1essen ——— ————ͥʒ—ę—ᷓᷓᷓʒᷓʒᷓʒᷓʒᷓʒÿʒÿ——:———— 1 3 2— 2 2. 4 4* 3 * 5 8 4. 1 5 5 .„— ₰————P——B————;———„ 8 4—-————— 5 3 . — ₰ — Ueber die Engliſche Pferdezucht und ihre Anwendbarkeit zur Veredelung des Pferdegeſchlechts beſonders in Deutſchland. 4 4 4 1 1 — 5 5 Bemerkungen Engliſche Pferdezucht Beziehung ihrer Grundſaͤtze auf die Veredelung des Pferdegeſchlechts im uͤbrigen Europa und beſonders in Deutſchland Roͤttger Grafen von Veltheim, Erbherrn auf Harbke, Aderſtedt, Groppendorf u. ſ. w., Erbkuͤchenmeiſter des Herzogthums Braunſchweig, des koͤniglich Preußiſchen Rothen Adler- und 855 * St. Johanniter-Ordens Ritter. Braunſchweig, be Friedrich Vieweg. 1820. — Sr. Koͤniglichen Majeſtaͤt Friedrich Wilhelm Koͤnige von Wuͤrtemberg, dem erhabenen Befoͤrderer einer edlen Landespferdezucht zum Wohle Seiner Unterthanen. allerunterthaͤnigſt der Verfaſſer. ————————— & 2—=——=— S=— —=———— e=== 85ͤ2 ͤ= ½ 4 —— Einleitung. Die nachfolgenden Bemerkungen uͤber die Pferdezucht in einigen Europaͤiſchen Laͤndern (vorzugsweiſe aber in England), waren auf einer Reiſe durch England und Frankreich, im Som⸗ mer 1818, geſammelt, und im darauf folgen⸗ den Winter, behuf einer Privat⸗Mittheilung an einen Bekannten in England(Herrn John Lawrence, Verfaſſer einiger der intereſſanteſten und geſchaͤtzteſten neuern Werke uͤber das Pfer⸗ defach), zuſammengetragen worden.— Dieſer Geſichtspunkt nun erforderte eine andere Art der Bearbeitung, als wenn dieſe Bemerkungen 8 fuͤr einen Deutſchen beſtimmt geweſen waͤren, indem manche, vorzugsweiſe nur fuͤr einen Eng— laͤnder intereſſante Oetails der dortigen Pferde— zucht beruͤhrt, und bei deren Vergleichung mit der anderer Laͤnder manches angefuͤhrt werden mußte, was fuͤr den Deutſchen Geſtuͤtsmann und Pferdefreund weder anziehend noch neu ſeyn kann. Aus dieſem Grunde fiel es mir damals, als ich dieſe Bemerkungen niederſchrieb, auch auf keine Weiſe ein, daß ſie ſich jemals(wenig— ſtens nicht in dieſer Geſtalt) zu einer Notiz fuͤr das Deutſche Publikum eignen koͤnnten.— Einige meiner Freunde, die ſich fuͤr die Pfer— dezucht intereſſiren, und denen ich dieſen Aufſatz mittheilte, ſind jedoch der Meinung, daß man— ches darin auch fuͤr den Deutſchen Pferdezuͤch ter oder Liebhaber nicht ohne Intereſſe ſeyn moͤchte. — —— . 8 9 Ihr vielleicht zu freundſchaftliches Urtheil iſt allein die Veranlaſſung zur Bekanntmachung dieſer Bemerkungen, und zwar ganz ſo, wie ſolche fuͤr Herrn Lawrence geſchrieben waren, da es mir jetzt an Muße zu deren Umarbeitung gebricht, und durch laͤngeren Aufſchub manches darin auch den Reiz der Neuheit, vielleicht den einzigen, verlieren wuͤrde. Unter dieſen Umſtaͤnden aber hielt ich es, um den Leſer in den Geſichtspunkt zu ſtellen, woraus ich beurtheilt zu ſeyn wuͤnſche, fuͤr noͤ— thig, nicht nur die obigen allgemeinen Bemer— kungen vorauszuſchicken, ſondern auch noch ei— nige, in den behandelten Gegenſtand ſelbſt ein— greifende, und zu deſſen Erlaͤuterung fuͤr das Deutſche Publikum mir noͤthig ſcheinende ſpe⸗ cielle Bemerkungen hinzuzufuͤgen. Vor allem ſcheint es mir, wenn anders ich unſere Deutſchen aͤlteren und neueren Pferde⸗ 10 ſchriftſteller richtig verſtanden habe, als ob ſolche ſaͤmmtlich(jedoch mit ausdruͤcklicher Aus⸗ nahme des Herrn Geſtuͤts-⸗Inſpektors Ammon zu Trackehnen, in ſeinem neuen ſchaͤtzbaren Werke uͤber die Zucht und Veredelung der Pferde u. ſ. w.) in der Meinung ſtehen, daß die Engliſche Wettlaͤufer-Race(Vollblut, Engl. Thorough-, or Racingbreed) die Grundlage der jetzigen, in verſchiedenen Abſtufungen und zu verſchiedenen Zwecken veredelten Engliſchen Pferdezuchten, durch eine fortgeſetzte Veredelung Engliſcher Landesſtuten mit Morgenlaͤndi⸗ ſchen Hengſten gebildet ſey!— Dieſe Vorſtellung iſt jedoch, wie dieſes aus dem in England ſeit 100 Jahren mit ſo großer Genauigkeit, unter oͤffentlicher Autoritaͤt und mit voͤlliger Publici⸗ taͤt gefuͤhrten Racing-Calendars, ſo wie aus Pick's Turfregister, und WrATHERBYS General Studbook unwiderleglich hervorgeht, durchaus ——y— irrig, und da die Engliſche Pferdezucht ſo haͤu— fig in anderen Laͤndern zum Muſter gedient hat, und noch dient(wie ſie denn dieſes, wenn es mit gehoͤriger Beruͤckſichtigung der verſchiede— nen Localitaͤten und Zwecke geſchieht, auch gewiß vor allen andern verdient), ſo halte ich fuͤr we— ſentlich noͤthig, dieſen Irrthum endlich einmal zur Sprache zu bringen, und vollſtaͤndig aufzuklaͤren. Man hat naͤmlich in England ſchon ſeit der Regierung Jakobs I. angefangen, Morgen— laͤndiſche Hengſte einzeln einzufuͤhren und zur Veredelung der Pferdezucht zu gebrauchen, je— doch eine geraume Zeit hindurch ohne erhebli⸗ chen Erfolg, und zwar dieſes wahrſcheinlich eben deshalb, weil man nur edle Hengſte hatte, und alſo keine Reinzucht edler Pferde bilden konnte, ſondern nur einen veredelten Halbſchlag, der, wie alle Halbſchlaͤge, immer bald wieder in die gemeine Landesrace ausartete. 1 2 Erſt unter Carl II., der leidenſchaftlicher Liebhaber des Pferderennens war, und dieſes zuerſt auf beſtimmte Grundſaͤtze zuruͤckſuͤhrte, ſcheint man die Nothwendigkeit einer edlen Rein⸗ zucht eingeſehen zu haben, indem dieſer Koͤnig ſeinen Geſtuͤtmeiſter, Sir John Fenwick, nach der Barbarei und Kleinaſien ſchickte, um nebſt einigen Morgenlaͤndiſchen Beſchaͤlern auch eine Anzahl dergleichen edler Stuten nach England zu bringen. Dieſe Abſicht muß ſehr gluͤcklich erreicht ſeyn, indem die von dieſem Manne mitgebrach⸗ ten Stuten, die noch jetzt in den Engliſchen Geſtuͤtbuͤchern unter der Benennung der koͤnig— lichen Stuten(royal mares) vorkommen, den Hauptſtamm der jetzigen Engliſchen Reinzucht der Wettrenner ausgemacht haben.— Nun will ich zwar keinesweges in Abrede ſtellen, daß nicht in den erſten 50 Jahren, wo die Wett— 13 rennen in England regelmaͤßig betrieben ſind, als etwa zwiſchen den Jahren 1670 und 1720, noch manches Pferd vorgekommen ſeyn mag, welches nicht von ganz unvermiſchtem Morgenlaͤndiſchen Blute abſtammte, vielmehr moͤchte dieſes aus der Natur der Sache wohl zu vermuthen ſeyn. Von 1720 ſpaͤteſtens an kann man ſich aber aus den in England vorhandenen voll— kommen glaubhaften Nachrichten uͤberzeugen, daß damals, und hoͤchſt wahrſcheinlich ſchon fruͤher, in der Regel auf den Rennplaͤtzen kein Pferd, deſſen rein orientaliſche Abkunft nicht erwieſen werden konnte, mehr erſchienen iſt; und zwar dieſes nicht aus leerer Modeſucht oder Eitelkeit, ſondern weil die Erfahrung hinlaͤnglich bewaͤhrt hatte, daß von einem Pferde, welches eine, wenn auch nur geringe Beimiſchung noͤrdlichen Blutes enthielt, dort kein Gewinn mehr zu er⸗ warten ſey. 14 Als Verſuch und ausnahmsweiſe ſind jedoch einzeln auch noch ſpaͤterhin wohl Pferde, von denen es zwar immer nicht eigentlich erwieſen, aber doch hoͤchſt wahrſcheinlich iſt, daß ſie nicht ganz Vollblut waren, auf den Rennplaͤtzen er⸗ ſchienen.— Davon, daß dieſes mit Erſolg geſchehen waͤre, ſind jedoch(d. h. der allge— meinen Meinung in England zufolge, denn ganz entſchieden iſt es auch nicht, daß dieſe Pferde nicht Vollblut waren, vielmehr beſagt das Turfregister und Studbook ausdruͤcklich, daß auch ſie es geweſen ſeyen) nur 3 Beiſpiele bekannt, als 1) Herrn Robinſons Sampson, ein ſchwar⸗ zer Hengſt, gezogen im Jahr 1745, der ſich in den 1750er Jahren als Renner auszeichnete; und obſchon er nur einen ſehr geringen Antheil noͤrd— lichen Blutes haben konnte, von ſo e. 3) 15 auffallender Groͤße und Staͤrke war, daß, als er zuerſt in Newmarket er⸗ ſchien, alle Jockies daruͤber lachten, daß Herr Robinſon ein Kutſchpferd rennen laſſen wollte.— Die Dimenſionen, und umſtaͤndlicheren Nachrichten uͤber dieſes merkwuͤrdige Pferd und ſeine Nachkommenſchaft ſind in Herrn Jonx LAawRENCE'S History of the Race-hor- se, Seite 110 und 227 zu finden. Engineer, des vorigen Sohn, ein dun⸗ kelbrauner Hengſt, gezogen im Jahre 1755, der in den 1760er Jahren als ein guter Renner bekannt war, und endlich deſſen Sohn Mambrino, ein Schimmel⸗ hengſt, gefallen 1768, der in den 1770er Jahren bluͤhete. Die guten Eigenſchaften dieſer drei Hengſte 16 hatten, in Verbindung mit ihrem ſtarken und —⸗—'--—-———.·———jf kraͤftigen Bau, eine Zeit hindurch ſogar Vor⸗ Hr. Lawrence ſagt in ſeinem angefuͤhrten Werke, wie er ſich wohl erinnere, daß zu jener Zeit eine Miſchung mit Abkoͤmmlingen des Samp⸗ ſon(a croſs of Sampson blood) eine Em⸗ pfehlung geweſen ſey, und man Engineer Stu⸗ ten zur Zucht vorzugsweiſe geſucht habe. Bald aber uͤberzeugte man ſich, daß dieſe Race ſich b arten) mit jeder Generation ſchlechter, und zum Wettrennen unbrauchbarer ward, weshalb liebe fuͤr ihre Nachkommenſchaft erweckt, und/ nicht conſtant erhielt, und(wie alle Baſtard— man eilte, ſolche in Vollblutgeſtuͤten auszurot— ten, und noch jetzt iſt das impure and un— 4 fashionable blood of Sampson unter den Pferdezuͤchtern der Wettrenn⸗Race verhaßt, und man vermeidet gern, ſolche Pferde zur Zucht anzuwenden, worin nur die entfernteſte Mi⸗ 17 ſchung davon nachgewieſen werden kann.— Wenn man alſo nach dieſem allen die Engliſche Wettrenn⸗Race als eine nach Eng⸗ land verpflanzte, durch Clima und Fuͤtterung allerdings vergroͤßerte, ſo wie durch die Aus⸗ wahl der ſchnellſten Individuen(faſt ohne alle ſonſtige Ruͤckſicht) fuͤr dieſen Zweck verbeſ⸗ ſerte(fuͤr manche andere Zwecke aber verſchlech⸗ terte) Morgenlaͤndiſche Reinzucht betrachten muß, da die angefuͤhrten einzelnen Beiſpiele von Miſchung mit noͤrdlichem(alt Engliſchem) Blute darin als Ausnahme von der allgemei⸗ nen Regel nichts veraͤndern koͤnnen, ſo muß man jedoch darum nicht annehmen, daß dieſe nun ſeit mehr als 100 Jahren in ſich conſo⸗ lidirte Race nur allein aus Arabien ab⸗ ſtamme. Die Raeing-Calendars, das Turfregi- ster und Studbook beweiſen vielmehr, daß 2 18 dieſe Race aus Arabern, Barben, Egyptern, Perſern und Aſiatiſchen Tuͤrken zuſammengeſetzt iſt, obſchon auch dieſes nicht allemal buchſtaͤb— lich zu verſtehen ſeyn moͤchte, da in fruͤhern Zeiten(wo man den Orient und deſſen Pferde⸗ zuchten weniger genau kannte, als jetzt) man gewoͤhnlich ein Pferd nach dem Lande zu nen— nen pflegte, von wo es zunaͤchſt nach Europa gekommen war.— Beſonders wurden Tuͤr⸗ kiſche Beutepferde(wie z. B. der beruͤhmte Byerley Turk, der bei dem Entſatz von Wien 1683 erbeutet war) immer ſchlechthin Tuͤrken genannt, obſchon ſie hoͤchſt wahrſchein⸗ lich zum Theil die edelſten Araber waren.— Von dem beruͤhmten Godolphin Araber iſt es dagegen hoͤchſt wahrſcheinlich, daß er kein Ara⸗ ber, ſondern eher ein Barbe war, wie das zu Gog⸗Magog⸗Park befindliche Bild deſſelben von Seymour nicht nur vermuthen laͤßt, ſon⸗ — ——— X 19 dern Hr. J. Lawrence es auch noch mit meh⸗ reren Gruͤnden unterſtuͤtzt hat.— Uebrigens ſcheint es mir auch(beſonders wenn der Erfolg die Mittel in dem Maaße gerechtfertigt hat, wie in England) von keiner großen Erheblich⸗ keit zu ſeyn, ob das Engliſche Vollblutpferd eben allein von wirklichen Arabern abſtammt, in ſofern nur, wie ich oben nachgewieſen habe, lauter edles Morgenlaͤndiſches, nicht mit noͤrd— lichem vermiſchtes Blut ſein Erbtheil iſt, und kann man daſſelbe darum, weil es aus mehre⸗ ren, aber immer ſuͤdlichen edlen Staͤmmen zu⸗ ſammengeſetzt iſt, meiner Anſicht nach nicht fuͤr eine eigentliche Baſtardrace halten.— Be⸗ kanntlich naͤmlich brachte Nordafrika, Egypten, Nubien, Arabien, die Aſiatiſche Tuͤrkei und Perſien, faſt ohne Ausnahme, ſchon zu den Zeiten der Griechen und Roͤmer edle und ge⸗ ſchaͤtzte Pferde hervor. Durch die Eroberungen 4 2 20 der Araber aber unter den erſten Chalifen, die ſich uͤber alle dieſe Laͤnder erſtreckte, verbreitete ſich auch die eigentlich Arabiſche Zucht daſelbſt uͤberall, ward vorzugsweiſe geſchaͤtzt und zu noch hoͤherer Veredelung der ſchon an ſich ed— len Landesracen angewendet. Hierdurch ſind alſo dieſe, ſchon durch glei— ches Clima, Boden und Behandlung ſich ſehr aͤhnlichen Racen, in ein noch naͤheres verwandt— ſchaftliches Verhaͤltniß gebracht, und ihre Ver⸗ miſchung in England vereinigte daher nur meh⸗ rere ſich ſehr aͤhnliche und mehr oder weniger verwandte Staͤmme einer und derſelben Haupt⸗ race, nach gewiſſen conſequenten Grundſaͤtzen, wiederum mit einander.— Ueber die Frage, warum ſeit dem Godolphin Araber kein Orien— taliſches Pferd in England mehr etwas aus⸗ gezeichnetes hervorgebracht hat, ſind die Mei— nungen in England ſehr getheilt. ——QOę‿⸗ü——— — 21 —— Ich kann unmoͤglich der Anſicht Mancher beitreten, daß die Orientaliſchen Racen ſelbſt ſchlechter geworden waͤren, da mir dieſes mit dem ganzen Weſen des Orients im vollkom— menſten Widerſpruch zu ſtehen ſcheint.— Der Orientale und insbeſondere der Bewohner der Wuͤſten(der doch die edelſten Pferde beſitzt), lebt noch grade eben ſo, wie vor 3000 Jah⸗ ren; ſeine Behandlung und die Zwecke, welche er mit ſeinen Pferden verfolgt, ſind ganz dieſelben, wie damals. Beſonders kommen jedoch hiebei noch zwei Dinge in Betrachtung, ¹) daß der Araber ſeine edlen Pferde nie⸗ mals mit fremden unedlen Pferden ver⸗ miſcht, ſondern ſeine Zucht mit aͤngſtli⸗ cher Sorgfalt rein erhaͤlt, und 2) dieſelbe niemals durch ſolche Arten des Gebrauchs entweihet, die dem urſpruͤng⸗ ————— ͤͤͤͤqéquouoef„.fßf 22 lichen Zwecke des edlen Pferdes(das von der Natur gleichſam nur zum leichten Reitdienſt erſchaffen ſcheint) widerſtreben, und daher in Europa allerdings haͤufig directe und indirecte Veranlaſſungen zu ſeiner Ausartung geworden und noch ſind, als z. B. die Anwendung zum Tragen, insbeſondere aber zum Ziehen ſchwerer La⸗ ſten u. ſ. m. Woher ſollte alſo, nach al— len dieſen angefuͤhrten Umſtaͤnden, eine Ausartung des edlen Morgenlaͤndiſchen Pferdes in ſeinem Vaterlande und zwar grade erſt ſeit etwa 80 Jahren, wol ver⸗ nuͤnftiger Weiſe denkbar ſeyn?— Die zweite Meinung, die man in Eng— land daruͤber hat, daß, da naͤmlich im Orient ausgezeichnete Pferde ſelbſt ſelten, und daher ſchwer zu haben ſeyen, es ſeit der Acquiſition des Darley und Godolphin Arabers Niemand —— t * 23 wieder gelungen ſey, ſo ausgezeichnete Pferde daher nach England zu bringen, ließe ſich, glaube ich, eher verfechten.— Ja wir haben auch in Deutſchland das Beiſpiel, daß ſeit dem Araber Turc⸗main⸗atti, welcher 1791, als ein Geſchenk des Fuͤrſten Kaunitz zu Wien an den damaligen koͤnigl. Preuß. Oberſtallmeiſter Gra⸗ fen Lindenau, als Beſchaͤler in das koͤnigl. Preuß. Friedrich Wilhelms Geſtuͤt bei Neuſtadt a. d. Doſſe kam, wir keinen ſo ausgezeichneten Ara⸗ ber weder in Ruͤckſicht der eignen Geſtalt, noch der Nachkommenſchaft, bis jetzt geſehen haben). *) Ich kann hiebei einen Gedanken nicht unter⸗ druͤcken, der mit einer Ausfuͤhrung, die ich mir am Schluſſe dieſer Bemerkungen vorbehalte, in einiger Verbindung ſteht, jedoch uͤbrigens, ſeiner Natur nach, nur Vermuthung ſeyn und bleiben kann.— Naͤmlich, ob ſowohl der Go⸗ dolphin als der Turk⸗main⸗-atti nicht vielleicht Nubier, aus der Gegend von Dongola, gewe⸗ ſen ſeyn koͤnnten? Beider Pferde eigentlicher 24 Dennoch kann ich mich kaum uͤberzeugen, da in den letzten 30 Jahren England in weit genauerer Verbindung mit dem Orient geſtanden hat, und daher verhaͤltnißmaͤßig weit mehr Orientaliſche Pferde eingefuͤhrt ſind, als fruͤherhin der Fall ſeyn konnte, daß dieſe jenen beiden Coryphaͤen der Engliſchen edlen Pferde⸗ zucht alle ſo ganz unaͤhnlich geweſen ſeyn ſoll— Urſprung iſt unbekannt, beide haben das Schick⸗ ſal gehabt, fruͤher verkannt zu ſeyn(der Go— dolphin zog einen Karren in den Straßen von Paris, bevor er in England zu ſo hohen Ehren gelangte; und der Turk⸗main-atti war Poſt⸗ klepper auf der Straße zwiſchen Egypten und Syrien, bevor ihn ein Agent des Fuͤrſten Kau⸗ nitz fuͤr etwas Ausgezeichnetes erkannte, und nach Europa ſchickte). Beide Hengſte waren hochedel, dabei aber auffallend groͤßer und ſtaͤr⸗ ker, als Araber oder Barben in der Regel ſind, und beide erzeugten eine große, ſtarke, zu⸗ gleich aber hoͤchſt edle und in jeder Hinſicht aus— gezeichnete Nachkommenſchaft.— —y— 29 ten. Vielmehr muß ich hier wiederum auf den— ſelben Satz zuruͤckkommen, den ich in dem nach— folgenden Aufſatze, hinſichtlich der Engliſchen Vollblutpferde, weiter ausgefuͤhrt habe, naͤm— lich daß eben ſo, wie ich glaube, daß man in England jetzt keinen Flying Childers oder Eclipſe mehr erzieht, der Grund, warum die Soͤhne neuerer Araber nicht mehr leiſten, was die Soͤhne des Darley und Godolphin Arabers leiſteten, vorzuͤglich darin liegt, daß man die jungen Rennpferde ſeit etwa 30 Jahren nicht mehr wie damals 4 bis 5 Jahre alt werden laͤßt, bevor ſie die Rennbahn betreten, ſondern daß man ſie bereits mit 2 und 3 Jahren, be⸗ vor ſie ihre Vollkommenheit erreicht haben, durch uͤbertriebene Anſtrengungen verdirbt, ſo ſehr man ſich auch bemuͤht, ſie durch uͤbertriebene Fuͤtte⸗ rung fruͤh reif zu machen. Angenommen aber, ſelbſt dieſe Treibhaus⸗ 26 erziehung ſey auch dem nun ſchon ſeit vielen Generationen in England einheimiſchen und eben ſo erzogenen Vollblutpferde nicht ſehr nachthei— lig(was mir jedoch nicht einleuchten will), ſo laͤßt ſich noch viel weniger denken, daß ſie der unmittelbaren Nachkommenſchaft des in ſeinem Vaterlande ganz anders erzogenen Arabers eben⸗ falls unſchaͤdlich ſeyn ſollte, zumal in allen andern Laͤndern die Erfahrung gegeben hat, daß die Abkoͤmmlinge edler Morgenlaͤndiſcher Racen ſtets zu ihrer Ausbildung mehr Zeit gebrauchen, als die der mehr oder weniger gemeinen noͤrd— lichen, dagegen aber auch viel laͤnger leben und brauchbar bleiben, als dieſe.— Sollte es da⸗ her nicht ziemlich natuͤrlich ſeyn, daß ein Sohn eines Arabers in England, der mit 2 oder 2 ½ Jahre laufen ſoll, nicht nur kein Childers (der erſt mit 5 Jahren den Rennplatz betrat) werden, ſondern auch nicht einmal einem ge— 27 woͤhnlichen Engliſchen Vollblutpferde von glei— chem Alter gleich kommen kann, mit 5 Jahren aber bereits mehr oder weniger zu Grunde ge— richtet ſeyn wird.— Bevor ich dieſe Einleitung beſchließe, er⸗ laube man mir noch aus dem darin und in dem nachfolgenden Aufſatze Geſagten, eine kleine Nutzanwendung fuͤr andere Laͤnder und beſon— ders Deutſchland machen zu duͤrfen. In England hat das Wettrennen, welches aufangs wohl durch eigentliche Pferdeliebhaberei entſtanden, ſpaͤterhin aber in ein bloßes Ha— zardſpiel uͤbergegangen iſt, und daher jetzt an und fuͤr ſich weder als eine nuͤtzliche, noch ſonſt achtungswerthe Anſtalt betrachtet werden kann, dennoch mittelbar fuͤr die Engliſche Pferdezucht den allergroͤßeſten Nutzen gehabt, 28 und iſt dieſelbe unleugbar nur dadurch zu der Stufe der Vollkommenheit, worin ſie jetzt dem uͤbrigen Europa vorleuchtet, gehoben worden.— Ohne die Liebhaberei des Wettrennens, welche ſich nur mit einem fortwaͤhrend rein erhaltenen Pferdeſtamm Orientaliſcher Abkunft befriedigen laͤßt, wuͤrde man ſicher niemals Gelegenheit ge— habt haben, durch eine hinreichende Anzahl ganz edler Beſchaͤler den Landesracen(verſteht ſich mit Ausnahme des ſchwarzen Karrenpfer⸗ des, deſſen Zwecke dieſe Maßregel ganz zuwider geweſen ſeyn wuͤrde) den zu ihren verſchiedenen Zwecken erforderlichen Antheil edlen Blutes mit— zutheilen, und da ſolcher, wie bei allen gemiſch— ten Racen, ſich allmaͤlig verloren haben wuͤrde, darin von Zeit zu Zeit zu erfriſchen. Da es uͤbrigens in dem Europaͤiſchen Con— tinent, und namentlich in Deutſchland, aus Gruͤnden, die in dem Charakter der verſchiede⸗ ——/O..·———Q—Q—QOꝭQꝭQOOO——Q——˖—öäe 29 nen deſſen Laͤnder bewohnenden Voͤlker liegen, wol nicht zu vermuthen, und aus andern Ruͤck⸗ ſichten auch kaum zu wuͤnſchen ſeyn duͤrfte, daß das Wettrennſpiel darin, ſo wie in England, ſich ausbildete, ſo iſt es(wenn anders der wuͤnſchenswerthe Zweck, das nuͤtzliche Pferde⸗ geſchlecht darin allmaͤhlig in ſeinen verſchiedenen Abſtufungen, wie in England, zu vervollkomm— nen, und ſich dadurch von dieſem Lande, und demnaͤchſt auch, wie jenes ſchon gethan, vom Oriente ſelbſt, unabhaͤngig zu machen, erreicht werden ſoll) durchaus noͤthig, dieſe Abſicht auf einem andern Wege zu erreichen. Dieſer einzige Weg ſcheint mir nun der, daß die verſchiedenen Landesregierungen, nach Verhaͤltniß des Umfangs ihrer Laͤnder, groͤßere oder kleinere Geſtuͤte von unvermiſchter(d. h. vaͤterlicher und muͤtterlicher Seite) Orientali— ſcher Abkunft anlegen, und ſtets als ſolche 30— rein erhalten, um in dieſen Pflanzſchulen die dns r erforderliche Anzahl von Landbeſchaͤlern zu er— rimi ziehen, durch welche den Landesſchlaͤgen(ſo wie— runi in England durch die Wettrennhengſte) der zu nt den verſchiedenen Zwecken des buͤrgerlichen und m militaͤriſchen Gebrauchs noͤthige Antheil edlen ä Blutes jederzeit mitgetheilt und darin erhalten V rich werden kann. V vi- Allerdings waren ſolche edle Pflanzſchulen V). ſchon laͤnger oder kuͤrzer, namentlich in verſchiede⸗ V nen Theilen Deutſchlands, vorhanden, die, wenn V auch urſpruͤnglich nicht von ganz reinem Orientali⸗ ſchen Stamme, doch ſich dieſem ſehr naͤherten, und worin man ſich fortwaͤhrend bemuͤhete, alle In—) dividuen, deren Urſprung nicht ganz rein war, V allmaͤhlig aus dem Geſtuͤte wegzuſchaffen, und. ſo jenen Zweck, wie in England, wenn nicht V auf einmal, doch nach und nach zu erreichen; leider)) ſind jedoch theils manche dieſer ſchaͤtzbaren Anſtalten 4. 31 durch unguͤnſtige politiſche Verhaͤltniſſe bereits wieder eingegangen, theils hat man in deren Adminiſtration nicht immer den eigentlichen Zweck(d. h. beſonders die Reinerhaltung der Racen von noͤrdlichem Blute) conſequent ver⸗ folgt, und ſolchen daher auch nur ſelten er— reicht.— Als Geſtuͤte im obigen Sinne ſind mir in Deutſchland nur allein bekannt: 1) Das ehemalige Herzogliche Pfalz⸗Zweibruͤcki⸗ ſche, welches aber fuͤr Deutſchland laͤngſt ganz verloren iſt, und deſſen ſchwache Ue— berreſte jetzt in Roziére in Lothringen ſtehen. 2) Das ehemalige Markgraͤfliche Anſpachiſche, welches ebenfalls nicht mehr exiſtirt, und ſchon lange mit den uͤbrigen Koͤnigl. Preu⸗ ßiſchen Geſtuͤten vereinigt iſt. 3) Das Koͤnigl. Preuß. Fr. Wilhelms Geſtuͤt bei Neuſtadt a. d. Doſſe in der Churmark. 32 4) Das Koͤnigl. Pr. Reitgeſtuͤt zu Trackeh⸗ 5) nen in Litthauen. Das Kaiſerl. Oeſtreichiſche zu Koptſchan in Ungarn(aber hart an der Deutſchen Grenze), welches jedoch erſt vor wenig Jahren durch den Eifer des K. K. Ober⸗ ſtallmeiſters, Fuͤrſten Trautmannsdorff, an⸗ gelegt worden und folglich noch im Ent— ſtehen iſt. 6) Endlich das Koͤnigl. Wuͤrtembergiſche, wel⸗ ches durch des jetzigen Koͤnigs Majeſtaͤt, noch vor deſſen Thronbeſteigung, zuerſt in Scharrnhauſen unweit Stuttgart ange⸗ legt, und jetzt mit den ruͤhmlichſten An⸗ ſtrengungen, zum Beſten des Landes, im Großen vervollkommnet wird, alſo auch noch eigentlich im Entſtehen begriffen iſt. Die rein Orientaliſchen Geſtuͤte des Gra⸗ fen Hunyady zu Keſſy im Neutraer Comitate m 33 in Ungarn, und des Grafen Wenceslaus Rze⸗ wusky unweit Kaminiez in Podolien, zaͤhle ich nicht hieher, da ſie theils nicht in Deutſchland liegen, theils als Privatanſtalten nicht, wie jene, zu eigentlichen Pflanzſchulen von Landbe⸗ ſchaͤlern dienen koͤnnen. So vielen Nutzen nun die oben erwaͤhnten ganz edlen Geſtuͤte fuͤr Deutſchland ſchon gehabt haben, und hoffent⸗ lich bei einem langen Frieden noch weit mehr haben werden, ſo waͤre es doch ſehr zu wuͤn— ſchen, daß man dieſen loͤblichen Zweck noch in mehreren Deutſchen Laͤndern erkennte und ver⸗ folgte, wo man bisher vorzugsweiſe nur die Abſicht zu haben ſcheint, eine Anzahl brauch⸗ barer Reit- und Wagenpferde fuͤr die landes⸗ herrlichen Marſtaͤlle zu erziehen, die man in der Regel wohlfeiler ankaufen, als aufziehen wird*), *) Und zwar dieſes um ſo mehr, als durch zweck⸗ 3 34 und wovon den betreffenden Laͤndern gewoͤhn⸗ lich nur ein mit den Koſten nicht im Ver⸗ haͤltniß ſtehender, unbedeutender und voruͤberge⸗ hender Vortheil erwaͤchſt; daher ich mir die Ruͤckſicht auf den Marſtall hoͤchſtens als Ne— ben⸗ aber nicht als Hauptzweck landesherrli⸗ cher Pferdezuchten denken kann. Uebrigens muß ich hierbei ausdruͤcklich be⸗ merken, wie es keinesweges meine Meinung iſt, daß in den Landgeſtuͤten nur allein ganz edle Beſchaͤler aufgeſtallt werden ſollen, welches ich vielmehr als zweckwidrig tadeln muͤßte, und ſo⸗ gar der Meinung bin, daß man bisher hierin in Deutſchland, in der Regel, zu einſeitig ver⸗ fahren, und daher den uns ebenfalls unentbehr⸗ lichen Stamm ſtarker Arbeitspferde unverhaͤlt nißmaͤßig vermindert hat. gemaͤße Landgeſtuͤtseinrichtungen die Landes⸗ pferde noch allgemeiner veredelt ſeyn werden. —O—OCC—CC—C—C—O—,—,—Q——QO.C.—LQC—C—L—DQBõ——— 35 Auch hierin wuͤrde ich England ganz zum Muſter vorſchlagen, welches, waͤhrend es Orien— taliſche Pferde zur Veredelung ſeiner verſchie— denen Reit⸗ und leichten Wagenſchlaͤge anwen— dete, zugleich die ſchwerſten und gemeinſten Niederlaͤndiſchen Pferde zur Vervollkommnung ſeiner Arbeitspferde gebrauchte. In jedem Lande, worin ſich Gegenden finden, wo noch ein großer ſchwerer Schlag Stuten vorhanden iſt, und ein fetter feuchter Boden die Aufzucht ſchwerer Arbeitspferde be⸗ guͤnſtigt, ſollte ebenfalls eine Anzahl der groͤ— ßeſten und ſtaͤrkſten Niederlaͤndiſchen oder Eng— liſchen ſchwarzen Karrenhengſte*) als Landbe⸗ *†) Hiergegen duͤrfte man mir einwenden, daß die ſchwarze Karrenrace in England ſelbſt zum Ackerbau zu ſchwer und zu langſam gefunden wird, und man zu dieſem Zwecke die Clydes⸗ daler, Clevelaͤnder und Suffolker Pferde dort weit vorzieht. Dieſes gebe ich auch gern zu, 3 22 36 ſchaͤler gehalten werden, um in dieſen Gegenden den beſtmoͤglichſten und ſtaͤrkſten Arbeitsſchlag zu erzielen, ſo wie dagegen die edlen Beſchaͤler nur da aufgeſtallt werden muͤſſen, wo ein an⸗ gemeſſener Schlag Stuten und ein leichter und trockner Boden die Erziehung mehr oder weni⸗ aber ich bin der Meinung, daß, mit wenigen Ausnahmen, die einſt ſtaͤrkſten Schlaͤge unſe— rer Deutſchen Arbeitspferde(z. B. ſelbſt die Hollſteiner) jetzt ſo duͤnnknochig geworden, daß die ſtarkknochigſten Beſchaͤler noͤthig ſind, um ihnen das zu ihrem Zwecke eigentlich er⸗ forderliche Fundament wieder zu geben, und daher durch die Miſchung mit den angefuͤhrten Hengſten, verſteht ſich da, wo die uͤbrigen Hauptbedingungen, d. h. die Beſchaſſenheit des Bodens, der angemeſſene Landesſtutenſchlag u. ſ. w. vorhanden ſind, hoͤchſt wahrſcheinlich ein eben ſo zweckmaͤßiger Schlag Arbeitspferde ge⸗ bildet werden wuͤrde, als z. B. in Großbritan⸗ nien die Clydesdaler ſind, die bekanntlich eben⸗ falls von ſchweren Flandriſchen Hengſten und Suͤdſchottiſchen Landesſtuten abſtammen. ———— — o— 9 37 ger edler Reit- und Wagenpferde beguͤnſtigt. Um auch einen Stamm der ſchweren Pferde im Lande zu erhalten, bis ſich ſolcher bei dem Landmanne der dazu paſſenden Gegenden hin⸗ reichend conſolidirt haͤtte, muͤßten allenfalls den darin belegenen landesherrlichen Domainen jeder einige dergleichen ſchwerer Stuten zugetheilt und zur Pflicht gemacht werden, ſolche zur Zucht dieſer Race anzuwenden.— Wie nuͤtzlich fuͤr den Landmann, unter guͤnſtigen Localumſtaͤnden, die Haltung ſolcher ſchweren Hengſte ſeyn wuͤrde, hat das Koͤnigl. Hannoveriſche Land⸗ geſtuͤt zu Zelle bewieſen, wo ſtets unter vielen mehr oder weniger veredelten Beſchaͤlern, auch eine Anzahl ſchwerer, meiſt ſchwarzer Hengſte ſich befanden, durch welche der ſtarke und hoͤchſt brauchbare, unter dem Namen Heidhengſte bekannte Schlag Arbeitspferde, die alljaͤhrlich in bedeutender Anzahl auf dem großen Markte 7 4 3 F 5 e — 38 zu Uelzen verkauft werden, verbeſſert und er⸗ halten worden, und wodurch viel Geld nicht nur in dem Hannoveriſchen Lande geblieben, ſondern ſogar in daſſelbe gelangt iſt, und noch gelangt. Zum Beſchluß dieſer Bemerkungen kann ich nicht umhin, noch einen frommen Wunſch laut werden zu laſſen, den ich bis jetzt nir— gends oͤffentlich ausgeſprochen gefunden habe, und deſſen Ausfuͤhrbarkeit, wenn auch vielleicht ſchwierig, doch gewiß nichts weniger als unmoͤg⸗ lich, in jedem Fall aber ſehr nuͤtzlich ſeyn muͤßte. Bekanntlich iſt die allgemeine Klage, welche man in Europa uͤber Orientaliſche Pferde und deren rein erhaltene Abkoͤmmlinge fuͤhrt, und die, da ſie an ſich nicht ganz unbegruͤndet iſt, wohl hauptſaͤchlich noch an vielen Orten der Er— richtung ſolcher Reinzuchten im Wege geſtanden haben mag, und noch ſtehen koͤnnte, die:„daß dieſe Pferde mehr oder weniger zu den verſchie⸗ 39 denen Gebrauchszwecken in Europa zu klein und zu fein, und daher nicht unmittelbar, ſon— dern nur mittelbar durch zweckgemaͤße Miſchun⸗ gen mit den Landesracen dazu anwendbar ſeyen.“ Zwar beweiſt die Zucht der Engliſchen Vollblutpferde, daß dieſer Vorwurf nicht all⸗ gemein ſey, da man unter denſelben ſehr große und ſtarke Pferde findet; dennoch aber muß man einraͤumen, daß dieſe auch dort, ſelbſt unter den guͤnſtigſten Umſtaͤnden, nur die Minderzahl ausmachen, und daher große und ſtarke Vollblutpferde ſtets ſehr hoch gehalten und theuer bezahlt werden, wo hingegen all— jaͤhrlich in ſolchen Geſtuͤten eine bedeutende An— zahl zu kleiner, feiner und mithin unbrauchba⸗ rer Pferde ausgemuſtert werden muß.— Die⸗ ſes Mißverhaͤltniß ſcheint ſich auch in den Ge— ſtuͤten dieſer Race auf dem Continent noch nach— theiliger zu aͤußern, und der großen und ſtar⸗ 4⁰ ken Pferde darin noch wenigere als in Eng⸗ land zu fallen. Dieſem Uebelſtande nun abzuhelfen, gaͤbe es, glaube ich, nur ein Radicalmittel, und zwar, daß man ſuchte, ſtatt Arabiſcher oder Barbiſcher Zuchtpferde, ſich dergleichen aus Nu⸗ bien, und zwar aus der Gegend von Dongola, zu verſchaffen. Hr. Bruce hat zuerſt in ſeiner zwar oft angefochtenen, in neuern Zeiten aber durch Lord Valentia und Salt in den Hauptſachen be— wahrheiteten Reiſe zur Entdeckung der Nil⸗ quellen, auf dieſe Race aufmerkſam gemacht, und beſchreibt ſolche als eine in ihren Formen und Eigenſchaften der Arabiſchen(mit der ſie auch gleichen Urſprungs iſt) vollkommen aͤhnli⸗ che Race, die ſich nur dadurch zu ihrem Vor⸗ theil von jener unterſcheidet, daß ſie um ein Bedeutendes groͤßer und ſtaͤrker iſt. Bruce 41 ſagt, es falle um Dongola ſelten ein Pferd un— ter 16 Hand Engliſch(das hoͤchſte Maaß fuͤr Reit- und leichteren Wagenſchlag ſelbſt in Eng⸗ land), und dabei trugen dieſe Pferde mit Leich⸗ tigkeit die ſtarken, ſchwerbewaffneten und ganz geharniſchten ſchwarzen Nubiſchen Reiter.— Was jedoch noch weit mehr Werth haben duͤrf⸗ te als Bruce's Zeugniß, iſt die Aeuße— rung des als Feldherr und als Pferdekenner gleich beruͤhmten Kaiſerlich Ruſſiſchen Gene— rals, Grafen von Bennigſen, in ſeinem Werke uͤber die leichte Reiterei.— Dieſer bemerkt naͤmlich darin ausdruͤcklich, daß, obſchon er in ſeinem Leben vielfaͤltig Gelegenheit gehabt habe, die ſchoͤnſten Orientaliſchen Pferde aller Gat— tungen zu ſehen, dennoch zwei Nubiſche Hengſte aus Dongola, welche der letzte Chan der Crimm, Sahin Gheray, uͤber Egypten erhalten habe, die vollkommenſten Pferde geweſen ſeyen, welche —ʒy:··,.———— —yõy— 3—— 42 er jemals irgendwo geſehen, und daß ſolche mit Bruce's Beſchreibung vollkommen uͤbereinſtimm⸗ ten! Wenn nun dieſemnach kaum ein Zweifel an der Vortrefflichkeit der Nubiſchen Pferde bleibt, ſo fraͤgt ſich nur, ob und wie ſolche zu erlangen ſeyn wuͤrden. Daß es an ſich nicht unmöͤglich iſt, ſich dieſe Pferde zu verſchaffen, geht ſchon daraus hervor, daß der Erimmiſche Chan ſie ſich zu verſchaffen gewußt hat, auch wiſſen wir, daß dergleichen mitunter bei Gelegenheit der großen Sklavencarawanen, welche gewoͤhnlich alle zwei Jahre von Dongola nach Cairo kommen, dahin gebracht, und zu drei⸗ bis vierfach hoͤheren Preiſen, als die beſten Arabiſchen Pferde, von reichen Pferdeliebhabern, beſonders den Mammeluckiſchen Bey's, bezahlt ſind. (Siehe Miscellen aus der neueſten auslaͤndi⸗ ——OQO.=·———C———— ſit 43 ſchen Litteratur 1817. iſtes Hft.) Nur ſoll die Hauptſchwierigkeit und der Grund, warum dieſe geſchaͤtzten Pferde ſo ſelten ſelbſt nach Egypten kommen, darin liegen, daß ſie zwi⸗ ſchen Dongola und Syene(Aſſuan), der Grenz⸗ ſtadt von Oberegypten, die große Nubiſche Wuͤſte paſſiren muͤſſen, worin die Pferde theils mitunter aus Mangel an Waſſer umkommen, theils auch die Carawanen den Angriffen einiger beſonders raͤuberiſchen und boͤsarti— gen Beduinenſtaͤmme(der Biſcharin und Ababdé Araber) ausgeſetzt ſind.— Auch war fruͤherhin, wo Dongola von der rohen und gegen Fremde aͤußerſt mißtrauiſchen Regierung von Sennaar abhaͤngig war, der Aufenthalt dort ſelbſt nicht ohne Gefahr.— Dieſer letzte Umſtand ſcheint ſich jedoch jetzt zum Beſſeren geaͤndert zu haben, da Dongola, ſeit der Ver⸗ treibung der Mammeluckiſchen Bey's aus Egyp⸗ 44 ten durch den jetzigen dortigen Vicekoͤnig Mu⸗ hammed Paſcha, von jenen in Beſitz genom— men iſt, und die Mammelucken doch ohne Zwei⸗ fel auf einer weit hoͤheren Stufe der Cultur ſtehen, als die ſchwarze Regierung von Sen⸗ naar. Hierzu koͤmmt, daß, nach den neueſten Nachrichten, Ibrahim-Bey und Elfi-Bey an der Spitze der Regierung von Dongola ſtehen ſollen, welche beide fruͤher in Egypten mit der Engliſchen Armee in den freundſchaftlichſten Verhaͤltniſſen waren, ja wovon letzterer ſogar ſich einſt, wegen politiſcher Zwecke, geraume Zeit in London anfgehalten, und mit mehreren angeſehenen Englaͤndern in vertrauten Verhaͤlt⸗ niſſen geſtanden hat. Es iſt daher dieſem zufolge durchaus nicht zu fuͤrchten, daß ein Europaͤer, beſonders viel— leicht wenn er mit Engliſchen Paͤſſen verſehen waͤre, dort perſoͤnlichen Gefahren ausgeſetzt ſeyn ——— 45 ſollte. Außerdem ſind vor einigen Jahren zwei Englaͤnder(die Herren Legh und Light) zu verſchiedenen Zeiten von Syene ab, den Nil tief in Nubien hinein, bis uͤber die Cataracte und Philae hinaus, und faſt bis auf den hal— ben Weg nach Dongola vorgedrungen, haben bis dahin Schutz gefunden, und erklaͤren aus⸗ druͤcklich, daß, wenn es in ihrem Zwecke ge⸗ legen haͤtte, ſie nicht zweifelten, daß ſie mit eben der Sicherheit den Nil bis Dongola hin⸗ auf und wieder bis Syene zuruͤck haͤtten ge⸗ langen koͤnnen; und, wie natuͤrlich auf dieſem Wege, auch keinem Waſſermangel unterworfen geweſen ſeyn wuͤrden. Ueberdem iſt auch die Entfernung zwiſchen Syene und Dongola eigent⸗ lich nicht ſo ſehr bedeutend, und betraͤgt, wenn ich nicht ſehr irre, nach Bruce's(den ich eben nicht zur Hand habe) Angabe etwa nur 17 Tagereiſen. 46— Wenn daher ein Europaͤiſcher, und na⸗ mentlich ein Deutſcher Landesherr uͤberhaupt die Koſten(ohne die natuͤrlich eine aͤhnliche Expe⸗ dition auch nach Arabien oder Perſien nicht geſchehen koͤnnte) daran zu wenden geneigt waͤre, ſo wuͤrde es dem obigen zufolge, wie mich duͤnkt, eben nicht koſtbarer oder viel ſchwieri⸗ ger ſeyn, einen Transport Pferde aus Nubien, als aus einem jener eben ſo entfernten und faſt eben ſo unſicheren Laͤnder kommen zu laſſen, wie doch ſchon vielfaͤltig geſchehen iſt. Es wuͤrden dazu, wie ich glaube, wenig⸗ ſtens zwei eigentliche Pferdeverſtaͤndige, und zwar wo moͤglich ein praktiſcher, metiermaͤßig gebildeter Reiter(da nur ein ſolcher den wah⸗ ren Werth eines Reitpferdes vollkommen be⸗ urtheilen kann) und ein praktiſcher Pferdearzt erforderlich ſeyn, wie auch zwei zuverlaͤſſige Reitknechte(da man den etwa noch außerdem 447 erforderlichen, in Egypten oder Nubien ſelbſt zu miethenden Knechten doch nicht wohl die Pferde allein anvertrauen duͤrfte), und zwar alles geſunde, kraͤftige und entſchloſſene Maͤnner in ihren beſten Jahren.— Da aber nicht zu erwarten, daß dieſe Leute mit der Arabiſchen Sprache bekannt ſind, und deren Erlernung ih⸗ nen zu viel Zeit wegnehmen duͤrfte; ſo wuͤrde es allerdings zum Gelingen der Unternehmung noͤthig ſeyn, daß noch ein der Sprache und Landesſitten einigermaßen kundiger, zuverlaͤſ— ſiger Mann die Expedition(wenigſtens von Cairo aus bis Dongola, und von da zuruͤck bis Cairo) begleitete, von dem es jedoch nicht eben erforderlich waͤre, daß er zugleich Pferde— verſtaͤndiger ſey.— Niemand wuͤrde vielleicht paſſender, und wahrſcheinlich auch williger zu dieſem Zwecke ſeyn, als der bekannte Reiſende Hr. Belzoni, der erſt im vorigen Jahre fuͤr 48 Rechnung einiger reichen Englaͤnder die Reiſe durch Oberegypten bis uͤber Syene hinaus, mit ſo gutem Erfolge gemacht hat, auch, Zei⸗ tungsnachrichten zufolge, nicht abgeneigt ſeyn ſoll, unter guͤnſtigen Umſtaͤnden eine zweite Entdeckungsreiſe in jene Gegenden zu unter⸗ nehmen.— Waͤre z. B. ein ſolcher Mann (der einen entſchloſſenen, unternehmenden Cha⸗ rakter, mit einem faſt rieſenhaften, allen Be⸗ ſchwerden trotzenden Koͤrper, Sprach⸗ und Lo⸗ calkenntniſſen in ſich vereinigen ſoll) fuͤr die Sache zu gewinnen, ſo waͤre dieſe ſchon da⸗ durch gewiß einem gluͤcklichen Erfolge um vie⸗ les naͤher gebracht, auch koͤnnte ja Hr. Bel⸗ zoni, dem obigen Zwecke unbeſchadet, ſeine in— dividuellen antiquariſchen Nachforſchungen damit verbinden. Die Expedition wuͤrde ferner, wie ich glaube, am beſten entweder von Trieſt oder —, 7 —49. Genua nach Alexandria abgehen, wo moͤglich mit Engliſchen Paͤſſen, oder doch Empfehlun— gen an den Engliſchen Conſul zu Cairo*), und wo moͤglich auch an Muhammed Paſcha(der ja bekanntlich alle Fremde und beſonders Deut⸗ ſche ſo ſehr auszeichnet und auf jede Weiſe un— terſtuͤtzt) verſehen ſeyn muͤſſen.— Der Eng— liſche Conſul wuͤrde vielleicht Gelegenheit fin— den, Empfehlungen an einen der Bey's in Don⸗ gola ſelbſt zu geben oder doch zu verſchaffen. Von Cairo wuͤrden die Reiſenden wahr⸗ ſcheinlich am beſten auf dem Nil bis Syene gehen, und vielleicht auch Mittel finden, auf oder doch nahe an dem Fluſſe bis Dongola zu gelangen.— Das weitere muͤßten freilich die Umſtaͤnde ergeben, doch wuͤrden die dort an—⸗ *) Jetzt der durch ſeine Reiſen nach Abyſſinien ruͤhmlichſt bekannte Hr. Salt. 4 50 gekauften Pferde wahrſcheinlich entweder auf dieſem Wege zuruͤck nach Syene und bis Alexandria, oder aber von Dongola nach dem Hafen Suakem am rothen Meere(wo die aus dem Innern von Afrika alljaͤhrlich nach Mecca reiſenden Pilgrimme ſich nach dem gegenuͤber⸗ liegenden Hafen Oſſjedda einzuſchiffen pflegen, und wo daher wahrſcheinlich Schiffsgelegenheit zu finden ſeyn duͤrfte), und von da zu Waſ⸗ ſer bis Suez und dann zu Lande bis Alexan⸗ dria gehen muͤſſen, von wo ab ſolche auf ei⸗ nem zum Pferdetransport moͤglichſt bequem ein⸗ gerichteten und mit Tuͤrkiſchen Paͤſſen verſe⸗ ehnen Schiffe nach Trieſt oder Genua ab⸗ gehen wuͤrden.— Es verſteht ſich, daß die— ſer Plan, der hier nur ganz oberflaͤchlich den bis jetzt bekannten Umſtaͤnden nach entworfen iſt, bloß um die Moͤglichkeit der Ausfuͤhrung darzuthun, in der Wirklichkeit gewiß mancher⸗ ——᷑—;—ʒ—ʒ—:·—ʒ:ʒ:ʒ:—·¶ißf2i·,·i·i·——— 51 lei Modificationen unterworfen ſeyn moͤgte, und ich wuͤrde mich uͤbergluͤcklich ſchaͤtzen, wenn es mir durch dieſe Andeutungen gelingen ſollte, dazu beizutragen, daß fruͤher oder ſpaͤ⸗ ter die Aufmerkſamkeit eines Beſchuͤtzers der Pferdezucht unter den Machthabern Europa's, beſonders aber meines Deutſchen Vaterlandes, auf ein fuͤr dieſes Fach ſo intereſſantes Land hingeleitet wuͤrde. Bevor ich von dieſem Gegenſtande ab⸗ breche, moͤgte ich noch einem Einwande begeg— nen, den man mir hiebei vielleicht machen duͤrfte.— Man koͤnnte naͤmlich fragen:„wenn es nur darum zu thun ſey, große Orientaliſche Zuchtpferde zu erlangen, warum ſolche nicht lieber aus Perſien zu entnehmen ſeyn moͤgten, wo es deren giebt, und ſie mit geringerer Schwierigkeit zu erlangen ſeyn wuͤrden?“ Al— lerdings iſt nicht zu leugnen, daß es unter den 4* 5²2 Perſiſchen Pferden große weit haͤufiger als un⸗ ter Arabern, Barben und Tuͤrken giebt; nur moͤgte ich behaupten, daß dieſe in der Regel die weniger guten darunter zu ſeyn pflegen. Ich habe naͤmlich zu verſchiedenen Zeiten, theils bei der Ruſſiſchen Armee in Deutſchland, theils bei mehreren Transporten, welche Geſchenke des Ruſſiſchen Hofes an verſchiedene Deutſche Fuͤr⸗ ſten waren, Gelegenheit gehabt, eine ziemliche Anzahl Perſiſcher Pferde zu ſehen, und glaube darunter drei ſehr weſentlich und ſichtbar von einander verſchiedene Abarten bemerkt zu haben. Als ¹) Eine ſehr edle, dem Araber ſehr aͤhn⸗ liche, aber auch wenig oder nichts groͤ— ßer und ſtaͤrker gebauete.(Von dieſer Art ſah ich, nebſt mehreren, z. B. einen Schimmelhengſt, welcher dem K. Ruſſi— ſchen General Illowaysky III., der im 52 95 Winter 1814 eine Koſacken⸗Brigade bei der Sperrung von Magdeburg comman⸗ dirte, zugehoͤrte.) Dieſer Schlag iſt of— fenbar die unmittelbare Abſtammung des Arabers, und wird wahrſcheinlich in den zunaͤchſt an den Tigris und das Arabiſche Irak graͤnzenden Gegenden gezogen*). Eine allerdings groͤßere, aber auch viel unedlere Gattung, gewoͤhnlich mit langen Koͤpfen, Hirſchhaͤlſen und verwachſenen Ganaſchen, auch mitunter vorn etwas aus⸗ *) Die ſchoͤnſten Pferde dieſes Schlags ſollen in der Gegend der Stadt Hamadan gezogen wer— den, und dieſes giebt einen abermaligen Be⸗ weis ab, wie das Weſen des Orients allen Revolutionen zum Trotz ſich ſtets gleich bleibt, da wir wiſſen, daß ſchon vor und zu Alexan⸗ ders des Großen Zeiten die geſchaͤtzteſten Pferde des damal. weitlaͤuftigen Perſiſchen Reichs in Me⸗ dien gezogen wurden, und Hamadan bekanntl. das alte Ecbatana(deſſen ehemal. Haupſtadt) iſt. —— 54 waͤrts, und hinten kuhhaͤſſig geſtellt. Von dieſem Schlage ſah ich z. B. vor 4 Jah⸗ ren zwei Hengſte, die, wie ich hoͤrte, vom Ruſſiſchen Hofe an den Prinz⸗Regenten von England geſchenkt, und von dort an den Koͤnigl. Marſtall zu Hannover abge⸗ geben waren.— In dieſem Schlage iſt eine Miſchung mit dem unedleren Tarta⸗ riſchen Blute unverkennbar, und ſtammt ſolcher daher hoͤchſt wahrſcheinlich aus der an die Tartarei graͤnzenden großen Pro⸗ vinz Khoraſan, die ſehr viele Pferde lie— fern ſoll, wie denn z. B. aus der Reiſe des Engliſchen Lieutenants Pottinger nach Beloochiſtan hervorgeht, daß die Engliſch— Oſtindiſche Compagnie durch Lieferanten von Surate und Bombay einen großen Theil ihrer Cavallerie⸗Pferde aus jener Provinz bezieht, deren Beſchreibung mit aaaaaaaZZ 5⁵ dem von mir eben angefuͤhrten Schlage ſehr uͤbereinſtimmt. 3) Einen noch groͤßeren, und wiederum ganz verſchiedenen Schlag, ſah ich z. B. unter einem Transport, der im Spaͤtherbſt 1802 oder 18⁰03 aus Rußland nach Carlsruhe durch Frankfurt am Mayn paſſirte. Hier⸗ unter befanden ſich einige Hengſte mit hochaufgeſetzten ſchweren Haͤlſen, Ramms⸗ koͤpfen, breiten Croupen und hohen Bei— nen, die offenbar das Product fetter, mar⸗ ſchigter Gegenden waren, und wenig edles Blut verriethen. Vermuthlich iſt dieſer Schlag in den fet⸗ ten Gegenden von Maſanderan und Aſterabad am Caſpiſchen Meere zu Hauſe, und faſt moͤgte ich dieſe Pferde die Perſiſchen Hollſteiner nennen. Endlich noch habe ich Urſache zu vermu⸗ then, daß ein großer Theil der uͤber Rußland 56 zu uns kommenden fuͤr Perſiſche ausgegebenen Pfer⸗ de, nicht national, ſondern in Ruſſiſchen Geſtuͤten am Don und an der Wolga von Perſiſcher Race gezogen iſt. Wenigſtens hatten viele ſogenannte Perſiſche Pferde, die ich bei der Ruſſiſchen Armee ſah, offenbar eine bedeutende Miſchung noͤrd⸗ lichen Blutes, wie ſich beſonders an den uned⸗ len Koͤpfen und einem zu langen Leibe(dem ge— woͤhnlichen Fehler des Ruſſiſchen Pferdes) be⸗ merkte, auch trugen ſie mitunter Brandzeichen, die mir gar nicht Orientaliſch vorkamen.— Aus dieſem allen moͤgte alſo hervorgehen, daß nur die unter Nr. 1 aufgefuͤhrten Perſiſchen Pferde in Europaͤiſchen Geſtuͤten von weſent⸗ lichem Nutzen ſeyn duͤrften, und bei dieſen wuͤrde man in Groͤße und Staͤrke gegen die doch immer edleren Araber wenig gewinnen. Eben als ich dieſe Zeilen beendigt habe, erhalte ich das Novemberheft von 1819 der 57 Moͤglinſchen Annalen, und finde darin eine hoͤchſt intereſſante und vollſtaͤndige Darſtellung der Engliſchen Pferdezucht mit Anwendung auf Deutſchland, von dem Hrn. Landrath v. Kno⸗ belsdorff auf Sellin, einem bewaͤhrten Pferde⸗ kenner und Zuͤchter, welchen ich die Ehre habe perſoͤnlich zu kennen und hochzuſchaͤtzen. Dieſer Aufſatz iſt ſo umfaſſend und ſo einleuchtend abgefaßt, daß ich im erſten Augen— blicke entſchloſſeu war, meine nachfolgenden Be⸗ merkungen uͤber die Engliſche Pferdezucht, als nunmehr uͤberfluͤſſig, ganz zu unterdruͤcken.— Wenn ich jedoch bei genauerer Vergleichung mich zu uͤberzeugen glaube, daß, obſchon die Abhandlung des Hrn. v. K. ohne Vergleich, beſonders fuͤr den praktiſchen Pferdezuͤchter, der vollſtaͤndigere und nuͤtzlichere bleiben wird, theils weil ſie alle Engliſche Pferderacen umfaßt, und ich mich faſt ausſchließlich nur mit der Voll— 58 ——ixãxãxãxEB——öRãxNãAqA— blutrace beſchaͤftigt habe, theils weil Hr. v. K. bei wiederhohltem und laͤngeren Aufenthalte in England, mehr Gelegenheit hatte als ich, das eigentliche praktiſche Verfahren bei der Auf— zucht der Pferde(beſonders in Yorkſhire, dem eigentlichen Pferdelande, bis wohin ich nicht kam) zu beobachten und mitzutheilen, dagegen wie⸗ derum mein Aufſatz ſowol einige in jenem nicht erwaͤhnte theoretiſche Grundſaͤtze beruͤhrt, als einige Localbeſchreibungen enthaͤlt, die jener uͤbergeht, ſo habe ich gedacht, daß beide Auf— ſaͤtze nicht nur unbeſchadet neben einander be⸗ ſtehen, ſondern ſich vielleicht gegenſeitig erlaͤu— tern koͤnnten*).— *) Gewiß wird es mir Hr. v. K., dem es, ſo wie mir, nur um Wahrheit zu thun iſt, nicht ver⸗ uͤbeln, wenn ich einer einzigen Anfuͤhrung in ſeiner Abhandlung widerſprechen muß, er ſagt naͤmlich darin:„daß es, mit Ausnahme des ——————n——p—y—oü·· 59 Mit wahrem Bedauren muß hiebei uͤbri⸗ gens auch ich, obſchon ich mich nicht ſo lange Koͤnigl. Geſtuͤts zu Hamptoncourt, ſeines Wiſ⸗ ſens keine eigentliche Geſtuͤtsanſtalten in Eng— land gebe;“ dieſes kann ich jedoch nur in ſo— fern zugeben, als Hr. v. K. davon die Voll⸗ blutrace ausnimmt, denn von dieſer ha— ben, außer den von mir in meinem nachfol— genden Aufſatze beſchriebenen Geſtuͤten des Gra⸗ fen Egremont u. ſ. w., wie ich aus ſicheren Quellen weiß, der Graf Grosvenor zu Eaton— hall unweit Cheſter, Graf Fitzwilliam zu Wentworth-houſe bei Rotherham, der Herzog von Grafton, Graf Darlington, und auch der Herzog von York Geſtuͤte, wovon einige eben ſo zahlreich als z. B. das des Grafen Egre⸗ mont, und alle mit verhaͤltnißmaͤßigen Weide und ſonſtigen ſehr vollſtaͤndig und zum Theil ſogar auf eine prachtvolle Weiſe eingerichteten Geſtuͤtsapparaten verſehen ſind.— Von Kutſch-, Jagd- und allen uͤbrigen Pferdearten ſind uͤbri— gens auch mir durchaus keine eigentliche Ge— ſtuͤte in England bekannt, und ſtimme ich da⸗ her hinſichtlich dieſer ganz mit dem Hrn. v. K. uͤberein. 60 und in geringerer Ausdehnung mit edler Pferde⸗ zucht, als Hr. v. K., beſchaͤftigt habe, in das Schlußklagelied deſſelben einſtimmen, naͤmlich daß, ſo wie die Sachen jetzt ſtehen, wenigſtens in meiner Gegend(dem ehemaligen Herzogthum Magdeburg), die Pferdezucht in einiger Aus⸗ dehnung ebenfalls mit der vortheilhafteſten Be⸗ wirthſchaſtung eines Landgutes unvertraͤglich ſey, daher nicht rentire, und folglich fuͤr jetzt von dem Privatmanne immer nur bei eben ſo be⸗ deutendem Vermoͤgen als großer Liebhaberei durchzufuͤhren ſeyn moͤgte.— Ein trauriges Ariom, aber doch leider die Wahrheit!!! Er ſter Brief. Harbke, den 1ſten Mai 1819. Sie wuͤnſchten, als ich die Ehre hatte, Sie zum letzten Male im vorigen Sommer in Lon— don zu ſehen, daß ich Ihnen meine Anſichten und Bemerkungen, die ich uͤber die Pferdezucht in England zu machen Gelegenheit hatte, nebſt vergleichenden Andeutungen uͤber deren Zuſtand in Deutſchland und anderen von mir geſehenen Laͤndern, mittheilen moͤgte.— Gern haͤtte ich dieſe Ihre freundſchaftliche Aufforderung ſchon fruͤher erfuͤllt, aber mancherlei dringende Geſchaͤfte, die ich bei meiner Ruͤckkehr aus Ih— rem ſchoͤnen Vaterlande hier vorfand, haben es 62 mir bis jetzt unmoͤglich gemacht.— Mit Ver— gnuͤgen benutze ich daher einige Muße, die ich in dieſem Augenblicke habe, um das Verſaͤumte nachzuhohlen. Uebrigens muß ich damit anfangen, Sie daran zu erinnern, daß mein Aufenthalt in England leider ſo kurz war, daß es anmaßend ſeyn wuͤrde, wenn ich mir ein gruͤndliches und umfaſſendes Urtheil daruͤber zutrauen wollte; um ſo mehr, da ich bemerken muß, daß ich von einem der vorzuͤglichſten Zwecke der Engliſchen Pferdezucht, ja ich moͤgte ſagen der Baſis der— ſelben, naͤmlich dem Wettrennen, wenigſtens was deſſen praktiſche Ausuͤbung und die dazu erforderlichen Details anlangt, durchaus nichts verſtehe, ſondern mein Urtheil uͤber die Eng— liſche Rennrace, ſo wie uͤber die andern Eng— liſchen Pferderacen, ſich nur ſo weit erſtrecken kann, als ſolche zur Veredelung der Pferdezucht uͤberhaupt, oder aber zum buͤrgerlichen und mi⸗ litairiſchen Gebrauch als Reit- oder auch als Zugpferde in Betrachtung gezogen werden koͤnnen. Aus dieſen beiden Geſichtspunkten bitte ich Sie daher meine Anſichten nur allein zu be⸗ trachten; da ſolche ſonſt, beſonders in Bezug auf einzelne Zwecke, die nur in England Statt finden, und wovon mir die noͤthigen prakti— ſchen Kenntniſſe ganz fehlen, mitunter ſchief und unrichtig erſcheinen duͤrften; mit einem Wort: ich muß Sie erſuchen zu bedenken, daß ich alles mit dem Auge eines Bewohners des Europaͤiſchen Continents geſehen und beurtheilt habe, und ſollte ich mir daher auch gelegent— lich einige Bemerkungen erlauben, die vor⸗ zugsweiſe auf das Wettrennen und damit in Verbindung ſtehende Gegenſtaͤnde Bezug haben, ſo bitte ich ſolche als Hypotheſen eines Layen 6½ in dieſem Fache zu betrachten, und als ſolche mit Nachſicht beurtheilen zu wollen. Meine erſte Ausflucht von London in das Land war nach Newmarket. Auf dieſem Wege habe ich, ſo viel die Schnelligkeit, mit der man durch die raſchen Engliſchen Poſtpferde auf den trefflichen Wegen befoͤrdert wird, es geſtatten wollte, meine Augen auf die bekannten Suffol— ker Ackerpferde(Suffolk Punches) gerichtet, und finde, daß die in Ihren Werken und dem Werke des Hrn. Culley enthaltenen Notizen uͤber dieſe Pferdeart nichts hinzuzufuͤgen uͤbrig laſſen, als die allgemeine Bemerkung, daß ich dieſelbe fuͤr eine der nuͤtzlichſten und zweckmaͤ⸗ ßigſten der mir bekannten Pferdearten, welche zum Ackerbau gebraucht werden, halte, da ich glaube, daß ſie Staͤrke und Dauer mit dem fuͤr ein Arbeitspferd erforderlichen Grade von Schnelligkeit moͤglichſt vereinigt. Ob die von 65 Hrn. Culley zu gleichem Zwecke ſo ſehr geruͤhm— ten Clevelaͤndiſchen und Clydesdaliſchen Pferde dieſe Suffolker Fuͤchſe hierin noch uͤbertreffen, kann ich nicht beurtheilen, da mir jene beiden Gattungen(wenigſtens in ihrer Heimath ſelbſt) leider unbekannt geblieben ſind, und ich ſolcher am Schluß meiner Bemerkungen, bei Aufzaͤh— lung der Engliſchen Pferderacen uͤberhaupt, mit Bezugnahme auf Hrn Culley, nur im allgemei⸗ nen erwaͤhnen werde. Doch bin ich vollkom— men uͤberzeugt, daß es auf dem Continent hoͤch— ſtens in einem Theile der Normandie in Frank— reich, im Mecklenburgiſchen in Deutſchland, und in der Provinz Juͤtland in Daͤnnemark, Acker⸗ pferde giebt, die den Suffolkern in zweckmaͤ— ßigen Eigenſchaften zu vergleichen ſind. Da in Newmarket beinahe jeder Eigen⸗ genthuͤmer eines Geſtuͤts der Rennrace einen Stall voll junger Pferde, welche fuͤr das Wett— 5 66 rennen beſtimmt ſind, haͤlt, ſo hatte ich dort zum erſten Male in meinem Leben Gelegenheit, eine bedeutende Zahl junger Pferde dieſer Art, ſo wie auch einige der ausgezeichnetſten Be— ſchaͤler zu ſehen, und habe ſolche daher mit dem groͤßeſten Intereſſe betrachtet. Mehrere die⸗ ſer letzteren(d. h. ausgewachſene, ſchon uͤber 6 Jahre alte Hengſte) haben meine hoͤchſte Bewunderung erregt.— So z. B. iſt der den Herren Weatherby gehoͤrige Rubens ein Ideal, was, meiner Ueberzeugung nach, alle Vollkommenheiten, die man vernuͤnftiger Weiſe fuͤr ein Reitpferd(auch ganz ohne Ruͤckſicht auf das Wettrennen) wuͤnſchen kann, in einem von mir bis dahin noch nicht geſehenen Grade in ſeinem Bau vereinigt. 8 Er giebt ein Beiſpiel, wie durch Euro— paͤiſche Cultur das Orientaliſche Pferd zu un— ſerm Zweck vergroͤßert und vervollkomnet wer⸗ nem un⸗ 67 den kann, ohne darum ſeiner urſpruͤnglicher edlen, auf ein vollkommenes Ebenmaaß aller Theile gegruͤndeten Form, und der dadurch her⸗ vorgebrachten Leichtigkeit und Elaſticitaͤt ſeiner Bewegungen im mindeſten Abbruch zu thun.— Uebrigens iſt mir hier, und mehr noch ſpaͤter⸗ hin bei den von mir beſuchten Geſtuͤten die Bemerkung aufgefallen, daß, mit wenigen Aus— nahmen, bei der Rennrace ein weit auffallen⸗ derer Unterſchied in Groͤße und Staͤrke zwi— ſchen den Hengſten und Stuten iſt, als ich dieſes bei irgend einer andern Pferderace ge⸗ funden habe. Ich habe naͤmlich in England eine bedeutende Anzahl Vollbluthengſte geſehen, die von ſo ausgezeichneter Groͤße, Staͤrke der Knochen, und verhaͤltnißmaͤßiger Subſtanz waren, daß man ſie, in Verbindung mit der ihnen eigen⸗ thuͤmlichen Muskelkraft, fuͤr faͤhig halten ſollte, 2 bis 3 NRaͤnner ohne Anſtrengung forzutragen. 5* 6838 Dagegen habe ich faſt alle Vollblutſtuten mehr oder weniger fein und verhaͤltnißmaͤßig auch klein, und uͤberhaupt von weniger Sub— ſtanz gefunden, ſo daß man, wenn man das Gegentheil nicht gewiß wuͤßte, geneigt ſeyn moͤgte, ſolche fuͤr eine von jenen Hengſten ganz verſchiedene Race zu halten.— Es ſcheint mir deshalb der Muͤhe werth zu ſeyn, auszu⸗ mitteln, ob dieſer Unterſchied bei den ſuͤdlichen Pferderacen, wovon das Engliſche Vollblutpferd abſtammt, auch in eben dem Maaße Statt fin— det, oder aber durch eine verſchiedene Behand— lung der Hengſt- und der Stutenfuͤllen ent— ſteht, woruͤber ich nicht urtheilen kann, was mir jedoch gar nicht wahrſcheinlich iſt.— Fer— ner fiel mir auf, daß die kaum zweijaͤhrigen, in der Voruͤbung zum Rennen(in training) begriffenen jungen Pferde ſchon zum Theil voͤl— lig ausgewachſen waren, ſo daß ich ſolche, dem ——Q—O—·᷑—-————————N 69 aͤußern Anſchein nach, fuͤr vierjaͤhrig gehalten haben wuͤrde.— Dieſe fruͤhe Ausbildung muß natuͤrlich in der außerordentlich kraͤftigen Nah— rung ihren Grund haben, und hat zum Zweck, daß man das in dieſen Pferden ſteckende Ca⸗ pital um 2 Jahre fruͤher benutzen will, und auch wirklich benutzt. Fuͤr dieſen Zweck allein betrachtet, laͤßt ſich alſo gegen dieſe Maxime nichts einwenden; ſoll aber ein ſolches Pferd nachher zu einem andern Zweck, z. B. als Jagd⸗ oder Kriegs⸗ pferd gebraucht werden, ſo bin ich voͤllig uͤber⸗ zeugt, daß durch dieſe treibhausartige Erzie⸗ hung der natuͤrliche thieriſche Organismus die⸗ ſer Pferde weſentlich geſtoͤrt und geſchwaͤcht wird, und ſolche in der Regel die Geſundheit und Ausdauer bei anhaltenden Anſtrengungen nicht haben koͤnnen, welche ſie bei einer naturgemaͤßeren Aufzucht, d. h. wobei ſie 70 erſt mit 4 Jahren ſo ausgebildet waͤren, als ſie es jetzt mit 2 Jahren ſind, erhalten wuͤrden Ein Beweis davon iſt, daß ich unter die— ſen jungen Pferden verhaͤltnißmaͤßig nur wenige ſah, die noch ganz frei von Knochenfehlern (blemishes) waren. Auch hat die Erfahrung auf dem Continent ergeben, daß beinahe alle dorthin aus England gebrachte junge Vollblut— pferde, beſonders wenn ſolche ſchon in training geweſen waren, mehrere Jahre hindurch ſehr kraͤnklich, und zu jeder Anſtrengung durchaus unfaͤhig zu ſeyn pflegen, auch gewoͤhnlich von drei derſelben kaum eins ſich allmaͤhlig an Clima und Futter ſo ganz gewoͤhnt, daß es endlich noch ein recht dauerhaftes Dienſtpferd wird, wogegen dieſes bei den aus England gebrachten Halb⸗ und Dreiviertelblutpferden faſt gar nicht der Fall iſt, welche ſich in der Regel 71 ſchnell von der Reiſe erhohlen, und bald ge— ſund und dauerhaft werden*). Obſchon ich auch wiederhohlen muß, daß ich durchaus nichts von den eigentlichen Mani— pulationen des Wettrennens(business of the *) Uebrigens iſt nicht zu leugnen, daß die Eng⸗ laͤnder die uͤbeln Folgen der Fruͤhreife, ſo wie der zu fruͤhen und wirklich unglaublichen An— ſtrengungen des Trainirens und Wettrennens, d. h. wenn dieſe Periode einmal uͤberſtanden iſt, und ſolche Pferde nachher zur Zucht ge⸗ braucht werden, auf eine wirklich bewun⸗ dernswuͤrdige Weiſe durch eine in jeder Hinſicht zweckmaͤßige Behandlungsart zu ver— hindern, verſtehen muͤſſen; denn das General Studbook liefert die uͤberzeugendſten Beweiſe dafuͤr, daß im Ganzen wohl ſchwerlich eine Pferderace ein hoͤheres Alter erreichen, und einen hoͤheren Grad von Fruchtbarkeit(und zwar bei beiden Geſchlechtern) aͤußeren kann, als eben dieſe in der Jugend ſo anſcheinend na⸗ turwidrig auferzogenen, und uͤbermaͤßig ange⸗ ſtrengten Rennpferde. 72² turf) verſtehe, ſo kann ich mich doch des Ge⸗ dankens nicht erwehren, daß der Grund, war⸗ um man ſeit geraumer Zeit nicht wieder ſo ausgezeichnete Pferde, als z. B. Flying Chil— ders und Eclipſe, in England geſehen hat, nicht ſowohl daran gelegen haben moͤgte, daß die Vollblutrace ausgeartet ſey, oder man ſeit⸗ dem nicht wieder ſo ausgezeichnete Arabiſche Beſchaͤler, als z. B. der Darley oder Godol— phin Araber, gehabt hat; ſondern vielmehr darin, daß man ſeitdem angefangen hat, die jungen Pferde immer ſchneller auszubilden und fruͤher zu gebrauchen, ſo daß es mir faſt un⸗ moͤglich ſcheint, daß ſolche, durch dieſe der Na— tur zu ſehr widerſprechende Behandlungsweiſe, ſo ganz vollkommene Individuen, als jene wa— ren, werden koͤnnen; obſchon ich einraͤumen will, daß dadurch vielleicht mehr mittelmaͤßige Ren— ner gebildet werden moͤgen.— Bekanntlich —— 73 waren, als ſie zuerſt auf dem Rennplatz erſchie— nen, Eclipſe bereits vier Jahr, und Childers gar ſchon fuͤnf Jahr alt, und ich kann mir nicht denken, daß, wenn ſie(wie jetzt der Fall geweſen ſeyn wuͤrde) ſchon mit zwei Jahren darauf figurirt haͤtten, ſie eben das geleiſtet haben wuͤrden, was ſie leiſteten, nachdem man ihren Koͤrpern Zeit gelaſſen hatte, ſich auf eine naturgemaͤße Art auszubilden. Was nun den in England ſelbſt haͤufig aufgeſtellten und eben ſo oft beſtrittenen Satz be— trifft, ob die Engliſche Rennrace voͤllig conſtant ſey, d. h. ohne von Zeit zu Zeit mit Orientaliſchem Blute angefriſcht zu werden, ſich in ihrer Vollkommenheit erhalten koͤnne, und ob, da man ſeit 70 Jahren eine ſolche Anfri⸗ ſchung wenig oder nicht vorgenommen hat, eine Ausartung bereits wirklich eingetreten ſey, oder nicht; ſo kann ich hieruͤber, in ſo weit es die aͤußeren Formen der Pferde betrifft, nur durch Vergleichung der jetzt exiſtirenden mir bekann— ten Vollblutpferde mit den von mir geſehenen Gemaͤlden und Kupferſtichen davon aus fruͤhe⸗ ren Zeiten, urtheilen, ſo wie ruͤckſichtlich ihrer inneren Eigenſchaften, durch Vergleichung der Leiſtungen(Performances) der bekannteſten Renner fruͤherer Zeiten mit denen der jetzigen, ſo wie ſolche der nun ſchon ſeit vielen Jahren erſchienene Racing Calendar darbietet; und wenn ich mir dem zufolge hieruͤber uͤberhaupt ein Urtheil anmaßen darf, ſo muß ich der Mei⸗ nung ſeyn, daß in Ruͤckſicht des erſten Punkts, d. h. der yaͤußeren Form, voraus⸗ geſetzt naͤmlich, daß die mir bekannten Kupfer⸗ ſtiche von Rennpferden aus fruͤherer Zeit(z. B. von den unmittelbaren Nachkommen eines Dar⸗ ley und Godolphin Arabers) nicht mehr idea⸗ liſirt ſind, als die, welche jetzt in England er⸗ * 75 ſcheinen(was ich jedoch um ſo weniger glauben kann, da ſie im Ganzen viel weniger maleriſch und elegant, als die ſpaͤteren, ausgefuͤhrt ſind), einige Abweichung von der urſpruͤnglichen ganz edeln Orientaliſchen Form wol nicht abzuleug— nen ſeyn duͤrfte, und zwar insbeſondere in der Bildung des Kopfes, und deſſen Anſatz am Halſe; wenigſtens iſt mir unter den jetzigen Rennpferden, die ich lebend oder im Bilde ge— ſehen habe, keins vorgekommen, welches in die— ſen Theilen(in denen ſich doch bekanntlich der Charakter einer jeden Race am deutlichſten aus⸗ druͤckt) die ganz edle Form des Arabiſchen Pferdes in dem Maaße beibehalten haͤtte, als dieſes, den Abbildungen zufolge, z. B. bei den bekannten Soͤhnen des Godolphin, dem Dor— mouſe, Babraham u. ſ. w. der Fall iſt*). *) Dieſe Abweichungen in der außeren Form laſ⸗ 76 Was dagegen den zweiten Punkt, naͤmlich die durch die inneren Eigenſchaften des Pferdes be— gruͤndeten Leiſtungen derſelben auf der Renn— bahn, anlangt, ſo ſcheint es allerdings, daß (mit Ausnahme einiger Phaͤnomene ihrer Gat— tung, wie z. B. Childers und Eclipſe) im Ganzen in der Schnelligkeit der Engliſchen Rennrace keine Abnahme bis jetzt Statt ge⸗ funden habe; und dieſes, glaube ich, laͤßt ſich, ſelbſt wenn wir einige Ausartung in der Form zugeben, ziemlich natuͤrlich erklaͤren. ſen ſich uͤbrigens, auch ohne eine Ausartung anzunehmen, ſehr gut daraus erklaͤren, daß das Engliſche Rennpferd nicht allein von der Arabiſchen, ſondern von mehreren Orientaliſchen Racen abſtammt, und daher vielleicht in einer Pferdefamilie, oder auch in einem Individuum, das Arabiſche, in einem andern das Barbiſche, in einem dritten das Tuͤrkiſche Blut u. ſ. w. vorherrſchend ſeyn kann. ————.——— 77 Bekanntlich naͤmlich hat der Orientale bei ſeiner Pferdezucht zwei Hauptzwecke: 1) den der Schnelligkeit und 2) auch den der Gewandtheit und Bieg— ſamkeit, da er ſeine Pferde nicht, wie in England, bloß zum Wettrennen, ſondern vorzugsweiſe zum Gebrauch im Kriege und den damit ver⸗ bundenen militairiſchen Uebungen, als z. B. dem Oſſerit-Spiel u. ſ. w. gebraucht, hiebei aber iſt der hoͤchſte Grad von Gewandtheit faſt noch nothwendiger, als der hoͤchſte Grad der Schnelligkeit.— Beide Eigenſchaften im hoͤch⸗ ſten Grade zu vereinigen, ſcheint mir unmoͤg— lich, da ein hoher Grad von Gewandtheit er— fordert, daß das Pferd ſeine eigene und die Laſt des Reiters mehr durch ſeinen Hintertheil als ſeinen Vordertheil zu bewegen gewoͤhnt ſey, wodurch nothwendig eine etwas erhabene Be⸗ 78 wegung(lofty action) entſtehen muß, welche mit groͤßter Schnelligkeit unvereinbar iſt.— Da aber Schnelligkeit der einzige Hauptzweck der Engliſchen Zuͤchter von Vollblutpferden iſt, ſo haben ſie unter den Nachkommen der Orien⸗ taliſchen Pferde, zur Fortſetzung ihrer Zucht, die ſchnellſten ausgeſucht, dieſe mußten aber, der Natur der Sache nach, ſolche ſeyn, welche die am wenigſten erhabene Bewegung hatten, oder, mit einem Wort, ſogenannte Schleicher(daisy- cutters).— Da aber bekanntlich bei ſteter Verfolgung einer Eigenſchaft in der Zucht je— der Thierart, dieſe ſich in der Regel(obwohl gewoͤhnlich zum Nachtheil anderer Eigenſchaften) vorzugsweiſe vervollkommt, ſo wird es begreif⸗ lich, daß hiedurch, ſo wie dadurch, daß man das Orientaliſche Pferd durch das mildere Cli— ma Englands, und kraͤftigere Nahrung bedeu⸗ tend vergroͤßert hat, der Zweck der Schnellig— ——————— ☛* 79 keit in dem Engliſchen Rennpferde in einem be— deutend hoͤheren Grade erreicht iſt, als ſelbſt bei dem edelſten Pferde der uͤbrigen Welt, dem Arabiſchen, wovon es abſtammt, der Fall iſt, und ich zweifle daher auch keinen Augenblick, daß man noch jetzt ſolche Erſcheinungen, wie Childers(d. h. in Ruͤckſicht der Schnelligkeit) erziehen wuͤrde, wenn dieſes nicht, wie ich ſchon oben geaͤußert habe, durch die jetzt uͤbliche zu fruͤhe Ausbildung, und darauf gegruͤndete zu fruͤhe Anſtrengung der Kraͤfte der jungen Rennpferde verhindert wuͤrde. Dagegen aber hat man durch dieſe, viele Jahre hindurch conſequent fortgeſetzte, einſei— tige, nur auf Schnelligkeit berechnete Cultur dieſer Pferderace unſtreitig andere Eigenſchaften ſeiner Orientaliſchen Stammeltern aufgeopfert, d. h. ſowohl in der Eleganz der Form und Haltung, als in dem weſentlicheren Punkte der 00 ½ Gewandtheit und Biegſamkeit, ſo daß dadurch das Engliſche Rennpferd zu allen Arten von militairiſchen und buͤrgerlichen Zwecken, beſon— ders auf bergigem und unebenem Terrain, ſo wie es auf dem groͤßeſten Theile des Conti— nents beſchaffen iſt, weniger brauchbar als das Orientaliſche Nationalpferd iſt, obſchon es vor dieſem durch ſeine groͤßere Geſtalt und ſtaͤrke— ren Knochen(Size, bone and Substance), wenn ihm nicht jene zu den genannten Zwecken unentbehrlichen Eigenſchaften fehlten, auch in allen uͤbrigen Hinſichten bedeutende Vorzuͤge haben wuͤrde. Aus dieſem Grunde findet man daher auch hier in Deutſchland zum Gebrauch(der das Wettrennen ganz ausſchließt) und zwar ins⸗ beſondere zu militairiſchen Zwecken, gewoͤhnlich diejenigen Pferde angenehmer und nuͤtzlicher, die hier von Orientaliſchen Hengſten mit Engliſchen — ,— ☛ℳℳ 5 durch 81 Vollblutſtuten gezogen ſind, oder von dieſer Miſchung abſtammen(wie z. B. ehemals die aus den Herzogl. Zweibruͤckiſchen, Markgraͤfl. Anſpachſchen u. dgl. Geſtuͤten, und jetzt die aus den Koͤnigl. Preußiſchen u. ſ. w.), als die Engliſchen Nationalpferde oder ſolche, die rein Engliſcher Zucht ſind(wie z. B. die aus eini— gen Geſtuͤten in Mecklenburg und ſonſt im noͤrdlichen Deutſchland). Aus den voran ge⸗ fuͤhrten Gruͤnden folgt aber auch eben ſo na— tuͤrlich, daß dieſe Pferde um ſo viel, als ſie gewandter als die Engliſchen ſind, auch weni— ger ſchnell als dieſe ſeyn muͤſſen. Außerdem giebt es auch der Geſtuͤte, wo edle Pferde ge⸗ zogen werden, in Deutſchland leider noch ſo wenige, daß wir die Engliſchen Pferde, ſo theuer ſie uns auch kommen, vor der Hand dennoch nicht entbehren koͤnnen. Nach dieſen allgemeinen Betrachtungen uͤber 6 82 das Engliſche Rennpferd, deren Richtigkeit oder Unrichtigkeit ich freilich fremdem Urtheile un— terwerfen muß, will ich einige Bemerkungen uͤber die einzelnen von mir geſehenen Geſtuͤte, und darin gefundenen ausgezeichnetſten Pferde folgen laſſen. Zuerſt ging ich von Newmarket nach Great Barton bei Bury St. Edmunds, um den ehr⸗ wuͤrdigen jetzigen Vater des Wettrennens(fa— ther of the turf), Sir Charles Bunbury und ſein bekanntes Geſtuͤt kennen zu lernen. Er nahm mich ſehr freundlich auf, und zeigte mir alle ſeine Pferde ſelbſt, was ich bei ſeinem ho— hen Alter wol nicht erwarten konnte. Vor allem wuͤnſchte ich den beruͤhmten, nun 22 Jahre alten Hengſt Sorcerer zu ſe⸗ hen, und erreichte meinen Wunſch zwar, aber nur unvollkommen, denn da dieſes edle Pferd eben Arznei bekommen hatte, durfte es nicht —,— 83 herausgefuͤhrt werden, und ich konnte es da— her nur in einem etwas dunkeln Stalle be⸗ trachten. Sorcerer iſt unſtreitig ein fuͤr ſeine edle Abſtammung ausgezeichnet großes und ſtarkes Pferd, und ſeine zahlreiche Nachkommenſchaft hat ſeinen Werth hinreichend begruͤndet, doch hat er, ſo weit ich unter den angefuͤhrten un— guͤnſtigen Umſtaͤnden bemerken konnte, nicht ganz die ausgezeichnet edlen Formen und das voll— kommene Ebenmaaß aller Theile, wie z. B. Ru⸗ bens; denn ſeine Schenkel ſind, im Verhaͤltniß der Laͤnge ſeines Leibes, etwas hoch. Ob ſie vollkommen rein von allen erblichen Knochen— fehlern ſind, erlaubten mir die Unſtaͤnde eben— falls nicht genau zu unterſcheiden. Smolensko, der beruͤhmteſte Sohn des Sorcerer, den ich nachher beſah, ebenfalls Rapp, aber mit einzelnen weißen Haaren gemiſcht, iſt 84 ein hoͤchſt brillantes Pferd, mit einem beſon⸗ ders ſchoͤn aufgeſetzten, regelmaͤßig geformten Halſe, trefflichen Schultern und Widerruͤſt.— Seine Schenkel ſind dagegen, im Verhaͤltniß des uͤbrigen Koͤrpers, noch hoͤher als die ſei— nes Vaters, und dabei die Oberarme der Vor⸗ derſchenkel und Sprunggelenke der hinteren nicht ſo breit, als bei jenem, jedoch, trotz ſeiner be⸗ deutenden fruͤheren Leiſtungen(als Wettrenner), noch ganz rein von allen Knochenfehlern.— Im Ganzen ſcheint mir Smolensko von allen Engliſchen Rennpferden, die ich ſah, in ſeinen Proportionen die meiſte Aehnlichkeit mit der Abbildung des Flying Childers zu haben, welche in Ihrer Delineation of the Race-horse be- findlich iſt, nur daß darin Arme und Sprung— gelenke des Childers breiter, und uͤberhaupt der ganze Knochenbau etwas ſtaͤrker zu ſeyn ſcheinen, als bei dem Smolensko der Fall iſt. —— b beſon⸗ ormnten ſt —— 85⁵ Ich kann bei dieſer Gelegenheit die Bemerkung nicht unterdruͤcken, daß ich dieſe Bildung, naͤm— lich etwas zu hoher Beine(leggy), an ver⸗ ſchiedenen Pferden, die in der neueſten Zeit ſich durch Schnelligkeit ausgezeichnet haben, namentlich an vielen Nachkommen des Sorcerer, und insbeſondere unter der jungen in Newmar⸗ ket befindlichen Aufſtallung des Herzogs von York, bemerkte, welche, wie man mir ſagte, in der neueſten Zeit eine merkliche Majoritaͤt unter den Gewinnern gehabt hat.— Ich kann mir dieſes nur daraus erklaͤren, daß, wie ich hoͤrte, es immer mehr Gebrauch wuͤrde, kuͤrzere Entfernungen und geringere Ge⸗ wichte bei den Wettrennen anzunehmen; denn, daß ſolche hoch- und etwas duͤnnbeinige Pferde, beſonders wenn ſie dabei ſehr feurig ſind, mit leichten Gewichten auf kurze Entfernungen andern niedrigeren, aber verhaͤltnißmaͤßiger und 86 ſolider gebaueten Pferden(wie z. B. die Nach⸗ kommen des Eclipſe in der Regel zu ſeyn pfle— gen) vorlaufen koͤnnen, laͤßt ſich allenfalls me— chaniſch erklaͤren; eben ſo wie jedoch, meiner Anſicht nach, auf laͤngere Entfernungen und mit ſchwereren Gewichten das Gegentheil eintreten duͤrfte!— Deshalb, und da ich ge— wohnt bin, das Wettrennen nur als ein Mit— tel zur Veredelung der Pferdezucht eines Lan⸗ des uͤberhaupt zu betrachten, kann ich es nicht billigen, wenn man dabei die Bahn zu kurz und das Gewicht zu leicht annimmt, denn ich kann unmoͤglich glauben, daß die Hengſte die— ſes hoch- und duͤnnbeinigen Schlages, welche man in dieſem Falle anzuziehen am vortheil— hafteſten finden wird, auf die Erzeugung der Jagd⸗ und uͤbrigen Gebrauchspferde, welche jaͤhrlich durch die Vermiſchung von Vollblut— hengſten mit Stuten der uͤbrigen Landesracen — 87 zu den verſchiedenen Zwecken des Gebrauchs auf⸗ gezogen werden, einen ſo nuͤtzlichen Einfluß ha⸗ ben werden, als dieſes mit ſolider gebaueten Hengſten, die ſich mehr den Dimenſionen des Eclipſe und ſeiner Nachkommen naͤheren, der Fall geweſen und noch iſt.— In wie weit ich hierin Recht haben mag, kann freilich nur ein Englaͤnder, der die Pferdezucht ſeines Lan— des lange aufmerkſam beobachtet hat, genuͤ⸗ gend entſcheiden. Unter den Mutterſtuten, die ich in Great Barton ſah, zeichneten ſich zwei ſehr alte Stu— ten, Eleanor und Wowsky, auffallend durch Groͤße, Staͤrke, Ebenmaaß aller Theile und Reinheit von erblichen Knochenfehlern aus.— Dagegen geſtehe ich, daß unter den uͤbrigeu manche klein, zu fein und beſonders mit ſol— chen Knochenfehlern, z. B. Courbe, Spat, Schale u. ſ. m., die in Deutſchland als erb⸗ 88 lich anerkannt, und damit behaftete Stuten von einem guten Geſtuͤt ausgeſchloſſen haben wuͤrden, reichlich verſehen waren.— Man legt zwar, wie ich weiß, auf die Vermeidung ſolcher Feh— ler bei Zuchthengſten und Stuten in England wenig oder keinen Werth, ſondern nur darauf, ob ſie ſich durch Schnelligkeit ausgezeichnet ha— ben, indem man nichts dagegen hat, daß ihre Nachkommen gleiche Fehler in ſpaͤteren Jahren bekommen, wenn ſie nur in der Jugend eben ſo ſchnell ſind, als ihre Eltern waren. Rein financiell, und bloß auf das Wettrennen be⸗ rechnet, mag dieſe Maxime richtig ſeyn, aber in Bezug auf die Veredelung der Landespferde⸗ zucht iſt ſie offenbar nachtheilig, denn daß die Anlagen zu dieſen Fehlern ſich vererben, hat die Erfahrung hinreichend gelehrt, und ich bin daher auch feſt uͤberzeugt, daß die zu wenige Ruͤckſicht, welche man in Geſtuͤten darauf ℳ ☛‿☛ 89 nimmt(allerdings in Verbindung mit zu fruͤ— hen und uͤbertriebenen Anſtrengungen), die Ur⸗ ſache iſt, warum man alle Arken von Knochen⸗ fehlern, als Spat, Courbe, Schale u. ſ. m. in England, und zwar beſonders an Vollblut— pferden, haͤufiger ſieht, als in andern Laͤndern des Europaͤiſchen Continents, wo doch uͤbri— gens die Pferdezucht auf einer weit niedrigeren Stufe der Veredelung ſteht. Noch ſah ich in Great Barton einige ſehr ſchoͤne junge zweijaͤhrige Sorcererſtuten, die eben in training waren, wogegen zwei junge Schimmelſtuten, die von einem Arabiſchen Hengſte des Prinz Regenten(ich konnte jedoch nicht mit Beſtimmtheit erfahren, ob von dem ſeit— dem nach Hannover geſchickten Satin⸗-Arabian oder von dem noch in Hamptoncourt befind— lichen Malcolm) gefallen waren, mir durch— aus nicht gefielen. Sie hatten auch die Feh— E E 1 90 ler, die ich leider ſchon in Deutſchland oft an der erſten Generation von Orientaliſchen Heng⸗— ſten abſtammender Pferde gefunden habe, d. h. zu lange und ſchwache Feſſelgelenke, in Verbin— dung mit auswaͤrts ſtehenden Vorderfuͤßen und zu nahe zuſammenſtehenden Knien an den Hin⸗ terſchenkeln. Die Weiden in Great Barton, welche ſich groͤßtentheils in den eben ſo geſchmackvollen als weitlaͤuftigen Umgebungen des Wohnhauſes des Eigenthuͤmers befinden, ſcheinen mir ſehr gras⸗ reich und nahrhaft zu ſeyn, obſchon ſie in dem Augenblick durch die damals anhaltende Hitze und Trockniß ziemlich verbrannt ausſahen. Die Eintheilung der Weidekoppeln und Stallungen iſt gewiß in aller Hinſicht ſehr ſchoͤn und zweckmaͤßig. Doch war meine Zeit zu be— ſchraͤnkt, um alle dieſe Einrichtungen ſo genau zu unterſuchen, als ich es gewuͤnſcht haͤtte. 91 Ich beſah noch in der Gegend das nahe bei Newmarket liegende Geſtuͤt des Herzogs von Rutland(Cheveley-Park), welches im Ganzen ebenfalls ſehr gut eingerichtet iſt, und wo ich manches gute Pferd, jedoch keins, das mir beſonders aufgefallen waͤre, ſah. Auch iſt dort das Gemaͤlde des beruͤhmten Grimalkin zu ſehen, der vor einigen Jahren fuͤr eine große Summe an den Kaiſer von Oeſterreich verkauft wurde. Wenn das Bild aͤhnlich iſt, ſo muß es allerdings ein Pferd von ſehr ſchoͤnen Verhaͤltniſſen ſeyn In Newmarket ſelbſt ſah ich noch zwei Beſchaͤler, die einen bedeutenden Ruf haben. 1) Selim, ein Fuchs, Bruder des Ru— bens, dem er aber in dem ſchoͤnen und richti— gen Verhaͤltniß der aͤußeren Formen bei wei— tem nachſteht. Er iſt dazu durch ſtarke weiße Abzeichen verſtellt, die auch ſeinen Werth als Beſchaͤler mindern. 92 Dieſes Pferd hat außerdem einen etwas zu engen Rippenbau, wodurch er baunleibig erſcheint, und ſey es, daß er(wie Pferde mit dieſem Bau gewoͤhnlich ſind) kein guter Freſ⸗ ſer iſt, oder daß er durch fruͤhere uͤbermaͤßige Anſtrengungen im Laufen, oder aber im Be⸗ decken erſchoͤpft iſt; genug das Pferd hat uͤber⸗ haupt ein kraͤnkliches Anſehn, und verſpricht daher keine ſehr kraͤftige Nachkommenſchaft. 2) Bourbon, ein fuͤnfjaͤhriger goldbrauner Hengſt, Sohn des Sorcerer. Ein Pferd von den einnehmendſten und edelſten Formen, die man ſehen kann, dabei anſcheinend kerngeſund, vom ſchoͤnſten Haare und ſehr feurigem Tem— perament.— Dieſen Hengſt wuͤrde ich als Beſchaͤler, naͤchſt dem Rubens, allen, die ich geſehen habe, vorziehen, wenn er nicht auch ein wenig zu hohe und zu duͤnne Schenkel haͤtte. Doch finde ich dieſen Mangel bei ihm ☛ 93 in geringerem Grade, als bei ſeinem Bruder Smolensko, und wuͤrde ihn daher dieſem als Beſchaͤler vorziehen, obſchon Smolensko weit ſchneller ſeyn mag, und daher auch um einen weit hoͤheren Preis deckt. Das naͤchſte Geſtuͤt, welches ich von Lon⸗ don aus nun beſuchte, war das des Prinz Re⸗ genteu zu Hamptoncourt, wo vier Beſchaͤler ſtehen. 1) Ein National-Araber, der Malcolm genannt, ein Silberſchimmel, iſt, wie ich hoͤrte, von dem General Malcolm in Baſſora gekauft, und uͤber Oſtindien nach England ge⸗ bracht worden. Dieſes Pferd iſt ſehr regelmaͤßig und fuͤr einen Araber ziemlich ſtark gebauet. Doch ſind ſeine Formen, beſonders Kopf und Hals, ſo edel und ſchoͤn nicht, als z. B. bei einem Ara— biſchen Schimmelhengſt, den ich vor kurzem im E 4 Stall des Herzogs von Angouleme in Paris ſah, und der durch den Franzoͤſiſchen Conſul zu Aleppo, Hrn. Guys, mit noch drei andern Hengſten im vorigen Jahre nach Marſeille ge— ſchickt war, und von der Arabiſchen Race Ned⸗ jedi ſeyn ſoll, wofuͤr ich den Malcolm(obſchon ich kein Brandzeichen daran finden konnte) auch halte, und zwar theils weil, den Nachrichten zufolge, die Race von Nedjed um Baſſora die gewoͤhnlichſte iſt, theils weil ich im Ganzen viel Uebereinſtimmung mit dem Angoulemeſchen und mehreren Arabern derſelben Race, die ich in den Koͤnigl. Preußiſchen Geſtuͤten ſah, fand. Leider verhinderte mich ein heftiger Ge— witterregen, der den ganzen Tag anhielt, die von dieſem Hengſt gefallenen Fuͤllen, ſo wie uͤberhaupt alle Mutterſtuten und Fuͤllen dieſes Geſtuͤts zu ſehen, woruͤber ich alſo gar keine Bemerkungen machen konnte. 95 2) Sah ich den Election, einen Fuchs⸗ hengſt, Sohn des beruͤhmten Gohanna, und zu Petworth im Geſtuͤt des Grafen Egremont gezogen. Dieſer Hengſt iſt regelmaͤßig gebauet, und hat viel Orientaliſches in ſeinen Formen und ſeiner Art ſich zu tragen, nur iſt er etwas klein und fein, doch ruͤhmte man mir ſeine Nach— kommenſchaſt. 3) Sir Harry Dimsdale, ein Schim⸗ melhengſt. Weit groͤßer und ſtaͤrker als der vo— rige, dabei mit einer ausgezeichnet ſchoͤnen Vor— hand, wo beſonders der Anſatz des Halſes an der Schulter und des Kopfes am Halſe vor— trefflich iſt. Außerdem hat dieſer Hengſt kraͤf— tige breite Vorderarme und dergleichen hintere Sprunggelenke, und gefiel mir daher von den auf dieſem Geſtuͤt ſtehenden Hengſten am beſten. 96 3 V 4) Ein vierter Hengſt, der noch in Hamp⸗ toncourt ſtand, war ſo unbedeutend, daß er mei— nem Gedaͤchtniß ganz entfallen iſt. Das vierte und letzte, aber auch das zahl— reichſte Geſtuͤt, was ich in England ſah, war das des Grafen Egremont zu Petworth, wo dreißig Vollblut- und ſechs große ſtarke York— ſhirer Halbblutſtuten nebſt vier Beſchaͤlern ſtehen. Dieſe vier Hengſte ſind: 1) Voung Gohanna, ein Schimmel, von gefaͤlligen Formen, aber etwas zu ſchmal im Ruͤcken und etwas fein. 2) Whalebone, ein kleiner brauner Hengſt, der ſehr viel Orientaliſches hat, und den ich — faſt eher fuͤr ein Tuͤrkiſches als ein Engliſches Pferd gehalten haben wuͤrde, wenn ich das Gegentheil nicht gewußt haͤtte. Dieſer kleine Hengſt ſoll indeſſen ſelbſt ſehr ſchnell geweſen ſeyn, bereits mehrere ſehr ſchnelle Pferde pro⸗ np⸗ nei⸗ 97 ducirt haben, und deshalb als Beſchaͤler in ſehr gutem Rufe ſtehen, auch iſt er regelmaͤßig und fuͤr ſeine Groͤße breit und ſtark gebauet. Doch kann er nicht eben ſchoͤn genannt wer— den, da er z. B. einen etwas kurzen, obſchon nicht grade fehlerhaft gebaueten Hals hat. 3) Octavius, ein ſchoͤner, großer und ſtarker brauner Hengſt, der auch in ſeiner Ju— gend ſich auf dem Rennplatz ausgezeichnet hat, wuͤrde mir unter den in Petworth ſtehenden Hengſten der liebſte ſeyn; auch war, wie mir der Geſtuͤtmeiſter(Studgroom) ſagte, im letz— ten Jahre der groͤßere Theil der dortigen Stu— ten von ihm gedeckt worden. 4) Ein vierter Hengſt, deſſen Namen ich vergeſſen habe, war von unedlen Formen, und in aller Hinſicht unbedeutend. Der vorzuͤglichſte Theil dieſes Geſtuͤts iſt jedoch, meines Beduͤnkens, der Beſtand an 7 98 —— Mutterſtuten, welche ſich beſonders dadurch 4 auszeichnen: 1) daß ſie, mit wenigen Ausnahmen, rein von erblichen Knochenfehlern(ein in den Engliſchen Geſtuͤten ſeltener Fall) ſind. 2) daß man nur wenige von dem hochbeini⸗ gen Modeſchlage darunter findet, obſchon allerdings manche zu kleine und zu feine ſich dabei befinden moͤgten, jedoch auch nur als Ausnahme von der Regel; und 3) daß ſie eines beſonders guten Geſundheits— zuſtandes zu genießen ſcheinen. Aus dieſen drei Gruͤnden wuͤrde ich auch, wenn ich z. B. fuͤr ein Deutſches Geſtuͤt in England Vollblut-Mutterſtuten ankaufen ſollte, mich vorzugsweiſe bemuͤhen, ſie aus dieſem Geſtuͤt zu erhalten, obſchon, wie ich gehoͤrt habe(was ſich aber aus den Gruͤnden, die ich fruͤher, als ich von dem hochbeinigen Mode— —9 ur ſchlage uͤberhaupt ſprach, angefuͤhrt habe, leicht erklaͤrt), die Zucht des Grafen Egremont in ein der neueſten Zeit keine Majoritaͤt unter den en auf dem Rennplatz gewinnenden Pferden gehabt haben ſoll. i⸗ Die Gruͤnde, warum die Zucht des Gra⸗ ho fen Egremont mir von allen Engliſchen Zuch⸗ ſich ten in ihren Formen der Orientaliſchen Ab⸗ dur ſtammung am treueſten geblieben zu ſeyn ſcheint, und warum ſie am meiſten von erblichen Feh— ⸗ lern frei und in vorzuͤglichem Geſundheitszu— ſtande iſt, muß ich in Folgendem aufſuchen; c, wobei ich jedoch bemerke, daß, da ich nicht ſo in gluͤcklich war, den Grafen, dem ich durch einen te ſeiner Verwandten aus London empfohlen war, em anweſend zu finden, ich mich in den Punkten, zrt welche ſich auf die Zuͤchtungsgrundſaͤtze deſſelben beziehen, lediglich an die Angaben ſeines Geſtuͤt⸗ de⸗ meiſters halten muß, die ich aber um ſo eher 100 geneigt bin fuͤr wahr zu halten, da dieſer Mann nicht nur in ſeinem Fach gut unterrich— tet ſchien, ſondern auch ſeine Angaben durch den Augenſchein beſtaͤtigt wurden. Dieſer ſagte mir nun, ſein Herr haſſe beſonders die hochbeinigen, wie auch die vorn ſchlecht aufgeſetzten und uͤberbaueten Pferde. Er ſehe bei der Paarung nicht bloß auf den Ruf der Schnelligkeit eines Pferdes, ſondern vorzuͤglich, ob daſſelbe regelmaͤßig gebauet ſey, und kreuze daher auch nicht ſo haͤufig mit an— deren Hengſten, wie die meiſten uͤbrigen Ge— ſtuͤtsbeſitzer in England. Er halte ferner verſchiedene Knochenfehler fuͤr erblich, und ſuche deren Fortpflanzung zu vermeiden, er ſey endlich der Meinung, daß ein moͤglichſt vollkommener Geſundheitszu— ſtand der Mutterſtute, die das Fuͤllen ausbilden und ernaͤhren muͤſſe, zur Hervorbringung kraͤf⸗ —————— ceKvKHK—— 101 tiger Nachkommen durchaus nothwendig ſey, und da dieſes bei Stuten, die in training ge— weſen und gelaufen haben, nicht immer voraus⸗ zuſetzen ſey, ſo habe er eine bedeutende Anzahl Mutterſtuten in das Geſtuͤt aufgenommen, welche zwar von der beſten Abkunft, den regelmaͤßig⸗ ſten Formen und fehlerfreien Knochen waͤren, aber nie angeritten und folglich im Punkte der Schnelligkeit nicht ſelbſt erprobt worden. Wenn ich nun allerdings glaube, daß die vorangefuͤhrten, ſo ganz vernunftgemaͤßen An— ſichten Hauptveranlaſſungen der oben geruͤhm⸗ ten Eigenſchaften der Petworther Pferde ſind, und ich deshalb doppelt bedaure, mich nicht mit dem Grafen Egremont ſelbſt uͤber ſeine Pferdezucht nnterhalten und ſeine ohne Zweifel ſehr intereſſanten Anſichten uͤber dieſen Gegen⸗ ſtand aus ſeinem eigenen Munde geſchoͤpft zu haben, ſo muß ich doch noch hinzufuͤgen, daß 102 die Weiden dieſes Geſtuͤts, welche ich in aller Hinſicht fuͤr die vortrefflichſten halte, die ich je ſah, einen weſentlichen Antheil an den ausgezeichnet reinen, trocknen und ſehnig— ten Schenkeln der hier gezogenen Pferde, und an ihrem vorzuͤglich guten Geſundheitszuſtande uͤberhaupt haben moͤgen. Dieſe ausgedehnten Weiden befinden ſich naͤmlich auf lauter Huͤgeln, hoch genug, um die kraͤftigſten und nahrhafteſten Graͤſer hervor⸗ zubringen, und die Kraͤfte der Fuͤllen im Berg— auf- und Bergabſteigen hinreichend von Jugend auf zu uͤben, und doch nicht zu hoch, um bei trockenen und heißen Jahren zu wenige und zu harte Graͤſer hervorzubringen, oder durch uͤber⸗ maͤßige Anſtrengungen beim Erſteigen den Hin⸗ terſchenkeln der Fuͤllen zu ſchaden, und dadurch eine ſaͤbelbeinige oder kuhhaͤſſige Stellung der⸗ ſelben zu bewirken; wie dieſes bei mehreren mir — 103 bekannten Geſtuͤten auf dem Continent, deren Weiden ſehr gebirgig ſind, mitunter der Fall iſt, z. B. zu Lipizza bei Trieſt, einem Kaiſerlich Oeſterreichiſchen Geſtuͤt, zu Harzburg, einem Herzogl. Braunſchweigiſchen u. ſ. m. Außerdem ſind dieſe Weiden uͤberall mit reinem fließenden Bachwaſſer hinreichend verſe⸗ hen; und daß ſie ſelbſt bei ungewoͤhnlicher Trock⸗ niß und Hitze hinreichend Nahrung gewaͤhren, bewies der treffliche Zuſtand der Stuten und Fuͤllen gegen Ende des ſo ſehr heißen und trockenen Sommers 1818.— Die Staͤlle der Stuten, worin ſie in den Mittagsſtunden hei⸗ ßer Tage ſich ausruhen koͤnnen, und auch im Winter zubringen, ſind ſehr duͤnn und luftig gebauet, und wuͤrden fuͤr einen Deutſchen Win— ter viel zu kalt ſeyn, den milderen Engliſchen Wintern moͤgen ſie jedoch angemeſſen ſeyn. In Petworth ſtehen die Hengſte nicht 104 bloß, wie in allen guten Engliſchen Geſtuͤten, den ganzen Sommer hindurch, ſondern auch waͤhrend der Winterzeit in einer mit einem freiem Platz umgebenen offenen Huͤtte, und nicht angebunden, ſo daß ſie frei ein- und ausge— hen koͤnnen. Dieſes Durchwintern will ich bei dem milden Clima des ſuͤdlichen Englands nicht tadeln, wohl aber, daß der freie Platz dort, nicht wie ſonſt uͤblich, mit Raſen oder weicher ſandiger Erde bedeckt, ſondern mit Feldſteinen ausgepflaſtert iſt, und daß des⸗ halb die Beſchaͤler ſtets beſchlagen ſeyn muͤſ— ſen.— Hierdurch geht nun, meiner Meinung nach, nicht nur ein großer Theil der Wohlthat des freien Umherlaufens fuͤr die Fuͤße der Hengſte verloren, und die Hufe derſelben waren daher auch meiſtens ſehr ſproͤde, ein— gezogen und trocken; ſondern es leuchtet auch ein, daß die luſtigen Spruͤnge dieſer Thiere, —— — 109 die auf weichem Boden ihren Knochen und Sehnen nuͤtzlich ſeyn wuͤrden, auf dieſem har— ten und unebenen Steinpflaſter eine entgegen— geſetzte Wirkung hervorbringen muͤſſen. Da ſich hier meine Bemerkungen uͤber ganz edle Engliſche Geſtuͤt ſchließen, ſo ſey es mir erlaubt, noch einige allgemeine Bemer⸗ kungen uͤber die Pferdezucht in England uͤber⸗ haupt, mit vergleichender Bezugnahme auf die der mir bekannten Laͤnder des Europaͤiſchen Continents, hinzufuͤgen zu duͤrfen.— Vor allem wuͤnſchte ich, da ich mir herausgenom— men habe, hie und da manche Marxime der Engliſchen Pferdezuͤchter zu tadeln, daß man mich ja nicht ſo verſtehen moͤgte, als ob ich glaubte, daß man dieſes alles auf dem Conti— nent, und namentlich in Deutſchland beſſer ver⸗ ——ÿ—’—x—— 44 — 4 4 F “ — ſ ſtaͤnde, und als ob dort die Pferdezucht im Ganzen zweckmaͤßiger und beſſer betrieben wuͤr⸗ de, denn dieſes wuͤrde ein ſo grober Irrthum ſeyn, und eine ſo blinde Vorliebe fuͤr mein Vaterland verrathen, daß ich mich gegen eine ſolche Auslegung ausdruͤcklich verwahren muß.— Wer naͤmlich nur etwas Pferdekenntniß beſitzt, und Augen hat zu ſehen, der muͤßte ganz in Vorurtheilen befangen ſeyn, wenn er nicht mit voͤliger Ueberzeugung anerkennen wollte, daß kein Theil des Europaͤiſchen Feſtlandes ſeine Pferdezucht im Ganzen mit der von England meſſen kann.— Daß dieſes aber anch ziem— lich allgemein anerkannt iſt, beweiſt die große Anzahl von Pferden, die jaͤhrlich ſeit ſo vielen Jahren, theils zum Gebrauch, theils zur Ver⸗ beſſerung der Landespferdezuchten, aus England in die uͤbrigen Europaͤiſchen Laͤnder fuͤr große Summen ausgefuͤhrt wird.— So wie, daß — ℳ☛ im⸗ 107 England unbezweifelt das Land iſt, wo die Cultur des Pferdes den hoͤchſten Grad erreicht hat, außerdem ganz vorzuͤglich noch der Umſtand darthut, daß es das einzige Land in Europa, ja man kann ſagen in der Welt iſt, wo man zu jedem verſchiedenen Zweck und Gebrauch, eine beſonders dazu geeignete Pferdeart zieht, wohingegen in allen uͤbrigen Laͤndern hoͤchſtens zwei Hauptarten(d. h. Zug⸗ nnd Reitpferde) erzogen werden, die freilich unter ſich nicht ganz gleich, und daher auch zu verſchiedenen Zwecken mehr oder weniger brauchbar ſind, je⸗ doch natuͤrlich nicht ſo vollkommen dazu gebil— det ſeyn koͤnnen, als wo ſie, wie in England, jede vorzugsweiſe fuͤr einen beſtimmten Zweck erzogen werden. In England kann man naͤmlich(zahlloſe Unterabtheilungen ungerechnet) folgende weſent⸗ lich verſchiedene Pferdearten annehmen: 108 Das ganz edle aus reinem ſuͤdlichen Blute(d. h. Arabern, Barben, Egyptern, Perſern und Aſiatiſchen Tuͤrken, und zwar vaͤterlicher⸗ und muͤtterlicherſeits zuſammengeſetzte Rennpferd, welches in den Geſtuͤten reicher Gutsbeſitzer ſo ziemlich in allen Theilen Großbritanniens fortgepflanzt wird, und welches man als das Mittel betrachten muß, wodurch(mit Ausnahme des ſchwarzen Karrenpferdes) alle uͤbrige Pferdearten Englands mehr oder weniger veredelt werden. Das Jagd⸗ und leichte Wagenpferd, welches, den Umſtaͤnden nach, zu dreiviertel oder halb aus der erſten und der alten Yorkſhirer Landrace, oder dem ſogenann⸗ ten Clevelaͤndiſchen braunen Landpferde ge⸗ bildet iſt. 3) Das Ackerpferd, wovon es wieder drei 2 8 2 7 1 —ʒQqꝗQQ—C——CQ—ꝛů—QpQpm.y·y·2·: 4 109 weſentlich verſchiedene Arten giebt, als: a) das eben genannte braune Clevelaͤndi— ſche oder Yorkſhirer Landpferd. Nach meiner Anſicht oder vielmehr nach allem, was ich daruͤber in England gehoͤrt und geſehen habe, mit Bezugnahme auf die mir gezeigten Individuen dieſer Race, namentlich ſechs ſolcher in Petworth ge— ſehenen Stuten, eine alte, nicht mit auslaͤndiſchem Blute gemiſchte Engliſche Race. b) Das alte Suffolker Ackerpferd, meiſtens von Fuchsfarbe. Wahrſcheinlich etwas mit Normaͤnniſchem Blute gemiſcht. c) Das Clydesdaler oder Suͤdſchottiſche Ackerpferd, welches erweislich von Flan— driſchen Hengſten, mit Landesſtuten ge— paart, abſtammt, und gewoͤhnlich von Grauſchimmelfarbe iſt. —ᷓ———-———᷑—’—————— 4 110 Dieſe drei Arten ſind uͤbrigens ſo genau in Culley's bekanntem Werke, ſowohl ihrer Ge⸗ ſtalt als ihrem Zwecke nach, beſchrieben, daß ich mich hier ganz darauf beziehen kann. 4) Das Engliſche ſchwere ſchwarze Karren⸗ pferd, welches zwar urſpruͤnglich von Niederlaͤndiſcher Abkunft, aber doch jetzt zu einem eigenen davon abweichenden Schlage gebildet iſt, und vorzuͤglich in den ſogenannten mittellaͤndiſchen Grafſchaf⸗ ten erzogen wird. Dieſe Pferdeart findet man vor den Londoner Kohlen⸗ und Bier⸗ wagen von einer ſolchen elephantenartigen Groͤße und Schwere, daß man oft ver— ſucht wird, ſolche fuͤr eine vom Pferde ganz verſchiedene Thierart zu halten. Auch ſcheint es mir, daß man aus einer Art von Mo⸗ deſucht oder aus einem falſchen point Thonneur der Bierbrauer u. ſ. m. etwas ——,—— 111 genau darin ſucht, dieſe Pferde zu ſo ungeheu— r Ge⸗ ren Maſſen aufzuſchwemmen, daß ihr Be⸗ ich wegungsvermoͤgen dadurch in dem Maaße erſchwert, und ſo ſehr zur Fortſchaf⸗ 55 ren⸗ fung ihrer eigenen Maſſe erfordert wird, von daß der beabſichtigte Zweck(wie gewoͤhn— jeht lich bei allen Uebertreibungen) dadurch eher enden gehindert als gefoͤrdert wird, und daher 4 3 ˖in glaube ich auch, daß z. B. die ſtaͤrkſten Nie⸗ haf⸗ derlaͤndiſchen Karrenpferde, wie man ſie z. E det B. in Antwerpen, Gent u. ſ. w. ſieht, F ier⸗ vielleicht eben ſo ſchwere, wo nicht ſchwe— gen rere Laſten wegziehen, als die weit groͤ⸗ per ßeren und ſchwereren Londoner, da, um 1 mich ſo auszudruͤcken, ihre Bewegungs— t kraft nicht ganz ſo in ber Maſſe des Flei— 3 ſches erdruͤckt iſt, wie bei dieſen. Dem— 1 ungeachtet leidet es keinen Zweifel, daß dieſe ſchwere ſchwarze Race(um ſo mehr, da die oben erwaͤhnten Uebertreibungen nur als Ausnahmen und nicht als Regel gel⸗— ten koͤnnen) fuͤr ihren Zweck, d. h. lang⸗ ſame Fortſchaffung moͤglichſt ſchwerer Laſten auf ebenen Wegen, von großem dutzen, und daher deren Einfuͤhrung fuͤr England ein großes Verdienſt geweſen iſt. 5) Endlich die Poney's oder kleinen Pferde, welche zwar urſpruͤnglich Walliſiſchen oder Hochſchottiſchen Urſprungs zu ſeyn ſchei— nen, aber jetzt faſt uͤberall in England einzeln angetroffen werden, und zu man⸗ chen Zwecken nicht ohne Nutzen ſind. Welches andere Land koͤnnte ſich aber ruͤhmen, die Cultur des Pferdegeſchlechts auf ſo mannichfache Weiſe zu ſeinen verſchiedenen— Zwecken modificirt zu haben, denn wenn gleich z. B. Rußland allerdings auch ſehr verſchie⸗ dene Gattungen von Pferden hervorbringt, ſo — ·,— nn 113 iſt dieſes dort nicht ſowohl Folge der ſorgfaͤl— tigen Cultur des Pferdegeſchlechts, wie in Eng— land, ſondern des ungeheuren Umfanges dieſes Reichs, welches, indem es einen großen Theil zweier Welttheile in ſich faßt, natuͤrlich aus den allerverſchiedenartigſten Climaten und Laͤn⸗ dereien zuſammengeſetzt iſt, und daher auch mancherlei verſchiedenartige Pferde hervorbrin— gen kann, ohne daß die Einwirkung kuͤnſt⸗ licher Cultur derſelben einen weſentlichen Einfluß darauf gehabt haͤtte. Die einzelnen kleinen Maͤngel, die ich da— her hier oder da in der Engliſchen Pferdezucht geruͤgt habe, beruhen großentheils auf Local— verhaͤltniſſen und Zwecken, und habe ich daher auch ſolche mehr in Bezug auf den Gebrauch Engliſcher Pferde auf dem Europaͤiſchen Con⸗ tinent, und den Einfluß Engliſcher Zuchtpferde auf die Veredelung der Zuchten deſſelben, als 8 114 auf England ſelbſt, andeuten wollen, da manche Maͤngel der Engliſchen Pferdezucht, die zu den dortigen Zwecken unerheblich ſind, bei Anwen⸗ dung Engliſcher Gebrauchs⸗ und Zuchtpferde auf dem Continent unter veraͤnderten Localver⸗ haͤltniſen und Zwecken, nachtheiliger werden, und daher dort allerdings zu beruͤckſichtigen und wo moͤglich zu vermeiden ſeyn moͤgten. Wenn das uͤbrige Europa aber auch den Vorzug Englands in der Pferdezucht anerken⸗ nen und ſein Vorbild darin ſuchen muß, ſo iſt dagegen auch in Betrachtung zu ziehen, daß die inſulare Lage Englands, die es nun ſeit den Cromwellſchen Unruhen, alſo ſeit faſt 170 Jah⸗ ren, einer ungetruͤbten innern Ruhe genießen ließ(denn die Unruhen bei der Entthronung Jakobs II., und die ſpaͤterhin durch die beiden Praͤtendenten erregten, waren zu unbedeutend, um auf die innere Landescultur weſentlich nach⸗ 115 theilig einwirken zu koͤnnen), den Erfolg der mit Sachkenntniß begonnenen und mit beharr⸗ licher Conſequenz fortgeſetzten Veredelung der Pferdezucht unterſtuͤtzte und ſicherte, und ſolche zu einer allgemeinen Verbreitung und einer Stufe der Vollkommenheit gelangen ließ, die ohne dieſes unmoͤglich zu erreichen geweſen waͤre.— Nehmen wir dagegen an, daß ſeit jener Zeit(etwa dem Jahre 165⁰) das uͤbrige Europa in faſt ununterbrochene Kriege ver⸗ wickelt geweſen iſt, deren jeder zum Theil wie⸗ der zerſtoͤrte, was in einem kurzen Frieden mit Muͤhe gebildet war, und beſonders das Pferd, ſeiner Brauchbarkeit und Nothwendigkeit zum Kriege wegen, deſſen vertilgende Wirkung im⸗ mer vorzugsweiſe empfand, ſo iſt wohl nicht zu verwundern, wenn die Pferdezucht auf dem Continent auf einer weit niedrigeren Stufe ſteht, ja man moͤgte ſich ſogar wundern, daß 8* 116 daſelbſt veredelte Geſtuͤte uͤberall noch gefun⸗ den werden. Deutſchland, Italien, Pohlen, Spanien und Frankreich haben z. B. ſeit den letzten 20 Jahren, eins nach dem andern, und manche zu mehreren Malen, eine faſt allgemeine Zer⸗ ſtoͤrung ihrer oͤffentlichen und Privatanſtalten zur Veredelung der Pferdezucht erlitten, und muͤſſen das Werk von neuem anfangen, folglich kann es den Bewohnern dieſer Laͤnder wohl nicht geradezu als Mangel an Kenntniß oder an Betriebſamkeit ausgelegt werden, wenn ihre Pferdezucht im Ganzen tief unter der Engliſchen noch jetzt ſteht. Zweiter Brief⸗ Harbke, den 5ten Septbr. 1819. Da Sie wuͤnſchen, meine Bemerkungen auch uͤber die Pferdezucht in den mir bekannten Laͤn⸗ dern des Europaͤiſchen Feſtlandes mitgetheilt zu erhalten, ſo erfuͤlle ich dieſen Wunſch gern, werde mich jedoch dabei vorzuͤglich auf das, was ich ſelbſt zu ſehen Gelegenheit hatte, be— ſchraͤnken, und nur in ſo weit es zu Vervoll— ſtaͤndigung und Erlaͤuterung meiner Anſichten erforderlich iſt, auf die Angaben bewaͤhrter und glaubwuͤrdiger Schriftſteller Bezug nehmen, wes⸗ halb ich Sie daher bitten muß, meine Mit⸗ theilungen bloß als Bruchſtuͤcke, keinesweges 118 aber als eine vollſtaͤndige Beſchreibung der ver— ſchiedenen Pferderacen von Europa zu be⸗ trachten. Um mit Spanien den Anfang zu machen, muß ich gleich bemerken, daß ich zwar nicht ſelbſt in dieſem Lande war, aber zufaͤllig in anderen Laͤndern eine ziemlich große Anzahl Spaniſcher Pferde geſehen, außerdem durch mehrere ſachkundige und glaubwuͤrdige Freunde, die im Lande ſelbſt waren, manche intereſſante Notizen eingezogen, und auch vieles uͤber Spa— niens Pferdezucht geleſen habe. Die Pferdezucht dieſes Landes hat naͤmlich mein beſonderes Intereſſe dadurch erweckt, daß ſie noch vor kaum 100 Jahren die beruͤhmteſte in Europa war, und unſtreitig Spanien das— jenige Land in Europa iſt, wo edle ſuͤdliche Pferderacen zuerſt cultivirt ſind, und deſſen Pferde ſchon lange auf einer hohen Stufe der 119 Veredelung ſtanden, als die des uͤbrigen Eu⸗ ropa noch alle mehr oder weniger unveredelt und unberuͤhmt waren, was ſich in dieſem Au— genblicke freilich ganz anders geſtaltet hat. Daß Spaniens Pferde ſchon zu den Zei— ten der Roͤmer beruͤhmt und geſucht waren, wiſſen wir aus gleichzeitigen Schriftſtellern, ſo wie auch daraus hervorgeht, daß Spanien dieſe Veredelung vorzuͤglich den Carthagiſchen Colo— nien und uͤberhaupt ſeiner genauen Verbindung mit Carthago verdankt, wodurch den Spani⸗ ſchen Racen viel ſuͤdliches Blut beigemiſcht wor⸗ den war. Ob und in wie weit dieſe Veredelung ſich unter der Herrſchaft der Gothen und Vanda— len erhalten haben mag, wiſſen wir freilich aus Mangel hiſtoriſcher Nachrichten nicht. Sollten jene edelen Racen aber auch in dieſem Zeit⸗ raume mehr oder weniger erloſchen ſeyn, ſo 120 wurden ſie unter der faſt achthundertjaͤhrigen Herrſchaft der Sarazenen im ſuͤdlichen Spanien um ſo ſchoͤner wieder begruͤndet, wie denn der Ruhm der Spaniſchen Pferde neuerer Zeit ſich erweislich aus den Zeiten der Mauriſchen Herr⸗ ſchaft herſtammt, und ſich auch nachher vor⸗ zugsweiſe nur in den von den Mauren am laͤngſten beſeſſenen Provinzen Andaluſien und Granada erhalten hat. Der ſicherſte Beweis der Richtigkeit die⸗ ſes Satzes iſt der, daß, wie z. B. noch ganz neuerlich Hr. de Mouſſy(deſſen ich weiterhin umſtaͤndlicher erwaͤhnen werde) anfuͤhrt, man dieſem im Jahre 1805 an Ort und Stelle ver⸗ ſicherte, daß die Stiftung des damals noch beſtehenden und jederzeit beruͤhmteſten Koͤnigl. Spaniſchen Geſtuͤts zu Cordova in Andaluſien von dem Chalifen Abdorrahman I., der be⸗ kanntlich daſelbſt reſidirte, hiſtoriſch nachzuwei⸗ ——— gen ien 121 ſen ſey; wie auch, daß dieſes Geſtuͤt von den Zeiten der dortigen Chalifen bis in die neueſte Zeit ununterbrochen fortgedauert habe. Den erſten Stoß ſoll die edle Spaniſche Pferdezucht (wie ein gleichzeitiger Deutſcher Schriftſteller, Max Fugger, welcher als Stallmeiſter Kaiſer Ferdinand I. ſelbſt in Spanien war, folglich aus mehr als einer Hinſicht im Stande gewe— ſen iſt, daruͤber ein richtiges Urtheil zu faͤllen, uns erzaͤhlt) durch den ungluͤcklichen Feldzug Kaiſer Karls V. gegen Algier erlitten haben. Man hatte naͤmlich, um eine recht zahlreiche und ausgeſuchte Reiterei aufzuſtellen, den groͤ⸗ ßeſten Theil der ausgezeichnetſten Spaniſchen Geſtuͤtspferde ausgehoben und eingeſchifft, welche theils bei einem Sturm im Meere untergingen, theils vor Algier aus Mangel oder Krankheit ſtarben, theils endlich bei dem ſchnellen Abzuge der Spaniſchen Armee getoͤdtet oder zuruͤck— ——— ——— 12² gelaſſen werden mußten.—„Zwar,“ ſagt Max Fugger,„ſuchte man die Pferdezucht da⸗ durch wieder aufzuhelfen, daß man viele Mau⸗ riſche Hengſte kommen und in den Spaniſchen Geſtuͤten bedecken ließ, wodurch man die alte Race zwar in etwas, aber doch nicht ganz wiederherſtellte.“— Dieſes ließe ſich nun ent— weder ſo erklaͤreu, daß in dem Feldzuge auch ein großer Theil der edelſten Stuten umgekom— men ſeyn mußte, und da man den Mauriſchen Hengſten wenig oder keine ganz edle Stuten ge— ben, folglich auch nur einen halb veredelten Schlag von ihnen erzielen konnte, oder aber (da dieſes nicht ganz wahrſcheinlich iſt, weil man damals, ſo wie noch jetzt in Spanien, ſich der Stuten uͤberhaupt nicht gern, am wenigſten aber zu Kriegspferden zu bedienen pflegte) die Mauriſchen Hengſte, deren man ſich zur Auf⸗ friſchung der Geſtuͤte bediente, waren nicht ſo 123 edel, als die, womit fruͤher die Mauren die edle Pferdezucht in Spanien begruͤndet hatten, und dieſes iſt dadurch ſehr erklaͤrlich, daß die Spaniſchen Chalifen auch zugleich Herren eines Theils von Nordafrika waren, und durch ihre politiſchen und religioͤſen Verbindungen mit Egypten und Arabien im Stande waren, ſich die edelſten Pferde jener Laͤnder zu verſchaffen, wohingegen Kaiſer Karl V. und ſeine Zeitge⸗ noſſen in Spanien, die ſich mit den Mauriſchen Staaten in Nordafrika in ſtetem Kriege befan⸗ den, von deren Pferden wohl nur heimlich oder zufaͤllig, z. B. als Beutepferde u. ſ. w., alſo wahrſcheinlich nicht die beſten erhalten konn⸗ ten.— Dem ſey wie ihm wolle, ſo hat die Spaniſche Pferdezucht dennoch bis gegen die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts ihren alten Ruhm einigermaßen behauptet, und ſcheint erſt von da an, aber auch unaufhaltſam, ihrem Un— 124 V tergange entgegen geeilt zu ſeyn. Wenigſtens vor 4 b findet man von der Zeit an in allen Schrift— ziſ 5* ſtellern uͤber die Pferdezucht in Europa, nichts. ſöc als Klagen uͤber die Ausartung der Spaniſchen V les 1 Pferde, und den wenigen Werth derer, welche No daher in neuerer Zeit zu Veredelung der Pfer⸗ er dezucht nach Frankreich, Deutſchland u. ſ. w. ab gebracht ſind. 9 So z. B. fand der Koͤnigl. Preuß. Stall⸗ 1 meiſter, Hr. Volny, welcher im Jahre 1787 1 nach Spanien geſchickt wurde, um dorther Pferde fuͤr die Koͤnigl. Preuß. Geſtuͤte zu hoh⸗ len, weder in den Koͤniglichen noch Privatge⸗ V ſtuͤten Spaniens, Pferde, die ihm der Koſten 5 des Ankaufs und Transportes zu jenem Zwecke 1 8 nur einigermaßen werth geſchienen haͤtten. Am umſtaͤndlichſten und gruͤndlichſten aͤußert ſich je— 3 doch uͤber den Verfall der Spaniſchen Pferde⸗ R zucht der oben ſchon erwaͤhnte, im J. 1805 von Bonaparte nach Spanien geſchickte Fran⸗ zoͤſiſche Veterinair Hr. v. Mouſſy, in ſeiner hoͤchſt intereſſanten Abhandlung(Mémoires sur les chevaux Espagnols etc. par A. de Moussy. Paris 1811), und die Gruͤnde, die er daruͤber aufſtellt, ſind ſo einleuchtend und uͤberzeugend, daß ſie den Gegenſtand, wie ich glaube, erſchoͤpfen. Sie ſind in der Hauptſache folgende: 4 1) Die ſeit dem Regierungsantritt Philips V. gegebene Verordnung, wonach den Ober⸗ ſten der Cavallerieregimenter erlaubt ward, ſich aus allen Privatgeſtuͤten im Lande die beſten zweijaͤhrigen Hengſtfuͤllen zu einem feſtgeſetzten Preiſe auszuſuchen, wodurch folglich nicht nur die ſchlechteſten fuͤr die Fortpflanzung uͤbrig blieben, ſondern auch durch eine ſolche tyranniſche Maaßregel der Eifer fuͤr die Pferdezucht und de⸗ ren Vervollkommnung uͤberhaupt erkalten mußte. Die immer mehr(wahrſcheinlich vorzuͤglich aus obigem Grunde) uͤberhand genommene Maulthierzucht, wozu man die beſten Stu⸗ ten verwandte und der Pferdezucht entzog. Die wenige Aufmerkſamkeit auf anſteckende Krankheiten, die man aus religioͤſer In— dolenz als unabwendbare Schickungen des Himmels(wie z. B. die Tuͤrken die Peſt) betrachtet, und daher nichts zu ihrer Abwendung und Hemmung thut. 4) Zuletzt, daß man, wie man ſich endlich beim Regierungsantritt Karls III. von dem allmaͤhligen Verfall der Pferdezucht zu uͤberzeugen anfing, einen ganz ver⸗ kehrten Weg zu deren Aufhuͤlfe ein⸗ ſchlug.— Anſtatt naͤmlich zuvoͤrderſt die eben angefuͤhrten Veranlaſſungen des Ver⸗ ih -⸗ 127 falls der Pferdezucht in Spanien aus dem Wege zu raͤumen, und dann die alte Zucht, entweder durch ſorgfaͤltige Aufſuchung und Benutzung der(hoͤchſt wahrſcheinlich da— mals, wenigſtens noch einzeln, vorhande⸗ nen) Ueberreſte der alten edlen Genetten (oder der wahren Mauriſch-Andaluſiſchen Pferde) wieder herzuſtellen, oder, wenn ſich davon entweder gar nichts oder doch zu wenig mehr vorgefunden haben ſollte, auf die Quelle jenes edlen Stammes zu— ruͤckzugehen, und Hengſte und wo moͤglich auch Stuten aus der ſo nahe liegenden Barbarei, oder noch beſſer aus Arabien ſelbſt, kommen zu laſſen, ließ man Pferde aus Neapel, aus der Normandie, ja ſogar aus Daͤnnemark kommen, und vermiſchte und verdarb ſo den geringen noch vorhan— denen Reſt des alten edlen Stammes durch 128 dieſe mehr oder weniger weit unedleren Racen; wogegen man, wie Hr. Volny ſich uͤberzeugte, eine Anzahl edler Arabi⸗ ſcher und Barbiſcher Stuten, welche der Dey von Algier dem Koͤnige geſchenkt hatte, zur Maulthierzucht verwandte!!— Mit Recht ruft hierbei ein Deutſcher Schriftſteller uͤber die Pferdezucht(Hr. Ammon) aus: „Sollte man nicht glauben, daß mit der edlen Pferdezucht ſelbſt auch die Kenntniß der— ſelben in einem Lande ganz untergegangen ſeyn muͤſſe, wo man Arabiſche Stuten zur Maul— thierzucht, und Daͤniſche Hengſte zur Verede— lung der Pferdezucht anwendet.“ Eben ſo ſcheint auch die alte Eintheilung der Spaniſchen Pferde in Genetten(d. h. ganz edle Andaluſiſche Pferde von Mauriſcher Abkunft) und Villanos(oder mehr oder —ù we⸗ no nit 129 weniger veredelte Landpferde), wovon die beſten aus Aſturien und Gallizien gekommen ſeyn ſol— len, ſelbſt dem Namen nach verſchwunden zu ſeyn. Sie koͤmmt in neueren Spaniſchen Pfer⸗ deſchriften nicht mehr vor, und auch neuere Reiſende in Spanien haben ſie dort nicht be— merkt.— Bis zum Jahre 1808 beſtanden die Koͤ⸗ nigl. Geſtuͤte zu Cordova und Aranjuez zwar noch, waren jedoch, beſonders das zweite, ganz mit jenen noͤrdlichen Racen gemiſcht, und die Beſchaͤler aus dieſen Koͤnigl. Geſtuͤten hatten auch bereits dieſe unedle Miſchung den meiſten Privat— geſtuͤten im Lande mitgetheilt.— Nur allein das Geſtuͤt des Grafen von Altamira zu Baéna in Andaluſien ſoll ſich nicht nur rein von die— ſer Miſchung erhalten, ſondern auch durch ei— nige aͤcht Arabiſche Beſchaͤler aufgefriſcht, viel— leicht ganz allein noch das alte edle Suͤd— 9 2 130 ſpaniſche Pferd, oder den Genetten, hervorge⸗ bracht haben. Durch den letzten ſchrecklichen Krieg iſt je⸗ doch hoͤchſt wahrſcheinlich auch dieſer letzte Stamm edler Pferde, mit denen der uͤbrigen Geſtuͤte in Spanien, ganz untergegangen, und einem in den Zeitungen enthalten geweſenen Be— richte zufolge, den der Spaniſche Miniſter des Innern im Herbſt 1818 an den Koͤnig ge⸗ macht hat, ſcheint der jetzige Zuſtand der Pferde⸗— zucht in dieſem Lande uͤber alle Beſchreibung elend zu ſeyn, und zwei gute Gruͤnde laſſen mich fuͤrchten, daß an deren Wiederaufbluͤhen auch vor der Hand wohl nicht zu denken ſeyn duͤrfte. 1) naͤmlich laſſen die in dieſem Lande, wie es ſcheint, jetzt herrſchenden wenig libera— len Grundſaͤtze, ſo wie die durch die In— ſurrection in Suͤdamerika herbeigefuͤhrten 131 finanziellen Verlegenheiten der Spaniſchen Regierung ſchwerlich aufmunternde Maaß⸗ regeln fuͤr den Landwirth uͤberhaupt, und folglich auch fuͤr den Pferdezuͤchter hof— fen, und iſt man, wie eben jener Bericht des Mi— niſters darthut, uͤber die einzig moͤg— liche Quelle einer wahren Herſtellung der Pferdezucht in dieſem Lande noch immer nicht aufgeklaͤrt(ſo deutlich ſol— che auch durch die Geſchichte der Spa— niſchen Pferdezucht am Tage liegt), an⸗ ſtatt ſich naͤmlich endlich um jeden Preis wieder Orientaliſche Zuchtpferde zu ver⸗ ſchaffen, ſpricht der Miniſter abermals von einer großen Anzahl Normaͤnniſcher, Nie— derlaͤndiſcher und Daͤniſcher Pferde, die man zur Herſtellung der Pferdezucht in Spa— nien einfuͤhren muͤſſe!! 132 Dieſe Verkehrtheit ſcheint allerdings darin ihren Grund zu haben, daß man durchaus einen großen Schlag Reit⸗ und Wagenpferde in Spanien erzielen will. Abgeſehen aber davon, daß dieſer Zweck mir fuͤr Spanien weder daurend erreichbar, noch auch nothwendig oder beſonders nuͤtzlich ſcheint; duͤrfte er auch durch die Einfuͤhrung großer, aber gemeiner Beſchaͤler ſchwerlich je erreicht werden, wie uns das Beiſpiel Frank⸗ reichs, mit Ausnahme der Normandie und noch einiger Provinzen, die urſpruͤnglich große Pferderacen hatten, und deren Boden ſich zu ihrer Aufzucht eignet, ſeit 150 Jahren ge⸗ lehrt hat. Meine Gruͤnde zu dieſer Behauptung ſind folgende: 1) Bei dem gebirgigen, trocknen, ſteinigen Boden des groͤßeſten Theils von Spanien darin einen de in Jweck nigen anien 133 wird das Maulthier, und hie und da auch der Ochſe, zu Fortſchaffung von Laſten, durch Tragen oder Ziehen, und uͤberhaupt fuͤr die ſchweren Arbeiten ſtets unentbehr⸗ lich, und mindeſtens zu dieſem Zwecke nuͤtzlicher als das Pferd bleiben, folglich die ſchweren Arbeitspferde, die Spanien nie hatte, und ſchwerlich je mit Erfolg erziehen wird, auch ferner entbehrlich machen. Will man aber dennoch, z. B. fuͤr die ſchwere Cavallerie und den Luxus, durch⸗ aus groͤßere Pferde hervorbringen, ſo ahme man die Englaͤnder nach, welche das kleine Orientaliſche Pferd, wovon ihre Rennrace allein abſtammt, durch gute Fuͤt⸗ terung und Pflege der Mutterſtuten und Fuͤllen von Jugend auf, zu einer bedeu⸗ tenden Groͤße umgeſtaltet haben, aber man 134 verderbe nicht vollends die edlere Spani⸗ ſche Race mit gemeineren noͤrdlichen Heng⸗ ſten, wodurch man doch nur(wie die neue damit gemiſchte Spaniſche Art ge⸗ zeigt hat) Mißgeſtalten, d. h. ſchwere flei⸗ ſchigte Koͤrper mit duͤnnen Beinen, die ihre eigne Laſt nicht tragen koͤnnen, erzie⸗ len wird.— Ja dieſe kuͤnſtliche Groͤße ſolcher Baſtarde wird ſich obenein in eini— gen Generationen beſtimmt wieder verlie— ren, wenn man nicht eine reichlichere und gleichfoͤrmigere Nahrung fuͤr die Mutter— ſtuten herbeiſchaffen kann, als bisher ge— ſchehen iſt, was aber in einem trocknen und heißen Clima, wie Spanien es hat, im Großen unausfuͤhrbar ſeyn wuͤrde, und man folglich binnen kurzem wieder eine eben ſo kleine aber weit gemei⸗ nere und in jeder Hinſicht ſchlechtere Pferdeart haben wird, als man vorher beſaß.— Spanien iſt, wie die Geſchichte und die Natur ſeines Bodens und Clima's lehrt, ganz und vorzugsweiſe dazu geſchaffen, edle Reit⸗ pferde von Mittelgroͤße, und hie und da auch, wo nicht große, doch kraͤftige Wagenpferde des leichteren Schlags hervorzubringen, und wuͤrde, wenn es darin den aͤlteren naturgemaͤßen Grund⸗ ſaͤtzen treu geblieben waͤre, und der Pferdezuͤch⸗ ter, ſtatt wie bisher in dieſer Induſtrie ge⸗ hemmt zu werden, einige Ermunterung von der Regierung erhielte, und insbeſondere das ganz zweckwidrige und alle Induſtrie laͤhmende Ver⸗ bot der freien Pferdeausfuhr, wie auch die ge— zwungene Aushebung fuͤr die Cavallerie aufge— hoben wuͤrde, bald im Stande ſeyn, nicht nur ſeinen eigenen Bedarf zum buͤrgerlichen und mi⸗ litairiſchen Gebrauch hervorzubringen, ſondern —ꝛ—ꝛ—x:————— ———— 136 auch dem uͤbrigen Europa ſtets eine bedeutende Anzahl edler Zucht- und Gebrauchspferde uͤber⸗ laſſen koͤnnen, und ſich dadurch eine erhebliche— neue Erwerbsquelle ſchaffen, ſtatt daß jetzt in allem dieſen das Gegentheil Statt findet.— Nur uͤberlaſſe man die ſchweren Arbeiten den Ochſen und Mauleſeln, und obſtinire ſich nicht, ſchwere Zugpferde und ganz große Reitpferde erziehen zu wollen, die auf Spaniens Boden nie gedeihen werden*). *) Obſchon ich nicht glaube, daß man in dem hier Geſagten einen Widerſpruch mit den im nach⸗ folgenden Anhange aufgeſtellten allgemeinen Grundſaͤtzen uͤber die Verſetzung einer Pferde⸗ race aus einem Lande in das andere, und die Moͤglichkeit, ſolche dort conſtant zu erhalten, finden wird, ſo bemerke ich doch ausdruͤcklich, wie ich es keinesweges fuͤr abſolut unmoͤglich halte, daß, wenn man z. B. eine Reinzucht von großen Normaͤnniſchen oder Hollſteiniſchen Pferden nach Spanien verſetzte, und durch reich⸗ 1803 137 Ich habe Gelegenheit gehabt, im Jahre zu Wien 17 Spaniſche Hengſte zu ſehen, liche Fuͤtterung(d. h. ſo wie es in England ge— ſchieht neben dem Weidegange), wie auch durch Schutz vor der Tageshitze in den heiße⸗ ſten Monaten u. ſ. w. angemeſſen verpflegte, eine ſolche ſich erhalten wuͤrde. Fuͤr relativ unmoͤglich halte ich aber eine ſolche Unterneh— mung allerdings, und zwar ꝛ) weil der Spa⸗ niſche Nationalcharakter mir zur nachhaltigen Durchfuͤhrung einer ſo induſtrioͤſen Maaßregel uͤberall nicht ganz geeignet ſcheint, und 2) weil der zu erreichende Zweck die Mittel nicht auf⸗ wiegen wuͤrde. Denn es ſcheint mir(vollends in einem Lande, wo der meiſt ſteinige und ber⸗ gige Boden den Gebrauch ſchwerer Pferde ſo ſehr beſchraͤnkt) gewiß eine ſchlechte Speculation zu ſeyn, mit großen Koſten ſchlechtere Pferde als die einheimiſchen zu erziehen, ſtatt daß, wie ich uͤberzeugt bin, wenn die Lieferung edler Reit⸗ pferde fuͤr das uͤbrige Europa durch die Unacht— ſamkeit der Spanier nicht von ihnen an die Englaͤnder uͤbergegangen waͤre, und jene daſ⸗ ſelbe ferner damit verſehen haͤtten, ſie die we⸗ 138 die man fuͤr die Kaiſerl. Oeſterreichiſchen Ge⸗ ſtuͤte mit Koͤnigl. Spaniſcher Erlaubniß aus den bekannteſten Geſtuͤten Spaniens aufgekauft hatte. Es befanden ſich darunter: ¹) Ein Hengſt aus dem Geſtuͤt des Gra⸗ fen Altamira zu Baéna. Dieſer Hengſt war eher klein als groß, aber von einem ſehr edlen muskuloͤſen Bau, und ungemeinem Feuer und Gewandtheit. Er trug noch voͤllig das Ge— praͤge Orientaliſcher Abkunft, und war ganz das, was ich mir unter einem edlen Spaniſchen Ge— netten immer gedacht habe. 4 2) Zwei oder drei Hengſte aus dem Ge⸗ ſtuͤt zu Cordova. Sie kamen dem erſten noch nigen, ihnen etwa durchaus noͤthigen großen und ſchweren Zugpferde leicht aus dem Aus— lande haͤtten beziehen koͤnnen, und doch die Bi— lanz des Pferdehandels noch ſehr zu ihrem Vor⸗ theil geblieben ſeyn wuͤrde. 139 hüde am naͤchſten, hatten aber doch ſchon ſchwerere in Koͤpfe und Haͤlſe und uͤberhaupt zu viel Koͤrper hait gegen ihre feinen Knochen. 3) Vier oder fuͤnf Hengſte aus Aranjuez. 5 Dieſe waren weit groͤßer, aber auch weit un— t var edler, und man erkannte kaum mehr die Ueber⸗ dle reſte des alten edlen Spaniers in ihnen. r und Schwere krumme Koͤpfe, fette dicke Haͤlſe und be⸗ Schultern mit dicken Maͤhnen, Schweifen und dab, vielem Behang an den Feſſeln, beurkundeten Ge⸗ genugſam ihre Normaͤnniſche, Daͤniſche oder Neapolitaniſche Abkunft, auch hatten ſie von Ge⸗ den letzteren bereits das falſche Temperament nc geerbt, und biſſen und ſchlugen faſt alle, was bekanntlich das edle Spaniſche Pferd ſelten guja thun ſoll. Aus⸗ Die uͤbrigen waren aus Privatgeſtuͤten, b auch mehr oder weniger gemiſcht, und groͤßten⸗ theils von dem Schlage, die man, den Beſchrei⸗ .——————2——4j———— 14⁰ bungen zufolge, ſonſt Villanos genannt haben wuͤrde.— Der Hengſt aus dem Altamiraer Geſtuͤt war wohl der einzige, welcher des Trans⸗ portes werth geweſen.— Spaͤterhin habe ich uͤber 200 Stuͤck Spa⸗ niſcher Hengſte geſehen, welche die Franzoſen aus der Cavallerie des Romanaſchen Corps in Hollſtein ausgeſucht hatten, um ſie nach Frank⸗ reich zu fuͤhren, jedoch in Hannover wohl noch den dritten Theil davon, den ſie ſelbſt zu ſchlecht fanden, verkauften. Unter allen dieſen Pferden war durchaus nichts Ausgezeichnetes; faſt ohne Ausnahme hatten ſie ſchwere Koͤpfe, Haͤlſe und Schultern, ſpitzige Mauleſelkreuze, hohe duͤnne Beine, mit ſchmalen ſchwachen Armen, Sprunggelenken und langen ſchwachen Feſſeln. Ein Gleiches habe ich faſt ohne Ausnahme bei den Spaniſchen Pferden, die ich in der haben niraer rans⸗ ern, 141 Franzoͤſiſchen Armee und in Franzoͤſiſchen Ge⸗ ſtuͤten gefunden habe, beobachtet. So ſteht z. B. noch jetzt in dem Landbeſchaͤlerdepot zu Verſailles eine bedeutende Anzahl Spaniſcher Hengſte, worunter mehrere, die Bonaparte ſelbſt geritten hat, die jedoch alle mehr oder weniger mittelmaͤßig oder ſchlecht ſind. Was den jetzigen Zuſtand der Pferdezucht in Frankreich betrifft, ſo iſt derſelbe, ſo viel ich im vorigen Sommer 1818 theils ſelbſt be⸗ obachten konnte, theils durch Erkundigungen bei ſachverſtaͤndigen Maͤnnern im Lande erfahren habe, im Ganzen nicht der beſte; doch geſchieht in dieſem Augenblick von Seiten der Regie— rung viel fuͤr die Pferdezucht, und zwar, wie es ſcheint, allmaͤhlig nach richtigern Grundſaͤtzen als ſonſt, ſo daß bei einem langen Frieden 142 kaum zu bezweifeln iſt, daß die Pferdezucht in Frankreich ſich außerordentlich verbeſſern wird. Es iſt bekannt, daß ſeit dem Jahre 1663, wo der Mangel guter Pferde in Frankreich zu— erſt fuͤhlbar wurde, und Colbert deshalb ſehr ausgedehnte Vorſchlaͤge zur Veredelung und all— gemeineren Verbreitung der Pferdezucht that, von der Regierung dieſes Landes faſt ununter⸗ brochen große Aufopferungen und Anſtrengun⸗ gen fuͤr dieſen Zweck gemacht ſind, welche je— doch, wie die Klagen der Franzoͤſiſchen Schrift⸗ ſteller uͤber dieſes Fach zu verſchiedenen Zeiten beweiſen, im Ganzen keinen weſentlichen Erfolg gehabt haben muͤſſen, wie denn z. B. der bei weitem groͤßeſte Theil des Bedarfs der Fran— zoͤſiſchen Reiterei, beſonders der ſchweren, faſt zu jeder Zeit aus den Niederlanden, dem noͤrd⸗ lichen Deutſchland, Hollſtein und Daͤnnemark hat entnommen werden muͤſſen.— Der Grund iht i duͤrfte, außer den faſt unaufhoͤrlichen Kriegen, vid. worin Frankreich verwickelt geweſen iſt, wie ſi3; auch der Revolution, worin gleich anfangs alle h zu⸗ Geſtuͤte des Staats und der großen Gutsbe— ſichr ſitzer zerſtoͤrt wurden, hauptſaͤchlich in den un— d all richtigen Maaßregeln liegen, die man zu jenem that Zwecke angewandt hat. -unter⸗ Man hat naͤmlich ſeit 1663 zwar faſt ngun— alljaͤhrlich eine große Anzahl Hengſte zur Ver— e je⸗ edelung der Landesracen nicht nur aus Aſien rift⸗ und Afrika, ſondern auch aus faſt allen Theilen eiten von Europa, als z. B. Spanien, Neapel, Eng⸗ rfolg land, Deutſchland und Daͤnnemark eingefuͤhrt, r bei ſolche aber ohne gehoͤrige Auswahl in Beſſhaͤl— Fran⸗ Depots in faſt allen Theilen von Frankreich fk aufgeſtellt, und dabei hauptſaͤchlich den Zweck noͤrd⸗ vor Augen gehabt, uͤberall große und ſtarke nrk Pferde zu erziehen.— Durch dieſe Maaßregel rund hat man aber die Racen ſo vieler anderen — 144 Laͤnder mit den Franzoͤſiſchen gemiſcht, daß ſelbſt da, wo urſpruͤnglich gute Arten waren, dieſe durch ſchlechtere fremde Pferde verdorben ſind, und auch den urſpruͤnglich ſchlechteren Arten wenig aufgeholfen iſt.— Da aber auch große und zugleich ſtarke und gute Pferde bekanntlich nur da im Großen erzogen werden koͤnnen, wo nicht nur der Boden reichliche und ge⸗ ſunde Nahrung gewaͤhrt, ſondern auch ein gro— ßer ſtarker Schlag Mutterſtuten entweder be— reits vorhanden iſt oder zugleich mit den Heng⸗ ſten herbeigeſchaft wird; ſo mußte der beabſich⸗ tigte Zweck ſchon deshalb unerreicht bleiben, da man ſich von jeher in Frankreich in den Kopf geſetzt zu haben ſcheint, die Vergroͤßerung der Pferde(ſo wie die Veredelung derſelben uͤber⸗ haupt) bloß durch Einfuͤhrung fremder großer Hengſte zu erzwingen. Eine Idee, der ſo— wohl die Natur der Sache, als die Erfahrung 145 jederzeit widerſprochen hat, da zwar der Keim des jungen Pferdes durch den Vater gelegt wird, daſſelbe aber bis zur Geburt in der Mutter Leibe ausgebildet und auch nachher noch geraume Zeit durch die Milch der Mutter aus⸗ ſchließlich ernaͤhrt wird.— Natuͤrlicher Weiſe muß daher, wenn auch der vaͤterliche Keim auf die Form des jungen Pferdes weſentlichen Ein— fluß hat, dagegen deſſen Groͤße und Umfang vorzugsweiſe durch die Mutter bedingt werden, da eine kleine Mutter in der Regel weder ein großes Fuͤllen tragen und gebaͤhren, noch nach⸗ her hinreichend wird ernaͤhren koͤnnen.— Dem— nach kann ein großer Schlag Pferde gewiß daurend nur da gebildet werden, wo 1) auf irgend eine Weiſe auch fuͤr Herbeiſchaffung einer hinreichenden Anzahl großer Mutterſtuten zuvor geſorgt iſt, und 2) die Natur des Bodens zur Ernaͤhrung eines ſolchen Schlages hinreichende 10 1 4 6 Nahrung liefert. Wo hingegen dieſe beiden Bedingungen fehlen, wird man, individuelle Ausnahmen, die jede Regel leidet, abgerechnet, gewiß niemals einen großen Schlag Pferde er⸗ zielen, und wenn man auch ein Jahrhundert hindurch die groͤßeſten auslaͤndiſchen Hengſte einfuͤhrte und zur Zucht anwendete.— Dieſes aber iſt, mit Ausnahme der Normandie und noch einiger Diſtricte(wo obige Bedingungen Statt fanden) Frankreichs Fall geweſen, und ſomit ſind ſeit anderthalb Jahrhunderten in die⸗ ſem Lande ungeheure Summen fuͤr große Nie⸗ derlaͤndiſche, Hollſteiniſche u. dgl. Beſchaͤler zweck— los verſchwendet worden. In dieſem Augenblicke beſitzt Frankreich nur drei Geſtuͤte, die dem Staate gehoͤren, wo ſich auch Mutterſtuten befinden, indem alles, was ſich ſonſt dem Staate gehoͤrig in der Art vorfindet, auf Depots von Landbeſchaͤlern be⸗ ————————— —1 häde ſchraͤnkt iſt, deren es uͤbrigens eine bedeutende idunl Anzahl giebt. echnet Obige drei Hauptgeſtuͤte ſind: de er⸗ 1) Pin in der Normandie, wo das Koͤ⸗ undert nigl. Geſtuͤt fuͤr die große Reit- und vorzuͤg⸗ dengſte lich die Wagenrace ſich befindet, was ich je⸗ diſts doch nicht ſelbſt geſehen habe. Vor der Re— e und volution ſoll dieſes Geſtuͤt ſehr zahlreich gewe— ungen ſen ſeyn, und beſonders einen ſehr ſchoͤnen und und ſtarken Schlag von Jagd⸗ und Kutſchpferden, die⸗ wie auch eine bedeutende Anzahl Landbeſchaͤler Nie⸗ geliefert haben. In der Revolution iſt es je⸗ eck doch ganz zerſtoͤrt, und erſt unter Bonaparte wieder hergeſtellt worden. Ueber ſeinen jetzigen kreich Zuſtand kann ich nichts ſagen, da ich nur ein— , wo zelne dort gezogene Pferde geſehen habe. alles Wenn ich jedoch nach dem urtheilen darf, Art was ich in Paris unter den Koͤnigl. Wagen— be pferden und ſonſt daher geſehen habe, ſo iſt 10 „ 148 nicht zu leugnen, daß dieſer Schlag zu dem Zwecke, beſonders zum langſameren Dienſt vor den ſchweren Staatswagen, gar nicht zu verwer⸗ fen iſt, und immer unter die beſſeren Wa⸗ genſchlaͤge auf dem Continent gehoͤrt, nur muß man ihn nicht mit den trefflichen Engliſchen Yorkſhirer Wagenpferden vergleichen wollen, wie man ſolche ziemlich allgemein in London vor den Kutſchen, in beſonderer Vollkommen⸗ heit aber in den Staͤllen des Prinz Regenten zu Carltonhouſe ſieht. Dieſe Pferde ſind naͤmlich, bei gleicher und ſelbſt bedeutenderer Groͤße und Staͤrke un— weit edler, leichter und ſchoͤner, und daher zum raſchen Dienſt eben ſo tauglich, als zum langſameren und ſchwereren.— Gute Engliſche Yorkſhirer Dreiviertelblut- oder hie und da ſelbſt ſtarke Vollbluthengſte wuͤrden daher, wie auch die Erfahrung ſchon fruͤher gegeben hat, u dem zſt vor erwer⸗ 47 119 in der Normandie von großem Nutzen ſeyn, und die Maͤngel des Normaͤnners, die haͤufig in zu ſchwerem Halſe und Schultern, und zu fleiſchigen behangenen Schenkeln beſtehen, ver⸗ beſſern, ohne bei zweckmaͤßiger Auswahl das natuͤrliche Fundament deſſelben zu ſchwaͤ⸗ chen. 2) Pompadour in Limouſin, wo unter Ludwig XV. mit großen Koſten ein edles Reit⸗ geſtuͤt angelegt oder doch erneuert und ſehr er— weitert wurde, deſſen Stamm aus den beſten Limouſiner, Auvergner und Navarrer Landſtu⸗ ten mit Barbiſchen, Spaniſchen und anderen ſuͤblichen Hengſten errichtet ward, kenne ich auch nur aus Mittheilungen anderer Perſonen, und aus manchen in und außer Frankreich ein— zeln geſehenen Pferden, die dort gezogen wa⸗ ren.— Die Weiden des Geſtuͤts ſollen auf ſtei— nigten Anhoͤhen liegen und daher zwar nicht eben reichliche, aber doch kraͤftige Nahrung her— vorbringen, weshalb die dort gezogenen Pferde ſich auch ſehr ſaͤt ausbilden und meiſt etwas fein und klein ſind, aber trockne ſehnichte Schenkel und uͤberhaupt viel Leichtigkeit und Gewandtheit haben ſollen. Unter Ludwig XV. ſoll dieſes Geſtuͤt in guter Ordnung gehalten ſeyn, und ſtets eine verhaͤltnißmaͤßige Anzahl ſchoͤner und brauchba— rer Reitpferde geliefert haben. Spaͤter aber ſehr vernachlaͤſſigt und in der Revolution eben— falls beinahe, aber doch nicht ganz zerſtoͤrt ſeyn. Unter Bonaparte wurde es hergeſtellt, und ſind zu dem Zwecke viele Egyptiſche und aus andern Laͤndern geraubte edle Pferde dorthin gebracht worden, theils moͤgen indeſſen die Paarungen nicht mit richtiger Beurtheilung vorgenommen, oder die Mutterſtuten und Fuͤllen nicht richtig 151 behandelt ſeyn, genug es ſoll nicht viel Brauch— bares dort gezogen ſeyn, weshalb Bonaparte ſpaͤterhin den groͤßeſten Theil der Mutterſtuten verkaufen, und nur ein ſtarkes Landbeſchaͤler— depot dort ließ, um die Landespferdezucht der Provinz zu unterſtuͤtzen. Dieſer Zweck ſoll auch in ſo weit erreicht ſeyn, daß man noch jetzt in Limouſin bei ein— zelnen Gutsbeſitzern einen leichten und ziemlich veredelten Schlag Reitpferde findet, jedoch ſoll deren Anzahl verhaͤltnißmaͤßig immer nicht be— deutend ſeyn. In Pompadour ſelbſt ſollen auch in die⸗ ſem Augenblicke nur ſehr wenige Mutterſtuten (ich habe gehöͤrt kaum 30 Stuͤck) vorhanden ſeyn.— Was ich Gelegenheit gehabt habe von Pferden daher, und aus Limouſin uͤber— haupt, zu ſehen, war ein ziemlich kleiner und feiner Schlag von Reitpferden, denen ich zwar [OQQO/QC—C—CQ—QQCQC—CQę—————CQ—Oñ·½:d:—;; In* 5 f 9 1 8 8 8 4 . 152 wohl Leichtigkeit und Gewandtheit, aber keinen hohen Grad von Schnelligkeit, Kraft und Aus— dauer zutrauen moͤgte.— Sie haben ziemlich edle Formen, doch ſieht man ihnen die Mi— ſchung des neueren Spaniſchen Pferdes mit verſchiedenen Orientaliſchen Racen, noch deutlich an, und daher auch manches Fehlerhafte der erſteren. Man findet z. B. nicht ſelten das ſpitzige Spaniſche Mauleſelkreuz, die zu hohen mit nicht hinreichend ſtarken Armen und Sprung— gelenken, wie auch zu langen und ſchwachen Feſſelgelenken verſehenen Schenkel.— Mit ei⸗ nem Wort, ſie ſind weder ſo edel und ſchoͤn, noch ſo ſchnell und kraͤftig als die Engliſchen Vollblutpferde, und nicht ſo groß, ſtark und zu allen Zwecken brauchbar, als die Engliſchen Dreiviertel- und Halbblut-Jagdpferde. Demohngeachtet iſt dieſe Race immer ſchaͤtz⸗ bar und eine der beſſeren auf dem Europaͤiſchen ———ÿ—ÿ—ͦ—ᷣ—ꝛ—————;— Continent, und wuͤrde, bei conſequenter Be⸗ handlung und Anfriſchung mit edlen, aber da— bei moͤglichſt ſtarken Orientaliſchen oder da⸗ von abſtammenden Hengſten, gewiß einer bedeu⸗ tenden Verbeſſerung faͤhig, und dann als Reit— ſchlag zu verſchiedenen Zwecken des buͤrgerlichen und militairiſchen Gebrauchs hoͤchſt anwendbar ſeyn.— 3) Roziére bei Nancy. Hier ſtehen, ſeit dem Jahre 1814, die Ueberreſte des einſt mit Recht ſo beruͤhmten Herzogl. Pfalz⸗Zwei⸗ bruͤckiſchen Geſtuͤts. Bis dahin war dieſes, im Jahr 1792 von den Franzoſen in Beſitz genommene, und waͤh⸗ rend des Revolutionskriegs ſchon einmal nach Roziéère transportirt geweſene Geſtuͤt, als ein Kaiſerl. Franzoͤſiſches in Zweibruͤcken ziemlich wohl erhalten worden, obgleich einige Ausar— tung ſchon damals ſich aͤußerte, und wahrſchein⸗ ⸗ 4 8 3 1 14 ₰+ 4 1 1 4 5 4 8 — lich daher entſtanden war, daß das Geſtuͤt ſo— wohl in der Revolution, als auch nachher zu mehreren Malen eine Anzahl ſeiner beſten Stu⸗ ten, beſonders der jungen Zuzucht, theils zum militairiſchen Gebrauch, theils an die anderen Geſtuͤte bei deren Reorganiſation hatte abgeben muͤſſen. Im Jahre 1814 ward abermals ein Theil dieſes Geſtuͤts von den Preußen weggefuͤhrt, und bei der Gelegenheit, daß dieſe Pferde in das Koͤnigl. Preuß. Friedrich Wilhelms Geſtuͤt bei Neuſtadt an der Doſſe gebracht wurden, hatte ich Gelegenheit mich zu uͤberzeugen, daß ſolche den etliche 20 Jahre fruͤher aus Zwei— bruͤkken, bei Begruͤndung des Neuſtaͤdter Ge— ſtuͤts, dorthin gebrachten Pferden und deren Nachkommen nicht gleich kamen. Im Sommer 1818, als ich das Geſtuͤt in Rozière beſah, enthielt daſſelbe kaum 20 ſit 20 Mutterſtuten, aber eine bedeutende Anzahl Land⸗ beſchaͤler, von welchen letzteren jedoch der groͤ— ßeſte Theil auf den Beſchaͤlſtationen abweſend war. Der groͤßeſte Theil der Mutterſtuten war noch von altem Zweibruͤcker Schlage und da⸗ her meiſtens etwas bejahrt, aber uͤbrigens in jeder Hinſicht vortrefflich. Dieſe alten Stu⸗ ten, meiſtens Schimmel(welches Haar von je— her in dieſem Geſtuͤt, wie wohl gewoͤhnlich in Geſtuͤten, die viel Orientaliſches Blut enthal— ten, vorherrſcht), trugen ganz das Gepraͤge ihrer edlen Morgenlaͤndiſchen Abkunft. Faſt alle hatten ſie kleine Hechtskoͤpfe mit breiten Stirnen, großen lebhaften Augen, weit geoͤff— neten Naſenloͤchern, feine ſchoͤn angeſetzte Haͤlſe, markirte ſcharfe Widerruͤſte, und flache magere Schultern, grade Ruͤcken und Croupe mit hoch angeſetztem Schweif, ſtarke Arme, breite Sprung— ——————— 156 gelenke, und uͤberhaupt trockne, ſehnigte, voll⸗ kommen regelmaͤßig geſtellte Schenkel. Dabei waren dieſe Stuten von guter Mittelgroͤße; kurz ſie konnten als Muſter ganz edler, und dabei zu jedem Zweck des Reitdienſtes hoͤchſt brauchbarer Pferde einen Beweis der Vollkom⸗ menheit abgeben, welche das Zweibruͤcker Ge— ſtuͤt einſt erreicht hatte. Leider entſprachen die Hengſte, welche jetzt und ſchon ſeit mehreren Jahren zum Bedecken dieſer wenigen ſchaͤtzbaren Stuten gebraucht wurden, deren Werth und meiner Erwartung gar nicht. Es wurden von den zu Rozièére vorhan⸗ denen Hengſten, wie ich hoͤrte, fuͤr dieſe Stu⸗ ten vorzuͤglich folgende gebraucht: ¹) Ein alter brauner, aus Egypten von Bonaparte mitgebrachter Hengſt, deſſen Namen mir entfallen iſt.— Dieſer Hengſt wurde 157 bell⸗ zwar ein Araber genannt, war aber, meines Dabei Erachtens, nur ein(und zwar ziemlich gemei— roͤße; ner) Egypter, an dem ich durchaus keine aus— und gezeichnete Eigenſchaften entdecken konnte. Ein üüſt ziemlich ſtarker Kopf und Hals, nichts weni— ltom⸗ ger als feines Haar, viel Behang an den Feſ⸗ Ge⸗ ſeln u. ſ. w. charakteriſirten ihn als einen je— ner edlen Stuten durchaus unwerthen Be⸗ jett ſchaͤler. cken 2) Ein Tuͤrkiſcher Schimmelhengſt, vom icht General Rapp erkauft, war gewiß ein vorzuͤg⸗ ung liches Reitpferd geweſen, wie ſeine kraͤftigen Schenkel, Croupe und Gang zeigten, und in hmr jedem Bezug dem vorigen weit vorzuziehen, doch machte ſein ziemlich unedler, ſtarker, an den zu kurzen und dicken Hals nicht gut an⸗ geſetzter Kopf ihn ebenfalls zu einen nur mittel— maͤßigen Beſchaͤler. 1 3) Ein hellbrauner Andaluſier, der aller⸗ 158 dings unter die beſſeren ſeiner Race, ſo wie ſie jetzt iſt, gehoͤrt, aber immer zu viel von deren Maͤngeln beſaß, um ihn bei jenen Stuten mit Nutzen anzuwenden. 4) Ein brauner Limouſiner, der ſehr viel Arabiſches Blut und eine ſehr ſchoͤne Figur hat, aber in ſeinem Gange(wie leider die meiſten Limouſiner, die ich geſehen habe) wenig Kraft und Elaſticitaͤt verraͤth. Außerdem waren ſo eben noch auf dem Geſtuͤt angelangt: a) Der beruͤhmte alte Diamond aus England. Dieſes 27 Jahre alte Pferd zeigt noch jetzt, mit Ausnahme eines eingefallenen Ruͤckens(der jedoch nur durch Alter und vieles Bedecken entſtanden iſt) die edelſten Formen, die man ſehen kann, und ein außerordentliches Feuer, auch iſt er noch durchaus frei von erb— lichen Knochenfehlern. Allein er ſoll in Eng— o wie land durchaus nichts Ausgezeichnetes erzeugt ha— el von ben, und duͤrfte daher in ſeinem jetzigen hohen Stuten Alter um ſo weniger etwas Vorzuͤgliches noch erwarten laſſen. rviel b) Ein dreijaͤhriger ſchwarzbrauner Eng— r hat, liſcher Vollbluthengſt, war och zu wenig aus⸗ reiſten gebildet, um ein vollſtaͤndiges Urtheil zu be— Kreft gruͤnden, bis jetzt hatte er jedoch nichts Aus⸗ gezeichnetes.. den Ddie uͤbrigen Hengſte wurden theils nur im Landgeſtuͤt gebraucht und waren auch mehr oder aus weniger ganz unbedeutend. zeigt Unter der wenig zahlreichen jungen Zu— leren zucht waren vier recht huͤbſche und edle vier— jaͤhrige Stuten das Beſte, doch waren auch ieles tt dieſe zu klein und fein, um die alten Zwei— 1 bruͤcker Stuten ganz erſetzen zu koͤnnen. Die Weiden und Wieſen des Geſtuͤts ſind theils ſo eingeſchraͤnkt, daß ſelbſt die kleine vor— 160 handene Anzahl Mutterſtuten und Fuͤllen groͤß⸗ tentheils auch im Sommer im Stalle gefuͤttert werden muß, theils ſind ſie, obſchon ſie meiſt aus Huͤgeln und Anhoͤhen beſtehen, mit vielen ſumpfigen Vertiefungen gemiſcht, und ſcheinen mir daher ein ſakxes und mooſiges Gras und Heu hervorzubringen.— Aus dieſen beiden Urſachen kann man daher auch nicht hoffen, daß ein edles Geſtuͤt an dieſem Orte je eine bedeutende Vollkommenheit erreichen werde; ſon⸗ dern im Fall ſich nicht etwa in dieſem Theile Frankreichs ein anderweitiger paſſender Ort fuͤr dieſes Geſtuͤt finden ſollte, ſo moͤgte es, um die vorhandenen Gebaͤude nicht ganz unbenutzt zu laſſen, meiner Meinung nach, am zweckmaͤßig⸗ ſten ſeyn, bloß den Landbeſchaͤlerdepot in Ro— zière ferner zu behalten, und dagegen die noch vorhandenen guten Mutterſtuten und Fuͤllen ſaͤmmtlich nach Pompadour zu verſetzen, wo, 161 gri nach dem Urtheile aller Sachkenner, doch fütta wohl in ganz Frankreich die vortheilhafteſte meiſt Lage fuͤr ein zahlreiches edles Geſtuͤt zu ſeyn vielen ſcheint. heinen Da man auch im vorigen Jahre, außer 8 und mehreren ausgezeichneten Engl. Vollblutheng— beiden ſten, als z. B. Tigris, Hamlet, Middle— hoffen, thorpe, noch einen aus etlichen 20 Stuͤcken eine beſtehenden Transport Arabiſcher Hengſte und ſon⸗ Stuten, welche der Engliſche Conſul, Mr. Rich heile zu Bagdad, in Marſeille gelandet hatte, fuͤr tf die Franzoͤſiſchen Geſtuͤte angekauft hat, wor— „ un unter mehrere ausgezeichnet edle Pferde ſich tt z befinden ſollen, ſo laͤßt ſich in der Folge von nißix der Franzoͤſiſchen Pferdezucht wohl etwas Ko⸗ Gutes erwarten, vorausgeſetzt naͤmlich, daß oc dieſe edlen auslaͤndiſchen Hengſte und Stuten jlen mit mehr Sachkenntniß angewendet werden, wo, 41 162 als fruͤher gewoͤhnlich in dieſem Lande geſche— hen iſt. Hierzu gehoͤren aber, meiner Anſicht nach, vorzuͤglich folgende zwei Hauptbedin— V gungen: ¹) daß man inoden zwei Hauptgeſtuͤten Pom— padour und Pin, und zwar vorzugsweiſe in erſterem, eine bedeutend groͤßere V Anzahl edler Mutterſtuten halte, als bisher, um dadurch immer einen ganz ede⸗ len Stamm im Lande zu erhalten, der zugleich geeignet iſt, die Landbeſchaͤlerde— pots mit gleichmaͤßigen, den verſchiedenen Localitaͤten angemeſſenen Hengſten zu ver⸗ ſehen, und man nicht, wie bisher, die ganz edelen Auslaͤnder in den Depots zwecklos verbraucht, wo ſie in der Regel nur mehr oder weniger gemeine Privat⸗ 163 d giſh ſtuten decken, und daher keine ebenbuͤrtige Nachkommen erzeugen koͤnnen, folglich ihr Anſicht Blut binnen kurzer Zeit immer wieder er— ptbedin⸗ liſcht.. 2) daß man dahin ſehe, immer die alleredel⸗ en Pom⸗ ſten Morgenlaͤndiſchen Hengſte nach Li— ugsweiſe mouſin zu bringen, wo der Stamm der roͤßere Stuten, Clima und Weide vorzugsweiſe te, als geeignet ſind, einen hoͤchſt edlen und kraͤf— nz ede⸗ tigen, wenn auch nicht ganz großen Reit— , der ſchlag hervorzubringen, dagegen aber die aͤlerde⸗ Engliſchen ganz und halb edelen Hengſte iedenen nach der Normandie ſchicke, die ſich ganz zu ver eignet, einen großen ſtarken Reit- und r, die vorzuͤglich einen dergleichen vortrefflichen Dexcts Wagenſchlag zu erzeugen, welche beiden R Pferdearten, meiner Ueberzeugung nach, prir dort binnen einem nicht zu langen Zeit— 11 1 64 raume, bei zweckmaͤßiger Anwendung Eng— liſcher Hengſte, dem Engliſchen Yorkſhi⸗ rer Dreiviertel⸗ und Halbblut⸗Jagd⸗ und Wagenſchlage gewiß wenig oder nichts V nachgeben duͤrften. g Eng⸗ orkſſi d⸗ Und dihts An h anmn g. So ungern ich mich in eine litterariſche Fehde verwickeln moͤgte, ſo kann ich doch nicht umhin, hier noch einige allgemeine Bemerkun— gen hinzuzufuͤgen, die, wie ich faſt fuͤrchte, eine ſolche herbeifuͤhren koͤnnen, mir jedoch zur Er— laͤuterung und Unterſtuͤtzung mancher oben auf— geſtellten Saͤtze, nothwendig ſcheinen. Ein neuerer Deutſcher Schriftſteller uͤber die Pferdezucht(deſſen Verdienſte als Natur— forſcher ich uͤbrigens durch meine folgenden Anſichten weder ſchmaͤlern will noch kann), der Hr. Profeſſor Schwab in Muͤnchen, ſtellt — 166 naͤmlich, ſowohl in der Vorrede zu ſeinem Werke uͤber die Organiſation Franzoͤſiſcher Ge⸗ ſtuͤte, als in ſeinem Taſchenbuche uͤber die Pferdekunde, einige Grundſaͤtze auf, deren An— nahme, nach meiner Anſicht, und zufolge der Erfahrungen, die uns die Laͤnder, worin die Pferdezucht jetzt vorzugsweiſe einen hohen Grad von Vollkommenheit erreicht hat(wie z. B. England), an die Hand geben, den Pferde⸗ zuͤchter nicht nur irre leiten, ſondern ſogar ſeine Bemuͤhungen ganz laͤhmen koͤnnte. Meine Ueberzeugung von dem weſentlichen Nach⸗ theile, der moͤglicherweiſe daraus dem Fort— ſchreiten der Pferdezucht, beſonders in Deutſch⸗ land, erwachſen wuͤrde, zwingt mich daher, die Gruͤnde, die ſich mir dagegen aufdraͤngen, die aber freilich alle nur rein praktiſcher Natur ſind, hier dem hippologiſchen Publikum zur Pruͤfung vorzulegen. ſinm Jene Saͤtze ſind folgende: ; Ge a) Daß das wilde Pferd uͤberhaupt, als das die dem Urbilde ſeiner Gattung aͤhnlichſte, An⸗ auch das vollkommenſte, und folglich e der das wilde Pferd aus der Wuͤſte Cobi in in di Hochaſien(wo Hr. Pr. Schwab nur al⸗ Grad lein noch urſpruͤnglich wilde Pferde 3. B. anerkennen will) das vollkommenſte und ferde⸗ wuͤnſchenswertheſte Ideal des ganzen jetzt ſogar exiſtirenden Pferdegeſchlechts ſeyn muͤſſe. teine b) Daß das Clima einen ſo gebieteriſchen Kach⸗ Einfluß auf die Racen des Pferdes, ſo Fort⸗ 4 wie jeder anderen Thierart ausuͤbe, daß uiſc⸗ 3. B. eine Arabiſche Reinzucht, in jedes „d andere Land verſetzt, binnen kurzem und die ſpaͤteſtens in der dritten Generation, der zatur Landesrace, wohin es verſetzt worden, zur bereits wieder vollkommen gleich ſeyn werde —— ☛—— 8—— 12- p——— g—— ———————-———ÿ3ÿ;““!«— 1 8 1 1 . 168 Den Satz a. anlangend, ſo wird es mir freilich eben ſo unmoͤglich fallen, einen unum— ſtoͤßlichen Beweis dagegen zu fuͤhren, daß, wie Hr. Pr. Schwab will, das wilde Tar⸗ tariſche Pferd ſeinem Urbilde(d. h. wie es durch die Hand des Schoͤpfers des Weltalls aus dem Schooße der Erde einſt hervorgeſtie— gen iſt) aͤhnlicher ſeyn ſollte, wie z. B. das uns bis jetzt als das vollkommenſte ſeiner Gat— tung bekannte(das Arabiſche naͤmlich); als ſei— nerſeits Hr. Pr. Schwab außer Stande ſeyn duͤrfte, einen ſolchen Beweis fuͤr ſeine Mei— nung zu fuͤhren; und zwar aus dem einfachen Grunde, weil wir beide jenes Urbild nicht geſehen haben und auch wohl nicht erblicken werden; es waͤre denn, wir haͤtten das uner⸗ wartete Gluͤck, daß, ſo wie z. B. Hr. Adams am Ausfluß der Lena einen, wahrſcheinlich ſeit der großen Waſſerfluth, welche die Erde zuletzt 1—————C—Z—C—nnr— A——-————*——— 169 dö mi umgeſtaltete, eingefrorenen, vollſtaͤndig erhalte— Anum. nen, noch mit Fleiſch, Haut und Haar ver— daß, ſehenen antediluvianiſchen Elephanten entdeckte, Tar⸗ und deſſen Skelet gluͤcklich nach Petersburg ie es transportirte, wir auch irgendwo ein eben ſo Kltl vollſtaͤndig erhaltenes antediluvianiſches Pferd rgeſti⸗ faͤnden, welches, wenn es auch nach Hrn. 3 das Schwab's Theorie, noch immer nicht das Gat⸗ erſte Urbild des Pferdes, doch wenigſtens ein ſei⸗ ihm ſehr nahes und folglich auch aͤhnliches ſeyn Nachbild ſeyn, und uns daher uͤber deſſen Mei⸗ wahre Geſtaltung Auskunft ertheilen koͤnnte!*)— achen— nicht*) Daß uͤbrigens dieſer Fall eben ſo moͤglich, liken als der angefuͤhrte mit deem Mammuth des Hrn. Adams iſt, beweiſt folgende Mittheilung mei⸗ uner- nes verehrten Freundes, des Hrn. Oberappel. ams V lationsraths v. Strombeck zu Wolfenbuͤttel (der ſo eben Breislack's Geologie Deutſch mit ſiit vielen Zuſaͤtzen herausgegeben hat), ſo wie let darin zugleich der aͤlteſte und vollſtaͤn⸗ 170 Bis dahin jedoch, daß ein ſolcher Gluͤcksfund ſich ereignet, glaube ich, daß wir am ſicherſten digſte Beweis fuͤr die am Ende dieſes An— 1 hangs von mir aufgeſtellte Behauptung, daß das Pferdegeſchlecht noch nicht ſo ausge⸗ * artet ſeyn koͤnne, als Hr. Pr. Schwab an⸗ nimmt, liegt. Hr. von Str. ſchreibt mir naͤmlich:„Das Pferd war ſchon in der Vor⸗ “ welt(ſogenannten Urwelt), d. h. vor der gro⸗ 4 ßen Revolution, welche das aufgeſchwemmte . Gebirge(roches d'alluvion) bildete. Es lebte mit dem Mammuth(Elephas primigenius Blumenb.). Entweder alſo, daß Individuen dieſes Geſchlechts ſich in die neue Welt uͤber— 6 retteten, oder, was mir wahrſcheinlicher iſt, A daß die Natur den fruͤheren Typus wiederhohlte. Auch unſer Thieder Huͤgel(bei Wolfenbuͤttel) enthielt eine bedeutende Menge unſtreitiger 8 foſſiler Pferdeknochen, gemiſcht mit Reſten des Elephanten und Rhinoceros(und zwar ſowohl der ausgeſtorbenen Arten der Vor⸗ als auch der noch exiſtirenden der jetzigen Welt), des Baͤren und des Hirſches. Dieſe foſſilen Pferdeknochen ſind nun ſo vollkommen an Groͤße und Ge⸗ 171 ksfund— gehen, uns an das zu halten, was wir noch heſtn jetzt vor Augen haben, ohne uns den Kopf daruͤber zu zerbrechen, wie es damit vor 5000 r Jahren geſtanden haben mag.— Es verſteht daß lsgi⸗ ſtalt den Gebeinen jetzt lebender Pferde aͤhn⸗ ab an⸗ lich, daß der Hofthierarzt Bieling zu Braun⸗ öt mir ſchweig aus Knochen von foſſilen und jetzigen Pfer⸗ Vor⸗ den ganze Schenkel, ſie mit einander wechſeln laſ⸗ r gro⸗ ſend, zuſammengeſetzt hat, und man iſt kaum mmte im Stande(und dieſes nur durch die Farbe), die lebte foſſilen Knochen von den anderen zu unterſchei⸗ nius den. Alſo ſelbſt das Pferd der Vor⸗ duen welt war genau dem jetigen aͤhnlich. uͤber⸗ Die Sache trug ich ſchon im zweiten Bande t iſ, meines Deutſchen Breislack S. 449 in der ühlte 222ſten Anmerkung vor.“— Ich habe mich dtt) ſeitdem von dem Phaͤnomen(welches bei iger Hrn. Bieling zu Jedermanns Anſicht liegt) reſen durch eignen Augenſchein zu uͤberzeugen Gele⸗ ewohl genheit gehabt, und bemerke nur noch, daß die h de modernen mit den foſſilen zuſammengeſetzten zun Pferdeknochen, die eines gewoͤhnl. Polniſchen den Huſarenpferdes(alſo vom jetzigen leichteren be Schlage) ſind. ——————ö—J;——— 172 ſich uͤbrigens, daß ich hier immer nicht von dem, was fuͤr den theoretiſchen Naturforſcher, ſondern vorzugsweiſe fuͤr den praktiſchen Pferde⸗ zuͤchter Intereſſe haben kann, rede. Dieſes vorangeſchickt, ſo iſt es zwar(wie Hr. Pr. Schwab richtig bemerkt) noch nicht entſchieden, wie das wilde Pferd der Wuͤſte Cobi(wenn es dort uͤberhaupt wirklich exiſtirt, was noch nicht einmal bis zur Evidenz erwie⸗ ſen iſt) eigentlich beſchaffen ſeyn; denn außer Marco Polo imn dreizehnten Jahrhundert, hat, meines Wiſſens, noch kein Europaͤiſcher Rei⸗ ſender dieſe Gegend betreten, und jener ſagt uns nichts daruͤber. Unterdeſſen aber koͤnnen und muͤſſen wir doch wenigſtens approximativ uͤber ſeine wahr— ſcheinliche Beſchaffenheit durch die uns bekann— ten Pferdearten urtheilen, die ihm theils durch ihre geographiſche Lage, theils durch ihre Le⸗ 173 t von bensweiſe die naͤchſten ſind. Daß ſich auf dieſen beiden Wegen aber fuͤr die wilden Pferde ferde⸗ der Cobi, ſo wie fuͤr das wilde Pferd uͤber⸗ haupt, kein guͤnſtiges Reſultat ergeben duͤrfte, wie will ich mich jetzt bemuͤhen darzuthun. nicht Was alſo zuerſt die, der Cobi geogra⸗ Lüſte phiſch zunaͤchſt liegenden Pferdearten anlangt, iſtirt ſo ſind dieſes doch unſtreitig folgende, als zum rwie Beiſpiel: ußer 1) Die Chineſiſchen. Dieſes ſind nun,. hat, wie alle Beſchreibungen, und namentlich die in 1 Rei⸗ Lord Macartney's Geſandtſchaftsreiſe enhal⸗ 8 ſagt tene Beſchreibung und Zeichnung ergeben, die haͤßlichſten, ſchwerfaͤlligſten, geiſt- und kraftlo— 8 hit ſeſten Thiere ihrer Gattung. 4 nhr 2) Die Kalmuckiſchen, Buraͤtiſchen,* ann⸗ Tunguſiſchen, Kirgiſiſchen und Baſch⸗ 1 kiriſchen Pferde, deren Beſchreibung wir theils g von dem Grafen Bennigſen haben, theils —i— 174 auch in Deutſchland in den Jahren 1813, 1814 und 1815 ſehr haͤufig bei der Ruſſiſchen Armee ſahen, und die zwar mehr oder weniger beſſer als die Chineſiſchen, jedoch auch gewiß alle nicht entfernt dem Arabiſchen Pferde und den dieſem zunaͤchſt verwandten Racen zu ver⸗ gleichen ſind. 3) Die Bootaniſchen u. uͤbrigen Nord⸗ indiſchen Pferde, welche zwar auch nicht ganz ohne Verdienſt ſind, aber doch in Indien und den benachbarten Gegenden den Arabiſchen und Per⸗ ſiſchen weit nachgeſetzt werden, und das ge— ſchieht, wenn man z. B. Turner's(in ſeiner Reiſe nach Thibet) Beſchreibung der Bootani⸗ ſchen Schaͤcken, der geachtetſten Gattung jener Pferdearten, zur Norm annimmt, mit vollem Rechte. 4) Iſt nirgends der von den Mongo⸗ len im Mittelalter auf ihren ungeheuren Streif⸗ ——— 175 zuͤgen im Orient mitgebrachten Pferde, als aus⸗ gezeichnet in ihrer Art, von den Morgenlaͤn— diſchen Schriftſtellern Erwaͤhnung geſchehen, da ſie doch faſt alle voll des Lobes des Arabiſchen Pferdes und ſeiner naͤchſt verwandten Racen ſind*). Da aber die Pferde aller um Arabien her⸗ umliegenden Laͤnder, als z. B. Perſien, Syrien, Egypten, Nubien, dem Arabiſchen Pferde mehr *) 3. B. Abubekr ebn el Bedr(Stallmeiſter Malek el Nasser's, ſiebenten Sultans der Mammelucken in Egypten, der im J. Ch. 1279 regierte) erwaͤhnt in ſeinem Werke Kamel el Sanotain, d. h. uͤber Reitkunſt und Pferde⸗ arzneiwiſſenſchaft(welches ſchon von mehreren Schriftſtellern angefuͤhrt, uͤber dieſen Punkt aber am vollſtaͤndigſten in des Grafen W. Rze- wusky’s Notice sur les chevaux Arabes, in den Fundgruben des Orients extrahirt iſt) aller ausgezeichneten Aſiatiſchen und Nord⸗ afrikaniſchen Pferderacen, die Mongoliſche uͤbergeht er aber dabei ganz!— —————y——— 176 oder weniger aͤhnlich ſind, ſo koͤnnte man ver⸗ haͤltnißmaͤßige Aehnlichkeit auch wohl bei den Pferden der um Cobi herumliegenden Laͤnder mit denen aus Cobi ſelbſt erwarten; und wie geht es daher zu, daß dieſe ſaͤmmtlich mehr oder weniger der idealiſchen Vortrefflichkeit ih⸗— res praͤſumtiven Urſtammes ſo wenig entſpre⸗ chen?— Daß ferner auch das Pferd im wilden Zuſtande uͤberhaupt zum Gebrauche fuͤr uns Menſchen nicht das vollkommenſte und wuͤn— ſchenswertheſte ſeyn kann, geht aus den Be⸗ ſchreibungen hervor, die wir von allen uns bis jetzt bekannten wilden Pferderacen haben.(Zwar will Hr. Pr. Schwab alle wilden Pferde au— ßerhalb Cobi, nicht fuͤr urſpruͤnglich wild, ſondern nur fuͤr verwildert anerkennen; abge⸗ ſehen aber davon, daß ihm dieſes, mit Aus⸗ nahme von Amerika, ſehr ſchwer zu beweiſen — d —— „———-y ———-98— ——— 8 ͤ 177 ſeyn duͤrfte, ſo muß er wenigſtens einraͤumen, daß ſie den urſpruͤnglich wilden am aͤhnlich— ſten ſeyn werden.) Graf Bennigſen giebt eine Beſchreibung der wilden Pferde in der Bachmuthſchen Steppe im Catharinoslawſchen Gouvernement, wie auch in der Uralſchen Steppe, die einen Inbegriff aller, fuͤr den Gebrauch des Menſchen nicht wuͤnſchenswerthen Eigenſchaften eines Pferdes enthaͤlt. Pallas giebt eine eben nicht troͤſt— lichere von den wilden Pferden aus den Dau— riſchen Steppen(die der Cobi ein gutes Theil naͤher liegen, und wo daher der urſpruͤnglich wilde Zuſtand, ſelbſt nach Hrn. Pr. Schwab's Syſtem, wohl noch ſchwieriger wegzuleugnen ſeyn moͤgte.— Wenn alſo das idealiſche wilde Pferd aus der Cobi nicht ein ganz anderes Thier iſt, als dieſe uͤbrigen uns bekannten wilden, oder 12 ——— —— —-————————jj—— 178 immerhin verwilderten Pferde wirklich ſind; ſo moͤgte uns Menſchen wohl wenig durch deſſen Entdeckung geholfen ſeyn, noch weniger ein Pferdezuͤchter wuͤnſchen, ſeine Zucht damit zu veredeln; denn angenommen auch, dieſe wilden Pferde waͤren fuͤr ihr eigenes Daſeyn und ihre Lebensweiſe am vollkommenſten gebildet; ſo kann dieſes uns, die wir Pferde fuͤr die ver⸗ ſchiedenen Zwecke des menſchlichen Gebrauchs, und nicht, um ſie ihr Leben hindurch wild herumlaufen zu laſſen, erzielen wollen, ſehr gleichguͤltig ſeyn, in ſo fern ihre Bildung un— ſern Abſichten nicht nur nicht entſpricht, ſon— dern, ſo wie hier der Fall iſt, ihnen ſogar ge— radezu widerſpricht. Dieſem allen zufolge moͤgte alſo die bis jetzt gewoͤhnliche Anſicht, naͤmlich: ¹) daß die edelſten, ſchoͤnſten und zum Gebrauch des Menſchen im allgemeinen nuͤtzlichſten Pfer⸗ ind; ſo ˖ deſſen er ein nit zu wilden —n und det; ſo je ver⸗ auchs, wild ſehr g ur⸗ ſon⸗ ar g⸗ e lis —— deracen ſich auf Arabien, Perſien, die Aſiatiſche Tuͤrkei und Nordafrika beſchraͤnken(Europaͤi⸗ ſche Racen zaͤhle ich naͤmlich deshalb nicht hie⸗ her, da die beſſeren darunter jenen erweis⸗ lich ihren Urſprung verdanken)*); *) Ohne mich auf Muthmaßungen uͤber das ur⸗ ſpruͤngliche Vaterland des Pferdes einlaſſen zu wollen, darf ich hier wohl in Erinnerung bringen, daß der bekannte Ritter Michaelis u Goͤttngen, in einer eignen Abhandlung, ſehr einleuchtend dargethan hat, daß Egypten ſchon zu einer Zeit Ueberfluß an Pferden hatte, als ſolche in Arabien und Judaͤa noch ganz unbe⸗ kannt waren; wonach folglich nicht unwahrſchein⸗ lich iſt, daß dieſe Thiergattung zuerſt uͤber Egypten aus Afrika nach Aſien uͤbergegangen ſey!— Dieſer Meinung iſt auch z. B. Jo⸗ hannes v. Muͤller. Dieſer ſagt in ſeinen Allgemeinen Geſchichten der Menſchheit, im 2ten Bande, S. 50 in der 3ten Anmerkung.„Von dieſer Meinung(d. h. daß Arabien das ur— ſpruͤngliche Vaterland des Pferdes ſey) bin ich gaͤnzlich abgegangen, und halte durchaus nicht 8 12 ———————— ———.——— 180 2) daß das fuͤr den Menſchen nuͤtzlichſte und ſeinem Auge gefaͤlligſte Pferd, ſtets das unter menſchlicher Pflege hervorgebrachte und erzogene, nicht aber das in der Wildniß ſich ſelbſt uͤberlaſſen aufgewachſene iſt; wohl vorerſt beizubehalten ſeyn, da die Erfah⸗ rung ſie bewaͤhrt hat. Kein Pferd aber iſt mehr eigentliches Product mehr dieſes Land, ſondern vielmehr das Koͤnig⸗ reich Kuku, oder ſonſt eine im Suͤden(dieſes wuͤrde Nubien ſeyn) oder Weſten Egyptens ge⸗ legene Afrikaniſche Gegend fuͤr das wahrſchein— liche Vaterland.“— Hr. J. Lawrence ſagt in ſeiner History of the Racehorse, S. 65. „Mr. Pinkerton seems to think it rather probable, the arabian horses were de- scended from the wild horses of Tarta- ry, the latter having passed through Per- sia, in order to be perfected in Arabia. An unfortunate surmise, far beneath the standard, I hope, of his other anti- quarian conjectures!«— ſte und menſchlicher Pflege, als das herrliche Pferd des ts das Beduinen der Arab. Wuͤſte, in deſſen Zelt es te und gebohren wird, und deſſen Pflege es mit den dildniß Gliedern ſeiner Familie in vollem Maaße theilt. ; Was nun den Satz b., hinſichtlich des Erfch⸗ entſcheidenden Einfluſſes des Clima's und Bodens betrift, ſo bin ich zwar weit entfernt, droduct behaupten zu wollen, daß dieſe beiden Bedingun— gen gar keinen Einfluß auf die Thierracen, ſo Fäönig⸗ wie auf die Beſchaffenheit organiſcher Koͤrper dieſes uͤberhaupt, aͤußern ſollten; vielmehr iſt dieſes 9 unleugbar der Fall. Indeſſen muß ich, geſtuͤtzt ce ſagt auf die Erfahrungen, die wir nun ſchon ſeit 9 einer mehr oder weniger bedeutenden Reihe von n de⸗ Jahren, und zwar in verſchiedenen Laͤndern und Tart. unter verſchiedenen Umſtaͤnden, durch die Ver⸗ 1 ſetzung fremder Thierracen in dieſelben, gemacht neuth haben, dennoch der Meinung ſeyn, daß Hr. Pr. antr Schwab dem Einfluſſe des veraͤnderten Cli⸗ 182 ma's und Bodens auf die Umgeſtaltung der da— hin verſetzten auslaͤndiſchen Thierracen, eine zu allgemeine und zu entſcheidende Wir⸗ kung einraͤumt; wie auch, daß die pflegende Hand des Menſchen allerdings im Stande iſt, die nachtheiligen Einwirkungen des Clima's in manchen Faͤllen ganz zu verhindern, in andern wenigſtens ſehr zu mildern. Die nachher an— zufuͤhrenden Beiſpiele werden dieſen Satz er⸗ laͤutern. Hauptſaͤchlich und zuvoͤrderſt kommt es, den bisherigen Erfahrungen zufolge, bei der Entwickelung der Mittel, wodurch der Ausar— tung fremder Thierracen in einem veraͤnderten Clima, ganz oder doch zum Theil vorgebeugt werden kann, vorzuͤglich darauf an, in wel— cher Art die fremde Race in das neue Clima verſetzt iſt. Hier finden zwei Faͤlle Statt; entweder 1 1 1 1 4 de a) die fremde Race iſt vollſtaͤndig, d. h. ne ji durch maͤnnliche und weibliche Individuen, Wir⸗ in das neue Clima verſetzt worden; wie Ande dieſes z. B. mit dem Morgenlaͤndiſchen Rſſ, Pferde nach England, oder mit dem Spa⸗ d5 n niſchen feinwolligen Schafe nach Frankreich, nndern Sachſen, Oeſtreich u. ſ. w. der Fall ge— t an⸗ weſen iſt, oder aber er⸗ b) die fremde Race iſt zur Haͤlfte(z. B. gewoͤhnlich nur durch maͤnnliche Indivi— 6s, duen) verſetzt worden; wie es in den det meiſten Europaͤiſchen Laͤndern mit dem usat⸗ Morgenlaͤndiſchen Pferde und auch haͤufig erten mit dem Spaniſchen Schafe geſchehen iſt. beugt Im Falle a. nun, den ich vorzugsweiſe wel⸗ vor Augen habe, wird, den unwiderſprechlich⸗ Aima ſten Erfahrungen zufolge, die Ausartung(oder fatt; wenn man, wie Hr. Pr. Schwab, lieber will, die Anartung an die Landesrace) nicht allge⸗ ————————— 1. 2 4—.*—————y——— 2 ————— 8—————————— 184 mein, immer ſehr langſam und wahrſcheinlich nie ganz vollſtaͤndig erfolgen; denn hier hat der Menſch es in ſeiner Gewalt, durch zweckmaͤßige Fuͤt— terung, moͤglichſten Schutz vor den auffallend⸗ ſten Eindruͤcken des Clima's, und allgemeine gute Pflege, beſonders aber durch ſorgfaͤltige Verhuͤtung jeder Vermiſchung mit inlaͤndiſchen Racen, die Ausartung ganz oder doch zum groͤßeren Theile und auf eine ſehr lange Reihe von Jahren hinaus zu verhuͤten. Ob ſie ganz oder fuͤr immer verhuͤtet werden kann, muß na— tuͤrlich Hypotheſe bleiben; da der Beweis a posteriore nicht zu fuͤhren iſt. Wenn aber, nach hundert und mehr Jahren, auch einige Ausartung zu bemerken waͤre, ſo wuͤrde ſie alsdann doch hoͤchſt wahrſcheinlich ſehr leicht durch Erfriſchung mit einigen guten maͤnnlichen Individuen der Stammrace abgeholfen werden koͤnnen. —— 2————ᷣ——ÿy——— —ÿ—ÿ—:,—— ——y——— 8 2—— * F— 4——“ SS— . 8 4— 4„ 3 5 185 nitgin Meine Belege zu dieſer Behauptung ſind: Nerih 1) Die Engliſche Rennrace, e Füt, welche, wie ich in der Einleitung zu dieſen falend⸗ Briefen mit Mehrerem dargethan habe, eine miie Reinzucht im obigen Sinne iſt, wird keines⸗ gälig weges, wie Hr. Pr. Schwab glaubt, fort⸗ ndiſhen waͤhrend mit Morgenlaͤndiſchen Hengſten ange⸗ ch zum friſcht, ſondern ſeit dem Godolphin Araber, eiſe alſo ſeit laͤnger als 70 Jahren, hat vielmehr e ganz erweislich eine ſolche Erfriſchung nur in ein— na⸗ zelnen, als Ausnahme zu betrachtenden Faͤl⸗ dis a len, Statt gefunden, obſchon dieſes, aus der aber, uͤbrigens(wie ich in meinem erſten Briefe an einige Hr. Lawrence naͤher entwickelt habe) wahr⸗ de ſe ſcheinlich unrichtigen Anſicht, daß die neueren leiht Araber die Rennrace jedesmal verſchlechtert haͤt⸗ nlich ten. Die geſchaͤtzteſten Familien der Engliſchen verde Rennrace, z. B. die Herod's, huͤtet ſich je⸗ der erfahrene Engliſche Pferdezuͤchter mit frem— ——Q———————— 186 dem Blute zu erfriſchen; und wie unverkennbar tragen dennoch die Individuen dieſer Familie das Gepraͤge der reinſten und edelſten Morgen⸗ laͤndiſchen Abkunft in ihrem ganzen Weſen.. Daß uͤbrigens das jetzige Engliſche Renn⸗ pferd in manchen Stuͤcken, als z. B. der Groͤße und einigen Verhaͤltniſſen der Form, vom Na— tionalaraber abweicht, erklaͤrt ſich theils dadurch, daß es aus mehreren edlen, aber etwas von einander abweichenden Aſiatiſchen und Afrikani⸗ ſchen Racen zuſammengeſetzt iſt, theils dadurch, daß(wie ich ebenfalls im erſten Briefe weiter entwickelt habe) man ſchon viele Generationen hindurch auf einzelne Eigenſchaften ausſchließ⸗ lich hingewirkt, und dadurch andere vernach— laͤſigt, ſo z. B. die Gewandtheit ganz der Schnelligkeit geopfert hat; wie auch, da z. B. der Englaͤnder einen langen duͤnnen Hals und ein moͤglichſt erhabenes ſcharfes Widerruͤſt 6— O[im—õ—ÿyy— ———xx—ͦ—4————— 2——— —————— 8 8 8—— ennür liebt, dieſe Theile bei der Nachzucht beſonders Familt beruͤckſichtiget und dadurch im hoͤheren Grade, orger⸗ als am Orientaliſchen Pferde, erzielt ſind.— Endlich habe ich gleichfalls noch einige Veran⸗ Renn⸗ laſſungen, die hie und da eine Ausartung her⸗ Griße beigefuͤhrt haben moͤgen und mit der Laͤnge der im Na⸗ Zeit noch mehr herbeifuͤhren koͤnnten, angefuͤhrt, adurch, die aber lediglich in einer in manchen Stuͤcken ds von gar zu naturwidrigen Aufzucht und Behandlung rikani⸗ des Engliſchen Rennpferdes liegen, und daher, durch, wenn man wollte, leicht vermieden werden weitet koͤnnten. tionen 2) Das Spaniſche Merinos⸗Schaf. ſoͤliß Dieſes iſt nun, ſeit laͤnger als 50 Jahren, ernah⸗ nach Frankreich, Sachſen, Oeſtreich, und ſpaͤ⸗ Inn terhin noch in viele andere, zum Theil noch u noͤrdlichere Laͤnder(z. B. Daͤnnemark) verſetzt Si6 worden, und nirgends, wo man eine Reinzucht riſ davon angelegt, dieſe ſorgfaͤltig vor Vermi⸗ e 2 8 5 4 8 E 45 4 8 S 3 — 8 — ————————ͤͤͤ8ͤ8ͤ8ͤ8ʒ⁊ʒ⁊ʒ²ʒ²³à³à⁊——— 188 ſchung mit den Landesracen gehuͤtet und ſonſt zweckmaͤßig und vernuͤnftig behandelt hat, iſt dieſe Race bis jetzt ausgeartet; im Gegentheil, ſie hat bewieſen, was hoͤhere menſchliche Indu— ſtrie, ſelbſt unter den unguͤnſtigſten climatiſchen Verhaͤltniſſen, uͤber die thieriſche Natur vermag. Es iſt naͤmlich eine unwiderlegliche Thatſache, daß die beſten Saͤchſiſchen, Oeſtreichiſchen und Franzoͤſiſchen Merinos-Wollen, die national Spaniſche beſte Leoneſer Wolle jetzt um ein bedeutendes uͤbertreffen. Die Londoner Preis⸗ courante der Jahre 1818 und 1819 ergeben naͤmlich: daß beſte Saͤchſiſche und auch beſte Oeſtreichiſche und Franzoͤſiſche(jedoch letztere beide nicht voͤllig in demſelben Maaße) um 20 p. Ct. theurer bezahlt ſind, als beſte Leo⸗ neſer national Spaniſche. Ferner ſind z. B. die im Jahre 1816 neuerdings nach Sachſen gebrachten Merinos, .———ä——mõ——— —————— ——.,—————— ————. 5 —2——————. *— 8 8*⁴ 8— ℳ 189 nd onſt. den noch in den Koͤnigl. Stammſſchhaͤfereien be⸗ t, ſ findlich geweſenen, von dem Transport von 1770 dentheil, abſtammenden, durchaus nicht gleich gekommen. Indu⸗ Auch die Ausrede, daß die Schafe in Spa⸗ niichen nien durch den letzten Krieg vernachlaͤſſiget und dernag. dadurch ausgeartet ſeyen, kann ich nicht gelten hatſa laſſen; denn dann muͤßte derſelbe Fall auch in der und Sachſen, wo der Krieg wahrlich nicht weniger nationn gewuͤthet hat, Statt gefunden haben. im ein Dieſem allen entgegen, behauptet nun Hr. preis⸗ Pr. Schwab dennoch, daß eine Ausartung ergeben der Merinos nicht nur ſchon Statt gehabt, ja h biſe er prophezeihet ſogar deren baldigen gaͤnzlichen lebter Untergang, ſobald man nicht wieder neue Heer⸗ ſe) un den aus Spanien verſchreibe!— Gluͤcklicher⸗ ſſte be⸗ weiſe moͤgte jedoch dieſer Ausſpruch, der vor 25 Jahren vielleicht Schrecken und Apathie un— 18¹5 ter den Beſitzern von Merinos-Heerden hervor⸗ Lerinos, gebracht, und daher deren Verbreitung geſcha⸗ —————«—— 19⁰ det haben koͤnnte, dieſen Erfolg jetzt nicht mehr haben; wenigſtens fuͤhle ich, der ich auf meinen Beſitzungen ſeit 35 Jahren eine be— traͤchtliche Merinos-Heerde unterhalte, die ſich (ohne ſeitdem aus Spanien erfriſcht zu ſeyn), wie die erhaltenen Wollpreiſe und der Augen- ſchein uͤberzeugend darthun, nicht nur nicht ver— ſchlechtert, ſondern bedeutend verbeſſert hat, dieſe Beſorgniß nicht.— Zwar verwahrt Hr. Pr. Schwab ſich ausdruͤcklich gegen eine Vergleichung der Meri⸗ nos mit den Pferden, in Hinſicht auf den Ein⸗ fluß eines veraͤnderten Clima's auf ihre Aus— artung,„da man z. B. beim Orientaliſchen Pferde den Inbegriff aller ſeiner Eigenſchaften zu erhalten noͤthig habe, beim Schafe aber nur die Wolle; und wenn wir auch hie und da das unerwartete Gluͤck gehabt haͤtten, daß dieſe ſich bis jetzt gleich geblieben, ſo ſey dieſes doch mit den nes riich liſh 191 t niht den uͤbrigen Eigenſchaften der Merinos kei⸗ ich au nesweges der Fall.“ ine be⸗ Hierauf kann ich, was die Pferde betrift, die ſich mich nur auf das, was ich oben uͤber die Eng⸗ Jſeyn), liſche Rennrace geſagt habe, beziehen. Die Auxn⸗ Schafe aber anlangend, ſo moͤgte es theils Hrn. ich der Pr. Schwab ſehr ſchwer werden zu beweiſen, ſert hat in welchen Eigenſchaften die Merinos denn bei uns eigentlich ſchon ſo ſehr ausgeartet ſeyen; b ſich beſonders aber muß ich bemerken, daß, da die Neri⸗ Wolle unſer Hauptzweck bei deren Verſetzung n Ein geweſen, wir dieſe vorzugsweiſe beruͤckſichtiget e Aus und uns bis jetzt zu erhalten gewußt haben. dlſce Veraͤnderungen, z. B. in der Groͤße, haben ſbeia wir, da ſie uns erwuͤnſcht war, hie und da der nr abſichtlich herbeizufuͤhren geſucht, und daher in N auch bewirkt. Sonſtige Abartungen im uͤbrigen ſe ſ Organismus dieſer Schafe waren uns gleichguͤl⸗ h ni tig, und ſind daher unbeachtet geblieben; .——————— ——————ỹ—ꝛ—x—x—————— 192 angenommen aber ſelbſt, es gelaͤnge Hrn. Pr. Schwab, dergleichen nachzuweiſen, ſo erwie⸗ dere ich darauf, daß ich den analogiſchen Schluß ziehen moͤgte, wenn es unſer In—⸗ tereſſe mit ſich gebracht haͤtte, irgend eine an— dere koͤrperliche Eigenſchaft, als grade die Wolle an unſeren Spaniſchen Schafen vorzugsweiſe zu erhalten; ſo wuͤrden wir hierin eben ſo gluͤck— lich wie mit der Wolle, geweſen ſeyn. Auch beim Rindvieh haben wir ſchon ziem⸗ lich ausgedehnte Erfahrungen, daß fremde, den einheimiſchen ganz heterogene Racen, wenn ſie nur rein erhalten und gut ernaͤhrt und ver— pflegt ſind, ihren urſpruͤnglichen Charakter ganz oder doch zum bei weitem groͤßeſten Theile bei⸗ behalten haben. Ich beſitze z. B. ſelbſt Schwei⸗ zer Vieh aus dem Canton Freiburg, welches ſchon in der dritten Generation ſich vollkom⸗ men aͤhnlich geblieben iſt; ja, mein Oheim, der —— ₰ 3 193 be. N Koͤnigl. Preuß. General⸗Lieutenant Graf Lin⸗ b ernie denau, hat vor 35 Jahren Vieh aus dem giſchen Canton Schwytz, zuerſt nach Sachſen, nachher ſe In⸗ von da in die Mark Brandenburg verſetzt, hier⸗ eine an⸗ von Individuen an einen Engliſchen Gentleman— die Wall Farmer und Pferdezuͤchter Hrn. Crooke, uͤber⸗ sugsweiſe laſſen, und der bekannte Engliſche landwirth— ſo gluck ſchaftliche Schriftſtellere, Arthur Young, be— merkt, daß er wenigſtens 20 Jahre nachher n ziem⸗ dieſes Vieh auch in England mit allen ſeinen de, den eigenthuͤmlichen Charakteren erhalten, gefunden wemn habe; ſo wie z. B. vier Stuͤck davon, die ich und ver beſitze, gewiß noch jetzt von keinem Schweizer er on verkannt werden koͤnnen. Aber dieſes Vieh iſt eile bei ſtets unvermiſcht erhalten und im Stalle ge⸗ Scjri fuͤttert worden; ſo wie das Engliſche Vollblut— valbe Fuͤllen ſtets bei geſunder trockener Weide, mit olli Hafer zugefuͤttert wird.— Denn wollte man in, z. B. eine Arabiſche Reinzucht in moraſtige 2 13 194 Marſchweiden nach Holland verſetzen und Win⸗ ter und Sommer, Tag und Nacht der feuch⸗ ten kalten Luft ausſetzen, ohne ihr trockene Koͤr⸗ nernahrung zuzulegen, ſo wuͤrde man in einem ſolchen Falle allerdings eine Ausartung der Race muthwillig herbeifuͤhren, die man durch vernuͤnftige Ruͤckſicht auf die Umſtaͤnde ſehr gut vermeiden konnte*). *) Je mehr man uͤber dieſen Gegenſtand nach⸗ denkt, je mehr Beweiſe draͤngen ſich fuͤr den Satz auf, daß es außer Clima und Boden noch ein Etwas geben muß, welches das Weſen der verſchiedenen Thierracen, ſo wie der Voͤlkerſtaͤmme bedingt, wenn wir auch bis jetzt nicht im Stande ſeyn ſollten, dieſes Etwas ‿△ durch eine Theorie a priori vollſtaͤndig zu er⸗ klaͤren. Um auch hier vorzugsweiſe beim Pferde ſtehen zu bleiben, ſo wiſſen wir z. B. aus glaubwuͤrdigen und uͤbereinſtimmenden Nach⸗ richten, daß es in Arabien ſelbſt(alſo unter gleichem Clima und Boden) drei weſentlich von einander verſchiedene Pferdeſchlaͤge giebt 1— 3 195 nd Vir Um nun auf den Fall b., d. h. wenn die er faute fremde Race nur halb, d. i. bloß durch maͤnn⸗ ene Koͤr⸗ n einem(ſiehe J. Lawrence's History of the Race- ung der horse, S. 65.), als: un durh 1) Kochlani, d. i. edle.(Die in dieſe 3 Klaſſe gehoͤrigen Pferdefamilien ſind im Nie— ſehr gut buhr, und am vollſtaͤndigſten in G. Rzewus⸗ ky's Notices etc. aufgefuͤhrt und beſchrieben.) 2) Kadiſchi, d. i. halb edle, d. h. aus der Vermiſchung der erſten und dritten Art ent— d nach⸗ ſtandene. füͤr den 3) Hatiki, d. i. unedle. Boden Daß dieſe Angabe richtig ſeyn moͤgte, habe hes das 4 ich noch dadurch beſtaͤtigt gefunden, daß es z. wie der B. auch in Egypten unbezweifelt wenigſtens bis jeßt zwei ſehr weſentlich verſchiedene Schlaͤge geben Etvts muß! Ich habe naͤmlich zuerſt in den Staͤllen g zu e Bonaparte's und mehrerer Franzoͤſiſcher Mar⸗ Pfetd ſchaͤlle, nachher aber bei Engliſchen Offizieren, B. ans und namentlich denen des Herzogl. Braunſchwei⸗ 1 Nüi⸗ giſchen Huſarenregiments im Engliſchen Dienſt, un Gelegenheit gehabt, eine große Anzahl erwie⸗ ſentih ſen Egyptiſcher Pferde zu ſehen, worunter(be— g gitt ſonders unter den zuerſt angefuͤhrten) mehrere ** 19 ——8E 196 Individuen, welche man mit weiblichen Thieren der Landesrace begattet hat, uͤbertra⸗ hochedle, vom edelſten Araber ſchwer zu unter⸗ ſcheidende, aber auch ſehr viele dieſen ganz un— ähnliche(mit Speckhaͤlſen, Behang an den Feſ⸗ ſeln u. ſ. w. reichlich verſehene) waren, denen, wenn ihr Urſprung nicht voͤllig bewahrheitet ge⸗ weſen waͤre, gewiß Niemand ihr Orientaliſches Vaterland angeſehen haben wuͤrde.— Woher aber nun dieſe auffallende Verſchiedenheit, wenn Clima und Boden allein den Charakter der Racen bedingten?— Aber auch bei den Voͤlkerſtaͤmmen bewaͤhrt ſich dieſelbe Anſicht, warum tragen z. B. 1) die Juden, die ſeit mehr als anderthalb Jahrtauſenden aus Aſien nach Europa verſetzt ſind, in Bildung und Ausdruck der Geſichts— zuͤge u. ſ. w., noch jetzt ſo unverkennbar das Gepraͤge ihrer Aſiatiſchen Abſtammung? 2) Warum unterſcheiden ſich die Araber (oder Mauren,, die ſeit laͤnger als einem Jahr— tauſend in das Innere von Afrika verſetzt ſind, durch langes ſchlichtes Haar, Geſichtszuͤge und Hautfarbe noch immer ſo hartnaͤckig von den weüliher uͤbertra⸗ aw unter⸗ onnz un⸗ n den Fiſ⸗ n, denen, theitet ge⸗ entaliſches Wohet eit, wenn akter der bewährt B. nderthalb a verſezt Geſichts⸗ nbar das 2 e Arabt em Jaht— ſetzt ſind, zuͤge und von den 197 gen iſt; ſo iſt dieſer Fall, meiner Anſicht nach, von dem vorigen ganz verſchieden. Denn hier tritt zu den climatiſchen Einwirkungen noch der Einfluß der inlaͤndiſchen Mutter, die nicht nur ihren Antheil zum erſten Bildungsſtoff des Baſtards hinzufuͤgt, ſondern auch denſelben vor und nach der Geburt ernaͤhrt, hinzu; und hier geben Theorie und Praxis uns die Ueberzeu⸗ gung, daß alle menſchliche Sorgfalt zu ſchwach Urbewohnern(den Negern) jener Laͤnder, zwi⸗ ſchen und mit welchen ſie nun ſo lange ſchon wohnen, und ſollte auch z. B. ihre Hautfarbe hie und da etwas dunkler geworden ſeyn, ſo iſt dieſes ſehr natuͤrlich aus ihren nicht ſelten Statt findenden Verbindungen mit Negerinnen er⸗ klaͤrbar.. 3) Warum haben die Nachkommen der Eu⸗ ropaͤiſchen Anſiedler in Amerika ſeit 300 Jah⸗ ren noch nicht die rothe Kupferfarbe und die Geſichtszuͤge der Ureinwohner bekommen?— Doch ich daͤchte fuͤr den Unbefangenen waͤ— ren es der Beiſpiele genug. ————————Q—Q———— — 4 3 e N K — — W 8 198 ſeyn moͤgte, um eine Ausartung der fremden Race, und Anartung in die Landesrace, die zwar in einem nach der Thierart und auch den uͤbrigen Bedingungen verſchiedenen Grade der Schnelligkeit und der Vollſtaͤndigkeit, aber fruͤ⸗ her oder ſpaͤter doch gewiß eintreten wird, zu verhindern. Hierin ſtimme ich alſo dem Hrn. Pr. Schwab voͤllig bei, und bin mit ihm der Meinung, daß ſolche Miſchungen nie conſtant bleiben werden; und hierin duͤrfte auch der Hauptgrund liegen, weshalb alle Verede— lungsverſuche des Pferdegeſchlechts in Frank⸗ reich, Deutſchland u. ſ. w. ſo lange Zeit hin⸗ durch ohne bleibenden Erfolg geweſen ſind; da man gewoͤhnlich nur Halbſchlaͤge durch fremde maͤnnliche Individuen mit Landesſtuten bildete, die ſich ſehr natuͤrlich allmaͤhlich der Landesrace wieder mehr naͤherten und zuletzt in ſolche ganz uͤbergingen.— Auch in den meiſten Geſtuͤten, 8* 199 ftemden wo man fruͤherhin wohl hie und da auch fremde dce, die edle Stuten hatte, iſt man ſich in der Rein⸗ uch den erhaltung deren Abkunft von Vermiſchung mit de der Landespferden oder andern mit noͤrdlichem net fti⸗ Blute gemiſchten Racen, nur aͤußerſt ſelten in widd, conſequent geblieben, und daher ſind unſere ed⸗ lſo dem len Zuchten immer wieder eingegangen, und ha⸗ bin mit ben wir aus dieſer und aus noch einigen zufaͤlli— gen nie gen Nebenurſachen, als Krieg u. ſ. w., den e auch Englaͤndern, die das entgegengeſetzte Syſtem gerede⸗ conſequent verfolgt haben, und durch aͤußere Um⸗ Frank⸗ ſtaͤnde darin weniger geſtoͤrt ſind, niemals gleich it hi kommen koͤnnen. Auch ſelbſt dann, wenn das d; d halbſchlaͤgige Produkt eines fremden edlen Pfer— fremde des mit der Landesſtute wieder mit einem frem— bildet den edlen Hengſte gepaart und ſo durch meh⸗ desrae rere Generationen fortgefahren wuͤrde, wird e grn doch das Blut der erſten einheimiſchen ſütn, Mutter unvertilgbar bleiben und fruͤher 1 1 N 4 R — ————-QQ— 200 oder ſpaͤter eine Ausartung der fremden Race— eigenſchaften herbeifuͤhren. Daß uͤbrigens, auch ſelbſt bei ſolchen Ba⸗ ſtardſchlaͤgen, nicht immer der Einfluß des Clima's ganz ſo ſchnell und entſcheidend wirkt, als Hr. Pr. Schwab glaubt, und daß auch dabei menſchliche Sorgfalt die Aus⸗ artung wenigſtens aufhalten kann, beweiſen mehrere, aus ſolchen Miſchungen entſtandene Pferde⸗, Schaf⸗ und Rindviehzuchten, als z. B. das bekannte Fuͤrſtlich Lippe⸗Dettmoldſche Sennergeſtuͤt. Dieſes iſt, nach Prizelius Geſchichte und Beſchreibung deſſelben, bereits vor laͤnger als 400 Jahren errichtet, und obſchon voll⸗ ſtaͤndige aktenmaͤßige Nachrichten uͤber deſſen erſte Entſtehung fehlen, ſo iſt es doch hoͤchſt wahrſcheinlich, daß daſſelbe durch Morgenlaͤndi— ſche Hengſte mit guten Landesſtuten aufgerichtet ——————— —j j————P——Q—:——— ꝗů———— —————— 201— — Racs worden. Dieſes Geſtuͤt hat nun in dem langen Zeitraume ſeiner Dauer natuͤrlich nicht immer en Be⸗ eine ganz gleichfoͤrmige Behandlungsweiſe er— uß des fahren; und wenn man gleich weiß, daß daſ⸗ eidend ſelbe unterdeſeen mehrmal mit DOrientaliſchen , und Hengſten erfriſcht worden, ſo iſt dieſes doch e Aus⸗ oft in langen Zeitraͤumen unterblieben, und eweiſen eben ſo wenig zu erwarten, daß dieſe fremden andene Hengſte allemal von ganz edler und unvermiſch⸗ 18 3. ter Morgenlaͤndiſcher Abkunft waren. Dennoch ldſche aber haben die in dieſem Geſtuͤt gezogenen Pferde, wie aus der Beſchreibung derſelben in hichte aͤlteren und neueren Schriften hervorgeht, zu anger allen Zeiten, und wie mich z. B. vor vol⸗ neun Jahren der Augenſchein gelehrt hat, noch deſſe jetzt einen bedeutenden Antheil edlen Morgen⸗ hüch laͤndiſchen(allerdings mit noͤrdlichem ſtark ge— in. miſchten) Blutes verrathen. So z. B. ſah ichtet ich dort einen Goldfuchs-Hengſt, Namens Re⸗ — e 202 ſolu, der, wie ich hoͤrte, nicht ganz nahe von einem auslaͤndiſchen Hengſte abſtammte, und doch in Form, Haar, Gang und ganzem We— ſen ſo viel edles ſuͤdliches Blut zeigte, als ſich ſelbſt unter guͤnſtigeren Umſtaͤnden nicht haͤufig findet. Ferner giebt es in Sachſen und den Anhaltiſchen Laͤndern Metis-Schafheerden, die, ſowohl durch die Wolle als uͤbrigen Eigenſchaf— ten, von aͤchten Merinos ſchwer zu unterſchei⸗ den ſind, und ſich dennoch ſeit dreißig und mehreren Jahren auf einer hohen Stufe der Vollkommenheit erhalten haben; ſo wie mir in denſelben Laͤndern Meiereien bekannt ſind, wo Schweizer oder Hollaͤndiſche Baſtard-Rindvieh— racen ſich eben ſo lange ſchon auf gleiche Weiſe erhalten. Dieſes alles beweiſet alſo, daß ſelbſt bei gemiſchten Racen, durch vernuͤnftige Auswahl der beſten Individuen zur Fortſetzung der Zucht, durch zweckmaͤßige Fuͤtterung, durch Schutz vor zu rauher und naſſer Witterung u. ſ. w., viel zur Erhaltung des edleren fremden Blu— tes darin, dem Clima zum Trotz, geſchehen kann.— Nach dieſem allen erlaube man mir nun, kurz zuſammenzuſtellen, was aus der conſequen⸗ ten Anwendung des vom Hrn. Pr. Schwab aufgeſtellten Syſtems fuͤr ein Reſultat ſich er— geben wuͤrde: a)„muͤßte man, bei Errichtung eines Ge— ſtuͤts, nur Pferde von moͤglichſt unver— miſchter Landesart waͤhlen, ſie moͤgte nun an ſich gut oder ſchlecht ſeyn; denn das Fremdartige muß ſich dieſer doch wie— der anarten, und ſie muß gleichſam alle fremde Beſtandtheile ausſtoßen. Durch die— ſen Kampf der Natur wird aber, nach Hrn. Pr. Schwab's Syſtem, die Fruchtbarkeit —————õo,— S5—* A —y 204 gehemmt, und da das Product am Ende doch daſſelbe wird; ſo iſt es, um gleich mehr Fuͤllen zu ziehen, beſſer, Pferde zu waͤhlen, die, da nichts Fremdartiges in ihnen iſt, dieſes beſchwerlichen Naturpro⸗ zeſſes uͤberhoben ſind“*»). *) Zwar ſagt Hr. Pr. Sch., Seite 17 im 3ten Bde. des Taſchenbuchs d. Pferdekunde:„wenn ein Clima Pferde hervorbringt, die zu unſerem Zwecke nicht taugen, dann muß dem Cli⸗ ma durch fremde Kraft abgedrungen werden, was es nicht von ſelbſt hervorbringt.“ Ferner S. 18.„damit ſoll aber den nicht ſtreng racemäßigen Thieren nicht das Verdam⸗ mungsurtheil geſprochen werden, im Gegen⸗ theil, ſie beſitzen oft Vorzuͤge, die wir an Racen vergebens ſuchen duͤrften.“ allein ich muß bekennen, daß ich nicht weiß, wie ich dieſe beiden Saͤtze(denen ich uͤbrigens meinen ganzen Beifall nicht verſagen kann) mit dem uͤbrigen Syſtem des Hrn. Pr. Sch. in Einklang bringen ſoll? Vielmehr ſcheint mir zu einer ſolchen Verbindung darin gar kein An— 2⁰5 n End b)„Da das wilde Pferd das beſte iſt, und gleich folglich das verwilderte ihm naͤher als tde zu das zahme ſteht, ſo muß man nur ganz es in wilde Geſtuͤte haben.“— puxpro⸗ Was dergleichen Geſtuͤte aber, wo, um ſie dem Naturzuſtande ſo nahe als moͤglich zu bringen, natuͤrlich Hengſte, Mutterſtuten und m ten Fuͤllen von allen Altern, Winter und Sommer wenn 2 2. der durch einander laufen muͤßten, fuͤr erfreuliche fele Lli⸗ Reſultate liefern, davon geben die hie und da 1 noch beſtehenden Geſtuͤte der Art in Rußland, mngt. ſtreng. erdam. haltspunkt vorhanden zu ſeyn.— Denn bil⸗ egen⸗ det das Clima allein ſich ſeine Race, wie ewir ſoll man es nur moͤglicher Weiſe anfangen, teu ihm einen anderen Schlag abzudringen? Fer⸗ wiß V ner kann das durch menſchliche Pflege hervor⸗ öfcn gebrachte Pferd Vorzuͤge fuͤr uns haben, war— tan um ſollen wir dennoch das uns weniger nuͤtz⸗ 3 1 liche wilde zum Muſter nehmen, wie doch Hr. u Pr. Sch., S. 9., will, und worauf auch ſein 1 In Syſtem vorzugsweiſe baſirt erſcheint. 1 7 ———— 8————— —y——ÿ———————— 2 06 Polen und Ungarn Beweiſe, und Graf Ben⸗ nigſen fuͤhrt große Klage daruͤber(beſonders uͤber die Kleinruſſiſchen, die dieſem Syſteme am naͤchſten kommen). Auch iſt in einem der Tenneckerſchen Taſchenbuͤcher uͤber die Pferde— zucht(welches ich eben nicht zur Hand habe) die Beſchreibung eines ſolchen wilden Privat— geſtuͤts in Ungarn enthalten, deſſen Zoͤglinge den im Bennigſenſchen Werke beſchriebenen wil— den Pferden bei Bachmuth, ſo ziemlich aͤhnlich geweſen ſeyn moͤgen, und die daher bei einem durch Beſitzveraͤnderung des Geſtuͤts veranlaß⸗ ten oͤffentlichen Verkaufe derſelben, faſt haben verſchenkt werden muͤſſen!— Wahrlich, wenn Carl II. von England und die Engliſchen Grundeigenthuͤmer ſeiner Zeit dieſes Syſtem in Ausfuͤhrung gebracht haͤtten, England wuͤrde ſich gewiß nicht ſei— ner vortrefflichen, allen verſchiedenen Beduͤrf⸗ 1 207 niſſen ſeiner Bewohner ſo vollſtaͤndig entſpre— chenden Pferdearten erfreuen, ſes wuͤrde eine Maſſe von Nutzen und Annehmlichkeiten entbeh⸗ ren, und die großen Summen, die ſeit hun— dert Jahren fuͤr Pferde in dieſes and gekommen ſind und noch alljaͤhrlich hineinkommen, wuͤr— den ihm entgangen ſeyn, wenn es ein Syſtem befolgt haͤtte, deſſen Ausfuͤhrung allerdings ſehr bequem und wohlfeil, aber auch eben ſo lang— weilig als unbelohnend, und deſſen Haupt— maxime eigentlich ſeyn wuͤrde:„ſich ganz paſ— ſiv zu verhalten, um ja der Natur nicht in das Handwerk zu pfuſchen!“— Ich denke daher, wir thun doch beſſer, das nun durch mehr als hundertjaͤhrige Erfahrung erprobte Syſtem der Engliſchen Pferdezucht zu adopti⸗ ren, als das in der Theorie vielleicht philoſo⸗ phiſcher lautende, aber(da leider die Natur ſich nicht immer in unſere, uns Menſchen oft 208 noch ſo folgerecht ſcheinende Theorien ein⸗ zwaͤngen laſſen will) durch die Praxis bis jetzt nicht beſtaͤtigte des Hrn. Pr. Schwab; es ſey denn, daß wir es erlebten, die dem Ur⸗ bilde des Pferdes aͤhnlichſten Nachbilder deſſelben aus der Wuͤſte Cobi zu beſitzen, und dieſe, wohl gemerkt, auch zu unſerem Ge⸗ brauch nuͤtzlicher und von unſerem Auge ſchoͤner befunden wuͤrden, als die Araber oder Nubier!!!— Doch bald haͤtte ich vergeſſen, daß uns ſelbſt dieſes nichts helfen kann; denn auch jene werden ſich ja, nach Hrn. Pr. Schwabs Sy—⸗ ſtem, bei uns ſchon in der dritten Generation wieder in Landpferde verwandeln!— Bei dem Urbilde des Pferdes faͤllt mir noch eine Anfuͤhrung des Hrn. Pr. Schwab ein, der ich nicht umhin kann, wenigſtens ei⸗ nige Thatſachen entgegen zu ſtellen. Hr. Pr. 3— 65— 20o hen ein⸗ Schwab erwaͤhnt ſo haͤufig des Abnehmens bis jett der Naturkraͤfte durch das Altern der Erde, 1b; e und des daraus entſtehenden ſucceſſiven Ver— n Ür⸗ falls ihrer Geſchoͤpfe, und hier insbeſondere des hlder Pferdegeſchlechts, daß man danach freilich an— „d nehmen muͤßte, daß unſere jetzigen Pferde m G.— die edelſten und beſten darunter nicht aus— Aug⸗ genommen— ſehr tief ſchon unter ihr oder V Urbild herabgeſunken ſeyen!— Obſchon nun bekanntlich auf unſerer Erdkugel alles Phy— tnmns ſiſche endlich iſt, und daher ſie ſelbſt und ihre jee Geſchoͤpfe, wenigſtens ihrer phyſiſchen Natur Sy nach, nicht ewig dauren moͤgten; ſo kann ich rotion mich dennoch nicht uͤberzeugen, daß es mit der Abnahme der Naturkraͤfte, und folglich der Ge— gfr ſchoͤpfe der Erde und insbeſondere des Pferde⸗ wat geſchlechts, jetzt ſchon ſo weit gekommen ſey, t V als Hr. Pr. Schwab vorausſetzt. Nehmen N. wir naͤmlich(da wir nichts beſſeres an die 14 210 Stelle zu ſetzen haben) die Exiſtenz der Erde in ihrer jetzigen Geſtalt, nach der An— gabe des alten Teſtaments und der darauf be⸗ gruͤndeten Zeitrechnung der Juden, als richtig an, ſo haben wir bildliche Darſtellungen des Pferdes noch jetzt vor Augen, die bis auf die Haͤlfte dieſer Zeit hinausreichen, als z. B. die zwei koloſſalen Pferde des Phidias und Praxiteles auf dem Monte Cavallo zu Rom, die auf den Basreliefs, welche Lord Elgin von dem Parthenion zu Athen entnom— men(das, wie bekannt, von Pericles erbauet wurde, wenigſtens der Theil deſſelben, der dieſe Basreliefs enthielt, wohingegen die aͤußerſte Colonnade ſogar erſt vom Kaiſer Hadrian voll⸗ endet ward) und die jetzt in dem Brittiſchen Muſeum zu London aufbewahrt werden, end⸗ lich die zwar weit ſpaͤtere, aber doch uͤber an— derthalb Jahrtauſend alte statua equestris —————— 3 W1 l 4„ 211 t E des Kaiſers Marcus Aurelius auf dem Capitol— er Ar zu Rom, vieler anderen antiken Basreliefs und auf be Gemmen nicht zu gedenken.— Ich habe Ge— iichtig legenheit gehabt, die angefuͤhrten antiken Pferde en des zu ſehen, und ſie, bei meiner Liebhaberei fuͤr bis ai das Pferd, mit beſonderer Aufmerkſamkeit be⸗ als 3 trachtet. Beſonders aber die Statuͤe Marc Pyidias Aurels und ſeines Pferdes, in ſofern mir loo zu beide unverkennbare Portraits zu ſeyn ſchei— Lord nen(ſo wie z. B. die Darſtellungen Friedrichs tnom⸗ des Großen auf ſeinem Engliſchen Schimmel etbauet Condé), wie dieſes aus manchen Kleinig— r dieſe keiten, und aus dem Umſtande wahrſcheinlich ußerſe. wird, daß die Statuͤe ſich auf einen bekannten n vol Vorfall aus der Geſchichte Marc Aurels bezieht. tiſhen Die Betrachtung aller dieſer antiken and⸗ Pferde nun hat mir die Ueberzeugung gegeben, er ar daß hoͤchſtwahrſcheinlich die Pferde der Grie— allis chen und Roͤmer im allgemeinen weder groͤßer 14 212 1 noch zum Gebrauch des Menſchen beſſer und 3 vortheilhafter gebauet geweſen, als es im Gan— zen die unſerer Zeiten ſind. Meine Gruͤnde zu in dieſer Behauptung ſind kuͤrzlich folgende:*) ü 1. Sind die antiken Pferde(d. h. die 1 3 nicht offenbar Coloſſal-Statuͤen ſind, wie z. B. die, auf dem Monte Cavallo in Rom u. ſ. w.) von der jetzigen gewoͤhn⸗ lichen Mittelgroͤße unſerer Pferde, ſo wie 9 ihre Reuter oder Fuͤhrer es ebenfalls V ſind. 2. Iſt in ihren aͤußern Verhaͤltniſſen, die denn doch mit ihrem innern Weſen in .. nothwendiger Verbindung ſtehen, V 1 8* 1 durchaus nichts erheblich abweichendee, .. noch weniger etwas, was ſie vor den 3*) Man vergleiche hier die Anmerkung S. 169 dieſes b Anhanges, uͤber die zu Thiede bei Wolfenbuͤttel b b 1 V gefundenen foſſilen Pferdeknochen. V b 4 V ö — ſr un unſrigen beſonders vortheilhaft aus— n Gm⸗ zeichnete, vorhanden. nde zu Die antiken Griechiſchen Pferde zeichnen ü ſich zum Theil(aber nicht alle) durch ei— h. die nen, auch nach unſerm jetzigen Begriff edeln nd, nit Kopf, der mehr kurz als lang, mit einer graden allo in breiten Stirn, großen ſchoͤn geſchlitzten Augen, ewoͤhn⸗ weit offenen Naſen-Loͤchern und kleinen ſcharfge— ſo wie ſtellten Ohren verſehen iſt, aus. Ganz beſonders nfalls ſchoͤn und edel iſt ein, unter den Elginſchen Marmorn befindlicher Pferdekopf aus Athen, die der auch in dem daruͤber erſchienenen Pracht⸗ ſen in werke beſonders geſtochen worden; er iſt ganz ſtehen der des edelſten Arabers!*) Dagegen iſt der *) Ueberhaupt zeichnen ſich(mit Ausnahme der er da Croupe, die immer zu kurz und abhaͤngig iſt) die zahlreichen auf dieſen Basreliefs des Parthe— nions dargeſtellten Pferde vor allen uͤbrigen antiken Pferden durch einen auffallend edlern, faſt ganz dem Orientaliſchen ſich naͤhernden dieſes buͤttel ————— — i*——————————ͤͤ—„ —————————— — Koͤrper der meiſten Griechiſchen antiken Pferde gewoͤhnlich nichts weniger als edel geformt. Ein kurzer dicker Speckhals, ein geſpaltenes Bau, hoͤchſt vortheilhaft aus, und da ein großer Theil dieſer Basreliefs Athenienſiſche Triumph⸗ G zuͤge wegen uͤber die Perſer bei ihren Einfaͤllen in Griechenland, und auch ſpaͤter in Aſien ſelbſt er⸗ fochtener Siege darſtellt, ſo duͤrfte die Vermuthung, daß man Perſiſche Beutepferde oder deren Nachkoͤmmlinge dabei zu Model⸗ len gewaͤhlt habe, die ich der gefaͤlligen Mit— V theilung des Herrn Hofraths und Profeſſors Em⸗ V perius zu Braunſchweig verdanke, wohl vieles fuͤr ſich haben. Unverkennbar iſt wenigſtens die Aehn⸗ lichkeit dieſer antiken Pferde mit lithographiſch V (von Carl Vernet in Paris) dargeſtellten, durch b den jetzigen Perſiſchen Geſandten im Fruͤhjahre 1819 nach London gefuͤhrten Perſiſchen Pferden, b die ich mit jenen, in dem oben angefuͤhrten Werke uͤber die Elginſchen Marmore, verglichen habe. Z. B. ſind auch dieſe die einzigen mir be— kannten antiken Pferden, die(mit unbedeutenden Ausnahmen) ohne Behang an den Feſſeln darge⸗ ſtellt ſind. Mferde heformt. altenes i gueßer Lriumph⸗ faͤllen in ſelbſt et⸗ nuthung, e oder bodel⸗ n Mit⸗ ZEm⸗ les fuͤr Aehn⸗ raphiſch n, durch uͤhjahre pfferden, fuͤhrten rglichen mir be⸗ ttenden darge⸗ X Kreuz mit tief angeſetztem Schweif, viel Behang an den Feſſeln, und uͤberhaupt zu viel Fleiſch⸗ maſſe u. ſ. w. beurkunden, daß, wenn gleich ihre Koͤpfe eine Miſchung mit Aſiatiſchem Blute verrathen, dennoch das Europaͤiſche Blut im Ganzen noch darin vorherrſche.— Ver⸗ muthlich hat man das Theſſaliſche Pferd als das, von den Griechen vorzugsweiſe geſchaͤtzte, zum Modell gewaͤhlt, und dies iſt mir um ſo wahrſcheinlicher, da ich zwiſchen dieſen antiken Pferden(d. i. den beſſern darunter) eine in die Augen fallende Aehnlichkeit mit Euro⸗ paͤiſch-Tuͤrkiſchen Pferden,(vermuthlich in Ru⸗ milien gezogenen) die mir an verſchiedenen Or— ten als ſolche gezeigt wurden, bemerkt zu haben glaube. Nur daß das jetzige Europaͤiſch⸗Tuͤrkiſche Pferd mir etwas mehr von Aſiatiſchem Blute zu haben ſcheint, was auch aus der Vorliebe der Tuͤrken fuͤr Aſiatiſche Hengſte ſehr erklaͤrbar —-————— —— ——————— — 216 iſt. Ich ſelbſt beſaß waͤhrend 8 Jahren einen Tuͤrkiſchen Silberſchimmel-Hengſt, der ein Ge— ſchenk Sultans Selim III. an den ehemaligen Koͤnigl. Preuß. General von Goͤtzen(bei Ge⸗ legenheit eines diplomatiſchen Auftrages) gewe⸗ ſen war. Dieſes Pferd hatte eine ſo auffal— lende Aehnlichkeit mit den ſchoͤneren Grie— chiſch antiken Pferden Cjedoch, mit Aus⸗ nahme der Elginſchen), daß es mich und meh⸗ rere meiner Freunde oft frappirte; nur hatte auch dieſes im Ganzen etwas mehr Morgen— laͤndiſches als jene, beſonders in der Croupe und dem Anſatze des Schweifes, was jedoch dem erſten allgemeinen Eindrucke der Aehalictai nicht weſentlich ſchadete. Wie die Roͤmiſch antiken Pferde uͤberhaupt, ſo weicht insbeſondere das oben angefuͤhrte des Marc Aurel, von den Griechiſchen merklich ab, und zwar in manchen Parthien zu ſeinem —yyyyy——— —-õ—— 3 1 5 K— 5 — 4*—¼ en eine Nachtheile, in anderen aber zu ſeinem Vor— ein Ge theile. Z. B. iſt ſein Kopf bei weitem unedler als maligen an den Griechiſchen Pferden(mit Ausnahme etwa di Ge⸗ der beruͤhmten jetzt wieder in Venedig ſtehenden ſo⸗ ) gere⸗ genannten Corinthiſchen Pferde, deren Griechiſcher zuffal⸗ Urſprung uͤbrigens bekanntlich ſehr zweifel— n Gtie. haft iſt.) Die Schenkel ſind eben ſo fleiſchig, und Aus an den Feſſeln behangen, als z. B. bei den Grie⸗ d meh⸗ b chiſchen auf dem Monte Cavallo, dagegen aber hatte iſt die Croupe und der Anſatz des Schweifes orgen⸗ offenbar edler als bei den Griechiſchen Pferden Froupe ohne alle Ausnahme. h dem Ob es nun uͤbrigens einen Cappado⸗ lichkeit cier, Armenier, Luſitanier oder Spa⸗ nier, als die in Rom beliebteſten Racen, vor⸗ haupt V ſtellen ſoll, moͤgte entſcheiden zu wollen zwar te des vermeſſen ſcheinen; indeſſen wuͤrde ich doch fuͤr erkſiihl eine der letzteren zwei Racen ſtimmen, wofuͤr ſeinem beſonders die Bildung des Kopfes und der bis zur Unnatur piaffirende Gang ſprechen, und ſcheint mir das ganze Pferd viel aͤhnliches mit dem geringeren Schlage der neueren Spaniſchen Pferde(ſonſt Villanos genannt) zu haben, ſo wie ich denn mit dem bekannten Bildhauer „Falconet zu behaupten wage, daß dieſes Pferd, wie alle antiken Pferde(mit alleiniger Ausnahme vielleicht der Elginſchen) wenn es, ſo wie es da vorgeſtellt iſt, jetzt lebte, wahrſcheinlich in den Augen unſerer Pferdeken⸗ ner eine ſehr unbedeutende Rolle ſpielen wuͤrde. Wenn uͤbrigens auf manchen Basreliefs die Pferde beſonders ſtark und kraftvoll gebauet erſcheinen ſollten(z. B. mitunter die vor die Triumphwagen geſpannten), ſo ſagt auch die— ſes nicht viel; da wir theils dergleichen ſchwere Caroſſiers jetzt noch haben, theils es auch Sitte unſerer Bildhauer und Ma— — 219 ler iſt, die Pferde in Statuͤen und auf Bas— reliefs und Gemaͤlden als Symbole der Kraft, ungeheuer ſtark gebauet darzuſtellen, um ſo mehr die Franzoͤſiſchen und Flandriſchen Schlachten⸗Maler, z. B. Le Brun, Bour⸗ gignon, Wouvermans, Hugtenburgh u. ſ. w., gewohnt waren, die zu ihrer Zeit modigen ſchweren Flandriſchen und Frieſiſchen Hengſte dabei zu Modellen zu nehmen. Dieſe Anſicht mag denn auch z. B. Le Brun bewogen haben, auf ſeinen beruͤhmten Gemaͤlden der Schlachten Alexanders des Großen(die jetzt zu Paris im Louvre haͤngen) nicht nur den Macedoniern, ſondern ſogar auch den leicht bewaffneten Perſiſchen Reutern Pferde zu geben, wie ſie zwar wohl in Flandern, aber ſchwerlich in Perſien je exiſtirt haben moͤgten. Ich habe mich gefreuet zu finden, daß zuerſt Carl Vernet es gewagt hat, auf einem gro⸗ ———, ·. 3 — ꝗ—————-————BO——— “ oöͤöoͤſͤſͤſͤſͤſͤſͤſſ ßen hiſtoriſchen Schlachtſtuͤcke, welches im Pal— laſt Luxembourg zu Paris haͤngt, von dieſem artiſtiſchen Schlendrian abzuweichen. Das Bild ſtellt naͤmlich einen Sieg Koͤnigs Sancho IV. von Caſtilien uͤber die Mauren vor, und Sancho und ſeine Spanier reiten Pferde, worin der Character des Spaniſchen Pferdes unverkennbar ausgedruͤckt iſt, ſo wie in denen der Mauren der Arabiſche. Um analogiſch auch von den Menſchen auf die Pferde zu ſchließen, ſo iſt ja der Augen— ſchein da, daß alle Griechiſche und Roͤmiſche menſchliche Statuͤen,(verſteht ſich die koloſſalen abgerechnet) mit der heutigen Mittelgroͤße des Europaͤers uͤbereinſtimmen,*) auch wiſſen wir *) Zum Beweiſe, daß das Menſchengeſchlecht in koͤr⸗ perlicher Hinſicht, wenigſtens in den letzten 300 Jahren nicht merklich ausgeartet iſt, beziehe ich mich außerdem aus den gleichzeitigen Autoren, daß ſie im Ganzen nicht eben laͤnger lebten als wir.— Was aber z. B. das vermeintliche hohe Alter der Erzvaͤter anlangt, ſo iſt es bekanntlich a) auf die Mumien. Hier folgende Belaͤge: Die Dresdenſche(ehemals de la Valle'ſche) maͤnnliche Mumie hat eine Laͤnge von 5 Fuß 3 Zoll Pariſer Maaß. S. Beckers Augu⸗ ſteum Thl. 1. Seite 15. Ein Mumien-Sarcophag jener Dresdenſchen Sammlung hat eine Laͤnge von 5 Fuß 6 Zoll P. M. b) auf die foſſilen Menſchen⸗Ske⸗ lette von der Côte du mole, auf der grande Terre der Inſel Guadeloupe, von denen Lord Alex. Cochrane eins nach England transpor⸗ tiren ließ. Dieſe zeigen durchaus keinen von der jetzigen Menſchenrace abweichenden Charakter, und doch iſt das geringſte, was man annehmen muß, daß ſie mehrere Jahrtauſende in der ſie einſchließenden Kalkbreccie lagen. S. Propedeu⸗ tik der Mineralogie von Leonhard Kopp und Gaͤrtner, S. 20s, und das beigefuͤgte Kupfer. ————xyj,.——— noch zweifelhaft, ob nicht die alten Aſiaten, wie die jetzigen Araber, nach Zillen(zu 40 Jahren) ſtatt nach Jahrhunderten zaͤhlten, und daher dieſe Zeitrechnung nicht auch im alten Teſtamente ange⸗ nommen ſey, und in dieſem Falle wuͤrde folg⸗ lich das Alter der Erzvaͤter um ein bedeu— tendes zuſammenſchrumpfen.*) Endlich waren die Erzvaͤter nomadiſche Hirten; ſie fuͤhrten daher die einfachſte geſun— deſte Lebensart; und es iſt bekannt, daß auch noch jetzt die Beduinen der Wuͤſte großentheils ſehr alt werden; ja, wenn wir der Ausſage des Arabiſchen Scheiks Sidi Hamet(ſiehe Riley's Reiſen in Weſt⸗Afrika) nicht allen Glauben entziehen wollen, ſo iſt ein Alter von 5 Zillen(2 0 Jahren) bei den jetzigen Be⸗ *) Uebrigens ſteht ja auch ſchon im alten Teſta⸗ ment:„Unſer Leben waͤhrt 70, und wenn's hoch koͤmmt ſind es 30 Jahre“ u, wie duinen der Wuͤſte Sahara nichts unge⸗ ahren) woͤhnliches. Ein Gleiches fuͤhrt der Ritter dieſe Azarra von den Eingebornen von Paragugy ange⸗ in Suͤd⸗-Amerika an, und einzelne Faͤlle eines folg⸗ Alters von 150 Jahren und daruͤber kommen edeu⸗ noch neuerlich ſogar im civiliſirten Europa vor, als z. B. Henry Jenkins, die Graͤfin diſche Desmond u. ſ. w.(Siehe Pennants heſun⸗ Tour through Scotland.) auch Doch genug dieſer Abſchweifungen von mei— eils V nem eigentlichen Thema, die nichts ſeyn ſollen, ſage als Aufmunterungen fuͤr meine Zeitgenoſſen, und ſühe insbeſondere diejenigen darunter, welche ſich mit allen der Pferdezucht beſchaͤftigen, daß ſie ſich nicht von allzuſehr von Hr. Pr. Schwab's truͤben An⸗ ‚e ſichten uͤber die bereits eingetretene große Abnahme der Naturkraͤfte, und daraus erwach⸗ 3 ſene Verſchlechterung ihrer Geſchoͤpfe, nieder— ho ſchlagen, und in ihrem ruͤhmlichen Eifer, etwas 2— 8 4 ———— S——.————O(O—————;-ö——— 8 1 2 2 1 1 un Gen ₰ in⸗ 6 5 1 1 1 5 4. ₰ „ 14 ß 224 gutes von Hausthieren zu erzielen, hemmen laſ⸗ ſen moͤgen! Wahrlich, die Natur beſitzt Kraͤfte genug, auch unter unſern Hausthieren noch jetzt herrliche Geſchoͤpfe hervorzubringen, und zu ernaͤhren, wenn wir nur unſere Kraͤfte anſtren— gen, und dazu die, ſich uns darbietenden Er— fahrungen benutzen wollen, um ſie ihr abzu⸗ gewinnen. Wer ſich von der Wahrheit dieſes Satzes uͤberzeugen will, der gehe nach England und ſehe, wie dieſe Nation verſtanden hat, ſich von allen Hausthier-⸗Gattungen, zu den ver— ſchiedenſten Zwecken, allemal die zweckmaͤ⸗ ßigſten Schlaͤge zu bilden und zu erhalten. ieſes land ————— 1l 1 AAA ' II bl 11 Aiin Renfnnedenn nn- 1 Anhn 3 ————— Coſour& Grey S Chart Blue Cyan Green Vellow Hod Magenta Whitee Grey 1 Grèey 2— Grey 3 Grey 4 Black oans. BiE