— „ —ÿ4—— 5 84 ) 44 MAI. Das Edellchak in allen ſeinen Beziehungen. Von J. G. Elsner. Als Schlußſtein deſſen, was der Verfaſſer bereits uͤber veredelte Schafzucht geſchrieben. 8 N. NN 8 F Stuttgart und Tübingen. Verlag der J. G. Cotta'ſchen Buchhandlung. 1840. b Vorrede. Das Edelſchaf ſpielt eine ſo wichtige Rolle in der Oekonomie, daß, wenn man in vielen europaͤiſchen Laͤndern dasſelbe auf einmal aus ihr entfernen wollte, ſie eine uͤberaus nach⸗ theilige Umformung erleiden wuͤrde. Aber nicht von ihr allein, ſondern auch vom gewerb⸗ lichen und mercantiliſchen Verkehr wuͤrde man ein Gleiches behaupten koͤnnen. Darum aber iſt und bleibt es auch ſo eintraͤglich und wich⸗ tig, und darum widmet man auch ſeiner Zuͤch⸗ tung eine ſolche Aufmerkſamkeit und einen ſo lobenswerthen Fleiß.— Viel und mancherlei iſt ſchon uͤber die Veredlung der Schafzucht geſchrieben worden, und ich ſelbſt habe die Menge der derartigen Schriften vermehrt. Oeffentlich und privatim ausgeſprochene Ur⸗ theile uͤber das, was ich durch Studium und Erfahrung in dieſem Fache gelernt und ver⸗ dͤffentlicht habe, haben mir immer wieder Muth zu neuen Mittheilungen gemacht. Hier IV lege ich dem Publicum den Schlußſtein zu allen vor. Mit dem„Gruͤndlichen Un⸗ terricht in der veredelten Schafzucht“ beginnt der Curſus. An ihn ſchließt ſich das „Handbuch der veredelten Schafzucht.“ Von dieſem ſchreitet man zu„Meinen Er⸗ fahrungen in der hoͤhern Schafzucht,“ und geht von da uͤber zum„Goldnen Vließ.“ Fuͤr alle aber kann das gegenwaͤr⸗ tige Werkchen als ein Commentar, oder, ich moͤchte lieber ſagen, als eine akademiſche Vor⸗ leſung gelten. Wenn einem Schriftſteller ein Urtheil uͤber ſein eigenes Geiſtesproduct zu⸗ ſtuͤnde, ſo wuͤrde ich ſagen, es ſey das, was ich hier mitgetheilt habe, der Kern und die Philoſophie alles deſſen, was meine fruͤheren Schriften uͤber dieſen Gegenſtand enthalten. Wuͤrden aber dem Leſer dieſe nicht bekannt ſeyn, ſo moͤchte der das Gegenwaͤrtige unvoll⸗ ſtaͤndig und hie und da ſelbſt unverſtaͤndlich finden. —. — Inhalt. Erſtes Capitel. Das Sdelſchaf Zweites Capitel. Die Wolle. A. Ihr Weſen und ihre Beſchaffenheit 1) Feine und grobe Wolle 2 2) Sanfte und rauhe. 3) Nervige und ſchlaffe 4) Gekraͤuſelte und ſchlichte 5) Schuͤttere und dichte 6) Klare und filzige 7) Krepp⸗ und Glanz⸗Wolle 8) Kurze und lange Wolle. 9) Stumpfe und ſpitzgeſtapelte 10) Geſunde und kranke 11) Weiße und ſchwarze.. 12) Edle und unedle..—. Seite 1 VI Seite B. Die Umgeftpkeung der Wolle zur Waare— 2. 3 53 I. Die Waͤſche.—.... 53 1) Blanke und weiße Waͤſche.. 54 2) Nicht zu ſtarke und nicht zu owace Entfettung...— 69 II. Die Schur...... 73 III. Der Wollhandel.... 75 Drittes Capitel. Die Erzeugung der edlen Walle... 91 A. Von der Menge der Wolle.. 92 B. Von der Eüte..... 4105 Viertes Capitel. Züchtung edler Schafe 4.. 110 A. Das Ideal eines edlen Schafes 110 B. Die Claſſifieation. 8*. 115 C. Die Aufzßucht edler Schafe.. 122 1) Von innen heraus„.... 123 2) Von außen hinein.*. 128 Fünftes Capitel. Erhaltung des Edelſchafs auf ſeinem Stand⸗ punkte„.... 132 A. Conſequenz..... 91 134 B. Conſolidirung—.. I 144 C. Conſtanz.„. 152 Seite VII Sechstes Capitel. Die Aeberſiedlung des Edelſchafs A. Von den Vorſichtsmaaßregeln, die da⸗ bei zu nehmen ſind... 1) Fuͤr weite Ferne waͤhlt man am vortheil— hafteſten das Edelſte. 1.. 2) Man huͤte ſich vor erblichen Krankheiten 3) Man waͤhle zum Transport geuͤbte und zuverlaͤſſige Leute..... 4) Nicht zu große Heerde zum Ueberſiedeln 5) Behandlung der Schafe nach ihrer An— kunft B. Von der Veränderung, welche die Ueber⸗ ſiedelung des Edelſchafs in ſeiner Wolle hervorbringt. 3.. C. Geſchichtlicher Gang der Ueberſiedelung des Edelſchafs.—... Siebentes Capitel. Von der Yegeneration des Edelſchafes. A. Die wahre Degeneration.—. 1) Saumſeligkeit oder angewandte unrichtige Grundſaͤtze bei der Zuͤchtung. 2) Unedles Blut, welches man ſich bewußt oder unbewußt in die Heerde bringt B. Die vermeintliche Degeneration 185 VIII Achtes Capitel. 1 Seite Einfluß des Edelſchafes auf Agricultur und Bevölkerung. 200 A. Sein Einfluß auf die Agricultur 200 1) Der materielle Einfluß.. 201 2) Der intellectuele.. 211 B. Einfluß auf die Bevölkerung. 213 — o— + Seite Erſtes Capitel. Das Sdelſchaf. Es kann nicht meine Abſicht ſeyn, eine ſpecielle Beſchreibung des Edelſchafes geben zu wollen, da deren bereits genug vorhanden ſind. Als Baſis meiner neueſten Beobachtungen und Erfahrungen muß ich jedoch die Thiere, an welchen ich ſie gemacht, ein wenig charakteriſiren. Nur um ſeiner Wolle willen wird ein Schaf edel genannt; denn es hat jede Thierart ihre beſondern Eigenſchaften, um derentwillen ſie als edle bezeich⸗ net wird. Dieſe ſind beim Pferde ganz andere, wie beim Rinde, bei dieſem andere, wie beim Schaf u. ſ. w. Wollen wir aber einen ſummariſchen Be— griff geben von dem, was der Menſch als edel in den Thieren und insbeſondere in den Hausthieren anerkennt, ſo liegt er darin:„Je mehr ein ſol⸗ ches Eigenſchaften in ſich vereinigt, dem Wohlbehagen und dem Luxus, nebenbei aber auch dem Nutzen des Menſchen zu dienen, einen um ſo hoͤhern Grad von Elsner, das Cdelſchaf ꝛc. 1 2 Veredlung ſprechen wir ihm zu. Bei dem Schafe iſt es alſo die Wolle, an welche wir dieſe Forderung ſtellen, indem durch die aus ihr gefertig— ten Stoffe den eben ausgeſprochenen Forderungen genuͤgt wird. Was indeß die dritte, den Nutzen, an⸗ langt, ſo kommt auch ſein Koͤrper, wegen des Flei— ſches, mit in Betrachtung. Daß auch dieſer bei der Veredlung nicht außer Acht gelaſſen werden duͤrfe, das werde ich im Verlaufe dieſes meines Vortrages noch Gelegenheit haben geltend zu machen. Das Schaf iſt das Feld, auf welchem die Wolle erbaut wird. Je groͤßer und cultivirter dasſelbe iſt, um ſo reichlicher und vorzuͤglicher iſt die Frucht. Beide Punkte muͤſſen bei der Veredlung im Auge behalten werden. Die Ausdehnung des Feldes iſt durch die Groͤße des Schafes bedingt, und die Cul— tur liegt in der fortgeſetzten Conſequenz bei der Zuͤchtung. Menge und Guͤte der Wolle iſt ihre Aufgabe. So viel nun auch ſchon uͤber beides ge⸗ ſagt und geſchrieben worden iſt, und ſo ſehr ich auch ſelbſt ſchon zur Vermehrung dieſer Menge bei⸗ getragen habe, ſo iſt dennoch der Gegenſtand, ſo einfach er, oberflaͤchlich betrachtet, auch erſcheint, faſt unerſchoͤpflich, und er bietet immer noch neue Seiten der Auffaſſung dar.— Da das vorliegende Werkchen gleichſam der Schlußſtein werden ſoll zu dem, was ich bereits uͤber dieſen Gegenſtand ge⸗ ſchrieben habe, ſo will ich in demſelben alles das vortragen, was als Ergaͤnzung fuͤr das Fruͤhere Bei dem wir dieſe gefertig⸗ derungen tzen, an⸗ des Flei⸗ er bei der en durfe, Vortrages die Volle sſelbe iſt Frucht. m Auge -des iſt die Cul⸗ bei der iſt ihre des ge⸗ ehr ich age bei⸗ and, ſo iſcheint, ch neue liegende ſoll zu and ge⸗ les das Fuüͤhere 3 gelten kann, und da finde ich denn vor allen Din⸗ gen noͤthig, mehrere Fragen aufzuſtellen und zu beantworten, uͤber welche ſchon vielfach debattirt, es aber noch zu keinem Schluſſe der Acten gekommen. Zuerſt die:„Iſt das Edelſchaf weſentlich von dem gemeinen Schafe verſchieden?“ Man hat in den hier— uͤber gefuͤhrten Debatten dieſe Frage noch weiter ausgedehnt, und zwar dahin: ob nicht auch die verſchiedenen Arten der Edelſchafe weſentlich von einander verſchieden ſind. Wir muͤſſen uns, um auf die vorliegende Frage eine befriedigende Antwort zu geben, erſt eine andere vorlegen, naͤmlich: was liegt in der Bezeichnung eines weſentlichen Unter— ſchiedes von Thieren einerlei Gattung? Ein ſolcher findet da ſtatt, wo beide ſich von einerlei Nahrungs⸗ ſtoffen naͤhren, einerlei Klima und Behandlung ge— nießen, und dennoch verſchiedene Erſcheinungen in der Entwickelung ihrer Koͤrper zeigen. Iſt dieſe De⸗ finition richtig, ſo iſt auch unſere vorſtehende Frage mit Ja beantwortet. Wir muͤſſen jedoch, ehe wir dieß definitiv thun, erſt noch ein wenig weiter gehen, und uns noch eine andere Frage vorlegen, und das iſt die: iſt der Menſch im Stande, durch ſeine Behandlung dieſe verſchiedenen Erſcheinungen zu modificiren und zu leiten? Darauf antwortet die Erfahrung ebenfalls mit Ja! Daraus geht dann aber die Lehre hervor, daß im erſten Falle, wo die Natur ihren eigenen Gang geht, die Schafe ſtets von derſelben Art bleiben, d. h. ihre weſentlichen 1 F† 4 Unterſchiede bewahren; im zweiten aber ſich aͤndern, mit einander verſchmelzen, oder zu beſondern Arten umgebildet werden koͤnnen. Und dieß liegt in der Art und Kunſt, womit man ſie zuͤchtet, und womit man bereits Erſcheinungen hervorgerufen hat, die man fruͤher, wenn nicht fuͤr unmoͤglich, doch fuͤr hoͤchſt wunderbar gehalten haben wuͤrde. Weil nun aber die Sache nicht leicht iſt, ſo kann man eine ſolche Zuͤchtung nicht ohne Grund eine Kunſt und Wiſſenſchaft nennen.— Wuͤrde nun aber die Zuͤch⸗ tung uns in Stand ſetzen, aus gemeinen Schafen ohne alles weitere Zuthun Edelſchafe zu bilden— nur alsdann koͤnnte man einen weſentlichen Unterſchied zwiſchen beiden beſtreiten. Da wiſſen wir aber, daß, wenn auch die Sache nicht geradezu als abſolut un⸗ moͤglich anzunehmen iſt, dennoch oft genug alle Kunſt ſcheitert, und daß wir nur vermittelſt der Vereinigung beider Arten und durch fortgeſetztes ſtrenges Feſthalten au gewiſſen Eigenſchaften bei den Zuchtthieren ſicher zu unſerm Ziele gelangen. Dieß fuͤhrt uns denn zuruͤck darauf, daß dieſelben keineswegs ihren weſentlichen Unterſchied ablegen, ſondern daß nur gewiſſe Eigenſchaften durch Be— harrlichkeit zuruͤckgedraͤngt und andere hervorgeho⸗ ben werden. Da nun die letzteren die des Edel⸗ ſchafes und die erſteren die des gemeinen ſind, ſo nennen wir ein ſolches Verfahren Veredlung. Zum Beweiſe aber, daß damit der weſentliche Unter⸗ ſchied zwiſchen beiden nicht aufgehoben wird, d. h. aͤnden,, n Arten t in der d womit at, die doch fuͤr beil nun dan eine nſt und ie Zuͤch⸗ Schafen — nur erſchied „ daß⸗ lut un⸗ ug alle Aſt der geſetztes ten bei elangen. dieſelben ablegen, arch Be⸗ vorgeho⸗ s Edel⸗ ſind, ſo J. Zum de Unter⸗ d, d. h. 5 daß gemeine Schafe nicht zu vollkommnen Edel⸗ ſchafen erhoben werden, gibt uns die Natur Bei— ſpiele genug, denn ſie bringt die fruͤhern Eigen— ſchaften in jeder folgenden Generation ſtufenweiſe wieder zur Erſcheinung, ſobald der Menſch ihnen nicht fortwaͤhrend beharrlich entgegenarbeitet, ſon— dern die Fortpflanzung ſich ſelbſt uͤberlaͤßt. Folglich iſt jede Veredlung nichts weiter, als ein Verdraͤn— gen von Eigenſchaften, die dem Zwecke nicht ent— ſprechen und ein An⸗die⸗Stelle⸗Setzen ſolcher, die uns zutraͤglich ſind. Einer natuͤrlichen Ideenfolge gemaͤß fragen wir nun weiter: iſt das Edelſchaf(in Europa Merino wegen ſeiner Herkunft genannt) von der Natur ſo hervorgebracht, wie wir es jetzt ſehen, oder haben aͤußere Einwirkungen ihm die Eigenſchaften gege— ben, weßhalb wir es ſo hoch ſchaͤtzen? Unſtreitig und mit Gewißheit iſt letzteres anzunehmen. Ge— rade ſo gut, wie der Schoͤpfer nicht beſondere Men⸗ ſchen⸗Racen, wie z. B. die kaukaſiſche, mongo⸗ liſche, Neger und andere, geſchaffen hat, ſondern wie ſie ſich alle aus einer und derſelben herausge— ſtaltet haben, ſo laͤßt ſich dieß auch von den Thier— arten und insbeſondere von den Schafen annehmen. Aber zu weit duͤrften hierin wohl am Ende die Na— turforſcher gehen, wenn ſie das Schaf in ſeiner Ab⸗ ſtammung zuruͤckfuͤhren auf den Muflon und das Argali. Denn mdgen ſie immerhin mit demſelben verwandt ſeyn, ſo iſt noch damit kein genuͤgender 6 Grund vorhanden, ſie fuͤr homogen mit ihm zu halten, und ſelbſt der Umſtand, daß dieſe Thier— arten ſich fruchtbar unter einander begatten, iſt noch kein hinlaͤnglicher Beweis, eben ſo wenig als dafuͤr, daß das edle Pferd vom Eſel abſtammen, oder wohl gar jenes in dieſen ausgeartet ſeyn ſollte. Ohne— hin bedurfte es ſicher Jahrtauſende und des Zuſam— mentreffens verſchiedener Einwirkungen der Natur, ehe aus dem gemeinen Schaf ein Edelſchaf wurde. Der Menſch vermittelſt ſeiner Intelligenz bewirkt freilich ſolches raſcher, indem er Eigenſchaften feſt— haͤlt und zur Conſolidirung bringt, welche die Na— tur nur aͤußerſt langſam und durch eintretende Zu— faͤlle hervorruft. Ueberdieß haͤlt ſie allzu feſt an ihren primitiven Gebilden, als daß Varietaͤten nicht erſt in langer Zeit von ihr zur Erſcheinung gebracht werden ſollten. Daß aber die Anlage zu Varietaͤten in jeder Thierart liege, beweist ſich in der Verſchiedenheit der einzelnen Individuen derſelben. Darin gibt die Natur dem Menſchen einen Fingerzeig fuͤr das, was er hervorbringen kann. Denn wenn er dieſe Ver— ſchiedenheiten genau und klar auffaßt, ſie an maͤnn⸗ lichen und weiblichen Exemplaren gleich oder aͤhnlich findet, und ſolche zur Begattung laͤßt, ſo ſprechen ſich in den Nachkommen die aufgefaßten Eigenſchaf⸗ ten wieder aus, und werden am Ende feſt, wenn eine ſolche Paarung in mehreren Generationen fort— geſetzt wird. Auf dieſe Art iſt es moͤglich, aus ge⸗ m zu Thier⸗ noch ſafuͤr, wohl öhne⸗ ſam⸗ atur, urde. virkt feſt⸗ Na⸗ 3u⸗ an nicht acht jeder nheit t die was Ver⸗ naͤnu⸗ hulich rechen ſchaf⸗ wenn fort⸗ us gk⸗ 7 meinen Schafen zuletzt edle zu bilden, weil in jenen, wenn auch anfangs nur in ſchwachen Spuren, Ei⸗ genſchaften in einzelnen Individuen hervortreten, welche dem Edelſchaf eigenthuͤmlich ſind. Damit aber kann zuletzt das Weſen der Thiere veraͤndert werden, nur bedarf es dazu eines ſehr langen Zeit— raumes. Es geſchieht dieß aber, wenn fortwaͤh⸗ rend die gewoͤhnlichen Eigenſchaften zuruͤckgedraͤngt und andere an die Stelle geſetzt werden.— Wenn nun die Natur eine ſolche Operation durchgefuͤhrt, und aus dem gemeinen Schaf ein edles gebildet hat, ſo kommen ihr ſo manche Umſtaͤnde zu Huͤlfe, die dem Menſchen nicht uͤberall zu Gebote ſtehen: Klima, Waſſer, Triften, zufaͤllige Vereinigung edler Eigenſchaften u. dgl. Nehmen wir nun an, daß durch ſolche Ereig— niſſe die Merinos entſtanden, ſo ſteht nichts ent— gegen, dieß auch fuͤr die verſchiedenen Arten der— ſelben gelten zu laſſen, und es vor Allem auf die beiden Hauptarten, die Electorals und die Negret— tis, anzuwenden. Wenn aber gleich beide Arten ihren verſchiedenen Typus tragen, durch den ſie ſich genau von einander unterſcheiden, ja in einer Menge von Eigenſchaften einander ſchroff gegenuͤberſtehen, ſo haben ſie nichtsdeſtoweniger doch gewiſſe be— ſondere, in denen ſie zuſammentreffen. Faßt man dieſe nun vorzugsweiſe bei der Zuͤchtung in den zur Paarung beſtimmten Individuen auf, und haͤlt ſie in den fortgehenden Generationen feſt, ſo kann man 8 aus beiden Staͤmmen im Laufe der Zeit Nachkoͤmm⸗ linge erzielen, die ſich ſo vollkommen aͤhnlich ſind, daß man ſie ohne weiteres fuͤr die Fruͤchte eines und des⸗ ſelben Stammes haͤlt.— So ſehr man mich auch wegen dieſer ſchon ſonſt ausgeſprochenen Anſicht ver⸗ ketzert hat, ſo kann ich um ſo weniger davon ab⸗ gehen, als mich meine fortgeſetzten genauen Beob⸗ achtungen nur immer mehr darin beſtaͤrkt haben. So bleibt es in allen Lebensverhaͤltniſſen wahr, daß diejenigen, welche ſich auf irgend eine Meinung ver⸗ ſetzen, und alle Andersdenkenden verdammen, nicht allein ſelbſt im Irrthume verharren, ſondern auch ſich eines ungerechten und liebloſen Urtheils gegen Andersdenkende ſchuldig machen. Wie ſchon geſagt, iſt bei dem Edelſchaf die Wolle der Haupt- und faſt einzige Geſichtspunkt, aus dem man es betrachtet und beurtheilt. Nun gibt es aber Wolle von verſchiedener Bildung und Natur, mit Einem Worte von verſchiedenem Charakter, und dennoch findet eine jede ihre Liebhaber, indem ſich die eine zu dieſen, die andere zu jenen Stoffen vor⸗ zugsweiſe eignet. Daraus folgt denn, daß es auch unter den Edelſchafen verſchiedene Arten geben muͤſſe, die nach dem Verhaͤltniß, als ihre Wolle mehr oder weniger zu vorzuͤglichen Stoffen geeignet iſt, auch in ihrem individuellen Werthe hoͤher oder tiefer ſte— hen. Welche Gradation d dadurch unter den verſchie⸗ denen Arten entſteht, das werden wir im zweiten Capitel, welches von der Wolle handelt, ſehen. tomm⸗ ſind, d des⸗ auch ver⸗ n ab⸗ Beob⸗ aben. daß ver⸗ nicht auch egen olle aus gibt tur, ciie⸗ eiten hen. 9 Bei denen aber, welche die unter allen Verhaͤltniſ⸗ ſen am meiſten geſchaͤtzte Wolle tragen, findet wie— der eine lange Stufenleiter ſtatt, die durch die Menge, welche ſie tragen, und durch die Gleichar— tigkeit, in welcher ſie auf ihnen waͤchst, beſtimmt wird.— Aus dieſem allem aber folgt, daß bei der Claſſification einer edlen Schafheerde eine Menge Ruͤckſichten zu nehmen ſind, und daß, wenn man die eine oder andere außer Acht laͤßt, dieſelbe etwas ſehr Mangelhaftes bleibt; es folgt ferner daraus, daß ein geuͤbter und tuͤchtiger Claſſificator ein be— ſonderes arithmetiſches Talent beſitzen muß, welches er ſtets, neben einem ſcharfen und geuͤbten Auge, geltend machen muß; es folgt aber auch noch, daß nur wenige Individuen dieſe Beſchaͤftigung vollkom— men erlernen, und daß es eine große Menge von Stuͤmpern in dieſem Fache geben muͤſſe. Und dieſe gibt es leider in reichem Maaße, woher es denn auch kommt, daß die Claſſification nicht uͤberall die Fruͤchte traͤgt, die man mit Recht von ihr er— warten kann. Ich werde auch davon noch ausfuͤhr— licher in einem beſondern Capitel ſprechen. Wenn es aber eine Wolle gibt, welche als ab⸗ ſolut fuͤr die alleredelſte und alſo als zu den aller⸗ vorzuͤglichſten Stoffen geeignete gilt, gegen welche alle andern Arten zuruͤckſtehen, indem dieſe nur re— lativ edel und vollkommen ſind, ſo muß es auch ein Edelſchaf geben, welches, weil es dieſe aller— 10 edelſte Wolle traͤgt, auch als Ideal in ſeiner Art gelten kann. Jedem tuͤchtigen und erfahrenen ra⸗ tionellen Schafzuͤchter ſchwebt ein ſolches in der Idee vor, indem er ihm da alle jene Eigenſchaften zulegt, die ein Ideal haben muß. Ob es aber be⸗ reits in die Wirklichkeit uͤbergetragen ſey, das ſteht in Frage. Einzelne dergleichen Exemplare duͤrften jedoch in ſehr edlen Heerden zu finden ſeyn. Sie ſind es auch wirklich, wie ich ſelbſt, der ich eine ſo unendliche Zahl von Merinos geſehen und ge⸗ nauer gepruͤft habe, deren geſehen und vor dem Richterſtuhl der ſtrengſten Kritik als probehaltig be— funden habe. Ein ſolches Ideal muß die eben ge— nannte alleredelſte Wolle(die wir im zweiten Capitel kennen lernen werden) tragen, es muß ſie in der moͤg⸗ lich groͤßten Menge tragen, es muß ſeine guten Eigenſchaften moͤglichſt treu auf ſeine Nachkommen vererben, und es muß zugleich kraͤftig und verhaͤlt— nißmaͤßig von großer Koͤrperſtatur ſeyn. Ich habe ſchon anderwaͤrts von einem derartigen Ideal ge⸗ ſprochen, aber noch nie alle die Vollkommenheiten, die ihm innewohnen muͤſſen, ſo genau angegeben, indem ich erſt durch immer mehr geſammelte Er— fahrungen hiezu voͤllig in Stand geſetzt werden konnte. Ein ſolches Schaf kann man das edelſte unter den edlen nennen.— Heerdenweiſe iſt es freilich noch nicht zu finden, auch duͤrfte die Zeit wohl noch fern ſeyn, wo ſolches ſtattfinden koͤnnte. Deßhalb aber liegt dieß nicht außer den Graͤnzen der Art ten ra⸗ in der haften zer be⸗ 5 ſteht uͤrften Sie h eine d ge⸗ dem ig be⸗ n ge⸗ pitel moͤg⸗ guten mmen rhaͤlt⸗ habe I ge⸗ eiten, geben, e Er⸗ verden delſte ſt es Zeit eunte. anzen 11 der Moͤglichkeit, und es iſt in ihm das Ziel fuͤr die rationelle Schafzucht geſteckt. Bis zu dieſem Ziel iſt aber eine lange Stufen— leiter zu ſteigen. Es fraͤgt ſich nun vor allen Din— gen: wann kann man ein Schaf in den Rang der Merinos, d. i. der Edelſchafe, eintreten laſſen? Von Rechtswegen und dem ſtrengen Wortbegriffe nach muͤßte keins dieſen Rang einnehmen duͤrfen, wel— ches nicht ſeine edle Abſtammung nachweiſen koͤnnte. Nur fruͤg' ſich dabei aufs neue, nach welchen Ge— ſetzen ein Kampfgericht zu entſcheiden haͤtte. Spre— chen wir von Merinos, ſo denken wir ſogleich an Spanien; und es muͤßten alſo die Schafe, welche als ſolche gelten ſollten, entweder direct aus Spa⸗ nien ſtammen, oder ihre Abkunft von ſolchen nach— weiſen koͤnnen. Nun aber wiſſen wir, daß Deutſch⸗ land in der Erzeugung hochedler Wolle ſchon laͤngſt Spanien den Rang abgelaufen hat, und daß die Wollkaͤufer wenig darnach fragen, woher die Schafe ſtammen, oder welchen Namen wir ihnen beilegen, von denen wir ihnen die Wolle anbieten. Demzu— folge iſt der Name Edelſchaf bei weitem bezeichnen-, der, weil man ihn nur einem ſolchen Thiere bei— legen kann, welches wirklich und anerkannt edle, Wolle traͤgt. Von dieſem Geſichtspunkt ausgehend, und den Namen Edelſchaf paſſend an die Stelle von Merino ſetzend, werden wir auch einen richtigern Begriff mit dergleichen Thieren verbinden, und ich beſcheide mich inſofern gern, das deutſche Edelſchaf, 12 welches rein ein Product des Merino und deut⸗ ſcher Induſtrie iſt, nicht mehr deutſches Merino zu nennen. Aber in den Rang derſelben kann keines treten, deſſen Wolle nicht als vollkommen edel an— erkannt iſt, und fuͤr deſſen Nachzucht man nicht Sicherheit hat, daß ſie in dieſer Hinſicht voͤllig den Eltern nachſchlaͤgt. Ob jedoch wohl wirklich dieſes deutſche Edelſchaf nur durch den Fleiß und die Intelligenz unſrer va⸗ terlaͤndiſchen Schafzuͤchter bis zu der Vollkommen— heit gekommen ſeyn mag, auf welcher wir es jetzt finden, oder ob es nur das ehemals eben ſo hoch ſtehende Merino ſey und durch deutſche Schafzuͤch— ter reſtaurirt ſeyn mag, das iſt einer Unterſuchung werth. Schwer iſt dieſelbe allerdings deßhalb, weil wir keine Exemplare mehr haben koͤnnen von jenen Merinos, wie ſie vor 70—80 Jahren in Spanien waren, als Deutſchland von dort ſeine erſten Staͤmme bezog. Aber Wolle-Muſter ſind aus jener Zeit noch vorhanden und Muſter von Wollen— ſtoffen, die zu jener Zeit gearbeitet worden ſind. Beide zeugen zu Gunſten des jetzigen deutſchen Edel— ſchafs, denn beide ſtehen bedeutend gegen die Wolle und die aus derſelben gefertigten Stoffe desſelben zuruͤck. Denn wenn es auch Thatſache iſt, daß die heutigen Merinos in Spanien in tiefen Verfall gerathen und den damaligen bei weitem nicht mehr gleich ſind, ſo waren jene dech noch lange nicht auf die Hoͤhe hinauf gebildet, worauf wir unſre deut⸗ no zu eines an⸗ nicht den len⸗ ung alb, von in ſeine aus len⸗ ind. del⸗ olle lben daß fall nehr icht nſie 13 jetzigen Edelſchafe erblicken. Auf welchem Wege und durch welche Mittel dieß erreicht worden iſt, das iſt geſchichtlich bekannt. Die Baſis bildeten jene aus Spanien bezogenen Merinos. Alle in ihnen hervortretenden vorzuͤglichen Eigenſchaften wur— den von aufmerkſamen und rationellen Schafzuͤch⸗ tern aufgefaßt und durch die Paarung homogener Thiere feſtgehalten und conſolidirt. Mithin herr⸗ ſchen ſie in den Abkoͤmmlingen aller der Schaͤfereien, wo man dieſe Verfahrungsart befolgte, vor, und mithin iſt es auch klar, warum eine gute Ver— erbung eine Haupttugend ſolcher Schaͤfereien iſt. Sind dieſelben nun nebenbei, wie vorausgeſetzt wird, geſund und kraͤftig, ſo iſt nicht abzuſehen, warum ſie ſich nicht auf ihrer Hdhe erhalten ſoll— ten, vorausgeſetzt, daß wir feſt an unſern Zuͤch— tungsgrundſaͤtzen halten. Daß ich mit dieſer Be⸗ merkung auf die Behauptung derjenigen losgehe, welche meinen, man muͤſſe von Zeit zu Zeit das Blut auffriſchen, und es beduͤrfe, um das wahre hochedle Schaf zu erhalten und in ſeinen folgenden Generationen immer wieder herzuſtellen, einer von Zeit zu Zeit wiederholten Reſtauration desſelben, das wird man wohl alsbald merken. Zu einer ſol— chen Reſtauration traͤgt eine jede Heerde, die ſtets mit Aufmerkſamkeit und Intelligenz gezuͤchtet wor— den, alle Elemente in ſich ſelbſt, indem in ihr ja, wie ſchon bemerkt, alle jene guten Eigenſchaften und Vollkommenheiten, welche die Merinos ſo werth 14 machen, vereinigt und feſtgehalten ſind, und indem alſo nur da, wo etwa Maͤngel ſich einſchleichen ſoll— ten, jene Eigenſchaften, als Mittel dieſe auszurotten, alsbald angewandt werden koͤnnen. Eine fortgeſetzte rationelle Zuͤchtung wird dabei freilich vorausgeſetzt. Hiebei draͤngt ſich unwillkuͤrlich eine Bemerkung auf, und zwar die: wie denn in Spanien die Merinos auf jene hohe Stufe gekommen ſeyn mögen, auf welcher ſie z. B. zu der Zeit ſtanden, als Deutſchland ſeine Staͤmme von dort bezog? Denn daß man dort auf gleiche Art, d. h. mit gleichem Fleiß und Verſtand die Sache betrieben habe, davon wiſſen wir nichts, können es auch um ſo weniger annehmen, als in der gegenwaͤrtigen Zeit die Sache ſo ſehr ſich ſelbſt uͤber⸗ laſſen wird. Von dem Einzigen haben wir Kunde, daß man in jenem Lande vor allem Andern auf Reich⸗ wolligkeit zuͤchtete, deßhalb ſchon alle jene Laͤm— mer toͤdtete, von denen man erfahrungsmaͤßig ein ſchuͤtteres Vließ zu erwarten hatte, und daß man die Merinos ſorgfaͤltig vor der Vermiſchung mit an— dern Schafracen huͤtete. Aus dieſem letzten Um— ſtande leuchtet ein, daß ſie entweder in einem ſehr vollkommenen Zuſtande, was ihre Wolle betrifft, nach Spanien gekommen ſeyn mußten, oder daß man in alten Zeiten in Spanien eine bei weitem groͤßere Sorgfalt und Intelligenz auf ihre Zuͤchtung verwandt haben muͤſſe, wie in ſpaͤtern. Durch einen von bei— den oder auch vielleicht durch beide Umſtaͤnde zugleich, waren ſie dann zu einer ſolchen Conſtanz gebracht indem un ſoll⸗ otten, eſetzte ett. rkung erinos elcher ſeine tauf ſtand chts, der ber⸗ nde, eich⸗ Laͤm⸗ ein ßere andt bei⸗ eich, macht 15 worden, daß ſie ihre Vollkommenheiten treu auf ihre Nachzucht uͤbertrugen und ſo lange bewahrten, bis ſie entweder mit gemeineren Racen vermiſcht wurden, oder bis allmaͤhlich wieder hervortretende Maͤngel ſich ſo geltend machten, daß ſie Veranlaſſung zur immer mehr uͤberhandnehmenden Entartung wur⸗ den. Sollten gleiche Zeitereigniſſe auf unſer deutſches Edelſchaf einwirken, ſo wuͤrde es ſich ſicher in den edelſten Heerden eine ziemlich lange Zeit erhalten, ehe es degenerirte, was aber bei minder edlen Heer— den viel baͤlder ſtattfinden wuͤrde. Dabei aber waͤre zu bedenken, daß unſer Edelſchaf noch viel zu kurze Zeit fortgezuͤchtet worden, um zu einer ſichern und feſten Conſtanz gebracht worden zu ſeyn, ſo daß alſo, wenn man es ſich ſelbſt uͤberließe, die alten Elemente viel ſchneller hervortreten wuͤrden wie in Spanien. Bekannt iſt ja uͤbrigens auch, daß dasſelbe als das Product der Zuͤchtung, folglich gleichſam als eine neue Schoͤpfung, zu betrachten iſt, und daß wir uns, um es darzulegen, des Merino's nur als Grundlage bedient haben. So lange alſo nicht noch eine ganze Reihe von Generationen voruͤber ſeyn wird, ſo kann nur vermittelſt der Intelligenz das, was wir bis jetzt zur Vollkommenheit gebracht haben, auch darin voll— kommen erhalten werden. Das eben Geſagte deutet ſchon einen Ausſpruch an, den ich jetzt hinſichtlich der Auffriſchung des Blutes thun will. Koͤnnten wir deutſchen Schaf— zuͤchter gegenwaͤrtig noch Zuchtthiere aus Spanien —ꝛ—— 16 bekommen, wie man ſie vor einem Jahrhundert dort fand, ſo wuͤrden dieſelben immer noch den Vorzug vor allen andern, auch aus den edelſten deutſchen Heerden gezogenen, haben. Da dieß aber nicht ſeyn kann, da vielmehr die ſpaniſchen Heerden dermaßen degenerirt ſind, daß man in ihnen kaum einen Schat— ten noch von dem findet, was wir in Deutſchland haben, ſo waͤre es eine Thorheit, wenn wir uns mit Schwierigkeiten und großen Koſten dergleichen Zucht— thiere von dort verſchaffen wollten. Was Anderes waͤre es aber, wenn wir verſichert ſeyn koͤnnten, noch das reine alte Blut zu finden, aus welchem ſich, bei verſtaͤndiger und ſorgfaͤltiger Zuͤchtung, gar bald jene guten Eigenſchaften entwickeln und zur Conſtanz brin— gen ließen; aber ſo iſt ja dieß nirgends mehr rein zu treffen, und es ſind bei den vielen und gewaltſamen Umwaͤlzungen, welche jenes Land in neuerer Zeit betroffen haben, ſo viele Vermiſchungen vorgekommen, daß dort eine ungleich groͤßere Verbaſtardirung ſtatt— findet, wie bei uns in einer Menge von Schaͤfereien. Dieß einſehend, hat man ja ſchon Zuchtthiere aus Deutſchland nach Spanien geholt. Zu dem Glauben und der Ueberzeugung, daß in Spanien nicht mehr das reine Merinoblut zu finden ſey, iſt man aber noch ſo gar lange nicht gekommen. Es iſt noch nicht ein volles Jahrzehnt, daß ein Originalſtamm nach Ungarn in die Schaͤfereien des Grafen von Feſtetits gebracht wurde. Ich habe vor kurzem noch Exem— plare davon geſehen, und gefunden, daß ſie hinſicht— tt dort Vorzug utſchen öt ſeyn maßen Schat⸗ chland 5 mit zucht⸗ deres noch , bei jene brin⸗ in zu mmen Zeit men, ſtatt⸗ reien. eaus auben mehr aber nicht nach ſtetits Frem⸗ ſicht⸗ 17 lich der Natur und Feinheit ihrer Wolle kaum im zweiten Range des deutſchen Edelſchafes auftreten koͤnnten. Die Geſtalt der Schafe empfiehlt ſie jedoch, indem ſie groß und kraͤftig iſt. Die Wolle zeigt ein ſcharfes Gepraͤge, d. h. die Biegungen der Stapel ſind ſchroff und hoch, dabei aber kann man ihr keinen ſonderlich hohen Grad von Sanftheit zuſprechen. Die Nachkoͤmmlinge dieſer orginal⸗ſpaniſchen Merinos zeichnen ſich nicht aus und geben kaum den Durch— ſchnitt der fruͤher dort befindlichen Edelſchafe. Spreche ich einmal von Ungarn, ſo will ich auch meine Anſicht von den dort befindlichen Merinos oder Edelſchafen mittheilen. In mehreren Heerden hat man voͤllig nach deutſchen Principien gezuͤchtet, und hat alſo auch gleiche Reſultate erlangt. Das kam da⸗ her, daß deutſche Beamtete die Zuͤchtung leiteten. In andern iſt man ſeinen eigenen Weg gegangen, und da man nicht uͤberall nach einerlei Grundſaͤtzen ver— fuhr, ſo mußten auch die Erfolge verſchieden ſeyn. So hat ſich denn in jenem Lande eine wahre Muſter— karte gebildet. Bei dem Reichthum der Mittel, der zu Gebote ſtand, und bei ſo vielen natuͤrlichen Beguͤnſtigungen, die noch dazu traten, ſollte man freilich glaͤnzendere Erfolge aufzeigen koͤnnen, wenn nicht jene Vortheile durch einen Hauptumſtand immer neutraliſirt worden waͤren. Dieſer iſt der Mangel an gruͤndlicher Sachkenntniß und der Neid und die Eiferſucht gegen die Fremden. Es gibt wenig Laͤnder in Europa, wo man mit dem Schatze, den man bereits Elsner, das Edelſchaf ꝛc. 2 18 beſitzt, ſo umgegangen iſt, wie in Ungarn: denn dort hat man haͤufig das Beſſere, was man ſchon beſaß, weg⸗ gethan, um etwas Geringeres anzuſchaffen. Haͤtte man die bereits vorhandenen Elemente gehoͤrig zu benutzen verſtanden, man wuͤrde unendlich weiter ſeyn, als man gegenwaͤrtig iſt. Die genaue Kennt— niß, die ich mir uͤber dieſen wichtigen Gegenſtand an Ort und Stelle verſchafft habe, ſetzt mich in Stand, ein competentes Urtheil daruͤber zu faͤllen. Nach dem, was in Ungarn an materiellen Mitteln vorhan⸗ den war und angewandt worden iſt, muͤßte dieſes Land gegenwaͤrtig mit Deutſchland mindeſtens auf gleicher Stufe ſtehen, wenn jene materiellen Mittel durch gleiche Intelligenz waͤren zur Anwendung ge⸗ bracht worden. Aber es iſt die Hervorbringung und Zuͤchtung des wahren Edelſchafes eine Frucht der Cioiliſation, und in dieſer ſteht Ungarn hinter Deutſch⸗ land, beſonders in Ruͤckſicht auf die große Volksmaſſe. Daher kommt es auch, daß es eines langen Zeitrau— mes beduͤrfen wird, ehe es in Polen und Rußland Epoche machen kann. denn dort ſaß, weg⸗ Haͤtte horig zu h weiter e Kennt⸗ ſtand an Stand, Nach vorhan⸗ e dieſes ens auf Mittel ig ge⸗ ng und hht der deutſch⸗ zmaſſe. zeitrau⸗ rußland 19 Zweites Capitel. Die Wolle. A. Ihr Weſen und ihre Beſchaffenheit. Chemiſch zerſetzt iſt ſie eine hornartige Subſtanz, wovon auch ſchon der Geruch bei ihrer Verbrennung Zeugniß gibt. Der Zweck der Natur, um deſſent⸗ willen ſie dieſelbe hervorbringt, iſt die Bedeckung der Thiere, um ſie gegen die Anfaͤlle der Witterung zu ſchuͤtzen. Sonach erfuͤllt ſie denſelben Zweck wie die Haare, mit denen ſie auch in genaueſter Verwandt⸗ ſchaft ſteht. Die deutſche Sprache hat fuͤr jede einzelne Art derſelben keinen andern Ausdruck als: Haar, und alle andern Namen, die man dem Woll⸗ haare hat geben wollen, wie z. B. Faden, Faſer u. dgl., ſind unpaſſend, weil ſie einen andern Begriff bezeichnen. Ueber die Bildung der Wollhaare hat man fortwaͤhrend falſche Vorſtellungen genaͤhrt, in— dem man analog mit den Hoͤrnern der Widder und Schafe annahm, es ſey das Wollhaar eine Roͤhre, deren Waͤnde mehr oder weniger dick und ſproͤde, auch darum mehr oder weniger fein und geſchmeidig ſeyen. Erſt neuerlich haben genaue mitkroſkopiſche Unterſuchungen, bei denen ſich Herr Cord in Prag ein beſonderes Verdienſt erworben hat, dargethan, daß jedes Wollhaar aus lauter trichterfoͤrmigen Thei⸗ len zuſammengeſetzt iſt, die gleichſam in einander 00* 20 geſchoben ſind, und von deren groͤßerer oder geringe— rer Feinheit und Poroſitaͤt die Feinheit und Sanftheit der Wolle abhaͤngt. Dieſe Trichter zeigen in ihrer Bildung viel Aehnlichkeit mit den Ringen und Narben der Hoͤrner. Dieß macht auf eine Erſcheinung auf⸗ merkſam, die ſehr haͤufig, ja faſt gewoͤhnlich vor— kommt, naͤmlich: daß diejenigen Schafe und Widder, die ein ſehr feingenarbtes Horn haben, auch faſt allemal eine ſehr feine Wolle tragen, und ſo auch umgekehrt. Ich habe im vorigen Capitel geſagt, daß das Schaf das Feld ſey, worauf die Wolle erbaut wird, und daß von der Groͤße und Beſchaffenheit dieſes Feldes es abhaͤnge, ob man reichliche und gute Frucht ernten koͤnne. Das Zellengewebe der Haut iſt der Boden, aus welchem die Frucht ſproßt. Daß dieß cultivirt werden koͤnne, das habe ich ſchon anderwaͤrts und namentlich in dem Buche:„Das goldne Vließ, Stuttgart, J. G. Cotta'ſche Buchhandlung“ geſagt, worauf ich mich denn auch hier beziehe. Von der Haut des Schafes und deren Beſchaffenheit haͤngt die Natur und die Guͤte der Wolle, mithin auch ihr Werth ab. Eine Menge von Eigenſchaften, welche alle in der Wolle vorkommen, beſtimmen dieſen Werth genauer. Dieſe Eigenſchaften, nebſt dem was ſie modificirt, d. h. ſie verbeſſert oder verſchlechtert, will ich hier auf— zaͤhlen. Dieß wird eine Grundlage zu den naͤchſt— folgenden Capiteln abgeben. Am deutlichſten und fuͤr die Ueberſicht am leichteſten werde ich die Sache geringe⸗ anftheit in ihrer Narben ng auf— ch vor⸗ Widder, ih faſt ſ auch aß das t wird, dieſes Frucht ſtt der 3 dieß waͤrts Viieß, geſagt, er Haut Natur b. Eine VWolle Dieſe „ d. h. er auf⸗ naͤchſt⸗ ten und Sache 21 darſtellen, wenn ich jedesmal die entgegengeſetzten Eigenſchaften auffuͤhre. So ſpreche ich denn: 1) Von feiner und grober Wolle. Fein iſt alles dasjenige, was auf alle ſeine Umgebungen nicht ſtoͤrend, folglich unangenehm einwirkt, ſondern die⸗ ſelben, wo es mit ihnen in Beruͤhrung kommt, ſchmei— chelhaft anregt. Das gilt von der feinen Sitte ſo gut wie vom feinen Geſchmack, das gilt vom feinen Geruche, den ein Gegenſtand gibt, ſo gut wie vom feinen Gefuͤhl. Es liegt aber in der Bezeichnung von fein auch noch der Begriff von Schmiegſamkeit, und dieſen muͤſſen wir bei unſrer Definition zum Grunde legen. Um dieſe Eigenſchaft zu haben, muß das Wollhaar nicht dick ſeyn. Aber daß es damit allein nicht genug ſey, leuchtet aus dem Uebrigen, was der Begriff in ſich faßt, ein. Denn es kann eine Wolle aus lauter duͤnnen Wollhaaren beſtehen, und dennoch nicht fein ſeyn, weil dieſe Duͤnnigkeit die Moͤglichkeit des Rauhen und Struppigen nicht abſolut ausſchließt, obgleich die Vereinigung dieſer uͤblen Eigenſchaften mit jeuer Duͤnnigkeit zu den Ausnahmen gehoͤrt. So kann alſo der Fall vorkommen, daß eine duͤnnhaarige Wolle eher zur groben als zur feinen gezaͤhlt werden muß. Denn ſoll dieſelbe fein ſeyn, ſo muß ſie, nach der eben gegebenen Definition, das aͤußere Gefuͤhl angenehm anregen. Nun aber handelt es ſich bei ihr nicht um die individuelle Feinheit, ſondern darum, daß vor Allem die aus ihr gefertigten Stoſſe dem Begriffe von Feinheit entſprechen. Man ——— — V 5 1* 1 22 nennt zwar dieſelben auch ſchon fein, wenn die Faͤden, aus denen das Gewebe beſteht, duͤnn ſind, aber man wuͤrde die Bezeichnung immer beſtreiten, wenn das Gefuͤhl bei Beruͤhrung des Stoffes unan— genehm angeregt wuͤrde, d. h. wenn ſie ſich rauh anfuͤhlten. Von Natur wohnt dem duͤnnen Wollhaare— d. h. demjenigen, welches einen ſehr geringen Durchmeſſer hat— auch Geſchmeidigkeit und Sanftheit bei, und nur aͤußere hinzugekommene Umſtaͤnde koͤnnen dieſe Eigenſchaften entfernt haben. Schlechte Hal— tung der Schafe, rauhe Luft, ploͤtzlich wechſelnd mit milder u. dgl. m., koͤnnen ſolches bewirken, wie dieß ja bekannt genug iſt. Hieraus folgt aber, daß die Veredlung der Schaͤferei durch edles Blut allein noch nicht gaͤnzlich ausreicht, ſondern daß eine ſtete Sorg⸗ falt des Schafzuͤchters noͤthig ſey, um ein vollkommen edles Product hervorzubringen. Aus dem Gegenſatze von feiner Wolle ergibt ſich der Begriff von grober ſchon von ſelbſt. Je ſtaͤrker und dicker das Haar, d. h. je groͤßer ſein Durchmeſſer iſt, je weniger das Product dem aͤußern Gefuͤhle ſchmeichelt, um ſo mehr iſt es grob zu nennen, und um ſo geringer iſt auch ſein Werth. Indeß iſt und bleibt derſelbe immerhin relativ, weil nur in der hoͤhern Civiliſation das Beduͤrfniß nach feineren Stoffen ſich ausſpricht, und weil, wo dieſe mangelt, wie z. B. 9 beim rohen Naturmenſchen, eine grobe Wolle mehr W n die ſind, feiten, unan⸗ rauh d. h. meſſer bei, onnen Hal⸗ d mit dieß zdie noch Sorg⸗ mmen t ſich raͤrker meſſer efuͤhle , und ſt und oöhern en ſich „8. mehr 23 Werth hat als eine feine, indem ſie ſeinen Beduͤrf— niſſen mehr entſpricht. 2) Sanfte und rauhe Wolle. Die erſte Eigenſchaft liegt ſchon, wie man bald ſieht, in der Tugend der Feinheit, weil eine ſanfte Wolle dem Gefuͤhl ſchmeichelt, was, wie eben geſagt, auch eine feine thun muß. Die Natur des Wollhaares bringt dieſe Sanftheit hervor, obgleich auch die Behaudlung derartiger Schafe das Ihrige zur Vollendung bei⸗ tragen muß. Daß die Wolle, wenn ſie auch die eine Eigenſchaft, naͤmlich die Duͤnnheit des Haares beſitzt, dennoch nicht als fein anzunehmen ſey, wenn ſie rauh iſt, das habe ich ebenfalls ſchon geſagt. Rauh aber wird ſie, wenn dem Wollhaare nicht das richtige Maaß von Fett— das man in der Kunſt— ſprache Schweiß nennt— innewohnt. Aber auch in der eigenthuͤmlichen Bildung des Haares ſelbſt kann der Grund davon liegen. Es duͤrfen naͤmlich die trichterfoͤrmigen Beſtandtheile desſelben nicht ſo ſeyn, daß ſie ein ſanftes, d. i. ein ſchmiegſames und bieg⸗ ſames Haare bilden, ſo fehlt der Wolle die Sanftheit und ſie wird rauh. Dieſe Eigenſchaft aber traͤgt ſie auch auf die aus ihr verfertigten Stoffe uͤber, wo— durch dieſe an ihrem Werthe bedeutend verlieren. Daraus aber folgt, daß eine ſolche Wolle ſelbſt bei weitem weniger werth ſeyn koͤnne, wie eine ſanfte. 3) Neroige und ſchlaffe Wolle. Ob die erſtere nicht ſtets etwas von der rauhen an ſich trage, das iſt zu erdrtern. Iſt ſie das, was man nervig nennt, —— —ꝛ— 24 gerade nur in dem Grade, als die Bedeutung des Wortes andeutet, ſo kann ſie dabei in hohem Maaße dehnbar und folglich auch vollkommen ſanft ſeyn. Rauh wuͤrde ſie erſt werden, wenn die Kraft oder der Nerv uͤberwoͤge, insbeſondere aber alsdann, wenn der Stoff in den das Haar bildenden Trichterformen ſehr compact waͤre, und alſo die Schmiegſamkeit des⸗ ſelben verringert wuͤrde. Obgleich das Nervige eine natuͤrliche Eigenſchaft vieler Wollarten iſt, und es ſich folglich von ſelbſt findet und entwickelt, ſo kann es doch bei der Zuͤchtung vermehrt oder vermindert werden, je nachdem man Thiere mit dieſer Eigenſchaft beguͤnſtigt oder zuruͤckſetzt, und je nachdem man durch Wartung und Pflege die Wolle zu mehr oder weniger kraͤftiger Entwickelung und Ausbildung treibt. Thut man davon das Gegentheil, ſo wird ſie ſchlaff. Zu manchen Stoffen liebt man eine ſolche Wolle, zu den meiſten aber zieht man die nervige vor. Fuͤr den Schafzuͤchter hat dieſe aber allemal den Vorzug, und zwar zum erſten, weil ſie beſſer ins Gewicht faͤllt als die ſchlaffe, zum zweiten, weil ſie eine kraͤftigere Conſtitution und einen beſſern Geſundheitszuſtand der Schafe anzeigt. Man unterſcheidet beide Arten ſowohl im natuͤrlichen als im gewaſchenen Zuſtande leicht von einander, indem die nervige bei weitem mehr Elaſticitaͤt und Widerſtand beim Zerreißen des Haares zeigt, wie die ſchlaffe, und indem auch die erſtere auf den Schafen ungleich mehr mit Schweiß(Fett) be⸗ laden iſt, wie die letzte. ig des Maaße ſeyn. t oder wenn ormen it des⸗ ſe eine nd es kann indert ſchaft man oder eibt. aff. zu faͤllt gere tand erten ande nehr ares auf ˖be⸗ 25 4) Gekraͤuſelte und ſchlichte Wolle. Die erſtere Benennung koͤnnte man eigentlich nur einem Product geben, das kraus, d. h. lockig und durch einander gewachſen waͤre, wie dieß der Begriff des Wortlauts mit ſich bringt. Man nennt jedoch ge— woͤhnlich diejenige Wolle gekraͤuſelt, deren Haare ſtarke und hohe Biegungen haben, und die ſich in ihren Stapeln ſehr feſt und innig an einander an— ſchließen, ſo daß ſie ſchwer zu trennen ſind. Eine ſolche Natur ſchließt ſchon einen kleinen Fehler in ſich, indem ſie leicht ausartet und am Ende das wird, was man gezwirnt nennt. Dieſe Eigenſchaft beruht auf dem Stoffe, woraus ſich das Wollhaar bildet, und es tritt in ihm die eigentlich hornartige Sub— ſtanz zu ſtark hervor, ohne daß ſie von dem Fette ſo durchoͤlt waͤre, daß ſie jenes ſproͤde und harte Weſen, welches ſie zu der Bildung der hohen Bogen treibt, milderte. Bei kraͤftiger Fuͤtterung und bei ſteter Haltung im Stalle, in welchem die Lufttemperatur nicht zu niedrig iſt, wird dieſe Untugend ſehr gemil— dert, indem alsdann ſich mehr Fett in der Haut der Schafe bildet, was ſich der Wolle mittheilt, und in— dem durch die Temperatur dieſes Fett auch ſtets fluͤſ— ſig genug zur raſchen Mittheilung erhalten wird. Die Erfahrung beſtaͤtigt dieß uͤberall, und es tragen der— gleichen Schafe, wenn ſie der trocknen Luft und dem Staube ſtark ausgeſetzt ſind, allemal eine viel ſtaͤrker gekraͤuſelte Wolle, die alsdann ſchon in gezwirnte ausartet.— Schlicht nennt man ſie, wenn ſie die 26 entgegengeſetzte Eigenſchaft hat, d. h. wenn ſie wenig Neigung zur Bildung hoher Bogen zeigt, ſondern vielmehr gradeaus waͤchst. Eigentlich ſchlicht, d. h. ohne alle Bogen, gibt es aber keine Merinowolle, und nur unter ganz beſondern Umſtaͤnden iſt ſie ſol— ches. Denn in der Conſtruction des Wollhaares der Edelſchafe liegt die nothwendige Bedingung der Bie— gungen, und dieſe koͤnnen daher nur alsdann aus— bleiben, wenn dieſe Conſtruction eine Alteration er— leidet. Moͤglich iſt ſo etwas, auch iſt mir es in der Erfahrung ſchon vorgekommen. Alsdann bekommt aber die Wolle ein eigenthuͤmliches Anſehen und ein ganz beſonderes Luͤſter. Waͤre es moͤglich, eine Schafart zu zuͤchten, welche ſie ausſchließend truͤge, ſo wuͤrde ſelbige ungemein gut rentiren. Aber ſo iſt ſie nur ein durch voruͤbergehende Umſtaͤnde veran— laßtes Naturſpiel. Ich habe ſie in einigen ſaͤchſi— ſchen Schaͤfereien gefunden, wo die Heerden viel im Walde geweidet hatten, und da mir dieſelbe Erſchei— nung in Schleſien unter gleicher Veranlaſſung wie— der zu Geſicht kam, ſo muß ich annehmen, es habe die Waldweide ſie zuwege gebracht. Auf welche Weiſe ſie aber feſt zu halten ſeyn duͤrfte, das kann ich nicht beſtimmen, da mir die Gelegenheit gefehlt hat, derartige Verſuche anzuſtellen.— Die lange, ſogenannte Merino⸗-Kammwolle hat zum Theil die Eigenſchaft der ſchlichten, wobei wir aber immerfort an Biegungen denken muͤſſen, obgleich ſie bei weitem nicht ſo hoch ſind, wie bei der gekraͤuſelten. Ferner item ernet 27 iſt auch matte und kranke Wolle meiſtentheils ſchlicht, was aber nur von dem Mangel an Nerv, an welchem ſie leidet, herkommt. 5) Dichte und ſchuͤttere Wolle. Hier muͤſ⸗ ſen wir uns vor allen Dingen die Frage vorlegen, ob die Wollhaare bei dieſen beiden Arten verſchieden ſind, oder ob der ganze Unterſchied zwiſchen beiden lediglich auf dem dichteren oder ſchuͤtteren Stande derſelben beruhe. Meiner Meinung nach iſt bloß das letztere der Fall, und wenn auch die Stapel bei— der Arten inſofern von einander abweichen, daß bei der einen die Bogen hoͤher, bei der andern flacher werden, ſo kommt dieß einzig und allein daher, daß bei der ſchuͤtteren dieſelben mehr Raum zu dieſen Biegungen haben, und daß bei ihr auch Luft und Licht weit mehr eindringen kann, was ebenfalls die Biegungen vermehren hilft. Bei der dichten faͤllt dieß alles weg, und es bleiben ſonach die Bogen nie— driger, weil die ſo ſehr dichtſtehenden Stapel ein— ander keinen vollen Spielraum laſſen. Dadurch aber, daß Luft und Licht nicht ſo ſehr eindringen koͤnnen, verdunſtet auch das Fett nicht ſo, und es durchdringt das Haar deſto inniger, weßwegen denn auch eine ſolche dichte Wolle in der Regel ſanfter iſt, als eine ſchuͤttere. Darin liegt denn der Grund, daß jene in doppelter Hinſicht lucrativer fuͤr den Schafzuͤchter iſt, wie dieſe, weil ſie naͤmlich nicht allein mehr Menge, ſondern auch eine hoͤhere Guͤte gewaͤhrt. 6) Klare und filzige Wolle. Wenn in der ———— ————yõ — Wolle ſaͤmmtliche Haare ausgeglichen und von glei— cher Natur ſind, ſo vereinigen ſie ſich auch ganz regel— maͤßig in ihren Stapeln, und dieß macht, daß die Wolle ein klares, in reinem Glanze ſtrahlendes An— ſehen bekommt. Findet das Gegentheil ſtatt, d. h. bemerkt das Auge beim oberflaͤchlichen Anblick ein truͤbes Anſehen, ſo kann man ſicher annehmen, daß die Haare nicht unter ſich gleich fein und von glei— cher Natur ſind. Iſt dieß nun ſchon bei den einzel⸗ nen Stapeln und Flocken der Fall, ſo findet es in noch hoͤherem Grade im ganzen Vließe ſtatt, und man findet, wenn man dieſes muſtert, eine ſolche Verſchiedenheit, daß man die einzelnen Theile in viele Sortimente ſcheiden muß. Daß ſolches eine ſichere Anzeige von einer niedern Stufe der Vered— lung ſey, und daß Thiere der Art nur geringen Werth haben, das habe ich ſchon anderwaͤrts, und unter an⸗ dern in meinem„Handbuche der veredelten Schafzucht, Stuttgart, J. G. Cotta'ſche Buchhandlung,“ geſagt, worauf ich mich denn hier beziehe. Bei der hier angege⸗ benen Verſchiedenheit zwiſchen klarer und filziger Wolle muß man jedoch genau unterſcheiden, weil, wie ich bald zeigen werde, zwei andere aͤhnliche entgegenge— ſetzte Eigenſchaften gerade ein umgekehrtes Verhaͤlt— niß in der Guͤte geben. Sie ſind enthalten in der: 7) Krepp⸗ und Glanz⸗Wolle. So wie das allzuſtrenge Halten auf praͤgnante Ausbildung der Biegungen der Stapel auf den Abweg des Zwirnens leitet, ſo bekommt man, wenn man ohne genaue 29 Sachkenntniß und Umſicht einzig und allein auf das Klare in der Wolle ſieht, leicht eine fehlerhafte Glanz— wolle. Bei ihr iſt jedes Haar ſo genau in die Sta— pel(kleinen Wollſtraͤhnchen) eingefuͤgt, daß faſt kein einziges von einem zum andern uͤberlaͤuft. So lange die Wollhaare fehlerfrei bleiben, iſt auch das ganze Product noch gut und preiswuͤrdig; ſobald aber dieß nicht mehr der Fall iſt, ſinkt es im Werthe herab. Im erſten Fall hat die Wolle einen wahren Seidenglanz, und wenn ſie noch dazu weißen Schweiß (Fett) hat, ſo beſticht ſie das Auge dermaßen, daß man ihr keine andere Sorte gleichſtellt. In der That iſt und bleibt ſie auch ein ſehr lohnendes Erzeug⸗ niß. Die reine Electoralwolle, wie ſie ſich in den edelſten ſaͤchſiſchen Heerden ausgebildet hat, traͤgt dieſen Charakter. Indeß ergibt ſich bei der Verarbei— tung, daß ſie wohl fuͤr alle Stoffe, welche einen hohen Glanz zeigen muͤſſen, unvergleichlich iſt, daß man aber zu andern, wo man mehr einen matten Glanz, dabei aber vorzugsweiſe ein ſehr zartes und ſchmeichelhaftes Gefuͤhl ſchaͤtzt, eine andere Art, die in ihrer Natur einige Aehnlichkeit mit der Baum— wolle hat, jener vorzieht. Und einer ſolchen Wolle gibt man gegenwaͤrtig den Namen Kreppwolle, der deßhalb nicht ganz unpaſſend iſt, weil ſolche Wolle, da ſie in ſich ſelbſt wie verwebt iſt, das An— ſehen von Krepp hat. Nicht ganz leicht iſt es fuͤr den Unkundigen, ſie richtig zu beurtheilen, weil die Graͤnzen zwiſchen ihr und einer fehlerhaften, die 30 zum Filzen neigt, ſehr nahe liegen. Da dieſe Woll⸗ art als die gegenwaͤrtige Modewolle und als eine noch nicht gar lange bekannt gewordene Erſcheinung zu betrachten iſt, ſo muß ich mich bei ihr etwas laͤn⸗ ger aufhalten, als bei den andern Sorten. Ge⸗ hen wir in die Geſchichte der ſaͤmmtlichen Wollver— edlung zuruͤck, ſo finden wir, daß ſich faſt immer die Ertreme beruͤhrt haben, und daß man ſehr oft, wenn man ein Ziel gar zu eifrig verfolgte, auf Ab⸗ wege gerieth. Das war auch der Fall mit der Glanz— wolle, die ich hier mit der fraglichen in Gegenſatz ſtelle. Eige fehlerhafte Glanzwolle, die man wohl von der guten, die ich ſo eben beſchrieben habe, un⸗ terſcheiden muß, iſt diejenige, welche in ihrem aͤußern Anſehen einen ſchrillen Glanz wirft, welcher eine Folge ihres nicht ganz runden Haares iſt. Wer all— zueifrig nach der guten Art ſtrebt, erhaͤlt leicht die fehlerhafte. Da eine deraktige Wolle alle ihre Haare eng in die Stapel ſchmiegt, ſo folgt von ſelbſt, daß ſie ſich nicht allzuguͤnſtig beim Spinnen zeigt, und daß ſie keinen voͤllig ſchmiegſamen Faden, mithin auch keinen Stoff gibt, welcher dem Gefuͤhl in hohem Grade ſchmeichelt, mit Einem Worte: daß ſie nicht vollkommen einer feinen Wolle entſpricht.— Um dem Fehler zu entgehen, beguͤnſtigt man Zuchtthiere mit verwebter Wolle. Will man ſich einen ganz kla⸗ ren Begriff von dieſer, wie ſie fehlerfrei iſt, machen, ſo denke man ſich die genaue Mitte zwiſchen der, welche man Luftwolle nennt, und zwiſchen der guten Wol⸗ 5 eine einung s laͤn⸗ Ge⸗ ollver⸗ immer r oft, f Ab⸗ Blanz⸗ enſatz wohl , un⸗ üßern eine all⸗ t die Haare „daß und nithin vohem nicht Um thiere z kla⸗ ichen, der, guten ——— 31 Glanzwolle. In der Kreppwolle ſind zwar die Sta⸗ pel ſichtbar, aber nicht ſtreng von einander geſchie— den, und es laufen eine Menge Verbindungshaare zwiſchen ihnen durch. Nun aber weiß jeder Woll— kenner, daß dergleichen durch die Stapel durchlau⸗ fende Verbindungs⸗ oder Uebergangshaare eine feh⸗ lerhafte Wolle anzeigen, und daß dieſe Haare end— lich bis auf die Oberflaͤche des Vließes vordringen und die ſogenannten Binder machen, die zuletzt ſich zu Zoͤpfen auf der Oberflaͤche des Vließes geſtalten. Wie ſoll man nun eine ſolche fehlerhafte Wolle von der guten, gegenwaͤrtig ſo hoch geſchaͤtzten, unter— ſcheiden?— Durch die Kennzeichen, welche ich nach— folgend angeben will, wird man hiezu in Stand ge— ſetzt werden. Vor allen Dingen faſſe man die Oberflaͤche des Vließes ſcharf ins Auge. Bei der aͤchten Krepp⸗ wolle iſt ſie eben ſo glatt, wie bei der noch ſo regel— maͤßig geſtapelten; und zeigen ſich auch auf ihr die Stapelchen nicht ſo praͤgnant wie bei dieſer, ſo ſind ihre Spitzen doch genau zu unterſcheiden. Wo dieſe Kennzeichen nicht zutreffen, wo vielmehr eine Menge von Haaren dieſe Stapelchen uͤberragen und in andere uͤberlaufen, da kann man ohne alles Wei— tere das Urtheil gegen die Wolle ausſprechen. Zum zweiten verfolge man die das Gewebe bil— denden Verbindungshaare mit dem bewaffneten Auge— ein ſcharfes thut es auch fuͤr ſich— indem man eine dergleichen Wollflocke gegen das Licht haͤlt, 32 und man wird finden, daß dieſe Haare vollkommen dieſelben zarten Biegungen haben, wie die in den Stapelchen vereinigten, daß ſie mithin mit dieſen von voͤllig gleicher Natur und Feinheit ſind. Und darin unterſcheiden ſie ſich weſentlich von den unaͤchten Bindehaaren, welche eine gefilzte Wolle durchlaufen. Vermoͤge dieſer Verwebung aber, oder vielmehr ver— moͤge der Eigenſchaft, welche eine ſolche Wolle hat, wodurch ſie ſich verwebt, iſt ſie auch vorzuͤglich geeig— net, ſich mit ihren Haaren in einander zu verſchlin⸗ gen, was eine beſondere Tugend beim Spinnen, Weben und Appretiren der wollenen Stoffe iſt. Nur muß ich immerfort bemerken, daß eine Gleichartig— keit und gleiche Feinheit der Haare vorausgeſetzt wird, ohne welche dieſes Verſchlingen in ein Verfilzen uͤbergeht.— Zum dritten achte man genau darauf, ob auch ſolche Wolle, wenn man auf die gedachte Art eine Flocke gegen das Licht haͤlt, durchgehends ein vdllig gleiches Gewebe zeigt. Thut ſie dieß nicht, und bemerkt man, daß dasſelbe auf manchen Stellen dicht bleibt und auf andern unregelmäͤßige Heffnungen zeigt, wenn man die Flocke vorſichtig auseinander zieht, ſo kann man ſicher ſchließen, daß ſie nicht ganz aͤcht, d. h. nicht voͤllig ausgeglichen in ihrem Haar, folglich nicht vollkommen edel und alſo auch nicht ſo preiswuͤrdig iſt, wie es eine ganz aͤchte ſeyn wuͤrde. Viertens gibt aͤchte Kreppwolle, wenn man ſie ———.,—,,——, J—— 33 ommen im Vließe aus einander blaͤttert, zwar keinen Seiden⸗ in den glanz, wie die ſeidenartige Electoralwolle, aber den⸗ ſen von noch iſt ihr Luͤſter rein und frei von jenem truͤben darin Anhauche, welcher ſtets die unaͤchte und unausge⸗ naͤchten glichene Wolle charakteriſirt. Um hierin eine Uebung laufen. und Sicherheit fuͤr das Auge zu bekommen, iſt es ehr ver⸗ am beſten, oftmals Proben von der ſeidenartigen le hat, Electoralwolle mit Kreppwolle zuſammenzuhalten. heeig⸗ Nur möuͤſſen freilich dieſe Proben auch das wahre erſchlin— Normale von beiden Sorten enthalten. pinnen, Endlich fuͤnftens lernt man die Aechtheit der ſt. Nur Kreppwolle am beſten nach der Pelzwaͤſche kennen hertiſ⸗ Denn nach ihr zeigen ſich die Stapel deutlicher, als geſezt vor ihr, was bei andern Sorten gerade der umge⸗ rfiten kehrte Fall iſt. Alsdann tritt die aͤchte entſcheidend vpoor der unaͤchten hervor. Denn waͤhrend dieſe ver⸗ d auch filzt und ihre Stapel in einander verlaufen, zeigen nt eine ſich dieſelben hei jener, wie eben bemerkt, erſt recht oölli klar. ht, und Ich ſagte vorhin, daß die Kreppwolle die Mitte Etellen zwiſchen der ſeiden⸗ und baumwollenartigen halte, fnungen und man kann ſie auch als ein gelungenes Product .„ der innigſten Verſchmelzung beider Sorten anſehen. ind Da ſie nun die Tugenden von beiden in ſich ſchließt, 4 vinr indem ſie volles Luͤſter zeigt, und dabei die große drihten Dehnbarkeit hat, welche der baumwollenartigen 33 mehr wie der ſeidenartigen innewohnt, ſo beruht darauf ihre vorzuͤgliche Brauchbarkeit zu den feinſten Stoffen. ie mmn Elsner, das Edelſchaf ꝛc. 3 34 Stellte ich dieſelbe aber der Glanzwolle gegen⸗ uͤber, ſo brauche ich wohl nicht erſt zu wiederholen, daß ich nur von der fehlerhaften derartigen Sorte ſprach, die ich ja wohl auch hinlaͤnglich und deutlich genug bezeichnet habe. Uebrigens kann man auch die Kreppwolle eben ſo gut wie manche andere hochedle Sorte fuͤr ein durch Zufall herbeigefuͤhrtes und gelungenes Product halten, indem es ſchwer ſich beweiſen laſſen duͤrfte, daß irgend ein Schafzuͤchter direct darauf losge⸗ arbeitet habe. Die Ueberfeinerung und Ueberbildung, auf welche man durch fortwaͤhrendes Streben nach Wollfeinheit manche Schafe und Widder trieb, und wodurch man zuletzt nur noch Flaum ſtatt Wolle bekam, machte ein Einlenken ndthig, und wenn man ſolche Thiere mit nervigen Thieren, die Glanzwolle— von der edlen Gattung— trugen, padarte, ſo war das Product die Kreppwolle. Zu demſelben Reſul⸗ tate aber gelangte man auch, wenn man ſchuͤtter⸗ wollige Schafe mit dichtwolligen Widdern kreuzte, vorausgeſetzt daß beide Zuchtthiere von edler Race waren. Fehlt dieſe bei einem, ſo wird das Woll⸗ product, das ſie tragen, keine Krepp⸗, ſondern viel eher eine Filzwolle, wie ich dieß in meinen andern hieruͤber handelnden Schriften bewieſen habe. Dieſe Kreppwolle eignet ſich vorzugsweiſe zu ſol⸗ chen hochfeinen wollenen Stoffen, wie ſie gegenwaͤr⸗ tig in der Damenwelt viel Anklang finden, und man kann ihr alſo das Verdienſt einraͤumen, daß ſie den 35 gegen⸗.. holen, Markt fuͤr edle Wolle im Allgemeinen erweitern hilft. Sorke Sie hat ferner das Verdienſt, daß ſie ziemlich aus⸗ eutlch giebig iſt, und daß mithin Schafe, die ſie tragen, ganz beſonders gut rentiren.— Wie ſchon bemerkt, K zeigt ſie ſich nach der Waͤſche guͤnſtig, faͤllt alſo vor⸗ ir eh theilhaft ins Auge und iſt leicht zu verkaufen. Dieß ndu ſind alles Eigenſchaften, die ſie empfehlen, und die ütfe, dafuͤr buͤrgen, daß ſie ſich ziemlich lange in gutem ſoege Credit erhalten werde. 8) Kurze und lange Wolle. Ich habe in dung dem, was ich ſonſt ſchon uͤber edle Schafzucht ge⸗ nac ſchrieben, ſchon die Phaſen bezeichnet, welche die un Wollveredlung bereits durchlaufen iſt, und dabei an⸗ Bole gezeigt, wie bald einmal die lange, bald die kurze, iaoh bald die kernige, bald die milde u. ſ. w. ihre Bluͤthe⸗ le— zeit gehabt hat. Es iſt ſo lange noch nicht her, wo mar die kurze hochedle Wolle jeder andern vorgezogen Reji wurde. Warum man dieß that, das habe ich ander⸗ uiter waͤrts genuͤgend auseinander geſetzt.— Es wuͤrde ſeuzte, aber fuͤr den Schafzuͤchter eine ſchwer zu loͤſende Nace Aufgabe ſeyn, ſich mit dem zu erzeugenden Producte Wol⸗ immer der ſo ſehr wechſelnden Mode zu accommo— n viel diren, wenn ihm nicht die Natur treulich zu Huͤlfe andern kaͤme. Denn alle bis jetzt genannten und von den Wolleverarbeitern geforderten preiswuͤrdigen Eigen⸗ zu ſol⸗ ſchaften treten uͤberall und zu allen Zeiten in einzel⸗ enwaͤ⸗ nen Exemplaren mehr oder weniger hervor, und es d man bedarf nur der ſteten Aufmerkſamkeit des Schafzuͤch⸗ ſie den ters, ſie immer feſt im Auge zu behalten, und als— 3* — ͦ 8 — —,—— 4 1 1 6 — —— 36 bald diejenigen Thiere vorzugsweiſe zur Zucht zu waͤhlen, welche die eben in Mode kommenden und deßhalb am meiſten lohnenden Eigenſchaften am klar⸗ ſten zu Tage legen. Weil nun dieß ein Erfahrungs— ſatz iſt, ſo findet man auch in allen den veredelten Schaͤfereien, die der Natur mehr uͤberlaſſen bleiben, ein Gemiſch von faſt allen den verſchiedenen Arten, die ich hier auffuͤhre. Daß dabei aber ein fortwaͤh— rendes Schwanken ſtattfinden, und bald die eine, bald die andere Wollart vorherrſchen muͤſſe, das liegt in dem natuͤrlichen Gange der Sache, und es muß allemal die Sorte ſich am meiſten zeigen, fuͤr welche zufaͤllig die meiſten Eigenſchaften in der Heerde vor— handen ſind. Da nun dergleichen Schaͤfereien ſelten ſich ihre Sprungwidder ſelbſt ziehen, ſondern ſie aus fremden Heerden kaufen, ſo haͤngt es lediglich davon ab, welche Wahl ſie treffen, worauf dann ihre Fort— oder Ruͤckſchritte baſirt ſind. Der Ordnung der Dinge nach bleiben ſie aber ziemlich im Gleiſe der eben gangbarſten Wolle, weil ſie ihre Widder, wenn ſie der Renommée nachgehen, meiſtentheils aus Schaͤfereien beziehen, welche nach ſolcher Wolle zuͤchten. Wenn ich aber kurze und lange Wolle einander gegenuͤber ſtelle, ſo ſoll das hier nicht wie bei den vorhergehenden Gegenſaͤtzen andeuten, daß die erſtere eine gute und die zweite eine ſchlechte ſey. Sie koͤnnen beide untadelig, alſo hochedel ſeyn, eben ſo gut aber koͤnnen ſie beide eine Menge von Fehlern 37 cht zu in ſich tragen und folglich einen geringen Werth en und haben. Daß unter uͤbrigens ganz gleichen Ver⸗ n klar⸗ haͤltniſſen, d. h. bei gleicher Guͤte, der langen der rungs⸗ Vorzug vor der kurzen zu geben ſey, das liegt edelten ziemlich nahe, denn ſie liefert mehr Maſſe und leiben, mehr Gewicht. Freilich muͤſſen wir, um beiden Arten, ihre Graͤnzen abzuſtecken, erſt ein gewiſſes Maaß rtwaͤh⸗ beſtimmen, nach welchem wir ſie lang oder kurz eine, nennen. Abſolut laͤßt ſich ſolches zwar nicht thun, s liegt jedoch kann man ſo viel feſtſetzen, daß nach ein— 3 muß jaͤhrigem Wuchſe ſie unter 1 ½ Zoll natuͤrlicher welche Laͤnge, d. h. unausgeſtreckt, als kurz, bei 1 ½ Zoll e bot⸗ und daruͤber als lang genannt werden kann. Nun ſelten kommt es freilich bei beiden, wenn ſie ſonſt in der e aus Guͤte gleich ſind, auf den dichteren oder ſchuͤtterern davon Stand an, weil dieſer ebenfalls das Schurgewicht Fort⸗ beſtimmt. Dieſer kann ſo verſchieden ſeyn, daß g der man von kurzer mehr als von langer an Schurge— iſe der wicht hat. Es wuͤrde eine unndthige Weitlaͤufig— wenn keit ſeyn, wenn ich dieß erſt in Zahlen angeben 6 aus wollte. Voll Es entſteht aber auch die Frage, welche von beiden Sorten bei gleichem Preiſe und gleichem nander Schurgewichte fuͤr den Schafzuͤchter am rathſam— ei den ſten ſey. Da laͤßt ſich wegen nachfolgender Urſachen erſtere der kurzen ohne Bedenken der Vorzug geben. ei Denn ſie muß, um ein gleiches Quantum an ben ſ Gewicht zu liefern, ungleich dichter ſtehen wie die gehlem lange, folglich kommen ihr alle Vorzuͤge, die damit 38 verbunden ſind, zu Gute. Dieſe Vorzuͤge beſtehen bekanntlich in der dichteren und ſchuͤtzenderen Be⸗ deckung, in dem Reinerhalten der Wolle, in der gro— ßern Leichtigkeit der vollen Veredlung des Wollhaa— res bis in ſeine Spitze, und darin, daß ſie ſich aͤchter im Haar erhaͤlt, wie eine ſchuͤtter gewach— ſene.— Bei dieſem allem aber iſt, wie geſagt, ein ſchuͤtterer Stand der langen vorausgeſetzt. Iſt dieſe aber eben ſo dicht gewachſen wie die kurze, und iſt ſie in ſich ſelbſt eben ſo edel wie jene, ſo kom— men ihr auch alle die eben genannten Vorzuͤge zu, und da ſie alsdann ungleich mehr Maſſe und Ge— wicht gibt als die kurze, ſo folgt von ſelbſt, daß Thiere, die ſie tragen, auch einen ungleich hoͤhern Werth haben. Je mehr ſie ſich nun aber dabei noch in der Laͤnge auszeichnet, um deſto hdher ſteigt ihr Werth, weil ſie in dieſem Falle als Kammwolle zu benutzen iſt. Ich muß mir hier wieder eine Digreſſion erlau⸗ ben. Etwa ein Jahrzehnt iſt es, ſeit die Rede von Merino⸗-Kammwolle iſt. Man verſprach ſich im Anfange von ihrer Erzeugung noch mehr, als die Folge beſtaͤtigt hat. Das liegt nun aber kei— neswegs darin, daß dieſe Wolle nicht einen hohen Werth habe und ſehr brauchbar ſey, ſondern viel— mehr darin, daß ſie ſich in allen veredelten Heer— den mehr oder weniger vorfindet, im Wollhandel herausſortirt und ſomit das Beduͤrfniß gedeckt wird. Weil es nun nicht leicht iſt, eine ganze 39 e beſtehen. 5 deren Re Hrerde durch fortgeſetzte conſequente Züͤchtung da⸗ der gi⸗ hin zu bringen, daß ſie nur Merino⸗ Kammwolle Vellha traͤgt⸗ ſo haben manche Schafzuͤchter die Sache e bald wieder ruhen laſſen. Mir iſt jetzt nur noch ſie ſi eine Heerde bekannt, worin man den eingeſchla⸗ gewah⸗ genen derartigen Weg feſt und conſequent verfolgt ſag Kn hat. Es iſt die des Grafen Breuner in Grafenegg Iſt dieſe in Oeſterreich. Der Lohn einer ſolchen Beharrlich— tze, und keit bleibt nicht aus: denn es gewaͤhren dergleichen ſ kom⸗ Schafe um ein Viertheil, auch um ein Drittheil züge zu, mehr Wolle, als die reichwolligſten Merinoheerden und Ge⸗ der kurzwolligen Art, und es hat die Wolle glei— ſlbſt chen Preis mit dieſen. Wartung und Pflege iſt ungleich uͤbrigens bei beiden gleich. in aber Diejenigen Schafzuͤchter, welche die Muͤhe ſcheuen, hoͤher mehrere Generationen hindurch dergleichen Schafe le ald mit Aufmerkſamkeit zu zuͤchten, ſprechen die Mei⸗ nung aus, man koͤnne die Sache ſich ſelbſt uͤber— erlau⸗ laſſen, indem in jeder Heerde mehr oder weniger ede von Exemplare mit langer Wolle vorkommen, welche ſich im ſich die Wollhaͤndler und Fabricanten ſchon heraus r, als ſortiren, wodurch der Bedarf gedeckt werde, ohne ber kei⸗ daß es der Zuͤchtung eines beſonderen langwolligen hohen Stammes beduͤrfe. Die Wichtigkeit des Gegen— eu viel⸗ ſtandes hat die juͤngſt in Potsdam verſammelt ge— Heer⸗ weſenen Landwirthe veranlaßt, unter der Menge Uhandel geſtellter Fragen auch die aufzunehmen: ob man gedect beſondere langwollige Staͤmme zuͤchten oder die e gauze Sache der Natur uͤberlaſſen ſolle?— Man koͤnnte 40 dieſe Frage in unſrer Zeit ein wenig ſonderbar fin⸗ den, weil ſie eigentlich eine Gleichguͤltigkeit und ein Gehenlaſſen in der veredelten Schafzucht an⸗ deutet, was gluͤcklicherweiſe in Deutſchland nicht haͤufig vorkommt, und welches, wenn es um ſich greifen ſollte, unſre Wollerzeugung herabbringen und die Gefahr herbeifuͤhren koͤnnte, die man ſchon oft— mals angedeutet und gefuͤrchtet hat, naͤmlich die: es werde unſre Wolle zuletzt nur noch ſchwer und zu ſehr erniedrigten Preiſen Anwehr finden.— In allen Schaͤfereien, in welchen man beharrlich und mit Conſequenz nach einem als das richtige erkann⸗ ten Ziele ſtrebt, bildet ſich bekanntlich eine Woll⸗ art entſchieden aus, die von den uͤbrigen mehr oder weniger verſchieden iſt. Je mehr nun ein ſolcher Fleiß, verbunden mit Intelligenz, uͤberhandnimmt — und wir wollen wuͤnſchen, daß es in Deutſch— land in dieſer Hinſicht bei dem bisherigen Gange bleiben moͤge— deſto mehr werden aus den Schaͤ— fereien die vielen Varietaͤten verſchwinden, die ja ohnehin jetzt ſchon ein Document von Mangel an Conſequenz und Rationalitaͤt ſind. Wenn nun dieß richtig iſt— wie es ſich nicht beſtreiten laͤßt— ſo kann die Merinokammwolle nur in einzelnen, fuͤr ſie beſonders gezuͤchteten Heerden noch vorkommen, indem ſie allmaͤhlich aus allen, die ein anderes Ziel verfolgen, verſchwinden muß. Sie ganz aufzuge⸗ ben, waͤre ein großer Mißgriff, weil ſie nicht allein den Markt uͤberhaupt erweitern hilft, ſondern auch, 41 wie eben gezeigt worden, ein ſehr eintraͤgliches und reichlich lohnendes Product iſt. 9) Stumpf⸗ und ſpitz⸗geſtapelte Wolle. Je nachdem die Natur der Wolle, d. h. je nach— dem das Wollhaar in ſeinem Innern gebildet iſt, je nachdem bilden ſich auch ihre Stapel. Weil dieß eine Wahrheit und ein nicht zu beſtreitender Satz iſt, ſo iſt es auch vollkommen gerechtfertigt, wenn man nach dem Stapel die Guͤte der Wolle beurtheilt. Zum Ueberfluſſe wiederhole ich, daß der Stapel die Art der Vereinigung der Wollhaare unter einander anzeigt. Eine verſchiedene Beſchaf— fenheit derſelben muß alſo auch nothwendigerweiſe eine Verſchiedenheit der Vereinigung zur Folge ha— ben. Spreche ich hier nun von ſtumpf- und ſpitz— geſtapelter Wolle, ſo iſt damit die Oberflaͤche, welche ein Vließ bietet, verſtanden. Das Vließ aber iſt die Summe ſaͤmmtlicher, auf einem Schafe wach— ſender Wolle, folglich bei der edlen: die Vereini— gung ſaͤmmtlicher Stapel zu einem Ganzen. Wie die Oberflaͤche desſelben ſich bildet, das haͤngt von der Form der Stapel ab. Stumpf nennen wir ſie, wenn ſie von unten bis oben odllig gleiche Dicke haben, folglich in ihrem obern, d. i. im aͤußern Ende wie abgeplattet ſind. Was alſo ſpitze Stapel ſind, das folgt aus den ſtumpfen von ſelbſt. Da die Natur des Wollhaares die Form des Stapels beſtimmt, ſo ſchließt man, auch ohne dasſelbe erſt noch genauer unterſucht zu haben, vom Stapel 42 ruͤckwaͤrts auf dasſelbe, und findet alſo, daß, wenn er ſtumpf iſt, auch das Haar von unten bis oben gleiche Staͤrke oder Dicke haben muͤſſe. Bei ſpitzem Stapel waltet daher ſogleich die Vermuthung vor, daß die denſelben bildenden Haare ſich nach oben verduͤnnen muͤſſen, was ſchon ein Fehler iſt, der den Werth und die Brauchbarkeit des Productes herabſetzt.— Indeß kann doch beides truͤgen, und es kann eine ſtumpfgeſtapelte Wolle gerade der Ta— del einer Ungleichheit des Haares treffen, waͤhrend eine ſpitzgeſtapelte in dieſer Art untadelig ſeyn kann. Die Sache kann folgende ſeyn. Es gibt Wolle, welche an ihrem obern Ende ſtaͤrker— dicker im Haare— iſt, wie am untern. Dieſe wird, wie es die Natur der Sache mit ſich bringt, in der Außenflaͤche des Vließes geſchloſſen und in hohem Grade ſtumpfgeſtapelt ſeyn. Dagegen gibt es an— dere, welche ſehr zart und dabei ſchuͤtter gewachſen iſt, und die in dem obern Ende der Stapel ver— moͤge des einwirkenden Lichtes und der Luft zuſam⸗ menklebt, wodurch dieſelben das Anſehen bekom— men, als waͤren ſie oben duͤnner wie unten, ſo daß ſie ſpitz erſcheinen. Und dennoch koͤnnen ſaͤmmt⸗ liche Wollhaare von unten bis oben von vdllig glei⸗ cher Staͤrke und das Product kann hoͤchſt edel ſeyn. Erſt nach der Waͤſche, und wenn die Wolle geſcho⸗ ren und als Waare dargeſtellt iſt, unterſcheidet man die Sache ganz genau, und erſt alsdann widerfaͤhrt einer jeden Art ihr volles Recht. Wuͤrde aber, aß, wenn bis oben ei ſpitzem ung vor, ach oben iſt, der Productes gen, und der Ta⸗ waͤhrend eyn kann. dt Wolle, dicker im erd, wie , in der in hohem bt es an⸗ gewachſen apel ve⸗ ft zuſam⸗ en bekom⸗ unten, ſo en ſaͤmmt⸗ oͤllg glei⸗ edel ſeyn. lee geſcho⸗ eidet man widerfährt uͤrde aber, 43 was auch vorkommt, das Wollhaar ſich in der ſpitzgeſtapelten wirklich nach oben zu verduͤnnen, ſo verldͤre das Product dadurch gerade ſo gut, wie je⸗ nes ſtumpfgeſtapelte, wo das Haar ſich verdickt. Aus dem eben Verhandelten geht hervor, daß der hier gewaͤhlte Gegenſatz eben ſo, wie der vo— rige, nicht eine vollkommne und eine fehlerhafte Wolle einander gegenuͤberſtelle, und daß ſie beide das eine ſo gut wie das andere ſeyn koͤnnen. Fra— gen wir jedoch, welche von beiden Arten den Vor— zug vor der andern verdiene, ſo muͤſſen wir ihn ohne alle Frage der erſteren zuerkennen, weil ſie, als dichtgewachſen, alle die Vortheile gewaͤhrt, die einer ſolchen vor einer ſchuͤtteren zukommen. Es fraͤgt ſich jetzt aber noch, welche Mittel und Verfahrungsart man habe, um ſchnell erkennen zu koͤnnen, ob die Wolle einer jeden der beiden hier in Rede ſtehenden Arten tadelfrei oder fehlerhaft ſey.— Bei der ſtumpfgeſtapelten iſt es noch leich— ter wie bei der andern. Denn will man ſich uͤber⸗ zeugen, ob das Haar auch in ſeiner ganzen Laͤnge von der Haut an bis in die Spitze gleiche Staͤrke habe, ſo darf man das Vließ nur vorſichtig auf dem Schafe auseinander blaͤttern und genau die Stapel von unten nach oben mit den Augen ver— folgen. Sind dieſe nur ein wenig ſcharf und geuͤbt, ſo wird man es alsbald gewahr, ob die Wolle oben dichter erſcheint wie unten, was denn ein in der Staͤrke zunehmendes Haar anzeigt. Aber auch der 44 Augenſchein wird es ſchon geben, indem nach Maaß⸗ gabe des Staͤrkerwerdens auch die Stapelbiegungen weiter werden. Ja ſelbſt das Gefuͤhl, wenn es nur ein wenig ſcharf iſt, wird ſolches angeben, indem die Wolle, wenn man von unten herauf an ihr mit ſanftem Drucke in die Hoͤhe ſtreicht, oben eine dich⸗ tere Maſſe zeigt.— Bei der ſpitzgeſtapelten iſt es am beſten, ein Stapelchen in ſeinen Spitzen aus einander zu wickeln und die einzelnen Haare zu pruͤ⸗ fen, wobei man am leichteſten zu einer richtigen Beur— theilung kommt. 10) Geſunde und kranke Wolle. Erſtere tragen nur Schafe, die geſund ſind, obgleich letztere nicht gerade allemal einen kranken Zuſtand des Thie⸗ res vorausſetzt, welches ſie traͤgt. Jede Wolle, die in die bisherige Kategorie einer guten und vollkomm— nen gehdren ſoll, muß auch geſund ſeyn. Iſt aber das Feld, worauf die Frucht waͤchst, krank, ſo wird dieſe es nicht minder werden. Daher iſt bei der Erzeugung einer edlen Wolle vor allen Dingen auf einen guten und geſunden Zuſtand der Schafe zu ſehen. Moͤgen dieſe noch ſo edel ſeyn, d. h. mag ihre Haut zur Hervorbringung der alleredelſten Wolle geeignet ſeyn, und ſie iſt nicht geſund, ſo wird das Product dennoch ein mangelhaftes und ſchlechtes wer— den. Nerv, Luͤſter, Gleichartigkeit des Wuchſes, Dehnbarkeit, Geſchmeidigkeit und aͤhnliche Tugen— den hat nur eine geſunde Wolle. Der Kenner findet alle dieſe Eigenſchaften alsbald heraus, indem die Maaß⸗ gungen es nur indem ihhr mit ie dich⸗ ten iſt een aus zu pri⸗ Veur⸗ Erſtere letztere Thie⸗ le, die komm⸗ ſt aber ank, ſo bei der gen auf hafe zu h. mag n Wolle ird das tes wel⸗ zuchſes, Tugen⸗ er findet dem die 45 Gegenſaͤtze ziemlich ſichtbar, da wo ſie ſtattfinden, hervortreten. Krank kann die Wolle in vielfacher Art ſeyn, und man kann ſie, wie ſchon bemerkt, auch auf geſunden Schafen finden. So z. B. muß man ſie, wenn ſie filzig, roſtig oder beſchlagen iſt, wenn ſie Klumpen von Fettverhaͤrtungen, gleich panzerigen Schuppen enthaͤlt, wenn ſie abſaͤtzig iſt und dgl., krank nennen, obgleich die Schafe, die ſie tragen, voͤllig geſund ſeyn koͤnnen. Woher alle dieſe Maͤngel und Fehler entſtehen, das habe ich groͤßtentheils ſchon in„meinen Erfahrungen in der hoͤhern Schafzucht“ und im„Handbuche der veredelten Schafzucht“ Stutt— gart, J. G. Cotta'ſche Buchhandlung abgehandelt. Was ich hier noch zufuͤgen will, das ſoll als Ergaͤnzung zu jenem dienen. Filzig wird ſie bei zu ſtark wechſelnder Stalltemperatur, zuweilen auch bei einem krankhaften Schwitzen der Haut der Schafe; roſtig oder beſchla— gen machen ſie faſt dieſelben Urſachen; die Fettver⸗ haͤrtungen ſind zuweilen Eigenthuͤmlichkeiten gewiſſer Schafſtaͤmme, oͤfters aber Folgen von ſchnell gewech— ſelter Fuͤtterung und Pflege. Die Urſachen der Ab⸗ ſaͤtze ſind bekannt, und ſie liegen in dem wechſelnden Zuſtande von Staͤrke und Schwaͤche bei den Schafen, der eine Folge von Mangel und Ueberfluß, oder von Uebergaͤngen aus einem geſunden in einen kranken Zuſtand ſeyn kann.— Von Krankheiten, welche die Schafe befallen, ſind fuͤr die Wolle allemal diejeni— gen die verderblichſten, welche die Haut treffen. So ſind es namentlich die Blattern und die Raͤude. Von 46 der letzteren wird die Wolle dermaßen entſtellt und verdorben, daß ſie nicht ſelten voͤllig unbrauchbar wird. Auch die Blattern uͤben einen nachtheiligen Einfluß auf ſie aus. Ferner iſt auch die Wolle von den Sterblingsfellen zu der kranken zu zaͤhlen. Daß ſie, wenn ſie als ſolche entſchieden gilt, in ihrem Werthe verliert, das folgt von ſelbſt, wenn es auch nicht factiſch ſo bekannt waͤre. Daher muß ein Schaf⸗ zuͤchter auch ſchon aus dem Grunde rrachten, ſtets eine geſunde Heerde zu haben, wenn es ihm auch nicht die Erhaltung derſelben ſchon zur ſtrengſten Pflicht machte. 11) Weiße und ſchwarze Wolle. Eine edle Wolle ſoll von Natur eigentlich nur weiß ſeyn, und man hegt daher auch ziemlich allgemein die Mei⸗ nung, daß ſchwarze Laͤmmer in einer Heerde ein Be⸗ weis ſeyen von der niedern Veredlungsſtufe, auf wel⸗ cher ſie ſtehe. Daß kein Schafzuͤchter ſolche gern habe, das iſt bekannt. Indeß kann der Satz von niedriger Veredlungsſtufe, oder von Mangel an Conſolidirung einer Schaͤferei noch nicht apodiktiſch gelten, wenn ſchwarze, braune oder ſcheckige Laͤmmer in ihr gebo— ren werden. Denn man iſt ja noch lange nicht dar⸗ uͤber im Klaren, wovon eigentlich jene anomalen Er⸗ ſcheinungen herruͤhren. Daß ein ſogenanntes Ver— ſehen oder auch ein heftiges Erſchrecken dieſelben her— vorbringen koͤnne, das laͤßt ſich um ſo weniger in Abrede ſtellen, als es an Beweiſen dafuͤr nicht fehlt. Gibt uns doch ſelbſt die Bibel ein Beiſpiel davon in 47 ellt und den buntſcheckigen Stecken, uͤber welche Jakob ſeine auchbar Heerde ſpringen ließ, und wodurch er bewirkte, daß heiligen viele geſprenkelte und bunte Laͤmmer geboren wurden. lle von Daß uͤbrigens in Heerden, die noch nicht ſehr hoch daß veredelt ſind, mehr ſolche vorkommen wie in hoch⸗ ihrem edlen, das iſt ebenfalls ein Erfahrungsſatz. Was s auch nun dieſe bunte Wolle anlangt, ſo hat ſie bei voͤllig Schaf. gleicher Feinheit und Gutartigkeit dennoch nicht ganz „ſtets gleichen Werth mit der weißen, und dieß, wie man rauch wohl leicht findet, des einzigen Umſtandes wegen, gſten weil man ihr nicht, wie dieſer, jede beliebige Farbe geben kann. Die Behauptung, daß die braune und Eine ſchwarze Wolle niemals dieſelbe Geſchmeidigkeit er⸗ ſedn lange wie eine gleichfeine weiße, weil bei dieſer die Me⸗ Einwirkung des Lichtes eine andere ſey wie bei je⸗ Be ner, kann man ſo lange nicht gelten laſſen, als nicht viele Beweiſe dafuͤr vorhanden ſind. if wel⸗ habe, . 12) Edle und unedle Wolle. Man koͤnnte kdat es vielleicht ſonderbar finden, daß ich zum Schluſſe drun der verſchiedenen Wollarten noch dieſe beiden nenne, dben da ja eigentlich in allen vorhergehenden dieſelben ſchon t gebo⸗ in den beiden Gegenſaͤtzen enthalten ſind. Wenn ich ht dar⸗ aber werde genauer ausgefuͤhrt haben, wie weit der en Er⸗ Begriff von edler Wolle auszudehnen und wie er wie— Ve⸗ derum zu beſchraͤnken ſey, ſo wird man finden, daß en her es ganz an der Stelle iſt, daß ich am Ende noch die iget in generellen Eigenſchaften von edler und unedler Wolle t fehlt angebe. won in —. —————„ 4 48 Edel nennen wir die Wolle, welche alle jene Ei⸗ genſchaften und Vollkommenheiten beſitzt, die ſie zu Stoffen geſchickt machen, welche man vorzugsweiſe als fein bezeichnet, und welche dem Luxus und der hoͤhern Civilifation vollkommen zuſagen. Um aber das zu ſeyn, iſt es erforderlich, daß die Wolle nicht allein fein im engeren Sinne des Wortes, d. h. daß ihr Haar duͤnn ſey, ſondern daß ſie auch alle die an— dern guten Eigenſchaften in ſich vereinige, welche in den vorhergehenden Abtheilungen genannt worden ſind. Denn nur alsdann, wenn dieß der Fall iſt, kann man ſie wirklich edel nennen, und nur alsdann iſt ein Schaf, welches ſie traͤgt, im vollen Sinne des Wortes ein Edelſchaf. Beſitzt ſie dagegen nur einzelne dieſer Eigenſchaften, ſo bekommt ſie nur den Namen veredelt. Daraus aber laͤßt ſich eine Be⸗ ſtimmung fuͤr den Grad der Veredlung der Wolle leicht ableiten, welcher ſich nach dem Mehr oder Weniger jener Eigenſchaften richtet, womit ſie begabt iſt. So beginnt z. B. die erſte Veredlung einer Schaͤferei damit, daß man auf den darin befindlichen Thieren, oder, um genau und beſtimmt zu ſprechen, auf den Nachkoͤmmlingen derſelben allmaͤhlich anſtatt ihrer gemeinen und unedlen Wolle eine beſſere und edle erzeuge. Dieß geht, wie bekannt, nicht auf ein⸗ mal, und man kommt nur erſt in jeder folgenden Ge⸗ neration immer um eine Stufe weiter, bis man end⸗ lich nach langer Zeit das Ziel erreicht. Bedenkt man die vielen Tugenden, welche edle Wolle haben muß, 49 jene Ei⸗„. he fen und daneben die vielen Fehler und Maͤngel, denen ſie ausgeſetzt iſt, ſo leuchtet gar bald ein, daß der ugswaſe Zeitraum, in welchem man erſt eine unedle Schaͤferei und der in eine edle verwandeln kann, mehr als ein Men— un 6 ſchenalter erfordert.— Geſetzt wir wollten annehmen, olle nih daß man bei beſonderer Einſicht und unermuͤdeter . b. duß Aufmerkſamkeit in jeder Generation eine von den e die an⸗ vorher genannten guten Eigenſchaften in die zu velche in veredelnde Heerde braͤchte, und daß man dabei worden auch nicht einen einzigen Mißgriff beginge— was Jall iſ uͤbrigens noch keinem gelungen iſt— ſo muͤßte man alsdann eilf Generationen durchmachen, und dieſelbe Schaͤferei Simme zum mindeſten dreiunddreißig Jahre in gleicher Art gen nur perſoͤnlich leiten. Dazu aber traͤte auch noch die nur den Bedingung, daß man jedesmal auch die geeigneten ine Be⸗ Mittel zu Gebote haͤtte, um z. B. einen einge— le leicht ſchlichenen Fehler zu vertilgen und die entgegen— Weniger geſetzte gute Eigenſchaft zu erreichen und feſt zu gabt iſt halten. Bedenkt man nun aber noch, daß die An— Schaͤferei ſichten wechſeln und daß Mode und das Beduͤrf— Thieren, niß der Menſchen ſich bald nach dieſer, bald nach auf den einer andern Qualitaͤt ausſpricht, was den Schaf— att ihrer zuͤchter ſo haͤufig von dem bisher befolgten auf und edle einen andern Weg leitet, ſo wird die Sache noch auf ein⸗ ſchwieriger. enden Ge⸗ Sehen wir nun von der edlen Wolle ab und man end⸗ wenden unſern Blick auf die unedle. Ihre Definition eenkt man ergiebt ſich leicht aus dem Gegenſatze. Denn wir ben muß⸗ koͤnnen nur diejenige Wolle unedel nennen, welche Elsner, das Edelſchaf ꝛc. 4 50 aller jener Eigenſchaften ermangelt, die ſie zu Stoffen geeignet macht, welche der hoͤhern Civili⸗ ſation und dem Luxrus in ihren Forderungen genuͤgen. Das gemeine Schaf, welches noch in dem Zuſtande befindlich iſt, in welchen es die Natur verſetzte, und an welchem der Menſch noch nicht mit ſeiner Kunſt und Wiſſenſchaft gemodelt und geaͤndert hat, traͤgt eine unedle Wolle. Die Erfahrung aber lehrt uns, daß wir, durch beſondere Leitung in der Paarung und durch Vermiſchung edlen Blutes mit dem ihrigen, Nachkoͤmmlinge hervorbringen koͤnnen, in welchen ſich einzelne der edlen Woll-Eigenſchaften zeigen, die dann bei fortgeſetztem gleichmaͤßigen Verfahren von Generation zu Generation zunehmen. Und dieß nennen wir Veredlung der Schafzucht, die einzig und allein in der Umwandlung ihrer Wolle nach unſern Wuͤnſchen und Zwecken beſteht. Denn woll⸗ ten wir z. B. dieſe Veredlung in der Art erreichen, wie bei den Pferden, ſo wuͤrden wir eine ganz andere Tendenz nehmen, und meiſtentheils das Gegentheil von dem thun muͤſſen, was uns die gedachte Ver— edlung gebietet. Denn wer moͤchte es verkennen, daß das nach unſern Begriffen gemeine und unedle Schaf im Aeußern ein beſſeres, anſprechendes, mit Einem Worte ein edleres Aeußere zeigt, als unſer ſogenanntes Edelſchaf, und daß ſelbſt ſeine Wolle, wenn ſie ſich ſo ſchdn weiß und gelockt zeigt, ihm ein bei weitem gefaͤlligeres Anſehen gibt, als unſerm ſie zu Civili⸗ nuͤgen. iſtande », und Kunſt traͤgt t uns, arung rigen, elchen eigen, ahren dieß einzig nach woll⸗ reichen, andere entheil te Ver⸗ kennen, unedle 6, mit z unſer Woll, t, ihm unſerm 51 Edelſchafe ſein mit ſchwarzbraunem klebrigem Ueber⸗ zuge beladenes Vließ. Wollte ich ein Reſumé alles deſſen geben, was zu einer edlen Wolle nach unſern Begriffen gehoͤrt, ſo wuͤrde es ſich in die beiden Bezeichnungen faſſen laſſen: ſie muß im vollen Sinne des Wortes fein und treu im Haare ſeyn. Pruͤfen wir die ver⸗ handelten Eigenſchaften und ihre Gegenſaͤtze, ſo er— gibt ſich der feſte und unumſtoͤßliche Satz, daß eine wahrhaft feine Wolle auch alle uͤbrigen guten Eigen— ſchaften beſitzen muͤſſe, und daß das duͤnne Haar allein hiezu nicht ausreicht. Eine ſolche Wolle wird im Handel mit dem Ausdruck hochfein bezeichnet, und ſie iſt es, welche ſtets im Preiſe alle Unter— abtheilungen ſo ſehr uͤberbietet. Treu im Haare muß ſie aber vor allen Dingen ſeyn, weil in dem Begriffe dieſer Eigenſchaft eigentlich alle andern guten liegen. Denn das Haar iſt nur alsdann treu, wenn es ſchmiegſam und dehnbar, wenn es in ſeiner ganzen Laͤnge von gleicher Natur und gleicher Fein⸗ heit iſt; wenn es folglich weder Abſaͤtze hat, noch oben zugeſpitzt oder dicker wird, wenn alle Woll⸗ haare unter einander dieſe Tugenden beſitzen und alle gleiche Feinheit haben, was ſich in der regel— maͤßigen Stapelung des Vließes kund gibt. Denn beſitzt eine Wolle alle dieſe Eigenſchaften, ſo iſt ihr Vließ voͤllig geregelt, und darin eben liegt die Buͤrg— ſchaft fuͤr treues Haar. Ich koͤnnte nun noch von ein⸗- und zweiſchuͤriger, 4* 52 ſo wie von ſolcher Wolle ſprechen, die man zu ge— wiſſen Zwecken mehr als ein Jahr wachſen laͤßt. Aber dieſe Verfahrungsart aͤndert die Natur der Wolle nicht, und kann folglich auch keine Unter— abtheilung meiner Abhandlung bilden. Nur habe ich zur Vollſtaͤndigkeit das zu bemerken, daß der Werth der Wolle durch eine dergleichen Manipulation etwas veraͤndert wird. Bei zweimaligem Scheeren im Jahre ſinkt er um ein Unbedeutendes, was aber nur bei edler der Fall iſt, denn bei bloß veredelter, beſonders wenn ſie noch auf keiner hohen Stufe ſteht, ſteigt er eher, und zwar aus Gruͤnden, die ich anderwaͤrts ſchon angegeben habe. Laͤnger als ein Jahr hat man bis jetzt die Wolle nur zuweilen verſuchsweiſe wachſen laſſen, hat aber dabei die Ueberzeugung gewonnen, daß kein Gewinn dabei zu machen, weßwegen es denn auch bei bloßen Ver⸗ ſuchen geblieben iſt. Denn es iſt und bleibt aus— gemacht, daß der einjaͤhrige Wuchs eine edle Wolle in ihrer Natur am treueſten darſtellt, daß alſo die bisherige Weiſe, ſie alle Jahre zu ſcheeren, die beſte und zweckmaͤßigſte ſey. Es iſt wohl uͤberfluͤſſig, daß ich wiederholt daran erinnere, wie das, was ich in dieſem Werkchen ſchreibe, eine Ergaͤnzung und einen Schlußſtein fuͤr alles das abgeben ſoll, was ich bereits in mehrern andern Schriften uͤber veredelte Schafzucht geſchrie— ben habe. Inſofern bildet es auch kein fuͤr ſich beſtehendes Ganzes und muß, fuͤr ſich allein be— tr bi — 53 zu ge trachtet, luͤckenhaft erſcheinen. Bezieht und ver— lßt bindet man es aber mit meinen andern derartigen ur de Werken, ſo wird es manchen Aufſchluß geben, den Uin man wohl noch hie und da vermißt haben mag. ehabe aß der B. Die Umgeſtaltung der Wolle zur Waare. Kanin Alles vorher Geſagte bezieht ſich auf die Wolle heeren als Naturproduct. Um ſie jedoch zu verwerthen, z aber muß der Erzeuger ſie erſt in eine Waare verwandeln. delter Dieß geſchieht durch die Waͤſche und die Schur. Stufe Ueber beides habe ich anderwaͤrts ſchon Vieles ge— , die ſagt, was ich hier als bekannt vorausſetze. Nur tds mittheilen will ich, was ſeit jener Zeit ſich veraͤndert kilen und vervollkommnet hat, und das kann ich nun d zuerſt in Beziehung auf: ei zu 85. I. Die Waͤſche. t aus⸗ Ich brauchte die Schafzuͤchter wohl kaum daran Volle zu erinnern, wie wichtig eine gute Waͤſche fuͤr die lſo die empfehlende Darſtellung der Wolle als Waare iſt, u, die aber auch welche Schwierigkeiten zu uͤberwinden ſind, um eine ſolche zu Stande zu bringen, und wie man t daran dieß oft genug mit aller Muͤhe und Anſtrengung erkchen dennoch nicht erreicht. Ich will jedoch, um dieſe ein fuͤr Schwierigkeiten genau vor Augen zu ſtellen, alle nehrern Forderungen, die man an eine gute Waͤſche macht, eſchrie⸗ anfuͤhren, und ſodann die Mittel angeben, welche zäͤr ſich am beſten geeignet ſind, dieſen Forderungen zu ge— lein be⸗ nuͤgen, folglich jene Schwierigkeiten zu beſeitigen. 54 Dieſe Forderungen ſind: Die Waͤſche ſoll die Wolle blank machen, was, wie wir bald ſehen werden, mit dem Ausdruck weiß nicht immer richtig genug bezeichnet i ſt. Sie ſoll die Wolle entfetten, dieß aber nur in einem beſtimmten Maaße, folglich weder zu viel noch zu wenig thun. In die⸗ ſen beiden Forderungen liegt alles, was man von einer guten Waͤſche verlangt. Alſo 1) Sie ſoll die Wolle blank machen. Man geſteht ihr dieſe Benennung zu, wenn ſie, vom Schmutze befreit, ihr natuͤrliches Luͤſter behalten hat. Darin kann ſich eine weißgewaſchene Wolle zu ihrem Nachtheile auszeichnen, wenn ſie das Auͤſter nicht zeigt, ſondern gleichſam angelaufen erſcheint. Man moͤchte glauben, es ſey ſolches nicht moͤglich, wenn nicht die Erfahrung und der Augenſchein dafuͤr zeug— ten. Dieſes Anlaufen aber entſteht dadurch, daß man eine mehrmals wiederholte Manipulation bei der Waͤſche anwenden muß. Blank aber wird ſie, wenn man ſie, ſo zu ſagen, in Einem Zuge voll— zieht und wenn der Schmutz gleich anfangs gut und vollkommen aufgeloͤst und gleich hinterher durch die Abſpuͤlung entfernt wird. Dem erfahrnen Schafzuͤchter iſt hinlaͤnglich bekannt, daß eine Woll— art mehr mit Schweiß(Fett) belegt iſt, als die andere, und daß nach Maaßgabe dieſes Schweißes ſich auch mehr Schmutz in ſie legt, welcher ſich feſt mit demſelben verbindet und alſo auch ſchwer zu ell die bald weiß et iſt. abet lglich In die⸗ an von Man , vom en hat. ihrem nicht Man wenn r zeug⸗ ), daß ion bei ird ſie, ge voll⸗ gut und durch fahrnen e Wel⸗ als die hweißes ſich fef hwer zu 5⁵ entfernen iſt. Auf dieſen Umſtand muß alsbald bei der erſten Einleitung der Waͤſche Bedacht genommen werden, denn davon wird das weitere Gelingen der— ſelben bedingt. Gerade dadurch, daß man dieß nicht allezeit ſtreng genug beobachtet, mißgluͤckt die Waͤſche ſo haͤufig, und es kann, wenn die erſte Aufloͤſung des Schmutzes, d. i. das Einweichen, nicht mit Sachkenntniß und Sorgfalt vorgenommen wird, keine nachfolgende Waͤſche den Fehler wieder gut machen. In ſolchem Falle kann man allenfalls wohl, wenn gleich mit unſaͤglicher Muͤhe, zuletzt eine weiße, niemals aber eine blanke Waͤſche zu Stande bringen. Wir Schafzuͤchter nennen das eine bluͤhende Waͤſche, was der Wollkaͤufer eine blanke nennt. Fuͤr eine weiße, wie die eben ange— gebene fehlerhafte, haben wir keinen beſondern Namen, indem truͤbe Waͤſche ſchon vorausſetzt, daß der Schmutz nicht voͤllig entfernt worden iſt. Ich werde bald zeigen, wie man zu manipuliren habe, um nicht den Nachtheil einer unblanken Waͤſche zu er— leiden. Zuvor muß ich aber erklaͤren, woher es komme, daß eine weiße doch keine blanke ſeyn koͤnne. Wenn man es beim Einweichen der Wolle auf den Schafen verſieht, ſo verhaͤrtet ſich der Schweiß mit dem Schmutze zugleich. Da er nun ver— mittelſt des Einweichens ſich den Wollhaaren innig mitgetheilt hat, ſo erfordert es auch nachher, wie man leicht begreift, unendliche Muͤhe und angreifende Mittel, um beides zu entfernen. Dadurch aber — wird die Oberflaͤche des Wollhaares alterirt, wodurch ſein Luͤſter leidet. Abgeſehen von der Qual, die man in ſolchem Falle den Schafen anthut, erleidet man noch einen doppelten empfindlichen Verluſt da— durch, daß man einerſeits die Wolle allzuſtark ent— fetten muß, weil man nur auf die Weiſe den Schmutz entfernen kann, was dann ihr Gewicht vermindert, andrerſeits aber auch keine gefaͤllige Waare zu Markte bringt, mithin einen niedrigern Preis bekommt. Geht man von dieſer Betrachtung aus und fuͤgt dazu noch die Qualen, die man den Schafen anthun muß, nebſt dem directen und indirecten Verluſte, den man in der Heerde dadurch erleidet, ſo ergibt ſich daraus die hohe Wichtigkeit einer guten Schaf— waͤſche, und ſie wird zu einer Hauptlehre in der veredelten Schafzucht. Denn daß wir ihrer in Deutſchland jemals ſollten uͤberhoben werden, und daß man uns, wie in Spanien, die Wolle werde auf den Schafen abkaufen und ſie im Schweiße ſchee— ren, dazu iſt durchaus keine Ausſicht vorhanden. Unter ſolchen Umſtaͤnden iſt es nicht zu verwundern, wenn jede neue derartige Waſchmethode immer mit Freuden ergriffen wurde, obgleich bis jetzt noch ſo wenige den Erwartungen odllig entſprochen haben. Stellen wir nun zuboͤrderſt eine vollſtaͤndige Theorie von einer guten Schafwaͤſche auf. Sie ſoll die Wolle von allem ihr anhaͤngenden Schmutze reinigen, ohne irgend einer ihrer guten Eigenſchaften Schaden zu thun. Dazu bedarf es, daß das Waſſer, 57 admnc welches man anwendet, vollkommen geeignet ſey, 1 d das Fett mit dem Schmutze leicht aufzuloͤſen und zu erleidet entfernen. Dazu bedarf es nicht allein der richtigen uſt d⸗ Temperatur, ſondern auch eines von allen fremden, t en⸗ beſonders mineraliſchen und adſtringirenden Beſtand— chmut theilen freien Waſſers.— Um es zu pruͤfen, wuͤrde indert, eine chemiſche Zerſetzung zu umſtaͤndlich und weit— Markte laͤufig ſeyn, daher iſt eine zu machende Probe mit t einzelnen Stuͤcken anzurathen.— Wo nun aber das d füͤgt Waſſer nicht von der voͤllig geeigneten Beſchaffenheit inthun iſt, um eine gute und untadelige Waͤſche zu geben, pluſte, da muß man entweder anderes ſuchen, oder da, ergibt wo es fehlt, nachhelfen. Dieſe Nachhuͤlfe muß alſo zchaf⸗ die Temperatur ausgleichen, und die uͤblen Ein⸗ n der wirkungen der mineraliſchen und adſtringirenden er in Stoffe aufheben. Erwaͤrmung und gewiſſe Bei— , und 3 miſchungen ſind folglich das, was man thun muß. werde Der Beimiſchungen hat man bereits ſchon mancherlei ſchee⸗ mit ſehr verſchiedenem Erfolge verſucht. Erdarten, anden. die man in die Wolle reibt, ſelbſt Duͤnger, den man ndern, in das Waſchbaſſin thut, ſind angewandt worden, ler mit aber nicht immer entſprach der Erfolg den Erwar— noch ſo tungen. Mehl, um das Fett zu abſorbiren, Seife, aben. um es aufzuloſen u. dgl. m. hat man voerſucht, andige immer aber blieb die Sache muͤhſam und gab nicht eie ſol den Erfolg, den man wuͤnſchte.— Am meiſten hmuße druͤckte der Uebelſtand einer truͤben Waͤſche die ungari— ſchfte ſche Wolle im Preiſe und im Rufe, weßhalb man Waſſr, auch dort mehr als irgendwo ſich nach einem Mittel ſehnte, welches volle Abhuͤlfe gewaͤhrte. Es ſcheint in Peſth durch Herrn Preyß, ſo wie durch die Herren Straßer und Heckſch gefunden worden zu ſeyn. Denn alles, was bis jetzt davon bekannt geworden, ſchlaͤgt faſt nur zu ſeinem Lobe aus, welches den wohl auch laut gewordenen Tadel bei weitem uͤbertdnt. Vor der Hand wird es von den Erfindern noch als ein Geheimniß bewahrt, beſteht aber nach mehrfacher ünterſuchung aus der weißen (wilden) Seifenwurzel(Saponaria dioica), und iſt, entweder zur Verheimlichung und ſchwierigern Ent⸗ deckung, oder um es zu mildern, mit einer oder der andern Subſtanz vermiſcht. Nun ſucht ein Jeder, was ihm nicht zu verdenken, eine neue Entdeckung und Erfindung ſo hoch und vortheilhaft als nur möglich fuͤr ſich auszubeuten, daher bis jetzt der Preis dieſes Mittels noch etwas hoch iſt und die Waͤſche ein wenig vertheuert, was zwar wenig in Betrachtung kommt, wenn man den großen mittelbaren Gewinn, den man davon hat, in An— ſchlag bringt. Die Herren Heckſch und Straßer haben fuͤr die kaiſerl. oͤſterreichiſchen Erbſtaaten und neuerlich auch fuͤr Sachſen ein Privilegium auf ihr Product genommen, und ſich nun im Stande und berechtigt geglaubt, den Preis bis auf vierzig preußiſche Thaler fuͤr den Centner zu ſtellen. Da⸗ fuͤr iſt es denn offenbar zu theuer, und ſeine An⸗ wendung wird dadurch nur beſchraͤnkt. Herr Preyß dagegen ſtellt den Centner nur auf 20 fl. C. M. ——.———.,.,,——: ſcheint urch die worden bekannt de aus, del bei don den beſteht weißen und iſt, n Ent⸗ er oder ht ein neue eilhaft zjer bis och iſt 5 zwar großen in An⸗ traßer ten und auf ihr ude und vierzig . Da⸗ ine An⸗ r Preyß C. M. in Peſth und Wien, folglich nicht halb ſo hoch wie jene Herren, obgleich ſein Product mit dem von dieſen ohne alle Frage concurriren kann und vollkommen gleichen Erfolg zeigt.— Die wilde Seifenwurzel waͤchst in Ungarn zwar in ziemlicher Menge, iſt jedoch bereits, obgleich ſie in der ge— dachten Art erſt ſeit wenigen Jahren und immer noch ſehr beſchraͤnkt zur Anwendung kommt, ſchon ſo ſtark aufgeſucht worden, daß ſie bereits anfaͤngt rar zu werden, und theurer bezahlt werden muß. Erhaͤlt ſich das Waſchmittel, woran wohl wenig zu zweifeln iſt, ſo wird man zum Anbau derſelben ſeine Zuflucht nehmen muͤſſen, um ſie in groͤßerer Menge zu gewinnen. Die Waͤſche mit dieſem Mittel hat bereits großes Aufſehen gemacht und die Aufmerk⸗ ſamkeit der Producenten der Wolle ſowohl als der Verarbeiter erregt. Fuͤr die ungariſche Schaf⸗ zucht muß und wird es, wenn es Beſtand ge⸗ winnt, eine neue Aera begruͤnden, weil dadurch die Wolle derſelben an Anſehen ſo wie in der Weiterbefoͤrderung ſo viel gewinnt, daß ſie, die bisher nur einen beſchraͤnkten Debit, eben wegen ihres ſo abſtoßenden Aeußern, hatte, nunmehr fuͤr den Weltmarkt ſich eignen und ihren Weg direct in die großen Fabrikſtaaten nehmen wird. Schon fuͤr das Inland, wozu ich hier die kaiſerlichen Erbſtaaten zaͤhle, hat die Sache wohlthaͤtige Fol— gen, indem die Fabricanten nunmehr wiſſen, was 60 ſie kaufen, und nicht mehr, wie zeither, aufs Ungewiſſe hin ein Quantum von der erkauften Waare auf Schmutz und Unrath zuruͤckſchlagen duͤrfen. Ich muß nun ſowohl uͤber die Methode als uͤber die Wirkung dieſer Waͤſche ſprechen. Die Ver⸗ fahrungsart und die Anwendung wird in einer be⸗ ſonders gedruckten Anweiſung den Kaͤufern mit dem Product eingehaͤndigt, und ſie beſteht in wenig Worten darin, daß das Waſchmittel in einem Keſſel durch Kochen aufgeldͤst, und ſodann in Bottichen mit einer beſtimmten Quantitaͤt Waſſer vermiſcht wird. Iſt dieß geſchehen, ſo werden die Schafe durch Menſchen ſo in dieſe Bottiche getaucht, daß die Wolle voͤllig von der Feuchtigkeit durchdrungen wird, ſo daß jede einzelne Flocke des Vließes davon bekommt, und der darin befindliche Schmutz aufge⸗ lost werde. Iſt ſolches hinlaͤnglich und vollkommen geſchehen, dann werden die Schafe in reines Waſſer zum Abſchwemmen gebracht. Hat man eine Sturz⸗ waͤſche, ſo iſt dieß um ſo beſſer und die Waͤſche geht um ſo raſcher.— Von ſelbſt folgt aber ſchon, daß die Quantitaͤt des fraglichen Waſchmittels nicht fuͤr alle Schafarten gleich ſeyn koͤnne, weil die Natur der Wolle, wie wir bereits geſehen haben, ſehr ver— ſchieden iſt. Die Erfinder und Verkaͤufer desſelben ſind mit dieſem Umſtande zu wenig bekannt, und haben folglich bei der gedruckten Anweiſung darauf nicht aufs zuften lagen uͤber Ver⸗ er be⸗ t dem wenig Keſſel eichen niſcht ſchafe daß ngen avon ufge⸗ mmen Laſſer bturz⸗ geht „ daß t fuͤr Natur rber⸗ hmit haben nicht 61 Bedacht genommen, weßwegen ſie denn auch die Portion des Waſchmittels fuͤr alle Schaͤfereien gleich ſtellen. Da es jedoch meiſtentheils nur bei den Negrettis und denen aͤhnlichen Arten am nothwen— digſten zu brauchen, und fuͤr dieſe das angegebene Quantum berechnet iſt, ſo kann man die Anweiſung ſchon gelten laſſen. Ein fuͤr allemal aber kann man als guͤltig annehmen, daß fuͤr Schafe, deren Wolle den Electoralcharakter hat, kaum zwei Drittheile ſo viel genommen werden duͤrfen, wie bei jenen. Aus dem, was ich wegen Blankwerden der Wolle ſagte, geht eine Vorſichtsregel fuͤr jede Waſch— art, folglich auch fuͤr die hier in Rede ſtehende, hervor. Der Schmutz und das uͤberfluͤſſige Fett ſoll naͤmlich, wenn beides gehoͤrig aufgeloͤst iſt, auch alsbald mit dazu geeignetem Waſſer abgeſpuͤlt wer— den. Daß das Waſſer, welches mit dem Abſude des Waſchmittels vermiſcht und in Bottiche gegoſſen worden, warm ſeyn muͤſſe, das folgt ſchon von ſelbſt, indem es ſchon dadurch, daß der Abſud kochend hineingegeben wird, eine erhoͤhte Temperatur erhaͤlt. Bis zu welchem Grade dieſe gehen muͤſſe, daruͤber iſt ſchon deßhalb eine Regel zu geben, weil, wenn dieſer zu hoch waͤre, die Wolle Schaden leiden wuͤrde. Waͤre es jedoch eben erſt aus einem Fluſſe oder Teiche geſchoͤpft, und ſeine Temperatur waͤre z. B. nur 12 Grad nach Réaumur, ſo wuͤrde ſie, wenn der kochende Abſud, welcher hineingeſchuͤttet wird, und dieſer etwa den zehnten Theil des Ganzen 6² ausmacht, nur ungefaͤhr um 6 Grad erhoͤht werden, was jedenfalls zu weuig waͤre. Daher iſt es ndͤthig, auch einen Theil des reinen Waſſers zu erwaͤrmen, um die Temperatur der Bottiche wenigſtens auf 20 — 24 Grad zu bringen. An ſich traͤgt alsdann ſchon das erwaͤrmte Waſſer viel zur leichtern Auf⸗ löſung des Schmutzes bei und es kommt dasſelbe dem Waſchmittel zu Huͤlfe. Aus dieſem Grunde muß man gegen die neu angeprieſene Methode der genannten Herren, die das Waſchmittel verkaufen, wornach man es auch kalt und zwar mit gleich gutem Erfolge zur Anwendung bringen koͤnne, einiges Miß⸗ trauen hegen, und man kann es wohl fuͤr einen kaufmaͤnniſchen Kunſtgriff halten, womit ſie ihrer Waare deſto mehr Abnehmer zu verſchaffen hoffen. Jedenfalls wuͤrde, wenn das Mittel wirklich, durch Beimiſchung anderer Subſtanzen, faͤhig gemacht worden waͤre, um auch im kalten Waſſer gleiche aufloͤſende Kraft zu aͤußern, große Vorſicht bei deſſen Anwendung zu gebrauchen ſeyn, weil zu fuͤrch— ten waͤre, es moͤchten ſolche Subſtanzen die Wolle ſo ſtark angreifen, daß ſie in ihrem Nerv und in ihrer Sanftheit verldre. Man hat dem in Rede ſtehenden Waſchmittel ſchon mehrere Ausſtellungen ſowohl von Seite der Erzeuger als der Verbraucher der Wolle gemacht. Es iſt, um die Sache unparteiiſch zu pruͤfen und ſie auf ihren wahren Werth und ihre praktiſche Brauchbarkeit zuruͤckzufuͤhren, noͤthig, daß man werden, nothig, waͤrmen, auf 20 alsdann en Auf— dasſelbe Grunde pode der kaufen, h gutem es Miß⸗ ar einen ie ihrer hoffen. , durch gemacht gleiche icht bei u fuͤrch⸗ ie Wolle Hund in ſchmittel zeite der gemacht. fen und vraktiſch aß man 63 ſowohl ausgeſprochene Meinungen als geſammelte Erfahrungen, die fuͤr und wider ſie ſprechen, ſammle und einander gegenuͤber ſtelle. Die Producenten, wenigſtens manche derſelben, ſagen, man verliere durch die Anwendung dieſer Waſchart ungleich mehr an Gewicht, als was man am hoͤhern Preiſe ge⸗ winne, und zwar ſey dieß ſo bedeutend, daß man vor derſelben nur warnen koͤnne. Die Wollever— braucher, d. i. die Manufacturiſten, behaupten, freilich wiederum nur einige, es verliere die Wolle durch dieſe Waͤſche an ihrer guten Natur, ſie werde rieſch und ſproͤde, ja ſogar die Haltbarkeit ihres Haares leide dabei. Andere freilich wollen von allem dem nichts bemerkt haben, druͤcken vielmehr ihre Zufriedenheit wiederholt aus und aͤußern den Wunſch, man moͤchte doch bald allgemein ſo waſchen, weil dieß das einzige Mittel ſey, nicht immerfort der Gefahr ausgeſetzt zu ſeyn, einen ſtaͤrkern Abgang bei der Fabrikwaͤſche zu erleiden, als man ſich ihn beim Einkaufe anſchlaͤgt, und zugleich deſſen uͤber— hoben zu werden, zur eigenen Sicherheit den noch in der Wolle befindlichen Schmutz hoͤher anzuſchla— gen, als er am Ende wirklich iſt, dabei aber auch alle Koſten von Transport, Verzollung u. dgl. m. fuͤr den Schmutz gerade ſo gut wie fuͤr die Waare bezahlen zu muͤſſen.— Da die Urtheile nun ſo ver— ſchieden ausfallen, ſo muͤſſen wir die Veranlaſſung dazu aufſuchen. Bekanntlich findet jede neue Sache Widerſacher, und denen iſt ſie ausgeſetzt, auch wenn ſie noch ſo gut iſt. Etwas, wie das fragliche Waſchmittel, bedarf erſt mehrerer und mannichfacher Verſuche, ehe es ganz das wird und leiſtet, was es leiſten ſoll. Bei den allererſten Verſuchen, die man damit machte, glaubte man gar nicht zu viel thun zu koͤnnen, und man trachtete vor Allem darnach, die Wolle nur recht weiß durch dasſelbe darzuſtellen, weil man es damit ganz vorzuͤglich empfehlen zu koͤnnen glaubte. So that man denn in einer Art zu viel und legte den Grund zum Tadel und Mißtrauen. Die allzugroße Weiße fand weder bei den Produ— centen noch bei den Kaͤufern den Beifall, den man erwartet hatte, weil er fuͤr beide einen weſentlichen Nachtheil enthaͤlt, indem die erſtern dadurch zu viel am Gewicht verlieren, und weil die letztern eine Wolle, die ſo ſehr weiß und entfettet iſt, nicht lange liegen laſſen koͤnnen, indem ſie zu trocken wird und in ihrer Qualitaͤt verliert. So traf der Tadel denn die Sache, wo er doch eigentlich nur die Anwendung haͤtte treffen ſollen. Seitdem aber haben mehrfache Verſuche mit angebrachten Modificationen den Be— weis geliefert, daß dem widerfahrnen Tadel leicht zu entgehen ſey. Verminderung der Quantitaͤt des Waſchmittels iſt die einfache Art, womit man den Nachtheil vermeidet. Gemachte Verſuche haben bewieſen, daß die Haͤlfte des vorgeſchriebenen Quan— tums ſchon ausreicht, beſonders bei allen den Schaf— heerden, welche nicht jenes harte talgartige Fett in ſie noch ſhmitte, Verſuche, ſten ſol. machte, den, und olle nur veil man koͤnnen zu viel Strauen. Produ⸗ den man ſentlichen ch zu viel tern eine icht lange wird und adel denn wendung mehrfache den Be⸗ del leicht titaͤt des man deu e haben en Quan⸗ en Schaf— e Fettin 65 der Wolle haben. Bei ſolcher Anwendung ver⸗ mindern ſich die Koſten der Anſchaffung des Mittels, man verliert ferner bei weitem nicht ſo viel am Schur⸗ gewicht und bekommt dennoch eine gut gewaſchene blanke Wolle. Ich ſprach vom Waͤrmegrade, den das Waſſer in den Einweichbottichen haben muͤſſe. Iſt derſelbe zu hoch, ſo leidet die Wolle inſofern leicht, als ſie zu viel Fett fahren laͤßt und auch nachher, wenn ſie in kaltem Waſſer abgeſpuͤlt wird, eine Art von Er⸗ ſtarrung erleidet, was ihrer Geſchmeidigkeit ſchadet. Ueberhaupt muß es als eine Vorſichtsregel em— pfohlen werden, daß man nicht unmittelbar nach einem warmen Einweichen die kalte Abſpuͤlung folgen laſſe. Man kann ſich von dem daraus hervorgehen⸗ den Nachtheile leicht uͤberzeugen, wenn man eine Probe mit einzelnen abgeſchnittenen Flocken macht. Weicht man dieſe mit warmem Waſſer ein, und waͤſcht ſie unmittelbar darnach mit kaltem Waſſer, ſo erſtarrt ploͤtzlich das in den Wollhaaren befindliche Fett, und ſie werden ſtarr und ſteif, was der Wolle ein widerliches Gefuͤhl mittheilt. Dazu kommt denn noch, daß mit dieſer Erſtarrung eine Verhaͤrtung ver— bunden iſt, welche mit dem Fette zugleich auch den Schmutz betrifft, der ſich alsdann nur ſehr ſchwer, zuweilen auch gar nicht ganz entfernen laͤßt. Daher gilt es als Regel, daß man nach dem Einweichen in der beſchriebenen warmen Bruͤhe die Schafe erſt vollig abkuͤhlen laſſe, ehe man ſie im reinen kalten Waſſer Elsner, das Edelſchaf ꝛc. 5 66 waͤſcht und abſpuͤlt. Auch iſt dabei zu beobachten, daß man die Schafe nach ſolchem Einweichen nicht einem kalten Luftzuge ausſetze, der dieſelbe Wirkung hervorbringen kdunte, wie ein ploͤtzliches kaltes Ab⸗ ſpuͤlen. Neben dem Nachtheile, den beides auf die Wolle hat, laͤuft man aber auch noch Gefahr, daß die Schafe an ihrer Geſundheit leiden. Bei dieſer Gelegenheit will ich eine recht eigentlich normale Waſchart beſchreiben, wie ſie in den Schaͤfe— reien des Erzherzogs Joſeph, Reichspalatins von Ungarn, auf der Herrſchaft Al-Tſud unweit Ofen in Ungarn vollzogen wird. Bei einer Muͤhle iſt ein Schuppengebaͤude errichtet, welches ungefaͤhr zehn Klafter in der Laͤnge und fuͤnf Klafter in der Breite hat. In dieſem befinden ſich drei lange, von Steinen zuſammengefuͤgte Bottiche von etwas uͤber vier Klaf⸗ ter Laͤnge. In einem Winkel dieſes Gebaͤudes be⸗ findet ſich ein großer eingemauerter Keſſel, um darin ſo viel Waſſer warm zu machen, als man noͤthig hat. An demſelben iſt eine Vorrichtung, vermittelſt deren man das kochende Waſſer durch Roͤhren in den einen Bottich leitet, und von oben laͤßt man alsdann kaltes Waſſer ſo viel als noͤthig zu. Die Bottiche ſtehen naͤmlich ſo, daß die Waſſerrinnen hoͤher liegen, als ſie, und daß man mit Bequemlichkeit aus ihnen die Bot⸗ tiche fuͤltt. Vor der Schwemme ſondert man alle diejenigen Thiere aus, welche einen klebrigen ſchwar— zen Schweiß haben, und dieſe werden mit dem be— ſchriebenen Waſchmittel behandelt. Die uͤbrigen weicht obachten, hen nicht Wirkung ltes Ab⸗ 3 auf die ahr, daß eigentlich Schaͤfe⸗ ins von it Ofen Zle iſt ein faͤhr zehn der Breite Steinen vier Klaf⸗ aͤudes be⸗ um darin idthig hat. telſt deren den einen aann kaltes iche ſtehen en, als ſie die Bot⸗ man all en ſchwar⸗ it dem be⸗ igenweich 67 man zwar ebenfalls warm ein, was man in dem einen Bottiche, von dem ich eben ſprach, thut, ohne jedoch das Waſchmittel hineinzugeben. Neben dem Gebaͤude iſt ein geraͤumiger Raſenplatz, welcher vor ſcharfem Winde geſchuͤtzt iſt, und worauf die Schafe einige Stunden abkluͤhlen, ehe ſie in die eigentliche Waͤſche kommen. Daruͤber aber tritt keineswegs eine Verzoͤgerung der Arbeit ein, denn es iſt der Platz in mehrere Abtheilungen durch Verzaͤunungen abgeſondert, in welche die Schafe der Reihe nach, wie ſie aus dem Einweichbottiche kommen, gebracht werden. In derſelben Ordnung kommen ſie dann auch zur Waͤſche. Ehe nun die letzte Abtheilung— es ſind deren vier, jede zu etwa achtzig Stuͤck— aus dem Einweichen kommt, hat die erſte ſchon einige Stunden geſtanden, und iſt unterdeß ſo abgekuͤhlt, daß ſie unbedenklich gewaſchen werden kann. Die Waͤſche iſt ein hoͤchſt zweckmaͤßiges Sturzbad. Ueber den fuͤnf Klafter langen Troͤgen oder Bottichen, deren zwei neben einander ſo angebracht ſind, daß zwiſchen beiden ein breiter Gang bleibt, befinden ſich in der Mitte hoͤlzerne Rinnen, welche mit Waſſer aus dem oben befindlichen Waſſergraben gefuͤllt wer⸗ den, und in denen, je in der Entfernung von 1¼ Klafter, unten eine Oeffnung iſt, die ſich mit Leichtigkeit ſchließen und oͤffnen laͤßt. Geſchieht letzteres, ſo ſchießt ein ſtarker Waſſerſtrahl in den Bottich herab, unter welchen man das Schaf mit Bequemlichkeit bringt. Es ſtehen naͤmlich auf beiden 5* 68 Seiten Leute, welche dasſelbe halten. Deren ſind vier Paare, je ein Paar fuͤr jeden Waſſerſturz. Laſſen die erſten beiden das Schaf gehen, ſo nehmen es die zweiten in Empfang, und ſo geht es bis zu Nr. 4, wo es ſodann herausgelaſſen wird, wozu ihm eine Perſon, die unten ſteht, behuͤlflich iſt. Ungefaͤhr fuͤnfund— vierzig Secunden bleibt es in Jedes Haͤnden, und da nie pauſirt und die Operation auf zwei Colonnen fortgeſetzt wird, ſo kommen immer in drei Minuten acht Stuͤck, folglich in einer Stunde 160 Stuͤck her— aus.— Mittlerweile wird das Einweichen immer fortgeſetzt, und die Abtheilungen ruͤcken fortwaͤhrend aus Nr. 2 in Nr. 1 u. ſ. w. auf dem abgeſperrten Raſenplatze zur Waͤſche vor. An Menſchen iſt dabei folgende Zahl erforderlich: einer, der das Feuer unterhaͤlt, und immer heißes Waſſer aus dem Keſſel in den Bottich leitet; vier Paare, d. i. acht beim Einweichen; einer, welcher die Schafe in den Ab⸗ theilungen weiter befoͤrdert; zweimal vier Paare bei den Waſchbottichen; und endlich noch zwei, wovon der eine die Schafe hinein gibt und der andere ihnen heraus hilft. Das macht alles zuſammen 28 Perſo⸗ nen, die in Zeit von ſechs bis ſieben Stunden gegen tauſend Schafe waſchen koͤnnen. Die Wolle wird dabei bluͤhend und verliert gegen andere truͤbge— waſchene nur gerade ſo viel an Schurgewicht, als ſie weniger Schmutz als jene an ſich behaͤlt. Der Preis iſt alsdann auch dem Rufe, den dieſer Schaͤferei ihre Veredlung gewaͤhrt, angemeſſen, und um ſo viel eren ſind z. Laſſen en es die tr. 4, wo Perſon, fuͤnfund⸗ „ und da Colonnen Minuten tuͤck her⸗ n immer wwaͤhrend heſperrten iſt dabei as Feuer im Keſſel cht bein den Ab⸗ Paare bei , wovon dere ihnen 28 Perſo⸗ den gegen olle wird truͤbge⸗ , als fie der Prei ferei ihr m ſo biel 69 hoͤher, als ſie es wegen ihrer blanken Waͤſche verdient. Mit denen, welche man ihres klebrigen Fettes und ihres ſchwarzen Ueberzuges wegen fuͤr die Schwemme mit dem Waſchmittel beſtimmt hat, nimmt man ganz dieſelbe Procedur vor, nur mit dem Unterſchiede, daß man den Abſud in den Ein— weichbottich ſchuͤttet. Um eine dergleichen Waͤſche anzulegen, dazu be⸗ darf es vor allen Dingen des hinlaͤnglichen und ge— eigneten Waſſers. Die Koſten der Anlage richten ſich natuͤrlich nach dem Preiſe der dazu erforderlichen Baumaterialien, ſind aber keineswegs ſo groß, daß man ſie zu ſcheuen brauchte, wenn man dagegen den großen Vortheil, den eine ſo leichte und ſo gut aus⸗ gefuͤhrte Waͤſche gewaͤhrt, in Anſchlag bringt. Die Schafe werden dadurch, wenn die dabei angeſtellten Leute nicht etwa aus Bosheit unbarmherzig mit ihnen umgehen ſollten, gar nicht gequaͤlt. Sollte man noch etwa das Bedenken haben, daß der Wolle dennoch zu viel am Schurgewichte entgangen waͤre, ſo kann man einige Tage laͤnger mit der Schur zoͤgern, und ſie wird deßhalb von ihrer Bluͤthe wenig oder nichts ver⸗ lieren, vorausgeſetzt daß man waͤhrend der Zeit auf reichliche, reine und trockene Einſtreue im Stalle haͤlt, und ſie auch auf der Weide vor Staub bewahrt. 2) Die Waͤſche ſoll aber auch die Wollle weder zu viel noch zu wenig entfetten. 70 Einiges, was in dieſen Abſchnitt gehoͤrt, mußte ich der Vollſtaͤndigkeit und Verſtaͤndlichkeit wegen ſchon in den vorhergehenden wenigſtens theilweiſe auf— nehmen. Was ich daher weiter zu ſagen habe, das wird ſich ins Kurze faſſen laſſen. Der Zweck der Waͤſche iſt, mit dem Schmutze zugleich den uͤberfluͤſſigen Schweiß(das Fett) mit hinwegzunehmen. Jedes Fett verhaͤrtet ſich in der Kaͤlte, und dann wird es im Waſſer unaufloͤslich. Aus dieſem Grunde wird ſchon eine beſtimmte Tem⸗ peratur des Waſſers bei der Waͤſche vorausgeſetzt. Die Hoͤhe derſelben richtet ſich natuͤrlicherweiſe nach der Beſchaffenheit des der Wolle inwohnenden Fettes. Denn bekanntlich iſt dieſe nicht gleich, ſo daß das eine ſich bei einem ungleich niedrigeren Grade auf— loöst, als das andere. Wie hoch der Grad der Temperatur des Waſſers alſo ſeyn ſolle, das iſt nach der Natur der Wolle relativ. Unter 10 Grad R. wird es jedoch fuͤr keine Art tauglich ſeyn, wenig— ſtens ſehr ſchlechten Erfolg zeigen. Waͤre dieſer Fett— ſchweiß nicht in der Wolle, ſo wuͤrde man ſie in viel kaͤlterem Waſſer rein waſchen koͤnnen, weil der Schmutz ſich auch in ſehr niedriger Temperatur aufloͤst. Dieß beweist ſich an den gemeinen Landſchafen und an den Zakeln. Dadurch aber, daß der Schmutz und der Fettſchweiß ſich innig vermiſchen und verbinden, wird erſterer viel unaufloͤslicher, und wird es eigentlich nur mit dem Fett zugleich. Fuͤr die Entfettung in der Waͤſche aber iſt darin eine gewiſſe Richtſchnur ußte ich en ſchon iſe auf⸗ be, das Schmutz ſett) mit h in der floͤslich. ne Tem⸗ sgeſetzt. eiſe nach Fettes. daß das de auf⸗ rad der iſt nach Grad R. , wenig⸗ iſer Fett⸗ e in vill Schmut t. Dieß dan den und der den, wird eigentlih ettung in ichſchnur 71 gegeben, daß aller anklebende Schmutz entfernt wer⸗ den muß, wodurch zugleich auch gerade ſo viel von dem Fettſchweiß mit hinweg genommen wird, als die Wolle zu ihrer guten Erhaltung entbehren kann. Dieß gilt aber nur von einer gut vollzogenen Waͤſche, wie ich ſie im vorigen Abſchnitte beſchrieben habe. Denn wird ſie fehlerhaft ausgefuͤhrt, ſo bleibt ent— weder noch Schmutz in ihr, folglich auch noch Fett— ſchweiß, der weggeſchafft werden ſollte; oder verdirbt ſie in der Einleitung, beſonders beim Einweichen, ſo muß man hinterher, um den Schmutz zu entfernen, gewaltſame Mittel anwenden, durch welche zugleich mehr Fett hinweggenommen wird, als die Wolle entbehren kann, wenn ſie bis zu ihrer Verarbeitung noch eine Zeitlang liegen ſoll. Die Sache iſt dieſe: bei einer fehlerhaften Einleitung der Waͤſche, mag ſie nun durch die unrechte Temperatur oder durch die nicht geeignete Beſchaffenheit des Waſſers veranlaßt werden, dringt der Schmutz bis in die Poren des Wollhaares und vermiſcht ſich mit der in ihm befind⸗ lichen fettigen Subſtanz. Um ihn von da wieder herauszubringen, bedarf es vieler Anſtrengung, und es muß, um den Schmutz voͤllig zu entfernen, ein Theil der fettigen Subſtanz im Wollhaare mit hin— weggenommen werden, wodurch ihm aber auch ein Theil ſeiner Geſchmeidigkeit geraubt wird. Dieſes und dazu noch der Umſtand, daß ſie alsdann fuͤr das laͤngere Liegen nicht geeignet iſt, geben die Erklaͤrung, 72 warum eine fehlerhafte Waͤſche den Werth der Wolle ſo tief herabſetzen koͤnne. Aber auch bei einer voͤllig richtigen Manipulation, d. h. wenn man weder durch das Einweichen, noch durch das nachfolgende Waſchen die Bluͤthe der Wolle verdirbt, kann man durch eine allzuſtarke Entfettung ihrer Qualitaͤt ſchaden, wie dieß z. B. mit dem Peſther Wollwaſchmittel im Anfange geſchah. Die Urſache, warum ſie dadurch ſchlechter wird, habe ich ſo eben angegeben. Beſondere Vorſicht iſt aber bei der warmen Waͤſche anzuempfehlen: denn damit kann man das Woll— haar ſo angreifen, daß es ſeine Zartheit und Ge— ſchmeidigkeit, ja auch ſeinen Nerv verliert, und man kann damit die Wolle, ſo zu ſagen, zu Grunde richten. Warum und auf welche Art dieß geſchehe, das erklaͤrt ſich aus zweierlei Umſtaͤnden. Zum erſten wird ihr, wie eben geſagt, zu viel Fett entzogen, es tritt alſo ihre hornartige Subſtanz mit ihrer vollen Geltung hervor, d. h. ſie wird hart und ſproͤde. Zum zweiten wird ſelbſt dieſe Subſtanz durch allzu große Waͤrme angegriffen, und auch ſie verliert ihre Haltbarkeit, folglich wird die Wolle morſch. Wollte man ein Maaß der Waͤrme, uͤber welches das Waſſer zur Schafwaͤſche nicht hinausgehen darf, angeben, ſo waͤre es dahin zu beſtimmen, daß 28 Grad nach Réaum. das Maximum ſeyn muͤßte. Bei Wolle mit leicht aufloͤslichem Fette, wie die iſt, der man Wole llation, 1, uoch Woll fettung it dem Die nbe ich Vaͤſche Woll⸗ dd Ge⸗ d man richten. erklaͤrt ird ihr, es tritt Geltung zweiten Waͤrme barkeit, welches en darf, 88 Grad ei Wole der man 73 den Electoralcharakter beilegt, ſind ſchon 24 Grad als das Hoͤchſte anzunehmen. II. Die Schur. Ueber dieſen Gegenſtand kann ich mich kurz faſſen, da ich anderwaͤrts ſchon Vieles daruͤber geſagt habe. Durch eine gut und normal vollzogene Schur wird die Wolle erſt als eine vollkommene Waare dargeſtellt. Da man dieß nicht uͤberall als eine unumſtoͤßliche Wahrheit erkannt hat, ſo fehlt man auch noch ſehr haͤufig dagegen, und legt deßhalb auf gute Scheerer einen geringeren Werth, als ſie verdienen. Zum guten Scheeren gehoͤrt, daß die Wolle uͤber das ganze Vließ gleichmaͤßig und glatt abgeſchnitten werde, daß man dasſelbe zuſammenhalte und nicht Stuͤcke davon abreiße, und daß man es nicht beſudle. Von der guten Darſtellung der Waare haͤngt ihr leichterer Abſatz ab; wer das nicht bedenkt, der erfaͤhrt die uͤbeln Folgen. Ich berufe mich auf die Wollkaͤufer ſelbſt, wenn ich behaupte, daß durch die einfache Manipu⸗ lation der Schur die Waare um fuͤnf und mehr Proc. in ihrem Werthe herabgebracht werden koͤnne. Fuͤgt man dazu den Nachtheil, den ihr eine ſchlechte Waͤſche bringt, und der ſich auf mehr als das Doppelte be⸗ laufen kann, ſo findet man darin die Loͤſung des Raͤthſels, wie zuweilen von denſelben Schafen, wenn ſie in andere Haͤnde— zum Beiſpiel beim Verkauf ins Ausland— kommen, die Wolle um zwanzig und mehr Procent weniger gilt, ohne daß etwa dabei 74 der Kaͤufer einen ſonderlichen Gewinn macht. Viel tragen zu einer guten Schur die Scheeren bei, an denen man in neuerer Zeit ſo viele und ſo weſent— liche Verbeſſerungen angebracht hat, daß der Scheerer faſt keine Entſchuldigung mehr vorbringen kann, wenn er ſeine Arbeit nicht gut macht. Jedoch verleitet manche Schafzuͤchter eine uͤbel verſtandene Sparſam⸗ keit, daß ſie ſelbſt Veranlaſſung zu einer ſchlechten Schur geben. Denn wenn ſie dieſe Arbeit als Frohne, oder auch nach der Stuͤckzahl verrichten laſſen, ſo iſt denen, die ſie thun, wenig daran gelegen, ob ſie gut oder ſchlecht ausfaͤllt, wenn nur der Tag voruͤber iſt, oder wenn ſie nur eine recht große Anzahl von Stuͤcken geſchoren haben. Auf die Vorrichtungen, welche man zur Schur ge⸗ troffen hat, kommt auch nicht wenig an. Ein trocke— ner, geraͤumiger Platz, Gehuͤlfen, welche den Schee⸗ rern die Schafe halten, ſchnelle Reinigung des den Schafen entfallenen Unrathes, ſind alles Erforderniſſe, die zwar ein Jeder recht gut kennt, die aber, wenn es an guter Aufſicht fehlt, nicht immer, wie es ſeyn ſoll, beobachtet werden. Als eine Normalanſtalt der Art will ich wieder die auf der ſchon genannten Herrſchaft Al-Tſud in Ungarn anfuͤhren. Dort iſt ein eigenes Schurhaus auf einem hochgelegenen Anger erbaut. Der innere Bau iſt ſo gefuͤhrt, daß alle Balken und Sparren gothiſche Bogen bilden. Groß iſt daher die Ueberraſchung, wenn man noch in eini⸗ ger Entfernung davon iſt und beide Thore ploͤtzlich ————— . Nill dei, an weſent. Scheerer n, wenn verleitet parſam⸗ hlechten Frohne, „ſo iſt ſie gut uͤber iſt, Stuͤcken chur ge⸗ trocke⸗ Schee⸗ des den derniſſe, , wenn es ſeyn ganſtalt nannten Dott iſt n Anger daß alle Groß in eini⸗ pöhlic 7⁵ geoͤffnet werden. Dabildet ſich eine Perſpective dieſer Bogen, gleich einem Dom, und man ſieht durch die⸗ ſelbe im Hintergrunde eine mit dem friſcheſten Ge— buͤſch decorirte Gebirgspartie. Das Haus iſt etwa dreißig Klafter lang und zehn Klafter breit. An beiden Seiten der Waͤnde laufen Baͤnke hin, worauf die Scheerer ſitzen; laͤngs der Baͤnke ziehen ſich Tiſche, worauf die Schafe gelegt und ein jedes von einem vornſtehenden Menſchen gehalten werden. Aller Un⸗ rath wird ſchnell beſeitigt. Die abgeſchornen Vließe werden ſogleich weggenommen, auf einen Tiſch ge⸗ bracht und gewickelt. In einem Winkel des Schur⸗ hauſes iſt ein Schacht gegraben, der mit Brettern ausgetaͤfelt iſt, in welchen die Wollſaͤcke aufgehaͤngt werden, ſo daß man die gewickelten Vließe immer nur zu ebener Erde hingeben darf. Da iſt denn eine Schafſchur ein ſchoͤnes laͤndliches Feſt.— Kann nun auch nicht Jeder ſo etwas Großartiges ausfuͤhren, ſo iſt doch eine Nachahmung zu empfehlen. Ich kann fuͤglich mit dem Wenigen, was ich hier uͤber dieſen Gegenſtand zu ſagen hatte, ſchließen, da, wie ſchon bemerkt, in meinen andern Schriften das Noͤthige davon verhandelt iſt, und es hier lediglich darauf ankam, daß ich ihn, der Vollſtaͤndigkeit wegen, namentlich auffuͤhrte. III. Der Wollhandel. Nur erſt ſeitdem es edle und veredelte Wolle gibt, hat ſich ein eigentlicher Handel mit dieſem 76 Producte gebildet, da die gemeine faſt uͤberall von den Verarbeitern unmittelbar bei den Erzeugern geſucht und gekauft wurde. Allemal aber traͤgt der Handel mit ſolchen Waaren und Producten am meiſten ein, welche noch nicht gar lange Zeit in ihn aufgenommen ſind. Daher iſt denn auch der Wollhandel eine Quelle des Reichthums fuͤr viele Kaufleute geworden, ob⸗ gleich er auch fuͤr ſo manchen den Ruin herbeigefuͤhrt hat. Zu jedem Handel gehoͤrt Sachkenntniß und Gluͤck, zu dem einen mehr, zu dem andern weniger. Die Sachkenntniß muß ſich auf die Waaren und Pro⸗ ducte erſtrecken, mit deren Ein- und Verkauf man ſich befaſſen will; das Gluͤck betrifft die Fuͤgung der Zeitumſtaͤnde, welche ſich fuͤr beide entweder guͤnſtig oder unguͤnſtig geſtalten koͤnnen, und welches man die Conjunctur nennt. Dem Schafzuͤchter muß als Wollerzeuger daran liegen, daß der Wollhandel ſtets florire, und er wird, wenn er eine richtige Anſicht von der Sache hat, dem, der ihn betreibt, gern einen Gewinn in ſeinem Geſchaͤft goͤnnen, weil ein ſolcher ihn zum Fortbetriebe desſelben aufmuntert, und zugleich auch Andern Muth macht, ſich darauf einzulaſſen, was denn immerfort die willige Abnahme und die lohnende Verwerthung des Productes ſichert. Waͤre er damit einzig und allein an die Verarbeiter, d. i. die Manu⸗ facturiſten, verwieſen, ſo wuͤrden die Preiſe ungleich mehr gedruͤckt ſeyn, als ſie es jetzt zuweilen ſind. Denn dieſe kaufen meiſtentheils nur fuͤr ihr augenblickliches von den geſucht Handel en ein, ommen Quelle en, ob⸗ gefuͤhrt iß und eeniger. no Pro⸗ ruf man ung der guͤnſtig nan die r daran und er Sache vinn in on zum ich auch 1, was öhnende damit Manu⸗ ingleich . Denn cliches 77 Beduͤrfniß, und es wuͤrde daher, ohne die Dazwiſchen⸗ kunft des Wollhandels, der Producent ſtets ein be⸗ deutendes Quantum auf dem Lager behalten, wor⸗ auf er nicht eingerichtet iſt, was alſo viele Unbe— quemlichkeiten fuͤr ihn haben wuͤrde. Dazu kaͤme noch ein Uebelſtand, der darin laͤge, daß der in⸗ laͤndiſche Fabricant in vielen europaͤiſchen Laͤndern in der Regel keine ausgezeichnete Qualitaͤt ſucht, weil ſeine Fa bricate meiſtentheils von geringerer Guͤte ſind, und es muͤßten folglich die auslaͤndiſchen als Kaͤufer auftreten. Nun aber waͤren von dieſen die wenig⸗ ſten im Stande, eine ſo weite und koſtſpielige Reiſe wegen einer verhaͤltnißmaͤßig geringen Quantitaͤt von Waaren zu machen. Solche und aͤhnliche Uebelſtaͤnde beſeitigt der Wollhandel.— Sehen wir alles dieß aus dem richtigen Geſichtspunkte an, ſo werden wir bald von dem Vorurtheile geheilt werden, von wel⸗ chem manche Wollerzeuger befangen ſind, die da glauben, es haben die Wollhaͤndler die gefliſſentliche Abſicht, das Product herabzuwuͤrdigen, um es nur wohlfeil einkaufen zu koͤnnen. In ihrem Intereſſe liegt es vielmehr, es ſtets in hohem Preiſe zu erhalten, weil ſie dann ungleich mehr Gewinn von ihrem Ge⸗ ſchaͤft haben koͤnnen, als wenn ſie ſehr herabgehen. Daß ſie aber, wenn die Conjunctur ſich unguͤnſtig ſtellt, vorſichtig ſeyn und ſcheinbar den Wollverkaͤufer druͤcken muͤſſen, das gebietet ihnen die Regel der Klugheit und der Selbſterhaltung. Stellt ſich als— dann die Conjunctur auch wieder guͤnſtig, ſo gleicht 78 dieß immer nur die Verluſte aus, die ſie bei herab⸗ gegangenen Preiſen an ihren vorhandenen Lagern machten, und es iſt ihnen dieſes wahrlich gern zu goͤnnen. Die Conjunctur fuͤr jede Waare, welche ein Ge⸗ genſtand des Handels iſt, haͤngt von dem Begehr nach derſelben ab, und dieſer iſt wieder eine Folge der Meinung. Spricht ſich nun dieſe dahin aus, daß der Bedarf kaum gedeckt ſey, ſo erwacht uͤber— all die Kaufluſt, und ſie realiſirt ſich nicht allein in denen, welche die Waare fuͤr den eben vorhan⸗ denen Bedarf ſuchen, ſondern auch in den Specu⸗ lanten, d. h. in den Kaͤufern, welche eine Waare auf Hoffnung eines daran zu machenden bedeuten⸗ den Gewinns kaufen. Die Baſis dieſes ganzen Ganges iſt und bleibt aber das Beduͤrfniß, und nur der, welcher dieſes richtig aufzufaſſen verſteht, wird in ſeiner Speculation gluͤcklich ſeyn. Bei un— entbehrlichen Gegenſtaͤnden und bei ſolchen, welche ſich durch keine anderen erſetzen laſſen, kann man bei ſcharfer Auffaſſung aller Umſtaͤnde jenes Beduͤrf⸗ niß viel leichter beurtheilen, als bei entbehrlichen oder ſolchen, die man durch andere erſetzen kann. Als Mittel zu einer zweckmaͤßigen und geſunden Bekleidung, beſonders in unſerm nordiſchen Klima, kann man zwar die Wolle als unentbehrlich betrach⸗ ten; daß man ſie jedoch durch andere Producte er— ſetzen kann, das beweist die Surrogirung, die man ihr ſo haͤufig mit der Baumwolle anthut. Die —— jherab⸗ Lagen gern zu ein Ge⸗ Begeht e Folge in aus, ht uͤber⸗ allein vorhan⸗ Specu⸗ Waare deuten⸗ ganzen j, und zerſteht, Bei un⸗ welche nan bei Beduͤrf⸗ hrlichen kann. eſunden Klima, eetrach⸗ acte er⸗ ie man De 79 Tendenz unſrer Zeit iſt Wohlfeilheit der Waaren. Bisher war der Preis der Schafwolle immer noch hoch, daher auch die aus ihr gefertigten Waaren im Verhaͤltniß zu andern immerfort theuer zu nen⸗ nen ſind, und weßwegen man auch allerlei Unter⸗ ſchiebungen verſucht und treibt, wozu ſich die ſo ſehr wohlfeile Baumwolle am beſten eignet. Dar⸗ aus folgt denn, daß der Bedarf, oder vielmehr der Verbrauch der Wolle nur alsdann bedeutend zuneh⸗ men kann, wenn ihr Preis herabgeht, und ſich mit allen andern zur Bekleidung geeigneten Stoffen in ein beſſeres Gleichgewicht ſtellt.— Da fragt frei⸗ lich der Wollproducent, wozu ihm das nuͤtzen koͤnne, wenn ihm alsdann die Erzeugung der Wolle keinen Gewinn mehr trage. Ob dem ſo ſey, das ſteht zu unterſuchen. Verfolgen wir einmal ein wenig den geſchichtlichen Gang der Schafveredlung, ſo werden wir eine andere Anſicht der Sache bekommen. Als man vor etwa fuͤnfzig Jahren dieſelbe begann, wa⸗ ren die Preiſe der ordinaͤren Wolle bei weitem nie— driger, wie gegenwaͤrtig, und ſie galten ſchon fuͤr ſehr hoch, wenn ſie bis auf vierzig Reichsthaler fuͤr den Centner gingen. Ducchſchnittlich kamen ſie nicht uͤber 35 Rthlr. Und doch hielt man ſie fuͤr lohnend, ſonſt wuͤrde ſich ja Niemand mit Schaf— zucht abgegeben haben. Freilich muͤſſen wir fragen, ob nicht die damaligen landwirthſchaftlichen Ver⸗ haͤltniſſe eine viel wohlfeilere Erzeugung der Wolle moͤglich machten?— Das wuͤrde ſchwer zu bewei— 80 ſen ſeyn. Stellen wir nur die Factoren der Berech⸗ nung auf, ſo wird uns Licht daruͤber aufgehen. Das Grundeigenthum war zu jener Zeit eben ſo theuer wie heute, der Zinsfuß war hoͤher, die Waaren der Handwerker, welche der Landwirth be⸗ durfte, waren theurer, und der Geſinde⸗ und Ar⸗ beitslohn nicht niedriger wie gegenwaͤrtig. Einzig und allein die Staatsabgaben ſind jetzt hoͤher. Nun gehe man weiter und zaͤhle auf, was uns gegenwaͤr⸗ tig bei den Schaͤfereien zu Gunſten kommt.— Schafe, welche ordinaͤre Wolle tragen(die beſſer iſt als die ehemalige), koſten nicht mehr wie damals; der Schaͤferlohn iſt nicht hoͤher, und wenn man den faſt uͤberall jetzt abgeſchafften, damals aber beſte⸗ henden Antheil der Schafmeiſter in Anſchlag bringt, faſt niedriger geworden; die Schaͤferei hat Fort⸗ ſchritte gemacht, wodurch die Sterblichkeit, mithin die Verluſte vermindert ſind; der rationelle Be⸗ trieb des Landbaues ſchafft das Futter wohlfeiler wie ehemals; kurz alles ſpricht dafuͤr, daß den Schafzuͤchter heutzutage ſeine Wolle nicht ſo hoch zu erzeugen kommt, wie vor einem halben Jahr⸗ hundert. Wenn ſie nun gegenwaͤrtig, auch bei der unguͤnſtigſten Conjunctur, noch bedeutend mehr gilt wie damals, ſo tritt das Unnuͤtze und Ungebuͤhrliche der Klagen nur allzu klar hervor. Wie aber ſteht es um die veredelte Wolle? Iſt bei unguͤnſtiger Conjunctur nicht bei deren Erzeu⸗ gung ein Nachtheil?— Waͤre dieß, ſo koͤnnte man 81 Berech⸗“— firehen ohne alle weiteren Unterſichungen den Schafzuͤchtern eben ſagen, daß ſie Thoren wären, nicht anſtatt ver⸗ r, i edelter Schafe lieber nur gemeine zu halten. Aber die 1 Sache ſteht ſo gefaͤhrlich nicht. Alle genauen Be— irth be⸗ und Ar rechnungen ergeben, daß edle Schafe mehr eintragen Eini als gemeine, und daß, wenn auch die Wolle von 1 beiden einen niedrigen Preis hat, die von den edlen 4 Au dennoch verhaͤltnißmaͤßig noch mehr lohnt, als von Feudi den gemeinen. hige Wenn dem aber alſo iſt, wie ſoll man ſich da eſer ſ die Klagen der Wollproducenten erklaͤren, die man damals; immer ſo bald vernimmt, wenn die Preiſe nur ein man den wenig fallen? Dieſe Erklaͤrung iſt ſo ſchwer nicht. t beſte⸗ Man hat ſich bereits an die hohen Preiſe gewoͤhnt, bringt, und empfindet es ſchmerzhaft, wenn ſich das ein— at Fokt⸗ mal aͤndert; man baſirt den groͤßten Theil des mithin Einnahme⸗Etats auf die Schaͤferei, und bekommt èlle Be⸗ eine große Luͤcke, wenn die Einkaͤnfte derſelben ge— ohlfeiler ringer werden; und man gibt ſich endlich in einer daß den Menge von Oekonomien ſo wenig Rechenſchaft von ſo hoch dem Reinertrage der einzelnen Zweige, daß man n Jahr⸗ alsbald, wenn einer ein wenig in ſeiner Eintraͤg— bei der lichkeit naͤchlaͤßt, glaubt, es ſey Schaden mit ſei— ehr gilt ner Pflege verbunden.— Was noch weiter hier— üͤhrliche uͤber zu ſagen waͤre, das habe ich ſchon anderwaͤrts gethan. Das Reſumé vom Ganzen aber iſt und e? Iſ bleibt: daß allzu hohe Wollpreiſe allemal Etzeu⸗ den Grund zum bedeutenden Fallen ent— nte man halten, weil man dann der Wolle andere Elsner, das Edelſchaf ec. 6 82 Producte ſurrogirt, gerade ſo wie eine zu hohe Beſteuerung von Waaren zu Zoll⸗Defraudationen ver⸗ leitet. Nun wird freilich der Schafzuͤchter nicht ſo thd⸗ richt ſeyn, und ſein Product gefliſſentlich wohlfeiler verkaufen wollen, als was ihm der Abnehmer da— fuͤr antraͤgt, bloß aus dem Grunde, damit es im— mer geſucht bleiben moͤge. Aber fuͤgen wird er ſich in die Umſtaͤnde, und wird bei herabgegangenen Preiſen kein unnuͤtzes Geſchrei erheben, als wenn es nur eine Thorheit waͤre, noch ferner Schafe zu hal— ten. Der Kluge und Beſonnene bereitet ſich bei guͤnſtiger Conjunctur auf die unguͤnſtige vor, und hofft bei letzterer auf die erſtere, weil ihn die Er— fahrung gelehrt hat, daß ſie im ewigen Wechſel bleiben. Dann zieht er ſich von beiden die Fraction, und die ergibt immerfort einen Gewinn, welcher nur demjenigen nicht ganz klar wird, der in ſeinem dkonomiſchen Rechnungsweſen weder Umſicht noch Ordnung zeigt. Freilich wird in manchen Faͤllen dieſer Reinertrag nicht gar hoch ſtehen, ja er kann ſogar unter Null ſinken, wenn die Verwaltung der Schaͤferei von der Art iſt, daß ſie mehr koſtet als eintraͤgt. Unverſtaͤndigerweiſe gemachte, zu theure Zuchtvieheinkaͤufe, eine uͤbermaͤßig hohe Beſoldung des Schaͤferei⸗Perſonals, zu theure Fuͤtterung(z. B. mit Getreide); Saumſeligkeit in der Verpflegung und daraus entſtehende Verluſte durch Sterblichkeit 83 uho 84 u. dgl. m. kann ſolches bewirken, iſt aber alles Feh— ler der Perſonen und nicht der Sache. 1 Hinſichtlich des Wollhandels haben wir aber ſo thi noch zwei Fragen zu beantworten, und zwar: wird ohlfeidr er ſich auf ſeiner jetzigen Hoͤhe erhalten? ner de und wird der Bedarf an Wolle jemals e in ebenſowohl nicht uͤberboten werden, als kenſch er auch immer gedeckt bleiben wird? ungenen Was die erſte anlangt, ſo iſt ganz ſicher anzu⸗ Pee. nehmen, daß der Wollhandel nie ſinken kann, ſo zu ha⸗ lange die dermaligen Verhaͤltniſſe und Stellungen ſch ber der Laͤnder beſtehen. Jeder Handel iſt der Vermitt⸗ ler zwiſchen dem, der die Waare bedarf, und dem, und der ſie erzeugt. Erſterer ſucht ſie, letzterer traͤgt die dr ſie an. Da ſie aber beide nicht uͤberall zuſammen Wachſ kommen koͤnnen, ſo uͤbernimmt eben der Handel die etiüi Vermittlung. Das Verhaͤltniß der Laͤnder zu ein⸗ weihe ander in Hinſicht der Erzeugung und des Bedarfs ſeinei der Wolle kann und wird ſich aller Wahrſcheinlich— 9t noch keit nach noch auf weite Zeiten hinaus erhalten, Fäͤle d. h. es werden die einen mehr erzeugen als ſie er kam verbrauchen, und die andern mehr verbrauchen als ung der ſie erzeugen. Jenen liegt daran, an dieſe ihren ſet als Ueberfluß abzuſetzen; dieſen, ihren Bedarf von jenen theune zu bekommen. Da nun beides, Erzeugung und Be⸗ ſoldung darf, noch immerfort im Zunehmen iſt, ſo folgt 6.B. daraus von ſelbſt, daß auch der Wollhandel ſich auf flegung ſeiner zeitherigen Hoͤhe nicht allein erhalten, ſondern ichkeit daß er an Ausdehnung noch gewinnen werde. 6* 84 Wie ſteht es aber mit der zweiten Frage: wird wohl jemals der Bedarf an Wolle uͤber⸗ boten werden, oder iſt Gefahr, daß er zu⸗ letzt nicht mehr gedeckt ſeyn wird? Bis jetzt hat man den erſten Theil dieſer Frage fortwaͤhrend mehr gefuͤrchtet, als den letzten. Die außerordentliche Zunahme der Wollproduction in ſo vielen Laͤndern, und ihre Ausdehnung bis in die entfernteſten Gegenden des Erdballs haben die Maſſe ungeheuer vermehrt. Dieſe Zunahme geſchah und geſchieht noch ſo reißend, daß man wohl dem Ge⸗ danken Raum geben kann, ſie werde gar bald den Bedarf uͤberbieten und ein tiefes Herabgehen der Preiſe zur Folge haben, und dieß, meint man, werde am Ende nur das einzige Mittel ſeyn, der Vermehrung Einhalt zu thun. Diejenigen, welche dieſe Meinung hegen, glauben nun jedes— mal, wenn die Conjunctur unguͤnſtig wird, nun ſey der Augenblick gekommen, wo es mit dem Gewinn bei der Wollerzeugung aus ſey. Schon mancher Schafzuͤchter hat ſich, von dieſer Meinung befangen, verleiten laſſen, im Fleiße fuͤr ſeine Schaͤ— ferei nachzulaſſen, und hat hinterher Urſache gehabt, ſeine Befangenheit zu bereuen, weil ihm bei der wiederkehrenden guͤnſtigen Conjunctur die Augen zu ſpaͤt aufgingen. Da nun das bis jetzt noch immer ſo gegangen iſt, und ſich noch niemals irgendwo ein ſolcher Ueberfluß von Wolle gezeigt hat, daß die Producenten ihr neues Product nicht haͤtten los wer⸗ in ſo in die Maſſe h und n Ge⸗ Id den en der man, ſeyn, enigen, jedes⸗ „ nun t dem Schon einung Schä⸗ gehabt, eei der gen zu immer wo ein aß die wer⸗ den koͤnnen, ſo folgt daraus der Schluß, daß uͤber— haupt noch nicht mehr Wolle erzeugt werde, als wiederum verbraucht wird. Verfolgen wir die Sache weiter, ſo finden wir, daß am Ende die Beſorg— niß, es werde das Product das Beduͤrfniß— wenn gleich erſt in ſpaͤtern Zeiten— nicht mehr decken, gegruͤndeter ſey, als die einer Ueberbietung der Nach— frage und des Bedarfs. Denn bedenken wir die ungeheuern Anſtrengungen, welche ſeit etwa zwei Decennien in ſo vielen Laͤndern zur Vermehrung der Wollproduction gemacht worden ſind, und daß da— mit keine ſichtbare Ueberfuͤllung des Marktes her⸗ beigefuͤhrt worden, mithin der Bedarf mit der Zu— nahme der Erzeugung gleichen Schritt gehalten hat, ſo kann wohl der Gedanke aufſteigen, es werde zu— letzt jener dieſe uͤberbieten, zumal die Vermehrung der Production am Ende allenthalben ihr Ziel findet, was mit der Vermehrung der Bevoͤlkerung und dem gleichzeitig zunehmenden Bedarf an Bekleidung nicht eine gleiche Nothwendigkeit hat.— Indeß darf man auch einer derartigen Beſorgniß nicht Raum geben, weil in ſo vielen Laͤndern der Erde die Graͤn— zen, bis zu welchen ſich die Production ausdehnen laͤßt, noch weit geſteckt ſind, und weil man auch der Schafwolle in ſo vielen Faͤllen die Baumwolle ſurrogiren kann.— So waͤre denn auch dieſe Frage zur Beruhigung der dabei Betheiligten zu beant— worten. Iſt es nun ein durch die bisherige Erfahrung — ͦ— ———— — — — 1— 8— 86 beſtaͤtigter Satz, daß Erzeugung und Verbrauch der Wolle in einem ſolchen Verhaͤltniſſe ſtehen, wobei weder Ueberfluß noch Mangel, weder eine Entwer⸗ thung noch eine Vertheuerung des Productes veran— laſſen koͤnnen, ſo fragt man billigerweiſe: warum zuweilen die Preiſe ſo raſch in die Hoͤhe und ein an— dermal dieſelben wieder ſo tief herabgehen?— Die Antwort, welche man hierauf geben muß, lautet: das macht die jedesmal beſtehende Conjunc⸗ tur. Was man aber hierunter zu verſtehen habe, das bedarf einer Erklaͤrung. Die Bedeutung des Wortes iſt die: wenn gewiſſe zuſammenwirkende Umſtaͤnde eine guͤnſtige Meinung fuͤr irgend eine Waare begruͤnden, ſo tritt fuͤr ſie eine guͤnſtige, fin— det das Gegentheil ſtatt, eine unguͤnſtige Zeit zum Verkauf ein. Dieſe Umſtaͤnde ſind oftmals keines⸗ wegs ſo bedeutend, daß man einen ſolchen Um⸗ ſchwung im Handel, wie ſie hervorbringen, von ihnen erwarten ſollte. Aber was ſie wichtig macht, das iſt die Speculation, welche ſogleich rege wird, als man einen Gewinn beim Ein- und Verkaufe der Waare zu machen hoffen kann. Die erſten Ver⸗ anlaſſungen zu einer derartigen guͤnſtigen Conjunctur ſind augenblicklicher, irgendwo hervortretender Man— gel an der Waare, oder ſchnell eintretender ſtarker Begehr nach irgend einem Lande oder einer Gegend. Denn wenn auch, wie ich wiederholen muß, Erzeu— gung und Bedarf ſich die Wage halten, ſo iſt nicht immer und uͤberall ein volles Gleichgewicht darin 87 rauch der 3. b 5 hergeſtellt; auch vermehren zuweilen die Manufac— 7 wo.„.„„. e„ e 1 turen ſchnell ihren Betrieb, weil ihnen eine guͤnſtige entwer 4 Ausſicht nach irgend einer Gegend ſich oͤffnet, und es bern⸗ ſo wird ihr Bedarf groͤßer als gewoͤhnlich, und ſie wanm thun lebhaftere Nachfrage in den Woll⸗Niederlagen. dein en⸗ Dieß begruͤndet bei den Verkaͤufern ſchnell die Mei— — d nung, daß dieſe Nachfrage nicht allein fortdaure, lautt ſondern auch noch zunehmen werde. Alsbald ver⸗ onjunce breitet ſich dieſe Meinung weiter und bewirkt, daß en habe, die Verkaͤufer zuruͤckhalten, die Kaͤufer dagegen ſich tung des zum Verkaufe draͤngen. Dazu tritt denn noch die wifkende Speculation, und die Sache iſt gemacht, und es end eine wird eine Erſcheinung hervorgerufen, wie wir ſie ige, fin⸗ ſchon ſo oft geſehen und kaum haben erklaͤren koͤn— Zeit zum nen. Ganz gleiche Wirkung kann, bei ſonſt vdllig keines⸗ gleichem und regelmaͤßigem Betriebe der Manufac— hen Um⸗ turen, eine etwas geringer als gewoͤhnlich ausſchla⸗ en, von gende Wollernte hervorbringen. Kommt nun der ig macht, erſte Hauptmarkt im Jahre, und befriedigt eben ige wind, wegen des geringeren aufgebrachten Quantums den Verkauft Begehr nicht voͤllig, ſo treten alsbald ganz dieſel— ſten Ver ben Erſcheinungen ein, wie ich ſie ſo eben darge— enjunctur ſtellt habe. In beiden Faͤllen aber kann, wie es der Man⸗ ſich hinterher in der Regel auch ausweist, das Be— t ſtarker duͤrfniß vollkommen gedeckt ſeyn. Nur die Meinung Genend iſt davon nicht uͤberzeugt, und ſie iſt die regierende Etzer Potenz alles Handels. Eine entgegengeſetzte, d. h. ſſ nich eine unguͤnſtige Conjunctur bildet ſich eben ſo ſchnell, üt dein doch, wie es ſich von ſelbſt verſteht, durch einge— 88 tretene Umſtaͤnde, welche das Gegentheil von den angefuͤhrten ſind. Trotz dem aber, daß im erſten Falle die Waare eifrig geſucht und mit hohen Prei— ſen bezahlt wird, im andern aber verachtet iſt und im Werthe herabgeht, kann in beiden Faͤllen der Bedarf mit dem vorhandenen Vorrathe im richtigen Verhaͤltniſſe ſtehen, wornach der Preis feſt ſeyn und ſich gleich bleiben ſollte. Wenn wir nun aber uͤberzeugt ſeyn koͤnnen, daß der Wollhandel nach wie vor floriren und auf ferne Zeiten beſtehen werde, ſo kann er dennoch ſich in ſeinem Gange aͤndern und andere Richtungen neh⸗ men. Bisher ging der Haupthandel mit edler Wolle von Deutſchland aus, und er hat ſeit laͤnge— rer Zeit ſchon das Uebergewicht uͤber den von Spa⸗ nien gewonnen. Menge und Guͤte der Waare zog auslaͤndiſche Kaͤufer herbei, wodurch die Nachfrage fortwaͤhrend im Zunehmen blieb. In ſeinem Strom wurde alle edle Wolle, die in Ungarn und Polen erzeugt wird, mit fortgeriſſen. Wird das ferner ſo bleiben?— Daran iſt zu zweifeln!— Wir befinden uns allen Anzeichen nach auf einem ent— ſcheidenden Wendepunkte dieſes Handels. In Deutſch— land leben, hauptſaͤchlich in Folge des Zollverban⸗ des, die Manufacturen immer mehr auf, und ihr Umſchwung nimmt zu. Die Folgen davon zeigen ſich bereits jetzt ſchon und werden im fernern Verlaufe der Zeit noch ſichtbarer hervortreten. Ein großer Theil der veredelten Wolle bleibt im von den m erſten en Prei⸗ iſt und llen der ichtigen eyn und en, daß f ferne ſich in en neh⸗ t edler laͤnge⸗ n Spa⸗ are zog ſchfrage Strom Polen ferner Wir m ent⸗ deeutſch⸗ eerban⸗ nd ihr zeigen ernern treten. öt im 89 Lande und wird in den inlaͤndiſchen Manufacturen verarbeitet, und es kann die Zeit kommen, wo we— nig mehr zur Ausfuhr uͤbrig bleibt. Dieß muß na— tuͤrlich dem Wollhandel eine andere Richtung geben. Bisher haben die deutſchen Wollhaͤndler ein eintraͤg— liches Zwiſchengeſchaͤft betrieben, indem faſt alle aus Polen und Ungarn ausgefuͤhrte Wolle durch ihre Haͤnde ging. Aller Wahrſcheinlichkeit nach wird ſich dieß in der Folge aͤndern. Schon haben Englaͤnder und Niederlaͤnder die Maͤrkte in Warſchau und Peſth beſucht, und da ſie dort keine ſchlechten Ge— ſchaͤfte machen, ſo iſt an ihrem Wiederkommen nicht zu zweifeln. Dazu kommt noch die Handelsverbin— dung, welche ſich zwiſchen engliſchen und ungariſchen Handelshaͤuſern anknuͤpft. Ungarn ſchreitet quanti— tativ und qualitativ in der Wollproduction feſt und conſequent vor, und eroͤffnet ſich damit die Ausſicht auf einen erweiterten Markt. Nur die eminente Qualitaͤt deutſcher Wolle lockt die Auslaͤnder noch immer auf unſre Maͤrkte. Sie wird ſich erhalten, dafuͤr buͤrgt der Fleiß und die Intelligenz unſerer Schafzuͤchter. Da jedoch das Product immer mehr von den inlaͤndiſchen Manufacturen in Anſpruch genommen und durch ihre Concurrenz dem Aus— laͤnder ein wenig vertheuert wird, ſo mag es ihm wohl Niemand verdenken, wenn er ſein Augenmerk anderswohin richtet. Die Elemente zu jener emi— nenten Qualitaͤt ſind in Ungarn ſo gut und verhaͤlt— nißmaͤßig faſt auch in ſolcher Menge vorhanden, 90 wie in Deutſchland, und es bedarf nur der Anre— gung durch gute Preiſe, um auch den Fleiß und die Intelligenz mehr zu wecken.— Alles dieß zu— ſammen genommen veranlaßt zu der Muthmaßung, daß ſich in der Folge der Wollhandel in Ungarn ent— wickeln und gar bald zu einer Bluͤthe entfalten werde, wie er ſie in Deutſchland nur jemals gehabt hat. Und was dieſe Muthmaßung noch mehr bekraͤftigt, das iſt der Umſtand, daß auch deutſche Wollhaͤndler und Manufacturiſten, die bisher faſt die einzigen Woll— kaͤufer in Ungarn waren, in der Folge nicht von den daſigen Maͤrkten entfernt bleiben, daß ſie folg— lich die Concurrenz vermehren werden. In Polen wird und kann der Wollhandel aus drei Gruͤnden nicht denſelben Aufſchwung nehmen wie in Ungarn. Erſtens walten dort nicht ſo viele guͤnſtige Umſtaͤnde fuͤr die Wollerzeugung— ſowohl nach Menge als nach Guͤte— vor, als wie hier; zum zweiten iſt auch Warſchau als Handelsplatz bei weitem nicht ſo guͤnſtig gelegen; und zum dritten wird ein großer Theil des erzeugten Productes fuͤr das Land ſelbſt in Anſpruch genommen, da die Landesregierung ſo viel zum Emporkommen der Manufacturen thut, und da hierin Ungarn gegenwaͤrtig noch zuruͤckbleibt. Welche Richtungen aber auch immer der Woll— handel noch nehmen ſollte, er wird ſtets lohnend bleiben, und nur denen Verluſt und Einbuße brin⸗ gen, die entweder ohne Sachkenntniß ſich auf ihn einlaſſen, oder durch unbeſonnene Specnlation ſich der Ann⸗ Fleiß id dieß ze hmaßunn garn ent ten werde, hat. Un ftigt, de indlet und gen Wol— nicht von F ſie fol⸗ indel aus hmen wie eguͤnſtige ch Menge zweiten i weitem wird ein das Land regierung ren thut, uͤckbleibt. er Wol⸗ lohnend iße btin⸗ auf ihn tion ſich 91 muthwillig Verluſte zuziehen, oder auch nicht ſcharf— ſichtig genug ſind, ſeinen Richtungen genau zu folgen. Drittes Capitel. Die Erzeugung der edlen Wolle. Intelligenz und geſammelte Erfahrungen ſind die beiden Huͤlfsmittel, welche man anzuwenden hat, wenn man ſich mit gutem Erfolge der Erzeugung von edler Wolle befleißigen will. Zuweilen helfen gluͤck— liche Zufaͤlle auch, daß man das Ziel ſchnell erreicht. Der beſonnene Schafzuͤchter wird jedoch auf dieſe nicht rechnen, und ſie nur, wo ſie ihn beguͤnſtigen, klug benuͤtzen. Die Aufgabe, die er ſich zu ſtellen hat, iſt: in Menge und Guͤte des Productes gleichzeitig vorzuſchreiten. Sie iſt nicht leicht zu loͤſen, wie ein jeder, welcher ſich der edlen Schaf— zucht widmet, aus Erfahrung weiß: denn indem man eifrig nach dem einen ſtrebt, bleibt man gewoͤhnlich in dem andern zuruͤck. Ein hoher Reinertrag iſt es, den man haben will, und beide Eigenſchaften koͤnnen ihn gewaͤhren. Daher muß der Schafzuͤchter ſein Fach fortwaͤhrend wie ein Rechnungsexempel betrach⸗ ten, deſſen Factoren er ſtets im Auge behaͤlt und ſorgfaͤltig pruͤft. Vermindert ſich der eine, ſo muß er ſchnell eingreifen und es nicht darauf ankommen laſſen, bis der andere ſich in gleicher Art vermehrt, — 1——— — E 92 und das zu fuͤrchtende Minus ausgleicht. Denn nur allzubald tritt der Fall ein, wo auch der hoͤhere Factor ſinkt, und wo der geſunkene ſich unterdeß noch nicht wieder gehoben hat. A. Von der Menge der Wolle. Die Menge ſey es alſo zuerſt, auf die wir ſehen wollen. Sie haͤngt ab von der Flaͤche, worauf ſie waͤchst, und von der Dichtigkeit, zu der ſie gelangt. Unter uͤbrigens gleichen Verhaͤltniſſen bringt ein gro⸗ ßes Schaf allezeit mehr Wolle als ein kleines. Freilich bedarf das erſtere auch mehr Raum im Stalle und mehr Futter. Noch iſt die Frage nicht erſchoͤpfend genug beantwortet, ob ſich die Sache mit großen und kleinen Schafen wie ein Rechnungsexempel ſtellen laͤßt, d. h. ob ein Schaf ganz in gleichem Maaße mehr Futter braucht, inſofern es groͤßer iſt, als ein an— deres, ſo daß das, deſſen Groͤße, in Zahlen ausge— druͤckt, z. B. 30 waͤre, im Vergleich zu einem andern, das man nur als 25 groß faͤnde, auch im Futter allezeit die Portion 6 beduͤrfte, wenn dieſes nur 5 noͤthig hat. Die Phyſiologie der Thiere ſowohl wie die Erfahrung ſtellt uns kein ſolches Erxempel auf, und letztere beweist oft genug, daß ein kleineres Thier eben ſo viel, ja zuweilen gar noch mehr an Nahrung zu ſich nimmt, als ein groͤßeres. Jedenfalls aber iſt und bleibt das gewiß, daß im Durchſchnitt Thiere derſelben Gattung nicht um ſo viel an Nahrung mehr beduͤrfen, als ſie Denn er hoͤhere deß noch vir ſehen orauf ſe gelangt. ein gra— kleines. n Etale hoͤpfend großen elſtellen Maaße ein an⸗ ausge⸗ andern, Futter 3 nur5 ohl wie el auf, 5Thier ahrung s aber hnitt m ſo s ſie 93 an Groͤße ihresgleichen uͤbertreffen. Dar⸗ aus folgt denn die Lehre, daß es beſſer ſey, auf große als auf kleine Koͤrper bei den Nutzthieren zu ſehen, daß folglich auch eine Schafheerde, unter uͤbrigens vorausgeſetzten ganz gleichen Verhaͤltniſſen, mehr eintrage, wenn die ſie bildenden Thierevongroßer Koͤrpergeſtalt, als wenn ſie klein ſind. Dieſe Lehre wird weder uͤberall geglaubt, noch beherzigt. Wer ſie aber einmal durch die Erfahrung beſtaͤtigt gefunden hat, der laͤßt gewiß nicht mehr von ihrer Befolgung. Wie aber hat man es anzufangen, um große Schafe zu haben? Gruͤndet man eine neue Heerde durch Ankauf, ſo hat man ja die Wahl, ob man kleine oder große Exemplare kaufen will. Freilich iſt die Wolle, welche ſie tragen, das erſte, und wo ſie ſchlecht und unedel iſt, da kann die Geſtalt und Groͤße der Schafe allein nicht entſcheiden, was nur der Fall ſeyn koͤnnte, wenn man ſie als Schlachtvieh aufſtellen wollte. Hat man aber die Wahl zwiſchen kleinen und großen Thieren, welche Wolle von ganz gleicher Guͤte tragen, ſo wird man kluger Weiſe wohl immer die großen waͤhlen, wenn ſie naͤmlich nicht etwa andere koͤrperliche Fehler haben.— Bei der eigenen Aufzucht hat man die Sache ziemlich in ſeiner Gewalt, und man kann durch beſondere Pflege und Wartung der Laͤmmer von ihrer Geburt an, und durch gute und reichliche Fuͤtterung waͤhrend ihrer weiteren Entwickelung, einen kleinen Schafſchlag in 94 einen großen umwandeln, wovon die Beiſpiele ſo gar ſelten nicht ſind. Wenn nun aber auch die Groͤße der Schafe ein ausgedehntes Feld fuͤr die Wolle gibt, ſo bringt ſie doch nicht allemal auch einen Reichthum derſelben hervor, weil, wenn ſie ſchuͤtter gewachſen iſt, dieß die Menge ſehr herabſetzt. Daher muß man zum andern auch auf die Dichtigkeit der Wolle ſehen, eben weil leicht ein kleines Schaf mit dichtem und geſchloſſenem Vließe ein groͤßeres Wollquantum liefern kann, als ein großes mit ſchuͤtterem. Dieſe Sache iſt aus mehreren Gruͤnden noch bei weitem wichtiger, als die Groͤße der Schafe, denn es bedarf ein dichtwolliges Schaf durchaus nicht mehr Futter, bei gleicher Groͤße, bringt aber ganz in demſelben Maaße mehr Wolle, als ſie auf ihm dichter ſteht, wie auf jenem, was ſo weit gehen kann, daß es das Doppelte und daruͤber betraͤgt. Dichte Wolle iſt faſt allemal gutartiger als ſchuͤttere, hat alſo bei gleichem Feinheitsgrade mehr Werth. Jene ſchuͤtzt das Schaf mehr wie dieſe gegen alle aͤußeren Anfaͤlle, folglich entgeht man bei ihr leicht manchen Krankheiten. Bedenkt man alles dieß, und rechnet dazu noch die bittern Erfahrungen, welche diejenigen Schafzuͤchter gemacht haben, die uͤber dem allzueifrigen Streben nach Feinheit in Schuͤtterheit und Armwolligkeit ge⸗ riethen, ſo wird man es begreiflich finden, daß manche wieder auf der andern Seite zu weit gingen, und bei dem Streben nach Dichtwolligkeit die Feinheit aus dem Auge verloren. Eins thun und das Andere le ſo gu Grß olle gibt, ichthum wachſen uß man Wolle dichtem wuantum Dieſe weitem bedarf Futter, mſelben rſteht, es das iſt faſt gleichem Schaf folglich kheiten. noch die huͦchter Streben keit ge⸗ manche und bei eit aus Andere 95 nicht laſſen, das gilt auch hier als Regel. Wohl zu bedenken iſt uͤbrigens auch noch, daß, weil dichtge— wachſene Wolle in der Regel auch gutartiger iſt als ſchuͤttere, wie ſie z. B. frei iſt von fehlerhafter Kraͤuſelung, gewoͤhnlich viel Dehnbarkeit hat, mehr ihre Sanftheit bewahrt u. ſ. w., ſie auch bei einem minderen Feinheitsgrade doch einen hohen Werth behauptet. Uebrigens muß man ſich bei derſelben auch nicht durch den erſten Augenſchein taͤuſchen laſſen, denn ſie erſcheint gewoͤhnlich, wenn man das Vließ auf dem Schafe auseinanderfaltet, ſtaͤrker im Haar, als ſie wirklich iſt, wovon bei ſchuͤtter gewachſe— ner gerade das Gegentheil ſtattfindet: was ſeinen Grund in dem mehr oder weniger Praͤgnanten der Stapelbiegungen hat. Die Dichtigkeit und Geſchloſſenheit des Vließes muß aber auf keiner Taͤuſchung beruhen. Bekanntlich ſetzt man bei ihr einen ſtumpfen, nirgends geoͤffneten Stapel voraus. Das kann aber auch eine Wolle zeigen, die man mit Unrecht zur dichten Art zaͤhlt, und die einen Hauptfehler an ſich traͤgt, und zwar den, daß ſie nicht treu iſt im Haare. Es gibt be— kanntlich eine Wollart, deren Haare ſich fortwaͤhrend nach oben zu verdicken, was man mit bloßem Auge leicht entdeckt, wie ich auch ſchon im vorigen Capitel ſie beſchrieben habe. Eine ſolche taͤuſcht, und wenn man das Vließ bis auf die Haut oͤffnet, ſo findet man, daß die Haare, da wo ſie herausſproſſen, ſo ſchuͤtter ſtehen, wie bei einer andern, die aber 96 bei treuem Haare ein offenes und ſchuͤtteres Vließ zeigt. Wahrhaft dichte und edle Wolle hat ein vollkom— men treues Haar, und daher haben auch ihre Stapel von der Haut an bis in die Spitze gleiche Dicke; und wenn das Vließ nach guter Waͤſche geſcheren iſt, ſo kann man in einiger Entfernung kaum unter— ſcheiden, welches die untere oder welches die obere Seite iſt. Daher ſagt man von einer ſolchen Wolle auch, man kann ſie auf den Kopf ſtellen, ohne daß man dieß bald bemerkt. Indeß iſt ſie noch nicht ſo haͤufig zu treffen wie man glauben moͤchte. In vielen Heerden glaubt man ſie zu haben und taͤuſcht ſich ſehr damit, denn wenn es um- und ankommt, ſo iſt ſie entweder gar nicht fein, oder ſie hat den Fehler, daß ſie oben ſtaͤrker iſt als unten, oder ſie iſt noch nicht ausgeglichen und zeigt genau den Ueber— gang der Heerde aus einer Wollart in die andere, der uͤbrigens noch fern von Conſolidirung iſt. Da nun aber eine dichte und dabei tadelloſe, edle Wolle einen ſo hohen Werth hat, und das eigent⸗ liche Ziel alles Strebens der veredelten Schafzucht iſt, ſo wird die Beantwortung der Frage, wie man auf dem kuͤrzeſten und ſicherſten Wege zur Erzeugung derſelben gelangen koͤnne, einen Hauptpunkt des vorliegenden Werkchens ausmachen. Ich habe im erſten Capitel davon geſprochen, wie die Veredlung der Schafzucht eigentlich nichts weiter ſey, als ein Auffaſſen vorzuͤglicher Woll⸗ 9 es Alij volſkom⸗ e Stapel e Dicke, geſcheren m unter⸗ ie obere n Wolle hne daß nicht ſo e..In raͤuſcht kommt, hat den oder ſie en Ueber⸗ andere, adelloſe, eigent⸗ hafzucht vie man zeugung nkt des en, wie z weiter Voll⸗ 97 eigenſchaften, die ſich in manchen Thieren ganz beſonders ausſprechen, und ein Ver⸗ einigen und Uebertragen derſelben auf ihre Nachkommen. Die Vereinigung aller uns durch Anſchauen und Erfahrung bis jetzt bekannt gewordenen derartigen Eigenſchaften in einem Thiere erhebt dieſes zum Ideal. Ob dergleichen ſchon vor— handen ſind und ob man in manchen Heerden ſchon viele der Art habe, das iſt eine ſchwer zu beantwor— tende Frage. Jedoch werde ich noch Gelegenheit haben, Heerden namentlich nachzuweiſen, wo man ſie bereits trifft. Hier ſchreite ich zunaͤchſt zur Be— antwortung der vorliegenden Frage, wie man eine veredelte Schafheerde dichtwollig machen koͤnne?— Wuͤrde dem geuͤbten und ſcharfſinnigen Schafzuͤchter auch die Theorie nicht ſchon Mittel zu deſſen Bewerk— ſtelligung an die Hand geben, ſo wuͤrde ihm die Er— fahrung, welche mehrere derartige Verſuche geliefert haben, eine Leiterin werden koͤnnen. Da ſie aber jederzeit und unter allen Umſtaͤnden einen hoͤhern Werth hat wie die Theorie, ſo wollen wir ſie auch hier zuerſt ſprechen laſſen. Es hatten ſich ganz beſonders in Schleſien und Sachſen eine Menge von Schaͤfereien auf den Weg einer großen Schuͤtterwolligkeit verirrt, und ſie wur— den dieß aufs empfindlichſte gewahr, als ſie gleich— zeitig wenig Wolle gewannen, und dieſe im Werthe ſank. Dem Uebel ſchnell und kraͤftig abzuhelfen, gebot der eigene Vortheil. Gewoͤhnlich ſucht man Elsner, das Edelſchaf ꝛc. 7 98 durch Widder in jeder Schaͤferei eingeſchlichene Maͤn⸗ gel und Fehler zu beſeitigen, ſo wie vermittelſt derſelben ja jede Veredlung begonnen und auf eine hoͤhere Stufe gebracht wird. Will man dasſelbe auch durch angekaufte Mutterſchafe bewirken, ſo kommt man zwar fruͤher zum Ziele, muß aber ein großes Capital darauf zu verwenden haben. Dicht⸗ wollige Widder iſt ſeit ungefaͤhr fuͤnfzehn Jahren das Feldgeſchrei aller ſaͤchſiſchen und ſchleſiſchen Schafzuͤchter, und es hat ſich auch auf andere Laͤnder uͤbergetragen. Eine Verſchmelzung der Negrettis und Electorals lag dabei ſo nahe, daß ſehr Viele gleichzeitig darauf verfielen. Erſtere haben bekannt⸗ lich durchſchnittlich nicht allein eine kernigere und ſchwerere, ſondern auch eine dichtere Wolle. Aber viele Koryphaͤen der edlen Schafzucht hatten doch vor einer ſolchen Vermiſchung gewarnt, und wo ſie auch allenfalls dazu riethen, doch große Vorſicht empfoh— len. Indeß uͤberwog das Haſchen nach Gewinn alle Warnungen, und die ſchuͤtterwolligen, wenn gleich hochfeinen Widder der reinen Electoral-Heerden kamen immer mehr in Mißcredit. Eine der renommirte— ſten Schaͤfereien, die fuͤrſtlich Lichnowski'ſche in Schleſien, von der ich ſchon an andern Orten geſpro⸗ chen habe, hatte ſchon fruͤher dieſe Operation mit großem Gluͤcke verſucht, und war dadurch zu einem hoͤchſt glaͤnzenden Ruf emporgeſtiegen. Zu ihr ward nun der Zudrang nach Widdern immer groͤßer, und man uͤberbot ſich in den Preiſen fuͤr ausgezeichnete eene Min⸗ vermitteſt auf eine dasſelbe irken, ſo aber ein Dicht⸗ n Jahren hleſiſchen re Laͤnder Negrettis ſehr Viele bekannt⸗ gere und — Mer doch vor ſie auch empfoh⸗ winn all enn gleich den kamen vommirte⸗ kiſche in en geſpte⸗ tion mit zu einem ihr wand zer, und ezeichnete 99 Thiere. Neben ihnen kamen aber auch andere auf, die ſich theils aus ihnen angeſtammt hatten, theils auf demſelben Wege, wie jene, zu gleichem Reſultate gelangten.— Es kam naͤmlich der kaum glaubliche Fall vor, daß ſchleſiſche Schafzuͤchter nach Holitſch in die kaiſerlichen Stammheerden gegangen waren, und dort Zuchtwidder und Zuchtſchafe gekauft hatten; nach Holitſch, von deſſen obgleich original-ſpani— ſcher Schaͤferei man ſchon ſeit langer Zeit die Vor— ſtellung hatte, daß ſie in der Guͤte ihrer Wolle allen deutſchen Schaͤfereien von nur geringem Rufe nach— ſtaͤnde, was auch factiſch durch ihre geringen Preiſe ſich darlegte, die nicht viel uͤber die Haͤlfte von denen der edelſten deutſchen Schaͤfereien betrugen und noch betra⸗ gen. Genug: die Sache war einmal nicht anders, und es haben einige Schafzuͤchter, welche die Gunſt des Augen— blicks zu benutzen verſtanden, damit bedeutendes Gluͤck gemacht. Eine neue wichtige, fruͤher noch nicht klar ausgeſprochene, Erfahrung iſt dadurch hervorgetreten, und das iſt die: daß eine Vermiſchung des Blutes unter manchen Umſtaͤnden uͤberra⸗ ſchend guͤnſtige Reſultate liefert, voraus⸗ geſetzt, daß ſie mit Umſicht undSachkennt⸗ niß vollzogen wird. Daraus folgt, daß es zum Umſchwunge der ganzen veredelten Schafzucht viel beitraͤgt, wenn die verſchiedenen Laͤnder ſich gegen— ſeitig das, was ſie beſitzen, mittheilen und austau— ſchen; und darauf kann man mit Zuverſicht die Vor— herſagung gruͤnden, daß wir in der Folge in Deutſch— 7 † 100 land noch Manches aus Ungarn bekommen werden, was ſehr erſprießlich fuͤr uns ſeyn, und wodurch dieſes Land uns das, was wir ihn ſchon geliefert, wieder vergelten wird. Aber auch in Frankreich haͤtten wir gleiche Elemente, und zwar in Ramboulllet, finden koͤnnen, wenn es nicht eine Thorheit geweſen waͤre, etwas, was wir naͤher und wohlfeiler haben konnten, in der Ferne zu ſuchen und theurer zu bezahlen. Haben nun gleich manche Schafzuͤchter gluͤckliche Erfolge von einer derartigen Miſchung geſehen, ſo fehlt es keineswegs an Beiſpielen vom Gegentheile. Eine Vergroͤberung der Wolle, vornehmlich aber eine Unausgleichung des Pließes iſt damit in vielen Heerden eingeriſſen. Dieß ging noch vor wenigen Jahren ſo weit, daß die Wollekaͤufer allen Ernſtes behaupteten, es ſey die deutſche Schafzucht im raſchen Ruͤckſchritte zur Vergroͤberung. Wirklich ſortirte man auch aus vielen ſonſt ſchon ſehr guten Schuren bei weitem weniger hochfeine, in die erſten Sortimente gehoͤrige Wolle heraus. Dieſer Nachtheil war aber fuͤr den Augenblick unvermeidlich, und nur der Fleiß und die Intelligenz konnten ihn im Laufe der Zeit wieder aufheben. Wirklich ſind Sachſen und Schleſien auch bereits wieder auf derſelben Hoͤhe mit ihrem Producte, worauf ſie ehemals geſtanden haben, und eine reich— lichere Schur iſt die Frucht jenes Strebens. Um das bewieſen zu bekommen, kann man frei⸗ lich mit Recht auch fragen, ob dieſes Mehrgewicht verden, vodurch liefert, mnkreich ouillet, geweſen haben ner zu ickliche en, ſo ntheile. er eine deerden gren ſo pteten, ſchritte ich aus weitem ehoͤrige ar den und die wieder en auch oducte, e reich⸗ in frei⸗ gewich 101 von der Bedeutung ſey, daß man es in dem zum Verkaufe aufgebrachten Quantum entſchieden gewahr werde? Groͤßer iſt dieſes Quantum jedenfalls, nur muß auch ermittelt werden, wie viel auf die ver— mehrte Stuͤckzahl zu rechnen ſey, denn daß dieſe noch fortwaͤhrend im Zunehmen begriffen iſt, das beweiſen die ſtatiſtiſchen Tabellen. Erforſcht man dieß alles genau, ſo ergibt ſich, daß allerdings die Vermehrung des Wollequantums durch reichwolligere Schafe ſchon auf einige Procente gegen fruͤher anzuſchlagen iſt, und es wuͤrde dieſelbe noch groͤßer ausfallen, wenn nicht noch viele Heerden erſt im Einlenken begriffen waͤren, die bis jetzt immer noch zu den armwolligen zu zaͤhlen ſind. Geſetzt nun aber auch, es kommt eine Heerde wirklich in der Qualitaͤt der Wolle ein wenig zuruͤck, waͤhrend ſie nach Vermehrung der Menge ſtrebt, ſo iſt der directe Schaden, den ſie in der geringeren Geldeinnahme wegen niedrigeren Preiſes erleidet, nicht gerade groß, weil die zunehmende Menge dieß bald wieder ausgleicht. Woran aber gleichzeitig zu denken iſt, das iſt der Ruf der Schaͤferei, welcher ſehr bald leidet, wenn man niedrigere Wollpreiſe be— kommt. Bei der Vermehrung der Wollmenge auf dem eben beſchriebenen Wege hat man aber noch etwas zu bedenken, was beſonders fuͤr die Folge von Wichtig— keit iſt, und das iſt die Ausgeglichenheit des Vließes. Es iſt naͤmlich ein Erfahrungsſatz, daß eine Ver— 102 miſchung der beiden Hauptſtaͤmme, die in ihren Wolleigenſchaften ſo weſentlich verſchieden ſind, eine ungleiche Feinheit des Haares und eine Ungleichartig— keit der Wolle im Vließe zur Folge haben. Das iſt eben die Klippe, an welcher ſo viele ſcheitern, die einen derartigen Weg einſchlagen. Schon aͤußerlich kann man das Ungleichartige bemerken, indem das Vließ ſcheckig und getigert wird, ſo daß ſchwarz— braune und grauweiße Flecke darauf wechſeln, was eine Folge des verſchiedenartigen Fettſchweißes, und dieſes wiederum eine Folge des verſchiedenen in einem Thiere gemiſchten Blutes iſt. Unterſucht man die Wolle genauer, ſo findet man, daß ihre Natur oder ihr Charakter auch auf den verſchieden gefaͤrbten Stellen verſchieden iſt. Aber auch ſehr unausgeglichen wird ſie, d. h. ihre Feinheit wechſelt ſehr auf den ver— ſchiedenen Koͤrperſtellen. Dieß alles ſetzt das Product in ſeinem Werthe herab, und dieß war es auch ganz beſonders, was den Tadel, als ginge die deutſche Schafzucht zuruͤck, hervorrief. Um all' dieſem zu entgehen, dazu bedarf es vieler Sachkenntniß und Erfahrung. Ich habe an andern Orten ſchon davon geſprochen, daß die beiden Hauptarten der Merinos, die Negrettis und Electorals, ſo verſchieden ſie in ihrer Wolle, ja ſelbſt in ihrer Koͤrperbildung auch ſind, dennoch in einzelnen Exemplaren einander gar nicht ſo fern ſtehen, wie man glaubt, ſo daß, wenn man vorzugsweiſe dieſe Exemplare zur Zucht waͤhlt, man ohne Vermiſchung des Blutes eine Race in die wi n ihren d, eine chartig⸗ Das iſt tn, die ußerlich em das chwarz⸗ das eine dieſes Thiere Wole der ihr Stellen en wird en ver⸗ Product ch gan deutſche ſem zu üß und dabvon kerinos, ſie in g auch der gat „wenn waͤhlt ein di 103 andere hinuͤber bilden koͤnne; ich habe ſogar auch Beiſpiele angefuͤhrt, wo dieß geſchehen iſt, und ich vermehre dieſe Beiſpiele dadurch, daß ich nachweiſe, wie namentlich in Maͤhren mehrere Schaͤfereien, ohne fremde Beimiſchung, aus ihren reinen Negrettis einen großen Theil in wahre Electorals dadurch umgezuͤch⸗ tet haben, daß ſie vorzugsweiſe diejenigen zur Zucht waͤhlten, welche ſich in Feinheit und Sanftheit der Wolle, und demgemaͤß auch durch ſchlanken Koͤrper— wuchs auszeichneten. Hierin liegt ein Fingerzeig, wie man zu verfahren habe, wenn man, um der zur Wollarmuth ausartenden großen Zartheit der Electo— rals durch Vermiſchung mit Negrettis vorbeugen will. Man muß alsdann zur Zucht vorzugsweiſe ſolche Exemplare waͤhlen, die in manchen Eigenſchaf⸗ ten ſchon eine Hinneigung zur andern Art zeigen. Schlecht wird faſt allemal das Reſultat ſeyn, wenn man z. B. fuͤr den beabſichtigten Zweck Negretti⸗ Widder mit ſchroff hervortretenden Eigenſchaften ihrer Race Electoral⸗Mutterſchafen von der groͤßten Zartheit beigeben wollte. Verſuche der Art kann man zwar machen, um auch die Erfolge ſolcher Miſchungen oder eigentlichen Kreuzungen kennen zu lernen, aber im Großen ſind ſie gefaͤhrlich und koͤnnen eine Schaͤferei weit zuruͤckbringen. Wenn man jedoch durch eine ſolche Vermiſchung und reſp. Kreuzung auch in den erſten Generationen wirklich durch nicht ganz guͤnſtige Erfolge uͤberraſcht wird, ſo muß man ſich dadurch nicht ſobald von dem 104 einmal aufgefaßten Ziele abbringen laſſen, ſondern vielmehr mit Conſequenz nach deſſen Erringung ſtre— ben. Waͤhlt man, um dahin zu gelangen, den leich— tern Weg dadurch, daß man Widder aus Heerden kauft, welche ſchon die erſten Generationen dieſer Vermiſchung hinter ſich haben, ſo erreicht man aller— dings ſein Ziel leichter, und beſonders alsdann, wenn man gut zu waͤhlen verſteht. Ehe ich die andere Art, welche man zur Ver⸗ mehrung des Wollreichthums und alſo zu einer aus— giebigeren Schur einſchlaͤgt, uͤbergehe, muß ich vor dem Zuviel, was man bei der hier abgehandelten Vermiſchung zweier Racen leicht thun kann, warnen. Schon gibt es Schaͤfereien, welche in dieſen Fehler verfallen, und welche offenbar auf dem Wege einer Verſchlechterung ihrer Wolle begriffen ſind. Die Menge macht es allein nicht, wie unter andern die kaiſerliche Stammſchaͤferei in Holitſch beweiſ't, welche ich darum gerade nenne, weil ich oben ſchon von ihr ſprach; und wenn man auch wirklich um die Haͤlfte mehr an Gewicht hat, und man bekommt um zwei Drittheile weniger im Preiſe, ſo hat man offenbaren Verluſt. Dabei muß aber der deutſche Schafzuͤchter den Geſichtspunkt feſthalten, daß nur ſein ausgezeichnetes Product ihm den Abſatz fuͤr die Dauer ſichert. Ein zweites Mittel, um die in einer Schaͤferei uͤberhand nehmende Armwolligkeit auszurotten, liegt faſt in jeder Heerde ſelbſt. Mehr oder weniger er— ———————— 105 ſonden halten ſich in einer jeden Thiere, welche ſich durch ng ſi Dicht- und Reichwolligkeit auszeichnen. Solche en lih darf man nur vorzugsweiſe zur Zucht waͤhlen, und dennde conſequent damit fortfahren, und man wird den ge— mdieſer ruͤgten Fehler los werden. Gut aber und ſchneller n aler zum Ziele fuͤhrend iſt es immer, wenn man durch wenn den Ankauf von fremden Widdern eingreift, dieſe aber aus ſolchen Heerden waͤhlt, welche in ihrer er Ver⸗ neuen Tendenz, naͤmlich nur reichwollige Thiere zu r aus⸗ zuͤchten, bereits ſchon etwas conſolidirt ſind, damit ich vor man vor den vielen Ruͤckſchlaͤgen, denen man ſonſt idelten ausgeſetzt waͤre, geſichert bleibt. Eben um dieſen varnen. zu entgehen, ſind dichtwollige Widder aus der eige— Fehler nen Heerde, wenn deren Hauptcharakter noch ſchuͤt— ſe einer terwollig iſt, nicht anzurathen. Je mehr man aber De im eigenen, oder doch mit dieſem verwandten Blute ern die fortzuͤchtet, deſto ſicherer kann man ſeyn, daß der eweiſt, Uebergang in Reichwolligkeit nicht mit Opfern er— mſchon kauft wird, d. h. daß man das, was man an der um die Menge der Wolle gewinnt, nicht reichlich wieder an mt um der Guͤte verliert. Dieß fuͤhrt mich auf: neä B. Die Güte der Wolle. eutſche aß nur Was ich im ganzen zweiten Capitel bereits ge— iir die ſagt habe, das ſcheint dieſen hier angegebenen Ab— ſchnitt faſt uͤberfluͤſſig zu machen. Iſt dieß nun häfeni auch nicht gaͤnzlich der Fall, ſo werde ich mich doch „lug ſehr kurz faſſen koͤnnen. Die Guͤte der Wolle beruht gua⸗ zwar großentheils auf ihrer Feinheit, aber doch nicht 106 gaͤnzlich auf dieſer allein, ſondern auch auf noch eini⸗ gen andern Eigenſchaften. Hauptſaͤchlich kommt es bei ihr auch auf die Natur oder den Charakter an. Wie bekannt, bezeichnet dieſer Ausdruck die Art und Weiſe ihrer Ausbildung, und ich kann ſagen, die Formirung ihrer Beſtandtheile. Es kann aber eine feine Wolle von nicht ganz guter Natur einer minder feinen mit voͤllig guter Natur nachſtehen. Darum hat man bei jeder Tendenz, die man in der Zuͤchtung verfolgt, hierauf ganz beſonders zu achten. Wenn ich ganz genau angegeben haben werde, was eine voͤllig gute Natur oder ein Normal⸗Charakter der Wolle ſey, ſo wird man dieſe leicht auf alle Woll⸗ arten und ihre Feinheitsgrade anwenden, und darnach ihren abſoluten Werth beſtimmen koͤnnen. Zur voll— kommen guten Natur der Wolle iſt Nachfolgendes erforderlich. Sie muß zum erſten kernig und nervig ſeyn. Da— zu aber muß die Anlage nicht allein in den Schafen liegen, ſondern ſie muß auch durch Wartung und Pflege gehͤrig entwickelt werden. Das Gegentheil dieſer Eigenſchaft iſt: wenn ſie ſchlaff und hohl iſt, was man durch das Auge und das Gefuͤhl leicht beurtheilt. Zum zweiten muß ſie viel Dehnbarkeit beſitzen. Um dieſe Tugend zu haben, darf ihr die vorige nicht mangeln. Ich habe mich uͤber die Vorzuͤglichkeit dieſer Eigenſchaft ſchon anderwaͤrts ausgeſprochen h eini⸗ umt es er an. et und , die aber einer kehen. n der hten. was rakter Woll⸗ rnach voll⸗ gendes . Da⸗ hafen g und entheil hl iſ, leicht ſitzen. nicht ichkeit rochen 107 und kann darauf verweiſen.*) Die Dehnbarkeit aber beruht auf der Geſchmeidigkeit des Haaresund ſeiner Kraft, nach welcher es ſich weit uͤber ſeine natuͤrliche Laͤnge ausdehnen laͤßt. Der Gegenſatz von ihr iſt Sproͤdigkeit, bei welcher es, ſo wie man es nur ein wenig ſcharf anſpannt, alsbald zerreißt. Natuͤrliche Anlage bedingt beides, die Tugend und den Fehler, obgleich ſie auch durch muſterhafte und fehlerhafte Wartung und Pflege vermehrt werden koͤnnen. Zum dritten muß ſie gleichartig gewachſen ſeyn. Damit meine ich nicht bloß die Tugend, daß ſie keine Abſaͤtze haben darf, ſondern vornehmlich die, daß das Haar nicht, vermoͤge einer natuͤrlichen An— lage, in ſeiner Laͤnge wechsle und nicht Stellen zeige, welche entweder ſchwaͤcher oder ſproͤder ſind, wie das uͤbrige. Dergleichen kommt wirklich vor, und wenn man die einzelnen Haare der Wolle unter das Mikroſkop bringt, ſo unterſcheidet man genau ſolche fehlerhafte Stellen. Dieſe ſind aber nicht alle— mal eine Folge fehlerhafter Haltung der Schafe, ſondern ſie liegen in der Natur der Wolle ſelbſt. Gehen wir zuruͤck auf die neuere Beobachtung und Entdeckung, die dahin fuͤhrte, daß man genau unter— ſcheidet, in welcher Art die Wollhaare geformt ſind, naͤmlich aus lauter trichterartigen Theilen, ſo gibt uns das einigen Aufſchluß uͤber eine derartige Er— *) S. das goldne Vließ. Stuttgart, J. G. Cotta'ſche Buchhandlung, 1838. — ᷣ—— — —— 108 ſcheinung.— Ganz vollkommen von gleicher Art und Staͤrke iſt eigentlich kein einziges Wollhaar, was ſich eben aus dem Bau desſelben ergibt. Nur muͤſ— ſen, wenn man der Wolle eine gute Natur zuſprechen ſoll, die Abweichungen moͤglichſt gering ſeyn. Der Gegenſatz des gleichartigen Wachsthums iſt auffal⸗ lend ungleiche Staͤrke des Haares in ſeiner Laͤnge herauf und entſchiedene Abſaͤtze desſelben. Auch hier wirkt Natur, ſo wie Wartung und Pflege gleichzeitig. Zum vierten gehoͤrt zur Guͤte der Wolle: rundes Haar und damit verbundener regelmaͤßiger Bau. Voͤllig rund iſt zwar das Wollhaar eben ſo wenig, als wie es oollig gleich in ſeiner ganzen Laͤnge iſt; aber dennoch muß es ſich der runden Form ſo viel als moͤglich naͤhern und folglich einen regelmaͤßigen Cylinder bilden. Hat es dieſe Tugend, und gilt ſie von der Totalitaͤt ſaͤmmtlicher Wollhaare, ſo geſtal— ten ſich auch alle Stapel gleichmaͤßig, und das ganze Vließ vereinigt ſich zu einer Art von regelmaͤßigem Gewebe. Die Art und Weiſe nun, wie ſich dieß Gewebe darſtellt, nennt man den Bau der Wolle. Der Ausdruck iſt deßhalb nicht ganz unpaſſend, weil die Stapel des Vließes gleichſam wie einzelne Theile, die ſaͤulenartig ſich zu einem Ganzen ordnen, ange— ſehen werden koͤnnen.— Das Gegentheil von der Tugend des guten Baues iſt die Platthaarigkeit und die Verworrenheit, welche gewoͤhnlich mit einander verbunden ſind. Wo dieſer Fehler herrſcht, da ſieht das Vließ aus wie zerſtoͤrte Truͤmmer, in denen we— tt und „ was t miſ⸗ rechen Der nuffal⸗ Lange h hier eitig. Undes Bau. venig, de iſt ſo viel aͤßigen gilt ſie geſtal⸗ ganze ßigem dieß Volle. , weil heile, ange⸗ n der it und nander J ſieht en we⸗ 109 der Ordnung noch Zuſammenhang mehr iſt, ja man koͤnnte, wenn man das Bild nicht zu weit ausdehnen wollte, ſagen, es ſehe aus wie der Schutthaufen eines zerſtoͤrten Gebaͤudes. Endlich fuͤnftens gehoͤrt zur Guͤte der Wolle: Friſche und reiner Glanz. Man zieht allemal die neue Schur der alten vor, weil jene mehr Friſche hat wie dieſe, obgleich die alte, wenn ſie nicht etwa feh— lerhaft gewaſchen iſt, in der Fabrikwaͤſche, wie man ſagt, wiederkommt, d. h. ihre Friſche und ihren Glanz, die ſie beide durchs Alter verliert, wieder gewinnt. Aber auch neue, d. h. ſolche Wolle, die erſt geſchoren worden, kann der Friſche und des rei— nen Glanzes ermangeln, und dieß vorzuͤglich als— dann, wenn ſie von Natur nicht voͤllig treu im Haar iſt, oder durch fehlerhafte Wartung und Pflege der Schafe ſich ein uͤbler Einfluß auf ſie uͤbergetragen hat; oder auch wenn ſie in der Waͤſche verdorben iſt, wie ich dieß im zweiten Capitel nachgewieſen habe. Was ſonſt noch von der Guͤte der Wolle zu ſagen waͤre, das iſt alles bereits in den Eigenſchaften ent— halten, die ich im zweiten Capitel namentlich aufge— fuͤhrt habe. —— 110 Viertes Capitel. Züchtung edler Schafe. Es duͤrfte vielleicht ſcheinen, als beobachtete ich einen verkehrten und unlogiſchen Gang, weil der In— halt des gegenwaͤrtigen Capitels ſich viel paſſender zwiſchen dem zweiten und dritten einreihen zu laſſen ſcheint, als daß er erſt hier folgt. Aber die weitere Abhandlung meines Thema's wird zeigen, daß ich erſt alles, was unter den Begriff des wahren Edel— ſchafs zu bringen iſt, auseinanderſetzen mußte, ehe ich dasſelbe in ſeiner Hervorbringung und in ſeiner Individualitaͤt ſo darſtellen konnte, daß alles, was ich von ihm zu ſagen habe, alsbald faßlich und verſtaͤndlich iſt. A. Das Ideal. An die Spitze der Edelſchafe ſtelle ich das Ideal, wie ich es ſchon im erſten Capitel beſchrieben habe, und ich wiederhole hier die Eigenſchaften und Vor— zuͤge, welche es alle in ſich vereinigen ſoll. Vor Allem muß die Wolle alle jene Eigenſchaften beſitzen, welche ich in den vorigen beiden Capiteln als vor— zuͤgliche genannt habe— dazu gehoͤrt denn auch die Menge,— und es muß auch koͤrperlich, d. i. in ſeiner Groͤße, Kraft und Geſundheit nichts zu wuͤnſchen ete ich eer In⸗ ſender laſſen weitere daß ich Cdel⸗ mußte, und in Falles, f aßlich Ideal, n habe, d Vol⸗ Vor eſitzen, ls vol⸗ uch die in ſeiner uͤnchen 111 uͤbrig laſſen. Was dazu gehoͤrt, das wiſſen fleißige und erfahrne Schafzuͤchter am beſten, und wie ſchwer es halte, ſolche Thiere aufzubringen, das leuchtet jedem erſt dann recht klar ein, wenn er ſich einzelne Exemplare vergegenwaͤrtigt, die er vielleicht ſchon fuͤr Ideale hielt, denen aber, wenn er den hier ge— gebenen Maaßſtab anlegt, immer noch die eine oder die andere Vollkommenheit fehlte. Man kann z. B. Thiere haben, welche eine vollkommen edle, hoch— feine, mit Einem Worte mit allen Tugenden begabte Wolle tragen, ſie koͤnnen geſund und dichtwollig ſeyn, es fehlt ihnen aber die Groͤße, ſo ſind ſie noch keine Ideale, ſo nahe ſie ihnen auch ſtehen. Oder die Groͤße kann vorhanden ſeyn, und die Wolle iſt nicht im ganzen Vließe vollkommen ausgeglichen, ſo iſt das Ideal wieder nicht erreicht. Und ſo kann man mehrere haben, welche alle guten Eigenſchaften, mit Ausnahme einer einzigen, an ſich tragen, und man hat immer noch kein Ideal. Dieß alles muß man ſich genau und lebhaft vorſtellen, um uͤberzeugt zu werden, was ein ſolches Ideal beſagen wolle, und wie ſchwer es ſey, es zu erreichen, und das ſchon in einzelnen Exemplaren, geſchweige denn in einer ganzen Heerde. Das fuͤhrt mich denn von neuem auf die Frage, ob es uͤberhaupt moͤglich ſey, ein ſolches Ideal aufzuſtellen, und ob es wohl ſchon Schaͤfereien geben mag, die eins oder mehrere auf— weiſen koͤnnen? Man mußte erſt alle Phaſen in der Veredlung 112 der Schafzucht durchmachen, bevor man einen richti⸗ gen Begriff von einem dergleichen Ideale faſſen und geben konnte. Gegenwaͤrtig kann man nun wohl mit ziemlicher Gewißheit behaupten, daß alle zu dieſem Begriffe erforderlichen Praͤmiſſen gegeben ſind. Denn daß wir fuͤrs erſte in der Vollkommen⸗ heit des Wollproductes bis zu einem Gipfel empor— geklommen ſind, uͤber den hinausgehen zu wollen es gefaͤhrlich ſeyn duͤrfte, das iſt in der Anwen— dung dieſes Productes bewieſen, worin es die Baum⸗ wolle weit uͤberbietet und ſogar in manchen Stuͤcken mit der Seide rivaliſirt. Nur die Menge der Wolle war es, welche noch zu wuͤnſchen uͤbrig blieb, und die mit der hoͤchſten Qualitaͤt in der Regel nicht vereinigt war; denn weder die Groͤße der Thiere, die das Product tragen, noch die Dichtigkeit des Wuchſes desſelben ließen eine große Menge zu. Da nun jetzt die Graͤnzen aller vollkommnen Eigen— ſchaften gezogen ſind, ſo kommt es nur darauf an, ſie ſaͤmmtlich in den einzelnen Thieren darzuſtellen. Suchen wir nach ſolchen, in denen ſie bereits dar— geſtellt ſind, ſo koͤnnen wir ſie, aller Wahrſchein— lichkeit nach, in Deutſchland am eheſten finden, weil hier in der Totalitaͤt der Schaͤfereien bis jetzt die hoͤchſte Stufe erreicht iſt.— Die allgemeine und dffentliche Meinung bezeichnet ſolche Heerden da⸗ durch, daß man ſich nach ihnen beim Ankaufe von Zuchtthieren draͤngt, und ich kann, ohne indiscret zu ſeyn, oder die Furcht zu hegen, ich werde da 113 4 oder dort anſtoßen, einige namentlich auffuͤhren. wi Schon oben bezeichnete ich die fuͤrſtlich Lichnows— ki'ſchen in Oberſchleſien. Ihr hoher Ruf iſt ſchon le z laͤngſt begruͤndet, und man kann ſie als die erſten geben nennen, welche durch ſich ſelbſt, d. h. durch den Fitene Adel der Thiere, die ſie zum Verkauf ſtellten, einen moor⸗ eben ſo ſchnellen als weitverbreiteten Ruf erlangten. vollen Naͤchſt ihnen tauchte unerwartet raſch, ja faſt ploͤtz⸗ wen⸗ lich die Schaͤferei des Freiherrn von Barten⸗ aum⸗ ſtein zu Hennersdorfin Oeſterreichiſch⸗Schleſien ruͤcken auf und erlangte einen Glanz, der faſt alle uͤber— Vole ſtrahlte. Umfaſſende und gruͤndliche Sachkenntniß —, und und entſchiedenes Gluͤck in der erſten Zuͤchtung ha— vicht ben ſie ſchneller, wie irgend eine andere, ſo hoch Thiere, emporgehoben. An ſie ſchließt ſich ruͤhmlich die eit des Schaͤferei des Amtsraths Heller in Chrze— ge zu. litz in Oberſchleſien an, deren Eigenthuͤmer ſie mit Eigen⸗ eben ſo viel Vorliebe als Sachkenntniß von jeher uf an, gezuͤchtet, und ihren Urſprung aus den fauͤrſtlich ellen. Lichnowski'ſchen Heerden gezogen hat. In der z dar⸗ Mark Brandenburg leuchtet die Schaͤferei zu Moͤg— ſchein⸗ lin allen andern voran, und ſie kann, was die an— , weil gewandte Intelligenz und Conſequenz bei der Zuͤch⸗ zt die tung anlangt, wohl ein Muſter fuͤr die meiſten ab⸗ e und geben. Man kann von ihr ſagen, daß ſie das n da⸗ letzte Blatt in den Lorbeerkranz von Vater Thaer fe von flocht. In Sachſen uͤberſtrahlt dermalen, was den disere Ruf anlangt, die Heerde des Hrn. Gadegaſt in nde di Thale bei Oſchatz alle uͤbrigen, was ſo weit geht, Elsner, das Edelſchaf ꝛc. 8 —,. 8 —.— —— 8— .—— 8 S— ——e 114 daß die Enthuſiaſten, welche fuͤr ſie ſind, kaum einer andern neben ihr Gerechtigkeit widerfahren laſſen. Wuͤrdig tritt in dieſen Reigen die Schaͤfe— rei auf der Achalm, Privateigenthum des Koͤnigs von Wuͤrtemberg. In Ungarn ſind zwei, welche kuͤhn mit in die Schranken treten duͤrfen, es ſind die des Grafen Hunyady in Urmeny und des Grafen Carolyi in Magyer, beide im Neu— traer Comitate. Daß ich es wagte, alle dieſe Namen zu nen— nen, war eine Kuͤhnheit, die mir manchen Vorwurf zuziehen wird. Denn es koͤnnte das Anſehen haben, als ſtellte ich den genannten keine andern gleich. Davon aber bin ich weit entfernt, und erklaͤre im Gegentheil hier feierlich, daß ich eine Menge von Schaͤfereien, die ich durch eigene Anſicht genauer kenne, den genannten ſehr nahe, ja manche ſo nahe ſtelle, daß ich wohl zweifelhaft werden koͤnnte, wel⸗ chen ich den Vorzug geben ſollte. Nur die, welche notoriſch den ausgebreitetſten Ruf im In- und Auslande, und deßhalb auch den entſchieden groͤß⸗ ten Zudrang nach Zuchtvieh haben, fuͤhrte ich namentlich auf. Dabei aber will ich es weder mir noch dem Publicum verhehlen, daß der ausgebrei⸗ tete und glaͤnzende Ruf derſelben auch macht, daß man die Zuchtthiere dort theurer bezahlt, wie irgend⸗ wo, was uͤbrigens gar nicht außer der Ordnung iſt, indem es unter den Kaͤufern viele gibt, die kein eigenes ſicheres und richtiges Urtheil haben, kaum rfahren Schaͤf⸗ Kdnigs welche es ſind und des Neu⸗ u nen⸗ orwurf haben, gleich. aͤre im ge von genauer ſo nahe te, wel⸗ welche t und gtdͤß⸗ ote ich der mir gebrei⸗ t, daß irgend⸗ rdnung t, die haben, 115 die alſo dem Rufe nachgehen, wodurch die Nach— frage vermehrt und die Preiſe geſteigert werden. Ohnehin iſt es ja bekannt, daß die Meinung den Werth von allen Sachen beſtimmt. In den namentlich aufgefuͤhrten Heerden kann es nun aber wohl an Idealen nicht fehlen? Aller— dings ſind ſie in denſelben zu finden, und es waͤre eine mißliche Sache um die ganze veredelte Schaf— zucht, wenn dieß nicht der Fall waͤre. Nach den vorhergegangenen Beſtimmungen muß ein ſolches Ideal in ſeinem ganzen Vließe, mit Ausnahme der Extremitaͤten an Stirn und Beinen, nur Wolle der hoͤchſten Sortimente tragen, und der groͤßte Theil muß Super⸗Electa ſeyn; dieſe Wolle muß von der beſten Natur, und das Gewicht des Vließes eines Mutterſchafes nicht unter zwei Pfund, das eines ausgewachſenen Widders nicht unter drei Pfund ſeyn. Dieſe Beſtimmungen ſind ein neuer Maaß— ſtab fuͤr ein dergleichen Ideal. Der Geldertrag fuͤr die Wolle eines ſolchen Mutterſchafes waͤre, wenn wir einen ſechsjaͤhrigen Durchſchnitt des Preiſes annehmen, pro Pfund zwei Reichsthaler, vier, und fuͤr eines Widders ſechs Reichsthaler oder ſechs und reſp. neun Gulden C.⸗M. B. Die Schafelaſſification. Auf Schafen dieſer Art ruht die Baſis einer ſtrengen und richtigen Claſſification. Man hat es zeither damit freilich nicht ſo genau genom— 8 X 116 men, und die Claſſen der Schafe lediglich nach ihrer Wollfeinheit beſtimmt, iſt auch damit auf dem Wege der hoͤhern Veredlung— die man hier aber nur unter den ſpeciellen Begriff der Wolle⸗ verfeinerung bringen muß— raſch vorwaͤrts ge— ſchritten, die endliche Folge aber war Schuͤtterwol⸗ ligkeit, aus welcher ſich am Ende manche Fehler entwickelten. Freilich haben ſich auch eine Menge von Individuen mit Schaf⸗Claſſificationen beſchaͤf⸗ tigt, die es bloß zu einem Erwerbszweige machten, mit dem ſie ſich einen Tagelohn zu verdienen trach— teten. Vielen derſelben fehlten die erſten Elemen— tarkenntniſſe, und ſie haben manchen Schaden in den Heerden, die man ihnen anvertraute, angerich⸗ tet, und ſie, anſtatt vorwaͤrts, zuruͤck gebracht. Gruͤndliche Wollkenntniß erfordert ein wahres Stu— dium und viele Uebung; daher iſt auch eine richtige Schaf⸗Claſſification nichts Leichtes, ſelbſt wenn ſie auch nur nach der einfachen Methode, wo die Fein⸗ heit der Wolle allein zum Maaßſtab genommen wird, vollzogen werden ſoll. Will man ſie jedoch ſo vollziehen, daß der reine Gewinn, welchen der Schafzuͤchter von ſeiner Heerde zu ziehen beabſich— tigt, einzig und allein ins Auge gefaßt wird, ſo muß man neben der Feinheit auch die Menge nicht außer Acht laſſen, und bei jedem Schafe mit Schnel— ligkeit in Gedanken ein Rechnungsexempel machen, worin man aber zuletzt eine ſolche Uebung bekommt, daß man im Augenblick das Rechte trifft. ich nach mit auf nan hier Voll⸗ irts ge⸗ itterwol e Fehler Menge beſchaͤf⸗ nachten, en trach⸗ Elemen⸗ haden in ꝛngerich⸗ gebracht. tes Stu⸗ richtige wenn ſie die Fein⸗ nommen le jedoch lchen der beabſich⸗ vird, ſo ge nicht Schnel⸗ machen, bekemmt, 117 Ich gehe nun weiter. Wenn in einer wahrhaft hochedlen Heerde die im Vorigen beſchriebenen Ideale die erſte Claſſe machen, ſo ſchließt ſich zu— naͤchſt an dieſe eine zweite an, in welche alle Thiere aufgenommen werden, denen nur eine von allen den aufgezaͤhlten Eigenſchaften und Tugenden fehlt. Dieß kann nun entweder ein niederer Feinheitsgrad, oder ein etwas zuruͤckſchlagendes Schurgewicht ſeyn, vder die Natur der Wolle kann nicht die entſchie— denſte Guͤte beſitzen. Welches aber auch immer der Fall ſeyn moͤge, jedenfalls wird der Reinertrag, welchen die Thiere liefern, herabgeſetzt werden, und nicht mehr jenes Marimum, welches die Ideale gewaͤhren, erreichen. Und in gleicher Art, d. h. mit Beobachtung der fehlenden guten Eigenſchaften, muß man bei der dritten und den folgenden Claſ— ſen verfahren. Daß man dabei aber ungleich mehr Claſſen und Abſtufungen bekommt, wie bei einer gewoͤhnlichen Claſſification, das ergibt ſich von ſelbſt. Auch iſt ein ſolches Ordnen und Rangiren nur in Heerden anzuwenden, welche bereits auf einer ſehr hohen Stufe der Veredlung ſtehen. Als Norm kann jedoch dieſe Art der Hauptſache nach auch fuͤr Schaͤfereien niederen Grades gelten, und ſie wird zu ungleich ſichrern und lohnendern Reſul— taten fuͤhren wie die zeitherige. Denn bei dieſer kommt es nur gar zu haͤufig vor, daß oftmals ein Schaf der dritten Claſſe einen hoͤhern Reinertrag bringt, als eines von der erſten. Wir nehmen an, 118 dieſes bringt jaͤhrlich 1¼ Pfund Wolle zu 2 Thlr. und jenes 26½ Pfd. zu 1 Thlr., ſo gibt das der erſten Claſſe einen Geldertrag von 2 ½˖ Thlr. und das der dritten Elaſſe gibt 3 Thlr. Wenn nun der Schafzuͤchter nach den Claſſen maͤrzt, ſo verkauft er das Eintraͤgliche und behaͤlt ſich das Mindereintraͤgliche. Und bei allem dem wird noch vorausgeſetzt, daß der Claſſificator auch die Fein— heit und Natur der Wolle genau kennt und richtig auffaßt. Leider iſt aber dieß nicht allemal der Fall, und es werden von Stuͤmpern Mißgriſſe ge— macht, die zum Erſchrecken ſind, ſo daß Thiere mit fehlerhafter Wolle, aus Unkenntniß, in die erſten, und andere mit guter in die untern Claſſen geſtellt werden. Die Berechnung des dadurch entſtehenden Schadens mag ſich ein Jeder ſelbſt machen. In ſolchen Faͤllen richtet die Claſſification den groͤßten Schaden an, und dadurch iſt ſie nicht ohne Grund in Mißceredit gekommen. Abgeſehen von der ſtren⸗ gen Art, der man nur jene edelſten Heerden unter— werfen kann, muß jede Claſſification den abſoluten und relativen Werth der Thiere im Auge behalten und ihnen darnach ihren Rang in der Heerde an— weiſen. Daraus aber folgt von ſelbſt, daß ein tuͤchtiger Claſſificator auch zugleich praktiſcher Schaf— zuͤchter ſeyn muß, und daß alle, die dieß nicht ſind, immerfort nur Stuͤckwerk liefern werden. Die Probe auf das Exempel, das der, wel⸗ cher die Claſſen in einer Schaͤferei beſtimmt, eigent⸗ 2Tlr. hibt das Thl. Wenn iezt, ſo ſich das ind noch ie Fein⸗ richtig nal der riſſe ge⸗ diere mit eerſten, geſtellt tehenden en. In großten de Grund der ſtren⸗ en unter⸗ abſoluten behalten terde an⸗ daß ein erSchaf icht ſind, er, wi— , eihen⸗ 119 lich bei jedem einzelnen Stuͤcke zu machen hat, muß bei der Schur vorgenommen werden, einestheils deßhalb, weil man da erſt das Gewicht der Wolle ausmittelt, anderntheils aber auch, weil dann erſt die Wolle ſich als Waare darſtellt und ihr Werth be— ſtimmt werden kann. Die Stuͤmpereien und der durch ſie angerichtete Schaden wuͤrden uͤberall da recht grell hervortreten, wenn man die Wolle der Claſ⸗ ſen allein hielte, den Werth durch Sachverſtaͤndige genau beſtimmen ließe, ſodann das Gewicht ermit— telte und den Vergleich zwiſchen den Claſſen machte. Da koͤnnte es ſich dann oft genug treffen, daß die vierte Claſſe von einer gleichen Anzahl von Schafen ein bedeutend hoͤheres Geldquantum gewaͤhrte, als die erſte. Gern kann man alsdann aus ſolchen Heer— den Zuchtſchafe kaufen. Mir iſt es ſelbſt mehr als einmal vorgekommen, daß ich Maͤrzſchafe gekauft habe, die mir bei weitem lieber waren, als wenn ich ſie aus der Heerde haͤtte ziehen koͤnnen, obgleich ich dieß um den dreifachen Preis gegen jene nicht haͤtte thun duͤrfen. Der beſte Claſſificator iſt frei— lich der Schafzuͤchter fuͤr ſeine eigene Heerde, nur haben nicht alle die noͤthigen Vorkenntniſſe und ein dazu erforderliches ſcharfes Auge. Wie aber waͤre denn wohl eine gewoͤhnliche Claſ⸗ ſification nach der Art zu vollziehen, wie ich ſie vor— hin angegeben habe, wo man das Ideal als erſte Claſſe aufſtellt und darnach die uͤbrigen abſtufen laͤßt? — Die Sache iſt ſo gar ſchwierig nicht, beſonders 120 wenn man ſich nicht auf allzugroße Subtilitaͤten ein⸗ laͤßt. In gewoͤhnlichen Heerden wird man fuͤrs erſte nach den Idealen vergeblich ſuchen. Da ſtellt man denn diejenigen Thiere, welche die meiſten von den in den vorigen Capiteln angegebenen guten Ei— genſchaften und Tugenden an ſich haben, in die erſte Claſſe, und laͤßt ihnen andere, nach Maaßgabe deſ⸗ ſen, als ihnen mehrere dieſer Eigenſchaften fehlen, folgen. Immer aber muß das Facit, welches Guͤte und Menge der Wolle ergibt, als Grundlage dienen. So kann denn leicht ein Schaf mit Electa-Wolle in die zweite und ein anderes mit Prima-Wolle in die erſte Claſſe kommen, wenn naͤmlich jenes ſchuͤtter— wollig und dieſes dichtwollig, oder wenn die Wolle von dieſem eine gute, von jenem eine fehlerhafte Na⸗ tur hat. Nur dieſes letztere kann deßhalb nicht un⸗ bedingt entſcheiden, weil die Wartung und Pflege, ſo wie der koͤrperliche Geſundheitszuſtand darauf einen bedeutenden Einfluß hat, was ſich aber, ſobald bei⸗ des anders wird, wieder aͤndert. Das Facit von den beiden hier aufgeſtellten Thieren kann ſich in fol— gender Art ergeben. Das erſte mit Electa-Wolle traͤgt 1 ½ Pfund, das zweite mit Prima-Wolle 2 9 Pfund. Iſt erſtere das Pfund 1 3 Rihlr. und die zweite 1 ¾ Rthlr. werth, ſo iſt der jaͤhrliche Ertrag des erſten 2% Rthlr. und des zweiten 2% Rthlr., folglich ³ oder Rthlr. mehr, was auf hundert Stuͤck ſchon eine Summe ausmacht. Alles dieß hat manzeither bei den Claſſificationen viel zu wenig beachtet, und daher haben en ein⸗ n fuͤtz ſa ſtellt en von teen Ei⸗ ie erſte be deſ⸗ fehlen, Güͤte ienen. olle in in die huͤtter⸗ Wolle te Na⸗ ht un⸗ Pflege, einen ld bei⸗ it von in fol⸗ Wolle le 24 zweite erſten ich on eine bei den rhaben 121 ſie auch nicht das Gute geſtiftet, das man ſich ſonſt mit Recht von ihnen haͤtte verſprechen koͤnnen. Eine Hauptſchwierigkeit liegt aber fuͤr die Claſſi⸗ fication noch darin, daß man die Zeichen, welche man den verſchiedenen Claſſen gibt, noch immer nicht von der Art geben kann, daß weder eine Verwechſe— lung noch eine abſichtliche Vertauſchung moͤglich waͤre. Die Numerirung und demnaͤchſtige Eintragung der Claſſen in die Liſten iſt freilich die ſicherſte Art; in— deß iſt bekanntlich die Schwierigkeit nicht minder groß, die Nummern auf eine dauernde Art anzubrin⸗ gen. Es ſind zu dem Ende ſchon eine unendliche Menge von Methoden zu einer ſolchen Numerirung in Vorſchlag gebracht worden, aber grade der Um— ſtand, daß man immer wieder neue anempfiehlt, be— weist, wie wenig die fruͤhern alle Forderungen erfuͤl⸗ len. Die Tatowirung in den Ohren mit guten dazu eingerichteten Stempeln iſt und bleibt noch immer die brauchbarſte. Es iſt aber noch eine wichtige Frage aufzuſtellen und zu beantworten, welche mit der Claſſification in genauer Verbindung ſteht, und dieſe betrifft das Alter der Schafe. Soll man dieß in Anſchlag bringen oder nicht? Wenn man bloß als Wollſortirer claſſi— ficirt, ſo kommt es wenig darauf an, wie alt ein Schaf ſey, um es in die ihm gebuͤhrende Claſſe zu ſtellen, vorausgeſetzt, daß es ſonſt noch geſund und kraͤftig ſey. Anders aber iſt es, wenn man die Sache aus dem Geſichtspunkte des Schafzuͤchters betrach— 122 tet. Da ſind drei Hauptruͤckſichten zu nehmen, und zwar die eine: daß ein junges Schaf bei gleicher Wollguͤte und gleich dichtem Vließe allemal noch mehr ins Gewicht liefert, weil ſeine Wolle kraͤftiger iſt, mithin ſchwerer wiegt; die andere die, daß es wegen der zu hoffenden laͤngern Lebensdauer dem alten vor— zuziehen iſt, und endlich die dritte, daß junge Schafe in einer conſequent und mit Verſtand gezuͤchteten Heerde um eine Generation hoͤher in der Veredlung ſtehen und mehr Gewißheit fuͤr das Edle ihrer Nach— kommen verſprechen, als alte. Dieſe Gruͤnde zu— ſammen genommen koͤnnen den Schafhzuͤchter leicht beſtimmen, ein altes, ſonſt noch geſundes und oollig zeugungsfaͤhiges Schaf von der erſten Claſſe lieber zu verkaufen, als ein junges geſundes von der zwei— ten, und ſo in allen uͤbrigen Claſſen. Von ſelbſt folgt aber aus allem dem, daß wenn man von einer Claſſe nicht ſaͤmmtliche Exemplare weg thun kann, man allemal den Anfang mit den alten machen wird. Was uͤbrigens noch von Claſſificationen zu ſagen waͤre, das habe ich ſonſt ſchon in andern Werken, wo ich uͤber edle Schafzucht geſchrieben, beſprochen, was ich hier nicht wiederholen will. Ich komme nun zur: C. Aufzucht edler Schafe. Nachdem ich nun das Intellectuelle, das bei der Zuͤchtung edler Schafe anzufuͤhren war, vor— getragen habe, will ich zum Materiellen uͤbergehen, „ und leicher Hhwehr er iſt, wegen n vor⸗ Schafe hteten dlung Nach⸗ de zu⸗ leicht voͤllig er zu zwei⸗ folgt einer kann, wird. ſagen erken, ochen, omme 9 bei vor⸗ gehen, 123 wobei ich wiederum alle Weitlaͤufigkeiten vermei⸗ den kann, da ich nur Ergaͤnzungen zu dem zu ge— ben habe, was ich fruͤher ſchon weitlaͤufiger ab⸗ gehandelt. Die materielle Zuͤchtung von Edelſchafen laͤßt ſich in zwei Hauptſaͤtze auffaſſen und in die— ſen genau darſtellen. Sie lauten: man kann ſie in ſich ſelbſt, alſo gleichſam von innen heraus, und durch fremde Mittel, alſo von außen hinein veredeln. Zu beidem aber gehoͤrt gruͤndliche Sachkenntniß und viele Erfahrung, wenn man ſchnell und odhllig ans Ziel gelangen will. Erſtere erwirbt man ſich durch muͤndliche und ſchriftliche Belehrung, letztere durch eigene Praxris. Die Belehrung iſt jedoch nicht immer von der Art, daß ſie die eigene Erfahrung, wenn auch nur theilweiſe, erſetzen koͤnnte. Denn es gibt viele, die ſich jene zu geben berufen fuͤhlen, jedoch ſelbſt erſt noch lernen und oftmals ſich die erſten Grundlehren erſt aneignen und zur innern Klarheit bringen moͤchten. Die Erfahrung iſt aber meiſten— theils eine etwas theure Lehrmeiſterin, weil ſie uns erſt einer Menge von Mißgriffen und damit ver— bundenen großen Verluſten ausſetzt, um uns zu warnen, und deſto aufmerkſamer auf die Goldkoͤr— ner ihrer Lehren zu machen. Es nennt jedoch Man— cher etwas Erfahrung, was er ein einzigesmal ge— ſehen und gar nicht einmal mit Aufmerkſamkeit beobachtet und gepruͤft hat; ja es gibt Leute, welche mit Erfahrungen prahlen, die ſich auf Mittheilun— 124 gen von Andern gruͤnden, und die ſelbſt von dieſen nicht einmal als Erfahrungsſaͤtze aufgeſammelt ſind, weil ſie ſelbſt nicht faͤhig und beharrlich genug ſind, gereifte Erfahrungen— die doch allein nur Werth haben— zu machen; und was noch mehr ſagen will, ſo findet man auch eine Art von Inſpirirten, welche ſich wenig um edle Schaͤfereien kuͤmmern, und den— noch, wenn ſie nur da oder dort einmal einen Schaf⸗ ſtall— ihren eigenen oder einen fremden— betre— ten, ſogleich von Erfahrungen ſprechen, und ſie als hohe Weisheit in die Welt hinein rufen. Von ſol— chen, die mitunter ſogar Abſurditaͤten und Sachen, die ſie nie kennen gelernt haben, als Erfahrungen mitzutheilen ſich nicht entbloͤden, kann kaum die Rede ſeyn, obgleich ſie mit ihrer Charlatanerie Schaden genug ſtiften. Die Compilatoren, die ſich ſo gern mit fremden Federn ſchmuͤcken, koͤnnte man noch eher gelten laſſen, wenn ſie nicht zu den lit⸗ terariſchen Freibeutern zu zaͤhlen waͤren, die den Nachdruck unter einer Decke treiben, die man ihnen wohl wegziehen moͤchte. Doch genug von allen Pſeudo-Erfahrungen und zuruͤck zu den aͤchten. Eine Erfahrung kann erſt alsdann eine wirkliche und aͤchte genannt werden, wenn ſie mit eben ſo viel Sachkenntniß als Aufmerkſamkeit und dazu noch zu wiederholtenmalen gemacht wird. Denn gerade die Wiederholung druͤckt ihr den Stempel der Aechtheit und Stichhaltigkeit auf. Welche von den beiden Arten der Veredlung man auch betreiben 125 will, ſo kann man der Erfahrung nicht entbehren, wenn man nicht Mißgriffen uͤber Mißgriffen aus⸗ geſetzt ſeyn will. Ich ſpreche nun 1) Von der Veredlung von innen her⸗ aus, d. h. von der, wo man die bereits in der Schaͤferei vorhandenen guten Ele⸗ mente richtig erkennt, und ſie zur wei—⸗ tern Emporbringung benutzt. Ich habe an einem andern Orte in Beziehung auf dieſes Thema die Behauptung aufgeſtellt, daß man auch eine gemeine Landſchaͤferei ohne Zuthun fremder Mittel aus ſich ſelbſt veredeln koͤnne, wenn man diejeni— gen Zuchtthiere heraushoͤbe und vorzugsweiſe hegte, welche ſich von ihresgleichen durch gute Wolleigen— ſchaften auszeichnen. Nur wuͤrde, um eine wirk⸗ lich veredelte Schaͤferei auf dieſe Art zu Stande zu bringen, ein Zeitraum von mehreren Menſchen⸗ altern erforderlich ſeyn. Die Schwierigkeiten, welche bei einer ſolchen Operation zu beſiegen waͤren, und die Unwahrſcheinlichkeit, daß mehrere Schafzuͤchter in ununterbrochener Folge und mit gleicher Con— ſequenz eine ſolche Heerde fortzuͤchten wuͤrden, he⸗ ben keineswegs die Moͤglichkeit auf. Den Verſuch wird freilich ſo leicht Niemand machen, weil man die Mittel zur Veredlung einer Schaͤferei leichter und bequemer hat, und inſofern fehlt es freilich an allen Erfahrungen, die dieſen Satz beſtaͤtigen koͤnnten. Aber wenn man analog ſchließt, ſo fin— det man in den gemeinen Landheerden mehrere An⸗ ————— 5 —— 1 126 haltspunkte, auf welche man ziemlich ſichere Schluͤſſe gruͤnden kann. Denn man findet in denſelben zu— weilen Exemplare, welche ſich auf eine auffallende Weiſe durch ihre beſſere Wolle von ihresgleichen unterſcheiden; ja ſelbſt unter den Zakeln, welche doch offenbar die groͤbſte Wolle tragen, gibt es Thiere, die ſchon eine entſchiedene Anlage zur Ver— feinerung zeigen, und deren Wollnatur eine bedeu— tende Abweichung vom allgemeinen Typus zeigt. Dieſe feſt begruͤndete Wahrheit berechtigt vollkom— men zu dem Schluſſe, den ich ſchon im erſten Ca⸗ pitel machte, daß naͤmlich das Edelſchaf durch das Zuſammentreffen mehrerer guͤnſtigen Umſtaͤnde— wozu auch das Eingreifen und Wirken des Men— ſchen zu zaͤhlen— allmaͤhlich bis zu der Vollkom— menheit ſich empor gebildet hat, worauf wir es jetzt ſehen, und daß es keineswegs ein beſonderes genus der Schoͤpfung ſey, das ſich weſentlich von allen andern Schafarten unterſcheide. Wenn ich aber hier von der Veredlung einer Schaͤferei von innen heraus ſprechen will, ſo ſtelle ich mir dabei keine gemeine, aller Veredlung noch bare, ſondern eine ſolche vor, die bereits ſchon Fortſchritte gemacht hat, und wozu ſie den Grund durch angekaufte edle Zuchtſchafe legte. Wo eine ſolche Heerde ſtets unter der Leitung eines ratio— nellen und geuͤbten Zuͤchters bleibt, da gewinnt ſie eine gewiſſe Conſolidirung, die ihr zu ihren fernern Fortſchritten ſehr zutraͤglich iſt. Werden alsdann ————,— ⏑—— ——— —. ———— ſchluͤſe en zu— allende leichen welche bt es r Ver⸗ bedeu⸗ zeigt. lkom⸗ n Ca⸗ ch das nde— Men⸗ ollkom⸗ wir es onderes ſch von einer ſtelle g noch ſchon Grund eine ratio⸗ unt ſie fernern ledann 127 in ihr immer diejenigen Thiere zur Zucht gewaͤhlt, in denen ſich die weiter vorn genannten und be— ſchriebenen Eigenſchaften, die den Idealen zukom— men, in mehr oder wenigerm Maaße ausſprechen, ſo haͤlt man ſie allmaͤhlich immer mehr feſt und vermehrt ſie in jeder folgenden Generation, ſo daß man gerade auf das Ziel losſteuert, welches uns in dem Ideale geſteckt iſt. Waͤhrend man aber nach den guten Eigenſchaften ſtrebt, ſucht man auch gleichzeitig die ſchlechten und fehlerhaften zu ver— meiden. Daß dazu vor allen Dingen gruͤndliche Kenntniß und Erfahrung erforderlich ſey, das brauche ich nicht zu wiederholen. Das derartige Verfahren nennt man die Inzucht. Ueber ſie hat man ſchon oft geſtritten und ſie mitunter ver— worfen, indem man behauptet, ſie fuͤhre nicht allein zur Verkleinerung der Race und lege den Grund zu erblichen Krankheiten, ſondern man komme bei ihr auch in der Veredlung zuruͤck. Man oͤnnte, analog geſchloſſen von andern Thieren, ja ſelbſt vom Menſchen, dieſer Behauptung wohl beipflich— ten, wenn nicht mehrere, und faſt gerade die vor— zuͤglichſten Schaͤfereien das Gegentheil aufweiſen koͤnnten. Ob nun dem gleich alſo iſt, ſo erklaͤren ſich doch auch die Beſitzer ſolcher Heerden dahin, daß ſie ihre Verfahrungsart nur aus Vorſicht an— wenden, um nicht bei der geringen Garantie, welche ſo viele, ſelbſt beruͤhmte Heerden fuͤr die Conſe— quenz ihrer Zuͤchtung geben koͤnnen, in Gefahr zu 128 kommen, ſich unſicheres Blut in ihre Heerde zu leiten. Wo dieſe Beſorgniß ſchwindet, da weichen ſie gern von ihrem Verfahren ab, und bringen zu— weilen Zuchtthiere aus andern Schaͤfereien in die ihrige, um eine Auffriſchung des Blutes zu ver— anlaſſen. 2) Die Veredlung von außen hinein. Sie beſteht in dem Verfahren, welches man ge— woͤhnlich einſchlaͤgt, und welches man vom erſten Anfang an bei der Veredlung beobachtet hat, d. h. durch angekaufte Zuchtthiere. Am meiſten wird dasſelbe durch Widder ausgefuͤhrt, obgleich man, um raſcher zum Ziele zu gelangen, auch Staͤmme von Mutterſchafen kauft. Wer dieß thut, d. h. wer beides, Widder und Mutterſchafe, aus fremden Heerden kauft, der ſpricht damit die Ueberzeugung aus, daß er dieſen Heerden manches Gute zutraut, was er in der ſeinigen noch nicht hat. Dieſes Gute kann aber auch, wie ſo eben gezeigt worden, in der bloßen Auffriſchung des Blutes beſtehen, ohne daß er damit jene uͤber die ſeinige ſtellen will. Die Genugthuung, welche es dem Schafzuͤchter ver— ſchafft, wenn ein anderer, deſſen Schaͤferei ſchon hohen Ruf hat, bei ihm Zuchtthiere kauft, verlei— tet ihn oftmals, eine Art von Triumph darin zu finden, und ſich uͤber dieſen zu erheben. So klein— lich ſo etwas erſcheint, ſo ſchadet es doch dem Fort⸗ gange der Schaͤfereien, und haͤlt Manchen ab, ei⸗— nen Weg einzuſchlagen, welcher ihn offenbar in der - r——;— eerde zu weichen ngen zu⸗ min die zu ver⸗ hinein. man ge⸗ nerſten t, d. h. en wird ch man, Staͤmme t, d.. fremden rzeugung zutraut, Dieſes worden, beſtehen, len wil. hter ver⸗ ei ſchon berlei⸗ arin zu o klein⸗ im Fort⸗ ab, ei⸗ — in der 129 hoͤhern Veredlung ſchnell weiter bringen koͤnnte. Uebrigens koͤnnten dergleichen Ankaͤufe oftmals durch gegenſeitigen Austauſch zum Nutzen beider Theile bewerkſtelliget werden. Bei dieſer Veredlung von außen aber kommt es gar ſehr darauf an, daß man bei ſeinem An— kaufe richtig zu waͤhlen verſtehe, weil, wenn man darin Mißgriffe macht, man ſich einen doppelten Schaden zuzieht, der einmal in der Geldausgabe liegt, die man vielleicht bei weitem nicht ſo groß haͤtte machen duͤrfen, und zum zweiten die Fort⸗ ſchritte hindert, um derentwillen man ja doch nur den Aufwand macht. Damit iſt es noch lange nicht genug, daß man ſehr theure Thiere kauft, und ſeiner Schaͤferei mit Auspoſaunung ſolcher Preiſe ein Relief zu geben gedenkt. Ob man gerade fuͤr die Individualitaͤt ſeiner Schaͤferei richtig zu waͤh— len verſtehe, darauf kommt es an. So edel auch z. B. ein angekaufter Zuchtwidder ſeyn und ſo theuer man ihn bezahlt haben mag, ſo iſt und bleibt ſein Werth immer relativ, weil man in der Regel bei ſeiner Anſchaffung den doppelten Zweck hat, einen eingeſchlichenen oder ſich auch nur zu zeigen anfan— genden Fehler auszurotten, und in ſeinen Nachkom— men eine hoͤhere Stufe der Veredlung als die bis— herige zu erreichen. Nur Ideale haben einen ab- ſoluten Werth, weil ſie alle guten Eigenſchaften und Tugenden in ſich vereinigen, und dagegen alle Fehler und Maͤngel ausſchließen, mithin ihre Nach— Elsner, das Edelſchaf ꝛc. 9 130 kommen, wenn ſie treu vererben, ohne alle Frage bei weitem edler ſeyn muͤſſen, als die Mutterſchafe, von denen dieſe ſtammen. Aber ſolche Ideale ſind ſo ſelten, daß ſie bis jetzt noch faſt unverkaͤuflich ſind, indem ein jeder, der ſo gluͤcklich iſt ſie zu beſitzen, ſie nicht ſo leicht aus der Hand laͤßt. Wenn ich dieß behaupte, ſo bedenke man, daß ſie nur in den alleredelſten Heerden vorkommen, und daß ſolche Heerden im Beſitze von gruͤndlichen Sach⸗ kennern ſind, die das Vorzuͤglichſte vom minder Guten wohl zu unterſcheiden wiſſen; man bedenke ferner, daß zu einem Ideal alle Vollkommenheiten gehoͤren und der Mangel einer einzigen ſchon die— ſen Namen nicht mehr zulaͤßt. Thiere der zweiten Claſſe, nach dieſem ſtrengen Begriffe, wird man ſchon als Ideale anſehen, obgleich ſie es nicht ſind. Wem dieß nicht ganz klar einleuchten ſollte, der praͤge ſich nur erſt den Begriff recht tief ein und bringe ihn ſich zur vollen Klarheit, und dann wird er einſehen, daß ich wegen des Verkaufs ſolcher Thiere Recht habe; er wird aber auch zugleich einſehen, daß ein Widder, den man ein Ideal nen⸗ nen kann, fuͤr jede Schaͤferei brauchbar ſey, und daß er ſicher treu vererben werde, weil er ohne alle Frage eine lange, lange Reihe edler Ahnen aufzuweiſen haben muß. Denn ſpielt auch die Natur zuweilen in einzelnen Exemplaren, und laͤßt ſehr hoch begabte Nachkommen von nicht hoch ver— edelten Eltern entſpringen, ſo ſind dieſe doch im⸗ Frage ſſchafe, le ſind auflich ſie zu laͤßt. daß ſie , und Gach⸗ ninder bedenke nheiten on die— weiten d man t ſind. e, der ein und n wird ſolcher ugleich al nen⸗ ,, und r ohne Ahnen ih die nd laͤßt zch bet⸗ ch im⸗ 131 mer noch weit vom Ideal entfernt, weil gewoͤhn⸗ lich in ihnen nur einzelne gute Eigenſchaften emi— nent hervortreten, dabei aber noch viele Maͤngel nachzuweiſen bleiben. Ich ſagte, man habe bei der Wahl der anzu— kaufenden Widder den doppelten Geſichtspunkt: Fehler wegzuſchaffen und eine hoͤhere Veredlung der Heerde zu bewirken. Nach dieſem muß man denn auch darauf ſehen, die den fraglichen Fehlern ent⸗ gegengeſetzten Tugenden in dem zu kaufenden Thiere zu ſuchen, und uͤberhaupt fuͤr ſeine individuelle Ver— edlung eine gewiſſe Garantie zu haben. Beides wird der Sachkundige bald entdecken und daher auch keine Mißgriffe bei ſeiner Wahl thun. Wem aber die Sachkunde fehlt, der thut wohl, ſich des Beiſtandes eines Erfahrenen zu bedienen. Den Mißgriffen, die man hierin ſo haͤufig begeht, iſt es vornehmlich zuzuſchreiben, daß manche Schaͤ— fereien, trotz dem Fleiße ihrer Zuͤchter, ſo wenig Fortſchritte machen, und dem gluͤcklichen Zufalle, von dem andrerſeits manche beguͤnſtigt werden, verdanken ſie die kaum geahnten raſchen Fort— ſchritte. 13² Fünftes Capitel. Erhaltung des Edelſchafs auf ſeinem Standpunkte. Da es ſo viele Muͤhe koſtet, um Edelſchafe zu zuͤchten und ſie zu wahrhaft edlen Thieren hinauf— zubilden, ſo liegt darin eine dringende Aufforderung, ſie, wenn man einmal ſein Ziel erreicht hat, auch in ihrem edlen Blute zu erhalten. Man wuͤrde auf einen gefaͤhrlichen Irrweg gerathen, wenn man glau— ben wollte, es ſey genug, wenn man ſein Ziel er— reicht hat, oder ſich dieß wenigſtens einbildet, und die Sache gehe ſodann von ſelbſt ihren ſichern Gang fort. Die Natur kennt keinen Stillſtand, und ſie geht, wenn ihr der Menſch in irgend etwas beſon— dere Bildungen abgelockt und ſie von ihrer gewoͤhn— lichen Bahn abgelenkt hat, wieder in ihre urſpruͤng— liche Bildung zuruͤck. Das erfaͤhrt der Schafzuͤch— ter, welcher ſorglos wird, und, ehe er es vermuthet, geraͤth er mit ſeiner Schaͤferei in Verfall. Beiſpiele der Art gibt es in Menge, und man kann ſie uͤber— all auffinden. Dieſe Erfahrung ſpricht gegen Con— ſolidirung und gegen Conſtanz der Schaͤfereien, be— ſonders wenn wir dagegen andere Thierarten, wie z. B. das Pferd, aufſtellen. Hat man bei ihm erſt voͤllig reines Blut und hat dieſes alle Thiere eines Geſtuͤtes durchdrungen, ſo ſind Ruͤckſchlaͤge ſo ſelten, daß man von ihnen eine Degenerirung kaum zu fuͤrch⸗ unkte. afe zu inauf⸗ erung, auch de auf b glau⸗ iel er⸗ t, und Gang nd ſie beſon⸗ ewoͤhn⸗ ſprͤng⸗ afzuͤch⸗ nuthet, eiſpiele 1 ͤber⸗ n Con⸗ n, be⸗ , wie m erſt eines ſelten, fürc⸗ 133 ten hat. Deſſen ungeachtet aber wuͤrde ſie zuletzt doch eintreten, wenn man die Sache ſich odllig ſelbſt uͤberlaſſen wollte. Gluͤckliche oder nachtheilige Zufaͤlle wuͤrden ſie nur aufhalten oder beſchleunigen. So wuͤrde denn daraus folgen, daß der Menſch nie im Stande iſt, eine voͤllige Conſtanz in irgend einer Thierart zu erreichen. Am wenigſten wird ihm ſol— ches beim Edelſchafe gelingen, da dieſes faſt mehr wie andere Thierarten Ruͤckſchlaͤgen ausgeſetzt iſt. Die Sache iſt darum leicht erklaͤrbar, weil die Haupt— veredlung beim Schafe ſeine Haut betrifft, als das Feld, worauf das Product waͤchst, um deſſentwillen wir es uͤberhaupt edel nennen, und weil dieſe durch geringfuͤgige Umſtaͤnde leicht alterirt wird. Ich ge— traute mich fuͤr eine unwandelbare Conſtanz ſelbſt dann nicht einzuſtehen, wenn auch eine ganze Heerde aus lauter Idealen beſtuͤnde. Und wenn je eine ſolche moͤglich waͤre, ſo koͤnnte ſie es doch nur in dieſem Falle ſeyn, daß naͤmlich entſchiedene Con— ſtanz in ihr zu finden waͤre. Die Erhaltung aber auf einem bereits erreich— ten hohen Standpunkte iſt nur dadurch moͤglich, daß wir immer vorwaͤrts ſchreiten, weil bekanntlich hier kein Stillſtand denkbar iſt, und weil der, wel— cher auf einem ſolchen beharren will, zuruͤckgeht. So ſchließt alſo ſchon die Lehre des Feſthaltens an dem erreichten Standpunkte das Streben nach dem Hoͤchſten in ſich. Wir wollen nun die Mittel und Wege aufſuchen, vermittelſt deren wir in Stand 41 —— 134 geſetzt werden, dieſe Lehre zu befolgen. Da muͤſſen wir uns zuerſt befleißigen der A. Conſequenz. Es beobachtet aber derjenige dieſelbe, welcher ſich ein feſtes Syſtem gebildet hat, dem er beharrlich treu bleibt. Syſtem aber iſt die Vereinigung von Lehren und Vorſchriften, aus denen ſich die Grundſaͤtze entwickeln, bei deren Be— folgung wir das oorgeſteckte Ziel zu erreichen ſtre— ben. Lehren erhalten wir von fremden und von den eigenen Erfahrungen, und wenn wir erſt von ihrer Richtigkeit und Brauchbarkeit uͤberzeugt ſind, ſo faſſen wir den Vorſatz, ſie zu befolgen, und wir bilden uns zu dem Ende feſte Saͤtze— Grundſaͤtze— nach denen wir handeln wollen, weil wir nur da— durch das Ziel erreichen zu koͤnnen glauben. Man ſieht aber, daß es dabei vorzuͤglich auf die Lehren als auf die Grundlage ankommt, wenn nicht das ganze Gebaͤude ein loſes werden, und bald zuſam— menſtuͤrzen ſoll. Nun aber gibt es, wie ich im vorigen Capitel nachgewieſen habe, gar viele Lehren, die nicht probehaltig ſind, und die alſo auch, wenn man ſeine Grundſaͤtze und das mit ihnen zu errei— chende Ziel nach ihnen aufſtellt, zu keinem guten Ende fuͤhren koͤnnen. Daher bedarf es vor allen Dingen, ehe man zur Conſequenz gelangen kann, Lehren, welche unumſtoͤßliche Wahrheit enthalten, die alſo aus der Natur entlehnt, im Feuer der Er— wͤſen elcher , dem aber iſt n, aus en Ve⸗ n ſtre⸗ ud von erſt von gt ſind, und wir ſaͤtze— nur da⸗ Man e Lehren icht das zuſam⸗ ich im Lehren, , wenn uerrei⸗ n guten ot allen n kann, nthalten, der El⸗ 135 fahrung gelaͤutert und bewaͤhrt und folglich geeignet ſind, den, welcher ſie befolgt, auch auf den rech— ten Weg, der zum Ziele fuͤhrt, zu leiten und darauf zu erhalten. Nur dann erſt, wenn man die Ueber⸗ zeugung gewonnen hat, ſolchen Lehren zu folgen, die uͤbrigens, wie ich ſchon ſagte, auch eine Frucht eigener Erfahrung ſeyn koͤnnen, nur dann erſt iſt man dahin gelangt, wo man mit Conſequenz wei— ter zu gehen hat. Wenn man aber, wie dieß von ſo Vielen geſchieht, jedem Winde folgt, ohne ein eige— nes, feſtes und ſicheres Urtheil zu haben; wenn man ſich durch Schreier und Halbkenner verleiten laͤßt, dem blinden Rufe nachzugehen oder wohl auch unſichere und obſcure Schaͤfereien den entſchieden edlen vorzuziehen, und aus jenen ſtatt aus dieſen zu kaufen; oder wenn man entweder aus mißverſtan— dener Sparſamkeit das Wohlfeile ſucht; oder im Theuren allein das Gute zu finden glaubt, da wird man bald da bald dorthin ſchwanken und es nie zu etwas Vollkommnem bringen. Jedoch wuͤrde man einen falſchen Begriff von Conſequenz haben, wenn man mit hartnaͤckiger Be⸗ harrlichkeit auf einem Wege fortgehen wollte, von welchem man offenbar einſaͤhe, daß er nicht zum vorgeſteckten Ziele fuͤhrte. Selbſt ein auf gute Leh— ren gegruͤndetes Syſtem erleidet zuweilen eine Er— ſchuͤtterung, und ginge ſie auch nur aus veraͤnderter Anſicht und aus dem ſich anders geſtaltenden Be— duͤrfniſſe des Products hervor. In ſolchen Faͤllen 136 widerſpricht es der Conſequenz keineswegs, wenn man ſich nach dergleichen aͤußern Forderungen be— quemt, ja man behauptet ſie vielmehr, weil ja ihre Haupttendenz nach dem Gewinn gerichtet iſt, den eine Schaͤferei bringen ſoll. Thun wir einen Blick ruͤckwaͤrts in den Gang, welchen die Zuͤchtung des Edelſchafes, ſo weit wir hieruͤber geſchichtliche Nachweiſung haben, genom⸗ men hat, ſo finden wir uͤberall die Beſtaͤtigung davon, daß, wo ſie conſequent fortgeſetzt wurde, man raſche und ſichere Fortſchritte machte, und da, wo man inconſequent, d. h. ſchwankend verfuhr, ſogleich zuruͤck kam. Nun aber muß ich wiederholen, daß hier fortwaͤhrend nur von Conſequenz in dem Streben nach einem richtig aufgefaßten Ziele die Rede ſeyn kann, und daß dieſes Ziel der Gewinn ſey, den wir durch die Zuͤchtung des Edelſchafes er— reichen wollen. Inſofern modificirt ſich der Begriff von Conſequenz, und er ſchließt hier die Bedeutung ein von dem beharrlichen Feſthalten an dem, was man einmal fuͤr das allein Gute anerkannt hat; und dieſe Modification wird eben durch wechſelnde An⸗ ſicht und veraͤndertes Beduͤrfniß herbeigefuͤhrt. Wenn ich dieſe Anſicht nicht aufſtellte, ſo koͤnnte man ſo— gar behaupten, daß man durch Conſequenz vom Ziele— des moͤglich hoͤchſten Gewinns— leicht ab— kommen koͤnnte, wozu es an Beiſpielen nicht fehlen wuͤrde. Ohne dem Adel der kaiſerlichen Stamm⸗ ſchaͤferei zu Holitſch im mindeſten zu nahe treten zu „wemn gen be⸗ ja ihre t, den Gang, eit wir genom⸗ dtigung wurde, nd da, erfuhr, erholen, in dem ele die Hewinn fes er⸗ Begrif deutung „ was t; und de An⸗ Wenn man ſo⸗ z vom ct ab⸗ fehlen Stamm⸗ eten zu 137 wollen, koͤnnte ich dieſe vorzugsweiſe nennen, da gerade ſie durch eine abſtracte Conſequenz in der Fortzuͤchtung im Gewinne, d. i. im Reinertrage, zu— ruͤckgekommen iſt. Beharrlich ſoll und muß der Zuͤchter des Edelſchafes ſeyn, und ſein Ziel ſoll er nie aus den Augen verlieren; er ſoll conſequent in dieſer Beharrlichkeit bleiben, d. h. er ſoll alle ihm zu Gebote ſtehenden Mittel anwenden und alle zum Ziele fuͤhrenden Wege einſchlagen. Und dieſe ſind und bleiben nur die, daß er das Ideal des Edel— ſchafes als Ziel ſich ſteckt, bei den ſeiner Zuͤchtung untergebenen Thieren jederzeit denen den Vorzug gibt, die ſich dem Ideale am meiſten naͤhern, und ſich in dieſer Anſicht durch nichts irre machen laͤßt. Mag man ihm dann dieß oder jenes als etwas Ed— leres ruͤhmen, er wird es nicht eher dafuͤr anerken— nen, als bis er es, bei dem Vergleiche mit dem Ideale, dieſem auch wirklich naͤher ſtehend befunden hat. Ich weiß wohl, daß ich mit ſolchen Anweiſun— gen mir den Vorwurf zuziehen kann, als wolle ich eine neue Irrlehre aufbringen, an denen es ohne— hin in der veredelten Schafzucht nicht fehlt, und ich muß mich deßhalb rechtfertigen. Um dieß gruͤnd— lich zu thun, muß ich den Urbegriff vom Edelſchaf hier noch einmal vollſtaͤndig ausſprechen. Das Edel— ſchaf iſt in dem Ideale repraͤſentirt. In dieſem finden ſich ſaͤmmtliche gute Ei— genſchaften und Tugenden vor, die wir 138 vereinzelt in allen Abſtufungen bis herab zur erſten Veredlung im Schafe antref—⸗ fen. Dieſe Eigenſchaften und Tugenden vereinigen ſich ſaͤmmtlich in der hoͤchſten Guͤte und Menge der Wolle, und die Schafe ſind daher in den Graden ihrer Veredlung lediglich darnach zu bemeſſen, was ganz ſynonym iſt damit: daß ein Schaf um ſo edler ſeyn muͤſſe, je naͤher es dem Ideale ſteht. Dem Schafzuͤchter iſt folglich das Ideal als letztes Ziel geſteckt, und ſeine Zuͤchtung kann nur alsdann conſequent ge⸗ nannt werden: wenn er fortwaͤhrend darnach ſtrebt, alle ſeinen Schafen noch mangeln⸗ den guten Eigenſchaften und Tugenden ihnen einzupflanzen, dabei, was von ſelbſt folgt, alle Fehler und Maͤngel aus⸗ zurotten, und wenn er dazu die als pro⸗ bat erkannten Lehren und aufgefundenen Wege mit Beharrlichkeit verfolgt. Nimmt man auch das Wort Conſequenz in ſeiner engſten und eigenthuͤmlichſten Bedeutung und wendet es auf den hier gegebenen Fall an, ſo wird es ſtreng genommen auch auf die Zuͤchtung paſſen, in welcher man bei einerlei Blut zu verharren fuͤr die erſte Bedingung der Conſequenz haͤlt. Der Un— terſchied beruht einzig und allein nur darin, daß man oftmals bei der erſten Grundlage fehlt und das Ziel, welches man ſich vorzuſtecken hat, nicht öherab antref⸗ genden dchſten nd die mihrer neſſen, aß ein naͤher hter iſt t, und ent ge⸗ arnach ngelu⸗ genden s von el aus⸗ ls pro⸗ ndenen ienz in ung und ſo witd Fpaſſen, rren fuͤr Der Un⸗ in, daß ehlt und tt, nicht 139 klar genug auffaßt. Wir duͤrfen nur zuruͤckdenken an den Zweck der Zuͤchtung, der kein anderer iſt als der, alle guten Wolleigenſchaften in einem Schafe zu vereinigen— weil es nur dann ein wahres Edel— ſchaf genannt werden kann— und dadurch den hoͤch⸗ ſten Gewinn von denſelben zu erzielen. Nun aber kommen wir auf folgendes Dilemma: der Schaf⸗ zuͤchter, welcher dieſes wahre Edelſchaf ſich zum Ziele geſteckt hat, und es nicht aufbringt, hat ſich entweder kein richtiges Ziel geſteckt, und alle Con— ſequenz, die ihn zu deſſen Erreichung bringen ſoll, fuͤhrt ihn vom Ideale ab; oder er hat ſich das rechte Ziel geſteckt, aber all ſein Streben iſt keine Con⸗ ſequenz, weil er falſch operirt, und conſequent zu verfahren glanbt, wo er es nicht thut, indem er nicht fortwaͤhrend in gerader und kuͤrzeſter Richtung auf ſein Ziel losgeht. Die taͤgliche Erfahrung gibt uns hieruͤber die beſten Aufſchluͤſſe. Wir ſehen viele Schafzuͤchter, welche regen Eifer und vielen Fleiß auf ihr Fach verwenden, und welche dennoch nicht zum Ziele gelangen, weil ſie die oder jene vorkommende Erſcheinung nicht richtig zu beurtheilen verſtehen und durch dieſelbe von ihrer Bahn abgelenkt werden. Ein Beiſpiel mag ſtatt vieler dienen. Ich entlehne es aus einer der im vorigen Capitel namentlich auf— gefuͤhrten hochberuͤhmten Schaͤfereien, und zwar aus der zu Hennersdorf. Dieſe Schaͤferei war in Gefahr auf den Abweg der Schuͤtterwolligkeit zu gerathen. Der Beſitzer derſelben, der verſtorbene 140 Freiherr Emanuel von Bartenſtein, ſo wie ſein Beam⸗ teter, der Burggraf Groß, beides in hohem Grade rationelle und conſequente Schafzuͤchter, wurden bald inne, woran es fehle, und daß ſie nicht mehr gerade auf ihr Ziel, das Edelſte in ihrer Schaͤferei dauernd zu beſitzen, los gingen, als ſie auch ſogleich einſahen, was zu thun ſey, und durch Auswahl aus der eigenen Heerde der Zuͤchtung ſchnell eine audere, d. h. wiederum die rechte Richtung gaben. Sie waͤhlten als Hauptzuchtwidder die dichtwollig⸗ ſten aus. Wie ſchnell und ſicher ſie auf die Art wieder im rechten Gleiſe waren, das liegt gegenwaͤrtig in der fraglichen Heerde offen vor Augen. Als die er— ſten Fruͤchte der, ſo zu ſagen, wieder eingelenkten Zuͤchtung im Mai 1833 auf die Ausſtellung nach Wien kamen, fanden ſie dort eine Aufnahme, welche ſowohl den Baron, ſo wie ſeinen Burggrafen ſtutzig machte. Mit Einem Worte, man tadelte ſie und ſprach ſich ziemlich unverhohlen dahin aus, daß die Hennersdorfer Heerde ruͤckwaͤrts gehe. In dieſes Urtheil ſtimmten mehrere Maͤnner ein, denen man gruͤndliche Sachkenntniß zutraute, die aber hier ge⸗ rade bewieſen, daß ſie ſich noch nicht bis auf den Gipfel der Wiſſenſchaft geſchwungen hatten. Der Baron, deſſen beſonderer Zuneigung und deſſen un— bedingteſten Vertrauens ich mich erfreute, kam zu mir und theilte mir die ihm eben nicht erfreuliche Bemerkung mit, bat mich zugleich, mit ihm die fraglichen Schafe anzuſehen. Dieß gethan, war er n Beam⸗ n Grade wurden ht wehr chaͤfere ſogleich luswahl ell eine gaben. wwollig⸗ wieder itig in die er⸗ lenkten g nach welche ſtutzig ſie und daß die dieſes en man hier ge⸗ nuf den Der en un⸗ am zu reuliche hm die wat et 141 und ſein Burggraf ſehr geſpannt auf meinen Aus— ſpruch. Ihre Freude war groß, als dieſer ſehr guͤn⸗ ſtig ausfiel. Denn ich fand die Schafe ſehr ſchoͤn und ganz auf dem Wege, um durch ſie bei weite— rer Fortzuͤchtung zum Ideale zu gelangen. Ob ich richtig ſah und urtheile, das moͤgen zwei Thatſa— chen beweiſen. Die eine liegt in dem hoͤhern Stande, welchen ſeitdem die Hennersdorfer Schaͤferei erreicht hat; die andere aber in einem bald nach der erzaͤhl— ten Begebenheit bei dem Schafzuͤchter-Vereine in Bruͤnn abgegebenen Urtheile. Dort wurde der wichtige Gegenſtand verhandelt, daß die Wolle, waͤhrend ſie noch auf den Schafen ſteht, in vielen Faͤllen einen geringern oder hoͤhern Grad von Guͤte zeigt, als wenn ſie gewaſchen und geſchoren iſt, und als Waare zur Beurtheilung kommt. Um daruͤber Aufſchluß zu bekommen, hatte das Directorat ſich mehrere Wollmuſter aus einer ſchleſiſchen Schaͤferei kommen laſſen, wovon ein Theil immer roh, d. h. ſo wie ſie auf den Schafen ſteht, der andere aber gewaſchen war. Beide aber lagen beiſammen. Nun ward eine Beſchau-Commiſſion von ſechs Gliedern zur Entſcheidung ernannt. Wohl zu merken, hatte ein tuͤchtiger Wollſortirer bereits die Sorten dieſer Muͤſter beſtimmt, wäs aber den Mitgliedern dieſer Commiſſion, wozu ich auch gehoͤrte, nicht bekannt war. Die Urtheile fielen nicht fuͤr alle Muſter gleichmaͤßig aus, d. h. manches wurde von dem einen Mitgliede der Commiſſion gelobt, waͤhrend es vom andern getadelt 142 wurde. Nur uͤber ein einziges vereinigten ſich vier Stimmen von allen ſechſen, dahin, daß man es fuͤr das vorzuͤglichſte von allen erklaͤrte, und es fand ſich, daß auch dieß das einzige war, welches der Wollſortirer in Super⸗Electa geſtellt hatte. Und ſiehe da, als die ungewaſchene Probe dieſer Wolle mit den uͤbrigen verglichen wurde, kamen die mei—⸗ ſten anweſenden Schafzuͤchter darin uͤberein, daß ſie faſt unter allen vorliegenden Muſtern das unguͤn— ſtigſte Anſehen haͤtte, und nicht fuͤr das erkannt wuͤrde, was ſie waͤre. Und gerade eine ſolche Wolle war es, welche die Bartenſtein'ſchen Schafe trugen, uͤber welche in Wien ſo abgeurtheilt worden war. Wie war aber dieß moͤglich vor einem Areopagus, wie er in Wien und Bruͤnn bei den Schafaus⸗ ſtellungen verſammelt iſt?— Folgendes iſt die Erklaͤrung. In jeder Schaͤferei befinden ſich Thiere, in denen ſich im Koͤrper ſo wie in der Wolle eine beſondere Kraft ausſpricht, wo die Natur gleichſam in allem Zubehoͤr des Thierkoͤrpers den Ueberfluß innerer Kraft abzuſetzen ſtrebt. Daß ſie dicht- und kernwollig ſind, folgt hieraus von ſelbſt. Aber auch in der Wollmenge zeigt ſich noch jenes Draͤngen in— nerer Kraft, und es ſetzt ſich in ihr mehr Fett— ſchweiß an, wie bei den andern Exemplaren. Die⸗ ſer Schweiß aber wird, wenn die Schaͤferei den Electoralcharakter hat, nicht klebrig und pechartig, ſondern behaͤlt ſeine Fluͤſſigkeit, rinnt aber in einer Art kleiner Perlchen, in eigentlichen Fettaugen, in ſich bie man es es fand ſches der 2. Und er Woll die mei⸗ daß ſie ungaͤn⸗ erkaunt he Wolle trugen, war. opagus, hafaus⸗ iſt die Diiere, polle eine gleichſam jeberfluß cht⸗ und lber auch ingen in⸗ hr Fett⸗ 1. Die⸗ ferei den echartig in einer lgen, in 143 den Stapeln zuſammen und macht, daß die Wolle nicht ihr Luͤſter zeigen kann. Wenn dieß Fett abge— waſchen iſt, dann tritt dieſes aber deſto glaͤnzender hervor. So kann man es ſich denn leicht erklaͤren, daß derartige Wolle nach der Waͤſche ſich ungleich guͤnſtiger zeigt, wie vor derſelben. Dazu kommt ohnedieß noch, daß dicht gewachſene Wolle bekannt⸗ lich ihr Gepraͤge— die Windungen ihrer Stapel— nicht ſo zeigt wie ſchuͤttere, und daß ſie mithin weniger ins Auge faͤllt als dieſe. Die Art, welche ich im zweiten Capitel unter Kreppwolle auf— fuͤhrte, gehoͤrt meiſtentheils in dieſe Claſſe, und gerade ſolche war es, welche in der Henners⸗ dorfer Heerde ſich jetzt gruͤndete. Verfuhr nun aber der Baron von Barten⸗ ſtein, ſo wie Herr Groß inconſequent, daß ſie nicht feſt bei dem Haupttypus blieben, der ſich in der Heerde zu entwickeln anfing? Mich duͤnkt, wenn ſie dieß gethan haͤtten, dann haͤtte man ihnen In⸗ conſequenz vorwerfen muͤſſen, weil ſie von dem Ziele abgekommen waͤren, das ſie ſich geſteckt haͤtten, naͤmlich das Edelſte zu erzeugen und ſich dem Ideale zu naͤhern. Und nun komme ich zu dem zuruͤck, wovon ich bei Anfuͤhrung des Beiſpiels ausgegangen bin. Was in der Hennersdorfer Schaͤferei vorkam, das kann eben ſo gut auch in einer andern vorkommen. Wenn nun deren Zuͤchter entweder das Abirren der Heerde vom rechten Wege nicht inne werden, oder 144 es nicht fuͤr das halten, was es iſt, vielmehr glau⸗ ben, weil ſie immerfort nach gleichen Grundſaͤtzen verfahren und dasſelbe Syſtem befolgt haben, daß ſie die groͤßte Conſequenz beobachten, ſo koͤnnen ſie gerade damit inconſequent handeln, weil ſie das Ziel, nach dem ſie ſtreben, aus den Augen ver⸗ lieren. So kann denn eine ſcheinbare Conſequenz zur Inconſequenz werden, welche man erſt alsdann inne wird, wenn bereits der Schaden uͤberhand nimmt und ſich nur ſchwer wieder gut machen laͤßt. B. Conſolidirung. Hat man eine Schaͤferei ſo hinaufgebildet, daß ſie als eine edle, und jedes Individuum derſelben als ein Edelſchaf gelten kann, als dann liegt alles daran, ſie dabei zu erhalten, und da kein Stillſtand moͤglich iſt, ſie immer hoͤher zu heben. Um dieß in der moͤglich kuͤrzeſten Zeit und mit der moͤglich⸗ ſten Sicherheit zu koͤnnen, muß man vor Schwan⸗ kungen ſich zu verwahren ſuchen, wozu, wie eben ge⸗ zeigt worden, Conſequenz in der Zuͤchtung das ein— zige ſichere Mittel iſt. Durch ſtete Uebung derſel— ben conſolidirt man die Schaͤferei, d. h. man bringt alle in ihr vorhandenen guten Ei⸗ genſchaften in einen gewiſſen Einklang, wobei immer die eine die andere hebt und befeſtigt. Eine ſolche Conſolidirung aber bringt man nur damit zu Stande, daß man ſtets die gleichen Eigenſchaften in den Zuchtthieren feſtzuhalten ſtrebt, hr glau⸗ undſätzen en, daß onnen ſi ſie das gen ver⸗ nſequen alsdann dnimmt det, daß erſelben gt alles gtillſtand Um dieß moͤllich⸗ Schwan⸗ eben ge⸗ das ein⸗ g derſe⸗ H. man ten Ei⸗ nklang, befeſtigt gt man gleichen en ſtrett 145 und da, wo ſie ſich verlieren wollen, alsbald die ge⸗ eigneten Mittel anwendet, um ſie aufs neue her— vorzurufen. Es gibt viele Schafzuͤchter, denen es an Fleiß gar nicht fehlt, welche aber die Eigen— ſchaften, die ihre Zuchtthiere haben und behalten ſollen, entweder nicht genau genug kennen, oder durch andere werthvollere erſetzen zu muͤſſen meinen. Dieſe kommen nie mit ihrer Heerde zur Conſolidi— rung, weil eben die guten Eigenſchaften in derſel— ben keinen Halt und keine Feſtigkeit bekommen. Sie verfahren mit Einem Worte inconſequent. Nun aber iſt die Conſequenz die Baſis der Conſo⸗ lidirung, und dieſe wiederum der Weg zur Conſtanz. Es liegt in der Natur der Sache, daß man durch Inzucht an ſicherſten und ſchnellſten eine Heerde conſolidirt, vorausgeſetzt, daß in ihr bereits alle Elemente vorhanden ſind, vermittelſt deren man ſie auf einen hohen Standpunkt hinauf— bilden kann. Dieſe Elemente aber ſind jene guten und werthvollen Eigenſchaften, welche die Schafe haben muͤſſen, um in den Rang des Edelſchafes ein— zutreten. In je mehr Generationen und wiederum in je mehr Individuen dieſe guten Eigenſchaften faſt ſaͤmmtlich vorhanden ſind, um ſo mehr iſt die Heerde conſolidirt, und um ſo ſichrere Hoffnung kann man ſich auf eine gute Vererbung, d. i. auf die Ueber⸗ tragung dieſer Eigenſchaften auf ihre Nachkommen machen. Elsner, das Edelſchaf ꝛc. 10 146 Aber auch durch den Gebrauch und die Ein⸗ miſchung von fremden Zuchtthieren kann man ſeine Schaͤferei conſolidiren; nur iſt dabei eine kluge Aus⸗ wahl zu beobachten. Dieſe muß hauptſaͤchlich darauf gerichtet ſeyn, die vorhandenen guten Eigenſchaften in der Heerde zu erhalten und zu vermehren, und die noch fehlenden hineinzubringen. Daraus geht hervor, daß dergleichen fremde Thiere auf einer hoͤhern Stufe der Veredlung ſtehen muͤſſen, als die Schaͤferei, fuͤr welche man ſie ſucht. Die Eigen⸗ ſchaften, welche ſie zur Schau tragen, ſind aber dafuͤr nicht allemal eine genuͤgende Buͤrgſchaft, weil, wie ich ſchon weiter vorne einmal bemerkte, die Natur ihre Launen hat, und zuweilen von nicht ganz edlen Eltern Nachkommen auftreten laͤßt, die mit den edelſten Eigenſchaften begabt ſind. Bei ſolchen aber herrſcht das Mißtrauen vor, daß ſie ſchlecht vererben, und ihre Nachkommen in das großelterliche Blut zuruͤckſchlagen werden.— Der vorſichtige Kaͤufer, d. h. jeder, der es mit der weitern Veredlung ſeiner Schaͤferei redlich meint, und dem dazu auch die Kenntniſſe nicht mangeln, wird allemal ſolchen Heerden den Vorzug geben, von denen er weiß, daß ſie ſchon ſeit mehrern Gene⸗ rationen mit Conſequenz gezuͤchtet, folglich ſchon conſolidirt ſind. Denn nur in ſolchem Falle wohnen ihnen die guten Eigenſchaften ſo feſt inne, daß ſie dieſelben auch auf ihre Nachkommen getreulich uͤber⸗ tragen. Um nun aber auch ſelbſt zur Conſolidirung die Ein⸗ nan ſeine uge Aus⸗ c darauf nſchaften ten, und nus geht -uf einer als die Eigen⸗ ind aber ft, weil kte, die 'n nicht ißt, die id. Bei „daß ſie in das — Der mit der h weint, mangeln, ben, von n Gene⸗ ich ſchon e wohnen „daß ſie lich uben⸗ olidieung 147 mit der eigenen Schaͤferei zu kommen, wird er nicht bald aus dieſer, bald aus jener Heerde kaufen, ſon— dern ſo lange bei einer verharren, als er ſieht, daß man nach einem feſten Syſteme fortzuͤchtet, d. h. conſequent bleibt, weil er da, wenn er anders die rechte Baſis gelegt, und zum Weiterbaue die paſſend⸗ ſten Materialien gewaͤhlt hat, immer das fuͤr ihn Paſſende finden muß. Denn waͤre dieß nicht der Fall, ſo waͤre es ein Beweis: daß entweder die Heerde, aus welcher er ſeine Zuchtthiere bezieht, nicht conſequent gezuͤchtet und conſolidirt waͤre, oder daß er im erſten Anfange nicht richtig geurtheilt und folglich falſch gewaͤhlt haͤtte. Dieſes unrichtige Urtheilen koͤnnte in doppelter Art ſtattfinden, und zwar einmal in Beziehung auf die Heerde, aus welcher er kauft, und zum zweiten auf ſeine eigene Schaͤferei. Er koͤnnte aus Mangel an gruͤndlicher Kenntniß den Wollcharakter von beiden nicht richtig aufgefaßt und beurtheilt haben. Man wird ſich alſo leicht uͤberzeugen, daß nur verſtaͤndige und geuͤbte Schafzuͤchter conſequent ver— fahren und zur Conſolidirung gelangen. Billig fragen wir aber auch, wie lang wohl der Zeitraum ſeyn mag, bis man ſolches Ziel erreicht? Das haͤngt freilich von der erſten Grundlage ab, die man vorfindet, und von der Art und Weiſe, wie man den Bau auf derſelben fortfuͤhrt. Wer z. B. eine neue Schaͤferei zu gruͤnden hat und die An— faͤnge dazu aus mehrern Heerden beziehen muß, dem 10* 148 wird die Sache ſchon ungleich ſchwerer werden, als dem, der ſie aus einer einzigen Heerde bekommen kann. Bei dieſer wird es jedoch wiederum ſehr da⸗ von abhaͤngen, ob und wie weit ſie ſelbſt ſchon con— ſolidirt ſey. Waͤre eine inconſequente, ſchwankende Zuͤchtung in derſelben beobachtet worden, ſo koͤnnte es am Ende faſt mehr Muͤhe erfordern, den aus ihr entnommenen Stamm zu conſolidiren, als wenn man ihn aus mehrern Heerden haͤtte waͤhlen muͤſſen. In beiden Faͤllen aber iſt es noͤthig, ſo viel als moͤglich nur gleichartige Thiere zur Gruͤndung ſeines Stammes zu waͤhlen; vor Allem aber ihnen Widder beizugeben, welche in ihrer Wolle dem Charakter der Mutterſchafe voͤllig entſprechen. Durch Conſolidirung einer Schaͤferei gelangt man vorzugsweiſe zur Gleichartigkeit der Wolle, was eine große Tugend iſt, und den Werth der Schur nicht unbedeutend erhoͤht. Die Urſache davon liegt nahe. Eine gleichartige Wolle iſt fuͤr jeden Kaͤufer bequem, weil auch der Fabricant ſie ohne Ausnahme brauchen kann, was bei einer ungleich— artigen, und wenn ſie auch in der Feinheit aus— geglichen iſt, nicht ſo ſtattfindet. Die Gleich— artigkeit aber bezieht ſich auf den Charakter oder die Natur der Wolle, wovon ich im zweiten Capitel weitlaͤufiger geſprochen habe. Eine ſolche Gleich— artigkeit muß zuerſt in jedem einzelnen Vließe, und ſodann in allen Vließen unter einander ſtatt finden. Sie iſt uͤbrigens eben ſo ſchwer und mit eben ſo viel — oe—y———29ſn— üü.—:——ͤ 149 den, al Schwierigkeiten zu erzeugen, wie die Ausgeglichen⸗ ommen heit, d. i. die gleichmaͤßige Feinheit. Als Beweis ſehr da⸗ fuͤr dieſe Behauptung brauche ich bloß anzufuͤhren, hon can wie ſehr unter andern die Laͤnge und der Bau der dankende Stapel in ſo vielen Vließen wechſelt, und wie z. B. koͤnnte Muſter, welche man vom Halſe, von der Seite und aus iht vom Hintertheile eines und desſelben Schafes ſchnei— 6 wenn det, zuweilen ſo verſchieden ſind, daß man glauben müͤſſen. koͤnnte, ſie waͤren von ganz heterogenen Thieren viel als entnommen. Weil nun aber durch Conſolidirung g ſeines die gewuͤnſchte Gleichartigkeit der Wolle am feſteſten Widder hergeſtellt wird, ſo erklaͤrt ſich daraus auch die Er— nkter der fahrung, daß Thiere mit gleichartiger Wolle vor— zugsweiſe gut vererben. Hierin liegt ein neuer, ſehr, gt man zu beherzigender Wink fuͤr jeden, der Widder kaufen Volle, will.— Man kͤnnte ſich die Sache phyſiologiſch auf erth der folgende Art erklaͤren. Wenn die Wolle uͤber das ze davon ganze Vließ moͤglichſt ausgeglichen, d. h. von gleicher ir jeden Feinheit des Haares iſt, ſo beweist dieß, daß es ſe ohne dem Schafzuͤchter gelungen ſey, das Wollfeld, d. i. naglech: die Haut des Schafes, zu dem Grade zu cultiviren, it aus⸗ daß es, trotz dem Widerſtreben der Natur, durch⸗ Gleic⸗ gehends eine gleiche Beſchaffenheit hat; wenn ſie oder die aber gleichartig iſt, ſo beweist dieß, daß auch der rpite innere Organismus, welcher auf das Wachsthum Gleih⸗ der Wolle wirkt, die eigentliche Triebkraft, im e, un ganzen Vließe eine gleiche Wirkung zeigt.— Dieß finden iſt ein wichtiger Satz, in welchem die Lehre liegt, rſoꝛi daß es mit mehr Schwierigkeiten verbunden iſt, die 150 Wolle zur Gleichartigkeit, als zur Ausge⸗ glichenheit zu bringen. Beides aber muß vereint ſeyn, und es liegt darin die Hauptaufgabe fuͤr die Erzeugung des wahren Edelſchafs. Wenn man nun durch fortgeſetztes Streben, welches durch Sachkenntniß geleitet und geregelt wird, allmaͤhlich immer eine gute Eigenſchaft nach der andern in ſeiner Schaͤferei zu Stande bringt, ſo liegt alles daran, ſie feſt zu erhalten, und nicht immer eine uͤber der andern wieder zu verlieren. Und dieſes Feſthalten eben fuͤhrt zur Conſolidirung, die, wenn ſie einige Generationen hindurch fortge⸗ ſetzt iſt, immer leichter wird, indem alsdann die Ruͤckſchlaͤge immer ſeltener werden, wie ja die Er— fahrung jeden geuͤbten Schafzuͤchter lehrt. Und gerade um dieſen Ruͤckſchlaͤgen zu entgehen, ſoll man eine Heerde in ſich conſolidiren, weil ſonſt die ganze Zuͤchtung eben ſo muͤhſam als unſicher bleibt. Fragen wir jetzt, ob alle die Schaͤfereien, welche ſchon eine Reihe von Generationen in der Veredlung durchgemacht haben, ſich ruͤhmen koͤnnen, conſolidirt zu ſeyn? ſo moͤchte wohl eine unparteiiſche Antwort nicht bejahend ausfallen. Worin mag da wohl die Urſache liegen? In zweierlei: einmal darin, daß die wenigſten Heerden lange Zeit hindurch mit Conſe⸗ quenz gezuͤchtet werden, wovon ich ſchon den Grund angegeben habe; und zum zweiten, weil das ver⸗ aͤnderte Beduͤrfniß das Product bald ſo, bald anders gefordert hat. Wenn letzteres auch jetzt noch gilt —— 151 Ausge⸗ und in Zukunft gelten wird, ſo muß man faſt an iß vereint einer allgemeinen Conſolidirung der edlen Schaͤfereien de für die zweifeln. Indeß kommt es vor allen Dingen darauf an, ein wahrhaft edles Product zu erzeugen, weil Streben, ein ſolches ſich auch nach dem wandelbaren Beduͤrf⸗ geregel niß fuͤgt, wovon uns einzelne hochedle Heerden zaft nac Zeugniß geben und wofuͤr ich beiſpielsweiſe nur die ringt, ſ im dritten Capitel genannten Schäͤfereien anfuͤhre. nd nicht Sie kann man unbedingt als conſolidirt annehmen, geilieren. und ſie ſind dieß auch ſchon ſeit laͤngerer Zeit, und idirung, dennoch genuͤgen ſie immerfort den veraͤnderten Be⸗ h firtge duͤrfniſſen, was augenſcheinlich daraus hervorgeht, dann die daß ihre Wolle nach wie vor die hoͤchſten Preiſe er— a die Er haͤlt, und daß alle die vielen Schafzuͤchter, welche t. Und ſich, behufs der hoͤhern Veredlung ihrer Heerden, aus ihnen recrutiren, ihren Zweck erreichen, ohne Läh Gefahr zu laufen, dem wechſelnden Beduͤrfniſſe nicht . zu entſprechen, und folglich ihr Ziel, den moͤglich n, wich hoͤchſten Gewinn von ihrer Schaͤferei zu beziehen, etedun zu verfehlen.. Daraus aber folgt ein Cardinal⸗Satz conſolidirt fuͤr die Schafveredlung, und der lautet: je edler die Wolle iſt, und je naͤher eine Schaͤferei eAunde dem Ideale ſteht, um ſo mehr iſt das Pro⸗ zm duct geeignet, allen an dasſelbe geſtell— ten Forderungen zu genuͤgen, und dem Nachtheile zu entgehen, den Mode und wandelnde Anſicht ihm bringen koͤnnen. Wiederum folgt aber auch, daß die Conſolidirung ſo nit Conſe den Grund l das bet— ald anderd tvoch gil 152 gut wie die Conſequenz eine Stufe bildet, auf der man zum Ideale emporklimmt. C. Conſtanz. Je conſequenter man zuͤchtet, und um ſo mehr man eine Schaͤferei in ſich conſolidirt, deſto naͤher ruͤckt man der Conſtanz. Dem ſtrengſten Begriffe des Wortes gemaͤß kaͤme ihr aber dieſe Tugend nur alsdann zu, wenn ſie in ihrer Race ſo feſt und ſicher waͤre, daß bei der Fortpflanzung in ſich ſelbſt weder eine Varietaͤt der Nachkommen, noch ein Zuruͤckgehen derſelben jemals ſtattfinden koͤnnte. Nach dieſem ſtrengen Begriffe werden wir mit keiner Thierart, und am allerwenigſten mit dem Edelſchafe zur Con⸗ ſtanz gelangen. Gerade darin behauptet die Natur ihr Recht, und es geht uns mit der Veredlung der Thiere nicht beſſer wie mit der Veredlung der Pflanzen. Was die Natur, ohne daß ihr der Menſch ins Fach greift, fuͤr ſich hervorbringt, bei dem kommen ungleich weniger Abweichungen vor, als da, wo der Menſch irgend eine Eigenthuͤmlichkeit feſt halten und zur ſtehenden Regel umgeſtalten will. Sehen wir die Thiere in der Wildniß, ſo finden wir ſo wenig Abweichendes an ihnen, daß wir ihnen bei der Forterbung unbedingt Conſtanz zugeſtehen muͤſſen. Jahrtauſende behalten ſie Farbe, Form, mit Einem Worte den Typus, den ihnen die Natur aufgedruͤckt hat, und uͤberall, wo er ſich aͤndert, thut er es nur, wo der Menſch oder ganz ungewoͤhnliche Er⸗ — — ⏑)— n—=·,,—,—. det, auf ſo mehr do naͤhen Begrife gend nur nd ſicher ſt weder uͤckgehen dieſem Thierart, zur Con⸗ je Natur luung der lung der ihr der ingt, bei gen bor, imlichkeit lten wil. nden wir hnen bei muͤſſen. t Einem fgedrück ut er es niche er⸗ 153 eigniſſe eingreifen. Ueberall aber ſtrebt die Natur nach dem Urtypus zuruͤck. So iſt es ja mit den Pflanzen dasſelbe. Die gefuͤllte Blume iſt ein Pro⸗ duct des Eingriffes des Menſchen, der die Natur da, wo ſie zuweilen ſpielt, feſthaͤlt. Sobald er ſie ſich wieder ſelbſt uͤberlaͤßt, geht ſie in den Ur— typus zuruͤck. Dieſe, durch tauſendfache Erfah⸗ rungen beſtaͤtigte Wahrheit antwortet uns genuͤgend auf die Frage: ob das Edelſchaf jemals conſtant werden koͤnne?— Es iſt ein Product menſchlicher Induſtrie, und muß nothwendig degeneriren, ſobald es dieſe fallen laͤßt. Ein Anderes iſt es freilich, wenn wir fragen: ob dasſelbe, wenn es gaͤnzlich ſich ſelbſt und der Natur uͤberlaſſen wuͤrde, jemals wieder in den Urſtand zuruͤckgehen und z. B. bis zum Zakel oder auch nur bis zum gewoͤhnlichen Landſchafe herabſinken wuͤrde? Dagegen koͤnnte man wohl eben ſo gegruͤndeten Zweifel hegen, als gegen Conſtanz in dem Sinne, wie wir ſie hier nehmen. Um mit den hier geſtellten Fragen ganz ins Klare zu kommen, muͤſſen wir fortwaͤhrend den Ge⸗ ſichtspunkt feſthalten, daß das Edelſchaf das⸗ jenige Exemplar ſeiner Gattung iſt, in welchem der Menſch eine Menge von Ei⸗ genſchaften vereinigt hat, die ihm zu ſeinen beſondern Zwecken dienen. Ich gehe naͤmlich immerfort davon aus, daß es nur ein Product menſchlicher Induſtrie iſt, und daß auch die Merinos, wie ſie in aͤlterer Zeit in Spanien 154 waren, ſchon als ſolches dahin gekommen ſind, und daß ihre Herausbildung einer uralten Zeit angehoͤrt. Iſt es nun gleich ein Product, welches die Natur hervorgebracht, dem aber der Menſch nachgeholfen hat, ſo ſind und bleiben die Eigenſchaften, die er in ihm vereinigte und fortwaͤhrend feſthielt, eben⸗ falls Naturgaben, und ſie muͤſſen um ſo laͤnger in ihm ſich zeigen und entwickeln, je aͤlter die Zeit iſt, von wo an jene Vereinigung ſich datirt. Wenn alſo das Edelſchaf auch wirklich auf ein⸗ mal aus des Menſchen Bereich traͤte und der Natur uͤberlaſſen bliebe, ſo wuͤrde es dennoch nur nach langer Zeit ausarten und ſich ſeinem urſpruͤnglichen Zuſtande naͤhern, ja es wuͤrde dieſe Annaͤherung vielleicht nie zum voͤlligen Uebergange werden, weil eben die ihm angezuͤchteten Eigenſchaften natuͤrliche ſind, und ſich darum theilweiſe feſt erhalten wuͤrden. Moͤchte man nun aber aus dieſem Satze nicht auf eine moͤgliche Conſtanz im ſtrengen Sinne des Wortes ſchließen? Und muß man dieß nicht ſogar thun, wenn nicht ein Widerſpruch eintreten ſoll?— Mich duͤnkt, beides laͤßt ſich ſehr gut mit einander vereinigen. Denn, wenn auch die im Edelſchafe vereinigten guten Eigenſchaften natuͤrliche ſind, ſo iſt eben ſo gut die Grundlage des ganzen Schafs natuͤrlich, und zu dieſer ſind die gedachten Eigen⸗ ſchaften ſo zu ſagen nur eine Zugabe, und das 22ͤ—— ind, und angehont. ie Natur hgeholfen n, die er lt, eben— laͤnger in jZeit iſt Wenn uf ein⸗ te und uͤrde es asarten uſtande herung rgange chteten ind ſich irden. atze nicht inne des iht ſogar rſoll?— einander ddelſchafe ſind, ſo en Schaſt en Eigen⸗ jund dos 155 Edelſchaf ſelbſt iſt damit nur von dem gemeinen Schafe ausgezeichnet, ohne in ſeiner ganzen Natur von ihm unterſchieden zu ſeyn. Geſetzt nun, man habe eine ganze Schaͤferei bis zum Ideale hinaufgebildet, wuͤrde dieſe nicht vollig conſtant ſeyn, und wuͤrden nicht alle von ihr er⸗ zeugten Nachkoͤmmlinge lauter Ideale ſeyn?— Vorausgeſetzt, daß es wirklich moͤglich waͤre, eine ganze Heerde von ſolchen Exemplaren aufzubringen— was aber bis jetzt noch außer aller Wahrſcheinlichkeit liegt— ſo wuͤrde dieſe erſt wiederum einige Gene— rationen hindurch gezuͤchtet ſeyn muͤſſen, um con— ſolidirt zu ſeyn, weil ſonſt zu fuͤrchten waͤre, daß ſich die allgemeine Erfahrung auch in ihr bewaͤhrte, daß die Enkel immer wieder dem großelterlichen Ge⸗ ſchlecht aͤhnlich ſind, und weil folglich in der erſten Generation noch eine Menge von Ruͤckſchlaͤgen vorkommen wuͤrde. Man ſieht alſo, was dazu gehoͤrt, ehe man das erreichte. Aber wenn es zu erreichen wirklich moͤglich werden ſollte, ſo waͤre nur in dieſem Falle eine wahre Conſtanz moglich, wenn anders die Natur dahin zu bringen ſeyn kann, daß ſie vergaͤße, welchen Urſprung das Edelſchaf hat. Bedenkt man aber, welche Klippen zu umſteuern und welche Schwierigkeiten zu beſiegen ſind, ehe man ſich nur in einzelnen Exemplaren dem Ideale ſo naͤhert, daß nur noch wenig zu ſeiner voͤlligen Er⸗ reichung fehlt, ſo ſieht man wohl ein, daß es unter 156 vielen Menſchenaltern noch nicht dahin kommen wird, daß auch nur mehrere dergleichen Ideale in einer Heerde zu finden ſind, geſchweige denn, daß ſie alle ſolche ſeyn ſollten. Daraus folgt denn, daß eine wahre und in der vollen Bedeutung des Wortes geltende Conſtanz, die noch weiter hinaus geſteckt iſt, bis jetzt noch ein Utopien ſeyn muͤſſe. Iſt ſie jedoch auch nicht voͤllig in eine Heerde zu bringen, ſo kann man ſich ihr doch naͤhern, und wenigſtens dahin gelangen, daß man bei fortgeſetz⸗ tem Fleiße und bei ſteter Aufmerkſamkeit, ſo wie bei kluger Auswahl der Zuchtthiere eine gewiſſe Sicher⸗ heit dafuͤr bekommen kann, daß man in den Nach⸗ kommen nur ſelten Ruͤckſchlaͤge zu fuͤrchten hat. Conſequenz in der Zuͤchtung und Conſolidirung der Heerde ſind es, die, wie ich ſchon bemerkt habe, uns der Conſtanz am naͤchſten bringen. Wenn aber viele Schafzuͤchter von conſtanten Heerden ſprechen, ſo weiß man nach allem dem, was ich hier geſagt habe, was man davon zu halten hat. Gewoͤhnlich bedienen ſie ſich dieſes Ausdrucks als⸗ dann, wenn viele daraus entnommene Zuchtthiere ziemlich treu vererben. Allerdings iſt dieß eine Tugend und Vollkommenheit, welche in der Con— ſtanz begruͤndet iſt. Aber es iſt hier erſt noch dreier— lei zu bedenken, und zwar erſtlich: daß die ver— ſtaͤndige Wahl des Schafzuͤchters zu dieſer treuen Vererbung noͤthig iſt, die darauf hinausgeht, daß er z. B. einen Widder— denn am Widder erprobt kommen eale in enn, daß enn, daß 3Wortes z geſteck deerde zu rn, und ertgeſetz⸗ wie bei 6 Sicher⸗ den Nach⸗ öten hat. rrung der rkt habe, onſtanten em, was nten hat. ucks als⸗ uchthiere ieß eine der Con⸗ hdreier die ver⸗ er treuen iht, daß 9 erpvbt 157 ſich die Vererbung immer am beſten— nicht auf allzu heterogene Mutterſchafe bringt; es iſt zum zweiten zu bedenken: daß man ſchon von treuer Ver— erbung ſpricht, wenn er die meiſten ſeiner guten Eigenſchaften auf ſeine Nachkommen bringt, und zum dritten, daß dieſe Tugend der Vererbung meiſten⸗ theils nur ausnahmsweiſe ſtatt findet, und daß anſtatt eines Widders, der ſie entſchieden zeigt, ge— woͤhnlich mehrere ſind, an denen man ſie vermißt. Denn damit, daß z. B. ein Widder, welcher be⸗ deutend feiner in der Wolle iſt wie die Mutter— ſchafe, denen er beigegeben wird, auch feinere Laͤm— mer zeugt, als die Muͤtter ſind, das beweist noch nicht viel, und hoͤchſtens nur, daß er hin— ſichtlich der Feinheit ſeines Wollhaares ſchon mehrere Generationen hinter ſich haben muͤſſe. Aber wir haben geſehen, daß außerdem die Wolle noch eine Menge andrer guten Eigenſchaften haben muͤſſe. Wenn ich jedoch auch hier eine Menge von Schwierigkeiten hinſichtlich der treuen Vererbung aufgeſtellt habe, ſo wuͤrde ich eine große Unwiſſenheit verrathen, wenn ich eine ſolche uͤberhaupt in Abrede ſtellen wollte. Manche Schaͤfereien zeichnen ſich in dieſer Hinſicht zu ihrem Vortheile aus, und zwar ſo, daß man, wenn man die Nachzucht ſieht und muſtert, gleichſam auch ſchon die Eltern, vor allem aber ſchon den Widder geſehen zu haben glaubt. Und ſolche Schaͤfereien ſind es, denen man, nach dem 158 beſchraͤnkten Begriffe, welchen wir mit dem Worte verbinden, Conſtanz beilegt. Sechstes Capitel. Die Neberſtedelung des Edelſchafs. Wie ich ſchon andern Orts geſagt habe, ſo war man, als das Edelſchaf(Merino) aus Spanien in andere europaͤiſche Laͤnder gebracht werden ſollte, ſehr beſorgt, ob es auch in dem veraͤnderten Klima gedeihen, und ob ihm das Futter jener Laͤnder zuſagen wuͤrde. Auch hinſichtlich ſeiner Verpflegung und Behandlung war man in Zweifel, und es ließ daher der Kurfuͤrſt von Sachſen, als er den erſten Trans— port von Merinos im Jahr 1768 aus Spanien bezog, einen Oberſchaͤfer— Majoral— mitkommen, um nicht durch Unkenntniß Unheil anrichten zu laſſen. Be⸗ denkt man, in welchem Zuſtande zur damaligen Zeit ſich das ganze Schaͤfereiweſen in Deutſchland befand, ſo war dieſe Vorſicht wohl nicht uͤberfluͤſſig, obgleich wiederum dieſer ſpaniſche Majoral, der mit unſeren Landesverhaͤltniſſen voͤllig unbekannt war, im Ganzen wenig nutzen, und hoͤchſtens nur daruͤber wachen konnte, daß nicht eine widerſinnige und voͤllig unge⸗ wohnte Behandlung die Thiere zu Grunde richtete. In welchem Zuſtande ſie ankamen, das iſt geſchicht— lich bekannt. Raͤude und Klauenſeuche hatten ſich in Worte ſo war auien in en ſollte, en Klima rzuſagen ung und ieß daher in Trans⸗ ien bezog, „um nicht ſen. Be⸗ ligen geit dbefand, „obgleich it unſeren m Ganzen er wachen lig unge erichtele geſchiht atten ſch 159 auf dem Transporte bei den Thieren eingefunden, was auch alle Privat⸗Schafzuͤchter im Anfange von deren Annahme abſchreckte. Die nach Oeſterreich um dieſelbe Zeit kamen, hatten weniger gelitten, unſtrei⸗ tig weil man mehr Vorſicht auf ihrem Transport angewandt hatte. Eine derartige Ueberſiedelung iſt und bleibt immer eine mißliche Sache, und obgleich man im Laufe der Zeit ſich viele und mannichfache Erfahrungen darin geſammelt hat, ſo ſtoͤßt man doch noch oft genug auf unerwartete Schwierigkeiten. So kann ich unter andern eine anfuͤhren, die mir großen Verluſt zuge— zogen. Vor zwei Jahren brachte ich einen bedenten⸗ den Zug von ſchleſiſchen Edelſchafen nach Ungarn, die ich dort in Gemeinſchaft mit einem Cavalier aufſtellte. In Schleſien ſind die Blattern eine ſeltene Erſcheinung, und die ſaͤmmtlichen Schafe hatten ſie noch nicht gehabt. In Ungarn kommen ſie alljaͤhrlich vor, und man impft dort faſt alle Heerden. Bei den von mir dahin gebrachten war dieſe Impfung, da ſie erſt Ende October und vom Transporte an⸗ gegriffen dahin kamen, auch meiſtentheils hoch tragend waren, nicht vorgenommen worden. Bis im Maͤrz des naͤchſten Jahres ging es gut. Nun aber brachen ringsum die Blattern aus, und wir mußten ſchnell impfen. Deſſen ungeachtet aber uͤber— fielen einen großen Theil der Heerde, vornehmlich die Laͤmmer, die natuͤrlichen Blattern, und rich⸗ teten, da ſpaͤter noch Futternoth dazu kam, einen 160 ungeheuren Verluſt an.— Dieſer Umſtand erſchwert die Ueberſiedelung von Edelſchafen aus Schleſien und Sachſen nach Ungarn ungemein und macht die Thiere, welche man endlich da aufzieht, ſehr theuer. Nach Polen und Rußland geht es nicht viel beſſer. Den— noch aber uͤberwindet man alle dieſe Schwierigkeiten, und das Edelſchaf verbreitet ſich immer mehr auf dem ganzen Erdkreiſe. Ich ſprach davon, daß die aus Spanien nach Sachſen gebrachten Merinos Raͤude und Klauenſeuche mitgebracht haͤtten. Das iſt bei einem Transport, der ſo weit geht und ſo viel zu ertragen hat, nicht zu verwundern. Die feinere Haut, und eben ſo auch der feinere Huf macht das Edelſchaf fuͤr dieſe Krankheiten empfaͤnglicher, als es das gemeine Schaf iſt. Die Klauenſeuche riß jedoch vorzuͤglich in den Staͤmmen ein, die man ſpaͤter aus Frankreich brachte, weßwegen ſie auch die franzoͤſiſche Kraͤmpe (Kruͤmme oder Laͤhme) genannt wurde. Auch die Traberkrankheit ſcheint dem Edelſchafe mehr zuzu— haͤngen wie dem gemeinen Landſchafe, was wohl ſeinen Grund darin haben mag, daß jenes bei der Zeugung weniger ſich ſelbſt und ſeiner Natur uͤber— laſſen wird, wie dieſes. Selbſt die Verſetzung aus einem Klima ins andere kann ſie befoͤrdern helfen, ſo wie man auch gegentheils wiederum die Erfahrung gemacht hat, daß ſie ſich damit verloren, und bei Schafen, unter denen man ſonſt Traber geſehen, nach der Ueberſiedelung keine mehr wahrgenommen hat. derſchwen hleſſen und die Thiere er. Nah ſer. Da⸗ ierigkeiten mehr auf anien nch lauenſeuche Transpon, hat, nich nd eben ſo f für dieſe as gemeine ˖borzäͤglich Frantreic he grimpe Auch die nreßt zuzu⸗ was wohl es bei der atur über⸗ zung aus m helfen, Erfahrung „ und bei hen, nach mmen hat. 161 Jedenfalls aber iſt es nicht zu laͤugnen, daß eine Verſetzung in weite Fernen einen nicht unbedeutenden Einfluß auf die Geſundheit und die Conſtitution des Evelſchafes haben muͤſſe. Am bedeutendſten muß aber derſelbe ſeyn bei dergleichen Thieren, die uͤber Meer gebracht werden. Von denen gehen uͤbrigens, wie verlautet, ſtets eine große Anzahl ſchon unter— wegs zu Grunde, und die, welche auch am Orte ihrer Beſtimmung ankommen, beduͤrfen noch erſt einiger Zeit zu ihrer Acclimatiſirung. Bedenkt man dieß alles und fuͤgt dazu noch die unzaͤhligen Mißgriffe, welche in der Zuͤchtung ſowohl als in der Pflege des Edelſchafes begangen werden, ſo muß man ſich in der That wundern, daß es ſowohl der Zahl als der Qualitaͤt nach noch auf einer ſo hohen Stufe ſteht, und es geht daraus die Wahrheit hervor, daß es ungleich mehr zu ertragen im Stande iſt, als man gewoͤhnlich glaubt. Ich habe auch bei dieſem Capitel wieder einige Unterabtheilungen zu machen, und ſpreche zuerſt A. Von den Vorſichtsmaaßregeln, die man bei der Ueberſiedelung des Edelſchafes zu nehmen hat. Da die Thiere an ſich ſchon theuer ſind, und durch den Transport noch bedeutend theurer werden, ſo iſt freilich vorauszuſetzen, daß ein jeder, der ſie anſchafft, Alles aufbieten werde, um einen moͤglichſt geringen Verluſt bei ihrer Ueberſiedelung zu erleiden. Nicht Alle aber haben die ndthigen Erfahrungen, und Elsner, das Edelſchaf ꝛc. 11 162 Manche ſtellen ſich die Sache zu leicht, Andere zu ſchwer vor. Fuͤr beide werden die nachfolgenden Regeln nicht uͤberfluͤſſig ſeyn. 1) Verdient das Edelſte auch allemal am erſten in eine weite Ferne verſetzt zu werden, und das aus dem einfachen Grunde, weil alle Koſten dieſelben bleiben, man mag waͤhlen welche Claſſe man wolle. Repartirt man dieſe auf den wahren und abſoluten Werth der Thiere, ſo koͤnnen ſie bei geringen Sorten leicht die Haͤlfte deſſen austragen, was die Schafe, wenn ſie an Ort und Stelle angelangt, werth ſind, wogegen bei den hoͤhern Claſſen das Verhaͤltniß ſich kaum auf ein Viertheil des Werthes ſtellt. Freilich iſt bei den hochedeln Thieren auch das Riſico groͤßer, und es muß daher auch die Sorgfalt, die man fuͤr ſie anwendet, in gleichem Maaße groͤßer ſeyn. Wohl haͤlt es ſchwer, allemal das Edelſte zu bekommen, weil kein rationeller Schafzuͤchter es ſo leicht hergibt. Da muß man denn beim Einkauf fuͤr eine weite Ferne wenigſtens moͤglichſt edles Vieh zu bekommen trachten. 2) Gebietet die Klugheit und Vorſicht, daß man genau zu erforſchen ſuche, ob erbliche Krankheiten in den Heerden herrſchen, aus welchen man kaufen will. Man erfaͤhrt dieß allerdings nicht immer genau, je— doch ſorgt das Geruͤcht und die gute Nachbarſchaft ſchon dafuͤr. Aber wie der vorhin erzaͤhlte Fall beweist, ſo laͤuft man auch große Gefahr, wenn man Schafe, welche die Blattern nicht gehabt haben, in Andere z hfolgenden am erſten d das aus dieſelben an woll. abſoluten en Sorten eSchafe, erth ſind, iltniß ſich Freilich o groͤßer, man fuͤr u. Wohl ekommen, zt hergibt. ine weite bekommen daß man kheiten in ufen wil. enau, je— barſchaft zolte Fal wenn man aben, in 163 eine Gegend bringen will, wo dieſe gewoͤhnlich graſ— ſiren. Da nun in den beiden deutſchen Provinzen, Schleſien und Sachſen, aus denen bisher die meiſten Edelſchafe ins Ausland getrieben worden ſind, die Blattern nur ſelten vorkommen, und in der Regel auch in keiner Schaͤferei eingeimpft werden, bis etwa einmal Gefahr droht, ſo iſt fuͤr den Kaͤufer allemal Gefahr darin, ſie zu uͤberſiedeln, und es bleibt ihm nur der Ausweg, entweder einzig und allein aus ſolchen Schaͤfereien zu kaufen, welche die Blat— tern uͤberſtanden haben, oder die Schafe vorher impfen zu laſſen, bevor er ſie voͤllig in ſeine Schaͤ— fereien einreiht. Das erſtere wuͤrde ihn in der Aus— wahl der Qualitaͤt ungemein beſchraͤnken, weil in den gedachten beiden Provinzen immer kaum die zehnte Heerde geblattert hat. Das zweite bietet auch manche Schwierigkeit, die aber doch, bei gehoͤriger Einleitung, wohl zu beſeitigen iſt. 3) Muß man zur Transportirung von Edelſcha⸗ fen nur geuͤbte und odllig zuverlaͤſſige Treiber waͤhlen. Ohnehin haben die Thiere dabei genug zu leiden, was aber ganz beſonders ſchlimm wird, wenn ihnen die Treiber, anſtatt manche Erleichterung zu ver— ſchaffen, noch ſelbſt vielen Tort anthun, und ſie wohl gar mißhandeln und auf alle Art verkuͤrzen. Ueberdieß treiben ſie nicht ſelten Uanterſchleif, und verkaufen oder vertauſchen Thiere unterwegs, wozu ſich ihnen nur zu vielfache Gelegenheit darbietet. Alles noch ſo ſorgfaͤltige Zeichnen reicht nicht aus, 11* 164 um allemal dergleichen Betruͤgereien zu verhuͤten. Aber moͤgen die Treiber auch ehrlich ſeyn, ſo koͤnnen ſie vielen Schaden durch Unkunde anrichten. Daher muß allezeit bei einem dergleichen Transporte ein ſachkundiger und erfahrner Schaͤfer ſeyn, der den erkrankenden Schafen alsbald beiſpringt. Ferner darf er auch deßhalb dabei nicht fehlen, damit er uͤberall darauf achte, daß die Schafe hinlaͤngliche und geſunde Nahrung haben. Dieß iſt oftmals uͤberaus ſchwierig und mit vielen Koſten verbunden. Unkluge Spar⸗ ſamkeit aber kann ungeheuren Schaden anrichten. Denn es legen edle Schafe, wenn ſie auf dem Wege zur Ueberſiedelung ſchlechtes und ungeſundes Futter bekommen, den Grund zu Krankheiten, an welchen der groͤßte Theil zu Grunde geht. Hauptſaͤchlich ge— ſchieht dieß durch ungeſunde Weide, zumal wenn naſſe Witterung waͤhrend des Transportes herrſcht. Ohnehin iſt es hoͤchſt ſchwierig, ja faſt geradezu un⸗ moͤglich, immer und uͤberall gute Weide fuͤr ſie zu finden, und trocknes Futter nehmen ſie im Sommer bekanntlich nur uͤberaus ſchwer. Da kann denn gar nicht genug Aufmerkſamkeit angewandt werden, und jede kleine Saumſeligkeit fuͤhrt großen Schaden herbei. 4) Vollziehe man die Ueberſiedelung nicht mit allzugroßen Heerden. Dieß iſt eine Vorſichtsmaaß⸗ regel, die man ebenfalls nicht genug empfehlen kann. Enge Wege, die man oftmals zu paſſiren hat, vieler Staub, den eine große Heerde weit mehr aufregt wie eine kleine, beſchraͤnkte Weideplaͤtze, die man 4 3 — 2 2 ——— 5—.— ——— f 1 1 —O———— — 22—ͤ— O-2 — — 165 zehitnn gewoͤhnlich nur zu benutzen bekommt u. dgl. m., gebie⸗ okunen ten alles, daß man die zu transportirenden Schafe dahe in kleine Haufen theile. Auch der Umſtand tritt porte ein hinzu, daß man fuͤr große Heerden keinen Unterſtand der den unter Dach findet, was, wenn das Treiben in der rner daf rauhen Jahreszeit geſchieht, ein uͤbler Umſtand iſt er üͤbenul und den Schafen großen Nachtheil bringt. Im dgeſunde Sommer iſt es jedoch allezeit beſſer, mit denſelben ſchwieng unter freiem Himmel zu uͤbernachten, als ſie in enge ge Span⸗ Staͤlle einzuſperren, worin ſie von Hitze und Schmutz enrichten. belaͤſtigt werden. Unter offenen Schupfen ſind ſie em Wege jederzeit am beſten untergebracht, und man muß ſo s Fütter viel es immer geht trachten, ſolche zu bekommen.“ welchen Bei kleinen Haufen koͤnnen ferner alle ſchwachen glich ge⸗ und kranken viel eher entdeckt und beobachtet wer— al wenn den als bei großen, und wenn man auch im Ver⸗ herrſcht. haͤltniß zu dieſen etwas mehr Treiber bedarf wie dezu un⸗ zu jenen, ſo kann dieß kein Grund ſeyn, um dieſes ir ſie zu kleinen Vortheils willen ſich einem, denſelben zehn⸗ Sommer mal aufwiegenden, Schaden auszuſetzen. Hat man denn gat daher auch große Heerden weit zu transportiren, den, und ſo iſt es in jedem Falle zweckmaͤßig und gut, ſie in nherbei kleine zu theilen und ſie gleichſam en échelon mar— ict mit ſchiren zu laſſen. tsmaaß⸗ 5) Wenn die Schafe am Orte ihrer Beſtimmung 1n lin angekommen ſind, iſt vor allen Dingen noͤthig, daß t ni ſie die erſten Tage, auch wenn der Jahreszeit wegen auft u der Weidegang aufgehoͤrt haben ſollte, viel Bewegung die m 166 haben, und zu dem Ende mehreremal des Tages aus dem Stalle kommen, um ſich im Freien zu ergehen, weil ihnen nach einem ſo langen Marſche die ploͤtzliche lange Ruhe nicht gut bekommt. Ferner muͤſſen ſie unter das Salzgeleck reinigende Mittel bekommen, damit der viele Staub und die nachtheilige Nahrung, der ſie unterwegs oft ausgeſetzt waren, ſo gut es immer geht, unſchaͤdlich gemacht werden. Am beſten iſt ihnen da Glauberſalz in Gaben von einem halben Loth per Kopf, von drei zu drei Tagen dreimal zu geben. Wenn dieß geſchehen, dann wird ihnen nach— folgende Miſchung im Salzgeleck vorgelegt. Auf 100 Stuͤck zwei Pfund geſtoßene Wachholderbeeren, zwei Pfund rohe Senfkoͤrner, vier Pfund Roßkaſtanien, ein halb Pfund getrocknete Fliederbluͤthe, alles genau mit dem Salze gemiſcht, und ebenfalls von drei zu drei Tagen dreimal gegeben. Die Nahrung muß im Anfang nicht im Uebermaaße, wenn auch genuͤgend, gegeben werden, und es iſt ſo viel als moͤglich die Ordnung zu beobachten, welche die Thiere an den Orten, von wo ſie entnommen, gewohnt waren, zu welchem Ende man ſich denn bei deren Ankauf hiernach genau zu erkundigen hat. Immer kann man ſie frei— lich nicht voͤllig von gleicher Art und in derſelben Ordnung geben, aber dennoch muß man trachten, ſich derſelben, ſo viel es immer geht, zu naͤhern. Gut iſt es allerdings, wenn man aus einer Schaͤferei, aus welcher man kauft, einen Schaͤfer bekommen kann, welcher die Thiere ferner verpflegt, weil er nges aus ergehen, plotzliche uſſen ſie kommen, tahrung, gut es m beſten nhalben imal zu een nach⸗ t. Auf erbeeren, ſtanien, s genau drei zu muß im enüͤgend, glich di an den aren, zu hiernach Rſie frei⸗ derſelben ten, ſich n. Gut chäͤferii ekommen weil er 167 es am beſten weiß, was ſie gewohnt ſind, und wie ſie behandelt werden muͤſſen. Summariſch iſt zu den hier gegebenen Regeln noch hinzuzufuͤgen: daß zu dem Transport ein tuͤchtiger Fuͤhrer, der moͤglichſt gut und geuͤbt iſt, beigegeben werde, welcher ſowohl fuͤr Nahrung als Unterſtand zu ſorgen und alle Ausgaben mit genauer Rechnung zu belegen hat. Dieſem muß noch eine beſondere geſchriebene Inſtruction gegeben werden, worin alles, was er zu beobachten hat, genau vorgeſchrieben iſt, und zu deſſen puͤnktlicher Befolgung er ſich aufs foͤrmlichſte verpflichtet. Die Hauptpunkte einer ſolchen Inſtruction ſind: kleine Tagereiſen von hoͤchſtens drei Meilen zu machen; ſie vor dem Trinken aus ſchmutzi— gen Graͤben und Pfuͤtzen in Acht zu nehmen; in keinem Schafſtalle zu uͤbernachten, weil leicht anſteckende Krankheiten in der Heerde, die ihn gewoͤhnlich bewohnt, herrſchen koͤnnen; keiner Schafheerde unterwegs ſehr nahe zu kommen, theils aus Furcht vor Krankheiten, theils weil leicht Vertauſchungen vorkommen koͤnnen; ſtets im voraus fuͤr Futter und Unterſtand zu ſorgen, und deßhalb der Heerde, wo es noͤthig, vorauszu— gehen; ein wachſames Auge auf die Treiber zu haben, damit dieſe nuͤchtern und treu ihre Schuldigkeit thun; die Mauthen und Zoͤlle, wo ſie vorkommen, ehrlich zu bezahlen, um nicht in Verlegenheit und Strafe zu kommen; vor Allem aber die Heerdeoft, taͤglich mehre— remale, im Vorbeigehen zu muſtern, und jedes Stuͤck, das ſich ſchwach zeigt, alsbald zu unterſuchen und 168 ihm, ſo gut man kann, zu helfen. Begleitet ein Wagen den Transport, ſo muß ein ſolches Stuͤck als⸗ bald auf denſelben gegeben werden, aber ja nicht zu lange darauf bleiben, ſondern abwechſelnd wieder marſchiren, damit es auch weiden koͤnne. Dieſe und aͤhnliche Lehren ſind dem Fuͤhrer ſtreng ans Herz zu legen, und wenn er ſie puͤnktlich befolgt, ſo wird er großen Schaden verhuͤten koͤnnen. Ich kann hier aus Er— fahrung ſprechen, und es iſt mir vorgekommen, daß ich auf einem Transport von ſechzig Meilen nur ein Drittel Procent verloren habe, ein andermal aber, wo ich nicht alle die hier gegebenen Vorſichtsmaaßregeln getroffen hatte, gingen mir 5 Procent zu Grunde. Auf die Jahreszeit, wo man einen ſolchen Trans⸗ port macht, kommt freilich auch ſehr viel an. Mit⸗ ten im Sommer iſt er wegen zu großer Hitze und wegen der Gefahr, von ſtarken Gewittern uͤberfallen zu wer⸗ den, eben ſo ſchwierig wie im Spaͤtherbſte, wo rauhe und naßkalte Witterung den Thieren ſchaͤdlich iſt. Nach der Ernte, d. i. von der zweiten Haͤlfte des Auguſt bis in die Mitte des Octobers, iſt er am beſten zu bewerkſtelligen und zwar aus doppeltem Grunde, naͤmlich einmal, weil da die Witterung und Temperatur am guaͤnſtigſten iſt, und zum zweiten, weil das Treiben zwiſchen den abgeraͤumten Feldern ungleich leichter iſt, wie zwiſchen ſolchen, auf denen die Frucht noch ſteht, und weil es auch zu dieſer Zeit ungleich leichter iſt, Weide zu bekommen— indem die —————— eitet ein äck als⸗ zulange rſchiren, aͤhnlich ulegen, großen aus Er⸗ en, daß nur ein ber, wo gßregeln unde. Trans⸗ Mit⸗ dwegen zu wer⸗ ſte, wo ſchäͤdlich Häͤlfte ſt er am ppeltem ung und weiten, Feldern ff denen eſer geit dem die 169 Stoppelfelder ſolche geben— als im Sommer un Fruͤhjahre. 1 Indeß iſt es mit Schwierigkeiten verbunden, gerade dieſe Zeit zum Ueberſiedeln zu waͤhlen, weil man die erkauften Schafe in der Regel bald nach der Schur abnehmen ſoll. Um jedoch den Nachtheilen eines zu fruͤhen Abtreibens, was gerade mitten in den Sommer faͤllt, nicht ausgeſetzt zu ſeyn, iſt es beſſer, ſich mit dem Verkaͤufer zu einigen, daß er ſie noch ein paar Monate gegen eine Verguͤtigung behaͤlt, die kaum ſo groß ſeyn wird, daß ſie nicht gegen den Nachtheil, den das Treiben in der Hitze bringt, als gering erſcheinen ſollte. B. Von der Veränderung, welche die Ueberſiedelung in der Wolle hervorbringt. Eine jede Verſetzung in ſo weite Ferne vom Orte der Geburt kann nothwendig nicht ohne Einfluß auf die Haut des Edelſchafes ſeyn, und muß folglich ſich auch in ſeiner Wolle bemerkbar machen. Klima, Nahrung, Waſſer, Behandlung aͤndern ſich, und wenn da auch das Edelſchaf conſtant waͤre, ſo muͤßte dieß alles dennoch auch die Wolle aͤndern. Vor Allem aber wird dieſe Veraͤnderung weniger die Feinheit als vielmehr die Natur der Wolle betreffen. In der That lehrt uns auch die Erfahrung dieſes. So z. B. wird die edelſte Electoral-Wolle bei Schafen, welche aus Deutſchland nach Neu⸗Suͤd⸗Wales gebracht werden, in ih er Natur bedeutend veraͤndert, und ſie 170 verliert vorzuͤglich viel von ihrer Kruͤmpkraft und wird der Kammwolle aͤhnlich. Jedoch iſt eine ſo weite Verſetzung von einer Hemiſphaͤre auf die an— dere im Vergleich zu andern Ueberſiedelungen freilich ſo groß, daß dieſe kaum gegen ſie in Betrachtung kommen. Aber auch geringere Entfernungen influiren ſchon, und es iſt nicht zu verkennen, daß die Merinos bei ihrer Verpflanzung aus Spanien nach Deutſch— land manche Eigenthuͤmlichkeit in ihrer Wollnatur, wenn auch nicht abgelegt oder voͤllig geaͤndert, ſo doch bedeutend modificirt haben. Und dasſelbe gilt auch von den Edelſchafen, die aus Deutſchland nach Ungarn, Polen und Rußland verſetzt werden. Als Beweis dafuͤr dient, daß z. B. engliſche Wollmanu— facturiſten ſich bereits dahin ausgeſprochen haben, daß die ungariſche Wolle nicht voͤllig die Kruͤmpkraft habe, ſondern mehr ſchlaff ſey als die deutſche. Aber auch eine Verſetzung des Edelſchafes auf kleine Entfernungen kann, wenn eine Veraͤnderung der Behandlung und Ernaͤhrung damit verbunden iſt, eine Veraͤnderung ſeiner Wolle zuwege brin— gen. Man darf nur an das denken, was ich im zweiten Capitel von einigen Schaͤfereien in Sachſen und Schleſien erzaͤhlte, deren Wolle einen eigen— thuͤmlichen Typus— ſchlaff mit ſeidenartigem An— ſehen und Glanz— angenommen hatte, bloß da— durch, daß ſie eine beſondere Weide, im Walde, ge— noſſen. Wenn nun zu einer weiten Ueberſiedelung eine dergleichen Beſonderheit tritt, ſo folgt von ſelbſt, taft und eine ſo die an⸗ freilich tachtung influiren Merinos Deutſch⸗ lnatur, dert, ſo elbe gilt and nach en. As ollmanu⸗ haben, jmpkraft ſche. afes auf inderung erbunden ge brin⸗ zich im Gachſen eigen⸗ gem An⸗ bloß da⸗ ade, ge⸗ ſidelung on ſelhſt 171 daß auch die Wolle der Schafe ſich anders darſtel— len muß, als ſie es urſpruͤnglich thut. Eine Hauptruͤckſicht iſt aber bei in die Ferne uͤberſiedelten Edelſchafen zu nehmen, und dieſe iſt die veraͤnderte Wartung und Pflege, wozu auch die Ernaͤhrung gehoͤrt. Es iſt bekannt, mit welcher Sorgfalt dieſelben in Deutſchland gehalten und be— handelt werden— eine Sorgfalt, von der man im Auslande kaum einen Begriff hat. Kommen nun Thiere aus einer ſolchen an Orte, wo man glaubt genug zu thun, wenn man ihnen nur den Wanſt fuͤllt und ſie uͤber Nacht unter Dach ſtellt, ſo muß ihr koͤrperliches Wohlbefinden darunter leiden, und dieß ſich auf alle Lebensfunctionen uͤbertragen. Na— tuͤrlich wirkt das auch auf ihre Haut, und durch dieſe mittelbar auf ihre Wolle. Dabei moͤge man ſich noch deſſen erinnern, was ich im vorigen Ca— pitel von der Gleichartigkeit der Wolle vortrug, wo ich behauptete, daß ſie auf den innern Organismns des Schafes baſirt ſey. Durch die ſo ſehr veraͤn— derte Wartung und Pflege wird auch auf dieſen eingewirkt, mithin die Natur der Wolle alterirt. Dieß moͤgen ſich vornehmlich alle die Schafzuͤchter jener Laͤnder zu Herzen nehmen, welche Edelſchafe in Deutſchland kaufen und die unangenehme Erfah⸗ rung machen, daß die Wolle, welche ſie in ihrem Lande von ihnen gewinnen, bei weitem im Werthe gegen die zuruͤckſteht, welche die Heerden liefern, aus denen ſie gekauft haben. Hier tritt die fuͤnfte 172 Vorſichtsmaaßregel, die ich im vorigen Abſchnitte gab, in ihr Recht. Dieſe Veraͤnderung, welche die Wolle des Edel— ſchafes bei Ueberſiedelung in fremde Laͤnder erlei— det, wird aber allezeit um ſo groͤßer ſeyn, je we— niger Conſequenz in der Zuͤchtung, je weniger Con⸗ ſolidirung und je weniger Conſtanz in den Heerden zu finden iſt, aus welchen man kauft. Wo dieſe drei Erforderniſſe vorhanden ſind, da iſt der innere — man kann ſagen neue— Organismus, den die Veredlung in dem Schafe begruͤndet hat, feſt und erleidet alſo auch durch Verſetzung der Thiere viel ſchwerer eine Veraͤnderung, als bei ſolchen, die noch zu keiner innern Feſtigkeit gelangt ſind. Dar⸗ aus folgt fuͤr den, welcher Edelſchafe in weite Ferne uͤberſiedeln will, aufs neue die Regel: nur hochveredelte und in ſich conſolidirte Thiere zu kau⸗ fen, und wenn auch deren Preis bedeutend hoͤher iſt, wie der von ſolchen, denen die innere Feſtig⸗ keit und Sicherheit fehlt, und die man deßhalb immer nur halb veredelt nennen kann. Bringt nun aber auch die Ueberſiedelung des Edelſchafs eine Veraͤnderung in ſeiner Wolle hervor, ſo geht ſie doch nicht ſo weit, daß damit ihre ei⸗ gentliche Natur geaͤndert, und z. B. aus edler un⸗ edle werden koͤnnte. Nur in der vollkommenſten Ausbildung iſt eine ſolche Veraͤnderung wahrzuneh⸗ men. Moͤglich iſt es z. B. daß, wie dieß mit der Verſetzung nach Neu-Suͤd-Wales der Fall iſt, —yỹ———— bſchnitte es Edel⸗ er ellei⸗ je we⸗ ger Con⸗ Heerden Lo dieſe innere den die feſt und ſere viel en, die Dar⸗ weite l: nur zu kau⸗ d hoͤher Feſtig⸗ deßhalb ung des hervor⸗ hre ei⸗ ler un⸗ nenſten tzuneh⸗ eß mit al iſ, 173 die Wolle einen Theil ihrer Kruͤmpkraft verliert; es iſt moͤglich, daß ſie durch uͤppiges Wachsthum ſtaͤrker(deßhalb aber nicht groͤber) im Haare wird; ſie kann den Bau ihrer Stapel veraͤndern u. dgl. m.; aber dieß alles iſt auch faſt ohne Ausnahme moͤg— lich, wenn man das Schaf auch gar nicht ver— ſetzt, und nur ſeine Wartung und Pflege vollig aͤndert. Aber auch bei dieſer iſt die Alteration im conſolidirten Schafe ungleich geringer wie beim unconſolidirten. Nach dem Geſagten koͤnnte man beinahe ſchlie— ßen, als naͤhme ich an, daß die Veraͤnderung der Wolle des Edelſchafes bei der Ueberſiedelung in weite Fernen nur eine unguͤnſtige und im beſten Falle eine ſolche ſeyn koͤnne, wo ſie in ihrem Werthe nichts verliert. Dieß iſt aber weder meine Anſicht, noch ſpricht uͤberall die Erfahrung dafuͤr. Im Gegentheil kann es auch vorkommen, daß eine ſolche Veraͤn— derung guͤnſtig ausfallen kann. Ein beſonders gutes Klima und zuſagende Triften koͤnnen zuweilen die Wolle des in die Ferne verſetzten Edelſchafes ver— beſſern, wobei aber immer vorausgeſetzt wird, daß die Wartung und Pflege zweckmaͤßig und mit der fruͤhern uͤbereinſtimmend ſey. Wollte man dieß be— ſtreiten, ſo koͤnnte man leicht durch mehrere Beiſpiele uͤberfuͤhrt werden. Ich ſelbſt habe die Erfahrung gemacht, daß Edelſchafe, die aus Deutſchland nach Siebenbuͤrgen auf die daſigen ſehr geſunden Triften verſetzt wurden, ihre Wolle beſonders guͤnſtig ent— 174 wickelten. Jedoch verdarb mangelhafte Pflege und ſchlechte und ſaumſelige Behandlung bei der Waͤſche und Schur das zehnfach, was die Natur gut machte, und ſo wurde das Wollproduct tief von ſeinem urſpruͤnglichen Werthe herabgeſetzt. C. Geſchichtlicher Gang der Ueberſiedelungen des Edelſchafes. Was man daruͤber zu ſagen weiß, wie das Edelſchaf nach Nordafrika gekommen ſey, das bleibt alles nur Muthmaßung. In hohem Grade wahr— ſcheinlich aber iſt es, daß es durch die Araber da— hin gebracht wurde. Daß dieſes Volk ſchon vor mehr als tauſend Jahren auf einer hohen Bildungs— ſtufe geſtanden habe, dafuͤr zeugen die noch vor— handenen Spuren aller Art. Das Edelſchaf iſt und kann nur ſeyn ein Product hoͤherer Civiliſa⸗ tion, weil nur dieſe ſeine edle Wolle bedarf und zu ſchaͤtzen weiß. Ungebildeten und rohen Voͤlkern iſt das gemeine Schaf und der Zakel von weit groͤßerm Nutzen als das Edelſchaf, ſie wuͤrden alſo viel eher trachten, dieſes in jene, als jene in dieſes umzubilden. Noch heutzutage und ſelbſt in dem civiliſirten Europa gibt es Menſchen, die mit Schelſucht das Edelſchaf betrachten und mei— nen, es werde der Bevoͤlkerung großer Nachtheil erwachſen dadurch, daß dieſes allmaͤhlich die ge— meinen Schafracen vollends verdraͤngen werde. Ich ſelbſt habe in Ungarn von Leuten, die nicht flege und er Wäſche atur gut tief von ugen des wie das as bleibt de wahr⸗ raber da⸗ chon vor ildungs⸗ och vor— ſchaf iſt Cioiliſa⸗ darf und Volkern von weit wuͤrden jene in nd elbſt hen, die und mei⸗ Nachtheil die ge⸗ werde. die nicht 175 zu den unterſten Volksclaſſen gehoͤrten, dieſe Mei— nung laut ausſprechen gehoͤrt. Man hat die Hypotheſe aufgeſtellt, daß das Edelſchaf ſich am Kankaſus zu Anfang ausgebil⸗ det habe, und von den daſigen Voͤlkerſchaften nach Kleinaſien gebracht worden ſey, von wo es nach Afrika kam und ſeine Wanderungen endlich uͤber das ganze Erdenrund fortſetzte.— Wenn wir von dem Luxus leſen, welchen die alten Perſer ſchon trieben, ſo koͤnnen wir ſicher vorausſetzen, daß ſie zu den feinen Stoffen, die derſelbe heiſchte, auch der edlen Wolle bedurften, zumal zu den Purpur— gewaͤndern. Die Gegenden am Kaukaſus, vorzuͤg— lich im Suͤden desſelben, wozu Perſien gehoͤrt, eig— nen ſich mit ihrem Klima und ihren herrlichen Trif— ten vorzugsweiſe fuͤr das Edelſchaf, und ohne Zwei— fel bildete ſich das gemeine Schaf dort ſchon von Natur ſo hoch hinauf, daß es nur einiger Auf— merkſamkeit und Intelligenz des Menſchen bedurfte, um es bald auf die unterſten Stufen unſers heu— tigen Edelſchafs zu bringen. Hatte man nur aber erſt die Baſis, ſo konnte man leicht das Gebaͤude fortfuͤhren. Daß die genannten Gegenden der Haut— bedeckung mehrerer Thiere— folglich auch der Schafe— beſonders guͤnſtig ſind, dafuͤr moͤchte unter Anderm wohl auch die Kaſchemirziege ſprechen. Man oͤnnte freilich fragen, woher es komme, daß ſich das Edelſchaf nicht nach Oſten, nach In— dien und China hin, eben ſo ſchnell und ſo weit —yõy——— 176 verbreitet habe, wie nach Weſten? Denn bekanntlich finden wir dort wenig Spuren von ihm, und nur erſt neuerdings hat es die engliſch- oſtindiſche Compagnie zur Anregung gebracht, es dahin zu verpflanzeu. Die Frage iſt aber nicht ſchwer zu beantworten. Der Voͤlkerſtrom ging, wie die Ge— ſchichte nachweist, meiſtentheils von Oſten nach Weſten, indem von Aſien aus ſich Afrika und Eu— ropa bevoͤlkerte. Die wandernden Voͤlker fuͤhrten vieles von dem, was ihnen in ihrer Heimath noth— wendig geworden war, mit ſich, oder holten es, wenn ſie ſich feſtgeſetzt hatten, nach. Die Ara— ber zogen dem gewohnten Klima nach, und hiel— ten ſich bei ihrem Vordringen immer ziemlich auf gleicher noͤrdlicher Breite. Der ganze Norden von Afrika ſagte ihnen zu, und ſie nahmen ihn in nicht gar langer Zeit bis an ſein weſtliches Ende, wo er ans atlantiſche Meer ſtoͤßt, in Beſitz. Als No— madenvolk konnte man ſie betrachten, ſo lange die⸗ ſer Zug nach Weſten dauerte, und der Nomade nimmt vor Allem ſeine Viehſtaͤmme mit ſich. Sein Roß und ſein Schaf waren zwei Juwelen fuͤr den Araber, und beide brachte er uͤberall hin mit ſich, wo er ſich niederließ. Als dieſer Volksſtamm auch nach Europa heruͤberdrang und Spanien in Be⸗ ſitz nahm, brachte er dieſe beiden Hausthiere auch dahin mit. Dieß war gegen Ende des achten Jahr⸗ hunderts, und von da an koͤnnen wir unbedenklich die Ueberſiedelung des Edelſchafs nach Spanien ſſſſſ— 177 anntlich datiren. In dieſem Lande fand es alles, was ihm ind nur zutraͤglich war, geſunde Weide, ein zuſagendes tindiſch Klima und Raum genug, um ſich zu vermehren. whin zu Dazu kam noch, daß auch die Menſchen, welche wet zu es zeither gezuͤchtet und gepflegt hatten, mitkamen, die Ge⸗ ſo daß es durchaus keine Unbill, folglich auch keine en nach weſentliche Veraͤnderung erlitt.— Vergleicht man ind Ei⸗ die Schnelligkeit, mit welcher es ſich in neueſter führten Zeit in die entfernteſten Gegenden des Erdballs ver— h noth⸗ breitet hat, ſo findet man es faſt unbegreiflich, ten es, daß mehr als acht Jahrhunderte vergehen konnten, e Ara⸗ ehe es von Spanien aus auch nur in die Nachbar— nd hii⸗ laͤnder verpflanzt wurde. Die Erklaͤrung deſſen muß ſch auf man in der Geſchichte jener Jahrhunderte ſuchen. Die vielen Kriege und der Umſtand, daß die von nen Norden her vordringenden germaniſchen Voͤlkerſchaf— de, wo ten im Ganzen dem Luxus noch wenig ergeben wa— Als Re ren, mag wohl die Haupturſache geweſen ſeyn, daß ng i ſie das Edelſchaf keiner Aufmerkſamkeit wuͤrdigten, lun folglich auch nicht bei ſich aufnahmen. Verſuchs⸗ Sin weiſe verpflanzte man es ſpaͤter bald dahin, bald 15 dorthin, aber der Erfolg, den man davon hatte, iirn entſprach den Erwartungen nicht, und zwar eben ni ſh deßhalb, weil man die Ueberſiedelung nicht auf die n ach rechte Art vornahm. Weder verſtand man eine in Be zweckmaͤßige Auswahl der zu uͤberſiedelnden Thiere devauh zu treffen, noch behandelte man das Edelſchaf ſo, n Jahe wie es geſchehen muß, wenn es gedeihen ſoll; noch zui hatte man die voͤllige Ueberzeugung, daß es faſt danl Elsner, das Edelſchaf ꝛc, 12 178 in allen Klimaten und unter allen Breiten des Erd— balls gedeihe, wenn man ihm nur die Wartung und Pflege, die ihm zuſagt, angedeihen laͤßt. Der Lage des Landes nach mußte das Edel— ſchaf zuerſt nach Frankreich kommen. Portugal betrachte ich hier als zu Spanien gehoͤrig. Ob⸗ gleich die Ueberſiedelung dahin nur die einzige Schwierigkeit der Pyrenaͤen zu uͤberwinden hatte, ſo ging ſie dennoch ſehr langſam von Statten. Wie— derum lag der Grund in der Unkenntniß und der darauf gegruͤndeten unzweckmaͤßigen Behandlung der Thiere. Gleichzeitig verpflanzte man ſie auch nach England. In beiden Laͤndern fuͤhrte man ſie ein, ließ ſie verderben, um ſie aufs neue einzufuͤhren, und kam zu keinem Zwecke. Deutſche Induſtrie und Ausdauer konnte erſt beweiſen, wie man das Edelſchaf zuͤchten muͤſſe, und was man aus ihm machen koͤnne. Noch iſt kein Jahrhundert voruͤber, und es iſt dasſelbe durch die Deutſchen hoͤher hin— auf gebildet und weiter verbreitet worden, wie zu— vor in einem Jahrtauſend. Und doch machte man bei ſeiner Ueberſiedelung in Deutſchland dieſel— ben entmuthigenden Erfahrungen, wie in andern Laͤndern. Aber man zeigte Beharrlichkeit, und dieſe fuͤhrte zum Ziele. Denn es kam Lehre und Sy— ſtem in deren Zuͤchtung. Von hier aus drangen ſie nach Oſten vor, und Polen, Rußland und Ungarn erwarben von den Deutſchen mit dem Edelſchafe zugleich die Kenntniſſe zu ſeiner Zuͤch⸗ 6 En⸗ artung . Cdel⸗ ertugal Ob⸗ einzige hatte, VWie⸗ nd der ig der h nach ſie ein, ühren, duſtrie i das s ihm orüͤber, er hin— wie zu⸗ e man dieſel⸗ andern dieſe d Sy⸗ gen ſie d und tt dem — zuͤh⸗ — S———————— 179 tung. Die Mißgriffe, welche man bei der Einfuͤh⸗ rung desſelben in jenen Laͤndern macht, erſcheinen uns in Deutſchland jetzt groß und grell, weil wir in der Sache ſchon ſo große Fortſchritte gemacht haben, ſind aber gegen jene gering, welche andere Laͤnder, und ſelbſt auch Deutſchland bei der erſten Aufnahme dieſer edlen Thiere machten. Das weitere Vordringen des Edelſchafs nach Oſten war ganz in der Ordnung, und es war nur der von Spanien ausgehende regelmaͤßige und im⸗ mer weiter fortgeſetzte Zug. Auch nach Norden hin gilt dasſelbe. Aber als eine Abweichung davon gilt es, daß man es aus Deutſchland auch uͤber See verpflanzt und bis in die entfernteſten Theile der Erde gebracht hat und noch bringt. Nach Ame⸗ rika und nach Polyneſien ſind bereits bedeutende Partien uͤberſiedelt worden, und der alten Sitte gemaͤß, daß der Deutſche das Gut ſeiner Intelli⸗ genz und Induſtrie gewoͤhnlich nicht allein, ſondern ſich ſelbſt auch mit hin gibt, ſind wiederum Deutſche mit in dieſe entfernten Laͤnder gewandert, um jene vor nachtheiligen Mißgriffen zu verwahren. Aber auch ruͤckwaͤrts iſt das Edelſchaf aus Deutſch⸗ land nach Frankreich und ſogar nach Spanien ge⸗ wandert, weil es dort nicht mehr oder noch nicht auf der hohen Stufe ſteht, wie hier. So ehren— voll und ſo gewinnbringend dieß auch fuͤr unſer Vaterland ſeyn mag, ſo kann und wird es doch nicht in der Zukunft zu ſeinem Segen ausſchlagen, 12* 480 weil wir uns damit in allen Erdgegenden Rivalen und Concurrenten ſchaffen, die den Markt des Ab⸗ ſatzes mit uns theilen und uns am Ende davon verdraͤngen koͤnnen. Dieſe allmaͤhlich ſich uͤber den ganzen, von Men— ſchen bewohnten Erdkreis aus dehnenden Ueberſiede⸗ lungen des Edelſchafs fuͤhren den Beweis, daß es faſt allenthalben gedeiht und ſeine vorzuͤglichen Ei— genſchaften bewahrt, wenn nur der Menſch ſeine Zuͤchtung verſteht und mit Aufmerkſamkeit und Sach— kenntniß leitet. Die Verpflanzungen desſelben gin— gen, dem hier Vorgetragenen zufolge, anfangs weſtlich, ſodann noͤrdlich und dſtlich, und endlich nach dem fernſten Suͤden. Wunderbar wuͤrden die Schickſale einzelner Familien von Edelſchafen ſeyn, von denen einige nach dem Sujͤden, andere nach dem Norden, manche nach dem Weſten, andere nach dem Oſten verpflanzt werden, wenn man ſie erfahren und zuſammenſtellen koͤnnte. Siebentes Capitel. Von der Degeneration des Edelſchafes. — Warum ich nicht das deutſche Wort„Ausar— tung“ hier brauche, daruͤber rechtfertige ich mich damit, daß mir das fremde„Degeneration“ 181 das, was ich hier meine und vortragen will, ge— nauer und umfaſſender zu bezeichnen ſcheint. Bis zu welchem Grade man auch das Edelſchaf hinauf gebildet haben mag, ſo ſinkt es doch immer wieder herab, wenn man es ſich eutweder ſelbſt uͤberlaͤßt, oder bei ſeiner Fortzuͤchtung nicht alle die Regeln befolgt, vermittelſt deren es nur auf ſeiner Hoͤhe erhalten oder noch mehr gehoben wer— den kann. Mißgriffe und mancherlei unguͤnſtige Einwirkungen koͤnnen eine voͤllige Degeneration herbeifuͤhren, wenn ſie fortdauernd und nach ein— ander vorkommen. Außer von Spanien laͤßt ſich kaum von irgend einem andern Lande in Europa nachweiſen, daß das Edelſchaf ſchon eine ſolche im Allgemeinen erfahren habe. In Deutſchland ſind viele Schwankungen mit ihm vorgekommen, d. h. es iſt auf- und abwaͤrts mit ihm gegangen, ohne daß die immer weiter gehenden Fortſchritte geradezu gehemmt worden waͤren. Denn waͤhrend die eine Schaͤferei hier auch einmal einige Ruͤckſchritte macht, ſteigen andere wieder deſto mehr aufwaͤrts, und die Totalitaͤt gibt immerfort das Reſultat der erfreu— lichſten Fortſchritte. Ich will mich nun uͤber die Arten der wirklichen und der nur vermeintlichen De— generation ein wenig weiter auslaſſen. 182 A. Die wahre und nicht zu beſtreitende Degene⸗ ration. Als ſolche muß es anerkannt werden, wenn eine edle Schaͤferei in allen ihren folgenden Gene⸗ rationen eine weniger edle Deſcendenz zeigt, wie die fruͤhern enthalten. Der klare und allgemein anerkannte Begriff vom Edelſchaf wird bei der Beur— theilung, wie es ſich wohl von ſelbſt verſteht, zum Grunde gelegt. Fragt man aber, wie man am leichteſten und ſicherſten zu der Gewißheit gelangen kann, ob die Deſcendenz dem fruͤhern Stande der Heerde gleich oder auch uͤber oder unter ihr ſey, ſo kann die Antwort am beſtimmteſten dahin gege⸗ ben werden: daß eine Claſſification, wie ich ſie weiter vorn als die allein richtige angegeben habe, dazu das beſte Mittel ſey. Ein zweites eben ſo untruͤgliches aber iſt das, wenn man die Wolle von den jedesmal zutretenden Jahrgaͤngen allein haͤlt, und alsdann das unparteiiſche Urtheil eines ſach⸗ verſtaͤndigen Wollhaͤndlers und Wollſortirers daruͤber einholt. Soll man dann ooͤllig frei von der Be⸗ ſorgniß wegen Ruͤckſchritten werden, ſo muß das Reſultat der Sortirung von der Wolle, welche der zutretende Jahrgang liefert, guͤnſtiger ſeyn als von der uͤbrigen Heerde, und zwar aus dem ein⸗ fachen Grunde: weil die Wolle von jungen Schafen ſich deßhalb immer am vortheilhafteſten zeigt, daß ſie ſich beſſer ausbildet, und auf der juͤngern und ——, ene⸗ enn ene⸗ wie nein 1 83 zartern Haut der Thiere auch zarter und ſanfter wird. Haͤlt ſie daher nur gleiche Stufe, oder ſteht ſie gar unter der von der Heerde, ſo iſt dieß das ſicherſte Zeichen, daß man zuruͤckgehe, und daß es hohe Zeit ſey, alle zu Gebote ſtehenden Mittel an— zuwenden, um den mit jeder Generation immer raſcher werdenden Ruͤckſchritten Einhalt zu thun. Es gibt zwei Hauptarten und Wege, durch welche eine Degeneration herbeigefuͤhrt wird. Sie ſind einmal: Saumſeligkeit oder angewandte unrichtige Grundſaͤtze bei der Zuͤchtung, und zum zweiten: unedles Blut, welches man ſich bewußt oder un⸗ bewußt in die Heerde bringt. Alſo: 1) Saumſeligkeit oder angewandte un⸗ richtige Grundſaͤtze bei der Zuͤchtung. Daß man, will man anders das Edelſchaf auf ſeiner Hoͤhe erhalten, folglich keine Degeneration bei ihm eintreten laſſen, ſteten Fleiß und unermuͤdete Auf⸗ merkſamkeit auf ſeine Zuͤchtung verwenden muͤſſe, das habe ich uͤberall und auch ſchon in dieſem Buche als einen Hauptlehrſatz aufgeſtellt. Jede gering ſcheinende Saumſeligkeit beſtraft ſich alsbald em— pfindlich, und man macht viel raſcher einen Ruͤck— ſchritt als einen Fortſchritt. Das bedenken man⸗ che Schafzuͤchter viel zu wenig, und ſie wundern ſich zu ſpaͤt daruͤber, daß da oder dort der Erfolg nicht ſo iſt, wie ſie ſich ihn verſprechen, oder daß ihnen andere zuvorkommen, die ſie weit hinter ſich halten, und welche die ihnen fehlenden pecuniaͤren — 184 Mittel durch ihren Fleiß und ihre Aufmerkſamkeit auf geringfuͤgig ſcheinende Gegenſtaͤnde erſetzen. Ich habe an andern Orten, unter andern in dem Werkchen„das goldne Vließ,“ Stuttgart, in der J. G. Cotta'ſchen Buchhandlung 1838 nachgewieſen, daß, obgleich das edle Blut die einzige und ſichere Grundlage zur Erzeu— gung des goldnen Vließes ſey, man dieſes dennoch auf manche Art entweder laͤutern oder mit Schlacken ver— miſchen koͤnne. So unter Anderm durch die ſorgſamſte Haltung der Schafe, bei welcher allein ſich ihre Wolle in ihrer ganzen Vollkommenheit ausbilden und zei— gen koͤnne. Eben ſo auch durch die aufmerkſamſte Wartung des Lammes, bei welcher es in den Zu— ſtand verſetzt wird, worin ſich alle ſeine guten Koͤr— pereigenſchaften und die Befaͤhigungen, eine vdllig edle Wolle zu tragen, am beſten und vollkommen— ſten entwickeln und ausbilden. Dagegen aber wird man das goldne Vließ nicht in ſeiner Reinheit er— halten, wenn man gegen dieſe und aͤhnliche Regeln verſtoͤßt. Nimmt man dazu noch, daß die Vor⸗ urtheile und Traͤgheit der Schaͤfer vielem entgegen⸗ handeln, was man ihnen anordnet, und daß man ſie gar nicht ſorgfaͤltig genug uͤberwachen kann, ſo geht daraus hervor, daß es oftmals gar nicht der Saumſeligkeit des Schafzuͤchters bedarf, um Ruͤck— ſchritte zu machen und die Degeneration der gan— zen Heerde herbeizufuͤhren. Aber auch unrichtige Grundſaͤtze, die man bei der Zuͤchtung anwendet, bringen dasſelbe zuwege. Nicht —.,— 185 vollkommene Sachkenntniß und mangelnde Erfahrung, oftmals aber auch Eigenduͤnkel und Vorurtheile koͤn— nen den Schafzuͤchter verleiten, eine Verfahrungs— weiſe anzunehmen, welche, anſtatt nach dem Ziele hin, vielmehr von demſelben abfuͤhrt. Beiſpiele davon ließen ſich in Menge anfuͤhren, ſie liegen in— deß ſo vor Aller Augen, daß es deſſen gar nicht erſt bedarf. 2) Degeneriren viele Schaͤfereien dadurch, daß man bewußt oder unbewußt unedles Blut in die Heerde miſcht. Auf wen das erſte an— zuwenden iſt, der beweist, daß ihm die gruͤndliche Kenntniß des Schaͤfereiweſens mangelt, und er be— zahlt allemal ſeine Unkenntniß ſehr theuer. Es iſt uͤbrigens auch bekannt genug, daß ſchon oftmals Meinungen uͤber dieſen Gegenſtand gehegt und ver— oͤffentlicht worden, welche geradezu geeignet ſind, das Edelſchaf zu Grunde zu richten. Denn es hat nicht an Leuten gefehlt, die ſich praktiſche und er— fahrne Schafzuͤchter nannten, und dennoch behaup— teten, es komme bei Zuchtthieren, namentlich auch bei Widdern, gar nicht darauf an, daß ſie viele edle Ahnen zaͤhlen, wenn nur ihre Individualitaͤt von der Art ſey, daß man an ihnen nichts ausſetzen koͤnne, d. h. daß man ſie, zufolge derſelben, als edle Thiere gel— ten laſſen muͤſſe. Man koͤnnte eine ſolche gehegte und oͤffentlich ausgeſprochene Meinung nicht unpaſſend eine Ketzerei in der edeln Schafzucht nennen. Sie richtet großen Schaden an, wenn Maͤnner, die fuͤr 186 Koryphaͤen in ihrem Fache gelten, ſie ausſprechen. Ich koͤnnte deren nennen, enthalte mich aber wohl⸗ weislich deſſen.— Aber es iſt hier auch genau zu unterſcheiden und zu beſtimmen, was edles Blut und was es nicht ſey. In der Regel betet man uͤber dasſelbe nach, was man Andere, auf deren Autoritaͤt man vertraut, behaupten und aufſtellen hoͤrt. Da vernimmt man denn, daß edles Blut eine lange Reihe von Ahnen aufzeigen und ſeine Abſtammung von alten edeln Staͤmmen nachweiſen muͤſſe. Das waͤre nun recht gut, wenn man nicht die Bedingung hinzu zu ſetzen vergaͤße, daß dieſer Nachweis dadurch vervollſtaͤndigt werden muͤſſe: daß auch ein conſequentes Fort⸗ zuͤchten zu beweiſen iſt, d. h. daß die aufſteigende Deſcendenz immerfort von gleich probehaltigen Thieren, wie die Urahnen, entſproſſen iſt. Denn nur das iſt wahrhaft edles Blut, in wel⸗ chem man nicht in der Abſtammung ab⸗ waͤrts Degenerationen nachweiſen kann. Wo man dieß aber kann, da iſt das Alter und die lange Reihe von Ahnen nur von geringem Werthe, was factiſch dadurch bewieſen wird, daß alsdann die Thiere wohl treue Vererbung zeigen koͤnnen, daß dieſe aber leider gerade ihre Degeneration zur Schau traͤgt, weil die Fehler der Ahnen in den folgenden Geſchlechtern immer wiederkehren. Das aber, was der Zuͤchter des Edelſchafes Fehler nennt, iſt meiſten— theils nur das Zuruͤckkehren in die primitive Natur 187 desſelben, und weil es das iſt, ſo nimmt es von einer Generation zur andern immer mehr uͤberhand. Dieſer Lehrſatz iſt auch ein Satz vielfacher Er— fahrung, was jeder aufmerkſame Schafzuͤchter be— zeugen wird. Nach dem Geſagten iſt alſo dasjenige das edelſte Blut, bei welchem ſich die wenig⸗ ſten Ruͤckſchlaͤge in den Generationen nach— weiſen laſſen, und es kommen deren er⸗ fahrungsmaͤßig da am wenigſten vor, wo man mit der meiſten Intelligenz zuͤchtet, wo man alſo Conſequenz zeigt, dadurch Conſolidirung erlangt und mit dieſer der Conſtanz moͤglichſt nahe ruͤckt. Ein Beiſpiel in Zahlen wird die Sache faßlich und anſchaulich machen. Wir ſtellen zwei edle Schaͤfereien ein— ander gegenuͤber. Die eine datiren wir auf hundert Jahre ruͤckwaͤrts, von wo an ſich notoriſch nach— weiſen laͤßt, daß ſie zu den edeln zu zaͤhlen iſt. Die andere mag ihre Veredlung von dreißig Jahren her datiren. Die erſte hat bereits dreiunddreißig Generationen, die zweite nur zehn hinter ſich, und es waͤre ſonach jene mehr als dreimal edler wie dieſe, folglich muͤßte auch hinſichtlich der Ver— erbung die Sicherheit bei dieſer dreimal geringer ſeyn, als bei jener. Das wuͤrde in der That alles richtig ſeyn, wenn in beiden Schaͤfereien mit glei— chem Fleiße und nach gleichen Grundſaͤtzen gezuͤchtet worden waͤre. Aber gerade das wollen wir als 188 odllig verſchieden annehmen. In jener, welche ihren edlen Urſprung auf hundert Jahre ruͤckwaͤrts nachwei⸗ ſen kann, wollen wir einmal, des Beiſpiels wegen, annehmen, ſie ſey ſich meiſtentheils ſelbſt uͤberlaſſen worden, und wenn auch von Seite des Zuͤchters die Leitung geſchah, ſo habe er eben ſo viel Mißgriffe begangen, als wie oft er auch das Rechte getroffen habe, ſo daß eins das andere aufhebt, und die Heerde eigentlich immerfort ſo beſorgt geweſen waͤre, als wenn man ſie ſich ſelbſt uͤberlaſſen haͤtte. In ſolchem Falle aber behauptet, wie vorhin gezeigt worden, die Natur ihr Recht, und ſie verdraͤngt leicht das Werk des Menſchen. Wie aber weiter vorn gezeigt worden, ſo iſt die Veredlung meiſten— theils Menſchenwerk, und folglich muß dieß durch den Schritt, den die Natur thut, zertreten werden. Die weitere Folgerung fuͤhrt zu dem Schluſſe, daß unter ſolchen Umſtaͤnden eine Schaͤferei von ihrer fruͤhern Stufe herabſinken muͤſſe; und da dieß von Generation zu Generation zunimmt, ſo verliert ſie am Ende ihr edles Blut, was ſich auch in ihrer Vererbung kund thut. Zur oollig gemeinen Land⸗ ſchaͤferei wird ſie freilich nicht herabſinken, weil die guten Eigenſchaften, welche der Menſch in den Schafen aufgefaßt, und durch verſtaͤndig geleitete Zuͤchtung vereinigt und auf eine gewiſſe Baſis geſtellt hat, natuͤrliche ſind, mithin ſich, freilich nur vereinzelt, geltend machen, aber, eben weil ſie dieß vereinzelt thun, in den Hintergrund kom— ren vei⸗ en, ſſen iffe 189 men muͤſſen, aus dem ſie ein rationeller Zuͤchter zwar wieder hervorziehen kann, aber zu deren Wiedervereinigung es langer Zeit bedarf.— Was jedoch noch beſonders beitraͤgt, das vormals edle Blut von wenig Werth fuͤr die Fortzuͤchtung zu machen, das iſt der Erfahrungsſatz, daß die Ver— erbung ins Unedle bereits in einer ſolchen Heerde eine gewiſſe Feſtigkeit erlangt hat. Das kommt daher: wie bekannt erben die Nachkommen mei— ſtentheils die Eigenſchaften ihrer Großeltern. Nun ſtellen wir den Fall, der wohl in der Wirklichkeit auch eintreten duͤrfte, daß in der erſten Generation ſich Ruͤckſchritte zeigen, gegen deren Weitertragung der Menſch keine Anſtalten macht, ſo werden ſie in der darauf folgenden Generation verſtaͤrkt zuruͤck— kehren, und wenn dann auch in den Zwiſchen⸗ generationen immer wieder das Edlere ſichtbar wird, ſo nimmt es von einer zur andern, aus dem oben angefuͤhrten Grunde, ab, weil es naͤmlich Menſchenwerk iſt, das ſich mit dem der Natur in keinen Wettkampf einlaſſen kann. Verfolgt man nun die angegebenen dreiunddreißig Generationen in der Art, ſo ergibt ſich a priori dasſelbe Reſultat, das a posteriori vor unſere Augen tritt. Jetzt gehen wir zur zweiten Schaͤferei. Sie hat erſt zehn Generationen der Veredlung hinter ſich, in ihr aber iſt die Intelligenz des Menſchen ſtets thaͤtig geweſen. Wenn alſo immer in der zweiten Generation das großelterliche Blut, d. h. 190 das unedlere, ſich zeigte, ſo ward es bei der naͤchſten durch anderes und zwar hochedles zu verdraͤngen und unſchaͤdlich zu machen geſucht. Mit klareren Worten, man waͤhlte zu Mutterſchafen, welche Ruͤckſchlaͤge zeigten, die edelſten Widder. In den naͤchſten Deſcendenten fielen da ſehr edle Thiere, und wenn auch bei den dieſen folgenden das großelterliche Blut wieder ſeine Rolle ſpielte, ſo waren ſie doch ſchon bei weitem edler als ihre Muͤtter, eben weil die Ver⸗ erbung von dieſen nicht allein, ſondern auch von dem hochedeln Vater ausgegangen war. In zehn Gene⸗ rationen wird ein ſolcher Wechſel fuͤnfmal vorkommen, und wenn man jedesmal mit gleicher Strenge und gleicher Conſequenz verfaͤhrt, ſo wird das Unedle, das ſich im Anfang ſtark zeigte, zuletzt ſo unbe— deutend ſeyn, daß es kaum mehr zu bemerken iſt. Auf ſolche Art gezuͤchtete Thiere aber haben darum ein edleres Blut als jene, die dreimal mehr Ahnen zaͤhlen, weil ſie treuer vererben, und dieß thun ſie aus dem Grunde, weil alle Ruͤckſchlaͤge in ihnen ſyſtematiſch getilgt worden ſind. Wer das alles fuͤr bloße Theorie halten wollte, der wuͤrde ſeine Unkunde in der veredelten Schafzucht verrathen; denn ein jeder, der darin Erfahrung hat, wird es als unumſtoͤßliche und uͤberall beſtaͤtigt ge— fundene Wahrheit unterſchreiben. Mit dem, was ich vorſtehend behauptet und bewieſen habe, iſt es aber keineswegs meine Abſicht, dem edeln Blute uͤberhaupt nahe treten zu wollen. 191 Im Gegentheil glaube ich zu beweiſen, daß ich mehr als irgend ein Anderer auf wahrhaft edles Blut halte; denn das Alter und die vielen fortgepflanzten Ge— ſchlechter koͤnnen dieß nicht allein herſtellen, ſondern nur die in ihnen gegruͤndeten und auf ihre Deſcen— denten uͤbergetragenen Tugenden. Mit Einem Worte, ich huldige in der Schafzucht nicht dem Erbadel, ſondern nur dem Verdienſtadel. Wer ſich nun durch fremde Meinung und befan⸗ geue Anſicht leiten laͤßt, und wem die eigenen, ihn vor fernern Mißgriffen verwahrenden Erfahrungen fehlen, der wird ſich leicht unbewußt unedles Blut in ſeine Heerde miſchen, indem er glaubt, ſich das edelſte verſchafft zu haben. Und dieß kann und wird allen denen widerfahren, welche einzig und allein nur auf das Alter und nicht auch auf die Intelligenz bei der Fortzuͤchtung der Schaͤfereien ſehen, aus denen ſie ihre Zuchtthiere kaufen. B. Von der vermeintlichen Degeneration. Außer der wirklichen und unwiderleglichen Degeneration gibt es auch eine vermeintliche, d. i. eine ſolche, wo man fuͤrchtet, Ruͤckſchritte zu machen, ohne daß dieß wirklich der Fall waͤre. Als Beiſpiel kann ich hier alsbald das anfuͤhren, was ich im fuͤnften Capitel von der Heerde zu Henners⸗ dorf erzaͤhlte. Dort glaubte eine Menge nicht un⸗ erfahrner Schafzuͤchter gerade zu der Zeit, als ſie mit der volleſten Conſequenz zu immer hoͤherer Veredlung 192 und zur endlichen Erlangung des Ideals vorwaͤrts ſchritt, ſie ſey auf dem Ruͤckgange begriffen, d. h. ſie degenerire. Dasſelbe kann auch mit andern Heerden der Fall ſeyn. Thun wir einen Blick zuruͤck in die Zeiten der Einfuͤhrung der Merinos und der erſten Veredlung durch ſie in Deutſchland, ſo werden wir auf mehrere Beiſpiele der Art ſtoßen. Es iſt bekannt, daß man zur damaligen Zeit in Oeſterreich den wahren Typus und das erſte Erforderniß eines Edelſchafs in dem dicken faltigen Halſe und in dem Koder vor der Bruſt ſuchte. Wo man nun dieſe nicht im ſtaͤrkſten Ausdruck ſah, da fuͤrchtete man ſogleich eine De— generation, der man entgegen arbeiten zu muͤſſen glaubte. Und wie lange iſt es her, wo man faſt gerade das Gegentheil, wenigſtens in Deutſchland, glaubte? In beiden Faͤllen war es nur eine ver— meinte Degeneration; denn ſowohl die Thiere, wel— che da, wo man nur in den Falten und Kodern das Edle fand, ohne dieſelben geboren wurden, konnten im vollen Sinne des Wortes edel ſeyn, als die, welche nachmals, wo dieſe Attribute in Verruf kamen, mit ihnen begabt ſich zeigten. Hier wird es auch am rechten Orte ſeyn, mich uͤber die paradore Meinung, ja Behauptung, auszu⸗ ſprechen, die man ſchon aufgeſtellt hat: wo naͤmlich ein Widder, den man ganz gemeine Schafe begatten laͤßt, die Faͤhigkeit der Vererbung gaͤnzlich verlieren ſoll. Man hat dieſe, allen feſten Grundes in der Phyſiologie der Thiere ermangelnde, Behauptung 193 aͤrs 5. ſe V auch von andern Hausthieren, wie unter andern von 3 V den Pferden, aufgeſtellt, und ſich auch bei dieſen auf 6. 19 Beiſpiele als Belege berufen. Mir iſt weder ein ie 1 Beiſpiel fuͤr noch gegen dieſe Behauptung bekannt, ſen und ich kann mich daher nur auf die Natur der mi Thiere ſelbſt und auf analoge Erſcheinungen berufen. di, V Da frage ich zuerſt, durch welche geheimnißvolle bee V Naturkraft ſollte ein Widder— wenn ſeine gute Ver⸗ zu erbung vorher erprobt und anerkannt geweſen— dieſe der dadurch verlieren, daß er ein gemeines Schaf be⸗ ſen gattet?— Meint man denn, daß er ſein ganzes de⸗ edles Blut damit auf den Nachkoͤmmling uͤbertraͤgt, üſſen oder daß bei dem Acte der Zeugung die gemeine fit V Natur des Mutterſchafs auf ihn uͤbergeht? and, Beides waͤre ein wahres Wunder, weil es eine dere Anomalie in der Thierfortpflanzung zeigte, wie we⸗ man keine aͤhnliche kenngt.— Man fragt vielleicht: rdas wie es alsdann um einen Pferdehengſt ſtehen wuͤrde, en iin der eine Eſelin deckt?— Geduld! die jene Meinung velche hegen, werden auch verſichern, daß ein ſolcher wirklich „mit V dermaßen ausarte, daß in der Folge die von ihm er— zeugten Fuͤllen mehr den Maulthieren als den Pferden mich aͤhnlich ſind.— Wird man daruͤber laͤcheln? Das lszu⸗ darf man nicht, denn es wird ſich auf Beiſpiele und mlich wirkliche Erfahrung berufen. Wie es damit ſtehen atten mag, das laſſe ich auf ſich beruhen, und betrachte lieren das Factum bloß von dem Geſichtspunkte des ratio⸗ in der nellen Schafzuͤchters aus. Moͤge man mich alsdann ptung widerlegen! Elsner, das Sdelſchaf ꝛc. 13 194 Beruhte die fragliche Behauptung auf nur irgend einem Grunde, ſo muͤßte nothwendigerweiſe faſt jeder zur Fortpflanzung gebrauchte edle Widder de⸗ generiren, weil er in den meiſten Faͤllen auf unedlere Schafe gebraucht wird, als er ſelbſt iſt; ſonach 1 waͤre denn faſt gar keine gruͤndliche und fortdauernde Veredlung denkbar, oder man muͤßte einen edeln Widder ſtets nur einmal brauchen, und ihn ſodann immer durch einen andern gleich edeln erſetzen. Fra⸗ gen muß man freilich vor allen Dingen, ob er ſeine Veredlungsfaͤhigkeit durch eine einzige Begattung oder durch mehrere verliere? Im letzten Falle aber muͤßte man wiederum fragen, wie viel Schafe er erſt begatten koͤnne, ehe ſein edles Blut vooͤllig conſumirt waͤre?— Denkt man auf dieſe Art der Sache nach, ſo erſcheint die Behauptung faſt als abſurd.— Wenn man nun aber dennoch die Beobachtung gemacht ha⸗ ben will, daß ein edler Widder, welcher gemeine Schafe beſprungen hat, nachher ſchlecht vererbte, ſo muß man wohl vor allen Dingen fragen, ob man ihn b oorher ſchon als gut vererbend erprobt hat?— Waͤre dieß, ſo ſchiene die Sache doch einigen Grund zu ha⸗ ben, obgleich derſelbe immer noch nicht unerſchuͤtterlich waͤre; denn es ließe ſich wieder noch einwenden, daß ein ſehr gebrauchtes Thier der Art erfahrungsmaͤßig nicht mehr ſo treu vererbt, als wenn es noch in der erſten Kraft iſt. Dieſer Satz der Erfahrung gilt auch von . andern Thieren. Aber man hat doch einmal eine dergleichen Beob⸗ 195 gend achtung gemacht, und ihre Beſtaͤtigung liegt ja auch faſt in einer aͤhnlichen Erſcheinung vor Augen, die man de⸗ bei den Pferden geſehen hat, wo Hengſte mit Eſelinnen dlere V gepaart wurden.— Bei allen ſolchen Beobachtungen nach kommt es immer darauf an, wer ſie gemacht hat ende und wie ſie gemacht worden ſind. Die taͤgliche Er⸗ edeln fahrung lehrt ja, daß zuweilen Behauptungen aufge⸗ dann ſtellt werden, bei denen man ſich auf Thatſachen Fra⸗ beruft, und die dennoch der geſunden Vernunft ſeine geradezu widerſprechen. Man denke nur an den tung Glauben an Geſpenſter!— Es gibt Taͤuſchungen aber der Sinne, denen ein Menſch mehr ausgeſetzt iſt als verſt der andere, und die ſich jener nie ausreden laͤßt und mirt wobei er ſich immerfort auf die Anſchauung und auf h, ſo die eigene Erfahrung beruft. Unterſucht und zer⸗ Venn gliedert man ſolche Erſcheinungen, ſo werden ſie zwar tha⸗ dem Unbefangenen und Klarſehenden deutlich, nicht neine aber dem Befangenen und Schwachſinnigen. Dieſe e, ſo Wahrheit gilt von allen Behauptungen, welche den ihn bekannten und unumſtoͤßlichen Geſetzen der Natur Väͤre geradezu widerſprechen, und man kann ſie, auch ohne ho die naͤhern Data genauer unterſucht zu haben, ohne ſich V weiteres in das Reich der abſichtlichen oder unſchuldi— ein gen Taͤuſchungen verweiſen. Das iſt ohne allen icht Zweifel auch auf die Meinung und Behauptung an— ſſten zuwenden, daß ein edles Thier durch die Begattung von mit einem unedeln die Vererbungsfaͤhigkeit ſeiner guten Eigenſchaften verlieren ſoll.— Der Aet der Begat⸗ zoo⸗ tung iſt rein thieriſch. Wenn nun die erwaͤhnte Be⸗ 13* 196 hauptung auch auf den Menſchen angewendet werden ſollte, ſo moͤchte es um die Nachkommenſchaſt man⸗ ches vornehmen Mannes ſchlimm ſtehen. Zu den Faͤllen einer vermeintlichen De⸗ generation iſt es auch zu zaͤhlen, wenn durch den Wechſel von Widdern die Laͤmmer mit einer andern als der ſonſtigen Bedeckung geboren werden. Alle Lehren in der veredelten Schafzucht kommen unter Anderm darin uͤberein, daß, wenn man einen Fehler in ſeiner Heerde uͤberhandnehmen ſieht, man als— bald den geeigneten Weg zu ſeiner Vertilgung ein⸗ ſchlagen muͤſſe. Der beſte Weg dazu iſt die Wahl von Widdern, welche gaͤnzlich frei von dem fraglichen Fehler ſind. Iſt man nun z. B. in die Schuͤtter⸗ wolligkeit oder gar ins Zwirnen der Wolle gerathen, ſo muß man ſofort Widder zum Sprunge gebrauchen, welche ein ſehr dichtes und reichwolliges Vließ tragen. Deren Nachkommen aber zeigen ſich als Laͤmmer ganz anders als die fruͤhern, und wenn dieſe glatt und voll kleiner perlenartiger Locken ſind, ſo erſcheinen jene rauh, ja mitunter haarig, ſo daß der Halb⸗ kenner meint, ſie ſeyen bei weitem unedler als dieſe. Dieſelbe Erſcheinung kommt faſt bei jeder Kreuzung vor, die man doch allezeit zur hoͤhern Veredlung vor⸗ nimmt. Eine Degeneration kann aber allemal nur das heißen, was die Schafe in ihrer Veredlung zuruͤck bringt, und man kann ſonach etwas dafuͤr halten, was geradezu ein Weiterſchreiten zur hdͤhern Ver— edlung iſt. Immer muß man den Totalbegriff von ———·˖— 197 den Veredlung feſt halten, welcher auch, wie ich weiter nan: vorn gezeigt habe, die Vermehrung der Wollmenge ſ mit in ſich ſchließt. de⸗ Zuweilen bildet ſich aber die Wolle nicht ihrer den Natur gemaͤß aus, wenn aͤußere Umſtaͤnde und Ver— dern haͤltniſſe auf ſie einwirken, und ſie bekommt ſodann All den Anſchein, als ob ſie bei weitem nicht ſo edel nter waͤre, wie ſie der Natur und dem Organismus des ihler Schafes nach ſeyn ſollte. Da kann denn der Halb— als⸗ kenner, und insbeſondere der unerfahrne Schafzuͤchter lin⸗ leicht irre und zu dem Schluſſe verleitet werden, es Lahl ſey ſeine Heerde auf dem Wege der Degeneration be⸗ ſchen griffen. Dieß iſt aber gar nicht der Fall, wie man tter⸗ alsbald, ſo wie die Urſache der veraͤnderten Ausbildung hen, V der Wolle entfernt iſt, inne werden kann. Ver⸗ hen, aͤnderte Fuͤtterung, tadelhafte Wartung und Pflege, agen. oftmalige Veraͤnderung in der Temperatur des Stal— ganz les u. dgl. m. koͤnnen zu dieſen Urſachen gezaͤhlt wer— und den. Sobald nun aber dieſelben aufhoͤren, hoͤrt auch inen ihre Wirkung auf, und man wird ſodann inne, daß alb⸗ man keineswegs gegen die Regeln der Veredlung, wohl ieſe. V aber gegen die Regeln der Wartung und Pflege gefehlt zung V habe, und daß damit wohl die dermalige Wolle, vor⸗ keineswegs aber auch das Schaf ausgeartet ſey. nut Zur vermeintlichen Degeneration iſt es auch rüͤck zu zaͤhlen, wenn man glaubt, daß ohne periodiſche lten, Auffriſchung des Blutes jede Schaͤferei, waͤre Vet⸗ ſie auch noch ſo edel, in ſich ſelbſt zuruͤckgehen muͤſſe. von Was von einer ſolchen Auffriſchung uͤberhaupt zu 198 halten ſey, das habe ich ſchon anderwaͤrts, ſo wie auch bereits hier geſagt, und ich will zu demſelben nur noch eine Ergaͤnzung geben. Man kann die Degeneration einer Schaͤferei, welche immerfort in ſich ſelbſt gezuͤchtet, und in welcher niemals fremdes Blut eingemiſcht wird, eben ſo wenig laͤugnen als behaupten, und das kann man a priori ſo gut, als a posteriori. Gehen wir von der Analogie aus, und vergleichen das Schaf in dieſer Hinſicht mit andern Thierarten, ja ſelbſt auch mit dem Menſchen, ſo kann man fuͤr das eine ſo gut wie fuͤr das andere Beweiſe gegen und fuͤr aufbringen. Ein kraͤftiges Geſchlecht, welches weder durch ſchwaͤchliche Individuen, die bei ſeiner Fortpflanzung ſich einmiſchen, noch durch aͤußere Einwirkungen in ſeiner Ernaͤhrung und Erhaltung von ſeiner Kraft herabgeſetzt wird, kann ſich in ſich ſelbſt auf viele und ferne Generationen fortpflanzen, ohne daß es von ſeiner urſpruͤnglichen Kraft, und eben ſo wenig von ſeinen generiſchen Eigenſchaften herabgeſetzt werden wird. Bei einem geſchwaͤchten dagegen wird ſolches alsbald geſchehen. Dieß gibt einen Wink fuͤr die Zuͤchtung edler Schafe. Will man dieſelbe in ſich ſelbſt fortſetzen, ſo wird man freilich vor allen Dingen darauf ſehen, ſie auf eine hohe Stufe des edlen Blutes hinaufzubilden, weil man nur alsdann ſicher ſeyn kann, ſie nicht alsbald wieder zur Gemeinheit herabſinken zu ſehen. Als⸗ dann aber wird man eben ſo gut auf koͤrperliche 3 d 199 uie Kraft, eine gute Conſtitution und volliges Freiſeyn llben von erblichen Krankheiten ſehen muͤſſen. Beide Er— forderniſſe ſind unerlaßbar, und wo ſie nicht vor⸗ ferei, handen ſind, oder wo ſie im Verlaufe der Zeit din wanken oder abhanden kommen, da iſt eine Auf— vird, friſchung des Blutes unerlaͤßlich, wenn man nicht das tief herabſinken will. Daraus iſt es denn leicht zu ehen erklaͤren, daß in der einen Heerde mit der Inzucht das Schaden und Verfall, in der andern Gewinn und „ja Fortſchritte verbunden ſeyn koͤnnen. Daraus aber das folgt auch gleichzeitig, daß eine abſolute De⸗ und generation niemals mit der Inzucht als noth⸗ lches V wendig verbunden anzunehmen ſey, und daß, wenn einer V man ſie annimmt, ſie oftmals nur als eine ver— ßere meinte gelten koͤnne. dung Und nun muß ich auch zuletzt noch das zur ver— ſich meintlichen Degeneration einer Schaͤferei zaͤhlen, wenn gute Freunde und Nachbarn die, welche daraus zen, kaufen wollen, warnen, es nicht zu thun, weil ſie und ften ſehr im Ruͤckgange begriffen ſey und Mißgriffe uͤber gten V Mißgriffe in ihrer Zuͤchtung begangen werden. Auch git V ſonſt, ohne daß man die loͤbliche Abſicht hat, Kaͤufer wil abwendig zu machen, um ſie vielleicht an ſich zu locken, kann man ſolche Nachrichten hoͤren. Die lan Chronica scandalosa iſt ſo emſig und ſo erfinderiſch, ine veil daß, wenn man ihr immer glauben wollte, es am ald Ende gar keine Schaͤferei mehr geben wuͤrde, in Ule⸗ welcher noch edles Blut waͤre. Bei den vielen Rei⸗ ice ſen, die ich als Landwirth gemacht habe, hat es mir ———— 3 8** 200 an derartigen Erfahrungen und freundſchaftlichen Mittheilungen nicht gefehlt, und ich haͤtte, waͤre ich indiscret geweſen, manchen Schafzuͤchter aus der Ruhe, in welcher er ſich wegen des Adels ſeiner Heerde befand, aufſchrecken koͤnnen. Vor einer Degeneration aber, welche die Frucht boͤſen Leumun— des und abſichtlich falſcher Geruͤchte iſt, darf man ſich wenig fuͤrchten. Achtes Capitel. Einfluß des Edelſchafs auf Agricultur und Bevölkerung. A. Sein Einfluß auf die Agricultur. Vermehrung und Verbeſſerung der Viehzucht iſt die ſicherſte Baſis zur hohen Emporbringung der Agricultur, das iſt eine Grundlehre der Landwirth— ſchaft. Durch die Einfuͤhrung des Edelſchafes iſt dieſe Thierart uͤberall unendlich mehr vermehrt worden, als ſie es ſonſt jemals geweſen. Freilich fragt es ſich dabei vor allen Dingen darum, ob nicht andere Gattungen der landwirthſchaftlichen Nutzthiere durch jenes verdraͤngt, oder doch wenig⸗ ſtens verkuͤrzt worden ſind? Da laͤßt es ſich nun nicht voͤllig in Abrede ſtellen, daß unter andern an vielen Orten das Rindvieh den Schafen zu Liebe ſehr beſchraͤnkt, ja mitunter faſt gaͤnzlich abgeſchafft he V worden iſt. Indeß hat es damit keine große Ge⸗ väre fahr, weil die dadurch entſtehende etwaige Ver⸗ auns minderung auf einer andern Seite wieder mehr als iner ausgeglichen worden iſt; denn waͤhrend ſie von Seite iner der groͤßern Landgutbeſitzer auf Koſten der Schafe nun-⸗ vorgenommen wurde, vermehrten die kleinern ihre man Rindviehſtaͤmme deſto mehr. Ich ſpreche jetzt 1) von dem materiel—⸗ len Einfluſſe, den das Edelſchaf auf die Agricultur hat. Es iſt freilich von kurzſichtigen Menſchen ſchon zuweilen die Behauptung aufgeſtellt worden, daß ung. zuletzt das Edelſchaf dem Menſchen ſeine Nahrung ſtreitig machen werde, weil eine Menge Land zum Futteranbau und zur Weide fuͤr dasſelbe beſtimmt ſey, was man offenbar dem Getreidebau entziehe. iſt— Vor allen Dingen muß man dieſer Behauptung der die Frage entgegenſtellen: ob fuͤrs erſte wirklich rth⸗ Ackerflaͤchen, die ſonſt Getreide tragen koͤnnten, fuͤr iſt die Schafe zur Benutzung gegeben werden? und ob ehrt nicht zweitens durch die vermehrte Schafhaltung das lich V Land durch den mehr erzeugten Duͤnger an Kraft und 1 V Ertragsfaͤhigkeit ſo bedeutend zunimmt, daß, wenn ech auch wirklich der Getreideanbau auf eine kleinere Flaͤche beſchraͤnkt werden ſollte, dieſe eben ſo viel und noch mehr liefern wird, wie ſonſt die groͤßere? — Die Ackerflaͤchen, welche zum Anbau von Futter und zur Weide fuͤr die Schafe benutzt werden, ſind rft faſt uͤberall nur ſolche, welche nach dem ehemaligen 20² Ackerbauſyſtem brach lagen und nur auf kurze Zeit dem darauf getriebenen Vieh eine kaͤrgliche Weide gewaͤhrten.— Ich muß hier, um der Sache ganz auf den Grund zu gehen, ein wenig weit ausholen. Es iſt bekannt, daß in den fruͤhern Jahrhunderten die Dreifelderwirthſchaft in Deutſchland und mehrern angraͤnzenden Laͤndern das Hauptſyſtem war, welches man beim Landbau befolgte. Bei demſelben nun war der dritte Theil des pflugbaren Landes abwech⸗ ſelnd Brache, die, weil man ſie erſt im Junius umzu⸗ brechen anfing, bis dahin mit den wenigen auf ihr wachſenden Graͤſern und Pflanzen eine kuͤmmerliche Weide fuͤr das Vieh gab. Als aber die Produete der Viehzucht einen immer hoͤhern Werth bekamen, da lag jedem fleißigen und aufmerkſamen Landwirthe daran, deren moͤglich viele zum Verkauf zu ge— winnen. Vermehrung der Viehbeſtaͤnde und beſſere Fuͤtterung war das doppelte Mittel, mit welchem man zu dieſem Ziele gelangen konnte. Zunaͤchſt mußte man dieſes durch Vermehrung und Ver⸗ beſſerung der Wieſen zu erreichen ſuchen. Aber nicht uͤberall liegt und lag ein ſolches Mittel zur Hand: denn manche Gegenden ſind nach ihrer Oert⸗ lichkeit voͤllig davon entbloͤßt. Da blieb denn nichts uͤbrig, als kuͤnſtliche Wieſen anzulegen. Aber auch ein ſolches Unternehmen iſt nicht uͤberall auszu⸗ fuͤhren, weil vor Allem eine feuchte Lage und vor— handenes Waſſer erforderlich ſind, um die Wieſen zu einem lohnenden Ertrage zu bringen. Auf den waͤ ſola iſt Bau Lan nur doch auch das güͤte Reſu munte eine! mehr nicht Ausde wird, Futten ſelben ſo hat mittel Zeit zeide ganz olen. erten vrern ſches nun gech⸗ nzu⸗ fihr liche duete men, irthe ge⸗ eſſere chem zachſt Ver⸗ Aber zur Ddert⸗ chts auch szu⸗ vor⸗ ieſen jden 203 Aeckern Futter zu erzeugen, hatte man noch nicht verſucht, hielt es auch nicht fuͤr ausfuͤhrbar, indem man damit in ſeinem Syſtem geſtoͤrt wurde. Nur einzelne Verſuche wurden gemacht, und es war insbeſondere der rothe Klee, den man dazu anwandte. Wicken benutzte man zwar ſchon fruͤher auf gleiche Weiſe, aber nur auf ſehr kleinen Flaͤchen. Fort— waͤhrend aber erhielt ſich ein Vorurtheil gegen einen ſolchen Futteranbau. Ja ſelbſt noch heutigen Tages iſt es nicht ganz erſtorben; denn unſere meiſten Bauern hegen noch die Meinung, daß der Klee das Land ausſauge und alſo die auf ihn folgende Frucht nur einen geringen Ertrag gebe. Indeß iſt man doch endlich uͤberzeugt worden, daß, wenn man auch wirklich darin einen Ruͤckſchlag haben ſollte, das gewonnene Futter ihn im voraus reichlich ver— guͤtet. Durch dieſe Verſuche, deren nicht unguͤnſtige Reſultate zur Wiederholung und Erweiterung er— munterten, gewann allmaͤhlich das Dreifelderſyſtem eine Umgeſtaltung, indem man die Brache immer mehr benutzte, ſo zwar, daß ſie mitunter jetzt gar nicht mehr zur Weide liegt, ſondern in ihrer ganzen Ausdehnung mit ſogenannten Brachfruͤchten angebaut wird, die meiſtentheils darauf berechnet ſind, die Futtervorraͤthe zu vermehren. Da jedoch zu den— ſelben auch die Kartoffeln und die Erbſen gehdren, ſo hat damit die Menge der menſchlichen Nahrungs⸗ mittel auch ſo bedeutend zugenommen, daß uͤberall, 204 wo dieſes modificirte Dreifelderſyſtem herrſcht, jetzt faſt gar kein Mangel und daraus hervorgehende Hungersnoth mehr eintreten zu koͤnnen ſcheint. Die Umgeſtaltung des fraglichen Syſtems hat gleichen Schritt gehalten mit der Einfuͤhrung und Ueber— handnahme des Fruchtwechſel⸗Syſtems, von dem es eigentlich eine Nachahmung genannt werden kann. Iſt es nun aber factiſch bewieſen, daß durch dieſe beiden Syſteme die Ackerflaͤchen, welche fuͤr den Anbau menſchlicher Nahrungsmittel beſtimmt ſind, ſich nicht allein nicht verringert, ſondern vielmehr vergroͤßert haben, ſo iſt auch noch eine zweite Frage zu beantworten, naͤmlich die, wie es um die Er— tragsfaͤhigkeit dieſer Ackerflaͤchen ſtehe? Da laͤßt ſich denn ohne Scheu behaupten, daß dieſelbe ſehr zu⸗ genommen habe, was auch ohne weiteres aus der Vermehrung der Viehbeſtaͤnde und der damit gleich— zeitig zunehmenden Duͤngermaſſe erfahrungsmaͤßig folgt. So haben ſich denn die Mittel zur Getreide⸗ erzeugung gleichzeitig mit der Hervorbringung von andern Conſumtibilien vermehrt, und der Beweis dafuͤr liegt in der fuͤr die immerfort reißend zu— nehmende Bevoͤlkerung ausreichenden Menge von Lebensmitteln vor. Fragen wir, durch welches Wunder das bewerkſtelligt worden, ſo koͤnnen wir, ſo unparteiiſch wir immer ſeyn wollen, doch nicht in Abrede ſtellen, daß dem Edelſchafe ein großer An— theil daran gebuͤhre. Wir kommen mit dem Geſagten auf nachſtehende 20⁵ Folgerung, welche die beiden oben geſtellten Fragen aufs genuͤgendſte beantworten wird. Das Edelſchaf reizte durch den Reinertrag, den es gewaͤhrt, zu ſeiner Vermehrung. Dieſe konnte nur ſtattfinden, wenn man auch hinlaͤngliche Nahrung fuͤr dasſelbe hatte. Um dieſes zu gewinnen, mußte man vor allen Dingen auf Verbeſſerung der Wieſen bedacht ſeyn, und wo man keine hatte, und bei der Ungunſt der Oertlichkeit auch keine anlegen konnte, da mußte man zum Futteranbau auf den Feldern ſeine Zuflucht nehmen. Dieß auf Koſten des Getreide⸗ baues zu thun, war vornehmlich in jener Zeit, wo alle dieſe Entwickelungen und Streitſaͤtze zu loͤſen waren, nicht rathſam, weil damals die Getreide⸗ preiſe hoch ſtanden, und kein kluger und rationeller Landwirth einen erfahrungsmaͤßig ſichern Gewinn in die Schanze ſchlagen konnte, um einem andern, noch in Frage ſtehenden, nachzujagen.— Verſuche mußten gemacht und aus dieſen Erfahrungen, die Goldkoͤrner aller landwirthſchaftlichen Praris, ge— ſammelt werden. Alle die, welche mit Verſtand und Beſonnenheit gemacht wurden, fielen befriedigend aus, und die Bahn war gebrochen, die alsdann von Tauſenden betreten wurde. Denn man gelangte durch dieſe Verſuche zu der Ueberzeugung, daß dem Felde durch den vermehrten Futterbau nicht allein keine Kraft entzogen, ſondern dieſelbe ſehr vermehrt wurde. Man ſah ferner, daß man gar nicht ein⸗ mal noͤthig hatte, von den zum Getreideanbau 206 bisher beſtimmten Flaͤchen etwelche zum Futterbau zu nehmen, ſondern daß man mit denen, die zeither als Brache und alſo faſt nngenutzt gelegen hatten, vdllig ausreichte. Darin liegt nun die gruͤndlichſte Widerlegung aller der Halbwiſſer und klugen Leute, die in ihrem beſchraͤnkten Geſichtskreiſe ſich Urtheile und Ausſpruͤche erlauben, welche durch die Wirklich⸗ keit und die Erfahrung ſo oft Luͤgen geſtraft werden. Was ich hier geſagt und bewieſen habe, das iſt eigentlich nur auf Laͤndereien anzuwenden, die als wirkliche und normale getreiderzeugende zu be⸗ trachten ſind. Aber wir haben auch noch diejenigen zu betrachten, welche nur das dringende, aus der Volksvermehrung hervorgehende Beduͤrfniß unter den Pflug zu nehmen zwingt, und die nur dann lohnen, wenn die Fruchtpreiſe hoch ſtehen. Man ſetzt, nach gewiſſen Regeln, welche die Zeit und die Erfahrung gegeben haben, in dieſe Kategorie alle diejenigen Laͤndereien, welche bei einer gewoͤhnlichen Cultur durchſchnittlich nicht mehr als die dreifache Ausſaat wieder bringen. Deren aber gibt es, beſonders im nordoͤſtlichen Theile von Deutſchland, eine Menge, und gerade auf ſie hat das Edelſchaf die wohlthaͤtig— ſten Einwirkungen gezeigt. Fuͤrs erſte gewaͤhren ſie ihm eine ſehr geſunde Weide, und ſeine Ernaͤhrung im Winter iſt durch die Kartoffeln moͤglich geworden; fuͤrs zweite ſetzt der Ertrag, den das Edelſchaf ge⸗ waͤhrt, ſeine Eigenthuͤmer in Stand, Manches zur Verbeſſerung ihrer Laͤndereien zu thun, wozu ihnen 207 ſonſt die Mittel fehlen wuͤrden. Eine Hauptver— beſſerung derſelben iſt bekanntlich das Mergeln. Dieſes aber gewaͤhrt mit der vermehrten und ver— beſſerten Schafzucht die wohlthaͤtigſte Verbindung, und zwar aus folgenden Gruͤnden. Durch das Mer⸗ geln wird die Ertragsfaͤhigkeit des Bodens angeregt, aber damit auch zugleich aufgezehrt. In der ver⸗ mehrten Schafzucht aber liegt das Mittel, einer zu ſtarken Aufzehrung vorzubeugen, eben weil durch ſie viel Duͤnger erzeugt wird. Die Art Mergel, welche man auf den feaglichen Laͤndereien anwendet, ver⸗ beſſert aber auch zugleich den Boden mechaniſch, indem ſie zum groͤßten Theile aus Lehm beſteht und folglich jenen binden hilft. Und dieſe Verbeſſerung hilft der Weidegang der Schafe noch vermehren durch das Feſttreten der allzulockern ſandigen Erde. Dann aber gibt es auch wiederum Laͤndereien, die durch keine andern als den Schafduͤnger ſo ge⸗ weckt und zur Fruchtbarkeit gebracht werden. Es ſind die ſehr ſtrengen und naßkalten. Auf ſie hat die vermehrte Schafzucht einen Einfluß, wie man ſich ihn kaum groß und wohlthaͤtig genug denken kann. Wollte man aber ſagen, daß, wenn dem alſo iſt, das Verdienſt davon ja der Schafzucht uͤber⸗ haupt und keineswegs nur der Zucht des Edelſchafs allein zukomme, ſo iſt dieß allerdings wohl richtig, aber doch nicht außer Acht zu laſſen, daß nur dieſes die Veranlaſſung geworden iſt, die Schafzucht mit beſonderm Fleiße und mit Intelligenz zu betreiben, 208 was vor ſeiner Einfuͤhrung nicht der Fall war, und wo man das gemeine Schaf denn auch auf vielen Oertlichkeiten gar nicht fortbrachte, ſich auch gar nicht die Muͤhe gab, die Hinderniſſe, die ſeiner Aufzucht und Erhaltung im Wege waren, zu be⸗ ſeitigen. Und zu dieſen Oertlichkeiten gehoͤrt auch vorzugsweiſe eine ſolche, wie die eben gedachte. Denn ein naßkalter Boden bringt nicht allein meiſten⸗ theils Kraͤuter und Graͤſer hervor, die dem Schafe uͤberhaupt nicht zutraͤglich ſind, ſondern es finden ſich auf ihm auch gewoͤhnlich ſolche, die geradezu ſeinen Tod befoͤrdern. Durch tiefe und ſorgſame Cultur, Entwaͤſſerung, Duͤngung u. ſ. w. wird dem abgeholfen, und indem ſolches geſchieht, wird der Boden uͤberhaupt ſo verbeſſert, daß er zum Frucht⸗ bau ſo geſchickt wird, wie er es ſonſt nie war. Durch die wiederkehrende Schafduͤngung vermehrt ſich dieſes Geſchicktwerden, und es wirkt ſonach auch hier die vermehrte Schafhaltung auf die vermehrte Gewinnung vonGetreide. Ehemals, wo die Schaͤfe⸗ rei noch wenig eintrug, d. h. vor der Einfuͤhrung des Edelſchafs, gab man ſich gar nicht erſt die Muͤhe, auf ſolchen Localitaͤten Schafe aufzuſtellen, weil man aus Erfahrung wußte, daß ſie ſich dort nicht hielten, und weil man nicht glaubte, daß ſich dem abhelfen ließe, alſo auch gar nicht erſt Verſuche dazu machte.— Wenn man nun, wie dieß der Fall war, ſtatt der Schafe auf ſolchen Localitaͤten Kuͤhe hielt, ſo hatte man durch dieſe mittelbar in 209 durchaus den Nutzen nicht, weil der Duͤnger von dieſen auf derlei Boden keineswegs die gute Wirkung hat, wie der von Schafen. So iſt es denn nicht zu widerlegen, daß die Ein⸗ fuͤhrung des Edelſchafes und die damit verbundene Vermehrung und Vergroͤßerung der Schaͤfereien auf die Cultur des Landes uͤberall einen ſehr guͤnſtigen Einfluß bereits gehabt hat, und noch fortwaͤhrend hat. Dazu aber iſt mit vollem Rechte noch die Ver⸗ ſchoͤnerung des Landes zu⸗ zaͤhlen, welche ſie uͤberall bewirkt.— Verſchoͤnerung des Landes? fragt man vielleicht mit Verwunderung. Man wird ſogleich ſehen, daß ich damit nicht etwa bloß etwas Para⸗ doxes ſagen will. So lange man nur noch gemeine Schafe hielt, wurden ſie in elenden und ſchmutzigen Staͤllen untergebracht. Fuͤr das Edelſchaf baut man mitunter wahre Palaͤſte. Man werfe nur einen Blick auf dem freien Lande um ſich, in allen den Gegenden, wo die edle Schafzucht in rechtem Flor iſt, und man wird da und dort den freundlichſten Anblick von ſchoͤnen Gebaͤuden genießen, wovon ein großer Theil Schafſtaͤlle ſind. Und wie viele neue ſchoͤne Gehoͤfte verdanken nicht mittelbar ebenfalls ihre Entſtehung dem Edelſchafe, weil dieſes die Mittel herbeibrachte, um ſie aufbauen zu koͤnnen! Aber noch eine Verſchoͤnerung darf man nicht uͤberſehen, und das iſt der Schmuck, den der Anbau der Brache den Feldern gibt. Man ſtelle doch einmal in Gedanken eine kahle, im Sommer faſt gaͤnzlich Elsner, das Edelſchaf ac. 14 210 ausgebrannte Brache der alten Art gegen eine von der jetzigen Cultur, welche mit gruͤnen Graͤſern be— deckt und mit bluͤhendem rothem und weißem Klee geſchmuͤckt iſt. Welch ein Unterſchied, und welch ein Genuß hier fuͤrs Auge, welches man dort er— muͤdet abwendet! Dabei kann und darf ich unmoͤglich eines großen Nutzens und Gewinns uneingedenk bleiben, welchen der Anbau der Brache, behufs der Schafweide, in vielen Gegenden Deutſchlands den Oekonomien zugefuͤhrt hat. Es iſt die Gewinnung von Kleeſamen, der alljaͤhrlich ungeheure Summen eintraͤgt.— Man wird freilich einwenden wollen, daß derſelbe ja von den Schafhaltern nicht allein er— rungen wird, ſondern auch von einer Menge von Landwirthen, welche keine Schafe haben. Man vergeſſe aber nur nicht, daß das Edelſchaf und ſeine Vermehrung die vorzuͤglichſte Veranlaſſung zum An⸗ bau der Brache und vornehmlich des weißen Klees wurde, daß man ihn dadurch allgemein genauer kennen und ſchaͤtzen lernte und ſeinen Anbau uͤberall, wo man ſeinen Vortheil wahrzunehmen verſteht, ein— fuͤhrte. So waͤre denn der materielle, und ich moͤchte ſagen, der mechaniſche guͤnſtige Einfluß, den das Edelſchaf uͤberall, wo es eingefuͤhrt und vermehrt wird, ausuͤbt, nicht zu widerlegen; aber wir haben unſern Blick auch noch auf eine andere Seite zu wenden, und wir werden da eben ſo ſehr und faſt noch mehr uͤberraſcht und uͤberzeugt werden, 211 welch eine Wohlthat das Edelſchaf fuͤr die Agri⸗ cultur eines Landes iſt, und welch guͤnſtige Ein⸗ wirkungen es auf den Betrieb derſelben im Allge— meinen hat. Dieſe andere Seite, wohin wir unſern Blick wenden, zeigt uns den Einfluß, welchen das Edelſchaf und ſeine Zuͤchtung auf den Fleiß und das geiſtige Beſtreben der Landwirthe ſo wie auf den rationellen Betrieb des Landbaues ausuͤbt. Der Landbau hat ſich ſeit etwa zwei Jahrzehenten zur Wiſſenſchaft erhoben, und wenn er es auch fuͤr Einzelne ſchon fruͤher war, ſo konnte man dieß noch keineswegs von der Allgemeinheit ſagen. Zu dieſer Erhebung hat das Edelſchaf nicht wenig beigetragen. Ihm iſt das Intereſſe vorzugsweiſe zuzuſchreiben, welches gebildete Maͤnner an der Landwirthſchaft gegenwaͤrtig nehmen, und ich koͤnnte eine Menge von Beiſpielen aus meinem Bereiche anfuͤhren, wo Beſitzer groͤßerer Landguͤter, die ſonſt ihre Oekonomien ledig— lich den Beamteten uͤberließen, nunmehr ſich perſoͤnlich um die Sache bekuͤmmern, und mit ihren Beamteten gemeinſchaftlich berathen, was zu thun das Beſte ſey. Gleichzeitig haben ſie denn auch Geſchmack an der landwirthſchaftlichen Literatur bekommen, was wiederum auf den rationellen Betrieb ihrer Oekonomien von großem und wohlthaͤtigem Einfluß iſt. Und dieß alles hat die Ueberhandnahme des Edelſchafes bewirkt. Iſt es nicht auch dieſes, was den land⸗ 14* 212 wirthſchaftlichen Vereinen ſo viele Mitglieder zufuͤhrt, die ſonſt wegbleiben wuͤrden?— Wer aber den großen Nutzen, welchen ſolche Verſammlungen durch den gegenſeitigen Austauſch von Ideen und Erfahrun⸗ gen ſtiften, in Abrede ſtellen wollte, der wuͤrde be⸗ weiſen, daß ihm entweder der Sinn und die Auf⸗ faſſungsgabe von etwas Beſſerm als das Gewoͤhn⸗ liche iſt, gaͤnzlich mangelte, oder daß er durch Vor⸗ urtheil und Traͤgheit abgehalten wuͤrde, ſich mit dem wahren Geiſte des Guten, was jene Vereine ſtiften, vertraut zu machen. Im vorigen Abſchnitte habe ich gezeigt, wie das Beduͤrfniß an Futter fuͤr die vermehrten und vergroͤßer⸗ ten Schafheerden die Beſitzer derſelben anſpornte, allen Verſtand und Fleiß auf deſſen Erzeugung zu verwen⸗ den. Wie entſetzlich lag nicht unter Anderm die Wieſenwirthſchaft uͤberall im Argen, und wie ent⸗ ſchieden wurde nicht eine Verbeſſerung derſelben durch das Edelſchaf und ſeine Ueberhandnahme hervorgeru⸗ fen! Haͤtte es auch nur dazu mitgewirkt, ſo waͤre ſein mittelbares Verdienſt um den Landbau ſchon groß. Aber es vermehrt ſich dasſelbe dadurch, daß auch ein Jeder in dem Syſtem ſeines Ackerbaues Verbeſſerun⸗ gen einfuͤhrte. Der ſo wohlthaͤtige und die Production ſo ungemein vermehrende Fruchtwechſel wuͤrde ſich ohne die Einfuͤhrung des Edelſchafes ſicher nicht mit der Schnelligkeit verbreitet haben, wie dieß bis jetzt der Fall geweſen iſt. — So bedarf es denn weiter keines langen und weit 213 hergeholten Beweiſes dafuͤr, daß die Einfuͤhrung und Verbreitung des Edelſchafes auf den rationellen Be⸗ trieb des Landbaues den entſchiedenſten Einfluß aus⸗ geuͤbt hat und noch immerfort ausuͤbt, daß mithin die Wohlthat, als welche es fuͤr ein Land zu betrachten iſt, ſich ungleich weiter erſtreckt, als auf den ein— fachen reinen Gewinn, den es dem Landwirthe bringt. B. Einfluß des Edelſchafes auf die Bevölkerung. Zum Theil iſt das, was ich hier zu ſagen habe, ſchon im Vorhergehenden enthalten. Denn wenn es entſchieden und bewieſen iſt, daß das Edelſchaf auf einen zweckmaͤßigeren und fleißigern Betrieb des Landbaues Einfluß hat, ſo iſt damit zugleich bewie⸗ ſen, daß durch ſeine Vermittelung auch die Production von menſchlichen Nahrungsmitteln zunimmt, und daß mithin daraus fuͤr die zunehmende Bevoͤlkerung eine große Beruhigung erwaͤchst. Dieſer wohlthaͤtige Einfluß erſtreckt ſich auf alle Claſſen, freilich auf die eine mehr, auf die andere weniger, auf manche unmittelbar, auf manche mittelbar. In einer Art, und zwar in der eben angegebenen, naͤmlich in der Vermehrung der Nahrungsmittel, erſtreckt er ſich auf alle Claſſen der menſchlichen Geſellſchaft unmittelbar. Mittelbar aber iſt der Einfluß, wenn wir die, durch edle Wolle beim Verkaufe ans Ausland herbeigezoge⸗ nen Geldſummen in Betracht ziehen und bedenken, wie dadurch eine Vermehrung und Belebung des 214 innern Verkehrs herbeigefuͤhrt wird. Um dieß recht zu fuͤhlen, denke man ſich uns ploͤtzlich dieſen Theil des Activhandels entzogen. Welche Stdͤrung und welche Laͤhmung des ſaͤmmtlichen Handels- und Ge⸗ werbsverkehrs wuͤrde dieß verurſachen! Mit dem Gelde iſt es, wie mit jeder Waare. Nicht das genaue Verhaͤltniß des vorhandenen zu dem beſtehenden Bedarfe, ſondern die Meinung beſtimmt ſeinen Ueber⸗ fluß oder ſeinen Mangel, und dieſe Meinung bildet ſich ſehr bald, wenn nur eine Kleinigkeit uͤber oder unter dem Bedarfe vorhanden iſt. Wir muͤſſen dieſen Gegenſtand aus einem Geſichts⸗ punkte betrachten, wo uns ſeine Wichtigkeit noch klarer in die Augen faͤllt. Unſer Landbau ſteht bis jetzt noch immer auf dem Punkte, daß er der Lebens⸗ mittel mehr poducirt, als unſere Bevoͤlkerung bedarf. Deßhalb wuͤnſcht nicht allein der Landwirth, ſondern ein jeder, dem daran gelegen iſt, daß unſer Tauſch— mittel, das Geld, ſich nicht allzuſehr vermindere, Ausfuhr nach dem Auslande. Eine ſolche aber kann fuͤr ein Land nur ſo lange als etwas Vortheilhaf— tes betrachter werden, als ſein natuͤrlicher Boden⸗ reichthum noch in Ueberfuͤlle vorhanden iſt, und als ſeine Bevoͤlkerung noch lange nicht den maͤßigen Er— trag einer ſehr mittelmaͤßigen Agricultur zu conſumiren im Stande iſt. Auf dieſem Punkte aber ſteht Deutſch⸗ land ſchon lange nicht mehr, und wir wuͤrden dieſe Wahrheit empfindlich fuͤhlen, wenn bei der gegen— waͤrtigen Bevoͤlkerung die Agricultur nur mittelmaͤßig —— betrieben wuͤrde. Da wuͤrden alle die Jahre, wo nicht eine beſonders guͤnſtige Witterung den Ertrag ins Hohe ſtellte, zu Mangel- und Hunger-Jahren werden. Der natuͤrliche Bodenreichthum iſt allemal da am groͤßten, wo ein Land ſich erſt bevoͤlkert und ihn durch ſeinen Ackerbau erſt aufzuſchließen anfaͤngt. Denn werden auch im Laufe der Zeit die Ernten reichlicher, ſo ruͤhrt dieß nur daher, weil dieſer Reich— rhum in raſcheren Umlauf geſetzt wird. So lange jedoch die Cerealien Gegenſtaͤnde der innern Ver— zehrung bleiben, ſo lange wird das Grundcapital nicht angegriffen. Sobald alſo Getreideausfuhr ſtatt⸗ findet, iſt dieß nicht mehr der Fall, denn damit geht man ans Grundeapital. Freilich lehrt uns der ra⸗ tionelle Betrieb des Ackerbaues, daß ſich dasſelbe wieder erſetzen laſſe, aber das hat doch zuletzt ſeine Graͤnzen. Aus allem dem aber folgt der Schluß und beſtaͤtigt ſich die Wahrheit: daß eine dauernde Ausfuhr von Getreide zuletzt zum Verder⸗ ben eines Landes ausſchlagen muͤſſe. Fra— gen wir doch einmal, ob ſich fuͤr dieſen Satz keine Erfahrung auffinden laͤßt? Mich duͤnkt, wir duͤrfen nach einer ſolchen nicht lange ſuchen. Sicilien und Aegypten bieten ſich uns als Beiſpiel. Sie waren in alten Zeiten die Kornkammer fuͤr Italien. Sind ſie es noch? Wer vermag darauf mit Ja zu antworten? Wiſſen wir nicht, daß beide Laͤnder nur in ſehr fruchtbaren und geſegneten Jahren Ueberfluß haben? Aber darauf kann man ja einwenden, daß 216 lediglich der ſaumſelige Betrieb, ja die beklagens— wertheſte Verwahrloſung des Ackerbaues daran Schuld ſey! Zugegeben! ſo iſt damit jener Satz, fuͤr den wir hier das Beiſpiel ſuchen, nicht entkraͤftet. Aegypten und Sicilien haben fuͤrs erſte einen ſo uͤberaus geſegneten Boden, der noch von einem Klima beguͤnſtigt wird, wie es nur wenige Laͤnder der Erde haben. Ein ſolcher Boden erſchoͤpft ſich nicht bald, auch laͤßt ſich, eben vermoͤge ſeines herrlichen Klima's, da mehr, wie irgendwo, gegen die Erſchoͤpfung wirken. Fuͤrs zweite leben in dieſen beiden Laͤndern ſo wenig Menſchen im Verhaͤltniß zur Flaͤche und deren Ertragsfaͤhigkeit, daß man ſie nicht fuͤr die Haͤlfte deren gelten laſſen kann, die das Land ernaͤhren koͤnnte. Mithin muͤßte die Haͤlfte der erzeugten Frucht zur Ausfuhr bleiben, und die Sache bliebe doch immer dieſelbe, als wenn gar nichts ausgefuͤhrt wuͤrde. Trotz allem dem aber koͤnnen ſie beide gegenwaͤrtig ein ſolches Quantum bei weitem nicht abgeben, wenn nicht die eigene Bevoͤlkerung in Gefahr kommen ſoll, zu verhungern.— Das kommt aber lediglich von der mangelhaften und ſchlechten Agricultur, wird man mir einwenden. Der Einwand duͤrfte nicht Stich halten, wenn man mit Grund entgegnet, daß in jenen alten Zeiten, wo Aegypten und Sicilien ſo viel ausfuͤhrten, beide ſchwerlich auf einer viel hoͤhern Stufe des Ackerbaues wie gegenwaͤrtig geſtanden haben. Laſſen wir dieß gelten, ſo tritt der verminderte und erſchoͤpfte Bodenreichthum als ens. duld den ftet. nen nem der icht hen ung dern und die hren ucht nmer uͤrde. gein wenn ſoll, von wird nicht daß lien viel aͤrtig tritt n als — — ——— ½⏑— 217— alleinige Urſache des herabgeſunkenen Fruchtertrages auf.. Da dieſer Gegenſtand nur eine den Beweis fuͤh— rende Nebenſache meines Thema's iſt, ſo kann und darf ich ihn nicht weiter ausfuͤhren, und muß nun zu ſeiner Anwendung eilen. Es ſteht feſt, und ließe ſich noch auf andere Art, als dieß gegebene Beiſpiel, beweiſen, daß die dauernde Ausfuhr von Getreide endlich zum Verderben des Landes ausſchlagen muͤſſe, welches ſie betreibt. Anders aber ſteht es mit thieri— ſchen Producten, ja auch ſchon mit den Thieren ſelbſt. Beide vermindern, wenn ſie auch ausgefuͤhrt werden, den Bodenreichthum nicht, ſondern ſie tragen mittelbar zu ſeiner Vermehrung bei. Ich muß hier, um nicht etwa eine Mißdeutung zu veranlaſſen, erſt noch erinnern, daß, wenn eine fortgeſetzte Getreideausfuhr den natuͤrlichen und urſpruͤnglichen Bodenreichthum allmaͤhlich erſchoͤpft, dieß auch der Fall ſeyn muͤßte, wenn unverhaͤltniß⸗ maͤßig viel Getreide zum Verbrauche im Lande erbaut wird, wenn nicht da der natuͤrliche Umlauf im Gange bliebe, vermoͤge deſſen der Erde das, was ſie hergibt, immer wieder zuruͤckgegeben wird. Darauf beruht ein maͤchtiger Unterſchied zwiſchen Ausfuhr und eige— nem Verbrauche. Werden aber thieriſche Producte, wie Wolle, Butter, Fleiſch u. dgl., ausgefuͤhrt, ſo hat bei deren Erzeugung die Erde ſchon immer wieder ihren Theil zuruͤck bekommen, und das Wenige, was man ihr Elsner, das Edelſchaf ꝛc. 15 218 vorenthalten mußte, erſetzt ſich durch den rationellen Ackerbau, bei welchem man die pflanzennaͤhrenden Stoffe, welche frei geworden ſind, und in der Atmo⸗ ſphaͤre ſchweben, ſich, d. h. den angebauten Fruͤchten, anzueignen und zuzufuͤhren weiß.— Unter allen thieriſchen Producten aber, welche ein Land zur Ausfuhr erzeugt, entzieht die Wolle dem Lande am wenigſten von ſeinem Bodenreichthum, und dieß insbeſondere, wenn wir ihren Werth mit der etwaigen Maſſe, die ſie von demſelben zu ihrer Erzeugung bedarf, vergleichen. Stellen wir einmal dieſen Werth und die Maſſe mit dem Werth und der Maſſe des Getreides in Vergleich. Man wird wenig fehl gehen, wenn man annimmt, daß ein Centner trocknes Getreide, mit einem Centner trockner Wolle hinſichtlich deſſen, was ſie von jenem Bodenreichthum zu ihrer Erzeugung beduͤrfen, gleich ſteht. Nun aber gilt ein Centner Getreide im beſten Falle etwa 4— 5 Thlr., wogegen wir fuͤr einen Centner veredelter Wolle mindeſtens 60— 70 Thlr., folglich fuͤnfzehnmal ſo viel erhalten. Welch ein Unterſchied! Wo wir daher ein gewiſſes Quantum von erſchoͤpfter Boden⸗ kraft fuͤr einen Thaler verkaufen, wenn es in Getreide umgewandelt iſt, da erhalten wir dafuͤr, wenn es in Wolle verwandelt iſt, 15 Thaler. Alſo koͤnnen wir 15 Jahre lang Wolle ausfuͤhren bei einer gleichen Bodenausſaugung, als wir es, wenn unſer Acker- bau gleich bleiben ſoll, bei Getreide nur ein Jahr thun koͤnnen. —,4 —e— llen 215 den Es iſt aber noch ein anderer ſehr wichtiger Ge— no⸗ r ſichtspunkt feſtzuhalten, naͤmlich der, daß durch ten, die Vermehrung des Edelſchafes die Nahrungsmittel fuͤr die Bevoͤlkerung unmittelbar vermehrt werden, ſche und zwar dadurch, daß die Fleiſcherzeugung zunimmt. olle Hier ſtoße ich alsbald auf ein Vorurtheil, welches im, ſich dahin ausſpricht: es habe die Guͤte des Schaf⸗ nit fleiſches durch die Einfuͤhrung und Ueberhandnahme rer des Edelſchafes ſehr verloren, und es liefere dieſes nal ein in Qualitaͤt viel ſchlechteres Fleiſch, als das der gemeine Landſchaf. Daß dem aber nicht alſo ſeyn nig E koͤnne, liegt in der Natur der Sache. Wie ſollte ner ein Thier, welches in ſeinem ganzen Organismus olle offenbar feiner iſt als andere ſeiner Gattung, ein um ſchlechteres Fleiſch geben wie dieſe?— Die Ent⸗ ber ſtehung des Vorurtheils aber muß doch eine guͤltige twa Veranlaſſung gehabt haben. Dieſe fehlt allerdings lter nicht. So lange man nur immerfort auf die nume⸗ mal riſche Vermehrung des Edelſchafs ſieht, werden alle⸗ duir zeit nur alte und unbrauchbare Thiere unter das d⸗ Meſſer geliefert, die natuͤrlicherweiſe kein gutes Fleiſch ede geben konnen. Freilich machen die Hammel(Kappen ig oder Schoͤpſe) hiervon eine Ausnahme, aber auch vi dieſe laͤßt man in vielen Schaͤfereien, behufs des hen Wolletragens, aͤlter werden, als es ſonſt der Ordnung nach geſchieht, und ſo geben auch ſie kein ſo gutes Fleiſch wie die juͤngeren von der gemeinen Landrace. Dieſe Periode aber iſt, wenigſtens fuͤr den groͤßten Theil von Deutſchland, ſo ziemlich voruͤber; auch ——. ——yÿ ᷑v—— ——————— ——————— 220 bemerkt man dieß bereits ziemlich allgemein. Da nun die reichliche Ausfuͤtterung in den meiſten edlen Schaͤfereien ein Hauptprincip iſt, ſo traͤgt auch dieſe zur Verbeſſerung des Fleiſches bei, und es iſt ſonach nahe daran, daß jenes Vorurtheil ſich gaͤnzlich ver— lieren, und man auch in dieſem Punkte die Ueber— zeugung gewinnen wird, daß die Verbreitung des Edelſchafes, in welcher Beziehung man es auch im— mer betrachten mag, nicht allein keinen nachtheiligen, ſondern vielmehr einen hoͤchſt guͤnſtigen Einfluß auf die Bevoͤlkerung des Landes hat, und daß nur eine ſehr befangene Anſicht ihm dieſen beſtreiten kann. Und nun habe ich noch zu ſagen, welchen bedeu— tenden Einfluß das Edelſchaf mittelbar auf das Wohl der Bevoͤlkerung dadurch hat, daß es zur Belebung der Wollen⸗Manufacturen ſo Vieles beitraͤgt. Die— ſelben bilden bekanntlich einen wichtigen Theil des ganzen Manufacturweſens eines Landes, und ſie muͤſſen einen um ſo hoͤhern Aufſchwung nehmen, je leichter und in je groͤßerer Vollkommenheit ſie den rohen Stoff erhalten koͤnnen. Iſt es nicht die große Vermehrung der feinen Wolle, welche zu immer mehr— artigerer Verarbeitung derſelben beitraͤgt? Iſt es nicht auch der in Folge der Vermehrung niedriger gewordene Preis, welcher es unſern Manufacturen moͤglich machte, mit den auslaͤndiſchen, die uns uͤber— holt hatten, in Concurrenz zu treten und ſie einzu⸗ holen?— Wie moͤchte es wohl um unſre Wollen— Manufacturen in Deutſchland ſtehen, wenn ſie den ——— 221 Rohſtoff vom Auslande theuer und mit vielen Unkoſten beziehen muͤßten?— Da wuͤrden wir demſelben in hohem Grade tributbar bleiben. Von welcher Seite wir alſo auch immer das Edelſchaf betrachten, uͤberall erſcheint es uns nicht allein fuͤr die Landwirthſchaft, ſondern auch fuͤr den gewerblichen und mercantiliſchen Verkehr als im hohen Grade wichtig und wohlthaͤtig, und nur diejenigen, welche eine ſo ſchwache Faſſungskraft haben, daß ſie den Gegenſtand nur beſchraͤnkt und in Beziehungen anſehen, wo ſeine Wohlthaͤtigkeit nicht klar hervor— treten kann, werden das Edelſchaf als der Bevoͤlkerung eines Landes in den Weg tretend betrachten koͤnnen. Daß ſich uͤbrigens ſeine Wichtigkeit und Wohlthaͤtigkeit nach den innern Verhaͤltniſſen eines Landes modificirt, das liegt in der Natur der Sache. Denn vergleichen wir z. B. England mit Deutſchland, ſo iſt bekannt, daß dort das Edelſchaf nicht den Gewinn traͤgt, wie hier, folglich auch auf die Bevoͤlkerung weniger wohl— thaͤtig einwirkt. Wir wiſſen freilich, daß England unter allen Laͤndern Europa's die meiſte edle Wolle verarbeitet, und inſofern muͤßte ihm auch das Edel— ſchaf mehr Segen bringen, wie irgend einem andern Lande, wenn es ſich nicht die Wolle von auswaͤrts wohlfeiler verſchaffen koͤnnte, als was ihm die Selbſt— erzeugung nach ſeinen Landbau- und Populations— Verhaͤltniſſen koſtet. Denn ſo zahlreich auch in jenem Lande die Schafhaltung iſt, ſo zieht man die andern Gattungen dem Edelſchafe vor, weil jene Sorten 222 liefern, die man nicht entbehren und vom Auslande nicht in der Qualitaͤt beziehen kann, wie man ſie ſelbſt erzeugt; weil dieſe Sorten ungemein ausgiebig ſind, und weil die Schafe, welche ſie tragen, auch ver⸗ mittelſt ihrer Koͤrpergroͤße dem dringenden Beduͤrfniſſe nach Fleiſch mehr genuͤgen, als das Edelſchaf.— Vergleicht man dann aber mit Deutſchland die oͤſtlichen und noͤrdlichen Laͤnder des europaͤiſchen Continents, ſo tritt bei dieſen die Nuͤtzlichkeit und Wohlthaͤtigkeit des Edelſchafes faſt noch mehr hervor. Hiermit kann ich dieſes Werkchen ſchließen, wel⸗— ches, fuͤr ſich allein betrachtet, als duͤrftig und mangel⸗ haft erſcheinen wuͤrde, in Verbindung mit allem Uebrigen aber, was ich bereits uͤber veredelte Schaf— zucht geſchrieben und verͤffentlicht habe, wohl mit Fug und Recht als der Schlußſtein eines Gebaͤudes betrachtet werden kann, welches ich mich in der Lehre vom Edelſchafe und ſeiner Zuͤchtung aufzufuͤhren bemuͤht habe. Daß das vorliegende Buch nicht fuͤr den Anfaͤnger in der edlen Schafzucht geſchrieben ſey, das brauche ich wohl nicht erſt zu erinnern. Nur der, welcher das Fach mit Liebe umfaßt und es zu einem Studium gemacht hat, wird es nicht ohne Befriedigung aus der Hand legen. ₰ —— Im Verlag der Unterzeichneten ſind von demſelben Verfaſſer erſchienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Meine Erfahrungen in der höhern Schafzucht. Zweite ſtark vermehrte Auflage. Preis 2 fl. 12 kr. oder 4 Rthlr. 8 gr. Dieſe neue Auflage iſt mit einer Menge von Zuſaͤtzen, neuer Erfahrungen, die Hr. Elsner ſeit der Erſcheinung der erſten Auflage zu machen Gelegenheit hatte, bereichert worden. Handbuch der veredelten Schaßzucht. gr. 8. Preis 2 fl. oder 1 Rthlr. 8 gr. Hand⸗ und Hülfsbuch fuͤr den kleinen Gutsbeſitzer und Landmann. gr. 8. Preis 2 fl. 30 kr. oder 1 Rthlr. 12 gr. Die deutſche Landwirthſchaft nach ihrem jetzigen Buſtande dargeſtellt. 2 Thle. gr. 8. 3 fl. oder 1 Rthlr. 20 gr. Dieſes Werk iſt die Frucht vieljaͤhriger Beobachtungen und freundſchaftlicher Mittheilungen der erſten Landwirthe unſerer Zeit, eine reiche Fundgrube. Die Politik der Landwirthſchaft. 2 Thle. gr. 8. Preis 4 fl. 30 kr. oder2 Rthlr. 18 gr. Wie ſoll der Landwirth bei der Erzeugung und Verwerthung ſeiner Producte ſpeculiren? Auf Erfahrung begruͤndete Rathſchlaͤge und Lehren fuͤr den Landwirth. 8. Preis 1 fl. 30 kr. oder 1 Rthlr. In dieſer Schrift legt der Verfaſſer ſeinen Schatz von Er⸗ fahrungen uͤber die Chancen und Conjuncturen im Werkchen mit landwirthſchaftlichen Producten nieder. Von welchem Nutzen das Buch fuͤr jeden Landwirth, ja ſelbſt auch fuͤr den Kaufmann ſeyn muß, welcher in laͤndlichen Erzeugniſſen Geſchaͤfte macht, iſt leicht abzunehmen, wenn man bedenkt, wie viel daran liegt und was es eintraͤgt, die Conjuncturen fuͤr die Verwerthung der Producte richtig zu beurtheilen und wahrzunehmen. Guter Rath beim An- und Verkauf von Landgütern. 8. in Umſchlag broſch. Preis 2 fl. oder 1 Rthlr. 4 gr. Mißgriffe bei Kauf und Verkauf von Guͤtern haben nur allzuoft ſchon großes Unheil geſtiftet und den Grund zum Unter⸗ gange ganzer Familien gelegt. Wie man ſolchen am ſicherſten entgehe, dazu gibt das hier angezeigte Werkchen Anleitung. Voͤllig aus dem Leben entlehnt und klar und erſchöͤpfend iſt der Gegenſtand gegeben. Sonach kann es wohl mit vollem Necht eine werthvolle und dankenswerthe Gabe des verdienten Ver⸗ faſſers genannt werden. Die Bildung des Landwirthes in der weiteſten Bedeutung. gr. 8. Preis 2 fl. 15 kr. oder 1 Rthlr. 8 gr. Mit dem hier angezeigten Buche glauben wir dem betreffen⸗ den Publicum um ſo mehr eine Freude zu machen, als es eine Luͤcke in der landwirthſchaftlichen Litteratur ausfuͤllt, die man zeither ſehr empfindlich gefuͤhlt hat. Sollten wir ein Urtheil daruͤber ausſprechen, ſo wuͤrden wir behaupten, daß dasſelbe unter dem vielen Guten, was deſſen Verfaſſer bereits geliefert hat, zu dem Vorzuͤglichſten gehdren duͤrfte. Das goldene Bließ oder die Erzeugung und der Verbrauch der Merinowolle, in ökonomiſcher, mercantiliſcher undſtatiſtiſcher Hinſicht. gr. 8. Preis 2 fl. 30 kr. oder 1 Rthlr. 12 gr. Dieſes Buch gibt eine uͤberſichtliche Darſtellung von der Wich⸗ tigkeit und dem Ertrage der Wollerzeugung aller europaͤiſchen Laͤn⸗ der, und hat daher ſowohl fuͤr den Cameraliſten als fuͤr den Kaufmann faſt eben ſo hohes Intereſſe, wie fuͤr den Landwirth. Gruͤndlicher Elementar-Anterricht in der rationellen Schaͤferei. 8. Preis 1 fl. 36 kr. oder 1 Rthlr. In dieſem neueſten Werkchen traͤgt der Verfaſſer die praktiſche rationelle Schafzucht mit einer Klarheit vor, wo ſie auch dem Laien verſtaͤndlich iſt, und es iſt wohl nicht zy viel geſagt, wenn man behauptet, daß ein ſo gruͤndlicher Elementar-Unterricht in dem betreffenden Fache kaum noch jemals gegeben ſeyn duͤrfte. Stuttgart und Tuͤbingen. J. G. Cotta'ſche Buchhandlung. ²α 11 LIILIEETLINIIRNREELEIIIIHANNEIII SAnRnmnüſt Colſour& Grey Control Chart Blue Cyan Green Vellow Hed Magenta White Grey 1 Grey 2— Grey 3 Grey 4 Black