OberJ ta Von D. Johann Burger. — Erſter Theil. e n. durch Ober⸗Italfen, mit vorzüuͤglicher Rückſicht auf den gegenwärtigen Zuſtand der Landwirthſchaft, die Größe der Bevölkerung, Bodenfläche, Beſteuerung und den Kauf⸗ und Pachtwerth der Gründe. Von Johann Burger, der Heilkunde Doctor, Kaiſerl. Königl. Gubernialrathe zu Trieſt, Mitgliede mehrerer Geſellſchaften zur Beförderung der Landwirthſchaft.— Wien, 1831. Verlag von Anton Doll' Univerſitats⸗Buchhandlung. Gedruckt del Chr. Frisdrich Schade. Vorrede⸗ Onhngeachtet uͤber kein Land der Welt ſo viel geſchrieben worden iſt, wie über Italien, und ſich ausgezeichnete Schriftſteller aller Nationen in die Wette bemüht haben, nicht nur alle Gegenſtände der Kunſt und des Alterthums, die ſich in dieſem Lande vorfinden, zu erforſchen, zu beſchreiben und durch Bilder zu verſinnlichen, ſondern auch den gegen— wärtigen Zuſtand der ſittlichen Bildung der Menſchen und der politiſchen Einrichtungen in den verſchiedenen Staaten dieſes Landes zu ſchildern; ſo ermangelte doch immer noch ein Werk, das uns über den gegenwärtigen Zuſtand der Lan— descultur und jener Menſchenclaſſe, die ſich zunächſt mit dem Landbaue abgibt, gründliche, nicht bloß oberflächliche Kennt— niß ertheilte. Wenn es aber irgend ein Land gibt, deſſen Ackerbau nä— her beſchrieben zu werden verdient, ſo iſt es ſicher Italien, wo nach den Stürmen der Völkerwanderungen und Länder⸗ verwüſtungen ſich zuerſt wieder freie geſellſchaftliche Inſtitu— tionen bildeten, in deren Gefolge der Landbau, die Gewerbe und Künſte mit den ernſten und ſchönen Wiſſenſchaften wieder aufzublühen begannen, wo die Feudalverhäͤltniſſe entweder gar nie Eingang fanden, oder ſeit Jahrhunderten ſchon wie⸗ der abgeſchafft ſind, und wo man daher um ſo mehr erwarten muß, einen ſehr vervollkommten Ackerbau anzutreffen, als * VI Vorrede. Clima und Boden dem Gedeihen der Thiere und Pflanzen mehr als irgendwo zuſagen. Es fehlt zwar nicht an einheimiſchen und ausländiſchen Schriftſtellern, die über dieſen Gegenſtand geſchrieben haben; allein größtentheils ſind die Werke der erſtern mehr beſtimmt ihren Landsleuten Belehrungen zu ertheilen, als das beſtehen⸗ de Verfahren getreu zu beſchreiben, und die der letztern rühren von Autoren her, die entweder zu geringe Sachkenntniſſe hat— ten, oder das Land zu oberflächlich durchreiſet haben, um ſich genügend unterrichten zu können.— Ein Werk, das uns eine genaue Schilderung des Betriebes der Landwirthſchaft von einer der Haupteintheilungen des Landes gewährte, und uns nebſtbei von dem Zuſtande der ackerbautreibenden Claſſe, von dem Geld- und Pachtwerthe der Gründe, von den Steuern, von dem Verhältniſſe, in welchem die Bepölkerung und der Viehſtand zur Ausdehnung des Ackerbaues ſteht, Nachricht ertheilte, iſt in der italieniſchen Literatur nicht vor— handen, für Ober⸗Italien von Arthur Young nur ſkizzirt, für Toscana von Sismondi nur unvollkommen ausge⸗ führt worden. Arthur Young, der größte Landwirth und Statiſtiker ſeiner Zeit, machte im Jahre 1739, nachdem er früher Frank⸗ reich in landwirthſchaftlicher und ſtatiſtiſcher Hinſicht durchrei— ſet hatte, einen Ausflug nach Ober⸗Italien,*) und ging über Turin, Mailand, Venedig, Bologna nach Flo⸗ renz, und dann zurück über Bologna, Turin und den Mont Cenis, um ſich in dieſem Theile von Italien über *) Arthur Young's Reiſen durch Frankreich und Italien in den Jah⸗ ren 1787 bis 1790. Aus dem Engliſchen. Berlin, 1795. * ᷣ Vorrede. VII alles, was auf Land⸗ und Staatswirthſchaft Bezug hat, zu unterrichten. Allein die Zeit, die er hiezu verwandte, war zu kurz und zu ungünſtig, als daß er im Stande geweſen wäre ſich mehr als ſehr oberflächliche Kenntniſſe von den Gegen⸗ ſtänden zu verſchaffen, um deren willen er in das Land ge— kommen war. Nicht gerechnet, daß er nur zehn Wochen darin verweilte, und die Hälfte dieſer Zeit n Mailand, Vene⸗ dig und Florenz zubrachte, ſo waren auch die Monate: October, November und December an und für ſich nicht geeignet ihm über den Landbau anſchauliche Kenntniſſe zu ver— ſchaffen, wenn ſie auch minder naß und kalt geweſen wären, als ſie es im Jahre 17890 waren, woes im November unauf⸗ hörlich regnete, und wo im December ganz Italien unter Schnee lag. Noung war zwar mit der Cultur ſüdlicher Länder nicht unbekannt, da er aus Frankreich kam, wo er ſich lange genug aufgehalten hatte, um ſich für die Reiſe nach Italien vorzu⸗ bereiten, allein die Zeit, die er da zubrachte, war doch im— mer zu kurz, um die Eigenthümlichkeiten der Landwirth⸗ ſchaft dieſes Landes ganz aufzufaſſen; auch habe ich Grund zu vermuthen, daß er der Sprache zu wenig mächtig war, um mit den Wirthſchaftsverwaltern, Pächtern und Bauern ſelbſt ſprechen zu können, und daß er ſich darauf beſchränken mußte, nur mit den Gutsbeſitzern zu verkehren, die wohl über die Pachtbedingniſſe, nur ſelten aber über den wirkli⸗ chen Betrieb der Landwirthſchaft unterrichtet ſind. Die Nachrichten Young's über Gegenſtände, die ſich auf die Land- und Staatswirthſchaft von Italien beziehen, ſind, mit geringen Ausnahmen, äußerſt kurz, abgebrochen, oft unverſtändlich, nicht ſelten unrichtig. Man ſieht ihnen die Eile und die geringe Kritik an, mit der ſie niederge— VIII Vorrede. ſchrieben worden ſind; allein trotz dieſer Maͤngel, ſetzen die Menge von Daten, die er in der kurzen Zeit ſeines Auf⸗ enthalts ſammelte, ihre Zuſammenſtellung, und die ſcharf⸗ ſinnigen Folgerungen, die er von ihnen abzuleiten weiß, Je— derman in Erſtaunen, und geben in ihrer Unvollkommen— heit von dem Fleiße und Scharfſinne dieſes Mannes den über— zeugendſten Beweis. Der als Geſchichtſchreiber der italieniſchen Republiken, und als ſtaatswirthſchaftlicher Schriftſteller berühmte Sis— mondi hat ſeine literariſche Laufbahn mit einer Beſchrei— bung der toscaniſchen Landwirthſchaft begonnen,*) die ich ſelbſt in das Deutſche überſetzt habe, weil ſie mir mehr, als alle mir bekannten Werke über italieniſche Landwirthſchaft Genüge leiſtete. Allein, bei näherer Würdigung dieſes Wer⸗ kes wird man finden, daß der Verfaſſer ſeines Gegenſtandes doch nicht mächtig genug war, und ihn viel zu oberflächlich behandelte; daß er nur von einem ſehr beſchränkten Theile von Toscana nähere Kenntniß hatte, und daß ſein Verdienſt mehr in einer wohlgelungenen Darſtellung des Wenigen, was er wußte, als in einem Reichthume von Kenntniſſen, oder in einer erſchöpfenden Behandlung des Gegenſtandes beſteht. In wie ferne ich berufen zu ſein mir ſchmeicheln darf, dieſe Lücke in der landwirthſchaftlichen Literatur auszufüllen und welchen Werth der Leſer in meine Nachrichten und Be— hauptungen ſetzen darf, mögen folgende kurze Notizen über die Veranlaſſung, dieſes Werk zu ſchreiben, näher angeben. *) Tableau de l'agriculture toscane par I. C. L. Simonde de Genve. Genève, *601. Die deutſche überſetzung erſchien 1805 bei Cotta in Tübingen. — ₰ J fenti furt ibeiſ Gru ten. inſel den! haben höch Vorrede. IX Nachdem ich vom Jahre 1808 bis zum Jahre 1820 öf⸗ fentlicher Lehrer der Landwirthſchaft am Lyceum zu Klagen⸗ furt in Kärnthen geweſen war, wurde ich nach Trieſt überſetzt, um im öſterreichiſchen Küſtenlande die Grundertragsſchätzungen für den neuen Steuercataſter zu lei— ten.— Es beſteht das Gebiet dieſer Provinz aus der Halb⸗ inſel Iſtrien, den Inſeln Cherſo und Veglia, dem Karſte, der ſteinigen Gebirgsgegend zwiſchen Fiume und Görz, dem Stadtgebiete von Trieſt, den Ländern der Grafſchaften Görz und Gradisca, und dem früher vene— zianiſchen Bezirke von Monfalcone. Nach der Sprache, nach dem Clima und der Bodencultur muß dieſe Provinz zu Italien gezählt werden, in der ich neun Jahre zubrachte und die ich während dieſer Zeit mehrmals in allen Richtungen durchreiſet habe, um vermöge meines Amtes die genaueſten Nachforſchungen über den Betrieb der ortsüblichen Land— wirthſchaft anzuſtellen. Ich bin daher nicht unvorbereitet nach der Lombardie gekommen, wohin mich im Jahre 1828 Seine Majeſtät, der Kaiſer, abzuordnen geruhten, um mich daſelbſt ſowohl über die Art, wie der alte mailändiſche Cataſter zu Stande gebracht wurde, als auch über den Gang der in den vormals venezianiſchen Provinzen ſeit drei Jahren Statt habenden Cataſtral⸗Operationen zu unterrichten. Dieſer Aller⸗ höchſte Auftrag verſchaffte mir nicht allein Gelegenheit die Acten des Archiys der Steuerregulirungsbehörde(Giunta del censimento) zu Mailand zu ſtudiren, ſondern auch den größten Theil der Provinzen des lombardiſch-venezianiſchen Königreichs ſelbſt zu ſehen, um in den lombardiſchen die al— ten Schätzungen mit den örtlichen Verhältniſſen zu verglei— chen, und in den venezianiſchen den Gang der im Zuge be— X Vorrede. findlichen Schätzungen zu beobachten.— Meine Geſchäfte brachten mich mit einer großen Menge von Landwirthen aus allen Ständen in Berührung, und machten mir es möglich nicht nur den wirklichen Betrieb der Landwirthſchaft ſelbſt zu beobachten, ſondern mir auch von den Ergebniſſen der⸗ ſelben die verläſſigſten Daten zu verſchaffen.— Daß ich nichts unterließ, die mir dargebotene Gelegenheit auf das Beſte zu benützen, wird der Leſer in der Folge aus dem Werke ſelbſt entnehmen.— Noch iſt es nothwendig, daß ich über die Art ſpreche, wie ich meine Nachrichten über Italien dem Leſer mitzutheilen ge— denke.— Es geht das Tagebuch voraus, das ich während der Reiſe ſchrieb, worauf umſtändliche Abhandlungen über die intereſſanteſten Zweige der italieniſchen Landwirthſchaft, ſo wie über den Kauf- und Pachtwerth der Gründe, die ge⸗ genwärtige Beſteuerung, und den malländiſchen Cataſter folgen.. Obgleich die wichtigſten Theile meiner Mittheilungen nur in dieſen Abhandlungen beſtehen, indem darin alle Notizen, die ich über den gegebenen Gegenſtand geſammelt hatte, zu— ſammengeſtellt ſind, ſo habe ich doch gemeint, es dürfte das Tagebuch ſelbſt dem Leſer nicht unangenehm ſein, weil er aus demſelben nicht ſowohl die Zeit erſieht, die ich auf der Rei⸗ ſe zubrachte, die Orte, die ich beſah, die Menſchen, mit de— nen ich verkehrte, als auch mit manchen andern Dingen: Anſicht des Landes und der Städte, Bodenbeſchaffenheit, Sitte der Menſchen, ſtaatswirthſchaftlichen und politiſchen Gegenſtänden u. ſ. w. bekannt wird, die zwar nicht rein land— wirthſchaftlich, dem reiſenden Landwirthe aber nicht gleich— gültig ſind, und deren ich nur gelegenheitlich erwäͤhnte, rel it ſ nachenuo bon Len zyekke d zähung! einiigee. Alurtum Mine lombard Betrieh! Lombar daß mei di lonba Ohet⸗It Bed ſell daſelh ſän.— T gemeinen einem der aus der Rickſcht a Lden edin Kbzgliten, ſecendes au gen des Lan iu weden ve Viſſn der me, der 1 leſee ternh and Deurſch Vorrede. XI weil ich ſie nicht zu Gegenſtänden beſonderer Abhandlungen machen wollte.— Wenn ich mich bei den Sehenswürdigkeiten von Venedig etwas länger aufgehalten habe, als es dem Zwecke dieſes Werkes zukommt, ſo hoffe ich vom Leſer Ver— zeihung wegen des großen Eindruckes, den dieſe in ihrer Art einzige Stadt auf jeden Menſchen machen muß, der für Kunſt, Alterthum und Geſchichte nicht völlig ſtumpf iſt. Meine Nachrichten beſchränken ſich zwar nur auf das lombardiſch-venezianiſche Königreich. Weil aber der Betrieb der Landwirthſchaft in Piemont von dem in der Lombardie nicht abweicht, ſo kann man füglich annehmen, daß mein Gemälde der Landwirthſchaft ſich nicht bloß auf die lombardiſch⸗venezianiſchen Provinzen, ſondern auf ganz Ober⸗Jtalien bezieht. Was den Nutzen des vorliegenden Werkes betrifft, ſo ſoll derſelbe ſowohl wiſſenſchaftlich als auch prac tiſch ſein.— Wiſſenſchaftlich, in ſo ferne es von einem all— gemeinen Intereſſe iſt zu wiſſen, wie die Landwirthſchaft in einem der cultivirteſten Länder der Welt betrieben wird, um aus der Beſchreibung des Verfahrens und der Reſultate, mit Rückſicht auf die Verhältniſſe, welche durch Clima und Boden bedingt werden, allgemeine Regeln für den Ackerbau abzuleiten, und practiſch, in ſo fern ein in Italien be— ſtehendes zweckmäßigeres Verfahren bei den mancherlei Zwei— gen des Landhaushaltes mit Nutzen anderswo nachgeahmt zu werden verdient, wie dieß z. B. mit der Bewäſſerung der Wieſen, der Kaͤſefabrication, der Cultur der Maulbeerbäu⸗ me, der Fall ſein dürfte, welche die Lombarden ungleich beſſer verſtehen, wie ihre Nachbarn, und worin ſie Italienern und Deutſchen als Muſter aufgeſtellt zu werden verdienen. XII Vorrede. Von großer Wichtigkeit iſt es für den Landwirth ſowohl, als den Staatsmann zu wiſſen, welchen Kauf- und Pacht— werth die Gründe in einem ſo ſtark bevölkerten und ſo frucht— baren Lande haben, wie groß die directen Steuern ſind, die unmittelbar auf Grund und Boden laſten, wie ſie ſich zum Grundertrage verhalten, auf welche Art ſie umgelegt ſind, und in welchem Zuſtande ſich die Pachter und Taglöhner be— finden. Die über dieſe Gegenſtaͤnde mitgetheilten Nachrichten beruhen auf zuverläſſigen Erhebungen, und beweiſen den Reichthum des Landes und der Grundbeſitzer, aber auch, daß eine übergroße Bevölkerung zwar wohl der Cultur des Bodens im Allgemeinen, nicht aber dem Glücke und dem Wohlſtande der arbeitenden Claſſe zutraͤglich iſt, und daß in der Lombar— die die gleiche Urſache dieſelbe Wirkung hervorbringt, wie in Irland, Oſtindien und China.— So hoffe ich auch, daß die mancherlei ſtatiſtiſchen Angaben über Bevölkerung, Viehzahl, Flächeninhalt, Ausfuhr von Landesproducten, Einfuhr von Waaren aller Art u. ſ. w. dem Leſer ein viel deutlicheres Bild von dieſem Lande gewaͤhren werden, als er aus den gewöhnlichen geografiſchen Handbüchern, oder den ober— flächlichen Reiſebeſchreibungen zu erlangen im Stande iſt. Endlich dürfte die Geſchichte des berühmten mailändi— ſchen Cataſters dem Leſer nicht unwillkommen ſein, da dieſer Gegenſtand jetzt ein allgemeines Intereſſe hat, indem faſt in allen europäiſchen Ländern und ſelbſt in Egypten ein Cataſter errichtet wird, und die Vortheile einer gleichförmi— gen Umlage der Staatslaſten nach Verhältniß der reinen Einnahme, die man vom Boden erhält, nur von Jenen noch geläugnet werden, die da behaupten, daß alles in der Gegenwart Beſtehende unverrückt bleiben und aufrecht er⸗ Steuen ges dermiderun ſleben müſ gkkauſt dobeiaber hait oder! den Geldo ſch retau kenden, vor ſänden Go urchdie Ver hätenin den lſßgt enget Uregmg der füln ne der ntti zoiſchn unn nehmen, ud nict driet lriiher Vorrede. XIII halten werden muͤſſe, und daß der, welcher bisher zu wenig von der Einnahme ſeiner Grundſtücke zu den Staatslaſten beitrug, auch fernerhin nicht mehr zahlen dürſe, weil er das Grundſtück dieſes Umſtandes wegen um ſo theurer in Händen habe; ſo wie, daß Jener, welcher unter der Größe einer parteiiſchen oder unverſtändigen früheren Vertheilung der Steuern gegenwärtig erliegt, keinen Anſpruch auf Steuer— verminderung habe, und noch fernerhin ein Laſtthier des Staats bleiben müſſe, weil er die hoch belegten Grundſtücke wohlfeil gekauft, oder überhaupt zu geringen Preiſen in Händen habe, wobei aber dieſe Verfechter der ſchreiendſten Ungleichförmig— keit oder Ungerechtigkeit überſehen, daß die Regierung von dem Geldwerthe, um den die Privaten ihre Grundſtücke unter ſich verkaufen, keine Notiz nehmen, und nach einer ſo ſchwan— kenden, von Zufall und Laune abhängigen, und immer wech— ſelnden Größe die Grundſteuer nicht bemeſſen kann, ſondern immer hiezu als Grundlage nur den Reinertrag der Gründe annahm, den dieſe bei der gewöhnlichen Bewirthſchaftung ab— werfen, und von demſelben einen beſtimmten gleichförmigen Antheil forderte.— Wenn die Regierungen jetzt merken, daß durch die Veränderungen der Cultur zu große Ungleichförmig— keiten in dem gegenwärtigen Reinertrage der einzelnen Grund— beſitzer eingetreten ſind, und die frühere, vielleicht richtige Umlegung der Grundſteuer jetzt unrichtig geworden iſt, ſo er— füllen ſie nur ihre Pflicht und handeln nach den Grundſätzen der Gerechtigkeit, wenn ſie dem Einen nach Maßgabe der in⸗ zwiſchen vorgefallenen Umänderungen einen Theil der Laſt ab— nehmen, und ſie dem Andern übertragen, damit der Erſtere nicht darbe oder gar zu Grunde gehe, während ſich der Zweite bereichert. XIV Vorrede. Daß aber jeder Cataſter nur für eine gegebene Zeit ſeinem Zwecke entſpricht, und daß eine Reviſion und Nachbeſſerung deſſelben nach Verlauf dieſer Zeit nothwendig iſt, wird aus dieſer Abhandlung klar werden, in welcher gezeigt wird, daß jetzt in der Lombardie die Steuerumlage an denſelben Män⸗ geln leidet, wie in den übrigen Ländern, die keinen Cataſter haben, wovon die Urſache darin liegt, daß man ſeit hundert Jahren keine Reviſion der Culturveränderungen vorgenom⸗ men hat, und daß daher alle Grundſtücke, die zur Zeit der Einführung des Cataſters ſich in demſelben Culturzuſtande befunden haben, in dem ſie ſich noch gegenwärtig befinden, jetzt wegen der vergrößerten Steuer⸗Procente eine ſchwere Laſt zu tragen haben, während alle ſeit hundert Jahren ge⸗ machten Verbeſſerungen ſteuerfrei ſind; die aus Weiden in bewäſſerte Wieſen und Acker oder Weingärten umgeſchaffenen Felder noch immer als Weiden beſteuert werden und beinahe nichts, ja alle neu gebaueten Häuſer gar nichts bezahlen. Trieſt, im October, 1830. — malländ und Ein Vien mene. Naggi Ein neile hot Die Ein Vien menet mailani Eine mail Star b du 6 Bo Verhältniß der XV mailändiſchen und einiger anderen italien. Maße, Gewichte und Münzen gegen die öſterreichiſchen und metriſchen. I. Mailan d. Längenmaß. Eine Wiener Klafter von 6 Fuß, den zuf zu 12 Zoll, iſt gleich: Meter... „„ mailändiſchen Ellen. Eine mailändiſche Elle(Braccio) von 12 On⸗ eie hat Wiener Fuß...... »„» Ellen.. 5... Flächenmaß. Ein Wiener Joch von 1600 gevierten Klaftern iſt gleich: Pertiche metriche.. »„» di Milanbo.. Eine mailänd. Pertica von 24 Tavole enthäͤlt Wfener gevierte Klafter... „ y»» Joch.... Hohlmaß. Ein Wiener Metzen von 16 Maßl Sn So⸗ meſmetriche...... Moggia di Milano... Ein mailändiſcher Moggio, von 3 Stara, hat Wiener Metzen. Ein Wiener Eimer von 40 Maß enthält So⸗ me metriche...... mailändiſche Brente.... Eine mailändiſche Brentatvong Sfara, jeder Star von 4 Quarteri, und der Quartaro zu 8 Boccali, enthält Wiener Eimer 4⁴ 4* ** 4 2⁴2 ⁴⁴ 1,8966. 3, 1880. 1,882. 0. 763. 5,75. 8,79 1. : 181,955. 20 2 . 2⁹ 0,1137. 0,6152. 0,4207. 2,3767. 0,5668. 0,7502. 1,3329. XVI Verhältniß der Maße, Gewichte und Münzen. Gewicht. Das Wiener Pfund von 32 Lat hat metriſche Pfunde.... 60,5600. mailändiſche gibbre groſſe..; 0,73 12. Das mailänd. große Pfund von 28 Uaien hat Wiener Pfunde...... 7 1,3611. Geld. Ein Gulden von 60 Kreuzern iſt gleich Prailändiſcen Lire, zu 2o Soldi.... 3 39 Eine mailändiſche Lira enthält Kreuzer..: 17,733. Ein mailändiſcher Scudo hat 6 Lire,= Gulden 6, 398 Tahdere Eine öſterreichiſche Lira gilt.— 4. 20 Kreuzer. Eine italieniſche Lira iſt greich einem franzöſſſchen Frank, und gilt...... 23 Kreuzer. II. Vened i g. Der Fuß, Piede di Fabbrica, von 12 Oncie, zu 12 Linien, verhält ſich zum Wiener Fuß wie 1100: 1000. Der Campo von Padua von 840 Tavole hat Wiener Joch.: 09,67111. 100 Stara von Benedig ſind Wiener Metzen.. 3 135,415. 100 Maſtelli von Venedig zu 7 Secchie, von 4 Bozze, enthalten Wiener Eimer.. 132. Ein venezianiſches ſchweres Pfund von 12 Oncie 5 auis metriſchen Pfunden. 3.: o, 477. Wiener Pfunden...* 0,651. Eine venezianiſche Lira aitoer eiziſe Lire.: 0,5335. oder Kreuzer.....: 11,770. III. Mantua. Eine Biolea enthält Wiener Joch. 4½ 0. 5448. Ein Sacco, von 12 Quarti, enthält Wiener Metzen: 1,6948. ——— b00. 31. bun. J. 33. 8„ 8 3 Tagebuch er.—„. 3 35 der Reiſe von Trieſt über Venedig nach Mailand, und von da zer. in alle Gegenden der Lombardie; hierauf über Mantua, Verona und Udine zurück nach Trieſt. 600. Mit hiſtoriſchen, ſtatiſtiſchen, geografiſchen und vorzüglich landwirth⸗ ſchaftlichen Bemerkungen. 111. 5. 7. 1. 85. Jo. 8. 46. er weiß 1. Mai, 1828. Fahrt von Trieſt nach Venedig. Dampfſchiffe. Anſicht von Venedig. Mar⸗ cusplatz. Marcuskirche. Kaffeehäuſer. Öffentlicher Garten. Großer Ca⸗ nal; Palläaſte längs deſſelben; Bauart und Materiale derſelben. Theater San Luca. Als ich im Mai 1806 das Erſtemal von Trieſt nach Venedig fuhr, war die Verbindung zwiſchen dieſen beiden Staͤdten noch ſo gering, daß weder ein Poſtſchiff, noch ein Paketboot zwi— ſchen denſelben eine regelmäßige Fahrt machte. Ich fuhr auf ei— nem Trabaccolo, der kleinſten, zum Küſtenhandel beſtimm— ten Art Schiffe, nach Venedig, und kam nach einer Fahrt von 36 Stunden erſt daſelbſt an, nachdem das Schiff 10 Stunden zwi— ſchen Pirano und Grado bei einer völligen Windſtille ſich nicht bewegte, und dann andere 10 Stunden durch ein Gewitter ge— waltig herumgeworfen wurde. Jetzt fuhr ich mit dem Dampf⸗ ſchiffe, das mich in einer heitern, mondhellen und windſtillen Nacht in 3 Stunden von Trieſt nach Venedig brachte. Gegen⸗ wartig beſtehen zwiſchen dieſen zwei Städten 3 Dampfſchiffe und 9 Paketböte— Corriere— und ſo eben wird ein viertes Dampfſchiff gebaut, das nicht durch die Schaufeln der an den Seiten des Schiffes befindlichen Ruder, ſondern durch ein am Hintertheil des Schiffes, unter dem Waſſer angebrachtes, ſchnecken- oder vielmehr bohrerförmiges Triebwerk, bewegt wer⸗ den ſoll. Ein Englaͤnder— Morgan— hat das Monopol der Dampfſchiffahrt auf 15 Jahre, und gewinnt bei dem großen Ver⸗ kehr, der zwiſchen Trieſt und Venedig beſteht, und dem anſehnli⸗ chen Frachtgelde, das er ſich zahlen läßt, eine bedeutende Summe. Es zahlt aber Jedermann gern die Taxe von 10 Gulden, weil er weiß, daß er in wenigen Stunden das Ziel ſeiner Reiſe er⸗ 1* 4 1. Mai. Venedig. reicht, und am Schiffe ein reinliches, ja wohl elegantes Zim⸗ mer findet und alle Arten Erfriſchungen haben kann. Die Fahrt iſt gefahrlos, bis man in die Naͤhe der Lagunen kömmt, wo das Fahrwaſſer öfters von Untiefen unterbrochen wird, und die Sondirſtange fleißig angewendet werden muß. Um 9 Uhr Abends fuhren wir von Trieſt weg, und um 5 Uhr Morgens bekamen wir Venedig zu Geſicht, erſt BSurano, dann San Nicolo di Lido. Die vielen, mit Kirchen und Gebäuden bedeckten Inſeln, die der Stadt zur Seite liegen, end— lich die Stadt ſelbſt mit ihren Palläſten und zahlloſen Kirchen, die allenthalben ihre Thürme erheben, machen anfaͤnglich einen ſehr freundlichen Eindruck, der llgemach, wie man näher kömmt, in Bewunderung und endlich in Erſtaunen übergeht, wenn man an die Piazzetta gelangt und den Pallaſt der frü⸗ heren Fürſten, die neuen Procuratie n, die Münze und die nahen Kirchen: San Giorgio und Maria di Salute, ſieht. Ich wollte in der Naͤhe des Hauptplatzes wohnen und ſtieg daher im Gaſthauſe alla Luna ab, welches hart hinter dem neuen Pallaſte liegt, der die beiden Procuratien verbindet. Ich hatte keine Urſache, mit meiner Wahl unzufrieden zu ſein; das Zimmer war reinlich, geraumig, mit guten Möbeln und einem Bette verſehen, in dem wohl vier Menſchen Platz gefunden haͤt⸗ ten; die Bedienung freundlich und die Preiſe billig. Ich konnte dem Drange nicht widerſtehen, noch vor dem Frühſtücke einen Gang auf den großen Platz zu machen. Ich trat ein durch die Säulenhalle des neuen Pallaſtes, und ward durch die Großartigkeit und Schönheit der Gegenſtaͤnde, die ſich meinen Blicken darſtellten, angenehm überraſcht; denn ich fand Alles ſchöner, größer und bewundernswürdiger, als ich es mir vorgeſtellt hatte. Ich fürchtete, daß es mir mit Venedig gehen würde, wie mit andern Städten, die ich in meiner Jugend ſah, wo Einem Alles ſchön vorkömmt, und die ich in vorgerück⸗ ten Jahren, als ich ſie wieder beſuchte, nachdem ich mehr von der Welt geſehen und mir einen andern Maßſtab für Größe und M tien weil tesh ſolche 185 Zim⸗ zunen ochen iß. dum anod, Und end⸗ hen, inen aͤher eht, frü⸗ die eht. tieg 1. Mai. Venedig. 5 Schönheit erworben hatte, unter meiner Erwartung antraf. Der bedeckte Gang— Portico— der neuen Procuratien, an deſſen oberm Ende ich ſtand, gefiel mir ungemein durch ſeine Länge, Breite und Zierlichkeit der Bauart. Die Marcuskirche hatte ich beinahe aus meinem Gedächtniſſe verloren. Ihr Auße⸗ res ſowohl als ihr Inneres, übertrafen aber weit das dunkle Bild, das mir von dieſem herrlichen Gebäude in der Erinne⸗ rung geblieben war. Vorzüglich überraſchte mich die Menge der ſchönſten Saͤulen von Granit, Porphyr, Serpentin, womit die fünf Thore verziert ſind, und im Innern zogen mich vorerſt die Moſaikgemälde an, womit alle Wande und ſelbſt der Boden bedeckt ſind. Die vielen Kuppeln und kleinen Thürmlein mit der Menge von Statuen und Schnörkeln, geben dem Ganzen ein halb gothiſches, halb orientaliſches Ausſehen; auch glaube ich, daß die Form des Dachs, die Fronte und der Corridor älter ſind, als das Gewölbe der Kirche mit den Säulen, die es tra⸗ gen. Der Eindruck aber, den das Innere der Kirche auf mich machte, war viel verſchieden von jenem, den die Stephanskir⸗ che in Wien hervorbrachte. Die Marcuskirche iſt nicht hoch und groß genug, um zu imponiren; auch iſt ſie viel zu ſehr geputzt und voll Ornamenten, als daß ſie ein anderes Gefühl, als das freundliche des Gefallens hervorbrächte, während der Dom von St. Stephan Erſtaunen erregt und Ehrfurcht gebietet. Nachdem ich vorerſt den größten Heißhunger meiner Neu⸗ gierde geſtillt hatte, ſuchte ich jenen meines Magens zu befriedi— gen. Ich erinnerte mich noch des Kaffeehauſes al Florian, und ſuchte es auf. Es war noch auf demſelben Platze und behaup⸗ tete noch immer ſeinen alten Ruf. Die Kaffeehauſer ſind kleine Zimmerchen in den Procura⸗ tien, in die man aus dem Pottico tritt. Sie ſind halbdunkel, weil das Gewölbe des Saulengangs den freien Einfall des Lich— tes hindert. Es haben kaum mehr als zehn Menſchen in einem ſolchen Zimmerchen Raum. Ober dieſem Zimmer iſt überall eine Mezzanina angebracht. 6 1. Mai. Venedig. Es gibt laͤngs der Portici eine ſehr große Zahl von Kaffee⸗ zimmern; die ſchönern ſind unter den alten Procuratien, wo auch einige Gold- und Modewaarenhandlungen die Augen der Vorbeigehenden anziehen. Nachmittags ging ich längs der Riva de' Slavi nach dem neu angelegten Garten, der durch Niederreißen einer Menge Häu— ſer und Hütten hervorgebracht worden iſt. Die Ausſicht von der Balluſtrade des Gartens, der San Nicolo di Lido gegen— über liegt, über San Giorgio, Malamocco, Bojani iſt ſehr ſchön; ſonſt aber iſt der Garten noch zu jung und ſeine Baͤume ſind zu klein, als daß er ſeinem Zwecke jetzt ſchon ent— ſprechen ſollte. Es iſt aber zu hoffen, daß bei dem ungemein ſchnellen Wachsthum der Bäume der Garten in zwanzig Jah— ren einem Walde gleich ſehen wird, denn ich ſah Eſchen, welche hier die vorwaltende Baumart ſind, die im Jahre 1812 ge⸗ pflanzt worden, und daher erſt 16 Jahre alt ſind, und be— reits 15 Zoll im Durchmeſſer hatten. Da aber dieſer Ort zu weit vom Mittelpunkte der Stadt entfernt iſt, ſo kann man nie hof— fen, daß er zu einem allgemeinen Vergnügungs⸗ und Sammel⸗ platze für die Bevölkerung wird dienen können; auch fand ich am erſten Mai, einem Tage, an dem wir Deutſche vorzüglich einen Spaziergang ins Freie machen, nicht zwanzig Menſchen im ganzen Garten, und von dieſen zwanzig gehörte Niemand zur höheren Klaffe. Die Hitze des Tages hatte mich ſehr erſchöpft; ich nahm eine Gondel und ließ mich läͤngs des großen Canals bis zur Brücke Rialto führen. Die Reihe der ſchönſten Palläſte, welche den Canal zu bei— den Seiten einfaſſen, muß nothwendig bei Jedermann die höͤch— ſten Begriffe von dem frühern Reichthume ſeiner Einwohner und ihrem guten Geſchmacke und regen Sinn für edle Baukunſt hervorbringen. Das Bauen ſcheint im fünfzehnten und ſechzehn— ten Jahrhundert in Italien allenthalben, beſonders aber in Ve⸗ nedig, Mode geweſen zu ſein, und wer nur immer hinläng⸗ Naffee⸗ 1, wo en der dem Hau⸗ “n der gegen⸗ jani 1. Mai. Venedig. 7 liches Vermöͤgen beſaß, wendete es an, ſich in der Hauptſtadt einen Pallaſt zu bauen, und ſich in Hinſicht der Schönheit, Soliditat und des Geſchmackes des Gebaudes vor ſeinen Nachbarn auszuzeichnen.— Die Häuſer aus jener Zeit haben alle etwas Großartiges oder Edles, und wenn ſie auch öfters nur drei oder vier, Fen⸗ ſter breit ſind, ſo haben ſie doch die Form und Verzierun— gen eines Pallaſtes. Bei den Palläſten der Großen ſind aber nicht ſowohl die Fenſterverzierungen und Balcone, ſondern die ganze vordere Seite des Hauſes, nach der ganzen Höhe, von gehauenem Stein ohne Mauerwerk, und wenn ein ſolcher Pal⸗ laſt von der vordern Seite frei ſteht, ſo reicht dieſe Verkleidung von Stein auch noch zwei Fenſter weit zurück. Viele dieſer Pallaͤſte und Häuſer ſind in einem ſehr vernach⸗ läſſigten Zuſtande; einige derſelben zerfallen auch wohl, weil ihre Beſitzer verarmt ſind und die Koſten der Unterhaltung des Daches nicht zu beſtreiten vermochten; denn wird nur das Dach eingehalten, ſo dauert ein ſolches, von dem feſteſten Materiale aufgeführtes Gebäude viele Jahrhunderte. Zum Beweiſe mö⸗ gen die Säulen dienen, welche den Porticus unter dem Pal— laſte des Doge ſtützen. Dieſe haben am Capital fein gearbeitete Figuren, welche Scenen aus der bibliſchen Geſchichte darſtellen; die Inſchriften, welche ebenfalls in Stein gegraben ſind, laſſen es außer Zweifel, daß ſie vor 400 Jahren gemacht worden ſind, und noch ſind ſie ſo friſch und vollkommen, als wären ſie vor we⸗ nigen Jahren angefertiget worden. So wenig verwittert der Kalk— ſtein, den man aus Iſtrien herüber gebracht hat, wie ich auch dort an dem Amfitheater und der Porta aurea in Pola zu bemerken Gelegenheit hatte, wo nur die der freien Einwir⸗ kung des Regens ausgeſetzten großen Steinblöcke, jetzt nach 2000 Jahren, an den Kanten etwa 2 Linien Maſſe durch Ver⸗ witterung verloren haben, die an der innern Seite der Porta aurea angebrachten Verzierungen aber noch völlig unangegrif⸗ fen ſind. 8 a. Mai. Venedig. So wenig verwitternder Kalkſtein iſt eine Seltenheit; ihm verdankt Venedig, daß ſich ſeine älteſten Gebaͤude noch friſch er— halten und daß man noch viele Jahrhunderte die da aufgehäuf⸗ ten Denkmale der ſchönen Baukunſt bewundern wird. Abends in das Theater San Luca. Es ward die Oper: Elisa e Claudio gegeben. Die Darſtellung war beſſer als mit⸗ telmäßig; die Prima Donna, Doti, erwarb ſich vielen Beifall. Das Theater ſelbſt iſt artig, hat fünf Reihen Logen, deren 42 in einer Reihe ſind, wovon die drei vorderſten zu beiden Seiten in das Proſcenium hinein geſtellt ſind, ſo daß die Zuſe⸗ her hinter den Schauſpielern ſich befinden, wenn dieſe vorwärts zu den Lichtern treten. Der Zugang zu dieſem Theater iſt eine enge, kaum 6 Fuß breite Sackgaſſe. 2. Mai. Marcuskirche. Thor des Arſenals. Murano. Glas⸗ und Spiegelfabriken. Kirche San Giovannie Paolo. Denkmal des Generals Antonio Bragadino. Kirche San Giorgio maggiore. Kirche del Re⸗ dentore. Kirche ai Frari. Denkmal Canova's. Heute war mein erſter Gang wieder in die Marcuskirche, denn ich konnte mich geſtern von allen ihren Herrlichkeiten nicht ſatt ſehen. Sie iſt ein wahres Kunſt- und Mineralien⸗Cabinet. Die Verſchwendung von Saulen am Außern der Kirche, in den Vorhollen und in der Kirche ſelbſt, wovon ſehr viele von einem ſehr koſtbaren Materiale beſtehen: Porphyr, egiptiſcher und euro⸗ päiſcher Serpentin, Verde antico, Marmor aller Art, über⸗ ſteigt alle Vorſtellung. Alles iſt von Stein und von unverwüſt⸗ lichem Stein; alles iſt polirt und ſo genau, ſo meiſterhaft ge⸗ fügt, daß man nicht umhin kann, den Geiſt zu bewundern, der die Errichtung dieſes Gebaudes leitete und ſolche Materialien wählte, an denen der Zahn der Zeit noch immer ſpurlos ſich abmüht. N gingen bäulde Thore Seite ten d wund und ungl madt 9 in den N. 82 vo ic ſagte Glaär eeſtere ſern f Aat 103 Dale all fo tines E drhT Geſtal und w nun ſo ket maſſe ter R len Fat kechef lih der ihm er⸗ auf⸗ per: mit⸗ fall. eren den uſe⸗ rts zuß 2. Mai. Venedig. 9 Nun fuhr ich ins Arſenal, kam aber zur Unzeit; denn es gingen die Arbeiter zur Mittagsruhe, während welcher das Ge⸗ bäude verſchloſſen bleibt; ich hatte aber für heute genug am Thore zu ſehen, denn es iſt das Thor und die demſelben zur Seite geſetzten, aus dem Piräus von Athen hieher gebrach⸗ ten zwei gigantiſchen Loͤwen, ein würdiger Gegenſtand von Be— wunderung. Der eine dieſer Löwen ſitzt auf den Hinterpfoten und wird 7 Fuß hoch ſein; der andere liegt. Sie ſind von ſehr ungleichem Werthe und ſicherlich zu ſehr verſchiedenen Zeiten ge⸗ macht worden. Das Portal iſt reich und ſchön, wie Alles, was der Staat in den Zeiten ſeines Flors machen ließ. Dieſelbe Gondel führte mich nun nach der Inſel Murano, wo ich die Spiegel⸗ und Glasperlen⸗Fabriken ſehen wollte. Man ſagte mir, daß etwa noch fünfzehn kleine Fabriken von gemeinen Glaswaaren in Murano beſtehen. Ich ging in zwei, deren erſtere kleine Spiegel, die andere Glasperlen machte. In der er⸗ ſtern fand ich nichts, was ich nicht in den Glasfabriken von Steiermark und Kärnten ebenfalls, nur viel beſſer und im grö— ßeren Maßſtabe, geſehen haͤtte: man machte Spiegelglaſer von 10 Zoll Breite und 12 Zoll Höhe. In der anderen war aber die Perlenfabrication ein für mich neuer Gegenſtand. Sie beſteht aus folgendem Verfahren: Der Arbeiter nimmt auf die Spitze eines Eiſenſtabes ein Stück von der teigigen Glasmaſſe, das er durch Walzen zuſammendrückt und dem er eine cilinderförmige Geſtalt gibt. In dieſen Cilinder ſteckt er ein Eiſen, das er dreht und womit er die Glasmaſſe becherförmig aushöhlt. Er waͤrmt nun dieſe Maſſe im Ofen, und wenn ſie weich genug iſt, ſo klebt ein anderer Arbeiter ſein Eiſen, an dem ſich kalte Glas— maſſe befindet, an dieſen Becher und beide laufen in entgegengeſetz- ter Richtung auseinander, wobei ſich das Glas in einen hoh— len Faden ausdehnt, weil es ſich von der ganzen Umgebung des becherförmigen Klumpens loslöſt. In der Mitte iſt natür— lich der Glasfaden am dünnſten und wird immer dicker, je mehr 10 2. Mai. Venedig. ſich die Maſſe erkaͤltet. Er hat ungefähr 10 Klafter Laͤnge, und wird ſogleich in 15— 18 Zoll lange Stücke zerbrochen, die man nach Verhaltniß der Feinheit ihres Durchmeſſers ſortirt. Von dieſen gläſernen Röhren nehmen andere Arbeiter ſo viele, daß ſie einzeln nebeneinanderliegend, eine Lage von 4 Zoll Breite bilden, die ſie auf ein längliches Eiſen, das dem Amboß eines Streckhammers gleich ſieht, legen, mit einem Holze gleichför— mig niederdrücken und dann mittels eines ſchneidenden Eifens den Theil der Glasröhren abſtoßen, der über das Deckholz her— vorragt. Die cilinderförmigen, auf dieſe Art erhaltenen Glas— ſtücke, werden durch Siebe ſortirt und hierauf mit einer Mi— ſchung von Kohlen und Kalkpulver geſchüttelt, damit ſich die Lö— cher verſtopfen. Iſt dieß geſchehen, ſo kommen die feinen Perlen in ein Gefaͤß, wie ein Kaffeebrater, worin ſie über ſtarkem Feuer etwa eine halbe Stunde gerollt werden, wobei ſie ſich ab— runden. Die gröbern Perlen bedürfen größere Gefaße und mehr Zeit. Das Verſtopfen der Löcher und die Beimengung der Koh— len und des Kalkpulvers iſt nothwendig, um das Zuſammen— ſchmelzen der einzelnen Perlen und das Zuſchmelzen ihrer Löcher zu verhüten. Das Materiale iſt wohlfeil und der Arbeitslohn gering; da— her können dieſe gefarbten Glasperlen um einen ſehr geringen Preis verkauft werden. Man macht auch von Glas die echten Perlen nach. Ich habe wohl ſolche Perlen, nicht aber die Art geſehn, wie ſie gemacht werden. Das hieſige Fabricat iſt aber von echten Perlen auf der Stelle zu unterſcheiden: es fehlt ihm der Glanz und die Farbe. In dieſen Fabriken iſt viel Armuth und man wird in jedem Zimmer angebettelt, was einen ſehr widrigen Eindruck macht. Die ganze Stadt Murano iſt arm, und ich bemerkte laͤngs des Canals, der die Stadt theilt, keine Spur, weder von ge⸗ genwaͤrtiger, noch von vergangener Wohlhabenheit. Man ſagte mir in Venedig, daß die Fabrication und der Vertrieb der Glasperlen 8,000 Menſchen beſchäftige. Ich verlwe 8 1 rche di g und an dh. D „ und eman Von „ daß Breite eines eichför⸗ Eifens lz her⸗ Glas⸗ Mi⸗ ie Lo⸗ perlen tarkem ich ab⸗ mehr Koh⸗ mmen⸗ Löcher g; da⸗ eringen echten ie Art t aber lt ihm mjedem macht. e längs von ge⸗ und der . Ich 2. Mai. Venedig. 11 glaube, man irrt ſich hierin gewaltig, vielleicht um mehr als die Haͤlfte. Beim Zurückfahren von Murano, ſtieg ich bei der Kirche San Giovannie Paolo ab; beſah zuerſt die Reiterſtatue, welche die Republik 1495 ihrem General Bortolo Colleone ſetzen ließ. Es gefiel mir, daß das Pferd auf drei Füßen ſteht und nur einen hebt, und doch offenbar im Gehen ſich befindet. Die geharniſchte Figur des Reiters iſt voll Leben. Die Kirche iſt zuverläſſig die reichſte an Monumenten. Es ſind hier mehrere Mauſoleen von Dogen, die an Pracht mehr als königlich ſind. Mich ergriff jetzt, wie vor 22 Jahren, tiefe Wehmuth beim Anblick der Urne, in der die Haut des Gene— rals Ant. Bragadino liegt, den die Erbfeinde der Chriſten— heit und aller Humanität 1571 lebendig ſchinden ließen, weil er Famagoſta auf Cipern tapfer vertheidigt hatte. Nach Tiſch fuhr ich nach der Kirce San Giorgio maggio⸗ re; ein herrliches Gebäude, das die Benedictiner, denen es ge— hörte, zufolge der Inſchrift ober dem Thore: Aere monastico, errichten ließen. Hier wurde der Papſt PiusVII. 1700 erwählt. Jetzt iſt das Kloſter aufgehoben und die Wohngebäude werden zu Magazinen und Depoſitorien für die Waaren des Freihafens verwendet; denn bekanntlich genießt die kleine Inſel, worauf die Kirche mit dem Kloſter ſteht, die Privilegien eines Freihafens.*) Die Kirche, ein Werk Palladio's, der ſo viel in Venedig und andern venezianiſchen Städten bauete, iſt ungemein freund— lich. Die ſchöne Kuppel iſt eine weſentliche Zierde der Kirche. Das Bodenpflaſter iſt ſo ſchön und ſo wohl erhalten, als wenn es geſtern erſt gelegt worden wäre, obgleich es ſchon ſeit 200 Jah— ren von den Füßen der Glaͤubigen betreten wird. Die Sitze im Chor der Mönche ſind eine doppelte Reihe von hölzernen Bän⸗ ken, die abgetheilt ſind, 44 in einer Reihe, alſo 38 ohne den *) Seit dem 1. Hornung 1330 iſt die ganze Stadt Venedig ein Freihafen. 12 2. Mai. Venedig. Vorſitz. Die Lehnen dieſer Sitze ſtellen in halberhobener Arbeit die Lebensgeſchichte des Stifters des Ordens dar. Von da fuhr ich zur Kirche del Redentore, die jetzt den wieder eingeführten Capuzinern übergeben iſt. Sie iſt auch von Palladio gebauet, allein es fehlen darin noch die Statuen für die in der Wand angebrachten Niſchen; ſtatt deren man einſt⸗ weilen auf Holz gemalte Heilige hingeſtellt hat. Nun fuhr ich längs des großen Canals zur Kirche ai Frari, um in derſelben das Grabmal Canova's zu ſehen, das ihm die hieſige Academie der ſchönen Künſte mit Geldunterſtützung von ganz Europa, wie die Inſchrift ſagt, ſetzen ließ. Es iſt mit geringen Abweichungen eine Copie jenes Monumentes, das der verſtorbene Herzog von Sachſen-Teſchen ſeiner Gemahlinn in der Auguſtinerkirche zu Wien durch Canova machen ließ. Die Idee iſt ſchöͤn und die Ausführung meiſterhaft; nur fiel mir auf, daß man es nicht für unſchicklich hielt, ſich bei einer ſolchen Gelegenheit auf eine Copie zu beſchränken. Die Einfachheit und der wahrhaft rührende Ausdruck in den Figuren ſticht ſeltſam ab mit dem gleich daneben ſtehenden Denk— mal, das dem Doge Peſaro gewidmet iſt, welches die ganze Höhe der Kirche und eine Breite von 5 Klaftern einnimmt, und aus einer Menge, zum Theile grotesker Figuren, Säulen und Verzierungen beſteht. Es iſt kein Geſchmack in der Idee; eitel Stolz und Prahlerei in der Darſtellung, aber Kunſt und Reich⸗ thum in der Ausführung. Außer dieſem Denkmal ſind noch mehrere andere dieſer Art in der Kirche. Man erſtaunt über die Koſten, die man vorzüg⸗ lich in Venedig aufwendete, ſeinen Namen auf die Nachwelt zu bringen. Eitles Unternehmen! Die Namen Aller, die ich las, ſind der Vergeſſenheit längſt übergeben. Wer ſeinem Vater— lande oder der Menſchheit einen weſentlichen Dienſt leiſtete, oder ſich durch Wiſſenſchaft und Kunſt auszeichnete, lebt im An⸗ denken der Menſchen, und nur die Geſchichtbücher ſind die un— zerſtrbaren Monumente, die ſein Andenken der Nachwelt über⸗ ſentl leben men nigkat Ouidte ſnd Duſ verde Arbeit zt den h von atuen einſt⸗ rari, s ihm tzung ſt mit 4s der nn in ur fiel einer n den Denk⸗ ganze t, und en und ;eitel Reich⸗ ſer Art vorzüg⸗ achwelt ich las, Vater⸗ leiſtete/ in An⸗ die un⸗ lt über⸗ 3. Mai. Venedig. 13 liefern. Indeſſen will ich dadurch den ehrwürdigen Gebrauch, ſeinen Eltern oder Verwandten ein Denkmal zu ſetzen, nicht zu nahe treten; und wenn der Arme ein hölzernes Kreuz auf das Grab ſeiner Lieben ſetzt, ſo mag es dem Reichen wohl verſtattet ſein, ihnen eins von Marmor errichten zu laſſen. 3. Mai. Pallaſt des Doge. Rathſäle. Antiquitäten⸗Sammlung. Marcus⸗Thurm. Kirche San Salvatore. Brücke Rialto. Der Pallaſt des Doge iſt ein alterthümlicher, mit dem ge⸗ genüberſtehenden Triumf der neuern Baukunſt: der Bibliothek, ſeltſam abſtechendes Gebäude, das zur Zierde der Stadt we— ſentlich beitraͤgt, deren Hauptreiz darin beſteht, daß man hart neben einander Kirchen und Pallaͤſte nach den verſchiedenſten For— men und aus allen Jahrhunderten ſieht, wodurch die Einför— migkeit gehoben iſt, die uns das Beſehen der andern großen Staͤdte, Rom ausgenommen, das ſich in gleichen Verhältniſ⸗ ſen befindet, bald gleichgültig und allgemach langweilig macht. Dieſer 40ojährige Pallaſt mit ſeiner ausgezackten, das Dach verdeckenden Zinne, hat ein unanſehnliches Thor und einen ver— haltnißmäßig zu kleinen Hof mit zwei ſchönen Ciſternen. Dafür iſt aber die Stiege, mit den ihr zur Seite ſtehenden halbcoloſ— ſalen marmornen Figuren des Mars und Neptuns, ein Meiſter⸗ ſtück der Bau- und Bildhauerkunſt. Ober dieſer Stiege iſt ein breiter, durch Säulen geſtützter Gang, in dem ſich die Thüren zu verſchiedenen ſtädtiſchen Am⸗ tern befinden. Die großen Säle, Conſigliograndee dello Scrutinio, ſind im zweiten Stock und werden gegenwärtig zur Aufbewahrung der Antiquitäten, Kunſtſchätze und Bücher ver⸗ wendet. Man hat einen großen Theil Canzleien aus dieſem Pal— laſt wieder herausgenommen und ſie anderswo hin verlegt, um ihn ſo rein und unverſehrt als möglich, als Kunſtwerk, zu erhal⸗ ten, was mir ſehr wohl gefiel. 14 3. Mai. Venedig. Römiſche Antiquitäten fand ich hier in großer Menge, viele Figuren von vorzüglichem Werthe. Die ganze Sammlung iſt in dieſem herrlichen Locale ſehr zweckmäßig aufgeſtellt. Man hält die obſcöne Figur der Leda mit dem Schwane, für das größte Meiſterſtück der hieſigen Sammlung und hierauf den Ganymed, wie ihn der Adler entführt. Die Gemaͤlde, welche dieſe beiden Saͤle zieren, ſtellen ent— weder heroiſche Thaten aus den frühern Jahren der Republik, oder allegoriſche Anſpielungen auf die Größe und Glorie derſel— ben vor. Der Oberboden ſtrotzt von goldenen Verzierungen, zwiſchen denen ſich Gemaͤlde beſinden, und die Seitenwände ſind ebenfalls mit hiſtoriſchen Malereien behangen. Am Boden her— um ſind Kaͤſten angebracht, in denen ſich hinter Gitter Bücher befinden. Ich beſah weder die Gefäͤngniſſe, die unter dem Dache die— ſes Pallaſtes angebracht worden, und worin die armen Men— ſchen im Sommer vor Hitze verſchmachten mußten, noch die un— terirdiſchen, in den großen, maſſiven, hinter dem Pallaſte ge— bauten Carceri, wo die Eingeſperrten vor Kälte und Naͤſſe zu Grunde gingen. Der Pallaſt iſt von dem Kerkergebäude durch einen Canal getrennt und durch einen im dritten Stock ange— brachten, gedeckten, ſchmalen Gang, Pontedei Soſpiri, in Verbindung geſetzt, über den man ungeſehen die Verhafteten aus einem Gebaude in das andere bringen konnte. Die Witterung war kühl, heiter; ich beſtieg den Glocken— thurm von St. Marcus. Es iſt ein ſchönes, viereckiges, gleich— dickes Gebäude, das bis zu den Glocken 168 Fuß hoch iſt. Der Raum, in dem die Glocken haͤngen, iſt mit einer Säulenord⸗ nung umgeben, die eine Pyramide tragen, die 154 Fuß hoch iſt, an deren Spitze ein Engel von Bronze ſteht, von 16 Fuß Hoöhe. Um dieſem Thurm die nöthige Feſtigkeit zu geben, die coloſſale Pyramide tragen zu können, ſind innerhalb der Um— faſſungsmauer 12 viereckige Säulen bis zur Höhe der Glocken ne⸗ beneinander aufgeführt und durch Quergewölbe untereinander rethun delt wi Glocke N it, bi daher 7 Ecker der⸗ dyſi un 9 inmen ſhoni ü in ihrh Blice: breiten tden ſö Aoen, en, dehnt ich ni den M dusneh pir au wurden Purae 2 wir al zu den Bild d Blicke ſellen dinen 9 viele iſt in vane, ierauf n ent⸗ publik, derſel⸗ ngen, e ſind nher⸗ ducher hhe die⸗ Men⸗ die un⸗ ſte ge⸗ üſſe zu durch kange⸗ ſpiri, afteten locken⸗ gleich⸗ t. Der lenord⸗ iß hoch 15 Fuß en, die der Um⸗ ken ne⸗ nander 3. Mai. Venedig. 15 verbunden, ſo daß der ganze Thurm in ein Mauerſtück verwan⸗ delt wird. Nur in der Mitte iſt eine freie Offnung, in der die Glockenſtricke haͤngen. Man geht auf einer ſchiefen Fläche, die nur maͤßig geneigt iſt, bis zu den Glocken. Es ſind keine Stufen und man könnte daher auch wohl hinauf reiten. Der Thurm iſt von Ziegeln erbauet und nur in den vier Ecken beſtehen die Wände aus viereckigen Steinen. Die Maſſe der Ziegel iſt aber ſelbſt ſteinartig, und viele derſelben unterſchei— den ſich kaum von Stein; ſie ſind 12 Zoll lang, 3 Zoll breit und 4 ½ Zoll dick. Das ganze Thurmgebäude iſt von außen und innen in einem völlig unverſehrten Zuſtande und doch war es ſchon im Jahre 1150 bis zum Glockenhauſe fertig. Von der Glockengallerie genießt man eine der ſchönſten und in ihrer Art einzigen Ausſicht, denn man überſieht mit einem Blicke die mitten im Meere liegende große Stadt, mit ihren breiten und ſchmalen Canäͤlen, mit ihren Inſeln, die wieder eben ſo viele Städte darſtellen; das feſte Land und die hohen Alpen, die von der Nord⸗ und Weſtſeite den Horizont begrän— zen, und das offne Meer, das gegen Südden ſich unbegraänzt aus— dehnt. Es iſt ein wunderſchönes Panorama, an deſſen Anblick ich mich nicht ſatt ſehen konnte. Ich konnte nur unvollkommen den Monte maggiore in Iſtrien, in der Nahe von Fiume, ausnehmen und doch ſah man im vergangenen Jahre(1827) von hier aus ſehr deutlich die Pulver-Signale, die dort gemacht wurden, um den Unterſchied der geografiſchen Laͤnge dieſer zwei Punkte zu beſtimmen. Verſunken im Anblick der Herrlichkeiten, die unter und vor mir ausgebreitet lagen, fing ich an, mich in die Zukunft hinein zu denken, und mir nach den Geſetzen der Wahrſcheinlichkeit ein Bild der Stadt und ihrer Umgebung zu malen, wie es ſich dem Blicke des Beſchauers von dieſem Thurme nach 100 Jahren dar⸗ ſtellen wird.— Da ſah ich um hundert Kirchthürme weniger, einen großen Theil der entlegenen Seſtieri und der Giudecca 16 3. Mai. Venedig. häͤuſerlos und die Plaͤtze in ſchöne Gärten verwandelt; die ver— fallenen Palläſte am großen Canal in gute bürgerliche Häuſer umgeſtaltet. Ich ſah den Hafen voll Schiffe und viel Leben längs des Geſtades. Die den Marcusplatz umgebenden Gebaͤude waren aber noch gerade ſo, wie jetzt. Wenn Venedig ein Freihafen wird, wie man allgemein be— hauptet,*) ſo muß ſich der Handel mit fremden Producten und Manufacturwaaren, in ſo fern dieſe für das lombardiſch⸗vene⸗ zianiſche Königreich, für Tirol und Süddeutſchland, die Schweiz mit eingeſchloſſen, gehören, hieher ziehen; denn von hier aus wird man durch den Hafen längs des Golfs die Waaren mit den mindeſten Koſten in die Nähe der Provinzen Treviſo, Pa⸗ dua, Vicenza, Rovigo bringen; durch den Po führt man ſie wohlfeil nach Piacenza und durch den Ticino und den Naviglio di Pavia nach Mailand und in den Lago maggiore, wo ſie die Straße über den Simplon antreffen; über Verona gehen ſie nach Tirol. Es mag aber dieſer Handel noch ſo bedeutend werden, ſo iſt er doch immer zu beſchraͤnkt, als daß er die übergroße Zahl der Menſchen, die gegenwäͤrtig noch da iſt, nützlich zu beſchäftigen und genügend zu ernähren vermöchte. Die Häuſerzahl iſt für eine Bevölkerung von 150,000 Menſchen eingerichtet,**) die ge⸗ genwärtig ſchon auf 95,000 reduzirt iſt, ſo daß die Stadt um ein Drittel mehr Wohnungen oder Raum für ſolche hat, als ſie bedarf. Soll nun, was nothwendig der Fall ſein muß, die Be⸗ *) Venedig iſt ſeit dieſer Zeit wirklich zum Freihafen erklärt worden. «*) Häuſerzahl von Venedig im Jahre 1824. Sestiere di Castello..... ⸗. 6,090 —— Canal regio....... 6,208 — San Marco..—.—. 1 4,835 — San Paolo...... 2,455 — Santa Croce...*... 2,6183 —— Dorso duro....... 4,788 — GCiudocca....—.. 924 27,918 je ele geriet J die ver⸗ Hauſer en längs de waren mein be⸗ cten und ſch⸗vene⸗ Schweiz ier aus ren mit ſo, Pa⸗ man ſie Naviglio ſie die hen ſie ſo iſt ahl der häftigen liſt für *) die ge⸗ tadt um t, als ſie „die Be⸗ 3. Mai. Venedig. 17 völkerung noch vermindert werden, ſo daß ſie etwa 75,000 See⸗ len betraͤgt, die für den Bedarf des Handels und der Gewerbe, und für die Bedürfniſſe derer, die vermög ihres Amtes, als Staatsdiener, Militaͤr, Geiſtliche, da leben müſſen, mehr als genügen, ſo iſt es einleuchtend, daß man die elenden Häuſer in den von dem Centrum der Stadt entfernten Vierteln, Seſtie— ri, allgemach verlaſſen, zu Spottpreiſen verkaufen und endlich in Gärten verwandeln wird, um den Platz zu verſchönern und Kutzen von ihm zu ziehen. Nicht die ſchönen, maſſiven Kirchen werden eingehen, ſondern die ſchlecht gebauten, kleinen, unan— ſehnlichen, die keine eigenen Fonds haben, oder in ſchlecht be⸗ wohnten Gegenden liegen. Für die Erhaltung der klaſſiſchen Ge⸗ baude werden die vermehrten ſtädtiſchen Revenüen die erforderli— chen Mittel ſchaffen. Als ich vom Thurme herabgekommen war, beſah ich die ſchöͤ— nen Waarengewölbe in der Merceria, und ging ohne einen beſtimmten Zweck und ohne Führer vorwärts. Ich kam zur Kirche San Salvatore, wo gerade Vesper geſungen wurde. Der Geſang gefiel mir nicht, wohl aber die Kir— che, deren zwei Säulenreihen einen ungemein harmoniſchen Ein— druck machen. Das Bodenpfaaſter iſt faſt eben ſo ſchön, wie das in der Kirche von San Giorgioz die Stücke ſind von verſchie⸗ denen Farben und ſtellen künſtliche Figuren dar; ſie ſind ſehr genau gefügt und der Boden iſt völlig unverſehrt. Die Bilder der Heiligen, die am Hochaltare aufgeſtellt wa⸗ ren, ſind getriebene Arbeit in Gold oder wenigſtens vergoldet; die Leuchter und das Antipendium ſind von Silber. In der Kirche ſind viele, zum Theile ſehr ſchöne Monumen— te; das praͤchtigſte darunter iſt jenes der Caterina Corner, die ihr Königreich Cypern der Republik ſchenkte, der es die Tür⸗ ken aber ſchleunig wieder abnahmen. Je weiter ich in dieſem Theile der Stadt vorwärts ging, je elender ſahen die Hauſer, je aͤrmer die Menſchen aus. Ich gerieth mittlerweilen in ein ſolches Labyrinth von Gaſſen, aus 1. 2 18 4. Mai. Venedig. denen ich mich ohne Hülfe eines Führers nicht heraus finden konnte. So wie ich mich auf dem Rückwege der Brücke Rialto na⸗ herte, fing es an lebendig zu werden, denn es war Abend, und um dieſe Zeit ſtrömen alle Italiener auf die Gaſſe. Es war ein großes Gedränge und das Geſchrei der Menſchen, welche Fiſche, Salat, Pomeranzen u. ſ. w. zum Verkaufe ausbieten, war betaͤubend. Die Brücke ſelbſt macht nur einen großen Eindruck, wenn man ſie zur Seite ſieht und unter ihr durchfaͤhrt, nicht aber, wenn man darüber geht. Die Lichte des Bogens iſt 83 venezia⸗ niſche Fuß, die Höhe über dem Waſſerſpiegel 18 ½ Schuh. Sie iſt ganz von ſchön gefügten, glattbehauenen viereckigen Kalk— ſteinen und wohl 3 Klafter breit. Man ſteigt 50 Stufen hinauf und eben ſo viele hinab. Die darauf angebrachten zwei Reihen kleiner Kaufgewölbe entſtellen dieſes Prachtgebäude. In der Nähe dieſer Brücke landen die Barken mit Lebens— mitteln aller Art: daher die Menge von Menſchen, die man hier herum immer antrifft. 4. Mai. Säulengänge der Procuratien. Pflaſterſteine. Volksgarten. Theater S an Benedetto. Heute iſt Sonntag; allein ich ſah nicht den mindeſten Luxus in dem Anzuge des Volkes, auch war kein Gedraͤnge in den Gaſ⸗ ſen, ja, es waren wohl ehe weniger, als mehr Menſchen in denſelben. Ich konnte die Säaulengange der beiden Procuratien, und das neue Gebäude, das ſie verbindet, nach Genüge beſe⸗ hen und die Größe des Platzes nach Schritten abmeſſen. Von der Kirchenthüre von St. Marcus bis zum entgegen⸗ geſetzten neuen Pallaſte ſind 270 Schritte. Die Breite des Pla⸗ tzes iſt 107 Schritte. dau und! breche Gaſſe diet Ein; tien. ſett ſ um ſie d finden to näͤ⸗ d, und var ein Fiſche, 1I, war wenn aber, nezia⸗ .Sie Kalk⸗ dinauf teihen bens⸗ hier r San Luxus en Gaſ⸗ chen in rratien, ge beſe⸗ atgegen⸗ es Pla⸗ 4. Mai. Venedig. 19 Der Portico der alten Procuratien mißt 238, jener der neuen Procuratien 260 Schritte; woraus erhellet, daß dieſer Platz, im Vergleiche mit den Plätzen in andern Stäadten, nur unter die kleinen gezählt werden muß. Manche finden an dem neuen Pallaſte viel zu tadeln und mei— nen, der Platz habe dadurch an Schönheit verloren, daß Napo⸗ leon die alte Kirche wegriß und dafür dieſen Pallaſt hinbaute; ich aber glaube, daß der Marcusplatz erſt dadurch, daß man ihn auf dieſe Art ſchloß, jenen eigenthümlichen Charakter erhielt, der ihn vor allen Plätzen der Welt auszeichnet und ihn einem großen Saale ähnlich macht, deſſen Decke abgenommen worden iſt. Das Pflaſter des Platzes beſteht aus viereckigen, gut gefüg⸗ ten, ſchwarzgrauen Steinen(Trachyt, von den euganeiſchen Ber⸗ gen), zwiſchen hinein ſind mit weißem Kalkſteine Verzierungen angebracht, die ihm das Anſehen eines Parketbodens geben. Dieſe Steine ſind an und für ſich ſchon faſt unverwüſtlich, und weil keine Wagen ihn abnützen, ſo braucht das Pflaſter in Venedig nur ſelten wo irgend eine Reparatur. Ich bewunderte in der Wahl dieſer Steine die Klugheit der Mäanner, welche in den frühern Zeiten die Bauten der Repu— blik leiteten, die immer nur ſolche Materialien wählten, welche dauerhaft ſind und den Einflüſſen der Meteore widerſtehen, und den wohlfeilen, aufgeſchwemmten, in gleich dicken Stücken brechenden Sandſtein von Iſtrien verwarfen, mit dem man die Stadt Trieſt pflaſtert, der ſich ſo ſchnell abreibt, daß er in jenen Gaſſen, wo man mit ſchweren Frachtwagen häͤufig fährt, in vier Jahren tiefe Löcher erhält, und in ſchmalen Gaſſen in zehn Jahren neu gemacht werden muß. Der Hauptſpaziergang der ſchönen Welt in Venedig iſt zwiſchen Ein und zwei Uhr unter den Säulengaängen der beiden Procura— tien. Erſt macht man ein Paarmal den Gang durch dieſelben und ſetzt ſich dann vor den Kaffeehäuſern zur Seite der Gehenden, um ſie paſſiren zu ſehen. Der Luxus im Anzuge der Frauen iſt in jeder andern Stadt 2* 20 4. Mai. Venedig. größer wie hier, und da es den hieſigen Damen ſicherlich nicht an Geſchmack und an Willen fehlt, ſich zu putzen, ſo müſſen es nur die nicht genügenden Mittel ſein, die ſie hindern, ihrem natürlichen Impuls zu folgen. Nachmittags ging ich wieder in die Gäͤrteff, wo ſich ein deutſcher Laufer ſehen ließ. Längs der Riva fand ich ziemlich viel bürgerlich gekleidetes Volk, eben ſo lebhaft war es in der breiteſten Straße von Venedig, die gegen die Garten zu führt, die man dadurch erweiterte, daß man den Canal verſchüttete. Im Garten fand ich mehr Leute, als ich mir erwartet hatte; allein ſo wenig ſchöne oder intereſſante Geſichter, daß ich bald wieder umkehrte, um nach Hauſe zu gehen. Es war 3 Uhr Abends, als ich auf den Marcusplatz kam. Die Saͤulengaͤnge der Procuratien waren gedraͤngt voll Menſchen; die einen gingen, die andern ſaßen; die Kaffeezimmer waren zum Theile mit Damen erfüllt, und weil dieſe kleinen Räume die Menge der Menſchen nicht aufnehmen können, ſo ſind bei den beſuchteſten Kaffeehäuſern dem Portico zunächſt, auf dem Platze ſelbſt, offene Zelte mit kleinen Tiſchen und hölzernen Stühlen zur Unterkunft der Gaſte und Zuſchauer angebracht. Es zogen fünf bis ſechs Abtheilungen von Muſikanten von einem Kaffeezimmer zum andern, um überall eine Arie zu ſingen oder ein Muſikſtück zu klimpern, und dann ſogleich den Ehrenſold abzufordern, der ſolcher Art Künſtler in Italien ſehr ſchmal zugemeſſen wird; denn mehr als Einen Kreuzer— 5 Centeſimi— gibt ſelten Jemand. Später ging ich ins Theater San Benedetto, wo man eine Opera ſeria, Semiramide, gab. Das Locale iſt hübſch und der Zugang zu Land und Waſſer gemaͤchlich. Das Haus war leer, nicht der vierte Theil der Logen war beſetzt. Es gab eine Zeit, wo es in Venedig acht Theater gab und alle waren zur Faſchingszeit offen. Das nenne ich mir ſchaulu— ſtig! In Wien können ſich jetzt kaum fünf erhalten; vor 50 Jah⸗ ren waren ihrer nur drei. —— nicht ſeen es ihrem ſch ein iemlich in der führt, üttete. hatte; bald . Die ſchen; varen iume den Platze en zur enfünf zimmer ſikſtücc n, der ; denn emand. do man cale iſt 5. Mai. Venedig. 241 5. Mai. Große Menge von halbmüßigen und hülfsbedürftigen Volk. Die Menge von halbmüßigen Volk fällt mir hier auf. Da ſind am Marcusplatze wohl 50 Schuhputzer; auf allen Ecken und Enden ſtehen Laſtträger— Fac chini— und näͤhert man ſich der Riva, ſo wird man von einem Haufen Gondolieri und Bar⸗ carioln überfallen, die Einen in alle Welt führen wollen. Her⸗ umgehende Verkäufer von allerlei Kleinigkeiten, Ausſchreier einer neuen Verordnung oder eines Ereigniſſes, das gedruckt worden iſt, z. B. der Ankunft der Giraffe im Hafen von Poveglia, gibt es ſehr viele; aber Straßenbettler ſah ich nur wenige, obſchon es hier, wie der Anblick ſo vieler elender Häuſer und noch elen— der ausſehender Menſchen im Voraus vermuthen läßt, ſehr viele arme, huͤlfsbedürftige Menſchen geben muß. Man ver⸗ ſicherte mich, daß die Zahl der auf die eine oder andere Art un— terſtützten Menſchen ſich auf 30,000 belaufe; das wäre beinahe das Drittheil der ganzen Bevölkerung: eine Summe, die wohl übertrieben ſein mag und ſich bei näherer Unterſuchung bedeu⸗ tend vermindern wird. Wenn ſie aber auch nur 20,000 beträgt, ſo iſt dieß mehr als das Fünftel der Bevölkerung, und ich glaube nicht, daß es irgend eine Stadt gibt, die verhältnißmä⸗ ßig ſo viel Arme hat. Wenn auch die ſixen Hülfsmittel zur Unterſtützung der Dürf⸗ tigen bedeutend ſind, ſo hangt doch immer ein ſehr großer Theil derſelben von den Beiträͤgen der Mitbürger ab. Sind dieſe aber ſelbſt in einer mißlichen Lage, ſo wird ihr Beitrag immer ge⸗ ringer und die Unterſtützung muß fortwährend kaͤrglicher aus⸗ fallen. Die Folge davon iſt, daß der kraͤftigere, d. h. jüngere Theil der armen Bevölkerung ſich anderswo um Brod umſehen muß, der ältere aber durch Krankheit und Elend zu Grunde geht und daß ſich allgemach, freilich auf Koſten der jeweiligen Bevölkerung, jenes richtige Verhältniß zwiſchen Bevölkerung 2²2 6. Mai. Venedig. und Subſiſtenzmitteln herſtellt, das den örtlichen Verhaͤltniſſen angemeſſen iſt. 6. M d i. Arſenal. Theater San Luca. Kaffeehäuſer. Morgens um neun Uhr ging ich ins Arſenal, und obſchon ich bis zur Mittagszeit darin blieb, ſo hatte ich die ganze Anſtalt doch nur höchſt flüchtig beſehen. Dieſe Werfte, Waſſerbehälter, dieſe Behältniſſe und Magazine für Vorräthe aller Art, dieſe große und wahrhaft prachtvolle Seilerwerkſtätte, dieſe Kano— nengießerei, dieſe Ankerſchmieden, Drechsler⸗, Tiſchlerwerkſtatte u. ſ. w. bilden zuſammen ein großes Ganzes, ein Local für den Bau und die Aufbewahrung der abgetakelten Schiffe, das ungeachtet ſeiner Größe, der Seemacht der Republik im 16. und 17. Jahr⸗ hunderte nicht unangemeſſen war. Es ſind hier 32 gedeckte Werfte— Cantieri— für Linien⸗ ſchiffe und 54 für kleinere Kriegsſchiffe. Wenn man weiß, wie hoch ein Linienſchiff vom Kiel bis zur Höhe des Vordercaſtells iſt, ſo mag man ſich einen Begriff von der Größe eines ſolchen Hau⸗ ſes machen, unter deſſen Dach ein derlei Schiff gebaut oder in Friedenszeiten aufbewahrt wird; und wenn man ſich dann 96 ſolche Häͤuſer neben einander denkt, und nebenan die gedeckten Raume für das Schiffbauholz, und die Magazine, und Werk⸗ ſtätten, ſo findet man den Vergleich der Größe dieſes Arſenals mit einer Stadt nicht übertrieben. Hier iſt nichts klein; alles iſt großartig, maſſiv und doch zierlich; alles iſt Stein oder Ziegel, und darum iſt alles noch im beſten Zuſtande bis auf die Baſſins, die zum Theile ver— ſchlammt ſein ſollen, wie man mir ſagte. Ich hatte noch nie Kanonen bohren geſehen. Hier ſah ich es zum erſten Male. Die Operation iſt ſehr einfach. Die Kanone hängt zwiſchen vier ſenkrecht ſtehenden Bäumen an einem Stricke, niſſen bſchon nſtalt ilter, dieſe ano⸗ tätte Bau ſchtet ahr⸗ ien⸗ wie Siſ, Hau— der in n 96 ickten Verk⸗ enals doch noch le ver⸗ ich es anone tricke, 6. Mai. Venedig. 23 der nachgelaſſen werden kann. Der Mitte der Kanone iſt eine verticale eiſerne Stange entgegengeſetzt, die einer wagrechten Scheibe eingepaßt iſt und durch Menſchen herumgetrieben wird. An der Spitze dieſer Stange iſt eine ſtählerne Vorrichtung, die nach oben und zur Seite ſchneidet und dadurch die Kanone aus— höhlt. Dritthalb Tage braucht man zur Ausbohrung eines kur⸗ zen Zwölfpfünders. Artillerie⸗Vorraͤthe und Schiffbauholz ſah ich nur wenig, Tauwerke mehr. In den Werften ſtehen 2 Fregatten, die man noch in der franzöſiſchen Zeit zu bauen began. Es iſt aber nur erſt das Gerippe der Schiffe fertig, und es ſcheint nicht, daß man ſie ausbauen will. An einer Gabarre ſah ich arbeiten. Die Franzoſen haben ein neues Thor mit einem Canale bis in den tiefen Canal, Murano gegenüber, bauen laſſen. Man ſagte mir, ſie hätten dieſe Arbeit, die 3 Millionen Franken ge⸗ koſtet haben ſoll, unternehmen müſſen, weil das alte Thor ſammt dem Canale zu ſchmal, und der letztere zu wenig tief war, um Linienſchiffe, ſo wie man ſie jetzt bauet, aus dem Arſenale ins Meer zu bringen. Vom Bucentoro iſtt nichts mehr vorhanden, als die Stü⸗ cke eines Baumes, der zum Aufſtecken der Flagge beſtimmt war. Gegenwärtig ſollen in Allem 1200 Menſchen im Arſenale beſchaftigt ſein. Ich glaube aber kaum, daß dieſe Zahl richtig angegeben iſt, denn ſie kömmt mir nach dem, was ich ſah, zu groß vor. Abends im Theater San Luca. Das Eintrittsgeld iſt in beiden Theatern gleich: 20 Kreuzer. Eine Loge koſtet nach Ver⸗ haltniß des Orts 2 bis 4 Zwanziger. Demohngeachtet, und ob⸗ ſchon die Oper ziemlich gut gegeben ward, war das Theater doch leer; auch ſchien mir das Publicum, das ich im Parterre ſah, dem außern Anſehen, und auch ſeinem Benehmen nach, nur zur gemeinen Klaſſe zu gehören; viele davon waren auch wirk— lich ärmlich gekleidet.— Kaffeehaͤuſer gibt es in allen Theilen der Stadt eine zahlloſe 24 7. Mai. Venedig. Menge. Es ſcheint aber nicht, daß dieß Gewerbe hier ſo ein— traͤglich iſt, als anderswo; denn ich ſah wenig darin verzehren: auch finde ich die Preiſe der Getränke theuer. Eine ſehr kleine Taſſe Kaffee 4 und in den beſſeren Häuſern 5 Kreuzer; Kaffee mit Milch 12 Kreuzer, Ein halb Glas Punſch 12 Kreuzer. — 7. Mai. Kirche Santa Maria della Salute. Kirche San Biaggio. Grab⸗ mal des Admirals Emmo. Kirche San Pietro, Santa Maria Formoſa, San Giovannie Paolo⸗ Zuerſt ging ich heute in die nahe Kirche Maria della Sa— lute. Sie liegt hoch, und man muß vielleicht 15 Stufen über den Horizont des Bodens zur Kirchenthür hinanſteigen. Die Steine dieſer Stiege gerathen in Unordnung. Die Kirche iſtevon außen mit Statuen und Zierrathen aller Art gleichſam überdeckt. Die Kuppel über der Kirche daͤucht mich die größte zu ſein, die hier iſt; über dem Presbyterium iſt eine zweite, kleine Kuppel angebracht. Das Locale iſt frei, und man kann die erhöhte Kirche von allen Seiten ſehen. Ihr Anblick macht einen ſehr angeneh— men Eindruck. In der Kirche bewunderte ich vier ſehr ſchöne 20 Fuß hohe, und 2 ½ Fuß dicke Saͤulen von weißem, wenig geflecktem Marmor, mit korinthiſchen Capitäͤlern. Sie ſollen, ſagte der Affe von Cicerone, vom Tempel der Diana zu Pola in Dalmazien(sic) hieher gebracht worden ſein. Ein bronzener Leuchter, mehr als 6 Fuß hoch, aus Arabesken und andern Verzierungen zuſammengeſetzt, ſchien mir ein Meiſter⸗ werk von Zeichnung und gelungener Ausführung. Der Fußbo⸗ den der Kirche iſt glänzender Marmor in geometriſchen Figuren. Schade, daß man einen gelben Marmor mit aufgenommen hat, der ſeit 1631 ſchon ſtark zu verwittern beginnt. Auf den vielen Altaͤren dieſer, ſo wie der übrigen Kirchen, gibt es, wie alle Welt weiß, eine ungemein große Zahl der ausgezeichnetſten Gemäͤlde. Wenn ich davon ſchweige, ſo will —— pel rche neh⸗ hone venig llen, a zu Ein und eiſter⸗ ußbo⸗ zuren. nhat/ rchen, hl der will 7. Mai. Venedig. 25 ich dadurch nicht ſagen, daß ſie mir nicht gefallen hätten, und daß ich an ihnen kalt vorübergegangen ware; ich erwahne ihrer nicht, theils weil ſie in jeder Reiſebeſchreibung oder in den vielen Descrizioni della città di Venezia angeführt ſind, und theils weil ich ſelbſt zu wenig Kunſtkenner bin. Übrigens will ich nicht verhehlen, daß ich in Venedig, wo ich ſo ſehr von den herrlich⸗ ſten Gebauden, Statuen, Säulen u. ſ. w. angeſprochen ward, die Bilder weniger ehrte, als anderswo, beſonders wenn ſie Gegenſtaͤnde darſtellen, die zu wenig Intereſſe einflößen, oder gar die Peinigung eines Heiligen, die mich allenthalben mit Grauen erfüllt. Das Grabmal des Admirals Emmo in der Kirche San Biaggio, verdient beſehen zu werden. Die Arbeit iſt von Tor— retti: die Idee iſt einfach, gut und mit großer Genauigkeit ausgeführt und macht einen ſehr guten Effect. Der Admiral liegt auf ſeinem Sarkofag in moderner Kleidung, auf eine kleine Ka⸗ none geſtützt. Der Kopf iſt unbedeckt, er trägt Locken und Haar⸗ zopf; Hut, Handſchuhe und Degen liegen ihm zur Seite. Die Kirche San Pietro iſt die alte Cathedrale der Stadt, der Sitz des Patriarchen, der 1451 von Grado hieher verlegt worden war; ſie liegt gleichſam am öſtlichen Ende der Stadt, im ſogenannten Caſtell. Sie hat eine ſehr ſchöne Kuppel, präch⸗ tigen Fußboden, viele ſchöne Gemaͤlde und ſteinerne Denkmale. Der daneben ſtehende Glockenthurm iſt nach dem vom Marcus— platz der ſchönſte. Von da beſah ich erſt die Kirche Santa Maria For⸗ moſa, und als ich bei San Giovanni e Paolo vorüber⸗ ging, konnte ich dem Verlangen nicht widerſtehen, dieſe präch— tige Kirche wieder zu beſehen und meine Augen an dem Anblicke der Größe und Höhe des Gebaͤudes ſowohl, als an den vielen, darin aufbewahrten Monumenten der Geſchichte, der Sculptur und ſchönen Baukunſt zu ergötzen. 26 8. Mai. Venedig. 8. Mai. Die vier Pferde an der Marcuskirche. Die Loggia am Marcusthurm. Die drei Bäume mit den Flaggen vor der Kirche. Der Thurm mit der Uhr. Pallaſt der Bibliothek. Das Münzhaus. Piazzetta. Die zwei Granit⸗ ſäulen. Improviſatori. Heute beſah ich mehrere einzelne Theile des Marcusplatzes. Die vier bronzenen und zum Theile noch vergoldeten Pferde, die im Jahre 1806, als ich da war, ſich in Paris befanden, ſind nun wieder auf ihren alten Standort, ober dem Hauptthore der Marcuskirche, zurückgekehrt. Ob ſie außer dem hiſtoriſchen, auch einen beſondern Kunſtwerth haben, kann man nicht beurtheilen, weil ſie zu hoch ſtehen und ſich dem Blicke des von unten hinauf ſehenden Beobachters zum Theile entziehen; auch ſind ſie zu klein, denn ſie ſind nur von natürlicher Größe, um beſonderes Aufſe— hen zu erregen. Die Loggia an den Marcusthurm angebaut, iſt ein arti— ges, kleines, mit ſteinernen und bronzenen trefflichen Figuren und Basreliefs bedecktes Gebaude. Es diente zur Zeit der Re— publik zum Aufenthalt der Procuratoren von St. Marcus, die während der Sitzungen des großen Raths die Wache com— mandirten. Vor dem Dome ſind drei hohe Stangen aufgerichtet, an de⸗ ren Spitze jetzt, bei Feſtlichkeiten, die öſterreichiſche Flagge weht. Früher wehten hier die Fahnen von Cipern, Candia und Mo— rea, ungeachtet die beiden erſtern Inſeln läaͤngſt ſchon(1571 und 1669) in die Gewalt der Türken gerathen waren, ſo wie auch die Herrſchaft der Republik uüͤber Morea nur kurze Zeit währte, denn das im Jahre 1687 zurück eroberte Land mußte ſchon im Jahre 1718, im ſchmaͤhlichen Frieden von Paſſarowitz, ſeinen Pei⸗ nigern wieder überantwortet werden. Dieſe Stangen ſtecken in bronzenen Fußgeſtellen, die voll artiger Basreliefs ſind. Der Thurm mit der Uhr iſt ein maleriſches Gebaͤude, das zur Zierde des Platzes weſentlich beiträgt. Oben auf der Platform it ein Fur S mer ander an F ſchei verg laſt der 1 das de m. Die er Uhr. Granit⸗ platzes. de, die , ſind re der „auch eilen, inauf klein, Aufſe⸗ arti⸗ suren tRe⸗ 8, die e com⸗ an de⸗ weht. Mo⸗ 7l und ie auch vährte, hon im nen Pei⸗ ecken in d. das zur Gorform 38. Mai. Venedig. 27 iſt eine große Glocke auf einer verticalen Stange ruhend; ihr zur Seite ſind zwei geharniſchte Männer, deren jeder einen Ham— mer mit beiden Händen hält, womit der eine die Viertel, der andere die Stunden ſchläͤgt. Die heiligen drei Könige, die ſonſt an Feſttagen zu jeder Stunde ober dem Zifferblatte zum Vor— ſchein kamen und vorübergingen, ſah ich jetzt nicht mehr. Ich vergaß, mich um die Urſache ihres Nichterſcheinens zu erkundigen. Das Bibliothekgebäude iſt jetzt ein Theil des königlichen Pal— laſtes. Es iſt dem Palazzo ducale gegenüber und bildet mit der Münze die eine Seite der Piazzetta. Nach dem Urtheile der Kunſtverſtändigen ſoll dieß Gebäude das vollkommenſte ſeiner Art ſein, und Stäarke, Geſchmack und Zierlichkeit in ſich vereinigen. Wenn Etwas vollkommen iſt, ſo gefällt es Jedermann und Jedermann begreift es. Ich fand die⸗ ſen Grundſatz hier vollkommen erwahrt; denn mir gefiel von al— len Gebauden die Bibliothek am beſten, ehe ich noch wußte, welchen Werth ihr die Kunſtrichter beilegen. Das Münzhaus— Zecca— daher Zecchino, die venezia⸗ niſche Goldmünze— bildet das untere Eck der Piazzetta, und iſt reichlich von außen verziert, um den Abſtand gegen die Biblio— thek nicht zu merklich zu machen. Man arbeitete nicht darin, darum ging ich auch nicht weiter als in den Vorhof. Endlich muß ich noch der zwei Säulen erinnern, die am un— tern Ende der Piazzettaaufgerichtet ſind, auf deren einer der geflügelte Löwe, auf der andern ein geharniſchter Mann mit ei— nem Spieße in der Hand und einem Drachen an der Seite, ſich befinden. Die eine dieſer Säulen iſt grauer Granit, von ihrer Oberflaͤche bläͤttert ſich ein kleines Stück ab; die andere iſt Gra⸗ nit mit rothem Feldſpat; weßwegen ſie von einigen Porp hyr genannt worden iſt: ſie iſt glänzend, und nicht im geringſten Grade irgendwo angegriffen; und doch ſtehen beide Säulen ſchon hier ſeit dem Jahre 1125, wo ſie aus Griechenland hieher ge— bracht und zu Ehren des Doge Micheli aufgerichtet wurden, nachdem er von ſeinem glorreichen Feldzug aus dem heiligen Lande 28 9. Mai. Venedig. zurückgekommen war. Wie viel über tauſend Jahre ſie in Griechen⸗ land geſtanden ſeien, erzählt die Geſchichte nicht, auch nicht, aus welcher Gegend von Egypten ſie nach Griechenland gebracht wor⸗ den; denn es iſt offenbar der bekannte egyptiſche Granit, aus welchem man in Ober-⸗Egypten ſo viele Monumente verfertigte— In frühern Jahren fand ich hier ein Paar Improviſa— tori, die den Gondolieren und anderm Volke, das ſie hören wollte, Geſchichten aus der Vorzeit erzählten. Jetzt fand ich nur einen einzigen dieſer Art noch in Venedig, der Abends unter den Procuratien declamirte. Es war ein ſehr armer Schelm, der über ein gegebenes Thema in Verſen ſprach. Er ſchrie aber dermaßen und geſticulirte gleich einem Raſenden, daß ich mich nie entſchließen konnte, ihn längere Zeit anzuhören, um mich zu überzeugen, welchen Werth ſeine Dichtung und ſeine Verſe haben. 9. Mai. Inſel Poveglia. Canal zwiſchen den Lagunen dahin. Giraffe. Paleſtri⸗ na. Malamocco. Muraccj. San Clemente. Denkmäler der Moroſini. Jeſuitenkirche. Capelle del Roſario. Palläſte Grima⸗ ni, Corner, Piſani, Foscari.— Schon ſeit einigen Tagen kündete ein Ausrufer vom frühen Morgen bis in die ſinkende Nacht ein Flugblatt an, das eine Beſchreibung der Giraffe enthielt, welche der Paſcha von Egyp⸗ ten unſerm Kaiſer zum Geſchenke machte. Dieſes Thier war auf der Inſel Poveglia in Contumaz, und konnte daſelbſt geſehen werden. Ich hatte wohl die ausgeſtopfte Giraffe im Naturalien— Cabinette in Wien, aber keine lebende geſehen, und entſchloß mich daher, den ſchönen Vormittag dazu zu benützen, eine kurze Spazierfahrt zu machen, die Lagunen näher zu beſehen, und das ſeltene Thier zu beſchauen. Ich nahm eine Gondel mit zwei Maͤnnern, die mich über San Giorgio und SanClemente nach Poreglia führten. jechen⸗ „ aus wor⸗ „ aus ertigte⸗ diſa⸗ hoͤren fand lbends helm, aber mich mich Verſe eſtri⸗ ler der rima⸗ früͤhen s eine Egyp⸗ ar auf geſehen tralien⸗ nſſchloß ne kurze en, und ih üͤber ührten. 9. Mai. Venedig. 29 Das Fahrwaſſer iſt ein breiter ſchͤner Canal zwiſchen den Lagu⸗ nen oder Untiefen, die heute größtentheils über dem Spiegel des Meeres erhoben lagen. Dieſer Canal iſt durch und durch zu beiden Seiten mit Pfaͤhlen beſetzt, um das Fahrwaſſer für die Schiffe zu bezeichnen, die von Malamocco zur Stadt fahren. Die Giraffe iſt ſeit acht Tagen hier. Man hat ein eigenes Haus für dieſes Thier gebaut, und ein Warter ward von Wien hieher geſchickt, um es hier zu übernehmen und in die Mena— gerie dahin zu geleiten. Es ſoll erſt 15 Monate alt ſein, und mag gegenwärtig 7 Schuh Höhe haben; iſt lebhaft, ſehr gutar— tig, ſchön gezeichnet, und frißt am liebſten Bohnen nebſt etwas Grünzeug, das man ihm aus der Hand reicht. Noch trinkt es Milch und kein Waſſer, weßwegen zwei Kühe auf das Schiff mitgenommen wurden, welches dieſen afrikaniſchen Gaſt hieher brachte. Es iſt ein wiederkäuendes Thier, hat geſpaltene Hufe und eine ſpitzige, ſtark verlängerte Schnauze. Ich beſtieg den Thurm von Poveglia, um nach Mala— mocco zu ſehen, wo die Dünen(Sandberge) durchbrochen ſind, und ſich der Canal, auf dem ich hieher fuhr, ins Meer mündet. Weiter hinab ſah ich Paleſtrina, wohin ich bei meiner erſten Anweſenheit in Venedig fuhr, um die Muraccj zu ſehen, die ſo wenige Reiſende beſuchen, und die es doch weit mehr verdien— ten beſehen zu werden, als hundert Bilder in der Stadt, die weder das Geld noch die Zeit lohnen, die man auf ihr Beſehen verwendet. Es ſind dieſe Muraccjeine künſtliche Verlangerung der Dü— nen, von Malamocco bis in die Nähe von Chioggia, die man zu dem Zwecke erbaute, um die Lagunen vor dem An— drange der Wellen des adriatiſchen Meeres und die Zufahrts— canaͤle dadurch vor dem Verſchlammen zu ſchützen, und wohl auch das Sichtlichwerden des Bodens der Untiefen bei gewöhn— lichem Waſſerſtande zu verhüten, wodurch die Luft nothwendig der Geſundheit der Einwohner von Venedig verderblich wer— den müßte. 30 9. Mai. Venedig. Es iſt eine lange, breite, aus Quaderſtücken erbaute Mauer, ein Molo, den man»Ausu romano, aere veneto,« wie die Inſchrift lautet, aufgeführt, und der, wie man mir ſagte, ſeinem Zwecke vollkommen entſprochen hat, jetzt aber an einigen Stellen ſo ſchadhaft geworden ſein ſoll, daß man bedeutenden Nachtheil für die Lagunen befürchtet, wenn die durch das Meer ge⸗ machten Einbrüche nicht bald wieder ergänzt werden. Bei der Rückfahrt kehrte ich in San Clemente zu, um dieſe frühere Wohnung der Carthäuſer zu ſehen, wo jeder Mönch ein Häuschen zur Wohnung und einen Garten zur Beſchäfti— gung und zum Vergnügen hatte. Solcher Häuschen ſind 17. Das Conventgebaäude wird jetzt zum Relegationsorte für lüderli⸗ che Weltgeiſtliche verwendet. Die Kirche iſt ſehr ſchön, hat mehrere Denkmaler der Mo— roſini von vorzüglicher Arbeit, und als eine weſentliche Zierde der Kirche wird das genaue Conterfei der Santa Caſa von Loretto, ſammt dem Gnadenbilde, verehrt. Es iſt von außen mit Marmor überzogen, und hat rückwärts ein prachtiges Bas⸗ relief von Bronze, die Geburt Chriſti vorſtellend. Die Kirche der Jeſuiten, die ich nach Tiſch beſuchte, iſt erſt im Jahre 1728 gebaut worden, und zeichnet ſich durch Größe und beſondern Reichthum an Marmorarbeit aus. Es ſcheint, als ob ihre Erbauer die Abſicht gehabt hatten, alle aͤltern Kir— chen an Pracht der Altäre und Verzierungen übertreffen zu wol— len. Die Saͤulen, auf denen das Gewölbe der Kirche ruht, ſind mit geglättetem Marmor, in der Form eines die Saͤulen de— ckenden Teppichs, überzogen, in welchem mit Verde antico die Stickereien nachgeahmt ſind. Am Hauptaltare tragen ſechs ge⸗ wundene Saͤulen, von derſelben koſtbaren Steinart, ein ſtei— nernes Dach. Der Tabernakel iſt mit Lapis lazuli eingelegt. Der erhöhte Boden vor dem Altar iſt eine ſehr ſchöne Arbeit von Marmor, die einen in Falten gelegten Teppich darſtellt, der über die Stufen gebreitet iſt. Alle Altäre ſind vom auserleſen— ſten und ſeltenſten Marmor, und das Gewölbe der Kirche ſtrotzt baute leto,« ſagte, einigen ttenden leer ge⸗ u, um Mönch chafti⸗ d 17. iderli⸗ Mo⸗ ierde von ußen Bas⸗ it erſt Große cheint, —n Kir⸗ U wol⸗ t, ſind en de⸗ ico die echs ge⸗ ein ſtei⸗ ngelegt. beit von elt, der zerleſen⸗ e ſtrott 10. Mai. Venedig. 31 von Gold, womit die ſchönen Stuckaturarbeiten überzogen ſind, zwiſchen denen ſich Frescogemälde befinden. Unter den Altar⸗ blättern iſt eines von Tizian, das nach Paris geführt worden, und nun wieder zurückgekehrt iſt. Es ſtellt die Marter des hei— ligen Laurentius vor, der lebendig gebraten wird. Es wird dieß Bild wohl mit vieler Kunſt, d. h. ganz der Natur gemäß, ge⸗ malt ſein, allein ich konnte mich nicht entſchließen, es genauer anzuſehen, und ich begreife nicht, weder, wie die Künſtler ſolche Handlungen der raffinirteſten Barbarei darzuſtellen ver— mögen, die mir in der Erinnerung ſchon das unangenehmſte Gefühl erregen, noch, wie man ſolche Bilder in den Kirchen zur Verehrung den Augen des Volkes ausſtellen kann. Im Zuruüͤckgehen beſah ich die Capelle del Roſario, die ihrer hölzernen Basreliefs wegen berühmt iſt, die mir wohl recht künſtlich und gut und natürlich gearbeitet dünkten, deren Idee aber laͤppiſch und kleinlich iſt. Ich war auf der Poſt und im Offizio centrale del Cenſo; die erſtere iſt in einem Pallaſte, der früher den Gri— mani, das letztere in einem andern, der den Corner della Cà grande gehörte. Welche Größe, welcher Geſchmack, wel— che fürſtliche Pracht! Wohin man in der Umgebung des Haupt⸗ platzes und des großen Canals gehen mag, ſtößt man auf Pal— läͤſte, deren viele aber, z. B. der große der Piſani, in einem ſehr vernachläſſigten Zuſtande ſich befinden. Jener der Foscari, an der weſtlichen Seite des großen Canals, wo zur Zeit der Republik die nach Venedig kommenden Souveraine wohnten, iſt gegenwärtig ganz leer, und fängt an zu verfallen. — 10. Mai. Kirche degli Scalzi. Kirche San Giobbe. Botaniſcher Garten. Sel⸗ tenheiten deſſelben. Die Kirche degli Scalzi liegt am großen Canal, und hat eine der praͤchtigſten Facaden. Die Kirche ſtrotzt von den 32 10. Mai. Venedig. verſchiedenſten und ſeltenſten Steinarten. Der Hauptaltar hat gewundene Säulen, gleich denen in der Jeſuitenkirche, nur ſind ſie hier von rothem franzöſiſchem Marmor; der Fußboden iſt ſo ſchön als irgendwo, das Gewölbe reich verziert, und mit gu— ten Frescogemaͤlden verſehen. Dann ſind in der Kirche acht Sei— tenaltäͤre, deren jeder von einer andern Familie auf ihre Koſten mit einem ungeheuern Aufwand errichtet worden iſt. Die Waͤnde dieſer Capellen ſind mit Verde antico und Diasper verziert; die Säulen des Altars von den ſeltenſten Marmorarten, von allen Farben und Ländern, mit der Bildſaule des Heiligen, dem er gewidmet iſt, von carrariſchem Marmor. Den Hauptaltar ließ ein Soranzo machen, ein Vorfahr deſſelben, der vor wenigen Jahren als Bettler hier ſtarb. Man ſagt, dieſer Altar habe 60,000 Silberducati gekoſtet. Ich wollte den botaniſchen Garten beſehen, und da man hiezu den Garten verwendete, der zum aufgehobenen Francis— canerkloſter San Giobbe gehörte, ſo mußte ich neben der Kloſterkirche vorbeigehen. Ich hörte Muſik darin und trat ein, und bereuete es gar nicht, denn ich hörte einen ſehr wohlgeſtimm— ten Grabgeſang mit Begleitung der Orgel, und ſah das einfache und doch großartige Denkmal, das der franzöſiſche Geſandte d'Ar⸗ genſon ſeinem Vater ſetzen ließ. Beſcheiden ſagt der Sohn von ſich: Nominis et legationis haeres, utinam et virtutum. Der ſogenannte botaniſche Garten bietet nichts dar, was ich bemerkenswerth gefunden hätte, als daß Jene, für die er gemacht iſt, die Studenten des Liceums, und die Lehrlinge der Apothe— ker ihn entweder gar nicht, oder höchſt ſelten beſuchen. Es daucht mich auch der Garten, als Staatsanſtalt, überflüſſig; denn da kein mediziniſches Studium, auch kein Profeſſor der Botanik hier iſt, und im gemeinen Schulunterricht die Pflanzenlehre nur ſo im Allgemeinen berührt wird, ſo finden die Studirenden zu wenig Reiz, oder zu wenig Aneiferung, oder zu wenig Zwang ſich mit einem Studium zu befaſſen, das nicht gefor— dert wird, und deſſen Nutzen ſie auch nicht wohl abſehen. ar hat ur ſind den iſt nit gu⸗ ht Sei⸗ Koſten Wande erziert; nallen dem er orfahr Man man ancis⸗ n der ein, timm⸗ mfache edAr⸗ hn von ttum. das ich emacht lothe— däucht denn da Botanik genlehte direnden wenig t gefor⸗ 11. Mai. Venedig. 33 Für mich ſeltene Pflanzen waren die Salisburia adiantifo- lia, und die Solandria grandiflora, die 25 Fuß hoch wird, einen ſchlanken Trieb ohne Aſte hat. Die Nucca aloeifolia, eine Palmenart, kömmt hier in geſchützter Lage im Freien fort, blüht alljährlich, träͤgt auch wohl Früchte. 11. Mai. Scuola San Rocco. Accademia delle belle arti. Nachdem ich erſt die Kirche ai Frari wieder beſucht hatte, ging ich in die Scuola San Rocco. Es iſt dieſe Scuola ein Pallaſt mit einer ungemein ſchönen Fagade, der zwei ſehr ſchöne Sale, einen zu ebener Erde, den andern im erſten Stocke hat, wovon der untere zu weltlichen Verhandlungen, der obere zu geiſtlichen Functionen beſtimmt iſt. Vom untern Saale ge— hen in den obern zwei Stiegen, die ſich in der Mitte vereinigen. Von dieſem Puncte wird die Stiege breit, und iſt zu beiden Seiten mit prächtigen Gemälden geziert, welche Scenen aus der vorletzten Peſt darſtellen, die zehn Monate lang die Stadt verheerte, und 400 Mitglieder dieſer Bruderſchaft dahinraffte. Beide Saͤle ſind voll der geſchaͤtzteſten Bilder, von welchen die Kreuzigung Chriſti, die Tintoretto im Jahre 1565 malte, das vorzüglichſte iſt. Ich ärgerte mich ſehr in dem oberen Saale, der mit Denkmalen der ſchönen Malerei und Bildhauerkunſt erfüllt iſt, den unteren Theil der Wände mit einem hölzernen Schnitz⸗ werk verkleidet zu ſehen, wodurch allerlei Fehler und Laſter der Menſchen in den abgeſchmackteſten Fratzen dargeſtellt werden, die den gemeinen Sinn und Bauerngeſchmack desjenigen beurkun— den, der ſie machen ließ. In der Accademia delle belle arti ſahich ſo viele aus⸗ erleſene Gemälde und Gipsabgüſſe von Statuen, daß ich mich nur dunkel alles deſſen erinnere, was ich in ſo großer Fülle da geſehen habe. Die Statuen ſind ſehr gut aufgeſtellt, und die Ver⸗ — I. 3 3 4 12. Mai. Venedig. einigung der größten Meiſterſtücke der alten und neuen Bildhauer⸗ kunſt muß einen großen Eindruck auf Jeden machen, der nicht ganz ſtumpf für das Große iſt, deſſen der Menſch fähig iſt. Die Abgüſſe der Bruchſtücke vom Parthenon in Athen und von Agina, die der König von England hieher ſchickte, mehrere antike römiſche Büſten, und dann die Abgüſſe aller in Rom und Florenz vorfindigen großen Meiſterwerke des Alterthums, an die ſich jene von Canova anſchließen, bilden ein Ganzes, das ich immer mit Erſtaunen und Ehrfurcht anblicke, ſo oft ich es auch ſchon geſehen habe. Den Herkules des Canova, wel— cher den Lykas ins Meer ſchleudert, ſah ich hier zum Erſten— male; er gefiel mir beſſer als der Abguß des Jaſon, wovon ich das Original in München ſah. Seine Hebe, und eine mit dem Badetuch ſich verhüllende weibliche Figur ſind beſon— ders zart, Stellung und Ausdruck laſſen nichts zu wünſchen übrig. Von Gemäͤlden iſt hier das ſo ſehr geprieſene Meiſterſtück Ti⸗ zians: die Himmelfahrt Mariaͤ. Ich hatte bereits ſo viele gute Copien dieſes Stückes geſehen, daß das Original nur geringen Eindruck auf mich machte. Die Schaͤrfe des Ausdruckes iſt in den Geſichtern verwiſcht; man kann nur die Einfachheit und Natür— lichkeit der Zeichnung und die Lebhaftigkeit der Farben bewun— dern. Einige andere große Gemalde, z. B. das Mirakel des hei⸗ ligen Marcus in der Erlöſung eines Sclaven von Tintoretto; die Hochzeit zu Cana von Padovanino ſprachen mich an, und in archäologiſcher Hinſicht däuchten mir zwei große Bilder beſonders merkwürdig, wovon das Eine, von Gentile Bel— lino, den Marcusplatz darſtellt, wie er im Jahre 1496 aus⸗ ſah, und das andere die Brücke Rialto. Man ſieht auf die— ſen Gemäͤlden nicht ſowohl die ſeltſamen? Trachten der Men— ſchen jener Zeit, als auch, daß damals die Gebaͤude der Pro⸗ curatien noch nicht beſtanden; daß der Platz mit der nördli— chen Seite des Glockenthurms gleich breit war; und daß die Bruͤcke auf hölzernen Pfeilern ruhte, und in der Mitte zum jauer⸗ nicht 3. en und gehrere Rom hums, anzes, oft ich wel⸗ rſten⸗ vovon e mit beſon⸗ ſchen ewun⸗ es hei⸗ etto; )an, Bilder Bel⸗ 6 aus⸗ uf die⸗ Men⸗ r Pro⸗ nördli⸗ aß die e zum 13. Mai, Venedig. 35 Offnen war, mittels zweier Zugbrücken, um die Segelſchiffe durchzulaſſen. 13. Mai. Fabriken von Venedig. Glas⸗, Perlen⸗, Wachsfabriken. Mangel oder Ge⸗ ringfügigkeit der Fabriken. Venedig war in altern Zeiten ſeiner mancherlei Fabriken we⸗ gen ſehr berühmt. Seine Spiegel, geſchliffenen Gläſer, ſein Bleiweiß und ſeine Wachskerzen beſchäftigten viele Menſchen und waren die Quelle der Wohlhabenheit vieler Häuſer. Jetzt ſind dieſe Fabriken durch eine ſchwer zu erklärende Verwicklung von Umſtänden entweder ganz verſchwunden, oder ſo ſehr reducirt, daß ihr Einfluß auf das Wohl der Bevölkerung kaum merklich iſt. Folgendes iſt die Zahl und Art der gegenwärtigen Fabriken in Venedig: Gläſer.—..... 9. Perlen, kleine Glaswaaren... 7. Spiegelglaſer und Spiegel.— 4. Hüte(Felzade), Kappen(Sehiavine) d Sarſch(Rascia).. 6. Strohhüte.—.... 1. Goldſchläger.... 3. Wachsbleichen und Kerzenfabriken.— 9. Weinſtein...—.. 3. Zuckerraffinerien... 2. Lederfabriken aller Art.... 9. Theriak....... 9. Handſchuh..—.. 4. Unter dieſen ſogenannten Fabriken muß man ſich aber ja nicht große Anſtalten vorſtellen, die viele Menſchen beſchäftig⸗ ten, oder ein großes Capital in Umlauf ſetzten; außer den Wachsbleichen und den Glaͤſerfabriken ſind die andern Anſtalten völlig unbedeutend. 3* 36 13. Mai. Venedig. Es iſt wohl begreiflich, daß in Venedig nie Wollen- oder Baumwollwaaren⸗Fabriken beſtanden, weil der Mangel an ſü— ßem Waſſer, das man in großen Fäſſern von der Brenta zu⸗ führen muß und deſſen man zum Waſchen und Bleichen des Fa⸗ bricats in ſo großer Menge bedarf, dieſem Erwerbszweig ein unwiderſtehliches Hinderniß entgegen ſetzt; warum aber Sei— denfabriken hier nicht beſtehen, wo das rohe Material aus Friaul und von Verona ſo wohlfeil beigeſchafft werden kann, und ein großer Theil der Menſchen ſich umſonſt um Arbeit bewirbt, ein anderer um den geringſtmöglichen Lohn arbeitet, iſt weniger begreiflich. Mir daucht, daß die Fabrication der Seidenſtoffe ganz vorzüglich für Venedig paſſe, und daß man dem Verarmen des Volkes durch kein anderes Mittel ſicherer und kraͤftiger zu ſteuern im Stande wäre, als wenn man einige Capitaliſten be— wegen könnte, ſich mit lombardiſchen oder franzoſiſchen Seiden— fabrikanten zu aſſociiren und hier Seidenfabriken zu errichten, wo die hierzu erforderlichen Gebaude wohlfeil, und Arbeiter im Üüberfluſſe und zu den mäßigſten Preiſen zu haben ſind. Ich ſah die ſchöne Wachsbleiche und Kerzenfabrication bei San Andrea, die dem Hauſe Reali gehört. Sie hat 156 Soleri— Tiſche— auf deren jedem 550 Pfund Wachs lie— gen. Man bleicht in dieſem Local 425,000 Pfund Wachs. Das beſte Wachs kömmt von Smyrna; dann wird jenes aus der Mol⸗ dau und Wallachei für das vorzüglichſte gehalten; am wenigſten wird das aus Ungarn und Pohlen kommende geſchätzt. Man zeigte mir Kerzen, die von dem Wachſe dieſer Laͤnder bereitet worden waren: vollkommen weiß waren nur die erſtern, die andern ſind mehr oder weniger ſchmutzig weiß. Der Eigenthümer dieſer Fabrik iſt ein junger, thätiger und kenntnißvoller Mann, der, außer einer Weinſteinfabrik, ſeit kurzem auch eine Zuckerfabrik mit zwei Auflöſungs- und zwei Kochkeſſeln errichtet hat, von der ich aber bedauerte, daß man nicht gleich anfangs eine beſſere Localität wählte, da die gegenwaͤr⸗ tige viel zu beengt und zu ungemächlich iſt. eir oder rſü⸗ 3 zl⸗ 5Fa⸗ g ein Sei⸗ el aus und irbt, niger ſtoffe rmen er zu en be⸗ ĩden⸗ tten, er im n bei t 156 hs lie⸗ Das Mol⸗ igſten Man ereitet n, die ger und it, ſeit nd zwei an nicht genwür⸗ 14. Mai. Venedig. 37 Herr Reali lud mich ein, ihn auf ſeinem Landgute bei Tre⸗ viſo zu beſuchen, und ich werde nicht ermangeln, davon Ge⸗ brauch zu machen. 14. Mai. Palazzo Grimani. Statue des Marcus Agrippa. Italieniſche Sitte, für jeden Dienſt ein Trinkgeld zu fordern. B Ich beſah noch einige Kirchen und Pallaſte und bejammerte den vernachläſſigten Zuſtand, in dem ſich viele der letztern befin— den, z. B. der Palazzo Grimani, bei Santa Maria Formoſa, in deſſen Hofe die berühmte coloſſale Statue des Marcus Agrippa aufgeſtellt iſt, die vom Pantheon in Rom, ich weiß nicht wie, hieher gekommen iſt. Man thut Unrecht, daß man das Trinkgeldfordern den Ita⸗ lienern und vorzüglich den Venezianern ſo ſehr zum Vorwurf macht; denn im Grunde iſt dieſe Sitte ja allenthalben üblich. Es verlohnt ſich nicht der Mühe, ſich hierüber zu ereifern oder die Menſchen mit groben Worten abzutreiben, denn man wird die⸗ ſes Bettelvolkes um geringen Preis frei. Es iſt wohl billig, daß man Jemanden, der uns einen Dienſt leiſtet, ſo gering er auch ſein mag, eine Belohnung dafür gibt, und darum kann ich es den Italienern nicht verargen, daß ſie uns für den kleinſten Dienſt ſogleich um die Bezahlung angehen; auch iſt es ein Irr⸗ thum der Fremden, wenn ſie meinen, daß die Kirchendiener, Zimmerwaͤrter, Arſenalaufſeher u. ſ. w. dafür bezahlt werden, die Fremden herumzuführen und ſie auf die Merkwürdigkeiten aufmerkſam zu machen oder ſie ihnen zu zeigen; oder daß die Aufwäͤrter in den Gaſthaͤuſern vom Wirthe bezahlt würden. Alle dieſe Leute haben keinen Gehalt und ſind lediglich auf die buona man angewieſen. Wenn ich ins Theater ging, ſo zahlte ich erſt die Entree, dann bei einem andern Tiſche ein Billet zu einem geſperrten Sitze, wo mir nebſt dem Betrag des Billets jederzeit ein Trinkgeld abgefordert wurde. Nach dem Aufſperren des Sitzes 38. 15. Mai. Venedig. verſckumte der Junge nie, ſich gegen mich mit vorgereckter Hand zu verneigen und meine Corteſia anzuſprechen. Man ſorge daher, Morgens vor dem Ausgehen ſich mit klei— ner Münze zu verſehen, um unter Tags alle Dienſte, nach ihrem Werthe, ſogleich honoriren zu können. Die Leute hier begnügen ſich mit wenig; ſie ſind aber inſolent, wenn man ihnen Nichts geben will. 15. Mai. Himmelfahrtsfeſt. Betrachtungen über die Urſachen der ehemaligen Größe Ven⸗ digs. Festa dell' ascensa. An dieſem Tage war ſonſt das Feſt der Vermählung des Doge mit dem Meere; heute beſtanden die Feſtlichkeiten des Tages darin, daß auf den Stangen vor der Marcuskirche die großen Flaggen aufgezogen waren, und daß der Patriarch im Dome ein Hochamt hielt, dem wenige Men⸗ ſchen beiwohnten. Die Vergleichung der gegenwartigen Stille mit der lärmen⸗ den Fröhlichkeit und dem theatraliſchen Schauſpiele, das an die— ſem Tage noch im Jahre 1296 Statt hatte, führte mich zu Be⸗ trachtungen über die Urſachen und die Größe des Reichthums ei⸗ ner Stadt, deren Haäuſer Pallaͤſte und deren Kirchen Meiſter⸗ werke der Baukunſt und Gallerien der auserleſenſten Gemaͤlde und Bildhauerarbeit ſind. Die Frage, wie ein ſo kleiner Staat, wie Venedig, Mittel fand, ſolche Ausgaben zu beſtreiten, ſetzte mich anfaͤnglich in Verlegenheit; allein bei näherer Würdigung aller Umſtände, die hier concurrirten, um dieſe Wirkung hervor⸗ zubringen, ward mir die Urſache ziemlich klar. Bedenkt man, daß Venedig die Hauptſtadt der größten See⸗ macht bis ins 15. Jahrhundert war, daß ſeine Einwohner bis in das 16. Jahrhundert den größten Theil des Welthandels be— ſaſſen und daß von hier aus ganz Süddeutſchland, Ober⸗Italien und die Schweiz, mit den Producten des Orients verſehen wur⸗ 15. Mai. Venedig. 39 den; daß ſie den levantiniſchen Handel in Händen hatten und daß daher die venezianiſchen Kaufleute ſich unermeßlichen Reich⸗ thum erwarben; bedenkt man, daß der Staat durch die Zölle, die ſolch ausgebreiteter Handel ihm verſchaffte, große Einnah— men hatte; daß die Staats-Adminiſtration wenig koſtete; daß die Landmacht unbedeutend war; daß das Grundeigenthum der Terraferma in den Händen weniger und eben daher ſehr reicher Familien ſich befand; daß die außerſt gering beſteuerten Güter nur in der Familie vererbt und nicht verkauft werden durf⸗ ten; daß dieſe Familien die Häupter der Republik waren und die vorzüglichſten Amter derſelben bekleideten, und wenn ſie nicht in den Provinzen Gouverneure waren oder die Flotte comman⸗ dirten, der Staatsverfaſſung wegen in der Hauptſtadt wohnen mußten, ſo erſieht man, daß ſich ein ungeheurer Reichthum in dieſer Stadt concentriren mußte, der den Privaten ſowohl als der Regierung alle Mittel zur Hand gab, die koſtſpieligſten Bauten zu unternehmen. Wenn man dann in Erwaͤgung zieht, daß die Stadt ſelbſt nie von einem feindlichen Einfall litt, nie verheert worden iſt, und daß man tauſend Jahre anhaltend baute und an der Stadt verſchönerte, ſo findet man es begreiflich, wie ſie allgemach alle italieniſchen Stäͤdte an Schönheit und Reich⸗ thum der Gebaͤude übertraf. Es war in Venedig vom 15. bis ins 18. Jahrhundert Mode zu bauen, und dieſe ſcheint hier ſo gebieteriſch geherrſcht zu ha— ben, daß es mittlerweile eine Schande war, keinen Pallaſt zu beſitzen oder ſeinen Vorfahren kein öffentliches Denkmal errich⸗ tet zu haben. Einer ſuchte den Andern hierin zu übertreffen und ſo entſtanden die Palläſte der Familien: Grimani, Cor⸗ ner, Piſani, Venier, Rezzonico, Foscari, Ven⸗ dramin, Labbia, Peſaro u. ſ. w., deren Namen anzu⸗ führen hier nicht der Ort iſt, und ſo entſtanden die Kirchen und Palläͤſte und Brücken, die die Regierung baute; denn es beſtand die Regierung aus denſelben Männern, die für eigene Rechnung Kirchen und Palläſte und Monumente und Brücken bauten. 40 15. Mai. Venedig. Endlich darf man nicht überſehen, daß in jenen Zeiten die Aufführung großer und prächtiger Gebäude auch dadurch ſehr erleichtert ward, daß durch den Impuls, der der Baulieb— haberei in Venedig ſowohl als in ganz Italien gegeben worden war, das Studium der Baukunſt lebhaft betrieben ward, und ſich Architekten bildeten, die jenen des griechiſchen und römiſchen Zeitalters an die Seite geſtellt zu werden verdienten; ſo wie daß das Bauen damals weniger koſtete, als jetzt; nicht deßwegen, daß das Silber gegen Weizen einen höhern Werth hatte, als jetzt, ſondern deßwegen, weil die Menſchen frugaler lebten und mit we⸗ niger zufrieden waren, und daß ſich damals z. B. ein Bildhauer mit dem Geldwerthe eines Metzen Weizen täglichen Erwerbes be⸗ gnügte, dem man in unſern Zeiten drei geben muß. Nur ſo lange dieſe glücklichen Umſtände dauerten und Vene— dig der Centralpunct des Handels nach der Levante war, ſtieg ſein Reichthum, ſeine Macht und ſein aͤußerer Glanz; als ſich aber die Holländer des indiſchen, und die Genueſer und Fran— zoſen zum Theile des levantiniſchen Handels bemaͤchtigt, und Ve— nedig alle ſeine Beſitzungen in Griechenland verloren hatte, verſiegten die reichen Quellen der Privat- und Staatseinnahme; alle neuen Bauten wurden eingeſtellt, und in den letzten Zeiten der Republik gelang es der Regierung und dem Adel nur müh— ſam, die beſtehenden Gebaͤude in gutem Zuſtande zu erhalten. Der Fall der Republik iſt für die Stadt ein, dem Vermö— gen der Häuſerbeſitzer und der Erhaltung der öffentlichen Gebaͤu— de höchſt nachtheiliges Ereigniß. Venedig iſt nicht mehr die Hauptſtadt eines Staates. Die vormaligen Mitglieder des ſou— verainen Raths, und überhaupt die Patrizier, haben nun kein beſonderes Intereſſe mehr, in der Stadt zu leben, wo ſie nicht mehr wie jeder andere Staatsbürger gelten, und ziehen daher entweder in andere Städte, oder beſchräͤnken ſich darauf, ei— nen Theil ihres Pallaſtes zu bewohnen und den andern leer ſte⸗ hen zu laſſen; in beiden Fällen aber laſſen nur die Wohlhabend⸗ ſten die dringendſten Reparaturen an den Gebauden vornehmen; Neſ ſa ket hen heu 11 9 du aul Be derſ die iten urch lieb⸗ rden und ſchen edaß daß jetzt, twe⸗ auer zͤbe⸗ ene⸗ ſtieg ſich an⸗ Pe⸗ tte, hme; eiten müh⸗ ſten. ermö⸗ ebau⸗ r die zſou⸗ kein nicht daher f, ei⸗ er ſte⸗ bbend⸗ anen; 16. Mai. Malghera. 4¹ alle übrigen, die von Staatsämtern lebten oder durch die polit iſchen Ereigniſſe ihr Vermögen einbüßten und ihre Palläſte nicht ver— kaufen konnten, vermiethen ſie ſo gut ſie können, verwenden aber von dieſer geringen Einnahme wenig oder nichts, um das Haus vor dem Verfall zu ſchützen, dem es unvermeidlich ent— gegen geht. Daſſelbe iſt der Fall mit den öffentlichen Gebäuden. Früher verwendete der Staat einen bedeutenden Theil ſeiner Einkünfte auf die Erhaltung der beſtehenden Gebäude, und wenn dieß auch jetzt für die eigentlichen Staatsgebäude noch Statt findet, ſo ſind doch ſo viele andere bloß ſtädtiſche Ge— baͤude, Kirchen, Brücken, Daämme u. ſ. w., für die die ſtädti⸗ ſchen Einkünfte nicht zureichen, und die daher nothwendig all⸗ gemach verfallen, wenn nicht ergiebigere Fonds geſchaffen wer⸗ den, als es die gegenwärtigen ſind— 16. Mai. Reiſe über Meſtre nach Treviſo. Befeſtigung von Venedig. Meſtre. Anſicht des Landes zwiſchen Meſtre und Treviſo. Landhäuſer. Treviſo. Botaniſcher und agrariſcher Garten. Um mich mit dem Betriebe der Landwirthſchaft in der näch⸗ ſten Umgebung der Hauptſtadt näher bekannt zu machen, erach⸗ tete ich es für zweckmäͤßig, einen Ausflug nach Treviſo zu ma⸗ chen. Ich fuhr zu dieſem Behufe in einer ſehr ſchönen Gondel heute Morgens nach Meſtre in 1 ½ Stunden, und von dort in einer Kutſche nach Treviſo, wo ich um 2 Uhr ankam. Der Canal, der von Venedig durch die Lagunen nach Mal⸗ ghera führt, iſt breit und gerade. Das Fahrwaſſer iſt auch durch Pflöcke bezeichnet. In Malghera vereinigen ſich mehrere ausgegrabene Canäle; der gerade ausgehende führt durch die Befeſtigungen nach Meſtre. Alle ſchiffbaren Zugänge der Stadt ſind mit Feſtungswerken verſehn; ſolche ſind z. B. hier, in Malamocco, Fuſine u. ſ. w. Dieſe Puncte ſtellen die Stadtthore vor. Hätte der Feind ein 4² 16. Mai. Meſtre. ſolches auch erbrochen, ſo hat er immer noch nur wenig gewon⸗ nen; denn nun findet er erſt in den großen und kleinen Kriegs⸗ ſchiffen, die in den Canälen aufgeſtellt und in den Batterien, die auf den kleinen, in den Lagunen zerſtreuten Inſeln ange— bracht ſind, eben ſo viele neue Feſtungen, die ſich ihm entgegen— ſtellen und alle ſeine thͤrichten Bemühungen vereiteln würden. Man hält Venedig für eine der wichtigſten Feſtungen, die mit Gewalt, ohne unermeßlichen Aufwand gar nicht und durch Hunger nur dann bezwungen werden kann, wenn eine mäͤchtige Flotte zur See und eine große Armee zu Lande, alle Zugange zu den Lagunen lange genug beſetzt halten könnten. In Malghera ſieht man ganz neue, große Caſernen. Es ſcheint, daß man dieſe Forts auch im Frieden bewachen will, was man früher überflüſſig fand. Von Malghera bis Meſtre war der Canal ſehr lebhaft. Eine Menge Gondeln und Barken fuhren hin und zurück. Auch trug zur Belebung des Canals der Umſtand bei, daß er an einigen Orten geräͤumt wird, was mit großen Löffeln geſchieht, die man gerade hinunter in den Boden ſtößt und womit man durch das Niederdrücken des Stiels über den Rand der Barke, auf der die Arbeiter ſtehen, den Schlamm des Untergrundes heraushebt. In Meſtre endet der Canal und man fährt nun auf einer breiten, ſchnurgeraden, praͤchtigen Straße landeinwärts. Der Ort iſt ſehr lebhaft, voll Wirths- und Gaſthaͤuſer; denn wer zu Lande kommt und nach Venedig will, muß hier der Umla— dung wegen verweilen, und wer mit eigenen Pferden reiſt, muß ſie hier laſſen, Meſtre liegt noch in der Niederung und die naächſte Umge⸗ bung iſt noch etwas ſumpfig; ſo wie man aber nur einige Schuhe höher ſich über das Meer erhebt, verlieren ſich die Sumpfpflan— zen aus den Feldern und das Land bekömmt allgemach ein la⸗ chendes Ausſehen. Man kann ſich kaum eine reizendere Fahrt denken, als von Meſtre nach Treviſo. Zu beiden Seiten der Straße ſieht man einen fruchtbaren guten Boden, viele ſchöne Vi de ſco und war M ma bey) Sta kirch nicht Port won⸗ iegs⸗ rien, ange⸗ hegen⸗ den. I, die durch ihtige gange . Es will, Eine trug nigen man h das der die ebt. einer Der n wer Umla⸗ „muß Umge⸗ Schuhe fpflan⸗ ein la— Fahrt ren der ſhone 16. Mai. Treviſo. 43 Wieſen, mit Reben eingefaßte Äcker, Baumreihen, die durch die Felder laufen, an denen Reben hinan gezogen ſind, mit ſchönem Weizen prunkende Acker und eine Menge der ſchönſten und geſchmackvollſten Landhauſer, die nicht ſelten Palläſte ſind. Alle dieſe Landhäuſer ſind mehr oder weniger mit großem Lu⸗ xus gebaut, haben Portale mit Statuen, Säulengaͤnge, Ziergär⸗ ten mit ſteinernen Figuren, Alleen und Bosquete, und was mir auffiel, alle waren mit einer Menge von Blitzableitern verſehen. Das Landhaus des Generals Bianchi liegt hart an der Straße zwiſchen Moglian und Preganziol; es hat ein ſehr freundliches Ausſehen, iſt zwei Stock hoch, ſcheint aber kei— nem venezianiſchen Großen gehört zu haben, weil es zu bür— gerlich ausſieht; dafür aber iſt das Landhaus des Conte Al— brizzi in einem grandioſen Styl gebaut, ein Modell von Pracht. Der nicht ſehr große Pallaſt hat zu beiden Seiten, jedoch in einiger Diſtanz von ihm, zwei in griechiſchem Geſchmack und mit einem auf ſteinernen Saͤulen ruhenden Porticus verſehene Wirthſchaftsgebäude, die ich für Preßhäuſer und Weinbehäͤlt⸗ niſſe hielt. Längs der Straße ſind drei Thore zum Eingange in den parkahnlichen Garten, die mit vielen Statuen verziert ſind. Zur Seite ſind Laubengaͤnge und rückwarts ragt ein Laubwald mit den höchſten Bäumen hervor. Der Weizen iſt in Ahren; allein der Mais hatte erſt eine Spanne Höhe, ward aber doch ſchon behackt. Manche Felder wurden erſt gepflügt, um noch mit Mais beſäet zu werden. Das Pflügen geſchieht mit ſechs Ochſen, haͤtte man hier einen zweck— mäßigern Pflug, ſo würden vier Ochſen mehr als genügen. Maulbeerbaͤume ſah ich nicht. Treviſo iſt eine große, weitläufige und auch ziemlich gut bevölkerte Stadt an der Sile, einem Bache, der durch die Stadt fließt und in derſelben einige Mühlen treibt. Die Dom— kirche mit fünf Kuppeln iſt ein großes, in ſeinem Innern, aber nicht in ſeinem Außern vollendetes Gebaude, denn es fehlt der Porticus, zu dem nur erſt die Poſtamente für zehn coloſſale 44 16. Mai. Treviſo. Saͤulen gelegt worden ſind. Da hier ein botaniſcher Garten ſich befindet, der mit einem agrariſchen in Verbindung ſteht, ſo be— eilte ich mich, letztern zu ſehen; allein meine Erwartung, ſo ge— ring ſie auch war, ward dennoch getäuſcht. Es iſt der botani⸗ ſche Garten eine Spielerei, mit 24 kleinen, mit Ziegeln einge— faßten Vierecken, in deren jedem etwa drei bis vier verſchiedene Pflanzen ſtehen, die zur gleichen Claſſe des Linneiſchen Syſtems gehören. Der übrige Garten enthält eine Menge exotiſcher Ge— wächſe, unter denen ſich ein Cactus auszeichnete, der vier ge— rade Stängel, 8—9 Fuß hoch in die Höhe trieb, mit einer Dicke von 5—6 Zoll. Oben an der Spitze hatte er kurze Aſte und wenige Blätter. Der ſogenannte agrariſche Garten iſt ein Gemüſegarten, den der Profeſſor auf ſeine Koſten, auf dem Walle der Stadt angelegt, mit Erde angefüllt und mit einer Mauer gegen die Stadt umgeben hat. Merkwürdig war mir der qußerſt üppige Wachsthum der Apfel und anderer Fruchtbäume in dieſem aus Bauſchutt und Gartenerde beſtehenden Boden. Ich ſah Apfel⸗ bäume, die vor acht Jahren geſaäͤet worden waren und jetzt 3 Fuß ober dem Boden 5 Zoll im Durchmeſſer hielten und ſchon zweimal Früchte getragen hatten. Da Treviſo weder ein Lyceum, noch eine mediciniſche, chirur⸗ giſche oder Apothekerſchule, weder eine botaniſche, noch eine Ackerbaugeſellſchaft hat, ſo begreife ich nicht, zu welchem Zwecke dieſe beiden Gaärten hier, als öffentliche Anſtalten, ſein ſol— len; übrigens iſt der agrariſche auch zu klein, als daß er zu was anderm, als zu einem Küchengarten verwendet werden kann, denn er enthält nicht ein halbes Joch. Abends war ich in einer Converſazione, wo man Karten ſpielte und den Damen und Herren, die bei der großen Hitze Durſt bekamen, wenn ſie es forderten, Waſſer ſervirte. Ni n ſch ſo be⸗ ſo ge⸗ otani⸗ einge⸗ hiedene yſtems er Ge⸗ iier ge⸗ einer e Aſſe garten, Stadt jen die üppige in aus Apfel⸗ 5 Fuß weimal „chirur⸗ och eine Zwecke in ſol⸗ zu was kann, Karten ze Duſt 17. Mai. Treviſo. 45 17. Mai. Wirthſchaft des Herrn Olivi, Maulbeercultur. Boden von Treviſo. Doſ⸗ ſon di San Lazzaro. Räubergeſchichte. Ich beſuchte in Geſellſchaft der Herren Zannin und Fer— retti die Beſitzung des⸗hieſigen Fiscaladjuncten Olivi, die aus 40 Campibeſteht, wovon er 5— 6 Campi, die zu einem Garten mit einer Pflanzſchule verwendet werden, ſelbſt bewirthſchaftet, die übrigen aber einem Colon alla metaà, d. h. um die Hälfte des geſammten rohen Ertrages, verpachtet hat. Die Familie die— ſes Colons beſteht aus zwei verheiratheten Brüdern mit ihren Kindern. Das Vieh, aus vier Ochſen und einigen Kälbern be— ſtehend, gehört dem Herrn, der auch die Hälfte des Samens hergibt. Ich fand den Weizen in der Blüthe, bloß Bartweizen; er ſtand dicht und war ſchön. Der Mais war zum Theile breit— würfig, zum Theile in Reihen geſäet, welches Letztere dadurch bewirkt wird, daß über dem gepflügten und geegten Acker mit einem kleinen Pfluge Furchen gezogen werden, in die man die Maiskörner, und zu denſelben den Dünger mit den Händen hin— zulegt, was man in Steiermark Grübeln nennt. Ich ſah hier etwas Luzerne und auch rothen Klee, doch des letztern viel zu wenig, um ein richtiges Verhältniß zwiſchen Getreidebau und Futterpflanzen herzuſtellen. Die Herren Olivi und Ferretti ſind in der Cultur der Maulbeerbäâume wohl unterrichtet, undich ſah hier eine ſehr gut unterhaltene Pflanzſchule dieſer Bäume, die dem Erſtern eine be— deutende Rente abwirft, da man allgemach in dieſer Gegend auf die Vortheile der Seidencultur alffmerkſam wird, und daher große Nachfrage nach Maulbeerbäumen iſt. Wie ſehr man dieſen Gegenſtand bisher vernachlaͤſſigt hatte, erhellet aus dem Umſtande, daß ich von Meſtre bis Treviſo keine Maulbeerbaume ſah, und daß Herr Ferretti ſich rühmt, vor we⸗ nigen Jahren das Pfropfen derſelben hier eingeführt zu haben. 46 17. Mai. Treviſo. Die Weinreben ſehen auf dieſer Beſitzung, ſo wie hier allent— halben, elend aus und ſind in einem anſcheinend vernachläͤſſig— ten Zuſtande; es mag ihnen aber auch der Schotterboden nicht zuſagen, in dem ſie gepflanzt ſind. Südlich von Treviſo gegen das Meer wird der Boden immer tiefer und beſſer, nördlich der Stadt aber immer ſchlechter; hier herum iſt die fruchtbare Schichte in einigen Ackern oft kaum 6 Zoll tief. Solcher Schotterboden iſt allenthalben in Ober-⸗Ita⸗ lien in der Naͤhe der Flüſſe und Wildbäche, die von den juliſchen Alpen gaͤh niederſtürzen und die von den Bergen weggeriſſenen Steine über die Ebene verbreiten. Vor der Stadt auf der Straße nach Friaul ſieht man meh— rere ſchöne und einige prächtige Landhäuſer und Palläͤſte; unter die letztern gehört der von Manfrin, der in einem ſchönen engli⸗ ſchen, mit hohen Baumen beſetzten Garten liegt; das Landhaus des Conte Ascanio, den die Sängerinn Billington in ihren alten Tagen heirathete, und dem ſie ihr großes Vermögen hinterließ, u. a. m. Bis hieher ſieht man noch immer die Wir— kungen des venezianiſchen Reichthums und guten Geſchmackes in den Gebaͤuden. Am Abend kam Herr Reali von Venedig und ich fuhr mit ihm, und einem Verwandten von ihm, der ſeine Frau und Tochter bei ſich hatte, auf ſein Landgut in Doſſon di SanLazzaro. Hier begegnete mir ein tragi⸗komiſches Ereigniß, das an und für ſich zwar geringfügig iſt und kaum der Mittheilung werth ware, wenn es nicht dazu diente, den Charakter der Italiener naͤher zu bezeichnen und das Überhandnehmen der Raͤuber in die⸗ ſem Lande zum Theile zu erklären. Es regnete und wir kamen erſt in der Nacht in Doſſon an. Wir ſchwätzten und es war 10 Uhr, als ich eine große Bewe⸗ gung in der Geſellſchaft, Zu- und Abgehen der Diener und ein Flüſtern mit dem Herrn wahrnahm. Als ich mich erkundigte, ob irgend ein Unfall ſich ereignet hätte, meldete mir der Haus⸗ herr mit blaſſem Geſichte, daß Rauber vor dem Thore ſeien und eing llent⸗ nicht immer r; hier kaum er⸗Ita⸗ liſchen ſſenen meh⸗ unter rengli⸗ dhaus on in nögen Wir⸗ kes in it ihm, hter bei zaro. an und gwerth taliener r in die⸗ ſſon afl. e Bewe⸗ und ein undigte/ Haut⸗ ien und 17. Mai. Treviſo. 47 einzudringen verſucht hätten. Auf mein Befragen, ob er deſſen gewiß ſei, ſagte er mir, daß ihm ein Diener ſo eben gemeldet habe, daß eine unbekannte Perſon bei der kleinen Thür, die von der Domeſtikenküche auf die Straße führt, habe eintreten wollen, und als er dieſe verſchloſſen fand, mit einem Fluche das Offnen derſelben gefordert habe. Der darin befindliche Haus⸗ bediente habe aber nicht geöffnet, ſondern ſogleich die Thür mit dem Riegel ſo feſt als möglich verſchloſſen. Als dieſer ſpäter zum Fenſter hinausgeblicket, habe er auf der Gaſſe acht bis zehn Män— ner beiſammen ſtehen geſehen. Ich ließ den Berichterſtatter kom— men und er erzaͤhlte mir daſſelbe. Nun frug ich den Hausherrn, wie viel wir Männer im Hauſe wäaren, und höͤrte zu meinem Troſte, daß wir unſerer wohl achtzehn ſeien; allein zu meinem Verdruſſe ſagte mir Reali, daß er außer zwei Piſtolen, keine Waffen im Hauſe habe, und noch unangenehmer war es mir, von ihm auf meine Frage: waser unter den gegebenen Umſtänden anzuordnen gedenke, zu hören, er glaube, daß es am beſten ſei, ruhig das Eindringen der Räuber abzuwarten, die uns am Leben nichts thun würden, wenn wir uns nicht wehrten, da es ihnen bloß um Geld zu thun ſei. Von den gleichen Geſinnungen war ſein Verwandter und ſein Verwalter. Dieſe ganze Verhandlung ward leiſe geſprochen, damit ſie die Räuber nicht hren, und es mir wahrſcheinlich nicht zum Verbrechen machen ſollten, von Ver— theidigung geſprochen zu haben. Alles, was zur Abhaltung der Raͤuber geſchah, beſtand darin, daß man die kleine Glocke der Haus⸗Capelle als Nothſignal läutete, und daß die Thüren und hölzernen Fenſterbalken verſchloſſen wurden. Da ich dieſe drei Männer nicht bewegen konnte, das Haus zu verlaſſen und ſich mit den Hausleuten und zufällig vorhandenen Taglöhnern und Maurern, die im anſtoßenden Wirthſchaftsgebäude ſich befan— den, zu vereinigen, um uns von der Gefahr zu überzeugen oder dieſelbe zu vertreiben, blieb mir nichts übrig, als ein Billet an den Delegaten in Treviſo zu ſchreiben und ihn zu bitten, uns einige Polizeiſoldaten zu Hülfe zu ſchicken. Es koſtete viele Mühe, 48 17. Mai. Treviſo. einen der Hausbedienten zu vermögen, dieſen Brief in die Stadt zu tragen, er entſchloß ſich nur erſt dann hiezu, als ihn noch drei andere dahin geleiteten. Das Laͤuten der Glocke, das leiſe Herumgehen in den Zim— mern der von Furcht und Angſt gepeinigten Hausbewohner, und das Schweigen und Harren auf den ſchrecklichen Augenblick des Angriffs, wurde mir mittlerweile unerträglich. Ich verließ die Geſellſchaft dieſer Haſenfüße und beredete den Wirthſchaftsverwal⸗ ter, mich zu begleiten, um zu ſehen, was außen vorgehe, wo unſere Leute ſich aufhalten und welche Vorkehrungen ſie für die gegenwaͤrtigen Umſtaͤnde getroffen haben. Außer dem Bellen des Hundes, der an der Kette lag und den ſich Niemand loszubin— den getraute, weil er zu wild ſei und einen einzigen Menſchen ausgenommen, alle übrigen, Fremde oder Hausleute, beißen wür⸗ de, hörte und ſah ich nichts in der finſtern Umgebung des Hau— ſes. Im Stalle waren fünf fremde Arbeiter und zwei Pferde— knechte vom Hauſe. Ich erkundigte mich um Jenen, der in der Küche geweſen, als die fremde Perſon in dieſelbe dringen wollte, und der dann die acht bis zehn fremden Maäͤnner auf der Gaſſe ge⸗ ſehen haben ſollte. Er war gegenwaͤrtig und erzaͤhlte mir über das Schlagen und Rütteln an der Thür, ſo wie über das Fluchen deſſen, der eintreten wollte, daſſelbe, was der andere Bediente geſagt hatte, allein von den acht bis zehn fremden Maͤnnern, die auf der Gaſſe beiſammen geſtanden waͤren, wußte weder er, noch irgend ein Anderer Etwas. Es war mir nun klar, daß hier ein blinder Lärme die Leute außer Faſſung gebracht und daß ſich wahrſcheinlich ein Vorbeigehender den Spaß gemacht hatte, ſie in Furcht zu jagen; allein es war unmöglich, den Leuten dieſe meine Anſicht wahrſcheinlich zu machen; ihre Köpfe waren durch Räubergeſchichten, die ſie ſich gegenſeitig erzählt hatten, ſo er— hitzt und ſie waren von der Nähe der Räuber ſo überzeugt, daß ich Keinen bewegen konnte, mir zu folgen, um eine Ronde rings um das Haus zu machen. Keiner dieſer Menſchen hatte ei⸗ nen Stock, eine Miſtgabel oder ſonſt eine Waffe zur Hand, und nen dieſe Vei deßr 1 Stadt n noch en Zim⸗ d, und blick des rließ die zverwal⸗ he, wo für die llen des szubin⸗ denſchen en wür⸗ es Hau⸗ Pferde⸗ in der wollte, Haſſe ge⸗ über das Fluchen Bediente unnern, eder er, daß hier daß ſic atte, ſie ten dieſe ren durc 1, ſo et⸗ ugt, daß Ronde hatte ei⸗ ind, und 18. Mai. Treviſo. 49 ich bin überzeugt, daß wenn ſich eine rauhe Stimme vor dem Hauſe haͤtte hören laſſen, alle dieſe ſieben Kerle ſich verſchloffen hätten, und daß ein einziger, entſchloſſener und bewaffneter Räuber das ganze Haus gebrandſchatzt hätte. Ich ging allein vor das Haus und hörte außer dem Laͤuten des Sturmglöckleins, das aber Niemanden zum Herbeikommen bewegte, und dem Bel⸗ len des Kettenhundes, gar nichts.— Obſchon ich vollkommen bei mir überzeugt war, daß die ganze Geſchichte ein blinder Lärm und daß keine Gefahr vorhanden ſei, ſo machte mich das Ge⸗ fühl, unbewaffnet zu ſein und ſich auf Niemanden zur Unter⸗ ſtützung verlaſſen zu können, dennoch ſehr mißmuthig, und ich würde in der Nacht allein zur Stadt zurückgekehrt ſein, wenn die Finſterniß, die grundloſen Straßen und die durch den Re⸗ gen ausgetretenen Bäche mich nicht hieran gehindert hätten. Um ein Uhr nach Mitternacht langte endlich eine Polizeiwache von fünf Mann an und alle Angſt hatte ein Ende. — 18. Mai. Wirthſchaftsrechnung der Beſitzungen Reali. Rückkehr nach Treviſo. Der geſtrige heftige Regen hat den Boden ganz erweicht, und es war unmöglich, auf den Feldern herumzugehen. Ich brachte aber die Zeit viel nützlicher zu Hauſe damit zu, Auszüge aus den Wirthſchaftsrechnungen zu machen, die hier mit kauf— männiſcher Genauigkeit und Ordnung gepflogen werden, und die mir über den Capitalwerth der vielen Güter dieſes Hauſes, über den Ertrag der Pachtungen, über den Zuſtand der Colo— nen u. ſ. w. vollkommene Belehrung gewährten. Nach Tiſche fuhr ich zur Stadt zurück, wo das Abenteuer dieſer Nacht indeſſen zum allgemeinen Geſpräch geworden war. Weil aber die meiſten Menſchen nur die Veranlaſſung wußten, weßwegen ich mir Hülfe vom Delegaten erbeten hatte, nicht aber, I. 4 50 19. Mai. Treviſo. daß ſie völlig unnöthig war, ſo wünſchten mir viele Glück, ſo großer Gefahr entgangen zu ſein. Es war Sonntag, undich beſuchte den öffentlichen Spazier⸗ gang vor dem Thore San Tomaſo, wo die ſchöne Welt ſich verſammelt. Es waren ziemlich viele Leute da, mehrere artig gekleidete, aber ganz und gar nicht geputzte Frauenzimmer. 19. Mai. Ausſicht von den! Wällen der Stadt Treviſo. Kopfputz der Frauen. Kirche San Nicolo. Aufwand für öffentliche Bauten. Einbringung der Grund⸗ und Kopfſteuer. Menge der Landſitze in der Nähe von Vene⸗ dig. Beſitzer derſelben.. Die Umgebung von Treviſo, von den weitläufigen Wallen der Feſtungswerke beſehen, iſt eine reizende Landſchaft. Es iſt Dorf an Dorf, und Landhaus an Landhaus rings herum, und bis zu dem Fuße der Berge, die etwa drei Stunden von hier entfernt ſind. Die Stadt ſelbſt iſt ſehr groß, hat breite Straßen, größtentheils moderne Häuſer, in einem guten, bau— lichen Zuſtande. Der Kopfputz der bürgerlichen Frauen gefällt mir ſehr. Die Haare ſind in Flechten gelegt, und mit einem Kamme befeſtigt. In den Haaren ſtecken einige Nelken oder Roſen, und an der ditte des Kopfs iſt ein ſchwarzſeidner Schleier befeſtigt, der nach hinten und zu beiden Seiten über die Schultern herabhängt. Gemeine Weiber bedecken in Venedig und hier den Kopf mit weißen Tüchern, und verhüllen damit den Hals und die Bruſt, wodurch ſie ein geſpenſterartiges Ausſehen bekommen. In den Städten längs der Küſte von Iſtrien ſind es ſchwarze Tücher, womit ſie ſich verhüllen, was noch häßlicher ausſieht. Die Kirche San Nicolo iſt die größte hier. Die innern Wande ſind noch nicht verputzt, dafür aber mit großen Gemäl⸗ den behangen. Hinter dem Hauptaltar iſt ein ſehr berühmtes lick, ſo Spaßier⸗ delt ſich de artig mer. . Kirche zung der en Pene⸗ Vallen Es iſt erum, en von breite 1, bau⸗ hr. Die xeſtigt. an der gt, der hängt. opf mit Bruſt, In den Tücher/ innern Gemal⸗ ühmtes 19. Mai. Treviſo. 51 Blatt: Maria in Geſellſchaft von ſechs Heiligen; zu ihren Füßen ſpielt ein kleiner Engel die Laute. Ich habe den Namen des Meiſters vergeſſen: wenn ich nicht irre, iſt es von Bellino. Es gibt keine Mönche mehr hier. Zur Zeit der Republik be⸗ ſtanden aber zehn Klöſter. Die Koſten, welche die Regierung für die öffentlichen Bau⸗ ten dieſer Provinz jährlich ausgibt, betragen im Durchſchnitte der letzteren Jahre 60,000 Gulden. Der größte Theil dieſer Summe wird für Schutzwehren an der Piave und andern Flüſ⸗ ſen ausgegeben. Über die Berechnung und Umlage der directen Steuern auf die einzelnen Gemeinden der Provinzwurden mir hier, mit der größten Bereitwilligkeit, alle erforderlichen Aufklaͤrungen mitge— theilt. Nebenbei erzählte man mir, daß man die Grundſteuer mit Leichtigkeit einbringe, weil ſie die Grundeigenthümer zah— len; daß man aber die Kopfſteuer, welche die Coloni ſelbſt zu zahlen haben, faſt immer mit Zwang und nicht ſelten mit Pfän— dung einbringen müſſe. Ein überzeugender Beweis der Armuth dieſer Claſſe Menſchen, die auch aus dem Wirthſchaftsregiſter des Herrn Reali erhellte, wie ich bei einer andern Gelegenheit naͤher angeben werde. Am Abend fuhr ich wieder nach Venedig zurück, wohin ich in 4 ½ Stunden gelangte. Der Anblick des ſchoͤnen Landes, der praͤchtigen Landhäuſer, des lebhaften Treibens der Menſchen in Meſtre, die Überfahrt über die Lagunen, und die maleriſche Anſicht der im Meere aufgebauten großen Stadt, mit ihren Hunderten von Thürmen, vergüteten mir allen Verdruß, den ich in der vorhergehenden Nacht erlitten hatte. Die ſchönſten Landhäuſer, die zwiſchen Treviſo und Venedig liegen, gehörten meiſtens dem Adel von Venedig, und ſind noch größtentheils ſein Eigenthum. Da man in Italien nicht Herr— ſchaften, ſondern nur Grundſtücke beſitzt, die nicht für eigene Rechnung, ſondern von den Colonen bearbeitet werden, und es 4* 82 19. Mai. Venedig. in dieſem Lande Sitte iſt, daß Jene, welche zur höheren Claſſe gezählt werden, den größten Theil des Jahres in ih⸗ rem Pallaſte in der Stadt, und nur einen kleinen Theil deſſel— ben auf dem Lande wohnen, ſo haben die Meiſten ſich Land— ſitze gebauet, in deren Naͤhe oft nur wenige ihnen zugehörige Grundſtücke liegen, um da einige Wochen im Herbſte zuzu⸗ bringen. Die Landſitze der Venezianer ſind an den Straßen von Ve— nedig nach Treviſo, und von Venedig nach Padua angehäuft, ganz nahe der Stadt, um in dieſelbe in wenigen Stunden rückkehren zu knnen, wenn es die Geſchafte erheiſchten. Jetzt, wo die Beſitzer der Landgüter nicht mehr Schaͤtze, die durch den Handel und durch Staatsamter erworben wurden, auf Landhaͤuſer verwenden können, und wo die bedeutende Grund— ſteuer einen großen Theil des Einkommens wegnimmt, wird man keine neuen Pallaͤſte entſtehen, ja vielmehr einige äl— tere, ſehr große, vielleicht zu Grunde gehen ſehen, deren Erhal— tung die Kraͤfte der gegenwartigen Beſitzer überſteigt; allein die übrigen werden fortbeſtehen; ja wahrſcheinlich mit mehreren neuen, wenn gleich minder grandioſen, vermehrt werden; denn es geht allgemach das Grundeigenthum aus den Händen des al⸗ ten Adels in jene der Bürger, Kaufleute, Spekulanten, Fa— brikanten, Beamten u. ſ. w. über, die, mehr aufſichtig auf ih— ren Vortheil, größern Nutzen von ihren Landgütern ziehen, als der Adel, und gleich dieſem, ihren Luxus ebenfalls in Gebaͤude ſetzen: ein Luxus, der mir ſehr gefaͤllt, weil der Genuß dieſes Vergnügens nicht vorübergehend, ſondern dauernd iſt, der Werth des Bodens bleibend dadurch erhöht wird, und ein ſchönes Ge— bäude der ganzen Gegend zur Zierde dient. Meine Geſchäfte ſind geendet. Abſchiedsviſiten. —— höheren in ih⸗ deſſel⸗ Land⸗ gehorige ſe zuzu⸗ von Pe⸗ gehauft, Stunden tze, die en, auf Grund⸗ „ wird ge al⸗ Erhal⸗ ein die ehreren a; denn des al⸗ n, Fa⸗ auf ih⸗ n, als hebaude z dieſes Werth nes Ge⸗ 20. Mai. Venedig. 5³ 20. Mai. Freundliche und gefällige Menſchen in Venedig. Angenehmer Aufenthalt in dieſer Stadt. Warum man in Italien erſt im Herbſte auf das Land geht. Venezianiſcher Dialect.. Ich habe das Glück gehabt, ſehr viele gefällige und wohl unterrichtete Menſchen hier anzutreffen, die mir mit der größten Bereitwilligkeit alle jene Aufklärungen gaben oder verſchafften, die nur immer zu ihrem Gebote ſtanden. Auch geſiel mir das Leben in dieſer Stadt; die Gemächlichkeit mit den Gondeln, kein Raſſeln der Wagen, kein Geißeln der Thiere, mäßige Preiſe aller Gegenſtande, die zur Nothwendigkeit des Lebens oder zum Überfluß gehören, und was die Hauptſache iſt, freundliche und gefällige Menſchen. Indeſſen möchte ich das ganze Jahr dennoch nicht in Venedig leben, und nur jene Monate da zu⸗ bringen, wo die Felder keinen fröhlichen Anblick gewähren. Der Nordländer geht im Sommer aufs Land; der reiche Italiener erſt nach dem Sommer, weil die Ernte des Winterweizens ſchon in der Mitte des Juni eintritt, und dann durch die Dürre des Sommers das ſchöne Grün der natürlichen Wieſen verſchwindet und erſt Anfangs September wieder zum Vorſchein kommt, um welche Zeit man in dieſem Lande auf das Land zieht. Ich würde aber zweimal dahin gehen, und den Mai und Juni, und dann den September und October da zubringen. Der venezianiſche Dialect ſcheint mir von allen Mundarten der italieniſchen Sprache der angenehmſte, beſt tönende, und für den Nicht-Venezianer leichteſt verſtandliche zu ſein. Er iſt weich, kürzt die langen Wörter ab, und vermeidet die Ziſch— laute. Die letzte Silbe des Participio wird immer wegge⸗ laſſen; ſtatt troncato, ſprich: troncà; battuto, battù; ſtatt ce kommt ghe; ſtatt cene sono, ſprich: ghenese; ſtatt Piaz- za, Piasa; doch wird ch zu Anfang eines Haupt⸗ oder Beiwor⸗ tes immer als Ziſchlaut ausgeſprochen: Chiesa, wie Ciesa; 54 21. Mai. Venedig. Chiaro, wie Ciaro. In den Luſtſpielen von Goldoni kann man die Verſchiedenheit des Reinitalieniſchen vom Venezianiſchen er— h ſehen, denn da ſpricht immer eine oder die andere Perſon vene⸗ zianiſch, Truffaldino aber immer bergamaskiſch, wahrſchein⸗ V lich weil dieſe Mundart in den Ohren eines Venezianers beſon⸗ V ders lächerlich klingt. Wenn ich mich länger bei der Beſchreibung deſſen, was mir in Venedig merkwürdig ſchien, aufgehalten habe, als es dem Zwecke des vorliegenden Werkes vielleicht zukommt; ſo hoffe ich Nachſicht, indem ich glaube, daß Niemand, der irgend eines noch ſo ernſten Geſchaͤftes wegen nach Venedig kommt, die Merk— b würdigkeiten dieſer berühmten, und in ihrer Art einzigen Stadt zu beſehen unterlaſſen wird, ſo wie es Niemanden unangenehm ſein kann, wenn man ihm erzaͤhlt, was uns da vorzüglich gefiel, wenn es ihm auch von Andern beſſer und gründlicher ſchon mit— getheilt worden iſt. Üüberdieß iſt meine Beſchreibung ja nur eine flüchtig entworfene Skizze, die ich in den Ruheſtunden meiner V Geſchäfte entwarf; ſie macht keinen Anſpruch auf Vollkommen⸗ h heit, zu der ich weder Zeit noch genügende Vorkenntniſſe gehabt hätte. — 21. Mai. Abreiſe von Venedig. Schleuſen in der Brenta. Landhäuſer längs der Brenta. Canal, welcher die Brenta durchquert. Mira. Luſtſchloß Stra. Durchbruch des Dammes der Brenta. Italieniſche Ackercultur. Boden⸗ güte in der Nähe von Padua. V Morgens 72 Uhr fuhr ich in einer Gondel nach Dolo. Der Tag war ſchön, die Luft friſch, heiter. Noch einmal ſah ich die Pallaͤſte längs des Canal grande und Canaregio, fuhr dann über die Lagunen bei San Gi orgio in Allega vorbei nach Fucine, wo ſich die Brenta mündet, in der man aufwarts bis Padua fahren kann. Nicht weit von Fucine, bei Maranzan, iſt die erſte Schleuſe, in man hen er⸗ vene⸗ rſchein⸗ zbeſon⸗ vas mir es dem offe ich es noch Merk⸗ Stadt genehm gefiel, n mit⸗ r eine geiner mmen⸗ gehabt nas der Stra. Boden⸗ o. Der ich die r dann bei nach ufwarts hleuſe/ 21. Mai. Die Schleuſen der Brenta. 55 (die Venezianer nennen eine Schleuſe Porta, die Lombar⸗ den nennen ſie Concha), wo das Waſſer innerhalb der zwei Thore etwa 3 Fuß hoch geſtauet wird. Eine zweite Schleuſe iſt in der Nähe von Mira. Dieſe zwei Schleuſen ſind, nach dem Berichte der Schrift⸗ ſteller(Nuova raccolta d' autori che trattano del moto dell'* acqua. Parma 1768. Vol. V. p. 359. Dann Zendrini, sopra l' acqua corrente. Cap. X.), die erſten geweſen, die man in Eu⸗ ropa errichtete. Sie wurden im Jahre 1431 von den Brüdern Dioniſio und Pietro Domenico von Viterbo errichtet. Belidor meint zwar, die Schleuſen ſeien von Hollandern er— funden worden, und Giulini in ſeiner Storia di Milano, B. XII., S. 352, führt Stellen aus älteren Schriften an, zu— folge welchen ſchon im Jahre 1420 der»Machinarum, quas Conchas appellant« Erwahnung gemacht wird; allein ich halte dafür, daß ſo große Werke, wie Schleuſen, die nur in ſchiffba⸗ ren Canälen und Flüſſen errichtet werden, nicht unbekannt hät⸗ ten bleiben können, wenn ſie vor dem Jahre 1481 irgendwo be⸗ ſtanden hätten, und glaube, daß die Lombarden ſich die Ehre der Erfindung nicht würden haben nehmen laſſen, wenn nicht vor dem Jahre 1497, wo Leonardo da Vineci die Schleuſen in Mailand baute, um die beiden Canäle: Naviglio grande und Martiſana zu verbinden, ſchon irgendwo in dieſem Lande welche beſtanden hätten. Die Conche des Giulini werden wohl nur Bewäͤſſerungsſchleuſen, Schwellthore ſein, um das Waſſer aus den großen Canälen in die kleineren zu lei⸗ ten, oder um es auf den Wieſen zu vertheilen. Bis zum Dorfe al Botteg hin ſind die Ufer flach; das Land noch etwas ſumpfig und ſchlecht bebauet, mit ſparſam zerſtreuten kleinen, viereckigen, mit Stroh gedeckten Hütten für die Co⸗ loni. Nun fangen aber an allgemach Landhäuſer zu erſcheinen, unter denen ſich das, welches der Familie Foscari gehört, auszeichnet. Es iſt im gothiſchen Geſchmacke gebaut, mit einem ſchönen Porticus mit ſechs Saulen, ſteht aber leer und verfällt, 56 21. Mai. Mira. gleich dem Pallaſte, den die Foscari in Venedig am Canal grande haben. Dieſe Familie, deren Glieder in vergangenen Jahrhunderten Dogen waren, iſt ganz verarmt, ſo daß einer der⸗ ſelben in Iſtrien als Salzaufſeher lebt. Bei dem Dorfe Gambarer fangen die Landhauſer an häͤu⸗ figer zu werden. Bei Oriago iſt der ſchöne Pallaſt Valmo⸗ rana. So wie man ſich Mira nähert, bilden die Landhäuſer und Pallaͤſte eine anhaltende Linie, und gewähren nach einer Länge von mehr als einer halben Stunde das Bild einer Stadt. Hier wetteiferten die Großen und Reichen von Venedig ſich an Größe, Geſchmack und Auszierung der Landhäuſer zu überbie— ten. Steinerne, große und kleine Statuen, faſt immer mytho— logiſche Figuren, waren in jener Periode vorzüglich Mode, und ſind an den Thoren und Einfaſſungsmauern der Höfe und Gaͤrten, ſo wie an den Hauſern ſelbſt überall, oft mit großer Verſchwendung, angebracht: und wenn der Garten noch ſo klein und unanſehnlich iſt, ſo findet man doch Statuen darin aufge— ſtellt. Manchmal bilden ſie einen ſeltſamen Contraſt: ſo ſah ich auf den beiden Seiten eines Seitenthors eines Landhauſes Jupiter von der einen, und Juno von der andern Seite, die letztere halb nackt; und 2 Klafter davon, in gleicher Linie, über dem Thore einer kleinen Capelle die Aufſchrift: In honorem divinae Virginis dolentis. Gleich ober Mira iſt zur Ableitung der Brenta ein gerader, großer Canal bis Chioggia ausgegraben, durch welchen der größte Theil des Waſſers dieſes Fluſſes den Lagunen entzogen wird, um das Verſchlammen deſſelben möglichſt zu verhüten. Er fängt bei Mirano an, durchſchneidet bei Mira die Brenta, und geht längs des Sumpflandes von Mira 10 Miglia gerade gegen Süden, worauf er ſich gegen Weſten beugt, und durch andere Wäſſer verſtärkt nach Chioggia führt. In Mira, wo meine Gondoliere etwas Erfriſchung zu ſich nahmen, überfiel mich ein Haufen ungeſtümer Pferdevermiether, die mich ſo lange bearbeiteten, bis ich mit einem contrahirte, gene Hiu iber dihe nach Mi bis: land End doype Nadu Canal angenen ner der⸗ an häͤu⸗ halm ⸗ dhauſer ch einer Stadt. dig ſich berbie⸗ mytho⸗ 2, und fe und großer klein ufge⸗ o ſah zauſes he, die , über norem rader, en der zogen puten. renta, gerade durch zu ſch ether, hirte, 21. Mai. Stra. 57 der mich in Dolo erwarten, und von da nach Padua führen ſollte. Als der Handel abgeſchloſſen war, meldeten ſich zwei der Herumſtehenden und Mitredenden, und baten mich um ein Trink⸗ geld, weil ſie zur Schlichtung des Vertrags behülflich geweſen waren. Ich wunderte mich zwar ſehr über dieſe mir fremde Art von Mäacklern, ward aber leichten Preiſes ihrer los. Stra iſt ein kaiſerliches Luſtſchloß an der Brenta. Der Vice⸗ könig verweilt hier jährlich einige Wochen. Es gehörte früher den Piſani, die es an Napoleon verkauften. Der Garten iſt nicht ſehr groß, hat nur 47 Campi= 31 ½ Joch, iſt in altfranzöſi⸗ ſchem Geſchmacke, mit vielen Statuen, breiten geraden Gängen und Alleen angelegt. Die Glashäuſer ſind klein, aber artig und ziemlich tief. Hier fand ich die reichſte Sammlung der verſchie⸗ denen Arten von Limonien und Pomeranzen; es ſollen deren bei hundert da ſein. Am Ende des Gartens iſt der maſſiv und pracht⸗ voll gebaute Stall für Pferde mit einer Platforme, von der man Venedig, Padua, und alles Land zwiſchen dem Meere und den Alpen überſieht. In einem völlig ebenen Lande, wie die hieſige Gegend iſt, genügt es, 6 Klafter hoch zu ſteigen, um eine weite Überſicht zu erhalten. Gleich unter Straà ſah ich am rechten Ufer der Brenta die neue Eindammung dieſes Fluſſes. Hier brach er im vergan⸗ genen Jahre durch, und ſetzte 30,000 Campi Felder, und viele Häuſer unter Waſſer. Das Waſſer der Brenta ſtieg damals über den Damm und wahrſcheinlich rührt die Zerſtörung der Ein— deichung öfter davon her, daß das Waſſer des hoch aufgeſchwol⸗ lenen und reißenden Fluſſes die Erde des Dammes von oben nach abwärts wegreißt, als daß es die Waͤnde deſſelben in der Mitte durchbricht. Der Spiegel der Brenta war jetzt etwa 1 bis 2 Fuß höher als der Horizont des danebenliegenden Acker⸗ laändes; die Daͤmme ſind 4 Klafter hoch, und haben am obern Ende eine Breite von 3 Klaftern; an der Baſis ſind ſie wohl doppelt ſo breit. Von der Schleuſe bei Mira iſt dieſer Fluß bis Padua eingedammt. 58 22. Mai. Padua. Bei Stra verlaͤßt man die Brenta, und faͤhrt durch bebau⸗ tes Land gerade nach Padua. Zu beiden Seiten der Straßen iſt Ackerland mit Mais und Weizen abwechſelnd beſaͤet, und mit Reihen von Nußbäumen beſetzt, an deren Fuß Weinſtöcke gepflanzt ſind, deren Reben von einem Baume zum andern ge— zogen werden, ſo daß die Trauben ober der Getreidfrucht zu hängen kommen. Dieß iſt die in Italien allgemein übliche Methode, die Acker zu benützen. Sie iſt, was die Rebencultur in den Ackern be— trifft, uralt, und Cato und Varro beſchreiben ſie, wie ſie noch gegenwaͤrtig iſt; was aber die Getreidfruchte betrifft, ſo kannten die Alten den Mais nicht, und der Weizen wechſelte mit Hirſe, Gerſte und Hafer. Der Boden dieſer Gegend iſt von vorzüglicher Güte; er iſt das Ergebniß der Aufſchwemmung eines immer trüben, ſchlamm— führenden Fluſſes. Die fruchtbare Erdſchichte iſt mehrere Klaf⸗ ter tief, ohne Stein, dunkelfarbig und ziemlich ſtark bündig, ſo daß man in den AÄckern bei der Brücke an der Brenta Ziegel macht. Von der Güte des Bodens und dem glücklichen Clima gibt die Allee von Pappelbäumen vor der Stadt einen Beweis. Dieſe Baͤume wurden vor vier und fünf Jahren gepflanzt, und haben jetzt einen Durchmeſſer von 8 Zoll und eine Höhe von 8 Klaftern. Es iſt Schade, daß dieſer herrliche Boden nicht beſſer culti— virt iſt. Der Weizen ſtand ſchlechter als mittelmäßig, und die Reben, die langs der Ackerränder gepflanzt ſind, waren nicht behackt. — 22. Mai. Padua. Univerſität. Kirche des heiligen Anton. Kirche der heiligen Ju⸗ ſtina. Orto agrario. Padua iſt uralt, und an ſeinen Namen haͤngen ſich viele hiſtoriſche Erinnerungen. Seine Univerſität war einſt die be⸗ rühn ſach. men, was deut ſein gen vol der Pen ſt 9 ter tretel it ln nenr dar wen nur tiſt fide ten ij 6 g arn werd Kird men nedi geger haut. fehlen bebau⸗ btraßen t, und einſtocke dern ge⸗ rucht zu ie Acker ern be⸗ wie ſie fft, ſo ſechſelte ; er iſt lamm⸗ Klaf⸗ undig, Jiegel na gibt .Dieſe dhaben ftern. culti⸗ nd die nicht igen Ju⸗ 1 viele die be⸗ 22. Mai. Padua. 59 rühmteſte Schule für Arzte, und ward von Deutſchen häufig be⸗ ſucht. Jetzt iſt ſie es nicht mehr; und wenn Deutſche hieher kom⸗ men, ſo geſchieht es nur, um ſich zu Doctoren ernennen zu laſſen, was hier mit weniger Umſtänden verbunden iſt, als auf den deutſchen öſterreichiſchen Univerſitäten. Hier kann man ſicher ſein, den Doetorhut binnen drei bis vier Monaten zu erlan⸗ gen, wozu man auf den deutſchen Univerſitäten mindeſtens ein volles Jahr braucht; auch hat man hier kein Beiſpiel, daß ein Candidat waͤre rejicirt geworden, was in Deutſchland nicht ſel— ten geſchieht. Die Kirche del Santo, denn ſo heißt per eccellenza der heil. Anton von Padua, itt, gleich ſo vielen Kirchen in Venedig, eine Gallerie von Denkmalen und Kunſtarbeiten. Sie iſt größer, als ſie beim Eintritt zu ſein ſcheint, weil der Chor hin⸗ ter dem Haudtaltar und die Capelle hinter dem Chor den Ein⸗ tretenden nicht ſichtlich ſind. Die Capelle des heiligen Antonius iſt links zur Seite, faſt in der Mitte der Kirche. Immer bren⸗ nen viele Kerzen am Altar und um ein Uhr Nachmittags ſah ich da und an andern Seitenaltaͤxen noch immer Meſſe leſen; denn es werden von den Glaͤubigen ſo viele Meſſen hier gezahlt, daß nicht nur die zahlreiche Prieſterſchaft von Padua ſich damit beſchäf— tigt, ſondern daß man auch noch auswärtige Geiſtliche mit Meß⸗ ſtipendien betheilt. Am Altar des Heiligen brannten dicke Ker— zen in ſechs großen ſilbernen Leuchtern und ein großes vergolde⸗ tes Kreuz ſtand in der Mitte zwiſchen den Lichtern. Die ſchönen marmornen Basreliefs, welche die Waͤnde dieſer Capelle zieren, werden als Meiſterwerke dieſer Art geachtet. Das Dach dieſer Kirche mit ſeinen fünf Kuppeln und vielen andern kleinen Thür⸗ men, hat ein ſeltſames, orientaliſches Ausſehen. Die Kirche der heiligen Juſtina ward vom Senate in Ve⸗ nedig, zum Danke für die gewonnene Seeſchlacht bei Lepanto gegen die Türken am Tage dieſer Heiligen im Jahre 1571, ge⸗ baut. Sie hat auch fünf Kuppeln, iſt einfach, zierdelos und es fehlen in derſelben in einigen Seitenabtheilungen noch Altäre. 560 22. Mai. Padua. Dieſe Kirche iſt am Prato di Valle, einem großen Platze, in deſſen Mitte ein öffentlicher Spaziergang angebracht iſt, den die marmornen Statuen berühmter Paduaner, eine bedeutende Zahl von Helden, Gelehrten, Paͤpſten und Biſchö— fen, zieren. Für einen Landwirth ſollte der hieſige agrariſche Garten von beſonderer Wichtigkeit ſein. Ich hatte ihn zwar ſchon vor 22 Jah— ren geſehen, als ich dieſe Gegenden bereiſte, um Materialien für die Naturgeſchichte und Cultur des Mais zu ſammeln, und hatte damals nichts gefunden, was mir ihn beachtenswerth gemacht hätte; allein ſeit dieſer Zeit war eine lange Reihe von Jahren vorübergegangen und eine große Veraͤnderung nicht nur in der Politik, ſondern auch in der Agricultur der Völker eingetreten. Ich hoffte, daß dieſe hier merklich ſein würde, irrte mich aber gröblich, denn der Garten war ſo vernachläͤſſigt, daß man Mühe haben würde es zu glauben, wenn ich ein Detail der Beſchrei— bung liefern wollte. Es ſcheint nicht, daß der Director dieſes Gartens, der zugleich ordentlicher öffentlicher Lehrer der Land— wirthſchaft an der hieſigen Univerſität iſt, die Reiſebeſchreibung meines erlauchten Vorgängers, Arthur Young, geleſen hat, ſenſthätte er, nothwendig dadurch aufgeregt, eine Anderung in ſeinem Syſtem, den Garten zu bewirthſchaften, einführen müſ⸗ ſen. YVoung ſagt:(Reiſe durch Frankreich und einen Theil von Italien in den Jahren 1787—1790. Deutſche Überſetzung. Ber⸗ lin 1793. 1. Bd. S. 397.)»Ich beſuchte Herrn Arduino,« (denſelben, den ich im J. 1806 und im J. 1823 antraf)»der auf »einem von dem Staate bewilligten Meierhofe, oder vielmehr »in einem Garten von 12 Acres«(er hat 14 Campi= 9,“ Joch, wovon aber 3 Campi einem Juden gehören und nur zeitlich von ihm gepachtet ſind, wofür man jenem 33 Gulden Pacht zah⸗ len muß)»Verſuche im Ackerbau anſtellt. Man hatte mir von die— »ſem ökonomiſchen Garten und von der großen Menge nützlicher »Verſuche, die darin gemacht worden, viel erzählt, wirklich ſo »viel, daß es auf meinen Reiſeplan großen Einfluß hatte. Ve⸗ ——— großen gebracht r, eine alien für ind hatte gemacht Jahren t in der getreten. ich aber Mühe eſchrei⸗ dieſes Land⸗ eidung en hat, reung in en müſ⸗ eil von h Ber⸗ ino,« er auf nelmehr „Joch, zeitlic cht za⸗ von dle⸗ uzliher liih ſo 4. Pe⸗ 22. Mai. Padua. 61 »„nedig war nicht das Ziel meiner Reiſe, und nahm ich Padua „mit, ſo hatte ich keine Zeit für die pontiniſchen Sümpfe und »Rom, wohin ich auf dem geraden Wege von Mailand hätte „kommen können. Aber ein zu Verſuchen beſtimmter Ackerhof »— wie man verſicherte, der erſte in Europa, der über verſchiedene »wichtige Fragen Licht gegeben härte— war ein Gegenſtand, »den ich, als ein reiſender Landwirth, jeder Stadt vorziehen »„mußte, und ich faßte meinen Entſchluß dem gemäß.« —„»Ich traf Herrn Arduino unſerer Abrede gemäͤß an, und ver zeigte mir den Experimental-Ackerhof, wie er genannt wer— „den ſollte, denn er iſt Profeſſor des practiſchen Ackerbaues auf »dieſer berühmten Univerſität. Was ich hier ſah„ will ich nicht „umſtändlich beſchreiben. Ich machte dem Profeſſor meine Ver⸗ »beugung und dachte mir, daß ſeine Verſuche wohleben nicht ver— »dienten, ihretwegen die Hauptſtadt der Welt unbeſucht zu laſſen. »Wenn ich meinem Vorſatze treu bleibe, ſo wird dieß der letzte „ökonomiſche Garten ſein, dem ich zu nahe komme.« Auch mir bleibt nichts übrig, als zu beklagen, daß dieß agra⸗ riſche Inſtitut der Wiſſenſchaft nicht den geringſten Vortheil ge— bracht hat, und als Muſterwirthſchaft wohl im negativen, nicht aber im poſitiven Sinne gelten kann. Die Bewirthſchaftung die— ſes Gartens entſpricht eben ſo wenig den wiſſenſchaftlichen, als den induſtriellen Forderungen. Comparative Verſuche, das ein— zige Mittel, die Wiſſenſchaft zu fördern und ſie auf feſte Grund— ſätze zurückzuführen, wurden hier nie gemacht; eine beſſere Cul— tur der gemeinüblichen Acker- und Gartenfrüchte wurde hier nie gezeigt, und alles iſt in einem ſo vernachläſſigten Zuſtande, daß man ſich billig wundern muß, wie man einer ſolchen Wirthſchaft 34 Jahre lang zuſehen konnte. Ein großer Theil des Raums die— ſes ohnehin beengten Gartens iſt mit unnützen Bäumen, mit ſchlecht cultivirtem Mais und gemeinem Weizen beſäet, und die Weinreben ſind in einem ſo verwilderten Zuſtande, daß ich mich nicht erinnere, ſie irgendwo ſchlechter geſehen zu haben. Ich ſah keine Pflanzſchule für Obſt⸗, Maulbeer⸗ und Olbaume, noch für 6² 22. Mai. Padua. Weinreben: keine Luzerne, kein Trifol. incarnatum, keine Kar— toffeln, keine Drillſaaten von Mais, Erbſen, Bohnen, keinen Lein, Hanf u. ſ. w. Alles, was ich ſah, war außer dem bereits Angegebenen, ein Beet von etwa 100 Quadrat⸗Klaftern einer kläglich ausſehenden Esparſette; mehrere Beeten mit franzöſiſchem Raygras(Avena altissima), ein Beet mit engliſchem Raygras (Lolium perenne) und mehrere Beeten mit Solanum gui- nense, aus denen der Profeſſor eine blaue Farbe für eigene Rechnung zieht, welche Fabrication er aber als Geheimniß be— treibt. Auch ſah ich ein Paar Beeten voll Münzen(Mentha pi- perita), die er den Apothekern verkauft. Zur Zeit der Continen⸗ talſperre machte Herr Arduino Verſuche, aus dem Safte des Holcus caflfer Zucker zu erzeugen, die aber ſchlecht ausgefallen ſein müſſen, weil er ſie für eigene Rechnung fortzuſetzen nicht räthlich fand, obgleich die Regierung den ganzen Preß- und Koch⸗ apparat angeſchafft hatte, der noch vorhanden iſt. Außer einer unbrauchbaren Handmühle, ſah ich in dem zu Vorleſungen be— ſtimmten Gartenzimmer, kein Modell für irgend ein Ackerwerk— zeug, ſo wenig als einen Pflug oder eine Egge in der Zeug— kammer. Ich verließ voll Unmuth den Garten, in dem mich ein Ar— beiter herumgeführt hatte, da der Profeſſor ſelbſt ſich nicht wohl befand.. Die Stadt hat mehrere große Plaͤtze, mehrere ſchöne öffent— liche Gebäude, unter denen der Gemeindepallaſt, Palazzo di Giuſtizia, ſeines Saales wegen wohl das merkwürdigſte iſt. Ein längliches Viereck, das im erſten Stocke Zimmer hat, im zweiten aber bloß die vier Hauptwäͤnde, auf denen das mit Blei gedeckte Bohlendach ruht. Ein ſolcher Raum von 300 Fuß Laänge und 100 Fuß Breite, mag vielleicht in früheren Jahr⸗ hunderten, als Padua noch ein Freiſtaat war, einen Zweck ge⸗ habt haben; ſeitdem es Venedig einverleibt worden iſt, hat man ihn nur zu außerordentlichen Feierlichkeiten verwendet. Jetzt iſt er die Wohnung der Fledermaͤuſe, die den ungeheuren Raum mit Anſ te Kar⸗ keinen bereits einer dſiſchem Raygras m gri- eigene niß be⸗ tha pi⸗ ntinen⸗ fte des gefallen n nicht Koch⸗ einer een be⸗ rwerk⸗ Jeug⸗ ein Ar⸗ ht wohl öffent⸗ lazzo ürdigſte er hat, das wit 00 Sui n Jahe weck ge hatmman Jet iſt un mit 22. Mai. Padua. 63 einem unleidlichen Geſtank erfüllen, ſo, daß ich mich dieſer we⸗ gen dem Monumente des Titus Livius, der bekanntlich aus dieſer Stadt gebürtig war, gar nicht nähern konnte. Am un— tern Ende des Saals ſind die zwei egyptiſchen, von glänzendem Baſalt gearbeiteten Figuren aufgeſtellt, die der durch ſeine Rei— ſen und ſeine Körperkraft berühmte Belzoni ſeiner Vater— ſtadt zum Geſchenke machte. Man arbeitete in dieſem Saale an den Beſtandtheilen einer Kettenbrücke, die man in der Stadt über den Bacchiglione errichtet. Für mich hatte der Garten des Herrn Antonio Piazza einen großen Reiz. Er iſt zwar im altfranzöſiſchen Geſchmacke mit geraden, breiten Gängen, Statuen und Raſenparterren ange— legt; doch ſind auch viele ſchöne Baumparthien darin, wo man Schatten, Kühle und Ruhe findet. Eine Zierde dieſes Gartens, den der Eigenthümer ſeinen Mitbürgern geöffnet hat, iſt einer der alten Thürme der Ringmauer, in dem ſich drei übereinan— der liegende artige Cabinette befinden. Von dem flachen Dache dieſes Thurmes genießt man eine reizende Ausſicht in das flache Land und in die nahen euganeiſchen Berge. 23. Mai. Anſicht des Landes zwiſchen Padua und Vicenza. Erſtes Reißfeld. Euga⸗ neiſche Berge. Bodencultur um Vi cenza. Montebello. Tor⸗ renti. Straßen. Verona. Römiſches Amfitheater. Ich war zwar anfaͤnglich geſinnt, von hier nach Mailand in kurzen Stationen zu reiſen, um Zeit zu gewinnen, mir über Al— les, was zum Zwecke meiner Reiſe gehöͤrte, die erforderlichen Aufklarungen zu verſchaffen; allein ich änderte meinen Plan, als ſich mir ein angenehmer Geſellſchafter zur Begleitung dar— bot, wenn ich gleich abreiſen wollte. Ich zögerte keinen Augenblick dieſen Antrag anzunehmen; da ich ſpaͤterhin bei meiner Rückkehr Das nachholen konnte, was ich jetzt zur Seite ließ. Wir fuhren um 3 ½ Uhr Morgens von Padua ab, ſpei⸗ 64 23. Mai. Verona. ſten Mittags in Vicenza und kamen um 3 Uhr Abends in Verona an. Der Boden zwiſchen Padua und Vicenza iſt das Product der Ablagerung des Schlammes der Brenta und des Bacchiglio— ne, ein mäͤchtiges, tiefes Lager der vortrefflichſten Erdmiſchung, welches zweifelsohne in der Folge, wenn mehr Induſtrie und Auf— klärung in der hieſigen Gegend wird verbreitet ſein, die Haͤlfte mehr Ertrag abwerfen wird, als gegenwärtig, wo Mangel an Kennt⸗ niſſen und Unternehmungsgeiſt allenthalben ſichtlich ſind. Man fährt fortwährend zwiſchen berebtem Ackerlande, in dem man die Reben auf Nußbäume zieht, die durch die Größe des Schattens, den ſie über die Felder und die Reben ſelbſt verbreiten, der Ge— treideerzeugung und der Güte des Weines großen Abbruch ver— urſachen. Wenn auch der Weizen weniger dadurch leidet, weil er ſo früh im Jahre ſchon zeitigt, und überhaupt nicht ſehr viele Wärme bedarf, ſo iſt dafür der Nachtheil beim Mais deſto fühlbarer, wo von man ſich durch das Ausſehen der Felder beim erſten Anblick über⸗ zeugen konnte.— Wenig Klee. Die Hütten der armen Taglöhner ſind ſo elend, wie jene, die ich zwiſchen Fucine und Padua ſah. Südlich von der Straße ſah ich das Reißfeld wieder, das ſchon vor 22 Jahren meine Aufmerkſamkeit auf ſich gezogen hatte. Man war gerade beſchäftigt, es zu jaͤten, und eine Linie von 25— 30 bis über die Knie aufgeſchürzten Weibern ſtand bis über den Knöchel im Sumpfe, um mit den Häͤnden das Unkraut auszuziehen. Die Reißpflanzen hatten 5—6 Blätter und waren eine Spanne hoch. Ich bemerkte, daß die Ausdehnung der Reiß⸗ cultur in dieſer Gegend während meiner Abweſenheit nicht zu— genommen hatte. Maulbeerbaͤume gibt es an der Straße zwiſchen Padua und Vicenza nicht. So wie man ſich den euganeiſchen Bergen nä— hert, wird der Boden leichter, iſt weniger bündig und es faͤngt an das Geröll unter der Dammerde ſichtlich zu werden. Alle Steine ſind vulkaniſcher Natur, und man ſieht Trachyt von al⸗ len Gradationen. zun We — Mais nds in Uet der iglio⸗ ſchung, adAuf⸗ fte mehr Kennt⸗ . Man an die ttens, er Ge⸗ ich ver⸗ eil er ſo Garme „wo⸗ über⸗ ohner ſah. r, das gezogen te Linie nd bis nkraut waren Reiß⸗ ht zu⸗ zua und gen ni⸗ s fangt . Alle ponj al⸗ 23. Mai. Vicenza. 65 Die Anſicht dieſer Hügel und Berge mit ihren vielen und von Weiten ſich ſchön darſtellenden Wohnhaͤuſern und Schlöſſern mit den rings ſie umgebenden Feldern und Wäldern, gehört unter die ſchönſten, deren ich mich aus irgend einer andern Ge— gend erinnere. Die Straße führt dieſe Hügel entlang mehrere Stunden, und da ſich allgemach auch die von den juliſchen Alpen ſich abdachenden Hügel ihnen nähern, ſo wird dieſe Gegend zur ſchönſten, die man zwiſchen Venedig und Malland ſieht. Vicenza liegt am Abhang dieſer Hügel in einer fruchtbaren, ſchönen, gut cultivirten Ebene. Die nähere Anſicht der Stadt und ihrer Umgebung behielt ich mir für die Rückreiſe auf; weß— wegen ich vorerſt nur von der Anſicht des Landes ſprechen kann. Die Reben werden hier immer noch auf Nußbaͤume gezogen; al— lein die Ackerbeete ſind gewöhnlich 35 Schritte breit, und es bringt daher der Schatten der hohen und mächtigen Bäume nicht den Schaden hervor, wie da, wodie Reihen enger gehalten wer— den. So wie man aber von Vicenza gegen Verona fahrt, ver⸗ lieren ſich allgemach die Nußbäume, und Ahornbäume erſetzen ihre Stelle. Nun beginnt auch die Maulbeercultur und man ſieht viele Luzerne, zum Beweiſe, um wie viel verſtändiger und induſtriö⸗ ſer die hieſigen Landwirthe gegen jene der Umgebung von Pa⸗ dua ſind. Hier herum ſah ich zuerſt Weiden pfropfen. Man pflanzt an den Ackerräͤndern, längs den Einfaſſungsgräben oder auf denſel⸗ ben, gemeine Weiden(Salix alba), und wenn ihnen das er— bni die Kopfäſte abgehauen werden, ſo werden dieſe mit r Bandweide(Salix viminalis) gepfropft, deren feine Aſte zum Ausbinden der Reben und zum Korbflechten einen größern Werth haben. Noch immer werden Kleefelder aufgebrochen, um ſie mit Mais zu beſden. Welchen großen Vortheil gewährt nicht ein ſo günſtiges Klima, wo man eine volle Mahd des Kleefeldes im Mai erhält, und noch mitvoller Sicherheit Mais nachſäen kann, I. 5 ——— 66 23. Mai. Montebello. der wieder zeitlich genug das Feld räͤumt, um es im Herbſte noch 5! mit Weizen beſäen zu können!— V dann Das Pflügen geſchah mit ſechs Ochſen, die einen plumpen Pflug zogen, mit einem gleich dreiſeitigen Schar- und einem ſchlecht und geſtellten Secheiſen, womit man mit großer Anſtrengung die V 6r Erdſtreifen mehr zerbrach, als abſchnitt, und nur unvollkom— V blo men wendete. M Gegen Montebello werden die Luzernfelder immer größer, tr ſo daß es mir ſchien, ſie dürften den ſiebenten oder achten Theil der ne Ackerflaͤche einnehmen. Auch ſah ich in der Naͤhe dieſes Ortes, ſo nit wie bei Vicenza, außer großen ſchönen Weizenfeldern, Me— nan lonen in den Ackern, ſo wie dieß in Iſtrien Statt hat, wo ſüße eni Melonen und Waſſermelonen in einigen beſonders gut zubereite— hen ten Ackerbeeten cultivirt werden; auch Zwiebel, Spargel und 1 alle Gartengewächſe werden hier in den Ackern gepflanzt. 1 Ehe man Montebello erreicht, paſſirt man drei Wildbaä— id che— Torrenti— deren einer aus dem Thale von Racoa⸗ d ro herabkömmt. Jetzt iſt in dem Bette dieſer Ströme kein Tro— a pfen Waſſer. Der Boden dieſer Flußbette iſt wohl 6 Klafter hö— u her, als der nebenliegende Ackerboden, und hat zur Seite mach— tige Daͤmme, um ſein Ausbrechen zu verhüten. Da dieſe Wild— dt bache einen gähen Fall haben, ſo führen ſie viel Geröll in die dn Ebene, wo ſie es liegen laſſen. Um ihr Übergehen zu verhüten, werden ſie mit Daͤmmen eingefriedigt, innerhalb welchen ſie den h Boden fortwährend erhöhen, bis er zu dieſer unnatürlichen Hö— 8. he gelangt.— Nun bleibt nichts übrig, als ihm in der Tiefe ein neues Bett neben dem vorigen zu vergönnen, und es von der einen Seite mit einem Damme zu verwahren, weil die Koſten, den alten Damm auf beiden Seiten immer mehr zu erhöhen, V Ch allgemach größer werden, als die Errichtung eines neuen Dam— Mmii mes von einer Seite. b 3 Die Straßen ſind vortrefflich und können auch durch die Ner Frachtwagen nicht ſo, wie in Deutſchland, ruinirt werden; V iind denn erſtens fand ich zwiſchen Padua und Mailand kaum V nit: 1 V ſrauig ſie noch lumpen ſchlecht ung die vollkom⸗ größer, heil der tes, ſo Mo⸗ „Me⸗ vo ſuͤße bereite⸗ el Und emach⸗ Wild⸗ in die huten, ſie den en Ho⸗ Tiefe on der oſten, höͤhen/ Dam⸗ h die erden; kaum 23. Mai. Verona. 67 30 Laſtwagen, die fünf Pferde vorgeſpannt gehabt haͤtten, und dann ſind die Felgen der Räder allenthalben 5—6 Zoll breit. Alle Laſtwagen ſind zweiraͤdrige Karren, vor denen die Pferde einzeln, und nicht paarweiſe, vorgeſpannt ſind. Das erſte Pferd in der Gabel iſt das ſtärkſte. Es zieht wenig oder nichts, und hat bloß das Gleichgewicht des Wagens zu tragen. Es iſt nur ein Menſch bei fünf Pferden, und man rechnet auf dieſen ebenen, vor⸗ trefflichen Straßen 100 metriſche Zentner= 178 Wiener Zent⸗ ner auf vier Pferde. Daß man übrigens über Hügel und Berge mit zweiräͤdrigen Karren nicht mit Vortheil fahren könne, und daß man dann mit vierrädrigen Wagen mehr verfrachte, wird Jedem einleuchten, der da ſieht, wie das ſtarke in der Gabel gehende Pferd beim kleinſten Hügel hinauf beinahe aufgehoben, und den Hü⸗ gel hinab beinahe niedergedrückt wird. Bei Torri di Confine beginnt die Provinz Verona. Der Boden wird leichter und man ſieht mehr Gerölle in demſelben. Der Maulbeerbäume werden immer mehr. Viel ſchöner rother Klee, der zum Theil ſchon gemäht war, und gerade getrocknet wurde. Die Ausſicht in die nahen mit Weingaͤrten und Feldern be— deckten Berge, mit den vielen Wohnhauſern der Landleute und den alten Schlöſſern, iſt in einem hohen Grade reizend und das ſchönſte Bild einer hoch cultivirten Gegend. Die Ringmauern des Schloſſes von Verona ſind weit hin ſichtlich und an ihren alterthümlichen Formen kenntlich. Die Stadt ſelbſt iſt groß, lebhaft, und erält durch die Etſch, über die hier drei ſteinerne Bogenbrücken gebaut ſind, und durch das Schloß und die nahen, gut cultivirten PNigale einen außerſt maleriſchen Anblick. Es war ſchon Abend, als ich ankam, und am folgenden Morgen wurde die Reiſe fortgeſetzt; folglich blieb wenig Zeit zum Beſehn der Merkwürdigkeiten. Ich konnte aber doch Verona nicht verlaſſen, ohne die Arena geſehen zu haben, welches ohn— ſtreitig der ſehenswürdigſte Gegenſtand in dieſer Stadt iſt, und 5 ⁶ 68 23. Mai. Verona. eilte daher die kurze Zeit noch zu benützen, die mir bis zur Nacht übrig blieb, ſchnurſtracks dahin. Wie alle großen Gegenſtande, die ſymmetriſch geordnet ſind, und nicht mit einem daneben ſtehenden kleineren, aͤhnlichen Ge— genſtande verglichen werden können, uns anfänglich nicht über— mäßig groß vorkommen, ſo machte auch der Anblick der innern Theile dieſes Amfitheaters auf mich mehr einen angenehmen, als impoſanten Eindruck, und nur erſt allgemach, als ich die Theile dieſes Gebaͤudes näher beſah und die Länge, Breite und Höhe deſſelben, die Steinblöcke, aus denen es beſteht, die Anzahl der Stufen betrachtete, ward ich mit Erſtaunen über die Größe und mit Bewunderung über die gelungene Ausführung deſſelben erfüllt. Es ſind 45 Reihen Sitze, die in einer Ellipſe rings um ſich erheben. Die Stufen ſind 15 Zoll hoch; folglich iſt die ganze Höhe des Gebaudes, oder die höchſten Sitze, 56 ½ Fuß. Der zu den Spielen beſtimmte Platz iſt verhaltnißmäßig klein. Die Einfaſſungsmauer enthalt Gewölbe, die nach außen in 72 Tho— ren ſich offnen. Ausgaͤnge aus dem Theater ſind ſechszehn. Die innere Einrichtung des Theaters, die Banke, Stiegen und Thore ſind im beſten Zuſtande, ſo daß man alle Tage darin dieſelben Schauſpiele geben könnte, um derenwillen es erbauet worden iſt, wenn ſich unſere Sitten mit denſelben vertrügen. Jetzt iſt beim Haupteingange ein kleines hölz 90 ernes Theater darin aufgerichtet, und es werden da von einer der vielen herumzie— henden Komodiantengeſellſchaften Luſtſpiele gegeben. Die Zu— ſchauer nehmen noch immer dieſelben Plaͤtze ein, auf denen an— dere vor 1800 Jahren den Gladiatoren und Thierhetzen zuſahen; auch ſcheint es keinem Zweifel unterworfen zu ſein, daß man nach andern 1800 Jahren dieß Gebaude noch zu dem namlichen Zweck wird verwenden können, denn das Material, aus dem es beſteht, iſt unverwüſtlich, und die großen, genau übereinanderliegenden und wohl gefügten Maſſen laſſen kein Weichen und Einſtürzen befürchten. Der Unterſchied zwiſchen dem Amfitheater in Verona und je⸗ N bis zur net ſind, hen Ge⸗ d Hohe zahl der Größe eſſelben ngs um ie ganze ß. Der n. Die Stiegen ge darin erbauet ertrugen. ter darin erumzie⸗ Die Zu⸗ enen an⸗ zuſahen; nan nac Auelk 23. Mai. Verona. 69 nem zu Pola in Iſtrien, das ich mehrmal und immer mit dem größten Vergnügen beſah, beſteht im Weſentlichen darin, daß das Erſtere von außen und das Letztere von innen einer Ruine gleich ſieht. Tritt man in das Innere des Amfitheaters von Ve⸗ rona ein, ſo findet man Alles wohlerhalten, während man in Pola kaum mehr Spuren von den Sitzen antrifft; denn in Po⸗ la iſt nur das elliptiſche Gebäude, das die Arena umgibt, von ungeheuren Blöcken weißen, derben, beinahe unzerſtörbaren Übergangskalks erbauet; die innern Sitze aber waren gemauert, und nur zum kleinſten Theile von Stein; darum iſt die außere Wand unverſehrt geblieben, und die inneren Gebaude ſind zer⸗ fallen. In Verona iſt aber Alles von Granit, und wenn man nicht die außere, prächtige Umgebung gefliſſentlich abgeriſſen haͤt⸗ te, ſo würde der Anblick dieſes Gebäudes von außen eben ſo großartig ſein, wie jener des Amfitheaters zu Pola. Verona näher zu beſehen, behielt ich mir für die Rückreiſe auf und begnügte mich für die Hinreiſe mit der Anſicht des Am— fitheaters. — 24. Mai. Natur des Bodens zwiſchen Verona und dem Gardaſee. Deſen⸗ zano. Brescia. Anſicht des Landes zwiſchen Brescia und Mai⸗ land. Unſicherheit der Straßen. Da ich heute noch in Mailand eintreffen wollte, ſo reiſte ich früh von Verona ab, und kam nach 11 Uhr in Brescia an. So wie man bei Verona über die Etſch kommt, trifft man einen ſehr ſchlechten Boden an; es iſt Sand mit grobem Stein⸗ gerölle: das Bett des mächtigen Bergſtroms, der hier, aus den Schluchten der Berge hervorkommend, in der Ebene Raum findet ſich auszubreiten, und zuerſt die groben Steine fallen läßt, die er am Boden mit ſich fortwälzte. Statt der Weinreben ſetzt man hier Maulbeerbäume in die Acker, woran man ſehr wohl thut; denn in ſo dürrem, loſem 70 24. Mai. Gardaſee. 7 Boden gedeiht die Rebe nicht, wohl aber der Maulbeerbaum. Man ſieht Rocken, der aber allgemach vom Weizen und Mais verdrangt wird, obſchon der Boden eigentlich bloß mit Rocken und Hirſe benützt werden ſollte. Dieſes Steingeröll dauert mit kleinen Unterbrechungen von der Etſch bis Deſenzanoam Gardaſee. Man ſieht wenig Wein⸗ cultur, und wenn Reben irgendwo zum Vorſchein kommen, ſo darf man ſicher ſein, daß die Dammerde eine etwas tiefere Schichte hat. Bei Peſchierafahrt man über den Mincio, der die Mauern der Feſtung von der einen, ſo wie ſie der Gardaſee von der an— dern Seite beſpült. Die Feſtung liegt in einer Niederung und die Umgebung iſt ſumpfig. Nun hat man bis Deſenzano den See und ſeine ſchönen Um⸗ gebungen, ſo wie die mächtigen Berge des Hintergrundes immer im Geſichte. Die Ufer des Sees ſind an der Oſtſeite mit vielen, und wie es ſcheint, bedeutenden Dorfern beſetzt, unter denen ſich La⸗ ziſe als das größte darſtellte. Man fahrt langs dem Ufer des ſchönen Sees bei der Land— zunge von Sermione vorbei nach Deſenzano, einem gro⸗ ßen, volkreichen Orte am See, von deſſen freundlicher Lage ich bei meiner Rückreiſe mehr zu ſagen wiſſen werde, als jetzt, wo ich mich hier nicht aufhielt, ſondern den Ort nur paſſirte. Um Deſenzano iſt der Boden ſchon viel beſſer; auch ſah ich hier die erſten Olbaͤume, die mir aber keine hohe Meinung, weder von dem großen Ertrag dieſer Baͤume, noch von der beſonderen Cultur, die man denſelben angedeihen läßt, bei— brachten. Hinter Ponte San Marco iſt der Boden roth. Er iſt das Product der Verwitterung eines gegenüberſtehenden hohen in Schichten übereinanderliegenden Kalkfelſens. Man vermuthet die Naͤhe irgend einer reichen, großen Stadt, ehe man noch Brescia ſieht; denn es vermehren ſich die Landhaͤu⸗ baum. Mais jocken nvon Wein⸗ nmen, tiefere auern r an⸗ nd die Um⸗ mmer wie La⸗ Land⸗ gro⸗ ge ich , wo hich ung, n der bei⸗ iſ das en in ladt/ hau⸗ 24. Mai. Brescia. 71 ſer, die Cultur iſt ſorgfaͤltiger und die ſteilſten Stellen der Huͤ⸗ gel ſind bebaut. Brescia iſt ein ſehr lebhafter, offenbar aufblühender Ort. Ich ſah da eine Antiquitätenſammlung von den erſt vor kurzem aufgedeckten Ruinen eines römiſchen Tempels. Eine Statue des Ruhms von Bronze iſt das beſt erhaltene Stück. Bruchſtücke, von Bronze und vergoldet, von andern Statuen, Arme, Kö⸗ pfe u. ſ. w. ſind mehrere vorhanden. Eiſenarbeiter ſoll es in der Stadt ſehr viele geben. Nun entfernt man ſich von den Hügeln und fährt durch die weiten Ebenen der Lombardie üͤber den Mella, Og lio, Serio, Adda und mehrere andere Bäche gerade nach Mailand. Das Land gewinnt hier ein ganz anderes Anſehen, und man ſieht allenthalben mehr Induſtrie, eine höhere Cultur und grö⸗ ßeren Wohlſtand. Mais und Weizen, Weinreben und Maul— beerbaͤume ſehen gleich gut aus; auch ſind bewäſſerte, gut ange⸗ legte Wieſen nicht ſelten. Von Brescia bis Chiari iſt der Boden noch leicht, die obere Schichte ſeicht, die untere mit Geröll erfüllt; von dieſem Orte an aber bis zum Adda wird er immer beſſer, von. Caſſano über Gorgonzola bis Mailandfand ich größtentheils vor⸗ trefflichen Boden, d. h. eine Schichte von 15 bis 30 Zoll frucht⸗ baren Erdreichs auf einer Unterlage von kleinem Geröll. Die Cultur iſt bis zum Adda immer dieſelbe. Acker mit Mais und Weizen, Weinreben und Maulbeerbäume. Über den Adda kommt man in das Land der Bewäſſerung, und nun hören all⸗ gemach Weinreben und Maulbeerbaͤume auf, und man ſieht nichts, als bewaſſerte Wieſen und Acker. Es war dunkel, als wir auf der letzten Poſt-Station vor Mailand, Caſcina de Pecchi, ankamen. Während des Um⸗ ſpannens ſetzten ſich zwei Gensd'armes zu Pferde, die unſere Kutſche nach Mailand geleiteten. In andern Landern nimmt die Unſicherheit der Straßen in dem Verhältniſſe zu, als man ſich von der Hauptſtadt, und über⸗ 7² a4. Mai. Mailand. haupt von den großen Städten entfernt. In der Lombardie iſt es das Gegentheil; je näher man der Hauptſtadt kommt, je mebr iſt die öffentliche Sicherheit gefährdet, und es ſcheint, daß es in der Stadt ſelbſt am ſchlimmſten ſein müſſe; denn wer zu Nacht, wie ich, dahin kommt, und die häufigen, in den Straßen aufgeſtellten Militär- und Polizeiwachen zu Pferd und Fuß ſieht, meint, er befinde ſich in einem Orte, wo man einem Aufſtande oder Raͤuberüberfalle entgegen ſieht, und ihm vorbeugen will. Da Mailand mitten in einer ungeheuern Ebene liegt und von einem Walde hoher Baͤume umgeden iſt, womit alle Felder in Italien eingefaßt ſind, ſo ſieht man die Kuppel des Doms auf dieſer Straße nicht eher, bis man kaum mehr als eine halbe Stunde von der Stadt entfernt iſt. Mich intereſſirte, ſo lang das Taglicht es zuließ, der Anblick der bewäſſerten Wieſen, der Bewäſſerungsanſtalten ,des ſchiff⸗ baren Bewaͤſſerungscanals„ der das Waſſer des Adda von Va— prio über Creſcenzago nach Malland führt, und unterwe⸗ ges links und rechts alle Felder auf einer weiten Strecke bewaͤſ⸗ ſert. Als es Abend ward, ergötzten mich die Leuchtkaͤfer(Luc⸗ ciole, Lampyris italica), die zu beiden Seiten des Weges an den Grasſtücken der Waſſergraͤben in ſo großer Zahl vorhan⸗ den waren, und durch ihr ſchnelles Hin- und Herfliegen ſo viel Licht verbreiteten, daß man die ihnen zunächſt liegenden Gegen⸗ ſtände ſehr wohl unterſcheiden konnte. Von Verona bis Mailand ſind 15 Poſten, die wir in 17 Stunden zurücklegten. Die Straßen ſind herrlich, breit, glatt, ohne Steine; die Brucken über die Fluſſe ſind ſolid und ſchön; nirgendwo eine Verzögerung, ſo daß man über die Menge der Gegenſtaͤnde, die ſich im ſchnellen Wechſel dem Geſichte darſtel— len, in fortwährender, angenehmer Aufregung erhalten wird, und an das Ziel der Reiſe gelangt, ehe man zu einer klaren Be— ſinnung über das Geſehene gekommen iſt. Meine Freunde hatten mir gerathen, in der Locanda di San Paolo, Corſia de Servi, einzukehren. Ich hatte alle vrſ nit Zim eine und dul ndie iſt it, je t, daß wer zu traßen ßſicht, ufſtande will. und von der in ins auf halbe Anblick ſchiff⸗ Va⸗ erwe⸗ ewäſ⸗ (Lue⸗ Veges orhan⸗ ſo viel Gegen⸗ in 17 glatt, ſcon; nge der darſtel⸗ wird, en Be⸗ da di fealle 8 25. 26. Mai. Mailand. 73 Urſache, mit der Wahl dieſer Wohnung zufrieden zu ſein, die mitten in der Stadt und in der Nähe des Doms liegt. Das Zimmer iſt geraͤumig, liegt hinten hinaus mit der Ausſicht in einen Garten; die Bedienung iſt gut, die Leute ſind freundlich und die Rechnung iſt billig. 25. Mai. Mailand. Fahren am Corſo. Cavallerie zur Erhaltung der Ordnung am Corſo. Das Fahren am Corſo ſcheint nebſt dem Beſuchen des Thea⸗ ters die weſentlichſte Unterhaltung der Wohlhabenden zu ſein. Sie beſteht darin, daß man gegen Abend auf dem Walle nächſt der Porta orientale auf und ab fährt, ſeine Bekannten grüßt, die neuen Equipagen oder Hüte und Kleider der Damen muſtert, und eine Stunde lang friſche Luft ſchöpft. Der heutige Corſo war ſehr brillant, denn es iſt Pfingſtſonntag; es mögen wohl 400 Equipagen da geweſen ſein, die in vier Reihen nebeneinan— der fuhren. Zwiſchen den Fahrenden ſind Uhlanen aufgeſtellt, und ein Polizeicommiſſär zu Pferd, in Uniform, war fortwäh⸗ rend gegenwaͤrtig. —— 26. Mai. Volksgarten. Spaziergang daſelbſt. Tracht der Frauenzimmer. Theater alla Scala. Oper. Ballet. Vorzüge des hieſigen Ballets. Sonn⸗ und Feiertags geht man zwiſchen ein und drei Uhr im Volksgarten ſpazieren. Es iſt zwar um dieſe Zeit im Som— mer ſehr heiß; allein ſo groß iſt die Macht der Mode und das Bedürfniß zu ſehen und geſehen zu werden, daß man ſicher iſt, um dieſe Zeit den größten Theil der eleganten Welt da zu finden. Morgens und Abends iſt es mehr die bürgerliche Claſſe, welche dieſen Ort beſucht. In andern Städten muß man die Garten außer den Ringmauern ſuchen, in Mailand ſind ſie innerhalb 74 26. Mai. Mailand. der Stadt, und darum iſt ihr Umfang ſo groß, weil ein großer Theil des von den Waͤlllen eingeſchloſſenen Raumes zu Gaͤrten verwendet iſt. Der größte Theil der Frauenzimmer trägt lange, ſchwarze Schleier, die ſie auf dem Kopfe hinter dem Kamm befeſtigen, womit die Häͤlfte der Stirne und die Seiten des Halſes bedeckt werden. Gemeine Weiber heften mit ſilbernen breiten Nadeln den Zopf in einem Kreiſe an den Hinterkopf, und da das obere Ende dieſer Nadeln ſpatelförmig iſt, und wohl 2 Zoll über die Haare emporragt und ſolcher Nadeln 30—36 in einen Kreis herumgeſteckt werden, ſo ſieht dieſer Kopfputz ſehr reich aus, be⸗ ſonders da auch noch quer durch die Zöpfe eine lange ſilberne Na— del geſteckt wird, an deren beiden Enden große ſilberne Kugeln angeſchraubt ſind. Abends im Theater alla Scala. Es ward die Oper Ade- laide e Comingio gegeben. Das Ballet heißt Gingischan. Großes ſchönes Theater mit ſechs Reihen von Logen. Die Grö— ße des Locals läßt ſich daraus ermeſſen, daß jede Reihe 38 ge— räumige Logen hat. Wenn die Säͤnger in den hintern Logen ver— ſtanden werden wollen, ſo muüſſen ſie gewaltig ſchreien. Es fiel mir hier auf, daß die erſte Sängerinn— U nger, die erſte Tänzerinn— Heberle, und der Tenor— Winter— Deut— ſche ſind.*)— Die Oper habe ich in andern Staͤdten oft viel beſſer beſetzt angetroffen; allein ich zweifle ſehr, daß man irgendwo das Bal— let mit einer ſo großen⸗Zahl trefflicher, junger Taͤnzerinnen aus— geſtattet finden wird, wie hier, wo eine Muſik- und Tanzſchule für das Theater beſteht, in der eine beſtimmte Zahl von Zöglin⸗ gen aufgenommen und unentgeltlich im Singen und Tanzen un— terrichtet wird. Es waren hier zwei prime Ballerine für den Tanz(Ballabile), eine prima Ballerina für die Pantomi⸗ me(ber le parti), dann acht oder zehn Allieve del Conſer⸗ *) Winter ſoll nur von deutſcher Abkunft ſein. Kir laſt wori 9 g bod den ſch großer Gaͤrten ſchwarze feſtigen, z bedeckt Nadeln das obere über die n Kreis us, be⸗ yne Na⸗ Kugeln r Ade- schan. eGro⸗ 58 ge⸗ den ver⸗ Es fiel die erſte Deut⸗ beſetzt as Bal⸗ en aus⸗ nzſchule Zöglin⸗ zen un⸗ für den antomi⸗ Lonſer⸗ — 27. Mai. Mailand. 75 vatorio, die als ſeconde Ballerine tanzten, und wieder andere 3— 10 kleinere Mädchen für die Comparſerie. 27. Mai. Kirche SanFedele. Verhältnißmäßig wenige Palläſte in Mailand. Ver⸗ ſchiedenheit zwiſchen Mailand und den venezianiſchen Städten. Unan⸗ ſehnliche Kirchen. Völliger Mangel an alterthümlichen Gebäuden. Den größten Theil des geſtrigen und heutigen Tages habe ich mit Beſuchen zugebracht. Im Vorbeigehen beſuchte ich die Kirche San Fedele, die des Pfingſtfeſtes wegen ganz mit rothem, ſchwerem Seidendamaſt und Goldborten verkleidet iſt. Der Hoch— altar iſt reich, geſchmackvoll und doch einfach. Die Facade der Kirche iſt unvollendet. Neben dieſer Kirche iſt der prächtigſte Pal⸗ laſt in Mailand, der gegenwaͤrtig ein Staatseigenthum iſt und worin ſich das Hauptzollamt befindet. Auf große Palläſte ſtößt man in dieſer Stadt nur ſelten; es gibt derſelben hier allerdings, und ihre Zahl mag auch nicht un— bedeutend ſein, allein zur großen Zahl der bürgerlich ausſehen— den Hauſer iſt ihre Zahl klein. Auch ſind dieſe Palläſte in Hin— ſicht der Soliditaͤt, des Geſchmackes und Reichthumes an Orna- menten mit den venezianiſchen nicht zu vergleichen. Dafür aber ſind die bürgerlichen Haͤuſer mit geringer Aus— nahme ſchön, groß, gut erhalten und bezeugen den Wohlſtand ihrer Bewohner. Die venezianiſchen Städte mit ihren gewölbten Saͤulengän— gen— Portici— auf beiden Seiten der Straße, haben ſammt und ſonders einen eigenen alterthümlichen Charakter. Mailand aber iſt eine moderne Stadt mit breiten, größtentheils geraden Straßen ohne Saͤulengaͤnge mit lauter neuen Haäuſern, in der man, den Dom abgerechnet, kein altes Gebaͤude ſieht, das aus dem Mittelalter herrührte; ſie iſt freundlich und reinlich, allein ſie hat nichts Großartiges, oder es iſt das darin vorfin— 76 28. Mai. Mailand dige Großartige zu ſehr zerſtreut, als daß es einen bedeutenden Eindruck auf den Fremden machen könnte. So iſt z. B. in der Hauptſtraße von Mailand, von der Porta orientale bis zum Dom nur ein einziges Haus von einiger Größe, der Palazzo Serbelloniz ſo iſt der herrliche Dom auf drei Seiten mit gemei⸗ nen, unanſehnlichen Haͤuſern umgeben, und ſelbſt der Pallaſt des Vicekönigs macht gar keinen Eindruck, weil er keine Fronte hat, und ſeine Flügel gegen den Hauptplatz gehen. Vorzüglich klein und unanſehnlich dünkten mir die Kirchen zu ſein, deren viele gar keine Fronte oder eine unausgebaute haben, und nur mit den ſchlechteſten Kirchen in Venedig ver— glichen werden koͤnnen. Man meint, es ſei die Kirche zum heili— gen Satyrus, deren Thore der Erzbiſchof Ambroſius dem Kaiſer Theodoſius verſchloß, der ſich wegen der grauſamen Nie⸗ dermetzlung der Bevölkerung von Theſſalonich im Kirchenbanne befand; allein es hat die Kirche nichts an ſich, das von einem ho— hen Alter zeugte, und es iſt wohl mehr als wahrſcheinlich, daß von dem römiſchen Mailand nicht ein einziges Gebaude übrig ge— blieben iſt, ſondern daß ſie alle durch die Verheerungen der nörd— lichen Völker, und zuletzt durch die Zerſtörung der Stadt unter Kaiſer Friedrich dem Erſten, im Jahre 1162, zu Grunde ge— gangen ſind. Nichts als eine Reihe von Säulen ſieht man in einer der Gaſſen, welche zur P orta Ticine ſe führt, die zu einem römiſchen Bad gehört haben ſollen, die man vom urſprüng⸗ lichen Orte wegnahm, und hier am ungeſchickteſten Platze auf⸗ ſtellte. 28. Mai. Pallaſt der Giunta del Cenſimento. Winterwieſen in der Nähe der Stadt. Das Gebaude, in welchem die Giunta del Cenſimen— to ihre Bureau's und ihr Archiv hat, iſt an der Piazza San Fedele, und war früher ein Jeſuiten-Collegium. Die Zimmer tere eutenden in der bis zum dalazzo nit gemei⸗ er Pallaſt ne Fronte Kirchen sgebaute edig ver⸗ im heili⸗ ſius dem een Nie⸗ enbanne em ho⸗ h, daß brig ge⸗ er nord⸗ dt unter unde ge⸗ man in „die zu rſprüng⸗ he auf⸗ Nahe der ſſimen⸗ a San zimmer 28. Mai. Mailand. 77 für die Canzelleien ſind groß, hoch und geraumig und die zwei großen, ſchönen, mit Säulen unterſtützten Saͤle, worin frü— her die Mappen gezeichnet wurden und jetzt im Winter ſich die Schätzungs⸗Commiſſaͤre verſammeln, entſprechen ihrer Beſtim— mung vollkommen. Am Abend machte ich mit einigen Freunden einen Spazier— gang vor die Porta Vercelliana. Die Winterwieſen, Prati a marcita— reichen hier bis zur Stadtmauer; und weil wir quer feldein gingen, ſo kamen wir aus den Wieſen nicht heraus, bis wir nicht eine andere Richtung einſchlugen, die uns mittler— weile zu Gaͤrten führte. Es zogen dieſe Wieſen, die ich nun zum erſtenmale ſah, mei— ne ganze Aufmerkſamkeit an ſich, und ich konnte den dichten Graswuchs, das dunkle Grün der Pflanzen, die geraden, nach der Schnur gezogenen Linien der Bewäſſerungscanäle, die ma— thematiſche Genauigkeit der Nivellirung und Abdachung der Wieſenbeete, die einfache Zuführung und Ableitung des Waſ— ſers, nicht genug bewundern.— Ich habe wohl anderswo auch ſchöne Bewäſſerungswieſen geſehen; allein ſie verſchwinden alle gegen die hieſigen; denn nirgendwo ſah ich noch bis jetzt, daß das Waſſer ſo wie hier die ganze Oberfläche der Wieſen gleich— förmig leiſe überrieſelte, auch ſah ich nirgendwo, daß man ſo viel des kraͤftigſten Düngers alljährlich auf dieſelben verwendete, wie hier. In vielen Wieſen traf ich jetzt ſchon große Dünger— haufen in der Mitte derſelben an, die in ein regelmaͤßiges, laͤngliches Viereck geſchlagen und beſtimmt ſind, erſt im Spät— herbſte auseinandergeführt zu werden. Nur in dem Hauptzulei— tungsgraben ſind Schleuſen, auf der Wieſe ſelbſt ſieht man keine Schwellbretter; das Gefäll des Waſſers iſt ſo eingerichtet, daß dieſes ſich allenthalben gleichförmig verbreitet, ohne daß man es irgendwo ſtauen darf. Einer der beiden Freunde, die mich begleiteten, beſaß meh— rere Jahre eine Beſitzung in der Nähe von Oggiono, am En— de der Monti di Brianza, die er ſeit einem Jahre verkauft —— —— 78 29. Mai. Mailand. hatte. Seiner Güte verdanke ich viele Daten über den Kauf und Pachtwerth der Landgüter in jener Gegend. 29. Mai. Offentliche Proben des Herrn Aldini, die Menſchen gegen die Wirkung des Feuers zu ſchützen. Theater Carcano. Nachmittags wohnte ich einigen Verſuchen bei, welche Herr Aldini, Mitglied des italieniſchen Inſtituts der Wiſſenſchaf⸗ ten, in Gegenwart des Gouverneurs, des Podeſta und vieler anderer Herren in der Caſerne der Pompiers anſtellte, um bei einer Feuersbrunſt die Löſchenden vor der Gewalt der Flammen zu ſchützen. Zwei Pompiers erhielten über ihre Kleider eine Art weiten Harniſch von Eiſendraht. Über den Kopf und das Geſicht hatten ſie eine dicke Larve, von Asbeſt gewebt, und darüber ei— nen Drahthelm. Mit Handſchuhen von dieſer Art Zeug trugen ſie glühende Stücke Eiſen mehrere Minuten lang herum, und gingen, mit einem Schild von Eiſengitter ſich gegen die Flam— men ſchützend, durch ein raſch brennendes Feuer von Reiſig mit einem Rückenkorbe durch, in dem ein Menſch ſaß, deſſen Geſicht und Hände auf die gleiche Art verwahrt waren. Um einen Menſchen aus den Flammen zu retten, glaube ich nicht, daß man dieſes Apparates bedarf; weil es genügt, daß das Geſicht und die Hände mit einem dicken wollenen, in Waſ— ſer getauchten Zeuge bedeckt, und die ganzen übrigen Kleider mit Waſſer begoſſen ſeien, um ſich vor dem Verbrennen durch 4— 5 Minuten zu ſchützen. Mir daucht der Rauch, der das Sehen und das Athemholen beſchwert, ein viel größeres Hinderniß der Rettung zu ſein, als die Flamme, und gegen dieſen gewaͤhrt die Vorrichtung Aldini's keinen Schutz. Abends war ich im Theater Carcano, wo man den Bar- biere di Siviglia von Roſſini gab. Ein ſchmutziges, kleines Theater, weit entfernt vom Mittelpunct der Stadt. Als ich ſpät en Kauf Dirkung des lche Herr ſenſchaf⸗ nd vieler um bei lammen eine Art Geſicht ber ei⸗ trugen , und Flam⸗ iſig mit Geſicht glaube t, daß Waſ⸗ der mit 9 4—5 Sehen eniß der gewäßft n Bar kleines iy ſoat 30. Mai. Mailand. 79 in der Nacht heimging, fand ich in den Gaſſen hin und wieder Militärwachen; es dauchte mich aber, daß in den beſuchteſten Gaſ— ſen mehr Poſten aufgeſtellt wären, als in den einſamern, wo mehr Gefahr iſt von Räubern überfallen zu werden. 30. Mai. Dom. Beſchreibung des Daches, der Pyramiden, der Fronte und des In⸗ nern der Kirche. Ausſicht vom Dache des Doms. Morgens ging ich in den Dom, und beſtieg zuerſt das Dach und endlich die ſich über das Dach erhebende Kuppel. Das flache Dach iſt mit großen viereckigen Marmorplatten belegt. Die Fu— gen ſind mit Cement ausgegoſſen. Es iſt ein wunderbarer und gewiß einziger Anblick, den man hier genießt. Man geht am Rande des Daches unter mehreren Reihen von Bogen, die aus maſſiven, marmornen Arabesken beſtehen; ſieht rings herum auf kleinen Thürmchen, die von den Seitenpfeilern der Haupt— mauer ſich erheben, auf Seitenpoſtamenten Statuen von Hei— ligen, und auf der Spitze dieſer zahlloſen Thürmchen wieder eine Statue. Man geht auf zierlichen ſteinernen Treppen auf dem Giebel des Daches, wo eine Platform und ein niedriger Glo— ckenthurm angebracht iſt, der von der Fronte angeſehen, durch die Kuppel gedeckt wird. Dieſe Kuppel iſt eigentlich keine Kup— pel, denn das Schiff der Kirche hat ſpitzige gothiſche Gewölbe, ſondern ſie iſt ein Thurm, der die Form einer Kuppel hat, die ſich in eine Spitze endet, weßwegen ſie die Italiener auch nur Guglia, eine Pyramide, nennen. In dieſer Pyramide führt eine Schneckenſtiege bis zur Spitze, auf der eine von Erz gegoſſene coloſſale Statue der heiligen Jungfrau ſteht. Das ganze Werk iſt durchſichtig und eine wahre Zierde dieſes Gebäudes, wodurch es ſich von allen aͤhnlichen in der Welt zu ſeinem Vortheile un— terſcheidet. Die Kirche und die Pyramide iſt im gothiſchen Style, die — — —õõõʒ“““ —— 80 30. Mai. Mailand. Facade aber, die in ſpätern Zeiten unter dem Erzbiſchofe Carl Borromeo begonnen, und unter Napoleon vollendet wor⸗ den,— der auf dieſen Bau das ganze große, dem Baue und der Erhaltung dieſer Kirche gewidmete Capital verwendete, ſo daß die Erhaltung jetzt keinen Fond hat, und aus dem Staatsver— möͤgen beſtritten werden muß,— iſt in einem gemiſchten Style, denn die Thore und Fenſter ſind viereckig, d. h. römiſch, wah— rend die übrigen Verzierungen eckig und gothiſch ſind. Die Kirche iſt hoch, die Saͤulen, welche das Gewölbe ſtützen, ſind zuſammengeſetzter Form, der Fußboden beſteht aus Stücken Marmor von verſchiedenen Farben, die Figuren darſtellen; der Plafond wird ſo eben von dem berühmten Maler Sanqui⸗ rico gemalt, und ſtellt den Oberboden ſo dar, als wenn er ein gothiſches durchbrochenes Arabesken-Netz wäre, ſo wie z. B. gothiſchen runden Fenſter ausgefüllt ſind. Die Malerei it a äu⸗ ßerſt täuſchend, und die Idee däucht mich eine der glücklichſten zu ſein.*) Von der Höhe des Daches genießt man eine der ſchönſten Üüberſichten über die ganze Ebene der Lombardie, von den Al— pen bis zu den Apenninen. Die weitausgebreitete Stadt mit ihren Tauſenden von Haͤuſern und vielen Gaͤrten; das lebhafte *) Der Dom von Mailand ward zu bauen angefangen Anno 1386. Die Kirche iſt lang 454“e „» breit 270“. Die Kuppel iſt hoch 232“. Die Pyramide» 335. Am Dach und von außen ſind 4000 Figuren. In der Kirche ſind 42 Säulen, von 34“ Hohe. Der Dom von St. Stephan in Wien ward zu bauen angefangen Anno 1360. Die Kirche iſt lang 342. „» breit 222⸗ „» hoch 79 Der Thurm iſt hoch 433 ½ Hieraus erhellet, daß der Dom von Mailand länger, breiter und hö⸗ her iſt, als der von St. Stephan, der Thurm dieſes letztern iſt aber bedeutend hoher, auch wohl von ganz anderer Art. Uberhaupt haben beide Gebäude faſt gar nichts gemein, und ſind in Hinſicht d5 Styls weſentlich unter ſich verſchieden. pofe Carl endet wor⸗ lle und der te, ſo daß Staatsver⸗ ten Style, nſſch, wah⸗ lbe ſtutzen, s Stuͤcken tellen; der Sanqui⸗ enn er ein z. B. die ei iſt au⸗ icklichſten ſchönſten den Al⸗ btadt mit s lebhafte ——— 566. Anno 1550. iter und ho⸗ fern iſt aber haupt haben tdes Stylo 31. Mai. Mailand. 61 Grün der vielen Wieſen, die ſich um die Stadt breiten, die hohen Pappelbaͤume, womit die Wieſen umgeben ſind, die Menge von Dörfern, Landhäuſern und Städten, die man da ſieht, die ſilbernen Striche, wodurch ſich die großen Canaͤle ſichtlich ma⸗ chen, ſtellen das größte Bild der Fruchtbarkeit, Induſtrie und Wohlhabenheit dar, das ich noch je geſehen habe. Zur Schönheit dieſes Panorama tragen die Alpen nicht we⸗ nig bei, die den Horizont im Norden begränzen. In ihrer Mitte iſt er Monte Roſa, wie der Vater unter den Kindern, breit, hoch und durch kein Vorgebirge gedeckt. Er ſcheint ganz nahe zu ſein, obgleich man wohl einen Tag gut zu fahren hat, um zu ſeinem Fuß zu gelangen. Ihm zur Seite iſt der Simplon und im Hintergrunde ſehen die Alpenfirſten des Berner Hochlandes mit ihren Spitzen hervor. Die Höhen all dieſer Alpen ſind mit Schnee bedeckt, allein ſie ſind zu weit von hier entfernt, als daß ſie auf die Abkühlung der Temperatur Einfluß hatten; ſie ſind vielmehr nur die Urſache der größeren Waͤrme einiger Monate des Jahres, in denen es anderswo wegen der kalten Nordwinde frieret, die hier durch die hohe Wand der Alpen abgehalten werden. 31. Mai. Echo im Landhauſe Simonetta⸗ Triumfbogen. Wir fuhren Abends in die Simonetta, ein Landhaus vor der Stadt, das ſeines Echo's wegen berühmt iſt. Wenn man von einem Fenſter der Rückſeite gegen eine etwa 20 Klafter ent— fernte hohe Wand mit einer Piſtole ſchießt, ſo hört man den Knall 56 bis 60mal. Zweiſilbige Wörter werden deutlich wie⸗ derholt; dreiſilbige aber nur verwirrt gehört, weil die Gegen— wand, die den Ton zurückprellt, zu nahe iſt. Von dieſem Land⸗ hauſe, das völlig verfällt, obgleich es in reichen Händen iſt, fuhren wir zum Arco trionfale. Napoleon began dieſen Triumfbogen zu bauen, um ſich ein Monument ſeiner Siege J. 6 84 1. Juni. Mailand. in Italien zu ſetzen; die ihn beſiegten, führen dieſen Bau nach dem urſprünglichen Entwurfe fort, und es mag daher dieſer Bogen der Nachwelt die Siege der einen und der andern Par⸗ thei verkünden. Er ſoll der größte Triumfbogen ſein, der bisher gemacht worden iſt, und wird, wenn er fertig ſein und die coloſſalen Erzfiguren aufgeſtellt ſein werden, gewiß einen ſehr impoſan— ten Anblick gewähren. Der Stein iſt derſelbe weiße, etwas gefleckte Marmor, aus dem der Dom gebauet iſt. Es iſt Schade, daß er der Verwitterung nicht ſo gut widerſteht, wie der weiße Kalkſtein aus Iſtrien, den man zu den Gebaͤuden und zum Theile auch zu den Statuen in Venedig verwender hat. Gegenwäͤrtig iſt der größte Theil der Steinarbeiten ſchon vollendet; deſto weniger aber iſt von den Erzarbeiten gemacht, zu deren Verfertigung ein eigenes Gebaͤude vor dem Thore von Como errichtet worden iſt. Man ſagte mir, daß man noch vier Jahre brauchen werde, um die Figuren fertig zu machen, die auf der Höhe des Bogens aufgeſtellt werden. Dieſe ſind: die Göttinn des Friedens, die in der Mitte auf einer Biga ſteht, die von ſechs Pferden gezogen wird und an den vier Ecken mit weiblichen, zu Pferde ſitzenden Figuren umgeben iſt. Man gießt nur kleine einzelne Stücke dieſer Figuren, z. B. einen Fuß oder Kopf eines Pferdes, und ſetzt ſie dann zuſam— men. Die Pferde ſind ſo hoch, daß ich ihnen nur auf die Mitte der Bruſt reiche. 1. Juni. Gärten und Äcker innerhalb der Stadt mauern. Milchverkäufer. Rahm. Bier. Gaſthäuſer. Ordnung in denſelben.— Zwiſchen der Porta Verce llina und Nuova ſind inner⸗ halb der Stadtmauern ſehr viele Garten, die ſo groß ſind, daß man auch Getreide- und Kleefelder darin ßndet. Bei meinen V R ger als rien meh au nach er dieſer en Par⸗ gemacht toloſſalen impoſan⸗ ,, etwas Schade, er weiße n Theile en ſchon gemacht, ore von och vier en, die nd: die Biga den vier eben iſt. , z. 3. zuſam⸗ auf die hm. Vier d inner⸗ nd, daß meinen 1. Juni. Mailand. 83³ Herumſtreifereien traf ich ein ſolches Feld, wo der Mais ſchon 2 ½ Schuh, der friſch geſäete rothe Klee eine Spanne hoch, und die Winterrübſen mannshoch waren, und ſo eben geſchnit— ten wurden. Alle dieſe Gärten ſind bewäſſerungsfähig, und ſtro⸗ tzen vor Üppigkeit des Wachsthums. Das Feld gehört Einem, der 12 Kühe halt, deren Milch er friſch auf den Platz ſchickt, wo man, die Wiener Maß, abgerahmt, zu 3 ½ Kreuzer, das Pfund Butter zu t3 Kreuzer verkauft. Die Milchverkäufer machen auf den Straßen in Mailand Morgens ein klägliches Geheul. Es ſind Männer, die auf ei— nem Stocke über der Schulter zwei hölzerne gedeckte Schäffer tragen, und von Zeit zu Zeit hu, u, u ſchreien. In den Kaffeehaͤuſern bekömmt maͤn guten Rahm(ſtatt Panna ſagen die Lombarden Pannera), in allen übrigen Städten aber nur blaue Milch. Außer Kaffee wird da auch Bier ausgeſchenkt, das immer in Bouteillen abgezogen iſt. Es ſind hier einige Bräuhaͤuſer, die großen Abſatz haben, da man in jeder Kaffeeboutique der ganzen Lombardie Bier bekömmt. Das beſte Bier kömmt von Chiavenna, und ähnelt dem Regensbur⸗ ger Bier. 8 Alles Bier iſt hier ein Luxusgetränk, denn es koſtet die Bou⸗ teille, in der weniger als eine halbe Maß enthalten iſt, 10 Kreu⸗ zer. Der Wein iſt geiſtlos, ſauerlich. Die kaufmänniſche Ordnung in den Gaſthauſern dieſes Lan⸗ des ſgefaällt mir. In der Näͤhe der Kuche iſt ein mit Gläſern um— gebener Verſchlag, worin ein Buchhalter, gewöhnlich der Wirth oder ſeine Frau, ſitzt, dem die Bedienten anſagen, was jeder Gaſt an Speiſe und Geträͤnk erhalten hat, und der dann einen detaillirten Conto verfaßt, der dem Gaſt überreicht wird. Es iſt dieß eine Maßregel, wodurch ſich der Wirth vor den Betrü⸗ gereien der Bedienten ſchützt, denn der Gaſt zahlt nicht mehr als der Conto beträgt; auch ſind die Gaſte dadurch vor Prelle⸗ reien gedeckt, denn der Bediente hat kein Intereſſe, den Gaſt mehr zahlen zu machen als er ſoll, weil er ſich nichts davon zu⸗ 6* 84 2. Juni. Mailand. eignen kann. Ich bewunderte das Gedächtniß der Bedienten, die mir immer eine völlig richtige Rechnung brachten, nie Et— was vergaſſen oder Etwas aufſchreiben ließen, das ich nicht em— pfangen haͤtte. Nur in einer Locanda ſpeiſt man nach dem Zettel; in den großen Alberghi hat das Mittagsmahl von ſechs Speiſen, ſammt Wein und Nachtiſch, einen beſtimmten Preis: das Min⸗ deſte 1 fl. 30 kr. Man wird da auf ſeinem Zimmer ſervirt. Mich belangweilte mein Alleinſpeiſen in der Locanda, und ich folgte der Einladung einiger meiner Bekannten, die in dem bekannten deutſchen Gaſthofe, bei Reichmann, an der Table dhote ſpeiſten. Ich fand da eine ſehr gute Geſellſchaft, einen überfluß der beſten, deutſch bereiteten Speiſen und eine billige Rechnung. —— 2. Juni. Fahrt nach Creſcenzago zu Herrn B erra. Charakteriſtik deſſelben. Was ich heute in Creſcenzago ſah. Der Graf Alfonſo Caſtiglioni, Vicepräſident der Giunta del Cen ſimento, hatte die Gefäͤlligkeit, mich heute nach Creſcenzago zu führen, um mich mit dem Advocaten, Herrn Domenico Berr a, bekannt zu machen. Herr Berra iſt dem ökonomiſchen Publicum durch ſeine Abhandlung über die Winterwieſen— Prati a marcita— und durch andere kleinere Schriften, rühmlichſt bekannt. Es war mir angenehm, zu hö— ren, daß er ſich ſeit mehreren Jahren ausſchließend der Land— wirthſchaft widmet; daß er in Creſcenzago— vier italieniſche Meilen von Mailand, an der Straße nach Gorgonzola, eine bedeutende Wirthſchaft beſitzt, auf die er Morgens fahrt und von der er Abends heimkehrt, und daß er dieſe ſeine Wirthſchaft ganz ſelbſt leitet; denn ich hatte nun allen Grund, in ihm nicht bloß wiſſenſchaftliche und hiſtoriſche, ſondern auch gründliche prac— tiſche Kenntniſſe des Ackerbaues voraus zuſetzen, was ſo ſelten iig ienten, nie Et⸗ icht em⸗ in den Speſſen, das Min⸗ irt. da, und in dem r Table einen e billige n. Was ent der ich heute ocaten, rra iſt ber die kleinere zu hoͤ⸗ Land⸗ lieniſche a, eine irt und thſchaft hmniht he prac⸗ ſelten 2. Juni. Mailand. 8³ vereinigt gefunden wird, und es freuete mich ſehr, mich in mei⸗ ner Meinung nicht getäuſcht zu haben. Wir fuhren in Creſcenzago durch das Thor einer Scheuer in einen ſchmalen Hof, in deſſen Mitte eine Düngerſtätte war. Wir fanden Herrn Berra in Unterredung mit einem ſeiner Arbeiter. Er kam uns zu empfangen und erbot ſich, nachdem die gewöhn⸗ lichen Höflichkeitsformeln zwiſchen uns gewechſelt worden waren, uns ſeine Wirthſchaft zu zeigen und über Alles Aufſchluß zu ge⸗ ben, was wir von ihm zu wiſſen verlangen würden. Seine Reden, ſein Benehmen, ſein Geſicht, künden einen Mann von Verſtand und Bildung an, und intereſſirten mich auf der Stelle für ihn. Alles, was er ſpricht, iſt präcis, klar, zeugt von gründlicher Kennt⸗ niß des Gegenſtandes; und da ſein Benehmen ohne Affectation iſt, und er ſich in ſeinen Außerungen frank und ohne kleinliche Rück— ſichten ausſpricht, ſo geräth man mit ihm geſchwind auf jene Stufe des Zutrauens, die erforderlich iſt, wenn uns der Um— gang eines Menſchen angenehm und belehrend ſein ſoll.— Wie wenig er auf unweſentliche Dinge Rückſicht nimmt, zeigt ſein Anzug, ſein Schreibzimmer und ſeine Wirthſchaftsgebäude; da— für iſt aber ſein Vieh ſehr ſchön und ſeine Felder ſind in einem muſterhaften Zuſtande. Herr Berra führte uns auf ſeine Felder, zeigte uns ſeine Pratiamareita undſeine übrigen bewäſſerungsfähigen Fel⸗ der, führte uns zu ſeinen Kühen, zu ſeinem Jungvieh, zeigte uns ſeine Brückenwage, auf der er alles Futter wiegt, das er ſeinen Thieren gibt und auf der die Thiere ſelbſt gewogen werden, ſo⸗ bald es Noth iſt, ihr Gewicht zu kennen; er zeigte uns ferner zwei Düngerhütten, wo der Stallmiſt auf einer Unterlage von Erde aufgeſchichtet, vor Regen und Sonne geſchützt iſt, und ließ in unſerer Gegenwart eine aus England erhaltene Heuwend⸗ maſchine mit dem beſten Effecte operiren. Ich hatte ſo viel zu ſehen und zu hören, daß ich nicht Zeit fand, viele Fragen zu ſtellen. Auch war der Zweck meines heu⸗ tigen Beſuches nur, die Bekanntſchaft Herrn Berra's zu ma⸗ 86 3. Juni. Mailand. chen; ich begnuͤgte mich daher vorlaͤufig mit dem, was ich ſah und hörte, und erbat mir für einen der künftigen Tage die Er— laubniß, wieder nach Creſcenzago kommen zu dürfen, um die Wirthſchaft naher zu beſehen und mich über mehrere Gegenſtaͤnde der italieniſchen Landwirthſchaft zu belehren. Ich fuhr ſehr vergnügt üͤber das, was ich geſehen und gehört, in die Stadt zurück, und halte mich dem Herrn Grafen Ca— ſtiglioni ſehr verbunden, daß er mir dieſe Bekanntſchaft ver— ſchafft hat, von der ich mir für meinen Zweck großen Vortheil verſpreche. — 3. Juni. Groͤße der Bevölkerung von Mailand. Straßenpflaſter. Schöner Menſchen⸗ ſchlag. Wenig Bettler⸗ Die Stadt Malland hatte bei der Zählung im Jahre 1827 eine Bevölkerung von 128,977 Menſchen, ohne die Garniſon und die Fremden. Da die Stadt ſehr groß und die Straßen breit ſind, ſo iſt, die Feiertage ausgenommen, nirgendwo ein großes Gedränge, und dem Geraſſel der Kutſchen iſt dadurch zum Theile vorgebeugt, daß in der Mitte der Straßen, da wo die Räder laufen, zwei Reihen flache Granittafeln in das Stra⸗ ßenpflaſter, das aus kleinen Rollſteinen beſteht, eingelegt ſind, auf denen die Wagen ohne Geraäͤuſch ſich fortbewegen. Zur Sei— te, rechts und links der Straßen, ſind breite, ſchöne Trottoirs (Marciapiedi). Der hieſige Schlag Menſchen iſt ſchön, ihre Geſichtszüge, beſonders jene der Frauen, ſind ſehr regelmäßig, ſie haben ein längliches Geſicht, eine ſchöne Naſe und ſprechende Augen; die blonde Farbe der Haut und Haare ſchlägt hier vor der ſchwar— zen vor, was in Venedig nicht der Fall iſt, wo die Frauen eine blaße Geſichtsfarbe, größere Augen und ſchwarze Haare haben. Luxus in den Kleidern ſah ich hier weniger als anderswo, und —., ih ſah die Er⸗ um die enſtände gehör, fen Ca⸗ aft ver⸗ Vortheil enſchen⸗ 1327 rniſon traßen vo ein dadurch da wo Stra⸗ tſind, Sei⸗ tttoirs zzüge, en ein en; die chwa⸗ en eine zaben. und 4. Juni. Mailand. 87 Huͤte ſcheinen die Mädchen gar nicht, ſondern nur die Frauen der höhern Stände in der Regel zu tragen. Bettler traf ich nur in den Kirchen an; auf der Straße ſieht man keine, wenn man die unbedeutende Zahl der mit einer Handorgel in den Kaffeehäuſern herumgehenden ausnimmt: wo— bei ich aber bemerken muß, daß es nicht ſchwer iſt, den Stra— ßenbettel in einer Stadt zu unterdrücken, die ſo reich an mil— den Stiftungen aller Art und wo das Krankenhaus der frühere Pallaſt der Herzoge iſt. 4. Juni. Caſtell von Mailand. Die Arena⸗ Das Caſtell war zu Anfang dieſes Jahrhunderts noch eine kleine Feſtung; jetzt ſieht man nur ein mäßig großes, vierecki⸗ ges, mit niederen Thürmen an den Seiten verſehenes altes Schloß, aus viereckigen, unbehauenen Steinen. Das Glacis iſt mit Baͤumen beſetzt und zu einem öffentlichen Spaziergange beſtimmt, der aber wenig beſucht wird. Das Caſtell ſelbſt iſt eine Caſerne; hinter demſelben hat Napoleon einen ungeheuer gro— ßen Exercierplatz gebildet. Dem Thore des Caſtells gegenüber, iſt am Ende des Exercierplatzes der Arcotrionfale und in gleicher Richtung vorwärts führt die Straße nach dem Simplon; ſo daß man von dem Thore des Caſtells den Triumfbogen und die gegen die Alpen führende Straße ſieht. In einer unbedeutenden Entfernung von dem Caſtelle iſt die Arena, ein im römiſchen Geſchmacke angelegtes, aber nicht aus⸗ gebautes Amfitheater. Es ward unter Napoleons Regierung ge— baut, nicht auf ſeinen Befehl, ſondern ihm zu Ehren. Die Er— höhung iſt von Erde und die Stufen ſind mit Raſen bedeckt; auch iſt es nicht wahrſcheinlich, daß man ſie je mit Stein bele— gen wird, denn es dürften die Koſten, welche dieß erheiſchte, kaum mehr von dem Vermögen einer Stadt erſchwungen wer— den, die nicht mehr die Hauptſtadt eines Königreichs iſt. Da 88 5. Juni. Mailand. der Geſchmack des Jahrhunderts nicht mehr derſelbe iſt, wie er zur Zeit der Römer war, man jetzt nur Opern und Komödien ſehen, bequem ſitzen und vor Regen und Sonne, Kälte und Hitze geſchützt ſein will, was nur in unſern modernen Theatern Statt haben kann, und die Amfitheater nur fuͤr Thierhetzen, Fechter— ſpiele, Reiterkünſte u. ſ. w. paſſen, die nicht mehr Mode ſind, ſo war es überhaupt ein unglücklicher Gedanke, ein Gebäude zu errichten, das nicht mehr zeitgemaͤß iſt und keinen Nutzen, Vor⸗ theil oder Vergnügen gewäͤhrt. 5. Inni. Beſchreibung der Frohnleichnams⸗Proceſſion. Heute iſt das Frohnleichnamsfeſt. Alles drängt ſich gegen den Dom, um das Ausziehen der Proceſſion zu ſehen. Ich wählte mir einen guten, gemächlichen, gezahlten Sitz in einer ſchmalen Gaſſe, um das Perſonal dieſes politiſch-religiöſen Auf— zuges zu ſehen. Er beſtand aus folgenden Abtheilungen: 1) Ein Officier der Gensd'armerie mit vier gemeinen Reitern. 2) Ein Officier der Uhlanen mit 32 Uhlanen. 3) Zwei durch Pferde gezogene Karren mit Sand, Schau— feln und Beſen, zur Ausbeſſerung der Straßen; was mir ſehr überflüſſig dünkte, da die Straßen nirgendwo Gruben hatten, welche mit Sand haͤtten ausgefüllt werden ſollen. 4) Acht Polizeiſoldaten. 5) Eine Fahne von vier⸗Maͤnnern getragen. Dieſe und die folgenden zwei Kirchenfahnen ſind nicht, wie die Fahnen in Deutſchland, an einer hohen Stange quer befeſtigt, ſondern es wird das Fahnenblatt auf einer Querſtange befeſtigt, an deren beiden Enden zwei Stäͤbe ſind, womit die Traͤger das Bild auf⸗ recht erhalten, das faſt bis zum Boden niederreicht. 6) Sechs Abtheilungen von Confraternitäten, in blauen oder weißen Talaren und rothen Pilgerkragen, an denen vorne vie er ödien Hite Statt echter⸗ ſind, ude zu Vor⸗ fegen Jch iner Auf⸗ tern. hau⸗ ſehr ten, die in in irn es deren au uen ene 5. Juni. Mailand.⸗ 89 an der Bruſt ein metallenes, verſilbertes Schild befeſtigt war, das einen Heiligen darſtellte. Einer jeden Abtheilung von unge- faͤhr 25— 30 Mäannern, ward ein vergoldetes Kreuz mit zwei Leuchtern vorgetragen. 7) Eine ganz neu ausſehende Fahne mit ſchöner Stickerei. Die heilige Clara war darauf gemalt. 3) Eine große, alte Fahne, mit dem Bilde des heil. Am⸗ broſius. Zwölf Manner trugen die Stangen; vor ihr gingen Bürger mit Lichtern. 9) Barmherzige Brüder.— Sie heißen in Mailand: Fra- telli fate bene. 10⁰) Fünfzehn Prieſter mit Meßkleidern. 11) Nun kamen 30 Abtheilungen von theologiſchen Zöglin⸗ gen— Alunni— worunter eine Menge Knaben von 9—12 Jahren im Chorrock und mit der Tonſur. Einer jeden ſolchen Abtheilung ward ein ſilbernes, großes Kreuz vorgetragen, dann folgten die Knaben und endlich die ältern Zöglinge; den Beſchluß machte immer ein Prieſter im Pluvial mit einem Stocke in der Hand, der einen großen, goldenen Knopf am obern Ende hatte. Es waren alſo 750 ſolcher Alunni, die Hälfte davon Buben von 9— 18 Jahren. 12) Sechs Livree⸗Bediente. 13) Achtzig erwachſene, theologiſche Alunni. 14) Trompeter. 15) Sechs Maͤnner, die große Lichter trugen. 16) Der Podeſtà mit den Stadträthen, begleitet von der Stadtwache. 17) Fünfzig kaiſerliche Bediente mit Degen, ſchwarzen Rö⸗ cken mit gelben Borten. 18) Roth gekleidete Bediente des Vicekönigs mit Goldbor⸗ ten an den Röcken. 19) Der hohe Adel, die geheimen Räthe, Kaͤmmerer, von Grenadieren zur Seite begleitet. 2⁰) Der hohe Clerus mit Vespermänteln. 90 5. Juni. Mailand. 21) Zehn Infulirte. 22) Acht Maͤnner mit großen Kerzen. 25) Der Erzbiſchof mit dem Allerheiligſten. Der Baldachin und die Quaſten des Tuches, welches über das Ruhebrett gedeckt war, wurde von Rittern der eiſernen Krone getragen. 24) Der Erzherzog, Vicekönig, in Generalsuniform, mit einer brennenden Kerze in der Hand.— Sowohl der Baldachin, als der Vicekönig iſt von der deutſchen Garde umgeben. 25) Eine Abtheilung von Grenadieren. 26) Ein ſechsſpänniger Gallawagen des Vicekönigs, mit normänniſchen, ungeheuren großen Sommerrappen; ſchwerem vergoldeten Zeuge, hohen weißen Federbüſchen. 27) Zwei andere zweiſpännige Wagen. 28) Zwei Abtheilungen Uhlanen, in einer Entfernung von 100 Schritten von einander. Um 1⁰ ½ Uhr war der Zug der Proceſſion wieder in der Kirche. Mit ſolcher Pracht und gutem Geſchmacke ſind ſelten wo die Gaſſen, durch welche die Proceſſion zieht, verziert, wie hier. Vom Dome aus waren über den Platz zwei, oben über mit ge— färbter Leinwand bedeckte Gaͤnge gebildet, zur Seite ſind Fe— ſtons mit Borten. Der Zug durch die Gaſſen iſt lang und doch ſind alle Fenſter der zur Seite ſtehenden Häuſer mit ſeidenen, mindeſtens mit muſſelinenen Vorhängen und Tapeten ausgelegt. Nicht ſelten ſind die langen Balcons mit rothem Seidendamaſt bedeckt. In den Gaſſen haͤngen alle zehn Schritte von einer Seite zur andern querüber Garnirungen, von rother und weißer Seide und Muſeelin, mit Lioner Borten eingefaßt. Die Proceſſion ſelbſt aber gewährt zu wenig Abwechslung, denn im Grunde ſieht man faſt nichts, als die, Kirchendienern gleich gekleideten, Brüderſchaften und 1000 Zöglinge des Prieſter⸗ ſtandes; man ſieht keine Schulen, keine Bürger, keine Gewerbe, keine Landleute mit ihren Fahnen und Muſikabtheilungen; und was das Schlimmſte iſt, man hört keinen Geſang, wodurch der ldachin gedeckt m, mit dachin, „ mit werem ng von n der vo die hier. mit ge⸗ nd Fe⸗ ud doch enen, gelegt. amaſt Seite Seide zlung, ienern rieſter⸗ verbe, und ch der 6. Juni. Mailand. 91 Aufzug erſt Leben und Bedeutung erhält. Die Frohnleichnams⸗ proceſſion in meiner kleinen Vaterſtadt iſt ungleich ſchöner, ma- leriſcher und erhebender!— 6. Juni. Charakteriſtik der Mitglieder der Giunta del Cenſimento. Beſchrei⸗ bung der Wirthſchaft des Herrn Berra. Die Mittheilungen, die ich von den Mitgliedern der Giun— ta del Cenſimento, ſowohl über die Vorzüge und Mängel des alten Mailaͤnder Cataſters, als über die leitenden Princi— pien und das bisher beobachtete Verfahren bei der Conſtruirung des neuen Cataſters erhalte, erleichtern mir die Forſchungen ſehr, die der Hauptzweck meiner Miſſion ſind. Seine Excellenz, der Herr Vicepräſident, Graf Alfons Caſtiglioni, die Herren Gubernialraͤthe: de Dordi, de Pellegrini und Luppi, dann die Herren Mitglieder des Uffizio de Periti: Lucini und Pirola, gehen mir in Allem auf die zuvorkom⸗ mendſte Art an die Hand, und ich danke dem Verkehre mit dieſen achtungswürdigen Maäͤnnern einen großen Theil der Nachrich⸗ ten, die der Leſer in der Folge angegeben finden wird. Der Graf Caſtiglioni iſt derſelbe, den Arthur Young in Geſellſchaft des Marcheſe Visconti und Abbate Amo⸗ retti, am 7. October 1789 auf ſeinem Landgute Mozzate beſuchte und von dem er in ſeiner Reiſebeſchreibung ſagt, daß er zu ſeinem größten Vergnügen an ihm einen practiſchen Land⸗ wirth gefunden habe, der Leben, Geiſt, ſchnelles Faſſungs— vermögen und eine ſolche Aufmerkſamkeit auf den Ackerbau hat, daß er ihn ſich zum Nachbar wünſchte.— Seit jener Zeit ſind 39 Jahre vorübergegangen, waͤhrend welcher der Graf ſich ei— nen Schatz practiſcher Kenntniſſe aller Art, über Staats- und Landwirthſchaft erworben hat, die ſeinen Umgang eben ſo lehr⸗ reich als angenehm machen. 9² 6. Juni. Mailand. Gubernialrath Luppi hat vor wenigen Jahren ſich der gelehr⸗ ten Welt durch ſeine gründliche Geſchichte des Mailaͤnder Cataſters (Storia de' principj delle massime e regole seguite nella formazione del Catasto Prediale introdotto nello Stato di Milano l'anno 1760. Milano 1825) rühmlichſt bekannt gemacht. Herr Lucini, Director des Uffizio de Periti, iſtein Mann von ausgedehnten Kenntniſſen. Über Kauf⸗ und Pacht⸗ werth der Landgüter in allen Provinzen des frühern Königreichs Italien duͤrfte kaum Jemand Anderer gründlichere Kenntniſſe ha⸗ ben. Er iſt ſelbſt practiſcher Landwirth, beſitzt zwei artige Landgü⸗ ter, das eine in der Gemeinde Novo, Bezirk Binaſco, Provinz Pavia, von 360 Pertiche ganz bewäͤſſerungsfähigen Landes; das andere in der Gemeinde Appiano, Bezirk Appiano, Provinz Como, trockenen Landes mit Reben und Maulbeerbaͤu— men, von 2000 Pertiche, wovon aber nur etwa 600 Per⸗ tich e Acker- und Weinland ſind. Was ihm in ſeiner gegenwarti— gen Stellung einen beſonders bedeutenden Werth gibt, iſt, daß er die Inſtruction für die Cataſtralſchatzung des kleinen Herzog⸗ thums Maſſa entwarf und die practiſche Durchführung in den Jahren 1822 und 1825 leitete. Die Herren v. Dordi und v. Pellegrini, bedürfen we⸗ niger techniſche, als Adminiſtrationskenntniſſe, denn ihre Ge— ſchäfte beziehen ſich nur auf politiſche und Rechnungsgegenſtaͤn— de. Herr Pirola iſt ein wohlunterrichteter, lebhafter, arti— ger junger Mann, dem es nicht an Scharfſinn und vielen ſchäͤtz⸗ baren Kenntniſſen fehlt. Rechnet man hiezu Herrn Berra, der in wiſſenſchaftlicher und practiſcher Hinſicht allen lombardiſchen Landwirthen überle— gen iſt, ſo erſieht man, daß es mir nicht an Quellen fehlte, viele ſchätzbare Nachrichten über den Betrieb der Landwirthſchaft in der Umgebung der Hauptſtadt und den nachſten Bezirken der angränzenden Provinzen zu erhalten. Abends beſuchte ich Herrn Berra in ſeinem Hauſe in der Stadt, wo er die Gefälligkeit hatte, mir auf alle meine vielen Frag ſeine ichit der er gelehr⸗ Lataſters e nella Stato di gemacht. I, iſtein d Pacht⸗ nigreichs niſſe ha⸗ Landgü⸗ Provinz Landes; piano, beerbau⸗ 9 Per⸗ nwarti⸗ t, daß derzog⸗ in den fen we⸗ hre Ge⸗ enſtan⸗ arti⸗ ſchätz⸗ iftlicher überle⸗ fehlte, thſchaft erken der in der vielen 7. Juni. Mailand. 93 Fragen gründlichen Beſcheid zu geben. Ich überzeugte mich aus ſeinen richtigen, präciſen und unumwundenen Außerungen, daß ich ihn beim erſten Beſuche richtig erkannt hatte, und freute mich der Erwerbung, die ich an ihm gemacht habe. Berra's Beſitzungen liegen in den Gemeinden Creſcen— zago, Seſto, Caſcinadi gatti, Ulcia vecchia, Ro⸗ vancarca und betragen mehr als 6000 Pertiche mila⸗ neſi= 632 Joch. Ein großer Theil ſeiner Felder iſt an Affit— tanzieri, ein anderer, eben ſo großer an Coloni verpachtet. Die Erſtern ſind Pachtunternehmer, die ihm einen jährlichen Pacht in Geld zahlen und die für ihre Rechnung die Gründe an die Coloni verpachten. Sein Viehſtand beſteht aus 52 Kühen, 2 Stieren und meh⸗ reren Stücken Nachwuchs, die den ganzen Sommer über im Stalle mit Wieſengras gefüttert werden. Die gewonnene Milch wird an einen Käsmacher, der in ſeinem Hauſe wohnt, zu ei— nem beſtimmten Preiſe verkauft, wodurch ſich ſeine Wirthſchafts⸗ rechnung ſehr vereinfacht. Zum Zuge haͤlt er Ochſen von einer ſehr großen Art, die etwa 12— 14 Zentner in den vier Vierteln wiegen mochten. Er theilte mir über Pachtbedingniſſe, Preiſe der Producte, Kauf⸗ und Pachtwerth der Gruünde, Grund- und Gemeinde— ſteuern u. ſ. w. eine Menge der intereſſanteſten Nachrichten mit, und benahm ſich auf eine ſehr verbindliche Weiſe gegen mich. Seiner Einladung, ihn nächſtens wieder zu beſuchen, werde ich nicht ermangeln zu entſprechen. 7. Juni. Benützung des Bodens in dem Vorgo degli ortolani. Gemüſegär⸗ ten. Maulbeerbaumſchulen. üppiger Baumwuchs. Bewäſſerte Wieſen⸗ Theater Ro. Nach Tiſch einen Spaziergang mit Herrn Lucini vor das Thor Portello in den Borgo degliortolani gemacht. 94 7. Juni. Mailand. Schmale Ackerfelder ohne Einzäunung, werden wie Garten— beete mit der größten Sorgfalt cultivirt. Große Vierecke voll Zwiebeln, Pori, Erbſen, wenig Kartoffeln, etwas Kopfkraut, inzwiſchen auch Mais und Weizen, zum Beweis, daß der Päch— ter mehr Land hatte, als er mit Dünger und Arbeit verſehen konnte, um es als Garten zu benützen. Pflanzſchulen von Maul— beerbäumen trifft man hier allenthalben in ſehr großer Ausdeh— nung, und es iſt nichts Seltenes, daß ein ſolcher Gärtner eine Fläche von 2— 500 Quadrat⸗Klaftern zweijähriger Bäumchen beſitzt. Sie verkaufen ſolche Baͤumchen mit vollendetem zweiten Jahre, ehe ſie gepfropft werden, das Hundert um 3 Lire= 52 kr. Dieſe Garten, Acker und Wieſen ſind ſammt und ſonders bewäſſerungsfähig. Wir beſahen mehrere Marcite, und als ich bei dieſer Gelegenheit zu wiſſen wünſchte, wie groß der be⸗ ſtimmte Waſſerzufluß für eine gegebene Fläche ſein müſſe, fand ich zu meinem großen Vergnügen in meinem Geſellſchafter einen Mann, der über Anlegung von Bewäſſerungen, Kauf- und Pachtwerth des Waſſers, Bedarf deſſelben für beſtimmte Zwecke, ſehr gründliche Kenntniſſe hat, die mir in der Folge noch ſehr zu Statten kommen ſollen. Der Baumwuchs in dieſen bewaͤſſerten Gegenden iſt unge— mein groß und raſch. Die Fahrſtraßen ſind mit Platanen, Lin— den, Pappeln eingefaßt; alle übrigen Felder, wenn ſie eine Parzelle bilden, ſind mit Pappeln und Weiden eingefaßt, die zu Kopfholz genützt werden. Die Rücken der Wieſenbeete ſind häufig mit der Bandweide bepflanzt, die alle zwei Jahre niedrig am Boden weggeſchnitten wird. Abends kam ich in das dritte Theater— Teatro Réè. Man gab die Oper: Mathilde Chabran, mit einem Ballete zwi— ſchen den beiden Acten. Das Theater liegt in der Nähe des Dom— platzes, iſt klein, ſchmutzig, ſchlecht beleuchtet. Saͤnger und Taͤnzer waren gleich elend. ihm zu n dinzer kaufe Hle wo riel Garten⸗ ecke voll ofkraut, er Paͤch⸗ verſehen n Maul⸗ Ausdeh⸗ tner eine äumchen zweiten = 52 kr. ſonders und als der be⸗ , fand einen ⸗ und wecke, ich ſehr i unge⸗ u, Lin— e eine nt, die ne ſind giedrig Man e zwi⸗ Dom⸗ er und 8. Juni. Mailand. 95 8. Juni. ffentliche Unſicherheit. Menge der Naubanfälle. Urſachen, welche hiezu Veranlaſſung geben. In der Lombardie wie in England bringen gleiche Urſachen gleiche Wirkung hervor. Das überhandnehmen der Räuber wird durch die Feigheit des Volkes begünſtigt. Beſchuldigung des öſterreichi⸗ ſchen Codex, daß er zu mild ſei. Meinung, daß die Einführung des Geſchwornengerichts nothwendig ſei. Die Unſicherheit auf den öffentlichen Straßen iſt ein ſtehen— der Artikel in der Converſation. Da hört man faſt täglich, daß Fahrende und Fußgänger von Räubern angehalten, nicht ſelten mißhandelt und dann beraubt worden ſeien. Weil ich aber weiß, wie ſehr ſolche Gerüchte vergrößert werden, ſo wandte ich mich an einen Rath des hieſigen Criminal-Obergerichts, um mich von ihm über dieſen Gegenſtand belehren zu laſſen, der mir dann zu meinem Schrecken verſicherte, daß im Umkreiſe der neun Pro— vinzen, welche das lombardiſche Gubernium bilden, im Ver— laufe des Jahres 1827 nicht weniger als 2500 Raubanfälle(Ag- gressioni) verübt und zur Kenntniß des Obergerichts gebracht worden ſeien. Er meint, man koͤnne noch mehr annehmen, weil viele nicht angezeigt würden.*) Die Leichtigkeit, mit der Jedermann die Erlaubniß erhält, ſich verheirathen zu dürfen und das Verbot der Auswanderung, vermehren auf eine drohende Art die ohnehin übergroße Bevöl— kerung dieſes Landes, die beim Ackerbau als Coloni oder Tag— löhner keinen genügenden Lohn für ihre Mühe findet und beim Mangel einer nützlichern Beſchaftigung in Fabriken, in Kum— mer und Noth aufgewachſen, ohne ſittliche Bildung, durch Beiſpiel, oft durch Noth verleitet, erſt ſtiehlt und dann auch wohl mit Gewalt nimmt, was man ihr nicht gutwillig gibt. Unter gleichen Umſtänden bringen gleiche Urſachen gleiche *) Spätern Nachrichten zufolge, ſind in der einzigen Provinz Mailand, im letzten Quartal 1828, 65 Raubanfälle erhoben worden; 30 meinte man, wären verſchwiegen worden. 96 8. Juni. Mailand. Wirkungen hervor. Man liest und hört viel von den engliſchen Straßenräubern, beſonders von der Unſicherheit in der Nähe von London, auch wohl in den etwas weniger beſuchten Stra⸗ ßen der Stadt ſelbſt. Auch dort iſt eine unverhaltnißmäßig große Bevölkerung; auch dort läßt man die Leute heirathen, ſobald ihnen die Luſt hiezu ankömmt, und denkt nicht, daß die Kinder ſolcher Ehen dem Staate oder der Gemeinde zur Laſt fallen und die Pflanzſchule des Verderbens, der Unſittlichkeit und aller Laſter ſind. Der perſönliche Vortheil der Grundeigenthümer in Italien und in England ſteht mit der großen Bevölkerung im nächſten Verhältniß. Je mehr Menſchen, um ſo größer iſt die Concur— renz bei Pachtungen, Geding oder Tagarbeiten; um ſo höher alſo die Pachtzinſe, und um ſo niedriger die Arbeitspreiſe. Wäre die Bevölkerung kleiner, ſo würden ſich die Pachtwerber nicht ſo un— ſinnig überbieten, und es bliebe Jedem ſo viel, daß ſeine Mühe und Auslagen gehörig vergütet würden, was jetzt nirgendwo mehr der Fall iſt; denn, wie ich an einem andern Orte zeigen werde, verdient ſich der Colon weniger als der Taglöhner und dieſer in Italien weniger als in den benachbarten Ländern. Die große Menge von Raubgeſindel iſt in Italien eine wahre Landplage und verkümmert den Genuß des Reiſens und des Auf— enthaltes in iſolirten Häuſern gar ſehr. Das Volk thut aber auch nichts, um dieſes Geſindels los zu werden und möchte haben, daß jeder Einzelne durch ein Paar Gensd'armen geſchützt würde. Sich ſelbſt zu vertheidigen, gemeinſchaftliche Jagd auf die Raͤu⸗ ber zu machen, Jene zu entſchädigen, die dadurch, daß ſie die Raͤuber entdeckten, irgend einen Schaden erlitten, fällt ihnen nicht ein. Sie ſtecken die Hände in den Sack, und wenn ihrer auch vier beiſammen waͤren, ſo laſſen ſie ſich doch von einem einzi⸗ gen Nichtswürdigen geduldig plündern, wie mir mehrere glaub— würdige Männer erzählten, und wie ich auch in Treviſo hätte erfahren können, wenn ſich wirklich Räuber vor dem Schloſſe in Doſſon gezeigt hätten. Re gliſchen Naähe Stra⸗ große sſobald Kinder fallen ind aller talien richſten „oncur⸗ zer alſo are die 1ſo un⸗ Mühe undwo weigen lic und 3i. 2 wahre tes Auf⸗ aer auch Jaben, „yürde. Räu⸗ (ſie die à ihnen 0 ihrer 1 einzi⸗ eglauk⸗ „ hatte cloſſe 9. Juni. Mailand. 97 Daß der öſterreichiſche Criminal⸗Codex nicht geeignet ſei, die Menge der Verbrechen zu mindern und die Schuldigen zur Strafe zu bringen, iſt eine Klage, die man von Pola bis Pavia hört.»Vielleicht paßt derſelbe,« ſagen die Italiener, „für euch, die ihr vielleicht aufrichtiger oder dümmer ſeid, wie „wir, und dem Richter, der euch fragt, alles geſteht und euch »„dadurch um Freiheit und um den Hals ſchwäͤtzt; für unſere „Leute taugt er nicht, die liſtig und verſchlagen genug ſind, die „gewandteſten Richter irre zu führen.« Sie meinen, daß die gegenwartige Procedur die Kerker mit Inquiſiten, das Land mit Precettati(unter Polizeiaufſicht Stehenden) erfülle, weil der Proceß zu langwierig iſt und die Herſtellung des überzeu— genden Beweiſes gar zu leicht vereitelt werden kann, ſo daß die Meiſten wegen Mangel an Beweiſen wieder entlaſſen würden, von deren Verbrechen die Richter und Beiſitzer moraliſch über— zeugt ſind. Sie glauben, daß für ihr Land das Geſchwornenge— richt abſolut nothwendig und daß dieß das einzige Mittel ſei, auf das Volk einzuwirken und es zur Überzeugung zu bringen, daß der geſchickte Lügner nur dann ſtraffrei ausgeht, wenn er vom Volke ſelbſt für unſchuldig gehalten wird.— Doch ſiehe da! ich verirre mich in einen Gegenſtand, der zwar keinem Staats⸗ bürger fremd ſein darf, der aber doch mehr verwickelter Natur iſt, als daß er in dieſen Blättern noch weiter erörtert wer⸗ den könnte. /——QQ— 9. Juni. Reiſe nach Mozzate. Anſicht des Landes. Bewirthſchaftung deſſelben. Waſ⸗ ſerquellen zur Bewäſſerung benützt. Seidenraupen in Mozzate und Locate. Cultur von Nadelholzbäumen in Mozzate. Ich hatte gegen den Grafen Caſtiglioni den Wunſch ge⸗ qußert, die Pflege der Seidenwürmer da, wo ſie von dem Land⸗ volke allgemein betrieben wird, zu ſehen, und er hatte die Ge⸗ fälligkeit mir anzutragen, mich auf ſein Landgut Mozzate führen I. 2 98 9. Juni. Mozzate und Locate. zu laſſen und mir da alle Gelegenheit zu verſchafſen, meine Neu⸗ gierde zu befriedigen. Der Werth dieſer Gefaͤlligkeit ward noch dadurch bedeutend erhöht, daß er mir ſeine beiden Söhne zu Geſellſchaftern mitgab, die es ſich angelegen ſein ließen, mir über meine Fragen Beſcheid zu ertheilen und das Vergnügen die— ſer Excurſion bedeutend erhöhten. Wir fuhren früh Morgens von Mailand weg und waren um 10 Uhr in Mozzate, obgleich die Entfernung 2 ½ Poſten be⸗ trägt. Bis Bollate wechſeln Acker mit bewäſſerten Wieſen, dann aber hört alle Bewäſſerung auf und man ſieht nichts als trockenes Ackerland mit Maulbeerbaͤumen, bis man nach Moz⸗ zate kommt. Der Weg führt durch eine ununterbrochene Ebene, in der verhaältnißmäßig wenige Ortſchaften und noch weniger Landhäuſer oder Luſtſchlöſſer vorkommen; nur allein Caſtel— lazzo, ober Bollate, iſt ein ſolches Gebaude, das aber die Größe eines gewöhnlichen Luſtſchloſſes weit übertrifft. Weizen und Mais ſind die Hauptfrüchte dieſer Gegend; doch ſieht man noch immer viel Roggen, welcher allgemach auch hier verſchwin⸗ den wird, wie bei Verona. Der Roggen war überreif; allein man hatte keine Zeit, ihn zu ſchneiden, da alle Häͤnde jetzt mit der Wartung der Seidenwürmer beſchaftigt waren, die allge⸗ mach anfingen, ſich einzuſpinnen. Man ſieht auch ziemlich viele Lupinen, ſie ſtanden in der Bluͤthe und ſind beſtimmt, reif zu werden. Faſt jede Beſitzung hat ein ſolches Stück, um ſich den Selbſtbedarf an Samen für die grüne Düngung zu verſchaffen und einen Theil davon zu verkaufen. Ich ſah die Landleute zum Theile mit dem Sammeln des Maulbeerlaubes, zum Theile mit dem. Abhacken der Aſte be— ſchäftigt. Bei Roſerio ſind an der Straße, nicht weit von einan— der, zwei Fontanille ausgegraben und mit einer Einfaſſungs— mauer umgeben. Eine ſolche Fontanilla mag etwa 12 Klafter lang, 6 Klafter breit und 2 Fuß tief ſein. Das hier gewonnene Quellwaſſer iſt ungefahr 3 Fuß unter der Oberfläche des Bodens Neu⸗ noch ne zu „mir en die⸗ ren um ten be⸗ ieſen, ts als Moz⸗ bene, beniger aſtele er die eizen man win⸗ allein azt mit algge⸗ hy viele eif zu -) den Haffen un des te be⸗ winan⸗ ungs⸗ Llafter nene dens 9. Juni. Mozzate und Locate. 99 und wird in einem Canal fortgeführt, um näher gegen die Stadt zur Bewaͤſſerung verwendet zu werden. Um das Waſſer, das hier 3 Schuh unter der Erde ſteht, zwei Schuh hoch über die Erde zu bringen, muß man es in einem ſo ebenen Lande, wie dieß hier der Fall iſt, vielleicht 1000 Klafter weit führen. Das ware auf 100 Fuß Laͤnge Fuß= 2 Zoll Fall;=— 600:1. Ich ſah eine Wieſe aufackern. Zwei Pflüge, jeder mit zwei ſtattlichen Ochſen und einem Vorgänger. Es ſind Schwingpflüge mit einem ſchmalen Schar⸗ und ſehr kleinen Secheiſen, deſſen Spitze weit hinter der Spitze des Schars ſteht, mit einem gut geformten Streichbrette und ſehr langen einfachen Handhaben, womit der Pflüger die Richtung des Schars leitet. Der Boden hat keine Steine und die Arbeit ging gut von Statten, wenn man das Abſchneiden eines Erdſtreifens auf 4 Zoll Tiefe eine gute Arbeit nennen will. Kaum waren wir in Mozzate angekommen, ſo trugen meine Geſellſchafter dem Fattore ihres Vaters auf, mir nicht allein die für eigene Rechnung geführte Seidenzucht in den beiden herr— ſchaftlichen Häuſern zu Mozzate und Locate zu zeigen, ſon— dern mich auch in mehrere Häuſer ihrer Colonen zu führen, da es mich vorzüglich intereſſirte, zu ſehen, wie man da bei beſchränktem Raume und geringen Hülfsmitteln denſelben Zweck erreicht. In Locate fand ich die zwei Zimmer, welche hiezu beſtimmt waren, nach den Vorſchriften Dan dolo's, mit Caminen und Luftzügen eingerichtet. Die Familienglieder der Beamten des Grafen ſowohl, als die der Bauern, waren nun ſammt und ſon⸗ ders mit dem Füttern und Warten der Raupen beſchäftigt, die entweder ſchon anfingen ſich einzupuppen, oder ſich in der letzten Periode ihres thätigen Lebens befanden, wo ſie viel freſſen und des haͤufigen Unraths wegen auch großer Sorgfalt in Hinſicht der Reinigung bedürfen. Die Bauern hatten das regſte Intereſſe an der Sache und waren gut gelaunt, da die Raupen überall ſehr friſch ausſehen * 6 100 9. Juni. Mozzate und Locate. und geſund ſind und nur wenige Tage mehr freſſen werden. In einigen Häuſern waren die Raupen ſchon im Bosco, d. h. ſie waren ſchon in das aus Ginſter- und Rübſenſtroh beſtehende Geſträuß gekrochen, um ſich da zu verpuppen. Dieſes Gebüſch wird ſenkrecht in Linien zwiſchen den aus Rohr geflochtenen Ta— feln aufgeſtellt. Der hintere an die Mauer anſtoßende Theil eines ſolchen aus übereinanderſtehenden Tafeln beſtehenden Ge— rüſtes, wird ganz mit dieſem Gebüſche bedeckt, und auch von außen werden zu den beiden Seiten Latten befeſtigt, die mit Stroh umhüllt ſind, um den Raupen auf allen Seiten Gele— genheit zu gewähren, ſich zu verbergen und zu verpuppen. Bei einem Colon fand ich die Raupen zwar ſchon im Bosco, doch ſtieg noch der größte Theil in demſelben herum. In den Zim— mern des Schloſſes zu Locate war ein großer Theil ſchon ein— geſponnen. Bei den Colonen des Grafen Caſtiglioni fand ich allenthalben Weingeiſtthermometer, die aber nur die vier Waͤrmegrade anzeigten, die man bei der Pflege der Raupen zu beobachten hat. Sie zeigten heute 16 bis 17 ½° R. und ſind ein Geſchenk, das der Graf ſeinen Colonen machte, die, wie es ſcheint, den Werth des Werkzeuges einſehen. In Locate fand ich an dem Wirthſchaftsverwalter(Fatto⸗ re) und ſeinem Sohne ſehr verſtaͤndige, und mit dem Detail der landwirthſchaftlichen Geſchäfte wohl vertraute Männer, von denen ich über Seidenzucht, Maulbeercultur, Weinbau und Pachtrenten der hieſigen Gründe ſehr viele Nachrichten und Auf— ſchlüſſe mitgetheilt erhielt. Arthur Young erwähnt in ſeiner Reiſe, daß der Graf 40° Pertiche einer wüſten, aus unfruchtbarem Kiesſande beſte— henden Heide in einen Wald verwandelt habe, indem er dieſen Boden pflügte, mit Eicheln beſaͤete und Erlen, Laͤrchen und andere Bäume darauf pflanzen ließ, die recht gut fortkamen. »Die geſäeten Eichen,«ſagt You ng,»übertrafen in acht Jah— »ren alle übrigen und ſind ſchon(1789) recht ſchöne Bäume.« Ich aͤußerte den Wunſch, dieſe Baumpflanzung zu ſehen und n. In .h. ſie hende ebüſch en Ta⸗ Theil in Ge— h von ie mit Gele⸗ Bei doch Zim⸗ nein⸗ fand vier n zu dein die es atto⸗ Lil der rvon und Auf⸗ (Graf beſte⸗ dieſen und men. Jah⸗ ne.« und 9. Juni. Mozzate und Locate. 101 meine Gefaͤhrten trafen ſogleich Anſtalt, daß ein Paar Kutſchen angeſpannt wurden, die uns dahin führten. Der Boden zwiſchen der Straße, die nach Vareſe führt, und dem Olona, iſt in dieſer Gegend hier Heideland, beſteht aus Steingeröll mit grobem Sande, und iſt das Bett eines Tor⸗ rente, der von Zeit zu Zeit dieſe Gegend überſchwemmt.— Es war ein ſehr glücklicher Gedanke, den Wildbach, der bisher das Land unfruchtbar machte, zu zwingen, es fruchtbar zu ma⸗ chen, was man dadurch bezweckte, daß man ihn da, wo er zur Heide kommt, anfing einzudämmen, und daß man durch meh⸗ rere in ſeinem Bette angelegte Wehren den gahen Fall des Waſ⸗ ſers hindert, und durch ausgegrabene Seitencanäle ſein Aus⸗ fließen zu beiden Seiten über die ganze Fläche befördert. So weit das ausgeleitete Waſſer reicht, wird durch den fruchtbaren Schlamm und die thonige Erde, womit der Boden bedeckt wird, die Heide ſchnell zerſtört, und das Wachsthum guter Gräſer und der geſammten Bäume begünſtigt; nur wohin das Waſſer nicht gelangt, iſt die Heide dürr und unfruchtbar. Der größte Theil der Waldpflanzen beſteht aus Eichen, die man in umgegrabene, gleich weit abſtehende Erdſtreifen ſäet. Dieſe Streifen ſind 5 Fuß weit von einander abſtehend; in der Linie ſind die Pflanzen etwa einen Fuß weit von einander ent— fernt. Man findet im Wald Bäume von allen Altern, denn es wird die Saat jährlich weiter ausgedehnt. Ich ſah noch Pflaͤnz⸗ chen, die erſt zwei Jahre alt, und Baͤume, die vor 50 Jahren ge⸗ ſäet worden waren. Die Verſuche, welche hier mit dem Verſetzen der Nadelhöl⸗ zer gemacht worden ſind, haben ein ſehr glückliches Ergebniß ge⸗ liefert. Fichten, Tannen, vorzüglich aber Kiefern(Pinus sil- vestris) gedeihen ſehr gut, und waren ungemein ſchön; auch Lrchen ſind da, deren mehrere, die vor 40 Jahren gepflanzt worden waren, jetzt 26 Oncie di Milano= 48 Zoll Wiener Maß im Umfange hatten. Die Benützung des Waldes daucht mir aber fehlerhaft, 102 10. Juni. Mailand. und den Bodenverhaͤltniſſen unangemeſſen zu ſein; es werden nämlich die Bäaume alle ſechs Jahre abgehauen, wobei man aber mehrere Baͤume ſtehen läßt, denen man zur Zeit des allgemei— nen Niederhauens des Stocktriebholzes die untern Aſte abhackt. Die Folge dieſes Verfahrens iſt, daß der Ertrag des Waldes nur gering iſt, denn die Umtriebsperiode iſt für ſo ſchlechten Boden zu kurz; es können ſich keine ſtarken Wurzeln bilden; viele junge Baͤume gehen darüber zu Grunde; der Wald kann ſich nicht ſchließen und die hochſtämmigen Bäume, die man alle ſechs Jahre ihrer untern Aſte beraubt, können nie dick und kraf⸗ tig werden. Das Holz wird in Bündel gebunden, die 3 Fuß Laͤnge und etwa Fuß Durchmeſſer haben; 100 ſolcher Bündel vomſchlech⸗ teſten Holze, Fichten und Erlen, koſteten 12 Lire di Milano. Der Fläͤcheninhalt des Waldes mißt nicht 400 Pertiche, wie Young ſagt, ſondern ohngefähr 2200(=— 250 Joch). Die Cultur der Weinreben iſt von geringer Bedeutung. Auf den Hügeln von Locate ſah ich einige neue Anlagen, allein die fruchtbaren Gründe von Mozzate ſind nur mit Maulbeer⸗ baumen beſetzt. Hier würden die Reben wahrſcheinlich höheren Ertrag abwerfen, als die Maulbeerbaume, die für den Schotter— boden der Heide viel angemeſſener waͤren, als Eichen, Fichten und Fähren, oder gar als Weinreben, wie ich mich überzeugt halte, nachdem ich den Boden der Umgebung von Verona und die darauf gedeihenden Maulbeerbäume geſehen habe. Abends 9 Uhr waren wir wieder in Mailand. —— 10. Juni. Lazaret vor der Portaorientale in Mailand. Große Winterwieſen im Hofe dieſes Gebäudes. Auf einem Spaziergange Abends vor der Porta orientale fiel mir das große niedrige Gebäude auf, das man gemeinhin erden aber mei⸗ ackt. aldes chten lden; kann alle kraf⸗ und hlec⸗ ano. le Uein deer⸗ heren otter⸗ ſchten eugt und ſen im tale inhin 10. Juni. Mailand. 103 das Lazaret nennt. Ich ging hinein, um es näͤher zu beſehen, und ward durch eine Steinſchrift belehrt, daß es im Jahre 1629 auf Unkoſten der Stadt erbauet worden ſei, um die Peſtkran⸗ ken aufzunehmen, die ſich ergeben dürften, wenn dieſe Geißel die Stadt treffen ſollte, welche bereits die benachbarten Staͤdte verheerte.*) Es iſt ein großes Viereck, 560 Schritte auf jeder Seite lang, und mißt daher im innern Raume, d. h. ſein Hof iſt groß= 31 ⅛ Joch. Die Wohngebaäude ſind bloß ebener Erde, und jede Wohnungsabtheilung, deren 282 ſind, beſteht aus zwei Zimmern, in deren einem ein Camin ſich befindet. Rings⸗ herum lauft innerhalb des Hofes ein bedeckter Saͤulengang, und von außen iſt das Gebäude mit einem ausgemauerten Gra⸗ ben umgeben, in dem Waſſer läuft. Der große Hofraum iſt jetzt in eine bewäſſerte Wieſe umſtaltet, die nach allen Regeln der Kunſt angelegt iſt, und von der man ſich über die Art, eben— liegende Flächen gleichförmig zu bewaͤſſern, die beſten anſchauli— chen Kenntniſſe erwerben kann. Ich unterſuchte die Art der Graͤ— ſer, und fand Lolium perenne, 7ao weißen Klee, und 10 aus Bromus mollis, Dianthus ec. beſtehend. Andere Stellen, wo das Gras noch kurz war, weil ſie erſt gemäht worden wa⸗ ren, zeigten viel Plantago lanceolata, Schafgarben, Ranun- culus repens, etwas Rumex acetosella und Bromus mollis, doch war auch hier faſt die Haͤlfte Lolium perenne. Mehrere Haufen von Cloakendünger mit Erde gemengt, ausgelaugte Aſche, Ackererde, Stalldünger, ſtanden bereit, auf der Wieſe zerſtreut zu werden. In den Zimmern fand ich Taglöhner, Waͤſcherinnen, Hand⸗ werksgehülfen: kurz, arme Leute, die ſich mit wenig Raum be— helfen müſſen. Mich wundert, daß die Stadt noch kein Mittel erdachte, dieſes ungeheure Gebaäude, das hart vor dem Tyore der Stadt liegt, zweckmäßiger und einträglicher zu benützen. *) Die Verheerungen, welche die Peſt in Mailand im Jahre 1632 an⸗ richtete, ſind ſehr pathetiſch beſchrieben in dem Epoche machenden Ro⸗ mane Manzoni’ S: I promessi sposi. 104 11. Juni. Mailand. 11. Juni. Bibliothek in der Brera. Porta Ticineſe. Vereinigung der Wäſſer an dieſer Stelle. Pantheon. Neue Oper im Theater alla Scala. In der Bibliothek der Brera, die reich mit alt und neuer Literatur ausgeſtattet iſt, und einen ſehr geräumigen Leſeſaal hat, fand ich viele Menſchen, die da laſen oder Auszüge mach— ten. Spaäͤter machte ich mit einigen Freunden einen Spaziergang zur Porta Ticineſe, wo ich das einfach ſchöne, aus Gra— nit beſtehende Thor mit der aus dem gleichen Materiale gebauten Brücke über den Naviglio grande bewunderte. Der franzöſiſche Kaiſer began den Bau, und der deutſche Kaiſer endete ihn, und weihte das Thor: Dem Frieden der Völker. So oft ich in der Folge das Thor wieder ſah, gefiel es mir immer gleich gut, und ſeine prunkloſe Inſchrift iſt des beſten Monarchen würdig. Die Ausſicht auf der Brücke hat für den Landwirth, und noch mehr für den Waſſerbaukundigen ein großes Intereſſe. Man ſieht hier die Vereinigung mehrerer Waͤſſer in ein Becken, das eine Art von Hafen vorſtellt und ihre neue Vertheilung nach ver- ſchiedenen Richtungen. Da vereinigt ſich von der einen Seite der Olona mit dem Naviglio grande, und bildet das ſo eben erwähnte Becken, das ſein Waſſer in den Naviglio di Pavia ergießt. Ein Theil dieſes Waſſers iſt in einem gemauerten Canal eingeengt, und kann durch eine Schleuſe(Concha) geſtauet werden, um ihn mit dem Canal di Marteſana in den gleichen Horizont zu ſetzen, welcher Canal ober der Stadt den Bach Se— veſo aufgenommen, und die Stadt durchſtrömt hat, und hier in der Nähe der PortaTicineſe aus der Stadt kommt, um zum Theil in den Canal di Vettabbia, und zum Theil in ei⸗ nen andern Canal abzufließen. Wir gingen dann auf der Höhe des Walls zurück, um das Pantheon zu beſehen, eine kleine Kirche, die in Form des rö⸗ di co gr. 1 ſh hen ger an neuer eſeſaal mach⸗ rgang Gra⸗ auten bſiſche ihn, Sooft gleich rhen und Man , das ihver⸗ ite der eben avia anal tauet richen Se⸗ hier „um in ei⸗ das 15rö⸗ 1a. Juni. Ponte di Moggio. 105 miſchen Pantheons gebauet iſt. Der Kirchhof iſt mit einer hohen Mauer umgeben, in welcher Niſchen durch vorragende Wölbun⸗ gen angebracht ſind, in die man Monumente für Männer ſe⸗ tzen wollte, die ſich um das Vaterland verdient gemacht hätten. Es blieb bei der Idee und es iſt gut, daß man Niemand dieſer Ehre würdig genug fand, oder daß die Fonds zur Ausführung fehlten; denn es waren die Gemüther viel zu bewegt, als daß man mit kaltem Blute die Verdienſte Einzelner gehörig hätte be— urtheilen können, ohne ſich der Gefahr auszuſetzen, daß ein in das Pantheon Gebrachter bei veränderten politiſchen Verhältniſ— ſen nicht wieder aus demſelben relegirt worden wäre, wie dieß anderswo geſchah. Im Theater alla Scala war heute eine neue Oper von Pacini: ICavalieri di Valenza. Madame Lalande iſt erſte Sängerinn, Mademoiſelle Unger macht den Muſico, Herr Winter den Tenore. Brave Sanger, gute Schauſpieler; ſie konnten aber, trotz aller Anſtrengung, nicht verhindern, daß das Stück nicht mißfiel. Der Text(il Libretto) war gar zu gehaltlos, unnatürlich und widerlich. —— 12. Juni. Fahrt nach Ponte di Moggio, über Corſico. Käſemagazine. Waſſer⸗ ausleitungen aus dem Naviglio grande. Beſchreibung der Beſitzung Lucini. Verſchwinden des rothen Klee's in den bewäſſerten Ackern. Beweiden der bewäſſerten Wieſen mit Kühen. Beſitzung des Grafen Belgiojoſo. Fahre mit Herrn Lucini nach ſeiner Beſitzung, Ponte di Moggio, in der Gemeinde San Novo, Bezirk Binas⸗ co, Provinz Pavia. Der Weg geht laͤngs des Naviglio grande durch Corſico, wo ich die großen Kaäſemagazine be⸗ ſah, die ſich hier befinden. So lang wir neben dem Canal fuhren, ſah ich fortwährend zu beiden Seiten, mehr aber an der ſüdli⸗ chen, ungefahr alle 200 Klafter, oft alle 40 Klafter, Waſſer ——ꝛ—ꝛ———————--Jÿᷓᷓ 106 12. Juni. Ponte di Moggio. aus demſelben unter der Straße ableiten, deſſen Quantitaͤt öf⸗ ters ſo groß war, daß es ein Mühlrad zu treiben hinge⸗ reicht hätte. Die Ausleitungsthore haben ſteinerne Pfeiler, und das zwiſchen denſelben bewegliche Fallthor iſt mit einem Schloſſe in der gegebenen Höhe befeſtigt, um die Menge des ausſtrömenden Waſſers zu reguliren. Man ſieht nicht ſelten unter dem Bette des Naviglio grande Waſſeer durch einen gemauerten Canal hervorkommen, das quer durch ihn von der an⸗ dern Seite herüber geführt iſt, welche Waſſerführungen offen— bar älter als der Canal ſind, denn ſpater, nachdem der Canal ſchon fertig war, waͤre eine ſolche Waſſerführung nicht mehr ge⸗ ſtattet worden, da man, nach den Landesgeſetzen wohl über, aber nicht unter einem beſtehenden Canal, ſein Waſſer füh⸗ ren kann. Die Beſitzung Lucini iſt klein, aber in einem wohlgeord— neten Zuſtande, mit einem gerdͤumigen Hauſe und den nöthigen Stallungen für den Viehſtand. Sie mißt 3561 Pertiche= 41 Joch und iſt ga nz bewäſſerungsfähig. Der gegenwaͤrtige Beſitzer hat dieſe Wirthſchaft im Jahre 1312 gekauft und ſie ſeit der Zeit ſehr verbeſſert. Die Bewaäͤſſerungen ſind zum Theile ganz neu, ſehr verſtändig angelegt und in gutem Zuſtande erhalten. Die Hälfte der Aicker iſt mit Reiß beſtellt, ⅛ iſt Klee, ½ Wei⸗ zen, Mais, ein großer Theil Grund liegt zu Wieſen. Er hat 7 Kühe, 1 Färſe und 4 Pferde. Seine Felder liefern ihm für dieſe Thiere genügend Futter und Streu. Hier war es zuerſt, daß ich das Verſchwinden des geſaͤeten rothen Klees im zweiten Jahre ſeiner Vegetation und das Er— ſcheinen des weißen Klees bemerkte. Man mähte gerade Klee auf einem Stücke Ackerlande zu Grünfutter für das Vieh, und als ich faſt lauter weißen Klee ſah und nur wenig rothen darunter wahrnahm, und fragte, ob weißer Klee geſäet worden ſei, ſo antwortete mir der Arbeiter, daß in dieſes Feld im vorigen Jahre rother Klee unter Weizen geſäͤet worden ſei, und daß er heuer bei der erſten Mahd noch faſt lauter rothen Klee abge⸗ ſcnite me, o vandle Li es d Reißf Getr 7 4 gung in te ut! ſee un Blat Fruſc Sohn Aufen itat of⸗ hinge⸗ ffeiler, einem age des t ſelten ih einen deran⸗ joffen⸗ Canal ehr ge⸗ n über, Ler füh⸗ lgeord⸗ thigen = 41 l5eſitzer her Zeit 25 neu, 1 Wei⸗ Dn. Er nen ihm ze ſdeten as Er⸗ Cllee auf dund als nrunter dſei, ſ zorigen yaß er abge⸗ 12. Juni. Ponte di Moggio. 107 ſchnitten habe, nach welchem aber immer weißer vorkom⸗ me, oder wie er ſich ausdrückte, in welchen ſich der rothe ver— wandle. Lucini und ſein Meier gaben mir über die Cultur des Rei— ßes die ausführlichſten Nachrichten und führten mich durch alle Reißfelder, um mir die Eindämmung und Bewäͤſſerung dieſer Getreideart auf das klarſte zu zeigen. Die Cultur des Reißes iſt ſehr eintraͤglich, denn die Erzeu— gung iſt weniger gefährdet, wie die der übrigen Getreidearten im trockenen Lande; ſie bedarf weniger Dünger und das Pro⸗ duct hat einen verhaͤltnißmäßig hohen Geldwerth; dafür aber iſt ſie ungeſund, auch gewähren die Reißfelder mit ihren gelbgrünen Bläattern einen unangenehmen Anblick, und das Geſchrei der Fröſche und das Summen der Inſecten, ſammt der Legion Schnaken, die ſich Abends einſtellen, verleiden Einem ſehr den Aufenthalt in der Nähe derſelben. Die Kühe ſind Schweizer Raſſe; ihre Milch wird taͤglich zu einem benachbarten Käſemacher getragen, der für die Brenta 6 Lire zahlt. Um den Kaͤſemacher zu beſuchen, führte uns der Weg durch eine Beſitzung des Grafen Belgiojoſo, deſſen Paͤchter ſeine Kühheerde gerade auf einer ſchönen Wieſe weiden ließ. Es wa⸗ ren 54 Stücke, ſchwarzbraun, lang, ſchwer und von der größ⸗ ten Art, die ich je ſah. Die Hörner ſind weiß, mit ſchwarzen Spitzen. Die meiſten hatten 5—8 Kälber gehabt. Es waren hierbei drei Maͤnner, die ſie hüteten und dafür ſorgten, daß ſie nicht das ganze Feld auf einmal niedertraten. Dieſe Kuhhirten waren ſchöne junge Burſchen, mit modern geſchnittenen Haa⸗ ren, Backenbärten, Ohrringen und modernen Hüten. Der Pachter ſowohl als der Käſemacher waren artig und ge⸗ faͤllig und ermüdeten nicht, auf meine vielen Fragen zu ant— worten. Die Wirthſchaft beſteht aus 2200 Pertiche= 250 Joch. Die Pachtung iſt auf neun Jahre abgeſchloſſen; längere Pachttermi⸗ 108 13. 14. Juni. Mailand. ne finden hier nicht Statt. Arbeitsthiere hält der Paͤchter: 3 Ochſen von der größten Art, nebſt 12 Pferden. 13. Junſi. Teatro filodramatico. Meine Freunde beſorgten mir eine Einlaßkarte in das Tea— tro filodramatico, ein ſehr artiges Liebhabertheater, wo ein aus dem Franzöſiſchen überſetztes Luſtſpiel: I Litiganti sen- za lite, ziemlich gut aufgeführt ward; wobei ich nur bedauerte, daß die Geſellſchaft ein ſo abgeſchmacktes, unwahrſcheinliches Stück gewaͤhlt hatte. 14. Juni. Preiſe der Lebensmittel, der Wohnung und der Dienſtboten in Mailand. Le⸗ bensweiſe der Italiener und insbeſondere der Mailänder. Hospitalität wird nicht geübt. Einziger Luxus auf Equipagen und Theater. Urſachen des großen Geldreichthums in der Lombardie. Vorzüge und Nachtheile der Lebensweiſe der Italiener im Gegenſatze mit der Lebensweiſe der Deutſchen. Die Koſten des Haushaltes einer auf burgerlichem Fuß le⸗ benden Familie wird man aus dem Verzeichniſſe der Preiſe der nothwendigſten Conſumtions-Artikel entnehmen können, die ich im Anhange verzeichnet habe. Die Wohnungen ſind hier in den beſuchteſten Straßen we— nigſtens um, in andern um die Hälfte wohlfeiler als in Wien. Der Lohn der Dienſtboten iſt ungefähr derſelbe. Man zahlt einer Köchinn und einem Zimmermädchen monatlich ô fl. 30 kr. und gibt ihnen für Wein und Brod täglich 6 Soldi, monatlich 1 fl. 20 kr., doch erhält jeder Dienſtbote nebſtbei ½ Pfund Brod. Sie erhalten Morgens Kaffee, Mittags Reiß mit Fiſolen, um 4 Uhr das Mittagsmahl, aus Suppe, Fleiſch, Grünſpeiſe und an gewiſſen Tagen auch aus Braten beſtehend; Abends Nichts. In den größeren Haͤuſern halt man überall Köche. M V ſorſen deutſe fnd.) umm ttalier verzet O laden wo ſ und Abend zünde 1 dari, tet hal Geurt laſſen, dfing der. dern ſten dr A dher d Gute der g ihre? de, n der gr hält. ger aus talien Pachter: ns Tea⸗ ſter, wo nti sen- auerte, teinliches Land. Le⸗ zität wird Jhen des ntachtheile Soeiſe der 2 Fuß le⸗ — iſe der die ich nen we⸗ * Wien. J zahlt 050 kr. nnatlich 1 Brod. Jn Um 1 e und glichts. 14. Juni. Mailand. 109 Man lebt in Italien und insbeſondere in Mailand, höchſt ſparſam, und verwendet auf Speiſe und Trank ſo wenig, daß wir Deutſche uns davon kaum einen Begriff zu machen im Stande ſind. Die Hauptnahrung der Italiener beſteht in Reiß; hierauf kommt Brod und dann erſt das Fleiſch, von dem man in jedem italieniſchen Haushalte kaum mehr als die Hälfte der Quantität verzehrt, die in einem deutſchen Haushalte erforderlich iſt. Jemanden, beſonders einen Fremden, zu ſich zu Tiſche zu laden, iſt nicht Sitte, auch wird in den Abendgeſellſchaften, wo ſich Freunde und Bekannte verſammeln, nichts verzehrt, und der ganze Aufwand, den die Hausfrau an einem ſolchen Abende macht, beſteht darin, daß ſie einige Kerzen mehr an— zünden läßt. Der mehrere Aufwand, den die Reichen machen, beſteht darin, daß ſie ſich eine elegante Equipage und eine Loge im Thea⸗ ter halten, um ſich am Corſo unter der Claſſe der durch ihre Geburt oder ihren Reichthum höher geſtellten Menſchen ſehen zu laſſen, oder ſeine Freunde und Bekannten in der Loge zu em— pfangen, wo man ſie lieber ſieht, als in der eigenen Wohnung. So ſparſam der Tiſch beſtellt iſt, ſo ſparſam iſt man auch in der Ausgabe für Möbeln, und ſo groß auch der Luxus in Klei— dern ſein mag, den die italieniſchen Damen ſo gut wie die deut— ſchen zur Schau tragen, ſo faͤllt doch dadurch ein großer Theil der Ausgaben weg, daß ſie wenige Menſchen bei ſich ſehen und daher weniger mit ihren Möbeln zu prunken verleitet werden. Die Urſache des größeren Geldreichthums des italieniſchen Gutsbeſitzers vor dem deutſchen, rührt daher nicht allein von der größeren Einnahme her, die er von ſeinen Gründen durch ihre Verpachtung bezieht, wie ich in dem Abſchnitte zeigen wer— de, welcher dieſem Gegenſtande gewidmet iſt, ſondern auch von der größern Sparſamkeit, womit er ſeine Einnahme zu Rathe hält. Wer aber mehr einnimmt, als ein Anderer, und weni— ger ausgibt als dieſer, muß einen größeren Vorrath von Capi— talien ſammeln. 110 14. Juni. Mailand. Der große Geldreichthum der Lombardie gibt ſich auf mannich⸗ faltige Art kund; durch den geringen Zinsfuß, durch den hohen Werth des Grund und Bodens, durch die Leichtigkeit, mit der die Staatsverwaltung die bedeutend hohen Steuern erhebt, durch die Ausſtattungen der Töchter mit anſehnlichen Summen, und durch die Inventarien, die bei der Hinterlaſſung minder— jähriger Kinder errichtet werden müſſen. Die Vortheile der Wohlhabenheit und des Reichthums für den Staat ſowohl als den Privaten, ſind nicht zu verkennen, und der Wunſch, daß es im Vaterlande auch ſo ſein möge, drängte ſich mir unzähligemal auf. Wenn ich aber von der an— dern Seite wieder erwog, daß wir unſere Sitten völlig ändern, unſere Gaſtfreiheit ablegen, die Gewohnheit, uns gegenſeitig zu bewirthen und uns beim fröhlichen Mahle oder im Gaſthauſe bei einem Glaſe Wein, über alle Gegenſtäͤnde zu beſprechen, die für uns ein Intereſſe haben, aufgeben, allen geſellſchaftlichen Verkehr möglichſt beſchränken und es zum Hauptſtudium machen müßten, wie man die arbeitende Claſſe auf das Minimum des Verdienſtes beſchraͤnket; ſo daͤuchte mir wieder, daß der Reich⸗ thum zu theuer erkauft wuürde, indem man für ihn faſt alle Ge— nüſſe des geſellſchaftlichen Lebens opfern müßte. Bei näherer Be⸗ trachtung dieſes Gegenſtandes ſchien es mir, daß beide Nationen in die Extreme verfallen; daß die eine zu karg, die andere zu ver— ſchwenderiſch ſei, und daß die erſte ihr Vergnügen in das Sam⸗ meln von Schätzen für die Zukunft, die andere aber in den Genuß der Gegenwart ſetze. Würde die erſtere über die Zukunft die nim— mer wiederkehrende Gegenwart nicht ganz vernachläſſigen, und die letztere im Genuß der Gegenwart mehr auf die Zukunft denken, ſo würden alle die Fehler wegfallen, die gegenwärtig dem Italie⸗ ner und Deutſchen ankleben. Handelt es ſich aber darum, zu entſcheiden, wer mehr fehlt, ſo ſcheint es mir außer Zweifel zu ſein, daß unſere Nationalfehler unſeren häuslichen ſowohl als Staatsverhäͤltniſſen viel nachtheiliger ſind, als den Italienern die ihrigen. Nüchternheit, Sparſamkeit, Haäuslichkeit, die dem A△ fteiet kenh bige wit Ego liche Eige mnein heſer viege ſhen gen d mannich⸗ den hohen „ mit der n erhebt, mjummen, a) minder⸗ ))ums für arkennen, mmöge, ; der an⸗ andern, ggenſeitig gjaſthauſe ehen, die Uaftlichen n machen rum des rr Reich⸗ alle Ge⸗ herer Be⸗ „ationen Tre zu ver⸗ 15 Sam⸗ 4 Genuß ndie nim⸗ und die denken, 31 Italie⸗ um, zl veifel zu ohl als llienern die dem A 14. Juni. Mailand. 111 Italiener eigenthümlich ſind, werden bei weitem nicht ſo häufig unter uns angetroffen; wogegen Verſchwendung, Sorgloſigkeit und Indolenz, die unter uns ſo häufig ſind, bei den Italienern ſelten wahrgenommen werden. Jedes Gute hat aber ſein Übles. Es ſcheint, daß ſich ein freier, offner Sinn ohne Hinterliſt; Wahrheitsliebe, Unerſchro— ckenheit, Tapferkeit und hohe Rechtlichkeit, nicht wohl mit ſchmu— tzigem Erwerbe und kleinlicher Sparſamkeit vertragen, und daß mit Kargheit und kaltem Verſtande faſt immer der gemeinſte Egoismus verbunden iſt, der den Menſchen jedes höheren mora— liſchen Aufſchwunges unfähig macht. Wenn ich daher die guten Eigenſchaften der Italiener nicht verkenne, ſo weiß ich auch die meiner eigenen Nation zu würdigen, und wenn die Italiener ſich beſſer in die Welt zu ſchicken wiſſen, als die Deutſchen, ſo über— wiegen doch die moraliſchen Eigenſchaften Dieſer, die politi⸗ ſchen Vollkommenheiten Jener. Die Fehler einer Nation hän— gen aber mehr von ihren politiſchen Einrichtungen als don ihren phyſiſchen Verhältniſſen ab. Wenn man die Regierungs— verfaſſungen, die in allen Staaten von Italien ſeit 400 Jah⸗ ren eingeführt ſind, mit den in Deutſchland beſtandenen und beſtehenden vergleicht und die Wirkungen berückſichtigt, die der oftmalige Wechſel der Regierungen, die große Bevölke— rung und der Reichthum bewirkten, der durch Handel und Fabri⸗ ken in den frühern, und durch Landwirthſchaft in den letztern Jahr⸗ hunderten hervorgebracht wurde, ſo wird uns der Geiſt des Vol— kes erklärlich, und warum er von jenem der Deutſchen ſo ſehr ab⸗ weicht, die zwar ſeit den Zeiten Theodorichs den größten Theil von Italien fortwaͤhrend beherrſcht, ſich aber nie darin anſaͤſſig gemacht, und weder ihre Sprache noch ihre Sitten daſelbſt ver⸗ breitet haben. 15. Juni. Monza. 15. Juni. Fahrt nach Monza. Anſicht des Landes. Größe der Stadt. Fabriken. Dom⸗ kirche. Eiſerne Krone. Andere Alterthümer. Königliches Luſtſchloß. Park. Seidenraupenzucht allda. Clima von Monza. Die Straße nach Monza führt durch ein gut cultivirtes Land, das nicht bewäͤſſert iſt. Mais und Weizen, Maulbeer- und Nußbaͤume ſieht man im fortwährenden Wechſel. Da viele Maul— beerbaume nicht entlaubt worden ſind, ſo müſſen entweder die Raupen in den erſten Stadien ihres Lebens zu Grunde gegangen ſein, oder die Baumbeſitzer hielten das Laub zu hoch und ver⸗ ſcheuchten die Kaufer. Monza iſt eine anſehnliche Stadt von 15,323 Einwohnern, hat einige Baumwollen⸗ und Seidenmanufacturen und treibt be⸗ deutenden Handel mit Landesproducten. Die Einwohner der Stadt ſowohl als der Umgebung haben das aͤußere Anſehen von nicht geringer Wohlhabenheit. Die Domkirche iſt klein und hat eine Facade in rein gothi— ſchem Geſchmacke; das Innere iſt aber völlig modern. Hier wird in einem Seitenaltar die goldene Krone mit dem eiſernen Ringe verwahrt, mit der einige deutſche Kaiſer und auch Napoleon zu Königen von Italien gekrönt wurden. Außer dieſer Krone wird in der Kirche der ſogenannte Schatz verwahrt, der in ein Paar reichen Kelchen und Monſtranzen', und einigen Habſeligkeiten aus dem Verlaſſe der Königinn Theodelinde beſteht, die die Kirche im J. 554 erbauen ließ. Dieſe Alterthümer beſtehen in zwei Stü⸗ cken der Toilette Ihrer Majeſtät: einem Fächer von Pergament in einer roh gearbeiteten, metallenen Büchſe, und einem Kamme von Metall mit hölzernen Zähnen. Beide Stücke zeugen von der Rohheit und Armuth jener Zeit, in der man ſich von mehreren Sei⸗ ten in die Wette bemühte das Land zu verheeren. Außer dieſen Din⸗ gen wies man mir noch ein Gebetbuch, das Papſt Gregor der Große mit einer Sammlung von Reliquien der Königinnſchickte, deren Verzeichniß ebenfalls vorhanden, aber kaum leſerlich iſt, noc er b vird halt Ma ſpan . ten. Dom⸗ loß. Park. lltidirtes deer⸗ und ze Maul⸗ vder die gangen und ver⸗ rohnern, Beibt be⸗ Iner der nen von gothi⸗ er wird 21 Ringe bleon zu Ine wird an Paar Len aus Kirche iStü⸗ Pament Ramme von der en Sei⸗ en Din⸗ rder Ihickte/ ch iſ/ 15. Juni. Monza. 113 während das Gebetbuch mit ſchönen lateiniſchen Buchſtaben ge⸗ ſchrieben iſt, und was dergleichen Sachen mehr ſind. Außer der Stadt, in kleiner Entfernung, iſt das königliche Luſtſchloß mit den Gärten und dem Parke. Der Park iſt ringsumher mit einer Mauer umgeben, damit das eingeſchloſſene Wild: Damhirſche und Haſen, nicht ent— laufen können. Der Umkreis des Parkes beträgt 12 italieniſche Meilen. Der Garten iſt beſonders mit einer Mauer umgeben, damit nicht das Wild in denſelben eindringe. Ich ſah da viele exotiſche Pflanzen, Ananashäuſer, Treibhaͤuſer u. ſ. w. Im Parke iſt Mirabello, eine große Beſitzung mit zwei großen Luſtſchlöſſern, eingeſchloſſen. Der Wirthſchafts-Director Baffa, der in dieſem Schloſſe wohnt, zeigte mir mit vieler Artigkeit ſeine Rechnungen, und half mir ſelbſt mehrere Auszüge aus denſelben machen, um die Größe der hieſigen Colonialanſitze und ihrer Pachtabgaben zu erheben. Er führte mich dann in ſeine Bi— gattiera(Locale für die Wartung der Seidenraupen), wo nur auf 15 Tafeln die Raupen noch nicht eingeſponnen waren. Der größte Theil der vorräthigen Galetten rührt von den Colonen her, und wie Herr Baffa ſich außerte, ſo will er vielleicht ſchon im künftigen Jahre im Schloſſe keine Raupen mehr hal— ten, weil die Arbeit mit denſelben ſeiner Familie zu beſchwerlich fällt. Man hat heuer 40 Unzen Raupenſamen ausſchliefen laſ⸗ ſen. Eine große Partie Galetten ward geſtern ſchon an den Kaufmann abgeliefert, das Pfund um 4 Lire. Die Raupen ha— ben heuer keinen Unfall erlitten, und Herr Baffa berechnete auf 1 Unze Samen 60 Pfund Galetten. Jetzt ſind die Maul— beerpflanzungen noch jung und darum kann man gegenwärtig noch nicht mehr Raupen halten; Herr Baffa glaubt aber, daß er binnen wenigen Jahren aus 200 Unzen Samen die Raupen wird ernähren können. Wenn man den ungeheuren Flaͤchenin⸗ halt dieſes Parkes bedenkt und ſeinen Schotterboden, der den Maulbeerbaumen zuſagt, ſo iſt dieß Vorhaben nicht über⸗ ſpannt. J. 83 114 16. Juni. Creſcenzago. Hier ſah ich den Mais in Reihen geſäet, ſchön bearbei⸗ tet und mit dem kleinen Pfluge mit doppelten Streichbrettern behaͤuft. Herr Baffa wollte mich zwar im Parke herumführen, ich verbat es mir aber für heute, denn es war Sonntag und gerade Mittagszeit, und behielt mir ſeinen Antrag für einen andern Tag vor. De.⸗ Clima von Monzaſcheint viel rauher als jenes von Mailand zu ſein. Man ſagte mir, daß man die Weinreben im Winter mit Erde decke, um ſie vor dem Erfrieren zu ſchützen, und der Gärtner, Herr Roſſi der jüngere, erzaͤhlte mir, daß die Kaͤlte im Winter 133 auf 13° R. gekommen, und daß 7— 3° R. Kälte nichts Seltenes ſei. — 16. Juni. Beſchreibung der Wirthſchaft des Herrn Berra zu Creſcenzago. Ver⸗ wendung der Ackeroberfläche zu Ziegeln. Nach Creſcenzago zu Herrn Berra. Ich hatte jüngſthin die Wirthſchaft nur ſehr flüchtig ange— ſehn, und ging ſie heute mit größerer Muße durch; vorzüglich war es mir darum zu thun, ſeine Bewaͤſſerungswieſen und die dafür gemachten Vorrichtungen genau zu beſehen. Ich fand ſei— ne Wieſen und bewaͤſſerungsfähigen Acker im beſten Zuſtande, was aber zum Theile auch auf Rechnung des äußerſt günſtigen, warmen und feuchten Wetters geſchrieben werden muß, das ſeit Anfang Mai gleichförmig das Wachsthum begünſtigte. Alle ſei— ne Felder können mit großer Leichtigkeit aus dem nahen Navi— glio di Martiſana und dem Lamb ro bewaſſert werden, der durch ſeine Felder fließt und hier durch eine ſteinerne Wehre ge⸗ ſtauet wird, um einen Theil ſeines Waſſers in einen künſtlichen Canal zu leiten, der beſtimmt iſt, weiter unten die Felder zu bewäſſern. Berra hat a5o Pertiche(= 59,8 Joch) Wieſen a bearbei⸗ chrettern hren, ich nd gerade n andern enes von reben im ſchutzen, nir, daß lund daß Jo. Ver⸗ eig ange⸗ erzüglich zund die und ſei⸗ ſtande, ſtigen, jdas ſeit Alle ſei⸗ 1 Navi⸗ en, der lhre ge⸗ iſtlichen lder zu zieſen a 16. Juni. Creſeenzago. 115 marcita und eine viel größere Fläche anderer bewäſſerungsfaͤhigen Wieſen. Alle Wieſen ſind mit großer Genauigkeit und ſorgfältiger Beobachtung des Gefaͤlles angelegt, das man beinahe gar nicht beobachtet; denn ſo wie man die Wieſen oberflächlich anſieht, ſcheinen ſie alle eben zu ſein, und weder einen Rücken noch ein Gefäll zu haben; auch iſt der Rücken des Beetes nicht über 3— 4 Zoll höher als der obere Rand des Abzuggrabens. Ich ſah ein Stück Wieſe planirt, um es mit einer anſtoßenden Wieſe in gleichen Horizont zu bringen. Die Erde wurde 18 Zoll tief abgenommen und zu Dünger verwendet. Die Oberfläche der neuen Wieſe beſtand aus roher Erde und war mit Lolium perenne beſäet, das gerade zum Vorſcheine kam. Durch oberflächliches Düngen und Waͤſſern überzieht ſich, wie Berra verſicherte, der Boden ſehr bald mit Gräſern. Ich ſah einige Wieſen, die heuer ſchon zweimal waren gemaͤht worden. Das Hauptgras iſt überall das Lolium, das ſich beſſer zur grünen Fütterung, als zum Trocknen eignen ſoll, denn als Heu wird es von den Kühen nicht geliebt. Ich beſah noch einmal die bedeckten Miſtſtatten und hierauf das Ackerland. Der Fruchtwechſel iſt: 1) Mais, 2) Weizen, 3) Klee. Der Klee wird gegypſt. Der Gebrauch des Gypſes wird hier herum immer allgemeiner, und die größern Wirthſchaften ſtam— pfen ihn zu Hauſe. Ein neu angelegtes Luzernfeld, mit Hafer ausgeſaet, ſtand ſehr rein und ſchön. Noch ſah ich hier einige Streifen mit Lein, und ein heuer angeſäetes Beet mit Fär⸗ berröthe. Nun gingen wir in den Sommerſtall— Barco*)— einen gegen den Hof offenen Schupfen, um die Kühe zu beſehen, die zwar von Schweizer Raſſe abſtammen, aber alle ſchon in Creſcen⸗ zago aufgezogen ſind. Berra will das Vorurtheil ſeiner Lands⸗ leute, daß das Aufziehen der Kühe in der Lombardie nicht Vor— *) Die Kühe ſtehen in der Lombardie im Sommer nicht im Stalle, ſon⸗ dern in Schupfen, die man im Hofe errichtet, und Barco nennt. 8* 1 16 16. Juni. Creſcenzago. theil bringe, und daß die hier aufgezogenen Kühe nicht ſo viele eilch geben, als die Original Schweizer Kühe, durch ein Ex— periment im Großen widerlegen. Er hat bereits in ſeinem Wer⸗ ke: Memoria sul bestiame bovino della Lombardia. Milano, 1322, einen Verſuch beſchrieben, was das Aufziehen der Kühe unter den hieſigen Verhältniſſen koſtet. Jetzt hat er einen zwei— ten äͤhnlichen vor; denn es werden drei Kalben abgeſondert ge— halten, denen alles Futter zugewogen wird. Viele ſeiner Kühe ſind wirklich ſchön, ſchwarzbraun, mit einem lichten Streifen über dem Rücken. Er ließ heute eine der ſchweren Kühe in meiner Gegenwart waͤgen, was ſehr ſchnell bewirkt wurde. Sie wog Quint. 6, Libbre 20= 813 Pfund 2 Unzen Mailänder oder 1106 Pfund Wiener Gewicht. Zur Wartung der 52 Kühe, 2 Stiere und 3 Stücke Jung— vieh hat er 4 Küher, welche die Kühe melken, ausmiſten, und die Herbeiſchaffung des Futters beſorgen, weil Stallfütte— rung getrieben wird. Jeder derſelben hat 540 Lire Ge⸗ halt= 159 fl. 55 kr. und täglich Boccale Milch= 0,55 Maß. Sie haben weder Koſt noch Kleidung. Berra hatte die Gefälligkeit mir ſowohl über den Milch— ertrag und den Preis derſelben, als über alle anderen landwirth⸗ ſchaftlichen Gegenſtande alle erforderlichen Aufſchlüſſe zu geben. Er beſitzt einen Schatz von practiſchen Kenntniſſen, und die Stunden, die ich in ſeinem Umgange zubrachte, verſchafften mir gründlichere Kenntniſſe über italieniſche Landwirthſchaft, als alle Bücher, die ich bisher über dieſen Gegenſtand geleſen hatte. Beim Zurückfahren in die Stadt fand ich den Weizen auf den Feldern allenthalben reif, rothgelb von Farbe. Roggen wird gedroſchen. In der Nähe der Stadt ſah ich eine Ziegelmacherei, die ih— ren Thon aus dem anſtoßenden Acker bezieht. Zu dieſem Behufe wird die 3 Zoll tiefe Dammerde abgeräumt, und dann eine Lage von 2 Fuß Thonerde gleichförmig weggenommen und zu Ziegeln viele n Ex⸗ Wer⸗ Uano, Kühe zwei⸗ ert ge⸗ Kühe nuͤber neiner wog iſten, ütte⸗ Ge⸗ Maß⸗ Milch— wirth⸗ geben. nd die afften haft, eleſen en auf n wird die ih⸗ zehufe Lage iegeln 17. Juni. Mailand. 18. Juni. Tavazzano. 117 verwendet. Der auf dieſe Art erniedrigte Boden ſteht mit dem tieferen, anſtoßenden Acker in gleichem Niveau, und wird wieder zu Acker verwendet. Es war ein ſchönes Kleefeld, das man auf dieſe Art erniedrigte. 17. Juni. Seidenfabrik des Herrn Fortis in Malland. Die Seidenfabrik des Herrn Fortis, den ich von frühe⸗ ren Jahren her kenne, hat 42 Stühle und macht gewöhnlich leichte Taffete und Atlaſſe. Herr Fortis iſt ein ſehr verſtan— diger, nicht nur allein in ſeinen Geſchäften: Seidenfabrication und Seidenhandel, ſondern auch in anderen Gegenſtänden, be⸗ ſonders was die commerziellen Verhältniſſe der Lombardie betrifft/ wohl unterrichteter Mann. 18. Juni. Reiſe in die Provinz Lodi. Tavazzano di Campano. Beſchreibung zweier Wirthſchaften. Käſefabrication, Roncadello. Graf Barni. Beſchreibung ſeiner Wirthſchaft. Kühe aus Steiermark. Samen und Pflanzſchulen für Maulbeerbäume. Neue Sorte von Maulbeerbaum. Herr Pirola begleitete mich auf die, ſeinem Vater ge⸗ hörige Beſitzung in Tavazzano, ſeitwärts der Straße, die von Melegnano nach Lodi führt. Sie mißt 852 Pertiche (96 7Joch), und iſt auf 9 Jahre gegen 10 Lire für die Pertica (26 Gulden für das Joch) verpachtet. Der Pächter hält 27 Kühe, wovon gegenwaͤrtig nur 18 Milch geben. Weil der Paͤchter von ſeinen Kühen zu wenig Milch erhält, um täglich einen Käſelaib erzeugen zu können, ſo ſchickt er die Milch früh Morgens ſeinem Nachbar, Herrn Frarri, der ein Gut in Pacht hat, das dem Spital in Lodi gehört, 118 18. Juni. Tavazzano. um ſie von ihm mit der ſeinigen gemeinſchaftlich verkaͤſen zu laſſen. Da wir ſehr zeitlich hier ankamen, und es mich drängte bei der Käſebereitung ſelbſt gegenwärtig zu ſein, ſo gingen wir ſchnell zu Herrn Frarri, wo wir um 9 ¼ Uhr Morgens eintrafen. Die Milch war ſeit 3 Uhr Morgens im dei und bereits geronnen. Der Käsmacher began ſehr bald das Zerbrechen des Topfens, und ich blieb beim Keſſel, bis der rene völlig fer⸗ tig war. Herr Frarri hat 63 Kühe, wovon jetzt 50 Milch geben. Die Milch dieſer beiden Beſitzungen und noch von einigen klei— neren Nachbarn wird zuſammen verkäſet, um einen Laib zu bil⸗ den. Die Kühe ſind von Schweizer Raſſe, mittelgroß, und hatten 3 bis 7 Kälber gehabt; ſie ſtanden im Barco, und wurden nicht geweidet, ſondern zu Hauſe gefüttert. Auf 15 Kühe wird ein Mann gerechnet, der die Kühe melkt und das Futter herbeiſchafft. Beim Melken muß der Käsmacher— Cazaro— mithelfen. Dieſer erhält neb 11 einem Deputate 150 Scudi(265 Gulden) in Geld als Lohn. Beide Pachter leben auf einem bürgerlichen Fuße; ihre Frauen ſind wie die in Städten wohnenden gekleidet, auch ſteht ihr an— ſtaͤndiges Benehmen mit der Tracht im Einklange. Die Wohnge⸗ bäude haben eine Seräienige Küche, die hier, wie in Italien al— lenthalben, das Converſationszimmer für die Familie iſt, neben— an ſind noch zwei andere Zimmer. Die Wirthſchaftsgebäude, und insbeſondere die Ställe, ſind zwar groß, aber unrein, niedrig, zerlumpt und ſehen unſeren ſchlechteſten Bauernſtällen ahnlich. Es werden nur ſo viele Dienſtboten gehalten, als man zur Wartung des Viehes bedarf, alle übrigen Arbeiten werden durch Taglöhner oder Gedingarbeiter verrichtet. Beide Beſitzungen haben genügend Waſſer, um alle ihre Fel— der bewaͤſſern zu können, obgleich ſie nicht beſtändigen, berechtigten Waſſerzufluß haben; allein die Schleuſen ſind allenthalben en zu te bei chnell fen. dereits en des ig fer⸗ geben. klei⸗ zu bil⸗ , und , und Kühe putter o— (265 frauen hr an⸗ ohnge⸗ ien al⸗ neben⸗ aude, rein, tällen n zur durch 18. Juni. Lodi. Roneadello. 119 ſchlecht, und ſchließen nicht genau, und wenn auch dieß nicht ware, ſo würde doch das am Boden der Schleuſen angebrachte 5 Zoll hohe und 6 Zoll breite Loch— Buſſarella— ſie in den Stand ſetzen, ihre Reißfelder mit dem nöthigen Waſſerbe⸗ darf zu verſehen. Beide Paͤchter gaben mir alle erforderliche Aufklärung über Fruchtwechſel und Körnerertrag. Herr Pirola begleitete mich bis Lodi, von wo aus er am Abend wieder nach Mailand zurückkehrte; während ich mich nach Roncadello verfügte, wo der Graf Johann Barni eine bedeutende Beſitzung hat. Der Beweggrund, dieſe Wirthſchaft und ihren Beſitzer zu beſuchen, lag in dem Umſtande, daß ich es ſchicklich hielt, mich über das Ergebniß des Verſuches näher zu unterrichten, der hier mit ſechs Kühen aus Steiermark gemacht wird, die Se. Maje⸗ ſtät der Kaiſer dem Grafen Barni im Jahre 1324 zum Ge⸗ ſchenke gemacht hatte, um die Frage zu erörtern, welcher Un⸗ terſchied in Hinſicht der Menge und Güte der Milch zwiſchen den ſchweizeriſchen und ſteiermärkiſchen Kühen obwalte, und ob die Einfuhr der letzteren in die Lombardie mit Vortheil für dieſes Land ſowohl, als auch für Steiermark verbunden waͤre. Ich fuhr über die Brücke von Lodi, nicht ohne Erinne— rung an das verhängnißvolle Jahr 1796 und die wichtigen Folgen, die der Übergang der franzöſiſchen Armee über dieſe Brücke nach ſich zog. Die Stadt liegt auf einer erhöhten Ebe⸗ ne, in der Niederung fließt der Adda. Oben iſt der frucht⸗ barſte Boden, unten iſt in der nächſten Umgebung des Stromes und auch ziemlich weit hinüber gegen Crema ein loſes Stein— gerölle, und überhaupt ein ſandiger und ſeiner Niederungen wegen, oft verſumpfter Boden, die ſogenannte Gherra d'Ad da. Roncadello liegt an der Straße nach Pandino, und iſt 5 italieniſche Meilen von Lodi entfernt. Die Wirthſchaft iſt 120 18. Juni. Roncadello. arrondirt und groß; die Wirthſchaftsgebaͤude geraumig, rein und ordentlich. Die Kühe und das Jungvieh ſtanden im Barco. Melkkühe ſind 36; zwei bis dreijährige Kühe ſind 24. Die Thiere ſehen gut aus. In Vereinigung mit der Milch von dreien Päch— tern des Grafen wird hier täglich ein Käſelaib von 30 bis 40 Pfund Mailaänder Gewichtes gemacht. Die ſteiermarkiſchen Kühe waren mitten unter den Schwei— zer Kühen und wurden dieſen völlig gleich gehalten. Ich befragte den Küher, worin ſich die erſteren von den letzteren zu ihrem Vor⸗ oder Nachtheil unterſcheiden, und er antwortete mir, daß zwi— ſchen beiden nicht der mindeſte Unterſchied obwalte; daß ſie weder mehr, noch weniger fräßen, und weder mehr noch weniger Milch gäben.— Solches Lob der ſteiermärkiſchen Kühe hatte ich nicht erwartet, da man in der Lombardie ſo großes Vorurtheil für die Schweizer Kühe hegt. Ich ſah einige Kalbinnen von den ſteiermärkiſchen Kühen, die heuer ſchon zum Stier gelaſſen wor— den ſind, obgleich ſie erſt 2 ½ Jahre alt ſind. Graf Barni widmet ſich ſelbſt der Leitung ſeiner Wirth— ſchaft, was um ſo nothwendiger iſt, da er ſich bemüht, ſeine Felder auf ein« höhere Stufe der Cultur zu bringen, ſumpfige Stellen trocken zu legen und die Bewaͤſſerungen auszudehnen. Ich ſah da ganz neu angelegte Winterwieſen— Marcite— und eine ſo große Ausdehnung von Wieſen überhaupt, daß ich glauben muß, daß er Heu verkauft. Im Garten fand ich große Samen- und Pflanzſchulen für Naulbeerbäume; auch traf ich hier die neue Maulbeerart— Mo— rus macrophylla, oder Morettiana— weil ſie der Profeſſor Moretti von Pavia zuerſt bekannt machte, deren Blaͤtter in Hinſicht der Form und des Ertrages denen der gepfropften Bäume gleich ſind. Ein mitten im Garten befindlicher Teich gewährt durch die Baumpflanzungen, die ihm zur Seite an— gebracht ſind, einen ſehr romantiſchen Anblick. Das Schloß iſt groß, hat aber kein Obergeſchoß. Man tritt vom Saale in den Garten. c ‿ Trii Aufſch nich mer wün hatt bei beſ 4 viel Zer Ulm große Zviſe einan rein arco. hiere Päch⸗ dfund ſchwei⸗ fragte Vor⸗ ß zwi⸗ weder Mich hnicht eil für on den wor⸗ Lirth⸗ ſeine mpfige ehnen. ite— aß ich in für NMo- pfeſſor laatter opften deich te an⸗ chloß lle in 19. Juni. Melegnanello. 121 Der Beſitzer dieſer ſchönen Wirthſchaft nahm mich mit vieler Artigkeit auf, und beſtrebte ſich, mir über alle Gegenſtände Aufſchlüſſe zu verſchaffen, von denen er wahrnahm, daß ſie mich intereſſirten. Die Zeit verſtrich mir ſchnell in ſo angeneh— mer Unterhaltung und es ward früher Abend, als ich es wünſchte, und eher, als ich alle meine Nachforſchungen geendet hatte. Ich nahm daher die Einladung gerne an, ihn morgen bei meiner Rückkunft von Melegnanello noch einmal zu beſuchen. Ich kehrte ſpaͤt Abends nach Lodi zurück. 19. Juni. Fahrt nach Melegnanello und Vitadone. Anſicht des Landes⸗ Menge der Canäle für die Bewäſſerung deſſelben. üppige Vegetation. Beſchreibung zweier großen Wirthſchaften mit Käſeerzeugung. Verſtän⸗ dige und kenntnißvolle Pächter. Zuſtand der Gebäude. Menge der Tag⸗ löhnerfamilien, die auf dieſen Wirthſchaften wohnen. Rückfahrt nach Roncadello. Doctor Agoſtino Baſſi. Als ich dem Grafen Caſtiglioni eröffnete, daß ich geſinnt ſei, nach Lodi zu fahren, um mich daſelbſt außer meinen Amts— geſchäften, über Wieſen- und Ackerbau und Käſefabrication zu unterrichten, trug er mir an, mich an ſeinen Wirthſchaftsver— walter— Fattore— in Melegnaͤnello zuaddreſſiren, der mir in meinen Forſchungen beſtens an die Hand gehen würde. Ich nahm mit Dank dieſen Antrag an, und habe heute davon Gebrauch gemacht. Die Fahrt von Lodi nach Melegnanello hat mir ſehr viel Vergnügen gemacht. Der Weg läuft fortwährend nach den Zeräſtungen des Canals Muzza undiſt beſchattet von den hohen Ulmen, Rüſtern, Pappeln, auch wohl Eichen, mit denen die großen Parzellen eingefaßt ſind, in die das Land zertheilt iſt. Zwiſchen dieſen hohen Bäumen ſind Weidenbäume dicht an einander gepflanzt, die als Kopfholz benützt werden. Durch ———— —.——— — ——— 122 19. Juni. Melegnanello. die hohen Baͤume erhält das Land ein Anſehen, als ob es ein Wald waͤre, in dem ſich einzelne Stücke Wieſen oder Acker be⸗ fanden. Alles Land iſt bewäſſerungsfähig und wer ſich einen Begriff von hoher Induſtrie und der verwickeltſten und mannigfaltigſten Führung des zur Bewäͤſſerung beſtimmten Waſſers erwerben will, komme hieher und beobachte, mit welcher Umſicht und kluger Berechnung des Gefälles die Canäle geführt ſind, um das Waſſer allenthalben hin zu bringen. Bei Cariago und weiter hinab fährt man lange Zeit längs drei großer Canäͤle— Baͤche moͤchte ich ſie nennen— die nur wenige Klafter von einander entfernt, aber ungleich hoch ſind, nach verſchiedenen Gegenden hin ihr Waſſer führen, und oft von querkommenden kleinen Canalen überſchritten werden, die ihr Waſſer in gemauerten, ſteinernen, ſelten wohl auch in hölzernen Rinnen darüber wegleiten. Man kommt mittlerweile zu den Schwellthoren des zwei— armigen Canals der Muzza, die beſtimmt ſind, in beiden Ca⸗ nälen das Waſſer zu ſtauen, damit es zu jener Höhe anſchwelle, die zum Eindringen des Waſſers in die Zuleitungsgräben erfor— derlich iſt. Dieſe Schwellthore ſind am Abhange der Ebene er⸗ richtet, die mit der von Lodi in gleichem Horizont liegt. Nun ſtürzen die Wäſſer dieſer zwei Canale, in ſo ferne ſie bei nie— derem Waſſerſtande die Höhe des Schwellthores überſteigen, oder bei hohem Waſſerſtande aus dem nach Erforderniß aufgezogenen Thore nach unten abfließen, nach einer ausgemauerten, ſchie⸗ fen, mit Stufen verſehenen Fläche etwa 3— 10 Klafter gerader Höhe herab, und ſammeln ſich unten in einem gemeinſchaftli— chen Canal, der ſogleich die tiefer gelegene Ebene zu bewäſſern beginnt. Man ſieht von Mailand bis Melegnanello weder eine Weinrebe, noch einen Maulbeerbaum; nichts als Wieſen, und be⸗ wäſſerungsfähige Acker mit Mais, Weizen und Lein. Alles Land iſt bewäſſert, und Wieſen und Acker zeigen die kräftigſte Vege⸗ es ein Accker be⸗ Begrif ziltigſten Den will, 4) kluger Lum das 1) weiter *. Baͤche rinander Jegenden 8 kleinen Suerten, 3 darüber ns zwei⸗ nden Ca ſchwell, gen erfot⸗ bene er⸗ gt. Nun bei nie⸗ Ann, oder uzogenen ral/ ſchi⸗ 1 gerader Iiſchftl⸗ 1 ewaſeern eder eine und be⸗ les Land ze Vege⸗ 19. Juni. Vikadone. 123 tation, die allerdings am meiſten der Bewäſſerung verdankt, doch auch zum Theile von der fruchtbaren und tiefen Dammerde abhaͤngt, womit der hieſige Boden bedeckt iſt, und von der ſtarken Düngung, die er erhält. Der Fattore des Grafen Caſtiglioni in Melegnanel⸗ lo war bei meiner Ankunft nicht zu Hauſe. Während man ihn herbeiholte, ging ich in die benachbarte, dem Grafen Calderara gehörige Beſitzung, wo ich in dem Pächter, Herrn Tonnari, einen ſehr unterrichteten und gefälligen Mann fand. Dieſe Be— ſitzung enthaͤlt 18330 Pertiche= 209 Joch bewäſſerungsfähi⸗ gen Ackerlandes. Ich kam gerade zur Kaͤſebereitung und blieb da, bis die Ope⸗ ration vollendet war. Es ſind in dieſer Wirthſchaft o“ Kühe, 2 Stiere, 14 Zug⸗ pferde, keine Ochſen, 9 Mutterſchweine mit ihrer Nachzucht. Hier werden die Kühe nach der alten Art behandelt, wie dieß früher im Gebiete von Lodi allenthalben Statt hatte. Sie werden Morgens oder vielmehr Nachts um 2 ½ Uhr und Abends um 5 Uhr gemolken. Um 6 Uhr Morgens erhält jede Kuh 5—6 Pf. Heu und um 11 Uhr Mittags werden ſie auf die Wieſen zur Weide getrieben, von der ſie um 4 Uhr Nachmittags zurückkehren. Abends bekom⸗ men ſie nichts mehr im Stalle und werden weder Morgens, noch Abends zu Hauſe gewaͤſſert. Der Pächter ſagte mir, daß dieſe Methode jetzt vielen Modificationen unterworfen ſei, indem Einige ihre Kühe Morgens und Abends weiden, Andere wieder bloß Mittags, und noch Andere ihnen zu Hauſe gar kein Futter gäben. Herr Tonnari theilte mir ſeinen Fruchtwechſel, ſo wie das Erträgniß mit, das er gewöhnlich von ſeinen Feldern erhäͤlt, nebſt ſchätzbaren Beobachtungen, die in dem Vormerkbuche ſei— nes Vaters aus dem Jahre 1795, über den Käͤſegehalt der Milch, enthalten waren. Ich fand an ihm einen gebildeten Mann, der ſein Hausweſen, wie mir dünkte, in guter Ord— nung erhielt. — —— 124 19. Juni. Vitadone. Endlich war der Fattore des Grafen Caſtiglioni, Herr Luigi Alloggi, gekommen, der mich nach Vitadone führ⸗ te, wo die Beſitzung gelegen iſt, deren Oberaufſicht ihm obliegt. Der Pachter dieſer bedeutenden Wirthſchaft von 1531 Per⸗ tiche= 174 Joch, Herr Pennaro, iſt ein junger, ſehr ver⸗ ſtändiger und betriebſamer Mann. Sein Viehſtand beſteht aus 53 Kühen und einem Stiere, außer dem erforderlichen Zugviehe. Jede Kuh koſtet im Durchſchnitte 22, viele darunter 30 Duca⸗ ten. Sie ſtanden im Barco, der ſehr unglücklich ſituirt iſt, und die armen Thiere der Mittagsſonne ausſetzt. Die Kühe ge— hen in den heißen Sommermonaten nicht auf die Weide, wohl aber im Frühlinge und Herbſte. Als ich in das Käſehaus kam, rührte man ſeit einer halben Stunde die geronnene Milch. Ich blieb da, bis der Käſe ganz fertig und in die Form gebracht wor⸗ den war. Herr Pennaro führte mich auf die Felder und ich hatte da Gelegenheit, die glückliche Lage derſelben in Hinſicht auf ihre Bewaͤſſerung, ihre tiefe Schichte von Dammerde und angemeſ— ſene Miſchung der Unterlage zu bewundern. Die Natur hat hier durch die Erdemiſchung, die Lage und das Clima vorgearbeitet, und die Kunſt hat durch vollkommene Ebnung und allgemeine Einführung der Bewaͤſſerung den Boden zur höchſten Stufe der Fruchtbarkeit erhoben. Zwiſchen den fruchtbarſten Gegenden Deutſchlands und den bewäſſerten Feldern der Provinzen Mai— land, Lodi und Pavia iſtein ungeheuer großer Abſtand. Un⸗ ſere Bewäſſerung beſchränkt ſich auf einige wenige Wieſen, und iſt im höchſten Grade mangelhaft und unvollkommen; nirgend— wo iſt von Bewaͤſſerung der Acker, nicht einmal der Gärten, die Rede. Hier hingegen wird Alles bewäſſert; Acker, Wieſen und Gaͤrten, ſo wie man es nothwendig findet, und ein Miß⸗ rathen der Früchte kann nur Statt haben, wenn der Hagel die Felder zerſtört, oder die Warme des Sommers zu gering iſt, wie in den Jahren 1815 und 1816, um die Früchte zur vollkommenen Ausbildung zu bringen. Während man anderswo ganz und gar do rich dng gen trie ihre zue gega denn gach ſücke de J ni, Herr ne führ⸗ obliegt. 51 Per⸗ ſehr der⸗ ſteht aus Zugviehe 6io Ducae (euirt iſt, Gühe ge⸗ Le, wohl enus kam, ich. Ic lacht wor⸗ nich hatte Haufihre rungemeſ⸗ ¹ hat hier carbeitet, cllgemeine 15 tufe der rhegenden en Mai⸗ Ind. Un⸗ In, und nirgend⸗ „Gaͤrten, ² Wieſen in Miß⸗ Sage die it/ wie anmenen und gar 19. Juni. Vitadone. 125 von der Willkühr der Witterung abhaͤngt und mit Schmerzen zuſehen muß, wie beim Mangel an Regen die Wieſen aus— brennen und der Mais am Stamme verdorrt, verſieht man hier nach Gefallen die Felder mit Waſſer und gewinnt um ſo rei— chere Ernten, je größer das Mißrathen in den trockenen Pro— vinzen iſt. Man überzeugt ſich hier ſehr bald, daß die ganze Oberfläͤche der hieſigen Gegend ein Reſultat der Kunſt und Induſtrie der Menſchen iſt; denn ſo weit das Auge reicht, iſt aller Boden wagrecht, nirgendwo eine Vertiefung oder Erhöhung; alle Be— wäſſerungscanäle ſind in gerader Linie gezogen; alle Felderpar⸗ zellen mit Bäumen eingefaßt und nirgendwo ein Stück Grund, das nicht bewäſſerungsfähig wäre. Solche Anſtrengung wird auch entſprechend gelohnt, denn man kann nirgendwo ſchönere Wieſen und üppigere Früchte auf den Feldern ſehen, als in Melegnanello und Vitadone. Es iſt angenehm, mit Menſchen über irgend einen Gegen— ſtand zu ſprechen, den ſie ganz verſtehen. Mir ward dieß Ver— gnügen oft gewährt, wenn ich mit den Pächtern der großen Wirthſchaften in den bewäſſerten Gegenden über Landwirthſchaft ſprach. Sie ſind im Ganzen ſehr unterrichtet, und ihr Stand erfordert es, daß ſie ſich für denſelben möglichſt vorbereiten; denn da ſich die auf Wieſencultur und Reißbau beruhende Wirthſchaft nicht zertheilen und durch Colonen bearbeiten laßt, weil ſie ein großes Capital für den Viehſtand, die Vorräthe und Vorausla— gen bedarf, ſo ſind ſie genöthigt, die größte Sorgfalt auf den Be— trieb zu verwenden und ſich die genaueſte Kenntniß des Details ihrer Wirthſchaft, der Koſten und des Roh- und Reinertrages zu erwerben.— Viel trägt zu dieſer Kenntniß auch die voraus— gegangene Vermeſſung und Cataſtralſchatzung des Landes bei; denn ſie wiſſen aus den Mappen- und Vermeſſungsbüchern den Flacheninhalt, die Claſſe und die Werthſchätzung jedes Grund— ſtückes, und ſind daher mit der Berechnung der Ausſaat und des Rohertrages für die Pertica ſehr vertraut. Vorzüglich be⸗ 126 19. Juni. Vitadone. wandert in der Kenntniß dieſes Details fand ich Herrn Pen— naro, deſſen Urtheile über alle Gegenſtande der hieſigen Land— wirthſchaft viel ſcharfſinniger waren, als man ſie bei Leuten ſeines Standes in andern Ländern gewöhnlich antrifft. Im Wohnhauſe fand ich ſeine junge, ſchöne und artige Frau mit der Hauswirthſchaft beſchäftigt, die nebſtbei Küche und Zimmer in einer ſolchen Ordnung und Reinlichkeit erhielt, die mir das größte Vergnügen machte. Auf dieſer Wirthſchaft ſind 22 Taglöhnerfamilien wohnhaft, wovon die tüchtigſten Männer als Pferdeknechte und Küher im Dienſte des Pachters ſich befinden, die übrigen aber, ſammt allen Weibern zur Verfügung deſſelben ſtehen, ſo oft er ſie be— darf, wofür er ihnen an jenen Tagen, an denen ſie bei ihm ar— beiten, nebſt ſchlechter Koſt 5 bis 6 Soldi(4 ½ bis 5 Kreu⸗ zer) für das Tagwerk zahlt. Die Cultur des Leins, des Reißes und des Mais iſt dieſen Leuten für einen gewiſſen Antheil am Rohertrage übergeben. Dieſe Arbeiter ſahen hager aus, waren aber nicht zerlumpt gekleidet; ſie haben weder Wein noch Milch zum Genuſſe, und müſſen ſich mit Mais und etwas Reiß be— gnügen. Die Höfe beider Pachtungen ſind groß, weil ein großer Raum erforderlich iſt, um das Getreide nach der hier üblichen Weiſe durch das Überfahren mit Walzen auszudreſchen, die von Pferden gezogen werden. In Vitadone ſah ich dem Ausdre⸗ ſchen des Roggens zu, wozu zwei Walzen, jede mit zwei Pfer— den beſpannt, verwendet wurden; ein Verfahren, das auch in Friaul, in den Umgebungen von Aqutleja üblich iſt. Die Wohnungen der Pachter ſind geräumig und reinlich; allein die Stallungen der Kühe ſind beſonders in Melegnanello über alle Begriffe unzweckmäßig, denn ſie ſind ſo niedrig, daß ich mit dem Hute am Kopfe nicht frei darin herumgehen konnte. Wie ſehr ſich die Luft im Winter in ſo engem Raume und bei ei— nem ſo großen Viehſtand erhitzen, und mit ſtinkenden und azo— tiſchen Theilen erfüllen müſſe, kann man ſich leicht vorſtellen. daße dein konn Ent jiehe tung denn Na ſac Au 1 Pen n Land⸗ i Leuten ft. In rau wit Zimwer mir das önhaft, uͤher im ſammt r ſie be⸗ ihm ar⸗ 5 Kreu⸗ Reißes heil am waren hMilch Reiß be⸗ großer ublichen die von Ausdre⸗ iPfer⸗ auch in einlich; anello ig, daß konnte. bei ei⸗ d azo⸗ ellen. 20. Juni. Mailand. 127 Noch muß ich bemerken, daß ich in Melegnanello ſowohl als in Vitadone Maulbeerbaͤume ſah, und daß mir beide Pächter verſicherten, daß man hier in allen Häuſern ſeit mehre— ren Jahren auch Seidenraupen erziehe. Tachmittags fuhr ich auf derſelben Straße wieder nach Lodi zurück und dann nach Roncadello, wo ich die Bekanntſchaft des Doctor Agoſtino Baſſi machte, eines Hausfreundes des Grafen Barni, der ſich viel mit der Unterſuchung der Urſachen der Krank— heiten der Seidenraupen beſchäftigte und mich verſicherte, daß er die wahre Urſache der Starrſucht, Calcinetto, entdeckt habe; daß er im Stande ſei, dieſes Übel beigegebenen Raupen hervorzu⸗ bringen, und daß demnach dieſem Übel ſicher vorgebeugt werden könne, wenn man die Urſachen vermeidet. Er macht aus ſeiner Entdeckung ein Geheimniß und hofft großen Nutzen daraus zu ziehen, der ihm auch nicht entgehen wird, wenn ſich ſeine Behaup— tung durch vervielfaltigte Verſuche überall als richtig darſtellt; denn die Starrſucht— Calcinetto— und die Gelbſucht— Mal di ſegno— bringen der Seidencultur den größten Nachtheil, und zerſtören, gleich dem Hagel, die glänzendſten Ausſichten auf eine reiche Ernte. Ich rechne die Stunden, die ich in Roncadello zubrach— te, unter die angenehmſten meines Aufenthalts in Italien. Das freie, zwangloſe Benehmen des Grafen, ſein Eifer für die Landwirthſchaft, ſeine ſchaͤtzbaren practiſchen Kenntniſſe und ſein richtiger Tact, zogen mich in einem beſondern Grade an ihn, und werden mir ſein Andenken immer werthvoll erhalten. 20. Juni. Früh Morgens nach Malland zurück. 128 21. Juni. Canal von Pavia 21. Inni. Fahrt nach Pavia. Waſſerausleitungen aus dem großen Canal. Solidität der Waſſerthore. Schiffahrt auf dieſem Canal. Wie weit er zur Bewäſ⸗ ſerung des Landes benützt wird. Schoöne Brücken über den Canal. Anſicht des Landes von Mailand bis Binasco⸗ und dann bis Pavia. Be⸗ ſchreibung der Stadt. Kirchen. Collegium Borromeum und Ghis⸗ lieri. Caminähnliche Thürme auf Privathäuſern. Profeſſor Moretti.⸗ Ortobotanicoundagrario. Verſuche über die Qualität der Seide, wenn die Raupen mit verſchiedenen Maulbeerarten gefüttert werden. Bi— bliothek der Univerſität. Zoologiſches Cabinet. Anatomiſches Muſeum⸗ Schleuſen im großen Canal, um ihn mit dem Ticino zu verbinden. Nach Pavia. Der Navig lio, laͤngs welchem die Straße bis nach Pa— via laͤuft, wird bis Binasco ſehr häufig zu Bewäſſerungen verwendet. Es machte mir das gröͤßte Vergnügen zu ſehen, wie alle 100, 200 Schritte ein Seitencanal, d. h. eine Waſſeraus— leitung aus dem großen Canal gezogen iſt, umzu beiden Seiten in die benachbarten ſowohl, als oft ſehr weit davon entfernten Felder, Waſſer, und mit ihm Leben für die Pflanzen zu führen. Dieſe Ausmündungen ſind mit großer Solidität und nicht ſelten mit Luxus gebaut. Die Rahmen, innerhalb welchen das Fall— brett— das Thor— ſich auf und ab bewegt, ſind immer von Stein, und der unter der Straße laufende Canal dieſer Aus— mündung iſt gewölbt. An zwei Orten ſah ich bedeutende Waſſer⸗ maſſen quer unter dem Naviglio durchgeleitet, die demnach ſchon vor der Ausgrabung deſſelben beſtanden haben mußten, weil ſie ſpäter nicht mehr wären erlaubt worden, wie ich ſchon früher bei ähnlichen Durchleitungen unter dem Naviglio grande bemerkte. Der Canal von Paviaiſt gleich den übrigen nicht ſowohl zur Bewaͤſſerung, was der Hauptzweck iſt, ſondern auch zur Schiffahrt beſtimmt, die zwiſchen Mailand und Paviaziemlich lebhaft iſt, denn ich ſah eine Menge Frachtſchiffe und einige Corriere, die bloß Menſchen führen. Wenn die beiden andern Canäle zu Soliditat ur Bewaſ⸗ al. Anſicht Wvig. Be⸗ nd Ghis⸗ Noretti. eer Seide, erden. Vi⸗ Muſeum. ebinden. ach Pa⸗ ſerungen en, wie tfernten führen. ht ſelten s Fal— mer von er Aus⸗ Waſfer⸗ emnach ußten, Hſchon viglio vohl zur hiffahit lebhaft riere, ale zu 21. Juni. Canal von Pavia. 129 dem letztern Zwecke nur wenig benützt werden, ſo liegt dieß bald in dem geringen Austauſche von Producten, der zwiſchen Mailand und den Orten Statt hat, welche die Canäle berühren, bald in dem geringen Tranſit von Waaren oder in der Wohlfeilheit der Landfrachten. Unter Binasco wird das Waſſer gegenwärtig noch wenig zur Bewaͤſſerung verwendet, denn erſt vor 50—40 Jahren ward der Canal von hier bis in die Gegend der Certoſa fortgeſetzt, und nochſpater, d. h. vor wenigen Jahren, ward der Canal mit dem Ticino bei Pavia in Verbindung gebracht. Die Vor⸗ richtungen zur Bewäſſerung des Landes ſind aber ſehr koſtſpielig, und bedürfen einer langjährigen Combination aller Umſtaͤnde und der Ausſicht auf ſicheren Geldgewinnſt, ehe man ſich zu ei— ner ſo großen Unternehmung entſchließt. Wenn man daher das Waſſer des Naviglio noch wenig zu dieſem Behufe verwendet ſieht, ſo iſt dieß kein Beweis, daß man hier die Vortheile des Bewäaͤſſerns verkennt, ſondern nur, daß man noch nicht dazu ge⸗ kommen iſt, das vorbeifließende Waſſer zu benützen, was aber allgemach ganz ſicher Statt haben wird. Verbeſſerungen in der Landwirthſchaft ſchreiten überall nur langſam vor, theils weil die Menſchen an und für ſich indolent ſind und nur ſchwer ſich entſchließen, das gewohnte Geleiſe, in dem ſie ſich bewegen, zu verlaſſen, theils weil ſie nicht immer wiſſen, wie ſie es anfan⸗ gen ſollen die Verbeſſerung einzuführen, und theils endlich, weil ihnen nicht ſelten auch die Geldmittel hiezu mangeln. Die Brücken, die über den Naviglio gebaut ſind, um die Verbindungen zwiſchen den Gemeinden dieß⸗ und jenſeits des Waſ⸗ ſers aufrecht zu erhalten, ſind alle gewölbt; viele von Granit⸗ Quadern mit Geländern von derſelben Steinart. Bis Binasco gewährt die Anſicht des Landes faſt daſſelbe Bild, das man von Mailand nach Lodi ſieht. Bewaͤſſerte Acker mit Mais, Weizen, Reiß, und große, mit hohen Bäumen umgebene Feldparzellen. Auf den Feldern ſah ich den Mais behäufen, den Weizen ſchneiden, die Stoppeln mähen und das Stroh in hohe und I. 9 ————⏑——-—-— ——— 4 13⁰ 41. Juni, Pavia. lange Fiemen aufhaäufen und mit einem Strohdach decken, die ich auch in Melegnanello und Vitadone beobachtet hatte. Langs der Straße ſind viele Reißfelder, deren einige jetzt ſchon trocken lagen, weil man um Johannis die Reißfelder acht Tage lang nicht bewäſſert, aus Urſachen, die man in dem Ab— ſchnitte angegeben findet, der von dieſem Artikel handelt. Eine halbe Stunde, ehe man nach Pavia kommt, verläßt man den Canal, und nun geht der Weg ſachte abwärts zur Stadt, die an dem hohen Ufer des Ticino gebaut iſt. Die Stadt iſt mit Mauern umgeben und hat eine Art von Caſtell, das aber gegenwärtig in einem halbzerſtörten Zuſtande ſich befindet. Die Straßen ſind größtentheils breit, mit Roll— ſteinen gepflaſtert und mit Steinfließen zur Seite für die Fußgan— ger bedeckt. Die Hauptſtraßen können überſchwemmt werden, was mir ſehr gefiel, denn das fließende Waſſer ſpült allen Un— rath weg und erfriſcht etwas die Luft. Die Häuſer ſind ſammt und ſonders modern oder vielmehr gemein, ohne Bogengangen. Alte Gebäude oder prächtige Palläſte ſieht man nur wenige; un⸗ ter die erſtern gehört die Kirche zum heiligen Michael, von der man behauptet, daß ſie ſehr alt ſei; auch mir däuchte die Fac— ciata viel älter, als die aller gothiſchen Kirchen, die ich noch ſah. Unter die letztern gehört das Collegium Borromeum, ein fürſtlicher Pallaſt, beſtimmt, 24 Studenten mit ihren Auf⸗ ſehern und Dienern zur Wohnung zu dienen. Der heilige Cardi— nal Borromeo ließ dieſen Pallaſt bauen: derſelbe, der auch für den Bau des Domes in Mailand und des Jeſuiten⸗Collegiums, die Brera, ſo große Summen ſpendete. Es verdient bemerkt zu werden, daß dieſer Heilige über den religiöſen guten Wer⸗ ken, die er übte, Künſte und Wiſſenſchaften zu unterſtützen nicht vergaß und daß alle von ihm angeordneten Gebaude in einem ſehr grandioſen Styl aufgeführt ſind. Ein zweites Collegium für 30 Studenten iſt vom Papſt PaulV. geſtiftet, und heißt Collegium Ghislieri, nach dem Familiennamen des Stifters. en, die hatte. ige jett der acht dem A⸗ t. verlaßt rts zur Irt von uſtande t Roll⸗ zußgan⸗ verden, len Un⸗ ſammt angen. e; un⸗ von der e Fac⸗ h noch reum, en Auf⸗ Cardi⸗ rauch iums, emerkt Ver⸗ nnicht mſſehr Payſt nach 21. Juni. Pavia. 131 4 Die Studenten dieſer zwei Stiftungen werden ganz frei ge— halten; haben Wohnung, Koſt und Kleidung von der Stif⸗ tung und genießen den Unterricht auf der hieſigen Univerſität. Sie unterſcheiden ſich von den übrigen Studenten, daß ſie, die Einen ſilberne, die Andern vergoldete Medaillen im Knopfloch tragen und dadurch das Anſehen von Militärs bekommen, die Tapferkeitsmedaillen ſich verdient haben. Die Kirchen haben unanſehnliche Thürme, dafür aber ragen 5 oder 6 Thürme hinter der Univerſität in die Höhe, die durch ihr ſeltenes Ausſehen die Augen der Fremden an ſich ziehen. Es ſind dieß ſchmale, etwa 4 Klafter ins Gevierte meſſende, aus Ziegeln aufgemauerte und ungefähr 20 Klafter hohe prismati— ſche Gebaͤude, oben mit einem einfachen Dache. Einige dieſer Thürme haben in der Höhe der Häuſer, an die ſie angebauet ſind, ein Paar Zimmerchen übereinander; in einem Thurme ſah ich auch in der Höhe Fenſter mit Gläſern, aus denen ich ſchloß, daß man da ein Zimmer für den Genuß der Ausſicht angebracht habe; alle die übrigen Thürme hatten aber gar keine Wohnung, keine Uhr, keine Glocke, kurz nichts, was einen Zweck errathen ließ, warum man ſie baute. Auf mein Befragen, zu welchem Behufe dieſe ſeltſamen, zierdeloſen, gigantiſchen Camine er— richtet worden ſeien, berichtete man mir, daßes in früheren Zei— ten Sitte geweſen ſei, einen ſolchen Thurm dem eigenen Hauſe anzufügen, wenn ein Sohn auf der Univerſität zum Doctor ge⸗ macht worden. Seltſame, geſchmackloſe und unnütze Art, ein ſo gering— fügiges Ereigniß auf die Nachwelt zu bringen und damit die Stadt zu verunſtalten!— Es war mir angenehm, den Profeſſor der Botanik und Agri⸗ cultur, Herrn Joſeph Moretti, wieder zu ſehen. Er wohnt im ſogenannten botaniſchen Garten, in einem der Univerſität ge— hörigen Hauſe, mit einer wunderſchönen Ausſicht über das ſchmale Po⸗Thal in die nahen Apenninen. Der botaniſche Garten iſt in mehrere kleine Quadrate abgetheilt, in deren jedem mehrere 9* 13*½ 21. Juni. Pavia. Pflanzen zuſammengeſtellt ſind, die zu einer und derſelben Pflan⸗ zenfamilie gehören. Das Syſtem von Juſſieu, mit einigen Modificationen in den Ordnungen, liegt der Eintheilung zum Grunde. Ich rügte an dieſem Garten, daß zu viele exotiſche und Zierdepflanzen, zu wenig Medicinalpflanzen, beſonders in— laͤndiſche, vorhanden ſeien. Der Ortoagrario, deſſen Director Moretti ebenfalls iſt, liegt am Ende der Stadt, am Abhange, und iſt daher zum Theile der Verſumpfung in der Tiefe ausgeſetzt. Er mißt 47 Per⸗ tiche= 5,39 Joch, und wäre groß genug für mehrere compa⸗ rative Verſuche, ſo wie für die Darſtellung der zweckmäßigſten Art der Rebencultur in Gelandern und auf Bäumen, und der Maulbeerzucht. Es thut mir leid, von allem dieſem nichts, oder ſo gut wie nichts geſehen zu haben, und wenn dieſer Garten auch nicht ſo ganz und gar verwahrloſet iſt, wie der in Padua, ſo iſt er doch auch nicht geeignet, weder als Verſuchs- und noch weniger als Muſterfeld Jemanden gezeigt zu werden. Der Bo— den des oberen, trockenen Theils des Gartens ſcheint Geröll im Untergrund zu haben, denn die Birnbaume ſahen krüpplig aus, hatten eine borſtige Rinde und Krebsgeſchwüre; dafür paßt er deſto beſſer für Maulbeerbäume, deren man aber nur wenige ſieht. Unter dieſen ſind jene zwei, ſeit einigen Jahren berühmt ge— wordenen Mutterbäume der neuen Maulbeerart, die ich ſchon in Roncadello antraf und wovon ich in dem, die Seidenzucht betreffenden Abſchnitte das Nähere angeben werde. Im Gartenhauſe zeigte mir Herr Morettiſeine kleinen Ver⸗ ſuche mit der Seidenerzeugung von Raupen, die mit verſchiede⸗ nem Maulbeerlaube gefüttert worden waren; dann ſah ich da jene Art von Raupen, die jäͤhrlich dreimal ſich einſpinnt. So vortheil⸗ haft auch auf den erſten Anblick dieſe Art Raupen zu ſein ſcheint, ſo meine ich doch, daß ſie keinen practiſchen Werth hat, denn die Baume vertragen es nicht, nach der Mitte des Juni entlaubt zu werden; auch iſt die Jahreszeit ſchon zu heiß und dem Leben der Raupen gefaͤhrlich; endlich hat man jetzt mit dem Getreideſchnitte —2— 78 (ůPfan⸗ einigen ng zum erotiſche nders i⸗ ebenfalls her zum 47 Per⸗ compa⸗ aßigſten und der ts, oder Garten adua, d noch der Bo⸗ erbll im ig aus, paßt er ige ſieht. hmt ge⸗ ch ſchon enzucht en Ver⸗ ſchiede⸗ da jene ortheil⸗ ſcheint, enndie übt zu en der hnitte 21. Juni. Pavia. 133 und andern Ackerarbeiten ſo viel zuthun, daß man ſich nicht mehr mit Vortheil der Wartung der Raupen widmen kann. Noch zeigte man mir auch eine Sammlung von Ackergeräthen, mit denen aber, wie es ſcheint, nie ein practiſcher Verſuch angeſtellt wird. Herr Morett ibegleitete mich auf die Univerſität, wo ſich auf der Bibliothek der Profeſſor der Thierarzneikunſt, Herr Laurin, zu uns geſellte. In der Geſellſchaft dieſer zwei Herren beſah ich das zoologiſche, mineralogiſche und anatomiſche Muſeum, nebſt dem Spitale. Im zoologiſchen Cabinete war ein gut praͤparirtes Wallroß neu für mich. Außer dieſem fand ich da einen Löwen, Löwinn, Tiger, Elefanten und eine Giraffe. Das Spital iſt ein ungeheurer, langer und wohl 6 Klafter hoher Saal, in dem vielleicht 150 Kranke liegen, was mit gro⸗ ßen Unannehmlichkeiten und Storungen für dieſe verbunden iſt. Auch mögen die Kranken in dieſem Locale zwar wohl im Som— mer gut, dafür aber deſto ſchlechter im Winter untergebracht ſein, da ſich ein ſo großer Raum nicht erwaͤrmen läßt, wenn auch eine Vorrichtung dazu angebracht ware, was aber in Ita⸗ lien nirgendwo der Fall iſt. Das anatomiſche Muſeum iſt reich an ſehr inſtructiven Prä⸗ paraten, die faſt alle aus der neueſten Zeit herrühren, und dem Fleiß und der Kunſt des gegenwärtigen Profeſſors der Anatomie zu großer Ehre gereichen. Unter die vorzüglichſten Sehenswürdigkeiten von Pavia ge⸗ hört gegenwaͤrtig die Verbindung des Canals mit dem Ticino mittels fünf Schleuſen, die in kleinen Zwiſchenraͤumen von einan⸗ der entfernt ſind, und die Schiffe, die aus dem Ticino in den Naviglio einlaufen, bei 50 Fuß hoch ſteigen machen, denn um ſo viel ungefähr liegt der Fluß niedriger, als der Horizont der anſtoßenden Ebene. Gleich vor dem Thore der Stadt, die nach Belgiojoſo führt, überſieht man auf der Brücke alle dieſe fünf Schleuſen und zugleich den Hafen, in dem die Schiffe aus dem Strome einlaufen und wo die Umladungen vorgenommen werden. 134 22. Juni. Roncaro. Der Canal iſt von der Hoͤhe der Ebene, bis zur Ausmün⸗ dung mit Granit-Quadern eingefaßt; alle Arbeiten an den Schleuſen ſind, mit Ausnahme der hölzernen Thore, aus dem— ſelben Materiale, mit der größten Solidität, Genauigkeit und Zierlichkeit gearbeitet, ſo daß ſie als vollendete Meiſterwerke an— geſehen werden können. Man hat es weder an Fleiß, noch an Kunſt, noch an Geld fehlen laſſen, um dieß Werk, das beſtimmt iſt, Mailand und die ganze Lombardie mit dem adriatiſchen Meere zu verbinden und die Hin- und Rückfahrt mit Frachtſchif— fen möglich zu machen, zu einem Denkmal der Munificenz und der großartigen Geſinnung der Regierung zu machen. Es ward im Jahre 1824 vollendet. Zehn Jahre früher war der Naviglio noch nicht bis zur Certoſa vorgerückt geweſen. Der Transport der Waaren nach dem Po herauf bis Pavia und von hier über Mailand, entweder durch den Naviglio grande, über den Lago maggiore und die Simplonſtra— ße nach der Schweiz, oder längs des Naviglio di Mar— tiſana, des Adda und des Sees von Como, nach der neuen Straße durch das Valtelin, entweder nach Graubündten oder nach Tirol, iſt nun ſehr erleichtert, und es ſteht zu hoffen, daß die Verminderung der Koſten der Zufuhr der fremden, und der Ausfuhr der einheimiſchen Erzeugniſſe, nebſt den Vortheilen des Tranſito's fremder Waaren in fremde Lnder, die Koſten dieſes Unternehmens reichlich verzinſen, und zur Erhöhung des Wohlſtandes des Landes mächtig beitragen werden. 22. Juni. Beſchreibung einer großen Wirthſchaft in Roncaro. Viehſtand. Ackerbewäſ⸗ ſerung. Reißfelder. Taglöhner, ihre Menge und Bezahlung. Pachter Moretti. Lob der hieſigen Pächter. Kloſter San Paolo. Mira⸗ bello, wo König Franz I. von Frankreich gefangen ward. Profeſſor Moretti hatte die Gefälligkeit, mich zu ſeinem Bruder nach Roncaro zu führen, wo er eine ſehr bedeutende smun⸗ an den s dem⸗ eit und erke an⸗ loch an eſtimmt tiſchen htſchif enz und s ward biglio Pavia iglio nſtra⸗ Mar⸗ neuen en oder hHoffen, und der theilen Koſten ng des rhewãſ⸗ Pachter Mita⸗ einem tende 22. Juni. Roncaro. 135 Wirthſchaft von 3064 Pertiche= 348 Joch, vom Duca Litta in Pacht hat. Roncaro liegt in der Linie zwiſchen Pavia und Lodi, zwi⸗ ſchen dem Olona und dem Lambro, in einer Gegend, die ganz bewaſſerungsfähig iſt, und einen fruchtbaren Boden hat. Es iſt eine tiefe Schichte ſandigen Lehms, der nicht ſchwer zu be— arbeiten iſt. Das ganze Land iſt ſpiegeleben, und voll Canäͤle, die das Waſſer allenthalben hin führen, wo man deſſen bedarf. Die Wohn⸗ und Wirthſchaftsgebaude ſind groß und geraäu— mig. Der Viehſtand beſteht: 1) in 9 Paar Ochſen, von großer Raſſe, wovon der Pachter das Paar 60 bis 65 Ducaten ſchätzt. Er zeigte mir ein Paar, das er heuer in Crema gekauft hatte, und erſt fünf Jahre alt war, wofür er 60 Ducaten zahlte. Sie ſind alle weißgrau; 2) in 18 bis 20 Pferden, mit denen man aber nie pflügt, denn das Ackern iſt ausſchließlich den Ochſen zu— gewieſen, weßwegen auch die Pferde nur Gras und Heu, aber nie Hafer erhalten; 5) in 60 Kühen von mittelgroßer Raſſe, wie man auch aus dem Preiſe ſieht; denn beim letzten Ankauf im vergan— genen Jahre koſtete das Stück nur 21 bis 22 Ducaten. Über die Wartung und Fütterung der Kühe, ihren Milch— ertrag, über Kaſeerzeugung und Käſepreis erhielt ich die voll⸗ kommenſten Aufſchlüſſe, auch war ich beim Acte der Käſefabri⸗ cation gegenwärtig. Wir gingen auf die Felder, und ſahen ſeine ſchönen Reiß- und Maisfelder. Die Witterung war heiß, und es hatte ſeit mehre⸗ ren Tagen nicht mehr geregnet, weßwegen die Blätter des üppig emporgewachſenen Mais zu welken anfingen. Es ordnete daher der Pachter die Bewäſſerung eines mit Mais beſtellten Ackers an, der ohngefaͤhr 4 Joch groß ſein mochte, und obſchon es heute Sonntag war, ſo ward ſeinem Befehle doch ſchleunig gehorcht, und ich ſah, wie in weniger als einer Stunde das Waſſer die Furchen der Maisbeete erfüllt hatte. Einige ÄArbeiter waren mit dem Offnen der mit Erde verklebten Vorſteckbretter im Zu⸗ leitungsgraben(Adacquatrice) beſchäftigt, und andere gingen 136 22. Juni. Noncaro. 35 mit Schaufeln und Hauen im Acker ſelbſt herum, um die zu— fälligen Hinderniſſe wegzurdumen, die ſich etwa der ſchnellen und gleichförmigen Verbreitung des Waſſers entgegenſetzten. Nebenan wurden die Stoppeln eines Weizenfeldes gewäſſert, um den jungen Klee vor dem Verbrennen zu ſchützen. Der Waſſercanal, der einen Theil der Felder dieſer Wirth⸗ ſchaft bewäſſert, enthält ſo Oncie Waſſer. Weil der Pächter ihn aber nur einige Tage der Woche zur Dispoſition hat, ſo iſt er bei großer Dürre genöthigt, Waſſer zu kaufen. Die Reißfelder ſind von beſonderer Schönheit, ſehr rein und gleichförmig im Wuchſe, was ich ſonſt nicht überall beob⸗ achtet hatte. Sie waren geſtern wieder unter Waſſer geſetzt wor— den, nachdem ſie acht Tage lang trocken geſtanden hatten. Die Wechſelwieſen ſtanden vortrefflich, und einige derſelben waren ſo voll weißen Klees, daß Jedermann darauf gewettet ha⸗ ben würde, es waͤre dieſe Pflanze gefliſſentlich hinein geſäet wor— den. Ich ſah mehrere Acker neugepflügt, in denen Frühſaaten ge⸗ ſtanden hatten, um ſie durch 4 bis 5maliges Pflügen(Coltura agostana) zur Winterſaat vorzubereiten. Man halt hier dieſe Vorbereitung des Bodens, d. h. ſeine möglichſte Pülverung und Reinigung, für das Gedeihen der Wechſelwieſen unumganglich erforderlich, und behauptet, daß bei minder ſorgfältiger Bearbei⸗ tung des Feldes nur Unkräuter und nicht weißer Klee zum Vor— ſchein kommen würden, weßwegen man nie unterlaͤßt, in jedem Fruchtwechſel eine Coltura maggenga oder agoſtana zu beobachten. Man weiß in dieſen Gegenden noch nirgendwo etwas von der Anwendung des Extirpators oder Schneidepfluges, ſondern pflügt jedesmal mit vier Ochſen den ganzen Acker um, was mit zwei Pferden und einem Extirpator eben ſo gut, ja wohl vollkommener, und mit großer Zeiterſparung bewirkt wer— den würde: denn wenn vier Ochſen in einem Tage 9 Perti⸗ che= 1629 ◻ Klafter, umpflügen, ſo bearbeiten zwei Pferde 27 Pertiche mit dem Extirpator, und lockern und reinigen viel vollkommener den Boden. Statt den Acker viermal zu pflügen, vl die zu⸗ ſchnellen zten. ewaſſert 3 Wirth Pachter t, ſo iſt hr rein ell beob⸗ tzt wor⸗ en. verſelben pettet ha⸗ et wor⸗ uten ge⸗ voltura ier dieſe tung und zgaͤnglich Bearbei⸗ m Vor⸗ n jedem aana zu detwas pfluges, eer um, ſgut, ji ekt wer⸗ Perti Pferde gen viel fluͦgen/ 22. Juni. Roncaro. 137 würde ich ihn zweimal pflügen, d. h. die Stoppel aufbrechen und die Saatfurche geben; die Zwiſchenarbeiten würde ich durch den Extirpator machen laſſen. Auf dieſer Wirthſchaft ſind 53 Taglöhnerfamilien vorhanden, wovon einige Manner im beſtaͤndigen, oder vielmehr Jahres⸗ dienſt des Pächters ſtehen, als Pferd- und Ochſenknechte, Hir— ten, Küher u. ſ. w.; alle übrige aber, Männer und Weiber, nur geding- oder tagweiſe für die Arbeit gezahlt werden. Ge— dingarbeiten ſind: das Behacken, Behäufen und Ernten des Mais, die Saat, das Jäten und Ernten des Reißes und der Hirſe, und das Säen, Jäten und Raufen des Leins. Wenn dieſe Taglöhner bei dem Pachter tagweiſe arbeiten, ſo bekommen die Männer im Sommer täglich 10, im Winter 5 bis 6 Soldi, nebſt einem Mittagsmahle aus Reiß und Fiſolen und einem Stücke Brod. Zum erſten Behacken des Mais kommen aus den Apen⸗ ninen Leute herab, denen man eine Lira milaneſe zahlt, und die Koſt gibt, die einen Werth von ohngefähr einer halben Lira hat. Der Pächter iſt ein ſehr verſtaͤndiger, gebildeter und äußerſt thätiger Landwirth, der nach dem Tode des Vaters die Pach⸗ tung übernahm, die nun ſeit 60 Jahren in den Haͤnden derſel— ben Familie geblieben iſt. Die vergangenen Jahre, als die Pro— ductenpreiſe fortwährend hoch ſtanden, waren den hieſigen Päch⸗ tern ſehr zuträglich; ſie gaben ihnen die Mittel zur Hand, ſich zu bereichern. In den Jahren 1824, 1825, 1326 haben ſie vielleicht von dem Erſparten wieder etwas zugeſetzt, allein nun ſind die Preiſe wieder erträglich, zwar nicht hoch, aber doch von ſolcher Art, daß ſich die im Inventar und Betriebziſteckenden Capitale verzinſen. Ich nehme hier von den Paͤchtern der bewäſſerten Gegend der Lombardie Abſchied, und ergreife dieſe Gelegenheit, ihnen zu bezeugen, daß ich in ihnen die verſtändigſten und gebildetſten practiſchen Landwirthe angetroffen habe, die mir je in Deutſch— land oder Italien vorgekommen ſind. Es machte mir das größte 138 23. Juni. Roncaro. Vergnügen mich mit ihnen über ihre Angelegenheiten zu beſpre— chen, denn es leuchtete aus allen ihren Ausſagen ſo viel geſunder Menſchenverſtand, eine ſo klare richtige Beurtheilung der Ver— hältniſſe, eine ſo genaue Kenntniß des Details ihrer Wirth— ſchaft hervor, daß man nicht umhin kann, ſogleich für ſie eine Vorliebe zu gewinnen. Auf der Rückfahrt von Roncaro nach Pavia bemerkte ich, daß die Maulberbaume auch in dieſen Gegenden immer mehr ſich verbreiten, denn ich ſah allenthalben junge Pflanzun⸗ gen: die meiſten waren ſehr zweckmäßig, d. h. becherförmig be⸗ ſchnitten; ſie alle vier Jahre ihrer Aſte zu berauben, iſt hier nicht allgemein üblich. Die Straße führt an dem Kloſter San Paolo vorbei, worin König FranzlI. von Frankreich am Morgen der Schlacht von Pavia ſein Hauptquartier hatte. In der weiten Ebene zwi— ſchen hier und der Certoſa fochten die Franzoſen mit den Trup⸗ pen Kaiſers Carl V. Zu Mirabello, 1 ⁄ italieniſche Meilen von hier, ward der König gefangen genommen, und nach der Certoſa gebracht, von wo er nach Madrid abgeführt wurde. Ich brachte den Abend in Geſellſchaft einiger Profeſſoren auf eine ſehr vergnügte Weiſe zu, was ich aber von der Nacht nicht ſagen kann, denn da die Fenſter meines Zimmers auf die Gaſſe gingen, ſo wurde ich von dem Larm lange wach erhalten, den die ſchreiende und ſingende ſtudirende Jugend da machte. 23. Juni. Brücke über den Ticino. Die Carthauſe(Certoſa). Beſchreibung der Kirche, und der darin befindlichen Monumente. Reißſtampfe. Die gedeckte, ſteinerne Brücke über den Ticino iſt zwar ſehr ſolid gebauet, allein ſie ſieht ſchwerfällig aus, und das Hauschen, das in der Mitte derſelben angebracht iſt, verun— ſtaltet ſie bedeutend. V u beſore⸗ geſunder der Ver⸗ ar Wittz⸗ tſie eine bemerkte un immer oflanzun⸗ Krmig be⸗ ( iſt hier 2) vorbei, Schlacht lene zwi⸗ jon Trup⸗ 1 Meilen Anach der gt wurde. Foren auf aht niht die Gaſee 3 den die Jiibung der . giſt zwat verun⸗ 23. Juni. Cerkoſa⸗ 139 Der Profeſſor der Phyſik, Abate Pietro Configlia⸗ chi,*) hatte die Gefaͤlligkeit, mir den reichen phyſikaliſchen Apparat zu zeigen, der ihm für ſeine Vorleſungen zu Gebo— te ſteht. Nach Tiſch fuhr ich in die Certoſa, ein Carthäuſerklo— ſter, das vor ſeiner Aufhebung eine jährliche Einnahme von 300,000 Lire gehabt haben ſoll. Die Mönche wendeten jährlich ei⸗ nen großen Theil ihrer Schäͤtze daran, ihre Kirche zur ſchönſten im Lande zu umſtalten, was ihnen in gewiſſer Hinſicht auch ziemlich gelungen iſt. Die Facade iſt zwar in keinem großartigen Style, auch iſt die Kirche weder bedeutend hoch, noch breit; aber die ganze Wand iſt voll Ornamente und Figuren von Marmor. Das Innere der Kirche ſtrotzt von Statuen in gutem, neuem Geſchmacke. Es ſind da 12 Seitenaltäre mit den auserleſen— ſten Marmorſgulen, Gemäalden, Antipendien von ſeltenem Mar⸗ mor, mit eingelegter Steinarbeit, d. h. wo ein Stück aus dem Stein herausgeſchnitten, und dafür ein anderes eingelegt iſt. Opale, Onyrxe, Carniole, Granaten, Lapis lazuli, Agat, und dergleichen Halbedelſteine ſind häufig zu ſolchen Arbeiten ver— wendet. Es ſind da mehrere Monumente, unter denen ich jenes des Stifters, Galeazzo Viscontt, dann des Luigi Sforza, und ſeines Weibes bemerkenswerth fand. Die beiden letztern liegen in Stein abgebildet auf ihren Sarkophagen, und waren mir der ſeltſamen Tracht wegen merkwürdig, die zu ihrer Zeit Mode war. Die Frau trägt ein Kleid, das ihr an die halbe Bruſt reicht, und über die Schulter nur mit einem ſchmalen Bande an den Rückentheil des Kleides geheftet iſt. Am Oberarm hängt bloß ein vier Finger breites Stück Kleid mit dem Bruſttheil in Verbindung. Man trug daher in jener Zeit die halbe Bruſt, die ganze Schulter und die Arme und Haͤnde, mit Ausnahme eines kleinen Theils des Oberarms, bloß. Die Schuhe ſind plump, *) Sein jüngerer Bruder, der Abate Luigi,o iſt gegenwärtig Profeſſor der Landwirthſchaft an der Univerſität in Padua. 140 24. 25. 26. Juni. Mailand. vorne abgehackt, und was das Auffallendſte iſt, die Sohle beſteht aus einer 3 Zoll dicken Schichte, wahrſcheinlich von Filz. Die ſchöne Reihe hoher Bäume iſt nicht mehr, die ſonſt von der Straße zur Kirche führte, auch ſteht die Prälatur leer, und die Hauschen fangen an zu verfallen, die früher den einzelnen Moͤnchen zur Wohnung dienten, denen bekanntlich alles Reden unterſagt war. Am Canal iſt hier eine Schleuſe(Concha) angebracht, und weil es das Locale zulaßt, ſo wird da eine Reißſtampfe von einer Portion Waſſer in Umtrieb geſetzt, die ſpaͤter zur Bewäſſerung verwendet wird. Ich ſah hier lange der ganzen Manipulation des Stampfens, Siebens und Scheidens des Reißes zu, und der Müller war ar— tig genug, mir auf alle meine Fragen Beſcheid zu thun. Es ſchien ihn zu freuen, daß ein Fremder an ſeiner Kunſt Intereſſe nahm. Am Abend war ich wieder in Mailand. 24. 25. 26. Juni. Beſchreibung der Wirthſchaft von Caſaretto bei Mailand. Den größten Theil dieſer Tage habe ich in Amtsgeſchaͤften zugebracht. Am Abend des 25. führte mich Herr Lucini nach Caſa— retto, einem aufgehobenen Kloſter von regulirten Chorherren vor der Porta orientale, das gegenwartig dem Grafen Melzi gehört. Die Ausdehnung der Grundſtücke beträgt 787 Pertichez ſie ſind, mit geringen Ausnahmen, ſammt und ſonders bewäſſerungsfähig. Das Waſſer kommt theils aus dem Naviglio, was aber nur alle eilf Tage auf die Felder geleitet werden darf, theils von einer Fontanella, die man bei dem Ausgraben von Schutt für die Stmaßzenbeſchotterung fand, und die beinahe 2 Oncie Waſſeer gibt. — ohle beſteht Filz. ie ſonſt von rleer, und in einzelnen alles Reden bracht, und ffe von einer ewaſſerung Ftampfens, lller war ar⸗ mthun. Es ſt Intereſſe eiland. Esgeſchäften iih Caſa⸗ Shorherren m Grafen feträgt 757 ammt und ls aus dem der geleitet an bei dem fand, und 27. Juni. Monza. 141 Es ſind 40 Kühe im Barco, die zu Hauſe mit Grünfutter gefüttert, und nur im Herbſte auf die Wieſen zur Weide ge⸗ laſſen werden. Es ſind einige ſehr ſchöne und große Thiere darun⸗ ter. Sie ſind größtentheils hochträchtig und werden im Septem⸗ ber und October kälbern. Die Milch wird dem Käſer, die Brenta um 3 ½ Lire, verkauft, der aus derſelben jetzt gewöhnlichen Lodiſaner, im September und October aber Stracchin⸗ Käſe macht. Der Pachter, Herr Bignami, iſt ein Viehhändler, und zugleich Fleiſcher. Er hat ſehr detaillirte Kenntniſſe über den Kuhhandel, und ich verdanke ihm mehrere Nachrichten über den gegenwartigen Geldwerth der Kühe nach ihrem verſchiedenen Alter. Er führte uns auf ſeine Felder, erklärte uns ſeinen Frucht⸗ wechſel, und zeigte uns ſeine letztern Aulagen von bewäſſerten Wieſen, die nicht in den Fruchtwechſel gezogen wurden. Wir kamen zu einem Acker, der gerade gepflügt wurde. Die Dammerde iſt eine vortreffliche Miſchung von Erdarten, mürb, und hinlänglich bündig, ohne zu zäh oder zu loſe zu ſein. Sie mag etwa 1 ½— 2 Fuß tief ſein; die Unterlage iſt ein Gerölle aus kleinen Bachſteinen. Ich ſah Cinquantinpflanzen, mit zwei Blättern, die erſt vor fünf Tagen geſäet worden waren: eine merkwürdige Schnelligkeit des Wachsthums! 22. Juni. Zweite Fahrt nach Monza. Beſchreibung des Bodens und der Bewirthſchaf⸗ tung des königl. Parkes. Große Maulbeerpflanzungen. Königl. Baum⸗ ſchule. Fahre nach Monza. Der Wirthſchaftsdirector, Herr Baffa, führte mich heute im Wagen im Parke herum, um mir die Wirthſchaft dieſer großen Fläche zu zeigen. Außer den zwei Luſtſchlöſſern, deren ich bereits 14² 27. Juni. Mon z a. früher Meldung gemacht habe, ſah ich heute noch mehrere andere Luſtgebäude; einen Pavillon, ein Gartenhaus, und dann auch Wohn- und Wirthſchaftsgebaͤude für die Colonen. Der Boden des Parkes iſt das Flußbett des Lambro, der mitten durchfließt. Mehr als ½ der ganzen Flache iſt leichter, ſandiger, größtentheils mit Steingeröll gemengter Boden. Nur ein kleiner Theil des Parks iſt gegenwärtig bewäſſert; ich zweifle aber keinen Augenblick, daß nicht ein viel größerer Theil bewäͤſ— ſerungsfähig iſt. Ob es mit dem Zwecke des Parks vereinbarlich iſt, die Bewaſſerung auszudehnen, weiß ich nicht. Das Hauptgetreide iſt Winterroggen, der dem leichten Boden am beſten zuſagt, und von den Haſen am wenigſten leidet, die den Weizen, wie Herr Baffa ſagt, nicht aufkommen laſſen. Mich zogen bei dieſer Fahrt vorzüglich die ſchönen Reihen von Maul— beerbäumen an, die nach allen Richtungen ſeit zehn Jahren ge— pflanzt worden, und mit der größten Sorgfalt gepflegt und meiſterhaft beſchnitten ſind. Ich nehme keinen Anſtand zu be— haupten, daß Herr Baffa die Cultur der Maulbeerbäume am beſten verſteht. Außer den Maulbeerbaͤumen intereſſirten mich die neuen Weinpflanzungen. Eine kleine Partie iſt auf einem Hügel, der übrige Theil in der daran ſtoßenden Ebene. Die Reben im Acker— lande werden nicht auf Bäͤume gezogen, ſondern mit Pfaͤhlen unterſtützt. Eine Reihe von der andern iſt 12 Bracciaz in der Linie iſt eine Rebe von der andern einen Fuß weit entfernt. Der größte Theil dieſer neuen Weinanlagen beſteht erſt ſeit acht Jahren, und man iſt daher gegenwärtig noch nicht im Stande, von den Ergebniſſen zu reden. Im Parke ſind große Partien mit ſchönem, hochſtaͤmmigem Holze bewachſen, die mich ſehr überraſchten, da ich mich jäͤh in die dichten Wälder der Heimath verſetzt ſah. Nach vollendeter Tour durch den Park ſetzte ich in der Wirth— ſchaftskanzlei die jüngſthin begonnenen Auszüge fort, um mich über die Größe der hieſigen Colonialanſitze, ihre Pachtabga— hrere anden dann auic mbro, der iſt leichter zoden. Nur ich zweift heil bewaͤ⸗ ereinbarlich yten Boden det, die den aſſen. Mich von Maul⸗ Jahren ge⸗ pflegt und nd zu be⸗ haume am die neuen Hügel, der in im Acker⸗ Pfahlen da; in der irnt. Der ſeit acht Stande, rammigem hich jah in er Vith⸗ um mich achtabga⸗ 28. 29. Juni. Mailand. 143 ben, und über das Weinerträgniß der berebten Acker vollkommen zu belehren. Vor der Stadt, gegen Mailand zu, iſt eine öffentliche Baum— ſchule— Vivajo— von 110 Pertiche Flächeninhalt(12 ½ Joch), die ganz bewäſſerungsfaͤhig, und in muſterhafter Ord- nung erhalten iſt. Sie iſt vorzüglich zur Hervorbringung von Zier— debäumen beſtimmt. Mehrere amerikaniſche Fichtenarten, die in Töpfen aus Samen gezogen, und ſpäter in den Boden verſetzt werden, finden reißenden Abſatz, obſchon ſie ſehr theuer ver— kauft werden. Cypreſſen tragen am meiſten ein. Ein Exemplar der Cupressus disticha wachſt zwar in einem Teiche, allein ſie kümmert offenbar; ein anders Exemplar ſteht auf einer gerin— gen Anhöhe, neben einem fließenden Waſſer, und ſieht friſch und geſund aus, woraus hervorgeht, daß dieſer Baum, gleich allem Nadelholz, nur trocknen Boden liebt. Vom Morus macrophylla des Profeſſors Moretti will der Gärtner bemerkt haben, daß er der Kälte nicht ſo gut wider— ſteht, wie der gemeine Maulbeerbaum; allein ich halte ſolche Be— hauptungen noch für zu voreilig, da wir dieſe neue Art nur erſt ſeit wenigen Jahren kennen gelernt haben. 28. 29. Juni. Bemerkungen über die Kirchen in Mailand. Am Abende beſuchte ich mehrere Kirchen, die an und für ſich, und mit den meiſten Kirchen in Deutſchland verglichen, ſchön und reich ſein mögen; gegen die Kirchen in Venedig aber, wie ich be⸗ reits erwaͤhnt habe, kaum bemerkt zu werden verdienen. 144 30. Juni. Mailand. 30. Juni. Reiſe nach dem Lago maggiore, dann über Vareſe nach Como und zurück nach Mailand. Anſicht des Landes über Rho. Bodenbeſchaffenheit. Cultur. Menge von Stadtähnlichen Ortſchaften. Lange Waſſerführung des Diotti. Heide von Gallarate. Seſto Calende am See. Fahrt mit dem Dampfſchiffe nach den Borromeiſchen Inſeln. Anſicht der Ufer des Lago maggiore. Menge der Ortſchaften. Beſchäftigung der Menſchen. Schöne Ausſicht von Iſola bella und Iſola Madre⸗ Kunſtſchätze des Pallaſtes auf Iſola bella. Garten dieſer Inſel. Cultur der Pomeranzen und Limonien in dieſem Garten. Da ich die bewaſſerten Gegenden der Lombardie nun ſo ziem— lich kennen gelernt hatte, ſchien es mir nothwendig eine Tour durch die trockne Ebene zwiſchen Mailand und dem Hügellande, und dann durch dieſes ſelbſt bis zum Fuße der Alpen zu machen, um mir eine vollſtändige Kenntniß des Landes und des darin Statt findenden Betriebes der Landwirthſchaft zu erwerben. Zu dieſem Behufe trat ich heute eine Reiſe an, bei der ich das Land zwiſchen Mailand und dem Lago maggiore, dann die Inſeln dieſes Sees; hierauf das Land zwiſchen dem Lago maggiore und dem Lagodi Como, und endlich jenes zwi⸗ ſchen Como und Mailand, beſehen will. Ich fuhr früh Morgens von Mailand weg; und ergötzte mein Auge an dem Anblicke der ſorgfältigen Gartencultur, die auf den Ackern Startt findet, die hart vor der Mauer der Stadt, und beſonders hier laͤngs der Simplonſtraße Statt hat. Ganze Ackerbeeten waren voll Gemüſe aller Art: Zwiebel, Pori, Spar⸗ gel u. ſ. w. Die Maulbeerbäumchen machen in dieſen Gaͤrten ei⸗ nen ſtehenden, ſehr bedeutenden Artikel. Bis Rho ſſieht man gewaͤſſerte Wieſen, auch fand ich in dieſem Orte noch einige Waſſerquellen zur Bewäſſerung aufge⸗ deckt; weiter fand ich bloß trocknes Land, bis man in die Nie— derung des Olona kommt, wo man wieder viele und ſchöne Wieſen und hohe Bäume antrifft. Die Natur des Bodens wechſelt in dieſer Ebene ſehr ſchnell, —— h Como und nbeſchaffenheit. Waſſerführung am See. Fahrt 1. Anſicht der vaftigung der lla Madre. l. Cultur der uin ſo ziem⸗ eine Tour wügellande, zu machen, des darin erben. bei der ich dre, dann dem Lago jenes zwi⸗ end ergößte cultur, die der Stadt/ nat. Ganze ri, Spar⸗ Garten ei⸗ zand ich in jang aufge⸗ n die Nie⸗ und ſchöne ehr ſchnell/ 30. Juni. Gallarate. 145 bald iſt es ein ſchwerer, tiefer Boden, und bald ſieht man wie⸗ der unter der ſeichten Dammerde das darunter liegende Stein⸗ geröll. Die Felder ſind gut cultivirt und allenthalben mit Maul— beerbäumen beſetzt, die in dieſer Gegend offenbar als das vorzüg⸗ lichſte Bodenerzeugniß angeſehen werden müſſen. Um Rho und von da bis Gallarate ſind alle Acker mit Maulbeerbäumen beſetzt, die in dieſem trocknen, mehr leicht als ſeßmweren Boden gut gedeihen und kräftig wachſen. Der größte Theil dieſer Bäu⸗ me iſt noch jung, ſo daß wohl 100 junge, d. h. 10 bis 2ojäh⸗ rige, gegen einen 3ojährigen oder älteren Baum zu ſtehen kom— men. Der klarſte Beweis, wie ſehr in der neueſten Zeit die Cul⸗ tur der Seide in dieſem Lande ſich vergrößert. Die Straße führt durch mehrere kleine Orter, die aber, wie überall in der Lombardie, das Anſehen und die Form von Städ— ten haben. Die Hauſer ſind allenthalben in gutem Zuſtande und die Spuren der Wohlhabenheit ſind nirgendwo zu verkennen. Bis Gallarate ſieht man auch viele und ſchöne Landhäuſer. Bei Legnano faͤngt das Land an hügelig zu werden. Ehe man zur Brücke kommt, die über den Olona führt, ſah ich einen Waſſercanal, von dem man mir ſagte, daß er einem Pri— vaten: Diotti, gehöre, der das Waſſer in demſelben bis in die Näͤhe von Mailand führte. Da die Quantität Waſſer, die dieſen weiten Weg macht, zu unbedeutend iſt, ſo zahlten ſich die Koſten des Ausgrabens, der Grundablöſungen und der Aufſicht nicht genügend, und der Unternehmer ſoll darüber ſein Vermö⸗ gen verloren haben. In der Nähe von Buſto arſizio, und weiter gegen die Berge, werden ſolche Stellen, die ſich nicht wohl zu Ackern ver⸗ wenden laſſen, mit Kaſtanien bepflanzt, die man als Niederholz behandelt und alle 5— 6 Jahr abhauet. Das Holz wird zu Wein⸗ pfählen verwendet, und Jedermann weiß, welch' große Vorzüge es zu dieſer Benützung vor allen andern Holzarten hat. Man pflügt hier noch viele Felder auf, um ſie mit Hirſe I. 10 146 30. Juni. Lago maggiore. oder Cinquantin zu beſäen; zur letztern Frucht wird der Dünger mit den Händen in die Furchen des Pfluges gelegt. Den Pflug ſah ich nicht ſelten bloß von einem einzigen Ochſen ziehen. Der Boden iſt ſandig und ſein Zuſammenhang ſetzt dem Pfluge nur geringe Hinderniſſe entgegen. Die Heide(Brughiera) von Gallarate iſt nicht mehr ſehr groß; ſie wird durch jaͤhrlich fortgeſetzte Beurbarung des Bo⸗ dens verkleinert. Der Maulbeerbaum iſt die wichtigſte Pflanze dieſer düͤrren Ebene, und trägt am meiſten dazu bei ſie in urba— ren Zuſtand zu verſetzen. Gleich außer Gallarate beginnen die Hügel, die hier her— um mit Weinreben, auf niedere Gelaͤnder ausgebunden, be— pflanzt ſind. 1 So wie man von hier einen etwas höhern Hügel hinan— kommt, der ſich von der andern Seite in das Thal des Ticino verflächt, trifft man auf einmal Föhren und Birken an, welche Baͤume aber ſogleich wieder verſchwinden, als man 15— 20 Klaf⸗ ter tiefer hinabkommt. Dieſe Baume ſind wohl die Üüberbleibſel eines größern Waldes, der in der Vorzeit hier beſtand; ſie zei— gen nebſtbei auf die Natur des Bodens und ſein Clima, das bedeutend kühler iſt, als in der Ebene von Mailand; denn hier ſchneidet man erſt den Weizen, und der Mais iſt noch weit ent— fernt die Spitzen der männlichen Blüthen zu zeigen. In Seſto Calende, einem kleinen Orte am Ausfluß des Sees, beſtieg ich das Dampfſchiff, mit dem ich nach Iſola bella fuhr. Das Ufer des Lago maggiore an der piemonteſiſchen Seite, wo die Straße nach dem Simplon hinlaäuft, iſt ſehr ſchmal; die untere Seite des Berges iſt mit Weinreben culti— virt, die höher gelegene zeigt Wieſen, Weiden, Wald und obenauf Alpen. Überhaupt habe ich hier und in der ganzen Umgebung dieſes Sees gefunden, daß die Leute klug genug ſind, den Ackerbau nicht in die ſteilen Berge hinauf auszudehnen, wo er mit tau⸗ er Dünger Den Pfug ehen. der fluge nur nicht mehr de Pflanze in urba⸗ jhier her⸗ Aden, be⸗ del hinan⸗ 1 Ticino n, welche 420 Klaf⸗ erbleibſel 8; ſie zer⸗ na, das Sdenn hier weit ent⸗ — fluß des -y Iſola ateſiſchn iſt ſehr en cult⸗ ald und 119 dieſes ſckerbau — jit tau⸗ 30. Juni. Lago maggiore. 147 ſend Gefahren zu kämpfen hat, und ſeine Unternehmer für ihre Mühe nicht lohnt. Die lombardiſche Seite des Sees wird durch ein Mittelge— birge begraͤnzt, das ebenfalls nur an der untern Seite eulti— virt iſt. Bei der Beſchränktheit des culturfähigen Bodens, welche nur einer kleinen Menge Menſchen in der Umgebung des Sees Nahrung gewaͤhrt, muß die große Menge von Stadten, Maͤrk— ten, Dörfern, anſehnlichen Häuſern und Pallaſten auffallen, die man auf beiden Ufern, vorzüglich aber am piemonteſiſchen ſieht, und es drängt ſich unwillkührlich die Frage auf, wie eine ſo große Bevölkerung leben kann, und welche Mittel ihr zu Ge— bote ſtehen, ſich zu ſolchem Wohlſtande zu erſchwingen, wie er aus ihren Wohnungen erſichtlich iſt. Auf meine Fragen über die Eigenthümer derſelben, antwortete man mir, daß ein Theil der Häuſer, vorzüglich der zerſtreuten, reichen Leuten der unteren Ge— gend gehörte, die im Sommer oder Herbſt hieher kämen einige Wochen hier zuzubringen; ein anderer Theil, vorzüglich der in den Ortſchaften angehäuften, gehöre Handwerkern, Küunſtlern, beſon⸗ ders aber Handelsleuten, und nur der kleinſte Theil ſei von eigent— lichen Landwirthen bewohnt. Der Handel ſcheint hier von großer Bedeutung zu ſein, ſowohl mit den Producten der Umgebung des Sees: gehauenen Steinen, Kalk, Holz und Holzwaaren, als noch vielmehr mit den Producten Italiens nach der Schweiz und nach Frankreich. Weizen, Reiß, Wein, Kaſe, Seide, Leder kommen auf dem Ticino herauf und werden hier umgeladen und verſchickt; was dagegen eingeführt wird, weiß ich nicht; denn die Einfuhr von Fabricaten aller Art iſt nicht erlaubt, und Co— lonialwaaren kann man über den Simplon nicht mit Vortheil aus Frankreich nach Italien führen. Es beſteht hier wohl der— ſelbe Handel, der alle Graänzörter bereichert, in dem alle Ein⸗ wohner intereſſirt ſind, und von dem Niemand öffentlich redet. Allein alle Zuflüſſe und Hülfsquellen, welche Handel, In⸗ duſtrie und Landwirthſchaft hier gewaͤhren, ſind doch zu be⸗ 10* 148 30. Juni. Lago maggiore. ſchränkt, um einer ſo großen Bevölkerung die erforderlichen Erhaltungsmittel zu verſchaffen; und es muß jäͤhrlich ein großer Theil der Einwohner auf mehrere Monatte, ein anderer für immer auswandern. Im Frühling ziehen aus den Um— gebungen des Sees viele Hunderte von Menſchen aus, um als Maurer, Steinmetzen, Kellner, Köche oder herumwandernde Kraämer u. ſ. w. in Italien, in der Schweiz, ja woh!l ſelbſt in Deutſchland und Frankreich Verdienſt zu ſuchen. Sind dieſe Menſchen verheirathet, ſo kehren ſie von Zeit zu Zeit zurück, um ihren Gewinn der Familie heimzubringen; ſind ſie ledig, ſo bleiben ſie bis ins Alter in der Fremde, aber dann kehren ſie wieder heim, um hier ihre Tage zu beſchließen. Von früher Ju— gend zu Entbehrungen und zur höchſten Frugalität angewöhnt, fällt es dieſen Menſchen in der Folge nicht ſchwer, bei mäßigem Verdienſte Erſparniſſe zu machen und ſich in Wohlhabenheit, und nicht ſelten in Reichthum zu verſetzen, den ſie ſicher dazu verwenden, ſich um ſchweres Geld in der Heimath eine Beſi— tzung zu kaufen, oder ein Haus zu bauen, oder das väterliche zu vergrößern oder zu verſchönern. Die Fahrt von Seſto Calende über Arona, einem freundlichen Städtchen, in deſſen Nähe die coloſſale Statue des heiligen Cardinals Borromeo vom Hügel herabſieht, bis hin— auf zu den Borromeiſchen Inſeln, gewährt einen der ſchönſten Anblicke in der Welt und iſt mit Recht von allen Reiſenden hoch— geprieſen worden. Man ſtelle ſich einen großen, 2 bis 5 italie— niſche Meilen breiten und 30 Meilen langen, einen Winkel bil— denden See vor, der mit hohen Bergen umgeben iſt, die mit Waldern und Weiden bedeckt ſind, und deren Höhen als Alpen— weiden benützt werden, hinter denen, gegen den Gotthard, höhere, aber ſchneeloſe Alpen; gegen Domo d'Oſſola aber der ganz mit Schnee bedeckte Simplon hervorragt, der nur wenige Stunden vom Ufer entfernt zu ſein ſcheint, und in gerader Li— nie es auch nur iſt. Nun füge man dieſem Bilde hinzu, daß die Ufer dieſes großen Sees von Staͤdten, Doͤrfern und freundli— Iderlichen tlich ein anderer 1 den Um⸗ 2, um als andernde * ſelbſt in nd dieſe 8 zuruck, 1 dig, ſo Phren ſie Iiher Ju⸗ Sewohnt, Lnaßigem ebenheit, der dazu (ie Beſi⸗ laterliche A*, einem atue des bis hin⸗ =chonſten Sen hoch⸗ 2j italie⸗ Tkel bil⸗ F die mit Alpen⸗ a hard, Eaber der wenige dder li⸗ 4 daß die Jundli⸗ 30. Juni. Iſola bella. 149 chen Landhäuſern gleichſam bedeckt, und daß die nächſte Um⸗ gebung der Ortſchaften, die letzten Abhänge der Berge, mit Reben, Obſt- und Kaſtanienbaͤumen bepflanzt ſind, und man wird ſich überzeugen, daß die großartige Anſicht, welche der See mit den ihn umgebenden Bergen und Alpen gewährt, durch die Erzeugniſſe der menſchlichen Cultur, die man am Saume des Ufers bemerkt und die den See wie ein ſchöner Kranz umgeben, ungemein verſchönert und ein Bild dargeſtellt wird, das man nicht ſatt wird anzuſchauen. In der Näͤhe der Borromeiſchen Inſeln kam dem Dampf⸗ ſchiffe ein Boot entgegen, das mich aufnahm und nach Iſola bella führte. Wenn ich mich ſchon früher durch den höchſt male⸗ riſchen Anblick der Landſchaft, die ſich mir bei dem freundlichſten Wetter und im Schmucke der herrlichſten Vegetationddarſtellte, in eine höhere Stimmung des Gemüthes verſetzt befand, ſo ward dieſe noch mehr geſteigert, als ich auf Iſola bella ans Land ſtieg, und die Wirklichkeit dem Bilde entſprechend fand, das ich mir von früher Jugend an von dieſer freundlichen Inſel ent— worfen hatte. Ich ſchwelgte mehrere Stunden in dem Anblicke der unübertrefflich ſchönen Ausſicht, die man von der Höhe des Gartens, von den Terraſſen und Fenſtern des Pallaſtes über den See, das Land, die Städte, die Berge und Alpen hat, und ließ mich dann nach Jſola Madre hinüberführen, um auch von jenem Puncte den See zu überſehen. Ich blieb da ſo lange, bis ſich der Himmel ganz mit Sternen überzogen hatte. Die Rückkehr nach Iſola bella in der heitern, ſtillen Nacht, in der friſchen Luft, die auf den heißen Tag folgte, vollendete das Vergnügen dieſes Tages, den ich unter die angenehmſten mei⸗ nes Lebens zähle. Das Vergnügen, das uns der Anblick der Landſchaft ge⸗ währt, wird nicht wenig geſteigert durch den Anblick des Feen⸗ pallaſtes und Gartens auf Iſolabella. Wenn eine der reich⸗ ſten Familien des Landes einen bedeutenden Theil ihrer jaͤhrli⸗ chen Einkünfte ſeit ein Paar Jahrhunderten darauf verwendet⸗ 150 30. Juni. Iſola bella. einen Pallaſt zu verzieren und mit allem auszuſchmücken, was die Künſte der Malerei und Bildhauerei zu liefern vermögen, ſo kann man ſich vorſtellen, wie ſehr die Bewunderung und das Erſtaunen geſteigert wird, wenn man die Zimmer dieſes Palla— ſtes durchwandelt und die zehn Terraſſen emporſteigt, die den Garten bilden. Über das, was man in Iſola bella und Iſola Madre an Gemäaͤlden und Sculpturarbeit ſieht, muß ich meine Leſer an andere Schriftſteller anweiſen, die hierüber mit Sachkenntniß ausführlich gehandelt haben; für den Zweck der gegenwartigen Schrift ziemt es ſich nicht, dieſe Gegenſtaͤnde näher zu beſchreiben und ihren Werth zu beurtheilen, wenn ich auch ein größerer Kunſtkenner wäre, als ich es wirklich bin. Die Terraſſen des Gartens ſind allenthalben mit Limonien und Pomeranzenbaͤumen bedeckt, deren Aſte auf dem an der Mauer befeſtigten Gelaͤnder ausgebunden ſind. Sieht man dieſe Baͤume in freier Luft hier ſtehen und betrachtet man von der an— dern Seite die Nähe der ſchweizeriſchen, walliſiſchen und piemon⸗ teſiſchen Alpen; ſieht man das Haupt des nahen Simplon mit ewigem Schnee bedeckt; ſo weiß man ſich dieſe Widerſprüche an— faͤnglich nicht zu erklären, bis man hört, daß ſich das Wachs⸗ thum der Pomeranzen in freier Luft, und ihre Ausdauer im Winter ſehr natürlich erklärt, indem die unterſten, dem See zunächſt gelegenen Terraſſen im Winter eine hölzerne Verkleidung bekommen, die ſie vor Kälte ſchützt, und die es möglich macht, daß der Raum, in dem ſich die Bäume befinden, ſelbſt geheizt werden kann, und daß die Bäume in den höheren Terraſſen ſammt und ſonders mit Stroh eingebunden, und noch überdieß durch vorgelegte Strohdecken vor der unmittelbaren Einwirkung der Kälte geſchützt werden. Der Gaärtner gab mir von der Tempera— tur der Atmoſphäͤre wahrend der Wintermonate eine Beſchrei— bung, die mit der Lage dieſes Ortes, ſeiner Höhe und der Nach— barſchaft mit den Alpen völlig übereinſtimmte: er ſagte mir, daß nicht ſelten, ja wohl jaͤhrlich, ein Fuß hoher Schnee faͤllt, daß derſelbe im Jahre 1827 3 Fuß hoch war, und daß die Kaͤlte oft en, was gen, ſo Und das s Palla⸗ die den Tla und t, muß hierüber Zweck inſtaͤnde enn ich hyin. 3monien à an der an dieſe ader an⸗ niemon⸗ ton mit che an⸗ Wachs⸗ nauer im em See lleidung macht, heheist Pſammt J durch anng der ampera⸗ Seſchrei⸗ r Nach⸗ ar, daß 1 duf alte oft 1. Juli. Laveno. 151 ſo ſtark iſt, daß ſelbſt der Lorbeerbaum darunter leidet. Indeſſen gedeihen doch eine Menge ſüdlicher Pflanzen im Freien, wenn ſie auch im Winter gedeckt werden müſſen. 1. Juli. Fahrt nach Laveno über den See⸗ Anſicht des Landes von hier bis Va⸗ reſe. Beſchreibung der Wirthſchaft des Herrn Foscarini. Gleich nach Aufgang der Sonne fuhr ich von Iſolabella nach Laveno.— In einer ganz anderen und viel ſchöneren Be⸗ leuchtung zeigten ſich jetzt die Borrom eiſchen Inſeln mit den Städten Intra und Palanza, und nichts übertrifft die Schön⸗ heit, mit der ſich im Hintergrunde die hohen Firſten des Simplon— gebirges darſtellten. Hundertmal erwachte in mir der Wunſch, auch da zu wohnen, um den Anblick dieſes reizenden Bildes mein Le⸗ belang zu genießen. Ich dachte nicht gleich, daß das Glück des Menſchen weniger von der Schönheit einer Gegend, als vielmehr von unſeren geſellſchaftlichen Verbindungen, und von dem Ver⸗ kehre mit unſeren Freunden, die gleiche Sitte und Neigungen mit uns theilen, abhangt, und daß der Anblick eines ſchönen Bildes uns ſehr bald gleichgültig wird. Laveno iſt ein kleines Städtchen am Abhange eines ſteilen hohen Berges. Es war gerade Jahrmarkt und ein großer Zuſam⸗ menfluß von Menſchen, die kauften und verkauften. Getreide und Schweine waren die vorzüglichſten Marktartikel. Die Anſicht des Landes von Laveno bis Vareſe, längs eines ſchmalen, ſich allmahlich erweiternden Thales, war mir beſonders angenehm, da ſie mir eine Abwechslung gegen die ermüdende Einförmigkeit des Anblickes der weiten Ebene gewährte. Der Weg führt durch eine Gegend, die ſtark mit Baͤumen bepflanzt iſt. Die vielen und großen Nußbäume, aus deren Früchten man Ol preßt, die Kaſtanien, und andere gemeine Baume, verzieren die Hügel und beſchatten die Straße, die 152 1. Juli. Vareſe. ſich längs den Hügeln nach aufwärts zieht, bis man auf die Höhe gelangt iſt, von der man abwärts in das Thal von Va⸗ reſe kommt. Die Cultur der Felder iſt die gewöhnliche: Weizen und Mais, Maulbeerbäͤume und etwas Weinreben. Man fahrt durch eine Menge von Ortſchaften, die ſtark bevölkert ſind, und in denen ich allenthalben die Kennzeichen der Wohlhabenheit vorfand, die hier bloß allein vom Landbaue herrührt, da Handel und Indu— ſtrie dieſen Gegenden fremd ſind. Kaum war ich in Vareſe angekommen, ſobeeilte ich michdie Briefe abzugeben, die man mir in Mailand übergeben hatte. Einer der Herren, an den ich addreſſirt war, ſubſtituirte einen andern, und ich glaube, ich darf mir zu dieſem Wechſel Glück wün— ſchen, denn der Subſtitut,— Herr Caſtiglioni, Beſitzer ei— ner Seidenſpinnerei und einiger Grundſtücke in der Nähe der Stadt, war bemüht mich überall hin zu führen, wo er glaub— te, daß für mich etwas Intereſſantes zu ſehen oder zu hö— ren ſei. Unſer erſter Gang war, die Beſitzung des berühmteſten hie— ſigen Landwirthes, Herrn Foscarini, zu ſehen, die etwas mehr als eine italieniſche Meile von der Stadt entfernt, am Abhange gegen den See von Vareſe liegt, und früher der Abtei della S. S. Trinita gehörte. Es iſt eine Beſitzung von 1452 Perti⸗ che= 1652 Joch, die in 7 Beſitzungen oder vielmehr Colonien eingetheilt iſt. Es that mir leid, Herrn Foscarini nicht zu Hauſe angetroffen zu haben, weil ich mir von ſeinen Mitthei— lungen und Anſichten großen Vortheil für meine Belehrung ver— ſprochen hatte; und obgleich ſich ſein Verwalter alle Mühe gab, mir über meine Nachforſchungen Aufklarungen zu verſchaffen, ſo konnte er mir den Beſitzer doch nicht erſetzen. Die Cultur der Maulbeerbaͤume und der Weinreben wird hier beſonders gut verſtanden, wie der Leſer in den betreffenden Ab⸗ ſchnitten, die von dieſen Culturzweigen handeln, naͤher ange— geben finden wird. eauf die In Pa⸗ ¹ Mai, ich eine in denen end, die 4 Indu⸗ nichdie 3 hatte. a einen Ztwin⸗ Sitzer ei⸗ 2 he der glaub⸗ 2cu hö⸗ Zen hie⸗ 1s mehr ribhange —della Terti⸗ vlonien cht zu itthei⸗ r dg vel⸗ 4e gab, g affen/ rd hier 4l Ab⸗ Dauge⸗ 2. Juli. Vareſe. 153 Die meiſten Maulbeerbaͤume, die ich hier ſah, waren 10—15 Jahr alt. Altere Baume ſah ich nur wenige, zum Beweis deſ— ſen, daß erſt ſeit dieſer Zeit die Seidencultur mit verdoppeltem Eifer und zunehmender Ausdehnung betrieben wird. Der Boden dieſer Wirthſchaft beſteht aus einem fruchtbaren Lehm, der nicht ſehr bündig iſt. Die Lage iſt gegen Weſten ab— hangend. 2. Juli. Kurze Lebensbeſchreibung des Grafen Vincenz Dandolo. Beſitzungen, die Dandolo in Vareſegehöoren. Seidenſpinnereien. Beſitzung Medici. Beſitzung Mainatti. Vareſe iſt für die Landwirthe dadurch berühmt geworden, daß der Graf Vincenz Dandolo hier wohnte, hier ſeine Verſuche über die beſte Art die Seidenraupen zu pflegen an— ſtellte, und hier ſein claſſiſches Werk: Dell'arte di governare i bachi da seta, ſo wie die nach ſeinem Tode von ſeinem Soh⸗ ne, unter dem Titel: Opera postuma, herausgegebenen klei— neren Abhandlungen über verſchiedene Gegenſtände der Land— und Staatswirthſchaft ſchrieb, in denen er mehr poſitive Kennt— niſſe und einen richtigern practiſchen Sinn entwickelt hat, als alle italieniſchen Schriftſteller, die bisher über Landwirthſchaft ge— ſchrieben haben. Ich erinnere mich kaum eines Buches, das mich mehr angezogen hätte, und es macht den Italienern wenig Eh— re, daß dieß Werk weniger bekannt und verbreitet iſt, als es ſein innerer Werth verdient; was ich daraus ſchließen muß, weil noch immer die erſte Auflage nicht vergriffen iſt. Dandolo war im Jahre 1753 zu Venedig geboren, und ſtarb in Vareſe im Jahre 1819. Bis zum Jahre 1796 war er der Welt durch ſeine Üüberſetzungen der franzöſiſchen Chemie be⸗ kannt, die kurz nach einander mehrere Auflagen erhielten. Er war Apotheker und erwarb ſich durch ſeine in ganz Italien und in der Levante berühmten und geſuchten Mercurialpräparate ein 4 ——— 154 2. Juli. Vareſe. bedeutendes Vermögen. Nachdem die alte Regierung im J. 1796 durch Bonaparte über den Haufen geworfen und eine neue Re⸗ gierungsform eingeführt worden war, wurde Dandolo zum Mitglied der neuen Regierung gewählt. In der Folge wurde er mit mehrern andern ſeiner Collegen nach Paris geſchickt, um bei dem Directorium Vorſtellungen gegen die drückenden Maß— regeln zu machen, die man gegen das Land verhängte. Hier ward er mit den damaligen Machthabern bekannt, die ihn beſtimmten ſein Vaterland zu verlaſſen und eine Stelle im großen Rathe der neugeſchaffenen cisalpiniſchen Republik anzunehmen. Seine von Venedig hieher übertragenen Capitale verwendete er dazu, ſich eine Beſitzung in Vareſe zu kaufen, die er aber nur kurze Zeit genie— ßen konnte, weil ihn der im Jahre 1790 ausgebrochene Krieg nöthigte nach Frankreich auszuwandern, von woer nach dem Frie⸗ den von Luneville wieder nach Vareſe zurückkehrte. In den folgenden Jahren gab er ſich viel mit der Einführung der ſpani— ſchen Schafe ab, und ſchrieb im Jahre 1804 über die Zucht die⸗ ſer Thiere ein kleines Werk. Im Jahre 1806 ward er ſeinen länd— lichen Geſchäften entzogen, und als Gouverneur nach Dalmazien geſendet, wo er bis zum Preßburger Frieden 1300 blieb, zufolge welchem Dalmazien von dem Königreiche Italien abgeriſſen und den illyriſchen Provinzen einverleibt wurde. Man ernannte ihn nun zum Senator des Königreichs Italien, was er bis zur Auf— löſung deſſelben blieb. Seitdem er aus Dalmazien zurückgekom— men war, verließ er Vareſe nur zeitweiſe, wenn ihm irgend ein beſonderes Geſchaft aufgetragen ward. Die letzten zehn Jahre ſeines Lebens widmete er ſich faſt ganz der Landwirthſchaft, und in dieſe Periode fallen ſeine Werke über die Cultur der Kartof— feln, über den Traubenſirup, über die Behandlung der Weine und über die Wartung der Seidenraupen. Durch dieß letztere Werk erregte er die Aufmerkſamkeit aller Italiener, denn er zeigte durch die Darlegung unumſtößlicher That— ſachen den ungeheuren Vortheil, den dieſer Zweig der Landwirth⸗ ſchaft gewährt, und wie es möglich wird, dem größten Theile der 8J. r9h ineue Re⸗ 1olo zum I wurde er kiickt, un den Miſ⸗ Shier watd t ſtimmten skathe der „heine von 4 ſich eine 5 eit genie⸗ ene Krieg dem Frie⸗ 2 In den Der ſpani⸗ 3zucht die enen land⸗ Kyalmazien 1, zufolge =iſſen und gennte ihn zur Au⸗ 8 ückgekon⸗ a tgend ein n Jahre Gaft, un Kartof⸗ er Weine Snkeit alle aher dhat⸗ nwitth⸗ heile der 2. Juli. Vareſe. 155 Gefahren auszuweichen, von denen die Seidenraupen bei der gemeinen Behandlung bedroht ſind; und was man auch immer gegen die von ihm in Antrag gebrachten großen Raupenhäuſer (Bigattiere) ſagen mag, und ſo ſchlimm das Beiſpiel iſt, das ſein eigener Sohn gibt, der die große Bigattiera ſeines Va⸗ ters nach ſeinem Tode leer ſtehen laßt, ſo ſcheinen mir doch die Gründe richtig, welche Dandolo beſtimmten ſie in Antrag zu bringen; und wenn die Ausführung nicht überall oder nicht alle Jahr den Erwartungen entſprach, ſo muß der Grund in der unvollkommenen Ausführung und in dem Üüberſehen nachtheiliger Einflüſſe geſucht werden. Die Beſitzungen Dandolo's ſind rings um Vareſe in ver— ſchiedenen Orten zerſtreut. In der Stadt ſelbſt hat ſich der ver— ſtorbene Graf von Grund aus ein neues, ſehr ſchönes Haus mit zwei Stockwerken gebaut, das nicht groß ausſieht, denn es iſt nur 26 Ellen breit und 22 Ellen lang, in ſeinem Innern aber eine ſo wohl überdachte, gute Einrichtung hat, daß man über die Menge Wohnungen und die Gemächlichkeiten, die aus der Verbindung derſelben hervorgehen, in Erſtaunen geſetzt wird.— Sollte ich ein neues Haus bauen, ſo würde ich keinen Anſtand nehmen dieſes Modell blindlings nachzuahmen.— Das Haus liegt auf einer Anhöhe, und unter demſelben iſt ein neuer Gar— ten angelegt. 4 Außer dieſem Hauſe und einigen andern, die zu Wohnun— gen vermiethet ſind, beſitzt der Graf eine kleine Wirthſchaft von 50 Pertiche 10 Tavole= 55 Joch, die früher einem Kloſter — Abazzia all' Annunziata, gehörte, die er im J. 1810 gekauft, und in der er ſeine große und kleine Bigattiern auf⸗ geſtellt hatte. Gegenwärtig wird dieß Grundſtück größtentheils als Acker⸗ land, und nur zum kleinen Theil als Garten benützt und iſt al— lenthalben mit Maulbeerbaͤumen bepflanzt. Es that mir leid, den gegenwärtigen Beſitzer nicht in Va⸗ reſe getroffen zu haben; er wohnte mit ſeiner Frau in einem et⸗ 156 2. Juli. Vareſe. was entfernten Landhauſe, al Deſerto. Sein Verwalter er⸗ theilte mir aber alle zu ſeinem Gebote ſtehenden Aufſchlüſſe mit der größten Unbefangenheit und führte mich überall herum. Ich verdanke ihm viele Nachrichten über die hieſigen Pachtbedingun— gen, über den Preis des Maulbeerlaubes, über den Ertrag der Galetten, den die Colonen liefern, ſo wie über die Urſachen, die den gegenwärtigen Beſitzer beſtimmten, die eigene Seiden— erzeugung auf eine unbedeutende Quantität herabzuſetzen. Mein Begleiter führte mich nun in zwei Seidenſpinnereien — Filande. Die eine gehört Herrn Rubbioni; ſie hat 48 Haſpel und verarbeitet 40,000 Pfund Galetten; die andere gehört Herrn Giudici, ſie hat 42 Haſpel und verarbeitet 36,000 Pfund Galetten. Eine ſolche Filanda iſt ein gedeckter Gang zu ebener Erde, der einen langlichen Saal vorſtellt. Zu beiden Seiten ſind die Keſſel mit dem heißen Waſſer, in denen die Galetten ſchwimmen, die abgeſponnen werden, und in der Mitte iſt ein freier, breiter Gang. Jeder Keſſel hat eine Meiſte⸗ rinn und eine Dienerinn; die erſtere ſorgt, daß fortwährend die Galettenfaͤden ſich in einen Spinnfaden verbinden; die andere dreht den Haſpel, auf dem der Faden aufgewunden wird. Wenn 30 bis 100 Weibsperſonen in einem nicht ſehr großen Locale bei⸗ ſammen ſind, die jüngern ſingen, die aͤltern laut ſchwätzen, ſo gibt dieß mit dem Schnurren der Haſpeln einen bedeutenden Laͤrm, der mir aber nicht unangenehm dünkte, da er nur die Wirkung fröͤhlicher Thaͤtigkeit iſt. Man zeigte mir die Magazine für die Galetten, ſo wie für die geſponnene Seide, die ſich in den langen, goldgelben, glanzenden Straͤhnen ſchön darſtellt. Von den Spinnereien führte mich mein Begleiter über eines ſeiner Felder, das er vor fünf Jahren mit Maulbeerbäumen be⸗ ſetzt hatte, die jetzt ſchon 5— 5 ½ Wiener Zoll Durchmeſſer hat⸗ ten, nach Indunno in die Beſitzung Medici, woich trefflich ausgeführte neue Anlagen von Maulbeerbäumen und Ronchi ſah. Die Maulbeerhecken— Siepi— ſtehen ſchön und ſind mit großem Fleiße cultivirt. Die Beſitzung liegt auf einem ziem⸗ walter er⸗ hlüſſ mit rum. Ih bedingun⸗ Ertrag de ellrſachen, te Seiden⸗ zen. hinnereien zſie hat wie andere erarbeitet In gedeckte ſtellt. Iu min denen nd in der ne Meiſte⸗ anhrend die r)ie andere td. Wen „Locale li⸗ Jhützen, deutenden g' nur de cNagazile zie ſich 1 rarſtellt aber eine 1 umen be⸗ neſſer a⸗ 2 h veflc Ronhi e und ſin em ſne 3. Juli. Vareſe. 157 lich hohen Huͤgel, der eine ſchöne Ausſicht gewährt; der Boden iſt tief, mäßig bündig, die Lage gegen Süden abhängend. Die Beſitzung Mainatti, die wir hierauf beſuchten, liegt unter der vorgenannten; ſie enthält nur 140 Pertiche= 15,91 Joch und iſt ganz mit einer Mauer umgeben. Der Beſitzer iſt der Vater der berühmten Straßenbauer, die mehrere Straßen in Piemont und Frankreich anlegten. Bei uns haben ſie die Straße über den Splügen gemacht. Der Boden dieſer Beſitzung iſt ſit wenigen Jahren mit großem Fleiß in einen Ronco umge— wandelt worden. Die Terraſſen ſind 7—8 Schuh breit, die Stützmauern ſind 3—4 Schuhe hoch. In den beiden Beſitzungen war man bemüht, mir alle Auf— ſchlüſſe zu geben, deren ich bedurfte, und mich eben ſo artig als unbefangen zu behandeln. 3. Juli. Gang auf den Sacro Monte di Vareſe. Triumfthore und Capellen vom Fuße des Berges bis zur Kirche. Ausſicht von der Höhe über das Land und die Berge. Fahrt nach Como. Beſchaffenheit des Bodens zwiſchen Vareſe und Como. Anſicht des Landes. Die Witterung iſt ſehr heiß und die Sommerhitze im freien Felde unter den Mittagsſtunden kaum auszuhalten. Ich bin da— her heute ſchon um 4 Uhr Morgens aufgeſtanden, um mich waͤh— rend der kühlen Tageszeit auf den Sacro Monte, einen Wall— fahrtsort in der Nähe von Vareſe, zu begeben. Die Kirche liegt auf einer bedeutenden Anhöhe, und iſt mit mehreren Haͤuſern und einem Kloſter umgeben, ſo daß der Ort faſt einem Stadtchen von weitem gleich ſieht. Am Fuße des Berges paſſirt man ein Triumfthor und in der Folge noch vier andere, zwiſchen denen 14 Capellen erbaut ſind, die man als eben ſo viele, von Stein errichtete Kunſtbauwerke betrachten muß; denn jede Capelle iſt in einem andern Style erbaut, und man hat nichts geſpart ſie mit Saͤulen und allen andern Ver⸗ 158 3. Juli. Como. zierungen möglichſt auszuſchmücken. Dieſe Capellen enthalten be⸗ malte Figuren aus Holz oder Thon, Scenen aus dem Leben und Leiden Jeſu darſtellend. In vielen dieſer Figuren ſind die Lei— denſchaften mit ſolcher Wahrheit des Ausdruckes abgebildet, daß ſie als wirkliche Meiſterſtücke gelten können. Die Triumfbögen und Capellen ſind laut einer Aufſchrift im J. 1610 gebauet worden. Das Geld hiezu verſchaffte ein Capuziner, der als Prediger im Lande herumzog und die Gläubigen vermochte die erforderlichen Summen beizuſteuern. Die Kirche iſt unanſehn⸗ lich, klein und ohne reiche oder geſchmackvolle Verzierung. Der Anblick von dieſer Höhe über das Land gehört zu den ſchönſten, die man ſehen kann. Die vorliegenden mit Bäumen, Reben und Ackern bedeckten Hügel; die über denſelben weithin ausgebreitete Ebene; das mit Städten, Dörfern und Land— hauſern überſäete Land; die nahe gelegenen Seen von Vareſe, Bandello, Monate und Ternate, der im Hintergrunde hervorragende Lago maggiore mit dem Städtchen Arona, die Berge und grünen Alpen von Lugano und Como, und die mit Schnee bedeckten Alpen von Piemont, der mächtige Monte Roſa, der ſchneebedeckte Simplon u. ſ. w. erfüll⸗ ten mein Gemüth abwechſelnd mit Empfindungen der Bewun— derung der Schönheit der Natur und des unermüdeten Fleißes der Menſchen, der ein großes Land allgemach auf dieſe hohe Stufe der Cultur zu bringen vermochte. Nach Tiſch fuhr ich nach Como, wo ich Abends ankam. Der Boden von Vare ſe iſt ſehr abwechſelnder Natur; die Hügel beſtehen aus einer tiefen Schichte Lehm, die in der Nie— derung oft mit vielem Gerölle vermiſcht iſt. Von dergleichen Art iſt der Boden bis Como; doch ſchien es mir faſt, als wenn er weiter weg von Vareſe leichter würde und mehr Rollſteine ſich in demſel⸗ ben befänden. Es iſt Hügelland, das allenthalben in ſeiner Mi— ſchung mehr Abweichungen zeigt, als die Ebenen oder Berge. Die Strecke zwiſchen Vareſe und Como iſt ein freundli— ches, gut gebautes und ungemein ſtark bevölkertes Land. In den ven deke tthalten be Leben und nd die Ler⸗ eildet, dj ſſchrift in ¹Capußint, à vermoche tunanſehn⸗ Sung. Lrt zu den —iBaumen, An weithin dund Land⸗ 2 Vareſe, Jergrund .w. erfüll Bewun⸗ en Fleißes uſ he akam. tur; die der Nie⸗ „ en Artit s er weile n demſe⸗ a iner M⸗ = ge. reundli⸗ In den 3. Juli. Como. 159 Niederungen ſind Wieſen, und ein maͤchtiger Baumwuchs zeugt von der Fruchtbarkeit und geeigneten Feuchtigkeit des Bodens; auf den Höhen iſt Ackerland mit Maulbeerbäumen. Weinreben kommen in dieſem Landſtriche nicht vor, außer in der Nähe ei— niger Landhauſer, folglich nur ausnahmweiſe. Rother Klee iſt hier durchgehends in den Fruchtwechſel aufgenommen. Luzerne ſah ich keine. Der Weizen wird ſo eben geſchnitten. Der Mais zeigt noch nirgendwo die Rispen, war oft kaum 2 Schuh hoch und wurde erſt behäuft. Ich glaube nicht, daß dieſe verſpätete Ve— getation die Folge eines bedeutend kälteren Climas, ſondern vielmehr des verſpäteten Säͤens iſt, was ich für einen viel zu wenig beachteten und doch aͤußerſt wichtigen Fehler bei der Mais— cultur anſehe; denn wenn man zu ſpät ſäet, ſo kommt dann die Zeit der raſchen Entwickelung der Pflanze in eine Periode, die gewöhnlich trocken und heiß iſt; das Wachsthum ſtockt, wird zu oft unterbrochen; die Pflanze bleibt niedrig, ſchmchtig und gibt dann bei gleichen übrigen Verhältniſſen des Bodens und der Düngung einen ungleich kleinern Ertrag, als wenn ſie zeit— licher wäre geſäet worden. Nur wenn die Sommer mehr als ge— wöhnlich feucht ſind, gibt in einem trockenen, warmen Clima der ſpäter geſäete Mais mit dem früher geſäeten gleichen Ertrag. Ich fand in Como große Geſellſchaft, eine Menge von Frem— den aus allen Ländern. Es war im Gaſthofe ein Getreibe, als wenn ich mich in dem erſten Hotel einer Hauptſtadt befaͤnde. Ich bekam mit genauer Noth eine Unterkunft. ——— 4. Juli. Fahrt mit dem Dampfſchiffe nach Tramezzo. Menge von Landhäuſern am öſtlichen Ufer des Sees. Eigenthümer derſelben. Von was ſie ſich erhal⸗ ten. Bodencultur längs des Sees. Pallaſt Sommariva in Tra⸗ mezzo. Kunſtwerke, die darin geſehen werden. Villa Ppliniana. Morgens 3 Uhr faͤhrt das Dampfſchiff den See hinauf. Ich ſchiffte mich mit ein und fand mich in der beſten Geſellſchaft. 160 4. Juli. Lago di Como. Die Anſicht des Sees von Como hat viele Ahnlichkeit mit jener des Lagomaggiore, doch macht er bei weiten nicht jenen groß⸗ artigen Eindruck, weil er viel ſchmaͤler und nicht ſo lang iſt, und weil man über die erſte Reihe der gäh aufſteigenden hohen Berge nicht hinausſieht. Man thut daher beſſer, erſt den See von Como zu ſehen, und dann nach dem großen See zu gehen. In der Nähe der Stadt, und bis zur Entfernung einer Stun— de, ſind die Ufer des Sees voll der ſchönſten Landhäuſer; weiter aufwaͤrts ſind ſie etwas weiter voneinander angebracht, bis ſie am obern Ende, wo ſich der See im Winkel biegt, um bei Lecco durch den Adda auszuſtrömen, wieder häufiger erſcheinen. Es ſcheint in der Lombardie zum guten Tone zu gehören, ein Land⸗ haus, entweder an einem der beiden Seen oder in den Monti di Brianza zu beſitzen. Allein bei weiten nicht alle Landhäuſer ge— hören dem Adel und den reichen Gutsbeſitzern oder Kaufleuten der Ebene; ein großer, vielleicht der größte Theil gehört den Leuten, die des Handels wegen viele Monate des Jahrs von der Fa⸗ milie abweſend ſind, oder ſolchen, die hier geboren ſind, gleich denen vom Lagomaggiore in ihrer Jugend auswanderten und mit dem erworbenen Vermögen in vorgerückten Jahren heim— kehrten, um ſich hier anzukaufen und abzuleben. Das öſtliche Ufer des Sees iſt breiter und hat einige cultivirte Hügel, wäͤhrend die Berge des weſtlichen Ufers vom Waſſer faſt ſenkrecht aufſteigen, und daher keiner Cultur fähig ſind. In den Doͤrfern und zerſtreuten Häuſern längs des erſteren Ufers iſt eine ſehr bedeutende Bevölkerung, die ſich in derſelben Lage befindet, wie die am Lago maggiore, und von Handel und Induſtrie mehr als von den unbedeutenden Erzeugniſſen des Bodens leben muß. Die Comasken treiben beſonders Handel mit Barome⸗ tern, Thermometern, Brillen und Bildern, und man findet ſie in ganz Europa zerſtreut. Grund und Boden iſt am Ufer dieſes Sees überaus theuer, nicht etwa, daß er einen ſo hohen Ertrag abwürfe, ſondern weil er als Aufenthaltsort von den Wohlhabenden ſo ſehr geſucht wird. at witjener Henen groß⸗ O lang iſ, den hohen Iin See von 1zu gehen. Iner Stun⸗ der; weiter G bis ſiean nei Lecco inen. Es trein Land⸗ Nonti di * hauſer ge⸗ „leuten der In Leuten F der Fa⸗ mnd, gleih vanderten 2 yren hein⸗ cultivitte baſfer fif 1. In den I's iſt eine mbefindet/ Induſtre üens leben g Varolll⸗ — findet ſe r theuer, dern weil cht wird. 4. Juli. Lago di Como. 161 Die Hauptcultur iſt der Weinbau; allein man verſteht ihn nur ſehr unvollkommen, und zieht ſo ſchlechte Trauben, daß der Wein, anſtatt zu dem beſten, vielmehr nur zu dem ſchlechteſten gehört; dann kommen Maulbeer⸗ und Olbaume. Die erſtern ſcheinen all⸗ gemach die letztern zu verdräͤngen, woran Recht geſchieht, denn der Olbaum iſt in dieſen Gegenden nicht in einer ihm zuſagenden Lage, bleibt ſchmaͤchtig und dünne im Stamme und in der Beä— ſtung, und ſein Ertrag kann ſich mit jenem des Maulbeerbaumes nicht meſſen. Von vorzüglicher Wichtigkeit iſt der Kaſtanienbaum, der nach der ganzen Laͤnge des Sees cultivirt wird, und deſ— ſen Früchte hier das Getreide zum großen Theil erſetzen müſſen. Man pfropft ihn, aber nicht mit Maroni, ſondern nur mit Kaſtanien. Außer dieſen werden aber auch Feigen und Obſtbäume aller Art gebaut, und die Zwiſchenräume der Reihen der Weinreben werden mit Mais, Fiſolen, Weizen und zum Theile auch mit Kartoffeln bepflanzt. In den hohen Bergen wird, wie in Kaͤrn— en, der ſchönſte Blumenkohl erzeugt. Das Ziel meiner Seefahrt war Tramezzo. Ich ſtieg in Cadenabbia aus, um den Pallaſt Sommarivazu ſehen, einige Stunden mich da aufzuhalten, und dann Abends wieder nach Como zuruckzukehren. Der Gärtner und Wirthſchaftsverwalter des Grafen führte mich nicht nur im Pallaſte herum, um mir die Kunſtſchaͤtze deſſel⸗ ben zu zeigen, ſondern ſtieg mit mir alle Theile des Gartens und der damit verbundenen Wirthſchaft ab, und ward nicht müde auf meine hundert Fragen zu antworten. Im Pallaſte iſt eine große Menge neuer Gemaͤlde und Bild⸗ hauerarbeiten aufgeſtellt, die von verſchiedenen Meiſtern herrüh⸗ ren. Ich bemerke hier von den Statuen, einen Palamedes von Canova, Mars und Venus von Acquiſti, mehrere Basreliefs von Thorwaldſen, die aber noch nicht aufgeſtellt waren. Von Gemälden gefſiel mir am beſten ein kleines in Ol gemaltes Stück, das einen Kloſterſaal vorſtellt, in dem die I. 11 162 5. Juli. Como. Mönche Arzneien bereiten, dann aus Chateaubriand's At⸗ tala die Scene, wo ein Capuziner der ſterbenden Attala das Abendmahlreicht. Die meiſten großen Gemälde ſcheinen von fran— zoͤſiſchen Malern herzurühren, und ſtellen größtentheils nackte Göttinnen und Halbgöttinnen vor. Von Leonardo da Vinci iſt hier ein weibliches Porträt, das ungemein lebendig und an— ſprechend iſt. So ſchön auch immer die Gegenden an dieſem See ſind, ſo ſind ſie doch, nach meiner Meinung, in gar keinen Vergleich mit jenen am Lago maggiore zuſetzen: alles iſt hier im verjüng⸗ ten Maßſtabe, was dort im Großen ausgeführt iſt, und ich konnte mich beim Anblick der Umgebung des Comerſees nicht erwehren ihn mit dem eines Krippels(einer künſtlichen, mit Gebauden und Städten überladenen ſchönen Landſchaft— Presepio—) zu vergleichen. Beim Zurückfahren ſah ich hin auf die Villa Pliniana, ein an der Schattenſeite des Sees, zu einem kleinen Waſſer— falle hinzugebautes Landhaus, dem man dieſen Namen gegeben hat, nicht weil Plinius darin gewohnt, ſondern weil er in ſei— ner Naturgeſchichte die ſeltſame Erſcheinung beſchreibt, die man an einer in dieſem Landhauſe eingeſchloſſenen Quelle beobachtet, deren Waſſer zu beſtimmten Stunden des Tags ſteigt und zu andern fällt. Man ſagte mir, daß dieß Landhaus gegenwaͤrtig einem Beſitzer gehöret, der für deſſen Erhaltung nichts ver— wendet, und daß man ſeinen Verfall befürchtet. 5. Juli. Stadt Como. Domkirche. Tuchfabrik. Cultur des Bodens nächſt der Stadt. Anſicht des Landes zwiſchen Como und Mailand. Alckern zur Saat der Hirſe am Sonntag⸗ Die Stadt Como iſt nicht groß; allein die Vorſtaͤdte ſind von bedeutendem Umfange. Die Häuſer ſind weder ſchön noch 9 unds At⸗ tala das Nvon fran⸗ Fils nackt⸗ aVinci 1u und an⸗ 2 ſind, ſo Ihleich mit rerjung⸗ Lich konnte zerwehren Gebauden epio—) Eniana, 11 Waſſer⸗ u gegeben Aer in ſei⸗ — die man „ eobachtet 2 und z enwaͤlti chts ver⸗ der Stadt⸗ ar Saat der udte ſind on noch 5. Juli. Como. 163 häßlich. Man ſieht weder Spuren von großem Reichthum noch von Armuth. Das einzige Gebäude, das angeſehen zu werden verdient, iſt der Dom, deſſen Facade viele Ahnlichkeit mit jener der Certoſa bei Pavia hat. Die ganze Wand iſt polirter Mar⸗ mor mit allerlei Ornamenten; längs der Ecken herab ſind Figu— ren. Man fing ihn, laut der Aufſchrift, an zu bauen im Jahre 1396, und zum Presbyterium ward Anno 1513 der Grund gelegt. Von Induſtrialwerken verdient die hieſige Tuchfabrik eine rühmliche Erwähnung. Das ganze Gebaude iſt in der neuern Zeit aufgeführt worden, und man ſcheint nichts geſpart zu ha— ben, es mit allem zu verſehen, was zum Betriebe einer großen Fabrik erforderlich iſt. Ich fand da 50 Webſtühle, 15 Kartätſch⸗ maſchinen, 45 Tuchſcheeren und 3 neue Scheermaſchinen, wo das ſchneidende Werkzeug ſchneckenförmig auf einem Cilinder an— gebracht iſt, der ſich ſehr ſchnell dreht, und zwiſchen zwei Flä— chen dergeſtalt an das Tuch aufliegt, daß nur ein ſehr kleiner Theil offen bleibt, und den Wirkungen der ſchneidenden Kante ausgeſetzt iſt. Ich ſah dieß Werkzeug in Wirkung; es dünkte mir eine ſehr nützliche Erfindung, denn die Arbeit geht ſchnell und ſicher von Statten. Unangenehm war es mir, nur etwa die Haäͤlfte der Web⸗ ſtühle und Kartätſchmaſchinen in Umtrieb zu finden. Es ſcheint, daß die hieſige Fabrik im Wettſtreite mit den böhmiſchen Fabri— ken unterliegt. Der ebene Theil der Stadtfelder hat eine ſehr kleine Ausdeh— nung. In den Ackern wird Mais und Weizen gebaut, in die Stoppeln des letztern ſäet man Hirſe und Cinquantin. Reben werden nicht hineingepflanzt, wohl aber Maulbeerbäume. Die nahen Hügel ſind in Terraſſen geformt und mit Reben bepflanzt, zwiſchen denen Obſt-⸗, Maulbeer- und Kaſtanienbäume vor— kommen. Die Hitze iſt ſeit mehreren Tagen unerträglich, und ich hatte mich derſelben wahrſcheinlich zu ſehr ausgeſetzt. Ich fühlte mich 11* 164 6. Juli. Como. krank und mußte daher den Gedanken aufgeben, von hier über Bergamo nach Mailand zurückzukehren. 6. Juli. Gleich außer Como, ſo wie man auf die Höhe kommt,*) faͤngt die Ebene an, die nur anfangs noch durch einige unbedeu— tende Hügel unterbrochen wird. Bei Rebbio, und auch in Como ſelbſt, ſieht man friſche Kohlpflanzen in die Weizenſtoppeln gepflanzt; hier ſieht man auch noch Weinreben, die aber weiter hinab ins Land verſchwinden und den Maulbeerbäumen Platz machen, die in unermeßlicher Menge alle Felder einnehmen, und größtentheils noch ſehr jung ſind. Auch ſieht man viele niedrig gehaltene Maulbeerbäume, Maulbeerhecken(Siepi), die aber, wie ich bereits erwähnte, nicht Zaͤune ſind. Man ſcheint die Cultur und den Schnitt dieſer Baͤume in der hieſigen Gegend im Ganzen gut zu verſtehen, und es war hier zum erſtenmal, daß ich in die gelockerte Erde rings um junge Maulbeerbäume Lupinen geſäet fand, die man nach dem Verblühn unter die Erde gräbt, damit ſie dem Baume als Dun— ger dienen. Der gewöhnliche Fruchtwechſel iſt hier der nämliche, wie zwiſchen Vareſe und Como. Der Klee ſtand ſchön, obgleich die Hitze ſeit mehreren Tagen ſehr drückend war. Auch Lein fand ich in den Feldern, doch iſt ſeine Cultur von keiner Bedeutung. Der Boden wird immer beſſer, je mehr man ſich Mailand naͤhert, und der Mais zeichnet ſich durch ſeine Höhe und ſein dunkles Blatt aus. Es iſt heute Sonntag. Alles Volk ſtrömt in die Kirche; al— lein bei Caſina Piloſtrella ſah ich an der Straße, und nicht 200 Schritte von der Kirche, mit 3 Pflügen ackern, um Hirfe zu ſäen. Daß man den Eſel am Sabbat aus dem Brun— *) Der See von Como liegt über dem Spiegel des Meeres 654 Fuß Pari⸗ ſer Maf. n hier übet kommt,*) he unbeden⸗ nan friſche tman auch vinden und cher Meng⸗ dung ſind. Seerbaume, verwahnte, hnitt dieſer riehen, und de vngs um en nach den nie als Din⸗ ar nämliche, 'n, obgleih 'ch Lein fan Bedeutung ich Mailam ehe und ſin Kirche; a” traße, und ackern, un dem Brul⸗ — 554 Fuß Pr' 7. 8. 9. 10. 11. Juli. Mailand. 165 nen ziehe, damit er nicht ertrinke, iſt ein Argumentum ad hominem, die Abſurdität, ſich an einem ſolchen Tage aller Arbeit zu enthalten, laͤcherlich zu machen; auch finde ich es nach dieſer Weiſung folgerichtig, daß man in regneriſcher Erntezeit die ſchöͤnen Tage, wenn es auch Sabbate ſind, dazu verwendet, das trocken gewordene Getreide heimzuführen; warum man aber hier in Italien, zu einer Zeit, wo die Saat nicht draͤngt und die Witterung anhaltend heiter iſt, am Sabbat ackert, wußte ich mir nicht zu erklären. 7. 8. 9. 10. Juli. In Amtsgeſchaften. 11. Juli. Sternwarte an der Brera in Maliland. Treffliche aſtronomiſche Werkzeuge⸗ Der Profeſſor Ceſaris warſo gefällig, mir die Sternwarte zu zeigen. Ich fand dieß Inſtitut viel reicher mit den trefflichſten Werkzeugen ausgerüſtet, als ich es mir vorgeſtellt hatte. Um einem Laien etwas von der Wiſſenſchaft zu zeigen und ihm die Kraft der Sehröhre fühlbar zu machen, ließ der Profeſſor ein an ſeiner Achſe bewegliches Sehrohr durch den Diener vor meinen Augen richten und befahl mir dann hineinzuſehen. Ich ſah bei hellem Sonnenſchein die Venus mit einem feinen, ſichelartigen, hell beleuchteten Rande, wie den Mond im erſten Viertel, glänzen. Nachdem die Sonne untergegangen war, ließ er mich durch ein anderes Rohr den Jupiter ſehen, deſſen Trabanten ich wohl oft früher ſchon, aber nie die Querſtreifen ſeiner Kugel geſehen hat— te, die ihn von den übrigen Planeten unterſcheiden. Mars ſtieg am Horizont herauf; er war aber noch zu wenig hoch und nur durch den Erddampf ſichtlich, weßwegen er im Fernrohr keine 166 12. Juli. Mailand. Scheibe bildete. Endlich richteten wir das Rohr auf den Antares im Scorpion. Ich ſah aber nichts als eine mit Regenbogenfar⸗ ben ſpielende Flamme. 12. Juli. Neue Oper im Theater alla Scala. Allgemeine Bemerkungen über das italieniſche Theater. Heute ward alla Scala eine neue Oper von Pacini ge⸗ geben: L' Esule di Roma. Trotz aller Bemühungen des aus— gezeichneten Perſonals gefiel die Oper nicht, und würde ausge— ziſcht worden ſein, wenn man nicht auf die Sanger Rückſicht ge— nommen hätte. Dieß iſt die zweite neue Oper, die ich hier miß⸗ glücken ſehe!— Es mag ſein, daß die Muſik dieſer zwei, von demſelben Meiſter componirten Opern zu wenig originell iſt, um Aufſehen zu erregen; allein ſo ſchlecht iſt ſie nicht, daß ſie verdient hätte, vor dem Publicum gar keine Gnade zu finden. b Ich ſchreibe den größten Theil der Urſache des Mißgeſchickes die— ſer zwei Opern der unnatürlichen und abſurden Dichtung der er— 1. ſten: 1I Cavalieri di Valenza, und dem gehaltloſen und kein Intereſſe erregenden Machwerke der zweiten Oper zu. Bei dieſer Gelegenheit, als gerade vom Theater die Rede iſt, dürfte es meine Leſer vielleicht intereſſiren, etwas mehr über dieſen Gegenſtand zu hören. Ich erlaube mir daher, hier ein Bruchſtück eines Briefes anzuführen, den ich an einen Freund vor ein Paar Jahren ſchrieb, worin ich ihm meine Anſichten über das italieniſche Theater mittheilte. 6»Über das italieniſche Theater iſt wahrſcheinlich von Deutſchen, Franzoſen und Englandern viel beſchrieben worden; ich habe aber von alle dem nichts geleſen und bin weit davon entfernt, mein Urtheil üͤber den Werth des italieniſchen Thea- ters Jemanden aufzudringen; nur den Eindruck will ich naͤher 1 angeben, den es auf mich machte, als ich zuerſt einer italieni— ſchen Vorſtellung beiwohnte, und in wie ferne dieſer Eindruck .ͤ den Antare 8 enbogenfir Agen über des zacini ge en des aus⸗ rde ausge⸗ öückſicht ge *) hier miß⸗ J zwei, von ginell iſt, it, daß ſie ezu finden. chickes die⸗ Ling der er⸗ 21 und kein 8 r die Rede was mehr Laher, hier ien Freund Zichten über piinlich von en worden; aweit davon acen Theo⸗ rl ich nähe er italieni⸗ 5 Eindruck 12. Juli. Mailand. 167 nach einem achtjährigen Aufenthalte in dieſem Lande modificirt worden iſt.« »Als ich zuerſt eine italieniſche Tragödie aufführen ſah, ward ich durch das Geſchrei der Declamation, die Leidenſchaftlichkeit, mit der geringfügige Gegenſtände des Stückes verhandelt wur— den, und die Wuth, in welche die Schauſpieler bei den tragi— ſchen Momenten geriethen, faſt betäͤubt, und der Mangel aller Natürlichkeit war in einem zu grellen Gegenſatze mit der deut— ſchen Tragödie, als daß mir die Manier der italieniſchen Schau⸗ ſpieler hatte gefallen können. Vorzüglich waren mir die Auße⸗ rungen der heftigen Leidenſchaft durch Reißen in den eigenen Haa⸗ ren, durch Zerbeißen des Sacktuches, durch Verzerrungen des Geſichtes und unbandiges Geſchrei widerlich, und es fiel mir auf, daß das Publicum jene Scenen am meiſten beklatſchte, die am übertriebenſten dargeſtellt wurden, und mir am meiſten miß— fielen.« „»Im Verlaufe der Jahre gewöhnte ich mich allgemach an die ſtärkere Erhebung der Stimme, an das mehr markirte Mienen—- ſpiel; es gefiel mir die freie Bewegung, welche die italieniſchen Schauſpieler in einem höheren Grade inne haben als die deut— ſchen: allein ihre Declamation im Affecte, wo ſie die Wörter zu Ende der Periode ſchnell nacheinander herausſtoßen und mit einer Cadenz enden, die Außerungen von heftiger Leidenſchaft bei dem geringſten Anlaſſe, und ihr unaſthetiſches und gemeines Benehmen bei Scenen, wo ſie Zorn, Rache und Wuth aäußern, mißfallen mir noch immer gleich, da ſie den Forderungen, die man auf Natürlichkeit und Anſtand macht, nicht im mindeſten entſprechen.« »In der Komoͤdie iſt mir ſehr haͤufig der Mangel an Kennt⸗ niß des feineren Benehmens aufgefallen, woraus ich ſchloß, daß die Schauſpieler in dieſem Lande den Ton, Anſtand und das Be⸗ nehmen der gebildeten Claſſen der Geſellſchaft nicht kennen.— Es iſt etwas Allgemeines, daß man ſieht, wie der Liebhaber in Geſellſchaft von Damen im Zimmer den Hut auf dem Kopfe 168 12. Juli. Mailand. behält; daß der Herr vom Hauſe ſich zur rechten Hand des Frem⸗ den ſetzt; daß die geſammte Geſellſchaft auf den Boden ausſpuckt, als waͤre ſie in einer Dorfſchenke u. ſ. w.— Sonſt aber iſt ihr Spiel raſch, lebhaft und ungezwungen.« »Wenn man ſſich aber auch noch mittlerweile an die Darſtel— lungen der Tragödie gewöhnen könnte, und die des Luſtſpiels beſſer als mittelmäßig, manchmal ſelbſt gut faͤnde, ſo kann man ſich doch unmöglich an die Stücke gewöhnen, die auf den Thea- tern in Italien gegeben werden. In dieſer Hinſicht ſind die Ita— liener 100 Jahre hinter den Deutſchen zurück; denn ſo unge— fahr, wie die gegenwaͤrtigen ächt italieniſchen Trauer- und Luſt— ſpiele ſind, waren die Stücke, die man vor 50 Jahren in den kleinen Städten von Deutſchland darſtellte; zu welcher Zeit man aber in den großen Stdten: Hamburg, Berlin und Wien das deutſche Theater ſchon auf jenem Grade der Vollkommenheit ſah, der von dem gegenwaͤrtigen nur wenig verſchieden iſt. Mit Ausnahme der Tragödien von Alfieri, die aber gleich den franzöſiſchen, denen ſie nachgeahmt ſind, im hoöchſten Grade ſchwülſtig, unnatürlich und darum langweilig ſind, und einiger Komödien von Nota, ſind die übrigen, den alten Goldoni nicht ausgenommen, ein Gemenge von Unwahrſcheinlichkeiten, Gemeinheiten, Albexnheiten, die nicht den kleinſten dramatiſchen Werth haben; die man nur dannerträglich, oder wohl gar ſchön finden kann, wenn man von Jugend auf daran gewöhnt iſt, oder von nichts Beſſerem Kenntniß hat.« »Es iſt auffallend, wie ein Volk, das ſo ſehr das Theater liebt, doch ſo wenig Theaterdichter hat, und daß ſich unter die— ſen in der neuern Zeit im Luſt- und Schauſpiele Niemand einen allgemeinen Ruf, eine Claſſicität zu erwerben vermochte. Es ſind daher die Italiener gezwungen, um nicht ewig ihre alten Stücke zu wiederholen, die beſſeren Luſtſpiele der Deutſchen und Franzoſen zu überſetzen, was ſie auch nicht unterlaſſen, und es freuete mich ihre Unpartheilichkeit, mit der ſie unſerem Kotze— bue Ehre widerfahren laſſen.« us Fren⸗ küöſpuckt, der iſt hr Darſtel⸗ = uſtſpiels Fann man I'n Thes⸗ a die Ita⸗ 1no unge⸗ And Luſt⸗ Jui den ¹ eit man — bien das Anenheit 1aſt. Mit eich den 7 Grade — einiger koldoni ichkeiten, * utiſchen Zar ſchon ſt, oder Theater anter die Pnd einen Pyte. E. re alten eutſchen „ n, Und Kotze⸗ 12. Juli. Mailand. 169 »Die Anzahl der herumreiſenden Schauſpielergeſellſchaften iſt in Italien ſehr groß; denn jede Stadt hat ein Theater, und ich fand in der Lombardie nicht ſelten unbedeutende Ortſchaften, wo ich Komödienzettel angeſchlagen ſah. Auch ſind die Eintritts— preiſe überall mäßig: in Venedig und Mailand nicht höher als 10, in andern Orten gar nur 3 Kreuzer, um es der gemeinſten Claſſe möglich zu machen, das Theater zu beſuchen.« »Ein ſtehendes Theater mit gewählten guten Schauſpielern trifft man im lombardiſch-venezianiſchen Königreiche weder in Venedig noch in Mailand an. Eine gute Schauſpielergeſell— ſchaft bleibt ſelbſt in Mailand nur einige Monate, während de— ren ſie rechnen kann durch den Reiz der Neuheit viele Zuſeher zu bekommen und mit der ſtehenden Oper rivaliſiren zu köͤnnen. In anderen Städten ziehen die Schauſpieler ab, wenn ſich das Pu— blicum ſatt an ihnen geſehen hat, oder die Oper beginnt, wäh— rend welcher ſie entweder keinen Platz für ihre Darſtellungen hatten oder zu wenig Zuſpruch finden würden.— Daß heute Komödie ware und morgen Oper, iſt nicht Sitte, und in den Provinzial⸗Hauptſtädten könnten ſich zwei ſolche Geſellſchaften nebeneinander auch nicht erhalten.« »In Mailand und Venedig iſt zwar fortwährend ein oder das andere der vielen Theater durch eine Schauſpielergeſellſchaft beſetzt(in Mailand ſind häufig zwei Theater eröffnet, außer der Oper und den Marionetten), allein ich fand nicht, daß dieſe Geſellſchaften ſich durch eine höhere Kunſtbildung vor jenen der Provinzialſtaädte ausgezeichnet hätten. Der Hanswurſt, unter dem Namen Stenterello, Meneghino, Truffaldino, iſt im Luſtſpiele noch immer die Hauptperſon, und ſeine Späße ergötzen das Publicum(im Italieniſchen heißen die Schauſpie— ler daher auch: Comici), ich hatte aber das Unglück nur höchſt ſelten ein Salz darin zu finden.« »Marionetten⸗Theater gibtes auch ſehr viele; in Mai— land ſogar ein ſtehendes, und endlich ergötzt ſich das Volk in den großen Stadten auch am Puleinello, um deſſen Bude vor 170 14. Juli. Mailand. dem Thore des Domes in Malland ich immer einen Haufen ge⸗ meinen Volkes fand.« »Das Theater ſpricht aber nur ſelten wo die Bewohner ei— ner Stadt ſo ſehr an, daß die Schauſpieler oder das dargeſtellte Stück zum allgemeinen Gegenſtande der Converſation würden; dieß iſt nur bei der Oper der Fall, die ſchon vor ihrem Beginnen mehrere Wochen lang die Menſchen beſchäftigt, und ſo lange ſie dauert, das ſtehende Geſpraäch bleibt.« »Jede Stadt in Italien hat wenigſtens einmal im Jahre Oper, einige derſelben auch zweimal. In den größern Städten werden 40 Vorſtellungen— Recite,— in den kleinern oft nur 20 oder noch weniger gegeben. Die Theaterdirection, gewöhnlich ein Ausſchuß der Logenbeſitzer, accordirt mit einem Operunter— nehmer, und ſichert ihm, außer dem Bezuge der Eintrittsgelder eine beſtimmte Summe Geldes zu, als Entſchädigung für die Logenplätze. So erhalt z. B. der Impreſſario in Trieſt von der Theaterdirection 25,000 Gulden, und bezieht den dritten Theil des rohen Ertrages von den Komödien, die das ganze Jahr aufgeführt werden; wofür er im Herbſte zwei Opere ſerie und im Faſching zwei Opere buffe mit Ballet zu geben verbunden iſt. In jeder Jahreszeit ſind nur 40 Vorſtellungen.« »In Venedig und Malland tragt die Regierung einen be— deutenden Theil der Koſten, die da die Oper mit dem Ballete verurſacht.« »Die großen Koſten, welche mit der Aufführung der Opern und Ballete verbunden ſind— da man den drei erſten Perſonen der Opera ſeria: der prima Donna, dem Muſico(Contra⸗ alt) und dem Tenore, wenn ſie di cartello ſind, d. h. wenn ſie bereits mit Beifall auf den Theatern in Mailand, Venedig, Turin, Florenz oder Neapel geſungen haben, für 40 Recite 7 bis 10,000 Frank's(zu 23 Kreuzern) gibt, und ihnen immer ganz neue, aus Sammt und Seide beſtehende, und mit Gold— ſtickerei üͤberdeckte Kleider anſchafft, und alle Scenen neu malen läßt— ſind die Urſache, daß man in Italien nur da eine be⸗ V kan üe V veſe deru . Haufen ge⸗ Sewohner e⸗ 3 dargeſtilte Von würden, In Beginnen 2 ſo lange ſ t im Jahte 5en Stadten Jern oft nur — gewohnlich 2 Operunter⸗ * ttrittsgelder Sing für die (Trieſt von deen dritten Gganze Jahr — ſerie und a verbunden 1 a] einen be⸗ 3 em Ballete der Opern arſonen der 7) Contra⸗ 1 d. h. wenn , Venedi/ 2io Recite nen immer mit Gold⸗ neu malen ei eine be⸗ 12. Juli. Mailand. 171 ſtändige Oper antrifft, wo die Regierungen einen großen Theil der damit verbundenen Koſten übernehmen. Sollte ſich die Oper in Mailand ſelbſt unterhalten, ſo müßte man das Eintritts— geld von 46 Kreuzern, die man gegenwärtig bezahlt, auf 2 Gulden erhöhen. Dann würde aber Niemand hineingehen, denn theure Unterhaltungen liebt der ſparſame Italiener nicht, und dann würde man ſich in Mailand ſo gut wie in Verona oder Brescia auf 40 Recite des Jahres reducirt ſehen.« »Den ungeheuern Koſten, welche die Oper verurſacht, iſt es zuzuſchreiben, daß man daſſelbe Stück zwanzigmal nacheinander aufführt, und daß allgemach alle Gaſſenjungen die darin vor— kommenden Arien auswendig gelernt haben.« »Die täagliche Wiederholung einer und derſelben Oper, wenn ſie auch noch ſo vorzüglich iſt, hat zur unausbleiblichen Folge, daß ſich die Saͤnger und das Publicum allgemach daran belangweilen; daß die erſteren mehrere Stücke mittlerweile weglaſſen; daß ſie auf das Recitativ keine Sorgfalt verwen— den, und daß das Publicum nur bei einigen Lieblingsſtücken den Säͤngern zuhört, die übrige Zeit aber ſo laut und unge— zwungen im Parterre ſowohl, als in den Logen untereinander ſchwätzt, daß dem Fremden der Genuß der Muſik dadurch ſehr verleidet wird.« »So wie der Sinnengenuß allenthalben immer höher geſtei— gert wird, ſo auch in der Oper. Vergleicht man daher die frühern Opern von Cimaroſa, Paiſiello u. a. m. mit den neueſten von Roſſini, Mayer Beer, Mercadante, Pacini, die Ein- fachheit ihrer Geſangſtücke, die ſchwache Begleitung des Geſanges und den Mangel des Chors mit der gegenwärtigen rauſchenden Inſtrumentirung und dem impoſanten Apparate des Chors, ſo begreift man, wie die alten Opern, wenn ihre Muſik auch aner— kannt gut iſt, wie z. B. Matrimonio segreto, die als Noth⸗ behelf noch manchmal, und in Mailand während meiner An— weſenheit mehrenals gegeben ward, leer erſcheinen, und den For⸗ derungen des gegenwärtigen Geſchmackes kein Genüge mehr lei— Mailand. 17² 12. Juli. ſten. Aus derſelben Urſache müſſen auch jetzt die Sänger mit Klei⸗ dern bedeckt ſein, die von Gold und Silber ſtrotzen; militäͤriſche Aufzüge, doppelte Chöre, Muſik auf der Bühne und im Orche⸗ ſter, müſſen einen ſtarken Reiz auf Geſicht und Ohr erregen, wenn die Oper gefallen und das Haus füllen ſoll; und wenn nicht hundert Menſchen auf der Bühne ſind, ſo nennt man die Com— parſerie armlich.« »Die Melodie des Geſanges ſindet daher nur Eingang und Beifall, wenn ſie mit voller, nicht ſelten betäubender Inſtru— mentirung, reichen Kleidern, zahlreicher Comparſerie und einer großen Menge ſchön gemalter Scenerie begleitet iſt.« »Aus dieſer Urſache ſpricht das Ballet das Publicum noch mehr an, als die Oper. Hier fehlt zwar der Geſang, der keines— weges durch die Pantomime erſetzt wird; allein nebſt der Muſik, den reichen Kleidern, den Aufzügen, Scenerien, kommen der Tanz und die Tanzerinnen hinzu, die alle Augen entweder durch ihre Kunſt oder Grazie, oder Schönheit, oder Leichtfertigkeit anziehen, und die feinen und gröbſten Sinne der Zuſeher anregen. Es iſt die Oper in ihrer Art ſchön und gewährt ein großes Ver— gnügen; allein ſie erhäͤlt das Publicum nicht ſo lang wäͤhrend der Vorſtellung in einem aufgeregten Zuſtande, als ein wohl combi— nirtes und gut ausgeführtes Ballet, wie ich bei allen Menſchen und auch an mir ſelbſt beobachtete, denn ich will nicht läugnen, daß mir das italieniſche Ballet, beſonders in Mailand, wohl gefiel, wo nebſt zwei prime Ballerine, zwoölf junge, ſchone Maͤdchen, Zöglinge des dortigen Conſervatorio— einer Lehranſtalt für den Tanz— als ſeconde Ballerine auftra⸗ ten. Auch ſcheint die italieniſche Nation gewandter in der Mi— mik zu ſein, als irgend eine andere, und ich zweifle, daß ſich der gefeierten Pallerini irgend eine zweite zur Seite ſtellen kann; denn es ſcheint unmöglich, daß man auf eine vollkomm— nere Art mimiſch einen Monolog ausdrücken kann, als es jener iſt, den ſie im Ballete: Romeo und Giulietta, vor dem Einnehmen des Schlaftrunkes darſtellt.« her mit Klai militäriſhe d im Orche egen, wenn wenn niht an die Con⸗ tingang und der Inſtru⸗ und einer wücum noch der keines⸗ der Muſtk, rommen der weder durch htfertigkeit zer anregen. großes Ver⸗ wahrend der vvohl combi⸗ en Menſchen ht laugnen/ (and, wohl gge, ſchone „— einet ne auftta⸗ in der M⸗ ge, daß ſch Seite ſtellen e vollkomm⸗ als es jenet a, vor dem 12. Juli. Mailand. 173 »Beſchränkte ſich das Ballet auf die mimiſche Darſtellung irgend einer Geſchichte, und auf graziöſe, heroiſche oder natio— nale Täͤnze, ſo wüßte ich nichts an demſelben auszuſetzen; allein da erſcheint nun ein anderer, und der koſtbarſte Luxusartikel, der jetzt bei keinem Ballete mehr fehlen darf, ein erſter Tänzer und eine andere erſte Tänzerinn, die Kunſttänze aufführen, weil die erſten Perſonen der Pantomime nicht tanzen. Oft ſind zwei, und mit dem erſten Mimiker, drei erſte Tänzer und eben ſo viele erſte Tänzerinnen, in dieſem Falle ſind das erſte Paar Tänzer Franzoſen und das zweite Italiener. Dieſe Tänzer und Tänzerin⸗ nen geben faſt immer nur ein Pas de deux, oder mit Zuhülf— nahme der beſten zweiten Täͤnzerinn ein Pas de trois. Sol⸗ che Tänze ſind aber mehr eine Probe von Kunſtfertigkeit im Springen, Drehen und unnatürlichen Stellungen und Verzer— rungen des Körpers, als von Anmuth und Leichtigkeit der Be— wegungen, und ich habe denſelben nie den geringſten Geſchmack abgewinnen können.— Dieſe fortwährenden Pirouettes, wo ſie ſich zehn- und mehrmal auf demſelben Beine, und immer mit größerer Schnelligkeit herumdrehen, und ſich zuletzt mit einem Wurf auf beide Beine gerade vor das Publicum hinpflanzen; dieſe Entrechats, wo ſie beim Aufſpringen zweimal die Beine übereinanderſchlagen, ehe ſie wieder zur Erde kommen; dieſes Stehen oder Laufen auf den Zehen; dieſes Hinausſtrecken der Beine, daß ſie in eine horizontale Richtung mit dem Boden kommen, und was dergleichen Sachen mehr ſind, gehören mei— nes Dafürhaltens den Kunſtſpringern und nicht den Täͤnzern zu, und wenn man ja ſolche Kunſtfertigkeiten zur Verzierung oder Abwechslung für nothwendig hält, ſo ſollte man von denſelben einen eben ſo gemäßigten Gebrauch machen, wie von dem Läufen und Trillern beim Singen.« 174 13. 14. 15. Juli. Mailand. 13. 14. Juli. Gemälde⸗ und Gypsabdruckſammlung in der Brera. Dieſe beiden Tage habe ich ganz in Amtsgeſchäften zugebracht. Nur war ich am zweiten Tage in den Mittagsſtunden in der Brera, um die dortige Gemaͤlde- und Gypsabdruckſammlung zu ſehen. Die erſtere iſt kärglich, die zweite reich ausgeſtattet: indeſſen habe ich dieſe Abdrücke ſchon ſo oft geſehen, daß ſie für mich wenig Intereſſe mehr hatten. 15. Juli. Reiſe nach Lecco und Bergamo. Anſicht des Landes zwiſchen Monza, Monticello und Oggiono. Schöne Ausſicht über die Ebene der Lombardie von der Kirche in Monticello. Cultur des Bodens in den Monti di Brianza. Kauf⸗ und Pachtwerth der Gründe dieſer Ge⸗ gend. Oggiono. Valmadrera. Große Bevölkerung in dieſem ſchma⸗ len Thale. Vom nördlichen Theile der Lombardie blieb mir noch der Strich zwiſchen Lecco und Bergamo zu ſehen übrig, der ſei— nes großen Seidenbaues und der eigenthümlichen Art die Maul— beerbäume zu beſchneiden, mit Recht berühmt iſt. Da der Weg dahin durch die Brianza, oder vielmehr Monti di Brianza führt, die von den Mailändern wegen ihrer ſchönen Lage, ihrer guten Luft und trefflichen Cultur geprieſen werden, ſo erreichte ich den doppelten Zweck, wenn ich uͤber Monticello nach Og— giono und Lecco fuhr, und von dort über Bergamo wieder nach Mailand zurückkehrte. Gleich hinter Monza fangen die Hügel an, und der Felſen verwittert in rothe Erde, wie ich bereits bei Locate bemerkte, und auch an einigen andern Stellen in den venezianiſchen Pro— vinzen, doch nirgends in dem Grade ſah, wie am Karſt, und vorzüglich in Nieder-Iſtrien, ſüdlich des Quieto, wo der ugebract den in der ſammlung Sgeſtattet, aß ſie fuͤ n Monza, Ehene der dens in dan dieſer Ge⸗ eſem ſchma⸗ rnoch der g, der ſer die Maul⸗ der Weg Brianza ge, ihrer erreichte nach Og⸗ no wieder der Felſen bemerkte/ chen Pro⸗ arſt, und wo der 15. Juli. Monticello. Oggiono. 175 Kalkfelſen, aus dem der Boden der ganzen Halbinſel beſteht, in einen rothen, oft ſehr zaͤhen Lehm verwittert, in dem keine Spur von Kalkerde mehr zu entdecken iſt. Eine rathſelhafte Er⸗ ſcheinung, deren Erklärung ich an einem andern Orte verſuchen werde. So wie ſich der Boden mehr erhebt, fängt die Weincul— tur an ſich zu vergrößern, die in der Ebene völlig unbedeutend iſt, da die Maulbeerbaume in Reihen zwiſchen den Ackern gepflanzt ſind. Es vermehren ſich die Häuſer, die Landſitze der Reichen, die Dörfer, und man gelangt allgemach nach Monticello, einen wohlhabenden Ort, wo man von der Kirche aus eine der ſchönſten Ausſichten in der Lombardie genießt. Gegen Oſten die lachenden, mit Weinreben und Bäumen aller Art bedeckten Hü⸗ gel der Brianza mit den Hunderten von Landhäuſern, Dörfern, Kirchen; gegen Süden die weite Ebene mit dem Dom von Mai— land, der die Stadt kenntlich macht, und gegen Weſten am Fuße hoher Berge eine fruchtbare Landſchaft mit mehreren Dörfern, bilden das Panorama von Monticello, das im nahen Hinter⸗ grund gegen Nordweſten durch vorragende hohe Felſengebirge be— gräͤnzt wird, die einen eigenthümlichen großartigen Anblick ge⸗ währen. Über Monticello hinaus kommt man den Bergen immer naͤher. Noch geht der Weg eine Weile aufwärts, endlich faͤhrt man abwärts und kommt in ein ziemlich ſchmales Thal, in dem Oggiono liegt, ein ziemlich großer Ort, in deſſen Nähe einige Beſitzungen ſich befinden, von deren Kaufwerthe ich in dem Ab⸗ ſchnitte, der von dieſem Gegenſtande handelt, naͤhere Nachrich⸗ ten mittheilen werde. Es intereſſirte mich in dieſe Gegend zu kommen, um die Lage und Miſchung des Bodens ſelbſt zu ſehen, deſſen hoher Kaufpreis mich anfangs ſo ſehr in Erſtaunen ge— ſetzt hatte. Der Boden dieſer Gegend iſt, wie überhaupt in den Bergen, mehr loſe als bindig, auch iſt er nicht ſehr tief und mit vielen loſen Steinen gemiſcht. Die Lage iſt der Weincultur günſtig; allein man ſcheint ſie hier nicht wohl zu verſtehen, denn die 176 15. Juli. Oggiono. Ronchi, die ich ſah, ließen keinen großen Ertrag erwarten; ſie waren faſt nirgendwo behackt und der Boden war ſo dicht mit Gras bewachſen, daß man oft nicht zu unterſcheiden ver— mochte, ob es Wieſe, Weide oder behacktes Weinland iſt. Mais und Weizen ſind hier, wie überall, die Hauptfrüchte; doch ſah ich auch von allen andern Fruͤchten kleine Flecke beſäet. Die Fel— der ſind vollgepfropft mit Getreide, Weinreben und Maulbeer⸗ bäumen, welches zur Folge hat, daß weder das eine, noch das andere ſich vollkommen auszubilden Raum hat. Die Felder hier herum werden den Colonen gewöhnlich zur Haͤlfte des rohen Ertrages verpachtet. Es gibt zwar auch Beſitzer, die ſich 10, 12, 14 Lire für die Pertica vom Colon bedingen; allein dieſer Pachtſchilling wird ſelten von ihnen bezahlt, weil ſie durch das kleinſte Unglück zu Grunde gerichtet werden, und dann alle Zahlungen einſtellen, wodurch dem Grundherrn viel größerer Nachtheil zugeht, als wenn er ſich mit dem geringeren, aber leider! noch immer viel zu hohen Betrag der Halbentheilwirthſchaft(alla meta) begnügt. Wie ſehr die Menſchen an der heimathlichen Erde häͤngen, und wie groß der hieſige Geldreichthum ſein müſſe, bezeugen die Verkaͤufe der Gründe des Gutes Ehlo, wodie Pertica Grund aller Art, ohne Wohn- und Wirthſchaftsgebaude um 238 Lire, das Joch um 620 Gulden gezahlt wurde, wie ich in dem betreffen⸗ den Artikel von dem Kaufwerthe der Gründe naher angeben werde. Das Städtchen Oggiono liegt auf einer kleinen Anhöhe; im Thale iſt der artige, kleine See von Annone. Er iſt von hohen Bergen umgeben, an deren Fuße eine Menge ſchöner, großer Ortſchaften herumgelagert iſt. Von Oggiono gegen Lecco verengt ſich das Thal immer mehr; die Abhaͤnge der Berge ſind nur auf eine kleine Strecke hinauf mit Wein bepflanzt; der höher gelegene Theil iſt meiſtens ſchlechte Weide, ſpärlich auf wenigen Stellen mit etwas Holz bewachſener und größtentheils nackter Felſen; Kalkſtein, deſſen Schichten faſt ſenkrecht gelagert ſind. : erwatten, ar ſo dihr scheiden de⸗ dd iſt. Ma —*; doch ſih 2t. Diei⸗ 2 Manulben⸗ 8, noch d „öhnlich z Zuch Beſitz a bedingen, Stt, weilſe ² und dant —el großeren Iber leider! zhaft(alla =—e häͤngen, zeugen di ca Grund 258 Lire, — betreffer a ben werde n Anhohe — Er iſt bel e ſchöna = hal immei ü ecke hijal ins ſchlehl⸗ — ewachſener —— 21 — Schichtel 46. Juli. Lecco. 177 Der große Ort Valmadrera, zwiſchen Oggiono und Lecco, in einem ſchmalen, zwiſchen hohen Felſen eingeſchloſſenen Thale, wo nur wenig urbarer Boden vorhanden iſt, enthält eine große Menge von Menſchen, ſchöne Wohnhäuſer, und eine der ſchönſten Kirchen der Umgebung. Es ſind hier, wie man mir ſagte, viele Seidenfabriken, Seidenſpinnereien, Kalkbrenne— reien, wodurch ſich die Bevölkerung des Orts erhält, von welcher zweifelsohne ein Theil alljäͤhrlich, ein anderer für im— mer auswandert, wie dieß an den Ufern des großen Sees und jenes von Como Statt hat. Von Oggiono bis Lecco ſah ich die Maulbeerbaͤume nur ſelten wo, und dann nur in den äußerſten Zweigen beſchnitten. Die Baͤume ſehen gut aus, und haben ganz die Form gut ge⸗ haltener Obſtbaͤume. 16. Juli. Beſchreibung der Stadt Lecco. Wichtigkeit des Ortes in eommerzieller Hinſicht. Art die Maulbeerbäume zu beſchneiden, die von hier an bis über Bergamo hinaus üblich iſt. Wandernde Seidenſpinnerinnen. Ver⸗ ſtändige Bodencultur zwiſchen Lecco und Bergamo. Maulbeer⸗ und Rebencultur verbunden. Guter Boden, wo ſich das Thal anfängt zu er⸗ weitern. Umgraben der Acker mit dem Spaten. Aſchen und Ruß als Dünger. Bergamasker Mais. Mangel an Futterpflanzen. Lecco liegt am öſtlichen Ende des Sees von Como; da, wo er in den Adda ausſtrömt. Man fährt hier über den Adda auf einer langen, ſteinernen Brücke, mit 3 bis 10 Bogen. Die Stadt nimmt ſich, von der ſüdlichen Seite des Sees angeſehen, ſehr gut aus, und ſcheint größer zu ſein, als ſie iſt, weil ſie wohl lang, aber ſehr ſchmal iſt, und einige nahe gelegene Ort⸗ ſchaften als Theile der Stadt betrachtet werden können. Übrigens fand ich ſie ſehr lebhaft. Alle Arten von Kauf⸗ leuten, Handwerkern, Kunſtlern ſind da. Man ſieht viele neue, große, ſchön gebaute Hauſer. Allenthalben iſt hier viel Betrieb⸗ I. 12 178 16. Juli. Lecco. ſamkeit und Verkehr, welche wohl größtentheils von dem Han— del mit den benachbarten Thälern, von dem Verkehr über den See und von der neuen Straße herrühren, die von hier über den Splügen und das Stülfſer Joch führt. Lecco ſcheint mir ein ſehr wichtiger Platz für den Handel zu ſein, und wird wahrſcheinlich durch die nahe Verbindung mit Graubündten und Schwaben in der Zukunft ein Stapelplatz für die Waaren werden, die aus der Lombardie dahin und auch wohl noch nörd— licher verführt werden. Die Verbindung mit Tirol über das Stülfſer Joch daͤucht mir in commerzieller Hinſicht von gerin— ger, in militäriſcher aber von großer Bedeutung zu ſein. Vom See ſieht man hier nur ein kleines Stück: die Umge⸗ bung deſſelben beſteht aus ſchroffen Felſen; auch die Stadt ſelbſt liegt am Abhange eines ſolchen, und die Bodencultur iſt in der hieſigen Umgebung von geringer Bedeutung. Auf dem Wege von Lecco nach Bergamo habe ich die Maulbeerbäume ſo beſchnitten gefunden, wie ich ſie geſtern zwiſchen Oggiono und Lecco ſah. Nur an dem außerſten Ende werden die Zweige zurückgeſchnitten, damit ſie nicht gar zu ſehr in die Höhe und Breite wachſen, wodurch das Blätter— ſammeln gehindert würde. Man ſieht Bäume, die 3 ½¼ bis 4 ½ Klafter hoch ſind, und deren Aſte eben ſo viele Klafter im Durchmeſſer haben: die nach meinem Ermeſſen und nach der Ver— ſicherung der Kunſtverſtändigen das Doppelte von dem ertragen, was Baume von gleichem Alter abwerfen, denen alle vier Jahre alle Aſte abgehackt werden. Halberwachſene Bäͤume ſind in dieſer Gegend im größten Überfluß, wo die Seidenerzeugung die vorzüglichſte Einnahme der Landwirthſchaft ausmacht. Von Zeit zu Zeit traf ich längs der Straße Seidenſpinnereien(Filanda) und auch einige Seidenmühlen(Filatojo) an. Das Seidenabſpinnen von den Galetten— trarre la seta— erfordert beſondere Geſchicklichkeit, wird nur allgemach erlernt, und kann daher nicht als eine gemeine Arbeit angeſehen ——=—— —————— ᷣ—— — — —.—„———— dem Han⸗ über den jhier uüher ft. Lecet ſein, und aubundten tie Waaren noch nörd⸗ über das don gerin zſſie geſtern außerſten nicht gar 5Lläͤtter 5 1 bis4 llafter in h der Ver ertragen, ier Jahre größten fnnahne jich langs ih einige rarre la allgemach angeſehen 16. Juli. Lecco. 179 werden. Darum bilden die Spinnerinnen auch ein beſondere Claſſe, und ziehen dort, wo nur kleine Filande ſind, von einer zur andern. So begegnete ich heute zwei Wagen voll Spinnerinnen, größtentheils Madchen von 18 bis 26 Jahren, die ihre Geſchäfte in einer Filanda geendet hatten, und nun in eine andere geführt wurden. Sie waren alle gut, manche ſogar elegant angezogen, und voll Fröhlichkeit. Niedrig gehaltene Maulbeerbäume— Siepi di Gelſo— ſah ich in dieſen Gegenden nicht. Beſonders ſchöne große Maul— beerbäume fand ich bei Cattolica, Caprino, Pontita. Sie nehmen nicht nur allein die Ränder der Acker ein, ſondern ihre Reihen gehen auch durch dieſelben hin. Die jungen Baͤume ſah ich auch hier mit Stroh eingebunden, wie in den meiſten übrigen Theilen der Lombardie. Welche Pflege man ihnen hier an— gedeihen läßt, erhellet auch aus dem Umſtande, daß man die Erde der außer dem beackerten Theile der Acker ſtehenden jungen Maul— beerbäume rings um ihren Stamm aufgräbt. Auch den Weinbau fand ich zwiſchen Lecco und Bergamo beſſer, als irgendwo anders in der Lombardie getrieben; beſonders fleißig ſind die Ronchi— niedrige, auf Spaliere und lebende Bäaume gezogene Reben in den Hügeln— um Pontita beſtellt. Die hieſigen Ronchi haben die größte Ahnlichkeit mit den Ronchi in der Nähe von Görz. Übrigens gefäͤllt mir dieſe Art von Weingärten kei⸗ neswegs, am wenigſten die görzeriſchen, weil ein zu kleiner Theil der ganzen Oberfläche mit Reben benützt, und weil dieſe ſelbſt zu ſelten behackt, und überhaupt zu wenig cultivirt werden, und daher ein zu geringes Product abwerfen, das nicht die Hälfte der wirklichen Weingaͤrten erreicht. Bei Morpella ſah ich; eine ſchöne Beſitzung, wo die Maulbeerbäume den Weinreben zu Stützbäumen dienten. Ich ſah auch anderswo denſelben Gebrauch von dieſen Baͤumen machen, doch daͤucht mir iſt die hieſige die vernünftigſte, denn die Re⸗ benſtöcke wurden nicht zum Fuß der Baͤume, ſondern in der Mitte, zwiſchen zwei Bäume gepflanzt, und in der Höhe von 12* 180 16. Juli. Lecco. 5 Fuß auf feſte Pfähle gebunden: die Zweige wurden hierauf gegen die Maulbeerbäume gezogen, an deren unterſte Aſte man ſie anheftete. Die Rebencultur wird durch den Aufwand an ſtarken Pfaͤhlen zwar etwas koſtſpieliger, allein es däucht mir, daß der Nutzen, der aus dieſer Methode für die Reben ſo— wohl, als für die Maulbeerbaume hervorgeht, die geringe Aus⸗ lage für Pfähle weit übertreffen müſſe. Ich ſah unterwegs auch hin und wieder Olbaͤume, doch waren ſie von keiner Bedeutung; in ungleich größerer Menge kommen aber die Nußbäume im Hügellande vor. Allgemach erweitert ſich das Thal, und immer ſchöner wird die Anſicht des fruchtbaren, wohl cultivirten Landes, der Ebene ſowohl, als der Hügel und Berge. Der Boden der Ebene iſt hier, wie überall, ſehr verſchieden; doch ſah ich größtentheils eine tiefe, fruchtbare, mit Steinen nur wenig verunreinigte Erd— ſchicht, eine bindige Erdenmiſchung, die mir ſehr fruchtbar ſchien, und es wohl auch ſein muß, weil ſonſt der Mais unmöglich, bei der gegenwärtigen anhaltenden Dürre, ein ſo üppiges Wachs⸗ thum hätte zeigen können. Die Ebene dieſer Gegend, die ſie die Inſel nennen, weil ſie zwiſchen dem Adda und dem Brem⸗ bo eingeſchloſſen liegt, iſt auch ſonſt wegen der Induſtrie der Land⸗ wirthe berühmt, die, wie man mich verſicherte, den größern Theil iher Acker alljährlich mit dem Spaten umgraben, und die Feldfrüchte mit Ruß und Aſche bedüngen, die ſie weit und breit herum im Lande aufkaufen. Die Hügel ſind eben ſo fleißig cultivirt, und mit Frucht- und gemeinen Baumen bekleidet, zwiſchen denen größere Ortſchaften und einzelne Häuſer zum Vorſchein kommen. In der Nähe der Stadt Bergamo ſind die Hügel mit Landhauſern überſäet, die zwiſchen den Weingaͤrten zerſtreut herum liegen, und den Stadtbewohnern zum Sommeraufenthalt dienen. Der Mais ſtand allenthalben, wie ich ſo eben bemerkte, ſehr ſchön; nur dünkte er mir, ſo hier, wie allenthalben in der Lombardie, zu dicht ſtehend. Er iſt ſehr fleißig bearbeitet, aber en hierauz 3. Aie na ffwand an väͤucht ni, — Neben ſ sringe Auh D'och waren 13: kommen : Iner wird = der Ebene — tee iſthier — heils eine nigte Erd Ifruchtben ainmöglih, es Wache⸗ d, die ſe m Bren⸗ A der Lande großen Den/ und weit und acht⸗ und S tſchaften Mahe der überſctt, x und den emerkte, et in der at, gber 17. Juli. Bergamo. 481 nirgendwo in Reihen, ſondern allenthalben breitwuͤrfig geſaͤet. Der hieſige Mais iſt eine ſpäͤtreife Varietät, mit pomeranzen⸗ farbenen Körnern, an der ſich jetzt erſt die Piſtillen, d. h. die Fruchtgange der Kolben zeigen; auch ſetzen ſich die Kolben hoch am Stäͤngel an, wie ich Beides ſchon in meiner Abhand- lung über die Cultur des Mais bemerkte. Ich ſah weder Klee noch Luzerne, und nur ſelten wo Wie⸗ ſen, und dieſerwegen mögen die hieſigen Landwirthe wohl ge⸗ zwungen ſein, Düngerſurrogate zu ſuchen, weil ſie ſelbſt zu we⸗ nig Dünger in ihren Wirthſchaften erzeugen⸗ — 17. Juli. Cultur und Gröſte der Maulbeerbäume in den Gärten und der näͤchſten Um⸗ gebunglvon Bergamo. Tiefer fruchtbarer Boden. Von der Art, die Maul⸗ beerbäume zu beſchneiden. Vorurtheile gegen das Pfropfen in der Baum⸗ ſchule. Werth der Grundſtücke. Beſchreibung der Wirthſchaft eines Co⸗ lon zunächſt der Stadt. Eigenthümliche Art der hieſigen Gegend, die Getreideahren zu entkörnen. Beſchreibung der Stadt Bergamo. Unge⸗ mein ſchone Ausſicht von den Wällen der hoch gelegenen Stadt⸗ Großer Seidenhandel. Ich kam nach Bergamo, nicht ſowohl um die hieſige Land⸗ wirthſchaft, ſondern auch, um den Gang der im Zuge befindli— chen Cataſtralſchatzung zu ſehen, fand aber zu meinem Verdruſſe weder den Inſpector, noch den Commiſſär in der hieſigen Nähe, und beide weit von hier entfernt. Ich mußte mich daher an An— dere wenden, die mir über den erſteren Zweck meiner Reiſe Auf⸗ ſchluß zu geben vermochten. Durch die Güte des Herrn Delegaten ward mir ein hieſi⸗ ger Schätzmann— Perito— beigegeben, der mich in der Umge⸗ bung der Stadt herumführte, und mir, ſo weit er es vermochte, über die hieſigen Wirthſchaftsverhältniſſe Aufſchlüſſe ertheilte. Herr Milleſt, mein Begleiter, führte mich zuerſt in einige Garten zwiſchen der auf einem Berge gelegenen alten und der neuen Stadt, die am Fuße deſſelben gebauet iſt. In dieſer gegen 1832 17. Juli. Bergamo. Suͤden abhaͤngigen Lage gediehen die Maulbeerbäume bewunderns⸗ würdig. Bäume, die erſt ſeit fünf Jahren gepflanzt worden wa⸗ ren, hatten 5 Zoll Durchmeſſer, und Milleſi meinte, daß ihr Blätterertrag wohl 20 Pfund Mailänder Gewicht betragen kön⸗ ne, was mir aber übertrieben zu ſein ſchien. Hier ſah ich auch einige der älteſten Bäume dieſer Art, vielleicht von den erſten, die hier herum in der Vorzeit gepflanzt worden waren. Sie hat— ten 3 ½ Fuß im Durchmeſſer, und waren ganz morſch. Friſche Baͤume von 2 Durchmeſſer wurden auf 150 bis 130 Pfund Mailander Gewicht Blaͤtterertrag geſchätzt. Wir gingen nun in die der Stadt von Colognola, um hier den Boden, die Wirthſchaft und die Maulbeerbaäume anzuſehen. Der Boden naͤchſt der Stadt ge⸗ hört wohl zu den beſten und fruchtbarſten der Lombardie. Es iſt ein mürber, röthlicher Lehm, von bedeutender Tiefe, in dem Weizen, Mais und Maulbeerbaume gleich üppig vegetiren. Der Weizen war bereits geerntet; den Mais aber hatte der ge— ſtrige Hagel ſchrecklich verheert; es war ein Jammer zu ſehen, wie die ſchönſten Hoffnungen der Landwirthe in fünf Minuten zerſtöͤrt worden waren. Die Maulbeerbaͤume hatten nichts gelit— ten, und ich konnte ſie in all ihrer Kraft und Schönheit betrach— ten. Nirgendwo in Italien ſah ich ſo viele erwachſene, 50 bis 60 Jahre alte Maulbeerbäume, wie hier. Anderswo iſt allent— halben die Zahl der jungen, 15 bis 25jährigen, vorwaltend, hier umgekehrt gibt es mehr alte als junge, und man ſieht ganze Reihen, ja ganze Felder mit vielen Reihen alter Baume. Alle ſind auf dieſelbe Art beſchnitten, wie ich bereits erwähnte, indem man näͤmlich nur jene Aſte, die zu ſehr nach auswärts treiben, das heißt, gegen die übrigen zu lang werden, an ihren Enden verkürzt. Übrigens läßt man ſie fortwachſen, ohne ſie je ihrer Aſtez u berauben, wie das ſonſtallenthalben geſchieht. Dieſe Baäume werden dick und ſtark, und ſehen mittelgroßen Buchbaͤumen gleich. Nach der Verſicherung der hieſigen Landwirthe ſind ſie nicht ſchwe⸗ rer zu entlauben, als jene, die man alle vier Jahre köpft, und zunaͤchſt gelegenen Felder — Dunderne⸗ dden wa⸗ 7., daß ih — pgen kon⸗ 8 ich auc in erſten, Sie har —. Frſſe 2 Pfund 12. Felder Naft und * Stadt ge⸗ r r. Es iſ * in dem pgetiren. me der ge⸗ u ſehen, . Ninuten = its geli⸗ A₰ betrag⸗ 1 50 bi aleent⸗ X d, hier t ganze 1P e. Alle rr', indem * atreiben, Enden dje ihrer GBäume Aungleic. e ſhwe⸗ E!/ und 17. Juli. Bergamo. 183 geben einen dreimal größern Bläͤtterertrag, als dieſe. Ich habe auf vielen Orten den Durchmeſſer der Bäume gemeſſen, und habe mir nebenbei ihren Blätterertrag durch Milleſi abſchaͤtzen laſſen. Junge Bäume von 15 Centimetern(5 ¾ Zoll Wiener Maß), die 7 bis 3 Jahre im Boden ſtanden, ſchäͤtzte er auf 30 Pfund Mailänder Gewicht, Baäume von 40 bis 45 Centime⸗ tern(15 bis 17 Zoll Wiener Maß), von 30 bis 40 Jahren auf 70 bis 80 Pfund Mailänder Gewicht. So verſtändig die Bergamasken in Hinſicht des Beſchneidens ihrer Maulbeerbäume ſind, ſo unverſtändig ſind ſie in der Ver⸗ pflanzung derſelben. Sie laſſen den Wildling in der Baumſchule 4 bis 5 Jahre wachſen, bis er 1 ½ bis 2 Zoll Durchmeſſer hat, dann wird er auf 5 Fuß Höhe abgeſchnitten, und in den Acker verpflanzt, wo er im erſten Jahre aus dem obern Ende einige Triebe macht, auf die man im darauffolgenden Jahre pfopft. Der dürre Stumpfen in der Mitte braucht Jahre, ehe er ſich vernarbt, und mag die Urſache ſein, daß viele kränkeln, oder auch wohl abſterben. Man hat ein abſurdes Vorurtheil gegen das Pfropfen in der Baumſchule, und behauptet, daß die am Acker gepfropften ſchneller einen großen Blaätterertrag abwürfen, und keiner Stütze bedürften, die die anderen erheiſchten. Allein man überſieht hierbei, daß wenn man 4 bis zjährige Bäume in die Acker ſetzt, dieſe erſt nach vier Jahren einen etwas ſtaͤrkern Blaͤtterer⸗ trag abwerfen, wo ſie 3 bis 9 Jahre alt ſind, und daß, wenn man die in der Baumſchule im dritten Jahre ihres Lebens gepfropften Bäume im fünften Jahre in die Acker bringt, ſie im achten oder neunten zuverläſſig eben ſo viel, vielleicht mehr Blätter als die erſtern geben, und man weniger Gefahr läuft ſie durch den Schnitt vor dem Pfropfen am Acker kernfaul zu machen. Noch muß ich eines andern abgeſchmackten und barbariſchen Verfahrens gedenken, das ich hier ſah. Wenn aus irgend einer Urſache die Baͤume keine friſchen Triebe mehr machen wollen, werden ihnen die Hauptaſte weggehackt, damit ſie aus dem Stamme 184 17. Juli. Bergamo. neue AÄſte bilden ſollen, welche Operation ſie Marzo heißen; bei welcher Gelegenheit Jene, die gar geſcheidt ſein wollen, zum Glücke ſind es nur wenige, ſolchen Baͤumen am Fuße des Stammes ein viereckiges Loch bis in die Mitte deſſelben ausha— cken, damit der Saft, der ſonſt aus den Wurzeln in die Aſte ging, einen Abfluß habe und der Baum nicht erſticke. Als wenn der Saft nicht bei den weiten Wunden der abgehackten Aſte ausflie⸗ ßen könnte!— Beſitzen die Bäume genügende Lebenskraft, und ſind ihre Organe nicht zu ſehr deſtruirt, ſo ertragen ſie das Am— putiren aller Aſte, und treiben neue; ſchwächliche Bäume wer⸗ den aber dadurch nur ſchwächer, und können ſolche Wunden am Kopfe und Fuße nicht mehr vernarben, und gehen um ſo ſchnel— ler zu Grunde. Ein mäßiges Beſchneiden, d. h. Verkürzen der Aſte, dürfte allerdings zweckmäßig ſein, beſonders wenn es mit einem Umgraben der Erde in der Umgebung der Wur— zeln, und einer Düngung verbunden wird: allein gewöhn— lich liegt die Urſache der Krankheit in organiſchen Fehlern der Wurzeln, oder des Stammes, und da hilft weder das Meſſer noch der Dünger. Der Werth der Grundſtücke iſt in der Naͤhe dieſer reichen Stadt ſehr groß. Man zahlt für eine Pertica 3 bis 400 Lire, ja einzelne Flecke doppelt ſo theuer, wenn ſie zunaͤchſt der Stadt liegen. Überhaupt aber wird der Werth der Gründe durch die Zahl, das Alter und das Ausſehen der Maulbeerbäume beſtimmt, und da das Laub derſelben hier ein ſehr geſuchter und theuer bezahlter Artikel iſt, ſo findet man den Werth dieſer Gründe nicht übertrieben; denn wenn ein erwachſener Baum 50— 60 Pfund Blätter abwirft, und 100 Pfund Mailaͤnder Gewicht zu 15 Lire veranſchlagt werden(— 100 Wiener Pfund, 3 Gulden 15 Kreu⸗ zer); ſo ergibt ſich die jährliche Rente eines ſolchen Baumes zu 7½— 9 Lire(2 Gulden 12 Kreuzer bis 2 Gulden 39 Kreu— zer). Sind nun vier ſolcher Baͤume auf einer Pertica(55 auf einem Joche), ſo beträgt die Einnahme 30— 36 Lire und das Capital von 400 Lire würde ſich zu 7 ½— 90% verzinſen, wenn 17 ſind Ha da Un, B gibt ford vom urwe ſten M — wo heißen; volln, iuße des 1 ausha⸗ iſte ging, Joenn der * ausfie 2nft, und Jas Am⸗ ene wer⸗ Aden am ao ſchnel⸗ azen der Tvenn es er Wur⸗ rijewöhn⸗ Tern der 3 Meſſeer — reichen — 0o Lire, Ir Stadt arch die 1 kimmt, au theuer rre nicht 5-Pfund 15 Lite di Kreu⸗ g aumes 2.) Krel⸗ .35 auf 1 das 1 wenn 17. Juli, Bergamo. 185 man den Blaͤtterertrag und Preis ſo annehmen möchte, wie er hier angegeben iſt. Man kann daher am Bläͤtterertrage und Prei⸗ ſe bedeutend nachlaſſen, um noch immer den hohen Grundwerth begreiflich zu finden. Ich ging in das Haus eines Colon, die man hier Maſſari nennt, deſſen Wirthſchaft kaum eine Viertelſtunde von den Hauſern der untern Stadt entfernt liegt. Die Beſitzung mißt 170 Pertiche(19,32 Joch), wovon etwa 10 Per tiche Wieſen ſind. Er gibt von allen Bodenerzeugniſſen des Ackerlandes die Hälfte. Wein wird hier herum nirgendwo in den Ackern erzeugt. Das ganze Laub der Baͤume gehört dem Herrn, der ihm für jede Unze Raupenſamen, die der Maſſaro anſetzt, 60 Peſi Blätter(1 Peſo hat 10 Pf. zu 30 Unzen= 14,51 Pf. W. G.) gibt; weil aber für eine Unze Samen 100 Peſi Blätter er— forderlich ſind, ſo muß der Maſſaro die fehlenden 40 Peſi vom Herrn kaufen, und ihm die Häͤlfte des curſirenden Blät⸗ terwerthes zahlen, worauf das ganze Galettenerzeugniß zwi— ſchen ihm und dem Herrn getheilt wird. Heuer mußte dieſer Maſſaro für ſeine Hälfte den Peſo mit 15 Soldi bezahlen, wornach ſich 100 Pf. Mail. Gew. auf 14 Lire berechnen. Der Maſſaro, den ich ſprach, hatte 7 Unzen Raupenſamen ange⸗ ſetzt; ſonſt haben dieſe Leute kaum für mehr als zwei bis drei Unzen Samen Raum in ihren Wohnungen. Der Maſſaro beſitzt 4 Ochſen, 3 Pferde, 2 Kühe. Da dieſer Viehſtand ihm eigen gehört, ſo iſt er als ein ſehr reicher Mann zu betrachten, denn nur ſehr wenige Colonen ſind völlige Eigenthümer ihres Viehes, die meiſten ſind das Capital deſſel— ben dem Herrn ſchuldig. Wenn es wahr iſt, was mir ein Grundbeſitzer hier ſagte, daß er, und alle ſeines Gleichen das zum Ankaufe des Viehes erforderliche Capital den Colonen zinſenfrei vorſtrecken, ſo ſind ſolche Schulden von Seite dieſer letztern gegen ihre Herren ſehr begreiflich; denn es hat der Colon keinen vernünftigen Grund das Capital zurückzuzahlen, wenn er dafür keine Zinſen entrichten — —õ—;]—— 3 ———————— 186 17. Juli. Bergamo. darf. Ich bezweifle aber dieſe Großmuth der Grundherren, obgleich ſie nichts mehr als billig wäre; indem ſie die Hälfte der Bodenerzeugniſſe erhalten, und von den Maulbeerblättern ſo großen Gewinnſt ziehen. Der Maſſaro, von dem ich ſpreche, iſt ſchon 30 Jahre auf der Beſitzung, und verdient ſich wahrſcheinlich viel mit ſeinen vier Ochſen und drei Pferden, die er bei ſeiner kleinen Wirthſchaft nicht brauchen könnte; weß⸗ wegen ſie auch ſein Eigenthum ſind. Sein Fruchtwechſel iſt Weizen und Mais. Anderswo wird, nach der Verſicherung Milleſi's, auch Klee eingeſchaltet. Rings um Bergamo wird alles Halmgetreide mit dem Schlitten ausgedroſchen, wovon ich an einem andern Orte nähere Erklärung geben werde. Bei dieſem Maſſaro unter— ſuchte ich das ausgedroſchene Stroh, und fand es vollkommen körnerlos, und zur Häͤlfte faſt ganz zerkleinert. Was die Stadt und ihre Lage betrifft, ſo habe ich bereits ge— ſagt, daß die eigentliche Stadt auf einem Berge liegt, der be⸗ deutend hoch iſt, und daß am Fuße deſſelben die neue Stadt ge— baut iſt. Die Bergſtadt iſt mit einer mächtigen Ringmauer umgeben, und mochte in der Vorzeit ein tüchtige Feſtung und ein ſicherer Aufenthaltsort für alle geweſen ſein, die nicht ein feſtes Bergſchloß, ein Caſtell, hatten: allein in unſern Zeiten, wo dieſe Feſtung nichts mehr gilt und wo man den beſtändigen Fehden nicht wie früher ausgeſetzt iſt, wird dieſe Lage, der Stadt den Hausbeſitzern immer nachtheiliger; denn alle Gaſt— haͤuſer und der größere Theil der Gewerbsleute, Handwerker, Kaufleute und wer immer ſich hier neuanſiedelt, wählt die Neu⸗ ſtadt zum Aufenthaltsort, die Jahr für Jahr ſich vergrößert und die Bergſtadt entvölkert, wodurch der Werth ihrer Gebaude von Jahr zu Jahr ſich vermindert. Die Ausſicht von den Baſtionen der Stadt, und beſonders von dem Garten, der vor dem Stadtthore liegt, über das Land in die nachſte und entfernte Umgebung, iſt eines der ſchönſten und heren, ſie Hilfte Lerdlättern dem ich ¹) verdient „Pferden, Aite; weſ⸗ zwechſel iſ e ſicherung zimit dem ern Orte ro unter⸗ Lllkommen Hereits ge⸗ 3)I, der be⸗ 115tadt ge⸗ umgeben, 5 n ſicherer a in feſtes ten, wo kandigen Jahe der lle Gaſt⸗ 5 dwerker, lie Neu⸗ Lergrößert Gebaude uſonders . eas Land ien und 4 17. Juli. Bergamo. 187 großartigſten Bilder der Fruchtbarkeit des Bodens, des Fleißes und der Induſtrie der Menſchen. Das nahe Land ſieht wie ein re— gelmäßigbeſetzter Obſtgarten aus, denn alle Maulbeerbäume, wel⸗ che die Felder durchziehen, ſind in Reihen gepflanzt. Die Hügel, die zum Theile mit Weinreben, zum Theile mit andern Culturarten bedeckt ſind, erheben ſich allgemach, und bilden im Hintergrunde die hohen Berge, die das Gebiet von Bergamo vom Valte⸗ lin ſcheiden, an die ſich die Berge von Brescia anſchließen. Vorwärts ſieht man bei hellem Wetter Mailand, und der über die weite Ebene der Lombardie hinſtreifende Blick wird erſt durch die in Suden aufſteigenden Apenninen aufgehalten. Die Seide von Bergamo genießt in England und Frank— reich eines hohen Rufes, und wird, wenn ich recht berichtet bin, allen übrigen Seidenarten vorgezogen. Man verſteht hier das Sei— denabſpinnen ganz beſonders wohl, und wenn es wahr iſt, daß die hieſige Seide feiner iſt, wie die übrige in der Lombardie er— zeugte, ſo waͤre dieß ein Beweis, daß das Laub von alten Bau— men die Urſache hiervon ſein müßte, denn alle übrigen Bedin— gungen, unter denen Seide erzeugt wird, ſind hier und anders— wo in der Lombardie gleich, oder wenig verſchieden. Wohin ich in Bergamo kam, hörte ich bloß von Seide, ihrem Kauf⸗ und Verkaufwerthe, ihrer Erzeugung u. ſ. w. ſprechen, ſo daß ich wohl ſah, daß ſie der Hauptgegenſtand der hieſigen Land— wirthſchaft, der hieſigen Induſtrie, und des hieſigen Handels iſt. Man nannte mir viele Handlungshäuſer, die mehr als eine Mil— lion Lire beſitzen, die ſie alle bloß beim Seidenhandelgewonnen ha— ben, der hier und allenthalben noch immer das lohnendſte Geſchäft iſt, das alle bereichert, die ſich damit befaſſen; den Galettenkäufer, den Beſitzer der Filanda, des Filatojo, den Kaufmann, der dem Filandiere abkauft, und nur allein dem Colon und der Spinnerinn einen magern Lohn übrig läßt für die große Mühe, die ſie haben die Seide zu erzeugen. Es iſt aber überall ſo in der Welt; der Bergarbeiter, der Nagelſchmid, der Flachsbauer und Weber verdienen ſich allenthalben nur ſo viel, um ein freudeloſes 183 18. Juli. Bergamo. Leben zu friſten, wahrend der, welcher mit dem Eiſen und der Lein⸗ wand handelt, in kurzem ein reicher Mann wird; was davon herrührt, daß es Tauſende gibt, die Maulbeerbaume zu pflanzen und Seidenraupen zu pflegen und Hunderte, die die Seide abzu⸗ ſpinnen verſtehen; aber nur wenige, die ſo viel Capital haben, Galetten zu kaufen und ſie ſpinnen zu laſſen, und nochtweniger, die die geſponnene Seide unmittelbar an die inländiſchen Fabri— kanten oder in das Ausland ſchicken. Je mehr ſich ein Geſchäft einem Monopol nahert, um ſo größer iſt der Vortheil, den es abwirft.—. — 18. Juli. Maulbeercultur zwiſchen Bergamo und dem Adda. Natur des Bodens. Canal Marteſana. Stracchinkafe⸗Fabriken in Gorgonzola. Auf der Rückreiſe von Bergamo nach Mailand ſah ich auf einer Strecke von 3— 4 ital. Meilen naͤchſt der erſten Stadt lauter große, alte, prächtige Maulbeerbaͤume, und erſt über dieſe Strecke hinaus fangen an wieder viele junge, 15— 20jäh⸗ rige Bäume mit älteren gemiſcht, zum Vorſchein zu kommen; zum Beweiſe, daß ſich die Cultur dieſer Bäͤume nur erſt ſeit 30 Jahren ſtark zu verbreiten angefangen hat. Da man in der Umgebung von Bergamo die größte Zahl großer und alter Baume nicht vereinzelt, ſondern in ganzen Beſitzungen antrifft, ſo folgern die Bergamasker mit Recht, daß hier der Sitz des alteſten Seidenbaues ſei, und daß er von hier aus ſich über die niedriger gelegenen Gegenden der Lombardie verbreitet habe. Der Boden iſt bis zum Adda völlig eben. In der Nähe von Bergamo iſt er tief, mürb und in einem hohen Grade den Maulbeerbäͤumen und dem Mais zuſagend; weiter weg ver⸗ ſchlechtert er ſich in dem Verhältniſſe, als man ſich dem Adda näͤ— hert; allgemach ſieht man Steine in der Ackerkrume, und mittler⸗ weile geräth man in das alte Flußbett des Stromes, in eine öde Heide, deren Boden ein durres Steingeröll iſt; allein noch ehe Ider(iin, 1s davon 2 pflanzen dide abzu⸗ el haben, weniger fin Fabr * Geſchaft d, den es 2 Boden⸗ Sola. t ſah ich In Stadt urſt über — ojäh⸗ zommen, erſt ſeit n in der and alter b nantriff Sitz des Nüber die Habe. äͤhe von rade den dyeg bel⸗ „ldda na⸗ mittler⸗ ine ode och the 19. Juli. Mailand. 189 man zum Adda kommt, faͤngt der Boden an ſich zu verbeſſern, und man ſieht ſchon wieder einzelne Beſitzungen, in denen man alle vier Jahre den Maulbeerbaäͤumen nach lombardiſcher Art die Haupt⸗ äͤſte weghackt; und wie man dieſen Fluß überſchreitet, iſt von der bergamaskiſchen Methode, dieſe Bäume zu behandeln, nichts mehr zu ſehen. Bei Vaprio iſt der Canal della Marteſana in einem gemauerten Rinnſale einige Klafter über dem Adda erhoben, aber nur wenige Klafter von ihm entfernt. Nicht weit von Va⸗ prio ſieht man ſchon bewäſſerte Wieſen, die ihr Waſſer vom Ca⸗ nal erhalten: hier ſieht man noch Reben und Maulbeerbäume, die aber beide bald verſchwinden, und den bewäſſerten Feldern Platz machen. In Gorgonzola hat eine große Zahl von Häuſern mit großen Buchſtaben die Aufſchrift: Fabbrica di Stracchino. Bekanntlich wird in dieſem Orte vorzüglich jene Art von Käſe erzeugt, die man Stracchino nennt. Es iſt ein weicher Käs in viereckigen Laiben von 4 Pfunden, der im Herbſte gemacht, im Winter und Frühling verſpeiſet wird, und im Sommer kaum mehr genießbar iſt. 19. Juli. Ambroſianiſche Bibliothek. In der Bibblioteca Ambrogiana weerden einige merkwürdige literariſche Antiquitäten gezeigt. Mich intereſſirte hierunter ein von Petrarca ſelbſt ſehr ſchön geſchriebenes Exem⸗ plar von Virgils Werken. Bekanntlich iſt dieſe Bibliothek reich an Manuſcripten, unter denen ihr früherer Bibliothekar Mai mehrere literariſche Schätze auffand. 20.— 27. Juli. Mailand. 20.— 27. Juli. Abſchiedsbeſuche. Eindruck, den die Menſchen und das Land in mir zurück⸗ gelaſſen haben. Den größten Theil dieſer ſieben Tage habe ich in ÄAmtsge— ſchäften, den andern damit zugebracht, von meinen Gönnern, Freunden und Bekannten Abſchied zu nehmen. Die Beſcheidenheit verbietet mir, alle Jene hier namhaft anzuführen, die mich mit Freundſchaft und Zuvorkommen aufnahmen, und deren Güte und Wohlwollen ich es zu danken habe, daß mir der Aufenthalt in Mailand ſo angenehm und ſo belehrend ward.— Ich werde wahrſcheinlich dieſe reiche, und was mehr iſt, hoch gebildete Stadt, die weite, fruchtbare und hoch cultivirte Ebene der Lombardie, mit ihren Wieſen, Reißfeldern, Maulbeerbäu— men und Getreideaͤckern, die lachenden Hügel der Brianza, die maleriſch ſchönen Seen und majeſtätiſchen Alpen nicht mehr ſehen; allein die Erinnerung an alles dieß bleibt mir, und wird eine nie verſiegende Quelle von Vergnügen für mich ſein. Möchten jene Landwirthe, die einige Wochen Zeit und einige hundert Gulden erübrigen können, ſie ſtatt einer Baͤdreiſe oder eines andern koſtſpieligen Vergnügens dazu verwenden, dieß ſchöne Land, ſeine Menſchen und ſeine Cultur zu beſehen!— Der Nutzen, den ihnen dieſe Reiſe dadurch verſchaffen wird, daß ſie ſich über Wieſenwirthſchaft und Bewäſſerung überhaupt, über Käſeerzeugung, Maulbeerzucht und Seidenerzeugung anſchauli— che Begriffe des beſten Verfahrens ſammeln, wird ihnen die Ko— ſten der Reiſe reichlich erſetzen. Den Genuß, eines der ſchönſten und fruchtbarſten Laͤnder der Welt geſehen zu haben, haben ſie zur Aufgabe!— wir zui, Untzg⸗ — Gonnen 1 namhif Arkommen = u danken Dehm und ² iſt, hoc te Eben Abeerbal⸗ — ianza, cht mer — und witd in. a nd einige — eiſe oder An, di en!— rd, dai ot, üher I iſchaule — die Ko⸗ chönſten aben ſi 28. Juli. Mantua. 1921 28. Juli. Reiſe von Mailand nach Mantua. Anſicht des Landes von Lodi nach Pizzighettone. übergang über den Adda. Unbewäſſerte Gegend; Schotterboden; verdorrte Maisfelder. Ziemlich große Maulbeercultur; große Vevölkerung; viele Ortſchaften. Allenthalben Spuren von Wohl⸗ habenheit unter dem Landvolk. Ich hatte beſchloſſen, meine Rückreiſe über Mantua nach Verona zu machen, um auch von dieſem Theile der Lom— bardie wenigſtens Etwas zu ſehen. Hätte es von meiner Willkühr abgehangen, und hätt' ich mehr Zeit verwenden können, ſo würde ich über Mantua, Oſtiglia nach Rovigo, und dann über Legnago nach Verona gegan⸗ gen ſein, um die reichen Marſchländer von Poleſine zu ſehen; ich mußte aber die Rückreiſe beſchleunigen, und ſo blieb mir nichts übrig als der kleine Umweg über Mantua nach Verona. Ich fuhr um Mitternacht von Mailand weg, und kam Abends um 6 Uhr in Mantua an. Der Weg führt über Lodi, wo ich Morgens um 4 Uhr ankam. Es war mir lieb, dieſe Straße früher ſchon zweimal gemacht und die Wirthſchaft und den Boden beobachtet zu haben, denn jetzt ſah ich im Dunkel der Nacht nichts davon. Von Lodi bis Pizzighettone iſt mit geringen Ab⸗ anderungen dieſelbe Cultur, die ich zwiſchen Lodi und Mai— land fand. Man ſieht längs der Straße faſt bloß Wieſen, in welchen der weiße Klee vorwaltet, wornach ich ſchloß, daß es Wechſelwieſen ſind. Hin und wieder ſchönen Mais, der ohn— geachtet der ſchon lange anhaltenden Dürre auf das üppigſte vegetirte, weil er bewäſſert wurde. Auf mehreren Orten weiden Heerden von Kühen in den Wieſen. Die Leinbüſchel werden gegenwärtig auf den reingemachten Weizenſtoppelfeldern aufgeſtellt; ſie ſind ſchon ziemlich weiß, doch kurz, kaum anderthalb Spanne lang. — ——--—-——— 192 28. Juli. Mantua. Der Adda ſcheidet das bewäſſerte vom trocknen Lande. Am rechten Ufer ſind alle Felder bewäſſerungsfahig; am linken Ufer befindet man ſich in einem ſandigen, ſchottrigen, und nicht be⸗ waſſerten Lande, in deſſen Ackern gegenwärtig alle Vegetation durch die Dürre zerſtört worden iſt. Dieſer ſchlechte Boden wech⸗ ſelt in der Nähe von Cremona mit einem mehr bündigen ab, und hier fand ich den Cinquantin, obgleich nicht bewaͤſſert, doch nicht ausgedörrt. Allein weiter fort über Bozzolo bis Mantua iſt der Boden nichts als ein tiefes Lager von fei— nem Sand mit wenig Lehm gemiſcht, in dem der früher hoch aufge— wachſene Mais jetzt allenthalben ganz ausgetrocknet mit weißen Blättern da ſtand. Nichts war kläglicher, als dieſe ausgebrann⸗ ten Maisfelder zu ſehen: die ſchönſten Hoffnungen des Land— wirths wurden in 14 Tagen zerſtört, und da die Dürre noch immer anhält, ſo trauen ſich die Landwirthe nicht in dieſe Felder Hirſe oder Cinquantin zu ſden, und warten, bis erſt ein Regen kommt, der ihnen das Keimen der neu auszuſäen⸗ den Frucht ſichert. Zwiſchen Pizzighettone und Cremona iſt eine be⸗ deutende Seidencultur, man ſieht viele Maulbeerbäume in al— len Feldern; auch iſt hier die Pflege der Maulbeerbaͤume wohl verſtanden, denn es gibt große, ſchöne, alte, nach Bergamas⸗ ker Art behandelte Baͤume: weiter hin hört aber dieſe Art die Baͤume zu beſchneiden wieder auf, und es tritt die gewöhnliche lombardiſche Methode ein. In dieſem leichten, ſandigen Boden gedeihen die Maulbeerbäume ſehr gut, und es iſt Schade, daß ſich die Landwirthe nicht mehr mit der Anpflanzung derſelben abgeben, und daß ſie ihre größere Aufmerkſamkeit den Reben ſchenken, die unter den gegebenen Verhältniſſen des Bodens weder viel, noch guten Wein liefern können. Die Ackerbeete, d. h. der Raum zwiſchen einer Reihe berebter Bäume und der anderen, ſind breit. Ackerfrüchte ſind: Mais und Weizen, der nicht ſelten zweimal nacheinander geſäet wird.⸗ Das Pflügen geſchieht mit einem ziemlich gut gebauten Räder⸗ gunde. An Anken Uier 2. nicht le D egetation Sden weh⸗ I bündig nüfe Golo be 21von fe⸗ ach aufß⸗ at weißen gebrann⸗ .s Land⸗ arre noch — in dieſe as bis erſt 2 zuſgen⸗ eine be⸗ ne in al⸗ — me wohl aun⸗ — Att d '” n Boden — de, dii perſelben 4 Reben Boden berebter : Mais t wird. 1 Näder⸗ 29. Juli. Mantua. 193 pflug, vor dem ich ſechs Ochſen angeſpannt ſah, um den ver⸗ dorrten Boden aufzubrechen. In wie fern man von den kleinen Baͤchen zur Bewaͤſſerung Gebrauch macht, kann ich nicht beſtimmen; längs der Straße ſah ich keine Spur von Bewaͤſſerung: indeſſen muß der Ackerbau zwiſchen dem Adda und Mantua doch ſehr ergiebig ſein, denn ich paſſirte alle halbe Stunde einen anſehnlichen Ort, deren lmeh— rere das Anſehen und die Größe von kleinen Städten haben, und ſtark bevölkert ſind. Die Haͤuſer der Colonen und kleinen Beſitzer ſind allenthalben in einem guten Zuſtande, und die am Felde arbeitenden Menſchen waren genügend gut angezogen, we— nigſtens ſah ich keine Spur von Elend an ihnen. 29. Juli. Beſchreibung von Mantua. Kaiſerlicher Pallaſt in der Stadt. Palazzo T. Kirchen. Beſchreibung einer Wirthſchaft vor der Stadt. Schlechter Bo⸗ den. Hinderniſſe der Bewäſſerung. Gewöhnliche Größe der einzelnen Co⸗ lonien. Viehſtand einer ſolchen Beſitzung. Schlechte Pflüge. Mangel an Futterpflanzen. Große Bigattiera des Grafen Cocaſtelli. Wi⸗ derlegung der Meinung, daß die Bevölkerung der Provinz zu gering ſei. Mantua iſt bekanntlich eine der ſtärkſten Feſtungen von Italien. Sie wird von der einen Seite durch den Mincio und von der andern durch Redouten, Gräben, Mauern und Wälle unzugänglich gemacht. Am linken Ufer des Mincio ſind in der neuern Zeit viele feſte Vorwerke angelegt worden, die, ſo zu ſa⸗ gen, eine zweite Feſtung bilden. Dieſe beiden Feſtungen hängen durch zwei gemauerte Brücken zuſammen, deren eine man viel— mehr einen gemauerten gedeckten Damm nennen ſoll, da er nur in der Mitte dem geſtaueten Waſſer einen Durchgang läßt. Weil hier das Waſſer einen Fall erhalten hat, ſo wird dieſes dazu be— nützt, viele Mühlen in Bewegung zu ſetzen, die die Stadt mit Moehl verſehen. Die Stadt iſt groß, und hat weite und ſchöne Straßen; al— lein die Bevölkerung iſt für die vielen und großen Häuſer zu klein, I. 15 194 29. Juli. Mantua. und darum ſcheint der Ort menſchenleer zu ſein. In der vergan⸗ genen Zeit war Mantua die Hauptſtadt eines ſouverainen Für— ſten, der hier einen glänzenden Hof hielt, um den ſich aller Reichthum des Landes ſammelte und der eine zahlreiche Bevölke— rung ernährte. Jetzt iſt es eine Kreisſtadt, und an die Stellen der Höflinge ſind Soldaten getreten, die weniger Luxus unter— halten können, als die erſtern. Auch mag die ungeſunde Luft, die hier in den Sommermonaten Fieber verurſacht, ein mächti— ges Hinderniß ſein, daß ſich nicht mehr Menſchen anſiedeln, und daß ſo viele Häuſer nur zur Haͤlfte bewohnt ſind. Der Graf Cocaſtelli, an den ich addreſſirt war, hatte die Gefalligkeit, mich in der Stadt zu begleiten, mich auf eine ihm gehörige Wirthſchaft vor der Stadt zu führen, und mir theils ſelbſt, theils durch ſeinen Wirthſchaftsverwalter die gründ— lichſten Aufklrungen über die hieſigen landwirthſchaftlichen Ver— hältniſſe zu geben. Der Pallaſt des frühern Souverains iſt, mit Ausnahme ei⸗ nes nicht unbedeutenden Theils, den man hat verfallen laſſen, im nämlichen Zuſtande, wie er ſich vor 70 Jahren befand. Na⸗ poleon hat ihn möbliren laſſen, und hat ihn zu einem kaiſerli— chen Pallaſt erklärt. Ich fand ihn auch jetzt ganz möblirt; es ſcheint aber, daß die Möbeln weniger durch den Gebrauch, als durch die Zeit werden abgenützt oder zerſtört werden; denn es hat kein Anſehen, daß man Mantua zu einem Luſtaufenthalts— ort je wählen wird. Außer der Stadt, aber noch innerhalb der Feſtungswerke, iſt ein anderer kaiſerlicher Pallaſt, den man den Palazzo+ nennt, wahrſcheinlich von der Form ſeines Gebäu— des. Dieſer Pallaſt iſt als eine Gallerie von Ol- und Frescoge⸗ mälden zu betrachten. Hier ſah ich die ſchönſten Plafondgemäaͤl⸗ de, die mir noch je vorgekommen ſind, eine Arbeit von Giulio Romano, die ich nicht ſatt werden konnte anzuſehen und zu bewundern, denn nichts war natürlicher, als die Stellung der Perſonen von unten hinauf angeſehen. Dieſe Art Malerei ſtellt ſo viele Hinderniſſe dar, und erheiſcht ſo viele perſpectiviſche Ken dieſe von ſen, er vergan inen Fur⸗ ſch äller te Pevolke⸗ thie Stelln rus unter⸗ nde Luft, ain macht⸗ deln, und dar, hatte hauf eine „ und mit die gründ⸗ nichen Ver⸗ Aiahme ei⸗ ſen laſſen, and. Ne⸗ 1n kaiſetlt öblirt; d iauch, als denn es Jenthalts⸗ nhalb der 3 man den 35 Gebalu⸗ Frescogi⸗ Indgemil⸗ Giulio . und u Slung der rii ſellt atriſche 29. Juli. Mantua. 195 Kenntniſſe, daß man nur höchſt ſelten wo eine gelungene Arbeit dieſer Art ſieht. Ein Olgemaͤlde des nämlichen Meiſters, ein Zug von Bacchanten, gefiel mir ſehr; allein der Saal der Rie— ſen, deßwegen ſo genannt, weil er die Stürmung des Olymps durch die Titanen auf den Wänden fresco gemalt darſtellt, gefiel mir weder in der Idee, noch in der Ausführung. Die Domkirche, von Giulio Romano gebaut, iſt in⸗ nerhalb mit vier Reihen Säulen geziert. Da die Kirche nicht ſehr lang und breit iſt, ſo erfüllen dieſe Saͤulen zu ſehr den Raum. Die Kirche San Andrea iſt viel laͤnger und breiter, und hat zur Unterſtützung des Gewölbes nur zwei Reihen ſchöner Saulen. Die Bauart iſt edel, einfach und ſchön. Bei der Gelegenheit, als ich auf die Beſitzung des Grafen Cocaſtelli fuhr, hatte ich Gelegenheit, den hieſigen Boden naͤher zu unterſuchen. Die Ackerkrume iſt hier auf den beſten Stellen nur 3 Zoll tief, von aufgeſchwemmter, guter Erde, unter derſelben iſt dürrer Bachſand mit Steingeröll. Daher er— klärt ſich das Verdorren aller Pflanzen bei etwas länger anhal⸗ tendem Regenmangel. Es fehlt hier nicht an Waſſer, und man könnte außer den ſchon beſtehenden Canälen, noch mehrere anlegen, denn der Mincio und andere Baͤche ſind reich genug an Waſſer, um die ganze Umgebung damit bewäͤſſern zu können; allein die beſte— henden Provinzialgeſetze, wovon ich in dem Abſchnitte von der Bewäſſerung Nachricht geben werde, und dann auch Mangel an Induſtrie, ſind die Urſachen, daß ſich die Bewaͤſſerung des Landes in der Umgebung dieſer Stadt nur ſehr langſam vergrö⸗ ßert, wo ſie doch ſo höchſt nothwendig wäre, weil ohne dieſel— be der Ackerbau durch den loſen Boden im höchſten Grade ge— fährdet iſt. Gegen den Po zu und namentlich bei Oſtiglia, ſoll aber viel bewäſſertes Land und die Reißcultur daſelbſt von großer Bedeutung ſein. Die Beſitzung des Grafen wird zum Theile bewäͤſſert; doch 13* ———— 8 196 29. Juli. Mantua. fand ich hier die Kunſt der Bewäſſerung auf einer viel niedrigern Stufe, als in der Lombardie. Ein großer Stall, den ich, ohne Vieh darin zu finden, ſah, gab mir Veranlaſſung, mich zu er— kundigen, zu was dieſes Gebaäude dienen ſolle, worauf ich zur Antwort erhielt, daß er beſtimmt ſei, den aus den Bergen hin— ter Verona herabkommenden Kühen der Bergamini oder Malg heſi, wie man dieſe Vieheigenthümer nennt, zum Win— teraufenthalt zu dienen, die hier das Heu der Wieſen verzeh— ren, die dem Grafen gehören. Die einzelnen Beſitzungen— Poderi— die man einem Pächter gegen einen Geld- oder Naturalzins überläßt, ſind ge— wöhnlich 100 Biolche groß und haben dann 4—5 Paar Och⸗ ſen nöthig; denn man ſpannt hier 3—4 Paar Ochſen zum Ziehen des Pfluges vor. Über dem Po hält man 5—6 Paar Och⸗ ſen hiezu erforderlich. Man mag ſich aus der Zahl der Thiere, die man zum Ziehen des Pfluges für nöthig erachtet, eine Idee von der Conſtruction des Pfluges machen. Ich zweifle nicht, daß in der Niederung des Po der da aufgeſchwemmte Boden ſehr zähe ſein wird; daß aber 4 oder gar 6 Paar Ochſen zum Aufpflügen deſſelben wirklich erforderlich ſein ſollen, glaube ich nimmermehr, und halte es daher für eine unverzeihliche Nachlaͤſſigkeit der hieſigen Grundbeſitzer, daß ſie ſich nicht bemühen, beſſere Werkzeuge ein— zuführen, die mit der Hälfte des Kraftaufwandes dieſelbe Wir— kung leiſten würden. Es gibt nach meiner Überzeugung keinen noch ſo zaͤhen Ackerboden, der nicht mittels eines gut conſtruirten Pflu⸗ ges, von 2 Paar der hieſigen großen und ſtarken Ochſen gezogen, auf 7 Zoll Tiefe umgepflügt werden könnte; und tiefer braucht der Boden nicht gelockert zu werden und läͤßt ſich auch höchſt wahrſcheinlich mit den hieſigen Pflügen nicht tiefer wenden. Das Erſparniß, das hiedurch bewirkt würde, waͤre aber von der größten Bedeutung und würde die reine Einnahme der hieſigen Grundbeſitzer ſehr bedeutend vermehren. Kühe werden in den hieſigen Poderi nicht gehalten, Schwei⸗ ne bloß für den nothwendigſten Hausbedarf. Man bauet keine Idiigern **h ohne Merx⸗ = ich zur — gen hin. t ni oder am Wi⸗ 1 verzch n einem = ſin ge⸗ d ar Oq⸗ = ichen Sr Oc⸗ ACdhiere, 8 ze Idee urt t, daß ahr zähe S pflugen r Kermehr, .☛ hieſien — uge ein⸗ — e Pi⸗ X en voch * an Pfi⸗ . ezogen, brauct oD) höhſt r penden. pon der „— hieſgen g ei⸗ D. keine 29. Juli. Mantua. 197 Futterpflanzen und ihre Cultur iſt den Colonen ſogar verboten, weil dadurch das Ertraͤgniß der Herren beeinträchtigt werden würde, welche ſich die Hälfte des Ackererzeugniſſes bedingen, wenn ſie keine Paͤchter gegen Geld finden. Wieſen ſind nur ſehr wenige vorhanden, und die, welche zum Podere gehören, ſind gewöhnlich nicht bewäſſerungsfähig. Wie gering daher die Men⸗ ge des Düngers und des Ackererzeugniſſes ſein müſſe, kann man leicht errathen.— Sumpfſtreue gibt es keine. Den Holzbedarf liefern die Weiden und Pappeln, welche die Felder umgeben, die noch außerdem, daß ſie den Hausbedarf des Colon decken“, dem Herrn eine Rente abwerfen. Graf Cocaſtelli hat in Quiſtello ein Gebaͤude auffüh— ren laſſen, um darin, nach Dandolo's Anweiſung, die Sei⸗ denraupen im Großen zu erziehen. Er erzählte mir, daß er durch einige Jahre 20 Unzen Raupenſamen ausbrüten ließ und manch— mal mehr als 5 Peſi Galetten von der Unze Samen erhalten habe. Weil aber im letzt vergangenen Jahre die Raupen krank wurden und groͤßtentheils zu Grunde gingen, ſo hat er ſich heuer nicht getrauet, von dieſem Gebäude— Bigattiera— Ge⸗ brauch zu machen; als wenn die Urſache des Übels in den Be— ſtandtheilen des Gebäudes, und nicht vier mehr, entweder in den nachtheiligen, meteoriſchen Einflüſſen, oder in der unſchickli⸗ chen Pflege der Thiere zu ſuchen ſei. Er ſcheint über die Vortheile der Methode wieder zweifelhaft geworden und von den Vorur⸗ theilen der gemeinen Landleute nicht vollkommen frei zu ſein. Jetzt läßt er alle ſeine Maulbeerbaäume durch die Colonen benü⸗ tzen, die nur 2 Peſi Galetten von der Unze Samen erzeugen. Obſchon die Provinz Mantua auf einer Grundflaͤche von 38 Quadrat⸗Meilen eine Bevölkerung von 241044 Menſchen zählt, und daher auf jede geografiſche gevierte Meile 6331 Men⸗ ſchen kommen, ſo meinen doch einige hieſige Grundbeſitzer, daß für den Bedarf der Landwirthſchaft die Bevölkerung zu klein ſei; worin ſie ſich aber nach meiner Meinung ſehr irren, denn der Umſtand, daß für einige Arbeiten fremde Haͤnde gebraucht wer⸗ 198 29. Juli. Mantua. den, liefert noch keinen Beweis, daß die Bevölkerung überhaupt für den Bedarf der Landwirthſchaft nicht zureiche, und man würde ſich in große Verlegenheit verſetzt ſehen, wie jene Leute das ganze Jahr zu beſchäftigen und zu ernaͤhren und zu bezahlen ſeien, die zum Jaͤten des Reißes, zum Mahen des Heues und zur Ernte des Weizens aus fremden Gegenden auf eine kurze Zeit hieher kommen. In Iſtrien hörte ich oft dieſelbe Klage; auch da möchten die Grundbeſitzer eine doppelt ſo große Bevöl— kerung haben, weil ſie meinen, daß dann das Taglohn des Ar— beiters wohlfeiler und der Reinertrag der Beſitzer größer ſein würde. Sie überſehen aber, daß ſich die gegenwärtige Bevölke— rung nur mit Noth erhält und daß der Zuwachs der Menſchen, wenn er die Wirthſchaft nicht klüger oder mit größern Hülfsmit— teln betreibt, als die gegenwaͤrtigen Einwohner, für ſich kaum genug zum Leben aufzubringen und daher zur Verbeſſerung des Zuſtandes der frühern Bevölkerung nichts beizutragen im Stande ſein würde. In Mantua wie in Iſtrien, wird zur Getreide- und Wein⸗ erzeugung eine größere Flache verwendet, als man gehörig dün⸗ gen und bearbeiten kann. Man verzettelt den Dünger auf 2 und 3 Joche, der auf ein Joch gebracht haͤtte werden ſollen, und mühet ſich ab, auf 2 und 5 ſchlecht gedüngten und nachläͤſſig be— arbeiteten Jochen das zu erzeugen, was man bei beſſerer Ver— wendung des Düngers und der Arbeit auf einem Joche mit min— deren Koſten erhalten haben würde. Allein eine ſolche Abaͤnde— rung der Feldereintheilung iſt mit dem Colonenſyſtem nicht ver— einbarlich, das den höchſten rohen Körner- und Weinertrag von einer gegebenen Fläche beabſichtigt, ohne auf den reinen Ertrag für den Pächter Rückſicht zu nehmen, und kann nur von den Ei— genthümern auf ſelbſt betriebenen Wirthſchaften oder von Geld— pächtern ausgeführt werden. Ich hatte mir in Mailand die Cataſtral-Schaͤtzungs⸗Operate für zwei Gemeinden der Provinz Mantua mitgenommen; für Quiſtello und Roverbello. Lrhaupt dman Lute 3 zahlen Tes Und de kurze . Klage, ₰ Vevhl⸗ Ddes Ar Lfer ſein 3 hevölke⸗ Snſchen, — Ifsmit⸗ ) kaum ing des 2 15tande 2 Wein⸗ Jig dün⸗ — 2 und k a, und — ſſig be⸗ Ver⸗ at min⸗ — hande⸗ a t bel⸗ K ag von — rtrag Aen Ei⸗ „ Geld⸗ erate 1 füͤr 30. Juli. Roverbello. 199 Wegen der Kürze der Zeit mußte ich den Gedanken aufge⸗ ben, Quiſtello zu ſehen und mich begnügen, Roverbello zu beſuchen, das an der Straße nach Verona liegt. 30. Juli. Anſicht des Landes zwiſchen Mantua und Roverbello. Beſchreibung der Felderwirthſchaft und des Bodens von Roverbello. Große, wohl beſtellte Reißfelder. Cultur des Bergreißes— Oryza mutica— als Sumpfreiß. Schlecht geformte Pflüge. Schotterboden zwiſchen Ca⸗ ſtiglione di Mantova und Valleggio. Große Maulbeer⸗ pflanzungen darauf. Ausſicht vom alten Schloß in Valleggio. Kleine Filande im Orte Valleggio. Bis Brancola ſieht man längs der Straße lauter bewäſ⸗ ſerte Wieſen; von dieſem Orte an aber fangen die mit Reben be⸗ pflanzten Acker an. Der Boden iſt ſchlecht, ſchottrig, der Mais verbrannt. Weiter fort gegen Pero verſchlechtert ſich die Cul⸗ tur, man ſieht bald dürre, bald ſchlecht bewäſſerte Wieſen, große Acker ohne Reben und Maulbeerbäumen. In der Nähe und in der Umgebung von Roverbello ſind die Felder aber wieder beſſer cultivirt, obſchon der Boden immer noch ſehr ſchlecht iſt, denn die fruchtbare Erdſchicht iſt nur 6 bis 7 Zoll hoch und unter derſelben iſt ein tiefes Lager von feinem Steingeröll. Der Ortsvorſtand begleitete mich auf meiner Excurſion durch die Felder dieſer Gemeinde. Wenig Maulbeerbaume, deren ei⸗ nige auf Bergamasker, die anderen aber auf lombardiſche Art beſchnitten werden. Gegen Canedole zu wird der Boden etwas niedriger; man paſſirt den anſehnlichen Canal Mandril⸗ lo, und kommt jetzt in eine Gegend, deren größter Theil be— waſſert iſt, und wo Wieſen mit großen Ackern abwechſeln, die mit Reiß, Mais und Weizen beſtellt ſind, oder es waren. Es ſind hier lauter große Wirthſchaften, denn die einzelnen Parzellen dürften nach meinem Ermeſſen 20— 50 Joch groß ſein. Die Damm⸗ 200 30. Juli. Canedole. erde hat hier eine viel größere Tiefe, und mag wohl 2—3 Fuß mächtig ſein. Die Reißfelder waren hier ſo fleißig cultivirt, und ſo ſchön ausſehend, als ich dieß irgendwo in der Provinz Pavia geſehen hatte. Der Mais ſtand ſchön, ſelbſt in den Ackern, die nicht bewäͤſſert werden. Vor dem Verdorren ſchützte ihn hier wohl die feuchte Umgebung, und das im Untergrund befindliche Waſ— ſer. Im Orte Canedole ſind die beſten Felder. Es gewährte mir ein großes Vergnügen die großen wohlbeſtellten fruchtbaren Reiß⸗ und Maisfelder zu ſehen, die ihren Beſitzern einen ſehr bedeutenden Reinertrag abwerfen müſſen. Ich aber möchte in dieſer weiten, bewäſſerten und einförmigen Gegend nicht wohnen, wo man in der heißen Zeit vor den Sonnenſtrahlen keinen Schutz findet, und im Hauſe bleiben muß, und wenn es einige Tage ſtark geregnet hat, wegen Schlamm und Waſſer wieder nicht ausgehen kann. Hier ſah ich zuerſt ein ziemlich großes Ackerfeld mit ſoge— nanntem chineſiſchen Bergreiß— Oryza mutica— auf dieſelbe Art, wie den gewöhnlichen Reiß cultivirt. Ich beſah das Feld ge⸗ nau, und verglich dieſen Reiß mit dem feſt daneben ſtehenden gemei⸗ nen Reiß, der unter völlig gleichen Bodenverhaͤltniſſen ſich befand. Die Pflanzen der neuen Reißart waren kürzer, allein ſchon faſt zeitig; während der gewöhnliche Reiß etwa erſt zum dritten oder vierten Theile blühende Pflanzen hatte. Das Feld gehört den Brüdern Grigolati in Verona, denen auch das Schloß Ca⸗ ſtiglione di Montova mit den dazu gehörigen Feldern ge— hört, wo ich wieder ein ſolches mit chineſiſchem, frühreifem Reiß beſtelltes Feld ſah. Die beiden Acker mögen etwa 5 Joch groß ſein. Von den Vorzügen dieſer Reißart habe ich in dem Abſchnit— te, welcher der Cultur der einzelnen Fruͤchte gewidmet iſt, das Naͤhere angegeben. Die Pflüge in den hieſigen Wirthſchaften ſind ſehr ſchwer— fällig, und nach falſchen Principien gebaut. Das Schareiſen hat 2 Flügel, ſtatt eines, und iſt nur 3 Zoll breit; das Sech⸗ eiſen iſt äußerſt ſchief in das Land gerichtet; das Streichbrett iſt zwar gut geformt, aber in einen zu ſtumpfen Winkel geſtellt, vii veil ds ma 0 bri ver mi — Fuß tt, und Pavia en, die dier wohl he Vaſ⸗ gewahrte ichtbaren nen ſehr öchte in vohnen, Schutz ageſtark usgehen it ſoge⸗ dieſelbe eeld ge⸗ gemei⸗ defand. hon faſt ten oder ört den loß Ca⸗ dern ge⸗ in Reiß ch groß bſchnit⸗ ſ, da ſchwer⸗ areiſen SSech⸗ ett iſt ſtellt, 30. Juli. Caſtiglione di Mantova. 20⁰1 weßwegen dann der Erdſtreifen, der gewendet werden ſoll, weil er nicht ganz vom Untergrund abgeſchnitten iſt, durch das Streichbrett abgedrückt werden muß, wozu ein großer Kräf— tenaufwand erheiſcht wird, der erſpart worden wäre, wenn die Schar nur einen Flügel hätte, der aber 10 Zoll breit wäre. So bringt auch das gar zu ſchief geſtellte Secheiſen eine unnütze und verderbliche Reibung hervor, die man leicht durch eine knieför— mige Biegung hindert, welche man dieſem Eiſen gibt. Mit ſol— chen Pflügen, wie die hieſigen ſind, braucht man freilich faſt doppelt ſo viel Zugvieh als anderswo, wo man eine richtige Theorie von der Wirkung der Beſtandtheile des Pfluges, und⸗ von der zweckmäßigen Zuſammenſtellung derſelben hat. Die Beſitzungen ſind groß, die Bauernhauſer geräumig, von außen auch wenigſtens gut ausſehend. Bei Caſtiglione di Mantova kommt man wieder in den Schotterboden, der über Prelocco und Mezzocagnole im— mer ſchlechter wird. Zwiſchen dem letztern Orte und Valleggio beſteht die Oberflache des Bodens aus einem außerſt unfruchtba⸗ ren Steingeröll, ſo ohngefaͤhr, wie bei Verona, das aber über und über mit Reihen von Maulbeerbäumen bepflanzt iſt, zwi— ſchen denen Mais und Weizen gebaut wird. Eine unverzeihliche Thorheit, dieſe beiden Früchte in einem Boden erzeugen zu wol— len, der nur für Roggen und Hirſe ſich eignet!— Wie der Wei— zen ausgeſehen haben mag, erkannte ich aus den dünnen und ſchütteren Stoppeln; den Mais ſah ich verdorrt. Die Maulbeer— bäume ſind größtentheils nicht gepfropft, und werden alle drei, längſtens vier Jahre aller Hauptaſte beraubt, und zeigen dieſer⸗ wegen, und wegen der ungemein großen Unfruchtbarkeit des Bodens kein fröhliches Wachsthum. Indeſſen gewäͤhrt dieſer un— geheure Wald von Maulbeerbaͤumen, durch den man zwiſchen Mezzocagnole und Valleggio fährt, dennoch einen impo⸗ ſanten Anblick, und ich habe in dieſer Art nichts Größeres in der ganzen Lombardie geſehen. Wenn ein gemeiner Wald von 3— 4 geo⸗ grafiſchen gevierten Meilen in der Ebene cultivirter Länder ſchon 20² 30. Juli. Valleggio. etwas Seltenes iſt, ſo muß eine Waldähnliche Pflanzung von Maulbeerbäumen, womit eine weite Ebene überdeckt iſt, noch mehr überraſchen, und dieß um ſo mehr, wenn man den Boden anſieht, der an und für ſich eine weite Heide ſein würde, wenn er nicht durch den Verſtand und den Fleiß der Menſchen mit ei— ner Baumart bepflanzt worden wäaͤre, die gleich der Föhre im Sandboden gedeiht, und einen 50mal größern Reinertrag als dieſe Baumart abwirft. Ich kam zeitlich genug am Abende in Valleggio an, um noch die Ruinen des Schloſſes und die Pfarrkirche zu beſehen. Die Ruinen des Caſtells ſtellen ſich ſehr maleriſch dar, und man genießt von der Anhöhe des Hügels, auf dem ſie ſtehen, eine ſchöne Ausſicht über die Ebene, durch die ich ſo eben kam, und überſieht die Größe des Waldes von Maulbeerbäumen, von Ro— verbello bis Villafranca. Von der andern Seite ſtellt ſich das ſchmale Thal des Mincio dar, was mir ſehr fruchtbar zu ſein ſchien. Die Kirche iſt ein neues, großes, ſchönes Gebaäude, das die Gemeinde auf ihre Koſten machen ließ. Man erhält einen Begriff von dem Geldreichthume in dieſen Ländern, wenn man ſieht, welchen Aufwand Private und Gemeinden auf Häuſer, Kirchen, Brücken und Straßen verwenden. Bei einem Spaziergang durch die Gaſſen des Ortes bemerkte ich, daß man faſt in allen Häuſern mit dem Abſpinnen der Seide und den damit verbundenen Arbeiten beſchäftigt war. Bei nähe— rer Unterſuchung fand ich, daß die hieſigen Seidenerzeuger ihre Ga⸗ letten ſelbſt abſpinnen, und zu dieſem Behufe einen oder zwei Ofen im Hauſe haben; daß es hier keine großen Filande gibt, und daß man die zu Hauſe gewonnene rohe Seide an die Sei⸗ denhändler in Verona verkauft. Bung von iſ, noch en Boden de, wenn en mit ei⸗ Föhre in ertrag als an, um beſehen. und man hen, eine tam, und von Ro⸗ ſtellt ſic htbar zu ebaude, alt einen enn man Hauſer, bemerkte der Seide Bei nahe⸗ ihre Ga⸗ oder zwei de gitt die Sei⸗ 31. Juli. Gardaſee. 2⁰3 31. Juli. Natur des Bodens zwiſchen Valleggio und Deſenzano. Fahrt von Deſenzano nach Sald und zurück. Beſchreibung des Bodens und ſeine Benützung längs des Gardaſees. Limonienhäuſer von Sald. Olivencultur. Zwirnfabrication. Annehmlichkeiten von Deſenzano. Fahrt von hier nach Verona. Beſchreibung des Bodens und ſeiner Cultur. Warum der Maisbau ſo ungebührlich erweitert worden iſt. Elende Pflüge. Der Boden zwiſchen Valleggio und Deſenzano iſt mit geringen Abweichungen dem äahnlich, durch welchen ich geſtern fuhr. Bald liegt das Steingeröll nackt da, bald iſt es mit einer Sandſchichte bedeckt, an ſeltnen Stellen wohl auch mit einer beſſern Erde. Wo der Boden bloßes Geröll iſt, da werden nur Maulbeerbaume gepflanzt; wo er etwas beſſer iſt, erſcheinen be⸗ rebte Acker. So wie man ſich dem Gardaſee nähert, war der Mais nicht mehr ſo völlig ausgetrocknet, wahrſcheinlich, weil es hier einigemal geregnet hatte; indeſſen waren die Pflanzen doch ſehr verkümmert, halbverdorrt, und werden wahrſcheinlich kaum den vierten Theil des Ertrags liefern. Von Deſenzano führte mich der Wirth Maier vom Al⸗ bergo reale, mit ſeinen flüchtigen Pferden nach Salô, von wo ich Abends wieder mit ihm nach Deſenzano zurückkehrte. Der Weg nach Salo laͤuft laͤngs der Hügel hin, welche den Gardaſee begraͤnzen, und von der Höhe derſelben überſieht man den ſchönen See und ſeine Umgebungen mit den hinter ſich aufthürmenden hohen Bergen. Der Boden der Hügel, oder viel— mehr die Auslaͤufe der Berge beſtehen aus bloßem Geröll, das mit vielem Sande, und auf einigen Stellen auch mit etwas bin— diger Erde gemiſcht iſt. Die Cultur dieſer Ufer beſteht vorzüglich in Weinbau, unter welchem in der Nähe von Deſenzano hin und wieder Ol- und Maulbeerbaͤume zerſtreut ſind, die aber ſehr bald verſchwinden, und nur erſt bei Salo wieder zum Vorſchein kommen. Die Reben werden bald auf kleine Ahornbäume, bald auf Pfaͤhle gebunden, ſie ſind niedrig, in Reihen, zwiſchen denen geackert und Mais geſaͤet wird; mit welchem Erfolg, kann man 2⁰4 31. Juli. Salô. V ſich leicht vorſtellen, da der Boden für die Reben ſelbſt zu ſchlecht iſt, 4 ſo daß ſie nur geringe Triebe machen, und wenig Früchte anſetzen. n In Salo, einem reinlichen, ſchönen Städtchen am ſchmalen vet Ufer des Sees, das durch die in Norden ſich gäh erhebenden ho— V hen Berge eine beſonders geſchützte, warme Lage hat, fand ich ven an dem Grundbeſitzer, Herrn Forſetti, einen ſehr gefälligen V 38 4 Mann, der mich in die nächſtgelegenen Limonienhaͤuſer, und blei dann in die Olgaͤrten der Gemeinde Guardone di ſopra gl führte, um mich über dieſe zwei Culturarten zu unterrichten. au 1 An den Ufern des Gardaſees wird ſeit langem die Cultur von 8' Limonien und Pomeranzen betrieben: und da Niemand fragt, an wie dieſe Bäͤume gepflegt werden, ſo hat ſich die Meinung ver— la breitet, es waͤre das Clima am Ufer des Sees ſo mild, daß dieſe her ſüdlichen Früchte im Freien fortkämen; was aber keineswegs der Fall iſt, denn ſie ſtehen in ſtufenweiſe übereinander gebauten ſti 6 Gewaͤchshäuſern, die von den gewöhnlichen nur dadurch unter— ha 1 ſchieden ſind, daß man ſtatt der Glaſer hölzerne Balken ver— b ſi wendet, womit an kalten Tagen im Winter die vordere, gegen e Süden gekehrte offene Wand zugedeckt wird, um den innern Raum des Gewächshauſes vor dem Froſt zu ſchützen. In außer⸗ in 1 ordentlichen Fällen wird dieſer Raum auch geheizt. So lange d man für dieſe Früchte einen ſo hohen Preis, wie gegenwärtig d. bezahlt(das Hundert Kaufmannswaare 3 fl. 31 kr.), wirft das ler Capital, das man auf ein ſolches Gewächshaus verwendet, hohe hn Zinſen ab; ſollte aber der Preis der Früchte bedeutend fallen, 29 ſo werden dieſe Häuſer deßwegen zwar nicht eingehen, wohl aber 6 am Kaufwerthe verlieren, und es werden keine neuen mehr an— 2r gelegt werden. 11 Die Cultur der Oliven befriedigte mich noch weniger. Ich fand die hieſigen Oliven nicht beſſer gepflegt, wie in Iſtrien, r1. und den Stamm dieſer Baͤume eben ſo ſchadhaft. Dem en äußern Anſehen nach zu urtheilen, halte ich die Oliven von t Salo für weniger ergiebig als die Oliven von Rovigno in ii G Iſtrien. ſchecht iſt, teanſetzen. mſchmalen denden ho⸗ t, fand icch efäͤlligen äuſer, und di ſopra nterrichten. Lultur von and fragt, inung ver⸗ daß dieſe eswegs der gebauten rch unter⸗ alken ver⸗ te, gegen en innern In außer⸗ So lange egenwärtig wirft das ndet, hohe nd fallen, wohl abet mehr ar⸗ niger, 3h n Iſtrien, ft. Dem liven von vpigno in 31. Juli. Deſenzano. 205 Ich habe das, was ich über die Cultur der Limonien und Oli— ven hier ſah und hörte, in dem betreffenden Abſchnitte etwas weitlaͤufiger dargeſtellt, wohin ich den Leſer verweiſe. Sonſt war die Zwirnfabrication die Quelle des Reichthums von Salô. Die Bürger kauften am flachen Lande den Flachs, gaben ihn den Bergbewohnern zum Spinnen, und zwirnten und bleichten dann zu Hauſe das Geſpinnſt. Ich ſah hier noch im Kleinen dieſe Arbeit betreiben, wobei mir bloß die geneigten, aus reinen, kleinen Steinen aufgeſchütteten, länglich viereckigen Beete ſehr zweckmäßig dünkten, auf die man die Strähne legt, und während dem Bleichen begießt. Die Beete ſind 10 Klafter lang, 3 Klafter breit, und 1 Schuh hoch. Jetzt iſt dieſer Fa— brikszweig auf eine unbedeutende Kleinigkeit herabgeſunken. Deſenzano iſt ein lebhafter Ort, mit einer großen Anzahl ſchöner Gaſthaͤuſer. Die Bevölkerung beſteht aus Grundbeſitzern, Handwerkern und Gewerbsleuten, die alle ſehr wohlhabend zu ſein ſcheinen, in ſo fern man dieß aus den ſchönen, zum Theile neuen oder neu geputzten Häuſern, und dem aͤußern Anſehen der Einwohner zu beurtheilen im Stande iſt. Das Gaſthaus, in dem ich wohnte, hat vom Balcon die ſchönſte Ausſicht über den See und über die Hügel und Alpen. Überhaupt halte ich Deſenzano für einen der angenehmſten Puncte in Ober-Ita⸗ lien, um da einige Wochen oder Monate den Sommer über zuzu— bringen, denn der ſchöne See, die Hügel, die Berge, die nahen Stäͤdte, die Hauptſtraße, die bedeutende Bevölkerung des Or— tes u. ſ. w. entſprechen allen Forderungen, die man an einen Sommeraufenthalt machen kann, weil ſie Jedem Das gewäh— ren, was er gerade wünſcht. Auf der Rückreiſe von Deſenzano über Peschiera, Caſtel— nuovo bis Verona ſah ich, daß der Boden durchgehends aus demſelben Lager von Steingeröll beſteht, das ich zwiſchen Ro— verbello und Valleggio antraf, und daß nur auf einzelnen und ſeltnen Orten die fruchtbare obere Erdſchichte eine Tiefe von ei— nem Schuhe hat. Solche fruchtbare Stellen werden dann mit 206 31. Juli. Deſenzano. Weinreben benützt, während in den übrigen Ackern nur Maul— beerbaͤume gepflanzt ſind, die trotz dem, daß der Boden höchſt unfruchtbar iſt, und daß man die Bäume alle 3—4 Jahre nach der alten lombardiſchen Art aller Hauptäſte beraubt, doch voll der ſchönſten Aſte ſind und dunkelgrünes Laub tragen. Ich ſah längs der Straße viele junge, 8— 10jährige Pflan⸗ zungen, doch weniger hier, wie in der Lombardie; woraus her— vorgeht, daß hier die Seidencultur in der neuern Zeit nicht ſo raſch am Umfange zunimmt, wie dort. Mais, Weizen und Roggen ſind auch hier die Hauptfrüchte, wie allenthalben im Gebiete von Verona. Wenn ich hier Land⸗ wirth wäre, ſo möchte ich es nicht wagen Mais zu bauen, denn wenn es im Sommer acht Tage lang nicht regnet, ſo iſt dieſe Pflanze in einem ſolchen Boden ſchon ſehr zurückgeſetzt, und tre— ten mehrere ſolche regenloſe Wochen im Verlaufe der Entwicke— lung der Körner ein, ſo wird das Erträgniß auf eine Kleinig— keit herabgeſetzt. Es hat ſich der Italiener aber eine Wuth für den Maisbau bemaͤchtigt, und ſie bauen hier und in der Lom— bardie, in Friaul und in Iſtrien Mais, wo fie nach genauer Erhebung des Rohertrages nicht ſo viel ernten, wie vom Win— tergetreide; da aber die Maiscultur viel größere Koſten verur— ſacht und ſo leichten Boden mehr erſchöpft, als ein Winterge— treide, ſo iſt es klar, daß ſie ihren Vortheil verkennen, wenn ſie die Cultur einer Pflanze über das ganze Land verbreiten wollen, die nur für einige Theile deſſelben paßt. Als ich einem ſehr verſtaͤn⸗ digen Landwirthe in Verona ſagte, daß ich meinte, es dürfte für den Schotterboden dieſer Provinz der Roggen, der in der frü— hern Zeit viel haͤufiger gebaut wurde als jetzt, zuträglicher ſein, wendete er mir ein, er wolle dieß nicht läugnen, müſſe aber dagegen bemerken, daß der Roggen gegenwäͤrtig einen ſo niedri⸗ gen Preis habe, und kaum verkauft werden könne, ſeit ſich das Landvolk ſo ſehr an den Genuß des Mais gewöhnt hat. Ich ſah hin und wieder pflügen, bald mit zwei, bald mit ſechs Ochſen. Da der bindigſte Boden in dieſer Gegend ur Maul⸗ den höchſt Jahre nach doch voll 3 rige Pflan⸗ oraus her⸗ it nicht ſo otfrüchte, ier Land⸗ den, denn ſo iſt dieſe Und tre⸗ ntwicke⸗ Kleinig⸗ uth für der Lom⸗ genauer om Win⸗ en verut⸗ Vinterge⸗ wenn ſie wollen, rverſtäͤn⸗ urfte für der frü⸗ ceer ſein, üſſe aber ſo niedri⸗ ſiit ſich it hat. i, bald Gegend 1. Auguſt. Verona. 207 immer noch ziemlich mürbe iſt, ſo erhellet hieraus, wie un— geſchickt die Werkzeuge gebaut ſein müſſen, die man hier zum Lockern und Wenden des Ackers anwendet, wenn man hiezu ſechs Ochſen nöthig hat. Um Peschiera wendete man zum Stürzen der Stoppeln einen leichten, räderloſen, aber elend conſtruirten Pflug an; anderswo ſah ich ihn von derſelben Form, die ich in Canedole beſchrieben habe. Die hieſige Egge iſt haͤufig bloß ein Stück Holz, womit man die ſchmalen, vierfurchigen Beete abgleicht. 1. Auguſt. Beſchreibung von Verona. Schöne Brücken. Caſtell. Palläſte. Bemerkun⸗ gen über die Reiß- und Seideerzeugung der Provinz. Viehzucht in den Bergen. Malgheſi. Verona iſt eine ſchöne und wohlhabende große Stadt. Der mächtige Etſchfluß ſtrömt durch die Mitte der Stadt, deren beide Theile durch drei ſteinerne Bogenbrücken verbunden ſind. Die oberſte dieſer Brücken beſteht aus drei Bogen, wovon der eine im Lichten eine Klafter mehr mißt, als der berühmte Bogen der Brücke Rialto in Venedig. Die Ringmauern, welche das Ca— ſtell San Felice umgeben, ſind von großem Umfange, und geben durch ihre zahnförmigen Spitzen, und die alterthümlichen Formen der Wachtthürme einen ſehr maleriſchen, romantiſchen Anblick. Übrigens ſind die Feſtungswerke des Caſtells ſowohl, als der Stadt, durch die Franzoſen zerſtört worden, und müſſen von Bedeutung geweſen ſein, in ſo ferne man aus der Größe der Ruinen, und dem Reſte des Übergebliebenen auf den frühern Zuſtand zu ſchließen vermag. Es ſind in der Stadt mehrere ſchöne, und in architektoniſcher Hinſicht merkwürdige Palläſte; z. B. Maffei, Canoſſa, Bevilacqua, die Sala del Conſiglio u. ſ. w., dafür aber ſind die Kirchen von keiner Bedeutung. 208 1. Auguſt. Verona. Ich beſuchte die Herren Grigolati, um mich bei ihnen über die Cultur des chineſiſchen und des gemeinen Reißes zu er— kundigen. Sie waren ſo gefällig mich über dieſen Gegenſtand vollkommen zu unterrichten; durch ſie ward ich mit Herrn Pon— zilacqua bekannt, der über den Bergreiß eine ſehr unterrich— tende Abhandlung geſchrieben hat. Das Haupterzeugniß der Provinz iſt, nach der Verſicherung dieſer Herren, der Reiß, der in den Niederungen der Etſch, in der Umgebung von Legnago, wo der Hauptmarkt für dieſes Erzeugniß iſt, in großen Quantitäten gebaut wird. So ſchlecht der Boden der nachſten Umgebung der Stadt am rechten Ufer der Etſch iſt, ſo gut ſoll er um Cologna und weiter hin gegen die Provinz Rovigo ſein. Man erzählte mir Wunder von der ungemeinen Fruchtbarkeit jenes Bodens, der auf manchen Orten gar keines Düngers bedarf, und doch reiche Ern— ten erträͤgt. Die Seidenerzeugung iſt ebenfalls ein wichtiger Artikel für dieſe Provinz, wie man aus der Menge der Maulbeerbaͤume zu ſchließen berechtigt iſt, die den ſandigen und ſteinigen Boden zwiſchen hier und Mantua bedecken. Ich erkundigte mich, ob es große Filande gäbe, und hörte die Beſtätigung deſſen, was man mir bereits in Valleggio geſagt hatte, daß Jedermann die in der eigenen Wirthſchaft erzeugten Galetten ſelbſt abſpinnt, und die Seide dann an die Kaufleute verkauft. Von der einen Seite mag dieß den Landwirthen vortheilhaft ſein, weil ſie den Nutzen gewinnen, den ſonſt der Galettenhändler, der gewöhn— lich auch zugleich Beſitzer der Filande iſt, bezogen haben wür— de; allein von der andern Seite fürchte ich, geht dieſer Nutzen wahrſcheinlich wieder verloren, weil nicht zu vermuthen iſt, daß Perſonen, die jährlich nur wenig Galetten abſpinnen, und nur durch kurze Zeit ſich mit dieſer Arbeit beſchaftigen, jene Fertigkeit in der Kunſt des Spinnens ſich erwerben, die erforderlich iſt, um von einem gegebenen Gewichte Galetten die größte Menge der feinſten Seide zu erhalten. ——ʒ——:————,„ ͤ— C ei ihnen es zu er⸗ genſtand in Pon⸗ unterrich⸗ ſicherung Etſch, in üir dieſes ſchlecht ten Ufer eiter hin Vunder der auf ye Ern⸗ kel für dauwe Boden te wich, g deſſen, edermann abſpinnt, der einen eil ſie den gewöhn⸗ aben wüt⸗ er Nutzen lthen iſt/ bſpinnen/ haftigen ben, die letten die 2. 3. Auguſt. Verona. 209 Die Berge dieſer Provinz ſind von großer Ausdehnung, und es wird da viele Viehzucht, und zum Theile auch Milchwirth⸗ ſchaft betrieben. Die Bergamini oder Malgheſi, d. h. die Eigenthümer einer Heerde Kühe, ohne genügendes Winterfut— ter für dieſelben, kommen im Winter von dieſen Bergen in die Ebene, und verzehren, ſo wie ich bereits im Mailändiſchen und Mantuaniſchen beobachtete, das Heu einiger Wieſeneigenthümer. Im Winter 18 ¾4 zahlten die Nalgheſi den Wagen Heu von 332 metriſchen Pfunden zu 35—57 Lire auſtriache, wornach ſich 100 Pfund Wiener Gewicht auf 48 Kreuzer berechnen. — 2. Auguſt. Amfitheater. Spaziergänge. Der Cataſtralſchaͤtzungs⸗Inſpector Mondini und der fuͤr den Bezirk der Umgebung der Stadt beſtimmte Schätzungs⸗Com⸗ miſſär, Gianzini, beſuchten mich. Ich begab mich in das Amts⸗ locale des Inſpectors, um daſelbſt von den bisher gepflogenen Erhebungen und Beſtimmungen Einſicht zu nehmen. Abends beſah ich wieder das Amfitheater, und machte einen Spaziergang vor die Stadt. —— 3. Auguſt. Claſſirung der Grundſtücke der Gemeinde Chievo bei Verona. Waſſerrä⸗ der in der Etſch. Ausſicht von einer nahen Anhohe über die Umgebung der Stadt. In Geſellſchaft des Inſpectors und Commiſſars durchging ich die ganze Gemeinde Chievo, um die vollbrachte Claſſification und Einreihung der einzelnen Grundſtücke in die betreffenden Claſſen, was man Claſſirung nennt, zu revidiren; wobei ich bemerkte, daß nur die höher gelegenen Theile des Bodens dieſer Gemeinde mit Steingeröll bedeckt, die niedriger gelegenen Theile I. 14 210 4. Auguſt. Verona. aber, wo der Etſchſtrom dieſes Geröll auf eine beſtimmte Tiefe wieder weggeſchwemmt hat, aus Sandboden beſtehen, in dem ich den Mais ziemlich gut ausſehend antraf. An der Etſch ſind einige Waſſerräder, die das Waſſer des Stroms auf eine Höhe von 3 Klaftern heben, womit dann ei— nige kleine Wieſen oder Garten bewäſſert werden. Man rechnet, daß ein ſolches Rad ſo viel Waſſer ſchöpfe, um 20 Campi di Verona= 10 ½ Joch damit bewäͤſſern zu können, was mir ſehr viel vorkemmt. Abends führen mich meine Begleiter auf eine, nächſt der Stadt gelegene Anhöhe, wo ich von dem Gartenhauſe einer Be— ſitzung, die früher, wenn ich nicht irre, einem Nonnenkloſter gehörte, einer wunderſchönen Ausſicht genoß, die vielleicht ſchö— ner iſt, als alle, die ich bisher ſah, denn die unter dem Stand— puncte gelegene große Stadt, mit ihrem alterthümlichen, phan— taſtiſchen Caſtelle, der machtige Strom, den man aus den Ber— gen hervorkommen, und weit hinab gegen Legnago ſchim— mern ſieht, die mit Maulbeerbäumen bedeckte Ebene, mit ihren Dörfern, einzelnen Häuſern und Kirchen, gewähren den Anblick eines Landes, das an maleriſcher Schönheit und hoher Frucht— barkeit kaum von einem andern übertroffen wird. 4. Auguſt. Empfindungen im Amfitheater. Fahrt nach Vicenza. Fruchtbarer, wohl cultivirter Boden bis Soave. Luzernefelder. Maulbeerbäume. Anſicht des Landes über Montebello nach Vicenza. Berebte Acker; ſchone Maisfelder. Gang auf den Monte ſanto bei Vice n z a. Cultur der Hügel, welche die Stadt umgeben. Vulcaniſcher Boden. Noch einmal, ehe ich wegfuhr, ging ich ins Amfitheater. Als ich heute aber auf dem Rande dieſes edlen Gebaͤudes ſtand, konnte ich nicht umhin, mir die unzaͤhlige Menge Menſchen zu denken, welche Zuſchauer bei den hier gegebenen Schauſpielen geweſen ſind. An dieſe Idee heftete ſich eine andere, die mich im— imte Tiefe in dem Laſſer des t dann ei⸗ un rechnet, ampi di was mir rächſt der einer Be⸗ nenkloſter leict ſch⸗ Etond⸗ „ Pgan⸗ en Ber⸗ ſchim⸗ tihren Anvlik Frucht⸗ eer, wohl e. Unſicht er; ſchöne zultur der ſtheater ttand/ chen zu ſielen ich im⸗ 4. Auguſt. Vicenza. 212 mer in eine melancholiſche Stimmung verſetzt: die gaͤnzliche Ver— geſſenheit, in welche ſolche Scharen von Menſchen jetzt begraben ſind. Die Zeit hat ihr Andenken von der Erde vertilgt, kaum Spuren von ihnen in den Urkunden des Menſchengeſchlechtes hinterlaſſen; und doch waren hier Verſtand und Schönheit, Reichthum und Macht, Hoffnung und Furcht, Unternehmungs— geiſt und Thätigkeit, die nun alle in eine tiefe Stille von 17 Jahr⸗ hunderten verſunken ſind!— Der Anblick dieſes Theaters müßte einen Dichter maͤchtig begeiſtern, das ſchnelle Vorübergehen der Menſchen in der Gegenwart, und im Andenken der Nachkommen zu ſchildern!— Ich fuhr um die Mittagszeit von Verona weg, und kam Abends in Vicenza an. So wie man vor das Thor der Stadt kommt, ſieht man hier am linken Etſchufer einen, gegen das rechte Ufer ganz veraͤnder— ten Boden und andere Culturarten. Die Maisfelder ſind nicht mehr verdorrt, und es zeigen ſich mehr oder weniger ſchöne, be— wäſſerte Wieſen. Der Boden iſt gegen die Abhänge der Hügel lehmig und fruchtbar; allenthalben ſind die Felder mit Maulbeer— bäumen bepflanzt. Mit kleinen Abweichungen dauert der Anblick des Landes ſo fort über Lavagno bis Soave, wo der Boden wieder mehr ſandig wird. Bei Caldiero fangen die Luzernefelder an und dauern bis Vicenza. Je nachdem der Boden mehr oder weniger tief, und beſſer gepflügt und vielleicht auch beſſer gedüngt war, je nachdem war auch dieſe Futterpflanze mehr oder weniger üppig gewachſen. Um Villafranca ſah ich die größten Luzernefel⸗ der, woraus ich ſchloß, daß die einzelnen Beſitzungen von grö— ßerer, als gewöhnlicher Ausoehnung ſein müſſen. Von Cal— diero bis Villafranca ſind nur junge Maulbeerbaͤume; bei dieſem letztern Orte hört endlich die Cultur dieſer Bäume auf, denn von da bis gegen Montebello ſieht man nur ſelten wo irgend ein Feld damit bepflanzt. Der Boden iſt um Torre dei confini, Montebello, 14* 212 4. Auguſt. Vicenza. und weiter hin gegen Vicenza ein tiefer, mürber Lehm von gro⸗ ßer Fruchtbarkeit. Die Aicker ſind mit berebten Baͤumen bepflanzt, und zwiſchen den Baumreihen ſtand der Mais in üppiger Fülle: auch ſieht man nicht ſelten Melonen auf Ackern gepflanzt, vor⸗ züglich in der Umgebung von Montebello und Crenzo, wo mir der Boden beſonders fruchtbar dünkte. Ich kam zeitlich genug am Abend in Vicenza an, um noch den Monte ſanto zu beſteigen. Um den Beſuch der Kirche am Berge in jeder Zeit, Sommers und Winters, den Glaäubigen bequem zu machen, haben einzelne Wohlthäter ſich in eine Ge— ſellſchaft vereinigt, und haben vom Fuße des Berges bis zur Kirche einen auf Säulen ruhenden, bedeckten Gang bauen laſ— ſen. Die Kirche ſelbſt enthält nichts von Malerei oder Sculptur, was ſie ſehenswürdig machte. Man war eben beſchäftigt einen Glockenthurm feſt neben der Kirche zu erbauen, der eine Höhe von 225 Fuß erhalten ſoll; das Geld hiezu, ſagte mir der Geiſt— liche, der den Bau dirigirt, liege ſchon bereit, und ſei bloß durch Almoſen zuſammen gebracht worden. Dieſer näͤmliche erzählte mir, daß man in dieſer Kirche jahrlich für gezahlte Meſſen 100,000 Lire auſtriache einnehme. Die Hügel rings um die Stadt ſind mit Baͤumen bewachſen, die ich anfänglich für Obſtbaume hielt, bis ich mich überzeugte, daß es Eſchen, Ulmen und Rüſtern ſind, an deren Fuß ein oder zwei Weinreben gepflanzt ſind. Es ſind daher Wieſen mit Wein⸗ reben. Ein ſchmaler Streifen, etwa 1 ½ Fuß breit, wird an beiden Seiten dieſer Baumreihen aufgehackt. Mir daͤucht dieſe Art der Bodenbenützung ſehr abgeſchmackt; denn auf Hügeln muß man nicht Wieſen haben wollen, und die Weinreben ver— langen einen Boden, der, ſo weit ihre Wurzeln reichen, jahr⸗ lich zweimal gelockert und von Zeit zu Zeit gedüngt wird. Ich würde dieſe Hügel als Weingarten benützen, und meine, daß ſie dann einen fünfmal ſo großen Reinertrag abwerfen würden, als jetzt. Das Geſtein dieſer Hügel iſt vulcaniſch. Es iſt ein lockerer, ———-— von gro⸗ leyflanzt, ler Fülle: t, vor⸗ 1z0, wo tum noch Virche am laubigen ine Ge⸗ bis zur Luen laſ -ulptur, it einen Hohe Geiſt⸗ durch dzaylte Meſſen Jachſen, zeugte, ain oder Wein⸗ ird an t dieſe nügeln en ver⸗ e ſchr⸗ d. Jh , daf girden, ferer 5. Auguſt. Vicenza. 213 weißer, gebrannter Mergel, der beim Verwittern weiß wird und abfärbt wie Kreide. 5. Auguſt. Merkwürdigkeiten von Vicenza. Tiefer, fruchtbarer Boden rings um die Stadt. Nußbaume und Eſchen als Stütze der Reben in den Ackern. Oper und Ballet. Hier traf ich weder den Cataſtralſchätzungs⸗Inſpector, noch den Grafen Porto zu Hauſe, an den ich Briefe mitgebracht hatte, und mußte daher die Zeit mit dem Beſehen der wenigen Merkwürdigkeiten zubringen, welche die Stadt aufzuweiſen hat. Der Dom, das Stadthaus— la Ragione— das Haus von Palladio, das olimpiſche Theater, ſind Dinge, die allgemein bekannt und in hundert Büchern beſchrieben ſind. Daß man die zuerſt genannten Gebaude, beſonders das Stadthaus, ſehens⸗ würdig findet, begreife ich wohl, denn es iſt dieß eines der größ— ten und gelungenſten Werke von Palladio; wie man aber das olimpiſche Theater als eine Sehenswürdigkeit anrühmen kann, begreife ich nicht. Es iſt ein Kindertheater, wo die Scenen, von Holz geſchnitten, die Gaſſen einer Stadt perſpectiviſch darſtellen. Es iſt ſo niedrig, daß gar keine Proportion zwiſchen den Schau⸗ ſpielern und den Scenen beſteht, und da ſich ſein Boden nach hinten zu erhebt, um zur Tauſchung der Perſpective beizutragen, ſo wird es dadurch zu Vorſtellungen ungeeignet. Auch geht alle Illuſion verloren, ſobald der Schauſpieler, der gleich groß bleibt, in die hintern Scenen geht, die nach den Regeln der Perſpecti— ve die Hauſer und andere Gegenſtände kleiner darſtellen. Ich hielt mich nicht fünf Minuten lang in dieſem Theater auf und⸗ erinnerte mich lebhaft, daß es vor 22 Jahren, als ich es das erſtemal ſah, denſelben widrigen Eindruck auf mich gemacht hatte. Ein Spaziergang rings um die Stadt zeigte mir die große Frucht⸗ barkeit des hieſigen Bodens. Es iſt ein ungemein tiefes Lager von einem ſehr fruchtbaren Lehmboden, das aus den Überſchwem⸗ 214 6. Auguſt. Vicenza. mungen des Bacchiglione gebildet worden, in welchem der Mais bei der langanhaltenden, heurigen Dürre nichts gelitten hat, und in dem ich den Cinquantin grün und gerade in der Blüthe antraf. Ackerland mit in Reihen geſetzten Bäumen zur Un— terſtützung der Reben, findet ſich gleich vor der Stadt und rings um dieſelbe. Die Baͤume ſind hochſtaͤmmige Nüſſe und Eſchen: ſie ſind ſo nahe aneinander gepflanzt, daß im guten Boden ihre Aſte ſich berühren, und daher ein Spalier bilden. Meiſtens ſind zwei Reben, oft nur eine, die ſich an dem Baume hoch hinauf— ſchlingt, und dann von oben herunter gezogen und zur Seite ausgebunden wird. Die Rebenſtöcke ſind ſehr alt und dick. Heuer ſind ſie reichlich mit Trauben behaͤngt, die einen ſüßlichen Wein geben. Es gibt hier herum auch viele Wieſen. In einigen der⸗ ſelben, die durch den Bacchiglione überſchwemmt werden und beſonders fruchtbar ſind, ſind ſo, wie auf den Hügeln, Eſchen— baͤume, und an ihren Stamm eine Weinrebe, gepflanzt. In dieſen Wieſen wird der Boden rings um dieſe Baume nicht auf— gelockert, und doch ſollen ſie viele Früchte geben. Abends beſuchte mich der Schaͤtzungs⸗Inſpector. Wir gingen zuſammen in die Oper: Romeo und Giulietta von Vac— caj, worin die Belocg, die ich ein Jahr früher in Trieſt hörte, den Romeo ſang. Eine junge Rubini gab mit ziemlich vielem Beifall die Giulietta. Das Ballet, Gabriele de Vergy, ward mit großer Pracht und mit gutem Perſonale ge⸗ geben. 6. Auguſt. Claſſirung der Grundſtücke rings um die Stadt. Außerſt fruchtbarer Boden. Fahrt nach Padua. Cultur des Bodens zwiſchen Vicenza und Pa⸗ dua. Schadliches Verfahren, hohe Baume zu Stützen für den Weinſtock in den Äckern zu verwenden. Anblick der euganeiſchen Hügel. Der Schäͤtzungs⸗Inſpector Steffanoliund der Schaͤtzungs⸗ Commiſſär Pirzio begleiten mich in eine der näͤchſten Gemein⸗ em der elitten in der zur Un⸗ rings Eſchen: den ihre ns ſind dinauf⸗ Seite Heuer Wein n der⸗ n und ſcen⸗ Boden, d T einſtoce ngs⸗ ein⸗ 6. Auguſt. Padua. 215 den, aus denſelben Gründen, die ich ſchon in Verona angegeben habe: bei welcher Gelegenheit ich den fruchtbaren Boden der Um⸗ gebung dieſer Stadt neuerdings zu beobachten Gelegenheit hatte. Die Fruchtbarkeit iſt aber auch in ihren Wirkungen auf d das Pflanzenwachsthum ſichtlich; denn nichts übertrifft an Üppig keit des Wachsthums die hier vorkommenden Bäume, die Wein⸗ reben, den Mais, kurz Alles, was ich in den Feldern antraf. Der Boden iſt völlig wagrecht, und das Fließen des Waſſers des Bacchiglione kaum bemerklich, das in einem tiefen Bette ſich langſam fortbewegt, ſehr oft aber dennoch zu einer ſolchen Höhe anſchwillt, daß es die benachbarten Felder überſtauet. Indeſſen fließt es doch ſchon zu lange in einer wagrechten Ebene, ehe es nach Vicenza kommt, als daß es noch Gerölle oder auch nur groben Sand mit ſich führte, die laͤngſt ſchon zu Boden gefallen ſind. Hieher gelangt nur mehr fruchtbarer Schlamm, den der Fluß von hier an bis zur Einmündung in die Brenta ablagert, und womit er die Felder befruchtet. Nach Tiſche fahre ich von Vicenza weg, und komme am Abend in Padua an. Außer Vicenza ſieht man während der erſten Miglien noch ziemlich viele Wieſen; ſpäterhin werden ihrer immer weniger. Nichts als berebtes Ackerland. Die Reben werden auf hohe Nuß⸗ bäume gezogen, und hängen von einem Baum zum andern; da, wo ſie ſich von entgegenſetzten Seiten begegnen, werden ſie zu⸗ ſammengebunden, ſo daß ſie Feſtons zwiſchen den Baumen bil⸗ den, wie dieß allenthalben in Italien Statt hat. Weil aber die Rebenzweige nicht alle nach derſelben Richtung hin gezogen wer— den können, ohne ſich nachtheilig zu beirren, ſo wird ein Theil derſelben zu beiden Seiten in die Acker hinein gezogen, und auf Pfählen befeſtigt, wodurch ſie eine unvollkommene Art Laube — Pergolo— bilden. Es iſt auffallend, daß man in dieſen Gegenden noch immer die abſurde Methode beibehalt, die Reben auf hohe Baͤume zu ziehen, da der Baum doch keinen andern Zweck hat, als der Rebe zur Stütze, ſtatt eines Pfahles, zu 216 7. Auguſt. Padua. dienen; und daß man noch nicht zur Überzeugung gekommen iſt, 1 daß der Schaden, den ſo hohe Bäume der Getreideerzeugung 1 und der Qualitaͤt des Weines verurſachen, durch den geringen vc Nutzen, den ſie durch das Holz oder die wenigen Früchte abwer— g fen, auf keine Art vergütet wird. Ich ſuche die Urſache dieſes widerſinnigen Verfahrens in dem Colonenſiſtem, und glaube, 1 daß es die Colonen ſind, die ihre unwiſſenden Herren glauben d 6 machen, daß hohe Baͤume vortheilhafter ſind als niedrige, wie ich in dem Abſchnitte, von der Cultur der Reben, näher zei— gen werde. Der Anblick der euganeiſchen Higel, die man immer zur Seite hat, traͤgt zum Vergnügen der Fahrt zwiſchen Padua und Vicenza ſehr viel bei. Sie ſind größtentheils wohl culti— virt, und man ſieht Dörfer und einzelne Häuſer in Menge auf denſelben. Die Steine längs der Straße ſind vulcaniſcher Na— tur: es iſt ein ziemlich feſter grauer Trachyt. 9 7. Auguſt. Fahrt nach Abano und Obizzi. Cultur des Bodens zwiſchen Padua und Abano. Beſchreibung der heißen Quellen. Reiche Antiquitätenſamm⸗ lung im Schloſſe von Obizzi. Canal von Monſelice. Vernachläſſi⸗ gung der Bewäſſerung des Bodens. Urſachen derſelben. Den Vormittag brachte ich in Geſellſchaft des Cataſtralſchäͤ— tzungs⸗Inſpectors Zenoni zu, mit dem ich mich über das Schäͤ— tzungsgeſchäft beſprach, und die morgen vorzunehmende Excur— ſion verabredete. Nach Beendigung dieſes Geſchäftes fuhr ich in den Badeort Abano, hierauf nach dem Schloſſe Obizzi und langs des Canals von Monſelice wieder zurück nach Pa— dua, wo ich ſpät in der Nacht anlangte. Die Cultur der Felder zwiſchen Padua und Abano iſt die— ſelbe, die zwiſchen Vicenza und Padua Statt hat. Man ſieht W nichts, als mit hohen Nußbaͤumen bepflanzte Maisäͤcker. Sehr 6 wenig Luzerne. Der Boden iſt in einer Entfernung von 6 Miglien — nen iſt, eugung eringen eabwer⸗ de dieſes glaude, glauben ge, wie her zei⸗ mer zur Dadua al culti⸗ e ouf er Na⸗ Padug tenſamm⸗ nachläſſi⸗ ralſcha⸗ Schaͤ⸗ Excur⸗ uhr ich Dbizzi 6—e iſt die⸗ in ſieht Lchr ſiglien 8 7. Auguſt. Abano. Obizzi. 2¹7 ein ganz gutes tiefes Lehmlager, von der Aufſchwemmung durch den Bacchiglione gebildet. Gegen Abano zu wird er et⸗ was leichter, ſandiger, weil nun die Abſchwemmungen der eu⸗ ganeiſchen Berge dazu kommen. Die heißen Quellen in Abano kommen aus verticalen Löchern in einem kalkigen Felſen zum Vorſchein. Solcher Quellen ſind drei bis vier auf einem kleinen Hügel vor dem Badehauſe To— deschini. Die Hitze mag 60 bis 700 R. betragen. Man brühet getödtetes Geflügel darin. Das Waſſer iſt ſalzig und ſetzt kriſtalli— ſirtes Kochſalz hart neben der Felſenöffnung ab, aus der es her⸗ vorkommt. Die Fanghi ſind kleine beckenartige Vertiefungen neben dieſen Quellen, die man mit blauem Lehm, wahrſcheinlich abſichtlich, ausfüllt, und in die man das heiße Waſſer leitet. Abano liegt am Fuße der euganeiſchen Berge, und längs derſelben führt die Straße nach Obizzi, einem Schloſſe, das gegenwärtig dem Herzoge von Modena gehört, und das ſeiner Antiquitätenſammlung wegen berühmt iſt. Obſchon der Styl des Gebaudes von Obizzi ſehr alterthümlich iſt, ſo liegt es doch auf keiner Anhöhe, ſondern in der Ebene, an den Hügel angelehnt, und hart an demſelben fließt der Bacchiglione, oder wenn man will, der Canal von Monſelice, vorbei, denn es iſt ein und daſſelbe Waſſer, nur daß ſein Rinnſal hier geregelt und eingedeicht iſt. Es reuete mich nicht den Weg hieher gemacht zu haben, denn ich erinnere mich nicht irgendwo bei einem Privaten eine ſo reiche Sammlung von Statuen und anderen Alterthümern aus der egyptiſchen, hetruriſchen und römiſchen Vorzeit geſehen zu haben, als hier. Die Sammlung von Rüſtungen, alten Muſik— inſtrumenten und anderm Schnickſchnack heißt aber nichts. Bei Obizzi fuhr ich über den Canal, um wieder nach Pa⸗ dua zurückzukehren. Dieſer Canal hat zu beiden Seiten hohe Daͤmme, und das Waſeer hat ein ſehr geringes Gefäll, denn man fährt mit Leichtigkeit aufwaͤrts. Es fiel mir auf, die zu beiden Seiten dieſes Canals liegenden Felder nicht bewäſſert zu ſehen, obſchon ſie es mit großer Leichtigkeit werden könnten, denn es 218 8. Auguſt. Cagnola. gibt nicht wohl eine Gegend, die hiezu ſo günſtig gelagert wäre, als die hieſige, da das zu beiden Seiten des Canals liegende Land völlig eben und niedriger liegt, als die Oberfläche des Waſ— ſers im Canal. Worin der Grund liegt, daß man das Waſſer nutzlos ins Meer hinab fließen läßt, hatte ich nicht Gelegenheit zu erforſchen: er mag wohl vorzüglich in der größeren Vernach— läſſigung des Landbaues liegen, die in den venezianiſchen Pro— vinzen überhaupt, vorzüglich aber in jenen bemerklich iſt, welche der Hauptſtadt zunächſt liegen, wo die reichen Bürger ihre Ca— pitale nützlicher in den Handel verwendeten, und der Adel durch Staatsdienſte gehindert war, bedeutende Verbeſſerungen auf ſei⸗ nen Landgütern zu unternehmen. 8. Auguſt. Fahrt nach Cagnola, um der Cataſtralſchätzung beizuwohnen. Bodencultur dieſer Gegend. Monſelice. Ausſicht von der Höhe des alten Schloſſes⸗ Arqua. Grabmal des Petrarca. Battaglia. Schloß Sant“ Elena. Ich fuhr mit dem frühen Morgen in Geſellſchaft des Scha⸗ tzungs⸗Inſpectors nach Cagnola, von wo wir dann zu Fuß nach Cartura gingen, wo der Schaͤtzungs-Commiſſar Gen— nari mit der Claſſirung beſchäftigt war. Ich begleitete die Schäͤ⸗ tzungs⸗Commiſſion, die aus dem Commiſſär und ſeinem Adjuncten, einem Ortsſchaͤtzmann, dem Indicator und dem Repraſentanten der Gemeinde beſtand, durch eine lange Strecke, um das Verfah— ren, das hierbei beobachtet wird, zu beobachten. Bei dieſer Ge⸗ legenheit unterſuchte ich den Boden dieſer Gegend genauer, und fand ihn weniger bindig, als in Vicenza; manche Stellen waren kaum mehr Lehm-, ſondern mußten ſchon Sandboden ge— nannt werden. Von Cagnola nach Monſelice ſieht man häufig in der Mitte der Acker zwiſchen den mit Weinreben beſetzten Stuͤtzbäu⸗ ——— ert ware, liegende des Waſ⸗ Vaſſer elegenheit Vernach⸗ hen Pro⸗ !, welche ihre Ca⸗ del durch auf ſei⸗ ncultur chloſſes. Sant z Scha⸗ zu Fuß rGen⸗ eScha⸗ uncten, tanten Verfah⸗ ſer Ge⸗ r, und Stellen den ge⸗ in der itzbäu⸗ 8. Auguſt. Monſelice. Arqua. 219 men eine Reihe Pfirſichbäaume; zwiſchen Arqua und Batta⸗ glia waren es Apfelbaͤume, die recht gut ausſahen und reichlich Früchte aufgeſetzt hatten. In der Nähe von Monſelice werden die Weinreben auf Weiden und hohe Pappeln gezogen, welch' letztere ſo dicht anein— anderſtehen, daß ſie wahre Spaliere bilden. Alle drei Jahre werden ihnen die Aſſte abgehauen. Die Reben winden ſich an die hohen Bäume hinauf, und haͤngen von oben wieder herunter, oder ſchlingen ſich an die benachbarten Bäume. Die Erde rings um dieſe Bäume wird nicht aufgelockert. Wäre der Boden dieſer Gegend nicht in einem ſo hohen Grade fruchtbar, ſo würden die Weinreben gar keinen Ertrag geben, der aber bei ſo völliger Ver⸗ nachlaſſigung aller Cultur ſelbſt in dieſem trefflichen Boden nur ſehr gering und unbedeutend ſein kann. Monſelice iſt ein Städtchen mit der Ruine eines Schloſſes auf einem ſteilen Hügel. Unter dem Schloſſe ſind große Stein— brüche. Man bricht hier den Trachyt zu den Pflaſterſteinen in Venedig. Von der Höhe des Schloſſes überſieht man ein ſchönes Panorama: Padua, Buffalora und in weiter Entfernung Rovigo; dann das nahe gelegene Eſte und den noch näheren Badeort Batraglia. Waͤre die Witterung minder heiß und die Luft reiner geweſen, ſo würde ich das Meer und Venedig geſe— hen haben. Die Ebene, welche zunaͤchſt unter dem Berge liegt, ſcheint ein hochſtämmiger Wald zu ſein, und iſt es wohl auch, aus dem hin und wieder Ortſchaften hervorragen. Die Bäume, womit die Felder eingefaßt ſind, oder an die ſich die Reben ſtützen, ſind ſo hoch, daß ſie die beackerten Felder dem Blicke völlig entziehen. In Monſelice zu ſein, und nicht nach Arqua zu gehen, dauchte mir ein Verſtoß gegen die Achtung zu ſein, die wir ei— nem Manne ſchuldig ſind, der ſich um die Beförderung der Hu— manitat ſo verdient gemacht hat, wie Petrarca. Ich fuhr da⸗ her nach Arqua, das auf einer Anhöhe in einer Schlucht liegt, und nichts weniger als eine romantiſche Lage oder ſchöne Ausſicht 220 9. Auguſt. Padug. Meſtre. hat. Der Sarkofag Petrarca's iſt vor der Kirchthüre aufge⸗ richtet, und ruht auf vier runden Pfeilern. Ich bemerkte in dem— ſelben ein eingeſetztes Stück, und hörte von dem Geiſtlichen des Ortes, daß man vor 60—70 Jahren den Sarkofag Nachts mit Gewalt erbrochen, und einen Arm des Dichters aus demſelben weggenommen habe. Ein ſeltſamer Raub!— Das Monument iſt ohne allen Zierath; die Kirche ein ſchlechtes, kleines, unan— ſehnliches Gebäude. In der Nähe zeigt man ein Haus, wo der Dichter ſtarb. Ich kehrte ſehr unbefriedigt zurück, und aͤrgerte mich, daß die reiche Republik einem welthiſtoriſchen Manne nicht ein würdiges Grabmal errichtet hatte. In Battaglia beſah ich das Hervorkommen der heißen Quellen unter dem Schloſſe von Sant' Elena. Die Badeanſtal⸗ ten ſind groß, geraumig und ſchön; die Gegend iſt freundlich, die Spaziergänge in der Nahe des Hauſes ſchattig; viele Gäſte und viel Lärm. Wir kamen ſpaͤt in der Nacht nach Padua zuruͤck. 9. Auguſt. Kettenbrücke über den Bacchiglione in Padua. Fahrt von bier nach Meſtre. Fruchtbarer Boden längs dieſer Strecke. Schon bei meiner Hinreiſe hatte ich gehört, daß man eine Kettenbrücke über den Bacchiglione zu bauen geſinnt ſei; auch ſah ich damals bereits Beſtandtheile dieſer Brücke. Jetzt iſt ſie fertig, und ich ſäumte nicht hinzugehen und ſie anzuſehen. Sie iſt nur für Fußgänger beſtimmt; allein ich halte ſie ſtark genug— für jedes leichtere Fuhrwerk. Man ſagte mir, daß man anfaͤng— lich gerechnet habe, die Brücke würde nicht mehr als 2,500 Lire auſtriache koſten; daß man aber mittlerweile 25,000 Lire aus⸗ gegeben habe, was ein ziemlich ſtarker Error calculi waͤre. Nach Tiſch fuhr ich von Padua weg, und kam Abends in Meſtre an. ans re aufge⸗ tein dem⸗ ihen des achts mit demſelben donument 3, unan⸗ „ wo der argerte nne nicht ar heißen deanſtal⸗ dlich, die ſte und bier nach an eine ri; auch iſt ſie en. Sie k genug anfäng⸗ 00 Lire re aus⸗ dre. Abends 10. Auguſt. Udine. 221 Der Boden zwiſchen dieſen zwei Orten gehört zu den frucht- barſten, die ich in Italien ſah: es iſt ein tiefes Lager von einem mürben Lehm mit vielem Humus gemengt. Der Baumwuchs iſt üppig, und obgleich der Boden nicht bewäſſerungsfähig iſt, ſo ſteht der Mais trotz der Dürre doch hoch und üppig, und hat dunkelgrüne Blaätter. Die abſurde Methode, die Weinreben auf Nußbaͤume zu zie— hen, und dieſe letzteren hoch wachſen zu laſſen, hat auf dieſer Strecke noch größtentheils Statt: nur erſt um Gambarare fangen Pappeln und Weiden an die Nußbaume zu verdrängen. In der Nahe von Meſtre endlich werden die Reben wieder auf niedrige Ahornbaume gezogen und verſtändig cultivirt. 10. Auguſt. Fahrt von Meſtre nach Udine über Treviſo. Natur des Bodens längs der juliſchen Gebirgskette. Vernachläſſigte Maulbeercultur bis Codroi⸗ po. Rebencultur. Der größte Theil der Felder iſt mit Mais beſtellt. Schlechter Boden und ſchlechte Cultur deſſelben von Sacile bis Udine. Jahrmarkt in Udine. Öffentliches Pferdewettrennen. Um von der Hitze weniger zu leiden, fuhr ich bereits um 2 Uhr Morgens in Meſtre weg und kam um 3 Uhr Nachmit⸗ tags in Udine an. Bis Treviſo war es Nacht, ſo daß ich von der Umgebung nichts ſehen konnte; was meinen Leſern aber keinen Nachtheil verurſacht, weil ich ſchon früher die Cultur und den ſchönen An⸗ blick dieſer Gegend beſchrieben habe. Über Treviſo hinaus fand ich den Boden in der Ebene ſtark mit Geröll erfüllt, in der Nahe der Hügel ſind die Steine aber mit einer mehr oder we— niger tiefen und fruchtbaren lehmigen Erdſchicht bedeckt. Die vielen Flüſſe, welche von den juliſchen Alpen herabkommen, ha— ben einen gahen Fall und führen das Steingeröll weit hinaus in die ſchmale Ebene zwiſchen den Alpen und den Lagunen; da⸗ 222 10. Auguſt. Udine. her iſt der höher gelegene Theil der Ebene der Provinz Treviſo, ſo wie der Provinz Friaul, mit Stein und Sand bedeckt, und nur erſt der gegen das Meer gelegene Theil iſt fruchtbar, weil nun alle Steine und der grobe Sand bis zu dieſer Entfernung zu Boden geſunken ſind und die Ströme weniger Fall, und da— her weniger Gewalt haben dieſe Körper weiter fortzuführen. Hier ſtauet das Waſſer und überſchwemmt das Land, und läßt die feine Thonerde und den Schlamm fallen, aus denen um Motta der gute Boden beſteht. Maulbeerbaͤume ſah ich auf dieſer Straßenſtrecke überhaupt nur wenige. Bis Conegliano findet man zwar hin und wieder einige Bäume, doch muß man die Maulbeercultur nur als Aus— nahme betrachten. Um Sacile und Pordenone ſieht der Rei⸗ ſende keine ſolchen Bäume, wahl aber um Codroipo, wo ſie dann bis Udine ſtellenweiſe vorkommen; ſo daß nicht ſelten, ſo wie im Veroneſiſchen und Mailaͤndiſchen ganze Ackerfelder Reihenweiſe damit bepflanzt ſind. Solche Pflanzungen aber kommen ſo ſelten vor, daß die hieſigen Felder mit jenen der ſo eben genannten Provinzen in gar keinen Vergleich geſetzt werden können. Die Rebencultur in den Äckern iſt an den Hügeln und am Fuße derſelben, da, wo der Boden an der Oberflaͤche eine etwas bedeutendere Schicht von fruchtbarer Erde hat, ziemlich gut be— trieben. Die Reben werden gewöhnlich auf Ahorn-, auch wohl auf Weiden- und Pappelbäume gezogen. Indeſſen ſind bei wei— ten nicht alle Acker gleichförmig berebt, wie das in andern Ge— genden Italiens oder im Küſtenlande Statt hat, ſondern man ſieht hierin große Abweichungen, ohne daß man einen zureichen— den Grund dafür bemerkt. Der Mais iſt das Hauptproduct dieſes Theils von Friaul. Ich ſah lange Strecken hin alle Grundſtücke mit Mais bepflanzt, und nur kleine Parzellen, die Weizenſtoppeln hatten oder mit Cinquantin beſtellt waren. Nach meinem Dafürhalten dürften mehr als aller Acker mit Mais, und nur ¼ mit Weizen be⸗ — Treviſo, kt, und har, weil 1 tfernung *) und da⸗ zuführen. zund lißt zenen un ſyerhaupt 1dwieder dals Aus⸗ der Rei⸗ 1, wo ſie i felten, erfelder an aber vſo eben werden Jund am ze etwas gut be⸗ hwohl wei wei⸗ ln Ge⸗ an man rreichen⸗ rriaul. flanzt/ rer mit urften gen be⸗ 10. Auguſt. Udine. 223 ſaet werden. In Udine meinte man, daß wohl:— aller Acker mit Mais, und nur mit Weizen beſäet würde. Die Cultur des Mais wird in Friaul mit vielem Fleiße be⸗ trieben, und wenn der Exrtrag dieſer Frucht von dem Behacken und Behaäufen abhinge, ſo müßte die hieſige Gegend den reichſten Er— trag geben, denn ſo fleißig werden dieſe Arbeiten verrichtet. Der ſchlechte Boden, das ſeichte Pflügen, und vor allen der Mangel an Dünger, vermindern aber das Erträgniß gar ſehr, wozu auch nicht wenig der Umſtand beiträgt, daß man hier die Mais— pflanzen gar zu weit auseinander hält, wodurch ihrer zu wenig auf der Grundflaͤche ſind. Der ſeichte Boden iſt die Urſache, daß die hieſigen Wieſen, die gerade jetzt das erſtemal gemäht werden, mehr Weiden als Wieſen gleich ſehen. Klee- und Luzernefelder ſind als ſeltene Aus— nahme zu betrachten. Es muß daher ein großer Futtermangel und bei der großen Ausdehnung der beackerten Fläche ein noch größerer Düngermangel herrſchen, der wieder ein geringes Kör— nererträgniß zur Folge hat. Im Vergleich gegen die übrigen Pro— vinzen des lombardiſch-venezianiſchen Königreiches ſieht die Ge— gend zwiſchen Sacile, Udine und Palma halb verwildert aus; denn die Ortſchaften ſind weit voneinander entfernt; man ſieht nur wenige einzeln ſtehende Häuſer; die Acker ſind durch Weiden und ſchlechte Wieſen unterbrochen; wenig Reben, und was das Schlimmſte iſt, wenig Maulbeerbaͤume, die doch in ei— nem ſo ſchlechten Boden die Hauptcultur ſein ſollten, und die al— lein das Mittl wären ihm einen hohen Ertrag abzugewinnen. Es war gerade Jahrmarkt in Udine, und ein großes Ge⸗ dränge von Menſchen in allen Gaſthäuſern, ſo daß ich nur mit Noth ein Unterkommen fand. Abends ſah ich dem Pferdewettrennen zu, welches an und für ſich ein ſchönes Schauſpiel iſt, und durch die große Menge des zuſehenden Volkes aus allen Gegenden von Friaul und vom Küſtenlande, das auf den Gallerien des für die zahlenden Zu— ſeher erbauten Geruͤſtes, dann rings um die Einfriedigung des 224 11. Auguſt. Udine. Rennplatzes, und endlich rückwärts, den Schloßberg hinauf, in großer Menge und im bunten Gewühle verſammelt war, einen maleriſchen Anblick gewährte. Das hieſige Pferderennen wird wohl weit von dem engliſchen Rennen verſchieden ſein, und mag ſich etwa ſo verhalten, wie die Darſtellungen einer herumziehenden Komödiantengeſellſchaft zu den Schauſpielen der Hauptſtadt: indeſſen erfüllt es ſeinen Zweck“, das Zuſammenſtrömen der Menſchen in der Hauptſtadt der Provinz zu vermehren und ihnen ein Vergnügen mehr zu verſchaffen, das von der andern Seite der Stadt wieder reichlich durch die Fremden vergütet wird. 11. Auguſt. Merkwürdigkeiten der Stadt Udine. Schöne Ausſicht vom Schloſſe über ganz Friaul. Oper. Der Schaäͤtzungs⸗Inſpector Toscani hatte für mich ein be⸗ ſonderes Intereſſe, da er mit dem gegenwärtig in Verona re⸗ ſidirenden Schätzungs-Inſpector Mondin i, Schätzungs⸗Com⸗ miſſaͤr in dem kleinen Herzogthum Maſſa⸗Carrara war, deſſen Cataſter die ſouveraine Fürſtinn dieſes kleinen Staates, der nur 4% geografiſche— Meilen groß iſt, vor einigen Jahren verfertigen ließ. Einen Theil des Tages brachte ich damit zu, die auf die Schätzung der Provinz Friaul ſich beziehenden Verhandlungen zu durchſehen; am Abend ging ich in die Oper: Cenerentola, die mich nicht ſehr unterhielt, da ich ſeit einiger Zeit gewohnt war beſſere Saͤnger zu hören. Ich war ſchon mehrmals in Udine, und darum hatte die Stadt fuͤr mich den Reiz der Neuheit verloren. Sie iſt übrigens eine wohlgebaute, gut erhaltene Stadt, die aber, gleich Pa— dua, für ihre Bevölkerung viel zu groß iſt. Die Domkirche, der Gemeindeſaal, die Hauptwache, das auf einem iſolirten Hügel ſtehende Schloß, früher die Reſidenz des Gouverneurs der Pro⸗ dinz, dr Ftia Kett den Ne hinauf, lar, einen vird wohl 1 mag ſich ziehenden uptſtadt: Tomen der und ihnen dorn Seite Svird. oſſe über mein be⸗ 91na re⸗ S ⸗Cdm⸗ 2 a war, — Staates, 3 Jahren auf die Indlungen rentola, „ gewohnt hatte die üͤbrigens eich Pa⸗ Arche, der Jen Hügel a der Pro⸗ 12. Auguſt. Colloredo Prato. 223 vinz, jetzt ein Strafhaus, ſind die ſehenswuͤrdigſten Gebaͤude der Stadt. Die Ausſicht vom Schloſſe über die große Ebene von Friaul bis zum Meer, und von der andern Seite der Anblick der Kette der juliſchen und karniſchen Alpen, gehört zweifelsohne zu den ſchöͤnſten, die man in den venezianiſchen Provinzen hat. 12. Auguſt. Reviſion der Cataſtralſchätzung der nahe gelegenen Gemeinde Colloredo Prato. Art die Maulbeerbäume zu beſchneiden in der Provinz Friaul. Vor⸗ und Nachtheile dieſer Methode. Beſchreibung des Bodens und der Cultur dieſer Gemeinde. Elende, Weidenahnliche Wieſen. Ackern mit einem Geſpann aus Ochſen, Kühen und Eſeln. Holzmangel. Kümmerli⸗ ches Leben der Colonen. Mehrere Familien bewirthſchaften oft zuſam⸗ men eine einzige Colonie. Ihr gegenſeitiges Verhältniß. Ich fuhr mit dem Inſpector Toscani, dem Unter-Inſpector Sabini, und dem Schätzungs-Commiſſar nach der nahen Ge— meinde Colloredo Prato, die wir gemeinſchaftlich durch⸗ gingen, und wobei mich beſonders die Schätzungen über den Er— trag der Maulbeerbäume intereſſirten. Da in Friaul, ſo wie im Küſtenlande, das Laub der Maulbeerbaume nicht, wie im übrigen Italien, abgeſtreift wird, ſondern man alljährlich die geſammten Zweige des Baumes wegſchneidet, und nur von einigen Zweigen ein oder zwei Blatt— anſätze am Stumpfe zurückläßt, um eine allmähliche Verlän— gerung der Hauptzweige möglich zu machen; ſo geben die ſo behan— delten Bäume natürlich ein viel kleineres Blätterertraͤgniß; allein die Beſitzer meinen, daß, wenn ſie auch mehr Baume haben müßten, um ein gegebenes Gewicht von Blaͤttern zu erhalten, ſie durch die Leichtigkeit, womit das Laub gewonnen wird, reich— lich entſchädigt würden, und daß man nur auf dieſe Weiſe mit Vortheil Seidenhau betreiben könne, wenn, wie hier, keine übermäßig große Bevölkerung Statt hat, was mir ein ſehr plau— ſibler Grund für ihre Methode zu ſein ſcheint. I. 15 226 12. Anguſt. Colloredo Prato. Der Boden dieſer Gemeinde iſt dem Ackerbaue und der Reben⸗ cultur ſehr wenig zuſagend. Er hat auf einem tiefen Steingerölle nur eine ſehr ſeichte Schicht fruchtbarer Erde. Die hieſigen Wieſen erinnerten mich an die Alpenwieſen, mit denen ſie große Ahnlichkeit haben; denn eben ſo niedrig ſtand hier das Gras, und eben ſo viele Mühe hatten hier die Maher das dürre, ſaftloſe Gras abzumähen. Dieſe baumloſe, dürre Ebene, wo man das Vieh aus offenen Waſſerbehältern traͤnken muß, die gefliſſentlich ausgegraben und mit Thon ausgeſchlagen werden, daͤuchte mich noch viel unfruchtbarer, als die dürren Berge von Iſtrien, wo doch wenigſtens die Weinreben und die Bäume aller Art gut fortkommen. Hin und wieder ſieht man hier in den Feldern Lupinen, die vor dem Behaufen des Mais über den Acker geſaet, und nach weggebrachtem Mais zur Weizenſaat untergeackert werden. Cin— quantin wird allenthalben in die Stoppeln des Weizens geſäͤet. Hier ſah ich ackern mit einem Sechsgeſpanne: vier kleinen Ochſen, einer Kuh und einem Eſel. Bei dem Anblick dieſes Zuges konnte ich mich des Lächelns nicht enthalten, obſchon ſich gleich darauf Mitleid über die Unwiſſenheit und Armuth des hieſigen Landvolkes meiner bemaͤchtigte, das zu ſo leichtem Sand⸗ boden ſo viele Thiere und Menſchenkraft verſchwendet, und ſo arm iſt, ſich weder einen beſſeren Pflug, noch beſſeres Zugvieh an— zuſchaffen. Es iſt in dieſer Gemeinde ein großer Holzmangel, weil die Umgebung der Felder viel zu wenig mit Pappeln, Weiden oder anderen Baͤumen bepflanzt iſt. Daher die weite, un— begränzte Ausſicht, die man hier von den Feldern über das Land hin hat. Die Menſchen leben bloß von Mais; den wenigen Weizen, den ſie erbauen, brauchen ſie zur Bezahlung des Pachtes, der in einem beſtimmten Maße Weizen per Campo, in der Hälfte des Weins und der Galetten beſteht. Es iſt ein armes Volk, das ſich in dieſem undankbaren Boden abmühet, um ſein Leben der Reben⸗ eingerölle ehieſigen nſie große das Gras, as dürre, ſbene, wo muß, die à werden, Lzerge von ie Baume inen, die dund nach nen. Cin⸗ n geſct, kleinen Ic diſes ſſchon ſch muth des zem Sand⸗ and ſo arm dgvieh an⸗ ggel, weil 5, Weiden zeite, un⸗ t das Land 51 Weizen/ ztes, der in der Hälfte les Volk, ſein Leben 13. Auguſt. Friaul. 227 kümmerlich fortzubringen, und den hohen Grundzins zu entrich⸗ ten. Waͤre die Bevölkerung minder groß, ſo würden ſich nicht ſo Viele um Pachtungen bewerben, und der Zins würde billi— ger ſein; ſo aber leben 2—3 Familien auf einer kleinen Be⸗ ſitzung von 10—12 Joch Ackerland, und man kann ſich vor⸗ ſtellen, wie kärglich hier die Lebensfreuden den Menſchen zuge⸗ theilt ſind. Ein Mitglied des Gemeindeausſchuſſes, Antonetti, be⸗ gleitete uns auf unſerer Wanderung durch die Gründe der Ge— meinde. Es iſt derſelbe, deſſen Wirthſchaft und Größe der Pach— tung ich in dem Abſchnitte über den Pachtwerth der Gründe berechnet habe. Dieſer Bauer hat im Dorfe ein eigenes Haus, und einige Campi Ackerland dazu, die ihn aber nicht ernähren würden, weßwegen er in Gemeinſchaft mit ſeinem Bruder die beſchriebene Beſitzung Gallici in Pachtung genommen hat. Beide Brüder ſind verheirathet, und haben Kinder; allein nur der ältere iſt der Director des Hausweſens, dem Alles folgen muß, der Alle verköſtet und kleidet, und der über das Wenige, was erſpart wird, disponirt. So iſt es durch ganz Italien, wo ich ſehr oft 2—3 Familien auf einer Colonie antraf, die alle einem ſelbſt gewaͤhlten Oberhaupte gehorchen. 13. Auguſt. Betrag der Grundſteuer, die die Provinz Friaul früher und gegenwärtig zahlt. Menge von herumziehenden Muſikanten am Jahrmarrte⸗ Die Provinz Friaul verarmte durch die im Jahre 1806 durch die Franzoſen eingeführte und in den folgenden Jah— ren 1309, 10 und u1 immerfort höher getriebene Grundſteuer. Seit dieſer Zeit hat man dieſe Steuer bedeutend vermindert, wie aus folgender Überſicht erhellet. Nun ſcheint die Provinz wieder an Wohlſtand zuzunehmen, wenigſtens verſicherte man 15* 228 13. Auguſt. Udine. mich, daß die gegenwaͤrtige Steuer mit Leichtigkeit erhoben würde, und daß man Steuerpaäͤchter zu ſehr mäßigen Bedingun⸗ gen bekomme. Betrag der Grundſteuer ſammt den Zuſchlägen für die Provinzial⸗ und Gemeindeauslagen in Mailänder Lire: im Jahre 1306. 783,482. »„ 2 1807.«·..*. ·.. 1,535,525. „» 1808.... 3,559,307. 7»v 138⁰9.„. 47,029,27 40. „„ 1810. Pe.. 4,138,4 52. „„ 1811. 7.. 2,966,963. „„ 1817ã7.. 2,555,250. Im Jahre 1322 betrug die Grund⸗, Haͤuſer— und Gemeindeſteuer Lire auſtriache 2,535,734. in Mailäͤnder Lire 2,632,372. Einen großen Theil des Tages hatte ich mit den beiden Schaͤ⸗ tzungs⸗Inſpectoren zugebracht. Abends war ich wieder im Pfer⸗ derennen. Es ſcheint, daß alle Baͤnkelſängerinnen und Lautenſpieler der ganzen Provinz ſich auf den Markt nach Udine begeben; denn bei Tiſch wechſelte eine Truppe mit der andern ab, und am Abend im Kaffeehauſe ſang und klimperte man von allen Seiten. Trotz der großen Menge von Fremden glaube ich doch, daß dieſe Künſtler hier ſchlechte Geſchäfte gemacht haben werden, denn ich ſah nicht, daß ſie von den Zuhörern mehr erhielten, als man gewöhnlichen Bettlern gibt. Nei t erhoben Bedingun⸗ ſchlaͤgen zlagen 192. .25. 207. .40. 5 57. 5 65. .56. 2 5/734. 21,31. in Schi⸗ E im Pfer⸗ D tenſpieler a begeben; „, undam 11 Seiten. — daß dieſe — denn ic — als man 14. Auguſt. Görz. 22²9 14. Auguſt. Reiſe von Udine nach Görz. Guter Stand der Früchte zunächſt der Stadt. Schlechter Boden und elender Stand der Früchte bis zum Judri. Gu⸗ ter Boden und ausgezeichnete Cultur im Gorzerkreiſe von Brazzano bis Gorz. Schöne Weingärten in Cormons. Nach Tiſche fuhr ich über Cormons nach Görz. In der Naͤhe von Udine ſind die Felder gut beſtellt, und Mais und Cinquantin verſprechen eine gute Ernte. Wenn man aber einige Miglien ſich von der Stadt entfernt hat, ſo hort die durch den Stadtdünger bewirkte Vegetation auf, und man ſieht wieder die weite Ebene mit wenigen Maulbeerbäumen. Bis man zum Judri, der Gränze des lombardiſch-venezianiſchen König— reichs, kommt, dauert der ſchlechte, dürre, mit Geröll erfüllte Boden. Hier aber, am Abhange der Hügel von Brazzano, andert ſich gäh der Anblick des Landes. Man kommt in ein mit Weinreben und Maulbeerbaumen und fruchtbaren Feldern erfüll⸗ tes Land, das an Schönheit und Fruchtbarkeit bis Cormons immer zunimmt. Die Weingärten von Cormons gehören zu den ſchönſten, und übertreffen alle, die ich in der Lombardie ſah; ſo wie die berebten Acker beſſer cultivirt ſind als alle venezianiſchen. Die Fruchtbarkeit des Bodens und die Induſtrie ſeiner Bewohner machen Cormons zu einem ſehr wohlhabenden Orte. ——— 15. Auguſt. Rückkehr nach Trieſt. Abſchied vom Leſer⸗ Von Görz nach Trieſt. Da ich mir vorgenommen habe bei einer andern Gelegenheit meine Bemerkungen über den Zuſtand der Landwirthſchaft im öſterreichiſchen Küſtenlande mitzutheilen, ſo enthalte ich mich 230 15. Auguſt. Trieſt. hier über die Landwirthſchaft der Umgebung der freundlichen Stadt Görz, ſo wie über die des ſteinigen Karſtgebirges zwiſchen Monfalcone und Trieſt zu ſprechen, und beſchließe dieſes Tagebuch mit dem Wunſche, daß das Durchleſen deſſelben meinen Leſern ſo viel Vergnügen möge gewährt haben, als mir das Schreiben deſſelben, wahrend welchem ich Abends im Gedanken die Reiſe wiederholte, die ich wenige Stunden früher am Tage gemacht hatte. II. Beſchreibung der Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. wit Beſchreibung der Landwirthſchaft Ober⸗Italien. Da eine erſchoͤpfende und umſtäͤndliche Beſchreibung der Land⸗ wirthſchaft von Ober⸗Italien, ſo wie ſie in den verſchiedenen Provinzen dieſes Landes vorkommt, zu wenig Intereſſe haben dürfte, ſo habe ich es gerathener gefunden, nur jene Zweige des Landhaushaltes, welche die Italiener ſelbſt, und daher um ſo mehr uns Deutſche anzuſprechen befugt ſind, mit einiger Um⸗ ſtändlichkeit zu behandeln; die übrigen Gegenſtände aber nur in ihren Umriſſen anzugeben, jedoch ſo, daß alles das, was dem Landwirthe hievon zu wiſſen nöthig iſt, genau angegeben, und wenn ein eigenthümliches Verfahren hiebei Statt findet, daſſelbe ebenfalls beſchrieben werde. Dieſem zu Folge theile ich die Beſchreibung der Landwirth⸗ ſchaft von Ober-Italien in folgende Abhandlungen. A. Vom Ackerbaue. a. Vom Ackerbaue im Allgemeinen. b. Von der Cultur der Getreidearten und Futterpflanzen. B. Von der Cultur der Weinreben. C. Von der Cultur der Oliven. D. Von der Cultur der Limonien, Frucht⸗ und Kaſtanien⸗ baͤume. E. Von der Cultur der Maulbeerbaͤume, und der Größe der Seidenzucht. 234 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. F. Von der Anlage, Pflege und dem Ertrage der Wieſen in der Lombardie. G. Vom Arbeitsviehe und den Kühen. II. Von der Erzeugung des Parmeſankäſes. .—yyy-— Außer dieſen rein landwirthſchaftlichen Abhandlungen folgen dann noch einige andere, welche mit dem Ackerbaue nur mittel⸗ bar zuſammenhängen, und zum Theile ſtatiſtiſchen, zum Theile ſtaatswirthſchaftlichen Inhaltes ſiad. Hieher gehören die Ab⸗ ſe ſchnitte: der III. Von der abſoluten und relativen Größe der directen Steuer V G' und ihrer Umlage im lombardiſch⸗venezianiſchen König⸗ Fu reiche. V Ge IV. Vom Kauf⸗ und Pachtwerthe der Gründe. V. Vom Zuſtande, in welchem ſich die Pächter und Taglöh⸗ 1 ner befinden, und wie ihre Lage verbeſſert werden könn⸗ b te, ohne daß die Grundbeſitzer hiebei einen Nachtheil er⸗ litten. dn VI. Kurzgefaßte Geſchichte des mailändiſchen Cataſters, und r Darſtellung des gegenwaͤrtigen Zuſtandes deſſelben. 1 VII. Von der Handels⸗Bilanz der lombardiſchen Provinzen V ſc und den Preiſen der natürlichen Producte in den lombar⸗ b in diſchen, venezianiſchen und küſtenländiſchen Städten. ji te jeſen lgen ittel⸗ heile Ab⸗ eller inig— i⸗ ll⸗ er⸗ und 235 A. Vom Ackerbaue. — a. Vom Ackerbaue im Allgemeinen. Da der italieniſche Ackerbau in ſo vielen Stücken, im Allge⸗ meinen ſowohl, als im Beſonderen von dem deutſchen abweicht, ſo iſt es nothwendig, daß ich früher erg von dem Eigenthümlichen der Vorbereitung der Felder ſpreche: Vom Pflügen, Umgraben, Eggen, Düngen; dann von der Ernte, vom Dreſchen und vom Fruchtwechſel, ehe ich zur Beſchreibung der ſpeciellen Cultur der Getreidearten und der Futterpflanzen übergehe. 1. Vom Pflügen, Eggen und Umgraben. Der Pflug, deſſen man ſich zum Wenden des Bodens im lombardiſch⸗venezianiſchen Königreiche bedient, iſt im Allgemei⸗ nen ein plumpes, völlig fehlerhaft gebautes Werkzeug, mit ei— nigen, jedoch nicht ſehr bedeutenden Modificationen in den ver— ſchiedenen Provinzen, wodurch aber ſeine Geſtalt und Wirkung im Weſentlichen nicht geaͤndert wird.— Nur allein zwiſchen Piz— zighettone und Cremona habe ich einen ziemlich gut gebau— ten Pflug angetroffen, in allen übrigen Orten aber, vom Iſon— zo bis zum Po, iſt das Schareiſen ſchmal und zweiſchneidig, ſtellt nämlich einen ganzen Keil vor, und das Secheiſen iſt ſo ſtark gegen die Landſeite geſtellt, daß dadurch nicht ein Abſchnei— den des Erdſtreifens, ſondern nur ein Abdrücken deſſelben Statt haben kann. In den venezianiſchen Provinzen ſieht man faſt durchgehends Räderpflüge, in der Lombardie nur Schwingpflüge, welch' letztere aber von den niederländiſchen oder englaͤndiſchen eben ſo weit unterſchieden ſind, wie eine vom Dorfſchloſſer ge— machte Uhr gegen eine von Breguet. In dieſer Hinſicht ſind die 236 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. Italiener ſehr zurückgeblieben, und ſtehen nicht allein den Eng— laͤndern, Niederländern, ſondern auch den Deutſchen weit nach, die zwar auch nicht allenthalben die beſt geformten Pflüge haben, deren ſchlechteſte aber beſſer ſind als die beſten, die man in Ita⸗ lien ſehen kann.*) Indeſſen ſcheint doch einigen Landwirthen der Nutzen beſſer geſtalteter Pflüge einzuleuchten, denn in Padua ſah ich bei ei⸗ nem Schmide vor ſeiner Werkſtätte einen neuen Brabanterpflug, und auf mein Befragen, wer ihn gemacht habe, erfuhr ich, daß er der Verfertiger deſſelben ſei, und daß er ſchon 20 ähnliche in verſchiedene Gegenden der Provinz geſchickt habe. Der Plumpheit des landesüblichen Pfluges muß man es zu⸗ ſchreiben, daß man vor demſelben nur ſelten zwei Ochſen, faſt immer vier, und nicht ſelten ſechs angeſpannt ſieht;**) daß ſich Menſchen und Thiere mit der Pflugarbeit abplagen, und daß ein friſch geackertes Feld mehr einem umgewühlten, als umge— pflügten Felde gleich ſieht. Die Beilage, Fig. I. ſtellt den in der Lombardie gewöhnli⸗ chen Pflug dar, der ein Schwingpflug iſt. Er iſt getreu nach ei— nem Original gezeichnet. In einem leichten, mürben Boden kann man auf 4—5 Zoll Tiefe ziemlich gut damit pflügen, wenn *) Wie Herr Profeſſor Moretti(Elementi di agrieoltura teorico-pra- tica. Milano, 1826. III. Th. S. 1¹2), nachdem er erſt die Eigenſchaften eines guten Pfluges umſtändlich angibt, folgern konnte, daß von den verſchiedenen, bisher bekannten Pflügen keiner allen dieſen Forderungen beſſer entſpreche, als der italieniſche, von dem er ſelbſt bekennt, daß er von dem der alten Römer und Egyptier wenig abweiche, kann nur dadurch erklärt werden, daß man vorausſetzen muß, daß er dieſer Opera⸗ tion bisher zu wenig Aufmerkſamkeit geſchenkt hat, nie den Pflug ſelbſt in die Hände nahm, nie einen beſſer geformten Pflug durch einen des Pflügens kundigen Mann arbeiten ſah, und nie mit einem Kräftemeſſer den Kräfteaufwand bei der Anwendung der dortigen Pflüge unterſuchte, und mit anders geformten Pflügen verglich. **) In Quiſtello, Provinz Mantua, und in der ganzen dortigen Ge⸗ gend, ſpannt man 5—6 Paar Ochſen vor den Pflug. In der Nähe von Udine ſah ich vier Ochſen, eine Kuh und einen Eſel zuſammen im Zuge. . d —eh 2 e karne i. . 2 f, 1ehe S Vuch. I 0 fug, „daß he in s zu⸗ „faſt j ſi daß nge⸗ nli⸗ hei⸗ doden wenn =1 2 S=Z — — ſugte, Ge⸗ evon n im wenn gen. lihſt nen ter d wir wir vort Mai 7 ftür, Vom Ackerbaue. 237 der Boden aber zaͤhe iſt, oder Steine im Untergrunde hat, ſo wird er leicht aus der Furche geworfen. Solche Pflüge werden, was das Holzwerk betrifft, gewöhn⸗ lich von den Colonen ſelbſt gemacht, und nur das wenige Eiſen— zeug wird zugekauft, und bleibt ſo lange daran, als es hält, wenn die Schar auch ſchon läͤngſt durch die Abnützung die Breite verloren hat, die ſie nothwendig haben ſollte. Die gewöhnliche Tiefe, zu der man pflügt, beträgt 4 bis 6 Zoll(11 bis 13 Centimeter), doch iſt die erſtere Tiefe viel haͤu— figer wie die letztere, wie ich mich oft überzeugte; nur in ſelte— nen Fallen wird 7 Zoll tief gepflügt. Bei der Coltura mag— genga, oder agoſtana, wird immer beim erſten Pflügen mög⸗ lichſt tief geackert, und da die Vorbereitung des Bodens, die un— ter dieſem Namen in der Lombardie bekannt iſt, als ein weſent— liches Bedingniß zum Gedeihen der Wechſelwieſen und als das beſte Vorbereitungsmittel beim Getreidebaue angeſehen wird, ſo iſt es nothig, daß ich hier dieſes Verfahren näher angebe. In ganz Italien kennt man die Brache nicht mehr, und nirgendwo macht man vielleicht reichere Körnerernten, als in den bewaͤſſerten Provinzen dieſes ſchönen Landes. Man hat ſich überzeugt, daß man den Zweck der Brache: Reinigung und Pülverung des Bodens, in viel kürzerer Zeit zu erreichen im Stande iſt, als man ehemals dazu anwendete, und man be— wirkt jetzt in ſo vielen Wochen das, wozu man früher eben ſo viele Monate für nöthig erachtete.— Zu dieſem Behufe wird der Acker entweder im Frühlinge vor der Saat, oder nach der Ernte im Sommer mehrmal gepflügt und geeggt, um ihn möglichſt von den Graswurzeln zu reinigen, und alle ſeine Theile mit der Luft und der Sonne in Berührung zu bringen. Nach Verſchiedenheit der Jahreszeit, in der man dieſe Arbeiten vornimmt, nennt man ſie entweder Coltura maggenga— Maipflügen— oder Coltura agoſtana— Auguſtpflügen. Bei der erſteren wird das Feld im Herbſte vor dem Froſte ge— ſtürzt, worauf es im Frühling, ſobald es abgetrocknet iſt, erſt 238 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. geeggt, dann in die Quere geackert und ſogleich wieder geeggt wird. Nun wird es ſpäter nach der Länge gepflügt, geeggt und jetzt mit Dünger überführt, welcher ſogleich untergeackert wird, worauf man das Feld mit Mais, Sommerraps, oder auch wohl mit Hafer und Klee beſtellt. Bei der letzteren wird das Feld nach weggebrachtem Winter⸗ weizen oder Winterlein geſtürzt, worauf es nach acht Tagen geeggt und ſogleich in die Quere geackert, und auch ohne Verzug in die Quere und Länge geeggt wird, damit die Erdſchollen ver— kleinert und alles Wurzelunkraut zum Vertrocknen auf die Ober— fläche gebracht werde. Wenn im thonigen Boden der Acker in große Schollen aufgepflügt, und die Egge nicht im Stande iſt ſie zu zertheilen, ſo muß man dann zu hölzernen Hämmern ſei⸗ ne Zuflucht nehmen, mit denen dieſe Schollen zerſchlagen wer— den.— Nun wird das drittemal gepflügt, worauf das Feld bis zur Saatzeit liegen bleibt, wo es wieder gepflügt wird. Bei der Coltura agoſtana iſt es gewöhnlich das Feld viermal zu pflügen, und es dann mit Weizen oder Winterlein, ſelten wo mit Roggen, zu beſtellen. Wenn man aber nach dem dritten Pflügen ſich überzeugt, daß die Unkrautswurzeln nicht vollkommen getilgt ſind, ſo wird das Feld noch einmal, alſo fünfmal gepflügt. Mittels der Coltura maggenga iſt man nicht im Stande das Feld ſo rein zu machen, als mittels der agoſtana, weil das Ackern im Herbſte und Frühlinge wohl dazu dient den Bo— den recht mürbe, nicht aber ihn ſo rein zu machen, als dieß bei dem Pflügen im Sommer geſchieht, wo jeder Pflanzentheil, ſo wie er zur Oberfläche gebracht wird, ſogleich verdorrt; weßwe⸗ gen man auch, und mit Recht, nur die letztere als dem Zwecke vollkommen entſprechend und den großen Aufwand vergütend anſieht. Ich habe übrigens dieſe brachähnliche Vorbereitung des Bo⸗ dens nur in den bewäſſerten Provinzen, und nirgendwo in den trocknen angetroffen. Wo ſollten auch die armen Colonen dieſer letter d T ſchein auch gend erläf Koſt des A und lang fuiſ kein geeggt gt und wird, hwohl Vinter⸗ Tagen Verzug en ver⸗ Ober⸗ ker in nde iſt ern ſei⸗ wex⸗ d bis Feld lein, ˖dem nicht „alſo tande weil Bo⸗ ß bei l, ſo eßwe⸗ wecke itend Vom Ackerbaue. 239 letzteren Provinzen die Mittel hernehmen, auf die Vorbereitung des Bodens eine ſo große Vorauslage zu verwenden? Wahr⸗ ſcheinlich würde ſie ſich bloß als Vorbereitung des Getreidebaues auch nicht bezahlen, und wenn man ſie in den bewäſſerten Ge— genden zur Umſtaltung der Acker in Wechſelwieſen nicht für un— erlaͤßlich hielte, ſo würde man ſich auch da nicht einem ſo großen Koſtenaufwand unterziehen, der übrigens durch die Anwendung des Extirpators bedeutend vermindert werden könnte. Die Egge iſt in der Lombardie nicht ſo mangelhaft als der Pflug, dafür aber iſt ſie in den venezianiſchen Provinzen deſto unvollkommener, und beſteht nur aus zwei Balken, in welchen lange eiſerne Nägel ſtecken, womit man die oberen Theile der friſch umgeackerten ſchmalen Beete ebnet. Man hat hier gar keinen Begriff von dem Zwecke und dem großen Nutzen dieſes wichtigen Werkzeuges.. Die übrigen Geräthe: Wagen, Schaufel, Haue, ſind von den unſeren nicht ſehr verſchieden, nur fand ich ihre Wäͤgen alle ſo ſtark im Holze, daß ſie dadurch um die Häͤlfte ſchwerer ſind als unſere. Dauerhafter ſind die italieniſchen Wägen ge⸗ wiß, ſie bedürfen aber auch mehr oder ſtärkeres Vieh zum Zuge. In einigen Gegenden der Lombardie wird, wie in Tosca— na und den Niederlanden, die Erde nach einer beſtimmten Reihe von Jahren mit der Schaufel umgegraben. Ein ſolches Verfahren ſah ich im Hügellande des Bezirkes Appiano, bei Locate, und dann in der Ebene zwiſchen Caprino und Ber⸗ gamo. Im erſtern Orte wurden die mit Weinreben bepflanzten Felder, im letztern aber auch nackte Acker umgegraben. Wie ge— ring hier die Menſchen ihre Arbeit veranſchlagen, geht daraus hervor, daß ein rüſtiger Arbeiter nur eine halbe Pertica= 91 ◻ Klafter in einem Tage umzugraben vermag, und folglich 13 Tagwerke für ein Joch braucht, das man ihm für drei Gulden umpflügt. Weil er aber dieſe drei Gulden nicht hat, und ſich auf irgend eine andere Weiſe auch nicht mehr zu verdienen weiß, ſo unterwirft er ſich dieſer beſchwerlichen Arbeit, die er ſich nicht 240 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. höher als zu zehn Kreuzern veranſchlagen kann, in der Hoff⸗ inet nung, daß ihm durch den erhöhten Ertrag des umgegrabenen dakte Feldes der Reſt des fehlenden entſprechenden Taglohns vergütet Felder werden wird. iine: Die kleinen Beſitzungen in der Umgebung des großen rühme Sees und jenes von Como werden ſammt und ſonders mit V die 8 Schaufel und Haue umgegraben. V G dolo 2. Vom Dünger. eenu Jh Man theilt den Dünger gewöhnlich in mineraliſchen, ds u vegetabiliſchen und animaliſchen ein, und rechnet den ma. Stalldünger zur letztern Art, obgleich er nur zu einer gemiſchten beine gehört. von Rein animaliſcher Dünger: Klauen, Hörner, Wol⸗ allcen lenlappen, Abfalle von thieriſchen Häuten u. ſ. w. ſah ich b Miſſte nirgendwo anwenden, auch betragen dieſe Subſtanzen in allen ſtang d Laͤndern nur einen unbedeutenden Theil des Düngerbedarfes, ſo enth daß ſie in einem großen Überſchlage kaum bemerkt zu werden d verdienen. fältt Der Stalldünger iſt in Italien ſo gut, wie in Deutſch— esf land, jenes Material, wodurch man die Felder in fruchtbaren und Zuſtand verſetzt und darin erhält. Seine Bereitung iſt da eben ſeht ſo vernachlaͤſſigt, wie bei unſeren gemeinen Bauernwirthſchaften, fäll und die Sorgfalt der Schweizer in der Sammlung und Anwen— dann dung des feſten und flüſſigen Düngers wird von ihren Nachbarn, den Lombarden, nicht im kleinſten Puncte nachgeahmt.— Zur beder Duüngung der Wechſel- und Winterwieſen wird der Dünger wäh— kn, rend des Frühlings und Sommers unmittelbar auf die zu bedün⸗ häuſ genden Wieſen geführt, in große Haufen aufgeſchichtet, in de— V geri nen er bis zum October oder November fault und ſich auf eine nen! bedeutend kleinere Quantität reducirt.— Herr Berra, der un⸗ Vode terrichtetſte Landwirth in der Lombardie, von dem ich in der V ſhlech Folge noch oft zu ſprechen Gelegenheit haben werde, hat auf V nühſte brf benen rgütet doßen s mit tſch⸗ aren eben ften, wen⸗ arn, Zur väh⸗ dün⸗ de⸗ eine Vom Ackerbaue. 241 ſeiner Wirthſchaft zu Creſcenzago bei Mailand eine ge⸗ deckte Miſtſtätte auf den vom Wirthſchaftshofe mehr entfernten Feldern errichtet, in dem auf einer Unterlage von Ackererde eine 5 Fuß hohe Lage von Stallmiſt aufgeſchichtet lag. Er rühmte die Qualität dieſes Düngers, und verſicherte mich, daß die Koſten der Errichtung des Daches reichliche Zinſen trügen. Ob der Dünger in der Wirthſchaft, die dem Grafen Dan— dolo zu Vareſe gehört, gegenwärtig noch unter Dach gehal— ten wird, wie vormals, vergaß ich nachzufragen, als ich da war. Ich zweifle aber ſehr daran.— Dandolo rühmt den Vortheil des unter Dach aufbewahrten Düngers ſehr(Opera postu- ma. Milano, 1819. S. 155), er ſcheint aber außer Berra noch keinen Nachahmer gefunden zu haben. Ich halte dieß Verfahren von der größten Wichtigkeit, und zweifle nicht, daß man ſich allgemach von den Vortheilen deſſelben überzeugen und uüber jede Miſtſtätte ein leichtes Dach machen wird, um dieſe koſtbare Sub— ſtanz den heißen Sonnenſtrahlen und heftigen Regengüſſen zu entziehen. Übrigens muß man den Italienern nachſagen, daß ſie ſorg— faͤltig alle düngenden Materien ſammeln. Die Colonen halten es für keine Schande die Kloaken in den Städten zu reinigen, und den Inhalt auf ihre Felder zu führen, und auf den Straßen ſieht man fortwährend Kinder und alte Leute beſchäftigt, die Ab— fälle der Thiere zu ſammeln und inz Haufen zu bringen, die ſie dann den Landwirthen verkaufen. Die vielen Städte und Flecken in Italien tragen auch ſehr bedeutend zur Vermehrung der Düngermaterien bei. Die Kloa— ken, das Kehricht der Straßen und der Haͤuſer, die Ställe der Gaſt— haͤuſer und Pferdehaͤlter werden ſorgſam benützt, weil der Dün⸗ ger in einem ſo ſtark bevölkerten, mit ſo guten Straßen verſehe— nen Lande hoͤher geſchätzt wird, als anderswo, wo Grund und Boden einen kleineren Geldwerth hat, und die Straßen ſo ſchlecht ſind, daß man den Dunger der Städte nur in die nächſte Umgebung derſelben verführen kann. J. 16 242 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. 2 Von rein vegetabiliſchen Düngermaterialien ſah ich nur allein den Schlamm der Bewäſſerungs⸗ und Einfrie⸗ digungsgräben, und die ausgepreßten Samenkörner der Olrüben verwenden. Die Olrübenkuchen werden gepülvert und über die Wieſen geſtreut: da aber die Cultur dieſer Olpflanze noch ſehr beſchränkt iſt, ſo betraͤgt die Quantität dieſes Düngermaterials im Ganzen nur wenig. Man zahlte für 100 Pf. 1 fl. 12 kr. und bedarf für ein Joch Winterwieſen, für die man ſie bisher in Anwendung brachte, 18 Zentner. Unter dieſe Rubrik gehört aber auch der grüne Dünger. Obwohl die Stoppeln der Felder und die Wurzeln der Kleeäcker als grüner Dünger betrachtet werden müſſen, ſo verſteht man doch gemeiniglich unter grünem Dünger— Soverscio— nur eine Pflanze, die man gefliſſentlich in das Feld ſäet, um ſie wäahrend der Blüthezeit, oder gleich nach derſelben unterzupflü⸗ gen, damit ſie der darauf folgenden Frucht zum Dünger diene. Seit der graueſten Vorzeit hat man in Italien die Feigbohnen, Lupinus albus, zu dieſem Behufe angewendet, und wendet ſie noch an, mehr aber in Unter- als in Ober-⸗Italien, denn was ich von Lupinendüngung im lombardiſch-venezianiſchen Königrei⸗ che ſah und hörte, zeugt nicht von einer großen Anwendung die— ſes Mittels, auch macht man nur im leichten, loſen Boden Ge— brauch von demſelben. Die größten Lupinenfelder fand ich zwi— ſchen Mailand und Vareſe, und dann in Friaul: ſie wa— ren zur Zeit meiner Anweſenheit in dieſen Gegenden, in den Sommermonaten, blühend und beſtimmt reife Früchte zu tra⸗ gen. Zur Düngung der Winterfrucht werden ſie im Auguſt ge— ſdet, und im October oder November untergeackert, worauf das Feld ſogleich beſäet wird. Unweit Como ſah ich in die rings um jeden Maulbeerbaum gelockerte Erde Lupinen geſäet, um ſie ſpä⸗ ter unter die Erde zu vergraben, was gewiß ſehr klug iſt. In Friaul werden die Lupinen vor dem Anhaͤufen des Mais über das Feld geſaͤet, worin ſie bis zur Zeit der Winterſaat wachſen, wo ſie dann untergeackert werden. Daß man in Toscana mit Luwine geüdt ausS Pergl gen( dießf in ſie ſ mit; wonh lonnbau den Hr Lrtta Roße neh! an? und eiſer vertie ſrane ſchrie wend in It lieniſe b erde F Landſt ich früt auch in Vom Ackerbaue. 243 Lupinenkörnern, nachdem man früher die Keimkraft in ihnen getödtet, Pomeranzen⸗ und Limonienbäume dünge, wiſſen wir aus Sismonddi's Beſchreibung der toscaniſchen Landwirthſchaft. Vergleichende Verſuche über den Werth der Lupinendüngung ge⸗ gen Stalldünger hatte Niemand angeſtellt, bei dem ich mich dießfalls erkundigte, und die landwirthſchaftlichen Schriftſteller in Italien kennen zu wenig den practiſchen Ackerbau, als daß ſie ſich um ſolche Gegenſtaͤnde bekümmerten. Die grüne Düngung mit Roggen, die Giobert in Turin vorgeſchlagen hatte, und womit er allen Stalldünger überflüſſig machen wollte, iſt laͤngſt wieder verſchollen. Von mineraliſchen Düngermitteln kennt man hier: Gips, friſche und ausgelaugte Aſche, Salpetererde, Bauſchutt und Kalk. Gips wird in den venezianiſchen Provinzen mehr als in den lombardiſchen angewendet, und ſein Gebrauch verbreitet ſich in den Provinzen Vicenza und Verona immer mehr, wo er den Ertrag der häufig da vorkommenden Luzernefelder machtig ver⸗ größert. Auch in der Umgebung von Mailand wird er immer mehr bekannt, und ſein Gebrauch gewinnt von Jahr zu Jahr an Ausdehnung. Man kauft ihn überall in großen Stücken, und pülvert ihn zu Hauſe entweder in ſteinernen Mörſern mit eiſernen Keulen, oder in einem ſteinernen Troge mittels eines vertical aufgeſtellten, und darin auf und ab bewegten Mühl⸗ ſteines.— Daß die Wirkung des Gipſes dem Schwefel zuge⸗ ſchrieben werden müſſe, und daß der Schwefel, für ſich ange— wendet, dieſelbe Wirkung wie der Gips hervorbringe, wußte in Italien noch Niemand, weßwegen man in den neueſten ita— lieniſchen Lehrbüchern noch immer das alte Gerede antrifft. Friſche und ausgelaugte Aſche, und ausgelaugte Salpeter⸗ erde wird allenthalben über die Wieſen geſtreut, und in dem Landſtriche zwiſchen dem Adda und dem Brembo, von dem ich früher ſagte, daß er mit der Schaufel umgegraben würde, auch in die Acker geführt. Die Landwirthe dieſer Gegend fahren 16*¾ 244 LCandwirthſchaft von Ober⸗Italien. in der Umgebung allenthalben herum, um Aſche, Ruß und Pott⸗ iden aſchenerde zu erhalten, die ſie dann nebſt Kalk in ihre Felder brin⸗ ſe. bohe gen, welche ihnen, ohnerachtet die Erde keineswegs ſehr bindig gn iſt, doch bei dieſer Behandlung ausgezeichneten Ertrag gewähren. V hols Bauſchutt ſah ich in der Umgebung der Stadt Lodi auf b 4 eine Entfernung von zwei Stunden führen, um damit Wie— b ſn ſen zu düngen. Es war mit dem zerfallenen Mörtel viele b De fruchtbare Erde gemengt, und man zahlte eine Lira für die M cubiſche Elle. Man ſagte mir, daß man dieſe Erde von Lodi Jon vecchio hole. Kalk wird als Dünger in vielen Gegenden der Provinzen Co— terl mo, Mailand und Bergamo angewendet. In Mozzate V wi und den benachbarten Ortſchaften, auf der Straße von Mai— lch land nach Vareſe, iſt es ein alter Gebrauch Kalk als Dünger li anzuwenden. Man bringt ihn im Auguſt von der Umgebung von felh Vareſe, wo die Kalköfen ſind, und ladet ihn am Acker ſelbſt lg in Haufen ab, die man mit Erde deckt, die etwas feucht iſt und fte geſchlagen wird, damit der Regen ablaufe. Gegen Ende Octo⸗ giſ bers, wenn die Winterſaat beſtellt wird, werden dieſe Häufchen d geöffnet, in denen man den Kalk in Staub zerfallen antrifft. hie Man miſcht den Kalk mit der Erdenlage, mit der er gedeckt wor— nmm den war, und verbreitet ihn über die Oberfläche des Ackers, ehe für man ihn pflügt. Die gewöhnliche Menge von Kalk, die man zu dieſem Zwecke verwendet, ſind 50 Pfund für die Pertica; vie 598 Wiener Pfund für das Joch. Manche verwenden den zer⸗— 6 fallenen Kalk erſt im folgenden Jahre, und halten ihn, weil geg er jetzt weniger ätzend iſt, ſo wie den Bauſchutt, für thonige, kur zähe Gründe noch vortheilhafter. ben V we 3. Von der Ernte. zuſe M dur Alles Halmgetreide wird in Ober⸗Italien mit der Sichel und geſchnitten, das Mahen deſſelben iſt allenthalben in dieſem Lande vie unbekannt. Die Halme werden nur zur Häͤlfte abgeſchnitten, V Eh dPott⸗ er brin⸗ bindig vahren. di auf it Wie⸗ el viele für die Lodi en Co⸗ ozzate Mai⸗ Duünger g von ſelbſt tund Qeto⸗ uſchen ntrifft. kt wor⸗ s, ehe nan zu rtica; en zer⸗ „well onige/ Sichel Lande tten, Vom Ackerbaue. 245 indem die Schnitter faſt aufrecht duͤrch die Felder gehen. Die hohe Stoppel wird hinterher gelegenheitlich abgemäht. In eini⸗ gen Gegenden der Lombardie wendet man beim Schnitt einen hölzernen Kamm an, den man mit der linken Hand hält, und womit man einen Buſchel Halme ergreift und mit der Sichel ab— ſchneidet, die aber in dieſem Falle eine laͤngere Handhabe hat. Die erſtere Methode iſt die allgemeinſte. Man rechnet, daß ein Mann taͤglich 2 Pertiche Weizen abſchneidet; 4,4 Mann ein Joch täglich. Die Garben werden nicht gleich gebunden, wenn die Wit— terung auch trocken iſt, ſondern erſt am folgenden Tage, und während dieſer Zeit werden ſie einmal gewendet. Es iſt gewöhn— lich ſie gleich vom Felde, wo ſie in gleich weit abſtehenden Reihen liegen, auf die Wagen zu laden, und nach Hauſe zu führen; da— ſelbſt werden ſie, in den kleinen Wirthſchaften in Fiemen, Taßen, gelegt, in den großen Wirthſchaften aber einſtweilen unter Dach aufbewahrt.— Zwiſchen Mailand und Como ſah ich den ab⸗ geſchnittenen Weizen in runden Haufen am Felde zuſammengelegt. Der Acker war rings um dieſe Haufen ſchon gepflügt. Es geſchieht hier das Zuſammenlegen der Garben in Haufen offenbar nur, um Zeit für die Arbeiten der Ernte und des Stürzens der Erde für die Nachfrucht zu gewinnen. Das Schneiden zur Hälfte des Halms gefiel mir ſehr: es iſt viel minder beſchwerlich fuͤr den Arbeiter; ungemein ſchnell, denn es gibt viele einzelne Schnitter, die doppelt ſo viel als ich an— gegeben habe, ſchneiden; wohlfeil; und ſetzt die Ahren in den kurzen, unkrautloſen Garben nicht in die Gefahr des Verder— bens, was ſonſt nicht ſelten geſchieht, wenn hart am Boden weggeſchnitten, und Gras und Klee mit den Getreideſtängeln zuſammen in die Garben gebunden werden. So iſt auch da— durch das Dreſchen viel erleichtert, weil man faſt bloß Ahren, und nicht lange, körnerloſe Halme zu durchdreſchen braucht, wie dieß bei uns der Fall iſt; und endlich geht hierbei an dem Erzeugniſſe des Ackers nichts verloren, denn was die Sichel 246 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. nicht abſchneidet, das fällt ſpäter, bei gemaächlicher Zeit, unter der Senſe, und wird getrocknet zu Hauſe gebracht. 4. Vom Dreſchen. In den kleinen Wirthſchaften wird in Italien allenthalben mit dem Dreſchflegel gedroſchen. Man wählt zu dieſer Arbeit, welche die beſchwerlichſte von allen iſt, die im Haushalte vor— kommen, einen ſonnigen Tag, und legt dann die Garben auf— gebunden den Wirkungen der Sonnenſtrahlen bloß. Die Dreſch— tenne iſt entweder der Hof des Wirthſchaftsgebäͤudes, oder auch wohl ein Platz außer demſelben, der jaͤhrlich geebnet, mit Thon belegt, und feſt geſchlagen wird. So wie die Sonne die Gar— ben erwärmt hat, werden ſie auf die Tenne gelegt und von den Arbeitern durchgedroſchen. Man ſucht immer ſo viele Dreſcher zu bekommen, als möglich iſt, um dieſe Arbeit ſo ſchnell als mög— lich zu vollenden, und zahlt ihnen daher dreimal ſo viel, als bei der gemeinen Arbeit: ſie müſſen aber auch von 4 Uhr Mor⸗ gens bis 3 Uhr Abends angeſtrengt arbeiten. In den großen Wirthſchaften wird das Getreide durch hölzerne Walzen ausgedroſchen, die durch Pferde gezo— gen werden, oder es wird durch die Thiere ausgetreten, was aber in Ober-Italien meines Wiſſens nur allein beim Reiß Statt hat. Die Art, mit den Walzen das Getreide auszudreſchen, iſt uralt, und von Aquileja bis nach Sicilien noch immer dieſelbe, wie ſie von den alten römiſchen Schriftſtellern beſchrieben wird. Es ſind gewöhnlich vier, mit breiten Rinnen verſehene— canne- lirte— Walzen, die auf zwei Achſen ſich bewegen, welche mit— ſammen verbunden ſind und auf denen oft ein Sitz für den Pferde⸗ führer angebracht iſt. Sie werden von den Pferden im Trabe über die auf der weiten Fläche des Wirthſchaftshofes ausgebreiteten Getreidegarben gezogen, und machen durch Druck und Stoß die Körner von den Ahren los.— Wenn die Tage heiß ſind, Ete Vo ſan zieh Bret koent dar unter halden Arbeit, te vor⸗ auf⸗ Dreſch⸗ auch Thon Gar⸗ i den er zu nög⸗ als Ror⸗ durch gejo⸗ was Reiß uralt, ſelbe, wird. anne⸗ mit⸗ ferde⸗ über teten btoß ind, Vom Ackerbaue. 247 und nur an ſolchen nimmt man dieſe Arbeit vor, ſo geht das Ausdreſchen mit Walzen ſehr raſch vor ſich. Rings um Bergamo ſah ich aber noch eine andere, mir völlig unbekannte Methode das Halmgetreide zu entkörnen, die wohl verdient, daß ich ſie näher beſchreibe. Das Werkzeug, das man zu dieſem Behufe verwendet, und Fig. II. abgebildet iſt, beſteht aus einem dicken Brette, das vorne auf einem Rä— dergeſtelle, und hinten auf der Erde aufliegt, wo es am un— teren auf der Erde aufliegenden Theile mit einer dicken, eiſer— nen Schinne belegt iſt. Am oberen Theile des unteren Endes iſt quer über ein ſchmales Brett auf der Kante befeſtiget, um die Steine zurückzuhalten, womit man die Maſchine beſchwert. Vor dieß einfache Werkzeug ſah ich allenthalben Ochſen ange— ſpannt, die es über die auf der Tenne ausgebreiteten Garben ziehen, wobei durch die Reibung des Randes des beſchwerten Brettes gegen den Boden die zwiſchen liegenden Ahren ent⸗ körnt werden. Das Stroh wird zur Häͤlfte zerkleinert, und die darin vorkommenden Ahren traf ich völlig körnerlos. Die Bauern verſicherten mich, daß ſie mit einem Paar Ochſen 4 Moggia, d. h. 9 ½ Metzen Weizen in einem Tage aus⸗ dreſchen.— Da, wo es die Wirtſchaftsverhältniſſe nicht erlau⸗ ben Pferde zu halten, und wo man daher mit den Walzen nicht dreſchen kann, gibt es keine einfachere, minder koſtſpie— lige Vorrichtung das Getreide zu entkörnen als die letztbe⸗ ſchriebene. Das auf irgend eine Art ausgedroſchene Getreide wird bei günſtiger Witterung auf großen Tüchern den Sonnenſtrahlen einige Tage ausgeſetzt, und dann auf den Getreideboden gebracht. Das Strob wird aber in große Haufen, entfernt von den Wirthſchaftshöfen zuſammengelegt, und mit einem Strohdach bedeckt. Solche Strohhaufen ſah ich in der Pro— vinz Lodi in den dortigen großen Wirthſchaften von länglichter Form, viereckig, 3 bis 10 Klafter lang, und 2 bis 3 Klafter hoch und breit. Obenüber brachte man von langem 248 Landwirthſchaft von Ober⸗-Italien, Stroh eine Art Dach an, um das Eindringen des Regens zu verhüten. 5. Vom Fruchtwechſel. Der allgemeine, durch ganz Italien verbreitete Fruchtwech⸗ ſel beſteht darin, daß man in den Ackern abwechſelnd Mais und Weizen baut. Ich möchte daher dieſen Fruchtwechſel den italie— niſchen nennen. Es gibt große Gegenden im Küſtenlande und in den venezianiſchen Provinzen, wo dieſer Fruchtwechſel regelmäßig beobachtet, und außer dieſen zwei Früchten ſonſt gar nichts erzeugt wird. Anderswo hat er durch die Einſchiebung einer Futterpflanze eine geringe Modification erhalten, wie z. B. in manchen Gegenden der Provinzen Friaul, Pa— dua, Vicenza, Verona, Brescia, Bergamo, Como, durch die immer größere Verbreitung der Cultur des Luzernerkleees; anderswo durch den rothen Klee, oder durch den Lein, die Olſaat u. ſ. w. Ich habe gefunden, daß die Lombarden in den bewäſſerten Provinzen die Regeln des Fruchtwechſels viel beſſer verſtehen, als in den trockenen Gegenden, wo es aber auch große Bezirke gibt, wo man einen ſehr vernünftigen Fruchtwechſel beobachtet. Über⸗ haupt glaube ich aus allen Daten, und mit Rückſicht auf den Zu⸗ ſtand der Landwirthſchaft vor 3o Jahren, wie er von Arthur Young dargeſtellt wird, ſchließen zu dürfen, daß man in dieſer Hinſicht bedeutende Fortſchritte in allen Provinzen des lombardiſch-venezianiſchen Königreichs gemacht hat, und daß ſich die Cultur des rothen und Luzernerkleees immer mehr vergrößert. Zum Belege dieſer meiner Behauptungen will ich nun an— geben, welchen Fruchtwechſel ich in den verſchiedenen Provinzen dieſes Landes angetroffen habe. Pr — ſegens htwech⸗ is und talie⸗ nlande vechſel ſonſt jebung „wie Pa⸗ mo, des den erten ehen, gibt, Uber⸗ en Zu⸗ thur in in n des daß mehr n an⸗ inzen Vom Ackerbaue. 249 v A. Bewaͤſſerte Provinzen. a. Ohne Reißceultur. Provinz Mailand. Caſaretto und Creſcenzago.*) 1. Jahr. Mais, gedüngt. 2.» Weizen mit rothem Klee. 2„ Wieſen. 5. Provinz Lodi.— Melegnanello.**) 1. Jahr. Lein. Hierauf wird fünfmal gepflügt, und die Hälfte des Feldes gedüngt. Nachfrucht in dem gedüngten Theile: Hirſe. 1 Weizen, nach Hirſe. 1 Mais, gedüngt. Weizen, nach Mais. 1 2 Wieſe nach Weizen. Wieſe, jahrlich gedüngt. ₰& & Zwiſchen den Weizen wird hier gar nichts geſaͤet, und doch ſah ich die Felder ſchon im erſten Jahre mit weißem Klee überzogen, der durch alle drei Jahre ausdauert. *) Die Cataſtralſchätzung nahm vor 100 Jahren für die beſten Acker in der benachbarten Gemeinde Lambrate folgenden Fruchtwechſel an: 1. Jahr. Mais. 4. Jahr. Wieſen. 2.» Weizen. 5.» Wieſen. 3.» Weizen. 6.» Lein, hierauf Hirſe. **) Die Cataſtralſchätzung gab für dieſe Gemeinde im Jahre 1725 folgen⸗ den Fruchtwechſel an, der von dem gegenwärtigen um ſehr wenig ver⸗ ſchieden iſt: 1. Jahr. Lein. 4. Jahr. Weizen. 2.» Weizen. 5. 3.» Coltura maggen⸗ 6. †» Wieſen. ga. Hirfe. 7. 25⁰ Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. b b. Mit Reißeultur. n Provinz Pavia. San Novo. 1. Jahr. Mais, gedüngt, mit Klee. b 2.» Klee. V 3. 4.» NReiß. Im vierten Jahre etwas gedüngt. 5. 6.» Weeizen. Roncaro.„ Auf der einen Häͤlfte der Acker. 1. Jahr. Mais, gedüngt. 2.» Weizen mit Klee. 3 4 Wieſen, die alljährlich etwas gedüngt 4. werden. 5. 6. ½» Rieeiß, im dritten Jahre wird ſchwach gedüngt. 7.— Auf der andern Halfte der Acker. 1. Jahr. Hafer, gedüngt, nach vorausgegangenem dreimaligen Pflügen. 2.» Lein, mit Klee, zu welchem das Feld neuer⸗ dings viermal gepflügt worden war. 4 31 Wieſen, die alljahrlich etwas gedüngt 4. 4 werden. 5. b )„ Rieiß, im dritten Jahre wird ſchwach gedüngt. 7.] Manchmal wird der Lein ausgelaſſen, und dann wird der Klee in den Hafer geſaet. ngt. üüngt düngt. genem neuer⸗ r. edüngt dungt. wird Vom Ackerbaue. 251 Provinz Lodi.— Vitadone. 1. Jahr. Lein, Nachfrucht Hirſe. 2. 3„ Mais, gedüngt. Reiß ͤ½. .—. Weizen V⅛. .9. Reiß V 4* Wieſen%, ſchwach gedüngt. Weizen c, gedüngt. 91„ Wieſen, jaͤhrlich ſchwach gedüngt. 7. Provinz Mantua. Quiſtello. 1. Jahr. Mais gedüngt. 2.» Weizen. 3,„ Klee. 4.„ Reiß. Dort, wo kein Klee gebauet wird, iſt der Curs drei⸗ jährig. Roverbello. 1. Jahr. Mais. 2,„» Weizen. 35.» Reiß. B. Trockne Provinzen. Provinz Mailand und Como. Zwiſchen Mailand, Como und Vareſe. 1. Jahr. Mais. 21. Weizen ¼, Nachfrucht Cinquantin. 4 Weizen ¼, Klee. Mais. 3. Kle⸗ V’e. 4.» Weizen. Nachfrucht Cinquantin und Hirſe. 25² Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. Provinz Bergamo. uu Umgebung der Stadt. 1. Jahr. Mais. 2.» Weizen mit Klee, und wenn dieſer miß⸗ räth, kommen Lupinen, die man unter⸗ ackert. 3.» Weizen. Nachfrucht Cinquantin und Hirſe. Provinz Mantua. In dem größten Theile dieſer Provinz dürfen die Colo⸗ nen keinen andern Fruchtwechſel beobachten, als den mit Mais und Weizen; nach letzterer Frucht darf keine zweite„ geſdet werden. Der Grund dieſer abgeſchmackten und nachtheiligen Vorſchrift liegt darin, daß die Grundbe— ſitzer glauben, zu ſehr am Ertrage ihres Antheils ver— kürzt zu werden, wenn ihre Paͤchter auf halben Theil Ertrag, irgend eine Futterpflanze baueten. Provinz Verona. In der Gemeinde Chievo, hart vor der Stadt, wird in einem mit Rollſteinen erfuͤllten Boden im erſten Jahre Mais, im zweiten Weizen, und als Nachfrucht Cinquan- ten geſäet. In manchen andern Gegenden, wo der Bo— den eben ſo voll Sand und Rollſteinen iſt, wie hier, bauet man aber Roggen ſtatt Weizen. Ich kann mir keinen ſchlechtern Fruchtwechſel für ſo loſen Boden in dieſem warmen Clima denken, wie den mit Mais und Weizen, die beide einen tiefen, bindigen Bo— den haben wollen. Hätte ich das Unglück dieſen ſchlechten Boden cultiviren zu müſſen, ſo würde ich mit folgen— dem Fruchtwechſel mein Heil verſuchen. b 1. Jahr. Hirſe. 2. v Roggen, gedüngt. —„ Luhzerne, jährlich abwechſelnd mit Gips, 4.—. 71 5 Aſche und Stallmiſt gedüngt. 9 4 er miß⸗ mn unter⸗ d Hitſe. ie Colo⸗ den mit e zweite en und rundbe⸗ ils ver⸗ Theil wird Jahre nquan⸗ er Vo⸗ hier, für ſo en mit n Bo⸗ lechten olgen⸗ hips, Vom Ackerbaue. 253 Provinz Vicenza. In der Umgebung der Stadt beſteht folgender Frucht⸗ wechſel: 1. Jahr. Mais. 4 2.» Weizen. 3.» Rother Klee. 4B.» Weizen. Es iſt dieß wohl der eintraͤglichſte Fruchtwechſel, der für die gegebenen Verhäͤltniſſe möglich iſt, wozu aber auch ein ſo guter und tiefer Boden gehört, als es der hieſige iſt. Provinz Padua. Gemeinde Carturabei Monſelice. 1. Jahr. Weizen. 2.» Weizen. 3.» Mais. Zwiſchen Padua und Eſte ſieht man nirgendwo eine Futterpflanze, auch nur wenige Wieſen: allein der Boden iſt von einer trefflichen Miſchung und großen Tiefe, und gewäͤhrt, ohngeachtet der elenden Bewirth— ſchaftung, doch noch bedeutende Ernten. Provinz Udine. Gemeinde Colloredo Prato. In den beſſern Grundſtücken. 1. Jahr. Weizen. Nachfrucht Cinquantin. 2.» Maiz. 3.„ Mais. In den ſchlechtern Gründen folgt der Mais noch durch mehrere, man ſagte mir, durch 13 Jahre, waͤhrend welcher er alle Jahre etwas Dünger erhält, den man mit den Haͤnden in die Pflugfurche, unmittelbar zum Samen— korn hinzulegt. Schlechter, ſandiger Schotterboden; dür⸗ res, mageres Land, für welches weder Mais noch Weizen, wohl aber Hirſe, Roggen und Buchweizen paſſen!— 25 4½ Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. b. Von der Cultur der Getreidearten und Futterpflanzen. 1. Vom Weizen. Faſt durchgehends wird Bartweizen geſäet, denn man hat die Meinung, daß der Kolbenweizen mehr vom Froſte leide, während der Blüthe von den Nebeln verdorben würde, und dem Vogelfraße mehr unterliege. Die Körner haben ein Mittel zwi— ſchen dem hornartigen und mehligen Ausſehen im Bruche, nei— gen ſich aber mehr zum erſtern. Man ſäet bloß Winterweizen. Die gewöhnliche Zeit der Saat beginnt Anfangs Octobers, und dauert durch dieſen und den folgenden Monat; doch ſuchen fleißi⸗ ge Landwirthe ſie bis Ende Octobers zu Stande zu bringen. Es wird immer obenauf geſäet, und eingeeggt: ich hörte nichts vom Unterpflügen. Da, wo der größte Viehſtand iſt, die größte Menge von Futter gebauet, und in die Thiere verfüttert, und die größte Menge von Dünger erzeugt wird, und wo nebſtbei ein tiefer, fruchtbarer, bewäſſerungsfähiger Boden iſt, muß natürlich das größte Weizenerträgniß gefunden werden. Dieß trifft man auch in den bewäſſerten Provinzen Mailand, Lodi und Pavia an. In der Provinz Lodi, Gemeinde Tavezzano, gab mir der Pächter Frarri an, daß er 8 Star auf die Pertica im Durchſchnitte aller Claſſen rechne, das gibt auf das Joch 20,9 Metzen. In Vitadone gab mir der Pachter Pennaro an, daß er auf die Pertica einen Star ausſäe, und bei der gewöhnlichen Vorbereitung des Ackers 6 Star, nach der Colturaago⸗ ſtana aber 3 bis 10 Star ernte. Das gibt bei 2,61 Metzen Ausſaat 15,6, 20,9 bis 26,12 Metzen pr. Joch Ertrag. In den trocknen Gegenden der Lombardie ſaͤet man nach den Angaben Berra's(Sull' attuale avvilimento del prez- zo dei grani. Wien, 1826. Seite 19) auf die Pertica 46 Me d meine Sta 15/0 der den auff den, erhal in dr zirke ſchließ ih vo fäinme lanzen. man hat te leide, und dem tel zwi⸗ e, nei⸗ veizen. , und ffeißi⸗ ingen. horte Vom Ackerbaue. 255 a Star, und erhaͤlt dafür 4 afachen Samen;= 1,95 Metzen Saat und 3,31 Metzen Ernte pr. Joch. Dandolo(Opera postuma. S. 177) nimmt bei der ge⸗ meinen Bauernwirthſchaft im guten Boden an„ daß man einen Star auf die Pertica ausſae, und 5 ernte,= 2,61 gegen 13,05 Metzen pr. Joch. Er ſagt nicht beſtimmt, wie viel er bei der eignen Bewirthſchaftung erhalten habe; es ſcheint aber nach den Rechnungen zu urtheilen, die er über den Ertrag der Felder aufſtellt, den ſie bei einem zweckmaͤßigen Fruchtwechſel geben wür⸗ den, daß er 7 Star pr. Pertica,= 13,27 Metzen pr. Joch, erhalten habe. Berra's Annahme iſt offenbar zu gering, denn überall, wo ich mich nach dem Ertrage erkundigte, gab man mir gewöhn⸗ lich 5 bis 6 Staran, und ich meine daher, daß Dandolo vollkommen Recht haben mag, bei der gemeinen Colonenwirth⸗ ſchaft 5, und bei einer beſſern Bearbeitung des Bodens? Star pr. Pertica anzunehmen. In der Umgebung von Mantua ſoll man nach der An⸗ gabe des Fattore des Grafen Cocaſtelli einen Sacco pr. Biolca ausſaͤen und 4 ernten,= 3,10 Metzen Ausſaat und 12,4 Metzen pr. Joch Ertrag. Da der Boden in der Um⸗ gebung von Mantua aus leichtem Sande und feinem Gerölle be— ſteht, ſo bin ich der Meinung, daß wohl der Ertrag richtig ange⸗ geben, die Ausſaat aber vielleicht zu groß ſein dürfte, weil ſie mit der in Italien überhaupt Statt findenden nicht übereinſtimmt. Über den Ertrag des Weizens in den venezianiſchen Pro⸗ vinzen muß ich mich auf die Mittheilungen der Beamten der Ca⸗ taſtralſchätzung beſchränken, die ich aber keinen Anſtand nehme für richtig anzuerkennen, da ſich dieſe Beamten damals bereits im dritten Jahre in dem Umfange der ihnen zugewieſenen Be— zirke mit der Erhebung des Naturalertrages der Gemeinde aus— ſchließlich beſchaͤftigten; und dieſe Angaben auch mit dem, was ich von einzelnen Landwirthen in Erfahrung brachte, überein⸗ ſtimmend zu ſein und den örtlichen Verhäͤltniſſen, die auf das 256 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. Gedeihen oder Mißrathen der vruuhn Einfluß haben, zu ent— ſprechen ſchienen. Verona. Gemeinde Chievo an der Etſch. Der höhere Theil der Gemeinde iſt eitel Steingeröll; der niedriger gelegene, wenig gebundener Sand. In der einen, ſo wie in der andern Bodenabtheilung wird Mais und Weizen gebauet. Wie dieſe Früchte aber ausſehen mögen, erhellet aus den Angaben über den Ertrag. Ausſaat pr. Joch 1,17 Metzen. Ertrag in den be⸗ ſten Ackern 8,19, in den ſchlechteſten 2,54 Metzen. Vicenza. Stadtgemeinde. Vortrefflicher, fruchtbarer, tiefer Boden; mürber Lehm, der durch den austretenden Bac— chiglione gebildet worden. Ertrag pr. Joch in den beſten Ackern 13„8, in den mittlern 15,2, und in den ſchlechteſten 12,9 Metzen. Padua. Gemeinde Cartura. Gleicher Boden, wie in Vicenza, nur etwas leichter, und nicht ſo bindig. Ertrag pr. Joch in den beſten Ackern 15„44, in den mitt— lern 11,22, und in den ſchlechteſten 7 Metzen. Dieſe Gegend hat einen ſehr geringen Viehſtand, faſt keine Wieſen und Futterpflanzen, und wirft daher, ohngeachtet des guten Bodens, einen verhaͤltnißmäßig nur ſehr mäßigen Na— turalertrag ab. Udine. Gemeinde Colloredo Prato. Schlechter, ſan⸗ diger, mit kleinem Gerölle erfüllter Boden. Ertrag des Weizens in den beſten Ackern 10,5, in den mitt⸗ lern 9, und in den ſchlechteſten 6,9 Metzen pr. Joch. Es erhellet aus den vorſtehenden Angaben über den Ertrag des Weizens in Ober⸗Italien, daß er ganz derſelbe iſt, wie man ihn in Deutſchland antrifft, und wenn er von dem unſeri— gen abweichet, ſo iſt er nur geringer, in keinem Falle aber grö— ßer. Er ſollte aber in Rückſicht auf das herrliche Clima, in dem die Vegetation nur auf wenige Wochen im Winter unterbrochen iſt, und auf den guten Boden, der in dem größeren Theil die— ſes Landes Statt hat, um vieles größer ſein, und würde es zu ent⸗ höhere ſelegene, tandern Lie dieſe ben über den be⸗ htbarer, en Bac⸗ mittlern wie in mitt⸗ t keine htet des en Nar er, ſan⸗ en mitt⸗ Ertrag ſt, wie unſeri⸗ ber grö⸗ in den brochen eil die⸗ de es Vom Ackerbaue. 257 auch ſein, wenn man in den nicht bewaͤſſerten Provinzen mehr Futterpflanzen cultivirte, einen größern Viehſtand aufſtellte, um mehr Dünger zu gewinnen, und wenn man beſſere Pflüge hätte, und dieſelben auch anzuwenden verſtaͤnde.— Wenn man dieſes geringe Erzeugniß der Hauptfrucht des Landes mit der großen Zahl von Städten und Flecken und der ungeheuer großen Bevölkerung derſelben zuſammenhäͤlt, ſo iſt es nicht ſchwer einzuſehen, daß dieſer Theil von Italien ſehr wenig Weizen zur Ausfuhr übrig hat, ja in nicht ſehr ſeltenen Faͤllen von ſei⸗ nen Nachbarn anzukaufen ſich veranlaßt ſehen würde, wenn die Bevölkerung nicht größtentheils von Mais lebte. 2. Vom Roggen. In alteren Zeiten bauete man in der Lombardie ſowohl, als in den venezianiſchen Provinzen mehr Roggen als jetzt, was aus alten Urkunden und Pachtregiſtern erhellet. In den neueren Zei⸗ ten wird der Roggen immer mehr und mehr verdrängt, und man ſäet gegenwärtig Weizen, wo nach der Natur des Bodens nur Roggen ſtehen ſollte. Solcher Roggenboden, wo auch wirklich noch hin und wieder etwas Roggen gebauet wird, ſind vorzüg⸗ lich vier Ebenen, deren erſte durch eine Linie begraͤnzt wird, die bei Veronabeginnt, dann zum Gardaſee, von da nach Mantua und Legnago, und dann wieder hinauf nach Verona ſich er⸗ ſtreckt; die zweite heißt: Ghiara d'Adda, und iſt zwiſchen den Flüſſen Serio und Adda beſchraͤnkt; die dritte iſt die Ebe⸗ ne von Gallarate inder Lombardie, die noch vor wenigen Men⸗ ſchenaltern eine weite Heide war, und ſich vom Ticino über den Olona bis gegen die Hügel hin, und abwaͤrts gegen Cug⸗ giono und R ho erſtreckt, welche Heide aber gegenwärtig durch die vorgeſchrittene Cultur auf einen kleinen Raum beſchraͤnkt iſt; die vierte endlich ſind die Flußberte der von den juliſchen Alpen niederſtürzenden Ströme: des Piave, Livenzo und Ta⸗ gliamento, die in der Nahe der Berge die Ebene mit grobem J. 17 258 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. Steingeröll bedeckt, weiter abwaͤrts gegen das Meer aber einen trefflichen Boden aufgeſchwemmt haben. Als ich mich in Verona erkundigte, warum man den ganz mit Steinen erfüllten Boden des rechten Etſchufers nicht mehr mit Roggen beſaäete, antwortete mir der Marcheſe Canoſſa, ein Mann, der die Landwirthſchaft beſſer verſteht, als man es bei ſeines Gleichen zu finden gewohnt iſt, daß man ſeit der Zeit, als der Marktpreis des Roggens in keinem natürlichen Ver— hältniſſe mehr zum Marktpreiſe des Weizens ſtehe, und dieſe Frucht am Markte kaum mehr zu verkaufen ſei, weil ſich das Volk des Genuſſes des Roggenbrodes allgemach entwöhnt hat, ſeinen Anbau von Jahr zu Jahr mehr beſchränke⸗ Über das Miß⸗ verhältniß, das zwiſchen dem Preiſe des Roggens und jenem des Mais, dann zwiſchen den Preiſen des Weizens und des Mais obwaltet, habe ich in den Memorie dell' Accademia agraria di Verona. Tom. X. einen intereſſanten Beleg gefunden. Im Mißjahre 1816, vom Juli angefangen bis zum November, war der Weizen nur etwa 10% theurer als der Mais; im Mai 1817 betrug der Unterſchied nur mehr 6%, und im Juni war der Mais ſchon um 5% theurer als der Weizen. In dieſem Monate war der Preis eines Sacco(= 1,862 Metzen) von Weizen Lire 48 Centeſ. 73.(Neue Münze.) „ Mais„ 51 34. » Roggen» 26 I I. Der Roggen war alſo zur Zeit der höchſten Theurung um die Hälfte wohlfeiler als der Mais. Im Juli war der Preis von Weizen Lire 30 Centeſ. 90. »„ Mais„ 41„ 2. » Roggen» 21» 453. Im Auguſt war der Preis von Weizen Lire 27 Centeſ. 47. * Mais» 25» 13. » Roggen»„ 13»„ 94. er einen en ganz ht mehr nnoſſa, man es der Zeit, en Ver⸗ nd dieſe ſich das nt hat, as Miß⸗ nem des 5 Mais graria Im „war 181 dat der Monate Vom Ackerbaue. 259 Vorzüglich bemerkenswerth iſt das Mißverhältniß des Preiſes zwiſchen Weizen und Roggen im Juni, und zwiſchen Weizen und Mais im Juli. Bei der Vergleichung der Marktpreiſe der Getreidearten in den lombardiſchen und venezianiſchen Provinzen habe ich gefun— den, daß der Roggen in den letztern bedeutend niedriger gegen den Mais ſtand, und daß der Unterſchied in den erſteren kaum 2% be⸗ trug, während er in den letzteren auf 20 und mehr Procent ſtieg. Die Umgebung von Monza, und ein großer Theil des kö⸗ niglichen Parkes, hat ſchlechten Boden. Die eingeſchloſſenen Acker werden mit Roggen beſäet, waͤhrend die gleich außerhalb des Parkes gelegenen mit Weizen beſtellt werden. Der Wirth⸗ ſchaftsverwalter ſagte mir, daß man innerhalb des Parkes der Haſen wegen nicht Weizen ſaͤen dürfe, weil er durch dieſe Thiere ganz zerſtört würde, die der Weizenſaat ſehr nachſtellen, die Rog⸗ genſaat aber unberührt ſtehen laſſen. Mir daucht, dieſe Beob— achtung ſei nicht unwichtig. 3. Vom Mais. Der Mais iſt die Hauptfrucht der Italiener, von der ſich die arbeitende Claſſe größtentheils ernährt, und von der ſie glauben, daß ſie bei gleichem Gewichte der Verzehrung beſſer genährt wür⸗ den, als von jeder andern Getreideart, und die ſie deßwegen, wenn ſie allgemein mißräth, höher als Weizen bezahlen, wie dieß im Jahre 1817 geſchah, was ich ſo eben anführte, und ſich im Jahre 1328 wiederholte, wo ich auf den italieniſchen Getreidemärkten den Mais theurer als Weizen verkaufen ſah. Weil der Mais auf einem gegebenen Flaäͤchenraum unter al— len Getreidearten den höchſten Körnerertrag abwirft und viele Bläͤtter liefert, die im grünen Zuſtande vom Hornviehe mit Be⸗ gierde gefreſſen werden; weil die Körner eine ſehr geſuchte Handels⸗ waare ſind und einen verhältnißmaßig hohen Kaufpreis haben; weil ſie, um verſpeiſet zu werden, nur grob gemahlen zu wer⸗ 17* 260 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. den brauchen, und einen unbedeutenden Abgang hiebei erleiden; weil das Mehl nicht erſt zu Brod verwandelt werden muß, um verſpeiſet zu werden, und weil die friſch bereitete Polenta auch wohl ſchmackhafter iſt, wie Roggen- oder altbackenes Weizen⸗ brod, ſo haben die Italiener ganz Recht, wenn ſie dem Mais vor allen Körnern für den Hausgebrauch den Vorzug geben, und im trocknen Lande gewöhnlich die Hälfte, mindeſtens der Ackerfläͤche damit beſtellen. Der italieniſche Fruchtwechſel beſteht, wie ich bereits ſagte, in der Abwechslung mit Mais und Wei— zen. Mit dem Weizenertraäͤgniß ſucht der Colon ſeinen Herrn zu befriedigen, und von dem Ertrag des Mais will er leben. Es iſt daher wenig Wechſel in den Feldern dieſer Landwirthe, und man reiſet oft ganze Tage, ohne was anders als Mais und Weizen zu ſehen. So wie man den Weizen in allen Feldern ſieht, ſie mögen der Natur dieſer Pflanze zuſagen oder nicht, ſo auch den Mais. Er wird im ſchweren Lehm, ſo wie im Sande und im Schotter— boden gleichförmig angebauet, was freilich kein rühmliches Zeug⸗ niß für die landwirthſchaftlichen Kenntniſſe dieſer Grundbe— ſitzer und Paͤchter gewährt. Auch in Hinſicht des Clima machen ſie keinen Unterſchied, und ſaͤen ihn nicht ſelten in Gegenden, wo er ſehr haufig der Kälte oder der Sommerdürre unterliegt, wie z. B. in den hohen Thälern des Fella, des Tagliamento, des Iſonzo oder an der regenloſen Küſte von Iſtrien. Da der Mais die Hauptpflanze der italieniſchen Landwirth⸗ ſchaft, und der Angel iſt, um den ſich die Ernährung des Vol— kes dreht, ſo ſollte man vermuthen, daß ſeine Cultur beſſer ver⸗ ſtanden und ergiebiger ſein ſollte, als man ſie antrifft. Sie ſcheint noch immer auf derſelben Stufe ſich zu befinden, auf der ſie vor hundert Jahren ſtand. Größtentheils wird der Sa— men noch breitwürfig über das Feld geſäet und untergepflügt, und nur in den Provinzen Friaul und Treviſo findet man viele in Reihen geſaͤete Maisfelder, wo in die durch den Pflug geöffnete Furche der Samen nebſt dem Dünger eingelegt, und leiden; 6, um ta auch Vezen⸗ n Mais Rden, 5 5 der beſteht, nd Wei⸗ Herrn en. Es e, und is und mogen Mais. ötter⸗ Neug⸗ undbe⸗ machen enden, erliegt, nento, wirth⸗ 5Vol⸗ er ver⸗ Eie 1, auf er Sa⸗ flügt/ tman pnug und Vom Ackerbaue. 5 261 durch den zurückkehrenden Pflug mit Erde gedeckt wird. Hier fand ich auch das Grübeln allgemein im Gebrauch, wobei mit einer Haue in das gepflügte Feld kleine Gruben gemacht, und in die⸗ ſe einige Koͤrner Mais ſammt einer Handvoll Dünger gelegt wer⸗ den; mittels welcher Methode es den Friaulern möglich wird, eine ſo unverhäͤltnißmäßig große Flaͤche mit Mais zu bebauen, die in der Umgebung von Udine gegen Codroipo 1 ⁄¾¼ der ganzen Acker⸗ fläche betraͤgt. Es iſt übrigens dieſes Verfahren den Lombarden auch nicht unbekannt, ſo wenig als den Deutſchen und Croaten. Schaufelpflüge, kleine Extirpatoren, um die Räume zwiſchen den Maispflanzen vom Unkraute zu reinigen oder die Erde zu lockern, wenn man ſie auch kennte, können wegen der breitwür⸗ figen Saat nicht angewendet werden, weßwegen man genö⸗ thigt iſt, das Behacken überall mit der Hand vorzunehmen, Das Behäufen geſchieht zum Theile mit Beihülfe eines Anhaäufepflu⸗ ges, allein das Verfahren hiebei iſt ſo barbariſch, daß man nicht ohne Unwillen demſelben zuſehen kann. Man fährt nämlich mit dieſem Pfluge zur Zeit als die Maispflanzen eine Spanne hoch ſind, zu beiden Seiten der ſchmalen 4— öfurchigen Ackerbeete, die in Italien allgemein ſind, und wirft die Erde vom Abhange der Beete in die Furchen, um ſie auszufüllen. Durch dieſe Opera⸗ tion wird da, wo die Furche war, eine kleine Erhoöhung, und die Maispflanzen ſind in den Furchen und an den Abhaͤngen der Acker⸗ beete zerſtört, und ſtehen nur auf dem Rücken des Beetes auf ei⸗ nem Raume, der ohngefähr anderthalb Fuß breit iſt. Die abge⸗ pflügte Erde wird ſpäter, wenn die Pflanzen etwas mehr erwach⸗ ſen ſind, entweder bloß allein mit der Handhaue, oder mit Hüͤlfe deſſelben kleinen Pfluges wieder über das Ackerbeet an die Mais⸗ pflanzen gebracht, daſelbſt mit der Handhaue über das Beet ver⸗ theilt und an die Pflanzen angehaäͤuft. In den bewaͤſſerten Provinzen gibt man den Gedingarbeitern 7s des Rohertrages für das Behacken und Behäufen. Wie weit die Maispflanzen von einander abſtehen, wann ſie weiter, wann näher gerückt werden ſollen, davon weiß man 262 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. hier wenig. In gleicher Entfernung ſteht man ſie im tiefen, und im ſeichten, im fettgedüngten, und im mageren Boden ſtehen. Jenſeits des Mincio ſtehen die Pflanzen in den ehemals vene⸗ zianiſchen Provinzen weit auseinander, in den lombardiſchen aber gedraͤngt aneinander, ſo daß man nicht zweifelhaft ſein kann, daß in beiden Fallen nur gedankenloſe Befolgung des Herkömmlichen, und nicht Überzeugung der Zweckmäßigkeit der eigentliche Grund des Verfahrens iſt. Es iſt ein ſchäͤdliches Vor⸗ urtheil, das die Venezianer, und vorzüglich die Friauler haben, ihre Maispflanzen ſo ſchütter, unter ſich weit entfernt, zu hal⸗ ten, und ſie bringen ſich damit um einen großen Theil des Er— trages; denn es ſollen die Pflanzen nur ſo weit von einander entfernt ſtehen, daß ſie ſich in der Entfaltung ihrer Blätter nicht hindern, und wenn zwiſchen ihnen ein Raum leer bleibt, ſo geht er für das Erträgniß verloren. Eben ſo ſchäd— lich iſt es aber auch ſie zu dicht zu halten, weil ſie dann dünn⸗ ſtänglig in die Höhe wachſen, nicht Kolben anſetzen, oder dieſe nicht gehörig ausbilden, und daher auch wieder ein verminder⸗ tes Erträͤgniß abwerfen. Indeſſen findet man zu dicht ſtehenden Mais nur in den trockenen Provinzen der Lombardie, zwi— ſchen Como und Bergamo, und wohl auch zwiſchen dieſen zwei Staͤdten und Mailand: in den bewäſſerten Provinzen waren die Maispflanzen in den Feldern allenthalben in einer ſchicklichen, gegenſeitigen Entfernung. Eine vollkommene zweckmäßige Cultur des Mais ſah ich nur allein auf den Ackern, die in dem königlichen Parke von Monza eingeſchloſſen ſind. Breite Beete, Reihenſaat. Es that mir leid, daß dieſe Felder, die gerade mit dem Anhäufe⸗ pflug bearbeitet worden waren, und ſo ſchön ſtanden, als ſonſt meine eigenen, nicht an der Landſtraße ſich befanden, um den Vorübergehenden durch ein practiſches Beiſpiel zu zei— gen, wie man den Mais cultiviren müſſe, um mit dem gering⸗ ſten Koſtenaufwande den größten Rohertrag zu erhalten. Das Abſchneiden der Blätter nach dem Verblühen, und auch , und ſtehen. vene⸗ diſchen ft ſein ng des eit der 5 Vor⸗ aben, u hal⸗ es Er⸗ nander Blatter leer ſchad⸗ üng⸗ dieſe nder⸗ enden „ zwi⸗ dieſen vinzen einer hih e von t. Es häufe⸗ , als nden, u jei⸗ ering⸗ auch Vom Ackerbaue. 263 des Stangels ober dem Fruchtkolben, iſt in Italien uͤberall uͤblich, und wenn es nicht zu früh vorgenommen wird, ſo bringt es kei⸗ nen Schaden, und gewährt durch das treffliche Futter, das hier gewöhnlich getrocknet wird, einen bedeutenden Vortheil, Den reichſten Körnerertrag muß man natürlich in den be— wäſſerten und ſtark gedüngten Provinzen ſuchen. Nirgendwo ſah ich auch in meinem Leben ſo ſchönen Mais als hier, wo Alles: Miſchung und Tiefe des Bodens, Dünger und Bewaͤſſe⸗ rung zuſammenwirken, das größte Erzeugniß hervorzubringen. Ich werde die ſchönen Felder von Roncaro, Provinz Pavia, nimmermehr vergeſſen, wo ich, am 22. Juni 1828, ein großes Maisfeld bewäſſern ſah. Die Pflanzen waren ſchon Mannshoch, und fingen an von der Durre zu leiden. In weni⸗ gen Stunden war ein Feld von vier Joch Flaͤcheninhalt mit genügendem Waſſer verſehen, worauf man die Schleuſen wie⸗ der ſchloß. Vier bis fünf Menſchen waren wahrend dem Ein— ſtrömen des Waſſers in den Acker beſchäftigt die gleichförmige Vertheilung deſſelben in alle Furchen zu bewerkſtelligen, und die zufälligen Hinderniſſe wegzuräumen, die ſich ihm etwa ent⸗ gegen ſtellen dürften. In Roncaro und Vitadone gaben mir die beiden ſehr verſtändigen und unterrichteten Pächter folgenden Ertrag des Mais in den Wechſeläckern an: In Vitadone 2 6 bis 3 Moggia pr. Pertica; = 48,5 bis 62,4 Metzen pr. Joch. In Roncaro 2 bis 3 Moggiapr. Pertica;= 41,6 bis 62,4 Metzen pr. Joch. So groß dieſer Ertrag Vielen ſcheinen mag, ſo finde ich ihn nicht übertrieben, und nehme ihn auch nur als Mittelertrag an, wenn ich bedenke, daß ich früher, im rauhern Clima von Kärnthen, ſelbſt 67 Metzen vom Joch erntete, und daß man in Unter⸗Steiermark, um Preding und Stainz, nicht weniger erhaͤlt. Der Paͤchter von Roncaro verſicherte mich, daß der Mais 264 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. nach Klee ohne Duͤnger, am ſchönſten würde; nach Reiß am ſchlechteſten, wenn man das Feld auch friſch hierzu düngte. Dandolo(a. a. O. S. 156) nimmt bei der gemeinen Wirthſchaft ſeiner Colonen an, daß ein Joch in der Umgebung von Vareſe, im Durchſchnitte aller Claſſen 16,72 Metzen Mais und 4,18 Metzen Fiſolen ertrage; bei der beſſeren Wirth⸗ ſchaft aber 26,13 Metzen Mais und 6,53 Metzen Fiſolen. Berra(a. a. O. S. 51) nimmt bei der gemeinen Wirth⸗ ſchaft 20,88 Metzen Mais als Ertrag an, und glaubt, daß man im Wechſel mit Luzerne, und daher rührender reichlicherer Düngung 32 6 Metzen erhalten würde. Folgendes ſind die Angaben der Schaͤtzungsbeamten über den Ertrag des Mais in den AÄckern derſelben Gemeinden, die bei dem Artikel Weizen namhaft gemacht worden ſind. Verona. Höchſter Ertrag 12,28 Metzen pr. Joch. Vicenza. Von 32,9 bis 42,3 2» Padua, Von 9,32 bis 18,25»„ Udine. Von 10,17 bis 18,90„„ Vom großen Mais findet man mancherlei Abarten in den verſchiedenen Gegenden des Landes. Die gewöhnliche Art hat goldgelbe Körner, ſetzt die Ahren unter der Mitte des Stäaͤngels an, und wird noch reif, wenn man ſie auch erſt Ende Mai ſaͤet. Wird die Saat aber durch irgend einen Zufall ver— ſpätet, oder will man nach Winterlein, oder nach dem erſten Kleeſchnitte noch Mais ſaͤen, ſo wahlt man eine andere Abart, die ſie Bregantino, anderswo Agoſtano nennen, weil er bei gewöhnlicher Saatzeit ſchon im Auguſt reif wird. In der Umgebung von Bergamo wird eine Abart gebaut, die ei— nen höheren Stangel treibt, ober der Mitte deſſelben den Kol— ben anſetzt, und pomeranzenfarbige Körner hat. Außer dem großen Mais ſäet man aber auch allenthalben den kleinen Mais, Cinquantino, Quarantino, als zweite Frucht, in die Stoppeln des Wintergetreides, des Winter⸗ leins, und der Olrüben.— Wenn die Felder mager ſind, ſo lohnt dieſe zöhn geſet ſatt Ma Ar des nu m die Cl des rin auc bard welc mei geiß am gte. ſemeinen ngebung Meten Vitth⸗ n. Vitth⸗ t, daß glicherer en über en, die n den lrt hat te des ſt Ende all ver⸗ erſten Abart, weil er In der die ei⸗ n Kol⸗ en den , als inter⸗ lohnt — Vom Ackerbaue. 265 dieſe Frucht nicht die Arbeit, die man auf ſie verwendet, und in zehn Fällen, unter denen ich Cinquantin im Küſtenlande ausſäen geſehen habe, würde man ſicherlich achtmal beſſer gethan haben, ſtatt deſſelben Buchweizen, oder eine Futterpflanze zu waͤhlen. Man erſieht aus dieſen Angaben, daß das Erträͤgniß der Maisfelder in Italien, die Gegenden abgerechnet, wo die Acker bewaſſerungsfaͤhig ſind, und wegen des großen Viehſtan⸗ des, der da gehalten wird, außerſt reichlich gedüngt werden, nur gering iſt, und jenem, das man in Karnthen und Steier— mark erhält, im Durchſchnitte nicht gleich kömmt, wenn gleich dieſe letzteren Laͤnder ein für die Maiscultur weniger günſtiges Clima zu haben ſcheinen. Die Urſachen des geringen Ertrages des Mais liegen zum Theil in den Urſachen, von denen das ge⸗ ringere Weizenerträgniß abhaͤngt, zum Theile aber liegen ſie auch im Clima, im Mangel an Regen, dem die Ebene der Lom— bardie in den Sommermonaten ſehr ausgeſetzt iſt, binnen welchen die im leichten Boden ſtehenden Maispflanzen unge⸗ mein leiden, und auch wohl ganz verdorren. Der Reiß iſt eine Pflanze, die ſeit undenklichen Zeiten in Indien und China die Hauptnahrung des Volkes ausmacht, die aber ſehr ſpät erſt nach Europa gebracht worden iſt. Griechen und Römer kannten den Reiß nicht, und die Schriftſteller des Mittelalters erwähnen deſſelben nicht; wie Jene, welche die Schriften dieſer Zeit gmmelten, Villani, Muratori, Bal— ducci, Pagnini, Pier Creſcenzi und Denina, bezeu⸗ gen, die alle behaupten, daß man in Italien den Reiß vor dem täÄten Jahrhunderte nicht gekannt habe. Mehrere derſelben be— haupten, und ich glaube mit Recht, daß man den Reiß erſt im 16ten Jahrhunderte in der Lombardie zu cultiviren angefangen habe, und daß der mailaͤndiſche Patrizier Theodor Triul⸗ zi, Commandant der venezianiſchen Truppen, im Jahre 1522, 266 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. die Reißcultur in ſeinen eigenen Beſitzungen, in den ſumpfigen Niederungen der Provinz Veyena, zuerſt betrieben habe. Der Reiß iſt gegenwaͤrtig in den Provinzen Verona, Man⸗ tua und Pavia die vorzüglichſte Kornfrucht, jene namlich, welche das meiſte bare Geld einbringt; auch in den Provinzen Lodi und Mailand gewährt ſie den Landwirthen eine bedeu⸗ tende Einnahme. Ohngeachtet die Verzehrung dieſer Frucht im Lande ſelbſt außerordentlich groß iſt, da ſie von allen Menſchen, die nicht bloß vom Mais leben müſſen, täglich wenigſtens einmal genoſſen wird, ſo iſt ihre Ausfuhr noch immer ſehr bedeutend, und betrug in den lombardiſchen Provinzen im Jahre 1824, nach Abſchlag der Einfuhr: 103,153 Gulden; wobei aber wohl zu merken iſt, daß hier bloß von der Ausfuhr die Rede iſt, wel⸗ che von den lombardiſchen Provinzen in das Ausland gemacht worden iſt, und daß hierunter jener ungleich größere Geldwerth nicht verſtanden iſt, der für den in die venezianiſchen oder deut⸗ ſchen Provinzen des öſterreichiſchen Staates ausgeführten Reiß bezogen worden iſt. In den Provinzen Rovigo, Venedig, Padua und Friaul findet man in den läͤngs der Küſte des adriatiſchen Mee⸗ res gelegenen Gegenden, die in Hinſicht ihres Clima, ihrer Lage, Fruchtbarkeit des Bodens und Überfluſſes an Waſſer eben ſo ſehr, wie die zuerſt genannten begünſtiget ſind, keine Reiß⸗ felder, wenn man die von San Giorgio di Nogaro in Friaul, und eine kleine Fläche von ohngefaͤhr 3 Joch, aus— nimmt, die zwiſchen Vicenza und Padua liegt, die ich ſchon im Jahre 1806 beſah und im Jahre 1828 nicht erwei⸗ tert antraf.— Worin es liegt, daß der Reißbau in dieſen Pro⸗ vinzen nicht Eingang findet; ob in der Indolenz der Menſchen, oder in dem Mangel an Capitalien, deren derſelbe zur erſten An⸗ lage bedarf, oder in der Scheu vor einer Cultur, welche der Geſundheit der Menſchen, und vorzüglich jener, die ſich zunächſt mit den Arbeiten in den Reißfeldern beſchäftigen müſſen, ohne allen Zweifel nachtheilig iſt, wage ich nicht zu entſcheiden. 1 denl ſh Auss heit der hat 8n des des ges Al gen Ir ſten grofß atter ſtun gen dul ma der ner ge⸗ Re ma ten M in! beſt gedu gen. Vai umpfigen be. „Man⸗ nämlich, drovinzen ne bedeu⸗ rrucht im ſenſchen, is einmal deutend, e 1824, ber wohl iſt, wel⸗ gemacht Ddverth deut⸗ Reiß 13 und en Mee⸗ a, ihrer ſſer eben ne Reiß⸗ aro in h, aus⸗ die ich t erwei⸗ ſen Pro⸗ fenſchen/ ſten An⸗ elche det zunͤchſt ,ohne n. Vom Ackerbaue. 267 Da der Reiß eine Sumpfpflanze iſt, und nur in einem Bo⸗ den wächſt, der mit Waſſer fortwährend erfüllt iſt, auf dem es ſich erwärmt und von dem es nur ſehr langſam abfließt; die Ausdünſtung der Sümpfe aber in warmen Landern der Geſund⸗ heit der Menſchen nachtheilig iſt, ſo iſt die Cultur des Reißes in der Nähe von Städten ſchon ſeit lange unterſagt, und man hat im lombardiſch⸗venezianiſchen Königreiche für die Hauptſtadt g3 metriſche Miglia,= 1,03 deutſche Meilen; für die Städte des erſten Ranges und die feſten Plaͤtze 5 Miglia; für die Städte des zweiten Ranges 2 Miglia, und für jene des dritten Ran— ges eine halbe Miglia als Granze der Reißcultur feſtgeſetzt. Allein es fragt ſich, und dieſe Frage war ſchon oft der Ge— genſtand ernſter Verhandlungen: ſoll man die Cultur dieſer Frucht nicht noch mehr beſchranken, oder ſoll man nicht wenig— ſtens dahin wirken, daß die Reißfelder nicht in einem zu großen Stücke zuſammenhängen, ſondern von andern Cultur— arten unterbrochen werden, damit die mit den Sumpfausdün— ſtungen geſchwängerte Luft um ſo leichter von den zwiſchenlie— genden reineren Luftſchichten zerſetzt oder verdünnt, und da⸗ durch wirkungslos gemacht werde?— Wahrſcheinlich wird man nirgendwo hierüber zu einem Beſchluſſe kommen, weil der problematiſche Nutzen einer ſolchen Maßregel nur auf ei— nem hypothetiſchen Grunde beruht, und nicht in voraus nach— gewieſen werden kann. Die Cultur des in der Wechſelwirthſchaft vorkommenden Reißes in den Provinzen Pavia, Lodi und Mailand, wo man nur ſelten wo beſtändige Reißfelder ſieht, bewirkt bei wei— ten nicht jenen nachtheiligen Einfluß auf die Geſundheit der Menſchen, den man in den Niederungen des Po und der Etſch, in den Provinzen Mantua und Verona wahrnimmt, wo die beſtändigen Reißfelder vorwalten, und wo die bleichen oder auf⸗ gedunſenen Geſichter der arbeitenden Volksclaſſe den nachtheili— gen Einfluß der Sumpfluft auf die Geſundheit ſichtlich machen. Wechſelfieber, auch wohl hitzige Gallenfieber, Bleichſucht, Waſ⸗ 268 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. ſerſucht und Pellagra ſind in dieſen Gegenden einheimiſch, und verkürzen das Leben der in den Reißfeldern arbeitenden Menſchen, das nach der Verſicherung berühmter Arzte ſich nur ſelten über 50 Jahre erſtreckt. Es waͤre aber unbillig, wenn wir bloß allein den Reißfel⸗ dern dieſe verderblichen Wirkungen zuſchreiben wollten; ſie ruͤh— ren vielmehr von der Ausdünſtung der ganzen ſumpfigen Niede⸗ rung her, die vielleicht noch intenſiver gewirkt haben würde, wenn nicht ein großer Theil dieſer Sümpfe in Reißfelder umge⸗ ſtaltet worden waͤre, auf denen das Waſſer doch einige Bewe⸗ gung hat, und in welchem nicht ſo viele thieriſche und vegetabi⸗ liſche Körper in Verderbniß übergehen, und mit ihren Ausdün— ſtungen die Luft vergiften; wornach man die Reißfelder eher als Mittel zur Verbeſſerung der Salubrität ſolcher Gegenden an— ſehen müßte, wenn die Menſchen nicht gezwungen wären, ſich, während der Reiß wächſt, beſtändig in der Umgebung, und zum Theile ſelbſt in ſolchen Feldern aufzuhalten, wobei ſie den anhaltenden Einwirkungen der zwar etwas verbeſſerten, doch deßwegen nicht ganz unſchädlich gemachten Ausdünſtungen um ſo leichter unterliegen, als ſie ſchlecht genährt und ſchwäch⸗ lich, und daher für jeden nachtheiligen Einfluß um ſo empfind⸗ licher ſind. Die Reißfelder werden eingetheilt in Riſare a vicenda, wenn der Reiß in den Fruchtwechſel gezogen worden iſt, und in Riſare ſtabili, die man auch vallive nennt, wenn der Boden fortwährend nur mit dieſer Frucht beſtellt wird, entweder weil man es nicht zweckmäßig findet einen Fruchtwechſel darauf ein— zuführen, oder weil man auf dieſen Feldern ihrer niedrigen Lage wegen, um deren Willen ſie vallive genannt werden, andere Körner nicht bauen kann. Die Riſare a vicenda geben durchgehends einen höhern Ertrag, weil der Boden mehr mit düngenden Materien verſehen wird, wie in den Riſare ſtabili, die nur ſpärlich gedüngt werden, weil ſie ſelbſt zu wenig Material liefern, das in Dün⸗ hf cg. ſiſch, und Nenſchen, Aten uͤber Reißfel⸗ i ſie ruͤh⸗ en Niede⸗ n wünde, der umge⸗ ge Bewe⸗ vegetabi⸗ Ausdün⸗ reher als nden an⸗ naten, jebung, wobei Ferten, nſtungen ſhhwil empfind⸗ icen da, , und in er Boden eder weil rauf ein⸗ iigen Lage 1, andete en höhern verſehen ſedüngt in Dün⸗ Vom Ackerbaue. 269 ger verwandelt werden könnte, und die Zufuhr fremden Düngers zu koſtſpielig iſt. Der Reiß fordert ein Clima, in welchem der Winterweizen in der Mitte des Juni im Durchſchnitte der Jahre reif wird. Ich ſah längs dem Navigliogrande am 12. Juni 1828 Wei⸗ zen ſchneiden, und am 19. Juni ſah ich in Vitadone Roggen dreſchen. Was den Boden betrifft, ſo hat der Reiß, als eine Waſſer⸗ pflanze, den großen Vortheil, daß er von der Natur des Bo— dens beinahe unabhängig iſt, und daher im leichten ſowohl, als im ſchweren Boden bei angemeſſener Cultur gleich gut gedeiht; denn ich ſah im Schotterboden zu San Novo eben ſo ſchönen Reiß, als in dem lehmigen Boden von Vitadone oder Ron⸗ caro. In Hinſicht der Cultur des Reißes iſt Folgendes das Ergeb⸗ niß, das mir von den verſtaͤndigſten, practiſchen Landwirthen mitgetheilt worden iſt. a. Riſare a vicenda. Die Wieſe oder das Kleefeld wird im Fruͤhlinge tief umge— pflügt und nicht geeggt. Hierauf werden die das Feld umgeben⸗ den Daämme zurecht gebracht und das Waſſer aus dem Zuleitungs⸗ canal über den Acker gelaſſen, um zu ſehen, ob es denſelben gleichförmig bedeckt. Die allfälligen Unebenheiten werden ſo⸗ gleich, und während das Waſſer am Acker ſteht, mit Schaufeln geebnet. Hierauf wird geſäet, und mit den Schaufeln ſucht man den Samen etwas mit der Erde in Verbindung zu ſetzen. Der Samen wird vor der Ausſaat 3— 10 Stunden einge⸗ weicht, um ihn ſpecifiſch ſchwerer zu machen, damit er ſogleich im Waſſer zu Boden ſinke. Man bedarf zur Saat, nach Klee: ¼ bis C Staro pr. Pertica= 1 ⅛— 1 ¾ Metzen pr. Joch; nach Mais oder Weizen: 1 Staro= 2,61 Metzen pr. Joch. 270 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. Die Saatzeit iſt vom Anfange April bis zur Mitte Mai. Die Meiſten ſtimmten für die Periode von der Mitte April bis 3. Mai. Der geſeete Reiß bleibt fortwährend mit einer Schicht Waſ⸗ ſer von 2—5 Zoll Höhe bedeckt. Der zeitlich geſäete Reiß kann um die Mitte Mai ſchon gejaͤtet werden; der ſpäter geſäete wird Anfangs Juni, ja wohl bis zur Mitte Juni gejätet. Das Jä⸗ ten geſchieht von Weibern, die mit hoch aufgeſchürzten Röcken, bis über den Knöchel im Waſſer ſtehend, die Unkrautpflanzen ſammt den Wurzeln ausziehen. Würde das Waſſer ganz abge— laſſen, ſo brechen die Unkrautpflanzen, und es bleiben die Wur⸗ zeln darin. Das gewöhnliche Unkraut in dieſen Feldern iſt der Hahnenfuß(Panicum crus galli), der anfänglich ſchwer von den Reißpflanzen unterſchieden werden kann; außer dieſem kommen aber viele andere Sumpfpflanzen, namentlich aber Juncusarten vor. Im erſten Jahre wird das Reißfeld immer zweimal, in den folgenden Jahren aber nur einmal gejatet, weil im erſten Jahre die durch die Wurzeln ſich verbreitenden Pflanzen größtentheils vertilgt werden. Um Johannis wird das Waſſer ganz abgelaſſen, und das Feld trocken gelegt, in welchem Zuſtande man es durch 3 bis 10 Tage läßt, um die vielen Waſſerinſecten, die inzwiſchen zum Vorſcheine gekommen ſind, und den Reißwurzeln verderblich wer⸗ den, zu tödten. Hierauf wird das Waſſer wieder über das Feld gelaſſen und bleibt ununterbrochen darauf bis drei oder vier Tage vor dem Schnitte. Dieſes Ablaſſen des Waſſers halten die Meiſten für unerläß⸗ lich, und meinen, daß der Reiß durch die beſtändige Deckung mit Waſſer geſchwächt würde und nöthig habe, einmal wenig⸗ ſtens der ſtärkern Einwirkung der Sonne auf ſeine Wurzeln aus⸗ geſetzt zu werden; allein dieſe bedenken nicht, daß der Reiß eine Waſſerpflanze iſt, der die Entziehung des Waſſers nur ſchaden, nie nützen kann; auch haben neuere Verſuche, und zufaͤllige Er⸗ itte Mai. April his hiht Vaſ⸗ Neiß kann eſäete wird Das Ja⸗ en Röcken, utpflanzen anz abge⸗ die Wur⸗ en iſt der ſchwer von er dieſem lich aber in den en Jahre zrentheils und das )5 bis 10 ſchen zun eblich wer. das Feld vier dage unerläß⸗ Deckung al wenig tzeln aus⸗ Neij eine ſchaden, nlige Er⸗ Vom Ackerbaue. 271 fahrungen*) in den beſtändigen Reißfeldern, wo man das Ab⸗ laſſen des Waſſers an und für ſich, oder zufällig nicht bewirken konnte, uͤberzeugend bewieſen, daß der Reiß von der Saat an bis zur Ernte ſich unter Waſſer vollkommen entwickelt, und bei gehöriger Sorgfalt für Düngung und Reinigung die reichſten Ernten gibt. Die Hoͤhe des Waſſerſtandes über die Oberfläche der Erde wird durch die Größe der Pflanzen beſtimmt: ſo lange ſie noch ſehr jung und klein ſind, läßt man nur wenig Waſſer in den Acker; ſo wie ſie aber größer werden, immer mehr. Indeſſen ſah ich nir— gendwo mehr als 2, höchſtens 2 ½ Zoll Waſſer.„ Die Schnittzeit iſt um den 8. September. Der zeitiger, und beſonders der in die Kleefelder geſäͤete Reiß wird früher, der andere ſpaͤter reif. Die Garben werden gleich auf den Dreſchplatz gebracht und durch Pferde ausgetreten. b. Riſare ſtabili oder vallive. Die beſtaͤndigen Reißfelder ſind immer mit vielen, breiten und tiefen Abzugsgräben verſehen, die man im Herbſte reinigen muß, um das Abfließen des Waſſers ſo weit zu bewirken, daß man ſie im Frühlinge zu pflügen im Stande iſt. Wo aber der Boden faſt wagrecht liegt, und man dem Waſeer nicht hinläng⸗ lich Gefaͤll geben kann, daß die Erde im Fruͤhlinge genügend ab— trockne, um den Pflug anwenden zu können, muß er mit der Schaufel umgegraben werden, was eine ſehr koſtſpielige Opera— tion iſt, wofür man in den Reißfeldern von Legnago nach Verſchiedenheit der Umſtaͤnde 22 bis 36 4 Gulden für das Joch zahlt. Man dungt ſolche Felder alle drei bis vier Jahre, aber nur *) Osservazioni ed esperienze intorno al Riso mutico, di Pietro Ponzilac- çuax. Verona. 1828. 27² Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. gering, denn man ſcheuet einen üppigen Wuchs der Pflanze, weil ſie dann leicht roſtig wird. Als Saatmenge rechnet man 10 bis 10 ½ Quarte für den Campo von Verona;= 3 Mekzen für das Joch. Gejatet werden dieſe Reißfelder oft gar nicht, oft zwei bis dreimal. Der erſte Fall tritt ein im zweiten und dritten Jahre nach der Düngung, und wenn ſie gut umgepflügt werden konn⸗ ten: der letzte hat Statt im erſten Jahre der Düngung, und nach fahrlaͤſſiger Vorbereitung. Weil alle Arbeiten in dieſen Reißfeldern bar bezahlt werden müſſen, und ſich hier keine Colonen finden, die um die Haͤlfte oder einen noch kleineren Theil des Rohertrages die Culturar⸗ beiten übernehmen, ſo iſt der Reißbau hier ſehr koſtſpielig, und erheiſcht große Vorauslagen; weßwegen er nur von wohl— habenden Grundbeſitzern beſtritten werden kann, und kein Ge— genſtand für arme Leute iſt. Selbſt die Erſteren nehmen nicht ſelten Vorſchüſſe von den Kaufleuten, die ſie dann mit Reiß bezahlen. Da man in den italieniſchen Werken uͤber die Reißcultur gar nichts über den Ertrag dieſer Frucht vorfindet, ſo war ich bemüht mich hierüber bei ſolchen Landwirthen zu erkundigen, die ſich mit der Cultur deſſelben ſelbſt befaſſen. Folgendes ſind die Reſultate meiner Forſchungen, d. h. die An⸗ gaben jener Landwirthe, die ich über dieſen Gegenſtand befragte. Herr Lucini, in San Novo: Im Allgemeinen gibt der Reiß 2 Moggia pr. Pertica; in guten Jahren und kräftigen Ackern auch wohl 5 ¾ Mog⸗ gia= 41,5 bis 77,6 Metzen pr. Joch. Herr Frarri, in Tavezzano: Gewöhnlich gibt eine Pertica 2 Moggia: im vergan⸗ genen Jahre(1822) erhielt ich aber nur einen Moggio. In guten Jahren und neu aufgebrochenen Wechſelwieſen hatte ich auch wohl 3 und 4 Moggia erhalten(bis 33,2 Metzen pr. Joch). Jnh verg voll tie Pfianze, te für den t wwei bis tten Jahre rden konn⸗ ung, und lt werden ie Hälfte Culturar⸗ oſtſpielig, on wohl⸗ hin Ge⸗ hen nicht it Reiß ultur gat hbemüht e ſch mit h die An⸗ befragte⸗ dertica; „ Mog⸗ vergan⸗ gio. en hatte e Meben Vom Ackerbaue. 273 Herr Pennaro, in Vitadone: Der gewöhnliche Ertrag ſind 2 Moggia: in guten Jahren 4 bis 5 Moggia(bis 104 Metzen pr. Joch). Das vergangene Jahr(1827) war ein Mißjahr; ich erhielt nicht volle 2 Moggia. Herr Moretti, in Roncaro: Der Durchſchnittsertrag iſt 2 ½ bis 3 Moggia pr. Per⸗ tica. Herr Marcheſe Canoſſa, in Verona: In den Riſare a vicenda gibt der Campo von Verona 3 bis 10 Sacchi;= 23 ¾ bis 35 ½ Metzen pr. Joch. In den Riſare ſtabili 7 Sacchi;= 24 4 Metzen pr. Joch. Herr Grigolati, in Verona: In den Riſare ſtabili 6—9 Sacchi;= 21 ¼ bis 31 ¾ Metzen pr. Joch. In den Riſare a vicenda 7—11 Sacchi;= 24% bis 38 ⅜ Metzen pr. Joch. Sobald der Reiß einige Tage nach dem Austreten der Ein— wirkung der Sonnenwaͤrme ausgeſetzt worden iſt, wird er un— ter Dach gebracht, und ſobald als möglich geſtampft, da man glaubt, daß er ſich jetzt viel leichter von der Hülſe befreien läßt, wie ſpäter. Man ſtampft ihn wie bei uns die Gerſte, und ich hatte Ge⸗ legenheit in der Nähe der berühmten Carthauſe(Certosa), un— weit Pavia, der Operation zuzuſehen, und mir vom Eigen— thümer der Stampfmühle über das Verhäͤltniß zwiſchen dem ro— hen Reiße(Risone) und dem geſtampften(Riso brillato) folgende Daten vorzumerken. Nachdem die Körner vom Stampfen größtentheils ihrer Hül⸗ ſen entledigt ſind, werden ſie in ein großes, aufgehangtes Sieb von Pergament geſchüttet, das feine, laͤnglich ausgeſchnittene Löcher hat, die bloß die zart geſtampften Kleien durchlaſſen. I. 13 274 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. Aus dieſem Siebe kommt der Reiß in ein anderes, das kleine, runde Löcher ausgeſchnitten hat, durch welche die zerſtampften Körner fallen. Nun kommt er in ein drittes Sieb mit etwas größeren, runden Löchern, durch welche die ganzen, ihrer Hülle beraubten Körner fallen, und worin nur die unenthülſten zu— rück bleiben, die dann wieder unter die Stampfe kommen. Im Schütteln des Siebes liegt ein beſonderer Handsriff, die unenthülſten, ſpecifiſch leichteren Körner ſo zuſammen zu brin— gen, daß man ſie mit der Hand in den zwei erſten Sieben ab⸗ nehmen kann. Der rohe Reiß muß, wenn er ſchön iſt, die Haͤlfte geſtampf— ten Reißes geben; wenn er nur 2½ gibt, ſo iſt er ſchlecht, und kaum mehr Kaufmannswaare. Am gewöhnlichſten iſt das Mittel, wornach 100 Metzen rohen, 45 Metzen geſtampften Reißes ge— ben.— Die Landwirthe rechnen aber nur ⅛ geſtampften Reißes. In den Riſare a vicenda iſt es gewöhnlich die Arbeiten im Reißfelde den Tagelöhnerfamilien zu überlaſſen. Die Verträge zwiſchen den Grundbeſitzern und den Arbeitern über die Zahlung, oder den Antheil am Rohertrage, ſind verſchiedener Art. In San Novo z. B. beſteht folgender: Der Colon erhält den vierten Theil der Erzeugung, nachdem früher vom Reißhaufen das Saatquantum auf die Seite gebracht worden iſt. Dafür muß er folgende Arbeiten leiſten: das Abgleichen der Felder mit der Schaufel; das Ausſäͤen; das Jäten; das Schneiden; alle Ar— beiten am Dreſchplatze, in ſo fern ſie von Menſchen verrichtet werden, und endlich das Abtragen auf den Getreideboden. Anderswo wird nebſt der Saat noch eine Portion für Rech⸗ nung des Herrn vom Reißhaufen weggenommen, und dann erſt der vierte, oder in ſchlechten Grunden der dritte Theil dem Colon gegeben. Da das Jäten die beſchwerlichſte und koſtſpieligſte Arbeit iſt, ſo erkundigte ich mich um die Größe des Aufwandes, den es er— heiſcht. Man ſagte mir, daß in den Riſare a vicenda im erſten Jahre 4 Tagwerke pr. Pertica;= 35 p. Joch, in den iſ d kleine, ſtampften mit etwas hrer Hulle hülſten zu⸗ men. In driff, die zu brin⸗ Sieben ah⸗ geſtampf⸗ lecht, und as Mittel, keißes ge⸗ eißfes. Arbeiten Vertrage ahlung, A. In erhalt den teißhaufen Dafur muß er mit der alle Ar⸗ verrichtet den. fur Rech⸗ dann erſt dein Colon Arbeit iſ⸗ den a el⸗ enda im in den Vom Ackerbaue. 275 folgenden zwei Jahren aber nur 1 ½ bis 2 Tagwerke pr. Pertica bedürfe. Der Taglohn einer ſolchen Jaterinn ſind 35 Sold;= 31 Kreuzer. In den Riſare vallive gab man mir folgenden Koſten— überſchlag an. Für ein Joch abgleichen und Eindammen vor der Bewäſſerung: 1 fl. 50 bis 3 fl. 40 Kreuzer. Für das Jaten eines Joches, je nachdem das Feld unrein iſt: 1 fl. 50 bis 5 fl. 30 Kreuzer. Die Koſten des Umgrabens habe ich ſchon namhaft gemacht. Man erſieht hieraus, daß das Unkraut in den Riſare ſtabili, deßwegen weil ſie beſtaͤndig unter Waſſer ſind, und jährlich gejätet und nicht ſo haͤufig gedüngt werden, nicht in ſo großer Menge vorhanden iſt, wie in den Riſarea vicenda. 5. Vom Bergreiße. Der Bergreiß, chineſiſche Reiß, Oryza mutica, unterſcheidet ſich vom gewöhnlichen Reiße, daß er niedriger im Stamme bleibt, und daß ſeine Körner keine Grannen(Bart) haben. Es ſind ohngefaͤhr 20 Jahre, als man ſeine Samen zuerſt nach Europa brachte, und von der Cultur dieſer Pflanze, von der man behauptete, daß ſie im Clima von Deutſchland reif werden würde, einen bedeutenden Umſchwung in der Landwirth— ſchaft erwartete. Ich erinnere mich noch gut auf die erſten Verſuche, die ich im Jahre 1809 mit der neuen Reißart machte, deren Reſultat ſo ſchlecht ausfiel, daß ich nicht einmal die Blüthe der Pflanze zu ſehen bekam. Im Jahre 1815 erhielt ich von Petersburg neuen Samen, den ich in ein trefflich zugerichtetes Gartenbeet ſäete: die Pflanzen wurden haͤufig begoſſen, und auf das beſte gepflegt, allein ich erhielt für alle meine Mühe nicht ein einzi⸗ ges reifes Korn. Die Verſuche in vielen andern Gegenden von Deutſchland, Ungarn und Italien fielen alle mehr oder weniger 18* 276 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. ſchlecht aus, und man überzeugte ſich, daß dieſe Reißart unter den Verhältniſſen, unter welchen unſere übrigen Getreidearten gut fortkommen, nicht gedeihe. Man ſchrieb aber die Urſache nur dem Clima zu, und meinte, daß die Witterung unſerer Jahreszeiten ihm nicht zuſage, bis man endlich verſuchte, ihn gleich dem gemeinen Reiß zu behandeln, und aus ſeinem Gedeihen im Waſſer ſich überzeugte, daß er ebenfalls eine Sumpfpflanze, und nur eine Art des gemeinen Reißes ſei. Die Verſuche, welche über dieſen Gegenſtand in Italien ange— ſtellt, und durch die Herren Roſa, Guſſoni, Lomeni, Ponzilacqua u. a. m. durch Druckſchriften bekannt gemacht worden ſind, führten allgemach die Überzeugung herbei, daß dieſe neue Art Reiß nur dann ſicher gedeihet, wenn man ſie ganz auf dieſelbe Art behandelt, wie den gemeinen Waſſerreiß, und daß ſie dann einige weſentliche Vorzüge vor dieſem hat. Nun gab man die kleinen Verſuche auf, und began die großen, comparativen, d. h. man ſaete den neuen Reiß in die für den gemeinen Reiß beſtimmten Felder, und behandelte ihn ganz auf dieſelbe Art, wie den danebenſtehenden gemeinen Reiß, wobei ſich natürlich die Eigenthümlichkeiten darſtellen mußten, die ihn von dem ge— meinen Reiße unterſcheiden. Solche Verſuche im Großen ſtellten, nach dem Berichte von Ponzilacqua(a. a. O. S. 16), die Brüder Grigolati von Verona auf ihren Reißfeldern in Canedole an, wo im Jahre 1826, am 27. Mai 17 Pf. ausgeſäet, und am 27. Auguſt 200 Pf. geerntet wurden. Im Jahre 1827 wurde der Verſuch vergrößert, und im Jahre 1828 waren es bereits 15 Sacchi, die ſie in Canedole und Caſtiglione di Mantova aus⸗ geſäet hatten. Als man mir in Mantua von dieſen intereſſan⸗ ten Verſuchen erzählte, beſchloß ich ſogleich den kleinen Seiten— weg von Roverbello über Canedole und Caſtiglione di Montova zu machen, um mich an Ort und Stelle von der Richtigkeit der Thatſache zu überzeugen, und den Stand der Pflanzen und ihr Ausſehen zu beobachten. alt unter teedearten ie Urſache ig unſerer ucht, ihn (Gedeihen ppfpflange, lien ange⸗ meni, gemacht daß dieſe ganz auf und doß gab Mon ativen, en Reiß lbe Art, natürlich n dem ge⸗ richte von igolati 1, wo im „ Auguſt Verſuch Sacchi, ova all⸗ ntereſſan⸗ Seiten⸗ iglione e von der zand der Vom Ackerbaue. 277 Der Boden von Canedole gehört zu den fruchtbarſten der Umgegend; es iſt eine tiefe, fruchtbare Erde. Man hat ge— nügend und ſehr gutes Waſſer zur Bewaͤſſerung, und es ſcheint auch an Dünger nicht zu fehlen, denn es gibt viele natürliche Wieſen, und der Mais, den ich in den Feldern ſah, hatte ein kräftiges Ausſehen. Hier fand ich ein Feld, wovon etwa 6 Biol— che,= 3 ⅛ Joch, mit dem neuen Reiße, der übrige, größere Theil mit dem gemeinen Reiße beſtellt war. Die Pflanzen des er⸗ ſtern waren ſehr gleichfrmig über den ganzen Acker verbreitet; man ſah nirgendwo leere Stellen; er war rein vom Unkraute; die Pflanzen ohngefähr 20 bis 24 Zoll hoch; die Rispen voll Kör⸗ ner, deren mehrere an demſelben Tage(30. Juli) ſchon zeitig waren. Der danebenſtehende gemeine Reiß ſtand auch ſchön, und die Pflanzen waren um„ höͤher im Wuchſe: ſie fingen aber erſt an zu blühen, und kaum der dritte Theil derſelben war im Blühen begriffen. In Caſtiglione di Mantova iſt der Boden leichter, mehr mit Sand gemiſcht; allein ich konnte keinen bedeutenden Unterſchied des Ausſehens des hier ausgeſäeten neuen Reißes ge— gen jenen von Canedole wahrnehmen. In der Zeitigung ſtanden die Pflanzen in beiden Orten auf demſelben Puncte. Als ich nach Verona kam, ſäumte ich nicht, mich bei den Herren Brüdern Grigolati über die Cultur dieſer Reißart näher zu erkundigen, und ich erhielt von denſelben mit aller Bereitwil— ligkeit folgende Nachrichten, die ich mit den eigenen Worten hieher ſetze, wie ſie in einem kleinen Aufſatze enthalten ſind, den ſie mir als Antwort auf meine Fragen mittheilten. »Die Vorzüge des neuen Reißes vor dem gewöhnlichen, be— ſtehen darin, daß er um einen Monat früher reift; daß man zur Saat um%ᷣ weniger Samen, und zur Bewäſſerung weniger Waſſer bedarf; daß er im ſumpfigen und fetten Boden mächtig wachſt, und ſich anſtockt, und daß er vom Roſte(Carolo) nicht leidet, welche Krankheit in den drei Jahren, als er in Canedole gebauet wird, noch nicht bemerkt worden iſt. In⸗ 278 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. deſſen ſteht zu befürchten, daß er dieſe urſprünglichen Eigenſchaf⸗ ten mit der Acclimatiſirung allgemach verlieren dürfte, da man bemerkt, daß ſeine Stängel jährlich kürzer zu werden ſcheinen. So iſt auch das von der Hülſe befreiete Korn durchſichtiger, als das des gemeinen Reißes, und dürfte beim Stampfen zer— brechlicher ſein, und dadurch einen minderen Werth als Kauf— mannswaare haben; um ſo mehr, da es ſcheint, daß er im zer— ſtampften Zuſtande nach längerer Zeit die hochweiße Farbe ver— liert, die der gemeine behält, der ſich nebſtbei an der Oberfläͤche mit Mehl bedeckt. Der neue Reiß gab im Jahre 1827 vierzehn⸗ fältigen Samen, der gemeine nur ſiebenfältigen, weil er etwas vom Roſte gelitten hatte, denn ſonſt gibt dieſer in guten Jahren zehnfäͤltigen Samen.— Heuer(1328) ward der neue Reiß, gemeinſchaftlich mit dem gemeinen, am 22. April geſäet, und morgen(4. Auguſt) beginnt der Schnitt. Er hat alſo den Vor⸗ zug, daß er jetzt ſchon der Gefahr des Hagels entrückt wird, welcher der gemeine Reiß noch vier Wochen lang ausgeſetzt bleibt.*) Durch die Güte der Herren Grigolati ward ich mit Herrn Ponzilacqua bekannt, deſſen Schriften die Verbrei⸗ tung der Cultur des neuen Reißes ſehr vieles verdankt, der viele Verſuche, wenn gleich nur im Kleinen, damit anſtellte, und durch ſeinen Eifer und ſein unermüdetes Beſtreben meh— rere Gutsbeſitzer bewog im Jahre 1822 kleine Stellen ihrer Reiß⸗ felder damit zu beſäen. Herr Ponzilacqua hat die Reſultate aller dieſer Verſuche in dem mehrmals erwähnten kleinen Werke zuſammengeſtellt, und hat ſich dadurch um die Einführung die— *) Von welch' großem Vortheile dieſes frühere Reifwerden der neuen Reißart ſei, gab das nämliche Jahr noch einen Beweis. Wäͤhrend der neue Reiß in der erſten Hälfte des Auguſt geerntet ward, und nach ei⸗ ner ſchriftlichen Mittheilung des Marcheſe Carlo Pindemonte, zwiſchen 13 und 14fältigen Samen gab, ward der gewohnliche Reiß, der am 14. September zwar wohl reif, aber noch nicht geſchnitten war, von einem Hagelwetter ſtark beſchädigt, das an dieſem Tage einen gro⸗ ßen Theil von Ober⸗Italien mehr oder weniger hart traf. enſchaf⸗ d man heinen. chtiger, fen zer⸗ 3 Kauf⸗ in zer⸗ ebe ver⸗ erfläche eerzehn⸗ etwas △ Jahren Reiß, , und Vor⸗ wird, geſetzt ich wit Jerbrei⸗ t, der ſtellte, n meh⸗ Neiß⸗ ſultate Werke mg die⸗ — neuen end der nach ei⸗ tonte, e Niiß, ten wat, en gro⸗ Vom Ackerbaue. 279 ſer Reißart in die italieniſche Landwirthſchaft ein ſehr großes Verdienſt erworben. Ich ſchaͤtze mich glücklich die Bekanntſchaft jener Männer ge⸗ macht zu haben, die als die weſentlichſten Beförderer der neuen Reißart betrachtet werden müſſen, und die Felder geſehen zu haben, wo ſie zuerſt im Großen gebauet wurde, denn ich ſehe in dieſer Pflanze die Quelle neuen Reichthums, und eines mäch⸗ tigen Umſchwunges in der Landwirthſchaft ſüdlicher Länder, wenn gleich Deutſchland keinen directen Antheil an dieſem Vor— theile nehmen kann, wie Jene meinten, die den erſten Samen nach Europa brachten, weil ſein Clima zu kalt iſt, als daß ſich das Waſſer gehörig und lang genug erhitzen ſollte, innerhalb welchem die Pflanze wachſt. Weil aber der neue Reiß in der Umgebung von Mantua im Verlaufe von 3 6 Monaten reift, weil er in den kleinen Gefaͤßen, mit denen Ponzilacqua in Verona durch mehrere Jahre Verſuche machte, alljähr— lich zeitig ward, obgleich das Locale, wo die Gefäße ſtanden, nur wenige Stunden des Tages von der Sonne beſchienen wurde, ſo daucht es mir außer allen Zweifel, daß dieſe ſchnell reifende Pflanze nicht bloß in dem Clima von Mantua, ſondern überall wird gebauet werden koͤnnen, wo der gemeine Winter— weizen Ende Juni noch reif wird, und daß ſie in Ober-Italien den gemeinen Reiß allgemach verdrängen wird, der eine lang— ſam wachſende Pflanze iſt, die große Wärme nöthig hat, und dem Roſte(Carolo, Brussone, Ruggine heißt dieſe Krank⸗ heit des Reißes bei den Italienern) ſehr ausgeſetzt iſt, der nicht ſelten den größeren Theil der Hoffnung vernichtet.*) *) Im Jahre 1320 wurden in Görz von dem Herrn Oberſt Catinelli, und in Bagnaria von dem Herrn Grafen Joſef Straſoldo Verſuche mit dem Anbaue dieſes frühreifen Reißes gemacht. Die erſtern wur⸗ den nur in kleinen Gefäßen angeſtellt, und ſind daher weniger belehrend, weil ſie nicht comparativ ſind; dafür ſind die anderen aber, wenigſtens in der Hauptſache, völlig befriedigend. Ein gewohnliches Reißfeld ward am 20. April 1320 mit gemeinem Reiße beſäet; ein kleines Stück davon ward am nämlichen Tage mit Früh⸗ 280 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. Einige befürchten, daß der neue Reiß einen geringeren Körnerertrag geben werde, als der gewöhnliche Reiß, weil er eine niedrige und unanſehnliche Pflanze iſt; allein die bisheri— gen Erfahrungen haben nur das Gegentheil bewieſen; und ich zweifle keinen Augenblick, daß er im Durchſchnitte der Jahre nur vielmehr einen größeren Ertrag abwerfen werde, weil er dem Roſte nicht unterworfen iſt, und dem Hagel um einen vollen Monat früher, als der gemeine Reiß, entrückt wird. Endlich glaube ich hier nicht außer Acht laſſen zu dürfen, daß durch die Cultur des neuen Reißes, den man Frühre iß⸗ Oryza praecox, nennen ſollte, auch die Geſundheit der Arbei— ter weniger gefährdet wird, indem durch die Verkürzung der Periode, in der die Arbeiten am Reißfelde Statt haben, auch die Gefahr verkürzt wird, der die Menſchen ausgeſetzt ſind, die ſich mit ſeiner Cultur beſchaftigen. 6. Von der Hirſe. In den venezianiſchen Provinzen hörte ich wenig von der Cultur der Hirſe, dafür aber findet man ſie in den lombardi— ſchen Provinzen deſto ausgebreiteter, wo ſie gewöhnlich als zweite Frucht in die Stoppeln des Weizens und des März— leins, und in den bewäſſerten Provinzen nur ſelten wo mehr reiße beſäet. Die Behandlung beider Reißarten während des Wachsthums war dieſelbe. Am 30. Auguſt war der Frühreiß zeitig, und am erſten October der gemeine Reiß. Der erſtere würde noch einige Tage früher reif ge⸗ worden ſein, wenn er nicht in das kälteſte Stück des Feldes wäre ge⸗ ſäet worden, dorthin nämlich, wo das Waſſer aus dem Zuleitungs⸗ graben in das Feld eintritt, und wo in gewöhnlichen Jahren der gemei⸗ ne Reiß nur unvollkommen reif wird, oft gar nicht einmal Ähren anſetzt. Wenn im Jahre 1829, das durch die lang anhaltende Kälte des Früh⸗ lings und die geringe Wärme des Sommers dem Reißbaue ſo wenig zu⸗ träglich war, der Frühreiß in Friaul doch ſchon Ende Auguſt zeitig ward⸗ ſo kann man darauf Rechnung machen, daß er da in gewohnlichen Jah⸗ ren in der Mitte dieſes Monats reif wird. rngeren weil er biöheri⸗ und ich er Jahre il er dem n vollen dürfen, hreiß, Abei⸗ ing der n, auch t ſind, don der mbardi⸗ lich als Mär⸗ mehr — sthums October reif ge⸗ vare ge⸗ eitungs⸗ gemei⸗ ähren Früh⸗ enig zu⸗ ward⸗ Jah⸗ Vom Ackerbaue. 281 als erſte Frucht, nach vorausgegangener Colturamaggenga geſäet wird, was in früheren Jahren in der Provinz Lodi häufig der Fall war, wie ich aus den Cataſtralacten erſehen habe. Gegenwärtig ſieht man nur noch in den trockenen Ge— genden die Hirſe im April oder Mai ſaͤen, um ſie als erſte Frucht zu ernten, und auch da wird ſie immer mehr vom Mais verdrängt. Man cultivirt die nämliche Art Hirſe, wie bei uns. Was ich von der Cultur dieſer Pflanze ſah und hörte, macht mich glau⸗ ben, daß man ſie in den bewäͤſſerten Gegenden nicht wohl ver— ſteht, denn ich fand ſie allenthalben zu dicht ſtehen, wobei man wenig Körner gewinnt, und auch an der Menge des Strohes verliert: auch wird ſie da weder gejaͤtet, noch geeggt, was man aber in den trockenen Provinzen wohl beobachtet, weßwegen auch der Ertrag hier ſicherlich höͤher als in den bewaͤſſerten ſein wird, wenn nicht etwa die Magerkeit des Bodens das Gegentheil be— wirkt. Das Stroh der dicht ſtehenden, dünnſtängligen Hirſe wird, wie bei uns, mehr als es werth iſt, zu Viehfutter geſchaͤtzt. Daß die Hirſe, als zweite Frucht in die Stoppeln des Win— terroggens in den erſten Tagen des Juli geſaet, auch im ſüdli— chen Deutſchlande noch reif werde, weiß ich aus wiederholten, eigenen Erfahrungen. Wir ſäen ſie aber deßwegen nicht als Nachfrucht, weil ihre Cultur größere Koſten verurſacht, als die des Buchweizens, oder irgend einer Futterpflanze, und ihr Naturalertrag an und für ſich einen geringeren Geldwerth hat, als es jener einer andern zweiten Frucht iſt. In der Wahl der Nachfrüchte ſind die Italiener, wie es mir ſcheint, nicht ſehr glücklich. Der Cinquantin und die Hirſe, womit ſie ihre Felder beſäen, erheiſchen immer viele Arbeit, und lohnen ſie nur in einem kräftigen Boden, der ihnen aber nur ſelten wo gewaͤhrt wird. Der arme Colon in den trocknen Gegenden richtet ſein Augenmerk auf nichts, als wie er ſich Kör— ner zur Nahrung verſchafft, um ſich vor Noth zu decken, und will Mais(Cinquantin) auf jedem Acker, er ſei gut oder ſchlecht, 28² Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. erzeugen. Seine Arbeit rechnet er gering, oder gar nicht, weil er damit anderswo auch nicht weiß ſich mehr zu erwerben, und ſieht darum den ſchlechteſten Rohertrag als Reinertrag an. Der reiche Pächter in den bewaͤſſerten Provinzen hat einen Frucht⸗ wechſel, in dem die Nachfrucht nur einen kleinen Theil ſeiner Felder einnimmt. Nach Lein ſäet er Hirſe, und hierauf Weizen, wie ich in dem Artikel: Fruchtwechſel, gezeigt habe. Ihm iſt es vor⸗ züglich um Stroh zu thun, und er ſieht den Körnerertrag nur als Nebenſache an, und ſaͤet daher die Hirſe dichter, als erfor— derlich und der Körnererzeugung zuträͤglich iſt. Was man unter ſolchen Umſtanden dennoch an Körnern gewinnt, konnte ich nicht erfahren: in den trocknen Provinzen der Lombardie rechnet man aber, nach Dandolo(a. a. O. S. 164) 6 Stara pr. Pertica;= 15,6 Metzen pr. Joch, wobei ſich der Aufwand kaum zurückbezahlt. 7. Andere Getreidearten und Hülſenfrüchte. Der italieniſche Ackerbau hat nicht die vielfältige Abwechs⸗ lung der Früchte, die man im ſüdlichen Deutſchland antrifft, wo man in den einzelnen Wirthſchaften nicht ſelten, Weizen, Roggen, Gerſte, Hafer, Mais, Fiſolen, Bohnen, Erbſen, nebſt Kartoffeln, Klee, Rüben u. ſ. w. ſieht. Ich habe ſchon früher geſagt, daß der italieniſche Colon nur zwei Früchte bauet, oder bauen darf: Weizen und Mais; den erſtern für den Herrn, den zweiten für ſich. Es iſt daher ein ermüdendes Einerlei in manchen venezianiſchen Provinzen meilenlange Stre⸗ cken mit Nichts, als mit Mais und Weizen beſtellt zu ſehen, zwiſchen denen Reihen von Baͤumen gepflanzt ſind, die den Re⸗ ben zur Stütze dienen. Mit Hafer und Gerſte ſah ich ſo wenige Felder beſäet, daß man annehmen kann, daß ſie gar nicht zum hieſigen Haus⸗ halte gehören. Zu was ſollen ſie auch dieſe Früchte bauen, da ſie ihren Arbeitspferden nirgendwo Hafer, nur Gras und Hu der ind deld zum V abe fru Ar. = — — lie der viel zu! ken, V ſchi meh icht, weil aben, und Jan. Der en Frucht⸗ hheil ſeiner If Weizen, Niſtes vor⸗ ertrag nur als erfor⸗ Körnern dinzen der v.S. 104) wohei ſic ichte. Abwechs⸗ dantrifft, Weizen, „Erbſen, ahe ſchon tFrüchte für den nüdendes nge Stte⸗ zu ſehen, den Re⸗ e beſtit, en Haus⸗ nen, da ns und Vom Ackerbaue. 283 Heu füttern, und da ſie kein Bier bräuen, wie die Deutſchen, oder Gerſtengrütze eſſen, wie die Iſtrianer und Görzer. So ſind auch Erbſen und Bohnen nur ſeltene Gaͤſte in dieſen Feldern, und werden nur in Gaͤrten oder kleinen Ackerflecken zum Verkaufe für die benachbarten Städte gezogen. Fiſolen aber werden häufig mit Mais geſäet, und geben als Zwiſchen⸗ frucht einen guten Ertrag, von dem ich einige Daten in dem Artikel: Mais, angegeben habe. 38. Vom Buchweizen. Buchweizen wird ziemlich viel gebauet, beſonders in Friaul und in den trocken gelegenen Provinzen der Lombardie; doch iſt die Cultur deſſelben noch viel zu ſehr beſchrankt, und der wahre Werth dieſer trefflichen Pflanze wird in Italien nicht genügend gekannt, und man verſteht ihre Cultur nicht gehörig, und zieht nicht jenen Vortheil von ihr, der ſie ihren Nachbarn in den deut— ſchen und ſchweizeriſchen Provinzen ſo ſchäͤtzbar macht; welch' er⸗ ſtere in Kaͤrnthen, Krain und Steiermark vom Buchweizen als zweiter Frucht, ohne Mühe beinahe, nicht ſelten mehr Körner bekommen, als die Italiener von einer doppelt ſo großen Flaäͤche eines Cinquantinfeldes, das ſie mit doppelt ſo großer Kraftan⸗ ſtrengung bearbeiteten. 9. Von den Kartoffeln. Die Kartoffeln nehmen leider! noch keinen Platz im ita⸗ lieniſchen Ackerbaue ein, und nur in der Naͤhe der großen Stadte des lombardiſch-venezianiſchen Königreichs bauen die Colonen ſo viel davon, als ſie glauben den deutſchen Soldaten verkaufen zu können: ſie ſelbſt verſchmähen dieſe Speiſe noch immer, und können ſich nur zur Zeit der höchſten Noth zu ihrem Genuß ent— ſchließen. Und doch ſcheint es mir, daß dieſe Claſſe von Menſchen mehr als irgend eine andere der Kartoffeln bedürfte, um ſich vor 284 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. Noth zu ſchützen, der ſie faſt alljährlich ausgeſetzt ſind. Nur in den Bergen der lombardiſchen und venezianiſchen Provinzen brei⸗ tet ſich, zufolge den Nachrichten, die man mir hierüber ertheilte, die Cultur der Kartoffeln unter den dortigen Bauern(kleinen, freien Gutsbeſitzern, nicht Colonen) immer mehr aus; allein in der Ebene ſind alle Kartoffelfelder, die man in den Nothjah⸗ ren 1816 und 1812 ſah, wieder verſchwunden, und man iſt allenthalben wieder zum Maismuß— Polenta— zurück⸗ gekehrt. In den Zeiten der Noth erſchienen viele Schriften über den Nutzen und die Nothwendigkeit die Cultur der Kartoffeln in Ita⸗ lien einzuführen; auch ſoll man damals in vielen Wirthſchaften der Ebene kleine Flecken mit Kartoffeln beſtellt geſehen haben, und man erwartete, daß, weil man durch die Noth gedrungen einmal den Anfang gemacht hätte, die Cultur nicht mehr ins Stocken gerathen, vielmehr ſich nur von Jahr zu Jahr vermeh⸗ ren würde.— Es geſchah aber nur das Gegentheil, und die von Städten entfernten geringen Anfänge der neuen Cultur ſind wie⸗ der verſchwunden!— Das Volk weicht in allen Ländern von ſei⸗ nen Gewohnheiten nicht ſo leicht ab, als man es ſich vorſtellt; und man kann es den italieniſchen Colonen nicht verdenken, daß ſie die Polenta den geſchmackloſen und gering nährenden Kar⸗ toffeln vorziehen, ſo lange ſie die Wahl zwiſchen beiden Nah⸗ rungsmitteln haben. Wenn ſie aber in mehreren Monaten des Jahrs nur die Wahl zwiſchen Mangel und Noth, und einem großen Topfe voll Kartoffeln haben, iſt es wahrhaft Mangel an Verſtande, und die höchſte Indolenz, dieſen Freund in der Noth von ſich abzuweiſen, und ihm im Frühlinge nicht einen kleinen Platz am Acker anzuweiſen, damit er ihnen beim Mißrathen des Mais im Winter und Frühling Aushülfe leiſte. Eine Veraͤnderung in der Koſt des gemeinen Volkes iſt al⸗ lenthalben ſchwer zu bewirken, und es ſtraubt ſich mit Recht da⸗ gegen, wenn es ſtatt Polenta Kartoffeln eſſen ſollte, und es ware Narrheit den Mais durch die Kartoffeln völlig ſubſtituiren d. Nur in inzen brei⸗ retheilte, lkleinen, aus; allein Nothjah⸗ d man iſ — zuruck über den in in Ita⸗ tthſchaften en haben, gedrungen mehr ins vermeh⸗ die von ſind wie⸗ —m von ſei⸗ vorſtellt; enken, daß enden Kat⸗ ziden Noh⸗ naten des und einen Nangel an nder Noth ꝛen kleinen Mißrathen lkes il ol⸗ tRectda⸗ 4, und es öſtituiren Vom Ackerbauc. 285 zu wollen; aber die Kartoffeln als Zugabe zur Polenta anzu⸗ nehmen, würde ſich der Arbeiter gewiß gefallen laſſen, denn er hätte nun ſtatt einer Speiſe zwei Gerichte, und könnte ſich nach Gefallen mehr oder weniger von der einen oder andern ſättigen. Meint man, daß auf dieſe Weiſe nichts gewonnen, ja vielmehr die Arbeitskoſten nur erhöht würden, weil die Kartoffeln als eine überflüſſige Zugabe gegeben worden waren, ſo irrt man ſich gröb— lich, denn in demſelben Verhältniſſe, als man von den Kartof— feln zu ſich nimmt, verzehrt man weniger vom Mais, und der Zweck, weßwegen die Kartoffeln in den Ackerbau eingeführt wer— den ſollen, wird erreicht, nämlich die Ernährung des Volkes nicht ganz vom Gedeihen einer einzigen Frucht, dem Mais, ab⸗ hängig zu machen. Waͤre der Ackerbau in Italien nicht ganz der ärmſten und unwiſſendſten Claſſe der Menſchen überlaſſen, und gaben ſich die dortigen Grundbeſitzer nur etwas ſelbſt mit demſelben ab, ſo würde die Einführung der Kartoffeln in den Haushalt zur Er— nährung der Menſchen und Thiere ſchon bewirkt worden ſein, wie dieß in England, Deutſchland, in den Niederlanden und im nördlichen Frankreich geſchah, und man wuürde die Scenen in die— ſem Garten von Europa nicht geſehen haben, die ſich in den Jahren 1816 und 1817 ereigneten.*) *)»Man ſah die armen Familien von Hunger abgemagert; die Plätze und offentlichen Straßen bedeckt mit den elenden Kleidern und dem Hausge⸗ räthe der Armen, die um leichtes Geld zum Verkaufe ausgeſtellt waren; allenthalben einen verheerenden Typhus, der ſich immer weiter verbrei⸗ tete; troſtloſe Mütter ihre ehelichen Kinder in die Findelhäuſer bringen, als wären es Baſtarde; die Menſchen in einer ſchlechteren Lage als die Thiere, nach Wurzeln graben und den ganzen Tag auf den Feldern nach Kräutern herumirren, um ſich derſelben zur Speiſe zu bedienen; Brod mit Eicheln, Baumrinde, Kleien und Weintreſtern eſſen; die ei— genen Wohnungen verlaſſen, und auf das Erbarmen Anderer vertrauen; hin und wieder die Wochen- und Jahrmärkte aufgehoben, um das Zu⸗ ſtrömen der von bösartigen Krankheiten angeſteckten Menſchen zu verhü⸗ ten; den Wohlhabenden in Furcht ſeine Hand gegen den Dürftigen aus⸗ zuſtrecken und ihm deßwegen ſeine Hülfe entziehen; außerordentliche Spi⸗ täler, die hie und da ſelbſt in den Häuſern von Vürgern errichtet wur⸗ 286 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. Es werden wohl noch einige Menſchenalter vorübergehen, ehe ſich der kurzſichtige italieniſche Colon entſchließen wird, aus dem tiefen Gleiſe zu treten, in dem er ſeine Wirthſchaft nach der Weiſe der Väter fortführt: allein das Beiſpiel, das ihm ſeine nächſten Nachbarn fortwahrend vor Augen halten, wird auch ihn mitt— lerweile dahin bringen, Verſuche mit den Kartoffeln zu machen. Von den Bergen herab, wo ſie ſchon einheimiſch ſind, wird ſich ihr Anbau allgemach in die Ebene verbreiten, und die immer zu— nehmende Bevölkerung der arbeitenden Claſſe und die Zerſtück— lung des Bodens werden die Colonen mittlerweile ſelbſt dazu nöthigen, oder die Grundbeſitzer zur Überzeugung bringen, daß ſie es ihren Colonen zum Geſetze machen müſſen, einen beſtimm— den; kleine Grundbeſitzer, die von den Wucherern zu Grunde gerichtet, ihr kleines väterliches Erbe, die einzige Quelle ihrer Erhaltung, verpfän- den und verkaufen; wackere und rechtliche Handwerker in geheim die furchtſame Hand um Almoſen ausſtrecken, mit Scham bedeckten Geſich⸗ te und Augen, denen eine zahlreiche und hungerige Familie die bitter⸗ ſten Thränen zu vergießen zwingt; die Wohlhabenden es nicht einmal wagen von der Stadt ſich auf das Land zu begeben; die Bevoölkerung der nächſten Orte durch Furcht ohne gegenſeitigen Verkehr; vollig[ver⸗ nachläſſigt die Arbeiten der Gewerke; auf tauſenderlei Art die Scham in Gefahr und bloß geſtellt; peinigende Angſt und Geheul in den Häu— ſern der Armen, und ſelbſt die öͤffentlichen Gebete verboten, um das Anhäufen der Elenden in den Kirchen zu verhindern, die in einer ſo kläglichen Lage nichts thun konnen, als dem lebendigen Gott ihren Jammer zum Opfer bringen, um ſich dadurch wenigſtens die Vergütung im künftigen Leben zu verdienen.«(Dandolo, Opera postuma. S. 167.) Solche Noth haben wir in Deutſchland, Gottlob! nirgendwo gehabt. Unſere Bauern haben ſich mit Milch, Kartoffeln, Hafer, Linſen, Boh⸗ nen, beholfen, da Roggen, Weizen und Buchweizen mißriethen, und es zeigte ſich damals, wie nützlich es iſt eine großere Zahl von Früchten zu bauen, die zu verſchiedenen Zeiten geſäet und geerntet werden, und die nicht von einerlei Witterung abhängen, damit, wenn die eine fehl⸗ ſchlägt, die andere ſie zum Theile wenigſtens erſetze, und uns vor Noth ſchütze.— Fehlt dem italieniſchen Colon der Mais, ſo iſt er in den kläg⸗ lichſten Umſtänden, und er muß das Wenige, was er hat, verkaufen, oder Schulden machen.— Wie vielen Gefahren iſt aber nicht der Mais durch Hagel und Dürre ausgeſetzt, wenn wir auch in Italien den Früh⸗ und Spätfroſt nicht in Anſchlag bringen wollen; und ſcheint es daher für dieſes Land nicht ein dringendes Bedürfniß zu ſein, die Cultur der Kartoffeln einzuführen? t de die gehen, ehe aus dem hder Veiſe ne nichſten hihn mitt⸗ zu machen. d, wird ſch immer zu. ie Zerſtuͤtk ſelbſt dazu ngen, daß beſtimm⸗ — de gerichtet, , verpfan⸗ geheim die ten Geſich⸗ die bitter⸗ cht einmal devolkerung vollig er⸗ die Scham in den Hau⸗ en, um das in einer ſo Gott ihren Vergütung n. S. 167.) dwo gehabt. ſen, Boh⸗ ethen, und en Früchten erden, und e eine fehl⸗ s vor Noth in den klaͤh⸗ verkauftn, tder Mis den grüh⸗ es daher gultur der Vom Ackerbaue. 287 ten Theil des Ackers mit Kartoffeln zu beſtellen, um ſich dadurch der beſtandigen Unterſtützungen und Pachtnachläͤſſe zu entheben, die ihre Grundrente ſo bedeutend ſchmaͤlern. 10. Von den Olgewächſen. Solche Pflanzen, die man bloß ihrer ölhaltigen Körner we⸗ gen in den Ackern bauet, findet man in Italien bisher nur ſehr wenige, und die Cultur derſelben iſt noch immer mehr ein Verſuch zu nennen, als ein gemeinübliches Verfahren. Von den hieher gehörigen Pflanzen ſah ich in dem bewaͤſſerten Theil der Lombardie nur allein die Olrüben bauen, welche die Italiener Raviz⸗ zone nennen. Welche Art von Brassica da cultivirt wird, konnte ich an den Pflanzen, die ich ſah, nicht erkennen; doch glaube ich, daß es Winterraps iſt, die Kohlſaat der Niederlaͤnder und Franzoſen. Aus dem Samen des Leines wird in den untern Gegenden der Lombardie, in den Provinzen Crema, Lodi, Pavia, Cremona viel Ol gepreßt; allein den Lein bauet man des Flachſes und nicht des Ols wegen. Die Cultur der Nußbäume war in alten Zeiten in der Lombardie von großer Bedeutung, und es ſcheint, daß man damals ſehr viel Ol aus den Kernen preßte: jetzt findet man in der Ebene dieſe Bäume faſt verſchwunden, und nur in den Hü⸗ geln, zwiſchen dem großen See und Vareſe, ſind ſie noch in großer Anzahl vorhanden. 11. Vom Leine. Der Lein wird in den bewaͤſſerten Provinzen der Lombardie in einer ſehr bedeutenden Ausdehnung gebauet, und bildet einen weſentlichen Theil der Ausfuhrartikel nach Piacenza, Genua und Piemont. Am haufigſten wird er in den bewaͤſſerten Gegen⸗ den gebauet, und Lodi und Cremona ſind die Hauptpuncte ſei⸗ 288 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. ner Erzeugung; indeſſen ſind auch in den trockenen Provinzen kleinere Leinfelder nicht ſelten zu ſehen, doch wird da nirgendwo ſo viel Flachs erzeugt, als es das Bedürfniß der geſammten Be— völkerung und die Rückſicht erheiſchten, ein Material zu haben, daß den Weibern, Kindern und gebrechlichen Menſchen, die man beim Ackerbaue nicht verwenden kann, eine nützliche Be— ſchäftigung gewährte. Man hat Winter- und Maͤrzlein. Den erſteren habe ich außer den Provinzen Pavia und Lodi, ſelten wo angetroffen, weil er naͤher gegen die Berge, in einem minder warmen Clima, durch den Winterfroſt leicht zerſtört wird. Wenn der Maͤrzlein in eine Wechſelwieſe geſaͤet wird, ſo pflügt man dieſe im Herbſte auf, und läßt ſie in rauher Furche über Winter liegen, eggt hierauf im Frühling das Feld ſehr ſtark, und zerkleinert mit Haue und Hammer die Erdſchollen; wird er aber in die Stoppeln des Weizens geſaͤet, ſo pflügt man das Feld vor der Saat zwei⸗- bis dreimal(Coltura maggenga), um es recht rein zu machen, und möglichſt zu pülvern. Wird Winterlein geſaet, ſo erhalt das Feld die Colturaagoſtana, und dann ſäet man oft Klee unter denſelben; gewöhnlicher aber wird Hirſe nachgeſäet. Friſcher Dünger wird in der Lombardie zu Flachs nicht angewendet; man ſäet ihn immer im zweiten oder dritten Jahre nach der Düngung. Die Saatzeit des Winterleins iſt um den 20. September; die des Märzleins um die Mitte des März. Man ſäet vom Winterlein a, vom Märzlein 1 Staro pr. Pertica;= 2 bis 2 Metzen pr. Joch; und jäͤtet ihn wah⸗ rend ſeines Wachsthums ein⸗- bis zweimal. Der Winterlein wird Anfangs Juni reif; den Märzlein ſah ich am 19.— 23. Juni raufen. Die Pflanzen, die ich ſah, waren etwas niedriger, als ſie es bei uns ſind, und hatten ſehr dünne, feine Stängel; ſie ſtanden am Felde ſehr dicht aneinander. Wenn der Flachs gerauft iſt, ſtellt man die Pflanzen umge⸗ Provinzen nirgendwo umten Be⸗ zu haben, chen, die lzliche Be⸗ habe ih getroffen, en Clima, ſo pflügt urche über ehr ſtark, en; wird man das enga), n. Vird oſtana, lcher aber kombardie n zweiten eptember; Staro ihn wah⸗ glein ſah , als ſe noelj ſi n unge⸗ Vom Ackerbaue. 289 kehrt, die Wurzeln in die Höhe, in kleinen Bündeln, auf dem Felde zum Trocknen, kehrt ihn am folgenden Tage um, und wenn er trocken genug iſt, wird er in große Bündel gebunden, und nach Hauſe geführt, wo man ihn unter Dach ſtellt, um ihm da nach acht bis zwölf Tagen die Samenkapſeln abzuſchlagen, welches mit einem hölzernen Hammer geſchieht, mit dem man die aufge⸗ bundenen, und an der Sonne früher gedörrten kleinen Bündel auf einem hölzernen Blocke ſchlägt. Der Samen wird durch Sieben von der Spreue, und die Stängel werden mit großer Sorgfalt von allen zwiſchen vorkommenden Pflanzen gereiniget und nach ihrer Länge ſortirt. Nun bindet man mit Stroh die Stängel in Büſchel von der Größe, daß man ſie mit zwei Hän⸗ den umfaſſen kann, und bindet deren 30 bis 42 mit Weidenruthen in einen runden Ballen dergeſtalt zuſammen, daß die Wurzeln allenthalben nach auswärts zu liegen kommen. Dieſe Ballen werden nun in das Waſſer gelegt, um da einen gewiſſen Grad der Gährung zu erleiden. Man wählt zu dieſem Behufe, entfernt von den Wohnhaͤuſern, eine Stelle, wo man eine Grube ausgräbt, von der Länge und Breite des Bedarfs und von einer Tiefe von 4 ½ Wiener Fuß. In dieſe Grube leitet man Waſſer, welches, wenn es ſie erfüllt hat, langſam zu- und abfließt, keinesweges ſtillſtehend, und auch nicht unrein, trüb ſein darf. Ware das Waſſer ſtehend, ſo würde die obere Lage des Flachſes von dem aufgeworfenen Unrathe, und den durch die Gäͤhrung ausgeſchiedenen Theilen, gefarbt werden. In dieſe Grube legt man ſachte, ohne das Waſſer zu trüben, die Pflan— zenballen, und wendet ſie täglich mit einer eiſernen Gabel um. Allgemach ſenken ſich dieſe Ballen von ſelbſt immer tiefer in das Waſſer, und nach 3 Tagen und eben ſo viel Nachten, manch⸗ mal aber erſt nach 4 bis 5 Tagen, ſinken ſie ganz unter. Sobald dieß erfolgt iſt, begeben ſich die Arbeiter in die Grube, löſen die Bänder auf, waſchen die einzelnen Bündel im Waſſer aus, und werfen ſie auf den Rand der Grube, nachdem der Platz früher mit Stroh belegt worden iſt. Sobald alle Flachsbündel I. 19 290 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. aus dem Waſſer gebracht worden ſind, werden ſie in einen oder in mehrere runde Haufen ſo zuſammengelegt, daß wieder die Wurzeln nach auswaͤrts zu liegen kommen. Einſolcher Haufen be— ſteht aus 3 bis 10 Ballen. Die Haufen werden mit Stroh, oder mit Brettern bedeckt, auf die man ein Gewicht legt. In dieſen Haufen muß der Lein ſich auf einen gewiſſen Grad erhitzen, den man wohl beobachten muß; denn erhitzt er ſich zu wenig, ſo bleibt der Flachs rauh; erhitzt er ſich zu ſtark, ſo wird er mürbe, bru⸗ ig. Nach Verſchiedenheit der Wärme der Luft dauert es zwei bis g 5 drei Tage, daß man dieſe Haufen unangerührt läßt, worauf ſie auseinander geworfen, auf Wagen geladen, und auf abgemähte Wieſen, oder andere leere Felder geführt werden. Hier werden die Bünde aufgelöſt, und die Stäͤngel in kleine pyramidenför— mige Haͤufchen aufgeſtellt, die Wurzeln nach abwärts, wo ſie 3 bis 10 Tage bleiben, worauf man ſie nach Hauſe führt, um ſie zu brechen. Wenn es während der Zeit, als die Haͤufchen zum Trocknen am Felde ſtehen, nicht regnet, ſo wird der Flachs ſehr weiß, im Gegentheile wird er grau, und verliert auch an Gewicht. Das Brechen geſchieht in der Lombardie nicht mit den in Deutſchland gewöhnlichen Werkzeugen, ſondern man ſchlägt ſo lange mit einem Holze, das 1½ Fuß lang und 7 Zoll breit iſt, und eine runde Handhabe hat, die man mit beiden Händen hält, auf die Pflanzenſtängel, die auf einen flachen Block ge— legt und durch eine quer überlaufende Schnur niedergehal— ten werden, bis die Stangel zerquetſcht ſind, worauf man die Lage wendet, und das Schlagen ſo lange fortſetzt, bis die Holz— theile vom Baſte getrennt ſind. Bei jedem Stocke ſind zwei Wei— ber. In einigen Orten hat man leichtere Hämmer, und dann hält man mit der linken Hand das Flachsbuſchel, mit der rech— ten den Hammer. Die übrigen Arbeiten der Flachsbereitung ſind von den in Deutſchland üblichen nicht verſchieden, weßwegen ich ſie über⸗ gehe. einen oder vieder die Haufen be⸗ etoh, oder In diſſen hitzen, den j, ſo bleibt ürbe, bru⸗ es zwei bis worauf ſie abgemahte ier werden amidenfor⸗ ts, wo ſie rt/ Un ſie Trocknen hr weiß, ewicht. it den in ſchlagt ſo breit iſ Handen Block ge⸗ ꝛdergehal⸗ man die die Hol⸗ zwei Wei⸗ und dann der neg⸗ n den in ſi ubel⸗ Vom Ackerbaue. 291 Wenn ich hier den Leſern das Detail der Röſtung des Flach⸗ ſes, ſo wie es zwiſchen Pavia und Lodi üblich iſt, und von Moretti(Elementi d'agricoltura. Tom. IV.) mit aller Um⸗ ſtändlichkeit beſchrieben wird, mittheile, ſo geſchieht es, weil ich glaube, daß dieſe Methode der Fewi hülichen Waſſerröſte vorzuziehen iſt, wo man den Lein im V Waſſer ſelbſt in Gaͤhrung kommen läßt, was hier nicht geſchieht, weßwegen ſich hier auch weniger ſtinkende Ausdünſtungen in der Umgebung verbreiten und die Geſundheit der Menſchen weniger gefahrdet iſt. Der Thauröſte muß man es zuſchreiben, daß man im ſüdli— chen Deutſchlande nur grauen Flachs hat, welcher mit dem Cremo— neſer Flachs gar keinen Vergleich aushält, der weiß von Farbe, mild im Anfuͤhlen und ſtärker im Faden iſt, und daher um 30 bis 40% mehr im Handel gilt, als der deutſche. Da in den übrigen Gegenden von Italien, meines Wiſſens, dieſe Art von Waſſerröſte nicht bekannt, ſondern allenthalben nur jene üblich iſt, wo die Flachs- oder Hanfbüſchel gleich unter Waſſer gelegt und beſchwert werden, und ſo lange darin bleiben, bis man meint, oder ſich durch Proben überzeugt, daß der erforderliche Grad der Gährung eingetketen iſt, ſo dürfte es für viele meiner Leſer von Intereſſe ſein, die genauen Verſuche Dandolo's zu kennen, die er über die Zeit angeſtellt hat, welche der Lein und Hanf bei verſchiedener Temperatur der Luft unter Waſſer liegen muß, wenn die Pflanzen völlig geröſtet ſein ſollen(Op. post. S. 155). Wenn die Temperatur des rinnenden Waſſers um 2 Uhr Nachmittags 18— 190 R. zeigt, ſo braucht der Lein ohngefahr 60 Stunden, um vollkommen geröſtet zu werden. Wenn das Waſſer 16— 17° R. Warme hat, ſo ſind 30 Stunden erforderlich. Hat es nur 14 ½— 160, ſo bedarf man 100 Stunden. Wenn das Waſſer nicht fließt, ſondern ſtehend iſt, und im Auguſt ſich innerhalb der Senkgrube auf 20— 260 R. erhebt, ſo wird der Flachs zwiſchen 20— 24 Stunden mürbe genug. 19* 292 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. Wird der Hanf in eine Grube gelegt, in der das Waſſer Zu⸗ und Abfluß hat, und worin die Temperatur deſſelben um 2 Uhr Nachmittags 16—130 R. zeigt, ſo braucht er 9 Tage, um vollkommen geröſtet zu werden. Unter gleichen Umſtanden braucht er aber nur 7 Tage, wenn die Warme 18— 20° R. iſt. Iſt das Waſſer ſtehend in der Grube, und erwarmt es ſich auf 20— 220° R., ſo wird der Hanf in 6 Tagen mürbe. Bei 22— 240 R. in 5 Tagen. Bei 24— 260 R. in 3 ½ Tagen. Über den Ertrag des Leines an Flachs und Samen ſagte mir der Pächter Tonnari zu Melegnanello, daß er auf die Pertica 50 bis 35 Pf. Flachs und 3 StaraLeinſamen rechne= 353 bis 418 Pf. Flachs und 3 Metzen Leinſamen pr. Joch.— Vom Winterflachſe erhält man manchmal 6 bis g Stara Samen.— Dandolo(a. a. O. S. 156) rechnet pr. Joch 359 Pf. Flachs und 11,4 Metzen Samen. Nach ſei— nen Verſuchen wiegt der Metzen Samen 75,5 Pf. und gibt ½1 ſeines Gewichts an Ol. Das Erträgniß der Leinfelder wird in der Lombardie ſehr häufig am Felde ſtehend verkauft: eine Methode, die ſehr alt iſt, weil ſie bereits in den Cataſtralacten vorkommt. Im Jahre 1827 ward in der Umgebung von Pavia die Pertica Lein um 33— 34 Lire milaneſi verkauft= 86 Gulden das Joch. Dafür koſtete aber auch der Rubbo Flachs zu 25 Pf. 13 Li⸗ re= 100 Pf. W. G. 36 ½ Gulden. In Venedig koſteten am 9. Mai 1828, 100 Pf. W. G. Flachs von Cremona 35 Gul⸗ den, von Brescia 31 ¼ Gulden. Vom Hanfe kann ich nichts anführen, denn ich ſah kei⸗ nen. Die Cultur dieſer Pflanze iſt im lombardiſch⸗venezianiſchen Königreiche noch nicht üblich, obgleich man in den fruchtbaren Gegenden der Provinz Rovigo höchſt wahrſcheinlich großen Vortheil von ihr ziehen würde. as Waſſer ſelben um ar 9dage, t Tage, iemt es ſch be. Kſagte mit ß er auf Leinſamen Leinſamen mal d bis ) rechnet Nach ſei⸗ urd göt Hardie ſehr eie ſehr alt Im Jahte a Lein um das Joch⸗ pf. 16 L⸗ oſteten am 35 ½ Gll⸗ ich ſah kii⸗ rezianiſcen fruchthalen ſch gtoßen Vom Ackerbaue. 293 12. Von den Futterpflanzen. So großen Üüberfluß man in den bewaͤſſerten Provinzen an Futter hat, ſo großen Mangel leidet man daran in den trock— nen Provinzen, und die Wuth, den Getreidebau immer mehr und mehr auszudehnen, ohne ihn mit den Hülfsmitteln, Dün— ger und Arbeitsvieh, in ein richtiges Verhältniß zu ſtellen, iſt allenthalben, beſonders aber in den venezianiſchen Provinzen ſichtlich, und eine der wichtigſten Urſachen des geringen Ertra⸗ ges des Ackerlandes und des elenden Zuſtandes der Colonen. Zum Theile rührt dieſer wichtige Fehler der italieniſchen Landwirthſchaft von den Verträgen her, unter welchen die Grundbeſitzer den Boden an die Colonen verpachten; zum Theile von der Armuth und Unwiſſenheit der letzteren, die beim Antritte der Wirthſchaft nur ſelten wo eigenes Vieh, ge⸗ wöhnlich nichts als ihre wenigen Kleider und die Kücheneinrich— tung mitbringen, die nur wenige Gulden werth iſt. In vielen Gegenden, und namentlich im Mantuaniſchen iſt dem Colon die Cultur jeder Futterpflanze in den Ackern unter— ſagt, die ausſchließlich mit Weizen und Mais beſtellt werden müſſen, wovon die Grundbeſitzer die Hälfte als Pacht bezie— hen. Sie meinen dadurch den höchſten Pachtertrag zu erzielen, und glauben, daß der Ertrag der Felder immer in gleichem Ver— häaltniſſe mit ihrer Ausdehnung ſtehe. Anderswo begehrt man eine ſo große fixe Abſchüttung an Getreide als Pacht-Canon, daß der Colon es nie wagt den üblichen Fruchtwechſel zu ändern und dem Getreidebaue einen Theil der Fläche zu entziehen und zu et⸗ was anderem zu verwenden, das nicht Weizen iſt, den er dem Herrn geben muß, oder irgend ein Getreide, das ihm zur Nah— rung dient, aus Furcht, entweder gleich im erſten Jahre in Schulden zu gerathen, oder Mangel an Lebensmitteln zu leiden. So hindern von der einen Seite kurzſichtige Habſucht und ven der andern Armuth und Unwiſſenheit die Einführung einer zweckmäßigeren Wirthſchaft, die mehr Vieh hält, daſſelbe beſ⸗ 294 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. ſer naͤhrt, mehr Dunger macht, und auf einer kleineren Flaͤche mehr Körner erzeugt, als früͤher auf einer größeren!— Sicher iſt es, daß die Einführung einer productiveren Wirthſchaft mit einer, der Ausdehnung der Acker angemeſſenen Menge von Futterpflanzen einige Vorauslagen erheiſcht. Man muß den Dünger, der zu Getreide beſtimmt war, zum Theile zur Futterpflanze verwenden, erzeugt daher im erſten Jahre aus doppelten Urſachen weniger Körner, theils weil der Dünger nicht ganz und gar den Körnern zugewendet wird, und theils, weil ein Theil des Ackerlandes der Körnererzeugung entzogen wird; allein im zweiten Jahre ſchon iſt die Vorauslage mit Wucher erſetzt, und Grundbeſitzer und Colon genießen nun fortwährend die Vortheile dieſer Umänderung, denn es wird der Erſtere nicht eine kleinere, ſondern eine größere Anzahl Metzen Getreide oder Eimer Wein als Pacht beziehen, wie früher, und der Letztere wird bei minderer Arbeit mehr erzeu— gen, beſſer leben und ſeltener ſeinen Herrn um Unterſtützung anflehen. Eben ſo gewiß iſt es aber auch, daß dieſe Vorausla— gen der arme Colon nicht machen kann, oder nicht wagt zu ma— chen, weil er entweder die Mittel hiezu nicht hat, oder den künf⸗ tigen Vortheil nicht klar genug einſieht, und daß eine ſo große Veranderung der Wirthſchaft nur von dem Grundbeſitzer ausge— hen kann, der dem Colon die Mittel an die Hand geben muß den Futterbau einzuführen, oder der ihn über die daraus hervor— gehenden Vortheile gehörig belehret.— Allein, wie ſoll Der be⸗ lehren, der ſelbſt unwiſſend iſt, und deſſen Kenntniſſe der Land— wirthſchaft ſich gewöhnlich darauf beſchränken, zu wiſſen, wie viel man Weizen für den Morgen Ackerland als Pacht bekommt und der auf die Frage, wie viel er bei der Halbentheil⸗Pachtungvon einem Morgen ſeiner Felder von den verſchiedenen Getreidearten oder vom Wein erhalt, keinen Beſcheid mehr zu geben weiß?— Obſchon die Grundbeſitzer nur ihrem eigenen Vortheile ge— mäaß handelten, wenn ſie der Einführung und Ausdehnung des Futterbaues Vorſchub leiſteten, ſo entſchließen ſich dennoch nur en Flache ductiveren gemeſſenen ſcht. Man um Thele ten Jahre er Dunger nd theils, entzogen zlage mit eßen nun n es wird re Anzahl hen, wie jr erzeu⸗ ſtützung draudla⸗ t zu wa⸗ den künf⸗ ſo große zer ausge⸗ ben muß ls hervor⸗ Der be⸗ der Land⸗ ſen, wie bekommt htungvon eideatten weiß!— theilege⸗ rung des och nur Vom Ackerbaue. 295 ſelten wo Einige dazu; theils, weil ſie von der bisher beſtimmten, jährlichen Einnahme nichts, auch nur für ein Jahr, entbehren können oder wollen; theils, weil ſie es für thöricht halten den Zu⸗ ſtand ihrer Colonen verbeſſern zu wollen, die dadurch hochmüthig werden würden; größtentheils aber, weil ſie zu beſchrankte Kennt— niſſe von Urſache und Wirkung haben, um die progreſſiv fort- ſchreitenden Vortheile, die der Futterbau auf den Ackerbau aus— übt, einzuſehen. Es iſt daher kein Wunder, daß die Cultur der Futterkräuter unter ſolchen Umſtanden nur geringe Fort— ſchritte macht, und man muß ſich vielmehr nur wundern, daß ſie ſo große ſchon gemacht hat, als man in den venezianiſchen ſowohl, als lombardiſchen Provinzen bemerkt. Die gewöhnlichſten Futterkraͤuter, die man in den Ackern ſieht, ſind der rothe Klee und die Luzerne. Außer dieſen wird faſt allenthalben etwas Mais oder Moorhirſe in die Stoppeln des Wintergetreides geſäet, die man theils grün ver— füttert, theils für den Winter aufdörrt; allein es iſt dieſe Saat von geringer Bedeutung. Wurzel- und Knollengewächſe werden im Kleinen für den Küchengebrauch, aber nicht als Vieh⸗ futter gebauet. Der rothe Klee wird mehr in der Lombardie, die Luzerne mehr in den venezianiſchen Provinzen cultivirt. So paſſend der rothe Klee für die bewäſſerten Felder iſt, ſo wenig eignet er ſich für die trocknen Provinzen, für die die Luzerne die ſchicklichſte Futterpflanze iſt. In den bewaͤſſerten Provinzen iſt der rothe Klee gegen- waͤrtig die gewöhnlichſte Pflanze, die in jene Acker geſäet wird, die man zu Wechſelwieſen umſtalten will. Hier bemerkt man dann die Erſcheinung, von der ich im Artikel: Wieſen, nähe— ren Bericht erſtatten werde, daß der rothe Klee im zweiten Jahre ſeines Wachsthums beim erſten Schnitte noch dicht ſteht, und einen großen Ertrag abwirft, beim zweiten Schnitte ſich vermindert und dem weißen Klee den Platz raͤumt, der bis zum Herbſte ſich deſſelben ganz bemaͤchtiget und den rothen 296 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. Klee verdraͤngt. Im trocknen Lande wird dieſe Erſcheinung nirgendwo beobachtet. So groß der Ertrag an Futter iſt, den der rothe Klee in den bewaſſerten Feldern der Lombardie gewaͤhrt, ſo maͤßig iſt er in den trocknen Gegenden, und er kommt jenem bei weiten nicht gleich, den wir im ſüdlichen Deutſchlande erhalten, wo dem Klee die feuchte Witterung im April ſo wohl bekommt, die zu ſeinem Wachsthume unerläaßlich iſt, und die ihm in dem hieſigen Clima größtentheils mangelt. Die Cultur der Luzerne iſt in den venezianiſchen Provin— zen, zufolge allen mir gemachten Mittheilungen, in ſtätem Zu— nehmen. Ich ſah von Verona bis Vicenza, beſonders aber um Montebello und Caldiero, ſehr ſchöne Luzernefelder, und hier mögen ſie wohl den achten Theil der Ackerfelder einneh— men. Im Paduaniſchen und in Friaul wird ſie zwar nur noch im Kleinen, und mehr Verſuchsweiſe angebauet; es ſteht aber zu hoffen, daß das gute Beiſpiel, das die Provinzen Verona und Vicenza durch die ausgedehnte und wohlgelungene Cultur der Luzerne geben, von den übrigen Provinzen allgemach nachgeahmt werden, und daß der Anbau einer Futterpflanze ſich immer mehr verbreiten wird, die in Hinſicht der Menge und Güte des Ertra— ges in einem trocknen warmen Boden von keiner andern über⸗ troffen wird. Was die Art, den rothen Klee und die Luzerne zu cultiviren und zu benützen, betrifft, ſo habe ich in Italien nichts beobach⸗ tet, was von unſerm Verfahren abweichend geweſen waͤre, und halte es deßwegen für überflüſſig von bekannten Dingen zu ſprechen. aſceinung lerin den ig it er in eiten nicht zo dem Klee zu ſeinem igen Clima i Provin⸗ tätem Zu⸗ aders aber rnefelder, der einneh⸗ uir noch in aher zu na und altur der hgeahmt umer mehr des Ettra⸗ dern über⸗ eultiviren beobach⸗ äre, und dingen zu 297 B. Von der Cultur der Weinreben. Nichts überraſcht das Auge des Nordländers beim Anblicke der italieniſchen Fluren ſo ſehr, als die geradlinigen Reihen von Baumen aller Art, die mitten durch die mit Getreide beſtellten Acker laufen, an welche die zu ihrem Fuße gepflanzten Weinre— ben ſich bis zum Anfang der Aſte hinaufwinden, und dann von einem Baume zum andern als Gehaͤnge(Guirlanden) gezogen werden, und frei in der Luft hangend mit ihren Früchten prangen. So ſehr man aber auch anfaͤnglich über das Bild der Frucht⸗ barkeit entzückt iſt, das die Landſchaft gewährt, und ſo male⸗ riſch ſich auch die mit Reben behangenen Bäume ausnehmen, ſo ermüdet das Auge doch ſehr bald an dem einförmigen Anblicke, der ihm alle Ausſicht über die Landſchaft benimmt, und ſehr bald drängt ſich dem Wanderer der Wunſch auf, daß die bereb⸗ ten Felder mehr mit Wieſen und nackten Ackern abwechſeln möchten. Wenn man in den venezianiſchen Provinzen von irgend ei⸗ ner Anhöhe das Land überſchauet, ſo ſieht man nichts als einen unermeßlichen Wald, aus dem man nur mit Mühe die Thürme der vielen darin zerſtreueten Ortſchaften hervorragen ſieht, de— ren Haͤuſer und Pallaͤſte aber von den Baumen verdeckt werden. Zwar bemerkt man die zunächſt gelegenen Felder mit ihren Baum⸗ reihen, und die mit hohen Pappeln eingefaßten Wieſen; wei⸗ ter hinaus aber, ſo wie der Geſichtswinkel ſpitziger wird, ſtellt das Land nichts als einen dichten Wald dar. Den gleichen Anblick gewähren die lombardiſchen Provinzen, obſchon da in den nicht bewäſſerten Gegenden nur wenige berebte Acker vorhanden ſind, wo aber die Maulbeerbaume, die hier in Reihen ſich durch die Acker ziehen, die Rebenbaume erſetzen, und in den bewaſſerten Provinzen, wo keine Weinreben, und nur 298 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. wenige Maulbeerbäume ſind, die hohen Pappeln und Rüſtern, womit alle Felder dicht eingefaßt ſind, das Land ebenfalls in einen Wald verwandeln. Auf einem und demſelben Felde Getreide und Wein zu er— zeugen, iſt nur in einem ſo warmen Clima möglich, wie das von Italien iſt, wo dieſe Art den Boden zu benützen uralt, und von Varround Cato vor 1900 Jahren ſchon als landüblich beſchrie⸗ ben worden iſt. In einem minder warmen EClima würde der Schatten der Baͤume viel nachtheiliger auf das nebenſtehende Getreide wirken, oder es würden die Trauben, ſo hoch über die Erde erhoben, nicht gehörig reif werden. Der meiſte Wein, der in dem lombardiſch-venezianiſchen Kö— nigreiche erzeugt wird, waͤchſt in der Ebene, denn der größte Theil dieſes Reiches iſt nur eine Ebene; ein viel kleinerer Theil wird auf den Auslaͤufen der Berge erzeugt; die Berge ſelbſt ſind zu hoch und zu kalt, um die Trauben zur Zeitigung zu bringen. In der Ebene wird die Weinrebe nie anders als zwiſchen Saatfeldern cultivirt, und man nennt ſolche Acker, berebte Acker: Campi arativi vitati oder Campi arborati vitati. In den Hügeln heißen jene Felder Ronchi, wo die Reben in Rei— hen gepflanzt, und gewöhnlich auf Pfähle, doch zum Theile auch auf Baume gezogen, und die ſchmalen Zwiſchenraͤume gepflügt und größtentheils auch beſäet werden. Den Namen Weingarten, Vigna, erhält das Feld dann, wenn die Reben niedrig gehal— ten und ſammt und ſonders auf Pfaͤhle gebunden werden. Die Reben in den Weingaͤrten ſind bald in Reihen, Vigne a filari, oder unordentlich gepflanzt, Vigne a rinfusa. Die Reben ſtehen in den Weingarten immer ſo dicht aneinander, daß man zwiſchen ihnen kein Getreide bauet. Als Stützbäume für die Reben werden in den berebten Ackern allerlei Arten von Bäͤumen gebraucht. Man ſieht die kleinen Ahorn⸗, Pappeln⸗, Weiden⸗, Eſchen-, Kirſchen-, Maulbeer⸗ und ſelbſt Nußbaͤume. Es iſt aber gewiß nicht einerlei, wel— cher Art von Baumen man ſich zu dieſem Behufe bedient, denn Küſtern, enfalls in Jein zu er⸗ ſe das von t, und von ichbeſchtie vürde der enſtehende über die iſchen Kö⸗ jer größte lrer Theil elbſt ſind bringen. wiſchen herebte Rtau. In in Rei⸗ heile auch flͤgt und garten, ig gehal⸗ fen. Die a fllari, en tehen zwiſchen on Ackern kleinen aulbeer⸗ ei, wel⸗ t, denn Von der Cultur der Weinreben. 299 ſie üben einen großen Einfluß auf die nebenſtehende Saat, und auf die Trauben ſelbſt aus, und man muß ſich daher über den Unverſtand eines großen Theils der italieniſchen Landwirthe wundern, daß ſie dieſen wichtigen Gegenſtand ſo gleichgültig be— handeln, und um den Gewinn einiger Baumäſte, die ſie zu Weinpfählen, oder wohl gar nur zu Brennholz verwenden, ſich um das Vielfache an der Getreide- und Weinerzeugung ſchaden. Der wahre Zweck dieſer Baume iſt kein anderer, als den Reben zur Stütze zu dienen, an deren Stock man die rings um ihn gepflanzten Reben hinauf zieht, und bei der Theilung in ſeine Hauptäſte überbiegt. Fände ſich eine Baumart, die ei— nen hinlänglich ſtarken Stamm, und gar keinen, oder nur ſehr kleine, kurze Aſte bildete, ſo waͤre ſie für dieſe Cultur die ge⸗ eignetſte. Da dieß aber nicht der Fall iſt, ſo muß man jener Baumart den Vorzug geben, die dieſer Forderung zunächſt ent— ſpricht, ſchmächtig im Stamme bleibt, ſich nur wenig beäſtet, und das Beſchneiden der Aſte wohl verträͤgt. Ein ſolcher Baum iſt der kleine Ahorn(Acero und Oppio), der von allen verſtändigen Landwirthen als der paſſendſte anerkannt und wohl auch am häufigſten zu dieſem Behufe verwendet wird, aber leider ſieht man große Strecken Landes, wo zum großen Nach— theile der Landwirthſchaft große, hochſtämmige Bäume zur Stütze der Reben gepflanzt werden, die das Feld in einen Wald verwandeln, und unberechenbaren Schaden verurſachen. Am nachtheiligſten und unangenehmſten ſind ſicherlich die großen Nußbaäume zwiſchen Padua und Vicenza; die großen Kir⸗ ſchenbäume von Monfalcone; die Weidenbäume von Aqui⸗ leja; vor allen aber die hohen Pappeln von Monſelice, die nahe aneinander gepflanzt, und hoch gezogen werden, und denen man nur alle drei Jahre die Seitenäſte abhauet. Es iſt kein Zweifel, daß die Grundbeſitzer die Nachtheile dieſer Bäume einſehen, und es ſcheint uns daher ein Wider— ſpruch, daß ſie ihrem eigenen Vortheile entgegen handeln ſollen, wenn ſie dieſelben nicht abſchaffen; allein, wenn man die Ver— 300 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. hältniſſe unterſucht, welche auf die Wahl der Stützbaume und ihre Behandlung Einfluß nehmen, ſo wird es nicht ſchwer die Urſache im beſtehenden Siſteme, die Felder an die Colonen zu verpachten, zu finden. Bei dieſer heilloſen Wirthſchaft, die dem Ge— deihen und einer vernünftigen Behandlung des Weinſtockes ſich in mehrfacher Hinſicht entgegenſetzt, muß der Colon das zur Unter— ſtützung der Weinreben erforderliche Holz ſelbſt beiſchaffen; da er aber kein Geld hat, und da ihm jede bare Auslage ſehr em— pfindlich fällt, ſo ſucht er entweder gar keine Pfaͤhle zu bedürfen, oder ſie von den Stützbaumen zu gewinnen. Daher zieht er die Reben hoch an die Baͤume hinauf, und ſetzt dieſe nahe anein— ander in der Reihe, ſo daß er die Enden der Reben in der Mitte zwiſchen zwei Baͤumen verbinden kann, wobei er entwe— der gar keine oder nur wenige Pfähle nöthig hat, die ihm die großen Baäume in ihren ſtarken Aſten in Überfluß geben, und ihn noch nebſtbei mit Brennholz verſehen. An der Qualitat des Weines liegt dieſen kurzſichtigen Leuten nichts; ſie pflanzen nur ſolche Trauben, die reichlich tragen, und den nachtheiligen Einflüſſen der Witterung am beſten widerſtehen. Die Hälfte des Weines gehört zwar dem Colon, und wenn der Wein beſſer wäre, ſo würde er ihn höher verkaufen können, und mehr Geld einnehmen; allein dann würde man, fürchtet er, weni— ger erzeugen, weniger ſelbſt conſumiren können, und noch überdieß Stützholz kaufen müſſen, und Abgang an Brennholz haben: wobei er aber überſieht, daß er mehr und beſſeres Ge— treide erzeugen, und daß ſelbſt die gegenwärtigen Trauben einen beſſeren Wein geben würden, wenn ſie nicht ſo hoch hingen und nicht ſo ſehr beſchattet würden. Wollten die Grundbeſitzer dieſe großen Bäume aus ihren Ackern vertilgt wiſſen, ſo müßten ſie zu den neuen Pflanzungen die jungen Ahornbaäume ſelbſt hergeben, und nicht geſtatten, daß andere gepflanzt würden; dann müßten ſie für jedes Hundert Weinrebenbaͤume jaͤhrlich eine beſtimmte Menge von Pfahlen beitragen, und endlich müßten ſie darauf ſehen, daß Acker und dume und ſchver die Solonen zu Jedem Ge⸗ tiss ſchin rur Unter⸗ Laffen; da ſehr em⸗ z'edürfen, oht er die he anein⸗ En in der er entwe⸗ ze ihm die en, Und Kualität oflanzen 1 halligen lälfte des in beſſer und mehr ar, weni⸗ und noch rrennholz eres Ge⸗ zen einen agen und zus ihren enzungen ekatten/ Hundett Pihlen ker und Von der Cultur der Weinreben. 3⁰1 Wieſen mit Pappeln und Weiden eingefaßt wurden, damit es dem Colon an Brennholz nicht mangle; allein dieß alles iſt mit Ausgaben— Vorauslagen— verbunden, und dieſe ſcheuen die Grundbeſitzer, deren erſte Regel es iſt, auf die Wirthſchaft nichts auszugeben, wozu man nicht durch den erülichan Pachtcon⸗ tract genöthigt iſt. Die gewöhnliche Entfernung, in der die Reihen der Stütz⸗ baͤume in den Ackern gepflanzt ſind, iſt in den venezianiſchen Provinzen, 13 Wiener Klafter. In der Reihe ſelbſt iſt ein Baum vom andern 3 Klafter entfernt. Hiernach kommen 117 Baume auf ein Joch, oder 203 auf die Töornaturame⸗ trica. In den lombardiſchen Provinzen herrſcht hierin weniger Regelmäßigkeit: die Baͤume ſind da kleiner, und ſtehen dichter aneinander. Rings um einen ſolchen Stützbaum ſind 6 bis 10 Reben gepflanzt, die erſt den Baum hinauf und dann zu beiden Sei— ten gegen die nächſten Baͤume hingezogen und mit den nach— barlichen Reben verbunden werden. Gewöhnlich iſt es, daß die Reben in der Mitte zwiſchen den zwei Bäumen aneinander ge— bunden werden, und Stricke bilden, die voneinem Baume zum andern laufen; nicht ſelten aber werden dieſe Reben von der Umbiegung am Kopfe des Baumes weg, rings um denſelben, auf Pfähle geheftet, die in einiger Entfernung vom Baume in den Boden geſetzt ſind, wodurch die einzelnen Reben mehr Raum und Licht erlangen, und eine Art Laube um den Baum bil⸗ den, die einen bedeutend größern Weinertrag abwirft, aber auch mehr Raum einnimmt, und das Getreide mehr in Schatten ſetzt. Die Ronchi ſind eigentlich auch berebte Acker, denn zwiſchen den Reihen der Reben wird der Boden geackert und beſäet, wie ich bereits geſagt habe. In Locate an der Straße nach Vareſe, und in Vareſe ſelbſt habe ich ſolche Rebenfelder genauer unter— ſucht. Im erſteren Orte war es ein vom Grafen Caſtiglione neu angelegter Ronco auf einem niedrigen Hügel in wagerech— ter Lage. Zwei Reihen Rebenſtöcke, Gruppi, jeder von 10 bis 7 3⁰²3 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. 12 Stämmen, die von einander etwa 6 Fuß abſtanden, und in der Linie eben ſo weit von einander entfernt waren, liefen durch den Acker hindurch, und wurden durch Pfähle unterſtützt, die Reben wurden ſo aneinander und übereinander gezogen, daß ſie ein niedriges, doppeltes Gelander mit einem Dache bildeten. Ich zählte die Rebenſtöcke in einem ſolchen Ronco, und fand, daß 247 auf der Fläche eines Joches ſtanden, alſo gerade noch einmal ſo viel, wie in einem berebten Acker.— Anderswo fand ich nur eine einfache Reihe von Rebenſtöcken, die dann durch den Acker ein Gelaͤnder bilden. In Vareſe, auf der ſchönen Beſitzung des Herrn Foscarini, fand ich die Ackerbeete 12 Schritte breit. Langs der Mitte eines ſolchen Beetes läuft eine Reihe Rebenſtöcke, wovon jeder aus 6 bis 7 Staͤmmen beſteht, und 7 bis 3 Fuß weit von einander entfernt iſt. Es kommen daher mehr als 250 Rebenſtöcke, deren jeder aus 6 bis 7 Stämmen beſteht, auf ein Joch. Die Reben werden theils nach der Laͤnge, theils zur Seite ausgebunden, und bilden hier ein Netz über das ganze Feld, das den Mais ſo ſehr in Schatten ſetzt, daß er ſicher nicht die Hälfte der gewöhnlichen Erzeugung abwirft. So wie die Lage des Bodens ſteiler wird, muß er in Terraſſen gelegt werden, die man mit Mauern, oder auch wohl nur mit Raſen ſtützt. Gut cultivirte Ronchi ſah ich zwiſchen Lecco und Ber— gamo bei Puntita, und an vielen Orten in den Hügeln von Brianza, dann in Tramezzo am Comer See, u. a. m. O. Ob es in dieſem Theile von Italien eigentliche Weingaͤrten, Vigne, gibt, weiß ich nicht zu ſagen, denn ich habe keine geſehen: zweifle auch, daß es deren gibt. Indeſſen iſt der Un⸗ terſchied zwiſchen den Ronchi in den etwas ſteileren Hügeln, wo die Reben auf den Terraſſen gepflanzt ſind, und unſeren Wein⸗ gärten ſo gering, daß man jene füglich ebenfalls Weingaͤrten nennen kann, obgleich hinter dem Rebengeländer etwas Ge— treide oder Fiſolen gebauet werden. 2., und in eeen durch iſtütt die in, daß ſie deten. Ich Sfand, daß Soch einmal dich nur den Acker e Beſitzung Echritte Ane Reihe Leht, und iher mehr anr beſteht, veils zur us ganze wyer nicht ß er in zuch wohl old Ber⸗ „Hügeln 1 See, agärten, be keine der Un⸗ Hügeln, en Wein⸗ ingarten vas Ge⸗ Von der Cultur der Weinreben. 3⁰3 Noch muß ich bemerken, daß ich nirgendwo im Großen Wein— lauben angelegt geſehen habe(Pergolato, a Pergola), eine Cultur⸗Methode, die ohne Zweifel den höchſten Ertrag ab⸗ wirft, aber auch große Vorauslagen erheiſcht, die mit dem Colo— nenſiſtem unvereinbarlich ſind. So groß die Ausdehnung auch iſt, die man der Weincultur in Ober⸗Italien gibt, und ſo ſehr die baren Geldeinnahmen der kleinen Beſitzer und Colonen von der Weinerzeugung abhängen, ſo wenig verſtanden fand ich ſie allenthalben. Der Weinbau iſt eben ſo wie der Getreidebau, ganz in den Händen der armen und unwiſſenden Colonen, die vom Rebenſchnitte nur unvollkomme⸗ ne Begriffe haben; die bei neuen Pflanzungen immer nur die ergiebigſten, dafür aber ſchlechteſten Rebenſorten wählen, jede Auslage für Stützholz ſcheuen, und daher die großen Baume immer den kleinen vorziehen; die nur ſelten, oder gar nie den Erdſtreifen umgraben, auf dem die Rebenbäume am Ackerbeete ſtehen, und von denen man daher nicht erwarten darf, daß ſie das Mindeſte zur Verbeſſerung und Vervollkommnung der Re⸗ bencultur beitragen werden, oder beizutragen im Stande wären. Um ſich zu überzeugen, daß das Urtheil, das ich über die Unwiſſenheit der italieniſchen Colonen in der Behandlung der Reben falle, nicht zu hart ſei, unterſuche man nur die nächſte beſte Reihe von Rebenſtöcken mit einiger Aufmerkſamkeit, und man wird gewöhnlich keine anderen als alt ausſehende, krum— me, gebogene, elende Pflanzen mit rauher, abgeſtorbener Rin— de finden, voll Auswüchſe und Krebsſchäden, die ihnen durch den unverſtaͤndigen Schnitt verurſacht worden ſind. Wenn man ſieht, daß die Stämme, welche von der Natur zu einer großen Ausdehnung beſtimmt waren, auf niederes, trocknes Holz her— abgebracht worden ſind, mehr geeignet als Brennſtoff zu dienen, als zur Traubenerzeugung, ſo kann man nur den Unverſtand dieſer Menſchen beklagen, die ſich um den größten Theil des Er— trages dieſer fruchtbaren Pflanze bringen, weil ſie von der Na— tur derſelben, den Regeln des Schnittes nach der Verſchiedenheit 3⁰4 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. der Rebenſorte und von der Pflege, die ſie erheiſcht, entweder gar keine oder höchſt unvollkommene Kenntniſſe haben. In Hin⸗ ſicht der Rebencultur, ſo wie des Ackerbaues, ſtehen die Italie— ner den Deutſchen weit nach. Vielleicht aber würden unſere Wein⸗ garten am Rhein und in Oſterreich eben ſo ausſehen, und eben ſo ſchlechten Wein geben, wenn wir Colonen hätten und uns bloß damit befaßten, die höchſt mögliche Quote des Rohertrags als Pacht von ihnen zu erhalten, und uns um die Bearbeitung und Benützung des Bodens nicht kümmerten. Was die Qualitaͤt des Weins betrifft, ſo iſt ſie ſehr verſchieden, je nachdem es Boden- oder Hügelwein iſt. Boden⸗ wein, d. h. Wein, der in der Ebene in berebten Ackern erzeugt worden iſt, erlangt aus ſehr leicht begreiflichen Gründen nicht jene Süßigkeit, die ſich in der Folge in Geiſt verwandelt, wie Hügelwein. Wenn man aber die Warme des Clima, und an vielen Orten die paſſende Bodenmiſchung betrachtet, ſo muß der herbe, ſaure, geiſtloſe Wein auffallen, der den Fremden in den erſten Gaſthäuſern, von Venedig angefangen bis Pavia, zum Trinken vorgeſetzt wird, der ſo ſchlecht iſt, daß man von Jugend auf an ein ſolches ſchlechtes Getränk gewohnt ſein muß, um es erträͤglich oder gar gut zu finden. Die Ronchi liefern zwar beſ— ſern Wein, und in einigen Gegenden mögen ſie wohl auch gut ſein, wie ich mich z. B. erinnere, in Vicenza, vorzüglich aber in Valleggio am Mincio welchen getrunken zu haben; al— lein im Ganzen iſt auch der Hügelwein nur wenig beſſer, und der Wein der ſchönen Hügel der Brianzaiſt ein elender Krä— zer gegen die herrlichen Weine von Iſtrien. Die Urſache, warum man in Ober⸗Italien im großen Durch⸗ ſchnitte nur ſchlechten Wein findet, liegt einzig und allein in dem Umſtande, daß man ſich um die Auswahl der Rebenſorten gar nicht kümmert, und es ganz und gar dem Colon überläßt, welche Sorte er nachpflanzen will, der ſich aber immer ſträͤuben wird eine ſolche zu pflanzen, die er ſelbſt entweder gar nicht oder nicht in genügender Menge hat, für deren Beiſchaffung er eine entweder . In Hin⸗ die Jtalie⸗ ſſere Vein⸗ und eben und unz Rohertrags earbeitung ſt ſie ſehr 7. Boden⸗ en erzeugt nden nicht ndelt, wie , Und an muß der en in den dia, zum zen Jugend ß, um es zwar be⸗ auch gut lglich aber aben; al⸗ ſer, und der Kri⸗ en Durc allein in benſorten überläßt/ ſträuben nicht oder ger eine 1 Von der Cultur der Weinreben. 3⁰05 Auslage machen müßte, und von der er noch überdieß fürchtet, daß ſie einen geringeren Ertrag gewaͤhrt. Zum Beweiſe dieſer Behauptung führe ich folgende Thatſache an. Vor der Einverlei— bung der venezianiſchen Provinzen mit Oſterreich war der Wein am linken Ufer des Jſonzo, im Gebiete von Monfalcone, ſo ſchlecht, herb und ſauer, wie er es noch um Treviſo und Padua iſt. Seit dieſer Zeit aber haben ſich die Grundbeſitzer überzeugt, daß, wenn ſie mit den Iſtrianer Weinen in Trieſt concurriren wollen, ſie ihre Weine weſentlich verbeſſern müſſen, und haben zu dieſem Behufe angefangen die ſchlechten Traubenſor— ten auszurotten und beſſere an ihre Stelle zu ſetzen; und nun ge⸗ nießt ihr Wein eines guten Rufes, und einige derſelben, wenn gleich nur Bodenweine, werden um Preiſe verkauft, die nur wenig mehr von denen der Hügelweine verſchieden ſind. Aus ſaurem, wäſſerigem Traubenſafte läßt ſich auch in Italien kein guter Wein machen!— Noch trägt zur minderen Güte der italieniſchen Weine auch die Art bedeutend bei, wie in Italien der Wein gemacht und aufbewahrt wird.— Zuvörderſt muß ich bemerken, daß die Ita⸗ liener im Allgemeinen nur rothe Weine trinken, und daß ſie jenen Weinſorten den Vorzug geben, die recht dunkel von Far— be ſind, weßwegen man auch in Italien den rothen Wein Vin nero nennt. Um rothen Wein zu machen, muß man aber den Traubenſaft ſammt den Schalen der Beeren gähren laſſen, und je dunkler gefarbt die Beeren ſind, und je länger man dieſe mit den Schalen gahren laͤßt, je dunkler gefärbt wird der Wein. Zu dieſem Behufe werden die Trauben, ſobald ſie abgeleſen ſind, in einen kleinen Bottich ſtark zuſammengedrückt, und dann in das Preßhaus— Follatojo— des Grundbeſitzers gebracht, und da in große Bottiche geſchüttet, worin ſie zu gähren be⸗ ſtimmt ſind. In Hinſicht der Behandlung der Trauben in dem Bottiche herrſcht eine große Verſchiedenheit. Die Einen laſſen die Trauben durch 3 bis 10 Tage ruhig darin und decken den Bot— tich nicht zu. Nach dieſer Zeit öffnen ſie das Zapfenloch und laſ⸗ I. 20 3⁰6 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. ſen die Flüſſigkeit heraus rinnen, worauf ein Mann mit bloßen Füßen hinein ſteigt und die noch ganz gebliebenen Trauben zer— tritt, deren Flüſſigkeit während dieſer Operation immer nach un⸗ ten abfließt. Wenmealles zertreten iſt, wird der Zapfen wieder vor— geſchlagen und die abgeronnene Flüſſigkeit wieder in den Bottich zurückgegoſſen, worin ſie gewöhnlich noch 48 Stunden lang gährt. Die Anderen drücken die Trauben im Bottiche täglich nieder und ſtampfen ſie; noch Andere thun dieß alle zweiten, dritten Tag. In der Umgebung von Florenz läßt man die Trau— ben über einen Monat, ja bis ſechs Wochen im Bottiche und ſtampft ſie täglich.— Welche Verſuche man im lombardiſch-ve— nezianiſchen Königreiche über die Vortheile gemacht hat, die Gahrung der zerdrückten Trauben in geſchloſſenen Bottichen vor ſich gehen zu laſſen, weiß ich nicht: ich kenne nur die, welche von einigen ſcharfſinnigen Freunden der Landwirthſchaft zu Ronchi, bei Monfalcone, und von dem Canonicus, Herrn Stancovich zu Barbana in Iſtrien gemacht worden ſind. In beiden Faͤllen entſprach die Qualität des Weines ihren Erwar— tungen, denn er war ungezweifelt milder, und ich zweifle nicht, daß ſie auch an Quantität gewonnen haben werden, denn die Verdünſtung aus dem weiten, offenen Bottiche muß ſehr groß ſein. Die Verſuche des Letzteren, die er ſelbſt in einem kleinen, ſehr intereſſanten Werke beſchrieben hat, und die ich zum Theile mit eigenen Augen geſehen habe, ſind darum merkwürdig, weil er durch Verſuche nachweiſet, daß man nicht nur ohne Gefahr, ſondern mit großem Nutzen die Gährung der vollkommen zerdrück⸗ ten Trauben in dem feſt zugeſpündeten Faſſe vor ſich gehen laſ— ſen kann, ohne Furcht, daß die Fäͤſſer zerſpringen, oder daß der Wein durch die Schalen der Beeren einen Nachtheil an ſei— ner Güte oder Haltbarkeit erlitte. Da dieſe Methode das bedeu— tende Inventar an Bottichen überflüſſig macht, ſo hoffe ich, daß ſie in Italien leichten Eingang finden wird. Wenn man die Gaͤhrung im Bottiche für beendet haͤlt, was man daran erkennt, wenn das ſtarke Brauſen in demſelben auf— gthürt gleich d Schalen nicht ſe dings d lo, 8 großer Winte verzeht loſigkei de Taaube in den den ron denn oͤ gepören durch„ Nachne Gs iſt, f ſiß, ganz: in dieſ dieſer Grund Wedder ſo müſf nung d chen ein verkauf den abe dauern Ma bei iini mit bloßen Trauben zer ſer nach un⸗ wieder dor⸗ den Bottih unden lang tiche täglih lle zweiten, un die Trau⸗ ottiche und bardiſch⸗ve⸗ it hat, die ottichen vor die, welche thſchaft zu us, Herrn rden ſind. en Erwar⸗ eifle nicht, , denn die ſehr groß m kleinen, um Theile dig, weil e Gefahr, nzerdruck⸗ gehen laf⸗ oder daß eil an ſer⸗ das bedel⸗ eich, doß dalt/ was lben auf⸗ Von der Cultur der Weinreben. 3⁰7 gehört hat, ſo wird der klare Wein abgezogen, in den ſich ſo— gleich der Herr und ſein Colon theilen. Die Treſtern, d. h. die Schalen und Staͤngel, gehören insbeſondere dem Colon, der nicht ſäumt Waſſer darauf zu gießen, und die Miſchung neuer— dings der Gährung zu überlaſſen. Der Nachwein, Vin picco- lo, Scavezzo, den er auf dieſe Art erhält, iſt für ihn von großer Bedeutung, und für ſeinen Tiſch während des ganzen Winters und eines Theils des Frühlings beſtimmt, bis wohin er verzehrt iſt und auch verzehrt ſein muß, weil er ſeiner Gehalt— loſigkeit wegen in der warmen Witterung verdirbt. Der Wein wird auf dieſe Art nur unvollkommen aus den Trauben gebracht, und man weiß aus Erfahrung, daß 10% in den Treſtern zurückbleiben. Die Vorliebe der Italiener für den rothen Wein kommt daher ihren Colonen wohl zu Statten, denn die Treſter des weißen Weines, die zwar auch ihnen gehören, enthalten nur wenig Gehalt, weil der weiße Wein durch Preſſen bereitet wird, und geben daher nur wenig Nachwein. So wie der Wein aus dem Bottiche in die Fäſſer abgezogen iſt, fängt man auch ſchon an ihn zu trinken. Er iſt nur wenig ſüß, und verliert dieſe wenige Suße bis zu Ende Novembers ganz: nun iſt er ſäuerlich, herb, gering geiſtig und erhält ſich in dieſem Zuſtande, bis die Waͤrme des Sommers kommt. In dieſer Jahreszeit gehen viele der leichten, ſaͤuerlichen Weine zu Grunde, die nun ſauer werden, oder wohl gar umſchlagen. Werden ſolche Weine bis zum Sommer nicht ausgetrunken, ſo müſſen ſie um jeden Preis verkauft werden; daher die Erſchei— nung des dem Fremden unerklärlich niedrigen Preiſes, um wel— chen einige Weine in den Schenkhäuſern zu Ende des Frühlings verkauft werden; die ſtärkeren Weine, Vini di conserva, wer- den aber erſt mit Anfang Maͤrz etwas lieblicher zu trinken, und dauern dann bis weit über die Leſe hinaus. Man hat in Italien keinen alten Wein, und wenn man bei einigen Gutsbeſitzern ſolchen antrifft, ſo gehört dieß zu den 20* 3⁰8 Landwirthſchaft von Ober-Italien. Seltenheiten und Privatliebhabereien. Aller Wein wird Jahr für Jahr ausgetrunken, und dieſer Umſtand iſt für die Land— wirthe von einem ſehr großen Vortheile, denn er ſetzt ſie in den Stand ihr Weinerzeugniß entweder gleich nach der Leſe, oder bis zu Anfang des Sommers an die Wirthe ſelbſt verkau⸗ fen zu können, und nicht erſt den Weinhandlern geben zu muſ⸗ ſen, wie dieß in Deutſchland der Fall iſt, wo man den Wein im erſten Jahre oft völlig ungenießbar findet, der nach einigen Jahren zum angenehmſten Getränke ſich umſtaltet. Man findet daher in Italien keine Weinhändler, und die Wirthe oder Jene, welche das Product in andere Länder führen, kau— fen ihren Bedarf unmittelbar von den a dunriadthen Ein Wein, der älter als 18 Monate iſt, wenn er auch noch keine Spur von Eſſigſaure zeigte, hat in Italien ſtatt eines höhern, nur einen geringeren Kaufpreis, weil der neue Wein milder, angenehmer, mehr dem Geſchmacke des Volkes zuſagend und auch wohlfeiler iſt. Es bringt daher in dieſem Lande niemals Rechnung den Wein in wohlfeilen Jahren aufzukaufen oder den ſelbſt erzeugten zurückzuhalten, um ihn in der Folge in Mißjahren theuer zu verkaufen, weil eine ſolche Unternehmung wegen der mehr gleichförmigen und weniger großen Verſchie— denheit der jährlichen Erzeugung, und wegen der Unhaltbarkeit des leichten Weines, der bis zum Sommer verzehrt ſein muß, zu gewagt wäre. Hätte man in Italien Keller, worin man den Wein vor der Waͤrme ſchützen könnte, ſo würde ſich der Preis das ganze Jahr über ziemlich gleichformig auf derſelben Höhe er— halten, und im Sommer nicht bedeutend theurer werden; auch würde man nicht ſo oft genöthigt ſein, Ende Sommers ſauere Weine trinken zu müſſen, wie dieß alljährlich Statt hat; ſo aber drängen ſich nach der Leſe die Verkäaufer, beſonders jene des ſchwachen Weines, und halten den Preis niedrig, der ſich erſt im Sommer erhebt, wenn die leichten Weine verzehrt, oder ſauer worden ſind, um nach der Leſe wieder zu fallen. hier Poträtk zum an baren- ihrer ni Martik falco nag h Meer eines eines? J preiſe, ein Ei ein M Dc Vein wird Jahr die Land⸗ ſet ſe in der Leſe, öſt verkau⸗ en zu müſ Wein in c einigen Nan findet irthe oder ren, kau⸗ hen. Ein noch keine 's hohern, in wilder, gend und niemals lfen oder Folge in enehmung Verſchie⸗ haltbarkeit eſein muß, man den der Preis Hohe e⸗ den; auch ers ſauere „hat; ſo iders jene ,der ſch htt, der Von der Cultur der Weinreben. 3⁰9 Hieraus erklart ſich, daß ohngeachtet des Mangels aller Vorräthe für die Zukunft, die Weinpreiſe von einem Jahre zum andern keine bedeutenden Sprünge machen, und in frucht— baren Jahren nur wenig niedriger als in Mißjahren ſind, wenn ihrer nicht mehrere auf einander folgen. Folgende Überſicht des Martinipreiſes des Weines und Weizens in der Stadt Mon— falcone im Küſtenlande während einer eilfjährigen Periode mag hierüber zum Beweiſe dienen. Preis einer Orna Preis eines Sta⸗ A. er= — 4 dz Jein. 8 ro Uiee Beſchaffenheit Jahr. der Leſe. Gulden. 1818 3 6 Gut. 1319 9 5 Gut. 1820 1⁰ 6 Mirtelmäßig. 1821 12 5 4 Schlecht. 1822 1⁰ 4 ³ Mittelmäßig. 1823 6 3 ⁴ Sehr gut. 1824 7 3 ½ Gut. 1825 1⁰ 3 Mittelmäßig. 1826 9 4 Gut. 1827 10 6 Schlecht. 1828 3 6 Sehr gut. Die Orna iſt gleich 2,275 Eimer; der Staro, 1,453 Metzen. Im Durſchnitte dieſer eilf Jahre war der Mittelpreis: eines Eimers Wein: 3 fl. 52 kr. eines Metzen Weizen: 3 fl. 17 ½ kr. Im Jahre 1824, dem Normal⸗ Jahre für die Cataſtral⸗ preiſe, war ein Eimer Wein 2 fl. 30% kr. ein Metzen Weizen 2 fl. 17 ½ kr. Das Verhältniß zwiſchen dem Geldwerthe eines Eimers Wein zu einem Metzen Weizen war im Durchſchnitte der eilf 310 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. Jahre wie 100 zu 33, im Jahre 1824 wie 100 zu 91; es war alſo der Wein in dieſem letzteren Jahre um 8% gegen Weizen niedriger, als im Durchſchnitte der eilf Jahre. Obgleich der Wein in den Jahren 1823, 24, 25 und 26 ſehr gerieth, ſo war ſein Fallen im Preiſe, wie man aus der Tabelle ſieht, nur unbedeutend, und beträͤgt im Mittel nur 8%, während der mittlere Weizenpreis dieſer vier Jahre um 26%o niedriger gegen den Geſammtdurchſchnittspreis der eilf Jahre iſt. Über das Erträgniß der berebten Acker an Wein war es mir nicht möglich in den lombardiſchen Provinzen beſtimmte Da— ten zu erhalten. Nichts ſcheint leichter, als gerade über die⸗ ſen Gegenſtand ſich die beſtimmteſten Nachrichten verſchaffen zu können; denn da alles berebte Ackerland von den Colonen bearbeitet, und der Wein im Preßhauſe des Herrn bereitet, in der Folge zwiſchen ihm und den Colonen getheilt wird, ſo findet man in den Vormerkbüchern der erſtern den Antheil an— gemerkt, den er von jedem einzelnen Colon erhielt, und man braucht dann nur die Fläche des berebten Landes zu wiſſen, um durch eine einfache Diviſion den Weinertrag für ein be— ſtimmtes Ackermaß zu berechnen. Allein bald konnte ich den Grundbeſitzer nicht treffen, deſſen Wirthſchaft ich beſah; bald hatte dieſer die Regiſter nicht zur Hand; bald kannte er nicht das Flächenmaß, bald war unter dem Empfang eines Colo— nes Wein aus den berebten Ackern mit jenen der Ronchi gemengt u. ſ. w., ſo daß ich, außer den Rechnungen von Monza gar kein Datum mitbrachte, auf das ich einiges Zutrauen haͤtte ſetzen koͤnnen. Nicht beſſer ging es mir in den venezianiſchen Provinzen, wo mir zwar die Beamten des Cataſters ihre Meinung über den Ertrag dieſer Culturart mittheilten, die aber auch nur auf die mündlichen Angaben der Gemeinde-Ausſchüſſe gegrün— det, und nicht das Ergebniß der Berechnungen von Wirth— ſchaftsregiſtern iſt, weßwegen ich ihr keinen großen Werth bei⸗ lege, 0 dunkte. De ſtehen zwiſche aller u gend Padt tiſcen ziehend ih, de aus de lich al tet we Daten es würt gewonne hung, gleich folgen des V geſehen jährige es war Leißen und 26 ”nan aus Mittel Jahre greis der 1 es mir ite Da⸗ ber die⸗ ſchaffen Solonen vereitet, dird, ſo eil an⸗ d man zwiſen, Jein be⸗ dich den 5); bald der nicht 33 Colo⸗ Ronchi en von einiges evinzen, iig über ih nur gegrun⸗ Vith⸗ 1 bei⸗ Von der Cultur der Weinreben. 311 lege, obgleich ſie mir den örtlichen Verhältniſſen angemeſſen dünkte. Deſto größer aber ſind die Hülfsmittel, die mir zu Gebote ſtehen den Ertrag der berebten Acker in der ſchönen Ebene zwiſchen Monfalcone, Palma nuova und Görz mit aller möglichen Genauigkeit zu beſtimmen, und da dieſe Ge— gend von den venezianiſchen Provinzen Udine, Treviſo, Padua, Vicenza und Verona in Hinſicht der clima⸗ tiſchen und auf die Lage und Miſchung des Bodens ſich be⸗ ziehenden Verhäͤltniſſe nicht weſentlich verſchieden iſt, ſo glaube ich, daß das, was ich hier als Reſultat genauer Erhebungen aus den Wirthſchaftsregiſtern der Grundbeſitzer angebe, füg— lich als für die übrigen Provinzen ebenfalls geltend betrach— tet werden kann. Es waͤre mir ein Leichtes geweſen ahnliche Daten für viele andere Gemeinden hier anzuführen; allein es würde dadurch die Sache nicht weſentlich an Beſtimmtheit gewonnen haben, da jedes einzelne Datum eine kleine Abwei— chung zeigt, weil die örtlichen Verhältniſſe nirgendwo ganz gleich übereinſtimmen. Indeſſen kann ich verſichern, daß die nach— folgenden Ertraͤgniſſe für die angegebene Miſchung und Tiefe des Bodens als Durchſchnittserträgniſſe ganzer Gegenden an— geſehen werden können, da ſie das Ergebniß einer zwanzig⸗ jährigen Periode ſind. Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. Tabellariſche lbert des Naturalertrages an Wein der bereb⸗ ten Ack — Nsah —. do —,— ₰ der 5— Ban ₰. 8 3. Baͤume 8 Gemeinde. 3 Bodenmiſchung. uf 2 einem 2 88 Joche. G= . Ronchi. I. Lehmboden, tiefer. 117 2 II. Sandiger Lehmboden, tief. 114 = III. idem ſeichter. 101 — IV. idem ſehr ſeicht. 102 2 Caſſegliano. I. Lehmboden mit Schotter, ziemlich tief. 3 — II. idem ſeichter. n = III. idem ſehr ſeicht. 105 2 S Pieris. I. Sandiger Lehmboden, tief. m II. idem ſeichter. no III. Sandboden, ſeicht. 8o Meriano. I. Thonboden, tief. 3 153 II. Sandiger Thonboden, tief. b 3, 3₰ III. Letten, tief.. 151 8 IV. Sandboden mit Schotter, ſeicht. 1 5 — Romans. I. Thonboden, tief. 159 II. Sandiger Thonboden, tief. 151 8 III. Sandboden, tief. 15 — IV. Sandboden mit Schotter, ſeicht. 131 S Verſa. I. Thonboden, tief. 335 II. Sandiger Thonboden, tief. 166 III. idem ſeicht. b 103 Cormons. I. Thonboden, tief. 13z — II. idem ſeichter. 33, , III. Sand⸗ und Lettenboden, tief. 9 = IV. Letten⸗ und Schotterboden, ſeicht. 9 η — Medea. I. Thonboden, tief. 1 r — II. idem ſeichter. 98 — 1lI. Sand mit Schotter, ſeicht. 136 η Viscone. I. Sandboden mit Schotter, ziemlich tief. V 94 II. idem ſeichter. 165 II. Schotterboden, ſeicht. b atiſche er bereb⸗ — Ing. r. zeicht. tlich tief⸗ ker. ſeicht. eicht. lich tief ter Üüberſicht ten Acker in den nachbenannten Gemeinden. Von der Cultur der Weinreben. 3¹13 Durchſchnitts⸗ Anzahl 100 Ein erträgniß der Bäume Joch von Bäume Eimern Wein: auf geben gibt Anmerkungen. einem Eimer Eimer von 100] eines Joche. Wein. Wein. Bäumen Joches in allen aller Claſſen. Claſſen. 1 27 5,26 6,67 Der Weinertrag iſt mit 114 4,75 5, 41 4,03 4,59 Zuſchlag des Preßweines 101 4, 11 4, 15 4 4 und mit Abſchlag von 102 2,08 2,12 Trebern und Verdün⸗ ſtung berechnet. 131 3,68 4,8² 1 20 2,95 3,54— 2, 97 3,58 105 2,28 2,39 110 6,13 6,73 110 5,62 6, 18— 5,34 5,44 8⁰ 4,27 3,4 ¹ 253 3,21 8, 12 237 2,59 6, 13 25² 1,64 4,13 2716 5, 18 191 1,22 2,33 159 3,55 5,64 15² 4,47 6,79 4 105 2,97 3, 11 3,04 4,27 131 1, 18 1,54 138 4,85 6,69 166 4, 11 6,82 3,69 5,93 203 2,1 2 4,²9 253 3,21 8, 12 287 2,59 6,13 2,31 5,21 191 2,24 4,27 4 5 191 1,22 2,33 161 5,05 8,08 194 3, 16 6, 13 3,42 5,81 158 2,04 3, 22 174 3, 18 5,53 165 2,33 3,85 2,38 3,98 156 1,64 2,55 314 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. Die folgende Überſicht zeigt das Erträgniß der berebten ller Acker an Wein in einigen Gemeinden der venezianiſchen Pro— ebenfall ... 1——,& vinzen, ſo wie er mir von den Schätzungs-Commiſſären ange⸗ nen. S .,8 G geben worden iſt. In 3 1 mir der Tabellariſche Überſicht Ronc . V...&u des Ertrages der berebten Acker an Wein in nachfolgenden Traude Gemeinden. eine B für eine rträgni lle —, hafeeger at en eeehe 1 eſchaffen ſe 3 nheit zahl der Eimern ſhiden — 5——₰½ S, tſ h⸗ deutend S— S— des Wüh⸗ Stütz⸗ el 53 2 2 2 äume„ von von 252 3 Bodens. dr. bän⸗ ‚00 eenem Nonz &έμ½ 22= Joch. me. Baͤu⸗ 115 men. Joche. — man 2 Vero⸗ Vero⸗ Chie⸗ 1ſte. Leichter Sand, Wei⸗— 3,15 Anqabe! na. na. vo. 2 Fuß tief⸗ den, 6, r Pap⸗ 10% P peln. Letzte. Sand, Deſi⸗—, 3 nachen, mit Steingeröll. glei⸗ R chen NM Vi⸗ Vi⸗ Vi⸗ iſte. Lehmiger, tiefer) S 2— 8,94 nach N cenza. cenza- cenza. Boden.— S pr. Pe 2te. Von der erſten& 5—[7,45 kaum verſchie⸗L S8 die den. 5 zte. Weniger bindig,= 2— 7,45 und T. und ſeichter. S 4te. Leichter Sand.&— 4,47 nach de Pa⸗ Con⸗ Car⸗ iſte. Maßig gebunde⸗ Hohe 5,34] 6,51 eben o dua. ſelve. tura. ner, tiefer Bo⸗ Pap⸗ Grt den. peln. 5 122 und über d Wei⸗ 1 den. vpo die Letzte. Loſer Sand. Deß⸗ 1,78 2,17 gl. in ſolch udine. Udine. Collo⸗ tſte. Seicht, ſandig, Pap⸗— 2,71 nen, ſe redo. mit Geröll. peln, b daß ſ . kleine daß ſe Ahor⸗ lombark Letzte. Mehr Geroll. Deß⸗— 2,03 Die gl. 5 konmen, b berebten ſchen Pro⸗ ren ange⸗ ffolgenden rträgniß in Eimern „,3 Von der Cultur der Weinreben. 315 Über den Ertrag der Ronchi in der Lombardie habe ich ebenfalls nur unvollkommene Nachrichten mir verſchaffen kön⸗ nen. Sie beſtehen in Folgendem: In Locate, Beſitzung des Grafen Caſtiglione, gab mir der Fattore an, daß er von einem neu angelegten ſchönen Ronco, deſſen ich bereits erwähnte, 1800 Pf. Mail. G. Trauben pr. Pertica erwarte. Da er 175 Pf. Trauben für eine Brenta Wein rechnet, ſo ſind 179 Pf. Wiener Gew. für einen Eimer nöthig, und das Joch gibt 20 Eimer Wein. Über das Verhaälrniß der Trauben zum Wein ſind mir ver— ſchiedene Angaben mitgetheilt worden, die von einander be— deutend abweichen. Der Wirthſchaftsverwalter Baffa zu Monza rechnet 140 Pf. Mail. für eine Brenta Wein= 143 Pf. Wiener, für einen Eimer, und im Küſtenlande rechnet man 200 Pf. Trauben für einen Eimer Wein, welch' letztere Angabe mit der erſten von Locate übereinſtimmt, wenn man die 10% Wein, die bei der gemeinen hier üblichen Art Wein zu machen, in den Schalen bleiben, auch zur Weinmaſſe rechnet. Die Ronchi des Herrn Foscarini bei Vareſe geben, nach der Verſicherung ſeines Fattore, 2 bis 3 Brente Wein pr. Pertica= 23 ½ bis 35 ⅛ Eimer. Die Ronchi des Grafen Sommariva in Cadenabbia und Tramezzina an den Ufern des Comer-Sees, geben nach der Verſicherung des Wirthſchaftsaufſehers und Gärtners eben ſo viel, wie die in Vareſe. Größere Gewißheiten gewähren die Nachrichten, die ich mir über den Ertrag dieſer Culturart im Görzerkreiſe verſchafft habe, wo die Hügel zwiſchen dem IJſonzo und Judri größtentheils in ſolche Felder umſtaltet ſind, die aber von den anderswo gelege— nen, ſehr weſentlich in der Anlage und Form verſchieden ſind, ſo, daß ſie mehr wirklichen Weingarten ähnlich ſind, während die lombardiſchen mehr den berebten Ackern gleichen. Die Görzer Ronchi, die immer nur auf ſteilen Hügeln vor⸗ kommen, ſind ſo angelegt, daß der Boden in Terraſſen abgetheilt 316 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. iſt, die eine Breite von 9 Fuß ohngefäͤhr, und nach Verſchieden⸗ heit der Steile des Hügels, eine Böſchung— Rivale— von ohn⸗ gefähr 8 Fuß Höhe haben, die mit Gras bewachſen iſt. Vorne am dußeren Rande der Terraſſe iſt eine doppelte, oft auch wohl nur eine einfache Reihe von Weinreben gepflanzt, die niedrig gehal⸗ ten und auf Pfahle ausgebunden werden, zwiſchen denen aber auch manche Bäume vorkommen, die man zur Unterſtützung der Reben verwendet. Man rechnet auf ein geviertes Joch 16 Terraſſen, wornach die ganze Länge derſelben 640 Klafter beträgt. Der hinter den Reben gelegene Theil der Terraſſenfläche wird geackert, und theils mit Gerſte, größtentheils aber mit Fiſolen beſäet. Die Ronchi werden wenig gedüngt, und wenn die Reben erwachſen ſind, ſo werden ſie nicht einmal jährlich behauet. Nach Verlauf von vier Jahren nach dem Pflanzen wird von der hinteren Wand, von der Böſchung, Erde abgenommen, und damit die Terraſſe erhöht; im ſiebenten und zehnten Jahre ge— ſchieht dieß Zuhauen neuerdings, und wird dann alle zehn Jahre wiederholt, ſo lange die Reben dauern. Nur die ſchmale Flaͤche hinter den Reben wird jahrlich umgeackert. Der Boden der Terraſſe müßte durch dieſes Erdengeben bedeutend erhöht, und die Reben vergraben werden, wenn nicht der Regen die Erde immer wieder abſchwemmte, und dadurch dem Übermaße von Erdenaufhäufung vorbeugte. Den mittleren Ertrag einer zwanzigjährigen Periode der Görzer Ronchi zeigt folgende Überſicht. 60—G ds Na teitter⸗Bezirk. Cormons. wenn i drat⸗Kl ſenland, erſchieden⸗ don ohn⸗ Vorne am wohl nur trig gehal⸗ ſenen aber Lützung der wornach ſlaͤche wird dit Fiſolen die Reben behauet. dvon der den, und Jahre ge⸗ Jehn Jahre kale Fläche zzoden der öht, und die Erde daße von tiode der V Von der Cultur der Weinreben. 317 Tabellariſche Überſicht des Natural⸗Ertrages an Wein der Weingärten mit Getreide— bau und Graswuchs oder ſogenannten Ronchi. Qua⸗ Durch⸗ drat⸗ 3 — S. 1 5 91— Klafter, Dieſe ſchmtts. —— welche er⸗— —— Area 2 S S die trägniß— Gemeinde= Whine Zißt— — 8 de.— be 9;. Z— S ereri Eimer Eines S ——.* 2 einem Wein. Joches —— η*— — Joche aller— 5. 0 55 8— rirfe Claſſen 5 nehmen. ſien. 1 . S. Florea⸗ 1. 640 6,59 2282 S no. II. 640 5,65 S 8 III. 640 4,71 4,7= S 8 IV. 640 3,78 EE — V. 2 640 2,83— 5 2 2E2 — ‿ ₰ S. Mauro. I.= 640 7,45=28 — 11. 8 640 6,40 5,86=22 1II. 55 640 5,33 7 S2 5 IV. 2 640 4,25 2 S g 22 8 . =S. 2Z Cormons. I. 8⁰0 13,75 98 2 2 II. 758 9,74 45 5S 1II. 758 8,02(2,43 222 2 IV. 758 6,30 6 η ‿ Der Rohertrag dieſer Art Weingaͤrten iſt anſcheinend klein; wenn man aber betrachtet, daß ein Joch Ronco von 1600 Qua⸗ drat-Klaftern, aus 333 ◻ Kl. Ackerland, 687—◻ Kl. Wie⸗ ſenland, denn der Rivale trägt Gras, und daher nur aus 640 ◻ Kl. Rebenland beſteht, ſo wundert man ſich vielmehr 318 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. nur, wie ein Boden, der ſo wenig Cultur erhält, ſo viel ab⸗ zutragen vermögend iſt; denn außer den wenigen Furchen, die hinter den Rebenreihen jaͤhrlich gepflügt werden, beſtehen die 3 Handarbeiten in einem Ronco, deſſen Reben erwachſen ſind, einzig allein darin, daß alle zehn Jahre von der Hinterwand etwas Erde abgenommen, und zum Erſatz der abgeſchwemmten über die Terraſſe gebreitet, und daß die Reben jaͤhrlich beſchnit— ten und ausgebunden werden. Die Anſchaffung der wenigen kleinen Pfähle, die man zu Stützen braucht, iſt die einzige bare Auslage, die man machen muß. zerſ geln zi Oirveng mo⸗ Ul. die und C (atti d welchen 7 vione in Mai das ihrn 8 von Co daß man denn tou Unfang ſtellten überzeu gegeben Nurin der Ete die mich mit We zu über und jen ſind. In einen ge Guard die er, V Ic fund dral then, de ſſtehen die chſen ſind, vinterwand hwemmten ih beſchnir e man zu an machen 319 C. Von der Cultur der Oliven. Zerſtreuete Olivenbaume findet man allenthalben in den Hü⸗ geln zwiſchen dem Garda-See und dem großen See; Olivengärten aber nur an den Ufern des Garda-, Iſeo-, Co— mo⸗ und großen Sees. Die Cultur dieſes Baumes in der Nähe von Lugano und Como iſt ſehr alt, wie aus Documenten hervorgeht (Atti della Società patriotica di Milano. Tom. III.), zufolge welchen im ſechſten und ſiebenten Jahrhunderte Olgrten in Cam— pione am See von Lugano der Kirche des heil. Ambroſius in Mailand geſchenkt worden. Später ſchenkte Kaiſer Lothar das ihm gehörige Allodialgut, Corte di Limonta am See von Como, der nämlichen Kirche.— Allein ohngeachtet, daß man die Cultur der Oliven in dieſen Gegenden ſeit laͤnger denn tauſend Jahren betreibt, hat ſie doch nie einen bedeutenden Umfang erhalten, und ſie iſt nach allen dießfalls von mir ange⸗ ſtellten Erhebungen gegenwärtig nur im Abnehmen, da man ſich überzeugt, daß die Weinrebe und der Maulbeerbaum unter den gegebenen örtlichen Verhältniſſen einen größern Vortheil abwirft. Nur in den Umgebungen des Garda-Sees, und insbeſondere der Stadt Salô findet man noch größere Olivenpflanzungen, die mich veranlaßten von Deſenzano über die anmuthigen, mit Wein bepflanzten Hügel dahin zu fahren, und mich ſelbſt zu überzeugen, welcher Unterſchied zwiſchen den dortigen Oliven und jenen obwalte, womit die Küſten von Iſtrien bedeckt ſind. In Salo fand ich an dem Grundbeſitzer, Herrn Forſetti, einen gefälligen Begleiter, der mich in die benachbarte Gemeinde, Guardone di ſopra, führte, wo die ausgedehnteſte, und wie er ſagte, beſtgeordnete Olivencultur betrieben wird.— Ich fand da die Olivenpflanzungen an einem ſteilen Hügel am 3²20 Landwirthſchaft von Ober-Italien. Abhange des hohen Gebirges, das den See umgibt. Die Nei— gung iſt gegen Süden. Der Boden iſt aufgeackert, und zwiſchen den Oliven ſind ſehr häufig Weinpflanzungen angebracht. Mehr als% aller Bäume war älter als 60 Jahre. Sie ſind höher, wie die Bäume in Iſtrien, haben eine gute Form in der Beäſtung, nur ſchienen ſie mir weniger belaubt zu ſein, was vielleicht auch davon herrühren mag, daß die Aſte durch den Schnitt weiter von einander gehalten werden. Man ſieht kein todtes Holz an ihnen, denn ſie werden jährlich ausgeputzt, und wie Herr For— ſetti ſagte, auch in den letztjährigen Trieben beſchnitten, was aber von keiner großen Bedeutung ſein kann, wohl auch unnoth— wendig waͤre, da die Vegetation dieſer Bäume nur eine ſehr ſchwache Kraft äußerte. Kein einziger erwachſener Baum hat einen geſunden Stamm. Es iſt ein Jammer die ungeheuren Zerſtörun⸗ gen in der Rinde und im Holze des Stammes zu ſehen, welchen die Brand⸗ und Krebsgeſchwüre darin anrichten, die dadurch ſehr ſichtlich werden, daß ſich hier die Leute die unnüͤtze Muhe geben die todten Theile der Pflanze ſorgfältig herauszumeiſeln. Die erſte Urſache des allgemein verbreiteten Brandes mag wohl in den Verletzungen liegen, welche die Bäume durch die Sorgloſig— keit der Arbeiter erhalten: indeſſen würden dieſe Verletzungen vernarben, und nicht ſo üble Folgen nach ſich ziehen, wenn die Baͤume mehr Nahrung bekaͤmen und mehr Lebenskraft hätten. In dieſem elenden, dürren, aus halbverwitterten Kalkfelſen be— ſtehenden Boden, der nur höchſt kärglich gedüngt wird, wachſen die Oliven aber nur kümmerlich, und leichte Verletzungen ſind die Quellen von unheilbaren Schaden. Der höhere Wuchs der hieſigen Olivenbaͤume im Gegenſatze jener von Iſtrien mag —. der günſtigen Lage zuzuſchreiben ſein, in der ſie hier vor den kalten, trocknen Winden geſchützt ſind, die ihnen in Iſtrien ſo oft verderblich werden, indem ſie die letztjährigen Zweige tödten. Über den Ertrag der Oliven konnte ich in Italien nichts er— fahren; nur im Allgemeinen ſagte man mir, daß er gering und Die Nei⸗ d zwiſchen Icht. Mehr nd höher, „Beaſtung, Aleicht auch itt weiter 25 Holz an iderr For⸗ Cten, was —) unnoth⸗ — eine ſehr hat einen Derſtorun⸗ a, welchen Hurch ſehr Lye geben zieln. Die r wohl in orgloſig⸗ Cletzungen A wenn die s häͤtten. Jelſen be⸗ r wachſen „gen ſind * Wuchs Sien mag vor den gſſrien ſo 2 Zweige icht⸗ el⸗ ing und —— Von der Cultur der Oliven. 321 ſehr gefährdet ſei, und daß die Fruchtknoten nach der Bluͤthe leicht abfallen. Um aber meine Leſer über dieſen Gegenſtand nicht ganz in Unwiſſenheit zu laſſen, will ich ſie mit der Olivencultur in Iſtrien bekannt machen, die von einer ſehr bedeutenden Aus⸗ dehnung iſt, und über die ich mir in einer Reihe von Jahren ziemlich genaue Kenntniſſe zu verſchaffen Gelegenheit hatte. Der Olivenbaum iſt rings um die Küſte von Iſtrien gepflanzt. In der Naͤhe des berühmten Timavus, in Nabreſina, ſind die erſten Olgäͤrten. Im Gebiete der Stadt Tri eſt iſt die Olivencultur unbedeutend: in Capodiſtria faͤngt ſie aber an ſich zu vergrößern, und in Pirano ſind ganze Berge mit Oliven bedeckt. Weiter gegen Süden über Umago, Citta nuova ſind immer viele Olbäume, doch ſieht man da, außer in Daila, einem Gute des Grafen Griſoni, wohl viele in den Ackern und Weingaͤrten zerſtreute Oliven, aber nicht eigent— liche Olivengärten. Nun kommt man nach Rovigno, deſſen ganzes, großes Gebiet nur ein Olivengarten iſt, der zur Zeit der Blüthe im Mai, und zur Zeit der Reife ſeiner Früchte, im November, einen herrlichen Anblick gewaͤhrt. In Faſana und Peroi iſt die Olivencultur noch bedeutend; dann wird ſie aber immer geringer, bis zum Vorgebirge von Pola, wo ſie ganz verſchwindet. Die ſteile Küſte gegen den Quarneriſchen Meerbuſen iſt bis zum Arſa nur ſparlich mit Oliven bepflanzt, deren Zahl ſich aber über Albona, Fiannona, bis Lovra⸗ na wieder bedeutend vermehrt. An der nördlichen Spitze des Quarners verſchwinden endlich die Oliven.— Im Inneren der Halbinſel findet man nur in den Bezirken: Pinguente, Montona und Buje bedeutendere Olivenpflanzungen. Auf der Inſel Veglia iſt die Olcultur von keiner Bedeutung, dafür iſt ſie deſto ausgedehnter in der Inſel Cherſo, wo die Umgebungen der Städte Cherſo und Loſſin grande mit Oliven bedeckt ſind. I. 21 322 Landwirthſchaft von Ober-Italien. Die geografiſche Lage der Gegend, innerhalb welcher die Olivencultur betrieben wird, iſt folgende: Längengrad, Name des Ortes. Breitengrad. öſtlich von Paris. — RMabreſina 450 45⸗ 57% 11° 127 42% Rovigno„ 450 50% 110 124 42% Cherſſo 442 56⸗ 44* 120 34 60„ Luſſin piecolo. 44 327 1 120 2, A2 Fiume. 450 197 50 4 120 67 22 ℳ Schon aus den Breitengraden laͤßt ſich ſchließen, daß das Land längs des Meeres eines ſehr milden Clima's ſich erfreuen müſſe; und ſo iſt es auch. Es fällt da nur aͤußerſt ſelten Schnee, und wenn ſolches geſchieht, ſo ſchmilzt er gleich wieder; die Käͤlte erreicht im Winter ſelten 5 Grade, und der heftige Nordoſt— wind, der in Trieſt und Fiume während des Winters mit un— glaublicher Wuth bläſt, iſt in Rovigno kaum mehr merklich. Der Boden, auf dem die Oliven vorkommen, iſt bis zum Fluſſe Quieto ein ſandiger Mergelſchiefer, jenſeits dieſes Fluſſes ein dürrer, waſſerloſer Kalkfelſen mit einer ſeichten Schichte rother, thoniger Erde. Ob die Olivencultur in Iſtrien im Zu- oder Abnehmen be⸗ griffen ſei, iſt mir nicht möglich zu entſcheiden. Man ſieht zwar in der Nähe von Piranogroße Strecken baumloſer Terraſſen, die in früherer Zeit mit Oliven bepflanzt waren; man ſieht aber auch eine große Menge neuer Anpflanzungen. Hält man dieſe gegeneinander, ſo iſt es wahrſcheinlicher, daß die gegen— wärtige Zahl der Oliven größer iſt, als die vor 40 Jahren. Leider ſind die Oliven in Iſtrien eben ſo krüpplig und ſchad— haft, wie am Garda-See, und ich kann mich nicht erin— nern einen erwachſenen Olbaum geſehen zu haben, deſſen Stamm vollkommen geſund und tadellos geweſen waͤre. Da man mir erzählt, daß in den ſüdlicheren Gegenden der Olbaum ein mehr— hundertjähriges Alter erreicht, und daß der Stamm von ſechzig⸗ jährigen Baͤumen rein und geſund ſei, ſo glaube ich, daß ſich SsLand a müſſe; Je, und 7 Kalte ordoſt⸗ it un⸗ 22 1 zum s dieſes Zeichten Pen be⸗ It zwar Jaſſen, a ſeht i mant Uegen⸗ In. a ſchd⸗ 5 erin⸗ tamm mir meßr⸗ ethil⸗ ſch Von der Cultur der Oliven. 3²23 die ihm zufällig beigefügten Verwundungen da leichter vernar— ben, und daß in Iſtrien die Heilung zu langſam vor ſich geht, das Holz zu lange der Verwitterung ausgeſetzt bleibt, und Krebsſchäden, Holzfaͤulniß, die Folge davon ſind. Darum gewaͤhrt der Anblick der Olbäume bei uns kein Vergnügen, denn ſie ſind alle krüpplig, zerſpalten, zerfreſſen, und voll Löcher; nothwen— dige Folgen der rohen Behandlung, welcher dieſe Baͤume von Jugend auf ausgeſetzt ſind. In der folgenden Üüberſicht iſt das wirkliche Erträͤgniß der Oliven zuſammengeſtellt, welches einzelne Landwirthe in den nachbenannten Gemeinden in einem Durchſchnitte vieler Jahre erhalren haben. Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. Tabellariſche 2 des Ertrages der Olivenbäume in d N am en L a g e und des der des Beſchaffenheit .— des Gerichts⸗ Gemeinde. Beſitzers. Bezirkes. Bodens. Capodi⸗ Lazzaretto. Graf Totto. Niedere Hügel. Sandmer⸗ ſtria. gel, Schiefer. Ziemlich ſteile Lage, dem Ab⸗ 1 ſchwemmen unterwor⸗ fen. Citta Citta nuova Graf Griſoni. Ebene Lage, am Ufer des nuova. und Meeres. Seichter, auf Verteneglio. Kalkfelſen ruhender, ro⸗ b ther Thon. 0 Pirano. Pirano. Die ganze Ge⸗ Niedrige, aber ſteile Hü⸗ meinde. gel mit Stützmauern. . Schiefermergel. Der w großte Theil iſt gegen— 1 Süden abhäͤngig. V Rovigno. Rovigno. Gebrüder Fac⸗? Niedrige Hügel in der Nä⸗ chinetti. he des Meeres. Sehr b Math. Sponza. mildes Clima im Win⸗ w Nic. Sponza. ter. Kalkfelſen mit einer 1 Franz Benuſſi. ſeichten Schichte rother Andreas Con⸗ Thonerde. 4 ſtantini. Buje. Griſignang. 8 In der Mitte der Halbin⸗ e Geörchehhee 1 ſel. Hohe Lage, niedere — Hügel. Schiefermergel. Von der Cultur der Oliven. 325 iſche Darſtellung . me in den nachbenannten Orten von Iſtrien.„ — A7 5 Jährliches Detsla Durchſchnittserträgniß 2 in Pfunden Oel, 4. eines „ſgeſamm⸗ eines frucht⸗ . 1 te, die der frucht⸗ tra⸗ eit—. 4. — ſjungen frucht⸗ ge⸗ tra⸗ Beuden Anmerkungen. 8 hin⸗ tragen⸗ ſamm⸗ genden irs. . ohne 6— ffalligen den tes. Bau⸗ unter⸗ 3 mitge⸗ allein. mes. ſchied der rechnet. Claſſen. dwer⸗ I. 985„ 1,66„½ Die Bäume kommen emlich II. 2774 1001 3 297²2 1,32² 1,48 ſowohl in Oelgärten Ab⸗ III. 18 0,92 vor, als auch ge⸗ ewor⸗ miſcht mit andern Culturarten. ier des 1 2425 2178 1,75 Die in Claſſen ge⸗ auf II. 1775 1526 1, 25 theilten Oliven be⸗ 5, III. 217 135 4 109500% 0,85 1,29 finden ſich im Acker⸗ d, Olgar⸗ und Weinlande. ten. 59312 4633 1,25 1 l h I. 33164 1735 Der gröſte Theil der le Ju⸗ II. 1 68821 1,6 3 Oliven kommt in rauern. III. 245555 32630 320670 1,39 1 1,48 Helgärten vor. In Der. IV. 3⁰818 0,92 der gemiſchten Cul⸗ gegen tur geben die Bäau⸗ me in der gleich⸗ namigen Claſſe mit den Oelgärten glei⸗ 15 chen Ertrag. I. 78 3, 25„ tt Nä⸗ 1I.] Nicht 1016 2,82 Sehr III. ge⸗ 1778 9140 2,05 † 1,97 Wie in pPirano. Win⸗ IV. zahlt. 15²22 1,39 teiner V. 241 0,81 rother I. 273 233 1,36 Oelgärten, theilwei⸗ II. 1350 1078 1,00 ſe mit Reben be⸗ galbin 3596 1,14] pflanzt. tedere I. 2035 1654 1,50 Nacktes und bereb⸗ ergel. II. 27* 169 1,00 tes Ackerland. 326 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. Man erſieht aus dieſen Angaben, daß der Naturalertrag der Olivenbäume in Iſtrien nur gering iſt. Die Urſachen hie⸗ von liegen im Clima, im Boden und in der Behandlung. Das Clima iſt den Olbaumen nicht vollkommen angemeſſen; denn obgleich die Hitze des Sommers in Iſtrien groß iſt, ſo iſt aber auch die Kälte, die der Nordoſtwind, dem die Halbinſel ſehr ausgeſetzt iſt, im Winter und zu allen Jahreszeiten her— beiführt, der Blüthe, der Frucht und nicht ſelten ſelbſt den Zweigen des Baumes gefährlich. Der Boden iſt nur allein in der Umgebung von Pirano den Oliven zuſagend, ſonſt iſt er überall ſeicht, und nur mit Mühe finden die Wurzeln Raum zwiſchen den Felſenſtücken und in den Spalten derſelben, um ſich darin zur Noth verbreiten zu können. Da nun die Mächtigkeit und Höhe des Wachsthums von der Ver⸗ breitung der Wurzeln und der Menge der Nahrung abhängt, die dieſe erhalten, ſo iſt es begreiflich, daß die Bäume hier, wo ſie gleichſam in ſchmale, ſteinerne Behälter eingeſchloſſen ſind, nie— drig bleiben müſſen, und ihr Stamm nicht dick werden kann. Die Behandlung der Baume trägt aber wohl am meiſten zum geringen Ertrag der Olbaume bei. Der kurzſichtige Landwirth ſucht hier, ſo wie bei allen Culturarten, ſeinen Vortheil nur in der Menge der Baͤume, in der Ausdehnung der Felder, und glaubt, daß er in demſelben Verhäͤltniſſe, als er mehr Baäume hat, auch mehr Ol g gewinnen werde; er überſieht aber hiebei, daß die einzelnen Pflanzen nur im Verhältniſſe der zweckmßi— gen Pflege und der Menge der Nahrung, die ihnen gewährt wird, einen höheren Ertrag abwerfen, und daß es ihm größ— tentheils mehr Vortheil bringen würde, wenn er mit den Mitteln, die ihm zu Gebote ſtehen, nur die Hälfte oder zwei Drittheile ſeiner Acker beſaͤete, oder nur die Haͤlfte ſeiner Olbau⸗ me behielte, die andere verkaufte, weil er nur die Haͤlfte zu düngen und gut zu pflegen im Stande iſt.*) *) Welchen mächtigen Einfluß die Düngung überhaupt hat, und in wel⸗ chem Verhältniſſe das Erträgniß der Olbaume durch die Vermehrung des lertrag hen hie⸗ ung. meſſen; , ſo iſt albinſel en her⸗ öſt den irano Mühe in den eönnen. er Ver⸗ lgt, die wo ſie d, nie⸗ ann. een zum dwirth nur in d, und aume hiebei, imaßi⸗ waͤhrt größ⸗ it den r zwei Olbau⸗ Von der Cultur der Oliven. 327 In Apulien und Calabrien, ſo wie in Morea, ſollen die Olbaͤume ein ſehr großes Erträgniß geben. Sie ſind da ſo groß, wie unſere fünfzigjährigen Eichen. Das größte Er— trägniß der Olbaume in Iſtrien, von dem ich verläßliche Nach⸗ richt habe, iſt jenes des Doctors Marco Conſtantino, in Rovigno, der im Jahre 1821 von 4 Olivenbäumen 1 ½ Barille Ol erhielt. Ein etwas gehäufter Metzen Olivenbeeren wiegt im friſchen Zuſtande im Durchſchnitte 74 Pf. Werden die Beeren gleich gepreßt, ſo geben ſie, nach einer großen Menge von Verſuchen, die im Jahre 1322 dießfalls an⸗ geſtellt wurden, im Durchſchnitte folgenden Ertrag: 3556 Pf. friſche, oder zwei bis drei Wochen alte Beeren gaben an reinem Ol: 364 ½ Pf.; an ſchwarzem Ol(Morchia) 22% Pf., und an Treſtern(Polpame) 1602 ½.— Hundert Pfund Beeren ge⸗ ben reines Ol 10 ½ Pf., ſchwarzes Ol, und Treſtern 45 Pf. Die Beeren geben nicht jährlich daſſelbe Erträgniß an Ol; Düngers erhöht wird, mögen die folgenden, hochſt intereſſanten Er⸗ fahrungen von Gasparin beweiſen, die er in einer kleinen Abhand⸗ lung: Mémoire sur la culture de l'Olivier dans le midi de France, in der Bibliothèque universelle. Genève. 1822. mitgetheilt hat. „»Ein Hlgarten von 1600 jungen Oliven, der nicht gedüngt ward, gab in ſiebenjährigem Durchſchnitte, 657 Wiener Pf. Hl. Ein Baum 0,41 Pf.« » Eine gleiche Anzahl junger Bäume, die alle drei Jahre eine Dün⸗ gung von 870 Zentner Pferdemiſt erhielt, gab 1499 Pf. Ol. Ein Baum 0,93 Pf. „»Die letztern Bäume gaben jährlich mehr gegen die erſteren⸗ 342 Pf. Öl, das macht in drei Jahren 2526 Pf. Hl. 100 Pf. Dünger ſind daher gleich im Werthe 3 Pf. Ol; oder mit andern Worten: 3 Pf. Öl ſind durch 100 Pf. Dünger über das gewöhnliche Erträgniß der Bäume her⸗ vorgebracht worden.« „» Das Product der großen Bäume wurde durch den Dünger in dem⸗ ſelben Verhältniſſe erhoht. Wenn dreißigjährige, ſeit langer Zeit nicht ge⸗ düngte Bäume, im Durchſchnitte 3,25 Pf. Hl ertrugen, ſo gaben jene, die alle drei Jahre 500 Pf. oder jährlich 166 Pf. Dünger erhielten, 8,14 Pf⸗ Sl: wornach 100 Pf. Dünger das Olertragniß ebenfalls beinahe um 3 Pf. vermehrten.« » Man hat Beiſpiele, daß fünfzehnjährige Bäume, die alljährlich das Stück mit 130 Pf. Dünger verſehen wurden, 4,30 Pf. Öl gaben.« 3²28 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. es iſt dieß verſchieden, je nachdem die Witterung die Entwicklung der Beeren mehr oder weniger begünſtigte; je nachdem der Bo⸗ den dieſer Frucht mehr oder weniger zuſagend iſt; je nachdem er beſſer oder ſchlechter gedüngt und cultivirt worden iſt, und je nachdem die Beeren nach dem Pflücken gleich gepreßt werden, oder kürzere oder längere Zeit aufgehoben werden müſſen, bis die Reihe, ſie zu preſſen, an ſie kommt. Auch iſt es für den Olertrag nicht einerlei, ob ſie waͤhrend dieſer Zeit auf einem Bo— den aufgeſchüttet oder in einem Bottiche liegen. In einigen Fäl⸗ len haben 100 Pf. friſche Oliven 17 Pf., in andern nur die Häalfte dieſes Gewichtes gegeben: wobei ich bemerken muß, daß von der größeren oder geringeren Sorgfalt, die man beim Preſ⸗ ſen ſelbſt anwendet, der größere oder kleinere Olertrag auch zum Theile abhaͤngig iſt. Da eine Brenta Olbeeren, nachdem ſie mehrere Wochen nach dem Pflücken aufgeſchüttet oder im Bottiche gelegen hatte, beim Preſſen mehr Ol gibt, als eine Brenta friſch gepflückter Beeren, ſo halten ſehr viele Landwirthe dafür, daß es nicht vor— theilhaft ſei, die Beeren ſogleich zu preſſen, ſondern daß man beſſer thue, ſie erſt im Bottiche etwas gähren zu laſſen, während welchem ſich die Oltheile mehr entwickeln, und ſie dann zu preſ⸗ ſen: allein dieſe Leute überſehen, daß wenn ſie hundert Bren— te in die Bottiche ſchütten, ſie nach einem oder mehreren Mona⸗ ten nicht mehr hundert Brente, ſondern eine bedeutend kleinere Zahl derſelben zurückerhalten, und daß ſich das Gewicht der Bee— renmaſſe auffallend vermindert. Verſuche, die zur Abſicht hat— ten, den Verluſt zu erheben, der dem Landwirthe zugeht, wenn er aus Mangel an Preßwerkzeugen ſeine Beeren einige Zeit lang aufbewahren muß, die Herr Pietro Valle in Piemonte in Iſtrien anſtellte, haben folgende Reſultate gegeben: 100 Pf. friſche Oliven geben Ol 9,75 Pf. Eine Brenta Beeren(=— 0,ö67 Metzen) wiegt 50 Pf. 100 Pf. von denſelben Olivenbeeren, nachdem ſie 30 Tage in einem Bottiche gelegen waren, geben Ol 11,05 Pf. icklung ler Bo⸗ dem er und je herden, un, bis sür den m Bo⸗ n Fal⸗ dur die n, daß a Preſ⸗ c zum Bochen zyatte, ückter Iſ vor⸗ 1 man hrend ru preſ⸗ ren⸗ Nona⸗ einere Bee⸗ hat⸗ ewenn Plang onte Von der Cultur der Oliven. 329 Eine Brenta dieſer Beeren wog 57 Pf. In einem Bottiche wurden 100 Pf. friſche Oliven durch 30 Tage ſtehen gelaſſen; als man ſie nach dieſer Zeit wieder wog, hatten ſie nur mehr 85,56 Pf., ſie verloren daher binnen dieſer Periode 14,64 Pf. 100 Pf. gegohrne Oliven ſind daher gleich 114,64 Pf. friſcher Oliven; und wenn 100 Pf. friſcher Oliven Ol geben: 9,75 Pf., ſo würden 114,64 Pf. der nämlichen Oliven Olgeben: 11,17 Pf.; weil aber 100 Pf. gegohrne nur 11,05 Pf. Ol geben, ſo zeigt es ſich, daß während der Gaͤhrung 100 Pf. Olivenbeeren 0, 12 Pf. Ol verloren haben, was freilich ſehr wenig iſt, weil die Bee— ren nur 30 Tage im Bottiche ſtanden, ſicher aber mehr betragen würde, wenn das Preſſen länger hinaus waͤre verſchoben worden. Ein anderer Verſuch, welchen Herr Suppanzig zu Sa— limbergo unweit Görz anſtellte, gab eine bedeutend größere Verſchiedenheit. 100 Pf. Beeren, die auf einem Boden 30 Tage ausgeſchüt⸗ tet lagen, gaben Ol: 17,12 Pf. 100 Pf. der nämlichen Beeren wurden in einem Bottiche eben ſo lang aufbewahrt, und gaben nur mehr 15,47 Pf. Ol. Hier iſt die Differenz auf 100 Pf. Beeren: 1,65 Pf. Ol, und zeigt, wie nachtheilig den Beeren die Gaͤhrung ſei. Es erhellet aus dieſen Verſuchen, welch' großen Olverluſt jene Landwirthe erleiden, die wegen einer falſchen Theorie ihre Beeren, anſtatt ſie ſchleunig zur Preſſe zu ſchicken, erſt zu Hauſe gaͤhren laſſen, oder wegen Mangel an Preſſen gehindert ſind, ſie preſſen zu laſſen, und ſie wegen Mangel an Raum in ihren kleinen Häuſern nicht auf Boͤden oder Schilfrohrflechten auf— ſchütten, ſondern in Faſſern und Bottichen, hoch aufgeſchich— tet, aufbewahren müſſen, und oft erſt im Maͤrz oder gar im Mai an die Reihe zum Preſſen kommen. Der geringe Rohertrag, den der Olivenbaum in Iſtrien gibt, und die großen Cultur⸗-, Ernte- und Preßkoſten, die er erheiſcht, ſind die Urſache, daß dieſe Culturart ſeit der Zeit, als der Preis 33⁰ Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. des Ols ſo ſehr geſunken iſt, keinen oder einen ſehr geringen Vor⸗ theil abwirft. Bei dem Preiſe von 30—40 bis 50 Gulden, die für einen Zentner Ol noch vor 10 bis 20 Jahren gezahlt wur⸗ den, zeigte ſich, wenn gleich kein großer, doch immer einiger Üüberſchuß über die aufgewendeten Auslagen; ſeit aber nach dem Jahre 1320 der Preis allgemach auf 18 bis 20 Gulden herab⸗ gekommen iſt(im Jahre 18283 ſtand der Zentner Ol gar nur auf 12 Gulden), wird die Olivencultur nur noch fortgetrieben, weil die Bäume ſchon da ſind, und man die Hoffnung noch nicht auf— gibt, daß ſich die Preiſe des Ols wieder erhöhen werden. 1 Ufern Frie hohe nicht und d unan, bei ul ganze jen Van zerne nes. ngen Vor⸗ ulden, die ahlt wur⸗ ner einiger nach dem iden herab⸗ ar nur auf deben, weil nicht auf⸗ den. 331 D. Von der Cultur der Limonien⸗, Frucht⸗ und Kaſtanienbäume. ——— Ich hatte von Jugend auf gehört und geleſen, daß an den Ufern des Garda⸗Sees Limonien⸗ und Pomeranzenbaͤume im Freien wachſen, und weil ich dieſe angebliche Thatſache mit der hohen nördlichen Breite, und mit der Nähe der hohen Alpen nicht zuſammenreimen konnte, ſo war ich begierig dieſe Bäume und die Lage, in der ſie gedeihen, ſelbſt zu ſehen, und mich über ihre Cultur und ihren Ertrag zu erkundigen.— Ich ward unangenehm enttäuſcht, als ich ſah, daß dieſe Bäume, ſo wie bei uns, in eigens dafür gebauten Häuſern ſtehen, und daß der ganze Unterſchied darin beſteht, daß hier dieſe Cultur im Gro— ßen betrieben wird, und daß man die gegen Süden gekehrte Wand des Gewächshauſes nicht mit Gläſern, ſondern mit höl— zernen Balken deckt. Man bauet zu dieſem Behufe gemauerte Behältniſſe, wovon eines Fig. III. dargeſtellt iſt. Dieſe Gewaͤchshäuſer ſind den Som⸗ mer über offen, und erhalten Anfangs November die Bretter⸗ verkleidung, welche vor Ende Marz nicht weggenommen wird. Sind die Wintertage ſchön und warm, ſo werden die Fenſter— balken geöffnet; ſind ſie kalt, ſo bleiben ſie verſchloſſen. Steigt die Kälte bis zum Gefrierpuncte, was die Leute nicht am Ther— mometer, ſondern auf einer zwiſchen den Baͤumen aufgehange— nen, mit Waſſer gefüllten Flaſche erkennen wollen, deren In— halt aber, beiläͤufig geſagt, wohl nur erſt bei 3 bis 40 Kalte frieren wird, ſo wird der Ofen geheizt, wenn einer da iſt, im entgegengeſetzten Falle wird freies Feuer angezündet. Das Limonienhaus, deſſen Abbildung beiliegt, gehört den Brüdern Vianelli in Sald. Es iſt das größte in der Nähe dieſer Stadt, und enthält in jeder Reihe zwanzig Baͤume. Die Lange dieſes Hauſes iſt 100 Schritte, die Breite jeder 33² Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. Abtheilung 6 Schritte. Ein Baum iſt von dem andern 5 bis 6 Schritte entfernt. Die AÄſte ſowohl, als auch der Stamm bei jungen Bäumen wird mit hohen, ſtarken Pfählen unter⸗ ſtützt. Die in dieſem Hauſe befindlichen Baͤume ſtanden jetzt (1828) 19 Jahre darin, und hatten 6 bis 7 Zoll Durchmeſſer, und mochten 4 Klafter Höhe haben. Sie trugen, wie man mir ſagte, ſchon bedeutend nach 4 bis 5 Jahren der Überſetzung in das Haus. Erwachſene Bäume ſollen 1000 bis 1200, und in außeror⸗ dentlichen Fällen noch mehr Früchte geben; doch meint man, daß man im Durchſchnitte einem erwachſenen Baume nur 300 Stücke Früchte, Kaufmannswaare, zumuthen dürfe, und daß der Reſt Ausſchuß ſeie, den man nur zu einem ſehr geringen Geld⸗ werth veranſchlagen dürfe. Ich ſah die Bäume am 31. Juli nicht ſtark mit Früchten behangen: indeſſen konnte die Ernte doch reich⸗ lich ausfallen, denn dieſe Bäume blühen bekanntlich theilweiſe das ganze Jahr, und man ſieht Blumen und Früchte von jedem Alter an denſelben. So ſah ich Früchte, die noch von der Blüthe des Juni 18227 herrührten. Die jungen Stamme werden in Geſchirren gezogen, und wenn ſie ro bis 12 Jahre alt ſind, in die Häuſer verſetzt. Der Boden, in dem die Bäume wachſen, iſt ſandige Garten⸗ erde, die man alljaͤhrlich mit wohl abgefaultem Dünger über— ſtreuet. Solcher Limonienhaäͤuſer gibt es von Salo bis zum Dorfe Li⸗ moni ſehr viele. Manche haben 4 bis 5 Reihen Bäume über— einander; ich ſah aber auch mehrere mit einer einzigen Reihe.— Sie bilden gegenwärtig die weſentlichſte Quelle der Einnahmen der Bewohner des Sees von dieſer Seite, denn nach einer mir gemachten Berechnung ſollen in der angegebenen Strecke 15 bis 16000 Limonienbaume ſein, und die Familie der Grafen Bettoni von Brescia allein deren 1057 haben. Da man das Hundert Limonien gegenwärtig zu 3 fl. 30 kr. verkauft, ſo erhellet, daß ein Limonienhaus mit 60 Baͤumen, —— 2a— e, oe e eeneeeeee 2 —— en,„* — In 5 big 2 Stamm a unter⸗ dden jetzt ahmeſſer, man mir szung in außeror⸗ „ man, Sur 600 und daß nen Geld⸗ lli nicht 3ch reich⸗ eilweiſe jedem Blüthe d wenn 3 Barten⸗ ir über⸗ rfe Li⸗ e über⸗ rihe.— Jahmen ner mir „ 15 bis 4 „Grafen umen, X XN ₰△ 8 5 8 N 8 8 ˙— AS X X S X X 8 N X B☛ X 8 T 8 8△ᷓ N Ds 8 s 8 X+ D⁸½ 8 8. O X 8 de S 8 8 8 N M 5 N 8 3 35 3 2 XN N X. A 3. S DN 8. 8 + ᷣ- X D N 8 S h C otsuvu uo j 2 6 duo& doa MotsuVv A E 8 1 z 8 V 1 ddddadadanasanaraanaaaa eladdcie*— † ſ ſ iii ſii 3 ſſ llli Rnune 8 f ³ 8 Tc —— E ſ V B 3 B In 6 ſ ſ I— ſſſſ I adaandddandnhadsandvd 5— ſſſſſſſ m V — 11— A deren 1060 Capit Gebal kommn dieſes 82 Schn in die 3 moni Mitt Limonien⸗, Frucht⸗ und Kaſtanienbäume. 333 deren jeder 300 Früchte erträͤgt, einen rohen Geldertrag von 1680 Gulden gewahret, wovon außer den Zinſen des Anlag— Capitals, nur ſehr geringe Abzüge für die Unterhaltung des Gebaudes, und ſo zu ſagen, gar keine für Cultur in Abzug kommen. Es erklaͤrt ſich hieraus, daß man von dem Ertrage dieſes Hauſes ſehr gemächlich leben kann. So wenig am Garda⸗ als am Comer⸗See oder dem gro⸗ ßen See wachſen dieſe Früchte im Freien, denn auf den Bor⸗ romaiſchen Inſeln, wo die Terraſſenmauern der Gärten ſammt und ſonders mit dieſen Bäumen bedeckt ſind, die man ſpalier— förmig ausbindet, werden ſie den Winter über mit Brettern ver— kleidet, und auf der unterſten Terraſſe von Iſolabella iſt ſogar eine Vorrichtung, daß man den gedeckten Raum heizen kann.— Der Winter iſt hier in der Naͤhe des Simplon, der mit ewigem Schnee bedeckt iſt, manchmal ſehr kalt, und Schnee fällt häufig in dieſen Gegenden, wenn er gleich bald wieder wegſchmilzt. Iſtrien und Dalmazien könnte von der Anlage ſolcher Li— monienhäuſer bedeutenden Vortheil ziehen. Es wäre dieß ein Mittel für bürgerliche Familien ihr kleines Capital gut anzule— gen, und eine kleine Beſchäftigung das ganze Jahr für ſich zu haben, ohne fremder Arbeiter zu bedürfen. Von Obſt⸗ und Kaſtanienbaumen kann ich nur wenig ſagen, denn ich ſah nur ſehr wenige dieſer Bäume. Die wenigen Obſtgärten in der Nähe der Sommerwohnungen der Grundbeſitzer ſind mit ſo wenigen und gewöhnlich ſo ſchlecht gehaltenen Obſt⸗ baͤumen beſtellt, daß es nicht der Mühe lohnt davon zu reden. Nur allein in der Umgebung von Monſelice und Arcqua ſah ich den Obſtbau mit dem Ackerbaue verbunden, denn es lauft durch die Mitte des Ackerbeetes eine Reihe von Pfirſich- oder Apfelbäumen, die zwar nichts weniger als einen beſonders ſchönen Wuchs und kraftigen Trieb gezeigt hätten, indeſſen keineswegs elend ausſahen, und auch ziemlich reichliche Früchte aufgeſetzt hatten. Kaſtanien ſollen in den hohen Hügeln und Bergen der 334 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien. venezianiſchen ſowohl, als lombardiſchen Provinzen haͤufig gebauet werden, und einen weſentlichen Artikel der Nahrung für den Landmann bilden. In den Hügeln der Brianza und den Um⸗ gebungen der Seen habe ich nur ſelten wo Kaſtanienbaͤume geſe⸗ hen, und habe mich dadurch überzeugt, daß man auch da den Vor— theil dieſer Frucht noch nicht erkennt, und den Anbau dieſes wich— tigen europäiſchen Brodbaumes vernachlaſſiget. Wären die nackten Hügel von Iſtrien nur zum hundertſten Theil mit dieſem vortreffli— chen Baume bepflanzt, man würde in dieſer Provinz nicht ſo viel Elend, und ſo oft ſich wiederholende wirkliche Noth unter den klei— nen Grundbeſitzern ſehen! Zwar iſt die Cultur dieſes Baumes da nicht unbekannt, und von Lovrana am Quarneriſchen Meer— buſen kommen die berühmten Maroni, die man mit Recht als die ſüßeſten ihrer Art ſchätzt; auch erkennt man die Vortheile, die dieſe Bäume gewähren, und wuünſcht ſich welche; entſchließt ſich aber nicht ſie zu pflanzen, aus Furcht, daß ſie durch das allenthalben weidende Vieh zerſtört werden würden; was auch gewöhnlich der Fall iſt. Die heilloſe, barbariſche Weidewirthſchaft iſt das weſentlichſte, ich möchte ſagen, das einzige Hinderniß des Aufkommens irgend einer beſſern Cultur in Iſtrien, weil ſie mit dem Anbaue der perennirenden Futtergewäͤchſe und der Pflanzung fruchttragender Baume unvereinbarlich iſt. 18 V Igebauet füͤr den den Um⸗ Iime geſe⸗ 3den Vor⸗ ſ Inhalt nackten— Lartreffli⸗ des erſten Theils. i ſo viel Aden klei⸗ Imes da Seite Meer⸗ 1. Tagebnch einer Reiſe von Trieſt über Venedig nach Mai⸗ eecht als land, und von da in alle Gegenden der Lombardie; ’ttheile, hierauf über Mantug, Verona und Udine zurück nach ſchließt Trieſt; mit hiſtoriſchen, ſtatiſtiſchen, geografiſchen, ch das und vorzüglich landwirthſchaftlichen Bemerkungen.. 1 r) auch II. Beſchreibung der Landwirthſchaft von Ober-Italien. 4 231 ehſchaft A. Vom Ackerbaue. rniß des a. Vom Ackerbaue im Allgemeinen.. 235 ſe mit 1. Vom Pflügen, Eggen und Umgraben...— Pnzung„. Vom Dünger.... 2470 3. Von der Ernte........ 244 4. Vom Dreſchen.. 1 3. 4 4 246 5. Vom Fruchtwechſel... 248 A. Bewäſſerte Provinzen...——— 249 a. Ohne Neißcultur.....—— b. Mit Reißcultur.... 1.. 25⁰ B. Trockne Provinzen. 3.... 251 b. Von der Cultur der Getreidearten und Futter⸗ pflanzen......... 254 1. Vom Weizen.. 3.....— 2. Vom Roggen........ 257 3. Vom Mais. 4. Vom Reiße.. a. Riſare a vicenda... b. Riſare ſtabili.... 5. Vom Bergreiße... 6. Von der Hirſe... 7. Andere Getreidearten und Hülſenfrüchte. 8. Vom Buchweizen... 9. Von den Kartoffeln... 10. Von den HGlgewächſen. 11. Vom Leine.. 12. Von den Futterpflanzen.. B. Von der Cultur der Weinreben. C. Von der Cultur der Oliven. . D. Von der Cultur der Limonien⸗, Frucht⸗ und bäume. 2 80 Kaſtanien⸗ 331 6 8 L 8 dLaAtrala anhn IraIraral dnAalahe a tKeaneneneatgana ngna 1anng Oem 1 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 Coloùr& Grey Control Chart 2d Blue Cyan Green Vellow Heod Magenta Geyi Gere Sreys Sreyrah