—õẽõẽõẽõẽẽẽõẽõöõöm . 5 1 4 1 1 8 8 1 ſorE r T eneu, omod Bdt 8 Betof u en peef, leefe, hern ₰ 2 h, ſ I Dzoc — 5. K. I 4 — — en ·. ene, S⸗—— 1. Si G neeee, e e Deutſche Blätter fuͤr Landwirthſchaft und Nationalökonomie. Von Friedrich G. Schulze, Herz. S. Altenb. Geh. Hofrathe, ord. Prof. der Staats⸗ u. Cameralwiſſenſchaften und Director des landwirthſchaftlichen Inſtituts zu Jena. Heft I. 1. Ueber höhere Bildung des deutſchen Landwirths und Gutsbeſitzers. 2. Beſchreibung des landwirthſchaftlichen Inſtituts in Jena. & e Jena, Friedrich Frommann. 1 8 413. — ᷣ N — 47G/ 2 S 4 ₰ 8 5 w 4T Das 9 9 ☛ 2 landwirthſchaftliche Inſtitut z U Je na 2 in ſeiner Verbindung mit der daſigen Geſammt⸗Akademie . und dem Großherzoglichen Kammergute zu Zwätzen, beſchrieben * von dem Stifter und Director deſſelben äzirn Friedrich G. Schulze. Nebſt einer Abhandlung über höhere Bildung des deutſchen heſiet. Landwirths und Gutsbeſitzers a. Friedrich Frommann. 1 843. „Es gibt keinen entſcheidendern Punkt in der Bildung des Men⸗ ſchen, als: ob ſie der höheren Beſtimmung ſich zuwenden, oder der ge⸗ meineren. Solche, die ſich für Verbeſſerer unſeres öffentlichen Unter⸗ richts halten, indem ſie die Vorbereitung für die Geſchäfte des Lebens als ausſchließenden Zweck der Bildung aufſtellen, werden durch die Abwendung der Seelen von der höheren Beſtimmung des Menſchen zu Gründern einer kommenden Barbarei, zu Erniedrigern des menſchlichen Geſchlechts.“ Tittmann, Blicke auf die Bildung unſerer Zeit. 1835(S. 35). Men⸗ r ge⸗ inter⸗ ebens die en zu lichen 35). Seinem hochverehrten Collegen und theuerſten Freunde Jacob Friedrich Fries widmet dieſe Schrift aus Dankbarkeit und Liebe der Verfaſſer. „Vor Allen haben wir von dem Worte der Wahrheit das Heil zu erwarten! Bildung der Einſicht ſoll unſere erſte Sorge ſein; mit ihr wird uns allmählich auch das Uebrige zufallen. Daher ſind Volkserziehung, Lehrſtand, Schule, Denkfreiheit zu unſerer Zeit wichtiger als je!“— „Sollte mich aber Jemand fragen, was wohl für rein menſch⸗ liche Ausbildung des Lebens das Wichtigſte ſei, ſo würde ich ant⸗ worten: wo Geſundheit und ſittliche Tapferkeit das Leben vor Empfin⸗ delei ſchützen, da iſt das erſte Herzlichkeit und feine Gefühlsbildung im Familienleben, das andere herzlicher mit wohlwollender Sorgfalt um ſich blickender Bürgerſinn, und das dritte ernſter rechtlicher Gemeingeiſt dem ganzen Volke. Denn in dieſen wird das Grund⸗ gefühl der Andacht in Ernſt und Herzlichkeit dem thätigen Leben verbunden.“— „Der Geiſt der Gerechtigkeit als Gemeingeiſt und ſeine Be⸗ geiſterung iſt die eine öffentliche Tugend, die zugleich Pflicht iſt. In ihm vereinigen ſich Größe und Schönheit der Seele zum vollen Ideale des Völkerlebens. Weg alſo mit jeder thatenſcheuen Moral, welche in öffentlichen Verhältniſſen der Staaten ſich nur auf Gottes Walten ver⸗ laſſen will und gegen die Feinde des Vaterlandes Kyrie Eleiſon ſingen lehrt! Nein, Gottes Schickung waltet über Allen, uns aber wies er an zur eignen That!“— „Jedes Volk hat zur Zeit ſeine beſtehende Lebensordnnng und darin ſeinen Rechtszuſtand, der dem einzelnen Bürger ſeine Rechte und Obliegenheiten bringt. Fortſchreitende Bildung entdeckt darin Mängel, lernt einſehen, wie Leben und Recht beſſer zu ordnen ſeien, und fordert dadurch auf, Aenderungen zu machen. Wie nun ſollen dieſe ausgeführt werden? Wir ſagen: reformiren ſollt ihr und müßt ihr, aber revolutionirt nicht. Neform entwickelt ſanft aus dem Beſtehenden das Zukünftige. Nevolutionär iſt jede Maßregel(ſie mag nun von der herkömmlichen Regierung, von einer erſt neu emporgekom⸗ menen Macht oder von dem untergeordneten Pöbel ausgehen), bei der man ſelbſt um einer beſſern Zukunft willen, die beſtehenden Rechte der Einzelnen nicht achtet, ſondern ohne Erſatz vernichtet.— Die gute Abſicht allein rechtfertigt keinen Gewaltſtreich.“— J. F. Fries. 1817. 32 Norwort. Dam die Richtung einer fuͤr Foͤrderung der Landwirth— ſchaft beſtimmten Zeitſchrift vorzugsweiſe eine praktiſche ſein muͤſſe, liegt ſo ſehr in der Natur der Sache ſelbſt, daß es gewiß Vielen uͤberfluͤſſig erſcheinen wird, wenn ich eine ſolche hier noch ausdruͤcklich als die der vor— liegenden Blaͤtter bezeichne. Hierzu finde ich mich in— deſſen beſonders deßhalb veranlaßt, weil ich in denſelben zwar ebenfalls das, was man gewoͤhnlich in dieſem Ge— biete praktiſch nennt, gehoͤrig beruͤckſichtigen werde, au— ßerdem jedoch noch viele andere Gegenſtaͤnde von prakti— ſcher Wichtigkeit, welche die Landwirthe ſelten im Lichte der Wiſſenſchaft betrachten, hier beſprechen will, als: die Erziehung des Landvolks, die haͤuslichen, ſtaats— buͤrgerlichen und nationalen Verhaͤltniſſe des Landmanns, den Zuſtand des Geſindes und der uͤbrigen Handarbei⸗ ter, die Sorge fuͤr die Armen, den Gang des land⸗ wirthſchaftlichen Handels und die Geſetze in den Preis— veraͤnderungen der Erzeugniſſe, der Arbeit, Laͤndereien und Kapitalien, wie auch die davon abhaͤngige Taxations— — vII— theorie, ferner das Vereinsleben und Feſtleben der Land— wirthe. Außer den Naturwiſſenſchaften gedenke ich da— bei noch die Nationaloͤkonomie zur Erklaͤrung der Erſchei— nungen und zur Begruͤndung meiner Darſtellungen anzu— wenden, und hoffe dadurch zur Verbreitung einer hoͤhern Bildung Einiges beizutragen. Wie wichtig aber eine ſolche Bildung ſei, wie ſie insbeſondere unſere Land— wirthſchaft gegen die großen Gefahren ſchuͤtzen koͤnne, womit Armennoth, Verbildung, Selbſtſucht und Auslaͤn— derei drohen, iſt Seite 8— 13 und Seite 102— 115 angedeutet. Mit dieſer Bemerkung das Vorwort zu den vorlie— genden Blaͤttern zu beginnen, ſchien mir um ſo noͤthiger, da das erſte Heft derſelben durch die Entwickelung der Grundgedanken fuͤr die folgenden Aufſeaͤtze uͤber den er— waͤhnten Theil der landwirthſchaftlichen Praxis ein etwas abſtractes Anſehen erhalten hat. Ueber dieſe Grundſaͤtze mich hier etwas ausfuͤhrlich auszuſprechen, hielt ich aber auch deßhalb fuͤr ſehr rathſam, weil auf ihnen die Beſtre— bungen des hieſigen landwirthſchaftlichen Inſtituts, mit deſſen Beſchreibung vorzugsweiſe das vorliegende Heft ſich beſchaͤftigt, großen Theils beruhen, indem in demſelben die angehenden Landwirthe und Staatswirthe nicht fuͤr die gewoͤhnliche einſeitige, ſondern fuͤr die oben erwaͤhnte all— ſeitige Praxis ſollen gebildet werden. Sollte einem oder dem andern der geneigten Leſer dieſes erſte Heft etwa zu wenig praktiſch erſcheinen, ſo bitte ich, daß er deſſen un— geachtet noch einige der folgenden Hefte durchſehen und erſt nachher ein Urtheil faͤllen moͤge. va zu en un⸗ nd erſt „Deutſche Blaͤtter“ habe ich dieſe Hefte ge— nannt, um anzudeuten, daß meine Beſtrebungen darin beſonders vom Geiſte deutſcher Volksthuͤmlichkeit geleitet werden, und zugleich auf Ausrottung derjenigen Vorur— theile und Unſitten gerichtet ſein ſollen, welche durch Aus— laͤnderei in unſer Wirthſchaftsleben gekommen ſind. Welche Gegenſtaͤnde zunaͤchſt zur Sprache kommen werden, iſt aus der beigefuͤgten Ankuͤndigung dieſer Zeit— ſchrift zu erſehen. Da ich wegen der großen Zahl und Mannigfaltigkeit meiner Vorleſungen, wovon die Be— ſchreibung des Inſtituts in§. 13. Zeugniß gibt, nur wenig Zeit ſchriftſtelleriſchen Arbeiten zuwenden— und die Aufnahme von ſolchen Aufſaͤtzen, welche ich nicht als wichtig fuͤr Theorie und Praxis anerkenne, vermei— den moͤchte, ſo laſſe ich dieſe Zeitſchrift in zwangloſen Heften erſcheinen. Willkommen werden, dieß hoffe ich mit Zuverſicht, dieſe Blaͤtter jeden Falls meinen Zuhoͤrern ſein, namentlich denjenigen unter ihnen, welche durch Theilnahme an dem hieſigen landwirthſchaftlichen Inſtitute und an der ſtaats— und landwirthſchaftlichen Akademie Eldena mit mir in freundſchaftliche Verbindung gekommen ſind. Diejenigen meiner Schuͤler, welche ihre akademiſchen Studien ſchon beendigt haben, werden durch ſie von Zeit zu Zeit Nach— richt von dem hieſigen Inſtitute erhalten, und hoffent— lich angeregt werden, hier angefangene Studien in glei— chem Geiſte fortzuſetzen. Wenn nun ſo die deutſchen Blaͤtter die fortdauernde Verbindung derſelben mit dem landwirthſchaftlichen Inſtitute vermitteln, ſo wird ein — X— Wunſch erfuͤllt, welchen Viele von ihnen geaͤußert haben, und ein Beduͤrfniß befriedigt, das ich ſchon ſeit langer Zeit im Innerſten meiner Seele fuͤhlte. Zugleich ſollen ſie den jungen Maͤnnern, welche noch auf dieſer Anſtalt ſich aufhalten, uͤber einzelne wichtige Theile ihres akade— miſchen Studiums ausfuͤhrlichere Belehrung ertheilen, als es in den Vorleſungen geſchehen kann. Uebrigens weiß ich ſehr wohl, daß dieſe Blaͤtter ſo wie das hieſige landwirthſchaftliche Inſtitut allen Denen, welche das hoͤchſte und letzte Ziel der Landwirthſchaft und Nationaloͤkonomie einzig und allein in der Gewinnung des hoͤchſtmoͤglichen Reinertrags ſehen, ein Aergerniß und eine Thorheit ſein werden. Sollte dieſe Schrift in die Haͤnde Solcher fallen, ſo wuͤnſche ich, daß ſie wenigſtens die Seite 28 und Seite 109 angefuͤhrten Worte meines ver— ehrten Freundes, des Herrn Amtsraths Koppe leſen moͤchten. Jena, am 2. Mai 1843. F. S. „ Inhaltsanzeige. I. Einleitung. §. 1. Ueber die Begriffe: Wirthſchaft, Erwerb, Gewerbsweſen, Landwirthſchaft u. dergl.. Der landwirthſchaftliche Mittelſtand . Die Bildung des Landwirths als Zweig der Volköerzie⸗ hung, beſonders über Förderung der Humanität, Na⸗ tionalität und Perſönlichkeit dabei A. A 9 II. Das landwirthſchaftliche Inſtitut zu Jena verbunden mit der daſigen Geſammt-Aka— demie und der Kammerguts⸗Wirthſchaft zu Zwaͤtzen. Vorwort: Zur Geſchichte des landwirthſchaftlichen Inſtituts zu Jena Erſter Abſchnitt. Zweck des landwirthſchaftlichen Inſtituts zu Jena. §. 1. Im Allgemeinen.. §. 2. Theorie, Praxis und Handwerk.. §. 3. Haupt-, Grund- und Hülfspiſſeenſchaften §. 4. Verbindung der ſtaats- und landwirthſchaftlichen Stu— dien §. 5. Privatleben und öffentliches Leben des Landwirths . 2 Gewerbliche und höhere Bildung Seite 16 — XII— Seite Zweiter Abſchnitt. Das landwirthſchaftliche In⸗ ſtitut als Zweig der Geſammt⸗Univerſi⸗ tät Jena. §. 7. Die Lehrmittel der Univerſität 3. 3 31 §. 8. Der Geiſt der Univerſität. 3... 34 Dritter Abſchnitt. Lehrmittel des landwirthſchaft⸗ lichen Inſtituts. §. 9. Lehrmittel zu Jena und in der Umgegend.— · 46 §. 10. Fortſetzung, das Kammergut Zwätzen betreffend. 50 Vierter Abſchnitt. Lehrgegenſtände. §. 11. A. Ueberſicht der Wiſſenſchaften, mit welchen der ange⸗ hende Landwirth ſich zu beſchäftigen hat.. 53 §. 12. B. Ueberſicht der Wiſſenſchaften, welche der Staatswirth oder Cameraliſt zu ſtudiren hat.. 56 §. 13. C. Verzeichniß der Vorträge, welche im lanwlhtheß lichen Inſtitute die verſchiedenen Lehrer halten. 56 Fünfter Abſchnitt. Lehrart.....- 61 §. 14. A. Von der Lehrart im Allgemeinen.... 62 §. 15. B. Beſonders von der Methode des theoretiſchen Unter⸗ richts...—.—— 65 §. 16. Die Methode des theoretiſchen Unterrichts durch Bei— ſpiele erläutert...... 4- 68 Sechſter Abſchnitt. Ordnung des Unterrichts. J§. 11.... A.1 C Iu.In. 75 Siebenter Abſchnitt. Die häuslichen und geldli⸗ chen Verhältniſſe des Inſtituts. S.I18. ehi s AG1eGrAnal 4. 3..14 S G. 112G.. 77 Achter Abſchnitt. Bedingungen der Aufnahme. §. 19.... Ga. l1..5 80 III. Seite 31 34 46 50 53 56 71 80 — XIII— III. Andeutungen uͤber hoöͤhere Bildung des deutſchen Landwirths und Gutsbeſitzers, befonders in Beziehung auf Weſen und Wichtigkeit derſelben. §. 1. Rückblick auf die ſeitherigen Vorſtellungen der deut⸗ ſchen Landwirthe von dem höchſten Ziele der Land⸗ wirthſchaft.. 3... 1—. Die niedern und höhern Lebensanſichten Die höhere Lebensanſicht, worauf eine höhere Bildung des deutſchen Landwirths zu gründen iſt Wichtigkeit der höhern Bildung des Landwirths Wichtigkeit der Gewerbsbildung des Landwirths in der gegenwärtigen Zeit. Naturwiſſenſchaftliche und nationalökonomiſche Bildung des Landwirths in Bezug auf höheres Leben IV. Vermiſchtes. 1) Summariſche Ueberſicht der Mitglieder des landwirthſchaft⸗ lichen Inſtituts zu Jena in den 12 Jahren von Oſtern 1826 bis dahin 1834 und von Oſtern 1839 bis dahin 1843, wie auch der königl. preuſſiſchen ſtaats- und land⸗ wirthſchaftlichen Akademie Eldena in den 4 Jahren von Oſtern 1835 bis dahin 1839 2) Landwirthſchaftliche Preisaufgabe Seite 110 11² 116 119 Berichtigungen. Seite 3 Zeile 7 von oben ſtatt: desjenigen, welches lies: derjenige, welcher — 44— 7—— ſtſatt: können lies: kann — 51— 11 von unten ſtatt: 2tes Jahr Wicken lies: 2tes Jahr Weitzen — 74— 21 von oben ſtatt: philophiſchen lies: philoſophiſchen — 79— 1—— itt hinzu zu ſetzen: Wer eine Stube allein be⸗ wohnt, hat für Heizung und Licht 10 bis 12 Thlr. zu rechnen. — 79— 3 von unten ſtatt: 272 lies: 262. Zuſatz zu Seite 16. Von den 51 Mitgliedern des Inſtituts im Winter 1842— 1843 ſind 48 bei der Univerſität immatrikulirt und 3 haben ſich nicht als Studenten immatrikuliren laſſen, weil ſie früher ſchon längere Zeit in bürgerlichen Ver— hältniſſen lebten. Zuſatz zu Seite 80, den Eintritt in das landwirthſchaftliche Inſtitut betreffend. Diejenigen, welche in das landwirthſchaftliche Inſtitut treten wollen, erſuche ich aus ſehr triftigen Gruͤnden, daß ſie einige Wochen vor Anfang der Vorleſungen ihre Abſicht mir ſchriftlich oder mündlich anzeigen. Auch bitte ich die Aeltern oder Vor— münder derſelben, daß ſie ihre Wuͤnſche bei Zeiten mir mit⸗ theilen. ind ſen, Jer⸗ ut eeten nige ftlich Vor⸗ nit⸗ Einleitung. Ueber Wirthſchaft, Gewerbe, Landwirthſchaft, landwirthſchaft⸗ lichen Mittelſtand im Allgemeinen, und über die Bil⸗ 3 dung des Landwirths als Zweig der Volkserziehung insbeſondere. —— „Soll es Verdienſt ſein, den Acker von Steinen zu reinigen, damit nicht herrliche Keime erſtickt werden; hingegen Tadel verdienen, wenn man den Keimen menſchlicher Kräfte Raum ſchafft und Freiheit, ſich zu entwickeln? Wie viele ſich entwickeln, wer mag es wiſſen?“ „Millionen ſorgen dafür, daß die Gattung beſtehe; Aber durch Wenige nur pflanzet die Menſchheit ſich fort. Tauſend Keime zerſtreuet der Herbſt, doch bringet kaum Einer Früchte, zum Element kehren die meiſten zurück. Aber entfaltet ſich auch nur Einer: Einer allein ſtreut Eine lebendige Welt ewiger Bildungen aus.“ (Schiller. Er ſelbſt— wie viel hat er ausgeſtreut!) „Es bleibt vollkommen wahr, wie paradox es auch klinge:„„bei der Unmöglichkeit, die Anlagen und Fähigkeiten im Voraus berechnen zu können, darf der Erziehung des Bauernſohnes kein anderes Princip zum Grunde liegen, als der Erziehung des Fürſtenkindes.““ Dieß Grund⸗ princip fordert aber keineswegs Verfeinerung, Unterricht in allen mög— lichen Sprachen, Künſten, Wiſſenſchaften und Fertigkeiten; es fordert zunächſt, daß die edle Natur der Individuen, die Beiden nur gemein iſt, geachtet, zu jedem Beruf und Geſchäft geſchickt gemacht, und in jedem Verhältniſſe auf Humanität hingearbeitet werde.“ Niemeyer, Grundſätze der Erziehung und des Unterrichts, I. Theil. Halle, 9. Ausg. 1834, Seite 384. folgen 7 Ueber N welche den T Damit die Be 4 V das G tige! verſchie reut!) ei der en zu zum rund⸗ mög⸗ ordert in iſt, jedem Theil. Einleitung zu den folgenden Abhandlungen über akademiſche, höhere und volksthümliche Bildung des deutſchen Landwirths und Gutsbeſitzers. §. 1. Ueber die Begriffe: Wirthſchaft, Erwerb, Gewerbsweſen, Landwirthſchaft u. dergl. Wichſchaft, Oekonomie, Gewerbe und andere Ausdruͤcke, welche in dieſer Schrift oft vorkommen, werden nicht immer in den Bedeutungen genommen, in welchen ich ſie gebrauche. Damit nicht Mißverſtaͤndniſſe entſtehen, erklaͤre ich zuvoͤrderſt die Begriffe, welche ich damit verbinde. Das Menſchenleben(Volksleben), wovon die Wirthſchaft, das Gewerbsweſen und beſonders die Landwirthſchaft ſehr wich— tige und umfaſſende Zweige ſind, kann man nach den drei verſchiedenen Hauptzwecken, welche verſtaͤndige Menſchen vor Augen haben, in drei Haupttheile ſcheiden: I. Bildungsleben, worin der Menſch ſeine Thaͤtigkeit auf ſich ſelbſt, auf ſeine perſoͤnliche Vervollkommnung richtet. Dahin gehoͤren das wiſſenſchaftliche, Kunſt-, Religions-, Erziehungs-, Turn-Leben u. ſ. f. Zweck iſt Bildung (Cultur), geiſtige und koͤrperliche. JI. Geſelliges Leben, worin die Menſchen ihre Verhaͤltniſſe zu einander verſtaͤndig ordnen wollen. Vorzuͤglich gehoͤrt hierher das Staats- und Rechtsleben. Zweck iſt Ord⸗ nung der Geſellſchaft, beſonders Recht. Schulze Deutſche Bl. f. Landw. I. 1 — 2— V III. Wirthſchaftliches Leben, Wirthſchaft, Oekonomie, worin Win V der Menſch ſeine Thaͤtigkeit auf die Erde(aͤußere Na— ſgai tur) richtet, um ihr die fuͤr ſein Leben erforderlichen V Dinge(Guͤter) abzugewinnen, und ſich gegen die nach⸗ theiligen Einfluͤſe der Natur zu ſchuͤtzen. Zweck iſt Wohlſtand, gewoͤhnlich, aber unpaſſend, Reichthum ge⸗ nannt. wir Die Wirthſchaft zerfaͤllt in folgende Theile*): hes 1) Privatwirthſchaft(Privaterwerb, Privatoͤkonomie), welche gun, wieder in folgende Zweige zu theilen iſt: ding A. unmittelbare Privatwirthſchaft oder Gewerbsleben(Ge⸗ der werbsweſen), worin die Menſchen unmittelbar mit den eebe irdiſchen Guͤtern es zu thun haben. Die Gewerbe ſind zu dreierlei: Wo a) Gewerbe der Naturerzeugung oder des Landbaues ver (Urproduction), als Ackerbau, Viehzucht, Landwirth⸗ thei ſchaft, d. h. Ackerbau und Viehzucht vereinigt, Wald⸗ bau, Bergbau, Jagd, Fiſcherei, Weinbau, Garten⸗ den bau u. ſ. w.; ſchä b) Gewerbe der Kunſterzeugung(Technik, Gewerke); lebe gewoͤhnlich Handwerke, Fabriken und Manufacturen„la genannt, bisweilen auch Induſtrie, Gewerbe im en— nern gern Sinne; falte V c) Gewerbe des Handels oder des kaufmaͤnniſchen Ge⸗ ſchaͤfts. Land B. mittelbare Privatwirthſchaft oder mittelbarer Erwerb, ſchie z. B. Erwerb durch aͤrztliche, advocatoriſche und andere maß perſönliche Dienſtleiſtungen, durch Verleihen von Sa⸗ chen u. dergl. groß 2) Staatswirthſchaft, politiſche Oekonomie, Cameralweſen Ver ——:— ten) *) S. meine Schrift: Ueber Weſen und Studium der okonomiſchen Wiſſenſchaften. Jena, Frommann. 1826, S. 90. klei e, worin ßzere Na⸗ derlichen die nach⸗ Zweck iſt zſthum ge⸗ ), welche ben(Ge⸗ mit den erbe ſind andbaues andwirth⸗ ü, Wald⸗ „Garten⸗ Gewerke); nufacturen be im en⸗ ſſchen Ge⸗ r Erwerb, und andere von Sa⸗ neralweſen okonomiſchen — 3— im weitern Sinne, d. h. Sorge der Regierung fuͤr das wirth— ſchaftliche Leben des Volks. Dahin gehoͤren: A. das Finanzweſen, Cameralweſen im engern Sinne; B. die Gewerbspolitik(Gewerbspolizei, Volkswirthſchafts⸗ pflege). Die Landwirthſchaft iſt demnach ein Theil der Privat— wirthſchaft oder des Gewerbsweſens, naͤmlich desjenigen, wel— ches Ackerbau und Viehzucht(pflanzliche und thieriſche Erzeu— gung) ſo mit einander verbindet, daß ſie ſich gegenſeitig be— dingen. Der Grund dieſer gegenſeitigen Abhaͤngigkeit liegt in der Nothwendigkeit, die Felder mit Abgaͤngen des thieriſchen Lebens zu duͤngen, und die Thiere mit Erzeugniſſen der Felder zu erhalten. Landwirthſchaft in dieſem Sinne iſt zwar oft mit Waldbau, Weinbau, techniſchen Gewerben, auch mit Handel verbunden, aber dieſe Gewerbe ſind nicht weſentliche Beſtand— theile der Landwirthſchaft. Wenn ich vom landwirthſchaftlichen Leben ſpreche, ſo denke ich an das Leben aller mit der Landwirthſchaft be— ſchaͤftigten Perſonen. Landwirthſchaft und landwirthſchaftliches Leben bedeuten gleichviel. Ich gebrauche oft das Wort: „landwirthſchaftliches Leben“, um den Leſer daran zu erin— nern, daß in der Landwirthſchaft menſchliches Leben ſich ent— falten ſolle. Die zahlreiche Claſſe des deutſchen Volks, welche ſich mit Landwirthſchaft beſchaͤftigt, theilt man in Bezug auf die ver— ſchiedenen Beduͤrfniſſe ihrer wiſſenſchaftlichen Bildung zweck— maͤßig ſo ein: 1) die groͤßern Landwirthe, d. h. diejenigen, welche die großen und mittlern Landguͤter als Eigenthuͤmer, Paͤchter oder Verwalter(Adminiſtratoren, Inſpectoren, Wirthſchaftsdirigen— ten) bewirthſchaften; 2) die kleinern Landwirthe, d. h. diejenigen, welche die kleinern Landguͤter bewirthſchaften. Um fuͤr ſich und ihre Fa⸗ =— 4— milien hinreichenden Verdienſt zu erlangen, duͤrfen ſie wegen des geringen Umfanges ihrer Wirthſchaften nicht auf Leitung und Aufſicht ihre Thaͤtigkeit beſchraͤnken, ſondern muͤſſen uͤ ber⸗ all ſelbſt mit Hand an das Werk legen. Hierher gehoͤrt der groͤßere Theil derjenigen Landwirthe, welche Bauern genannt werden, indem in vielen Gegenden die meiſten Bauernguͤter die hier angedeutete Groͤße nicht uͤberſchreiten. 3) Die Vorarbeiter, Voigte, Meier und Statthalter auf den großen Guͤtern, welche unter Anordnung des Dirigenten die Handarbeiter zunaͤſt beaufſichtigen und leiten. 4) Die Handarbeiter, welche auf den großen, mittlern und kleinern Landguͤtern als Knechte, Tageloͤhner, Dreſcher, Kathenleute u. ſ. w. dienen. In den vorliegenden Blaͤttern ſollen uͤber Bildung und Wohlſtand einer jeden dieſer vier Claſſen Anſichten, Erfahrun— gen und Vorſchlaͤge mitgetheilt werden, die zunaͤchſt folgenden Mittheilungen uͤber Bildung der Landwirthe aber werden ſich vorzugsweiſe auf die erſte Claſſe beziehen. Da viele mittlere und große Landguͤter Eigenthum von Perſonen ſind, welche ſie nicht ſelbſt bewirthſchaften, ſondern durch Andere, Verwalter oder Paͤchter, bewirthſchaften laſſen, jene aber doch auf das landwirthſchaftliche Volksleben ſehr vor⸗ theilhaft hinwirken koͤnnen, wenn ſie hoͤhere landwirthſchaftliche Bildung ſich aneignen, ſo werde ich hier ſolche Grundbeſitzer mit vor Augen haben. §. 2. Der landwirthſchaftliche Mittelſtand. In Bezug auf die wirthſchaftlichen Beduͤrfniſſe und die Moͤglichkeit ihrer Befriedigung theile ich die Familien in drei Hauptcelaſſen: 1) Mittelſtand. Dahin richne ich diejenigen Familien, welche ſo viel ſichere Einnahme beziehen, daß ſie nicht bloß die wegen Leitung en über⸗ hoͤrt der genannt güter die alter auf irigenten mittlern Dreſcher, ing und rfahrun⸗ olgenden erden ſich thum von , ſondern ten laſſen, ſehr vol⸗ ſchaftliche indbeſitzer e und die en in drei Familien, tt bloß die Beduͤrfniſſe der Nothwendigkeit, ſondern auch die durch eine ſtandesmaͤßige Bildung hervorgebrachten Beduͤrfniſſe des Wohl⸗ lebens dauernd befriedigen koͤnnen. 2) Stand der Reichen. Dahin ſind diejenigen Familien zu rechnen, welche weit mehr einnehmen, als zur Befriedigung dieſer Beduͤrfniſſe erforderlich iſt, beſonders dann, wenn ſie dieſe uͤbermaͤßigen Einkuͤnfte durch ausgedehnten Beſitz von Laͤn⸗ dereien oder Capitalien beziehen. 3) Die untern Claſſen, wohin ich alle diejenigen zaͤhle, welche zu jenen zwei Staͤnden nicht gerechnet werden koͤnnen. Man kann dieſe ſo abtheilen: a) ſolche, welche nur die dringendſten Beduͤrfniſſe befriedi— gen und auf Bildung und Kindererziehung, fuͤr Ge— ſelligkeit und Gemeinweſen wenig oder nichts verwenden koͤnnen; b) Arme, welche nicht einmal die nothwendigſten Ausga— ben beſtreiten koͤnnen, und deßhalb von andern Fami— lien oder vom Staate Almoſen erhalten muͤſſen. Sie ſind entweder immer arm geweſen oder gehoͤren zu den Verarmten. Je zahlreicher der Mittelſtand, je weniger der Reichthum in einzelnen Familien angehaͤuft und je geringer die Zahl der Armen iſt, um ſo mehr duͤrfen wir einem Volke Volkswohl— ſtand zuſchreiben. Eine vollkommene Gleichheit des Vermoͤgens oder der Einkuͤnfte hat es unter gebildeten Voͤlkern niemals gegeben und wird auch nie zu erreichen ſein. Wir haben dem— nach bei Verbeſſerung des wirthſchaftlichen Verhaͤltniſſes eines Volkes hauptſaͤchlich auf Vergroͤßerung des Mittelſtandes hinzu— arbeiten. Ein zahlreicher Mittelſtand iſt wie in wirthſchaftlicher Hinſicht, ſo auch in Bezug auf Bildung, buͤrgerliche Freiheit und Selbſtſtaͤndigkeit der Geſammtheit, die ſicherſte Stuͤtze des Volks- und Staatslebens. Denn wenn der Menſch beſtaͤndig fuͤr die nothwendigen Beduͤrfniſſe aͤngſtlich zu ſorgen hat, er⸗ — 6 e ſcheint ihm die Friſtung des irdiſchen Lebens als das hoͤch— ſte Lebensziel, und wo kein Mittelſtand iſt, da koͤnnen we— der Wiſſenſchaften noch Kuͤnſte bluͤhen, da werden leicht von den Reichen die Nichtreichen geknechtet, da fehlt es dem Staate an Credit und an der Noͤglicheit die noͤthigen Steuern zu erheben. Aus dem Mittelſtande kommen aber auch die fuͤr Volkswohl begeiſterteſten und muthigſten Vertheidiger des Staats. Ein zahlreicher Mittelſtand der Landwirthe iſt nicht bloß in ſofern einer der wichtigſten Beſtandtheile der Nation, als die Landwirthſchaft die mehreſten Menſchen beſchaͤftigt, ſondern auch in ſofern, als das Beſtehen der wohlhabenden landwirth— ſchaftlichen Familien leichter gegen die Despotie der Reichen zu ſchuͤtzen iſt, als das der Fabrikfamilien. Hierzu kommt, daß die Landwirthſchaft viel Muße gewaͤhrt, welche der Gewerbs— mann ſeiner und der Seinigen Fortbildung, der Geſelligkeit und dem Gemeinweſen widmen kann. Dieſer Umſtand ſchuͤtzt die Landwirthe gegen das Verderben der Arbeitsſucht und des Arbeitsdruckes, welches ſich in den Fabrik- und andern Ge— ſchaͤften ſchon ſehr verbreitet hat*). Ferner ſind wohlhabende Landleute die ſicherſten Abnehmer fuͤr die ſtaͤdtiſchen Gewerbs⸗ leute, ſo daß mit Vermehrung des landwirthſchaftlichen Mit⸗ telſtandes auch der uͤbrige Mittelſtand ſich leicht ausdehnen kann. Die Bildung aller Perſonen, namentlich aller Landwirthe, *)„Die Sklaven der Alten haben ohne Zweifel nicht ein gleiches Kaaß verderblichen, zu knechtiſchem Leben herabwürdigenden Arbeitsdruckes erfahren, und dieſe Knechtſchaft der Arbeit, in welche das Menſchenge⸗ ſchlecht jetzt durch ſeine Thorheit, oder ſei es durch unvermeidliche Stei— gerung des Bedürfniſſes verfallen iſt, laſtet vielleicht härter, erniedrigen— der, entgeiſtigender, verderbender auf dem Menſchengeſchlechte, als die Sklaverei der Alten.“ Tittmann, Beſtimmung des Gelehrten, Ber— lin 1833, S. 30. welch Bezi kraft tet kant ale nich Me deß we ſen as hoͤch⸗ nnen we⸗ eicht von n Staate eeuuern zu ˖die für iger des iicht bloß jon, als „ſondern andwirth⸗ deichen zu umt, daß Geverte eſelligkeit id ſchützt t und des ndern Ge⸗ hlhabende Gewerbs⸗ hen Mi⸗ usdehnen udwirthe, ein gleiches tbeitsdrucke Menſchenge⸗ dliche Stei⸗ erniedrigen⸗ hte, als die frten, Ber⸗ — 7— welche dem Mittelſtande in dieſem Sinne angehoͤren, ſoll in Beziehung auf geſunden Menſchenverſtand, Gefuͤhl und That— kraft, Geſchmack und Charakter auf das Vollkommenſte gerich— tet ſein; aber in Hinſicht auf wiſſenſchaftliche Vorbereitung kann eine ſolche Gleichheit nicht Statt finden, indem nicht alle die vollkommenſte Bildung des Wiſſens beduͤrfen, oder nicht die dazu erforderlichen Geldmittel und Faͤhigkeiten beſitzen. Mehrere Abſtufungen der wiſſenſchaftlichen Vorbereitung muͤſſen deßhalb vorkommen, wovon ich hier in Bezug auf Landwirthe zwei anfuͤhren will: 1) ſogenannte ſtudirte Landwirthe, d. h. ſolche, welche wiſ— ſenſchaftliche Bildung auf einer Akademie ſich erworben haben, 2) nichtſtudirte, d. h. ſolche, welche ſich nicht wiſſenſchaft— lich auf einer Akademie vorbereitet haben*). Ich werde in den zunaͤchſt folgenden Abhandlungen uͤber Bildung des Landwirths vorzugsweiſe die ſtudirten oder viel— mehr die ſtudirenden Landwirthe vor Augen haben, bemerke jedoch, daß viele ſtudirte Landwirthe ohne hoͤhere Bildung ſind, indem ich mit dieſem Ausdrucke eine Bildung bezeichne, welche nicht bloß auf das Wiſſen, ſondern auch und vorzugsweiſe auf das Gemuͤths- und Thatleben ſich bezieht. *)„Daß in Deutſchland Niemand, der nicht„ſtudirt“ hat, für voll— kommen ausgebildet gilt, iſt bekannt.“ Vergl. Scheidler, Idee der Univerſitäten, S. 295, auch Hodegetik, S. 184, und Villers sur PUnivers. p. 39:„Un allemand qui n'a pas mis cette dernière main à son éducation littéraire, qui n'a pas suivi, durant quel- ques sémestres, les cours d'une ou plusieurs Universités, ne passe jamais dans la société pour un homme instruit. Le terme d'études, est mème uniquement réservé dans le langage, à ce dernier degré d'instruction. II a etudié oun il a fait ses études, signifie: il a accompli ses années d'Université. Autrement, ou dit d'un homme: il n'a fait que son temps d'école; il n'a point fait d'études.“ Die Bildung des Landwirths als Zweig der Volks⸗ erziehung, beſonders über Förderung der Humanitäat, Nationalitat und Perſönlichkeit dabei. Um uͤber Zweck und Mittel der Bildung der Landwirthe und Gutsbeſitzer ohne Einſeitigkeit urtheilen zu koͤnnen, hat man dieſelbe als einen Zweig der Volkserziehung an zu ſehen. Von der Erziehung des deutſchen Volksgeiſtes iſt dieſe Bildung ein hoͤchſt wichtiger Theil, beſonders inſofern als in unſerm Vaterlande zu dem Mittelſtande, zu dem Traͤger unſerer Volks⸗ bildung, die Claſſe der Landwirthe und Gutsbeſitzer am zahl— reichſten Mitglieder liefern kann und von der Bildung dieſer wiederum die geiſtige Entwickelung des Landvolks, alſo der Hauptmaſſe unſerer Nation, abhaͤngt. Denn ſie ſind es, wel— che in allen deutſchen Staaten die Mehrzahl der Volksvertre— ter ausmachen, in vielen Gegenden die Lehrer und Seelſorger auf dem Lande zu waͤhlen und die Bildungsanſtalten einzu⸗ richten haben. Von ihnen haͤngt es ab, wie viel Zeit und Geld die Arbeiter bei der Landwirthſchaft auf ihre und ihrer Kinder Bildung verwenden koͤnnen. Ihr Beiſpiel wirkt aber auch maͤchtig auf die Landleute ein. Wollen wir den wahren Zweck der Volkserziehung errei— chen, d. h.„jedes Volksglied, ſo weit es ſubjectiv moͤglich iſt, dem Ideale des vollkommenen Menſchen fuͤr die ganze Beſtim⸗ mung ſeines Daſeins immer mehr naͤhern“*), ſo haben wir ſorgfaͤltigſt zu achten: 1) auf die Eigenthuͤmlichkeit des Einzelnen, d. h. auf Per⸗ ſoͤnlichkeit oder Individualitaͤt; 2) auf das Allgemeine und zwar *) S. Niemeyer, Grundſatze der Erziehung und des Unterrichts. 9. Ausgabe. Halle 1835. II.§. 1. Volks⸗ anität, ndwirthe en, hat eu ſehen. Bildung unſerm r Volks⸗ um zahl⸗ i dieſer alſo der es, wel⸗ ksvertre⸗ Seelſorger en einzu⸗ Zeit und und ihrer wirkt aber ung errei⸗ e Beſtim⸗ haben wir auf Per⸗ Unterricht — 9— a) auf das Volksthuͤmliche, auf die Nationalität, b) auf das Menſchliche, auf die Humanitaͤt. Die Vorzuͤglichkeit der Erziehung iſt hauptſaͤchlich in einer ebenmaͤßigen Beruͤckſichtigung des Beſondern und des Allgemei— nen, d. h. des Perſoͤnlichen, des Volksthuͤmlichen und Menſch— lichen zu ſuchen, und die Hauptfehler der Erziehung liegen in einer einſeitigen Richtung*). In der alten Zeit, wo die Beduͤrfniſſe noch einfach und die Anſpruͤche des Conventionellen und der Mode gering wa— ren, wo fuͤr das Fortkommen des jungen Mannes noch wenig Kenntniſſe und Fertigkeiten verlangt wurden, da wuchs der Knabe entweder ohne alle Erziehung auf, oder wo Erziehung d. h. abſichtliche Leitung Statt fand, beſchraͤnkte ſie ſich vor— zuͤglich auf das Koͤrperliche und die damit eng zuſammenhaͤn— gende Charakterbildung. Die Erziehung war entweder nur eine haͤusliche, oder wo der Knabe in eine Schule trat, da war dieſe nur Fortſetzung des Kinderſpiels. Der Erzieher be— kuͤmmerte ſich vorzuͤglich um die Eigenthuͤmlichkeit ſeines Zoͤg— lings und konnte es auch, da er gewoͤhnlich nur wenig Zoͤg— linge hatte. Die Bildung des Menſchen fuͤr das Allge— meine erfolgte erſt in den ſpaͤtern Lebensjahren durch das oͤf— fentliche Leben. In der vorchriſtlichen Zeit des deutſchen Volkslebens war in den wohlhabenden Familien, in welchen allein eine planmaͤßige Erziehung Statt fand, dieſe wie bei den al— ten Griechen gleichmaͤßig auf Gymnaſtik und Muſik(Koͤrper— und Geiſtes-Bildung) gerichtet. Die Knaben lernten Rei— ten, Schwimmen, Bogenſchießen, Fechten, Jagen und da— neben die runiſchen Wiſſenſchaften, zu denen die Kunſt des *) Vergl. die lehr⸗ und geiſtreiche Abhandlung von Karl Hof⸗ meiſter: über die Berückſichtigung der Individualität bei Unterricht und Erziehung, in der deutſchen Vierteljahrsſchrift, I. 1841. — 10— Geſanges gehoͤrte*). Sie wurden im Hauſe, nicht in der Schule erzogen. Auch im Mittelalter war die Erziehung mehr haͤuslich als ſchulmaͤßig. Sie zerfiel in drei ſiebenjaͤhrige Ab— ſchnitte: bis zum ſiebenten Jahre ſtand der Edelknabe unter Aufſicht der Mutter, der Amme und der Pflegerinnen; in dem zweiten Abſchnitte lebte er als Junker(Page, Garçon) im Hauſe fort, aber unter maͤnnlicher Aufſicht; nach dem vier— zehnten Jahre trat er als Knappe, auch Schildtraͤger und Wappner genannt, in das Geleite eines Ritters, dem er diente und unter deſſen Aufſicht er ſich in Handhabung der Waffen und andern ritterlichen Tugenden uͤbte. Muſik, Geſang und fremde Sprachen wurden nur nebenbei ohne foͤrmlichen Schul⸗ unterricht erlernt. Dieſer Erziehungsweiſe iſt die ſchulmaͤßige entgegengeſetzt, welche ſich ſchon im Mittelalter neben jener entwickelte, aber erſt vorherrſchend in der folgenden Zeit wurde, nachdem die Maſſe von Kenntniſſen und die Beduͤrfniſſe ſich außerordentlich vermehrt hatten. Viele Zoͤglinge werden bei dieſer Methode *)„Wir finden bei ihnen(den alten Germanen) eine Erziehung, die ſehr viel mit der Bildung gemein hat, welche wir bei den Hellenen im heroiſchen Zeitalter angetroffen haben. Denn wie dort die Bildungs⸗ mittel in Gymnaſtik und Muſik beſtanden, ſo auch hier, und wie dort dieſe Mittel nur bei Erziehung der Edleren vollſtändig in Anwendung kamen, während die Maſſe des Volks keinen beſtimmten Theil daran hatte, ſo auch unter den Germanen.— Ihre Bildung war, wie bei den Hellenen, auf zwei Kreiſe hingewendet, auf Gymnaſtik und Muſik. Sie lernten Reiten, Schwimmen, Bogenſchießen, Fechten und Jagen, und daneben trieben ſie die runiſchen Wiſſenſchaften, zu denen die Kunſt des Geſanges weſentlich gehörte.— Doch war, wie in dem heroiſchen Zeitalter der Hellenen, das gymnaſtiſche Treiben überwiegend. Das Muſiſche trat zurück. Von Jarls zwölf Söhnen kennt nur der jüng⸗ ſte Konr auch die geheimen Wiſeeſchaften.“ Auguſt Herrmann Niemeyer, Grundſätze der Erziehung und des Unterrichts. Halle 1835. III. S. 462. in der gmehr ge Ab⸗ e unter in dem on) im em vier⸗ er und diente Waffen ng und Schul⸗ geſetzt, e, aber dem die dentlich Methode Erziehung, n Hellenen Bilduugs⸗ wie dort Inwendung heil daran e, wie bei und Muſſk und Iggen, die Kunſt n heroiſchen gend. Dah r der jüng⸗ dertman Halle 1835. — 11— in der Schule zuſammengebracht, von mehrern Lehrern gebil⸗ det und zwar ſo, daß jeder nur in einem gewiſſen Zweige des Wiſſens unterrichtet. Die Bildung beſchraͤnkt ſich faſt einzig auf Wiſſen; Gemuͤth und Thatkraft dagegen werden häufig ebenſo wenig beachtet, als der Koͤrper des Zoͤglings. Die Er— ziehung wird Unterricht, der Erzieher wird Lehrer, der Zoͤg— ling Lehrling. Wenn die alte Erziehungsweiſe vorzugsweiſe auf die Perſon des Zoͤglings, auf das Subject, das Beſon— dere ſich bezog, ſo beſchraͤnkt ſich die neuere auf die Wiſſen— ſchaft, auf das Object, auf das Allgemeine. Jene Bildung war mehr Privatangelegenheit, die neue iſt Staatsangelegen— heit; in jener herrſchte Freiheit und Selbſtbildung, in dieſer Zwang und Dreſſur. Die Erzeugniſſe der alten Bildung waren geſunde, that— kraͤftige, lebensfrohe, charakterfeſte Perſonen, welchen jedoch wiſſenſchaftliche und aͤſthetiſche Cultur und umfaſſende Welt⸗ anſchauung abging, die deßhalb oft in Sonderlinge ausarte— ten; durch die neue Bildung dagegen entſtanden vielwiſſen— de, in fremden Sprachen redende und die ganze Welt uͤber— ſchauende Menſchen, denen es aber wie an Geſundheit und Kraft des Koͤrpers, ſo an Willensfeſtigkeit, Geſinnung, Selbſtgefuͤhl und Selbſtdenken fehlte, wovon jeder Einzelne eine traurige Wiederholung des Ganzen war. Mit einem Worte, das Product der alten Erziehung war Perſoͤnlichkeit ohne Wiſſenſchaft, das der neuen Wiſeenſchaft ohne Perſoͤn— lichkeit. Betrachten wir die Fehler der neuen Bildung naͤher: Da in jener Zeit, wo das deutſche Schulweſen ſich entwickelte, unſerem Volksleben Nationalitaͤt faſt ganz fehlte, artete die Benutzung des roͤmiſchen und griechiſchen Schriftenthums, wel— che zur hoͤhern Jugendbildung unentbehrlich war, mit der Zeit in eine Dreſſur aus, die Bildung wurde ein Preſſen der Ju— gend in eine fremde, todte Form. Zu einer aͤhnlichen Ausartung — 12— fuͤhrte ſpaͤter aus gleichem Grunde die nach dem ſchmachvollen weſtphaͤliſchen Frieden in Deutſchland uͤblich gewordene Er— ziehung durch franzoͤſiſche Erzieher, franzoͤſiſche Erzieherinnen und franzoͤſiſche Buͤcher. Was in unſerem Volke ſich noch er— halten hatte an Charakterfeſtigkeit, Selbſtgefuͤhl und Tuͤchtig— keit, wurde durch die Despotie der roͤmiſchen Schulen und die Galanterie der franzoͤſiſchen Erziehungskunſt beinahe ganz ver⸗ nichtet, ſo daß es endlich der deutſchen Erziehung an Volks— thuͤmlichkeit und Menſchlichkeit, wie an Perſoͤnlichkeit fehlte. Am Ende des vorigen Jahrhunderts wurde man in D Deutſch— land inne, wie ausgeartet die Erziehung ſei. Es traten viele fuͤr eine Verbeſſerung der deutſchen Jugendbildung hochbegeiſterte Maͤnner auf, und kaͤmpften kraͤftig gegen das alte Unweſen. Sie richteten beſonders ihre Bemuͤhungen auf das allgemein Menſchliche; den Mangel an Nationalitaͤt erkannten ſie nicht, weil es damals wie an Selbſtſtaͤndigkeit des deutſchen Volks nach Außen, ſo an Einheit und Freiheit im Innern fehlte. Dieſe neuen Erzieher widmeten ſich und ihre Zoͤglinge als Kosmopoliten, d. h. als zeltsren⸗ der Menſchheit un— ter dem Namen der Humanitaͤt. Von deutſcher Volksthuͤm— lichkeit und von dem Wohle des Vaterlandes war nicht die Rede. Erſt im jetzigen Jahrhunderte, nach Befreiung des deut— ſchen Vaterlandes von der Fremdherrſchaft und nach Entfal— tung eines neuen deutſchen Volkslebens erkannte man die Nothwendigkeit, der Erziehung eine volksthuͤmliche Richtung zu geben, und erſt in der neueſten Zeit, wo man in den wiſſen— ſchaftlichen Unterſuchungen uͤber Erziehung neben der Huma— nitaͤt und Individualitaͤt auch die Nationalitaͤt beruͤckſichtigt, kann die Paͤdagogik oder Erziehungskunſt feſten Grund und Boden faſſen und geſund empor wachſen. Daß man hier und da bei ſolchen Verbeſſerungsverſuchen in Theorie und Praxis zu weit gegangen iſt, das Volksthuͤmliche hoͤher geſchaͤtzt hat vi — ◻‿ achvollen dene Er⸗ herinnen noch er⸗ Tüchtig⸗ mund die ganz ver⸗ in Volks⸗ fehlte. Deutſch⸗ ten viele egeiſterte Unweſen. algemein ſie nicht, in Volks n fehlte. linge als heit un⸗ olksthum⸗ nicht die des deut⸗ Entfal⸗ man die chtung zu en wiſen— er Huma⸗ ckſichigt rund und hier und nd Prarid chätzt hat =— 13— als das Menſchliche und Perſoͤnliche, daruͤber darf man ſich bei der Schwierigkeit des Geſchaͤftes nicht wundern. Wir koͤnnen aber mit Zuverſicht hoffen, daß die deutſche Wiſeenſchaftlichkeit unſere Volkserziehung von ſolchen Verirrungen befreien und ſichern Schrittes ihrem hohen Ziele entgegen fuͤhren wird. Wir koͤnnen gewiß erwarten, daß kuͤnftig bei der Erziehung unſerer Jugend der Volksthuͤmlichkeit, der Perſoͤnlichkeit und Humanitaͤt gleiches Recht widerfahren wird. Bei Entwickelung der Regeln, welche fuͤr die Erziehung des Landwirths in dieſer Beziehung zu geben ſind, hat man vier Altersſtufen zu unterſcheiden: 1) Alter des Kindes, etwa bis zum ten Jahre(7 Jahre); 2) Alter des Knaben, etwa bis zum Ende des 14ten Jah⸗ res(7 Jahre); 3) Alter des Juͤnglings, etwa bis zum Ende des 22ſten Jahres(8 Jahre), und zwar a) vom 15ten bis zum 18ten Jahre, wo der Juͤngling noch die Schule beſuchen ſoll(etwa 3 Jahre); b) vom 18ten bis zum 22ſten Jahre, wo er die Land— wirthſchaft erlernt(etwa 5 Jahre), naͤmlich drei Jahre auf einem Landgute und zwei Jahre auf einer Aka— demie. 4) Spaͤtere Zeit, wo der praktiſche Landwirth an ſeiner Fortbildung arbeitet. In den zunaͤchſt folgenden Aufſaͤtzen werde ich von der landwirthſchaftlichen Bildung des Juͤnglings in der Zeit ſpre— chen, wo er auf einer Akademie ſich aufhaͤlt, und zwar: 1) den Plan auseinander ſetzen, nach welchem auf dem hieſigen landwirthſchaftlichen Inſtitute ſolche Bildung geleitet wird. Dann werde ich beſonders handeln: 2) von dem Weſen und der Wichtigkeit der hoͤhern Bil— dung des Landwirths und Gutsbeſitzers, — 14— 3) von dem Weſen und der Wichtigkeit der volksthümli— chen Bildung deſſelben, 4) von dem Weſen und der Wichtigkeit der akademiſchen Bildung deſſelben. Endlich will ich 5) die Geſchichte des geiſtigen Lebens auf der koͤniglichen preuſſiſchen ſtaats- und landwirthſchaftlichen Akademie Eldena in den vier Jahren, von Oſtern 1835 bis dahin 1839, wo ich dieſe Anſtalt einrichtete und leitete, wie auch auf dem landwirthſchaftlichen Inſtitute zu Jena in den 8 Jahren von Oſtern 1826 bis dahin 1834 und nach Oſtern 1839 bis jetzt, erzaͤhlen und Einiges von den in beiden Anſtalten gemachten Erfahrungen mittheilen. Spaͤter ſollen auch Abhandlungen uͤber die Bildung des Landwirths und Gutsbeſitzers in den uͤbrigen Zeitabſchnitten, ferner Aufſaͤtze uͤber die Erziehung der kleinern Landwirthe in Wehrlianſtalten, Ackerbauſchulen, in Muſter- und Lehrwirth— ſchaften folgen. — othumli demiſchen wiglchen e Eldena 339, wo auf dem ren von bis jetzt, emachten ung des ſchnitten, virthe in hrwirth⸗ Das landwirthſchaftliche Inſtitut zu Jena verbunden mit der daſigen Geſammt-⸗Akademie und der Kammerguts⸗Wirthſchaft zu Zwätzen. — 16— Zur Geſchichte des landwirthſchaftlichen Inſtituts in Jena. Als im Jahre 1819 der Hofrath Sturm die Profeſſur der ökonomiſchen Wiſſenſchaften bei der Univerſität Jena und die Di— rection des landwirthſchaftlichen Inſtituts zu Tiefurt bei Weimar mit einer Lehrſtelle bei der zu Bonn neu errichteten Univerſität vertauſchte, gab ich die Stelle eines Oberverwalters der Großher— zoglichen Kammergüter Oberweimar, Tiefurt und Lützendorf, wel— che ich zwei Jahre bekleidet hatte, auf und habilirte mich als Pri— vatdocent in der philoſophiſchen Facultat der hieſigen Akademie*). Ich fand zwar für meine Vorleſungen über Landwirthſchaft, Natio— nalökonomie und Cameralwiſſenſchaften in jedem Semeſter fleißige Zuhörer, war aber mit meiner akademiſchen Wirkſamkeit inſofern nicht zufrieden, als es mir an Gelegenheit fehlte, den Unterricht ſo praktiſch zu ertheilen, wie ich es für gut achtete, und mit dem Vortrage die nöthige Verſinnlichung der Gegenſtände zu verbinden. Auch fehlten für mehrere Grund⸗ und Hülfswiſſenſchaften geeignete Vorträge. Um dieſen Mängeln abzuhelfen, dann aber auch um mit meinen Schülern in ein näheres Verhältniß zu treten, ihre Studien zweckmäßig leiten zu koͤnnen, und um es dahin zu brin— gen, daß der ſtudirende Landwirth nicht bloß Kenntniſſe ſammele, ſondern auch ſeine ganze Perſönlichkeit vervollkommne**), errich⸗ tete ich im Jahre 1826 ein landwirthſchaftliches Inſtitut. Eine ausführliche Beſchreibung meines Plans veröffentlichte ich in der Schrift:„Ueber Weſen und Studium der ökonomiſchen Wiſſen— ſchaften, Jena, Frommann, 1826.“ An dieſer Anſtalt nahmen bis zu Oſtern 1834 59 junge Männer Theil. In den 5 Jahren von Oſtern 1834 bis dahin 1839, welche ich der Einrichtung der königl. preuſſ. ſtaats- und landwirthſchaftlichen Akademie Eldena widmete, beſtand in Jena keine ſolche Lehranſtalt. Erſt im Mai 1839, wo ich von Eldena nach Jena zurückkehrte, wurde wie— derum ein Inſtitut dieſer Art eingerichtet. In den ſeitdem ver— floſſenen 8 Halbjahren nahmen daran 153 Studirende Theil. In dieſem Winter(1842 bis 1843) beträgt die Zahl der Mitglieder 51, wovon 41 Landwirthe und 10 Staatswirthe oder Cameraliſten ſind. *) Die Diſſertation, welche ich bei dieſer Habilitation öffentlich ver— theidigte, führt den Titel: Antiquitates rusticae. Part. IJ. De aratri Romani forma et compositione. Jenae, Frommann. **) S.„deutſche Blätter für Landwirthſchaft.“ I. S. 9. Ir tituts ſſur der die Di⸗ Weimar niverſität Jroßher⸗ rf, wel⸗ als Pri⸗ emie ⁵). Natio⸗ lleißige inſofern tterricht nit dem rbinden. ſeeignete nuch um n, ihre zu brin⸗ ſammele, , errich⸗ nt. Eine ich in der VWiſen⸗ t nahmen 5 Jahren ttung der e Eldena im Mai urde wie⸗ tdem ver⸗ Theil. Zahl der aatswirthe fentlich ber⸗ De aratfl Erſter Abſchnitt. Zweck des landwirthſchaftlichen Inſtituts zu Jena. §. 1. Im Allgemeinen. Dieſe Anſtalt iſt zur Bildung angehender Landwirthe und Staatswirthe oder Cameraliſten beſtimmt. Jene betreffend ſoll ſie ſolchen jungen Maͤnnern, welche einſt als praktiſche Landwirthe auf großen oder mittleren Land— guͤtern wirken wollen und bereits einige Zeit mit der Land— wirthſchaft praktiſch ſich beſchaͤftigt haben, Gelegenheit darbie— ten, in ihrem Fache theoretiſch und praktiſch ſich weiter zu bilden. In Hinſicht auf Bildung der Staatswirthe oder Came⸗ raliſten wird bemerkt, daß die Anſtalt beſonders die Beduͤrf⸗ niſſe der Oekonomie-Commiſſarien, der Landraͤthe und der— jenigen Finanz- und Gewerbspolizei-Beamten, welche ſpe— cielle Kenntniſſe von der Landwirthſchaft noͤthig haben, beruͤck— ſichtigt. Beide, der Landwirth und Staatswirth ſollen durch dieſes Inſtitut auf den Weg gebracht werden, worauf ſie als Ge⸗ ſchaͤftsleute und Menſchen, als Hausvaͤter, Staatsbuͤrger und Glieder des deutſchen Volks dem hoͤchſten Ziele ſich moͤglichſt naͤhern koͤnnen, und zwar nicht bloß im Privatleben, ſondern auch im oͤffentlichen Leben. Beſonders wird im Inſtitute dahin gearbeitet, daß der Landwirth ſeine gewerbliche und hoͤhere Bil— dung moͤglichſt gleichmaͤßig foͤrdere. Schulze Deutſche Bl. f. Landw. I. 2 — 18— Damit der Zweck dieſes Inſtituts deutlich erkannt werde, will ich mich ſpecieller erklaͤren uͤber: 1) Theorie, Praxis und Handwerk; 2) Haupt⸗, Grund- und Huͤlfswiſſenſchaften; 3) Verbindung der ſtaats- und landwirthſchaftlichen Studien; 4) Privat⸗ und oͤffentliches Leben des Landwirths; 5) gewerbliche und hoͤhere Bildung deſſelben. §. 2. Theorie, Praxis und Handwerk. Die durch die Anſtalt zu foͤrdernde Bildung der Land⸗ wirthe iſt theoretiſch und praktiſch zugleich. In theoreti— ſcher Beziehung wird naͤmlich dahin gearbeitet, daß die Mit— glieder der Anſtalt die Grundſätze, nach welchen die Erſchei⸗ nungen und Ereigniſſe bei der Landwirthſchaft zu erklaͤren ſind, ſich deutlich machen und die allgemeinen Regeln, nach welchen der Landwirth ſeine Geſchaͤfte aller Art zu betreiben hat, auf— finden lernen; in praktiſcher Beziehung dagegen ſollen ſie einerſeits die verſchiedenen Verhaͤltniſſe, unter welchen in Hin— ſicht auf Boden, Clima, Pflanzen, Thiere, und in Ruͤckſicht auf Arbeiter, Handel, Bildung und geſelliges Leben die Land— wirthe wirthſchaften, uͤberſchauen lernen, anderſeits ſollen ſie ihre Urtheilskraft in Anwendung jener allgemeinen Regeln auf beſondere Verhaͤltniſſe uͤben, ſo daß ſie in Aneignung eines praktiſchen Tactes moͤglichſt unterſtuͤtzt werden. Von der praktiſchen Ausbildung des Landwirths iſt zu unterſcheiden die Erlernung der Handarbeiten, welche bei der Landwirthſchaft vorkommen und die Uebung im Gebrauche der landwirthſchaftlichen Werkzeuge und Maſchinen. Der gebildete Landwirth muß auch dieſes Handwerk erlernt haben, damit er um ſo ſicherer die Handarbeiten und den Gebrauch der Werk— zeuge beaufſichtigen und leiten kann; jedoch iſt jedem angehen— den Landwirthe zu rathen, dieſe Fertigkeiten vor dem Be— ſt werde, Studien, der Land eoreti⸗ die Mit⸗ e Erſchei⸗ eren ſind, welchen at, auf⸗ ſollen ſie in Hin⸗ Rüͤckſich die Land⸗ ſollen ſie egeln auf ng eines ths iſt uu he bei der rauche der er gebiddete , damit er der Verf n angehen⸗ dem Be⸗ — 19— ſuche des Inſtituts ſich anzueignen, weil es ihm dazu hier an Zeit fehlen wird. Die angehenden Staatswirthe, welche vor ihrem Eintritte in die Anſtalt nicht praktiſch mit der Land— wirthſchaft ſich beſchaͤftigten, haben ſolches Handwerk, ſo weit es fuͤr ſie noͤthig iſt, waͤhrend der Ferien zu erlernen, wo— zu die Verbindung des Inſtituts mit der Gutswirthſchaft zu Zwaͤtzen geeignete Gelegenheit darbietet. Der Unterricht im Inſtitute ſelbſt kann nur in ſofern auf die Erlernung des Handwerks einwirken, als er die auf Mathematik, Phyſik, Mechanik und Chemie zu gruͤndenden Theorien der landwirth— ſchaftlichen und techniſchen Handarbeiten und Maſchinen ent— wickelt und in der Anwendung auſchaulich macht. §. 3. Haupt⸗, Grund⸗ und Hülfswiſſenſchaften. Um ſich theoretiſch und praktiſch moͤglichſt vollſtaͤndig aus— zubilden, hat der Landwirth ſich mit einer großen Zahl von Wiſſenſchaften bekannt zu machen, welche man zweckmaͤßig in Haupt⸗, Grund- und Huͤlfswiſſenſchaften abtheilt. 1) Hauptwiſſenſchaft iſt fuͤr ihn die Landwirthſchaftslehre, und zwar die ſogenannte rationelle Landwirthſchaft oder Theo— rie der Landwirthſchaft, welche fuͤr den Betrieb der landwirth— ſchaftlichen Geſchaͤfte Regeln oder Vorſchriften gibt. Sie zer— faͤllt in drei Theile: a) allgemeine Landwirthſchaft, deren Vorſchriften auf alle Zweige der Landwirthſchaft zugleich ſich beziehen, alſo auf Pflanzenbau und Thierzucht zuſammen, z. B. die Lehren von der Wirthſchaftsleitung, Buchhaltung, Taxa— tion, Behandlung der Arbeiter u. ſ. w.; b) die ſpecielle Lehre von dem Pflanzenbau; c) die ſpecielle Lehre von der Thierzucht. Das Ziel, nach welchem beim Studium der Hauptwiſſen⸗ ſchaft der Landwirth zu ſtreben hat, iſt nicht ſowohl das Ler— 2* -— 20— nen jener Regeln, ſondern vielmehr das Lernen ihres Auffin⸗ dens, d. h. der Landwirth ſoll es dahin bringen, daß er einſt in jedem Falle der Praxis dasjenige Verfahren, welches den Verhaͤltniſſen am angemeſſenſten iſt, durch eigenes Nachdenken auffinden kann. 2) Grundwiſſenſchaften der Landwirthſchaft ſind diejeni⸗ gen Wiſſenſchaften, welche die Grundſaͤtze(Principien) entwi⸗ ckeln, worauf die Theorie der Landwirthſchaft ſich ſtuͤtzt, durch deren Kenntniß der Landwirth die Erſcheinungen und Ereig⸗ niſſe bei ſeinem Geſchaͤfte ſich erklaͤren, d. h. die wahren Ur— ſachen davon auffinden kann, ſo daß es ihm moͤglich wird, auf dieſelben nach dem Zwecke ſeines Gewerbes einzuwirken. Da dieſe Erſcheinungen und Ereigniſſe theils in der Koͤrperwelt, theils in der Geiſteswelt liegen, ſo hat der Landwirth zweierlei Grundlehren noͤthig, als: a) die Naturkoͤrper betreffende, oͤkonomiſche Naturlehren, z. B. oͤkonomiſche Chemie, Phyſiologie, Mechanik, Phyfik, ſe f.; b) den Geiſt oder den Menſchen betreffende. Dieß ſind okonomiſche Menſchenlehren, welche die Nationaloͤkonomie ent⸗ wickelt, z. B. die Lehren von den Zwecken der Wirthſchaft, vom Reinertrage, Geldgewinne, von Grund-, Capital- und Arbeiksrente, Geld, Preis, Handel u. ſ. f. 3) Das Studium der Huͤlfswiſſenſchaften gewaͤhrt ſolch Kenntniſſe, welche der Landwirth bei Anwendung der dan — er tiſchen Lehren in einzelnen Faͤllen noͤthig hat, um immer das Rechte zu treffen. Dahin gehoͤren Kenntniſſe von der Land— wirthſchaft, wie ſie fruͤher in einer Gegend wirklich betrieben wurde oder noch jetzt betrieben wird(Landwirthſchaftskunde), von dem beſtehenden Rechte, von der deſeitka u. ſ. w. Wie die Theorie der Landwirthſchaft, als die Hauptwiſſenſchaft des Landwirths, durch Studium der Grandmifeſhgfm in Be⸗ zug auf Gruͤndlichkeit und Deutlichkeit gefoͤrdert wird, ſo ge— Auffin⸗ er einſt ches den nchdenken hren Ur⸗ vird, auf en. Da rperwelt, zweierlei urlehren, Phyfi, ſomie ent⸗ dirthſchaft ital⸗ und hrt ſolche der theore⸗ immer dau der Land⸗ h betrieben haftskunde de u. ſ. w wiſenſchat ſten in de . ſa ge⸗ ird, ſo d — 21— winnt ſie durch Studium der Huͤlfslehren in Hinſicht auf Si— cherheit der Anwendung. Ueber den Unterſchied zwiſchen Haupt-, Grund— und Huͤlfswiſſenſchaften und beſonders uͤber die Nothwendigkeit ei— ner nationaloͤkonomiſchen Begruͤndung ſprach ich mich zuerſt aus in der Schrift: Ueber Weſen und Studium der oͤkonomi⸗ ſchen Wiſſenſchaften; Jena, Frommann, 1 1826*). Bei der ſo großen Zahl und Mannigfaltigkeit dieſer Wiſ⸗ ſenſchaften iſt eine ſpecielle Leitung des Studiums ſehr noͤthig, damit nicht der einen zu viel, der andern zu wenig Zeit zu— gewendet und damit jede in rechter Weiſe ſtudirt werde. Eine ſolche Leitung der landwirthſchaftlichen Studien iſt einer der Hauptzwecke der hieſigen Lehranſtalt. Sie erſtreckt ihre Wirk— ſamkeit auf alle dieſe Wiſſenſchaften, kann aber allein die Bil— dung des Landwirths nicht bewirken, ſondern es iſt noͤthig, daß der angehende Landwirth mehrere Jahre als Lehrling an dem Betriebe einer Landwirthſchaft ſelbſt thaͤtig Theil nehme, um die dabei vorkommenden verſchiedenartigen Gegenſtaͤnde anſchaulich kennen zu lernen, die Reihenfolge der Geſchaͤfte zu beobachten, Fertigkeit in dem Handwerk ſich anzueignen, um in Anwendung der erkannten theoretiſchen Vorſchriften ſich praktiſchen Takt zu verſchaffen, auch um durch Gewoͤhnung Neigung zum landwirthſchaftlichen Leben und Feſtigkeit des Willens zu erlangen. In den meiſten Faͤllen iſt einem jungen Manne, wel⸗ 7 cher als Landwirth die hieſige Anſtalt beſuchen will, anzura⸗ *) Zu meiner Freude haben ſich bereits mehrere bedeutende Stim⸗ men im Kreiſe der landwirthſchaftlichen Schriftſteller für meine Anſicht von einer nationalökonomiſchen Begründung der Landwirthſchaft erklärt, namentlich die von Schweitzer:„Ueber die Wichtigkeit des wiſ c lichen Studiums der Landwirthſchaft; Dresden, Arnold, 1830, S. 16;“ und die von A. v. Lengerke:„Landwirthſchaftliches Es cſeidns Lexikon, Prag, Calve, 1838, III. Band, Artlkel: Nationalokonomie.“ — 22— then, nach Erlangung einer gehoͤrigen Schulbildung vor ſol— chem Beſuche zwei Jahre als Lehrling auf einem Landgute an dem Wirthſchaftsbetriebe thaͤtigen Theil zu nehmen, dann zwei Jahre hier zu ſtudiren und nachher wiederum wenigſtens ein Jahr als Lehrling oder Unterverwalter in einer geeigneten Wirthſchaft ſich zu beſchaͤftigen. §. 4. Verbindung der ſtaats⸗ und landwirthſchaftlichen Studien. Die geſammte Oekonomie oder Wirthſchaft eines Volks iſt folgender Maßen ab zu theilen: 1) Privatwirthſchaft oder Gewerbsleben, als: a) Gewerbe des Landbaues, wohin Landwirthſchaft, Wald⸗ bau, Bergbau, Gartenbau, Weinbau u. ſ. w. gehoͤren, b) Technik oder techniſches Gewhewerbsweſen(Handwerke, Fabriken und Manufacturen); c) Gewerbe des Handels; 2) Staatswirthſchaft, als a) Gewerbspolizei, d. h. Sorge des Staats fuͤr die Privat— wirthſchaft, b) Finanzweſen*). Die Vereinigung der ſtaats- und landwirthſchaftlichen Studien und das Zuſammenleben von Staats- und Landwirthen gewaͤhrt nach meiner Erfahrung bedeutende Vortheile, indem 1) die Staats- und Landwirthe, wie unten wird nachge— wieſen werden, viele Wiſſenſchaften gemeinſam als Grund- und Huͤlfswiſſenſchaften ſtudiren ſollen und die Geſchaͤfte der Staats— und Landwirthe viel Uebereinſtimmendes haben. Ein zweckmaͤ— ßig bewirthſchaftetes Landgut gleicht einem kleinen Staate. *). S. meine Schrift über Weſen und Studium der Wirthſchafts⸗ oder Cameralwiſſenſchaften u. ſ. w. Jena, 1826, S. 90, und deutſche Blätter u. ſ. f. I. S. 2. vor ſol⸗ dgute an ann zwei ſtens ei geeigneten ichen Volks iſ „ Wald⸗ poören, ndwerke, e Privat⸗ haftlichen dwirthen „indem d nachge⸗ rvund⸗ und er Staats⸗ zwetmi⸗ Staate. girthſchaftö⸗ nd deutſch — 23— 2) Die Beſchaͤftigung des Landwirths mit ſtaatswirth⸗ ſchaftlichen Studien und der Umgang mit Staatswirthen ver— anlaßt ihn, in ſeinen Bildungs— und Gewerbsbeſtrebungen das Wohl der buͤrgerlichen Geſellſchaft zu beruͤckſichtigen und ſo ſein Auge auf das Hoͤhere zu richten. 3) Der Staatswirth dagegen lernt bei den landwirth⸗ ſchaftlichen Studien und beim Verkehre mit Landwirthen die— jenigen Verhaͤltniſſe des Volksleben kennen und ſchaͤtzen, wel⸗ che im Finanzweſen und in der Gewerbspolizei vorzuͤglich zu beachten ſind. Seine politiſche Thaͤtigkeit wird dadurch prakti⸗ ſcher und ſicherer. Vorzugsweiſe werde ich bei den vorliegenden Mittheilun⸗ gen die Bildung des Landwirths vor Augen haben. Ueber die Bildung des Staatswirths, welche nach den Verhaͤltniſſen ſei— ner kuͤnftigen Wirkſamkeit verſchieden einzurichten iſt, werde ich gern auf Verlangen ſpeciellern Rath ertheilen. §. 5. Privatleben und öffentliches Leben des Landwirths. Das Volksleben hat zwei Zweige: Privatleben und oͤffent⸗ liches Leben. In jenem iſt das leitende Princip die Selbſtliebe (der Eigennutz, Privatgeiſt), in dieſem der offentliche Geiſt(der Gemeinſinn). Zum oͤffentlichen Leben oder Vereinsleben des deutſchen Volks im weiteſten Sinne rechne ich alle diejenigen Thaͤtig⸗ keiten der Deutſchen, welche auf das Wohl der Geſammtheit, auf die Einheit des Volks hinzielen. Daſſelbe laͤßt ſich verſchieden abtheilen, je nachdem man auf die Geiſteskraͤfte, welche ſich darin entwickeln, oder auf andere Verhaͤltniſſe ſieht. In der erſten Beziehung zerfaͤllt das oͤffentliche Leben in drei Zweige: 1) öffentliches Urtheil, Volksverſtand, gewoͤhnlich oͤffentliche Meinung genannt, — 2— 2) oͤffentliches Intereſſe, gewoͤhnlich Vaterlandsliebe, Volks⸗ gefuͤhl, Gemeingeiſt, Gemeinſinn u. ſ. w. genannt; 3) oͤffentliches Handeln, vereintes Wirken in patriotiſcher Thaͤtigkeit. Wir unterſcheiden ferner zweierlei oͤffentliches Leben des deutſchen Volks: 1) mittelbares, d. h. das Regierungsleben(politiſches Le— ben), wohin Alles gehoͤrt, was deutſche Regierungen fuͤr das Wohl des Geſammtvaterlands entweder vereinzelt oder ver⸗ bunden durch den deutſchen Bund oder beſondere Vereine thun, z. B. durch den Zollverein; 2) unmittelbares. Dahin gehoͤrt Alles, was die deutſchen Buͤrger ſelbſt, einzeln oder vereint, fuͤr das Wohl des ganzen Volks denken, fuͤhlen und thun, z. B. Verſammlungen der deutſchen Landwirthe, die Errichtung oͤffentlicher Denkmaͤler, der freiwillige Dienſt bei Vertheidigung des Vaterlands, die Bemuͤhungen der Schriftſteller, das deutſche Leben zu foͤrdern u. f. f. Auch hat man das allgemeine Vereinsleben des deutſchen Volks von dem ſpeciellen zu unterſcheiden, und zwar: a) in Bezug auf raͤumliche Verhaͤltniſſe: das deutſche von dem ſaͤchſiſchen, wuͤrtembergiſchen u. ſ. w.; b) in Bezug auf den Staͤndeunterſchied: das allgemeine Vereinsleben des Volks von dem landwirtthſchaftlichen, forſtli— chen, buchhaͤndleriſchen, naturwiſſenſchaftlichen u. ſ. f.; c) in Hinſicht auf die einzelnen Gemeinden: jede Gemein— de, jede Corporation, Univerſitaͤt, Schule, jede Zunft ſoll ei— nen ihrem Weſen entſprechenden Gemeingeiſt haben. Ferner iſt noch auf den Unterſchied zwiſchen hoͤherem und niederem Vereinsleben hinzuweiſen. In jenem werden die hoͤ— heren Zwecke des Lebens unmittelbar erſtrebt, z. B. wiſſen— ſchaftliche Vereine, Geſangvereine, Wohlthaͤtigkeitsvereine u. ſ. f., in dieſem gehen die Beſtrebungen zunaͤchſt auf Geldgewinn u. drgl. „Volt⸗ z. B. Geſellſchaften zum Bau von Eiſenbahnen, hypothekariſche nt; Creditvereine, Brandverſicherungsgeſellſchaften u. dergl. friotitha Vor dem Freiheitskriege war das oͤffentliche Leben des deutſchen Volks, vornehmlich das unmittelbare, faſt ganz ab⸗ eben de geſtorben. Man uͤberließ alle Sorge fuͤr das gemeinſame Va— terland den Regierungen. Da nun dieſe von der Willkuͤhr ſſhes de eines fremden Herrſchers abhaͤngig waren, ſo war auch das für das mittelbare oͤffentliche Leben in Deutſchland ſehr mangelhaft. der ver⸗ Rur in den Gemuͤthern einiger deutſchen Regenten und Pri— ne thun, vaten regte ſich oͤffentlicher Geiſt, er konnte aber nur ſelten aus dem ſtillen Kreiſe des Denkens und Wuͤnſchens in das deutſchen Gebiet des Handelns uͤbergehen. s ganzen Erſt ſeit Befreiung Deutſchlands von fremder Despotie gen der haben wir wieder oͤffentliches Leben, aber noch iſt es ſehr un— nkmaͤler, vollkommen. Namentlich fehlt vielen Landwirthen der oͤffentliche ds, die Geiſt, viele uͤberlaſſen noch jetzt die Sorge fuͤr das oͤffentliche foͤrdern Wohl unſers Volks ganz den Regierungen und verwechſeln politiſches Leben mit oͤffentlichem Leben, da doch jenes nur ein deutſchen Theil von dieſem ſein ſoll. Bei vielen, in denen ſich oͤffent— liches deutſches Leben regt, beſteht es in dunkeln Gefuͤhlen; tſche von nur inſtinctartig intereſſiren ſie ſich r Wohl und Wehe des deutſchen Volks. Recht auffallend erfuhr ich dieß in der Ver— lgemeine ſammlung der deutſchen Landwirthe zu Karlsruhe im Jahre 1838, „forſtle wo ich einen Vortrag hielt uͤber Foͤrderung deutſcher Nationa⸗ — litaͤt durch das landwirthſchaftliche Vereinsleben, und die Jah— Genr resverſammlungen der deutſchen Landwirthe, Forſtleute, Natur— ſt ſol ei forſcher u. ſ. w. mit den olympiſchen Nationalverſammlungen. der Griechen verglich. Viele edle Maͤnner druͤckten mir nach die— zerem und ſem Vortrage mit Innigkeit die Hand, andere dagegen, nicht minder achtungswerthe Mitglieder der Verſammlung, von wel— chen ich gewiß wußte, daß ſie durch patriotiſche Gefuͤhle zu der weiten Reiſe nach Karlsruhe angetrieben worden waren, —n die hi⸗ 3. wiſen⸗ ine u. ſ.f, Inu.d ſchuͤttelten zweifelnd und bedenklich den Kopf, ungewiß, ob un U. vn9 — 26— eine ſolche Verſammlung zur deutſchen Vaterlandsliebe in ir⸗ gend einer Beziehung ſtehe. Soll es mit den Deutſchen weſentlich beſſer werden, ſoll unſer Vaterland vor der Gefahr, wieder die Beute anderer Voͤlker zu werden, auf immer ſicher ſein, ſo muß in allen Staͤnden und Gemeinden, oͤffentlichen Anſtalten und oͤffentli— chen Verſammlungen unſers Volks jenes dunkle Gefuͤhl des deutſchen Patriotismus durch die Wiſſenſchaft zu einer hellen Vaterlandsliebe herangebildet werden, deren Strahlenglanz alle Verhaͤltniſſe unſers Volkslebens erleuchtet und erwaͤrmt. Ins⸗ beſondere iſt es dringend noͤthig, daß die deutſchen Landwirthe und Gutsbeſitzer mit klarem Bewußtſein wie im Privatleben, ſo auch im oͤffentlichen Leben vorwaͤrts ſtreben und den Pri⸗ vatgeiſt durch oͤffentlichen Geiſt, den Eigennutz durch Gemein⸗ geiſt in Schranken halten*). Pflegt ſo das deutſche Volk einen auf Erwerbung der hoͤchſten Guͤter des Lebens gerichteten Gemeingeiſt, dann wird es auch die Freiheit, welche es ſchon hat und die, welche es ſpaͤter noch erlangen wird, nicht mißbrauchen. Gemeingeiſt und Freiheit, beide ſind weſentliche Bedingungen fuͤr das Ge— deihen des hoͤheren oͤffentlichen Lebens: aber Gemeingeiſt iſt *)„Durch den Gemeingeiſt wird dem Volke und dem Staate die Seele eingeathmet, aber gleichſam nur inſtinktartig, ſo lange einzig die Gewohnheit die Form ſichert, in welcher der Geiſt ſich bewegt. Daher fordern wir dem öffentlichen Leben über den Gemeingeiſt noch die Bil— dung einer beſonnenen Regierung, durch welche der Geiſt verſtändiger Selbſtbeherrſchung wieder in die Form tritt, um die öffentlichen Ange⸗ legenheiten planmäßig zu leiten. So wird dann das höchſte Geſetz des öffentlichen Lebens: die wahre Ausbildung, als des Menſchen eigenes Werk, kann nur gedeihen in einem Volke mit eigenem Geiſt, belebt von fleißigem, tapferem und rechtlichem Gemeingeiſte, deſſen öffentliche Ange— legenheiten durch patriotiſche Regierung geleitet werden.“ Jac. Friedr. Fries Handhuch der praktiſchen Philoſophie, I. Theil. Heidelberg 1818. S. 144. akade miſc deihe eines rich tute chen — 22— e in in eine innere, Freiheit eine aͤußere Bedingung; Gemeingeiſt iſt etwas Poſitives, Freiheit etwas Negatives. Der Gemeingeiſt den, ſol iſt die Seele, das Lebendige im oͤffentlichen Leben, Freiheit iſt anderet eine nothwendige Form fuͤr die Thaͤtigkeit des Gemeingeiſtes. in allen Die, welche immer nur von Freiheit ſprechen, ohne zugleich an öffentli Gemeingeiſt zu denken, kommen leicht auf Verirrungen. fühl des Darum ſind meine Beſtrebungen, das akademiſche Leben zu er hellen foͤrdern und zu heben, vorzuͤglich und zunaͤchſt auf Pflege des lanz alle akademiſchen Gemeingeiſtes gerichtet; daß ich aber die akade— t. Ins- miſche Freiheit*) als eine nothwendige Bedingung fuͤr das Ge— ndwirthe deihen des akademiſchen Lebens und beſonders fuͤr Entfaltung vatleben, eines akademiſchen Gemeinſinns anſehe, davon zeugen die Ein— den Pri⸗ richtungen, welche ich dem hieſigen landwirthſchaftlichen Inſti— Gemein⸗ tute und der koͤnigl. preuſſiſchen ſtaats- und landwirthſchaftli— chen Akademie Eldena gegeben habe. ung der 3.6. unn wird§ Gewerbliche und hböhere Bildung. welche es emeingeſt Der praktiſche Landwirth hat zunaͤchſt ſeine Thaͤtigkeit auf das Ge⸗ Reinertrag oder Geldgewinn ſeines Gewerbes zu richten, au— geſf ſ ßerdem aber ſoll er auch nach dem ſtreben, durch deſſen An— eignung er ſich uͤber die Thiere des Feldes erhebt und wo— Staate die durch ſein Gewerbsleben veredelt wird. Demnach muß auch einzig die die Bildung des praktiſchen Landwirths eine doppelte ſein, wo— t. Daher von die eine auf Reinertrag oder Geldgewinn, die andere auf ch dede etwas Hoͤheres gerichtet iſt*r). Ich will jene die gewerbliche verſtändige und dieſe die hoͤhere nennen. lichen Ange eGeſetz de hen eigenes „belebt vol ttliche Auge c. Friedt. elberg 1818. *) Ich meine natürlich hier die wahre, nicht gemißbrauchte akademi— ſche Freiheit. Vergl. Scheidler Hodegetik,§. 61. **) Ich freue mich, mit dieſer Anſicht übereinſtimmende Worte eines deutſchen Landwirths anführen zu koͤnnen, dem überſpannte Anſichten Schuld zu geben, wohl Niemand in den Sinn kommen wird. Koppe ſagt in der Vorrede zu ſeinem ebenſo gemeinfaßlichen als gründlichen ——— — 28— Es darf nicht bloß nach Reinertrag oder Geldgewinn der Landwirth ſtreben, ſondern er muß es auch, weil er ſonſt mit ſeiner Familie nicht beſtehen, nicht in Wohlſtand leben, auch die Wirthſchaft fortdauernd nicht erhalten kann; er ſoll es auch, denn ſonſt wuͤrde er nicht im Stande ſein, die ihm obliegenden Pflichten gegen ſeine Mitmenſchen, beſonders ge— gen die Glieder ſeines Hauſes, Staats und Volks zu er— fuͤllen. Auch iſt es nicht ehrenhaft, auf Koſten Anderer zu leben. Damit aber die Selbſtliebe(der Eigennutz), womit der Landwirth fuͤr ſeinen Wohlſtand zu ſorgen hat, nicht in Selbſt— ſucht(Habſucht) ausarte, iſt bei der Erziehung des Landwirths die reine(uneigennuͤtzige) Menſchenliebe ſo heran zu bilden, daß ſie in der Praxis der Selbſtliebe das Gleichgewicht halten kann. Damit das landwirthſchaftliche Volksleben nicht von Sinnlichkeit und Rohheit des Privatgeiſtes aufgezehrt werde, Unterrichte im Ackerbau und in der Viehzucht, Berlin 1841:„Alles Geſchäftsleben muß, ſoll es den Menſchen dauernd zufrieden ſtellen, noch einen hoͤheren Zweck haben, als bloße Anhäufung von Vermögen. Dieſes muß immer nur als Mittel betrachtet werden, um ein höheres ſittliches Ziel zu erreichen. Erziehung und Veredlung zu einem vernünf— tigen Daſein iſt die Aufgabe des ganzen menſchlichen Geſchlechts. Wer von der Verpflichtung durchdrungen iſt, daß ſein materielles Treiben nach dem Sinne dieſer großen Aufgabe geregelt werden müſſe, der wird kei— nen Menſchen bloß als Mittel zur Erreichung ſelbſtſüchtiger Zwecke be— trachten, und er wird keine Anforderungen an die gemeinſten Arbeiter machen, die jenem großen Zwecke des Daſeins entgegen wirken. Die Tugenden der Gerechtigkeit, Billigkeit, Freundlichkeit und des Wohl— thuns von Seiten der Vorgeſetzten werden bei den Arbeitern Folgſamkeit, Anhänglichkeit, Dankbarkeit und Aufmerkſamkeit erzeugen, und ein ge— müthliches Daſein wird die Frucht ihrer Ausübung ſein.“ Vergl. damit Koppes trefflichen Vortrag über das rückſichtsloſe Streben bei dem land⸗ wirthſchaftlichen Gewerbe nach Geldgewinn, abgedruckt in dem amtli— chen Berichte über die Verſammlung deutſcher Landwirthe zu Karlsruhe. Karlsruhe 1839. — 29— winn der muß ein edler Gemeingeiſt daſſelbe durchdringen und das Le⸗ er ſonſt ben des Landwirths beſonders in drei Beziehungen leiten und nd leben, veredeln: oer ſoll 1) in Beziehung auf das haͤusliche Leben oder Familien— „ die ihm leben, wohin auch das Verhaͤltniß des Landwirths zu ſeinen nders ge⸗ Dienſtleuten gehoͤrt; es zu er 2) in Hinſicht auf das buͤrgerliche oder ſtaatliche(politi— nderer zu ſche) Leben, wohin beſonders die Verhaͤltniſſe des Landwirths zur Orts- und Kirchſpiels-Gemeinde, zum Kreiſe, zur Provinz omit der und zum ganzen Staate gehoͤren; ir Selbſ 3) in Beziehung auf das National- oder Volksleben. ndwitths Dahin gehoͤrt alles dasjenige Denken und Thun, Wuͤnſchen und Streben des deutſchen Landwirths, welches auf das Wohl des deutſchen Volks und auf die Einheit und Sel bſtſtaͤndigkeit des deutſchen Nationallebens gerichtet iſt. Die haͤuslichen, buͤrgerlichen und nationalen Verhaͤltniſſe haben ſich ſeit der Befreiung unſers Volks von Fremdherr⸗ au bilden, t halten nicht von tt werde, 11:„Alls ſchaft guͤnſtiger fuͤr die Entwickelung der reinen Menſchenliebe den ſtelen, geſtaltet und jedes Jahr bringt uns neue Verbeſſerungsverſuche Vernügan dieſer Art, z. B. in Bezug auf Entfernung des Zwangs⸗ ein hoheres 5 en R dienſtes, Geſindeordnung, Vertheilung des Grundeigenthums, em vernunſ⸗ chts. Wer Schutz der Familien gegen Verarmung, Pauperismus u. drgl., echts. W reiben nach ferner in Ruͤckſicht auf die Gemeindeordnung, Verwaltung des er wird kei⸗ Gemeindevermoͤgens, Gewerbsfreiheit, Zuͤnfte, Creditanſtalten, Zwecke be⸗ Straßenbau, Eiſenbahnen, Steuern, Volksvertretung u. drgl., ſen Arbeite auch in Hinſicht auf das Vereinsleben der Deutſchen, z. B. vitken. Di den Zollverein, Verſammlung der deutſchen Landwirthe, oͤffent⸗ i d liche Denkmaͤler u. drgl. Jedoch alle dieſe Bemuͤhungen, das disde r Leben unſers Volks zu verbeſſern, unſer Vaterland gegen aͤu— Vergl. damt ßere und innere Feinde, gegen Knechtſchaft und ſittliches Ver⸗ dei dn lan⸗ derben, gegen Gelddespotismus und Pauperismus zu ſchuͤtzen, dem autl- werden nur gedeihen, wenn es uns gelingt, den in unſerm zu Karlsrlh; Volke liegenden Keim eines edeln Gemeingeiſtes zur vollſtaͤndigen — 30— Entwickelung zu bringen. Darum hat die Volkserziehung und beſonders die Bildung der Landwirthe auf dieſen Punct vor— zugsweiſe ihr Augenmerk zu richten. Die Forderung, daß die Bildung des Landwirths auf ein hoͤheres Leben gerichtet werde, iſt jedoch, wie ich zu wieder— holen nicht umhin kann, fern von einer uͤberſpannten Verach— tung des gewerblichen Lebens, welche dem Gewerbsmanne ver— bietet, nach Geldgewinn zu trachten. Im Gegentheil ſetzt ſie das fleißige Streben nach Geldgewinn als eine nothwendige Bedingung fuͤr die Erreichung ihres Ziels voraus. Sie will nur, daß der Landwirth nicht bloß nach Geldgewinn ſtrebe, ſondern auch nach etwas Hoͤherem. Sie will ſo das Streben nach Geldgewinn wuͤrdiger, edler, menſchlicher machen. Wenn bei Erziehung des Landwirths ſeither die hoͤhere Bildung faſt ganz unbeachtet blieb, ſo war dieß mit der Man— gelhaftigkeit unſeres fruͤhern geſelligen Lebens zu entſchuldigen; jetzt aber kann ſolche Entſchuldigung nicht mehr gelten, jetzt iſt Verbindung der hoͤhern Bildung mit der gewerblichen die dringendſte Forderung unſers Volks und unſerer Zeit. Wer auf dieſe Forderung als Erzieher und Lehrer nicht achtet, ſchadet unendlich mehr, als er nuͤtzt, und gehoͤrt vorzugsweiſe zu„den Gruͤndern einer kommenden Barbarei, zu den Er— niedrigern des menſchlichen Geſchlechtes“*): denn„in der falſchen Richtung der Erziehung und des Unterrichts liegt,“ wie Ancillon ſagt**),„die eigentliche Wurzel der Gebre— chen der Zeit.“ *) Tittmann, Blicke auf die Bildung unſerer Zeit und auf Wiſ⸗ ſenſchaft und Kunſt der Bildung; Leipzig 1835, S. 35. **) Vermittlung der Extreme, I. S. 196. Vergl. Pölitz Jahr⸗ bücher 1836, Mai, S. 480. der herz die nine it die ſuud latit miſe anſe auf mil mit ung und net vor⸗ auf ein wieder⸗ Yerach⸗ ine ver⸗ ſetzt ſi wendige Sie wil ſtrebe, Streben höhere er Man⸗ ldigen; n, jett chen die l. We t achtet, zugsweiſ den Er⸗ „in der legt,“ Gebre⸗ auf Wi⸗ litz Jahr Zweiter Abſchnitt. Das landwirthſchaftliche Inſtitut als Zweig der Geſammt⸗Univerſität Jena. §. 7. Die Lehrmittel der Univerſität. Das hieſige landwirthſchaftliche Inſtitut iſt ein Zweig der Univerſitaͤt Jena, welche Se. Koͤnigl. Hoheit der Groß— herzog von Sachſen-Weimar-Eiſenach und Ihre Durchlauchten die Herzoͤge von Sachſen-Coburg-Gotha, von Sachſen-Mei— ningen und Sachſen-Altenburg gemeinſchaftlich erhalten. Es iſt eine oͤffentliche Anſtalt inſofern, als der Director, wie auch die uͤbrigen Lehrer bei der Univerſitaͤt angeſtellt ſind, und die ſtudirenden Mitglieder der Anſtalt in Folge ihrer Immatricu— lation bei der Univerſitaͤt die Rechte und Pflichten der akade— miſchen Buͤrger, wie die uͤbrigen Studenten haben. Privat— anſtalt iſt dieſes Inſtitut inſofern, als der Director daſſelbe auf eigene Koſten errichtet hat und erhaͤlt. Die Vortheile, welche das Inſtitut durch die Vereinigung mit der Univerſitaͤt gewinnt, beziehen ſich theils auf die Lehr— mittel, theils auf den Geiſt des akademiſchen Lebens. Folgende Lehrmittel der Univerſitaͤt koͤnnen von den Mit— gliedern des Inſtituts unter geeigneten Verhaͤltniſſen theilweiſe mit Vortheil fuͤr die Zwecke ihres Hierſeins benutzt werden: a) Vorleſungen, und zwar: 1) Hodegetik oder Methodik des akademiſchen Studiums und Lebens*); *) Die Wiſſenſchaft von der Methodik des akademiſchen Studiums iſt ohne Zweifel die wichtigſte unter allen Wiſſenſchaften, welche der Jüngling auf der Univerſität zu ſtudiren hat, denn ſie wird nicht für den 2) Denklehre, geiſtige Menſchenlehre, Sittenlehre, allgemeine Rechts⸗ und Staatslehre und andere Zweige der Philo— ſophie; 3) Geſchichte; 4) poſitive Rechtswiſſenſchaften; 5) Staats⸗ und Cameralwiſſenſchaften, Staatswirthſchaft und Nationaloͤkonomie, Staatskunde oder Statiſtik; 6) Sprachſtudien, vorzuͤglich Geſchichte der deutſchen Litte— ratur und Theorie des deutſchen Styls; 7) Mathematik, mit Feldmeßkunſt und populaͤrer Aſtro⸗ nomie; 8) Chemie, Phyſik, Mineralogie, Geognoſie, Botanik, Zoo⸗ logie, Phyſiologie und die uͤbrigen Naturwiſſenſchaften; ‿½ Thierheilkunde, Chirurgie, Anatomie und Phyſiologie der 2 2 7 3/ 2 Hausthiere. künftigen Beruf des Studirenden gelernt, ſondern ſoll unmittelbar und ſogleich in das akademiſche Leben eingreifen; ſie ſoll den Studirenden bei der Beſchäftigung mit allen übrigen Wiſſenſchaften leiten und eine Stütze ſein auf der in mancher Hinſicht ſchlüpferigen akademiſchen Laufbahn In der Vernachläſſigung dieſer Wiſſenſchaft liegt einer der Hauptgründe von dem noch ſo mangelhaften Univerſitätsleben, beſonders von der für den Freund deutſcher Nationalbildung betrübenden Erfahrung, daß das höchſte Ziel des deutſchen Univerſitätslebens ſehr viele Studirende nicht er— reichen. Unter ſo bewandten Umſtänden hat ſich mein verehrter Freund und College, Herr Prof. Scheidler durch ſeine, dem Geiſte unſers Volks und unſerer Zeit entſprechende Bearbeitung dieſer Wiſſenſchaft, weſentliche Verdienſte erworben. Sein Buch: Grundlinien der Hodegetik oder Me⸗ thodik des akademiſchen Studiums und Lebens, 2. Auflage, Jena, Cröker, 1839, und die dazu gehörigen„Paräneſen für Studirende,“ Jena, Cröker, 1840— 1842, ſollten in der Hand eines jeden Studirenden ſein. Darin iſt nicht bloß das auf Philoſophie gegründete und durch Erfahrung unterſtützte Urtheil des Verfaſſers, ſondern ſind auch hierher gehörige Leh⸗ ren und Ermahnungen von Schiller, Goethe, Herder, J. Paul, Kant, Fichte, Schleiermacher, Jacobi, Fries u. Anderen zu⸗ ſammengeſtellt, wodurch die Lectüre zugleich ſehr anziehend wird. ciren kannt Jahre Kar name Land Stu ſters blüͤht für meſte ſeine des erof rich reren Gtad jetzt Kunjf Voi derſel dß Vührſ würd geſor 8 lgemeine r Pyilo⸗ virthſchaft tittk; hen Litte⸗ er Aſtro⸗ ik, Zoo⸗ aften; logie der telbar und rrenden bei eine Stüte Laufbahn. dauptgründe von der füt „ daß das de nicht er⸗ Freund und nſers Voltz weſentliche k oder Me⸗ ena, Cröker, de,“ Im irenden ſein h Erfahrung gehörige Le „8 Jaul Anderen zl⸗ wird. b) Uebungsanſtalten fuͤr Reiten, Fechten, Turnen, Exer⸗ ciren, Voltigiren und Schwimmen; c) Bibliothek, d) Sternwarte mit dem meteorologiſchen Inſtitute, e) mineralogiſches Muſeum, f) botaniſcher Garten, g) zoologiſches Cabinet, h) Thierarzneiſchule. Dieſe betreffend theile ich eine Be⸗ kanntmachung vom Jahre 1836 mit: „Die Großherzogl. Thierarzneiſchule wurde im Anfang des Jahres 1816 durch einen Beſchluß des hochſeligen Großherzogs Karl Auguſt geſtiftet. Die Veranlaſſung ihrer Stiftung war namentlich der Umſtand, daß zu jener Zeit das Studium der Landwirthſchaft unter dem ſpäter in Bonn verſtorbenen Hofrath Sturm ſowohl in Jena, als auch während des Sommerſeme⸗ ſters auf dem damaligen ökonomiſchen Inſtitute zu Tiefurt ſehr blühte, und thierärztlicher Unterricht ein weſentliches Bedürfniß für angehende Landwirthe iſt. Mit dem angehenden Winterſe— meſter 1816— 1817 eröffnete der jetzige Director der Anſtalt ſeine Vorleſungen. Sie ſelbſt aber konnte erſt mit dem Anfange des Jahres 1817 wegen Verzoͤgerung des Ankaufes des Locales eröffnet werden. Daſſelbe befand ſich in dem ſogenannten Hein— richsberge, beſtehend in einem Wohnhauſe mit Auditorium, meh⸗ reren Stallen, Scheune und einem großen, größtentheils zur Grasnutzung und Graſung geeigneten Garten. Die Anſtalt wurde jetzt unter die hohe Oberaufſicht über unmittelbare Anſtalten fuͤr Kunſt und Wiſſenſchaft, damals aus den Geheimen Räthen von Voigt und von Goethe bheſtehend, geſtellt, welcher Letztere ſich derſelben ſehr annahm. Ihre Perſonalität wurde dahin geordnet, daß außer dem Director noch ein Gehülfe oder Proſector, ein Lehrſchmidt und ein Aufſeher über das Inventarium angeſtellt wurden. Außerdem wurde auch für die nöthige Aufwartung geſorgt. Schulze Deutſche Bl. f. Landw. I. 3 Seit jener Zeit ſind die Vorleſungen an dieſer Anſtalt un— unterbrochen von Oekonomen und Thierärzten beſucht worden. Für die Aufnahme von kranken Thieren ſind die bei der Er⸗ richtung der Anſtalt eingerichteten Ställe in den Jahren 1831 und 1835 verbeſſert worden. Für den anatomiſchen Theil der Anſtalt wurde in dem Jahre 1823 durch den Bau eines neuen maſſiven anatomiſchen Labora— torium an die Stelle des alten vorläufig in einem Nebengebäude eingerichteten, geſorgt. Es beſteht aus einem Seeirſaale, einer Arbeitsſtube und einer Küche. Oben iſt eine Knochenbleiche an— gebracht. Es iſt dieſes Gebäude ſo gelegen, daß es das Licht von allen Seiten hat. Die Sammlung, welche mit den minder⸗ wichtigen 1800 Präparate zäahlt, hatte in der Thierarzneiſchule zu wenig Raum, welchem zum Theil auch das nöthige Licht fehlte. Es iſt die Einrichtung getroffen worden, daß nur die— jenigen Präparate von Hausthieren im geſunden Zuſtande, wel— che für die Vorleſungen gebraucht werden, aber nicht als Cabi— nettsſtücke gelten können, daſelbſt verbleiben, während letztere nebſt den pathologiſchen Präparaten ein neues geräumiges und helles Local im Großherzogl. Schloſſe haben.“*) §. 8. Der Geiſt der Univerſität. Wer bei der Wahl einer Akademie nur auf die Lehrmittel ſieht, nicht auch auf den Geiſt des akademiſchen Lebens und Studiums, gleicht einem Forſtmanne, der beim Pflanzen eines Baumes nur den Boden und nicht auch das Clima beachtet. Allerdings zieht der Baum mit den Wurzeln unentbehrliche Nahrungsſtoffe aus dem Boden, aber nicht minder noͤthig ſind ihm die Stoffe, welche die Blaͤtter aus dem Luftkreiſe ſich an— eignen. Ja dieſe ſind feiner und edler, und dienen beſonders — 1*) S. hiſtoriſch⸗topographiſches Taſchenbuch von Jena und ſeiner Umgegend, von Zenker, 1836, S. 89. nſtalt un⸗ orden. ei der Er hren 1831 dem Jahre en Labora— bengebaude nale, einer bleiche au⸗ das Licht n minder⸗ arzneiſchule chige Licht z nur die⸗ de, wel⸗ als Cabi⸗ nd leßtere mmiges und Lehrmittel ebens und nzen eines a beachtet. entbehrlice nöthig ſind eiſe ſich an⸗ m beſondett a und ſeinen 35 39— zur vollkommnern Entwickelung des Baumes. Daher ſpricht der Forſtmann von dem Standorte des Baumes, worunter er Boden und Clima zuſammen verſteht. In aͤhnlicher Weiſe ſoll bei der Wahl einer Univerſitaͤt zur Bildung eines jungen Mannes ſein ganzer Standort auf der Univerſitaͤt beachtet wer— den, d. h. Lehrmittel und Geiſt zuſammen. Der Geiſt aber, aus deſſen Luftkreiſe der Studirende ſeine beſten Lebenskraͤfte ſchoͤpft, iſt der Gemeingeiſt, welcher ſich im oͤffentlichen Leben der Univerſitaͤtsmitglieder, der lernenden und lehrenden, offen— bart. Fehlt einer Univerſitaͤt aller Gemeingeiſt, ſo iſt ſie ein Koͤrper ohne Seele und gleicht einem todten Geſteine, nicht einem lebendigen Organismus. Als nach dem dreißigjaͤhrigen Kriege das deutſche Natio— nalgefuͤhl niedergedruͤckt wurde und das oͤffentliche Leben des deutſchen Volks ausſtarb, da retteten ſich die Freiheit und der Stolz des Volks auf die Univerſitaͤten*). Die drei Univer— ſitaͤtsjaͤhre waren von nun an der einzige Zeitraum, worin der Deutſche frei athmete. Bei ſolchem Mangel an politiſcher Freiheit entwickelte ſich ein freies Burſchenleben, auf welches der an die todte Staatsmaſchine gefeſſelte Beamte mit nicht geringerer Sehnſucht zuruͤckblickte, als ihm der unter einem des— potiſchen Schulzwange ſeufzende Juͤngling entgegen ſah. Dieſe Univerſitaͤtsfreiheit aber konnte ſo allein daſtehend ihr Weſen unmoͤglich behaupten, ſondern mußte ausarten, und zwar um ſo aͤrger, da in Folge der verlornen politiſchen Freiheit und des getoͤdteten Nationalgefuͤhls Laſter und Schwaͤchen uͤberall ſich im Volke verbreiteten, und die Kinder leichter die Feh— ler, als die Tugenden ihrer Aeltern annehmen. Beſonders ſind hier folgende Ausartungen des Volksgeiſtes zu nennen: 1) Auslaͤnderei, 2) Obſeoͤnitaͤt, Galanterie und modiſche Stutze— rei, 3) Voͤllerei und Spielſucht, 4) Selbſtſucht und Mangel an Gemeingeiſt, Zwietracht und Parteiſucht; 5) Nichtachtung der *) Vergl. Blätter für litterariſche Unterhaltung, 1841, Nr. 156. 1 2 1 — 36— vaterlaͤndiſchen Geſetze und Geheimbuͤnderei; 6) Vornehmthue⸗ rei, beſonders auf Scheinehre und Kaſtengeiſt beruhendes Duell⸗ weſen; 7) Tyrannei der Etikette, der Convenienz und des ſogenannten Comments. Nachdem durch den Freiheitskrieg das deutſche National— gefuͤhl wieder geweckt worden war und die Juͤnglinge, welche fuͤr das Vaterland gefochten und dem ernſten Tod in's Auge geſehen hatten, zur Univerſitaͤt zuruͤckgekehrt, Widerwillen und Ekel empfanden gegen das hier herrſchende Unweſen, ſo ver— einigten ſie ſich in heiliger Begeiſterung zum Kampfe gegen jene Unſittlichkeiten und Rohheiten und zu einer gruͤndlichen Veredlung des Studentenlebens. Der Reinheit ihres Strebens bewußt kaͤmpften ſie dieſen Kampf offen vor aller Welt Augen. Auf einigen Univerſitaͤten wurde in wenig Jahren durch ihre gemeinſamen Beſtrebungen erreicht, was man fruͤher ein Jahr— hundert hindurch durch Geſetze und Verbote vergeblich erſtrebt hatte. Ein ſehr bedeutender Theil jener Laſter und Roh— heiten wurde ſo entfernt und dem faſt abgeſtorbenen Univer— ſitaͤtskoͤrper ein edler Gemeingeiſt eingehaucht. Aber leider ſtrauchelten bald Viele auf dieſem noch ungebahnten Wege der Reform; Duͤnkel, Uebermuth und politiſche Fruͤhreife fanden ſich hier wie in anderen Kreiſen des nach einer neuen Ge— ſtaltung des geſelligen Lebens ringenden Volks ein, was die ſtrengſten Verbote jener Vereinigungen zur Folge hatte. So kam unter den deutſchen Studenten das hoͤchſt wich— tige Werk der innern Reform, wodurch allein eine Verbeſſerung der aͤußern akademiſchen Geſelligkeit bewirkt werden kann, in's Stocken, hier und da wurden ſogar Ruͤckſchritte gemacht, wel— che jetzt um ſo auffallender ſind, da einige andere Zweige des deutſchen Volkslebens in der neueſten Zeit durch oͤffentliche Ver— eine bedeutend veredelt wurden. Die Geſammt-Akademie Jena gehoͤrte von jeher zu den— jenigen Univerſitaͤten, welche mehr durch die Friſche ihres Geiſtes National⸗ e, welche in's Auge illen und , ſo ver⸗ fe gegen undlichen Strebens t Augen. zurch ihre in Jahr⸗ herſtrebt was die te. zchſt Wich⸗ erbeſſerung kann, ins nacht, we⸗ Zweige da ntliche Ve⸗ her zu der⸗ gres Geiſt als durch den Glanz ihrer Lehrapparate zu wirken ſtrebten*), ſtets einen hochaufſtrebenden Gemeingeiſt in ſich pflegten, und dieſen auch in der Zeit deutſcher Erniedrigung und Entſittung nicht ausſterben ließen, wie die Namen beweiſen, welche am Ende des vorigen und im Anfange dieſes Jahrhunderts auf ihr glaͤnz— ten, die Namen: Schiller, Griesbach, Fichte, Hegel, Schelling, Reinhold, Paulus, Thibaut, Hufeland, Feuerbach, Loder und Andere, ein Verzeichniß, das be— deutend groͤßer erſcheinen wuͤrde, wenn ich Namen noch leben⸗ der Collegen mit auffuͤhren wollte. Von den Studirenden je— ner Zeit ſagte Fichte im Jahre 1795: „Ueberhaupt bin ich den Studirenden zu Jena, ſo wie ich ſie kenne, das Zeugniß ſchuldig und gebe es ihnen aus der Fülle meines Herzeus, daß bei der Mehrzahl eine würdigere Denkart uber das Geſchäft des Gelehrten herrſcht, als man ſonſt gewöhn— lich antrifft, ein größerer Trieb auch das zu lernen, was mit dem künftigen Amte nicht in unmittelbarer Beziehung ſteht, mehr Liebe zu der Wiſſenſchaft um der Wiſſenſchaft willen, mehr Trieb zum Selbſtdenken und Selbſtarbeiten, und überhaupt ein ſicht— bares Streben, ſich in allen Stücken zur Selbſtſtändigkeit empor zu heben, und nicht mehr Kinder, ſondern Männer zu ſein. Da— mit iſt ein allgemeiner Eifer fuͤr den guten Ruf der Akademie *)„Dort in Sachſen leuchtet uns ſogar das Beiſpiel von einer der erſten Univerſitäten Deutſchlands, jenes lichtvolle und berühmte Jena, lange Zeit eine Art wahrer Muſter- und Pflanzſchule anderer deutſchen Univerſitäten, wie entſtund es und wodurch erhielt es ſich?— Durch nicht weniger als vier verſchiedene Fundatoren und Nutritoren, deren Jeder ſein nicht ſehr großes Scherflein bei⸗ und zuſammentrug, um, was Keiner für ſich konnte und vermochte, was Ganzes und Rechtes zu ſtiften, das mit Würde und Ehre und mit lebendiger Fruchtbarkeit dem Großten und Beſten, was die Größten und Beſten der Fürſten in ganz Deutſchland geſchaffen, Jahrhunderte lang zur Seite ſtand.“ Trorxler, die Geſammthochſchule der Schweiz, 1830, S. 157. Vergl. Scheidler: Ueber die Idee der Univerſität, 1838, S. 244. bei Auswärtigen verknuͤpft, der, ſo viel ich weiß, nur noch auf einer oder zwei andern Univerſitäten herrſcht. Es bedarf, glaube ich, weiter nichts, als daß die Dinge, welche dem Treffklichſten im Jünglinge, dem Triebe nach Selbſtthätigkeit, zuweilen eine falſche Richtung geben, entfernt und dieſem Triebe in allen ſei— nen Zweigen ein würdiges Ziel angewieſen werde: und ſie wuͤr— den bald aufhören, ſchlimmer zu ſcheinen als ſie ſind, und durch muſterhaftes Betragen die Flecken, die jetzt auf ihren guten Ruf gefallen ſind, auswaſchen. Dann wird eine Univerſität, die vom äußerſten Ende Rußlands bis tief in die Schweiz, und von der Nordſee bis an die tuͤrkiſche Grenze die Blüthe der Jugend zu ſich verſammelt aus jenem glücklichen Mittelſtande, deſſen Beſſere von jeher alles Gute und Große, was in der Menſchheit iſt, in ſie gebracht haben, immer blühender, die Mittel, ſich daſelbſt auszubilden werden immer mannigfaltiger und gereinigter werden, und ſie wird immer mehr für das Land, in welchem ſie iſt, eben— ſo zur Ehre als zum Nutzen für ganz Europa gedeihen.“*) Dieß beachtend, wird man es ganz natuͤrlich finden, daß die Mitglieder dieſer Univerſitaͤt vorzuͤglich Theil nahmen an dem volksthuͤmlichen Kampfe fuͤr aͤußere Freiheit der deutſchen Nation und nach gluͤcklicher Beendigung deſſelben an dem nicht minder wichtigen Kampfe fuͤr innere Freiheit, d. h. fuͤr Sitt— lichkeit und Tugend. Den gemeinſinnigen und fuͤr deutſche Tugend und Sitte begeiſterten jungen Maͤnnern, welche nach dem Freiheitskriege hier ſtudirten, hat es vorzugsweiſe unſere Univerſitaͤt zu dan— ken, daß aus ihrem Boden jene Laſter, welche im Finſtern ſchleichen und Leib und Seele vergiften, gaͤnzlich ausgerottet, die uͤͤbrigen Fehler bedeutend vermindert, ihre geſelligen Ver— haͤltniſſe uͤberhaupt veredelt worden ſind. Und auch jetzt iſt *) S. Fichte's Leben und litterariſcher Briefwechſel, herausgegeben von ſeinem Sohne. 2. Theil, 1831, S. 96. noch auf , glaube efllichſten ilen eine allen ſei⸗ ſie wüͤr⸗ und durch uten Ruf die von von der ugend zu Beſſeere t iſt, in daſelbſt werden, t, eben⸗ den, daß hmen an deutſchen dem nicht für Sitn⸗ nd Sitte eitskriege zu dan⸗ Finſtern sgerotte, igen Ver⸗ 1) jetzt ſſ rausgegeben fuͤr unſere Univerſitaͤt der in ihr lebende Gemeingeiſt ihr werth— vollſtes Beſitzthum, der ſicherſte Grund zur Hoffnung, daß ſie an dem ſo gedeihlich angefangenen Werke einer zeitgemaͤßen Umbildung des geſelligen Lebens auf deutſchen Univerſitaͤten den ruͤhmlichſten und einflußreichſten Antheil nehmen wird. Dieſer uverſichtlicher hingeben, da von ihren durchlauchtigſten Ergaltzun das hoͤchſte Ziel ihrer Wirkſamkeit in das hellſte Licht geſtellt worden iſt. ermuthigenden Hoffnung kann man ſich um ſo z Der erſte Paragraph des neuen Statuts lautet ſo:„Die Univerſitaͤt beſteht als eine hoͤhere Bildungs- und Üiterrichts— anſtalt, deren Zweck es iſt, gehoͤrig vorbereitete Juͤnglinge fuͤr die Kirche und den Staatsdienſt tuͤchtig zu machen; uͤberhaupt aber das Wahre, Schoͤne, Gute und Heilige nicht nur in ſich zu bewahren, ſondern auch immer mehr zu verbreiten.“ Eine ausfuͤhrliche Erklaͤrung aber uͤber dieſe Beſtimmung der Uni— verſitaͤt Jena enthaͤlt eine officielle Eingabe des Großherzogl. und herzogl. ſaͤchſiſchen Bundestagsgeſandten, Herrn von Hen⸗ drich bei dem hohen deutſchen Bundestag in der Sitzung vom 1. April 1819. Sie beginnt mit dem oben angefuͤhrten Wor— ten des Statuts und fuͤgt dazu noch die Bemerkung, daß die Univerſitaͤt durch ſolche Beſtrebungen„in den ganzen Gang der geiſtigen, ſittlichen, religioͤſen und buͤrgerlichen Fortbildung des deutſchen Volks eingreifen ſolle.“ Nachdem hierauf aus einander geſetzt worden iſt, was in der neueſten Zeit dieſem Zwecke gemaͤß fuͤr Jena geſchehen, faͤhrt der Herr Bundestags⸗ geſandte fort: znss ſolche Anordunungen und Einrichtungen glauben Ihre königl. oheit der Großherzog von Sachſen-Weimar und Eiſenach im ſchönſten Einverſtändniſſe mit des Herzogs von Gotha Durch⸗ laucht das Fortbeſtehen der Univerſitat in der ihr gegebenen Be⸗ deutung aufs Neue geſichert zu haben, und Sie freuen ſich die— ſes Werks in der feſten Ueberzeugung, daß die deutſchen Univer⸗ ſitaten, als Anſtalten, auf welchen es nicht bloß um Unterricht, — 40— ſondern um Ausbildung des Jünglings in der Geſammtheit ſeiner Anlagen, und Begründung der nöthigen Welt- und Menſchen⸗ kenntniß und Entwickelung des Charakters zur Freiheit und Selbſt⸗ ſtändigkeit, gleichſam in einem der Jugend bereiteten künſtlichen Leben zu thun iſt, für das Vaterland vom höchſten Werthe ſind, und daß die deutſchen Univerſitäten, wie ſie jetzt noch beſtehen, mit den niederen Schulen ähnliche Anſtalten nur zum größten Nachtheile fuͤr die dadurch beabſichtigten Zwecke vertauſcht wer— den würden. Kein Land iſt reicher an gründlichen Gelehrten, an gebildeten und treuen Staatsdienern, an wackeren Schullehrern, an tuͤchtigen Kirchendienern, als eben Deutſchland. Und auf den deutſchen Univerſitäten wurde dieſer Reichthum gewonnen!“— „Gern werden Se. königl. Hoheit und Se. herzogl. Durchlaucht zu einer Vereinigung über gewiſſe Grundſätze und zu allen zweck⸗ mäßigen und ausführbaren Maßregeln die Hände bieten, welche das Regiment auf der Univerſität erleichtern.— Aber eingedenk deſſen, was auf deutſchen Univerſitaten geleiſtet und in ſeinen Gründen und Erfolgen längſt anerkannt, von Deutſchen, wie von Nichtdeutſchen geprieſen worden iſt, werden Se. königl. Hoheit und Se. herzogl. Durchlaucht nie ſtimmen für Einrichtungen, wel— che das wahre Weſen derſelben nothwendig zerſtören, ſie durch Aufhebung der akademiſchen Freiheit zu bloßen Gelehrtenſchulen oder Gymnaſien umformen würden.“*) Das landwirthſchaftliche Inſtitut kann von ſeiner Verbin— dung mit der Univerſitaͤt den wichtigſten Vortheil nur inſofern haben, als es von einem nach dieſem erhabenen Ziele ringen— den akademiſchen Gemeingeiſte durchdrungen iſt. Zunaͤchſt frei— lich ſollen die Mitglieder des Inſtituts ihre gemeinſinnigen Be— ſtrebungen auf den Zweck dieſer Anſtalt richten und in ihrer *) Mitgetheilt in der Nationalzeitung der Deutſchen, außerordeutl. Beilage zum 15. Stück, 1819. Vergl. Scheidler: Ueber die Idee der Univerſität und ihre Stellung zur Staatsgewalt, S. 247. feit ſeine Menſchen⸗ id Selbſt küͤnſtlichen erthe ſind, beſtehen, n größten uſcht wer⸗ ehrten, an zullehrern, d auf den nen!“— zdurchlaucht len zweck⸗ ;, welche eingedenk in ſeinen „wie von gl. Hohet igen, wel⸗ wſie durch rtenſchulen r Verbin⸗ tinſofern gle ringen⸗ naͤchſt ftei⸗ nnigen Be⸗ d in ihret rußerordenil die Idee dei — 44— Mitte ein Vereinsleben pflegen; aber der Inſtitutszweck ſoll mit den Zwecken der Akademie zuſammenſtimmen, und ihr Vereinsleben ein Zweig von dem oͤffntlichen Univerſitaͤtsleben, das ganze Inſtitut ein lebendiges Glied am Organismus der Univerſitaͤt ſein. Bei einer ſolchen geiſtigen Vereinigung des landwirthſchaftlichen Inſtituts mit der Akademie werden die Mitglieder nicht bloß fuͤr ihren kuͤnftigen Beruf wichtige Kennt— niſſe und Fertigkeiten durch Benutzung der oben genannten Lehrmittel ſich aneignen, ſondern auch in ſittlicher Beziehung ſich vervollkommnen, nicht bloß ihre gewerbliche, ſondern auch ihre hoͤhere Bildung foͤrdern und zwar in dreifacher Bezie— hung: 1) indem ſie alle ihre Studien mit dem Geiſte einer aͤch⸗ ten Wiſſenſchaftlichkeit betreiben, d. h. ſo, daß ſie nicht bloß Kenntniſſe ſammeln, ſondern auch ihres Zuſammenhanges un— ter einander und mit andern Kenntniſſen, wie auch ihrer Be— ziehung zur Vervollkommnung des menſchlichen Geiſtes ſich be— wußt, fuͤr die Idee der Viſſenſchaft begeiſtert und durch Anſchauung einer gleichartigen, aber bereits ausgebildeten Thaͤtigkeit in dem Geiſte der Lehrer, zum wiſſenſchaftlichen Selbſtdenken und zur Weiterbildung der Wiſeenſchaft angeregt werden; 2) indem ſie an ihrer ſittlichen Bildung arbeiten. Dieſe wird ſchon durch ein Studium der Wiſeenſchaften, worin der aͤchte Geiſt der Wiſeeſchaftlichkeit lebt, bedeutend gefoͤrdert, weil dadurch die reine Liebe zur Wahrheit, die Luſt zum Ler— nen, der Sinn fuͤr Geiſtesveredlung geweckt und gepflegt wird, und das Feuer der reinen, uneigennützigen Liebe, wenn es einmal in der Bruſt des Juͤnglings angefacht iſt, uͤber alle Zweige des Geiſteslebens leicht ſich verbreitet. Außerdem aber kann und ſoll die Charakterbildung der Studirenden auch durch eine von akademiſcher Freundſchaft beſeelte Geſelligkeit gehoben werden. Hierzu kommt: — 42— 3) die Beſtimmung des deutſchen Univerſitaͤtslebens, die Wiſſenſchaft zum Gemeingut der deutſchen Nation zu machen und um alle Gebildete unſeres Volks ein feſtes geiſtiges Band deutſcher Nationaleinheit zu ziehen: ein Zweck des Univerſitaͤts— lebens, welcher mit der Beſtimmung einer hoͤhern Bildung der Landwirthe vollkommen im Einklange ſteht, denn bei dieſer Bildung kommt es, wie oben nachgewieſen wurde, vor Allem darauf an, die Selbſtſucht, welche das landwirhſchaftliche Volks— leben zur rohen Sinnlichkeit, zur grauenhaften Barbarei zu er— niedrigen droht, durch einen vaterlaͤndiſchen Gemeingeiſt zuruͤck— zudraͤngen und an ihre Stelle eine verſtaͤndige Selbſtliebe zu ſetzen. Leben die Mitglieder des Inſtituts in ſolcher Weiſe mit der Akademie verbunden, dann ziehen ſie aus ihrem Univer— ſitaͤtsleben die weſentlichſten Vortheile, bereiten ſich vor nicht bloß zu tuͤchtigen Landwirthen, ſondern auch zu tuͤchtigen Fort— bildnern ihres Volks; dann zeigen ſie ſich wuͤrdig der Univer— ſitaͤt und ihrer Freiheit*) und verdienen den Namen Commi— litonen, d. h. Mitſtreiter im Kampfe fuͤr das Wahre, Schoͤne, Gute und Heilige**). *) S. oben den Schluß des§. 5. **) Die Gründe, welche mich bewegen, hier und noch ausführlicher in den Vorleſungen, über die Gebrechen des akademiſchen Lebeus zu ſpre— chen, ſind in den folgenden Worten enthalten:„Wenn je von einer Menſchenclaſſe zu erwarten iſt, daß ſie durch Begriffe und deutliche Einſichten ihre Triebe und Handlungen regieren werden: ſo muß es diejenige ſein, die ihr ganzes Leben der Aufklärung der Begriffe und Grundſätze widmet. Von jungen Studirenden muß man alſo zuerſt au— nehmen dürfen, daß man ſie nur von der Falſchheit ihrer Grundſätze recht innigſt zu überzeugen habe, um ſie auch im Handeln zu ver⸗ laſſen.— Handwerker konnten wohl in ihren Zunftvorurtheilen erblin⸗ den, und die beſſern Vorſtellungen vermochten hier nichts, weil es ihnen eben ſo wohl an Gelegenheit, als an Fähigkeit fehlte, ihre Irrthuͤmer deutlich einſehen zu lernen. Hier konnte alſo bloß Zerſtorung der Zünfte ns, die machen § Band erſitats⸗ dung der ei dieſet or Alem e Volkz⸗ ei zu er⸗ t zurück⸗ kliebe zu zeiſe mit Univer⸗ or nicht en Fort⸗ Univer⸗ Commi- Schöne, 7 sführlicher z zu ſote⸗ von einer deutliche ſo muß es egriff und ozuerſt al⸗ Grundſäte eln zu bel— eilen erblür eil e ihie Jerthüme der Zünſte Damit iſt auch die Frage beantwortet, ob es rathſam ſei, ein landwirthſchaftliches Inſtitut mit einer Univerſitaͤt zu verbinden, oder ob diejenigen Recht haben, welche eine Tren— nung vorziehen? Es kommt naͤmlich dabei weit mehr auf den Univerſitaͤtsgeiſt als auf die Lehrmittel an, und jenen be— treffend iſt weniger darauf zu ſehen, welche Fehler im Uni— verſitaͤtsleben ſich noch finden, ſondern vielmehr darauf, ob die Univerſitaͤt an dem volksthuͤmlichen Aufſchwunge der deut— das Neſt der Vorurtheile vernichten. Aber Studirende, welche die Auf— klärung ihres Verſtandes zu ihrem einzigen Gewerbe machen, dieſe müſ⸗ ſen durch Gründe dahin gebracht werden können, daß ſie einſehen, das Princip, worauf ſie ihre großen Verbrüderungen gründeten, ſei irrig, ungerecht und unmoraliſch. Und iſt es gelungen, eine ſolche Ueberzeu⸗ gung allgemein unter den Studenten zu verbreiten, ſo iſt anch das Hauptübel gehoben.— Was Verbote und ſtrenge Strafen nie bewirkt haben und ſchwerlich je bewirken werden, das wird dann aus dem freien Entſchluſſe einer beſſer unterrichteten Jugend hervorgehen. Was aus Ueberzeugung geſtiftet iſt, kann auch nur durch Ueberzeugung untergehen. — Deshalb ſcheint es mir eine ſo wichtige Pflicht, daß jeder Univerſi— tätslehrer inſonderheit dieſen ſchädlichen Vorurtheilen mit allen in ſeiner Gewalt ſtehenden Mitteln entgegen arbeite. Denn wir haben es nicht mit rohen Zunftgenoſſen, ſondern mit gebildeten jungen Männern zu thun, denen ſelbſt daran gelegen iſt, ihren Verſtand aufzuklären und nach ihrer Ueberzeugung zu handeln. Unſer Geſchäft iſt es, durch Lehre und Unterricht auf die jungen Gemüther zu wirken und ihnen die reine, lautere Wahrheit nach unſerer Ueberzeugung vorzutragen. Wehe! wenn wir aus Furcht mit der Wahrheit zurückhielten, noch mehr Wehe! wenn ein Univerſitätslehrer gar aus ſchnödem Eigennutze den Vorurtheilen hul— digen und den Leidenſchaften ſchmeicheln wollte!— Mag die Wahrheit Anfangs etwas einſchneiden und ſchmerzen, mag ſie eine Zeitlang ver— kannt werden, endlich muß ſie doch durchdringen, und dann iſt der Triumph unſer! Denn unſere Jugend iſt durch Ideen zu lenken.— Und ſo wird die Reform der Sitten ſelbſt von einer beſſeren Jugend ausgehen: der einzig richtige Weg, auf welchem verderbliche Vorurtheile ausgerottet werden können.“ Von Jacob: Ueber akademiſche Freiheit, S. 60 ff. ſchen Nation mit vorwaͤrtsſtrebendem Gemeingeiſte Theil neh— mend, ruͤſtig darnach ringet, das Unkraut von Vorurtheilen und Unſittlichkeiten, welches in der Zeit deutſcher Knechtſchaft auf dem Grund und Boden der Univerſitaͤten nicht minder als anderwaͤrts im deutſchen Vaterlande ſich verbreitete, auszu— rotten; denn die Vortheile, welche die Benutzung der Lehr— mittel einer Univerſitaͤt gewaͤhren koͤnnen, werden von den Nachtheilen einer ſittlichen Verdorbenheit und eines nationalen Kaltſinnes unendlich uͤberwogen. Wer ein landwirth— ſchaftliches Inſtitut auf einer Univerſitaͤt errich— tet, worin jener Gemeingeiſt gaͤnzlich ausgeſtor— ben iſt, pfropft auf einen faulen Baum ein junges Edelreis. Unter ſo bewandten ÜUmſtaͤnden konnte nur ein feſtes Ver— trauen zu dem guten Geiſte der Studirenden der hieſigen Uni— verſitaͤt mich im Jahre 1839 bewegen, zu ihr zuruͤckzukehren und hier wiederum ein landwirthſchaftliches Inſtitut zu gruͤnden. Das vorzuͤgliche Gedeihen dieſer Anſtalt in den verfloſſenen vier Jahren hat mein Vertrauen wie in wiſſenſchaftlicher, ſo auch in ſittlicher Hinſicht gerechtfertigt. Wenn auch das hieſige Stu— dentenleben in Bezug auf ſeine Reform noch viel zu wuͤnſchen uͤbrig laͤßt, ſo kann man doch von demſelben der Wahrheit ge— maͤß ruͤhmen, daß es von den auf einigen andern Univerſitaͤten noch herrſchenden Laſtern, welche Leib und Seele bis in das Innerſte verderben, frei iſt, und daß es mit edelem Gemein— geiſte und lebendiger Regſamkeit an ſeiner Vervollkommnung fortdauernd arbeitet*). *)„Die durch große Stiefeln und Hüte(Kanonen und Stürmer) und Pfund ſchwere Spornen, oder durch geſuchte Nachläſſigkeit und Lie⸗ derlichkeit auffallende oder geſchmackloſe Kleidung hat der gewöhnlichen, anſtändigen, zwanglos freien, oder einer einfachen, aber edel gewählten Uniform Platz gemacht.— Die wüthende, oft viehiſche Saufluſt und der fürchterliche, Leben und Geſundheit und alle beſſern Gefühle ertöd⸗ heil neh⸗ urtheilen echtſchaft inder als „ auszu⸗ der Lehr⸗ von den ationalen wirth— errich⸗ geſtor— junges ſtes Ver⸗ gen Uni⸗ zukehren gründen. enen vier „ſo auch iſige Etu⸗ wünſchen hrheit ge⸗ verſitäͤten in das Gemein⸗ ommnung d Stürmel) eit und Li⸗ ewöhnlichen, el gewählten aufluſt und fühle ertid⸗ 45— Jenes Vertrauen zu dem guten Geiſte der hieſigen Stu— denten, welcher mich vorzugsweiſe veranlaßte, hier wieder ein landwirthſchaftliches Inſtitut zu errichten, ſtuͤtzte ſich nicht bloß auf die Beobachtungen, welche ich als Lehrer in Jena in den Jahren 1819 bis 1834, ſondern auch auf die Erfahrungen, welche ich bei Einrichtung der koͤniglich preuſſiſchen ſtaats- und landwirtſchaftlichen Akademie Eldena in den Jahren 1835 bis 1839 gemacht hatte; denn bei Gruͤndung des innern Lebens zu Eldena ging mein Beſtreben vorzuͤglich dahin, mit Huͤlfe der jungen Freunde, welche mich von Jena dahin begleitet hatten, der neuen Anſtalt jenen beſſern Jenaiſchen Geiſt ein— zufloͤßen. Daß dieſes Unternehmen gelang, daß das Leben der Akademiker zu Eldena durch Sittlichkeit, Ordnung und An— ſtand, wie durch Wiſeenſchaftlichkeit ſich ſo ſehr auszeichnete, verdanke ich, wie die folgende Geſchichte der ſtaats- und land— wirthſchaftlichen Akademie Eldena in den Jahren 1834— 1839 nachweiſen wird, vorzuͤglich jenen jungen Maͤnnern und den uͤbrigen gleichgeſinnten Freunden, welche fuͤr die Idee der ſtaats- und landwirthſchaftlichen Akademie begeiſtert, mit mir an der Gruͤndung des innern akademiſchen Lebens arbeiteten. tende Saufzwang auf den Commergen, einer freien, zwiſchen Geſpräch und Geſang getheilten Fröhlichkeit eines heitern brüderlichen Trinkgelages. Verſchwunden iſt ferner die früher, nicht ſelten ſehr vernehmlich, ſich äu⸗ ßernde Rohheit gegen das andere Geſchlecht.— Aber nicht bloß äußerer Anſtand, ſondern auch innere Reinigkeit werden je länger je mehr herr⸗ ſchend, und es giebt vielleicht jetzt keine Univerſität, wo weniger Lieder⸗ lichkeit zu finden wäre als in Jena, während auf mancher andern äußerer Anſtand und innere Sittenloſigkeit Hand in Hand gehen, ja Liederlich⸗ keit Ton iſt unter den Studenten. Dort wird der Anſtand freilich durch eine einmal eingeführte äußere abgemeſſene Form des Lebens hervorgebracht, für deren Zwang ſich die Jünglinge im Stillen zu entſchädigen ſuchen. Hier in Jena iſt die äußere gute Sitte Folge der innern Sittlichkeit, wie ſie es überall ſein ſollte.“ S.(Wilhelm Stark): Ueber den Geiſt des deutſchen Studentenlebens, insbeſondere zu Jena, 1816, S. 29. — Jenes reine, friſche, kraͤftige und einige Leben zu Eldena, wodurch die neue Anſtalt ſich bald zahlreiche Goͤnner und Freunde in der Naͤhe wie in der Ferne erwarb, und das ſelbſt ihre groͤßten Feinde anerkennen mußten, es war ſeinem inner— ſten Weſen nach ein Abbild von dem Leben derjenigen unter den hier Studirenden, welche die Traͤger des edlern Jenaiſchen Studentengeiſtes ſind. Da nun dieſer Geiſt, wie die oben an— gefuͤhrte Stelle von Fichte bezeugt, tief in der Vergangenheit wurzelt und von der hohen Weisheit der Durchlauchtigſten Erhalter der Geſammt-Akademie geſchuͤtzt und gepflegt wird (S. 39), ſo hege ich die zuverſichtliche Hoffnung, daß er ſtets kraͤftig fortleben und durch das hieſige Inſtitut, welches den— ſelben ebenfalls als ſein Lebensprincip anerkennen ſoll(S. 41), aufklaͤrend und veredelnd auf die Bildung der Landwirthe, Gutsbeſitzer und Staatswirthe in allen Gegenden des deutſchen Vaterlandes, wie auch im Auslande fortwirken wird. Dritter Abſchnitt. Lehrmittel des landwirthſchaftlichen Inſtituts. §. 9. Lehrmittel zu Jena und in der Umgegend. Die zur Foͤrderung der Inſtitutszwecke erforderlichen Lehr⸗ mittel werden, ſoweit die bei der Univerſitaͤt vorhandenen nicht ausreichen, von Seiten der Anſtalt angeboten, als: 1) Vorleſungen, woruͤber der naͤchſte Abſchnitt naͤhern Ausweis geben wird; 2) Converſatoria, welche die Lehrer leiten. Darin wer— den geſpraͤchsweiſe die wichtigſten und ſchwierigſten Lehren ab— gehandelt. Solche Zuſammenkuͤnfte foͤrdern das Selbſtdenken, gewaͤhren praktiſchen Takt, geben dem Studirenden Gelegen— —— Eldena, mer und das ſelbſt em inner⸗ gen unter Jengiſchen oben an angenheit uchtigſten legt wird er ſtets ches den⸗ (S. MI), ndwirthe, deutſchen rituts. . hen Lehr⸗ eenen nicht itt nähern Darin wel⸗ Lehren dh⸗ elbſtdenken n Gelegel⸗ — 27— heit ſich im oͤffentlichen Sprechen zu uͤben, und machen den Lehrer mit dem Erfolge ſeiner Vortraͤge und mit den Beduͤrf— niſſen ſeiner Schuͤler bekannt; 3) das chemiſche Laboratorium, worin unter Leitung des Lehrers der oͤkonomiſchen Chemie die Studirenden in chemiſchen Arbeiten ſich uͤben, beſonders im Unterſuchen der Bodenbeſtand⸗ theile, in der chemiſchen Beſtimmung und Aufloͤſung von Koͤr— pern, welche fuͤr den Landwirth und Techniker von Intereſſe ſind u. dergl.; 4) ein botaniſcher Garten, worin diejenigen landwirth— ſchaftlichen Pflanzen gebaut werden, von deren Anbau in den Vortraͤgen uͤber landwirthſchaftliche Pflanzenkunde geſprochen wird; 5) Sammlungen von getrockneten Pflanzen, von Minera⸗ lien, Erden, Inſecten, Modellen, phyſikaliſchen und techniſchen Apparaten, welche fuͤr die Vorleſungen uͤber Landwirthſchaft, Technik, Baukunſt und Naturwiſeenſchaften erforderlich ſind; 6) ein Leſezimmer, worin ſtaats- und landwirthſchaftliche, auch politiſche Zeitſchriften zu leſen, auch andere nuͤtzliche Buͤ— cher zu leihen ſind; 7) Excurſionen, welche beſonders zur Foͤrderung der bo— taniſchen, mineralogiſchen, landwirthſchaftlichen und technologi— ſchen Studien unternommen werden. Fuͤr das Studium der Bodenkunde iſt die Mannigfaltig— keit der Bodenarten in hieſiger Gegend ſehr guͤnſtig. Die Laͤn— dereien, welche unſere Landwirthe benutzen, liegen theils in Thaͤlern, theils an Abhaͤngen und auf Hoͤhen, und enthalten Thon, Lehm, Sand, Kalk, Mergel, Gyps, Geroͤlle, Humus in ſehr verſchiedenen Miſchungen. Nicht minder geeignet iſt die Umgegend von Jena in Be— zug auf Studium der Pflanzenkunde. In ſeinem„hiſtoriſch— topographiſchen Taſchenbuche von Jena und ſeiner Umgebung, beſonders in naturwiſſenſchaftlicher und mediciniſcher Beziehung, = 48— Jena, 1836,“ ſagt der verſtorbene Zenker, ein kenntniß⸗ reicher, gemuͤthvoller Naturforſcher, Seite 260:„Sie Alle (Goethe, Rupps, Rollfink und viele andere Gelehrte) huldigten mit einem ſchwer zu beſchreibenden Enthuſiasmus der Flora, die freilich aber auch hier gerade beſonders zur Fruͤhlingszeit mit unwiderſtehlicher Anmuth zu naͤherer Betrachtung einladet. Wie feſtlich prangen da nicht unſere Laubwaͤlder, und ſelbſt die ſonſt ſo kahlen Felſen ſchmuͤcken ſich mit heiteren Fruͤhlings— kraͤnzen. Darum wurde auch Haller, der feinſinnige Beur— theiler von Naturſchoͤnheiten, der unſterbliche Saͤnger der Al— pen, von den Vorzuͤgen unſerer Gegend ſo innig ergriffen. Adrian Beier erzaͤhlt, daß, als Kaiſer Karl V im Jahre 1547 den 25. Juni mit dem in der Schlacht von Muͤhlberg gefangenen Churfuͤrſten Johann Friedrich durch unſer Thal ge— kommen ſei, ihm die Lieblichkeit deſſelben ſo angeſprochen habe, daß er es nur mit der reizenden Umgebung von Florenz zu vergleichen wußte. In der That moͤchte man auch in dem noͤrdlichen Deutſchland, etwa einige Gegenden des Werrathals ausgenommen, wenig Landſtriche finden, wo auf dem geringen Raume von kaum zwei Quadratmeilen eine ſolche anmuthige Abwechſelung von Berg und Thal und eine ſolche Fuͤlle der ſchoͤnſten, wuͤrzigſten Kraͤuter getroffen wuͤrde. Auch iſt es ſicherlich keine Uebertreibung, wenn ſchon Rolfink, der Italien aus Autopſie gehoͤrig zu wuͤrdigen verſtand, behauptete, daß unſere Berge an Reichthum und Mannigfaltigkeit der Vegeta— tion den Bergen in Welſchland, ſogar den beruͤhmten Baldo nicht ausgeſchloſſen, nichts nachgaͤben.“ Auch die Wirthſchaftsverhaͤltniſſe der Landguͤter in hieſiger Gegend ſind in Ruͤckſicht auf Groͤße, Futter- und Handels— gewaͤchſe, Fruchtfolge, Thierzucht, techniſche Gewerbe u. ſ. w. außerordentlich mannigfaltig, ſo daß der Beſuch derſelben ſehr belehrend ſein kann. Dem Director der Anſtalt kommt dabei der Umſtand zu Statten, daß er fruͤher, wo er mehrere Land— tenntniß⸗ Sie All huldigten er Florg, hlingszei einladet ind ſelbſt rüͤhlings⸗ ge Beur⸗ der Al⸗ ergriffen. n Jahre Ruͤhlberg Thal ge⸗ en habe, renz zu in dem errathale geringen nmuthige Fülle der h iſ es JItalien ete, daß Vegeta⸗ en Baldo n hieſiger Handel⸗ u. ſ. w. llben ſehr umt dabei ere Land— — 49— guͤter in hieſiger Gegend als Oberverwalter bewirthſchaftete, Gelegenheit hatte, die hieſigen Wirthſchaftsverhaͤltniſſe praktiſch kennen zu lernen. Sehr beguͤnſtigt wird dieſer Theil des Unterrichts durch die freundſchaftliche Verbindung des Directors mit mehreren benachbarten Landwirthen und durch den landwirthſchaftlichen Verein zu Zwaͤtzen, an deſſen Verſammlungen die Mitglieder des Inſtituts Theil nehmen können. Dieſer Verein iſt ein Filialverein des fuͤr das geſammte Großherzogthum Sachſen— Weimar-Eiſenach beſtehenden landwirthſchaftlichen Vereins und beſteht bereits zwoͤlf Jahre. Vorſteher ſind gegenwaͤrtig der Herr Amtmann Sommer zu Zwaͤtzen und der Director des landwirthſchaftlichen Inſtituts, Secretaͤr iſt der Herr Rentamts⸗ adjunct Lange zu Jena. 8) In Bezug auf Garten-, Obſt- und Hopfenbau iſt der den Mitgliedern des Inſtituts geſtattete Beſuch der Großherzogl. Landesbaumſchule bei Weimar und die Bereitwilligkeit ihres Directors, des Herrn Oekonomieraths Brehme, ihnen naͤhere Auskunft uͤber den dortigen Garten-, Hopfen- und Obſtbau zu geben, von Wichtigkeit. Dieſe Baumſchule, welche zunaͤchſt dazu beſtimmt iſt, eine Mutterſchule der edelſten Obſtſorten im Großherzogthume und eine Unterrichtsanſtalt fuͤr die Landſchul— Seminariſten zu ſein, hat drei Abtheilungen: a) 12 Weimari⸗ ſche Acker am Ettersberge, mit 64,208 Baͤumen und Pflanzen; b) 1 Weim. Acker hinter der Jacobskirche in Weimar, mit 5410 Staͤmmchen; und c) 1 ¼ Weim. Acker Hopfenanlage am Ettersberge. 9) Sehr belehrend kann fuͤr die Mitglieder des Inſtituts auch der Beſuch der Muſter- und Lehrwirthſchaft auf dem Großherzogl. Kammergute Zella im Eiſenacher Oberlande wer— den, da dieſelbe unter ſehr eigenthuͤmlichen Verhaͤltniſſen des Bodens, Climas, der geſelligen und Handels-Verhaͤltniſſe ſteht. Schulze Deutſche VlI. f. Landw. I. 4 — 39— Ihr Zweck iſt, das Leben der dortigen Landleute durch Bei⸗ ſpiel und Lehre zu foͤrdern, ihnen Gelegenheit zur Verbeſſerung ihres Feld- und Wieſenbaues, ihrer Viehzucht und zum Abſatz der Erzeugniſſe zu verſchaffen. Mit Ruͤckſicht auf dieſen Zweck iſt dieſſes Kammergut im Jahre 1840 von Sr. Koͤnigl. Hoheit dem Großherzoge dem vormaligen Inſpector der fuͤrſtlichen Guͤter zu Koͤſtritz und des Ritterguts Gleina bei Naumburg, Herrn Sturm in Pacht gegeben worden. §. 10. Fortſetzung, das Kammergut Zwätzen betreffend. 10) Das Großherzogl. Kammergut Zwaͤtzen, deſſen Be⸗ wirthſchaftung in Folge einer gnaͤdigſten Verguͤnſtigung Sr. Koͤnigl. Hoheit des Großherzogs mit dem landwirthſchaftlichen Inſtitute in naͤherer Verbindung ſteht, liegt im Saalthale, nur ¾ Stunden von Jena entfernt, und beſteht aus dem Hauptgute zu Zwätzen mit zwei Vorwerken. Es gehoͤren dazu: 1) Felder... 763,; Weim. Alcker, 2) Wieſen....... 184,3*. 3) Gärten...... 13,3„. 4) Teiche..... 2. ⸗ 5) Weinberge. 5. 6) Lchden...... 328,5. 7) Gebaͤude und Höfe... 2,9 2 2 Summa 1299,5 Weim. Acker, oder 1462 preuſſ. Morgen. Wegen der großen Verſchiedenartigkeit und der zerſtreuten Lage der Felder hat man die Einfuͤhrung von ſechs verſchie— denen Fruchtfolgen fuͤr rathſam erachtet, naͤmlich ſo: A. 460,5 Acker auf dem Gute Zwaͤtzen mit dem Moritz⸗ vorwerke: Il. IIl urch Be⸗ rbeſſerung um Abſaz iſen Iwet gl. Hohei chen Güter rg, Hern ffend. —— — deſen B gung Sr. ſchaftlichen Saalthale, aus dem 3 gehoren n. Acker, 5 7* 5 7 2 — n. Acker, Morgen. zerſtreulten s verſchi⸗ 1 em Miij⸗ V V I. 199,e Acker Lehm⸗, Thon- und Kiesboden. Davon 19,6 Acker fuͤr Luzerne, Deputate u. ſ. 180 Acker in 6 Schlaͤgen zu 30 Acker: 1ſtes Jahr reine Brache, 2tes Jahr Raps und Mohn, 3tes Jahr Weitzen, 4tes Jahr Klee zum Maͤhen, 5tes Jahr Rocken, 6tes Jahr a) Gerſte, b) Kartoffeln. II. 54,6 Acker Lehmboden in der Aue, der Ueberſchwemmung ausgeſetzt, in drei Abtheilungen: 1ſtes Jahr a) Runkeln, b) Wicken, 2tes Jahr a) Gerſte, b) Weitzen, 3tes Jahr Hafer. III. 206,2 Acker ſchwerer Lehm- und Thonboden, groͤßten Theils Flugland. Davon 54, Acker mit Esparſett beſtellt und 152 Acker in vier Schlaͤgen ſo: 1ſtes Jahr a) reine Brache, b) Weideklee, 2tes Jahr Wicken, 3tes Jahr Erbſen und Wicken, 4tes Jahr Hafer. B. 303 Acker auf dem Gute Leheſten. I. 130 Acker Lehmboden. Davon ſind 6 Acker mit Luzerne beſtellt und 124 Acker in 9 Schlaͤgen zu 13, 5 Acker abgetheilt, mit nachſte— hender Fruchtfolge: 1ſtes Jahr reine Brache, w. und 2tes Jahr Raps, 3tes Jahr Weitzen, 4tes Jahr Klee, 5tes Jahr Rocken, 6tes Jahr Kartoffeln, 7tes Jahr Erbſen, 8tes Jahr Rocken, 9tes Jahr Gerſte. II. 104,5 Acker Lehm- und Thonboden, welche nach der Drei⸗ III. felderwirthſchaft behandelt werden, naͤmlich: 1ſtes Jahr a) reine Brache, b) Klee, 2tes Jahr Weitzen, 3tes Jahr Hafer. 68,5 Acker Thonboden, in vier Schlaͤge getheilt, mit nach— ſtehender Fruchtfolge: lſtes Jahr reine Brache oder Weideklee, 2tes Jahr Weitzen, 3tes Jahr Erbſen und Wicken, 4tes Jahr Hafer. Die 184,3 Acker Wieſen liegen groͤßten Theils an der Saale und werden zweiſchuͤrig behandelt. Die mit dieſem Feld- und Wieſenbau verbundene Viehzucht beſteht in Folgendem: 14 Zugpferde, 2 Reitpferde, 22 milchende Kuͤhe, groͤßten Theils von Schweizerraſſe, 2 Bullen, 14 junge Rinder, 1500 Stuͤck Merinoſchafe von der Electoralraſſe, 7 Mutterſauen, 1 Eber, 12 junge Schweine. Auch ſind eine Branntweinbrennerei und eine Bierbrauerei vorhanden. füͤr nelle der Dre⸗ mit nach⸗ der Saake e Viehzuch izerraſſe, gierbrauert — 33— Der Herr Amtmann Sommer, welcher dieſe von der Großherzoglichen Kammer gepachtete Gutswirthſchaft leitet, iſt ſtets bereit, den Studirenden uͤber die Verhaͤltniſſe und den Gang derſelben die gewuͤnſchte Auskunft zu geben und ſeine Erfahrungen ihnen mitzutheilen. Diejenigen Herren, welche ſich in dem Betriebe der Brannt⸗ weinbrennerei und Bierbrauerei, in der Feldbeſtellung und an⸗ dern landwirthſchaftlichen Geſchaͤften durch Ausuͤbung Fertig— keit und Geſchicklichkeit erwerben wollen, koͤnnen ſich zu dieſem Behufe in den Ferien auf dem Gute zu Zwaͤtzen oder auf an⸗ dern Landguͤtern, deren Bewirthſchafter mit mir befreundet ſind, aufhalten. Auch beſteht in Zwaͤtzen eine Gewerksſchule, worin im Winter 50 Knaben in techniſchen Arbeiten, beſonders in Ver⸗ fertigung landwirthſchaftlicher Geraͤthe unentgeldlich unterrichtet werden. Dieſe Anſtalt wird auf Koſten Ihrer Kaiſerl. Hoheit der Frau Großherzogin erhalten, und ſteht unter Aufſicht des Herrn Rentamtsadjuncten Lange zu Jena. Derſelbe leitet auch in Gemeinſchaft mit dem Herrn Prediger Doctor Tod zu Zwaͤtzen einen Leſeverein, an welchem die Landleute in dieſem Dorfe und in benachbarten Doͤrfern Theil nehmen. Ich hoffe, daß dazu in Zukunft noch mehrere fuͤr die Volksbildung wich— tige Anſtalten kommen werden. Vierter Abſchnitt. Lehrgegenſtande. §. 11. A. Ueberſicht der Wiſſenſchaften, mit welchen der ange⸗ hende Landwirth ſich zu beſchäftigen hat. I. Hauptwiſſeenſchaften, d. h. ſolche Wiſſenſchaften, welche fur den Betrieb der Landwirthſchaft ſelbſt Regeln geben(ratio⸗ nelle Landwirthſchaft, Landwirthſchaftstheorie). — 3— 1) Die allgemeine Landwirthſchaft, von Thaer allgemeine landwirthſchaftliche Betriebslehre genannt. Sie giebt allgemei— ne Regeln fuͤr die landwirthſchaftlichen Geſchaͤfte. Dahin ge— hoͤren die Lehren vom Zwecke der Landwirthſchaft, von Arbeit, Land und Capital, von Kauf und Pacht der Landguͤter, Di— rection der Wirthſchaft, von Wirthſchaftsſyſtemen, von Taxa— tion und Buchhaltung. 2) Die Lehre vom Pflanzenbaue und zwar: a) im Allgemeinen als: Bodenkunde, Saat, Bearbeitung des Bodens, Duͤngung, Ernte u. ſ. w.; b) im Speciellen als: Getreide, Futtergewaͤchſe, Handels⸗ gewaͤchſe, Weidepflanzen, Wieſenpflanzen. 3) Die Lehre von der Thierzucht und zwar: a) im Allgemeinen als: Lehre von den Raſſen, von der Paarung, Ernaͤhrung, Maſt u. ſ. w.; b) im Speciellen als: Rind-, Schaf-, P zucht u. ſ. w. II. Grundwiſſenſchaften, d. h. ſolche Wiſſenſchaften, wel— che die Grundſaͤtze der landwirthſchaftlichen Theorien entwickeln, und zwar: zferde⸗, Schweine⸗ 1) unmittelbare, aus welchen die Landwirthſchaft unmit— telbar ihre Grundſaͤtze entlehnt. Sie ſind: a) naturwiſſenſchaftliche(koͤrperwiſſenſchaftliche), als land— wirthſchaftliche Chemie(Agriculturchemie), landwirth— ſchaftliche Phyſik, landwirthſchaftliche Pflanzen-, Mine— ralien- und Thierkunde, auch landwirthſchaftliche Clima— tologie und Meteorologie(Witterungskunde). Dieß ſind die unmittelbaren Grundlehren der Wiſſenſchaften vom Pflanzenbaue und der Thierzucht; b) menſchenwiſſenſchaftliche(geiſtige). Die im Weſen des Menſchengeiſtes liegenden Grundſäͤtze der Wirthſchaftslehre entwickelt die wirthſchaftliche Menſchen— oder Geiſteslehre, gewoͤhnlich Nationaloͤkonomie oder Volks⸗ wit wir Aqs ſich de lgemeine allgemei⸗ Ddahin ge en Arbeit üter, di don Tara⸗ eitung des Handels⸗ von der chweine⸗ ften, wer⸗ entwickeln aft unmi⸗ als land⸗ andwirth⸗ „Mire⸗ he Clima⸗ Dieß ſind aften von Grundſäte Menſchen⸗ der Volkk⸗ — wirthſchaft genannt. Darauf gruͤndet ſich die allgemeine Land⸗ wirthſchaft. 2) Mittelbare Grundwiſſenſchaften der Landwirthſchaft. Als ſolche kann man diejenigen Wiſſenſchaften anſehen, worauf ſich jene unmittelbaren Grundlehren gruͤnden als: a) naturwiſſenſchaftlich und mathematiſche, z. B. allgemeine Chemie, allgemeine Phyſik, allgemeine Pflanzenkunde, reine Mathematik u. ſ. f.; b) Philoſophie als die Wiſſenſchaft von den Ideen des Gei⸗ ſteslebens; beſonders ſind die geiſtige Menſchenlehre, ge— woͤhnlich Pſychologie genannt, die Sittenlehre und Staats⸗ lehre wichtige Grundlehren. III. Huͤlfswiſſenſchaften, d. h. ſolche Wiſſenſchaften, wel— che bei der Anwendung der landwirthſchaftlichen Theorien Huͤlfe gewaͤhren. Dahin ſind zu rechnen: 1) die Forſtwiſſenſchaft, die Lehre vom Garten-, Hopfen-, Weinbau, von der Bienenzucht, von der Torfgraͤberei und an— dern Zweigen des Landbaues, welche mit der Landwirthſchaft vereinigt vorkommen; 2) die Lehre von der Bereitung des Biers, Branntweins, Eſſigs, Zuckers und andern techniſchen Gewerben, welche der Landwirth oft neben dem Ackerbau und der Viehzucht betreibt, auch die Lehren von den uͤbrigen techniſchen Gewerben, wovon der Landwirth eine naͤhere Kenntniß noͤthig hat, z. B. Berei⸗ tung von Tuch, Merinos u. ſ. w.; 3) die landwirthſchaftliche Baukunft; 4) Staatswirthſchaft, beſonders Gewerbspolizei mit der Handelspolitik, und Finanzwiſſenſchaft mit der Steuerlehre; 5) Nechtslehren; 6) Thierheilkunde; 7) Nivellir- und Feldmeßkunſt; 8) die poſitiven Lehren von der Wirthſchaft, beſonders von der Landwirthſchaft in der Vergangenheit(Geſchichte der Land⸗ — 356— wirthſchaft) und in der Gegenwart(Landwirthſchaftskunde, land— wirthſchaftliche Statiſtik). §. 12. B. Ueberſicht der Wiſſenſchaften, welche der Staatswirth oder Cameraliſt zu ſtudiren hat. I. Hauptwiſſenſchaften, als: 1) die Gewerbspolitik(Gewerbspolizei, Volkswirthſchafts⸗ pflege), als erſter Theil der Staatswirthſchaft oder politiſchen Oekonomie; 2) die Finanzwiſſenſchaft, als zweiter Theil der Staats— wirthſchaft. II. Grundwiſſenſchaften: 1) die Nationaloͤkonomie oder Volkswirthſchaftslehre, als wirthſchaſtliche Menſchenlehre; 2) die philoſophiſche Staatslehre, beſonders philoſophiſche Rechtslehre, als Grundlage aller Staatswiſſenſchaften und Zweig der praktiſchen Philoſophie. III. Huͤlfswiſſenſchaften: 1) die Landwirthſchaftslehre, Forſtwiſſenſchaft, Technologie und uͤbrigen Gewerbslehren, beſonders die Lehre von denjenigen Gewerben, welche im Vaterlande die wichtigſten ſind; 2) die Grundwiſſenſchaften dieſer Gewerbslehren, z. B. okonomiſche Chemie, oͤkonomiſche Pflanzenkunde u. ſ. w.; 3) die uͤbrigen Zweige der erfahrungsmaͤßigen Staatslehre; 4) poſitive Rechtswiſſenſchaften; 5) Geſchichte und Statiſtik, beſonders wirthſchaftliche. §. 13. C. Verzeichniß der Vorträge, welche im landwirthſchaft⸗ lichen Inſtitute die verſchiedenen Lehrer halten. I. Der Director des Inſtituts: 1) Einleitung in die oͤkonomiſchen Studien oder oͤkonomi— ſche Hodegetik; C de, land⸗ atswirth rthſchafts⸗ politiſchen Staats⸗ ehre, als vſophiſche d Zweig echnologie denjenigen 1, 3. B. b.; atslehre; kliche. tthſchaft⸗ alten. oͦkononi⸗ Dieſen Vortrag haͤlt der Director im Anfange eines jeden Halbjahrs fuͤr die neuen Mitglieder des Inſtituts. 2) allgemeine Landwirthſchaft mit Beziehung auf die Na— tionaloͤkonomie als Grundwiſſenſchaft; 3) die Lehre vom Pflanzenbaue im Allgemeinen, mit der Bodenkunde(allgemeiner Pflanzenbau, allgemeine Agricultur). Dieß iſt die erſte Abtheilung des erſten Theils von der ſpe— ciellen Landwirthſchaft; 4) die Lehre von dem Pflanzenbaue im Speciellen, be⸗ ſonders von den Getreide-, Futter- und Handels-Pflanzen (ſpecieller Pflanzenbau, ſpecielle Agricultur). Dieß iſt die zweite Abtheilung des erſten Theils der ſpeciellen Landwirth— ſchaft; 5) Wieſenbau, ein Zweig des ſpeciellen Pflanzenbaues; 6) die Lehre von der Thierzucht im Allgemeinen, und im Speciellen von der Schaf-, Rind-, Pferdezucht u. ſ. f. Dieß iſt der zweite Theil der ſpeciellen Landwirthſchaft; 7) Ertragsanſchlaͤge uͤber Landguͤter und techniſche Ge— werbsanſtalten; 8) Landwirthſchaftliche Grundanſchlaͤge, beſonders uͤber Claſſification und Bonitirung der Felder, Wieſen und Weiden; 9) einfache und doppelte Buchhaltung; 10) Geſchichte und Beſchreibung der Landwirthſchaft in der Vergangenheit und Gegenwart, beſonders landwirthſchaft— liche Vaterlandskunde(landwirthſchaftliche Statiſtik von Deutſch— land); 11) Forſtwiſſenſchaft, als Huͤlfslehre fuͤr den Land- und Staatswirth; 12) Nationaloͤkonomie oder Volkswirthſchaft, als Grund— lehre der Staatswirthſchaft, Landwirthſchaft und der uͤbrigen Privatwirthſchaftslehren; 13) Staatswirthſchaft(politiſche Oekonomie), welche die Gewerbspolitik und Finanzwiſſenſchaft enthaͤlt, beſonders von — = 5— ( der Geſetzgebung fuͤr Landbau, Fabrikweſen und Handel, vom Steuerweſen und von der Domaͤnenverwaltung; 14) Encyklopaͤdie der Staats- und Cameralwiſſenſchaften; 15) land- und ſtaatswirthſchaftliche Buͤcherkunde; 16) philoſophiſche Propaͤdeutik oder Einleitung in die Stu— dien der Philoſophie fuͤr Land- und Staatswirthe. In dieſer Vorleſung bemuͤhe ich mich in gemeinfaßlicher Weiſe diejenigen Lehren der geiſtigen Menſchenlehre, Denklehre, Sitten- und Staatslehre, welche dem Land- und Staatswirthe zur Begruͤndung ſeiner oͤkonomiſchen Wiſſenſchaften, zur Gewin— nung einer richtigen Lebensanſicht und Erlangung einer uner— ſchuͤtterlichen Seelenruhe noͤthig ſind, ſo vorzutragen, daß er Intereſſe fuͤr dieſe Studien gewinnt und befaͤhigt wird, die— ſelben durch Hoͤren anderer Vortraͤge, durch Buͤcherleſen und Selbſtſtudium fortzuſetzen. Außerdem haͤlt der Director noch 17) ein Converſatorium uͤber landwirthſchaftliche, ſtaats— wirthſchaftliche, nationaloͤkonomiſche und philoſophiſche Gegen— ſtaͤnde, worin die Studirenden nach der ſokratiſchen Methode unterrichtet und zum Selbſtdenken angeregt werden. Hier ſollen ſie vorzugsweiſe lernen das Selbſtfinden der Grundſaͤtze und ſich uͤben in Anwendung derſelben auf die verſchiedenartigen Verhaͤltniſſe des Lebens. Auch gewaͤhrt daſſelbe Gelegenheit, ſich im oͤffentlichen Sprechen zu uͤben*). *) Dieſe Collegia lieſ't der Director alle privatiſſime für das In⸗ ſtitut, d. h. ſo, daß nur Mitglieder des Inſtituts daran Theil nehmen können, mit Ausnahme der Vorleſungen über: 1) Encyklopädie der Staats⸗ und Cameral⸗Wiſſenſchaften, 2) der Nationalbkonomie und 3) Staatswirthſchaft, welche er privatim hält, d. h. ſo, daß jeder Stu⸗ dirende ſie beſuchen kann. Von Zeit zu Zeit lieſ't der Director auch ein Collegium publicum über nationalökonomiſche und ſtaatswirthſchaftliche Gegenſtände. Bei jenen drei Privatvorträgen und dieſem Publicum be⸗ rückſichtigt er zugleich die Bedürfniſſe der Juriſten und Theologen. wa el, vom ſchaften; die Stu⸗ nfaßlicher enklehre, tswirthe Gewin⸗ er uner⸗ daß er rd„ die⸗ eſen und , ſtaats⸗ e Gegel⸗ Methode er ſolln ſätze und enartigen egenheit, er das In⸗ heil nehmen lopädie der mnomie und jeder Stu⸗ por auch ein thſchaftlihe ublicum be⸗ ggen. — 59— II. Herr Profeſſor Scheidler: Landwirthſchaftliche Staats- und Rechtslehre. In dieſem Collegium werden diejenigen Theile der Staatswiſſenſchaft vor— deträen⸗ welche fuͤr den Landwirth wichtig ſind und in den Vorleſungen uͤber National- und S Staatswirthſchaft nicht vo kommen. Namentlich werden darin die fuͤr den Landwirth als ſolchen, ſo wie als Gemeindeglied und Staatsbuͤrger noͤthigen juriſtiſchen(privat- und ſtaatsrechtlichen) Lehren, insbeſondere das ſogenannte Landwirthſchaftsrecht entwickelt. III. Herr Profeſſor Schroͤn, Inſpector der Großherzog⸗ lichen Sternwarte: 1) Die landwirthſchaftliche Baukunſt. P Die Feldmeß- und Nivellirkunſt, beſonders mit Bezie— hung auf die Waſſerleitungen bei den Bewaͤſſerungen und Ent— waͤſſerungen der Wieſen. 3) Populaͤre Sternkunde, mit Benutzung der Stern— warte. IV. Herr Profeſſor Langethal: 1) öokonomiſche Pflanzenkunde. In dieſem Collegium wird die Botanik mit der Anatomie und Phyſiologie der Pflanzen, mit ſteter Beziehung auf Nüͤtzlichkeit und Schaͤdlichkeit, auf Boden und Clima, vorgetragen und dabei vorzuͤglich das Lin— neſche Syſtem beruͤckſichtigt. 2) Das natuͤrliche Syſtem der Pflanzen iſt Gegenſtand eines beſondern Vortrags, der im Winter gehalten wird, da jenem Collegium der Sommer zugewieſen iſt. 3) Bonitirung der Felder, Wieſen und Weiden nach den wildwachſenden Pflanzen. Dieſe dritte, der Pflanzenkunde ge— widmete Beſchaͤftigung wird in jedem Sommer auf Wanderun⸗ gen durch die Fluren des Kammerguts Zwaͤtzen und anderer Guͤter mit denjenigen Herren vorgenommen, welche bereits jene zwei Vorleſungen gehoͤrt haben. Sie ſoll das Studium der Pflanzen⸗ und Bodenkunde zugleich foͤrdern. — 60— 4) Oekonomiſche Mineralogie und Geognoſie mit Benutzung der Mineralienſammlung des Inſtituts und des Großherzogl. mineralogiſchen Muſeums. 5) Oekonomiſche Entomologie(Inſectenkunde), beſonders von den ſchaͤdlichen Inſecten. 6) Witterungskunde(Climatologie und Meteorologie). 7) Naturhiſtoriſche Vaterlandskunde.. In dieſem Vortrage werden die Verhaͤltniſſe Deutſchlands in Bezug auf Gebirgs- und Bodenarten, Pflanzen- und Thier— leben ſo beſchrieben, daß derſelbe an die Vorleſung des Di— rectors uͤber oͤkonomiſche Vaterlandskunde ſich anſchließt. V. Herr Doctor Schmid: 1) Oekonomiſche Chemie, beſonders Agriculturchemie, vor— zuͤglich uͤber Unterſuchung des Bodens. 2) Technologie und techniſche Chemie, beſonders uͤber die— jenigen Theile dieſer Wiſſenſchaften, mit welchen der Land- und Staatswirth ſich ſpeciell bekannt machen muß, namentlich uͤber Bereitung von Bier, Branntwein, Eſſig, Zucker u. ſ. f. 3) Mit dieſen chemiſchen und techniſchen Vortraͤgen ſtehen in Verbindung die Arbeiten im Laboratorium, welche die Stu— direnden unter Leitung des Herrn Dr. Schmid ausfuͤhren. 4) Oekonomiſche Mechanik, beſonders Maſchinenlehre, worin die wichtigſten Lehren von der Bewegung feſter und fluͤſſiger Koͤrper, auch die Lehren von Cohaͤſion, Adhaͤſion und Luftdruck vorgetragen und die dahin gehoͤrigen Maſchinen be— ſchrieben werden. 5) Oekonomiſche Phyſik, beſonders uͤber den Feuchtigkeits— zuſtand der Luft, uͤber Waͤrme, Licht, Elektricitaͤt, Magnetis⸗ mus und Elektromagnetismus, auch uͤber die Grundſaͤtze der Meteorologie und Climatologie, in ſoweit dieſe Lehren zur Er⸗ klaͤrung der Erſcheinung bei der Oekonomie noͤthig ſind. Außer dieſen Vortraͤgen, welche ſaͤmmtlich in Jena gehalten werden, wird noch in Zwaͤtzen geſpraͤchsweiſe Unterricht ertheilt: enutzung jherzogl. beſonders ogie). tiſchlands nd Thier⸗ des Di⸗ gt. nie, vor⸗ bber die⸗ nd⸗ und lich uber . f. en ſtehen die Stu⸗ ühren. nenlehre, ter und jon und inen be⸗ htigkeits⸗ Nagnetis⸗ ſätze der zur Er⸗ d. gehalten ertheilt: — 64— VI. Von dem Herrn Archidiaconus Klopfleiſch zu Jena in der Bienenzucht, mit Benutzung der Schrift:„Die Biene und die Bienenzucht, dargeſtellt von Kopfleiſch und Kuͤrſchner. Nebſt einer Abhandlung uͤber die Honigbiene, mit 3 Kupfertafeln vom Prof. Zenker, Jena, 1836“, und mit Hinweiſung auf das Bienenhaus zu Zwaͤtzen. VII. Von dem Herrn Amtmann Sommer in der Land⸗ wirthſchaft, mit beſonderer Beziehung auf die Gutswirthſchaft zu Zwaͤtzen. Fünfter Abſchnitt. Lehrart. §. 14. Im Allgemeinen. Nachdem ich im vorigen Abſchnitte die verſchiedenen Ge— genſtaͤnde, worauf der Unterricht des hieſigen landwirthſchaft— lichen Inſtituts ſich bezieht, aufgefuͤhrt habe, will ich hier noch auf die Art und Weiſe, wie dieſe Gegenſtaͤnde gelehrt werden, ausfuͤhrlich hinweiſen, weil das Weſen des hieſigen Inſtituts mehr in der Lehrart als in den Lehrgegenſtaͤnden zu ſuchen iſt und das Gedeihen der Jugendbildung uͤberhaupt weniger da— von abhaͤngt, was man lehrt, ſondern weit mehr davon, wie man lehrt*). *)„Univerſitäten ſind Schulen der Weisheit, d. i. der Wahrheit und Sittlichkeit, des feſten Centrums des Erkennens und Lebens. Von andern Unterrichts⸗ und Erziehungsanſtalten unterſcheidet ſie einerſeits nicht ſowohl dasjenige, was hier gelehrt wird, ſondern die Art und Weiſe, wie es gelehrt wird: nämlich daß alles Beſtreben auf das eigent⸗ liche Weſen der Wiſſenſchaft, auf die innere Organiſation oder den Mit⸗ telpunct alles Wiſſens, alſo die höchſte Speculation, gerichtet iſt, von 62— Ich ſpreche von der Lehrart des hieſigen Inſtituts zuvoͤr— derſt im Allgemeinen und dann in mehreren beſondern Be— ziehungen.. A. Von der Lehrart im Allgemeinen. Der Hauptgrundſatz, von welchem der Lehrer einer land— wirthſchaftlichen Akademie ſich ſoll leiten laſſen, iſt: 1) der Grundſatz der Allſeitigkeit, d. h. der Lehrer ſoll ſtets den ganzen Menſchen mit allen ſeinen Anlagen und Kraͤften vor Augen haben, er ſoll nicht etwa bloß das Ge— daͤchtniß beſchaͤftigen, ſondern auch das Denkvermoͤgen, die Phantaſie, das Gefuͤhl und die Thatkraft des Lehrlings zu— gleich in Anſpruch nehmen. Der hieſige Unterricht ſoll den angehenden Landwirth nicht bloß vielwiſſend und gelehrt ma— chen, ſondern auch tuͤchtig fuͤr die Welt, beſonders fuͤr ſeinen kuͤnftigen Beruf als Landwirth, Familienvater, Staatsbuͤrger und Volksfreund. So aber kann der Lehrer auf den Schuͤler nur dann einwirken, wenn auch ſeine lehrende Thaͤtigkeit all— ſeitig iſt, wenn er mit ganzer Seele lehrt, wenn nicht bloß ſeine Erkenntniß, ſondern auch ſeine Geſinnung und ſein Ge— muͤth an dem Unterrichte Theil nehmen. Nicht dadurch wird der Lehrer wie in wiſſenſchaftlicher, ſo auch in ſittlicher Bezie— hung den jungen Landwirth fuͤr ſeinen kuͤnftigen Beruf vor— bereiten, daß er ſtets moraliſirt und Regeln gibt, ſondern da— durch, daß in allem, was er lehrt, wuͤnſcht und thut, eine wahre Begeiſterung fuͤr den hohen Beruf des Landwirths ſich 2) Die zweite nicht minder wichtige allgemeine Regel fuͤr wegs als einzelne, ſondern vielmehr als lebendige Theile des einen und untheilbaren Wiſſens gefaßt werden;— anderſeits, daß ſie Schulen der Selbſterziehung ſind, auf denen Jeder durch Selbſtbeſtimmung das Maaß zu erringender Freiheit ſich ſelbſt zu erwerben aufgefordert wird.“ S. Steffens: Die Idee der Univerſitäten. Berlin, 1809. ts zuvör⸗ dern Be⸗ ner land⸗ der Lehrer lagen und das Ge⸗ gen, die rlings zu⸗ ſoll den lehrt ma⸗ ür ſeinen tsbuͤrger Schuͤler gkeit al⸗ nicht bloß ſein be urch wird er Bezie eruf vor⸗ dern da⸗ zut, eine irths ſich Regel füt die keines⸗ zeinen und ie Schulen mnung das delt wird.“ die Lehrart auf einer landwirthſchaftlichen Akademie iſt die Re⸗ gel der Selbſtthaͤtigkeit. Es ſoll naͤmlich der Schuͤler die Geiſtesbildung, welche er auf der Akademie erwerben will, von dem Lehrer nicht ſich eintrichtern laſſen, ſeine Seele ſoll nicht ein todtes Blatt ſein, auf welches der Lehrer fremde Weisheit ſchreibt, die Tugend des Schuͤlers ſoll nicht im geduldigen Ausharren in einer eingehordeten Koppel ſich zeigen, ſondern die Bildung des Schuͤlers ſoll Selbſtbildung ſein. Die in ihm liegenden Kraͤfte ſollen geweckt, geuͤbt, geſtaͤrkt, fuͤr das Leben tauglich gemacht und zu eigener freier Thaͤtigkeit belebt wer— den, wobei der Lehrer rathend, helfend, anregend und leitend zu wirken hat. Fuͤr eine ſolche Bildung aber iſt fuͤr die Ler— nenden und Lehrenden Freiheit das weſentlichſte Erforderniß, und iſt deßhalb die akademiſche Freiheit gleichſam die Luft, welche der Geiſt der Selbſtbildung auf der Univerſitaͤt athmet. Nur durch ſolche akademiſche Selbſtbildung kann der hoͤchſte Zweck des akademiſchen Lebens, aͤchte Wiſſeenſchaftlichkeit und wahre Sittlichkeit erreicht werden. 3) Das Princip des beſonnenen Fortſchritts ſoll im Un— terrichte herrſchen. Wie in andern Zweigen des Volkslebens, ſo droht auch in der Landwirthſchaft der Fehler einer neuerungsſuͤch— tigen Haſtigkeit und eines prunkſuͤchtigen Scheinlebens die alte deutſche Beſonnenheit, Wahrhaftigkeit und Einfachheit zu un— terdruͤcken. Der Menſch ſoll niemals ſtehen bleiben, aber ein thoͤrichter Stolz unſerer Zeit iſt es, der jede heftige Bewegung im Volksleben unbedingt fuͤr ein Vorwaͤrtsſchreiten anſieht, das Neue lobt, nur weil es neu iſt, ohne darauf zu achten, ob es auch gut ſei und zur Vervollkommnung der Menſchheit diene. Ein großer Theil unſers jetzigen Lebens, beſonders in der ſo— genannten vornehmen Welt, iſt leerer Schein und modiſcher Prunk. Um genial und vornehm zu erſcheinen uͤbt man vor— zugsweiſe den Witz oder vielmehr die Witzelei, zieht das, was pikant, frappant, amuͤſant und imponirend iſt, dem Wahren, — 64— Schoͤnen und Guten vor. Viele Schriftſteller insbeſondere uͤben „Fechterkuͤnſte mit blendenden, meiſt dunkeln Worten und uͤber⸗ raſchend witzigen Verbindungen und Folgerungen.“ Damit nun der ſtudirende Landwirth Kraͤfte ſammle, durch welche er einſt gegen ſolches Verderben ſich und Andere ſchuͤtzen kann, iſt es dringend noͤthig, daß er unter Leitung der Lehrer das wahrhaft Schoͤne und Gute unterſcheiden lerne von dem mo— diſchen Scheinweſen, daß er jenes mit Begeiſterung erfaſſe und dieſes im Tiefſten ſeiner Seele verachte, und ſich eine unbiegſame Feſtigkeit edler Grundſaͤtze aneigne. Zu dieſen Grundſaͤtzen der Allſeitigkeit, Selbſtthaͤtigkeit und Beſonnenheit kommt noch 4) die Forderung des Gemeingeiſtes. Das auf die gewerbliche und hoͤhere Bildung der Inſtitutsmitglieder gerich— tete Streben der Lehrer erreicht ſeinen Zweck um ſo ſiche— rer, je mehr in der Anſtalt akademiſcher Gemeingeiſt herrſcht, durch welchen das Zuſammenſein der Lernenden und Lehren— den zu einem moraliſchen Ganzen vereinigt und das akade— miſche Leben beſeelt wird. Dieſer Gemeingeiſt nämlich treibt den Einzelnen an, bei Allem, was er thut, nicht bloß ſei— nen Privatvortheil, ſondern auch das Wohl der ganzen An— ſtalt vor Augen zu haben, weckt edeln Wetteifer und macht eine die Erkenntniß und das Gemuͤth bereichernde Wechſelwir— kung der Mitglieder moͤglich. Die gewerbliche Bildung wird durch den Austauſch der Beobachtungen, Erfahrungen und Anſichten der aus verſchiedenen Gegenden hierher gekommenen jungen Maͤnner ſehr gefoͤrdert, die hoͤhere Bildung aber ge— winnt durch die gemeinſamen Beſtrebungen fuͤr Verwirklichung der dem Inſtitute zum Grunde liegenden Idee, welche keine andere ſein kann, als Foͤrderung des menſchlichen Lebens uͤber— haupt, beſonders aber des vaterlaͤndiſchen durch Betrieb der Landwirthſchaft. Deßhalb kann das hoͤhere Ziel einer ſolchen Anſtalt nur dann erreicht werden, wenn die Lehre eine pa— triotiſche oder volksthuͤmliche Richtung hat. ſein phi Ke und dere üͤben und uͤber⸗ Damit weſche er hen kann, kehrer das dem mo⸗ rfaſſe und nbiegſam ſätzen der t noch s auf die der gerich⸗ ſo ſiche⸗ herrſcht, Lehren⸗ s akade⸗ lich treibt bloß ſer anzen An⸗ ind macht zechſelwir⸗ ung wird gen und ommenen aber ge⸗ virklichung elche keine gens Über⸗ etrieb der ne ſolchen eine pa⸗ §. 15. B. Beſonders von der Methode des tcheoretiſchen Unterrichts. Die Art des Unterrichts muß bei verſchiedenen Unterrichts— gegenſtaͤnden verſchieden ſein. Dieſe ſind naͤmlich: 1) entweder poſitive Kenntniſſe, auch hiſtoriſche, empiri— riſche genannt(Wahrnehmungen, Beobachtungen und Thatſa— chen), oder 2) philoſophiſche(reine Vernunfterkenntniſſe), 3) gemiſchte, d. h. philoſophiſch⸗poſitive, auch theoretiſche genannt(angewandte Vernunftkenntniſſe, Erfahrungen). Bei den Kenntniſſen erſter Art iſt mehr das Gedaͤchtniß, bei denen zweiter Art mehr der Verſtand thaͤtig, und bei den gemiſchten Kenntniſſen ſind Gedaͤchtniß und Verſtand zugleich und gleichmaͤßig wirkſam*). Der Landwirth hat ſich auf der Akademie Kenntniſſe von jeder dieſer drei Arten zu erwerben, jedoch vorzuͤglich ſoll er ſeinen Verſtand theoretiſch ausbilden und zwar ſo, daß er die philoſophiſchen Grundlehren deutlich erkennt und die hiſtoriſchen Kenntniſſe, beſonders die landwirthſchaftlichen Wahrnehmungen und Beobachtungen ihnen unterordnen lernt, damit er kuͤnftig in der Praxis die vorliegenden Verhaͤltniſſe ſelbſtdenkend und klar auffaßt und mit Sicherheit den Weg findet, der zum Ziele fuͤhrt. Der ſtudirende Landwirth ſoll hier eigentlich nicht die vollſtaͤndige Theorie der Landwirthſchaft erlernen, ſondern vielmehr das Theoretiſiren, d. h. ein ſolches Nachdenken, wo— durch er in jedem Falle der Praxis die paſſendſte Theorie ſelbſt auffinden und gegen Irrthum ſich ſchuͤtzen kann. *) S. meine Schrift: Ueber Weſen und Studium der ökonomiſchen Wiſſenſchaften. Jena, Frommann, 1826,§. 2. Schulze Deutſche Bl. f. Landw. I. Ar — 66— Damit nun in ſolcher Weiſe die Mitglieder des Inſtituts ſich ausbilden, ſuche ich dahin zu wirken, daß der Unterricht moͤglichſt a) belebend und productiv, b) erhebend und allſeitig, c) gemeinfaßlich(populaͤr), d) anwendbar(praktiſch) ſei. Zu a. Bei der Lebendigkeit des Unterrichts kommt es nicht, wie Viele waͤhnen, auf aͤußere Lebhaftigkeit, nicht auf Schreien, Schnellſprechen, Geſtikuliren u. dergl., ſondern auf innere Lebhaftigkeit an. Wahrhaft lebendig iſt naͤmlich ein Vortrag dann, wenn der Lehrer das, was durch ihn und An— dere in wiſſenſchaftlichen Forſchungen hervorgebracht worden iſt, vor den Augen des Schuͤlers gleichſam neugeboren werden laͤßt, d. h. ſo entwickelt, daß bei dem Zuhoͤrer ein aͤhnlicher Ein— druck entſteht, als waͤre die Wiſſenſchaft jetzt und mit einem Male in dem Geiſte des Lehrers erzeugt. Ein ſolcher Vortrag kann auch mit Recht anregend, productiv genannt werden, weil er allein die verwandte Geiſteskraft des Schuͤlers zur Selbſterzeugung der Erkenntniß reizt und Luſt zum Lernen er— weckt und erhaͤlt. Nur dann, wenn der Schuͤler das vom Lehrer Gegegebene nicht leidend(paſſiv) aufnimmt, ſondern ſelbſtthaͤtig verarbeitet, hat er Wohlgefallen an ſolchem Ge— ſchaͤfte und wird er zum Fleiße angeregt*). Wenn auf einer *) S. F. Schleiermacher: Gelegentliche Gedanken über Univer⸗ ſitäten in deutſchem Sinn, 1808, S. 62:„Der Lehrer muß alles was er ſagt, vor den Zuhörern entſtehen laſſen; er muß nicht erzählen was er weiß, ſondern ſein eignes Erkennen, die That ſelbſt, reproduciren, damit ſie beſtändig nicht etwa Kenntuiſſe ſammeln, ſondern die Thätigkeit der Vernunft im Hervorbringen der Erkenntniß unmittelbar anſchauen und anſchauend nachbilden. Der Hauptſitz dieſer Kunſt des Vortrags iſt freilich die Philoſophie, das eigentlich ſpeculative; aber alles Lehren auf der Univerſität ſoll ja auch hiervon durchdrungen ſein, alſo iſt doch dies ſch über⸗ müſſe nen Wag und punkt nuh ders Comt lehren daſte 5 Inſtiut wUnterritt kommt d „ nicht auf ondern auf naͤmlich ein n und An⸗ worden iſ eerden laͤßt, licher Ein⸗ mit einem er Vortrag nt werden, chülers zut Lernen er⸗ r das don t, ſondern olchem Ge⸗ mauf einer über Unibel- nuß alles w erzählen na eprodurir die Thütigti zar alſchauel Lortrags t ds Lehten u iſt doch die — 67— Lehranſtalt der Unterricht dieſer Forderung nicht entſpricht, da wird die Erkenntnißkraft der Juͤnglinge gelaͤhmt, wo nicht ge— toͤdtet, da wird nur mit Widerwillen auswendig gelernt, was zum Examen oder zum Broderwerbe erforderlich iſt, da ge— biert die Langeweile ſogenannte Allotria, Spielereien und Roh— heiten in Fuͤlle. Zu b. Es iſt aber nicht genug, daß der Unterricht an— regend ſei, ſondern es iſt noch zu verlangen, daß der Schuͤler durch denſelben zum Guten angeregt, daß er angeſpornt wer— de, nach dem hoͤchſten Ziele der Wiſſenſchaft zu ſtreben, wel— ches in der Vervollkommnung des menſchlichen Geiſtes zu ſu— chen iſt. Damit nun der angehende Landwirth zum hoͤhern Leben durch ſein akademiſches Studium erhoben werde, ſo hat der Lehrer dahin zu arbeiten, daß er ſich gewoͤhne, jeden ein— zelnen Gegenſtand der Erkenntniß nicht nur in ſeinen naͤchſten wiſſenſchaftlichen Verbindungen anzuſchauen, ſondern auch in Beziehung zu bringen zur Geſammtheit der Erkenntniſſe, zur Einheit des Geiſteslebens und zur Beſtimmung des Menſchen. In ſolcher Richtung auf die Allgemeinheit oder Geſammtheit (Univerſalitaͤt oder Totalitaͤt) der Erkenntniß liegt das Weſen des erhebenden Unterrichts und das Weſen aͤchter Wiſſen— ſchaftlichkeit. überall die eigentliche Kunſt des Univerſitätslehrers. Zwei Tugenden müſſen ſich in ihr vereinigen: Lebendigkeit und Begeiſterung auf der ei— nen Seite. Sein Reproduciren muß kein bloßes Spiel ſein, ſondern Wahrheit; ſo oft er ſeine Erkenntniß in ihrem Urſprung, in ihrem Sein und Gewordenſein vortragend anſchaut, ſo oft er den Weg vom Mittel⸗ punkt zum Umkreiſe der Wiſſenſchaft beſchreibt, muß er ihn auch wirklich machen. Bei keinem wahren Meiſter der Wiſſenſchaft wird das auch an⸗ ders ſein; ihm wird keine Wiederholung möglich ſein, ohne daß eine neue Combination ihn belebt, eine neue Entdeckung ihn an ſich zieht; er wird lehrend immer lernen, und immer lebendig und wahrhaft hervorbringend daſtehn vor ſeinen Zuhörern.“ E 5 ⅔ Zu ſc. Bei dem Streben nach dieſem Ziele muß jedoch der Lehrer ſehr vorſichtig ſein, damit ſeine Lehre nicht an Ge— meinfaßlichkeit leide. Er muß deßhalb den Zuſtand der Bildung, in welchem ſeine Schuͤler ſich befinden, ſorgfaͤltig er— forſchen und bei ſeinen Betrachtungen von dem Puncte aus— gehen, auf welchem dieſelben ſtehen. Zu d. Was endlich das Praktiſche des akademiſchen Stu— diums oder die Anwendbarkeit des auf der Akademie Ge⸗ wonnenen betrifft, ſo haben die Lehrer aus den zaͤhlreichen Wiſſenſchaften in dem ſo umfaſſenden Gebiete des oͤkonomiſchen Wiſſens das Wichtigſte ſorgfaͤltigſt auszuwaͤhlen; es ſoll aber der ſtudirende Landwirth nicht bei jedem, was er lernt, fra— gen: kann ich es auch anwenden? was wird es mir helfen? wie viel Geld kann ich damit verdienen? denn viele Kenntniſſe nuͤtzen mittelbar als Grund- und Huͤlfskenntniſſe, indem an— dere nuͤtzliche Kenntniſſe darauf gebaut, andere dadurch in ih— rer Anwendung gefoͤrdert werden; auch vermag Niemand genau die Umſtaͤnde, in welche er einmal kommen kann, voraus zu beſtimmen. Es iſt alſo nur zu verlangen, daß er„fuͤr das Leben lerne,“ daß er ſeine ganze Koͤrper- und Geiſteskraft fuͤr ſeine kuͤnftige Wirkſamkeit als Gewerbsmann, Familienvater, Staatsbuͤrger und Volksmann tuͤchtig vorbereite. §. 16. Die Methode des theoretiſchen Unterrichts durch Beiſpiele erläutert. Wie die Thaͤtigkeiten der Lehrer des landwirthſchaftlichen Inſtituts nach dieſen Grundſaͤtzen geordnet und wie ſie ver— einigt auf alle Zwecke des Inſtituts, auf die praktiſche und theoretiſche, die gewerbliche und hoͤhere Bildung zugleich ge— richtet ſind, werden folgende Beiſpiele andeuten: Der Unterricht in der Pflanzenkunde beginnt im Anfange des Sommerhalbjahrs mit einer kurzen Beſchreibung der Pflan— zeno Syſ die ver der! Rg Stt auf dite — — — muß jedoch ht an Ge⸗ zuſtand der rgfäͤltig er. Puncte aus⸗ nſchen Sir ademie Ge⸗ zahlreichen konomiſchen ſoll aber lernt, fra⸗ mir helfen? Kenntniſt indem an⸗ urch in ih⸗ nand genau voraus zu r„fuͤr dos ſteskraft für milienvaten 3 durch thſchaftlchen wie ſie der aktiſche und zugleich ge im Anfange g der Pfan⸗ — 69— zenorgane im Zimmer und einer Erklaͤrung des Linnéſchen Syſtems im Freien. Darauf folgt eine ausfuͤhrliche Lehre uͤber die Geſetze des pflanzlichen Lebens im Hoͤrſaale. Gleichzeitig werden woͤchentlich mit den Studirenden zwei botaniſche Wan⸗ derungen unternommen, auf welchen ſie die Pflanzen der Um⸗ gegend kennen und beſtimmen lernen. Damit dieſer Theil des Studiums erleichtert werde, macht der Lehrer bei jeder Pflanze auf die praktiſchen Kennzeichen aufmerkſam; damit der Stu⸗ dirende zugleich nuͤtzliche Erfahrungen ſammle und Intereſſe fuͤr dieſe Wiſſenſchaft gewinne, werden zugleich die Beobach— tungen auf das Verhaͤltniß jeder Pflanze zum Boden und Cli⸗ ma, wie auch auf ihre Nuͤtzlichkeit oder Schaͤdlichkeit hingelenkt. Das zur Anlegung einer Pflanzenſammlung erforderliche Ein— legen und Umlegen der geſammelten Pflanzen foͤrdert durch Wiederholung des Geſchehenen und Gehoͤrten die Aufbewahrung im Gedaͤchtniß. An jene Wanderungen ſchließt ſich der Beſuch der botaniſchen Gaͤrten an, und zwar des großen, welcher den wiſſenſchaftlichen Zwecken der Univerſitaͤt gewidmet, eine moͤg⸗ lichſt ſyſtematiſche Vertheilung der Gewaͤchſe nach Juſſie u's natuͤrlichem Pflanzenſyſteme erzielt, und des kleinen, welcher fuͤr die beſondern Zwecke des landwirthſchaftlichen Inſtituts einge— richtet iſt. Geſchloſſen wird der Sommer mit einem Vortrage uͤber die Eigenthuͤmlichkeiten der Getreidearten, welche in die— ſem Garten oder auf dem Felde gebaut, und mit einer Vor- leſung uͤber praktiſche Phyſiologie der Pflanzen, worin die aus der Natur derſelben herzuleitenden Regeln des Anbaues ent— wickelt werden. Im folgenden Winterhalbjahre beginnt der Schuͤler das Studium des natuͤrlichen Syſtems, wobei vorzugs— weiſe die deutſche Flora und die Culturgewaͤchſe beruͤckſichtigt werden, und die Aufmerkſamkeit auf die Uebereinſtimmung der einer Familie angehoͤrenden Gewaͤchſe in Bezug auf chemiſche Beſchaffenheit, Verhaͤltniß zum Boden und Clima und in Hin⸗ ſicht auf Regeln des Anbaues, wie auch in Ruͤckſicht auf den Gebrauch in der Thierheilkunde gelenkt wird. Das Ordnen des aus etwa 800 Pflanzen beſtehenden Herbarium gewaͤhrt Gewandtheit in der Anwendung dieſes Syſtems. Im zweiten Sommerhalbjahre ſetzt der Schuͤler ſolche Uebung auf den bo— taniſchen Wanderungen fort und nimmt an dem Bonitiren der Wieſen und Felder nach den wildwachſenden Pflanzen und geognoſtiſchen Verhaͤltniſſen Theil. An dieſe botaniſchen Vortraͤge uͤber die Bodenarten ſchlie— ßen ſich die chemiſchen und landwirthſchaftlichen Vorträge uͤber denſelben Gegenſtand an. Der Lehrer der oͤkonomiſchen Che— mie laͤßt naͤmlich, nach Beendigung des Vortrags uͤber Agri— culturchemie den Schuͤler im Laboratorium verſchiedene Boden— arten der Umgegend nach ihren chemiſchen und phyſiſchen Ei— genſchaften unterſuchen und claſſiſiciren; der Lehrer der Land— wirthſchaft dagegen macht ihn mit den Grundſaͤtzen bekannt, nach welchen man die Felder, Wieſen und Weiden zum Behufe der Taxation, des Ankaufs, der Verpachtung, Separation, Beſteuerung und anderer Geſchaͤfte zu claſſiſiciren und zu bo— nitiren hat. Damit nun dieſer Unterricht moͤglichſt praktiſch werde, wenden die Lehrer der Naturwiſſenſchaften und der Landwirthſchaft vereinigt jene Lehren beſonders auf die Wirth— ſchaft zu Zwaͤtzen an, wobei ſie von dem Director dieſer Wirthſchaft unterſtuͤtzt werden. Jedes einzelne Grundſtuͤck die— ſes Guts wird fuͤr dieſen Zweck nach ſeinen Beſtandtheilen, ſeiner Lage, ſeinen Pflanzenverhaͤltniſſen und ſeinem ſeitherigen Ertrage unterſucht und nach einer fuͤr die hieſige Gegend ent— worfenen Claſſification bonitirt, wobei auch andere Claſſifica⸗ tionsarten, beſonders die jetzt im Koͤnigreiche Sachſen bei Ab— ſchaͤzung des Grundeigenthums zur Vorbereitung des neuen Grundſteuerſyſtems angewandte, beruͤckſichtigt werden. Bei die— ſem Unterrichte in Fertigung von Ertrags- und Grundanſchlaͤ— gen benutzt der Director die Ergebniſſe der fuͤr die Wirthſchaft zu Zwaͤtzen von ihm ausgearbeiteten doppelten Buchhaltung. in zweiten if den b⸗ nitiren der anzen und rten ſthi träͤge übe ſchen Che ber Agri⸗ ne Boden— ſiſchen E⸗ der Land⸗ bekannt, m Behufe eparation, ind zu be⸗ t prakti m und der die Wirlh⸗ ctor dieſer ndſtuͤck die⸗ andtheilen, ſeitherigen zegend ent⸗ e Claſſffie⸗ ſen bei A⸗ des nelen u. Wei dir rundanſchl Virthſchof hhaltung. — 71— Die allgemeinen Grundſaͤtze aber fuͤr die Lehren von Er— trags- und Grundanſchlaͤgen und der Buchhaltung entwickelt der Director der Anſtalt in ſeinem Vortrage uͤber Nationaloͤkonomie, beſonders bemuͤht er ſich dort ſeinen Schuͤlern die Begriffe: Reinertrag, Arbeitsrente, Capitalrente, Grundrente, Capital⸗ werth, Geldpreis u. dergl. deutlich zu machen, um zu zeigen, wie der Wohlſtand des Landwirths vorzuͤglich davon abhaͤnge, daß jedem Gliede der großen Volksgemeinde ein ſeinen Pro— ductionsverhaͤltniſſen angemeſſener Theil vom Volkseinkommen durch den Handel zugefuͤhrt werde, wie dieſe Vertheilung der Gewerbsgewinne fuͤr die wiſſenſchaftliche und ſittliche Bildung der Nation wichtig ſei, indem einerſeits von dem Einkommen des Familienvaters ſeine und der Seinigen Bildung abhaͤngig ſei, anderſeits in der Vertheilung der Guͤter durch den Han⸗ del und in der Verbreitung des Wohlſtands im Volke die Idee der Gerechtigkeit verwirklicht werden ſolle. Nit dieſem natio— naloͤkonomiſchen Vortrage treten zwei Vorleſungen uͤber oͤkono⸗ miſche Vaterlandskunde in nahe Verbindung. In der einen ſchildert der Lehrer der hiſtoriſchen Naturwiſſenſchaften die Na— turverhaͤltniſſe Deutſchlands ſo, daß daraus hervorgeht, in wie weit ſie fuͤr das Gewerbsweſen uͤberhaupt und beſonders fuͤr die Landwirthſchaft mehr oder weniger guͤnſtig ſind; und in der zweiten beſchreibt der Director des Inſtituts das oͤkonomi— ſche Leben in den verſchiedenen Gegenden Deutſchl ands, ſo daß die Schuͤler erfahren, wie Wohlſtand und Bildung im deut— ſchen Volke verbreitet iſt, und wie auf Foͤrderung deſſelben Landwirthſchaft, Fabrikweſen, Handel, Geſetzgebung, Schul⸗ weſen u. ſ. w. in den verſchiedenen Kreiſen verſchieden einwir— ken; wobei auf die Verhaͤltniſſe dieſer Art in andern Laͤndern vergleichende Ruͤckſicht genommen wird. In dieſem Puncte vereinigen ſich mit den oͤkonomiſchen Vortraͤgen innig die Vorleſungen uͤber die landwirthſchaftliche Staats- und Rechtslehre, namentlich deren propaͤdeutiſcher Theil, — 72— das Vernunft⸗ oder Naturrecht, welches fuͤr das Rechtsleben eines Volks daſſelbe iſt, was fuͤr ſein Wirthſchaftsleben die Nationaloͤkonomie iſt, da„eine wahre Wiſſenſchaft des Rechts nur die Aufgabe haben kann, die ewigen Geſetze der Menſch— heit und der Gerechtigkeit in ihrer Richtung auf das wirkliche Leben und den Verkehr als nothwendig darzuſtellen, und ſo die hoͤchſten Ideen mit den Anſpruͤchen der Nationalitaͤt und Gegenwart zu verſoͤhnen“*). Ferner mag als Beiſpiel der Unterricht uͤber Thierzucht dienen. Zur Vorbereitung dient ein Vortrag uͤber den Bau des thieriſchen Koͤrpers und die Geſetze ſeines Lebens mit Hinwei— ſung auf die aͤhnlichen Verhaͤltniſſe des menſchlichen Koͤrpers. Dieſe Lehren zu verſinnlichen werden aus den anatomiſchen und phyſiologiſchen Sammlungen der Uuniverſitaͤt geeignete Gegen— ſtaͤnde vorgezeigt. Die Vorleſung uͤber Thierzucht ſelbſt beginnt mit allgemeinen Vorſchriften fuͤr Beurtheilung und Auswahl der verſchiedenen Raſſen, fuͤr Paarung, Stallung und Fuͤtterung u. ſ. w., und geht dann auf Anwendung dieſer Lehren bei der Zucht der Schafe, Rinder, Pferde u. ſ. f. uͤber. Die ſpecielle Lehre von der Schafzucht handelt zugleich ausfuͤhrlich von der Erzeugung, Sortirung und Verarbeitung der verſchiedenen Woll— arten. Wenn die Studirenden durch Sortiren von Wollproben und Wollfließen, auch durch Bonitiren und Beſchreiben einzel⸗ ner Schafe, wie auch durch Beſichtigung der hieſigen Wollfa⸗ briken unter Leitung des Directors ihr Auge und Urtheil hin— reichend geuͤbt haben, beſuchen ſie mehrere Schaͤfereien in Thuͤ⸗ ringen und im Koͤnigreiche Sachſen. Damit ſie den Einfluß der Viehzucht auf den Gewinn des landwirthſchaftlichen Gewerbes und auf den Wohlſtand des Volks gehoͤrig kennen lernen, wer— *) S. Beſeler: Ueber die Stellung des römiſchen Rechts zu dem nationalen Rechte der germaniſchen Völker, 1836. Vergl. Scheidler: Deutſcher Juriſtenſpiegel, 1842, S. 136. ſechtlben leben die es Rechtz r Mnſe⸗ s wikliche , und ſo glitaͤt und Thierzuct Bau des t Hinwei⸗ Körpers. icchen und e Gegen⸗ t beginnt wwahl der Füͤtterung en bei de je ſpecile hvon der nen Wol⸗ ollproben en einzel⸗ Wolff⸗ rtheil hin⸗ en in Thi⸗ Einfluß der Gewerbes ernen, wei⸗ echts zu dem Sheidlet — 23— den ſie zu Berechnungen uͤber Roh- und Reinertrag der Thier— zucht veranlaßt. Um aber auch von dieſer Seite das hoͤhere Leben des Landwirths zu foͤrdern, halte ich einen Vortrag uͤber das Seelenleben der Hausthiere, worin ich daſſelbe mit dem Geiſtesleben des Menſchen ſo vergleiche, daß jenes als ein Bild von dieſem erſcheint. Unter allen Gegenſtaͤnden in der Koͤrper— welt ſtehen die Thiere als beſeelte Koͤrper, und unter dieſen wieder die Hausthiere dem Menſchen am naͤchſten. Nicht bloß die Schoͤnheit ihres Koͤrpers und ihrer Bewegungen gewaͤhrt dem Menſchen Nahrung fuͤr Schoͤnheitsſinn, ſondern auch von den Idealen liebevoller Anhaͤnglichkeit, Dankbarkeit, Treue und Heldenkraft findet der geſunde Menſchengeiſt die ſchoͤnſten Bil— der in dem Seelenleben der Thiere. Daß den Schweizern die Rinderheerden Schauſpiele geben, welche aͤſthetiſche Ideen auf das Belebendſte ausdruͤcken, iſt von Ennemoſer nachgewie— ſen worden*). Aber die meiſten Menſchen unter den ſoge— nannten cultivirten Voͤlkern unſerer Zeit ſind fuͤr ſolche Schoͤn— heiten unempfaͤnglich; ſelten findet man bei ihnen reine, un— eigennuͤtzige Liebe zu den Thieren, ſieht dagegen haͤufig Grau— ſamkeiten und Unbarmherzigkeiten gegen dieſelben ausuͤben, eine Folge von dem ſklaviſchen Drucke, unter welchem die mit den Thieren umgehenden Menſchen ſeit vielen Jahrhunderten lebten. Der von ſeinem Herrn als Sklav behandelte Bauer behandelte auch ſeine Thiere ſklaviſch, und die Freien blickten wie auf den Bauer, ſo auch auf ſeine Thiere mit Verachtung herab. Thier— namen, welche ſonſt Ehrennamen waren, wurden Schimpf— woͤrter**). Dieſe Verachtung des Thieres iſt aber nicht bloß *) S. deſſen„Beiträge zur Seelenkunde der Thiere“ in der Zeit— ſchrift für pſychiſche Aerzte von Naſſe. III. 1820. **) Z. B. in der Schweiz werden die ſtärkſten Jünglinge und Män⸗ ner, welche in den Wettkämpfen die Hauptrollen ſpielen, noch jetzt Heer— ochſen genannt.— Unter den Schimpfwörtern der alten Deutſchen, wel⸗ che Grimm in ſeinen Deutſchen Rechts-Alterthümern, Göttingen, 1828, 7/ 74— Folge von Entſittung der Menſchen, ſondern auch Urſache davon, denn wenn der Menſch von Jugend auf an Anblick und Ver— uͤbung von Thierquaͤlerei gewoͤhnt wird, ſo entſteht nach und nach eine allgemeine Verhaͤrtung des Gemuͤths, welche ihn zu aͤhnlichen Handlungen gegen ſein eignes Geſchlecht faͤhig macht*). Die zu London, Canſtadt, Dresden und anderwaͤrts vor kur— zem geſtifteten Vereine zur Befreiung der Thierwelt von Quaͤ— lerei und zur Beſtrafung ſolchen Frevels gegebenen Geſetze ſind erfreuliche Zeichen der Zeit; aber zu einer gruͤndlichen Beſſe— rung unſers Volkslebens in dieſer Beziehung iſt es noͤthig, die Perſonen, welche mit den Thieren umgehen, beſonders die Landwirthe uͤber das Verhaͤltniß der Menſchen zur Thierwelt aufzuklaͤren und ſie fuͤr die Schoͤnheiten in dieſem Reiche der Natur empfaͤnglich zu machen. Darum verbinde ich mit der Vorleſung uͤber Thierzucht einen Vortrag uͤber dieſen Gegen— ſtand. Als Grund- und Schlußſtein ſoll alle dieſe Lehren der oben§. 12, Nr. 15 angefuͤhrte Vortrag des Directors uͤber philoſophiſche Propaͤdeutik zuſammen halten und zu einem Gan— zen vereinigen, indem derſelbe darin alle fuͤr die oͤkonomiſchen Studien erforderlichen philophiſchen Grundſaͤtze der Menſchen— lehre, Denklehre, Sittenlehre und Staatslehre moͤglichſt ge— meinfaßlich zuſammenzuſtellen und ihren Zuſammenhang mit den verſchiedenen Zweigen der Oekonomie nachzuweiſen ſich be— muͤht. Bei einer ſolchen Lehrart kann der ſtudirende Landwirth S. 613, aufführt, finden ſich nicht die Namen ihrer Hausthiere. Selbſt nicht des Hundes Name wurde ſo gemißbraucht; wenigſtens fügte man ein beſchimpfendes Beiwort hinzu, z. B.„ſtinkender Hund, ungetreuer Hund.“ *) S. von Eberſtein: Schild und Waffen gegen Thierquäle⸗ rei; ein Beitrag zur allgemeinen Förderung der Menſchlichkeit. Leipzig, 1840. e davon, ind Ver⸗ nach und ſe ihn zu macht?). vor kur⸗ don Qui⸗ ſetze ſind en Beſſe⸗ thig, die ders die Thierwelt teiche der mit der Gegen⸗ zten der ors uͤbet nem Gan⸗ nomiſchen Menſchen⸗ lichſt ge⸗ ang mit ſch be⸗ aandwirth ere. Selſſ — fügte mann ungetreulel Thierquäle⸗ t. Leipzig, — 73— Einheit in die große Mannigfaltigkeit ſeiner geiſtigen Thaͤtig— keiten bringen, lernt dabei gleichmaͤßig in der Koͤrperwelt und der Geiſteswelt ſich zurecht finden, und gewoͤhnt ſich uͤberall mit den gewerblichen Geſchaͤften hoͤhere Anſichten und Beſtre— bungen zu verbinden. Je mehr es den Lehrern des Inſtituts gelingt, dieſe hier angedeuteten Grundſaͤtze in die akademiſchen Studien der Landwirthe einzufuͤhren, um ſo mehr verdient daſ— ſelbe, wenigſtens nach meiner Ueberzeugung, eine Stelle ein— zunehmen unter den Anſtalten der nationalen Erziehung des deutſchen Volks. Sechster Abſchnitt. Ordnung des Unterrichts. §. 17. Die Dauer eines vollſtaͤndigen Lehrcurſus iſt auf vier Halbjahre feſtgeſetzt, jedoch koͤnnen mit jedem Halbjahre, im Fruͤhjahre und Herbſte, neue Mitglieder in die Anſtalt eintre— ten, weil mehrere Wiſſenſchaften zwei Mal in dieſem Zeitraume vorgetragen werden, und bei vielen Zweigen des oͤkonomiſchen Studiums der regreſſive Gang nicht minder vortheilhaft iſt, als der progreſſive, d. h. man braucht nicht immer mit den Grundſaͤtzen anzufangen und dann erſt zu der Anwendung der⸗ ſelben uͤberzugehen, ſondern man kann auch mit den ange— wandten Theilen der Wiſſenſchaft beginnen und zu den Grund— ſaͤtzen zuruͤckgehen. Die Unbequemlichkeiten, welche durch dieſe Einrichtung hier und da im Studium veranlaßt werden, ſind nicht mit den Vortheilen zu vergleichen, welche dieſe Einrich— tung dem geſelligen Inſtitutsleben gewaͤhrt, indem ſo die aͤl— tern Mitglieder einen großen Einfluß auf die neuen, welche nur den vierten Theil der Geſammtzahl betragen, ausuͤben. 76— Dem Umſtande, daß ich gleich bei Errichtung des landwirth— ſchaftlichen Inſtituts im Jahre 1826 dieſe Verhaͤltniſſe ſo ordnete und ſolche Einrichtung auch bei der Gruͤndung der ſtaats- und landwirthſchaftlichen Akademie Eldena einfuͤhrte, habe ich es zu verdanken, daß ſich durch die edeln Beſtrebungen der jungen Maͤnner, welche mit mir dieſe Inſtitute gruͤndeten, in beiden Anſtalten zum Schutze des Guten feſte Gewoͤhnungen gebildet haben, und daß unter denjenigen Mitgliedern, welche die Traͤ— ger des hoͤhern Lebens im Inſtitute ſind, ein edler Gemeingeiſt herrſchend geworden iſt, welchen ich fuͤr das werthvollſte Be— ſitzthum der Anſtalt achte. In den erſten zwei Halbjahren iſt der Studirende hinrei— chend mit den Vorleſungen des Inſtituts beſchaͤftigt, ſpaͤter aber hat er Zeit, andere nicht zur Anſtalt gehoͤrige Vortraͤge zu hoͤren. Bei Ordnung der Studien hat Jeder außerdem noch auf ſeine ſpeciellen Zwecke, auf ſeine Vorkenntniſſe und auf die Zeit ſeines Hierſeins Ruͤckſicht zu nehmen, und daher mit mir beſonders uͤber dieſes Verhaͤltniß ſich zu beſprechen. In Hinſicht auf Anfang und Schluß der Vorleſungen richtet ſich das Inſtitut nach der Univerſitaͤt. Der Anfang wird von Zeit zu Zeit durch die oͤffentlichen Blaͤtter bekannt gemacht. Gewoͤhnlich findet er am Ende des Aprils und am Ende des Octobers Statt. Die Oſter- und Herbſtferien verwenden die Mitglieder der Anſtalt zweckmaͤßig auf landwirthſchaftliche Reiſen oder bringen ſie auf Landguͤtern zu, um ihre praktiſche Bildung zu foͤrdern, wobei ich gern Jedem mit Rath beiſtehe. ndwirth⸗ 7 ordnete ich e zu er jungen in beiden gebidet die Tri⸗ meingeiſt lſte Be⸗ de hinrei⸗ t, ſpäter Vortraͤge noch auf auf die mit mir orleſungen r Anfang rbekannt und am lieder der er bringen u fördern, Siebenter Abſchnitt. Die häuslichen und geldlichen Verhältniſſe des Inſtituts.— §. 18. Fuͤr die haͤuslichen Beduͤrfniſſe des landwirthſchaftlichen Inſtituts habe ich in Jena ein eigenes Haus eingerichtet*). In demſelben befinden fich außer meiner Wohnung das Audi— torium, Laboratorium, Leſezimmer, die Raͤume fuͤr die Samm— lungen, auch einige Wohnungen fuͤr Mitglieder des Inſtituts. Die Mehrzahl dieſer wohnt in andern Haͤuſern der Stadt. Sie koͤnnen ſich hier Wohnungen nach Belieben waͤhlen, jedoch wuͤnſche ich, daß jeder Eintretende ſich vorher mit mir daruͤber beſpreche. *)„Das an die großherzoglichen Schloßgebäude gegen Mittag an⸗ ſtoßende Gebäude iſt im Jahre 1664 von dem Baumeiſter Moritz Richter auf eigene Koſten von Grund aus neu erbauet worden. Im Jahre 1667 wurde es vom Herzoge Bernhard gekauft und zur Canzlei und Wohnung des jedesmaligen Präſidenten beſtimmt. Später wohnte die verwittwete Herzogin Johannette von Eiſenach bis zu ihrem Tode (1701) darin. Bald darauf wurde es vom Rentmeiſter Hochhauſen er— kauft, der die Seiten- und Hofgebäude aufführen ließ. Nach verſchie— denen Beſitzern(Kemmer, Hamberger, Heyligenſtädt † 1773) kam es in den Beſitz des berühmten Griesbach und ſeiner in wohlwollender Thä⸗ tigkeit nie ermüdenden Gattin, die hier einen gewählten Kreis von Freunden um ſich verſammelten und ſich im Laufe der Zeit einer großen Anzahl Studirender mit wahrhaft älterlicher Liebe und Sorgfalt annah— men, ſo wie ſie in ihrem geräumigen Hauſe mancher ſonſt ſchutzloſen Wittwe und Waiſe eine ſtille Freiſtätte gewährten.— Hier wohnte auch Schiller, mit dem ſie nahe befreundet waren, während der erſten Jahre ſeines hieſigen Aufenthalts.“ J. C. Zenker hiſtoriſch-topographiſches Taſchenbuch von Jena, S. 32. — — 78— Fuͤr die Theilnahme am landwirthſchaftlichen Inſtitute, be— ſonders fuͤr Beſuch der oben genannten zum Inſtitute gehoͤrigen Vorleſungen, und fuͤr Benutzung der uͤbrigen Lehrmittel, wird an die Inſtitutscaſſe im erſten Halbjahre 48 Thaler, im zwei— ten 48 Thlr., im dritten 36 Thlr. und im vierten 6 Thlr. voraus im Anfange des Halbjahrs gezahlt. Demnach betraͤgt e Zahlung fuͤr den ganzen Lehrcurſus von vier Halbjahren 138 Thlr., oder durchſchnittlich fuͤr ein Halbjahr 34 ½ Thaler. Fuͤr die Theilnahme, welche uͤber zwei Jahre hinausgeht, wird nichts gezahlt Wer ſich in Zwaͤtzen laͤngere Zeit aufhalten will, um die dortige Wirthſchaft naͤher kennen zu lernen, zahlt fuͤr Woh— nung und Koſt auf eine Woche 3 Thlr Die Eincaſſirung dieſer Gelder beſorgt Herr Wilhelm Lange, welcher als Secretaͤr bei dem landwirthſchaftlichen Inſtitute angeſtellt iſt. Hoͤren die Mitglieder des Inſtituts noch Vorleſungen, welche außer dem Inſtitute bei der Univerſitaͤt gehalten wer— den, ſo bezahlen ſie an die akademiſche Quaͤſtur die Honorare, welche die uͤbrigen Studirenden entrichten, z. B. fuͤr Mathe— matik woͤchentlich 5 Stunden 5 Thlr., Geſchichte desgleichen, Chemie 9 bis 12 Thaler u. ſ. w. Fuͤr Unterricht im Reiten werden fuͤr den erſten Monat 2 Louisd'or und fuͤr jeden der folgenden Monate 8 Thaler gezahlt. Fuͤr diejenigen meiner Vortraͤge, welche ich privatim(nicht privatiſſime) halte, zahlen die Mitglieder des Inſtituts kein Honorar, ſondern nur das uͤbliche Beleggeld fuͤr den Famulus (ſ. oben S. 58). Die uͤbrigen Ausgaben betragen in einem Halbjahre un— gefaͤhr: 1) fuͤr Wohnung, eine Stube mit Kammer, mit Sopha, Stuͤhlen, Tiſchen, Bett und andern Hausgeraͤthen und fuͤr Aufwartung halbjaͤhrlich 8 bis 12 Thlr.; tute, be⸗ ſehoͤrigen el, wird im zwei⸗ 6 Thlr. betraͤgt bjahren Thaler. t, wird ir Woh⸗ ilhelm aftlichen leſungen, ten wer⸗ vonorare, Mathe⸗ sgleichen, n Reiten eden der im(vicht tuts kein Famulls jahre un⸗ t Sopha, und für 2) fuͤr Heizung und Licht im Winter 7 bis 10 Thlr.; 3) fuͤr Putzen der Stiefeln und Reinigen der Kleider halb⸗ jaͤhrlich 1 bis 2 Thlr.; Waſchlohn e 2 Thlr.; fuͤr Fruͤhſtuͤck, Abend— 4) fuͤr Mittagseſſen taͤglich 4 Sgr.; eſſen und Getraͤnke 3 bis 4 Sgr. Ohne bedeutende Einſchraͤnkung kann ein Mitglied des Inſtituts in einem Jahre mit einer Summe von 250 bis 300 Thalern auskommen. Ein Mitglied des Inſtituts, welches von Michaelis 1840 bis dahin 1842 hier lebte, hat mir folgenden Auszug aus ſei— ner Ausgaberechnung mitgetheilt 1) Fuͤr Theilnahme an dem landwirth- im erſten ſim zweiten ſchaftlichen Inſtitute, fuͤr Vorleſungen Jahre Jahre außer dem Inſtitute und fuͤr Imma-(Thlr. Sgr. Thlr. Sgr. triculation bei der Univerſitaͤt.. 103 16[80— 2) Für Bücher...... 19 20 8— 3) Fuͤr Wohnung, Aufwartung und Waͤſche....31— 31— 4) Füur Feuterung... 5— 5= 5) Für Mittagseſfſen. 33 6 336 6) Fuͤr Morgen- und Abendeſſen 23 18 23 24 7) Fuͤr Fechtunterricht und Fechtappa⸗ rate.. 9 4—— 8) Fuͤr Papier, Federn, Tinte, Map⸗ pen, Buchbinderarbeit u. dergl. 5 171 2— 9) Dem Schuhmacher... 65 861 6 6 10) Dem Schneider... 3— 17 12 11) Insgemein. 22 5 16— Summa der Ausgaben... 5 272 2 222. 18 mit Ausnahme der Ausgaben in den Ferien, auf Reiſen u. dergl. — 80— Achter Abſchnitt. Bedingungen der Aufnahme. §. 19. Wer an dem landwirthſchaftlichen Inſtitute Theil nehmen will, hat ſich wegen der Erlaubniß zu ſolcher Theilnahme bei dem Director ſchriftlich oder perſoͤnlich zu melden, und nach— her durch Immatriculation bei der Univerſitaͤt das akademiſche Buͤrgerrecht zu erwerben. Zu dieſem Behufe hat er beizubrin— gen: 1) ein von der Obrigkeit des letzten Wohn⸗ orts ausgeſtelltes Sittenzeugniß; 2) eine Beſchei— nigung uͤber die Erlaubniß des Vaters oder Vor⸗ mundes, das hieſige landwirthſchaftliche Inſtitut zu beſuchen. In Bezug auf die aus dem Großherzogthume Sachſen— Weimar-Eiſenach, aus den Herzogthuͤmern Sachſen-Coburg— Gotha, Sachſen-Altenburg und Sachſen-Meiningen, auch aus den Fuͤrſtlich Schwarzburg-Rudolſtaͤdtiſchen Landen kommenden Landwirthe wird bemerkt, daß bei ihrer Immatriculation ein von dem Vorſteher des landwirthſchaftlichen Inſtituts ausge— ſtellter Aufnahmeſchein die Stelle des Maturitaͤts- und Dis— penſationsſcheines, der ſonſt geſetzlich von dieſen Landeskindern beizubringen iſt, vertritt. In Folge der Immatriculation haben die Mitglieder des landwirthſchaftlichen Inſtituts alle Rechte und Verbindlichkeiten der akademiſchen Buͤrger. Bei denjenigen Mitgliedern der Anſtalt, welche vermoͤge eines vom Inſtitutsdirector ausgeſtellten Aufnahmeſcheines im— matriculirt worden ſind, erliſcht das akademiſche Buͤrgerrecht mit dem Austritte aus dem Inſtitute. Außerdem ſind von dem Director der landwirthſchaftlichen Lehranſtalt fuͤr die Theilnehmer derſelben noch folgende Bedin— gungen feſtgeſtellt worden: 1) die Kenntniſſe betreffend. eine der ſolc einſe V ſalt habe ſeil nehwen lnahme bei und nach⸗ kademiſce beizubrin⸗ n Wohr⸗ Beſchei⸗ der Vor⸗ ubeſuchen. e Sachſen⸗ 1 Coburg⸗ auch als ommenden glation ein idlichkeiten he vermäe ſcheines in⸗ Bürgerracſt ſcflchen nde Bedin⸗ — 81— Wer die Anſtalt beſuchen will, ſoll ſolche Schulkenntniſſe mit— bringen, welche zum Verſtehen wiſſenſchaftlicher Vortraͤge in deut— ſcher Sprache erforderlich ſind; eine foͤrmliche Pruͤfung hat jedoch der Eintretende nicht zu beſtehen*). Bei Denjenigen, welche praktiſche Landwirthe werden wollen, ſetze ich voraus, daß ſie be— reits praktiſch mit der Landwirthſchaft einige Zeit, etwa 2 Jahre, ſich beſchaͤftigt haben. Wer zu einer ſolchen praktiſchen Vorberei— tung eine paſſende Gelegenheit nicht kennt, dem werde ich ſie gern nachweiſen, auch anzeigen, in welcher Weiſe er ſich auf dem ge— waͤhlten Landgute zu beſchaͤftigen hat. Ich habe mich zu dieſem Zwecke mit mehrern tuͤchtigen Landwirthen in Verbindung geſetzt. Bei ſtudirenden Staatswirthen wird ſolche praktiſche Vor— bereitung nicht verlangt, jedoch gewuͤnſcht, daß ſie in den Fe— rien in Zwaͤtzen oder auf einem andern geeigneten Landgute mit der Landwirthſchaft ſich beſchaͤftigen. 2) Die Sittlichkeit betreffend: Im§. 11. der Geſetze fuͤr die Studirenden der Geſammt— Akademie Jena heißt es:„Das akademiſche Buͤrgerrecht ver— „pflichtet im Allgemeinen zu einem ſittlichen Betragen, zur „Achtung gegen Religion, zu Fleiß, Ordnung und thaͤtiger „Mitwirkung fuͤr das Wohl der Univerſitaͤt.“ Auf dieſe Verpflichtung mache ich alle Diejenigen, welche in die Anſtalt treten wollen, aufmerkſam, weil ich bei dieſem Inſtitute vorzuͤglich darauf ſehe, daß die Mitglieder deſſelben eine hoͤhere, moraliſche Ausbildung durch beſonnenen Gebrauch der akademiſchen Freiheit erſtreben und weil ſie, vermoͤge einer ſolchen Bildung, zur Veredlung des wirthſchaftlichen Volkslebens einſt beitragen ſollen. Von denjenigen jungen Maͤnnern, welche die hieſige An— ſtalt beſuchten, ohne die gehoͤrige Schulbildung mitzubringen, *) Es wünſcht der Director, daß Jeder ihm eine ausführliche Lebens⸗ beſchreibung nebſt den Zeugniſſen der Lehrer und Principale zuſtelle. Schulze Deutſche Bl. f. Landw. 1. 6 — 82— richt dieſe Luͤcke in ihrem Wiſſen moͤglichſt ausgefuͤllt und wie in Beziehung auf wiſſenſchaftlichen Eifer, ſo auch in ſittlicher Hinſicht vortheilhaft ſich ausgezeichnet. Dieſe Erfahrung be— achtend, nehme ich gern auch ſolche angehende Landwirthe auf, denen eine vollkommene Schulbildung abgeht, wenn ſie nur ei— nen ernſten Sinn fuͤr wiſſenſchaftliche Fortbildung mitbringen; jedoch ermahne ich alle Vaͤter, welche mich uͤber die Erzie— hung ihrer Soͤhne zu praktiſchen Landwirthen zu Rathe ziehen, denſelben einen moͤglichſt vollſtaͤndigen Schulunterricht zu Theil werden zu laſſen, weil dieſer die theoretiſche und praktiſche Aus— bildung des Landwirths vorzuͤglich erleichtert und foͤrdert. Die Sittlichkeit aber betreffend habe ich erfahren, daß die Landwirthe, welche auf der Akademie ſich aufhalten, ohne die oben angefuͤhrten Pflichten zu erfuͤllen, welche die Vorleſungen unordentlich beſuchen, keinen Privatfleiß anwenden, ihre Zeit vergeuden und ihr Leben vertaͤndeln, ſich weit mehr ſchaden als nuͤtzen. Der Vortheil, welchen ihnen die hier geſammelten Kennt— niſſe gewaͤhren, wird durch die Nachtheile, welche ihnen die Ge— woͤhnung an ein unordentliches Leben bringt, unendlich uͤberwo— gen. Da nun der Landwirth weder wegen einer Staatsanſtel— lung, noch wegen eines Examens, noch wegen eines andern aͤu— ßern achte ich es fuͤr meine Pflicht, diejenigen jungen Maͤnner, welche ³ 9 Verhaͤltniſſes genoͤthigt iſt, die Akademie zu beſuchen: ſo zu einem ſolchen unziemlichen Leben eine nicht zu beherrſchende Neigung haben, von der hieſigen Anſtalt moͤglichſt fern zu halten. Auch rathe ich einem Jeden, welcher nach hoͤherer Bil— dung durchaus keine Sehnſucht in ſich verſpuͤrt, deſſen Beſtre— bungen einzig von Genußſucht und Vergnuͤgungsſucht geleitet werden, der kein anderes Studium als das Brodſtudium trei— ben will, das hieſige Inſtitut nicht zu beſuchen. Landwirth— ſchaftliche Lehranſtalten uberh aupt werden ſich gluͤcklich zu prei— ſen haben, wenn unter ihren Mitgliedern ſolche„Vergnuͤg— linge“ und„Br dam beter“ immer ſeltner werden. ——— d wie ttlicher ng be⸗ he auf, nur ei⸗ ringen; Erzie⸗ ziehen, Theil de Aus⸗ t. daß die hne die lejungen re Zeit den als Kennt⸗ überwe⸗ tsanſtel dern au⸗ hen: ſo welche ſchende halten. rer Bi⸗ Beſtre⸗ geleitel mn trei⸗ dwirth⸗ zu prel⸗ gnuͤx⸗ Andeutungen uüber höhere Bildung des deutſchen Landwirths und Gutsbeſitzers, beſonders in Beziehung auf Weſen und Wichtigkeit derſelben. 6* „Es iſt von tiefer Bedeutung und höchſt unwürdig, daß man mit dem Worte Leben, obgleich man darunter das ganze Daſein des Menſchen ſich denkt, dennoch wieder einen Begriff verbindet, welcher die Welt der Ideen(des Wahren, Schönen und Guten) ausſchließt, als ob die Beſchäftigung des Geiſtes mit Ideen nicht Leben wäre, und daß man, wenn man von Nitzlichkeit ſpricht, auch wieder nur an das äu⸗ ßere Leben denkt, als wäre der Gewinn für das innere Leben kein Nutzen für den Menſchen.“ „Daß durch jene Beſchränkung des menſchlichen Strebens auf den Nutzen für das gemeine Leben, durch jene Verkümmerung des menſch⸗ lichen Intereſſes die Welt und inſonderheit unſere Zeit um Genialität wie um Tugend gebracht werde, daß dieſe unſerer Zeit vorzugsweiſe eigene Richtung des Strebens nicht bloß der Grund des Verderbens, ſondern ſelbſt die Sünde ſei, wird das Ergebniß der folgenden Betrach⸗ tungen ſein.“— „So vernichten Die, welche nur die gemeine Nützlichkeit vor Au⸗ gen haben, eben durch die Beſchränkung des Strebens ihr eigenes Ziel, indem dieſe Beſchränkung die auch für die Zwecke des äußern Lebens erforderliche Ausbildung und Kräftigung und Tugend des Geiſtes zurück⸗ hält. Die Anwendung des Sinnes von dem höhern Leben und nament⸗ lich von dem Leben in der Erkenntniß iſt das größte Verderben auch für das Geſchäftsleben.“ Tittmann: Ueber Beſtimmung des Gelehrten und ſeine Bildung durch Schule und Univerſität. Berlin, 1833, Seite 7 und 71. s man ein des cher die als ob nd daß as äu⸗ en kein auf den menſch⸗ enialität ugsweiſe derbens, Betrach⸗ vor Au⸗ nes Ziel n Lebens 3 zurück⸗ nament ſen auch Bildung §. 1. Rückblick auf die ſeitherigen Vorſtellungen der deutſchen Laudwirthe von dem höchſten Ziele der Land⸗ wirthſchaft. Der vorwaͤrtsſtrebende Geiſt, welcher ſeit dem Mittelalter das europaͤiſche Voͤlkerleben bewegt, hat auch das wirthſchaft— liche Leben und zwar nicht bloß die Staatswirthſchaft, ſon— dern auch die Privatwirthſchaft ergriffen und darin die auf— fallendſten Veraͤnderungen hervorgebracht; aber nur wenige von denjenigen Perſonen, welche an dieſem Trachten und Schaffen Theil nehmen, haben von dem Ziele ihrer Wuͤnſche eine deut— liche und richtige Vorſtellung. Die Meiſten werden in ihrem Vorwaͤrtsſtreben von Nachahmung geleitet. Auch die Schrift⸗ ſteller uͤber Oekonomie ſprechen ſelten mit wiſſenſchaftlicher Klar— heit und Beſtimmtheit von dem hoͤchſten und letzten Zwecke der Wirthſchaft. In den erſten Jahrhunderten nach dem Mittel— alter richteten ſie das Augenmerk nur auf den Beſitz, auf die Habe, auf Reichthum. Beſonders war dieß bei denjenigen Schriftſtellern der Fall, welche dem franzoͤſiſch-engliſchen Mer— kantilſyſteme oder Fabrikſyſteme huldigten. Die phyſiokratiſche Schule, welche in der zweiten Haͤlfte des vorigen Jahrhun— derts in Frankreich gegen dieſes Syſtem auftrat, lehrte, daß bei der Wirthſchaft nicht auf den Beſitz, ſondern auf das Ein⸗ kommen oder den Ertrag zu ſehen ſei, und zwar vorzuͤglich auf das reine Einkommen oder den Reinertrag(Nettogewinn, produit net), und ſeit jener Zeit wird der hoͤchſte Reinertrag fuͤr das hoͤchſte Ziel der Oekonomie erklaͤrt. Die Selbſtſucht, — 86— welche fruͤher als Habſucht ihr Weſen trieb, zeigte ſich nun als Gewinnſucht. Bei der Landwirthſchaft war das Streben nach Vergroͤße— rung der Habe in der fruͤhern Zeit vorzuͤglich auf die Aus— dehnung des Grundbeſitzes gerichtet, ſo daß die großen Land— guͤter ſich uͤbermaͤßig erweiterten und die kleinern untergingen. Die rationelle Landwirthſchaft der neuern Zeit ſtellte ſich, ver— anlaßt durch den Phyſiokratismus, die Aufgabe:„moͤglichſt hoͤchſten nachhaltigen reinen Gewinn“ durch ihre Gewerbsmittel zu verſchaffen. Reinertrag aber oder reinen Gewinn nannte man den Ueberſchuß der Einnahmen uͤber die Ausgaben, und unterſchied ihn von dem Rohertrage(Bruttoertrage), worun— ter man die Summe aller Einnahmen verſtand. Der Roh— ertrag hat demnach zwei Theile, wovon der eine zur Beſtreitung der Schaffungsausgaben oder Productionskoſten beſtimmt iſt und der andere den Reinertrag ausmacht. Der gebildete Landwirth der neueſten Zeit iſt mit Errei— chung dieſes Ziels nicht zufrieden. Er ſtrebt nach etwas Hoͤ— herem, und dieſes Hoͤhere ſucht er nicht im Saͤchlichen, ſon— dern im Perſoͤnlichen, und zwar nicht bloß auf ſeine eigene Perſoͤnlichkeit iſt ſein Vorwaͤrtsſtreben gerichtet, ſondern auch auf die Perſoͤnlichkeit ſeiner Mitmenſchen.„Gemeinwohl, Ge— meinnuͤtzigkeit, Volkswohlſtand, Volkswohlfahrt“ ſind Ausdruͤcke, womit man dieſes hoͤhere Ziel der neuern Landwirthſchaft zu bezeichnen pflegt. Nach einem ſolchen hoͤhern Ziele ſtreben die edelſten un— ſerer Landwirthe in ihrer Praxis, wenn ſie auch daruͤber theo— retiſch nicht im Klaren ſind und in ihren Schriften entgegen— geſetzte Grundſaͤtze ausſprechen. Mag auch ihr Verſtand durch jene kalte Theorie befriedigt werden, ihre Praxis wird doch durch ein fuͤr Gemeinwohl gluͤhendes Gemuͤth erwaͤrmt. So war es namentlich bei Thaer, welcher in ſeinen Schriften„moͤglichſt hoͤchſten reinen Gewinn fuͤr das Ideal und oberſtes Princip“ ich nun ergroͤße⸗ ie Aus⸗ n Land⸗ rgingen. ch, ver⸗ noͤglicht sͤmittel nannte n, und worun⸗ er Roh⸗ ſtreitung umt iſt t Errei⸗ das Hi⸗ en, ſon⸗ e eigene ern auch hl, Ge⸗ ſsdrücke, caft zu ſten un⸗ er theo⸗ ntgegen⸗ ddurch 1 durch war es röglicht zrinciy“ der rationellen Landwirthſchaft erklaͤrte*), in ſeiner landwirth— ſchaftlichen Praxis dagegen wirklich ein hoͤheres Ziel verfolgte, was auch Jeder vorausſetzt, welcher auf das Wirken dieſes großen Mannes ſeine Aufmerkſamkeit gerichtet hat. Jedoch fuͤhre ich zum Belege folgende Stellen aus ſeiner Lebensbe— ſchreibung***) an:„Ja ſelbſt auch wenn er ſein Grundſtuͤck im Bruche behielt, konnte er einen großen Ertrag daraus ziehen. Allein ihn beſeelten hoͤhere Zwecke, er hatte ein edleres Ziel vor Augen, und ſo ſah er ſich durch den Beſitz von Moͤglin am Ziele ſeiner Wuͤnſche; es entſprach dem Ideale, was er ſich von einem fuͤr ihn paſſenden Landgute gemacht hatte.“ Ferner:„Im Jahre 1826 verkaufte er 160 Schafboͤcke und 194 Muͤtter an die Meiſtbietenden zu 15,510 Thaler, aber dieſe Preiſe ſchienen ihm zu hoch, und aller Einreden unge— achtet verkaufte der redliche, uneigennuͤtzige Mann ſchon im naͤchſten Jahre 1827 ſeine Thiere wiederum wie fruͤher nur nach feſten Preiſen.“—„Welch ein ſchoͤnes Zeugniß da— fuͤr, daß ihm die Foͤrderung der wichtigen Angelegenheit ſelbſt *) S. ſeine Grundſätze der rationellen Landwirthſchaft, Berlin, 1809. I.§. 2 u. 3. Auch: Leitfaden zur allgemeinen landwirthſchaftlichen Ge— werbslehre, Berlin, 1815,§. 5. Man vergleiche, was ich in meiner Schrift:„Volkswirthſch aftliche Begründung der Gewerbswiſſenſchaften, insbeſondere der Landwirthſchaftslehre, Jena, Frommann, 1826“,§. 15 bis§. 19, über die Vorzüge und Mängel der ſchriftſtelleriſchen Arbeiten von Thaer geſagt habe. Thaer, welchem ich dieſe Schrift zuſchickte, bewies mir durch die Freundlichkeit einer ausführlichen Antwort, daß er einen mit Wiſſenſchaftlichkeit vorgebrachten Widerſpruch wohl vertragen könne und ſeine Wirkſamkeit nicht überſchätze, ſondern nur für den An⸗ fang eines großen Werks halte, welches die folgenden Geſchlechter aus— zuführen haben. Ich werde ſpäter in einer Abhandlung nachzuweiſen mich bemühen, daß die Mängel in den Schriften von Thaer mehr nur Mängel ſeiner Zeit geweſen ſind. **) Albrecht Thaer, ſein Leben und Wirken als Arzt und Land— wirth. Leipzig, Brockhaus, 1839, S. 184 u. S. 223. — 48— mehr am Herzen lag, als der moͤglichſt groͤßte pecuniaͤre Vor— theil.“ Demnach waren Thaer's Werke weit beſſer als ſeine Worte. Dieß haben Adam Muͤller und Andere, welche ihm vorgeworfen, daß er das„ehrenvolle Amt des Landbaues zu einem gemeinen und veraͤchtlichen Gewerbe“ herabwuͤrdige, nicht beruͤckſichtigt. Von dieſem Mangel in der neuen Theorie der Landwirthſchaft hatten aber auch dieſe Tadler nur ein dunke— les Gefuͤhl, keine klare Vorſtellung. Namentlich war Adam Muͤller zu ſehr in Myſticismus verſtrickt, als daß er ſeine Zeitgenoſſen uͤber das hoͤhere Streben des Landwirths haͤtte aufklaͤren koͤnnen; jedoch ſtellte er nicht, wie man ihm vorge— worfen hat, die unſinnige Behauptung auf, daß der Gewerbs— mann gar nicht nach Reinertrag trachten ſolle*). Damit nun ſolche Mißverſtaͤndniſſe und Mißdeutungen ver— mieden werden und damit der Landwirth mit hellem Blicke und ſicherm Fuße nach dem hoͤhern Ziele hinſtrebe, iſt bei ſeiner Erziehung mit der Gewerbsbildung hoͤhere Bildung innigſt zu verbinden(ſ. oben Seite 27). Da nach meiner lieberzeugung gegenwaͤrtig in unſerm Va— terlande nichts noͤthiger und wichtiger iſt als eine hoͤhere Bil— dung des Landwirths und die Gewerbsbildung ohne dieſe weit mehr ſchadet als nuͤtzt, ſo ſprach ich mich daruͤber in der er— ſten Sitzung der erſten Verſammlung der deutſchen Landwirthe zu Dresden in einem Vortrage ausfuͤhrlich aus und nannte die Richtung der Landwirthſchaftswiſſenſchaft auf das hoͤhere *)„Nicht das Streben nach dem Erwerbe, nach dem Ertrage ſchän⸗ det; es gehört eben ſo nothwendig in die große Haushaltung Gottes, als die freie Ergebenheit und die Liebe zum Werke. Aber Schande brin⸗ gend iſt das ausſchließliche Streben nach dem ſächlichen Haben, auf Un— koſten des perſoͤnlichen Seins.“ Adam Müller: Von der Nothwen⸗ digkeit einer theologiſchen Grundlage der geſammten Staatswiſſenſchaften. Leipzig, 1819, S. 62. aͤre Vor⸗ als ſeine (lche ihm baues zu ige, nicht eorie der n dunke⸗ Adam er ſeine hs hätte n vorge⸗ A Gewerbs⸗ gen ver⸗ licke und ei ſeiner nnigſt zu ſerm Va here Bis ieſe weit der er⸗ dwirthe nannte höhere age ſchän⸗ Gottes, nde brin⸗ auf Uu⸗ Nothwen⸗ nchaften. — 389— Ziel„aͤchte Wiſſenſchaftlichkeit des Landwirths.“ Die Beiſtim— mung, deren ich mich in dieſer hochachtbaren Verſammlung und ſpaͤter auch, nachdem jener Vortrag in Druck*) erſchienen war, in weiterm Kreiſe erfreute, iſt ein Beweis, daß jene hoͤhere Lebensanſicht gegenwaͤrtig unter den gebildeten Land— wirthen Deutſchlands ſehr verbreitet iſt. Wenn ſie im muͤnd— lichen und ſchriftlichen Verkehre der Landwirthe ſelten zur Spra⸗ che kommt, oder wenn die Ausſprache derſelben unklar iſt und haͤufig zu Mißverſtaͤndniſſen Veranlaſſung gibt, ſo darf man ſich nicht wundern, indem auch in andern Staͤnden unſers Volks, ſelbſt unter den Gelehrten, Erziehern und Predigern die Sprache uͤber die hoͤchſte Beſtimmung des Menſchenlebens, uͤber das Himmliſche und Goͤttliche im Erdenleben noch ſehr mangelhaft iſt, auch unter ihnen noch oft Mißsverſtaͤndniſſe vorkommen. Es iſt der Wiſſenſchaft noch nicht gelungen, unſer Volks— leben von jenen, durch eine falſche oder verworrene Vorſtel— lung vom hoͤhern Leben veranlaßten Verirrungen zu befreien, welche man Myſticismus, Pietismus, Philantropie u. ſ. w. zu nennen pflegt. Manchen Landmann haͤlt die Befuͤrchtung, daß man ihn fuͤr einen Myſtiker, Pietiſten, Philantropen u. dergl. halten moͤge, von einer oͤffentlichen Darlegung ſeiner hoͤhern Lebensanſicht ab. Nur ſelten ſprechen ſich Landwirthe in Schrif— ten und oͤffentlichen Verſammlungen ſo muthig uͤber dieſen Ge— genſtand aus, als es Koppe gethan hat(ſ. oben Seite 28). Das Wort„hoöoͤher“ wird zwar nicht ſelten von ihnen ge— braucht, ſie reden von hoͤherer Schafzucht, von hoͤherm Be— triebe der Landwirthſchaft, von hoͤherer Bildung des Land— wirths u. dergl., nehmen aber das Wort in einem ganz an— dern Sinne. Hoͤhere Schafzucht nennen Viele eine ſolche, wo *) S. Amtlicher Bericht über die Verſammlung deutſcher Landwirthe zu Dresden. 1838, S. 115. — 99— nicht grobe und barſche, ſondern feine und ſanfte Wollen her— vorgebracht werden. Das, was ich„hoͤher“ nenne, bezieht ſich nicht auf Eigenſchaften der landwirthſchaftlichen Thiere, ſondern der landwirthſchaftlichen Perſonen, nicht auf Feinheit und Sanftheit der Wolle, ſondern auf Feinheit und Sanft— heit des Geiſtes. Andere verlangen, wenn ſie von einem hoͤ— hern Betriebe der Landwirthſchaft ſprechen, daß der Landwirth fremde, ſeltene, kuͤnſtliche und neue Dinge in ſeiner Wirth— ſchaft aufweiſen koͤnne; meine Forderungen eines hoͤhern land— wirthſchaftlichen Lebens dagegen beziehen ſich weit mehr auf das Einheimiſche, Vaterlaͤndiſche, Einfache und Alte(ſ. oben Seite 63). Andere ſuchen das Hoͤhere in den Kenntniſſen des Landwirths, in dem Nachdenken, in der Wiſſenſchaft, im Ra— tionellen. Auch ich ſchaͤtze dieſe Eigenſchaften des Landwirths fuͤr wichtig, aber fuͤr noch wichtiger halte ich diejenigen, wel— che ſich auf ſein Gemuͤths- und Thatleben beziehen, und nenne deßhalb die auf ſolche Eigenſchaften hinzielende Bildung vor— zugsweiſe die hoͤhere. Daß auch A. L. v. Seutter in ſeinem:„Verſuche einer Darſtellung der hoͤhern Landwirthſchaftswiſſenſchaft fuͤr Came— raliſten, Oekonomen und Oekonomieverwalter; Leipzig, 1800,“ das Wort„hoͤher“ in einem andern Sinne gebraucht hat, geht aus dem hervor, was zur Beurtheilung dieſes beachtungs— werthen Werks in meiner oben genannten Schrift§. 14. ge⸗ ſagt worden iſt. Indem ich den Ausdruck„hoͤheres Leben, hoͤhere Bil— dung“ in dem oben angegebenen Sinne nehme, folge ich ei— nem Sprachgebrauche, welcher jetzt haͤufig unter den Gebil— deten unſers Volks ſich findet. Namentlich gebraucht Titt— mann*²) dieſes Wort ſo in den oben angefuͤhrten Schrif— *) Friedrich Wilhelm Tittmann, Doctor der Rechte und königl. ſächſ. Oberconſiſtorialrath zu Dresden. Er iſt ein Bruder des be⸗ llen her⸗ „bezieht Thiere, Feinheit d Sanft⸗ inem hu⸗ andwirth Vüth⸗ en land⸗ nehr auf (ſ. oben iſſen des im Ra⸗ ndwirths en, wel— d nenne ung vor⸗ ihe einer ir Came⸗ „1800, htt hat, chtungs⸗ 11. ge⸗ ere Bi⸗ ſe ich er Gebil⸗ Titt⸗ Schrif⸗ ichte und rdes be⸗ — 292— ten, worin er das Weſen des hoͤhern Lebens mit der ge— diegenſten Gelehrſamkeit und den edelſten Geſinnungen ent— wickelt. F. 2. Die niedern und höhern Lebensanſichten. In Hinſicht auf den Lebenszweck, welchen die Menſchen verfolgen, unterſcheide ich zwei Lebensarten, die niedere und die hoͤhere. Die Menſchen, welche von einer niedern Lebensanſicht ſich leiten laſſen, kann man etwa ſo abtheilen: 1) die arbeitsſcheuen Muͤſſiggaͤnger, welche die geordnete Arbeit haſſen und auf die Bequemlichkeiten des Lebens ver— zichten; 2) die Lebensanſicht der genußſuͤchtigen und vergnuͤgungs— ſuͤchtigen Menſchen, welche nur leben wollen, um zu eſſen, zu trinken, zu rauchen, zu ſchlafen, Karten zu ſpielen, uͤberhaupt um ſich ſinnliche Genuͤſſe und Vergnuͤgungen zu verſchaffen. Hierher gehoͤren nicht bloß die, welche in Uebermaß des Trin⸗ kens, Eſſens und in andern groben Genuͤſſen und Ausſchwei— fungen befangen ſind, ſondern auch diejenigen, welche in feine Genuͤſſe, in die Freuden der Tafel, der ſtaͤdtiſchen Geſelligkeit, der Badereiſen, des Schauſpiels, des Romanleſens u. dergl. den Zweck des Lebens ſetzen. Der wahrhaft Gebildete ver— goͤnnt ſich auch ſolche Genuͤſſe, aber nur als Mittel fuͤr ein hoͤheres Leben; er widmet ihnen nur die Zeit der Erholung. Ein Theil der genuß- und vergnuͤgungsſuchtigen Leute gehort zu den reichen Muͤſſiggaͤngern, der groͤßte Theil aber zu den Arbeitsſamen. Wenn naͤmlich der Menſch nur deßhalb fleißig arbeitet, um mit dem Verdienſte von ſeiner Arbeit ſich ſinn— rühmten Theologen Johann Auguſt Heinrich Tittmann und Ver⸗ faſſer einer Menge der gründlichſten hiſtoriſchen und politiſchen Schriften. — 92— liche Genuͤſſe zu bereiten, ſo ſteht auch er auf dieſer niedrigen Stufe des Menſchenlebens. 3) Die Modemenſchen. Ihre Lebensart iſt zwar eigent— lich ein Theil der vorher genannten, wird aber hier beſonders angefuͤhrt, weil ſich darin die Genuß- und Vergnuͤgungsſucht in einer eigenthuͤmlichen Geſtalt zeigt. Der Modemenſch ſucht naͤmlich, um ſich Anſehen in der Geſellſchaft zu verſchaffen und ſeiner Eitelkeit zu froͤhnen, nur ſolche Genuͤſſe, welche er bei andern vornehmern Leuten ſieht oder die neu ſind. Ein Kleid, welches er heute fuͤr haͤßlich erklaͤrt und das zu tragen er heute ſich ſchaͤmen wuͤrde, wird morgen, wenn er es im neue— ſten Blatte des Modejournals oder auf dem Leibe einer vor— nehmern Perſon erblickt, Gegenſtand ſeiner Sehnſucht. Den Befehlen der Pariſer Putzmacherinnen und der Londoner Schnei— der gehorchen in großer Zahl jetzt nicht bloß Staͤdter, ſondern auch Landleute. 4) Die Habſuͤchtigen und die Geizigen, deren Lebensziel Vergroͤßerung des Beſitzes iſt, ohne daß ſie das Erworbene fuͤr ihr Leben anwenden wollen. 5) Noch iſt die Lebensart derjenigen anzufuͤhren, welche im tiefſten Schmutze des Lebens ſich waͤlzen, indem ſie jener Lebensanſicht huldigen, welche man paſſend die der raffinirten Beſtialitaͤt*) genannt hat, weil ſie zur ausſchweifenden Be— friedigung der viehiſchen Triebe die Verſtandesbildung in An— ſpruch nimmt. Die dieſer Lebensart Ergebenen treiben Dicht— kunſt, Muſik, Gartenkunſt, Geſchichte, Politik, Philoſophie und andere Kuͤnſte und Wiſſenſchaften, aber nicht aus Begeiſterung fuͤr das Schoͤne und Wahre, ſondern nur aus Eitelkeit, Prunk⸗ ſucht oder Genußſucht. Die Geiſtesbildung dient ihnen nur als *) S. Fries: Handbuch der praktiſchen Philoſophie oder der philo⸗ ſophiſchen Zwecklehre. Erſter Theil: Ethik oder die Lehren von der Le⸗ bensweisheit. Heidelberg, 1818, S. 66. dedrigen eigent⸗ eſonders ingsſucht ſch ſucht fen und je er bei n Kleid, agen er im neue⸗ ner vor⸗ ſt. Den r Schnei⸗ ſondern hebensziel rworbene 7, welche ſie jener effinirten den Be⸗ in An⸗ en Dicht⸗ phie und geiſterung :, Prunk⸗ nur als der philo⸗ en der Le— — 93— Reizmittel fuͤr die Sinnlichkeit, als Gewuͤrz fuͤr gemeines Leben. Da ſie ſich ſelbſt verachten muͤſſen, halten ſie auch alle andern Menſchen fuͤr ſo erbaͤrmlich, wie ſie ſich ſelbſt fuͤhlen, und ſprechen mit ſpoͤttiſcher Verachtung von Heiligkeit der Ehe, von Innig— keit des Familienlebens, von Vaterlandsliebe und Kirchlichkeit. Ihre Reden, Schriften und Handlungen ſind um ſo gefaͤhrli⸗ cher, da ſie ihre Erbaͤrmlichkeit hinter einer gleißenden, glaͤn— zenden Form verbergen. Hoͤhern Lebensanſichten huldigen alle Diejenigen, welche nach einer Vervollkommnung des Geiſtes ſtreben bloß um des Geiſtes willen, das Koͤrperliche, Sinnliche, Materielle dem Geiſtigen unterordnen, das Irdiſche geringer ſchaͤtzen als das Himmliſche; aber die Anſchauungen dieſes hoͤchſten Lebensziels und die ſprachlichen Aeußerungen daruͤber ſind ſo verſchieden, als die Standpuncte es ſind, von welchen aus die Menſchen verſchiedener Voͤlker, Zeiten und Staͤnde darauf hinblicken. Ich mache hier auf diejenigen Verſchiedenheiten aufmerkſam, welche mir die wichtigſten zu ſein ſcheinen, und bemerke zu— gleich einige der dabei vorkommenden Verirrungen: 1) die religioͤſe Lebensanſicht. Nach dieſer wird die Got ahnlichkeit als das hoͤchſte Ziel des Lebens, als die ſan mung des Menſchen angeſehen. Die Liebe zu Gott iſt der hoͤchſte Beweggrund und der Beifall Gottes der hoͤchſte Lohn fuͤr die Handlungen des Menſchen. Die hoͤhere Anſicht der orientaliſchen Voͤlker iſt vorzugsweiſe religioͤs. Auch die Er— mahnungen des Religionslehrers, dem Hoͤhern nach zu ſtre⸗ ben, gehen gewoͤhnlich von dieſem Puncte aus und enthal⸗ ten die Ausdruͤcke„gottaͤhnliches, ſeliges, heiliges und ewiges Leben.“ Verirrungen, welche ſich beim Streben nach ſolchem Ziele finden, ſind: Scheinheiligkeit, Froͤmmelei u. dergl. 2) Die Lebensanſicht, welcher der Gedanke zum Grunde liegt, daß der Menſch vornehmlich im Verhaͤltniſſe zu andern = 94— Menſchen Tugend zeigen muͤſſe. Das hoͤhere Leben wird hier von der Idee der Gerechtigkeit bewegt, welche ſich auch in den Forderungen der geſelligen Gleichheit und buͤrgerlichen Frei— heit ausſpricht. Dieſe Idee belebte beſonders das altgriechiſche Staatsleben, und hat auch die groͤßten Bewegungen unſerer Zeit hervorgebracht. Ausartungen ſind: Herrſchaft der Rechtsform mit Unter— druͤckung des Rechtsgefuͤhls, Freiheitsſchwindel, Communismus u. dergl. 3) Der alte Roͤmer dachte ſich als Grundtugend vorzuͤg— lich die innere Ehre oder Wuͤrde(decus, honestum), als Grundlaſter die Unehre, die Schande(dedecus, infamia); ſtellte jedoch daneben die Gerechtigkeit(justitia); das religioͤſe Element dagegen nahm bei ihm eine ſehr untergeordnete Stelle ein). ,ru in Bezug auf dieſe Anſicht iſt die Lebensweiſe, deren Grundſatz fuͤr alle Handlungen der„point d'honneur“ iſt.„Der 8 d'honneur, der immer aufmerkt, was An— dere zu ihm denken oder ſagen, zeigt, daß er bloß zum Schein und um des Scheins willen lebt. Der deutſche Sinn geht aus auf Sein, nnd iſt unbekuͤmmert um den Schein. Was Andere dazu ſagen, verachtet er in der Regel viel zu ſehr, als daß er darauf merken ſollte. Nur wenn man in ſeinem Thun ihm entgegen tritt, haͤlt er ſich fuͤr angegriffen“**). 4) Die Lebensweiſe, welche von der Schoͤnheitsliebe ge— leitet wird. Das Schoͤne wird nach dieſer Anſicht dem Ange— nehmen und Nuͤtzlichen entgegen geſetzt. Das Angenehme thut unſerm Luſtgefuͤhle wohl, das Nuͤtzliche gefaͤllt unſerer Neigung *) Dieß hat nachgewieſen Hoffmeiſter in ſeiner Schrift:„Die Weltanſchauung des Tacitus. Eſſen, 1831.“ **) Fichtes Leben und litterariſcher Briefwechſel. Sulzbach, 1831. Theil, S. 150. wird hier h in den ſen Frei⸗ griechiſche n unſerer itt Unter nunismus vorzüg⸗ m), als tauin; religiöſe ete Stell ensweiſe, onneur“ was A⸗ m Schein geht aud 5 Andere 3 daß er hun ihm gliebe ge⸗ m Ange⸗ hme e thut Neigung Die ft:„T ah, 1831. — 95— als Mittel fuͤr irgend einen Zweck; das Schoͤne dagegen hat ſeinen Werth in ſich ſelbſt, gefaͤllt uns um ſein ſelbſt willen. Bei einer ſchoͤnen Muſik, bei einer ſchoͤnen Gegend, bei einer ſchoͤnen Handlung fragen wir nicht, wozu nuͤtzt ſie? ſondern wir lieben dieſe Dinge um ihrer ſelbſt willen.„Mittelbaren Werth hat Alles, was zum Wohlbefinden gehoͤrt, die Annehm— lichkeiten des Lebens, alles Nuͤtzliche, alle Geſſchicklichkeit. Aber die unmittelbaren Guͤter liegen in der Schoͤnheit der Seele, die ſich in allen Tugenden entfaltet“*). Diejenige Kraft unſers Geiſtes, womit das Schoͤne, das unmittelbare Gut geſchaͤtzt wird, iſt die reine Liebe, der Schoͤnheitsſinn. Dieſe aͤſtheti— ſche Lebensanſicht war am Vollkommenſten im griechiſchen Leben ausgebildet, und leitete mit der in No. 2 angefuͤhrten politi— ſchen Anſicht das Leben des griechiſchen Volks. Im Dienſte dieſer hohen Idee ſchufen die ſchoͤnen Kuͤnſte der Griechen jene herrlichen Formen, an welchen der Geſchmack aller gebilde— ten Voͤlker noch jetzt die kraͤftigſte und natuͤrlichſte Nahrung findet. Wer aber mit dem Gefuͤhlsvermoͤgen oder Geſchmacke nicht zugleich auch die uͤbrigen Geiſteskraͤfte bildet, kommt leicht auf Taͤndelei mit Gefuͤhlen, Sentimentalitaͤt, Myſticismus u. ſ. w. 5) Die ſittliche Anſicht vom Menſchenleben, nach welcher unſer Gewiſſen allein den reinen guten Willen, d. h. den ſitt— lichen Charakter, die Geſinnung lobt. Bei der ſittlichen Be— urtheilung der Thaten eines Menſchen ſehen wir nicht darauf, ob durch ſie Nuͤtzliches hervorgebracht, ob das Leben der Men— ſchen gefoͤrdert wird oder nicht, ſondern bl darauf, ob ſie aus guter Geſinnung hervor dargangen ſ ſind, d. h. ob der Menſch dieſe Thaten um der Heiligkeit der Pflicht willen vollfuͤhrt hat. Das Leben eines Menſchen iſt nach dieſer Anſicht um ſo hoͤher *) S. Fries Handbuch der praktiſchen Philoſophie oder philoſo⸗ phiſchen Zwecklehre. I. Theil, S. 102. — 96— zu achten, je mehr er dem Gebote der Pflicht folgend, mit Selbſtbeherrſchung die Anregungen der Selbſtſucht, der Genuß— fucht, uͤberhaupt die Sinnlichkeit zu uͤberwinden ſich bemuͤht). Aber Irrthum iſt es den guten Willen zu loben, welcher nur Schwaͤche iſt, ohne Thatkraft. 7) Nahe verwandt mit der ſittlichen Lebensanſicht iſt die— jenige Beurtheilung des hoͤhern Lebens, welche auf den Unter— ſchied zwiſchen Weisheit und Klugheit ſich gruͤndet und nur dasjenige Leben hochachtet, welches den Forderungen der Weis— heit entſpricht. Die Weisheit naͤmlich nennt uns die hoͤchſten und die wahren Zwecke des Menſchenlebens, die Klugheit gibt die zur Erreichung der Zwecke erforderlichen Mittel an. Die Weisheit ſagt uns, was wir pflichtgemaͤß thun ſollen, die Klugheit dagegen, was wir thun muͤſſen. Wer dem Rathe der Weisheit nicht folgt, dem ſind Untugend und Laſter vor— zuwerfen, wer den Rath der Klugheit unbeachtet laͤßt, Irr— thum und Thorheit. Liebe zur Weisheit(Philoſophie) ſahen die Griechen als den Urquell des hoͤhern Lebens an. *)„Es iſt überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außer der— ſelben zu denken möglich, was ohne Einſchränkung für gut könnte gehal⸗ ten werden, als ein guter Wille. Verſtand, Witz, Urtheilskraft und wie die Talente des Geiſtes ſonſt heißen mögen, oder Muth, Entſchloſſenheit, Beharrlichkeit im Vorſatze, als Eigenſchaften des Temperaments, ſind ohne Zweifel in mancher Abſicht gut und wünſchenswerth; aber ſie kön— nen auch äußerſt böſe und ſchädlich werden, wenn der Wille, der von dieſen Naturgaben Gebrauch machen ſoll und deſſen eigenthümliche Be⸗ ſchaffenheit darum Charakter heißt, nicht gut iſt. Mit den Glücksgaben iſt es ebenſo bewandt. Macht, Reichthum, Ehre, ſelbſt Geſundheit und das ganze Wohlbefinden und Zufriedenheit mit ſeinem Zuſtande, unter dem Namen der Glückſeligkeit, machen Muth und hierdnrch öfters Ueber⸗ muth, wo nicht ein guter Wille da iſt, der den Entſchluß derſelben auf's Gemüth, und hiermit auch das ganze Princip zu handeln, berichtige und allgemein zweckmäßig mache.“ Kant, Grundlegung zur Metaphyſik der Sitten. —— zuſ von nd, mit Genuß⸗ müht 9) „welcher t iſt die en Unter⸗ und nur er Weis⸗ höchſten heit gibt an. Die len, die m Rathe aſter vor⸗ ßt, Irr⸗ ie) ſahen außer der⸗ inte gehal⸗ t und wie gloſſenheit, nts, ſind er ſie kon⸗ „der von mnliche Be⸗ zücksgaben ndheit und de, unter ters Ueber⸗ lben auf? htige und phyſik der — 97— Thorheit iſt es, der Philoſophie eine ſolche Wichtigkeit zu— zuſchreiben und ſie doch, mit Beſchraͤnkung auf das Wiſſen, von dem Gemuͤths- und Thatleben zu trennen. 7) Nicht ſelten wird das, was wir mit dem Ausdrucke hoͤheres Leben bezeichnen,„vernuͤnftiges, ideales Leben, Leben in der Idee“ genannt, und zwar nicht mit Unrecht, denn die Vernuͤnftigkeit beſteht in der innern Einheit aller Selbſtthaͤtig— keit unſers Geiſtes, und dieſer Selbſtthaͤtigkeit haben wir die Ideen des Wahren, Schoͤnen und Guten zuzuſchreiben*). Viele, welche das ideale Leben als das hoͤhere anſehen, fehlen inſofern, als ſie die ideale Welt von der wirklichen Welt ganz trennen wollen, da doch das hoͤhere Leben des Men— ſchen ſo ſich offenbart, daß er mit allem Thun und Treiben, Denken und Wuͤnſchen die Ideen des Wahren, Schoͤnen und Guten innigſt zu verbinden ſucht.„Die Magd, wenn ſie die Gaſſe kehrt, uͤbt Religion,“ ſagte Luther einmal. Er hatte ganz Recht, indem er dabei vorausſetzte, daß ſie es aus Pflichtgefuͤhl thue und dieſes Gefuͤhl eine religoͤſe Grundlage habe. 8) Andere nennen das Weſen des hoͤhern Lebens„Hu— manitaͤt, Menſchenwuͤrde, Menſchenfreundlichkeit, Menſchen— liebe,“ weil der Menſch nur durch das hoͤhere Leben von dem Thiere ſich unterſcheidet. Humaniſtiſche Studien(Humanis— mus) nannte man die im 15ten und 16ten Jahrhunderte neu angeregten Studien der griechiſchen und roͤmiſchen Schriften, weil man meinte, daß durch ſie allein die hoͤchſte Bildung zu erreichen ſei. Auf dieſem von den Kennern des claſſiſchen Alterthums gebahnten Wege zur hoͤhern Bildung ſetzten ſpaͤter Viele bei der Beſchaͤftigung mit den Mitteln den Zweck aus den Augen. *) S. Fries: Handbuch der pſychiſchen Anthropologie oder der Lehre von der Natur des menſchlichen Geiſtes. I. Band, S. 24. Schulze Deutſche Bl. f. Landw. I. 7 — 98— So entſtand der grammatiſche Pedantismus der Philologen, welcher uͤber dem todten Buchſtaben den hohen und vielſeitigen Geiſt der Alten verlor. 9) In der neueſten Zeit denken viele der Edelſten unſers Volks an ein hoͤheres Leben, wenn ſie„Nationalitaͤt oder Volksthuͤmlichkeit“ von den Deutſchen verlangen. Sie haben Recht, in ſofern ſie wollen, daß wir zu dem hohen Stand⸗ puncte der Sittlichkeit uns erheben, auf welchem unſere Vor— fahren im Alterthume ſich befanden, daß insbeſondere Einfach— heit und Wahrheit, Treue und Keuſchheit, Willensfeſtigkeit und Rechtsgefuͤhl, wahre Ehre und Vaterlandsliebe wieder in unſer Volksleben gebracht werden. Sie haben auch Recht, wenn ſie fordern, daß aus unſerm Leben Auslaͤnderei und Nachahmungsſucht entfernt, Selbſtachtung dagegen und Selbſt— thaͤtigkeit gepflegt werden muͤſſen. Aber Verirrung iſt es, wenn man die Forderung der Volksthuͤmlichkeit auf Tragen deutſcher Kleider, Fabrication deutſchen Zuckers und andere Aeußerlichkeiten beſchraͤnken will, oder wenn man das Volksthuͤmliche hoͤher achtet als das Menſchliche(ſ. oben S. 8— 13). §. 3. Die hoͤhere Lebensanſicht, worauf eine hohere Bildung des deutſchen Landwirths zu gründen iſt. Jede der ſo eben angefuͤhrten hoͤhern Lebensanſichten iſt achtbar. Welche nun ſoll der deutſche Landwirth zu der ſeini— gen machen? Keiner ſoll er allein folgen, ſondern er ſoll eine Lebens— art waͤhlen, welche alle jene Grundſaͤtze in ſich vereinigt. Er ſoll nicht einſeitig das Menſchenleben beſchauen, ſondern einen Standpunct ſuchen, von wo er daſſelbe von allen Seiten be— trachten kann. Er ſoll in Allem, was er denkt, erſtrebt und thut, Volksthuͤmlichkeit, Menſchlichkeit, Vernünftigkeit, Weis— hei Re ſich jed Bel tiſch das tun⸗ Hal eine Gut einen Geiſt wirft Heid da iſß hilologen vielſeitgen ten unſerz litaͤt oder Sie haben en Stand nſere Vor e Einfac nsfeſtigket wieder in ich Recht, derei und nd Selbſt⸗ rung der abrication nken wil, als das Bildung 1 ichten iſ der ſeinie e Lebens⸗ nigt. Et ern einen eiten be⸗ rebt und „ Weis⸗ — 99— heit, Sittlichkeit, reine Liebe, wahre Ehre, Gerechtigkeit und Religioſitaͤt zugleich uͤben, weil„in jeder Aeußerung der Sitt— lichkeit alle einzelnen Tugenden vereinigt ſein muͤſſen. Denn jede muß aus der Geſinnung herkommen.— Wer eine Tu—⸗ gend hat, hat alle.“*) Laͤßt der Landwirth von einer ſolchen umfaſſenden Lebens— anſicht ſich leiten, dann bleibt er nicht nur fern von der ge— nußſuͤchtigen, modeſuͤchtigen und den uͤbrigen oben angefuͤhrten niedern Lebensarten, ſondern er ſichert ſich auch gegen Pietis— mus, Myſticismus, Sentimentalitaͤt und andere Verirrungen, in welchen Viele ſich deßhalb befinden, weil ſie nach dem Hoͤ— hern nur einſeitig ſtreben. Der Urquell aber in der innerſten Tiefe des menſchlichen Gemuͤths, aus welchem jeder Strom des hoͤhern Lebens her— vorquillt, iſt die reine(uneigennuͤtzige) Liebe: denn„im Men— ſchen bleibt die feſte, ernſte Kraft des Willens roh, die gruͤnd— lichſte Einſicht leer und bedeutungslos, der feinſte Geſchmack kalt, wenn nicht allen dieſen erſt aus der innerſten Tiefe des Gemuͤths die Waͤrme und das Leben der Froͤmmigkeit und rei— nen Liebe geweckt wird.“**) *) Schleiermacher, Entwurf eines Syſtems der Sittenlehre. Berlin, 1835, S. 342.— Fries ſagt in ſeinem Handbuche der prak⸗ tiſchen Philoſophie, S. 228:„Das erſte und höchſte ſittliche Ideal iſt das des ſittlichen Charakters oder der einen Tugend in höherer Bedeu— tung, dieſes reine Ideal der Geſinnung. Hier werden nicht einzelne Handlungen, auch nicht einzelne Zierden der Seele, ſondern nur die eine Grundthat des Menſchen gelobt, in welcher er nicht nur einzelnes Gutes thut oder hat, ſondern in welcher er ſelbſt gut iſt, gemäß dem einen Ideal geiſtiger Erhabenheit oder der ſelbſtſtändigen Kraft des Geiſtes, welche ſich unbedingt ihrer Ueberzeugung von der Pflicht unter⸗ wirft.“ **) Fries, Die Lehren der Liebe, des Glaubens und der Hoffnung; Heidelberg, 1823, S. 1. Ferner:„Ueber Alles zieht an die Liebe, die da iſt das Band der Vollkommenheit.“ Epiſtel an die Koloſſer, I. 3, 13. 7*† — 100— 8 Demnach haben wir, um das hoͤhere Leben der Land⸗ wirthe zu foͤrdern, auf landwirthſchaftlichen Bildungsanſtalten vorzugsweiſe die reine Liebe im Gemuͤthe der Jugend zu wecken und zu ſtaͤrken. Daß dieſer Zweck auf einer landwirthſchaft— lichen Akademie um ſo vollkommner verwirklicht wird, je mehr die Studien von aͤchter Wiſeeſchaftlichkeit geleitet werden und das geſellige Leben von akademiſchem Gemeingeiſte, von akade— miſcher Freundſchaft und von Vaterlandsliebe beſeelt iſt, habe ich oben Seite 41 und 64 angedeutet. Aechte Viſſenſchaft— lichkeit, edler Gemeingeiſt, wahre Freundſchaft und Patriotis— mus ſind ja nichts anders als beſondere Arten der reinen Liebe. Solche Beſtrebungen der landwirthſchaftlichen Bildungsan— ſtalten aber koͤnnen nur dann einen bedeutenden Erfolg haben, wenn das landwirthſchaftliche Leben einer Verfaſſung theilhaf— tig iſt, worin ein volksthuͤmlicher Gemeingeiſt lebt. Insbeſon— dere muß die reine Liebe der Landwirthe in den Verhaͤltniſſen der Familie und beſonders im Verhaͤltniſſe zu den Dienſtboten, wie auch in der Verfaſſung des Staats- und Volkslebens ſtets friſche Nahrung finden. Wie die Selbſtſucht, welche unſer wirthſchaftliches Volksleben zu einer rohen Sinnlichkeit, zu ei— ner grauenhaften Barbarei zu erniedrigen droht, nur durch den kraͤftigen Gemeingeiſt eines neuen oͤffentlichen Lebens zu— ruͤckgedraͤngt werden koͤnne, habe ich bereits dargethan(ſ. oben Seite 23— 30). Fehlen den haͤuslichen, buͤrgerlichen und nationalen Ver— haͤltniſſen der Landwirthe und Gutsbeſitzer die einen edeln Ge— meinſinn pflegenden Einrichtungen, herrſcht in dieſen Verhaͤlt— niſſen Stolz, Selbſtſucht und Despotismus, dann ſind jene auf Foͤrderung des hoͤhern Lebens in der Lehranſtalt berechneten „Es bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, dieſe drei, aber die Liebe iſt die größte unter ihnen.“ Epiſtel an die Korinther, I. 13, 13. der Land zanſtalten zu wecken rirthſchaft „je mehr erden und on akade⸗ it, habe ſenſchaft⸗ Patriotis⸗ eer reinen (dungsan⸗ og haben, jtheilhaf⸗ Insbeſon⸗ haͤltniſſen tenſtboten, bens ſtetz ſche unſet t, zu ei⸗ nur durch bens zu⸗ (ſ. oben alen Ver⸗ deln Ge⸗ Verhaͤlt⸗ jene auf rechneten ebe iſt die — 101— Beſtrebungen vergeblich; denn bei der Jugend, welche aus dem haͤuslichen und buͤrgerlichen Leben in das Inſtitut tritt, wird der Same eines hoͤhern Lebens keinen fruchtbaren Boden fin— den, und die aufgekeimte Saat wird nach dem Ruͤckritt in jene Verhaͤltniſſe durch das wuchernde Unkraut der Selbſtſucht, Eitelkeit, Habſucht, Herrſchſucht und rohen Sinnlichkeit bald unterdruͤckt werden. Dem zu Folge ſteht das akademiſche Leben der ſtudirenden Landwirthe mit dem Volksleben in der innig— ſten Wechſelwirkung. Was ich hier uͤber die hoͤhere Lebensanſicht, worauf eine hoͤhere Bildung des Landwirths zu gruͤnden iſt, geſagt habe, ſoll nicht etwa die Entdeckung einer Neuigkeit ſein, ſondern es iſt nur ein Verſuch, das, was die Edelſten unſers Volks ge— genwaͤrtig in Bezug auf den hoͤchſten Zweck des Lebens denken und fuͤhlen, aber gewoͤhnlich unbeſtimmt und unklar, mit Be— ſtimmtheit und Deutlichkeit in Worte zu faſſen. Kein Denker erfindet allein ſich ſelbſt die Welt- und Lebensanſichten, ſon— dern er nimmt ſie auf, ſo wie ſie ihm durch ſeine Erzieher und durch die Bildungsſtufe im oͤffentlichen Leben ſeines Volks zu⸗ gefuͤhrt werden. Seine darauf ſich beziehenden wiſſenſchaftli— chen Forderungen beſchraͤnken ſich nur auf die Rechtfertigung dieſer Ueberzeugungen von den großen Zwecken des Menſchen⸗ lebens, auf ihre logiſche Fortbildung und deutliche Darſtellung in muͤndlicher und ſchriftlicher Lehre*). §. 4. Wichtigkeit der höhern Bildung des Landwirths. Die hoͤhere Bildung des Landwirths iſt eine Vorbereitung deſſelben fuͤr das hoͤhere Leben, d. h. eine Richtung ſeiner Ge— werbsbildung auf ein ſolches Leben, welches wahrhaft menſch— *) Vergl. Fries: Die Geſchichte der Philoſophie, dargeſtellt nach den Fortſchritten ihrer wiſſenſchaftlichen Eutwickelung. Baud I. S. 20. — 102— lich iſt, wodurch der Landwirth ſich uͤber das Thier des Feldes erhebt. Sie kann auch als ein Theil des hoͤhern Lebens ſelbſt angeſehen werden, denn bei ſeiner hoͤhern Bildung muß der Landwirth ſein Streben auf den hoͤchſten Zweck des Menſchen richten, eine Richtung, worin eben das Weſen des hoͤhern Le— bens zu ſuchen iſt. Demnach hat die hoͤhere Bildung ihren Werth in ſich ſelbſt, ſo wie Tugend, Froͤmmigkeit und Ehre ihren Werth nicht außer ſich, ſondern in ſich tragen. Bei ei— nem tugendhaften Leben, bei Uebung der Froͤmmigkeit und bei einer ehrenhaften Handlung zu fragen: wozu nuͤtzt es? iſt thoͤricht; nicht minder thoͤricht iſt es, hoͤhere Bildung deßhalb nicht zu ſchätzen, weil man keinen Nutzen, keinen Geldgewinn dabei herauskommen ſieht. Jedoch gewaͤhrt die hoͤhere Bildung dem Landwirthe vielfach Nutzen; er ſoll aber nicht bloß wegen dieſes Nutzens dieſelbe ſuchen. Der Schoͤpfer hat die Welt ſo eingerichtet, daß wer tugendhaft und ehrenhaft handelt, groß⸗ artige Geſinnungen hegt, uͤberhaupt ſtets Menſchlichkeit offen— bart, auch am ſicherſten diejenigen Vortheile erringt, welche zu ſeinem wahren Gluͤcke gehoͤren und zu ſeiner Seelenruhe fuͤhren. Die Vortheile aber, welche die hoͤhere Bildung des Land— wirths gewaͤhrt, ſind zweierlei: A. ſolche, welche der Landwirth ſelbſt durch ſeine hoͤhere Bildung gewinnt; B. ſolche, welche ſeinen Mitmenſchen dadurch zu Theil werden. Ich fuͤhre zuerſt jene an: 1) Die ganze Geiſteskraft des angehenden Landwirths wird geſtaͤrkt, wenn er ſeine Beſtrebungen nicht nur auf das naͤchſte Ziel, ſondern auch auf das hoͤchſte Ziel der Landwirthſchaft richtet, nach dem Spruche Schillers; „Im engen Kreiſe verenget ſich der Sinn; „Es wächſt der Menſch mit ſeinen größern Zwecken.“ Feldes no ſelbſt nuß der Nenſchen hern Le⸗ ng ihren nd Ehre Bei ei⸗ und bei es? iſt deßhalb dgewinn Bildung ß wegen Welt ſo t, groß⸗ it offen⸗ , welche eelenruhe es Land— höͤhere u Theil ths wird znaͤchſt irthſchaff — 103— 2) Insbeſondere wird die Gewerbsbildung durch Verbin⸗ dung mit hoͤherer Bildung in Bezug auf das Wiſſen und Ver⸗ ſtehen außerordentlich gefoͤrdert, indem dadurch eine wiſſenſchaft⸗ liche Begeiſterung, eine reine Liebe zum Wiſſen erzeugt wird, welche dem Geiſte Kraft, Lebendigkeit und Gewandtheit gibt, das Eindringen in das Weſen der Dinge und die Vertiefung der Einſichten foͤrdert, Fleiß und Eifer des Studiums erhoͤht, den Lernenden dahin bringt, daß er auch den trockenſten Stoff mit Freudigkeit ergreift, und den Studirenden mit der Faͤhig⸗ keit ausſtattet, kuͤnftig alle ihm noch fehlenden nuͤtzlichen Kennt— niſſe zu erwerben und uͤberall ſich zurecht zu finden 5). 3) Der Landwirth hat Feſtigkeit des Charakters und Gott⸗ ergebenheit noͤthig, damit er nicht durch Hinderniſſe, welche ſeinen Unternehmungen ſich entgegen ſtellen, von dem rech⸗ ten Wege zuruͤckgeſchreckt und durch Ungluͤcksfaͤlle entmuthigt werde. Dieſe Eigenſchaften des Geiſtes aber ſind die Fruͤchte einer auf die ſittliche Kraft des Landmanns gerichteten Bil⸗ dung. 4) Der landwirthſchaftliche Praktiker hat Menſchenkennt⸗ niſſe nöthig, um die menſchlichen Kraͤfte moͤglichſt vortheilhaft fuͤr ſeinen Gelderwerb anwenden zu koͤnnen. In Erlangung dieſer Kenntniſſe wird der Landwirth beſonders durch das die hohere Bildung vorzuͤglich foͤrdernde Studium der Menſchen⸗ lehre und Nationaloͤkonomie unterſtuͤtzt. Dieſes Studium ge⸗ waͤhrt ihm aber auch Selbſtkenntniß, d. h. Kenntniſſe von ſei⸗ *)„Der wahre Nutzen, welchen die Schule für das Leben bringen kann, liegt vorzugsweiſe in der Ausbildung und Erhöhung der Kraft des Geiſtes; denn nur dieſe enthält die Vorbereitung und Befähigung für alles Vorkommende, wie es alle Kenntniß nicht kann, theils weil Ver— ſtand und Geſchick mehr iſt als Kenntniß, theils weil Kenntniß nicht für alle Fälle geſammelt werden kann, der gebildete Verſtand aber die Kenntniß leicht nachholt.“ Tittmann, Beſtimmung des Gelehrten, S. 87. 104— nen eigenen Kraͤften, Tugenden und Schwaͤchen, welche nicht minder wichtig ſind als jene*). 5) Nicht bloß Kenntniß des Menſchen, ſondern auch Liebe zum Menſchen muß der Landwirth haben, um aus dem Ver— kehre mit andern Perſonen moͤglichſt Vortheil zu ziehen. Durch Anregung des Eigennutzes unter den Arbeitern, beſonders durch Steigerung des Lohns bei fleißiger Arbeit, durch Antheils- und Verdungarbeit kann der Ertrag der Wirthſchaft allerdings er— hoͤht werden, jedoch am Hoͤchſten wird er erſt dann ſein, wenn der Fuͤhrer der Wirthſchaft durch liebevolle und menſchenfreund⸗ liche Behandlung und durch ein ſittlich gutes Leben den Arbei— tern Liebe, Achtung und Vertrauen zur Herrſchaft, Anhaͤng⸗ lichkeit an ihre Familie und Luſt zum Geſchaͤft einfloͤßt. Dann werden die Arbeiter um ſo fleißiger ſein, um ſo ſorgfaͤltiger die Pflanzen und Thiere pflegen, um ſo ſchonender die Wirth⸗ ſchaftsgegenſtaͤnde behandeln und um ſo mehr Geſchicklichkeit ſich aneignen. Jene perſoͤnlichen Eigenſchaften oder Faͤhigkei— ten aber, durch welche der Landwirth ſo auf ſeine Umgebun— gen einwirken kann, ſind die weſentlichſten Theile der hoͤhern Bildung. 6) Endlich mache ich noch auf die Gefahren aufmerkſam, welchen der praktiſche Landwirth in Bezug auf Spielſucht, Mode, Luxus und Genußſucht ausgeſetzt iſt. Nicht ſelten wird der Vermoͤgenszuſtand und der Gang der Wirthſchaft durch dieſe Verirrungen in Unordnung gebracht. Den ſicherſten Schutz dagegen gewaͤhrt hoͤhere Bildung; denn wer dieſe beſitzt, wid— met die lange Zeit der landwirthſchaftlichen Muße den Be— ſchaͤftigungen mit Wiſſenſchaft und Kunſt, dem freundſchaftli⸗ chen Verkehre und dem oͤffentlichen Leben. Wer hoͤhere Bil— dung beſitzt, ſucht edlere Genuͤſſe als die der Mode, des Luxus, der Spielſucht und Voͤllerei. *) Vergl. Koppe, Unterricht im Ackerbau und in der Viehzucht. I. S. 10. — Lan wel Gli dar che nict V uch Libe dem Ver . Durh ers durch eils⸗ und dings er⸗ in, wenn enfreund⸗ en Arbei⸗ Anhaͤng⸗ Dann rgfaͤltiger e Witth⸗ icklichkeit Faͤhigkei⸗ ungebun⸗ er höhern fmerkſam, t, Mode, wird der erch dieſe a Schutz itzt, wid⸗ den Be⸗ ndſchaftl⸗ here Bi⸗ es Luxud, Viehzucht — 105— — So viel uͤber den Nutzen, welchen die hoͤhere Bildung des Landwirths ihm ſelbſt gewaͤhrt. Was die Vortheile betrifft, welche daraus ſeine Mitmenſchen ziehen, namentlich die Glieder ſeines Hauſes, Staats und Volks, ſo werde ich ſpaͤter daruͤber ausfuͤhrlich handeln. Hier beſchraͤnke ich mich auf fol— gende Bemerkungen: Ein Landwirth mit hoͤherer Bildung ſorgt nicht nur mit liebevoller Menſchenfreundlichkeit fuͤr das Wohl der blutsver— wandten Glieder ſeines Hauſes, ſondern auch fuͤr das ſeiner Dienſtleute. Er zahlt ihnen nicht nur unverkuͤrzt das, was er rechtlich zu zahlen ſchuldig iſt, ſondern hoͤrt dabei auch auf die Stimme der Billigkeit und Barmherzigkeit. Er richtet ſeine Fuͤrſorge nicht nur auf ihren Nahrungszuſtand, ſondern auch auf ihre geiſtige Veredlung, und ſchaͤtzt ſich gluͤcklich, wenn ſie ihm als dem Gruͤnder ihres Gluͤcks mit liebevoller Anhaͤnglich— keit ergeben ſind. Nach gleichen Grundſaͤtzen behandelt er die Handwerker, welche ihm die Beduͤrfniſſe der Wirthſchaft lie⸗ fern. Nicht minder bereitwillig foͤrdert er mit Rath und That das Wohl des Staats und des Volks, dem er angehoͤrt. Er zahlt nicht nur gern und willig die ihm zugetheilten Steuern, ſondern widmet auch außerdem, ſo weit es die Verhaͤltniſſe ge— ſtatten, einen Theil ſeiner Geldmittel und Kraͤfte dem oͤffent— lichen Leben, beſonders als Gemeindeglied, Volksvertreter, Theil— nehmer an landwirthſchaftlichen Verſammlungen und als Ver— theidiger des Vaterlands. Und wie er als Hausvater nicht bloß das koͤrperliche, ſondern auch das geiſtige Wohl der Seinigen foͤrdert, ſo richtet er auch als Staatsbuͤrger und Volksfreund ſeine Fuͤrſorge neben den materiellen Beduͤrfniſſen auch auf die hoͤhern. Eignen ſich die Landwirthe und Gutsbeſitzer nur gewerb— liche Bildung an, ohne hoͤhere, ſo ſchaden ſie ihren Mitmen— ſchen weit mehr als ſie nuͤtzen, wie dieß die Erſahrung in unſerm Vaterlande und anderwaͤrts ſeit 60 Jahren tauſend— — 106— fach bewieſen hat. Viele der ſogenannten rationellen Landwir⸗ the haben bei Einfuͤhrung intenſiver Wirthſchaftsſyſteme ihre Zwangsarbeiter mehr mit Arbeiten belaſtet, bei Abſchaffung der Weide den armen Tageloͤhnern es unmoͤglich gemacht, ſich eine Kuh und einige Gaͤnſe zu halten, und haben ihnen ſo die Hauptſtuͤtze und die groͤßte Freude ihres kleinen Haus— halts entzogen. Andere haben um die neue Theorie der freien Arbeit in Ausfuͤhrung zu bringen, ihre Leibeigenen frei ge— laſſen, aber ohne im Geringſten fuͤr ihr Schickſal zu ſorgen. Dieſe Sorgloſigkeit der Gutsbeſitzer und die Herzloſigkeit der Staatsmaͤnner, welche bei den neuen Heimathsgeſetzen nur den Beutel der Reichen, aber nicht das Schickſal der Armen vor Augen hatten, ſie ſind Schuld daran, daß jetzt in manchen Gegenden des noͤrdlichen Deutſchlands die Freigelaſſenen in ei— nem traurigern Zuſtande leben, als fruͤher die Leibeigenen ſich befanden. Andere Gutsbeſitzer haben die Doͤrfer gelegt, d. h. die Bauern ganzer Dorfſchaften geradezu fortgejagt und ihre Laͤn— dereien mit den Gutslaͤndereien vereinigt, um nach den Grund— ſaͤtzen der neuen Wiſſenſchaft ihre Guͤter zu arrondiren, den Reinertrag des Landes zu erhoͤhen, und ihre Schaͤfereien zu vergroͤßern und zu veredeln. Als Belege fuͤr die Richtigkeit der Behauptung, daß die einſeitig auf Reinertrag und Reichwerden gerichtete Bildung der Landwirthe und Gutsbeſitzer dem Volks- und Staatsleben weit mehr geſchadet als genuͤtzt hat, ſollen in den folgen— den Blaͤttern mehrere Thatſachen angefuͤhrt werden. Hier weiſe ich nur auf zwei hierher gehoͤrige Mittheilungen, die engliſche und die deutſche Landwirthſchaft betreffend hin. Schweitzer ſagt in der nach dem Engliſchen bearbeiteten ſehr lehrreichen„Darſtellung der Landwirthſchaft Großbritan— niens in ihrem gegenwaͤrtigen Zuſtande; Leipzig, Brockhaus, 1. Band, 1839,“ Seite 162— 171: geg Bet Zei und beſ ſte wo abe al ho kal kandwir⸗ me ihre ſchaffung icht, ſic ihnen ſo Haus⸗ er freien frei ge⸗ ſorgen. keit der nur den men vor manchen en in ei— enen ſich d. h. die hre Läͤn⸗ „Grund⸗ ren, den ereien zu daß die Bildung aatsleben folgen⸗ 1. Hiet gen, die end hin. arbeiteten oßbritan⸗ rockhaus, — 107— „Die Thatſache, daß der Zuſtand der ländlichen Arbeiter gegenwärtig in England kläglicher als früher iſt, ſtellt ſich dem Beobachter nur zu deutlich dar. Es iſt dieſes erfolgt zu einer Zeit, wo der Ackerbau eine große Vollkommenheit erreicht hat, und ebenſo auffallend, wie betrubend, daß, wäahrend die Grund— beſitzer, Pächter und alle mit der Landwirthſchaft in Verbindung ſtehenden Gewerbsleute durch die neueren Verbeſſerungen ſehr ge— wonnen haben, jene nützliche Menſchenklaſſe, durch deren niedrige, aber unentbehrliche Thätigkeit dieſe Erfolge errungen wurden, allein keinen Vortheil davon gezogen hat. Daß die zu ihr ge— hörigen Individuen von einigen Lurusartikeln, die ſie fruͤher nicht kannten, Gebrauch machen, Thee ſtatt Ale trinken, und die Wei— ber zierlicher, wenn auch nicht ſo warm gelleidet ſind, iſt viel— leicht ihr einziger Gewinn; ſie müſſen aber dafür manche weſent— liche Bequemlichkeiten entbehren, die ihnen ſchon vor beinahe hun— dert Jahren zu Theil wurden; denn ſie können ſich für dieſelbe Arbeitsleiſtung nicht mehr ſo viel Lebensbedürfniſſe verſchaffen, wie früher. Dieß iſt aber nicht das einzige Uebel. Mit der Verminderung ihrer Bequemlichkeiten hat auch ihr allgemeiner Charakter gelitten.— Veruntreuungen, Diebereien, kleine Schur⸗ kereien und niedrige Kniffe kommen jetzt häufiger vor als ehe— dem.— Was den unredlichen Charakter betrifft, den man dem engliſchen Arbeiter auf dem Lande beilegt, ſo hat lange Erfah— rung gelehrt, daß derſelbe zum großen Theil der barſchen Be— handlung, welche die Dienſtboten von ihren Herren zu erleiden haben, und dem Mangel an Zutrauen, das man ihnen ſchenkt, zuzuſchreiben iſt. Nichts iſt merkwürdiger als das übermüthige Betragen, das die Mittelklaſſe der Engländer, beſonders unter den Landwirthen gewöhnlich gegen ihre Untergebenen beobachtet, und das natürlich gegenſeitig böſes Blut bei den Dienſtboten er— zeugen muß. Die reichſten Landwirthe ſind nicht die barſcheſten Herren. Dieß iſt ohne Zweifel ihren feineren Sitten uüberhaupt zuzuſchreiben; Thatſache bleibt es aber, daß die ganze ländliche Bevölkerung eine beſſere Erziehung bedarf.“ Dieß ſind Fruͤchte der ſo beruͤhmten engliſchen Land— wirthſchaftswiſſenſchaft!! In Bezug auf die Verhaͤltniſſe in Deutſchland ſagt Koppe am Schluſſe des oben Seite 28 er⸗ waͤhnten Vortrags: — 108— „Irre ich nicht ſehr, ſo ergeben meine Beobachtungen, daß der Verbeſſerungsgeiſt, welcher im Allgemeinen ſo heilſam für die Intereſſen des Ackerbaues geweſen iſt, den Zuſtand der ar— beitenden Klaſſe eher verſchlechtert als verbeſſert hat. Ich er— innere an die Aufhebung ſo vieler Gemeinheiten und Berechti— gungen, dee den Arbeitern beſonders nützlich waren, und weiſe auf die jährlich ſteigende Volkszahl hin, welche zum größten Theile die arbeitende Klaſſe trifft. Kommt nun das im Ein— gange berührte rückſichtsloſe Streben nach Gewinn einzelner Land— wirthe hinzu, ſo iſt die Verarmung der Arbeiter, einer ſo nütz— lichen Klaſſe der menſchlichen Geſellſchaft, die nothwendige Folge. — Aber dieſe Verarmung iſt in einem gewiſſen Grade ein gro— ßes Uebel; zunächſt iſt die phyſiſche Verkrüppelung, daß ich mich ſo ausdrücke, die nothwendige Folge der Armuth. Wenn die Frau im ſchwangern Zuſtande ſchwere Arbeit verrichten muß; wenn die kleinen Kinder der Arbeiterfamilie den ganzen Tag ſich ſelbſt überlaſſen ſind, an gedeihlicher Nahrung Mangel leiden und niemals genügend gereinigt werden, weil ihre Mutter nach Abhaltung des Wochenbettes wieder zur Arbeit muß, wie können ſie da ſtark werden und kräftig fortwachſen?“ „Aber zu dieſer Stoͤrung der körperlichen Ausbildung kommt der noch viel ſchlimmere Einfluß, den die Armuth auf die Mo— ralität dieſer Menſchen hat. Die harte und ſaure Arbeit bei ſchmaler Koſt macht mißmuthig, die fortwährende Sorge für Herbeiſchaffung der Bedürfniſſe verleidet dem Manne Frau und Kinder. Es giebt ſtets Zank in der Familie. Dabei verlieren ſich für den bedrängten Hausvater die letzten Freuden, die er früher, ohne die Sorge für ſo viele Eſſer, in den wenigen Stun— den ſeines Zuſammenlebens mit der Frau fand. Der Unglüͤck— liche ſucht Erheiterung in der Schenke; er giebt einen Theil ſei— nes kargen Lohns für Wein oder Branntwein aus. Nun wach— ſen die Bedürfniſſe der Familie und die Mittel, ſie zu befriedi— gen, vermindern ſich, weil Wein, Branntwein oder Bier mehr Geld koſten als ein ſolcher Mann entbehren kann. Jetzt fängt das Schuldenmachen an, die Roth vergrößert ſich, ſie treibt den ſonſt braven Mann zum Saufen.“ „Was fängt die Frau mit den Kindern an? Noth kennt kein Gebot. Die Kinder betteln, ſie ſtehlen Kartoffeln und an— en, daß ſam fir der ar⸗ Ich el⸗ Berechti⸗ nd weiſe großten im Ein⸗ er Land— ſo nütz⸗ Folge. ein gro⸗ ich mich Lenn die en muß; Tag ſich el leiden tter nach e können g kommt die Mo⸗ rbeit bei orxge für Frau und verlieren , die er n Stun⸗ Unglück⸗ Theil ſei⸗ un wach⸗ beftiedi⸗ zier meht etzt fängt reibt den oth kennt und ah⸗ — 109— dere Früchte; ſie koͤnnen nicht in die Schule gehen, weil ſie keine Kleider und Schuhe haben.— Was ſoll aus ſolcher jun— gen Menſchenſaat werden, die unter dieſen häuslichen Verhält⸗ niſſen das Leben beginnt?“ „Wenn in einer Gegend, in einem Lande die Zahl ſolcher Familien ſich mehrt und alle Laſter, die ſo verwahrloſete Men— ſchen ungeſcheut üben, mit der Zunahme der Armuth gleichen Schritt halten, ſo kann kein Geſetz, keine Polizeipflege mehr das Eigenthum der Begüterten beſchuͤtzen, noch weniger kann, um— geben von ſolchen Menſchen, der Reichthum einen Genuß ge— währen.— Alſo erheiſcht ſchon der wahre Vortheil eines jeden Landwirths, der an Grund und Boden mehr wie jeder andere Gewerbtreibende gebunden iſt, daß er in ſeinem Kreiſe und ſo weit ſeine Macht und ſein Einfluß reicht, die Verarmung und Demoraliſation der Arbeiter verhindere.— Aber hier, wo ſichs um ein ſo heiliges Intereſſe handelt, als die Fortbildung des menſchlichen Geſchlechts iſt, muß der Vortheil gar nicht zur Be— trachtung kommen und die Handlungsweiſe regeln. Jeder, wel— cher das Gewerbe der Landwirthſchaft treibt und Arbeiter bedarf, er ſei Beſitzer oder Pächter eines großen oder kleinen Guts, ge— hört zu den Glücklichen, wenn man den Beſitzer eines gewiſſen Vermögens ſo nennen kann. Dieſes Glückes muß er ſich dadurch würdig zeigen, daß er ſeine aärmern Mitbrüder, die ihm arbeiten und nur ihre geſunden Hände beſitzen, nicht als Laſtthiere be— handele.— Das Almoſenweſen der Klöſter war nachtheilig, weil es Faulheit und Indolenz beförderte. Aber nicht minder nach— theilig iſt es, durch zu kargen Lohn der Arbeiter ihre Verarmung herbeizufuͤhren.“ „Ich habe dieſe Worte beſonders an Sie gerichtet, meine jüngern Herren Gewerbsgenoſſen, die Sie noch ein langes Leben vor ſich haben. Laſſen Sie ſich nicht fortreißen von dem Stre— ben der Zeit, Geld und immer nur Geld erwerben zu wollen. Es giebt weit höhere Güter, nach denen der gebildete Menſch trachten muß. Das Bewußtſein, ſein Scherflein an der Fort— bildung ſeines Geſchlechts zu höherer ſittlicher Vollkommenheit beigetragen zu haben, iſt fuͤr die Zeit, wo wir vom Schauplatze dieſer Welt abtreten, beruhigender, als der Nachlaß großer Reich— thümer.“ = 419= Es wird aber dieſe, die wichtigſten Wahrheiten enthalten⸗ de Rede und jede andere aͤhnliche ſehr wenig da wirken, wo nicht ein Geiſt der reinen Liebe, der Menſchenwuͤrde und der Gerechtigkeit das ganze Werk der landwirthſchaftlichen Erzie— hung und beſonders das Studium der Landwirthſchaft durch— dringt, und wo das Familien-, Staats- und Volksleben der— jenigen Verfaſſungen noch entbehrt, welche einen edeln volks— thuͤmlichen Gemeingeiſt zu pflegen geeignet ſind(vergl. S. 28 bis 30). §. 5. Wichtigkeit der Gewerbsbildung des Landwirths in der gegenwärtigen Zeit. Wie groß auch der Werth iſt, welchen die hoͤhere Bildung des Landwirths an und fuͤr ſich und als Mittel fuͤr Foͤrderung des Menſchenlebens hat, ſo bin ich doch weit davon entfernt, die gewerbliche Ausbildung des Landwirths fuͤr unwichtig zu erklaͤren. Ich halte ſie vielmehr fuͤr dringend noͤthig und be— haupte ſogar, daß, wenn der Landwirth fuͤr ſein Gewerbe ſich mangelhaft ausbildet, er auch die hoͤhern Zwecke der Land— wirthſchaft nur ſehr unvollkommen erreichen kann. In fruͤherer Zeit konnte der Landwirth wegen der dama— ligen Einfachheit und Unveraͤnderlichkeit der landwirthſchaftli— chen Verhaͤltniſſe wiſſenſchaftliche Vorbereitung entbehren; in unſerer Zeit dagegen kann er es nicht, weil die Gewerbsver— haͤltniſſe des Landwirths ſehr verwickelt und veraͤnderlich ſind, beſonders in folgenden Beziehungen: 1) Jetzt wirthſchaftet der Landwirth nicht mehr mit Leib— eigenen, Froͤhnern und Zwangsgeſinde, ſondern mit freien Ar— beitern, denen er einen von dem Gange des Miethhandels ab⸗ haͤngigen Lohn zu zahlen hat und eine menſchliche Behandlung muß angedeihen laſſen, wenn er ſeinen Gelderwerb durch treue und geſchickte Arbeiter foͤrdern will. Bei der fruͤhern Zwangs— thalten⸗ een, wo und der n Erzie⸗ ft durch⸗ ben der⸗ in volks⸗ . G. 23 Lin der Bildung örderung entfernt, ſchtig zu und be⸗ verbe ſich er Land⸗ r dama⸗ hſchaftli⸗ ren; in erbsver⸗ nit Leih⸗ reien Ar⸗ dels ab⸗ zaandlung rch trele Zwangs⸗ — — 1414— arbeit hatte der große Gutsbeſitzer oft Ueberfluß an Arbeitern, da war es nicht noͤthig, auf ſparſame Verwendung derſelben zu denken; jetzt muß er ſein Nachdenken vorzuͤglich auf ſolche Sparſamkeit richten, weil ſonſt der Arbeitslohn die leberſchuͤſſe der Einnahmen uͤber die Ausgaben zu ſehr vermindert oder ganz vernichtet. 2) Sonſt wirthſchafteten die Gutsbeſitzer gewoͤhnlich mit eigenen Laͤndereien und eigenen Kapitalien, welche ſie von ih— ren Vorfahren geerbt oder im Kaufe ſich erworben hatten. Jetzt haben viele Landwirthe dieſe Sachen gepachtet und ge— miethet, und muͤſſen, um die hochſtehenden Pacht- und Miethpreiſe zahlen zu koͤnnen, mit der groͤßten Aufmerkſam— keit und Sorgfalt die Wirthſchaftsgeſchaͤfte beaufſichtigen und leiten. 3) Die Erzeugniſſe der Landwirthſchaft ſind jetzt weit zahlreicher und mannigfaltiger als ſonſt. Fruͤher baute man nur Getreide und ernaͤhrte die Thiere im Sommer auf der Weide und im Winter durch Wieſenfutter; jetzt baut man Futterkraͤuter und Handelsgewaͤchſe in großer Zahl und zuͤchtet Thiere von ſehr verſchiedenen Raſſen. Fruͤher wandte man faſt nur Stallduͤnger zur Kraͤftigung des Bodens an, jetzt auch verſchiedene andere Duͤngerarten. Deßhalb ſind dem Landwir— the jetzt weit mehr Kenntniſſe von den Thieren, Pflanzen und Mineralien erforderlich als ſonſt. 4) Der Landwirth hat jetzt nicht bloß mannigfaltigere Erzeugniſſe im Handel abzuſetzen, ſondern auch mannigfaltigere Beduͤrfniſſe einzukaufen, weil er viele Beduͤrfniſſe, welche er ſonſt ſelbſt fertigte, jetzt nach Einfuͤhrung der Arbeitstheilung von andern Gewerbsleuten ſich verſchafft, z. B. Pfluͤge, Wa⸗ gen, Lederwaaren, Leinewand u. ſ. w. Dagegen machen es die Zeitverhaͤltniſſe oft rathſam, neben Pflanzenbau und Vieh— zucht ſehr zuſammengeſetzte techniſche Gewerbe zu betreiben. Um ſo mehr ſind deßhalb jetzt merkantiliſche, techniſche, mecha⸗ 112 niſche, chemiſche und andere Naturkenntniſſe fuͤr den Landwirth erforderlich. 5) In fruͤhern Jahrhunderten wirthſchaftete der Land— wirth gewoͤhnlich nach einem ſchon lange beſtehenden Syſteme, gewoͤhnlich nach der Koppelwirthſchaft oder Dreifelderwirth— ſchaft, und hatte keineswegs noͤthig, uͤber Veraͤnderung deſ— ſelben nachzudenken; liche Beweglichkeit der geſelligen, beſonders der Handels-Ver— haͤltniſſe ein oͤfteres Wechſeln bei Wahl der Gewaͤchſe, in der Fruchtfolge, Haltung der Thiere, im Betriebe der techni— ſchen Gewerbe, in Anwendung der Werkzeuge und im Mie— then der Arbeiter, ein Umſtand, der das Wirthſchaften zu ei— nem ſehr ſchwierigen, viel Nachdenken verlangenden Geſchaͤfte gegenwaͤrtig verlangt die außerordent— macht. 6) In Folge dieſer Veraͤnderungen in den Verhaͤltniſſen des Landwirths muß derſelbe, um ſicher Landguͤter kaufen oder pachten, einen Wirthſchaftsplan entwerfen und durchfuͤhren, und eine gefuͤhrte Wirthſchaft pruͤfen zu koͤnnen, ſich viel mit Kauf- und Pachtanſchlaͤgen, mit Ertragsberechnungen und mit Buchhalten beſchaͤftigen, Arbeiten, welche viel Ueberlegung und Vorbereitung verlangen. Will der Landwirth unter ſo verwickelten und beweglichen Verhaͤltniſſen mit Sicherheit den gewerblichen Zweck ſeines Ge— ſchaͤfts moͤglichſt verwirklichen, d. h. zur Foͤrderung ſeines Wohl— ſtandes moͤglichſt hohen und nachhaltigen Reinertrag oder Geld— gewinn erwerben, ſo hat er ſich durch wiſſenſchaftliches Stu— dium dazu vorzubereiten. §. 6. Naturwiſſenſchaftliche und nationalökonomiſche Bildung des Landwirths in Bezug auf höheres Leben. Die Landwirthſchaftslehre kann in zweierlei Weiſe behan— delt werden: ndwirth Land⸗ Syſteme, erwirth⸗ ung deſ⸗ rordent⸗ ls⸗Ver⸗ in der techni⸗ im Mi⸗ n zu ei⸗ Geſchäfte zaͤltniſen fen oder cfführen, viel mit und nit zung und weglichen ines Ge⸗ s Wohl⸗ der Geld⸗ hes Stl⸗ Bildung en. ſe behan⸗ —-— 113— 1) als hiſtoriſche(empiriſche, poſitive) Wiſſenſchaft. Als ſolche ſchildert ſie das landwirthſchaftliche Gewerbe, wie es wirklich in der Gegenwart iſt oder in der Vergangenheit war. Sie hat zwei Theile:* a) Geſchichte der Landwirthſchaft, welche von dem Betriebe der Landwirthſchaft in der Vergangenheit erzaͤhlt, z. B. Geſchichte der roͤmiſchen, der deutſchen Landwirthſchaft; b) Beſchreibung der Landwirthſchaft in der Gegenwart. Sie heißt landwirthſchaftliche Statiſtik oder Topographie. Man koͤnnte dieſe Wiſſenſchaft auch Landwirthſchaftskunde nennen. 2) Als rationale(rationelle, theoretiſche) Wiſſenſchaft, wel— che lehrt, wie die Landwirthſchaft zu betreiben iſt, damit ihr Zweck erreicht werde. Dieß iſt die Theorie der Landwirthſchaft, Landwirthſchaftswiſſenſchaft im engern Sinne. Nach der Verſchiedenheit der Grundſätze iſt die rationale Landwirthſchaftslehre, wie ich oben Seite 20 nachgewieſen habe, in zwei Theile zu theilen: a) ſpecielle Landwirthſchaft, welche ſpecielle Regeln gibt, d. h. ſolche, die nur auf ſpecielle Geſchaͤfte des Pflanzenbaues oder der Viehzucht ſich beziehen. Dieſe gruͤnden ſich nur auf naturwiſſenſchaftliche Grundſaͤtze. b) Allgemeine Landwirthſchaft, welche allgemeine Regeln gibt, d. h. ſolche, welche ſich auf die ſaͤmmtlichen Geſchaͤfte des Landwirths beziehen, z. B. uͤber Zweck der Landwirth— ſchaft, Behandlung der Arbeiter, Berechnung des Rein— ertrags u. ſ. f. Fuͤr dieſe allgemeinen Lehren ſind auch nationaloͤkonomiſche Grundſaͤtze erforderlich. Es hat alſo der Landwirth zu ſeiner gruͤndlichen Ausbildung naturwiſſenſchaftliche und nationaloͤkonomiſche Studien noͤthig. Dieſe und jene koͤnnen bei einer zweckmaͤßigen Lehrart*) nicht *) Ueber Zweckmäßigkeit der Lehrart habe ich mich oben S. 61— 75 ausgeſprochen. Schulze Deutſche Bl. f. Landw. I. 8 — 114— bloß ſeine gewerbliche, ſondern auch ſeine hoͤhere Bildung foͤrdern. Indem bei dem naturwiſſenſchaftlichen Theile des oͤkonomi— ſchen Studiums der Lernende fortwaͤhrend auf die Anſchauung hingewieſen wird, erhaͤlt daſſelbe einen eigenthuͤmlichen Vorzug der Lebendigkeit und Anregung. Indem der Studirende nicht bloß von den Naturgegenſtaͤnden ſelbſt, ſondern auch von den Geſetzen ihrer Erſcheinungen Kenntniſſe ſich erwirbt, wird durch die unergruͤndliche Tiefe und die immer ſich erneuernden Reize eine ſtets ſteigende Spannung des Geiſtes, eine unvergaͤngliche Sehnſucht nach vollkommner Erkenntniß und eine Ahnung des Goͤttlichen in der Natur erzeugt, wovon eine nothwendige Folge ſittliche Veredlung des Menſchen iſt. b Der nationaloͤkonomiſche Theil des wirthſchaftlichen Stu— diums hat den Menſchen zum Gegenſtande. Durch dieſe Stu— dien lernt der Landwirth nicht bloß die Kraͤfte des Menſchen— geiſtes kennen, in ſofern dadurch die Voͤlker ihre Beduͤrfniſſe an irdiſchen Guͤtern befriedigen, ſondern es tritt in denſelben auch das hoͤchſte Ziel, nach welchem die Menſchen in der Oeko— nomie zu ſtreben haben, vor ſeine Seele. Indem der Land— wirth durch die Nationaloͤkonomie oͤkonomiſche Selbſtkenntniß erlangt, wird er von ihr auf den wahren Weg zur Weisheit und Tugend gebracht. Erſt durch ſie wird ſein Geſchaͤft ein wahrhaft menſchliches, denn menſchlich handelt der Menſch nur dann, wenn er mit Selbſtbewußtſein handelt. Da es weit leichter iſt Pflanzen, Thiere, Mineralien und andere Koͤrper zu beobachten als den Geiſt, da naturwiſſen— ſchaftliche Studien oft Unterhaltung gewaͤhren, Nachdenken uͤber den Menſchengeiſt dagegen immer Anſtrengung verlangt, ſo hat man ſich nicht daruͤber zu wundern, daß bis jetzt die ſtudirenden Landwirthe faſt nur auf die naturwiſſeenſchaftliche Begruͤndung der Landwirthſchaft ihre wiſſeenſchaftliche Thaͤtig— keit gerichtet haben und das Feld der menſchenwiſſeenſchaftlichen ildung onomi⸗ hHauung Vorzug de nicht on den d durch Reize angliche ung des wendige i Stu⸗ ſe Stu⸗ enſchen⸗ durfniſſe enſelben er Oeko⸗ er Land⸗ kenntniß Weisheit haͤft ein iſch nur lien und urwiſen⸗ whdenken verlangt, jett die haftliche Thaͤtig⸗ jaftlichen — 115— oder nationaloͤkonomiſchen Begruͤndung der Landwirthſchaft noch unbebaut da liegt. Der nationaloͤkonomiſchen Bildung mußte die naturwiſſenſchaftliche vorbereitend vorausgehen. Der Stand der Landwirthe mußte, um in die unbekannten Tiefen ſeines Geiſtes ſchauen zu koͤnnen, vorher ſeinen Blick durch Forſchun— gen im Gebiete der Naturkoͤrper uͤben. Der große engliſche Mathematiker und Naturforſcher Newton(geſt. 1727) ſprach am Schluſſe ſeiner Optik die Weiſſagung aus, daß, wenn erſt die Naturwiſſenſchaften in allen ihren Theilen durch die in— ductive Methode*) vervollkommnet ſeien, dann auch die mora— liſchen Wiſſenſchaften in derſelben Weiſe zur Vollkommenheit gebracht werden wuͤrden**). Die Wiſſenſchaft von dem Weſen des Menſchengeiſtes, welche ihm bei dieſer Weiſſagung vor Augen ſtand, hat nun eine ſehr achtbare Stufe der Ausbil— dung erreicht und auf mehrere Zweige des Menſchenlebens be— reits ſehr vortheilhaft eingewirkt. Hoffentlich wird ſie auch bald im landwirthſchaftlichen Leben ihr Licht leuchten laſſen, ſo daß die Landwirthe kuͤnftig neben dem Koͤrperlichen auch das Geiſtige, neben dem Saͤchlichen auch das Perſoͤnliche deutlich erkennen und gehoͤrig ſchaͤtzen lernen. Daß fuͤr ſolchen Zweck weder engliſche, noch franzoͤſiſche Nationaloͤkonomie tauge, ſon— dern dieſe Wiſſenſchaft durchaus volksthuͤmlich ſtudirt wer— den muͤſſe, werde ich ſpaͤter nachweiſen. *) S. Fries Syſtem der Logik. 3te Auflage. Heidelberg, 1837. §. 60. **) Vergl. Beneke: Unſere Univerſitäten und was ihnen Noth thut. Berlin, 1836, S. 101. Auch: Herſchel über Studium der Natur⸗ wiſſenſchaften. Aus dem Engliſchen überſetzt von Henrici. Göttingen, 1836, S. 76. 8* — 116 Summariſche Ueberſicht der Mitglieder des landwirthſchaftlichen Inſtituts zu Jena in den 12 Jahren von Oſtern 1826 bis dahin 1834, und von Oſtern 1839 bis dahin 1843, wie auch der koͤniglich preuſſiſchen ſtaats- und landwirthſchaftlichen Akademie Eldena in den 4 Jahren von Oſtern 1835 bis dahin 1839. Jena Eldena Jena Zuſam⸗ in 8in 4 in 4 ſmen in Namen der Laͤnder: Jahren Jahren Jahren den 16 1826 1835 1839 Jahren bis bis bis 1834 1839 1843 A. Deutſche Laͤnder: 1) Großherzogthum Weimar 14 4 21 39 2) Herzogthum Gotha 4 8 11[23 3)——— Maeeiningen. 2 3 4 9 4)——— Altenburg 3 1 2 6 Zuſammen aus W., G., M. und A. 23 16 38 77 4— 4147— Jena Eldenat Jena Zuſam⸗ Namen der Laͤnder: 1826 1835 1839 men in bis bis bis den 16 1834 1839 1843 Jahren Uebertrag 23 16 38 77 5) Koͤnigreich Preuſſen: . a) Provinz Oſtpreuſſen....— 13 1 14 b)—— Weſtpreuſſen...— 6 1 7 e)—— Poſen— 13 2] 15 d)—— Pommern. 1 34 2 37 e)—— Brandenburg.. 1 341 3 35 f)—— Schhleſien 2 16 14 29 g)—— Sachſen.... 12] 30 27 69 h)—— Weſtphalen 1 8 2 11 Jabren i)—— Rheinpreuſſen 4 143 141 839 is Zuſammen aus dem Koͤnigr. Preuſſen 18 151 49 218 . 6) Koͤnigreich Hannover 1 6 13 20 tee i 7) Königreich Sachſen..... 2 5 10 17 ähren 8) Großherzogthum Mecklenburg 1 9 4 14 9) Herzogthuͤmer Anhalt 3 2 4 9 10) Fuͤrſtenthuͤmer Schwarzburg— 1 6 7 rriur 11) sena ien Reuß 2 4 6 lnen it 12) Kurfuͤrſtenthum Heſſen. 2— 4 6 en den 16 13) Freie Stadt Hamburg...— 5 1 6 el 14) Koͤnigreich Baiern. 1 3 4 3— 15) Füuͤrſtenthum Waldeck... 1 1 1 3 16) Fuͤrſtenthuͤmer Lippe... 1 2ü— 3 1L9- 17) Herzogthum Holſtein...— 1 1 2 1 123 18) Herzogthum Braunſchweig.—— 1 1 19 19) Freie Stadt Luübeck...— 11— 1 .e 20) Freie Stadt Bremen...—— 1 1 — 21) Koͤnigreich Wüͤrtemberg.— 1 Zuſammen aus deutſchen Laͤndern V 54 201 141 396 — — 118— Jena Eldenaſ Jena Zuſam⸗ Namen der Laͤnder: 1826 1835 1839 men in bis bis bis den 16 1834 1839 1843[Jahren Uebertrag 54 201 141 396 B. Nichtdeutſche Laͤnder. 1) Kaiſerthum Rußland... 3 8 9 20 2) Königreich Polen— 2— 2 3)——— Daͤnemark— 1 1 2 4)——— Schweden— 1— 1 5) Die Schweiz 1—— 1 6) Koͤnigreich England..—— 1 1 7) Tuͤrkei(Macedonien).. 11—[— 1 Zuſammen aus nichtdeutſchen Laͤndernn 5 12 11 28 Zuſammen aus deutſchen Laͤndern 54 201[141 396 Zuſammen 59[213[152 424 Die Zahl derjenigen, welche beide Anſtalten be— ſuchten und deßhalb doppelt gezaͤhlt wurden, betraͤgt 32 Wird dieſe Zahl abgezogen, ſo bleiben... 392 Von den 392 jungen Maͤnnern, welche in den oben an— gefuͤhrten 16 Jahren an den Inſtituten zu Jena und Eldena Theil nahmen, waren 329 Landwirthe, 15 Oekonomie⸗Commiſſarien, 48 Staatswirthe oder Cameraliſten. — Zuſam⸗ men in den 16 Jahren - 396 32 392 hen an⸗ Eldena — 119— II. Landwirthſchaftliche Preisaufgabe. Es ſind jetzt drei Jahre, daß ich durch einen mir ſehr werthen Freund der Verſammlung deutſcher Landwirthe zu Karlsruhe meine Erfahrungen uͤber Fuͤtterung und Aufzucht des Rindviehes in einem ſchriftlichen Aufſatze mitgetheilt habe. Die Gruͤnde, welche mich veranlaßten, dieſen Aufſatz in ſehr beſchraͤnkter Anzahl von Exemplaren, lediglich nur fuͤr meine naͤhern Freunde und Bekannte beſtimmt, als Manu— ſcript abdrucken zu laſſen, habe ich in einem kurzen Vorwort dazu angegeben und zu rechtfertigen geſucht, auch alsbald meine Ueberzeugung dahin ausgeſprochen, daß uͤber den be⸗ treffenden Gegenſtand noch ſehr viel zu erforſchen und durch fortgeſetzte Verſuche genauer zu begruͤnden uͤbrig bliebe. Ganz gegen meine Erwartung hat das landwirthſchaftliche Publicum meiner kleinen Arbeit große Aufmerkſamkeit zuge— wendet, und ihr einen weit groͤßeren Werth beigelegt, als ich es ſelbſt gethan. Haͤufiger Abdruck, theils in landwirthſchaftlichen Zeitſchrif⸗ ten, theils abgeſondert fuͤr ſich, hat dieſe kleine Schrift bei— nahe allenthalben im Vaterlande bekannt werden laſſen, und ich habe ſogar wahrnehmen muͤſſen, daß nicht allein an vielen Orten die Ergebniſſe meiner Erfahrungen als Grundſaͤtze zum Anhaltspunkt in der Praxis dienen, ſondern auch in mehreren Schriften davon ausgegangen und weiter darauf gebaut wird. Ein ſolcher niemals von mir erwarteter Erfolg verpflichtet 1 5 mich, eine weitere Erfahrung, welche ich inzwiſchen uͤber den fraglichen Gegenſtand machen mußte, wo moͤglich eben ſo all— gemein bekannt werden zu laſſen, theils um der Sache wil— len, theils aber auch um ſonſt gedenkbare Vorwuͤrfe von mir abzuwenden. Zu großer Beruhigung muß es mir gereichen, daß meine Niederſchreibung im September 1838 kein Wort und keine Zahl enthaͤlt, von deren vollkommenſten Richtigkeit mir nicht ſchon damals die zuverlaͤſſigſten Erfahrungen ganz gewiſſe Ueberzeugung gegeben haͤtten; und daß ebenſo auch Alles, was ich inzwiſchen erfahren habe, nur noch vollſtaͤndiger be— ſtaͤtigt, was ich ſchon damals gewiß wußte. Es gilt da⸗ her auch jetzt noch bei mir als Regel Alles, was ich damals niederſchrieb uͤber die Fuͤtterung des erwachſenen Rindviehes und zwar eben ſowohl in qualitativer, als auch quantitativer Hinſicht. Nicht weniger beſtaͤtigte ſich bei mir in gleicher Weiſe als vollkommen richtig, was ich damals geſagt habe uͤber das verhaͤltnißmaͤßige Produkt der verſchiedenen Fuͤtterungen nach ihrem verſchiedenen Nahrungsgehalte(auf Heuwerth berechnet) entweder in Milch, oder in Koͤrperzunahme, und zwar letz⸗ tere beim erwachſenen Vieh in Fleiſch oder Fett; bei jun— gem Vieh hingegen in Wachsthum und Koͤrperzunahme uͤber— haupt. Aber auch die Aufzucht des jungen Viehes anlangend, ſo entſprechen die, nach meiner damals angegebenen Methode ge⸗ fuͤtterten und aufwachſenden jungen Thiere beiderlei Geſchlechts (ſehr ſeltene Ungluͤcksfaͤlle abgerechnet) ohne alle Ausnahme auch jetzt noch gerade, wie damals, allen meinen Erwartungen und Vorausbeſtimmungen hinſichtlich ihrer Groͤße und Schwere, ihres Temperaments, ihrer vollkommenen(ich moͤchte ſagen idealen) Schoͤnheit, ihrer ungewoͤhnlich fruͤhen und daher auch weit wohlfeilern Ausbildung; die maͤnnlichen uͤbrigens auch — — — — — 2—2— er den o all⸗ e wil⸗ n mir meine keine nicht ewiſſe Ales, er be⸗ lt da⸗ amals viehes ativer ſe als r das nach ſchnet) letz⸗ jun⸗ über⸗ d, ſo de ge⸗ lechts nahme ngen were, agen auch auch „—— —-— 121— noch in ihrer Muskelkraft und daher ungemein großen Zug— kraft*), und alle endlich in ihrer ſeltenen Maſtfaͤhigkeit. Es konnte aber meine damalige Niederſchreibung nicht wohl und ſollte demnach auch nicht irgend etwas enthalten, was ich ſelbſt noch nicht wußte und alſo auch nicht auf eigene Beobachtungen und Erfahrungen begruͤndet, mit voller Be⸗ ſtimmtheit als wahr zu behaupten vermochte. Deßhalb iſt denn auch nichts darin geſagt uͤber den Grad von Milchergiebigkeit von den, nach meiner Fuͤtterungsmethode erwachſenen Kuͤhen, weil zu jener Zeit eben erſt nur wenige Kalbinnen zum erſten Mal melkend geworden waren, und ich aus den erſt anfaͤnglichen nicht alsbald auch auf die Folge— ergebniſſe genugſam richtig ſchließen zu koͤnnen glaubte. Offen will ich es aber gern eingeſtehen, daß ich gerade in dieſer Hinſicht die allerglaͤnzendſten Erfolge von meiner Aufzuchtsmethode gewaͤrtigte. Und warum haͤtte ich das auch nicht thun ſollen?— Die naturgemaäßeſte Aufzuchts⸗ weiſe konnte und mußte ich damals, wie ich es im Allgemei— nen wenigſtens auch noch thue, fuͤr die in jeder Hinſicht beſte halten. Daß es aber naturgemaͤß ſei, dem Kalbe die ganze Milch ſeiner Mutter und daneben die Freiheit zu laſſen(nicht durch Hunger gezwungen, wohl aber durch Inſtinct dahin ge— fuͤhrt), von dem der letztern gereichten naturgemaͤßen Futter (gutem Heu oder Klee) nach Beduͤrfniß und Belieben zu ſich zu nehmen, das konnte ich ebenſo wenig damals, wie auch noch jetzt, bezweifeln. Die vollkommene Geſundheit meiner Thiere, ihre *) Ein jetzt bereits Tjähriger Zuchtbulle von circa 2100 Pfund leb. Gewicht fährt im Sommer meiner Schweitzerei ihr tägliches Grünfutter (5 bis 80 Centner) in zwei Ladungen heim, und ließ noch kein Mal, auch auf eingeweichten Feldern ein Fuder ſtehen. Daneben entſpricht er aber auch noch, nicht weniger befriedigend dem Hauptzwecke ſeiner Haltung. — 122— (wie bereits geſagt) faſt immer idealiſch ſchoͤne Ausbildung, durfte, ja mußte mir ſogar die Ueberzeugung aufdringen, daß ſie dergeſtalt veredelt, auch nicht weniger vollkommen allen Hauptzwecken ihres Daſeins und ihrer Haltung entſprechen wuͤrden. Die Kuͤhe alſo ganz beſonders durch Kaͤlbererzeu⸗ gung und deren Ernährung durch die reichlichſte Milchergie— bigkeit. Aber alle dieſe ſo richtig anſcheinende Praͤmiſſen und Schlußfolgerungen haben die inzwiſchen von mir gewonnenen Erfahrungen noch keineswegs als richtig beſtaͤtigt; mehren— theils hat ſich gerade das Gegentheil davon ergeben; denn von den inzwiſchen nach meiner Methode auferzogenen jun— gen Thieren haben ſich in der Milchergiebigkeit nur wenige als gut, noch keine aber als ausgezeichnet, die mehreſten hin⸗ gegen als nur mittelmaͤßig und ſehr viele ſogar als ganz ſchlecht ausgewieſen. Je geringer aber die Milchergiebigkeit, je groͤßer war je— des Mal dann bei dieſen Thieren die Anlage zum Fleiſch⸗ und Fettanſatz, am auffallendſten, ſehr begreiflich, erſt nach ganz vollendeter Koͤrperausbildung. Gleichviel ob tragend oder nicht, erreichen ſie dann auch bei ganz gewoͤhnlicher Kuhfuͤtterung (zo trockene Maſſe in Heuwerth) ſehr bald einen ſolchen Grad von Ausmaͤſtung, daß die Metzger ſie gern ſehr theuer be— zahlen*). Anfangs glaubte ich, die Urſache der Nichterfuͤllung mei— ner ſchoͤnen Erwartungen beruhe lediglich und allein in dem *) Ein ſolches Thier ſtand im vorigen Sommer 4jährig mit 1773 Pfund leb. Gewicht und bereits zum 3ten Mal in der halben Zeit tra⸗ gend neben ſeiner reichlich melkenden, aber kaum 913 Pfund leb. Gewicht ſchweren Mutter, und wurde vom Metzger mit 88 Thlr. pr. Curr. be⸗ zahlt; das Pfund leb. Gewicht alſo mit 1 Sgr., und zwar zu einer Zeit, wo das Pfund des beſten Ochſenfleiſches beim Metzger nur 23 ½ Pf. koſtete. ildung, n, daß n allen ſprechen ererzeu⸗ lchergie⸗ en und nnenen nehren⸗ denn n jun⸗ wenige en hin— 3 ganz var je⸗ h⸗ und th ganz r nicht, tterung Grad jer be⸗ g mei⸗ in dem nit 1773 eeit tra⸗ Gewicht urr. be⸗ zu einer 23½ Pf. —-— 123— zu fruͤhen(1 jaͤhrigen) Zulaſſen meiner Kalbinnen; denn aller⸗ dings hatte ich mich inzwiſchen uͤberzeugt, daß ſie(1 oder 1¼ Jahr alt) mit der gleichen Groͤße und Schwere ihrer Ael⸗ tern noch lange nicht das Ziel ihrer natuͤrlichen Wachsthums⸗ faͤhigkeit erreicht hatten. Aus dieſem Grunde ſchien mir ein verhaͤltnißmaͤßig geringeres Milcherzeugniß im 3ten und auch noch im 4ten Jahre ganz naturgemaͤß, auch vollkommen con⸗ ſequent aus meinen eigenen Grundſaͤtzen erklaͤrbar, weil, wenn ſie z. B. im Zten Lebensjahre(alſo nach dem Aſten Kalben) noch 300 Pfund, im 4ten aber(alſo nach dem 2ten Kalben) vielleicht immer noch 100 Pfund an leb. Gewicht ſchwerer wur— den, ſie dann dieſer Urſache halber(ganz vollkommen uͤberein— ſtimmend mit meinen eigenen Grundſaͤtzen) nicht anders als im Zten Lebensjahre 3000 Pfund= 1200 Berliner Quart, im 4ten Lebensjahre aber noch 1000 Pfund= 400 Berliner Quart weniger Milch liefern mußten, als ſie dann gegeben haben wuͤrden, wenn ihr Koͤrper(wie ich anfaͤnglich annahm) ſchon beim 1ſten Kalben(alſo nach vollendetem 2ten Jahre) vollkommen ausgebildet geweſen waͤre. Bei dem allen ſtand es alſo nach meinen eigenen Grund— ſaͤtzen immer noch ganz folgerichtig zu erwarten, daß die aller⸗ vollſtaͤndigſte Milchergiebigkeit ſich auch bei meinen Kalbinnen, jedoch erſt nach ihrer ganz vollendeten koͤrperlichen Ausbildung einſtellen, und ſo auch in dieſer Hinſicht ſich ihre Aufzuchts— weiſe vollkommen rechtfertigen werde. Leider aber hat ſich bereits bei mir auch dieſe Art weiter zu conjecturiren und zu concludiren(in der Regel wenigſtens) als eine gaͤnzlich irrthuͤmliche ausgewieſen*); denn nicht nur, daß ſich bei meinen Kalbinnen, ſo bald ſie vollkommen aus— *) Und ganz ebenſo bei mehrern mir engverbundenen landwirthſchaft— lichen Freunden, die bei dem meinigen ganz gleichen Verfahren ganz daſſelbe Reſultat erhielten. — 124— gewachſen waren, alles genoſſene Futter und noch dazu in ſtets zunehmendem Verhaͤltniß lediglich in Fleiſch und Fett ver⸗ wandelte, ſondern es hoͤrte oͤfter ſchon alle Milcherzeugung ſehr bald(einige Mal ſogar ſchon 4 Wochen nach dem letz— ten Kalben) gaͤnzlich auf, und die Thiere wurden dann auch nicht einmal wieder rindernd, ſo daß mir nichts weiter uͤbrig blieb, als mir dieſe Thiere vom Metzger zum Gluͤck aber ſo theuer bezahlen zu laſſen, daß, des gaͤnzlich verfehlten Haupt— zwecks ungeachtet, dennoch das zu ihrer Aufzucht verwendete Futter ſich eben nicht gar zu gering, wenigſtens immer noch beſſer verwerthete, als es bei der gewoͤhnlichen 3— Jjaͤhrigen Aufzuchtsweiſe des jungen Rindviehs und ſeinem gewoͤhnlich dann doch noch ſo geringern Kaufwerthe der Fall zu ſein pflegt. Dergleichen Eroͤrterungen aber, wie die letztern, weiter zu verfolgen oder rechnungsmaͤßig darzuthun, daß und in wie weit und fuͤr welche Zwecke die von mir im September 1838 angegebene Aufzuchtsweiſe beim jungen Rindvieh dennoch vor— theilhaft ſei oder nicht, Alles das ſcheint mir fuͤr den Augen— blick und hier in dieſem offenen Bekenntniß keineswegs der zunaͤchſtige und vorzuͤglichſte Zweck ſein zu duͤrfen. Jedenfalls kommt weit mehr darauf an, die richtigen Gruͤnde und Urſachen einer ſo ungemein auffallenden Erſchei— nung, wie die heute von mir dargeſtellte, aufzufinden und de— ren nothwendige Folgerichtigkeit, jedoch nicht abermals aus der Erfahrung(denn die fehlt mir ſelbſt nach allem hier vor— ſtehend Geſagten auch nicht*), ſondern aus dem naturgeſetz— *) Auch nicht allein aus bloßen Analogien, welche ſich allerdings bei manchen Thiergattungen, ja ſogar häufig beim Menſchengeſchlechte recht treffend und gar nicht ſelten wahrnehmen laſſen. Z. B. iſt in ärmern (genügender Ernährung ermangelnden) Familien das Aufziehen der Kin— der allein durch die Milch der Mütter weit öfter und leichter, auch weit längere Zeit hindurch möglich, als in reichen Familien bei reichlicher, oft zu in ver⸗ gung leßt⸗ auch übrig zer ſo aupt⸗ ndete noch prigen hnlich ſein ter zu mwie 1838 vor⸗ lugen⸗ s der htigen rſchei⸗ d de⸗ 3 aus r vor⸗ geſet⸗ ngs bei t recht armern r Kin⸗ ch weit er, oft -— 125— lichen Zuſammenhange der Sache zu beweiſen, auch wo moͤg— lich dieſes Alles auf eine, auch uns Praktikern verſtaͤndliche Weiſe anſchaulich und verſtaͤndlich zu machen. Die richtige Loͤſung einer ſolchen Aufgabe waͤre nach mei— ner Anſicht fuͤr unſer landwirthſchaftliches Gewerbe auf ſeiner gegenwaͤrtigen Bildungsſtufe von der alleraͤußerſten Wichtigkeit, und viel, ſehr viel wuͤrde ich gern dafuͤr geben, vermoͤchte ich mir ſelber die Faͤhigkeit dazu beizulegen. Dem iſt aber leider nicht ſo, da ich nur ein alter empi— riſcher Landwirth bin, deſſen Lehr- und Vorbereitungsjahre noch in eine Zeit fallen, wo man kaum erſt eine Ahnung von alle dem hatte, was man jetzt in den fuͤr die Landwirthſchaft ſo uͤberaus weſentlichen naturwiſſenſchaftlichen Faͤchern Anato— mie, Phyſiologie und vor Allem Chemie als ganz unwiderleg— bare Wahrheiten achtet. Haͤtte z. B. nur Liebigs organi— ſche Chemie, oder ein ſolcher Brief, wie er in den Beilagen zu Nr. 20. 21. 22. der allgemeinen Zeitung dieſes Jahres ſich abgedruckt befindet, vor 30 Jahren geſchrieben werden koͤnnen, oder waͤre ich jetzt in den betreffenden Faͤchern genuͤ⸗ gend ausgebildet, um alles darin Geſagte nicht bloß anzu— ſtaunen, ſondern auch ganz vollſtaͤndig zu verſtehen, beſaͤße ich aber auch zugleich meine 390jaͤhrigen praktiſchen Erfah⸗ rungen(deren leider wiederum die Verfaſſer gedachter Schrif⸗ ten großen Theils zu ermangeln ſcheinen):— dann freilich waͤre die Sachlage eine ganz andere, fuͤr mich weit erfreu— lichere. Dann wuͤrde ich(vorerſt wenigſtens) gewiß Niemand an⸗ ders wegen Loͤſung der mir unloͤslich gebliebenen Aufgabe zu Huͤlfe rufen, ſondern weit lieber Alles daran ſetzen, weder überflüſſiger Ernährung. So auch und am auffallendſten bei den Juden, wo ſich die wenigſten Familien eine vollſtändige Sättigung erlauben, auch wenn ſie es könnten. — 126— Zeit, noch Muͤhe, noch Koſten ſparen, um, wenn irgend moͤg⸗ lich, ſelbſt der Mann dazu zu ſein, und mich ſo im Fall des Gelingens meinen landwirthſchaftlichen Genoſſen gewiß recht weſentlich nuͤtzlich zu machen. Da nun aber einmal leider(wie bereits geſagt) dem Allen nicht ſo ſein kann, ſo bleibt mir auch nichts uͤbrig, als ver— ſuchsweiſe einen andern Weg zum Ziele einzuſchlagen, und deßhalb will ich ſelbſt auf die Gefahr hin, daß ich darin von Einzelnen mißverſtanden oder mißkannt, oder es auch fuͤr meine Perſoͤnlichkeit als zu anmaßend angeſehen werden koͤnnte, den— noch es darauf wagen, neben meiner hochachtungsvollſten An— erkennnung auch noch als Praͤmie zuzuſichern: entweder die Auswahl der drei werthvollſten Stuͤcke Rindvieh aus meinem Stalle zu Neuenhof bei Eiſenach, oder beliebig an deren Stelle 100 Ducaten Demjeni— gen, welcher vor Ablauf des Jahres 1844 1) aus naturgeſetzlichen Gruͤnden am richtigſten nachzuwei— ſen vermag, weßhalb die von mir im September 1838 beſchriebene Aufzuchtsmethode des jungen Rindviehs bei den Kuͤhen eine ſo uͤberaus geringe Milchergiebigkeit zur Folge haben mußte, und der zugleich im Stande ſein wird, 2) eine allerdings naturwiſſenſchaftlich begruͤndete, aber auch nicht weniger praktiſch und am vortheilhafteſten ausfuͤhr⸗ bare Aufzuchts- und Ernaͤhrungs-Methode anzugeben, welche bei den Rindern der koͤrperlichen Ausbildung eben⸗ ſo foͤrderlich iſt, wie die meinige, ohne auf ihre voll⸗ ſtaͤndige Milchergiebigkeit als Kuͤhe(durchſchnittlich = 5mal ihrem ausgewachſenen lebendigen Gewicht) nach— theilig einwirken zu koͤnnen. Moͤchte der von mir angebotene Preis gewonnen werden koͤnnen!— 5— 127— nmig⸗ V Mit der herzlichſten Freude wuͤrde ich die mir dann ob⸗ il des V liegende Schuld getreulich abtragen, und zwar nicht bloß we— recht gen der dadurch wiſſenſchaftlichen Foͤrderung meines Lieblings— faches, ſondern auch recht wohl wiſſend, daß ich ſelbſt dadurch Alen nicht viel minder gewonnen haben wuͤrde, als durch ein ſiche— s ver⸗ res Recept, nach welchem ich aus jedem Quart Milch 1 Pfund „ und 5 beſten Schweizerkaͤſe zu gewinnen vermoͤchte. n von Aber— wenn*) auch am Ende der Preis jetzt zur meine Zeit noch gar nicht erringbar geweſen waͤre, auch dann „den⸗ wuͤrde doch ſchon jedes wirkliche und tuͤchtige Streben nach n An⸗ demſelben großen Gewinn fuͤr unſere Sache gebracht haben, weil jedenfalls ſich dabei von Neuem bewahrheiten wuͤrde, wie Stuͤcke unerlaͤßlich nothwendig es iſt, daß die Wiſſenſchaft(oder un— enach, ſere gelehrten Naturkundigen) praktiſcher, hingegen die Praxis jeni⸗(damit meine ich uns eigentlichen empiriſchen Landwirthe) wiſ— ſenſchaftlicher und naturkundiger werden muͤſſen, oder, wenn uwe⸗ das Eine wie das Andere nicht moͤglich, dann um ſo noth— 1838 wendiger Beide ſich enger als bisher miteinander verbinden hs be muͤſſen, damit die Landwirthſchaft dem Allem wirklich entſpre— it zr chen koͤnne, was die Zeit immer dringender von ihr fordert. ande Die ſich um den Preis bewerbenden Schriften bitte ich gegen Poſtſchein mir unter meiner Adreſſe und auf meine Ko— anh*) Um jedoch auch in dieſer Niederſchreibung vollkommen wahr ge⸗ führ⸗ weſen zu ſein, darf ich es gar nicht verläugnen, daß ich bei obigem geben,„Aber“ und„wenn“ unwillkührlich an Bürger's„Abt von St. ebene— Gallen“ denken mußte. Solcher Scherz ſoll indeſſen dem Ernſt meiner voll⸗ Abſicht durchaus keinen Abbruch thun. Wer dürfte auch wohl in jetzi— ger Zeit ſo leicht noch irgend etwas für unmöglich halten, nachdem die itiit neuere Chemie uns in den Cacao-Bohnen, anſtatt der Cacao-Butter nach⸗ allein(die man auch ſchon vor 30 Jahren in jeder Apotheke erhalten konnte), auch noch Ochſen⸗ und Hammeltalg, und ſogar Men⸗ erden ſchenſchmalz auf den Bäumen wachſend, aufgefunden hat.(Allgem. Zeitung 1842, Seite 155, Zeile 4.) A — —- 128— ſten zugehen zu laſſen; ſie werden bis zum Richterſpruch ge— treulich bei mir aufgehoben werden. Fuͤr dieſen glaube ich drei Richter genug. Zu dieſen gehoͤren zu wollen, wird ſich hoffentlich Herr Profeſſor Liebig zu Gießen auf meine noch an ihn zu richtende Bitte bereitwillig finden laſſen. Die Wahl der beiden andern werde ich aber der naͤchſten Verſammlung deutſcher Landwirthe antragen, mit dem Wunſche jedoch, daß wenigſtens Einer von ihnen ein praktiſcher Landwirth und an— erkannter Viehzuͤchter ſein moͤchte. Neuenhof, zu Ende des Jahres 1841. Riedeſel. Bemerkung des Herausgebers. Der Aufſatz, worin der Herr Landmarſchall Freiherr von Riedeſel auf Neuenhof bei Eiſenach ſeine vieljaͤhrigen Erfah— rungen uͤber Fuͤtterung und Aufzucht der Kaͤlber, Behandlung der jungen Rinder und Erzeugung von Fleiſch, Fett und Milch mittheilt, wurde zuerſt in dem„amtlichen Berichte uͤber die Verſammlung deutſcher Landwirthe zu Karlsruhe; Karlsruhe, 1839“, durch den Druck veroͤffentlicht. Durch jene Mitthei— lung wurden die Lehre von der Thierzucht und die thieriſche Phyſiologie mit hoͤchſt wichtigen Beitraͤgen bereichert. Indem nun in der vorſtehenden Bekanntmachung der Herr Landmar— ſchall uͤber eine Luͤcke in ſeinem Syſteme und uͤber getaͤuſchte Erwartungen ſich offen ausſpricht, beweiſt er in ausgezeichneter Weiſe, daß dem wahrhaft gebildeten Landwirthe die Wahr⸗ heit und das oͤffentliche Wohl zu foͤrdern, mehr gilt, als der eitle Ruhm der Allwiſſenheit. Um ſo lieber habe ich dieſen Aufſatz, welchen der verehrte Herr Verfaſſer mir ſchon im vo— rigen Winter zuſchickte, in dem vorliegenden Hefte, worin vor— zuͤglich von hoͤherer und wahrhafter Bildung des Landwirths die Rede iſt, aufgenommen. Fr. Schulze. — umlung , daß nd an⸗ r von Erfah⸗ ndlung Milch er die tsruhe, litthei⸗ ieriſche Indem ndmar⸗ aͤuſchte hneter Wahr⸗ ls der dieſen im vo⸗ n vor⸗ wirths 6 8 AAdA HiLlidLrRINdRLHrAIahs bn deb falnten 1 1a73anehlänaſganenläntdrtnennasdeJRenéhaaJéaéNRS énnanoshdng Oem 1 3 4 5 6 1 8 9 10 11 12 13 Colour& Grey Sortrol Shart— 5ees .Greya Gres SGrera Slack