haben in obiger Rückſicht vier verſchiedenartige Fälle zu be⸗ trachten. Die Erdarbeiten haben zum Zweck: 1) das Abtragen der Anhöhen und Erhöhen der tiefen Stellen; 2) das Abheben und Nie⸗ derſenken des Raſens; 3) die Verjüngung des Raſens; 4) die neue Raſenbildung durch Erſtickung der alten Narbe. — 28§. 55. Erſter Fall: Abtragen der Anhöhen und Erhöhen der tiefen Stellen. Wenngleich jene aus Sumpf und Hügel beſtehenden Terrains, welche unter dem Namen Wieſen paſſiren, ziemlich ſelten geworden ſind, ſo wird doch noch manche vernachläſſigte Landwirthſchaft im Beſitze von natürlichen Raſengründen ſeyn, deren Normalbeſchaffen⸗ ———— 112 heit ſie zwar zur Wieſe ſtempelt, die aber, vermöge der Gegenſätze ihres Locals, eine gleichmäßige und ungeſtörte Vegetation behindern. Wenn namentlich die hochgelegenen Stellen beſſere Gräſer hervorbrin⸗ gen als die Sinken, ſo werden ſolche im Verhältniſſe ihrer Fläche doch zu wenig davon produciren, wohingegen die ſich in den Niede⸗ rungen anhäufende Kälte und Säure alle gedeihliche Pflanzen töd⸗ ten muß.— Ddie Cur unebener Thalwieſen iſt leicht, einfach, radical auf dem Wege des Abſchwemmens zu bewerkſtelligen; dieſer iſt aber ſelten zu betreten; Ortlichkeit und praktiſche Einſicht müſſen ſich darauf die Hand reichen. Wenn der Boden zu feſt, das Terrain zu ſchmal iſt, daher der Koſtenaufwand einer Abſchwemmung ſich zu hoch ſtellt; wenn dadurch ein Conflict mit den Gränznachbarn veranlaßt wird, oder es endlich an dem Wichtigſten von Allem, an hinlänglichem Waſ⸗ ſer gebricht: da muß man ſich nach einem andern Culturverfahren umſehen, deſſen Ausübung durch jene Inconvenienzen nicht leidet und dennoch auch zum Ziele führt. Das von uns hier angedeutete Abtragen der Anhöhen und Er⸗ höhen der tiefen Stellen mit Erde wird am beſten ganz allein durch Handarbeiter beſchafft werden, wenn, was ſelten vorkommen dürfte, die Fuhrdiſtanz nicht an zweihundert Schritte und darüber hinaus⸗ reicht. Zuvor iſt die Abplaggung der Raſen in einer ihrem Gebrauchs⸗ zwecke entſprechenden Dicke vorzunehmen. So weit man volt vem Raine die Erde mit dem Spaten unmittelbar vertheilen kann, ge⸗ ſchieht ſolches; aber bei der Auffuhr mit den Handkarren werden die Hauptrückſichten genommen, daß man das Steinwerk und Grus in alte Gräben und Schluchten, die ſchlechteſte Erde als untere Schichte, die Dammerde aber oben auffährt. Über die Höhe der Auffuhr entſcheidet, außer dem vorhandenen Vorrath an Material, die Beſchaffenheit des Terrains. Der cubiſche Inhalt der abzufahrenden Höhen und der Ei⸗ nem übrigens zu Gebote ſtehenden Erdmaſſe iſt mit dem Normalbe⸗ dürfniſſe der ganzen Fläche einer vergleichenden Berechnung zu unter⸗ werfen. Letzteres wird bedingt vom Niveau und der Feſtigkeit der Wieſe; denn es können alle Sinken desſelben ebenmäßig ausgefüllt ſeyn und dennoch beide fehlen. Immer iſt darauf hinzuarbeiten, daß die geebnete Wieſe nach dem Ableitungsgraben zu einiges Gefälle er⸗ halte. In dieſer Rückſicht wird es, um ihr überall ein ziemlich gleich⸗ mäßiges planum inelinatum zu verſchaffen, am gerathenſten ſeyn, den⸗ ſelben gleich zu Anfang der Arbeit durch Markpfähle zu bezeichnen, damit man nicht in den Fall komme, bereits weggeſchafften Boden noch 113 einmal wegnehmen zu müſſen*). In der Regel wird ¼ Zoll Gefälle pr. Ruthe genügen. Je weicher und verſäuerter die auszufüllenden Sinken ſind, deſto mehr iſt man darauf angewieſen, die abgegrabene Erde auf ein kleineres Terrain dicker aufzulegen. §. 56. Raſeneinimpfung. 4 Etne auf dieſe Weiſe vorgenommene Wieſe wird nun Anſpruch auf eine ganz friſche Raſendecke machen; denn es werden nur einzelne grüͤne Stellen noch wie Inſeln aus dem Meere oder wie Oaſen in der Wüſte hervorgucken. Da man in den wenigſten Fällen ſo viel gute Auffüllerde hat, daß ſich eine gleichmäßig fruchtbare Krume bilden kann, vielmehr dieſe an manchen Stellen roher Natur ſeyn wird, ſo iſt beſonders hier das ſogenannte Impfen, Pflanzen, des Raſens ſeiner Bildung durch Graseinſaat vorzuziehen. Gemeinhin ſtellt man ſich ſolches als eine ſehr ſchwierige Arbeit vor; das iſt es aber nicht. Wenn man Waſſer auf die umgeſchaffene Wieſe leiten und vermittelſt desſelben die Vegetation der zerſchnittenen Raſen unterſtützen kann, ſo iſt das Impfen doppelt empfehlenswerth. Wir verſtehen hierunter aber keineswegs jenes regelmäßige, dichte Belegen mit rechtwinkeligen, vier⸗ eckigen Grasſoden, das einen hier nicht ſtatthaften Aufwand von Ma⸗ terial erfordert, ſondern eine lückenhafte Bekleidung der Fläche mit zzerſchliktenem Raſen. 3 Wie die Ebnung am beſten im Herbſte Statt findet, ſo nimmt man das Einimpfen am zweckmäßigſten im Frühjahre vor, wenn durch den d Winterfroſt die aufgetragene Erde einen Theil ihrer Rohheit verloren b hat und die neu belebte Vegetation ein ſchnelleres Bewachſen der Wie⸗ ſen begünſtigt. Wir haben ſchon oben der Abplaggung und Aufhebung der Raſen gedacht; ſollen ſolche zum Einpflanzen benutzt werden, ſo muß man ſie ja nicht zu dick ſchälen, indem man ſonſt genöthigt ſeyn 4 wird, die Raſenſtreifen entweder ſehr breit zu ſchneiden, oder ſie, an⸗ 3 ſtatt aufrecht, auf die platte Seite zu legen, was denn eine ſpätere r überziehung des Bodens veranlaßt.— t Die zu belegende Fläche wird vorher aufzuhacken und abzurechen ß— oder fein zu eggen ſeyn. Die zwei bis drei Zoll breiten Raſenſtreifen ⸗ 8 werden, am beſten in einer Entfernung von 6— 8 Zoll, regelmäßig 2 übergebreitet und mit einem Stampfer angeſtoßen. Das Legen kann 6— *) Siehe Neues Jahrbuch der Landwirthſchaft, herausgegeben von Kam⸗ G merrath Plathner und Profeſſor Dr. Weber. Lengerke's Wieſenbau. 8 114 von Knaben beſchafft werden; ein Raſenſchneider beſchäftigt deren füglich drei. Der Aufſeher hat darauf zu achten, daß auf den beſſern Grund die ſchlechteſten Raſen verwandt werden, weil ſolche, auf beſ⸗ ſern Boden gebracht, ſich ſchnell verbeſſern. Auch Corring, wenn zwar nicht Erfinder, doch einer der älteſten Praktiker dieſer Methode, machte die Erfahrung, daß die häßlichſten Raſen, womit faule Grä⸗ ben in ſumpfigen Wieſen ausgeglichen wurden, ſchon im Jahre nach⸗ her andere und beſſere Gräſer vorbrachten, als vorher. Nur merze man ſolche Soden aus, welche mit Equiſeten⸗ oder Wurzeln ähnlichen Gelichters durchfilzt ſind.— Die durch das Legen der Raſenſtreifen in Reihen gebildeten Zwiſchenräͤume werden mit einem angemeſſenen Gemiſche von Grasſämereien beſaͤet. Steht Waſſer zu Gebote, ſo netze man die gelegten Raſen inſoweit damit, als zur Beibehaltung des⸗ ſelben erforderlich iſt. Ein ſtärkeres Feuchtigkeiksmaß wirkt auf die geimpfte Wieſe ſchädlich, indem dem jungen Graswuchſe weder Näſſe noch Feſtigkeit des Bodens zuſagt. Die Koſten des Einimpfens dürfen ſich auf etwa 4 Thlr. pr. Morgen belaufen. 1 KS. 57. Zweiter Fall: Abheben und Niederſenken des Raſens. Es gibt in manchen Gegenden ſolche Wieſen, welche ihrer trocke⸗ nen Lage wegen eher dem Acker anzugehören ſcheinen, dennoch aber, weil ein vorüberfließender Fluß ſie bei einem— freilich ſparſam vor⸗ kommenden— hohen Waſſerſtande überſchwemmt, dem natürlichen Graswuchſe gewidmet bleiben müſſen. Wieſen dieſer Art verdanken ih⸗ re Beſchaffenheit entweder einer, durch heftige Regengüſſe veranlaßten, ungewöhnlich ſtarken Herabführung des Erdreichs der ſie umgebenden Anhöhen, oder auch den Ruckſtänden heftiger anhaltender Übertretun⸗ gen des Flußbettes. Oft auch erklärt ſich ihre hohe Lage durch die von dem viel Gefälle habenden Fluſſe ſelbſt bewirkte Tiefe ſeines Bettes. An und für ſich iſt der Grund ſo hochgelegener Wieſen insgemein von ſehr humoſer Beſchaffenheit in ungewöhnlicher Tiefe; denn die be⸗ gränzenden dürftigen Anhöhen gaben ihr Beſtes zur Bildung jener hin, und ſind dagegen augenblicklich mit einer ſchlechten, lehmigen oder ſandigen, ſteinigen Krume verſehen, weil bei den Abſchwemmun⸗ gen ſtets die feſteſten oder ſchwerſten Theile zuruckblieben. Anderer⸗ ſeits erklärt ſich die Humoſität dieſer Wieſen genugſam aus den Re⸗ ſiduen der Schwemmfluthen. Aber da ihnen nur die atmoſphäriſche Feuchtigkeit zu Gebote ſteht, und ihre Lage, Gränzverhältniſſe ꝛc. eine Wäſſerung in ihrer natürlichen Verfaſſung unmöglich machen, fehlt 4 8—ſſſſſſſſſſ — 2 4 115 der Vegetation das belebende Princip— die Feuchtigkeit. Es handelt ſich alſo darum, dieſe mitzutheilen und wirkſam zu machen. In allen Fällen wird hier eine Erniedrigung des Wieſenbeetes da⸗ zu verhelfen, namentlich dadurch die Anwendung des Flußwaſſers be⸗ wirkt werden; aber ſelbſt, wenn Verhältniſſe oder der gänzliche Man⸗ gel an Waſſer die Wäſſerung nicht geſtatteten, muß der natürliche Nie⸗ derſchlag der Feuchtigkeiten auf die tiefer gelegene Wieſe um ſo wirſa⸗ mer ſich erhalten. Wir finden um ſo mehr Veranlaſſung, die hier beſprochene Cultur⸗ methode in lebhaftere Anregung zu bringen, da ſich durch Ausführung derſelben dem Landwirthe ein Schatz fruchtbarer Subſtanz erſchließt, welche ſeinem Acker zuzuwenden in der Regel wahrhaftes Bedürfniß ſeyn wird. Und gerade für die Beſitzer der hier gemeinten Wieſen wird die abgetragene Erde einen um ſo höhern Werth erhalten, je mindere Transportkoſten auf ihr laſten. Meiſtens wird ſich annehmen laſſen, daß bei der Melioration der Erniedrigung die Verbeſſerung der Wieſe als ganz reiner Gewinn hervorgeht. Die Manipulation leider gegen die vorerwähnte Erdabkarrung hauptſächlich darin Veränderung, daß, der weitern Entfernungen we⸗ gen, die Hand⸗ mit den Sturzkarren vertauſcht werden. Vorweg hat man auch die Bildung eines richtigen Gefälles in Obacht zu nehmen. Demnächſt ſind Zeit, Kräfte und Terrain einer vergleichenden Berech⸗ nung zu unterwerfen. Man nehme von letzterem nicht mehr zur Zeit vor, als erſtere beide geſtatten. Der Raſenbenutzung wegen iſt es zweck⸗ 2 mäßiger, die einzelnen Abtheilungen der abzufahrenden Wieſe vertical auf's Waſſer zu, als parallel mit dem Laufe des letztern zu machen, indem dann die noch unabgefahrenen Flächen in ihrer Narbe beſſer ge⸗ ſchont bleiben. Jetzt kann der abgeſtochene Raſen einer friſchen Fläche ſogleich auf die in der Abfuhr vollendete Abtheilung mit um ſo beſſerem Erfolge eingeimpft werden. Je ſchneller der abgeſtochene Raſen aber wieder mit Erde verbunden wird, deſto größere Zeit⸗ und Arbeits⸗ erſparung findet Statt und deſto minder verſchlechtert ſich oder verdirbt derſelbe. Die Narbe der abzufahrenden Abtheilung iſt zuvor in gleichbreite Streifen abzutheilen und ein jeder dieſer„3 Zoll dick, in rechtwinkeli⸗ gen gleichgroßen Soden abzuſtechen. Nur beim Beginne der Arbeit, auf der erſten Abtheilung, kommt eine ſolche Accurateſſe nicht in Betracht, wenn man ſich veranlaßt ſehen ſollte, die zuerſt gewannenen Raſen nuc als Narbe des abgefahrenen Terrains wieder zu Wsru Dieſer 4 — — f„— —— 116 Fall kann namentlich im Sommer eintreten; denn länger als 8— 10 Tage können dann die Raſen nicht wohl in Haufen aufeinander liegen bleiben, und die Abtheilungsſtreifen ſind oft, der bequemern Arbeit we⸗ gen, ſo groß, daß dieſe in jenem Zeitraume nicht vollendet werden kann.— Wenn die Umſtände es irgend erlauben, ſo laſſe man von dem guten Boden in der Höhe von einigen Zollen zurück, ebne die Grund⸗ fläche desſelben, und reihe dann den von der nächſtfolgenden Abthei⸗ lung abgeplaggten Raſen ordentlich und dicht nebeneinander über das abgefahrene Terrain hin.— Man vermeide es ja, auf dem friſch be⸗ legten Boden wieder zu fahren. V Manchem wird das Raſenpflanzen zu weitlaͤufig und koſtbar ſchei⸗ nen; wir verſichern aber, daß beides auf dem hier vorgezeich⸗ neten Wege nicht iſt. Der Unterſchied der Koſten gegen die der gepflüg⸗ ten und beſamten Wieſe mag ungefähr 1 Thlr. pr. Morgen betragen; dafür gelangt man aber auch um ſo ſchneller und beſſer zu einer in der Quantität die frühere Heugewinnung oft um's Doppelte überſtei⸗ genden Futtermaſſe. =§. 58. Dritter Fall: Verjüngung des Raſens. Wir wollen uns ſtreng an den charakteriſtiſchen Zweck dieſes Ver⸗ fahrens halten. Derſelbe iſt: durch eine geringe Erdbedeckung der Grãa⸗ ſer ein freudigeres Wachsthum ihrer beſſern Arten zu veranlaſſen, theils indem man ihnen eine geräumigere Wurzellage verſchafft, theils dadurch, daß der ihnen zugewandte Nahrungsſtoff nur auf ihre Vegetation wirk⸗ ſam und nachhaltig influirt, wie das aufgebrachte Material mechaniſch die Tödtung des ſchwächlichen, dürftigen Pflanzengelichters nach ſich zieht. 1 Hieraus erhellt zur Genüge, daß die Bedingniſſe eines guten Wie⸗ ſengrundes, einer trockenen und ebenen Beſchaffenheit desſelben, einer an ſich mit guten Gräſern verſehenen Raſennarbe ſchon vorhanden ſeyn müſſen, wenn die Verjüngung mit Nutzen angewandt werden ſoll. Das iſt von Manchen nicht gehörig berückſichtigt worden, und die norddeut⸗ ſchen Erdefahrer namentlich haben kein Intereſſe daran finden können, die Natur auf einem Wege zu verfolgen und zu unterſtützen, welcher, in Gemäßheit der hieſigen Localität, meiſtens mit ihren Grundgeſetzen im ſchreienden Widerſpruche ſteht. Aber es gibt doch in manchen Gegen⸗ den unſers deutſchen Vaterlandes ſolche hohe dürftige, bemooſ'te Plä⸗ nen, bei welchen natürliche Lage, Grundbeſchaffenheit und wirthſchaft⸗ liches Bedürfniß dem in Rede ſtehenden Meliorationsmittel eigenthüm⸗ lichen Werth und Wichtigkeit geben können. Beſonders tritt dieſer Fall 8 117 ein, wenn der Wieſenboden unter einer ſeichten Krume eine feſte, un⸗ fruchtbare Schichte führt, wenn Alles, was man ſonſt unter dem Na⸗ men Dung begreift, fehlt, und die Grasproduction auf möglichſt ſchnelle und nachhaltige Weiſe zugleich gehoben werden ſoll.— Dann iſt das Verjüngen, unter den oben angenommenen Prämiſſen, ſo recht an ſei⸗ nem Platze. Animaliſche und mineraliſche Düngungen zumal ſind im⸗ mer nur Palliativ⸗Curen; und nun gar mit dem Pfluge die alte Narbe zur Mutter einer fruchtbaren Generation zu ſtempeln, iſt ein ſo müh⸗ ſamer, koſtbarer und, im Verhältniſſe ſeiner Langſamkeit, ſo wenig be⸗ friedigender Weg, daß er gänzlich außer dem Bereiche des grasbauen⸗ den Landwirths beregter Kategorie liegen bleiben muß. Wie geſagt, der Vorzug ſchneller Wirkung ſtellt ſich bei der Wie⸗ ſenverjüngung hauptſächlich heraus. Die dünne, nur ein bis zwei Zoll ſtarke Erdauffuhr veranlaßt nur eine Erſtickung der nachtheiligen Blatt⸗ pflanzen; die Gräſer wachſen durch die Erdlage durch, neue Stöcke und Wurzeln in der friſchen, durch den Moosdünger bereicherten Kru⸗ me bildend und bald in ihren edelſten Geſchlechtern dominirend.— Wer im Herbſte zuvor Erdkarrungen dieſer Art unternimmt, wird un⸗ ter ſonſt entſprechenden Umſtaͤnden gar keinen Ausfall des Graſes be⸗ merken, mindeſtens ſchon im erſten Sommer ein viel beſſeres, von Moo⸗ ſen und Flechten reines Futter gewinnen. Qualität und Quantität ſtei⸗ gen gleichmäßig im Laufe der nächſtfolgenden Zeit. Koönnen und wollen wir gleich nicht der Wieſenverjüngung eine ſich ſtets gleichbleibende Kraft beimeſſen, ſo iſt ſie doch unſtreitig unter al⸗ len Verfahrungsarten zur Verbeſſeruug des natürlichen Graswuchſes diejenige, welche die geringſte Sorge für einen Rückfall aufkommen läßt. Das liegt aber darin: daß ſie den günſtigſten Nebenrequiſiten entſpricht; daß die Kunſt der Natur nur einen um ſo freiern Spiel⸗ raum gibt; nicht ein Pfuſcheramt zu übernehmen hat, in ihrem Sinne die Mängel jener vom Grunde aus auszugleichen. Auch kommt hier vor⸗ züglich in Betracht, daß die Wieſe gar nicht in der Hervorbringung der ihr eigenthümlichen Pflanzengeſchlechter geſtört wird, wodurch an ſich die Stärke der Grasproduction einen mächtigen Vorſprung erhält. §. 59. 8 Vierter Fall: Neue Raſenbildung durch Erſtickung der alten Narbe. 4 Bekanntlich haben die, dieſer Tendenz entſprechenden Erdarbeiten vornehmlich in Mecklenburg größere Gemeinnützigkeit als irgendwo ſonſt gewonnen. Dieſes erklärt ſich auf natürliche Weiſe daraus, daß die 8 118 Lage und Beſchaffenheit der dortigen Wieſen vorzugsweiſe einem Me⸗ liorationsmittel entſprachen, deſſen Koſtbarkeit anderer Orten häufig nicht in gerechtem Verhältniſſe zu dem dadurch erreichten Vortheile ſte⸗ hen möchte. Wenn in letzterer Zeit das Erdefahren hier mitunter in Mißcredit gerathen iſt, ſo liegt das, unſerer Meinung nach, wie beim Mergeln, theilweiſe an übertriebenen Erwartungen, welche man davon hegte, oder an einer verkehrten Manipulation. Übrigens ſind wir voll⸗ kommen damit einverſtanden, daß der Maßſtab, welchen man an die Anwendbarkeit des Erdefahrens legt, eine viel genauere, praktiſche Be⸗ zeichnung erheiſcht. Es verdienen namentlich ſorgfältig erwogen zu wer⸗ den: der eigenthümliche Wirthſchaftswerth ſüßen Graſes, der Mangel oder das Vorhandenſeyn, die Anwendbarkeit anderweitiger Meliora⸗ tionsmittel, das Dungbedürfniß der überfahrenen Wieſen. Seitdem die Wirkung des Mergels ſo ſehr nachgelaſſen, mit ſol⸗ cher Abnahme aber der reichliche Futterbau auf den Ackerſchlägen große Beſchränkung erlitten hat, iſt das Bedürfniß eines Erſatzes für dieſen Ausfall um ſo dringender und allgemeiner geworden, je mehr man ſeine Einrichtung auf ſeine Schafzucht und die Erziehung edlern Viehes überhaupt machte. Je mißlicher nun auf mit ſchwerem Boden verſehe⸗ nen Gütern der Kleebau iſt und um ſo ſaurer, torfiger die vorhan⸗ denen Wieſen ſind, deſto größer muß hier das Verlangen ſeyn, ein natür⸗ liches Unterſtützungsmittel der Okonomie zweckmäßig zu cultiviren; und gewiß möchte ſelten in dieſer Rückſicht des Guten zu viel gethan wer⸗ den können, wenn anders Einſicht und Kräfte ſich brüderlich die Hand reichen. An Material zum Überfahren der Wieſen wird es ſelten gebre⸗ chen; aber es kommt darauf an, ſolches ſo nahe als möglich aufzuſu⸗ chen. Auf ſehr ſchwammigen Wieſen gibt die viele Auswurferde der neuen Gräben bereits einen ſehr wichtigen Beitrag. Oft iſt die Erde in den tiefſten Gründen der Wieſen eine mehr oder minder von Säu⸗ ren freie Made, welche, wenn ſie den Winter über ausgebreitet liegt und durchfriert, den Boden an ſich bereichert; aber auch die ſchlechtere Erde hat in mechaniſcher Hinſicht ihren reellen Werth und iſt ſtets zur Auffuhr ſtatthaft, wenn ihr nur keine phosphorſaure Subſtanzen bei⸗ gemiſcht ſind. Allenthalben, wo die Localität Bewäſſerungs⸗Anſtalten zuläßt, be⸗ ſchäftige man ſich früher mit dem Waſſer, als mit der Erde. Erſt wenn man innig davon überzeugt iſt, durch die Benutzung von jenem nicht erreichen zu können, was die Anwendung letzterer verheißt, greife man zum Grabſcheit und zur Karre. Das Überfahren der Wieſen iſt eine Melioration, welche nur in 8 * 1 119 den ſeltenern Fällen in und durch ſich ſelbſt Eriſtenz behält. Es tritt vielmehr die mechaniſche, als dün gende Wirkungskraft hervor. Bei der Frage, wie die ſich ergebende merkwürdige Vegetation der be⸗ karrten Wieſen zu erklären ſey, wie lange ſie fortdauern möge, fallen uns einige, vor längerer Zeit niedergeſchriebene Reflexionen unſers geiſtreichen Dr. Spalding in Güſtrow bei. Sehr treffend ſagt der⸗ ſelbe: In der Erde, die aufgefahren wird, kann der Grund der Frucht⸗ barkeit nicht enthalten ſeyn; denn der ſterilſte Sand erweiſ't ſich bei⸗ nahe ſo wirkſam, als die fetteſte Erde. Es muß alſo die Urſache in der Verbindung der trockenen Erde mit dem Moorgrunde enthalten ſeyn. Der Moorgrund iſt eine Sammlung von vegetabiliſchen Rückſtänden der Verweſung, welche in der Verweſung und Aufloſung ſtille ſtehen. Es ſcheint allgemeines Naturgeſetz zu ſeyn, daß, wo vegetabiliſche Verweſung ſich häuft, das Verweſen aufhört, zumal wenn Lage feucht iſt. Es müſſen ſich alſo Stoffe— Säuren, wie man ſagt— bilden, welche der Verweſung Schranken ſetzen, und alſo auch hindern die Ent⸗ wickelung der Fruchtbarkeit, welche in dem Verweſen der organiſchen Körper gegeben iſt. Nun kann man ſich einbilden, daß die reinen rohen Erden, welche keine Rückſtände der Verweſung enthalten, gebracht auf die todte Moorerde, die Stoffe aufnehmen, auch wohl zum Theil ſich chemiſch verbinden, welche das Verweſen ſtoͤren, oder, wenn die Erden ſo was nicht enthalten, wenigſtens den Moor in ſich aufnehmen, ihn durchdringen und in eine Lage verſetzen, wo die Verweſung wieder anfängt. Iſt dieß der Grund der plötzlichen ſtarken Vegetation, ſo iſt abzuſehen, daß ſie wieder aufhören werde, wenn und ſobald die von der Erde erreichte Moorerde ihre Kraft der Vegetation hergegeben, und daß nur übrig bleibe der verbeſſerte oder verſchlechterte Zuſtand der Oberfläche; denn es iſt noch nicht ausgemacht, ob für die Folge die mit Erde befahrene Wieſe, ſich ſelbſt überlaſſen, nicht ſchlechtere Ern⸗ ten liefern werde, als vor dem Befahren. Einzelne Beobachtungen ha⸗ ben ſogar ſchon eine Verſchlechterung ergeben, deren Grund aber doch. zufällig ſeyn kann*). Jetzt iſt es eine ausgemachte Erfahrungsfache, daß aufgefahrene Wieſen dem Auge des Pflegers nie ganz entrückt werden dürfen. Ent⸗ weder der Dungwagen oder der Pflug müſſen beſtändig nacharbeiten. Ich habe dieß in einem neunjährigen Zeitraume beſtätigt gefunden und kann auch fremde Erfahrungen darüber als Beleg mittheilen. Schon bei meinem erſten Beſuche in Mecklenburg überzeugte mich Herr Pogge 1 *) Siehe Mecklenb. Annalen, 8. Jahrgang, S. 598. 4 120 von der Unzweckmäßigkeit des Überfahrens, wenn die Unmöglichkeit vorliegt, den bekarrten Revieren Dünger zufließen zu laſſen. Auf den v. Biel'ſchen Gütern ſah ich mehre Beweiſe davon. Bei beſſerer Beſchaffenheit des Wieſengrundes und beſonderer Güte des aufgefahre⸗ nen Materials kann ein Wechſel von Gras⸗ und Fruchtbau, mindeſtens eine Zeit lang, den Dünger vertreten. In Mecklenburg iſt es ſehr ge⸗ bräuchlich, die bekarrten Wieſen dann und wann zum Flachsbau zu be⸗ nutzen. Neuerlich hat man eine einjährige Brache und Beſamung mit Winterkorn und Timotheegras der Wiederbelebung des Graswuchſes als noch zuträglicher erachtet. Herr Bobhin zu Bülow theilte darüber folgende Erfahrung mit: Eine Wieſe mit leichtem Torfgrunde wurde zur Verbeſſerung des Graswuchſes im Herbſte auf die Q. Ruthe mit 9 Karren ſandiger Er⸗ de befahren, im Frühjahre gedüngt und mit Wicken⸗ und Haber⸗Ge⸗ menge und Timotheeſamen beſäet. Das Wicken⸗ und Haber⸗Gemenge gab einen reichlichen Heugewinn, ſo auch in den erſten Jahren das Timotheefutter. Nachher verminderte ſich aber von Jahr zu Jahr, obgleich alle zwei Jahre gedüngt wurde, der Graswuchs ſehr, ſo daß im ſechsten Jahre nur 5 Fuder Heu gewonnen wurden. Um eine friſche Anſamung vornehmen zu können, wurde die ganze Flã⸗ che von 750 Q. Ruthen einen Sommer hindurch gebracht, Ausgangs Sep⸗ tember gedungt und mit 6% Scheffel Roggen und 50 Pf. Timotheeſamen beſäet. Es wurden 9 Fuder Roggen und in dem darauf folgenden Jahre in zwei Schnitten 13 Fuder Heu gewonnen. Dieſer Heugewinn iſt ſi ich in den beiden nachfolgenden Jahren faſt gleich geblieben. Auf andern Gütern hat man im erſten Jahre des Aufbruchs Ha⸗ fer, im zweiten Kartoffeln, gedüngt, und im dritten Grünfutter mit untergeſäetem Klee⸗ und Grasſamen gebaut, und dann auch ein günſti⸗ ges Reſultat erhalten.(Vgl. die Anmerk. S. 132.) Wirthe, welche ihren Moorwieſen Duͤnger zuwenden wollen, wer⸗ den ſchon vorher die Erdkarre anwenden müſſen, um nicht ſeine auflö⸗ ſende Kraft zu ſchwächen. Namentlich gibt es, wie Herr v. Schack irgendwo treffend bemerkte, Moorſtrecken, deren Oberfläche aus ſo lo⸗ ſem Torfmull beſteht, daß dieſelbe durch Abgraben und ohne Vermen⸗ gung mit andern mehr Feuchte haltenden Erdarten nicht empfänglich iſt zur Aufnahme der Dungtheile. Übrigens wird auch in ſolchen, bei an⸗ haltender Dürre, uüberall keine Beſtockung der Gräſer Statt finden, wenn ihr loſer Standort nicht durch anderweitige Erdbeimengung eine geewiſſe Conſiſtenz erhalten hat. 121 Gewiß iſt die höhere Feſtigkeit der Krume eine Haupturſache des verbeſſerten Graswuchſes. Daß derſelbe ſich in trockenen Jahren am ausgezeichnetſten bewaͤhrt hat, mag in der Beſchaffenheit des Unter⸗ grundes der bekarrten Wieſen ſeinen natürlichen Grund haben. Die undurchlaſſende Beſchaffenheit desſelben veranlaßt leicht eine Über⸗ häufung des atmoſphäriſchen Waſſers in der obern Krume, wohin⸗ gegen dieſe Eigenſchaft gerade in recht trockenen Jahren die entgegen⸗ geſetzte Wirkung, ein gehöriges Feuchtigkeitsmaß für die Gräſer, zu Wege bringt; denn das unter der neuen Krume liegende Torflager bildet gleichſam einen Schwamm, der ſie reichlich nährt mit Trank. G. Meiſter*) nennt in dieſer Rückſicht die Wieſenbeerdung treffend eine Art Bewäſſerung von unten auf. Um— ſagt er— dieſes recht wahrſcheinlich zu finden, muß man damit bekannt ſeyn, wie ſehr der Torf die Eigenſchaft beſitzt, das Waſſer gleich einem Schwamme an ſich zu halten. In welchem Maße dieß aber der Fall iſt, ahnt man nicht, wenn man es nicht ſelbſt erprobt hat. Ich habe es zufällig durch Verſuche erfahren, welche ich zu dem Zwecke anſtellte, um auszumit⸗ teln, wie viel trockene Subſtanz Moder enthalte, welcher dazumal auf den Acker ausgefahren wurde. Dieſer Moder von etwas torfiger Be⸗ ſchaffenheit, wie er es hier gewöhnlich zu ſeyn pflegt, enthielt zu mei⸗ nem größten Erſtaunen, obgleich die dem Verſuche unterworfene Probe von einer hohen Bank abgenommen war, in der er ſchon ſeit längerer Zeit und lange genug geſtanden hatte, um ihn für möglichſt waſſer⸗ frei zu halten, von acht Theilen nur einen Theil trockene Subſtanz, und das Übrige war Waſſer. Bei ſchwammigem Torfe fand man das Ver⸗ hältniß noch größer, indem erſtere hier oft ſogar nur den zwölften Theil ausmacht. Wenn Herr Meiſter in dem, den bekarrten Wieſen von unten auf zugeführten Waſſer einen genügenden Dünger für dieſelben erachtet, ſo ſtreitet dieß gegen die meiſten anderſeitigen Erfahrungen. Im All⸗ gemeinen können die bekarrten Wieſen dem Acker die Hälfte ihres Dungproducts überlaſſen; entzieht man ihnen dasſelbe ganz, ſo muß eine ſehr vortheilhafte Grundbeſchaffenheit und ein anzuwendender vor⸗ theilhafter Fruchtwechſel die Rechtfertigung dafür bis zu gewiſſem Grade übernehmen.(Vergl. S. 132.) Sind die hier angeführten Hauptrückſi chten erledigt, ſo hat der vorſt chtige Landwirth, bevor er mit dem Überfahren ſeiner Wieſen be⸗ *) Siehe deſſen Abhandlung„über das Befahren mooriger Wieſen mit Erde“ im 14. Bande der Mögl. Annalen. 3 —————————y—— 122 ginnt, auf's Genaueſte zu unterſuchen, ob er denſelben eine ſo trockene waſſerfreie Beſchaffenheit ſichern kann, daß die Früchte ſeiner mühſa⸗ men, koſtſpieligen Arbeit nicht unverhältnißmäßig geſchmälert werden. So unzweckmäßig es iſt, Wäſſerungs⸗Torfwieſen trocken zu legen, ſo unumgängliches Erforderniß iſt, ſolchen Revieren eine ſorgfältige Ab⸗ grabung zu widmen, wenn ſie durch Erdeauffahren in ihrem Ertrage gehoben werden ſollen. Sowohl meine als die gereiftern Erfahrun⸗ gen aller ältern mecklenburgiſchen Landwirthe beſtätigen dieß. Der Anfänger in dieſem Meliorationsverfahren iſt nicht genug vor einer Vernachläſſigung der Entwäſſerung zu warnen. Nicht minder aber iſt ihm anzurathen, von der ganzen Operation abzuſtehen, wenn er die zu meliorirenden Reviere nicht gegen nachtheilige Überſchwemmungen zu ſichern vermag. Solche, welche bei der insgemein ſehr tiefen Lage der Wieſen ſo leicht vorkommen können, werden namentlich und zuerſt dem neuen Werke dadurch ſchädlich, wenn ſie gleich nach beſchaffter Auffuhr und Beſamung ein Wegſchwemmen, ein Zuſammenfließen und bretartige Lagerung der Erde, oder eine Hinwegführung des ein⸗ geſaͤeten Samens veranlaſſen. Aber auch, wenn das Waſſer auf einer bereits hinlänglich benarbten Wieſe im Winter ſtehen bleibt, wird man einen bedeutenden Abſchlag im Ertrage bemerken. Dr. Spalding be⸗ fuhr ein ausgeſtochenes Moor mit Erde und hatte in den erſten drei Jahren reiche Ernten, aber ſchon im vierten nur eine ſehr mittelmã⸗ ßige, nachdem im Winter das Waſſer zufällig ſo geſtiegen war, daß die Wieſe unter Waſſer ſtand. Mit Recht bemerkt er, ganz mit unſern langjährigen Beobachtungen und Erfahrungen über dieſen Gegenſtand übereinſtimmend, daß die aufgefahrene Erde allenthalben in dem Maße wirkſamer iſt und ihre Wirkſamkeit verliert, als ſie weniger oder mehr vom Waſſer geſtört wird. Demnach darf man nur entwäſſerte, trockene Moore, die nicht unter Waſſer kommen, mit Erde befahren, und es erklärt ſich daher die vorzügliche Wirkung des Erdefahrens in trockenen Jahren, welche in den nachfolgenden ſpätern ſo ſehr nachließ, daß die wohlthätige Operation vielfach in Mißcredit gerieth. Ein Anderes iſt es mit dem fließenden Waſſer. Wie ſtagnirendes tödtet, kann jenes, unter entſprechenden Umſtänden, die Thätigkeit der Vegetation beleben. So erzählt Reuter— der verdienſtvolle Krapp⸗Cultivateur—, daß über einen Theil ſeiner aufgefahrenen Torfwieſen im Winter fließen⸗ des Waſſer gehe; hier ſey die Vegetation ſo ungemein üppig, daß Mai⸗ tag das darauf befindliche Gras gewöhnlich fußhoch ſey*). — *⁴) Siehe Mecklenb. Annalen, Jahrg. 12., 1. B., S. 101. ——— 123 Bei der Manipulation iſt Vieles und Mancherlei zu beobachten. Zuerſt das Material. Hier kommt weniger die Güte, als die bequeme Lage desſelben in Betracht. Groß ſind die Vortheile, welche aus der Beſchaffenheit der Arbeit mit Handkarren erwachſen; ſie beſtehen nicht nur in der Erſparung des Zugviehes, ſondern überhaupt auch in der beſſern und zugleich wohlfeilern Verrichtung. Alles kommt alſo darauf an, die Auffuhrerde ſo nahe als möglich zu ſuchen; 100 Schritte und weiter mag ſie immer gern vom Abladeplatze entfernt ſeyn; denn wo ein Arbeiter und eine Karre nicht mehr ausreichen, können ſich deren mehre bis auf eine gewiſſe Entfernung mit Vortheil in die Hände arbeiten. Gute Erde iſt allerdings der ſchlechtern immer vorzuziehen; namentlich wird dieſelbe in den erſten Jahren der Vegetation förder⸗ licher ſeyn; ſpäter wird ſich keine abweichende Wirkung mehr zeigen. Reuter befuhr ſeine Torfwieſen mit ſehr verſchiedenem Material. Er nahm 1) die auf einem Steindamme durch die Länge der Zeit ſich an⸗ gehäufte Erde; dieß waren aber nur etwa 30 Fuder; 2) einen alten Schutthaufen von einem eingegangenen Töpferofen; 3) eine in der einen Wieſe ſelbſt gelegene erdige Anhöhe(oben enthielt dieſe Anhöhe gute ſchwarze Erde, tiefer ſtand Lehmſchindel; dieſe Anhöhe ward ſo tief ausgegraben, daß ſtatt eines Hügels eine Tränke auf derſelben Stelle entſtand); 4) einen kleinen Sandberg, der früher als Kartoffel⸗ acker vielleicht ſchon lange genutzt war; in der Tiefe war reiner Sand, der ſogar ziemlich viel Ackererde enthielt; 5) beſonders eine hohe, aus Sandlehm beſtehende Grabenborte, die einem Nachbar mehr ſchadete als nützte.— Die Erde von Nr. 1 und 2 zeigte ſich in ihrer Wirkung auf Graswuchs in den erſten Jahren nach dem Überfahren am beſten; nach fuünf Jahren war aber nur wenig Unterſchied zu merken, ob hier und da Erde von Nr. 1 und 2 oder von Nr. 3 bis 5 gekommen war.— Sehr humusreiche, dabei viele Sandtheile enthaltende, ſäurefreie Made nimmt auf Torfwieſen als Auffuhrmaterial jedenfalls den erſten Rang ein; faſt beſſer noch iſt die aus Viehſtällen gegrabene Erde, welche mir, leider nur in kleiner Quantität angewandt, ganz außerordentliche Wirkung gezeigt hat. In der Regel gilt die Auffuhr ſehr lehmiger Erde als die ſchlechteſte, weil ſie mindeſtens in der erſten Zeit einen zu großen Ausſchlag ergibt. Wirklicher Thon iſt ganz zu verwerfen. Wie bereits oben angedeutet, ſind auch eiſenhaltige, phosphorſaure Erdſubſtanzen ſchädlich. Die beendigte Vegetation, eine bequemere Jahrszeit, die vortheil⸗ hafte Einwirkung der Witterung auf das Erden, eine ſich darbie⸗ tende längere und ungeſtörte Muße— alle dieſe Umſtände vereinigen 124— ſich, den Herbſt als den zweckmäßigſten Zeitpunct der Beerdung zu be⸗ zeichnen. Daß die Abgrabung bereits vollendet ſeyn muß, verſteht ſich von ſelbſt. Je länger dieſelbe vor dem Auffahren der Erde Statt gefun⸗ den hat(vorausgeſetzt, daß die Arbeit gehörig unterhalten worden), deſto beſſer iſt es. Einestheils wird durch die frühere Trockenlegung die Entſäuerung und Erwärmung der Wieſe bedeutend vorgeſchritten ſeyn, anderntheils wird man Gelegenheit erhalten haben, ſich in dem gewonnenen Grabenauswurf ein bequemes, wohlfeiles und um ſo wirk⸗ ſameres Auffuhrmaterial zu verſchaffen. Der Landwirth iſt wirklich mehr, als bisher geſchehen, darauf aufmerkſam zu machen, welche große Vortheile er ſich durch eine zweckmäßigere Behandlung, ſelbſt der ſchlechteſten Auswurferde, aneignen kann. Bekanntlich ſind es nur die darin enthaltenen Säuren, welche ſie ſo giftig machen. Auf dem gewöhnlichen Wege, da man ſie in Längendämmen an den Ufern aus⸗ wirft oder ſie ſofort über die Beete ausbreitet, wird die Zerſetzung nur langſam und unvollkommen, oft gar nicht erreicht, wenn günſtige Winterwitterung nicht mit einwirkt. Was durch die Trockenlegung der Wieſe gebeſſert wird, verliert dann häufig ſeine Wirkung durch die jenen Subſtanzen zum Grunde liegende Vegetationsſtörung. Würde man ſich bemühen, ſaͤmmtlicher Grabenerde durch die wohlthätige Ein⸗ wirkung der Atmoſphäre den gehörigen Grad der Verweſung zu ver⸗ ſchaffen, ſo leidet es keinen Zweifel, daß ein Hauptproblem der Wie⸗ ſenverbeſſerungslehre praktiſch gelöſ't wäre. Ganz vortrefflich ſind in dieſer Rückſicht die Vorſchriften des um die Wieſeneultur ſo hochver⸗ dienten Plathner, deſſen Unterweiſungen überhaupt nicht die Auf⸗ merkſamkeit erregt haben, welche ſie verdienen, da ſie ſo ganz der Pra⸗ ris und einem auf die Baſis der Wiſſenſchaft gereiften Nachdenken entnommen ſind. Es ſagt nämlich derſelbe*): 5 »Theils zur beſſern Verweſung der die Grabenränder ansmachen⸗ den Maſſen, theils um zu ſtarker Froſtzeit das Aufladen leichter be⸗ wirken zu können, nützt es, wenn die aus den Graͤben entnommene Erde nicht in Längendämmen, ſo wie ſie gemeiniglich hingeworfen wird, liegen bleibt, ſondern ſolche in reguläre Haufen geſetzt wird. Eben gedachter Zwecke wegen iſt es noch beſſer, wenn man ſolchen Grabenauswurf in ganz große Haufen von 60 bis 80, auch wohl 100 Fuder Größe und darüber zuſammenbringen läßt. Dieſes geſchieht *) Siehe Neues Jahrbuch der Landwirthſchaft von Kammerrath Plath⸗ ner und Prof. Dr. Weber, 5. Bd., 2. Stück, Seite 8. 125 aber nur in ſolchen Weiten⸗Entfernungen der zuſammenzuſchaffenden Haufen untereinander, daß dabei die Handkarren in vortheilhafte An⸗ wendung treten dürfen. Eine Weiten⸗Entfernung der Haufen von 12— 18 Ruthen Länge wird hierbei am zweckmäßigſten gegeben wer⸗ den können. Die in ſolcher Art zuſammengefahrenen Erdmaſſen bleiben nun nach Umſtänden ein oder einige Jahre ganz ruhig ſtehen; allen⸗ falls bepflanzt man die Oberfläche der Haufen mit irgend einer be⸗ ſchattenden Frucht, z. B. Kraut, Kartoffeln, Kürbiß, wodurch die Zerſetzung noch befördert wird, und iſt man dieſer gewiß, ſo verwen⸗ det man nun erſt ſolche Erdhaufen zum vortheilhaften Gebrauche für die Wieſe, und zwar beim nahen Verbrauche vermittelſt der Hand⸗ karren, beim weitern Verbrauche vermittelſt der Zugviehkräfte. Auf dem zur Herrſchaft Heinrichau gehörigen Vorwerke Wieſenhof iſt das oben gedachte Verfahren, und dieſes zugleich beſonders um deß⸗ halb angewendet worden, damit der daſelbſt vorfindliche und aus den Entwäſſerungsgräben heraufgebrachte eiſenſchüſſige Boden einer um ſo beſſern Zerſetzung unterworfen werde.« Von der Beſchaffenheit des Materials hängt es ab, wie ſehr man die Arbeit des Erdens zu beſchleunigen habe. Je roher dasſelbe iſt, de⸗ ſto früher hat man für die Auffuhr desſelben zu ſorgen und deſto eher muß ſolche beendigt ſeyn. Hat man auch beſſere Subſtanzen aufzufah⸗ ren, ſo bleiben dieſe ſtets bis zuletzt, da ſolche der Einwirkung der Atmoſphäre minder bedürftig ſind. Ein oberflächliches Ausſtreuen der aufgefahrenen Erde iſt zu letzterem Zwecke empfehlenswerth. Erlau⸗ ben Zeit und Witterung die Vollführung der Arbeit zur Froſtzeit, ſo erwächſt dadurch allerdings den feuchtern Wieſen ein namhafter Vor⸗ theil; dagegen iſt in Betracht zu ziehen, daß in den meiſten Fällen die frühe Endung ſich wirkſamer zeigt; daß ſie mindere Arbeit er⸗ heiſcht; daß die Zernichtung der Wieſennarbe bei vorliegendem Zwecke von keinem beſondern Belange iſt, auch nur Statt findet, wenn mit Wagen und Karren gearbeitet wird, in dieſem Falle aber durch breite Radfelgen Verſelben ſehr an Schädlichkeit verlieren kann. Die Beantwortung der Frage:»wie hoch die Erde aufzufahren iſt?« richtet ſich nach der Feſtigkeit des Grundes und der Güte des Auffuhrmaterials. Da es hier aber ſtets um gänzliche Erſtickung des alten Raſens zu thun iſt, ſo wird dabei die Conſervation ſeiner Gras⸗ arten, ſo wie die künftige Einwirkung ſeiner vegetabiliſchen Dung⸗ kräfte auf die folgende Vegetation nur als untergeordneter Zweck be⸗ rückſichtigt. Im Allgemeinen iſt die Erde 3 bis 4 Zoll dick aufzubrin⸗ gen; aber es kommen auch Fälle vor, wo eine handhohe Auffuhr 126 praktikabel und von großem Erfolge ſeyn kann. Es iſt wohl zu be⸗ achten, daß die loſe Erde ſich noch betraͤchtlich ſetzt, weßhalb man die erſte Höhe der Schichte nicht als richtigen Maßſtab anlegen kann. Witee geſagt, muß die Entfernung des Aufladeplatzes ſchon ſehr be⸗ trächtlich, nahe an 200 Schritte und darüber ſeyn, wenn es gerathe⸗ ner erachtet werden ſoll, Zugvieh und Wagengeſchirr anſtatt der Hand⸗ karren anzuwenden, indem bei erſtern die baaren Auslagen ungefähr dieſelben bleiben, zumal wenn man das viel ſchwierigere Streuen der großen Haufen in Rechnung ſtellt. Überhaupt ſtimme ich ganz mit der mehrfach geäußerten Anſicht überein, daß man die nützliche Schiebkarre mehr aus Gewohnheit als Erfahrungsgründen bei ſo manchen land⸗ wirthſchaftlichen Arbeiten dem Zugviehgeſchirre hintanſetzt. Dagegen aber kann ich nicht finden, daß das Handkarren ſich als unbedingt wohlfeiler herausſtellt. In den meiſten Fällen wird man bei einer einigermaßen ſtarken Auffuhr rechnen müſſen, daß man 2— 3 tüchtiger vierſpänniger Fuder oder 10— 12 einſpänniger und circa 24 Handkarren Erde auf die 16 Fuß große Quadratruthe bedarf, alſo durchſchnittlich gegen 100 Cubikfuß Erde. Die trockene, geebnete Erde wird im Frühjahre möglichſt zeitig ver⸗ mittelſt der Eggen noch gleichmäßiger vertheilt und demnächſt in der Regel mit einem Gemiſche von Wicken und Hafer, auch wohl mit Leinſamen, welchen Grasſaat untermiſcht iſt, beſtellt, abermals tüch⸗ tig beeggt und endlich mit einer ſchweren Walze ein⸗ oder mehre Male niedergewalzt. Der mecklenburgiſche Landwirth hat einem mannichfaltigen Ge⸗ miſche von Gräſern in der Regel den alleinigen Timotheeſamen vorgezogen; doch wäre es zu empfehlen, auf ſeinen trocken gelegten, hinlänglich conſiſtent gewordenen und von ihrer nachtheiligen Eſſig⸗ oder Phosphorſäure befreiten Moorwieſen auch andere, hier ſo ſehr geeignete, dem Viehe ſo gedeihliche und angenehme Gräſer zu berück⸗ ſichtigen, wie namentlich das Waſſerviehgras, die Waſſerſchmiele, aira aquatica, die Futtertrespe, bromus gigantens u. m. a. Auf Wieſen von beſſerem Untergrunde, mit humoſer Erde befah⸗ ren und von fruchtbarer Lage, wird ſich eine treffliche Grasnarbe bil⸗ den, wenn dem Timotheegraſe die Poa⸗Arten, der Wiieſenſuchsſchwan Glanzgras und Fiorin beigemengt werden. Wir wollen uns übrigens hier über die Wahl der auszuſäenden Gräſer nicht weiter auslaſſen, da die im vierten Abſchnitte gemachten Mittheilungen eine hinlängliche Richtſchnur geben. Tiefe und Locker⸗ ꝑp 127 heit, feuchtere oder trockene Lage, endlich die noch mehr oder minder ſtattfindende Einwirkung der alten Narbe auf den neuen Gras⸗ wuchs beſtimmen die Behandlung der gebildeten neuen Oberfläche un⸗ ſerer Wieſen. Ebenſo hängt die Dicke oder Dünne der Grasſaat von genannten Umſtänden ab; je höher die aufgefahrene Erde liegt, deſto dicker muß geſäet werden. Wenn es freilich als Regel gelten kann, die beerdeten Wieſen im erſten Jahre nicht zu behüten, ſo kann doch ſelbſt unter gewiſſen Bedin⸗ gungen das Beſchlagen derſelben mit Vieh der frühern Benarbung zuträglich werden. Die Erfahrungen des mehrfach angeführten Herrn Reuter belegen dieß. 3 Wir haben ſchon oben ſeiner Beerdungsverſuche erwähnt. Die e eine der in Rede ſtehenden Wieſen iſt ſeine Dienſtwieſe, ungefähr 660 Q. Ruthen groß. Die andere, die er auf 10 Jahre pachtete, enthält 400 Q. Ruthen. Die erſtere gab früher an Vor⸗ und Nachmahd höchſtens 4 Fuder Heuz; die letztere, die R. als Wieſe nicht genutzt hatte, mochte dieß kaum geben. Der Boden derſelben beſteht größtentheils in reinem Torf, und die größere war an einem Ende vor dem Abgraben der⸗ ſelben ſo niedrig gelegen, daß beim Gehen über dieſe Wieſe ſich der mit tiefem Mooſe überwachſene Boden unter den Fußtritten eines Menſchen merklich bewegte; Vieh konnte kaum darüber gehen. Nachdem vor längerer Zeit einige Quadratruthen der erſtern Wieſe zur Probe mit Erde überfahren waren und dieſe Probe gute Folgen zeigte, wurden beide durch 4 Fuß tiefe Gräben recht trocken gelegt; der Auswurf aus ſelbigen ward zerſtückelt und über die Wieſe gebrei⸗ tet, dieſe ſodann ganz mit Erde überfahren. Die verſchiedenartige Beſchaffenheit derſelben iſt ſchon oben angeführt. Die geſammte Auf⸗ fuhr geſchah im Herbſte, ziemlich ſtark, nämlich der Regel nach zwei vierſpännige Fuder“*) auf die Q. Ruthe, ſo daß von dem urſprüng⸗ lichen dürftigen Raſen und kleinen Bülten nur ſelten etwas zu ſehen blieb. Sodann ward mit ſchweren eiſernen Eggen Alles tüchtig durch⸗ geeggt, wobei nicht ſelten der urſprüngliche, durch die Wagengeleiſe her⸗ vorgedrängte Torfgrund der Wieſe und der Auswurf aus den zum Abtrocknen gezogenen Gräben ſich mit der aufgefahrenen Erde miſchte; endlich war auch etwas Heuſaat darüber geſtreut. Im kommenden Fruͤhjahre wurden beide Wieſen mit Ricken umgeben; es wurden die mit aufgefahrenen Steine abgeſammelt und im Juni wurden einige Häupter Vieh darauf gejagt. Die Vegetation zeigte ſich anfänglich nur 8 5 *) à 40 Cubikfuß? 128— ſpärlich, das wenige Gras aber war behuͤlflich und mehrte ſich im Juli ungemein. Im Auguſt und September des erſten Jahrs und im Früh⸗ linge des kommenden überzog ſich Reuter's Weide dermaßen mit wildem Wieſenklee, daß wohl nie eine reichere Weide geſehen worden iſt. Dieſer wilde Klee machte jedoch im vierten und fünften Jahre großentheils einem kräftigen Brinkgraſe Platz, worunter ſich aber noch immer viel Klee fand. Der Regel nach— ſagt Herr Neuter*)— haben bisher auf dieſen beiden Wieſen, alſo in Summe auf noch nicht 1100 Q. Ruthen, zehn, mitunter auch eilf Kühe gute, ſelbſt überreichliche Weide gefun⸗ den. Die mir durch dieſe Operation verurſachten bedeutenden Ko⸗ ſten**) habe ich binnen den abgelaufenen fünf Jahren mit den Zinſen ſchon reichlich wieder. Ich mußte Schleete, Lochpföſte, ja ſogar die Erde theuer kaufen. Mancher Andere kann das viel wohlfeiler haben. Ich bin der Überzeugung, daß dieß Überfahren torfiger Wieſen mit Erde, nach vorausgegangener Trockenlegung derſelben, ganz vorzüg⸗ lich zur Verbeſſerung des Landbaues in Mecklenburg(und wir fügen hinzu, in einem ſehr großen Theile des deutſchen Vaterlandes) dienen kann, empfehle ſelbiges hierdurch im Allgemeinen, beſonders aber allen kleinen Wirthen, den Predigern, ſo wie Hauswirthen, wenn ſie ähnliche ſchlechte Wieſen haben, ſehr angelegentlich; wobei ich jedoch noch ſchließlich bemerke, daß ich außer dem Trockenlegen und Über⸗ fahren mit Erde das Behüten ſolcher Wieſen mit Vieh, wenigſtens in den erſten Jahren nach dem Überfahren mit Erde, zu ähnlichen Erfol⸗ gen für weſentlich nöthig halte; denn ähnliche von mir gemachte Ver⸗ ſuche mit Feldwieſen, wohin das Vieh nur im Herbſte kam, hatten zwar recht gute Folgen, jedoch bei Weitem nicht ſo ausgezeichnete, als im oben erwähnten Falle.— Große Trockenheit und Feſtigkeit machen das Weiden friſch beſam⸗ ter Wieſen, zumal wenn dieſe nicht von vorzüglich kraftvoller Be⸗ ſchaffenheit ſind, gewiß vortheilhaft. Die Gräſer erſtarken mehr in ihrem Wurzelaustriebe, werden üppiger, und bilden eine um ſo dich⸗ tere, kräftigere Narbe, je mehr die Vegetation von dem Weidemiſte, dem Auftritt und der Lagerung des Viehes unterſtützt wird. Sind Ce⸗ realien mit den Gräſern ausgeſäet, ſo vermeide man jedenfalls ein zu ſpätes Mähen. Wo ſich Wurzelkraut vorftnder ſorge man für das Ausſtechen desſelben. *) Neue Annalen der mecklenburgiſchen Landwirthſchafts⸗Geſellſchaft, XII. Jahrgang, 1. Quartal, Seite 102. **) Gegen 250 Thaler. 129 Ein herrlicher Vortheil bietet ſich auch den beerdeten Wieſen in der mehrentheils durchaus ſtatthaften Herbſthut dar. Wer da weiß, wie ſo häufig dieſe auf andern Wieſen nicht erlaubt iſt, mindeſtens ſehr kurze Zeit dauert und dann höchſt dürftig iſt; wer das wichtige Bedürf⸗ niß der Ausweide bei unſern ſtets kahler werdenden Dreſchen und den ſtets zunehmenden Heerden zu ermeſſen verſteht: wird allein ſchon in dieſem Umſtande einen wichtigen Anreiz zur Ergreifung eines Cultur⸗ verfahrens finden, das ſowohl auf die Güte als Maſſe des erzeugten Futters überhaupt ſo ausgezeichnete Wirkung äußert. Ebenſo werden ſolche aufgeerdete Wieſen häufig den Schafen eine treffliche Frühjahrs⸗ vorweide gewähren können, und man wird dadurch nicht nur den Zweck einer gedeihlichen Ernährung derſelben, ſondern gleichzeitig einen eben⸗ mähigen beſſern Graswuchs erreichen, vorausgeſetzt, daß mit der ge⸗ hörigen Vorſicht zu Werke gegangen und, nach Maßgabe der wärmern oder kältern Witterung, die Heerden nicht länger als Ende April oder Anfangs Mai auf den Wieſen gelaſſen werden. Die Hutung des Rindviehes nach dem erſten Schnitte erhöht den Milchertrag desſelben um 30 bis 50 pCt., anſtatt daß auf ungeerde⸗ ten Wieſen den Kühen die Milch häu fig vergeht. Ich habe Gelegenheit gehabt, hierüber vielfache Erfahrungen einzuſammeln, in Gemãßheit derer ich aber doch eine umſichtsvolle Berückſichtigung der jedesmaligen Beſchaffenheit der neubeſamten Reviere angelegentlich empfehlen muß. Ganz aus meiner Seele geſprochen iſt, was der treffliche Plathner bei Gelegenheit der von ihm dargeſtellten Vorzüge des Erdeauffahrens äußert über die Nachhut ſolcher Wieſen. »Auch noch ein anderweitiger Vortheil, den dieſe neugeſchaffenen Wieſen gewähren«— ſagt er*)—,„iſt zu erwähnen, nämlich der, daß das Vieh im Herbſte, nach vollendeter Grummeternte, auf ſolchen eine ſehr kräftige und ihm ſehr zuſagende Weide finden kann. Dieſe Wieſen wachſen in verjüngter Vegetationskraft bis ſpät in den Herbſt hinein, und grünen noch, wenn andere Wieſen ſchon längſt abgeſtorben erſchei⸗ nen; und unter gehöriger Vorſichtsbeachtung ſchadet das Behüten hier nicht, ſondern nützt dabei ſelbſt noch, beſonders dadurch, daß die im Herbſte zu geil emporgewachſenen Grasſtöcke abgefreſſen und ſo gegen das Verfaulen geſchützt werden. Nur laſſe man ſich nicht verleiten, ein ſolches Behüten auch bei naſſem Wetter eintreten zu laſſen; denn damit ſchadet man der Wieſe jedenfalls, und führt ſie ihrem fruͤhern, ſchlech⸗ ten Zuſtand immer näher. Sehr wichtig für die Schäferei wird die Be⸗ *) Am angeführten Orte Seite 29. Lengerke’s Wieſenbau. 9 130 weidung ſolcher Wieſen zur Herbſtzeit dann ſeyn, wenn man nach voll⸗ endeter Grummeternte ſolche für ſäugende Mutterſchafe bei früher Lammzucht Statt finden laſſen kann. Eine Furcht, daß das Beweiden den Schafen ſchaden könne, darf man hier nicht haben, indem der neue Graswuchs durchaus nur aus guten Wieſenpflanzen beſteht und faſt gar kein ſchädliches Gewächs dazwiſchen aufkommen kann, ſo wie auch verſchlämmte und verſäuerte Plätze ſich auf dieſen ganz neugeſchaffe⸗ nen Wieſen gar nicht weiter vorfinden können, oder gegentheils die An⸗ lage nicht zweckmäßig ausgeführt worden iſt.« Da eine gänzliche Veränderung der chemiſchen Conſtitution des Bo⸗ dens Statt gefunden hat und eine ganz andere Pflanzengeneration hervorgetreten iſt, ſo müſſen natürlich auch auf ſolchen bekarrten Wieſen Geſchmack und Nahrhaftigkeit des gewachſenen Graſes dem frühern gar nicht mehr gleichen. Es erhält dasſelbe vielmehr einestheils durch die dem Grunde zugetheilte Wärme und Süße, anderntheils durch die hö⸗ here natürliche Guͤte der eingebürgerten neuen Pflanzen eine Annehm⸗ lichkeit für das Vieh, welche auf ſein phyſiſches Gedeihen und ſeine ſämmtlichen Functionen einen kaum glaublichen Einfluß äußert. Nicht nur in der Maſſe, ſondern ſelbſt auch in der Güte der von ihm gewon⸗ nenen Erzeugniſſe wird ſolches bemerkbar, und wenn Einige beobachtet haben wollen, daß das erſte Futter der beerdeten Wieſen mitunter dem Viehe widerſtehe, ſo kann das unfehlbar nur ſeinen Grund in zu großer Geilheit und dadurch veranlaßter ſchlechterer Qualität und tadelnswer⸗ ther Werbung desſelben haben. Wir hatten Gelegenheit, in Mecklen⸗ burg ſo häufig von höchſt angeſehenen Landwirthen den höhern Werth des auf geerdeten Wieſen gewachſenen Graſes beſtätigt zu hören und haben ſelbſt ſo langjährige Erfahrungen darüber vorzulegen, daß wir jeder weitern Erörterung uns füglich glauben überheben zu köͤnnen. Nur ſey es uns erlaubt, nochmals zur Beſtätigung einen ausländiſchen Ge⸗ währsmann anzuführen, deſſen Autorität von ſelbſt jeden weitern Zwei⸗ fel bei dem ſchwer zu Überzeugenden niederſchlagen wird. »Was«— ſagt Plathner*)—»einen vorzüglichen Vortheil ab⸗ gibt, iſt zugleich die beſſere Güte des anjetzt geernteten Heues und Grum⸗ mets. Man laſſe ſich nur nicht irre leiten, etwas Anderes zu glauben, wenn etwa der Fall vorkommen ſollte, daß das Vieh ſolches neue Heu zu Zeiten nicht ſo gern freſſen möchte, als anderes Heu von gewöhn⸗ lichen, uncultivirten Wieſen. Iſt dieſes wirklich der Fall, ſo darf man gewiß annehmen, daß das gewonnene Heu entweder zu lang gewach⸗ *⁴) Am angef. Orte Seite 28. 88 , 131 ſen, daher zu alt geworden, oder dasſelbe vor dem Abhauen bereits am Grunde vergelbt geweſen und ſtockig geworden war. Dieſes Letztere ge⸗ ſchieht bei dem geil wachſenden Graſe überhaupt ſehr bald, und der aufge⸗ fahrene Schlamm bewirkt nun einmal, beſonders in den erſten Jahren, einen faſt zu geilen Wuchs der Wieſenpflanzen, wobei unter dem Zu⸗ tritte von Feuchtigkeit, die nun beim dichten Stande jener ſich ebenfalls vermehrt— bald ein Stockigwerden der untern Pflanzentheile entſteht, welches dem Heu immer etwas ankleben bleibt und jene Erſcheinung leicht hervorbringt. Regel möge es daher nur immer bleiben, ſolche verbeſſerte Wieſe nicht gar zu ſpät abhauen zu laſſen, beſonders darauf zu achten, daß das Gras auf dem Boden der Wieſe nicht vergelbe, ehe man hauen läßt.« Schon im erſten Jahre, daß die beerdete und mit Gemengfutter abgeerntete Wieſe der Senſe, Behufs der Heugewinnung, unterzogen wird, dürfte ſich ſelten ein Ausfall in derſelben gegen die vorher ſtatt⸗ gefundenen Ernten ergeben, jedenfalls ein kleines Untermaß der Pro⸗ duction reichlich durch deren ſo viel beſſere Qualität erſetzt werden; aber im dritten Jahre nach der Auffuhr mag in den meiſten Fällen der Fut⸗ terertrag ſchon die doppelte Höhe des ehemaligen erreicht haben, ja häu⸗ ſig drei⸗ und viermal die erſte Ausbeute übertreffen. Auf manchen Gu⸗ tern hat man durch zweckmäßige Trockenlegung, Beerdung und Beſa⸗ mung der Wieſen, und wenn ihnen die von ihrem Futterertrage gewon⸗ nene Dungmaſſe nicht entzogen ward, wenigſtens theilweiſe zufließt, die unfruchtbarſten Moorſümpfe in dem Maße verbeſſert, daß von 60 Quadratruthen ein Fuder Heu zu erwerben ſteht, welches, der Güte nach, dem einer cultivirten Wieſe erſter Claſſe vorzuziehen iſt. Über⸗ haupt liegen in Mecklenburg ſehr merkwurdige Erfahrungen über die Wirkungen des Erdens vor. Mehre derſelben ſind ſchon aufgeführt. Auf den Gütern der Herren Pogge, deren Vater, wenn auch nicht als Erfinder, doch als erſter Praktiker dieſes Verfahrens genannt wird, ſind dadurch Schöpfungen hervorgegangen, deren Reſultate faſt allen Glau⸗ ben überſteigen. Es exiſtirt vielleicht kein intelligenter mecklenburgiſcher Wirth, welcher mindeſtens nicht eine Probe dieſer Melioration aufzu⸗ weiſen hat. Der Eifer für das ſogenannte»Bepoggeln« erſtreckte ſich ſelbſt auf die kleinern Pfarr⸗ und Bauern⸗Wirthſchaften. Wenn der⸗ ſelbe dermalen abgenommen, ſo liegt dieß an der häufigern Erfahrung, daß die Miſtdüngungen der bekarrten Wieſen zu wenig austhuen. Ei⸗ nen intereſſanten Beleg hierzu liefert die folgende Mittheilung des Dr. v. Thünen auf Tellow. 94 ——— 132 Eine 18 Magdeb. Morgen große, nicht fern vom Hofe liegende Tel⸗ lower Wieſe(Gilwieſe genannt) war im natürlichen Zuſtande ſehr quel⸗ lig, und trug mit einigen untermiſchten Gräſern und Kräutern größ⸗ tentheils Duwock(Equisetum palustre). In dem Zeitraume von 1813 bis 1820 incluſ. gab ſie im Durchſchnitte jährlich 12,4 Fuder Heu. Im Winter 1820/21 wurde ſie bepoggelt. Schon im nächſten Jahre(1822) lieferte ſie, obgleich noch nicht vollſtändig benarbt und noch unvollkom⸗ men entwäſſert, 32 Fuder Heu. 1823 wurde zuerſt ein Theil der Wieſe gedüngt, in den Jahren 1825 und 1827 aber die ganze Fläche mit circa 5 Fuder Miſt pr. Morgen befahren. In den 6 Jahren von 1823 bis 1828 incluſ. war der Durchſchnittsertrag der Wieſe 37,7 Fuder Heu. Während dieſes Zeitraums fand der höchſte Ertrag im Jahre 1823 Statt und betrug 44 Fuder; der Durchſchnittsertrag in dieſer Periode war alſo auf das Dreifache des frühern Ertrags geſtiegen. Im Jahre 1829 erhielt die Wieſe wieder eine Düngung, und in den Jahren 1831 und 1832 wurde ſie ſogar zwei Jahre nacheinander, aber nur ſchwach mit circa 3 ½ Fuder pr. Morgen gedüngt. Trotz dieſer wiederholten Dün⸗ gungen ſank der Durchſchnittsertrag in den 4 Jahren von 1829—1832 incluſ. auf 28,9 Fuder zurück. Die Wieſe trug alſo nur noch 16,5 Fu⸗ der Heu mehr, als ſie im natürlichen Zuſtande gegeben hatte, welche durch einen Aufwand von eirca 54 Fuder Dung erkauft waren. Rech⸗ net man nun, daß der aus der Verfuͤtterung von einem Fuder Heu erfolgende Miſt im Werthe gleich 2 Fuder Stallmiſt iſt, ſo gab der Mehrertrag von 16,5 Fuder Heu nur 33 Fuder Dung zurück, während die Wieſe 54 Fuder empfangen hatte. Unter dieſen Umſtänden war es klar, daß das Düngen der Wieſen nur auf Koſten des Ackers fortge⸗ ſetzt werden konnte, und es wurde der Entſchluß gefaßt, das Obenauf⸗ düngen gänzlich zu unterlaſſen. 8 Es war aber ſchmerzlich, Wieſen, die ſo viele Mühe und Koſten verurſacht, ſo viele Freude gewährt und Hoffnungen erweckt hatten, in ihren fruͤhern rohen Zuſtand zurückſinken zu laſſen, und ich(v. Th., der Beſitzer) beſchloß deßhalb, einen Theil der bepoggelten Wieſen um⸗ zubrechen und zu brachen*), einen andern Theil aber, und darunter *⁴) Dieſe Verſuche haben bis jetzt zu keinem klaren Reſultate geführt. Die zuerſt umgebrochene Wieſe wurde im Herbſte gepflügt, im nächſten Sommer gedüngt und gebracht, und im dritten Jahre mit Buchweizen beſtellt, worun⸗ ter Klee⸗ und Timothee⸗Samen geſäet ward. Die Wieſe lieferte hierauf in den nächſten drei Jahren einen bedeutenden Heuertrag, verſchlechterte ſich aber im 4. Jahre. Einige ſpätere Verſuche ſind durch ein fehlerhaftes Verfahren ſämmtlich mißglückt. Es wurde nämlich die Brache ſchon im erſten Jahre mit Raps beſtellt und mit dem früh geſäeten Raps zugleich Klee⸗ und Timothee⸗ 133 auch die Gilwieſe, alle Jahre mit Gips zu beſtreuen. Als nun im Jahre 1833 die Gilwieſe zum erſten Male gegipſ't wurde, war der Klee aus der Wieſe faſt ganz verſchwunden, das eingeſäete Timotheegras ſpar⸗ ſam geworden, und der heimiſche Duwock, welcher, ſo lange Klee und Gras üppig vegetirten, faſt vertilgt ſchien, prädominirte wieder. Ich hatte deßhalb auch keine Hoffnung auf eine günſtige Wirkung des Gip⸗ ſes und der Erfolg entſprach in dieſem Jahre der Erwartung; denn die Wieſe lieferte nur 29 Fuder Heu. Nach dem zweiten Gipſen im Jahre 1834 änderte ſich aber die Scene; die Wieſe bekleidete ſich mit gelbem Klee(Medicago lupulina), gelben Wicken(Lathyrus pratensis) und Vogelwicken(Vicia cracca) und erſchien in einer faſt nie geſehenen Pracht. Der Heuertrag war 42 i Fuder. Es ſchien, als wenn der Gips die Pflanzen, auf welche er wirkt und die bei ſeiner Anwendung noch nicht vorhanden waren, ſelbſt hervorgerufen hätte.— Seitdem iſt die Gilwieſe nun alle Jahre gegipſ't, und hat in den 7 Jahren von 1833 bis 1839 incluſ. einen Durchſchnittsertrag von 35,5 Fuder Heu ge⸗ geben. Die Wieſe lieferte alſo, im Vergleich mit dem, was ſie im na⸗ türlichen Zuſtande gebracht hatte, einen Mehrertrag von 23,2 Fuder; mithin war das Reſultat des Gipſens bis zum Jahre 1839 ein um ſo günſtigeres, als jener erhöhte Heugewinn, abgeſehen von dem Zinſen⸗ betrage des zur Verbeſſerung der Wieſe angelegten Capitals(circa 9 ½ Thlr.), durch einen jährlichen Aufwand von 14 ½ Thlr. erkauft wor⸗ den. Nun aber hat in den beiden letzten Jahren(1840 u. 1841) der Gras⸗ und Kleewuchs, trotz des fortgeſetzten Gipſens, ſo ſehr abgenommen, daß nur Ein Schnitt genommen werden konnte, und der Ertrag im J. 1840 bis 23 Fuder, 1841 aber gar bis zu 16 Fuder herabgeſunken iſt. Iſt dieß nur allein der Ungunſt der Witterung zuzuſchreiben, oder ver⸗ ſagt bei lange fortgeſetzter Anwendung der Gips, wie früher der Stall⸗ dung, ſeine befruchtende Wirkung? Nach Sprengel's trefflicher Düngerlehre, die uns ſo viele neue Aufſchlüſſe gibt, ſind in 1000 Pfd. Kleeheu nur 4 ½ Pfd. Schwefelſäure enthalten, während 60 Pfd. Gips 34 Pfd. dieſer Säure enthalten. Die Ernte von 3000 Pfd. Heu pr. Morgen conſumirt hiernach nur 13q½ Pfd. Schwefelſäure, und in 60 Pfd. Gips wäre Nahrung für 21 Kleeernten enthalten. Samen ausgeſäet. Der Raps wuchs im Herbſte ſo üppig, daß er nicht bloß den Klee, ſondern auch das Timotheegras unterdrückte, verfaulte dann aber zum großen Theile im Frühjahre, lieferte geringen Ertrag und ſchlechten Samen, und hinterließ eine Wieſe, welche keinen Klee, wenig Timothee und faſt nur wildwachſende Gräſer trug, die in den folgenden Jahren einen geringen Er⸗ trag gewährten. 134 Wird nun auch ein x heil des im Waſſer aufgelöſ'ten Gioſes hinwegge⸗ ſpült, ſo kann ſich doch zuletzt ein ſolcher Vorrath von Gips im Boden anhäufen, daß ein neuer Zuſatz durch abermaliges Gipſen nutz⸗ und fruchtlos bleibt, während der Boden an andern, den Pflanzen zur Nah⸗ rung dienenden Stoffen verarmt iſt. Vielleicht wäre jetzt wieder eine Düngung mit Stallmiſt von großer Wirkſamkeit; wahrſcheinlich wird aber auch ſchon eine Mergelung, zumal auf den Stellen, wo ſich Sauer⸗ ampfer zeigt, einen bedeutenden Erfolg haben. Die künftigen Verſu⸗ che werden hierüber Aufklärung geben. Jedenfalls ſcheint ſich aber ſchon jetzt herauszuſtellen, daß man nicht unausgeſetzt ein und dasſelbe Dün⸗ gungsmittel anwenden darf, ſondern mit der Anwendung von Stall⸗ miſt, Gips, Mergel u. ſ. w. wechſeln muß, um die gepoggelten Wie⸗ ſen in hoher Eultur zu erhalten*). Frühere Schriftſteller haben die Koſten der Wieſenbekarrung aller⸗ dings häufig zu niedrig veranſchlagt. Namentlich hat G. Meiſter in einem der frühern Jahrgänge der mecklenburgiſchen Annalen Berechnun⸗ gen über dieſen Gegenſtand mitgetheilt, welche gegen alle Erfahrungen ſtreiten und mit Recht monirt worden ſind. Bei Meiſter kommt der Morgen(à 120 Q. Ruthen) zu befahren und zu ebnen nicht über 4 Thlr. zu ſtehen; dieſer niedrige Anſatz entſteht hauptſächlich dadurch, daß er für das Ausbringen von 100 Handkarren nur 8 Schilling rechnet und deren 150(à 4 Cubikfuß Erde) pr. Tag auf den Mann veranſchlagt. Obgleich ich aus längerer Anſchauung und Praxis weiß, was ein meck⸗ lenburgiſcher Arbeiter leiſtet und leiſten kann, ſo bin ich doch ganz Herrn Plathner's Meinung, daß obige Annahmen auf einem Ver⸗ ſehen beruhen. Es iſt wohl ſchwerlich anzunehmen, daß man 2—3 ßl. Arbeitslohn für die Quadratruthe zahlen würde, wenn es dem Arbei⸗ ter möglich wäre, deren täglich 9— 10 fertig zu liefern. Genannter Preis aber iſt nach Maßgabe der größern oder mindern Entfernung in Mecklenburg der ganz gewöhnliche, da gewöhnlich ſehr hoch und auf ſehr ſchwammigen Wieſen gefahren wird. Unter den gewöhnlichen Verhältniſſen können die vom frühen Morgen bis ſpät Abends arbei⸗ tenden Handkarrer in den kurzen Herbſttagen nur zu einem guten Tag⸗ lohne kommen, wenn deren mehre in Gemeinſchaft treten, einige als Lader, andere als Fahrer und Einer endlich als Streuer agiren. Em⸗ pfehlenswerth iſt für letztern der auch von Plathner angegebene je⸗ desmalige Knittelſchlag auf die ausgeſchüttete und geleerte Karre, wo⸗ *) S. Amtl. Bericht über die Verſammlung teutſcher Land⸗ u. Forſtwir⸗ the zu Doberan. Güſtrow 1842. G 135 durch keine feuchte Erde mehr in derſelben haften bleibt und Raum und Kräfte nicht unnützerweiſe beſchränkt werden. Plathner rechnet bei einer Auffuhr von circa 2148 Cubikfuß Erde auf den Morgen à 180 Q. R. die Geſammtkoſten der Melioration fol⸗ gendermaßen: a) Für 5 Tage Spannarbeit à 1 Thlr. 5 Sgr. 5 Thlr. 25 Sgr. Pf. b) Für die Handarbeit.... 1 25 5 2 c) Für 4 i Pf. Grasſamen à 10 Sgr... 1 15 d) Auf die Entwäſſerung....... ⸗ 20 ⸗— e) Unbeſtimmte Ausgabe à 10 pCt..... ⸗ 29 ⸗ 6 Summe aller Verwendungen pr. Morgen 10 Thlr. 24 Sgr. 8 Pf. Wir wollen keine ähnliche Speeification folgen laſſen, da ſie nach den verſchiedenen Localitäten und Bedürfniſſen immer variirt und den⸗ noch keine Norm abgeben kann; aber langjährige Erfahrungen und vielfach verglichene Erkundigungen berechtigen uns zu dem Anſchlage von 3 ½1 ßl. pr. Q. Ruthe für Trockenlegung, Beerdung und Beſamung, wo⸗ bei zu bemerken iſt, daß die Erde im gelagerten Zuſtande meiſtens vier⸗ mal höher als bei Plathner zu liegen kommt. Das machte denn auf den Morgen beinahe halb ſo viel Koſten, nämlich 15 Thaler preuß. Cour. Die Koſten des Befahrens der oben beſprochenen Gilwieſe in Tellow betrugen incluſ. des Planirens und Beſäens und bei einer Auf⸗ fuhr von circa 8970 Cubikfuß Erde auf den Morgen nur etwas mehr, nämlich 15 Thlr. 10 Gr. preuß. Cour. Es muß eines Jeden Ermeſſen anheimgeſtellt werden, inwiefern er die Koſten der Abgrabung und Beſamung den aufgefahrenen Wieſen rein zur Laſt rechnen will. Wir bemerken vorläufig nur, daß der Reinertrag des mehr gewonnenen Futters ſich durch die verhältnißmãßig mindern Wer⸗ bungskoſten progreſſiv ſteigert, alſo in dieſer Rückſicht ſich das Conto der geerdeten Wieſen gegen das der uncultivirten vortheilhafter herausſtellt. XXX A 3. Beſandung. §. 60. Wie der Sand wirkt. Merkwürdige Reſultate der durch Pogge vorgenommenen Sandauffuhren. Sand macht Duͤnger entbehrlich. Auf ſehr ſchwammigen Torfwieſen, beſonders ſolchen, welche nicht vom Viehe verſchont bleiben können, gewährt die Auffuhr von Sand oft die dienlichſte Cur, indem derſelbe der mechaniſchen und chemiſchen Conſtitution des Bodens gleichmäßig am beſten entſpricht. Er füllt die 136 Zwiſchenräume desſelben aus und gibt dieſem dadurch Conſiſtenz, bei großer Dürre dem poröſen, leicht ausgedörrten Obergrunde ſelbſt mehr Feuchte; er zerſetzt den ſchlechten Raſen und die auf ihm haftenden Mooſe und wird dergeſtalt wirklich mittelbar zu einem humoſen Verjüngungs⸗ mittel. Überhaupt erzeugt ſich dadurch eine, der Vegetation höchſt wohl⸗ thätige Gährung, welche mit der Höhe der Auffuhr, wenn ſolche von Düngungen begleitet wird, wächſt. Aber auch ohne letztere bildet ſich eine ganz neue Pflanzengeneration. In Dehmen hat Friedrich Poggemit dem glänzendſten Erfolge ſehr magere Wieſen an 8 Zoll hoch und dar⸗ über mit reinem Flugſande befahren und Klee und andere Gewächſe von bewundernswürdiger Größe und ÜUppigkeit darauf gebaut. Höchſt intereſſant ſind die Mittheilungen des verſtorbenen Altmei⸗ ſters Pogge über die vorgenommene Sandung ſeiner Wieſen. Er hat die Erfahrung gemacht, daß die Überfahrung mooſiger Wieſen ½ Zoll hoch mit Sand einige Jahre etwas Nutzen bringt, weil das Moos da⸗ durch zum Theil abſtirbt und der Graspflanze Nahrung gibt; es tritt aber nach ihm gleich nachher der alte Zuſtand wieder ein. Das können wir nach unſern Erfahrungen nur unterſchreiben. Deſto merkwürdigern Erfolg haben die Verſuche des genannten gro⸗ ßen Praktikers mit der 6— 7 Zoll hohen, mit Mergelung und Düngung verbundenen Sandauffuhr gehabt. Sein Sohn, Herr Johann Pogge auf Roggow, hat uns eine koſtbare Reliquie des Verſtorbenen mitgetheilt, worin dieſer die Geſchichte ſeiner Wieſen⸗Meliorationen niederlegte. Es ſey uns erlaubt, daraus das hierauf Bezügliche einzuſchalten. Nachdem umfänglich von der Verbeſſerung durch Berieſelung die Rede geweſen, heißt es:»Was ſoll man aber mit den ſchlechten, ſau⸗ ren Wieſen machen, die nicht berieſelt werden konnen und kaum die Ko⸗ ſten der Henwerbung erſetzen? a) Solche ganz der Natur überlaſſen und davon nehmen, was man bekommen kann? b) Oder ſie mehre Jahre als Koppel nutzen und nachher wieder mähen? c) Oder beſtändig dem Viehe zur Weide einräumen? Alle drei Vorſchläge ſind gleichſchlecht; denn ad a) es verſchwindet aller Nutzen, wo die Arbeitskoſten kaum erſetzt werden; ad b) wie ſchlecht ſehen ſolche Wieſen aus, die mehre Jahre bewei⸗ det ſind? Das wenige Gras, welches man noch von den Bülten mit der Senſe faſſen kann, fällt dazwiſchen; und ad e) was gibt nun ſolche Wieſe für eine ſchlechte Weide, worin — 137 das Vieh bei naſſer Witterung beſtändig waten muß, und wie wenig Nutzen gewährt das darauf genährte Vieh?! Da ich auf mehren Gütern dergleichen Wieſen beſitze, ſo habe ich alle Proceduren mitgemacht und mitmachen müſſen. Das Beſte, was noch hierbei zu thun, war, daß ich überall, wo das Vieh ſeinen Ein⸗ und Ausgang in der Wieſe hatte, Dämme von Sand einfahren ließ; nun blieb das Vieh hierin doch wenigſtens nicht ſtecken. Ich machte die Bemerkung, daß auf den Stellen, wo der Sand aufgebracht war, ſich bald ein ſchöner, dichter Raſen erzeugte, der aus den edelſten Gras⸗ pflanzen beſtand. Das Vieh hielt dieſen beſtändig ſehr kahl und ließ das Wieſengras dafür ſtehen. Ich entſchloß mich dafür, eine Strecke ganz mit Sand zu überfahren, und wählte dazu ein Torfmoor auf dem Gute Dehmen, welches noch vor meiner Zeit abgegraben war und wo der Torf wegen ſeiner bröckeligen Beſchaffenheit nichts taugte. Es gränzte auf der Ecke mit einem Sandberge. Ich fuhr gewöhnlich auf die Q. Ru⸗ the 8 bis 10 ſtarke einſpännige Karren, gegen 80 bis 100 Cubikfuß, in die Rien aber wohl 16. Hierdurch kam der Sand in loſer Beſchaffen⸗ heit 6— 7 und in zuſammengeſunkener kaum 4—5 Zoll hoch zu liegen. Ich ließ ihn mit Fleiß ſo dick aufbringen, damit alle Wieſenpflanzen, völlig bedeckt, abſtürben. Nachdem das Sandauffahren beſchafft war, ließ ich 10 Cubikfuß Mergel auf jede Quadratruthe überbringen und dieſen durch die eiſernen Eggen tüchtig mit dem Sande vermiſchen; nach⸗ her wurde kurzer Hofdünger dünn aufgefahren und mit Buchweizen und weißem Klee beſamt. Da aber ein ſehr naſſes Jahr ſich einſtellte, ſo mißrieth der Buchweizen faſt gänzlich; der weiße Klee wuchs aber deſto üppiger und gab das Jahr darauf eine ſehr ſchöne Weide. Es ſind nun ſechs Jahre verfloſſen, ſeit dieſe Verbeſſerung vorgenommen, und der Klee hat ſich ſchon ziemlich verloren; allein ſtatt deſſen fanden ſich ſo ſchöne Gräſer ein, die wohl dem Klee an Nahrungskraft nichts nachgeben. Das Vieh frißt ſie mit großer Begierde und ſteht ſich dabei vortrefflich. So wurden z. B. die auf dieſer Weide genährten Zug⸗ ochſen, obgleich ſie alle Ackerarbeit verrichteten, welche freilich nur auf einem Sandfelde iſt, als fett größtentheils für 12 Louisd'or an einen Berliner Schlächter verkauft. Auch die Geſpannpferde fanden ebenda⸗ ſelbſt eine ihrer Arbeit angemeſſene Nahrung. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß dieſe Art der Verbeſſerung nur für eigene Güter, Erb⸗ oder lang⸗ jährige Pachtungen zu empfehlen iſt. Da dieſe Verbeſſerung für mich von ſo großer Wichtigkeit iſt, ſo ſetze ich ſolche auch auf andern Gütern mit Anſtrengung fort. Hier in Roggow denke ich jährlich 2000 Q. Ru⸗ then zu überfahren, wovon ſchon über 1200 Q. Ruthen dieſen Winter 138 fertig wurden. Wo man nicht mit 4 Karren Reihe halten kann, würde ich Wagen anrathen. Um das Einſchneiden zu verhindern, beſitzen mei⸗ ne Räder 5 Zoll breite, beſchlagene Felgen; geſchieht dieß dennoch, ſo laſſe ich die Hauptwege ſo hoch mit Sand befahren, bis ſie tragen. Könnte ich auch meine Berieſelungswieſen durch Sandauffahren ver⸗ beſſern, ſo wuͤrde ich dann, wenn auch nicht mehr, doch ein weit nahr⸗ hafteres Futter von ihnen gewinnen; denn alle in unſern Torfwieſen ſich erzeugende Pflanzen ſind den Thieren lange nicht ſo behülflich, als die Ackerpflanzen. Die Erfahrung lehrt: was das Vieh gern frißt, iſt ihm auch ſehr wohlthätig. Wir ſehen es bei Koppeln, worin Acker⸗ land und Wieſe zugleich als Weide benutzt wird. Das Vieh rührt das Wieſengras nicht eher an, als bis das Ackergras verzehrt iſt. Dieſe Beobachtung iſt auch leicht zu erklären; denn die Pflanze, die auf Torf⸗ boden erzeugt wird, iſt poröſer und weniger compact, als die Acker⸗ pflanze. Torfboden kann bei Trockenlegung und Düngung auch zum Getreidebau angewandt werden, aber ausgewachſene Körner ſind nicht darauf zu erzielen. Der Halm geht in die Höhe, wird dick und fällt aus Mangel an innerer Kraft gewöhnlich um. Die Körner haben be⸗ ſtändig weniger Mehl und mehr Hülſen, als die der Ackerländer. So⸗ gar iſt dieß der Fall bei ſolchem Boden, der nur mit Torferde ſtark ver⸗ miſcht iſt. Das Korn erfriert bei Nachtfröſten im Sommer ſehr oft dar⸗ auf, weil der Froſt gar leicht in die poröſere Textur der Pflanzen ein⸗ dringt. Dieſe ſchwammige Beſchaffenheit findet man auch bei dem Viehe, das auf Wieſen geweidet wird; es kann zwar auf gutem Grunde fett werden, aber das Fleiſch hat nie die Feſtigkeit und Schwere des der Ackerweide. Die Zugthiere werden bei Wieſennahrung nicht ſo viele Arbeit verrichten, ſelbſt die Kühe nicht ſo viele und ſo gute Buttertheile reichen können, als von Acker⸗ oder hoher Weide. Befährt man daher eine Wieſe ſo hoch mit Sand, daß alle Wieſenpflanzen zerſtört und die Ackerpflanzen hierauf vegetiren werden, ſo hat man nicht allein eine Ackerweide, ſondern eine Weide, die bei jeder Witterung fruchtbar iſt; denn bei trockener, iſt die Lage niedrig, dünſtet der poröſe Untergrund immer Feuchtigkeit aus; bei vielem Regen hingegen läuft das Waſſer ab und der Sand hält es nicht ſo feſt in ſich, als die Moorerde, weß⸗ halb dieſe Weide vom Viehe auch nie durchgetreten wird; und ſollten wirklich kleine Steigen entſtehen, ſo laſſen ſie ſich leicht wieder mit ein paar Karren Sand ausbeſſern. Eine ſo behandelte Wieſe oder Moor i*ſt für ewige Zeiten in Cultur gebracht, wenn ihr nicht durch Abmähen oder durch das Abhüten und Wegtreiben des Viehes, um den natürli⸗ chen Dünger des Nachts in Hurden auf den Acker zu tragen, etwas 139 entzogen wird. Was dieſe Arbeit koſtet, brauche ich nicht zu ſagen; denn Jeder, der Mergel fährt, weiß, wie hoch ihm 100 Karren Sandmer⸗ gel zu ſtehen kommen, und kann folglich leicht ausrechnen, was 100 Q. Ruthen, wenn ſie mit der vorgeſchlagenen Quantität befahren werden, koſten; diejenigen aber, die keinen Mergel fahren, brauchen es nicht zu wiſſen; denn ſie unternehmen dieſe weit koſtbarere Arbeit gewiß nicht. Als Wieſe zu mähen, möchte ich ſolche Flächen aber nicht ohne Dünger oder Berieſelung nutzen, weil ſie wahrſcheinlich alsdann noch weniger Ertrag gibt, als bevor ſie überfahren; denn ich glaube, daß die ſchlech⸗ ten Moorpflanzen, ohne gedüngt zu werden, beſſer wachſen, als die edlen. Sobald ich das zu Koppeln beſtimmte Terrain befahren habe, werde ich den Verſuch bei einer ſchlechten Mähwieſe machen. Ich habe aber den Plan, ſolche dann jährlich zu düngen, entweder zeitig im Herb⸗ ſte oder auch Anfangs März, mit langem Dünger, der friſch aus dem Stalle gebracht wird. Der Regen, der im Herbſte vor dem Froſt oder im Frühjahre nach dem Froſt eintritt, kann alsdann die Dungtheile ausziehen und der Wieſe mittheilen. Im Winter während des Froſtes möchte ich es aber nicht thun; denn das Schneewaſſer laugt alle Dung⸗ theile aus und nimmt ſie mit ſich fort. Die Wieſe erhält aber nichts davon. Die langen Strohtheile von dem aufgefahrenen Dung werde ich wieder abbringen laſſen und dem Viehe unterſtreuen. Ich bin der Mei⸗ nung, daß das hiervon gewonnene Heu den Dung wieder erſetzt, der dem Acker dadurch entzogen wurde.«(Neue Annalen der meckl. Land⸗ wirthſchaftsgeſellſchaft, XIX. Jahrg., 3. u. 4. Heft.) In einer Rückſicht ſtimmen unſere Erfahrungen mit denen des wür⸗ digen Pogge nicht überein. Wir haben nämlich erfahren, daß die San⸗ dung auf Torfwieſen gerade dadurch vor allen übrigen Meliorations⸗ verfahren einen eigenthümlichen Vorzug und Werth erhält, daß ſie eine nachfolgende animaliſche Düngung entbehrlich macht. Wir wurden auf die große zerſetzende Wirkung des Sandes auf den Torf dadurch auf⸗ merkſam, daß Abfall desſelben, mit Stubenkehricht gemengt und in Haufen längere Zeit ſtehend, ſich in eine milde ſchwarze Erde ver⸗ wandelte, welche, ſpäter auf mageres Gartenland gebracht, hier den augenſcheinlichſten Erfolg äußerte. Dieſe Beobachtung veranlaßte zu⸗ erſt eine Sandbekarrung auf circa 700 Ruthen Torfländer, wobei der mechaniſche Zweck allerdings mit Hauptaugenmerk war. Ohne weitere Handanlegung ward hier drei Jahre hindurch ein in der Maſſe den vorigen Heugewinn zwar weniger übertreffendes, aber dem Viehe un⸗ gemein appetitliches Futter gebaut. Nicht eben die ſtricte Abſicht einer Vermehrung desſelben, ſondern ein anderweitiger Beweggrund beſtimmte —— 140 mich hierauf, das beſandete Revier dem Pfluge zu unterziehen. Zufäl⸗ lig war auf der angränzenden Koppel ein Haufen ausgeſchlagenen blau⸗ ſandigen Kalkmergels liegen geblieben; es ward beſchloſſen, denſelben der Adoptivſchweſter des Ackers zu gönnen und nach gehöriger Beackerung wurde das ganze, dem Anſcheine nach in ſeiner Oberkrume ſehr frucht⸗ reiche Revier mit Raps beſtellt. Derſelbe zeigte nur wenige rothbraune Stellen und erhob ſich faſt allenthalben kräftig von der Erde; obgleich er ſich im nächſten Frühjahre etwas zurückhielt, daher weniger dicht und hoch, als der auf dem angränzenden Brachfelde ward, ſo zeichnete er ſich doch ſpäter in der Löhnung gegen dieſen aus. Auch der dem Raps folgende Haber, mit Grasſaat untermiſcht, gab eine treffliche Ernte. Seitdem war dem Viehe das Gras dieſes Wieſenſtückes grün und ge⸗ trocknet nicht minder appetitlich, als das ſchönſte Kleeheu. Auch ward kein Abſchlag in der Futtermaſſe wahrgenommen. Der Sand wirkt deßhalb auf Torfwieſen ſo radical, weil er eben⸗ ſo ſehr die Urſachen der Säureerzeugung aufhebt, als er die geſtockte Verweſung wieder in Wirkſamkeit ſetzt und aus Tod und Verderben neues Leben und neue Segnung begründen hilft. Unſere Torfwieſen hegen in ihrem Schooße einen reichen, aber todten Schatz an Lebens⸗ kraft; es handelt ſich nur darum, das Princip der hemmenden natür⸗ lichen Einflüſſe wegzuſchaffen, und wir werden uns im Beſitze unverſieg⸗ barer Quellen fortſchreitender Production befinden. 4. Aufbruch. 4§. 61.— Veranlaſſung und Bedingniſſe der Ackerung.— Anwen⸗ dung von Schlamm und Sand dabei.— Cultur der Wolfs⸗ bohnen, der Kohlrüben, des Rapſes auf Moorwieſen. Meliorationen zu Jürgenshoff und Federow.— Große Vegetation aufgebrochener Salzwieſen.— Schluß⸗ Reflexion. Die Ackerung der Wieſen, aus dem reinen Zwecke, ein beſſeres Ve⸗ getationsverhältniß auf denſelben herzuſtellen, iſt eine Melioration, die da vorzügliche Berückſichtigung verdient, wo bei einem ſehr ſchlechten Raſenbeſtand Mangel an Auffuhrmaterial Statt findet und indivi⸗ duelle Verhältniſſe die Anwendung eines minder koſtbaren, zugleich aber ſchnell wirkenden Mittels erheiſchen. Beim rechten Lichte beſehen, wird bei dem Aufbruch unſerer Wieſen gemeiniglich auf der einen Seite verloren, was auf der andern gewon⸗ nen zu ſeyn ſcheint, und es kommen zur Entſchuldigung desſelben ſo 141 mancherlei Localitäts⸗ und perſonelle Rückſichten in Betracht, daß die Wiſſenſchaft im Grunde ihm keinen ſichern Standpunct unter den Verbeſ⸗ ſerungsregeln einräumen kann. Schon früher iſt angedeutet, daß Wieſen, welche, ihrer natürlichen Beſchaffenheit wegen, einen Wechſel zwiſchen Frucht⸗ und Grasbau durchaus rechtfertigen, gar nicht vor unſer Forum gehören. Wir haben auch ſchon angegeben, wie die träge Vegetation auf zu hoch liegenden Wieſen radical gehoben werden kann. Es exiſtirt alſo haupt⸗ ſächlich für uns nur der Fall, wo man durch Aufreißen gehörig trok⸗ ken gelegter Wieſengründe eine leichtere und ſchnellere, wenngleich min⸗ der gründliche Entſäuerung ihrer Krume und eine minder koſtſpielige und nachhaltige Verbeſſerung ihres Raſengewebes zu bewirken beabſich⸗ tigt. Das ſetzt aber ſchon voraus, daß hier nicht ein bloßes Nehmen, ſondern auch ein entſprechendes Geben in's Spiel kommt; denn das frü⸗ her häufig empfohlene Kunſtſtück, ſchlechte, keiner Bewäſſerung fähige Wieſen durch einige Cerealienſaaten zu nutzen, nach ſolchem Beginnen aber die um ſo viel dürftigere Krume wieder zum Graswuchſe liegen zu laſſen, hat Bedeutung und Reiz verloren, ſeitdem der Landwirth nach chemiſchen und phyſikaliſchen Grundſätzen ſein Handwerk aus⸗ üben lernte. Ausnahmsweiſe findet ein ſolches Verfahren mit Nutzen und Vortheil nur auf mit humoſer Subſtanz erhöhten, moorigen Wieſen Statt, wie denn davon auch ſchon oben Beiſpiele angeführt worden ſind. Wenn in Folge nachlaͤſſiger Behandlung eine an ſich nicht ſchlecht⸗ gründige Wieſe nur noch ſaure Gräſer und Sumpfpflanzen producirt und an Erdung derſelben nicht gedacht werden kann, dann reiße man, iſt übrigens für hinlänglichen Waſſerabzug und das Material, den künf⸗ tigen Graswuchs zu unterſtützen, geſorgt, die Narbe mit dem Haken auf, zerkleinere jene mittelſt mehrer Furchen desſelben und eiſerner Eggen und baue eine Hackfrucht, am liebſten Kartoffeln oder Kohl⸗ rüben, im Jahre darauf aber Wickengemenge, unter welches der Gras⸗ ſamen mit ausgeſäet wird, und deſſen zeitige Mahd man ſich angelegen ſeyn läßt, um letzterem Luft und Wachsthum zu ſichern. Im zweiten Herbſte, daß die ſo behandelte Fläche wieder als Wieſe dient, wird nun der Vorrath an Schlamm oder Erde, welchen man beſitzt, als Verjün⸗ gungsmittel auf die neue Narbe angewandt und jetzt eine ſo vortheil⸗ hafte Wirkung auf die Production äußern, wie man ſich davon bei an⸗ derweitiger Nutzung desſelben, namentlich als untergeackerten Dünger, keinesfalls zu erfreuen gehabt haben würde. Unter ähnlichen Verhältniſſen, wie die oben angeführten, wird ein tiefes Aufreißen und Beſamen mooriger Wieſen ſich empfehlen, wenn — 14² man dadurch den unten liegenden Sand auf die Oberfläche bringen und mit dieſer vermiſchen kann, oder ſo viel Sand beſitzt, daß der aufgepflügte Boden mit 60— 80 Cubikfuß pr. Quadratruthe zu be⸗ fahren iſt. Wie wir bereits angedeutet, ſind dieſe und ähnliche Cul⸗ turen ſchnelle, raſchen Erfolg habende, aber nur— Palliativ⸗Cu⸗ ren. Auf die Dauer wird ein ergiebiger, ſüßer Graswuchs dadurch nicht zuwege gebracht. Der Boden behält immer eine zu rohe Natur, eine zu adſtringirende Beſchaffenheit, um nicht von Zeit zu Zeit neuer Rührung und Düngung zu bedürfen. Wenn ſelbſt der Sand zur Zerſetzung der torfigen Krume ge⸗ bricht, dann brenne man vorher die Narbe, mindeſtens die Graben⸗ bülten, und mildere mit der Aſche den ſauren Humus. Es ſind für einen ſolcher Cultur unterworfenen Wieſenboden eini⸗ ge Gewächſe der vorzüglichen Beachtung zu unterziehen. Den Sand⸗ wirth, welchem für ſeinen Acker die grüne Düngung ſo wichtig i*ſt, muß es intereſſiren, zu wiſſen, daß er ſeine aufgeriſſenen Sumpf⸗ wieſen mit großem Nutzen zum, ſonſt im nördlichen Deutſchland ſo ſchwierigen Anbau der grünen Wolfsbohnen(Lupinus albus) beſtim⸗ men kann. Dr. C. Sprengel theilt darüber in ſeinen(in der Land⸗ wirthſchaftlichen Zeitung auf das Jahr 1831 abgedruckten)»Okono⸗ miſchen Bemerkungen« Folgendes mit: »Als ich«— ſagt er—»im Jahre 1811 zu Roggen auf trok⸗ kenem Sandboden mit grünen Wolfsbohnen düngte, vegetirte derſelbe ebenſo gut, ja beſſer, als nach einer Düngung mit Miſt; beſonders zeichnete ſich der Roggen nach der Miſtdüngung durch ſeine großen und vollgewachſenen Körner aus. Im folgenden Jahre ſtand dagegen die Frucht nach dem Miſte beſſer.— Die Wolfsbohnen erbaute ich auf einer entwäſſerten und gebrannten moorigen Wieſe; ſie erreichten die Höhe von 7 Fuß, welches inſofern ſehr merkwürdig war, als ſie ge⸗ wöhnlich, auch wenn man ſie in beſtem Gartenboden zieht, nur 3 Fuß hoch werden. Der urbar gemachte moorige Boden enthielt ſehr viel Eiſen und Mangan, und ich vermuthe, daß beſonders der letztere Kör⸗ per ſehr viel zur ungewöhnlichen Größe der Wolfsbohnen beitrug. Im ſüdlichen Frankreich, ſo wie in Italien, gerathen die Wolfsboh⸗ nen immer am beſten auf einem, durch viel Eiſen gelb gefärbten Bo⸗ den; nun iſt aber in der Regel das Mangan ein treuer Begleiter des Eiſens, weßhalb ich vermuthe, daß jener Boden ebenfalls viel Man⸗ gan führt. Es ſind mir ſchon mehrmals Bodenarten vorgekommen, auf welchen die Wolfsbohnen durchaus nicht geriethen; aber ſie enthielten dann auch jedesmal äußerſt wenig Mangan, was mich in der Meinung, 143 daß die Wolfsbohnen viel Mangan zu ihrer Ausbildung bedürfen, noch mehr beſtärkt. Ein anderes Mal düngte ich mit Wolfsbohnen wieder zu Rog⸗ gen, allein mit viel geringerem Erfolge, als im Jahre 1811. Der Bo⸗ den beſtand zwar gleichfalls hauptſächlich aus Sand, aber er enthielt auch viel Humus und war naß; überhaupt ſah ich ſchon früher und auch in der Folge, daß die grüne Düngung zu Winterfrüchten mit Spör⸗ gel, Buchweizen, Wicken u. ſ. w. niemals gute Dienſte that, ſobald der Boden naß war, wogegen ſie auf trockenen Bodenarten ſtets ſehr ſchöne Früchte hervorbrachte. Die Urſache hiervon ſcheint zu ſeyn, daß die düngenden Theile der grünen Pflanzen, da ſie ſehr leicht im Waſſer löslich ſind, über Winter durch die Näſſe ausgelaugt und fort⸗ geführt werden.« Derſelbe Schriftſteller empfiehlt aus eigener Erfahrung auf ge⸗ ackerten, gehörig entwäſſerten Sumpfwieſen die Cultur der Kohl⸗ rüben, ohne Miſtdüngung. Er erzählt uns, daß bei ihm eine Pflanzung dieſer Art durch ihr außerordentliches Wachsthum die allgemeine Be⸗ wunderung erregt habe. Im Auguſt habe, nach mehren ſehr heftigen Gewitterregen, das neue Feld ein paar Tage einige Zoll hoch mit Waſſer bedeckt geſtanden, und viele Rüben hätten in Folge dieſes Er⸗ eigniſſes, ſo weit ſie in der Erde waren, zu faulen begonnen, allein bald nahe über der Erde neue Wurzeln geſchlagen. Ihr Ertrag war ganz ausgezeichnet; denn der Magdeburger Morgen gab 250 bis 300 Berliner Scheffel. Sie hatten Blätter von 3 Fuß Länge, und die Rüben wogen pr. Stück 7—10 Pf. »In der Folge«— ſagt Sprengel—»eultivirte ich noch mehre Male auf entwäſſertem und gebranntem moorigen Boden Kohlrüben, die jedesmal einen ſehr großen Ertrag gaben; überhaupt ſah ich, daß ſich in dieſem Falle kein Gewächs beſſer eignet, als Kohlrüben oder Rotabaga.« Herrlichen Flachs und ergiebige Kartoffeln in aufgebrochenen Moorwieſen zu erzielen, war längſt bekannt; aber ſeitdem man den Sand als ein ſo erfolgreiches Zerſetzungsmittel des Torfes und als bindendes Remedium der Unfruchtbarkeit verurſachenden Säuren an⸗ wenden lernte, hat ſich ſelbſt der, ſonſt auf Moorboden ausgeſchloſſene Anbau der Braſica⸗Arten dahin verpflanzt. Wenn wir davon hier gelungene Beiſpiele anführen, mag es zugleich noch erlaubt ſeyn, die oben gedachte Operation überhaupt durch Mittheilungen einiger inter⸗ eſſanten Thatſachen praktiſch zu belegen. Wir wählen dazu die Er⸗ fahrungen des Herrn Lange auf Jürgenshoff und das über die auf 144 dem Gute Federow bei Wahren ſtattgefundenen Meliorationen be⸗ kannt Gewordene. „Nachdem ich«— ſagt Herr Lange*)—»ſeit eilf Jahren hier in Jürgenshoff die Verbeſſerung der Wieſen, das Düngen mit Hür⸗ denſchlag, mit langem und kurzem Miſte, das Überſtreuen mit Gips, Aſche und Salz, das Überfahren mit Sand, das Bekarren mit Erde, auf jeder Quadratruthe 9 Karren, verſucht hatte, hat ſich nachſte⸗ hende Methode, welche ich, ſo wie alle übrige im Kleinen, ſeit ſieben Jahren angewendet habe, als die belohnendſte bewieſen. Wenn die Wieſen gehörig trocken gelegt worden ſind, und zwar ſo, daß das Waſſer von dem Ausfluſſe bis zum Abfluſſe des Abzug⸗ grabens in gleichem Niveau ſteht, wird diejenige Fläche, welche zur Verbeſſerung beſtimmt iſt, mit dem gewöhnlichen Haken gehakt, mit einer großen eiſernen Egge niedergeeggt, wieder gehakt und geeggt, dann auf die Quadratruthe, je nachdem die Beſchaffenheit der Wieſe es erfordert, 3, 4 bis 5 Karren Sand oder Erde gefahren, hierauf ſo ſtark gedüngt, als die übrigen wirthſchaftlichen Verhältniſſe es er⸗ lauben, und demnächſt das Ganze gehörig mürbe bearbeitet. Nach die⸗ ſer Bewirthſchaftungsart habe ich in dieſem Frühjahre(1829) von der Quadratruthe 11% Scheffel**) große Maſſe Kartoffeln gehabt, und im nächſten Frühjahre kommt Haber mit Grasſamen, worauf die Wieſe als Heuwieſe liegen bleibt.. Nirgends belohnt ſich die Mühe ſo ſehr, als bei Verbeſſerung der Wieſen, es mag trockenes oder naſſes Wetter eintreten, ſobald nur die obere Narbe mürbe gemacht worden und der lockere Torfboden mit Sand vermengt iſt.(Nur nicht zu viel Sand das erſte Mal; die Pflanzen bleiben ſonſt in dem Sande, und werden nicht ſo ſtark, als wenn ſie in den Wieſenboden eindringen können.) Auf dieſe Art habe ich bei der großen Näſſe des dießjährigen Früh⸗ lings, wenn der Acker das Vieh nicht tragen wollte, ununterbrochen in den Wieſen harken und eggen können. Eine kleine, vor ſieben Jahren ſo zur Wieſe niedergelegte Flä⸗ che hat in dieſem Herbſte(1829) noch ſehr ſchöne Nachmahd geliefert, wohingegen die übrigen oben gedachten Verſuche ſchon mehre Jahre hindurch ſich nicht mehr auszeichneten, obgleich ſie in dieſer Zeit ſchon wieder auf's Neue Dung erhalten hatten. Meine Wieſen ſind jetzt in ſieben Schläge eingetheilt; mit 690 Q. Ruthen der ſchlechteſten Wie⸗ *) Mecktenb. landw. Annalen, Jahrg. 16., Q. 3. **) à 2140 Pariſer Cubikzoll. — 145 ſen habe ich den Anfang gemacht, und gehe nun alljährlich höher bis zu 3000 Q. Ruthen, welche ein Schlag enthält. Zu meiner Freude hat Herr Lemcke auf Federow dieſelbe Art, Wieſen zu verbeſſern, bei ſich eingeführt, nur mit dem Unterſchiede, daß er den erſten Ertrag höher benutzt, indem er im erſten Jahre Raps, demnächſt aber Rübſen nimmt, zwiſchen dem Rübſen Grasſamen ſäet und ſo die Fläche zur Heuwieſe liegen läßt. In dieſem Herbſte habe ich mich in Federow von dem Anbaue des Rapſamens in dieſen ſo zubereiteten Wieſen überzeugt, und bin nicht im Stande, den Anblick der ſchönen, großen, prachtvollen Raps⸗ fläche zu beſchreiben; nirgends auf meinen häufigen Reiſen. habe ich ſo ſchönen, gleichmäßigen Raps angetroffen; der Rübſen war nicht ſo gut. Herr Lemcke ſchob die Schuld hiervon auf die ſpäͤte Saat, hoffte aber dennoch eine gute Ernte zu erhalten. Die Wieſen in Federow, wo ich dieſen ſchönen Raps antraf, liegen unmittelbar am Specker⸗See; ich fand das Waſſer in den klei⸗ nen Abzugsgräben nur 1½ Fuß von der Oberfläche entfernt. Mit Sehnſucht erwarte ich das kommende Jahr, wo ich mich auf's Neue von dem Erfolge in Federow zu überzeugen hoffe. Alte, ſaure Wieſen haben in dieſem Jahre dem Herrn Lemcke einen Ertrag von 700 Scheffel pr. Morgen Raps geliefert; was wer⸗ den ſolche Wieſen erſt thun, wenn ſie zum zweiten Male ſo behandelt werden?« Als man nach dieſer ſchätzenswerthen Mittheilung des Herrn Lange mehre zu allgemeine Ausdrücke über ſein Verfahrungsſyſtem commentirt zu haben wünſchte, hatte derſelbe die Güte, die ihm vor⸗ gelegten Fragen folgendermaßen zu beantworten: 1)»Meine Karren ſind zweiſpännige und enthalten 20 Cubikfuß.« 2)»Wie hoch die Erde auf die Wieſe zu liegen kommt, kann ich nicht genau beſtimmen; denn da die Wieſen vorher zweimal gehakt werden, ſo fällt die Erde oder der Sand in die Furchen und Fußſpuren der Pferde und Ochſen, und vermiſcht ſich bei dem öftern Haken und Eggen der Sand mit dem Torfe ſo, daß ſich durch dieſe Vermiſchung eine graue Erde bildet.⸗« 3)»Auf 60 OQ. Ruthen habe ich vier vierſpännige Fuder Pferde⸗ dung gefahren.« 4)»Die Wieſen müſſen durchaus vorher trocken gelegt worden ſeyn, wenn die Verbeſſerung mit Erfolg betrieben werden ſoll. Ich habe hier in Jürgenshoff mit dem ſchlechteſten Moor ange⸗ fangen, und hatte von 4000 Q. Ruthen, einmal gemäht, 4 Fu⸗ Lengerke's Wieſenbau. 10 146 der Heu. Schwarze fette Erde iſt obenauf faſt überall nicht, ei⸗ nige Stellen ausgenommen, und beſteht das Moor gänzlich aus ſaurer Torferde. Wie ſich die Einnahme von Raps gegen Kar⸗ toffeln und Weizen verhält, werde ich ſchon in dieſem Jahre er⸗ fahren. Der Weizen, ein Verſuch von 50 Quadratruthen, ſteht bis jetzt ſchön und hat durch den Froſt und die Näſſe(im Winter 1829/30) nicht gelitten. Heute, wo wegen der anhaltenden Näſſe (den 14. April 1830) kein Haken auf dem Lehm und guten Bo⸗ den gehen konnte, habe ich in meinem Bruche haken laſſen. In welchem Grade die Luft trocknet, wenn die Narbe gelöſ't iſt, iſt unglaublich.« Auch Herr Lemcke auf Federow theilte auf Veranlaſſung der an ihn ergangenen Aufforderung, über die Reſultate ſeiner Verſuche zu berichten, damals vorläufig Folgendes mit: „»Den Rapsbau habe ich erſt ſeit einigen Jahren angefangen, und bin jetzt mit demſelben, auf ſchlechtem Wieſengrunde, ſchon ſo weit, daß ich in dieſem Jahre ſchon 12000 Q. Ruthen mit Raps be⸗ ſtellt habe und alle Jahre noch etwas mehr zu nehmen gedenke. Mein Raps ſteht in dieſem Jahre, trotz der großen Näſſe, die wir gehabt haben, ganz vorzüglich, und haben mehre Herren, die ihn geſehen, behauptet, daß ſie in dieſem Jahre bei vielen Reiſen auf dem beſten Boden nirgends ſo ſchönen Raps geſehen hätten.« Auch in Holſtein habe ich, außer daß ich, wie ſchon früher erwähnt, ſelbſt auf moorigem Wieſenboden trefflichen Raps producirte, mehr⸗ fach Gelegenheit gehabt, das Paſſende der Rapscultur in gehörig ab⸗ gegrabenen, aufgeackerten Moorwieſen zu erproben. Durch die San⸗ dung erhält der Boden jene Conſiſtenz, welche das In⸗die⸗Höhe⸗ziehen der Pflanzen vom Froſt verhindert, und obgleich, unſerer Anſicht nach, die adſtringirende Beſchaffenheit des Obergrundes geringere Verände⸗ rung erleidet, als man annimmt, ſo ſcheint ſolche doch einer üppigen Vegetation vollkommen entſprechend. Überhaupt ſtimmen unſere Be⸗ obachtungen nicht mit der Compendienlehre überein, daß Säure dem Rapſe ſo durchaus zuwider ſey; nur auf Sand und Ur muß ſeine Wurzel nicht dringen können, weil ſie nicht die Eigenſchaft hat, in horinzontaler Richtung den Raum zu ſuchen, der ihr auf perpendicu⸗ lärem Wege verſagt wird. Der gefährlichſte Feind des Rapſes auf den Mooren iſt der Frühjahrsfroſt; das Ungeziefer richtet dort in der Regel mindere Verheerungen, als auf den fetten Geeſtfeldern an. Der durch manche treffliche Beiträge zu der kürzlich eingegangenen „Landwirthſchaftlichen Zeitung« bekannte Herr Friedrich NRewyahn 147 hat ein Jahr ſpäter, als die obige Mittheilung uns bekannt ward, das günſtige Reſultat der Federowſchen Wieſenverbeſſerungs⸗Anla⸗ gen vollkommen beſtätigt. Es heißt nämlich in ſeinem Berichte*) über dieſelben: „»Auf dem Gute Federow hat der gegenwärtige Beſitzer eine Weidefläche von torfartigem Moorgrunde, von ungefähr drei Laſt Aus⸗ ſaat an Inhalt, in einer kurzen Reihe von Jahren durch Abgraben und Auffahren von Sand und vegetabiliſchem Dünger zu einer außer⸗ ordentlichen Ertragsfähigkeit und Nutzung erhoben. Nachdem er der Länge nach dieſe in Rede ſtehende Fläche mit einem Hauptgraben ver⸗ ſehen hatte, in welchen ſich die nöthigen Auffangegräben unter rechten Winkeln ergießen, hat er ſolche durch das bekannte Mittel einer drei Viertel bis einen Fuß hohen Beſandung und derſelben folgende zweck⸗ dienliche Beackerung der ſo gemengten Dammerde in eine mehrtheilige Rotation gebracht, ſo daß auf derſelben Winter⸗ und Sommerrübſen mit Klee und Gräſern zum Mähen und reich beſtandener Weide regel⸗ mäßig abwechſeln. Trug dieſe Fläche früͤher nur dürftige Gräſer und Windhalme, ſo findet man einſtweilen, nachdem der Boden auf vor⸗ beſagte Weiſe in Cultur gebracht worden iſt, einen überſchwänglichen Reichthum an Rübſen, Klee ꝛc., ſo daß er noch nach Vorwegnahme dieſer Früchte reichlichen Weidevorrath für einige Jahre mit zur Ruhe nimmt. Es ſoll ſich einſtweilen kein Vergleich mehr anſtellen laſſen zwiſchen dem gegenwärtigen Ertrag dieſer Fläche und dem ehemaligen Zuſtande der Kärglichkeit derſelben« ꝛc. Den Olgewächsbau in den Wieſen anlangend, ſo mag hier ſchließ⸗ lich noch darauf hingedeutet werden, daß jene am Meere gelegenen Reviere, welche entweder durch Senkung der See(wie ſolche in un⸗ ſerem vaterländiſchen Meere ſo bedeutend iſt) oder durch im Laufe der Zeit ſtattgefundenen Landanſatz dem Einfluſſe des Salzwaſſers nicht mehr ausgeſetzt, mindeſtens nur theilweiſe noch von demſelben über⸗ ſtrömt worden, mit außerordentlichem Erfolge zum Rübſenbau zu benutzen wären. Die in dieſem Boden angehäuften Salztheile würden nicht nur treffliche Ernten bewirken, ſondern auch überhaupt, durch die vorgenommene Ackerung, nun in höchſt wohlthätige Wirkſamkeit auf die nachfolgende Grasproduction treten. Alles, was hier über die Wieſenverbeſſerung durch Ackerung geſagt worden, beruht zwar auf Erfahrung; aber auf feſte Grund⸗ ſätze laſſen ſich die hier gegebenen Lehren noch lange *) Siehe: Der Land⸗ und Hauswirth auf das Jahr 1831, S. 378. 10* ——-—·— 148. nicht zurückführen. Ein großer Schritt vorwärts übrigens iſt ſchon gethan, dadurch, daß man lernte, einem bisher für die Vege⸗ tation todten Stoffe— dem Torf— Lebensthätigkeit abzugewinnen, und daß die Bedingungen des mit ſo vielem Glücke angewandten Pro⸗ ceſſes, wenn auch nicht allen, mindeſtens doch ſehr vielen localen und individuellen Verhältniſſen entſprechen werden. 5. Düngung. §. 62. Bedürfniß und Zweckmäßigkeit der Wieſendüngung. Obgleich unter allen vegetabiliſchen Productionen das Wachsthum der Gräſer der mindeſten Aufhülfe der Kunſt bedarf, indem einestheils deren Fähigkeit, ſich mit atmoſphäriſcher Nahrung zu verſehen, an⸗ derntheils die ihnen eigenthümliche, in der Mannichfaltigkeit ihrer Gattungen begründete Gabe, unter den verſchiedenartigſten natürlichen Einflüſſen ein gewiſſes Gleichgewicht im Wachsthume zu bewahren, das Verhältniß zwiſchen Geben und Nehmen auf der Wieſe ganz an⸗ ders als auf dem Fruchtacker feſtſtellt, ſo iſt doch auch für jene, als Folge menſchlicher Einrichtungen, ein Bedürfniß des Krafterſatzes entſtanden, das auf möglichſt naturgemäßem Wege zu befriedigen die angelegentliche Sorge des die Schuld ſeines Daſeyns tragenden Wieſenwirthes ſeyn muß; denn wenn, wie die Natur es urſprünglich beſtimmte, das Vieh die gewachſenen Gräſer auf den Wieſen ſelbſt ver⸗ zehren, dieſen einen Theil desſelben als Dung zurückgeben, durch ſeine wohlthätigen Ausdünſtungen aber den daran fehlenden Theil erſetzen, dergeſtalt zugleich alle unzeitige Verletzungen der Pflanzenſtöcke ver⸗ mieden würden, dann dürften gewiß weder Erſchöpfung noch Blößen des natürlichen Raſens ſichtbar werden, allenfalls nur, wenn außer⸗ ordentliche Maturereigniſſ die Grundbedingungen der Beg etat ſtört hätten.* Alles Vorhergehende hat bereits an den Tag gelegt, wie ſehe es anerkannt wird, daß der natürliche Graswuchs, da er künſtlich benutzt wird, auch künſtliche Unterſtützung erheiſcht. Die zum Theil ſchon an⸗ gegebenen Mittel finden an ſich nirgend Widerſpruch, wenn auch über die Art und die Statthaftigkeit ihrer Anwendung häufige Meinungs⸗ verſchiedenheit herrſcht. Auch die jetzt zu beſprechende Melioration der Düngung iſt, für ſich allein zum Vortheile der Wieſe betrachtet, von unzweideutigſtem Werthe; denn Paradoxen, wie z. B. früher die Landwirthſchaftliche Zeitung mittheilte, daß Dünger den Graswuchs 149 benachtheilige, wird wohl Niemand mehr über ſeine Zunge gehen laſ⸗ ſen. Aber die Wieſendüngung iſt dadurch einer ſchärfern Beleuchtung als irgend ein anderes Verbeſſerungsmittel unterzogen worden, weil deren Anwendung direct auf den Acker, welcher unſers Betriebes Haupt und Fundament iſt, influirte. In Beziehung auf die Fruchtbarkeit und den Flor desſelben hat man endlich neuerlich die Anwendung des animaliſchen Dungs auf die Wieſen total verwerfen wollen, indem dadurch ein Ausfall der geſammten Düngerproduction, folglich ein mehr erſchöpfendes Wirthſchaftsſyſtem zuwege gebracht werde. Thaer's Annahmen: daß gedüngte Wieſen ſchon durch ihren Mehrertrag nach der Düngung wenigſtens das Doppelte wieder von dem geben, was man ihnen gegeben hatte; daß man demnach den Dünger nicht ſicherer vermehren könne, als wenn man den Wieſen Dünger gebe, und Düngung der Wieſen die volle Ausdüngung des Ackers da möglich mache, wo ſie ohne jene unmöglich war— ſind aller⸗ dings zu allgemein ausgeſprochene, nicht genugſam motivirte Sätze, die freilich bei dem Anfänger Veranlaſſung zu nachtheiligen Mißgriffen geben konnten und daher mit Fug und Recht von mehren unſerer größten Praktiker der ſchärfſten Kritik unterzogen worden ſind. Deſſen⸗ ungeachtet will es uns ſcheinen, daß auch die Gegner der Viehdün⸗ gung in ihrem Urtheile zu weit gegangen ſind, und man eine Extra⸗ vaganz begeht, wenn man behauptet, daß dieſelbe unter allen Um⸗ ſtänden zum Nachtheile der Ackerwirthſchaft gereiche. So wie keine Regeln ohne Ausnahmen ſind, finden deren auch bei der Wieſendün⸗ gung, nach Maßgabe der ſie rechtfertigenden mitwirkenden Nebenum⸗ ſtände, zum Vortheile des Geſammtbetriebes, eine Menge Statt. Wir wollen hier die von dem praktiſchen Wirthe zu nehmenden Rückſichten in der⸗Kürze andeuten es wird dadurch zugleich manches Vorurtheil beſeitigt werden, welches bis jetzt die Anwendung erſchwerte oder den Nutzen ſchmälerte. 4 Für arme Ackerzgirthſchaften, die nach einem ausſaugenden Sy⸗ ſtem geführt werden, bleibt der ſparſam gewonnene Miſt bis auf die kleinſte Lorbeere des Schafes ſo unentbehrlich, wie Sonne und Thau der Pflanze. Bei reichern Wirthſchaften mit einem minder entarmen⸗ den Syſteme richtet ſich das Maß des für die Wieſen aufzuwendenden Düngers nach dem Verhültniſſe der Viehzucht zum Feldbau und der Culturſtufe, auf welcher die Wieſen ſich befinden. Fruchtbarkeitsgrad und Tendenz der Wirthſchaft motiviren überhaupt die Anwendbarkeit des Viehdüngers an ſich; Zeitpunet und Maß werden aber ſpeciell von der eigenthümlichen Beſchaffenheit der Wieſen beſtimmt. 150 Ein Anfang mit der Wieſendüngung kann in den gewöhnlichen Fällen nicht anders gemacht werden, als wenn ein Theil des dem Acker zugedachten Miſtes dieſem entzogen wird. Dieſer Ausfall zu Gunſten des Graswuchſes hat bedenklich geſchienen, weil dem Boden⸗ und Geldcapitale dadurch eine unfehlbare Schmälerung erwüchſe. Bei⸗ des muß unter gewiſſen Verhältniſſen zugegeben werden; es kann aber unſerer Meinung nach auch ganz das Gegentheil Statt finden. Wo ich den erſten Miſtausfall nicht anders entbehren kann, als wenn ich mit Beſtimmtheit eine Körner⸗ und Futtermaſſe aufopfere, deren Werth die durch die Wieſendüngung gewonnene größere Gras⸗ menge drei⸗ und viermal, ja mehr übertrifft, da liegt das Unzweck⸗ mäßige dieſer Meliorationen genugſam vor Augen. Kann ich dagegen, allenfalls durch einen veränderten Fruchtwechſel, durch eine Grün⸗ frucht, den Düngerausfall des Ackers für dieſen und auch für meine Caſſe unſchädlich machen, dadurch, daß ich jene durch Verfütterung mit edlem Viehe höher verwerthe, ſo ſtellt ſich die Sache allerdings in ein vortheilhafteres Licht. Manche haben ſagen wollen:»Dünger dem Acker entziehen, ſey unter allen Umſtänden Thorheit; denn ſolche Wirth⸗ ſchaften exiſtirten nicht, wo der Miſt, auf den Acker angewandt, nicht noch immer ſeine Zinſen trage, wogegen er auf den Wieſen eine Unter⸗ bilanz im Hauptbuche ergebe.« Selbſt der verdienſtvolle Schwerz hat dieß ausgeſprochen; ob mit Grund der Wahrheit und Erfahrung, wollen wir hier dahingeſtellt ſeyn laſſen. Wir können und wollen nur darauf aufmerkſam machen, daß es auf dem jetzigen Standpuncte der Landwirthſchaft ſehr viele Güter gibt, die bei einem ſehr reichen Acker ſehr ſchlechte, dürftige Wieſen beſitzen, und daß es bei dem Intereſſe, welches daran genommen werden muß, die edle Viehzucht zu cultivi⸗ ren, vielmehr darauf ankommt, eine indirecte gleichmäßige Einnahme aus zwei harmoniſch verſchwiſterten Branchen, als momentan höhern directen Geldgewinn aus dem Einen, ſtets bevorzugten Lieblingszweige zu erzielen. Zumal hat letzterer auch ſein Ziel und ſeine Gränzen, theils weil die Producten⸗Conjuncturen ihn durchaus nicht begünſtigen, dann aber beſonders, weil namentlich in unſern nördlichen Provinzen Men⸗ ſchen⸗ und Fabriken⸗Mangel, auch Handelsverhältniſſe manche Enltu⸗ ren durchaus nicht geſtatten. Traurig freilich wäre es, wenn der Satz ſo richtig wäre, als er vag hingeſtellt worden:„daß gedüngten Wieſen von dem, aus ihrem Producte erhaltenen Miſtmateriale nichts zu Gunſten des Ackers ent⸗ zogen werden könne, ohne ſie zu entkräften, ja daß ſie mehr Dünger conſumirten als producirten.« In beiden Fällen wäre freilich der 151 Hauptzweck, welcher uns bei allen unſern wirthſchaftlichen Einrichtun⸗ gen vorliegen muß— der möglich höchſte nachhaltige Geldgewinn—, der Gefahr verfehlten Verſtändniſſes ausgeſetzt. Die Erfahrungsſätze:»daß die Wirkung der Wieſendüngung nicht lange anhält, dieſe daher einer öftern Erneuerung bedarf, und daß ge⸗ düngte Wieſen überhaupt der fernern Bedüngung nicht entbehren können«, haben offenbar an Grund und Bedeutung verloren, ſeitdem man gelernt hat, den aufgebrachten Dünger durch eine zweckmäßige Vorbereitung der Wieſen wirkſamer zu machen. Seitdem in der Ent⸗ wäſſerung und in der Kunſt, die Textur und chemiſche Conſtitution der Bodenarten vortheilhaft zu verändern, ſo große Fortſchritte ge⸗ macht worden, erhielt die Vegetation durch die Düngung nicht nur einen viel mächtigern Anſtoß, ſondern man bedurfte derer auch eines viel geringern Maßes, und ward inne, daß mit Wenigem, recht oft kommend, viel beſſer ſey, als durch große Quantitäten das gerechte Verhältniß zwiſchen Material und Wirkung zu ſtören. Wir halten uns innig überzeugt, daß bei einer zweckmäßigen, in jeder Rückſicht ihren nothwendigen Bedingniſſen entſprechenden Wieſen⸗ düngung die Hälfte des daraus hervorgehenden, gegen das Heu der Rieſelwieſen ſo viel ſchwerer wiegenden Materials dem Acker im Miſte zugewandt werden kann; je cultivirter die Wieſen ſind und je humo⸗ ſer ſie werden, deſto günſtiger wird ſich dieſes Verhältniß für die Feldwirthſchaft ſtellen. Immerhin mag der mit Waſſer düngende Wie⸗ ſenwirth ſeinen Düngerpfuhl zu Gunſten der Wieſen nicht ſchmälern; der jenes entbehrende Okonom wird ſich ſelten eines Eingriffes in die Forderungen des Ackers enthalten, und ſolches mit gutem Gewiſſen thun können, inſofern der Zeitpunct und die Manipulation nur rechter Wahl und Art ſind. 1 Erfahrung und Tact gehörten freilich dazu, anſcheinlich dringende Nebenrückſichten einer Hauptrückſicht aufzuopfern oder unterzu⸗ ordnen. Eben weil ſo viele individuelle, locale und politiſche Einwir⸗ kungen auf unſer landwirthſchaftliches Thun Statt finden, laſſen ſich auch für die Wieſendüngung, d. h. deren Anwendbarkeit und Zweck⸗ mäßigkeit, keine allgemein giltige Regeln aufſtellen; aber daß, wenn Waſſer fehlt, Dunger mehr oder minder aushelfen muß, und auch zum Vortheile der ganzen Wirthſchaft kann, wenn in der Zeit und Art der Anwendung keine Fehlgriffe gethan werden, ſcheint uns ein durch viele Beobachtungen gründlich erwieſener Erfahrungsſatz zu ſeyn. Wenn nicht verfehlt, doch höchſt originell ſtellt ſich uns eine Wirthſchaft dar, die ein nothwendiges Düngerbedürfniß ihrer Wieſen 152— nicht zu befriedigen ſucht, inſofern dieſe Unterlaſſungsſünde nicht durch eigene Abſatzverhältniſſe der Feldproducte, eine ſehr kurze Pachtzeit des Beſitzers und ähnliche Umſtände gerechtfertigt wird. In der Nähe großer Städte, wenn man ſein Heu zu ſehr hohem Preiſe verkaufen und vortheilhaft Dünger feilſchen kann, tritt wohl mitunter der merkwürdige Fall ein, daß die Wieſendüngung rentirt, ſelbſt wenn von dem, den Wieſen entnommenen nroduete dieſen nicht das Geringſte wieder zufließt. §. 63. a) Animaliſcher Dung. Wo derſelbe unbedingt mit Vortheil angewandt wird. Wir ſchicken, ehe wir über die zweckmäßigſte Anwendungsart der thieriſchen Excremente auf den Wieſen uns verbreiten, noch eine Schlußbemerkung über die Vortheilhaftigkeit der Viehdüngung, welche hier eine paſſende Einleitung bildet, voraus. Es gibt nämlich Bodenarten, in deren Natur es liegt, daß ſie den thieriſchen Dung unſicherer und niedriger verzinſen, als zur Düngung geeignete Wieſen; es gibt ſolche Wirthſchaften, wo das Vieh oft dar⸗ ben müßte, wenn man den Wieſen nicht durch eine zweckmäßige Be⸗ miſtung jene Sicherheit und Regelmäßigkeit des Ertrags verſchafft hätte, welche bei dem höchſten Dungaufwande das Futterfeld auf dem Acker durchſchnittlich nie gewähren kann. Wir meinen hier den ſteifen Thonboden und das flüchtige Sandfeld, wo der Dünger zum Kleebau, ſo zu ſagen, in Armuth conſumirt wird, und wo ein derartiger, zum Nachtheil der Wieſen gemachter Aufwand auf doppelte Weiſe die Quellen fortſchreitender Dungvermehrung und ſteigenden Bodenreich⸗ thums verſtopft. Sehr treffend und ganz aus unſerer Seele geſchrieben iſt, was der mehr angezogene Herr Dr. Sprengel über dieſen Gegenſtand anführt.*»Das Dünger der Wieſen mit thieriſchen Excrementen«— ſagt er nämlich—»wird von den meiſten Landwirthen für unvortheil⸗ haft gehalten; allein in vielen Fällen gewiß mit Unrecht; denn wo z. B. der Klee und ähnliche Futterkräuter auf den Feldern leicht miß⸗ rathen, ſichert man durch die Düngung der Wieſen mit Miſt dem Viehe nicht allein ein gutes Winterfutter, ſondern bringt auch mittelbar das Feldland allmählig in einen beſſern Düngungszuſtand. Oft können frei⸗ lich bei der Wieſendungung die thieriſchen Excremente auch durch mine⸗ raliſche Dungungsmittel, als Holzaſche, Gips, Mergel, Salinen⸗ abfälle, Kochſalz, Kalk, Ammoniakſalz, Ruß und dergleichen Körper, 153 erſetzt werden; allein ſie ſtehen größtentheils dem Landwirthe nicht immer zu Gebote, am wenigſten da, wo der Futterbau auf den Fel⸗ dern leicht mißräth. In Sandgegenden, oder da, wo große Flächen durch Aufſchwemmungen entſtanden ſind, iſt dieſes am häufigſten der Fall.— Die Gräſer mißrathen von allen Futterpflanzen, ſobald ſie Dünger bekommen und Feuchtigkeit nicht fehlt, am ſeltenſten; aber eben deßhalb dürfen auch die Wieſen, wo der Kleebau auf den Feldern mißlich iſt, in der Düngung nicht vernachläſſigt werden. Man muß überhaupt wohl erwägen, daß durch die Beſtellungskoſten aller Futter⸗ gewächſe auf den Feldern ihr Reinertrag ſehr geſchmälert wird. Wer einen ſandigen Boden bebaut, muß, wenn er guten Klee erzielen will, ſehr viel Dünger aufwenden; aber deſſenungeachtet kann er nicht mit Sicherheit auf das Gedeihen desſelben rechnen; hier iſt es gewiß das Beſte, auf alle mögliche Weiſe die Wieſen in gute Cultur zu bringen, auch ihre Fläche wo möglich zu vergrößern, wozu an feuchten, etwas humusreichen Stellen des Feldes oft ſehr gute Gelegenheit vorhanden iſt. Man begeht immer einen großen Fehler, wenn man eine Wieſe, die zu einem beſſern Ertrage gebracht werden kann, in Feldland ver⸗ wandelt; aber es gibt viele Landwirthe, die nicht eher ruhen, als bis ſie alles Wieſenland unter den Pflug gebracht haben!«*) §. 64. Was im Allgemeinen bei der animaliſchen Wieſendün⸗ gung zu beobachten iſt. Die Düngung mit thieriſchen Excrementen iſt dadurch zum Theil in Mißcredit gekommen, daß man ſie auf Wieſen anwandte, deren Beſchaffenheit die Wirkung derſelben durchaus beeinträchtigen mußte. Auf naſſe, ſaure Gründe Miſt zu fahren, iſt eine Verſchwendung, die ſich für den Futterboden und Geldbeutel ebenſo nachtheilig zeigt, als trocken gelegte, aufgefahrene Wiefen zu düngen, bevor ſich eine grüne Narbe auf denſelben gebildet hat. Wenn friſcher Stallmiſt angewandt werden ſoll, ſo iſt vor Allem eine trockene Lage der Wieſe conditio sine qua non. Allerdings iſt ſelbſt den, dem Abfließen ausgeſetzten Wieſen eine Düngung mitunter nothwendig; um dieſe dann möglichſt wirkſam zu machen, muß die Auffuhr erſt ſpät im Nachwinter geſchehen. Ich, meines Theils, opfere aber lieber einige Dungtheile, als daß ich zu ſpät mit der Auf⸗ fuhr warte. — *) S. Landwirthſchaftliche Zeitung, von Rüder, Jahrg. 1831, S. 239. * ——— 154 Gleichwie auf dem Acker, hat auch auf der Wieſe der friſche, we⸗ nig gerottete Stallmiſt ſeinen großen Vorzug. Zuerſt macht ſeine An⸗ wendung die Düngung zu einer Jahreszeit möglich, wo ſie ſich jeden⸗ falls auf den Futterertrag am wirkſamſten zeigt. Die dem friſchen Miſte beiwohnenden flüſſigen Theile kommen durchaus der Raſennarbe zu Gute, anſtatt daß ſie auf dem Hofe größtentheils nutzlos verſchwin⸗ den. Mechaniſch wirken die langen Strohtheile auf Frühe und Leb⸗ haftigkeit der Vegetation durch Erwärmung des Raſens. Man reicht nicht allein viel weiter mit dem langen Miſte, ſondern er bewährt ſich in ſeiner Wirkung auch dauerhafter, weil er, den atmoſphäriſchen Ein⸗ flüſſen ausgeſetzt, ſich weniger verflüchtigt. Durchaus nothwendig iſt gleich nach der Auffuhr ein ſorgfältiges Streuen des Stallmiſtes; wenn er nach einigen Tagen mehr abge⸗ trocknet, kann man die Hauben Klumpen noch beſſer zertheilen. Die Stärke der Auffuhr braucht nicht ſo bedeutend zu ſeyn, als man im Allgemeinen annimmt. Im Ganzen hat der Grundſatz ſich als der richtige bewährt:»Mit Wenigem oft zu kommen.“« Freilich wird das Düngungsmaß auch zum Theil von der Güte des Bodens bedingt. Je länger Wieſen bereits gedüngt worden ſind, von um ſo humoſe⸗ rer Beſchaffenheit iſt natürlich ihr Obergrund und deſto geringer iſt ihr Beduͤrfniß eines Krafterſatzes. Man könnte vielleicht denken, daß, unter beſonders günſtigen Verhältniſſen, auch auf Wieſen dieſer Art der Zeitpunct eintreten könnte, wo ſie des Düngers überhaupt ganz entbehren, ja dieſer ihnen, wie bei fruchtbarer Witterung reicher Frucht⸗ acker Lagerkorn hervorbringt, ſelbſt ſchädlich werden dürfte. Ein ſol⸗ cher Fall kann hier aber nicht eintreten, weil die Natur dafür Sorge trägt, daß ſich ein beſtändiges Gleichgewicht zwiſchen dem Bodenreich⸗ thume und der Vegetation erhält; letztere verwendet ihre Thätigkeit auf um ſo edlere, aber auch zugleich erſchöpfendere Pflanzengeſchlechter, je mehr ſich die ihr dargebotenen Hülfsquellen verſtärken, ſo wie ſie umgekehrt ihre ſchaffende Hand ebenſo raſch wieder von jenen abzieht und ſie durch ſchlechtes Gelichter unterdrücken läßt, wenn ihr die ihr früher gewidmete Unterſtützung verſagt wird. Der verdiente Steltz⸗ ner*) beſtätigt dieß durchaus, wenn er, in Folge der auf dem Harze geſammelten Erfahrungen, ſagt: Beſonders auffallend iſt der Erfahrungsſatz, daß einmal gedüngte *) In ſeinem manches Lehrreiche und Wahre eithaltenden, im Ganzen aber unſern Anſichten nicht entſprechenden Aufſatze:„Ueber Verbeſſerung der Wieſen durch Viehdünger.“ Siehe den Land⸗ und Hauswirth, 1821, Septem⸗ berheft. 155 Wieſen eine fortgeſetzte wiederholte Düngung zu erfordern ſcheinen, wenn man nicht nach deren Aufhören durch nachherige geringere Ern⸗ ten das wieder verlieren will, was man durch die angewendete Dün⸗ gung vorher mehr gewonnen hatte, wovon der Grund darin zu ſuchen ſeyn möchte, daß durch die mit der zugeführten Dungung vermehrte und verbeſſerte Nahrung edlere Gräſer veranlaßt werden, ſich nach und nach anzuſiedeln, welche dann, wenn die nachfolgende Düngung aufhört, nicht mehr die hinlängliche nöthige beſſere Nahrung beziehen koͤnnen, ſich aus Mangel derſelben wieder verlieren, und es einige Zeit erfordert, ehe ſich die gehörigen Pflanzen, deren natürlicher Standort hier vorher war, wieder einfinden. Es ſcheint hierbei dasſelbe Naturgeſetz einzutreten, welches man bei bewäſſerten Wieſen zu beobachten Gelegenheit hat, wo durch die Bewäſſerung mancherlei andere beſſere Gewächſe angelockt werden, welche ſich wieder verlieren, wenn die Bewäſſerung einige Jahre un⸗ terbleibt, und man hat in ſolchen Fällen meiſtentheils geringere Heu⸗ ernten, als man vor Einführung der Bewäſſerung bekam. Auf den beſten Wieſen mag eine Miſtdüngung, gleichwie die dem Acker gegebene, drei Jahre anhalten; in der Regel wird die Dauer derſelben nur zwei Jahre verſpürt werden; mindeſtens wird man, wenn auch nicht in der Maſſe, doch in der Güte des Futters ſchon einen namhaften Abſchlag bemerken. Dieſe Erfahrung hat Man⸗ chem das Wieſendüngen verleidet und in dem Vorurtheil beſtärkt, daß die Wieſen mehr Dünger koſten, als bringen. Man glaubte nämlich, durch eine recht dicke Auffuhr nur ſeinen Zweck erreichen zu können, und fand dieſer die Grasproduction durchaus nicht entſprechend. Nach unſern langjährigen Erfahrungen kommt es bei der Wieſen⸗ düngung viel weniger auf das anzuwendende Düngerquantum, als die richtige Manipulation an, gleichwie eine perfecte Köchin auch mit ge⸗ ringen Zuthaten ein ſchmackhafteres und reichlicheres Gericht zu berei⸗ ten verſteht, als die Anfängerin mit den koſtbarſten Ingredienzen. Wir wiederholen es, daß insgemein die Hälfte des aus dem Wieſen⸗ futter gewonnenen Dungmaterials vollkommen reichen wird, Güte und Quantität des Graswuchſes auf befriedigende Weiſe zu erhalten, wenn nicht eine eigenthümliche Rauhheit des Klimas oder große Ste⸗ rilität des Bodens ein anderes Verhältniß erheiſchen. Jeder Landmann beobachtet bei der Düngung ſeines Feldes, nach den verſchiedenen Gra⸗ den ſeiner Tragbarkeit und der auf ſie einwirkenden äußern Verhält⸗ niſſe, eine zur Gewohnheit gewordene Vorſicht. Die vernachläſſigte Stief⸗ ſchweſter des Ackers ergibt ſo viel ſeltener Proben ihrer Anwendung. 156 Wieſen— ſagte der eine Reihe von Jahren die Cultur derſelben mit großem Nachdruck betreibende, daher auch vieler Fehler ſich zeihen⸗ de, dann aber praktiſch ſo viel höher ſtehende und weiter blickende Herr Freudenfeld auf Cowalz— müſſen alle Jahre gedüngt werden, und ganz dünn. Dieß verdient ſicher den Vorzug vor Dick⸗ und Selten⸗ Düngen; denn der dick gefahrene Dung wirkt nachtheilig auf den erſten Schnitt; er erſtickt die Narbe und iſt beim Mähen und Werben hinder⸗ lich, und der zweite Schnitt wird zu ſtark. Dünn gefahrener Miſt hat alle dieſe Nachtheile nicht; eine Wieſe, die in Ordnung iſt, gibt auch dennoch in zwei Schnitten ſtarkes Futter, und im zweiten Jahre thut auch der dick auf gefahrene wenig Wirkung mehr. Ich fahre kaum zwei, Schafmiſt gewiß nicht mehr als ein Fuder auf 100 Q. Ruthen, und hatte da, wo nur genug gegraben war, großen Erfolg; auch hörte ich zu meiner Freude, daß die Erfahrungen in andern Ländern, als am Rhein, wo längſt Wieſencultur betrieben worden, mit den meinigen hierin zuſammentreffen*). Das Vorurtheil, daß das Futter der mit Stallmiſt gedüngten Wie⸗ ſen dem Viehe zuwider ſey, rührt bei dem in dieſer Hinſicht durch eige⸗ ne Erfahrung nicht Aufgeklärten wahrſcheinlich von der häufiger gemach⸗ ten Beobachtung der widerlichen Eigenſchaft, die die Geilhorſte der Wei⸗ den für jenes haben, her. Der unverfaulte Zuſtand der Weide⸗Excre⸗ mente, die dicke, undurchdringliche Kruſte, welche ſie dort, wo ſie liegen, über den Pflanzenſtöcken bilden und in Folge derer dieſe bei trockener Witterung häufig erſticken, tragen Schuld an einer, durch das zwiſchen den atmoſphäriſchen und Bodeneinflüſſen eingetretene Mißperhältniß entſtandenen, veränderten Bereitung der Pflanzenſäfte. Der bereits in einem Grade der Gährung ſich befindende, mit Stroh vermengte Stall⸗ miſt und die gleichmäßige, einem zweckmäßigen Vegetationsreiz entſpre⸗ chende Vertheilung desſelben benehmen den ſich ſo viel kräftiger ausbil⸗ denden vegetabiliſchen Stoffen durchaus nichts von ihrer Schmackhaf⸗ tigkeit und Süße. Kein ſein Futterfeld überdüngender Kleinwirth wird je die Bemerkung gemacht haben, daß die Miſtbedeckung auf den Wohl⸗ geſchmack des Klees im Geringſten einwirkte. In der nächſten Umge⸗ bung großer Städte, wo reine Viehwirthſchaften rentiren, überdüngt der Molkereiwirth alljährlich ſeine, abwechſelnd zur Hut und Mahd benutzte Weiden. Hat man je vernommen, daß der Appetit der Heerde dadurch gefährdet wurde? Erhält dieſes nicht vielmehr durch die um ſich greifende Herrſchaft der edlern Gräſer ſtets neue Anrege? *) S. Meckl. Annalen, Jahrg. XVI., 4. Q. 157 Nur ein Act der Pflege gedüngter Wieſen erheiſcht ganz beſondere Sorgfalt, nämlich die Verkleinerung der im Frühlinge noch ganz geblie⸗ benen Miſtklöße und das Zuſammen⸗ und Abharken des Strohes. Die Vertheilung und das Andrücken der erſtern kann man, zumal bei trok⸗ kenem Wetter, wo die Handarbeit nur ein unvollkommenes Reſultat gibt, zweckmäßig mittelſt Überſchleifens mit beſchwerten Buſchbündeln, demnächſt aber mit einer umgeworfenen großen Dornenegge beſchaffen; häufig reicht letztere auch vollkommen aus. Wird dieſe Vorſichtsmaß⸗ regel verabſäumt und kommt etwas von dem halbfaulen, ſchmutzigen Strohe und den ſteinartig zuſammengetrockneten Excrementen unter das künftige Heu, ſo muß ſolches allerdings dem Viehe anekeln. §. 65. G 1. Rindviehniſt. Unter den animaliſchen Miſtarten wirkt dieſer anerkannt auf eine lebhaftere Vegetation der Wieſen am wenigſten, und um ſo geringer, je weniger er mit Vegetabilien vermiſcht und von ſeiner Feuchtigkeit bei⸗ behalten hat. Comparative Verſuche haben uns hiervon überzeugt; theil⸗ weeiſe meſſen wir die höhere Wirkung des ſtrohigen Kuhdüngers auch der mechaniſchen Erwärmung des Raſens bei. Dem Umſtande, daß man im Harze nur Kuhdünger und dieſen ganz unvermiſcht auf den Wie⸗ ſen anwendet, mag, abgeſehen von der Rauhheit des Klimas, der Ste⸗ rilität des von Natur humusarmen Bodens, den häufig ſtattfinden⸗ den heftigen Fluthen ꝛc., die daſige geringe Kraft und Dauer der Wie⸗ ſendüngung zuzuſchreiben ſeyn. Steltzner erzählt*), daß es bei den Wieſenbeſitzern des Oberharzes Grundſatz ſey, daß die Wieſen die Quantität Dünger wieder bekommen, wozu ſie das Mate⸗ rial gegeben habenz; d. h. ſo viel Morgen Wieſen die Winterfütte⸗ rung für eine Kuh liefern, auf ſo viel Morgen wird der von dieſer Kuh erzeugte Dünger— wozu noch der kommt, welchen ſie von dem fünfmo⸗ natlichen Weidegange holt, den in dieſer Periode die Nahrung mehr oder weniger reichlich zu gewähren flegt— in einer gewiſſen Reihen⸗ folge wieder aufgefahren. Dieſer Dünger reicht gerade hin, die beſten Weſen, wovon 1 ½, auch wohl 2 Morgen zur Winterausfütterung einer Kuh erforderlich ſind, auf welche 35, 40 bis 45 Ctr. Heu gerechnet werden, alle 2 Jahre mäßig oder alle 3 Jahre mit einer guten Düngung zu verſehen. Wie⸗ ſen, wovon 3, 4, 5 Morgen zur Ausfuͤtterung ei einer Kuh erforder⸗ Am angef 8. S. 360. 158 lich ſind, bekommen natuͤrlich ſo viel ſchwüchers oder um ſo ſeltenere Bedüngung. Die Dauer der Düngung wird auf den geringern Wieſen 2 Jahre, auf den beſten 3 Jahre verſpürt; wird ſie dann nicht wiederholt, ſo verdrängen Moos und Flechten die beſſern Gräſer, und der Borherige Ertrag ſinkt unglaublich chnel wieder herunter. §. 66. 2. Pferdemiſt. Auf trocken gelegten Moorwieſen, friſch und bei feuchter Witterung aufgebracht, gewährt dieſer viel Ammonium enthaltende Dung eine be⸗ deutend raſchere und kräftigere Wirkung. Er iſt vorzüglich geeignet, die Auflöſung des ſauren Humus zu fördern und dem Obergrunde eine wärmere Temperatur zu geben. Wo man für ſeine Wieſen kein anderes Erhöhungsmaterial beſitzt, als den Torf⸗Auswurf der Gräben und unaufgelöſ'ten Moder, da wird dieſer Dünger, zweckmäßig angewandt, eine ſehr wohlthätige und länger anhaltende Gährung unterhalten, und ſich der Vegetation um ſo günſtiger zeigen, je feuchter Klima und Wit⸗ terung ſind. §. 67. 3. Schafmiſt. Pferch. Der Schafmiſt hat mit dem Pferdedung ähnliche Eigenſchaftn, übertrifft dieſen aber in ſeiner auflöſenden Kraft. Auf trocken gelegten Wieſen iſt ſein Vorzug durch ſeine ſchnelle Entſäuerung allgemein von Nordteutſchlands Wieſenwirthen anerkannt. Unſere vielen kalten Moor⸗ und Torfgründe werden gleichzeitig durch ihn höchſt wohlthätig erwärmt. Man rechnet von gutem Schafmiſte nur das halbe Quantum des vor⸗ hergehenden auf eine beſtimmte Fläche. Das Pferchen mag im Allgemeinen auf den Wieſen nicht den erwar⸗ teten Nutzen leiſten, weil es meiſtens im Winter, alſo zu einer Jahres⸗ zeit, wo der ſchlummernden Vegetation eine Menge der kräftigſten, ſich verflüchtenden Theile des Hordenſchlages verloren gehen, Statt findet. Die bisherigen Erfahrungen ſcheinen für die Anwendung dieſer Opera⸗ tion im Herbſte, da der in den Boden dringende viele Urin auf die Auf⸗ löſung des todten Humus influiren kann, oder im Frühjahre, dann aber auch nur auf trockenen, ſandigen Wieſen, zu reden. In dieſem Falle reicht auf den Mecklenburger Scheffel der Pferch von 125— 150 Scha⸗ fen in zwei Nächten hin. Bei Pogge in Roggow hat das Pferchen mit Schafen im erſten Jahre einen bedeutenden, im zweiten einen mittelmä⸗ ßigen und im dritten faſt nur den alten Ertrag geliefert. 4 —jj———— 159 §. 68.. 4. Schweinemiſt.— 88 Dieſe im Allgemeinen wenig geachtete Dungart habe ich auf d— Wieſen, ihrer breiigen und wäſſerigen Beſchaffenheit wegen, als ſehr wirkſam erprobt; zumal hat ſie ſich, wie früher gedacht, als ein Ver⸗ minderungsmittel des Duwocks erwieſen. Es iſt deßhalb dem mit die⸗ ſem Übel geplagten Wieſenwirth anzurathen, ſeinen Schweinedung nicht auf den gemeinſamen Düngerpfuhl zu bringen, ſondern Behufs jener ſo wohlthätigen Anwendung zu ſepariren, wozu er in der Regel ohne⸗ dieß Beruf hat, da im Allgemeinen der Schweinemiſt, ſelbſt mit den dandern Miſtarten vermengt, auf dem Feldboden mehr Nach⸗ als Vor⸗ theil zuwege bringt. Auch Heuſinger ſtellt in ſeiner»Futterbau⸗ lehre« den Vorzug des Schweinedungs auf den Wieſen beſonders her⸗ aus, wenn er ſagt: ünter den Arten Miſt aus Ställen, welche mit Stroh vermiſcht ſind und einigermaßen ſich bereits in einem gewiſſen Grade der Gäh⸗ rung befinden, zeichnet ſich vorzüglich durch ſeine Wirkſamkeit der Schwei⸗ nemiſt auf Wieſen aus, die mehr trocken als naß ſind, indem die Ge⸗ wächſe außerordentlich durch denſelben getrieben werden; er hat nur den Fehler, daß ſich eine Menge Würmer und Inſectenlarven einfin⸗ den, die dann wieder den Maulwurf herbeilocken, welcher jene ſehr ſchädlichen Thierchen vertilgt, zugleich aber durch ſeine aufgeworfenen Erdhaufen die Wieſenfläche uneben macht. Wenn man jedoch die feine Erde dieſer Haufen gleich wegnimmt und, im Falle das Erdreich der Wieſe an und für ſich ſchon gut iſt, dünn auf der Wieſe ausbreitet, oder, wenn das Erdreich mager iſt, nach Hauſe auf den Compoſthaufen ſchafft, ſo wird jener Übelſtand beſeitigt und man kann den a Mäaumuuſ gar wohl dulden.« §. 69. 5. Geflügelmiſt. Unvermiſcht kommt die Anwendung desſelben auf den Wieſen ſelten vor, weil das geringe Quantum eine zu ſcharfe, nachtheilige Wirkung äußert. Jedoch habe ich den Hühnermiſt als einen trefflichen Moosver⸗ treiber, der zugleich die Vegetation nachhaltig erhöht, kennen lernen. Eine mehrfach ſtattgefundene Beobachtung, nämlich die, daß die Schafe, wenn ſie zufällig auf mit Hühnermiſt beſtreute Flächen kommen, jenen begierig verzehren, mag hier beiläufig auch augeigener Erfahrung beſtätigt werden. Nichts wirkt tödtlicher auf das Wachsthum der Wie⸗ ſengräſer ein, als friſcher, ungegohrener Gänſemiſt; alle gute Pflan⸗ zen verſchwinden darnach, und ſelbſt die ſchlechtern werden nur dürftig ———— —— vegetiren. Dahingegen hat der ſorgſame Wieſenwirth ſich für eine flei⸗ ßige Sammlung und umſichtige Verlängerung des Taubenmiſtes mit Kaff, Sand ec. zu intereſſiren, da bieſer Dünger auf den iclechteſe Torſwieſen Wunder thut. 1 .§. 70.. 6. Menſchliche Excremente.. 5 Auch dieſe geſtatten keine unvermengte Anwendung. Es iſt in der That zu beklagen, daß der Werth dieſes Düngers in unſern Gegenden noch ſo wenig anerkannt wird. Wir möchten dem Dung bedürfenden Wieſenwirth dringend anrathen, für den ſorgſamen Auffang des in Rede ſtehenden Düngers und ſeine Vermiſchung mit Erde, Mergel, der in der Wirthſchaft gewonnenen Torfaſche ꝛc. ſich lebhafter zu inter⸗ eſſiren. Wir haben ſo viele treffliche Wirthe kennen gelernt, welche zur geeigneten Zeit die ſorgfaͤltige Einſammlung der nach und nach auf dem Hofplatze und deſſen Umgebungen ſich geſammelten Düngerbeiträge nie verſäumten, während ſie e n koſtba en Dungſchatz der Privets Jahr aus Jahr ein nutzlos verkoh e 8 den Die dieſe Vernachläſſigung viel⸗ leicht begründenden Vorurtheilèt in r, bie Mühe der Bearbeitung nicht lohnenden Geringfügigkeit des gewonnenen Quantums und einer viel⸗ leicht gar nachtheiligen Wirkung auf die Vegetation werden ſich ſchon nach dem erſten erfahrungsmäßig eingeleiteten Verſuche damit verlieren. Einen zur Stallfütterung beſtimmten Wieſenfleck habe ich regelmä⸗ ßig mit einem Gemengdünger, der zum größten Theile aus Moorerde und menſchlichen Excrementen beſtand, alljährlich im Frühjahre ge⸗ pflegt und davon ein ſehr frühes, dem Viehe wohlſchmeckendes Futter gewonnen. Ein Nachbar von mir hatte es ſich zur Regel gemacht, nach Schmalz's Beiſpiel die Torfaſche für die Privets zu verwenden; dieſem alle 7—8 Wochen ausgekehrten Mengſel ward das geſammelte Hofkehricht und der Dung der Federviehſtälle, in der Regel auch ein Theil Sandmer⸗ gel beigemiſcht, und der ganze ſo geſammelte Vorrath mußte bis zum Fruhjahre, in mäßig große Haufen geſetzt, zuſammengähren. Alsdann breitete man ihn möglichſt zeitig auf die aufgekarrten, zum früheſten Grünfutter dienenden Wieſenflecke, wo er ſtets außerordentlichen Er⸗ folg äußerte. 6S 0 malz's*) Anleitung zur Benutzung des Menſchendunds lautet: *⁴) Siehe deſſen„Lehre vom Dünger“ in Putſche's Cyeher„Bd. 1. . 8(288. ei⸗ it 8 4 [x☛ ———— ͤun 1 161 Ich laſſe, ſtatt Gips und Kalk, Torfaſche in ziemlich großer Men⸗ ge darunter miſchen, und erhalte ſo ein ungemein kräftig wirkendes Düngepulver zum Überſtreuen für den Klee. Zu dieſem Zweck wird von Zeit zu Zeit in die geräumige ausgemauerte Grube, welche unter dem Abtritt angebracht iſt, Torfaſche geworfen. Jährlich einige Mal wird das aus den menſchlichen Excrementen, dem Urin und der Torf⸗ aſche entſtandene Gemenge aus der Grube auf Haufen gebracht und wohl auch noch mehr Torfaſche zugemiſcht; dieſe Haufen werden von Zeit zu Zeit einige Mal gut durchgeſtochen, damit ſich Alles um ſo beſ⸗ ſer vermiſche, und endlich wird das ſo gewonnene Düngepulver Ende Aprils über den Klee weg gut verbreitet, welcher darnach ungemein raſch emporwächſt und ſich ſchon von fern durch eine dunkle Farbe und üppigen Wuchs auszeichnet. »Unübertrefflich«, ſagt A. Noung,»iſt ein Gemiſche von menſchli⸗ chen Auswürfen und Mergel oder Raſen, oder guter Erde für die Wie⸗ ſen. Ich habe öfters ihre Wirkung mit der anderer Düngerarten zuſam⸗ men gehalten, und gefunden, daß keine aaßzt allen eine gleiche Wirkung hervorzubringen im Stande ein Irrthuma, fährt derſelbe Schriftſteller fort,»zu glauben/ daß Reſer Dünger den Früchten und Gewächſen, auf die er verwendet wird, einen üblen Geſchmack mittheile. Ich habe verſucht, damit den Theil einer Weide zu düngen, der den Pferden und dem Hornviehe das ganze Jahr zur Weide diente, und ge⸗ funden, auch Andere darauf aufmerkſam gemacht, daß die Thiere den mit gedachtem Cloaken⸗Compoſt gedüngten Theil dem nicht gedüngten Theil vorzogen, das Gras mit mehr Begierde fraßen und näher bei der Erde abbiſſen.« Mehr als die hier angeführten einzelnen, wenn auch noch ſo aner⸗ kannten Stimmen hochſtehender Landwirthe muß das praktiſche Beiſpiel ganzer Länder und Nationen uns von dem namhaften Verluſte überzeu⸗ gen, welcher uns durch die Nichtbeachtung dieſes Zweiges der Dünger⸗ cultur erwächſt. In Toskana, in Flandern, im mittägigen Frankreich, in England, in China bilden die menſchlichen Auswürfe eine hochwich⸗ tige Branche des Düngerweſens und gewiſſermaßen die Grundpfeiler einer verfeinerten hochgeſchraubten ländlichen Induſtrie. Der Vorwurf ſchneller vorübergehender Kraft iſt ein Sophisma, das den eigenthüm⸗ lichen Werth der herrlichen Subſtanz durchaus nicht herabſetzt; denn, wie Schwerz ſo wahr und ſchön ſagt: 1 „·Das ſchnelle Vorübergehen einer Kraft bringt keinen Nachtheil, wenn aus ihrem Erlöſchen eine neue und zwar größere Kraft hervor⸗ geht; es bringt vielmehr Gewinn. Je ſchneller das Schwungrad ſich Lengerke's Wieſenbau, 11 ſſſͤͤ 162 herumwirft, deſto raſchern Umtrieb theilt es der ganzen Maſchine mit. In einem Jahre wird das ganze Capital umgeſetzt, daher an Kraft gewonnen.« Hieſige Verſuche mit Poudrette haben beſtätigt, daß die damit gedüngten einſchürigen Wieſen zwei Matten gaben, das darauf befind⸗ liche Moos gänzlich zerſtört wurde und ſich darnach ein üppig weißer Klee häufig erzeugte. Wieſen, welche im Frühjahre unter Waſſer ſtehen, werden, nach⸗ dem ſich dieſes verzogen, damit überſtreut. G. 71. 7. Jauche. Im Allgemeinen bin ich ganz der Meinung Schmalz' s, daß die⸗ jenigen Wirthſchaften die beſte Miſtbereitungsart gewählt haben, wel⸗ che wenig reine Jauche zu verwenden haben. Das ganze Düngercapi⸗ tal und die Wirkung davon gewinnt in unſern großen Koppelwirthſchaf⸗ ten unſtreitig durch möglichſt ſorgſame Auffangung der flüſſigen Dün⸗ gertheile in dem Streumater iale. Der Enthuſiasmus des ſüddeutſchen Landwirths für die flüſſigen Dungmittel und Güllung überhaupt leidet in größern Okonomien um ſo weniger Bethätigung, als die hieſige Füt⸗ terungsweiſe, Stalleinrichtungen, Geſpann⸗ und Arbeitseintheilung, überhaupt das ganze Syſtem des Feldbaues und die von der dortigen Ortlichkeit ſo ſehr abweichende Localität einem ſolchen Verfahren durch⸗ aus widerſtreben. Damit ſoll aber keineswegs die ſo häufig ſichtbar werdende Fahrläſ⸗ ſigkeit des norddeutſchen Landwirths, ſeine Jauche ungenutzt verſchwim⸗ men zu laſſen, entſchuldigt werden. Wo Brennerei, Stallfütterung ꝛc. betrieben werden und die Einrichtung der Ställe und des Miſtpfuhls die Sammlung des Harns und der flüſſigen Miſttheile geſtatten; wo namentlich, wie in unſern norddeutſchen Molkereiwirthſchaften faſt all⸗ gemein, die in den Schweineſtällen erzeugten flüſſigen Dungtheile un⸗ mittelbar aus denſelben in Gruben oder Gräben abfließen: da kennt der beſſere Wirth längſt die trefflichen Wirkungen der gehörig mit Waſſer vermiſchten und gefaulten Jauche auf die Vegetation der Wieſen, deren Pflanzen ja faſt nur zu drei Viertheilen aus wäſſerigen Theilen beſtehen, daher ſie den ſo viel ſchneller und leichter angeeigneten Dungſtoff auch mit ſo augenſcheinlichem Erfolge conſumiren. Wo man es irgend mög⸗ lich machen kann, da verſäume man nicht, auf die directe Ableitung der geſammelten Jauche in einen Bach oder Waſſergraben, deſſen In⸗ halt zur Bewäſſerung begränzender Wieſenflächen dient, hinzuarbeiten. — 2——jj 84 163 Das iſt die einfachſte und einträglichſte Benutzungsweiſe des in jeder Wirthſchaft mehr oder minder vorkommenden flüſſigen Dungs. Wenn auch die Bethätigung der nachfolgenden, von dem als wiſſenſchaftlich gebildeten Landwirth bekannten Hrn. Domänenrath Sibeth in Gü⸗ ſtrow kürzlich ausgeſprochenen Sätze von manchen mitwirkenden Neben⸗ umſtänden, namentlich der Fütterungsweiſe, dem Einſtreuungsmaße ꝛc., abhängig iſt, ſo läßt ſich doch die Grundwahrheit derſelben nicht beſtrei⸗ ten, und beſonders verdient der Umſtand Berückſichtigung, daß der Ve⸗ getation mit der Jauche zu einer Zeit nachgeholfen werden kann, wo auf jedem andern Wege uns die Hände dazu gebunden ſind. Nach Sibeth's Unterſuchung geben 4 Cub. Fuß Dung 1 Cub. Fuß Jauche, die vom Dung nicht aufgenommen werden kann, und bei der gewöhnlichen Anlage der Dungſtelle und der Behandlungsart des Dungs allmählig ungenutzt abfließt. E. glaubt den Werth der Jauche nicht zu überſchätzen, wenn er einem Cub. Fuß davon den halben Werth eines Cub. Fußes Dung gibt. Bei 800 Fuder Dung, die man auf einem Gute erzeugt, könnte man daher durch ſorgfältiges Auffangen der Jauche und zweckmäßige Benutzung derſel⸗ ben eine Dungvermehrung von 100 Fuder für ſeine Felder gewinnen. Zudem— ſagt S.— hat die Anwendung der Jauche etwas Em⸗ pfehlendes, was beim Stalldung nicht Statt findet. Man kann zu je⸗ der Jahreszeit damit nachhelfen, und eignet ſie ſich ganz vorzüglich zur Beförderung des Wachsthums der Nachmahd des Klees und des Wie⸗ ſengraſes, wo ſie insbeſondere auf den Wieſen noch das Moos vertilgt und den Klee hervorlockt. Selbſt auf fußhoch hervorgewachſenem Ge⸗ treide wird leicht und vortheilhaft damit nachgeholfen, ſo wie beſonders Kohl und Wurzelgewäͤchſe damit zu einer enormen Größe getrieben wer⸗ den können.— Um eine Vergleichung hinſichtlich der Wirkung der Jauche und des Gipſes zu erhalten, hat Herr Sibeth einen Theil der Klee⸗ nachmahd mit Jauche, einen andern Theil mit Gips gedüngt, welcher Verſuch entſchieden für die Jauche ausfiel. Es wäre ſehr zu wünſchen, daß mehre Landwirthe Verſuche einer Schweinejauche⸗Düngung mit Zuſatz von Eiſenvitriol auf ihren mit Duwock beſchmutzten Wieſen anſtellten. Es iſt mehr als wahrſcheinlich, daß dieſelben günſtige Erfolge zeigen würden. S. 72. Compoſt. In den meiſten Wirthſchaften wird Jahr aus Jahr ein eine nicht unheträchkliche Menge davon geſammelt und für die Wieſen verwandt 11* ———õ△¼—— —“—— oſſſͤͤſ]] 164 werden können. Keine leichtere Art, ſich ein angemeſſenes Reſervoir für alle Wirthſchaftsabfälle und den künftigen Wieſendünger zu verſe chaf⸗ fen, als in der Richtung des Miſtpfuhls eine große, tiefe Grube anzu⸗ legen, worein die überflüſſige Jauche abfließt und welche Raum genug hat, um ſelbſt bei einfallenden heftigen Regengüſſen keinen Verluſt an düngenden Theilen zu erleiden. Am beſten wird es immer ſeyn, wenn die Einrichtung ſo gemacht iſt, daß, wenn die Miſtjauche den Inhalt der Grube vollkommen durchzogen, die ſich auf der Oberfläche ſammelnde Flüſſigkeit auf eine nahe gelegene Wieſe abgeleitet wird. Die heterogen⸗ ſten, an ſich oft der Vegetation ſchädlichen Gegenſtände werden in ſol⸗ chem Reſervoir zur fruchtbarſten Dungerde. Alles Unkrautgeſäme, aller Scheuernabfall überhaupt, grünes Unkraut, Buſchwerk, Torfaſche, Torfmull, Flachs⸗ und Hanfabfall, verdorbenes Futter, ſchlechtes Kaff, Kartoffel⸗ und anderes Krautwerk im Sommer, Dammdünger, Bau⸗ ſchutt, Stubenkehricht, und wie die hunderterlei Gegenſtände alle hei⸗ ßen mögen, die im täglichen Wirthſchaftsbetrieb ſich augenblicklich als Unflath ergeben, der für den Düngerpfuhl nicht gehört, finden hier eine gemeinſame Vorrathskammer. Zweckmäßig iſt es, die Grube in zwei oder drei Abtheilungen zu theilen; zuerſt wird die erſte vollgetragen, demnächſt die zweite u. ſ. w.; wenn die dritte Abtheilung an die Reihe kommt, ſo ſchlägt man die erſte an den Rand der Grube in einen gro⸗ ßen Haufen aus, und wenn ſich dieſer mit guten Pflanzengattungen überzogen hat, ſo iſt das ein Zeichen, daß die Dungerde frei von ſchäd⸗ lichen Säuren und nur mit deſto größerem Erfolge in kleinerem Maße auf die Vegetation angewandt werden kann. Durch dieſe Reihefolge in dem Sammeln und Ausſchlagen des kurzen Düngers hat dieſer immer einen gleichmäßigen Grad der Gährung erreicht. Landwirthe, welche dieſe Art der Düngerſammlung nicht anhaltend durchgeführt haben, werden kaum glauben, wie bedeutend der daraus hervorgehende Schatz iſt, der, unter den gewöhnlichen Verhältniſſen, eine gänzliche Erſparung des reinen animaliſchen Dungs auf den Wie⸗ ſen geſtatten wird. Außer dem auf beſchriebene Weiſe bereiteten Compoſt iſt ein treffli⸗ cher Wieſendung durch Ausgraben der Viehſtälle und Ausdämmung der gemachten Tiefe mit Rapsſtroh zu ſammeln. Die von demſelben ein⸗ geſogenen flüſſigen Dungtheile des ſolches dielenartig feſttretenden Kuh⸗ viehes präpariren aus einem, als Streumaterial noch immer verachte⸗ ten Producte einen ſehr reichlichen und kräftigen Miſt. Als Mittel der Wieſendungung an ſich mag häufig die ſich in den Dungerpfühlen und Viehſtällen vorfindende obere Schichte Erde unbe⸗ 165 achtet geblieben ſeyn. Der ſelige Kriegsrath Schröter auf Langenſee machte ſchon vor längern Jahren auf dieſe Vernachläſſigung aufmerk⸗ ſam. So lange— ſagte er— als Mecklenburg Ackerbau treibt, haben wohl nur wenige oder gar keine Ackerwirthe ihre Viehſtälle und Dung⸗ ſtätten ausgegraben, wodurch ſie ſich zeither einen Wieſendünger entzo⸗ gen haben, der nichts zu wünſchen übrig läßt. Man wird den Grund und Boden dieſer Dungbehälter da, wo er nicht gepflaſtert iſt und wo die Miſtjauche nicht abfließen kann, ſondern in ſelbigen eindringen muß, 1 bis 1½, ja 2 Fuß von Miſtjauche ganz durchdrungen finden; gräbt man nun dieſe Erde aus und bringt ſie auf die Wieſen, ungefaͤhr 1 bis 1 ⁄1 Zoll hoch, ſo wird man dadurch eine Vegetation hervorbringen, welche Mühe und Koſten reichlich bezahlt. Nach Ausgrabung dieſer Dungerde muß freilich die dadurch verurſachte Vertiefung wieder mit Erde oder Sand ausgefüllt werden. Dieſe Operation gibt aber auch für's künftige Jahr wieder einen neuen Zuwachs von Wieſendünger, da man dieſe Erde wieder von Miſtjauche durchdrungen finden wird. Wird nun dieſes Verfahren jedes Jahr fortgeſetzt, ſo wird der Acker⸗ wirth auch jedes Jahr Gelegenheit haben, einen Theil ſeiner Wieſen düngen zu können, ohne nöthig zu haben, ſeinem Acker etwas von dem ihm gehörenden Viehdung zu entziehen. Um nochmals auf unſern Compoſtdünger zuruͤckzukommen, ſo mache ich den Landwirth auf die zweckmäßige Anlage ſeines Privets in der Nähe jener Reſervoire aufmerkſam. Eine leichtere und zweckmäßigere Bereitungsweiſe der menſchlichen Auswürfe, als wenn dieſe unmittel⸗ bar in die Compoſtgrube abfließen, iſt ſchwerlich zu ermitteln. Der kurze Wieſendung hat zwar nicht den Vorzug momentan ſtar⸗ ker Wirkung, doch hält er länger als die meiſten andern Düngungen an. In der Regel wird man von einem fetten, viele Aſche, Geflügel⸗ miſt ꝛc. enthaltenden Compoſt einen, ein paar Jahre länger dauernden Erfolg, als von Stallmiſt, Pferchung ꝛc. verſpuͤren. Mecklenburger Wieſenwirthe ſtellen den kurzen Wieſendung in ſeinem Werthe ſehr hoch. Herr Lange zu Niendorf hatte Wirkungen davon, welche ihm der Mer⸗ gel verſagte. Von Lehmmergel verſpürte er auf ſeinen ſchlechten Wieſen gar keinen Erfolg. Später befuhr er einen Theil einer ſehr ſchlechten moorigen Wieſe mit gutem Sandmergel, und zwar auf 144 Quadrat⸗ fuß eine Karre zu 9 Cubikfuß gerechnet, welcher eine Erhöhung von %1 Zoll macht; dieſen Fleck beſaete er im nächſtfolgenden Frühjahre mit rothem und weißem Klee. Der Graswuchs war nach dieſer Mergelung zwar etwas beſſer, die Wieſe auch etwas feſter und geebneter geworden, aber doch war dieß Verfahren lange nicht hinreichend, es eine Verbeſ⸗ 166 ſerung nennen zu können. Daher befuhr Lange in eben dem Herbſte einen Theil der bemergelten und einen Theil der nicht bemergelten Wieſe mit kurzem Wieſendung(beſtehend aus Schaufel⸗, Hühner⸗ und Tau⸗ benmiſt, allerlei Arten von Aſche, vermoderter Schäbe, Kaff und gu⸗ ter fetter Erde; dieß Alles wird nach und nach auf einen Haufen ge⸗ fahren, damit es hinreichend durcheinander gemiſcht wird; ſodann bringt man es im Winter bei Froſtwetter auf die Wieſe). Auf dieſer Stelle hatte man ſchöne Vor⸗ und Nachmahd. »Wenngleich«— ſagt Lange—»nach dieſem Dünger die Wir⸗ kung nur vier Jahre dauert, ſo iſt doch, nach meiner Einſicht, dieß Ver⸗ fahren weniger koſtſpielig und auch ſchon aus der Urſache die beſte Ver⸗ beſſerung, weil ſich das ganze Jahr hindurch eine ziemliche Quantität eines ſolchen Düngers ſammeln läßt; man kann alſo einen beträchtli⸗ chen Theil der ſchlechteſten Wieſen alle Jahre damit bedüngen.« Daß aber auch die Compoſtdüngung eine vorherige Trockenlegung und Entfernung der Wieſe erheiſcht, wenn ſie die darauf geſetzten Er⸗ wartungen realiſeren ſoll, braucht wohl kaum angeführt zu werden. §. 73. 9 Knochenmehl. Auch auf unſern Wieſen hat dieß Dungmittel nichts gemacht, wahr⸗ ſcheinlich doch wohl, weil der Boden mit einer zum Pflanzenwachsthum genügenden Menge phosphorſaurer Kalkerde oder andern phosphor⸗ ſauren Salzen verſehen iſt. Ich habe ſchon bei einer andern Gelegenheit*) erwähnt, daß auf zu Strieſenow im Jahre 1826 beſtreuten Wieſen der Erfolg auch im Jahre 1827 ausblieb. Die ganze Wieſe war außerdem von hoher Er⸗ tragsfähigkeit. Im Jahre 1827 iſt eine magere Wieſe von Neuem da⸗ mit beſtreut, jedoch ohne Erfolg. Es ſind in Strieſenow und Dolgen auf's Neue Verſuche gemacht, doch ohne allen Erfolg; dagegen hat in Vogelfang auf die Wieſen geſtreutes Rapsmehl(gemahlene Rapskuchen) bedeutend gewirkt, bei welcher Dung⸗ art es nur zu bedauern, daß ſie ſehr theuer iſt, indem dieſe Dungung pr. Q. Ruthe 5 bis 6 ßl. koſtete. §. 74. Rinderklauen. Auf moorigen Wieſengründen läßt ſich Anwendung von den ganzen Rinderklauen machen, indem man die Spitzen ſo tiefi in den weichen *) Siehe den zweiten Band meiner„Darſtellung der mecklenburgiſchen Landwirthſchaft“, 11. Abſchnitt.— 167 Boden drückt, daß ſie beim Mähen des Graſes nicht hinderlich ſind; das Waſſer ſammelt ſich dann in der Höhlung an, wodurch ſie allmäh⸗ lig in Zerſetzung übergehen und 2—3 Jahre lang einen üppigen Gras⸗ wuchs hervorbringen können. Auf den Morgen nimmt man nach Spren⸗ gel 800— 1000 Pfd. §. 75. b) Vegetabiliſcher Dung. 1. Raſendüngung. Dieſe wenig bekannte Wieſenoperation, welche darin beſteht, daß man den humoſen Raſen umlegt und ihn dadurch, ohne weitere Behand⸗ lung, zum Treibbeet einer neuen und beſſern Pflanzengeneration macht, wird im ſüdlichen Holſtein, namentlich im Amte Reinbek, mit ausge⸗ zeichnetem Erfolge angewandt. Herr Jebens hat vor einigen Jahren ſchon in den»Mecklenburger landwirthſchaftlichen Annalen« darauf aufmerkſam gemacht; jedoch ſcheint die Sache nicht die Senſation erregt zu haben, welche ſie verdient, weßhalb ſie hier Wiederholung findet. Man ſchält nämlich im Herbſte die ganze Grasnarbe einer ſchlech⸗ ten Wieſe mit der ſogenannten Plaggenquicke(oder Haue) anderthalb bis höchſtens zwei Zoll dick ab, legt die abgehauenen Plaggen oder Ra⸗ ſenſtreifen umgekehrt ganz egal wieder nebeneinander hin, und über⸗ walzt nachgehends die geſammte Fläche, um allen Plaggen die gehörige Feſtigkeit zu geben und den Boden recht eben zu machen. Den Winter über verfault nun die umgewandte Wieſennarbe gänz⸗ lich und im nächſten Frühjahre wächſt das ſchönſte junge Gras ſo kräf⸗ tig hervor, daß das Terrain im Sommer eine vortreffliche Weide fuͤr's Rindvieh abgibt. Im nächſten Herbſt überdüngt man es dann gern mit kurzem Miethenmiſt und zertheilt und ebnet darnach Alles gehörig mit der Dornenegge. Nun iſt für die folgenden Jahre ein außerordentlich reich⸗ licher Heuertrag von dieſer Wieſe mit Sicherheit zuwege gebracht. Nach Verlauf zweier Jahre wiederholt man aber immer wieder die nothwendige Überdüngung. Alle ſchädliche untränter verſchwinden nach dieſer einfachen Ope⸗ ration. §. 76. 2. Kartoffelkraut. Quecken. Wenn Localität und ſonſtige Umſtände es irgend geſtatten, ſo laſſe man das Kraut der im Sommer aufgegrabenen Kartoffeln, ſeines gro⸗ ßen Eiweißgehaltes wegen, für die Wieſendüngung nicht unbeachtet, wenngleich der damit zu bedeckende Raum ſich zu dem das Laub liefern⸗ den Kartoffelfelde wie 1:12 verhält. —— 168 Der Einwirkung des trockenen Kartoffelkrautes auf die Moosver⸗ tilgung und Belebung des Graswuchſes auf den Wieſen iſt§. 38 ſchon gedacht worden, ebenſo der Queckendüngung. Dr. Sprengel ſagt über Beides: Mehre Male habe ich mit Moos und ſchlechten Gräſern be⸗ wachſene Wieſen mit grünen Quecken gedüngt, worauf das Moos ver⸗ ſchwand und beſſere, üppig wachſende Gräſer erſchienen; grünes Kar⸗ toffelkraut that noch beſſere Dienſte; ſelbſt nach dem trockenen Kraute der Kartoffeln entſtand ein guter Graswuchs, was ohne Zweifel von ſeinem beträchtlichen Kaligehalte herrührt*). Auch in den»Okonomiſchen Neuigkeiten«(Jahrgang 1830, Seite 721) wird der Kartoffelkraut-Düngung großer Werth beigelegt. In dem mit der Chiffer E. unterzeichneten Aufſatze heißt es über dieſelbe: »Vor Allem bewährt ſich das Kartoffelkraut, wenn es nach ſeiner Ab⸗ bringung— ſey es nun erfroren oder auch nur von Luft und Sonne getrocknet— auf die Wieſen gebracht und ſo ausgeſtreut wird, daß es den Raſen nur mäßig bedeckt. Man nimmt dieß im Herbſte, bald nach der Kartoffelernte, vor und ſchafft dann die übrig bleibenden Reſte im Frühjahre wieder hinweg, legt ſie in einen Haufen zuſammen und läßt ſie da vermodern, wo ſie im nächſten Herbſte wieder auf die Wieſen dünn ausgeſtreut werden können. Die Wirkung von dieſer Düngung iſt überraſchend und beruht ohne Zweifel auf dem vielen Kali, welches das Kartoffelſtroh(trockenes Kartoffelſtroh) zeigt, wenn man die durch's Verbrennen daraus gewonnene Aſche chemiſch unterſucht. Dieſe Dün⸗ gung iſt wohlfeil und bequem; denn man kann das gedachte Kraut doch zu ſonſt nichts verwenden, als es in den Düngerhaufen zu bringen, und nur in ſeltenen Fällen bekommt man es ſo gut getrocknet und unverdor⸗ ben unter Dach, daß man es als Futter benutzen kann. Und ſelbſt in dieſem Falle iſt es immer nur von geringem Werthe, indem der nur wenig zu rechnende Zucker⸗ und andere Nahrungsſtoff darin von dem narcotiſchen überwogen wird, wodurch ſich ſeine Nahrhaftigkeit ſo ſehr vermindert. Nur dann, wenn es gelingt, bei ſehr lange dauernder trok⸗ kener Herbſtwitterung es brennen und völlig trocken einbringen zu kön⸗ nen, gibt es ein etwas beſſeres Futter. Man behandelt es alsdann wie den Klee, welchen man zu ſogenanntem Brennheu macht. Es wird nämlich das Kartoffelkraut, wenn es völlig welk geworden iſt, in einen großen runden Haufen ganz feſt zuſammengetreten, und darin bis zur völligen Erhitzung, die faſt den Grad des kochenden Waſſers erreichen muß, gelaſſen. Sobald dieſe Erhitzung erfolgt iſt, reißt man es ausein⸗ *) Siehe den Land⸗ und Hauswirth, Jahrgang 1831, S. 223. — 8——2ꝙ— X 169 ander und trocknet es ſo ſchnell als möglich ab. Dieß bewirkt man am leichteſten auf der Getreideſtoppel, weil es darauf etwas hohl zu liegen kommt und darum von der Luft ſtark durchzogen wird. Kann man es dann ohne Regen wegbekommen, ſo gibt es ein recht gutes Futter, was vom Rind⸗ und Schafviehe gern verzehrt wird und beiden auch gedeiht. Da man nun aber das Kartoffelkraut nur ſelten auf dieſe Weiſe be⸗ nutzen kann, da es vielmehr in der Regel von zeitigen Nachtfröſten im Herbſte getödtet und zur Fütterung unbrauchbar wird, ſo iſt ſeine Nuz⸗ zung zur Wieſendüngung viel ſicherer und leichter zu erlangen. Man hat auch dann nicht die Arbeit des Abſchneidens, ſondern darf es nur hin⸗ ter den Eggen aufſammeln laſſen. Durch dieſe Benutzung gewährt der Kartoffelanbau noch einen Nebenertrag, den man bisher wenig kannte und in Anſpruch nahm. Durch die belebte Vegetation der Wieſen ge⸗ winnt man dabei in der vermehrten und in der Wirthſchaft wieder ver⸗ brauchten Futtermenge an Dünger wenigſtens dreimal ſo viel, als wenn man das Kartoffelſtroh unmittelbar in die Düngergrube bringen läßt, und es kann ſonach der immer mehr zunehmende Anbau der Kartoffeln als ein herrliches Beförderungsmittel einer höhern Wieſencultur betrach⸗ tet werden. Dadurch aber hilft er die Viehzucht in doppelter Hinſicht vermehren, und trägt dann auch zur Erhöhung der Production des Ge⸗ treides mittelbar in hohem Grade bei.« §. 77.= 3. Abfall von Handelsgewächſen. Der Vor theil, den es dem Graswuchſe der Wieſen bringt, wenn Flachs und Hanf zum Röthen darauf ausgebreitet werden, iſt zur Ge⸗ nüge bekannt. Der in»Kreyßig's Landwirthſchaftskunde für Staats⸗ beamte« vorkommenden Bemerkung, daß der Flachs⸗ und Hanfabfall (die ſogenannte Schäbe) eine vorzügliche Wieſendüngung ſey, glauben die Mecklenburger Landwirthe nicht beipflichten zu können. Nach hier gemachten Erfahrungen kann die Schaͤbe nicht als Dunger für die Wie⸗ ſen benutzt, wohl aber zur Vertilgung des Hederichs angewandt wer⸗ den.(Diſtr. Prot. d. M. 9 Vs. S. 1283.) §. 78. 4. Tang. In Gegenden, wie am Oſtſeeſtrande, in der Nähe des Dorfes Haff⸗ krug im Holſteiniſchen, wo alljährlich eine ſo bedeutende Maſſe Tang aus dem Meere an's Land geworfen wird, daß der Werth des daraus gewonnenen Fabricats an die Summe von 2 Millionen Mark reicht, — ſͤſ 170 gewährt dieſes Product in Folge ſeiner auf den Wieſen vorgenom⸗ menen Trocknung ein treffliches, überhaupt nur in friſchem, ungegoh⸗ renem Zuſtande wirkſames Dungmittel. 1§. 79. c) Mineralien. 1. Mergel; haͤufige geringe Wirkung desſelben. Ei⸗ genthümtiche Vorzüge des Wieſenmergels. Geglühter Mergel. Im Grunde hat der Mergel als Verbeſſerungsmittel der Wieſen nicht die Anerkennung gefunden, die er häufig verdient. Grundbeſchaf⸗ fenheit, Art des Mergels und ſeiner Anwendung gaben Veranlaſſung zu höchſt abweichenden Reſultaten. Im Allgemeinen ſchätzt man die Wie⸗ ſenmergelung in Holſtein viel höher als in Mecklenburg. Sehr große Reviere moorgründiger Wieſen, die nicht überrieſelt werden können, und die im Winter nicht unter Waſſer ſtehen oder davon befreit zu werden vermögen, ſind durch die Mergelung ertragbar geworden. In der Re⸗ gel legt man zuvor die Wieſen in Dämme trocken, reißt ſie mit dem Pflu⸗ ge auf, mergelt und bracht ſie, beſtellt ſie im Herbſte mit Winterkorn und nimmt dann noch einige Sommerfrüchte, unter deren letzte Klee⸗ und Grasſamen geſäet werden, davon; oder man ſpart auch die Mühe des Brachens, bringt den Mergel ſchon im Herbſte oder im Winter nach dem erſten Pflügen auf, und ſucht das Land ſo zuzurichten, daß es ſchon im Frühjahre Mengfutter, welchem dann nach einer geringen Düngung Winterkorn folgt, tragen kann. Das abgegrabene Moorwieſenland wird häufig auch, ohne alle weitere Ackerung, bemergelt, bloß daß man die aufgefahrene Mergelſchichte, nachdem ſie mit Hafer, Klee und Gras⸗ ſamen beſäet worden, mit leichten hölzernen Eggen tüchtig eggt. Nach dieſer Operation zeigt ſich die Wieſe im zweiten Sommer total verjüngt und gibt, verſteht ſich, daß ſie ſich völlig waſſerfrei erhaͤlt, mindeſtens einen dreifachen Ertrag des allernahrhafteſten Heues. Wahrſcheinlich ſpielen die Beſtandtheile des Wieſengrundes bei der Wirkung des Mergels eine wichtige Rolle. Es mögen manche Reviere vielleicht einen zu großen Humusgehalt haben; zu ſtark mag dieſer auf ihn, zu ſchnell auf die Entwickelung ſeiner Kohlenſäure, auf ſeine Lö⸗ ſchung wirken. Die mechaniſche und chemiſche Conſtitution des Wieſen⸗ bodens bedingt aber nicht minder die Art des Mergels, die Dicke ſeiner Auffuhr ꝛc. Iſt des Mergels Zweck, den Säuerungsproceß zu erwei⸗ tern, ſo ſoll er auch nicht minder die lockere Textur dichten. Im All⸗ gemeinen ſind die ſandigern Mergelſorten für jegliche Gattung Wieſen⸗ ———— υ — ⁸△̈ 171 boden am empfehlungswertheſten. Auf Moorgrund iſt Lehmmergel, welcher durch die Krume ſchießt, gar nicht zu gebrauchen; ein ſandiger, fetter Kalkmergel iſt hier am anwendbarſten. Einen ſolchen findet man häufig in den, an der Alſter gelegenen holſteiniſchen Schluffwieſen, und die verſchiedenen Abſtufungen, welche er in der Verwitterung der Con⸗ chylien, aus denen er größtentheils beſteht, darſtellt, vereint mit ſei⸗ nem fetten, ſeifenartigen Weſen, laſſen auf wirkliche Animalien ſchlie⸗ ßen, was ſeine eigenthümliche Wirkſamkeit auf dem damit befahrenen Wieſenboden praktiſch zu beſtätigen ſcheint. Die intereſſante Beobachtung, daß der Wieſenmergel auf Wieſen eigenthümliche Vorzüge habe, iſt auch in Mecklenburg gemacht wor⸗ den, während andere Wieſenbemergelungsverſuche gänzlich erfolglos geblieben ſind. Zu Dehmen, zu Groß⸗Ridſenow, zu Roggow, zu Wol⸗ skow und manchen andern Orten haben die verſchiedenſten Manipula⸗ tionen keine günſtige Abweichungen ergeben. Der verſtorbene Domä⸗ nenrath Pogge hat die Auffuhr allerlei Art Mergels, auch des rei⸗ nen ungebrannten Kalks, 10 Cubikfuß auf die Quadratruthe, ohne den mindeſten Erfolg verſucht. Eine Karrenladung Lehmmergel pr. Quadratruthe hat zu Dehmen auf gepflügtem und auch ungepflügtem Wieſenboden auf die Belebung des Graswuchſes nicht den mindeſten Einfluß gezeigt; ebenſo ging es mit ſpäter aufgeführtem Sand⸗ und Kiesmergel. Die Erfolgloſigkeit dieſer Operation brachte Herrn Fr. Pogge auf den Gedanken: ob nicht gerade der Mergel, den man vielfältig in den Wieſen antrifft, und den er, auf Feldboden ange⸗ wandt, mit dem übrigen von gleicher Wirkung befunden, ſich vor⸗ zugsweiſe für Wieſen eigne. Er ließ alſo mit 40 einſpännigen Karren⸗ ladungen ebenſo viel Quadratruthen eines trockenen Wieſengrundes efahren und bemerkte ſich dieſe Stelle durch Pfähle, die er rund her⸗ um einſchlagen ließ. Er fand dieſe Vorſicht nöthig, weil der Mergel mit der natürlichen torfigen Wieſenerde faſt einerlei Farbe hatte, und daher, wenn nachmals Alles mit Gras bedeckt war, dieſer Fleck ihm hätte unkenntlich werden mögen. Dieſer Fleck gab in der Vormahd nicht mehr Futter, als das angränzende, nicht gemergelte Wieſenland; aber die Gräſer zeichneten ſich durch eine ungleich dunkelgrünere Farbe aus; auch fand ſich hier viel Klee ꝛc. In der folgenden Nachmahd liefert er ſchon eine etwas größere Futtermenge, auch weit mehr edlere Gräſer, und die Grundfläche war allenthalben dicht mit natürlichem Klee überzogen; kurz, der ganze Fleck zeichnete ſich, ſo weit er mit den Pfählen eingemerkt war, gegen das angränzende Wieſenl and auf⸗ fallend aus. 172 Nach Pogge findet ſich dieſer Mergel auf etwas erhöhten Wieſen⸗ ſtellen, in Mooren, beſonders aber an und in den ſogenannten Born⸗ ſtellen, mehrentheils ganz ohne oder mit nur wenigem Abraum be⸗ deckt. Die Farbe in der obern Lage iſt gewöhnlich rothgelb; tiefer wechſelt ſie oft mannichfaltig in ſchwarz, blau, ganz weiß u. ſ. w.; in ſeiner Textur iſt er körnig. Auf einem Gute in der Nähe Deh⸗ mens hat die Wirkung dieſes Mergels, der unter dem Namen der ge⸗ wöhnlichen Modde ausgefahren ward, ſich länger als 20 Jahre gleich kräftig erwieſen. Nach Pogge's Anſicht beſteht er aus zuſammenge⸗ ſchlämmten Schalthieren, die ihn in ihrer Verweſung im Gemiſch von einigen Gräſern und Pflanzen erzeugten. Allerdings wäre eine genauere und allgemeinere Kenntniß desſelben für den Landwirth ſehr wün⸗ ſchenswerth. In Dehmen findet er ſi ich auf der Oberfläche in mehren Wieſen, an ſolchen etwas erhabenen Stellen, wo gewöhnlich, ſo wie auf Mergelbergen, wenig wächſt. Er iſt dort faſt allenthalben ganz vom Abraume frei, hat ein gelbes, thoniges Anſehen, ſteht jedoch durchweg ſehr flach, höchſtens in der Tiefe von Einem Fuß. Auf einem andern Gute, wo Herr Pogge eben dieſen Wieſenmergel auf Acker⸗ land anwandte, ſtand er in einem quebbigen Bornhügel, am Rande einer Wieſe, 6 bis 8 Fuß tief. Seine richtige Erkenntniß iſt ohne An⸗ wendung von Salz⸗ oder Salpeterſäure nicht gut möglic.*. So ſchwankend alle bisherige Erfahrungen über die Anwendung des rohen Mergels auf unſern Wieſen ſind, ſo ſehr ſcheinen ſich jetzt zu Gunſten des geröſteten Mergels gewichtige Stimmen erheben zu wollen. Im Allgemeinen dominirt die Anſicht, daß der in der Erde enthaltene und von der ſie bindenden Säure durch Feuer frei gemachte Humus es iſt, welcher in dem gebrannten Mergel die große Wirkung thut. Der Mergel, ſagt man, entſäuert einen großen Theil des von unſern Vorfahren vergrabenen ſauren Humus, doch nicht völlig. Das Brennen macht ihn vielleicht völlig frei. In Zierſtorf war auf cultivirten Wieſen, theils mit Erde bekarrt (bepoggelt), dann auch auf berieſelten Wieſen, der Erfolg des ge⸗ röſteten Mergels dem des Düngers ziemlich gleich, doch etwas weni⸗ ger nachhaltig. Auf einem kleinen, ganz magern Wieſenfleck(einer kleinen magern Torfwieſe) zeigte ſich ein auffallend die Wirkung des Düngers überſteigender Effect, und das von nachhaltiger, auch jetzt nach zwei Jahren ſichtbarer Wirkung. In Wolkow hat der gebrannte Mergel auch düngend auf Wieſen gewirkt. 1 Nach des Herrn Haron v. Stenglin fruͤhern Mittheilungen hat 173 ene ſich der bloß aufgeſtreute gebrannte Mergel auf Wieſen und Klee nur rn⸗ ſehr wenig wirkſam bewieſen. Neuere Erfahrungen widerſprechen das; be⸗ namentlich behauptet der für das Brennen der Erden und Mergelarten fer enthuſiasmirte Herr Friedrich Pogge, daß die gebrannte Erde und w.) gebrannter Mergel ebenſo düngend auf der Grasnarbe und auf der dehe Oberfläche der Wieſe wie im Acker wirke. r ge⸗ V Was kann wünſchenswerther für den Landbau, namentlich für die dlih Wieſencultür ſeyn, als die hier angeführten Erfahrungen recht viel⸗ fenge. ſeitig beſtätigt zu ſehen? Aber ſelbſt in dem Falle, daß gebrannter hvon V Mergel ſich nur auf dem Acker wirkſam erwieſen, und ſo dung⸗ dauere erſetzend, als Viele behaupten, welch' mittelbarer Gewinn er⸗ vin⸗ wüchſe daraus für den Wieſenbau? Um dem geneigten Leſer einen nehren deutlichen Begriff von der Wichtigkeit dieſes Gegenſtandes überhaupt ſ wie und ſeinem möglichen Einfluß auf einen erhöhten Futtergewinn zu wgen geben, heben wir zum Schluſſe noch die nachſtehende Berechnung aus jedc den frühern Mittheilungen des Herrn v. Stenglin heraus. einen Wer z. B. jährlich einige 100 Fuder Dung ſeinen Wieſen, für die Acer in Mecklenburg im Allgemeinen nicht ſehr viel gethan iſt und wegen Nande Mangels an Dung auch nicht geſchehen konnte, zuwenden will, kann ne A⸗ in drei Wochen durch Brennen des Mergels dieſen Dung ſeinem Acker wiederum erſetzen. eldnß Die Koſten, um 200 Fuder Dung, à 15 Q. Ruthen 1 Fuder ge⸗ ih t fahren, alſo auf 3000 Q. Ruthen Acker durch gebrannten Mergel ſich ethehn zu verſchaffen, würden(à 2½ Cubikfuß pr. Q. Ruthe) 7500 Cubik⸗ rbh fuß Mergel erforderlich machen und mithin betragen à 100 Cubikfuß enatt 30 ßl.= 46 Thlr. 42 ßl. Findet man 2 Cubikfuß Mergel auf die gieimn O. Ruthe ausreichend, ſo iſt der ganze Koſtenaufwand für 6000 Cu⸗ es vin bikfuß nur 37 Thlr. 24 ßl. Mit 200 Fuder Dung können, à 30 OQ. 8 Ruthen pr. Fuder, 6000 Q. Ruthen Wieſen ſehr gut gedüngt werden. Geſetzt, dieſe Wieſen gaben früher einen Ertrag von 1 Fuder ſchlech⸗ helrer ten Heues auf 200 Q. Ruthen, alſo auf 6000 Q. Ruthen von 30 ds g Fudern, werden aber durch den Dung auf den Ertrag von 1 Fuder wei⸗ auf 150 Q. Ruthen gebracht, ſo geben ſie mithin künftig 40. Fuder dim guten, ſüßen Heues. Daß der Dung auf 30 Q. Ruthen pr. Fuder für 1jw Wieſen noch ſtark aufgefahren, überhaupt die Erhöhung des Ertrags ih it nur mäßig veranſchlagt iſt, werden gewiß viele Landwirthe anerken⸗ nen; ihrer Beurtheilung übergebe ich aber, ob dieſe Verbeſſerung des Wiſ Grundſtücks durch Anwendung des gebrannten Mergels zu theuer er⸗ kauft iſt?*) en hr*) Siehe Mecklenb. Annalen, 1832, 2. Heft. 174 §. 80. 2. Kalk. Ungebrannter Kalk iſt nicht nur nach unſern, ſondern auch den Erfahrungen vieler Anderer auf Wieſen gänzlich wirkungslos; dahin⸗ gegen hat der gebrannte, mit feuchter Erde gelöſchte Kalk auf Moor⸗ wieſen bedeutenden Erfolg gezeigt. Die Theure dieſes Düngers, die Vorſicht, welche ſeine Anwendung erheiſcht ꝛc., ſtellen den Kalk in ſei⸗ nem Werthe weit unter die meiſten andern, bereits beſprochenen Be⸗ lebungsmittel der Vegetation. f §. 81. 3. Gips. In manchen Gegenden bewirkt das Überſtreuen feuchter Wieſen mit Gips wunderbare Erfolge. Es gibt ſolche Diſtricte, wo durch dieſe Subſtanz die üppigſten Kleedecken hervorgezaubert wurden. Von der bedeutenden Wirkung des Gipſes auf bekarrten und eine Reihe von Jahren hindurch geduͤngten Wieſen in Mecklenburg iſt bereits früher (§. 59) die Rede geweſen. Andererſeits ließen ſich eine große Anzahl Fälle namhaft machen, wo der Gips ſeine Wirkung gänzlich verſagte, wie denn ein erfolgreiches Gipſen einer und derſelben Wieſenfläche an einen gewiſſen Zeitraum gebunden iſt. Sprengel erklärt dieſe Er⸗ ſcheinung aus dem Fehlen oder Vorhandenſeyn des zum Wachsthum der Gräſer ꝛc. erforderlichen Schwefelmaßes.— Als Verminderungs⸗ mittel des Duwocks iſt des Gipſes auch ſchon gedacht worden. §. 82. 4. Aſche. Salinenabfalle. Ruß. Unbeſtreitbar iſt die Aſche ein ganz vortreffliches Wieſendungmittel; aber es hängt Alles davon ab, wo, wie ſie angewandt wird und wel⸗ cher Art ihre Beſtandtheile ſind. Auf ſandigem Wieſenboden wird die Aſche wenig leiſten, auf trocken gelegten Moorwieſen deſto mehr. Ei⸗ nen beſſern Binſen⸗ und Moosvertilger, als die Holzaſche, im Früh⸗ jahre bei ſtiller, feuchter Lufttemperatur ausgeſäet, iſt uns in der Pra⸗ ris nicht bekannt geworden. Da übrigens die Wirkung der unvermiſch⸗ ten Holzaſche ſo ſehr von der nachfolgenden Witterung abhängig, das geſammelte Quantum, Behufs der unvermiſchten Anwendung, in der Regel nur unbedeutend iſt, verſchafft man ſich einen ſichern Erfolg da⸗ von, wenn man ſie dem oben beſprochenen Compoſte mit beimengt. Unter den vegetabiliſchen Aſchenarten zeichnet ſich, in Folge ihres Kaligehalts, die Aſche des Rapsſtrohes in ihrer Wirkung aus. Will man davon für ſeine Wieſen Gebrauch machen, ſo läßt man das 175 Stroh etwa drei Fuß, die Hülſen dagegen etwa einen Fuß hoch überfahren und dann verbrennen. Gleich nach dem Verbrennen ſäet man allerlei Grasſämereien, rothen und weißen Kleeſamen ꝛc. über die Aſche und läßt alsdann Alles mit der Egge überziehen. Auf einer ſo behandelten Wieſe wird der Graswuchs alle Erwartung über⸗ treffen. Es verſteht ſich aber von ſelbſt, daß, ehe eine ſolche Verbeſſe⸗ rung angewendet werden kann, die Wieſe nach Möglichkeit trocken ge⸗ legt werden muß*). Der übrigens in ihrer Wirkung trefflichen Seifenſiederaſche geſchieht hier keine Erwähnung, weil ſie höchſtens ein Gegenſtand der Benuz⸗ zung für den ſtädtiſchen Landwirth iſt. Braunkohlenaſche ſcheint für ſich allein angewandt nur auf dürren Wieſen zu wirken. Im nördlichen Deutſchland hat in der neuern Zeit die Torfaſche einen wichtigen Platz unter den Wieſendungmitteln zu erobern gewußt. Wenn ſie von guter Beſchaffenheit, d. h. trocken, leicht, reich an Gips⸗ theilen ꝛc. iſt, ſo iſt ihre Kraft und ihr Werth bedeutend. Jedoch iſt ihre reine Anwendung nur auf überkarrten Wieſen, die keine zu trok⸗ kene Lage haben, räthlich; auch muß jene mehre Jahre nacheinander wiederholt werden, wenn der Heuertrag ſich nachhaltig vermehren ſoll. In dieſem Falle ſteigt er aber nicht ſelten durch die Torfaſchedüngung auf das Doppelte. Nichts gleicht der Wirkung, welche ſie auf die Früchte zeigt, die den beackerten aufgefahrenen Wieſen entnommen werden. Namentlich iſt der Torfaſche zum größten Theile die ausge⸗ zeichnete Vegetation des Flachſes in den bekarrten aufgepflügten Wie⸗ ſen zuzuſchreiben. Da auch das Quantum der gewonnenen Torfaſche zum Zwecke ihres unvermengten Gebrauches ſelten beträchtlich genug ihre Beſtand⸗ theile letzterem häufig nicht entſprechen, da die trockene Aufbewahrung meiſtens mit Schwierigkeiten verknüpft, die reine Nutzung in den we⸗ nigſten Fällen die verhältnißmäßig größte Wirkung ergeben wird, ſo findet der Wieſenwirth es im Allgemeinen ſeinem Intereſſe angemeſſe⸗ ner, auch dieſen Dünger nur im Gemenge zu verwenden. Verſchiedene Aſche⸗Compoſte haben ſich für die Wieſen als beſonders angemeſſen bewährt. Namentlich gehört ein Gemenge von Schafmiſt und Torfaſche dazu. Auch gute, mit Jauche gedüngte Erde, mit Holz⸗ aſche in dem Verhältniſſe von 4: 1 gemengt, und zu 2 vierſpännigen Fudern pr. Morgen verwandt, werden auf mehre Jahre den Heu⸗ ertrag um vermehren. *) Siehe Mecklenb. Annalen, Jahrgang X., 1. Quarkal. ———— 176 Ein früher von dem verſtorbenen Paſtor Mayer in Kupferzell in ſeinen öͤkonomiſchen Schriften empfohlenes Gemenge von Salz, Holz⸗ aſche und Gartenerde, das zuſammengemiſcht und ½ Jahr auf einem Haufen gelegen, dann in ſeiner Wirkung dem Gipſe gleichkommen ſollte, hat ſich in der Praxis nicht als empfehlenswerth bewährt. Herr Johann Pogge zu Strieſenow wandte dasſelbe auf einer ſehr magern, mit Erde bekarrten Wieſe an. Von dem dort befindlichen weißen Klee, der eine für Beſtreuung ſehr geeignete Beſchaffenheit durch ein eigenthümliches, gelbliches Anſehen verrieth, wurden den 14. Juli, 20 Tage nach dem erſten Schnitt, 112 Q. Fuß ausgewählt und zu ſieben gleichen Theilen verwandt. Nr. 1. 16 Q. Fuß, beſtreut mit 4 Loth Torfaſche. „ 2.„ beſtreut mit 4 Loth Gemenge, beſtehend aus 1 ⅓ Loth Holzerde, 1 i Loth Holzaſche, 1 ½ Loth Salz. 38 „ 3.„ beſtreut mit 4 Loth Gips. „ 4. 2 1 4„ Holzaſche. „ 5„„ 4„ Kochſalz. „ 6.„„ 4„ Holzerde. 7.„ ohne Beſtreuung. Schon nach drei Wochen war deutliche Wirkuͤng der— Stoffe zu erkennen und blieb ſelbige bis zum ſpäten Herbſte ganz gleich. Ge⸗ wichtsbeſtimmung iſt unterlaſſen; aber das Auge hat eine gewiſſe Schätzung vorgenommen, deren Reſultat Pogge uns(ſiehe den 11. Jahrgang der Mecklenb. landwirthſchaftl. Annalen) mitheilte Er meint die eigenthümliche Kleemenge von Nr. 7 zu 25; 1 und 3 waren ſich gleich, hatten ein ſehr dunkelblaues, kräftiges Anſehen und wurden geſchätzt jedes zu 25+. 100= 125; 2 2 „„ 2 zu 25+† 13— 38; „„ 4 zu 25+ 39= 64; 8 „„ 5 zu 25;3.. 2. nn 6 zu 25. 1 4* ℳ 6 „In äͤhnlichen Fällen«— ſagt A9, gge— bin ich berechtigt, nur von Gips und guter Torfaſche die volle Wirkung, von Holzaſche etwa über ½ der Wirkung, von den übrigen Theilen aber keine Wir⸗ kung zu erwarten.« Ich habe Gelegenheit gehabt, Verſuche mit der auf den Salinen erzeugten Dungaſche auf vermooſ'ten Wieſen anzuſtellen, indeſſen kei⸗ aus te gt, ſche 7 ir⸗ nen fei⸗ ——⏑————— 177 nen erheblichen Erfolg davon auf die Erhöhung des Graswuchſes be⸗ merkt. In einem der frühern Jahrgänge des»Land⸗ und Hauswirthse aͤußerte ſich ein Herr v. B. r über dieſes Wieſendungmittel folgen⸗ dermaßen:»Vor einigen Jahren verſuchte ich, eine Wieſe mit auf den Salinen erzeugter ſogenannter Dungaſche zu beſtreuen. Dieſe Aſche wird aus den verbrannten, früher zum Gradiren gebrauchten, jedoch unbrauch⸗ bar gewordenen Dornen gewonnen, und beſteht alſo aus Holzaſche und Salztheilen. Im Jahre 1817, wo ich den Verſuch damit machte, ließ ich auf den Kalenberger Morgen von 120 Q. R. drei hannöver⸗ ſche Himten oder 1 ¾ Berliner Scheffel ausſtreuen, und erhielt dar⸗ nach einen vermehrten Heuertrag. Hierzu trug nun wohl auch beſon⸗ ders das feuchte Wetter bei; jedoch wurde mein Zweck, die Wieſe durch die Schärfe der Aſche vom Mooſe zu reinigen, erreicht. Auch im darauf folgenden Jahre war der Heuertrag auf den feuchten, ſumpfigen Stellen dieſer 15 Morgen haltenden Wieſe be⸗ trächtlicher als gewöhnlich. Daß aber ſeit dieſer Zeit anſtatt beſſerer Gräſer faſt lauter Riſchen auf dieſer Stelle wachſen, wollen meine Mäher dieſer Dungaſche Schuld geben. Wenn ich nun für meine Per⸗ ſon dieſer Meinung nicht bin, vielmehr glaube, daß die Näſſe der Jahre 1816 und 1817 dieſe Riſchen producirt habe, ſo iſt doch nicht zu läugnen, daß dieſe Dungart auch den gehofften Nutzen nicht ganz geleiſtet und die Koſten des Ankaufs und weitern Transports nicht erſetzt. Gebrannter Kalk und Gips, beſonders gebrannter in geringem Grade, auch bloß gemahlener, wird beſtimmt weit mehr bewirken; auch reine Holzaſche, die man aber ſelten in großer Menge entbeh⸗ ren kann.« Ein Dünger, der für die Wieſenwirthſchaft lange nicht genugſam beachtet wird, iſt der Ruß. Man iſt zu ſehr gewohnt, dieſe treffliche Subſtanz dem gemeinſamen Dungpfuhl zu übergeben, als daß man über ihre eigenthümliche Wirkung erfahrungsmäßig unterrichtet ſeyn könnte. Erſt wenn wir, wie die Altenburger, uns bemühen, den in nicht unbeträchtlicher Menge in den Städten gewonnenen Ruß für uns ſammeln zu laſſen, werden wir über die Vortheilhaftigkeit der Rußdüngung, welche in jedem aufgewandten Scheffel ein zweiſpänni⸗ ges Fuder Miſſt erſetzt, in's Reine kommen. Ihre Wirkung hält drei Jahre an, iſt aber beſonders die beiden erſten Jahre auffallend. Allein gebraucht, ſtreut man den Ruß am beſten im Spätherbſte und, ſei⸗ nes großen Ammoniakgehaltes halber, nicht zu dick auf; im Alten⸗ burgiſchen verwendet man auf einen Scheffel Kleeacker 6 bis 10 Scheffel Ruß, nach Maßgabe der Schwere des Bodens. Der Scheffel Lengerke’s Wieſenbau. 12 — 178 wird dort mit 21 ggr. bis 1 Thlr. bezahlt. Im Gemenge mit Erde und Dünger iſt ſeine Anwendung auf Wieſen zweckmäßiger und äu⸗ ßert auch höhere Wirkung. Zwei Theile Erde und ein Theil Ruß bil⸗ den dazu das rechte Verhältniß. Kurzer Dung und Ruß, im Verhält⸗ niß wie 4:1 zuſammengemiſcht, geben auf feuchtern, moorigen Wie⸗ ſen ein treffliches Belebungsmittel der Vegetation ab. . Großen Erfolg auf das Graswachsthum hat ſchon das herbſtliche überbreiten des Strohes von abgedeckten Bauernhäuſern ohne Schorn⸗ ſtein auf die Wieſen geäußert.— Alles nach Rußdüngung gewachſene Futter wird von dem Viehe beſonders ſchmackhaft gefunden. 6. Bewäſſerung. §. 83.. Waſſer macht Gras!— Mangelhaftigkeit der hydrau⸗ liſchen Geſetzgebung. Wenn wir gleich Steltzner's und Schwerz's Ausſpruch:»daß Wieſen, die nicht von der Natur oder durch die Kunſt bewäſſert wer⸗ den können, dem Gemein⸗ wie dem Privatwohle von zweifelhaftem Vor⸗ theil und Nutzen ſind«, in Gemäßheit des jetzigen Standpunctes un⸗ ſers Landbaues, nicht durchaus zu vertheidigen unternehmen, ſo ſtellen wir doch aus völligſter Überzeugung das Waſſer als Verbeſſerungs⸗ mittel der Wieſen und ihrer Vegetation nicht nur oben an, ſondern räumen auch ein, daß es, unter günſtigen Verhältniſſen, alle andere, außer die auf ſeine eigene Anwendung abzweckenden Meliorationen gänzlich überflüſſig machen kann. Die Conſtitution der Wieſenpflanzen zeigt uns, daß Waſſer die Grundbedingung ihrer Lebensthätigkeit iſt; alſo ſelbſt in dem Falle, daß ſolches gar keine nährende Stoffe enthielte, würde es, als bloßer Trank, unentbehrliches Bedürfniß der Vegetation ſeyn. Nun aber ſtellt es ſich dieſer nicht nur durch die mit ſich führenden vegetabiliſchen und animaliſchen, ſondern auch die ihm eigenthümlichen mineraliſchen dün⸗ genden Stoffe als ein Hebel unter, deſſen Wohlfeilheik und gleich⸗ mäßige treffliche Wirkung Alles übertrifft, indem es gleichermaßen die Bedingungen der Auflöſung, Leitung und Ernährung erfüllt. Be⸗ denken wir dann, daß es nicht minder geeignet iſt, die Schädlichkeit klimatiſcher Einfluͤſſe auf die Vegetation unwirkſam zu machen; beden⸗ ken wir die frei vorliegende Maſſe und Unerſchöpflichkeit dieſes Natur⸗ geſchenks und welch' ein Spielraum für ſeine Wirkſamkeit ihm gege⸗ ben worden: ſo unterſchreiben gewiß meine Leſer gern mit mir ohne kau⸗ daß wer⸗ Vor⸗ 3 un⸗ ſtellen ungs⸗ ndern ndere, tionen er die Falle loßer ſtellt und dün⸗ ſeich⸗ aßen Be⸗ hkeit den⸗ atur⸗ gege⸗ ohne 179 weitere Erorterung das Teſtimonium ſeiner durch nichts zu verdunkeln⸗ den Machtvollkommenheit. Deſto betrübender muß dann dagegen für uns die ſich uns von ſelbſt aufſtoßende Betrachtung ſeyn, daß eben dieſer herrliche, uns von der Natur in die Hand gegebene Hebel der Vegetation an ſo vie⸗ len Orten unſers ſchönen Vaterlandes zum Fluche alles Wachsthums und Unterdrücker agrariſcher Induſtrie geworden iſt. Nirgends wohl ſtellt ſich der Mangel gemeinſamer Berathung empfindlicher heraus, als bei unſerer hydrauliſchen Geſetzgebung, wo ohne freiwilliges Zu⸗ ſammentreten und offenherziges Ausſprechen individueller Verhältniß⸗ Anſichten und gemeinnütziger Kenntniſſe, ohne Unterordnung der Kathederweisheit und Anlegung local praktiſcher Norm en, ohne ein vom höchſten Puncte ausgehendes und belebendes Geſammtwirlen an keine irgend erhebliche und gedeihliche Reform zu denken iſt. Der brave SchwerFz gibt uns ein treffendes Bild des beſtehenden legislativen Wäſſerungsweſens, wenn er, nachdem er auf die Weg⸗ räumung ihrer Hinderniſſe gleichfalls hingedeutet, ſagt:»So iſt es unglaublich, wie manches ſchöne Wieſenthal einiger, oft einer einzigen armſeligen Mühle wegen unter Waſſer ſteht und ſtatt ſüßer Gräſer, die es erzeugen könnte, nur ſaure, Segge⸗ und Riedgräſer hervor⸗ bringt! Unglaublich, wie viele herrliche, ausgedehnte Graspläne der überrieſelung fähig wären, würde es geſtattet ſeyn, ihnen das Waſſer zuzuleiten! Aber wie oft muß nicht das Intereſſe Vieler„ das des Staates ſelbſt, dem Intereſſe eines Einzelnen unterliegen, deſſen Hab⸗ ſucht ſich gewöhnlich noch weiter als ſein Recht erſtreckt! Und wie dürfte ein Landwirth gegen einen Müller vor dem Geſetze auftreten, da für dieſen der Buchſtabe, für jenen nur die Sache ſpricht! Die Herrin mit den verbundenen Augen hat nur Ohren zum Hören, nicht Augen zum Sehen!— Aber wenn irgendwo ſie die Binde zurückſchie⸗ ben ſollte, um über das Wohl eines Einzelnen das der Mehrzahl nicht zu überſehen: dann gewiß in dem vorliegenden Falle!« Auch der Blick desnmecklenburgiſchen Patrioten verweilt trauernd auf einer Unmaſſe das Privat⸗ und allgemeine Wohl unterdrückender, zumeiſt an ſchiffbar zu machenden Strömen gelegener Waſſermühlen, welche dadurch mehr oder minder zum freſſenden Krebsgeſchwüre im Staatskörper geworden ſind, daß man ihre grauſamen Rechte und ihre verderbliche Wirkſamkeit bis auf die ſpäteſte Generation über⸗ tragen hat. Hier ſtocken alle Hulfsquellen der Kunſt und des menſch⸗ lichen Scharfſinns, und nichts bleibt übrig, als das Erwarten jener rei⸗ fern Zeit, wo die menſchliche Geſellſchaft, wo Regierende und Regierte 12*¾ 180 nicht mehr anſtehen, die Idee der Wahrheit aufzuopfern und ſo durch ſcheinbare Inconſequenz frühere Ungercchtigkeiten oder Thor⸗ heiten ſiegend auszugleichen. §. 84. Verſchiedene Bewäſſerungsarten. Das Waſſer wird auf natürlichem und künſtlichem Wege Schöpfer einer neuen, kräftigen Vegetation: auf erſterem durch Über⸗ ſchwemmung, auf letzterem durch Überſtauung, durch Über⸗ rieſelung, durch Anſtauung, durch Abſchwemmung. a) Überſchwemmte Wieſen. §. 85. Ihr Werth und ihre Behandlung. Im Ganzen genommen, oder vielmehr an und für ſich, ſind Grundſtücke dieſer Art eine wahre Wohlthat für den Landwirth, wenn er Stagnation des Waſſers, Beeinträchtigung der Ufer, Verſandun⸗ gen ꝛc. vermeiden kann und durch eine Wiederkehr der Fluthen im Sommer nicht die Früchte der Frühjahrsüberſchwemmungen wieder geraubt werden. In ſehr naſſen Sommern wird dann nicht ſelten, wie ich ſelbſt erfahren mußte, die Localität dieſer Wieſen mehr Nach⸗ als Vortheil bringen, wohingegen ein regelmäßiger Waſſer⸗Zu⸗ und Abfluß nicht nur eine fortſchreitende Verbeſſerung der Narbe und Ver⸗ ſchwinden der Mooſe, ſondern auch eine Erſtarkung des Wieſengrun⸗ des gegen klimatiſche Einflüſſe bewirken wird. Die Beſitzer ſolcher zufällig überſtrömter Plänen haben Viſir und Spaten fleißig anzulegen, um jeden Widerſtand wegzuräumen, jede Unregelmäßigkeit auszuglei⸗ chen, welche ein Stehenbleiben des Waſſers veranlaſſen könnte; ſie haben Auge und Hand auch prüfend zu meſſen an dem Gebiete des zuführenden Baches oder Fluſſes, inſofern ihr ſchlangenförmiges Bett oder ihr zu ſtarkes Gefälle einen zu trägen Gang oder zu rapiden Zufluß des Waſſers zuwege bringt. Und wenn die Enge und Höhe der Ufer eine Unterwühlung derſelben bewirkt, ſo laſſe man ſich ange⸗ legen ſeyn, dieſelben beizuſchieben und an den gefährlichſten Stellen einen recht dichten Heckenzaun von Korbweiden zu zäunen. Ich will hier einen Fall berühren, der in Praxis zu Hunderten vorkommt, wodurch die natürliche Wohlthat zufällig überſchwemmter Wieſen zur Geißel ihrer Beſitzer wird. Ich meine jene Nonchalance agrariſcher Legislatur, welche ruhig zublickt, daß der fahrläſſige Nach⸗ bar natürliche oder künſtliche Dämme, entweder aus Phlegma oder — —— ge r⸗ 181 eines klimatiſchen Nebenvortheils halber, wider dieſelbe Fluth aufrich⸗ tet, deren ſchleuniger Abfluß jenſeits ſeiner Gränze ein Hauptintereſſe, häufig das Fundament der ganzen Jahresfruchtbarkeit bedingt. Zu Wieſch ſpielte dergeſtalt ein liebenswürdiger Nachbar mir den Streich, durch Errichtung eines Waſchſteges in dem meine Wieſen begränzen⸗ den Bache eine totale Verſchwemmung und Verſandung der gerade ſehr reichlichen Vormahdernte in einer einzigen Nacht zu veranlaſſen. b) Überſtauungs⸗Wieſen. .§. 86. Worin dieſe Bewaͤſſerungsart beſteht.— Geringer Credit derſelben. Überſtauungswieſen ſind ſolche, deren Fläche auf einmal oder ab⸗ ſchnittsweiſe ganz unter Waſſer geſetzt und willkührlich wieder trocken gelegt werden kann. Es iſt dieſe Bewäſſerungsart das älteſte Ver⸗ . fahren bei unſerer Wieſenwirthſchaft, gemeiniglich aber auch das aller⸗ unbeliebteſte; im Ganzen gehen die Anſtalten dazu immer mehr ein, da man, zumal in Mecklenburg, behauptet, daß das Überſtauen durch⸗ ſchnittlich mehr ſchade als nütze. Wir geben manche natuͤrliche Mängel der Stauungsmethode, und daß ſie in ihrem Werthe weit hinter der der Berieſelung ſteht, gern und willig zu; nicht minder ſind wir aber der Meinung, daß die ſchlechte Wirkung der Überſtauung häͤufig von einer verkehrten und mangelhaften Manipulation dabei herrühre. Das Stauen der Wieſen hat, wie jede landwirthſchaftliche Operation, ſeine eigene Wiſſenſchaft, ſeinen eigenen Handgriff. Es wird unterrich⸗ tend ſeyn, hier das Contra und Pro genannter Wäſſerungsart vor⸗ urtheilsfrei abzuwägen. G. 87. Nachtheile der Überſtauung; ihre eigenthümlichen Vorzüge.. Ein nicht zu läugnender Übelſtand der Überſtauung iſt zuerſt das Verſchwinden vieler beſſern Futtergräſer; man wird darnach zwar in der Regel eine große Quantität Futter, aber dieſes von viel min⸗ derer Güte und Schmackhaftigkeit gewinnen. Die meiſten edlern Pflan⸗ zengattungen verlangen zu ihrem Wachsthume Luft, und können ſich nur mit einer oberflächlichen, in ſteter Bewegung erhaltenen Inunda⸗ tion vertragen; entgegengeſetzten Falls veranlaßt das Element, das ihnen als Vegetationsvehikel aufgedrungen wird, ihren Tod. Gern ge⸗ ben wir zu, daß eigenthümliche Beſchaffenheit des Wieſengrundes, des 3 182 Stauwaſſers, eine ſtets gerechte Wahrnehmung ſeiner Anwendung, endlich günſtige klimatiſche Einflüſſe große Abſtufungen in der Güte des Heues von geſtauten Wieſen ergeben. Haben wir doch ſelbſt ein⸗ zelne Beiſpiele, daß das auf, unſerer Anſicht nach, ſehr ſchlechten Stauwieſen gewachſene Gras in ſeiner Schmackhaftigkeit und Gedeih⸗ lichkeit das Futter der fetteſten und ſüßeſten Geeſtweiden übertroffen hat. Als Räthſel dieſer Art führt unter andern Hr. v. Bönning⸗ hauſen das Beiſpiel einer Wieſe auf, welche im Winter einer Mühle zum Waſſerbehälter dient und dann 2—4 Fuß tief anhaltend unter Waſſer ſteht, welches aber Anfangs April abgelaſſen wird. Der Grund dieſer Wieſe iſt moorig und der Boden bis zu einer großen Tiefe eiſenſchüſſiger Sand. Das Gras bleibt darauf ſo kurz, daß es nicht abgemäht, ſondern nur abgeweidet werden kann. Keine Weide der ganzen Gegend bekommt dem Rindviehe ſo wohl, wie dieſe. Im Übrigen gibt eine ſolche einzelne Beobachtung durchaus keine Richtſchnur. Stauwieſenheu ſteht im Allgemeinen weit hinter Rieſel⸗ wieſenheu und noch mehr gegen das Futter von gedüngten Wieſen in ſeiner Bonität zurück. Hören wir zur Beſtätigung dieſer Regel noch das Urtheil eines competenten Richters, des praktiſchen Schmalz. Es iſt ganz natürlich— ſagt dieſer*)— daß auf einer Wieſe, welche mehre Monate lang im Frühjahre förmlich in einen Teich verwandelt wird und das Waſſer oft und auf vielen Flecken 6 Fuß und darüber ſteht, alle die Wieſenpflanzen, welche ihrer Natur gemäß nicht unter Waſſer gedeihen können, vergehen und die Stöcke davon faulen müſſen. Dieſe Pflanzenarten ſind gerade die beſten und ſüße⸗ ſten, welche vom Viehe am liebſten gefreſſen werden und ihm am be⸗ ſten gedeihen. Statt dieſer beſſern Wieſenpflanzen gedeihen um ſo mehr alle die, welche das Waſſer im vorzüglichen Grade lieben; ſie wach⸗ ſen zu einer beträchtlichen Höhe und bieten dem Auge etwas dar. Die Heuböden und Scheunen werden von ſolch' einer Wieſe gefüllt, und der Beſitzer dünkt ſich reich an Futter. Aber man unterſuche die Qualität die⸗ ſes Futters genau, und man findet, daß wenig an der vermehrten Menge gewonnen wurde. Erſtens wird dieſes Futter nur äußerſt un⸗ gern vom Viehe gefreſſen. Die Schafe und das Rindvieh freſſen es nur, wenn ſie großer Hunger dazu zwingt; am eheſten wird es noch von den Pferden gefreſſen; aber leider gibt es dieſen nur ſehr wenig Kräfte; ſie müſſen entweder viel und gute Körner nebenbei bekommen, oder es darf ihnen keine ſtarke Arbeit zugemuthet werden. In Sachſen, wo *) Siehe deſſen„Erfahrungen im Gebiete der Landwirthſchaft“, Bd. 1., S. 186. ——*⏑+———“ 183 keine Pferdezucht, aber deſto eifriger die Schaf⸗ und Rindviehzucht be⸗ trieben werden, taugen Wieſen mit ſogenanntem ſauren Futter nicht viel, und hierunter gehören die meiſten Beſtauungswieſen. Letzteres Urtheil iſt im Allgemeinen wohl zu hart; paßt es auf Sachſen, ſo beweiſ't dieß, daß dort auch die Behandlung der Stau⸗ wieſen häufig nicht die rechte ſeyn mag. Nicht ſelten liegt der Grund der Verſäuerung in blinden Quellen; mitunter auch ſieht man ſämmt⸗ liche Gräben verſchlämmt, oder hohe Grabenufer hemmen den Abfluß des Waſſers, ſonſtige Unebenheiten und Sinken halten das Waſſer im Frühjahre pfützenartig zurück, und ſo bilden ſich Sümpfe, und es ent⸗ ſtehen Kälte und Säure, ohne Schuld des Verfahrens an ſich, das un⸗ ter entſprechenderer Unterſtützung ein Träger hͤherer Fruchtbarkeit ge⸗ worden wäre. Dieſelben mitwirkenden Nebenumſtände tragen viel mit zu der ſo häufig gerügten Empfindlichkeit des jungen Graſes gegen die rauhe Früh⸗ jahrswitterung bei. Auf undurchlaſſendem Boden äußert ſich natürlich die Schädlichkeit der klimatiſchen Einflüſſe am meiſten, und deßhalb paßt denn auch die Überſtauung hier um ſo weniger und ergibt ſo viel minder günſtige Reſultate. Ein großer Übelſtand iſt es immer„ daß überſtaute Wieſen, wäh⸗ rend daß ſie inundirt ſind, ſo gänzlich aller wohlthätigen atmoſphäri⸗ ſchen Ergüſſe beraubt bleiben; auch gehört es zu den entſchiedenen Un⸗ vollkommenheiten dieſes Verfahrens, daß es nicht zur Sommerszeit an⸗ gewandt werden kann. Legen wir nun die Vorzüge der Stauungsmethode in die andere Wagſchale, ſo finden wir zuerſt unter jenen die höchſt wohlthätige Wir⸗ kung, welche ihre Benutzung auf die Zuſammendrückung und die höhere Feſtigkeit des ſchwammigen und ſtark durchlaſſenden Wieſengrundes äu⸗ ßert. Unter dem dichten temperirten Waſſermantel bleibt der Raſen ſo⸗ wohl gegen den Einfluß einer kalten und ungünſtigen Witterung, als gegen die Angriffe der Mäuſe und andern Ungeziefers geſchützt. Die Maſſe düngender Theile, welche das Waſſer der Winter⸗ und Früh⸗ jahrsfluthen mit ſich führt, kann unbeſchränkt für die Wieſen benutzt und um ſo wohlthätiger dafür werden, je vollſtändiger ſie ſich darauf abzulagern vermag. Vor Allem iſt noch des Vorzugs der Wohlfeilheit zu erwähnen, welchen die Unterhaltung, häufig auch die Anlage der Stauwieſen gewährt. Zudem iſt man nicht ſelten befähigt, ſehr unebene, bültige Wieſen, wie ſich deren in Heidegegenden häufig finden, durch überſtauung total zu ebnen und rein zu waſchen. Aus Obigem geht hervor, daß das Stauungsverfahren im Gan⸗ 184 zen für die Wieſenwirthſchaft nicht zu verwerfen iſt, und daß es häufig Localitäten und Verhältniſſe geben wird, wo Intereſſe an der erfah⸗ rungsmäßigen Ausbildung dieſer Methode genommen werden dürfte. 8§. 88. Einrichtung und Vorbereitung der Überſtauungswieſen. Das erſte Erforderniß der Stauwieſe iſt ihre ſichere Beuferung, damit das übergeleitete Waſſer ſich nicht nach einer verkehrten Gegend hin verbreitet. Gemeiniglich wird die Kunſt nicht nöthig haben, dieſe Einſchließung an allen Gränzſeiten zu bewerkſtelligen, immer aber auf dem unterſten Theile Hand anlegen müſſen. Was bei der Anlage einer ſolchen Dammarbeit zu beobachten, und wie bei umſichtsvoller Einrich⸗ tung derſelben die Wirkung der Stauung ſich zuſehends erhöhen werde, das hat der tüchtige Wieſenbauer Nepomuk von Schwerz gar klar und überzeugend auseinandergeſetzt, und beſſer, als wir es zu ſa⸗ gen vermöchten, weßhalb man es uns einmal wieder erlauben möge, ihn an unſerer Statt ſprechen zu laſſen: „Bei der Anlegung eines(ſolchen) zur Beuferung dienenden Dam⸗ mes, der bei einer nur etwas beträchtlichen Ausdehnung der Wieſe nicht von Pappe ſeyn darf, iſt ſeine Höhe und, im Verhältniß zu dieſer, ſeine Breite wohl zu berechnen. Erſtere wird durch den Fall, welchen die Wieſe hat, entſchieden und mit der Wage ausgemittelt. Hätte z. B. eine Wieſe von 200 Schritt Länge einen Fall von 10 Fuß, ſo würde, wenn das Waſſer dieſelbe in ihrer ganzen Länge überdecken ſoll, ein ebenſo hoher Damm erfordert, dem aber einige Fuß Höhe mehr gegeben werden müſſen, wenn bei entſtehendem Winde die Wogen nicht über⸗ ſchlagen und den Damm abſchwemmen ſollen. Um ihm Feſtigkeit zu ge⸗ ben, muß ſeine Baſis wenigſtens die doppelte, weit beſſer aber die drei⸗ fache Breite ſeiner Höhe haben. Soll das Spiel des Waſſers ſeine ge⸗ gen letztere gerichtete Seite nicht miniren, ſo muß dieſe ſo flach als möglich abgedacht werden, und zwar um ſo flacher, als der Waſſerſpie⸗ gel bei einiger Tiefe ſich weiter aufwärts erſtreckt. Hier nämlich hat der Wind mehr Spiel, Wogen auf Wogen gegen den Damm anzuſchla⸗ gen. Hat dieſer aber eine recht flache Abdachung, ſo gleiten die Wogen nicht ſchadend daran hinauf und ihr Zorn wird beſänftigt. Die entge⸗ gengeſetzte Seite des Dammes aber kann eine weit ſchärfere Abdachung enthalten, obgleich auch hier eine flachere, der Grasbenutzung wegen, beſſer angebracht bleibt. Es wird aber immer räthlicher ſeyn, der Wieſe, ihrem Gefälle nach, keine zu große Ausdehnung zu geben, ihre Länge daher mit einem 185 oder mehren Dämmen zu durchbrechen, wodurch für dieſe nur die Hälfte oder das Drittel der Höhe nöthig iſt, die ein einziger Damm erfor⸗ dern würde. Solche niedere Dämme ſind dann leichter anzufertigen, bieten mehr Sicherheit dar und das Waſſer übt weniger Gewalt an ihnen aus. Der größte Vortheil der Wiederholung der Dämme und der daraus hervorgehenden Vermehrung der Abtheilungen der Wieſe beſteht darin, daß ſie zu einer gleichen Bewäſſerung Anlaß geben. Steht nämlich bei einem einzigen Damm von 10— 12 Fuß Höhe die Wieſe unter Waſſer, ſo deckt letzteres nach oben ſo eben das Gras, während es ſich nach un⸗ ten vor dem Damme in einer zehn Fuß hohen Maſſe aufthürmt, die, iſt der Boden thonig, durch ihren ſtarken Druck demſelben nur nachthei⸗ lig werden kann, auf jeden Fall aber dem Graſe die wohlthätigen Ein⸗ flüſſe der Atmoſphäre gänzlich entzieht. Hat man endlich nicht über eine große Maſſe Waſſer zu gebieten, ſo vergeht mehr Zeit, bevor eine große als kleine Wieſe angelaufen iſt. Demnach kann geſchehen, daß der untere Theil derſelben ſchon einige Tage unter Waſſer ſteht, bevor es den obern Theil zu decken anfängt, woraus dann nothwendig eine Ungleichheit für die Bewäſſerung erfolgt. Liegt aber eine Wieſe in zwei oder mehren Abtheilungen, ſo läßt ſich erſt die unterſte, dann die zweite, dritte und endlich die oberſte un⸗ ter Waſſer ſetzen und dieſes auf jeder nach Gefallen ab⸗ und zulaſſen. Um ſolches zu vermögen, wird aber erfordert, daß ein Hauptgraben, wenn der Bach ſelbſt ihn nicht ſchon erſetzt, längs den Abtheilungen au⸗ ßerhalb der Wieſe herlaufe und jede derſelben mit Waſſer verſehen könne, oder daß der Graben in der Wieſe ſelbſt durch alle Abtheilun⸗ gen gezogen werde. In dieſem Falle dient dann derſelbe Graben, der das Waſſer herbeiführt, es bei gezogener Schleuſe auch wieder aus der Wieſe abzuführen. Iſt die Sache für das Anbringen eines Zuleitungsgrabens außer⸗ halb der Wieſe ausführbar und nicht allzu koſtbar, ſo würde ich ſolches einem Binnengraben vorziehen, weil nämlich ſich in dieſem ein großer Theil der fettigen Theile, die das Waſſer herbeiführt, ablagert, daher dem Graſe nicht zu Gute kommt. So lobenswürdig und nützlich nun auch die angeführte Überſtauungs⸗ art ſeyn mag, ſo iſt doch nicht zu verkennen, daß, inſofern die Natur nicht zufällig einen flachen Keſſel mit wagerecht liegender Sohle für ſie erſchaffen hat, das Waſſer nichts weniger als ebenmäßig ſich über die ganze Oberfläche der Wieſe verbreiten kann; daß manche Stelle da⸗ für unerreichbar bleibt, manche deſſen nur wenig erhält und manche 186 unter der Maſſe gleichſam erdrüͤckt werde. Dazu kommt noch, daß eben dieſe tiefer liegenden Stellen, die des Waſſers zu viel haben, ſolches bei dem Einlaſſen am fruͤheſten empfangen und bei dem Ablaſſen am ſpäteſten verlieren, während die höher liegenden das Waſſer früher verlieren und ſpäter erhalten. Aus allem dieſem muß alſo nothwendig ine Ungleichförmigkeit in der Wäſſerung, alſo auch in dem Erfolge her⸗ voorgehen. Sie iſt und bleibt alſo immer nur eine rohſ und unvollkom⸗ mene Bewäſſerungsart« ꝛc. Alſo Vater Schwerz, welchem wir zwar Recht geben, aber entge⸗ genſetzen müſſen, daß Spaten, Karre und das Waſſer ſelbſt beſtehende Einrichtungen dieſer Art bei dem aufmerkſamen Wirthe mit der Zeit der Vollkommenheit ſehr nahe bringen können. Schwerz ſelbſt lehrt ihn, eine gleichmäßigere Vertheilung des Waſſers durch Anlage mehrer Dämme zu bewerkſtelligen; weßhalb ſoll er nicht weiter gehen und zu⸗ gleich die unterirdiſchen Quellen ſeiner Wieſen ſorgfältig aufſuchen und abgraben, alle Niederungen, aus welchen das Waſſer nicht ſchnell ge⸗ nug zu den Ableitungsgräben kommen kann, durch kleine Gräben den Graäſern zuleiten, damit das Waſſer ſo ſchnell als möglich von der Wieſe ablaufen kann? Weßhalb ſoll er nicht die ganze Wieſe ebenſo trocken graben als eine ordentliche Rieſelwieſe, Grabenborten abwerfen und planiren, mittelſt des Waſſers— wo und wie es angeht— Erde von den Höhen in die Tiefen ſchwemmen, ſo jene erniedrigen, dieſe erhö⸗ hen? ꝛc. Wir wollen dieſe Intelligenz bei einer an ſich unvollkommenen Über⸗ ſtauungsart nicht empfehlen, wenn es ſich darum handelt, aus einem Nichts Etwas zu ſchaffen; hier wäre der im nächſten Paragraphe vorgezeichnete Weg, auf welchen lombardiſche Induſtrie uns hinweiſ't, der ſicherſte und nachhaltig vortheilhafteſte. Aber wo ohne gänzliche Re⸗ volution des Beſtehenden(das in localen gleichwie in individuellen Ver⸗ hältniſſen vielſeitige Rechtfertigung für die Zweckmäßigkeit ſeiner Fort⸗ dauer findet) eine ſolche Verpflanzung des fremden regelrechten Bau⸗ werks auf unſere Stauwieſen nicht ziemlich iſt, da ermüde man nicht in ſorgſamer Ausmerzung der ſich ergebenden Übelſtände, in Ergänzung des Mangelhaften, in vergleichender Berechnung der natürlichen Ver⸗ hältniſſe mit den Huͤlfsmitteln der Kunſt; denn unglaublich iſt es, was ein ſcharfes Auge und Ernſt des Willens auf die Länge der Zeit auch aus dem Rohen zu ſchaffen vermögen. Kehren wir jetzt, nachdem wir vorher nur noch auf das nothwen⸗ dige Erforderniß der alljährlichen herbſtlichen Reparatur der Verwal⸗ lungen, der Gräben und Schleuſen, die Räumung der Abzugsgräben ꝛc. 187 aufmerkſam gemacht, zu unſerem, die Frucht lombardiſchen Fleißes dar⸗ ſtellenden fruͤhern Lehrmeiſter zurück. §. 89. Gebaute Überſtauungswieſen.(Nach Schwerz.) Herr Schwerz hat zur beſſern Verſt unlichung dieſes Baues dem Leſer eine Tafel in die Hand gegeben, welche wir hier Tafel I. wie⸗ der mittheilen. Wir ſetzen— heißt es— vor Allem eine ziemlich wagerechte Ober⸗ fläche oder, da ſich eine dergleichen nicht leicht unſern Wünſchen darbie⸗ tet, doch eine ſolche voraus, die kein beſonderes Gefälle hat. Ein, viel⸗ leicht auch zwei Fuß Fall, von a nach b zum Beiſpiel, wird wohl die Ausführung nicht hindern und auch nur ſehr ſchwer wegzubringen ſeyn. Wollten wir auch den Boden wiederholt abwärts, alſo von a nach b pflügen, ſo iſt ſolches ſchneller gedacht als gethan. Perſonen, die es empfohlen haben, ſcheinen weder die Ausführung eines ſolchen Abpflü⸗ gens, noch die Folgen davon zureichend erwogen zu haben. Um eine ſchiefe Fläche, die nur 10 Fuß Länge von oben nach unten und auf ihrem höchſten Puncte 5 Fuß Erhöhung hat, durch Abwärts⸗ pflügen zu ebnen, muß letzteres, wenn wir jedem Schnitt eine Breite von einem Fuß und die Dicke von einem halben geben, zehnmal, und wenn wir gar damit noch um vier Fuß in die untere Ebene vorrücken und dieſe mit dem Übrigen ausgleichen wollen, 21mal wiederholt wer⸗ den. Wir würden aber mit demſelben Geſpann und einem Sturzkarren die Sache wahrſcheinlich in dem vierten Theile der Zeit und um ſo mehr abfertigen, als nur die eine Hälfte der Fläche abzukarren und die an⸗ dere damit zu bedecken wäre, ſtatt daß mit dem Pfluge die geſammte Oberfläche in Bewegung gebracht werden muß. Der zweite, weit wichtigere Vorwurf, der ein ſolches Abpflügen trifft, iſt, daß der Untergrund der Höhe um ebenſo viel von ſeiner Krume entblößt wird, als die Niederung dadurch gewinnt. In dem gegebe⸗ nen Falle hätte ſolches 2 ½ Fuß gethan. Man trifft aber nicht immer ſolche Felder an, die noch auf eine ſolche Tiefe einen befriedigenden Boden haben. Die Höhe unſerer Wieſe könnte alſo beträchtlich durch eine ſolche Vorrichtung verarmen. Nur da, wo die Sache durch ein ein⸗ oder zweimaliges Abpflügen abgethan iſt, mag ſo was gut und anzu⸗ rathen ſeyn. Wir nehmen uͤberdieß von einem beträchtlichen Falle hier keine Kennt⸗ niß, weil die überrieſelung vermittelſt des Hangbaues beſſer dabei an⸗ gebracht ſeyn würde, und ſetzen, wie ſchon geſagt, eine mehr wagerecht . 188 liegende Fläche voraus, die aber freilich nicht ganz ohne Höcker und einzelne Sinken ſeyn wird, die wir wegzuſchaffen oder auszugleichen haben. Wir fangen damit an, die zu überſtauende Wieſe zu umwallen, wozu die nicht paſſenden, daher wegzuſchaffenden Erhebungen uns das Material liefern, nachdem wir vorläufig die Oberfläche in verſchiede⸗ nen Richtungen abgewogen haben, um zu ſehen, wo das Abtragen der Erde Noth thut. Es ſey A Tafel I. die zukünftige Stauungswieſe, e der Wall, f der Bach, der durch eine Schleuſe bei g geſperrt und deſſen Waſſer in den Leitungsgraben i getrieben werden kann zi der Einlaß, wodurch es aus dem Leitungsgraben in die Wieſe eintritt und ſich über das Ganze der⸗ ſelben verbreitet; h der Auslaß, deſſen Schleuſe gezogen wird, wenn das Waſſer die Wieſe wieder verlaſſen ſoll; k eine Brücke. Das Angegebene reicht für eine kleine Ausdehnung mit ſchönem, ebe⸗ nem Boden, der ſchnell unter Waſſer geſetzt und ebenſo ſchnell davon entledigt werden kann, zu. Auf einer großen Oberfläche und etwas un⸗ ebenem Boden aber dauert letzteres zu lange, oder geht zu unregelmä⸗ ßig von Statten. Hier theilt man nun die Wieſe, wenn ſie ſchon wirk⸗ lich mit Gras bewachſen iſt, in Beete, indem man alle 6—8 Meter oder 18— 24 Fuß einen ſeichten Graben!! von 2— 3 Zoll Tiefe, 8 Zoll Breite einſchneidet und mit dem Vertheilungsgraben m und dem Ablei⸗ tungsgraben n in Verbindung ſetzt. Das Waſſer, das bei m in den Vertheilungsgraben tritt, ergießt ſich rechts und links, dringt aus ihm in die Gräben II, erſtreckt ſich nach dem vor der Hand geſchloſſenen Ablaufsgraben n, ſpeicht ſich in allen vorgeſagten Gräben bei anhaltendem Zufluſſe auf, und überſteigt zuletzt die Oberfläche der Beete k k. Somit ſteht alſo die ganze Wieſe unter Waſſer. Der Nutzen dieſer Gräben iſt unverkennbar; denn vorerſt wird die Bewäſſerung ſowohl als die Entwäſſerung gleichzeltig auf allen Punc⸗ ten bewirkt; zweitens befördern die Gräben das ſchnelle Abtrocknen des Bodens, welches, zumal bei undurchlaſſendem Boden, von der höchſten Wichtigkeit iſt; drittens verhindern ſie das Stehenbleiben des Waſſers auf einzelnen Puncten einer nicht ganz ebenen Wieſe, und endlich geben die aus den Gräben gewonnenen Raſen das Material in die Hand, um die tiefern Stellen zu erhöhen, oder, im Falle deren keine da ſind, d die⸗ nen ſie zur Anfertigung des Ringwalles. Man wird ſich durch die Koſten des Grabenziehens nicht von einer ſo höchſt nützlichen Vorrichtung abſchrecken laſſen; denn die gewon⸗ ————ͤö 189 nenen Raſen zur Ausbeſſerung der Wieſe ſind wohl ſo viel, durchge⸗ hends mehr werth, als die Arbeit gekoſtet hat. Iſt man nebenbei mit einem Grabenpfluge verſehen, ſo kommt die Arbeit davon gar nicht in Betracht. Haben wir ſtatt einer Wieſe ein Feld vor uns, das wir in eine Stauwieſe umſchaffen wollen, ſo läßt ſich Alles mit Pflug und Egge auf das Vollkommenſte ausführen. Die Art, dabei zu verfahren, iſt durchaus die, welche in der Anleitung zur Kenntniß der belgiſchen Land⸗ wirthſchaft fur die Anfertigung ſchmaler Ackerbeete angegeben iſt, mit dem Unterſchiede, daß die Beete zu dem Wieſenbau ſtatt 8 Schnitten ihrer 16 bis 18, alſo ebenſo viele Fuß Breite erhalten. Die Zwergbeete o und zeigen die beiden Anwände, welche des Umkehrens der Pferde wegen bei dem Pflügen nöthig werden und ſpäter zum Ein⸗ und Aus⸗ fahren dienen können. Es wäre wohl nicht recht überlegt, eine Oberfläche, die einen bedeu⸗ tenden Fall hat oder deren Spiegel plötzlich wechſelt, das heißt, bald höher, bald tiefer wird, unter einen Stau bringen zu wollen. Man theile ſie alſo nach dem Bedürfniſſe des Bodens(dasſelbe gilt auch von dem mehren oder wenigern Waſſer) in mehre kleinere, doch nicht all⸗ zu kleine Stautafeln, da ſonſt die Anlage ſo vieler Wälle allzu koſtbar werden würde. Liegt der Boden außerordentlich wagerecht, ſo bedarf es für ſeine Umwallung nichts, als eines mit dem Pfluge hoch aufgetriebenen Beetes, welches man durch ein wiederholtes Zuſammenpflügen ſehr leicht erhält. Wird gegentheils ein hoher, alſo auch ſtarker Damm erfordert, ſo muß ihn nothwendig ein ebenſo bedeutender Graben von Außen begleiten, der die Erde zur Errichtung des Walles hergibt, ohne welchen dieſelbe mit vielen Koſten herbeigeführt werden müßte. §. 90. Zu beobachtende Bodeneigenſchaft. Wenngleich ein richtig geleitetes Bewäſſerungsweſen jeglichem Wie⸗ ſenboden zuträglich iſt, ſo leidet doch der Proceß der Überſtauung in dieſer Rückſicht allerhand nothwendige Einſchränkungen. Wie wir be⸗ reits erwähnten, iſt ein ſehr ſchwammiger, durchlaſſender Grund für die Überſtauung am geeignetſten; überhaupt ſpielt der Untergrund bei dieſer Operation eine wichtige Rolle. Namentlich gilt dieß auch ruck⸗ ſichtlich unſerer Stauwieſen mit mooriger und torfiger Krume. Reviere dieſer Art werden unter ſonſt entſprechenden Umſtänden häufig mit Vor⸗ theil inundirt werden können, wenn das die Auswaſchung ihrer Säure 190 bewirkende Waſſer von den untern Schichten in entſprechendem Maße verſchluckt wird und eiſenſchüſſige Unterlagen oder, wie häufig in Hol⸗ ſtein, der rohe Ur dem Eindringen desſelben nicht widerſtehen. Ebenſo kann es Fälle geben, wo Wieſen mit ſehr ſandigem, kieſigem Boden zu ihrem großen Nachtheile geſtaut werden, nämlich wenn ihr hochlie⸗ gender, undurchlaſſender Untergrund das erſte Waſſer permanent in der Krume erhält. Thonboden iſt für unſere Wäſſerungsart der un⸗ geeignetſte. Je wärmer der Wieſenboden durch ſeine örtliche Lage, durch das herrſchende Klima und die angewandten Hülfsmittel der Kunſt iſt, deſto ſicherer erfolgt eine günſtige Wirkung der Stauung. Je mehr wir uns bemühen, unſern ſauren Wieſen den ihnen inwohnenden, der Vegetation ſchädlichen Stoff durch Cultur zu nehmen, deſto glücklichern Erfolg wird das im Allgemeinen noch problematiſche Überſchwemmen der Moor⸗ gründe zeigen. §. 91. 1 Welches Waſſer iſt zur UÜberſtauung tauglich? Im Ganzen iſt nur Eine Art Waſſer zur Überſtauung unbrauch⸗ bar und ſchädlich, und zwar das aus ſauren Mooren und Brüchen quillende, wenn es vor dem Gebrauche nicht über Sand oder Kies läuft; man wird ſonſt von dieſem, viele Humusſäure enthaltenden Waſſer ſtets einen ſehr nachtheiligen Einfluß auf den Graswuchs be⸗ merken. Nächſtdem ſteht faſt reines Bachwaſſer, das vielleicht ſeinen Urſprung einer weder Kochſalz, Gips noch Kaliſalze enthaltenden Quelle verdankt, allenfalls gar aus einem torfigen, eiſenhaltigen Grunde her⸗ rührt und auf ſeinem Wege durchaus keine Gelegenheit zur Aufnahme düngender Stoffe findet, in ſeinem Werthe am niedrigſten. Auch Ab⸗ flüſſe chemiſcher Gewerbe ſind oft mehr ſchädlich als nützlich. Deſto frucht⸗ barer ſind die aus größern Anſiedlungen, aus Städten und Dörfern, von den Abhängen der Felder ꝛc. herrührenden Fluthen. Es gibt auch 8 ſolche Quellen und Auen, reich an Gips, Kalk ꝛc., welche der Auflö⸗ ſung des im Boden befindlichen Nahrungsſtoffes ungemein zuträglich ſind. Vor Allem muß der Wieſenwirth aber beherzigen, daß er für ſeine Stauwieſen kein fruchtbareres, an düngenden Beimiſchungen reicheres Waſſer gewinnen kann, als durch die ſorgfältige Auffangung und Lei⸗ tung des Schnee⸗ und Regenwaſſers, das atmoſphäriſch, animaliſch P vegetabiliſch geſchwängert iſt.— Die hohe Zuträglichkeit des See⸗ waſſers beweiſ't ſich zur Genüge auf den damit natürlich überſchwemm⸗ — ten Wieſen an unſern Oſtſeeküſten; nirgends findet man reichere Ern⸗ n, nirgends ein dem Viehe appetitlicheres und gedeihlicheres Fut⸗ 191 ter. Es wäre wohl Bedacht zu nehmen, das ſich mehr und mehr vom Lande entfernende Seewaſſer in Zuleitungsgräben auf unſere künſtli⸗ chen Stauwieſen zu führen. §. 92. Wann und wie zu ſtauen iſt. Nach vollendeter Nachmahdernte und Herbſthut findet die erſte zwei⸗ bis dreiwöchentliche Stauung, welcher nach Umſtänden noch mehre fol⸗ gen, Statt; nur iſt nach der jedesmaligen Wäſſerung der Wieſenflä⸗ che, Behufs ihrer völligen Entwäſſerung, ein trockener Zwiſchenraum von einigen Tagen oder länger, je nach Beſchaffenheit des Bodens, zu gewähren. Die zweite und die folgenden Stauungen wechſeln von zwölf bis acht zu acht Tagen. Kann man dem Waſſer ungehinderten Zu⸗ und Abfluß verſchaffen, dadurch dieſes vor Fäulniß bewahren, und begünſtigt die Localität einen raſchen, gleichmäßigen Weglauf des⸗ ſelben im Frühjahre; hat dabei der Untergrund der zu ſtauenden Wieſe ein ſtarkes Einſaugungsvermögen: ſo iſt ſelbſt die winterliche Inunda⸗ tion, wenn ſie in namhafter Höhe Statt findet und keine Unterbrechung leidet, und übrigens nur Alles ſo eingerichtet iſt, wie in den vorigen Paragraphen angegeben ward, von Nutzen und Vortheil. Es hat ſich über dieſen Gegenſtand neuerlichſt mein Urtheil in Holſtein, wo ich von Winterſtauungen ſo allgemein günſtige Erfolge gewahrte, ſehr berich⸗ tigt. Nur muß ich diejenigen Wieſenbeſitzer, welche nicht für ſtete Er⸗ neuerung des Winterwaſſers Sorge tragen können, von dem Stauen in dieſer Jahreszeit gänzlich abrathen; Reichthum an Waſſer, unum⸗ ſchränkte Herrſchaft über dasſelbe und eine begünſtigende Lage und Ge⸗ ſtalt des Terrains dictiren den Erlaubnißſchein dazu. Auch in andern Gegenden Deutſchlands theilt man bereits ſeit län⸗ gerer Zeit aus Erfahrung unſere obige Anſicht. Herr Steltzner ſchrieb ſchon 1821*) folgendes kräftige und gewichtige Wort: Wer Gelegen⸗ heit hat, ſeine Wieſen zur Winterszeit zu überſtauen, der laſſe ſich durch die Furcht, daß lange ſtehendes Waſſer den Gräſern tödtlich ſey, nicht abſchrecken, den Wieſen einen unglaublich ergiebigen Graswuchs zu entlocken. Solches Stauwaſſer ſchadet nur dann„ wenn die Gräſer in der Vegetations⸗Periode ſtehen, alſo vom Frühling bis zum Herbſte, nicht aber, wenn die Vegetationskraft ſchläft. Das Munſterſche, be⸗ kanntlich ein ganz ebenes Land, hat beinahe keine andere Waſſermühlen, als ſogenannte Staumühlen, welche das Recht haben, ſich das nöthige 2 S. 374. 8 S. deſſen mehrangeführte„Bemerkungen über die Verbeſſerung der 8 Wieſen durch Viehdünger“, im Septemberhefte des Land⸗ und Hauswirfhs, e ——— 192 Mahlwaſſer vom Monate November bis März aufzuſtauen, wodurch die über ſolchen Mühlen gelegenen Wieſen in dieſer Periode in kleine Seen verwandelt werden.— Nie ſah Steltzner— außer in den Marſchen— ſolchen ſchöͤnen Graswuchs, als auf dieſen Stauwieſen. Es verſteht ſich, daß das Waſſer im Frühlinge ſchnell ablaufen kann und die Wie⸗ ſen trocken werden können. Eilf Jahre ſpäter bekräftigt der ſo viel erfahrungsreichere Mann vorſtehendes Urtheil bei Gelegenheit einer von ihm gelieferten Beſchrei⸗ bung der neueſten Art der Bewäſſerungswieſen in der hannöverſchen Provinz Lüneburg«*). Seine Beſtätigung lautet dann: Von vielen Landwirthen wird das Überſtauen für ſchädlich, von vielen andern für nützlich gehalten. Nach meinen in ſehr verſchiedenartigen Gegenden und auf noch mehr verſchiedenartigem Boden darüber geſammelten Beobach⸗ tungen halte ich es, zur Sommerszeit ausgeführt, überall und un⸗ ter allen und jeden Umſtänden für nachtheilig, es ſey denn, daß die zu überſtauende Fläche ſehr feſten Boden habe, daß man das Waſſer dergeſtalt in der Gewalt hat, daß man es, wenn es etwa ein bis zwei Tage auf der Wieſe aufgeſtaut geweſen, ſo ſchnell fortſchaffen kann und die Wieſe ſo iſt, daß ſie gleichmäßig vom Waſſer befreit wird, und daß man ſie ganz willkührlich trocken halten dn wieder überſtauen kenn. Die Winter⸗Überſtauung habe ich dagegen ohne Ausnahme wohl⸗ thätig gefunden, wenn ſie bis zum Ende des Winters anhält und das Waſſer ſo hoch geſtaut werden kann, daß es ſtets 3— 4 Fuß hoch ſteht, dabei Ab⸗ und Zufluß hat, und beim Eintritt des Frühlings ſo ſchnell fortzuſchaffen iſt, daß die Wieſenfläche gleichmäßig und raſch zum Ab⸗ trocknen kommt. Außer den unwillkührlichen Überſtauungen dieſer Art, welche ich in vielen Gegenden unſers Landes beobachtet und ſolche in der Provinz Oſtfriesland fortwährend zu beobachten Gelegenheit habe, entlehne ich die obigen Ausſprüche von den Stauwieſen im Münſterſchen. Es iſt dieß bekanntlich eine ziemlich flache Provinz, wo die ſehr vielen Gewäſſer zu wenig Gefälle haben, als daß man ſie ohne bedeutenden Aufſtau zum Betriebe der Mühlen benutzen könnte. Da dieſer Aufſtau und das Recht dazu größtentheils mangeln, ſo hat man mehrentheils Windmühlen. Jedoch beſitzen hier und dort einige Waſſermühlen die Befugniß, zur Winterszeit das ihnen zuſtrömende Waſſer zu einer ge⸗ wiſſen Höhe aufzuſtauen und die oberhalb gelegenen Niedrigungen, die zu Wieſen dienen, als ihre Waſſerbehälter zu benutzen, welche auch *) S. Möglinſche Annalen der Landwirthſchaft, 29. Bd., S. 344. 193 deßhalb mit Dämmen eingefaßt zu ſeyn pflegen. Gemeiniglich tritt die Befugniß zu der Aufſtauung im November ein und dauert bis Ende März, während welcher Zeit das Waſſer in der Regel 4, 5, auch 6 Fuß hoch ſtehen bleibt, bei Ablauf der Stauungszeit aber ſo ſchnell und gleichförmig entfernt wird, daß die Wieſenflächen, ungeachtet ihres zum Theil compacten Bodens, in der Oberfläche bald und dergeſtalt ab⸗ trocknen, daß ſie zugänglich ſind. überall in ſolchen Wieſen habe ich nur wohlthätige Wirkungen von dieſen Aufſtauungen geſehen. Die Menge des darin gewonnenen Heues iſt außerordentlich und deſſen Güte jedem Boden angemeſſen, zumal wenn man da, wo es nöthig iſt, mit einigen Gräben zut ſchnellen Ab⸗ leitung des Waſſers zu Hülfe kommit. In Gebirgsgegenden, wo die Gewäſſer oft bedeutend viel Erdezu⸗ fluß haben, möchte die Aufſtauung des Waſſers wohl am wenigſten räthlich ſeyn, weil es oft ſo hohen Schlick würde fallen laſſen, daß die Graskeime nicht durchkommen könnten. Die erſte Frühjahrs⸗Inundation kann natürlich um ſo früher und länger Statt finden, je eher der Winterſtau beendigt worden oder wenn die Wieſe den Winter über waſſerfrei geweſen iſt. Die andern Stauungen folgenin im a Zwiſchenräumen. Bei Moor⸗ und modergründigen Wieſen iſt noch der Maiſtau von ungemeinem Vortheil, di er die Wirkungen der Kälte hier unſchädlich macht. Witterung und Boden liefern im Frühjahre eine noch viel ſtrengere Norm des zu beob⸗ achtenden Verfahrens. Daß man ſtets das Waſſer nur Morgens und Abends überſtaue, die gehörige Vorſicht hinſichtlich des Stehenlaſſens des Waſſers beobachte ꝛc., ſind Elementar⸗Regeln, die wohl hier keiner wiederholten Anführung bedürfen. c) Rieſelwieſen. §. 93. Tendenz der Rieſelung. Werth und Wichtigkeit derſel⸗ ben. Intelligenz der Sollinger, Siegener, Lüneburger. Die Rieſelungs⸗Matadore: Jeſſen, Pogge, Schröder. Vergleichende Schlußbemerkung über Wieſenarbeit und Ackerbeſtellung. Die Rieſelung ſchränkt ſich auf ein ſo viel möglich dünnes Überrie⸗ ſeln des Waſſers ein; ihre Wirkung gleicht alſo der des Regens, und das um ſo mehr, je ſanfter, gleichmäßiger und nahrungsreicher die den Boden netzende Fluth ſich ergießt und je ſchicklicher Zeit und Stunde dazu gewählt worden ſind. Durch dieſe naturgemäße Wäſſerung erhe⸗ ben wir uns über den Einfluß der Witterung und des Klimas, und Lengerke's Wieſenbau. 13 verſchaffen uns zugleich dort geſegnete Futterernten, wo ſonſt die Ve⸗ getation einen Todesſchlaf zu ſchlummern ſcheint.— Allenthalben, wo Fleiß und Ausdauer Einrichtungen dieſer Art auf eine gewiſſe Stufe der Vollkommenheit gebracht haben, ſprudelt dem Ackerbau eine unver⸗ ſiegbare Quelle des Wohlſtandes. Laſſen wir den Blick nur ſchweifen, um ſo geſegnete Gegenden aufzuſpüren, ſo finden wir ſie häufig, ja am meiſten in übrigens von der Natur in productiver Hinſicht vernach⸗ läſſigten, dürftig ausgeſtatteten Revieren, in gebirgigen, heidigen und ſterilen Diſtricten unſers Vaterlandes, im Ganzen mehr im Süden als im Norden. Es bewahrheitet ſich alſo das Sprichwort:»Noth lehrt betenl« oder: Außere Nothwendigkeit ſchärft das Nachden⸗ ken und den Fleiß.— Man lernt den Werth deſſen am höch⸗ ten würdigen, was man nicht beſitzt.— Auf den ſchroffſten Wieſenabhängen, bei den Harzſtädten Grund, Wildemann, Lautenthal, St. Andreasberg, ſo wie bei dem Bergdorf Lerchbach u. a. m., welche größtentheils dem Fuhrwerke unzugänglich ſind, ſchleppt der Einwoh⸗ ner. im Schweiße ſeines Angeſichts, den Duͤnger hinauf, um eine die Koſten lohnende Heuernte zu erhalten; unter ſolchen Umſtänden wird die geringſte und magerſte Quelle zum Gegenſtande freudig ſcharfſin⸗ niger Berechnung, wenn die Ortlichkeit die Möglichkeit ihrer Anwen⸗ dung zur Wäſſerung irgend geſtattet. So bedient der Sollinger ſich des Gebirgswaſſers von Grauwacke— eine Fluth, in ihrem Werthe weit unter ſo manchem andern Gewöäſſer ſtehend, welches der Wirth des Thales gering achtet, weil es hart iſt, keine Dungtheile mit ſich führt ꝛc.— mit dem augenſcheinlichſten Nutzen zur Bewäſſerung ſolcher Bergwieſen, welche ohne dieſes Hülfsmittel ein kaum mit der Senſe zu faſſendes, größtentheils aus Heide beſtehendes Gräschen liefern.— Die Möglichkeit der Bewäſſerung erhöht den Preis eines hannöverſchen Morgens dieſer Wieſen auf 120 und mehre Thaler, da der gleich da⸗ neben gelegene, wenn er jene Hülfsmittel entbehren muß, kaum 10, 15 Thlr. koſtet. Und welchem Bewohner des weſtlichen Deutſchlands, der ſich für Wieſencultur intereſſirt, iſt, wenigſtens dem Namen nach, nicht die Induſtrie im Siegerlande bekannt geworden?— Welcher ge⸗ bildete Landwirth, höher im Norden, hat nicht von den zauberähnlichen Wirkungen gehört, die Lüneburgs Wäſſerungsanlagen ergeben haben?— Nirgends auch vielleicht hat das Beſtreben, aus und durch das Waſſer Gras zu produciren, einen eigenthümlichern, großartigern Charakter angenommen, als gerade hier. Der Umſtand, daß die ſehr koſtbaren Anlagen zum allergrößten Theile von ſchlichten Bauern ausgegangen ſind, beweiſ't zur Genüge, daß nicht theilutiſe Ruzuuredigkeit und Ver⸗ 195 gnügen, ſondern einzig und allein der unberechenbar große praktiſche Nutzen das Motiv dazu geben. Wenn man gleich— ſagt ein umſichtsvol⸗ ler Darſteller dieſer Induſtrie— die, beiläufig bemerkt, 267 Qua⸗ dratmeilen große Provinz Lüneburg nicht als eine einzige große Heide⸗ fläche ſich vorſtellen muß, wie der Fremdling wohl zu thun geneigt iſt, welcher ſie nur nach ältern Beſchreibungen kennt, ſo beſteht doch nur der allerkleinſte Theil desſelben an dem Elbe⸗ und Ilmenaufluſſe aus Marſch, in mehren andern, jedoch auch nur beſchränkten Gegenden aus gemiſchter, fruchtbarer Erde. Bei Weitem der größte Theil beſteht aus Sandboden in den allermannichfaltigſten Abſtufungen. Was bei deſſen Cultur der Graswuchs für Werth hat, kann nur derjenige recht beur⸗ theilen, welcher dieſen Boden und deſſen Benutzung kennt.— Die an⸗ geführten Anlagen befinden ſich auch nur in den Sandgegenden der Pro⸗ vinz. Den Landwirthen in den von der Natur mit beſſerem Boden be⸗ günſtigten Gegenden kann man keinen beſondern Fleiß zur Herver⸗ rufung oder Verbeſſerung des Graswuchſes nachrühmen. Hätten die lüneburgiſchen Bauern auf dem Sande überall gutes und hinreichendes Flußwaſſer zu ihrer freien Dispoſition, ſo ſtände von ihrem unverwüſtlichen Fleiße zu erwarten, daß nach und nach, ſo wie ihre Geld⸗ und Körperkräfte den Willen unterſtützen könnten, die üp⸗ pigſten Wieſeninſeln in großer, auch ſolcher umfaſſender Menge und Größe aus den Sandmeeren emporſteigen würden, daß das dürftige Anſehen der Getreidefelder verſchwinden, die meilengroßen Heideflächen in einträgliche Fluren umgeſchaffen werden würden. In den mehrſten geſegnetern Gegenden des nördlichen Deutſchlands hat die Wuth und die Befugniß, Korn zu produciren, einen ſehr trägen Fortgang in der Wieſenverbeſſerung und ſo namentlich in der Bewäſ⸗ ſerungskunſt veranlaßt, welche, als viel zu koſtbar und ſchwierig, den meiſten Landwirthen nur aus buchſtäblicher Beſchreibung, höchſt ſelten nur aus praktiſcher Anſicht bekannt wurde. So gebrach es um ſo mehr an einem Impuls zur Reform der beſtehenden mangelhaften Einrichtun⸗ gen, je weniger die glänzende Wirkung des Mergels und die hohen Kornpreiſe ein fühlbares Bedürfniß an vermehrter Futter⸗ und Geld⸗ einnahme durch eine verbeſſerte Viehwirthſchaft rege werden ließen. Nur in der mit natürlichen Wieſenplänen reich begabten Provinz Holſtein, wo trotz der allgemeinen Manie, Weizen und Raps zu bauen, die Kuh⸗ wirthſchaft prädominirend blieb, gewahrte man ein richtigeres Verhält⸗ niß zwiſchen Wieſen und Ackercultur und wie der Landwirth ſein Nach⸗ denken und ſeine Mühewaltung jedem der beiden Zweige gleich ge⸗ ſchäftig zuwandte. Schon zu einer Zeit, wo an eine allgemeine wiſſen⸗ 13* 196 ſchaftliche Begründung der Landwirthſchaft noch nicht gedacht ward, exi⸗ ſtirten auf manchen der dortigen Güter die trefflichſten Rieſelungsan⸗ ſtalten; reicher daran aber waren die Bauernwirthſchaften der weſtlichen Provinz, in welchen der Mangel ſolcher Einrichtungen oder des darauf zu verwendenden Fleißes als Zeichen großer Nachläſſigkeit und ſchlech⸗ ter Skonomie galt.— Mehre meiner Leſer werden ſich noch der mu⸗ ſterhaften Bewäſſerungsanlagen des verſtorbenen Unterprobſtes Jeſſen in Pretz erinnern, welche durch die erſten Jahrgänge der Thaer'ſchen Annalen dem gebildeten agronomiſchen Publicum bekannt wurden, na⸗ mentlich in Holſtein ſelbſt aber großes Aufſehen erregten und auch viel⸗ ſeitige Nachahmung gefunden haben. So kann oft ein einziger Mann un⸗ glaublich viel Gutes und Nützliches wirken, wenn eine glückliche Praxis ihm vorweg das nothwendige Vertrauen ſeiner Gewerbsgenoſſen ver⸗ ſchaffte. Einen ſolchen Mann hatten wir in Mecklenburg an unſerem verſtorbenen Domänenrath Pogge. Nie war eine Zuverſicht ungetheil⸗ ter, nie unerſchütterlicher, als die auf die Gediegenheit ſeiner Anſich⸗ ten, Lehren und Handlungen. Aber welch' einen Weg ſchlug dieſer merk⸗ würdige Menſch auch ein, um jedem der ſich geſteckten Ziele zwar lang⸗ ſam, doch mit ſicherem Erfolge zu nahen?— Stets den der prakti⸗ ſchen Selbſtbelehrung, indem, ſelbſt wenn ſein Verſtand ihm das aus mündlicher Mittheilung und Büchern Geſchöpfte beglaubigte, er direct der ſich ihm leichter als Andern verſtändigenden Natur ſeine Fra⸗ gen und Zweifel vorlegte, und nun nicht eher zu wirken und zu ſchaf⸗ fen begann, als bis er in Grundlage der dort erhaltenen Antwort eine Richtſchnur ſich vorgezeichnet und ſich dergeſtalt vor großen Mißgrif⸗ fen geſichert hatte. Ganz in dieſer Art verpflanzte der große Agronom auch nebſt ſo manchen andern kundig herangezogenen und höchlich flo⸗ rirenden Zweigen ein verbeſſertes Wäſſerungsweſen auf ſeine Güter und nach ſeiner Heimath, wo neben einem hochberühmten Ackerbau die Pflege der Wieſen noch auf der unterſten Stufe ſtand. Hören wir ihn ſelbſt, wie er den Grund zu ſeinen nachmals ſo bekannt geworde⸗ nen Anlagen legte. Da die Berieſelung— ſagt er nämlich in ſeinen Mittheilungen über die Verbeſſerung unſerer gewöhnlichen Moorwieſen im XIX. Jahrg. der Mecklenb. Annalen, S. 154— mir einen ſo bedeutenden Ertrag einge⸗ bracht und noch einbringt, ſo muß ich doch meinen Lehrmeiſter nennen. Dieß ſind die Bauern eines Dorfes in der Lüneburger Heide. Vor 30 Jahren reiſ'te ich nach Hannover und paſſirte jene Heidegegend, de⸗ ren gleichen man wohl kaum in Deutſchland findet; denn ſo weit als das Auge reicht, ſieht man nichts als Heidekraut und in meilenweiten ten ————m 197 Entfernungen kaum ein Dorf. Ich fühlte daher in dieſer öden Gegend eine ſchreckliche Langeweile und eilte nur ſchnell durchzukommen, als ich mit einem Male, als ich vom Berg in's Thal fuhr, eine ganz auch in dieſer Gegend und in dieſer Jahreszeit— es war im Monate Februar und offenes Wetter— ungewöhnlich ſchöne grüne Farbe einer Wieſe bemerkte, welche die fetteſten unſerer Gegend im Monate Mai nur ha⸗ ben können. Ich ließ den Wagen nach dem Dorfe fahren, welches Hör⸗ ſeringen heißt und zwiſchen Uelzen und Eelle liegt, und eilte zu Fuß ſehnell nach der Wieſe. Wie groß aber war mein Erſtaunen, als ich bemerkte, daß dieß nicht Natur, ſondern Alles durch Kunſt geſchaffen war; denn ich ſah auf der Höhe den aufgeſtauten Bach an der Wieſe herumlau⸗ fen und von da durch die Bewäſſerungsrinnen die Wieſe in's Kreuz und der Quere nach durchſchneiden. So viel als möglich wurde das Waſ⸗ ſer von kleinen Wällen auf der Wieſe öfters aufgefangen, um, con⸗ centrirt, eine kräftigere Wirkung hervorzubringen. Es war Alles mit ſo vieler Mühe und Sorgfalt ausgeführt, daß ich es nie wieder ſo ſchön geſehen habe. Ich watete die ganze Wieſe durch, fand aber nirgends weder ſtehendes Waſſer noch Moos, ſondern überall die herrlichſte Ve⸗ getation. Wo aber die Berieſelung aufhörte, ſah man nur fußhohe Bül⸗ ten, Binſen, ſtrüppige Tannen, Birken und Heidekraut. Bei meiner Zuhauſekunft war mein Erſtes, den Bauern das Geſehene auf meiner Wieſe nachzumachen; aber Lehrwerk iſt kein Meiſterſtuck. Ich unternahm mehre unnütze Arbeiten, ließ mich aber nicht abſchrecken, fuhr fort, be⸗ merkte immer mehr den unberechenbaren Nutzen der Berieſelung und vervollkommnete mich ſo durch Übung in dieſer Sache ꝛc. Ein anderes Mal heißt es(S. 157): Überhaupt muß ich bemer⸗ ken, daß bei der ganzen Okonomie kein Geſchäft iſt, das mehr Aufſicht erfordert und mehr durch eigene Thätigkeit betrieben werden muß, als die Berieſelung, indem man ſo äußerſt ſelten Menſchen findet, die rich⸗ tige Begriffe hiervon beſitzen; denn die Meiſten wollen immer ſtauen und nicht dem Waſſer einen zweckmäßigen Lauf laſſen. Ich fürchte da⸗ her ſehr, daß dieſes ſo wohlthätige Geſchäft hier noch lange nicht all⸗ gemein wird; denn bei jeder andern Arbeit kann ich trockenen Fußes „hingehen oder allenfalls reiten; hier aber, wenn die Wieſe von Bedeu⸗ tung iſt, muß ich ſolche bis über die Ankel im Waſſer ſehr oft durch⸗ waten, und wem dieß kein Vergnügen macht, der gibt ſich gewiß nicht damit ab. Ich kann es nicht läugnen, daß dieſes bei der ganzen Wirth⸗ ſchaft mein Steckenpferd iſt und daß bei offenem Wetter beinahe kein Tag hingeht, wo ich nicht meine Berieſelung beſehe, um das Waſſer bald auf dieſe, bald auf jene Stelle zu bringen. Aber was für eine 3 — 198 Belohnung habe ich auch nicht dafür, wenn ich nachher hinter den Mä⸗ hern ſtehe und ſie nicht durchkommen können, und ſagen:»Ich kann nicht durchkommen, du mußt vor mir herumhauen; es liegt Alles ein's durch's andere; hier muß man ſich die Seele aus dem Leibe ziehen!« Und wenn die Streuer hinterher keinen Raum für das Gras haben, einen Arm voll hier, den andern dahin tragen, wie freue ich mich dann! Denn was iſt dieß nicht für ſchönes, nahrhaftes Futter ꝛc. Aus meinen jetzigen Berieſelungswieſen gewann ich früher ohne Be⸗ wäſſerung nicht ein Fuder Heu, welches das Rindvieh fraß. Jetzt ver⸗ zehren ſie es durchweg mit Begierde; denn der rauhe Duwock wird von dem ſtarken Futter erſtickt, aber nicht ausgerot⸗ tet. Hört die Berieſelung auf, ſo iſt er wieder da(S. 160. (Hört! Hört! Vor eingeführter Berieſelung hatte ich nur ungefähr zu drei Fuder Nachmahd zweiſchürige Wieſen; jetzt liefert mir der zweite Schnitt aus andern, die damals nichts gaben, gegen 60 Fuder des ſchön⸗ ſten Nachmahdheues, und bedeutend hat auch der erſte Schnitt zugenom⸗ men. Keine Operation hat mir nach Verhältniß des Koſtenaufwandes ſo viel genützt, als die Bewäſſerung, und was iſt das mehr gewonnene Heu nicht für die Cultur des Ackers werth? Es wird nicht wie das mehr erzeugte Korn verkauft, ſondern der Acker erhält es gewiß wieder. Mehre meiner Herren Collegen haben meine Einrichtung beſehen, die ihrige darnach angelegt und bedeutenden Nutzen davon gezogen. Doch geſtehe ich ſehr gern, daß meine Lehrmeiſter dieſe Sache weit mehr in's Feine ausgearbeitet hatten, als ich. Zwar kamen auch viele Landleute, die da ſehen und doch nicht glauben, zu mir und ſagten: Ja! wenn ich ſolchen Wieſenboden habe, wie Sie, ſo brauche ich nicht zu berieſeln; denn hier wächſt es von ſelbſt; worauf ich denn ant⸗ wortete, ſie möchten bloß die Natur beobachten, und ſie würden finden, daß bei jedem Bach oder Fluß nur da allein die Wieſen fruchtbar ſind, wo das Waſſer uͤberſtrömt. Ich ſage überſtrömen und nicht über⸗ ſtauen. Wir bemerken den Unterſchied hierin hauptſächlich an Fluſ⸗ ſen, deren angränzende Wieſen oft eine Viertel⸗Meile breit, aber nur da ergiebig ſind, wo der ausgetretene Fluß über ſie herſtrömt, weß⸗ halb die Biegungen, über welche das Waſſer in gerader Richtung weg⸗ läuft, ſich ſo erſtaunlich im Futterertrage auszeichnen, und iſt auch hierin die Urſache zu finden, warum bei Flüſſen von gleichen Ge⸗ wäſſern doch die angränzenden Wieſen verſchieden ſind. Könnten wir in unſerem Vaterlande es möglich machen, wenn es auch nur bei den kleinſten Flüſſen geſchähe, daß das Flußbett, wo es nöthig, erweitert, die großen Krümmungen durchſtochen und im Sommer das Kraut 199 . ausgeſchnitten würde, um die zerſtörenden Überſchwemmungen bei naſ⸗ ſen Sommern zu verhüten und die Wieſen trocken zu legen; brächte man alsdann Schleuſen an und berieſelte die angränzenden ungeheu⸗ . ren Strecken von Wieſen: wie viele Tauſend Fuder Heu könnten wohl V mehr gewonnen werden! Denn es iſt gewiß, daß mit den Strömen 1 eine Menge Dungtheile dem Meere zugeführt werden. Aber wo iſt das Mittel, die Koſten zu decken, und wie ſind alle Köpfe in eins zu 4 bringen?!— Wir wollen uns für's Erſte begnügen, nur die privativ 1 innehabenden Bäche und Waſſergräben zur Verbeſſerung unſerer Wie⸗ t ſen zu benutzen. Wie wenig aber bei der Separation unſerer Bauern⸗ 5 dörfer hierauf Rückſicht genommen, haben mir noch kürzlich mehre ). Beiſpiele gezeigt, wo durch die unglückliche Wuth, Alles mit Gräben ſr ſepariren zu wollen, der beſte Ertrag mehrer Wieſen verloren ge⸗ ii gangen ꝛc. n⸗ Nächſt dem verſtorbenen Pogge machte als praktiſcher Rieſe⸗ M⸗ lungsmeiſter in Mecklenburg Herr Schröder zu Kleeſten, bei Klo⸗ des ſter Dobbertin, ſich früh um dieſen wichtigen Eulturzweig verdient. ene Seine Überrieſelungs⸗Anlagen zu Caſtorff, zu Briggow, zu Kleinen egt Breſen, zu Vietzen ꝛc. und die von ihm in den Vaterländiſchen Anna⸗ len niedergelegten Vorſchriften zur richtigen Anordnung ähnlicher Ein⸗ ghen, richtungen haben auf die allgemeinere Verbreitung der Wäſſerungs⸗ dgen. kunſt zu ihrer Zeit wohlthätig eingewirkt, wenngleich das gegebene wei Beiſpiel nicht in dem Grade zur Nacheiferung anfeuerte, wie ſpäter ve die in der Güſtrower Gegend ſtattgefundenen großartigen Verſuche, nen. da der Standpunct der Landwirthſchaft und der Geiſt unſerer Wiſſen⸗ hruitt ſchaft eine ſo mächtige Veränderung erfahren haben. tant⸗ Pogge's oben angedeuteter Befürchtung, daß die mit der prak⸗ der, tiſchen Ausübung des Wäſſerungsgeſchäftes verbundenen unumgäng⸗ ſid lichen Unbequemlichkeiten der Verallgemeinung desſelben ſtörend ent⸗ er⸗ gegentreten würden, glauben wir bei der im Ganzen noch derben Con⸗ plſ ſtitution unſers Landbauers und dem ausgezeichneten Enthuſiasmus, nr welchen er gerade für das ausübende Gewerbe in ſich trägt, nicht ueß beipflichten zu drfen. Das Beſchämende einer ſolchen Unterlaſſungs⸗ guxp ſünde und wie keine andere wirthſchaftliche Rückſicht dieſelbe motivi⸗ dauch ren könne, ſpricht ein eifriger vaterländiſcher Wieſenwirth, Herr Pe⸗ Ge⸗ terſen zu Panzow, in einem Vergleich der Wieſenarbeiten mit denen 1 wit der Ackerbeſtellung, in treffenden Worten(mit denen angemeſſen die⸗ 1 ſer Paragraph zu ſchließen ſeyn mag) aus, wenn er ſagt: Sucht man im Frühjahre die Weizenpflanzen zuweilen auf gutem, ſchwerem Boden mit der Laterne, ſo muß ſich der Mäher ſchon auf den —— Rieſelwieſen nach ſeiner Senſe umſehen. Erholt ſich nun das vom Winter hart mitgenommene Korn zwar wieder, ſo können Dürre, Näſſe, zu machen, mit Scarificator und Exſtirpator zu pulveriſiren, mit Moder oder Mergel, gebranntem Thon, aus Frankreich geholtem koſtſpieligen Gips, Knochenmehl oder Salz, Düngepulver und Dün⸗ ger zu verbeſſern? Obgleich faſt alle Jahre in einer oder der andern Kornart ein Mißwachs einfällt, ſo ſcheut man dennoch dieſe Koſten nicht, und dagegen liegen viele Laſten Ausſaat groß des ſchönſten Wieſengrundes, ohne daß die Cultur für ſie etwas thut; laufen die ſchönſten Bäche ungenutzt vorüber, die vielleicht ebenſo unerſchöpfliche Dungkraft als der Nil beſitzen, und führen dieſen mit Mühe auf die Ackerflächen und Hügel gebrachten, durch den Regen abgeſchwemmten und den Bächen zugeführten Dünger in entfernte Seen und Meere, den ſie den armen Wieſen und dadurch den Menſchen wiedergeben könnten. Die rationelle Wieſencultur iſt dagegen ſo ſicher und um nichts koſtſpieliger, als jene Ackerbeſtellung. Der Grund dieſer Ver⸗ nachläſſigung liegt wohl mit darin, weil die Anordnung der Wieſen⸗ arbeiten zur Zeit noch nicht durch Stellvertreter beſchafft werden kann. Es gibt naſſe, kalte Füße, durchnäßte Haut„ und ſchwache Naturen unterliegen leicht dieſen Beſchwerden. Aber ſollte ein früher Tod in dieſem Berufe weniger beneidenswerth ſeyn, als der ſo hochgeprieſene des Kriegers, wenn er bleibt in einer Schlacht, die geſchlagen wird, um ein ſechsjähriges Kind, ein Mädchen auf den Thron zu ſetzen, oder die heilige Inquiſition aufrecht zu erhalten? Der frühe Tod des Rieſelmeiſters verbreitet Wohlſtand und befördert Menſchenleben; da⸗ gegen vertilgt der Krieger dasſelbe und zerſtört die Saaten des trau⸗ ernden Landmanns.— Nöthige Vorſicht bei der erſten Anlage.— Rückſicht auf Quantität, Berechtigung und Qualität des Waſſers. Bevor man, in der Abſicht eine Rieſelungs⸗Anlage zu machen, Hand an die geringſte Vorrichtung in dem zu benutzenden Gewäſſer und der auf ſolches angewieſenen Wieſe legt, hat man das anzuwen⸗ dende Waſſer der allerſorgfältigſten Prüfung ſowohl in Rückſicht auf ſeinen Zufluß, die darüber ſtattfindenden Berechtigungen, als auch 8 201 ſeine Qualität zu unterwerfen, wenn man nicht Zeit, Frieden und Geld vergebens einem ſchlecht berechneten Plane opfern will. In erſterer Rückſicht muß eine aufmerkſame mehrjährige Beobach⸗ tung des Waſſerlaufes in den verſchiedenen Jahreszeiten und das Ur⸗ theil glaubhafter, mit Localkenntniß ausgerüſteter Augenzeugen ent⸗ ſcheiden. Sowohl über die Quantität des Zulaufes als das damit zu bewäſſernde Flächenmaß hat man zwar mathematiſche Beſtimmungen verſucht; es leuchtet aber leicht ein, wie bodenlos und ungegründet hypothetiſche Annahmen dieſer Art ausfallen müſſen, und wie viel ſicherer man gehen wird, wenn man ſich in Ermangelung des eigenen Prüfungstactes über dieſen Gegenſtand Raths bei einem Manne er⸗ holt, deſſen Verhältniſſe und Beruf ein inwohnendes praktiſches Ge⸗ fühl, einen durch Erfahrung erlangten richtigen Blick für ſolche Schãz⸗ zungen vorausſetzen laſſen. Immer wird es Einem nicht ſo gut wer⸗ den, das ganze Jahr hindurch einen gleichmäßigen genügenden Waſſer⸗ vorrath für ſeine Rieſelungs⸗Anlagen ſich ſichern zu können; jedoch durch umſichtige Nachhülfe des Zuflußcanals und durch eine weiſe Hkonomie der Waſſerbenutzung läßt ſich der Vorrath häufig zu gro⸗ ßem Nutzen ergänzen. So verdient darauf aufmerkſam gemacht zu werden, daß oft der Zulauf aus einem See⸗ oder Quell⸗Reviere durch einen gegebenen Abzug beträchtlich vermehrt wird, indem der ſtattfindende Gegendruck des ſtehenden Waſſers nun aufhört und bisher verſtopfte unterirdiſche, höher gelegene Magazine Luft und Frei⸗ heit bekommen. Es hat ſich dieſe, ſchon früher von Thaer angeführte Beobachtung in unſerer und der Prarxis norddeutſcher Rieſelwirthe mehrfach bewährt, wo Gewäſſer, die früher, als ſie keinen Ablauf hatten, nur ſchwach fundirte Waſſerbehälter ſchienen, nach ſtattge⸗ fundener Ableitung auf Rieſelwieſen reiche, nie verſiegende Verſor⸗ gungsborne wurden. Bei wirklicher Knappheit an Waſſer muß die wiederhohlte Benutzung desſelben aushelfen; da wird man es dann ſo viel möglich auf der Höhe zu erhalten ſuchen, um keinen Vortheil zu vergeben. Stephens(in ſeinem praetieal irrigator) tadelt das Wie⸗ derauffangen des Waſſers, weil dann nur die obere Fläche einer Wieſe gehörig bewäſſert wird, die untere aber beinahe ganz leer ausgeht, welchem Übelſtande man nur dadurch begegnen kann, daß man den zu fuͤhrenden Canal bis zur Mitte des Abhanges ſo fortführt, daß jede Furche unmittelbar von demſelben geſpeiſ't wird und neues, nicht ſchon gebrauchtes Waſſer erhält. Im Ganzen iſt freilich das Waſſer, welches nach öfterer ununterbrochener Benutzung Wirkung zeigt, eine Rarität. Allgemeine Berechnungen über das nöthige Waſſerquantum ſind, wenn ſie mit dem größten wiſſenſchaftlichen Scharfſinne entwor⸗ fen wurden, um ſo weniger von praktiſchem Werthe, inſofern die Be⸗ ſchaffenheit des zu rieſelnden Bodens und der Bau der Wieſen dabei nicht erfahrungsmäßige Berückſichtigung gefunden haben. So reicht, zufolge der praktiſchen Regel des lüneburgiſchen Landwirths, eine gewiſſe Menge Waſſer auf Sandboden nur etwa den dritten Theil ſo weit, als auf lehmigem Boden; ebenſo iſt es Erfahrungsſatz, daß man auf ihren nach neueſter, ſpäter zu erwähnender Art angelegten Wieſen⸗ feldern ein Drittel mehr, als auf ebener Fläche desſelben Bodens, auf welchem das Waſſer langſam fortläuft, bewäſſern kann. Vorſicht des erſten Handelns iſt beſonders dem enthuſiasmirten Rieſeler zu empfehlen, wenn er mit brummbärtigen eigenſinnigen Nachbarn, namentlich mit Müllern, in Colliſionen gerathen kann; ſelbſt der toleranteſte Feldnachbar wird böſe Miene zum, ihm vielleicht An⸗ fangs aus Liebe zum Gewerbe, bei dem Gränzfreunde ergötzenden Spiele machen, wenn das zurückſtauende Waſſer auf ſeine Raps⸗ und Weizenfelder tritt, oder wenn er die Bemerkung macht, daß das Waſ⸗ ſer, welches er von dem angränzenden intelligenten Rieſelmeiſter em⸗ pfängt, keine gleiche Wirkung auf die Vegetation äußern will, viel⸗ mehr dieſe häufig, durch den mitgeführten Schlamm ꝛc., erſtickt. Das Schlimmſte bleibt immer ein Zank mit benachbarten Müllern, entweder aus dem Grunde, daß man die Veranlaſſung zu ſtarker Fluthung oder die Urſache entſtandenen Waſſermangels geworden ſey. Geht es in ſolcher Angelegenheit zur Klage, ſo wird man, ſelbſt in dem Falle, daß dieſe thatſächlich völlig unmotivirt wäre, an keine für uns gün⸗ ſtige Ausgleichung des Streitpunctes denken können, da(wie Thaer bereits vor einem Viertel⸗Jahrhundert treffend und für die jetzige Zeit noch gleich paſſend bemerkte) die Gerichtshöfe ſich an den Buchſtaben der Privilegien und Receſſe halten, welche in den Zeiten der erſten Cultur zu ſehr zum Vortheil und zur Sicherung der Müller gegeben wurden. Die Eigenſchaft des Waſſers iſt der dritte, gleich unerläßlich und hochwichtige Beachtungspunct bei deſſen beabſichtigter Anwendung. Manches von dem, was§. 91 bei Gelegenheit der Unterſuchung des für die Überſtauung anzuwendenden Waſſers geſagt iſt, gilt auch hier. Im Ganzen fühlt der praktiſche Rieſelwirth immer mehr, daß es ihm an einer nothwendigen, wiſſenſchaftlichen Norm bei Beurtheilung des eigenthümlichen Werthes des Rieſelwaſſers gebricht. So wichtig die Che⸗ mie in neuerer Zeit auf vielfältige Gegenſtände der Agricultur einwirkte, ſo hat ſie doch noch nicht ermittelt, welche Beſtandtheile des Waſſers 203 dem Graswuchs förderlich und als Grundbedingung eines üppigen Wachsthums der Gräſer unterliegen; welche Beimiſchungen dagegen die⸗ ſem ſchädlich, ja tödtlich ſind, und wie endlich dieſe nachtheiligen Eigen⸗ ſchaften gemildert und unwirkſam gemacht werden könnten. Die Em⸗ pirie hat in Folge langjähriger Beobachtungen ſich gewiſſe Merkmale und Regeln entnommen; ſie geräth aber, da ſie nur nach der äußern Anſicht und nach dem ſinnlichen Eindrucke geht, häufig mit ihrem Ur⸗ theile in Confliet. So bemerkt Steltzner*), daß man das Waſſer bis dahin im Lüneburgiſchen nach ſeinem abgeſetzten Schlick tarirt habe. Wenn ſolcher ſchwärzlich, auch dunkelgrau iſt, ſo hält man das Waſ⸗ ſer für beſonders wirkſam, und man preiſ't ſich auch recht glücklich, ſolch' ein Kleinod zu beſitzen. Gelber und weißlicher Schlick läßt auf Unwirk⸗ ſamkeit, wo nicht gar auf Nachtheil ſchließen, indem das Gras durch Waſſer, das dieſe Art Rückſtand läßt, weggebeizt wird. In unſern Geeſtgegenden laſſen jedoch die mehrſten Bäche keinen Schlick zuruͤck, weßhalb man ſolche dennoch ja nicht zur Verbeſſerung verſchmähen darf. Dem Rieſelmeiſter bieten ſich hauptſächlich dreierlei Waſſerarten dar, nämlich ein von fremdartigen Beimiſchungen faſt freies oder auch an ſolchen reiches Waſſer, deſſen Wirkung auf den Graswuchs aber jenen nicht entſpricht, häufig= 0 iſt; ein, wahre Düngerſubſtanze mit ſich führendes Gewäſſer; eine, durch die ihr beigemengten fremdarti⸗ gen Subſtanzen auf die Vegetation nachtheilig einwirkende Fluth. Rückſichtlich des Quellwaſſers hegt man gewiß noch allerhand un⸗ begründete Vorurtheile, wenngleich im Allgemeinen ſeine Anwendung weniger wirkſam und mit größerer Vorſicht verknüpft ſeyn wird. Die in der Regel nur unbedeutenden Beimengungen von Metall⸗Oxyden und andern Salzen, welche ſich im Gebirgswaſſer finden, ſind erfah⸗ rungsmäßig dem Pflanzenwachsthum, wenn ſie wirklich in größerer Menge vorhanden und ſich dem Boden mittheilen, mehr förderlich als ſchädlich. Oben iſt ſchon ein Beiſpiel von dem günſtigen Erfolge der Wäſ⸗ ſerung mit dem ſogenannten harten Waſſer angeführt. Herr v. Bön⸗ ninghauſen beſtätigt auch, daß die Wäſſerung mit hartem Waſſer im Siegenſchen ebenfalls einen lohnenden Erfolg, wenn auch einen ge⸗ ringern als mit weichem Waſſer, habe**). Ebenſo dürfte es noch ſehr *) Siehe Möglinſche Annalen der Landwirthſchaft, Bd. 29. **) Man erkennt das weiche und harte Waſſer an ſicherſten und leichte⸗ ſten durch gewöhnliche Seife, indem jenes damit vermiſcht oder als Seifenwaſſer zugeſchüttet eine gleichförmige trübe Flüſſigkeit bildet, das harte Waſſer aber, wie geronnen, käſeförmige Flocken erzeugt, welche ihre Bildung der Kohlenſäure verdanken. problematiſch ſeyn, ob viele Kalktheile enthaltende Quellen ein zur Rie⸗ ſelung nicht geſchicktes Waſſer liefern. Man ſollte dieß kaum denken, wenn man von Steltzner höort, daß irgendwo ein aus einer mit Tropf⸗ ſtein reichlich angefüllten Grotte kommender Bach gleich zur Wieſenwäſ⸗ ſerung benutzt wird und daß man den vortheilhaften Einfluß dieſer auf die Vegetation der Gräſer lediglich ſeinem vielen Kalkgehalte zu⸗ ſchreibt. Auch beſtätigt Steltzner's Beobachtung, daß an den Ufern der kalkhaltigſten Bäche ein ausgezeichnet üppiger Graswuchs Statt findet, die Grundloſigkeit des Vorurtheils der incruſtirenden Eigenſchaft dieſes Waſſers. Wir ſind ſehr geneigt, der Anſicht jenes verehrten Mannes beizupflichten, daß die nachtheiligen Erfolge der Rieſelung mit Quellwaſſer in der Regel mehr ſeiner eigenthümlichen Kälte, als ſchäd⸗ lichen Beimiſchung zuzuſchreiben ſind. Gewiß iſt ſein Vorſchlag, durch längere Leitung oder Auffangung in großen, flachen Behältern dem Quellwaſſer einen höhern, mit der Temperatur der Gräſer übereinſtim⸗ mendern Wärmegrad zu verſchaffen, der Befolgung werth*). Compa⸗ rative Verſuche mit ganz friſchem und atmoſphäriſch erwärmtem Quell⸗ waſſer könnten über die Richtigkeit jener Anſicht leicht entſcheiden, und wir fordern dazu dringend Leute, wie unſern Pogg e, Peterſen und ähnliche tüchtige Rieſelwirthe auf. Bisher iſt uns nur Ein vergleichen⸗ der Verſuch zur Ermittelung der verſchiedenartigen Wirkung von Quell⸗ waſſer und Bach⸗Ackerwaſſer in Mecklenburg bekannt geworden. Er fand zu Strieſenow in den Jahren 1820— 1822 Statt. Da er einen *) Schon der Commiſſär J. F. Meyer in ſeiner Preisſchrift über Be⸗ wäſſerungs⸗Wieſen ſagt:„Wenn das Quellwaſſer zu kalt aus der Erde kommt, ſo dient es nicht gleich zur Bewäſſerung; nachdem es aber eine kurze Zeit zu Tage gefloſſen oder in einer Art von Behälter angehalten geweſen iſt, läßt es ſich ſchon zur Bewäſſerung gebrauchen. Warme Quellen haben daher, wenn ſie rein von mineraliſchen Theilen ſind, einen Vorzug vor den kalten. Jene löſen den Nahrungsſtoff der Pflanzen beſſer auf als dieſe, und die Wärme befördert die Fermentation, folglich das ſtärkere Wachsthum der Pflanzen.“ Sprenge l erklärt jetzt die abweichende Wirkung des friſchen und eine Zeit lang an der Luft gefloſſenen Waſſers, wie folgt: Man behauptet wohl, daß kaltes Quellwaſſer nicht zum Bewäſſern der Wieſen geeignet ſey, allein dieſe Anſicht iſt irrig; denn Waſſer, was aus der Erde hervordringt, beſitzt immer eine Wärme von 9— 10 Grad R., iſt alſo nicht ſo kalt, daß es den Pflanzen nachtheilig werden kann, da ſonſt das oft bei Weitem kältere Regenwaſſer dem⸗ ſelben gleichfalls ſchaden müßte. Der wahre Grund, weßhalb das kalte oder friſche Quellwaſſer den Pflanzen wohl ſchädlich wird, iſt, daß es ſehr oft koh⸗ lenſaures Eiſen⸗ und Mangan⸗Oxrydul in Löſung hält, welche Körper auf die Ve⸗ getation ſtets nachtheilig wirken, ſich aber als Eiſen⸗ und Manganoxydhydrat aus⸗ ſcheiden, und folglich nun nicht mehr in die Pflanzen übergehen können, wenn das Waſſer eine Zeit lang an der Luft fließt, oder, wenn man will, ſich er⸗ wärmt. 2⁰⁵ Beitrag zur Beantwortung der uns intereſſirenden Frage auf Moor⸗ wieſen liefert, mag er hier folgen. §. 95. Vergleichender Wieſenberieſelun gs⸗Verſuch mit Quell⸗ und Feldwaſſer zu Strieſenow. Seine Darſtellung lautet: Wie wirkte die Berieſelung von Quellwaſſer und Bach⸗Ackerwaſſer A. in dem Berieſelungs⸗Jahre von 1820— 18212 B. in dem folgenden, ſehr von jenem hinſichtlich der Witterung ver⸗ ſchiedenen, von 1821— 1822, auf gewiſſe Moorwieſen(brenn⸗ bare) ohne erdige Beimiſchung? Verſuche ad A. Ein Theil einer ſeit zwei Jahren berieſelten, vor dem Abhange eines Quellhügels gelegenen Moorwieſe, ohne merkliche erdige Beimi⸗ ſchung oder eine überlage der Art, mit etwas Gefälle, das von der Quelle der Höhe und dem vorbeifließenden Waſſer des Berieſelungs⸗ grabens durch eine drei Fuß tiefe Rinne getrennt und ſo trocken ge⸗ legt war, daß weder Pferde noch Wagen tiefe Spuren darin hinter⸗ ließen, bildete drei gleiche Abtheilungen, als:. Nr. 1. 9 OQ. Ruthen, welche in der beſagten Zeit mit etwas Waſſer einer höher liegenden Quelle mittelſt einer über die Gru⸗ ben führenden hölzernen Leitung, Nr. 2. 9 O. Ruthen, welche gar nicht, Nr. 3. 9 OQ. Ruthen, welche mit etwas mehr Bach⸗ und Feld⸗ waſſer aus dem angränzenden Berieſelungsgraben gleichfalls auf vorbeſchriebene Art bewäſſert wurden. Bemerkungen ad A. Die Berieſelung begann im Anfange des Novembers und endete im April, wurde aber des ungemein ſtrengen Winters wegen, der ſchon im November in dieſer Wieſe Froſt erzeugte, der ſich fortwäh⸗ rend bis zum Mai erhielt, ſehr oft unterbrochen. Erfolg ad A. Zur Vormahd ſchienen die Gräſer auf allen Stücken ſaures Wie⸗ ſengras, auf Nr. 1 und 3(den berieſelten) dünnes, zur Nachmahd verſchieden, nämlich bei 1 und 3 mit Fiorin, bei 2 mit Klee ver⸗ mengt zu ſeyn. Anfangs Juli gab die Vormahd von Nr. 1. 16 Pf., Nr. 2. 27 ½ Pf., Nr. 3. 187 Pf. Heu und Ende Septembers die Nachmahd von Nr. 1. 25 Pf., Nr. 2. 23 Pf., Nr. 3. 25 Pf. Heu ———— Nr. 1. 41 Pf, Nr. 2. 50% Pf, Nr. 3. 417 Pf. Heu als Totalertrag. Verſuche ad B. Auf den unter A. ſchon hinlänglich beſchriebenen Flächen wurden die Verſuche, wie es dort geſchehen, im Berieſelungsjahre von 1821 auf 1822 vorgenommen. Bemerkungen ad B. Die im November begonnene Berieſelung wurde faſt gar nicht während ihrer ganzen Dauer bis Ende April geſtört. Vom Froſte blieb die Wieſe frei und faſt im fortwährenden Grünen. Fiorin war zur Vormahd und Nachmahd, beſanderd, auf den Berieſelungsſtellen vorhanden. Erfolg ad B. Den 7. Juni gab die Vormahd von Nr. 1. 31 Pf., Nr. 2. 16 Pf., Nr. 3. 52 Pf. Heu und den 28. Auguſt die Nachmahd von Nr. 1. 53 Pf., Nr. 2. 49 Pf., Nr. 3. 84 Pf. Heu Nr. 1. 84 Pf., Nr. 2. 65 Pf., Nr. 3. 136 Pf. Heu als Totalertrag. Antwort ad A. und 3. Die Verieſelung ſchadete etwas im Jahre 1820 auf 1821 ſie nutzte ſehr viel im Jahre 1821 auf 1822. Nächſte Folgerungen hieraus. Setzt man nun die Witterung des Jahres 1820 auf 1821 als das Extrem einer der Berieſelung ungünſtigen und die des Jahres 1821 auf 1822 als das Extrem einer der Berieſelung günſtigen, ſo wird nach angeſtellter Vergleichung, zufolge obiger Verſuche, ſich fin⸗ den, daß 1. unter jenen Verhältniſſen ein beträchtlicher Vortheil von der Berieſelung im Durchſchnitte der Jahre zu erwarten, 2. aber eine größere Wirkung vom Bach⸗Ackerwaſſer, als von dem 207 durch Moorgrund emporſteigenden Quellwaſſer wahrſcheinlich zu hof⸗ fen ſey 8 §. 96.- Fortgeſetzte Bemerkungen über die Eigenſchaften des Rieſelwaſſers. Eine merkwürdige Erſcheinung iſt es, daß von ſiren Beimengun⸗ gen faſt freies, dieſe dazu nicht abſcheidendes Waſſer, wenn es zur Rieſelung benutzt wird, auf dem zuerſt überſtrömten Wieſenfelde auf⸗ fallend beſſere Wirkung, als auf dem zunächſt damit berieſelten Beete aͤußert; daß, wenn einmal benutztes Rieſelwaſſer dieſer Art aber vor dem wiederholten Gebrauche eine Zeit lang wieder frei fortfließt, der erſte ungeſchwächte Erfolg der Rieſelung auf das Graswachsthum ſich wieder herſtellt. Dieſe vielfach gemachte Beobachtung iſt eine un⸗ ſchätzbare Richtſchnur für ſolche Rieſelwirthe, welche Mangel an Zu⸗ fluß zwingt, eine ſtrenge Waſſerökonomie zu halten. Sie beweiſ't zu⸗ gleich, daß die Wirkung des Waſſers auf die Vegetation gewiſſen, noch uns unbekannten Geſetzen, die nicht in ſeinen chemiſchen Verhältniſſen begründet ſind, unterliegt. Es iſt eine intereſſante Aufgabe der Natur⸗ wiſſenſchaft, dieſe zu erforſchen. Herr Steltzner war unſers Wiſſens der Erſte, welcher darauf hindeutete. Was bringt— ſagt er in ſei⸗ ner mehrangeführten Abhandlung— die ſehr oft bewundernswuͤrdigen Wirkungen von ſolchem Waſſer hervor, das nur ganz wenig fremd⸗ artige Beimiſchungen“) und noch dazu von ſolcher Art hat, daß ſie nur auf chemiſchem Wege trennbar ſind?— Wollte man annehmen, daß hier lediglich die Wirkungen aus dem größern, den Gräſern ſo beſonders nöthigen Feuchtigkeitsgrade hervorgingen, welcher in dem Boden erhalten wird, ſo müßte die Wirkung des Waſſers auf glei⸗ chem Boden ſich gleich bleiben, es möchte unmittelbar hintereinander über noch ſo viele Wieſen geleitet werden. Dieß iſt aber nur höchſt ſelten der Fall, und die gewöhnliche Verminderung der Wirkung des Waſſers iſt um ſo merklicher, je kleiner deſſen Menge iſt, je mehr es bei der Bewäſſerung vertheilt werden muß**). In den kleinen Bä⸗ chen der lüneburgiſchen, bremenſchen und anderer Sandgegenden des *) In der Natur findet ſich das Waſſer nie völlig rein; außer den bei⸗ gemengten Gasarten enthält es häufig etwas Erde und Salze und hier und da ſind ihm auch organiſche Stoffe beigemengt; enthält ein Waſſer nur we⸗ nig erdige Salze, ſo nennt man es im gemeinen Leben weich; enthält es de⸗ ren mehre, ſo nennt man es hart. **.) In den Wieſen der Amtsvogtei Fallingboſtel wird ein Bach auf ei⸗ ner Länge von 10 Meilen zehnmal gebraucht und wieder gebraucht, und äußert das letzte Mal keine ſchlechtere Wirkung, als bei dem erſten. aufgeſchwemmten Landes iſt wenig Beimiſchung zu erwarten, und de⸗ ſto weniger, je kürzer ihr Lauf iſt und je unwirthbarer die Gegenden ſind, die ſie durchlaufen. Ihre Wirkungen müßten alſo beim ununter⸗ brochen erneuerten Gebrauche ſich entweder gleich bleiben, oder ſind die darin enthaltenen B eimiſchungen auf den erſten Berührungspunc⸗ ten abgeſetzt, ſo müßten die Wirkungen nicht wieder zunehmen, wenn das Waſſer nur kurze Strecken durchlaufen hat, ohne erneuerten Zu⸗ fluß zu erhalten. Da man aber ſehr häufig wahrnimmt, daß das Waſ⸗ ſer, wenn es nur einen Raum von 7, 8 oder 9 Fuß im Grasboden zurückgelegt hat, dann in den Entwäſſerungsgräbchen ab⸗ und auf ein darunter gelegenes Wieſenfeld geleitet wird, die Wirkungen auf die⸗ ſem ſchon nicht ſo groß als auf dem erſten, und beim dritten unmittel⸗ bar folgenden— jedoch auch nicht längern Gebrauche— noch gerin⸗ ger iſt; daß aber die Wirkung wieder zunimmt, wenn das Waſſer auch nur 5— 10 Minuten weit in offenen Gräben fortfließt: ſo muß man annehmen, daß das Waſſer auf ſeinem Laufe viele Stoffe aus der Luft ſchnell abſorbirt**), die ihm auch ſehr ſchnell beim Überlaufen über den Grasboden entzogen werden. Man nimmt dieſen ab⸗ und zuneh⸗ menden Stoff für Sauerſtoff an, und er kann auch wohl nichts an⸗ deres ſeyn. Es drängen ſich aber hierbei die Fragen auf: Iſt die con⸗ ſtante Bildung des Waſſers von einem Antheile Sauerſtoff und zwei Antheilen Waſſerſtoff geeignet, noch einen Überſchuß des erſtern auf⸗ zunehmen?*) oder iſt es möglich, daß dieſer conſtanten Miſchung auf dem mechaniſchen Wege durch das Überlaufen über den Gras⸗ boden ein Theil des einen Grundſtoffes auf kurze Zeit entzogen werden könne, der ſich jedoch aus der Luft bald wieder erſetzt? oder ſind es lediglich die verſchiedenen Gasarten, die das Waſſer nach Sauſſure's, — *) Nach Sauſſure abſorbiren 100 Theile Waſſer dem Volumen nach bei 14,4⁰ R. 4,2 Stickgas.. 106,0 kohlenſaures Gas, 4,6 Waſſerſtoffgas.253,0 Schwefelwaſſerſtoffgas, 6,5 Sauerſtoffgas. 437,8 ſchwefeligſaures Gas. Bei Verminderung der Temperatur und vermehrtem Druck der Luft iſt das Waſſer im Stande, mehr Luft aufzunehmen. **) Einige Zeit der freien Luft ausgeſetztes Waſſer enthält immer eine gewiſſe Menge ſauerſtoffreichere Luft; v. Humboldt und Gay⸗Luſſac fanden in lange zuvor unbenutzt der Atmoſphäre ausgeſetzten 100 Maß deſtillirtem Waſſer...... 32,8 Sauerſtoffgas, Regenwaſſer......... 31,0— Schneewaſſer......... 28,7— Seinewaſſer. 28,3— 34,9— Waſſer, das in der Erde mit Stoffen in Berührung tritt, die zum Sauer⸗ ſtoff Anziehung beſitzen, iſt veränderlicher in ſeinem Luftgehalt.. — ——— 2 ͤ—— EEECECEſſſſſſſͤſͤſoſo² 209 v. Humboldt's und Gay⸗Luſſac's Unterſuchungen abſorbirt, und können ihm ſolche durch die Berührung mit Gräſern wieder ent⸗ zogen werden? Ohne zu wiſſen, wie ſich oben angeführte Erſcheinung erklären laſſe, ſo hat ſie doch den Lüneburger Landwirthen den Fingerzeig gege⸗ ben, den Gebrauch des Waſſers demgemäß einzurichten, und man ver⸗ meidet es demnach, ſo viel als nur immer möglich iſt, das Waſſer, wel⸗ ches einmal gewäſſert hat, ſogleich auf ein anderes Wieſenfeld laufen zu laſſen. Man bewäſſert dann lieber erſt die entferntern Theile und wechſelt mit nahen und fernen ſtets ab. Jener Erfahrungsſatz iſt auf ihren gebauten Wäſſerungswieſen ein Grund der ſchmalen, gewölb⸗ ten Beete, weil auf ſelbigen das Waſſer nur ganz kurze Zeit verwei⸗ len und man es im folgenden freien Laufe deſto eher wieder erfriſcht benutzen kann. Stets wieder erfriſchtes Waſſer iſt die Achſe, um die ſich die verbeſſerte Lüneburger Bewäſſerung dreht. Häufig wird ſich dem Rieſeler ein Gewäſſer zu Gebote ſtellen, welches, ſeinem Urſprunge, Laufe und den auf dieſem bethätigenden Wirkungen nach, einen Reichthum an düngenden und fruchtbar machen⸗ den Subſtanzen verheißt. Deſſenungeachtet erheiſcht die Vorſicht, den Werth ſolchen Waſſers erſt im Kleinen zu prüfen, bevor man ſich zu einer koſtſpieligen Benutzungsanlage entſchließt. Das dungreichſte Waſ⸗ ſer verliert in der Regel, wenn es wiederholt zur Wäſſerung ange⸗ wandt wird, am früheſten ſeine kräftige Wirkung, indem ſeine Beimen⸗ gungen ſich mechaniſch ſo viel leichter von ihm trennen. Man lege da⸗ her an dem fetteſten Waſſer nicht den ſich von der Wieſenflur des Gränznachbars geholten Maßſtab an, wenn inzwiſchen kein kräftiger Zufluß den dort ſtattgefundenen Abſatz erſetzt hat; und ſelbſt die mit düngenden Abflüſſen ungeſchmälert geſchwängerte Fluth kann häufig einen, dieſem Gehalte entſchieden widerſprechenden Erfolg äußern, wenn ſich derſelben unter Weges Waſſer aus Torfmooren und Brüchen, das ſeiner Säure halber Gift für die Vegetation iſt, beimengte. In Hol⸗ ſtein und Mecklenburg, wo unſere Wieſenthäler faſt allenthalben von Torfmooren und Bruchwaldungen durchſchnitten werden, haben wir auf dieſen Umſtand viel ſorgfältiger als bisher zu achten. Es iſt ſo viel über die Unwirkſamkeit der Rieſelung geredet und geſchrieben, aber es ſind bei Erzählung der ungünſtig reſultirten Verſuche ſo ſel⸗ ten alle mitwirkende Nebenumſtände angegeben. Wir zweifeln durch⸗ aus nicht, daß ein Hauptgrund des Mißglückens in der fahrläſſigen Unterſuchung des angewandten Waſſers beruht. Das ſchädliche Moor⸗ waſſer iſt in der Ebene der Peiniger des Rieſelers; im Gebirge ſind Lengerke's Wieſenbau. 14 210 es deſto häufiger die mit giftigen Fabrikaöfälln geſchwengerken Flu⸗ then, deren Einwirkung die nachtheiligſten Vegetationsſtörungen ver⸗ anlaßt. Belehrend ſpricht ſich auch in dieſer Rückſicht der treffliche Steltzner über die Vergewiſſerung der Wirkungen, welche man von dem disponiblen Waſſer zu erwarten hat, aus. Dieſe Vorſicht— ſagt er übereinſtimmend mit unſerer obigen Regel— iſt auch dann nicht zu verſäumen, wenn das Waſſer auch bereits mit gutem Erfolge be⸗ nutzt worden, aber ſeitdem Zuflüſſe bekommen hat, durch welche nicht ſelten die Beſchaffenheit desſelben verändert wird. Unter mehren mir bekannten Beiſpielen dieſer Art führe ich nur das des Seeveſluſſes an, der ſich bei Harburg in die Elbe ergießt. Ungefähr 1 e— 2 Stun⸗ den weit unterhalb ſeines aus Sandhügeln erfolgenden Urſprungs, wozu ſich dann noch einige kleine Moorbäche geſellt haben, wird er zur Bewäſſerung— ganz beſonders bei Jeſteburg, Lohof ꝛc. be⸗ nutzt, und äußert auf den Graswuchs außerordentlich gute Wirkung. Weiter abwärts, z. B. bei Horſt, hat man eine Bewäſſerungs⸗An⸗ lage mit bedeutenden Koſten, jedoch leider ganz vergeblich gemacht, weil das Waſſer ſich nicht nur unwirkſam, ſondern ſogar nachtheilig zeigt, welches nicht anders zu erklären ſteht, als daß einige Zuflüſſe, welche die Seeve zwiſchen Lohof und Horſt aus Torfmooren erhält, ſchädliche Beimiſchungen haben müſſen. Dagegen iſt eben dieß Waſſer, nachdem die Seeve noch eine Stunde weiter gefloſſen, wieder ſehr wohlthätig für den Graswuchs.— In den norddeutſchen Sand⸗Ebenen iſt beſonders auf das aus den daſelbſt häufiger als im übrigen Deutſchland vorhandenen Torf⸗ mooren kommende Waſſer Aufmerkſamkeit zu richten, weil die darin vorhandenen, im Waſſer auflöslichen, mitunter ſchädlichen Subſtanzen mannichfaltiger ſind, als man gemeiniglich glaubt. In der Nähe mei⸗ nes Wohnorts kann ich in geringer Entfernung voneinander Torf⸗ moore nachweiſen, die theils ſehr reinen Torf liefern, theils ſo ſchwe⸗ fel⸗, auch phosphorhaltig ſind, daß der daraus gegrabene Torf zur Herd⸗ und Ofenfeuerung gar nicht zu benutzen ſteht, andere aber wieder ſo eiſenhaltig ſind, daß die daraus erfolgende Aſche von den Landleuten als rothe Farbe zum Anſtreichen ihrer Geräthſchaften be⸗ nutzt und dieſe Art Torf oft nur dieſer Benutzung halber auf offe⸗ nem Felde verbrannt wird. Das aus derartigen Torfmooren abflie⸗ ßende Waſſer möchte ohne vorhergegangenen langen und dadurch rei⸗ nigenden Fluß wohl um ſo weniger der Vegetation förderlich ſeyn, je widerwärtiger die noch darin vorkommenden Säuren ſind. Dage⸗ gen kann das Waſſer aus vielen, ja aus den mehrſten Torfmooren, *½ — —-——y—————— 211 inſofern ſie nur nicht zu den angeführten Arten gehören, als frucht⸗ bar angenommen werden. Gewäſſer, die bei gewiſſen Fabriken benutzt werden, können auch wohl mit ſchädlichen Abfällen geſchwängert ſeyn, die ſie wenigſtens für eine Zeit lang zur Bewäſſerung untauglich machen. Das größte Beiſpiel dieſer Art ſehen wir in unſerem Lande an dem ziemlich bedeu⸗ tenden Fluſſe, die Innerſte genannt, welcher auf dem Harze, in der Gegend von der Bergſtadt Clausthal, entſpringt und ſich nach einem ſehr gekrümmten Laufe von etwa 22 Stunden Länge, auf dem er das Hildesheimiſche durchſtroömt, 1½ Stunden weit oberhalb Hannover in den Leinefluß ergießt. Er wird auf dem Harze zum Betriebe vieler Poch⸗ und Hüttenwerke, auch zugleich dazu benutzt, die bei den erſtern in Maſſe vorkommenden Gebirgsarten, mit denen die brauchbaren Metalle verbunden ſind, die mit dieſen durch Pochen in einen gröbli⸗ chen Sand verwandelt werden, nachdem die Metalltheile davon ab⸗ geſchwemmt worden, durch ſein raſches Herabſtürzen von dem Harz⸗ gebirge mit wegzuſchaffen. Dieſer Sand— in der Bergmannsſprache »After« genannt— wirkt auf das animaliſche, wie auch auf jedes Pflanzenleben nachtheilig, dergeſtalt, daß, wenn er nur in ganz gerin⸗ ger Menge über Grasboden ſich verbreitet, die Vegetation der Gräſer kümmerlich, bei größerer Menge aber, ſo daß der Boden gänzlich be⸗ deckt iſt, gar zerſtört wird, auch der totalen Sterilität des San⸗ des und ſeiner unmerklichen Verwitterungsfähigkeit wegen in vielen Jahren nicht wiederkehrt. Ungeachtet der Fluß durch den Zutritt von zeinigen 70 Bächen ziemlich bedeutend wird, ſo daß ſein Flußbett von ſechs Fuß Breite und zwei Fuß Tiefe in der Gegend von Clausthal bis zu 70 Fuß Breite und 12 Fuß Tiefe zunimmt, und ungeachtet das Gefälle unterhalb der Harzgebirge immer geringer wird, ſo wird durch den Druck des Harzwaſſers der Pochſand dennoch dergeſtalt fortge⸗ trieben, daß die Innerſte bis nahe an ihrer Ausmündung davon ge⸗ trübt iſt. Der nachtheilige Einfluß dieſes Sandes auf die Vegetation in dem angeführten Maße iſt jedoch nur ſo weit von oben herab erheb⸗ lich, als der Innerſte der Zufluß der aus dem flachen Lande kommen⸗ den Bäche fehlt*). 1 *) Der Schaden, den der Innerſte⸗Fluß durch ſeine verſandenden Ueber⸗ ſchwemmungen anrichtet, hat Veranlaſſung zu einer von der königl. Socie⸗ tät der Wiſſenſchaften zu Göttingen aufgegebenen Preisfrage gegeben, welche die von dem Phyſiographen des Königreichs Hannover, Hrn. Oekonomierath Dr. Meyer zu Göttingen, in zwei Bänden, Göttingen 1822, abgefaßte Preis⸗ ſchrift in's Leben gerufen hat, welche als eine Anlage zur Flora Hanno⸗ verana dargeſtellt iſt. S. Göttinger Gelehrte Anzeigen, St. 56, 1821. 14* —— 212 Das Urtheil, welches der verſtorbene Rieſelmeiſter Pogge aus ſeiner bisherigen Erfahrung uͤber den verſchiedenartigen Werth des Waſſers zum Wäſſern fällte, entſpricht im Allgemeinen ganz dem oben Geſagten. Je höher, bergiger und lehmiger die umliegende Gegend, je größer die darin herrſchende Cultur, deſto beſſer wird das Waſſer, deſto mehr Dungtheile führt es bei dem ſehr ſtarken Gefälle mit ſich. Ganz vorzüglich iſt das unmittelbar die Dörfer paſſirende. Quellwaſ⸗ ſer hat Pogge nie allein auf Wieſen leiten können, ſondern es wurde immer mit anderem vermiſcht; ſeiner Meinung nach müßte es ver⸗ möge ſeines Kalkgehaltes Vortheil bringen. Auf einem Gute hat er aber einen Bach, der ziemlich viel Waſſer gibt, welches in Bruͤchen und Waldungen entſpringt, eine ſchlechte, ſandige Gegend paſſirt und den damit berieſelten Wieſen faſt gar nichts nützt.(Siehe Meckl. Annalen, XIX. Jahrg., S. 164.) Bei Recapitulation unſerer etwas weitſchweiſtgen Auseinander⸗ ſetzung deſſen, was hinſichtlich der Benutzung des Waſſers zum Rie⸗ ſeln zu beobachten iſt, ergeben ſich folgende Hauptregeln: 1. Die Quantität des bedürftigen Waſſers kann mit Sicherheit nicht auf mathematiſchem Wege ermittelt werden. Locale Erfahrungen über den Zulauf, die Beſchaffenheit des Wieſenbodens, der Bau der Wieſe liefern die Norm. 2. Der Abzug des Zuführungsbehälters wird häͤufig deſſen Waſſer⸗ haltigkeit verſtärken. 3. Wiederholter Gebrauch des Rieſelwaſſers, ohne dasſelbe vorher wieder ſeinem freien Laufe zu überlaſſen, iſt in den meiſten Fäl⸗ len zu widerrathen. 4. Zu erwartende Colliſionen mit Müllern machen vorläuſtg Rieſe⸗ lungs⸗Einrichtungen unſtatthaft. 5. Die Chemie muß Leiter bei Beurtheilung des eigenthümlichen Werthes der anzuwendenden Gewäſſer ſeyn, wenn ſie uns gleich das Wie der Wirkungsart nicht immer wird definiren können. 6. Auch von mechaniſch abſcheidbaren Beimengungen ganz reines Waſſer iſt zur Rieſelung zweckmäßig und vortheilhaft. 7. Quellwaſſer wirkt hauptſaͤchlich nur nachtheilig wegen des zwi⸗ ſchen ihm und der Vegetation herrſchenden Mißverhältniſſes der Temperatur. 8. Wahrſcheinlich iſt das vielen Kalkſinter abſetzende Quellwaſſer dem Graswuchſe ſehr förderlich. 9. An Salzen reiches Waſſer iſt nicht zur Rieſelung ungeſchickt, wenn es nur zweckmäßig angewandt wird. 213 10. Das an ſich ſo viel fruchtbarere, an organiſchen Stoffen reiche Ackerwaſſer verliert ſeine Wirkung früher. 11. Moor⸗ und Bruchwaſſer iſt, ſeiner Saure wegen, Gift für die — Vegetation 12. Ebenſo gewiſſes Fabriksgewäſſer. Ein Wink alſo, für die Ablei⸗. tung und Ausſcheidung dieſer von unſern Rieſelungsbächen nach Möglichkeit Sorge zu eaen. S. 97. Eigenſchaft des Bodens.— Rieſelungs⸗Verſuche zu Strieſenow auf bekarrten und unbekarrten Moor⸗ wieſen. Im Ganzen gilt hier ziemlich das bei Gelegenheit der Stauwie⸗ ſen Geſagte. Bei Rieſelwieſen ſpielt die Erdmiſchung eine minder wich⸗ tige Rolle, als der Untergrund und das Waſſer. Einen Beweis dafür liefern Wieſen mit loſer, ſandiger, ſteinreicher Krume, welche, mag die Narbe noch ſo dünn, das urſprüngliche Gras noch ſo mäßiger Qualität ſeyn, nach der Wäſſerung gerade die früheſte und üppigſte Vegetation ergeben, ſofern dieſe nur mit vielem und gutem Waſſer in jeder beliebigen Zeit Statt finden kann und der Untergrund von der Beſchaffenheit iſt, daß er viel Waſſer verſchluckt. Thonboden qualificirt ſich jedenfalls zu einer erfolgreichen Wäſſerung viel we⸗ niger, als der loſe Sandboden. Deſto höher, unter Umſtänden oft am höchſten, macht ſich die Wäſſerung auf Kalkländern bezahlt, welche ſo viel Waſſer vertragen und unter allen Bodenarten die intenſiv⸗ reichſte Production liefern. Torfhaltige Wieſen können mit Vortheil überſtroͤmt werden, wenn ihre abhängige Lage ein recht raſches Über⸗ ſtrömen des Waſſers geſtattet und ihr Grund bereits von der Natur einen gewiſſen Grad der Entſäuerung erhalten hat. Bekarrte Wieſen müſſen aber mit Vorſicht berieſelt werden, wenn ihre Narbe nicht ſchon genügende Dichtigkeit und Conſiſtenz beſitzt und der mit einge⸗ ſäete Klee von Gräſern verdrängt iſt; im entgegengeſetzten Falle aber zeigt die Rieſelung ſich hier vortheilhafter, als auf unbekarrten Plä⸗ nen. Zu Strieſenow ſind in dieſer Rückſicht vor längerer Zeit inter⸗ eſſante Verſuche angeſtellt worden, welche zur Beſtätigung des Obigen hier folgen mögen. Die aufgegebene Frage lautete: Wo zeigt gegebenes Berieſelungswaſſer die großte Wirkſamkeit, ang waude A. auf Moorwieſen ohne erdige Beimiſchung? ——— r—·— ——————— 214 B. auf eben dieſe, wenn ſie eine mit Fiorin beſtandene, künſtlich aber ſchon durch die Natur geſchaffene Überlage von Erde be⸗ ſitzen? oder C. wenn dieſe Erdüberlage nicht ausſchleßlich mit Fiorin, ſondern mehre mit rothem Klee beſtanden? Verſuche. Hierzu wählte man eine nahe, an einem Berieſelungsgraben liegen⸗ de, Gefälle habende, gehörig entwäſſerte Moorwieſe, die zum Theil mit Erde bekarrt, zum Theil nicht mit Erde übergefahren war aus dieſer Fläche bildete man 6 Kavele, als:. Ad A. Nr. 1. 8 Q. Ruthen, nicht bekarrt, welche mit Bachwaſſer vom November 1821 bis Ende April 1822 nachhaltig berie⸗ ſelt ward. Nr. 2. 8 Q. NAukhen, nicht bekarrt, welche nicht berieſelt ward. . Ad B. Nr. 3. 8 Q. Ruthen, gränzend an Nr. 2, welche vor zwei Jah⸗ ren mit 60 bis 70 Cubikfuß Erde pr. Q. Ruthe bekarrt, nur mit Fiorin beſtanden war, von einer der bei Nr. 1 angewandten gleichen Waſſermaſſe berieſelt. Nr. 4. 8 Q. Ruthen von derſelben Beſchaffenheit, welche während jener Zeit aichi berieſelt ward. Aad c. Nr. 5. 8 Q. Ruthen, gränzend an Nr. 4, ebenſo bekarrt, aber mit rothem Klee beſtanden, welche gleichfalls berieſelt. Nr. 6. 8 OQ. Ruthen, von gleicher Beſchaffenheit, welche während jener Zeit nicht berieſelt ward. Bemerkungen ad A, B, C. Die Vegetation blieb während der ganzen Winterszeit auf allen Stellen in Thätigkeit; beſonders zeichneten ſich Nr. 3, 6 und 1 durch friſches Grün aus. Im Frühjahre und ſpäter, durch beide Sehttee verſprach B viel, Cetwas weniger, A noch weniger. Von A war Nr. 1 am beſten, , B„ 3„ 2 7 C 7 7 6, — 215 nicht vollſtändig mit Fiorin, welches ſich von ſelbſt erzeugte, er⸗ ſetzt war. 8G Den Tag vor dem Mähen des erſten Schnittes hatte man die Stücke genau beobachtet, ebenſo den Tag vor dem Mähen des zwei⸗ ten. Letzteres war ſtärker auf allen Stücken als erſteres. Durch ein unangenehmes Verſehen wurde das Wägen des mit Sorgfalt allein geworbenen Heues jeder Abtheilung in beiden Schnitten vereitelt, und man mußte ſich nur mit dem durch bloße Anſchauung Gewonnenen begnügen, welches folgendes Verhältniß im Futtergewichts⸗Durch⸗ ſchnitte für beide Schnitte angab, als: für Nr. 1= 2, Nr. 2= 1, Nr. 3=4½, Nr. 4= 3, Nr. 5= 1½, Nr. 6= 3. Nimmt man das ungefähre Reſultat derſelben Anſchauung als richtig und für an⸗ dere Fälle beſtimmend an, ſo ſagt die Antwort: 1.»Die größte Berieſelungskraft äußert gegebenes Waſſer auf ſol⸗ che Wieſen, die eine mit Fiorin bezogene Erdüberlage beſitzen«; 2.»die Berieſelung verdrängt den rothen Klee von einer ſolchen Erdwieſe, und erſetzt ihn von ſelbſt nach und nach durch Fiorin.« §. 98. „Eigenſchaft der Lage.— Vorzüge einer gewiſſen Ab⸗ hängigkeit.— Ebnung ꝛc. »Je mulliger«*)— ſagt ein alter praktiſcher Rieſelmeiſter in Meck⸗ lenburg—»eine Wieſe iſt, oder je mehr Gefälle ſolche hat, deſto beſ⸗ ſer rentirt eine Rieſelei. Iſt aber wenig Gefälle vorhanden, oder die Wieſe liegt faſt horizontal, ſo iſt der Nutzen der Berieſelung in eben dem Verhältniſſe auch geringer.« Der ſelige Domänenrath Pogge beſtätigt dieſes Urtheil durchaus. Es iſt ein Unglück, äußerte er, wenn eine Wieſe keine abhängige Lage hat; denn wenn ſie auch noch ſo trok⸗ ken gelegt wird, thut die Berieſelung doch wenig Nutzen. Ich erkläre mir die Sache folgendermaßen: Auf einer Wieſe, die eine abhängige Lage hat, rauſcht das Waſſer mit Schnelligkeit; es kommen alle Theile desſelben mit der Wieſennarbe in Berührung, und köͤnnen die frucht⸗ *) Das Erdreich iſt mullig, ſagt man, wenn man den weichen, lockern Zuſtand desſelben andeuten will, z. B. Auskehricht, Torfaſche dc.; hat alſo eine andere Bedeutung als boll. Der Acker iſt boll, ſagt man, wenn die Oberfläche ſo locker iſt, daß ſich zwiſchen derſelben und dem Untergrunde gleichſam ein Luftbehältniß befindet, ſo daß man mit jedem Fußtritt durch⸗ tritt, welches nicht der Fall iſt, wenn der Acker bloß muliigg iſt. —— ——— ͤͤͤöͤͤͤͤͤͤͤͤ— —,——— —————————— ooohoöoöoöoooöoöooboboböbdbdb —————— 216 baren hierin abreiben was der Augenſchein auch beſtätigt. Bei einer Wieſe aber, die kein Gefälle hat, verhält es ſich ganz anders. Das Waſſer ſchleicht nur langſam über ſi ſie hin; es kann, wenn ich mich ſo ausdrücken darf, ſich nicht mit ſolcher Kraft auf ihr fortwälzen. Un⸗ ten auf der Grasnarbe kommt es gar nicht in Bewegung, ſondern bloß das Überſtehende wird von dem hinzukommenden Waſſer weg⸗ geſchoben, ohne daß es mit der Grasnarbe zur Berührung und zur Abſetzung ſeiner Dungtheile gelangt. Der alte Herr trifft den Nagel wohl wieder auf den Kopf. Ge⸗ wiß kann bei dem langſamen übergleiten des Waſſers ſich auch leicht eine nachtheilige Gährung im Boden erzeugen. Die im Waſſer ent⸗ haltenen Gaſe ſetzen ſich jedenfalls auch minder ab, da ſie mit den er⸗ digen Stoffen in geringere Berührung kommen. Der erfahrene Rieſel⸗ meiſter weiß, daß die Wirkung des Waſſers ſich nur in der Breite von 2, höchſtens 2 ½ Ruthen erſtreckt. Im Lüneburgiſchen verwirft man jetzt bei neuen Anlagen durchaus die früher beliebte ebene Lage mit geringer Abdachung. Die breiten Beete verſchwinden, wo irgend mög⸗ lich. Es iſt in ſolchen, wenn großer Waſſerreichthum nicht einen be⸗ ſtändigen raſchen Nachſchub geſtattete, ſtellenweiſe durch den zu lan⸗ gen Aufenthalt des Waſſers Stagnation entſtanden; es haben ſich Mooſe, Sumpfgewächſe erzeugt, und der früher ſo hohe Ertrag der koſtbarſten Anlagen iſt immer mehr zurückgeſunken. So ſehr denn nun auch eine ganz horizontale Lage der Rieſelwie⸗ ſen zu vermeiden ſeyn wird, ſo iſt doch auf der andern Seite eine allzu ſcharfe ſteile Abdachung nicht minder zu widerrathen, weil auch in dieſem Falle das Waſſer ſeine erdigen und düngenden Subſtan⸗ zen nicht gehörig abſetzen kann, vielmehr die obere fruchtbare Erddecke dadurch ausgewaſchen wird und der reißende Strom Rinnen in die Narbe reißt. Eine vollkommene Ebnung des Rieſelterrains iſt zu einer voll⸗ kommenen Anlage conditio sine qua non; denn darin beſteht ja ge⸗ rade das Höchſte der Rieſelkunſt, das Waſſer allenthalben auf die leichteſte und einfachſte Weiſe und durchaus gleichmäßig hin zu verbrei⸗ ten, was, wenn ein Theil der Wieſe unter, der andere über dem Stauſpiegel, hier ein Hügelchen, dort eine kleine Sinke liegt, natür⸗ lich ſehr ſchwierig wird. Von den Behufs dieſer Ebnung vorzunehmen⸗ den Erdarbeiten iſt früher(ſiehe§. 54) ſchon die Rede geweſen, auch nachgewieſen, aus welchen Gründen häufig das übrigens dazu ſo ge⸗ eignete Abſchwemmen nicht praktikabel ſeyn dürfte. Da in der Re⸗ gel das zu ebnende Terrain mehr ſchmal als breit ſeyn wird und das —— 217 Material allenthalben hequegn zur Hand liegt, 3 werden Handarbei⸗ ter und Schiebkarren die Arbeit immer am bequemſten und wohlfeil⸗ ſten verrichten. Angenommen ſelbſt, daß durchſchnittlich eine fußtiefe Erhöhung und Erniedrigung Statt fände, ſo müßte der Morgen doch nicht über 40 Rthlr. preuß. Cour. zu ſtehen kommen. Selten werden aber Fälle eintreten, worin ſo bedeutender Koſtenaufwand nöthig und mit dem künftigen Nutzen in gerechte übereinſtimmung zu bringen ſeyn möchte. 1 Zu den vorläufigen Berechnungen des Rieſelmeiſters gehört auch die Ruckſichtnahme auf das individuelle Waſſerbedürfniß, das die Wieſe vermöge ihrer kältern oder wärmern Lage hat. Die Richtung nach ei⸗ ner wärmern Himmelsgegend und der Mangel höherer einſchließender Umgebungen veranlaßt einen ſo raſchern Conſum und ſchnellere Abtrock⸗ nung des Waſſers. Mitunter wird man die Lage einer Wieſe durch die veränderte Richtung eines Baches ausnehmend verbeſſern können; es iſt dieſe Me⸗ lioration aber unter allen vorgenannten die am meiſten zu überlegen⸗ de, weil ſie uns bei der geringſten Verletzung nachbarlicher Rechte wieder in Advocatenhände bringt. Allgemeine Zurichtungen. §. 99. Grabenarbeit und Gräben. a) Trockenlegung. „Wenn eine Wieſe nicht von wildem Waſſer befreit werden kann, ſo kann auch keine Rieſelei angelegt werden. Zu trocken kann eine Wieſe nicht gemacht werden, wenn man nur Waſſer genug zu ſeiner Dispoſition hat.« Dieſer erfahrungsmäͤßige Grundſatz eines alten mecklenburgiſchen Rieſelmeiſters kann allen Anfängern in der Bewäſſerungskunſt nicht genugſam an's Herz gelegt werden. Wir haben im Anfange dieſes Ab⸗ ſchnittes(ſiehe§. 43) und ferner über die Manipulation bei der Ab⸗ grabung das Wiſſensnöthige aufgeführt; was dort umgangen, wird weiter unten noch vorkommen. Beſondere Abweichungen von den be⸗ kannten Regeln muß das euhe und die Srfahxung des Praktikers ſelbſt ermeſſen. 5 4 * — 218 53 - 3* Grabenpflügen.— Siegenſches Wieſenbeil.— Anfer⸗ b) Beim Bewällerungswelen vorkommende Grabenarbeit. „ 4** 4 1 8*. aa. Allgemeine Bemerkungen*). tigung tiefer Gräben auf unebenem Boden. Wir haben ſchon einmal der Erleichterung erwähnt, welche unſere großen Wieſenbauer ſich durch die Anwendung des Schwerz'ſchen b Grabenpfluges verſchaffen dürften. Um den Werth der dadurch beſchaff⸗ b ten Arbeitserleichterung nicht zu ſchmälern, ſorge man nur, nach dee Erfinders Rath, für eine der Tiefe der Arbeit entſprechende Anſpan⸗. nung, vorhergehende Stellung des Pfluges und Abmerkung der Rich V tungspuncte, die für die zu verfertigenden Gräben zu wählen ſind. Auch iſt uͤber Wegſchaffung und Verwendung der entſtandenen, auf dem Rande liegenden Erdſchnitte zeitig zu verfügen; letztere erheiſcht eine regelmäßige Kürzung des langen Raſenendes, wozu zweckmäßig das hier abgebildete Siegenſche Wieſenbeil dienen kann**). b 1 zeigt es von der Seite; b 2 die daran befindliche Schälhaue, um bei ſchma⸗ len Gräbchen den ſenkrecht mit dem(zum Einhauen der Grabenwände in den Raſen dienenden) Beile getrennten Raſen wagerecht von der Sohle zu löſen und zugleich aus dem Gräbchen zu heben. *) Wir haben hier Gelegenheit genommen, einige der uns durch Alt⸗ meiſter Schwerz bekannt gewordenen Geräthſchaften und Manipulationen gemeinkundiger zu machen, da wir die Erfahrung machten, daß durchgehends dem norddeutſchen Landwirth die neuern wichtigen Vervollkommnungen jener in Praxis faſt fremd geblieben ſind. 3 4*) Die in dieſer und den folgenden Nummern beſindliche Ziffer iſt die me⸗ triſche Verfügungsnorm nach einem, den fünften Theil eines ganzen Meters langen Decimalmaßſtabe. 3 4 . 4 219 Die bei tiefen Gräben erforderliche Abdachuͤng richtet ſich nach der Conſiſtenz des Bodens und der Mächtigkeit jener. Wenn zu der zwei⸗ maligen Tiefe die Breite der Sohle hinzugeſetzt wird, ſo ergibt ſich die obere Weite. Geſetzt, die Tiefe ſey= 2“, die Breite der Sohle= 1 ſo heißt es 2 † 2 1= 5*. Die obere Weite des Grabens betrüge alſo 5 Fuß. Im nöthigen Falle einer ſchärfern Abdachung rechnet man die Tiefe der einen Seite ganz, die andere nur halb; ſo heißt es dann 2— 1+ 1= 4. Oder wäre die Tiefe 3“, die Breite der Sohle 1 ½ ſo hieße es für eine Abdachung von 45 Grad(die auch auf ſehr loſem Boden zureichen wird) 3+†˖ 3+ 1 ½= 7 ⅓ obere Weite; für eine Abdachung von 22 bis 33 Grad 3+ 1¼+ 1 ½= 6 obere Weite u. ſ. w. Insgemein— in Holſtein und Mecklenburg ganz allgemein— ver⸗ ſehen unſere Gräber es damit, daß ſie den tiefen Gräben vorweg in der obern Offnung die beſtimmte Breite geben. Eine gleichmäßige Abdachung iſt dann ſchwer erreichbar; gewiß wird es zweckmäßig ſeyn, die Grä⸗ ben anfänglich nicht weiter als ihre Sohle zu machen und demnach die Böſchung nach der Schnur vorzunehmen. Zum geraden Ausſtechen der Seitenwände iſt der unten ſtehende Bra⸗ banter Spaten dem gewöhnlichen Hohlſpaten ſehr vorzuziehen. Auf unebenem Boden eine egale Böſchung zu erreichen, wenn die obere Offnung des Grabens eine gleichmäßige Weite haben ſoll, iſt nicht möglich. Man muß alſo auf letztere ver⸗ zichten und, nachdem der Graben ſchon nach obiger Vorſchrift ſo weit als ſeine Sohle gemacht iſt, die egale Abdachung ſeiner Wände dadurch zu erreichen ſuchen, daß man die an beiden Seiten der Grabenwand, der ganzen Grabenlänge nach, ausgeſpannten Schnüre— indem man, mit einem Stabe von der Normaltiefe verſehen, in dem Graben gehend, von Zeit zu Zeit die Höhe ſeiner Wände mißt— nach Maßgabe des Steigens oder Fallens der Oberfläche ausrückt und an ſich zieht, und ſo erſt an der einen, dann an der andern — Seite mittelſt Einſteckens von Stäbchen in dieſelben dem Abſtecher die nöthige Richtſchnur bildet. 15 Aus dem Geſagten erhellt, daß die Sohle des Grabens ihre gehörige Tiefe ſchon vor ſtattfindender Abdachung haben muß. Wenn jene, wie das am beſten iſt, gleich im Anfange bezeichnet werden ſoll, ſo muß eine Art hydrauliſche Wage da⸗ bei huͤlfreiche Hand leiſten. Der praktiſche Landwirth wird ſelten mit Nivelirgeräthe verſehen ſeyn oder davon Gebrauch zu machen verſte⸗ —— ꝑ—·—·— 220 hen*). Dieſer größten Claſſe der Wieſenwirthe müſſen die bekannten Handwerksgeräthe und einfache, leicht angeeignete Handgriffe aushel⸗ fen, und können es auch. Eine recht verſtändliche Anleitung dazu gibt uns der brave Schwerz, deren Einſchaltung hier um ſo mehr an Ort und Stelle ſeyn wird, da ich bezeugen kann, daß ſowohl ich ſelbſt als meine Wirthſchaftsſchreiber darnach in nöthigen Fällen mit entſprechen⸗ dem Erfolge gearbeitet haben. §. 100. Fortſetzung. Schwerz's Handgriffe bei Ausgleichung des Bodens:— Abdachung desſelben durch Viſiren. Gleichlegung durch Niveliren. »Ein ſchlechter Künſtler«, ſagt Franklin,»der im Nothfall mit einer Säge nicht bohren und mit einem Bohrer nicht ſägen kann.« Wir nehmen hier das Niveliren in doppelter Beziehung: die eine, um den Boden völlig wagerecht zu legen, die andere, um ihm einen gleich⸗ förmigen Fall oder Abdachung zu geben. Da letzteres weniger ſchwie⸗ rig als erſteres iſt, ſo fangen wir mit ſeiner Beſchreibung an, und ge⸗ ben ihm zur Unterſcheidung den Namen des Viſtrens, erſterem aber den des Nivelirens.. 7 Um ſchneller mit den Worten fertig zu werden, nehmen wir Tafel II., Fig. 1 zur Hand. Der wellenförmige Strich gibt den unebenen, ſich zu⸗ gleich ſenkenden Boden an. Wir möchten aber ſtatt des wellenförmigen, höckerigen Falles dem Boden eine ebenmäßige Lage geben, wie unge⸗ fähr die punctirte Linie angibt. Zu dem Ende ſtechen wir einen unſerer Viſirſtäbe auf dem höchſten, den andern auf dem niedrigſten Puncte, alſo bei a und b, ein, und zwar ſo, daß beide gleichhoch über ihrem Stand⸗ orte, ich ſetze 4 Fuß, hervorragen. Wir ſtellen uns nun zu dem Stabe a und ſehen über ſeinen Kopf auf den Kopf von b hin. Indeſſen hält un⸗ ſer Gehülfe einen der Stäbe x in gerader Richtung zwiſchen a und b an, und erwartet von uns das Zeichen, ob er den Stab tiefer oder höher in den Boden einzudrücken habe, welches wir ſehen, wenn der Kopf von X den Köpfen der Stäbe a— b völlig gleich ſteht, ſo daß ſie alle nur einen Kopf zu haben ſcheinen. So verfahren wir vor und nach mit den andern Stäben x, deren Beiſpiels halber hier vier angegeben ſind. *) Die mit der Größe der Wieſenbauten an Wichtigkeit wachſende Kennt⸗ niß des Nivelirens wird man ſich auf theoretiſchem Wege am gründlichſten an⸗ eignen können aus v. Trautmannsdorf's„praktiſchem Nivelir⸗Unterricht“ (Prag 1836, J. G. Calve, 2. Aufl.) und Zamminer's„Anleitung zur Flächen⸗Aufnahme mit der Kette und Kreuzſcheibe“(Darmſtadt 1836). 4 221 Bei der Anwendung vieler Stäbe geſchieht es, daß, nachdem ſchon einige geſteckt ſind, man nicht ſo genau mehr über alle wegſehen kann. Man nimmt alsdaun zu folgen dem Mittel Zuflucht, welches auf jeden Fall das beſte iſt. Statt der Stäbe x bedient man ſich kurzer, etwa 3 Fuß langer Pfähle, über welche man einen 2 Fuß langen Stock oder Lattenſtück anhält, während des Einſchlagens des Pfahls zurückzieht, dann wieder darauf ſetzt, bis dahin der Viſirer das Zeichen gibt, daß mit dem Einſchlagen eingehalten werden muß, weil die Viſirlinie über den Kopf des Lattenſtücks wegläuft. Iſt die zu überſehende Linie ſehr lang, ſo wird man vorläufig einen der Viſirſtäbe x ungefähr in der Mitte von a— b anzubringen und zu berichtigen haben, ſo daß man für die übrigen Stäbe oder Pfähle nur von a bis zum Mittelſtabe und von dieſem bis b zu viſiren braucht, wo⸗ durch das Auge geſchont wird. Iſt das Viſiren beendigt, ſo mißt man von dem Kopfe jeden der Stäbe x vier Fuß abwärts, mehr oder weniger, je nachdem die Stäbe a—b über dem Boden hervorragen. In dem Falle man ſich der Pfähle bedient hätte, thut das Abwärtsmeſſen zwei Fuß weniger, nämlich ſo viel, als der Stock oder die Aufſatzlatte betrug. Der ausgemeſſene Punct gibt dann die Höhe oder Tiefe an, welche dem Boden bei dem Planiren gegeben wird. Da, wo der Boden erhöht werden muß, be⸗ zeichnet man ſolches durch die Höhe eines Pfählchens, das man da⸗ ſelbſt in die Erde ſchlägt; wo der Boden aber geſenkt werden ſoll, gräbt man zuerſt ein Loch bis zum erforderlichen Maße in den Bo⸗ den und treibt ein Pfählchen bis zur Sohle des Loches hinein. Wo der Boden bleiben kann, wie er iſt, ſchlägt man ein Pfählchen der Erde gleich ein. Gräbt man nun eine Goſſe(Rinne) von einem oder zwei Fuß Breite von a zu b aus, vertiefend den Boden, wo er zu hoch, ihn auffüllend, wo er zu tief iſt, bis zu dem Kopfe der Pfählchen, ſo wird man eine regelmäßige Abdachung erhalten, wie durch Figur 2 angedeutet iſt. Aber nicht immer wird man die Abdachung einer Wieſe, es ſey denn mit vie⸗ len Koſten, ſo geradeweg in einem Zuge abfertigen können. Hätte ſie z. B. in dem Laufe ihres Hanges einen zu ſtarken Rücken oder eine zu ſtarke Vertiefung, ſo würde im erſten Falle der Erde zu viel wegzubrin⸗ gen, im zweiten zu viel beizufahren ſeyn, wie bei dem Planiren gezeigt werden ſoll. Man muß alſo in dem Viſiren ſich ſchon darnach richten, und nimmt außer den beiden Viſirſtäben a— b noch einen dritten e an, den man, es ſey auf dem Rücken oder in der Vertiefung zu der Höhe von vier Fuß, gleich a und b einſticht, und viſirt dann von a auf o und ³ Wir werden durch ſelbes ſo ſehr getäuſcht, daß auch dann, wenn das von e auf b. Dadurch erhält die Abdachung einen Bruch, wovon der eine Theil ſich ſtärker, der andere ſich flacher ſenken kann. 5* Das Abwägen oder Horizontallegen kommt hauptſächlich bei Lei⸗ tungs⸗, Vertheilungs⸗ und Wäſſerungsgräben in Betracht. Davon müſ⸗ ſen letztere völlig wagerecht, erſtere beide mit einem kleinen Hange ab⸗ gefertigt werden. Es iſt unglaublich, zu welcher Höhe man das Waſſer ſcheinbar hinauftreiben kann, und ſehr oft wird man denken, ſich bei dem Abwãa⸗ gen geirrt zu haben, und in dieſer Unſicherheit ſolches noch einmal vor⸗ nehmen. Am allerwenigſten darf man ſich dabei auf das Auge verlaſſen. Waſſer in dem unangelegten Graben fortſtrömt, es den Anſchein hat, als liefe es bergan. Wie viel mehr denn werden wir von der Anferti⸗ gung ſelbſt durch das Geſicht betrogen! Auf einer Wieſe von nicht ſehr bedeutender Länge, wo ich und Andere in Zweifel ſtanden, ob das Waſ⸗ ſer zu dem andern Ende hinaufzubringen wäre, fand ſich nach dem Ni⸗ veliren ein Fall von 8— 10 Fuß. Man verlaſſe ſich alſo durchaus nicht auf das bloße Auge, ſo ſehr man auch glaubt, es eingeübt zu haben. Da bei der Wäſſerung Alles darauf ankommt, das Waſſer ſo viel als möglich in der Höhe zu haben, um von da aus die Niederung damit beherrſchen zu können, ſo muß für den Zuleitungsgraben vor allen Din⸗ gen der höchſte Punct ausgemittelt werden, auf welchen das Waſſer hingeleitet werden kann. Bei einer kleinen Ausdehnung kann die Aus⸗ mittelung durch wiederholtes Anlegen der Bleiwage erwirkt werden; da dieſes aber mit Aufenthalt und langer Weile verbunden iſt, ſo möchte 4 man ſich bei großen Anlagen doch lieber vorläufig von der Möglichkeit oder Unmöglichkeit der Wäſſerung, ihrer Richtung, Höhe, Schwierigkeit u. ſ. w. auf einem kürzern Wege uͤberzeugen. Zu dem Ende nimmt man zu dem Viſiren nach der Bleiwage oder nach der Waſſerwage Zuflucht. Bei dem Viſtren nach der Bleiwage, wozu eine ſehr richtige, breite, etwa 16 Fuß lange Latte Richtſcheit) gehört, ſchlägt man zwei, etwas ſtarke, 5— 6 Fuß hohe Pfähle mit glattem Kopfe in einer Entfernung von 14—15 Fuß in den Boden; den erſten etwa auf 4 Fuß über der Erde; der zweite muß ſich nach erſterem richten und wagerecht mit ihm ſtehen, welches durch mehrmaliges Auflegen der Setzlatte mit ihrer Wage gefunden wird. Es gilt aber hierbei einer ganz beſondern Genauigkeit, indem eine einzige Linie einen Unterſchied von mehren Ellen auf die Länge bewirken kann. Schlägt alſo auch die Wage richtig ein, ſo muß man ſich es nicht gereuen laſſen, die Latte, worauf ſie ruht, umzukehren und 223 von Neuem zu verſuchen. Schlägt die Bleiſchnur auch in dieſem Falle ein, ſo ſtehen die Pfähle richtig, und man kann nun über ſie nach der Ferne viſiren, wo der Gehülfe ſteht. Dieſer muß nun ebenfalls mit einem Stabe„an welchem oben ein weißes Zwerghölzlein befeſtigt iſt, verſehen ſeyn, und ihn nach dem zu gebenden Signal bis zur gehörigen Tiefe eindrücken, wo man dann ſeine Erhöhung über dem Boden mit einem der beiden Viſirſtäbe ver⸗ gleicht. Spricht ſich ihre Erhöhung über dem Erdboden gleichförmig aus — ich ſetze, es thut bei allen vier Fuß—, ſo iſt die Sache wahrſcheinlich in Ordnung. Will man ſich aber noch größere Sicherheit darüber verſchaf⸗ fen, ſo ſchlägt man auch bei dem Endpfahl einen zweiten ein, und gibt ihm vermittelſt der Wage gleiche Höhe, wie man ſchon bei dem Anfangs⸗ puncte gethan hat, viſirt nun über beide hinweg, und fällt dann der Blick dicht über die Köpfe der erſten Pfähle hin, ſo kann man ſicher ſeyn, die wagerechte Höhe ausgemittelt zu haben.. Das Verdrießlichſte bei der ganzen Geſchichte iſt, daß man nur ſel⸗ ten mit dem erſten Male den richtigen Endpunct treffen wird. Da man nur auf's Gerathewohl viſirt, um dieſen Punct zu finden, ſo wird man ihn oft zu hoch, oft zu tief an dem Hange der Wieſe geſucht haben. Man wird alſo mehre Pfähle einzuſchlagen und jedesmal zu berichtigen ha⸗ ben, um den rechten Fleck in der Ferne zu treffen, welches ebenſo lang⸗ weilig als zeitverſplitternd iſt. Schwerz gibt darüber folgendes ſehr einfache Auskunftsmittel an. Nachdem der Stab, von dem das Auge des Viſirers ausgeht, einge⸗ ſchlagen iſt, ſchlagen wir etwas vorwärts, und zwar ein wenig rechts, einen zweiten Pfahl ein, und deßgleichen, aber links, einen dritten, ſo daß die Stellung der drei Pfähle ein ſpitziges Dreieck, gleich einem V, bilde, wovon der Viſirſtock die Spitze, die andern Pfähle die beiden obern Enden vorſtellen. Wir geben dem Stab an der Spitze den Namen a und den Endſtäben oder Pfählen den Namen b und c. Hat die Latte der Wage, der wir uns bedienen, eine Länge von 16 Fuß, ſo entfernen wir die Stäbe b und e auf 15 Fuß von a und etwa 8 Fuß unter ſich. Wir ſetzen die Latte auf den Kopf der Stäbe, und wägen von a auf h, dann von a auf e, und endlich von b auf o. Haben alle drei Köpfe gleiche Höhe, ſo iſt die Sache in Ordnung; wo nicht, ſo muß ſie berichtigt wer⸗ 2 den. Wir nehmen nun einen Bindfaden, an deſſen beiden Enden wir einen Stein von einigen Pfunden befeſtigt haben, und ſpannen ihn über die Köpfe der feſtſtehenden Pfähle b und o her, ſo daß das Gewicht der nun hangenden Steine den Faden geſpannt hält. So können wir von unſerem Standpuncte a aus über den Bindfaden b e rechts und links 224 2„.—— 4 viſiren, und erſparen uns dadurch das Einſchlagen und Berichtigen von mehr als 5— 6 Pfählen. 4 1 Hat man Waſſer zu Gebote, ſo kann man der Bleiwage zu dieſem Zwecke entbehren. Man gräbt nämlich ein Gräbchen in Geſtalt des Buch⸗ ſtabens T, läßt es mit Waſſer anlaufen und ſich damit ſättigen; dann ſchließt man den Zufluß ab, ſticht einen Stab am untern Theile in's Waſſer, nimmt genau das Maß von ſeiner Höhe bis zum Waſſerſpie⸗ gel, ſtößt dann einen zweiten Stab am obern Theile des Gräbchens ein, und berichtigt ſeine Höhe nach dem Maße des erſten Stabes. Iſt man mit Genauigkeit dabei zu Werke gegangen, und das Gräbchen nicht zu kurz, ſo hat man die vollkommenſte wagerechte Linie, die möglich iſt. Warum wir den Graben wie ein und nicht wie ein! gebildet haben, läßt ſich aus dem erklären, was wir üͤber das Anbringen eines Bindfadens ſagten. 1. §. 101. 4 Schluß der allgemeinen Bemerkungen über Graben⸗ arbeit bei der Bewäſſerung. K. 47 iſt bei Gelegenheit der Gräben⸗Anlage ſchon angedeutet wor⸗ den, daß man häufig die Regeln der Symmetrie den Rückſichten der* Wohlfeilheit und Erſparung unterzuordnen habe. Die Durchbrechung bedeutender Höhen und Aufhöhung tiefer Sinken, nur aus dem Grunde, um einem Graben von bedeutender Länge keine Biegung zu geben, iſt Sache des Landſchaftsgärtners, nicht des Rieſelmeiſters, welcher ſelbſt in dem Falle, daß er ſolche Localitätsſchwierigkeiten nicht umgehen kann, ſich vorher ſtets darnach umzuſehen hat, ob nicht vielleicht eine Röhre, Brücke ꝛc. wohlfeiler aushelfen können.. Der nöthige Fall der Bewäſſerungsgräben iſt eher zu reichlich als zu karg zu geben, um keine überfüllung desſelben und Stillſtand des Waſſers zu veranlaſſen. Jener wird ermittelt durch Theilung des Län⸗ genmaßes mit 4(bei vielem Waſſer mit 5) und Anrechnung eines hal⸗ ben Zolles Gefälle auf jede Einheit der Theilzahl. Ein 400 Schritte langer Graben muß demnach einen Fall von 50 Zoll haben, oder an ſei⸗ nem Endpuncte 5 Fuß(zu 10“) unter der waſſerrechten Lage fallen ꝛc. Das Gefälle der Grabenſohle auf nicht durchaus ebenem Boden (wie ſolcher ſelten vorkommt) muß auf die oben angegebene Weiſe vie⸗ ſirt werden. Zu tiefe Gräben wird kein umſichtiger Rieſelmeiſter dulden und, wo ſie ſich vorfinden, für die Ausfüllung derſelben bis zu entſprechender Höhe Sorge tragen. Solche vieles Waſſer anhäufende Canäle min⸗ dern dadurch, daß die fetteſten Theile desſelben zu Grunde ſintern, an⸗ dere darin verſumpfen, und daß es ſo viel mehre Zeit zu ihrem An⸗ laufen bedarf, während die Wieſe trocken ſteht, den Erfolg der Wäſ⸗ ſerungen ſehr. §. 102. bb. Specielle Benennung, Zweck und Anlage der Bewäſſerungsgräben. 1. Der Hauptzuleitungsgraben. So nennt man den Canal, der das zur Rieſelung beſtimmte Waſſer der Wieſe zuführt und die Ver⸗ theilungs⸗ und Wäſſerungsgräben damit verſieht. Gemeiniglich iſt ein— Fluß, See oder Bach ſeine Vorrathskammer; die Pforte dazu bildet ein bald unterhalb ſeiner Mündung angelegter Stau, beſſer Schleuſe. Er bedarf nur ein unbedeutendes Gefälle, auf 300 Fuß circa 1 Zoll. Wenn das Waſſer nicht gerade vielen Sand mit ſich führt, ſo iſt es im⸗ mer gerathener, ihn verhältnißmäßig mehr breit als tief zu machen, um nicht mehr, als nöthig iſt, den Höhepunct des Waſſers zu ſchmä⸗ lern und um den im vorigen§. bereits erwähnten Nachtheilen der Ent⸗ kräftigung des Waſſers, durch uubloſen Niederſchlag ſeiner düngenden Stoffe, zu begegnen.* 2. Vertheilungsgraben. Iſt häufig mit jenem eines und das⸗ ſelbe. Er führt das Waſſer den Wäſſerungsgräben zu. Bei einigem Gefälle vermeide man doch ja ſeine zu ſtarke Vertiefung. Liegt er etwas tiefer als der Hauptzuleitungsgraben, ſo wird in ihm die zu ſeiner Fül⸗ lung nöthige Schleuſe angebracht. Das Eintreten ſeines Waſſers in die Wäſſerungsgräben iſt entweder bloß durch Wegräumung des Verſchluſ⸗ ſes desſelben, oder, inſofern dieſe nicht tiefer gelegt werden konnten und das Waſſer deßhalb zum Eintritt nicht hoch genug reicht, noch durch Erhöhung der Sohle vor dem Einlaſſe mit einem Raſenſtücke, Brete oder platten Steine zu bewirken. 3. Wäſſerungsgräben(Grippen, Rinnen). Ihre Anfer⸗ tigung erfordert auf vollkommenen Anlagen die allergrößte Accurateſſe, da ſie mit einer wagerechten Lage eine ſo vollkommene Ebnung der Ufer erheiſchen, daß der ganzen Länge nach ein gleichmäßiger Waſſererguß dar⸗ über reſultiren kann; eine Tiefe von knapp zwei Zoll, etwas über Spa⸗ tenblatt⸗Breite, genügt. Über die Länge entſcheiden Bodenlage und Waſ⸗ ſermenge; je wagerechter erſtere, je reichlicher letztere, deſto länger kön⸗ nen die Gräben gezogen werden. Nur iſt immer zu bedenken, daß ein kürzerer Graben auf vollkommenere Weiſe abgeufert und minder ſchwie⸗ rig unterhalten werden kann, wogegen er anderartig wieder den Nachtheil der Arbeitsvermehrung darbietet. Eine für die Praxis zu treffende ge⸗ naue Norm läßt ſich hier nicht geben. Man bedenke beſonders immer, daß Länge des Grabens und Waſſermenge miteinander accordiren müſſen. Lengerke’s Wieſenbau. 15 T 2—— ———— 226 Die ihr Waſſer aus dem Vertheilungsgraben empfangenden Waͤſ⸗ ſerungsgräben müſſen ſtets ein wenig niedriger als jener liegen. So gut es iſt, wenn die Wäſſerungsgräben eine völlig rechtwinkelige oder parallele Richtung zeigen, ſo wird ſich das doch nicht immer durchaus bewerkſtelligen laſſen; wenn aber die Bewäſſerung durch Umgehen von Vertiefungen oder Erhöhungen leidet, ſo entziehe man ſich nicht der meh⸗ ren Arbeit der Uferhebung oder Senkung. Erſtere iſt vortheilhafter und leichter als letztere.— 8 Mit Recht werden von unſern beſſern Rieſelern die keilförmigen Einſchnitte in den Gräben, Behufs des Hervortretens des Waſſers, verworfen und dagegen dieſes auf dem Wege eines allgemeinen Über⸗ ſchlags des Waſſers uͤber den Rand des Grabens verlangt. Die wage⸗ rechte Beuferung iſt nicht ſo ſchwer, als insgemein angenommen wird, wenn in dem Grunde der Anlage nur nichts verſehen ward und der, wo es nöthig that, aufgeſetzte Boden und die Ufer des Grabens mit der gehörigen Sorgfalt gearbeitet worden ſind; dazu gehört vor Allem eine Ebnung nach dem Waſſerſpiegel durch Gleichtretung mit den Fü⸗ ßen. Nicht aufgeſetzte Stellen und Erhöhungen weiter in's Beet hinein müſſen abgeſchält, in ihrer Erdlage erniedrigt und demnächſt wieder mit dem abgenommenen Raſen zugedeckt werden. In England, wo man auch das Anbringen von Seitenöffnungen verwirft, legt man in die Furche, in beſtimmten Entfernungen, Erd⸗ oder Raſenſchollen, von etwa 6 Zoll Dicke, oder einige Steine und feſte Raſenſtücke, um das Waſſer zum Aufſtauen zu nöthigen. Dabei iſt je⸗ doch zu bemerken, daß die Dicke des Staues immer der Tiefe der Furche entſprechen muß. Unſere Rieſeler ahmen bereits die Engländer häufig nach. 4. Entwäſſerungsgraben. Seine Beſtimmung iſt, das aus dem Bewäſſerungsgraben überrieſelnde Waſſer in den Ableitungsgra⸗ ben oder anderwärts abzuführen. Wenn nur dahin geſehen wird, daß dieſe Art Gräben das Waſſer völlig ableiten, ſo bedürfen ſie keiner außergewöhnlichen Sorgfalt der Anfertigung. 5. Ableitungsgräben. Gemeiniglich dienen die Flüſſe und Bäche dazu, aus welchen oberhalb das Waſſer herausgeſtaut worden. Ihr Zweck bedingt die tiefſte Lage in der Wieſe.— Wo das Waſſer nicht zu reichlich iſt, bezweckt der Ableitungsgraben auch häufig, das von ihm an höhern Stellen aufgenommene Waſſer weiter abwärts andern Stellen zuzuführen. 6. Einlaßgräbchen. So nennt man diejenigen Einlaͤſſe, wel⸗ che das Waſſer aus dem Vertheilungsgraben in den Bewäſſerungs⸗ —— 227 graben bringen; ſie durchſchneiden die zwiſchen beiden Gräben liegende Graswand, haben nur Spatenweite und eine der Lage letzterer ent⸗ ſprechende Tiefe. Sie ſind am beſten da gegenüber ſituirt, wo der Wäſſerungsgraben an irgend einem Orte ein etwas höheres Ufer als anderswo hat. 7. Fanggräben. In ſolchen wird das von der Höhe in einer Niederung ſich ſammelnde Waſſer aufgefangen und geſammelt, um für eine höhere Gegend abermals benutzt zu werden. Zu dieſem Zwecke ſind ſie mit einer hinreichend hohen Verwallung umgeben. Da ſie den Ab⸗ fluß des Waſſers erſchweren, ſind ſie nur bedingungsweiſe geſtattet. §. 103.* 2. Waſſer⸗Wehren; Leitungsapparate. Dazu gehören Schleuſen, Staue, Lochbretter u. ſ. w. a) Schleulen.— Conkſtruction und Kottenantchlag. Große Wäſſerungs⸗Anlagen können ohne dieſe nicht wohl fertig werden; ſie machen die Wäſſerung kleiner Reviere aber ſehr koſtbar und deßhalb hat man ſich häufig durch Staue zu helfen geſucht. Daß ſolches mit Erfolg geſchehen köͤnne, dafür ſprechen, wie wir weiter unten auch ſehen werden, praktiſche Reſultate. Indeß iſt nicht zu läug⸗ nen, daß bei größern Strecken, und wenn man, was ſelten ſeyn wird, nicht unumſchränkter Herr über den Waſſerlauf iſt, Schleuſen der Vor⸗ zug gebühre. Namentlich gilt dieß für den Hauptabfangungspunct des Waſſers da, wo ſolches in den Hauptzuleitungsgraben gezwängt wird. Wenngleich der ländliche Zimmermeiſter in der Regel mit Waſſer⸗ bauten ziemlich umzugehen weiß, ſo muß es dem Landwirthe doch ange⸗ nehm ſeyn, ſelbſt einen deutlichen Begriff von der Conſtruction und den Koſten des Schleuſenbaues zu haben, weßhalb wir hier Beſchrei⸗ bung und Anſchlag einer Hauptſchleuſe und zweier kleinen Schleuſen der Bewäſſerungs⸗Anlagen des Gutes Koſelau in Holſtein folgen laſſen. Beiläufig geſagt, hat eine frühere Darſtellung derſelben*) von dem verdienſtvollen Rieſelmeiſter Jeſſen zu Preetz zur Nachahmung ſo vortheilhafter Einrichtungen in andern nördlichen Provinzen zu we⸗ nig Anregung gegeben. Möge es uns beſſer gelingen, den Sinn dafür zu wecken. Der Leſer nehme gefälligſt Tafel III. zur Hand. Fig. 1 zeigt eine Schleuſe vor einem Waſſermagazin. *) Siehe Thaer's Annalen des Ackerbaues, Bd. 2. 1 5b4 228 A der Grundriß. a die Ringwand. b die beiden vorderſten Flügel, deren Höhe bis an den Schleu⸗ ſenbalken geht, und ſo tief in die Erde, wie die Ringwand. e zwei vor den Flügelbretern und an der Ringwand ange⸗ brachte Deckleiſten, welche die Fugen zwiſchen den Flügel⸗ bretern und der Ringwand decken und woran die Flügel⸗ breter befeſtigt ſind.“ d ein Joch, welches auf die beiden Flügelpfähle verzapft iſt und das Zuſammendrängen der Flugel verhindert. e die beiden Hinterflügel, welche nur 4 Fuß hoch ſind. Der Boden oder ſogenannte Schuh g ruht auf zwei Unterlagen; jede derſelben iſt in zwei Pfähle mit einem Blatt angebracht und mit ſtarken eiſernen Nägeln befeſtigt, um das Zuſammen⸗ drängen der Flügel zu verhüten und den Boden darauf be⸗ feſtigen zu können. Letzterer wird mit Werg verdichtet und mit Latten vernagelt. f ein Schützbalken, welcher nur in den Flügelbretern einge⸗ ſchnitten und mit eiſernen Nägeln befeſtigt iſt, zum Auf⸗ ziehen der Schutze. B der Aufriß der Schleuſe, wie ſelbige anzuſehen iſt, ehe ſie mit Lehm beſtampft wird, welches auch bei den folgenden Schleu⸗ ſen gilt. 4 a der Schleuſenbalken, auf die 6 Ringwandpfähle verzapft. p die Schütze, welche an den beiden nächſt der Schützöffnung befindlichen Pfählen— die vor dem Einrammen gut geebnet ſeyn müſſen— liegt und längs derſelben aufgezogen und niedergelaſſen wird. (Die Ringwandpfähle werden zuerſt nach einer Schnur einge⸗ rammt, dann der Schützbalken darauf verzapft, abgebohrt und feſt genagelt; hierauf werden die zum Boden ebengeſtrichenen Dielen, da⸗ mit ſolche gut aufeinander paſſen, mit Klammerhaken zuſammenge⸗ trieben und feſt genagelt, dann die Flügelpfähle geſetzt und die Joche darauf verzapft, abgebohrt und feſt gemacht, die Deckleiſten an die Ringwanddielen angenagelt und darauf die Flügelbreter angebracht. Wenn dieſes alles geſchehen iſt, wird die Schleuſe mit gutem Lehm ſorgfältig beſtampft, endlich die Schütze gemacht und die Schleuſe auf⸗ getheert.) 1—.— Zu dieſer Schleuſe ſind an Materialien erforderlich: 6 Stück eichene Pfähle à 14 lang, 8 bis 9“ ſtark, zu der Ringwand. 229 2 Stück eichene Pfähle à 13' lang, S bis 9“ ſtark, zu den Vorder⸗ flügeln. 2.„ detto à 7„ 8 bis 9, zu den Hinter⸗ flügeln. 1„ eichenes Joch à 11„ 7 bis 8“„auf die Vorder⸗ flügel. 2 eichene Unterlagen à 4 ½ lang, 7 bis 8 ſtark, unter dem Boden. 1 eichener Balken à 20 lang, 8 bis 9“ ſtark, auf der Ringwand. 2„ eeichene Deckleiſten à 11“ lang, 3 bis 4“ ſtark, an den Flügeln. 1 eichener Schützbalken à 7“ lang, 7 bis 8“ ſtark. 1„„ Schützſtänder à 11“ lang, 6 bis 7“ ſtark. 2„ eichene Schützriegel à 3½ lang, 6 bis 7“ ſtark. 12„'8füßige ebenkantige Breter zur Ringwand und Schütze. 12„ 14füßige Wahlbreter zu den Vorderflügeln. 11„ detto detto zu den Hinterflügeln, Schuhen, Lat⸗ ten und Eckleiſten. 2 Pfund Werg. 8 Stück Nägel à 1 Schilling. 14„„ à 2„ 5 192„„ 2 1„ 220„ kleine Nägel. ½¼ Tonne Theer. Fijg. 2 zeigt zwei kleine, nebeneinander ſtehende Schleuſen; zwi⸗ ſchen denſelben befindet ſich ein Befriedigungswall mit einer lebendi⸗ gen Hecke. A Grundriß. a die beiden Ringwände. b wie bei Fig. 1. e der Befriedigungswall. d zwei vor den Flügelbretern angebrachte Deckleiſten, welche nach der Schützöffnung ſo weit herausgehen, daß ſie eine Falze von 2 ½ Zoll Tiefe bilden, worin ſtatt der Schütze loſe Breter eingeſetzt ſind, um nach Erforderniß ſelbige aufzu⸗ ziehen oder zuzuſetzen und über dieſelben Waſſer fallen zu laſſen. Die Anfertigung dieſer Schleuſe geſchieht auf die nämliche Art, wie bei der Schleuſe Fig. 1. B der Aufriß der beiden Schleuſen. a drei Schützbreter in jeder Schleuſe, wovon das oberſte Bret in jeder ſchief eingezogen iſt, um zwiſchen dieſem und dem — ͦ—ipꝑꝑyp, 230 1 nächſt darauf folgenden Brete das Waſſer durchzulaſſen, wel⸗ ches nach Erforderniß mehr oder weniger aufzuziehen iſt. b die beiden Schleuſenbalken. e der Befriedigungswall. (An dieſen Schleuſen befinden ſich keine Hinterflügel, auch kein Boden, welches zu Koſelau nicht nöthig war, da das Waſſer hinter den Schleuſen beinahe ebenſo hoch in den Gräben ſtand, als vor den⸗ ſelben, folglich das Waſſer keinen Sturz auf den Boden zuwege bringt; iſt aber hinter der Schleuſe der Fall des Waſſers ſo ſtark, daß ſolches, wie es über die Schützbreter fällt, eine Bewegung auf dem Boden macht, ſo muß, wenn auch die Schleuſe noch ſo klein iſt, ein Boden mit den nöthigen Hinterflügeln, wie bei Fig. 1, angebracht werden, damit das Waſſer nicht den Lehm hinter der Ringwand weg⸗ ſpüle. Das Joch auf den Fluge pfählen fällt hier weg, da die Schleu⸗ ſen nur klein ſind.) An Materialien ſind erforderlich: 8 Stück eichene Pfähle à 6 ½, lang, 7 bis 8“ ſtark, zu den Ring⸗ wänden. 4„ detto à 6“ lang, 7 bis 8“ ſtark, zu den Flügeln. 2„ eichene Balken à 9“ lang, 7 bis 8“ ſtark. 4„„ Deckleiſten à 4“ lang, 2 bis 3“ ſtark, an den Flü⸗ geln und der Schützöffnung. 7„ 18füßige Wahlbreter zu den Ringwänden und Spunden oder Schützbretern. 5„ detto zu den Flügeln. 20 Stück Nägel à ½i Schilling. 200 Stück kleine Nägel. ½% Tonne Theer. Fig. 3. Eine Schleuſe. A Grundriß. wie bei Fig. 1. . e= e gleichfalls wie bei Fig. 1, nur n ind die beiden Vinrfüge 5 hier 3 Fuß hoch. f ſiehe Fig. 1. B Aufriß. a die Schleuſenbreter ruhen enf vier Ninpuisden, übrigens wie bei Fig. 1. ——— — —⅓— 231 gleichfalls wie bei Fig. 1, welches auch in Anſehung der Bauart gilt. 1 1 Hierzu ſind an Materialien erforderlich: 4 Stück eichene Pfähle à 9“ lang, 8 bis 9“ ſtark, zu der Ringwand. 2„„ à 8 ½, lang, 8 bis 9“ ſtark, zu den Vor⸗ derflügeln. 2„„ à 6 lang, 8 bis 9“ ſtark, zu den Hinter⸗ flügeln.. 1„ eeichener Balken à 18“ lang, 8 bis 9“ ſtark. „eichenes Joch à 8 ½ lang, 7 bis 8“ ſtark. 2„ eichene Unterlagen à 5 ½ lang, 7 bis 8“ ſtark, unter dem K Boden.— 2„„ Deckleiſten à 6“ lang, 3 bis 4“ ſtark, an den Vorder⸗ — 5 flügeln der Schützöffnung. 1 eeichener Schützbalken à 7 lang, 7 bis 8“ ſtark. 2„ eichene Schützſtänder à 7 lang, 5 bis 6 ſtark. 2„„ Schützriegel à 4 lang, 5 bis 6 ſtark. 9„ 18füßige Wahlbreter zur Ringwand und zur Schütze. 10„ 14füßige Wahlbreter zu den Flügeln, zum Boden, den Latten und Eckleiſten. 8„ Nägel à 1 Schilling. 14„„ 2 e„ 200 Stück kleine Nägel. 2 Pfund Werg. % Tonne Theer. b) Lochbreter. Die Koſtbarkeit der kleinen Schleuſen und eine nothwendige Waſ⸗ ſer⸗Okonomie rechtfertigen die hier genannte Vorrichtung, welche aus dicht in die Gräben eingepaßten, mit verſchloſſenen, 3— 5 Zoll im Diameter haltenden Spundlöchern verſehenen Bohlen beſteht. Der feſte Anſchluß derſelben an das Erdreich benimmt dem Waſſer alle Schleichwege. Es verſteht ſich, daß der, den Waſſerabfluß ſperrende der Freiheit gebende Zapfen in der Richtung ſeines Laufes einge⸗ 2 laſſen wird... 0) Siele... Sie werden mitunter erforderlich, um Waſſer unter der Erde, mitunter auch unter einem andern Waſſerlauf, durchzuleiten. Man ver⸗ fertigt ſie aus zuſammengenagelten Bohlen, die wohl mit Werg ver⸗ dichtet, verpecht und getheert werden. Je nachdem ſie beim Zu⸗ und 2 ——— W—ſͤͤ—ͤͤö—ͤd————— —————.— ꝗͦ—— —————— 232 Abfluß des Waſſers mitwirken, ſind ihre Offnungen auf beliebiges Verſchließen eingerichtet. 3 d) Rinnen, Röhren; letztere von Chon, nach Kömerart. Watterlei- tung aus ungebranntem Thon. Es kann mitunter für den Rieſelmeiſter unumgängliches Bedürf⸗ niß ſeyn, auch hiervon Gebrauch zu machen, namentlich bei Waſſer⸗ mangel. Hölzerne Röhren, die das Waſſer über unausgefüllte Tie⸗ fen ꝛc. zu bringen haben, müſſen, wenn ſie aus Dielen zuſammen⸗ geſchlagen ſind, ſtets feucht erhalten werden, ſowohl dadurch, daß man beſtändig etwas Waſſer in ihnen conſervirt, als daß man für das Zudecken ihrer obern offenen Seite und ihre allgemeine Erdbedeckung Sorge trägt.— Die in Würtemberg vorzüglich gebackenen thönernen Röhren ſind neuerlich in Mecklenburg zum Chauſſeebau benutzt wor⸗ den; der hieſige Rieſelmeiſter will ſie ſtellenweiſe aus der Beſorgniß, daß der Froſt dieſelben zerſprenge, nicht anwendbar erachten. Bei⸗ des, Zerſprengen und Verwittern, wird nichts zu ſagen haben, wenn man den Leitungen eine gehörige Tiefe geben kann. Eine ſehr einfache Waſſerleitung— eine getreue Nachahmung der Natur, die uns ewig fließende Quellen zeigt, deren ſelbſtgebahnte Erdröhren nie verſchloſſen werden— ergibt die folgende Verfah⸗ rungsart.. 4 Man macht einen Graben, worin die Waſſerleitung angelegt wer⸗ den ſoll, mindeſtens einige Fuß tief, und zwar von der Quelle des Waſſers bis zum Orte des Bedarfs. Der Boden des Grabens wird abgewogen, ſo daß das herbeizuleitende Waſſer ein genügliches Ge⸗ fälle erhalte. Beſteht der Grund aus einer das Waſſer nicht durch⸗ laſſenden Erdart, ſo iſt er gut; im entgegengeſetzten Falle aber muß in den Graben ſo viel Thon eingeſtampft werden, als zur Erreichung dieſes Zweckes nöthig iſt; daher bei Beſtimmung der Tiefe des Gra⸗ bens auch darauf Rückſicht genommen werden muß. Auf dieſe Grund⸗ lage legt man in die Mitte des Grabens einen langen, runden, auch glatten Baum von der Dicke der beabſichtigt werdenden Waſſerröhre, bewirft denſelben mit gutem, zähem Thon, zuerſt an beiden Seiten, und ſtampft ihn genüglich feſt, nachher aber über und neben demſel⸗ ben, und ſtampft ebenfalls gut, ſo daß der Baum eine feſte Thondecke von mindeſtens einem Fuß erhalte. Der übrige Theil des Grabens kann, wenn etwa hinlänglicher Thon in der Nähe nicht vorhanden ſeyn möchte, mit ſonſtiger, zur Stelle befindlicher Erde gefüllt werden. Am beſten iſt es, wenn der Thon ſo viele eigene Feuchtigkeit hat, daß 233 er zu einer feſten Maſſe zuſammengeſtampft werden kann; fehlt ſie ihm indeſſen, ſo muß er angefeuchtet werden. Iſt die Arbeit ſo weit vorgerückt, ſo wird am hervorragenden Ende des Baumes, durch ir⸗ gend eine Vorrichtung, allenfalls durch an mehren Stellen einge⸗ bohrte große Löcher, worein ein Knüppel geſteckt werden kann, ein mehrmaliges Umdrehen desſelben veranlaßt, und demnächſt derſelbe herausgezogen, da dann der erſte Theil der Waſſerleitungsröhre fertig iſt. Bei Fortſetzung der Arbeit, laut obiger Beſchreibung, läßt man einen Theil des Baumes in der ſchon fertigen Röhre ſtecken, damit der fol⸗ gende Theil in genaue Verbindung mit dem vorhergehenden geſetzt werde. Übrigens verſteht es ſich von ſelbſt, daß der Anfang und das Ende von gebrannten Steinen verfertigt und durch ſicheres Mauer⸗ werk geſchützt werden muß. Schwerz empfiehlt übrigens auch die thönernen Röhren. In der Teſſiner Gegend, wo man ſie unter andern in der Stadt Gnoien an⸗ fertigt— 1 ½ Fuß lang zu 5 ßl.—, ſind ſie neuerlich mit gutem Er⸗ folge zu Waſſerleitungen verwandt. So wurde namentlich in dortiger Diſtrictsverſammlung des patriotiſchen Vereins einer ſolchen Waſſer⸗ leitung auf einem benachbarten Gute erwähnt, welche in eine bedeu⸗ tende Tiefe gelegt worden und ſchon ſeit einer Reihe von Jahren ohne Reparaturen beſtanden habe.(Siehe Nr. XX. der»Auszüge aus den Diſtrictsprotocollen«; auch§. 49 dieſes Werkes.) §. 104. Wäſſerungsmethoden. (Mehr Concretes als Abſtractes.) Die Elemente der Rieſelungskunſt, die Einzelnheiten, aus wel⸗ 1 chen dieſelbe beſteht, liegen nun dem wäſſerungsluſtigen Landwirthe zum großen Theile vor. Es handelt ſich jetzt darum, ſie in der Pra⸗ ris auf möglichſt zweckmäßige Weiſe zu verbinden. Eine Anleitung dazu— wie z. B. dem Meier eine neue Käſebereitungsart verdeutlicht werden kann— iſt, für alle Fälle ausreichend, nicht zu geben; denn wie locale und individuelle Verhältniſſe tauſend und aber tauſend Male eine verſchiedene Phyſiognomie annehmen, ſo werden auch bei der Ausführung der Anlagen ebenſo viele abweichende Berückſichtigungs⸗ puncte eintreten, und Eine Vorſchrift, trotz ihrer allgemeinen Zweck⸗. mäßigkeit, die mannichfaltigſten Modificationen in der Ausführung geben. Nur wo man ſich entſchließen wird, durch gänzliche Umwälzung alles Veſtehenden ſich die füͤr enen gewiſſen Plan beſtimmte Localität 234. ſ elbſt zu ſchaffen und wo naturliche Begünſtigungen ſolches in jeder Rückſicht geſtatten, wird der Rieſeler, wie der Bildner nach ſeinem Modelle, arbeiten können. Wahr iſt es, man wir d das, was Alles von einer vollkommenen Kunſtwäſſerung verlangt wird— nämlich eine durchaus gleichför⸗ mige, möglichſt dünne, langſame und ruhige Verbrei⸗ tung des Waſſers über die Oberfläche, eine Berieſe⸗ lung ſelbſt der höchſten Puncte, eine dem Vorrathe und Bedürfniſſe des Waſſers entſprechende Okonomie ſeiner Benutzung, einen ſtets ungehinderten Abzug und allezeit beliebige Trockenlegung der Wieſe—, auf dem Wege des Redreſſements ſchon vorhandener Anlagen und Duldung ungewöhn⸗ licher Hinderniſſe viel ſchwieriger erreichen; daß man es aber ziem⸗ lich vollſtändig kann, wenn Auge und Hand, Kraft und Erfahrung ſich ſchweſterlich vereinen, davon zeugen eine Menge Beiſpiele der In⸗ telligenz Einzelner und methodiſche Verfahrungsarten ganzer Diſtricte. Wir wollen zuerſt die fortſchreitende Ausbildung der Rieſelungs⸗ Manipulation etwas verfolgen, demnächſt belegweiſe zeigen, welche Handgriffe und Maßregeln unter beſtimmten Verhältniſſen angewandt wurden, um ſich obigen Bedingungen möglichſt zu nähern, endlich aber noch einen Blick über die Schranken des Handwerks hinaus in die Werkſtätten des durchaus ſyſtematiſch verführeadan Nieſeltünſtlens werfen. §. 105. Fortſchritt⸗ vom Rohen zum Complicirtern.— Vermeb⸗ rung und veränderte Richtung der Gräben.— Verbeſ⸗ ſerte Wäſſerungs⸗Anlage nach Schwerz.— Krumme Grabenarbeit des Siegeners. aauSnrhetegafele ähn⸗ 3 licher Anlagen für große Flächen. Im Vorhergehenden iſt bereits über die nöthige Form, Lage ꝛc. der Bewäſſerungsgräben geſprochen, weßhalb wir, um Wiederholun⸗ gen zu vermeiden, nur auf die ſparſame Anbringung derſelben bei der früheſten, rohen Wäſſerungsart hindeuten⸗ Die erſte Verbeſſerung letzterer war das nähere Zuſammenrücken der Grippeu; als wweite folgte, auf horizontal abgegrippten Wieſen, das Anbringen eines jene vertical durchſchneidenden Grabens. Dieſe Einrichtung machte, da jede einzelne Abtheilung desſelben beliebig verſchließbar und umgekehrt ge⸗ nal een werden konnte, eine freie und friſche Waſſerbenutzung bei je⸗ dem Plane möͤglich. Dadurch noch verbeſſert, daß man den Theilungs⸗ dum im etangagrabm ſcuſah und jude R üe Miſtenngsgeäuge ihren . 8“ 2 23⁵ beſondern Theilungsgraben erhielt,, ſtellt ſich eine ſolche Anlage*)— deren Nutzbarkeit auf von Natur ziemlich gleichem Boden ſich erprob⸗ te— Tafel II. Fig. 2 dem Kundigen verſtändlich dar. Für den Un⸗ kundigern diene die nachfolgende Erklärung der verſchisdenen Vorrich⸗ tungen und ihrer Zwecke. a— a der Leitungsgraben. Auf ihn ſtoßen an b ed die Vertheilungsgräben. Damit das Waſſer in dieſe eindringen möge, iſt unterhalb jedem derſelben eine Sbelckaut oder Lochbret par angebracht. Aus dem Theilungsgraben gehen aus die Einläſ e u ſind geſchloſſen mit— Stechbretern v-— v. u. Sie efghiklmno ſind die Wäſſerungsgräben, welche vermittelſt der Einlaſſe das Waſſer aus dem Thnilnngegrahen em⸗ pfangen. A B C ſind die zu bewäſſernden Pläne. s s die Anwände. ti kleine Abſonderungen von Raſen, damit das Waſſer nicht aus einem Wäſſerungsgraben i in den andern ſchießen kannmn. Es ſey, der Plan A wäre bewäſſert und B ſoll neu bewäſſe ert wer⸗ den, ſo öffnet der Wieſenvogt den Spund des Lochbretes p. Das Waſſer im Leitungsgraben ſtrömt alſo auf d ein, u und da es den Weg daſelbſt geſchloſſen findet, dringt es ſeitwärts in den Theilungsgra⸗ ben c. Mit dieſem laufen parallel die drei Wäſſerungsgräben h i k. Iſt Waſſer genug für alle drei da, ſo zieht der Vogt die Stechbreter der drei Einläſſe, und ſomit füllen ſich die Wäſſerungsgräben und wallen über. Iſt nicht Waſſer genug da, ſo büiet e er einen Einlaß um den andern. 9 Soll C bewäſſert werden, ſo wird der Spund Hei q ausgeſchla⸗ gen, das Waſſer ſchießt nun auf 1- an, und von da a. Kitoids in den Graben d u. ſ. w.— —* Wir führen dieß zur Abwehr der Plagiats⸗Beinzichtigung an, gewiß, keiner 3 dießfälligen Entſchuldigung bei dem Leſer zu bedürfen. Wir profitirten ſelbſt ſo Vieles aus den Mittheilungen jenes trefflichen Mannes für unſere Praris, daß wir glauben, Befugniß zu der Annahme zu haben, der Schüler werde durch die Verpflanzung praktiſch erprobter Lehren der ausübenden Land⸗ wirthſchaft nur Gewinn, dem Andenken des Meiſters Ehre bringen! *) Wir enknehmen ſie aus Schwerz's mehrfällig allegirtem Werke.. 4 Die Beſtätigung einer frühern Beobachtung und Erfahrung iſt viel mehr werth, als die— ſonſt ſtets ſchätzenswerthe— Mittheilung der neuen Wahi nehmung und Erſindung des Einzelnen. 236 Es iſt oben angeführt, daß vorliegende Wäſſerungsart ſich auf ebe⸗ nem Boden günſtig erprobe; auf höckerigem wird ſie kein gleichmäßiges Reſultat zuwege bringen können. Mit gänzlicher Umgehung der gro⸗ ßen Planirungskoſten hat der intelligente Siegener bei dieſer Einrichtung dennoch die ſo wünſchenswerthe Ebenmäßigkeit des Waſſererguſſes durch krumme, winkelige, in Zickzack laufende Gräbchen, deren wagerechte Lage er auf mühſamem Wege mit der Bleiwage ermittelt, zu bewerk⸗ ſtelligen geſucht. Die mühſame und koſtbare Reparatur und Unterhal⸗ tung gedachter Anlage macht ſie, ſelbſt in der verbeſſerten Schwerz⸗ ſchen Manier, für größere Flächen nicht empfehlenswerth, weßhalb wir uns nicht weiter darüber expliciren, ſondern denjenigen, welcher nähe⸗ res Intereſſe daran nimmt, auf das Schwerz'ſche Werk ſelbſt, wo er den ausführlichſten Unterricht darüber findet, verweiſen. Unſerer unmaß⸗ geblichen Anſicht nach gränzen dieſe Wäſſerungsarten in ihrer Arbeits⸗ vermehrung ſehr nahe an den förmlich in regulären Tafeln und Beeten angelegten Rieſelungsbau, ohne deſſen Vorzüge zu erſetzen. §. 106. Vereinfachung der lüneburgiſchen Wieſenrieſelung. Verſchiedene mecklenburgiſche Rieſelmeiſter verpflanzten mit vielem praktiſchen Geſchicke die zum Theil ſehr künſtlichen und complicirten lü⸗ neburgiſchen Einrichtungen auf ihre großen ungebauten Wieſenflächen. Sie ſind von den Grundſätzen der Einfachheit und Koſtenerſparung ausgegangen, und haben, ſo zu ſagen, einen populären Auszug aus einem großen claſſiſchen Werke geliefert, das unter den hier obwalten⸗ den Verhältniſſen für die größere Menge zu weitläufig und koſtbar ſchien. Als ein ſolcher ehrenwerther Jünger der lüneburgiſchen Schule iſt uns bereits der verſtorbene Domänenrath Pogge bekannt geworden. Seine Rieſelungsanlagen zu Roggow haben den hieſigen Landwirthen, denen es Ernſt um die Begründung ähnlicher Einrichtungen war, ſtets als Modell gedient. Schon vor einigen 20 Jahren, als der verdienſtvolle Gerke den alten Herrn zu Roggow beſuchte, rühmte er die daſige Rie⸗ ſelung als eine vervollkommnete und vereinfachte lüneburgiſche Wäſſe⸗ rung. In ſeinen Reiſenotzen(in den Mecklenb. Ainnalen, Jahrg. VII., S. 73) ſchreibt er: „Zuerſt von meinem Freunde, dem Domänenrath Pogge zu R. Hier findet man die Wieſenrieſelung der Lüneburger vervollkommnet und vereinfacht. Der Haupt⸗Abzugsgraben geht im niedrigſten Niveau durch die Wieſen, und die Zuführungsgräben, 3 Fuß breit und ebenſo tief, ſind auf der Erhöhung am Rande der Wieſen hingeführt und ha⸗ 237 ben ein zwei Fuß dickes Ufer an der Wieſen⸗Seite. Sobald dieſe Grä⸗ ben voll Waſſer ſind, wird das Ufer bei ihrer erſten Anlegung von 15 zu 15 Fuß(etwa) durchgeſtochen, und zwar nur é Zoll breit und von gleicher Tiefe der Ausſtiche. Das Waſſer dient hierbei ſelbſt zum Niveau. Von dieſer Operation hängt die gleichmäßige Verbreitung des Waſſers über die Wieſe ab und mithin das völlige Gelingen der Procedur. Wo die Wieſe ſehr breit iſt, wird das Waſſer erſt wieder in einem ähnlichen, quer vorliegenden Graben aufgefangen, und von hier ergießt es ſich dann aus ſeinen kleinen Offnungen über den zweiten Theil der Wieſe bis in den Abführungsgraben. Aus der Grasnarbe konnte man noch*) ſehen, daß das Gras wegen ſeiner Dichtigkeit und Länge faſt überall gelegen hatte. Merkwürdig war hierbei ein Abwäſſerungsgraben, der das angränzende, tief liegende Ackerland trocken legte und daher unter dem Zuleitungsgraben die Wieſe durch in den Hauptabzugsgraben fiel. Wer dieſe Einrichtung mit dem vergleichen will, was wir über die Rieſelung beſitzen, wird finden, daß ſie im hohen Grade vereinfacht iſt, ohne minder wirkſam zu ſeyn« ꝛc. 3§. 107. Schröder'ſche Überrieſelungsanſtalt. Als wir oben(ſ.§. 92) der vaterländiſchen Rieſelungs⸗Matadore erwähnten, iſt auch des um den hier beſprochenen Culturzweig hochver⸗ dienten Schröder zu Kleeſten Erwähnung geſchehen. Tafel IV. findet der Leſer eine deutliche Darſtellung ſeiner Anord⸗ nung. Es zeigt: AA die Wieſe, die berieſelt werden ſoll; BB den mitten durch die Wieſe führenden Bach; C Schleuſe, wodurch das Waſſer gehalten und in die Höhe getrieben wird, um nach den beiden höchſten Seiten DD herumgetrieben zu werden; EE Entwäſſerungsgräben, wodurch die Wieſe trocken gelegt und zum Sinken gebracht iſt; FFF hölzerne Rinnen, welche das Waſſer quer über die Gräben führen, damit es nicht ungenutzt weglaufen kann(auch müſſen die Gräben EE ſtets offen bleiben, damit die Wieſe nicht wieder aufſchwemmen kann); 3 66 Leitungs⸗Canäle, worin das Waſſer in und um die Wieſe herumgeführt und aus dieſen Canälen in die ſogenannten Grippen dder Leitungen getrieben wird; — *) Gerke reiſ'te im Januar. 4 L ͤ —————— o—ö—öE 1. 238 HHH Fangcanäle, welche alles Waſſer, je nachdem es ſeine Dienſte gethan, auffangen und bei J in den alten Bach führen; ſie die⸗ nen auch dazu, das Waſſer aufzufangen und, wie bei FF zu ſe⸗ hen iſt, es wieder auf einem neuen Quartiere— wie I nachweiſ't— auf's Neue zu benutzen. Die Stauungen in den Leitungscanälen treiben das Waſſer in die kleinen Grippen. Die kleinen Puncte, welche auf den Grippen bemerkt ſind, bedeuten kleine Sodeneinſätze, woran ſich das Waſſer ſtößt und links und rechts auf die Quartiere getrieben wird. Je raſcher der Stoß iſt, den man dem Waſſer geben kann, oder je mehr Gefälle eine Wieſe hat, oder je molliger die Wieſe hängt, deſto mehr hilft das Waſ⸗ ſer. Schröder's Vorſchrift lautete ſo: Die kleinen Grippen müſſen ſo angelegt werden, daß ſie auf's Höchſte nur 4 Ruthen voneinander entfernt ſind; je mehr ſolcher Grippen, deſto mehr Futter; denn die Wirkung des Waſſers erſtreckt ſich nur in der Breite von 2, höchſtens 2 qi Ruthen. Sind die Weeſenſturen ſehr groß, oder würden die Grippen länger als 70 bis 80 Ruthen, ſo muß man ein ſolches Quartier in mehre Theile theilen, mit einem neuen Fang⸗ oder Leitungscanal verſehen und das Waſſer auf's Neue wieder in die Grippen hineintreiben. Dieſes kann man oft wiederholen und es von einem Quartier auf's andere führen, je nachdem es das Local gebietet. §. 108. Wie man in Holſtein vergrabene, unebene Wieſen auf einfachem, wohlfeilem Wege zu Rieſelungs⸗Anlagen macht, bethätigt durch Jeſſen's Werk zu Koſelau. Um dem Leſer zu zeigen, wie ſelbſt ungewöhnliche Localſchwierigkei⸗ ten auf einem zwar zum Theile künſtlichen und complicirten, aber doch nicht koſtſpieligen Wege ohne Umbau beſeitigt werden können, und zwar mit raſchem und entſchiedenem Vortheile, finden wir es zweckmä⸗ ßig, auf die bedeutende Wäſſerungs⸗Anlage des Eutinſchen Gutes Koſelau, welche ihre Entſtehung mehrgenanntem Jeſſen verdankt, wiederholt zurückzukommen. Als für eine Strecke von 109 Tonnen (à 2050 Magdeb. Morgen) die hindurchfließende Mühlenaue zum Be⸗ wäſſerungscanal erſehen worden war, hatte das demnächſt angeſtellte Nivellement ergeben, daß im Ausführungsfalle außerordentlich große Hinderniſſe zu beſiegen ſeyn würden; namentlich mußte das Waſſer auf Dämmen über niedrigere zu höhern Stellen geführt und viele Schleuſen, Siele und Überläufe angelegt werden. Um Koſten und Zeit⸗ verluſt zu vermeiden, conſervirte man die alten, zum Theil unzweck⸗ 2— 239 mäßig angelegten Abzugsgräben. Man räumte ſie nun gehörig auf, machte mit der daraus erhaltenen Erde die nöthigen Vorſetzungen und Beuferungen, und bequemte ſich in Anſehung ſeines Bewäſſerungspla⸗ nes nach ihnen. Aus ſelbigem Grunde wurden alle Planir⸗Arbeiten, worin man damals überhaupt noch viel mindere Fertigkeit als jetzt hatte, vermieden. Das Schwemmen oder Flößen, welches zur Anle⸗ gung der Bewäſſerungswieſen im Lüneburgiſchen ſo glücklich ſchon da⸗ mals angewandt ward, war hier nicht möglich, indem es an hinläng⸗ lichem Falle fehlte. Auch fürchtete man, es werde bei dieſen moorigen Wieſen zu lange Zeit hingehen, bevor die planirten Stellen wieder benarbten; daher legte Jeſſen lieber etliche Siele mehr an, die ſich in Anſehung der Koſten mit der Planirungs⸗Arbeit gar nicht verglei⸗ chen. Nur was die Trockenlegung der Wieſen anlangt, ward in der dießfalls nöthigen Grabenarbeit durchaus nicht geſpart, zumal die Wieſen von ſo niedriger, mooriger Beſchaffenheit waren.— Indem wir hier eine lehrreiche Thatſache hervorheben, deren Al⸗ ter(ſie ſtammt noch aus dem vorigen Jahrhunderte) ihrem praktiſchen Werthe keinen Abbruch thut, wollen wir nur bemerken, daß der mit den Fundamenten der Kunſt inniger Vertraute mehr die umſichtige Dispo⸗ ſition, als die Ausarbeitung des Planes im Einzelnen anerkennen dürfte. In letzterer Rückſicht wäre allerdings, bei der jetzigen Kennt⸗ niß der Sache, Manches zweckmäßiger zu ordnen. Man bedenke aber ſtets, daß ein verpfuſchter Rock, kommt er auch in Meiſters Hand, im⸗ mer Mängel behalten wird. Wer alſo keinen neuen ſich von der Elle nehmen kann, dem iſt es wichtig, der Zuſtutzungscanäle mehre ken⸗ nen zu lernen, um den ihm anpaſſendſten zu wählen und ſich in ſo de⸗ licaten Fällen ein eigenes Urtheil zu verſchaffen. Die Koſten der ganzen Anlage betrugen: Im erſten Jahre: Holz und andere Materialien 121 Rthlr. 28 ßl. Arbeitslohn.... 36„ 36„ Im zweiten Jahre: Holz und Material.. 134„ 39„ Im dritten Jahre: Arbeitslohn.... 9„ 16 ½, Summe. 348 Rthlr. 22 1 fl. Im erſten, ſonſt recht guten Heujahre 1795 war der Vor⸗ heugewinn.......... 239 Fuder. Im Jahre 1796, dem erſten nach der Bewäſſerung 321„ „„ 1797, einem Heujahre....... 290„ „„ 1798, einem gleichfalls ungünſtigen... 313„ „„ 1799, einem ziemlich günſtig3en.... 436„ 8 Dieß waren ſämmtlich Hofdienſtfuder, veranſchlagt n zu ungefähr 1000 Pfd. Da im Jahre 1800 die Hofdienſte aufgehoben und zu Geld geſetzt wurden, man folglich das Heu mit ſtarkem Hofgeſpann und gro⸗ ßen Wagen einfuhr, die mindeſtens das Doppelte luden, ſo iſt um ſo weniger zu beſtimmen, wie ſich 234 dieſer Fuder Vorheu, welche man 1800 einbarg, zu den vorherigen verhielten,, weil auch ein größeres Viehhaus erbaut war und ſich das Heu nach dem Bodenraume nicht ſchätzen ließ. Allenfalls wird man zugeben, daß der vermehrte Vorheu⸗ gewinn der erſten vier Jahre die Anlagekoſten mit den Zinſen bezahlt habe, wobei noch die größere Güte dieſes Heues in Anſchlag zu bringen. Jetzt zur Anlage ſelbſt! 22 Ddie Tafel V. mitgetheilte Situationskarte, welche wir den Leſer I die Hand zu nehmen bitten, iſt bloß nach Augenmaß entworfen, und auch ſelbſt nach dieſem(dem damaligen Wunſche Thaer's zufolge, deſ⸗ ſen Annalen Jeſſen's Werk zuerſt bekannt machten) kein gleicher Maß⸗ ſtab für die Wieſenfläche und die Gräben, Schleuſen ꝛc. beibehalten worden, weil ſonſt entweder die Karte für ihren Zweck zu groß, oder dieſe Waſſerwerke zu klein und undeutlich geworden wären. Nach der Größe der Gräben, Schleuſen, Brücken muß man ſich die Fläche un⸗ gleich größer denken. Die Gräben und Gewäſſer ſind mit Zahlen bezeichnet, von 1— 32; die übrigen Werke mit Buchſtaben von a bis y. Das Waſſer nimmt ſeinen Urſprung aus dem Merhlenteihe 1. Die⸗ ſer erhält ſein Waſſer aus zwei großen Fiſchteichen, die oberhalb des⸗ ſelben liegen, deren immer einer unter Waſſer iſt. Da man aus dieſem Mühlenteiche das Waſſer nur periodenweiſe erhalten konnte, indem der Müller des Nachts nicht immer Waſſer laufen ließ, ſo benutzte man einen alten vormaligen Mühlenteich, erneuerte ſelbigen, und legte vermittelſt der Schleuſe a nach der Zeichnung Tafel III. Fig. 1 einen Waſſerbehälter 2 an. Wenn das Waſſer hier unter der Brücke derchgegangen iſt, ſo muß es zwei kleine Fiſchhälter 3 mit beſtändig durchfließendem Waſſer verſe⸗ hen, welches hinterwärts wieder in die Mühlenaue fällt. Um ihnen die⸗ ſes Waſſer hinreichend zu erhalten, mußte die Schleuſe b, nach Fig. 2 gebaut, angelegt werden. Die Schütze iſt aber ein Bret niedriger, ſo daß ſie das Waſſer nur ſo hoch ſpannt, als nöthig iſt, die Fiſchhälter mit Waſſer zu verſorgen, das übrige aber laufen läßt. Der Burggraben, womit der Hof Koſelau e umgeben iſt, muß ſein Waſſer aus der Muhlenaue haben. Deßhalb iſt bei d abermals eine Schleuſe nach der Zeichnung Fig. 3 angelegt, deren Schütze aber auch t in 241 nur die Höhe hat, die erforderlich iſt, das Waſſer zur Verſorgung des Burggrabens zurückzuhalten. Das übrige fällt darüber weg. „Die Hauptſchleuſe, welche den größten Theil der Bewäſſerung bewirkt, iſt bei! in der Mühlenaue angelegt. Sie iſt nach der Zeich⸗ nung Fig. 3 gebaut. Das Waſſer wird dadurch ſo hoch geſpannt, als nöthig iſt, die ſämmtlichen abgehenden Zuleitungsgräben mit Waſſer zu verſorgen. Wird ſie aber geöffnet, ſo fließt das ſämmtliche Waſſer aus der Mühlenaue frei ab und die Bewäſſerungsgräben werden leer. Es kam ſehr zu Statten, daß die Mühlenaue dießſeits der Schleuſe ſchon auf beiden Seiten mit Dämmen beufert war, die be⸗ trächtlich höher als die Wieſen ſind und die zu Wegen nach den Wie⸗ ſen und Mooren dienten. Durch ſelbige kann das Waſſer hoch gen geſpannt werden. Wären ſie nicht vorhanden geweſen, ſo hätte mant dieſe Eindämmung der Mühlenaue erſt machen müſſen. Zuerſt gibt die Mühlenaue das Waſſer rechts den Gräben 6 und 7 ab, vermittelſt zweier kleinen Schleuſen bei e und f, die nach der Zeichnung Fig. 2 gebaut ſind. Zwiſchen beiden Gräben und Schleu⸗ ſen liegt nämlich ein Erddamm, der mit einem Knick(lebendiger Buſch⸗ hecke) beſetzt iſt. Das durch die Schleuſe f in den Graben? gefallene Waſſer geht an dieſen Wall herunter, wird über denſelben und den Graben b vermittelſt einer Rinne weggeführt und kommt nun nach der unter⸗ ſten Liſchbruchswieſe. Dieſe Wieſe liegt beträchtlich niedriger als die große Salzwieſe, und letztere mußte doch von daher hauptſäch⸗ lich ihr Waſſer erhalten. Es ward alſo auf der unterſten Liſchbruchs⸗ wieſe ein Damm von Lehm aufgefahren und in demſelben der Lei⸗ tungsgraben angelegt, um das Waſſer hoch genug zu erhalten. Bei g wird es durch eine Rinne über den Graben 12 weggeführt und geht nach der großen Salzwieſe, welche es überrieſelt. Es wird von derſelben durch den Graben 9 und 8 abgeführt. In dem Graben 8 wird es durch einen Staudamm bei h geſperrt, damit es wieder in den Graben 10 zurücktrete, woraus es ſich über die Rahmwieſe ergießt. (Der auf beiden Seiten des Grabenufers in die Erde eingelegte Baum und die ſchräg eingeſchlagenen Pfähle zum Staudamm können ordinäres Rundholz ſeyn; beſſer iſt es aber, wenn man grüne Wei⸗ denſtangen nimmt, welche in der Erde ausſchlagen und nicht verfau⸗ len. Die ausgeſchlagenen Reiſer läßt man jährlich abſchneiden, um keinen Buſch in den Wieſen zu haben.) Durch die Schleuſe e geht das Waſſer in den Gräben 5 und 6 zur Bewäſſerung des untern Theils der Rahmmieſe. Lengerke's Wieſenbau. 16 r K 242 Die oberſte Liſchbruchswieſe erhält ihre Bewäſſerung nicht aus der Mühlenaue, ſondern von dem, aus der umliegenden höhern Gegend und den fetten Ackern zuſammengefloſſenen Waſſer, welches durch den Graben 11 aufgefangen wird. Durch einen Damm, der in dieſem Graben bei i angelegt iſt, wird dieſes Waſſer geſpannt und in zwei kleine Bewäſſerungsgräben zur überrieſelung der Wieſe vertheilt. Es ſammelt ſich in dem durch dieſe Wieſe gehenden Abzugsleitungs⸗ graben, geht unter einer Brücke durch, wird bei k durch einen ähnli⸗ chen Damm geſperrt, ſo daß es zum Theil in die nach beiden Seiten hingeführten Bewäſſerungsgräben gehen muß und endlich ſämmtlich von dem Ableitungsgraben 12 aufgenommen wird, der es dann wie⸗ der andern Wieſen zuführt. Wirr verfolgen nun das Waſſer in der Mühlenaue weiter. Bei m befindet ſich eine, durch den Damm durch⸗ und über den Ab⸗ zugsgraben 16 weggehende Leitung. An der Mühlenaue iſt das Siel mit kleinen Spunden verſehen, um nach Erforderniß viel oder wenig Waſſer vermittelſt des Grabens 13 auf die höchſte Stelle der kleinen Salzwieſe zu bringen und ſolches nach beiden abhängigen Seiten dar⸗ auf zu vertheilen. Dieß Waſſer fällt theils in den Abzugsgräben 9, theils in den Graben 10, wo es zwiſchen den beiden Fangdämmen n undo geſperrt wird, theils in den Graben 14 tritt, theils ſich über die Rahmwieſe ergießt, von welcher es der Entwäſſerungsgraben 15 abführt. Der Abzugsgraben 16 vereinigt ſich mit dem Abzugsgraben 9, und ſo fällt das Waſſer hinter der Schleuſe] in die Mühlenaue zurück. Ein anderer Theil des Waſſers geht aus der Mühlenaue bei p durch eine Rinne über den Abzugsgraben 17 weg. Hier mußte von p bis g ein ſtarker Leitungsdamm von Lehm aus Erde aufgeführt, feſt geſtampft und mit zähem Raſen ausgeſetzt werden, um das Waſ⸗ ſer drei Fuß hoch über dem geſenkten Boden zu erhalten. Von q an be⸗ durfte es eines ſo ſtarken Dammes nicht mehr, ſondern es reichte die aus dem Graben geworfene Erde ſchon zu, wenn ſie auf beiden Sei⸗ ten aufgeſetzt und gehörig feſt geſtampft wurde, indem das Waſſer in dem Graben 22 weniger hoch über dem Boden erhalten zu werden brauchte, als bei 21. Nachdem nun aus dem Graben 21 und 22 die große Koppel⸗ wieſe bewäſſert worden, geht das Waſſer aus demſelben üͤber die beiden Ableitungsgräben 18 und 19 vermittelſt der Rinne r und der Rinne s weg und nach der großen Ochſenwieſe hin. Hier tritt es in den Zuleitungsgraben 20, der ebenfalls mit einer Vor⸗ wallung verſehen iſt, und aus welchem kleine Bewäſſerungsgrä⸗ ——— 2⁴43 ben ausgehen, die das Waſſer über die große Ochſenwieſe ver⸗ theilen. Das aus den Zuleitungsgräben 21 und 22. vermittelſt kleiner ausgehender Bewäſſerungsgräben auf die oberſte Koppelwieſe gelei⸗ tete Waſſer wird durch die Gräben 23, 24 und 25 aufgenommen, aber auch wieder ausgelaſſen. Dieſe Wieſe hat nämlich einen beſon⸗ ders moorigen Boden, wo ſich das Waſſer leicht einzieht und in die Gräben, die 2½ Fuß tief und 3 Fuß breit ſind, hineindrängt. Deß⸗ halb ſind dieſe Gräben mit der ausgeworfenen Erde beufert und in denſelben ſind kleine Staudämme y y angebracht. Oberhalb dieſer gehen kleine Bewäſſerungsrinnen, welche ebenfalls beufert ſind, her⸗ aus, die das eingeſogene Waſſer wieder auslaſſen und es ſeitwärts nochmals über die untern Theile der Wieſe fuͤhren, damit jeder Theil genugſam bewäſſert werde. Bei 26 iſt beſonders ein kleiner Fanggra⸗ ben, einen Fuß breit und tief, ausgeſtochen und die Erde auf die un⸗ tere Seite ausgeſetzt, um das Waſſer mehr ſeitwärts auf die Wieſe zu drängen. Unten, gegen den Abzugsgraben 27, ſind gedachte drei Gräben nur ganz ſchmal, damit man bei der Heuernte ohne Brücken überfahren, auch das Vieh bei der Nachweide die Wieſen durchgehen könne. Aus derſelben Urſache ſin ind auch oben die Gräben nicht höher hinaufgeführt. Wir hatten das Waſſer bei der Viehtränke auf dem Hofe Koſelau verlaſſen, und wollen jetzt deſſen Lauf ferner verfolgen. Es wird bei t, vermittelſt einer Vorrichtung, wie ſie bei den holſteiniſchen Fiſchtei⸗ chen gebräuchlich iſt, die man einen Mönk oder Rinnſtänder nennt, unter dem Wege durch in den Zuleitungsgraben 28 gelaſſen. Bei u wird das Waſſer durch einen Damm geſperrt und in den Bewäſſerungsgraben 29 geführt. Dieſer ergießt es zum Theil über die Hujenwieſe. Ein anderer Theil aber wird bei w durch eine Rinne über den Entwäſſerungsgraben 27 in den Bewäſſerungsgraben 30 geführt, aus welchem es ſich, wie die Karte zeigt, über die Schnitt⸗ bruchswieſe ergießt, bis auf einen Theil, welcher bei x durch eine ähnliche Rinne über den Ableitungsgraben in die oberſte große Kop⸗ pelwieſe geführt wird, wo es zur Bewäſſerung einer hohen Stelle auf dieſer Seite nöthig war. Ein anderer Theil des aus der Viehträͤnke kommenden Waſſers wird rechts durch den Erddamm hindurch in den Bewäſſerungsgraben 31 gebracht und aus dieſem über die unterſte große Koppelwieſe ver⸗ breitet, von welcher es der Entwäſſerungsgraben 32 und der Ablei⸗ tungsgraben 27 aufnimmt. 16* 244 Die Bewäſſerungsgräben ſowohl als die Entwäſſerungsgräben ſind größtentheils mit einer Verwallung verſehen; erſtere, um dadurch das Waſſer aufzuſtauen und ſolches nach allen Seiten über die Wie⸗ ſen zu bringen; letztere, um zu verhüten, daß das Waſſer nicht zu früh in die Abzugsgräben falle, ſondern ſich erſt über die Wieſen ziehe. Der Überlauf des Waſſers uͤber die Wieſen iſt, ſo wie der Abzug des⸗ ſelben, durch die Punctirung ſo beſtimmt als möglich auf der Karte angegeben. Die aus dem Graben geworfene Erde iſt bald nur auf der einen, bald auf beiden Seiten, hier weniger, dort ſtärker, in eine Kante oder kleinen Wall aufgeſetzt, je nachdem der Fall des Waſſers und das Niveau der Wieſen es verlangten. Hierdurch wird bewirkt, daß ſich das Waſſer gleichmäßig nach allen Ecken der Wieſen hin verbreitet. Iſt kein merklicher Abhang nach der einen oder andern Seite hin vorhanden, ſo iſt dieſe Aufſetzung unnöthig, und die Erde kann auseinander geworfen oder zur Planirung geſenkter Stellen gebraucht werden. Iſt eine Vertiefung in der Wieſe, durch welche man das Waſſer hindurchführen muß, um es nach einem höhern Orte hin⸗ zubringen, ſo muß die ausgeworfene Erde auf beiden Seiten des Grabens ſo hoch aufgeſetzt werden, daß dadurch ein erhöhter, gleich⸗ ſam auf einem Walle herlaufender Graben entſtehe, der aber in ſol⸗ chen Fällen nur 1 Fuß breit zu ſeyn braucht. 4. 109. Culturverfahren zu Panzow in Mecklenburg bei Um⸗ wandlung einer ſehr ſchlechten Wieſe in eine ertrag⸗ reiche Rieſelungs⸗Wieſe. Wie auf viel einfacherem und noch erfolgreicherem Wege durchaus vernachläſſigte, faſt wüſte liegende Reviere zu ertragreichen Bewäſſe⸗ rungswieſen umgeſchaffen werden köͤnnen— wenn an ſich die Localität das Meliorationsmaterial nur nicht verweigert, günſtige Verhältniſſe uns zum unumſchränkten Gebieter desſelben machen und ein richtiger praktiſcher Blick Plan und Ausführung der Anlage leitet—, beweiſ't das nachſtehende intereſſante Culturverfahren des mecklenburgiſchen Landwirths, Herrn Peterſen*), wodurch derſelbe ſich auf ſeinem Gute Panzow ein in der That nicht unbedeutendes Capital geſichert hat. Die Inhaber gleichartiger Ortlichkeiten mögen die ſimplen und doch ſo ſinnreichen und zweckentſprechenden, mit den neuen Fortſchritten der Rieſelungslehre conformirenden Einrichtungen nicht flüchtig überblicken, *) Siehe Mecklenb. Annalen, XX. Jahrg. 245 ſondern ſolche einer vergleichenden Kritik mit ähnlichen Arbeiten und deren Reſultaten unterziehen. Herrn Peterſen's Aufgahe war, eine längs einem Mühlenba⸗ che laufende, ſehr ſchmale Wieſe von urſprünglich ungefähr nur 5—13 Ruthen Breite und 380 Ruthen Länge, die wenig mageres Heu pro⸗ ducirte, in eine ertragreiche, gutes Futter bringende Wieſe umzuwan⸗ deln. Der Bach hat ein ſehr ſtarkes Gefaͤlle und ging mit immerwäh⸗ renden krummen Biegungen in Zickzack, ſo daß die Wieſe aus Fluß⸗ betten, Kölken und Erdhügeln beſtand. Es war bei ihrer Beſchaffen⸗ heit daher ſo wenig eine künſtliche Befluthung möglich, noch fand eine natürliche Statt. Die begränzenden Ländereien nahe an der Wieſe be⸗ ſtehen theils aus ſandigen, theils aus bornigen und niedrigen Grün⸗ den, von denen auf jeder Seite längs der ganzen Wieſe ein kleiner, einige Ruthen breiter Streifen mit zur Wieſe gezogen werden ſollte, ſo daß die Wieſe nicht nur an Güte, ſondern auch an Größe gewän⸗ ne. Dieſe Strecken betragen auf jeder Seite ungefähr 1 bis 5 Ruthen in der Breite. Der Bach mußte weggeſchafft und das Flußbett, ſo wie die häufigen Kölke von 4 bis 10 Q. Ruthen, zum Grasertrage benutzt werden. Dieſe Wieſe gab in ihrer urſprünglichen Größe und Güte nur einen jährlichen Ertrag von 36 vierſpännigen Fudern ma⸗ gern Pferdeheues, und kann doch, richtig bewäſſert, nach Peterſen's Veranſchlagung an 150 Fuder guten Kuhheues liefern. Wenngleich zur Zeit der Mittheilung noch nicht alle dahin gehörende Arbeiten voll⸗ endet waren, ſo hatte doch das, was gethan war, ſchon einen jähr⸗ lichen Ertrag von 90 Fuder meiſtentheils guten Kuhheues geliefert. Hätte ich— ſagt Herr P.— die Wieſe nach der neuern koſtſpieli⸗ gen Methode verbeſſern wollen, ſo wäre, weil ſie ſehr lang und ſchmal iſt, die Anlage von mehren Schleuſen nothwendig geworden, weil das in die Hauptbewäſſerungsgraͤben zu beiden Seiten zu leitende Waſ⸗ ſer nicht bis zur äußerſten Gränze in hinreichender Menge geführt wer⸗ den konnte. Nehme ich dazu nur drei Schleuſen als erforderlich an und die Koſten einer jeden zu 50 Rthlr., ſo betrüge dieß allein eine Ausgabe von 150 Rthlr., da ich jetzt durch die Zinſen dieſes Capitals beinahe ſchon die Hälfte der jährlichen Bewäſſerungskoſten decke. Meine Verfahrungsweiſe, um jene Aufgabe zu löſen, war folgende: 1) Ich zäunte an der Stelle, wo ich das Waſſer zuerſt im Bache ſtauen wollte, auf beiden Seiten längs dem Ufer einen auf 12 Fuß langen und 12 Fuß auseinander ſtehenden Zaun von grünem Wei⸗ denholz, damit die Pfähle ausſchlagen und feſtwurzeln ſollten, und ſtampfte an denſelben viele Soden feſt, auf beiden Seiten aber etwas 1 246 höher, als die Wieſe ſelbſt. Zwiſchen dieſe Zäune, und zwar noch ein paarmal ſo weit längs dem Bache nach, ließ ich ungefähr 30 Fuder Feldſteine einſchutten und vor dieſen Steinen einen niedrigen, nur zwei Fuß hohen Zaun zäunen, der durch Soden und Erde verdichtet wurde, damit das Waſſer durch denſelben zugleich aufgehalten, in die Bewäſſerungsgräben geleitet und das überflüſſige Waſſer überſtürzen kann, auf die in den Bach gebrachten Steine fallen muß und dadurch jedes Aushöhlen des Baches und der Wieſe verhindert wird. 2) Legte ich weiter unten eine ſchmälere und kleinere Staue auf gleiche Weiſe an, die indeſſen nur im Winter benutzt wird, und end⸗ lich laſſe ich auch im Herbſte an mehren paßlichen Stellen langen Pferdedünger in den Bach bringen, welcher mit einige Fuß vonein⸗ ander ſtehenden Pfählen und Steinen befeſtigt wird, damit bei wei⸗ chem Wetter der ganze Bach über die Wieſe ſtürzen kann. 3) Um das Waſſer vor der erſten Stauung zu der erforderlichen Höhe zu leiten, ohne daß vor der Stauung eine Waſſerblänke ent⸗ ſteht, konnte ich die Bewäſſerungsgräben auf beiden Seiten nur all⸗ mählig abführen. Von dieſen gehen eine Menge kleiner Rinnen aus, in der Entfernung von zwei bis drei Ruthen. Weil die Wieſe hauptſäch⸗ lich am Bache oft einen bis zwei Fuß höher iſt als am Acker, ſo müſſen die Waſſerrinnen öfters durch Niederungen geführt und auf beiden Seiten aufgedämmt werden, was nicht geringere Schwierigkeiten ver⸗ urſacht, als die Fortſetzung der beiden am Rande laufenden Bewäſſe⸗ rungsgräben, weil der alte Bach in ſcharfem Zickzack von einem zuwei⸗ len 12 bis 20 Fuß hohen Ackerufer zum andern ging. Deßwegen muß⸗ ten dieſe Ufer in die häufigen, großen und tiefen Waſſerkölke gewor⸗ fen oder gekarrt werden, um dieſe mit Erde ſo hoch aufzudämmen, daß ſie zur Wieſe benutzt und jene Gräben vorbeigeführt werden konn⸗ ten. Ein Haupthinderniß verurſachen noch die unaufhörlich entſtehen⸗ den Maulwurfs⸗ und Mäuſelöcher an den etwas hohen Bewäſſerungs⸗ gräben und Waſſerrinnen. Das über die Wieſe und Stauungen ſtrö⸗ mende und vom Bache, als Entwäſſerungsgraben, aufgefangene Waſ⸗ ſer benutzte ich, wegen des ſtarken Gefälles, weiter unten wieder zum Berieſeln der Wieſe, ohne eine beſondere Stauung durch ferneres all⸗ mähliges Auffangen, zum zweiten Male. 4) Um die vielen Waſſerkölke, ſo wie das früher ſo breite und unregelmäßige Flußbett zum Grasbau zu benutzen, ſtach ich alle grö⸗ ßere Krümmungen durch, machte den Bach größtentheils gerade und ließ die hohen trockenen Halbinſeln in den Bach werfen. Auf den län⸗ gern Stellen ließ ich nur ganz ſchmale, etwas tiefe, einen bis zwei Fuß 247 breite Rinnen in den Bach graben und dieſe an diejenige Seite des Bachufers andrängen, wo die Wieſe auf der einen Seite noch zu breit, auf der andern noch zu ſchmal war, damit das ſtark fallende Bach⸗ waſſer die Wieſenufer abſpülen und die Wieſen ausfüllen mußte, was, durch Menſchenhände bewirkt, große Koſten verurſacht hätte. Das dieſen Stellen gegenuͤber ſtehende Bachufer ließ ich etwas ſchräg herun⸗ terſtechen, wodurch die Wieſe ſich allmählig planirt, da auch die etwas erhabenen Wieſenſtriche und Wieſenufer, die nicht vom Waſſer von der einen Seite zur andern geſpült werden, ſich ſchon von der Bewäſ⸗ ſerung ſelbſt von Zeit zu Zeit bedeutend ſenken. Hierdurch erhält die ganze Wieſe ſelbſt die gehörige und beanane Lage zum Berieſeln, welche ſie haben muß. Die Wieſenplätze, welche durch dieſe Arbeiten dem Waſſer entnom⸗ men werden, betragen ungefaͤhr 12 Scheffel Ausſaat, und ſind alſo da nicht ohne Bedeutung, wo früher wenig oder gar kein Wieſenwuchs war. Daß dieß Verfahren übrigens nur bei wenigen Bächen anwendbar i*ſt, geſteht Herr P. ſelbſt ein, weil nicht alle aus einer ſo ſtark hügeli⸗ gen, lehmigen Gegend kommen. Die Beobachtung zeigt nämlich„ daß dieſe im Winter und Frühjahre als Regenbäche ſehr ſtark laufen, aber im trockenen Sommer faſt ganz austrocknen. Dagegen fließen Bäche aus ſandigen Gegenden, die gewöhnlich durch Quellen erhalten werden oder durch Seen fließen, wie z. B. die Tempziner Bäche und im weſt⸗ lichen Holſtein, im Winter wenig ſtärker als im Sommer, wie die der Panzower Gegend; dagegen treiben ſie im Sommer immer noch Müh⸗ len. Sie haben in der Regel kein ſo ſtarkes Gefälle als jene; das Waſſer iſt, wenn es nicht durch Torfmoore fließt, wo es dann ſchwarz ausſieht, gewohnlich klar, aber das jener Regenbäche, wenn ſie ſtark laufen, gelb und trübe. 5) Die kleinen Rinnen läßt man durch einen Pflug machen, an dem das Langeiſen unten in zwei, 5 Zoll auseinander ſtehende Schnei⸗ den ausläuft, damit durch dasſelbe die Furche auf beiden Seiten abge⸗ ſchnitten und gut aufgeworfen wird(alſo eine Art Nachahmung des Hohenheimer Grabenpfluges, welche für dieſen ſeparaten Zweck höchſt praktikabel ſcheint). Dieß Pflügen muß jeden Herbſt wiederholt wer⸗ den, weil die vorjährigen Rinnen nicht zu benutzen ſind und wieder neue gepflügt werden müſſen. Die Raſenſtücke läßt man wegnehmen und da⸗ mit Niederungen und Kölke ausfüllen, wie überhaupt alles Unebene und Rauhe auf das Sorgfältigſte vermieden werden muß. Man läßt auch endlich, damit keine Viehſpuren getreten werden, die ſo behandelte Wieſe nicht mit Vieh zur Hütung betreiben, welches auch darum zweck⸗ 248 mäßig iſt, weil in dem nach dem zweiten Schnitt wieder aufgewachſe⸗ nen Graſe aller Schlick, welcher ſich in dem überſtrömenden Waſſer be⸗ findet, vortrefflich aufgefangen wird. Ferner wird dadurch, daß man die Wieſe nicht behütet, Zeit gewonnen, um gleich nach beſchaffter Wer⸗ bung der Nachmahd alle große und kleine Waſſerleitungen vom an⸗ gewachſenen Graſe zu reinigen, damit das Bewäſſern unverzüglich wie⸗ der beginnen kann. Das Waſſer— ſchließt Herr P.— läuft über eine kahl abgehütete Wieſe mit ſeinem Schlick hinweg, wie es bei Thauwetter über das Eis wegſtürzt. Iſt dagegen das Gras im Herbſte ſchon wie⸗ der gewachſen, ſo ſetzt ſich darin der Schlick ab, und dieſer wird durch Waſſer, Schnee und Froſt niedergedrückt, und ſelbſt die ſtärkſte Dün⸗ gung bringt keinen ſo üppigen Graswuchs hervor, als dieß Überſchlicken, indem bei der Düngung der Maulwurf ohne Waſſer doch Alles verdirbt. Die Koſten, welche Hrn. P. dieſe Wieſe verurſacht, ſind folgende: 1) Die Stauung, 1½ Ruthe lang und 12 Fuß breit, mit den Zäunen und eldſtenrünhren. 9 Thlr. 44 ßl. 2) Die kleine Stauung.... 4„—„ 3) Die beiden Bewäſſerungsgräben, à à 380 Ru⸗ then lang, mit 4 Fuß Breite im Anfange und 2 Fuß breit auslaufend, Anfangs 2 Fuß tief und zuletzt 1 Fuß, à Ruthe 2 ßl.. 15„ 40„ Doas Ufer iſt ſchräg an der Wieſenſeite weg⸗ geeſtochen, ſo daß dieſes mit dem Graben als Weg benutzt werden kann, auch als Wieſe dient. 4) Dieſelben Grabenarbeiten müſſen noch einmal berechnet werden mit... 15„ 40„ weil Manches vergeblich oder nit Borckdien⸗ lich erſchien und daher ſpaͤter von Neuem be⸗ ſchafft werden mußte. 5) Die häufigen hohen Ackerufer in die Kölke zu mwerfen und zu karren, koſtete mit dſerdens und Taglohn.. 62„ 12„ 6) In den 380 Ruthen langen Bach anf einer Seite eine Rinne zu ziehen, à Ruthe ¼ ßl.. 5„ 45„ 7) Die vielen Wieſenecken in den tauben Bach zu werfen. 15„ 8„ 8) Das Bachufer ſelbſt auf der e einen n Seite ſchräg herunter zu werfen, koſtete an Taglohn.. 6„ 24„ 9) Verſchiedene kleinere Arbeiten..... 12—„ d Summe. 147 Thlr. 21 ßl. 249 Da man nun im erſten Jahre der Verbeſſerung.. 32 Fuder und im zweiten Jahre* 4...* 2.„-.* 4.. 52„ alſo in Sunme........... 333 er⸗ ſpännige Fuder Heu mehr gebaut hat, ſo hat man damit, das Fuder nur zu 3 Thlr. gerechnet, an Rente gewonnen. 252 Thlr.— ßl. Werden hiervon nun die Koſten ahgezogen mit. 147„ 21„ ſo bleibt ein Überſchuß von....... 104 Thlr. 27 ßl. als zweijähriger Ertrag. Sollte ſich der Ertrag auch nicht vermehren, was wohl keinem Zwei⸗ fel unterliegt, ſo wären von dem jährlichen Überſchuß von 126 Thlr. nur die jährlichen Bewäſſerungskoſten mit höchſtens.. 24„ abzuziehen, und es bliebe ein Netto⸗Ertrag von... 102 Thlr. Da nun ein Mehrertrag von wenigſtens 100 Fuder zu erwarten ſteht und dieſe zu 300 Thlr. angenommen werden können, ſo iſt die Bemü⸗ hung, nachdem ſchon die Koſten gedeckt, gewiß reichlich belohnt. 8 §. 110. 2.edensn Rothwendigkeit des Auffluges aus der Sphä⸗ re deßs rationellen Handwerks in die Regionen der Kunſt. Die hier mitgetheilten Thatſachen beweiſen, daß, wenn günſtige Umſtände ſich mit praktiſcher Einſicht in hohem Grade vereinigen, auch ſolche Wieſenflächen, die nur auf unvollſtändige Weiſe den Gen ſetzen der Kunſt unterzogen werden, zu ſehr einträglichen Rieſelungs⸗ Anlagen umgeſchaffen werden können. Dieſe gewonnene, ermunternde Überzeugung iſt von unſchätzbarem Werthe für die Mehrzahl der nord⸗ deutſchen Landwirthe, in deren Verhältniſſen es viel mehr darauf an⸗ kommt, den Übelſtand natürlich dürftiger Wieſen progreſſiv und un⸗ ter gewiſſen nothwendigen Beſchränkungen auszugleichen, als ihn rück⸗ ſichtslos mit der Wurzel auszurotten und gegen einen kunſtgerechten— Zuſtand vollſtändigen Umbaues zu vertauſchen. Letzterer iſt und bleibt mehr Sache des kleinern Wieſenwirths; oder er gehört für Gegenden, wo der Werth der Arbeit zu dem der Grasproduction in ſehr günſti⸗ gem Verhältniſſe ſteht; oder dahin, wo man ſich natürliche Wieſen auf künſtlichem Wege ſchafft, namentlich durch Abſchwemmen ꝛc., alſo da, wo Einem die Macht gegeben iſt, ſchon bei der Grundbil⸗ dung des zu einer Rieſelungsanlage beſtimmten Terrains im Einver⸗ ſtändniſſe mit den Bedürfniſſen letzterer zu verfahren. Der zuletzt angefuͤhrte Fall dürfte unter den Landwirthen, die wir hier vorzüglich berückſichtigen, häufiger eintreten, ſeitdem man ſich die 250 CEultur der vielen, großen Heidereviere, welche unſer Vaterland— zu ſeiner Schande!— noch verunzieren, mehr und mehr annimmt, und dieß zum Theil bereits von Männern geſchieht, deren Kenntniſſe und Kräfte zu den glücklichſten Erfolgen berechtigen. Deßhalb und mit aus dem Grunde, damit unſer Werk nicht des ihm gewiſſermaßen ſelbſt ver⸗ liehenen Prädicats der Vollſtändigkeit nach dem Urtheile der Sachken⸗ ner verluſtig gehe, führen wir den geneigten Leſer aus der niedern Sphäre des Handwerks in die höhern Regionen der Kunſt. .§. 111. Vorſichtigkeitsmaßregeln. Ebenheit iſt erſte Grundregel des Kunſtbaues; nicht daß das die⸗ ſem unterzogene Terrain gerade nach einem und demſelben Höhepuncte regulirt werden müßte, aber die einzelnen Theile desſelben müſſen eine durchaus gleichförmige Pläne bilden.— Nächſt der Ausmittelung des Waſſerzufluſſes iſt die Veranſchlagung der Erdarbeit und ihre richtige Dispoſition das nächſte und häufig ſchwierigſte Geſchäft. Alles macht ſich leicht, wo, wie früher bereits beſprochen, Mangel und Überfluß ſich in der behandelten Fläche ſelbſt ausgleichen. Im Gegentheile aber iſt eine Gränze zu beobachten, über welche hinaus man mit dem Holen und Wegfahren der Erde nicht gehen muß. Der einſichtsvolle Prakti⸗ ker wird dieſe ſich nach ſeinen Verhältniſſen ſchon ſelbſt ermitteln. Wenn man ſchmeimen kann, ſo iſt man obenauf. Dabei richtet ein Mann ſo viel aus, als 10—15 Männer mit den Karren. Übrigens haben wir früher ſchon angedeutet, daß eine zweckmäßige Anordnung beim Erdkar⸗ ren dieſe Arbeit ungemein erleichtert und einen weiten Weg ſehr ver⸗ kürzt. Der lüneburgiſche Rieſelmeiſter meint indeß, wenn die Gelegen⸗ heit niche darnach ſey, ſchwemmen zu können, ſo durfe die Auffüllungs⸗ erde nicht über 200— 300 Fuß entfernt ſeyn, ſonſt vertheuere ſich die Arbeit zu unverhältnißmäßig.— Um die Erde möglichſt in der Nähe graben zu können, opfert man, wenn es nicht anders geht, gern ein Sückchen der Wieſe ganz auf, um durch deſſen Ausgrabung die nöthige Erde zu gewinnen*). Wo es mehr auf Abtragung als Erhöhung ankommt, da iſt vor dem Beginne der Arbeit auch die Beſchaffenheit des Bodens zu ermit⸗ teln, welcher in der Folge als Oberfläche der Wieſe dienen ſoll. Fin⸗ det es ſich, daß dieſer durchweg felſig oder ſtark thonig iſt, ſo kann kein entſprechendes Reſultat erwachſen.— Was die Abplaggung, Benuz⸗ *⁴) Möglinſche Annalen der Landwirthſchaft, 29. Bd. 1 —— ⏑———ꝗꝙ 1&m uo⏑l ͥ2N— X 251 zung des Raſens, ſo wie die umſichtige Schichtung der Erde anlangt, ſo iſt bei Gelegenheit der Erdarbeiten des dabei zu Beobachtenden ſchon Erwähnung geſchehen. Speciell werde hier nur bemerkt, daß man ſich neuerer Zeit in der vornehmlichſten Heimath des Kunſtbaues, dem Sie⸗ gerlande, ſtatt des Raſenſchälens einer andern Methode, des Abrol⸗ lens des Raſens, bedient, was die Arbeit fördert, eine Raſenerſpa⸗ rung und Schonung der Graswurzeln zuwege bringt, eine ſchnellere Benarbung des belegten Terrains zur Folge hat und viel ſeltener den beim Quadratſtich ſo oft ſich ergebenden Mangel an Raſen eintreten läßt. Indeſſen geſteht der Erfinder dieſes Verfahrens, Oberförſter Vor⸗ länder zu Siegen, ſelbſt ein, daß es zu deſſen Ausführung eines con⸗ ſiſtenten, zähen Raſens erheiſche. Die Manipulation iſt folgende: Es wird etwa 10— 15 Fuß lang und 1 Fuß 2 Zoll breit in der Figur ei⸗ nes Bretes gehauen und von der Seite rechtwinkelig gegen die Länge des Stückes in der gewöhnlichen Raſendicke(auf ſüßen Wieſen 2— 2 ½, auf ſauren 2½— 3 Zoll) mit Accurateſſe Stich an Stich gethan. Iſt nun auf dieſe Weiſe das Raſenſtück ganz losgeſtochen, ſo nimmt man dasſelbe an dem entgegengeſetzten Ende, wohin die Raſen unbeſchadet der Arbeit gelegt werden müſſen, und rollt es auf. Die Erdſeite des Raſens kommt außen an die Rolle. Es ſind hierbei vier Mann erfor⸗ derlich: ein Mann zum Hauen, zwei zum Stechen und der vierte zum Aufrollen. Iſt der Bau der Fläche vollendet, ſo faſſen zwei, Mann, wenn die Rollen etwas groß und ſchwer geworden, mittelſt inas ſtar⸗ ken glatten Stockes, den ſie im Mittelpuncte durchſtecken, die Rolle an und tragen oder wälzen ſie an den Punct hin, wo ſie anfangen, ſolche über die Baufläche abzurollen. Mittelſt einer Gabel ſchieben ſie nur noch das Raſenſtück, wo es nöthig geblieben, in die richtige Lage. §. 112. 2☛ Hangbau. Rückenbau. Siegener Methode; deren Maͤn⸗ gel und Veränderungen. Flacher Rückenbau auf wage⸗ rechtem Boden nach Schwerz's Anleitung. Abweichun⸗ gen auf hangenden Wieſen. Zuſammengeſetzter Bau. Je nachdem die umzubauende Wieſe eine abhängige, abgedachte oder eine flache, faſt wagerechte Lage hat, oder mit flachen und abhängigen Lagen wechſelt, wird dieſelbe in eine hangende Fläche(Hangbau), oder in Rücken(Rückenbau), oder in eine mit hangenden Flä⸗ chen und Rücken wechſelnde Geſtalt(zuſammengeſetzter Bau) zu verwandeln ſeyn. Zum Hangbau muß die Wieſe mindeſtens 4 Zoll pr. preuß. Ruthe oder ½, von der Länge Gefälle haben. Au⸗ Berdem beſtimmt das Nichtvorhandenſeyn örtlicher Quellen den Man⸗ — 252 gel eines reichlichen und regelmäßigen Waſſerzufluſſes zu Anlagen die⸗ ſer Art. Die Manipulation dabei iſt, daß man vorläufig nach Augen⸗ maß, auf's Gerathewohl, nach Maßgabe der augenfälligen Verände⸗ rungen der Oberfläche des Bodens, ohne Rückſicht auf Unterſchied der Breite, die Wieſe mit oben und unten eingeſteckten Stäbchen in Abthei⸗ lungen formirt, demnächſt aber das Abgeſteckte durch Viſiren und Ni⸗ veliren genau zu berichtigen ſuͤcht. Iſt das geſchehen, ſo geht es an's Abwägen der horizontal zu legenden Gräben, bei deren Anfertigung wir uns nur wenige Abweichungen erlauben dürfen. Ihrer Vollendung folgt auf dem Fuße die Anlage der vertical laufenden, mit den Gräben ſich kreuzenden Rinnen, wodurch die Tafel ſich nun in Vierecke theilt. Zur Planirung desſelben liefern die Sohlen der Goſſen und Hohen der Grabenufer die Richtſchnur; man hat bei dieſer Arbeit nur die beiden Hauptgeſichtspuncte feſtzuhalten, daß die Fluth ſich allenthalben hin verbreiten und allenthalben gehörigen Abzug haben könne. Demnach mache man ſich durch zu mühſame Rückſicht auf das Gefälle das Leben auch nicht zu ſauer; denn ſehr richtig bemerkt Schwerz, daß nicht alle Vertiefungen einer hangenden Fläche gerade immer das Waſſer zurü. halten, wie ſolches auf einer Ebene der Fall iſt. Der ſogenannte Rückenbau, wobei im eigentlichen Wortverſtande die Ackerbeete auf die Wieſen verpflanzt werden, fällt der Ebene an⸗ heim. Hier bleibt, wenn man nicht ſtauen kann, kein anderes Mittel uͤbrig, als das Waſſer in Bewegung zu ſetzen. Die Anwendung desſelben erleidet aber nach Maßgabe des Terrains beſondere Modiſicationen; im Allgemeinen geben eine ſumpfige Beſchaffenheit und Mangel an Ge⸗ fälle dem ſchmalen, das Gegentheil und Waſſermangel dem breiten Rückenbau den Vorzug. Vermehrter Aufwand an Mühe, Aufmerk⸗ ſamkeit und Koſten widerrathen überall die langen Rücken.— Bei Anla⸗ gen dieſer Art findet man nicht ſelten, ſo namentlich auch in dem wegen ſeiner kunſtvollen Rieſelungen berühmten Siegerlande, die Beete dach⸗ förmig aufgerückt und deren Rückenwände mit einem, auch zwei Wäſ⸗ ſerungsgräbchen durchſchnitten, um die Wirkung der Überrieſelung nicht zu beeinträchtigen. Daß der Bau einer ſolchen Wieſe nicht nur ganz unverhältnißmäßig koſtbar werden wird, ſondern daß ſolche auch nie ganz gleichmäßig mit friſchem Waſſer verſehen werden kann und ſich Stagnationen erzeugen müſſen, daß endlich das Fahren in der Ernte auf dieſen bald zu abhängigen, bald zu weichen, bald zum Umkehren nicht geeigneten Flächen eine widerliche Sache iſt, unterſchreibt wohl jeder Wieſenbauer aus voller Überzeugung, ſelbſt wenn ihm die Sache nach unſerer Andeutung nicht völlig klar geworden ſeyn ſollte. 253 Alle oben angeführte Nachtheile zu umgehen, hat man neuerer Zeit einer minder gewölbten und viel ſchmälern Bauart überwiegende Vor⸗ züge eingeräumt. Dieſelbe modiſicirt ſich verſchieden, je nach Ungleich⸗ artigkeit des Terrains. Auf wagerechtem Boden hat Schwerz's von andern Wieſenbauern beſtätigte Erfahrung, eine Länge von 35— 40 und eine Breite von 8 Meter*) für die flachen Rücken anzuwenden, ſich als die vortheilhafteſte ergeben. Den Gräben gibt man am beſten 22 Cen⸗ timeter Breite; der Raſenbenutzung halber den Entwäſſerungsgräben eine gleiche. Die Ausführung der ganzen Arbeit wird ſich dem Leſer am beſten durch nachfolgende Erläuterung aus des Meiſters eigenem Mun⸗ e verſinnlichen**). nehme zuvor die Tafel VI. Fig. 1 zur Hand. Wir bezeichnen vorläufig nach einem Maße, dem Zuleitungsgraben a ſowohl als dem Ableitungsgraben b entlang, die Breite der Rücken ſammt der ihrer Bewäſſerungs⸗ und Entwäſſerungsgräben mit kleinen Stäbchen, ziehen dann die Schnur von jedem der Stäbchen bei a nach dem gegenüber geſetzten bei b und ſtechen die Gräben ab. Wir bemerken, daß wir ſie nicht in ihrer völligen Länge abzuſtechen brauchen. Die Linien e de, whelche die Entwäſſerungsgräben bilden, fallen von oben um 2, die Li⸗ nien f g oder die Bewäſſerungsgräben von unten um 4 Meter kürzer als die Beete ſelbſt. Sie bleiben alſo nur ebenſo weit, erſtere von dem Zuleitungs⸗, letztere von dem Ableitungsgraben weg. Nach vollendetem Abſtechen der Ufer werden die Raſen mit dem Wie⸗ ſenbeil abgekürzt, 8 Centimeter, etwa 3 Zoll, dick mit dem Spaten von der Sohle getrennt und reinlich der Reihe nach immer auf das rechte Ufer jeden Grabens hingelegt. Dadurch findet ſich dann das eine Ufer des Wäſſerungsgrabens(wir ſetzen f) um die Dicke eines Raſens erhöht. Zu der Erhöhung des gegenſeitigen Ufers desſelben Grabens bedienen wir uns der Raſen, die aus dem Entwäſſerungsgraben e hervorge⸗ gangen und allda gänzlich überflüſſig ſind. Wir geben aber Acht, daß die Raſen gut und reinlich auseinander gelegt und geſchloſſen werden. Das Beet wird nun im verticalen Durchſchnitte beiläufig der Fig 3 *) Ein Meter iſt= 443295/1000 Pariſer Linien, deren 12 einen Pariſer Zoll machen; oder minder genau genommen iſt 1 Meter gleich 3 rheinländiſchen Fuß oder 1 ½ Berliner Elle. Nach dieſer Einheit hat man nun gebildet und rechnet: 1 Decameter zu 10, 1 Hectometer zu 100, 1 Kilometer zu 1000 und 1 Myriameter zu 10,000 Meters. 7 Meters ſind= 12 hannöverſchen Ellen.— Hingegen iſt 1 Decimeter nur der zehnte Theil eines Meter oder etwa 3 ⅛ Zoll, 1 Centimeter 1 0 und 1 Millimeter ½10%0 dieſes Meter. **) Siehe Schwerz's praktiſchen Ackerbau, Bd. 1., S. 521. 254 gleichen, wo f den Bewäſſerungsgraben und ea die Entwäſſerungsgrä⸗ ben vorſtellen. Wir fahren mit unſerer Arbeit fort und ſchärfen den Rand des Beetes bei e und d ab, das heißt, wir ſetzen den Spaten in der Ent⸗ fernung von einem Fuß von daſigem Graben an und ſchieben ihn in ei⸗ ner ſo verſchrägten Richtung in den Boden, daß er in dem Winkel, den das Ufer des Grabens mit der Sohle bildet, hervorkommt. Dadurch erhalten wir dann ein keilförmiges Raſenſtück gleich ii, welches wir mit ſeinem dickern Theile gegen den aufgeſetzten Raſen an dem Ufer des Wieſengrabens anlegen. Das Beet erhält nun die Form, wie ſie Fig. 4 zeigt. Durch dieſe letztere Arbeit gingen nun die Uferwände des Entwäſ⸗ ſerungsgrabens und mit ihnen der Graben ſelbſt verloren. Wir ziehen darum von Neuem die Schnur, ſtechen die erſte Sohle um 3— 4 Zoll tiefer aus und werfen die daraus hervorgehende Erde nach den Stellen des Beetes, die einige Vertiefungen zeigen. Auf dieſe Weiſe erhält der Rücken die Geſtalt von 5. In dieſem Zuſtande halten wir das Beet vor der Hand für voll⸗ endet, ob es gleich die ſchöne erforderliche Geſtalt von b noch nicht hat, da es bei hh noch zu flach liegt. Dieß hindert aber nicht, daß das Waſ⸗ ſer nicht abziehe. Das Beet dacht ſich vor und nach von ſelbſt ab, in⸗ dem das Gras nach der Mitte zu immer einen etwas ſtärkern Wuchs hat, daher die Krume daſelbſt zunimmt. Überdieß geht aus dem alljähr⸗ lichen Ausräumen der Gräben etwas Erde und von dem Beſchneiden ihrer Ufer einige Raſenbänder hervor, die man zur Vervollkommnung der Abdachung verbraucht. Es iſt nützlich, wenn man den Bewäſſerungsgraben auf 3 bis 4 Zoll unter dem Rande ſeiner Ufer auffüllt, wie Fig. b zeigt, theils um mit dem Waſſer zu ökonomiſiren, theils um das Stocken des Waſ⸗ ſers in der Tiefe des Grabens zu verhindern. Um den Entwäſſerungs⸗ gräben freien Abzug zu verſchaffen, iſt es nothwendig, daß der Ablei⸗ tungsgraben, in den ſie münden, tiefer als ſie ſelbſt ausgeſtochen ſey. Die Dispoſition eines ganz wagerechten Bodens wird uns ſelten zu⸗ fallen; das iſt(wenn auch die Arbeit hier leichter zu beſeitigen) auf großen Flächen, des beſſern Waſſerabzuges aus dem Ableitungsgraben wegen, kein abſchreckendes Hinderniß. Die den Beeten dann zu gebende Richtung wird nun auf anderem Wege ermittelt; man geht darin vom höhern zum tiefern Standpuncte. Die Auffüllung der Grabenufer nach unten verſtärkt ſich gegen oben in dem Verhältniſſe von 2, 3, 4:1. Dieſe durchaus mittelſt Raſen zu beſchaffen, iſt nicht nöthig, wuͤrde 255 häufig auch gar nicht möglich ſeyn; Erde kann die Soden füglich erſez⸗ zen, wenn jene nur mit letztern nicht eher belegt wird, bis ſie ſich hin⸗ laͤnglich geſetzt hat. Daß bei dieſer Art Arbeit ein ſorgfältiges Abwä⸗ gen des Bodens ſtets vorangehen müſſe, verſtehk ſich ſchon von ſelbſt. Die endliche Ausgleichung der wagerechten Lage der Gräben geſchieht auf die bekannte Art, daß man etwas Waſſer hineinlaufen läßt. Stark hängenden Beeten gibt man entweder eine mindere Länge als gewöhnlich, oder wählt die Diagonalrichtung. Auf Wieſen mit zwei⸗ fachem Hange iſt dieſe, der auf minder koſtſpieligem Wege erreichbaren Ebenmäßigkeit des Waſſerlaufes wegen, beſonders praktikabel. Auf Ta⸗ fel VI. Fig. 2 finden wir ein Beiſpiel ſolcher Anlage. Der Leſer denke ſich den Südpunct nach unten, alſo iſt die Richtung der Beete hier von Nordweſt nach Südoſt.(Wohl zu bemerken, iſt das nur bildlich zu verſtehen und von der wirklichen Richtung nach einer der genannten Himmelsgegenden keine Rede.) Es ſey erlaubt, Schwerz's der Figur beigegebene Erklärung nachzuſchicken. Die Urſache, bemerkt unſer Meiſter, warum die Wäſſerungsgrä⸗ ben abe de ſich nicht auf der Mitte des Rückens, ſondern mehr rechts befinden, iſt, weil dieſe rechte Seite durchaus nichts bei der an⸗ genommenen ſchiefen Richtung gewonnen hat, ſondern nur bloß die linke oder weſtliche. Damit man aber auch auf jener Seite ein Gefälle her⸗ vorbringe, ſo hält man ſie möglichſt ſchmal, nicht über zwei Meter breit, ſtatt daß die Seite gegenüber ſechs Meter breit wird. Es fällt dann nicht ſchwer, jene ſchmale Seite ſo abzuſchärfen, daß das Waſſer da⸗ von ab⸗ und dem Entwäſſerungsgraben zufließe. Sollte endlich der Hang z. B. nach Weſten ſehr ſtark ſeyn, ſo wuͤrde ich rathen, der rech⸗ ten Seite des Beetes nur einen Meter Breite zu geben, ſie nicht zu wäſ⸗ ſern und alles Waſſer auf der linken Seite überſchlagen zu laſſen. Deer zuſammengeſetzte(gemiſchte) Bau wird, wie oben bereits angedeutet, bei ſolchen Wieſen angewandt, die ſich auf der einen Seite zum Hangbau und auf der andern zum Rückenbau eignen.— Stellt ſich unter dem Hauptbewäſſerungsgraben eine hangende Fläche dar, ſo wird dieſelbe zum Hangbau benutzt; am Ende des Hanges und beim Anfang der wagerechten Fläche wird ein horizontaler Quergraben ge⸗ zogen, welcher dem Rücken das Waſſer liefert. Dieſer Quergraben kann ſeinen Zufluß auch von der Seite anders woher, z. B. durch einen nahe gelegenen Bach ꝛc., erhalten; in dieſem Falle muß er aber einiges Gefälle haben, etwa 4 Zoll auf 100 Fuß. Will man die Rücken nicht von dem Waſſer des Hanges bewäſſern laſſen, ſo läßt man die Abzugs⸗ gräben der Rücken bis in den Quergraben einſchießen und bei Bewäſſe⸗ 256. rung des Hanges die Stellraſen aus den Abzugsgräben nehmen und die Rückengräben damit verſchließen, auf welche Art denn das Waſſer, welches ſich von dem Hange in den Quergraben ergießt, durch die Ab⸗ zugsgräben von der Wieſe geleitet wird; auch kann man während der Bewäſſerung des Hanges den Quergraben am Ausgange finen und ſo das Waſſer abfließen laſſen. Ein gleiches Verfahren wird beobachtet, wenn ſich die obere Flaͤche zum Rückenbau eignet und unter dieſer ſich eine hangende Fläche zeigt. Das Waſſeererſparende dieſer Bau⸗Maxime fällt in die Augen. Vor⸗ länder*) hat neuerlich auf den vortheilhaften wiederholten Gebrauch des Wäſſerungswaſſers, ſobald dieſes in horizontalen Entwäſſerungs⸗, Ableitungs⸗ oder Wiedervertheilungsgräben ſich vereinigt und langſam fortbewegt und ſolcher Weiſe ſich durch den Einfluß der Atmoſphäre neu erkräftigt, beſonders aufmerkſam gemacht. Fiinden wir auch keine Veranlaſſung, unſern Vortrag in dieſer Hin⸗ ſicht weiter auszudehnen, ſo möge es uns doch vergönnt ſeyn, noch ein intereſſantes Beiſpiel der Bethätigung ähnlicher Vorſchriften, wie die oben von uns(nach Schwerz) angedeuteten, zur praktiſchen Abrun⸗ dung und Ergänzung des uͤber den künſtlichen Rieſelungsbau Geſagten an laſſen. Wir liefern dasſelbe nach Steltzner's mehrangeführ⸗ Beſchreibung der neueſten Art der Bewäſſerungswieſen in der han⸗ növerſchen Provinz Lüneburg, im 29. Jahrgange der rMögkinſchen An⸗ nalen der Landwirthſchaft.„“ 3 1 13. — der reuraen Art der Bewäaſſerungs⸗ Wle⸗ ſen im Lüneburgiſchen.(Nach Steltzner.)* Daß das Waſſer ebenſowohl, wie Gras, auch Sumpf machen, ſtatt jenes nahrungsloſe, ja ſchädliche Waſſerpflanzen, Binſen, Moos, u. dergl. erzeugen könne, dieß haben die fleißigen Lüneburger Landwirthe auf ihren mit ſo großen Koſten, mit Strömen von Schweiß geſchaffe⸗ nen Wieſen zum Theil erfahren, weil durch das bei der Anlage und bei der Bewäſſerung der Wieſen beobachtete Verfahren ſowohl der Boden als die Gräſer mit Waſſer überſättigt, erſterer verſauert, verſumpft, letztere zum Abſterben gebracht werden, und ſtatt deren allerhand Un⸗ zeug produciren**). *) S. deſſen„die Siegenſche Kunſtwieſe. 2. ***) Siehe am angeführten Orte S. 301. Wo Hauptgrundſätze wiederholte Berührung finden, haben wir, um ſie dem geneigten Leſer in nuce zu recapi⸗ tuliren, die geſperrte Schrift eintreten laſſen. Dasſelbe gilt von andern, viel⸗ leicht noch unerwähnten, anerkannten Erfahrungsſätzen. * 257 Anhaltende Bewäſſerung iſt dem Sandboden nöthig, deſto nöthiger, je größer ſeine Mächtigkeit, je geringer ſeine Bindungsmittel ſind.— Da nun beſonders die durch Schwem⸗ men geſchaffenen Wieſen den loſeſten Boden beſitzen, ſo iſt deren anhal⸗ tende Bewäſſerung beſonders erforderlich, wenn ihr Grasertrag die auf⸗ gewendeten Anlagekoſten verzinſen ſoll; aber es iſt dabei unerläß⸗ liche Bedingung, daß das Waſſer nicht lange auf einer Stelle verweile, daß ſich ſolches ſtets erneuere, weil es ſonſt die obigen Nachtheile zuwege bringt. Die Beſchrän⸗ kung der Bewäſſerungszeit, um dadurch das Verſauern des Bodens, die Vertilgung guter Gräſer zu umgehen, exfüllt zwar dieſen Zweck, aber bringt auf der andern Seite zu großen Verluſt an der Gras⸗ menge.— Deßhalb dachten die Lüneburger auf Mittel, anhaltende Be⸗ wäſſerung anwenden zu können, ohne dadurch jene Nachtheile entſte⸗ hen zu ſehen. Das durchgreifendſte Mittel iſt gefunden in veränderter Anlage der Bewäſſerungswieſen, deren Beſchreibung hier geliefert werden ſoll. Wie ſehr auch die natürlichen Wieſen durch die neue Anlage⸗Me⸗ thode gewinnen, und zwar um ſo mehr, je ebener ihre Lage bei Boden iſt, der dem Graswuchſe leicht zu trocken wird, bedarf für unſern Leſer ſchon keiner weitern Explication. Manche natürliche Wieſe inn Lünebun 5 giſchen hat bereits die wohlthätigen Umwandlungen erfahren von Land⸗ wirthen, welche die dazu erforderlichen Koſten erſchwingen konnten. Das Verfahren des»Schwemmens« anlangend, ſo gehört ſeine Beſchreibung nicht hierher und wird weiter unten davon die Rede ſeyn⸗ Beilaäufig muß nur etwas davon erwähnt werden, inſofern folches die gegenwärtige Beſchreibung von den Wieſenanlagen deutlicher macht In der bekannten Meyer'ſchen Preisſchrift*) über das Schwem⸗ Auen iſt von einer Schwemmwieſen⸗ Anlage die Rede, welche an dem Flüßchen Lopau, oberhalb Bockum, Amts Ebſtorf im Lüneburgiſchen, vor einigen 40 Jahren geſchaffen und über hundert Morgen groß iſt.— Der Zufall hat es gewollt, daß Herr Steltzner die Umge⸗ ſtaltung eines Theils der zu jener Zeit aus einem faſt unzugänglichen Bruche mit Zuhulfenahme der daneben liegenden Sandberge, wovon durch Schwemmen ein Theil zur Ausfüllung des Bruches verwendet iſt, *) Dieſelbe iſt, außer in den niederſächſiſchen Annalen, als ſelbſtſtändige Schrift abgedruckt unter dem Titel:„Ueber die Anlagen der Schwemm⸗ wieſen im Lüneburgiſchen, und der Wieſenverbeſſerung über⸗ haupt. Herausgegeben von Albr. Thaer. Mit 5 Kupfm. Celle, bei Schul⸗ ze, 1805. Lengerke's Wieſenbau. 3. 17 ganz neu geſchaffenen Wieſen vor nur 10 Jahren mit angeſehen hat, welche einer der Beſitzer derſelben, der Hkonom Refarth senior zu Wulfſode, mit ſeinem Antheile, etwa 40 Morgen groß, vornahm.— Dieſe Anlage iſt der gegenwärtigen Beſchreibung durchaus zum Grunde gelegt. 8 Wie bereits§. 98 erwähnt, hielt man vormals bei den Schwemm⸗ oder auch bei den natürlichen Wieſen ganz ebene Lage mit geringer Ab⸗ dachung, vermöge welcher das Bewäſſerungswaſſer zwar ſeinen Ablauf haben konnte, ſolchen jedoch auch nicht zu ſehr beſchleunigte, für das Zweck⸗ mäßigſte. Hiernach wurde das Schwemmen eingerichtet, und man zog auf den fertigen Wieſen, um den Waſſerabzug zu befördern, etwa in 40— 50 Fuß Entfernung voneinander kleine Gräben perpendiculär auf den Bewäſſerungsgraben, und theilte ſolchergeſtalt die zu bewäſſernde Wieſenfläche in lange Vierecke, die man, wenn ſie ſehr lang waren, durch einige Quergräben verkleinerte.— Im Laufe der Zeit hat man, wie auch ſchon früher angedeutet, die unangenehme Erfahrung gemacht, daßbeidieſer Art Wieſen das Bewäſſerungswaſſer— wenn ſolches, wie es doch nur an größern Flüſſen, alſo in den ſeltenern Fällen, der Fall ſeyn kann, nicht in ſo großer Menge vorhan⸗ den iſt und auf die Wieſen geleitet werden kann, daßes ſich durch den kräftigen Nachfluß unaufhaltſam fortwälzt— zu langſam fortſchleichen muß, ſo daß hier und dort Stag⸗ nation eintritt; daß, wenngleich die Wieſe in kleine Quadrate getheilt iſt, ein und dasſelbe Waſſer dennoch zu lange auf dem Grasboden verweilt, da es aus den kleinen Auffangegräben der obern Vierecke unmittelbar auf die darunter gelegenen tritt und eine⸗Gährung in dem Boden veranlaßt, die dem Graswuchſe ſo wenig zuſagend iſt, daß die beſſern Gräſer verſchwinden, dagegen Mcooſe und unnütze Sumpfgewächſe hervorgelockt werden.— Viele ſchöne aufgeſchwemmte Wieſen, die bei ihrer erſten Anlage reichlichen Ertrag guter Gräſer gewährten und dadurch die darauf verwendeten großen Koſten bald zu erſetzen verſprachen, ſind in jenen uneinträglichen Zu⸗ ſtand verfallen. Die Mutter ſo mancher herrlichen Erfindungen— die Noth— hat die Lüneburger Landwirthe das Mittel finden laſſen, je⸗ nen Nachtheilen zu begegnen, die Capitalien, welche auf die erſten Wie⸗ ſenanlagen verwendet ſind, freilich mit großem Koſtenaufwande, zu retten, den Wieſen einen nie geahnten hohen Ertrag nachhaltig abzu⸗ gewinnen und dadurch den alten und neuen Capitalaufwand dauernd zu ſichern.. Man bildet näͤmlich aus der Wieſenfläche ſchmale Beete, 259 auf denen vermittelſt gegebener Wölbung eine raſche, ſtets erneuerte Bewegung des Waſſers Statt findet, ſelbſt wenn ſie der Ortlichkeit halber ganz horizontal angelegt werden müſſen; ja man hält es für das Beſte, wenn die Lage der Beete ganz wagerecht ſeyhn kann und der Fall desſelben nur in den Gräben Statt findet, weil dann das Bewäſſerungswaſſer gezwungen wird, nur die kurze Zeit zwiſchen dem Graſe zu verweilen, de⸗ ren es bedarf, um von der Mitte des Beetes ſeitwärts in deſſen Entwäſſerungsgraben abzulaufen, ſo daß ſich das Waſſer auf einer und derſelben Stelle ununter⸗ brochen erneuert. Die Anlage dieſer neuen Felderwieſen koſtet viel Arbeit, viel Geld. Der Ertrag lohnt dafür zwar ſehr reichlich— worüber weiter unten einige Beiſpiele beigebracht werden—, aber die erſte Auslage fällt der Mehrzahl der gewöhnlichen Landwirthe zu ſchwer, als daß die Umwand⸗ lung ſo raſche Fortſchritte machen könnte, wie ſo ſehr zu wunſchen iſt. Auch diejenigen Wieſen bei Bockum, welche Steltzner uns als Beiſpiel zur Beſchreibung der fraglichen Anlagen vorführt, ſind, wie ſie aus dem Chaos zuerſt hervorgerufen, auf die Art gebildet, daß ihre ganze Fläche ebene, ununterbrochene Vierecke darſtellt, ſo lang, als die ganze Breite des durch das Abſchwemmen gebildeten Wieſen⸗ thales iſt, welches an dieſer Stelle 450 bis 500 Fuß ſind. Dieß iſt aber viel zu lang, als daß die Menge des Bewäſſerungswaſſers im Stande ſeyn könnte, ſich ſo ſchnell von einem Ende zum andern zu bewegen, als nöthig iſt, um nicht hier und dort zu ſtocken, den Boden zu verſumpfen und Gräſer hervorzulocken, welche auf ſolchem Stand⸗ orte in ihrer Heimath ſich befinden. Tafel VlI. ſoll die neue Umwand⸗ lung derſelben verſinnlichen. Wenn man ſich die darauf bezeichneten Abtheilungen wegdenkt und dann ſich vorſtellt, daß die Vierecke, welche einerſeits auf den Fluß C, andererſeits auf den Hauptbewäſſerungs⸗ graben E ſtoßen, wohl 50 Fuß breit waren und ganz ebene Lage hat⸗ ten, ſo hat man ein Bild des vorigen Zuſtandes dieſer Wieſenfläche, in welcher ſich die übrigen, daneben gelegenen Wieſen auch noch befin⸗ den. Die Vergleichung dieſer mit jenem ungeformten Theile zeigt den Unterſchied des Ertrages und der Natur des Graswuchſes auf ſolche auffallende Weiſe, daß man bedauern muß, daß nicht jeder Landwirth ſich im Stande befindet, die Koſten zu dieſer heilbringenden Umwand⸗ lung möglichſt bald herbeiſchaffen zu können. „Herr Steltzner bemerkt, daß der Lopau⸗Bach auf die Ruthe 17* 260 von 16 Fuß Länge ungefähr Zoll Gefälle habe und daß er nach obiger Me yer'ſchen Abhandlung in der Secunde ungefähr 9 Cubikfuß Waſſer auswerfe. Das Geſchäft der Umwandlung der Wieſe iſt— wie auch ſonſt überall— nur von gewöhnlichen Hand⸗ arbeitern, ohne künſtliches Wägen des Terrains, le⸗ diglich nur mit Hülfe eines Richtſcheites und einer Setzwage vollzogen.— Im Laufe der Zeit bekamen aufmerk⸗ ſame, ein wenig mit Mutterwitz begabte Arbeiter ſolch' eine Kenntniß von der beſten Benutzung des Terrains, daß ihre Kunſt wirklich freu⸗ diges Erſtaunen erregt. Dieſe beſteht hauptſächlich darin, das Gefälle, welches die Ortlichkeit darbietet, ſo zu be⸗ nutzen, daß das Waſſer möglichſt lange auf den höchſten Puncten der zu bewäſſernden Fläche gehalten werde, als von wo aus die niedrigern Puncte deſto vollſtän⸗ diger und mit den wenigſten Koſten bewäſſert werden können. Heerr Steltzner wünſcht auch, daß die Lüneburger, welche ſich nur der gewöhnlichen bekannten Werkzeuge bedienen, einige der von Schwerz empfohlenen Geräthſchaften, namentlich den Hohenheimer Grabenpflng, zur großen Erleichterung ihrer mühſamen Arbeiten adop⸗ tiren möchten. Auf erwähnter Zeichnung zeigt C den Lauf des Lopau⸗Baches an. B iſt die Hauptſtauſchleuſe, vermittelſt deren Schließung der Bach in einem wüſten Bruche bei A ſo hoch angeſpannt wird, um in den Haupt⸗ wäſſerungsgraben K abfließen zu können. Dieſer Hauptgraben richtet ſich in Weite und Tiefe nach der Lage des Bodens und nach der aufzunehmenden Waſſermenge. Hier iſt er zwiſchen 5 und 6 Fuß breit und zwiſchen 3 und 4 Fuß tief. Bei L befindet ſich eine kleine Handſchleuſe. Um deren richtigen Aufſtau zu ermitteln, wird der Graben bei L zugedämmt und auf ſeiner Länge, von Aan, ein Damm aufgeſetzt, der gerade ſo hoch iſt, wie das Waſſer zur Bewäſſerung aufgeſtaut werden ſoll. An der Stelle, wohin die Handſchleuſe kommt, wird ein Pfahl eingeſchlagen, der die Höhe des ausgemittelten Staues ganz genan bezeichnet, wornach denn die Schleuſe angelegt wird. Der Schlußbaum desſelben muß 1 Fuß über dem Waſſerſpiegel liegen, die Schützbreter aber gerade mit dem⸗ ſelben gleich ſeyn. Da in dem porliegenden Falle die Waſſermaſſe nicht hinreicht, die ganze Wieſenfläche in Einem zu bewäſſern, ſo iſt ſolche in fünf Ab⸗ theilungen getheilt, wovon die drei erſten zwiſchen dem Flußbette X—*εı———,— te 261 und dem Hauptbewäaͤſſerungsgraben liegen und bis zur Schleuſe bei L gehen. Nach Feſtſtellung dieſes Schleuſenpunctes hat man den zur zwei⸗ ten Abtheilung dienenden Bewäſſerungsgraben G in 3 Fuß Breite und 2 Fuß Tiefe aufgeworfen, und es iſt dann zur Eintheilung der Felder oder Beete auf der erſten Abtheilung geſchritten. Die Felder macht man 14— 16 Fuß breit, einestheils wegen der dann vollkommenern Bewäſſerung, andern⸗ theils, damit bei dem Mähen des Graſes die halbe Breite derſelben mit einem Senſenſtriche vorgenommen und das Gras darauf niedergelegt werden kann.— In den Gegenden, wo die Grasſenſen nicht ſo lang ſind, daß ein Mäher Schwaden von acht Fuß mähen kann, würden die Felder ſo viel ſchmäler zu machen ſeyn, als nöthig iſt, daß jede Seite nur ſo breit wird, als ein Senſenhieb vornehmen kann, weil dadurch beim Grasmähen viel Zeit zu erſparen ſteht. Der Herr Okonomie⸗Commiſſär Duve zu Eelle, unter deſſen Lei⸗ tung in neuerer Zeit mehre Wieſenanlagen gemacht worden ſind, theilte Herrn Steltzner die Bemerkung mit, daß er unter vielen, ja den mehrſten Verhältniſſen eine Breite der Felder von 24 Fuß Calenbergiſch(alſo ziemlich übereintreffend mit Schwerz's Vorſchrift) für ſo zweckmäßig gefunden habe, daß er ſelbige jetzt allgemein anzuempfehlen geneigt ſey. Jede Hälfte eines Feldes erfordert dabei zwei Schwadebreiten. Es wird an Arbeitslohn bei Anlage der Felder, deren Unterhaltung und an nutzbarem Raume gewonnen. 1 Die Länge der Felder muß ſich nach der Menge des Bewäſſerungswaſſers, auch nach der Lage der Wieſe richten. Bei wenigem Waſſer müſſen ſie kürzer ſeyn, als wenn man deſſen in großer Menge zur Dispoſition hat. Im vorliegenden Falle ſind ſie 140— 160 Fuß lang.— Erfordert die örtliche Lage bei we⸗ nigem Waſſer dennoch lange Beete, ſo muß man die Einrichtung mit den Handſchleuſen dergeſtalt treffen, daß man das Waſſer auf einmal nur über wenige Felder treibt, als man thun würde, wenn man kürzere Felder oder mehr Waſſer hätte. Es kann nicht oft genug wiederholt werden, daß der günſtige Erfolg der Bewäſſerung lediglich von der ſteten Erneuerung des Waſſers abhängt. 262 Auf jedem Felde befindet ſich auf der Mitte ſeiner Wölbung der kleine Bewäſſerungsgraben, und der Entwäſſerungsgraben bildet die Gränze zwiſchen zwei Feldern. Erſtere, auf der Zeichnung mit a an⸗ gedeutet, gehen einerſeits bis in den Zubringegraben; am entgegen⸗ geſetzten Ende reichen ſie bis etwa 5—6 Fuß vom Ende der Felder. Letztere dagegen, auf der Zeichnung mit b bezeichnet, fangen erſt in 4—5 Fuß Entfernung vom Zubringegraben an, laufen aber bis in den Hauptabzugsgraben fort. Man fängt die Bildung der Felder da an, von wo das Waſſer⸗ gefaͤlle kommt, und faͤhrt das erſte Feld entweder ſo hoch mit Erde auf, oder nimmt ſo viel ab, als in dem Bewäſſerungsgraben, der 10 Zoll Breite und am obern Ende 7, am untern 9 Zoll Tiefe hat, der Waſſerſtand erfordert, welcher mit dem im Zuleitungsgraben gleichhoch erhalten werden muß. Um dieß deſto zuverläſſiger zu er⸗ reichen, wird das Gräbchen etwa 16—18 Fuß vom Abfluſſe abge⸗ dämmt. Läuft dann das Waſſer zu beiden Seiten aller Orten gleich⸗ mäßig über das Gränzgräbchen ab, ſo wird das erſte En twäſſe⸗ rungs⸗ und Gränzgräbchen des zweiten Feldes gebildet. Je nach den Umſtänden und beſonders nach der Breite der Felder werden die klei⸗ nen En twäſſerungsgräben 9— 14 Zoll niedriger als die Bewäſſe⸗ rungsgräben angelegt, ſo daß alſo die Wölbung der Felder um dieſe Höhe anſteigt. Die Entwäſſerungsgräbchen macht man einige Zoll ſchmäler und flächer, als die Bewäſſerungsgräbchen. Da, wo es die Lage erlaubt, die Felder ganz wagerecht anzulegen, wird dem Waſſer das nach dem Ableitungsgraben zu nöthige Gefälle durch die Bil⸗ dung der Bewäſſerungs⸗ und Entwäſſerungsgräbchen ertheilt, indem dieſe nach dem Abfluß⸗Ende zu um 2— 3 Zoll tiefer gemacht wer⸗ den, als am Einfluß⸗Ende. Damit man auf die leichteſte Art für eine größere Anzahl Felder einer Abtheilung den richtigen Waſſerpaß behalten möge, ſo iſt nach Bildung des erſten Feldes eine Schnur von E bis G gezogen und nach ſelbiger das Terrain auf dieſer Linie wagerecht gemacht, und um das Gefälle zu finden, eine kleine Grippe darauf her und bis in den Abzugsgraben gezogen, deren Gefällpunct nur durch Einſchlagung ei⸗ niger Pfähle bezeichnet, dann aber die Grippe wieder zugeworfen iſt. Hiernach ſind auf der ganzen erſten Abtheilung die Felder gebildet. Nach Beendigung derſelben hat man den, der erſten Abtheilung zur Haupt⸗Ableitung und der zweiten Abtheilung zur Haupt⸗Zu⸗ leitung dienenden Graben G dergeſtalt regulirt, daß deſſen Bord auf der Seite nach der zweiten Abtheilung zu 10 Zoll niedriger als auf —————————y— ——+½y—— 263 der andern Seite wurde, damit aus ſelbigem das Waſſor auf die Fel⸗ der der zweiten Abtheilung ablaufen kann. Gleichzeitig iſt der Graben J angefertigt, welcher der zweiten Ab⸗ theilung zum Haupt⸗Entwäſſerungsgraben und der dritten Abthei⸗ lung zum Haupt⸗Bewäſſerungsgraben dient, und dann die zweite Abtheilung in horizontale Felder gelegt, wie oben beſchrieben iſt. Nach deren Beendigung hat man den Graben J auf dieſelbe Art wie den Graben G regulirt und dann die Felder der dritten Abthei⸗ lung wagerecht gebildet. Es iſt noch ausdrücklich zu bemer⸗ ken, daß, wenn mehre Felder⸗Abtheilungen aufein⸗ ander folgen, die eine Abtheilung immer um ſo viel niedriger als die vorhergehende angelegt werden müſ⸗ ſe, als nöthig iſt, damit das Waſſer nicht in die vor⸗ hergehende Abtheilung ſtauen könne. Um die Bewäſſerung dieſer drei Abtheilungen ganz nach den Be⸗ dürfniſſen leiten zu können, wenn z. B. die eine Abtheilung allein friſches Waſſer erhalten oder für ſich allein gewäſſert werden ſoll, oder auch, wenn man die Wäſſerung einſtellen will, das Waſſer raſch von der ganzen Wieſe wegzubringen, iſt von dem Hauptgraben E quer durch die geſammten drei Abtheilungen ein drei Fuß langer Graben bis in den Hauptfluß C gezogen, worin ſich bei F H K Handſchleuſen befinden, vermittelſt deren Schließung oder Hffnung jene Zwecke er⸗ reicht werden. Da die ganze Wieſeufläche im Verhältniß zu der disponiblen Waſ⸗ ſermenge zu ausgedehnt iſt, als daß ſie in Einem bewäſſert werden könnte; da es auch außerdem mancherlei Annehmlichkeiten, ſelbſt Vor⸗ theile darbietet, wenn man des Waſſers Meiſter dergeſtalt iſt und bleibt, um es nach Zeit und Gelegenheit willkührlich benutzen zu köͤnnen; da man ferner die höhere oder niedrigere Lage der verſchiedenen Wie⸗ ſentheile zu beurtheilen hat, um aller Orten das Waſſer mit den mög⸗ lichſt wenigſten Koſten benutzen, dasſelbe aber auch zur fernern Dis⸗ poſition behalten zu können: ſo hat man im vorliegenden Falle nach den beſchriebenen drei Abtheilungen, welche gewiſſermaßen als eine zuſammenhängende Hauptabtheilung des Ganzen zu betrachten ſind, noch eine Hauptabtheilung durch die vierte und fünfte Unterabtheilung gebildet, deren Bewäſſerung unabhängig von jener bewirkt werden kanni. In dem Hauptflußbette C iſt nämlich unterhalb der beſchriebenen drei Wieſenabtheilungen bei D eine zweite Hauptſchleuſe, welche das Waſſer, nachdem es über die dritte Abtheilung gefloſſen iſt und ſich 264 im Hauptfluſſe zuſammen ſammelt, abermals aufſtaut, damit es in den Bewäſſerungsgraben M tritt und aus ſelbigem die vierte Abthei⸗ lung bewäſſert, welche wegen ihrer anſehnlichen Ausdehnung das ge⸗ ſammte Waſſer conſumirt. Soll nun die fünfte Abtheilung mit der vierten Abtheilung zugleich bewäſſert werden, worauf die ganze Einrichtung berechnet iſt, ſo darf das Waſſer nicht erſt über die drei erſten Abtheilungen geleitet wer⸗ den; vielmehr wird die Schleuſe B dergeſtalt gezogen, daß ein Theil in dem Hauptflußbette C vermittelſt der Stauung bei D zur vierten Abtheilung, der andere Theil aber in den Umlaufsgraben E fort⸗ ſtrömt. In dieſen iſt dann die Handſchleuſe bei L. zu ziehen, welche zu⸗ gleich den Graben C öffnet, durch den etwas von dem Waſſer das⸗ jenige in dem Graben M vermehrt und übrigens die fünfte Abthei⸗ lung tränkt. Das Terrain auf dieſer fünften Abtheilung hat ſo viel Uneben⸗ heiten und fällt beſonders nach der Flußſeite ſo ſehr ab, daß es große Koſten verurſacht haben würde, die Felder gleichmäßig zu erhöhen oder zu erniedrigen, daß ſie wagerecht geworden wären. Deßhalb ſind ſie in der Mitte dergeſtalt, und wie die Zeichnung angibt, abgebro⸗ chen, daß die Wölbung der untern Enden dahin trifft, wo die Mulde der obern Enden iſt, ſo daß, da jene ſo viel tiefer angelegt ſind, als ihre Wölbung ausmacht, das Waſſer aus dem En twäſſerungsgra⸗ ben der obern Enden in die Bewäſſerungsgräben der untern Enden tritt, wodurch das, was oben Bewäſſerungsgraben iſt, unterwärts Ent wäſſerungsgraben wird, und ſo umgekehrt. In dem vorliegenden Falle hat das geſammte Wieſenterrain eini⸗ gen Abhang nach dem Hauptfluſſe C zu, ſo daß man am bequemſten den geſammten Feldern die Richtung nach dieſer Seite gegeben hat. Wäre jedoch die Lage einer andern Richtung günſtiger, ſo könnte man z. B. das Waſſer in dem mit A A bemerklich gemachten Graben aufſtauen, um aus ſelbigem die daran ſtoßenden, mit B B bezeichneten Felder zu bewäſſern, die man auch, je nachdem die Lage des Bodens iſt, zum Theil oder ſämmtlich in ſchräger Richtung ziehen könnte. Man muß dahin trachten, das Waſſer aller Orten hinbringen zu können, aber auch dahin, daß ſolches möglichſt we⸗ nig die Nothwendigkeit herbeiführe, das Terrain zu erhöhen oder zu erniedrigen, weil dadurch die größten Koſten der Felderanlagen veranlaßt werden. Wer ſo glücklich iſt, ein Terrain zu beſitzen, wie ſolches bei den durch Schwem⸗ men gewonnenen Wieſen doch mehrentheils vorkommt, welchem bei der ——— ·“ ——3 V — 265 Eintheilung der Felder nur die Wölbung derſelben zu geben erforder⸗ lich wird, der kommt auf die wohlfeilſte Art zu dieſer Umwandlung. Wo Höhen abzutragen, Tiefen auszufüllen ſind, da können die Ko⸗ ſten wohl das Doppelte, Dreifache und noch mehr von jenen betragen. Es iſt oben geſagt, daß die Bildung der Felder von derjenigen Seite anfange, von der das Gefälle kommtv; dieß leidet jedoch auch ſeine Beſchränkung. Hätte z. B. die in Felder zu legende Wieſe in der Mitte oder auch gar an dem untern Ende eine Erhabenheit, zu groß, um ſolche mit dem Übrigen in das Niveau zu bringen, jedoch nicht zu hoch, um ſie mit dem Waſſer erſteigen zu können, ſo würde es räthlich ſeyn, von dieſem Puncte aus die Bildung der Felder zu reguliren, weil man ſonſt, wenn man von einem niedrigern Puncte aus die Regulirung anfangen wollte, durch den dadurch herbeigeführ⸗ ten Verluſt des Gefälles gezwungen werden könnte, doppelte Haupt⸗ Zuleitungsgräben anlegen zu müſſen. Der Beſitzer der beſchriebenen Wieſen hat gefunden, daß das ihm zu Gebote ſtehende Waſſer nicht hinreichend iſt, um die geſammte Wie⸗ ſenfläche jedes Jahr gehörig bewäſſern zu können, weßhalb er die Ein⸗ richtung getroffen hat, alle Jahre abwechſelnd eine Abtheilung zu dün⸗ gen und nicht zu bewäſſern, um dann für die übrigen Abtheilungen genug Waſſer zu haben.. Je ſandiger die Wieſen ſind, deſto anhaltendere Be⸗ wäſſerung wird nothwendig, nicht allein um den Gras⸗ wuchs gerade zu vermehren, ſondern demſelben auch durch kräftigere Unterdrückung des Mooſes aufzuhel⸗ fen, weil dieß deſto verderblicher um ſich greift, je ſel— tener den Wieſen friſches Waſſer zugetheilt werden kann. Es iſt gerathener, eine kleine Fläche reichlich zu bewäſſern, als das Waſſer auf größere Räume zu ver⸗ theilen, die dann nicht genug getränkt werden können. Manche Landwirthe haben ſich dadurch empfindlichen Schaden zu⸗ gefügt, daß ſie große Koſten angewendet haben, um anſehnliche Wie⸗ ſenflächen in Beete zu legen, zu deren genugſamer Bewäſſerung ihnen nicht Waſſer genug zu Gebote ſtand. ** Die Koſten der auf vorbeſchriebene lüneburgiſche Art angeleg⸗ ten Wieſen ſind ſehr bedeutend. Herr Refarth verſicherte St., daß die vor etwa 40 Jahren an dem Lopau⸗Bache durch Schwemmen ge⸗ ſchaffenen Wieſen im Durchſchnitt 80 Rthlr. der Calenb. Morgen ver⸗ urſacht hätten. Bei weniger günſtigen Umſtänden wären ſie damals 4 . 266 auf 100 Rthlr., auch noch mehr hinangeſtiegen. Die oben beſchriebene Umwandlung der Wieſen in Felder hat Hrn. Refarth wieder 40 Rthlr. pr. Morgen gekoſtet. Die Kunſt des Schwemmens war zu jener Zeit noch in ihrer Kindheit; man kannte die dabei anzuwenden⸗ den Vortheile noch nicht ſo wie jetzt, und überhaupt hatten noch we⸗ nig Menſchen Geſchick zu dieſer unbekannten Beſchäftigung. Jetzt iſt Beides anders. Beſonders ſind mehr Menſchen Meiſter in der Kunſt geworden, von welchen die ganze Anlage gewöhnlich in Accord ge⸗ nommen wird, ſo daß ſie für Stellung und Bezahlung der nöthigen Arbeiter ſorgen. Man ſchlägt an, daß ganz neu zu ſchaffende Wie⸗ ſenanlagen mit 50—60 Rthlr. der Morgen jetzt herzuſtellen wären, das Terrain möge auch zum Theil noch ſo ungünſtig ſeyn, wobei dann aber die Wieſenfläche nicht zu klein ſeyn darf, damit vortheilhaft und unvortheilhaft ſituirte Räume gegeneinander in Compenſation gezo⸗ gen werden können. Vor mehren Jahren ſind auf Koſten der königl. Domänen⸗Kammer zu Hannover 125 Morgen Wieſen in Felder an dem neuen, zwiſchen Lingen und Meppen gezogenen Ems⸗Canale auf der angränzenden Heide angelegt, wobei ſämmtliche Arbeit, ohne Hülfe des Schwemmens, lediglich durch Menſchenhände beſchafft werden muß⸗ te. Die Koſten haben für den Morgen 40—100 Rthlr. betragen, je nachdem die Ausfüll⸗Erde nahe oder fern geweſen iſt. Die Arbeit iſt dadurch ſehr vertheuert, weil man die Arbeiter dazu aus dem Lüne⸗ burgiſchen kommen laſſen mußte. Anlangend den Ertrag der in Felder geformten Wieſen— be⸗ merkt Herr Steltzner—, ſo muß man ihren Graswuchs ſelbſt ge⸗ ſehen haben, um die Angaben davon nicht fabelhaft zu finden. Auf ſeine wirklich Erſtaunen erregende Größe läßt ſich auch ſchon aus dem Umſtande ſchließen, daß dieſe Wieſenanlagen nicht zur Luſt oder aus Eitelkeit von großen, vermögenden Gutsbeſitzern unternommen werden, bei denen oft nicht ſo genau gerechnet wird, ſondern größtentheils von Landwirthen, die kein Geld zu vergeuden haben, und vermittelſt der Beſchränktheit ihres Betriebes gezwungen ſind, genau zu überlegen, ob ſich die auf neue ökonomiſche Anlagen verwendeten Gelder und Kräfte auch wohl bezahlt machen. Daß der Ertrag nach der eigenthümlichen Fruchtbarkeit des Bo⸗ dens, auch des Waſſers, verſchiedenartig iſt, bedarf wohl kaum der Erinnerung. Ich glaube annehmen zu können, daß bei genugſamem Bewäſſerungswaſſer der duͤrftigſte Sandboden mit gut beſtandener Grasnarbe nicht unter 20 Centner Heu und Grummet liefert. Mehre Data ſind mir zugekommen vom Ertrage von 30, 36— 40 Centner. — 267 Noch vor kurzer Zeit erhielt ich durch die Güte des Hrn. Waſſerbau⸗ Inſpectors Thiele zu Meppen, unter deſſen Aufſicht die neu ange⸗ legten Wieſen am Ems-Canale ſtehen, die Notiz, daß man im vori⸗ gen Sommer von einigen Wieſenfeldern, welche zuſammen 235 Q. Ruthen groß wären, die Ernte gewogen und ſolche 30 Centner Heu und 18 Centner Grummet gefunden, jedoch die Überzeugung habe, daß der Ertrag ½¼, auch wohl ſteigen werde, wenn die Bewäſſe⸗ rung erſt die gehörige Zeit und in dem gehörigen Maße betrieben wer⸗ den könne, was bisher wegen der an den Waſſerwerken noch vorzu⸗ nehmen geweſenen Bauten und Ableitung des Waſſers nicht habe Statt finden können. Den allermerkwürdigſten Ertrag hat mir der Herr Amtsvoigt Helmrich zu Suderburg, Amts Bodenteich, vor einigen Jahren mitgetheilt, der im dreimaligen Schnitte von 1 Morgen 62 ½ Centner Heu und Grummet geerntet hat. Dieß klingt fa⸗ belhaft; aber ich habe keinen Grund, in die Glaubwürdigkeit meines Gewährsmannes Zweifel zu ſetzen. Es muß bemerkt werden, daß die bei Suderburg gelegenen Wieſen, um deren Anlage ſich der gedachte Herr Helmrich ein ſehr großes Verdienſt erworben hat, vor vielen andern ungemein große und mehrfache Vorzüge genießen, deßhalb ins⸗ geſammt einen ſehr anſehnlichen Ertrag gewähren. Der Boden iſt an und für ſich fruchtbar; das Waſſer iſt nicht nur in hinreichender Menge vorhanden, es iſt nicht allein gutes, reines Bewäſſerungswaſ⸗ ſer, ſondern es ſetzt ſogar Düngertheile ab; dazu haben die Wieſen⸗ beſitzer eine vernünftige Bewäſſerungs⸗Ordnung unter ſich eingeführt. Reiſende Okonomen, welche die Straße von Celle nach Uelzen paſſi⸗ ren, mögen doch nicht verſäumen, dieſe Wieſenfelder bei Suderburg zu beſehen. Sie werden an Herrn Helmrich einen gefälligen Führer finden. 1 —§. 114. Bewäſſerungs⸗Zeit und Weiſe überrieſelter Wieſen. In allen Gegenden, wo man die Kunſt zu rieſeln verſteht, iſt man über die Vortrefflichkeit ihrer Anwendung im Herbſte einverſtan⸗ den. Zu keiner Jahreszeit pflegen die Gewäſſer reicher an düngenden Theilen zu ſeyn, und gerade in dieſer Periode kommt der erſchöpf⸗ ten Narbe eine erneuerte Beſtockung beſonders zu Gute, um deſto frü⸗ her und kräftiger nach vollendetem Winterſchlafe zu erſtehen*). Je zeitiger man ſeine Wieſen zur Herbſtwäſſerung räumen und herſtellen *) Siehe Schwerz am angef. Orte, S. 544. 268 kann, deſto vortheilhafter iſt es. Wo Servitute dieß behindern, da verliert man den ſicherſten Bürgen einer guten künftigen Heuernte. Dieſer Erfahrungsſatz iſt den Landwirthen des nördlichen Deutſchlands, welche häufig bloß nach theoretiſchem Raiſonnement die Herbſtwäſſe⸗ rung ſchädlich halten, nicht dringend genug an's Herz zu legen. Herr v. Bönninghauſen erzählt uns*) von dem ſorgſamen Siegener Landwirth, daß dieſer es ſich nach dem Schnitte des Grummets zum erſten Geſchäfte mache, die Flößungs⸗ und Entwäſſerungsgräben auf⸗ zuräumen und in Stand zu ſetzen. Er benutzt zu dieſer Arbeit, wo möglich, ſchon die Heumacher in der letzten Schur, wo ohnedieß ge⸗ wöhnlich Morgens früh der Boden noch zu naß bethaut iſt, um das Heu auszubreiten. Ja nicht ſelten ſieht man den Siegenſchen Land⸗ wirth mit den Vorkehrungen zur Herbſtflößung ſo ſehr eilen, daß er das geſchnittene Grummet ſofort auf nahes Ackerfeld ſchafft, um es dort zu trocknen, um deſto früher ſeiner Wieſe Waſſer geben zu koͤn⸗ nen. Es tritt dieſer Fall hauptſächlich ein, wenn ihm nur hartes Waſſer zur Wäſſerung zu Gebote ſteht. Die Herbſtwäſſerung ver⸗ einigt auch noch den Vorzug in ſich, daß ſie, der ſtillſtehenden Vege⸗ tation wegen, keine Erzeugung anderer, dem Graswuchſe nachthei⸗ ligen Pflanzengebilde befördert. Die Mehrzahl pflegt die Herbſtwäſſe⸗ rung zwar anhaltend, aber doch in gewiſſen Zwiſchenräumen zu ge⸗ ben; wenn der Waſſervorrath es geſtattet, ſo wird das abwechſelnde Trockenlegen nicht nöthig ſeyn, ſondern es kann bis zum Eintritte des Winters ununterbrochen mit dem Rieſeln fortgefahren werden. Als Regel gilt jedoch dabei, das nach ſtarken Regengüſſen zufließende trübe und ſchlammige Waſſer nicht zu benutzen, weil dadurch unvermeidlich Gräben und Narbe der Kunſtwieſe mehr oder minder verſchlämmt und namentlich bei einem nicht tief unter dem Waſſerzuleitungsgraben liegenden Terrain ein früherer Umbau veranlaßt wird. Daß die Rie⸗ ſelung unbedingt ſchädlich ſey, wenn Froſtwetter einfällt, ſoll kei⸗ neswegs behauptet werden; aber es gehört ein ſeltenes Zuſammen⸗ treffen günſtiger Umſtände dazu, um das Rieſeln in den kälteſten Wintermonaten mit Erfolg durchzuſetzen. Unſer Vorbild in der Rieſe⸗ lungskunſt, wenn auch nicht gerade ſtricte in Anlage und Bau, ſo doch in der Wäſſerung der Wieſen— der Siegener—, ſperrt bei einfallendem Froſte die Einlaßſchleuſen, um dem Waſſer den Eingang abzuſchneiden. Erſtickung und dürftige Beſtockung der Gräſer ſollen als *) Monatsblatt der königl. preußiſchen märkiſchen ökonomiſchen Geſell⸗ ſchaft zu Potsdam, 1833, S. 196. 269 Reſultat der übereiſ'ten Narbe im Frühjahre ſich herausſtellen. Herr v. Boͤnninghauſen referirt, außer daß er jene Nachtheile einräumt, noch über einen der Production viel ſchädlicher werdenden Umſtand bei dem Einfrieren der Rieſelwieſen. Noch weit größer— ſagt er— iſt der Schaden am Graſe, wenn die Sonne das Eis wieder weg⸗ ſcheint. Hierdurch wird jedesmal ein großer Theil der Grasnarbe fortgefreſſen, und man darf in ſolchem Falle an dieſen Stellen erfah⸗ rungsmäßig nur ein Drittel des gewöhnlichen Grasertrages erwarten. Wofern alſo durch Mangel an gehöriger Aufſicht oder durch einen ſon⸗ ſtigen Zufall Eis auf der Wieſe gefroren iſt, da ſorge man vor allen Dingen dafür, daß man es, ſobald die Witterung es zuläßt, mit neuem Flößwaſſer wieder wegwäſſert. Iſt dieſes bald geſchehen, ſo wird man im nächſten Jahre nur wenig Nachtheil davon verſpüren. Noch ſchädlicher hält der Siegener das Gefrieren von Eis auf den Wieſen, wenn mit hartem Waſſer gewäſſert worden. Thaer hielt dagegen den Froſt auf überrieſelten Wieſen keines⸗ wegs nachtheilig. Auch Schmalz bemerkt, daß es gar nicht ſchade, wenn die Wäſſerung einfriere und die ganze Wieſe mit Eis bedeckt werde. Schwerz räumt nicht minder ein, daß er noch keinen Nachtheil davon geſehen, wenn Rieſelwieſen den ganzen Winter über im Eiſe lagen.— Was ſagen unſere norddeutſchen Wieſenwirthe dazu? Der lüneburgiſche Rieſelmeiſter richtet die Dauer der Herbſtbewäſ⸗ ſerung durchweg nach dem Eintritte anhaltenden Froſtes, bei welchem das Waſſer einfriert, da er ſie dann vor dieſem Ereigniſſe einſtellt, weil ſich ſonſt der Boden hebt und die Wurzeln zerriſſen werden*). Ebenſo iſt aus gleichen Gründen der Eintritt, auch wohl die Dauer der Win⸗ terbewaͤſſerung vom Froſte abhängig. Die Herbſtbewäſſerung wird aus langjähriger Erfahrung am einflußreichſten vom 10. October bis 15. De⸗ bember, die Winterbewäſſerung vom 1. Februar bis 1. April gehalten. In Holſtein beginnt die Herbſtwäſſerung möglichſt zeitig; jedoch hält man es für gut, die Wieſe erſt 8— 10 Tage nach der Grummeternte *) Nach Stephens(ſiehe deſſen practical irrigator) beginnt in England und ſelbſt in den ſchottiſchen Grafſchaften Dumfries und Peeble die Bewäſſe⸗ rung der Wieſen im October(man wüſſert aber nicht über einen Zoll hoch) bis Ende Januar, und jedesmal naur 15— 20 Tage. Nach jeder Wäſſerung findet eine 5⸗ bis 6tägige Pauſe Statt, in welcher der Raſen ſich wieder an die rau⸗ here Luft gewöhnt. An jedem etwas warmen Tage im Winter unterbricht man die Wäſſerung in den warmen Stunden, wegen der, der Vegetation ſo heilſa⸗ men Luftwärme. Sobald die Kälte ſo ſtark iſt, daß ungeachtet des Fließens des Waſſers ſolches friert, ſo ſteht die Wäſſerung gänzlich ſtill; denn wenn der gewäſſerte Boden gefriert, ſo wird er aufgetrieben und die Graswurzeln werden loſe.. — e———ͤͤͤͤ 270 trocken zu laſſen. Im Ganzen rieſelt man nur bis zum Eintritte des Froſtes, während deſſen man das Bewäſſern für nutzlos und inſofern auch für ſchädlich erachtet, daß das Eis auf den Wieſen im Frühjahre beim Wäſſern hinderlich wird. Ich ſelbſt bin fruͤher ein großer Feind der Winterwäſſerung geweſen, mehr in Folge mir gemachter Mittheilungen, als aus eigener Erfahrung. Daß ich auf meinen Wieſen in ſpäterer Zeit Nachtheil von dem Ein⸗ frieren des gegebenen Winterwaſſers erfuhr, kann ich nicht ſagen; aber andere, weiter unten berührte Motive ſcheinen mir noch in dieſem Au⸗ genblicke die winterliche Rieſelung nur bedingungsweiſe zu rechtfertigen. Da es nun nicht in unſere Macht gegeben iſt, die mitwirkenden Neben⸗ umſtände nach Belieben zu leiten, ſo bleibt die Sache immer mißlich. Unſere alten Mecklenburger Rieſeler fingen Ausgang Octobers und im Anfange Novembers vier bis ſechs Wochen hindurch mit der Rieſelei en und fuhren unausgeſetzt fort; dann ließ man das Waſſer ſeinen alten Gang laufen und fing mit dem Ausgang des Februars, oder ei⸗ gentlich mit dem erſten Aufthauen, dieß Geſchäft wieder an. Als auch das Rieſelungsweſen bei dem intelligenten mecklenburgi⸗ ſchen Landwirthe ſtärkern Anklang fand, ward häufig die Frage über die zweckmäßigſten Zeitperioden des Wäſſerns, ſo namentlich auch über die Statthaftigkeit der Winterberieſelung, aufgeworfen. Dieſelbe fand unter andern an dem Herrn von der Lühe auf Schabow einen beja⸗ henden Beantworter; nur hielt derſelbe für nothwendig, die allgemei⸗ nen Regeln der Berieſelung, nämlich: 1. die Wieſen vorher gehörig trocken zu legen und 2. das Stehen des Waſſers zu vermeiden, im Winter noch ſtrenger als in andern Jahreszeiten zu beobachten. Die erſte Regel— ſagt Hr. v. d. Lühe*)— bedarf keiner nähern Erklärung. Die Anwendung der zweiten iſt nur an wenigen, beſonders von der Natur begünſtigten Stellen möglich, mithin nur da eine Win⸗ terberieſelung zweckmaͤßig, wo das Waſſer ſo raſch über die Wieſen hin⸗ läuft, daß es entweder gar nicht zu Eis friert, welches natürlich das Beſte iſt, oder doch wenigſtens ſo viel Gefälle hat, daß es nicht von Grund auf frieren und dadurch die ſchädlichen Eisſtauen verhindern kann. Hat man dieſe beſchriebene günſtige Lage zur Berieſelung, ſo kann man auch während des Froſtwetters das Waſſer mit Nutzen über die Wieſen leiten und die düngenden Theile desſelben auffangen, welche ſich ſonſt ungenutzt in den Gräben verlaufen. *) Siehe Meckl. Annalen, Jahrg. 8., S. 606. nei⸗ 271 Herr Peterſen zu Panzow hat die Erfahrung gemacht, daß man im Winter bei weichem Wetter nicht zu viel Waſſer über ſeine Wieſen laufen laſſen kann, und hat auf den Stellen das meiſte Futter gebaut, wo das Waſſer fußhoch und recht ſchnell überſtrömte; dagegen fand er, daß das Rieſeln bei ſtarkem Froſtwetter unterbleiben müſſe, weil mindeſtens da, wo ſich eine ſtarke Eisdecke bildete und es bis auf den Grund fror, ſich alſo durch das fortwährende Überlaufen eine feſte und dicke Eiskruſte erzeugt, die Grasnarbe erſtickt, die ſich oft erſt nach zwei Jahren wieder bildet. Der verſtorbene Pogge, welcher zwar auch behauptete daß das mehre Fuß hoch vom Überlaufen des Waſſers ſich erzeugende Eis der Wieſe nicht ſchade, öffnete doch bei anhaltendem Froſtwetter ſtets ſeine Schleuſen, weil widrigenfalls das Waſſer beim Aufthauen, wenn alle Rinnen mit Eis ausgefüllt, nicht allein die Schleuſen und Wälle durch⸗ brechen, ſondern es auch über das Eis weggleiten würde, ohne das Geringſte auf der Wieſe abzuſetzen, und der Schaden daher deſto grö⸗ ßer ſey, weil beim etwaigen Aufthauen vom Schneewaſſer die mehr⸗ ſten Dungtheile den Wieſen zugeführt werden. Gerade bei Schneeflu⸗ then— äußerte P.— erfordert die Berieſelung die größte Aufmerk⸗ ſamkeit; denn auf dieſen ungeheuern, oft entſtehenden Zufluß von Waſ⸗ ſer nimmt man nur ſehr ſelten bei der Anlage Rückſicht. Es iſt unum⸗ gänglich nöthig, daß man vor der Schleuſe in dem Walle einen großen überfall macht, d. h. man läßt den Wall auf einer Strecke von 8 Fuß und darüber ſo niedrig, daß, wenn das Waſſer ſollte zu hoch anſchwel⸗ len, um durch die Rinnen fortgeſchafft zu werden, es alsdann hierüber ablaufen kann. Das von Pogge empfohlene Schneewaſſer und der zeitige Be⸗ ginn der Frühiahrswäſſerung haben in ganz Norddeutſchland ihre großen Freunde. In ſüdlichern, beſonders den Gebirgsgegenden unſers Vater⸗ landes erklärt man ſich dagegen allgemein gegen die Anwendung des erſtern, und beginnt mit der Frühjahrsrieſelung nicht gern vor Mitte April*). Sobald Schneewaſſer kommt, läßt man im Siegenſchen alle Schleuſen herab, weil jenes, nach der Meinung der dortigen Wieſen⸗ bauer, ätzt. Im Ravenbergiſchen beobachtete Schwerz, daß man die Wieſen nach Winter ſo lange trocken liegen ließ, bis ſie wie ausgedorrt *) Auch in England verwirft man es, im Februar und März, wenn die Wieſenkräuter zu vegetiren anfangen, zu lange und ohne Unterbrechung mit der Wäſſerung fortzufahren. Man wäſſert dann nur 6—8 Tage während der Nacht, um in ſolcher den Boden vor Froſt zu ſchützen, und läßt den Tag über den Bo⸗ den trocknen. Bei ſteigender Wärme im April wäſſert man gar nicht. 272 waren. Im Blankenheimiſchen hält man das Märzwaſſer für Gift; am Rheine ebenſo, hauptſäͤchlich wegen der ſtrengen Luft.— Daß das erſte Thauwaſſer beſonders reich an düngenden Stoffen iſt, daß nament⸗ lich das Schneewaſſer an ſich der Vegetation nicht ſchädlich ſeyn könne, iſt wohl hinlänglich erwieſen; dagegen mag in Gebirgsgegenden die erſte Fluth des Schneewaſſers, aus kältern, unfruchtbaren Regionen kommend, und ſpätes Schneewaſſer der Vegetation eher hinderlich 3 werden, als ſolche dadurch gewinnt. Ebenſo iſt bei kalter Lufttempera⸗ tꝛunr die Rieſelung wohl nicht geeignet, das Leben in dem feuchten Bo⸗ den zu wecken, ſo ſehr eine ſpätere Wäſſerung auf dem abgetrockneten erwärmten Boden den Triebfedern des Wachsthums Schwungkraft ver⸗ leiht.— Ward es uns nicht geſtattet, die Herbſtwäſſerung comme il fant zu betreiben, ſo wird in den meiſten Fällen eine ſtarke Märzwäſ⸗ ſerung von erwieſenem Nutzen ſeyn. Darüber ſind im Ganzen alle Rieſeler einig, daß es vortheilhafter ſey, die Wäſſerung in gewiſſen Zwiſchenräumen, als ohne Unterbre⸗ chung zu betreiben. Nur der Holſteiner Moorrieſeler will davon nichts wiſſen. Wenn der Waſſervorrath es irgend geſtattet, ſo läßt er ſeine Wieſen nie trocken liegen. Ich ſelbſt habe gefunden, daß man ſich im Durchſchnitt der Jahre bei dieſem Verfahren am beſten ſteht. Ein An⸗ deres iſt es bei Wieſen von anderartiger Grundbeſchaffenheit, mit ge⸗ ringem Gefälle ꝛc. und wenn eine ſehr gelinde Witterung Statt findet. Der Siegener wäſſert im letztern Falle nur bei Nachtzeit oder an dunkeln Tagen, und hält es überhaupt bei der Frühjahrswäſſerung, im April, für höchſt nachtheilig, beim Sonnenſchein zu flößen. Unſer vaterländi⸗ ſche Rieſelmeiſter Peterſen empfiehlt im Frühjahre, zumal im April, bei warmer Witterung, folgende Vorſichtsmaßregel. Leicht, ſagt er, bildet in dieſem Falle das Waſſer dort, wo es zu lange auf einer Stelle gleichförmig läuft, einen zähen Schleim, der ſich'ſo ſtark auf das Gras lagert, daß er wie ein Fell auf der Wieſe liegt und ebenfalls die Narbe ganz oder zum Theil zerſtört. Deßwegen muß man das Waſſer im Früh⸗ linge und im Sommer genau beobachten, und es, wenn die Hautbvbil⸗ dung im Beginnen iſt, von Zeit zu Zeit— je öfter, deſto beſſer— umſtellen, damit es keine Zeit zum Hautbilden habe. Auch wenn die Schleimbil⸗ dungsperiode ohne Nachtheil vorübergegangen iſt, darf das öftere Um⸗ ſtellen und Umleiten des Waſſers nicht unterbleiben; denn an den Haupt⸗ Bewäſſerungsgräben, wo das Waſſer ſtark überläuft und ſich das da⸗ mit ankommende Fett, wenn man ſich ſo ausdrücken darf, ſtärker ab⸗ ſetzt, entſtehen leicht Lagerſtellen; dagegen ſcheint das Waſſer einige Ruthen von dieſen Rinnen ſchon magerer zu ſeyn, weil dort das Gras ——* 2————— V V V 273 Giſt lange nicht ſo uüͤppig wächſt. Deßwegen muß an dieſen Stellen das das Waſſer weggenommen und in vielen kleinen Rinnen nach jenen magern nent⸗ Stellen hingeleitet werden, wo die Farbe des Graſes ſie von den fetten ünnn, Stellen unterſcheidend anzeigt. Nur hierdurch wird der Vortheil erzweckt, n die allenthalben dichtes und gutes Futter ohne Lager⸗ und dünne Stellen 1 zu erbauen, daß der Mäher nur mit Mühe durchſchieben kann. Sind nun die Wieſen trocken genug gelegt und haben ſie Gefälle mpera⸗ genug, ſo daß man nach Willkühr faſt in jeder Stunde das Waſſer abg ie Z⸗ und zulaſſen kann, ſo kann man das Rieſeln bis zum Mähen, wen neten man die eben erwähnten Vorſichtsmaßregeln beobachtet, fortſetzen. Von ver⸗ ſelbſt verſteht es ſich aber, daß man, je mehr das Wieſengras zunimmt, me it deſto weniger Waſſer überlaſſen muß. wäͤſ⸗ Mit dieſen Regeln ſtimmen auch die Verfahrungsarten anderer hol⸗ ſteiniſcher und mecklenburgiſcher Rieſeler überein. In Holſtein zumal ffter wäſſern wir bis in den Junius hinein, ohne einmal damit in ei⸗ bre⸗ ner Zwiſchenzeit aufzuhören. Der Domänenrath Pogge ließ, ichts nach Beſchaffenheit der Lage der Wieſen, ſolche das ganze Jahr, ſo lange eine Waſſer vorhanden, überlaufen. Bloß 14 Tage vor dem Mähen und im ſo lange das Heu in der Wieſe ſich befand, hörte die Rieſelung auf. An⸗ Unſer mehrerwähnte Rieſelmeiſter Schröder wäſſert auch im Früh⸗ ge⸗ jahre und Sommer ſehr anhaltend und ſtark, zwar mit Unterbrechun⸗ det. gen, aber, wenn viele und heftige Nachtfröſte einfallen, in ſo langen keln Perioden, als immer möglich. Seine Vorſchrift lautet ſo: Vom Aus⸗ pril, gange Februars an rieſelt man in Abſätzen, d. h. wenn 14 Tage gerie⸗ indi⸗ ſelt worden, ſo wird die Wieſe ebenſo lange wieder trocken gelegt. Sind pril, Nachtfröſte zu befürchten, ſo muß man nicht mit dem Rieſeln aufhören, er, ſondern ſo lange fortfahren, bis die Gefahr vorüber iſt. Iſt nicht ſo telle viel Waſſer vorhanden, daß eine große Fläche mit einem Male berie⸗ ras ſelt werden kann, ſo theile man dieſen Raum in vier bis ſechs Theile arbe und berieſele eine Abtheilung nach der andern. Tritt Kälte ein, ſo ver⸗ rüh⸗ theile man das Waſſer ſo, daß jedes Quartier gleichviel Waſſer bekommt, bil⸗ damit der Froſt keinen Schaden anrichtet. Bekanntlich iſt das Waſſer len, der wahre Ableiter des Froſtes, und hierin beſteht der wahre Vorzug, bil⸗ daß bei der Überrieſelung kein Froſt einer ſolchen Wieſe ſchädlich wer⸗ im⸗ den kann. pt⸗ Sehr abweichend von dieſer Verfahrungsart iſt des Siegeners Ver⸗ da⸗ fahren. Bei dieſem gilt das Sprichwort: ab⸗»Wer wäſſert im Hartemond(Januar) und Mai, tige Bekommt Wieſen ohne Heu!« ras Worauf mag ſolches ſich begründen? Wahrſcheinlich auf große Abwei⸗ Lengerke's Wieſenbau. 18 — 274 Hungen in der Beſchaffenheit des Grundes und des Waſſors und bei⸗ der Temperaturen. Von der letzten Hälfte des Aprils bis gegen Ende Mai wird die Bewäſſerung ausgeſetzt, und beginnt erſt wieder, wenn das Gras ſo weit herangewachſen iſt, daß das Waſſer unter den Gräſern durchrie⸗ ſelt und die Spitzen überall über demſelben hervorragen. Das gilt bei weichem wie auch bei hartem Waſſer. Sobald die Gräſer jene Höhe erreicht haben, wird die Bewäſſerung auf's Neue begonnen und da⸗ mit etwa bis zum 20. Juni fortgefahren. Dabei wird jedoch die Sorgfalt beobachtet, das Waſſer nicht zu ſtark auszulaſſen, um nicht die ſchwachen Halme und Blätter niederzureißen, und nur abwechſelnd mit Unterbrechungen in der Art, daß man nur 36, höchſtens 48 Stun⸗ den flößt, darauf aber jedesmal 48 Stunden lang das Waſſer wieder abholt. Erſterwähnte, auch bereits oben angedeutete Vorſicht wird ebenfalls in Holſtein beobachtet. In der letzten Rieſelungszeit gibt man nicht mehr das volle Waſſer, weil von dem zu ſtarken Laufe das Gras niederge⸗ ſchlagen wird, vornehmlich an den Stellen, wo das Waſſer zuerſt ein— läuft.— Im Ganzen gewöhne man ſich überhaupt daran, die Som⸗ merwäſſerungen mehr für Erfriſchungen, als eigentliche Wäſſerun⸗ gen anzuſehen. Man bedenke, daß um dieſe Jahreszeit das Temperatur⸗ verhältniß zwiſchen dem Boden und dem Waſſer nicht geeignet iſt, der Vegetation einen kräftigen Vorſchub zu geben, daß vielmehr die Kälte des letztern jenem eine zu ſtarke Abkühlung beibringen werde. Im Allgemeinen hört der norddeutſche Rieſeler zwei oder drei Wo⸗ chen vor dem Mähen mit dem Rieſeln auf. Es iſt ſolches auch gewiß gerathener für die ſchnellere Werbung und die beſſere Conſervation des Heues, indem das trockene Gras auf dem trockenen Boden ſtets leichter mähbar und ein feſter Grund dem Eingleiſen ꝛc. minder ausgeſetzt iſt. Dahingegen habe ich ſelbſt die Erfahrung gemacht, daß eine Rieſelung ganz kurz vor der Mahd einen höchſt günſtigen Einfluß auf die Grum⸗ metproduction äußert; es beſtätigte ſich alſo die Richtigkeit des Siege⸗ ner Grundſatzes. Wenn der Holſteiner vor der Mahd die Wäſſerung einſtellen will, ſo ſticht er die Entwäſſerungsgräben nur einen Fuß weit bis auf den Grund durch, damit ſie bei wieder beginnender Herbſtbewäſſerung de⸗ ſto leichter wieder zugeſetzt werden können. Bei ganz trockener Witte⸗ rung unterläßt man dieſes Ausſtechen ganz, indem dann das Waſſer darin binnen 14 Tagen von ſelbſt völlig auszutrocknen pflegt, beſonders 275 auf moorigen Wieſen, wo die Gräben hinlänglichen Fall haben. Ein Anderes iſt, wenn viel Regen einfällt; in dieſem Falle müſſen die Däm⸗ me gleich durchſtochen werden, damit die Wieſen nicht nur zur Heuernte gehörig austrocknen, ſondern der Boden ſich auch ſo ſetze und feſt werde, daß das Vieh in den Herbſttagen nicht durchtrete.— Wenn im Som⸗ mer ſehr trockene Witterung einfällt, die Wieſen ausdörren wollen und der Graswuchs vor Dürre nicht fort will, ſo läßt man das Waſſer ab und zu, etwa 24 Stunden, über die Wieſen laufen, um ſie anzufeuch⸗ 5 läͤßt es aber ſodann gleich wieder ab. Dieß geſchieht auch, wenn Borheu abgeerntet iſt und nicht baldiger Regen erfolgt, da dann etliche Tage lang über die Wieſen gelaſſene Waſſer einen ſchnellen Wane des Nachgraſes befördert. Die Gelehrten— hier die praktiſchen Rieſelmeiſter— ſind auch über Art und Weiſe der Wäſſerung nach der Heuernte keineswegs einig. Der Engländer(welcher auch vor der Heuernte mehre Wochen lang das Wäſſern einſtellt, weil dann die Vegetation ſchon den Boden beſchattet und die Wurzeln vor dem Austrocknen durch die Sonne ſchützt, auch der den Gräſern ſich anheftende Schlamm nur die Güte des Heues ſchmä⸗ lert) erneuert gleich nach der Heuernte die Wäſſerung, um den Boden vor dem Ausdorren durch die Sonne zu ſchützen. Wahrſcheinlich hat der verſtorbene Thaer hiervon abſtrahirt, wenn er die Regel gibt, gleich nach Abbringung des Heues mit den Rieſelungen wieder anzufangen. Der Mecklenburger verfährt darnach. Schröder ſchreibt vor, die ab⸗ geerntete Wieſe, ſo bald und ſchnell alle ruinirte Stellen ausgebeſſert und wieder hergeſtellt ſind, wieder 12 bis 14 Tage hindurch zur Nach⸗ mahd zu rieſeln; dann nicht mehr. Sollte— ſagt er— in den drei Wochen vor der Vormahd, in welcher Zeit nämlich in der Regel nicht gerieſelt werden ſoll, eine ſehr trockene Witterung einfallen, ſo iſt es anzurathen, einige Tage, etwa 12 Stunden hindurch, Waſſer über dieſe Wieſe laufen zu laſſen.— Wir tragen hier dieſe Bemerkung beiläufig nach, um dem Leſer bemerkbar zu machen, daß bei allen praktiſchen Re⸗ geln lediglich die Localitäten entſcheiden. Eine günſtige Lage und Boden⸗ beſchaffenheit mögen ſeine Gründe rechtfertigen; ſie lauten: Das Gras läßt ſich viel beſſer ſchneiden und es kann auch tiefer abgemäht werden. Man braucht ſich nicht zu fürchten, daß eine ſolche Rieſelwieſe zu mürbe oder zu tief werden ſollte; es verhält ſich vielmehr gerade umgekehrt; ſolche Wieſen werden durchaus feſt; alles Moos geht weg und ſtatt der Mooſe ſtellt ſich eine feine Grasnarbe ein, einem ſpaniſchen Schaf⸗ felle ähnlich. Den Beweis davon findet man an den Strömen, welche im Frühjahre ſich von ſelbſt ergießen. An ſolchen Orten ſind die Wie⸗ 18*¾ ———— 276 ſen ſo feſt, daß man auf Stellen mit Schiefrädern*) fahren kann, wo⸗ hin man ſonſt nicht mit Blockrädern kommen darf. Um wieder auf die Rieſelung nach der erſten Heuernte zurückzukom⸗ men, ſo wird ſie ſtellenweiſe durchaus verworfen. Im Siegenſchen fängt man nicht eher damit an, als wenn die Stoppeln ganz dürre ge⸗ worden ſind. Der für dieſes Verfahren angegebene Grund verdient es ſchon, das Nachdenken unſerer Praktiker in Anſpruch zu nehmen. »Man läßt«, ſagt Keller,»die Wieſen nach der Heuet**) 8— 10 Tage trocken ſtehen, damit die Grasſtoppeln ausdorren und abſterben. Dieſe ſterben aber nicht, ſobald man gleich nach dem Wegbringen des Heues wäſſert; ſie grünen vielmehr fort und entziehen dem neuen Aus⸗ triebe unnöthigerweiſe die Kraft. Es iſt aber nicht die Stoppel, ſon⸗ dern das Herz der Pflanze, der Stamm, der den neuen Ausſchlag her⸗ vorbringt.«— Das lüneburgiſche Verfahren accordirt mit dem des Siegeners durch⸗ aus, wenngleich Steltzner einen andern Erklärungsgrund dafür an⸗ gibt. Wäſſert man— ſagt er— ſogleich, wie die Ernte beſchafft iſt, ſo füllen ſich die zurückgebliebenen hohlen Grasſtängel mit Waſſer und werden dadurch zum nachtheiligen Faulen gebracht, dagegen der Wuchs raſcher erfolgt, wenn die jungen Grastriebe ſo weit ausgewachſen ſind, daß ſie über dem Waſſer hervorragen. Es ſcheint hierin ein Widerſpruch mit denjenigen Erfahrungen zu liegen, welche vorhin(ſiehe§. 92) von der Aufſtauung mitgetheilt ſind.— Die Verhältniſſe beider Wäſſerungs⸗ arten ſind jedoch ganz verſchieden. Die Aufſtauung— inſoweit ſolche *) Schiefräder nennt man in Mecklenburg ſolche Räder, die ſchmälere Felgen haben und daher mit Eiſen beſchlagen ſind, ſo wie ſie an allen Reiſe⸗ fuhrwerken ſeyn müſſen. Blockräder hingegen haben ungleich breitere Felgen und ſind gar nicht beſchlagen. **) Schwerz ſchlägt vor, dieſem Worte, wenn ſolches gleich ein Provin⸗ zialismus ſey, das allgemeine Bürgerrecht zu geben, und dasſelbe gegen Heu⸗ ernte zu vertauſchen, welches nur ein entlehnter, uneigenthümlicher Ausdruck ſey. Bei dem Getreide heißt es Aerndte, von Aehre, einärndten, das heißt, die Aehren zu Hauſe bringen. Bei dem Graſe aber ſey von Aehren keine Rede.— Dieſe Oefinition paßt indeß auf unſere norddeutſche Schreibart„Ernten“ nicht, wenn ich gleich zugeben will, daß Obiges richtiger iſt, und daß das Ae von dem Niederſachſen nur gegen ein E vertauſcht ward, weil es mit ſeiner Aus⸗ ſprachsweiſe des Wortes beſſer übereinſtimmt. Wird doch, namentlich in Holſtein, überall das a und ä wie e betont, wenn es unmittelbar mit dem Conſonanten r verbunden iſt. So ſagt man Gerten ſtatt Garten, Kerlſtatt Carl, be⸗ tont Gewährleiſtung und Gewehrfeuer ganz gleich ꝛc.— Würde ſchon in den Elementarſchulen mehr auf eine durchaus richtige Ausſprache gehalten, ſo dürfte es der Mehrzahl junger Leute viel früher gelingen, ihre Mutterſpra⸗ che correct zu ſchreiben, und es fiele dann auch jener Uebelſtand der Abweichun⸗ gen in der Schreibart und mit der Zeit vielleicht mancher Idiotismus mehr weg. — „ 277 als vortheilhaft geſchildert worden— tritt erſt ein, wenn die Gras⸗ wurzeln überall wieder junge Sproſſen getrieben haben, und— was die Hauptſache iſt— die Aufſtauung ſchneidet den Zutritt der atmoſphä⸗ riſchen Luft ab und verhindert dadurch ihre wichtigen Einwirkungen auf das Pflanzenleben. Im Allgemeinen ſind nun bei der Manipulation der Waſſerung toch folgende Hauptrückſichten zu nehmen. Das naſſe Jahr erheiſcht nur eine geringe Rieſelung, ja in ſehr naſ⸗ ſen Jahren wird man ſolche häufig durchaus einſtellen müſſen.— Eben⸗ ſo bedarf der an ſich trockene, der ſandige, ſchlottrige Boden einer kür⸗ zern Wäſſerung als der feuchte; Moorwieſen müſſen ſehr häufig, aber, ſo lange Nachtfröſte zu erwarten ſtehen, lieber ohne Unterbrechung be⸗ wäſſert werden; je ſtärker das Waſſer darüber wegſtrömt, deſto vor⸗ theilhafter iſt es.— Wieſen mit ſtarkem Falle wäſſert man auch län⸗ ger, und ein nach Nord oder Weſt gekehrtes Terrain kann ſich mit min⸗ derem Waſſer genügen, als ein nach Suͤd oder Oſt ſich neigender Plan.— Auf den Höhen wird das Waſſer am längſten angehalten.— In der Regel kann alles Rauſchen und Strömen des Waſſers nicht ſorgfältig genug vermieden werden.— Der norddeutſche Rieſelmeiſter hat noch viel mehr als der engliſche Farmer und der Siegener die Nacht zum Tag zu machen, was das Rieſeln in warmer Jahreszeit betrifft. Wäh⸗ rend der Tageshitze darf die Umſtellung des Waſſers nicht geſchehen; jeder plötzliche Temperaturwechſel bringt auch dem Pflanzenwachsthum Schaden. Bei kalten Nächten geſchieht das Umſtellen Mittags, bei war⸗ mer Zeit nach Sonnenuntergang.— Thau und Regen erſetzen zwar zum Theil das Rieſelwaſſer; wenn letzterer aber das zur Bewäſſerung die⸗ nende Waſſer mit vielen düngenden Stoffen geſchwängert hat, ſo dür⸗ fen ſolche nicht nutzlos verfließen.— Die Frühjahrs⸗Nachtfröſte muß man durch das Rieſelwaſſer möglichſt unſchädlich zu machen ſuchen; dasſelbe gilt von ſehr kaltem Regen. Traf ein heftiger Nachtfroſt die trockene Wieſe bei ſchon heitern, warmen Tagen, ſo hat man nichts Ei⸗ ligeres zu thun, als jene möglichſt ſchleunig und vollſtändig zu wäſſern. Warme Nächte dagegen und warme Regen im Frühjahre erheiſchen häufigere Unterbrechungen in der Wäſſerung.— Was ſonſt noch in dieſer Hinſicht anzuführen ſeyn möchte, iſt bereits in unſern obigen Mit⸗ theilungen angedeutet. —§. 115. Pflege gewäſſerter Wieſen. Im Herbſte nimmt das neue Rieſelungsjahr ſeinen Anfang; deßhalb eilt der ſorgſame Wieſenwirth, gleich nachdem er das Heu in ſeinen ———’———-—— 278 Scheuern hat, an ſeiner Anlage zu flicken und zu ergänzen, wo immer⸗ hin ſein ſcharfes Auge einen Fehler oder Mangel entdeckt hat. Alle Grä⸗ ben werden nachgeſehen, alle Rinnen aufgeräumt, die kleinen Wälle wieder ausgebeſſert, Schleuſen und Staue vor Allem in gehörigen Etat geſetzt. Aber auch die anſcheinbaren Kleinigkeiten würdigt man der Be⸗ achtung; dazu gehört beſonders das Zutreten oder Zuſtampfen der Mäuſe⸗ und Maulwurfslöcher, die Ausmerzung des von den Waſſerratten an⸗ gerichteten Unfugs ꝛc.— So wie ein guter Wirth— ſagt der brave Schröder— für die tüchtige Beſtellung ſeines Winterkornſchlages be⸗ ſorgt iſt, und nicht Mühe noch Koſten ſpart, Alles untadelhaft zu för⸗ dern, ebenſo muß man ſich auch um ſeine Rieſelungswieſe bekümmern; widrigenfalls hält man das Ei feſt und läßt den Vogel fliegen. An den Orten, wo die Üüberrieſelung im Großen betrieben wird, muß dieß Geſchäft einem verſtändigen Menſchen unter den Gutsarbei⸗ tern zur beſtändigen Aufſicht empfohlen werden. Dieſer muß fortwäh⸗ rend nachſehen und, wo es nöthig iſt, nachhelfen. Ein Paar tüchtige Waſſerſtiefel kann er alle Jahre mit Recht fordern. Gibt man ihm über⸗ dieß, wenn er ſeine Sache gut gemacht hat, ein Fuder Heu als Zugabe, ſo wird dieß ſeinen Fleiß immer mehr und mehr anregen und er wird ſeinem Herrn dieſen Lohn gewiß mit reichlichen Zinſen wieder vergelten. Wer aber zu bequem iſt und ſich zu nachläͤſſig fühlt, die hier gegebenen Vorſchriften genau zu befolgen, der thut am beſten, wenn er mit dem ganzen Kram ſich überall nicht befaßt. Durch eine ſolche Indolenz wäre dieſes ſchöne Werk nur in einen üblen Ruf gebracht. Man weiß ja, wie es immer bei ſolchen Gelegenheiten geht. Man ſagt nicht geradezu die Wahrheit rein heraus: die Geſchichte iſt verhunzt, ſondern man ſagt lieber: das Rieſeln hat nichts geleiſtet. Beiläufig werde hier auch darauf hingedeutet, daß bei den kleinen Ackerwieſen, wo es ſich der Mühe nicht lohnt, hölzerne Schleuſen an⸗ zulegen, und wo in dem Jahre keine Winterſaat anſtößt, die Gräben zugeſtaut werden müſſen, damit das vom Acker kommende Waſſer über die Wieſe läuft. Der verſtorbene Pogge exclamirte mit Recht: O wie manches Fuder Heu könnte hierdurch in unſerem Lande für einen Gro⸗ ſchen gewonnen werden! denn in einem Viertel⸗Tage können die meiſten Graͤben, die durch ſo kleine Ackerwieſen gehen, von einem Manne zu⸗ geſtaut werden. Wenn die Wieſen von Bedeutung ſind, ſo iſt es nöthig, daß bei offenem Wetter wöchentlich zweimal Alles unterſucht wird, ob auch die Maulwürfe und Waſſerratten die Wälle durchgewühlt haben. Sobald eine ſchlechte Wieſe abgegraben und bewäſſert wird, finden ſich, wenn das Waſſer davon genommen, gleich Maulwürfe ein. ——— 4 o —G— ͤͤͤͤͤͤéͤͤ&s 279 Aller Unrath an Geſträuche, Laub ꝛc., welchen die Fruühjahrsfluth nachläßt, wird nach deren Vollendung ſorgſam abgekehrt; ebenſo wird bei dem aufgeſchlemmten Sand, Schlick ꝛc. mit der Schaufel nachgehol⸗ fen, wo es nöthig thut. Was bei und während der Heuernte zu beobachten ſeyn wird, ge⸗ hört nicht hierher. Nur ſey erwähnt, daß auf Rieſelwieſen Wagen mit breiten Felgen gehören, deren häufiges Umwenden ſo viel als mög⸗ lich vermieden werden muß, und daß der Fuhrmann das Kreuzen mit den Gräben zu verhindern hat. Auch was die Hütung der Wieſen an⸗ langt, ſo wird davon ſpäterhin die Rede ſeyn. Was dadurch ruinirt worden, kann zum Theil mit einer ſchweren Walze wieder gebeſſert wer⸗ den; dieſes Inſtrument wirkt auch höchſt wohlthätig auf die vom Froſte gehobenen Wieſen. Vater Pogge beſtätigt dieß, wenn er ſagt: Durch Walzen, das man, wenn wir ſtarken Froſt ohne Schnee gehabt, beim Thauen, ſobald die Walze wirken kann, unternimmt, iſt der Schaden des Behütens einigermaßen herzuſtellen, und kann ich dieſe Operation bei unebenen Wieſen auch nicht genug empfehlen. Um die tiefen Geleiſe beim Abfah⸗ ren des Heues zu vermeiden, habe ich, wo es möglich, den Bewäſſe⸗ rungsgraben, der an der Wieſe herumführt, ſo hoch auf den Acker ge⸗ legt, bis der Grund feſt iſt, und ihn nur 8 Fuß breit unten im Boden gemacht, um mit dem Heu hinein zu fahren. Verloren iſt dabei nichts; denn der Graben wird als Wieſe genutzt. Die Hauptſache bei der ganzen Pflege unſerer Wäſſerungswieſen iſt und bleibt, daß ihnen die einmal gewidmete Wohlthat der Rieſelung per⸗ manent verbleibt. Eine Rieſelungswieſe iſt wie ein verhätſcheltes Kind, das, mit leckerer Speiſe verwöhnt, den Gehorſam, wenn ihm ſolche wieder entzogen wird, verweigert.§. 64 iſt hiervon ſchon die Rede ge⸗ weſen. Gleichwie eine unausgeſetzt gewäſſerte Wieſe mit jedem Jahre im Ertrage zunimmt, ſchlägt die Anfangs gerieſelte, ſpäter wieder un⸗ gewäſſert liegen bleibende Wieſe dergeſtalt in der Futterproduction ab, daß dieſe noch unter das Reſultat zu ſtehen kommt, welches ſie im früheſten rohen Zuſtande lieferte. Zahlloſe Fälle haben dieſe Beobachtung zum unumſtößlichen Erfah⸗ rungsſatz erhoben. Zum Überfluß ſey es uns gewährt, davon ein paar Beiſpiele anzuführen. Als der verſtorbene Jeſſen auf dem Gute Wenſien in Holſtein eine Bewäſſerungsanlage auf einer Wieſe von ungefähr 44 Tonnen machte, fand er eine Stelle, wo man vorher beſtändig Waſſer ausge⸗ laſſen hatte, in ſo ſtarkem Grasertrage, daß nicht mehr darauf wachſen 280 konnte. Er glaubte damals aus Unerfahrenheit, dieſer Stelle das Waſ⸗ ſer füglich wenigſtens für das Jahr nehmen zu können, da er es an⸗ derswo brauchte. Wie aber die Heuernte herankam, fand er auf die⸗ ſer Stelle einen höchſt kümmerlichen Ertrag, da ſonſt das Heu hier kaum liegen konnte. Deßhalb gab er dieſem Platze im folgenden Jahre etwas Waſſer wieder und er erhielt nun wieder hline reichliche Heu⸗ ernte von demſelben. Beim Antritt ſeines Amtes in Preetz nahm er eine dortige Kloſter⸗ wieſe zu bewäſſern vor, wozu er das Waſſer aus einem Fiſchteiche erhielt. Dieſe Bewäſſerung aber konnte nicht in dem Jahre vorgenom⸗ men werden, wo der Teich zur Fiſcherei zugeſetzt wurde; denn in die⸗ ſem Jahre mußte alles Waſſer geſperrt werden, bis der Teich im fol⸗ genden Jahre ſein völliges Waſſer bekommen hatte und ſo voll gewor⸗ den war, daß das übrige Waſſer durch den Umlauf(ein Ausdruck, den jeder Kenner der künſtlichen Teichfiſcherei verſtehen wird) abfloß. Dieß war ein zwar vorhergeſehener, aber nicht abzuändernder Um⸗ ſtand. Vor der Bewäſſerung hatte Jeſſen von der Wieſe 9 Fuder Vorheu; nach der angefangenen Bewäſſerung bekam er 18 Fuder. Im Herbſte ſelbigen Jahres aber ward der Teich zugeſetzt, und er be⸗ kam weder während desſelben noch im Frühjahre darauf Waſſer zu der Wieſe, und erhielt in folgender Ernte nur 14 Fuder. Auch im zweiten Herbſte konnte er noch kein Waſſer bekommen, wohl aber im nächſten Frühjahre, wo er das Waſſer möglichſt nutzte und nun 33 Fuder Vorheu erhielt.(Siehe den 2. Band der Thaer'ſchen Annalen des Accertaues S. 555 u. f.) §. 116. Werth des Products von gewäſſerten Wieſen. Solcher ſcheint keiner Erörterung zu bedürfen, da doch Alles, was wir dociren, darauf hinausläuft, daß man wäſſern müſſe, um ſeinen Futter⸗Etat auf den gehörigen Höhepunct zu verſetzen. Den⸗ noch beruht der Werth des Rieſelungsgraſes im Vergleiche zu dem Futter von ungewäſſerten Wieſen vielmehr auf dem vergrößerten Vo⸗ lumen, als der vermehrten Nahrhaftigkeit. Heu von beiderlei Art Wieſen, welches aus gleichen Pflanzengattungen beſteht, gleicht ſich nur dadurch in ſeinem Futterwerthe aus, daß die ſo viel reichlichere Ausfüllungsmaſſe, die die gewäſſerte Wieſe liefert, ein gleiches Maß nährender Stoffe gewährt, als das weit dagegen zurückſtehende Quan⸗ tum von dem ungewäſſerten Terrain enthält. Das in dieſer Rückſicht obwaltende Verhältniß verdiente eine genauere Ermittelung; noch be⸗ — — 281 ſitzen wir keinen genauen Maßſtab dafür und wiſſen noch nicht, wo das Quantum anfängt, die Qualität auszugleichen. Bei Verſuchen dieſer Art mußte das verſchiedene Gewichtsverhältniß zum Grunde ge⸗ des Heues von gedüngten und gerieſelten Wieſen. Steltzner ſagt hinſichtlich der Nahrhaftigkeit des auf den lüͤne⸗ legt werden. Jeder Landmann kennt den Unterſchied in der Schwere burgiſchen Felderwieſen gewachſenen Futters: Obgleich auf den in Felder gelegten Bewäſſerungswieſen edle Arten Gräſer hervorſprießen, ſo iſt doch die Nahrhaftigkeit dieſer durch das Waſſer vorzüglich zu ihrem üppigen Wuchſe gebrachten Gräſer— wenn ſie gleich nach der Beſchaffenheit ihres Standortes verſchieden iſt— überall nicht ſo groß, wie ſich ſolche zeigt, wenn dieſelben Gräſer ohne die anhaltende künſtliche Bewäſſerung erwachſen ſind. Läßt man auf den Sandwie⸗ ſen das Gras zu alt werden, ſo wird ihm nicht mehr Nahrungsfähig⸗ keit als gutem Haberſtrohe beigemeſſen. Es beſtätigt ſich alſo hier der Erfahrungsſatz, den man auch auf dem allerfruchtbarſten, graswüch⸗ ſigſten Marſchboden gemacht hat, wo nämlich die Außendeichsgras⸗ ländereien— inſofern ſie Süßwaſſer⸗Vegetation haben—, welche häu⸗ fig den Überſchwemmungen ausgeſetzt ſind, die durch hohe Meeres⸗ fluthen, durch Rückſtau der Stromgewäſſer veranlaßt werden, z. B. auf den Elbeinſeln in der Gegend von Hamburg, ein ungleich nah⸗ rungsloſeres Gewächs liefern, als man nach der Conſtitution des Bo⸗ dens und nach den Arten der darauf wachſenden Gräſer erwartet. (Siehe Möglinſche Annalen, Bd. XXVI., Seite 258.) Vorläufig lehrt die Empirie, daß jenes für's Maſtvieh, für die Pferde, dieſes für die Kühe geeigneter iſt. Auch den Schafen bekommt das Rieſelheu ſehr wohl, wenn nur ſüße Gräſer darin dominiren. Bewäſſerung durch Anſtauung in den Gräben. §. 117. Wo ſie anwendbar und worin ſie beſteht. Ich würde derſelben hier gar nicht erwähnen, da ſie mir in der Praxis durchaus fremd iſt, wenn ich nicht glaubte, daß ſie ver⸗ diente, auf unſern Torfwieſen angewandt zu werden. Sie beſteht darin, daß man dieſen, nachdem ſie gehörig abgegraben, bei trockener Zeit, das Waſſer 2—3 Zoll unter der Oberfläche zufuhrt, indem man die Gräben ſo weit damit vollſtaut und dasſelbe wieder ableitet, wenn das ſchwammige Erdreich zur Genüge durchzogen iſt und die Pflan⸗ zen ſich erfriſcht haben. ö“ 282 Lichtſeite. Wenn man das Waſſer durch Offnung der Zuleitung und Schließung der Ableitung hoch genug heben kann, dürfte ſie mit der Überſtauung verbunden werden können. Sie iſt anzuwenden, wenn der Stand des Graſes das Überlaufen des Waſſers nicht mehr geſtattet. Schwemmwieſen. §. 118. Werth und Begriff des Schwemmens. Es iſt dieſer Anlagen in unſerem Werke bereits mehre Male Er⸗ wähnung geſchehen, und obgleich dieſelben ſtricte einem Vortrage, wel⸗ cher ſich mit der Cultur der natürlichen Wieſen beſchäftigt, nicht un⸗ terliegen mögen, weil es ſich dabei nicht um die Erhaltung und Ver⸗ beſſerung von ſchon Vorhandenem, ſondern um die Schöpfung von etwas Neuem, bisher noch nicht Gedachtem handelt, ſo wollen wir hier doch eine Ausnahme von der Regel machen, indem mit der immer allgemeiner werdenden Löſung der dem Ackerbaue anklebenden Feſſeln auch die Ausſicht auf die Ausführbarkeit des in Rede ſtehenden Verfahrens für einen größern Kreis ſich erweitert, und es dem Wie⸗ ſenbauer, der oftmals auch nicht einmal weiß, wo er ſich eine Anwei⸗ ſung dazu holen ſoll, angenehm ſeyn wird, hier alles ſeine Kunſt An⸗ gehende vereinigt zu finden. In jenen Gegenden Norddeutſchlands, wohin zuerſt, von Tosca⸗ nas Fluren aus, die Operation des Schwemmens verſetzt ward und wo ſie ſich bis jetzt faſt allein erhalten hat, in des Königreichs Han⸗ nover Sand⸗ und Heideflächen, hat man ſeit den letzten 30 Jahren, während welcher die Zahl der Schwemmwieſen ſich unausgeſetzt ver⸗ mehrte, eine Virtuoſität in der Manipulation gewonnen, wie ſie ſelten die Praris eines andern landwirthſchaftlichen Kunſtbaues aufzuweiſen hat. Wir gehen daher ſehr ſicher, wenn wir, nach den Mittheilungen eines Thaer, Meyer, Steltzner, den lüneburgiſchen Schwemm⸗ meiſter in ſeinen Anordnungen und Thätigkeitsäußerungen verfolgen. Die Tendenz der ſinnreichen Arbeit iſt: die Erde von der ein Flußthal umgebenden Anhöhe, mittelſt des von einer noch höhern Stelle hineingeleiteten Waſſers, herab und in den niedrigen, mehrentheils moraſtigen Theil des Thales hinein zu ſchwemmen, und ſo aus den ab⸗ geſchwemmten Anhöhen und der ausgefüllten Niederung eine ebene, gelind abhängige Fläche zu bilden, die nach⸗ Bei Waſſermangel, ſchlechtem Gefälle ꝛc. hat dieſe Methode ihre — B N N————— NX +—; 283 her durch den bei der Abſchwemmung ent ſtandenen und beuferten Graben von der Höhe jederzeit berieſelt wer⸗ den kann*). Letzterer kann um ſo erfolgreicher und bequemer geſchehen, je trefflicher vermittelſt des Waſſers die zu berieſelnde Fläche, dieſem Zwecke entſprechend, planirt worden. §. 119. Beſchreibung der Operation. Der aus dem Einem zu Gebote ſtehenden Gewäſſer abgeleitete Zuleitungsgraben wird mit einem geringen Gefälle ſeiner Sohle bis an den Punct in die Anhöhe hineingeleitet, wo genugſames Gefälle den Beginn des Schwemmens geſtattet. Die Stärke des letztern rich⸗ tet ſich nach der Breite der Sohle, dem Waſſerſtand im Graben und der thonigern oder ſandigern Beſchaffenheit des Bodens; je ſchwerer dieſer zu ſchwemmen iſt, deſto ſtärker muß ich das Gefälle einrichten. Thaer gibt als allgemeine Regel an: daß das Schwemmungsgefälle von der Sohle des zu ziehenden Grabens ab bis zu der Niederung, wohin man ſchwemmen will, im Durchſchnitt etwa auf die Ruthe 1 Zoll oder 1 betragen muß, wenn man eine Sohle von 2 Fuß und eine Waſſerhöhe von 1½ Fuß im Graben hat. Bei einem ſtärkern Profil kann es ſchwächer ſeyn; indeſſen ſchadet auch ein ſtärkeres nicht, fördert vielmehr die Arbeit. Obgleich es eine ſchwierige Aufgabe iſt, Vorrichtungen dieſer Art auf dem Papiere deutlich zu verſinnlichen, ſo dünkt uns doch, daß Thaer in dieſer Hinſicht das Mögliche geleiſtet hat. Da er ſelbſt häufiger Augenzeuge ſolcher Anlagen geweſen iſt, ja auf ſeinem Eigen⸗ thume ſelbſt Schwemmwieſen unter ſeiner unmittelbaren Leitung ein⸗ richten ließ, ſo finden wir in ſeinem Vortrage jene Klarheit, welche nur die praktiſche Auffaſſung des Gegenſtandes geben kann, weßhalb wir uns nicht unternehmen, das von ihm Geſagte mit andern Wor⸗ ten beſſer auszudrücken, ſondern unverändert die von ihm in ſeinem claſſiſchen Lehrbuche mitgetheilte Beſchreibung folgen laſſen. Wenn man— ſagt Thaer— mit dem Zuleitungsgraben an den Punct der Anhöhe gekommen iſt, von wo ab man in die Niederung herunterſchwemmen will, ſo wird ein Durchſtich von dem Graben ab auf die Niederung zu in der Horizontallinie der Sohle des Grabens gemacht, bis zu dem Puncte, wo dieſe in der Oberfläche ausläuft. 8) Thaer's Grundſätze der rationellen Landwirthſchaft, Bd. 3., S. 206. —, 284 Auf Tafel VIII. ſey a der Zuleitungsgraben, der in eine Anhöhe bis b hineingeht. Ich finde hier, daß ich von der Sohle dieſes Grabens bis zur Niederung o in einer Entfernung von 25 Ruthen 2 Fuß Gefälle bei einer Waſſerhöhe von 1½ Fuß habe. Ich laſſe alſo von dieſem Puncte b ab einen Durchſtich, der nur ſchmal zu ſeyn braucht, in der Richtung von e d durch die Anhöhe machen, bis die Horizontallinie der Sohle mit einigem Gefälle zu Tage ausläuft. Das angelaſſene Waſſer ſtürzt nun hier hindurch, macht ſich Anfangs von ſelbſt ſeinen Weg ſchon breiter, und ich ſuche nur durch angeſtellte, mit Schaufeln oder Rühreiſen verſehene Arbeiter dieſen Weg von eingeſtürzter Erde offen zu erhalten. Der Auswurf dieſes Durchſtichs wird dem Waſſer zuerſt vorgeworfen, und dann wird in der Linie von e nach f die Erde abgeſtoßen, inſofern ſie das Waſſer nicht ſelbſt losreißt. Den größern Theil dieſer Erde nimmt das Waſſer mit fort, wozu die in der nun entſtehenden Schwemmbank enefa ſtehenden Arbeiter mit ihren Rühreiſen behülflich ſind. Ein anderer Theil der von e f abge⸗ ſtoßenen Erde wird nach der Linie e d herübergezogen, ſo daß ſich da⸗ ſelbſt eine neue Bank, welche etwa 3 Zoll über der Sohle des Wäſſe⸗ rungsgrabens erhaben iſt und nach unten ein gelindes Gefälle hat, bilde. Die Ebnung dieſer Bank geſchieht gewiſſermaßen von ſelbſt, und die ebene, gelind abhängige Fläche bildet ſich durch das Überſtrömen des Waſſers. So wie die Schwemmbank breit genug geworden iſt, fängt man an, in der Richtung des Grabens bei e eine Verwallung mittelſt der von e herübergeworfenen Erde zu machen, wodurch der Waſſerlauf ſtärker nach ef hingezwängt wird. Indem das Waſſer alſo auf dieſe Seite immer mehr zuſtrömt, wird die Schwemmbank von e nach g und von f nach h weiter hereingerückt, die Verwallung aber von o nach e vollführt, und die Waſſerſtrömung, die zuerſt zwi⸗ ſchen e d und ef durchging, geht nun zwiſchen ge und h f herunter. Jedoch muß man es ſich nicht ſo vorſtellen, als ob immer Abſätze von beſtimmter Breite entſtänden; es rückt vielmehr die Schwemmbank all⸗ mählig und Fuß vor Fuß in der Anhöhe weiter fort, und ſo wie ſie nach der Seite e d durch den zwiſchen ee aufgeworfenen Damm ver⸗ engert wird, erweitert ſie ſich nach der entgegengeſetzten Seite hin. Die Fortſetzung des Grabens wird in der Regel nicht durch Aus⸗ ſtechung gemacht, ſondern er bildet ſich durch die Schwemmung ſelbſt und durch die vorgeworfene Beuferung, welche hinlänglich ſtark ge⸗ macht werden muß, damit das angeſpannte Waſſer ſie nicht auf's Neue durchbreche. Und ſo rückt dann die Schwemmbank oder die Strömung des X——— —-———— N N△ ⁸⏑——— X—Q— dK& N 285 Waſſers immer weiter in das hohe Land hinein, und bildet die ebene abhängige Fläche ununterbrochen und ohne Abſatz von der Höhe bis zum niedrigſten Puncte herunter. Bei der Arbeit des Schwemmens wird ein Theil der Arbeiter auf das Ufer der Schwemmbank, worauf der Andrang des Waſſers zu⸗ geht, mit Spaten geſtellt, um die Erde, wo es nöthig iſt, abzuſtoßen und dem Waſſer vorzuwerfen. Ein anderer Theil ſteht in der Schwemm⸗ bank oder auf der nun neu gebildeten Oberfläche, mit breiten Hacken oder Rühreiſen verſehen, um ſowohl die Erdklöße zu zerſchlagen und fortzuſtoßen, als um einen Theil der Erde am obern Theile der Schwemmbank— denn am untern iſt dieſes nicht nöthig— nach ſich heranzuziehen, damit auch nicht zu viele Erde vom Waſſer fortgeriſſen werde. Sie müſſen in der ganzen Länge der Schwemmbank her⸗ unter vertheilt werden; jedoch müſſen oben, wo viele Erde weg⸗ zuſchwemmen iſt, mehre Arbeiter nebeneinander ſtehen, als unter⸗ wärts, wo nur wenig Erde noch abgeſchwemmt werden kann und ſich die neue Erde von ſelbſt anſetzt. Insbeſondere muß ein thätiger und aufmerkſamer Arbeiter zu oberſt in dem Schwemmgraben ſtehen, um hier die Erde gehörig loszurühren und den Schwemmgraben in ſeiner gerechten Tiefe zu erhalten. In der Niederung, wo die Erde nicht abgeſtochen wird, ſondern wo ſie ſich anſetzen ſoll, bedarf es keiner Arbeit, indem dieſes durch das Waſſer ſelbſt auf die vollkom⸗ menſte Weiſe bewirkt wird. Bei einem loſern Boden, ſtärkern Waſſerzulauf und ſtärkern Gefälle ſind zwar im Verhältniß gegen das, was man damit bewirkt, weniger Arbeiter nöthig, als in den entgegengeſetzten Fällen, d. h. die Arbeit koſtet weniger; allein es müſſen doch zu gleicher Zeit um ſo mehre angeſtellt werden, indem der Fortſchritt der Arbeit alsdann um ſo ſchneller geht, weil nämlich das Waſſer zureiiht eine ſehr große Maſſe von Erde wegzutreiben. Die Breite, welche man der Schwemmbank jedesmal gibt oder läßt, richtet ſich nach der Stärke des Waſſers und nach der Beſchaffenheit des Bodens. Wenn der Waſſerzufluß ſtark und die Erde ſehr ſchwemm⸗ bar iſt, ſo kann die Bank oder die Strömung des Waſſers 10 bis 12 Fuß breit erhalten werden, weil die Erde doch genugſam fortgeht und ſich dann beſſer und gleichmäßiger abſetzt, ohne daß man ihr zu Hülfe zu kommen braucht. Iſt aber der Waſſerlauf ſchwächer und die Erde widerſtehender, ſo muß man die Strömung ſchmäler, von 4 bis 5 Fuß, machen, damit die Kraft um ſo mehr concentrirt werde. —-ͤj ÿ 286 H. 120. Bei dem Schwemmen zu nehmende allgemeine Rück⸗ ſichten. Nächſt dem Gefälle beſtimmt die zur Ausfüllung der Niederung erforderliche Erdmaſſe die Richtung der Abſchwemmung und die Tiefe, in welcher man in die Anhöhe hineingeht. Wo man nach einem Fluſſe zu ſchwemmt, kann man ſich zwar der überflüſſigen Erde durch Hin⸗ einſchwemmen in denſelben entledigen; man hat ſich aber vorzuſehen, dadurch keine, ſeinen Nachbarn ſchädlich werdende Verſandungen ꝛc. zu veranlaſſen. Wo die Umſtände das Heranziehen eines Theils des Flußgebietes zur Anlage, durch Ausfüllung desſelben, und die Anfer⸗ tigung eines neuen Canals erheiſchen, da wird durch an rechter Stelle angebrachte Verzäunungen dem Fortgange der Erde auf verkehrtes Gebiet geſteuert. Ebenſo wie das Übermaß des Füllungsmaterials genirt, iſt der Mangel desſelben zu verhüten. Die ſorgfältigſte ma⸗ thematiſche Berechnung wird letzteres häufig nicht können, wenn Be⸗ ſchaffenheit der abgeſchwemmten Erde und des Grundes, auf welchen ſich ſolche lagert, nicht mit praktiſchem Scharfblicke geprüft worden; denn thonig⸗mergeliger Boden wird häufig vom Waſſer in dieſen ſeinen vorherrſchenden Beſtandtheilen weit über ſeinen eigentlichen Beſtimmungsort weggeführt, und mooriges, ſumpfiges Land pflegt ſich bedeutend unter der neuen, ungewohnten Decke zu ſenken. Nicht minder machen große, früher nicht ſichtbare Steine in der Anhöhe, Baumſtämme ꝛc., welche beide— erſtere inſofern ſie nicht zu mäch⸗ tig ſind—, wenn die Kraft des Waſſers zureicht, mit hinabgeſchwemmt und mit Erde dann überſchüttet werden können, häufig einen Strich durch die Rechnung. Die Abſchwemmung bedeutender Höhen iſt nur auf zähem, thoni⸗ gem Boden, wo die Handarbeit unausgeſetzt hülfreiche Hand leiſten muß, beſchwerlich; mit ſandigem Boden geht es deſto leichter, und hat man nur Raum und hinreichenden Waſſerzulauf dafüur, ſo laſſen Anhöhen von dieſer Grundbeſchaffenheit bis zu 20 Fuß und darüber ſich abſchwemmen. Um, was leicht geſchieht, den plötzlichen Einſturz ſolcher Sandberge zu vermeiden, muß die Schwemmbank möglichſt breit erhalten, die Hauptſtrömung des Waſſeranfangs von der Wand entfernt gehalten und dieſe, gleichwie auch die hinter dem Schwemm⸗ graben ſtehen bleibende Wand, ſehr ſchräg gehalten werden, damit durch deren Einſturz der Graben nicht verſchütte. Es iſt keine unnütze Vorſicht, letztern auch an der Rückſeite zu verwallen und ihm wohl⸗ 287 verwahrte Einläſſe zum Abzuge von herabſtürzenden Schnee⸗ und Ge⸗ witterfluthen zu geben. Wo das alte Flußbett zur Waſſerableitung bleiben ſoll, hält man es durch vorgelegte Faſchinen offen. Neue Canäle bildet man wohl dadurch, daß man in den tiefſten Theil der Niederung einen geraden Flechtzaun mit Faſchinen aufſetzt, vor welchen ſich die Erde lagert und ſo das Grabenufer bildet. In der Regel aber zieht man es vor, einen neuen Abwäſſerungsgraben vorher auszuſtechen, mit höherem Ufer, jedoch tieferer Sohle als das Flußbett. Vor Allem empfehlen die lüneburgiſchen Schwemmmeiſter, die Sohle des entſtehenden Schwemmgrabens in vollkommener Horizon⸗ tallinie zu halten, damit bei den nachmaligen Waͤſſerungen das Waſ⸗ ſer allenthalben ohne Schwierigkeiten durchaus gleichmäßig hin ver⸗ breitet werden könne. Wo dieſes beobachtet iſt, bedarf es nur egaler Durchſtiche durch die Verwallung des Schwemmgrabens, um das Rie⸗ ſelwaſſer einzulaſſen und durch die damit parallel laufenden Grippen über die ganze Fläche zu verbreiten. Nur bei beträchtlicher Länge des Schwemmgrabens und wechſelnder Wäſſerung in Abtheilungen kann man ohne eine in dem Wäſſerungsgraben angelegte kleine Schleuſe nicht wohl fertig werden. Vermittelſt derſelben— deren Zuſetzen und Aufziehen— leitet man dann, bei zweckmäßigem Falle des Terrains der verſchiedenen Wäſſerungsabſätze, auf ſehr bequeme und einfache Weiſe die Rieſelung wie und wohin man will. Die häufig entſtehende Frage, ob man von einer oder von zwei Seiten ſchwemmen wolle, läßt ſich nicht vermöge Beſtimmung allge⸗ mein zutreffender Regeln beantworten. Thaer bemerkt, daß man ſein Verfahren hauptſächlich nach dem nachhaltigen Waſſerzulaufe, dar⸗ nach, ob die Thalbreite bis zur Mitte der Niederung von beiden Sei⸗ ten ſtark genug ſey, ſo daß die erhaltene Fläche die Schwemmanlage genugſam bezahle, oder ob die Thalbreite zu ſtark— uüͤber 40 Ruthen breit— ſey, um ſie von einer Seite überſchwemmen zu können, end⸗ lich nach der gleichguten Qualification des Bodens von beiden Seiten einzurichten habe. Beim Schwemmen von beiden Seiten werden zwei mit Schleuſen verſehene Zuleitungsgräben in die Höhe hineingeleitet. An der tief⸗ ſten Stelle der Niederung legt man den(oder die) Ableitungsgra⸗ ben an. Wenn man auf ausgedehnten Anlagen Stellen begegnet, die ſchon von Natur, ohne Schwemmen, die zum Bewäſſern erforderliche abhän⸗ gige ebene Fläche bilden, ſo darf der Wäſſerungsgraben nur mit der 288 das Sinken ſeines Stauſpiegels verhindernden nöthigen Verwallung verſehen werden. Solche Anhöhen inmitten der Anlagen, welche ihres Bodens wegen, oder weil kein Raum für die Erde vorhanden, nicht ab⸗ geſchwemmt werden können, werden entweder mit dem Graben umlei⸗ tet, oder man führt, wenn ſie nicht zu mächtig ſind, denſelben in glei⸗ cher Parazunnaltjſt der Sohle hindurch. §. 121. Beſondere Rückſicht bei Anlage von Felderwieſen. Gemeiniglich liegt es in dem Intereſſe des Schwemmers, dem Waſ⸗ ſer weiten Spielraum zum Abfluſſe und zur Verbreitung der ihm vor⸗ geworfenen Erde zu laſſen. Schwemmt man aber zum Behufe der An⸗ lage einer Wieſe in Felder, ſo verfährt man etwas anders; denn weil es hierbei darauf ankommt, die Erde auf beſtimmte, jedesmal verhält⸗ nißmäßig nur kleine Räume zu ſchaffen, ſo iſt es erforderlich, das Waſ⸗ ſer beim Abfluſſe von der Schwemmbank dergeſtalt vereint auf einen Punct zu leiten, daß ſich ſämmtliche fortgeſchwemmte Erde darauf ab⸗ lagern könne. Steltzner erzählt uns, wie man zu dem Ende die voll⸗ zuſchwemmende Stelle mit einem kreisförmigen Damm von Soden und Pfählen umgibt, welchen man eine Offnung zum Eintritt, eine andere zum Abfluſſe des Waſſers läßt. Natürlich— ſagt er— hat man Sorge zu tragen, daß das Waſ⸗ ſer vom höchſten Puncte ab und alſo mit dem ſtärkſten Gefälle einfließt. Jedoch darf es nicht auf der niedrigſten, jener etwa gerade gegenüber befindlichen Stelle, aus der Eindammung, ablaufen; vielmehr muß die Offnung zum Auslauf wieder rückwärts und zwar etwas erhöht ſeyn, damit das Waſſer innerhalb der umdammten Stelle ungefähr halbmondförmig ſeinen Lauf hat, darin einige Ruhe findet, um die mit⸗ geſchwemmte Erde fallen zu laſſen. Übrigens werde mit Verweiſung auf unſere vorhergegangenen Mittheilungen in Beziehung auf dieſe Ar⸗ beit nur bemerkt, daß der Waſſerſtrand, von der Schwemmbank ab, auf die obige abgedammte Stelle ganz ſchmal gehalten werden muß, um wegen der dadurch verſtärkten Gewalt des Waſſers demſelben mehr Erde auf einmal vorwerfen und das Vollſchlämmen der umdammten Stelle beſchleunigen zu können. §. 122. 2„Koſten und Ertrag geſchwemmter Wieſen. §. 113 iſt bei Gelegenheit der Beſchreibung der neueſten Art von Bewäſſerungswieſen obigen Punctes ſchon gedacht worden. Allgemein —— 289 Giltiges läßt ſich in dieſer Hinſicht durchaus nichts vorlegen, da die Verſchiedenheit der Localität eine außerordentliche Veränderlichkeit in Schwierigkeit und Mannichfaltigkeit der Vorrichtungen bewirkt. Je gro⸗ ßer die der Bewäſſerung fähig zu machende Wieſe iſt, deſto mehr ver⸗ theilen ſich natürlich im Allgemeinen die Koſten auf den Morgen. Dieß gilt namentlich rückſichtlich der Schleuſen und Stauwerke und des Zu⸗ leitungsgrabens, welche beide auf dem größten und kleinſten Reviere häufig ganz gleichen Aufwand erheiſchen. Waſſermenge und Gefälle ent⸗ ſcheiden übrigens ſehr über mindere oder größere Koſtbarkeit der Anl age; der Anfang iſt immer der ſchwierigſte Theil der Arbeit. Wie ſchon er⸗ wähnt, macht die Beſchaffenheit der Schwemmerde einen großen Unter⸗ ſchied; wenn ich für eine thonige Höhe 12 Arbeiter anſtelle, bedarf ich deren beim Sandſchlemmen vielleicht nur 4—5. Je breiter dann die aus⸗ zufüllende Niederung gegen die Breite der abzuſchwemmenden Höhe iſt, um ſo geringer werden die Koſten pr. Morgen. Geſchicklichkeit und Übung der Arbeiter, dabei ein tüchtiger, durch⸗ aus praktiſcher Dirigent an der Spitze— das entſcheidet. Wir haben auch ſchon früher hiervon geredet, und bemerkt, wie ſich ſolche mit der Sache bewanderte Männer in Hannovers Sandgegenden vergeſellſchaf⸗ ten und die Sache gleich geſchickt und wohlfeil realiſiren. Meyer rech⸗ nete früher durchſchnittlich die Einrichtungskoſten für einen calenbergi⸗ ſchen Morgen auf 37 Rthlr. 18 gr.; er nahm zugleich an, daß die ge⸗ flößten Wieſen ſich in 20 Jahren durch ihren Ertrag völlig frei arbeite⸗ ten. Thaer ſtellt die Koſten bereits auf 20 Rthlr. und noch niedriger. Dabei iſt freilich nur der leichteſte Sandboden berückſichtigt. In Mög⸗ lin kam ihm, unter den allerungünſtigſten Umſtänden, der Morgen Schwemmwieſen dennoch auf nur 18 Rthlr. zu ſtehen. Wo alſo nicht in Felder geſchwemmt wird, da dürfte, mit Rückſicht auf die frühern Mittheilungen, durchſchnittlich der Morgen nur ſelten höher als 26— 28 Rthlr. zu ſtehen kommen, wenn anders Umſicht in der Ausführung mit ziemlich entſprechender Localität nur einigermaßen accordirt. Unterhaltungskoſten fallen den Schwemmwieſen eigentlich namhaft nur in den erſten Jahren nach ihrer Darſtellung zur Laſt; dann wird noch mancher Graben, manche Verwallung zu repariren, manche ſich einſtellende Sinke auszugleichen ꝛc. ſeyn. Hat erſt Alles ſich gehörig geſetzt und gelagert, ſo iſt keine Art Wäſſerungsanlage wohlfeiler zu unterhalten, als eben dieſe, wenn anders in ihrem Grunde nicht gepfuſcht worden. Für 10—12 fl. wird man auf dem Morgen Wieſe alles Fehlende ergänzen, alles Schad⸗ hafte wieder herſtellen können. Eine Hauptausgabe bleibt aber ſtehend; es iſt dieſe die Anſchaffung einer neuen Hauptſchleuſe alle 18— 20 Jahre. Lengerke's Wieſenbau. 19 290 Meyer rechnet von geſchwemmten Wieſen, wobei die Bewäſſerung gehörig beachtet wird, nach vielfältiger Erfahrung, ſelbſt in trockenen Jahren, von 1 calenb. Morgen zu 120 Q. Ruthen, oder zu 30,720 O. Fuß, die mit 184% rheinländiſchen Q. Ruthen zu 144 Q. Fuß über⸗ einkommen, an Vor⸗ und Nachgras 2000 Pfd. Heu. Wir haben ſchon geſehen, wie nach Steltzner gegenwärtig von Leldeswſeſen uber das doppelte Quantum geerntet worden iſt. Meyer rechnet, bei der vorzüglichen Güte dieſes Heues billig genug, 100 Pfd. zum Werthe E von 15 Morg.; darnach ſind 2000 Pfd. werth 8 Rthlr. 12 gr. Das zweimalige Mähen koſtet......— Rthlr. 12 gr, Trocknen**.. 5 2«* 4„— ,„ 24 2 „ Einfahren mit dem Banſen.....—„ 18„ die Bewäſſerungsarbeit pr. Morg3en...—„ 6„ . 4 Rthlr. 24 gr. Ein Morgen gibt alſo den reinen Ertrag von 6 Rthlr. 20 gr. und wenn oben erwähnte Unterhaltungskoſten ¹ abgezogen werden mit.......—„ 6„„ 6„thlr. I9 gr. §. 123. 4 Benarbung der neuen Oberflaͤche, namentlich auch der in Felder gelegten Wieſen.— Auch noch etwas über die Unterhaltung letzterer. Die Natur des Schwemmgeſchäftes weiſ't von vorn herein dere hin, daß man vielmehr mit ſchlechten als guten Erdarten wird arbeiten müſſen. Gemeiniglich dominiren Sand und Gnitt in den verſchiedenar⸗ tigen ſchlechtern Abſtufungen. Eine ſo beſchaffene Fläche der Natur zu überlaſſen, zu warten, bis dieſe den Grund einer Narbe auf dieſelbe legt, iſt ermüdend, langweilig, wenngleich die Erfahrung früherer Zeit gezeigt hat, daß man auf dieſem Wege zwar ſpät, doch auch zum Ziele kommt. Vorerſt iſt an Wäſſerung, dann aber nicht eher zu den⸗ ken, als bis ſich einige auf ſolchem todten Boden erzeugende Gräſer und Kräuter von ſelbſt eingefunden haben. Tritt jene demnach ein, ſo wer⸗ den Flechten und Mooſe zu vegetiren beginnen; je üppiger dieß geſchieht, deſto beſſer iſt es; denn wenn ſpäter das anhaltende, der nöthigen Be⸗ ſchlammung wegen ſtattgefundene Wäſſern moderirt und mit dieſem und dem Trockenlegen der Wieſe in zweckmäßigen Zwiſchenräumen ge⸗ wechſelt wird, ſo geht jenes Moos in Moder über, der den erſcheinen⸗ —— e e 291 den beſſern Pflanzengattungen Nahrung gibt. Thaer erzählt, daß man mehrentheils im fünften Jahre nach der Schwemmung, auch in ſolchen Fällen, wo zur Befruchtung der Wieſe weiter nichts gethan worden, als daß man mit der Bewäſſerung, ſobald es ohne Gefahr der Einriſſe geſchehen konnte, anfing und ſie faſt ununterbrochen fortſetzte, ſchon eine Heuernte, die ſich der Mühe verlohnte, gehabt, im zehnten Jahre aber auf ganz ſandigem Boden 20 Centner Heu pr. Morgen gemacht. Es iſt der Verbeſſerung des Graswuchſes zuträglicher, wenn man die pro⸗ ducirenden Wieſen anfänglich nicht mäht, ſondern ſie, ſelbſt mit Scha⸗ fen, wenn ſie nur gehörig trocken gelegt ſind, abweidet. Viel ſchneller freilich kommt man zum Ertrage, wenn man den Gras⸗ wuchs der geſchlemmten Fläche durch Düngung, Beſamung und Bera⸗ ſung auf die Beine helfen kann. Meyer ſagt, daß, wenn es möglich zu machen ſey, gleich nach geſchehener Schwemmung auf 1 Morgen des neuen Terrains 12— 13 zweiſpännige gute Fuder Straßenerde, gut gefaulten Miethendünger, Quecken⸗ oder andere vegetabiliſche Erde ꝛc. zu fahren, und, nachdem ſolche auseinander geſtreut worden, denſelben mit Heuſamen zu beſtreuen und gleich darauf zu walzen, man ſchon i im dritten Jahre eine ziemlich gute, im vierten Jahre aber eine vollſtändige Heuernte zu hoffen habe. Thaer ſah ſchon im zweiten Jahre nach einer ſolchen Vehandlung eine ſehr reiche Heuernte auf einer Schwemmwieſe. Derſelbe empfiehlt als Düngerſurrogat den in den Niederungen ge⸗ ſchwemmter Reviere ſich häufig findenden torfigen Moder, wenn ſol⸗ cher durch Vermiſchung mit thieriſchem Dünger oder Kalk entſäuert wor⸗ den. Übrigens iſt man im Lüneburgiſchen von einer ſtarken Vermengung roher mooriger Erde mit der zu rieſelnden Fläche kein beſonderer Freund, wenn man nicht vieles und beſonders gutes Waſſer hat.— Hürdenla⸗ ger von Schafen, ja ſelbſt von Gänſen, ſoll ſich als Düngung auf ab⸗ geſchwemmten Flächen beſonders bewährt haben(2). Die erſte Beſamung hat ihre großen Schwierigkeiten; denn man findet, daß die anfänglich am üppigſten wachſenden Gräſer auf den neuen Anlagen ſich verlieren, ſobald mit dem Wäſſern Ernſt gemacht wird; ja es hat ſich gezeigt, daß ſpäterhin ſich die Beſamung der Verbreitung der natürlich aufſproſſenden Pflanzengattungen von Nachtheil zeigte. Der aufmerkſam beobachtende Wieſenwirth weiß überhaupt, daß der gewäſſerte Boden ſelbſt uns den Fingerzeig geben muß, welches ſeine Lieblingskinder ſind.— Thaer hat zum Zwecke der Befeſtigung der Oberfläche und beſchleunigter Vornahme der Wäſſerung nichts beſſer gefunden, als den Spergel. Im Gemiſche mit Wieſenſamen wird der⸗ 19* 292 ſelbe auf der, den Sommer über geſchwemmten Wieſe im Nachſommer bei feuchter Witterung aufgeſäet. Sobald er hervorgetrieben iſt, kann man das Waſſer überlaſſen; was dann davon nicht mehr zur Reife kommen kann, erfriert oder fault, oder wird, wenn die Feſtigkeit des Bodens es erlaubt, abgehütet. Er gibt— ſagt Thaer— dem Boden nicht nur Feſtigkeit, ſondern auch Dünger, und es werden ſich nun im folgenden Jahre, zumal wenn man auch einigen andern Dünger gege⸗ ben hatte, ſchon viele Gräſer zeigen. Intereſſant und belehrend iſt das, was Herr Steltzner uns über die Benarbung der neuen Oberfläche der in Felder gelegten Wieſen im Lüneburgiſchen mittheilt. Es iſt begreiflich— ſagt er— daß je beſſer die Erdmiſchung der in Beete zu verwandelnden Wieſen an und für ſich iſt, deſto belohnender der Erfolg ſey; aber leider hat das Schickſal die Mehrzahl der lüne⸗ burgiſchen Wirthe auf Sand angewieſen, den man jedoch auch nicht verſchmäht, wenn man nur gutes Waſſer genug zur unumſchränkten Verwendung hat. Bei dem Aufſchieben einer etwas beträchtlichen Wie⸗ ſenfläche kann man oft eine anſehnliche Muſterkarte von Farbenmiſchung der Bodenarten ſehen. Man behilft ſich, wenn es nicht anders iſt, mit Ortſand, Bleiſand, ſelbſt mit Steingeröblle. Höchſt ungern nimmt man jedoch Moorerde, zumal wenn man nicht überflüſſiges und ſehr gutes Waſſer hat. Auf ſolchem wilden Erdboden, wie er gemeiniglich zur Bildung der beſchriebenen Felder angewendet werden muß, eine Grasnarbe durch die Natur, auch ſelbſt durch Beſamung erzeugen zu laſſen, möchte wohl oft die Dauer von Menſchenaltern erfordern. Um möglichſt bald Ertrag zu bekommen, iſt es daher nöthig, daß die Felder mit Raſen belegt werden. Hat man alte Raſenſtücke, die man in Felder legen will, ſo wird der alte Raſen— er mag von noch ſo ſchlechter Beſchaffenheit ſeyn— abgeſtochen und ſorgfältig bei Seite ge⸗ legt. Sobald einige Felder gebildet ſind, ſo daß man verſichert iſt, daß keine Veränderung derſelben mehr erforderlich wird, und nachdem die Gräbchen auf dem Mittelrücken, ſo wie die Entwäſſerungsgraͤbchen, ausgeſtochen ſind, werden die Soden darauf gedeckt, ſo daß kein Zwi⸗ ſchenraum bleibt. Mit einem hölzernen Stampfer, der 20— 24 Zoll lang, 12 Zoll breit, 3 bis 4 Zoll dick und mit einem in ſeiner Mitte angebrachten Stiele von 3 bis 4 Fuß Länge verſehen iſt, müſſen die Soden Strich bei Strich feſtgeſtampft werden. Wenn ſo viel Felder ge⸗ deckt ſind, daß man ohne Verhinderung der übrigen Arbeit das Waſſer darauf laſſen kann, ſo theilt man ihnen ſo viel zu, daß der Boden nur 293 eben angefeuchtet wird, und ſetzt ſolches einige Wochen lang fort, wo⸗ durch das Anwachſen des Raſens am beſten befördert wird. Wollte man gleich mit der geſammten ſonſtigen Waſſermaſſe die Bewäſſerung begin⸗ nen, ſo läuft man Gefahr, daß ſich die noch nicht vernarbten Raſen⸗ ſtücke aufheben, aus ihrer Lage kommen, doppelte Arbeit erfordern, und doch wohl hier und dort ſchädliche Lücken und Höhlungen bekommen. Der Herr Okonomie⸗Commiſſär Duve hat mir wegen Benarbung des rohen Bodens ſeine neuere Erfahrung in Folgendem gütigſt mitge⸗ theilt:»In den neu gebildeten Beeten ſandigen Bodens hält ſich keine Ausſaat von Gräſern. Kann man aber die Beete mit Straßen⸗ oder anderem kurzen Dünger und guter Erde belegen, ſo erzeugt zerhackter Raſen, mit welchem noch Grasſamen eingeſäet und Alles feſtgewalzt wird, eine ſchöne Grasnarbe, die oft vollkommener iſt, als wenn eine Belegung mit Soden Statt gefunden hätte, und deßhalb dieſer oft vor⸗ gezogen wird. Nur iſt dabei zu bemerken, daß im erſten Sommer auf ſolchen Wieſen keine Bewäſſerung Statt finden darf, weil ſonſt ſowohl die Graswurzeln als der Samen größtentheils weggeſpült würden, und daß man zeitig im Frühjahre die Graswurzeln und Samen ausſtreuen müſſe, weil ſonſt in demſelben Jahre keine vollkommene Bewurzelung vor ſich gehen und man dann auch im folgenden Jahre noch nicht auf viel Ertrag rechnen könnte.« Die Anſchaffung des nöthigen Raſens verurſacht bei ganz neu anzu⸗ legenden Wieſen oft ſehr große Schwierigkeiten und vertheuert deren Anlage ganz ungemein, und dennoch muß der wilde Boden eine Decke haben, welche für Pflanzenwachsthum geeignet iſt. Man hilft ſich, wenn die Raſenſoden zu koſtbar werden, mit Soden von der Heide, wählt dabei aber möglicherweiſe ſolche, auf denen junges, feines Heidekraut wächſt. Werden ſelbige recht ſorgfältig aufgeſtampft, immer feucht ge⸗ halten und mit etwas Heuſamen beſtreut, ſo geben ſie im zweiten Jahre ſchon einen ganz hübſchen Grasertrag, und im dritten Jahre kommt ſel⸗ biger den mit Raſen gedeckten Wieſen gemeiniglich gleich. Es iſt hierbei jedoch Folgendes zu beachten. Die Beſamung der Heideplaggen mit Grasſamen geſchieht nicht ſogleich bei ihrer Bedeckung, ſondern man wartet damit am beſten ſo lange, bis durch Bewäſſerung die Heide ab⸗ geſtorben iſt. Dann wird der Grasſamen aufgeſtreut und mit ſchweren eiſernen Rechen mit der zerriſſenen Narbe vermengt. Kann zugleich et⸗ was gute Erde aufgebracht werden, ſo iſt es deſto beſſer. Dann wird die Bewäſſerung der Felder ſo lange eingeſtellt, bis ſich das Grasge⸗ geſäme ſo feſt bewurzelt hat, daß es vom Waſſer nicht weggeführt wer⸗ den kann, welches in 2—3 Monaten zu geſchehen pflegt. 132A⸗ —— 294 Von Raſenſoden hat man, wenn ſie zeitig im Frühjahre gedeckt ſind, ſchon in demſelben Sommer eine anſehnliche Ernte zu erwarten. Es iſt mir ein Beiſpiel bekannt, daß die auf dem v. Estor ſ'ſchen Gute Neetze durch deſſen Pacht⸗Inhaber, Hrn. Bimpage, an dem Neetzefluſſe angelegten, in den Monaten Februar und März gedeckten Raſenwieſen in demſelben Sommer zwei und die mit Heideſoden gedeckten eine Ernte gaben. Aber zu ſo glücklichen Erfolgen gehören Soden von guter Erde und vorzüglich gutes Waſſer. Da Hr. Bimpage das Waſſer des Neetze⸗ fluſſes wegen einer in der Nähe gelegenen Mühle nicht willkührlich benuz⸗ zen konnte, ſolches jedoch auch weit weniger wirkſam gefunden hatte, als das aus einer Quelle, die an einer benachbarten Anhöhe an's Licht tritt, ſo leitete er dieß kleine Gewäſſer an der Anhöhe weg und zu ſeinem Wäſſerungsgebrauche durch den Fluß in dicht verſchloſſenen Fludern. Es iſt noch bemerklich zu machen, daß die Gräben von 2 und mehr Fuß Breite an den Seiten mit Pfählen verſehen, dieſe mit Buſchwerk ausgeflochten und dahinter Soden aufgeſetzt werden müſſen, weil ſie ſonſt vom Waſſer ungebührlich weit eingeriſſen werden„ und das um ſo mehr, je ſandiger der Boden iſt. Da„ wo das Waſſer beſonders ſtark fließt oder hoch aufgeſtaut wird, iſt es gemeiniglich nöthig, die Gräben mit Faſchinen dergeſtalt auszufüttern, daß die Köpfe derſelben die Grabenkanten bilden. In feſtern Bodenarten, in denen angemeſſene Böſchungen der Gräben haltbar ſind, mögen die Vorrichtungen über⸗ flüſſig ſeyn, welche die Wieſenanlagen in den Sandgegenden nicht we⸗ nig vertheuern. 8 Auf die Erhaltung der Gräben iſt bei dieſer Art der Bewäſſerungs⸗ wieſen vorzüglich zu achten. Nach dem zweiten Grasſchnitte müſſen ſie von dem darin gewachſenen Graſe, auch hinein getriebenen Sande, ſorgfältig gereinigt und die ſchadhaft gewordenen Stellen ausgebeſſert werden, da⸗ mit ſie zur Herbſtbewäſſerung in gehörigem Stande ſind. Da man dieſe für beſonders wirkſam hält, ſo beeilt man die Aufräumung der Gräben nach Möglichkeit, um keine Zeit zu verlieren. Ganz beſondere Sorgfalt erfordern die kleinen Bewäſſerungs⸗ und Entwäſſerungsgräben auf und zwiſchen den Feldern. Mit einer ſchmalen, langen Schaufel, die 3 ½— 4 Zoll breit, etwas auf den Seiten aufgebogen iſt, wozu von dem Bauersmann alte, halb abgebrochene Senſen genommen werden, pflegt man die kleinen Graͤben erſt auszuräumen; dann werden mit einem ſe oge⸗ nannten Grabenſchneider die Kanten ſcharf abgeſchnitten und die Grä⸗ ben von allen hineingefallenen Gegenſtänden geſäubert. Bei allen dieſen Arbeiten muß man darauf halten, daß die Gräbchen nicht zur Ungebühr erweitert werden. 4— ickt tte — . 295 2§. 124. Wirkung der Berteſelung auf Sandboden.— Wie man zu Panzow in Mecklenburgeine völlig mit Flugſand be⸗ deckte Fläche in eine Kunſtwieſe umſchaffte. 8 Thaer bemerkt ſehr treffend, daß es denen, die noch keine Erfah⸗ rungen über beerdete, zum mehrſten Theile aus Sand gebildete Schwemm⸗ wieſen machten, häufig nicht einleuchten wolle, wie ein ſolcher Boden jemals zu einem reichlichen Grasertrag gebracht werden könne. Dennoch zeugt die Erfahrung dafür und lehrt, daß— unter der Bedingung einer beſtändig zureichenden Wäſſerung— gerade der ſandigſte und kieſigſte Bo⸗ den für dieſe Art Wieſen der geeignetſte iſt, indem er ebenſowohl ein großes Quantum Waſſer conſumiren, als mit Leichtigkeit wieder trok⸗ ken gelegt werden kann, und ſämmtliche Erforderniſſe eines raſchen und üppigen Gräſerwachsthums— wobei die Erde nur eine untergeordnete Rolle ſpielt—, nämlich Feuchtigkeit, Wärme und Moder, auf die ange⸗ meſſenſte Weiſe in ſich vereint. Es iſt höchſt erfreulich, daß man auch in Mecklenburg bereits auf die heilſame Wirkung der Berieſe elung auf Sandboden aufmerkſam wird. Namentlich hat Herr Peterſen zu Panzow einen glücklichen Verſuch begonnen, eine von 12 Scheffel Ausſaat Größe und völlig mit Flugſand bedeckte Fläche in eine Kunſtwieſe umzuſchaffen*). Eine an die oben beſchriebene und veredelte Wieſe(ſiehe§. 108) gränzende Sandſcholle, die 12 Fuß höher liegt als die alte Wieſe, war weder zur Weide noch zum Acker zu gebrauchen, drohte vielmehr dem cultivirten Acker und den Wieſen mit der Gefahr der Überſandung. Um dieſe Stelle zu benarben und zur Cultur zu bringen, unterſuchte Herr P. genau das Locale und erſah die Möglichkeit, das Waſſer, das von einer ein wenig höher liegenden Sandfläche vorbeilief, dazu zu be⸗ nutzen. Er ließ die zur Wieſe beſtimmte Sandſcholle, welche aus lauter vom Winde zuſammengetriebenen Hügeln beſtand, ebnen, indem er die vielen Sandhügel in die Vertiefungen werfen und karren ließ. Hierauf ließ er kurzen Schaufelduͤnger fahren. Nun leitete er auf die, nicht von aller Narbe entblößten Stellen das vorbeilaufende Waſſer und berie⸗ ſelte ſie mit gutem Erfolge. Die abgefahrenen und befahrenen Stellen be⸗ ſtellte er mit Wicken und Timotheeſamen zu Grünfutter, welches größten⸗ theils gut gerieth. Das Ganze beabſichtigte er in dieſem Jahre zu rieſeln. Deer Ackergraben, der ſeine Sandſcholle bewäſſert, kommt aus ei⸗ ner ſandigen Gegend; es iſt daher größtentheils Quellwaſſer und läuft *) Siehe Meckl. Annalen 1835, erſtes Doppelheft. 296 3 bei naſſen Frühlingen bis Johannis. Hr. P. hat dieſem Waſſer ſeinen na⸗ türlichen Lauf genommen und leitet es zuerſt durch einen unweit der Wieſe liegenden, 18 Scheffel*) Ausſaat großen Karpfenteich, um dieſe Fiſche mit friſchem Waſſer zu verſorgen; dann laßt er es auf der entgegengeſetz⸗ ten Seite wieder ab und leitet es in einem etwas tiefern, neben dem ein⸗ bringenden nur durch einen geringen, 3 Fuß hohen Erdwall getrennten Graben nach der Sandſcholle zurück, um ſie damit zu bewäſſern. Iſt zwar— ſagt Herr Peterſen— dieß Waſſer nur theils in ge⸗ ringer Menge vorhanden, theils ohne vorzügliche düngende Kraft, ſo verlange ich von demſelben nichts mehr, als daß es mir die dürre Fläche benetze und den darauf gefahrenen Dünger befeuchte, auch den Maulwurf davon vertreibe. Kurzer Dünger und Schaufelerde machen ſich ſo am mei⸗ ſten bezahlt und nutzen außerordentlich, wenn ſie nur angefeuchtet werden. 7. Einhegung.— Schutz. §. 125.. Erhöhung des Wieſenertrags durch Anpflanzung geeig⸗ neter Schutzwehren. Dieſer Gegenſtand, der, ſo viel wir wiſſen, in den fruhern Werken über Wieſenbau mit Stillſchweigen übergangen worden, verdient in die⸗ ſem Abſchnitte um ſo mehr einer ſchließlichen Erwähnung, da er, in rich⸗ tige Anwendung gebracht, effectivement den Ertrag der Wieſen bedeu⸗ tend erhöht. Verſtändig angebrachte Holzanlagen erhöhen die Tempe⸗ ratur des Bodens und der Atmoſphäre auf eine, die Vegetation unge⸗ mein fördernde Weiſe; gleichzeitig wirken ſie auf deren Belebung durch die Feſſelung fruchtbarer Gaſe, die ſonſt ungenutzt fuͤr Boden und Pflan⸗ zen verloren gehen würden, ein. Inſonderheit gegen die Nord⸗ und Oſt⸗ ſeite iſt der Wieſenſchutz unumgängliches Bedürfniß. Ein verdienter meck⸗ lenburgiſcher Agronom— der Herr Domänenrath Sibe th zu Güſtrow, welcher ſich überhaupt um die wiſſenſchaftliche Begründung der vater⸗ ländiſchen Praxis ſo große Verdienſte erwirbt— bemerkte neulich ganz richtig, daß, da unſere meiſten Wieſen, wenn es nicht gerade Holzwie⸗ ſen wären, oder wenn nicht zufällige Umſtände dieß bewirkten, eines geregelten Schutzes gegen die verheerenden Nord⸗ und Oſtwinde im Fruͤh⸗ jahre entbehrten, bei unſerem rauhen Klima oft die Hälfte des Wieſen⸗ ertrags verloren gehe. Wenn nach dieſer Rückſicht Holzanpflanzungen ein untrügliches Mit⸗ tel ſind, dem Wieſenbauer die Fruͤchte ſeines Fleißes zu ſichern, ſo wer⸗ *) a 60 9. Ruthen. 6R 297 den ſie auch durch ihren Ertrag unmittelbar die Productionskoſten des Wieſenfutters bedeutend mindern können, inſofern in der Wahl des Holzes und der Mantpllatisn Teine Wgäriſ Statt gefunden haben. §. 126.— Zweckmaͤßige Wahl der Holzart. Es kommt darauf an, nur ſolches Holz zu wählen, deſſen Wachs⸗ thum auf dem feuchten Wieſenboden dem beabſichtigten Zwecke kräfti⸗ gen Schutzes ebenſowohl entſpricht, als ſeine Ausbreitung der Vege⸗ tation auf andere Weiſe nicht ſchädlich wird. Mit dieſen Vorzügen ſoll die Pflanzung den Vortheil eines regelmäßigen Ertrags vereinigen— ein Vortheil, der um ſo wichtiger ſich herausſtellt, je mehr er zur Vergrößerung der baaren Geldeinnahme beiträgt. Der Holzarten, welche ganz beſonders auf Wieſengrund ſich eig⸗ nen, haben wir mehre; vor allen ſind die Weiden und Erlen zu er⸗ wähnen. Als Baum gebührt der Erle der Vorzug, als Buſch der Weide. Bäume ſind aber überall für Wieſen keine geeignete Wehr. Einestheils ruiniren ſie mit ihren Wurzeln Ufer, Gräben, Wände und Wälle, benachtheiligen durch ihre ſchattenden und tröpfelnden Kronen den Graswuchs ꝛc.; anderntheils bilden ſie nur eine hohle Schranke gegen tobende Stürme, und keine Wehr und Schutz für das Vieh. Demnach wäre die Weide für unſern Zweck geeigneter. Sie iſt es aber auch in Hinſicht ihres eigenthümlichen höhern Werthes, wenn nicht anders großer Holzmangel den Preis des Feuerungsmaterials über den des Arbeitsmaterials der Korbmacher und Faßbinder ſtellt, nicht zu gedenken einmal der anderweitigen hohen Brauchbarkeit der Weide für hydrauliſche Bauten ꝛc. Wenn wir indeß die Cultur der Buſchweiden Behufs des Wieſen⸗ ſchutzes empfehlen, ſo nehmen wir zugleich an, daß dieſelbe auf einem geeigneten Grabenaufwurfe Statt findet, theils weil nur ſo der Nach⸗ theil umgangen werden kann, daß im Schneidejahre die ſonſt bewehr⸗ ten Wetterſeiten allen klimatiſchen Einflüſſen wieder gänzlich offen ſte⸗ hen, theils aber, weil bei einer anderartigen Pflanzungsmethode das Wachsthum des Holzes überhaupt, namentlich aber der Trieb der ab⸗ geernteten Weiden, ſo viel mehr gefährdet ſeyn würde. Das Haupt⸗ nutzungsjahr des Wieſenknicks wird zwar die Temperaturverhältniſſe etwas anders ſtellen, aber die Vegetation keineswegs im auffallenden Grade benachtheiligen, wie denn ja unſere holſteiniſche Heckenwirth⸗ ſchaft die augenſcheinlichſten Belege dazu liefert. Alle Nachtheile, wel⸗ che man dieſen lebendigen Einfriedigungen zur Laſt legen möchte, wer⸗ 298 den reichlich durch die daraus hervorgehenden Vortheile überwogen. Wo fände ſich eine Einrichtung, welche nicht auch ihre Schattenſeiten hätte, als z. B. die hier beſprochene den Übelſtand des erſchwerten Trocknens des Graſes u. dgl. m. mit ſich führt? Es wird uns ſelten ſo gut, ein großes Übel mit der Wurzel heben zu können, ohne ein klei⸗ neres, vorher noch nicht gekanntes, wieder auf's Neue kennen zu ler⸗ nen. Übrigens iſt die Lehre vom Wieſenſchutz eine ganz neue. Unſer Kind liegt noch in den Wickeln. Es ſollte uns freuen, wenn unſere wohlgemeinten Vorſchläge Veranlaſſung zur weitern Bearbeitung die⸗ ſes noch völlig unbebauten Feldes bei den praktiſchen Wieſenwirthen, namentlich in Mecklenburg, gaͤbe. §. 127.. Cultur der Buſchweiden. Wir möchten nur dem Leſer zur vollſtändigſten Erreichung des hier entwickelten Zweckes die bekannte Korbweide, Salix viminalis, welche in den hannöverſchen Marſchen ſo bedeutende Gelderträge bringt, auf's Dringendſte anempfehlen. Dieſelbe eignet ſich auf jeder Art Boden, wenn ſolcher nur nicht von zu thoniger Beſchaffenheit iſt; auch liebt ſie keine ſtehende Näſſe, weßhalb ihr unmittelbarer Stand in dem Wieſengrunde ſie im Wachsthume ſehr zurückzuhalten pflegt; zumal geſchnitten wirkt das Waſſer auf die Wurzelſtöcke ſehr ſchädlich, na⸗ mentlich im Winter. Die Breite der Walloberfläche entſcheidet über Ein⸗ oder Mehrheit der Pflanzenreihen; für jede derſelben rechnet man 1½— 2 Fuß. Obgleich es uns im Ganzen gerathener ſcheint, den Hegen lieber 3— 4 Fuß in der obern Breite zu geben, ſo hat man doch bereits beobachtet, daß eine einzelne Pflanzenreihe einen höchſt kräftigen Schutz gewähre. Pachter Buchholz zu Suckow im Mecklenburgiſchen, welcher die Elbweide auf den Grabenborten ein⸗ fach einpflanzte, berechnet jenen auf die Weite von 16 Ruthen. Man nimmt zu den Stecklingen zweijährige, daumensdicke Loden. In den lüneburgiſchen Marſchen, im Alten Lande, wo man das Ding verſteht und con amore betreibt*), ſchneidet man ſie 24 Zoll lang, an beiden Enden ſchräg, und ſteckt das dickere Ende, ſo daß die Augen nach aufwärts ſtehen, 12 Zoll tief in die Erde hinein. Gemeiniglich pflanzt man im Herbſte. Das wäre auch hier des beſſern Anwuchſes wegen gerathen. Wo *) Siehe Steltzner's landwirthſchaftliche Beſchreibung der Marſchge⸗ genden im Königreiche Hannover. Mögl. Annalen, Bd. 26., S. 355 u. f. 299 man ſeine Hegen fortwahrend durch Gewinnung von Korbmacher⸗ ruthen am vortheilhafteſten nutzt, da nimmt man die Pflanzung auf 1 ½ Fuß Weite vor. Die Erzeugung von Bandholz erheiſcht 2 Fuß Breite. Reinhaltung der neuen Anlagen iſt durchaus nothwendig. Korbmacherruthen ſind ſchon im dritten Jahre auszuſchneiden; der Bandholzproducent wartet mit dem erſten Schnitt bis zum vierten Jahre.— Steltzner ſagt: Das alljährliche Abſchneiden der Ruthen geſchieht nur von ſolchen Wirthen, welche den angenbliclichen Gewinn — unbekümmert der Folgen— lieben. Die Ernte fällt im October und November. Dieſer Zeitpuuct iſt wohl der geeignetſte, weil die abgeſchnittenen Stöcke nun keinem ver⸗ derblichen Sonnenbrande ausgeſetzt werden, die geſchnittenen Ruthen ſich beſſer halten, die Arbeit wohlfeiler zu beſchaffen, die Concurrenz der Käufer größer iſt. Hinſichtlich der Handgriffe beim Schneiden beobachte man die ge⸗ wöhnlichen beim Knicken anzuwendenden Vorſi⸗ chtsmaßregeln. Glätte und Egalität des Schnittes bedingen die Stärke des folgenden Triebes. Man wird rechnen können— d. h. nach den im Hannöverſchen ſtattfindenden Erträgen—, daß die Ruthe einer mit doppelter Reihe bepflanzten Hege alljährlich einen Reinertnag be von 7 Pfennigen durch⸗ ſchnittlich ergeben dürfte. SSeNVYʒ Siebenter Abschnitt. Benutzung der Wieſen. „Es iſt und bleibt doch die Erfahrung „Für unſern Geiſt die beſte Nahrung; „Doch das Confect der Theorie— „Satt macht es wohl, doch ſättigt's nie.“ 1. Hut. § 128. Beſchränkte Anwendung. Im Ganzen findet dieſe Nutzungsweiſe auf Wieſen nur eine ſehr bedingte Anwendung. Wo ſie vorherrſcht, da werden wir in der Regel eine mangelhafte Cultur und beſchränkende Rechtsverhältniſſe gewahren; es gibt aber auch Fälle, wo ein großes Mißverhältniß —yy 300 zwiſchen Acker und Wieſen und eigenthümliche Wirthſchaftseinrichtun⸗ gen den Gebrauch der letztern zur Hutung rechtfertigen kann. Reine Hutwirthſchaft finden wir am häufigſten bei dem Ackerbau der Städte, weil hier die Communion eine andere Nutzung verbietet. Es iſt hier nicht der Ort, den Unfug zu ſchildern, welcher dabei Statt findet. Mag ſeyn, daß derſelbe Veranlaſſung gegeben hat, das Kind mit dem Bade zu verſchütten, nämlich die Beweidung der Wieſen allge⸗ mein für nachtheilig und verderblich zu erklären. Das wollen wir nun nicht; aber wir geſtehen, daß wir nicht zu den eifrigen Apologiſten der Behutung gehören; wir ſind mindeſtens ſo ungeſchickt, daß wir nicht wiſſen, wie wir es anzufangen haben, dieſen Gegenſtand in ein allge⸗ meines, vortheilhaftes Licht zu ſtellen. Über Maß und Zeit der Beweidung wollen wir nicht die gewöhn⸗ lichen Gemeinplätze vorbringen. Indem wir jedoch unſere cultivirten Wieſenflächen in's Auge faſſen, treten hauptſächlich zwei Zeitperioden hervor, welche die Hutung der Mahdwieſen begünſtigen: das Früh⸗ jahr und der Herbſt. §. 129. Frühjahrshut. In England iſt die Frühjahrsbeweidung der Wieſen mit Schafen bekanntlich eine als trefflich erprobte Nutzungsweiſe. Sie verſchafft dem dortigen Landwirthe durch ihren wohlthätigen Einfluß auf die frühe und vermehrte Einträglichkeit ſeiner Schäferei eine Einnahme, die um ſo angenehmer iſt, als ſie nicht auf Koſten der nächſten Heu⸗ ernte und der Bodenfruchtbarkeit gewonnen wird, beide vielmehr ver⸗ größert. Es wird allgemein behauptet, daß die Abweidung mit dieſen Thieren eine gleichmäßigere Narbe gebe; das egale Abnagen fördere den Wurzelaustrieb und halte die voreilig haſtig aufſchießenden Pflan⸗ zen zurück; frühe, das Heu ſpäter verſchlechternde Kräuter kämen nun nicht zur Perfection und würden in ihrer Vermehrung zurückgehalten; manche Inſecten würden vertrieben; der leichte Fuß, ſelbſt das Kraz⸗ zen der Schafe ſey der Narbe mehr vortheilhaft als ſchädlich ꝛc.; der Hürdendunger erhöhe die Kraft der Wieſe, welche an ſich durch die nur einmalige Mahd ſo viel mehr conſervirt werde ꝛc. Das alles ſind Erfahrungsſätze, die wir nicht wegſtreiten können; aber ſie ſind auf eigenthümliche, wirthſchaftliche, örtliche und klima⸗ tiſche Verhältniſſe baſirt. Ein feſter, reicher Boden, eine einfache Ernte mit der Senſe und ein regelmäßiger Wechſel zwiſchen Hut und Mahd, begünſtigende Milde der Lufttemperatur, begründen in dem, unſerer erer 301 Agrieultur ſo vielfältig als Vorbild dienenden Inſellande Reſultate, die dem deutſchen Wieſenwirthe um ſo ferner liegen, als er jener Bedingniſſe ermangelt. Unter zehn Fällen dürften hier mindeſtens neun vorkommen, wo die Frühjahrshut einen beträchtlichen Verluſt an Zeit, Geld und Futter veranlaſſen würde; und nicht allein der Ver⸗ derb der Wieſen, auch der ſchädliche Einfluß dieſer Weide auf das Vieh ſelbſt erheiſcht bei dem Schafzüchter die ſorgfältigſte Erwägung, wel⸗ cher ſich nicht mit dem engliſchen Schafzüchter vergleichen kann, d. h. ſowohl rückſichtlich der Tendenz der Zucht, als deren Marimen, die ſo ſehr von den unſrigen abweichen. Es iſt oben ſchon durch ein Beiſpiel angedeutet, daß der vater⸗ ländiſche Wieſenwirth dieſen Contraſt in der Prarxis zu würdigen ver⸗ ſteht*). Unſer früheſte Rieſelmeiſter, Vater Pogge, war auch ein entſchiedener Feind der Fruͤhjahrsbetreibung. Auf zweiſchürigen Wie⸗ ſen iſt es auch wirklich eine Kunſt, den gerechten Zeitpunct dafür zu ermitteln. Im Lüneburgiſchen, im Heſſiſchen denkt man ebenſo. Im Siegenſchen darf kein Stück Vieh die der Wäſſerung unterworfenen Flächen im Fruͤhjahre betreten. Mehrangeführter Herr v. Bön⸗ ninghauſen ſagt über dieſen Punct: Wenn ſchon die Bewäſſerung der Wieſen während des erſten Wachsthums der Gräſer nicht ununterbrochen fortgeſetzt werden darf, und man ſpäter nur Nachtheil davon ſieht, wenn bei der Flößung das Waſſer bis über die Spitzen des Graſes reicht, ſo läßt ſich ſchon ver⸗ muthen, wie nachtheilig jede Stoͤrung in dieſer Periode ſeyn müſſe. Dieſe Vermuthung bewährt ſich namentlich im Siegerlande vollkom⸗ men, und man hält ganz allgemein jeden Landwirth daſelbſt für ſehr unklug, welcher im Frühjahre Vieh in die Wieſen treibt. Der Nach⸗ theil iſt ſehr bedeutend und man ſchätzt ihn in der Regel auf ein Fuͤnftel des Ertrags an Heu, ſo darnach weniger gewonnen wird. Die Urſache liegt weit weniger an dem Zertreten der Gras⸗ narbe und der Wäſſerungsgräben, welche zur Noth wieder herzuſtellen ſind, als an der Störung, welche die jungen Pflanzen in ihrer erſten Entwickelungsperiode durch den Biß und Fußtritt des Weideviehes er⸗ leiden, und welche ſehr nachtheilige Rückwirkung auf die Wurzeln hat, die erſt um dieſe Zeit ihre feinen Saugfaſern bilden, die der Pflanze die Nahrung zuführen müſſen. Wer deßhalb eine Weidenutzung von ſeinen Wieſen haben will und muß, der nehme ſie bloß im Herbſte, 5 Siehe übrigens, was§. 59 zu Gunſten der Frühjahrshutung der beer⸗ deten Wieſen geſagt iſt.* ſͤZöZö—ö—ö—ͤbſſdſdddbdſdſd 302 nicht im Frühjahre, und auch dann nicht ſo lange, daß die Herbſt⸗ wäſſerung dadurch über die Gebühr verzögert wird. In den meiſten Gegenden des Siegerlandes iſt aus dem Grunde die Frühjahrshut gänzlich abgeſtellt, und Aiſthmnigr a Tadel trifft denjenigen der ſie denoch aßt.—* 4 8. —§. 130. Herbſtliche Beweidung. „Die Haſh beginnt entweder nach dem erſten oder Bdeiten Schnitte. Im erſtern Falle nimmt man ebenſ owohl eine Kraftzunahme der Wieſe ſelbſt, als eine Erhöhung des reinen Geldertrags an. Wie §. 59 ſchon bemerkt, iſt die Hut auf beerdeten Wieſen am ſtatthafte⸗ ſten und einträglichſten. Wirthſchaftsverhältniſſe müſſen auch hier ent⸗ ſcheiden. Wenn der durch den Weidedünger der Wieſe zufließende Fruchtbarkeitsſtoff derſelben auf anderem Wege zugewandt wird; wenn das Futterbedürfniß hinſi ichtlich der winterlichen Ernährung o viel dringender und ſtärker iſt: dann kann in ſehr vielen Fällen eine zwei⸗ malige Mahd auf gutem Boden, der einer ſorgſamen Pflege unter⸗ zogen wird, gleichen, ja höhern Vortheil bringen. Das ſtimmt freilich nicht mit den Erfahrungen der Engländer überein, aber in unſern vaterländiſchen Wirthſchaften finden wir zahlloſe Belege dafür. Nur auf ſchlechtem Weideboden, in ſehr ungünſtigen Grasjahren, bei Mangel an Ausweide, bei großem Reichthume an Heu, oder wenn der Nachwuchs die Erntearbeit nicht genügend bezahlt, in reichen Nie⸗ derungen, wo die Viehzucht den Haupttheil der Wirthſchaft ausmacht, oder unter aͤhnlichen Umſtänden, wird häufig der einmalige Schnitt und die demnächſtige Hut der doppelten Schur vorgezogen. Wir ſinden hauptſäͤchlich noch in unſern Marſchgegenden ein gün⸗ ſtiges Vorurtheil für die Abweidung des Nachwuchſes und daß man auf den Binnendeichs⸗Wieſen das zweimalige Mähen auf die Dauer für nachtheilig hält. Steltzner äußert hierüber eine Anſicht, die darthut, daß weniger Erfahrung, als Gewohnheit die Richtſchnur des daſigen Verfahrens gab. So wenig— ſagt er*)— es zu beſtreiten iſt, daß auf nicht ge⸗ eignetem Boden das immerwährende Mähen dem Graswuchſe ſchäd⸗ licher werden muß, als wenn das Gras abwechſelnd abgeweidet wird, ſo geht man in dieſer Vorſicht oftmals zu weit. So viele Marſch⸗ bewohner ich auch befragt habe, ob ſie die Abneigung gegen das zwei⸗ *) Möglinſche Annalen der Landwirthſchaft, 26. Bd. — ten 303 malige Mähen des Graſes auf gutem, hochgelegenem Marſchboden aus eigener widriger Erfahrung bekommen hätten, ſo hat doch kein einziger bejahend darauf geantwortet. Es ſcheint daher, als wenn man die nachtheiligen Wirkungen des immerwährenden Mähens der Wieſen nur aus den Sagen der Vorfahren kennte und beurtheilte, deren dießfäl⸗ lige Überlieferungen wohl zum Theil und in beſonderer Rückſicht auf den Umſtand wahrheitsgemäß geweſen ſeyn mögen, daß man in der frü⸗ hern Zeit, wie überall in den Marſchen, nur wenig Ackerbau betrieben hat, auch das leichte Marſchland zur Grasgewinnung benutzte, auf welchem das anhaltende Mähen des Graſes anerkanntermaßen hüchſt nachtheilig wird, wenn nicht deſſen Lage ſehr feucht iſt. Doch mag auch nicht in Abrede zu ſtellen ſeyn, daß auf ſolchen Wie⸗ ſen, deren zweiter Wuchs abgeweidet und dadurch etwas gedüngt wird, die Ergiebigkeit der Heu⸗Ernte größer als auf denen ausfällt, welche zweimal gemäht werden; aber ob von dieſen nicht der Ertrag des er⸗ ſten und zweiten Schnittes, zuſammengerechnet, mehr Ausbeute lie⸗ fert— zumal wenn man ſo viel Dünger, als jenen das Weidevieh zu⸗ bringt, gäbe—, iſt eine problematiſche Frage, welche jedoch eher zu be⸗ jahen als zu verneinen ſeyn möchte. Die Beweidung nach der Nachmahdernte ſchickt ſich im Ganzen in unſerem Klima nur auf ungewäſſerten, namentlich auf beerdeten Wie⸗ ſen(vergl.§. 59, S. 129). Selbſt wenn das Futter zeitig eingeborgen wird, mag es dem Intereſſe des Wieſenbauers im Ganzen entſprechen⸗ der ſeyn, den Nachwuchs ungenutzt für's Vieh zu laſſen und mit der Herbſtrieſelung möglichſt zu eilen, als dieſe durch die Beſchlagung der Wieſen zu verzögern und ihre Wirkung zu ſchmälern. Pogge verwarf ganz entſchieden die Hutung auf zweiſchürigen Rieſelungsanlagen. Ge⸗ wöhnlich— ſagte er— wird erſt 14 Tage vor Michaelis die Nachmahd gemäht. Wenn nun die Wieſe ſo eben iſt, daß die Maͤher Alles kahl abſcheren, ſo iſt doch gewiß ein Zeitraum von vier Wochen erforderlich, um das Gras ſo weit ausſchlagen zu laſſen, daß es wieder vom Viehe gefaßt werden kann; allein gewöhnlich haben wir um dieſe Jahreszeit ſchon feuchtes Wetter, und die Wieſen werden alsdann durch das Durch⸗ kneten und Unebenmachen des Viehes ſo verdorben, daß zehnmal mehr Schaden als Vortheil hieraus entſteht. Um ſo mehr aber wird man beim Behüten verlieren, wenn man, um die Weide zu gewinnen, das zur Berieſelung hinlängliche Waſſer laufen laſſen müßte. Es iſt indeſ⸗ ſen wahr, die Wieſen, welche jeden Herbſt behütet werden, bieten auch allenfalls dem Viehe gleich nach dem Mähen Nahrung dar; denn es kann nicht ausbleiben, daß nicht Ungleichheiten durch die Fußſtapfen ent⸗ 304 ſtehen. Hier wird nun das Gras nur zur Haͤlfte von der Senſe gefaßt und kann hinterher gleich vom Viehe nachgeſucht werden. Selbſt wenn kein hinlängliches Waſſer zum Berieſeln vorhanden, die Nachmahd auch früh abgebracht wäre, würde ich doch zum Behüten Bedenken tragen, weil Steige bei Ein⸗ und Ausgängen, Spuren in der Wieſe und Zer⸗ ſtörung der Wälle und Rinnen immer Statt finden. Nach mecklenbur⸗ giſchen Principien gibt die Herbſtweide für die Kuh auf 30 Tage bei der erſten Claſſe Wieſen, von welchen 100 Q. Ruthen ein 2000 pfün⸗ diges Fuder Heu liefern..... 32, Pfd. Nahrungsſtoff; bei der zweiten Claſſe à 150 Q. Ruthen 14,,„„ bei der dritten Claſſe à 200 Q. Ruthen 12,0,5„ Auf den in Felder gelegten Wieſen im Lünebur giſchen ſtellt; man den Weidegang mit Hornvieh gänzlich und zu jeder Jahreszeit ein, weil da⸗ durch nicht nur alle Gräben ruinirt, ſondern auch in die Wieſen ſelbſt ſolche Löcher getreten werden würden, daß das Waſſer nicht ungehindert ab⸗ laufen könnte, wodurch dann faulige Stellen und darauf ſchlechte Grä⸗ ſer entſtehen.— Bei offenem Froſtwetter betreibt man ſie dagegen mit Schafen, welche das ſich auf Sandwieſen ſo leicht einfindende Moos loskratzen und ſo die Vertilgung desſelben bewirken*). §. 131. Regelmäßiger Wechſel zwiſch en Mahd und Hut. Beſtän⸗ dige Weidung. Erſterer iſt in Deutſchland viel minder gebräuchlich, als in England, wo man ſo großen Reſpect vor der häufigen Wiederkehr der Senſe hat. Daß die Wieſe als Lieferantin für die Futterſcheuer nachhaltig dadurch gewinne, iſt nicht anzunehmen, es ſey denn, daß ſie ſo kraftreich ſey, um das in Folge des Weideganges veranlaßte Verſchwinden der hohen Graͤſer durch einen verhältnißmäßig ſo viel ſtärkern Aufwuchs der an ſich niedrigern Pflanzengattungen zu erſetzen.— Der Holſteiner und Hannoveraner weiden und mähen in einigen Diſtricten abwechſelnd aus dem Grunde, weil ihnen geeignete beſtändige Wieſen mangeln; auch neh⸗ men ſie dazu keineswegs ihre vorzüglichern Weideflächen, ſondern ſolche mit anmoorigem oder knickartigem Boden. In den hannöverſchen Marſch⸗ gegenden mäht man gemeiniglich nur den erſten Wuchs; der zweite wird allemal geweidet, wenn nicht großer Weideüberfluß das Gegentheil be⸗ ſtimmt. Steltzner erzählt, daß man den zweiten Graswuchs in den Marſchen zum Trocknen nicht ſo hoch achte, als ſolches in vielen andern *4) Siehe Steltzner am angef. Orte. 8 and, hat. ſey, ohen r an und aus neh⸗ olche rſch⸗ vird be⸗ den dern 305 Gegenden der Fall iſt, wohl aus der Urſache, weil das Trocknen des⸗ ſelben zur Herbſtzeit oft und deſto beſchwerlicher wird, da die Luft in vielen Marſchgegenden ſo feucht, auch ſich im Herbſte die Arbeiten ſo ungemein häufen. 1. Schlechte, ſaure Geeſtwieſen, die nicht berieſelt werden können und kaum die Koſten der Heuwerbung erſetzen, mehre Jahre als Koppel zu nutzen und nachher wieder zu mähen, wäre eine ſchlechte Speculation; ebenſo unwirthſchaftlich wäre es, ſie dem Viehe beſtändig einzuräumen. Wie ſchlecht— ſagt Pogge— ſehen ſolche Wieſen aus, die mehre Jahre geweidet ſind? Das wenige Gras, was man noch von den Bül⸗ ten mit der Senſe faſſen kann, fällt dazwiſchen, und was gibt nun ſol⸗ che Wieſe für eine ſchlechte Weide, worin das Vieh bei naſſer Witterung beſtändig waten muß, und wie wenig gewährt das darauf genährte Vieh! 2. Heuernte, G. 132. Das Schwierige ihrer untadelhaften Vollführung. Unter allen landwirthſchaftlichen Operationen iſt dieſes Geſchäft, in Anſehung ſeiner glücklichen Vollführung, vielleicht das ſchwierigſte, weil— mindeſtens unſerer Anſicht nach— kein anderes eine ſo um⸗ ſichtige Combination der wirthſchaftlichen Anſprüche mit den obwalten⸗ den meteorologiſchen Wahrſcheinlichkeiten erheiſcht. Dieſes ſcheint von ſolchen Schriftſtellern nicht genügend erwogen zu ſeyn, welche oft ſo ſchonungslos, im Schulmeiſtertone, die mangelhaf⸗ ten Methoden des Norddeutſchen kritiſirten und die aus Büchern geholte Wiſſenſchaft vollkommenerer Werbungsart, ohne praktiſche Prüfung und Berechnung, mit vollem Munde docirten. Um hier nur eine An⸗ deutung zu geben, wie die allgemein anerkannten Bedingungen einer guten Ausführung des Heumachens unter gewiſſen Umſtänden null und nichtig werden können, führen wir bloß den Erfahrungsſatz des Aus⸗ laugungsbedürfniſſes gewiſſer Grasarten, namentlich der Seggen und Binſen, des ſo ſchätzbaren Perlgraſes ꝛc., an, welches letztere ſelbſt, ohne vorhergegangene Maceration, zu Lähmungen beim Viehe Veranlaſſung geben ſoll. Ebenſo wiſſen ja die Beſitzer großer, ſaurer Wieſenflächen, welchen Nachtheil es ihnen bringen würde, den Mahdtermin des Rie⸗ ſelwirthes zu halten, u. dgl. m. Die Mißlichkeit der beſten Ausführung der in Rede ſtehenden Ope⸗ ration wächſt mit der ſteigenden Cultur der Wieſen und der Landwirth⸗ ſchaft überhaupt, einestheils weil die größere Maſſe des zu bearbeiten⸗ Lengerke's Wieſenbau.— 20 —— 306 den Futters ſo viel mehr Zeit und Arbeit in Anſpruch nimmt, andern⸗ theils weil der Werth eines gut geworbenen Heues ſich fortſchreitend mit erhöht. Je weniger Menſchenhände nun einem im Aufſchwunge begrif⸗ fenen ackerbauenden Staate zu Gebote ſtehen, deſto länger werden ſich gewiſſe Unvollkommenheiten der Werbungsmethoden erhalten, und das um ſo mehr, je complicirter der Landbau geworden iſt, je mehr ſich ſeine Branchen vervielfältigt haben. Es gibt dieſe Bemerkung dem ausüben⸗ den Landwirthe abermals einen Wink, ſeine Kräfte nicht auf nachthei⸗ lige Weiſe zu zerſtückeln, und ſtets zu bedenken, daß eine blühende Vieh⸗ zucht und ein kräftiger Duͤngerpfuhl— Dinge, die den Grundpfeiler eines einträglichen Unternehmens bilden, während andere Potenzen nur momentane Bedeutung haben— von einer guten Heuwerbung abhän⸗ gig ſind, daß ohne ſie die ſinnreichſten Anordnungen zur verbeſſerten Wieſenpflege als nutzloſe Thätigkeitsäußerung reſultiren müſſen. Die Erfahrung zeigt, daß der Unterſchied zwiſchen gut und ſchlecht geworbenem Heue, hinſichtlich ſeiner Nahrhaftigkeit, ſich wie 10:1 und häufig noch höher verhält. Hiervon iſt abzunehmen, daß die Pein⸗ lichkeit im Nachdenken und in der Aufſicht beim Heumachen ſchwerlich zu weit getrieben werden möchte. §. 133. Wahrzunehmender Zeitpunct. »Der Entſchluß zum Mähen muß mit Überlegung al⸗ ler Umſtände und der Natur der Wieſe gefaßt werden.« Dieſe goldenen Worte Thaer's glauben wir dem Leſer nicht dringend genug an's Herz legen zu können. Die Wiſſenſchaft lehrt, daß der richtige Zeitpunct dann da iſt, wenn der größte Theil des Graſes aufzublühen anfängt. Die Nahrhaftigkeit der Gräſer beruht nicht auf dem Samen, ſondern auf dem getrockneten Pflanzenſchleim und Schleimzucker, welche ſich beim Anſatz der Körner, die alle nahrhaftere Theile an ſich ziehen, verlieren. Unabgeſehen da⸗ von, daß der vom Viehe genoſſene Grasſamen ſich ſchwer animaliſirt, dieſem daher wenig zu Gute kommt, werden Pflanzenſtöcke und Wie⸗ ſenkrume von der Reifung des Graſes auf nachtheilige Weiſe erſchöpft. Das zeitige Gras hat gegen das ſpätere im Gewichte einen bedeutenden Vorzug. Mehrſchürige Wieſen machen durch ihren beſſern Nachwuchs die Beeilung des erſten Schnittes zur allgemeinen Regel; lieber in dieſer Ruckſicht einmal eine Übereilung, als Verſpätung. Der Schweizer, der Brabanter, der Holländer, der Wieſenwirth in den Elbmarſchen und alle Landbauer, die uns als Muſter in der ern⸗ mit rif⸗ ſcch das ſeine üben⸗ hthei⸗ Vieß⸗ feiler nmur bhän⸗ erten hlecht 10:1 hein⸗ rlich — 307 Sorgfalt, Behutſamkeit und Pünctlichkeit bei beſagter Operation vor⸗ leuchten, haben obige Grundſätze adoptirt; daher kommt es denn aber auch, daß bei ihnen ein gar mäßiges vierſpänniges Fuder Heu 24 Ctr. und darüber wiegt; und wie ſo viel zarter und hulfreicher iſt dieß we⸗ nigere Futter gegen das ſpätere mehre, aber ungleich gröbere und härtere Heu! Auch in Gegenden, wo die Manipulation des Heumachens gegen das Verfahren genannter Länder noch im Hintergrunde ſteht, werden die Vorzüge einer frühen Mahd im Allgemeinen immer mehr aner⸗ kannt. Namentlich iſt der Holſteiner und Mecklenburger von dem frü⸗ her gewöhnlichen ſpäten Mähen ganz zurückgekommen. Der nun ver⸗ ſtorbene Aſſeſor von Blücher auf Wasdow, welcher wegen ſeiner Belehrungen über die verbeſſerte Heuwerbungsmethode bei dem meck⸗ lenburgiſchen Wieſenwirth noch in gutem Andenken ſteht, explieirt ſich auf eine für den Praktiker ſehr verſtändliche und überzeugende Weiſe hinſichtlich der Vortheile einer zeitigen Vormahd, wenn er ſagt: In den erſten Jahren meiner Wirthſchaft eilte ich eben nicht mit dem er⸗ ſten Schnitte; ich wollte das Gras noch etwas wachſen laſſen, um die Maſſe des Heues der Vormahd zu vermehren, in dem Wahne, daß der zweite Schnitt, oder die Nachmahd, doch nicht von gleichem Werthe ſey. Aber die Erfahrung hat mich jetzt eines Andern belehrt, und ich unterſchreibe mit voller überzeugung den Grundſatz, daß bei zweiſchüri⸗ gen Wieſen das in der Vormahd zu werbende Heugras am vortheil⸗ hafteſten vierzehn Tage vor Johannis, ſpäteſtens am Johannistage — als am vierundzwanzigſten Tage des Junimonats— abgemäht ſeyn muß. Man ſehe gar nicht darauf, ob das Gras groß oder klein, ob desſelben viel oder wenig ſey. Den Verluſt in der Vormahd erſetzt der Gewinn in der Nachmahd reichlich dreifach wieder, theils an der Güte des Heues, theils an der Menge desſelben. Gegen zwei Fuder Ver⸗ luſt im erſten Schnitt gewinnt man ſechs Fuder mehr im zweiten. Dieß hat ſeinen natürlichen Grund. Verſchiedene Grasarten blü⸗ hen und reifen zeitig. Durch das Reifen verlieren ſie an Kraft und ſchießen auch weniger in Nebenzweige aus, ſterben faſt ganz ab. An⸗ dere haben von der Kälte im Frühjahre gelitten, ſind an den Spitzen verſchrumpft, kränkeln fortdauernd und hindern das freiere Wachſen der Untergräſer. Dabei iſt der Vegetationstrieb um Johannis auch ſtärker, als nach dieſer Zeit. Dieſer Trieb nimmt ſpäter immer mehr ab und beſchränkt ſich zuletzt nur auf einzelne wenige Grasarten. Am Ende des Junimonats treten gewöhnlich einige fruchtbare Gewitter⸗ regen ein; die Hitze iſt noch nicht ſo drückend, als in den folgenden 20† ———õ——— 308 beiden Sommermonaten, und ſo ſieht man auf frühgemähten Wieſen das Gras reichlicher, kraftvoller und gleichförmiger freudig aufwach⸗ ſen, eine ſchöne Nachmahd verſprechend und leiſtend, dahingegen ſpät zur Vormahd gemähte Wieſen, wäͤren ſie auch von guter Beſchaffen⸗ heit, beſonders im trockenen Sommer, ſehr und oft ganz zurückbleiben. Nicht ſelten habe ich den Einfluß eines einzigen Tages frühern Mä⸗ hens der Vormahd bei dem zweiten Schnitt auffallend bemerkt. Während meines nun faſt zwanzigjährigen Domicils in Holſtein und Mecklenburg habe ich das, was Herr von Blücher über den eigenthümlichen Gang der hieſigen Witterung ſagt, durchſchnittlich be⸗ ſtätigt gefunden. Über die Truglichkeit aller meteorologiſchen Beſtim⸗ mungen bin ich längſt aufgeklärt; aber das iſt nicht zu beſtreiten, daß es eine gewiſſe Baſis gibt, auf welche mit größerer Sicherheit Vor⸗ herſagungen allgemeiner Erſcheinungen gefußt werden können. In Niederſachſen beſtimmt der Charakter der Witterung vor der Sonnenwende insgemein die Beſchaffenheit des folgenden Nachſom⸗ mers; unter 10 Malen findet wohl 7 Mal ein trockener, mehr kalter als warmer Lenz und Vorſommer Statt, welchen dann in längern oder kürzern Perioden heftige Gewitterregen zu folgen pflegen; gemeinig⸗ lich erſt in und nach der Ernte ſetzt ſich das Wetter wieder und bleibt nun meiſtens bis ſpät in den Herbſt allen ländlichen Arbeiten überaus günſtig. Die hier gegebene Norm muß unſerem Heumacher die allgemeine Richtſchnur ſeiner Handlungsweiſe liefern; die ſpeciel⸗ lere hängt von localen Beobachtungen und guten Wettergläſern ab. Warme, ſogenannte ſüße, mehrſchürige Wieſen müſſen ganz der von dem Herrn v. Blücher gegebenen Regel unterworfen werden, wenn anders die Sommerwitterung keine abweichende Phyſiognomie an⸗ nimmt; denn in dieſem Falle, d. h. bei einem regneriſchen Vor⸗ ſommer, warte man lieber die in den erſten Tagen nach Johannis mit großer Wahrſcheinlichkeit eintretende trockene, feſte Witterung ab, als im beſtändigen Regenwetter die Ernte zu beginnen. Dahingegen können einzelne Regenſchauer nicht davon abhalten, wie denn nament lich der Engländer das Mähen im Regen für das noch ſaftige Gras unſchädlich erachtet. Gleichgiltig für die Qualität desſelben iſt aber unſerer Meinung nach das Beregnen nie; entweder es ſchadet oder bringt Vortheil; letzteres namentlich bei ſolchem Futter, das erſt durch einen gewiſſen Grad der Maceration gedeihlich wird. Eine ſpätere Mahd iſt durchaus in trockenen Frühjahren und Vorſommern den Beſitzern unbekarrter ſaurer und torfiger Wieſen anzuempfehlen, wie denn überhaupt rückſichtlich dieſer auf's Sorgfäl⸗ tigſte berechnet werden muß, ob ein zweimaliger Schnitt die vermehrte Arbeit bezahlt mache. Es gibt viele Reviere dieſer Art, von welchen die Nachmahd dem Viehe höchſt ſchädlich iſt, Diarrhöen, Läuſe ꝛc. veranlaßt, wie unter andern in den großen, an der Alſter gelegenen Plänen; die bedeutenden Flächen, welche hier übergearbeitet werden müſſen, um zu einem Fuder Futter zu gelangen, begründen ein gro⸗ ßes Mißverhältniß zwiſchen Ertrag und Erntekoſten. Im Durchſchnitt der Jahre und im Ganzen wird man bei Einer und bis zur Ernte hinausgeſchobenen Mahd hier gleiche Maſſe bei beſſerer Qualität ge⸗ winnen. Wir reden hier aus mehrjähriger Erfahrung, die wir bei eigener Behandlung ſolcher Wieſenreviere in einem Umfange von über 33000 Q. Ruthen ſammelten. e. Wir lieben es, das ſelbſt Beobachtete durch fremde, Vertrauen einflößende Urtheile beſtätigen zu laſſen, und ſo ſey es uns auch hier erlaubt, einige Worte zur Begründung unſerer Meinung von dem ver⸗ ſtorbenen Prediger Wüſtney zu Baſedow in Mecklenburg, welcher als ehrenwerther Agronom bei den ältern Leſern der„Landwirth⸗ ſchaftlichen Zeitung« noch in gutem Andenken ſtehen wird, folgen zu laſſen. Bei Gelegenheit einiger Erörterungen über die Wirkungen des Mergels*) kommt er auf die, das Pflanzenwachsthum ſtörende Über⸗ ſäuerung und ſo beiläufig auch auf deren Vorhandenſeyn in einer großen, in weiter Entfernung von dem Gutshofe liegenden, aus Torf und Moorgrund beſtehenden(Gemeinde⸗) Wieſe zu reden. Sie iſt— ſagt er— ſaurer Natur oder überſäuert, und darauf ſchrieb ich ihre große Unfruchtbarkeit; daher wird ſie auch nur einmal gemäht, welches gemeiniglich kurz vor der Ernte zu geſchehen pflegt. Dießmal wurde ſie früher von Einigen gemäht als ſonſt, und die Ausbeute war traurig. Andere, die ebenfalls Theil daran haben, glaubten beſ⸗ ſer zu thun, mit dem Mähen nicht ſo ſehr zu eilen. Sie mähten mehre Wochen ſpäter. In dieſer Zeit traf nun gerade viel Regen ein und dauerte bis zur Roggenernte fort, ſo daß man wegen dieſer ſchon anfing beſorgt zu werden. Als der Regen aufhörte und der Roggen in den Scheunen war, wurden nun die ſtehen gebliebenen Wieſen ge⸗ mäht und der Heuertrag übertraf alle Erwartung. Keiner der Theil⸗ habenden— es waren 10 zum hieſigen Gute gehörige Hufenpächter— konnte ſich erinnern, jemals ſo viel Heu geworben zu haben. o) Siehe die Landwirthſchaftliche Zeitung auf das Jahr 1822, November⸗ heft, S. 449 u. f.. 310 Die früher gemähten Wieſen gaben darum ſo wenig Ertrag, weil ſie durchaus überſäuert ſind. Der nach der Zeit, da die erſten Wer⸗ ber die Wieſe verlaſſen hatten, reichlich einfallende Regen ſchluckte ei⸗ nen Theil der überflüſſigen Säure ein, hob ſo das Hinderniß des Graswuchſes auf, und ſo entſtand die reichlichere Ausbeute. Daß der Regen auch andere Nahrungsſtoffe mit ſich geführt habe, räume ich willig ein u. ſ. w. Es können Umſtände eintreten, wo die Praxis nothgedrungen von der Vorſchrift der Wiſſenſchaft abweichen muß, um einem großen Übel auf Koſten eines kleinern vorzubeugen. Schwerlich nämlich wird ein verſtändiger Landwirth ſich entſchließen, in der Blüthezeit überſchwemmte und dadurch beſchmutzte Wieſen unmittelbar nach dem Abfluſſe des Waſſers zu mähen, und auf dieſe Weiſe, nur um den vorgezeichne⸗ ten Termin zu halten, unreines, dem Viehe ſchädliches Heu zu wer⸗ ben und überdieß die Narbe durch das Fahren und Treten des Zug⸗ viehes zu ruiniren. In dieſem Falle muß erſt ein Regenguß abgewar⸗ tet werden, der das beſchmutzte Gras wieder abwäſcht; nur wenn die Unmöglichkeit des Abzuges des Waſſers vorliegt, mähe man, um die Fäulniß des Graſes zu verhüten und dem Verluſte der Nachmahd zu entgehen, die überflutheten Wieſen ſchleunigſt ab und fiſche, trage und fahre das Futter auf die nächſte Höhe zum Trocknen heraus. Es iſt dem Beſitzer von, der natürlichen Überſchwemmung ausge⸗ ſetzten Wieſen in den mehrſten Fäͤllen eine Beeilung der Heuernte nicht genugſam zu empfehlen. In Gegenden dünner Bevölkerung opfere man lieber einen Theil des Rohertrags, um ſich den größten Theil des gewachſenen Futters zu ſichern. In Stegen— einer Gegend, wo die bedeutenden Moorarbeiten im Sommer faſt ſämmtliche arbeitende Mannſchaft, ſelbſt die Frauen und Kinder in Anſpruch nehmen— habe ich es, bei einer ſehr betraͤchtlichen Heuwerbung und wenigen Taglöhnern, auch vorgezogen, den Arbeitern einen kleinen Antheil am Wieſenreviere gegen eine gewiſſe, von ihrem Taglohne zu berichtigende niedrige Bezahlung zu ſichern, nur um bei der gleichzeitig einfallenden Raps⸗ und Roggenernte nicht unverhältnißmäßige Einbußen zu erlei⸗ den. Ich habe mir durch dieſe Einrichtung zugleich das Mittel ver⸗ ſchafft, die beſſern Arbeiter durchaus an mich zu feſſeln, indem es ih⸗ nen allein durch dieſe Vergünſtigung möglich ward, die zu ihrer Exi⸗ ſtenz unumgänglich nothwendige Kuh durch den Winter zu füttern. Manches, was im Kleinen unwirthſchaftlich erſcheint, wird von mit⸗ wirkenden Nebenumſtänden in dem größern Betriebe als verſtändig motivirt; das gilt namentlich von dieſer Quoten⸗Werbung, die auch 311 in Mecklenburg ihre Nachahmer gefunden hat. Der oben allegirte Herr v. Blücher zu Wasdow trieb bereits vor 15 Jahren hinſichtlich ſeiner bedeutenden Heuernte eine ſolche Antheilswirthſchaft. Die Wie⸗ ſen des Gutes Wasdow liegen größtentheils an einem ſtarken, beinahe den Namen eines kleinen Fluſſes verdienenden Mühlenbache und an dem bedeutenden Fluſſe Trebel, der wegen ſeiner ausgedehnten niedrigen Ufer öfters austritt und nicht mit Unrecht die deutſche Bere⸗ ſina genannt wird. Die Wieſen liefern nicht allein ein reichliches, ſon⸗ dern auch nahrhaftes, treffliches Futter, ſind jedoch wegen ihrer Lage Überſchwemmungen leicht ausgeſetzt. Um ſo mehr muß mit ihrer Wer⸗ bung geeilt werden, und wenn auf einem Gute, nach Verhältniß der Größe ſeines Ackerwerks, nur wenige Taglöhner befindlich ſind, ſo überſteigt die Arbeit die relative Kraft. »Ich habe«— ſagt Herr v. B.—»jährlich in beiden Heuſchnit⸗ ten, mit Einſchluß des Heues der Dorfleute, in der Regel gegen 300 bis 400 Hoffuder Heu zu werben, halte nur 12 Taglöhner, 5 Hof⸗ knechte; doch ſind einige Handwerker im Dorfe, die in der Ernte mit⸗ helfen. Auswärtige Arbeiter nehmen, ſelbſt gegen reichliche Bezah⸗ lung, auf einige Tage keine Arbeit an; ich bin alſo genöthigt, das Geſchäft theils auf die Zeit zu ſetzen, theils einige Alliirte anzuneh⸗ men, die gegen Theilnahme an dem Gewinn ſich der Arbeit mit unter⸗ ziehen. Dieſe Theilnahme beſteht in der Überlaſſung einer beſtimmten Wieſenfläche zur Benutzung gegen feſtgeſetzte Dienſttage. Zwar ver⸗ liere ich jetzt einen Theil meines Heues, aber ich werde doch dadurch in den Stand geſetzt, das übrige werben zu können, und habe es am vortheilhafteſten gefunden, eine großere Fläche einer ganzen Bauern-⸗ dorfſchaft zu überlaſſen, die nach erfolgter Anſagung an den beſtimm⸗ ten Tagen in voller Stärke zum doppelten Dienſte anrückt.« §. 134. Die Mahd. Ihre gute Vollführung hängt zuerſt von der Beſchaffenheit des Wieſengrundes, dann von der paſſenden Tageszeit, von geeignetem Geräthe, endlich von der Geſchicklichkeit und dem guten Willen des Arbeiters ab. 4 Auf Wieſen mit unebener Oberfläche, welche weder von Steinen und ſonſtigem Unrathe, noch von Ameiſen„ und Maulwurfshaufen gereinigt worden ſind, da kann der beſte Mäher kein gutes Stück Arbeit machen, zumal die Ängſtlichkeit für den Verderb ſeines Inſtru⸗ ments ihn dieſes nicht ſelten noch höher halten laſſen wird, als nöthig 312 wäre. Morgen⸗ und Abendſtunden ſind die paſſendſte Tageszeit zum Mähen; es wird dann vieles Gras und dieſes gut gemäht. Hat die Sonne an heißen Tagen alle Feuchtigkeiten ausgezogen, ſo knickt das Gras gern vor dem Schlage oder Haue ein, und der Mäher ſieht ſich genöthigt, das eingeknickte, aber noch nicht abgeſonderte Gras durch einen wiederholten Hau abzuſchlagen. Inſonderheit auf Moor⸗ wieſen wird die Mahd während der heißen Tageszeit nur unvoll⸗ kommen und langſam beſchafft. Die hier angegebene zweckmäßigſte Zeit des Schneidens erſtreckt ſich aber nicht bis auf und in die Nacht, wo jenes unmöglich gut beſchafft werden und auch zu gegenſeitiger Verletzung der Arbeiter Veranlaſſung geben kann.— Sehr lange Senſen machen keine gute Arbeit.— Breite Schwaden machen ein reines, kurzes Abſchneiden ſehr ſchwer; bis 8 Fuß kann der Mäher indeß immer ausgreifen; aber er muß ſeine Senſe nicht in eine zu große Schwingung verſetzen, um die Schwadbalken zu vermeiden, welche nicht allein dem Nachwuchs des jungen Graſes ſehr ſchaden, ſondern auch einen beträchtlichen Unterſchied im Ertrage der Ernte verurſachen. Auch das Stehenbleiben von Reihen höhern Graſes zwi⸗ ſchen den Hauen, welche der Holſteiner Kämme, auch Judenbärte nennt, darf durchaus nicht geſtattet werden. Das dichte Abſchneiden des Graſes am Boden iſt nicht allein des momentanen Futtergewin⸗ nes, ſondern auch des Nachwuchſes wegen conditio sine qua non; inſonderheit iſt bei der ohnedieß ſo viel kürzern Nachmahd ein dichtes Abſchneiden an der Narbe für die größere Ausbeute von Belang. Im Allgemeinen bringt ein Viertel⸗Zoll des Graswuchſes am Boden im Ertrage wohl ſo viel, als ein Zoll an der Spitze. Daß, wie man frü⸗ her wohl befürchtete, das Gras bei dem tiefen Abſchneiden todt ge⸗ mäht werden könne, iſt eine ungegründete Furcht; dagegen wird man allerdings der Narbe Schaden thun, wenn man in die Erde ein⸗ haut, und dergeſtalt auch durch die veranlaßte Vermiſchung des Heues mit Erdſtücken und Mooſen das Futter verunreinigen. Iſt es irgend möglich, ſo mähe man ſtets in gutem Wetter, und laſſe dieſe Arbeit nicht anders im Verdunge beſchaffen, als bei ſehr guter Aufſicht und 3 wenn man ſich durchaus auf ſeine Arbeiter verlaſſen kann. Ungemeine Sorgfalt ſieht man auf dieſes Geſchäft im Siegenſchen verwenden. Es wird nämlich in den hieſigen Kunſtwieſen der Gras⸗ ſchnitt quer uͤber die Rücken und über die Hänge entlang(von oben nach unten), dagegen der Grummetſchnitt quer, rechtwinkelig durchkreu⸗ zend, mit den ſogenannten Mahden des Grasſchnittes und mit den Be⸗ wäſſerungsgräben parallel, bewirkt. Bei einer dreiſchürigen Wieſe be⸗ 313 zum obachtet man dieſen Mahdenwechſel ſo, daß der letzte Grummetſchnitt tdie immer mit allen Bewäſſerungsgräben parallel erfolgt. Wenn dieſe Re⸗ das geln nicht beobachtet werden und die länglichen höhern Grasſtoppel⸗ ſeh 1 züge im Herbſte von oben nach unten ſtehen, ſo erfolgt auf den dazwi⸗ ds ſchen liegenden kahlern Streifen ſtärkere, mithin unregelmäßige Be⸗ lor⸗ wäſſerung*). nvol⸗ Thaer rechnet auf ebenen Wieſen dem Mäher täglich 1 ½ Mor⸗ ſigſt gen zu. Auf den holſteiniſchen Gütern mäht ein Mäher täglich im ſach Hoftag einen Pflug Landes, ungefähr 156—160 Q. Ruthen. Die⸗ itiger ſes Tagewerk iſt nur klein; er kann dabei die heißen Mittagsſtunden ange zu ſeiner Ruhe nützen und gleichwohl ſein Tagewerk mit Gemächlich⸗ teein keit verrichten. Ein Taglöhner, der es ſich ſauer werden läßt, des ſaher Morgens früh und des Abends ſpät bei der Arbeit iſt, kann ohne eu große Schwierigkeiten eine Tonne Ausſaat Landes von 280—300 Q. den, Ruthen beſtreiten. den, In Mecklenburg nimmt man an, daß ein Arbeiter in einem Tage tnte 200 Q. Ruthen der beſten oder 300 Q. Ruthen der ſchlechteſten wi⸗ Wieſen mäht. te In Oſtfriesland rechnet man, daß ein Mäher täglich wohl ein den Diemath, d. i. 2 i Morgen, niederlegt**). Das Mähen geſchieht vin⸗ hier aber mit geringer Sorgfalt; man macht ſich wenig daraus, ſehr on; breite und hohe Kämme ſtehen zu laſſen, welche auf grasreichen Wie⸗ ttes ſen mehr Futtermaſſe enthalten, als auf trockenen Bergwieſen im Im Ganzen wächſt. Der häufig ſtattfindende Gebrauch des Verdungs im und die beſchwerlichere Handhabung der dort gewöhnlichen Schwaa frü⸗ mögen wohl Schuld an der ſchlechtern Beſchaffung der Arbeit tragen. ge⸗ Dieſes Inſtrument, das länger und breiter als die Senſe iſt, hat fol⸗ vird ggende Dimenſionen: Die Krümme des Rückens 36 Zoll, die Schneide ein⸗ 33 Zoll lang. Breite am hintern Ende 9 Zoll. Länge des Baumes, les V gemeiniglich von Eſchenholz, 8 Fuß 10 Zoll; 3 Fuß 5 Zoll vom end untern Ende desſelben befindet ſich die erſte oberſte, und 2 Fuß 3 ½ eit 1 Zoll von da die zweite untere Handhabe. Am obern Ende des Bau⸗ und„ mes wird das Wetzholz mittelſt einer Klammer befeſtigt. Das eigent⸗ liche Scharfmachen des Blattes geſchieht durch das bekannte Klopfen gen(Haaren). Bei der erſtern Handhabe vom untern Ende muß das 6⸗ Werkzeug völlig im Gleichgewichte liegen. Das Blatt dieſes Geräthes een koſtet 2 Rthlr. 6 ggr. Sie kommen aus den Bergiſchen Eiſenfabriken. eu⸗— Be⸗*⁴) Vgl. Vorländer am angef. Orte, S. 67. be⸗**) Siehe Mögliner Annalen, 26. Bd., S. 348. 314 Das Mähen des Graſes mit der Schwaa nimmt mehr vor als mit der Senſe, dergeſtalt, daß ein Dritttheil mehr damit beſchickt wird. §. 135. Bei der Wahl der Werbungsmethode zu ehmende Rückſichten. Viele und mancherlei Rückſichten kommen bei der Wahl der Wer⸗ bungsmethode in Betracht, als da ſind: Jahreszeit, Witterung, Qua⸗ lität und Wachsthum des Graſes, Arbeitskräfte, Fütterungszweck. Im Vorſommer unterſtützen die atmoſphäriſchen Einflüſſe zwar das ſchnellere Trocknen des Graſes, fördern aber nicht minder die Fãul⸗ niß; das gemähte Futter wird deßhalb um dieſe Zeit ſchneller zu Heu, erhält dahingegen aber auch fruͤher eine weißliche oder gelbliche Farbe — das Zeichen der Entkräftung und anhebenden Fäulniß—, als am Schluſſe des Sommers, wo es zur Austrocknung eines längern Zeit⸗ raumes bedarf und minder raſch verbleicht. Bei trockener Witterung rechtfertigt ſich die möglichſte Beſchleuni⸗ gung der Arbeit; bei naſſer, unſicherer frommt Vorſicht und Behut⸗ ſamkeit, ohne Rückſicht auf die verlängerte Arbeit. Alles kommt dar⸗ auf an, dem Graſe das Leben zu conſerviren; dann ſchadet der Re⸗ gen wenig, welcher dagegen aus dem bereits abgeſtorbenen und halb trockenen Heu die kräftigen Theile wirklich auszieht. Man richte ſein Verfahren ſo ein, daß die Gährung und Erhitzung vermieden wird; tritt ſolche dennoch ein, ſo modificire man jenes dergeſtalt, daß ſie möglichſt unſchädlich werde. Vielleicht die wichtigſte Rolle bei Beſtimmung der Heuwerbungs⸗ methode ſpielt die natürliche Beſchaffenheit des Graſes. Zuerſt macht es einen wichtigen Unterſchied, ob man Vor⸗ oder Nachmahd zu behandeln hat. Der Rüuckſicht, daß die Tage kürzer werden, daß die Einwirkung der Sonne ſich verliert, iſt ſchon gedacht. Zugleich hat man nun den halbreifen Zuſtand des Nachgraſes, ſeinen ſo viel höhern Saft⸗ reichthum zu erwägen. Sehr leicht kann letzterer im eingehäuften Fut⸗ ter eine Erhitzung veranlaſſen, die, nicht zur rechten Zeit und auf an⸗ gemeſſene Weiſe vorgebeugt, das Verderben des Heues zur gewiſſen Folge haben wird. Das nächſte Bedenken geht dahin, ob wir Gras von fetten oder magern, von gewäſſerten, gedüngten, oder uncultivirten, ſauren Moorwieſen zu bergen haben. Wenn auch nicht vorherrſchend, ſo wirkt doch der Wieſengrund an it n “ͤ“ͤ“ͤöͤöͤöõ— 315 ſich mit auf die Natur der wachſenden Grasarten ein; wir meinen nämlich hier die größere oder geringere Humoſität ſeiner Krume, die durch den ihr mitgetheilten Dünger die Production ſo viel vollſafti⸗ gerer, nahrungsreicherer Pflanzengattungen begünſtigt. Den entſchieden⸗ ſten Einfluß auf den Charakter der Gräſer äußert bekanntlich das Waſſer. Wo ſolches, mit animaliſchen oder vegetabiliſchen Stoffen ge⸗ ſchwängert, die Haupttriebfeder einer erhöhten Production abgibt, da wird das geerntete Futter in ungleich längerer Zeit von ſeinen zur Gährung geneigtern Beſtandtheilen befreit werden, als dasjenige, wel⸗ ches auf magerem Boden erzeugt iſt. Gras der fettern Art kann an⸗ ſcheinlich völlig zu gutem Heu geworden ſeyn, und erhitzt ſich dennoch dann und wann im Verſchluß, z. B. das Dreiblatt(Menyanthes trifoliata), dahingegen magere Gräſer einer ſolchen Gefahr ungleich ſeltener ausgeſetzt ſind. Namentlich gilt dieſes noch von auf Salzwie⸗ ſen geerntetem Futter. Hier thut man am beſten, das Heu 14 Tage ruhig in kleinen Diemen ſtehen zu laſſen und dann zum Einfahren trocken zu machen. Es iſt unglaublich, wie häͤufig die Vernachläſſigung dieſer Vorſicht an den Seeküſten Veranlaſſung zur Entzündung von Schobern und Scheunen wird. Harte, ſaure, binſenartige Grasarten verlangen zwar eine viel kürzere Einwirkung der Sonne und Luft, um ſich im eingebanſ'ten Zuſtande nicht zu erhitzen; aber um dem Viehe ſchmackhaft und gedeihlich zu werden, wollen ſie, ebenſo wie gewiſſe beſſere Pflanzengattungen, einem künſtlichen Gährungsproceß ausgeſetzt ſeyn. Hier tritt alſo ein von obigem ganz entgegengeſetztes Bemühen ein; eben das, was man beim fetten Heu zu vermeiden ſucht, namentlich die Beregnung, wird hier zur Vorſchrift. Selbſt der Benutzungsplan der arbeitenden Kräfte hat einen ſehr weſentlichen Einfluß auf die vortheilhaftere Anwendung der einen oder andern Werbungsmethode. Es mag hier nur angedentet werden, daß mit dem Mangel an jenen die Schwierigkeit einer geſunden, nahrhaf⸗ ten Grünheu⸗Bereitung wächſt. Darüber kann freilich nur Eine Meinung ſeyn, daß für alle Gat⸗ tungen Vieh das am beſten gewonnene Heu auch das zutraͤglichſte ſey; aber da es noch nicht entſchieden iſt, bei welchem der beſſern Verfah⸗ rungsarten das nahrhafteſte Heu reſultirt, ſo iſt vorläufig an⸗ zurathen, beſonders das dem Nutzviehe beſtimmte Futter keiner noch zweifelhaften Bereitungsweiſe auszuſetzen. Immerhin mögen andere Rückſichten die Einwerbung nach Klappmeier'ſcher, Schweizer oder frieſiſcher Art motiviren; man ordne ſie aber ſämmtlich unter, wenn man z. B. auf feine Schafhaltung ſich beſchränkt und nur den gering⸗ 1 —— 316 ſten Theil des gewonnenen Futters für das übrige Wirthſchaftsvieh beſtimmt hat. .§. 136. Altere Heuhereltungsmeihdn e, namentlich in Mecklen⸗ urg. Früher ging es bei der Vereftung des Grünheues ziemlich mecha⸗ niſch im nördlichen Deutſchland zu. Gewiß verdanken unſere ältern Land⸗ wirthe dem verſtorbenen Thaer die erſte gründliche Belehrung über eine beſſere Werbungsmethode, welche er nach dem Vorbilde der Eng⸗ länder aufſtellte. Beſonders in ſolchen Provinzen, wo das Land in großen Flächen aufgetheilt, die Bevölkerung dünn war, der Getreide⸗ bau der Viehzucht ſich unterordnete, Hoftagsdienſt vorherrſchteꝛc., verein⸗ fachte man das Ernteverfahreu auf eine, die Qualität des Futters ſehr benachtheiligende Weiſe. Namentlich zeichnete ſich hierin die mecklenbur⸗ giſche Landwirthſchaft aus. Bei dieſer war es ehemals allgemeiner Ge⸗ brauch, nach geſchehenem Mähen die Gräͤſer auf dem Schwaden ſo lange liegen zu laſſen, bis die auf deſſen obern Seite ſich befindenden Halme beinahe von allen wäſſerigen Stoffen befreit worden. Bei guter, nach dem Provinzial⸗Ausdruck zum Wählen geeigneter Witterung war dieß nach zwei bis drei Tagen der Fall. Alsdann ward am dritten und vierten Tage frühe, ſobald eine völlige Abtrocknung vom Thaue erfolgt war, häufig auch ſchon am Ende des zweiten oder dritten Ta⸗ ges, der Schwaden mit der Harke umgekehrt, um auch die untere Seite desſelben der freien Luft und der Einwirkung der Sonne auszuſetzen. Bei ausgezeichnet günſtiger Witterung ward das Gras an demſelben Tage ſchon zu Heu, ſonſt aber am folgenden, den Umſtänden nach, nach einem zweiten Umkehren. Hierauf brachte man das Heu in runde coniſche Haufen, von der Größe, daß zwei bis ſechs derſelben auf ein Hoffuder, zu 18 bis 20 Centner ſchwer, geladen wurden. War das Heu völlig ausgetrocknet, ſo trat man dasſelbe in Haufen feſt zu⸗ ſammen; entgegengeſetzten Falles errichtete man— in der Nachmahd faſt ohne Ausnahme— mit bloß aufgelegtem und nicht eingetretenem Heu kleinere ſogenannte Wählhaufen, deren etwa 8 bis 10 auf ein Fuder gerechnet wurden. In dieſen Haufen blieb das Heu bis zur Einſcheuerung ſtehen, vorausgeſetzt, daß es von allen feuchten Theilen befreit war; denn wo dieß letztere nicht der Fall geweſen, mußte man die Haufen noch einmal wieder auseinander bringen, um eine ſtarke Erhitzung, die in dem verſchloſſenen Zuſtande das Verderben der Maſſe zur Folge hatte, zu vermeiden*). Sief 14 *) Meckl. Annalen, Jahrg. 7., zweite Hälfte. * 317 Einige Übung in dieſem Geſchäfte ergab leicht die richtige Entſchei⸗ dung, wann das Heu hinlänglich ausgetrocknet und von allen Wüſſere gen Theilen befreit war. Bei regneriſchem und zum Dörren der gemähten Gräſer unginſti⸗ gem Wetter kann nach obigem Verfahren oft erſt am fünften oder ſe echs⸗ ten Tage, ja noch ſpäter, zur Einhäufung des Heues geſchritten wer⸗ den. Alsdann wird es aber mehr oder minder, je nachdem die Witte⸗ rung abwechſelnd regneriſch und warm iſt, kraftlos und zeichnet ſich durch eine grauweißliche Farbe aus. Das Schlimmſte iſt, wenn nach dem Umkehren anhaltender Regen eintritt. Leicht tritt das Gras dann in Fäul⸗ niß, die ſich durch den ſchlechten Geruch zu erkennen gibt. Bei der Nach⸗ mahd iſt die Gefahr ſchon viel geringer. §. 137. Verfahren in Holſtein. 6 Der benachbarte Holſteiner hat die Mängel einer ſe olchen Bereitunge art zeitiger erkannt und werkthätig ausgeglichen, wozu er den lebhafte⸗ ſten Antrieb in ſeiner vorherrſchenden, glänzend rentirenden Rindvieh⸗ wirthſchaft fand und was ihm in ſeinem kleinern Wirthſchaftskreiſe und bei überflüſſigen Arbeitskräften keine ſonderliche Schwierigkeiten verurſachte. Gemeiniglich macht man zuerſt den Anfang damit, daß man zwei Schwaden und, wenn ſehr wenig Gras vorhanden iſt, auch wohl drei gerade zuſammenharkt, und das, was in der Mitte zwiſchen den Schwa⸗ den hinter der Senſe weggefallen, auch zugleich zuſammenbringt. Einige nehmen dieſe Arbeit gleich nach dem Mähen vor, Andere warten damit noch einen Tag.— In einigen Gegenden, auch in den Marſchen, wo das Gras dick und geil iſt, beginnt man damit, die Schwaden ausein⸗ ander zu werfen und damit den ganzen Erdboden zu bedecken.— In den zuſammengeharkten Stücken nach der erſten Methode laſſen es Ei⸗ nige den Tag und die künftige Nacht über liegen, Andere bringen es noch denſelben Tag in kleine Höckel oder Diemen zuſammen.— Erſtere fangen am zweiten Tage die Arbeit damit an, daß ſie, wenn der Thau ſich verloren hat, alſo um neun oder zehn Uhr Vormittags, die zuſam⸗ mengeharkten Schwaden— welche man hier Wreden und an andern Orten Rocken nennt— umkehren. Dieß geſchieht auf der Geeſt gewöhn⸗ lich mit der Harke, und in der Marſch, wo das Heu dicker liegt, mit der Forke, welches beſſer iſt, weil es ſich damit leichter auseinander ſchüt⸗ teln läßt. Nachmittags wird es nochmals umgekehrt und gegen Abend, ehe der Thau fällt, in kleine Höckel geſetzt. Diejenigen, die es gleich —— 318 den erſten Tag in Höckel ſetzten, kehren den zweiten Tag dieſelben um und ſchütteln es ein wenig auf, damit der Wind durchſtreichen und die Sonnenſtrahlen weiter hineindringen können. Dieſe haben überhaupt die Abſicht, das Heu nicht wieder auseinander zu werfen, weil ſie, wie es denn auch richtig iſt, glauben, daß, wenn es immer den Tag über gegen die Sonne ausgebreitet iſt, das alkaliſche Ol zugleich mit dem Waſſer herausgezogen wird. Es verliert zudem, wie der Augenſchein offenbar darthut, an Geruch und Farbe, oder, wie man ſich hier aus⸗ drückt, es verbleicht. Das accordirt auch mit der Handtungsweiſe des Engländers, wel⸗ cher es liebt, ſein Heu möglichſt ſchnell von der Luft und dem Winde trocken machen zu laſſen, welcher aber denjenigen für einen einfältigen Heumacher erkennt, der es ſchnell an der Sonne dörrt. Das dritte Tagewerk fängt wieder nach der alten Methode damit an, daß die Höckel nach verflogenem Thau auseinander geworfen und Vor⸗ und Nachmittags umgekehrt werden. Des Abends werden die Höckel größer gemacht, ſo daß 3—4 nur einen ausmachen. Man muß jetzt vorzüglich auf die Witterung Acht geben und das ausgeſchüttete Heu, ſobald Regen droht, ſogleich wieder in Diemen bringen, indem es um ſo viel mehr an ſeiner Kraft verliert, je trockener es iſt. Diejenigen, welche das Heu nach der neuern Methode in Diemen trocknen, bringen drei Höckel in einen, ſchütten dasſelbe wohl durcheinander, und ſuchen dem Diemen eine eirkelförmige Figur mit kleinerem Fuße, einem propor⸗ tionirten Bauche und ſpitz zulaufenden Kopfe zu geben. Iſt das Heu ſehr kräftig, ſo trägt man Bedenken, es innerhalb fünf Tagen einzufahren. Beide, ſowohl die an der Sonne als die in Diemen trocknen, ſind alsdann darauf bedacht, es in große Diemen zu fahren, die reichlich die Größe eines Bauernfuders haben, und es darin einige Tage ruhig ſtehen und alsdann einfahren zu laſſen. In den Mar⸗ ſchen, wo das Gras mehr Säfte hat, trifft man dieſe ſehr häufig an. Hier werden aber die Diemen ſo groß gemacht, daß ſie wohl vier Bauernfuder auf der Geeſt ausmachen. Wo die Umſtände es nicht erfor⸗ dern, ſind große Diemen eine unnütze und verſchwendete Arbeit. Müſ⸗ ſen ſie lange ſtehen, und beſonders auf einem naſſen Grunde, ſo ver⸗ liert ein Theil des Heues offenbar von ſeiner Güte. Der Fuß der Die⸗ men zieht bis zu einem Fuß Höhe die Feuchtigkeiten aus dem Boden an ſich, und weil dieſe nicht wieder verrauchen können, ſo gehen ſie in Fäulniß über, ſetzen Schimmel an, und geben dem Futter einen ſo üb⸗ len Geruch, daß es von keinem Viehe gefreſſen wird. —Q————X— um die upt wie über dem 319 3§. 138.) 3 Zweckmaͤßige Arbeitseintheilung beim Häͤufelungs⸗ Verfahren. Mit Grund der Wahrheit hat man gegen das Einhäufelugsver⸗ fahren den Einwurf gemacht, daß es bei ſehr entfernten Wieſen gro⸗ ßer Güter, wo vieles Heu geworben wird, die Arbeit verzögere und koſtbarer als das Ernten aus den Schwaden werde. Welcher Landwirth wird ſich jetzt aber wohl ſcheuen, gutes, kräftiges Heu etwas theuerer als ausgedörrtes, ausgewaſchenes zu bezahlen? Zumal kann eine günſtige Witterung die Häufelung ebenſo wohlfeil als die ältere Bereitungsart machen. Vieles kommt auch auf eine ver⸗ ſtändige Dispoſition und Berechnung der Arbeit an. Wo man auf ſehr großen Flächen anfänglich alles Futter abpeitſcht und mit einer verhält⸗ nißmäßig nur kleinen Anzahl Heuer nacharbeitet, da wird man ſehr leicht in Verlegenheit gerathen und am Ende noch viel ſchlechteres Fut⸗ ter als ehedem ernten. Am beſten iſt es, wenn man die Sache ſo ein⸗ richtet, daß nur in den feuchten Tageszeiten gemäht wird und jeder Mäher ſein Heugeräthe mit ſich führt, um, gleich den eigentlichen Trok⸗ kenmachern, in jedem Augenblicke, wo es nöthig iſt, mit zur Dispo⸗ ſition zu ſtehen. Es iſt nichts unverſtändiger, als beim Anfang der Ar⸗ beit auf Schaffen und Sparen abzuzielen. Viele Hände und mäßige Grasmenge, das liefert das beſte Heu. Unſer Vorbild— der Englän⸗ der— weiß das. Dort, wo man das Heu mit großer Sorgfalt macht, rechnet man auf 4 Mäher 20 Heumacher, wovon 12 Weiber ſeyn koͤn⸗ nen, und nimmt doch zu Zeiten die Maͤher noch zur Beihuͤlfe der Heuer. Je wärmer, windiger und austrocknender das Wetter iſt, um deſto mehr Menſchen muß man anſtellen. So wie in allen Branchen und Manipulationen die norddeutſche, namentlich Mecklenburgs Landwirthſchaft im 19. Jahrhundert einen mächtigen Aufſchwung genommen, hat ſie jetzt auch das Problem, von ſehr großen Flächen ein kräftiges, ſchmackhaftes Grünheu auf ebenſo ſicherem als mindeſt koſtſpieligem Wege zu gewinnen, ſinnreich gelöſ't. Wir wollen hier einige erprobte Verfahrungsarten bekannter, hochſte⸗ hender Landwirthe mittheilen, welche durch ihre praktiſche Anwendbar⸗ keit den Werth unſers Werkes nur erhöhen können. §. 139. Verfahren zu Dehmen bei der Grünheubereitung. Herr Friedrich Pogge hat in Dehmen das Geſchäft des Heuma⸗ chens mit umſichtiger Erwägung der Haupterforderniſſe:»daß die ſchäd⸗ 320 liche Einwirkung der Näſſe beim Trocknen der gemähten Gräſer ſo viel als möglich unwirkſam gemacht, Zeit und günſtige Witterung aber nach Möglichkeit dabei benutzt werden«, auf folgende empfehlenswerthe Weiſe vollführt. Das Mähen des Graſes wird auf die gewöhnliche Weiſe verrichtet, Sobald damit der Anfang gemacht iſt, werden den Mähern, nach Ver⸗ hältniß ihrer Anzahl und nach der Menge des in der Wieſe vorhande⸗ nen Futters, wovon die Stärke der Schwaden abhängt, die erforderli⸗ chen Streuer gleich beigegeben, und zwar in ſolcher Anzahl, damit das am Vormittage gemähte Gras auch ſchon zur Mittagszeit geſtreut iſt. Ebenſo muß das am Nachmittage gemähte am Abend geſtreut ſeyn. Man erachtet es indeſſen nicht für ſchädlich, wenn auch die zuletzt gegen Abend gemähten Schwaden ungeſtreut bis zum andern Morgen liegen blei⸗ ben, weil ſie in dieſer Lage der Einwirkung des Thaues weniger aus⸗ geſetzt ſind. Beim Streuen gibt man ſehr darauf Acht, daß die Grä⸗ ſer möglichſt gleichförmig und dünn ausgebreitet zu liegen kommen, da⸗ mit Luft und Sonne darauf wirken und ein baldiges Trocknen veran⸗ laſſen können. (Dieſe Aufmerkſamkeit beim Streuen, beſonders am erſten Tage, wenn das Gras aus den Schwaden geſchlagen wird, kann ich in der That dem Heumacher nicht genugſam anempfehlen; kein Halm muß da an dem andern kleben bleiben. Bei ſtarkem Graſe bediene man ſich, wie der Engländer und der Marſchbewohner, der Forke, und ſchüttle jenes tüchtig, damit alle Unreinigkeiten abfallen.) Das insgeſammt geſtreute Gras bleibt 24—36 Stunden in dieſem Zuſtande liegen; ſelbſt dann nicht länger, wenn es ſich auf anſcheinend zu anhaltend trockener Witterung anläßt, ſondern man bringt es der Sicherheit wegen gleich, ſobald es irgend möglich iſt, in kleine ſogenannte Wählhaufen. 4 (Der kleinere Wieſenwirth, der Heumacher, der ſein Geſchäft mit geringer, eigener Mannſchaft betreibt, dürfte doch das Verfahren des Engländers vorziehen, der das ausgeſtreute Gras unmittelbar bald darauf mit der Harke wendet, und dieß um Mittag nochmals wiederholt, es Nachmittags dann reiht, Abends aber in kleine Windhaufen ſetzt, die er am nächſten Tage in Breiten von 12—16 Fuß ausſtreut, ſolche dann wendet, in doppelte Reihen zieht und vor dem Abendthau in grö⸗ ßere Haufen formirt, aus welchen den dritten Tag Ladehaufen werden, die nochmals ausgeſtreut und bearbeitet, am vierten Tage Mittags, wenn die Witterung das Geſchäft ſtets begünſtigt hat, eingefahren wer⸗ den können.)* 321 Bei der Arbeit des Häͤufelns wird folgendermaßen verfahren: Jeder der anweſenden Mannſchaft harkt einen Schwaden zuſammen, und zwar gerade ſo, als wenn das Heu nach der gewöhnlichen Me⸗ thode in ſogenannte Reihen gebracht werden ſoll. Alle Arbeiter hal⸗ ten, wenn ſie einen mäßig kleinen Arm voll zuſammengeharkt haben, zu gleicher Zeit damit inne; dann nimmt jeder Harker zur rechten und lin⸗ ken Seite des dritten und mittelſten Arbeiters ſeinen zuſammengehark⸗ ten Theil des Graſes mit der Harke in den Arm, und legt dieſen Arm voll auf den dritten oder mittelſten Schwaden nieder. Der dritte oder mit⸗ telſte Arbeiter formt nun dieſe drei Arm voll, mit Einſchluß des ſeini⸗ gen, in möglichſter Schnelle zu einem kleinen ſpitzigen Haufen. So geht nun die Arbeit ziemlich ſchnell weiter, bis die ganze Wieſe oder der Theil derſelben, der zuſammengebracht werden ſoll, mit ſolchen kleinen Hau⸗ fen bedeckt iſt. Alle Haufen formiren auf dieſe Art parallel laufende gerade Reihen, die nachmals beim Auseinanderbreiten, beim Kehren und Wiederaufhäufen die Arbeit ungemein erleichtern. Die größere oder geringere Entfernung einer Reihe von der andern hängt aber von der mehren oder mindern Menge des in der Wieſe vorhandenen Futters ab. Bei Wieſen, die ſich in ſehr hoher Cultur befinden und ſo viel Aus⸗ beute an Gras liefern, daß der Boden beim zweckmäßigen Streuen allenthalben dicht mit Gras bedeckt iſt, kann dieſe Regelmäßigkeit natür⸗ lich nicht ſo genau beobachtet werden, da dann auch dieſe Methode, die kleinen Haufen allemal auf den dritten Schwaden zu ſetzen, in dieſem Falle nicht anwendbar iſt. Dieß thut indeſſen nichts zur Sache, indem beim nachmaligen Aus⸗ breiten der Haufen die Fläche wieder allenthalben gleichförmig mit Heu bedeckt werden muß. Solche Wieſen, die vermöge ihrer Fruchtbarkeit ſolche Futtermenge liefern, bringen in der Regel auch edlere, ſaftigere Gräſer, ſogenanntes fettes, wolliges Heu hervor, das aber auch allemal mehr Mühe und Aufmerkſamkeit bei der Zubereitung erfordert. Solche kleine Wählhaufen— ſagt Herr P.— widerſtehen dem ein⸗ fallenden Regenwetter, wenn ſie gut und in einer zweckmäßigen, ſpiz⸗ zigen, zuckerhutähnlichen, oder kegelförmigen, nach oben hinlänglich zu⸗ geſpitzten Form geſetzt ſind, ſehr lange; da überdieß die Grasmaſſe, die ſie in ſich enthalten, nur aus drei kleinen Arm voll beſteht, ſo iſt die⸗ ſelbe zu unbedeutend, als daß ſie beim längern Stande ſich ſelbſt erhiz⸗ zen und in Fäulniß treten könnte. Man hat bei dieſen kleinen Haufen den großen Vortheil, daß man bei unſicherem Wetter, wenn Regen zu fürchten iſt, jeden eintretenden günſtigen Augenblick durch ſogenanntes Umhäufen doch ziemlich benutzen kann. Überdieß dörren die Gräſer Lengerke's Wieſenbau. 21 — 3 4 8— 3———— 322 in ſolchen Haufen ſchneller aus, wodurch denn, inſonderheit bei mißli⸗ cher Witterung, die Arbeit ſehr gefördert wird. Im allerſchlimmſten Falle kann doch immer bei gehöriger Aufmer kſamkeit der mittelſte Theil des Haufens vor dem Verderben bewahrt werden, wenn auch bei lange anhaltendem Regen das auswärts Gekehrte, die obere Spitze und der untere, unmittelbar auf der Erde befindliche Theil, Schaden leiden ſollte. Kurz, dieſe Haufen ſind das erſte Sicherungsmittel gegen die nach⸗ theilige Einwirkung des Regens; jeder Landwirth, der den Nutzen des beſſern Heues zu würdigen weiß, muß ſich bemühen, das abge⸗ welkte Gras recht bald in Wählhaufen zu bringen. Wollte man einwenden, daß dieſe Vorſicht allemal mit mehr Ko⸗ ſten und Mühe verbunden iſt, als wenn das Gras in Schwaden lie⸗ gen bleibt, und man es allenfalls durch ein paarmaliges Kehren zu Heu macht, wo man dann vielleicht ebenſo ſchnell und ungleich wohl⸗ feiler ſeinen Zweck erreichen würde, ſo läßt ſich dagegen erwidern, daß dieſe letzte Methode nur dann anwendbar iſt, wenn man gewiß ſeyn kann, daß in mehren Tagen kein Regen eintreten wird. Dieß läßt ſich aber auf keine Weiſe verbürgen; hat man dann das Unglück, daß das Gras— welches noch ſchlimmer iſt— ſchon als halb gedörr⸗ tes Heu unerwartet, in Schwaden liegend, vom Regen befallen wird, dann iſt auch der Schaden kaum zu berechnen, der hieraus entſteht; dieſer iſt um ſo größer, je länger der Regen anhält und je mehr Regentage von kurzen, warmen, ſonnenhellen Zwiſchenräumen unter⸗ brochen werden. Bei einer ſolchen Witterung werden die Gräſer faſt ihrer ſämmtlichen Kraft und aller Nahrungsfähigkeit beraubt. Und will man nun ſein Heu noch der Gefahr entziehen, wenn man in einer regenfreien Zwiſchenzeit durch fleißiges Kehren und Wenden das Heu trocken zu machen und in Haufen zu ſichern bemüht iſt, ſo kann ein einziger kleiner Regenſchauer oft die Frucht aller Anſtrengungen und Mühen vernichten. Dieſe Mühen und Koſten können oft zehnfach durch wiederkehrende Regenſchauer vermehrt werden, und ſo jene Koſten bei Weitem überſteigen, die das ſchnelle Anhäufen erfordert. Der Landwirth, der ſein Heu gleich in kleine Haufen brachte, darf jetzt nur Acht haben, daß dieſe gehörig ſpitz gehalten werden, und kann auch bei anhaltendem Regen, des Verderbens wegen, unbeſorgt ſeyn, wohingegen derjenige, der das Gras auf dem Schwaden be⸗ reitet, oft bei aller Mühe und mit doppeltem Koſtenaufwande doch nur auf ein ſtrohartiges, kraftloſes Futter rechnen kann. Bei günſtigem Wetter werden die kleinen Haufen wieder in der Art ausgeſtreut, daß das darin befindliche Gras nicht zu dick und ——,—y—ͤ ——— —.————?— V— V V- V—— ͤ—ͤö—ö—õ—ꝑ—y—⁄ 323 ä klumpenweiſe zu liegen kommt. Bei dieſer Arbeit muß die Grundflaͤche di der Haufen und alles Klumpige, was ſich in dem Heu vorfinden b möchte, ſorgfältig berückſichtigt werden, damit Alles recht dünn aus⸗ 2 einandergeſtreut auf der Wieſe ausgebreitet wird.. le Das Ausſtreuen der Haufen wird ſo verrichtet, daß das Gras . oder Heu wiederum reihenweiſe, ſo wie die Haufen geſtanden, in Li⸗ d⸗ nien von größerer oder geringerer Entfernung zu liegen kommt. Es zen wird nicht geſtattet, daß die Arbeiter zum Ausſtreuen ſich der Harke ge⸗ oder Forke bedienen. Dieß erleichtert zwar die Arbeit, aber ſie wird 3 auch nie mit der Sorgfalt beſchafft werden können, als wenn ſie mit do⸗ den Händen verrichtet wird.. ie⸗ Beim Ausſtreuen mit der Hand wird jeder Klumpen berührt; der 3l Arbeiter kann alſo ſchon durch das Gefühl jeden naſſen, minder guten de Theil leicht herausfinden und durch ſorgfältiges Auseinanderziehen und n, Aufſchütten völlig auflockern, damit Luft und Sonne einwirken kön⸗ iß nen. Beim Auseinanderforken oder beim bloßen Ausſtreuen mit der eß Forke hingegen kann das nicht erreicht werden; mancher kleine Heu⸗ f klumpen wird naß und unentdeckt, vom trockenen Theil überſchüttet, 2 der Luft entzogen, nachmals halb verdorben eingefahren, und mindert 1 durch ſeine ſchlechte Beſchaffenheit die Güte der ganzen Maſſe. ; Das Kehren oder Wenden des aus den Haufen ausgeſtreuten oder r in Schwaden befindlichen Graſes erfordert nicht minder eine genaue ⸗ Aufſicht. Je öfter und je ſorgfältiger dieß geſchieht, deſto ſchneller ſt und beſſer geht die Heuwerbung von Statten. Herr Pogge meint d auch, daß Heu oder Gras, welches die Nacht hindurch in Schwaden er gelegen hat, am Morgen gern gekehrt werden könne, bevor die Wieſe eu ganz und das Heu oberwärts vom nächtlichen Thau abgetrocknet ſeyen. n Wenn man dieſe Rolle befolgen wolle, ſo werde in den mehrſten Fäl⸗ len das Wenden nicht vor 9 Uhr, und oft, wenn der Nebel in der Morgenſtunde lange anhält— dem am Tage gewöhnlich gutes Heu⸗ ei wetter folge—, erſt nach 10 Uhr Statt finden können. Der gewöhnliche Arbeiter und mancher unwiſſende Wirthſchafter rf nehme das Kehren wörtlich als ein regelmäßiges Umkehren, ſo wie nd man etwa ein Bret umkehrt. Dieß ſey aber hier weder möglich noch gt nöthig; es komme nur darauf an, daß die Halme gehörig aufgelockert be⸗ werden. Ein ſehr großer Theil der Nutzbarkeit gehe daher noch in och manchen Wirthſchaften dadurch verloren, daß man dieſe Auflockerung oft bis halben Mittag verſchiebe. Das Gras oder Heu habe vom nächt⸗ der lichen Thau viel Waſſer und Feuchtigkeit angezogen und ſey durch die und Schwere desſelben platt an den Boden gedrückt; ein frühes Wenden 21† 324 hebe dasſelbe wieder empor; das Waſſer werde größtentheils abge⸗ ſchüttelt, und gleich der erſte Strahl der durchbrechenden Sonne habe freien Spielraum, die einzelnen Grashalme zu berühren. Bleibe das Heu aber in ſeiner feſtgedrückten Lage, ſo könne die Sonne die Näſſe nur ſehr langſam abtrocknen, indem die Gräſer durch den Druck der Feuchtigkeit zu feſt aneinander klebten. Man ſollte— ſagt Herr P.— kaum glauben, welchen bedeuten⸗ den Einfluß das Kehren in den Frühſtunden auf ein ſchnelles Heu⸗ machen hat, der um ſo viel bedeutender wird, je öfter das Geſchäft am Tage wiederholt werden kann. Viele Arbeiter wiſſen dieß auch recht gut; allein ſie ſuchen abſichtlich ein Vorurtheil zu erhalten, wo⸗ durch ihnen in den Fruͤhſtunden, wenn die Wieſe noch naß iſt, andere, ihnen weniger unangenehme, der Herrſchaft aber auch zu ſeiner Zeit gewöhnlich weniger nützliche Arbeiten zu Theil werden. Unbedingt können wir dem Herrn Pogge doch nicht Recht geben, und wir glauben auch nicht, daß es irgend ein erfahrener Heumacher wird; dagegen aber räumen wir gern ein, daß unter gewiſſen Um⸗ ſtänden die völlige Abtrocknung des Graſes und der Wieſe weniger ängſtlich abgewartet zu werden braucht. Auf meinen großen, ſauren Wieſenflächen habe ich die Sache auch nicht ſo genau genommen; bei der Nachmahd iſt es gleichfalls nicht von Belang, ob die Arbeit des Heuens ſchon im Thau beginnt. Aber dickes, fettes Futter des erſten Schnittes würde bei der Pogge'ſchen Behandlung nur verlieren kön⸗ nen. Jetzt wird ſchwerlich auch noch ein gebildeter Landwirth ſich die Argumente für wirthſchaftliche Verfahrungsarten aus der Geſinde⸗ ſtube holen. Herr Pogge ſetzt— um ſich gegen ſchnell und unerwartet ein⸗ fallenden Regen möglichſt ſicher zu ſtellen— das aus kleinen Haufen ausgeſtreute Gras, wenn es auch durch oftmaliges Kehren nicht hin⸗ länglich gedörrt ſeyn ſollte, doch jeden Abend wieder in Haufen, die dann nach Beſchaffenheit des Graſes ſchon größer als die erſtern gemacht werden. Beim Ausſtreuen, beim Kehren, beſonders beim Zu⸗ ſammenbringen unterſtützen die Mäher die Harker; daher iſt es Re⸗ gel, daß jeder Mäher neben ſeiner Senſe auch eine Harke bei ſich führt; eine Einrichtung, die beſonders nützlich wird, wenn unerwartet Regen einzutreten ſcheint, da dann oft durch das Herbeiholen der Harken für die zum ſchnellen Zuſammenbringen zu Hülfe gerufenen Mäher ſehr viel Zeit verloren geht und ausgebreitetes Heu beregnet. Um bei einer ausgebreiteten Heuernte die oft nur wenigen günſtigen Tage zur Heu⸗ bereitung ungeſtört benutzen zu können, empfiehlt Herr Pogge, das 325 ge⸗ 3 bereits fertige Heu lieber bei guter Witterung in große Haufen zu bringen, als es in die Zimmer zu fahren. Man gewinnt dadurch— ſe ſagt er— auf mancherlei Weiſe. Das Zuſammenbringen in Haufen 2 erfordert nicht ſo viel Zeit, als zum Aufladen, Einfahren und Abla⸗ den nöthig iſt, da das bloße Zuſammenbringen auf der Wieſe, wenn dieſe nur eben und feſt iſt, durch das ſogenannte Bäumen ſehr ſe leicht und ſchnell von Statten geht. Es werden der Heubereitung hier⸗ 3 durch alſo weniger Menſchen entzogen, folglich kann bei gutem Wet⸗ ter mehr Gras zu Heu gemacht und in große Haufen gebracht wer⸗ i den, als wenn zwiſchendurch eingefahren wird. Ferner hat man bei dieſen großen Haufen den ebenfalls nicht un⸗ 4 bedeutenden Vortheil, daß man die trüben, bewölkten Tage, die man tit des zu befürchtenden Regens wegen unbenutzt vorübergehen laſſen würde, nun ebenfalls benutzen kann; denn man kann das Heu aus n, ſolchen Haufen zu allen Zeiten, nur, Ife ſich von ſelbſt verſteht, nicht er im regneriſchen Wetter einfahren. Ebenſo kann man gleich in den M Morgenſtunden mit dem Einfahren anfangen, wohingegen Andere, T die aus den Reihen oder kleinen Haufen fahren, erſt die Abtrocknung n des Thaues abwarten müſſen. Zwar geht allerdings etwas beim län⸗ e1 gern Stande der Haufen verloren, inſonderheit die Grundfläche des Haufens und der rundum auswärts gekehrte Theil desſelben; allein n dieſer Verluſt iſt zu unbedeutend gegen den größern Gewinn, der k durch die Benutzung der ſonſt für die Heuwerbung verlorenen Tage 1 hervorgeht. 6 Zu Gunſten dieſer großen Haufen iſt auch noch zu erwähnen, daß das Heu ſich daraus beſſer und in größerer Maſſe aufladen läßt, n⸗ auch unterwegs nicht ſo viel verloren geht. en Um bei einfallendem Regen die gut geſetzten und rundum gehörig n abgeharkten Heuhaufen gegen eindringende Naͤſſe zu verwahren, be⸗ ie deckt Pogge die Spitze der Haufen während des Regens mit naſſem n Graſe oder mit Heu. Sobald es nämlich ſo lange und ſo viel gereg⸗ 2 net hat, daß die äußere Seite der Heuhaufen rund umher naß ge⸗ he⸗ worden iſt, begeben ſich einige Arbeiter auf die Wieſe. Jeder von ih⸗ 1; nen nimmt ſich einen Haufen, zieht den untern naſſen, oft ſchon etwas en hervorgetretenen Saum, oder den ſogenannten Fuß, mit den Händen ür— rund umher ab oder aus, indem er während dieſes Geſchäftes ſeine hr Harke bei ſich niederlegt. Dieß ab- oder ausgezogene naſſe Heu ter bringt er mit den Händen, oder bei höhern Haufen vermittelſt der eu⸗ Harke, auf den Haufen und beſtrebt ſich, denſelben damit ſo viel als a353 möglich zuzuſpitzen. Dieß naſſe Heu ſchützt den Haufen gegen das 326 Eindringen des Regens, der nun von der zuckerhutähnlichen Spitze des Haufens herunterläuft und dem inwendigen Theile desſelben kei⸗ nen Schaden zufügen k kann.(Mecklenb. Annalen, Jahrg. 8.) §. 140. Das Baäumen(Heu böhm'm) in Mecklenburg⸗ Wir haben oben dieſes Verfahrens erwähnt, wodurch das Zu⸗ ſammenbringen des Heues ſehr beſchleunigt wird. Manchem meiner Leſer mag es in der Praxis unbekannt ſeyn, weßhalb hier eine Beſchreibung desſelben folgt. Ein 24 bis 30 Fuß langer Baum(Wähsbohm), der der Länge nach über ein vollgeladenes Fuder Heu oder Getreide gelegt und mit Stricken, die ihn umſchlingen und ſcharf angezogen werden, befeſtigt wird, dient zu dieſem Geſchäfte. Er wird quer gegen das Ende der Heureihen gelegt; an jedem Ende desſelben wird ein Pferd geſpannt; in der Mitte ſtehen mehre Arbeiter, die den Baum niederdrücken, da⸗ mit derſelbe nicht über das Heu hingleitet. Dieſe Arbeiter ſteigen während des Zuſammenſchiebens mit und auf dem Heu immer höher, und bemühen ſich, die längs dem Weſebaum gebundenen, kreuzweiſe befeſtigten Erntebinder dergeſtalt zu benutzen, daß durch ſelbige das Heu feſtgehalten wird. Von beiden Seiten werden die aufgereihten Schwaden auf ſolche Weiſe in einen ungeregelten Haufen zuſammen⸗ geſchoben, der demnächſt ordentlich in die gewöhnliche coniſche Form gebracht wird. Dieſe Haufen werden zwar größer als die mit den Händen zuſammengetragenen, jeder zu 1—2 Hoffuder; weil hier aber in der Mitte das Heu nicht ſo geregelt und gleichförmig feſt, als in den Außenſeiten geſchehen iſt, eingehäuft werden kann„ regnen ſie dort leichter ein. Vermöge der Einbäͤumung reſultirt eine ſtarke Zuſammenpreſſung. Das Heu muß alſo völlig ausgetrocknet geweſen ſeyn, ehe man ſich dieſer Werbungsweiſe bedienen darf; auch kann man ſelbige nur auf trockenen und ſolchen Wieſen anwenden, die einen feſten Boden haben; ebenſo nur bei anhaltend guter Witterung. Die Behandlung ſelbſt erfordert zwar keine außerordentliche Ge⸗ ſchicklichkeit, aber doch Gewandtheit und Übung. In ältern Zeiten wandte man ſie häufiger an, als in der neuern. Bedient man ſich ih⸗ rer, ſo muß man genau darauf Acht geben, daß das zum Bäumen aufgereihte Heu in der Unterlage aufgeharkt geweſen ſey, weil ſonſt der Baum über dasſelbe weggleitet. ———— ite ei⸗ 327 §. 141. 4* Maſchinen zur Heubereitung. Der Heutrockner der Engländer.. Zur Beſchleunigung des Zuſammenbringens des bereits getrockne⸗ ten Heues in Haufen iſt oben gedachte Operation jedenfalls empfeh⸗ lenswerther, als die Anwendung der großen, mit Rädern verſehenen Heuharke ſeyn würde, wodurch der ſonſt bei dem Heumachen ſo vor⸗ ſichtige Engländer ſein Futter, das nun vieler ſeiner feinen Blätter beraubt wird, eben nicht verbeſſert.— Es fällt auf, daß fur unſere großen Wieſenwirthe noch kein Inſtrument in der Praxis erprobt worden, welches die frühern Handarbeiten beim Grastrocknen— als die zeit- und koſtenraubendſten— unnöthig macht. Erfun⸗ den iſt eine ſolche Maſchine ſchon längſt, auch bereits in Anwen⸗ dung gebracht, aber nicht in unſerem zwar ſicher, aber— lang⸗ ſam fortſchreitenden Deutſchland. Wir meinen nicht die Treſtongy'ſche Heeuegge, deren Verrichtung immer etwas ſehr Unvollkommenes hat, zumal da, wo vieles und fettes Futter liegt. Gegentheils möchten wir aufmerkſam machen auf die in Deutſchland wenig bekannt gewordene Hay-Making Machines— Heutrockner der Engländer—, deren Anfer⸗ tigung jetzt nnſern vaterländiſchen Eiſengußfabriken wenig Scrupel mehr verurſachen würde. Hören wir, wie einer der geiſtreichſten land⸗ wirthſchaftlichen Schriftſteller, Dr. Gerke, früher auf Frauenmark in Mecklenburg, in ſeinen intereſſanten Reiſe⸗Notizen über England) aus eigener Anſchauung ſich über die Zweckmäßigkeit dieſes Inſtru⸗ ments ausſpricht.. Der Engländer— ſagt er— verwendet auf ſeine Wieſen faſt noch mehr Mühe, als auf ſein in Gartencultur befindliches Land. Er legt ſie völlig trocken, indem er den Hauptabführungsgraben oder Bach beſtaͤndig in gehöriger Tiefe erhält, und dieſelbe überall, wo ſich Quellen oder tiefe Stellen zeigen, mittelſt unterirdiſcher Gräben, die mit Holz oder Steinen, oder mit eigens dazu geſtrichenen und durchlöcherten Hohlziegeln, oder gar nur mit Stroh ausgefüllt, dann aber oben mit Erde bedeckt werden, völlig austrocknet. Dann aber leitet er mit einer unbegreiflichen Erfindungsgabe Waſſer herbei und überrieſelt damit dieſe Wieſen 5⸗— 6mal im Jahre. Auf dieſe Art, und weil er dieſe Wieſen vom Unkraute jätet, insbeſondere aber, weil — 1* *“) Siehe Jahrg. 3 der mecktenburgiſchen Annalen. Dieſe unterhaltenden, tehrreichen Bemerkungen ſind dem größern Publicum wohl nicht zur Genüge bekannt geworden. . 328 er der Herbſtzeitloſe oder nackten Hure— colchicum autumnale— in ihrer Blüthezeit im September, und dem Huflattich— inssilago farfera L.(engliſch edlis-foot)— im Frühjahre, wo er blüht, beſtändig mit eigens dazu gemachten langen concaven Eiſen nachſpürt, bis er bei erſterer der Zwiebel, bei letzterem der Wurzel habhaft wird, ſo iſt an ſich das Heu eine treffliche Miſchung von blattreichen Gräſern, welche ich ſelbſt noch über den trockenen Klee hinaufſetzen möchte. Aber der Engländer iſt nun noch dazu in der Bereitung, ſo wie in der Auf⸗ bewahrung desſelben unübertrefflich. Er ſetzt es der Sonnenhitze ſo wenig als möglich aus, und zieht die Trocknung in der Luft vor, um ſein völliges Grün zu conſerviren. Dann legt er es in Miethen, wo es ſo feſt wie gewalktes Tuch wird und ſeinen Geruch behält. So kommt es denn in viereckigen, mit einer Art Torfſpaten geſtochenen Packeten auf großen Karren in London auf dem Hay- màrket zum Verkauf und wird hier nach ſeiner Güte bezahlt. Um die grüne Farbe dem Heu zu erhalten und um es ſchnell trok⸗ ken zu bekommen, hat man eine eigene Maſchine, die in Eſſex, Mid⸗ dleſer und Suffolk ſchon ziemlich häufig iſt(1815), obgleich ſie erſt ſeit wenig Jahren von Mr. R. Salmon zu Woburn erfunden iſt und wovon ſich eine Zeichnung im Agricultural- Magazine vom Mai 1815 findet. Dieſe Maſchine beſteht in einem etwa 7 Fuß langen und 4 Fuß hohen Skelett, welches 8 Sproſſen hat, deren jede mit 10, einen Fuß langen gebogenen eiſernen Zinken beſetzt iſt. Dieſes walzenförmige Skelett dehnt ſich zwiſchen zwei Karrenrädern, deren Achſe zugleich die ſeinige iſt oder vielmehr in derſelben hinaus⸗ geht, wie in einem Futteral. Die Maſchine iſt mit einer Scherdeich⸗ ſel verſehen und wird von einem Pferde gezogen. Am linken Rade der Maſchine iſt ein Triebrad befeſtigt, welches ein zweites und drit⸗ tes Rad und ſo das ganze Skelett in Bewegung ſetzt. Die Stäbe, an welchen die Zacken befeſtigt ſind, haben mehre ſtarke Federn hin⸗ ſich, gewähren mithin den Zacken eine Elaſticität, welches deßhalb nöthig, weil es ſich zutragen kann, daß die Zacken, die bis nahe an die Erde reichen, in eine Erhöhung der Erde, z. B. in einen Maul⸗ wurfshaufen, greifen, wo ſie alsdann nachgeben müſſen oder widri⸗ genfalls verbogen werden. 1 Durch die Rotation dieſer zackigen Skelettwalze wird das Gras beſtändig in die Höhe geworfen, indem man darüber hinfährt, und es wird mithin im eigentlichen Sinne des Wortes bald lufttrocken. Als Gerke die Maſchine zum erſten Male ſah, ſetzte er ſie(denn ihm war nie etwas Ähnliches vorgekommen) in die Kategorie der t —— 5 ’ 33 . 8 329 Windbeuteleien. Ihm fiel jener mecklenburgiſche Haushaltsverwalter dabei ein, dem ſein Herr das fleißige Bearbeiten des Heues empfohlen hatte, mit dem Beiſatze— ſo wenig ſonſt gern die Herren Beiſätze zu lieben pflegen—:»Heu müſſe auf der Harke trocken werden.«— Der Hausverwalter ſoll nämlich in ſeiner Gutmüthigkeit die Kathen⸗ frauen dahin angewieſen haben, immer eine Harke voll Heu nach der andern in die Höhe zu halten; der Herr, der es geſehen, ſoll aber darauf den Verwalter wegen ſeiner gar zu gewiſſenhaften Veſolgung ſeiner Befehle verabſchiedet haben. In der That war Gerke ganz gegen die Maſchine eingenommen; aber als er Arthur Young's Urtheil über dieſelbe gehört hatte, welches äußerſt vortheilhaft für ſie ausfiel, und als er ſie darauf ſelbſt hatte anwenden ſehen, ward er bald eines Andern überzeugt; denn ihr Effect übertraf alle Erwartung. Es gibt zwei Arten derſelben, die ſich bloß in der Mechanik des Hoch⸗ und Niedrigſtellens der Zacken unterſcheiden. Bei der einen Art, welche in dem erwähnten Ackerbau⸗Magazine abgezeichnet iſt, wird jeder der 8 Stäbe, an welchen die Zacken befindlich ſind, einer nach dem andern mittelſt angebrachter Schrauben hoch und niedrig geſtellt. Bei der andern Art wird die ganze Achſe ſammt dem Skelett auf einmal an zwei ſchräg in die Höhe gehenden Eiſen, die an beiden Seiten der Maſchine befindlich ſind, in diejenige Stellung gebracht, welche maen nöthig findet. Gerke gibt der erſtern den Vorzug, weil ſie nicht ſo ſchwer von Holz und Eiſen iſt, als die letztere. Beide Arten ſind bei Cooke, Fiſher u. Comp. in London*) für 21 Pf. Sterl. zu be⸗ kommen. Die letztere Art iſt auch bei R. Baker und Sohn, Nr. 309, Veſurd Street, ſir 1974 Pf feil. §. 142. „Hockung des Heues. 8 4 Eine in Deutſchland noch wenig bekannte Heubereitungsart iſt die Hockung, welche Methode den großen Wieſenwirthen die Vortheile größerer Sicherheit, Bequemlichkeit und Koſtenerſparung darbietet. Urſprünglich hat ſich dieſe Werbungsweiſe vielleicht aus Liefland nach Mecklenburg verpflanzt. Der geniale Praktiker, Herr Freudenfels zu Cowalz, brachte ſie zuerſt hier in Anwendung. Etwas ſpäter wandte man ſie mit ſehr glücklichem Erfolge zu Wasdow an. Es bewährte ſich hier vorzüglich, daß man, vermöge des Hockens, ſelbſt bei ſehr G *) Agricultural Repository Winsley Street opposite the Pantheon. 330 wechſelvoller, mißlicher Witterung, mit ungleich wenigern Umſtaͤn⸗ den als bei dem frühern Verfahren, vortreffliches Heu von kräftigem Anſehen und ſchöner grüner Farbe gewinnen könne. Das dort beobachtete Verfahren beſteht darin: Man läßt das ge⸗ mähte und zum Heuwerden beſtimmte Gras nicht ſo lange als ſonſt in dem Schwaden liegen, und bringt es demnächſt, anſtatt in coniſche Haufen zu ſetzen, in oblonge, abgedachte Maſſen, in welchen es bis zur Einſcheuerung ſtehen bleibt. Da die Maſſen länglich ſind und mit den Kornhocken einige Ähnlichkeit haben, ſo hat man ihnen den ſehr aupaſſenden Namen Heuhocken gegeben. Die Procedur iſt ganz einfach und mit geringer Mühe verbunden. Sobald das gemähte Gras auf der obern Seite des Schwadens beinahe ausgetrocknet iſt, in der Regel am dritten Tage nach dem Mähen, wird dasſelbe von den Arbeitern vorſichtig, ohne es zu ſehr zu verwir⸗ ren oder einzupreſſen, an diejenige Stelle hingetragen, wo die Hocke angelegt werden ſoll. Hier wird es bis zu einer Breite von vier Fuß dergeſtalt hart an⸗ und uͤbereinander gelegt, daß die Spitzen der Grä⸗ ſer an der Luftſeite nach Außen zu liegen kommen. In willkührlicher Länge— doch ſetzt man unter 12 Fuß Länge nicht gern eine Hocke — fährt man mit dem Auftragen und Legen ſo lange fort, bis die Hocke eine Höhe von 6 bis 8 Fuß erreicht hat, vergrößert die Breite derſelben aber nicht, ſo daß ſie oben nicht ſchmäler, eher noch etwas breiter als unten ſeyn muß. Alsdann tritt ein Arbeiter das Heu mä⸗ ßig nieder; man erſetzt durch weiteres Auflegen die durch das Nieder⸗ treten verminderte Höhe, und bringt zuletzt noch ſo viel Heu, als zur Formirung einer Abdachung erfordert wird, oben darauf. Es iſt nothwendig, daß die Seitenwände dieſer Hocke gerade in die Höhe ge⸗ hen und daß ſie abgeharkt werden, um die Heuenden ungehindert und in einer thunlichſt gleichförmigen Lage einwirkender dem Andrang der Luft und des Windes auszuſetzen. In dieſen ſchmalen und vier Fuß breiten Maſſen iſt das Heu dem Durchzuge der Luft beſſer als in den 16 bis 20 Fuß breiten coniſchen Haufen ausgeſetzt. Nach Verlauf von 5 bis 8 Tagen ſind alle wäſſerige Theile desſelben gänzlich wegge⸗ nommen und man hat nun ein treffliches Futter. Je länger das Gras iſt, deſto beſſer laſſen ſich die Hocken ſetzen; aber auch aus kurzem Futter laſſen ſie ſich zubereiten. Lag das Heugras in den Schwaden ſehr dick, ſo muß es nach dem Abmähen ein wenig mit der Harke auseinandergezogen, im Provin⸗ zial⸗Ausdruck geſtreut werden, welches entgegengeſebten Falles nicht nöthig iſt. 331 Auch iſt bei ſtarken Heuſchwaden eine Kehrung derſelben vor dem Einhocken zu empfehlen, die jedoch nicht den Zweck der völligen Aus⸗ dörrung des Heues hat, ſondern nur deſſen Abtrocknung, beſonders an der untern Seite, vollſtändiger und in kürzerer Zeit bewirken ſoll. In der Regel genügt eine einmalige Aufrichtung der Heuhocke und bedarf es keiner Umſetzung derſelben. Aber öfter iſt die Witterung ſo ungünſtig, daß ſelbſt die zum Hocken erforderliche Austrocknung des Heues in derjenigen Zeit nicht erreicht werden kann, in welcher das ge⸗ mähte Gras noch keinen großen Verluſt ſeiner nahrhaften Beſtandtheile erlitten hat, wo es zu lange aufhalten wurde, den eigentlich zur Hok⸗ kung des Heues erforderlichen halbgewählten Zuſtand desſelben abzu⸗ warten. Hier und in ſolchen Fällen offenbart ſich— nach v. Blücher— gerade die ausgezeichnetſte Seite der beſchriebenen Methode; denn auch in einer ſolchen ungünſtigen Periode, wo man bei dem gewöhnlichen Verfahren der Gefahr des Verderbens ſeines Heues oder einer ſchlech⸗ ten Werbung ſchwerlich zu entgehen vermag, erreicht man durch das Aufhocken des Heues den Vortheil, dasſelbe in Sicherheit gebracht zu ſehen. Tritt eine ſolche anhaltend regneriſche und ungünſtige Witterung ein, ſo wartet man den halbgewählten Zuſtand des Heues nicht ab, ſondern bringt es ohne Rückſicht hierauf in die beſchriebenen Hocken. Dann iſt man aber in die Nothwendigkeit geſetzt, ſelbige nach einiger Zeit, ſobald es das Wetter irgend geſtattet, wieder umzuſetzen; doch ſchadet es dem gehockten Heu nicht, wenn es vor dem Umſetzen 4—6 Tage ſtehen bleiben muß und während dieſer Zeit ſogar ſtarke Regen einfallen. Überhaupt zeichnen ſich die Heuhocken auch dadurch vortheilhaft aus, daß ſie die ſtärkſten Regen ohne bedeutenden Nachtheil aushalten. Sie trotzen überdieß auch den, die coniſchen Haufen nicht ſelten beinahe ganz zerſtörenden Stürmen, weil ſich bei ihnen die Kraft der Winde in dem geordneten Heu ſelbſt verliert und keinen ſolchen Widerſtand als bei den größern Haufen findet. Bei heureichen Wieſen können die Hocken in fortlaufenden Reihen ſo geſetzt werden, daß der zum Aufladen derſelben beſtimmte Wagen in der Mitte dieſer Reihen fahren und das Aufladen von beiden Sei⸗ ten bequem beſchafft werden kann. Die oben ſchon angedeuteten Vortheile dieſer Werbungsweiſe des Heues entwickelt v. Blücher folgendermaßen. Der erſte und größte derſelben iſt die vermehrte Sicherheit, die ———— 332 an Gewißheit gränzende Wahrſcheinlichkeit, daß das Heu nicht durch anhaltenden Regen verdorben werden kann. Die Urſache hiervon liegt in dem Bau der Hocke, die wegen ihrer perpendiculären Seitenwände, wegen ihrer geringen Breite und wegen der gleichförmigen Lage des darin verſicherten Heugraſes einen fortdauernden genügenden Durchzug des Windes und der Luft geſtattet. An den geraden Seitenwänden können keine Regen eindringen, und die Hocke ſetzt allein ihren obern Theil, das Dach, mithin nur einen ſehr geringen Theil ihrer ganzen Peripherie, dem Eindringen des Re⸗ gens aus. Aus dieſem Grunde werden ſolche Hocken von letzterem we⸗ nig angegriffen, und würden ſie es dennoch, ſo trocknet ein mäßiger, die Maſſe leicht durchdringender Wind ſie in kurzer Zeit um ſo eher wieder, als ſie von ſtarken Winden nicht zerſtört oder beſchädigt wer⸗ den können. Coniſch oder kegelförmig geſetzte Haufen dahingegen müſ⸗ ſen ihre ganze Oberfläche dem Regen preis geben, ſind von demſel⸗ ben ſchon, nicht ſelten vom Winde beſchädigt worden, und geſtatten aus dieſer Urſache ſowohl, als weil ſie in der Mitte eine lockere Maſſe enthalten, dem Eindringen der Näſſe in das Innere des Haufens einen größern Spielraum. Der zweite wichtige Vortheil beſteht in der Erhaltung eines ſchö⸗ nern, kraftvollern Heues. Da das zur Hockung beſtimmte Heufutter kürzere Zeit ausgebreitet liegen bleibt, als dasjenige, welches in den Schwaden zum völligen Wählen gelangt, ſo wird demſelben weder durch die Sonne noch durch Thau und Regen diejenige Kraft entzogen, die bei dem Wählen auf dem Schwaden zum Opfer gebracht wird. Es behält mit ſeiner vollen Kraft diejenigen Beſtandtheile, welche dem Viehe gedeihlich ſind, und wird in dem Verſchluß der Hocke nur ausgetro kuet und zur Maga⸗ zinirung bereitet, nicht gedörrt. Der dritte, nicht unwichtige Vortheil ergibt ſich aus der größern Bequemlichkeit, verbunden mit einer bedeutenden Koſtenerſparung. Die gewöhnliche Heuwerbung erfordert öfteres Kehren und manche Wiederholung eines und desſelben Geſchäftes; ſie kann nur bei anhal⸗ tend günſtigem Wetter verrichtet werden. Nicht ſelten muß man mit al⸗ len Arbeitern Stillſtand machen und wieder heimkehren. Häufig bedürfen die durch Winde und Regen beſchädigten oder zerſtorten Haufen einer Aus⸗ beſſerung und eines nochmaligen Auseinanderbringens, mithin vieler Um⸗ ſtände, welches alles natürlich mit vermehrten Koſten verknuͤpft iſt. Ein großer Theil dieſer Umſtände und Koſten fällt bei der Hockung des Heues hinweg. 333 Sind die Schwaden nur mäßig abgetrocknet, ſo kann man gleich, ohne das vollendete Ausdörren abzuwarten, zur Hockung ſchreiten; man erſpart die Mühe wiederholter Kehrungen und iſt nicht genöthigt, anhal⸗ tend gutes Wetter abzuwarten oder die Arbeit häufig zu unterbrechen; man kann mit einer gleichen Anzahl Arbeiter ungleich mehr, faſt dop⸗ pelt ſo viel beſchaffen, als bei der gewöhnlichen Werbungsart, und end⸗ lich braucht man ſich um die Hocken, wenn ſie einmal geſetzt ſind, in der Regel nicht weiter zu bekümmern; ſie bleiben beim Sturm ſo gut als beim Regenwetter unbeſchädigt. Obige Beſchreibung dürfte das Verfahren ſo deutlich gemacht ha⸗ ben, daß es jedem Landwirth verſtändlich ſeyn wird; der höchſt einfa⸗ che Handgriff beim Setzen der Hocke beruht nämlich darauf, daß das Heu, ohne es zu verwirren, in ſchieren Halmen, die Spitzen auswärts gekehrt, aufeinandergelegt und die ſenkrechte Stellung der Seitenwände beobachtet wird. Die Durchſchnittsfigur der Hocke mit Einſchluß des Daches würde ſich dann wie nebenſtehend darſtellen. §. 143. Henberettung auf dem Wege der Selbſterhitzung.— Braunheu⸗Bereitung; inwiefern ihre Vorzüge ſich rechtfertigten, und dieſes konnten⸗ So ſehr über den Werth eines gut bereiteten Grüͤnheues nur Eine Stimme herrſcht, ſo allgemein klagt man, und— trotz der ſtattgefun⸗ denen Verbeſſerung und Vereinfachung der Methode— mit Recht, über die Schwierigkeit, bei ſpäter und mißlicher Ernte, bei weniger Mannſchaft, ein untadelhaftes Fabricat zu erzielen. Der deutſche Landwirth hat ſich daher in neuerer Zeit noch mit ei⸗ nem andern, von der bisher angewandten Werbungsart ganz abwei⸗ chenden Verfahren bekannt gemacht, das nicht nur längſt im Auslande, in England, in der Schweiz ꝛc., mit großem Beifall executirt, ſondern das ſelbſt in den Marſchgegenden des Vaterlandes— wahrſcheinlich von den Niederlanden aus dahin verpflanzt— ſchon ſe eit Jeraugtor Friſt zur allgemeinen Zufriedenheit adoptirt war. Indeſſen hat die hier gemeinte Bereitungsart durch Selbſterhitzung und das Braunheu nur einen Theil der ihnen in Schriften beigelegten Prädicamente der Trefflichkeit gerechtfertigt; namentlich hat man den höhern Futterwerth des Braunheues nur einſeitig anerkennen, nur be⸗ dingt zugeben wollen, und die Gefahr, deren man ſich rückſichtlich der Selbſtentzündung bei dieſer Weiſe, Heu zu machen, ausſetzte, in ihrer ganzen abſchreckenden Nacktheit herausgeſtellt. —— ———— 334— Obgleich wir uns überzeugt halten, daß die bisherigen öffentlichen Urtheile über die hier beregte Methode mehr theoretiſche Raiſonnements als Erfahrungsſchlüſſe ſind, ſo ſind wir doch andererſeits ganz der Mei⸗ nung, daß die Art und Weiſe, wie man in Deutſchland das Braunheu zu bereiten empfohlen hat, nicht ohne große Mängel ſey, daß demnach in der Manipulation ſelbſt der Grund zu dem Mißcredite liegt, worein jenes zum Theil gerathen iſt. Es tritt hier wieder die eigenthüm⸗ liche Neigung des Deutſchen hervor, dem Ausländiſchen höheres Ver⸗ trauen als dem Einheimiſchen zu ſchenken; es zeigt ſich wieder der ganz allgemeine Trieb des Menſchen, in der Ferne zu ſuchen, was ihm die Nähe viel beſſer darbietet.— Steltzner hat den Unterſchied, welcher ſich in der Güte des Heues ergibt, wenn ſolches nach Schweizer oder nach oſtfrieſiſcher Methode behandelt wird, überzeugend genng darge⸗ legt; ebenſo zeigte er, wie eine zweckmäßige Behandlung und gereifte Er⸗ fahrung gefahrvolle Erhitzungen zu den größten Seltenheiten machten. §. 144. Brennen des Graſes in wieder auseinandergeriſſenen Haufen.— Verfahren in Roggow. Wohl den meiſten meiner Leſer wird die nun wieder(auch in Kur⸗ land) in Vergeſſenheit gerathene Klappmeier'ſche Methode der Fut⸗ terbereitung bekannt ſeyn. Sie beſteht, bei dem Heuen angewandt, darin, daß das in große Haufen zuſammengebrachte, ha lbgewählte Gras, wenn ſolches ſich ſtark und gleichförmig erhitzt hat, wieder auseinander⸗ geriſſen, getrocknet und demnächſt ſofort eingebanſ't wird. Dieſes Ver⸗ fahren hat bei ſeinem Bekanntwerden unter den großen Wieſenwirthen Norddeutſchlands manche Anhänger gefunden. Ich ſelbſt habe es ange⸗ wandt, bin aber aus weiter unten angegebenen Gründen bald wieder davon zurückgekommen. In Mecklenburg hat der verſtorbene Domänenrath Pogge lange Zeit auf ähnliche Art ſein Heu behandelt*). Dem geneigten Leſer wird die Roggower Manipulation noch in anderer Rückſicht einige lehr⸗ reiche Winke geben, weßhalb ſie zur Vervollſtändigung unſerer Lehre über die Heubereitung im Allgemeinen hier folgen mag. Pogge ließ ungern ſeine Wieſen im Regen mähen, ſondern wo möglich nur bei gutem Wetter. Erwartete man Regen, ſo ward das Gras noch am Tage des Mähens in ganz kleine, etwa zwei Fuß hohe, faſt cylinderförmige Haufen geſetzt. Hierin— ſo lautet *) Siehe den 13. Jahrg. der meckl. Annalen, S. 317 u. f. ——— —— et — 335 ſeine Vorſchrift— kann es acht Tage ſtehen, ohne zu verderben. Hält der Regen länger an, ſo müſſen ſie, wenn ſie etwas abgetrocknet, um⸗ geſetzt werden, weil das Gras ſonſt eine gelbe Farbe annimmt. Ver⸗ möge ihrer eigenen Schwere ſinken ſie ſo feſt zuſammen, daß das Durch⸗ regnen unmöglich wird. Bei gutem Wetter ließ P. gleich hinter der Senſe ſtreuen, und was Vormittags gemäht war, am Nachmittage wenden. Die Nacht blieb Alles auseinander. Des andern Tages ward es zweimal gekehrt(zweimal, weil das dickliegende Heu ſonſt nicht ſämmt⸗ lich vor Luft und Sonne kommen würde) und gegen Abend in ſechs Fuß lange und drei Fuß hohe Haufen geſetzt. Pogge zogdieſe lan⸗ gen Haufen den runden vor, weil, wenn das Heu ſchon etwas bewelkt, es ſich hierin nicht ſo ſehr zuſammendrückt. In den langen Hau⸗ fen ließ er es gern einen oder ein paar Tage, je nachdem die Witte⸗ rung beſchaffen, ſtehen, und fuhr mit dem Mähen und Zuſammenſez⸗ zen des andern Heues fort. 1 Jene langen Haufen werden bei anſcheinend günſtiger Witterung am Morgen ganz friſch auseinandergebracht, wieder zweimal gewendet und am Abend in fudergroße Haufen geſetzt. Nun ſind alle Blätter und feine Grashalme trocken; in den großen und dicken Halmen befin⸗ det ſich aber noch Saft. Wenn dieſe großen Haufen fünf bis acht Tage geſtanden haben, ſo erhitzt ſich das Heu, und der in einzelnen Halmen enthaltene Saft wird vertheilt und von der ganzen Maſſe gleichmäßig eingeſogen. Werden dieſe Haufen darauf auseinandergebracht, ſo ver⸗ dunſtet die Feuchtigkeit dann deſto leichter. War die Pitterung er⸗ wünſcht, ſo iſt das Heu nun zum Einfahren gut. Da es in Roggow an Zimmerraum gebrach, ſetzte man alles Heu, mit Ausnahme des Pferdeheues, in Miethen. Bei aller dieſer Bearbei⸗ tung erhitzten ſich doch beſtändig die Miethen und das Heu bekam eine braune Farbe und einen piquanten ſüßlichen Geruch. Das Vieh liebte dieß Heu ſehr, auch war es demſelben gedeihlich. Die Mißlichkeit, welcher es häufig unterliegt, den rechten Zeitpunct zum Auseinanderwerfen der Haufen zu treffen, macht nach meiner Er⸗ fahrung die hier beſchriebene Werbungsart gefährlicher als irgend eine. Nicht ein, ſondern mehre Male habe ich bei anhaltendem Regenwetter müßig anſehen müſſen, wie mein Futter theilweiſe total verdarb, wäh⸗ rend meine Nachbarn, bei ihrer alten Methode, zwar ausgelaugtes, aber doch wenigſtens geſundes und noch genießbares Futter einheimſ'ten. 336 §. 145. Verſchiedene Bereitungsarten des Braunheues in Eng⸗ land, in der Schweiz, in Holland und Oſtfriesland. Wir wollen die verſchiedenen Methoden, Braunheu zu bereiten, einer vergleichenden Muſterung unterwerfen, die uns bekannt geworde⸗ nen Verſuche und Erfahrungen darüber mit unterſchieben und einen Maßſtab an die praktiſchen Reſultate legen. In England läßt man das abgemähte Gras 24 bis 36 Stunden in Schwaden liegen. Wenn es recht lufttrocken iſt, ſchüttelt man es ſorg⸗ fältig auf und wendet es, bringt es dann ſogleich in kleine Haufen und vermiſcht dieſe nach einem oder zwei Tagen zu größern, wobei das Heu zwar ausgeſchüttelt, aber doch nicht mehrmals gewendet wird. Wenn es hierin ziemlich trocken geworden, wird es gleich in Feimen gebracht und darin feſt getreten. Hier geräth es dann in einige Hitze und in Schweiß, behaugt ſich und wird eine torfähnliche Maſſe, dadurch aber dem Viehe keineswegs unſchmackhaft und nachtheilig; vielmehr ſind Viele überzeugt, daß nur nach dieſer Methode dem Heu ſeine nahr⸗ hafteſten Säfte erhalten werden können. Dieſes Heu wird aber nur in Feimen aufbewahrt. Dieß iſt dieſelbe Verfahrungsart, welche Thaer in ſeiner ratio⸗ nellen Landwirthſchaft zur Braunheubereitung angibt. 5 Hören wir nun, wie der Schweizer verfährt. Nach dem Abmähen des Graſes wird ſolches mit Harken aus dem Schwaden geſchlagen, d. h. möglichſt dünn ausgebreitet, und zwar wo möglich des Morgens früh. Iſt man damit fertig, ſo fängt man an, das zuerſt ausgeſchlagene zu wenden und fährt damit ununterbro⸗ chen fort, ſo daß Alles wenigſtens ein paarmal an eben dem Tage gewendet wird. Gegen Abend, da Alles, bei einigermaßen günſtiger Witterung, ſchon ziemlich bewelkt, wird es in Haufen von etwa Mannshöhe, oder auch noch größer, gebracht. Man ſucht die Arbeit ſo einzurichten, daß man damit eine Stunde nach Sonnen⸗ untergang fertig ſey, weil ſonſt der Thau ſchädlich würde. Fährt die Witterung fort, den folgenden Tag günſtig zu ſeyn, ſo wird das junge Heu des Morgens, ſobald der Thau abgetrocknet iſt, aus vorerwähnten Haufen wieder ausgeſtreut; es wird noch eini⸗ ge Male gewendet, damit keine ganze Hände voll noch grünes, zuſam⸗ mengeklebtes Gras dazwiſchen bleiben mögen, und wenn es dann ſo weit trocken iſt, daß es bei der Verarbeitung ein kleines Geräuſch gibt, ohne Bedenken eingeheimſ't. Der Schweizer iſt zufrieden, wenn das Heu nur ſo trocken iſt, daß alles die Farbe des Graſes verloren und — qs 337 dagegen das Dunkelgrüne des Heues angenommen hat; daß keine Zöpfe Gras mehr dazwiſchen ſind, welches wohl zu geſchehen pflegt, wenn das Heu gleich trocken genug, aber nicht gut oder mit den Harken nicht genug bearbeitet iſt; daß keine Näſſe vom Regen darin offenbar wahrzunehmen iſt. Bei ungewiſſer oder wohl gar regneriſcher Witterung wird in gün⸗ ſtigen Augenblicken das Heu, Behufs der beſſern Trocknung, umge⸗ häufelt; bleibt dann die Witterung noch etwas gut, daß auch das äußere Heu der erſten Haufen abtrocknet und auslüftet, ſo werden zwei derſelben aufeinander geſetzt. Sie ſehen es gar ungern, wenn das Heu zu ſehr beregnet, und eilen damit weit lieber halb trocken nach Hauſe. Doch iſt dieß nur rückſichtlich des Saftes zu verſtehen; denn Waſſer, mithin auch Thau, leiden ſie nicht in dem Futter. Wenn das getrocknete Heu auf dem Boden dahin gebracht wor⸗ den, wo es zum Gebrauche niedergelegt und aufbewahrt werden ſoll, ſo wird das Heu armvollweiſe mit möglichſter Eile loſe auseinander geſchüttet, gleich als ſollte es nur dünn auseinander geſtreut werden. Es bedarf dabei der Vorſicht, daß das Futteraller Ortengleich, ohne Häuſchen oder feſte Klumpen, ausgebreitet werde. So wird immer eine dünne Schicht über die andere geſtreut, und durch das Gehen und Treten, das auf dem loſe aufgeſchütteten Heue geſchieht, legtees ſich ſo feſt ineinander, daß 10 ſtarke Fuder gar keinen großen Haufen einnehmen. Wenn das Heu dergeſtalt 4—8 Tage ge⸗ legen hat, ſo fängt es an ſich ſtark zu erhitzen, ſo daß man eine in den Haufen ſo tief als möglich geſteckte Hand kaum ein paar Minu⸗ ten darin halten kann. Die in dem Futter noch enthaltenen Feuchtig⸗ keiten werden alſo durch ſolche Wärme auf die Oberfläche des Haufens in die Höhe getrieben, ſo daß die obere Decke des Heuhaufens etwa nur eine Hand dick ſo weich iſt, als wäre die Maſſe gekocht und ver⸗ dorben ſcheint. So wie die inwendige Näſſe nach und nach ausdünſtet, ſo verliert ſich auch die Hitze, und auch die Oberfläche wird nach und nach ziemlich trocken, ſo daß nur eine Rinde, von einigen Zwergfingern dick, verſchimmeltes, ſtaubiges Heu auf dem Haufen bleibt. Dieſe faſt verdorbene Rinde wird dennoch bei der Winter⸗ fütterung nicht verworfen, ſondern, ſo wie der Stock oder Heuhaufen verzehrt wird, nach und nach auseinander gezupft, allenfalls mit der Heugabel geklopft und bei Kleinigkeiten mit un⸗ ter das übrige Futter geſchüttet, oder gar mit unter das übrige Futter geſchnitten, damit nicht ein Halm verloren gehe, und es ſcha⸗ det dem Viehe nicht. Weil jedoch dieſe Rinde über einem Haufen Lengerke's Wieſenbau. 22 338 von 20— 30 Fuß nicht dicker iſt, als über einem von 6 Fuß, und über⸗ haupt die Ausdünſtung der Feuchtigkeit und die Gährung um ſo viel beſſer von Statten geht, als der Haufen hoch iſt und dick liegt, ſo wird auf dem Boden kein größerer Platz auf Einmal belegt, als man in einer Woche ungefähr mit Gewißheit bis an die Spitze des Daches anzufüllen Rechnung machen kann. Falls ja das Heu ſo heiß wird, daß die Hand, nachdem ſie eine Elle tief in den Haufen geſteckt worden, darin, wegen zu großer Hitze, nicht zu ver⸗ weilen vermag, ſo muß von allen Seiten, wenn es ſich thun läßt, oder auch von oben ein Canal, wie ein Schornſtein, oder einige der⸗ ſelben, wenngleich nicht ohne Mühe und mit Handſchuhen, nach der Mitte des Stapels zu gemacht werden. Dadurch geht der Dampf und die Hitze ſtärker heraus. Wenn auf 6—8 Fuß in den Stock das Futter noch nicht ſchwarz, ſondern nur braun oder braunroth ausſieht, ſo wird der Canal wie⸗ der geſchloſſen. Gutes Braunheu hat einen geiſtigen, roſenartigen Geruch. Wenn das Heu durch üble Witterung ausgebleicht wird, mithin die Kraft verliert, ſo banſ't man es zwar ebenſo wie das andere, allein es hat nicht die Kraft, in gehörige Gährung zu kommen. Es wird daher leicht ein wenig mulſtrich, und erhält beſonders an ſol⸗ chen Stellen, wo es etwa nicht rechtdicht gepackt iſt, viel Schim⸗ mel und Staub. Um nun dieſem ſo viel als möglich abzuhelfen, ſtreuen die Schweizer zwiſchen ſolches Heu von geringer Güte beim Einheimſen auf jedes Fuder etwa einen halben Himten Salz, wodurch es denn doch noch etwas in Gährung geräth und dem Viehe noch ziemlich ap⸗ petitlich gemacht wird.(Siehe meckl. Annalen, J. 8.) Dieſe Schweizer Art, Braunheu zu bereiten, iſt in Deutſchland am bekannteſten geworden; weniger hat man ſich nach dem unſtreitig viel beſſern Verfahren der Holländer und Oſtfrieſen umgeſehen, welches Steltzner uns in ſeiner»Beſchreibung der Marſchgegenden im König⸗ reiche Hannover« und wiederholt in der»Allgemeinen landwirthſchaft⸗ lichen Zeitung« des Jahres 1830 darſtellte und welches wir uns hier nun zur allgemeinen Belehrung zu repetiren erlauben. Das gemähte Gras bleibt in den Schwaden un angerührt ſo lange liegen, bis die veſſrſge Feuchtigkeit desſelben ſo weit verflüch⸗ tigt iſt, daß man zwei Drittel ihrer Höhe als getrocknet annehmen kann. Je nachdem ſie dünner oder dicker liegen, das Gras mager oder fett iſt, ſind dazu bei beſtändiger Witterung, bei heiterem Himmel oder kräftigem Luftzuge, 3— 4 Tage hinreichend. Bei bedecktem Himmel, ohne Luftzug, —— 339 ſind dazu wohl 8 und mehr Tage erforderlich. Nachdem das Ab⸗ trocknen ſo weit erfolgt iſt, werden die Schwaden gewen⸗ det, aber nicht auseinandergeſtreut. Bei ſehr trockener Witte⸗ rung iſt es hinreichend, wenn ſelbige einen Tag liegen bleiben, um ſo weit getrocknet zu ſeyn, daß man zum»Schwelen« ſchreiten kann. Sonſt werden dazu wohl 3—4 Tage erforderlich. Sind die Schwaden nur dünn, ſo daß ſie in 3— 4 Tagen ganz durchgetrocknet ſind, ſo wird bei guter Witterung das Wenden nicht einmal nöthig, und man ſchwelt es ſo, wie es vom Mähen liegt. Unter Schwelen verſteht man folgende Arbeiten*): Zuerſt wer⸗ den die Schwaden mit Heugabeln in lange Kämme zuſammenge⸗ worfen und mit Handrechen nachgeharkt. Iſt die Witterung mißlich, ſo werden aus denſelben ſofort große kegelförmige Haufen ge⸗ bildet. Bei beſtändiger Witterung läßt man die Kämme wohl oder %½ Tag liegen, ehe man das Heu in Haufen bringt. Um die Arbeiten des Schwelens zu beſchleunigen, ſo werden bei einigermaßen ausgedehn⸗ tem Wieſenwachs die Kämme durch Pferde auf die oben beſchriebene Art und Weiſe zuſammengeſchleift. Das beim Schleifen liegen gebliebene Heu wird von den übrigen Arbeitern zuſammengeharkt und von ſelbi⸗ gen die Haufen völlig geordnet. In dieſe wird eine Maſſe von 1500 bis 2000 Pf. und noch mehr zuſammengepackt; je mehr, deſto beſſer, zumal wenn die Abſicht dahin geht, die Haufen noch einige Zeit ſte⸗ hen zu laſſen, welches bei guünſtiger Witterung gernge⸗ ſchieht. Bei regneriſcher Witterung eilt man aber, die Haufen bal⸗ digſt einzufahren, wenn man anders das Heu nicht mehr zu feucht zum Einbanſen hält. Wenn die Haufen auch vom Regen betroffen werden, ſo wirft man ſie doch nicht wieder auseinander, weil ſie, wenn ſie ordentlich geſetzt ſind, nicht durch und durch naß werden. Bei m Einfahren wird die äußere und untere naßgewordene Hülle abgenommen, ausgebreitet und getrocknet. *) Man nimmt dazu alles eigene Geſinde, groß und klein, nebſt Taglöh⸗ nern, meiſt Weiber, ſo viel man bekommen kann und nöthig erachtet, um ein Stück von ein paar(6—8) Diemath in einem Tage fertig zu machen. Sie erhal⸗ ten ein Fäßchen Bier mit nach dem Lande, nebſt Butterbrot, Milch und Zwie⸗ back, und Manche geben der ganzen Geſellſchaft Abends noch warmes Eſſen, wel⸗ ches beſonders dann der Fall iſt, wenn das Geſinde guter Freunde mithilft, wie häufig geſchieht. Jeder zieht ſich beim Schwelen reinlich an, als ginge es zu einem Feſte, und das iſt es auch einigermaßen. Unter freundlichem Geſpräch und Fröh⸗ lichkeit geht die Arbeit vor ſich; Jeder beſtrebt ſich, es dem Andern zuvorzuthun; Abends kehrt die Geſellſchaft zu Wagen unter Geſang zurück.(Vergl. Arends Beſchreibung der Landwirthſchaft in Oſtfriesland und Jever.)— 22 ¾½ — ————— — 5— ſ———— ————yjyjÿyÿüjÿÿÿÿjÿÿjjj⅛ 340 Das Heu— es werde gleich beim Schwelen oder aus dem Haufen eingefahren— darf des beabſichtigten Zweckes wegen nicht ganz aus⸗ gedörrt ſeyn. Die wäſſerige Feuchtigkeit muß daraus entfernt wer⸗ den; aber der innere Saft darf doch nicht ganz vertrocknet, ſondern darf nur verdickt ſeyn, ehe es eingebanſ't wird. Dieſer ſoll die beabſichtigte wohlthätige Gährung des eingebanſ'ten Heues zuwege bringen. Der rechte Zeitpunct iſt der, wenn ei⸗ nige Heuhalme, um den Finger gewickelt, nicht zerbrechen, aber auch beim Zerquetſchen keinen wäſſerigen Abfluß mehr zeigen. Man kann ſich von dem Feuchtigkeitsgrade ungefähr darnach unterrichten, daß tauſend Pfund Heu nach völlig überſtandener Gaäh⸗ rung 200— 250 Pfund verloren zu haben pflegen. Es iſt wichtig, daß man möglichſt viel Heu auf Einmal einfahre, damit die beabſichtigte Erhitzung desſelben gleichmäßig vor ſich gehen könne. Sind die Zwiſchenzeiten, in denen die Einſcheuerung ge⸗ ſchehen kann, zu weit auseinander, ſo müſſen mehre Banſen ge⸗ macht werden. Ein Banſen, welcher 12 bis 15 Tauſend Pfund Heu enthält, kann ſchon zu dem beabſichtigten Zweck genugſam in Erhitzung kommen. Da jedoch bei ſolchen kleinen Banſen zu viel Seiten entſtehen, auf denen das Heu nicht ganz»bratet«, als welches man nicht für ſo gut, wie das aus dem Innern der Haufen hält, ſo werden die Banſen bei größerer Heuwerbung nur im Noth⸗ falle ſo klein angelegt. Das Heu wird entweder in den Scheuern oder in frei ſtehenden Haufen aufbewahrt. Jedenfalls muß ſolches vom Grunde auf gebanſ't werden, weßhalb Böden ſich dazu nicht eignen, weil ſelbige einen Luftzug von unten geſtatten; dagegen müſſen wenigſtens zwei Seiten des Banſens frei ſeyn. Auch darf die Einbanſung nicht bis unter das Dach ge⸗ ſchehen, weil ſonſt die durch das Dach einwirkende, oft zu große innere Wärme der Erhitzung des Banſens auf beträchtliche Tiefe hin⸗ derlich ſeyn würde. 1 Heerr Steltzner bemerkte in ſeiner zuerſt genannten Abhand⸗ lung, daß, je ſchneller das Einbanſen des Heues geſchehen kön⸗ ne, deſto gleichmäßiger trete die Erhitzung des Haufens ein und deſto beſſer werde das Heu. Wo man, ſagt er, den Gebrauch hat, das Heu im Freien aufzuſetzen, welches— je näher nach der holländiſchen Gränze, deſto üblicher— jedoch keines⸗ wegs unerläßliche Bedingung bei Bereitung des brau⸗ nen Heues iſt, da kann man durch die Anlage mehrer Haufen —— 341 das gleichzeitige Einbanſen nach Willkühr vollziehen. Dieſe Hau⸗ fen werden am liebſten in lange Vierecke, 16— 20 Fuß hoch, aufge⸗ ſetzt, oberwärts etwas gewölbt gebanſ't, die Kuppel mit Stroh, Schilf u. dgl. dicht bedeckt, und dieſe Deckung vermittelſt darüber und rund herum gezogener, dicht gedrehter Strohſeile, die hier und dort mit klei⸗ nen hölzernen Haken befeſtigt werden, gegen das Entführen durch Sturmwinde geſichert. Die Haufen werden ganz kunſtlos mit ſenkrech⸗ ten Seiten aufgebanſ't, ſolche aber ganz glatt und ohne Aus⸗ biegungen aufgeführt, wodurch ſie auch gegen die nachtheiligen Einflüſſe des Schlagregens völlig ſichergeſtellt ſind. Das künſtliche ſargähnliche Aufbanſen iſt ganz überflüſſig und kann deſto eher zum Verderben führen, da bei dieſer gekünſtelten Form ſo leicht Fehler begangen werden. Nachdem das Heu einige Tage lang eingebanſ't iſt, ſo kommt es in Wärme, welche ſich ſchon von fern durch Entwickelung eines aro⸗ matiſchen, ſüßen Geruches verkündigt. Der Provinzial⸗Ausdruck dafür lautet: ves breint«, d. i.»es bratet«. Man läßt dann die Scheuernthore zum freien Durchzuge friſcher Luft am Tage offen. So lange ſolcher Brei der noch immer zunehmenden Wärme des Heues ſich gleich bleibt, iſt man gewiß, daß dasſelbe nicht zu naß eingebanſ't ſey und daß die Gährung nicht bis zur Schädlichkeit ſich ſteigern werde. Verliert aber der Geruch das Aro⸗ matiſche, wird er brandartig, ſo droht dem Heu die Gefahr des Verderbens. Man hat keine Zeit zu verſäumen, um die Hitze im Innern des Haufens zu erforſchen. Zu dem Zwecke wird ein ſteifer Draht an der Spitze mit einem loſen weißen wollenen Fa⸗ den umwickelt, und man ſucht den Draht, ſo tief als es möglich iſt, in den Haufen zu bohren, wo er einige Zeit ſtecken bleibt. Iſt beim Herausziehen der Faden brandig, ſo iſt ſchon ein Verderbniß des Heues eingetreten. Um deſſen Fortgang, auch wohl die Selbſtentzün⸗ dung zu hemmen, ſo muß, ſo tief als man gelangen kann, ein Loch in den Heubanſen gegraben werden, damit die innere Hitze desſelben einen Ausweg finde und ſich mäßige. Aber hierdurch— ſagt Steltzner am oben angeführten Orte— leidet ſchon die Güte des Heues, weßhalb man zu dieſem Mittel nur im höchſten Nothfalle greift. Glücklicherweiſe tritt ſelbiger höchſt ſelten ein, weil die Landwirthe, von Jugend auf belehrt, ſolch' einen ſichern Tact in der Be⸗ urtheilung des Feuchtigkeitsgrades des einzubanſenden Heues ſich erworben haben, daß ſich ſalches nicht zum Übermaße er⸗ ————— 342 hitzt. Sowohl im Jahre 1828, als beſonders im Jahre 1829 iſt die Heuernte ſehr naß geweſen, und gewiß iſt manches Fuder Heu feuch⸗ ter als gewöhnlich eingefahren; dennoch ſind, vielfältigen Nachrichten zufolge, nirgends gefahrvolle Erhitzungen der Heubanſen eingetreten. Bei der Aufbewahrung im Freien kann man dieſerhalb überhaupt unbeſorgter ſeyn, als bei der in Scheuern. Mitunter wird wohl vermittelſt eines cylinderformigen Gefäßes, z. B. einer Tonne, eines Korbes ꝛc., dadurch bei dem Einbanſen des Heues eine perp endiculäre Höhlung in der Mitte des Hau⸗ fens angebracht, daß man das Gefäß, ſo wie ſich derſelbe erhöht, nachzieht und um dasſelbe herumbanſ't. Jedoch geſchieht dieſes nur ſelten und ungern, weil das Heu an der gebildeten cylin⸗ derförmigen Vertiefung leicht verdirbt. Wenn das Heu»ausgebreint« iſt, worüber 6—8 Wocheu verge⸗ hen, ſo iſt ſeine Farbe gelbbraun. Keineswegs darf das⸗ ſelbe torfähnlich ſeyn, ſo wenig in der Farbe, als in der Zuſammenpreſſung. Durch Beides würde ſich ein leichter Verkohlungsproceß des Heues verrarhen, welcher deſſen Güte unend⸗ lich vermindert. Bei regneriſcher Witterung bleibt das Heu oft vier und mehre Wochen lang in Schwaden liegen; wächſt das Gras nicht gar zu ſtark durch, ſo wendet man ſolche nicht gern. Die Erfahrung hat gelehrt, daß der Nachtheil des Regens weit größer bei gewen⸗ deten, als noch ungewendeten Schwaden iſt. Man eilt deß⸗ halb, ſobald als nur einige dem Trocknen günſtige Zeit einfällt und ſobald als die Oberfläche der Schwaden von der atmoſphäriſchen Näſſe befreit iſt, zum Schwelen. Traut man der Witterung nicht und iſt das Heu zum Aufſetzen großer Haufen noch zu naß, als daß es ſich in ſelbigen längere Zeit unverdorben halten könnte, ſo bildet man Haufen von etwa nur 400— 500 Pfund, ver⸗ größert ſolche aber— jedoch ohne das Heu nochmals gern aus⸗ einander zu werfen—, ſobald als es irgend thunlich iſt, zu der oben angegebenen gewohnten Größe, um das Heu ſich in ſelbigen von dem darin allenfalls noch befindlichen Waſſer entledigen zu können. Dieß Verfahren iſt alſo in Holland und Oſtfries⸗ land nicht abſolutes Erforderniß zur Bildung des Braunheues, ſondern nur Nothbehelf, um größerer Aus⸗ laugung des in Schwaden liegenden Heues vorzubeugen und um dem wachſenden jungen Graſe Platz zu ſchaffen. Es iſt natürlich— ſagt Herr Steltzner— daß lange anhal⸗ —: ᷣ — 343 tender Regen auch das in Schwaden unangerührt liegen gebliebene Gras bedeutend auslaugt; indeſſen findet ſolches doch nicht in dem Maße, beſonders nicht ſo ſchnell Statt, als wenn dasſelbe geſtreut und öfters gewendet wird, wie ſolches beim grünen Heu geſchieht. Unſere Landwirthe ſind bei regneriſcher Witterung zufrieden, wenn ſie das Heu nur in dem Zuſtande zu Hauſe bringen können, wenn es — nachdem das Waſſer verflüchtigt iſt— noch ſo viel Säfte in ſich hat, um in Banſen in Erwärmung zu kom⸗ men. Die Erfahrung lehrt, daß ſolches Heu dennoch weit gedeihlicher iſt, als dasjenige, welches im ähnlichen Zuſtande vauf dem Rechen getrocknet wird.«— Dadurch, daß das braune Heu mit ſeinem unvertrockneten Safte, und wenn die Halme noch nicht ganz dürr und ſteif ſind, eingebanſ't wird, legt ſich dasſelbe mehr zuſammen als das grüne Heu und wird zu einer compactern Maſſe, als dieſe.— Theils dieſerhalb, hauptſächlich aber aus dem höchſt beachtungswerthen Grunde, da⸗ mit die feinſten Blätter, Blüthen, auch wohl Samen, nicht von den Halmen abgeſtreift werden, wie ſolches bei dem gewöhnlichen Herausreißen des Heues aus den Banſen geſchieht, wird das Heu von den Banſen mit Spaten abgeſtochen. Dieſe haben eine weniger im Triangel oder im Bogen zulaufende Schneide als gewöhnliche Gartenſpaten, und ſind am Obertheile des Blattes, welches 12— 15 Zoll lang iſt, mit einem daumendicken, vier Zoll langen Eiſen verſehen, um auf ſelbes mit einem Fuße treten und den Spaten dadurch mit mehr Kraft zum Abſtechen des Heues anwenden zu können. Man nimmt von den Banſen jedes⸗ mal eine Bank von 4—5 Fuß Breite vor. Ift ſelbige ſpa⸗ tentief perpendiculär abgeſtochen, ſo wird in derſelben Tiefe das Heu horizontal gelöſ't und auf ſolche Art in großen zuſammenhängenden Stücken abgenommen. Auf ſolche Weiſe kommen ſämmtliche Theile des Heues, Blätter, Blüthen, Samen, dem Viehe zu Gute, die bei dem Herausreißen des Heues aus den Banſen gröͤßtentheils un⸗ genutzt verloren gehen und dem Viehe nur die dürren Stängel laſſen. Gemeiniglich geht man mit dem Abſtechen der Breite von einer oder zwei ſolcher Bänke ganz bis auf den Grund des Heubanſens. §. 146. Futterungswerth des Braunheues. Über den Fütterungswerth des Braunheues lauten die bisherigen Urtheile im allerhöchſten Grade verſchieden; wir können uns dieß zur Genüge daraus erklären, daß zufolge der heterogenen Behand⸗ lungsweiſen des Futters ſo mancherlei abweichende Qualitäten reſultiren, und daß genau durchgeführte comparative Verſuche in der Fütterung mit grünem und braunem Heu bisher noch gar nicht unternommen, mindeſtens nicht bekannt geworden ſind. Unſere landwirthſchaftlichen Compendien lehren, daß das Braun⸗ heu dem Maſt⸗ und güſten Viehe zuträglicher, als dem Milch⸗, Schaf⸗ und Zugviehe, daß es im Allgemeinen aber geringern Werth hinſichtlich ſeiner Nahrhaftigkeit und Ge⸗ deihlichkeit, als das grüne Heu habe. Namentlich votiren ſo Thaer und Burgerz Beider Urtheile motiviren ſich aber nicht auf eigene Erfahrung, ſondern das des Erſtern auf die Meinung des Eng⸗ länders, das des Letztern auf die Anſicht des Salzburgers. Beide ſcheinen um ſo weniger competente Richter, da ſie eine höchſt mangelhafte Manipulation befolgen und ihr Urtheil auch keines⸗ wegs auf vergleichende Experimente begründet iſt. Wie oben dargeſtellt, iſt das engliſche Braunheu eine vtorfähnliche« Maſſe. Aus eigener Erfahrung bin ich ganz Steltzner's Meinung, daß dieſer Zuſtand ſchon einen gewiſſen Grad des Verderbniſſes an⸗ zeigt und dem Viehe mehr oder minder widerſtehen wird, wenn⸗ gleich ſolches ſehr ſtark erhitzte Heu— namentlich in Glouceſterſhire— mit großem Erfolge zur Maſtung des Viehes gebraucht wird. Als ich einſt aus Mangel an praktiſcher Umſicht Burger's Vorſchrift, das Heu im halbfeuchten Zuſtande einzuba nſen, befolgte, ward mir Miſt ſtatt Futter zu Theil. Verführe der Schweizer wirklich ſo, wie in dem ſonſt ſo trefflichen Lehrbuche jenes verehrten Mannes ange⸗ führt worden, ſo würden, anſtatt reicher Käſe⸗Exporte, Feuersbrünſte und Viehſterben die Reſultate ſeines Handelns ſeyn. Daß übrigens ein Theil des gebrannten Futters ſchwarz, den⸗ noch unverdorben ſeyn und dabei von dem Viehe mit Begierde und gutem Erfolge genoſſen werden kann, ergibt die Erfahrung zur Genüge. Zu Haſtenbeck bei Clausthal, wo der ſelige Berghaupt⸗ mann v. Hinüber nach der oben beſchriebenen Schweizer Methode ſein Futter behandelte, erhielt die eingebanſ'te Nachmahd ſchwarze Brandſtellen von der Größe eines Kopfes, als wenn Wagenſchmiere hineingegoſſen wäre; dennoch ward dieſes noch gut riechende Heu von dem Viehe begieriger als das übrige gefreſſen. Zu Rog⸗ gow in Mecklenburg hatte man das ſchwarze, zum Theile verkohlte, ſtark benäßte Heu, was ſich in dem Canal eines entzündeten und ge⸗ löſchten Feimens befand, neben der Miethſtelle hingeworfen. Einige 1 — ————ÿ,——— ——— ö 345 Tage ſpäter beſah man die Brandſtätte, als gerade die Zugochſen zum Wechſeln vorbeigetrieben wurden. Sie drängten ſich an das ſchwarze Heu und verzehrten mit großer Begierde, was noch nicht ganz verkohlt war. Man ließ dieſe ſchwarze Maſſe, etwa eine Leiter voll, dünn auseinander bringen, trocknen und auf eben dieſer Stelle ruhig liegen. Die im Stalle ſchon dick gefütterten Ochſen fraßen beim Vorübergehen, indem ſie zum Wechſel nach dem Haken getrieben wurden, doch wieder davon, und ſetzten ſich ſchon weit davon entfernt in Trab, ſich den Vorſprung abzugewinnen, und verzehrten Alles bis auf das Verkohlte. Daß ſchwarz gewordenes Futter vom Viehe mit größter Begierde und ohne allen Nachtheil gefreſſen wird, beſtätigte ſich ebenfalls zu Schlagsdorff, zu Cowalz u. a.. Wenn der Molkereipächter in England meint, daß den Milch⸗ kühen nach erhitztem Heu die Milch auftrockne, ſo ſieht der Schweizer dagegen in ſolchem Futter das treibendſte Milch⸗ vermehrungsmittel. Zwar hat ſich dieſes letztere in Deutſchland am wenigſten beſtätigt, wohl aber vielfach die Schmackhaftigkeit, Geſundheit und den Einfluß dieſes Futters auf die Fleiſchvermehrung erwieſen. Zu Haſtenbeck fraß alles Vieh das Braunheu, nach Schwei⸗ zer Art geworben, mit größter Begierde, und ließ das grüne Heu dafür liegen, wenn es nicht durch den Hunger gereizt ward. Rinder, die täglich einige Pfunde davon erhielten, wurden fett. Am unwider⸗ ſprechlichſten zeigte ſich die Geſundheit des Braunheues bei den Wehen⸗ kälbern. Dieſe bekanntlich hinſichtlich ihrer zaͤrtlichen Geſundheitsbe⸗ ſchaffenheit den Schafen gleichartigen Thiere erhielten ſtets das am ſtärkſten gebrannte Heu mitten aus der Banſe. Dabei zeichne⸗ ten ſie ſich gegen andere Kälber eben der Heerde, welchen es nicht minder an gutem, aber nach gewöhnlicher Art bereitetem Heu man⸗ gelte, durch ihre vorzügliche Größe merklich aus, trotz dem, daß ſie der jenen geſchenkten reichlichen Schrotfünterung auch gänzlich entbeh⸗ ren mußten. Zu Dehmen hat nach Schweizer Art gebrannte Nachmahd ſehr günſtige Fütterungsreſultate geliefert. Dort ſind Pferde, Schafe und Rindvieh damit gefüttert. Namentlich auch bei den Schafen hat dieſe Fütterung durchaus keine üble Folgen hinterlaſſen, vielmehr war nicht nur bei den ſaͤugenden Schafmüttern, ſondern auch bei den milchenden Kühen die Zunahme der Milch erſichtlich. Letztere Wahrnehmung hat ſich in Holſtein bei einem zufälligen Verſuche mit der Braunheufütterung nicht beſtätigt. 346 Weil man vor einigen Jahren auf einem großen Gute mit dem Einfahren des Heues von einer iſolirt liegenden Wieſe an einem Tage fertig zu werden wünſchte*), wurden am Abend dieſes Tages auch einige Fuder Heu eingefahren, welches man erſt am vorherge⸗ henden Tage gemäht, am Morgen geſtreut, gegen Mittag einmal ge⸗ wendet und dann Nachmittags ſchon in Ladehaufen zuſammengebracht hatte, weil es äußerlich ſo ſchnell abtrocknete, daß man kein Bedenken trug, es ſogleich mit dem früher gemähten Heue einzufahren. Zufäl⸗ lig kam dieſes wenig getrocknete Heu auf dem Boden zwiſchen dem völlig getrockneten zu liegen, ſo daß es nicht an den Seiten hervor⸗ ragte, ſondern gänzlich dem Zutritte der äußern Luft entzogen war. So blieb nun dasſelbe bis zum Winter liegen, ohne daß man die Entzündung desſelben befürchtete. Als man dann im Winter bei der Verfütterung des Heues jenes nur lufttrocken gewordene Heu erreichte, fand es ſich, daß ſolches in eine weiche, torfähnliche**) Maſſe war verwandelt worden, welche einen ſtarken, ſüßlichen Geruch*n) verbreitete und eine dunkelbraune Farbe angenommen hatte. Als dem Viehe zuerſt davon vorgelegt wurde, bemerkte man, daß es an⸗ fänglich das ungewohnte Futter anſchnob und zu verſchmähen ſchien. Bald aber fingen doch einige Kühe an, es zu koſten, und nun wur⸗ den alle ſo begierig darnach, daß man beſorgte, ſie möchten ſich darin überfreſſen; daher man dem Kuhhirten die Anweiſung gab, täglich nur Ga de von dieſem braunen Heu und zwei vom andern neben dem Sommer⸗ und Winterſtroh zu verfüttern. So wurden 100 Kühe etwa vier Wochen gefüttert, und ſie fraßen, oder verſchlangen viel⸗ mehr, das braune Futter ſtets mit gleicher Begierde. Zwar gaben ſie nicht mehre Milch bei dieſer Fütterung als früher, wo ſie auch keine Noth litten, aber augenſcheinlich war es doch, daß ſie an Fleiſch und Kräften dabei zunahmen, und ſelbſt der Kuhwärter pflegte oft zu wiederholen:»Se hebt veel beeter Schick daby, as by dat anner Foder«**). — *) Siehe Neue landwirthſchaftliche Hefte, herausgegeben von der Cen⸗ tral⸗Adminiſtration der ſchleswig⸗ holſteiniſchen patriotiſchen Geſellſchaft, Heft 1. n) Dieſer Ausdruck paßt wohl eigentlich nur für verkohltes, dem⸗ nach bereits verdorbenes Heu, und iſt alſo hier nicht recht angebracht. Schon wenn das Heu nur eine, dem allerleichteſten Moostorfe ähnbiche Ge⸗ ſtalt und Farbe angenommen hat, iſt ſein Verderbniß eingetreten. **) Das beſte, ſicherſte Kennzeichen ſeiner Geſundheit. ***)„Sie haben viel beſſeres Gedeihen dabei, als bei dem andern Futter.“ dern — 8. —— 347 Auch bekam die Butter eine höhere Farbe und ſchmeckte faſt wie Sommerbutter, welches ſich hernach wieder verlor, daher es nur vom braunen Heu herrühren konnte. Pferde, denen man dieſes Heu vorhielt, fraßen es ebenfalls ſehr gern, und Schafe verzehrten es mit deaßen Appetit; den Schweinen vergaß man es anzubieten. Heu, das zwar aus einer in Entzündung gerathenen Miethe ſtammte, aber einen angenehm en, ſüßlichen, gewürzhaf⸗ ten Geruch behalten hatte, parfumirte, eingefahren zu Rog⸗ gow, den ganzen Stall und ward mit großer Begierde von den Scha⸗ fen verzehrt. Oftmals ging der verſtorbene Pogge, in Geſellſchaft guter Freunde, mit einer Hand voll dieſes Heues des Mittags, wenn das Rindvieh ſatt gefüttert war und Mittagsruhe hielt, die Reihen der Kühe und Ochſen herunter. Sogleich ſteckten die Thiere, vom Ge⸗ ruch angezogen, die Köpfe durch ihre Räume und verzehrten mit großer Begierde das ihnen Dargebotene. Schafe und Rindvieh zogen immer das gebrannte Heu dem nicht gebrannten, grün geworbenen von glei⸗ chen Wieſen vor. Das dunkelſte war ihnen von dem gebrannten an liebſten. Gleiche Meinung mit dem Schweizer theilt der Holländer und Oſtfrieſe, die aber unſtreitig ihre Sache noch viel beſſer machen. Auch in Holland und Oſtfriesland gibt man vorzugsweiſe dem Horn⸗ vieh das am vollkommenſten g ebreinte« Heu aus der Mitte der Banſen. Wenn man anderwäts glaubt, daß das braune Heu nur dem gelten und dem Maſtviehe beſonders an⸗ ſprechend und zuträglich ſey, ſo gibt die Zucht des ſchönen, ſchweren, milchreichen holländiſchen und oſtfrieſiſchen Milchviehes das Beiſpiel vom Gegentheile. Nie— ſagt Steltzner*)— habe ich Vieh mit der Begierde, mit dem offenbaren großen Wohlbehagen das im In⸗ nern Deutſchlands gebräuchliche grüne Heu genießen ſehen, als die holländiſchen und oſtfrieſiſchen Kühe das braune Heu verzehren. Deſ⸗ ſen Geruch ſcheint ſchon ſehr einladend zu ſeyn, wie die begierigen freundlichen Blicke verrathen, mit denen das Vieh der Vorlegung des Heues entgegenſieht. Obgleich das Heu mitunter ſchilfig, grobſtän⸗ gelig, hart iſt, weil man leider das Gras oft zu alt auf dem Halme werden läßt, ſo bleibt bei dem Genuſſe des braunen Heues nur ſelten ein Stängelchen unverzehrt. Der Geruch desſelben muß dem *) Am oben angeführten Orte, S. 257. ſſ————— 348 Viehe ſehr einladend ſeyn; er iſt ungemein ſüß und hat Ahnlichkeit mit demjenigen, welcher ſich beim Ausbrechen des Honigs aus den Bienenſtöcken verbreitet. Durch das Braten des Heues wird der Saft der dem Viehe angenehmſten Gräſer auch an⸗ dern, vielleicht nicht angenehmen Gewächſen mitge⸗ theilt und das Ganze dergeſtalt zu einer gleichſchmeckenden Maſſe bereitet, daß das Vieh keinen Unterſchied mehr darunter finden kann, Alles mit gleichem Appetit verzehrt, welches auch gleich⸗ mäßig gedeihlich wird. Etwas AÄhnliches gewährt das in Süd⸗ deutſchland ſo ſehr verbreitete Brühfutter. Den Pferden— fährt Steltzner fort— iſt anſcheinend das braune Heu nicht nachtheiliger, als das grüne.— Oſt⸗ frieslands große, in Bſterreich und Italien ſo berühmte Kutſchpferde werden von Jugend auf bei braunem Heu groß gezogen.— Die Pferde des in Oſtfriesland ſtationirten Cüraſſier⸗-Regiments bekom⸗ men kein anderes, als braunes Heu zu freſſen. Kommen ſelbige aus Provinzen, in welchen ſie an grünes Heu gewöhnt ſind, ſo ler⸗ nen ſie dennoch bald das braune Heu mit Begierde freſſen; ihre Wohlbeleibtheit läßt nichts zu wünſchen übrig und Engbrüſtig⸗ keit iſt nicht zu ſpüren. Die Zuchtſtuten der Landleute bekommen kein anderes, als brau⸗ nes Heu in reichlicher Menge. Sie gebären dabei leicht und befinden ſich ſammt ihren Füllen ſehr wohl. Dieſe fangen in dem Alter von wenigen Wochen an, das Heu mit Wohlgefallen zu verzehren. Über die Gedeihlichkeit des braunen Heues für Schafvieh ſind in Oſtfriesland die wenigſten Erfahrungen vorhanden, weil hier keine Schäfereien, außer Heideſchnuken in einigen Geeſtdiſtricten, welchen jedoch wenig oder gar kein Heu gereicht wird, ſind. Die Hausſchafe in den ländlichen Haushaltungen werden, wenn ſie draußen ihre Nahrung nicht finden können, mit braunem Heu gefüttert. Man hält das Innere der Banſen für ſelbige zu gut und gibt ihnen nur das von den äußern Seiten. Dieſe Schafe gehören zu der großen eigenthümlichen Texel⸗Race. An einem andern Orte ſagt Steltzner: »Wer vermag ohne vergleichend angeſtellte Verſuche zum Vor⸗ theile des grünen oder des braunen Heues ein Urtheil zu fällen?— Einzelne Erfahrungen beweiſen hierin nichts. Sonſt könnte ich leicht in Verſuchung kommen, zu Gunſten des braunen Heues abzuſprechen, indem mir eines Jahres die Ernte von mehr als anderthalb hundert Morgen Wieſen dergeſtalt mißglückte, daß ſämmtliches Heu und Grum⸗ —— — ſſſſſſſſſ⁄—— 349 met nur hochſt»reuterzahe« eingebracht werden konnte, wovon die Folge ſolche ſtarke Erhitzung der Heubanſen war, daß ich Wochen lang Tag und Nacht Wachen ausſtellte, um auf die befürchteten Aus⸗ brüche der Entzündung zu achten. Dieſe fielen nun zwar nicht vor, aber die ſo ſchön grün eingeerntete Fütterung hatte bräunliche Farbe angenommen. Nie habe ich durch gleiche Futtermaſſe wohl⸗ genährtere Pferde, Kühe und Rinder gehabt, als bei dem Gebrauche dieſes unſcheinbaren Futters. Der Schaf⸗ meiſter, der ohnedieß mehr auf andere Fütterungsmittel angewieſen war, verbat ſich dieß ungewohnt ausſehende Heu gänzlich, worin ich auch, wegen Unbekanntſchaft mit ſelbigem, gern nachgab, weßhalb ich nicht zu ſagen vermag, wie ſolches den Schafen bekommen ſeyn würde.«— Das, was Steltzner beſonders über die Zuträglichkeit des Braunheues für die Pferde ſagt, beſtätigt ſich auffallend im Norden Schwedens, wo auch eine ähnliche Werbungsmethode gäng und gebe iſt. Man mißt dort die größere Kraft und das feurigere Tem⸗ perament, welche die nordſchwediſchen Pferde auszeichnen, einzig der Fütterung des geſchwitzten Heues bei, das in den ſüdlichen Provin⸗ zen nicht bereitet wird. Der Ackerbauer füttert, obwohl er ſeine Thiere ſtark angreift, gar keinen Haber; ebenſo erhalten die Natio⸗ nal⸗Cavalleriepferde bei der Escadron nur Heu, werden aber den⸗ noch wohl 6—8 Stunden geritten und keineswegs mit Schonung*). §. 147. Auf welchem Wege das vorzüglichſte Braunheu zu er⸗ zielen und gefahrvollen Erhitzungen vorzubeugen iſt.— Recapitulation über den Werth des Braunheues.— Wo die Bereitung desſelben ſtatthaft, und ob ſie Vor⸗ züge vor dem gewöhnlichen Verfahren hat. Unſern bisherigen Vortrag über das Braunheu, deſſen Bereitung und Fütterung, recapituliren wir wohl für die Praxis am lehr⸗ und nutzreichſten durch die Beantwortung einiger, auf dieſen Gegenſtand innig Bezug habender Hauptfragen.— Die erſte derſelben lautet: »Auf welche Weiſe iſt, nach den zeitigen Wahrnehmun⸗ gen und Erfahrungen, das vorzüglichſte Braunheuzu er⸗ zielen, und inwiefern iſt namentlich die Furcht vor der *) Landw. Hefte für die Herzogthümer Schleswig und Holſtein. Erſter Jahrgang, 2. Heft. 350 Selbſtentzündung desſelben gegrindet und dieſer letztern vorzubeugen?« Antwort. 1. Man laſſe das gemähte Gras in Schwaden zum Häufen abwählen. 2. Man wende, Behufs des Einhäufens, das in Oſtfriesland ge⸗ bräuchliche Schwelen an. 3. Die Haufen müſſen möglichſt groß gemacht werden. 4. Die Einrichtung muß ſo getroffen werden, daß möglichſt viel Heu auf einmal eingefahren werden kann. 5. Heu, das zu ſehr ausgedörrt iſt, entſpricht dem beabſichtigten Zwecke ſchlecht. Das ausgeſchwitzte Futter muß ungefähr den fünften Theil ſeines frühern Gewichts verloren haben. 6. Eine ſorgfältige egale Banſung iſt conditio sine qua non; völlige Luftdichtigkeit erſte Regel. 7. Im Allgemeinen iſt wohl die Feimung der Einſcheuerung vorzuziehen. Schornſteine und Dunſtröhren ſind bei den Miethen von Übel. Je kunſtloſer man bei der Setzung zu Werke geht, deſto beſ⸗ ſer iſt es.— Futterboden ſind zum Einheimſen von Braunheu un⸗ brauchbar; es muß ſtets von Grund auf, mit zwei freien Sei⸗ ten, und nicht zu dicht unter's Dach gebanſ't werden. Beiläufig hier die Bemerkung, daß Ständer und Balken auf dem Heuboden ſehr nachtheilig ſind. Sie verhindern das Feſtbanſen des Fut⸗ ters, und wenn ſich dieſes auch bei beſter Bearbeitung und feſtem Ban⸗ ſen ſetzt, ſo entſtehen unten und neben dem Balken kleine Höhlungen in dem Heu, worin es ſchimmelig und ſtaubig, alſo von minderer Güte wird. Man thut alſo gut, ſie zum Theil wegnehmen zu laſſen, wovon, wenn es gut gemacht wird, die Dauer des Gebäudes nicht leidet. 8. Beirichtiger Behandlung des Heues ſind gefahrvolle Erhiz⸗ zungen nicht zu befürchten. Es kommt vorzüglich darauf an: 1) ſich den ſichern Tact in der Beurtheilung des Feuchtigkeitsgra⸗ des zu erwerben; 2) Heu, das eine zu ſtarke Erhitzung befuͤrchten läßt, nicht einznſchelern; ſondern einzuſchobern, damit einerſeits die dem Futter inhärirende Wäſſerigkeit leichter verdunſten, andererſeits die Maſſe, vermöge der mit Sonnenaufgang und Sonnenuntergang be⸗ deutend abnehmenden Temperatur der Atmoſphäre, ſich beſtändig ab⸗ kühlen kann; 3) endlich die Anwendung der bekannten Vorbeugungs⸗ und Dämpfungsmittel zu großer Wärme nicht zu vernachläſſigen. Wo bisher Beiſpiele von Selbſtentzündungen oder zu ſtarken Er⸗ hitzungen des Heues vorgekommen ſind, hat man erweisbar ſtets in ei⸗ — d = eeeeeele eir er use— 4 b 351 ern ner oder der andern oben angedenteter Ruckſichten gefehlt. Belegweiſe 88 diene nur der ziemlich bekannt gewordene Vorfall auf dem Gute Rog⸗ gow in Mecklenburg*). Hier banſ'te man im Jahre 1823, nach der ufen Schweizer Vorſchrift, von dem erſten Schnitte einer Ende Mai und V Anfangs Juni gemähten(mit Erde bekarrten) Wieſe ſucceſſive in ge⸗ vierzehn Tagen 70 ſtarke Fuder in eine 36 Fuß lange, 28 Fuß breite Miethe zuſammen. Dieſe ward ſenkrecht geſetzt, war daher ohne Leiter — nicht zu beſteigen. Um den Regen abzuhalten, bedeckte man ſie gleich del Anfangs 3 Fuß hoch mit Stroh; nach mehren Regen ward die Stroh⸗ decke noch um 4 Fuß erhöht. So ſtand nun dieſe Miethe 5 Wochen gten und 4 Tage. ften Nach Verlauf von acht Tagen fing ſie an, einen piquanten Geruch von ſich zu geben. Oben konnte ſie aber wegen der ſtarken Strohdecke on; nicht ausdünſten, weßhalb, wie ſonſt gewöhnlich, kein Qualm zu bemer⸗ ken war.— Auf den ſich entwickelnden Geruch achtete der verſtorbene ing Pogge wenig. Indeß wurde derſelbe binnen 4 bis 6 Wochen immer vod ſtärker, und gegen die Richtung des Windes konnte man ihn auf mehre eſe hundert Ruthen wahrnehmen. Ein guter Freund, der einige Tage vor an⸗ der Entzündung mit Pogge nahe an der Miethe vorbeiging und in das ei⸗ Heu fühlte, machte die Bemerkung:»Wenn ſich die Miethe nur nicht entzündet; auf dieſem Ende iſt ſie ſo heiß, daß ich kaum die Hand darin halten kann.« Pogge antwortete:»Das wiſſen die Schweizer beſſer! 83 V Sie haben darüber Erfahrung, daß ſich das Heu nicht entzündet; ich dar bin jetzt ganz ſicher. nin(Etwas Zweifel hegte er aber doch; deßhalb ſetzte er die Miethe wird. nahe an eine Viehtränke, am Rande der bekarrten Wieſe, entfernt von genn Gebäuden.) Den 28. Juli war Pogge zur 25jährigen Stiftungsfeier des pa⸗ hi⸗ triotiſchen Vereins nach Roſtock gereiſ't, und gerade an dieſem Tage den ging die Miethe in Feuer auf! Der Wirthſchafter Seeckt zu Roggow ra⸗ ſtattete darüber folgenden Bericht ab: üten»Der 28. Juli war ein heißer Tag. Ich war mit allen Arbeitern fis des Gutes, 20—30 Ruthen von der Miethe entfernt, auf der Wieſe, ſet mit der Werbung des zweiten Schnittes derſelben beſchäͤftigt, als einer 4, von den Leuten, Nachmittags 4 Uhr, mir ſagte, daß oben auf einem— 9 3 Ende der Miethe ein großer Dampf entſtände. Indem ich mein Auge 19 V V dahin wandte, folgte die helle Flamme und das Stroh fing ſammtlich 6,*) Vergleiche des 13. Jahrg. der mecklenb. Annalen 1. und 2. Quartal, Seite 311— 331. ei 1 352. Feuer. Sogleich ließ ich Leitern, Feuerkübel und Eimer halen; w wegen der Nähe des Waſſers, und weil das Heu gebanſ't war und ſich fohr— zuſammengedrückt hatte, konnte das Feuer in die feſte Heumaſſe nicht ſchnell eindringen, und es gelang uns, bald Herr desſelben zu werden. Das Ausgießen des Feuers geſchah von den an die Miethe geſetzten Leitern aus. Nachdem das Feuer gelöſcht, ließ ich die Erntewagen ſo⸗ gleich herbeibringen, um die Miethe auseinander zu fahren. Niemand wollte ſich aber Anfangs auf die Miethe wagen, in der Meinung, ſie möchte inwendig verkohlt ſeyn, und man ſich der Gefahr ausſetzen könnte, in einen glühenden Aſchenhaufen hineinzuſtürzen. Mit größter Vorſicht wurde daher dieß Werk begonnen und das Heu abgebracht. Es war von dunkel⸗ und hellbrauner Farbe. So weit der Zutritt der äußern Luft, etwa einen Fuß breit, Statt gefunden hatte, war es grün; bloß auf der einen Seite, wo die Miethe vorher ſehr heiß geweſen, etwa vier Fuß vom Ende, fand ſich ein Canal von einem Fuß im Durchmeſſer, der ganz verkohlt und voll Feuer war. So wie eine Schicht Heu abge⸗ nommen, mußte wieder Waſſer zum Löſchen hineingegoſſen werden. Dieſer Canal reichte von oben bis auf drei Fuß von der Erde hinun⸗ ter« u. ſ. w. Hätte Pogge, der im§. 145 gegebenen Vorſchrift gemäß, zur rechten Zeit einen Canal Behufs der Entweichung und Mäßigung der innern Hitze in den Feimen gegraben, ſo würde er dieſem Unglücke vor⸗ gebeugt haben. Dieſelbe Unterlaſſungsſünde beging er bei nachfolgen⸗ dem zweiten Verſuch, deſſen ſchließliches Ergebniß zugleich einen wieder⸗ holten Beweis für die Schädlichkeit loſer, nicht luftdichter Banſung liefert. Er ließ nämlich im folgenden Jahre auf der alten Miethſtelle, von derſelben Wieſe, unter gleichen Umſtänden geworbenes Heu, 40 Fuder, wieder in Form eines länglichen Vierecks, 20 Fuß im Durchmeſſer, ſez⸗ zen— nicht breiter, um den Hitzgrad von Zeit zu Zeit genau unterſu⸗ chen zu können. Zu dem Ende wurden zwei eiſerne, 10 Fuß lange Stangen zur Hand genommen, die eine mit einem Krätzer, die andere mit einer ſchar⸗ fen Spitze verſehen. Hiermit konnte man von beiden Seiten bis in den Mittelpunct der Miethe reichen. Anfangs ließen ſich Proben mit dem Krätzer herausbringen und die ſpitze Stange leicht hineinſchieben; ſo wie aber die Miethe mehr und mehr ſich zuſammendrückte, ging der Krätzer gar nicht, die ſpitze Stange nur durch Klopfen hinein. Nach Verlauf einiger Tage wurde die Miethe etwas warm; von Tag zu Tag ſtieg der Wärmegrad. Wenn die Stange einige Stunden darin —— va vier meſer. abge⸗ erden. nun⸗ zur 9det vor⸗ lgen⸗ ieder⸗ chter , von Fuder, r, ſey terſu⸗ in zur ſcha⸗ bis in en mit ieben; ig der Nach lag zu darin 353 geſteckt hatte, ſo konnte man an ihr den Wärmegrad leicht durch das Gefühl beſtimmen. Der Grad der Hitze blieb ſich nicht auf allen Stel⸗ len gleich; bald war er hier, bald dort am ſtärkſten. Nach Verlauf von drei Wochen concentrirte ſich die Hitze, gleich der andern Miethe, auf eine kleine Stelle, ebenfalls ungefähr vier Fuß vom Giebelende; auf den andern Stellen nahm ſie immer mehr ab. Da den verſtorbenen Pogge die Sache ſehr intereſſirte, unter⸗ ſuchte er die Stange täglich mehre Male. So lange er ſie noch, ohne die Hand zu verbrennen, anfaſſen konnte, ließ er Alles ruhig ſtehen; da aber in der vierten Woche die Hitze ſo ſtark wurde, daß er gleich beim Herausziehen der Stange ſelbige nicht mehr anfaſſen und nun eine Entzündung vorherzuſehen glaubte, entſchloß er ſich zum Umſatze der Miethe, in der Hoffnung, das Heu hierdurch etwas abzukühlen. Hierbei bemerkte er nun, daß das Heu gleichfalls eine braune Farbe angenommen und alles ziemlich warm und geſchmeidig war. Auf einer Stelle, circa ſechs Fuß im Umfange, aber hatte ſich die Hitze concen⸗ trirt. Das Heu war hier zwar noch nicht verkohlt, doch ſchwarz und ſo heiß, daß man es mit der bloßen Hand nicht anfaſſen konnte. Das Umſetzen hatte nun den Erfolg, daß die Miethe zwar von Neuem ſich erhitzte, aber nicht in dem vorigen Grade. Sie blieb bis zum Mo⸗ nate März draußen. Das Heu entſprach Pogge's Wünſchen nicht; es war von oben bis zur Mitte etwas ſtaubig, wahrſcheinlich weil es nicht feſt genug gebanſ't und, durch die eigene Schwere nicht genug zuſam⸗ mengedrückt, den Eindrang der Luft nicht abhalten konnte. Das un⸗ terſte Heu war vortrefflich. Pogge fütterte dieß Heu ohne nachtheilige Folgen mit dem Rind⸗ viehe auf, welches indeſſen keinen beſondern Appetit dazu bewies. Zufolge dieſer Wahrnehmungen und weil kein Maßſtab bekannt, wornach der rechte Grad der Graswählung zu beſtimmen ſey, macht Pogge nun den Schluß: daß die Schweizer Methode eine, wegen der großen Gefahr der Entzündung des Heues höchſt gefährliche Ope⸗ ration ſey. Liegt nun aber der Stein des Anſtoßes nicht allein in der mangelhaften Ausführung der Sache?— Ebenſowohl iſt, nur aus Mangel an praktiſcher Kenntniß des Verfahrens, in Schlagsdorff, in Cowalz, in Dehmen ꝛc. Braunheu verdorben und zum Theil in Flammen gerathen. Auf letzterem Gute hatte der Sohn des Herrn Pogge bereits längere Zeit mit ſehr glücklichem Erfolge das Schweizer Verfahren bei der Grummeternte nachgeahmt. Es galt auch bei ihm als Regel, ſolches nur halb ausgewählte Heu nicht in Gebäuden, ſondern in Miethen zu banſen. Zugleich vermied er es, Lengerke's Wieſenbau. 23 354 zum Einfeimen feuchte Tage zu wählen und naſſe Klumpen mit ein⸗ zufahren. Die Miethen wurden allenthalben gleichförmig und hart abgeharkt; dadurch wird vermieden, daß nachmals keine loſe anhän⸗ gende Heuklumpen abfallen, wodurch kleine Vertiefungen entſtehen, in denen ſich das ablaufende Regenwaſſer anſammelt, welches von dem durch das ſtarke Schwitzen Anfangs noch feuchten Heu noch mehr angezogen wird. Holz oder andere Körper, durch welche der Luft ein Zutritt geöffnet wird, wie z. B. die in der Mitte des Haufens auf⸗ gerichteten Stangen, litt Pogge in ſolchen Miethen durchaus nicht. Das auf dieſe Weiſe aufbewahrte Heu hatte mehre Jahre hindurch ſich bei der Winterfütterung ſtets als geſund und gedeihlich bewährt, als man im Spätherbſte 1820 an verſchiedenen, von den größern Heuwieſen entlegenen Orten und zum Theil auch das Gras von den Geilhaufen in den Viehweiden abmähen ließ, um ſolches noch zu Heu zu machen und einzuwerben; es mochten im Ganzen 5—6 Fuder ſeyn. Da Pogge auf acht Tage verreiſen mußte, ſo empfahl er ſei⸗ nem Wirthſchafter, mit dem Einfahren desſelben, wenn es nur etwas und auch nicht gerade bis zur Hälfte ausgewählt ſey, nicht zu ſäumen, weil die Jahreszeit ſchon ſpät und anhaltendes Regenwetter zu fürchten ſey. Er nahm hierbei vorzüglich auf den größten Theil der in der Hutung bereits gemähten, theilweiſe ſchon abgeſtorbenen Gräſer Rück⸗ ſicht. Der Wirthſchafter hatte dieſe Anweiſung etwas zu pünctlich ge⸗ nommen und das noch zu ſaftreiche grüne Gras ſchon gleich am zwei⸗ ten Tage, aus Furcht vor Regenwetter, in einer kleinen Miethe zu⸗ ſammengefahren. Bei ſeiner Zuhauſekunft bemerkt Herr P. gleich, was geſchehen, und da die Miethe bereits brennendheiß war, ließ er ſie augenblicklich oben und rundum mit Stroh bedecken, um auf dieſe Weiſe der Luft ſo viel möglich den Zutritt abzuſchneiden, weil er be⸗ ſorgt war, die ganze Maſſe könne ſich ſelbſt entzünden und beim Zu⸗ tritt der Luft in Feuer aufgehen. Als er ſpäterhin dieſe kleine Miethe öffnen ließ, fand es ſich, daß das darin enthaltene Heu ſämmtlich kohlſchwarz und in ſich ſelbſt verbrannt war. Das in der Mitte ge⸗ legene, am mehrſten verbrannte, fiel bei der geringſten Berührung in einen ſchmutzigen Aſchenhaufen zuſammen; je mehr es ſich den Außen⸗ ſeiten näherte, deſto weniger war es verbrannt. Dieſe Erfahrung be⸗ wies Hrn. Pogge, wie ſehr man ſich vor Einbanſung noch naſſen Futters zu hüten habe, wäͤhrend gegentheils die Fortſetzung ſeines frü⸗ hern geregelten Verfahrens bei der Braunheubereitung ihm unaus⸗ geſetzt die günſtigſten Reſultate geliefert hat*). *) Vergl. meckl. Annalen, Jahrg. 8., Seite 596. — —— 35⁵ Wenig bekannt ſcheint das Mittel zu ſeyn, wodurch die Hollän⸗ der und auch die Beſitzer der Elbwieſen der Selbſtentzündung ihres Braunheues oder ſonſt etwas klamm(feucht) eingeborgenen Futters vorbeugen. Es beſteht ſolches darin, daß man kopfgroße Steine mitten in die Heuberge legt, welche nicht, wie man zum Theil fälſchlich glaubt, den Luftzutritt begünſtigen ſollen, ſon⸗ dern die ſich immer concentrirende Hitze gleichſam verſchlucken. Man hat kein Beiſpiel, daß bei Anwendung dieſes Mittels gefähr⸗ liche Erhitzungen vorgefallen ſind, trotz dem, daß, namentlich in der Umgegend Hamburgs, das zum Verkauſe nach dieſer Stadt beſtimmte viele Futter, des beſſern Gewichtsausfalles wegen, allgemein von den Producenten in der Haldwäͤhlund geworben wird. 4 Frage 2. »Wie veſultirt das Braunheu als Viehfutter?« 4 Antwort.- Genaue vergleichende Verſuche liegen über den Futterwerth des Braunheues bis jetzt nicht vor; aus allen bisherigen Wahrnehmun⸗ gen erhellt aber, daß in jeder Hinſicht gut bereitetes Braunheu mindeſtens gegen die Nahrhaftigkeit und Gedeihlichkeit von gutem Grünheu nicht zurückſteht. Verdorben iſt das Braunheu, ſobald es ſich verkohlt hat; ſeine ſchwarze Farbe liefert nicht immer den Be⸗ weis des Verderbs, im Gegentheil iſt das bis zum äußerſt mög⸗ lichen Grade gebrannte Futter gerade das angenehmſte und gedeihlichſte für das Vieh. Der angenehme, ſüßliche, gewürz⸗ hafte Geruch iſt das Kennzeichen der Unverdorbenheit. Bis jetzt zei⸗ gen die in Deutſchland, mit Ausnahme von Oſtfriesland, gemachten Beobachtungen im Allgemeinen, daß das Braunheu weniger der Milch⸗ vermehrung, als dem Fleiſchanſatze förderlich iſt. Geſund und ge⸗ deihlich hat ſich übrigens dieſes Futter bei allen Arten Vieh bewährt. Man glaubt, daß auf dem Wege der Erhitzung die ſchlechtern Grä⸗ ſer von den angenehmen Eigenſchaften der guten annehmen, und, wie eine an ſich unverdauliche, ſchmackloſe Speiſe durch künſtliche Berei⸗ tung mundbar wird, dergeſtalt zertheilt und zugerichtet werden, daß ſie es nun hinſichtlich ihrer Nahrungsfähigkeit zum Theil mit den viel höher geſchätzten Pflanzengattungen aufnehmen. Der bekannte Herr Kammerrath Zimmermann ſagt in dieſer Ruckſicht: Wir ſuichen den Zweck, die harten, ſauern und binſenartigen Gras⸗ 23*¼ arten in ein nahrhaftes und dem Viehe zuträgliches Futter zu ver⸗ wandeln, zwar dadurch zu erreichen, daß wir ſolches Heu längere Zeit, ſelbſt bei einer günſtigen Witterung, der Luft, der Sonne, dem Re⸗ gen und Thau ausſetzen; es iſt aber wohl nicht zu bezweifeln, daß dadurch dem Graſe viele nahrhafte Theile entzogen werden, welche bei der Behandlungsart ein braunes Heu erhalten werden. Letztere macerirt und digerirt das Heu; erſtere aber entkräftet dasſelbe zu⸗ gleich und verwandelt es in eine Art von nahrhaftem Stroh. Ich möchte beinahe behaupten, daß ſehr viele von unſern gröbern und ſauern Heuſorten ebenſo viele Nahrungstheile als die feinern und ſüßern enthalten; daß der Grund des Widerſtrebens und der Nahrungsloſig⸗ keit derſelben bloß in deren Umhüllung zu ſuchen iſt, und daß dieſelben durch den eintretenden Gährungsproceß dem thieriſchen Magen zu⸗ träglicher gemacht werden. Die tägliche Erfahrung zeigt es ja, daß das Vieh dergleichen Heu deſto lieber frißt, je länger es den Ein⸗ wirkungen der zerſtörenden Witterung ausgeſetzt geweſen iſt; daß, wenn dergleichen Großgräſer binnen kurzer Zeit als grünes Heu ge⸗ worben werden, dieſes von dem Viehe verabſcheut wird, und daß dasſelbe dabei mehr abmagert als zunimmt, und beinahe verhungert. Ein ſolches Heu hat kaum den Fütterungswerth des Strohes, und dieſer ſinkt um ſo tiefer, je raſcher dasſelbe bei einer günſtigen Witte⸗ rung geworben wird und je mehr es den Anſchein einer grünen Farbe hat. Hier widerlegt auch die todte Natur den Lavater'ſchen phyſiogno⸗ miſchen Grundſatz:»daß nur eine gute Seele— eine gute Nahrungs⸗ kraft— in einer äußerlich angenehm erſcheinenden Geſtalt wohnen könne.« In beiden Verhaͤltniſſen ſind die Erfolge wohl nur allein von der Behandlung abhängig*). Frage 3. „»Wo und unter welchen Umſtänden iſt die Braunheu⸗ bereitung ſtatthaft, und hat ſolche Vorzuüge vor dem gewöhnlichen Verfahren?« Antwort. Vorherrſchende naſſe Witterung— ſtarker Nebel und Thau, alſo die Herbſternte, Mangel an hinreichenden Arbeitern, das vorherr⸗ ſchende Intereſſe, die Wieſen ſchnell zu räumen— empfehlen die Heu⸗ bereitung auf dem Wege des Schwitzens. Dazu rechtfertigt nun noch Seairtbſchoftutge Zeitung, 1830, Seite 126. zll ver⸗ ere Zeit, em Re⸗ ln, daß welche deßtere elbe zu⸗ möchte ſauern ſüßern goͤlloſig⸗ jeſelben gen zu⸗ ,, daß tEin⸗ daß u ge⸗ daß gert. und itte⸗ arbe Mo⸗ ngs⸗ hnen von heu⸗ dem alſo err⸗ heu⸗ noch 357 die Eigenthümlichkeit der einer Digeration bedürftigen Grasarten(wie wir oben geſehen haben) die Braunheufertigung. Aber wir dürfen bei dieſer Gelegenheit den ſehr triftigen Einwurf nicht verſchweigen, daß häufig das Hen der Moorwieſen nicht ſpecifiſch ſchwer genug ſeyn möchte, um ſich luftdicht banſen zu laſſen und ſi ich vermöge eigener Schwere noch feſter zu drücken. Übrigens ſind alle Futtergattungen zum Braunheu geeignet, und wir können, nach allen unſern obigen Mittheilungen, dem verehrten Herrn Kammerrath Zimmermann nicht beipflichten, wenn er annimmt, daß alle feinere und ſüße Gras⸗ arten durch die Behandlung zum braunen Heu verſchlechtert werden. Jedoch eben weil dem deutſchen Landwirthe im Ganzen noch der praktiſche Tact abgeht, auf durchaus ſicherem, zuverläſſigem Wege gutes Braunheu zu erzielen, haben die Beſitzer großer Vieh⸗ züchtereien ſich wohl vorzuſehen, von ihrem erprobten Gewohnheits⸗ verfahren nicht ohne dringende Veranlaſſung abzugehen, bevor ſie ſich durch länger forntgeſetzte Verſuche im Kleinen die dem Schweizer, Holländer, Frieſen eigene praktiſche Umſicht in der ihnen bisher nur aus Schriften und mangelhafter Anſchauung bekannt gewordenen Me⸗ thode erworben haben. Poſitive Vorzüge vor dem Grünheu hat das Braunheu wohl nicht, außer vielleicht den oben erwähnten in Rückſicht auf die Pflan⸗ zengattungen, die ohne Gährung ungenießbar und unverdaulich blei⸗ ben. Sowohl im nördlichen als ſüdlichen Deutſchland, wo nur Grün⸗ heu geworben wird, beſitzen wir Molkereien, Maſtwirthſchaften ꝛc., die ſich in ihren Reſultaten mit den Ergebniſſen der Viehzüchtereien der Schweiz, Hollands ꝛc. gleichſtellen, unabgeſehen freilich von den Vorzügen, die eigenthümliche Race und Localität ꝛc. den letztern an⸗ eignen. §. 148. Heuwerbung aus ſehr naſſen und überſchwemmten Wieſen. Es trifft ſich im nördlichen Theile unſers Vaterlandes häufig, daß anhaltende regneriſche Witterung, beſonders in der Nachmahd⸗ ernte, das Herausſchaffen des gemähten, im Waſſer liegenden Gra⸗ ſes aus der Wieſe auf die Höhe nothwendig macht. Anſtatt auf dem Dreſch, thut man beſſer, es auf einem Stoppelfelde recht dünn auszu⸗ breiten. Hier liegt es hohl und trocknet daher leichter.. Obgleich die Sumpflöcher, welche man ehedem Wieſen nannte, von Jahr zu Jahr ſeltener werden, ſo gibt es doch noch, ohne Schuld ihrer Beſitzer, ſolche Terrains, die in naſſen Jahren kein Pferd zu 358 tragen vermögen. Hier fördert man das geworbene, in kleine Hau⸗ fen gebrachte Heu in Mecklenburg gewöhnlich durch Tragebünde. Es wird nämlich ein zwei bis vier Fuß langer, hinreichend ſtarker Stock genommen, an deſſen einem Ende ein Strick von der Länge einiger Ellen befeſtigt iſt. Darein packt der Arbeiter eine gute Maſſe Heu und befeſtigt ihn alsdann unter ſtarkem Zuſammendruck des Heues an das andere Ende des Stockes. Das 80 bis 100 Pf. ſchwere Heubund wird alsdann auf dem Rücken zu der Stelle getragen, auf welcher aus mehren ſolchen Bunden wieder ein Haufen geſetzt wird. Dieß Verfahren iſt zögernd und für die Arbeiter ungemein beſchwerlich. An einigen Orten, beſonders da, wo das Heu eine weite Strecke hinausgetragen werden muß, bedient man ſich daher kleiner zweirãdri⸗ ger Heuwagen, die äußerſt leicht gearbeitet und deren Räder aus ſtarken hölzernen Tonnenreifen verfertigt worden ſind. Dieſe Wägelchen wer⸗ den von den Arbeitern gezogen, ſind indeſſen leicht zerbrechlich und auf unebenen oder ſehr ſumpfigen Wieſen überall nicht anwendbar. Zum Heraustragen des ganz naſſen, noch nicht gewählten Fut⸗ ters gebraucht man gewöhnlich Miſtbahren. Zu Wasdow in Mecklenburg wurde ein äußerſt einfaches, för⸗ derndes und dabei für die Arbeiter gar nicht beſchwerliches Verfahren angewandt, das, als erprobt und bewährt befunden, demjenigen em⸗ pfohlen werden kann, der, wie es öfter der Fall iſt, ſolche Wieſen zu werben hat, aus denen das Heu, zum Zweck der Abfuhr, weit getra⸗ gen werden muß. Man läßt das Heu in mäßige Haufen, von denen etwa 10 bis 12 auf ein ſtarkes Hoffuder gehen, zuſammenbringen, dieſe Haufen eine Nacht, auch wohl nur einen halben Tag ſtehen, damit ſie, nach dem Provinzial⸗Ausdruck, etwas zuſammenſacken oder ſich fe⸗ ſter liegen. Dann werden zwei Stangen, jede etwa 16 bis 20 Fuß lang, von der Stärke einer gewöhnlichen guten Hopfenſtange, genom⸗ men und hart unter den Heuhaufen, in einer Entfernung von 2 bis 2½ Fuß voneinander und ebenſo weit von jeder Seite, geſchoben, nachdem die Stangen vorher, zum Zweck des leichtern Einſchiebens, von ihrer Rinde befreit und zugeſpitzt worden. Zwei Mann, an jeder Seite einker, verſehen mit gewöhnlichen Schiebkarren⸗Gurten, heben mit dieſen Stangen, zwiſchen welchen ſie gehen und an welche ſie die Gurten befeſtigt haben, den ganzen Heuhaufen, der nicht auseinander⸗ fällt, in die Höhe und tragen ihn ohne große Anſtrengung nach dem Orte ſeiner Beſtimmung. Um auszuruhen, können die Arbeiter ſo⸗ gar den Haufen auf ihrer Reiſe ein paar Mal ohne Gefahr der 359 Auflöſung niederſetzen, nur müſſen ſie dabei mit gehöriger Vorſicht, nicht tölpelig verfahren.(M. Annalen, Jahrg. 7., zweite Hälfte.) §. 149. Das Laden und Einfahren. Hinſichtlich der Geſchäfte des Ladens und Einfahrens bedarf es wohl nicht der allgemeinen Bemerkung, daß ihre Förderung von der richtigen Vertheilung und Anſtellung der Arbeiter und Geſpanne ab⸗ hängig iſt. Vor Allem kommt es darauf an, daß gleichzeitig raſch und gut geladen wird, wodurch bei einer ausgedehnten Werbung manche unnöthige Fuhren erſpart werden. Hauptſache iſt, darauf zu achten, daß die Lader ihr Fuder nicht zu kurz machen, oder, wie man ſich ausdrückt, nicht vorn und hinten zu ſehr einziehen, weil ein ſo kleiner Wagen nur wenig faſſen kann. Auch legen ſie häufig die erſte Lage über die Leitern zu ſchmal an, wodurch denn im Ganzen nur eine kleine Maſſe von Heu aufgeladen wird. Wenn das Fuder gebäumt iſt, ſo muß der Harker gleich bei der Hand ſeyn, das an den Seiten desſelben loſe herumhaͤngende Heu abzuharken, weil dieſes ſonſt beim Nachhauſefahren herunterfällt und verloren geht. Auch darf der Auf⸗ ſeher es nicht leiden, daß die Fuhrleute mit vollem Fuder zu ſtark fahren, indem durch das ſtarke Stoßen und Schütteln des Wagens viel Heu verſchleudert wird, ja ſelbſt das ganze Fuder leicht umge⸗ worfen werden kann. Die Harker dürfen nicht aus den Augen gelaſ⸗ ſen werden. Endlich ſorge man allabendlich für die Nachſammlung des Fahrweges. §. 150. Banſen; Einſchobern des Heuesz Vorzüge dieſer Me⸗ thode. Wie ihren Nachtheilen vorzubeugen iſt.— Beſte Form der Feimen. Es verſteht ſich, daß man dem Heu, nach Maßgabe der ver⸗ ſchiedenen Qualität und Beſtimmung, ſeinen Platz in den Zimmern anweiſ't.— Hier muß es durchaus eben und gleichmäßig auseinander geſtreut werden, damit es völlig luftdicht zu liegen kommt. Wenn es ſich nach einigen Tagen gelagert hat, ſo iſt unter dem Dache, ſo ſehr man es auch dort hinunterpfropfen ließ, wieder ein leerer Raum, zuweilen von 2— 3 Fuß. Dieſer leere Raum muß, ſobald neues Heu hinaufgebracht werden ſoll, wieder ausgefüllt und gut nie⸗ dergetreten werden.— Daß es aber, wenn man Braunheu ein⸗ ſcheuert, beſſer iſt, ſolches nicht bis unter das Dach zu banſen, iſt —— ͦ——————— — 360 ſchon oben erwähnt.— Vor einer Lüftung des ſtark erhitzten einge⸗ banſ'ten Heues hat man ſich natürlich ſehr zu hüten. 4 In zahlloſen Fällen wird das Einſchobern des Heues der Aufbewahrung in Gebäuden vorzuziehen ſeyn. Hier nur einige An⸗ deutungen: Die allgemeine Erfahrung hat ergeben, daß das Futter ſich in gut geſetzten Diemen viel beſſer conſervirt.— Wenige Höfe haben die glückliche Lage inmitten ihrer Feldmark; allen übrigen, großentheils der Gränze ganz nahe gelegenen, iſt das Setzen von Miethen auf den entfernten Wieſen, von wo ſie bei gelegener Zeit in die Gebäude geführt werden, nicht dringend genug zu empfehlen; bei geringerem Aufwande von Kräften der Menſchen und Pferde wird die Ernte dadurch ſehr gefördert, häufig ein großer Theil des Ein⸗ ſchnittes vor Beſchädigung oder wohl gar gänzlichem Verderben durch Regenwetter geſichert.— Und wenn es gleich Regel bleiben muß, das grüne Heu auch in Feimen nur völlig trocken einzubringen, ſo ſetzt man ſich doch dabei, im nothgedrungenen Falle etwas feuchter Einbringung, minderer Gefahr als in den Gebäuden aus.— Die Separation und freie Verfügung über die verſchiedenen Heuarten wird durch das Miethenſetzen ſehr erleichtert; ebenſo kann man das Heu von einem Jahre zum andern weit bequemer aufbewahren.— Wichtig auch iſt die bewirkte Erſparung der Bauten und deren Unter⸗ haltung ꝛc. Will man dieſen vielen Vorzügen der Feimen— wie denn jedes Ding ſeine Schattenſeite hat— einige Nachtheile entgegenſtellen, ſo treten hauptſächlich zwei hervor, nämlich: die durch ſie veran⸗ laßte größere Feuersgefahr nahe ſtehender Gebäude, und der Schaden, den man bei einfallendem Regen hat, wenn ſte noch nicht vollendet und durch ein Dach gegen Näſſe geſichert ſind. Beide laſſen ſich aber gar füglich umgehen.— Wenn man Miethen oft nahe an iſolirten, oft an in Dörfern und Höfen zuſammenhängen⸗ den Gebäuden aufgeführt ſieht, ſo weiß man nicht, was man mehr bewundern ſoll— die Einfalt und den Egoismus ihrer Beſitzer, oder die Fahrläſſigkeit der landwirthſchaftlichen Polizei und die Beſchränkt⸗ heit unſerer agrariſchen Legislatur.— Unſtreitig werden ja die Fei⸗ men durch ſolche Lage ihres beſten Schutzmittels gegen Durchnäſſen, des freien Luftzugs, beraubt, und die Arbeitserſparung durch Nahe⸗ ſtehen an Gebäuden iſt in der That nur ſcheinbar. Sobald dieſe Ge⸗ bäude nur ſchuldenfreies, nicht verſichertes Eigenthum eines Einzelnen, ohne allen Zuſammenhang mit dem Gute anderer Individuen ſind, bringt zwar die vergrößerte Feuersgefahr nur dem Beſitzer Nachtheil 361 und geſtattet vielleicht rechtlich kein polizeiliches Einſchreiten; ſind die Gebäude indeß verſichert, oder in irgend einer Verbindung mit dem Gute anderer Menſchen, ſo wird durch ein ſolches Verfahren das Ver⸗ mögen der ganzen Verſicherungsgeſellſchaft und ſonſtiger Perſonen auf unſtatthafte Art in Gefahr geſetzt. Es liegt daher den competen⸗ ten Behörden jener ob: für verſicherte Gebäude in Hinſicht der Lage der Korn⸗ und Heumiethen gewiſſe Beſtimmungen ergehen zu laſſen, daß z. B. valle dieſe Miethen mindeſtens 400 Ellen von Gebäuden entfernt ſeyn müßten«*). Dem oben angegebenen zweiten Nachtheile vorzubeugen, iſt eine Einrichtung nöthig, wodurch unvollendete Miethen leicht und ſchnell, auch ohne großen Koſtenaufwand, gegen Regen geſchützt werden kön⸗ nen. Dazu iſt Folgendes vorgeſchlagen: Man laſſe ſich von grober) jedoch recht dichter Leinwand ein La⸗ ken von ſolcher Größe machen, daß es zur Bedeckung der obern Fläche einer Miethe von ſo beträchtlichem Umfange, als man zu errichten für zweckmäßig hält, hinreicht und an den Seiten der Miethe noch ein paar Ellen lang herabhängt; man befeſtige daran, auf zwei ent⸗ gegengeſetzten Seiten, ebenſo lange, ganz gerade Latten; genau im Mittelpuncte werde ein rundes Loch ausgeſchnitten(nach ungefährem Verhältniſſe der Stärke einer gewöhnlichen Miethenſtange), und von da aus das Laken nach einer der Seiten hin, welche nicht an Latten befeſtigt ſind, längs der Mitte voneinander getrennt; demnächſt wird an dem Saum der runden ffnung ein offener, mit ſtarken Bändern zum Zubinden verſehener Vorſtoß(Quadder) von dopppelter Lein⸗ wand, etwa% Elle breit, genäht und die beiden, durch das Auf⸗ trennen entſtandenen Kanten auf zwei Latten⸗Enden genagelt, welche durch einige Ohre(Oſen) von Sackgarn und an eben ſolches Band befeſtigte kleine Holzknebel leicht feſt miteinander verbunden werden können; auf eine jener Kanten wird überdieß ein ½ Elle breiter Überſchlag genäht, welcher, wenn die beiden Latten⸗Enden zuſammen⸗ gefügt ſind, zum Schutze gegen das Eindringen des Regens in die Fugen übergeſchlagen und feſt gebunden wird. Das ſo verfertigte La⸗ ken werde dann mit erwärmtem Theere getränkt, theils zu größerer Dichtigkeit und Dauer, theils auch, um diebiſche Hände, wegen dadurch herbeigeführter Untauglichkeit zu manchem anderweitigen Gebrauche *) Diſtr. Protocolle des mecklenb. patriotiſchen Vereins.— Andere haben gemeint, daß, um bei entſtehendem Brande der Miethen die Gebäude gegen An⸗ ſteckung zu ſichern, eine Entfernung der letztern von erſtern von 20 bis 30 Ru⸗ then hinlänglich ſey, was uns aber nicht zu genügen ſcheint⸗ 362 und eines leichtern Wiedererkennens, deſto beſſer davon abzuhalten. — Dieſes Laken ſey nun bei Einrichtung einer Miethe— ſo wie auch bei ihrer Wegführung— ſtets bei der Hand; kommt Regen, ſo wird eine, gleichfalls immer dabei bereit zu haltende, über die ganze Breite der Miethe hinausreichende, ſtarke Latte mit zwei oder drei mäßig hohen doppelten Füßen(wie bei den Gerüſt⸗Böcken der Maurer, je⸗ doch zum Verhüten des Einſinkens auf Bret⸗Enden ruhend) auf die Miethe geſetzt und hierüber das von beiden Seiten bis zur Mitte um die Latten aufgerollte Laken in gleichlaufender Linie mit dem Ge⸗ rüſte gezogen, und zwar mittelſt des belaſteten Einſchnittes, ſo, daß der Vorſtoß des runden Ausſchnittes die Miethenſtange umfaßt; dieſer wird dann feſt um die Stange gebunden, die beiden Latten⸗ Enden werden zuſammengefügt, der Überſchlag wird darüber gebun⸗ den und das Laken von beiden Seiten herabgerollt; zur Sicherung gegen ſtarken Wind und um das Laken ſtraff zu machen, befeſtigt man um die Enden der Latten Taue, welche lang genug ſind, um die hervorſtehenden Enden von einigen Stangen geſchlungen zu werden, welche zu dieſem Zwecke bei der Anlage zur Miethe platt auf die Erde gelegt worden.— Dieß ganze Verfahren, wodurch die Miethe voll⸗ kommen bedacht wird, iſt in wenigen Minuten zu Stande zu brin⸗ gen, und alſo nicht allein dann anzuwenden, wenn während der Ar⸗ beit Regenwetter einfäͤllt, ſondern auch beſtändig Abends, beim Schluſſe der Arbeit, wenn die Miethe nicht vollendet wurde oder eine völlige Abfuhr derſelben nicht erreicht werden konnte. Iſt die Miethe bereits zugeſpitzt, und es konnte ihr nicht ſofort eine gehörige Bedeckung von Stroh gegeben werden, ſo ſind die langen Latten von dem Laken zu trennen und dieſes dann, ohne das Untergeſtell, nur ſo umzuhängen und allenfalls unten mit einem Seile zu umringen.— Was ein ſolches Laken koſtet, iſt höchſt unbedeutend gegen den Vor⸗ theil, welchen es gewährt, beſonders wenn man bedenkt, daß es, wird irgend ordentlich damit umgegangen, wohl 50 Jahre und darüber möchte genutzt werden können. Der den Heufeimen zu gebenden Einrichtung iſt ſchon mehrfach ge⸗ dacht worden. Die Hauptſache bei ihrer Anlage iſt: eine gute Unter⸗ lage von Stroh, Holz oder Buſch. Man gibt ihnen allerhand For⸗ men; immer iſt dabei zu beobachten, daß die obere Fläche und die Seitenwaͤnde dem Tropfenfalle und Waſſerablaufe möglichſt wenig ausgeſetzt werden. Deßhalb iſt die Tſchakoform, wenn der Handgriff in der Herſtellung erworben, ſo empfehlungswerth; ebenſo wie die oblong geſetzten Diemen den Vortheil gewähren, daß man ſtets einen —“ 363 kleinen Theil völlig fertig herſtellen, bedecken und daneben mit Vergrö⸗ ßerung derſelben fortfahren, auch ſie ſpäterhin gleichfalls ſucceſſive an⸗ brechen und wegfüttern kann.— Auf welche Art man ſeine Diemen auch ſetzt, in der Regel iſt anzurathen, ſie nicht größer zu machen, als daß man ſie an einem Tage einzufahren vermag. Ein, einige 20 Fuder haltender Feimen iſt an einem kurzen Wintertage mit zwei Wagen zu bergen; die Baſis eines ſolchen Diemens muß, bei angemeſſener Höhe desſelben, einen Durchmeſſer von 20 Fuß haben. §. 151. Vermiſchung des Heues mit Stroh. Stellenweiſe vermiſcht man wohl das Heu mit Stroh, damit erſte⸗ res nicht verderbe. In Holſtein nimmt man Roggenſtroh, gewiß das be⸗ ſte, dazu, weil es unter allen das trockenſte und kühlendſte und alſo ge⸗ ſchickt iſt, nicht nur einige feuchte Theile an ſich zu ziehen, ſondern auch die Hitze zu dämpfen. Dabei wird die Maſſe Heues gewiſſermaßen ver⸗ mehrt, indem das Stroh viel von dem Geruch und Geſchmack desſelben annimmt und alſo gern vom Viehe mit dem Heue zugleich verzehrt wird. Für Pferde, welchen das reine Heu, in großer Menge genoſſen, einen etwas ſchweren Athem verurſacht, wäre ein ſolches mit Roggen⸗ ſtroh vermiſchtes Heu vielleicht beſonders zu empfehlen. §. 152. „Einſalzen des Heues.— Bereitung verunreinigten * Futters. Das Einſalzen iſt allgemein empfohlen, nicht allein um ſchlechtes Heu zu verbeſſern, ſondern auch gegen zu ſtarke Erhitzung nach feuch⸗ tem Einſcheuern zu ſichern. Man weiß es auch, daß die Schweizer ſal⸗ zen, um ausgelaugtes Futter in eine gewiſſe Gährung zu brin⸗ gen.— Im Ganzen iſt das Einſalzen des Heues mehr geprieſen als angewandt, wohl deßhalb, weil die Reſultate den davon gehegten Er⸗ wartungen nicht entſprochen haben. Je fetter, ſaftreicher die getrockne⸗ ten Gräſer ſind, deſto beſſer wird ſich die Wirkung herausſtellen; har⸗ tes, dürres Moorwieſenheu habe ich längere Jahre hindurch ohne den geringſten Erfolg geſalzen.— Jedenfalls ſehr angemeſſen iſt das Sal⸗ zen des mit Sand oder Erde verunreinigten Heues. Auf jeden Centner desſelben nehme man ungefähr ein Pfund fein zerſtoßenes Salz.— Ungeſalzenes Heu dieſer Art wäre, vor der Ver⸗ fütterung, nachdem es derb ausgeſchüttelt, in Salzwaſſer(die Auflö⸗ ſung eines Pfundes in 160 Maß) zu tauchen, oder mittelſt eines Be⸗ 364 ſens damit zu beſpritzen und ſofort in die Raufe zu legen. Ein wohl ſtatt⸗ findendes Einweichen des Heues v or dem Ausſchütteln bewirkt zwar einer⸗ ſeits die Abſonderung des der Bruſt des Viehes ſo ſehr nachtheiligen Stau⸗ bes, veranlaßt aber andererſeits, daß dieſer ſich deſto mehr an dem Futter befeſtigt, mit hinunter geſchluckt wird und im Magen ſitzen bleibt. Im Bulletin des sciences agric., Juli 1827, Seite 44, wird der gute Rath gegeben, verſchlammtes und überſchwemmt geweſenes Heu überall gar nicht zum Futter zu verwenden. Wenn man das möglich machen kann, ſo wählt man allerdings ein univerſelles Vorbeugungs⸗ mittel gegen ſeine Gefahren, die in der That groß ſind. Mit Recht heißt es dort, daß das verſchlammte oder verſandete Heu die Urſache mehrer an ſich weſentlich verſchiedener Krankheiten ſey. Die Erdtheile, womit es bedeckt iſt, häufen ſich im Magen an, ballen ſich daſelbſt zu— ſammen und bilden beträchtliche Maſſen, welche die Thiere, in denen dieſe ſich finden, tödten können. Es löſ't ſich von dem verſchlammten Heu ein ſchwarzer dicker Staub ab, der, mit der eingeathmeten Luft in die Lungen geführt, bis in die Lungenbläschen gelangt, dieſe verſtopft, reizt und Veranlaſſung zu heftigem Huſten, dem trockenen Aſthma und der Lungenſeuche gibt.— Der auf das Heu abgeſetzte Schlamm ſchließt Tauſende von Inſecten jeder Gattung in ſich, deren Zerſetzung und Fäulniß das Futter anſteckt und eine Quelle zahlreicher fauliger Krank⸗ heiten abgibt. Das Heu, welches überſchwemmt geweſen iſt, ſelbſt wenn es nicht mehr Erdtheilchen enthält, beſitzt dennoch einige Feuchtigkeit, wodurch es leicht verſchimmelt und einen ſtinkenden Geruch bekommt, welcher den Thieren einen Widerwillen gegen dasſelbe einflößt, den ſie nur vom Hunger getrieben überwinden. Dieſe verdorbenen Nahrungs⸗ mittel geben am häufigſten die erſte Veranlaſſung zu faulartigen Krank⸗ heiten, von denen die Thiere ergriffen werden, weil man nicht allge⸗ mein genug mit dieſen Wirkungen bekannt iſt, oder auch, weil man glaubt, ſie dadurch mindern zu können, daß man dieſes Futter mit an⸗ derem von guter Eigenſchaft miſcht.— Das Heu verliert dadurch, daß es im Waſſer gelegen hat, die nährende Eigenſchaft, und die Thiere, welche davon freſſen, werden zuſehends magerer, wiewohl ihr Bauch an Umfang ſehr zunimmt— eine gleiche Erſcheinung, wie bei der Fütte⸗ rung von mit Duwock verunreinigtem Heu, wodurch meine edlen Foh⸗ len im erſten Jahre hängbäuchig, im zweiten förmlich tonnenförmig ge⸗ rippt wurden und an der Waſſerſucht erepirten.— Das Salz hat, wie geſagt, mein ſchmutziges Heu keineswegs verbeſſert; wo ſolches einen theuren Preis hat, möchte ich den praktiſchen Landwirth mit gro⸗ ßen Futterernten von der trockenen Salzung überall abrathen. — 365 Das Bulletin empfiehlt auch, das Heu, welches unter Waſſer ſtand, mit Stroh lagenweiſe zu verpacken, wobei man dahin ſehen müſſe, daß die Strohlagen ſtets die dickern ſeyen.— Einige Gläſer Weineſſig oder einige Tropfen Vitriolſaͤure unter das Geſöffe gemiſcht, ſollen auch bei der nothgedrungenen Fütterung mit verdorbenem Heue von heilſamer Wirkung ſeyn. Wir wiederholen den guten Rath des Bulleüns, daß es beſſer iſt, die Anzahl des Viehes zu vermindern, als ſchlammiges und uͤber⸗ ſchwemmtes Futter anzuwenden. S. 153. Einſäuern des Wieſengraſes.— Zuſammenfahren des ungewählten Graſes in Miethen. Bekanntlich hat dieſe Methode vorzüglich die Aufmerkſamkeit unſe⸗ rer Landwirthe erregt, ſeit in einer großen Landwirthſchaft Mecklen⸗ burgs ihre Anwendung bei Klee, Wicken, Erbſengemenge, Raps ꝛc. ſo glücklich reſultirte. Ich ſelbſt, ohne noch eigene Erfahrung darüber zu haben, ſchrieb einige Worte über das Einſalzen des Grünfutters im dritten Hefte der von der Central⸗Adminiſtration der ſchleswig⸗ hol⸗ ſteiniſchen patriotiſchen Geſellſchaft herausgegebenen»Landwirthſchaft⸗ lichen Hefte«(3. Heft, 1822), die noch fortwährend zu Controverſen Veranlaſſung geben.— Eigene ſpätere kleine Verſuche haben mich über⸗ zeugt, daß die Nachmahd geeigneter zum Einſalzen als die Vormahd iſt, daß übrigens Koſten und Arbeit dieſer Operation bei dem größern Landwirthe ſchwerlich im Verhältniſſe zu dem daraus erwachſenden Nuz⸗ zen ſtehen dürften. Je halmiger das Gras, deſto minder qualiſicirt es ſich zu obigem Zwecke; ſo ſind auch die Cerealien zum Einſalzen nicht tauglich.— Bei der Manipulation kommt es auf einen runden, unten etwas engern, durchaus dichten Behälter, wo möglich in der Nähe des Viehhauſes, an. Zuerſt wird der Boden ſtark mit— engliſchem oder ſpaniſchem— Salz beſtreut, ſodann eine gute Maſſe(⅞ oder ½ Fu⸗ der) Heu hineingeſchoben, geebnet, feſt zuſammengeſtampft, übergeſal⸗ zen, und nun circa der fünfte Theil der erſten Futterportion wieder hineingebracht, feſtgeſtampft u. ſ. w. Auf dieſe Weiſe wird bis zur gänz⸗ lichen Füllung des Behäͤlters fortgefahren, auf die oberſte Schichte aber noch ſchließlich eine ſtarke Lage Salz ausgebreitet. Jetzt legt man mit Steinen beſchwerte Breter als Deckel über die Kummte, in welchen nach einigen Tagen die Maſſe dergeſtalt zuſammengeſunken ſeyn wird, daß mit der Nachſäuerung, Behufs der vollſtändigen Füllung, auf gleiche Weiſe fortgefahren werden kann.— Wenn die Kummte voll oder —CQ—ÿ——————O—O·——O——COꝭQ————————— 366 kein Futter mehr vorhanden iſt, ſorge man für die völlig luftdichte Ver⸗ ſchließung jener. Der wohlverdichtete Deckel wird am beſten mit Sand beworfen.— Verſuche, die im Kleinen mit dem Eingraben eingeſal⸗ zenen Heues gemacht wurden, haben ſehr günſtige Reſultate gegeben. Namentlich ſalzte der Büdner und Weber Mund zu Ahrendſee im Herb⸗ ſte 1820 eine ſogenannte Balje mit grünem Graſe ein, grub ſie dar⸗ auf in die Erde und deckte ſie oben feſt zu. Mitte Februars nahm Mund dieß Futter, und es zeigte ſich von Farbe und Geruch ſo friſch und ſchön, nämlich grün, und wie das beſte Futter riechend, daß die Kühe es mit großer Begierde fraßen. Luft⸗ dichtigkeit der Maſſe iſt conditio sine qua non der guten Conſerva⸗ tion. Der Amtmann Michelſen referirte in der Diſtricts⸗Verſamm⸗ lung des meckl. patriot. Vereins zu Buckow, daß ſein eigener Verſuch wahrſcheinlich deßhalb mißlungen ſey, weil die Gefäße, worin es ein⸗ gemacht worden, auf trockener Erde geſtanden hätten und der äußern Luft nicht ganz unzugänglich geblieben wären; er habe die Gefäße im Aprilmond geöffnet und das Gras ſey zum Theil verfault geweſen, auch von Kühen und Pferden nicht gefreſſen worden. Wo ich von in dieſer Art verunglückten Einſalzungs⸗Verſuchen hörte, war der Grund immer der nämliche. Obiger Mund legte eine Probe eingeſalzenes Gras vor, die über zwölf Wochen, in Papier gewickelt, aufbewahrt war, und dieſe hatte auch jetzt noch einen guten Heugeruch, wenngleich die grasgrüne Farbe ſich bereits etwas verloren hatte. Der Holzwär⸗ ter Kröger zu Queſtin grub etwas Gras bloß in die Erde, welches auch verfaulte. Am zuſagendſten wird das eingeſalzene Grasfutter wohl immer für das Milchvieh ſeyn; deßhalb machte die Methode auch in Holſtein die lebhafteſten Fortſchritte. An ſtreng durchgeführten vergleichenden Verſuchen fehlt es aber überall noch. Zum Vorwurf gereicht es dieſem Futter jedenfalls, daß man damit den ganzen Winter wird durchhal⸗ ten müſſen, wenn man frühe begonnen hat; denn das verwöhnte Vieh geht ſpäterhin nur ſchwer wieder an den Genuß des Heues und Stro⸗ hes, und man wird gleich einen merklichen Abſchlag in der Milchabſon⸗ derung bemerken. Ein richtiger Überſchlag bei der Futtereintheilung iſt alſo durchaus nöthig, wo bei Armuth an Heu, bei unbeſtändiger Wit⸗ terung und überhaupt auch aus dem Grunde, ſich ſein Futter ganz ſicher zu ſtellen, zu dieſem Verfahren geſchritten wurde. Was bei den Kühen eine erfreuliche Erſcheinung iſt, die durch den Genuß des geſalzenen Graſes vermehrte Trinkluſt, wirkt bei den Schafen nachtheilig. Herr Runge— der erſte Praktiker der be⸗ 367 ſprochenen Methode— hat gefunden, daß der übermäßige Saufreiz bei den Schafen Veranlaſſung zur Verſchlechterung der Wolle und Unregel⸗ mäßigkeit des Baues gebe. Daß mir das Einſalzen von Wieſengras nicht ſo gut wie die Säue⸗ rung von Klee⸗Wickenfutter ꝛc. reſultirt hat, mag vielleicht daran lie⸗ gen, daß jenes vorher gewäſſert werden muß? Comparative Ver⸗ ſuche in dieſer Rückſicht wären immerhin ſehr wünſchenswerth. Zugleich wäre noch die beſte wohlfeilſte Bauart des B ehälters zu erforſchen. Die cylindriſche Form dürfte aus der Urſache wohl vorzuziehen ſeyn, weil in dieſer die Wände mehr Feſtigkeit erhalten und man auch bei gleichem Umfang den größten Raum gewinnt. Ob Mauerſteine oder Holz zu den Wänden zu nehmen, ergeben am beſten die Holzpreiſe der Gegend. Im erſtern Falle würde ein Überwurf von Cement wohl nothwendig ſeyn. Man hat auch Lehmwände nach Hundt⸗ ſcher Manier vorgeſchlagen; wahrſcheinlich würden ſich dieſe aber als unzweckmäßig erproben. Zum Einſalzen des Graſes bedarf es ungefähr eines doppelten Ma⸗ ßes des zum Salzen des eingebanſ'ten Heues benöthigten Salzes von gleicher Stärke. Engliſches, ſpaniſches, vaterländiſches Salz reſultiren in letzterer Rückſicht ſehr verſchieden. Erſteres iſt wohl das ſtärkſte, je⸗ doch das ſpaniſche Meerſalz wenig ſchwächer. Vier Loth von dieſem Salz in einem halben Pfund Waſſer aufgelöſ't, gaben, bei einem Ver⸗ ſuche mit dem gewöhnlichen Tralles'ſchen Alcoholometer, den man noch mit einem kleinen Gewichte beſchwerte, eine ebenſo ſtarke Salzlake, als ſieben Loth Sülzer Salz in ebenſo viel Waſſer aufgelöſ't; deß⸗ halb nahm man zu Pleetz gewöhnlich von dem ſpaniſchen Salz, wel⸗ ches in Wollgaſt, die Tonne, 300 Pfund ſchwer, à 2 Rthlr. Gold zu haben iſt*). Verſuche, Gras, nachdem es an trockenen Tagen gemäht war, gleich hinter der Senſe in Miethen zu fahren, ſind in Mecklenburg nicht gelungen. Beim nachmaligen Einbringen fand es ſich immer, daß faſt die ganze Maſſe ſchimmelig und verdorben war. Herr Pogge zu Dehmen hat mit vier Fudern, die er auf dieſe Weiſe zuſammenfahren ließ, benanntes Experiment angeſtellt; ſo groß indeſ⸗ ſen die Hitze war, die ſich in dieſer Miethe erzeugte, ſo erfolgte doch kein wirkliches Verbrennen. Die Miethe war aber auch hinlänglich mit S troh bedeckt und gegen das Eünrürgent der Luft nudglichſt verſchloſſen. *) Meckl. Annalen, Jahrg. 8., Seite 9. S&Cõos:ꝭᷓoʒ —-——— ͥP——————— 368 Achter Abschnitt. Landrente und wahrer Werth der Wieſen. „Eine Fläche Wieſe, welche in möglichſt vollkommenem Zuſtande ſich befindet, iſt auf jeden Fall mehr werth, als eine gleiche Fläche des beſten Feldes.— Kann ſie vollends mit gutem Waſſer berieſelt werden, ſo ſteigt ihr Werth auf's Doppelte des Ackerpreiſes.“ Friedrich Schmalz. §. 154. Das Mangelhafte in der Beſtimmung der Landrente. Von dem allgemeinen Werthe und der Wichtigkeit der Wieſen für das Nationaleinkommen iſt bereits im zweiten Abſchnitte unſers Wer⸗ kes die Rede geweſen. Das Schlußcapitel ſoll Andeutungen geben, auf welchem Wege bei den verſchiedenen Arten Wieſen die Landrente feſt⸗ zuſtellen ſeyn dürfte, welche noch immer einer einſeitigen Berechnung unterworfen wird. Wir verfolgen in unſerem Vortrage nur die An⸗ ſichten und Beſtimmungen anderer, viel höher ſtehender Praktiker, und wenn die Tendenz desſelben auch iſt, unſern Gegenſtand in ein helleres Licht noch zu ſtellen, ſo unterfangen wir uns doch nicht, eine für die Prarxis ausreichende, ſyſtematiſche Bearbeitung desſelben zu geben, wel⸗ che ſpätern Nachtretern vorbehalten bleibt. Nach Jahrhunderten viel⸗ leicht, wenn Praxis und Wiſſeenſchaft ſo viel höher ſtehen, werden die Formeln der Mathematik, welche eben jetzt, auf die Agronomie ange⸗ wandt, der Mehrzahl unſerer Landwirthe eine unverſtändliche Sprache ſind, zur Bezeichnung der mannichfachen mitwirkenden Nebenumſtände, die das Verhältniß des Rohertrags der Wieſen zu ihrer Landrente mo⸗ dificiren, ſinnreich und— auf populäre Weiſe benutzt. §. 155. Namhafte Heuerträge in verſchiedenen Gegenden. Die ehemaligen niedrigen Erträge der Wieſen ſind, wie wir bereits im Verlaufe unſers Werkes häufig angedeutet haben, zu einer nicht ſelten unglaublichen Höhe geſtiegen. Bekanntlich erntet der Mecklen⸗ burger bereits auf 60 Q. Ruthen ein tuͤchtiges Fuder à 16—18 Cent⸗ ner und mehr.— Der Holſteiner übertrifft jenen auf ſeinen beſten Wieſen noch. Wie weit man es im Hannöbverſchen, namentlich im Lü⸗ neburgiſchen, in der Wieſencultur gebracht hat, erhellt am beſten aus §. 113 unſers Werkes. Der merkwürdigſte Ertrag iſt wohl der des hel⸗ jel⸗ ige⸗ ahe de, 369 Amtvoigts Helmrich zu Suderburg, von 62 ¼ Centner pr. Morgen, alſo von 31 ¼ Centner pr. Mecklenb. Scheffel Landes. In Oſtfriesland nimmt man als ungefähren Mittelertrag der Wie⸗ ſen an 8 1 von Kleiboden.*...... 3000 Pfd. „ erdigen verbeſſerten..... 5000 „ erdigen gemeinen, hoch und niedrig.. 3000 „ niedrigen ſandigen und moorigen. 3600 „ Außendeichsland im Norden.... 4500 „ demſelben im Weſten und Süden.. 6000„ In Sachſen gewährt im Durchſchnitt eine gute Wieſe mehre Jahre einen höhern Ertrag, als eine Fläche des beſten Landes. Der ſächſi⸗ ſche Acker**) gute Wieſe gibt, im Durchſchnitt mehrer Jahre, jährlich 70 Centner gutes ſüßes Futter auf zwei oder drei Schnitte. Schmalz ſchlägt den Centner nur mit 12 ggr. an, ſo hoch der Centner ſüßen Heues in den meiſten guten Landwirthſchaften genutzt werde; ſo wäre die Ein⸗ nahme 35 Rthlr. Die Erntekoſten berechnet Schmalz auf 5 Rthlr.; demnach blieben 30 Rthlr. reiner Ertrag. Nur ſelten, meint er, werde Jemand einen Acker Feld, im Durchſchnitt mehrer Jahre, auf 30 Rthlr. reinen Gewinn bringen; höchſtens könne dieß nur Statt finden bei ſehr gutem Boden und in der Nähe einer nicht unbedeutenden Stadt; aber unter dieſen Bedingungen bringe auch eine Wieſe einen viel höhern reinen Ertrag u. ſ. w. Den Ertrag des Heues auf den Gutern Guſow und Platkow in der Kurmark von unbewäſſerten Wieſen berechnete ihr Eigenthüͤmer auf 16— 20 Centner pr. Morgen von 180 O. Ruthen. Burger bemerkt, daß ſeine an den Ufern der Glan liegenden, nicht bewäſſerten und nicht gedüngten, wohl aber manchmal überſchwemmten Wieſen 40—50 Centner Heu und Grummet pr. Joch(à 55,225 Fr. O. Fuß) gegeben hätten. Wenn obiger verehrte Mann Hrn. v. Wittmann nicht zutrauen konnte, daß bewäſſerte Wieſen 100 und mehr Centner pr. Joch zu lie⸗ fern vermöchten, ſo findet er jetzt einen neuen Gegenbeweis in obiger Angabe Steltzner's, der zufolge das Joch Felderwieſen eirca 140 Cent⸗ ner Heu trägt. 24 (*½(S 49,9 *) 1 Diemath hält 400 Ruthen rheinl. à 12 Fuß. Es vergleichen ſich 1 Diem. mit 2²1123 Calenb. oder 2% Berl. Morgen, und demnach 128 Diemath = 277 Cal. Morgen. **.)= 300 Q. Ruthen oder 52,247 Fr. Q. Fuß. Lengerke's Wieſenbau. 24 — ———————— 370 §. 156. Claſſification der Wieſen. Gleichwie man die Güte eines Ackers an der Maſſe ſeiner producir⸗ ten Früchte erkennt, hat man die in einer Wieſe erzeugte Futtermaſſe als Maßſtab ihres Werthes angelegt, von dem Grundſatz ausgehend, daß Menge und Güte des Products ſtets in ziemlich entſprechendem Ver⸗ hältniſſe zueinander ſtehen möchten. Man hat dieſen Ausweg ergriffen, weil man ſich widrigenfalls auf in der Praxis nicht wohl anwendbare Combinationen hätte einlaſſen müſſen, eine allgemein verſtändliche Norm bei der Wieſenſchätzung aber als Hauptgrundlage des ganzen landwirth⸗ ſchaftlichen Taxationsweſens vorläufig doch ſchon zu den unentbehrli⸗ chen Bedürfniſſen des Gewerbes gehörte. Gemeiniglich hat man die Wieſen nach ihrem Ertrage i in ſechs Claſ⸗ ſen eingetheilt. Die bekannteſten Schriftſteller rechnen zu der erſten, 18— 24 Cent⸗ ner pr. Morgen liefernden Claſſe die an Strömen, Flüſſen und Bä⸗ chen, oder am Fuße fruchtbarer Ackerländereien gelegenen Plänen. Demnach gehören die§§. 25 und 26 dieſes Werkes beſchriebenen Wieſen dazu, wovon namentlich die letztern unter günſtigen Verhäͤlt⸗ niſſen einen viel höhern Ertrag geben werden. Zur zweiten Claſſe beſtimmt man gleichgelegene zweiſchürige Wieſen, unter minder günſtigen Einflüſſen, deren Product ſelten das Gewicht von 18 Centner pr. Morgen überſteigt. Dritte Claſſe. Hierzu gehören Wieſen von humoſem Grunde und uͤbrigens glücklicher Lage, die aber, weil ſie der Wohlthat einer fruchtbaren Überſtauung oder Bewäſſerung nicht genießen, knapp 16 Ctr. pr. Morgen erzeugen. Vierte Claſſe. Dieſe wird namentlich von den§. 27 beſchriebe⸗ nen quelligen Wieſen gebildet. Nachdenken und Fleiß werden den Ertrag derſelben häufig viel höher, als den der vorhergehenden Claſſe bringen können, wenngleich das Futter an ſich von ſchlechterer Beſchaf⸗ fenheit bleibt. 1 Fünfte Claſſe. Wieſen; von 800— 1100 Pfund Heu. Der Ober⸗ ſachſe verſteht hierunter beſonders die ſogenannten Bergwieſen, deren ökonomiſcher Werth alſo, da ſie das nahrhafteſte, aus aromatiſchen Kräutern beſtehende Heu geben, keineswegs nach der Quantität ihr es Products normirt. Der Mecklenburger concurrirt hierzu mit ſeinen§. 28 beſchriebenen Moorwieſen; ebenſo wie dieſe und die Quellwieſen die ſechste Claſſe ausmachen, wenn Phlegma und Ungeſchick oder 371 unbeſiegbare Localhinderniſſe ihren Ertrag auf der niedern Stufe von ungefähr 6 Centner pr. Morgen beharren laſſen. §. 157. Unſtatthaftigkeit der fixirten Zahlengrößen des quan⸗ titativen Ertrags an ſich, namentlich beim geſetzlichen Taxgtions⸗Verfahren. Bei der dermaligen Verfaſſung unſerer Wieſenökonomie tritt ſchon an ſich, ohne noch der ſonſtigen Unzuverläſſigkeit des hier aufgezeich⸗ neten Maßſtabes zn gedenken, die Unſtatthaftigkeit der angegebenen Zah⸗ lengrößen hervor. Augenſcheinlicher noch entwickelt ſich dieſe, wenn wir das Claſſificationsverfahren unſerer landwirthſchaftlichen Taratoren nach gänzlich veralteten geſetzlichen Normen an's Licht ſtellen. So ſchreibt namentlich in Mecklenburg hinſichtlich der Wieſ engründe die Inſtruction des Lands⸗Vergleichs den Taranten vor, von dem beſten Grunde mit 100 Quadratruthen auf ein Fuder von acht Centner den Anfang zu machen und ſo, dem Befinden nach, bis zu höchſtens 300 Quadratruthen fortzufahren. Jedes B auernfuder Heu iſt, ohne Rückſicht auf die Größe der Fläche wovon es geworben iſt, gleich zwei bonitirten Scheffeln Ackerland gerechnet. Hdiier werden vier Claſſen angenommen: Die erſte Claſſe von 100 Q. Ruthen auf das Fuder; „ zweite„„ 101¹ bis 150 Q. Ruthen; „ dritte„„ 151„ 200 2, und „ vierte„„ 201„ 300„ 2. §. 158. Umſtände, die den Benutzungswerth der Wieſen ernie⸗ drigen oder erhöhen. 1 1. Beſchaffenheit des Heues. Es iſt jetzt an uns, die Umſtände zu entwickeln, welche dem zeithe⸗ rigen trüglichen Maßſtabe zahlloſe Abweichungen geben. Dieſer wird erniedrigt oder erhöht durch die Beſch affenheit des Heues. „Wieſen«— ſagt ein alter, ehrwürdiger mecklenburgiſcher Prakti⸗ ker, der Herr Bollbrügge auf Kleinen Niendorff—„»halte ich für den wahren Barometerſtand des Gutes; es iſt aber nicht genügend, um einen richtigen Anſchlag zu formiren, die Fuderzahl zu wiſſen, man muß auch Kenntniß der Güte des Heues haben. Habe ich viele Fuder und ſie beſtehen alle aus rauhem Duwock, ſo habe ich zwar überflüſſi⸗ gen Bedarf für meine Pferde, aber das Rindvieh muß darben. Will ich es im guten Stande erhalten, ſo muß ich großen Aufwand von 4 1 24* 372 Körnern machen; welchen Verluſt verurſacht aber dieß nicht in der Einnahme! Habe ich dagegen ſchönes, ſüßes Heu in hinreichender Menge, ſo kann ich weit mehres Korn zum Verkauf benutzen; mein Vieh ſteht ſich bei dem Heu ſehr gut; mein Dung iſt beſſer und reichlicher, als wenn ich wenig oder ſchlechtes Heu habe; meine Zuzucht wird mir leicht und we⸗ nig koſtſpielig, und meine Einnahme vermehrt ſich auf allen Seiten. Es iſt alſo nicht genug, um richtige Anſchläge zu formiren, die Fu⸗ derzahl zu wiſſen, man muß auch die Güte des Heues kennen. 100 Q. Ruthen auf ein Fuder bonitirt, gibt zwar die Überzeugung, daß die Wieſen gut ſeyn müſſen, aber ſie köͤnnen es nur im reichen Ertrage ſeyn, ſo daß 100 Quadratruthen ein Fuder Heu geben; dennoch kann das Heu ſich nicht für das Rindvieh eignen und alſo das Gut in die⸗ ſem Puncte ſehr in Verlegenheit ſeyn. Sehr angemeſſen finde ich es alſo, wenn man dem Bonitirungs⸗ Protocoll die Anmerkung hinzufügt, von welcher Beſchaffenheit das Heu iſt, um dem Verfertiger des Anſchlags richtigere Anſichten zu geben, als er aus der bloßen Fuderzahl haben kann.« Daß häufig die ertragreichſten Wieſen mit ſchädlichen Gewäch⸗ ſen beſchmutzt ſind, zeigt die Erfahrung zur Genüge. Wie influirt na⸗ mentlich der Duwock auf ſo zerſtörende Weiſe in den Beſitzungen des kleinen Freiſtaats Hamburg?— Doch wir haben erſt eines, die Güte des Heues bedingenden Umſtandes gedacht; nicht nur die Süße und Reinheit desſelben von dem Viehe widrigen Pflanzengattungen kommt dabei in Betracht, ſondern je nachdem das geerntete Futter Waſſer⸗, Dung⸗, Höhe⸗ oder Thal⸗, Vor⸗ oder Nachgras oder beides zuſammen ſeyn wird, leidet deſſen Gehalt Veränderungen. Wir haben§. 113 uns über den Werth des Products von gewäſſerten Wieſen gewiß deutlich genug explicirt. Der Antheil von Kohlen⸗ und Stickſtoff und ſomit die Nahrungsfähigkeit der Pflanzen ſinkt in dem Verhältniſſe des zunehmen⸗ den Einfluſſes, den das Waſſer auf ihr Wachsthum äußert. Das ſo viel ſtärkere Gewicht des Heues von gedüngten Wieſen beweiſ't, wie das geringere Volumen von dieſen ſo viel ausreichender iſt. Die höhere Ausgiebigkeit des Gebirgsheues gegen das der Ebenen iſt bekannt. So darf bei Veranſchlagung des Gehalts der producirten Maſſe auch nicht unerwogen bleiben, ob dieſe in einem oder mehren Schnitten gewonnen wird. Man nimmt allgemein an, daß der erſte Schnitt nahrhafter als der zweite und dieſer nahrhafter als der dritte ſey. Wie ſieht es, in Gemäßheit dieſer Andeutungen, mit einer feſten Beſtimmung des Nahrungsgehalts des Heues aus?— Welch' zahlloſe —. 373 comparative Verſuche gehören noch dazu, um für die Praxis eine einigermaßen zu treffende Norm hinſichtlich des Verhältniſſes des Vo⸗ lumens zur Güte zu ermitteln? Und wie wächſt die Schwierigkeit die⸗ ſer Ermittelung, wenn wir nur allein annehmen, daß Strom⸗, Bach⸗ oder Quellwaſſer, Rindvieh⸗, Schaf⸗ oder Pferdedünger u. ſ. w. ſämmtlich einen mehr oder minder eigenthümlichen Einfluß auf die Zuſammenſetzung der Pflanzenſtoffe und ſomit auf den verſchiedenen Nahrungsgehalt der Gräſer äußern?! In Ermangelung genauerer praktiſcher Forſchungen hat die Wiſ⸗ ſenſchaft und die ausübende Kunſt bisher die Thaer'ſchen Annahmen als Regulator benutzt. Zufolge dieſer iſt der Futterwerth eines Cent⸗ ners guten Heues= 0,35 Metzen Roggen. des ſchlechtern= 0,26 Metzen*). Der mecklenburgiſche Praktiker hat ſich ſchon einen etwas genauern localen Maßſtab gebildet. Darnach enthält das Wieſenheu, in drei Claſſen der Güte nach getheilt, an Nahrungsgehalt: in 2 Pfund der erſten Sorte..... 1 Pfund Gerſte, in 3„„ zueitern„.... 1„„ in 4„„ dritten„„.. 4 1„ Ein Scheffel Gerſte(à 50 Pfund) enthält 5 Pfund Waſſer, 33 Pfund Mehl und 12 Pfund Hülſen. Nimmt man 4 Pfund Hülſen als gleich 1 Pfund Mehl und be⸗ trachtet den ganzen Mehlgehalt als Nährſtoff, ſo ergeben ſich in ei⸗ nem Scheffel Gerſte 36 Pfund Nahrungstheile. Mithin iſt nach obi⸗ ger Schätzung in einem Fuder Wieſenheu zu 2000 Pfund an Nah⸗ rungstheilen enthalten: in der erſten Elaſſe.720 Pfund, in der zweiten„........ 480„ in der dritten„....„ 369„ Nimmt man an, daß erfordert Herden: zu einem Fuder erſter Claſſe. 100 Quad. Ruthen, .— 5 /„ zweiter„.. 150„ 2 *) Block— der beiläufig 14 Wieſenklafter zum Ertrage von 30 bis herab zu 4 Centner annimmt— macht folgende drei Unterſchiede oder Ab⸗ theilungen: 1 Abth., Heu 1. Güte, wo 37 vf dem Werthe von 1 Pf. Roggen⸗Werth, 7 2. 7 7 2 2 2 4„ 2. 2„ 3. 7 16,„„ w,,„„ 2, beigemeſſen werden können. 374 ſo würde, jedes Fuder zu 2000 Pfund angenommen, an Nahrungs⸗ ſtoff geben:. der Scheffel Wieſenland erſter Claſſe... 432 Pfund, „„„„ zweiter„,.en. 192„ „„„ dritter„.. 108„». Man ſieht allein ſchon hieraus, welch' ein Irrthum früher began⸗ gen ward, wenn man den Werth der Wieſen bloß nach der Quadrat⸗ Ruthenzahl, die zu einem Fuder Heu erfordert ward, und aus dieſer wiederum den zu gebenden Grundzins beſtimmte, indem zweimal 200 Q. Ruthen von der dritten Claſſe in zwei Fudern nur ſo viele Nah⸗ rungstheile geben, als 100 Q. Ruthen von der erſten Claſſe in einem Fuder. Wenn nun erſtere iſolirt zu einem Werthe von 100 Rthlr. an⸗ genommen wuürden, ſo hätten jene 200 Q. Ruthen nur einen Werth von 50 Rthlr. §. 159. . 2. Sicherheit. Eine Wieſe kann manche natürliche und künſtliche Begünſtigungen zu einem in Quantität und Qualität ausgezeichneten Heuertrage be⸗ ſitzen und dennoch nicht den Werth eines, mit viel mindern Requiſiten dazu ausgerüſteten Terrains haben, wenn klimatiſche Einflüſſe der Regelmäßigkeit des durchſchnittlichen Products Abbruch thun. Sehr häufig wird der Strom, von deſſen Thätigkeit wir uns reichen Se⸗ gen verſprachen, zum Fluche der Vegetation, wenn ſein Waſſer bei der eintretenden warmen Jahreszeit nicht in das gewöhnliche Ufer zurücktreten will, oder Überſchwemmungsfluth dieſes mit unaufhalt⸗ ſamer Gewalt eben vor oder gar mitten in der Heuernte überſchreitet. Je minder das Locale eine Vorbeugung dieſes Übelſtandes begünſtigt, deſto geringer iſt der Realwerth ſolcher an ſich fruchtbaren Flächen. Eine ähnliche Rückſicht muß auf den vorhandenen oder mangeln⸗ den Wieſenſchutz genommen werden, welcher, wie vergleichende Beobachtungen ausweiſen dürften, zur Erhöhung des durchſchnittlichen Futterertrags ſehr weſentlich beiträgt. §. 160. 3. Entfernung. Erſt in neueſter Zeit iſt man, vornehmlich auf Veranlaſſung der ſchätzbaren Forſchungen unſers Herrn v. Thünen auf Tellow, auf den bedeutenden Einfluß, den die Entfernung des Hofes auf das Stei⸗ *) S. meckl. Annalen, Jahrg. 14., 1. Quartal. — 375 gen oder Fallen der Landrente vom Acker äußert, aufmerkſamer ge⸗ worden. Wie wünſchenswerth und der Praxis förderlich wäre es, wenn man ähnliche Berechnungen auf die Wieſenökonomie in recht zahlreichen vergleichenden Fällen anwendete, um gleichmäßig zu erfahren, welchen Antheil die Entfernung ſowohl an der Erleichterung oder Erſchwe⸗ rung der Cultur der Wieſen, als der Erhöhung oder Erniedrigung der Heuwerbungskoſten hat. Darnach würden ſich ſchwerlich geahnte Reſultate, die ſo obenhin nur als Paradoren gelten möchten, heraus⸗ ſtellen, und man würde wieder auf einen andern neuen Grund kom⸗ men, warum ſich manche ſchöne Wieſenreviere, Wirthſchaft und Wirth⸗ ſchafter dennoch nicht auf den Beinen erhalten. 1— §. 161. 4. Heuwerbungskoſten. Ausfall derſelben und darnach berechneter Reinertrag der Wieſen: nach Thaer; nach Podewils; nach Burger; in Stegen; nach Koppe; in Mecklenburg. Wie geſagt, ſpielt die Entfernung der Wieſen vom Wirthſchafts⸗ hofe hierbei eine Hauptrolle, dann aber das Verhältniß des Beſtan⸗ des zur abzuerntenden Fläche. Bei allen Berechnungen der Erntekoſten finden wir letztern Umſtand mehr als erſtern berückſichtigt, wohl aus dem Grunde, weil für jenen noch keine einzige, praktiſch baſirte, ma⸗ thematiſche Stufenleiter ermittelt worden iſt. Thaer nimmt als Mittelſatz Folgendes an: Die zweiſchnittige Heuernte pr. Morgen koſtet bei Wieſen erſter Claſſe(à 2400 Pfund Heu).... 1 Thlr. 12 gr. zweiter„(à 1700 bis 2300 Pfund).. 1„ 10„ dritter„(à 1200 bis 1600 Pfund).. 1„ 8„ .„„. 1 vierter 1 2 1 2 8„ und die einſchnittige bei Wieſen fünfter Claſſe...........—„ 18„ ſechster„.......—„ 16„ Wenn(nach den von Thaer fixirten preiſen) der Mittelertrag des Heuwerthes pr. Morgen von Wieſen erſter Claſſe: 100 Pf., འThlr. iſt 8 Thlr.— gr., ſo iſt der reine Ertrag 6 Thlr. 1 12 gr. zweiter Claſſe:—. 100 Pf., à ½ Thlr.,„6„7 16„„„„„, 5, 6„„ dritter Claſſe: 3 1⁰0 Pf., à Thlr., 2 4„ 16,,„ 3„ 8„ 376 vierter Claſſe:— 100 Pf., A ½ Thlr., iſt? Thlr. 4 gr., ſo iſt der reine Ertrag 1Thlr. 20 gr. fünfter Claſſe: 100 Pf., à Wh Thlr., 4/ 2 22 8 2 2 22// 2 1 122 14 I/ ſechster Claſſe: 1 00 Pf., à 13 Thlr., 2 2„/„ 2/ 1, 2 // 1 2 12 If Wenn hiernach der Werth der Wieſen gegen den des Ackerlandes gleichnamiger Claſſe ſich ſehr hoch ſtellt“*), ſo macht Thaer auf die wenigen, die Nettoprovenue jener ſchmälernden Koſten aufmerkſam; denn nicht nur, daß dem Acker alle Wirthſchaftskoſten zur Laſt gerech⸗ net worden, iſt dieſem zudem für Stroh und Weide, die er liefert, nichts in Credit geſtellt. Thaer ſetzt demzufolge den Werth einer gleichnamigen Acker⸗ und Wieſenclaſſe wie 2: 3, inſofern nicht Localitäten das Verhältniß ändern. Podewils berechnet als Mittelſatz die Werbungskoſten pr. Fu⸗ der, à 16 Centner: 3 Perſonen zum Mähen und Sammeln 13 gr. 2,„„ Laden und Taſſen...... 3„ ———y-ʒÿW:ʒꝗʒꝗ— 3 ⅜ Perſonen. 16 gr. pr. Centner 1 gr. Beim Einfahren des gleich in die Nähe der Wieſen eingeſcheuerten Heues nimmt Podewils als Mittelſatz 9 Fuder an. Im Durch⸗ ſchnitt trafen auf einen Wagen 6 Perſonen zum Laden und Taſſen. Mit Podewils Angaben ſtimmt Burger ziemlich überein. Bei ihm ſind auf 1 Joch Wieſe, die beim erſten Schnitt 27 Centner Heu liefert, erforderlich: zum Mähen 2,07, zum Trocknen und Aufladen 3,51, zum Fahren und Taſſen 1,59, zuſammen 7,17 Tagwerke von Menſchen und 0,42 von Pferden. Das beträgt für 10 Centner 2,65 Perſonen und ¼ Pferd, und für 40 Centner, dem Ertrage eines Jo⸗ ches, ſind 10,6 Menſchen und ½ Pferdetagwerke erforderlich. »Koſtet«, ſagt Burger,»die Unterhaltung der erſtern 20 kr., der letztern 1 fl. des Tages, ſo ſind von 21 fl., dem Rohertrage von *) Der jährli che Durchſchnittsertrag des Ackerlandes nach dem gewöhn⸗ lichen Dreifelderanſchlage iſt nach Thaer bei Elaſſe I......tM.. 3 Thlr. 9 gr. 4 ⅓ pf. „ Tl....... 2„ 10„ 645 „ III.... 2„ 3„ 3 „ IV.. 4„ 14 fF 1, „ V.—-—„„ 15 4 77 „ VI....—„ 3„ 7„ — * 377 40 Centner, à 31% kr., 4 fl. 3 kr. abzuſchlagen, und es bleiben Rein⸗ ertrag 16 fl. 57 kr., wenn man für Wieſencultur gar nichts in An⸗ rechnung bringt. Ein Joch Ackerland, das man alljährlich auf 15 Mez⸗ zen Roggen Rohertrag rechnen könnte, gehört zu dem beſſern. Hiervon müſſen für Saat 3 Metzen und für Cultur, Schnitt und Dreſchen 6 Mtz., zuſammen 9 Mtz. abgezogen werden; bleiben 6 Metzen, AI fl. 30 kr., zuſammen 9 fl. Es verhalten ſich aber 16 fl. 57 kr. zu 9 fl. wie 100 zu 53, und es iſt demnach ein Joch ſolcher Wieſe faſt ſo viel werth, als zwei Joch ſolcher Aeker; denn für das Stroh darf nichts in Anſchlag gebracht werden, weil ſich dadurch die Düngerverwen⸗ dung ausgleicht.„ 2 In Stegen koſtet durchſchnittlich von weit entlegenen uncultivir⸗ ten Moorwieſen das holſteiniſche Fuder(à 12 Centner) 40 ½ Schil⸗ ling zu werben. Die Tonne Landes(à 240 Q. Ruthen) liefert circa 18 Centner in den beſſern, 12 Centner in den ungünſtigen Jahren. Der Werth dieſes Heues iſt ſeiner unreinen Beſchaffenheit wegen pr. 100 Pf. nicht höher als auf 8 ßl. Cour. zu veranſchlagen. Demnach bliebe ein Reinertrag von 1 Rthlr. 31 ½ ßl. pr. Tonne. 1 Der praktiſche Koppe nimmt zur Berechnung der Arbeits⸗ und Bewirthſchaftungskoſten der Wieſen und Ermittelung des reinen Er⸗ trags folgende Sätze an: Das Heu erſter Qualität rechnet er= 10, das der letzten= 5 pCt. Die beiden erſten Claſſen der Wieſen rerzeugen wegen des dort ſtattfindenden üppigen Graswuchſes kein Heu erſter Qualität, ſondern nur zu 8 und 9 pCt. Bei der ſechsten Claſſe nimmt man an, daß ihr Heu nur einen Werth von 5 pEt. habe. Den Werth der Weide rechnet man 10 pCt. des rohen Ertrags bei den zweiſchürigen und 15 pEt. bei den einſchü⸗ rigen Wieſen. Die Koſten der Heuwerbung berechnet Koppe ſo: Für Mähen und Heuen, wenn der Heuertrag eines Schnittes 10 Centner oder darüber beträgt, auf 12; in allen Fällen, wo dieſer Ertrag nicht Statt findet, auf 10 und 8. Wenn die Heuwerbungskoſten gegen andere Sätze hoch erſcheinen, ſo iſt zu bemerken, daß Koppe eine ſehr ſorgfältige Bearbeitung im Sinne gehabt hat. Bei der mittlern Entfernung der Wieſen nimmt er an, daß ein Geſpann täglich 4 Fuder einfährt; in dieſem Falle betragen die Fuhr⸗ koſten auf den Centner 0,5. Kann ein Geſpann nur täglich 2 Fuder einfahren, ſo betragen die Fuhrkoſten auf den Centner 1. 378 Die Koſten des Auf⸗ und Abladens berechnet er auf den Morgen, wenn ein Schnitt 10 Centner und darüber gibt,= 3; erreicht der Heuertrag dieſen Satz nicht, auf 2. Die Inſtandhaltung der Gräben, Ausſtreuung der Maulwurfs⸗ haufen u. ſ. w. nimmt er pr. Morgen zu 6 an. An allgemeinen Wirthſchafts⸗ und Baukoſten berechnet er die Hälfte gegen die Ackerländereien, 5 pCt. vom rohen Ertrage. Nach dieſen Sätzen kommen die verſchledenen Wieſenclaſſen nun folgendermaßen zu ſtehen:* Erſte Claſſe. Wieſen von 18 bis 24 Centner Hettertrag i in 2 Schnitten. Ertrag: 21 Centner Heu, à 9......... 189. Weidewerth 10 Procent.......... 18,9. 207,9. Koſten: Zweimal zu mähen und das Heu zu werben, à 12 24. Einfahren des Heues bei der mittlern Entfernung, à Centner 0,5......... 160,5. Auf⸗ und Abladen........... 6. Inſtandhaltung der Gräben ꝛc........ 6. An allgemeinen Wirthſchaftskoſten 5 pEt..... 10,4. 56,9. Bleibt Reinertrag 151. Zweite Claſſe. Zweiſchürige Wieſen zu 15 bis 18 Centner Heuertrag. r Ertrag: 1 16,5 Centner Heu, à 9........... 148,5. Weidewerth 10 Procent......... 14,8. Koſten: Zweimal zu mähen und das Heu zu werben, à 10. 20. Einfahren des Heues bei der mittlern Entfer⸗ nung, à Centner 0,5......... 8,25. Auf⸗ und Abladef.... 4. Inſtandhaltung der Gräben ꝛTc....... 6. An allgemeinen Wirthſchaftskoſten...... 8,15. . 46,4. Bleibt Reinertrag 116,9. —— * . Auf⸗ und Abladen, à 2*2 4*.*. 2..** 4.* 379 Dritte Claſſe. Zweiſchürige Wieſen zu 12 bis 15 Centner Heuertrag. a) Trockene Wieſen dieſer Art. Ertrag: 13,5 Centnex Heu, à 10...... 135. Weidewerth 10 Procent.......... 13,5. Koſten: Zweimal zu mähen und das Heu zu werben, à9. 18. Einfahren des Heues bei der mittlern Entfer⸗ nung, à Centner 0,5......... 6,75. Auf⸗ und Abladen, 32. na... w.. 4. Inſtandhaltung der Gräben ꝛc..... 6. An allg. Wirthſchaftskoſten 5 vEt. des rohen Ertrags 7,4. 42,15. Bleibt Reinertrag 106,35. ) Feuchte Wieſen dieſer Art. Ertrag: 13,5 Ceutner Heu, à 7........... 94,5. Werdewerth............... 9)/4. Koſten: Zweimal zu mähen und das Heu zu werben, à 9 18. Einfahren des Heues bei einer mittlern Entfer⸗ nung, à Centner 0,5......... 6,,75. Inſtandhaltung der Gräben ꝛc........ 6. An allgemeinen Wirthſchaftskoſten...... 5,2. — 39,95. Bleibt Reinertrag 63,95. Vierte Claſſe. Einſchürige Wieſen zu 9 bis 12 Centner Heuertrag. a) Trockene Wieſen dieſer Art. Ertrag: 10,5 Centner Heu, à 10.......... 105. Weidewerth 15 pCt............. 15,75. 120,75. eeͤhͤͤſſſ 380 Koſten: Einmal zu mähen und das Heu zu werben... 12. Einfahren des Heues bei einer mittlern Entfer⸗ nung, à Centner 0,5.......... 5,25. Auf⸗ und Abladen..........3. Inſtandhaltung der Gräben ꝛc...... 6. An allg. Wirthſchaftskoſten 5 pCt. des Ertrags.. 6,04. 32,29. Nach Abzug dieſer Koſten bleibt Reinertrag für einen Morgen.............. 89,46. b), Naſſe Wieſen dieſer Art. 4 Ertrag: 10,5 Centner Heu, à 7........... 73,5. Weidewerth 15 pCt............. 11. 84,5. K o ſt en: Einmal zu mähen und das Heu zu werben. 12. Einfahren bei der mittlern Entfernung.... 5,25. Auf⸗ und Abladen.......... 3 Inſtandhaltung der Gräben ꝛc........ 6. An allgemeinen Wirthſchaftskoſten... 4 30,45. Bleibt Reinertrag pr. Morgen 54,05. Funfte Claſſe. Einſchürige Wieſen von 6 bis 9 Centner Heuertrag. a) Trockene Wieſen dieſer Art. Eytrag: 3 7,5 Centner Heu, à 10.......... 75. Weidewerth 15 pEt............. 11,25. Koſten: Einmal zu mähen und das Heu zu werben... 8. Einfahren des Heues bei der mittlern Entfernung. 3,75. Auf⸗ und Abladen....... 2. Inſtandhaltung der Gräben....... 6. An allgemeinen Wirthſchaftskoſten...... 4, 4,31. 2à4, 06. Nach Abzug dieſer Koſten bleibt Reinertrag für einen Morgen 62,10. — S 381 b) Naſſe Wieſen dieſer Art. Ertrag: 7,5 Centner Heu, à 6......... 45. Weidewerth 15 pCt............. 6,7. Koſten: Einmal zu mähen und das Heu zu werben... 10. Einfahren des Heues bei der mittlern Entfernung. 3,75. Auf⸗ und Abladen........ 2. Inſtandhaltung der Graben........ 6. An allgemeinen Wirthſchaftskoſten...... 2,58. 24,33. Bleibt Reinertag 27,37. Sechste Claſſe. Wieſen von 6 Centner Heuertrag. Von der Annahme ausgehend, daß Niemand ein Grundſtück, wel⸗ ches dem Pfluge zugänglich iſt, als Wieſe benutzen werde, das nur einen ſo ſehr geringen Heuertrag gibt, macht Koppe bei dieſer Claſſe den Unterſchied zwiſchen naſſen und trockenen Wieſen nicht, ſondern rechnet 4 in dieſe Claſſe diejenigen Grundſtücke, die wegen ſtauender Feuchtig⸗ keit nur dieſer einen Benutzung fähig ſind. 1 Ertrag: 4,5 Centuer Heu, à 5.......... 1.. 1122,5. Weidewerth............... 3,37. 25,87. Koſten: Einmal zu mähen und das Heu zu werben... 10. Einfahren des Heues......... 2, 25. Auf⸗ und Abladen.......... 2. Inſtandhaltung der Gräben........ 6. An allgemeinen Wirthſchaftskoſten...... 1,28. 21,53. Bleibt Reinertrag 4,34. In einer mit ſeltenem Scharfblick und genauer Localkenntniß ent⸗ worfenen Abhandlung»über die Beſtimmung des Pfandwerths der mecklenburgiſchen Landgüter«, in einem der ältern Jahrgänge der meck⸗ lenb. Annalen, werden auch ſpecielle Unterſuchungen über den reinen Ertragswerth des gewonnenen Heues angeſtellt, welche einen intereſ⸗ ſanten Beitrag zu den hier mitgetheilten Materialien, Behufs einer 382 praktiſchen Ermittelung des Nealpreiſes der verſchiedenen Wieſenclaſ⸗ ſen, liefern. Die Geſichtspuncte— heißt es dort—, wornach der Werth des Heues beſtimmt werden muß, ſind weniger klar, und erlauben keine ſolche Beſtimmtheit, als beim Ackerland. Der Werth eines Scheffels Roggen iſt gleichgroß, er mag auf dieſem oder jenem Gute gebaut ſeyn. Der Futterwerth des Heues, ſo wie der Werth des Düngers, andert ſich mit dem Verhältniſſe, worin der Heugewinn zur Ackerfläche ſteht, und mit der Qualität des Ackers, wo⸗ durch der Dung benutzt werden ſoll. Die Grundſätze, wornach der Futter⸗ und Dungwerth des Heues zu beſtimmen ſind, liegen noch völ⸗ lig im Dunkeln; es würde deßhalb jetzt noch vergeblich ſeyn, einen Maßſtab der Werthsbeſtimmung für alle verſchiedene Verhaltmiſſe auf⸗ luchen und darſtellen zu wollen. Für ein gegebenes Local, wo der Heugewinn zur Ackerfläche in einenn mittlern Verhältniß ſteht, ergab des Verfaſſers Berechnung den ganzen reinen Ertragswerth für ein Hoffuder Heu zu 2 Rthlr. 31 ßl. Der Werth des aus dem Heu erfolgenden Dungs iſt hierin mitbegrif⸗ fen; die Werbungskoſten des Heues, ſo wie alle auf den Antheil der Wieſen fallende allgemeine Culturkoſten, als Abgaben, Baukoſten, Adminiſtrationskoſten u. ſ. w., ſind abgerechnet, ſo daß der angegebene Ertragswerth als Norm des Kauf⸗ oder Pfandwerthes für dieſes Lo⸗ cal dienen könnte. Da es unmöglich iſt, den verſchiedenen Werth des Heues für k⸗ des einzelne Gut zu beſtimmen, ſo wird nur beabſichtigt, den mittlern Werth, wie er aus dem Durchſehnitt aller Güter hervorgehen würde, zu ſuchen. Da der Standpunct, aus welchem oben erwähnte Werthsberechnung gemacht iſt, mit dem mittlern Verhältniß ziemlich übereinſtimmt, ſo nimmt man, in Ermangelung mehrer Erfahrungen, dieſe hier zur Baſis. Wie wir oben bereits angeführt, iſt nach dem Bonitirungsregle⸗ ment die Taration der Wieſen in der Art geſchehen, daß man in den beſten Wieſengründen von 100 Q. Ruthen ein Bauernfuder Heu rech⸗ net, bei minder guten Wieſen mehre Q. Ruthen und bei den ſchlechte⸗ ſten 300 Q. Ruthen auf ein Bauernfuder angenommen hat. Jedes Bauernfuder iſt, ohne Rückſicht auf die Größe der Fläche, wovon es geworben iſt, gleich zwei bonitirten Scheffeln Ackerland gerechnet*). *) Auch ohne Rückſicht, ob ein Gut viel oder wenig Heuwerbung habe. Schon v. Ferber führt in ſeinen„Grundzügen zur Werthſchätzung der ————— —— ——f] 383 Es iſt hier alſo abermals der rohe Ertrag als Maßſtab des Werthes angenommen. Die Werbungskoſten des Heues werden für ein Fuder immer größer, je größer die Fläche iſt, von der es geworben wird; um nun den reinen Ertrag der Wieſe von verſchiedener Güte zu be⸗ ſtimmen, muß erſt ausgemittelt werden, wie für eine gleiche Maſſe Heu die Werbungetoſten bei zunehmender Flä⸗ che wachſen. Nach Beobachtungen im Allgemeinen wird angenommen, daß ein Arbeiter in einem Tage 200 Q. Ruthen der beſten oder 300 Q. Ru⸗ then der ſchlechteſten Wieſen mähtz und daß die Arbeit des Heuens in eben dieſem Verhältniſſe ſteht. 200 Q. R. der beſten Wieſen ſind bonitirt z zu 2 Fuder Heu; 300 Q. R. der ſchlechteſten zu 1 Fuder. Die Arbeit des Mähens und Heuens würde alſo auf den ſchlech⸗ teſten Wieſen pr. Fuder doppelt ſo viel koſten, als auf den beſten Wieſen. Nimmt man an, daß fuͤr die Wieſen mittlerer Güte die Wer⸗ bungskoſten mit der Fläche regelmäßig wachſen, bis ſie zu dem dop⸗ pelten für die Wieſen von 300 Q. R. übergehen, ſo würde ſich fol⸗ gendes Verhältniß ergeben: Für 1 Fuder Heu auf 100 Q. R. betragen die Werbungskoſten 1 „ 1„„„ 125„„ 72„ 4 1 ⅓ *½ 11„„„ 150„„„ 2 7 14¾ 4, 1„ 2, 1, 175„„ /f„. 2 1% , 1„„„ 200„„ 2, 2 1 „ 1„„„ 225„„„„„ 1 G „ 1 2„„ 250„„„„„ 1 ¼ „ 1„„„ 275„„ 2 2 2 1 ¼ „ 1„„„ 300„„„ 2 2 2 Allgemein ausgedrückt wären die Werbungskoſßen für 1 Fuder Heu auf 100+ x Q. Ruthen gleich 1+—= 5;z dieß machte z. B. 3 für 130 Q. Ruthen: 1+== 1 20 für X= 1, oder für Wie⸗ ſen zu 101 Q. Ruthen betragen die Koſten 1+ 246 Landgüter in Mecklenburg“ das unſtatthafte dieſer Norm an. Ein jeder Landwirth, der ſeinen irgend verhältnißmäßigen Heubedarf hat, wird wohl ewig 2 Scheffel Ausſaat guten Ackers lieber nehmen, als 1 Bauernfuder, vielleicht gar ſchlechten Heues. 23 384 Mit jeder Quadratruthe, womit die Fläche wächſt, nehmen ſie al⸗ ſo um ½%⸗ zu, wornach ſich die Tabelle für jede Zahl leicht ausfüllen läßt. Die Werbungskoſten für 1 Hoffuder Heu betragen auf dem zum Standpunct genommenen Gute 1 Rthlr. ½ ßl. Hiervon betragen die Koſten des Einfahrens, welche in der Regel nicht mit der Größe der Wieſen, ſondern bloß mit der Quantität Heu im Verhältniß ſte⸗ hen, 18 ½ ßl.; die Koſten des Mähens und des Heuens, welche mit der Fläche ſich andern, ſind alſo 1 Rthlr. ½ ßl.— 18% ßl.= 30 fl. Der Theil der Adminiſtrationskoſten und der andern allgemeinen Culturkoſten, welcher mit der Quantität Arbeit wächſt und damit im Verhältniß ſteht, beträgt 24 pCt. der Arbeitskoſten; dieß macht für 30 ßl. noch 7,2 ßl., zuſammen alſo 37% ßl. Die Wieſen dieſes Gutes ſind im Durchſchnitt zu 133 Q. Ruthen auf 1 Bauernfuder Heu bonitirt. Rechnet man ein Bauernfuder gleich ¼ Hoffuder, ſo betragen auf dieſem Gute für ein Bauernfuder Heu: 1. Die Werbungskoſten 37 1 ßl.= 28 ßl. 2. Der reine Ertragswerth 2 Thlr. 31 ßl.= 1 Thlr. 47 ßl. 3. Der Ertragswerth und die Koſten des Mähens und Heuens zuſammen 2 Rthlr. 27 ßl. Wenn die Koſten des Mähens und Heuens auf Wieſen zu 133 O. Ruthen bonitirt pr. Fuder 28 ßl. betragen, ſo macht dieß für die Wieſen zu 100 Q. Ruthen bonitirt 24 ⁄23, ßl., oder mit Weglaſſung 33 des Bruches 23 ßl.; denn 1+ 206= 28 ßl. oder 233= 5600 gibt für 1— 24 ⁄⁄33 ßl. Hieraus entſteht nun folgende Tabelle: 385 Werth eines Fu⸗— Wi Weth wenn 3 Die Koſten des Bleibt reiner Er⸗ ieſen oſten des Mä⸗ Mähens und tes swerth für Heuens betragen rag bonftirt zu hens und des für ein Bauern⸗ ein Bauernfuder Heuens auch nicht Heu ſabgerechnet ſind fuder Heu D. Ruthen Rthlr. l. Rthlr. ßl. Rthlr. ßl. 100 2 27— 24 2 3 120 2 2— 269, 2 6/10 133 92 27— 28 1 47 4 140 2 27— 283/10⁰ 1 462/10 150 22 30 1 45 160 2 27-— 312/10 1 433/10 180 2 27— 33 ⁄10 1 41 /10 200 2 27—(36 1 39 220 2 27—-— 38 h0 1 36 ⁄10 240 2 27— 403/⁄à10 1 34 ⁄₰0 260 2 e=(432/10 1 313/10 280 2 27— 45 10 1 294/1,5 300 2 27 1— 1 27 Mit 1 Q. Ruthe ändert ſich... 1770 fl. 100,000 Q. Ruthen der beſten Wieſen, zu 100 Q. Ruthen boni⸗ tirt, geben 1000 Fuder à 2 Rthlr. 3 ßl. reinen Ertrag= 2062% Rthlr. 100,000 Q. Ruthen des beſten Ackers, zu 75 Q. Ruthen boni⸗ tirt, geben reinen Ertrag— 1501 Rthlr. Der Werth der Wieſen ſteht alſo zum Werth dieſes Ackers im Verhältniß von 137 zu 100. 1N 4 100,000 Q. Ruthen Wieſen, zu 300 OQ. Ruthen bonitirt, geben 333 ⅜ Fuder à 1 Rthlr. 27 ßl.— 521 Rthlr., welches dem Werth des Ackers von 5 e Scheffel Ertrag auf 50 Q. Ruthen ungefähr gleichkommt. Dieſes Verhältniß ſcheint mit der allgemeinen Meinung, wie ſich dieſe bei Pachtungen ausſpricht, in Übereinſtimmung, wenigſtens nicht im Widerſpruche zu ſeyn, welches für die Richtigkeit dieſer, aus ganz andern Quellen entſprungenen Rechnung von großer Bedeutung wäre. Weil ſich unergiebige Wieſen finden, die feines, nahrhaftes Heu liefern, ergiebige Wieſen, die grobes, hartes Heu geben, und in an⸗ Lengerke's Wieſenbau. 25 — 386 dern Wieſen dieß wieder umgekehrt iſt, ward hier auf die Guüte des Heues keine Rückſicht genommen, ſondern es iſt immer Heu von mitt⸗ lerer Güte vorausgeſetzt. Es muß nothwendig auffallen, daß man in der Inſtruction der Boniteurs vorſchrieb, in den beſten Wieſengründen den Ertrag von 100 OQ. Ruthen nicht höher als zu 1 Fuder Heu anzunehmen, da doch Wieſen vorhanden, die in zwei Schnitten 2 Bauernfuder Heu von 100 Q. Ruthen geben. Dieß, verbunden mit dem Umſtande, daß die Inſtruction der zweiſchürigen Wieſen gar nicht erwähnt und ſie gar nicht von den einſchürigen trennt, macht es höchſt wahrſcheinlich, daß man bloß die Vormahd zum Maßſtab des Ertrags nahm, den Nach⸗ wuchs des Graſes aber als mit dem erſten Schnitt genau im Verhält⸗ niß ſtehend anſah, und nun den Werth des Heues ſo hoch annahm, daß der Werth des Nachwuchſes ſchon mit darin begriffen war. In dieſem Sinne iſt auch die obige Rechnung, welche den reinen Werth eines Hoffuders Heu zu 2 Rthlr. 31 ßl. beſtimmte, entworfen, indem der Werth der Nachweide mit dem Heuwerth verbunden iſt. Ein ſpäterer Beleuchter unſerer landwirthſchaftlichen Taxprincipien hat in ſeinen verſuchsweiſe aufgeſtellten Ertrags⸗Berechnungen, wo⸗ bei die nach den Grundſätzen des Landesvergleichs vorausgegangene Bonitirung zum Grunde gelegt worden, den Geſichtspunct genom⸗ men, daß diejenigen Wieſen, welche von 100 bis 200 Q. Ruthen pr. Fuder bonitirt ſind, als zweiſchnittige, von 201 bis 300 Q. Ru⸗ then pr. Fuder aber als einſchnittige Wieſen anzunehmen ſeyn dürf⸗ ten. Den Werth eines Fuders Heu der erſten Abtheilung rechnet er zu 4 Rthlr.*), und zieht davon für zweimalige Mäh⸗, Werbungs⸗ und Einfuhrkoſten ꝛc. bei 100 Q. Ruthen pr. Fuder 1 Rthlr. ab. Es würde demnach das in dieſer Claſſe bonitirte Fuder angeſchlagen wer⸗ den zu......... 3 Rthlr.— ßl. bei 125 Q. R. pr. Fuder an Koſten 1 Rthlr. 12 ßl., bleiben... 2„ 36„ „ 150„„ deßgleichen 1 Rthlr. 20 fl. 2„ 36„ „ 175„„„, 1, 36„ 2„ 12„ 1 200„„„ 3 2—„ 2— Von der zweiten Abtheilung wird der Werth eines Fuders Hen 1 Rthlr. niedriger angeſchlagen. Die einmaligen Werbungskoſten ꝛc. würden nun etwa betragen: *) Ein Bauernfuder Heu kann man— nach Engel— auch zu 12 Ctr. 3 den Ctr. zu 6 Metzen Roggenwerth= 12 ßl. annehmen. tr., 387 bei 225 Q. N. pr. Fuder 1 Rthlr. 12 Fl., bleiben. 1 Rthlr. 36 fl. „ 250„„ 2 1„ 24 2„„ 1„ 24„ „ 275, u 1 1„ 36„ 2. 4„ 12 2 „ 300, i, 1 2 2 2 7/ 7 1„ 1 Engel bemerkt, daß— inſofern man annehme, ein Mann könne täglich füglich 200 Q. Ruthen mähen und eine Frau in drei Tagen ein Fuder Heu bereiten und trocken ſchaffen— der Abzug von 2 Rthlr. für Werbung ꝛc. bei zu 300 Q. Ruthen pr. Fuder bonitirten Wieſen allerdings zu hoch erſcheinen werde; allein man müſſe berückſichtigen, daß es ſehr viele Wieſen gebe, wovon 500 Q. Ruthen kaum Ein Fu⸗ der Heu, dagegen andere, welche auf 50 bis 60 Q. Ruthen einen gleichen Ertrag lieferten. Da nun vorſchriftsmäßig nicht über 300 Q. Ruthen pr. Fuder angenommen werden dürften und hierauf von den Boniteurs überall verhältnißmäßig Rückſicht genommen werden müſſe, ſo werde die Annahme von nicht mehr wie 1 Rthlr. pr. Fuder Heu mit der ſchlechten Claſſe der Wieſen zu rechtfertigen ſeyn. Auf den Einwurf, daß für Fütterungskoſten, Mägdelohn ꝛc. nichts in Abrechnung gebracht worden, läßt ſich entgegnen, daß ſolche Koſten füglich mit dem Werthe des zu gewinnenden Dungs compenſirt werden können. Außer der natürlichen Ertragsfähigkeit wird der Preis der Wie⸗ ſen noch durch folgende Umſtände beſtimmt. S. 162. Abſatz des Heues⸗ Vortheilhafte Abſatzverhältniſſe können den Werth eines an ſich nur mittelmäßigen Bodens und Products dem trefflichſten gleich⸗ ſtellen. Rückſichtlich des Reinertrags der Wieſen findet dieſe Bemer⸗ kung Anwendung, wenn ihre Seltenheit, ihre bequeme Lage in der Nähe einer großen Stadt oder in einer mit Vorliebe Heu conſumi⸗ renden Gegend den Verkauf desſelben höher als ſeine Verfütterung mit dem Viehe rentiren läßt. Bei dem Vortheile dieſer Verwendung iſt nicht nur der höhere baare Gewinn, ſondern auch der Umſtand zu berückſichtigen, daß man wird durch die Gelegenheit wohlfeiler Miſt⸗ Acquiſition den Grundwerth der Wieſenfläche ökonomiſch nachhaltig ſteigern können. §. 163. Beſchaffenheit der Ackerländereien. Wir haben ſchon im zweiten Abſchnitte unſers Werkes,§. 24, auf die höhere Wichtigkeit der Wieſen für Wirthſchaften mit ſehr 25* — 388 ſchwerem Boden und für Sandgüter hingedeutet. Es iſt wohl Allen begreiflich, daß ſchwarzes Brot dort einen eigenthümlichern höhern Werth hat, wo es an Weizengebäcke durchaus gebricht. Wo alſo keine Futtergewächſe mit Sicherheit auf dem Acker erzeugt werden können, da iſt eine Wieſe, die unter glücklichern wirthſchaftlichen Verhältniſſen zur dritten Claſſe rangiren würde, vielleicht zum Werthe der erſten Claſſe zu veranſchlagen. §. 164. Einfluß des Verhältniſſes der Wieſenflaͤche zu den Ackerländereien auf den Werth der Wieſengrund⸗ ſtücke.— v. Thünen's Ermittelung der wohlfeilſten Heuſurrogate und ihrer rentirenden Erzeugung un⸗ ter widerſtrebenden Verhältniſſen.— Ein zu großes Verhältniß der Wieſen zum Ackerlande mindert den Werth erſterer für die Ackerwirthſchaft. Mit lediglichem Getreideſtrohe iſt weder eine gute Viehhaltung durchzuführen, noch ein kräftiger Miſtpfuhl zu ſchaffen. Koppe nimmt ſehr richtig an, daß bei guten Viehracen und beſonderer Ge⸗ legenheit zum vortheilhaften Abſatze der thieriſchen Producte die höch⸗ ſte Benutzung des Heues und Strohes Statt fände, wenn jenes zu dieſem in dem Verhältniſſe wie 1: 2 verfüttert werde. Wo man thie⸗ riſche Producte weniger vortheilhaft erzeugen kann, da wird eine Ver⸗ zehrung des Heues in dem Verhältniſſe wie 1: 3 das Heu erſt be⸗ zahlen. Bei großer Seltenheit des Heues iſt die äußerſte Gränze, in welcher es bei der Conſumtion des Strohes vorhanden ſeyn muß, wie 1: 5. Iſt es in dieſem geringſten Verhältniſſe nicht anzuſchaffen, ſo muß zu Surrogaten Zuflucht genommen werden; je theurer dieſe her⸗ beigeſchafft werden müſſen, deſto höher ſteigt der Werth der vorhande⸗ nen Wieſenfläche. Die zweckmäßigſte Wahl der Erſatzmittel des Heues hat demnach auch innigen Bezug auf unſern Gegenſtand. Die Praris ſoll verglei⸗ chen die höhere Vortheilhaftigkeit der Getreide⸗ oder Futtergewächſe⸗ Fütterung; ſie ſoll ausfindig machen, wie ſelbſt unter den allerun⸗ günſtigſten Verhältniſſen eine dem gefundenen Calcul entſprechende Einrichtung ſich zweckmäßig für's Ganze erweiſen dürfte. Unſer Herr v. Thünen hat in dieſer Rückſicht intereſſante Unterſuchungen und Andeutungen in ſeinem»iſolirten Staate«, da, wo er(bei Anführuug der Rückſichten bei der Wahl eines Wirth⸗ ſchaftsſyſtems) über das»Verhältniß des Heuertrags aus den 4 e — — 389 Wieſen zur Größe des Ackerlandes« ſpricht, mitgetheilt, deren Einſchal⸗ tung hier vielleicht Veranlaſſung zur genauern Erörterung der letztern Hälfte obiger Aufgabe bei unſern rationellen Wirthen geben dürfte. Wenn— heißt es— mit einem Gute ,welches in Koppel⸗ oder Dreifelderwirthſchaft liegt, keine Wieſen verbunden ſind und das Nutzvieh nur im Winter mit bloßem Stroh unterhalten wird, ſo ma⸗ gert das Vieh im Winter ſo weit ab„daß es den größten Theil des auf der Weide verzehrten Graſes zu ſeiner Erholung und zur Herſtel⸗ lung der Beleibtheit anwenden muß und nur einen geringen Theil desſelben auf die Erzeugung von Milch oder Wolle verwenden kann. Unter dieſen Umſtänden iſt aber der Rohertrag des Viehes ſo gering, daß dadurch die Koſten der Viehhaltung kaum gedeckt werden, daß folglich nicht bloß das verfütterte Stroh, ſondern auch die Weide ſelbſt gar keine Nutzung abwirft. In einem ſolchen Verhältniß wird es nothwendig, dem Viehe im Winter durch Körnerfutter zu Hülfe zu kommen— ſey es nun, daß man das Korn rein gibt, oder daß man das Stroh nicht rein ausdre⸗ ſchen läßt—, um dasſelbe in einem ſolchen Zuſtande zu erhalten, daß wenigſtens die Nutzung der Weide nicht ganz verloren gehe. Das Zugvieh muß, wie es Jedem einleuchtet, immer in dem Stande erhalten werden, daß es die geforderte Arbeit vollbringen kann. Fehlt nun das Heu, ſo muß dieß augenſcheinlich durch Koͤrnerfütterung er⸗ ſetzt werden. Vergleicht man aber die Productionskoſten des Kleeheues und der Kartoffeln mit denen des Getreides, ſo findet man, daß dieſes ein weit theureres Futter iſt, als Kleeheu und Kartoffeln. v. Thünen's Berechnungen über die belgiſche Wirthſchaft ergeben, daß die Hervorbringung. von 1 Scheffel Haber an Arbeitskoſten erfordert... 13,4 ßl. „ 1„ Kartoffein.... 3,3„ 441 Centner Kleche........ 4,3„ Nach andern Beobachtungen und Berechnungen nimmt Herr v. Thü⸗ nen ferner an, daß ein Scheffel Haber incluſive des mit demſelben ge⸗ ernteten Strohes fur das Nutzvieh und zum Theil auch für das Zug⸗ vieh— bei welchem aber nicht das ganze Quantum der Körner durch Heu erſetzt werden kann— einen gleichen Futterwerth habe mit 117 Pfd. Kleeheu oder mit 2 ¼ Scheffel Kartoffeln. 390 Die Hervorbringung . 117 von 117 Pfd. Heu koſtet an Arbeit 56. XS4,3= 5 bl., „ 2 ½ Scheffel Kartoffeln 2 q¼ X✕ 3,3= 7,7„ „ 1„ Haſer....... 13,4„ Die Koſten der Haferfütterung verhalten ſich hiernach zu denen der Kartoffelfütterung wie 100: 58 und „„„ Kleeheufütterung wie 100:40. Oder, wenn man bisher für 100 Thlr. Hafer mit dem Nutzvieh verfüt⸗ terte, ſo erſpart man durch die Subſtitution der Kartoffeln 42 Thlr. und durch die des Kleeheues 60 Thlr. Es folgt hieraus, daß man in ſolchen Dreifelder⸗ und Koppel⸗ wirthſchaften, wo das Heu entweder ganz fehlt oder doch nicht in hinreichender Menge vorhanden iſt, ſeine Zuflucht nicht zur Körnerfütterung, ſondern zum Anbau der Futterge⸗ wächſe nehmen muß. Da nun dieſe Futtergewächſe in keinem andern Wirthſchaftsſyſtem ſo wohlfeil erzeugt werden können, als in der Fruchtwechſelwirthſchaft, ſo folgt hieraus ferner, daß dieſe Güter einen ſolchen Theil ihrer Ackerfläche, der hinreichend iſt, das nöthige Winterfutter an Heu, Kartoffeln u. ſ. w. zu liefern, in Fruchtwechſelwirthſchaft legen müſſen, wenn auch der Getreidepreis nicht die Höhe und der Acker nicht den Grad von Fruchtbarkeit er⸗ langt haben, wo dieſe Wirthſchaftsart für die ganze Ackerfläche zweck⸗ mäßig wäre*»f. Aber nur auf reichem Boden wird die Production der Futterge⸗ wächſe wohlfeil; auf armem Boden verſagt der Klee ganz und die Kartoffeln geben einen ſo geringen Ertrag, daß ihre Production leicht das Doppelte von dem koſtet, was hier dafür berechnet worden. Wir werden dadurch zu einer neuen intereſſanten Frage geführt: *) Im Allgemeinen enthält gewiß die nachſtehende Aeußerung eines tüchtigen mecklenburgiſchen Praktikers viel Wahres. Wer ſeine Wieſen cultivirt— ſagt derſelbe— und einen Theil der Weide zum Anbau von Klee und Kartoffeln beſtimmt, wird aus ſeinem Nutzviehe mehr Ertrag haben, als ohne Einſchränkung der Weide; er wird ſein Grundſtück in höhere Cultur bringen und daher auch, bei vielleicht eintreten⸗ den höhern Kornpreiſen, den größten Theil und mehr Korn zu Markte brin⸗ gen können, als der, welcher die Einſchränkung der Weide für Thorheit hält, weil er, wenn nicht reichlich Heu vorhanden iſt, noch einen Theil von ſeinem Kornproduct mit dem Nutzviehe verfüttern muß, wenn er es im gu⸗ ten Stande erhalten will, weil er die Productionskraft des Bogens ſehr we⸗ nig vergrößert. „ — AHA 2 391 Wird nämlich bei mangelnden Wieſen auf Acker von mittlerem oder geringem Reichthum es zweckmäßig ſeyn, einen Theil des Ackers in hohe Dungkraft zu ſtellen und Fruchtwechſelwirthſchaft darauf ein⸗ zuführen, wenn die Bereicherung dieſes Theils der Ackerfläche nur auf Koſten des andern größern Theils geſchehen kann? Herr v. Thünen bemerkt, daß er hierüber kein beſtimmtes Ur⸗ theil zu fällen wage, aber er glaube, daß die genauere Unterſuchung dieſe Frage bejahend beantworten würde. Je ärmer indeſſen der Acker im Ganzen, je ſchlechter die phyſiſche Beſchaffenheit des Bodens ſey, um deſto größer wären die Schwierig⸗ keiten beim Anbau der Futtergewächſe, und es erkläre ſich hieraus, e warum in Gegenden, wo ſolcher Boden vorherrſcht, die Wieſen einen in ſo hohen Werth hätten, daß ihr Beſitz faſt die Bedingung ſey, unter ur welcher man nur Ackerbau treiben könne. e⸗ Es gibt aber auch ſolche Wirthſchaften, wo das Verhältniß der n Wieſen zum Ackerlande von der Größe iſt, daß umgekehrt der Werth 8 erſterer für die Wirthſchaft bedeutend ſinkt und das Heu ſich bei der 2 Verfütterung nicht unmittelbar durch die thieriſchen Producte bezahlt macht; in dieſem Falle wird der daraus erfolgende Miſt das Deficit n ſchwerlich decken, und es wird räthlich werden, einen Theil des Heues unmittelbar zu verſilbern. — füt⸗ —.— — .§. 165. Gelegenheit zu Meliorationen. 3— Koppe bemerkt ſehr richtig, daß, obgleich der Werth einer Sache, 4 den ſie anzunehmen fähig ſey, wenn noch eine directe Auslage auf t ſie verwendet werde, im Augenblick des Kaufes noch keine Verände⸗ rung erlitten habe, ſo werde bei der Erwerbung von Grundſtücken doch häufig darauf Rückſicht genommen, ob ſie verbeſſerungsfähig wären oder nicht. Die Wahrſcheinlichkeit, daß das aufzuwendende Meliorations⸗Capital viel geringer ſeyn werde, als der durch ſeine Verwendung erhöhte Grundwerth, beſtimme den Käufer oft, ein hö⸗ heres Kaufgeld zu zahlen, als die bisherige Benutzung rechtfertige. Allerdings dürfte bei dermaliger Beſtimmung des Pfandwerthes unſerer Wieſen ein Umſtand nicht unerwogen bleiben, deſſen Werth nicht mehr, wie häufig früher, von einer einzelnen Perſönlichkeit abhängt, ſondern einen ſichern Bürgen ſeiner gleichmäßig ein⸗ träglichen Dauer an der allgemein viel fortgeſchrittenen und unab⸗ 3 läſſig weiter ſtrebenden Praxis hat. 7 Allenthalben da, wo Lage der Wieſen und Quantität des zur 392 Berieſelung der Wieſen erforderlichen Waſſers ſi ſich wahrſcheinlich nicht 3 ändern, wo das Material zur Beerdung und Sandung ſo bequem liegt, als das Terrain der Wieſen ſelbſt dieſe Operationen begünſtigt, wo man auf wohlfeilem Wege ſich düngende Subſtanzen zur Erhö⸗ hung des Graswuchſes verſchaffen kann ꝛc., rechtfertigt ſich derma⸗ len ein, auch den ſonſtigen mitwirkenden Umſtänden entſprechender, verhältnißmäßiger Aufſchlag des Capitalwerthes der in Betracht kom⸗ menden Grundſtücke. 4 §. 166. Ertragsberechnung cultivirter und aneult wirtor Wie⸗ ſen in Mecklenburg, und wie ſich ihr Werth zum Acker⸗ lande verhält. Zum Beſchluß unſers Vortrags über die Landrente der Wieſen, welcher nur Materialien zu einer ſo nöthigen genauern Beſtim⸗ mung derſelben liefern ſoll, möge es uns noch geſtattet ſeyn, eine ver⸗ 1 gleichende Berechnung des Ertrags von cultivirten und uncultivirten— Wieſen zu der Rente von durch Kartoffelbau, fehlende Brache ꝛc. ſehr* hoch genutzten Ackers, nach dem erfahrungsmäßigen Anſchlage eines verdienten mecklenburgiſchen Praktikers, des Herrn Fr. Bobſin zu Bauhoff, folgen zu laſſen. Deer Ertrag einer Wieſe, J. die durch Erdefahren und Bedüngung von 60 O. Ruthen 1 Fuder gibt, wäre 1. in 764 Pfd. Nahrungstheilen.....5 Rthlr. 46,5 ßl. 2. in 3290 Pfd. erübrigtem Dung.... 1„ 1,38„ zuſammen 6 Rthlr. 47,88 ßl. Hiervon ab die Koſten der Einwerbung 24 ßl. und der Bedüngung alle zwwei Bahre niit 3 Fudern.... 12„ 36 bleibt Gewinn 6 Rthlr. 11,88 sr u. die keiner Cultur fähig iſt. 1. Zweiter Claſſe a) von 207 Pfd. Nahrungstheilen.... 1 Rthlr. 29,625 ßl. b)„ 2178 1 Dung.....—„ 32,67„ . uſammen 2 Rthlr. 14,295 ßl. Hiervon ab die Koſten der Einwerbung—„ 18„ bleibt Gewinn 1 Rthlr. 44,295 ßl. ¹ 2. Dritter Claſſe tem g a) von 120 Pfd. Nahrungstheilen... 45 ßl. 4 b) von 1483 Pfd. Dung..... 22,245„ m⸗ 5 4 zuſammen 1 Rthlr. 19,245 ßl. dr, Hiervon ab die Koſten der Einwerbung... 13„ Du. bleibt Gewinn 1 Rthlr. 6,245 gl. Der Werth von 60 O. Ruthen(auf oben erwähnte Weiſe genutz⸗ tem) Acker verhält ſich hiernach zu einer gleichen Fläche 3 48 1. durch Dung von einer cultivirten Wieſe wie.. 209 zu 300, T. 2. der uncultivirten Wieſe zweiter El dfſe 209„ 92, 1 3.„„„ dritter„» 209„ 54.. n. Die durch Dung und Beerdung cultivirte Wieſe würde von 3 r1. ihrem Ertrage noch die Zinſen von 5 pCt. von den Koſten der er Trockenlegung, Beerdung und Beſamung(die ſich nach unſern frü⸗ aft hern Mittheilungen auf höchſtens 3½ ßl. pr. Q. Ruthe belaufen) 8 verlieren und einen Ertrag von 6 Rthlr. 12 ßl.— 10 ßlL.= 6 Rthlr. an 2 ßl. geben; mithin würde ſich der Werth des Ackers zu dem ſolcher— Wieſen verhalten wie 209: 290. Wollte man mit Beibehaltung der Brache und der zwei oder drei 3 Wieeddeſchläge die Kartoffel für Weide oder Korn einſchieben, wobei der Werth des Ackers durch Kartoffelbau nur wenig über die gewöhn⸗ . liche Werthſchätzung ſteigen könnte, ſo würde der Werth einer cul⸗ 8 tivirten Wieſe gegen Acker ſehr hoch ſteigen, und wenn nach dem allge— . meinen Grundſatze der jährliche Netto⸗Ertrag ohne Grundzins von d 60 Q. Ruthen Acker 1 Rthlr. betruͤge*), ſo wäre der Netto⸗Ertrag 1) einer durch Dung zu cultivirenden Wieſe mit dem Uberſchuſſe an Dung wenigſtens... 6 Rthlr. 12 ßl. 2) einer durch Dung und Beerdung zu eultivi⸗ l. renden Wieſe......... 6„„ *) Welcher Reinertrag nur von einem großen Areale mit vorzüglichem Bo⸗ l. den bei der Benutzung einer guten Schäferei bei den gegenwärtig ſo niedri⸗ gen Kornpreiſen zu erwerben iſt.— 2 f. Die Qualität des hier in Rede ſtehenden Bodens iſt die eines guten feſten 5 4 Gerſteackers, der ſich nach der Bemergelung zum Weizenboden eignet, und der 4 Culturſtand desſelben von der Beſchaffenheit, daß ſich von Weizen, nach Abzug des Dreſcherlohns, das ſiebente Korn erwarten läßt. 394 3) einer nicht cultivirten Wieſe a. zweiter Claſſe..... 1 Rthlr. 44 ßl. b. dritter„„..... 14 2 6/ Hiernach würden 1) 60 Q. Ruthen Acker einen Werth haben von 1 Rthlr. X 20= 20 Rthlr. 2) 60 Q. Ruthen bloß geduͤngten Wieſenlandes einen Werth von 6 Rthlr. 12 ßl. 20= 125 Rthlr. 3) 60 Q. Ruthen beerdeten und gedüngten Wieſenlandes einen Werth von 6 Rthlr. 2 ßl. 20= 120 Rthlr. 40 ßl. 4) 60 Q. Ruthen einer nicht cultivirten Wieſe einen Werth haben in der a. zweiten Claſſe von 1 Rihlr. 44 ßl. 20= 38 Rthlr. 16 ßl. b. dritten Claſſe von 1 Rthlr. 6 ßl. 20= 22 Rthir 24 ßl. S h C · N , S D W . 1 — 5 ʒʒ 9 , NX úX ͥᷓN X NN X ͦ XYNYYX RKRäRäÜͤÜäÜäÜLäULäLäNRNRN 2 8 XX XN I ᷓMᷓùᷓ́ᷓÖAAᷓ Ö8A ÖAAAX RRT 7 WM 2 ᷓ́ᷓ ₰ u, M Wee IE2 a F — 6 —y)ʃ — — „ 7 2 Von Lerigerke naa Iinaanbane enfnge. Floh, M. —— weeln, R ykbuteei Whutte wn , — nu f A lone ddtin, . 4 8 6 M 1 AN Fahe U. 20 7 * —— — 5 Wice le 2 gare nac, Fiwzenban? Ian, r, —————.—— —ÿ—ͦ—ꝛ—ꝛ:P——————yö—ᷣͦ— ahr b b AM . 1 elner W kene, dn Zöige We weie b. ute Lgeeene laum Zengerke pindut. Itiesenban, D!e hnflage.— 2 4 4 2.. —öy Tahn —,; — — ee Whe,rn e. . 2 ue m, 4 2 6 3 4 —— L — e, ſ D S b 8 X S S X T 2 A Snh,. V du Z 1 X S— XXN)NV— 8———— X—— 4₰ 2— n 2 W N ü, eeee,. Müng anstacgenader Zaaaercaa ma aalan. aenne, Ion ZLengerke prac. Iicacnban. 2 Inflage. fbgl fug.? M. 8 8 —— 8 R G 6 I N A 3 8 8 N A N 8 I K 3 3 8 K8 8X N A R N X 5 5 8 A A N . I N 2 ℳ ihru—— e Von Zengerke axr. Wursensaa, 2. Auchl. Im Verlage der J. G. Calve'ſchen Buchhandlung in Prag erſcheint und iſt durch jede Buchhandlung zu beziehen nachſtehende, für Gutsbelitzer, Schakzüchter, Land- und Forſtwirthe ſehr empfehlenswerthe Zeitſchrift: Oekonomilche Ueuigkeitenu. Verhandlungen. Zeitſchrift für alle Zweige der Land⸗- und Hauswirthſchaft und des Forſt- und Jagdweſens. Begründet von Chriſtian Carl André, fortgeſetzt von Emil André. Dieſe ſeit 1811 ununterbrochen erſcheinende Zeitſchrift erfreut ſich von Jahr zu Jahr immer mehr der Gunſt des großen gebildeten ökonomiſchen Publicums; ſie iſt unter allen teutſchen landwirthſchaftlichen Zeitſchriften die am meiſten verbreitete. Ihr Werth iſt begründet durch ihre zahlreichen Mit⸗ arbeiter aus allen Gegenden Teutſchlands, ſelbſt auch außer Teutſchland. Dieſe Mannichfaltigkeit und dieß redliche Streben der Redaction nach Recht und Wahrheit, welche die ſtehende und ſehr gefüllte Rubrik der„Debatten und Berichtigungen“ thatſächlich beweiſ't, geben dem Blatte einen ganz eigenthümlichen, ſehr zu empfehlenden Vorzug und Charakter: ſie vertritt alle Parteien, alle Schulen; ſie hört alle Gründe und Gegengründe; ſie befolgt praktiſch die ſchöne Lehre:„Prüfet Alles und das Beſte behaltet!“ Dadurch ſchützt und bewahrt ſie vor Einſeitigkeit und fördert das Denken, Fortſchreiten! Ihre täglich ſteigende Gunſt beim ökonomiſchen Publicum erklärt ſich aber auch dadurch, daß ſie mit dem außerordentlichen Aufſchwung, den die ganze ökonomiſche Wiſſenſchaft und ihre Praxis in letzter Zeit genommen, ſtets gleichen Schritt gehalten, das Neueſte, Beſte ſtets mitgetheilt. Ihr Li⸗ teraturblatt hat die Leſer in den Stand geſetzt, ſtets in der Ueberſicht der neueſten und beſten, wichtigſten und intereſſanteſten Schriften und be⸗ ſonders der Tages⸗Journaliſtik zu bleiben und dadurch eine Menge von Bü⸗ chern und anderer Journale dem praktiſchen Oekonomen, der ſo wenig Zeit zum Leſen hat, entbehrlich zu machen. Die Oekonomiſchen Neuigkeiten erſetzen ihm dadurch eine kleine Bibliothek. Dieſes Literaturblatt hat nun aber auch eine vollkommenere, mehr praktiſche Tendenz erhalten; es lie⸗ fert keine trockene Hererzählung der Journalartikel, ſondern theilt bloß das Neue, wahrhaft Wichtige, Intereſſanteſte mit, und iſt dadurch für den wiſſen⸗ ſchaftlichen wie für den praktiſchen Oekonomen erſt wahrhaft nützlich und will⸗ kommen. So behalten die Mittheilungen der Journaliſtik bleibenden Werth und liefern intereſſanten und belehrenden Stoff für unſer Wiſſen und Fort⸗ ſchreiten. Auch das Forſtweſen, das täglich mehr Beachtung und Wichtigkeit er⸗ hält, iſt nach Gebühr und Ehren vertreten, und jeder gebildete Forſtmann wird auch hier mit dem Neueſten ſeines Faches bekannt gemacht. Die Litera⸗ tur und Journaliſtik iſt hier ebenſo wie bei der Landwirthſchaft in ihren neueſten Erſcheinungen mitgetheilt. Es erſcheinen von dieſer Zeitſchrift lährlich zwei Bände oder 120 Num⸗ mern Groß⸗Medianbogen, mit den dazu nöthigen Abbildungen, Regiſtern dc., wovon 80 der landwirthſchaftlichen Abtheilung, 24 dem landwirthſchaftlichen Literaturblatt und 16 der Forſt⸗ und Jagdabtheilung gewidmet ſind. Der* Preis iſt im Buchhandlungswege ganzjährig 8 Rthlr.= 12 fl. C. M.— 2+ Die Forſt- und Jagdabtheilung wird auch im Buchhandel mit beſonderer Numerirung a part gegeben ganzjährig zu 1 ½ Rthlr.= 2 fl. C. M. Im Verlage der J. G. Calve'ſchen Buchhandlung iſt erſchienen: Landwirthſchaftliches Converlations-Lexicon 84 für Praktiker und Laien. Herausgegeben von Dr. Alexander von Lengerke, Mitgliede der patriotiſchen und ökonomiſchen Geſellſchaften in Kopenhagen, Altona, Roſtock, Celle, Potsdam, Caſſel, Dresden, Carlsruhe, München, Wien und Breslau. In 4 ſtarken Bänden 24 fl. C. M. oder 16 Rthlr.; oder in 24 Heften à 1 fl. C. M. oder ½ Rthlr. Um mehrfach ausgeſprochenen Wünſchen zu genügen und die Anſchaffung dieſes ausgezeichneten Werkes auch Minderbemittelten zu erleichtern, veran⸗ ſtalten wir hier ein neues Abonnement auf eine Ausgabe in Monathef⸗ ten, à 10 Groß⸗Medianbogen, ſo daß es Jedermann freiſteht, das Ganze auf Einmal oder in monatlichen Lieferungen zu beziehen. Ueber den Werth dieſes Buches haben ſich die vorzüglichſten landwirth⸗ ſchaftlichen Zeitſchriften gleichgünſtig ausgeſprochen und wir erlauben uns hier nur ein Urtheil, und zwar das der„Oekonomiſchen Neuigkeiten“, im Auszuge folgen zu laſſen: „Wir haben nun das ganze, aus vier ſtarken Bänden beſtehende und 3890 Seiten umfaſſende Werk fertig und vollendet vor uns! Verfaſſer wie Verleger haben redlich Wort gehalten, und das landwirthſchaftliche Publi⸗ cum hat einen literariſchen Schatz in die Hand bekommen, den es gewiß zu würdigen wiſſen wird.“ Wir finden, daß die Idee zu dieſem Converſations⸗Lexicon eine ſehr glückliche und zeitgemäße war. Wir haben bisher nichts Aehnliches gehabt; wir erhielten alſo etwas Neues und, wir können wohl ſagen, auch etwas ſehr Nöthiges, vielleicht ſogar Unentbehrliches, wenn man bedenkt, wie ſich von Jahr zu Jahr die Wiſſenſchaft mit ihren Hülfsfächern mehr und mehr verzweigt und es dem Einzelnen— namentlich aber dem Praktiker und Laien— ſchwer, vielleicht unmöglich wird, Allem mit gleicher Auf⸗ merkſamkeit zu folgen, das Neue ſich ſtets anzueignen und ſeinem Gedächt⸗ niſſe einzuprägen. So ein Lexicon muß ihm daher eine ſehr willkommene, höchſt ſchätzenswerthe Wohlthat ſeyn! Wenn wir nun aber auch die Ausführung dieſer Idee betrachten, 8 ſo müſſen wir geſtehen, daß wir nur mit größter Achtung von einem Werke ſprechen können, das, was Anlage, Ausführung, Vollſtändigkeit, Behand⸗ lung und unparteilichkeit anbelangt, gleich ausgezeichnet iſt. Auch die Gründ⸗ lichkeit in Behandlung der einzelnen Gegenſtände iſt inſoweit beobachtet worden, als ſie mit dem ganzen Plane vereinbar war. Der Herr Verfaſſer ſchrieb kein Lehrbuch, keine Syſtematik, ſondern ein Converſations⸗Lexicon für Praktiker und Laien. Es iſt alſo hier die praktiſche Tendenz in's Auge gefaßt worden, und gerade das iſt für's wirkliche Leben am gewinnreichſten und nützlichſten! Nicht für den Gelehrten, ſondern für den Ungelehrten, für den Geſchäftsmann, ſchrieb der Herr Verfaſſer ſein Werk, für ein gro⸗ en: ßes, ſo achtens⸗ und ehrenwerthes Publicum. Wir wiſſen aus Erfahrung, daß gerade die tüchtigſten praktiſchen Landwirthe die wenigſte Zeit haben zum Leſen; denn ihr Beruf, dem ſie mit Liebe und Erfolg obliegen, nimmt ihre ganze Zeit in Anſpruch und ermüdet ſie auch körperlich ſo, daß an ein Studiren und gleichen Schritt mit der Literatur ihres Faches Halten gar nicht zu denken iſt. Dieſer ſo ehrenwerthen Claſſe von Staatsbürgern iſt daher eine gute Zeitſchrift, die ihr das Neue in ihrer Sphäre anſpruchslos mittheilt, und ein Werk, wie das vorliegende, in welchem ſie ohne Zeitverluſt kurz, bündig und praktiſch die geſuchte Belehrung findet, ein unentbehrliches Hülfsmittel, auch abgeſchnitten vom Herde der Gelehrſamkeit und Viſſenſchaft, in ihrer ländlichen iſolirten Einſamkeit doch ſo weit mit den täglichen Fortſchritten des Wiſſens gleiches Tempo zu halten, als es zu dem vortheilhaften und lohnenden Betriebe ihres Gewerbes nöthig und zur eigenen Fortbildung er⸗ forderlich iſt. 3 Es iſt daher unſer in Rede ſtehendes Converſations⸗Lexicon ein wahres Bedürfniß der Zeit geweſen, und wir können mit Ueberzeugung behaupten, es hat dieſes Bedürfniß auf eine Weiſe befriedigt, die gewiß jede Erwar⸗ tung übertroffen. Das war aber auch nur möglich von einem Manne, der, wie unſer Verfaſſer, ſelbſt praktiſcher Landwirth, genau das Bedürfniß des⸗ ſelben kannte; der durch wiſſenſchaftliches Studium, viele Reiſen und zahl⸗ reiche Verbindungen zu ſo einem Unternehmen geeignet, gebildet und vor⸗ bereitet warz der endlich durch langjährige Vorarbeiten und Sammeln der Materialien, wie durch Benutzung der beſten Quellen dazu völlig gerüſtet war. Daher iſt auch zu erklären, wie es möglich geweſen, in ſo kurzer Zeit ein ſo wohlgeordnetes, vollſtändiges Ganze an's Licht zu ſtellen, das ſich auf den erſten Blick von ähnlichen Fabriksarbeiten und Buchhändler⸗ Speculationen ſo vortheilhaft unterſcheidet und auszeichnet! Der Herr Verfaſſer hatte die Materialien urſprünglich zu ſeiner eigenen Belehrung geſammelt; ihm war es bei der Herausgabe allein um Förderung der guten Sache zu thun und ſeinen vielverbreiteten ehrenwerthen Standes⸗ genoſſen wahrhaft zu nützen! Und daß er dieſe Abſicht gewiß vollkommen erreicht, wird jeder Unparteiiſche gern zugeſtehen und ihm herzlichen Dank dafür wiſſen!“ 1 KReilte durch Deutiſchland, in beſonderer Beziehung auf Ackerbau und Induſtrie. Von Dr. Alexander von Lengerke. Mit 7 lith. Tafeln und einer Titel⸗Vignette, Hohenheim darſtellend. gr. 8. 1839. Geb. Preis 5 fl. C. M.(3 55 Rthlr.) Freunde und Kenner des Landbaues, insbeſondere aber praktiſche Land⸗ wirthe, welche ſich eine ſtatiſtiſche Ueberſicht der deutſchen Landwirthſchaft zu verſchaffen wünſchen, werden dazu in der Begleitung des Verfaſſers ein ge⸗ wiß willkommenes Mittel finden. Die Wanderung desſelben beginnt von Hol⸗ ſtein, geht nach Braunſchweig und Kurheſſen, von hier durch Weſtphalen nach Rheinland, in's Naſſauiſche, dann nach Heſſen⸗-Darmſtadt, Baden, Würtem⸗ berg, Baiern, Oeſterreich, Böhmen, Sachſen, Brandenburg, Pommern, und durch Mecklenburg zurück in die Heimath. Nicht nur, daß der Reiſende ſein beſtändiges Augenmerk auf die landwirthſchaftlichen und indu⸗ ſtriellen Productionsverhältniſſe der genannten Länder richtet: er widmet auch den obwaltenden Zuſtänden der Wieſenwirthſchaft und des ökonomiſchen Unterrichtsweſens ſpecielle, ein hohes Intereſſe in Anſpruch nehmende Unterſuchungen. Nebenher hat er in ſeinen vom Felde der Wiſſenſchaft gepflückten Aehrenkranz manche, dem Terrain der Kunſt, der Ethnographie oder anderem Boden entſproſſene Blume gewunden und da⸗ durch dem hübſch ſtyliſirten und auch äußerlich trefflich ausgeſtatteten Berichte das oft Trockene und Langweilende ähnlicher Darſtellungen benommen. Der Kunttwielenbau, praktiſch dargeſtellt auf der hochgräfl. von Nimptſch'ſchen Herrſchaft Geiers⸗ berg, Königgrätzer Kreiſes in Böhmen, von Stephan Weinar, Oberförſter genannter Herrſchaft. gr. 8. 1842. Broſchirt 48 kr. C. M.(15 ggr.) Das angezeigte Werkchen dürfte den Herren Oekonomen um ſo will⸗ kommener ſeyn, als es die Ergebniſſe rein praktiſcher Erfahrungen mittheilt und mit Zahlen den großen Nutzen des Kunſtwieſenbaues nachweiſ't. Nach⸗ dem der Herr Verf. die großartigen Unternehmungen dieſer Art in Camenz in Schleſien und Janowitz in der Oberlauſitz an Ort und Stelle kennen ge⸗ lernt, übernahm er den in dieſem Werkchen beſchriebenen Kunſtbau, in wel⸗ chem er auch ohne Schminke auf Mängel und Gebrechen, die ihn ſelbſt bei der Ausführung betrafen, aufmerkſam macht, um durch deren Bekanntma⸗ chung Andere vor ähnlichen Fehlern zu warnen, die, einmal begangen, dann ohne große Opfer nicht verbeſſert werden können. Die Ernährung der Pflanzen „ und die Statik des Landbaues. Eine von der dritten Verſammlung deutſcher Land⸗ und Forſtwirthe zu Potsdam 1839 gekrönte Preisſchrift von Dr. F. X. Hlubek, Prof. der Land⸗ u. Forſtwirthſchaft am Joanneum zu Grätz, Ref. des Centrale der k. k. Landw. Geſellſchaft in Steiermark, Mitgl. der k.⸗k. Univerſität zu Lemberg und mehrerer landw. Vereine des In⸗ und Auslandes. Mit 13 Tabellen. gr. 8. Prag 1841. Preis in gedrucktem umſchlag bro⸗ ſchirt 6 fl. C. M.(4 Rthlr.) 3 Vorſtehendes Werk umfaßt Alles, was die Pflanzenphyſiologie, Pflan⸗ zenchemie und Landwirthſchaftslehre bisher erforſcht haben und was in irgend einer Beziehung zur wiſſenſchaftlichen Durchführung des betreffenden Gegen⸗ ſtandes ſteht. Dieſe Durchführung erfolgte durchgängig mit mathematiſcher Conſequenz, da der Hr. Verf., wie er ſich im Vorworte ausdrückt, die Ma⸗ thematik als den Centralpunct aller Wiſſenſchaften anſieht, aus welchem ſie wie die Radien eines Kreiſes entſpringen und ſich wieder daſelbſt vereinigen. Damit jedoch das Werk auch dem nicht wiſſenſchaftlich gebildeten Prak⸗ tiker zugänglich werde, hat der Hr. Verf. die Ergebniſſe der bisherigen Er⸗ he — fahrungen und ſeiner Forſchungen in tabellariſche Ueberſichten zuſammengeſtellt, und daher kommt es, daß dem angezeigten Werke 13 Tabellen beigefügt ſind, welche die Ueberſicht über die Größe der Ausſaat und des Ertrages, den Roggenwerth, den Aſchen⸗, Kohlen⸗, Stick⸗, Waſſer⸗ und Sauerſtoffgehalt der Ernten, die Ernährungsfähigkeit landwirthſchaftlicher Producte, den Reichthum der Grundſtücke, den zu leiſtenden Erſatz und ſeinen pecuniären Werth, die relative Ausſaugung oder Erſchöpfung der einzelnen Culturpflan⸗ zen, die Vor⸗ und Nachtheile der einzelnen Wirthſchaftsſyſteme dc. gewähren. Wir glauben nicht der Zeit vorzugreifen, wenn wir ſchließlich die Be⸗ merkung beifügen, daß der Hr. Verf. eine Aufgabe gelöſ't hat, durch welche eine neue Epoche in der landwirthſchaftlichen Literatur begründet wird. Sebaſtian Grafen Trautmannsdorf's praktiſcher Uivellir-Unterricht und deſſen Anwendung auf das Anlegen der Wieſen⸗ Bewäſſerungsgräben und die Führung der Waſſerleitungen in hölzernen und eiſernen Röh⸗ ren, wie auch mancherlei andere Gegenſtände landwirth⸗ ſchaftlicher Cultur.. Für jeden, auch keine mathematiſche Kenntniſſe beſitzenden Oekono⸗ men faßlich dargeſtellt.. Zweite Auflage, nach den Grundſätzen des Herrn Verfaſſers umgearbeitet von deſſen Mitarbeiter an der erſten Ausgabe. Mit 6 lithographirten Tafeln. gr. 8. 1836. Cart. 1 fl. 48 kr. C. M.(1 ½H Rthlr.) Die Züchtung des Edelſchakes mit hochedler Wolle. Von Emil Andreé Sohn, Schäferei⸗Inſpector. Mit einer lithographirten Tafel und einer Tabelle. gr. 8. Prag 1842. Preis broſch. 48 kr. C. M.(15 ggr.) Der Herr Verf. übergibt dieſes Werkchen um ſo lieber der Oeffentlich⸗ keit, als er alles darin Vorkommende ſelbſt erfahren und für die Förderung der wiſſenſchaftlichen und höhern Schafzucht nützlich hielt. Er glaubt in den Abſchnitten„über Züchtung“ Manches geliefert zu haben, das in keinem Buche noch erſchienen, und hofft mit ſeinem Werkchen darzuthun, daß es ihm Ernſt mit Förderung der guten Sache, und daß die darin enthaltenen An⸗ ſichten nicht bloß theoretiſche und Stubenſätze, ſondern praktiſche, und auf im Betriebe dieſes Zweiges der Landwirthſchaft gemachten Erfahrungen be⸗ ruhen. 6 Monatli undwirthehattlihe Pereptrugen Herausgegeben bon einem praktiſchen Landwirthe. . Baron von Puteani.) Mit 11 Tabellen. 3. verb. Auflage. 8. 1820. Schrbpp. 1 fl. 18 kr. C. M. 1 hlaſ2 Athlr.) Darſtellung der vorzüglichſten landwirthichaktlichen Verhältnille, inſofern ſie auf Bewirthſchaftung des Grundes und Bodens und die damit ver⸗ bundenen Nebenzweige der Oekonomie Bezug haben. Ein Handbuch für praktiſche Landwirthe und Freunde der Land⸗ wirthſchaft. Verfaßt von Rudolph Andre, und mit Anmerkungen von Auguſtin Nieger. Vierte verbeſſerte Auflage. gr. 8. 1840. Broſch. 1 fl. 40 kr. C. M.(1 ½ Rthlr.) Anleitung zum Mälten des Rindviehes, der Schafe, Schwein, Gänſe, Hühner und Truthühner. Nebſt einem Anhange über die Räucherungsart des Hamburger Rindfleiſches, der weſtphäliſchen Schinken und der pommerſchen Gänſebrüſte. Nach den Localverhältniſſen Böhmens bearbeitet von Anton Seibt, Wirthſchaftsbuchhalter. (Aus den Oekonomiſchen Neuigkeiten 1831 beſonders abgedruckt.) 8. 1831. Broſch. 40 kr. C. M.(½ Rthlr.) Soðειμσάανινηνέ̈ι C. M. ver⸗ land⸗ 3 eesee 4 8 6 8 4. 9 9 v llalalelrlalthetelrtelslelaeleIelee aleheHrfratlsleAhebnedla NMaanmnamMarrarmmnmEnnEnEmnfnnnrrnnmdnnammmpulan Oem 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15