ſ E 1essen *————..————— 2 Reise nach Ching durch die Mongoley in den Jahren 1820 und 1821 von Georg Timkowski. Aus dem Russischen übersetzt von M.. 2 5 E. Schmidt, öffentlichem Lehrer der russischen und neugriechischen Sprache an der Universität zu Leipzig. N* e* 1 5 W NU.— er 1 oe 2 5 N 34888„ 1 VV. i vai! F an In drey Theilen. ZSweyter Theil. Aufenthalt in Pekin. Mit zwey Kupfern und dem Grundrisse von Pekin. Leipzig, bey Gerhard Fleischer. 18 257 8 — 25 1 5—— o-— Inhalt des zweyten Theiles. Erstes Kapitel. Einleitung. Ideen einiger Europäer von China. Uebersetzungen und Werke von diesem Reiche; Mittel zu ihrer Erganzung 8 Zweytes Kapitel. Mein Tagebuch im De— tember 80 ð Von den Wohnungen der Chineser Erdbeschreibung China ett zzz. Mongolisches Gesetzbuch.... Gefühle während einer Fahrt in den Srafen von r* Kihhauser in Pekin Wucherey chinesischer Beamten 8 Erklärung der Ursachen, warum die neue Mission in Urga und Chalgan aufgehalten wurde. Bemerkungen über Eigenheiten der e und manshurischen Sprache.. 3 Teuer Ikonostas für die russische Kirche in Pekin Der chinesische Minister Ssunn Ausfahrt des Kaisers um die Opfer im Tempel des Himmels, am Tage der Umkehr der Sonne zum Sommer darzubringee nn Tag der Hinrichtung der Verbrechhnee Meine Zusammenkunft mit den Beamten des Ge⸗ richtshofes der auswärtigen Angelegenheiten. Ankunft der Mongolen in Pekin, des Handels wegen Kleidung der Chineser..„5 Besuch der portugiesischen Mönche 445 den neuen Mitgliedern unsrer Missian n.. Der pekin'sche astronomische Gerichtshof, oder die astronomische Akademie; die Absicht ihrer Stif⸗ tung und Zustand derselb(ee n Ferreira, Mönch aus dem Franeiscanerorden Seite. 48 56 . 1 U 5 1 IV Seite. f U Hauptursachen der Verfolgung der kömisch-katho⸗ N 9 lischen Missionare in F 61 0 Heftige Kalle in Pe kinn. 65 10 Schumin, Lehrer an der manshurischen Schule der 10 IJJ)VCTTCTC 65 un Zustand dieser Schnee 67 10 Ein Dalama mit einer Gabe(Tribut) aus Klein— 00 Sibet nge 68 i 0 Nichtexistenz des Dalai-Lama..„ 68 1 Titel des verstorbenen Kaisers Dsäzin und seiner f verwittweten Gemahlin 0 69 f 15 Tod eines Tur kestune n 8 71 1 lte Drittes Kapitel. Nachrichten von dem öst— Seh lichen Turkestan oder der kleinen Bucharey 80 9 Die wichtigsten Städte im chinesischen Turkestan 86 Ich Klima VVVPVCCCCCC 93 Nen Eigenschaft des Landes 3 93 ln Erzeugnisse desselben n 95 0 Gewohnheiten und Sitten der Turkestanen 100 Ben Viertes Kapitel. Fortsetzung des Tage— 8 in ee 119 0 Tschan-Liu, ein gebildeter Manshur 5 119 be Ein Beile, neben dem russischen Kloster wohnend 145 90 Ausführliche Nachrichten von der Erhebung und n dem Fall des berühmten Ministers Chescheng 121 90 Manifest wegen der Verbrechen des Chescheng.. 123 0 Unsere Ausfahrt nach Wailotschen oder der südli— in chen Hälfte Pekin's„ 129 5 Buchläden und Druckere ßen 9 130 Ae Reise auf Wagen von Menschen gezogen. 8 132 0 Bettler in Pekin„% 132 dan Das Exereiren des manshurischen Fußvolks 133 ft Kriegsmacht China's überhaupt 3 135 f bac Eintheilung und Zahl der chinesischen Truppen. 135 7 Belt Unterhalt und Monturen derselben. 3 136 mul Mängel beym Exereiren der Soldaten; ihre per⸗ f sönliche Würde ö 137 Ble Proclamation des chinesischen Kaisers über den Zu— ö 1 stand der manshurischen Drubppemnmnmnmn 139 9 ln Der Chineser Peter Bourjoie(Burshua) 3 145 n Sein Brief in lateinischer Sprache, und seine ö U Regeln der Erhaltung eines langen Lebens g 146 dal El0 Unsere Ausfahrt nach dem französischen Kloster. Besichtigung der außer der Stadt befindlichen Tempel Chuanß ü„„ Bangtschang Erdeni oder der Bogdolama, Ober⸗ priester Tibets, der zweyte nach dem Dalai-Lama Marmorner Obelisk, zu Ehren des Bangschang er— o. 3 Besuch bey einem Dalama aus Klein Tibet Gießerey von Götzen bilden... 3 Kirche und Wohnungen 1 Albasiner 8 Koreer e Pekin„ Neujahr nach dem chinefischen K Kalendern Ehrerbietung der Manshuren gegen die Raben. Beschreibung der Darbringung eines Opfers des Kutuchta in den Tempeln Chu anß ü. Tschen Lama, ein aufgeklärter Mongole... Aeußerung der Tibeter über die Engländer... Umständlichere Erläuterungen über Tibet, aus einer chinesischen Erdbeschreibung 1 5 Bhennung. V Gränzen und b„ Von dem Gebiete von Chlass Abhängigkeit Tibets von China Abgabe(Tribut), die Tibet bezahlt. Vorgesetzte dog Skatthalt e rn„ Künste und Handwerke V E gnise Landese. Tibetische Alterthümer..„„ Besichtigung eines außerhalb Pekin liegenden cho— schan'schen Tempels... Begegnung mit dem Sohne des chinesischen Kaisers Aeußerliche Abzeichen der Beamten i Gegen. n bhant rn: Auseinaudersetzung mit dem Dshangin TDTo-Loje, über Dienst⸗ Angelegenheiten Bitte an den Gerichtshof der auswärtigen Angele— 7 wegen Ablösung unsrer Kasaken u. s. w. Unser Besuch in dem portugiesischen Kloster.. Unangenehme Erfahrung von Erniedrigung der por— tugiesischen Missionare in China... Besichtigung des nördlichen Theils von Pekin. Sonnenfinsterniß in Pekin ö 3 — 9 5 VI J Seite Schrecken und Verlegenheit der Chineser bey einer l Sonnenfinsterniß.. 1 212 1 Proelamation des chinesischen Kaisers bey Gelegen⸗ 0 heit eines heftigen Sturms, den 30. April 1819. 213 1 Besuch von Tschen-Lama bey uns.. a 215 f Zurechtweisung des frechen Boschko Urg eth k a 218 ch Absendung der Kasaken nach Zagan Balgaßu. 220 nt Besuch des Bischoffs Pius„ e 220 I Nachricht von den Mongolen des ordossischen Aima 221 Fun Duldung der verschiedenen Religionen in n China. 222 f Unachtsamkeit der pekin'schen Polizey in Ansehung n der Reinlichkeit der Stade 224 1 Das chinesische Fest des Frühlings. 225 1 Ankunft der Kasaken aus Z. Bal gau 227 ue Abführung des Leichnams 1 3 verstorbenen Kaisers 1 Osäzin nach dem Begräbniß platzte 228 Foreischer Dolmetschh e 230 Fin Bemerkung über Japans e 230 1 9 Berathung mit den Dshangin's über die Rüt 8 05 der Mission in das Vaterland 231 0 Besuch der koreischen Offizitrtre 232 5 Bem kungen über Koren 8 233. Besuch des koreischen Generals 235 0 Gottesdienst in der Kirche zu Mariä Himmelfahrt, 0 die sich in der ehemahligen albasinischen Slobode 0 ine!!! 239 5 Sternwarte von Pekin 241 8 Besichtigung der Umgegenden von Pekin.. 241 0 Chin sische Schleu en 242 0 Alte ß 243 l Denkmahl des Ssu⸗Dsin wan 244 Reg Todtenäcker oder Begräbnißplätze von Pekin. 245 fe iergarten des Chuan 246 I. 9 Der Bitcheschi Fuß ang 3 247 N Zweyter Besuch von unsrer Seite bey den portugie⸗ 0 5 sischen Missionaren.. 3 248 8 Erster Handel über die liekerfuhr der N gisston aus Pekin bis jenseit der großen Mauer. 250 Pekin sche Mineralwasseee 252 U Abgeschlossener Handel über die Ueberfuhr der Mis— 0 EN 2 JL! 253 00 Der Kaiser macht 55 Anfang mit dem Pflügen N des Landes im Frühl nnn 254 0 . vII 10 8 Seite 1 Meine Bitte an den Gerichtshof der auswärtigen F Angelegenheiten, wegen der Abreise der Mission 2 nutzt Pekin 5 254 eue Kuppel auf die Kirche des Klosters zu Ma⸗ 9 kick Reinigung. 258 0 Abschied von Tschen-Laenna a 259 1 Anzahl chinesischer und manshurischer Bücher, die 05 von uns aus China ausgeführt wurden. 262 9 Summe für die Ueberfuhr der Mission von Pekin N nach Z. Balg; 3 262 Meine letzte Zusammenkunft mit den Beamten des pekin'schen ent e der ee Ange⸗ legen heiten. 5 264 Zwey Schreiben, von mir an bien Gerichts 0 Eingegebemnss 265 Fünftes Kapitel. Beschreibung von Pekin 269 1. Allgemeine Bemerkungen. Benennung der Stadt 269 Zeiß der Erbauung 3 269 Des Venezianers Marco Polo Bemerkung über i 270 Geographische Lage 8 292 Eintheilung und Grö ße 274 Thore von Pekin 275 Straßen und Häus ere 277 Zahl der Einwohner in Pekin 278 Das äußere Ansehen der Chineser und Manshuren beider sey schl ech: 280 Polize y ö„„ 283 Regimenter zu Pferd und zu Fuß, die in Pekin selbst liegen... 5 3 284 II. Besondere Umstände von Osi ntfchen, 2 5 5 Thronstadt oder der nördlichen Hälfte Pekin's 286 Dsüdshingtschen oder die Burg(Cita— delle, wo die Hofburg des N ist) 286 ö Shiaguschen 3 293 5. Dsintschen.„ 301 III. Wailotschen, d. i. die äußere oder südliche Hälfte Peeg ss 313 Chinesisches Theater. 317 Tempel des Himmels 5. 324 1 dem Erfinder des Ackerbaues geweiht 324 Beschlußß 326 VIII 1. Bürgerliche Ordnung in Pekin 2. Versorgung mit den nöthigen Bedürfnissen Stillschweigender Handel durch Ausstreckung der Finger FF // 0 Beylagen zum zweyten Theile. Verzeichniß der chinesischen und manshurischen in Pekin 1821 gekauften Bücher Preise der Lebensmittel und verschiedener Wagen penn 4 Vergleichung des chinesischen Gewichts mit dem russischen(und dem Leipziger Handelsgewichte) 345 359 367 5—— Ä * — — — — — = 5. — 2 1 * 8 0 2 22 2 . A —— 5 1 25 S 2 2 2 4 det 5— 8 N 2 — 2 2 — 2 9 1 2 ö —.—*.** 2. Erstes Kapitel. Einleitung. Ein berühmter Schriftsteller schildert das chinesische Reich son „An der östlichen Gränze Asiens, an hohen Bergen, liegt eine Gegend, die ihrer von alter Vorzeit her bestehen— den Existenz und Bildung wegen sich für das erste aller Länder, für die mittelste Blüthe der ganzen Welt hält; eine wahrhaft sehr alte und besonderer Aufmerksamkeit wür— dige Gegend— mit Einem Worte: China. Dieses Reich, an Flächenraum kleiner als Europe, rühmt sich dennoch einer Anzahl Einwohner, welche dieser Erdtheil, die Volks— zahl aller seiner Länder zusammengenommen, nicht aufstellen kann. In jenem Reiche rechnet man bis 250 Millionen Einwohner; 15/2 größere und kleinere Städte, 1190 Fe— stungen, 2796 Tempel, 2606 Klöster, 3158 steinerne Brücken, 10809 Gebäude aus alter Zeit u. s. w., wovon, so wie auch von den Bergen und Flüssen, von den Erzeug— nissen der Erde und der Menschenhände, von Gelehrten und Kriegsleuten, der Regierung alle Jahre von 18 General— Gouverneurs, die abgetheilte Kreise des Reichs unter ihrer Aufsicht haben, lange Berichte vorgelegt werden. Der größte Theil der Reisenden versichert einstimmig, daß, Eu— ropa und vielleicht das alte Aegypten ausgenommen, es in keinem Lande, außer China, eine solche Menge von Wegen und Flüssen, Brücken und Kanälen, ja sogar von bearbei— teten Bergen und Felsen gebe, die, nebst der großen Mauer, von der unermüdeten Thätigkeit menschlicher Hände zeugen. 1* F Von Kanton bis beynahe nach Pekin selbst kann man auf Schiffen fahren; Statthalterschaften, die durch Berge und Wüsten von einander abgeschnitten sind, haben unter sich Gemeinschaft durch große Straßen, Kanäle und Flüsse. Ganze Dörfer und Städte schwimmen auf dem Wasser und der innere Handel zwischen den verschiedenen Gebieten wird frey und thätig betrieben. Der Ackerbau ist der Grund des Wohlstandes der dortigen Einwohner; die Felder sind mit fetten Aehren mannigfaltigen Getreides bedeckt; trockener Boden ist mit Hülfe der Kunst bewässert; rohe Felsen sind in fruchttragende Aecker verwandelt; alle Bäume und Ge— wächse, die irgend einen Nutzen bringen, sind da ange— pflanzt; das nämliche gilt auch von Metallen und andern Mineralien, das Gold ausgenommen, wovon die Chineser fast gar nichts aus dem Schooße ihrer Berge gewinnen. Das Land ist reich an Thieren; Seen und Flüsse wimmeln von Fischen; der Seidenwurm allein giebt vielen Tausenden Beschäftigung und Unterhalt. Arbeit und Gewerbfleiß ste— hen jedem Stande, jedem Alter offen, sogar den hochalten, blinden und stummen. Sanftmuth und Gehorsam, eine freundliche Höflichkeit und Umgang mit der Welt, machen, so zu sagen, das ABC aus, das jeder Chineser in der zartesten Kindheit auswendig lernt, und von dem er in dem Laufe seines ganzen Lebens nicht abweicht. Ihre Gesetzge— bung und Pelizey sind— Wahrheit und strenge Ordnung. Das ganze Staatsgebäude, in den verschiedenen Verhält— nissen und wechselseitigen Verpflichtungen der Gesellschaften gegen einander, ist auf den Gehorsam gegründet, der vom Sohne dem Vater, und von den Unterthanen dem Vater des ganzen Vaterlandes, dem Kaiser, bewiesen wird. Dieser sorgt seinerseits wieder für sie, als für seine Kinder, indem er ihnen Vorsteher setzt, und sie ordnet. Kann es wohl je eine bessere Grundlage geben um Menschen zu regieren?— Dort giebt es keinen Erbadel; sondern der Adel, der durch ausgezeichnete Verdienste bewiesen wird, ist in allen Gesell— schaften geachtet; erfahrene Männer müssen die höchsten Stellen einnehmen, und diese Stellen nur bestimmen die Würde(den Rang). Zu keiner Religion wird der Unter— than mit Gewalt gezwungen, und nicht eine davon, wenn sie nicht den Staatszwecken entgegen ist, ist der Verfolgung unterworfen. Die Anhänger der Lehre des Confucius (Kong⸗fu⸗tße), des Loudsi und des Fo, selbst die Juden(2) und Jesuiten, sobald die Regierung sie aufgenommen hat, leben dort mit einander in Frieden. Die Gesetze der Chi— neser beruhen auf der Sittenlehre, und diese Sittenlehre ist auf die heiligen Bücher gegründet, die auf sie von ihren Vorfahren übergegangen sind. Der Kaiser ist ihr oberster Priester, und wird bey ihnen ein Sohn des Himmels ge— nannt. Er ist der Beschützer und erste Bewahrer der alten Gebräuche, die Seele des Staatskörpers, die jedes seiner Glieder belebt. Und wenn alle Bedingungen beobachtet werden, wenn jede Regel in voller Wirksamkeit ist; kann man dann sich eine vollkommenere Regierung denken“)?— Das ganze Reich ist dann eine Wohnung tugendhafter, gebildeter, arbeitsamer, gesitteter, glücklicher Kinder und Brüder.“ Mit solchen Zügen zeichnete das chinesische Reich*“) Herder, ein Schriftsteller Deutschlands, bekannt durch seinen tief eindringenden und erleuchteten Geist. *) Diese Frage können Männer beantworten, die erfahrener in der Wissenschaft einen Staat zu regieren sind, und besser die Grundlagen des Volkswohls durchschauen. A. d. V. *) Die Chineser nennen ihr Land Oshun ho d. i. das in der Mitte liegende Reich. Diese Benennung konnte, nach des Pater Jakinf Meinung von senen ältesten Zeiten her— — ä——— 2 D—— ä———————— . 5 Aber auch jener treffliche Schöpfer dieses reizenden Gemähldes des entfernten China's scheint selbst einzusehen, wie wenig diesem das jetzige Urbild gleicht. Bey all' dem, ungeachtet der mannigfaltigen Einwürfe gegen das oben gesagte über China, bleiben noch einige Umstände, welche die Aufmerksamkeit jedes Europäers auf eine nähere Kennt— niß dieses Reiches hinziehen. Welcher Reisende wird nicht staunen, wenn er, nach lange dauernden Anstrengungen bey dem Durchgange durch ermüdende Steppen, dichte Wälder oder über gefahrdrohende Meere, mit einem Worte, nach allem dem, wodurch eine ode, wilde Natur seine Schritte hemmte, und seine Reise mühevoll machte, auf einmahl sich in einem wohleingerich— teten Lande sieht, welches in unabsehbaren Dörfern und geräumigen Städten ihm Millionen von Menschen darstellt, die ruhig alle Bequemlichkeiten des Lebens und der bürger— lichen Ordnung genießen?— Wirklich war ich selbst in einer ähnlichen Lage. Ge— gen Nord und Nordwest umgeben China halbwilde Völker, rühren, als China in viele kleinere Fürstenthümer(die als Appanage den verschiedenen Fürsten gegeben waren) zerstückt war, unter denen das Gebiet des ältesten oder Großfürsten in der Mitte der übrigen lag. Wie dem auch sey, die Chineser geben sich selbst den Titel Oshunho-shing, das Volk des in der Mitte liegenden Reiches, so auch Min— shing, Changshing, das ming'sche, change sche Volk(Chinenses oder Chanenses). Diese beiden Benennungen sind von ehemahligen in China herrschenden Häusern entlehnt, wovon das letzte von 206 vor Chr. G. bis 22 nach Chr. G. bestand. Die Manshuren nannten die Chineser Nikang, und dieser Nahme wird jetzt vorzugsweise gebraucht. Das Wort Kit ai) ist mongolisch und für die gebornen Chineser kränkend; denn es bedeutet, wie man sagt, ein Land der Sklaven; eine Beuennung, die ihnen Dshingis-Chan gab A. d. V. ) Der russische Nahme China's. A. d. U. 3*. die in höchst dürftigen Steppen umherziehen; Völker, für welche mehr oder weniger grasreiche Weideplätze als Kom— paß bey ihren Nomadenwanderungen dienen, und die einst in allgemeiner Waffenrüstung daher stürmten, um friedliche Stämme zu vernichten. Kaum hatten wir die todte Steppe Gobi verlassen, und waren aus der hochliegenden Mongo— ley in die erste chinesische Stadt Chalgan hernieder gestie— gen, so fanden wir ein angebautes, ruhiges, wohlgeord— netes Reich, dessen Bewohner eine äußerliche Aehnlichkeit mit den schon uns bekannten Mongolen haben. Was für ein Reich schließt denn diese merkwürdige Gegend im Osten der alten Welt in sich? Hat etwa die gatur, vor allen übrigen Ländern Asiens, China, als ih— ren Liebling, mehr mit ihren Segnungen überschüttet? Machen die Einwohner desselben, ungeachtet der großen. Aehnlichkeit mit den Mongolen, wirklich ein ganz verschie— denes, mit ungewöhnlichem Geiste begabtes Volk aus? Uebertrifft der Anbau desselben alles was Staatswirthschaft vermag, und steht es auf einer höhern Stufe der Bildung als unser Theil der Welt? Blüht das Volkswohl— der Hauptzweck aller bürgerlichen Gesellschaften— dort nicht etwa schon besser, als in Europa? um diese Fragen mit einiger Bestimmtheit zu lösen, konnen nicht nur die früheren Nachrichten der Jesuiten über China dienen, sondern auch die Berichte der neuesten engli— schen Gesandtschaften an den Hof von Pekin, nämlich: die des Lord Macartney in den J. 1792, 93 und 94, von Staunton herausgegeben, und in russischer Sprache zu Mos— kwa 1804 gedruckt; eben so auch die Gesandtschaft des Lord Amherst, herausgegeben von Ellis, aber noch nicht ind Russische übersetzt. 8— Jeder Europäer, der im Innern des chinesischen Rei— ches gewesen ist, hat seinen Landsleuten seine Gedanken von diesem so entfernten Reiche überliefert. Die dort le— benden römisch-katholischen Glaubensprediger haben beson— ders viel von der chinesischen Geschichte, Statistik u. s. w. geschrieben, und sich bemüht, dadurch ihrem dortigen Auf— enthalte, und ihren geistlichen Erwerbungen in einem Lande mehr Bedeutsamkeit zu geben, das bisher vielen als ein Land räthselhafter Vermuthungen erschien. Gewiß, alle solche Werke dienen zum Beweise der eifrigen Bemühungen der Europäer um die Kenntniß der ganzen Welt. Die bis jetzt in China befindlichen Jesuiten hatten mehr Gelegenheit genaue Nachrichten davon zu sammeln, da sie sich, unter der Regierung des zweyten Kaisers der manshurischen da— zin'schen Dynastie, des berühmten Kansi, mit der trigono— metrischen Aufnahme der Gebiete dieses weitläufigen Reiches beschäftigten. Ihre Berichte über China sind nicht nur in Europa mit ausgezeichneter Aufmerksamkeit aufgenommen, sondern entflammten den Geist vieler Gelehrten, besonders in Frankreich; denn die französischen Jesuiten genossen eine vorzügliche Achtung in China selbst, durch ihre encyklopä— dische Bildung, und noch mehr durch ihren geschmeidigen, einschmeichelnden Charakter. Viele Gelehrte haben sich den Nahmen tiefer Kenner der chinesischen und manshurischen Schriften angemaßt, indem sie bey ihren Schlüssen sich nur auf die Ueberlieferung der Jesuiten verließen. Daher er— schienen in Europa ganze Bände verschiedener Werke über China— Früchte eines gelehrten Heroismus; und in sol— chem Sinne kann dieses Reich nicht mehr für wenig be— kannt angesehen werden. Französische Schriftsteller bemüh— ten sich immer, sicher mit dem gegründetesten Rechte, auf dem Kampfplatze der Streitigkeiten über China mit den 1 . 9 3 Schriftstellern der übrigen Nationen, die Dictator-Stimme zu behaupten. Diese Bemühungen indessen können kaum den gewünschten Nutzen bringen; denn es fehlt dabey der hauptsächlichste, feste Grund, der in treuen Uebersetzungen der chinesischen Geschichte und Erdbeschreibung aus den Ur— schriften liegt. Die Uebersetzungen der Jesuiten kann man nach der Aeußerung sachkundiger Männer, mit mehrerem Rechte als Auszüge aus chinesischen Büchern oder als Pa— raphrasen betrachten; dabey sind sie größtentheils in je— nen Zeiten gemacht, da die chinesischen Buchstaben als ziemlich dunkle Hieroglyphen vorgestellt wurden. Man muß hoffen, daß die Engländer, die jetzt sich fleißig mit Erler— nung der chinesischen Sprache beschäftigen, aus politischen Absichten, und aus Liebe zur Genauigkeit, auch hierin große Fortschritte aufweisen und nützliche Entdeckungen machen werden. Mit diesen wenigen Worten wünschte ich einen Wink zu geben, woher es kommt, daß man in Europa so man— gelhafte oder oft verkehrte Begriffe von China hat. Hierbey kann ich nicht verschweigen, daß, um unsre unvollkomme— nen Kenntnisse davon zu vervollständigen— unser Vater— land die allerbequemste Gelegenheit hat, durch die Mitglie— der unsrer Mission in Pekin. Da sie in der Hauptstadt China's einige Jahre verleben, und sich, so zu sagen, in dem Mittelpunkte der Volksaufklärung befinden, haben sie, bey der freygebigen Unterstützung ihrer Regierung und der bekannten Mitwirkung der chinesischen, Zeit und Mittel, sich gründliche Kenntnisse in der Sprache zu erwerben, und dadurch eben sich selbst und ihre Landsleute mit der Ge— schichte und Erdbeschreibung China's bekannt zu machen, genaue Nachrichten von der innern Lage des Reichs, von den Gesetzen und von dem, was die Regierung wirkt, ein— 2 2 — 1 — N 4 — 10 zuziehen. Die Herausgebung solcher Uebersetzungen und Beobachtungen kann, wie es scheint, mehr Licht über die Nachrichten von China verbreiten, die in einer so großen Anzahl von Büchern, in französischer, deutscher und auch selbst in russischer Sprache, ausgestreut sind. Dann wer— den wir noch mehr die Möglichkeit zeigen, den übermüthi— gen Vorwurf zu widerlegen, den ein französischer Abbé un— längst über das Stillschweigen unserer in China gewesenen Landsleute ausgesprochen hat). Eine genauere Erörterung der wichtigern Gegenstände überlasse ich Leuten, die mehr Gelegenheit hatten, vollstän— dige und wahrhafte Berichte zu sammeln, und beschränke mich, in der Fortsetzung meines Tagebuchs, auf solche Nachrichten von China und den von ihm abhängigen Län— dern, die an Ort und Stelle gesammelt oder bewährt sind, soviel mir dieses die Umstände und die Kürze meines Auf— enthalts in diesem Reiche verstatteten. *) De la Chine, ou description généërale de cet Empire, par M. Abbé Grosier. 1818. Th. I. S. V. in der Vorrede. Hier ist des verehrlichen Abbé Grosier eigne Aeußerung:„ich hoffe, sagt er, die Herausgabe dieser Werke wird dem gelehrten Ruhme Frankreichs nicht fremd seyn können. Sie wird, den Versicherungen einiger Schriftsteller entgegen, beweisen, daß wir weder den Engländern noch auch den Russen, bey aller Pracht und den großen Kosten ihrer Gesandtschaften, sondern nur allein den Franzosen die umständlichsten und treuesten Nachrichten von der Lage China's, von seinen Künsten, sei— ner Geschichte, verdanken. Die Berichte der englischen und holländischen Gesandtschaften, die 1794 dort waren, sind mit Geräusch in Europa verbreitet worden, und indessen kann man unbedenklich sagen, daß die zwanzig Bände, in denen sie enthalten sind, uns noch nicht soviel neue Nachrichten von China verschafft haben, als vier Seiten enthalten würden. Die letzte russische Gesändtschaft, die 1805, wegen politischer Zwecke, die man uns verhehlte, abgesandt und von den Chi— nesern nicht angenommen wurde, würde gewiß(??) uns nicht mehr Nutzen gebracht haben.“ A. d. V. 9 Zweytes Kapitel. Tagebuch im December(A. St.) 180. Nach unsrer Ankunft in Pekin wurde den 2. Dec. (14. Dec. N. St) um 10 Uhr des Morgens, von der neuen Mission Gott dem Herrn, durch dessen mächtige Hülfe wir das Ziel unserer Reise erreicht hatten, ein Dankgebet dargebracht. Beym Herausgehen aus der Kirche kam dem Pater Archimandriten Peter der 65jährige Manshure Iken— g(Ikenhé), auf Chinesisch Ißännschen) entgegen, ein hinfälliger, und wie es bemerkbar war, sehr armer Greis. Er befindet sich schon 40 Jahre bey den Russen als Privatlehrer der manshurischen und chinesischen Sprache, außer zwey von der Schatzkammer besoldeten Lectoren, die von der chinesischen Regierung angestellt werden. Ißänschen war Lehrer des Pater Peter, so wie auch der Herren Li— powzow und Nowoßelow; er blieb in dieser Eigenschaft auch bey den Studenten, die seit 1808 in Pekin lebten. Am Morgen machte ich durch Hülfe des Hrn. Ssi— pakow, Studenten der vorigen Mission**), der bey allem, was wir mit Chinesern zu thun hatten, uns als Dolmetscher diente, den Abschluß der Rechnung mit dem Podrädshik, der die Mission von Chalgan nach Pekin gebracht hatte. In Pekin gebraucht man bey allen Han— dels- und Privatangelegenheiten das Gewicht, Jerlämpin genannt. Nach diesem Gewichte ward, auf Rechnung der nach der Uebereinkunft noch rückständigen 100 Lana, an *) J ist sein abgekürzter Familiennahme; und ßännschen be— deutet gelehrt; ein sehr angesehener Titel in Ehina. A. d. V. 5) Jetzt Collegien-Assessor und Dolmetscher der mänshurischen und chinesischen Sprache bey dem asiatischen Departement der auswärtigen Angelegenheiten. A. d. V. 5...— —— 2— n — — J ö 9 N ö * Silber 8 Pfund und 60 Solotnik(882 oder 88 Pfund) gegeben, wobey 1 Pfund zu 11 Lanas 6, Tschin gerechnet wurde. Zum Beweis unsrer Erkenntlichkeit gegen den Pod— rädshik Liländüng, da er die Mission mit musterhaftem Eifer und Sorgfalt nach Pekin übergeführt hatte, machte ich ihm noch ein anständiges Geschenk, an Werth auf 30 Rubel in Assignationen; denn er wünschte etwas von rus— sischen Arbeiten zu haben. Nachher erfuhren wir, daß solche Geschenke für die hiesigen Podrädshiks als Beweis ihrer Pünktlichkeit in Erfüllung der Bedingungen dienen, die sie mit Beamten eines fremden Reiches, und mehr als alles, des russischen abschließen, von dem die Chineser eine hohe Meinung haben. Den 3. Dec.(15. Dec. N. St.) Da der Vorsteher der Mission Pat. Archimandrit Peter die zunehmende Zer— rüttung meiner Gesundheit sah, die durch die außerordent— liche Feuchtigkeit des Gesandtschaftshauses, und durch den Dampf von dem Brennen der Steinkohlen in den Zimmern entstand, redete er mir zu, ein besonderes Zimmer, das äußerste gegen Westen in dem Theile, wo die Ordensgeist— lichen wohnen, einzunehmen, in welchem Zimmer vorher ein Kirchendiener seinen Aufenthalt gehabt hatte. Es ist nöthig zu erwähnen, daß man in den Zimmern des hiesigen Klosters die Steinkohlen unter dem Fußboden verbrennt. Auf diese Art werden die Zimmer hinlänglich erwärmt; doch schadet auf der andern Seite die beständige Wärme des Fußbodens den Füßen. Wir wollen einige Worte überhaupt über die Wohnungen der Chineser sagen; denn die Gebäude in dem russischen Kloster zu Pekin und auf dem Gesandtschaftshofe sind eben— falls nach den Regeln der chinesischen Baukunst aufgeführt. Alle Häuser, von der Hütte des Handwerkers an bis zu In tin! nm 50 sante dabon fllt, 15 J fcb fi Cide Win Uh jeden Hofe Dich seiß he. bäh in eual n facht boch — 13 den Palästen der Großen, werden hier aus Backsteinen nur ein Stockwerk hoch und im Innern des Hofes erbaut, der immer mit einer hohen steinernen Mauer umgeben ist, so daß man von der Straße nur die Dächer sieht. Kauf— mannsgewölbe, die bey den Häusern erbaut werden, machen davon eine Ausnahme. Große Fenster, mit Papier ver— klebt,(in den Zimmern unsers Klosters sind die Fenster aus Frauenglas), nehmen die ganze Vorderwand des Hau— ses ein, die immer, wo es nur der Platz erlaubt, gegen Süden gekehrt ist. Die Zimmer sind ziemlich hoch, die Wände mit weißen und bunten Papiertapeten überklebt. Ueberdieß kann man auf denselben, fast in jedem Hause, in jedem Gewölbe oder Bude, ja auch in dem kaiserlichen Hofe, irgend denkwürdige Sprüche von Weltweisen und Dichtern, in chinesischer Sprache mit künstlichen Zügen, auf weißem, rothen oder andersfarbigem Papier geschrieben se— hen. Diese Inschriften sind unter dem Nahmen Duidsü bekannt. Die Thüren und Verschläge oder Scheidewände im Innern der Zimmer sind, bey wohlhabenden Leuten, aus theuren Holzarten, z. B. Kampherholz, Cypressenholz u. s. w. geschnitzt. Außer dem schönen Anblicke, den sie gewähren, erfüllen sie auch die Zimmer mit einem angeneh— men Geruche; Tische und Stühle, aus gutem Holze ge— macht, glänzen unter einem Spiegellack. Große Häuser bestehen aus einer ganzen Reihe Zimmer; vor diesen ist eine bedeckte Gallerie auf Säulen, durch welche man aus einem Zimmer in das andere kommen kann, da diese keine weitere Gemeinschaft unter sich haben. In den Zimmern machen sie keine Oefen, sondern heizen sie mit Steinkohlen, die in besondern kupfernen Gefäßen, oder in Gruben glimmen, die eigends unter breiten steinernen Divans angelegt sind. Diese letztern sind gerade unter den Fenstern, oder werden — 7 —— ———— — — ö in der hintern Wand angebracht, und dienen des Tages 0 zum Sitzen, und in der Nacht als Bette. Uebrigens ha— 0 ben vornehme und reiche Chineser auch Bettstellen mit sei— denen Vorhängen. Zur Verminderung des Dampfes, der 1 von dem Verbrennen der Kohlen, besonders der Steinkoh— ft len, erzeugt wird, stellen sie in den Zimmern marmorne bat Kasten, mit Wasser gefüllt, hin, welches das schädliche ö fat Gas in sich aufnimmt; und um auch dieses unentbehrliche A Geräth in eine Verzierung zu verwandeln, unterhalten sie Goldfischchen*) in diesen Kasten. 101 Die chinesischen Dächer sind zum Theil in Europa be— 9 kannt. Sie sind nicht flach, wie die auf den Wohnungen b des warmen Osten, sondern hoch, mit einer großen Ver— M tiefung in der Mitte nach innen zu. Die Ränder des Daches 1 ragen über die Mauern des Hauses hervor und sind ein 0 wenig auswärts gekrümmt, doch nicht in solchem Grade, 0 wie man es bey uns auf den Lusthäusern macht. Nach der 9 Bemerkung Einiger erinnern diese Dächer durch diese Ge— 1 stalt an die Wohnung der frühern Urbewohner, das heißt, 1 an die Zeiten des Nomadenvolks. Alle Gebäude sind mit 1 Ziegeln gedeckt, die bisweilen mit einer Glasur von grü— 0 ner, rother oder gelber Farbe überzogen sind. Hier giebt fs es indessen für alles Regeln: und nach diesen dürfen nur f die kaiserlichen Gebäude und die Tempel mit gelben Ziegeln l gedeckt sehn; die Häuser großer Fürsten mit grünen; die ö 1 0 u *) Ma ltebrün nimmt an, daß der Goldfisch da dorade) aus 6 einem See komme, der am Fuße des hohen Berges Täng— N dsin, in der Nähe der Stadt Oshanchu in der chinesischen Stadt— i halterschaft Oshedsän, liegt; von da werde er in die andern Gebiete China's und dann nach Japan ausgeführt. Ungefähr um f das Jahr 1611 ist dieser Fisch zum erstenmahle nach England en gebracht worden. Precis de la Géographie universelle, III, 515. 0 NN M 2 8 Dächer aller ubrigen Gebäude werden aus grauen Ziegeln gemacht. wie auch andrer Dinge in China, einige Ausnahmen an— treffen, zufolge der Lage der Oerter und des Vermögens der Leute; so haben z. B. die Häuser in den südlichen Statt— halterschaften nothwendig eine Verschiedenheit von den Wohnungen in Pekin u. s. w. Den 4. Dec.(16. Dec. N. St.) Um besser den Wil— len der höchsten Regierung zu erfüllen, hatte ich eine Erör— terung mit dem Studenten Ssipakow über die vortheilhaf— teste Art, für das asiatische Departement Original-Land— karten und Erdbeschreibungen von China einzukaufen. Nach der Aeußerung des Hrn. Ssipakow, die durch den Pat. Jakinf bekräftigt wurde, ist die bekannte geographische Be— schreibung des chinesischen Reichs: Däzin i tun dshi sehr selten, und kann wenigstens 200 Rubel in Silber kosten. In der Folge wurde mir gesagt, daß man die gedachte Erd— beschreibung in den pekinschen Buchladen durchaus nicht sieht; und wenn sich auch einige Exemplare davon finden, so sind sie von einer alten Ausgabe und gar zu unvoll— ständig. Der Pater Jakinf beruhigte mich damit, daß er selbst das Buch Däzin i tun dshi habe, dessen größter Theil von ihm in das Russische übersetzt ist. Auf gleiche Weise bemühete ich mich in der Urschrift das mongolische Gesetzbuch zu bekommen, wodurch man neue Grundlagen nützlicher Maaßregeln zur Regierung der Nomadenvölker entdecken könnte, die unter russischer Herr— schaft stehen, so wie die Kalmüken, Kirgisen u. s. w. Man sagte mir, dieses Buch sey von der chinesischen Re— gierung verboten, es werde in der Druckerey des Gerichts— hofes der auswärtigen Angelegenheiten gedruckt und dann Uebrigens kann man, in Hinsicht der Gebäude, so — r———— ö ˙DV b eine bestimmte Anzahl Exemplare davon an die mongoli— schen Fürsten geschickt. Es trägt sich indessen zuweilen zu, daß Beamte aus dem Gefolge dieser Fürsten oder aus der Druckerey des Gerichtshofes das mongolische Gesetzbuch un— ter der Hand verkaufen; und darum ist es nicht leicht zu bekommen; sie stellen den Preis dieses Buches auf 50 Ru— bel in Silber. Der Pater Jakinf hat einen kurzen Auszug der mongolischen Gesetze aus der chinesischen Sprache übersetzt. Bey Gelegenheit der Unterredung mit dem Pater Ja— kinf über die Gegenstände des Studiums unserer neuen Missionäre, berührten wir auch die tibetische Sprache. Diese Sprache kann man in Pekin bey solchen Lama's er— lernen, die in Tibet, und besonders in der Hauptstadt des Dalai-Lama— Chlassa(Lassa) Bildung erhalten haben. Dort spricht man die richtigste und sanfteste Mundart da— von. Diese Lama's wohnen hier vor der Stadt, in be— stimmten Tempeln des Fo, die auf chinesisch Chuan ßi (gelbe Tempel) heißen. Einen solchen Lehrer zu halten kann nicht wohlfeil seyn, sowohl weil es hier an solchen Leuten mangelt, welche die tibetische Sprache gründlich verstehen, als auch wegen der Entfernung dieser Tempel von dem russischen Klosterhofe. um 3 Uhr Nachmittags fuhr ich mit Hrn. Rasgildejew dem ersten, und in Begleitung des Studenten Simailow in die südliche Vorstadt Pekin's, Wäilotschén, eigent— lich die äußere Stadt, genannt. Die ungepflasterten Stra— ßen sind sehr kothig. Das Volk bewegt sich in zahlreichen Haufen. Beamte, Kaufleute, Dorfbewohner, Arbeitsleute holten theils uns ein, theils kamen sie uns unaufhörlich entgegen. Alle eilten mit wichtigen Mienen irgend wohin, von irgend einer merkbaren Geschäftigkeit getrieben. Einige — „ RDrUrrrr— —— 17 von ihnen erkannten uns sogleich, blickten mit großer Neu— gier in die Kaleschen und machten unter sich ihre Auslegun— gen darüber, zu welcher Nation wir gehören möchten.— Feldscheere, Garköche für Reisende, solche die zerbrochene Gefäße ausbessern und andere Handwerker die mit kleinen Gegenständen zu thun haben, verrichten die Arbeit ihres Gewerbes auf den Straßen. Wir fuhren nicht weit von dem südlichen Thore der rothen Mauer vorbey, innerhalb welcher sich der kaiserliche Hof befindet. Die Hofgebäude kann man vor der Mauer nicht sehen. Der Platz dem Thore gegenüber ist mit Quadern von Bruchsteinen gepfla⸗ stert und mit kleinen Säulen umgeben. Niemand darf dar⸗ auf fahren oder reiten, nur Fußgängern gestattet man, darüber zu gehen. Die Schildwachen von der Leibgarde saßen auf Bänken bey dem Paradethor, und rauchten ruhig Tabak. Ihre beschmutzten Röcke verliehen dieser Wache des Gebieters des mittelsten Reiches(auf manshurisch: Dü— lumbai Gurung(Hurung)) wenig Glanz. Beynahe alle Häuser in Pekin sind weiter nichts als Kaufmanns— gewölbe mit verschiedenen Waaren. Hier bemerkt man keine solche Ordnung, wie bey uns in St. Petersburg oder Moskwa, daß in gewissen Gewölben oder Buden, die in einer Linie liegen, nur Waare von einerley Art verkauft würde; sondern jedes Gewölbe hat auch besondere Sachen. In der Straße, die neben dem russischen Klosterhofe vorbey geht, ist ein sehr großes Gewölbe zum Leihen auf Pfänder, oder ein Privat-Leihhaus, deren es in Pekin eine Menge giebt. Die Verschwendung und die Armuth der Manshuren tragen viel zur Bereicherung dieser verderblichen, auf chine— sisch Danpu genannten Anstalten bey. Die Regierung hat keine Leihhäuser, aber unter dem Nahmen von Regie— rungs⸗Leihhäusern unterhalten große Fürsten dergleichen II. Band. 2 — „ Anstalten, und dann heißen diese Huang danpü. Die Sachen werden dort um Is ihres wirklichen Werthes ver— pfändet, und nicht länger als auf drey Jahre. Für 1000 Tschech der dargelicehenen Summe, welches eine Lana oder 2 Rubel in Silber nach dem gegenwärtigen Cours aus— macht, nehmen die Wucherer monatlich 2 vom Hundert Zinsen von Kleidungsstücken, und 3 vom Hundert von me— tallenen und Galanterie-Waaren. Jene erstern müssen un— vermeidlich, und vielleicht sehr bald verkauft werden. Es ist zu bedauern, daß einige unserer Landsleute, aus ver— schiedenen Beweggründen, zuweilen zu dieser drückenden Hülfe ihre Zuflucht nehmen. Gesetzliche Zinsen sind in China 3 Fun von 1 Lana monatlich; in drey Jahren über— steigt der Betrag der Zinsen die dargeliehene Summe. Die Zinsen, die man im gemeinen Leben nimmt sind, wie oben gedacht, die allerdrückendsten, und es giebt wohl kein Reich, wo man mit so viel Kunst die Beamten zu Grunde richtete, die oft bis an den Rand des Verderbens würden gebracht werden, wenn sie nicht es verstünden, durch andere Mittel sich für diese Verluste zu entschädigen. Während unserer Abwesenheit waren auf dem Gesandt— schaftshofe Beamte aus verschiedenen pekinschen Gerichts— höfen angekommen, um die Arbeiten zu besehen, die jetzt auf diesem Hofe gemacht worden, und von ihrer Beendi— gung dem höchstweisen und höchstheiligen Chuandi, d. i. dem Kaiser, Bericht zu erstatten. Zur Ausbesserung der Gebäude bloß des russischen Gesandtschaftshofes, mit Ausschluß der Klostergebäude, die auf russisch-kaiserliche Kosten unterhalten werden, waren von der chinesischen Re— gierung 2200 Lana oder 4400 Rubel in Silber angewiesen. Da aber mehr als die Hälfte dieser Summe, nach dem bey den Chinesern(2) bestehenden Mißbrauche, die Beamten U — 19 sich zugeeignet hatten, wurden noch 500 Lana, oder 1000 Rubel in Silber zugegeben. Dessen ungeachtet wurden die Arbeiten nur obenhin und nicht dauerhaft gemacht. Solche Angriffe, welche die hiesigen Beamten auf die Kasse der Regierung machen, wird folgendes Beyspiel be— stätigen: vor etwa 25 Jahren war durch eine Ueberschwem— mung ein ganzes Dorf in der Statthalterschaft Schangdun fortgeschwemmt worden, und die Einwohner hatten kaum noch ihr Leben retten können. Der Kaiser Zänglung, der einst auf seiner Reise in jenem Dorfe übernachtete, befahl, den Unglücklichen zur Unterstützung 200000 Rubel in Sil— ber verabfolgen zu lassen. Von diesen Geldern, sagt man, behielt der kaiserliche Schatzmeister, zu seinem Nutzen, 40tausend, sein Gehülfe 20tausend, und so verminderte sich diese bedeutende Summe stufenweise bis zu 40tausend, ehe sie bis zu den Dorfbewohnern, die das Unglück getroffen hatte, gelangte. Ein chinesischer oder manshurischer Beam— ter, der sich in Pekin bey dem englischen Gesandten Lord Macartney befand, versicherte, daß auf gleiche Weise der größte Theil von jenen 30tausend Rubel abgingen, welche nach dem Willen des Chuandi täglich zum Unterhalt dieser Gesandtschaft aus der Schatzkammer abgelassen wurden. Dieser Unterhalt, vom 6. August an bis zum 19. Dec. 1793, kostete der chinesischen Schatzkammer ungefähr 1 Mil— lion in Silber. Ueberhaupt sagt man, daß in China mehr, als in irgend einem andern Lande der aufgeklärten Welt, das Geld das primum mobile— die Haupttriebfeder von allem sey, was da geschieht. Kein einziger Vorsteher, selbst nur eines Districts, hat hier weniger als 60tausend Silber— rubel jährliche Einkünfte. Diese Aemter werden nur auf eine bestimmte Anzahl Jahre einem anvertraut, und bey all dem verlassen Leute dieses Standes selten ihre Stelle, ohne 2* — große Reichthümer aufgehäuft zu haben. Die strengste Be— strafung eines schuldig befundenen und überwiesenen Vor— gängers hält seine Nachfolger nicht im geringsten ab, durch dieselben Mittel ihre Habsucht zu sättigen. Den 5. Dec.(17. Dec. N. St.) Gestern schon, ge⸗ gen 6 Uhr des Abends, hatte sich ein so heftiger Sturm erhoben, daß Baumäste in großen Stücken in der Luft fort— getrieben wurden. Er dauerte bis heute Abends 7 Uhr, und hatte eine westliche Richtung. Am Morgen sagte mir der Pat. Archimandrit Peter, sich auf die Berichte der Mitglieder der vorigen Mission stützend, daß das Dach der Kirche zur Reinigung Marlä in unserm Kloster schon verfallen seyh; aber die Mauern dieses Gebäudes sind vollkommen fest, ungeachtet eines Risses auf der südöstlichen Ecke, der von unten an bis ganz oben hinauf durch Erdstöße verursacht worden, die in den Jahren 1737 und 38 unter der Regierung des Kaisers Jundshen sich ereignet hatten. Die hier in der albasinischen Slobode (Vorstadt) bestehende russische Kirche ist hernach wieder neu gebaut worden. Von diesem Erdbeben litt Peking unge— mein. In seinen Umgebungen sieht man auch bis jetzt noch Spuren dieser traurigen Begebenheit. Man kann nicht um— hin sich zu verwundern, daß es auf dem festen Lande von China gar keine feuerspeyenden Berge giebt, ausgenommen die am Seeufer liegenden Gegenden der Manshurey, die der östliche Ocean bespült, auf dessen Inseln bekanntlich sich viele Bulkane befinden. Endlich enthüllten sich die Ursachen, weswegen man unsere neue Mission länger als gewöhnlich in Urga und Chalgan aufgehalten hatte. Die Nachricht von dem Able— ben des Chuandi Dsäzin hatte man in Urga schon damahls erhalten, als die Mission aus Rußland über die Gränze b 1 1 gegangen war. Dem zufolge hatte der Wan von Urga Jun— dun Dordshi, der nicht wünschte, unsere Regierung durch unsere Rückkehr nach Kiachta zu beunruhigen, dem Gerichts— hofe der auswärtigen Angelegenheiten in Pekin vorgestellt, daß die russische Mission noch in diesem Jahre in Pekin. ankommen könne, doch nur nach Ablauf der chinesischen 100tägigen Trauer. Fremde in die Hauptstadt vor dieser Zeit einzulassen, schien dem Wan der Politik zuwider, denn die Russen, die sich fremden Sitten nicht unterwürfen, könnten beym Einzuge in Pekin eine Kleidung anhaben, deren Zeug und Farbe nicht mit den Regeln der chinesischen Trauer überein stimmte. Den hiesigen Gebräuchen gemäß müssen Leute jedes Standes, um ihre Betrübniß über den. Tod naher Anverwandten, und noch mehr des Kaisers, zu erkennen zu geben, außer andern äußerlichen Zeichen der Trauer, Kleider von weißer Farbe, und eine Fußbekleidung von grobem baumwollenen Zeuge, d. i. Nanking, anstatt der sonst gewöhnlichen von seidenen Geweben, tragen. Den 6. Dec.(18. Dec. N. St.) Um 12 Uhr nach der Messe versammelten sich alle Mitglieder beider Missionen bey dem Pat. Archimandriten Peter. In dieser Versamm— lung zeigte der Vorsteher der vorigen Mission an, daß er aus der chinesischen Sprache in die russische eine Geschichte von China und eine vollständige Erdbeschreibung aller die— sem Reiche unterworfenen Länder übersetzt habe, eine be— deutende Arbeit, die vorzüglichen Nutzen bringen könnte. Er äußerte seinen eifrigen Wunsch, nach der Rückkehr ins Vaterland, seine Bemühungen auf die vollendende Bearbei— tung dieser Uebersetzungen zu wenden. Im Gespräche bat ich den Pater Jakinf, uns irgend etwas von seinen erwor— benen Kenntnifssen der Sprache und Lage China's mitzu— theilen. Er versprach die Mission mit von ihm selbst ab⸗ 4 0 1 4 7 r 2 —— —— 22—— gefaßten Wörterbüchern zu versehen, wobey er zugleich den Wunsch äußerte, mit vereinten Kräften genau die Bedeu— tung einiger chinesischen Wörter in russischer Sprache zu bestimmen, damit sowohl die in Pekin bleibenden, als auch die in unserm Vaterlande befindlichen Gelehrten, bey ihren Uebersetzungen, die chinesischen Ausdrücke in einem und demselben Sinne gebrauchen möchten. Ein nützlicher Vor— satz, und zu gründlichen Fortschritten in der chinesischen und manshurischen Sprache unumgänglich nöthig. Der ganzen gelehrten Welt sind die ungewöhnlichen Eigenheiten der chinesischen Schriften hinlänglich bekannt. Die Erwerbung gründlicher Kenntnisse darin kann man als einen glänzenden Triumph des Scharfsinnes, des Gedächt— nisses und einer beharrlichen Geduld ansehen. Wir wissen nicht, ob die Bildung der Chineser irgend jemahls in einem so armseligen Zustande war, daß sie statt einer Buchstaben— schrift eine völlige Bilderschrift im Gebrauche gehabt hätten, gleich den alten Aegyptern oder den Wilden Nordamerika's. Jetzt drücken sie zwar eigentlich nicht Sachen oder Gedan— ken durch Sinnbilder aus, wie z. B. das Feuer durch eine Schlange, die Erde durch eine Schildkröte, die Luft durch eine Eidechse. Doch ist die chinesische Sprache nicht sehr von der hieroglyphischen verschieden, und enthält nicht we— niger Schwierigkeiten. Die Chineser schreiben nicht nur jedes Wort mit einem besondern Schriftzuge; sondern jedes Wort zeigt auch, nach der Art wie es ausgesprochen wird, noch einige Bedeutungen. Zum Beyspiel das Wort Fu hat mehr als 80 verschiedene Schriftzeichen, welche mit be— sondern Tönen ausgesprochen werden, und dem zusolge be— stimmt man 80 verschiedene Benennungen, die einander völ— lig entgegen gesetzt sind. Auf solche Weise bedeutet das Wort Fu: groß, schön, Menge, Reichthum, Glück u. s. w. r — 23 N zufolge der Art, wie man es ausspricht, weicher oder här— b ter, gedehnter oder kürzer. Zur genauern Bestimmtheit al— 1 les Oben gesagten muß man nicht nur von der Natur eine 0 große Geschmeidigkeit der Kehle und des Mundes erhalten l haben, sondern überdieß noch ein feines wahrhaft mongo— 0 lisches Gehör). Es versteht sich von selbst, daß daraus für den Fremden zahllose Mißverständnisse entspringen. Ein Missionar aus dem Orden der Jesuiten verlangte, als er in China war, einen Pelz, und nannte ihn Pia o anstatt Piao; aber, zu seinem Erstaunen, erschien vor ihm ein junges Mädchen. Einem andern gab man anstatt Salz ö jang, Tabak, der auch jang heißt. Um ähnlichen Dop— pelsinn zu vermeiden, schreibt der Chineser, wenn er sieht, daß er nicht recht versteht, oder daß andere ihn nicht ver⸗ stehen, das nöthige Wort mit dem e in die Luft, auf den Tisch u. s. w. und da jedes Wort sein besonderes Zei— chen hat, so versteht einer, der des Lesens kundig ist, ihn sogleich. Aus diesem Grunde sind zwey Sprachen entstan— den: 1) eine Schrift sprache, und 2) eine Laut sprache, eigentlich die Sprache der Unterredungen. Aus dieser letzten sind wieder zwey besondere entsprossen: a) die Sprache, welche die Gelehrten, die obersten Staatsbeamten und über⸗ haupt die wohlerzogenen Leute sprechen; und b) die, welche das gemeine Volk gebraucht. Doch wollen wir auch gestehen, daß bey keinem an— 0 dern Volke die Schrift dem Gedanken so dicht nachfolgt, und daß man nirgends, aus einer nothwendigen Folge, die Sachen so sehr zugleich mit dem Erlernen des Lesens ken— „) Ein Mongole, der sich mit dem Ohre auf die Erde legt, oder gegen den Wind steht, sagt, in welcher Gegend, und wie viele Klaftern entfernt, Pferde gehen eder lausen, und wie groß ihre Anzahl ist. A. d. V. 8*——ç— 22 3 2 . 0 1 N 3 nen lernt. Daher kann nicht jeder Europäer ein chinesisches Buch mit Genauigkeit übersetzen. Die Chineser dagegen be— merken in europäischen Werken und Papieren nicht selten eine überflüssige Wortmenge. Alles oben Gesagte kann zum Theil einen Begriff von den fast unübersteiglichen Schwierigkeiten geben, die, beson— ders einem Fremden, bey Erlernung dieser Sprache bevorstehen. Indessen sind alle chinesischen Schriftzüge in 214 Buchsta— ben oder vielmehr Schlüssel eingetheilt, durch deren Verei— nigung man zusammengesetzte Begriffe ausdrücken kann. So bedeutet z. B. der Schriftzug, der den Menschen Shing ausdrückt, in Verbindung mit dem Zahlzeichen zwey oder der zweyte, el, und auch wieder ausgesprochen Shing, Liebe, Barmherzigkeit, die ein Mensch dem andern, als seinem zweyten Selbst, zu beweisen schuldig ist. Shing in Verbindung mit dem Schriftzuge ge(he) Waffen, wird fa ausgesprochen und bedeutet: kämpfen, sich schla— gen. Der Schriftzug des Mundes Keu, der ein Quadrat bildet, wenn er von oben noch durch die gerade Linie hung (gung), die Vereinigung bezeichnet, durchschnitten wird, bedeutet: die Mitte und wird ausgesprochen Dshun; wird aber unter das Zeichen der Schriftzug des Herzens Ssing gesetzt, so wird es Treue, Eifer bedeuten, und man spricht es ebenfalls Dshun aus.— Der Schriftzug Keu Mund und das größere Da zusammengeschrieben, be— deuten ein Geschrey, und werden chua ausgesprochen.— Der Schriftzug des Mundes und Schi, ein aufgellärter Beamter, mit einander vereinigt, bedeuten Wohl, Glück, und werden ausgesprochen Dsi.— Der Schriftzug Nj ui ein Mädchen, und Fu eine Mannsperson, zusammengesetzt, bedeuten: Sehnsucht, Verlangen. Baum Mu, zweymahl ausgedruckt, wird Ling ausgesprochen und bedeutet: Ge— — — hölz3, Wald; und drey Bäume Scheng bedeutet: dichtes Gehölz. Feuer Cho, unter Baum, wird Fün ausgespro— chen und bedeutet: brennen. Zwey Feuer bedeutet: Flam— me. Die Sonne Shi, verbunden mit dem Monde Juje, wird ausgesprochen Min, und bedeutet: erleuchten, sehr hell. Zwey Schriftzüge des Mondes zusammen werden ausgespro— chen Pün und bedeuten: Freund, das ist eine seltene Er— scheinung u. s. w. Hieraus kann man sehen, welche große Erleichterung allen andern Völkern die Einführung eines Alphabets ge— währt. Durch 20 oder 30 Zeichen besitzen wir eine reiche und sehr wohlgeordnete Sprache; während der in seinen erb— lichen Gewohnheiten hartnäckig beharrende Chineser mehr als 20000 verschiedene Schriftzüge erlernen muß. Ein Wörter— buch, das hundert Theile enthält, ist gar noch nicht vollstän— dig, und zur gründlichen Kenntniß der Sprache, in ihrem ganzen Umfange, reicht kaum ein ganzes Menschenleben hin: Ars longa, vita brevis.— Es ist schon bekannt, daß die Chineser ihre Schriftzüge in senkrechten Zeilen von oben nach unten, und überdieß, wie die Hebräer, von der Rechten zur Linken, schreiben. Die manshurische Sprache ist durchaus nicht schwer zu lernen. Gleich den übrigen asiatischen Sprachen hat sie ein Alphabet und eine Grammatik; sie ist der mongolischen sehr ähnlich, aber weit wohlklingender in der Aussprache. Die Manshuren waren, nach der Eroberung China's im J. 1644 genöthigt, ihre arme Steppen-Sprache zu vervollständigen, und sie zur Vollkommenheit, nach den Regeln chinesischer Wohlredenheit, zu bringen. Aber in dem Laufe eines 1765 jährigen Aufenthalts unter einem zahlreichen und ziemlich aufgeklärten Volke, haben die Manshuren, zugleich mit ihrer Lebensweise und andern Gebräuchen, sich mehr an die Sprache —— 5——— 5 desselben gewöhnt; so daß sie jetzt alle, hohe Beamte und gemeine Leute, allgemein chinesisch reden und schreiben. Die manshurische Sprache ist hier wenigen mehr bekannt, und wird nur in Reichsangelegenheiten gebraucht. Zu diesem Zwecke unterhalten sie in allen Gerichtsstellen, die der Verwaltung der Manshuren anvertraut sind, beson— dere Beamte, um diejenigen Papiere, welche insbesondere dem Chuandi zur Einsicht vorgelegt werden, zugleich in man— shurischer und chinesischer Sprache zu übersetzen. Diese Be— amten sind größtentheils Manshuren. Zur Führung der schriftlichen Geschäfte überhaupt werden in allen Gerichts— stellen nur geborne Chineser gebraucht, die im Ganzen ge— nommen mehr Fähigkeit und auch selbst mehr Neigung zu den Wissenschaften haben, als die den Müßiggang liebenden Eroberer, die ihre Seit in Vergnügungen, oder in völliger Unthätigkeit hinbringen. Den 7. Dec.(19. Dec. N. St.) um 3 uhr Nachmit⸗ tags— der gewöhnlichen Versammlungszeit der Mitglieder in den Gerichtsstellen in Pekin— überbrachten der Wagen— meister und der Dolmetscher Frolow, in Begleitung der Her— ren Ssipakow und zweyer Kasaken, dem Auftrage des Pat. Archimandriten Peter zufolge, dem Gerichtshofe die wegen Annahme der neuen Mission auf Beschluß von Seiten des Senats geschriebene Note unsers Ministeriums der auswär— tigen Angelegenheiten. Die Dshangin's EExpeditoren uf manshurisch— ein hier sehr wichtiges Amt) übernahmen dieses Papier achtsam und sagten, sie würden es unverzäglich dem Kaiser vorlegen. Indessen besuchte mich der Pat. Archimandrit Peter, und zeigte mir an, daß heute der von der hiesigen Regierung be— stimmte Lehrer der manshurischen Sprache Dshun-Loje von der öten(unserer 12ten) Klasse, der schon 1800 in dieser fason Kat owe . Eigenschaft bey unsern Studenten gewesen war, angekom— men sey. Bey ihm hatten vorher die Herren Kamenski, Lipowzow und Nowoßelow gelernt. Der Alte benahm sich freundlich gegen seine neuen Schüler. Der Pater Peter er— klärte mir bey dieser Gelegenheit, unter andern, die un— umgängliche Nothwendigkeit der Einrichtung, daß unsere aus Pekin zurückkehrenden Studenten den Neuangekomme— nen belehrende Anweisungen, zur leichtern Erlernung der chi— nesischen und manshurischen Sprache, geben möchten, und besonders der erstern, die uns noch nicht in dem Grade be— kannt sey, wie wir es mit Recht wünschen und sogar auch erwarten sollten. Die geistlichen Mitglieder der neuen Mission beschäf— tigten sich heute, von der vorigen die Kirchengewänder, Kirchengeräthe u. s. w. zu übernehmen. Es sind, zwey— mahl zu wechseln, schöne und reiche Kirchengewänder da; aber es zeigten sich auch viele alte abgenutzte. Für die Pracht der Kirche, und selbst für die Würde des russischen Nahmens, ist es sehr wünschenswerth, daß die hiesige Kirche mit einem neuen Ikonostas“) im besten Ge— schmacke verziert werde; der gegenwärtige ist sehr veraltet. Ueberdieß sind einige Bilder von einem chinesischen Mahler, auf eine unpassend N in ihrer(der chinesischen) Volks— tracht dargestellt worden**). Im Altare hinter dem heili— *) Das ist in russischen und griechischen Kirchen die mit Heili— genbildern verzierte Scheidewand zwischen dem Allerheiligsten und dem übrigen Theile der Kirche. Das Vort selbst ist griechisch: ασοννοννο, wörtlich: Bilderstand, Bilderstellung. A. d. U. **) Der Ordensgeistliche Feodosi(Theodosius) Ssnorshewski, der in Pekin von 1745 an auf 55 Jahre lebte, bemerkt, in seinen Schriften über die pekin'sche Mission, diesen Gegenstand be— tre dend folgendes:„die Bilder an hiesiger Stelle sind aus Trbolsk gebracht, und in Kiew gemahlt; die übrigen haben Bild des heiligen Nikolaus, das aus Albasin im J. 1685 von unsern Kasaken hierher gebracht worden. Anmerkung. In Folge dessen, was ich über den Ikonostas der Klosterkirche zur Reinigung Mariä gesagt habe, hat das Ministerium der auswärtigen Angelegenhei— ten Verfügung getroffen, neue Bilder dafür mahlen zu las— sen, die im J. 1824 nach Pekin geschickt worden sind. Hier halte ich es für nöthig eine Nachricht über diesen Gegenstand hier einzurücken, die in dem merkwürdigen Jour— nale der schönen Künste, herausgegeben von Hrn. Grigo— rowitsch, St. Petersb. 1823 im öten Buche, S. 424— 26 abgedruckt ist. „Der älteste Professor der Geschichtsmahlerey, Herr Iwanow, hat für die Kirche zur Reinigung Mariä, die sich in dem russischen Kloster zu Pekin befindet, einen neuen Ikonostas gemahlt, der aus 14 Bildern besteht. Die Gegenstände dieser Bilder sind folgende: 1. Das Altarbild Christus des Heilandes, sitzend auf dem Throne der Ehre, und umgeben von den himmlischen Mächten). An der heiligen(oder kaiserlichen) Pforte: 2. das Bild der allerreinsten Jungfrau Maria, und 3. des Erzengels Gabriel b), der ihr zur Verkündigung erscheint; chinesische Mahler gemahlt, und einige hat Grebeschkow, der in der Firsischen Karawane 1755 Geistlicher gewesen war, und Vietor(der Diakon) der damahls dabey gewesen, ge⸗ mahlt und ausgebessert.“ Jene Handschrift des Pat. Ssmorshewski, die in vieler Hinsicht merkwürdig ist, und die Austrengungen und den Schärfsinn dieses Mönchs beweist, wird im Originale in der Bibliothek der pekin'schen Mission aufbewahrt. ) Größe des Bildes: Höhe 2 Arschin. 2 Werschok, Breite A. 1 WI b) Auf der Rückseite dieser Bilder stehen zur Erinnerung für diese zwey Bilder an der Flügelthüre stellen die Verkündi— gung Mariä vor e); 4. 5. 6. 7. die Bilder der heiligen Evangelisten d). Bilder im Ikonostas selbst an bestimmten Stellen: 8. das Bild des auferstandenen Heilandes, der in der Hand die Fahne des Sieges über den Tod hält; 9. das Bild der Mutter Gottes mit dem von Ewigkeit her da seyenden Kinde auf den Armen„); 10. die Reinigung Ma— riä; 11. das Bild des heil. rechtgläubigen Fürsten Alexan— der Newski f). An der nördlichen und südlichen Thüre: 12. das Bild des heil. Erzengels) Michael, der den Sa— tan zu Boden schlägt. In einem besondern Halbkreise: 14. das geheimnißvolle Abendmahl 8). Außer diesen Bil— dern hat Herr Iwanow noch, für dieselbe Kirche, Christi Grablegung gemahlt bh). künftige Zeiten folgende Aufschriften: auf dem ersten: dieser Ikonostas wurde erneuert auf des glücklich regierenden Herrn, Kaisers Alexanders J. allerhöchsten Befehl, erlassen am 2.(14.) Mai 1823. auf den Vortrag des das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten verwaltenden Grafen K. W. Nesselrode, als der Geheime Rath K. K. Rodofinikin Director des asiatischen Departements war; und auf dem Bilde des Erzengels: dieser Ikonostas ist gemahlt unter dem Ministerium der geistlichen Angelegenheiten und Volksaufklärung des Fürsten Alexander Nikolajewitsch Goli— zün und der Präsidentschaft bey der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, des geheimen Raths A. N. Olenin, durch den ältesten Professor jener Akademie Andrej Iwanow. e) Im Maaße halten sie, in der Höhe: 1 Arschin, in der Breite 6 Werschok. d) In Kreisen, die im Durchmesser 6 Werschok halten. e) Hoch: 1 Arschin 10 Werschok; breit 12 Werschok. Von gleicher Größe sind die Bilder für die nördliche und südliche Thüre. ) Hoch 1 A. 10 W.; breit 10 W. *) Im Nussischen des Arch istrategen. Ein griechisches Wort, das eigentlich Oberfeldherr bedeutet. A. d. U. 8) Hoch 1 A. 3 W.; breit 2 A. 6 W. h) Hoch 2 A., breit 1 A. —— 30 9 Unter allen diesen erwähnten Gemählden ist das ge— heimnißvolle Abendmahl eine Copie— mit geringen Ver— änderungen in einigen Figuren— von dem bekannten be— rühmten heil. Abendmahl des Leonardo da Vinci; das Bild des heil. Alex. Newski ist eine Copie von dem vorzüglich schön vom Hrn. Schebujew gemahlten Bilde; das des Erzengels Gabriel von dem berühmten Werke des Guido Reni; die auf der kaiserlichen Pforte gemahlten Bilder sind, wenn wir nicht irren, Copien nach den Zeichnungen des bekann— ten Künstlers Hrn. Warnik, Rathes der kaiserl. Akademie der Künste. Die übrigen Bilder sind alle Originale. Die Zusammensetzung derselben gehört Hrn. Iwanow; in Hin— sicht dieser sowohl als auch der Ausführung verdienen alle große Aufmerksamkeit, und besonders das von der Reini— gung Mariä. Die Figuren sind darin, bey aller Unbe— quemlichkeit des Maaßes der Gemählde, vortrefflich ver— theilt. Die Perspective darin, so wie überhaupt in den Werken des Hrn. Iwanow, ist treu. Alles scheidet sich, bey allen sieht man die Entfernung. In der Vollendung bemerkt man die Anstrengung, aber keine Trockenheit; mit einem Worte, alles hat seine gehörige Würde. Das Altargemählde ist mit einer besondern Absicht ge— mahlt. Chineser(selbst Minister) kommen zuweilen in unsre Kirche in Pekin. Der Künstler, der dieses wußte, wünschte auf dem Bilde den Heiland in einer solchen Gestalt darzustel— len, die mehr Erhabenheit ausdrückte, und Andacht einflößte. Gebe Gott, daß jene heiligen Darstellungen diejenigen wohlthätigen Wirkungen auf die Ungläubigen hervorbringe, Zur Vollendung der gedachten Bilder wurden von der Schatzkammer 7000 Rubel gegeben. Ueberdieß ward in das pekin'sche Kloster ein besonderes Modell gesandt, zur Anleitung bey Erneuerung des Ikonostas.“ 31— welche der Künstler, voll Eifers in Frömmigkeit, bey der Vollendung seines Werkes vor Augen hatte.“ Den 8. Dec.(20. Dec. N. St.) An diesem Tage er— zählte mir einer von den Mitgliedern der vorigen Mission, von den Hauptumständen seines ungefähr 12jährigen Auf— enthalts in Pekin, und gedachte dabey des Falles, als der ehemahlige Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Ssun, alle Mitglieder jener Mission zu sich in das Gerichtszimmer berief, um einiger Erläuterungen willen. Ich achte es für Pflicht, von diesem in China berühmten Manne etwas Umständlicheres zu sagen. Ssun, ein Mann von tiefem Geiste, von ausgebrei— teten Kenntnissen und Rechtschaffenheit, der sich aus niede— rem Stande bis zu dem Range eines ersten Ministers im chinesischen Reiche erhoben hatte, stammt von jenen Mon— golen her, die den Manshuren zur Eroberung China's be— hülflich waren, und deren Geschlecht das Vorrecht genießt, daß daraus vorzugsweise die Beamten für den Gerichtshof der auswärtigen Angelegenheiten genommen werden. Er begann seinen Dienst im Gerichtshofe als bloßer Dolmet— scher(Bitcheschi); von da kam er wegen seiner ausgezeich— neten Fähigkeiten als Expediteur in den geheimen Rath (Dsiun-dsitsch u) des Kaisers Zänglung; nach diesem war er Amban in Urga, und im J. 1792 führte er Unter— handlungen mit dem Statthalter von Irkutsk, dem Gene— ral-Major Nagel, über die Erneuerung des kiachtaischen Handels, der wegen Plünderung an der Gränze seit dem 1. Mai 1785 unterbrochen war. In Urga erwies Ssun dem Zänglung einen großen Dienst, indem er einen Betrieger auffing, der mit einem zahlreichen Gefolge aus dem östlichen Turkestan oder der kleinen Bucharey ausgezogen, und durch die Mongoley bis 332323 29 — in die Manshurey gedrungen war, in der Absicht um dort einen Aufstand zu erregen. Dieser Betrieger gab sich für den nächsten Anverwandten des Chuandi aus, und es war ihm zur Bestätigung dieses Vorgebens gelungen, verschie— dene Beweise, die sehr scheinbar waren, zu sammeln. Zänglung, der befürchtete, durch offenbare Ermordung des— selben in Pekin, die Unzufriedenheit des Volks zu erregen, erlaubte ihm in verschiedenen Gebieten seines Reiches umher zu reisen, mit der Absicht, ihn irgendwo jenseit der großen Mauer, das ist außerhalb der Gränzen China's zu vernich— ten. Ssun, als Beamter, der im geheimen Rathe diente, kannte diesen Willen des Kaisers, und beschloß ihn in Ausführung zu bringen. Sobald der Betrieger in Urga erschien, kam er ihm mit aller Pracht, die einer hohen Person zukommt, entgegen; dann hielt er am andern Tage mit ihm ein sehr strenges Verhör, und da er ihn überführt hatte, daß er sich nur betriegerischer Weise für einen Ver— wandten des Chuandi ausgäbe, ließ er ihm den Kopf ab— schlagen. Dasselbe Loos traf auch einen Lama, der den Betrieger begleitete, und der sein Erzieher gewesen war, einen listigen und unternehmenden Menschen. Zänglung war sehr zufrieden mit einer so glücklichen und schnellen Vertilgung dieser übelgesinnten Menschen. Im J. 1794 empfing Ssun in Sheche die englische Gesandschaft). Man sagt, daß Ssun, aus Abneigung gegen den(chinesischen) General-Gouverneur von Kanton, dem die Engländer, ihren Absichten gemäß, große Gefällig— keiten erwiesen hatten, viel dazu mitwirkte, daß Lord Ma— artney aus Sheche, ohne irgend etwas auszurichten, wieder ) S. Reise des Lord Macartney nach China, in den Jahren 1792, 95 und 94. III. 92% 95, 178, 192, A. d. VN. facht he Osdggt An Ma Gaze a walt det de Amher Enpar schnell Esun' 9 d.. pen 1 z sisten wuütde, teh die ihr 2 — 33 2 rt 1 r zurück geschickt wurde. Er begleitete, nach dem Willen des 9 r Kaisers, die Gesandtschaft bis nach Kanton, wo er in der 5 Folge selbst General-Gouverneur ward. 9 . Als Dsäzin den Thron bestieg, wurde Ssun zur 1 Würde eines Ministers erhoben. Dann ward er nach Ili 5 9 (nicht weit von unserm Buchtarma) in der Eigenschaft eines Dfängdsiun, d. i. General-Inspectors der dort liegen— 0 ö den manshurischen und mongolischen Truppen, an der 1 Gränze Rußlands und der Kirgis-Kaissaken, gesandt. Von ö da ward er im J. 1816, bey Gelegenheit der Anwesenheit 0 der neuen englischen Gesandtschaft in Pekin mit dem Lord Amherst, abberufen. Diese Gesandtschaft war, gegen ihre Erwartung, ohne den Kaiser gesehen zu haben, gar zu 1 schnell genöthigt worden, wieder zurückzukehren, noch vor Ssun's Ankunft. Bald nachher ward er in Chalgan zum Husai-Amban, 10 d. i. General-Inspector der zacharisch-mongolischen Trup— 1 f pen bestimmt, und dann wieder nach Pekin berufen, wo 0 er zum Vorsitzer des Kriegs-Collegiums, wegen seiner Er— ö fahrenheit in diesem Theile der Reichsangelegenheiten, ernannt 1 wurde. Wegen der Unordnungen, welche in der Manshu— rey die dorthin aus Pekin gesandten Nachkommen manshu— ö rischer Fürsten, unter dem Nahmen Chuan-Taidsi d. i. N der Gelbumgürteten bekannt, verursacht hatten, ward 4 Ssun nach Mukdeng, der ersten Stadt in der Manshurey, 9 als oberster Civil- und Militär-Befehlshaber gesandt. 1 f Nach Ssun's Abreise aus der Hauptstadt vermißte 1 man im Kriegs-Collegium das Reichssiegel, das der Chu— 1 andi gewöhnlich zur Zeit seiner Anwesenheit in Pekin ge— J braucht, um statt einer Unterschrift, seine eignen nahment— 3 lichen Befehle zu bekräftigen. Ssun, obgleich unschuldig, f b ward gleichwohl, als Vorsitzer des Collegiums, wegen die— II. Band. 3 „55 ser Verabsäumung, vom General zum Hauptmann herabge— setzt und in die Festung Schang-chai, die letzte gegen Osten von denen, die in der großen Mauer liegen, geschickt. Nach diesem Unfalle traf Ssun bald ein neuer. Während seiner kurzen Regierung der Manshurey hatte er, nach seiner un— erschütterlichen Gerechtigkeitsliebe, einen von den aufrührischen gelbum gürteten Fürsten hinrichten lassen. Dieses Vor— falls wegen setzte der Kaiser, der schon seit einiger Zeit Un— willen gegen diesen seinen rechtschaffenen Diener hegte, auf Verleumdung seiner Feinde, Ssun zum Range eines Fähn— drichs herunter, und befahl ihm, sich in Pekin vor dem Be— fehlshaber des dortigen Corps zu stellen. Dort lebte er bis zum Tode des Dsäzin, der im August 1820 erfolgte, einsam in einem kleinen Kloster, doch genoß er die vollkommene Ach— tung des Volks. Als man den Leichnam des verstorbenen Kaisers Dsäzin aus dem Kaiserhofe in einen besondern Tempel brachte, wurde Ssun, nebst den übrigen Opfern der Verfolgung, auf dem Wege ausgestellt. Der Kaiser Daohuan, der jetzt den Thron bestiegen hat, erkannte, während er den Leichnam sei— nes Verwandten begleitete, den Ssun, rief ihn zu sich, und versicherte ihn seiner unveränderten Aufmerksamkeit. Ssun ward zuerst des Wohlwollens des neuen Kaisers gewürdigt; er erhielt seine vorigen Ehrenstellen wieder, und ward Mit— glied des Procuratoren-Gerichtshofes. Aber seine strengen Regeln, der Geist der Unpartheylichkeit und Entschlossenheit im Handeln— erregten gegen ihn von neuem den Unwillen der pekin'schen Großen. Dessen ungeachtet erhöhete Daohuan den sehr alten Ssun im Range und sandte ihn als Amban nach Sheche. So sehr sich dieser ungewohnliche Mann durch Kennt— nisse und durch genaue Erfüllung der Gesetze auszeichnet, —— UU—— eben so sehr ist er durch Uneigennützigkeit und Armuth be— kannt. Während er Verbrecher verfolgte und bestrafte, über— häufte er zu eben der Zeit Verfolgte und Dürftige mit seinen Wohlthaten; opferte er, ihnen zu helfen, seine ganze Habe, und übernahm, andern zum Besten, unbezahlte Schulden. In der Mongoley, im ostlichen Turkestan, und selbst in China, gedenkt man der Thaten des großmäthigen Ssun, und gewiß wird man seinen Nahmen bis zur spätesten Nach— welt segnen. Den 9. Dec.(21. Dec. N. St.) Zu dem Studenten Ssipakow brachte man aus dem Gerichtshofe der auswärtigen Angelegenheiten, unter der Hand, die russischen Blätter von dem Wechsel der neuen Mission, um sie in die manshurische Sprache zu übersetzen. Die Lehrer der pekin'schen russischen Schule sind, wegen ihrer gänzlichen Unkenntniß der russischen Sprache, sehr genöthigt, unsere Hülfe zu suchen. Nachmittags kam zu dem Pat. Archimandriten Peter und zu mir der Boschko Urgentai, der die neue Mission ge— leitet hatte, mit seinen drey jungen Söhnen. Ich schenkte den Kindern zwey Levantin-Schnupftücher, ein Barbier— messer und zwey kleine Spiegel. Zur Belohnung für ehemahlige Dienste, und zur Er— munterung zu noch größerem Diensteifer, hielt ich es heute für nöthig, den chinesischen Thürbütern, die 12 Jahre lang sich auf dem russischen Klosterhofe befunden hatten, und jetzt noch in demselben angestellt sind, angemessene Geschenke zu machen. Am heutigen Tage, dem 16ten des 11ten Mondes nach chinesischem Kalender, als dem Tage der Umkehr der Sonne zum Sommer), begab sich der Chuandi in den Tempel des 7) Der Wintersonnenwende. Von dieser Zeit an steigt scheinbar 3* Himmels, der am Ende der Kaufmannsstadt oder der süd— lichen Vorstadt liegt. Er kehrt von da nach dem Hofe morgen früh zurück. Gestern noch wurden in diesem Tempel Opfergefäße auf einigen reich ausgeschmückten Elephanten gebracht. Heute, um 5 Uhr des Morgens, erhob sich der Kaiser dahin, in Begleitung eines zahlreichen Gefolges der höchsten Beamten und 6 Tausend Mann Truppen. Niemand von den Bür— gern kann und darf zur Seit solcher Aufzüge Se. Majestät sehen. Thore, Thüren und Fenster der Häuser werden ver— schlossen, und die Seitengassen zugehängt. Vom Abend an kündigten die Boschko's an, daß keiner unsrer Leute auf die Straße hinausgehen sollte. Bey den Thoren der Häu— ser, wo der Kaiser vorbey kommt, stellt man besondere Wachen aus, um jedem Versuch, der etwa plotzlich gegen sein Leben gemacht werden könnte, zuvor zu kommen. Der vorige Chuandi war in einer ähnlichen Gefahr. Einst bey seiner Rückkehr nach Hofe stürzte sich der Hofkoch(der frü— her bey dem Großfürsten, Bruder des Chuandi, gedient hatte, eben als er dem kaiserlichen Hofe nahe kam, mit einem Messer auf ihn los, im Angesicht der nächsten Ge— nerale, aber der Befehlshaber der bogdochanischen Ssä(so nennt man in China die kaiserlichen Adjutanten) Dshan Beiße(Fürst des ten Grades), der hinter der Tragsänfte ging, ergriff sogleich den Bösewicht, und verhinderte dadurch die Ausführung des Mordes, wobey er selbst mit dem Mes— ser einige Wunden in die Seite erhielt. Für diese Rettung seines Lebens erhob der Kaiser den treuen Oshan zum Beile (Fürsten des Zten Grades) und schenkte ihm ein ansehnliches die Sonne wieder höher und kehrt sich also dem Sommer wieder zu. A. d. U. 05 Fett Cie 0 , Ring Nun ded — EE——— „„ Vermögen. Uebrigens ward Osäzin, gegen das Ende seiner Regierung, der Gegenstand des Volkshasses— wegen seiner Sorglosigkeit, der blinden Erfüllung des Rathes der Ver— schnittenen, und der in Asien, zur Schande der Menschheit, gewöhnlichen unnatürlichen Wollust. Der in diesem fernen Theile der Welt herrschende mohammedanische Glaube und Götzendienst nähren, wie bekannt, die gröbste Sinnlichkeit. Der chinesische Kaiser, als Oberpriester aller Religio— nen, die man innerhalb der Gränzen seines Reiches bekennt, bringt an diesem Tage in dem Tempel des Himmels das Reinigungsopfer*) dar, wegen Bestrafung der im Laufe des Jahres zum Tode verurtheilten Verbrecher. Man sagt, daß die Verbrecher wirklich um diese Zeit im ganzen Reiche hingerichtet werden. Man schlägt ihnen die Köpfe ab, hängt sie auf, oder erwürgt sie, indem man einen Strick um ihren Hals zusammen dreht. Staatsverbrecher, als: Aufrührer u. s. w. werden ohne Aufschub, nach Vollendung des Richterspruches, hingerichtet. Von den durch das pe— kin'sche Criminal-Departement zum Tode verurtheilten über— giebt man dem Kaiser ein Nahmensverzeichniß, mit Bemer— kung ihrer Vergehungen. Der Chuandi merkt mit eigner Hand an, wer des Lebens beraubt werden soll. Die übri⸗ gen Verurtheilten führt man auch auf den Richtplatz, aber hernach bringt man sie wieder ins Gefängniß zurück, bis 4) Alle Beamte, die nach dem Beyspiele des Kaisers sich vor— bereiten, dem Himmel oder der Erde solche Opfer darzubrin— gen, müssen, den Gesetzen zufolge, ein dreytägiges Fasten beobachten. Sie dürfen keinen Knoblauch, Lauch, oder irgend etwas Scharfes, essen, keinen Wein trinken; auch weder Kranke noch Verstorbene besuchen, noch jemanden zu einer Strafe verurtheilen; und vor Allem— ihren Weibern nicht beywohnen, drey Tage und Nächte in den Gerichtsstellen zu— bringen u. s. w. A. d. V. 5 zur Entscheidung ihrer Sachen. Die zum Tode verurtheilten werden, den Tag vor der Vollziehung der Todesstrafe, auf Kosten der Schatzkammer mit einem Gastmahl bewirthet. Zuweilen geschieht es, doch nur sehr selten, daß ein Ver— brecher dreymahl in das dem Kaiser übergebene Verzeichniß mit eingeschlossen, aber wegen der Wichtigkeit der Verbre— chen der andern nicht zur Todesstrafe aufgezeichnet wird; ein solcher wird ganz aus dem Gefängniß entlassen, und wird entweder einer der Diener des Gefängnisses, oder des Landes verwiesen. Zänglung ließ, wegen seiner Strenge, selten ähnliche Ausnahmen zu. Im Gegentheil unter der Regierung des Dsäzin führte man jährlich bis 50 Verbre— cher auf den Richtplatz; aber unter ihnen wurden nicht mehr als 20 hingerichtet. Wir wollen hier, zur Nachricht, etwas von den vor— züglichsten chinesischen Strafen gedenken. Mit der härtesten Todesstrafe werden belegt: 1) die einen Versuch gegen das Leben des Kaisers wagen; 2) die sich gegen das Vaterland empören; 3) Verräther, die zu einem andern Reiche über— gehen; 4) Mörder des Großvaters, der Großmutter, der Eltern, Oheime, Muhmen, Brüder, Schwestern; 5) ein Mörder dreyer Menschen, und noch mehr ein Peiniger; 6) ein Räuber von Sachen, die einem Tempel oder die der Regierung zugehören, und insbesondere wer das kaiserliche Insiegel raubt; 7) wer seine Pflichten gegen die Eltern nicht erfüllt; wer sich verheirathet, ohne die gesetzliche Frist auszutrauern; wer bey Lebzeiten seiner Eltern, ohne ihre Erlaubniß sich von ihnen trennt, oder bald nach dem Tode der Eltern Bälle giebt, Spiele anstellt u. s. w.; 8) wer einen Verwandten getödtet oder arglistig verrathen hat, oder ein verleumderischer Angeber; 9) ein Mörder seines Lehrers oder Vorgesetzten; 10) wer in unerlaubte Verbindungen mit S 9 „— Beyschläferinnen seines Großvaters oder Vaters sich einläßt. Dasselbe ist auch von dem weiblichen Geschlechte zu verste— hen. Su dieser Gattung gehören auch noch folgende Stra— fen: einem partheyischen Richter wird, nach Vorschrift des Gesetzes, der Kopf abgeschlagen.— Wer zur Zeit des Kriegs ein Hinderniß oder einen Mißbrauch verursacht beym Proviant oder der Kasse, wird erdrosselt.— Für bewiesene Beraubung bedeutender der Schatzkammer gehörigen Sum— men ist für einen Verbrecher, von welchem Range oder Stande er auch sey, die Enthauptung gesetzlich bestimmt; für 300 Rubel wird er erdrosselt, und für eine geringere Summe schonungslos geschlagen und das gestohlne Geld von ihm zurückgefordert. Wenn sein Vermögen nicht zu— reicht, werden seine Frau und Kinder zu Arbeiten für die Regierung übergeben. Höhere Befehlshaber werden, wegen Vernachlässigung schuldiger Aufsicht, um zwey Rangstufen erniedrigt, und verlieren einen zweyjährigen Gehalt.— Entwendete Kassengelder fordert man von den Befehlshabern des Ortes, und von dem zur Aufsuchung der Verbrecher be— stimmten Commando, wenn man in der festgesetzten Zeit die Diebe nicht ausfindig macht u. s. w. u. s. w. Folgendes sind die Gegenstände körperlicher Züchtigung: wer auf den Todtenäckern der Kaiser, Fürsten und anderer angesehenen Leute einen Baum abhaut, Gras abmäht, oder dort Getreide aussäet und Vieh darauf kommen läßt, dem giebt man 80 Schläge. Man schlägt die Vorsteher von Klöstern und alle Geistliche, welche in die Tempel Frauen- zimmer zum Gebete einlassen; eben so auch Haushofmeister und Aelteste, die dem weiblichen Geschlechte gestatten, in die Tempel zum Beten zu gehen.— Millitärpersonen, die der Regierung gehörige Sachen, als: Waffen, Kleidungs— stücke u.. w. verkaufen, bekommen 100 Schläge. Für 1 F 7. 1 . — 2 ——— —— — —— D—— — — — 1. — 2 5 1 2— 2 Desertion eines Offiziers oder Soldaten auf dem Marsche sind für das erste Mahl 100 Schläge, und für das zweyte Mahl die Todesstrafe festgesetzt. Wer einen andern an seine Stelle auf dem Marsche miethet, und wer sich an die Stelle eines andern dabey vermiethet,(welches nicht selten in Chi— na geschieht), der wird ohne Schonung geschlagen. Jeder, der bey einem der höhern Vornehmen Schutz sucht; der Vornehme, der einen solchen in den Berichten an den Kaiser mit Lobeserhebungen überhäuft, verfällt in gerichtliche untersuchung. Wenn bey dieser sich ergiebt, daß zwischen ihnen ein Einverständniß sey, so wird einem sol— chen gewissenlosen Schmeichler der Kopf abgeschlagen, seine Familie in die Sklaverey übergeben, und sein Vermögen für den Kaiser weggenommen. Wenn dieses mit Einwilli— gung des Großen geschehen ist, so wird auch er, nachdem er 100 Schläge erhalten, des Landes verwiesen.— Am Ende jedes Jahres sind die höhern Befehlshaber verbunden, ihre Untergebenen zu prüfen. Wer von diesen in seinen Kenntnissen, in Hinsicht dessen, was sein Amt fordert, keine Fortschritte gemacht hat, der wird, wenn er eine Würde hat, um einen Monatsgehalt gestraft; die, welche keine Würde haben, werden körperlich mit 40 Schlägen gezüch— tigt.— Einem entlassenen Beamten, der sich in Schatz— kammer- Angelegenheiten mischt, giebt man 80 Schläge und fordert von ihm eine Strafe von 2 Pfund Silbers.— Wenn Befehlshaber Unwürdige zu Würden vorschlagen und diese den Würdigeren vorziehen, werden sie mit 80 Schlä⸗ gen gestraft. Ein Befehlshaber, der, dem Gesetze zuwider, sich persönlich dahin begiebt, wo ein Verbrechen begangen worden ist, anstatt einen Untersucher dahin abzusenden, er— hält 100 Schläge.— Die, welche eine bestimmte Zeit in Dienstangelegenheiten versäumen, werden für 1 Tag mit — 108 1 80 Uhteh Ou 91, t 100 . de 05 E 0 eke it wil 0 wid dieß e deb Han a ünmt egieht 2 4 Ne de St fuch! f fei kalfäff ider 3— 10 Schlägen und so ferner, indem es verhältnißmäßig bis zu 80 Schlägen steigt, bestraft. Ein Arzt, der ein Recept unregelmäßig schreibt, bekommt 100 Schläge. Wenn ein Diener bey Versammlungen im kaiserlichen Hofe Lärm er— regt, oder andere Unanständigkeiten begeht, erhält der Die— ner 100, und der Herr 50 Schläge.— Wenn eine Frau des Verkaufs oder Einkaufs von ungesetzmäßigem Salze (das Salz ist in China verpachtet) schuldig befunden wird, so bekommt ihr Mann oder Sohn Schläge; wenn aber je— ner weit von ihr entfernt ist, oder dieser noch minderjährig, so wird sie mit 100 Schlägen bestraft und muß noch über— dieß eine Geldstrafe erlegen. Bauern, welche den Vorzug des Alters im Sitzen bey Tische nicht beobachten, bekom— men 5 Schläge.— Ein Beamter, der Geschenke oder Geld nimmt, sich der Unzucht“) oder einem unordentlichen Leben ergiebt, wird seiner Würden beraubt u. s. w. Zu den körperlichen Züchtigungen gebraucht man bey den Chinesern einen Bambusstock über 2 Arschinen lang, 14 Werschok breit, und ungefähr 22 Pfund schwer. Ueber— dieß werden, für Vergehungen von geringerer Bedeutung, die Schuldigen mit Backenstreichen bestraft, deren Anzahl durch die Gesetze bestimmt ist; aber der Nachrichter hat es in seiner Gewalt, das Maaß dieser seltsamen Strafe zu verstärken, oder— es versteht sich für Geld— es zu ver— mindern. Den Süchtlingen legt man um den Hals ein vier— *) Während unseres Aufenthalts in Pekin kam ein ähnlicher Fall vor. Ein manshurischer Offizier, uneingedenk, daß er ein Muster im Betragen für Leute ohne Rang seyn sollte, wagte es in ein Haus der Unzucht zu gehen. Die Aufseher der guten Sitten ergriffen ihn, und stellten ihn der Behörde vor. Es wurde dem Kaiser berichtet; man entschied über ihn in dem Gerichtshofe der Rangbestimmung, und der Offizier ward aller Ehre beraubt. „ 4 0 eckiges Bret, ungefähr 14 Arschin lang und breit, über 7 6 Pfund schwer; aber diese Breter sind bey bedeutenden „ Vergehungen auch schwerer. Uebrigens wird dieses Bret . als eine Strafe angelegt, besonders für hinterlistige Betrie— 1 N gereyen und unbezahlte Schulden; dann hat es eine Schwere * bis zu 50, ja sogar bis zu 100 Pfund oder 22 Pud. Aus 1% b f dem Brete, gleich als aus einem Fenster, sieht man den 5 Kopf des Schuldigen hervorragen. Er kann nicht die Hände 1 zum Gesicht erheben, und selbst die Speisen muß er aus ö eines andern Händen empfangen. In China ist die Folter 4 sehr im Gebrauch, aber nach den Gesetzen sind davon be— 4 freyt: Fürsten, Mitglieder verdienstvoller Familien, sehr ge— . 0 lehrte, angesehene Bürger und solche Leute, die im bürger— 0 lichen oder im Kriegerstande besondere Dienste geleistet haben. 75 Ein auffallendes Gebrechen in der chinesischen Gerichts— ordnung ist aber dieses, daß man es erlaubt, sich von der 5 körperlichen Züchtigung loszukaufen, zum Beyspiel: wer zu 0 60 bis 100 Schlägen verurtheilt ist, bezahlt 24 bis 40 So— 1 lotnik*) Silber und 9 bis 15 Tschetwert*) Getreide; für 1 Jahr Zwangsarbeit und 60 Schläge steht ihm frey 80 Solotnik***) Silber zu bezahlen und ungefähr 30 Tschetwert Getreide. Für sehr Alte, Minderjährige und *) Das russische Pfund hat 96 Solotnik. Ein russisches Pfund ist s Pfund Leipziger, oder r Pfund Berliner Gewichts. Daher sind 60 Solotnik(8? oder; russ. Pf.) s Leipz. Pfund, oder 175 Loth, und 100 Solotnik 82 Leipz. Pf. oder 29 Loth. In Conv. Münze würde letzteres(die Mark fein zu 20 Gul— den gerechnet) 24 Thlr. 4 Gr. betragen. A. d. U. * 1 Fschetwert hält 9808 pariser Cubikzoll, 1 Scheffel Leipz. Maaßes 55615 par. Cub. Zoll, daher ist 1 Tschetwert fast 12 Scheffel nach Leipziger Maaß. A. d. U. ) Oder 255 Loth Leipz. Gewicht. A. d. U. Jaftü Johr! l 1100 Ach Mah, 1 fan lch Acht gal 0 5 Verkrüppelte, für 10 Schläge 7 Solotnik). Für ein Jahr Landesverweisung zu Zwangsarbeit und 60 Schläge ungefähr 2 Solotnik**). Die Frau eines Beamten kann für 10 Schläge 1 Solotnik**) Silber und so ferner be— zahlen.— Von einem unvorsätzlichen Todtschläger nimmt man, zum Ersatz für alle Strafen 1 Pfund Silber; 90 jährige und 7jährige werden gar nicht gestraft, ausgenom— men bey Verrätherey und Aufruhr. Frauen werden, wegen Ehebruch und Diebstahl, ohne Lösegeld anzunehmen, kör— perlich gezüchtigt, aber nicht gebrandmarkt. Unter den Chinesern ist noch auch die Gewohnheit, daß ein fremder Mensch, für Geld, sich freywillig an eines an— dern Stelle, selbst sogar der Todesstrafe unterwirft. Den 10. Dec.(22. Dec. N. St.) um 3 uhr Nach⸗ mittags besuchte den Pat. Archimandriten und mich der Bit— cheschi Tschen, der sich bey der neuen Mission auf der Reise von Kiachta nach Pekin befunden hatte. Er äußerte seinen Wunsch, uns mit einem Mittagsmahle zu bewirthen. Nach den Regeln chinesischer Gastfreyheit, werden alle solche Be— wirthungen, auch selbst unter genau bekannten Freunden, in Gasthäusern gemacht. Wir lehnten die Einladung ab, unter dem Vorwande, daß wir jetzt mit Dienstangelegen— heiten beschäftigt wären, uud daß wir dieses Vergnügen bis zu einer andern bequemern Zeit aussetzen müßten. Aber, aufrichtig zu sagen, wollte ich mich nicht gern einem Men— schen zu sehr nähern, der auf der Reise vor uns die ganze *) In Leipz. Gew. 7 oder etwas über F Loth, oder ungefähr 4 Gr. Conv. M. A. d. U. **) In Leipziger Gew. 38 oder fast 2 Loth, ungefähr 12 Gr. Conv. M. A. d. U. ) In Leipz. Gew. 1s oder fast Loth, ungefähr 6 Gr. Conv. M. A. d. U. —— 555 Niedrigkeit seines Charakters gezeigt hatte. Seinem Dol— metscher Tschakdur gelang es unserm Dolmetscher Frolow zu sagen, daß er einen gar zu ärmlichen Unterhalt von Tschen bekäme und deswegen beschlossen hätte, nach etwa zwey Monaten wieder nach Hause, nach Urga, zurückzu— kehren. Er äußerte zugleich auch, daß der Bitcheschi Tschen, weil von den Mongolen Klagen gegen ihn eingegeben wor— den, kaum wohl wieder zur Begleitung der Mission, die ins Vaterland zurückkehren sollte, gesandt werden würde. Den 12. Dec.(24. Dec. N. St.) Wegen des Ge⸗ burtsfestes Sr. Maj. des Kaisers von Rußland, hielt der Pat. Peter, nachdem er gestern den feyerlichen Nachtgesang in Versammlung aller Geistlichen gehalten hatte, am heu— tigen Tage das Hochamt. Dann ward Gott dem Herrn das Gebet um Verlängerung der Jahre Sr. Maj. in Frie— den und Ruhme dargebracht. Nach der Messe bewirthete ich mit einem Frühstücke alle Mitglieder der vorigen und der neuen Mission. Der Pat. Jakinf gab ein Abendessen, zu welchem der Vorsteher der neuen Mission, der Ordens— geistliche Benjamin, ich, der Wagenmeister und der Stu— dent Woizechowski eingeladen waren. Den 13. Dec.(25. Dec. N. St.) Da ich stets den Auftrag des sibirischen Herrn General-Gouverneurs vor Augen hatte, nämlich in Pekin chinesische und manshurische Bücher für die in Irkutsk erneuerte Lehranstalt der asiati— schen Sprachen einzukaufen, berathete ich mich heute mit dem Pat. Archimandriten Peter, wegen der Erfüllung die— ses Auftrags. Seiner Meinung zufolge theilte ich dem Stu— denten Ssipakow das Verzeichniß der nöthigen Bücher mit, und er erhielt 10 Pfund) Silber zum Einkauf derselben. *) D. i. 87. Pfund Leipz. Gew. oder ungefähr 252 Thlr. Conv. M. A. d. U. dinge 10 b Ne Maaftn latte Dee gen in die dl sigkk un „ *— —— um 2 uhr Nachmittags besuchte mich, nach vorher— gegangener Einladung dazu, der oberste Aufseher(Pristaw) des russischen Klosterhofes To, mit seinen zwey Gefährten, von denen oben(unterm 1. Dec.) Erwähnung gethan wurde. Es begleiteten sie zwey Boschko's, die Thürhüter waren, einige Wachen und Diener. Die Besucher wurden anstän— dig bewirthet. To-Loje, der einst Sargutschei in Kiachta gewesen war, tühmte sich vor seinen Mitdienern mit seiner Kenntniß einiger russischen Gebräuche und Benennungen, er— klärte ihnen die Bauart unserer Häuser, sprach von der Bequemlichkeit und Schönheit unseres Hausraths, Equipa— gen u. s. w. Er erzählte, wie gleich sich unsre Cavalleri— sten halten(er hatte Dragoner gesehen).... Ich setzte, diese Gelegenheit benutzend, hinzu, daß, außer dem Haupt— verdienste der russischen Truppen, der unerschütterlichen Fe— stigkeit und Tapferkeit im Kriege, unser Soldat auch Ord— nung und Regelmäßigkeit im Gange und den Schwenkun— gen beobachten müsse; 1000 Mann bewegen sich wie eine Linie. Der jüngere Bitcheschi fragte mich, als er auf dem Tische einige Bücher liegen sah:„diese Bücher sind wahr— scheinlich geistliche?“ Er erhielt zur Antwort, daß darin die Geschichte und Erdbeschreibung des russischen Reichs ent— halten sey, wie es auch wirklich war.— Nachdem die Aufseher(Pristaw) ungefähr eine Stunde gesessen hatten, entfernten sie sich, wobey sie sich entschuldigten, daß sie sehr gewünscht hätten, noch längere Zeit in freundschaft— licher Unterhaltung mit mir zuzubringen; sie wären aber jetzt verbunden, nach ihrem Gerichtshofe der auswärtigen Angelegenheiten zu fahren, und dann bey dem Minister zu erscheinen. Beym Abschied ergriff ich noch die Gelegenheit, sie um Erlaubniß zum freyen Ausgehen für unsre Leute zu 3 bitten, denn wir hätten keineswegs Handelsabsichten, wie einige dieß Gerücht verbreitet hätten. Dieser Fall diente uus zu einem neuen Beweise, wie sehr chinesische Offiziere sich hüten, sich in Gesprächen mit auswärti— gen Beamten zu weit einzulassen. Bey jeder Zusammenkunft erwählen sie zum Gegenstande des Gespräches die allerge⸗ wöhnlichsten Dinge, sprechen mit merklicher Vorsicht, und suchen, so viel möglich, sich bald wieder zu trennen. Ich hatte diesen Offizieren einige unbedeutende Geschenke anbie— ten wollen, und ihnen dieses auch durch Hrn. Ssipakow bey ihrer Ankunft auf dem Hofe, zu wissen thun lassen; aber sie schickten zweymahl die Boschko's, um zu bitten, daß der Major seinen Vorsatz aufgeben möchte; denn es sey ihnen streng vom Minister eingeprägt, daß sie nichts von den Russen annehmen dürften. Beym Weggehen indessen trug To-Loje, einem der Boschko's, auf, seine Ein— willigung zur Annahme eines kleinen Geschenkes von mir, als ein Andenken, zu erklären, wenn man dieses Gastge— schenk ihm ins Haus brächte, mit Vorsicht, so daß es kei— nen Verdacht erweckte. Aber auch diesen Wunsch des Hrn. To konnten wir nicht befriedigen, wegen des erwähnten strengen Verbots des Ministers. Den 14. Dec.(26. Dec. N. St.) besahen wir den Tempel des Fo), der sich auf dem russischen Hofe befin— det, wie auf dem Grundrisse im ersten Theile dieser Reise bemerkt ist. Ein nicht großes und äußerst armseliges Ge— bäude. Hierher kommen am isten und 15ten jedes Mon— des die Lama's und lesen, unter Schlägen an die Glocke, Gebete vor den Götzenbildern, wobey sie wohlriechende Ker— *) In China erbaut man bey jedem zu einem Gerichtshofe, oder der Regierung gehörigen Platze einen besondern Tempel. A. d. V. M 10 1 t Co abe U fh diet Dab Mon geber che scht ni 1 fung Vit in uch aer l 1 fg fc, bc sen n n — F zen anzünden. Uebrigens hat jeder gemeine Mann dieses Recht; und Handelsleute halten es für eine unerläßliche Pflicht, am 1. und 15. Tage jedes Mondes in irgend ei— nen Tempel zu gehen, um den Götzenbildern ihre Verehrung zu bringen. Am Abend lud der Pat. Jakinf mich zu sich ein. Bey dieser Gelegenheit zeigte er das Wörterbuch der chinesischen Sprache, das er ausgearbeitet und nach dem russischen Al— phabete geordnet— ein Werk, das Anstrengung und Geld gekostet hat. Gewiß, französischen und englischen Ge— lehrten ist es gelungen, vor den unsrigen, die Palme in dieser mühevollen Laufbahn der Literatur davon zu tragen. Das Wörterbuch von Deguignes und noch mehr das von Morisson, in Calcutta gedruckt und nicht längst herausge— geben, sind Werke, die diesen aufgeklärten Herausgebern Ehre machen. Aber zur Beförderung unserer eigenen Fort— schritte in der Wohlredenheit China's, und um uns Kennt— nisse von diesem Lande zu erwerben, ist es unumgänglich nöthig, auch ein solches Wörterbuch mit russischer Erklä— rung herauszugeben. Ich wage es zu sagen, ein solches Wörterbuch, in Verbindung mit lateinischen oder französi— schen Ausdrücken, könnte einen besondern Nutzen auch für Europa haben, da der lang dauernde Aufenthalt der Mit— glieder unsrer Mission in der Hauptstadt China's alle Mit— tel zur Erforschung der dortigen Sprache in ihrem ganzen Umfange und Genauigkeit darbietet. Es versteht sich von selbst, daß nur allein Rußland, wegen seines nahen Ver— kehrs mit Asien, vollkommen vermag, Europen, aus die— sem Grunde, die treuesten Wörterbücher der manshurischen, mongolischen und selbst der tibetischen, unsern Orientalisten gänzlich unbekannten Sprache, zu schenken. 9 48 9 Den 15. Dec.(27. Dec. N. St.) Nach heiterer Wit— terung, die seit unsrer Ankunft in Pekin immer fort ge— dauert hatte, wurde es plötzlich trübe, und es fiel etwas Schnee. 5 Hinter dem Kloster, gegen Norden, auf einem geräu— migen Platze, fangen die Mongolen an, sich zu versam— meln. Das schreckliche Gebrüll der lasttragenden Kameele und das Geschrey der Viehbesitzer aus den Steppen dauert vom Morgen bis zum Abend. Die Chalchassen haben einen eignen Tempelhof außerhalb Pekin, nahe bey den Tempeln des Chuanßa.— Die Mongolen, die ungefähr 300 bis 500 Werste(43 bis 71 oder in runder Zahl 40 bis 70 d. M.) von Pekin nomadisiren, kommen jedes Jahr um diese Zeit in die Hauptstadt, und bringen zum Verkaufe: ge— schlachtete Hammel, Schaf-Butter, getrocknete Pflaumen u. s. w. Nach Beendigung des Handels eilen sie gewöhn— lich nach ihren Nomadenplätzen zurück, um den ersten Mond des neuen Jahres— auf mongolisch: Zag än(Sah än) ßaraà, der weiße oder glückliche Monat,— zu feyern. Den 16. Dec.(28. Dec. N. St.) hörte man in der Nacht Stöße eines heftigen Windes. Am Morgen war ein Frost von 10 Graden nach Reaumur. Da durch die geistlichen Mitglieder der neuen Mission Kleidungen nach chinesischer Sitte bereitet wurden, hatten wir Gelegenheit zu bemerken, daß das Grauwerk zu einer Kurma(oder chinesischen Ueberziehweste mit Aermeln) in Pekin 23 Lana oder ungefähr 46 Rubel in Silber kostet; 2 Stück absichtlich schwarz gefärbtes Biberfell“) zum Auf— ) So ist der Geschmack der Chineser. Sie kaufen Biberfelle von geringer Güte bey uns in Kiachta oder von den Nord— amerikanern in Kanton, und färben sie schwarz sehr geschickt und dauerhaft. A. d. V. b 22* Ein Manshur in Hoftracht Fach, A 22 5 22 77 K. 5———————„„ ³ A TTT TT ͤ— ̃... ̃˙ m.. ̃]˙ ůÃ7˙8—ßÜʃÜt,....— Bl.——— ——————————— 2— j——— ———„„ S— See 1 ö . 49—— schlägen an den Aermeln des Pelzes 65 Lana, und zu dem— selben Preise kauften sie auch ein abgeschnittenes Stück von eben solchem, feinhaarigen Felle, zum Kragen. Das Grauwerk ist ziemlich gut— es muß aus Jakutsk seyn. Zu unsrem Schlafrocke waren 13 hiesige Säcke“) Grauwerk nöthig. Ueberhaupt kommt die Kleidung hier, besonders für Mannspersonen, hoch zu stehen. Der Manshur und Chine— ser jedes Standes, und noch vielmehr der in kaiserlichen Diensten steht, muß eine besondere Kleidung für jede der vier Jahrszeiten haben. Ueberdieß zieht ein Beamter auf einmahl drey Kleider an, ohne noch die Hof- und Ceremo— nienkleider zu erwähnen, von welchen die von mir im An— fange dieses Theiles beygefügte Zeichnung einen Begriff ge— ben kann. Ein solcher Luxus fährt die manshurischen Be— amten in große Verschwendung. Daher sind sogar Nach— kommen von Großfürsten nicht selten gezwungen, bey der Annäherung einer gewissen Jahrszeit, ihre Kleider zu ver— pfänden, um mit dem dafür empfangenen die vorher ver— pfändeten einzulösen, die sie der eingetretenen Jahreszeit gemäß dann tragen müssen. Der Chineser trägt, dem warmen Klima gemäß, eine in Vergleichung der europäischen weite Kleidung. Ein langer Rock mit Unterfutter, unserm russischen sehr ähnlich, das nur bey den Beamten vorn und hinten einen Schlitz hat, ist das Haupt-Kleidungsstück. Darüber ziehen sie noch ein anderes Kleid mit weiten Aermeln, das im Schnitte einige Aehnlichkeit mit dem Priesterkleide unsrer(russischen) Geist— lichkeit hat. Die Armen machen sich die Kleidung aus Baumwollenzeug oder Nankin, und die Reichen aus Sei— *) Im Russischen Mech, das ist eine gewisse Anzahl zusammen genäheter Felle, im Deutschen auch ein Sack zuweilen ge— nannt. A. d. U. II. Band. 4 denzeug mit großen Kreisen oder Mustern, nahmentlich aus Atlas, Stoffen, Gros de Tour, Krepp, wie auch aus Tuch und Kasimir. Die herrschende Farbe in der männ— lichen Kleidung ist blau, dann violet und schwarz; hingegen die grüne, rothe, besonders rosenrothe Farbe ist mehr dem schönen Geschlechte überlassen. Im Winter füttern sie die Kleidung mit Watte von Baumwolle, aber Wohlhabende gebrauchen dazu Grauwerk, Lämmerfelle, Eisfuchs, Zobel. Das Oberkleid oder die Kurma tragen Stutzer im Winter von sehr schönem Zobel, oder, welches in noch höherm Anse— hen steht, von schwarzen Katzenfellen mit weißen Tüpfel— chen, mit der Haarseite auswärts, um die Kostbarkeit da— von zu zeigen. Diese Oberkleider sind auch häufig kurz, unsern Spencern ähnlich; sie werden, wegen ihrer Leichtig— keit und Bequemlichkeit, beym Reiten gebraucht. Der Gür— tel ist von Seide, aber noch häufiger von schwarzem Zwirn oder Wollenbande, mit einer hübschen Schnalle vorn; an diesen Gürtel befestigen sie auf der linken Seite das Sei— tengewehr und ein Messer in einer schönen lakirten oder schildkrötenen Scheide, nebst einer wie zwey Stöckchen ge— stalteten Gabel von Elfenbein. An der rechten Seite hängt ein mit Seide gestickter Beutel, mit einer Tabacksdose, und im Sommer noch ein Fächer; auch Männer gebrauchen hier Fächer. Auf gleiche Weise binden sie, des Ebenmaaßes wegen, das von den Chinesern in Allem streng beobachtet wird, an die linke Seite einen ähnlichen Beutel mit schar— fen gewürzhaften Nüssen, die sie nach dem Essen zur Be— förderung der Verdauung kauen. Unter dem Rocke tragen sie noch einen leinenen oder seidenen leichten Schlafrock, der die Stelle des Hemdes vertritt, welches nicht jeder gebraucht. Dieses letztere Unterkleid wird gar nicht oft gewaschen. Eine solche Unreinlichkeit, die man sogar bey Vornehmen * antrifft, ist widerlich, um desto mehr, da die Chineser, der Gewohnheit aller übrigen morgenländischen Völker entgegen, das Bad entweder gar nicht kennen, oder doch äußerst sel⸗ ten den ganzen Körper waschen; das Baden halten sie im Sommer sogar für schädlich. Schnupftücher, so wie auch Servietten bey Tische gebrauchen sie gar nicht; ein Stück Papier ersetzt deren Stelle. Die Beinkleider nähen sie ent— weder aus Nankin oder aus Seidenzeug. Alle Chineser tragen größtentheils Stiefeln von denselben Zeugen, und die Reichen von schwarzem Atlaß. Auch Schuhe sind im Gebrauche; bey diesen sowohl, als bey den Stiefeln, wird die Sohle aus weißem Papier, ungefähr 1 Werschok“) dick gemacht, nur die Oberfläche derselben wird mit dünnem Leder bedeckt. Eine solche Fußbekleidung hat wenig Dauer, und darin zu gehen, ist sehr beschwerlich, weil sich die Sohle nicht biegt. Leute höheren Standes tragen länglichrunde Mützen von kirschfarbenem Atlaß, mit schwarzer Verbrä— mung und einem rothen Quaste; die Verbrämung ist ver— schieden, so wie auch die Kleidung. Im Hershst ist sie von Sammet, im Winter von schwarzem Lämmerfell oder Zo⸗ bel. Die Sommerhüte haben eine kegelförmige Gestalt oder, nach gemeiner Art zu reden, die Gestalt eines Trich⸗ ters; sie werden aus Bambusrohr(Arundo Bambos) so geschickt und so fein geflochten, daß sie— versteht sich, in einer anständigen Form— als Hauptbedeckung für unsere Schönen dienen könnten. Beamte tragen oben auf ihren Mützen steinerne Kügelchen, deren Farbe die Stufe ihres Ranges bestimmt.— Gemeine Leute tragen gewöhnlich eine kurze Weste mit Aermeln von Nankin; eine runde Mütze *) Nach Leipziger Ellenmaaß 2 Zoll, oder nach rheinländ. Maaße ungefähr 3 Zoll. A. d. UI. 5 von Filz, so wie in Litthauen; und im Sommer einen Strohhut. Die Mannspersonen scheeren die Haare auf dem Vordertheile des Kopfes und an den Schläfen ab, und flech⸗ ten die andern Haare dann in einen Zopf, der auf dem Rücken liegt. Ein langer Zopf(bis 15 Arschin*) lang) macht bey ihnen eine große Zierde eines Stutzers aus. In dieser Rücksicht wird der Mangel der Natur durch die Ge— schicklichkeit des Haarkünstlers ersetzt. Endlich ist noch nöthig zu bemerken, daß die oben beschriebene Tracht eigentlich die manshurische ist, die von den Siegern seit 1644 auch bey den Chinesern eingefuhrt worden, die bis zu jener Zeit eine Kleidung von ganz an— dern Schnitte getragen hatten, sehr lang und mit so wei— ten Aermeln, daß sie, wie es scheint, anstatt der Mantel— säcke hätten dienen können. Die Kleidung der chinesischen Frauen ist von der Klei— dung der Männer nicht sehr verschieden*). Der Kopf ist bey ihnen sehr glatt und niedlich gekämmt, sie gehen fast immer mit unbedecktem Haupte. Künstliche Blumen, kost— bare Haarnadeln, schöne Schmetterlinge machen einen an— genehmen Contrast mit ihren schwarzen Haaren. Von den Kaufleuten, welche die erwähnten Pelzwaa— ren in das Kloster gebracht hatten, erfuhren wir auch, daß eine Lana reines Goldes hier 17— 19 Lana an Silber werth ist; oder nach russischen Gewichten verglichen, 1 So— lotnik**) Goldes wird für 17, 18 bis 19 Solotnik Sil— bers verkauft. Das chinesische Gold ist sehr rein; es wird nicht zum Münzen gebraucht, sondern als Waare verkauft. ) 115 Leißpz. Ellen, oder 58 rheinl. Fuß. A. d. U. %) S. die unten vor dem sten Kapitel, das die Beschreibung Pekin's enthält, befindliche Zeichnung. A. d. V. uu) Nach Leipz. Gewicht d Loth. A. d. Ul. U — 5 Silber über die Gränze auszuführen, ist bey Todesstrafe verboten. Den 17. Dec.(29. Dec. N. St.) war am Morgen ein Frost von 12 Grad(Reaumur). Da ich mich in denjenigen Zimmern befand, wo die Studenten wohnen, traf ich mit dem von der Regierung angestellten Lehrer der manshurischen Sprache Dshun zu— sammen, der über sechzig Jahr alt, aber noch frisch und munter genug ist. Während der Unterrichtsstunde diente Herr Simailow als Dolmetscher. Ueberhaupt könnten die neuen Studenten, bis zur Abreise der neuen Mission, und unter Mitwirkung der Mitglieder desselben, sich gut mit beiden Sprachen bekannt machen. Den 18. Dec.(30. Dec. N. St.) kam um 10 Uhr des Morgens zu mir der Nerba des Sargutschei von Kiachta, der von der Gränze 25 Tage nach uns abgereist, und in Pekin zu Pferde in 10 Tagen angekommen war, nachdem er einen Weg von 1500 Wersten(214 d. M.) zurück ge— legt hatte. Die chinesischen Couriere, die in wichtigen An— gelegenheiten abgesandt werden, sind verbunden, in 24 Stunden 300 Werste(41 d. M.) und mehr zu Pferde zu durcheilen. Der Nerba mußte sehr bald wieder nach Kiachta zurückkehren, und erbot seine Dienste, um Briefe von uns ins Vaterland zu überbringen. So sehr wir auch wünsch— ten, unsern Freunden in Kiachta von uns Nachricht zu ge— ben, so lehnte ich doch dieses Anerbieten ab, indem ich an die Möglichkeit dachte, daß unsere Briefe leicht entsiegelt und den Magistratspersonen von Urga überliefert werden könnten. Auf ihre Vorstellung hatte vor Kurzem der Ge— richtshof der auswärtigen Angelegenheiten den Briefwechsel unsrer Mission mit dem Vaterlande unterbrochen. Folglich hätte jeder Versuch diesem ungerechten Beschlusse, und zwar — 54— durch einen uns völlig unbekannten Menschen, entgegen zu handeln, für uns nachtheilige Folgen hervocbringen können. Nachmittags kamen zum Pater Jakinf zum Besuch die in Pekin lebenden portugiesischen Missionare des Francis— kanerordens: der 1ste Gau(auf chinesisch Ge-Loje, der von der brasilischen Regierung zum Bischoff von Pekin er— nannt worden war, aber noch nicht vom Pabste die Bulle erhalten hatte, und der te Ribeira(von den Chinesern, da ihre Sprache den Lauter durchaus nicht hat, Li-Lo je genannt) ein sehr alter, feister Abt des südlichen Klosters in Pekin. Der Vorsteher der neuen Mission, und die geist— lichen Mitglieder derselben, kamen in den Zimmern des Pa— ter Jakinf mit ihnen zusammen. Die gedachten Portugiesen leben in Pekin in der Ei— genschaft als Mitglieder der astronomischen oder mathemati— schen Akademie. So groß auch der Unwille der Chineser gegen die römisch-katholischen Glaubensgenossen ist, der sich zuerst durch Verfolgung und endlich gar durch Vertreibung der Jesuiten aus dem Reiche äußerte, so sieht sich doch die hiesige Regierung genöthigt, in Pekin wenigstens einige Missionare zu halten, um Anleitung bey Verfertigung des Kalenders und in der Zeitrechnung zu geben. Es ist nöthig zu bemerken, daß indessen, da bey andern asiatischen Völ— kern die Sterndeuterey die Morgenröthe der wahren Stern— kunde war, die Chineser, in ihre Sternwissenschaft schon einige Jahrtausende hindurch vertieft, noch keine Fortschritte eigentlich in der astronomischen Kenntniß gezeigt haben. Ihre alten gepriesenen Sternwarten und die dazu gehörigen Instrumente wurden durch Gelehrte hierher gebracht, die der berühmte Chubilai, Dshingis-Chans Enkel aus Balch und Samarkand hierher berief. Die Regierung hält jetzt für die höchste und nützlichste Angelegenheit die Herausgabe — . des alljährlichen Kalenders. Sie muß alle Bemühungen anwenden, um dem zahlreichen Volke nicht nur die Einthei— lung der Jahreszeiten anzuzeigen, die unumgänglich nöthig ist zur gehörigen Ordnung in der Erwerbung des Unterhalts und den Arbeiten; sondern auch um bey den abergläubigen Begriffen dieses Volkes, jeden glücklichen und unglücklichen Tag zu bestimmen; die glückliche Zeit zum Heirathen, zum Reisen, zur Verfertigung der Kleidung, zum Kaufen, Bauen, zum Erbitten einer Gnade bey dem Kaiser, und zu vielen andern Vorfällen des gemeinen Lebens. Durch diese Mit— tel zum Theil zeigt die Regierung ihre ausgezeichnete Ueber— legenheit, und so zu sagen, ihre enge Verbindung mit den Himmelsbewohnern, und erhält dadurch ihre Unterthanen in den Gränzen einer andächtigen Unterwürfigkeit. Zu die— sem Zwecke haben China's Gebieter ein besonderes astrono— misches Büreau oder Akademie, wovon oben gedacht wor— den, errichtet. Aber bey all dem denke man nicht etwa, daß man darin tiefgelehrte Sternkundige finden könne. Als diese berühmte aus Manshuren bestehende Akademie, worin die Europäer die jüngsten, obgleich die thätigsten Mitglie— der sind, ihren Blick auf das Planetensystem(Planetarium) warf, das sich in der Zahl der vom Könige von England an den chinesischen Chuandi durch den Lord Macartney übersandten Geschenke befand; so konnte der bey der engli— schen Gesandtschaft befindliche Sternkundige Barrow) dem Präsidenten dieses astronomischen Vereins auf keine Weise den wahren Werth der erwähnten Maschine begreif— lich machen. Uebrigens könnte wohl ein Volk, das kaum die ersten Regeln der Rechenkunst versteht, das seine Be— — 4 17** ) S. Voyage en Chine, formant le complement du voyage de Lord Macartney, par Jobn Barrow; à Paris, 1805. I. 187. 1 ö 2 ä— e . 8 3 2—— 8 — — 2 5 8 — — —— * . —— N 95 1 17 1 rechnungen auf einem vertikalen Rechenbrete, dem ähnlich, wie es unsere Kleinkrämer gebrauchen, macht, das über— dieß weder die Analysis noch die Geometrie kennt, könnte wohl ein solches Volk, ohne die ersten, durchaus unent— behrlichen Gründe der Mathematik sich zu den gegenwärti— gen Begriffen der Sternkunde erheben, die Einrichtung des Weltalls erkennen, den Weg der Planeten bestimmen, und mit sichern Schritten ihrem unwandelbaren Laufe folgen? Den 19. Dec.(31. Dec. N. St.) fiel in der Nacht der erste Schnee, einen Werschok*) hoch; den ganzen Tag war es kalt mit anhaltendem Schneegestöber. Den 20. Dec.(1. Jan. 1821 N. St.) um 9 Uhr des Morgens kam in das Kloster das dritte Mitglied der astro— nomischen Akademie, der Portugiese Ferreira(auf chine— sisch Fu-Loje), der auf der Mütze ein krystallenes Kügel— chen des 5ten Grades— unserer ten Klasse entsprechend — trug. Duerst ging er nach der Kirche, wo er dem west— lichen Thore gegenüberstehend sich verbeugte; dann wendete er sich zu dem Pater Jakinf. Dorthin wurden der Archi- mandrit Peter und ich eingeladen. Ferreira, ein hinfälliger Greis, gegen 70 Jahr alt, ging mit uns freundschaftlich um; er wünschte uns Glück zum Antritt des neuen Jahres (nach dem neuen Kalender), und sagte dem Pater Peter viele Höflichkeiten. Er äußerte lange Zeit sein Entzücken über die ruhmvollen Thaten des Kaisers Alexander, über die berühmten Siege der Russen u. s. w. u. s. w. Dann, als die Rede die beengte Lage der Missionare in China be— traf, rühmte Ferreira den Kaiser Kanßi, der so viel Auf— merksamkeit den Jesuiten bezeigt und sie mit reichen Land— gütern beschenkt hatte; er tadelte den Jundshen, und noch *) Beynghe 2 Zoll(oder genauer 5 Fuß) rheinl. A. d. U. ——— ęU[——— — — 5— ———-— mehr den jüngst verstorbenen Dsäin, der die römisch-ka— tholischen Glaubensprediger heftig verfolgte, während er zu gleicher Zeit seinen aufmerksamen Schutz dem kleinen be— scheidenen, den griechisch-russischen Glauben bekennenden Vereine verlieh. Der abgelebte Missionar ermahnte, indem er Stellen aus den Evangelien und den Psalmen anführte, uns sehr weitläufig zur Geduld, zu Anstrengungen u. s. w. Wir unterredeten uns mit Ferreira in lateinischer Sprache; denn er, so wie auch die übrigen drey in Pekin befindlichen Portugiesen, weiß, außer seiner Muttersprache, keine an— dere der neuern europäischen Sprachen; chinesisch spricht er schlecht, und nach der allerseltsamsten Mundart, die man in Kanton und Makao gebraucht, wo die Prediger es ge— wöhnlich lernen, da sie vom Pabste nach China aus der römischen Schule der Congregatio propagandae fidei (dem Verein zur Verbreitung des Glaubens) abgesandt werden. Hier folgt in lateinischer Sprache, nebst der Uebersez— zung, der Originalbrief Ferreira's an den Vorsteher unserer Mission, den Pat. Archimandriten Peter, vom 12. Dec. (24. Dec. N. St.) 1820. Der klagende Ton dieses Send— schreibens dient zu einer treuen Erläuterung des gegenwär— tigen Schicksals der portugiesischen Glaubensprediger. Reverendissimo Archiman-) Dem hochwürdigsten Ar— dritae Petro, domino colen- chimandriten Peter, dem hoch— dissimo, Pekinum nuper ho- zuverehrenden Herrn, der seit *) Die hier beystehende liebersetzung ist nicht aus der beyge— fügten russischen des Verf., sondern aus dem Original selbst, so viel möglich wörtlich, um deutschen Lesern, die des La⸗ teins unkundig sind, eine treue Darstellung des Styls des Pater Ferreira zu geben. A. d. U. 5 e 3 3 —— 4 — ä — 2 0 ö 7 1 ö 5 3— noranti: pax Christi, tran- quillitatem veram! Patria nobis propria Euro- pa nobilis est. Natale solum ea nobis censetur, patritii quare sumus. Latina lingua utimur veluti communi, etsi materna tantisper diflferat; quod ad cactera animis prae- diti fraternis, annuimus pari- ter ceu gemelli, veluli noti- que columbi. In hac urbe celebri Euro- paei, si pace frui volumus, si decus, si honorem inclytae nationis tueri servareque, fas degere sicut passeres in tecto. Sic nobis reliquum superest tempus, ut lectioni, scriptioni sanctisque meditationibus va- cemus libere. Illud Nasonis axioma:„Vulgus amicitiam utilitate probat“ nimium est veridicum Sinenses apud. Plu- ra hoc de argumento vester egregius praecessor, noster germanus amicus, de hac re potest dicere plura facileque 58 kurzem Pekin(mit seiner Ge— genwart) beehrt hat: der Frie— de Christi, wahre Ruhe! Unser eigentliches Vaterland ist das edle Europa. Wir se— hen es als unser Geburtsland an, da wir Patritier(Edel— leute) sind. Wir bedienen uns der lateinischen Sprache als einer allgemeinen, ob sie gleich von unsrer Muttersprache et— was abweicht; übrigens, mit brüderlichen Gesinnungen be— gabt, vertragen wir uns eben so wie Zwillinge, wie alte und bekannte Tauber. In dieser berühmten Stadt müssen wir Europäer, wenn wir Frieden genießen, wenn wir die Würde und die Ehre einer rühmlich bekannten Na— tion behaupten und erhalten wollen, wie Sperlinge auf dem Dache leben. So bleibt uns Zeit übrig, daß wir dem Lesen, dem Schreiben und heiligen Betrachtungen frey obliegen können. Jener Spruch des Naso:„der große Haufe schätzt die Freundschaft nach dem Nuz— zen“, ist nur zu wahr gespro— chen bey den Chinesern. Mehr öl praestantiam perdocere ve- stram. Ergo si ullibi sententia illa congruit Apostoli:„patientia vobis necessaria“— lieic est potissimum. Inserviet pariter multum nobis illud principis Apostolorum Petri dogma: „Conversationem vestram bo- nam habete inter gentes, ut in eo quod delrectant de Chri- sticolis, tanquam de malefac- toribus, ex bonis operibus nos considerantes, Christum glo- rificent in die visitationis.“ Postea, dante Deo, dabitur nobis occasio, ut os ad os lo- quamur, relaxenturque in Domino corda nostra. Scitis, quia sunt nimium suspiciosi Sinenses contra Europaeos. Nos considerant ac sequun— tur lincaeis(sie,)) oculis.— Desidero omnibus vobis bo— nas festivitates Natalitias. Do- von dieser Sache kann Euer trefflicher Vorgänger, unser aufrichtiger Freund, sagen, und Eure Hochwürden leicht mehr davon unterrichten. Daher, wenn irgendwo der Ausspruch des Apostels*) passend ist:„Geduld ist euch noth“ so ist er es hier vorzüg— lich. Gleichfalls wird uns sehr jene Lehre des obersten Apo— stels Petrus**) dienen:„füh— ret einen guten Wandel unter den Heiden; auf daß die, so von euch afterreden, als von Uebelthätern, eure gute Werke sehen, und Gott preisen, wenn es nun an den Tag kommen wird.“ Nachher wird, wenn es Gott giebt, uns Gelegenheit gege— ben werden, daß wir von An— gesicht zu Angesicht mit einan— der sprechen, und unsre Her— zen in dem Herrn sich erleich— tern. Ihr wißt, daß die Chi— neser gar zu mißtrauisch gegen die Europäer sind. Sie be— trachten und verfolgen uns mit *) S. Brief an die Hebräer, Kap. 10. V. 36. **) S. I. Brief Petri, Kap. 2. V. 12. 2 „5355 minus Electus Episcopus Pe- kinensis est vestrae legationis interpres nuperque fuit voca- tus a magno tribunali Neige pro rebus vestrae legationis. — Quia nocles heic jam sunt analogae vestris in Europa, audeo oflerre duo, ut dicunt, latiao, unum pro vestro usu, alterum pro familiari, qui vobis inservit: cum uno goamli anni suturi Sinensis. Praeslantiae vestrae inuti- lis servus Dominicus Fer- reira, sacerdos Lusitanus congregationis Missionis. *) Pater Gau. Luchsaugen.— Ich wünsche Euch gute Weihnachtsfeyerta— ge. Der erwählte Herr Bi— schoff von Pekin“) ist der Dol— metscher Eurer Gesandtschaft (Mission), und wurde vor Kurzem von dem großen Ge— richtshofe Nüigé*), wegen Angelegenheiten Eurer Ge— sandtschaft(Mission) hinberu— fen.— Da die Nächte hier den Eurigen in Europa ent— sprechend sind, wage ich es, zwey sogenannte Lassiang 1), eins zu Eurem Gebrauche, das andere für den Diener, der Euch aufwartet, nebst einem Chuanli(Kalender) des künf— tigen chinesischen Jahres, an— zubieten. Euer Hochwürden(wörtl. Eurer Vortrefflichkeit) unnützer Knecht Dominicus Fer— reira, portugiesischer Prie— ster der Missions-Congre— gation. %) So schreibt der Vers. denselben Nahmen, den der Portu— giese Neigé schrieb. Eben so ist das weiter unten folgende Lassiang und Chuanli die Schreibart des Verf. für das(we— niger genaue) Latiao und goamli. N e +) Ein düunes Wachslicht in einen Knaul gewunden lalso eine Die Chineser gebrauchen in den Art Wachsstock. A. d. U.) 7 Dic katholischen Missionare hatten, wie man sagt, sich den Unwillen der chinesischen Regierung zugezogen, we— gen ihres unmäßigen Eifers zur Ausbreitung der Lehre der römischen Kirche, durch Rechtshändel über ihre Einkünfte, und durch die innern Swistigkeiten der in China lebenden Geistlichen aus verschiedenen europäischen Reichen. Unter andern erhob sich im J. 1805 gegen sie eine harte Bedrük— kung. Der heftigsten Verfolgung waren Chineser, und noch mehr Manshuren, die den christlichen Glauben angenommen hatten, unterworfen. Die Veranlassung zu diesen blutigen Auftritten war, nach der Aeußerung der Ortseinwohner, folgendes Ereigniß. Die Jesuiten, die sich damahls in Pe— kin befanden, und aus Italien, Frankreich, Spanien ge— bürtig waren, schickten mit allgemeiner Einstimmung Briefe an ihre Brüderschaft in Europa; von dem Bischof gingen nach Rom Berichte von der Anzahl und Lage ihrer geistli— chen Heerde, von den Fortschritten in der Ausbreitung der Lehre des Evangeliums u. s. w. Ueberdieß sandte ein rö— mischer Jesuit, mit Nahmen Paul, dem Pabste einen sech— zehnjährigen Chineser von glücklichen Naturgaben zum Ge— schenke, der, so wie früher schon mehr als einmahl geschah, aus niederm Stande und der äußersten Armuth genommen war. Aber darauf beschränkte sich noch nicht die eifrige Anhänglichkeit der Väter an den römischen Oberpriester. Ei— ner von ihnen, mit Nahmen Adeodatus, der in Juang— Mingjuang in der Eigenschaft eines Hofuhrmachers wohnte, und dabey ein ziemlicher Topograph war, verfertigte eine Charte einer chinesischen Statthalterschaft, mit Darstellung eines großen Fleckens, dessen Einwohner unlängst den christ— Zimmern gewöhnlich sehr kurze und dicke Talglichter, die hell und ohne zu flackern brennen. A. d. V. eee * 5 0 F 1 3 5 ——— 2—— S 2 r 2— N—— 8————— 2— .— 3—————— 5 1 2— 5 8 62——— lichen Glauben angenommen hatten; die Benennungen der Orte u. s. w. standen auf der Karte original chinesisch mit lateinischer Aussprache. Man versicherte mir gleichwohl, diese Charte sey an den Pabst von den Jesuiten des franzö— sischen und des italiänischen Klosters in Pekin gesandt wor— den, unter thränenvollen Klagen über die portugiesischen Geistlichen, nebst Anzeige der Einkünfte und andern Vor— theilen an Ländereyen u. dgl., welche diese an sich gerissen hätten. Alle oben erwähnten Papiere und der junge Chi— neser wurden gerade nach Kanton geschickt, um von da, bey Gelegenheit, mit irgend einem europäischen Schiffe nach Italien abzusegeln. Die von den Jesuiten Abgesandten wur— den aber auf dem Wege, wahrscheinlich durch heimliches Anstiften der Portugiesen, aufgefangen, und nach Pekin gebracht. Die Papiere wurden dem verstorbenen Dsäzin vorgelegt, der von sehr furchtsamer und argwöhnischer Ge— müthsart war. Die Charte, auf der einige innere Plätze von China vorgestellt waren, erweckte in dem Chuandi ei— nen starken Argwohn; denn nach seiner Meinung darf kein Pabst Einfluß auf ein Gebiet des großen Reiches unter der Sonne haben, das von der ganzen Welt durch den Ocean, durch Rücken der höchsten Berge, und durch öde Steppen geschieden ist. Sogleich wurden in dem Hofe zu Juang-Mingjuang alle europäische Geistliche des katholi— schen Glaubensbekenntnisses versammelt; die Briefe und die Landcharte wurden ihnen vorgelegt. Als nun die einen er— klärten, daß die Briefe von ihnen abgesandt wären, wur— den die übrigen in ihre Klöster entlassen; aber zugleich Be— fehl gegeben, den, der die Landcharte abgeschickt hatte, in das öffentliche Gefängniß zu setzen. Von da ward er nach Ablauf von 100 Tagen, nach Sheche geschickt; sein Klo— ster ward niedergerissen, und für die Erbauung gab man — dem Jesuiten aus der Schatzkammer 3400 Rubel in Sil— ber heraus. Dieses ging zu Ende des July(A. St.) im J. 1805 vor. Wegen dieses Vorfalls erfolgte in China eine neue heftige Verfolgung gegen die Christen. Man fing an, sie zu zwingen, daß sie das Kreuz mit Füßen treten und Christum verwerfen sollten; die, welche sich weigerten, diese ungestäme Forderung zu erfüllen, bedrohete man mit der Todesstrafe. Selbst in Pekin entdeckte man einige Tau— send Beamte aus kaiserlichem Geblüte, und andere gemeine Beamte, die den christlichen Glauben angenommen hatten. Der erbitterte Chuandi befahl das gemeine Volk in Ruhe zu lassen, und wendete seinen ganzen Zorn gegen seine eigne Familie. Er setzte eine eigne Criminal-Commission ein, die aus dem General-Polizeymeister von Pekin(Tidu), ei— nem Prinzen von Geblüte und dem Vorsitzer des Departe— ments der Criminalsachen bestand, und befahl, alle diejeni— gen, welche sich hartnäckig weigern würden, dem christlichen Glauben zu entsagen, ins Gefängniß zu setzen, und hart zu foltern, nachdem man sie vorher aller Würden entsetzt, und ihres Vermögens beraubt hätte, sie auf die Wangen und Lenden zu schlagen, die Ohren auszuziehen, die Fuß— sohlen kreuzweise aufzuschneiden, und die Wunde mit klein gehackten Roßhaaren auszufüllen, dann sie mit einem Pfla— ster zu bestreichen und zu versiegeln u. s. w. Man sagt, es habe kaum irgend jemahls ein ähnliches Martern von Men— schen in China Statt gefunden. Viele wurden unter den Qualen schwach am Geiste, und verwarfen Christum, beson— ders Soldaten, geborne Chineser; allein die meisten blieben unerschüttert im christlichen Glauben. Bey den stren— gen Nachforschungen und Foltern erkannte der oben gedachte Vorsitzer des Criminalgerichts, daß sogar in seinem eignen Hause fast alle seine Verwandte und Diener Christen waren. — e 3 r.——— 9 2 N — 8 —— — 0 5 3 — 9 —— — —. — — — —— e BB —— * Dieses bewog ihn, in seinen Untersuchungen gegen die Christen gemäßigter und gegen sie nachgiebiger zu seyn. In allen vier katholischen Klöstern in Pekin ward aufs strengste nachzusuchen befohlen, und alle in manshurischer und chine— sischer Sprache gedruckten Bücher zu vernichten, und auch die Breter, auf denen sie ausgeschnitten werden'); dennoch gelang es den Glaubenspredigern, den größten Theil davon zu erhalten. Und so waren denn das bekannte Mißtrauen der Chi— neser, der flammende Eifer der Jesuiten, der dem Pabste zum Geschenke gesandte Chineser und die Landcharte— die Hauptursachen der hier beschriebenen Verfolgung der römisch-katholischen Prediger, von Seiten der hiesigen Re— gierung, die gleichwohl in vielen Rücksichten sich durch große Duldsamkeit auszeichnet. Der Pater Jakinf sagte, nicht lange vor der Ankunft der neuen Mission habe einer von den Regierungs-Advoca— ten oder Oberprocuratoren dem Dsäzin vorgestellt, es sey unumgänglich nöthig, ein bestimmtes Gesetz in Betreff der katholischen in Pekin lebenden Glaubensprediger ausgehen zu lassen. Einige von den Mitgliedern des Gerichtshofes der auswärtigen Angelegenheiten gaben durch Seitenwen— dungen ihre Meinung zu verstehen, daß es am anständig— sten und bequemsten seyn würde, wenn die in Pekin an— kommenden Russen— Geistliche oder Studenten, in dem astronomischen Bureau die Stelle der gelehrten Sternkun— *) Chinesische Schriften werden gewöhnlich in Holz geschnitten, da bey der ungeheuren Menge von Zeichen, welche diese Sprache hat, gegossene Lettern nicht ohne bedeutende Kosten gemacht werden könnten. Die Breter, aus welchen man die Schriften ausschneidet, die hernach abgedruckt werden sollen, sind hier ohne Zweifel gemeint. A. d. U. 65. digen einnehmen. Diese Stellen sind, wie oben bemerkt, jetzt den römisch-katholischen Missionaren überlassen, welche zu vertreiben die Chineser schon längst bereit waren, und die nur kraft einer Verordnung unterhalten werden, welche ihretwegen von dem Kaiser Kanßi, einem Nachkommen der manshurischen Fürsten, die bey gebornen Chinesern nie wohl gelitten sind, gegeben worden war— Uebrigens muß man anmerken, daß Europäer, wenn sie in das gedachte Bureau oder Akademie als Mitglieder ernannt werden, vollkommen in den Stand chinesischer Unterthanen eintreten. Sie er⸗ halten von da einen Gehalt in Silber und Lebensmitteln, kleiden sich chinesisch, und tragen auf den Mützen Kügel— chen, welche die Würde der chinesischen Rangstufen anzeigen. Den 21 Dec.(2. Jan 1821. N. St.) fuhr der Ge— hülfe des Vorstehers der neuen Misston, der Ordensgeistliche Benjamin, mit einem Mitgliede der vorigen, dem Ordens— geistlichen Seraphim aus, um die Kirche zu Mariä Him— melfahrt zu übernehmen, und die russischen der Regierung gehörigen kleinen Häuser zu besichtigen, die sich in dem nordöstlichen Winkel von Pekin befinden, da wo zuerst un— sere albasinischen Kasaken ihre Wohyplätze erhielten, als sie von den Ufern des Amur vor 138 Jahren dahin versetzt wurden. Den 24. Dec.(5. Jan. 1821. N. St.) war ein Frost bis zu 12 Grad nach Reaumür, mit Ostwinde. um 12 uhr Mittags kam zu dem Pater Archimandri— ten Peter, um seine Ehrfurcht zu bezeigen, der älteste Leh⸗ rer der pekin'schen Schule der russischen Sprache, Schu— min oder Schu-Loje, ein junger Mann von ungefähr 30 Jahren. Es war ihm nicht leicht geworden, diese Stelle zu erhalten, die in dem manshurischen Dienste sehr bedeutend ist. Als nun die Zeit des Wechsels der Misston II. Band. 8 8 —— — — 5 . — —— * 5 1 0 herannahte, gestand Schumin unsern Studenten, daß er den 5 Entschluß hätte, eine andre Stelle zu suchen; denn ohne 1 Hülfe der Russen könne er nicht in seinem jetzigen Amte * bleiben. Da er gehört hatte, daß zum Vorsteher der neuen i 10 Mission Pa-Lo je)(unter den Weltlichen Paul) Ka— g 0 menski ernannt wäre, der hier wegen seiner ausgezeichneten N N 6 Fortschritte in der manshurischen Sprache bekannt ist, freute 0 0 sich Schu-Loje sehr, und jetzt bemühet er sich sichtbar, das 10 4 Wohlwollen Sr. Hochwürden zu erlangen. Schumin über— 10 1 reichte von ihm selbst verfertigte chinesische Gespräche dem 10 0 Pater Peter, und bat ihn, sie in die russische Sprache zu 0 90 übersetzen, zum Gebrauch für seine Schüler in der manshu— 1 1 rischen Schule. 10 8 9 Zufolge der feyerlich zwischen dem russischen und chine— sischen Reiche geschlossenen Verträge— der einzigen, welche 0 5 a N 5 0 ö das letztere Reich mit Europäern hat, soll der gegenseitige f 1 Briefwechsel beider Mächte in russischer, manshurischer und. lateinischer Sprache zusammen geführt werden. Dieser An— ordnung gemäß ist in Pekin eine besondere Schule errichtet, 1 die von dem Senat Nüigè abhängig ist, in welcher 24 1 5 8 9. 8 5 junge Manshuren aus den besten Familien die russische 9 Sprache lernen. Nach beendigter Lehrzeit, die mit einer a strengen Prüfung geschlossen wird, treten sie mit besondern bat „„** U Ale Vorrechten in Dienste, entweder in dem Gerichtshofe der a auswärtigen Angelegenheiten, oder in Stellen an der Gränze, fa wo die Kenntniß der russischen Sprache erfordert wird. So fin sam *) Bey den Chinesern sind die Nahmen einsylbig; und daher 0 trennen sie, um unsere langen Vor- und Zunahmen auszu— N drücken, von diesen die Anfangssylbe, und hängen ihr Loje a (Herr) daran. So sprechen sie den Nahmen Arkadi A-Loje und den Familieunahmen Ssipakow, Ssi-Loje u. s. w. U 0 A. d. B. del —— 67— groß auch die Sorgfalt der jetzigen manshurischen Dynastie um die Erhaltung dieser Schule ist, so ist diese doch noch gar sehr fern von ihrem Ziele. Die aus Albasin hierher versetzten Russen waren die ersten Anleiter der Manshuren in der Erlernung unserer Sprache. Hierauf verwalteten, auf Einladung der chinesischen Regierung, einige von den Mitgliedern der russischen Mission dieses Amt, mit bedeu— tendem Vortheile für sich selbst. Die chinesische Regierung zeigte bey vielen Gelegenheiten ihren Wunsch, daß die in Pekin lebenden Russen Theil an der Aufklärung der Man— shuren nehmen möchten. Dessen ungeachtet befindet sich diese Anstalt in einem schlechten Zustande. Es ist der Mühe werth einen Blick auf eine Uebersetzung zu werfen, die ein Manshur aus seiner Sprache in die russische gemacht hat, und die ersten Zeilen werden zeigen, daß in solchen Ueber— setzungen nicht einmahl die ersten Regeln der Grammatik beobachtet werden: alles wird nach früheren Mustern, nach Papieren, die aus Rußland hergesandt sind, zusammengesetzt. Man sagte uns, daß 1805 bey Gelegenheit der Absendung der letzten russischen Gesandtschaft nach China, der bekannte Wan von Urga, Jundun Dordshi, Uebersetzer aus Pekin verlangt habe, die in der Schule der russischen Sprache ge— lernt hätten. Er dachte, er würde in ihnen geheime treue Ausleger derjenigen Erklärungen finden, die mit den Russen vorfallen könnten, ohne zu der Hülfe unserer Uebersetzer seine Zuflucht zu nehmen. Aber der Versuch der ersten Zu— sammenkunft mit einem von den Mitgliedern der Gesandt— schaft überzeugte den Wan, wie vergeblich seine Hoffnungen gewesen waren. Die manshurischen Dragomanen gestanden aufrichtig, daß sie von allen Worten, welche die Russen während der Zusammenkunft gesprochen, gar nichts verstan— den hätten. Am folgenden Tage schickte der Wan sie, 7 5 3 — — . r — 8 als gänzlich für ihn unnütze Leute, wieder nach Pekin zurück. Ich traf mit Schumin bey dem Pater Jakinf zusam— men. In der allerunrichtigsten russischen Mundart bewill— kommnete er mich, indem er sagte:„das ist ein Herr Of— sizier des vierten Grades(Sfü-pin,“ bey den Chinesern ziemlich bedeutend.) Bey dieser Gelegenheit fand ich dort einen Lama Du, Kassirer an einem der Tempel des Chuansa. Dieser bat mich, bey gelegener Zeit seine einsame Wohnung zu besu— chen. Du Lama sagte, daß auf ihrem Tempelhofe ein Da— lama lältester Geistlicher) eingekehrt sey, der dem neuen Chuandi eine Gabe aus dem kleinen oder südlichen Tibet, von ihrem Oberpriester Bangtschang Erdeni darge— bracht habe. Im folgenden Jahre müssen, einem festgesetz— ten Gebrauche nach, Darbringer von Gaben aus der Stadt Chlassa— der Hauptstadt von Groß-Tibet kommen, ob man schon dort seit fünf Jahren der Wiedergeburt des Da— lai-Lama harrt, an die Stelle des aus dieser Welt hin— übergegangenen. Man bemerkt, die vorsichtige chinesische Regierung lenkt immer die Sachen dahin, daß der Dalai— Lama, dieser nie sterbende Phönix, irgend wo in dem Schooße einer vornehmen Familie in den innern Statt— halterschaften China's erscheine. Uebrigens können die Eng— länder, nach dem Rechte der Nachbarschaft, leicht die Er— neuerung des geistlichen Oberhaupts des ganzen Tibets be— schleunigen. Am heutigen Tage nahm die oberste Gemahlin“) des verstorbenen Chuandi Dsäzin, mit üppigem Gepränge, den *) Die chinesischen Kaiser haben füuf Frauen, wovon die eine, vom ersten Grade, als die gesetzliche angesehen wird. Alle Unterthanen achten sie als die Mutter des Reichs und nen— — — 69— Titel einer verwittweten Kaiserin: Chuantaischou, er— habenste, große Kaiserin, an. Der verstorbene Kaiser Dsäzin hatte, nach der allge— meinen, obgleich nicht strengen Meinung des Reichsrathes, den Zunahmen auf chinesisch Shui Chuandi, abgekürzt Shuidi erhalten, d. i. der scharfsinnige Kaiser. Dieser Nahme wird durchaus mit in die Jahrbücher eingetragen, die vor dem Angesicht der Chuandi's selbst von Leuten ge⸗ schrieben werden, die man dazu wegen ihrer ausgezeichneten Kenntnisse in der Sprache und Wohlredenheit, und wegen ihrer Erfahrenheit in der tiefen Wissenschaft der Regierung des Reichs, auswählt. Bey den Chinesern wird die Ord— nung der Jahresrechnungen immer durch die Benennung bestimmt, die der Zeit des regierenden Kaisers gegeben wird; mit der Thronbesteigung eines neuen Chuandi fängt auch eine neue Jahresrechnung an. In diesem Sinne und nicht in der Form eines persönlichen Nahmens, muß man die bekannten Benennungen: Kanßi, Jundshen, Zänglung 95 Dsäzin, Daoguan(Daohuan) nehmen. Diese Titel bedeu— ten buchstäblich: Wohlstand und Stille, echte Ruhe u. s. w. nen sie Chuanchou, welches höchste Gebieterin, Kaiserin der Kaiserinnen bedeutet. Ihre Söhne haben ein vorzügliches Recht zur Thronfolge. Eine jede von den vier andern Frauen hat einen besondern Titel, ein besonderes Haus und eigenen Hofstaat, der bloß aus Verschnittenen und Mädchen besteht. Ueberdieß unterhält der Chuandi ein zahlreiches Harem von Beyschläferinnen, die alle drey Jahre aus den schönsten Mäd— chen von ganz China ausgewählt werden. Auf solche Weise sind die Chineser in dieser Hinsicht den Mohammedanern ähn— lich. Die Unreinheit des Glaubens der einen wie der andern ist eben in der Erlaubniß der Vielweiberey und des Haltens der Beyschläferinnen sichtbar, nur zur Befriedigung der gröbsten Sinnlichkeit. A. d. V. ) Derselbe Nahme, der sonst gewohnlich Kienlong genannt wirds A d.. 5 70—— und sie wurden den Zeiten der Regierung der Kaiser beyge— legt, die nach ihrem Tode die wirklichen Nahmen: Sheng Chuandi, oder abgekürzt Sheng-di, Ssängdi(oder: Ssi— angdi) u. s. w. erhielten. Den 25. Dec.(6. Jan. 1821. N. St.) Bey Gele⸗ genheit des Weihnachtsfestes erschien, aus der Zahl der Nachkommen der Albasinen nur allein Alexei(ein getaufter Alter von 60 Jahren), mit zwey seiner Verwandten, in der Kirche. Den 27. Dec.(8. Jan. 1821. N. St.) erhob sich des Morgens um 9 Uhr ein heftiger Sturm; der Wirbelwind erfüllte die Luft mit dicken Staubwolken; aber gegen Abend ward alles ruhig. Den 28. Dec.(9. Jan. 1821. N. St.) nach Tische besuchte mich der Lehrer Schumin, ein Manshur aus einer bekannten Familie(sein Oheim war Amban von Urga zur Zeit unserer Durchreise), sehr höflich, gewandt und neu— gierig. Er erkundigte sich nach unserer vaterländischen Klei— dertracht, Lebensart u. s. w. Als Herr Ssipakow ihm sagte, daß ich in dem Ministerium der auswärtigen Ange— legenheiten diene; so fragte Schu- Loje sogleich, ob ich manshurisch verstände. Wir erklärten ihm, daß die Russen sich hauptsächlich mit der Erlernung europäischer Sprachen beschäftigten, doch wären auch viele in den asiatischen Spra— chen bewar dert. Den 30. Dec.(11. Jan. 1821. N. St.) Die Kasa⸗ ken unserer Bedeckung begegneten heute, als sie in den hie— sigen Kaufmannsgewölbern waren, einem Mongolen aus dem zacharischen Aimak(Fürstenthum), der nicht weit von Z. Balgaßu wohnte, wo das unserer Regierung gehörige Vieh zum Ueberwintern zurückgelassen worden war. Auf ihre Frage nach dem Zustande der Leute und des Viehes antwortete der Zach ar, die dort zurückgebliebenen Kasaken wären alle am Leben; aus der Heerde aber wären, bis zu seiner Abreise, viele Pferde und Kameele gefallen. Den 31. Dec.(12. Jan. 1821. N. St.) ging seit 3 Uhr des Morgens ein heftiger Ostwind, und hielt bis in die Hälfte des Tages an, bey einem Froste von 12 Grad. Nach den Aeußerungen alter Leute war seit langer Zeit in diesen Gegenden kein so strenger Winter gewesen. Unsere chinesischen Bekannten machten uns freundschaftliche Vor— würfe, als wenn mit der Ankunft der Söhne des Nordens auch die Kälte des Nordens sie besucht hätte. Der Vorsteher der neuen Mission kam mir entgegen, und zeigte mir den gestern erfolgten Tod eines Turkestanen aus der manshurischen Garde an, eines 7 jährigen Greises, der, auf unablässiges Bitten seiner dem Pater Peter wohl— bekannten Verwandten, einige Tage lang den Herrn Woi— zechowski als Arzt gebraucht hatte. Der Archimandrit fürchtete, die hiesige Regierung, deren Aerzte den Kranken schon aufgegeben hatten, möchte einen nachtheiligen Schluß daraus gegen den russischen Arzt ziehen. Aber diese Sache hatte ihr natürliches Ende genommen; denn der Tod des Turkestanen war eine Folge seines hinfälligen Alters. Uebri— gens muß ein Ausländer in Pekin bey solchen Gelegenhei— ten vorsichtig seyn, und zur Behandlung eines Kranken nur dann schreiten, wenn er die gewisse Hoffnung eines voll— kommenen glücklichen Erfolgs hat. Dann wird seine Kunst desto mehr in die Augen fallen. In der Heilung der Tur— kestanen, als Mohammedaner, liegen für den Arzt manche Schwierigkeiten; sie nehmen sehr ungern fremde Arzneyen ein, selbst nicht aus den Händen chinesischer Aerzte, als Bekenner eines andern Glaubens. —— Mehr als einmahl schon habe ich in diesem Werke der Turkestanen gedacht; sie werden hier und auch künftig vor— kommen. Sie sind Einwohner des östlichen Turkestans, das in Europa mehr unter dem Nahmen der kleinen Bucharey oder Tschagatai bekannt ist, einer Gegend, die gegen Osten an China und die kukunorischen Mongolen, und gegen Westen an das Schneegebirge(d. i. Mussart, Mußtag oder Imaus) gränzt, durch welches sie von den kleinen Gebieten des südli— chen Turkestans geschieden wird; sie stößt gegen Norden an die ehemalige Sungarey, jetzt das Gebiet von Ili, und ge⸗ gen Süden an Tibet. Im J. 1758 unterwarf sich das öst— liche Turkestan der gewaltigen Macht des chinesischen Kaisers Zänglung, und ward von den Siegern die neue Linie ge— nannt; denn dieses vou hohen Bergen gegen Norden und Sü— den eingeengte Land hat wirklich das Ansehen eines schmalen Streifens. In diesem sind vor langer Zeit schon Städte an— gelegt, in nicht weiten Entfernungen von einander, mit ab— getheilten Kreisen Landes, die besondere unabhängige Fürsten oder Chodsha's) hatten, gleich den Städten, die west— *) Dieser Nahme(Chodsha) ist im Orient mit Hochachtung und einer gewissen Heiligkeit verbunden. Er kömmt den Nach— kommen jener mohammedanischen Männer zu, die zu Jüngern Mohammeds(Aßchab) erwählt wurden. Sie empfingen zuerst aus seinem Munde die neue Lehre, dann predigten und grün— deten sie sie fest im Orient. Dort wurzelte nachher ihre und ihrer Nachkommen vermeinte Heiligkeit so fest unter den tür— kischen Stämmen, daß jeder Mohammedaner es für das erste Glück in seinem Leben hält, gewürdigt zu werden, die Hand irgend eines von den Chodsha's zu küssen, um durch diese Weihung, wie sie glauben, ungehindert zum Genusse des Pa⸗ radieses und des Anschauens des Angesichts Mohammeds zu gelangen. Solche Chodsha's, Nachkommen der Aßchabs, waren ehedem die Gebieter der Städte der sogenaunten kleinen Bu— charey. Die Manshuren, ohne die Heiligkeit dieser Männer zu achten, griffen in der Mitte des 18ten Jahrhunderts sie mit gewaffneter Hand an; neun Monate währte der blutige — „ lich von dem Schneegebirge oder dem Mußtag, längs der Flüsse Sür und Am liegen, und die in unserm asiatischen Handel bekannt sind: Taschkent, Kokan u. s. w. Die Schwäche der turkestanischen Fürsten, die aus dem Mangel gegenseitiger politischer Verbindungen entsprang, war immer— während eine Ursache, daß sie mächtigen Nachbarvölkern un— terthan seyn mußten, wie früher die Mongolen, in den Zei— ten ihrer Macht, dann die Sungaren waren, und wie es jetzt die Manshuren oder Chineser sind. Da ich wünsche, meinen Landsleuten einige glaubwür— dige Nachrichten von der geographischen Lage des östlichen Turkestans zu übergeben, setze ich hier die Aeußerungen der Chineser selbst her: 1) von den wichtigsten in dieser Gegend liegenden Städten; 2) vom Klima derselben; 3) von der Ei— genschaft des Landes; 4) von seinen Erzeugnissen, und end— lich 5) von der Beschaffenheit der Einwohner. Doch ehe ich zu der Beschreibung des östlichen oder chi⸗ nesischen Turkestans komme, lege ich den Lesern zur Beur— theilung die Meinungen einiger europäischen Gelehrten dar— über vor, zu welchem Stamme die jetzigen Einwohner der kleinen Bucharey gehören. Herr Klaproth spricht*), daß alle Erdbeschreiber, und alle Sprachforscher bis jetzt die Bucharen für ein Volk von Kampf. Die Mohammedaner wollten ihre Lieblinge nicht ohne Schutz lassen; alle waffneten sich und alle fielen unter den Streichen der Sungaren und Manshuren. Vier von diesen Chodsha's wurden in Gefechten getödtet; zwey geriethen in Gefangenschaft der Chineser und wurden im Triumph nach Pekin geführt; der siebente, Ssarümßak Chodsha, fand Ge— legenheit sich durch die Flucht nach der großen Bucharey zu ketten. A. d. V. ) Asia Polyglotta, von Julius Klaproth. Paris, 1885. S. 259 ff. A. d. V. ———. 7 — 9 * S——— * 10 1 N 53500 türkischer Abkunft halten. Indessen müssen sie, nach seiner Meinung, von persischer seyn. Hier sind die Beweise des Hrn. Klaproth: 1) alle in dem vergleichenden Wörterbuche von Pallas als bucharische angeführte Wörter sind persische. Besonders bestätigen dieß die Benennungen der Zahlen: 1 jak, 2 du, 3 ßi, 4Atschagar, 5 pensh, 6 schesch, 7 geft, 8 jescht, 9 njug, welche gänzlich verschieden sind von den türkischen: 1 bir, 2 iki, Jutsch, 4 djurt, õ bisch, G altüß;? jedi, 8 Bigiß, N tekuß. 2) Als Hr. Klaproth im J. 1805 im Gefolge der rus— sischen Gesandtschaft nach China ging, traf er zum ersten— mahle in Kasan mit Bucharen zusammen. Sie versicherten ihm, ihre Muttersprache sey die persische. Die in Tobolsk, Tara und Tomsk lebenden Bucharen bestätigten dieses, in— dem sie die persische Sprache als ihre eigne anerkannten, in welche jedoch, wegen ihres langen Aufenthalts und häufi— gen Verkehrs mit Türken in jenen Gegenden, sich viele Worte aus der Sprache dieser letztern eingeschlichen hätten. 3) Im chinesischen Kiachta sah Herr Klaproth auch Bucharen aus Chami und Turfan(Städten der kleinen Bucharey), welche die persische Sprache redeten). 4) In der königlichen Bibliothek zu Paris befindet sich ein von dem französischen Missionar Amiot aus Pekin ein— gesandtes chinesisches Wörterbuch, in welches ein Papier eingeheftet ist, in der Sprache Guichu oder jener der Ein— ) Hr. Remüsat(Recherches sur les langues Tartares, I. 255.) er— wähnt 87 uigurische Wörter, durch Hru. Klaproth in der Festung Ustkamenogorsk am Fluß Irtüsch, von einem turfanischen Ein— wohner gesammelt, dessen Muttersprache die uigurische war; und hier versichert derselbe Hr. Klaproth, daß die turfanischen Einwohner die persische Sprache reden. A. d. V. ——— — 55 wohner der großen und kleinen Bucharey geschrieben, mit siebzehn in das chinesische übersetzten Briefen ihrer Fürsten aus Turfan, Chami, Samarkand und andern Orten; alle diese sind in persischer Sprache geschrieben Y. 5) Die türkischen Stämme, welche mit ihren Heerden unter den Bucharen nomadisiren, nennen sie Ssart, d. i. Kaufleute, einzig darum, weil die Bucharen in diesen Ge— genden sich allein nur mit dem Handel beschäftigen. Diese Benennung scheint sehr alt zu seyn; denn die Mongolen nannten, zu Dshingischans Zeiten, die große und kleine Bucharey(das Appanage-Theil des Tschagadai, des Soh— nes von Dshingischan) Ssartol*). Die Bucharen nen— nen sich selbst Tadshiken, unter welchem Nahmen in den alten Zeiten die Perser bekannt waren. Mit diesen waren die Chineser noch ungefähr um die Zeit der Geburt Christi bekannt; denn sie nannten in jener Zeit Persien Täotschi und wohl später erst kam bey ihnen das Wort Podsi auf, das eine verdorbene Aussprache des Wortes Parßi ist. 6) Hr. Murawjew sagt, in seiner Reise nach China (I, 25.):„die Ssarten oder Tata, die ursprünglichen Be— wohner dieser Gegend, leben in Städten und beschäftigen sich vorzüglich mit dem Handel und mit Betriegereyen.“— Aber das Wort Tat ist ein Nahme, mit dem einige Stämme die Perser benannten, die zwischen Gamadan(Ha— madan) und Kurdistan wohnen; und nach der Auslegung anderer ist Tat ein besiegtes Volk, in dessen Lande sich *) Diese Briefe oder Bitten sind nach der Meinung des Herrn Remüsat(ebend. S. 257.) in uigurischer Sprache geschrieben. Diese ist der türkischen Mundart, wie man sie in Kasan und Konstantinopel spricht, sehr ähnlich. A. d. V. **) Aber der ßartolische Stamm der Mongolen Buräten, die in der Statthalterschaft Irkutsk südlich vom See Baikal noma— disirt?—— A. d. V. — B 2 S — 1 . die Sieger angesiedelt haben. Endlich muß man noch er— wähnen, daß in der Krimm und Daghestan Taten wohnen, wovon die erstern die dort gewöhnliche türkische Sprache, die letztern aber die persische, verdorben und sehr vermischt, reden. Und so, schließt Hr. Klaproth, muß man die Bucha— ren nicht mehr für Türken halten; denn es ist schon bewie— sen, daß die in der großen und kleinen Bucharey ansässi— gen Einwohner Perser sind, und daher auch zu dem Indo— germanischen Stamme gehören. Die unter ihnen nomadisi— renden Türken sind fremde Ankömmlinge, und nicht dortige Stammeinwohner. Die oben angeführten Beweise stellen sich als hinläng— lich überzeugend dar. Bey all dem bin ich, was die kleine Bucharey betrifft, mehr geneigt die Benennung Turkestan beyzubehalten, wie schon in der Anmerkung S. 15. des ersten Theils dieses Werks erklärt ist. Indem ich mich mit Einwohnern der kleinen Bucharey, die sich in Pekin befan— den, in chinesischer Sprache(durch den Dolmetscher) unter— redete, hörte ich gleichwohl, daß ihre Muttersprache mehr Aehnlichkeit mit der Sprache der kasan'schen Tataren habe, ohne noch zu erwähnen, daß ihr Glaube und ihre Gewohn— heiten noch mehr die Meinung von dieser Verwandtschaft bestätigen. Wir hatten bey uns keinen Menschen, der gründlich tatarisch oder türkisch verstand; daher konnten wir auch keine weitern Beobachtungen über diesen Gegenstand machen. Ich finde indessen in demselben Werke des Hrn. Klap— roth(Asia polyglotta) einige Gründe für die Meinung, daß die Bewohner der kleinen Bucharey, oder des chinesi— schen Turkestans mehr Aehnlichkeit mit den Türken, als mit den Persern haben. Indem Hr. Klaproth die ungeheure — Strecke(vom adriatischen Meere gegen Nordost bis zum Ein⸗ fall der Lena in das Eismeer) erwähnt, eine Strecke, wel— che nach den Indo-Germanen der türkische Stamm ein— nimmt, spricht er(S. 210.) sie(die Türken) scheinen schon in den frühesten Zeiten nördlich(in den altaischen Bergen) und nordwestlich von den chinesischen Statthalterschaften Schängßi und Schaangßi gewohnt zu haben, d. i. in den Gegenden, welche am Gebirge Ingschang oder dem Schnee— gebirge liegen. Die Chineser nannten sie Chiunnu. Eine von diesen Horden nomadisirte in der Nähe von Bergen, die das Ansehen eines Helmes haben, der in ihrer Sprache Tukin heißt; daher nahm auch der ganze Stamm diesen Nahmen an. In der Hälfte des achten Jahrhunderts wurde das tukin'sche Reich durch einen andern türkischen Stamm zerstört, der ebenfalls von den Chiunnen, aus den südlich vom Baikal liegenden Gegenden, an der Selenga und an— dern Flüssen, die nachher den Fluß Amur ausmachen, ab— stammte. Dieser Stamm nannte sich Guiche oder Guichu. Er beherrschte hundert Jahre lang das Reich der altaischen Türken; aber die Chineser rotteten sie theils aus, theils verjagten sie sie, und zwangen sie, die nördlich von China liegenden Gebiete zu verlassen. Ein Theil der zerstreuten Guiche wendete sich mehr nach Westen, und beherrschte die unter dem Nahmen Tangut bekannte Gegend, die alle nörd— lich von dem Schneegebirge jenseit Kukunor oder dem blauen See, der sich in Nordosten von der chinesischen Statthal— terschaft Schangßi befindet, und sogar jenseit Chami liegen— den Länder in sich begreift. Endlich wurden die Guiche im J. 1257 von den Mongolen unterjocht, und die Ueberreste derselben gingen noch weiter gegen Westen und ließen sich südlich von dem Himmelgebirge nieder, in den Städten: Chami, Turfan, Akßu, Kaschchar u. s. w. und machten 9 —— 0 10 1 15 0 „ ö 5 0 0 . dort mit den Uiguren, nach Sprache und Abstammung ih— ren Mitbrüdern, ein Volk aus, das bis jetzt noch in dieser Gegend wohnt. S. 214. sagt Herr Klaproth ausdrücklich, von den Uiguren:„ihre Sprache ist die reine türkische.“ Dann sagt er zum Schlusse(217): der türkische Stamm, Usbek ge— nannt, wohnte auch in Mittelasien, südlich von dem Him— melgebirge, in dem Gebiete, wo die Städte Choton, Kasch— char, Turfan und Chami liegen; er bildete sich aus den Ueberresten der Guiche oder Uiguren, Naimanen und andrer mit ihnen verwandten Stämme. Im Anfange des sechzehn— ten Jahrhunderts drangen die Usbeken über den Fluß Shi— hon(Gihon) oder Jaxartes gegen Westen hin, und ver— breiteten überall Schrecken und Verwüstung. Jetzt haben sie Balch, Charesm oder Chiwa(Urgentsch), die Bucharey, Fergana(Kokan) und einige andre Gebiete inne, die an das belutische oder Eichengebirge stoßen. In ihrer Lebens— art gleichen sie den nomadisirenden Türken. Aus allem oben Gesagten geht hervor, daß die Städte Chami, Turfan und die übrigen, die jetzt in der kleinen Bucharey liegen, von, Nachkommen der Guiche, Uiguren und Usbeken angelegt wurden, welche alle türkische Stämme sind, die die türkische Sprache reden. Diesem nach kann man nun wohl nicht diese Gegend Turkestan nennen? Selbst Hr. Klaproth versichert(S. 1 daß mit Ein— führung der mohammedanischen Religion, zu welcher sich fast alle Mitglieder des großen türkischen Stammes beken— nen, in ihre Sprache eine Menge arabischer, und sogar persischer Worte gekommen ist, deren Anzahl in den west— lichen Mundarten noch weit bedeutender als in den östlichen — ist. Hr. Remüsat*) setzt unter die Zahl der Mundarten der türkischen Sprache die tschagataische oder bucharische und uigurische, welche die Bewohner der Städte der klei— nen Bucharey reden. Aber, fügt er hinzu, der Musulma— nismus, den der größte Theil der türkischen Stämme an— genommen hat, kann als eine der Ursachen angesehen wer— den, die sehr stark auf die Veränderung ihrer Mundarten gewirkt haben, und in dieselben(selbst auch in die uiguri— sche in Chami und Turfan gewöhnliche) eine große Menge arabischer und persischer Worte eingeführt haben, um die Leere in einer armen Sprache. auszufüllen und Ideen von geistigen Gegenständen auszudrücken, oder Dinge zu bezeich- nen, die den Gegenden eigen sind, aus welchen sie ihre Begriffe vom Islamismus entlehnt haben. Endlich sagt der— selbe Schriftsteller(Remüsat)(S. 308.), daß östlich vom kaspischen Meere um den See Aral herum, und am Ufer des Shihon gemischte Stämme wohnen, deren Sprache zur Grundlage die türkische Mundart hat, die unter dem Nah⸗ men der tschagataischen bekannt ist. Weiter gegen Osten liegt die kleine Bucharey, die man sehr richtig Turkestan oder das Land der Türken, im strengen Sinne, nennt. Alle Einwohner der Städte Choton, Jarkäng, Kaschchar, selbst bis nach Taschkent, sind Türken, die sich da nieder— gelassen haben, und welche die Chineser Guizju oder Musul— männer nennen. Maltebrün**) nennt, indem er die Eintheilung Mit— telasiens erklärt, die kleine Bucharey das östliche Tur— kestan, um desto mehr, da auch Marco Polo, der im dreyzehnten Jahrhunderte diese Gegenden besuchte, versichert, 0 *) Recherches s. les langues Tart. J 249. A. d. V. **) Précis de la Geographie uuiv. III, 41à und 422. A. d. V. — daß kleine Kreise der jetzigen kleinen Bucharey einen Theil von Groß-Turkestan ausgemacht hätten. Auf diese Art, auf den Schluß uns gründend, der aus der Vergleichung der oben dargelegten Bemerkungen von der kleinen Bucharey der Herren Klaproth, Remüsat und Maltebrün, der durch seine Verdienste um die Erdbeschrei— bung bekannt ist, hervorgeht, schreiten wir zu der genaue— ren Beschreibung dieser Gegend. Orittes Kapike l. Nachrichten von demöstlichen Turkestan— 1 St a dite Jenseit der Festung Dsäjui, die in dem nordwestlichen Winkel China's sich befindet, liegen sehr große sandige Steppen, wo es seit Jahrhunderten weder Wasser, noch Gras, noch Wohnungen gab. Zänglung vereinigte, nach— dem er die neue Linie sich unterworfen hatte, mit seinem Reiche die weiten(von China) gegen Westen liegenden Län— der, und setzte in die nächsten Oerter an den Gränzen Ko— lonisten. Von Zeit zu Zeit vermehrten sich die Ansiedelun— gen. Dann wurden für sie Verordnungen festgesetzt und man vertraute sie der Verwaltung besonderer Vorgesetzten. Zweyhundert Li(ungefähr 100 russische Werste, etwa 14 deutsche Meilen) von der Festung Dsäjui gegen Westen liegt die Districtsstadt Juimüng, und 300 Li(21 d. M. unge— fähr) weiter die Hauptstadt, gleichsam die Gouvernementsstadt Angßi. Südlich von dieser Stadt, mehr als 600 Li(43 d. M.) befinden sich die Städte Schädshei und Düngchuän, die erste ist Hauptstadt einer Provinz, die zweite Hauptstadt eines Districts oder Kreises. Hier sind die sandigen Steppen noch schrecklicher. Ihr einziges Erzeugniß sind halb durch⸗ sichtige Steine von einer Kieselgattung. Auf 900 Li(64 d. M.) von Angßi gegen Westen liegt Komün, die Hauptstadt des alten turkestanischen Fürsten— thums Komün, auf chinesisch Chami 1 In den Vorstädten der hier erbauten Festung ist immer ein großer Zusammenfluß von Kaufleuten und Waaren aller Art, als wäre es eine große Hauptstadt. Pitschan(in alten Zeiten die Hauptstadt des Fürsten— thums Uigur) ist die kleinste der turkestanischen Städte; aber wichtig dadurch daß die Hauptstraße durchgeht. Von Komun ist sie 770 Li(55 d. M.) entfernt. Weiter gegen Westen, in einer Entfernung von 260 Li (182 d. M.) liegt Turpän, auf mongolisch Turfang. Diese Stadt ist die Residenz des Fürsten von Turpan, der unter seiner Gewalt sechs Städte hae een e schän, Länzin, Ssüngim, Tokßüm und Charä— chodsho. Alle diese Städte blieben erblich unter der Re— gierung des Fürsten(Chodsha) von Turpan, während in den übrigen Städten der turkestanischen Linie die Beamten von der chinesischen Regierung bestimmt und nach Ablauf der in der Verordnung festgesetzten Jahre gewechselt werden. Nur allein Turpan ist hinlänglich bevölkert; aber alles zu⸗ sammengerechnet, erstreckt sich die Zahl der Einwohner in allen Städten nicht über 3000 Familien, wovon der größte Theil äußerst arm ist. Im Sommer ist es hier sehr heiß; der Himmel haucht Flammen aus, und die Winde wirbeln . den Staub empor. In Südost liegt eine Reihe von Sand— ) Auf mongolisch. Denn die Chineser verändern die Nahmen der Oerter senseit der Gränze nicht, und sprechen sie nur, sich nach ihrer Aussprache richtend, schlecht aus. Chami ist abgekürzt aus Chal. mil, wenn man beide! auswirft. A. d. V. II. Band. 6 0 1 10 5 2 2 1. ——— 2 „ bergen, auf denen weder Gehölßz noch Gras steht; dort brennt die Sonnenhitze unerträglich, und deswegen heißen diese Berge gewöhnlich die Feuerberge. Im Winter ist we— der Kälte noch viel Schnee. Die Erzeugnisse dieser Gegend sind: Getreide, Hirse, Lein, verschiedene Arten Melonen, Wassermelonen, und Weinbeeren von vorzüglichstem Ge— schmacke in der ganzen westlichen Gegend. Der Boden ist fett, und bringt im Ueberflusse Baumwolle und Erbsen her— vor. Aber auf der Nordseite von Turpan, eine halbe Werste von der Stadt, giebt es zuweilen Orkane, welche sogar Esel und Hammel mit fortreißen. Auf der Südwest— seite, in einer Entfernung von 500 Li(fast 36 d. M.) liegt die türkische oder tatarische Stadt Lobnor. Die ganze Strecke von Pitschang gegen Westen bis nach Ilzi auf 4000 Li(286 d. M.), von Ilzi gegen Süden bis nach Klein-Tibet, auf 5000 Li(357 d. M.), und eben so 4 bis 5000 Li gegen Osten, ist gänzlich unbewohnt und mit unzähligen Quellen bedeckt. Auf dem dadurch gehenden We— ge sieht man entweder nackte Steppen und Moräste, oder senkrecht empor ragende Berge, mit ewigem Schnee bedeckt, Einöden und Flüsse. Es ist kein Ort, wo es nicht eine Quelle gäbe, bald in Gestalt eines aufgehängten Spiegels, bald in Form herabstürzender Wasserfälle, bald in zahllosen Tropfen wie Perlen aus der Erde hervordringend; das Was— ser hier ist größtentheils gelb. Alle diese Quellen und Flüsse, die von der Südseite der Schneeberge in der neuen Linie herabfließen, vereinigen sich endlich in Lobnor. Neben die— sem See liegen zwey Flecken, deren jeder ungefähr 500 Häuser hat. Die Einwohner derselben beschäftigen sich we— der mit Ackerbau noch mit Viehzucht, sondern nähren sich vom Fischfange. Sie weben Leinwand aus wildem Hanf; sie machen Pelze aus Schwanenflaum. Sie reden die tür— ———.——— kische oder tatarische Sprache, haben aber nicht den mo— hammedanischen Glauben. Wenn sie nach der Stadt Korla kommen, können sie weder Brod noch Fleisch essen; und wenn sie es dennoch thun, nimmt es der Magen nicht an. Sie reisen nirgends hin, als nach Korla, weil diese Stadt einen großen Ueberfluß an Fischen hat. Charaschagar auf mongolisch Charäschära, auf 870 Li(62 d. M.) von Turpan entfernt. In dieser Stadt wohnen sowohl Turkestanen, als auch Torgouten-Kalmüken. Sie ist von großem Umfange. Das Gebirge Dishurdüß oder Julduß hat im Umkreise ungefähr 1000 Li(73d. M.), es ist berühmt durch Weiden und gutes Wasser; es hat Ueberfluß an wilden Thieren und ist für das Nomadisiren bequem. Die langsame Strömung des Flusses Chäidu ist sehr passend zur Wässerung der Felder; deswegen sind diese Orte von alten Zeiten her ziemlich bevölkert. Die Fel— d sind mit Fruchtbäumen und Getreide bedeckt; man nennt diese Gegend gewöhnlich die reiche. Die Sungaren benutzten, zur Zeit ihrer Macht, diese Gegenden zu ihren Weideplätzen. Die besiegten Turkestanen konnten dieses Un— glück nicht ertragen; ein Theil kam um, ein anderer floh; dadurch wurde dieses Land gänzlich verödet. i Von Biugiür gegen Westen, 300 Li(214 d. M.) weit liegt die Stadt Kutsch a. Mehr als tausend städti— sche Familien, Bürger und Landleute, tragen jährlich der Schatzkammer 2000 Säcke Zinsgetreide ein, welches der Besatzung zum Unterhalt abgelassen wird; an Kupfer 1080 Gin, welches man nach Usch zum Münzen sendet; an Sal— peter 200, und an brennbarem Schwefel 300 Gin; beides schickt man nach Ili*), um Schießpulver daraus zu berei— S. den ersten Theil dieser Reise, S. 152. A. d. V. „„ ten. Das Gebiet der Stadt ist groß; sie wird als der Schlüssel zur turkestanischen neuen Linie von Seiten Chi— na's angesehen. Gegen Süden, einige Zehend Li weit, liegen nackte Steppen, und drey Tagereisen zu Roß weiter, vortreffliche, aber unbewohnte Bergthäler, voll von Wild und reißenden Thieren. Weiter gegen Süden sind Moräste, die sich bis nach Lobnor hin erstrecken. Die Erzeugnisse des Landes bestehen in Raventuch(Art Segeltuch), Kupfer, Salpeter, brennbarem Schwefel und Salmiak. Die Berge, in welchen man den Salmiak gewinnt, liegen auf der Nord— seite der Stadt, und haben eine Menge Felsenhölen. Im Frühlinge, Sommer und Herbst sieht man in diesen Hölen mehrere Feuer, gleich einer großen Menge angezündeter Lampen; es ist aber schwer, zu diesen hinzugehen. Im Winter, zur Zeit der starken Fröste und des großen Schnees, verlöschen diese Feuer. Dann gehen die Einwohner der Ge— gend, welche den Salmiak sammeln, nackend hinein. Es regnet hier selten, des Jahres nicht mehr als ein oder zwey— mahl, und noch dazu nicht viel. Manches Jahr regnet es gar nicht. Felder und Gärten muß man begießen. Es giebt weder Brunnen noch Quellen, doch auf der Westseite fließt der Fluß Ergol. Die Turkestanen verstehen gut die Kunst, das Wasser durch Kanäle zu leiten; daher gedeihen ihre Pflanzungen und Saaten sehr wohl. Dort wachsen alle Früchte im Ueberfluß. Ü sch) ist von Kutschä gegen Nordost auf 1000 Li (712 d. M.) entfernt. Diese Stadt liegt an den südlichen ) Von der ßemipalatischen Festung(auf der sibirischen Linie) bis nach Kulsha rechnet man nicht mehr als 900 russische Werste(128 d. M.), über die tarbaganischen sehr ho— hen Berge. Die Karawanen indessen weichen den großen Be— schwerden dieser Reise dadurch aus, daß sie diese Bergkette Bergen. Ein großer Fluß benetzt die Nordseite derfelben. Vorher war sie sehr volkreich, und unter den Sungaren befand sie sich in einem blühenden Zustande. Hier ist unter andern eine Münze angelegt. Die Kupfermünze, Pul ge⸗ nannt, hat am Gewicht eine Drachme') und zwey Bruch— theile Silber; auch Charapulen) sind noch im um— laufe gelassen worden. Das Gebiet von Usch ist groß. Ge— gen Norden erstreckt es sich bis an die Eisberge; gegen Sü— den strömen stille Flüsse und liegen fruchtbare Ebenen. Vier Berge: Usch, Akßu, Pai und Ssairam machen ein einziges Gebiet aus. Das Land besteht größtentheils aus vortrefflichen Bergthälern, und aus geräumigen mit über den Berg, Thamar daban(Vorgebirge des Berges) genannt, von der mittägigen Seite umgehen, denn dort ist der Weg sehr bequem, sogar für Frachtwagen.— Von Kulsha 50 Werste(47 d. M.) weit, liegt die Festung Kurch a, die mit einer steinernen Mauer umgeben ist: in dieser, nicht aber in Kulsha, wird ein bedeutender Handel getrieben; dort hat auch der chinesische Kriegs-Gouverneur mit 2000 Mann Truppen seinen Aufenthalt. A. d. V. *) Die russische Drachme ist 7 des russischen Apothekerpfund es, welches blos 84 Solotnik des im Handel gewöhnlichen Pfundes, oder z des letztern enthält. Vom Verhältkiß des russischen Pfundes zu dem leipziger s. Anm. S. 42. A. d. U. *) Charapul, d. i. schwarzer Pfennig). So nennen die Turkestanen eine chinesische aus Messing geschlagene Münze, weil sich in ihr mehr als 5 Zusatz befindet. Die turkestanischen Pul's werden aus Kupfer und nicht von derselben Form wie die chinesischen gepräßt.— Auch in Rußland gab es Pfennige, die Pul genannt wurden. Herberstein, wie Hr. Karamsin an— führt, sagt, man habe auf einen moskauischen Pfennig(Denga) 60 Pul gerechnet. Daher ist die Benennung Poluschka(d. i. 4 Kopeike) gekommen. Folglich muß das Wort Pul tatarisch seyn. S. Geschichte des russ. Reichs, erste(russische) Ausgabe, 5r Theil, S. 452. A. d. V. ) Im Russ. eigentlich schwarze Deng a. Eine Denga ist eine halbe Kopeike, wovon 100 auf den Silberrubel(uu— gefähr 1 Rthlr.) gehen. A. d. U. — 86 töhricht bewachsenen Flächen, die zu Nomadenplätzen für die Berg-Kirgisen dienen. Die wegen des Handels hierher kommenden Fremden müssen von jeder Waare den zehnten Theil in natura abgeben. Im J. 1775 wurde der Nahme der Stadt Usch in Junnin umgewandelt. Auf 200 Li(14 d. M.) von Usch liegt die durch nichts befestigte Stadt Akßu“), welches die herrschende ist. In dieser sind ungefähr 6000 Häuser. Hier ist ein Zollamt angelegt. Man nimmt Zoll von allen Völkern, die dort des Handels wegen aus den fernsten Gegenden zusammen— strömen, als: Chineser, die aus den innern Städten Chi— na's kommen, Bewohner des östlichen und südlichen Tur— kestans, Kaschemirer, Indier, Taschkenter und Kirgisen). Von 30 Stücken oder Sachen nimmt man eins. Die Kaschemirer geben, in Rücksicht ihres bedeutenden Handels von 40 Stück nur eins ab.— Die Felder sind hier geräu— mig und fett; Linsen, Sesam, Weizen, Gerste, Hirsen, Erbsen, Baumwolle sieht man überall mit ihrem Gelb die Felder bedecken; ihre Gemüsgärten und Baumgärten sind mit Pfirsichen, Abrikosen, Birnen, Granatäpfeln, Wein— trauben, Aepfeln, Melonen, Wassermelonen und jeder Art von grünem Gemüse angefüllt. Die Einwohner sind im ) Auf dem Wege von Kulsha nach Akßu, sagt man, sind vier Fabriken, in denen man Kupfer, Eisen und Gußeisen verar— beitet; die Arbeitsleute sind gemeiniglich Sklaven, die wegen Verbrechen aus den innern Statthalterschaften China's dahin geschickt werden. A. d. V. *) Ein Kaufmann von Kabul, der im J. 1808 in Turkestan ge— wesen war, versicherte, daß die Kirgisen(der großen und mitt— lern Horde) nachdem von den Chinesern in der Stadt Kulsha angelegten Tauschhofe mehr als 50000 Hammel, Sooo Pferde, und ebenfalls bis 5000 Ochsen und Kameele treiben, und sie dort gegen die geringsten baumwollenen Zeuge vertauschen. A. d. V. 3 * —. 5 — 8—....——— 87 Ganzen genommen wohlhabend. An Hausvieh giebt es: Ochsen und Kühe, Schafe, Kameele und Pferde, die in großen Heerden einher gehen. Es giebt eine Menge ge— schickter Meister, die in den Fabriken baumwollene Zeuge — Barchent machen; besonders verfertigt man auch hier vortreffliche Sachen von Jaspis; ausgenähete Zäume und Sättel von Hirschleder werden nach allen Städten Turke— stans verführt. Die Einwohner sind von Charakter gut— herzig, haben aber die allen Turkestanen gemeine Gewohn— heit zu Rechtsstreitigkeiten und Neigung zu Empörungen. Durch die Stadt geht eine Hauptstraße; daher ist die Zahl der chinesischen Kaufleute und Fremden, die des Handels wegen hierher kommen, nicht gering. Besonders ist an den Markttagen ein zahlreicher Zusammenfluß von Leuten und eine große Zufuhr von Waaren. Hier befindet sich der von der chinesischen Regierung gesetzte Amban von Oberstens— range, welcher die Zettel der Ankommenden und Abreisen— den durchsieht und mit guter Ordnung beobachtet. Er wohnt in einer besondern Vorstadt, Gulbak(Hulbak) genannt, er hat bis 3000 Mann Truppen bey sich. Jarkäng“) oder Jarkent ist eine von den größern Städten auf der turkestanischen Linie. Seit der Zeit der Unterwerfung dieser Gegend, sammelt man an Steuern von den Einwohnern**) 35370 Unzen Silber, 30540 Säcke Getreide, 30 Unzen Gold, trocknendes Oehl(Firniß) 800 Gin, an Zöllen 1649 Unzen Silber; alles dieses wird ) Jarkäng wird eigentlich ausgesprochen Jaarkäng und war früher die Hauptstadt in Ost-Turkestan. Sie liegt bey dem großen Flusse Jarkäng Dari. A. d. V. **) In Jarkäng rechnet man bloß 52000 Seelen, die Steuern bezahlen; aber man sagt, nur der achte Theil der Einwohner sey in die Steuerregister eingetragen. A. d. V. f 1 1 4 — 1 N 5 1 ö zur Unterhaltung der Besatzung der Stadt angewendet. Noch sammelt man von den Turkestanen ein: 57569 Stück baumwollene Leinwand, 15000 Gin Baumwolle, 1432 leinene Säcke, 1297 Enden*) Bindfaden, 3000 Gin Ku— pfer; alles dieses wird nach Ili gebracht. Die jarkängschen Länder sind eben und von großer Ausdehnung. Gegen Osten gränzen sie an Usch, gegen Westen an Badagschan*), gegen Süden erstrecken sie sich bis nach Choton, gegen Norden stoßen sie an Kaschchar; gegen Südwest gränzen sie an fremde Gebiete. In Jarkäng rechnet man bis 12000 Häuser; in den oübrigen neun davon abhängigen Städten, in jeder ungefähr 1000. Die Besatzung, bis 4500 Mann stark, wohnt in einem Theile der Stadt; das ganze Uebrige ist von Turkestanen bewohnt, und nirgends sieht man eine leere Stelle. Die chinesischen Kaufleute aus Schangßi, Schaangßi, Dshedsän(Dshedsian) und Osänßi(Dsianßi) kommen ungeachtet des weiten Weges, des ee wegen Kaschemir und andern Orten. Der Bazar oder 5 90 8 marktplatz, der 10 Li(J d. M.) in der Länge hat, ist an den Versammlungstagen ganz mit Menschen und Waaren bedeckt. Dort sieht man jede Art Schätze, eine Menge Vieh und verschiedene Früchte. Die Einwohner sind fried— liebend, sie achten die Chineser und ehren ihre Beamten; von Natur aber sind sie furchtsam. Sie lieben Ta schen⸗ spielerkünste und sind Freunde von Schmausereyen; dabey drücken die Stärkern die Schwächern, und die Richter be— reichern sich sehr durch Gewaltthätigkeiten. Wenn ein armer *) Im russischen Konelz(Ende). Dieses ist ein gewisses Längen— maaß bey Schnuren, Bindfaden u. s. w. von einer gewissen Au— zahl Arschinen. A. d. U. *) Von diesem Gebiete ist oben gesprochen worden. A. d. V 7 —— — „ 3— Turkestane etwas Vermögen zusammen bringt, so bemühen sich diese ihn auszusaugen. Daher giebt es, so sehr auch die Stadt bevölkert ist, doch wenig wohlhabende Häuser. Die Erzeugnisse des Landes bestehen in Reiß, Hirse und Früchten von vortrefflichem Geschmacke. Hier ist ein Fluß), in welchem man jaspisartige Steine findet. Die größten haben ungefähr einen Fuß, und die kleinsten etwa zwey Zoll im Durchmesser, und wie— gen zuweilen bis 12 Pud(480 russ. Pfund). Der Stein ist nicht von einerley Farbe. Es giebt schneeweiße, dunkel— grüne wie grüner Rasen, gelbe wie Wachs, rothe wie Zin— nober, und schwarze wie Tusche. Die sehr weißen mit ro— then Fleckchen gesprenkelten, und die grünen mit durchge— henden goldgelben Streifen werden für die vorzüglichsten ge— halten; aber solche Steine sind selten. Diesen Jaspis ge— winnen sie aus dem Boden des Flusses auf folgende Art: weit vom Ufer stellt sich ein Beamter hin, und am ufer selbst ein Offizier von der Besatzung. 20 bis 30 Turkesta⸗ nen, geschickte Taucher stellen sich in den Fluß quer über, einer neben den andern, und suchen, indem sie im Wasser gehen, die Steine mit den Füßen; wenn sie sie fühlen, tauchen sie sogleich unter, ziehen den Stein heraus und werfen ihn ans Ufer. Dann schlägt ein Soldat einmahl auf die Trommel, und die Offizier machen auf ein Papier einen rothen Punkt. Wenn die Taucher aus dem Wasser kommen, fordern sie von ihnen die Steine nach der Sahl der Punkte. *) Wenn dieß der Fluß Chotsôn ist, an dem die Stadt dieses Nahmens liegt, so erzählen Augenzeugen davon, daß er in seinem Wasser selbstgewachsenes ganz reines Gold mit sich führt, welches viele Einwohner jener Gegend benutzen, indem sie es auf verschiedene Weise gewinnen. A. d. V. . ————— — 2 ——— 58 Auf 330 Li(234 d. M.) von Jarkäng liegt der Berg Mirdshai, der ganz aus buntfarbigem Jaspis besteht; aber zum Theil liegt er in einer Steinrinde, zum Theil enthält er im Innern grobe Steine. Wer einen reinen Jaspis, und zwar von erster Güte und noch dazu in großer Menge, zu bekommen wünscht, muß auf die höchsten und steilsten Berggipfel gehen, wohin kein Mensch hinaufklettern kann. Der Turkestane, der sein Werkzeug bey sich hat, und auf einem Ochsen reitet, haut das Gestein los, welches von selbst hinunter rollt. Dieser Jaspis wird Bergjaspis ge— nannt. Jarkäng sendet jährlich, im Frühjahr und Herbst, an den Hof von Pekin 7- 10000 Gin von diesem Jaspis. Der Jaspis von Jarkäng und Choton, den man in den Flüssen Jurunkäschi und Chara-käschi in unbe— stimmter Menge gewinnt, wird nur an den Hof geführt, und wird von Station zu Station auf der Achse unter Begleitung fortgeschafft; die Ausfuhr desselben zu anderm. Gebrauch als für den Hof, ist verboten. Daher werden in den Wachthäusern und auf den Stationen strenge Durch— suchungen angestellt. Uebrigens haben die Turkestanen, um ihn für sich besonders zu gewinnen, und die Kaufleute, um ihn für sich auszuführen, verschiedene Kunstgriffe, so daß es nicht möglich ist, diese Mißbräuche völlig zu verhindern. Von hier 700 Li(50 d. M.) gegen Süden liegt die Stadt Ilzi. Kaschchär ist eine bedeutende Stadt auf der turkesta— nischen Linie, von Ssemipalatinsk 1000 Werste(143 d. M.) entfernt, ein Weg den die Karawanen in 35 Tagen zurück— legen. Ausländer nennen fast alle Einwohner des ostlichen Turkestans Kaschcharen; daraus kann man schließen, wie sehr bedeutend diese Stadt ist. Dieser Ort dient als äu— ßerste Gränze des westlichen Landes, und gegen Norden ist 1 g 7 ö st 91— es von einem Schneegebirge umgürtet, jenseit dessen die fremden Gebiete liegen.— Hier werden jährlich an Steuern 3600000 Pull“), welches 36000 Unzen Silber entspricht, und 14000 Säcke Getreide eingesammelt. Alles dieses ge— braucht man zum Unterhalt der Besatzung der Stadt, wel— che aus 10000 Mann, unter dem Oberbefehl eines Dfän— dsiun oder Militär-Gouverneurs besteht. Zuweilen wer— den, anstatt der Abgaben, 10000 Stück Leinwand gesam— melt, welche man nach Ili zum Gebrauche schickt. An Zoll wird der zehnte Theil erhoben. Was in natura erhoben wird, verkauft man nach einer Schätzung, und das Geld kommt in eine gemeinschaftliche Kasse. Die Regierung dieser Stadt hat neun Städte unter sich. Das Land ist hier überhaupt fett, und hat Ueberfluß an Getreide und Früch— ten. Die Erzeugnisse der Manufacturen und Fabriken be— stehen in Gold- und Silberstoffen, Atlaß, Gros de Tour, Gold und Silber in Röllchen, Leinwand; die Erzeugnisse des Landes in Granatäpfeln, Quitten, Melonen, Aepfeln, Obstsafttafeln**) und getrockneten Weinbeeren(Rosinen). Alle hier erwähnte Erzeugnisse werden als Abgabe an den pekin'schen Hof geführt.— Kaschchar liegt neben einer Fe— stung, und ist sehr volkreich**). Die Bewohner der Stadt sind wohlhabend, sehr geschickt im Poliren des Jas— pis und in Verfertigung von Sachen aus Gold; Kaufleute *) Der Pu! macht fünf Tschech oder chinesische Pfennige aus. (Tschesch heißt auf türkisch eigentlich Jarmak. Der Verfasser dieser Reisebeschreibung konnte das Wort Jarmak gebrauchen, denn roco Jarmak oder Tschech sind gleich einer Unze(2 Ru— bel) Silber. A. d. V. **) Im Russischen Posulä, d. i. Tafeln aus ausgepreßtem und mit Zucker dick eingesottenem Obstsafte. A. d. U. *) In Kaschchar zählt man bis 16000 Personen, die Abgaben beiahlen. A. d. V. giebt es genug; der Handel ist im blühendsten Zustande; der Zusammenfluß der vielen Völker wichtig; das Zollamt ist in derselben Lage wie in Akß u. Die Kaschcharer leben üppig. Es giebt dort viele Frauenzimmer, die im Tanzen und Singen sehr kunstreich sind. Reiche Häuser unterhal— ten solche Frauenzimmer in großer Menge, und erziehen Sängerinnen, wie in China. Die Kaschcharer sind gehor— sam, sie fürchten sich vor den Gesetzen, und der Sitte der Bürger von Kutscha entgegen, ehren sie die chinesischen Be— amten, nur sind sie ungebildet. Angdsidshän. So heißt das Gebiet*), dessen Chan einer der bedeutendsten in dem von China westlich lie— genden Lande ist. Er beherrscht vier große Städte: 1) Eo— gäni(Eohani), welches mehr als 30000 Häuser hat, und des Chans Residenz ist; 2) Mergolän, in welchem ungefähr 20000 Häuser sind; 3) Naiman, das nicht we— niger als 10000 Häuser in sich faßt, und 4) das minder wichtige Städtchen Angdsidshan, das ungefähr 1000 Fami— lien enthält. Im J. 1758 begab sich der Chan von Ang— dsidshan in den Schutz des chinesischen Reichs. Von den Kirgisen gegen Westen wohnen die Angdsidshaner in Städ— ten und Flecken, und beschäftigen sich mit Ackerbau und Viehzucht. Das Land bringt hervor: Hirse, Erbsen, Obst und jede andre Art Früchte; die dortigen Pfirsiche werden für vorzüglich gehalten. Sie ziehen Hornvieh und Pferde, *) Unter dieser Benennung beschreibt der chinesische Erdbe— schreiber, wie es scheint, das Gebiet von Kokan; denn un— ter den 20 Städten desselben sind: Mergolan, Num in— gan, Angdishan. Man vergleiche die am Ende dieses Kapitels eingerückte Nachricht von Kokan, die sich auf den Bericht eines Kaufmanns von Kabul gründet, der jene Ge— genden bereist hat und nachdem lange in St. Petersburg lebte. A. d. V. 7. sie beschäftigen sich mit der Jagd; sie lassen das Haar nicht wachsen; sie essen kein Schweinefleisch. Sie tragen Armäk's (eine Art wollene Röcke) und viereckige Hüte ohne Kräm— pen. Sie haben große Neigung zum Handel. Sie unter— werfen sich der Rauhigkeit des Winters und begeben sich in Gefahren, und kehren in einem Jahre, oder auch in eini— gen Jahren nicht zurück, wenn sie keinen Gewinn machen. Die Turkestanen verschiedener Städte werden Angdsi— dshaner genannt, eben so wie die Einwohner des östlichen Turkestans oder der kleinen Bucharey Kaschcharer genannt werden. mz Im östlichen Turkestan sind im Frühlinge und im Som— mer häufige aber eben nicht heftige Winde. Sie rühren den Staub nicht auf, und reißen die Bäume nicht aus. Espen, Weiden, Abrikosen-, Pflaumen-, Birnen- und verschiedene Aepfelbäume erwarten nur den Wind, um auszuschlagen. Wenn er wehet, bedecken sich alle Fruchtbäume mit Blü— then, und Früchte erscheinen in Menge. Die übrigen Bäu— me schlagen auch aus und decken die Erde mit ihrem Schat— ten. Nach den Winden senken sich Nebel zur Erde herab, welche sie so befeuchten, als wäre ein lang dauernder Re— gen gefallen. Die Regen selbst sind hier schädlich. Denn wenn sie auch gleich hier nur selten sind, so welken doch die Blüthen, wenn zur Blüthenzeit der Bäume ein schwa— cher Regen auf die zarten Blätter falt. Wenn er zuwei— len in einem heftigen Striche fällt, so sind die Bäume wie mit heißer Butter übergossen, und keine einzige große Frucht bleibt übrig. 3. Eigenschaft des Landes. Das Land ist fett und warm. Man säet viel Winter— weizen. Nach Beendigung der Aussaat läßt man Wasser „ in die Furchen, welches sie das Begießen nennen. Wenn im Winter Regen sind, und auch Frühlingsregen die Erde befeuchten, dann säen sie früher. Die Turkestanen säen Melonen zugleich mit dem Korne, bald in runden, bald in langen Beeten; daher spielen die Felder mit verschledenen Farben. Zuweilen säen sie auch die Melonen besonders. Im Sommer und Herbste hält man auf den Dörfern es für die erste Höflichkeit, die Gäste mit Melonen zu be— wirthen. Man kann Getreide jeder Art säen; aber für das Beste hält man den Weizen, und nach diesem den Reiß und die Baumwolle. Gerste und Hirse gebraucht man nur zum Branntweinbrennen und zum Futter für das Vieh, anstatt der Bohnen. Erbsen, Sesam, verschiedene grüne Gemüse und Obst kann zwar alles gut reifen; aber die Turkestanen genießen dergleichen nicht gern zur Speise, und säen daher wenig davon. Aus Seen und Lachen leiten sie, sobald beym Frühlingsthauwetter das Eis aufgeht, das Wasser auf die Ackerfelder, und so wie es nur etwas abtrocknet, fangen sie an, die Felder zu bearbeiten und zu besäen. Sobald die aufgegangene Saat einige Werschok hoch ist, lassen sie von neuem Wasser zur Befeuchtung auf das Land. Das Unkraut lassen sie mitten unter dem Getreide wachsen und jäten es nicht aus, weil sie meinen, die leeren Stel— len, auf denen das ausgejätete Unkraut gestanden, verur— sachten den Getreidehalmen Exkältung. Welche ungegrün— dete und lächerliche Meinung.“)— Gefährlicher als alles ist Kälte im Frühjahr. Wenn es kalt ist, kömmt das Schneewasser spät; wenn die zur Aussaat des Getreides 5) Selbst die Chineser bemühen sich immer, das Unkraut, das sich auf Saatfeldern zeigt, zu vernichten. A. d. V. 5 schickliche Zeit vorbeygeht, muß man von der Saatzeit an bis zur Ernte das Wasser aus Bergquellen herbeyleiten, da— mit das Getreide gut in Aehren schieße und sich fülle. Aber das Land verträgt keinen Regen. Wenn der Regen nicht stark ist, so giebt das Getreide bloß geringere Ausbeute beym Dre— schen; sind aber heftige Regen, so bedecken sich die Felder mit Gushir(Hushir) d. i. mit salziger Erde, und das Ge— treide geht zu Grunde. 4. Erzeugnisse des Bodens. Datteln, den chinesischen Datteln ähnlich, von einer hellgelben Farbe. Diese Feucht hat ein Fleisch, das sich leicht zerbröckelt, einen süßen Geschmack, und die Turkesta— nen gebrauchen sie, zur Gährung des Weins. Die Bäume To— gurak(Tohurakz bedecken die sandigen Steppen, so daß sie hier und da ganze Wälder ausmachen, die sich auf einige Zehend Li erstrecken. Aber dieser Baum ist krumm und ge⸗ wunden, nicht fest von Holze; daher taugt er nicht zum Ver— arbeiten. Die Turkestanen nennen diesen Baum Brennholz, weil sie ihn bloß zum Heizen der Oefen gebrauchen. Der Saft, der bey heftiger Sommerhitze aus der Rinde dieser Bäume hervorfließt und gleich dem Bernstein„) verhärtet, wird Toguraksthränen genannt; aus dem innern Marke selbst fließt eine weiße Farbemasse heraus, dem Bleyweiße ähnlich; man nennt sie Togurak-Seife. Jadatäsch oder fester Bezoar wie das Bergsalz, ist von gelber, rother, weißer, grüner und dunkler Farbe, von verschiedener Größe. Man findet es im Magen der Kühe und Pferde, im Kopfe der Schweine, und im Magen derselben ) Es hat Aehnlichkeit mit dem Kirschharze. A. d. V. —— ———.....—— 3 —— —— 98 das beste“). Wenn die Turkeftanen um Regen beten, so binden sie diesen e an eine Stange von Sandweide, und stellen sie in reines Wasser; so folgt unfehlbar Regen. Wenn sie um Wind beten, legen sie den Bezoar in einen Sack un binden diesen an einen Pferdeschweif. Wünschen sie Kühlung, so binden sie diese Masse an ihren Gürtel. Zu allen diesen Fällen hat man besondere Beschwörungen oder Gebete(eine Art Zaubersegen), welche nach der Meinung der abergläubi— schen Turkestanen selten ohne die gewünschte Wirkung blei— ben. Die Turkestanen, Torgouten und Oluten, gebrauchen im Sommer oft dieses Mittel, auf weiten Reisen, um die Hitze zu entfernen. Bey den Lama's ist der Bezoar noch wirksamer. In Komun säen sie bis einige Zehend Arten Melonen. Es giebt deren mit grünen Schalen, mit grünem Fleische, aber brüchig und hart, wie die Birnen. Die süßen und wohlriechenden sind die vorzüglichsten. Die schlechtesten sind die platten und runden, mit weißem Fleische. Die grünen sind von den besten; aber die weißlichen, mit grünen Pünkt— 95 chen und röthlichem oder gelblichem Fleische, machen die letzte 94 Sorte aus, dafür sind sie aber dauerhafter zum Aufbewahren, so daß sie, ohne zu verderben, bis zum April und länger lie— gen können. Die andern Melonen muß man, so wie man sie abpflückt, auch sogleich gebrauchen; liegen lassen kann man sie gar nicht. Chara Kutschkatsch(der Stahr), auf chinesisch Tschakeu, ist ein nicht sehr großer Vogel, einer Wachtel ) Diese ungewöhnliche Entstehung des Jadatasch, und noch mehr seine wunderbare Kraft, wovon unten gesprochen wird, sind Beweise des groben Aberglaubens der Turkestanen, der von ihnen sich auch dem chinesischen Reisenden mitgetheilt hat. A. d. V. .— 9 1 ähnlich, der aber einen rothen Schnabel und rothe Füße ac hat. Er hält sich auf dem Eisberge auf. Sie fliegen in . Nun großen Heerden und legen die Eyer auf das Eis. Bey den a an heftigsten Frösten springen die Eyer von selbst auf, und die ian, kleinen Vögelchen fliegen aus denselben heraus. dn Biurgut, auf russisch Berkut(der Königsadler) ö genannt,(sonst auch der Greifgeyer), ist ein schwarzer Ad— sabi⸗ ler, zwey bis drey Fuß hoch. Er hat in den Flügeln eine l große Stärke. Sie halten sich auf den entfernten turkesta— fuß nischen Bergen auf. Von Badagschan gegen Westen sind N diese schwarzen Adler, Sürüng genannt, noch größer fc und grimmiger beym Anfall auf ihren Raub. Im Fluge sehen sie mit ihren Flügeln wie Wolken aus. Sie halten Man sich auf den Bergen auf, und sind von der Größe eines fac, Kameels(1). Wo dieser Adler vorüber fliegt, verstecken d sich die Leute in die Zimmer. Oft trägt er Pferde und Och⸗ ch sen davon. Die großen Ruder- oder Schwungfedern, die Nan aus seinen Flügeln ausfallen, sind 8 bis 10 Fuß lang. Pias, eine Art wilden Knoblauchs, von der Größe eines Hühnereyes; an den Blättern ist er dem Lauch ähn— lich, aber die Blätter sind im Innern nicht hohl; von Geschmack sind sie scharf und süß. Man nennt ihn ge— t wöhnlich Sand-Lauch, und die Turkestanen sind Liebhaber f Kah davon. Der Sand-Bambus, ähnlich dem im Wasser wach— senden Rohre, ohne Knoten, mit festem Mark im Innern. Er wird zu verschiedenen Dingen verarbeitet. Viele Schlangen und Skorpionen. Zu der Zeit, wenn die Gerste reift, stechen die Skorpionen oft in die Fi zuweilen auch tödtlich. II. Band. 77 nger, — b———— 8*— N „ Auf der neuen Linie giebt es viele giftige Spinnen, Bio) genannt. Sie gleicht der Erdspinne; sie ist zimmt— farbig und rund; sie hat acht sehr kurze Füße; purpurrothe Freßspitzen; wenn sie in Eisen beißt, giebt es einigen Schall von sich. Der ganze Körper ist von gelbgrüner Farbe und die Haut durchsichtig wie an der Puppe der Sei— denraupe. Sie wird an feuchten Oertern, in Kanälen und alten Erdwänden erzeugt. Die großen sind von der Größe eines Hühnereyes, und die kleinen wie eine Wallnuß. Wenn sich ein starker Wind erhebt, kommt sie aus ihrem Lager heraus, und läuft während des Windes in die Zim— mer. Sie läuft sehr schnell; und wenn man sie reizt, er— hebt sie die Füße und stürzt sich auf die Menschen. Wenn sie einem Menschen auf den Leib kriecht, muß dieser sie nicht anrühren, sondern warten, bis sie von selbst fortgeht; so bald man sie aber anrührt, so beißt sie, und ihr Gift dringt schnell in das in den Knochen eingeschlossene Mark und bis zum Herzen. Wenn man nicht unverzüglich Hülfe leistet, fängt der ganze Körper an zu faulen und der Mensch stirbt. Wenn der Bio nur leicht beißt, muß man ihn fangen und zerquetschen, dann hat man keinen besondern Nachtheil zu fürchten. Wenn diese Spinne nach dem Bisse einen weißen Spinnenfaden auf die gebissene Stelle hinläßt, oder nach dem Bisse dem Wasser zustürzt und schnaubt, so steht dem Gebissenen unvermeidlicher Tod bevor. Er kann wieder zum Leben kommen, wenn man einen Achun bit— tet, Gebete zu lesen; aber ich habe gehört, daß vom Bio Gebissene Achunen zu ihrer Rettung herbeygerufen haben, und noch eher gestorben sind, ehe der Achun das Gebet beendigen konnte. ) Es scheint dieß die Tarantel zu seyn. A. d. V. „ — — WF In den Bergen und Steppen sieht man überall Heer⸗ den wilder Pferde, Kameele und Maulthiere. Die wilden Stiere sind hier sehr stark und grimmig. Wenn der Jäger nicht mit dem ersten Schusse aus der Flinte ihn erlegt, so ist er selbst in Gefahr zerrissen zu werden. Man findet auch da wilde Widder“) mit großen Köpfen und langen gewun— denen Hörnern. Ihr Fleisch taugt nichts, aber ihr Fell ist warm. Die Turkestanen machen Pelze daraus. Tschekalken h halten sich tief in den turkestani— schen Bergen auf. Sie sind einen Fuß hoch, und unge— fähr drey Fuß lang; sie gleichen der ganzen Gestalt nach einem Wolfe. Sie laufen in Heerden, in einer geregelten Ordnung, als wie Leute, die auf die Jagd gehen. Wenn sie irgend ein Thier antreffen, so stürzen sie auf dasselbe los und verzehren es. Zuweilen schießt man aus einem einsa— men Orte auf sie mit einer Flinte. Wenn man einen oder zwey davon erlegt, versammeln sich die übrigen in einen Haufen, nehmen die getödteten in das Maul und laufen davon. In den Bergen, wo sich diese Wölfe aufhalten, wagen es Tieger nicht, hinzukommen. Die Turkestanen haben Cedernüsse, die jenseit der Gränze hergebracht werden; die Schale gleicht der von den unsrigen, der Kern aber ist grün, süßlich und schmeckt nach roher Feuchtigkeit, und hat nicht den eigenthümlichen Ge— schmack der Cedernüsse. Zwischen Ili und Urumzi giebt es ein Talg-Vögel— chen, von der Größe eines unbesiederten Küchleins, von schwarzer Farbe und fett. Wenn es sich auf das Dach ) Argal oder Steinwidder, auf chinesisch Lin jan. A. d. V. ) Eschekalka heißt sonst im Rufssischen der Zwerghase. Hier aber ist dieses ein wolfähnliches Thier, vielleicht eine Art Schakal. A. d. U. 77 2 — i * 0 7 ö ä—— ä— eines Hauses oder auf den Hof setzt und schreht, und man lockt es mit irgend etwas an, so setzt es sich auf die Schulter oder auf die Hand. Fängt man es und drückt es in der Hand, so fließt aus dem After Talg heraus; nach dem Ausdrücken des Talgs lassen sie das Vögelchen wieder fort. 5. Gewohnheiten und Sitten. Die Turkestanen fangen einen Monat vor dem neuen Jahre an zu fasten. Mannspersonen und Frauenzimmer, vom zehnten Jahre des Alters an, dürfen nach der Mor— genröthe weder essen noch trinken; manche dürfen sogar nicht einmahl den Speichel hinunter schlucken, und diese werden für gottesfürchtig gehalten. Nach Untergang der Sonne, wenn sich die Sterne zeigen, hat jeder die Freyheit zu essen und zu trinken; Wein aber und der nahe Umgang mit Frauenzimmern ist verboten. Tag und Nacht beten Alle. Mannspersonen und Frauenzimmer gehen, nach Abwaschung des ganzen Körpers mit reinem Wasser, zum Gebete. Die Mollahs und Achun's sind streng, selbst in der Beobachtung unbedeutender Kleinigkeiten. Am ersten oder zweyten des folgenden Monden, sobald sie den neuen Mond erblicken, heben sie die Fasten auf und feyern das neue Jahr, das sie Shudsi nennen. Am Vorabend vor der Aufhebung der Fasten schlagen sie die ganze Nacht die Pauken und spielen auf Blasinstrumenten. Am Morgen zieht der Regent der Stadt aus, vor ihm gehen Kameele und Pferde mit Para— desätteln zu fünf und sieben Paar her, unter Begleitung von Fahnen, Paukenschlag und Musik. Kalender“) *) So— nämlich Kalender— ist dieses Wort auszuspre— chen, wenn es jene Art orientalischer Mönche bezeichnet, ob— — 101. 7 der Uebrigen; dann kommt die bewaffnete Leibwache des Regenten; auf solche Art ziehen alle in die Moschee zur Anbetung. Aus der ganzen Stadt versammeln sich Manns— personen und Frauenzimmer in neuen Kleidern, um den Zug des Regenten anzusehen. Nach Beendigung des Gottes— dienstes gehen alle in das Haus zu dem Akimbek(Akimbiak) d. i. dem Regenten der Stadt, um ihm zum neuen Jahre Glück zu wünschen. Der Akimbek bewirthet sie mit einem Gastmahle. Mannspersonen und Frauenzimmer tanzen, sin— gen, trinken, und gehen endlich, nachdem sie genug sich belustigt, aus einander; dieß nennt man Alt(Aufhebung der Fasten). Ehe Turkestan noch der chinesischen Herrschaft unterworfen war, zählte, am ersten Tage des neuen Jahres nach beendigtem Gottesdienste, ein Achun in einer Rede dem Volke die Tugenden und Laster des Akimbek vor. Wurde er für tugendhaft erkannt, so blieb er in seiner Stelle; zeigte sich aber durch mehrere Beyspiele seine Ruch— losigkeit, so setzte ihn die Versammlung ab und tödtete ihn.“ Deswegen umgaben sich die Akimbeks mit einer zahlreichen Wache*). Jetzt, obgleich sie nicht wagen, Willkühr zu üben, so ist doch Sitte geworden, eine bewaffnete Leib— wache um sich zu haben, und diese Sitte bleibt auch. An diesem Tage wünschen die Turkestanen einander Glück, und bewirthen einander gegenseitig, so wie in China am ersten Tage des neuen Jahres. Vierzig Tage nach dem Ait gehen gleich oft deutsche Dichter den Ton auf die vorletzte Sylbe (Kalender) setzen. A. d. U. *) Dieser Gebrauch wird von alten Zeiten au noch bis jetzt fortgesetzt. Aber niemahls geschah es, daß man einen Akim— bek getödtet hätte. Der allgemeine Tadel des Volks muß für ihn eine wichtige Weisung seyn. A. d. V. — 102— die Akimbek's wieder mit einem Haufen Volks in die Mo— schee, und an diesem Tage jubelt die ganze Stadt und ver— gnügt sich; dieses heißt Kurban Ait. Dreyßig Tage nach diesem Tage begeben sich die Turkestanen nach den Gräbern ihrer Verwandten, wo sie Verbeugungen machen und den Gottesdienst für die Todten halten. Viele stechen am Halse zwischen dem Adamsapfel und der Haut mit dem Messer ein Loch durch und durch und ziehen ein Bündel Zwirn*) hinein. Das Blut läuft über den ganzen Kör— per, dieses macht ein angenehmes Opfer für den Geist aus und heißt Oschür. Noch einige Zehend Tage später gehen die Turkestanen, Mannspersonen und Frauenzimmer, mit neuem Putz angethan, mit Zweigen von aus Papier ge— schnittenen Blumen auf den Mützen, auf die höchsten Stel— len außer der Stadt. Erwachsene Frauenzimmer und kleine Mädchen tanzen; die Mannspersonen galoppiren auf Pfer— den daher, wetteifern im Bogenschießen, schlagen die Pau— ken, singen und spielen auf Instrumenten, trinken Wein, und wenn sie betrunken sind, tanzen sie. So vergnügen sie sich bis zum Abend und gehen dann aus einander; die— ses heißt Norüß oder Nauruß. In den größern turkestanischen Städten, auf der öst— lichen Seite derselben, ist ein hoher Aufwurf von Erde, auf welchem man jeden Tag die Pauken schlägt, und auf Blasinstrumenten spielt. Nach beendigter Musik wenden sich die Mollah's und Achun's nach Westen, machen Ver— beugungen und lesen Gebete. Dieses heißt Namaz(das Gebet). Solche Namaz verrichten sie fünfmahl des Tages, *) Das ist eine Todtenfeyer. Die Mannspersonen schneiden Lö— cher in die Ohren, und gegen den Adamsapfel am Halse; aber die Frauenzimmer schneiden sich einen Büschel Haare ab. A. d. V. „ 40 — 103— d. i. beym Aufgange und Untergange der Sonne, und drey— mahl die übrige Zeit des Tages. Wenn irgend ein fröhli— ches oder auch unglückliches Ereigniß sich begiebt, wenn sie hohen Beamten entgegen gehen, oder sie begleiten; so ma— chen sie auf diesem Erdaufwurfe Musik und schlagen die Pauken. Im Sommer, wenn die Maulbeeren reifen, nehmen die Turkestanen sie ab, zur Gährung des Branntweins. Mannspersonen und Frauenzimmer versammeln sich zur Ar— beit unter dem Schatten der Bäume; dann, wenn sie ge— nug Wein getrunken haben, singen und tanzen sie die ganze Nacht bis zum Anbruch des Tages, und dann kann man überall betrunkenen Turkestanen begegnen. Mit reifen Pfir— sichen bringen sie auch den Branntwein zum Gähren; aber dieser ist ein wenig säuerlich. Im Herbste, wenn die Weinbeeren vollkommen reif sind, machen die Turkestanen daraus einen Wein von vor— trefflichem Geschmacke. In der übrigen Zeit machen sie Branntwein aus Gerste und Hirse. Das Gährungsmittel des Branntweins besteht darin, daß sie Früchte in die Kufe legen und zudecken; nach einigen Tagen fangen die Früchte an zu faulen und zu säuern; dann nehmen sie dieses Ge— misch heraus und ziehen daraus den Branntwein ab, ohne sonst ein Gährungsmittel zu gebrauchen, diesen nennen sie Arak.— Aus gemahlenem Hirse machen sie einen trüben Branntwein, dem Absude ähnlich, in welchem Reiß abge— kocht worden. Dieses heißt Bakßum; es ist etwas säuer— lich, hat aber gar keinen Geruch, und ist durchaus nicht berauschend. Die Turkestanen trinken es gern und sagen, er sey sehr gut gegen die rothe Ruhr. Die Turkestanen haben keine Zunahmen noch Stamm— bäume.— Der Vater und der Sohn beobachten gegen ein— e e ander Achtung und Liebe; die übrigen achten sich einander gleich. Das männliche und weibliche Geschlecht wird zu— sammen erzogen. Außer der Mutter, die den Mann gebo— ren hat, und der von ihm erzeugten Tochter, ist es erlaubt mit allen andern in eheliche Verbindung zu treten. Bey den Turkestanen macht man bey der Verheirathung eine Ueber— einkunft von beiden Seiten. Die Eltern des Bräutigams schicken zum Geschenke Ochsen, Schafe, Leinwand; sie bit— ten alle Verwandte und laden einige Achun's ein, um mit ihnen in das Haus der Braut, zur Abschließung der Hei— rathsbedingungen zu gehen. Man befestigt die Verlobung durch Lesen von Gebeten. Wenn nun die eheliche Verbin— dung herannaht, nimmt der Vater oder Bruder der Braut sie, setzt sie mit sich auf ein Pferd, wirft einen Schleyer über sie und bringt sie, unter Vortritt der Musik in das Haus des Bräutigams. Zu dieser Zeit läßt jedes turkesta— nische Mädchen ihre Haare, die sonst in zwanzig oder drey— ßig Zöpfe geflochten sind, fliegen. Einen Monat nach der Verheirathung kämmt sie sie wieder, und läßt sie, mit ro— then Bänderchen durchflochten, hinten herabhängen. An den Enden, die fast den Boden berühren, sind rothe Fäden eingeflochten, welche Franzen oder Quasten bilden. Reiche Frauen durchflechten diesen Zopf mit feinen Perlen, mit Edelsteinen, rothen Korallen und ähnlichem Schmuck. Die— ser Kopfputz heißt Tschatschbak. Arme Turkestaninnen, oder solche, die Trauer tragen, gebrauchen einen hellblauen und grünen Tschatschbak. Den Turkestanen ist sehr streng verboten, Schweine— fleisch zu essen. Außer solchem Vieh, das von Menschen geschlachtet ist, und ausgeblutet hat, dürfen sie auch kein andres essen. 5 Aan Wenn jemand stirbt, steigen einige Kalender auf 1 das Dach des Hauses des Verstorbenen, und singen ein— 1g stimmig und lesen Gebete. Im Hause desselben setzen alle alf Mützen von weißer Leinwand auf, welches als ein Zeichen 0 der Trauer angesehen wird. Zuweilen trägt man dann den llc Todten den andern Tag aus der Stadt hinaus und beerdigt f ihn. Bey ihnen gebraucht man bey den Begräbnissen we— 0 ah der Särge, noch Kleider, noch Bett; man umwickelt nur 0 10 den Leichnam mit weißer Leinwand. Alle Verwandte ver— ö 1 sammeln sich in dem Hause des Verstorbenen, zum Gebete, dag und jeder leistet, nach seinen Kräften, Hülfe bey seinem Wü Begräbniß. Alles, was von den Verwandten herbeygebracht dan worden, auch die von dem Verstorbenen hinterlassene Klei— 4 dung, vertheilen sie an Arme, um dem Verstorbenen die ö l künftige Seligkeit zu verschaffen, und das Maaß dieser kult himmlischen Glückseligkeit wird nach der Menge des Ver— h theilten bestimmt. Der Sohn um seine Eltern, die Frau u. um ihren Mann, Brüder, Verwandte, alle tragen die , Ai Trauer nur vierzig Tage lang. 10 10 Die Turkestanen lassen die Haare nicht wachsen. Den e Bart scheren sie nicht ab. Nur den Schnurrbart bescheeren 10 sie ein wenig, um bequemer Speise und Trank genießen zu 00 können. Wenn ein Sohn fünf oder sechs Jahre alt ist, so „ ruft man einen Achun herbey, der die schmerzhafte Ceremo— In, nie der Beschneidung verrichtet. an Sie tragen Kleider mit einem großen Kragen und en— gen Aermeln. Bey den Mannspersonen wird der linke Rockschooß hinauf gesteckt oder geknöpft; bey den Frauen— fal zimmern sind die Schöße offen; inwendig tragen sie eine uc Art kurzer Schlafröcke, die bis ans Knie reichen, aber auch 0 lange. Die Frauenzimmer tragen im Winter und Som— mer Hüte mit Pelz verbrämt, auf welche sie vorn, zum „„— K 1—* — 106— Schmuck, Federn stecken. Die Mannspersonen gebrauchen im Winter Hüte von Leder nnd im Sommer von Seiden— zeugen; der Kopf ist von karmesinenem Tuche, die Kräm— pen von Sammt, fünf bis sechs Zoll hoch; die Krämpen vorn und hinten sind spitzig, ebenfalls 5 bis 6 Zoll lang. An den Mannshüten sind die Krämpen gerade ohne Krüm— mung; bey den Weiberhüten aber sind sie hinten etwas herabhängend; oben darauf ist zur Verzierung ein goldnes Quästchen. Schuhe tragen sie aus Leder, von hellrother Farbe, mit hölzernen Absätzen. Die Frauenzimmer haben Schuhe mit Vordertheilen, ohne das Hackenstück(Pantof— feln); im Sommer gehen sie barfuß. Die Achun's tragen Turbane, mit weißer Leinwand umwunden, 5 bis 6 Zoll hoch. Es giebt eine Art Melonen, die einem turkestanischen Hute gleichen, daher man sie auch turkestanische Hüte nennt. Bey Zusammenkünften verbeugen sich die Turkestanen nicht bis zum Gürtel, auch beugen sie das Knie nicht, wie die Chineser. Wenn sie einem Aeltern oder ihrem Vorste— her begegnen, so legen sie die Hände über die Brust zu— sammen und verbeugen sich mit dem Kopfe; dieses heißt Aßlam. Nur zur Zeit des Namaz beten sie knieend. Frauenzimmer machen auch den Aßlam. Wenn aber Ael— tere mit Jüngeren zusammenkommen, so legen, sowohl Mannspersonen als Frauenzimmer, Schulter an Schulter; dies ist eine Höflichkeitsbezeigung. Nach der Unterwerfung Turkestans unter chinesische Herrschaft, machen die Ein— wohner, wenn sie chinesische Beamte sehen, vor ihnen die Kniebeugung. Die Grabmähler haben bey den Turkestanen das An— sehen von Särgen. Die Reichen erbauen runde Grabmäh— ler, oder errichten Gewölbe und bedecken sie, zur Ver— zierung, mit grünen Dachziegeln. Sie begraben die Todten — „ Un vorzüglich bey den Landstraßen, damit die Wanderer, wie sie sagen, für die Entschlafenen beten und ihnen die künf— tige Seligkeit erflehen. Die Turkestanen ziehen gern Adler auf; Arme haben einen oder zwey, Reiche 20 bis 30 Adler. Diese Vögel werfen sehr schnell Wölfe, Füchse und wilde Ziegen zu Bo— den, so daß ein solches Thier, wenn es dem Adler in die Augen fällt, auf keine Weise entgehen kann. Die Einwoh— ner schießen mit Bogen eben nicht sehr ausgezeichnet; dafür aber werfen sie geschickt mit Stöcken nach Hasen. Sie haben weder Maaß noch Gewichte. Eine kleine Menge Getreide messen sie mit dem Hute; eine große aber rechnen sie nach Tagaren*); ein großer Sack heißt Patman*). Die Turkestanen wägen auf der Wage eine Sache mit andern Sachen ab. Zu Schmausereyen schlachten sie eine Menge Vieh. Fleisch von Kameelen, Pferden und Rindern wird für die erste Speise gehalten. Schöpsenfleisch, verschiedene Melo— nen, Zuckerkand, Hutzucker, verschiedenes Gebackene, Pa— steten aus Fleisch verschiedener Gattung gemacht u. s. w. alles vertheilt man in zinnerne, kupferne und hölzerne Schüsseln und trägt es besonders auf. Jeder nimmt Speise nach seinem Belieben*, dabey spielen sie auf verschiede— nen musikalischen Instrumenten, singen, tanzen, schreyen 50 ) Ein Tagar ist ein leinwandner Sack, ungefähr 4 Pud (460 russische Pfund) enthaltend. A. d. V. **) Ein Patman hält drey Säcke in sich. In Kasan heißt es Batman. A. d. V. ) Die Turkestanen, wie auch die Tibeter, haben bis zu die— ser Zeit noch weder Gabeln noch chinesische Stöckchen beym Essen eingeführt; und jede Speise, sogar in Pekin den Reiß— brey, der die gewöhnliche Speise ausmacht, nehmen sie mit den Fingern. A. d. V. —— — „5 und schlagen nach dem Takt in die Hände, und wenn sie sich ganz toll und voll getrunken haben, endet sich der Schmaus. Mancher, der sich betrunken hat, schläft ein, und wenn er erwacht, trinkt er sich von neuem voll. Die aufgetragenen Früchte und Speisen werden unter die Gäste und andere Leute vertheilt. Andere nehmen nach beendig— tem Gastmahle einen Theil mit sich fort, und damit ist der Wirth sehr zufrieden. Zur Musik hat man einige größere und kleinere Pau— ken, Pfeifen und Flöten mit acht Oeffnungen. Ihre Gußli“) hat mehr als 50 Saiten. Die Guitarre hat sieben Saiten: vier von Eisendrath, zwey Darmsaiten und eine von Seide. Große und kleine Violinen haben vier. Die Erhebung und das Sinken der Töne(das lorte und piano?) stimmt mit dem Paukenschall überein. Gesang, Tanz und die Varia- zionen beym Schlusse der Stanzen, werden auch durch die Pauke abgemessen, und in dieser Mischung, wenn man aufmerksam zuhört, findet man eine Harmonie von Tönen, die nach Noten geordnet sind. Sie haben keinen ersten Monat und ersten Monatstag. Den Anfang des Monats rechnen sie vom ersten Erblicken des neuen Mondes; 30 Tage machen einen Mond aus, und es giebt weder volle, noch mangelhafte Monate“); 12 Monden machen ein Jahr aus. Es giebt keinen Schalt— monat. Das Jahr besteht bey ihnen immer aus 365 Ta— gen K*). Die Zeit eines Jahres zählen sie nach den Ba— ) S. I. Th. S. 245. Anm. A. d. U. **) D. i. es giebt nicht abwechselnd Mondenmonate von 50 und 29 Tagen, wie etwa im jüdischen und türkischen Kalen— dern A. d U. ***) Wenn dieß ist, müßten sie, wie die alten Aegypter, oder wie während der französischen Republik, 5 Ergänzungstage ha— ben, da so eben gesagt wird, daß 12 Monate, jeder von 30 — 109— zaren oder Wochenmärkten. Aller sieben Tage ist ein Bazar; 52 Bazare machen ein Jahr in runder Zahl, das 365 Tage enthält. Die Turkestanen schlagen die Mauern ihrer Häuser aus Lehm, drey bis vier Fuß dick, zusammen; auf die Mauern legen sie ein Dach aus einer Decke von Bretern zusammen ge— fügt. Auf diese Decke legen sie Sumpfschilfrohr in Schich— ten und bestreichen es mit Lehm, damit ist der Bau beendigt. Zuweilen bauen sie Häuser von einigen Stockwerken. Die Oefen machen sie so hoch, daß sie bis an die Decke reichen; sie heizen sie mit Holz. In den Wänden bringen sie Wand— schränke oder Gestelle von Bretern an, um Sachen darauf zu legen. In den Decken lassen sie an einen oder zwey Stel— len ein Fenster, zum Einfallen des Sonnenlichts 5). Die ö 0 Dächer macht man platt, so daß man darauf herum gehen kann; oder sie säen auch Getreide und Früchte darauf, ohne sie zu beschädigen. Ihre Mauern sind dick, die Decken oder Dächer aber dünn; daher ist durchaus nicht zu fürchten, daß sie einstürzen mochten; auch dringt, da es nur wenig Regen giebt, kein Wasser durch. Neben den Zimmern haben sie Gärten mit Teichen. Sie pflanzen eine Menge Blumen und Fruchtbäume. Zur Abkühlung erbauen sie, zur Zeit der Sommerhitze, Bostan's*). Die Turkestanen bauen Tagen, das Jahr ausmachen. Uebrigens muß auch ein Jahr von 565 Tagen— eben so wie es bey den alten Aegyptern der Fall war— gegen das wirkliche Sonnenjahr(365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten, 48 Serunden) immer mehr zurück— bleiben, so daß man in einem Jahrhundert z. B. ungefähr 24 Tage weniger zählt, als man eigentlich sollte. A. d. U. ) Diese Fenster werden mit Dächern oder Decken gemacht. In den Wänden lassen sie sehr kleine Fenster, den Dachfenstern ahnlich, aus Furcht vor Diebstählen, die im östlichen Turke— stan sehr gewöhnlich sind. A. d. V. ) Bostan ist eine Laube in einem Garten, ringsum mit Blu— men umpflanzt, und mit einem Wasserkanal umgeben. In — — — 110 N gern hoch. Es giebt Gebäude von drey und vier Stockwerken, rund wie die mongolischen Jurten; es giebt auch viereckige. Wenn es der Platz erlaubt, bauen sie bey jedem Hause un— fehlbar noch eine Kapelle, zur Verrichtung des Namaz. Auf den Todtenäckern haben sie auch dergleichen Kapellen. Wenn ein Mann mit seiner Frau nicht einig lebt, kön— nen sie sich scheiden. Wenn die Frau den Mann verwirft, so darf sie auch nicht ein Strohhälmchen aus dem Hause mit— nehmen. Verstößt der Mann die Frau, so hat sie die Frey— heit, aus dem Hause alles, was sie nur wünscht, zu neh— men; Söhne und Töchter werden getheilt: der Mann nimmt die Söhne und die Frau die Töchter. Wenn im Laufe des ersten Jahres nach der Scheidung die Frau einen Sohn oder eine Tochter zur Welt bringt, wird das Kind noch als ein eheliches anerkannt; die aber nach Ablauf des Jahres geboren werden, gehen dem Manne nichts an. Zuweilen geht, nach einigen Jahren, die Frau wieder zu ihrem ersten Manne; zu— weilen wechselt sie in einigen Jahren mit mehrern Männern und kehrt dann wieder zu dem ersten zurück. * Bey dieser Gelegenheit halte ich es ebenfalls nicht für überflüssig einige Worte von zwey Gebieten zu sagen, die zum Theil an das östliche Turkestan gränzen, und sehr wich— tige Plätze in Ansehung des Handels mit dem mittlern oder obern Asien sind. Diese Gebiete Kokan und Badagschan sto— ßen an den westlichen Fuß des belurischen Gebirges. Hier folgen einige genauere Umstände davon, gegründet auf die Berichte eines Augenzeugen. —— Kleinreußen heißt Baschtan ein Acker, der mit Melonen, Wassermelonen, Kürbissen, Gurken besäet ist. A. d. V. fa fa fung, 7 8 ell, — 111 1 Die Hauptstadt dieses Gebietes Kokan liegt südlich von der sibirischen Linie. Zwischen dieser Stadt und unse⸗ rer Festung Petropawlowsk ist eine Entfernung von unge⸗ fähr 1500 Wersten(214 d. M.) Die Karawanen voll— enden diese Reise auf Kameelen in 40 Tagen. Kokan oder Kokant ist ein jetzt wenig bekannter Nahme, obgleich man ihn dem ganzen Gebiete giebt. Auf europäischen Karten bezeichnet er die alte türkische Stadt Furkana(Fergana), deren Nahme in Kokan umgewandelt ist. Wirklich jetzt im ganzen kokan'schen Gebiete bestehende Städte, so viel bekannt ist, die einigermaßen diesen Nah— men verdienen, zählt man bis zwanzig, nämlich: Kokan, Taschkent, Turkestan, Chodshent“), Numin— gan, Margolan, Angdsishan**), Tachtu ßu— leiman, Is para, Tscharku, Falkar, Matscha, Bendibadam, Bescharik, Garittepa, Arabtep— pa, Tora kurkan, Kgßan, Ispiskun und Ara— wan. Einige nehmen in dem kokan'schen Gebiete 80 Städte an; aber dieß kann man nur dann gestatten, wenn man in dieser Zahl alle Lagerplätze von Hirten, die mit einem Erd⸗ aufwurfe, im Durchmesser von 10 bis 15 Klaftern, umge— ben sind, mit begreift; in dortiger Sprache werden sie gleichwohl mit dem wichtigen Nahmen Kala, d. i. Fe⸗ stung, beehrt. Die eben genannten 20 Städte können sich an Größe nicht mit kleinen russischen Städten vergleichen. Die meisten ) Die Stadt Chodshent liegt in einer schönen Gegend, auf einem fruchtbaren Boden, an dem großen Flusse Ssir, dessen Ufer mit Wäldern bedeckt sind; seine Tiefe, bey seinem stolzen Laufe bis zum Aral-See, ist zum Schiffen mit größeren Fahr zeugen sehr bequem. A. d. V. ) Vergl. was oben von Angdsishan gesagt ist. S. 92. A. d. V. — 112— davon enthalten nicht mehr als 400 oder höchstens 500 Häuser. Die Bewohner derselben beschäftigen sich überhaupt mit Getreidebau, Gärtnerey und Viehzucht. Das unge— wöhnlich fruchtbare Land belohnt immer mit hundertfältigem Ertrag den darauf gewendeten Fleiß. Was die Lebensbe— dürfnisse betrifft, haben sie alles im Ueberflusse. Daher ist bey ihnen der Gebrauch schon seit langen Zeiten, daß sie Getreide, Gartenfrüchte und Obst den Reisenden nicht ver— kaufen, sondern ihnen alles umsonst als Geschenk geben; nur etwa von reichen Leuten nehmen sie zuweilen, zur Ge— genvergeltung, 2 oder 3 Arschinen von dem baumwollenen Zeuge, Bäsi genannt, an. Ueberdieß erschwert den Verkauf im kokan'schen Gebiet der gänzliche Mangel an Münze. Zum gegenseitigen Handel zwischen den Einwohnern und Ausländern giebt es kein Mittel als Tausch; und daher sind in den Städten fast un— unterbrochen Jahrmärkte. Der Chan Alim, der vor unge— fähr 20 Jahren dort lebte, dachte darauf, eine eigene Münze einzuführen, um ein so großes Hinderniß im Handelsver— kehr zu entfernen und seine Unterthanen zu bereichern. Zu diesem Endzwecke gebrauchte er alles Kupfer, das sich auf der Oberfläche der Erde in seinem Gebiete befand, und die bey Schach Nadir's Kriegszuge dorthin gebrachten und da zurückgelassenen Kanonen. Aber bey all' dem ist es sehr zu bezweifeln, ob die Summe aller klingenden Münze in dem kokan'schen Gebiete sich bis auf eine Million Rubel be— laufen werde. Das Land des kokan'schen Gebietes ist offen und eben, und gehört unter die besten und fruchtbarsten. Dort wächst im Ueberfluß jede Art Getreide, und in Menge ist Seide und Baumwolle vorhanden. Die Bevölkerung in diesem Ge— biete kann sich bis auf eine Million Seelen erstr recken. bub fel Jast Jh Au ft laht fag dle 0 — 113— Die Macht des Chans von Kolkan ist nur bey den Kir⸗ gisen und den Einwohnern der Bucharey von Wichtigkeit. Er ist nicht im Stande mehr als 20000 Kriegsleute aufzu⸗ bringen, die dabey den Feldzug nicht länger aushalten kön— nen, als nach dem Maaße der mitgenommenen Lebensmit— tel, welche gewöhnlich 8, aufs höchste 10 Tage dauern. Aber im Falle eines feindlichen Angriffs in seinem eigenen Lande, kann der Chan, wenn er das Volk Mann für Mann aufbietet, 50 bis 60tausend Krieger stellen. Es ist wahr, vor den Fenstern des Hauses des Chan liegen 5 oder 6 Kanonen, die da von Nadir Schah zurückgelassen worden sind; aber sie werden dort, ohne irgend einen Ge— brauch herumgewälzt, da die nöthigen Gestelle oder La— fetten fehlen. 4 Ba d a g ssch aan. Aus Kokan gehen die Karawanen in 20 Tagen nach Badagschan, einen Weg von 700 Wersten(100 d. M.) Auf dem Wege trifft man bergige Stellen, die aber durch⸗ aus nicht beschwerlich für den Uebergang sind, drey dersel— ben in den Bergen ausgenommen; doch auch da geht das Lastvieh der Karawanen leicht und frey durch. Auf der ganzen Strecke sind Luft, Boden, Wälder, Gräser und Wasser von solcher Güte, daß es jede Beschreibung über— trifft. Besonders ist das Gras in solchem Grade fett, nahrhaft und kräftig, daß man sich fürchtet, die Pferde länger als 40 Tage darauf zu halten; im entgegengesetzten Falle gehen sie unvermeidlich zu Grunde. In einem solchen gesegneten Lande lebt— so will es das Schicksal— ein wildes armes Volk, Schignanen ge— nannt. Seine Armuth, seine stille Sanftmuth kann das härteste Herz— nur nicht ein türkisch-tatarisches— er— II. Band. 8 1 weichen. Ihre räuberischen Nachbarn, die Kokaner und Badagschaner, fallen in ihre Wohnplätze ein, führen die Einwohner fort und verkaufen sie auf immer zu Sklaven, oder behalten sie selbst als solche bey sich. Selbst ihr re— gierender kleiner Fürst, eben so arm und schwach als seine Unterthanen, setzt keinen großen Werth auf sie; für die Waaren, die er von durchreisenden Kaufleuten kauft, be— zahlt er immer mit der bey ihm allein gangbaren Münze, — mit eben diesen seinen unglückseligen Unterthanen. Glücklich schätzen sich diejenigen unter ihnen, welche in Städte kommen und sich da irgend jemanden zum Dienste hingeben. Das Gebiet Badagschan hat seinen eigenen Chan, wel— cher aus Eitelkeit sieh Mehmet-Schah nennt. An stehen— den Truppen, oder wenigstens bewaffneten Leuten, kann er nicht mehr als-10tausend Mann haben. Vor nicht länger als einem halben Jahrhunderte eroberte der afghanische Ah— met-Schah, mit 15tausend Mann Reiterey, in einigen Ta— gen das ganze Badagschanische Gebiet, und nahm selbst den Chan gefangen. Zu dieser Kriegsthat hatte er einen besondern Beweggrund, der aus dem Eifer der abergläubi— gen Mohammedaner entsprang. Der Chan von Badagschan, obgleich nur ein machtloser und unbedeutender Beherrscher im Osten, besaß doch einen für Muselmänner seltenen Schatz, — den seidenen Rock des Mohammed. Ahmet-Schah hielt dafür, sein Ruhm würde sich verdunkeln, wenn der Badag— schaner dieses Kleinod behielte; schnell zog er aus zum Kriege; alles in Badagschan unterwarf er seiner Macht, und begnügte sich zuletzt bloß damit, mit diesem Rocke seine Hauptstadt Kandahar zu zieren, wo er noch bis jetzt eifrigen Mohammedanern gezeigt wird. 8 Aus Badagschan nach Kandahar geht ein besonderer Weg. Auf diesem Wege ist die Entfernung beider Städte bis 1000 Werste(143 d. M.) In Badagschan kennt man keinen andern Handelsver— kehr, als den Verkauf von Menschen. Mit diesem Handel beschäftigen sich der Herrscher und die Unterthanen. Der erstere verkauft alle, und hat aus seinen Unterthanen eine teichsmünze gemacht; die letztern verkaufen einander, und der Menschenhandel erstreckt sich bis zu den chinesischen Städten im östlichen Turkestan, wohin sie eine Menge dieser Unglücklichen zum Verkauf führen. Dieses Uebel ent— springt bey den Badagschanern aus ihrem natürlichen Stumpf⸗ sinn und Unwissenheit, welches die Chineser, bey der Un— terjochung des östlichen Turkestans und der Ausrottung der Chodsha's, ihrer Feinde, geschickt zu benutzen wußten. Ai Chodsha, vom Unglück und von den Chinesern verfolgt, flüchtete sich mit seinem Sohne unter den Schutz des Chans von Badagschan, seines Glaubensgenossen, der ihm auch allen möglichen Schutz versprach. Allein der unverständige Badagschaner, gelockt durch die listigen Versprechungen und. Geschenke der Chineser, übergab ihnen das unglückliche Schlachtopfer, welches von ihnen noch in Badagschan selbst erschlagen ward. Der Sohn des gedachten Chodsha entging der Ermordung, und machte überall das treulose Verfahren des Chans bekannt, der jetzt sammt seinem Volke bey den benachbarten Mohammedanern unter dem Fluch liegt; und dieser Vorwand giebt ihnen immer Anlaß jeden Badagscha— ner zu plündern und in die Sklaverey zu führen. Durch solche Bedrängnisse erschöpft, ist das badagschanische Volk in äußerste Armuth und Schwäche versunken. Die Stadt Badagschan liegt in einer hohen und an— genehmen Gegend; sie hat bis 4000 Häuser. Das Land 8* „„ ist uberall fett und fruchtbar. Dieß verstehen die Badag— schaner gut zu benutzen, und beschäftigen sich fleißig mit Getreidebau und Gärtnerey, und gewinnen durch ihre An— strengungen für sich Ueberfluß in Allem. Die badagschanischen Gebirge hat die Natur mit selte— nen Schätzen angefüllt. Aus ihnen gewinnt man Gold, Edelsteine, als: Rubine, Amethyste, schwer am Gewichte, Türkise und Ultramarine, wovon man jährlich mehr als 300 Pud gewinnt. Gruben, wo man diese Schätze findet, giebt es selbst bey der Stadt Badagschan. Aber jeder, der die bergmännische Arbeit der armen, furchtsamen Badag— schaner sieht, die sie mit der gröbsten Unwissenheit verrich— ten, muß bedauern, daß zur Entdeckung der großen in die— sem Boden eingeschlossenen Reichthümer, europäischer Ver— stand, von Wissenschaft geleitet, mangelt. Unter solcher Leitung könnte man hier das wahre Vaterland aller Kost⸗ barkeiten finden. ungefähr 40 Werste(lüber 55 d. M.) von Badagschan fließt der große Fluß Amu vorbey, der sich in dem Aral⸗ See ergießt. Dieser Fluß ist schiffbar fast beynahe bis zi seinem Ursprung hin. Schach Nadir, der sich vorgenom— men hatte, die Bucharey zu erobern, nachdem er schon Indien sich unterworfen hatte, befahl seinem Sardar Tscha— lait von Kabul 1000 Fahrzeuge von ansehnlicher Größe zu erbauen. In diese setzte er einen nicht kleinen Theil Trup— pen, Artillerie, alles Gepäcke des Heeres, Lebensmittel und Futter für die Pferde, und mit diesem Heere drang nun der Sardar, auf dem Flusse Amu, von der rechten Seite in die Bucharey ein; Nadir selbst aber und die leich— ten Truppen rückten von der linken Seite vor. In dem badagschanischen Gebiete befindet sich ein wil— des, rohes und grausames, vollig unabhängiges Nomaden— —.— . Volk. Seine Benennung ist Kaferi n ßijapusch', d. i. die Treulosen in schwarzer Kleidung, welche bey ihnen so— wohl Männer als Weiber tragen. Dieser ihr Nahme be— zeichnet ihre wahre Eigenschaft; denn sie erschlagen alle, die in geringer Anzahl durch ihre Nomadenplätze reisen, ohne Unterschied und ohne Schonung. Sie wohnen in ihren No— madenplätzen in großer Entfernung von einander, zwischen Bergen, an Ufern von Flüssen. Die Anzahl der ganzen Horde Kaferi e ßijapusch' mag sich auf 40tausend Ki— bitken belaufen. Sie haben gar keine Pferde; aber dieser Mangel wird durch eine große Menge Hornvieh ersetzt. Sie gebrauchen immer Bogen und Pfeile, kennen das Schieß— pulver nicht, und haben kein Feuergewehr. Ihre Armuth, Wildheit und Grausamkeit gestattet den Nachbarn nicht mit ihnen in freundschaftliche Verbindungen zu treten. Die Ba— dagschaner thun oft Einfälle bey ihnen, rauben sie hinweg und verkaufen sie. Das erwähnte Volk ist in solchem Grade wild und roh, daß es ohne, Glauben und Religion in völ— liger Geistesfinsterniß lebt. Die gütige Natur hat das weibliche Geschlecht bey ihnen mit außerordentlicher Schön— heit begabt, welche gleich der Tscherkessischen(circassischen) im ganzen Orient berühmt ist; aber eben diese Schönheit reizt ihre Nachbarn, mit Verachtung aller Gefahren, bey ihnen Frauenzimmer zu rauben und sie um hohen Preis zu verkaufen. Endlich ist noch nöthig zu erwähnen, daß alle drey Wege, die von Norden zu den Gränzen Indiens führen, als: 1) nach Kabul, 2) nach Kaschemir, und 3) nach Pi— schaur(Peichour) in den Landen der Kaferi ßijapusch' sich vereinigen, und daß man daher auf dieser Linie ihnen nicht ausweichen kann. Wir wollen von diesen Wegen noch folgendes bemerken: — 1) Von Badagschan nach Kabul kann man annehmen, daß eine Karawane in 25 Tagen geht. Die Entfernung wird bis auf 800 Werste(114 d. M.) seyn; ein weiter Weg zwi— schen Bergen, wo man auf jedem Schritte große Hindernisse zu bekämpfen hat. 2) Auf dem Wege von Badagschan nach Kaschemir sind die Karawanen noch nicht gewohnt zu reisen. Aber es ist be— kannt, daß Schach Sadi Ssuleiman, als er von Mirkais verfolgt wurde, diesen Weg mit den bey ihm befindlichen Leuten in 11 Tagen zurücklegte; die ganze Entfernung wird auf 600 Werste(86 d. M.) betragen. Obgleich auch dieser Weg durch Gebirge geht, so ist er doch nicht beschwerlich, da das Land überall fett und weich, reich an Holz, Wasser und Gras ist. 3) Von Badagschan nach Pischaur reist man in 20 Ta— gen, auf einem Wege von nicht mehr als 700 Werste(100 d. M.) Zwar auch der Weg nach Pischaur führt durch Ge— birge; aber diese nicht bedeutende Beschwerde wird durch große Bequemlichkeiten und Vortheile aufgewogen. Denn wenn man ohne irgend eine Beschwerde durch Gebirge 10 Werste(12 d. M.) gereist ist, so geht man die andern 10 Werste durch of— fene Thäler, reich an Gehölz, Wasser und Gras. Dieser Ueberfluß an allen Bedürfnissen erleichtert die Reise und ihre Dauer verkürzt sich, ohne daß man es gewahr wird. Aus eben diesem Badagschan ist nach der Stadt Lahor (in Indien), sowohl über Kaschemir, als über Pischaur, die Entfernung dieselbe. Aber der Weg über Pischaur ist un— gleich bequemer, als der über Kaschemir. Von Pischaur nach Lahor reisen die Karawanen bequem größtentheils auf großen indischen, mit Ochsen bespannten Wagen, in Zeit von 20 Tagen, in einer Entfernung von 600 Wersten(86 d. M.) ———. ß. 5.. — 119 Von Lahor nach Multan, der Hauptstadt eines besondern indischen Gebietes muß man zu Lande 12 Tage, zu Wasser 2 8 Tage, reisen. Viertes Kapitel. Fortsetz ung des Tagebuch s. Jahr 1821.(A. St.) Den 1. Jan.(13. Jan. N. St.) hielt der Pater Archi— mandrit Peter, in voller Versammlung der Geistlichkeit, das Hochamt. Pater Jakinf lud am Abend zu sich den Vorsteher der neuen Mission, den Hierodiakon, mich und Rasgildejew den 1. ein. Bald kam auch dahin ein im pekin'schen Corps die— nender Manshur, Tschan-lju), 43 Jahr alt, ein alter Bekannter von unsern sich hier aufhaltenden Landsleuten. Tschan war nicht längst von dem neuen Chuandi Daoguan, wegen seiner Auszeichnung im Dienste, zur 5ten Klasse(un— serm Hauptmann entsprechend) erhoben, und zum Commissar an der Gränze, zwischen den Statthalterschaften Sütschuang und Tangut, ernannt worden. Tschan-lju hat auf der Mütze eine Pfauenfeder mit einem Auge(ein Zeichen der Auszeichnung im Dienste), die ihm von dem verstorbenen Dsäzin(Dsiazin) verliehen worden war, weil er das Gepäck des Heeres geret— tet hatte, zu der Zeit, als man die nicht zu bändigenden wil— den Mäodsen verfolgte, die in den hohen Bergen der südli— chen Statthalterschaften Sütschuang und Junnang wohnen, und nicht selten Einfälle in die chinesischen Wohnplätze thun, *) Cschan ist sein eigentlicher Familiennahme, und lin bedeutet auf chinesisch seschs. Er war der sechste Bruder in seiner Familie. A. d. V. —— ü—— — 26— um da zu rauben und zu plündern. Zur Zeit der Kriegsun— ternehmungen gegen sie, tödtete er, mit einem Pfeilschusse aus seinen eignen Händen, einen von den Hauptanführern der Empörer. Der erwähnte Manshur zeigte sich uns sehr höflich und artig im Umgange; außer der chinesischen Sprache spricht er auch gut manshurisch. Aber die Anwesenheit der russischen Beamten, unsre glänzenden Uniformen und Kasa— kensäbel brachten den Tschan-lju in einige Verlegenheit, wie er dieß dem Pater Archimandriten gestand. Nach diesem sprach er in der Unterredung mit einer schüchternen Bescheidenheit. Bis zu dieser Zeit hatte sich Tschan-lju im Hofstaate des Beile, eines Fürsten vom dritten Grade, der 18190 starb, be- funden. Der Sohn des Beile— den Regeln der hiesigen Politik gemäß, die keinen erblichen Titel duldet,— ward zur Würde eines Beiße(Fürsten des vierten Grades) her— abgesetzt, und nahm, da er sein väterliches Erbe in großer Zerrüttung fand, eine sehr eingeschränkte Lebensweise an. Daher konnte Tschan-lju, der bey dem Beile oberster Ver— walter gewesen war, nicht länger in dem Hofstaate seines Sohnes bleiben, da dieser im Range herabgesetzt war und das Recht nicht hatte, Leute von einer gewissen Rangstufe in seinem Gefolge zu halten. Der Beile, von dem hier die Rede ist, hatte seine ei— gene, ziemlich geräumige Hofburg, die gegen Norden nicht weit von dem russischen Klosterhofe liegt. Er war ein rei— cher Fürst, lebte prächtig, und bewirthete mehr als einmahl bey sich die Mitglieder unserer Mission und den Aufseher (Pristaw) Igumnow, der nach Pekin zum letztenmahle im J. 1794 reiste. Ueberdieß war dieser Beile nahe verwandt mit dem Kaiser Kanßi, und mit der Tochter des Chäscheng, ersten Ministers bey dem Chuandi Zänglung(Zianlung) vermählt. ö ö — Dieser Minister ist in China unter dem Nahmen Che— dshuntan(Oshuntan auf chinesisch ein Großer des Reichs) berühmt; zwanzig Jahre lang war er stets der Günstling des Kaisers Zänglung, der von 1735 bis 1795 regierte. Sein Emporsteigen von einer Stufe des Ranges zur andern ging schnell, gereichte aber, wie man unter dem Volke sagt, eben nicht sehr zu seiner Ehre. Als er 18 Jahr alt war, gefiel er dem Zänglung durch sein Aeußeres und durch seine schnelle scharfsinnige Lösung gelehrter Aufgaben. Noch in der Jugend hatte er die Ehre, in den Versammlungen der Alten mit zu sitzen. Zänglung konnte nicht ohne ihn seyn, besonders gegen die Zeit seines Alters. Seine Gewalt war unbegränzt, und seine Schätze zahllos. Selbst die nächsten Anverwandten des Kaisers suchten seinen Schutz. Einige Schwächen ausgenommen war er im Uebrigen ein sehr weitsehender und aufgeklärter Minister. Mit dieser Mei— nung der Chineser stimmt sehr das überein, was über ihn Sir George Staunton!) äußert:„der chinesische Wessier, der das Zutrauen des Kaisers fast ausschließend besaß, war ein Tatar(ein Manshur) von keinem vornehmen Geschlecht, und wurde aus niedrigem Stande vor nicht länger als zwanzig Jahren emporgehoben. Er stand zu jener Zeit Wache an dem Thore des kaiserlichen Hofes, als dem Kai— ser, im Vorübergehen, sein Aeußeres gefiel. Als dieser Mo— narch nachher fand, daß er Erziehung und gute Naturga— ben hatte, erhob er ihn schnell zu Würden. Man kann sagen, daß er nach dem Kaiser der mächtigste Mann im Reiche war.“ Diesem fügt Staunton noch hinzu:„der ) Reise des Lord Macartney in das Innere von China und in die Tatarey. III. ig und 60(der russischen Uebersetzung)« 122 Umgang des Ho-Schung-Tang“) war eben so freund— lich und artig, als sein Verstand durchdringend und gebil— det war. Er wurde in sein Amt eingesetzt, und ihm Ge— walt gegeben, einzig nur nach dem Willen des Kaisers, was größtentheils dort der Fall ist; aber er blieb im Amte durch den Beyfall derjenigen Personen, welche nach ihrem Range und Würden, fast immer Einfluß in unumschränk— ten Regierungen haben.— Eine Tochter des Kaisers wurde mit dem Sohne des Che-Tschuntan verheirathet. Dieser Umstand war hinreichend, um einige Personen der kaiser— lichen Familie in Bestürzung zu setzen, so wie auch einige treue Unterthanen, welche fürchteten, der Ehrgeiz des Günst— lings möchte nach höhern Graden der Erhebung streben.“ So ausgezeichnet auch die Verdienste des Che-Scheng waren, so viele Macht er auch im Reiche besaß, so setzte doch Zänglungs Tod seinem Daseyn ein Ziel. Dsäzin, der 1795 auf den chinesischen Thron kam, wendete seinen Zorn gegen den Liebling seines Vaters. Seine Schuld war of— fenbar. Che-Scheng's Benehmen wurde der strengsten Un— tersuchung unterworfen, und den mächtigen Großen des Reichs traf mit seiner Familie das Verderben; seine zahl— losen Schätze wurden der Schatzkammer des Chuandi zuge— schrieben. Ich halte es für nöthig, von solchen Umständen weitläufiger zu sprechen, um durch Thatsachen den Geist der chinesischen Negierung bey verschiedenen Gelegenheiten zu *) Gleicht wohl dieser Nahme dem Che-Tschuntan)?— dach solchen Umwandlungen muß die chinesische Sprache ge— wiß sehr seltsam erscheinen. A. d. V. +) Der Verf. schreibt nämlich den Nahmen: 6%(Ho) Scho- ong Taung. Allein dieß ist bloß englische Rechtschreibung, und Ho- Schoong(eigentl. Shoong) Taung wird gelesen: Ho⸗Schung-Tang- und ist dann von Che-Tschuntan im Klauge nicht sehr verschieden. A. d. U. * 5—— . 5 99 zeigen.— Nach Beendigung des Richterspruches über Che⸗ l Scheng, wurde zu seiner Beschuldigung ein Manifest*) in b. am 15ten Tage des lsten Mondes des 4ten Jahres des Kalserk, Dsäzin(1799) herausgegeben, folgenden Inhalts: n„Zur Erfüllung unseres Befehls, der dem Senat zn⸗ n gesandt worden, betreffend die Bekanntmachung an alle Ge— chränk⸗ neral-Gouverneurs und Gouverneurs unseres Reiches, we— wurde gen der zu untersuchenden gesetzwidrigen Handlungen des diser Che-Scheng, damit sie über seine Anklage ihre Meinungen fiiser⸗ einsenden sollen, hat der General-Gouverneur von Dssili, enge Chudsitan, heute uns folgendes eingereicht: Che-Scheng Gin. hat dadurch, daß er die Rechtschaffenheit mit Füßen getre— un ten, und das von der Natur eingepflanzte Gewissen ausge— Ehen rottet hat, sich unwürdig gemacht, unter der Zahl der 0 che Menschen zu seyn. Da er allerley der Pflicht eines treuen ih, det Unterthanen zuwider laufende Ruchlosigkeiten begangen hat, n dern verdient er in Wahrheit, weil er die Reichsangelegenheiten qui g in die äußerste Unordnung gebracht, und folglich auch das 1 In Volk gedrückt hat, den Bösewichtern von Sütschuang und deb Chubo gleich geachtet zu werden.— Wenn ich allerunterthänig— zahl⸗ ster Pflicht gemäß seine unersättliche Habsucht, seine Scham— zuge⸗ losigkeit und seinen Mangel an Furcht vor der höchsten Ge— den walt, betrachte, finde ich, daß Che-Scheng nach den der Reichsgesetzen den Tod verdient, und zwar, daß sein Körper N 0 in Stücke zerhauen werde.— Kraft des mir gegebenen Befehls bin ich, nachdem ich eine besondere Commission er— 17 richtet, zur Einziehung seines Vermögens, seiner Vorraths— 1 gewölbe u. s. w. geschritten. Welches ich allerunterthänigst 0 Ew. Maj. zu Allerhöchstdero gefälligen Einsicht melde.“ bung, lesen! an il) Aus dem Manshurischen übersetzt von dem Archimandriten Peter Kamenski. A. d. V. —— „Wir erwarten, dieser Meldung zufolge, die genaueste Angabe von dem Vermögen des Che-Scheng, und was man entdecken wird, werden wir nicht ermangeln, durch einen besondern Befehl von uns öffentlich bekannt zu ma— chen. Jetzt indessen wollen wir nach der Ordnung alle seine wichtigsten Verbrechen aufzählen. 1. Se. Maj. unser Vater(Zänglung) hatte, da der— selbe allergnadigst uns zum Erben des Thrones bestimmte, im voraus festgesetzt, uns dieses Geheimniß im 60sten Jahre im 9ten Mond, am Zten Tage, feyerlich zu eröffnen; aber Che-Scheng hat, um vor uns seine Mitwirkung bey einer so wichtigen Angelegenheit kund zu thun, schon am 2ten Tage, dadurch, daß er uns das kaiserliche Shui“) über— reichte, vor der Zeit dieses Reichsgeheimniß enthüllt. 2. Als Che-Scheng im vergangenen Jahre zur Zeit der feyerlichen Begehung des Neujahrsfestes in der Hofburg zu Juang-ming-juang sich befand, um Sr. Maj. seine Glück— wünsche darzubringen, ist er nicht nur durch das linke Thor geritten, sondern er hat sich, mit Vorbeygehung des Thron— zimmers, ohne Scheu in dieser Lage Scheuschangkeu ge— nähert. Dadurch hat er eine vollkommene Nichtachtung der höchsten Gewalt, und eine Verachtung der Reichsverordnun— gen bewiesen*). 3. Er wurde wegen Schmerzen an den Füßen, auf ei— nem Lehnstühle sitzend, rückwärts und vorwärts bey dem *) Eine Art Stab oder Zepter. A. d. V. **) Dieß wäre wirklich kein geringes Verbrechen gewesen, wenn er ohne allen gesetzlichen Grund dabey verfahren wäre; aber er entschuldigt sich mit der ihm vom Kaiser, wegen seiner kran— ken Füße, gegebenen Erlaubniß. Che-Scheng würde nicht am Hofe erschienen seyn; aber der Kaiser konnte nicht ohne ihn seyn. Che-Scheng war bey Zänglung Günstling, Freund und Rathgeber. A. d. V. Thor Scheng-u vorbeygetragen, sogar bis in das Innerste der kaiserlichen Hofburg; welches ebenfalls zu seinen bedeu— tendsten Verbrechen gezählt wird. 4. Er hat, allen Anstand und alle Scham unter die Füße tretend, ein aus der Hofburg abgegangenes Mädchen (eine Beyschläferin) zur Frau genommen. 5. Als Sr. Maj. unser Vater, bey der Fortdauer der Empörungen in Ssütschuang und Chubo, ungeduldig Nachrichten erwartete; so bemühete sich Che-Scheng, dem höchsten Willen entgegen, indem er eigenmächtig alle aus jenen Gegenden ankommenden Berichte verheimlichte, und nach seinem ruchlosen Vorsatze seinen Herrn hinterging, die kriegerischen Unruhen zu verlängern). 6. Während der Krankheit des heiligsten Herrn* ging Che-Scheng, ohne die mindeste Betrübniß zu zeigen, im Pallaste aus und ein, scherzte und lachte, wie gewöhn— lich, mit allen ihm begegnenden Beamten, und bewies da— durch seinen frechen Leichtsinn. 7. Vergangenes Jahr, im Winter, als Se. Maj. während ihrer Krankheit, eine qualvolle Schlaflosigkeit, in einem ihrer Befehle einige Schriftzüge nicht deutlich gezeich— net hatten, zerriß Che-Scheng geradezu diesen Befehl, ohne alle gebührende Achtung, und sagte: es ist besser, ei— nen neuen zu machen. a 8. Vorher war Che-Scheng durch einen Befehl Sr. Maj. zur Verwaltung der Wapenkammer, dann zum Ober— ) Dieses legte man in Pekin anders aus. Alle versicherten, Che— Scheng habe von den unangenehmen Nachrichten in der guten Absicht nichts gemeldet, um seinen sehr alten und kranken Herrn nicht noch mehr in Unruhe zu setzen. A. d. V. *) Titel, den die chinesischen Kaiser von ihren Unterthanen an— nehmen, die auf jede Art gern sie erheben und preisen. A. d. V. Richter in Criminalsachen bestimmt worden, und endlich, da der Kaiser seine Fähigkeit, Ueberschläge von den Reichs— und Kriegsbedürfnissen zu machen, kannte, gab er den höch— sten Befehl, ihm die Aufsicht über die Angelegenheiten der Kammer der kaiserlichen Einkünfte zu übertragen. Er ver— waltete diese Kammer zum völligen Verderben, riß alle Ge— walt allein an sich, und beraubte die andern Amban's aller Wirksamkeit und Kraft. 9. Zu Ende des vergangenen Jahres stellte der Orts— Statthalter Guitu(Huitu) vor, daß in den Orten Ssung⸗chua und Guide(Huide) die Räuber Fangdsü, die sich in einer Zahl von mehr als 1000 Mann versammelt hatten, bey Zing-chai(Kukunor), die dem Dalai-Lama gehörige Handelskarawane geplündert, und einige Menschen erschlagen hätten. Che-Scheng verheimlichte diesen Vor— fall, schickte jenen Bericht wieder zurück, und that in dieser Sache gar nichts. Dies bewies hinlänglich seine gänzliche Unachtsamkeit auf die Angelegenheiten jenseit der Gränze. 10. Nach dem seligen Ende Sr. Maj. unsers Vaters, erließen wir allergnädigst durch einen höchsten Befehl den mongolischen Fürsten, welche die Blattern noch nicht ge— habt hatten, die Reise nach Pekin zu dieser trauervollen Ceremonie. Aber Che-Scheng verbot, unserm Befehle ent— gegen, allen, ohne Ausnahme, auch denen diese Reise, welche die Blattern schon gehabt hatten. Dieses Verfahren, das zur Absicht hatte, unsere Kälte gegen die Vasallen des Reichs zu zeigen, ist in Wahrheit unbegreiflich. 11. Alichada Ssiringa) wurde, wegen seiner Ver— wandtschaft mit seinem Bruder Che-lin, ungeachtet seines *) Rang des chinesischen Ministers der auswärtigen Angelegen— heiten, unserm wirklichen geheimen Rathe der ersten Klasse gleich kommend. A. d. V. 111 da hohen Alters und seiner Taubheit, doch nie von Che-Scheng 5 zur Entlassung von den Geschäften vorgestellt; und die Be— c amten Uschenglang, Lichuan und Liguanjun wurden durch der seine eigene Fürsprache, wegen besonderer ihm geleisteter k⸗ Dienste, alle zu den Rangstufen von Amban's und Direc— k toren-Aemtern, im gelehrten Theile, befördert. 4 12. Er schloß nicht selten Beamte, die zum geheimen Nathe gezählt wurden, ohne alle gesetzliche Ordnung und hinreichende Gründe, eigenmächtig aus den Verzeichnissen aus, und erlaubte sich andere, diesen ähnliche eigenmächtige Handlungen. 4 13. Bey der gegenwärtigen Einziehung seines Vermö— 1 gens hat sich gefunden, daß bey dem Baue seines Hauses, . welches eine gränzenlose Ueppigkeit und Verschwendung auf— 8 stellt, zu allem das kostbare Holz Nangalu(weiße Cy— 65 presse) gebraucht worden. Die innere Einrichtung desselben 0 ist eine vollkommene Nachbildung der kaiserlichen Hofburg f Ninscheu, und das äußere Ansehen ist das Ansehen von 1 Zündo Jaoschai. Alles dieses wendet gegen ihn unsere Un— n zufriedenheit und unsern Abscheu. g 14. Der von ihm in dem Kreise von Dsidsheu erbauete Todtenacker, ringsum mit einem ansehnlichen Kanale um— geben, von innen nach dem Modelle des östlichen kaiserli— chen Todtenackers eingerichtet, ist ein Gegenstand der Be— wunderung und Achtung für das Volk. Der große Haufe wagt es nicht, wegen der Pracht dieses Todtenackers, ihn mit dem gewöhnlichen Nahmen Füng*) zu benennen, sondern nennt ihn einstimmig Lin. O 5 en ae) Füng heißt ein gemeiner, aber Lin ein kaiserlicher Tod— tenacker. A. d. V. „ 15. Sein Vermögen ist unermeßlich. Selbst von großen und kostbaren Perlen, vorzüglicher als man sie ge— wöhnlich an den kaiserlichen Mützen und Hüten gebraucht, ist eine unglaubliche Menge gefunden worden. Ueberdieß von der zweyten Gattung Perlen, die man zu Rosenkrän— zen braucht, hat man mehr als tausend Schnüre entdeckt. Von ähnlicher Güte und in so großer Menge sind sie selbst nicht in den kaiserlichen Vorrathskammern vorhanden. 16. Man hat bey ihm eine Menge Kügelchen von den kostbarsten Steinen, deren Gebrauch ihm nicht erlaubt ist, gefunden; hundert Stücke verschiedener Kostbarkeiten von ungewöhnlicher Größe, und viereckiger eine(chinesische) Elle (Z russischer Arschin) großer Stücke eine zahllose Menge). Wir kränken uns sehr, wenn wir in den Händen eines Privatmanns solche Kostbarkeiten sehen, wie es deren selbst in unsern Vorrathskammern nicht giebt. 17. Unter seinen zahllosen Schätzen hat man ein voll— ständiges Ceremonienkleid von gelber Farbe gefunden, die einzig nur zu unserm kaiserlichen Gebrauche durch die Ge— setze uns überlassen ist. Che-Scheng ist weiter nichts als unser Sklave; was war also seine Absicht?— Diese sehr wichtige Entdeckung erweckt in uns ein ungemeines Miß— fallen, und einen unerträglichen Zorn gegen ihn. 18. In seinen Vorrathsgewölben zu Tundsheu und Dsidsheu entdeckt man Kapitale von unermeßlichen Sum— men. Erster Minister zu seyn and dabey in niederm Ge— *) Kügelchen von Rubinen, muß man denken, wie sie die Wan's und andre Prinzen von Geblüte an den Mützen tragen; und die andern Stücke bestanden, ohne Zweifel, größtentheils aus verschiedenen Gattungen von turkestanischem, gold- und milch— farbigen Jaspis. A. d. V. 2 2—— — 8— 2 — — 8 5 winne mit der Kaufmannschaft zu wetteifern, ist das wich⸗ tigste seiner Verbrechen. 19. An Gold, das in der Mauer seines Hauses uie— dergelegt war, hat man hundert und drey und dreyßig Pud*) herausgenommen, und an Silber 23 Millionen Lana(ungefähr 46 Millionen Silberrubel) gefunden; wel— ches sein größtes Verbrechen ausmacht. 20. Che-Scheng's Haushofmeister Liuziuang ist wei— ter nichts als der letzte der Sklaven; indessen hat sich, bey der Confiscation seines Hauses, ein Vermögen von mehr als 23809 Lana(ungefähr 48000 Rubel) in Silber gezeigt. Man hat bey ihm eine unglaubliche Menge großer Perlen gefunden. Wenn diesem gierigen Menschen nicht gestattet worden wäre, sich durch Plünderung zu bereichern; wie hätte er denn so großen Reichthum sammeln können? Dieses wird gleichfalls zu den wichtigsten Verbrechen Che— Scheng's gerechnet. Seine übrigen Vergehungen verschie— dener Art sind unzählbar. Außer den hier angezeigten Verbrechen Che-Scheng's verschwieg man die wichtigsten, der Geheimhaltung unter— worfenen. Er wurde erdrosselt; sein Sohn, der Zänglungs Tochter zur Gemahlin hatte, ward aller Würden beraubt; der Haushofmeister Liuziuang zur Landesverweisung abge— führt, seine Kinder aber, wegen zu großer Willkührlichkeit, dem Tode übergeben. Den 3. Jan.(15. Jan. N. St.) Heute fuhren wir in die Kaufmannsgewölbe, die größtentheils in Waihot— schen angelegt sind. ) Oder 5852ö russische Pfund, welche 462875 Leipziger Pfund Gold, wovon man jedes ungefähr 400 Thlr. Conv. M. rechnen kann, ausmachen. Dieß wäre also eine Summe von 1851560 Thlr. A. d. U. II. Band⸗ 9 „ In einer besondern Gasse, Liulitsch an, die äußerst enge und schmutzig ist, befinden sich beym Eingange einig Gewölbe mit gedruckten Büchern, in chinesischer und man— shurischer Sprache. Bücher sind viel, alle gebunden, und werden alle in Ordnung aufgestellt erhalten; aber die Be— hälter dieses gelehrten Reichthums sind ziemlich unsauber. Die Buchhändler sind, in ihrer Bildung, einigen der unsrigen ähnlich. Nicht selten bestimmen sie den Preis der Bücher nach ihrem Gewichte; sie haben die Gewohnheit et— was fünfmahl theurer als es werth ist, zu verkaufen. Sie verkaufen gern Bücher, an denen viele Blätter fehlen, oder sie vereinigen in Einem Exemplare Blätter aus drey oder vier verschiedenen Büchern. Man muß sehr vorsichtig ver— fahren, um nicht ein Opfer der Hinterlist der chinesischen Buchhändler zu werden. Dasselbe kann man von vielen andern Gegenständen des hiesigen Handels sagen. Die be— sten Bücher, besonders die geschichtlichen, werden in der Hofdruckerey gedruckt. Da kaufen sie die Buchhändler aus Pekin und andern Städten zu den von der Schatzkammer festgesetzten Preisen. Diese Druckerey giebt auch Zeitungen aus, welche alle zwey Tage in Pekin herauskommen, und nur Nachrichten enthalten von inländischen ungewöhnlichen Vorfällen, von kaiserlichen Befehlen und besonders von Er— nennungen der Beamten zu Stellen, Beförderungen, Be— lohnungen der ausgezeichnetesten Männer durch die Gnade des Chuandi mit einem gelben Kleide, mit Pfauenfedern, welche in China dasselbe bedeuten, wie bey uns die Ordens— bänder und Sterne; oder von Bestrafung räuberischer Statt— halter u. s. w. Uebrigens haben große Fürsten und selbst auch Buchhändler eigne kupferne und hölzerne Tafeln, auf welchen Werke von minderer Bedeutung ausgeschnitten wer— den; sie machen Abdrücke davon nach Maaßgabe des Be— . 5 darfs, und verkaufen solche Bucher nach einem beliebigen 100 Preise.. e halten ihren Werth durch leser— 10 liche und schöne Schriftzug in welchen die Worte aus— 0 geschnitten sind; denn bewegliche Typen zum Setzen in den . Druckereyen gebraucht man hier nicht; ebenfalls auch durch 1 das beste Papier, das aus abgekämmeten Seidenfasern und 4 Baumwolle gemacht wird. 1 Weiterhin befinden sich auf dieser Straße Gewölbe mit * Galanteriewaaren. Dort verkauft man Gemählde und häus— ie liche Verzierungen von Jaspis, Elfenbein und kostbaren der Holzarten, von dem feinsten Schnitzwerk; auch die besten del gläsernen, porzellanenen, lakirten Geräthschaften u. s. w. . Viele Sachen kommen da aus dem kaiserlichen Hofe vor, n die durch die Gewandheit der silbergierigen Verschnittenen in 10 die Gewölbe für eine Kleinigkeit hingeschafft werden. Wir be sahen auch nicht wenig englische Arbeiten da, die man über dit Kanton erhalten hatte. ae Nahe bey diesen Oertern befindet sich die Fliesen- und er Glasfabrik— Liulitschän. Bey der jetzigen Dazin'⸗ cl. schen Dynastie sind zur Verwaltung dieser Fabrik zwey Auf- 50 seher(Pristaw) angestellt, ein Manshur und ein Chineser. N Man verfertigt darin glasurte Ziegel von verschiedenen Far— 5 ben. Diese Fabrik ist von Süden nach Norden zu schmal, . aber von Ost nach West hat sie mehr als 2 Li d. M.) de in der Länge. Vor Liulitschan liegt ein leerer freyer Platz, l, auf welchem, im ersten Monate des neuen Jahres, vom ö lsten bis zum 17ten, täglich eine Versammlung Spazieren— t⸗ gehender ist. Hier verkauft man Spielsachen für Kinder, bst und spielt gemeine Komödien und Taschenspielereyen. auf Bey jedem Thore, besonders den Stadtthoren, zwischen oit⸗ der südlichen Mauer und dem Kanale, sahen wir einige ge— B= sattelte Esel. Auf diesen Thieren reiten die Chineser, der 9* * Schnelligkeit wegen, von einem Thore zum andern, für den Preis von nicht mehr als 10 Tschech, oder ungefähr 4 Ko— peiken in Kupfer*) nach unserm Gelde. Auch führen sie darauf nicht schwere Lasten weiter. In jetziger Winterzeit fährt man auch auf dem mit Eis bedeckten Kanale. Einige Menschen setzen sich auf Breter, die in Gestalt eines Schlit— tens zusammen gefügt sind, die ein Arbeiter fortzieht. Man sagt, man könne auf dem Wege von Pekin nach den südlichen Statthalterschaften, selbst im Sommer, auf klei⸗ nen zweyrädrigen Wagen, die von Menschen gezogen wer— den, fahren: eine Folge der Uebervölkerung, welche sie ed— lerer Mittel des Unterhalts beraubt. Für die Volkszahl in China ist nicht hinreichend Land vorhanden, das noch über— dieß durch die langdauernde Bearbeitung erschöpft ist. An der Stadtmauer in Gruben in der Erde halten sich Bettler auf. Man kann sich nichts mitleidswürdigeres und ekelhafteres vorstellen, als den Anblick dieser Ungläcklichen. Fast in natürlicher Nacktheit, mit einem Fetzen von einer Matte bedeckt, schleppen sie sich am Tage in den Gewöl— ben der Kaufmannsstadt oder der südlichen Vorstadt umher, um Almosen zu erbetteln; wenn sie einige Tschech erhalten haben, kriechen sie wieder in ihre Erdwohnungen. De— guignes, der in China gewesen ist, hat in Hinsicht dieser Unglücklichen die Bemerkung gemacht, daß in den Vorstäd— ten von Kanton sich die Bettler auf einem Platze versam— melten und sich dicht zusammen drängten, um sich, wenn auch nur ein wenig, gegen die Kälte zu schützen. Aber da sie auf diese Art sich nicht vollkommen erwärmen konnten, starben viele davon, und ihre Leichname lagen umher unter Balken und Steinen, die am Ufer des Flusses Tach é liegen. *) Fast 1 Gr. nach deutschem Gelde. A. d. U. — 133— Niemand konnte uns sagen, ob es in Pekin Spitäler oder ähnliche menschenfreundliche Anstalten giebt, ausge— nommen das Erziehungshaus(Waisenhaus)(Juintang) im Wailotschen nahe bey dem Thore Huangdsiui, das unter der jetzigen Dynastie, im Isten Jahre des Kanßi 1662 ge— stiftet wurde. Jundshen setzte dort, im ten Jahre seiner Regierung 1724 ein steinernes Denkmahl; er schenkte zum Nutzen dieser Anstalt 1000 Lana(2000 Rubel) in Silber, die jährlich ausgezahlt werden, und befahl der Vorsteher— schaft, gutdenkende Mitglieder zur Verwaltung desselben zu wählen. Man sagt indessen, im Winter gebe man den Bettlern, im Nahmen des Chuandi, gekochten Reißbrey, jedem eine Schale; aber nicht vielen gelingt es, diese Gnade seiner Hochweisheit*) zu genießen. In dem Tempel Lun— wantang oder Tschaojangé, der sich bey der Stadtmauer in Wailotschen, jenseit des Thores des östlichen Thurmes befindet, vertheilen die Choschan's jährlich, vom 15ten des 10ten Monds bis zum 18ten des Aten Monds im folgen— den Jahre, d. i. während der vier kalten Monate(3. B. vom November bis März, aus ihren eignen gemeinschaft— lichen Beyträgen, Brey unter die armen Leute. Auf dem Rückwege nach unserm Klosterhofe, zwischen der südlichen Mauer und dem Kanale, sahen wir einige Manshuren, die das Bogenschießen lernten. Man merkt, daß die Körperkräfte dieses kriegerischen Volkes ziemlich schwach sind; beym Lernen bemühen sie sich mehr, beym Spannen des Bogens, im Corps zusammen eine regelmä— ßige und schöne Figur zu bilden, und vergessen die Haupt— geschicklichkeit, oder haben nicht Kräfte genug dazu— die Pfeile richtig nach dem Ziele, und mit der Schnelligkeit ei— ner Flintenkugel abzuschießen. 91 ) Titel des Chuandi. A. d. V. —. Zum Glück für China bewahrt die Entlegenheit mäch⸗ tiger unternehmender Völker, Felsenberge und unfruchtbare Wüsten jetzt ihre Existenz gegen die Versuche irgend eines Schach Nadir, ober eines ihm ähnlichen, kühnen blut- und golddürstigen Eroberers*). In diesem Falle könnte China keinen zuverlässigen Schutz in seinen Streitkräften finden, nach der Menge und Ordnung derselben zu urtheilen. Die Britten, die vieles in jenen Ländern, wie man bemerken kann, durch ein Vergrößerungsglas**) betrachteten, zähl- ten in den Truppen desselben 1 Million Fußvolk und 800 tausend Reiterey, und wiesen, mit eben der Bestimmtheit, zum Unterhalt dieses, der Zahl nach furchtbaren Heeres, bis 87, 400000 Lana Silber an, welches, nach unserm Kupfergeld, wenigstens 6000 Millionen Rubel jährlich be⸗ *) Man sagt, der General der ostindischen Compagnie, Lord Clive, als er ganz Indien mit dem Geräusch seiner Waffen, und noch mehr mit dem Schrecken seines Nahmens erfüllte, und den Grund zu jener Riesenmacht gelegt hatte, die Eng— land auf den Trümmern jenes schönen, aber unglücklichen Lan— des errichtet hat— Lord Clive, nach Reichthümern und Sie— gen dürstend, habe seiner Regierung den Vorschlag gethan, China zu erobern. Er hielt dazu nicht mehr als zehntausend Mann Truppen für nöthig, weil er den Charakter der Ein— wohner des östlichen Asieus hinlänglich kannte und dabey auch dieses, daß die Stadt Caleutta(die Hauptstadt der ostindischen Compagnie) nicht weiter als 600 englische Meilen(120 d. M.) von Junnang, der südlichen Statthalterschaft China's, entfernt ist. Als den ersten unter seinen zu gewinnenden Vortheilen setzte Lord Clive die Bezahlung der englischen Nationalschuld — mit denjenigen Summen, welche man in China finden könnte. Lord Chatham, der damahls die Angelegenheiten des Reichs verwaltete, erlaubte sich nicht, mit solchen glänzenden Hoffnungen sich zu schmeicheln.— Voyage en Chine et en Ta- tarie à la suite de ambassade de Lord Macartuey, par M. Holmes, Sergent-Major de sa Garde; 4 Paris 1805. T. I. p- XIII. et seqd. A. d. V. r) S. Stauntons Tabelleu. A. d. V. — 1335 Z—ͤ—3 trägt. Die militärischen Kräfte, und die der Staatshaus— haltung eines Volkes sind gewiß ein Geheimniß für Fremde; wenigstens darf man von asiatischen Völkern, was solche wichtige Gegenstände betrifft, keine aufrichtige Offenheit er— warten. Ich theile hier einige Nachrichten von den chinesischen Truppen mit, so wie ich sie zufällig an Ort und Stelle gesammelt habe. Die Landmacht China's theilt sich in vier besondere Theile, nach den Völkern, aus denen sie besteht. Das aus Manshuren bestehende Heer nimmt den ersten Platz ein, und erstreckt sich auf 678 Compagnien, deren jede 100 Sol— daten enthält; das Ganze also beträgt 67800 Mann. Die zweyte Abtheilung begreift die Mongolen, die mit den Manshuren nach China, bey dessen Eroberung, gekommen sind und sich dort niedergelassen haben. Man rechnet ihrer 211 Compagnien, oder 21100 Mann. Die dritte Ab— theilung der Truppen, Udsheng Tschocha genannt, be— steht aus Chinesern, die gegen das Ende der Regierung der letzten chinesischen Dynastie Min zu den Manshuren über— gegangen und ihnen zur Besitznahme des chinesischen Throns behülflich gewesen sind; diese Truppen rechnet man 270 Compagnien, d. i. 27000 Mann stark; sie enthält auch die ganze Feldartillerie, die aus 400 Kanonen besteht. Auf diese Art nimmt man in diesen drey Corps, im eigentlichen Sinne der manshurischen Armee, deren jedes wieder in 8 Fahnen oder Divisionen getheilt ist, ungefähr 116000 Mann an, größtentheils Reiterey. Die vierte und letzte Abtheilung besteht aus gebornen Chinesern, die man jetzt anwirbt, und die Besatzungen im Innern ausmachen; sie ist unter dem Nahmen der Truppen der grünen Fahne bekannt, an der Zahl bis 500tausend Mann; außer diesen giebt es auch noch irreguläre chinesische Truppen, als Land— 0 ö ö — 136 miliz bis 125000 Mann. Dieses macht die eigentliche chinesische Armee aus, bestehend aus 625000 Mann, worunter 175000 Reiterey. Folglich erstreckt sich die ganze jetzt unter den Befehlen der Manshuren stehende Kriegsmacht auf 740000 Mann. Ueberdieß zwar haben sie zu ihrer Verfügung die leichte mongolische Reiterey, welche, ihrer Haushaltung und ihrem Dienste nach, einige Aehnlichkeit mit unsern don'schen, ural'schen u. a. Kasaken haben. Ei— nige rechnen auf 500tausend mongolische Reiter, aber ihre Zahl ist nicht möglich zu bestimmen. Die Hauptposten der chinesischen Truppen sind: I. in der Hauptstadt und um dieselbe; II. in der Manshurey und in der Nähe des Flusses Amur, gegen Osten; III. gegen Westen am Flusse Ili, in der Nähe der altaischen Berge. Dem Oberbefehlshaber dieser letztern Truppen ist die Auf— sicht auch über das chinesische Turkestan aufgetragen. In der Festung Chalgan rechnet man auf 12000 Mann Trup⸗ pen; in Kanton auf 40000. Eben so sind in den übrigen Statthalterschaften Truppen verlegt, so wie es das Bedürf⸗ niß erfordert, von 10 bis 40tausend in einer jeden. Alle chinesische Soldaten sind verheirathet. Ihre Söhne werden, sogleich bey ihrer Geburt, in die Regimentsver— zeichnisse eingetragen, und wenn sie erwachsen sind, treten sie in die erledigten Stellen in den Compagnien ein. Ein Soldat aus der ersten, zweyten und dritten Abtheilung er— hält von der Regierung, außer den Waffen, dem Pferde, Hause und Lebensmitteln an Reiß, noch einen Sold mo— natlich von 3 bis 4 Lana, d. i. 6 bis 8 Rubel in Silber. Fär dieses Geld muß er sich selbst die Montur machen, und alle Kriegsgeräthschaften in gutem Stande erhalten. Hier— aus entsteht aber ein gewaltig buntscheckiges Ansehen, Un— reinlichkeit und äußerste Mängel. Den Truppen von der U . 137— lig vierten Abtheilung giebt man von Seiten der Regierung am, Ackerfelder, die sie zu ihrem Unterhalt selbst bearbeiten müs— alle sen. Diese Truppen werden durch Rekruten ergänzt, die acht hier sehr gern zu den Fahnen des Mars herbeyströmen, um let sich von den furchtbarsten Feinden— der Bettelarmuth und ker dem Hunger, zu befreyen. ei Die Monturen der chinesischen Truppen haben im i Schnitte Aehnlichkeit mit der Kleidung aller übrigen Bür— le ger, ausgenommen die Kurma, oder den Spencer, zum Ueberziehen, welcher von derselben Farbe seyn muß, wie in die Fahne, zu welcher der Soldat gehört, d. i. gelb, weiß, d roth, hellblau, mit einer Einfassung oder auch ohne die— gen selbe. Die Soldaten geben, wenn sie in langen Reihen ge. sich ausdehnen, ein ziemlich gutgeordnetes Anfsehen. Zur f⸗ Kriegszeit bewaffnen sie sich mit eisernen Helmen, mit wat— In tirten Panzerhemden, mit Schilden aus Bambusrohr ge— p flochten; eine Rüstung viel zu schwach zum Schutz eines 98 Kriegers gegen einen Husarensäbel, oder den Pallasch eines 1 Kürassiers, ohne noch der Kugeln aus den Jägerbüchsen, der Kartätschenkugeln u. s. w. zu gedenken. 0 g Das vorzüglichste und wichtigste im Kriegswesen, was . chinesische oder manshurische Soldaten lernen müssen, ist 1 das Schießen mit dem Bogen, zu Pferde und zu Fuße; 5 das zweyte, für einen andern Theil der Krieger, ist das . Schießen aus Flinten ohne Schlösser und ohne Ladestock; , das dritte— das Schießen mit Kanonen. Alle diese drey 5 Dinge haben ihre Gebrechen. Nämlich g 1. der verzärtelte, in Frieden und Müßiggang lebende d chinesische Soldat, ist wenig geschickt zum Spannen starker 5 Bogen; 0 2. der Flintenträger hat oft, wegen äußerster Ar— e muth, keine eigene Flinte, und begnügt sich mit einer von — S—— —— ä ̃ Y— — 1 seinem Nachbar geliehenen, und wiederholt dieses in einer gewissen Zeit. Die Lunte ist ihm hinderlich; und beym Mangel des Ladestocks zum Feststampfen macht die Schwäche des Pulvers den Schuß unkräftig und unsicher; denn der Soldat fürchtet, immer die Flinte in die Höhe haltend, die Kugel möchte herausrollen. 3. Kanonen und Nörser, die bey uns die Kämpfe entscheiden, sind bey den Chinesern im allerschlechtesten Zu— stande. Sie sind durch die Portugiesen eingeführt, und größtentheils hier von französischen Missionaren des Jesui— ten-Ordens gegossen. Diese Väter dirigirten auch ehedem die Wirkung der chinesischen Artillerie in Kriegszeiten. Was die persönliche Würde der Soldaten betrifft, halte ich hier für nöthig zu erwähnen, daß, obgleich die Krieger der ersten und zweyten Abtheilung, d. i. die Man— shuren und Mongolen, ihre Bundesgenossen, die Blüthe des chinesischen Heeres ausmachen, und ausschließende Rechte und Ehrenbezeigungen im Volke genießen; so sind sie doch im jetzigen geschwächten Zustande mehr des Bedauerns als des Lobes würdig. Selbst chinesische Komiker bringen kühn auf die Bühne diese Helden, als ein lächerliches Beyspiel verzärtelter, an Geist und Körper schwacher Menschen, die ihren Muth, den sie einst in den Steppen hatten, verloren, und es vernachlässigen sich durch Aufklärung zu vervollkomm— nen. Nach der allgemeinen Meinung aller können die Sol— daten, die sich in der Manshurey und den Dachur-ßolon'- schen Ländern am Flusse Amur befinden, wegen ihrer stren— gen Kriegszucht und Tapferkeit, noch den wahren Nahmen Krieger erhalten. Den zweyten Platz nach ihnen nehmen, wie man sagt, die in das Gebiet von Ili verlegten Trup— pen ein. Die vierte Abtheilung der Truppen, die aus chi— nesischen Rekruten besteht, sind äußerst vernachlässigt; diese ch 0 ben wih In der Aland, fumpfe u Fu⸗ und Ali en N bla, lac de n. Illthe Nate st dag 1 al. Ain spiel die tel, um⸗ öol⸗ — 19. unglücklichen tragen größere Last des Dienstes, und genie— ßen weniger Vortheile davon. Endlich muß man noch von jenen chinesischen Truppen sprechen, die in die Manshurey übergegangen sind und Üdsheng Tschocha genannt werden. Diese stehen auch nicht in großen Ehren in Vergleichung mit den ersten zwey Abtheilungen. Der manshurische Hof hat vergessen, daß sie für ihn im ganzen Umfange der Regierungs-Verwaltung seine Lehrer, seine Führer waren, daß sie ihn auf den pekin'schen Throne befestigt, und Ge— setze im Reiche gegeben und Gerichtsstellen gestiftet haben; jetzt schmäht er sie bey vielen Gelegenheiten, und läßt es sie fühlen, daß er ihrer nicht bedarf. Er beraubt die Wür⸗ digen der Belohnungen und stellt sie fast dem Pöbel gleich. Ein solches Verfahren hat in den Herzen der Üdsheng— Tschocha's den Funken eines geheimen, gefährlichen Unwil— lens entzündet. So ist die Landmacht China's beschaffen. Man sagt, ihre Flotte sey noch erbärmlicher; es giebt wenig Kriegs— fahrzeuge und sie sind sehr schlecht gebaut und bewaffnet. Zum Schlusse des Ganzen setze ich hier in einer Ueber— setzung) aus dem Manshurischen den Befehl des Chuandi selbst her, der im fünften Jahre des Dsäzin, im ten Mond, am 17ten Tage(July 1800) gegeben worden. In diesem Befehle ist der wahre Zustand der manshurischen Truppen, die jetzt noch mehr gesunken sind, ausgedrückt. „In diesen Tagen ist von dem Oberbefehlshaber der Truppen, General Lebao, ein Bericht eingegangen, in wel— chem er unter andern vorstellt, daß die ihm aus dem pekin'⸗ schen sogenannten ausgewählten Corps zugesandten Solda— *) Des Hrn. Lipowzow, dessen zu gedenken ich im ersten Theile dieser Reise Gelegenheit hatte. A. d. V. ten, nebst ihren Beamten, bey allen ihren Mängeln in der Kriegswissenschaft, von ihm gänzlich untauglich zur Ertra— gung der Anstrengungen und Besiegung der Gefahren, die mit den Kriegsunternehmungen unvermeidlich verknüpft sind, befunden worden. Aus diesen Gründen hält er es für besser, sie wieder nach Pekin zurückzuschicken, als sie bey dem Heere zu behalten, wo sie nicht nur gar keinen Nutzen für sich selbst haben, sondern auch den andern zur Last und Aerger— niß seyn würden. Ueberdieß bittet er, daß sie, nach ihrer Ankunft in der Hauptstadt, den obersten Vorgesetzten dieses Corps übergeben würden, damit diese es über sich nehmen, ihnen auf gehörige Art die Kriegs-Exercitien zu lehren, in welchen sie, zur Schande ihres Standes, sich so gänzlich unachtsam gezeigt hatten. Was die aus gebornen Chinesern bestehenden Truppen betrifft, die unter dem Oberbefehl des General Eldembaos stehen, so findet er sie in ziemlich gutem Stande, und äußert sich über sie mit Lobe. Diese Truppen haben, ungeachtet aller Beschwerden, denen sie fast täglich unterworfen sind, in vielen Schlachten mit ausgezeichnetem Muth und Tapferkeit sich betragen.“ „Hieraus kann man deutlich einsehen, daß unsre Manshuren ganz untauglich zu kriegerischen Unternehmun— gen geworden sind. Hieran ist nichts anders schuld als die— ses, daß sie in Friedenszeiten niemahls zu Kriegsübungen angehalten, sondern völlig ihrem eignen freyen Willen über— lassen worden, der sie in eine solche Unachtsamkeit, Schwäche und Unthätigkeit gestürzt hat.— Wenn wir uns jene Zeit denken, als das manshurische Volk den ersten Grund zu dem gegenwärtigen Ruhm und Größe legte, als unsere manshurischen Truppen, mit Verachtung aller Gefahren, die sie wegen ihrer geringen Anzahl, fast auf jedem Schritte antrafen, bey allen Gelegenheiten sich so mannhaft betrugen, daß sie stets die zehnmal zahlreicheren feindlichen Heere besiegten, und überall triumphirten, wo sie nur ihre siegreichen Waffen hinwendeten; da kann man mit vollem Rechte sagen, daß wir von dem tiefsten Alterthum an bis zu den jetzigen Zeiten, in der ganzen Welt keine so mann— haften, tapfern und siegreichen Truppen finden, als die manshurischen waren(1). Bey all' dem waren damahls noch keine solchen Corps errichtet, wie wir sie jetzt sehen. In diese sollen, den 5 gemäß, nur die auser— lesensten Soldaten und Offiziere aufgenommen werden, de— nen man alle mögliche Hülfsmittel verschafft, damit sie, ohne durch irgend ein Bedürfniß beengt zu seyn, mit größ— ter Bequemlichkeit nur ihren militärischen Pflichten ob— liegen können. Damahls beseelte das gegenseitige Gefühl für das allgemeine Wohl und die flammende Liebe zum Va— terlande jeden Manshuren, und machte sie unbesiegbar in der ganzen Welt.(1) Allein die jetzigen Manshuren kön— nen, bey allen Hülfsmitteln von Seiten der Regierung, sich nicht nur nicht mit ihren Vorfahren in jeder Hinsicht ver— gleichen; sondern sie sind auch, zu unserer empfindlichen Kränkung, sichtbar schwächer als die Truppen der gebornen Chineser geworden, und sind alle zu nichts mehr tauglich. Wir hatten ehedem noch eine ziemlich gute Meinung von diesem auserlesenen, und dem andern sogenannten Feuerge— wehr-Corps. Aber jetzt sehen wir, zu unserm Bedauern, ganz das Gegentheil. Und wenn die Soldaten dieser Corps sich in einer solchen zerrütteten und schwachen Verfassung befinden, was soll man da von unsrer Garde und den übri— gen Soldaten denken?— Ach! Manshuren! ihr seyd doch nicht wohl schon so verdorben, daß die Scham euch nicht mehr rührt, und das Gewissen nicht mehr schlägt?— Wir selbst, indem wir diesen Befehl entwerfen, werden bey je— „„ dem Werte, das eurer Untauglichkeit erwähnt, mit Scham bedeckt.“ „Bey einem solchen, jeder Strafe würdigen Betragen unsrer Soldaten, hatte der General Füßembo sich keck uns vorgestellt, mit einer unverständigen Bitte um eine beson— dere Belohnung für alle manshurische Truppen, um sie, wie er sich ausdrückt, dadurch zu eifriger Verrichtung ihres Dienstes zu ermuntern. Aber der unbesonnene Fürsprecher hat sich dieses nicht vorgestellt, daß von unserm kaiserlichen Throne unsere höchsten Gnadenbezeigungen auf sie sich unauf— hörlich ergossen haben, und noch ergießen. Denn außer dem festgesetzten Solde, der nur allein den Manshurischen Sol— daten gereicht wird, und der sich auf mehr als 320tausend Lana(640tausend Silberrubel) monatlich beläuft, schenken wir am Ende jedes Jahres für einen Monat dieselbe Sum— me, und zwar nicht auf Abschlag, auch befehlen wir ziem— lich ansehnliche Summen jährlich zur Kleidung auszuzahlen, und sogar für die auf Steckenpferden reitenden(die kleinen Kinder); denen, die sich verehelichen, schenken wir beiden Geschlechtern gleichfalls einen zweymonatlichen Gehalt(von 6 bis 8 Lana in Silber), und zum Begräbniß von Leuten beiderley Geschlechts geben wir eine Summe, die das dop— pelte von diesem beträgt. Wenn man alle diese außeror— dentlichen Belohnungen überdenkt, die einzig zufolge unsers unbeschränkten Erbarmens gegen die Soldaten ausgegossen werden, so kann jeder nach seinem Gewissen sagen, daß unsere monarchischen Gnadenbezeigungen gegen die Manshu— ren gränzenlos sind. Uebrigens aber besondere Belohnungen ohne alle gesetzmäßige Veranlassung zu verleihen, wäre der gesunden Vernunft und einer weisen Staatsverwaltung entgegen.“ fag b ae nt 89 esch — 143— „Es geht das Gerücht, daß diejenigen Soldaten, von deren Untauglichkeit General Lebao Vorstellung gemacht hat, nicht aus der Zahl der besten jenes Corps sind, und daß sie zum Heere nicht zufolge einer Wahl, sondern ihrem eignen Wunsche nach gesandt worden. Wir hören dieses und lachen über eine so unverständige Erdichtung, die mehr zu ihrer An- klage als zu ihrer Entschuldigung dient. Wir fragen sie: was heißt das, zum Heere nach eignem Wunsche gesandt werden?— heißt das nicht, um sich dem Kaiser und dem Vaterlande zu zeigen, daß sie, als seine eifrigen Unterthanen und treuen Söhne, ohne ihres Lebens zu schonen, mit Un— erschrockenheit und männlichen Muthe gehen, sich den Fein— den des Vaterlandes, die frech die allgemeine Ruhe stören, entgegen zu stellen, und dadurch die edeln Gefühle der Er— kenntlichkeit gegen jene höchsten Gnadenbezeigungen, die sie so reichlich in Friedenszeiten genossen haben, an den Tag zu legen? Aber sie, gleich Sklaven, die auch nicht ein einziges solches Gefühl haben, beflecken sich, anstatt regen Eifers sich durch rühmliche Thaten auszuzeichnen, mit jeder Art abscheu— lichen und strafwürdigen Lastern, zu deren Befriedigung sie allein wünschten, zum Heere gesandt zu werden. Es ist uns bekannt, daß sie, während ihres ganzen Marsches, auf eine gesetzwidrige Weise von den Ortsbeamten nicht geringe Sum— men Geldes gefordert, und gewaltsam alles weggenommen haben, was nur ihre Habsucht reizte. Aber dieß ist noch nicht genug zu ihrer Schande. Als sie zum Hauptheere stie— ßen, faßten sie den festen Entschluß, unter verschiedenen Vorwänden dem Kampfe sich zu entziehen, und ruhig im Quartiere liegend ihren monatlichen Sold zu empfangen. Kann man wohl also eifrigen Dienst von solchen Kriegern er—⸗ warten, die mit diesen unwürdigen Gedanken aus der Haupt⸗ stadt zum Heere gegangen sind?“ — 144— „Diesen unsern Befehl gebieten wir, allen unsern Ge— neralen und Offizieren bekannt zu machen, damit sie, mit wahrem festen Vorsatz, ohne Mühe noch Zeit zu sparen, un— verzüglich es übernehmen, jeden Tag alle unter ihren Befeh— len stehende Soldaten zu unterrichten, und sie in zwey, oder höchstens in drey Jahren unfehlbar in solchen Stand bringen, daß sowohl Fußvolk als Reiter auf die geschickteste Art mit Bogen schießen können; daß sie ebenfalls auch in den übrigen Kriegsübungen ihre Geschicklichkeit und Gewandtheit zeigen, und dadurch eben des berühmten Nahmens der Manshuren sich würdig machen. Wir werden nun, nach Verlauf von sieben und zwanzig Monaten, unvermuthet, ohne auf Ort noch Zeit zu sehen, plötzlich befehlen, bald dieses bald jenes Corps herauszuführen, und werden dann in eigner Person sie mit größter Aufmerksamkeit und Strenge mustern. In diesem Falle, wenn die Soldaten, wider Vermuthen, un— vollkommen befunden werden, und noch mehr, wenn sie sich unachtsam gegen ihre Pflichten, und schlecht in der Behand— lung ihres Gewehrs zeigen, so werden wir alle Vorgesetzten, von den obersten bis zu den letzten Offizieren, der strengsten Bestrafung ohne alle Schonung unterwerfen. Es benutze jeder noch unsere ungewöhnliche Nachsicht, die hier zum letz— tenmahle bewiesen wird; er gebrauche mit Eifer die ihm ge— gebene Zeit, und erscheine würdig seines Standes und Berufes.“ Den 6. Jan.(18. Jan. N. St.) als am Feste der Taufe des Heilandes, wurde der festgesetzte Gottesdienst von den geistlichen Mitgliedern der neuen Mission verrichtet, wobey sich auch einige von unsern Albasinern einfanden. Den 7. Jan.(19. Jan. N. St.) war in der Nacht ein heftiger Sturm, dessen Stöße große Aeste der neben der Kirche stehenden Cypresse zerbrach. Ueberhaupt giebt es im fache * Aue a0 inet WM Gan L 1a fel fee sshn 1 N. Winter und Frühlinge in Pekin fast immer gewaltige se, it Sturmwinde. eu, ile Den 9. Jan.(21. Jan. N. St.) des Abends erschien, Bech in meinem Beyseyn, bey dem Vorsteher der neuen Mission ober ein Chineser Peter Burshua, Soldat des pekin'schen Corps ingen, Udshentschoch. Er ist ungefähr 40 Jahr alt. Burshua ist t mit der Sohn eines armen Soldaten, im hiesigen französischen vrgen Kloster von den Jesuiten erzogen, die ihn zu dem Berufe atzen, eines Predigers des römisch-katholischen Glaubens in den dure innern Statthalterschaften China's vorbereiteten. In dieser f van Absicht beschlossen sie, zu besserer Bildung, ihn nach Eu— uf At ropa zu senden, wohin der Oheim Burshua's gesandt wor— jenes den, der nachher ein bekannter Geistlicher unter seinen Lands— Verson leuten war. Aber als die letzte Verfolgung sich gegen die .. In Jesuiten erhob, entsagte Burshua dem geistlichen Stande u, un⸗ der christlichen Kirche, und kehrte, seiner Pflicht nach, zu de sch seinem Regimente zurück. Außer seiner Muttersprache, der Behand⸗ chinesischen, spricht und schreibt er gut lateinisch und fran— 22 zösisch, und hat überhaupt eine ziemlich gelehrte Erziehung sten erhalten. Es ist seltsam einen Chineser zu sehen, gekleidet cube und bewaffnet nach der Sitte seines Landes, aber seine leb⸗ Gedanken in der Sprache und mit allen Wendungen eines ge⸗ liebenswürdigen Parisers ausdrückend!— Die Studenten und der neuen Mission gebrauchen Burshua, gegen Bezahlung einer nicht bedeutenden Summe, als Privatlehrer der chine— Vue sischen Sprache, bloß darum, weil er gut lateinisch spricht. den Uebrigens kann dieses mehr ihre Fortschritte verzögern als be beschleunigen; denn wenn es dem Lernenden schwer wird in chinesischer Sprache zu reden, nimmt er immer seine Zu— bt en flucht zu der lateinischen, als der bekannteren. Ueberdieß 10 der hat Burshua, wie viele Jesuiten, keine hinreichenden und 00 in regelmäßigen Kenntnisse in der chinesischen Sprache. II. Band. 10 . 2— 5—— *—— J 5 0„* N 7 I Als einen Beweis der Kenntnisse dieses ungewöhnlichen 1 Kriegers in der römischen Beredsamkeit und den Wissen— 4 schaften, füge ich hier die Abschrift eines eigenhändigen 5 Briefes von ihm an den Pater Archimandriten Peter bey, 6 dem er seine Rathschläge über die Erhaltung eines langen 9 Lebens vorlegte. 1 Empfangen am 8.(20.) Jan. 1821. Uebersetzung. 0 Domine Pater Reverendis- Hochwürdigster Herr f sime! Pater! Alpha et Omeka“) inquie- bat: Venite et faciemus ho- minem ad imaginem et simi- litudinem nostram ete. Hoc textu scripturae sacrae com- monefacimur, ipsummet ho- minem ex ingenito praeditum esse divinis dotibus, ut intel- ligentia, memoria de praete- rito, praevidentia de futuro, iis que innumerabilibus, esse que eum comparticipem divi- nae naturae. Natura autem Dei summe verax est, ex summa autem veracitate con- sequitur insinita consolitudo (sie), seu consolitum(sic), sen spissum infinitum; inde- que eummet esse aeternum, docent sacra et prosana, ap- probaut que argumentioni- Das Alpha und Omega sprach: laßt uns Menschen machen, ein Bild das uns gleich sey u. s. w. Durch die— sen Text der heiligen Schrift werden wir erinnert, daß der Mensch selbst seiner angebor— nen Natur nach mit göttlichen Gaben, als Verstand, Gedächt— niß des Vergangenen, Vorher— sehung des Künftigen, und der— gleichen unzähligen, versehen, und daß derselbe der göttlichen Natur mittheilhaftig sey. Die Natur Gottes aber ist höchst wahrhaft, aber aus der höch— sten Wahrhaftigkeit folgt eine unendliche Festigkeit oder Be— festigtes, oder ein unendlich Dichtes; daher lehren die hei— ligen und die profanen Schrif— *) Nach der Rechtschreibung in der Urschrift. A. d. V. sllchen Wissn⸗ indign bey, ngen mega schen b und ch die⸗ cri ß der gbor⸗ flache zac hlet⸗ dder⸗ chen, schen Die bus(sic) infallibilibus experi- entiis que Logica et Metaphy- sica. Homo vero, quia com- particeps est divinae naturae, non potest quin naturaliter protendet(sc) aut desideret aeternitatem vitae. Qua pro- pter traditione audimus, inter Romanos et Graecos quam plures et in diversis sacculis, multis modis et adinventioni- bus conati sunt, quibus diu— lius(aut uli volebant, ipsimet) perpetuo vivere. Hine Pitha- gorus(sie) advertens ingenu- inum hoc desiderium longi— turnitatis esse in hominibus, incepit et promulgavit se- cundum ductum mentis suae melempsicosis(Sie) tractata, quamque salsa esse, philoso- phus posternus non ignorat. Hin in nostro Imperio ab antiquissimo tempore fuere Das, qui praeter metem- Psicosin(sie) docent perpe- tuitatem vitae et quasdam pillulas a se compositas aut (ut jactant) divinitüs donatas; qui ad hunc finem immortali- tatis subducunt se ab omni sollicitudine et se coarctant ten, daß eben dieser Gott ewig sey, und es beweisen dieses mit unfehlbaren Beweisgrün— den und Erfahrungen die Lo— gik und Metaphysik. Der Mensch aber, weil er der gött— lichen Natur mittheilhaftig ist, kann nicht umhin, natürlicher Weise eine Ewigkeit des Le— bens zu verlangen und zu wün— schen. Deswegen hören wir auch durch Ueberlieferung, wie viele und in verschiedenen Jahr— hunderten, unter den Römern und Griechen, sich auf vieler— ley Art und durch Erfindungen bemüht haben, um durch diese länger(oder wie sie selbst woll— ten) ewig zu leben. Daher, als Pythagoras bemerkte, daß dieses angeborne Verlangen des langen Lebens in den Menschen liege, fing er, der Leitung sei— nes Geistes nach, seine Abhand— lungen von der Seelenwande— rung an, und machte sie be— kannt; wie falsch diese sind, ist den spätern Philosophen wohl bewußt. Daher gab es in unserm Reiche, seit der äl— testen Zeit die Dao' s, die außer der Seelenwanderung 10* f —. 8 a —— 2 „ in eorum habitationibus, aut in speluncis montium, maxi- meque attemperant suum ani- mum ita, ut nunquam sinant se agitari aflectionibus affectibus queisque; quorum insanie (Sic) aliqui nostri Imperato- res(ut praetermitto(Sie) in- numerabiles homines inter Van- ye, Da- gin et popu- lum tam pauperes quam di- vites, ad hanc usque diem) tentati, infructuose finierunt vitam suam, ut videre licet in Daun- Fien- lan- mu. Itaque ego Petrus, fex ho- minum, a viginti annis legi libros nostros medicos et red- igi(sie) illos in praxin usque *) Geschichte des chinesischen Reichs. A. d. V. eine ewige Dauer des Lebens lehren, und einige von ihnen verfertigte, oder(wie sie sich rühmen) von Gott geschenkte Pillen; welche zu diesem Zwecke der Unsterblichkeit sich aller Sorgen entschlagen, und sich in ihren Wohnungen, oder in Höhlen der Berge einschließen, und vorzüglich ihr Gemüth so stimmen, daß sie nie sich von Leidenschaften, welche es auch seyn mögen, beunruhigen las— sen; durch deren Unsinn einige unserer Kaiser(nicht zu geden— ken der unzähligen Menschen unter den Wan-je(Fürsten), den Da⸗-shin(Großen, Vor— nehmen) und dem Volke, so— wohl Armer als Reicher, bis auf diesen Tag) angelockt, fruchtlos ihr Leben geendiget haben, wie man in den Tun— d sän⸗(dsian) gan-mu*) sehen kann. Also habe ich, Peter, Hefe der Menschen, seit zwanzig Jahren unsere medicinischen Bücher gelesen, und sie in Aus— So schreibt der Verf. die Worte: Dhun-kien Kan- mu. A. d. II. nige den⸗ schen en 33 nunc quindecim annis am- plius. Verum est, quod li- pris illis multa admixta ridi- cula et imaginata dicta; lecto- res autem prudentes oportet colligere sibi fruges et relin- quere herbas, herbasque inu- tiles sylvestras(Sι,) et ve- nenosas zizaniaque ipsamet. Haec satis esse puto dicta, ut Honor suus assentiat, servum suum Petrum de Dao licet instructum, longe tamen esse ab eorum mente, et puré pro- fiteri Medicinam tam theoricé quam practicé, ab Huan- ti usque nunc de saeculo in sae- culum traditam, ejus que et VDoctorum medicorum nostro- rum disciplinis addictus, me- dia aliquot offero pro suamet quotidiana vivendi ratione, ut sint utilia suae caniciei et proficua; indeque sequi de- bet(quibuscunque aliis occa- sionibus improvisis exceptis, aut ut logicè ceteris paribus) diuturnitas seu plenus cursus übung gebracht, über funfzehn Jahr. Es ist wahr, daß in diesen Büchern viel lächerlich und eingebildet Gesagtes unter— mischt ist; verständige Leser müssen aber sich die Früchte einsammeln, und das Gras zurücklassen, und die unnützen Waldkräuter, auch die giftigen und das Unkraut selbst. Dieß glaube ich, ist genug gesagt, damit Seine Ehren) sich überzeugt, daß Sein Knecht Peter, obgleich von den Da o's unterrichtet, doch weit von dem Sinne derselben entfernt sey, und sich rein zu der Arzney— kunde bekenne, sowohl theore— tisch als praktisch, welche von Chuan-di an bis jetzt von Jahrhundert zu Jahrhundert ist gelehrt worden: und seinen und unsrer Aerzte Lehren erge— ben, biete ich einige Mittel dar, für Seine tägliche Lebens weise, damit sie Seinem Greisenalter nützlich und vortheilhaft seyn mögen; und daraus muß(an— *) D. i. Ew. Hochwürden. Der Chineser redet in der dritten Person des Singulars, wie in den Zeiten, wo Er noch, Katt des jetzigen Sie, eine ehrende Anrede war. A. d. U. 150 vitae, id est peractio aut im- pletio septuaginta aut octo- ginta annorum secundum com- munem mentem. Longe est, quod crederem, aeternitatem esse posse in hoc mundo. Ecce, Domine serenissime mihique Benefactor, accipe quaeso in Latina lingua. Ho- noris sui addictissimus et obsequentissimus humillimus- que Hetrus de Bourjoie. dere unvorhergesehene Fälle von irgend einer Art ausge— nommen, oder wie die Logik (sagt): bey übrigens gleichen Umständen) eine lange Lebens— dauer, oder ein voller Lebens— lauf folgen, daß ist eine Voll— endung oder Erfüllung von siebig oder achtzig Jahren, nach dem gewöhnlichen Sinne. Ich bin weit entfernt zu glau— ben, daß eine ewige Lebens— dauer in dieser Welt seyn könne. Hier, erlauchtester Herr, und mein Wohlthäter, nimm dieses, ich bitte, in lateinischer Sprache an. Seiner Ehren (Ew. Hochwürden) ergebenster, gehorsamster und demüthigster Peter de Bourjoie Y. Regeln chinesischer Makrobiotik. 1. Esuriens eibare; dum ob aetalem minuitur appetitus, non conturbare. Plerique seniores conati sunt, plus cibum capere, putantes sibi — 1. Iß, wenn dich hungert; wird durch das Alter der Ap— petit vermindert, so stürme nicht in dich hinein. Mehrere Bejahrte haben es gewagt, mehr Speise zu sich zu ) Diesen Nahmen, der dem chinesischen Briefschreiber ohne Zwei— fel in der Taufe gegeben worden war, schreibt der Verf. die— ser Reise Burshua, indem die Russen jederzeit den Laut des französischen oi durch ua ausdrücken. A. d. U. esse proficuum; inde ob indige- sonem exurgunt acrimoniae, seu pilae, aut flegmata, et ipsa ac cidentia; prolongetur neutiquam eorum numerus aetatis. 2. Sapitum gustum caveto, ne citra iustum accipies. 46). Juniores et fortes apti ad di- gestionem sunt; seniores vero et debiles debent cavere. 3. Inter quatuor tempora, hiemem censeas praesiosum et praecipuum pro sanitate seniorum ac debiliorum. OQula srigus est evitabilis(sic) in calefactis domibus, et illo tempore vires vitales recolligun- tur sine dispersione; bonum pro senibus debilibusque tempus est. 4. Lautio potest disperdere vires vitales. Convalescentes, seniores, de- biles evitabunt eam; fortes autem accipiant suo lubitu, sed verno tempore et in aestate rarö. 5. Pavimentum cubiculi non debet esse integre cale- factum. nehmen, in der Meinung, es sey ihnen nützlich; daher entstehen, wegen der Unverdaulichkeit, Säu— re, oder Klümpchen, oder Schleim, und sogar Krankheitszufälle; und es wird eben die Zahl ihres Al⸗ ters nicht sehr vermehrt werden. 2. Hüte dich vor Wohlge— schmack, damit du nicht mehr, als gut ist, genießest. Jüngere und Starke sind zum Verdauen geschickt; Aeltere aber und Schwache müssen sich in Acht nehmen. 3. Unter den vier Jahres- zeiten halte den Winter für kostbar und vorzüglich für die Gesundheit der Aelteren und Schwachen. Weil man die Kälte in er— wärmten Häusern vermeiden kann und zu jener Zeit sich die Lebens— kräfte wieder sammeln; ist diese Zeit für Alte und Schwache gut. 4. Das Baden kann die Lebenskräfte zerstören. Wiedergenesende, Aeltere, Schwache müssen es vermeiden; Starke mögen es nach Gefallen gebrauchen, aber zur Frühlings⸗ zeit und im Sommer selten. 5. Der Fußboden des Zim— mers muß nicht ganz erwärmt seyn. f 0 1 J 90 0 ö 1 1 * . . 5 . 5 5 N 1 Quando sub pedibus est calor nimius, tunc totius corporis hu mores descendunt, hin homo cito debilitatur; sed oportet par- tem pavimenti calefactam et al- teram frigidam, ut pedes alter natim caleficiantur et refrigiscen- tur( gescantur). Ad hoc ni- titius(aitidius) explicandum ca- ret mihi terminis suis Propriis. 6. Valde nocet ira. Ira vehemens in fortibus cau- sat suflocationem repentinam, in mediocriter fortibus spussionem sanguinis, in adhuc minus forti- bus dolorem pectoris et subco- starum, in senibus et debilibus mortem subitaneam; experien- tiam plurimam habui. 7. Profunda meditatio et ardua non debet esse prolon- gata. Si ob unicam ideam vivacem seu fnnditus permoventem, pal- pitatio cordialis acceleretur aut arctetur; tune vita non durabit multo. 8. In verno tempore, in loco paululum calefacto tran- quillo animo vivito. Pro debilibus et senioribus in- congruum est hoc tempus. Multi homines patiuntur aliquam alter P 0 Wenn unter den Füßen eine zu große Wärme ist, ziehen sich die Feuchtigkeiten(Säfte) des ganzen Körpers herab, daher wird der Mensch schnell geschwächt; sondern ein Theil des Fußbodens muß warm, der andere kalt seyn, damit die Füße abwechselnd er— wärmt und abgekühlt werden. Dieses deutlicher zu erklären, fehlt es mir an den eigentlichen Ausdrücken. 6. Sehr viel schadet der Zorn. Heftiger Zorn verursacht bey Starken eine plötzliche Erstickung (Versetzung des Athems), bey mit— telmäßig Starken Blutspeyen, bey noch weniger Starken Schmerzen in der Brust und unter den Rip— pen, bey Alten und Schwachen einen schnellen Tod; ich habe viel Er fahrung gehabt. 7. Ein tiefes und schweres Nachsinnen darf nicht lange fortgesetzt werden. Wenn durch eine lebhafte oder durchaus erschütternde Idee, der Schlag des Herzens beschleunigt wird, dann wird das Leben nicht lange dauern. 8. Zur Frühlingszeit lebe ru— higen Gemüthes in einem Or— te, der ein wenig erwärmt ist. Für Schwache und Aeltere ist diese Zeit unpassend. Viele Men— schen erleiden einige Zerrüttung Hen dieß 9 595 4 e 2 1 5 5— Fron Sesundheit 9 Nerf ihretk Gefundheu it Derfelben; 2 o Mundt Nau en der gem Maun giebt den Rath, s 31—.— 5* Daß die, welche an ihrer Gesund⸗ er Fele D oder Leibesüdung machen sollen; dieser Rath her Fam re s er Ruch Gbr eommt nicht- aus e der Arenen— Dem r Arzueywissen⸗ 8 E* Haff Ro [schaft her. 0 Ir Same sohst In 9. Il Sommer sollst A * er 1 A 2 N* 8„ Sahsen ene das i ahne im Kuhlen kühig, das It, Ohle offene leben 20 TCS 1 N er 8 ea For Fou ct: Tem num! Ve 5 Tes— Der Wärme Der echten 0 Ple 0— Luft die Man: nher die E a— 277 die Pstanzen; aber die 0 Er F K 8 C0 latur fortibus mihi st meisten Körper leiden D 5 kum rosos eil OS Ca! et e pder feuchte Seisen und ma⸗ 220 808 208*. Oder seüchte Speifsen, uno ma⸗ eTCltare. 8 555555——„„ 5 Au apud nos 1 10 err Herdst i! eidohn⸗ — a 1 Ich he Frben⸗ daher muß oi est S1 1 unde debet un lich sehr trocken; daher muß ein 5—.— N rr 4— f— 1 Ss„ 8755 noise ne* us 11 tempore sua cibaria jeder zu dieser Zeit seine Speisen —— Ie gewifsermgen su ven— ie gewissermaßen — 2— 1 Din nder Noi I S St tünu; außer diesenigen Jel 28 1 1*— 5— uren 157858 ISS iss. . Dunt à Trucuhbus, Tuürch falle leiden- UGedereieß mul⸗ 28 8 1 N N 1 11— Diesel 1165 1 8 In bal Scan 111 0 Seine„n K J as Dauholz ausschwilt, und selbst Steine und Ziegel uch mu nen* 1 5 E* 2—— 9 6 8 I Fer 8 8 grünem ere deren- 3„ Et eo tempore expetit senioribus et et minus fortes quandoque. debilibus exercitatio aliqua cor- poris. Hae aliquae recommenda— tliones sunt, quas ego secun- dum inveterata docta, respe— ctu injuriarum aeris hodier- nae(— ut), et pro climate, gradu punctoque, in quos (quo) nos vivimus, excogi- tavi. Easque a quindecim an- nis, dum occurro senioribus aut debilibus, illis trado; ve- rum retrorsis annis video il- los adhuc superstites esse, et dicunt se non aliis modis, praeter as recommendationes usos esse, quasque affirmant suo proprio experimento uti- lissimas esse. Eas ergo toto corde cum reverentia offero Honoris sui serenitati et dis— cretioni, si digna videbuntur ad suam incolumitatem et ex- equitionem ned ne?— Haec est conversio meae linguae 154 sen sich Alte und Schwache des Obstes enthalten, auch die minder Starken zuweilen. Und zu jener Zeit ist den Aelteren und Schwa— chen einige Leibesübung heilsam. Dieses sind einige Anem— pfehlungen, die ich, nach den alten Lehren, in Rücksicht der Unbequemlichkeiten unserer je— tzigen Luft, und für das Kli— ma, den Grad und den Punkt worin wir leben, ausgedacht habe. Und ich trage sie seit funfzehn Jahren, wenn ich Aeltere oder Schwächere an— treffe, ihnen vor. Aber ich sehe sie in spätern Jahren noch am Leben, und sie sagen, sie haben sich keiner andern Mittel als dieser Anempfehlungen bedient, und bestätigen dieß durch ihre eigne Erfahrung, daß sie höchst nützlich sind. Ich lege sie daher von ganzem Herzen mit Ehr— erbietung, Seiner Ehren Er— lauchtheit(Ew. Hochwürden) Gutbefinden vor, ob sie zu Seiner Gesundheit auszufüh— ren würdig scheinen, oder nicht? — Dieses ist Uebersetzung mei— ner chinesischen Sprache; da— Sinensis; ergo non redarguor her wird man die Unvollkom— de Latinitatis impersectione. menheit des Lateins verzei— hen). 1 De caetero adverti inter Uebrigens habe ich unter den Europaeos Patres, de quibus europäischen Patern, welcher Auen fsorsan Honor suus recorda—. vielleicht Se. Ehren(Ew. 0 da tur: Amiot, Bernard, Poirot, e 5 0 8 0 5. r 7 N r der Nu Germanus, 3 Hansi, Poirot, Na) ein Deut⸗ ie non aliis quam istis familia- scher, Ilman Pansi sind l ribus et simplicibus vivendi durch keine andern als diese Kli⸗ rationibus, pervenerunt, licet gewöhnlichen und einfachen Puokt. 5 5 J debiles, ad octoginta plus mi- Lebensweisen, ob sie gleich gedach 8 1 5 1 nusve annos. E, contra Do— schwach waren, zu achtzig Jah— sie set 3 a ren mehr oder weniger gelangt. 15 mini Rauæ, Bourjoie, Guis-, 0 5 9 90 9 un ich 7 Ane Hingegen die Herren Raux, e an⸗ CFCFFßfT ere 0 sche nus, Alexander Episcopus, Hanna ein Engländer, An— 0 5—* 5* 2 1 i qui his vulgaribus et minutis- tonius, A lexander Bi⸗ ach an 8 a 1 5 5 805 8 N simis punctis neglectis, licet schof, welche durch Vernachläs— seschn fortes omnes, intra terminum sigung dieser gemeinen und ge— 1 al⸗ 5 0 5 i s te ä ei al ab sexaginta et quinquaginta an- ee 1 5 5 gleich cdeent e alle stark waren, in einem Zeit— a norum Iiniverunt. ö 8 1 raume von sechzig und funfzig g 5 Jahren geendet haben. 90 0—— daher*) Man hat sich bemüht, soviel möglich, die lateinischen Aus— 7 drücke des Hrn. Bourjoie im Deutschen treu wieder zu geben, Ehr⸗ auch alles im Lateinischen unverändert gelassen, und nur im Er⸗ Einschlusse zuweilen das richtige lateinische Wort beygefügt, oder das fehlerhafte durch(sic) bezeichnet, damit man nicht der) etwa Druckfehler da vermuthe. Nur was einmahl eigenthüm— 1e u liche Rechtschreibung des chinesischen Verf. ist, als flaitum 5 u. dgl. ist ohne Bemerkung gelassen worden, so auch die un— ifäh⸗ grammatischen Wendungen(als: caret mihi etc.), die jeder licht! Kenner der lateinischen Sprache schon selbst bemerken, und 50 die Latinität des Chinesers zu würdigen wissen wird. 905 A. d. l. ez d) Ohne Zweifel ein nach chinesischer Weise verkürzter deutscher Nahme, wovon nur die erste Sylbe geblieben ist. A. d. l. Den 10. Jan.(22. Jan. N. St.) Da die Mongo⸗ len, die an der Gränze an der Distanz von Zuruchaitu wohnen, mit Hrn. Rasgildejew dem J. Bekanntschaft hat— ten, besuchte uns in diesen Tagen der junge Sohn des bar— guburätischen Ucherida(Regiments- Befehlshabers), der nach Pekin gereist war, um den Rang eines Offiziers zu erhal— ten. Bey dieser Gelegenheit war er, nebst seinen andern Landsleuten, gestern dem Bogdochan vorgestellt worden. Zwey Tage vorher waren ihm von mir ein Paar schöne Barbiermesser geschenkt worden; und heute sandte ich, auf das eigne Anerbieten des gedachten Mongolen, der zu den auf dem rechten Ufer des Argung angelegten Wachtposten zurückkehrte, mit ihm an das asiatische Departement des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten und an den sibirischen Hrn. General-Gouverneun M. M. Speranski die Berichte von der Ankunft der Mission in Pekin u. s. w. ab. Das Paket wurde an einen Kasaken-Sotnik der Gränz— distanz von Zuruchaitu addressirt, zur weitern Beförderung an die troitzkoßawskische Gränzverwaltung. Um 2 Uhr Nachmittags, an demselben Tage, fuhren der Pater Archimandrit Peter, und Pater Jakinf, nebst mir, zum Besuche zu dem zur Würde eines Bischofs von Pekin ernannten Mönche des Franciscaner-Ordens Gau, der in dem nördlichen Kloster, auf chinesisch Beitang genannt, wohnt. Hier hatten ehedem ihre Wohnung die französischen Missionare, wovon der letzte, Gramont mit seinen Fa— miliennahmen, vor nicht langer Zeit aus China, nach dem Willen der Regierung, fortgeschickt wurde. Das Kloster befindet sich in der nordwestlichen Ecke der Hofstadt Ch u— antschen. Kaum waren wir in den Hof hineingefahren, so kamen uns getaufte Chineser entgegen und begleiteten uns in den Gastsaal. Dort erschien bald nachher, in chine— Hefe e cd! C. M J 6 9 duk U Ga sist 0 7 Mngo⸗ chaltu ft hat b har⸗ nach hal⸗ ndern den. höne auf den posten nt des den noki s. w. Hrönz⸗ derung ten mit, ekin in int, hen Ja⸗ dent ster hu⸗ hren, iteten chilt⸗ sischer Kleidung, der Vorsteher des Klosters.— Gau, 38 Jahr alt, ein portugiesischer Insulaner, spricht richtig la- teinisch, nur mit einer seltsamen Aussprache, und ver— waltete in dem Nüigè(Senat) das Amt eines Dolmet— schers. Nach der Versicherung Einiger ist er ein sehr kennt— nißreicher Mann in der Gottesgelahrtheit, selbst in der Po⸗ lemik, auch in der Philosophie und den mathematischen Wissenschaften. Er nahm uns ziemlich freundlich auf. Die Hauptgegenstände des Gespräches waren: unsre beendigte Reise aus dem Vaterlande; die hier bekannten berühmten Siege der Russen in den Jahren 1812, 1813 und 18143 das Mißlingen der letzten englischen Gesandtschaft in Pekin. Im Saale stehen zwey große Schränke mit Büchern; an den Wänden hängen einige Bildnisse französischer Könige, worunter auch das des unglücklichen Ludwig des XVI.; auch das Bildniß des Jesuiten Parennin, bekannt durch die Gränzangelegenheiten Rußlands mit China, und die Bild— nisse einiger andern französischen Jesuiten. Dort sahen wir auch Kupferstiche, welche die blutigen Schlachten der Chine— ser mit den Sungaren, unter Kanßi, vorstellten. Diese Schlachten waren von den bey diesem Kaiser befindlichen Jesuiten gezeichnet, dann in Paris gestochen und abgedruckt worden. Von da hatte man sie wieder, nebst den Platten, nach Pekin zurückgeschickt. Es ist viel Lebhaftigkeit in der Darstellung und Kunst im Stiche. Eine halbe Stunde nachher führte uns Gau in die Klosterkirche; ein steinernes Gebäude von einfacher Bauart, in Gestalt eines länglichen Vierecks; im Innern desselben sind an den Wänden Gemählde aus der heiligen Schrift dargestellt, von ziemlich guter Arbeit. Man sagt indessen, das ehemahls in dem östlichen Theile Pekin's befindliche Kloster des heil. Josephs, in welchem die Missionare aus Italien und Deutschland ihren Wohnplatz hatten, habe als glänzendes Vorbild des europäischen Geschmacks in den schönen Wissenschaften, der fast ganz den Chinesern unbe— kannt ist, gedient. Das gedachte Kloster ist jetzt, nach einer Feuersbrunst darin, bis auf den Grund vernichtet. Die Kirche des nördlichen Klosters ist der allererste christliche Tempel in Pekin. Diese Kirche ist für uns auch noch da— durch merkwürdig, daß nach dem Plane derselben, der von unsern pekin'schen Geistlichen ausgewählt wurde, die Kirche zur Reinigung Mariä auf dem russischen Klosterhofe, auf Kosten des Chuandi Jundshen erbaut ist. In dem römisch— katholischen Tempel sind, dem Altare gegenüber, Teppiche in einigen Schichten übereinander ausgebreitet, auf welchen die getauften Chineser beym Gottesdienste sitzen. Um dem Tempel herum wachsen Cypressen und Wachholdersträucher, deren Zweige in verschiedenen Figuren zugeschnitten ssnd, wie die Bäume in französischen und holländischen Gärten. Nach unsrer Rückkehr in den Saal bewirthete uns Gau mit chinesischem Gebackenen, Madera und Kaffee, der aus der Insel Makao geschickt war. Gau that übrigens, zu Ehren Portugals, die unwahre Aeußerung, daß in den Kolonien der Engländer kein Kaffee wachse. Er klagte, daß er schon lange keine Zeitungen mehr, weder aus Europa noch aus Brasilien erhalte; und daher bleibe er in Unwis— senheit der dortigen Verhältnisse. Wir dankten dem Lusitanier für seine Aufmerksamkeit und freundliche Aufnahme und entfernten uns. Das nördliche Kloster besteht aus 4 sehr großen Höfen. Es hat viele sehr hübsche Gebäude im chinesischen Geschmacke; aber alles ist jetzt sehr in Verfall und verödet; alles zeigt, daß die Katholiken in China nicht einmahl einen Schatten von jener Größe und jenem Reichthum haben, den sie unter. 7 elch fuß; teh Gand dn e fie e sud, dateg. b Gau glb „il den daß lopa wis⸗ keit ofen. cke; den Kaisern Kanßi und Zänglung besaßen.— In diesem Kloster wohnt auch der Bischof der südlichen Christen, oder eigentlich der Dsännang'schen Statthalterschaft, Pius, auch ein Portugiese von Geburt. Dießmahl kam er nicht heraus zu uns, weil er krank war. Den 11. Jan.(23. Jan. N. St.) fuhren wir, zufolge der Einladung des Du Lama(vom 24. Dec. od. 5. Jan. 1821.) heute hin, um die Tempel Chuanßü zu besehen. Der Weg dahin geht durch das angdin'sche Thor. In der Nähe derselben, außerhalb der Stadt, ist eine große Menge Brunnen mit dem besten Wasser, das aus den öst— lichen Bergen fließt. Diese Brunnen werden von den Ein— wohnern der Statthalterschaft Schangdung unterhalten, die in Pekin für die stärksten Arbeiter gehalten werden. Wirk— lich kann man einen Schangdunger sogleich unter den an— dern Chinesern an seinem großen Wuchse, an seinem kräf— tigen Körperbau, und seinem offenen Ansehen erkennen. Sie führen Wasser, für einen verabredeten Preis, in die reichsten Häuser in Pekin, und auch in die Theehäuser (Tschaguang) auf Schubkarren mit einem Rade, auf welche bis 10 Eimer geladen werden. Uebrigens führen sie auch zu den Brunnen noch Wasser aus großen Häusern, mit eigenen Wagen und Maulthieren. Für den Hof des Chuandi verschafft man das Wasser aus Quellen, die in den westlichen Bergen 15 Werste(üb. 2 d. M.) von Pekin fließen. Das Wasser in den Stadtbrunnen ist unrein und salzig, übrigens aber für die Gesundheit nicht schädlich. Für den russischen Klosterhof wird, auf Veranstaltung der chinesischen Regierung, das Wasser aus einem auf dem Hofe des Gerichtshofes der auswärtigen Angelegenheiten, als dem besten von allen benachbarten, erbaueten Brunnen herbeygeführt. — 9— Von dem Wege ostwärts sieht man die Mauern des Tempels der Erde, wo der Chuandi am Tage der Sommer— sonnenwende dem höchsten Wesen ein Opfer um Verleihung einer reichen Ernte darbringt. Um den Tempel herum ist eine große Fläche Land mit einer steinernen Mauer einge— faßt; dort giebt es aber gar nichts merkwürdiges. Nachdem wir durch ein großes Feld gekommen waren, auf welchem die Lehrschule der Reiterey und des Fußvolks des manshu— rischen Corps gehalten wird, gelangten wir zu dem mittlern der Tempel von Chuanßü, oder richtiger zu sagen: zu dem Kloster, das 2 Werste von Pekin entfernt liegt. Einer der dort wohnenden Lama's empfing uns, und war, seinem Amte als Schlüsselbewahrer gemäß, unser Führer. Das erste dieser Klöster, gegen Westen, ist auf Kosten des chinesischen Kaisers erbaut und den tangutischen Lama's überlassen; die übrigen zwey, das mittlere und östliche, von mongolischen Fürsten, die den Manshuren zur Eroberung China's in der Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts behülf— lich gewesen, und damahls nach Pekin(Béidsin), der nördlichen Hauptstadt der Dynastie Min, vorgedrungen wa— ren. In den zwey letztern Klöstern wohnte ehedem die mon— golische Geistlichkeit. Aber als die Lama's aus den Step— pen, durch ihre Unbedachtsamkeit, und durch ihr üppiges Leben, das diesem Kloster zugeeignete Vermögen, Ländereyen, Häuser u. s. w. verschwendeten, sind jetzt in dem mittlern Kloster Lama's von der chinesischen Religion des Fo wohn— haft, und das östliche ist nur allein für die Mongolen geblieben. Anfangs gingen wir in den Tempel. Ein sehr großes ansehnliches Gebäude, in Gestalt eines länglichen Vierecks, von Backsteinen zwey Stock hoch aufgeführt, und, nach der tibet'schen geistlichen Verordnung, von Süden nach Un des on sehung m ist einge⸗ chdem alchem shu⸗ ttlern dem at der feinen Kosten ma's e, von cderödg bchüh⸗ „ Ar 5—.————* . Norden gewendet, und mit gelben Ziegeln gedeckt. An der Vorderseite und im Innern des Tempels stehen große Säu⸗ len von wohlriechendem Holze, deren jede man, wegen ihrer Größe und Stärke, und wegen des weiten Transports, auf zehntausend Rubel schätzt. Unter dem Chuandi Zäng⸗ lung lebte und starb in diesem Tempel ein tibet'scher Bang⸗ tschang Erdeni, d. i. Oberpriester. In einem der Zimmer des obern Stockwerks sieht man das Lager, auf dem er sein Leben an den Blattern endete. Die Mongolen verbeu— gen sich davor mit einem Gefühle der Andacht. Ein Bangtschang ist das Oberhaupt des schigemuni⸗ schen oder foischen Glaubens, der zweyte nach dem Dalai— Lama. Er hat seinen Aufenthalt in Klein-Tibet oder dem südlichen Tibet, in dem kleinen Orte Dsheßi-Lumbu, wo ein prachtvoller Tempel erbaut ist. Die Mongolen nennen ihn Bogdo-Lama. Ehedem beherrschte der Bang— tschang Tibet mit unumschränkter Gewalt; aber wegen Zu— lassung des weiblichen Geschlechts zum Klosterstande*) ent⸗ stand eine Trennung, und die Lama's des nördlichen oder ) Nicht weit von der Stadt Chlassa ist der See Jamdshs⸗— Jumzô. In der Mitte desselben, auf einem Berge, erhebt sich der Tempel Dordsi Balmugüng, einer der schön⸗ sten nach seiner Lage und Bauart; dort ist ein Jungfrauen— kloster, und die Vorsteherin davon führt den Titel Pag mu oder Chutuktai. Man erzählt, sie sey aus der Substanz des Nordsterus geboren, und zur Zeit der Verwirrungen, die in Tibet von Teba Ssandse(am Ende des iyten Jahr— hunderts) erregt worden waren, habe sie sich in ein Schwein verwandelt, und sey so entkommen.— Dieses See's gedenkt Hr. Maltebrun mit folgenden Worten:„ein See, südlich von Chlassa liegend, und auf unsern Karten unter dem Nah⸗ men Jambro oder Palte bekannt, ist sehr ungewöhnlich. Man stellt ihn vor in Gestalt eines Grabens, ungefähr 2 Meilen in der Breite, der Inseln umgiebt, und im Durchmesser fast 12 Meilen hat.“ S. Preécis de la Geéographie, III, 567, II. Band. 11 — 162 Groß-Tibets setzten einen andern, vom Schigemuni begei— sterten Menschen, unter dem Nahmen Lama Jerembutsche, zum Dalai Lama, der sich gegen den Bogdo Lama behaup— tete, und zu gleichen Ehren wie dieser gelangte. Uebrigens wenn der Dalai Lama, nach seinem Verscheiden wieder von neuen, im Fleische erscheint, so sendet ihm der Bangtschang seinen Segen zu. Der Dalai Lama thut bey dem Todes— falle des Bangtschang dasselbe, und auf diese Art halten diese zwey Oberpriester gegenseitig die Lehren der gelben Religion aufrecht.— Im F asten Jahre des Kanßi (1714) wurde dem Bangtschang der Titel Erdeni(der kostbare) verliehen. Der chinesische Kaiser Zänglung bat, entweder aus Frömmigkeit, oder auch um die schigemuni— sche Geistlichkeit, die mächtigste unter den mongolischen Völkern, an sich zu ketten, den Bangtschang Erdeni, er möchte seinen Aufenthalt in China nehmen. Dieser Ober— priester, der noch jung war, wanderte wirklich im 45sten Jahre des Sänglung(1780) dahin ein, und nahm den mittlern von den Tempeln von Chuanßü, als ein Kloster seiner Sekte, zum Wohnplatz. Der Kaiser, mehr als 70 Jahr alt, begab sich zu ihm mit einem prächtigen Gefolge, um ihn zu verehren und von ihm den Segen zu empfangen; lobte ihn wegen seiner Liebe zur Gerechtigkeit und belohnte ihn sehr reichlich. Aber der Bangtschang verwandelte sich bald und erschien wieder im Fleische in seinem eigenen Lande(in einfacher Sprache: er starb und es wurde ein neuer gewählt), und ward wieder auf den Thron in Dshe— ßilumbu aufgenommen. Die Einwohner von Klein-Tibet vergöttern den Bangtschang gerade so, wie die Einwohner von Groß-Tibet den Dalai Lama vergöttern. Man sagt— so drücken sich die Lamisten aus— daß der jetzige Bang— tschang schon durch zehn Wiedergeburten gegangen ist; er „ 65 hat eine stete Ruhe d es ist aufgeklärt in der Re— N ligion, versteht alle heilige Bücher und hat allen weltlichen bega Freuden entsagt. Jeder Lama muß, wenn er das Schrei— brigens ben völlig gelernt hat, unumgänglich von dem Bangtschang . n geweiht werden. Sein Tempel in Dsheßilumbu ist pracht— schg voll und schön; die kostbaren Götzenbilder haben ein erha— deb benes Ansehen; die Gebete, die hier gehalten werden, ge— halten hen, nach der Meinung seiner Verehrer, empor zu den Be— lben wohnern des Himmels; das angezündete Räucherwerk ver— aß breitet Wohlgeruch weit umher. bur Kehren wir nun wieder zum Chuanßü zurück. In der 9 bal, östlichen Abtheilung bewahrt man Modelle von Tempeln enuni⸗ auf, die sehr geschickt aus dem rothen Holze Chuali ge— lichen macht sind. Von dem obersten Balkon sieht man die dun— i, er keln Mauern Pekin's mit seinen Umgebungen. Um den Oher⸗ Tempel sind in Reihen Cypressen gepflanzt, und unter dem en Dache desselben werden große Schaaren Tauben gehalten. ihm din Jenseit zweyer Mauern, westlich vom Tempel, erhebt sich ler ein Obelisk aus weißem Marmor. Man sagt, dieser Obe— 6 70 lisk sey vom Kaiser Zänglung zum Gedächtniß des hier folge, verstorbenen Bangtschang Erdeni errichtet worden; aber nach gen; den in den Seiten desselben ausgehauenen Vorstellungen, ohnte die alle aus der Geschichte des Schigemuni oder Fo genom— sich men sind, zu urtheilen, kann man mit mehr Wahrschein— genen lichkeit annehmen, daß dieses Denkmahl zu Ehren dieses e ein teligionsstifters errichtet sey, dessen Lehre Tibet, China, dshe⸗ die Mongoley, die Buräten und Kalmüken folgen. Der Tibet Obelisk ist, wie zwey andre in Pekin besindliche, in Form ohne eines achteckigen Thurmes, vom Grunde aus 15 Klaftern t— hoch, erbaut. Der Thurm ist oben ziemlich dünn, und mit Babg⸗ einer großen Haube von reinem Golde, welche die Gestalt ite einer Mütze des Dalai Lama hat, ae 25 den vier — 01 Ecken desselben stehen gleichfalls marmorne Säulen mit Schnitzwerk. Ueberhaupt ist dieses Gebäude schön und ko— stet große Summen. Als der Kaiser Zänglung hierher reiste, um den Obelisk, nach der Errichtung, zu besehen, sagte er: das ist ein goldenes Denkmahl! d. i. ein sehr kost— spieliges. Gegen Norden, nahe an diesem Obelisken befin— det sich eine Hofburg, wohin sich der Chuandi gewöhnlich begiebt, um, nach der Darbringung des Opfers in dem Tempel der Erde, auszuruhen. Nach unserer Rückkehr von dort besuchten wir, auf Einladung des uns begleitenden Schlüsselbewahrers oder Pförtners, einen Dalama, der in einem von den dem Klo— ster zugehörigen Häusern wohnte, und aus Klein-Tibet ge— kommen war. Der Dalama ist über 60 Jahr alt; ihn um— gaben Tibeter, die mit ihm angekommen waren, und auch Lama's, die in Pekin wohnten. Er ging mit uns freund— lich und artig um; er fragte durch seinen Dolmetscher, wer wir wären, seit wie lange wir aus dem Vaterlande abge— reist wären, warum und wie lange wir in Pekin uns auf— halten würden u. s. w. Dann ließ er uns jedem eine Tasse Saturn— Thee, mit Mehl und Butter gekocht, vorsetzen.— Die Tibeter sind im Umgange sehr einfach, und kennen keinen Luxus; vom Gesichte sehen sie unsern Zigeunern etwas ähnlich; sie tragen lange Röcke, den rus— sischen ähnlich, das Haupt bescheeren sie nicht, und flech⸗ ten das Haar in einen Zopf. In den Ohren tragen sie Ohrringe von Türkis. Hierauf besahen wir die auf dem Hofe desselben Klo— sters befindliche Gießerey. Dort werden aus Kupfer Bilder von verschiedener Größe gegossen und vergoldet; diese ver— führt man durch die ganze Mongoley. Die Götzenbilder, die man aus Tibet, als aus dem Hauptheiligthume des ln git fund h her rei, , sagle hr kost⸗ U befin⸗ vͤhnlich in dem t, auf d oder dem Klo⸗ Abet ge— ihn un⸗ nd auch fteund⸗ er, wet de abhe⸗ in auf⸗ m eine sekocht, infach, unsern n tus⸗ flech⸗ gen sie n Klo⸗ Bildet se ĩel⸗ enbilde, ume de 165— schigemunischen Glaubens, erhält, werden sehr hoch von den Mongolen und Chinesern geschätzt. Nicht große hiesige Bildsäulen werden nach Maaßgabe ihrer Länge verkauft; für jedes Werschok bezahlt man eine Lana(2 Rubel) in Silber. Wir äußerten, man solle uns wenigstens nur ein Götzenbild verkaufen, aber der Gießer willigte nicht ein, weil er uns für Heiden ansah. Aus dem Tempel kehrten wir auf dem neuen Wege wieder in die Stadt zurück. Durch enge Hohlwege und Gäßchen wanden wir uns durch bis in die nördliche Ecke Pekin's, wo sich unsere Kirche zur Himmelfahrt Mariä (ehedem zum heil. Nikolaus) befindet, und zugleich auch ei— nige der Regierung gehörige Häuser, die in dem Theile der Stadt, Lotscha(Teufel)), und Chuapitschan(Bir— kenrindenplatz) genannt, hin und her zerstreut liegen. Wir hatten keinen Schlüssel, und darum konnten wir dieß mahl nicht das Innere dieser, übrigens sehr alten und verfallenen Kirche sehen. Sie ist, zur Zeit der Einwanderung unserer Albasiner, aus einem einst hier befindlichen heidnischen Tem— pel erbaut worden. Unter den der Regierung gehörigen kleinen Häusern neben der Kirche hat das südliche ein Man— shur von der Leibwache des Chuandi mit seiner Familie für eine Miethe von 1200 Tschech(ungefähr 8 Rubel in Ku— pfer) monatlich, eingenommen. Dieser Einmiether hat zu— gleich die Pflicht, auch die Kirche zu bewachen. Vor dem Hause ist eine geräumige Grube, die während der Sommer— ) Einige sagen, Lotscha käme her von dem russischen Worte Lowtschij(Jäger)— ein Nahme, der von den russischen in Albasin wohnenden Kasaken, die sich vorzüglich mit der Jagd beschäftigten, auf die Manshuren übergegangen sey. Auf diese Art hätte sich, nach der Meinung dieser Etymologen, der Nahme Lotscha auch nach der Versetzung der Albasiuer nach Pekin erhalten. A. d. V. „ regen sich mit Wasser anfüllt und dann einen großen See faulenden Wassers bildet. Ueberhaupt ist dieser verödete Winkel Pekin's der Wohnplatz der Armuth, ausgenommen einen einzigen fürstlichen Hof, der von unsrer Kirche gegen Südwest liegt. Die Nachkommen der Albasiner haben jetzt ihre Wohnsitze in dem östlichen Theile der Stadt, wo die Division liegt, zu welcher sie gehören. Sie haben, ihrem Geiste nach, sich ganz von den Russen entfernt. Man zählt unter ihnen bis 22 Personrn, welche die heil. Taufe erhal— ten haben; aber auch diese haben sich, wegen ihrer Ver— waudtschaft und ihrer Abhängigkeit als Unterthanen, den Manshuren so sehr genähert, daß es sehr schwer ist, sie zu unterscheiden. Sie sprechen dieselbe Sprache mit ihnen, d. i. chinesisch, sie tragen dieselbe Kleidung, und haben selbst in der Lebensweise alle Regeln des armen, Müssig— gang liebenden manshurischen Soldaten, des abergläubigen Anhängers der schamanischen Religion angenommen. Nach unsrer Rückkehr nach Hause um 4 Uhr des Nach— mittags erfuhr ich, daß, während unsrer Abwesenheit, auf dem Gesandtschaftshofe der chalchassische Terigun Charzagai gewesen, der aus Urga mit dem dritten Sohne des Jun Wan hier angekommen war. Der junge Fürst war auf einen Monat hierher gekommen, weil die Reihe an ihm war, persönlich die Wache bey dem Chuandi zu ver— richten, seiner Pflicht als S sä oder Kä, welches ungefähr unserm Flügeladjutanten gleich kommt, gemäß. Der Terigun hatte, auf seinem Wege nach Pekin, in Z. Balgaßu unsre Kasaken besucht, und mir den Bericht des Sotnik Sacha⸗ row überbracht. Aus diesem Berichte ergab sich, daß, nach unsrer Ab— reise, von dem zur Ueberwinterung zurückgelassenen Viehe 12 Kameele und 13 Pferde gefallen waren; überdieß waren 8 Er noch viele ohne Hoffnung hinfällig; der Schnee war sehr n tief; der Argal äußerst theuer. Wegen Kraftlosigkeit des nommen Viehes war, nach einem andern Orte mit dem Gepäcke e gn überzugehen, keine Möglichkeit. Diese Nachricht betrübte n jeht uns nicht wenig. Ich trug dem Studenten Ssipakow auf, wo die dem Aufseher(Pristaw) unsers Klosterhofes zeitig zu wissen ihren zu thun, daß es unumgänglich nöthig seyn würde, im n zahlt Monat März einen von unsern Beamten nach Z. Balgaßu ethal⸗ zu senden, um das Vieh zu besichtigen und die Kasaken r Ver⸗ abzuldsen. un Den 14. Jan.(26. Jan. N. St.) Ein Mitglied der sie u neuen Mission, der Ordensgeistliche Benjamin, beschäftigte ihnen, sich, seinem Amte, als Kirchenschmucksverwahrer“) zufolge, ) haben von der vorigen Mission die der Regierung gehörigen, in Mässg⸗ verschiedenen Theilen Pekin's liegenden Häuser zu überneh- dubigen men. Man hält dafür, es wäre weit vortheilhafter gewe— b. sen, die noch übrigen 4 Häuser zu verkaufen, und zu der e Nach; Summe, die man dafür erhalten würde, noch etwas zu— 1 auf zulegen, und ein großes Haus oder Kaufmannsgewölbe in again dem besten Theile der Stadt zu kaufen, woraus man, wie e des aus den der russischen Mission in der Umgegend von Pekin par liegenden Ländereyen, nach dem Beyspiele der Jesuiten, ein e an ziemlich gutes Einkommen ziehen könnte. Der Ordensgeist— er⸗ liche Seraphim sagte, vor drey Jahren sey, nicht weit von gesihge Pekin, ein großes Landgut mit einem Hause, schönen gik Gärten und einem Teiche verkauft worden; auf diesem unte Gute befindet sich ein Theegasthaus, das zur Zeit der Som— ha- merspaziergänge große Einkünfte bringt. Für dieses Land— er M⸗*) Im Russischen Risnitschei, d. i. derjenige Möuch, der die 5 Kirchengewänder, als Meßgewänder u. s. w. und andre der 1 Viche Kirche gehörige Kostbarkeiten unter seiner Aufsicht hat. 1 A. d. U. — gut hatte man ungefähr 8000 Silberrubel gefordert. We⸗ gen ihrer ökonomischen Verhältnisse konnten unsre Missio— nare dieses Gut nicht kaufen, welches in der Folge an ei— nen Chineser für 3000 Lana oder 6000 Rubel in Silber verkauft ward. Den 16. Jan.(28. Jan. N. St.) kam in die Kirche ein Nachkomme der Albasiner, Mukunida(Aeltester, Vor— gesetzter) Alexei mit seinem Enkel, einem zwölfjährigen Knaben, der zugleich mit seiner Mutter(des Alexei Tochter an einen Armen von den Gelbumgürteten, d. i. einen sachkommen der manshurischen Fürsten, verheirathet) die heil. Taufe empfing. Der Archimandrit Peter äußerte in Hinsicht dieses jungen Prinzen einige Besorgniß, die vor— sichtige chinesische Regierung möchte vielleicht dem Eifer un— serer Geistlichen in Ausbreitung des Christenthums Gränzen setzen, wie sie es mit den Jesuiten gethan hatte. Den 20. Jan.(1. Febr. N. St.) Bey Gelegenheit der Annäherung des neuen Jahres nach chinesischer Zeitrech— nung, erschien der Boschko Urgentai, zwey Tage vor dieser Zeit, bey mir, und überbrachte mir, nach der Sitte seines Landes, eine Schüssel mit zubereiteter Speise. Dem höf— lichen Boschko ward von meiner Seite dafür ein halbes Pfund Silber geschenkt. Am Abend kamen Koreaner, aus Neugierde, auf den russischen Klosterhof. Um diese Zeit kommen alle Jahre von dem Regenten von Korea Gesandte an den chinesischen Kai- ser, und überbringen ihm eine Gabe, als Unterpfand ihrer Vasallenschaft. Den 22. Jan.(3. Febr. N. St.) In der vergangenen Nacht verkändigte der dumpfe Schall der Pauken in den Tempeln den Eintritt des neuen Jahres nach dem chinesi— schen Kalender. In dem Tempel, der sich bey dem russischen 5 4 — —————— ut, de e Mh e n 2 Siber Küche Vot⸗ ngen achter linen t) die eite in ie hok⸗ fir un⸗ tanzen heit eittech⸗ diet sallts höf⸗ bes 0 3 469— Klosterhofe befindet, wurden vor den Götzenbildern wohl— riechende Kerzen angezündet; ein Lama las Gebete, während er auf die in dem kleinen Hofe stehende kupferne Vase schlug. Gegen Mitternacht müssen sich in der Hofburg alle Prinzen vom kaiserlichen Geblüte und andere sehr vornehme Personen versammeln. Mit dem Erscheinen der Morgenröthe begiebt sich der Chuandi, in ihrer Begleitung, in den scha— manischen Tempel, der zum Andenken seiner Ahnen, der manshurischen Chane, errichtet ist, und nicht weit von dem Gerichtshofe der auswärtigen Angelegenheiten liegt. Dort verrichtet er die festgesetzte Ceremonie der anbetenden Ver⸗ beugung, und kehrt dann in die Hofburg zurück, um die Glückwünsche von den Großen und den Mitgliedern der pe— kin'schen Gerichtshöfe anzunehmen. Man muß sagen, daß zur Feyer des neuen Jahres, im ganzen chinesischen Reiche, die Führung aller Rechtshändel aus Dienstpflicht einen gan— zen Monat unterbrochen wird, ausgenommen Fälle von vorzüglicher Wichtigkeit; mit einem Worte, für diese Zeit verschließt man die Reichssiegel, die hier zur Bekräftigung der Papiere gebraucht werden. Der zum Throne gelangte Kaiser erließ indessen in die— sen Tagen einen Befehl, durch welchen alle Spiele und Lustfeuer, die sonst wegen des neuen Jahres statt finden, verboten wurden; eben so wurden auch die gegenseitigen Besuche unter den Beamten untersagt. Den Chinesern ist gestattet sich zu vergnügen, aber den Manshuren ist es nicht erlaubt, wegen Verdoppelung der Trauer um Dsäzin; ein Unterschied, der für die Chineser kränkend, und für die Dazin'sche Dynastie, wie es scheint, gar nicht vortheilhaft ist. Er zeigt, daß die Manshuren, als von Einem Stamme mit dem Chan entsprossen, seinem Herzen näher sind, und drey Jahre seine Betrübniß um den Tod seines Vaters theilen müssen. — 900— Mit dem Beginnen des Neumondes trat bey den Chi— nesern das neue Jahr ein, welches auch das erste der Re— gierung des Däoguän auf chinesisch, und auf manshu— risch: Doré i Eldengs(erlauchte Regierung), Doctrina illustrans“) genannt ward. Bis zu dieser Zeit wurde die Zählung der Jahre, ungeachtet des Todes des Dsäzin, noch immer unter seinem Nahmen fortgesetzt. Die Mongolen, die des Handels wegen sich auf dem an das Kloster zur Reinigung Mariä stoßenden Markte be— fanden, waren zwey Tage früher nach ihren Aimak's ab— gereist, um den weißen oder ersten Monat des neuen Jahres zu feyern. Unsre Buräten beobachten ebenfalls die— sen Gebrauch. Wenn sich zufälligerweise einer davon unter unsrer Bedeckung befunden hätte, würden wir genöthigt gewesen seyn, auch auf unserm Hofe die Feyer des gleichen Glaubens mit den Mongolen und Chinesern zu gestatten. Vom Morgen bis auf den Abend tobte ein heftiger Sturm; große Schaaren von Raben suchten Schutz unter den Dächern der Klostergebäude. Die Chineser und Man— shuren zeigen große Achtung gegen die Raben*). Einige der frommen pekin'schen Einwohner halten absichtlich auf ihren Höfen hohe Stangen, auf welche sie hölzerne Bret— chen mit Futter für diese Vögel legen. Zur Erklärung, wo— her die Ehrfurcht der Manshuren gegen die Raben ihren Ursprung habe, erzählt man Folgendes: Zur Seit des letzten ) Ausdruck des portugiesischen Missionars Pater Gau, Dolmet— schers bey dem chinesischen Senate. Es scheint indessen, daß die lateinische Uebersetzung(aufklärende oder erhellende, er— leuchtende Lehre) nicht sehr genau den Sinn der chinesischen und manshurischen Benennung ausdrückt. A. d. V. ) S. die Bemerkung darüber im ersten Theile, unter dem 21. Oct.(2. Nov.) S. 228.(Der Verf. führt den ze Oet., aber unrichtig, an). A. d. U. — pp füge Unter Mn — 171— min'schen Krieges, nahmen die Chineser, bey ihrem ersten Waffenglücke in Liäodun, einen manshurischen Fürsten ge— fangen. Der geschlagene, doch noch nicht besiegte Fürst fand indessen Mittel, sich aus der Gefangenschaft zu be— freyen. Die Chineser stützten ihm nach, um ihn zu ver— folgen; aber der Manshur verbarg sich in einem dichten Walde, und als sie bis an die Stelle kamen, wo er ver— borgen war, erhob sich eine Schaar Raben aus den Bäu— men, und dieß erweckte in den Verfolgern den Gedanken, daß an einem solchen wilden Orte kein Mensch seyn müsse. Sie schlugen nun einen andern Weg ein; und der Fürst war indessen, durch das Geschrey der Raben von der Wüste, von seinem nahen Untergange gerettet. Dieses ist eine Volkssage der halbgebildeten Manshuren. Uebrigens ver— dankte auch das Capitolium der berühmten Römer, zu sei— ner Zeit, seine Rettung dem Geschrey der Gänse. um den bey dem russischen Klosterhofe, von Seiten des pekin'schen Gerichtshofs der auswärtigen Angelegenhei— ten, angestellten Kriegsleuten uns gefällig zu bezeigen, hielt ich es für schicklich, am ersten Tage des neuen Jahres, nach chinesischem Style, ihnen kleine Geschenke zu machen. Den 23. Jan.(4. Febr. N. St.) Von dieser Zeit fängt, nach den hiesigen asironomischen Berechnungen, in China der Frühling an. um zwey Uhr Nachmittags besuchte mich der Lehrmei— ster Dshun-Loje. Zum Zeichen meiner Achtung gegen den Beruf dieses Lehrers schenkte ich ihm 4 geschliffene Trinkgläser mit vergoldeten Kreisen, womit er sehr zu— frieden schien. Den 25. Jan.(6. Febr. N. St.) Gegen Mittag kam zu mir der Terigun Charzagai. Dieser alte Bekannte der Russen ward gut bewirthet. Der Terigun bestätigte durch 55 sein persönliches Zeugniß die unvortheilhafte Lage unserer Heerde in Z. Balgaßu. Als er Abschied nahm, erbot er sich von uns schriftliche Nachrichten nach Kiachta zu brin— gen; aber ich nahm dieses Anerbieten nicht an, und sagte, ich wollte den Herrn Terigun nicht mit solchen Aufträgen bemühen. Den 27. Jan.(8. Febr. N. St.) An diesem Tage, dem 6ten des 1sten Mondes, nach chinesischem Kalender, wurden, nach Darbringung des Fischopfers, die chine— sischen Kaufläden geöffnet, die seit dem Isten verschlossen gewesen waren. Jeder Nachfolger der Lehre des Fo siedet frische Fische, und nachher verzehrt er sie zum Andenken seiner Vorfahren. Die Feyertage dauern bis zum 17ten dieses Mondes. Den 29. Jan.(10. Febr. N. St.) Am Morgen be— gab sich der Chuandi in die südliche Vorstadt, um das Opfer im Tempel des Himmels darzubringen. Elephanten mit den Opfergefäßen waren gestern Nachmittags dahin ge— schickt worden. Den 4. Febr.(16. Febr. N. St.) Da wir eine vor— läufige Einladung von den in den Tempeln Chuanßu woh⸗ nenden Lama's erhalten hatten, dem Gottesdienst des Ku— tuchta beyzuwohnen, begaben wir uns um 8 Uhr des Mor— gens aus der Stadt. In Pekin leben drey Kutuchta's(die Chineser nennen diese heidnischen Oberpriester Foje). Der erste, der heute den Gottesdienst zu verrichten hatte, hat seine Wohnung in einem großen ansehnlichen Tempel, der sich in Chuantschen nahe bey der Hofburg befindet; der zweyte ist in dem Tempel Junchogun, im nördlichen Theile von Pekin, wo der Chuandi Jundshen wohnte, als er noch Großfürst war, und der dritte Kutuchta hat den mittlern Tempel in Chu— 717 anßü inne. Jetzt ist er von dem neuen Kaiser nach Tibet gesandt, wegen der Todtenfeyer für seinen Vater Osäzin und um bey dieser Gelegenheit Almosen vom Chuandi aus— zutheilen. Bey unsrer Ankunft in Chuanßü bey dem Schatzmei— ster, von dem oben(unterm 24. Dec. 1820, 5. Jan. 1821 N. St.) erwähnt worden, führte man uns in den östlichen Tempel, wo schon der Dienst vor den Götzenbildern ange— fangen hatte. Alle Thore waren verschlossen, um das neu— gierige Volk abzuhalten, und wir mußten zu dem Haupt— tempel durch die Zimmer der hier wohnenden Lama's gehen. Die Polizey-Offiziere hatten anfangs sich nicht entschließen können, uns in die Nähe des Kutuchta zuzulassen, und be— sonders da sie die Kasakensäbel gesehen hatten; aber auf die Versicherungen unserer Begleiter, der Chineser, willigten sie darein. Wir stiegen auf die von Marmor erbaute Ter— rasse hinauf, vor der südlichen Thüre des Tempels. Dort saß in einem großen Lehnstuhle der Kutuchta, mit dem Gesichte gegen den Tempel gekehrt. Vor ihn war ein lan— ger Tisch hingestellt, mit einem gemodelten Seidenzeuge bedeckt; auf dem Tische standen einige Opfergefäße mit Ge— treidekörnern, Wasser u. s. w. Auf zwey Seiten dieses Opferaltars standen 5 Lama's von den östlichen Mongolen. Sie lasen und sangen Gebete in tibetischer Sprache, in der Oktave. Die ungewöhnlich tiefen und starken Baßstimmen erfüllten die Luft mit einem Getön, das dem Schalle von Hörnern vom tiefsten Tone glich. Ueberdieß saßen zur rechten und linken Seite, in 12 Reihen auf dem Fußboden, mit untergeschlagenen Bei— nen, Lama's, die sich aus den pekin'schen Tempeln hier versammelt hatten, mehr als 200 an der Zahl. Der Ku— tuchta schlug von Zeit zu Zeit mit silbernen Tellerchen zu— sammen, die ein ehrenvolles Abzeichen der höhern Geistlich⸗ keit sind, und Heiligkeit, Unversehrtheit und Altersvorzug bedeuten; er gab damit den Lama's das Zeichen, abwech— selnd entweder auf den musikalischen Instrumenten zu spie— len, oder zu singen. Das Chor der Musiker stand von den übrigen abgesondert; sie spielten auf ihren Blase-Instru— menten, die Hoboen und Klarinetten glichen. Einige wa— ren aus großen Seemuscheln gemacht, und diese geben den durchdringendsten Schall. Sie schlugen auch auf kupferne Teller von verschiedener Größe, und auf Pauken. Diese Musik ist mehr geeignet, Schrecken zu erregen, als sanfte Gefühle und Rührung. Die gelbe Kleidung der Lama's und ihre geschornen Köpfe waren für uns ein seltsamer An— blick. Weltliche Verehrer des Lehrers Foje waren hier gar nicht. Der Kutuchta, der ungefähr 35 Jahr alt ist, wen⸗ dete einigemahl auf uns seine Blicke, und seine Mitdiener folgten ihm darin willig nach. Aus dem Tempel kehrten wir in das Haus des Schatz⸗ meisters Du-Lama zurück, wo nach Beendigung der Dar— bringung des Opfers sich viele Lama's versammelten. Von ihnen allen unterhielt sich am meisten mit uns ein Lama— Chubilgan, mit dem Zunahmen Tschen, der sich bey der Person des Kutuchta, der jetzt den Tempeldienst verrichtet hatte, befand. Tschen-Lama, etwa 40 Jahr alt, ist in dem oniutischen Stamme der östlichen Mongolen geboren, und in Pekin erzogen; er ist durch ganz Tibet gereist, in den nördlichen Gebieten Indiens gewesen, und spricht sehr gut chinesisch, mongolisch, tibetisch, zum Theil auch indisch und manshurisch. Er erkundigte sich sehr neugierig nach *) Eine ähnliche Beschreibung der musikalischen Instrumente der Lama's kann man sehen bey Pallas, Nachr. über die Mongol. Völk. II. 164 ff. A. d. V. „„ Haft unserem Wege, den wir gereist waren, nach Rußland und erstonig seiner Hauptstadt, nach unserem Geburtsorte u. s. w. ab woch⸗ Tschen-Lama sagte seinerseits uns unverholen, daß der l spie⸗ Chuandi gleich großen Einfluß auf die geistlichen Würden on den eben so wohl als auf die weltlichen in seinem weitläufigen Insttu⸗ Reiche habe, daß nach seinem Befehle die Chubilgan's, Ku— e wa⸗ tuchta's gewählt werden, und daß sogar die Ernennung n den des Dalai-Lama gänzlich von seiner Gewalt abhänge. ferne Nur allein das gemeine Volk, besonders die Tibeter und Diese Mongolen vergöttern ihre Oberpriester unter dem Nahmen sanste Kutuchta oder Gegen. Tschen-Lama sagte uns auch, damd daß schon 5 Jahre lang kein Dalai-Lama erscheint, d. i. er Nn⸗ daß man noch keinen in Tibet eingesetzt hat. Man hatte ir gar einen aus der dortigen Geistlichkeit wählen wollen, aber wen⸗ der verstorbene Chuandi Dsäzin verlangte drey Candidaten, diener und durchaus aus der Statthalterschaft Ssütschuang. Fürch— tet denn die chinesische Regierung nicht, daß Tibet in Ab— Eda; hängigkeit von Fremden aus einem andern Welttheile ge— Our rathen könnte? Wenn Europäer das von den Anhängern Bon des schigemunischen Glaubensbekenntnisses hoch geachtete 111 Land beherrschen, wird der Dalai-Lama unter ihrer Ver— 5 fügung stehen. Die ihn vergötternden Mongolen, Kalmü— het ken u. s. w. können für die neuen Beherrscher eifrige Be— 10 förderer zur Erwerbung weiterer Vortheile in Mittelasien al, werden. i Zu dem Du-Lama waren auch die Tibeter gekommen, 17 die jetzt in dem Kloster derselben wohnen. Als sie mich sa— 10 hen, riefen ange von een aus:„dieser Herr sieht 8 15 Ansehen sehr ännlich den Inshili— Engländern, die in Chlassa und andern Orten Tibets wohnen: dieselbe Farbe eüte des Gesichts, der Haare, dieselbe Kleidung und Säbel.“ die Das nämliche versicherte auch ein dort befindlicher pekin'scher — 176— Kaufmann, aus Tibet gebürtig, der mehr als einmahl Bengalen und selbst Calcutta besucht hatte.— Von ihnen erfuhren wir, daß die Engländer jetzt in Tibet einen ziem— lich beträchtlichen Handel treiben, indem sie an sie ihr Tuch, Messer, Säbel, Flinten— gegen Gold, Moschus, Türkise u. s. w. vertauschen. Ich rücke hier einige besondere erläuternde Nachrichten über Tibet ein, die aus einer chinesischen Erdbeschreibung genommen sind). 1. Benennung. Bey den Chinesern wird Chlassa oft für ganz Tibet genommen. Ssi-Dsan, d. i. das westliche Dsan, ist der Nahme des ganzen tibetischen Rei— ches; aber zuweilen versteht man unter diesem Worte nur allein die Stadt Chlassa. Tibet heißt eigentlich Bot. Die Tibeter fügen zu diesem Worte hinzu Ba(Mensch), und nennen, wie das Reich, so die Einwohner, ohne Unter— schied: Botba. Die Mongolen haben das Ba wegge— worfen und dafür Tu vorgesetzt, und sprechen Tubot. Die Europäer haben dieses aus Irrthum in Ti bet verwandelt. Tangut ist ein mongolisches Wort, womit eine Ge— gend, die jetzt die ganze westliche Gränze China's ausmacht, von innen und außen bezeichnet wird, und die jetzt von Ost-Tibetern bewohnt wird. In der chinesischen Geschichte ist Tangut, von Dshingischan erobert, unter dem Nah— men des ßäßischen(ßiaßischen) Königreichs bekannt. Juang-chao war der erste König von Tangut, und wurde unter diesem Titel von den lig o' schen und ßun'— schen Kaisern China's anerkannt; ek selbst aber nannte sich Kaiser. Dieser Juang-chao erfand die tibetische Schrift, *) Uebersetzt vom Pater Jakinf. A. d. V. —. ß—— 74 0 — — ö bl Bon ihn Jen zien⸗ hr Tuch, welche, mit einer geringen Veränderung, von den Indiern entlehnt ist. Soll man die Völker nach ihrer Mundart oder Sprache eintheilen und unterscheiden, so haben ganz China, Tibet . 1 und die Königreiche, die an Junnang und Huanßi gugle gränzen, bis 5 das i Meer, 1 Ursprung, aus— 5 genommen Tibet, welches in seinen Sitten gegen Norden 0 mehr den Mongolen, gegen Süden mehr den Indiern sich nähert. Die übrigen von Tibet südostwärts liegenden Kö— 10 nigreiche haben auch jeßt in vielen Dingen mit den südli— chen Chinesern Aehnlichkeit. hen Rii⸗ 2. Gränzen und Eintheilung. Oestlich von Chlassei Ziokan(dem Haupttempel in Chlassa) gränzt Tibet an die chinesischen Statthalterschaften Sfütschu ang orte nur ot. Die 11 5 und Junnang; südlich von Chlassei Ziokan an wighe⸗ Shlakhg und den Fluß 9 udsän(N udsian). Ehlok⸗ Tube ba ist der Nahme eines wilden Volkes, das an den südli— 7 chen Gränzen Tibets wohnt, im Sommer sich mit Baum— f blättern, im Winter mit Thierhäuten bedeckt. Der Nu— 117 5 dsan ist breit, und fließt zwischen Steinklippen, die auf beiden Seiten senkrecht empor stehen, mit solcher reißender muß, Schnelle, daß man durchaus nicht auf Kähnen darüber g 1 fahren kann. Diese Gegend heißt Gombu(Hombu). West⸗ shehe lich von Chlassei-Ziokan, weiter jenseit Dsheßi— doh⸗ lumbu, fängt die Gränze von Neri, die durch Gan⸗ . teßiri(Hanteßiri) nordwärts in das neri'sche „ 9 Städtchen Kerdudsun geht. Die andre Gränze geht 925 südwestwärts über Sfänge-Charaker bis Nelam, 5 1 das an das indische Königreich Gorka(Horka) gränzt. Schtist, Tibet wird eigentlich in vier Theile eingetheilt. Den vierten Theil macht Neri aus, eine ziemlich weitläusige II. Band. 12 Gegend. Sie liegt etwas gegen Südwest und gränzt an die Länder zweyer Völker Latäk und Guguldse. Nordwärts von Chlassei-Ziokan, jenseit Jan— badsin bis Ssingdsäo(Ssingdsiao), fangen die ebenen Gegenden an. Gegen Westen hat es Gemeinschaft mit Klein-Tibet. Gegen Osten stößt es an das Gebirge Aklamri oder das aklam' sche Gebirge. Gegen Norden durch die Wüste, mit Vorbeygehung von Muru- ußu und Gurdson Gutscha(Hardsan Hutscha), stößt es an die Gränze von Kukunor. Die Strecke Landes von Chlaringo gegen Westen, über 1000 Li(71 ä d. M.) heißt Juiba, bey den Chine— sern das vordee Dsan, und in Europa Groß-Tibet. In alten Zeiten ward Tibet in drey Theile getheilt: Cham ba, Juiba und Dsanba. Chamba macht das jetzige Ge— biet von Dfsämdo(Dsiamdo), Juiba das von Chlassa, und Dsanba das von Dsheßilumbu (Klein-Tibet) aus. 3. Genauere Beschreibung des Gebietes von Chlassa. Chlassa liegt in einem großen Thale, das von Süden nach Norden 40 Li(3 d. M.) und zwischen Ost und West von 400 bis 500 Li(284— 37/4 d. M.) Ausdehnung hat. Hier versteht man unter dem Nahmen Chlassa die ganze Gegend Juiba, die gegen Osten an Chamba(Kahang) gränzt, dessen größter Theil jetzt mit dem chinesischen Reiche vere igt ist. Und so gränzt gegen Osten Chlassa an Ssütschuang und Junnang; gegen Nord— west stößt es an Kukunor; gegen Norden erstreckt es sich bis zum gelben Flusse; gegen Westen gränzt es an das westliche Meer(den See eie gegen Süden an Tako. Tausende von Bergen, die dieser Gegend zur Zierde dienen, eine Menge Flüsse, die sie umfließen, machen sie hängt an zur blühendsten im ganzen Westen(von China). Ein Tem— 5 pel, auf dem Gipfel des Budala(Budala ist eigentlich Jof der Nahme des Tempels; dieser Berg heißt Pa muri) n de errichtet, dient dem Dalai-Lama zum Throne. Das luftige inschaft Grän und der sich umher verbreitende Purpur desselben, Gchirg blendet die Augen durch seine Schönheit. Große erhabene Norden Paläste, Straßen und Marktplätze verdienen Aufmerksam— u und keit. Die Tibeter nennen diesen Platz(oder Stadt) Chlassa. oßt es Unter der Regierung des Dalai-Chan ward dieser Tempel mit einer Mauer umgeben. Aber im 60sten Jahre des Wen, Kanßi(1721) brach sie der westliche Heerführer Zeban e Girk⸗ Norbs ab und führte dafür einen Damm aus rohen ek. In Bruchsteinen auf, der von dem Fuße des Berges Naru am ba an sich bis nach Dfäribiteu erstreckt und ungefähr 30 Li ige Ge⸗(üb. 2 d. M.) lang ist. Dieser Damm umgiebt von innen ad von den Budala, und schützt ihn von außen gegen den Andrang umb des Flusses. Im ersten Monate des neuen Jahres versam— meln sich die Lama's von allen Seiten Tibets in Chlassei— Hieles Ziokan, um den heiligen Dienst zu verrichten; sie tragen le, das Steine zusammen und legen sie auf den Damm, dann häu⸗ vischen fen sie etwas Erde auf, und lesen Gebete und verlassen „ M.) dann den Damm. Die Ausbesserung des Damms wird ahmen 8 von der Schatzkammer besorgt. Die Lama's thuen diese en an Pflicht nur einmahl des Jahres. Das ganze Volk bekennt it wit g sich zu der gelben(schigemunischen) Religion, und glaubt gegen mit Andacht an die Lama's. Der Dalal Lama und Bang⸗ Nold⸗ tschang sind die ersten Gegenstände seiner Verehrung. s sich Groß-Tibet ehrt über alles den Dalai Lama. Die in das Tibeter sagen, Ruhe der Seele und Veredlung seines Selbst en an sey das Ziel, und Barmherzigkeit und Liebe das Wesen sei— gi ner Religion. Sein Herz ist rein, sein Verstand erhaben; ache se er ist tiefdenkend gleich einem Geiste. Zuweilen sagt er * 9 N — .. — 8—— ä.——ß— 5— ——————————————— „ deutlich die Dinge des vergangenen Lebens; aber er ist nicht im geringsten stolz darauf. Wenn seine Schüler bis— weilen das Volk täuschen, indem sie Messer verschlucken und Feuer ausspeyen, so straft er solche, indem er sie zu den letzten Rangstufen herabsetzt. Darum hat das Volk tiefe Ehrfurcht gegen ihn, und nennt ihn eine lebendige Gottheit. f Chlassa bedeutet übersetzt: heiliges Land. Berge stehen mit Ehrerbietung vor ihm. Die Wasser der Erde umgeben es. Seine Felder sind fett und tragen im Ueberfluß; seine Wege sind eben und geräumig. Auf der Westseite davon erhebt sich der Berg Budala oder eigentlich Pamuri. Er besteht aus drey Hügeln. Der erste ist Samburi; sein sehr hoher Gipfel ist mit Grün bedeckt. Der in der Luft erhabene Palast ist mit Purpur umflossen. Die Vollkommenheit und Schönheit jedes Gegenstandes erheben diesen Ort über jede Vergleichung. Vor den Bergen erhe— ben sich Obelisken, und etwas gegen Norden steht Dsun— siulugan. Dieses Gebäude ist mitten im Wasser errich— tet; wer es besehen will, muß auf einem Kahne hinfahren. Der Anblick dieses Ortes ist ungemein schön. Auf dem Wege von Chlassai Ziokan nach Budala ist eine Brücke von Fliesen zusammengesetzt, unter welcher mit großem Brausen ein Fluß, Kardshu-Muren sonst auch Dsan genannt, fließt. Die Bürger haben auf beiden Ufern desselben sich angebaut, und leben im Ueberfluß und Freude. Fünf Li 1 od. ungefähr 1 d. M.) von dem Berge, gegen Osten, befindet sich ein Tempel, Chlassei Ziokan genanut, in welchem Gold und Smaragde glänzen. An dieses gränzt Ramuzi Ziokan. Sieben Li(2 d. M.) von Ramuzi Ziokan, gegen Norden, ist das Städtchen Dsheß i. Hier liegt eine chinesische Besatzung. Ssera, Bebun Ssamje —— ̃ s—— 25 n— 8———— ————————.— 8— et g. t und Ganteng(Hanteng) sind große Tempel; in der ler he Nahe staunt man über ihre Vollkommenheit, in der Ferne 0 schlucken wird man über ihre Schönheit entzückt. Aber Dsundsiu r sse zu Kazi und das große Gastzimmer sind, gegen das Uebrige 5 Volk gehalten, unvergleichlich, und liegen nicht weit von einan— bendige der entfernt. Hier ruht der Dalai Lama in Stunden der Muße aus. Im Frühjahre beschatten sich gegenseitig Wei— stehen den und Pfirsichenbäume, im Winter Cedern und Cypres⸗ ngcben sen. Dieser Wohnplatz der tibetischen Gottheit ist im ge— 3 seine ringsten nicht von dem mittlern Lande(China) verschieden, b Naeh und macht wahrhaftig eine gesegnete Hauptstadt im We⸗ amuti. sten aus. buriz Von Chlassei Ziokan gegen Süden sind acht Ta— rin det gereisen bis zu dem Oertchen Dsheßilumbu in Klein— . Die Tibet, wo der Tempel Shendshünnin Dseba erbaut etheben ist. Berge und Flüsse sind hier sehr schön. Der Boden ist gen erhe⸗ fett und fruchtbat. Hier sitzt der Bangtschang auf sei⸗ t Dsun⸗— nem Throne. r errich⸗ 1 f 8 N Ahe Tibet hat 1 zahllose Menge Kempel. N Kam, lf den Ju und Dsan zählt man in den Berichten eingetragene, 1 5 nahmhafte Tempel mehr als 3000; unnd Lama's, die auf 9105 e der Schatzkammer unterhalten werden, uber 84000. 11 Die ältern Lama's, Kutuchta's genannt, haben ihren Un— 8 terhalt aus den, unter ihrer Gerichtsbarkeit befindlichen, 1 10 Ländereyen. Die großen Kutuchta's vertrauen die Verwal— ding tung ihrer Antheile besondern Dfämzo's(D siamzo's, , in Urga nennen es die Mongolen Schandsaba). In je— Wi dem Tempel ist ein Kängbu(Kiangbu), um die Ver— grün waltung über die Lamaische Bröͤderschaft zu führen. Diese e Kängbu sind von verschiedenen Rangstufen, nach Verhältniß 991 der Größe des Tempels und der Anzahl der Brüderschaft. a 8—— 5 2———— 5— ——— 5— 2—— — 182— 4. Abhängigkeit von China. Im siebenten Jahre des Tschundé(1642) beschloß der Dalai-Lama eine Gabe an den chinesischen Kaiser zu senden. In der Folge, unter der Regierung des Schungdshi, reiste der zum fünftenmahle wiedergeborene Dalai Lama in Person an den pekin'schen Hof. Der Chuandi beschenkte ihn mit einem Gnadenbriefe, und ernannte ihn zum Dalai Lama, zum Oberhaupt des bengalischen foischen Glaubens. Zu dieser Zeit erschlug der mongolische Kuschi-Chan den Dsan— ba⸗Chan und brachte Tibet unter seine Gewalt. Ihm folgte auf dem chinesischen Throne sein Sohn Dajan Chan und sein Enkel Dalai Chan, welche alle dem chi— nesischen Reiche ergeben waren. Nach diesem als Teba Sandse auf Empörung sann, tödtete ihn des Kuschi— Chan Urenkel Ladsan(eigentlich Chlassan Chan), und schickte einen Gesandten an den chinesischen Hof mit dem Berichte davon; dafür ward er von dem Kaiser Shengdi(dem nach seinem Tode sogenannten Kanßi) als Chan anerkannt. Der Dalai Lama, der von neuem in Litan wiedergeboren war unter dem Nahmen Gard— sankämu, war damahls zwey Jahr alt, und ward ein Chubilgan genannt. Die Mongolen begleiteten ihn nach dem ßininschen Tempel Tarßü, um dort sich aufzuhalten. Zu dieser Zeit fing der sungarische Empörer Zewan Rab— dan Krieg an, und schickte nach Tibet ein Heer unter der Anführung von Zeren Dondschuk, der den Ladsan Chan erschlug und seinen Sohn Ssurdsa gefangen nahm. Alles dieses geschah unter dem Vorwande der Wiederher— stellung des Glaubens, in der That aber, in der Absicht um Tibet sich zu unterwerfen. Das tibetische Volk bat durch Abgeordnete um Hülfe, und der chinesische Hof sandte den General Olungdo mit einem Heere ab. Die Trup— fi fi U 00 Jan ff l in Aste ma age olg, r zum an den einem zum dieser sa U Ihm (an in chi⸗ Teba Kuschi⸗ han), of mit Halset Aanßi all jatd⸗ d ein dem ten. hab⸗ erher— bsicht k bat sandte Tl 2 — 183 pen der Empörer wollten nach Norden zu weichen; aber durch die schwarzen Lama's gelockt, concentrirten sie sich aufs neue und erkühnten sich, den chinesischen Bataillonen entgegen zu treten. Der erzürnte Shengdi bestimmte in seinem Zorne sechs Corps seiner Tru ppen unter Anführung seines Nachfolgers gegen sie, und verlieh indessen dem Gar— dsankämu den Titel eines Dalai Lama, gab ihm einen Gnadenbrief und Siegel, und sandte den Oberbefehlshaber Jangsing unter Bedeckung ab, um ihn auf den Thron zu setzen. Dieser General ging aus Sunin über die Gränze, vertilgte die schwarzen Lama's, tödtete den vorgeblichen ti— betischen Fürsten Dakdsa, und endlich, nachdem er die Ruhe in Tibet wieder hergestellt hatte, begleitete er den Da⸗ lai Lama auf seinen Thron in Budala. Hierauf ward, durch einen Befehl des Chuandi das ganze tibetische Reich dem Dalai Lama geschenkt. Dieses Ereigniß geschah im öhsten Jahre des Kanßi, am 15ten Tage des ten Mondes (1720). Mit dem Dalai Lama zugleich wurden die ehe— mahligen Generale Ladsan's: Kantschemai, Arbuba, Lunbunai, Polonai und der Schandsaba des Dalai Lama Dsharnai zu fürstlichen Würden erhoben und ih⸗ nen das Amt von Kalion's(eine Art tibetischer Minister) verliehen und die Macht Tibet zu verwalten. Im ersten Jahre des Fund shen(1723) erhielt, durch einen Befehl des Chuandi, der Dalai Lama noch den Titel des Ge— rechtesten im Westen der wahren Gottheit. Im fünften Jahre(1727) empörten sich Arbuba, Lunbunai und Dsharnai, die sich mit einander verschworen hatten. Ssiangdi(Jundsher) schickte den General D sha—⸗ langa auf verschiedenen Wegen nach Tibet, um die Auf— rührer zu vernichten. Die Truppen waren noch nicht bis Tibet gekommen, als der Taidsi Polonai, der Klein-Tibet 1— deckte, mit dem Corps von Dsheßilumbu in Chlassa an— kam und die Aufrührer Arbuba u. s. w. ergriff, und, in Erwartung der Truppen des Chuandi, dem Hofe Bericht von den besondern Umständen des Aufruhrs einsandte. Nach der Hinrichtung von Arbuba, Lunbunai und Dsharnai ward wieder die Ruhe in Tibet hergestellt. Hierauf erhob der Chuandi den Polonai zum Fürsten des dritten Grades und obersten Regenten von Tibet, und befahl darin die chi— nesischen Besatzungen zu verstärken, und in Kol, nicht weit von Dad sängdu den Tempel Gui-juan zu erbauen, in welchen der Dalai Lama, um darin zu wohnen, eingeführt wurde. Im 11ten Jahre(1733) ward die Stadt Dsha⸗ schi erbaut, und im 13ten(1735) unterwarfen sich die Sungaren. Hierauf ward von neuem gebeten, den Dalai Lama auf seinen Thron in Budala zu geleiten. Im vierten Jahre des Zänglung(1739) ward Polonai durch einen Befehl des Chuandi zum Fürsten des ten Grades erhoben, und, wie vorher schon, zum Regenten von Tibet. Als Polonai starb, folgte sein zweyter Sohn Dshurmot Namgül ihm in seiner Würde; aber 1750 wurde er we— gen eines arglistigen Anschlags hingerichtet. Nach diesem wurde durch einen Befehl in Tibet die Fürstenwürde aufge⸗ hoben, und den dort befindlichen chinesischen Generalen ge⸗ boten, alle Sachen, in gemeinschaftlicher Uebereinstimmung mit dem Dalai Lama zu verwalten. Seit dieser Zeit herrscht in Tibet vollkommene Ruhe. Die Truppen sind an den Gränzen verlegt. Das Volk kehrte wieder auf seine Felder zurück. Die Chineser und Tibeter eröffneten mit ein— ander einen Handel; mancherley Schätze zeigten sich auf den Handelsmärkten, und Chlassa ward eine große Haupt— stadt im Westen. —..:. 8— Im J. 1791. erregten die Gorkaer*) Unruhen an den Gränzen von Dsanba. Die himmlische Majestät(der Chu— andi Zänglung) gebot in furchtbarem Zorne dem Heere auszurücken. Von Tschendu bis nach Juiba und Osanba wurden überall Proviant-Depots angelegt. Das kaiserliche Heer erhob seine Waffen gegen die Bösewichter; und der Nebel, der sich über den tiefen Thälern erhoben hatte, verschwand gänzlich beym Erscheinen des Morgens; wahrlich es war eine leichte Sache**). Dieser ganze *) Unsere europäischen Erdbeschreiber begreifen unter dem Nah— men des nördlichen Indostan's alle Berggegenden, die zwi— schen Kaschemir, Butan und Ashim liegen, worunter auch Nepaul und Gorka, die fetzt von einem Gebieter, dem Radshah(Rajah) von Nepaul abhängen. Seine Gebiete er— strecken sich auf 2955 Quadratmeilen und enthalten ungefähr 2 Millionen Einwohner. A. d. V. **) Nach glücklicher Beendigung dieses Krieges in Tibet mit den Gorkaern oder Nepaulern erschien der manshurische Ge— neral, der das Heer eommandirt hatte, bey dem Kaiser Zäng— lung in dem Lusthofe Sheché. Dort traf er den englischen Gesandten Lord Macartney(im Sept. 1795.) Dieses Zusam— mentreffen trug viel zur Vereitelung der Absichten der Groß— britannischen Gesandtschaft bey; denn bis zu der Ankunft des gedachten Generals waren die Engländer von dem chinesischen Kaiser mit vieler Freundlichkeit aufgenommen, und ihre Un— terhandlungen nicht ohne Erfolg geführt worden. Aber bald nahmen die Sachen eine andere Wendung, die Hindernisse mehrten sich, und der Gesandte, der sich vorgenommen hatte, den Winter in Pekin zuzubringen, erhielt auf einmahl seine Abschieds-Audienz. S. Reise des Lord Macartney, III, 85, 84. und besonders S. 110.(der russischen Uebersetzung), wo gesagt wird:„in der Antwort des chinesischen Ministers war unangenehm die letzte Weigerung(eines Passes für den Kapitän auf das Schiff Indostan), welche wahrscheinlich eine Folge der Berichte des tibetischen Generals war, denn über diese Sache war in seinem Beyseyn berathschlagt wor— den. Seine Erbitterung gegen die Engländer scheint sich auch bis jetzt ler war General-Gouverneur in Kanton) nicht ver— mindert zu haben u. s. w.“ — r .* * —— ——— — Winkel im westlichen Lande war noch nicht unter der Herr— schaft des Reichs gewesen; aber es sind schon über hundert Jahr, daß die Befehle des jetzigen Hofes in alle vier Enden der Welt eingedrungen sind, und diese Gegeud in den At— las des chinesischen Reichs eingetragen ist. 5. Gabe oder Tribut.— Der Dalai Lama und Bangtschang Erdeni schicken jährlich nach Pekin Gesandt— schaften. Die Geschenke des Dalai Lama sind Boy(Fries) und verschiedene feine Wollengewebe, Räucherkerzen, silberne Obelisken, Götzenbilder und andere Sachen, die im schige— munischen Dienste gebraucht werden, Rosenkränze von Ko— rallen und Bernstein. Alle diese Dinge sind gewöhnlich zu— sammen bis 60000 Rubel am Werthe. Hierunter ist ein Theil der Geschenke von dem Temu Kutuchta, der gleichsam des Dalai Lama Kanzler ist, und der vier Kalion's oder Minister. Ueberdieß schickt der Dalai Lama mit dieser Ge— sandtschaft auch den Brüdern des Kaisers, den vier chinesi— schen Ministern und andern Personen Geschenke, wie auch den mongolischen Fürsten und den Kutuchta's, den pekin— schen sowohl als den jenseit der Gränze— d. i. in der Mongoley wohnenden. Auch verschiedenen Lama's werden Belohnungen zugesandt; allein für diese schafft man eine Menge geistlicher Bücher, die in Chlassa gedruckt sind, herbey. 9 Befehlshaber.— Die Befehlshaber Tibets werden von den in Chlassa wohnenden chinesischen Genera— len, nach Zustimmung des Dalai Lama, bestimmt. Man wählt Leute mit den besten Fähigkeiten und von guten Sitten, aus reichen Häusern. Die Regierung besteht aus 4 Kalion's, welche zum Theil Tibet regieren; unter ihnen ist ein Aeltester, der über alles die Aufsicht hat. Einige Dfändso's(Tschäkdsot oder Schandsaba, d. i. der Regenten) haben allein über die Abgaben die Aufficht; ei— det nige Nanßoßäk's wachen über die gerichtlichen Untersu— nden chungen und die auf Ländereyen haftenden Verpflichtungen; At⸗ einige Dshunkor's, die in Chlassei Ziokan ihren Auf— enthalt haben, verwalten die Führung der Rechtshändel, n und endlich die Dseigan's sind über das Rechnungswe— dt⸗ sen gesetzt. Der größte Theil der Dshunkor's und Dsei— 5) gan's hat erbliche Würden. Ans diesen wählt man die ne großen und kleinen Teba's. Ein Aeltester oder Vorgesetz— e⸗ ter, der in Geschäften abgeschickt wird, hat den Titel Gu— 0 ßio(Herr); ein Referent bey Beamten heißt Dshoner; zu⸗ ein Verwalter— Nerba; ein Dolmetscher— Neßänba ein(Neßianba). Die fünf Kriegsoberhäupter sind folgende: am der Deibun und unter ihm der Dseibun ein Befehls— er haber über 200 Soldaten; der Ssiubun, der über 100 e⸗ Soldaten gebietet; der Dinbun ist über 45, der Dfiu— si⸗ bun über 10 Soldaten gesetzt. Es giebt auch noch einen 0 untersten Aeltesten oder Vorgesetzten, Kodu genannt. Alle n oben angegebenen Teba's und Aeltesten haben ihren Unter— er halt von den Abgaben, die sie von den ihnen untergeordne— n ten Oertern einsammeln. 6 7. Truppen.— In Tibet rechnet man an Truppen mehr als 60000 Mann, und zwar: in Chlassa, Reiterey 3000; in Dsan, Reiterey 2000; in Neri, Reiterey 5000; i in Kobi(Combo), Reiterey 1000; in Taridsü, Landsü, 5 f Lanmuzo und bey den Mongolen, die in schwarzen Jurten 1 wohnen, Reiterey 3000. In Neri und in beiden Tibets, f Fußvolk 50000. Die Rekrutirung der Truppen geschieht 5 auf folgende Art, daß man aus jeden zehn oder fünf Mann 10 einen, auch mit dem Pferde, ohne alle Partheylichkeit nimmt. Wenn sie in den Krieg gehen sollen, legen sie Panzer an, die aus schmalen eisernen Schiene gemacht werden, oder „ Panzerhemden aus kleinen Ketten. Die Reiter befestigen auf ihren Helmen rothe Quasten, oder Pfauenfedern; an die Hüfte hängen sie ein Seitengewehr, auf den Rücken eine Flinte, und in den Händen tragen sie Lanzen. Die Soldaten zu Fuß stecken auf ihre Helme Hahnenfedern, hängen an die Hüfte ein Seitengewehr, stecken in den Gürtel einen Säbel, haben Bogen und Pfeile bey sich, und in den Händen halten sie einen Schild von Rohr oder von Holz; andere haben auch Lanzen. Ihre hölzernen Schilde sind anderthalb Fuß breit, und 3 Fuß 2 Zoll lang; sie sind mit Tigern bemahlt, und mit Federn von verschiedenen Farben geschmückt. Von außen sind sie mit eisernen Blättern beschlagen. Die Pfeile machen sie aus Bambus, mit Adlerfedern und mit einer eisernen Spitze, wie eine Pfrieme gestaltet, und 3 bis 4 Zoll lang. Ihre Bogen sind von Holz mit einer Einfassung von Horn, klein aber elastisch. 8. Künste und Handwerke. In Tibet sind die Steinmetzen und Tischler zum höchsten Grade der Verfeine— rung gelangt. Die Sachen, die man aus verschiedenen Me— tallen verfertigt, so wie auch der weibliche Kopfputz, sind mit den chinesischen einerley. Ausgehauene oder geschnitzte Abbildungen von Menschen und Pflanzen sind sehr ähnlich nach der Natur. 9. Natur-Erzeugnisse. Ueberhaupt: Gold ge— winnt man in Dsingschazän(Dsingschazian); Sil— ber, Kupfer, Eisen, Bley erhält man aus Kam; Lasursteine und den besten Borax gewinnt man am See Mapam; es giebt weißes und purpurfarbenes Salz; von Thieren sind da: Büffel, Pferde, Schafe, Luchse; von Pflanzen: Weizen, Gerste, Felderbsen u. s. w. Die Erzeugnisse des eigentlichen chlassaischen Gebietes sind: Schafe, Schweine, nicht schwerer als 14 Pud(60 rus— K* — 8 sische Pfund); Pferde, Maulthiere, Esel, Büffel, Argals (wilde Schafe), Hasen, Füchse; sehr kleine Hühner; Schwane, wilde Enten, gelbe Fasanen— Reiß(man säet viel davon in den Umgebungen der Stadt Chlassa, das Was— ser dazu sammelt man zwischen Dämmen; die Hakenpflüge der Tibeter gleichen den chinesischen, nur ihr Gespann besteht aus fünf Ochsen), Felderbsen, indische Linsen, Bohnen, Kohl, Lauch, Knoblauch, Petersilie, Kartoffeln. Von Bäu— men giebt es: Cedern, Cypressen, Espen, Weinstöcke, Wall— nuß⸗, Abrikosen-, Feigenbäume. Blumen verschiedener Art: gefüllter Mohn, Rosen, Päonien(Pfingstrosen), Päonien, die auf Bergen in Form von Sträuchen wachsen, Gänseblu— men.—(An Mineralien): Salz, Lasursteine, Türkise, Bern— stein, Korallen, Seleniten, Salmiak.— In Tibet werden viele verschiedene seidene Zeuge verfertigt, auch Boy(Fries) und Kamelot, die in Indien sehr geschätzt sind; ebenfalls auch Räucherkerzen, die man gewöhnlich vor den Götzenbildern anzündet. Hölzerne Schalen von zweyerley Art: die eine heißt ODshamdshaja aus gelbem Holze; diese Schalen sind stark und fest, und haben einen Glanz mit dünnen Streifen; die andre Art wird Chunodar genannt, von etwas gelb— lichem Holze. Beyde Arten sind sehr theuer, denn das zu diesen Schalen gebrauchte Holz zerstört, nach den Aeußerun— gen der Tibeter, die Kraft des Giftes. Die Mongolen be— mühen sich sehr, solche Schalen zu bekommen; aber diese Arbeiten scheinen einen weit höhern Werth dadurch zu erhal— ten, daß sie in einer Gegend gemacht werden, die durch den Aufenthalt des Dalai Lama geheiligt ist, und als die Wiege des schigemunischen Glaubens angesehen wird. 10. Tibetische Alter thümer. Ein tan'scher Stein steht in Chlassa, zur rechten Seite des Thores, neben dem Tempel Chlassei Ziokan, auf chinesisch: Dadshäo. Auf ——..—........——. 190 U diesem Steine ist eine Inschrift eingegraben, welche des Eides fad zwischen dem tan' schen(chinesischen) und tufang'schen(ti— N bet'schen) Hofe erwähnt. Dieser Stein ist noch jetzt ganz 1 unversehrt. In der Aufschrift wird gesagt: der erleuchtete, 1 kriegerische und als Vater geehrte groß-tan'sche Kaiser, der 0 hochweise und göttliche groß-tibetische Kiabu, zwey Mo—. b narchen, Oheim und Neffe, setzten, nachdem sie sich über Tl die Vereinigung der zwey Mächte berathen, einen eidlichen fa f Vertrag fest über einen großen Frieden, der in Ewigkeit nicht Af gebrochen werden soll. Geister und Menschen sind Zeugen ut dieser Verhandlung, und die kommenden Geschlechter werden al sie preisen. Darum, um dieses der Nachwelt zu überliefern, 5st haben sie auch diesen Stein mit einer Aufschrift errichtet. 5 Der erleuchtete, kriegerische und als Vater geehrte Kaiser, 0 nebst dem hochweisen und göttlichen Kiabu, diese zwey Mo— ft narchen, welche tiefen Scharfsinn und Einsicht besitzen, be— l greifen worin die dauerhafte Bildung der Völker besteht; sie 0 ergießen, die Gefühle des Erbarmens verbreitend, überall U Wohlthaten. Sie sorgen, sich mit einander berathend, Eines 1 a Sinnes dafär, Ruhe den Völkern zu verschaffen, ihnen eine scht allgemeine Wohlthat zu erzeigen und auf lange Zeit ihren fa Wohlstand zu befestigen. Dieses einstimmige Streben nach N Befestigung nachbarlicher Freundschaft verdient hohe Billi— Nh ö gung. Von nun an sollen alle, auf den beider Reiche, des l 8 ö chinesischen und des tibetischen, gelegten Gränzen, von den un Städten Daodsheu und Mingdsheu östlich liegende fam Länder dem groß-tan'schen Reiche zugehören, alle aber von 15 der Gränze westlich liegende, der groß-tibetischen Macht. 9 Diese beiden Reiche verpflichten sich, die blutige Feindschaft a aufzuheben, nicht gegen einander die Waffen zu erheben, nicht N gegenseitige feindliche Einfälle zu unternehmen. Wenn einige, f bey irgend einer Gelegenheit sich in den fremden Gränzen be— finden sollten, soll man solche ergreifen, und nach gehöriger Befragung sie mit Kleidung und Nahrung versehen, und sie in ihr Vaterland entlassen, um dadurch, ohne die Ruhe ihrer Herrschaft zu stören, Frömmigkeit gegen die Geiste und Liebe gegen die Menschen zu beweisen. In Folge di * e die⸗ ser gegenseitigen Freundschaft zwischen Oheim 5 Neffen sollen sie, bey entstehenden schwierigen Verhältnissen, sich gegenseitig an einander wenden, und einander Hr 25 leisten. Da zwischen beiden Reichen 1 0 eine Communication d statt finden soll, so wird festgef daß die Gesandten, welche von beiden Seiten abgef 5 werden, in D sän⸗ dsiungtschu die Pferde wechseln sollen. Von Dao— dsheu und Mingdsheu gegen Osten ist der 1 sche Hof und von der Stadt Pinschui gegen West er groß⸗ tibetische Hof verbunden, sie zu unterhalten. 5 n muß in vollem Maaße den Oheim und den Neffen einander nähern, damit das Feuer und der Staub sich nicht au zen erheben; damit die Unterthanen die Güte der Fürsten preisen und niemahls Gedanken der Unru nähren; damit die Reisenden nicht Vorsichtsmaaßregeln nehmen, und die Einwohner der Ruhe genießen mögen. Durch Ergießung solcher Wohlchaten über künftige Ge⸗ schlechter wird der Schall des Ruhmes überall ertönen, wo nut die Sonne und der Mond leuchten. Es schmecke der Tibeter Ruhe in Tibet, China; b sich auf diesen eidlichen Vertrag verlassend, muß niemahls ihn brechen. Vor den Abbildern der Götter r Weisen, vor dem Angesicht der Sonne, des Mon— des und der Sterne, bestätigen wir, aber den geschlachteten Opferthieren, diesen Eid. Wenn einer diesen V Ji 7 * befolgen wird, so möge der Eid dbrüchige von ihnen gestraft HerNen 5 Mee 4—.— a werden. Der tibetische Monarch und die chinesischen Ge— sandten, sich zur Erde verbeugend, setzen diesen, hier genau ausgedruckten Vertrag fest. Die Tugenden beyder Fürsten werden ewig bey der Nachwelt laut erschallen, und die Unterthanen werden das auf sie ergossene Heil preisen.“ Aus der Geschichte der tan'schen Dynastie sieht man, daß im J. 821 nach Chr. Geb. der tufang'sche(tibetische) Kaiser nach China einen Gesandten geschickt hat, mit dem Vorschlage, einen Vertrag abzuschließen. Hierauf wurde von chinesischer Seite die Beystimmung erklärt, und der Gesandte Liujuangdin ging zugleich mit dem tufang' schen Gesandeen Lungnolo nach der Hauptstadt Tibets ab, und schloß da den eidlichen Vertrag. Der Stein wurde wegen dieser Begebenheit zu derselben Zeit errichtet*). Den 5. Febr.(17. Febr. N. St.) Während der Fest— tage des neuen Jahres, die bis zur Hälfte des ersten Mo- nats dauern, zeigt man hier, unter andern, eine alte sehr große Glocke, in dem choschan'schen Kloster, ungefähr 2 bis 3 Werste von Pekin, und von dem russischen Klosterhofe ungefähr 8 Werste(üb. 1 d. M.) Da ich neugierig war, alles Merkwürdige in der Haupt— stadt dieses weit entfernten Reiches, so weit es die einge— schränkte Lage eines Fremden in China erlaubt, zu sehen, begab ich mich am Morgen in das gedachte Kloster, mit unsern Beamten und den Mitgliedern der vorigen Mission, dem Ordensgeistlichen Seraphim und dem Studenten Ssi— pakow. Man mußte um die Mauer der Hofstadt von der Süd- und Westseite herumfahren. Als wir in dieser Rich— *) Dieses mit tibetischen und chinesischen Buchstaben auf einem besondern Denkmahle eingegrabenen Vertrags, das auf der Gränze beider Reiche errichtet seyn soll— erwähnt unter andern Hr. Remüsat in seinem gelehrten Werke: Recherches sur les langues Tartares, I, 385. hes 5 tung an der Mauer hinfuhren, sahen wir nahe bey der südöstlichen Ecke derselben eine mohammedanische Moschee, die von Zänglung für die von ihm, nach der Eroberung Turkestans, hierher versetzten Türken erbaut worden war. Eine Gasse weiter von der Moschee und den turkestanischen Häusern befindet sich, jenseit der Mauer der große Hofgar— ten. Dort sieht man Dächer von Häusern, von Lusthäu⸗ sern, und den Gipfel eines künstlich aufgehäuften Berges, der mit Wachholdergesträuch bedeckt ist. In dem Garten, gerade der Moschee gegenüber, steht ein sehr großes Lust⸗ haus, das ausdrücklich von Zänglung erbaut wurde, damit seine dritte Gemahlin, die er aus Turkestan, aus einem fürstlichen Hause genommen hatte, zum Gebete sich dahin begeben könnte. Diese Vermählung hatte die Politik des manshurischen Hofes zum Grunde, dem es gelungen war, durch Verwandtschafts- Verbindungen, auf immer und ohne Gewaltthätigkeit, die unterworfenen Völker fester an seine Herrschaft zu knüpfen. Uebrigens stellt uns ein solches Bey— spiel auch die vaterländische Geschichte auf in der Vermäh⸗ lung des Zar Iwan Wassiljewitsch mit einer kabardinischen Fürstentochter“) u. s. w. ) Hr. Bronewski in den Nachrichten vom Kaukasus, II, 8o. erwähnt auch dieses Umstandes:„der Zar Iwan Wassiljewitsch, sagt er, vermählte sich, 1560, mit der tscherkessischen Fürsten⸗ tochter Maria Temriukowna, die sich damahls in Moskwa, mit ihrem Bruder, dem Fürsten Michael Temriukowitsch, der nachher zarischer Bojar ward, als Geißel befand. Diese Ver⸗ mählung, war sie nun Folge der Leidenschaft oder politischer Berechnungen, bewirkte, nach den damahligen Umständen, eine für Rußland sehr vortheilhafte Annäherung der Bergvölker, besonders der Kabardiner, der tiumen'schen und taman'schen Tscherkessen, welche in den Kriegszügen des Zar Iwan Wassil— jewitsch gegen Liefland, Polen und gegen die krimmischen Ta— taren, eben so gut als die russischen Truppen, Kriegsdienste thaten.“ A. d. V. II. Band. 13 Da wo man ssch rechts nach der Westseite von Chu— antschen wendet, steht der fürstliche Hof des ältern Bru— ders des verstorbenen Dsäzin, Oheims des Kaisers, der jetzt den chinesischen Thron bestiegen hatte. Der mißlungene An— griff auf das Leben des Dsäzin war von einem der Diener des Großfürsten gemacht worden,(wovon oben S. 36. ge⸗ sprochen wurde), und dieses stürzte ihn in Ungnade bey dem verstorbenen und bey dem jetzigen Kaiser. Weiter, auf derselben Gasse, begegneten wir dem Wan von Korea; er fuhr nach Hofe in einer einfachen Kalesche, aber in Begleitung eines zahlreichen Gefolges. Der Oheim dieses Wan's, ein Nachkomme des Fürsten von Korea, der nach Pekin noch mit den Manshuren bey der Eroberung China's im J. 1644 gekommen war, wurde, seiner Hoffart wegen, von dem verstorbenen Chuandi der Fürstenwürde be— raubt. Er verlangte, die Beamten seines Hofstaats sollten ihm in derselben Ordnung, und mit denselben Ceremonien, wie dem Kaiser selbst, ihre Berichte abstatten; überdieß ließ er, aus ungewöhnlicher Hartherzigkeit, seinen Leuten die qualvollsten Martern anthun. Der Hof des Wan, mit weit— läusigen Gärten, liegt nicht weit von dem westlichen Thore von Chuantschen. Beym Anbruche dieses Tages war der Kaiser aus der Hofburg Juangmingjuang, die von Pekin westlich liegt, zurückgekehrt. Nach chinesischer Sitte werden alle Querstraßen, die in die große Straße gehen, durch welche der Kaiser seinen Zug nimmt, zur Zeit seines Zuges ver— hüllt. Wir fanden noch auf Schnüren hängende Vorhänge von grobem blauem Nankin. Dieses dient als ein Beweis, daß nicht jeder der Chineser, selbst der in Pekin wohnenden, seinen Chuandi sehen kann, der in undurchdringliche Größe eingehüllt, und immer mit einem zahlreichen Haufen seiner —. ——:,: ß.— FV»V[np knechtischen Höflinge umringt ist. Wenn er durch das Land, zur Zeit einer Reise, geht, dann nur konnen seine Unter— thanen, mit dem Gesicht sich zur Erde werfend, einige Moglichkeit finden, einen furchtsamen Blick auf sein Antlitz zu werfen. Als wir uns dem Stadtthore Ssitschi naheten, bemerk— ten wir, daß niemand durchgelassen wurde. Wir hielten ebenfalls an, da wir hörten, daß der Sohn des Kaisers aus dem Hofe von Mingjuang zurückkehre. Zuerst spreng— ten zu Pferde einige Beamten in Hofkleidung vorbey; bald nach ihm kam auf einem weißen Rosse(bey den Chinesern stehen die weißen Rosse in vorzüglicher Achtung) der junge Prinz geritten, umgeben von einem Haufen Verschnittener in Hofkleidung, mit Pud fü“) und mit Pfauenfedern auf *) Es ist bekannt, daß Leute, die in chinesischen oder jetzt man— shurischen, Civil- oder Militär-Diensten stehen, zur Bezeich— nung ihres Ranges, oben auf den Mützen mit kupfernen oder goldenen Schrauben befestigte runde Kügelchen von verschiede— nen Farben tragen. Die Farbe des Kügelchens zeigt die Würde des Rangs an. So kann z. B. ein rothes oder korallenes Kü— gelchen nur ein General, ein blaues durchsichtiges nur ein Oberster tragen u. s. w. Auf der kaiserlichen Mütze ist eine große kostbare Perle befestigt. Aber außer den Kügelchen sind die Pudfü u ebenfalls Abzeichen der chinesischen Rangordnun— gen. Dieses sind kleine Vierecke von Atlaß, die an die Ober— kleider, auf der Brust oder auf dem Rücken angenähet werden. Darauf sind mit verschiedener Seide Vögel und(wilde) Thiere gestickt; die erstern gehören den Civil-Rangordnungen, in China den ältern oder vorzüglichern, die letztern den militäri— schen an. Die Pud sü eines Militär-Beamten vom zweyten Grade, oder, mit unsern Militärwürden verglichen, eines Ge— nerals, stellen einen Löwen vor, und auf den Pu dfü eines Civil⸗Beamten des dritten ältern Grades, oder, nach unsrer Sitte, eines Staatsraths, ist ein Pfau abgebildet u. s. w. Die mit diesen Pud fü verzierte Kleidung tragen die Beamten nur, wenn sie bey Hofe, oder bey andern feyerlichen Versamm— 13* „ den Mützen; welches einen ungemein bunten Anblick giebt. Die Polizeysoldaten gaben Zeichen, daß jederman aus dem Wagen steigen sollte. Diese Höflichkeit bezeigten auch wir, und dadurch konnten wir den Prinzen sehr nahe sehen. Er ist jetzt nicht älter als 14 Jahr, sehr mager und blaß. Als er mich und die andern in Ueberröcken und Uniformen sah, fragte er einen von seinen Begleitern:„was sind das für Leute?“ Ein Verschnittener antwortete: Fremde..... Der Prinz sah uns mit großer Aufmerksamkeit an, und ritt weiter). Hinter ihm kam ein junger Mensch von unge— fähr 15 Jahren, von geringeren Beamten umgeben,— wahrscheinlich irgend ein Anverwandter des Prinzen. Als wir zum Stadtthore hinaus waren, sahen wir zur linken Hand, in der Nähe einer Brücke, einen nicht sehr großen Tempel. In diesem trank der junge Prinz Thee, dem wir zu begegnen das Vergnügen gehabt hatten. Der Chuandi selbst und seine Gemahlin ruhen immer in diesem Tempel aus, wenn sie aus Juangmingjuang nach Pekin zurückkehren. Jetzt kann der Kaiser, der Trauer wegen, in dem Lustschlosse, vor Ablauf von 27 Monaten nicht wohnen. lungen erscheinen. Dann tragen sie überdieß noch um den Hals großkörnige Rosenkränze, die bis zum Gürtel herabhängen. A. d. V. ) Einige Tage nachher baten mich die portugiesischen Missionare ziemlich dringend, ihnen meine und eine Kasaken-Offiziers— Uniform zu schicken, um sie einer vornehmen Person zu zeigen, die sehr neugierig sey, die Kleidung der russischen Beamten zu sehen. Da ich wünschte, diese Gelegenheit zu weiterer Be— kanntschaft in Pekin zu benutzen, sagte ich, daß bey uns in Rußland es für unanständig gehalten werde, getragene Kleider Jemanden zu zeigen, im Gegentheile sey es weit bequemer, sie am Körper des Menschen selbst zu betrachten; deswegen erklärte ich meine Bereitwilligkeit selbst zu der gedachten Per— son zu fahren, oder wenigstens ihr einen Offizier in seinem vollen Anzuge zuzuschicken. Hierein willigten aber die Portu— giesen nicht. A. d. V. N Auf der Straße nach Mingjuang, die mit Steinen gepflastert ist, fuhren wir etwa 12 Werste; dann wendeten wir uns rechts und fuhren ungefähr 14 Werste bis zu dem choschan'schen Tempel durch Todtenäcker, womit Pekin auf eine große Entfernung umgeben ist. Die Gräber der reichen Chineser sind mit steinernen Mauern eingeschlossen, in deren Innerem Tempel stehen und viele Cypressen und Wachhol— dersträuche wachsen. Die Gräber der Dorfbewohner sind auf den Feldern selbst angelegt, und auch mit Bäumen verziert, den Vorschriften des Kong-fu-tße(Confucius) gemäß, wel— cher räth, man solle sogar die Hälfte des Vermögens zum Begräbniß der Eltern verwenden. Der jetzt in China herr— schende Kaiser hat unter andern nützlichen Maaßregeln für das Volkswohl, auch die nutzlose Verschwendung kindlicher Aufopferung zu Begräbnißfeyerlichkeiten, wodurch nicht sel⸗ ten ganze Familien zu Grunde gerichtet wurden, beschränkt. Der Anblick des choschan'schen Tempels von außen ist nicht sehr ausgezeichnet. Wegen des Festes waren hier ei— nige tausend Stadtbewohner beiderley Geschlechts zusammen gekommen. Neugierige drängten uns von allen Seiten. Zum Glück erwiesen uns die dort befindlichen Polizeysolda— ten sogleich die Ehre, uns überall den Weg frey zu machen, durch das hier schon bekannte Mittel— die lange Peitsche. Beym Eintritt aus dem vordern Hofe in das Thor zeigt sich dem Blicke eine niedrige Ceder mit weithingestreckten Aesten, hinter dieser steht quer vor ein zwey Stock hohes Gebäude; in den untern Zimmern ist ein allgemeines Speise— und Schlafgemach angebracht. Die Choschanen(eine Art chinesischer Mönche) beobachten im Essen ein strenges Fasten: sie genießen weder Milch noch Fische; ja sogar schlafen müssen sie sitzend. Die magern, bleichen Lama's sahen uns mit merklicher Verwunderung an. Hinter dem erwähnten 1 Gebäude befindet sich ein Thurm, auf welchem eine bey den Chinesern berähmte Glocke hängt. Sie ist aus Kupfer ge— gossen, und durch die Länge der Zeit sehr schwarz gewor— den. Sie ist über zwey Klaftern hoch, und unten ungefähr 4 Arschinen, oben bey den Henkeln 2 Arschinen weit; da— her hat sie die Gestalt eines Kegels, mit gegossenen chinesi— schen Buchstaben verziert. An Gewicht kann sie kaum mehr als 3000 russische Pud*) enthalten**). In den Henkeln oder Handhaben der Glocke, wohin man auf einem dunkeln und steilen Treppchen hinaufklettern muß, ist eine kleine Oeffnung. Andächtige Besucher werfen von einer gewissen Höhe Tscheche dahin; wer in die Oeffnung trifft, zieht dar— aus für sich eine glückliche Vorbedeutung. Alles das Geld fällt auf den Fußboden unter der Glocke, und verschafft den Choschanen an Feyertagen ein regelmäßiges Einkommen. Neben dem Thurme sind Zimmer, worin der Vorsteher des Klosters wohnt. Wegen der großen Volksmenge konnten wir nicht lange in dem Tempel bleiben; darum traten wir den Rückweg nach demselben Stadtthore an. In dieser Richtung fuhren wir *) Oder 12000 russische Pfund, d. i. 104400 Pfund nach Leip— ziger Gewicht, oder 949 Zentner. A. d. U. **) Man sagt, in der südlichen chinesischen Stadt Nanking, oder richtiger Nangdsing, sey eine Glocke bis 1250 Pud lüber 595 Zentner) schwer, folglich, wie der Abbe Grosier sagt, un— gleich größer als die alte französische Glocke George d'Amboise. (S. De la Chine VII, 158.)— So groß man auch diese Werke der Gießkunst darstellen mag, so sind doch die bekannten Kir— chenglocken bey uns in Kiew, Moskwa und vielen andern russischen Städten, mit allem Recht, die größten Denkmähler dieser Kunst. Was werden die Fremden sagen, wenn sie von der moskwaischen, neben dem Johannisthurme in der Erde liegenden Glocke hören, die, wie man versichert, bis 12000 Pud(5796 Zentner) schwer ist. Das ist ein wahrhaftes Riesen— werk! A. d. V. — 2—— „.. — über einen Wall aus alter Zeit, der die Stadtmauer zur Zeit der juang'schen Dynastie ausgemacht hatte, unter wel— cher Pekin schon zum drittenmahle weiter nach Osten hin gerückt worden war, um die Einwohner bequemer mit Wasser versorgen zu können. Dann fuhren wir an der Stadtmauer gegen Süden zu, und hatten zur Rechten den Kanal, der Pekin umgiebt; jenseit desselben liegen am Ufer die Kasernen für die ärmern Soldaten des pekin'schen Corps, Die andern haben eigene Häuser in der Stadt. Als wir in die Stadt durch das Thor Fotschen oder Pind se hineingefahren waren, ging unser Weg am Ufer eines kleinen Grabens hin, der von Norden nach Süden (Tscheugou, der stinkende Kanal) bis an den kaiserlichen nahe am Thore Sch ungdshi liegenden Elephantenhof geht. Die Wachen ließen uns sogleich durch das Thor, nachdem sie 500 Tschech erhalten hatten; ein goldner Schlüssel öffnet alle Thore. Der Hof ist sehr geräumig; es befindet sich darauf ein Tempel, ein Brunnen, vier große sehr alte und verfallene Schuppen für die Elephanten, und einige Gebäude, worin die Beamten und Diener dieses Hofstaats leben. Jetzt sind hier nur acht Elephanten, aber sonst waren ihrer weit mehr hier. Um sie in der Wärme zu erhalten, sind Oefen in den Schuppen. Man stellt sie mit dem Kopfe gegen die Thür, füttert sie mit Weizenstroh, in welches Reiß mit eingewickelt wird. Aber kaum s be- kommen die Elephanten von der ihnen bestimmten Ration, das übrige verliert sich in den Händen der Staatsbeamten, und wird— sicuti alibi*)— in niedliche Häuserchen, Equipagen u. s. w. verwandelt. Diese Elephanten hält man, um die Gefäße zu tragen, welche der Chuandi beym ») Wie an andern Orten. C'est tout comme chez nous heißt es auch hier. A. d. U. 200 Darbringen der Opfer gebraucht. Hierzu sind besondere, sehr große Tragbahren gemacht. Uebrigens führt man jeden Morgen 4 Elephanten in die Hofburg, des Ceremoniells wegen. Ein Elephant klopft, auf die Stimme seines Füh— rers, mit dem Rüssel soviel mahl auf den Fußboden, als jener es befiehlt; ein andrer brüllt, dem dumpfen Schalle einer Trommel ähnlich, und singt oder schreyt sehr durch— dringend. Viele davon sind alt und schwach; einige sind so zahm, daß sie frey im Hofe herumgehen. Nach Pekin bringt man die Elephanten größtentheils aus dem birmani— schen Königreiche, mit bedeutenden Kosten. In der Reise des Lord Macartney*) wird gesagt, die männlichen und weiblichen Elephanten würden nach China aus den Gegen— den um den Aequator gebracht, und einige davon würden im nördlichen Wendekreise erzeugt. Nach meiner Meinung, wenn die Elephanten an den Gränzen von China selbst er— zeugt würden, so könnte man sie gewiß in größerer Anzahl in der Hauptstadt halten, und sie öfter mit jungen ver— tauschen. Nach unsrer Rückkehr aus dem Elephantenhofe fuhren wir bey dem portugiesischen Kloster vorbey, das hier unter dem Nahmen des südlichen Tempels bekannt ist; denn es liegt gerade an der südlichen Mauer des Theiles der Stadt, worin der kaiserliche Hof ist. Neben dem Kloster steht ein chinesisches Wachthaus. Die Einfahrten an den Stadt— mauern wurden nach dem Aufruhr verschlossen, der im Herbst 1813 in Pekin ausgebrochen war. Den 10. Febr.(22. Febr. N. St.) um 2 Uhr Nach— mittags kam, auf eine Einladung von mir, der Aufseher (Pristaw) To-Loje zu uns, um sich über Dienstsachen zu * Reise nach China III, 148.(der russischen Uebersetzung). A: d. VP, — g . früh 8 Gehn — ͤ ͤ—ꝛ— L— . erklären. Da To-Loje vorläusig schon durch die Boschko's des Hofes(s. 27 Jan.) von unserem Entschlusse gehört hatte, die in 8. Balgaßu befindlichen Kasaken abzulösen, fand er schon bey meiner ersten Aeußerung darüber diese Maaßregel, auch von Seiten des Gerichtshofes der auswär— tigen Angelegenheiten, sehr gut ausführbar, und besonders da er von mir gehört hatte, daß solche Ablösungen auch sonst statt gefunden hatten. Ich verwies ihn besonders auf das Jahr 1795(unter Zänglung), als der Collegien-Se— cretär Wassili Igumnow in der Eigenschaft eines Aufsehers (Pristaw) bey der Mission war. To-Loje fügte noch hin— zu, daß, wenn auch noch kein Beyspiel davon vorhanden wäre, so würde doch die chinesische Regierung jeder gegrün— deten Forderung der Russen ein Genüge leisten. Er rieth mir, hierüber eine Schrift in dem gedachten Gerichtshofe einzugeben. In der Unterredung mit mir sprach To-Loje mit großen Lobeserhebungen von dem jetzigen Director des Zollamtes in Kiachta, P. F. Golächowski, wobey er von sich selbst sagte, er könne vielleicht noch einmahl in Kiachta dienen. To⸗Loje befand sich noch bey mir, als der Bitcheschi Tschen erschien. Ziemlich zur Unzeit und dabey sehr unbe— scheiden fing der Hr. Bitcheschi in Gegenwart To-Loje's an mich mit Lobsprüchen zu überhäufen. Unter andern stellte er als einen Beweis meiner besondern Willfährigkeit auf, daß ich sogar ihm meinen Wagen auf der Reise durch die Mongoley, die wegen der heftigen Stürme und der Kälte so langwierig und sehr beschwerlich gewesen sey, abgetreten hätte. Nach ungefähr zwey Stunden schieden die Gäste freundschaftlich von mir. Den 12. Febr.(24. Febr. N. St.) In Folge des Gesprächs mit To-Loje schickte ich um 3 Uhr Nachmittags „) in den Gerichtshof der auswärtigen Angelegenheiten, in russischer und manshurischer Sprache, die am Ende dieses Kapitels beygefügte Bitte um die Erlaubniß, den Wagen— meister mit zehn Kasaken nach Z. Balgaßu abzusenden, um die Leute abzulösen, und das der Regierung gehörige Vieh zu besichtigen. Die Schrift überbrachten Hr. Rasgildejew der J. und der Dolmetscher Frolow, in Begleitung des Studenten Ssipakow und zweyer Kasaken. Die Expediteurs des Gerichtshofes, unter denen auch To-Loje war, nahmen die Bitte mit besonderer Artigkeit an, und mit dem Ver— sprechen einer völligen Befriedigung meiner Forderung. Unterdessen machten wir, die Archimandriten Jakinf und Peter in Kaleschen, und mit ihnen ich, nebst dem Ka— ken-Aeltesten Rasgildejew, dem Sotnik Petrow und 6 Ka— saken zu Pferde, uns auf, um die portugiesischen Missio— nare, die im südlichen Kloster wohnten, zu besuchen. Ge— taufte Chineser kamen uns am Thore entgegen, und beglei— teten uns durch die Bibliothek, die am Eingange des Klo— sters angelegt ist, gerade in die— wahrhaft große und prächtige Kirche. Das Gebäude hat die Gestalt eines läng— lichen Vierecks. Bald erschien dort der Vorsteher des Klo— sters, Pater Ribeira, Mitglied der pekin'schen astronomi— schen Akademie, der an seiner Mütze ein weißes undurch— sichtiges Kügelchen trägt, ein Abzeichen der Eten chinesischen Klasse. Hinter ihm kam der Bischof von Nanking, aus dem Franciskaner-Orden(s. oben 22 Jan.), Pius, 55 Jahr alt— seinem Ansehen und seinem blonden Haare nach ei— nem Russen ähnlich. Sie bewillkommten uns beide mit großer Freundlichkeit; sie unterredeten sich lateinisch. Aus der Kirche begleiteten sie uns, durch die östliche Thür, in eine besondere Kapelle, welche zur Haltung des Gottesdien— stes, zur Zeit der Ausbesserung der großen Kirche nach in einem Erdbeben, das unter dem Chuandi Jundshen sich er⸗ to eignet hatte, erbaut worden war. In der Kapelle hängen n einige Kronleuchter. Auf der Hauptmauer, der Kirchenthüre m gegenüber, ist die Abbildung der Mutter Gottes mit der 0 chinesischen Aufschrift:„die für die ganze Welt Bittende.“ U Neben diesem ist ein anderes Bild, dessen Inhalt aus dem 5 cvangelischen Texte genommen ist:„lasset die Kindlein, und 5 wehret ihnen nicht zu mir zu kommen: denn solcher ist das N Himmelreich.“(Matth. XIX, 14.) Der Heiland empfängt f eine Gabe von einem Knaben, der mit einem chinesischen Sommerkleide bekleidet ist; eben da sieht man auch, unter 5 dem Haufen der Israeliten, einige Chineser, die auf diese a⸗ Handlung hohen Erbarmens mit Entzückung der Seele hin— g blicken. Rechts ist vorgestellt Ignatius Lojola, der Stifter o⸗ des Jesuitenordens, der den Xaverius zur Verkündigung des e⸗ Evangeliums in China einsegnet. Der Jesuit Kaverius si⸗ drang zuerst von allen portugiesischen Geistlichen in dieses lo⸗ Land mit dem Kreuze ein. Auf der gegenüberstehenden 10 Wand ist er im Kirchengewande, den versammelten Chine— g⸗ sern das Wort des Lebens predigend, abgebildet. Aus der o Kapelle kehrten wir zurück in die Kirche, und aus dieser 1 lud uns Ribeira in den Gastsaal ein. Man mußte durch . einen Corridor gehen, neben den Klosterzimmern vorbey, die n in Gestalt eines Vierecks gebaut, und, wie man bemerken 18 konnte, sehr alt und verfallen sind. Der Gastsaal ist ziem— br lich geräumig und mit schönem Hausgeräthe und Gemähl— 15 den verziert, wovon eines die Erscheinung des Kreuzes in üt den Wolken vor dem griechischen) Kaiser Constantin dem ls*) So nennt ihn der Verf. Doch, da zu Constantins Zeiten in das römische Reich noch nicht in zwey auf immer getrennte n Theile, das morgenländische und abendländische Reich getheilt lel⸗ war, ist er wohl mit vollem Rechte ein römischer Kaiser nach zu nennen. A. d. U. — 204 Großen darstellt. Auf den Wänden sind auch, rechts und links vom Eingange, zwey perspectivische Ansichten des In— nern von Zimmern sehr kunstvoll gemahlt, so daß man einen auf dem Gemählde vorgestellten Tisch mit Büchern schwer von einem wirklichen, der dorthin gestellt zu seyn scheint, unterscheiden kann. Kaum waren wir in den Saal getreten, als ein Man— shur, ein Polizey- Offizier, mit furchtbarem Geschrey da hinein rannte. Ohne irgend eine Einladung von dem Haus— wirthe setzte er sich sogleich auf den ersten Platz und wen— dete sich an den Bischof Pius mit lauten Vorwürfen, war— um sie Gäste aufgenommen hätten, da von der Regierung schon der Eintritt in dieses Kloster fremden Leuten verboten sey. Der Bischof, mit der Hand wedelnd, sagte: das ist nicht meine Sache. Der Offizier, übrigens eben gar nicht sehr nüchtern, sprang vom Divan auf, und fing an dem Vorsteher des Klosters, Ribeira, Vorwürfe zu machen, daß er ihn in Gefahr stürze, seinen Rang zu verlieren; denn das Volk, neugierig die Russen zu sehen, die zu Ribeira gekommen wären, habe sich am Klosterthore in solcher Menge versammelt, daß man nicht durch die Straße fah⸗ ren könne, und wenn dieses etwa einer von den kaiserlichen Ober-Procuratoren sehen sollte, könne dieses von sehr schlinmmen Folgen seyn. Ribeira, beschämt über diesen Schimpf, vor den Augen der Russen, die er gewissermaßen eingeladen hatte, um dem pekin'schen Publikum zu zeigen, daß die Europäer die Portugiesen hinlänglich hochachten, suchte den Offizier zu beruhigen, aber vergebens. Der Man— shur ergriff den Franciskaner und schleppte ihn nach der Po— lizey, um Rechenschaft für die begangene Unordnung zu ge— ben. Bey dem Anblicke dieser schändlichen Erscheinung man— shurischer Frechheit, und des Verfalls der Katholiken in, 2 * „„ China, standen wir auf und fingen an den Bischof um Er— laubniß zu bitten, nach Hause zurückzukehren, und den Be— such bis zu einer andern bequemern Zeit zu verschieben. Pius hielt uns zurück und sagte, der Polizey-Offizier sey betrunken, und sie seyen schon an solche Bedrückungen von Seiten der Chineser gewöhnt. Dann führte er uns in die besondern Zimmer, wo vorher die portugiesischen Bischöfe von Pekin gewohnt hat— ten. Dort kam uns Ferreira, ebenfalls Missionar, der sich in diesem Kloster aufhält, entgegen. Bald kam auch Ri— beira dahin, der den unruhigen Offizier, und nicht mit leeren Händen, begleitet hatte. Man bewirthete uns mit Thee und getrockneten Früchten. Der Bischof fragte mich nach dem Orte meines Dienstes, nach meinem Range, und auch, ob ich nicht mit den russischen Truppen in Paris ge— wesen sey u. s. w. Wegen des Vorfalls mit dem Polizey— Offizier äußerten die Portugiesen, schon der verstorbene Chu— andi Dsäßin habe angefangen, die Leute von ihrer Gesell— schaft zu bedrücken, ja sogar sie zu verfolgen, weil er arg— wöhnte, die Missionare möchten gegen ihn irgend einen ge— fährlichen Anschlag schmieden. Aber es sey Hoffnung, daß der jetzige Kaiser Daoguan sie unterstützen werde, denn er habe einen ziemlich festen und großmüthigen Charakter. Er fürchte sich auch nicht, wie man sagt, vor seinen Nachbarn; er sey bereit den Frieden heilig zu halten, scheue sich aber auch nicht, ins Feld zu gehen. Daoguan, sagt man, habe alle Vorsichtsmaßregeln an der Gränze Rußlands aufgeho— ben, die früher Dsäßin, sein Vater, genommen, der viele Beweise von Zaghaftigkeit und argwöhnischer Gemüthsart gegeben hatte. Der Bischof fragte den Pater Archimandriten Peter, warum englische Missionare bey uns in Sselenginsk wohn— — 286—ü— ten.— Er erhielt zur Antwort, die Engländer lernten dort die mongolische Sprache. Der Bischof erwiederte, diese Missionare müßten, seiner Meinung nach, einen andern be— sondern Zweck haben. Hierauf lenkten die Portugiesen das Gespräch darauf, daß jetzt die europäischen Gelehrten, vor— züglich in Frankreich, sich eifrig mit der Ausgabe ihrer Werke von China, von der chinesischen und manshurischen Sprache beschäftigen, ohne je diese Länder gesehen zu haben, und ohne die Sache, die sie aus einander setzen wollen, gründlich zu kennen; wobey sie besonders auf Deguignes) und Klaproth*) hindeuteten. Ueberhaupt sprechen die Eu— ropäer die chinesischen Worte verschieden aus: die Engländer nicht sonderlich richtig; die Franzosen anders, die Deutschen anders, ja selbst die Portugiesen... Uebrigens sind auch die andern morgenländischen Sprachen in Europa demselben Loose unterworfen. 5 Nach einer halben Stunde erinnerte einer der getauften Chineser(ein Soldat von der grünen Fahne, Matthias) die Portugiesen, daß es schon Seit sey, sich von den Gästen zu trennen; sie fürchteten einen neuen Auftritt manshurischer Plackereyen. Der Bischof Pius, der alte Ferreira und der Vorsteher Ribeira begleiteten uns bis an das Klosterthor. *) Voyage à Peking, par Mr. De Guignes fils, bey der holländi— schen Gesandtschaft 1795. Eine Auswahl aus diesem Buche, welches das Selbstvertrauen des Verfassers beweist, ist in dem bändereichen Werke des Abbé Grosjer, De la Chine, aufgestellt. S. I. Th. Discours préliminaire, S. XV. ff. A. d. V. *r) Hr. Klaproth befand sich bey der russischen Gesandtschaft, die nach China bestimmt war, aber nicht weiter als bis Urga kam. Jetzt ist er Professor der orientalischen Sprachen in Paris; er hat ein Supplement zu De Guignes chinesischem Wörterbuche herausgegeben u. s. w. A. d. V.(Aus dieser Anmerkung sollte man fast schließen, daß zu der Zeit, als sie der Verf. niederschrieb, Klaproths Nahme in Nußland nicht sehr bekannt war. A. d. U.) — ß „ Dort fanden wir wirklich mehr als tausend Zuschauer, welche sich um unsere Kasaken'), die außerhalb des Klo— sters bey den Pferden geblieben waren, versammelt hatten. Die Wächter konnten, mit Hülfe ihrer langen Peitschen, kaum das neugierige Volk abhalten, sich in das Kloster hineinzudrängen; aber, als sie unsre Säbel sahen, machten alle uns Platz. Als wir Abschied von den Franciskanern genommen hatten, begaben wir uns, bloß in der Absicht die Stadt zu besehen, auf der westlichen Straße(Ssißtailo), in den nördlichen Theil der Stadt, wo wir über eine marmorne Brücke fuhren. Links blieb eine Insel mit einem Obelisken von weißem Marmor, der auf einem Hügel von Edelsteinen errichtet ist, die unter der juangschen Dynastie(von 1280 bis 1367) durch die Mongolen aus den südlichen Statthal— terschaften China's herbeygeschafft wurden. Der große mit einem eisernen Gitter umgebene Nenuphar- oder gelbe Nym⸗ phäa-See(Nenuphar, Nymphaea nelumbo, auf chinesisch: AN. N Liängchuä), ist jetzt mit Eis bedeckt; aber im Som— *) In den Schriften, die im Nahmen unseres Senats an die chinesische Regierung in manshurischer Sprache geschickt wer—⸗ den, muß man die Kasaken Soldaten nennen(auf manshu⸗ risch: Tschöchai Niälma, ein Kriegsmann); denn unter dem Worte Kasäk oder Chasaäk verstehen die Chineser die kirgisischen Horden. A. d. V. **) Die Körner und die Enden der Wutzel dieser Pflanze ge— brauchen die Chineser unter ihrem vielfach zusammengesetzten Dessert, welches auf dem Tisch vor dem Essen aufgetragen wird. Staunton sagt, daß man bey den Frühstücken, welche die chinesischen Beamten den Engländern gaben, nicht selten den Gesandten und sein Gefolge mit der Pflanze Lian gchua bewirthete, welche nach seiner Bemerkung sehr wahrscheinlich der ägyptische Steinklee, Lotus, seyn muß. S. Reise des Lord Macartney nach China, II, 20).(der russ. Uebersetzungz. Südlich von der Stadt Baodin- fu, wo der General— Statthalter von Dshili seinen Sitz hat, liegt ein kleiner mer, wenn die Blüthen sich öffnen, giebt der prächtige An— blick und der Wohlgeruch dieser Wasserlilien der Gegend hier einen vorzüglichen Reiz. Dort sieht man den majestätischen und hohen Berg Dsin, mit fünf Lusthäusern auf seinem Gipfel. Dieser Berg ist aus Steinkohlen aufgethürmt. Am See steht ein Haus und Garten, worin sich die Kaiserin mit dem Seidenbau beschäftigt. Endlich nachdem wir bey der Schule der Verschnittenen, dem Hause der Schauspie— ler, einem Tempel, in welchem der Körper des Osäzin liegt, und den unreinlichen Kasernen der chuandi'schen Garde vor— bey gekommen waren, fuhren wir durch das nördliche Thor der Hofstadt hinaus und kamen an zwey Thürme, auf welchen eine Trommel und eine Glocke hängt. Auf dieser letztern schlagen sie die Stundenabtheilungen oder die Zeit der Ab— lösung der Wachen. In den Thürmen sind keine Thore, zum Durchgehen, angebracht; man steigt auf einer großen Treppe hinauf. Von den zwey Thürmen kehrten wir rechts zu dem angding'schen Thore zurück. Von da fuhren wir nach Hause auf demselben Wege, auf dem die neue Mission am Az. December des vorigen Jahres ihren Einzug ge— halten hatte. Als wir durch die Straßen fuhren, trafen wir an ver— schiedenen Plätzen große Haufen müßigen Volkes. An einem Orte sehen sie den Künsten irgend eines Gauklers zu, an einem andern hören sie Mährchen an; und hier und da See, berühmt durch die Menge der darin wachsenden Nenu— phar, die mit den in Europa gewöhnlichen Wasserlilien Aehn— lichkeit haben. Ihre Blüthen sind veilchenblau, weiß oder rosenroth, sie ragen einen Arschin und darüber aus dem Was⸗ ser hervor, auf dem ihre breiten Blätter schwimmen. Alle Theile dieser Pflanze, sogar die knotige Wurzel, dienen zur Speise oder zu anderm Gebrauche.— Dühalde Beschreib. d. chines. Reichs, I. Th. S. 211. Maltebrün Précis de la Géographie, III, 519. A. d. V. TTT— — 8 fragen Abergläubische einen Wahrsager wegen ihres Schick— sals, und dieser zeichnet mit Kreide auf der Erde einige unverständliche Buchstaben, die noch von Fuß i(dem ersten chinesischen Kaiser, dessen die hiesige Geschichte gedenkt, der auf 3000 Jahr vor Chr. Geb. gelebt haben soll) herrühren, und enthüllt die Richtigkeit der Vergangenheit, die Wahr⸗ heit der Gegenwart und das Geheimniß der Zukunft. Für allen diesen Zeitvertreib bezahlt jeder nicht mehr als 10 Tschech. Den 13. Febr.(25. Febr. N. St.) Da die portugie— sischen Missionare gestern von den unsrigen gehört hatten, daß in der Bibliothek der neuen Mission sich auch das Journal der letzten englischen Gesandtschaft*)(des Lord Amherst, 1816) befinde, schickten sie zu dem Pater Archi— mandriten Peter, und baten ihnen dieses Buch zum Durch- lesen zu leihen. Es wurde ihnen auch überschickt. Außer den Nachrichten, die besonders die Aufnahme dieser Gesandtschaft bey den Chinesern betreffen, befindet sich in dem gedachten Buche etwas über unsre pekin'sche Mission, das aber nicht völlig richtig ist. Im ersten Theile S. 225. wird gesagt:„zwey Russen und ein Franzose), *) Voyage en Chine, ou Journal de la derniere Ambassade Angloise à la Cour de Pekin, par Mr. Ellis. Paris, 1818. A. d. V. **) Dieses war der Archimandrit Jakinf, der französisch spricht, und mit ihm der Ordensgeistliche Seraphim und der Student Ssipakow. Alles Uebrige ist wirklich so geschehen. Aber fol— gende, ebendaselbst von dem Verfasser, oder von dem französi— schen Uebersetzer gemachte Bemerkung ist ziemlich seltsam: „die Russen haben in Pekin eine Austalt, um eine gewisse Anzahl Leute zu bilden, die an der Gränze als Dolmetscher zu dienen bestimmt sind. Der Senat von Tobolsk(2) correspondirt unmittelbar mit den pekin'schen Gerichtshöfen.“ — War es denn 1616 und 1818 den Europdern noch nicht be— kanut, daß der russische Senat seinen Aufenthalt in St. Pe— tersburg hat, und nicht in der Gouvernementsstadt Tobolsk? — Ulusere Correspondenz mit China ging über Tobolsk bis zum II. Band. 14 210 der in russischen Diensten steht, gehen schon drey Tage in den Umgebungen unseres Hauses(in Tundsheu) herum. Am ersten Tage ließ sich der Franzose in ein Ge— spräch mit dem Trommelschläger von unsrer Musik ein, und sagte ihm, sie wünschten ihre Ehrfurcht dem Gesandten zu bezeigen; aber sie wurden zu diesem von der chinesischen Wache nicht zugelassen, die niemand in den von dem Ge— sandten bewohnten Platz einläßt, außer Personen von Range, die man an ihren Mützen erkennt. Er fügte hinzu, er befände sich schon bis ins neunte Jahr in China(seit 1808). Lord Amherst befahl, mit ihnen gar keine Gemein— schaft zu unterhalten, und daher haben wir nichts mehr von ihnen gehört. Sie waren ganz chinesisch gekleidet.“ Den 14. Febr.(26. Febr. N. St.) Es siel sehr viel Schnee; gegen Mittag heftiges Schneegestöber. Den 17. Febr.(1. März N. St.) Der Privatlehrer unserer Studenten I-ßänschen, ein sehr alter Manshur — aufrichtiger Beurtheiler seiner Stammgenossen, sagte, als er mich besuchte, der jetzige chinesische Kaiser habe den jüngern Bruder der verwittweten Kaiserin, seinen Oheim Choschitai als General-Gouverneur in eine der innern Statthalterschaften geschickt, wegen seiner Ränkesucht am Hofe. Dieser Choschitai, der zum General-Gouverneur in Kanton ernannt ist, hat den Zweck der letzten englischen Ge— sandtschaft vereitelt, der unter andern auch war, eine ungeheure Abschlusse des Freundschaftstraetats im J. 1728. Seit jener Zeit wird aller Briefwechsel mit dem dazin'schen oder chinesi— schen Reiche durch das Ministerium der auswärtigen Angele— genheiten im Nahmen des Senats, zufolge der angenomme— nen Bedingungen des Traetats, geführt. Welcher aufgeklärte Europäer weiß wohl nicht, daß das Ministerium und der Se— nat, als die höchsten dirigirenden Stellen, in allen Reichen, und sogar zu allen Zeiten, nur in den Haurtstädten sich be— sinden? A. d. V. ——— el Schuld der Ostindischen Compagnie einzufordern, die seit langen Jahren auf dem Chan(Hong) zu Kanton, d. i. der Handels-Gesellschaft der chinesischen Kaufleute, lastete. Den 20. Febr.(4. März N. St.) Nach dem hiesigen Kalender war am Isten Tage des Aten Mondes, im An— fange des vier und zwanzigstündigen Thierkreises) Wei— dshen(Widder), d. i. in der dritten Stunde nach Mittage, eine Sonnenfinsterniß am östlichen**) Rande der Sonne, welche 1 Stunde und 35 Minuten dauerte. Von der hie— sigen astronomischen Akademie waren von den Portugiesen, vier Tage zuvor, in chinesischer und manshurischer Sprache, berechnete Tafeln von dieser Sonnenfinsterniß für alle be— deutendere Oerter in China und der Halbinsel Korea her— ausgegeben worden. Während der Seit der Verfinsterung mußten die dienenden Beamten, in aller äußerlichen Rein— heit, sich an ihren Plätzen befinden. Indessen schlug man in allen Tempeln die Pauken und die Glocken; eine Volks— stimme des Gebets zu dem Höchsten um Verschonung des *) Zur Berechnung der Jahre, Monate und Stunden gebrauchen die Chineser die von ihnen angenommenen Zeichen von zwolf Thierkreisen, in folgender Ordnung: 0 Maus.] Stier. Panther. Hase.[ Drache. Schlange. 27551 273 4x55 6,7 8,9 10,11 Unsere Stunden nach Mitternacht. Pferd.[Widder.] Affe. Huhn.[Hund. 12,1 2,3 4,5 6, 8,9 Stunden nach Mittage. A. d. V. **) Richtiger am füdöstlichen Rande der Sonne. Die Son—⸗ Schwein. 10,11 14* Chuandi, wenn er etwa durch irgend etwas an dieser furcht— baren Erscheinung schuld seyn sollte. In Ansehung der Verfinsterungen der Sonne in China bemerkt Sir George Staunton*), daß das Dahinschwin— den dieser Leuchte auf ihrer glänzenden Bahn und das plötz— liche Dunkel, unter welchem die Natur in das Nichts ge— stürzt zu werden scheint, diejenigen in Schrecken setzen muß, die die Ursache dieser Begebenheit und ihre kurze Dauer nicht kennen. Seit den ältesten Zeiten glaubten die Chineser, die Sonnenfinsternisse verkündeten großes Unglück; aber da man sich jetzt bemüht, sie zu versichern, daß sie ihre Wohl— fahrt der Weisheit und den Tugenden ihres Kaisers ver— danken, so denken die Unterthanen, er habe irgend eines Vergehen sich schuldig gemacht, wenn sich am Himmel diese Unglücksverkündung zeigt. Der Chuandi, sich nach diesen Volksbegriffen bequemend, unternimmt beym Herannahen einer Sonnenfinsterniß nichts Wichtiges; im Gegentheile giebt er sich das Ansehen, als entferne er sich von seinen Höflingen, und überblicke sorgfältig den Lauf seiner Regie— rung des Reichs, um die von ihm begangenen Fehler zu verbessern, weswegen die Verfinsterung herabgesandt worden sey. Zu dieser Zeit darf jeder seiner Unterthanen ihm einen Rath geben. Ein solches Betragen nimmt der Gebieter China's nicht nur bey Sonnen- und Mondfinsternissen an, sondern auch bey jeder andern Naturerscheinung, die durch Ungewöhnlich— keit oder durch drohendes Ansehen die Herzen der Abergläu— bigen erzittern macht. Im J. 1819. den 30. April(12. May N. St.) hatte sich in Pekin ein furchtbarer Sturm aus Südosten erhoben, *) S. Reise des Lord Maearkney nach China II, 229.(der vuss. Ulebersetzung). J. d. V. „ der von den sandigen Meeresufern dichte Wolken feinen Sandes empor wirbelte und sie auf die Hauptstadt trieb. Die ganze Luft erhielt davon das Ansehen einer dichten gelblichen Masse. Zu derselben Zeit bedeckte im Westen eine kleine Wolke die Sonne, und in Pekin ward es plötzlich so finster, daß man auf einige Schritte weit keinen Gegenstand erkennen konnte. Nach der Philosophie der Chineser, die sich auf ihre heiligen Bücher gründet, wird jede ungewöhnliche Natur— erscheinung als eine Vorbedeutung angesehen, wodurch der Himmel auf Unordnungen in der sittlichen Welt hindeutet, und der Chuandi, als das Haupt der gesellschaftlichen Ord— nung, muß für die Erhaltung derselben und die Abschaffung der Mängel Sorge tragen. In dem Buche Schüdsin, in, dem Kapitel, das große Vorbild genannt, wird ge— sagt:„ein anhaltender Wind ist ein Kennzeichen der Blind— heit.“ Und daher hat der verstorbene Kaiser, zur Beurkun— dung einiger Reue seinerseits, und zur Vernichtung der abergläubischen Auslegungen des chinesischen Volkes, die zum Schaden der gesellschaftlichen Ruhe ausschlagen könnten, folgenden Befehl ergehen lassen, im 25sten Jahr des Dsäzin, am gten Tage des Iten Mondes(d. i. den Y. Mai 1819) der, hier aus der manshurischen Sprache übersetzt, ein— gerückt wird. „Gestern um fünf Uhr und dreyviertel des Nachmittags erhob sich plotzlich der Wind aus Südost. Nach einigen Minuten erfüllte sich die Luft mit Staub, und in den Zim— mern konnte man nicht anders als mit Hülfe eines Lichtes die Gegenstände unterscheiden. Diese Erscheinung war sehr ungewöhnlich. In der Tiefe des Herzens Furcht empfin— dend, konnte ich mich die ganze Nacht hindurch nicht der Ruhe überlassen, indem ich über die Ursachen der himmli— 5 schen Belehrung nachdachte. Nach der Auslegung der Kenn— zeichen der Schuld, die in dem Buche von dem großen Vorbilde enthalten sind, verkündet ein anhaltender Wind Blindheit. Gewiß ist dieses daher entstanden, daß ich ohne Scharfsinn die Angelegenheiten(des Reichs) verwaltete, daß ich unwürdige Beamte einsetzte. Es kann seyn, daß wegen meiner Unaufmerksamkeit auf die Gefühle des Volks, diese nicht bis zum Throne gelangen; und daher bleiben die Mängel und Gebrechen in der Regierung noth— wendiger Weise unverbessert. Es kann seyn, daß es unter den in Pekin und andern Städten China's befindlichen Be— amten arglistige und ungerechte giebt, die ich nicht im Stande bin, zu bemerken. Die Pflicht der Vorsteher (Ober-Procuratoren) ist, mit mir die Gefühle der Furcht zu theilen, die der Zorn des Himmels erweckt. Jeder von ihnen ist verbunden, von allem mir Meldung zu thun, nur allein vom Eifer geleitet, nicht von Persönlichkeit. Wenn in den Angelegenheiten der Regierung Unordnungen einge— rissen sind, wenn irgend etwas von neuem eingeführt, oder abgeschafft werden muß, so sollen sie mit vollkommener Genauigkeit und ohne Leidenschaft urtheilen. Wenn irgend jemand im Volke schuldlos leidet, und man seine Unschuld verheimlicht, so sollen sie mir es vorstellen, um den Triumph der Gerechtigkeit in allem ihren Glanze zu zeigen. Was die übelgesinnten Beamten betrifft, die das Reich untergraben, das Volk bedrängen; wenn sie, in Arglisten geübt, irgend etwas thun oder unterlassen, von der festgesetzten Ordnung abweichen, und sich nur in die Zeit schicken, so soll man solche mit Genauigkeit angeben, und ihre Thaten in einer anklagenden Anzeige darstellen. Auf diese Art werden die Vorstellungen nur allein aus Eifer gegen den Thron ent— springen, und ich werde ihnen meine Aufmerksamkeit schen— — ß 7·mc— —— 8—————— ken, um das Reich, den Befehlen des Himmels gemäß, zu verwalten. Wenn sie aber, von Privatvortheilen angezogen, nur ihre Gewinnsucht vor Augen haben, oder Erdichtungen aussinnen, um sich für frühere Unannehmlichkeiten zu rä— chen, um persönlichen Zorn auszulassen; so verwandelt sich im Gegentheil weiß in schwarz, und es entsteht eine Ver— mischung der Wahrheit mit der Unwahrheit. Hierdurch wird mein Verlangen nicht nur vereitelt, sondern die Be— deutung der Blindheit wird noch verdoppelt. Ueberdieß ist jetzt das menschliche Herz mit Bosheit genährt, nahmenlose Angebungen des Einen gegen den Andern erfolgen, und rechtschaffene Leute, die davon umstrickt werden, gerathen in Verderben und Untergang. Alles dieses ist hinlänglich, um uns den Zorn des Himmels zuzuziehen. Aber der Wind wehete von Südost; man muß denken, der Südost nähre dort versteckte dahin geflüchtete Aufrührer, welche die Vorgesetzten in den Oertern nicht entdecken können, und da— durch ist auch die Erschütterung in der Harmonie des Him— mels entstanden.“ „Voll von Besorgniß und Furcht denke ich nur allein darauf, mich zu prüfen und mich zu bessern, und mit Ein— falt des Herzens frage ich nach allem. Höhere und niedere vornehme Beamte, wie in Pekin, so auch außer der Haupt— stadt, müssen ihre Aufmerksamkeit auf ihre eigenen Fehler richten, sich von ganzem Herzen und mit allen Kräften um die eifrige Verwaltung der ihnen anvertrauten Aemter bemühen, um zu meinen Absichten mitzuwirken, welche dahin gehen, meine eigenen Tugenden zu stärken und zu befestigen, und das Volksunglück abzuwenden.“— Den 25. Febr.(9. März N. St.) Tschen Lama Chubilgan, bey dem in den Tempeln der Hofstadt woh— nenden Foje besindlich(s. 28. Febr.) besuchte mich heulte. 2— Dieser Lama hat große Kenntnisse in seiner Gottesgelahrt— heit, in der Philosophie und der Erdbeschreibung von China. Eine vor den übrigen Chinesern ausgezeichnete Erziehung macht ihn sehr angenehm im Umgange. Er versteht voll— kommen die indische Fechtkunst, und hat viel Lust und Ge— schmack an europäischen Erzeugnissen. Unter andern, als er bey mir Zeichnungen sah, die zu den Reisen nach China von Macartney, Holmes, Amherst und andern gehörten, verstand dieser Lama sehr gut den Vorzug der europäischen Kupferstecherkunst zu würdigen. Er hat in seinen Tempeln den Unterricht der Geistlichkeit in der tibetischen Sprache zu besorgen, die er, wie man versichert, vollkommen versteht. Bey Tschen Lama könnte eins von den Mitgliedern der neuen Mission jene Sprache lernen; denn einen besondern Lehrer, der die gehörigen Kenntnisse hat, in Pekin zu fin— den ist sehr schwer. Tschen Lama sind auch zum Theil die Sprachen der nord-indischen Gebiete bekannt; und da— her versteht er, in völliger Kraft, das Wesen des foischen Glaubens. Der Pater Jakinf hat bey Uebersetzung der chi— nesischen Werke über Tibet nicht wenig von den Kenntnissen dieses Lama-Chubilgan Nutzen gezogen. Außer dem Unterrichte in der tibetischen Sprache könnte er auch unserm Studenten, der sich mit der Arzneykunde beschäftigt, viel Hülfe leisten. Die Geistlichen der foischen Religion überhaupt verstehen einige sehr heilsame Arzney⸗ mittel aus einfachen Naturproducten zu verfertigen. Unsere nat'schen Lama's haben durch ihre Heilkunst mehr als ein— mahl vielen, selbst von unsern Landsleuten, das Leben ge⸗ rettet; aber die tibetischen Lama's zeichnen sich vor allen übrigen, ganz besonders in der Heilkunde, aus. In den ziemlich aufrichtigen Unterredungen sagte uns Tschen-Lama, daß sein Foje oder Kutuchta im Aten Mond 28——— ͤ ͤ—— — 17— nach Dolonnor nicht weit von Chalgan reisen werde, um in den mongolischen Steppen der unerträglichen Hitze zu entgehen, die im Sommer in Pekin herrscht, und zugleich auch, um das Silber in Empfang zu nehmen, daß ihm von den östlichen Mongolen, die gewöhnlich nach den do— lonnorischen Tempeln zur Anbetung zusammenströmen, frey⸗ gebig dargebracht wird. Tschen Lama wünschte mit seinem Oberpriester zugleich abzureisen, er hat aber hierzu nicht seinem Range anständige Mittel. Er wollte 200 Rubel in Silber aufnehmen, aber es gelang ihm nicht. Von ihm erfuhren wir, daß den 11ten des Iten Mondes (den kommenden 31. März)(12. April N. St.) der Leich— nam des Dsäzin, der bis jetzt noch in Pekin aufbewahrt wor— den, nach dem westlichen Todtenacker abgeführt werden wird. Der neue Chuandi, sein Sohn, verrichtet jetzt jeden Tag mit Kniebeugungen die festgesetzte Ceremonie über dem Sarge seines Vaters, und wird, bis der Leichnam in die Erde ge— senkt ist, nicht in den kaiserlichen Pallast einziehen. Bis jetzt wohnt und beschäftigt er sich mit den Reichsangelegen— heiten in besondern Zimmern. Den 1. März(13. März N. St.) Da ich auf meine am 24. Febr. an den Gerichtshof der auswärtigen Angele— genheiten eingegebene Bitte, wegen Absendung unserer Ka— saken nach Z. Balgaßu, Bescheid erhalten hatte, machte ich heute zu diesem Behuf die beendigenden Einrichtungen. Durch den Turkestanen Abdulla, der oft, wegen Verkauf im Kleinen, nach dem russischen Klosterhofe gekommen war, wurde ein Podrädtschik), der pekin'sche Kaufmann Liußüchai aufgesucht. Er kam überein, die Kasaken aus Pekin jenseit der großen Mauer in die Nomadenplätze der ) S. über dieses Wort J. Th. S. 515. die Aumerkung. A. d. U. ——— — Mongolen vom zacharischen Stamme, wo unser Vieh zum Ueberwintern zurück gelassen worden war, überzuführen, dort zwey Tage und? Nächte zu warten, und dann wieder zurück zu kehren. Für zwey große Wagen um 9 Kasaken darauf überzuführen, wie auch für zwey Reitpferde fär den Wagenmeister und den Sotnik Petrow, hatte Liußüchai 100 Lana(200 Rubel) in Silber verlangt, aber nach lan— gem Handel hatte er sich e 60 Lana in Erläm—⸗ pin⸗Gewicht zu nehmen, welches 5 Pfund 16 Solotnik“) russischen Gewichtes aus 11 10 Als Zugabe ward dem Pod— rädtschik noch 4 Pfund Silber bewilligt. Dem 1 chen Contracte in chinesischer Sprache zufolge, empfing er 4 Pfund Silber, das übrige sollte er nach der Rückkehr unsers Wa— genmeisters nach Pekin erhalten. Der Boschko Urgentai kam zu mir, um 4 Uhr Nach— mittags, mit der Erklärung, daß der Gerichtshof der aus— wärtigen Angelegenheiten ihn zur Begleitung unserer Leute auch bey dieser Reise bestimmt habe. Dann wollte er es nach seiner alten Weise machen: er sing an zu klagen, daß die Regierung ihm gar keine Unterstützung zu den Reisean— stalten gebe; daß er sich zu Grunde richte, indem er genö— thigt sey, unserer Angelegenheiten wegen zu reisen u. s. w. Ich meinerseits antwortete dem Boschko entschieden, durch den Dolmetscher Frolow, in mongolischer und manshurischer Sprache, daß wir kein Recht hätten, über die Verfügun— gen der chinesischen Obrigkeit zu urtheilen, ja auch unsre Regierung habe keine Verpflichtung, auf ihre Kosten Be— amte einer e Macht, die an unsern Angelegen— heiten aus Dienstpflicht Theil nehmen, zu unterhalten. Der ) D. i. 4 Pfund a fast 16 Loth Leipziger Gewicht, welches an Silber 120 Rthlr. Conv. M. beträgt. A. d. U. 0 ÿF„ Boschko, nach seiner uns schon bekannten Weise, stellte sich, als verstände er meine Worte nicht, und nahm es für gewiß an, daß es ihm gelingen werde, von uns so ein zehn Lana oder drüber zu erhalten. Während der Zeit kam zu mir der Student Ssipakow. Auf meinen Auftrag stellte er, in chinesischer Sprache, dem Boschko nachdrücklich die ganze Unverschämtheit seines Betragens vor, und die un— vortheilhaften Folgen seiner Zudringlichkeit und sein nach— theiliges Benehmen während der Reise der Mission nach Pekin, bey Gelegenheit unserer Klage bey dem Gerichtshofe der auswärtigen Angelegenheiten. Der schamlose Mitge— hülfe n) der Manshuren(in seinem Geschlechte nicht der letzte) entsagte seinen Anforderungen, und versprach, künftig nur durch Eifer und Dienstfertigkeit Zeichen unserer Erkennt lichkeit, die immer gegen die Dienste der Ausländer sich freygebig zeige, sich zu erwerben. Uebrigens waren die Klagen unseres Boschko darüber, daß ihm der Gerichtshof der auswärtigen Angelegenheiten den Unterhalt auf der Reise abgeschlagen hätte, gänzlich lügenhaft. Denn in China giebt man jedem Courier, der in Dienstsachen abgesandt wird, einmahl des Tages den Tisch, eine Lana(2 Rubel) in Silber am Werth. Aber Couriere, die zu rechnen verstehen, ziehen das Silber dem Tische, den die Regierung giebt, vor; statt der Speise nehmen sie das Geld, und nähren sich, wie es sich trifft. Ich kündigte dem Boschko an, daß unsere Leute in zwey Tagen aus Pekin abgehen würden. *) Der Boschko Urgentai, wie im ersten Th. S. 64. angemerkt ist, stammt von den Mongolen ab, die in Pekin mit den Man— shuren, bey der Eroberung China's sich niedergelassen haben. Die Leute dieser Abkunft haben ausschließlich die Aemter inne im Gerichtshofe der auswärtigen Angelegenheiten und in dem ganzen Gebiete desselben. A. d. V. Den 3. März(15. März N. St.). Der Anfang des Monates März zeichnete sich durch sehr warmes Wetter aus. Heute um 12 Uhr Mittags waren 10 Grad Wärme, und des Nachmittags 13 Grad. Die Bäume öffneten die Knos— pen und fingen an zu blühen. Schon sah man neues Gras. Den 4. März(16. März N. St.) Der Wagenmeister war von mir in Bereitschaft zur Abreise nach Z. Balgaßu gesetzt, um die Kasaken, die dort seit dem Monate Novem— ber sich aufgehalten hatten, abzulösen, und das der Regie— rung gehörige Vieh zu besichtigen. Hrn. Rasgildejew dem J. und dem Sotnik Petrow, nebst den 9 zur Ablösung abge— sandten Kasaken, wurden von mir über diesen Gegenstand schriftliche Anweisungen und die gehörige Menge Silber zur Besoldung und den übrigen Ausgaben gegeben. Heute um 9 Uhr des Morgens verließen sie Pekin, in Begleitung des Boschko Urgentai. um 5 Uhr Nachmittags fiel ein ziemlich dichter Regen, der erste im jetzigen Frühjahre; dann ungefähr drey Stun— den später erhob sich ein heftiger Sturm, der die ganze Nacht anhielt. Den 8. März(20. März N. St.) Heute war dunkles und kaltes Wetter, und von heute Morgens bis 5 Uhr Abends fiel näßlicher Schnee. Den 10. März(22. März N. St.) um 2 uhr Nach—⸗ mittags besuchte der Bischof Pius unsre Pater Archiman— driten, Jakinf und Peter; dann erwies er diese Ehre auch mir. Beym Eintritt in das Gesandtschaftshaus sagte der Bischof mit ironischem Tone: Domus spatiosa, domus ma- ximi imperatoris Sinensis(ein geräumiges Haus, ein Haus des großen chinesischen Kaisers)... um dadurch zu verstehen zu geben, das Haus sey groß, aber seine Pracht entspreche nicht im geringsten der Größe eines chinesischen Kaisers. ... ̃—.....———————— Er sprach lange mit mir von den besondern Umständen des Weges von St. Petersburg nach Kiachta und von da nach Pekin. Dann that er die Frage, ob wir, bey einer Reise in den chinesischen Landen, Vieh vom Chuandi erhielten. Als er hörte, daß wir uns dieses Beystandes nicht bedie— nen, sondern immer auf Kosten unserer Schatzkammer rei— sen, sagte er, einer der chinesischen Beamten habe ihm das Gegentheil davon versichert. Uebrigens fügte er hinzu, es sey von dem Chuandi Befehl gegeben, daß auch die katho— lischen Glaubensbekenner, die von Kanton nach Pekin rei— sen, jedesmahl Vorspann von der Regierung erhalten sollen; aber bey alle dem seyen die Europäer immer genöthigt, diese auf eigne Kosten zu miethen. Die chinesischen Beamten be— halten die von ihrer Regierung zu solchen Reisen bestimmten Summen für sich; aber das ist noch der kleinste der in die— sem Reiche bestehenden Mißbräuche, in Hinsicht der Ausga— ben der Regierung. Man vergleiche meine Bemerkung hier— über oben bey dem 20. Nov.(2. Dec. N. St.) und 4. Dec.(16. Dec. N. St.) 1820. Den 16. März(28. März N. St.) schneyete es den ganzen Tag; der Schnee lag 3 Werschok(fast à Elle Leipz. Maaß, oder fast 52 Soll rheinl.) hoch. Den 17. März(29. März N. St.) ging des Morgens ein kalter Wind. Zu Mittage war fast aller Schnee weg⸗ gethauet; es ward wieder heiter und warm. Den 18. März(30. März N. St.) Heiter; aber vom Morgen an erhob ein stoßweise wehender Nordwind dichte Staubwolken. Der Dolmetscher Frolow, der wegen häuslicher Ange— legenheiten in den Kaufläden war, begegnete dort einem Mongolen aus Ordoß(in der Krümmung des gelben Flus— ses, nordwestlich von Pekin). Der Mann aus Ordoß ver— .*. a 4 5 — — 2— 1— wunderte sich sehr, als er hörte, daß ein Russe so gut mongolisch fprach, und fragte daher, ob etwa diese Sprache auch mit in Rußland geredet werde.— Der Mongole sagte dem Hrn. Frolow in der Unterredung, daß der ordossische Aimak(Fürstenthum) in 7 Choschune getheilt sey. Sie ha— ben einen Dsiunwan(regierenden Fürsten des Lten Gra— des, drey Beilé(Fürsten vom Zten) und vier Beiße (Fürsten vom 4ten Grade). Die Bewahrung des Reichs— siegels ist nicht dem Dsiunwan sondern dem ältesten Beil anvertraut, als dem fähigsten, dem von dem verstorbenen Bogdochan eine ausgezeichnete Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Aus allen 7 Choschunen versammelt sich einmahl im Jahre eine berathende Versammlung der obersten Beherr— scher oder Regiments- Befehlshaber; dort untersuchen und entscheiden sie die wichtigsten öffentlichen Angel egenheiten. Den 20. März(1. April N. St.) sagte mir der Chi— neser Peter Bourjoie(Burshua), in diesen Tagen wären, aus den südlichen Statthalterschaften, dem neuen Chuandi, von einem der Regierungssachwalter(Ober-Procuratoren), einige zur Bestrafung verurtheilte Chineser vorgestellt wor— den, die wegen der Bekennung des christlichen Glaubens angeklagt waren. Der Kaiser fragte: worin besteht denn nahmentlich das Verbrechen dieser Angeklagten? Der Sach— walter erwiderte, daß sie das Gesetz ihrer Vorfahren ver— lassen hätten, und einer fremden Lehre jetzt folgen. Der Chuandi, der in einer solchen Handlung der Ruhe des Reichs nichts Nachtheil iges entdeckte, befahl sie nach Hause, auf Kosten der Schatzkammer, zurückzusenden. Im Ganzen genommen sind in China alle Glaubens- bekenntnisse geduldet. Die Politik des manshurischen Hofes hat, unter andern Mitteln, Völker aus verschiedenen Stäm— men, die in das Gebäude des chinesischen Reichs sich zu— 75 2 223 sammengefügt haben, unter ihrem Zepter zu erhalten, einem jeden von ihnen die Freyheit des Bek kenntnisses der Religion seiner Vorfahren gelassen. Der Manshur, der blind an die Schamanen glaubt; der Chineser, Verehrer des Kong-fu-tße (Confucius) und Loudsü; der Mongole, eifriger Schigemu— nier; der Turkestane, Mohammeds Anhänger, alle genießen gleichen Schutz der politischen und bürgerlichen Gesetze, und leben auch in Privatverhältnissen ziemlich freundlich mit ein— ander. Nur allein das Alter der Herkunft, die ehemahlige Macht und der Grad der Bildung bestimmen die Unter— schiede dieser Völker in dem Umgange unter sich. In China giebt es eigentlich drey Religionen, die von der Regierung angenommen sind. Die Worte: Glaube, Gottesdienst, Gesetz sind unter Einer Benennung bekannt — Lehre. Die erste ist die Lehre des Kong-fu-tße (Confucius); ihr Grund ist die Natur, der Gegenstand der Verehrung— der Himmel. Sie schreibt sittliche Regeln und einige Gebräuche vor, von deren Erfüllung kein einziger Mensch befreyt ist, vom Kaiser an bi zu dem letzten seiner Unterthanen. Uebrigens ist diese Lehre voll von dunkeln Vernunftschlüssen und großen Wid dersprüchen. Zu dieser Secte von Gelehrten gehören auch ihre heiligen Dsin oder Bücher, welche des Kong-fu-tße Lehren enthalten.— Als zweyter Glaube wird angesehen die Lehre der Daos, deren Stifter Loudsü, ein Mann von tiefem Sinne, ein Zeitgenosse des Kong-fu-tße war. Alle seine Werke be— schränken sich darauf, daß er, auf unablässiges Bitten sei- nes Freundes, des Statthalters dieses Platzes, ein sehr dunkeles, lakonisches Büchelchen von der Weltschöpfung schrieb. Er starb als Einsiedler. 1185 seinem Tode fand dieses Büchelck hen Leser; und die Ausleg r schufen, auf die— ses Buch sich gründend, einen neuen Glauben. Der Ge⸗ genstand dieses Glaubens ist— der Sieg über die Leiden— schaften. Die spätesten Nachkommen der Daos folgen die— sem Glauben.— Der dritte Glaube ward aus einem in— dischen Fürstenthume Scheng du und Tängshu genannt, eingeführt. Der Stifter davon ist der Fürst Foje(Fo). Er war von Einsiedlern jener Gegend auf Bergen erzogen, gab eine zahllose Menge Bücher heraus, und kündigte sich als eine Gottheit an.— Als die manshurischen Chane auf den chinesischen Thron kamen, ward in dieses Reich auch eine vierte Religion— die schamanische, eingeführt, die jetzt mehr in der Anrufung der Geister oder Schatten ihrer Ahnen besteht. Ausschließend hängen diesem Glauben die Manshuren an. Den 21. März(2. April. N. St.) Nach chinesischem Kalender der Aste des Zten Mondes. Der Tag war äußerst stürmisch. Der Frühling ist in Pekin von heftigen Winden begleitet. Die Chineser versicherten uns indessen, der ver— gangene Winter und der eingetretene Frühling seyen unge— wöhnlich. Der Winter war, nach hiesigem Klima, unge— mein kalt gewesen; aber dafür fiel nun auch im Frühlinge nicht selten wässriger Schnee, es fiel Regen, der sehr wohl— thätig für trockne Felder war; die Luft ist ziemlich feucht, und während unserm Hierseyn war noch kein ähnlicher Sturm gewesen, wie sie hier um diese Zeit sich ereignen und fürchterliche Verheerungen anrichten. Die Unachtsamkeit der chinesischen Polizey, in Anse— hung der Reinlichkeit der Stadt, verursacht nicht nur große Unbequemlichkeit, sondern sogar Nachtheil für die Gesundheit. Nicht zu erwähnen, daß man die Straßen, um den Staub zu löschen, gewöhnlich hier mit Spülwasser, Urin u. s. w. begießt, so nimmt man noch von der Hälfte des zweyten bis zur Hälfte des dritten Mondes(im Monat März) die 2———ñ U— 9— 2—— — 225— Reinigung der unterirdischen Röhren, die durch die Stadt gehen, vor. Die Unreinigkeit, die sich darin im Laufe eines Jahres aufgehäuft hat, räumen sie da heraus und lassen sie auf der Straße; davon ist die Luft mit einem unerträglichen Gestank angefüllt. Die Einwohner tragen um diese Zeit gewöhnlich starke Wohlgerüche an sich, in Form kleiner niedlicher Rosenkränze, die an das Kleid auf der Brust an— gehängt werden. Zu ihrer Zusammensetzung gebraucht man größtenthells Moschus, dessen Geruch die Chineser vorzüg— lich lieben. Gegen Mitternacht erhob sich ein Sturm aus Nordwest. Von dieser Seite kommt im Winter gewöhnlich Schnee, und im Sommer heftige Ungewitter; von Osten kommt Regen aus dem benachbarten gelben Meere; der Südwind ist gewöhnlich sanft und gelinde. Den 23. März(4. April N. St.) Der Vorsteher der neuen Mission hatte den Ordensgeistlichen Benjamin, mit dem Dolmetscher Frolow, nach dem Gerichtshofe der aus— wärtigen Angelegenheiten geschickt, mit einer Schrift, worin er um Auskunft bat, ob der Chuandi den Mitgliedern der neuen Mission Gehalt und Lebensmittel geben werde. Der thürhütende Boschko hielt die Abgeschickten auf dem Wege zurück, indem er sagte, daß jetzt niemand von den Gerichts— personen in dem Gerichtshofe anwesend sey. Den 24. März(5. April N. St.) Der erste Festtag des chinesischen Frühlings. In dem in Liulitschan nahe bey der Glasfabrik befindlichen Tempel ist heute eine feyerliche Versammlung des Volks. Die Choschanen tragen ihre Gö— tzenbilder bis zu einer gewissen Stelle herum, zünden vor ihnen Räucherwerk an, und lesen zu dieser Feyerlichkeit passende Gebete. An diesem Tage vollbringen die Chineser verschiedene Gelübde, die sie thun, um sich von mancherley II. Band. 13 — 226— Unglück zu befreyen; sie legen sich eiserne Ketten an, gehen eine Werste oder mehr, indem sie alle 5 oder 10 Schritte Verbeugungen bis zur Erde machen u. s. w. Der Zusam— menfluß des Volks in Liulitschan ist zahlreich. Die Welt— lichen kleiden sich in glänzende Gewänder von einem beson— dern Schnitte, schmücken sich die Köpfe mit Blumen, schminken das Gesicht u- s. w. Ueberhaupt haben die An— dächtigen bey den Chinesern beiderley Geschlechts viele ähn— liche Gebräuche. Sie wandern nicht selten zu Fuße) nach Tempeln, die durch einen wohlthätigen Einfluß be— rühmt sind, 100 Werste(üb. 14. d. M.) und mehr; sie beobachten sehr strenge Fasten, so daß sie weder Fische, noch auch scharfe Kräuter, als: Lauch, Knoblauch und dergleichen essen. Um 7 Uhr des Abends kam der Wagenmeister aus 3. Balgaßu zurück und mit ihm der Sotnik Sacharow, nebst 9 Kasaken, die bey der der Regierung gehörigen Heerde ge— blieben waren. Den 26. März(7. April N. St.) In dem Zimmer des einen von den Kirchendienern, das im Anfange von mir bewohnt gewesen war, kam bey Tages-Anbruch Feuer aus; zum Glück ward es aber bald gelöscht. Bey aufmerksamer Ursache der Entstehung davon zeigte es sich, daß in der zu diesem Zimmer gehörigen Küche, der Lüd sa(Kochheerd) *) Man kann sich vorstellen, welche Anstrengungen diese an— dächtigen Wanderungen chinesischen Frauenzimmern vom Lande sowohl als vornehmen kosten, da ihre Füße oft nicht länger als 22 Werschok(d. i. 42 Leipz. Zoll, oder 43 Zoll rheinl.) sind— ein äußerlicher Vorzug, der einen besondern Reiz der chinesischen Damen ausmacht, die eben so wie die europäi— schen viel um ihr Aeußerliches sorgen, ohne zu ihrer Verschö— nerung weder Kosten, noch Versuche, noch Zeit zu schonen. A. d. V. 5 nicht weiter als 3 Werschok(fast 4 Elle Leipz. Maaß) von einer hölzernen Säule angelegt war, die, nach den Regeln chinesischer Baukunst, die gewöhnliche Verbindung eines stei— nernen Baues ausmachen. Die dünne Mauer war von der Hitze, wie man sehen konnte, schon seit längerer Zeit ge⸗ sprungen, und die ganze Säule war von innen vollig durch- geglimmt, und nur heute war das Feuer erst ausgebrochen. Es verbrannten einige Papiere und kleine Bücher. Der Boschko Urgentai, der mit unsern Leuten ange— kommen war, kam heute zu mir, um die glückliche Been— digung dieser Reise anzuzeigen. Auf das Zeugniß des Wa— genmeisters von dem wahrhaft bewiesenen Eifer des Boschko bey der Hinreise nach Z. Balgaßu und auch bey der Rück— reise von da nach Pekin, schenkte ich ihm 34 Arschin schwar— zes Tuch, 2 Arschin Kasimir, und 2 Zobel; auf gleiche Weise seinem Diener eine Haut schwarzen Saffian und ein großes Messer. Dem Podrädtschik Liußüchai, der die Kasaken hingefah— ren hatte, wurde das noch rückständige Silber, 1 Pfund gegeben. Wegen der bemerkten Pünktlichkeit bey diefer Fuhre schenkte ich dem Liußüchai einen Kasakensäbel, und lud ihn ein, zu uns in den letzten Tagen des Aprils zu kommen, um wegen der Ueberführung der Mission, die ins Vaterland zurückkehren sollte, nach Z. Balgaßu zu unterhandeln. Heute erhielt ich auch den Bericht des Wagenmeisters über den Gegenstand seiner Sendung nach Z. Balgaßu. In diesem ward gesagt, daß von dem dort zurückgelassenen der Regierung gehörigen Viehe vom 23. Nov. des vergangenen Jahres bis zum 28. März dieses Jahres, 35 Kameele und 29 Pferde gefallen, und also von den erstern noch 28, von den letztern 107 übrig wären. Als Ursache eines so bedeu— tenden, aber den Umständen nach unvermeidlichen Verlustes 15* 6 5 mußte man den schneereichen Winter und die heftigen Fröste annehmen, die eine große Verheerung in den Heerden der 5 dort wohnenden Mongolen angerichtet hatten. Gewiß, wenn die chinesische Regierung die Abreise der Mission aus Kiachta früher bewilligt hätte, würden wir nicht einen solchen Ver— lust erlitten haben. Denn, wären wir noch zur Herbstzeit in Chalgan angekommen, so hätte das Arbeits-Vieh, bis zum Eintritt der Fröste, nach der Reise etwas ausruhen und zum Aushalten eines strengen Winters geschickt gemacht werden können, um desto mehr, da das Vieh der Buräten sich immer auf der Weide, das ganze Jahr hindurch, befin— N det. Die gegenwärtige Erfahrung dient zu einer neuen Ue— berzeugung von der Nothwendigkeit, von dem pekin'schen Gerichtshofe der auswärtigen Angelegenheiten zu verlangen, daß unsre Missionen künftig durchaus nicht später als den 1. August in die Gränzen des chinesischen Reiches einge— 5 lassen würden. * Den 31. März(12. April N. St.) Heute, am 11. des 3. Mondes nach chinesischem Kalender, ward der Leich— nam des verstorbenen Osäzin hinausgetragen. Einige von den Mitgliedern der vorigen und der neuen Mission fuhren in chinesischer Kleidung aus der Stadt, um diese Ceremonie zu sehen. Ich, nebst den bey mir befindlichen Beamten, konnten nicht Theil an diesem Schauspiele nehmen; unsere russische Kleidung würde uns großem Gedränge von Seiten des neugierigen Volkes ausgesetzt haben. Ueberdieß hätten wir dazu die vorläufige Erlaubniß der höchsten Regierung f erbitten müssen, welches mit großen Unbequemlichkeiten 0 verbunden gewesen wäre. Man erzählte uns, der Sarg sey auf einer Tragbahre, die mit schwarzem Tuch bedeckt sey, von gewöhnlichen Trä— gern getragen worden; um diese herum befanden sich einige ———— Seldaten mit Ehrenfahnen, und Beamte von niedrigern Graden, mit ihren Dienern— das ist die ganze Pracht und das ganze Gefolge bey solchen kaiserlichen Leichenbe— gängnissen, das noch überdieß in großer Unordnung einher— geht. Die Minister und andere Civil- und Militär-Beamte von höherem Range, hatten sich mit dem neuen Chuandi auf die nächste Station begeben, um dem Sarge dort mit Kniebeugungen entgegen zu kommen, und dieses wird fort— dauern bis zu dem westlichen Todtenacker, der von Pekin auf 150 Werste(über 21 d. M.) entfernt ist. Zänglung wurde auf dem östlichen kaiserlichen Todtenacker begraben, der beynahe in derselben Entfernung von der Hauptstadt, auf dem Wege nach der Sommerhofburg Sheché liegt. Diese Ordnung wird, in Ansehung des Begräbnißplatzes der chinesischen Kaiser der dazin'schen Dynastie, abwechselnd beobachtet, daß, wenn der jetzige Chuandi Daoguan stirbt, sein Leichnam auf dem östlichen Todtenacker, und der des nach ihm folgenden Kaisers auf dem westlichen u. s. f. be— graben wird. Als Ursache des so sehr bescheidenen Leichenbegängnisses des Dsäzin giebt man an, daß Daoguan, sein Sohn, den Chinesern dadurch ein Beyspiel zu geben wünsche, daß sie keine großen Summen zur Vollziehung ähnlicher Gebräuche verschwenden sollen. Den 2. April(14. April N. St.) Bey Anbruch des Tages hörte man lange Zeit Kanonen- und Flintenschüsse. Die Regimenter des in Pekin liegenden Militärcorps werden im Frühjahre, in dem Thiergarten(Chaidsüͤ), der? Werste (1 d. M.) südlich von der Hauptstadt liegt, exercirt. Das Exercitium der Reiterey und das Schießen mit Bogen ge— schieht selten auf einer Ebene vor dem angding'schen Thore, nicht weit von dem russischen Todtenacker. Fremden ge— . stattet man durchaus nicht, Zeugen des Exercitiums der manshurischen Truppen zu seyn. Um 5 Uhr Nachmittags hatte der Pater Jakinf mich und Hrn. Rasgildejew den J. zu sich eingeladen. Dort fan— den wir den von der Regierung angestellten Lehrer der man— shurischen Sprache. Dshun-Loje unter andern, sprach mit Zufriedenheit von dem Fleiße des Studenten Leontjewski von unsrer neuen Mission, der in der manshurischen Sprache eben so schnelle und gute Fortschritte zeige, als Hr. Woi— zechowski in der chinesischen. Den 3. April(15. April N. St.) besuchte mich Nach— mittags der koreische Dolmetscher, aus der Familie Wan, der sich bey den Generalen befand, die in diesen Tagen von Seiten des Beherrschers von Korea, in Pekin, wegen der Ceremonie bey dem Leichenbegängnisse des Chuandi Osä— zin sich aufhalten. Als Zeichen unserer Höflichkeit ward dem Dolmetscher ein kleiner Spiegel geschenkt. ö Den 4. April(16. April N. St.) Der erwähnte Wan kam zu mir des Morgens mit einem alten Dolmetscher der koreischen Generale, mit dem Zunahmen Tsche. Beide thaten an mich, durch den Studenten Simailow, in chinesischer Sprache, einige Fragen über die Lage, die Größe Rußlands, über die Bauart unferer Häuser, Städte u. s. w. Tsche hat einen Begriff von dem russischen Lande, das, wie er sagt, nördlich von Korea liegt; es ist ihm bekannt, daß die Russen einst nach Japan) gereist sind; er kennt auch *) Auf chinesisch Shibeng. Japan betreffend wird in der chinestschen Geschichte erwähnt, daß noch bey der Zerstücke— lung China's in appanagirte Fürstenthümer, 450 Jahr vor Chr. Geb. der appanagirte Fürst von Chandsheu Krieg ge— gen den Fürsten von Schaoßin anfing, der weniger mäch— tig als er war. Er schlug die gegen ihn gerüsteten Truppen 5 dieses Fürsten, nahm ihn selbst gefaugen, und hielt ihn drey 21 Kiachta, und auch daß es innerhalb der Gränzen unseres Reiches schöne Zobel, Füchse, Eichhörnchen und Biber giebt. Den 6. April(18. April N. St.) Auf vorhergegan— gene Einladung von meiner Seite kamen zu uns um 3 Uhr Nachmittags drey Beamte des Gerichtshofes der auswärti— gen Angelegenheiten, die der Mission vorgesetzt waren. Dem Berichte und persönlichen Zeugnisse des Wagenmeisters zufolge, machte ich dem Hrn. To und seinen Amtsgenossen den bedeutenden Verlust bekannt, den wir an Vieh im ver— gangenen Winter erlitten hatten; dann bat ich, es möchte demjenigen Beamten, welcher die Mission auf der Rückreise begleiten sollte, von dem Gerichtshofe Befehl gegeben wer— den, uns bey dem Miethen des mangelnden Lastviehes, nach dem Beyspiele vom J. 1808, und zu Vertauschung des der Regierung gehörigen Viehes, im Falle der Ermü— dung, behülflich seyÿn. Die Dshangin's versprachen alles, und erklärten ihren Eifer für den Vortheil unserer Regie— N Jahre im Gefängnisse. Indessen sammelten der Minister und einer der Heerführer des Fürstenthums Schaoßin neue Truppen, exereirten sie und verschafften ihrem Fürsten Ge— legenheit, aus Chandsheu zu entkommen. Als der Fürst von Schaoß in in seine Heimath zurückgekehrt war und ein bereitstehendes Heer fand, ging er mit einer Flotte vor Chandsheu und hielt diese Stadt lange belagert, so daß der Fürst von Chandsheu gezwungen war, auf Schiffen aus seiner Hauptstadt zur See zu eutfliehen, wobey er alle seine Verwandten mitnahm. Durch den Wind ward er an die Insel Niphon getrieben. Der vertriebene Fürst brachte mit sich dahin die chinesische Sprache, Künste u. s. w. Die Insel ward von den Chinesern Shibeng(Shi Sonne, Beng Ursprung), d. i. östliche Insel, genannt. Die Einwoh ner des südlichen China, besonders der Statthalterschaft Dshedsiang, mit denen die Europäer am frühesten bekannt wurden, können die harten Laute ihrer Sprache nicht aus— sprechen, und nannten daher Shibeng Nipeng, und die Eu— ropäer machten aus jenem Worte nach ihrem Belieben: Ni phon und Japon(Japan). A. d. V. „ rung. Mit allgemeiner Uebereinstimmung setzten wir fest, daß ich mit der Vorstellung wegen dieser Angelegenheit in den Gerichtshof gehen sollte.„Dieses, fügte To- Loje hin⸗ zu, wird für uns als Grundlage zu den geforderten Verfü— gungen dienen; und für euch als Versicherung, daß die Mission, wegen Mangel des Viehes, kein Hinderniß auf der Reise antreffen wird.“ Sie riethen indessen, mit der Eingabe der Bitte nicht zu eilen, weil der Chuandi, und auch seine Minister, nicht eher als den 28sten des Zten Mondes, d. i. den 19. April(1. Mai N. St.) von dem westlichen Todtenacker zurückkommen würden. Dabey gab ich dem chinesischen Beamten unsern Entschluß zu erkennen, mit der vorigen Mission aus Pekin nicht später als den 25sten des Aten Mondes, d. i. den 14. oder 15. Mai(26. oder 27. Mai N. St.) abzureisen.(Die Mission des Ar— chimandriten Gribowski war von Pekin am 2. Mai 1808 abgereist). Die Dshangin's billigten diesen Vorsatz; denn vor dieser Zeit kann man in den Steppen der Mon— goley noch nicht hinreichendes Futter für das Vieh erwarten. Darnach besuchten mich drey Beamte aus Korea, die in Pekin mit ihren Generalen zugleich angekommen waren. Die Offizier wurden gehörig bewirthet. Der älteste darunter, gegen 60 Jahr alt, zeigte große Neugierde in Ansehung der russischen Kleidung, der Hausgeräthe u. s. w. Besonders gefielen den Koreern unsre Säbel und Pistolen. Um mehrerer Bekanntschaft willen mit den Beamten eines von Rußland so entfernten Landes, ward den beiden Of— fizieren ein kleiner Flaschenkeller mit Theegeschirr, und dem dritten ein schönes Einlegemesser geschenkt. Ueberdieß schenkte ich jedem von ihnen eine Tasse vom besten Porzellan der kaiserlichen St. Petersburgischen Fabrik, und einige Blatter weißes Papier, in Petersburg fabricirt. Alle diese Ge— t fe, hat in 0 il derfl⸗ de auf det Und len em gab gen, Mai saß; Non⸗ an. dee 1 „ 2 schenke wurden von ihnen mit ausnehmenden Vergnügen angenommen, und besonders unser Schreibpapier. Nach einer Stunde verließen sie mich mit allen Aeußerungen der Freundschaft. Die Koreer sind, gleich den Japanern, von Einem Stamme mit dem chinesischen Volke. Dieses zeigt sich durch die äußere Form ihrer Gesichter, ihre Buchstaben, ihre Lebensart und endlich durch den Glauben an Fo und Kong-fu-tße(Confucius). Aber was die Sprache betrifft, wird es seltsam scheinen, daß der Chineser und Koreer mit einander nicht sprechen können; nur im Schreiben drücken sie sich nicht nur leicht und ungehindert aus, sondern die Koreer übertreffen sogar die Chineser in der Schönheit der Schriftzüge. Die Buchstaben oder Schriftzeichen sind bey ihnen dieselben; die ganze Verschiedenheit besteht darin, daß der Koreer sie anders ausspricht. So ist das Loos der chi— nesischen Sprache; ihre Zeichen werden in demselben Sinne verstanden; aber die Aussprache ist bey den Bewohnern der verschiedenen Provinzen verschieden. Selbst ein Chineser, der im Norden geboren ist, kann seinen, in den südlichen Statthalterschaften wohnenden Landsmann nicht verstehen, und nimmt bey jeder Gelegenheit seine Zuflucht zu der Hülfe des Dolmetschers). Die Koreer sind von mittlerer Leibesgröße, von ziem— lich starker Constitution; sie haben ein schwarzbraunes Ge— sicht, schwarze Haare, ein dreistes Ansehen. Sie gehen in solcher Kleidung, wie die Chineser vor ihrer Unterwerfung *) Es verhält sich mit den chinesischen Schriftzeichen fast wie mit den in ganz Europa gewöhnlichen(arabischen) Zahlzeichen, die der Deutsche, Engländer, Franzose, Italiener, Spanier, Russe u. s. w. geschrieben vollkommen versteht; aber wenn sie jeder in seiner Sprache ausspricht, versteht keiner den andern. A. d. U. — 234— durch die Manshuren, mit langen und außerordentlich wei— ten Aermeln von Dab a, d. i. Leinwand aus Baumwolle verfertigt; ihre schwarzen spitzigen Hüte sind aus Bambus geflochten, und haben ungewöhnlich breite Krämpen. Im Umgange sind die Koreer einfach und schlicht, und beküm— mern sich nicht sehr um die Beobachtung der Regeln der Wohlanständigkeit. Man nennt sie hier Gäwli und Tschaoßiang(Tschaoßäng). Die Offizier, welche heute bey mir waren, entdeckten uns, daß in Korea eine Volksempörung gegen die jetzt herr— schende Dynastie fortwähre. Der König wagt es nicht aus seiner Hofburg auszugehen, als nur in Begleitung seiner Leibwache, die größtentheils aus Reiterey besteht. Der Beherrscher von Korea wird in dieser Würde durch den chi— nesischen Kaiser bestätigt. Zu diesem Behuf schickt der pe— kin'sche Hof, bey der Thronbesteigung eines neuen Königs, diesem ein königliches Patent durch einen seiner vornehmen Beamten, der bey der Krönungs-Ceremonie gegenwärtig seyn muß. Im Anfange jedes Jahres sendet, wie oben bemerkt worden ist, der König von Korea, zum Zeichen seiner Treue, dem Bogdochan eine Gabe(Tribut), und erhält gegenseitig von ihm Geschenke, die aber an der Zahl und Eigenschaft weit denjenigen nachstehen, deren die mongoli— schen Fürsten für ihre unwandelbare Ergebenheit sich von Seiner Hochweisen Majestät erfreuen. Die geringe Bevöl— kerung und der friedliche Geist der Koreer ist die Ursache, daß die chinesische Macht ihnen so geringe Aufmerksamkeit, ja selbst Verachtung bezeigt, welches in den drückenden Be— handlungen der chinesischen Beamten gegen die in Pekin an— kommenden Koreer auffallend ist. Japan erhebt auf gleiche Weise von Korea eine festgesetzte Abgabe in Gold. Ich habe keine Gelegenheit mit Glaubwürdigkeit zu erfahren, worauf — 235— diese für Korea sehr lästige Abhängigkeit sich gründet; denn die japanische Regierung sieht streng darauf, daß die Koreer durchaus keinen Verkehr mit Fremden haben dürfen, außer mit den Chinesern. Die Koreer haben während ihres Auf— enthalts in Pekin sich nicht wenig mit den Russen bekannt gemacht, und sind mit unsrer freundlichen Begegnung sehr zufrieden; sie verstehen die geographische Lage und selbst die Größe unsers Reiches. Einige haben, wahrscheinlich durch chinesische Kaufleute, sogar eine Kenntniß von dem Umfange des kiachtaischen Handels, und den Gegenständen des dor— tigen Tauschhandels Kenntnisse erhalten. Unsere Nordame— rikanische Compagnie könnte unter glücklichen Umständen mit Korea in Handelsverbindungen treten, wenn sie einen neuen Hafen irgendwo an der Küste des östlichen Asiens anlegte. Für das Haupterzeugniß von Korea muß man die Baumwolle und die daraus verfertigte Leinwand halten. Mit diesen Waaren, so wie auch mit Schreibpapier, das so stark wie grobe Leinwand ist, mit Seide und roher Seide und den daraus übrigens sehr grob gemachten Zeu— gen, mit Rauchtabak und Pferden reisen die koreischen Kaufleute jedes Jahr nach Pekin, mit der Gesandtschaft des Königs von Korea. Von allen eben genannten Erzeugnissen wird, wegen ihrer Dauerhaftigkeit und Festigkeit, die Lein— wand(hol' sche Dabä) und das Schreibpapier geschätzt, eben so auch die Pferde, wegen ihres ungewöhnlich kleinen Wuchses und ihrer starken Leibesbeschaffenheit. Gegen diese Erzeugnisse tauschen die Koreer in Pekin gute Seidenzeuge, verschiedene Metallwaaren, Porzellan u. s. w. ein. Den 8. April(20. April N. St.) Gegen Mittag be— suchte den Pater Jakinf der alte General des koreischen Ge— folges. Nachdem die Koreer am 31. März(12. April N. St.) — 2— r— 2*— 1—— den Leichnam des Dsäzin aus der Stadt hinaus begleitet hatten, blieben sie in Pekin bis zur Wiederkehr des Dao— guan von dem Todtenacker; und in der Mitte des Mai (A. St.) kehren sie in ihr Vaterland zurück. Ich war vom Pater Jakinf eingeladen, wegen der Zusammenkunft mit dem vornehmen Koreer. Dieser General, mit seinem Fa— miliennahmen Lijuichu, 64 Jahr alt, ist von einem ed— len Ansehen und sehr bescheiden, in Vergleichung mit den Manshuren. Auch mit seinem Sohne, der vor etwa 5 Jah— ren hier war, hat Pater Jakinf ziemlich genaue Bekannt— schaft gemacht. Der General unterhielt sich mit uns schrift— lich. Die Fragen von unserer Seite erklärte der Hausleh— rer der geistlichen Mitglieder der neuen Mission, ein junger gelehrter Chineser. Lijuichu fragte: wie alt ich sey(die ge— wöhnliche Höflichkeit nach chinesischer Sitte, zwischen Un— bekannten), wie lange ich aus dem Vaterlande abgereist sey u. s. w. Wir zeigten auf der Landkarte die Entfernung zwischen der Halbinsel Korea und St. Petersburg, und der Koreer erstaunte sehr, als er die nicht zu begreifende Strecke Landes von fast 10000 Wersten(über 1400 d. M.) sah, die unser Vaterland von Pekin trennte, und alle Beschwer— den eines so weiten Weges begriff.— Vom Pater Jakinf ging der Gast in unsre Kirche, von da in den Klostergar— ten, in die Bibliothek der Mission; er besuchte den Pater Archimandriten Peter, der ihn mit möglichster Gastfreund— schaft empfing. Dann bat er um die Erlaubniß, uuch meine Wohnung, wo ihm der Anblick und die Kleidung der Kasaken gefiel, zu besehen. Er besah mit großer Auf⸗ merksamkeit unsre Sachen, Flinten, Pistolen, Säbel u. s. w. Ich theile hier ein Bruchstück meiner schriftlichen Un— terredung mit Lijuichu mit: * 2 litt dun Mn om mit Meine Frage: Darf ich fragen, wie weit sich von hier die Hauptstadt des gaul' schen Reichs(Korea) befin— det, und wie sie heißt? Antwort: Von unserer Hauptstadt bis Pekin rechnet man über 3000 Li(214 d. M.) Ihr Nahme ist Changian. Frage: In wie viele Gebiete wird das gaul' sche Reich getheilt, und welches sind ihre Nahmen? Antw. Unser Reich ist nicht groß; von Osten nach Westen enthält es 1000(712 d. M.), und von Süden nach Norden 4000 Li(287 d. M.) Die Gebiete nennt man bey uns Wege, auf chinesisch Dao. Es sind in Allem acht Wege: Dsindsi“ der Statthalterschaft Dshili gleich; der südliche Weg heißt Dshunzin; noch südlicher ist Zjuanglo; der östliche Dsianjuang(dsänjuang); der südwestliche Zuishang; der westliche heißt Chuan— chai; der noch westlichere Pin-ang; der nördliche wird Ssiangdsin(Ssängdsin) genannt. Unter diesen haben einige Wege einen Nahmen, der aus denen von zwey grö— ßern Gebieten zusammengesetzt ist, als: Dshundsheu und Zindsheu, Zjuangdsheu und Lodsheu. In Allem rechnet man mehr als dreihundert und sechzig Gebiete, Regierungen, Statthalterschaften und Districte. Die Gebiete (Provinzen) haben unter sich Regierungen, die Regierungen Statthalterschaften, die Statthalterschaften Districte. Alle aber überhaupt stehen unter der höhern Verfügung ihrer segenten. Frage: Giebt es in dem gaul' schen Reiche große Flüsse und Seen? ) Die katholischen Missionare benennen mit dem Nahmen die— ser Statthalterschaft Dsindsidao(Kin- ki- tao) auch die Hauptstadt von Korea; welches bisjetzt auch ihre eifrigen Anhänger behaupten. A. d. V. 8— Antw. Es giebt viele hohe unersteigliche Berge, aber wenig Ebenen; wegen der vielen Berge giebt es auch viel Wasser, das große Flüsse und Seen bildet, die nach einem Laufe voller Krümmungen ins Meer fallen. Ihre Anzahl erstreckt sich auf einige 8ehend. Erlauben Sie mir zu rückzukehren. Zum Beschlusse des Ganzen ward dem koreischen Ge— neral von mir ein Offizierssäbel(aus der sibirischen slatou— stow'schen Fabrik) dargeboten, der ihm außerordentlich ge— fiel. Ich versicherte ihm, wie sehr angenehm es den Russen seyn würde, wenn dieses schwache Erzeugniß unserer vater— ländischen Fabriken auch in Korea ihn an Rußland erinnern sollte. Der General dankte für das Geschenk mit merk— lichem Vergnügen. Dann begab er sich nach Hause, und befahl seinem Dolmetscher, den Säbel so gut nur immer möglich zu verbergen, damit die chinesischen Thürhüter an unserm und dem koreischen Hofe ihn nicht sehen, und ihm wohl gar dieses Geschenk wegnehmen möchten. Die man— shurischen Boschko's erinnerten bereits die Koreer, daß sie zu oft auf den russischen Hof kämen. Der koreische General war in einer bedeckten chinesischen Kalesche, in Begleitung seines Secretärs, eines Greises von 80 Jahren, der eine Brille trug und eine Pfauenfeder auf der Mütze hatte, so wie auch mit Dolmetschern und zwey Dienern angekommen. Den 9. April(21. April N. St.) Die portugiesischen Missionare Gau und Ribeira kamen, um unsern Patern Archimandriten zu dem bevorstehenden Osterfeste Glück zu wünschen, und sie zugleich einzuladen, in diesen Tagen das portugiesische Kloster zu besuchen.— Ich halte es für Pflicht, hierbey zu erinnern, daß die große Fasten von uns, auch in Pekin, mit strenger Beobachtung der Regeln der 8 rechtgläubigen griechisch-morgenländischen Kirche zugebracht wurde. Der Gottesdienst ward von den geistlichen Mit— gliedern der neuen Mission, im Kloster, an allen Tagen der ersten und der Charwoche in der großen Fasten, und die übrigen fünf Wochen, Sonntags, Mittwochs und Frey⸗ tags gehalten. Den 10. April(22. April N. St.)), als dem ersten Tage des Osterfestes, war in der Klosterkirche von den ge— tauften Albasinern nur Alexei mit seinen zwey Verwandten gegenwärtig, welche, auf Anordnung des Vorstehers der neuen Mission, gut bewirthet wurden. Der General aus Korea schickte, nach asiatischer Sitte, mir Gegengeschenke: zwey Fächer, eine Tabackspfeife, ein Pfund Tabak und einige kühlende Pillen. Der Dolmetscher, der diese Sachen überbrachte, erhielt für seine Mühe ein Einlegemesser; und sein Bedienter bekam als ein Trinkgeld 1000 Tschech. Den 12. April(24. April N. St.) Schon gestern hatte sich der Ordensgeistliche Benjamin, mit dem Kir— chendiener Woßneßenski nach der Kirche zu Mariä Himmelfahrt begeben, um dort den nächtlichen Gottes— Heute Morgens fuhren eben dahin der Pater Archi⸗ mandrit Peter und Pater Jakinf mit dem Ordensgeist— ) Am nämlichen Tage war im J. 1821 auch nach dem neuen Kalender Ostern. A. d. U. *) Im Nussischen WIsenöschtschnoje 3dénie oder WIS. slushe nie, der die ganze Nacht dauernde Gottesdienst. So nennt man(besonders in Klöstern) die gottesdienstliche Feyer, die nach Sonnenuntergang, am Vorabende eines Festes, beginnt und die ganze Nacht hindurch währt. Man könnte es die vereinigte Vesper und Frühmetten nennen, da diese nächtliche Feyer beydes an einander knüpst. A. d. U. lichen Daniel, dem Hierodiakon Israel und mit allen Studenten der vorigen und der neuen Mission. Hinter ih⸗ nen folgte ich, zu Pferde, in Begleitung des Wagenmeisters, des Kasaken-Aeltesten, des Dolmetschers, des Sotniks Sacharow und zehn Kasaken. Die übrigen Kasaken der Be— deckung gingen in jene Kirche um 6 Uhr des Abends. Ein heftiger Regen, der bis zu Mittage dauerte, zerrüttete ein wenigzunsern feyerlichen Aufzug. Die Messe hielt der Pater Archimandrit Peter, in voller Versammlung der Geistlichkeit, mit den geistlichen Mitgliedern der neuen Mission. Nach geendigter Messe wurde Gott dem Herrn ein Gebet dargebracht, mit seinen reichsten Segnungen unsern Herrn den Kaiser und Sein ganzes erhabenes Haus zu überschütten. Mit Gefüh— len der Rührung sahen die Chineser auf die treuen Unter— thanen des weißen Kaisers, die für ihn auch jenseit der großen Mauer beteten. Von den Albasinern, sogar den getauften, erschien kei— ner bey dieser Feyer, außer Alexei Mukungda, dem Aeltesten oder Vorgesetzten der russischen Sotnä, d. i. der albasinischen Compagnie, die sich in der Leibwache des Chuandi befindet.— Alexei machte uns in dem Ikonostas der Kirche zu Mariä Himmelfahrt auf das Bildniß des mit der Dornenkrone gekrönten und im Kerker sitzenden Heilands aufmerksam, das von seinen Vorfahren aus Albasin mit hierher gebracht worden war. Das Bild ist ziemlich gut ge— mahlt; hat aber nach dem Geschmacke jenes Zeitalters, viel— leicht auch durch Wirkung der Zeit, ein zu dunkeles Ansehen. Das Gebäude der Kirche zu Maria Himmelfahrt ist so veraltet, daß es schon seinem Einsturze nahe ist. Auf dem Rückwege nach dem russischen Hofe fuhren wir außerhalb der Stadt, an der östlichen Mauer, längs —— dem Ufer des Kanals hin, auf dem nach Pekin das Getreide geführt wird, das man aus den südlichen Statthalterschaften China's, als einen Theil der Abgaben einbringt, welche die Regierung von den Landbauern erhebt. An dem Ufer des Ka⸗ nals stehen Regierungsmagazine mit Reiß. Auf einem der Thürme der eben gedachten Mauer ist von den Jesuiten eine Sternwarte, in Gestalt eines viereckigen, nicht hohen Lust— hauses gebaut. Oben auf dem offenen, freyen Platze(der Platteforme) sind, offenbar um sich vor dem Volle zu zeigen, einige astronomische Instrumente, eine Himmelskugel u. s. w. ausgestellt. Diese Instrumente gehören zu den Sachen, die an Zänglung von dem Könige von England durch den Gesand— ten Lord Macartney zum Geschenke geschickt wurden. Dort befinden sich auch astronomische Instrumente, die noch unter Kanßi, dem aufgeklärtesten und durch seine nützlichen Unter— nehmungen alle Chuandi's der jetzt in China herrschenden da— zin'schen Dynastie der Manshuren übertreffenden Kaiser, aus Europa hierher gebracht worden. Den 15. April(27. April N. St.) um 9 Uhr des Mor— gens ritt ich zum östlichen Thore von Pekin hinaus, um die nahe gelegene Schleuße zu sehen. Ich konnte meine Neugierde, ein Erzeugniß chinesischer Wasserbaukunst zu sehen, nicht zu— rückhalten. Mich begleiteten der Wagenmeister, der Kasaken— Aelteste, der Dolmetscher Frolow, zwey Kasaken, auch der Student Simailow und zum Schutz unserer Ru he der thürhütende Boschko. Wir fuhren zu dem Thore Tschun⸗ wüng, im gemeinen Leben E Chatamüng, nach der südli— chen Vorstadt hinaus; von da durch das Seitenthor Dun— biang(Dunbäng). Dann ungefähr 3 Werste bis zu der er— sten Schleuße ritten wir am Ufer des Kanals, der zur Ge— treideeinfuhr nach Pekin dient. Der Kanal ist schon vor lan— ger Zeit ausgegraben; die lehmigen Ufer sind über den Ab— II. Band. 16 — 242— schnitt der obern Linie des Wassers ungefähr 2 Klaftern er— haben. Die sogenannte Schleuße ist weiter nichts als ein Schutzdamm, der aus rohen Steinen ohne irgend ein Loch oder Durchgang, errichtet ist. Dieser Damm hat an Höhe auf 4 Klaftern über die Horizontalfläche, des niedrigsten Wasserstandes; oben darauf ist ein Gasthaus erbaut, wo man — für Geld— die Vorübergehenden mit Thee bewirthet. Die Fahrzeuge, welche aus den südlichen Statthalterschaften mit Getreide, Thee und verschiedenen Erzeugnissen chinesischer Fabriken kommen, halten in der Skadt Tundsheu!) an, die ungefähr 25 Werste(33 d. M.) östlich von Pekin liegt. Diese Stadt ist der Hauptort für die Niederlage der Waaren; dort sind ungeheure Vorrathshäuser mit Reiß angefüllt, an— gelegt, die dem Kaiser gehören. Aus Tu ndsheu wird das Getreide, in einer bestimmten Menge, nach Pekin auf dem Kanale, der die Hauptstadt umgiebt, auf kleinen Fahrzeugen (unsern Tichwin' schen Böten ähnlich) geführt. Diese Fahr— zeuge werden von Schiffziehern mit Seilen von einer Schleuße zur andern, ungefähr 2 oder 5 Werste weit emporgezogen; das Getreide wird in die höher liegenden Fahrzeuge ausge— laden. Das Getreide, welches größtentheils aus Reiß be— steht, wird oben auf das Verdeck in leinwandenen Säcken gelegt. Auch auf dieser Seite, so wie überhaupt in den Um— gebungen von! pekin bis auf 5 Werste weit, findet man auf jeden Schritt Sodketeckes Zwischen diesen sind grüne Acker— felder, besäet mit Küchenkräutern, Weizen u. s. w. Zu *) Einige nähere Umstände von dieser Stadt kann man in der Reise des Lord Miacartney II, 226.(der russ. Uebers.) lesen; so wie auch in Voyage en Chine ou journal de la dernieère Ambassade Angloiee? la Cour de Pekin(von Lord Amherst), „ 2% . 52 ih ke⸗ 15 ein Loch Höhe gsten man thet. ften scher an, liegt. aten; „al- das dem augen Fobr⸗ sleuße en; oge⸗ be⸗ cken m⸗ auf scker⸗ 50 n der lesen; rnibre dieser Zeit sah man schon Stengel über 12 Arschin(12 Elle Leipz. Maaß, oder 3 Fuß rheinl.) hoch. Von der Schleuße aus gingen wir zwischen grünen Feldern zu einer Buche(Chuan jan mu), die von den Bewohnern Pekin's sehr hoch gehalten wird. Ein gewal⸗ tiger Baum, höher als 12 Klaftern), und im Durch⸗ messer nahe bey der Wurzel ungefähr 4 Arschinen(etwas über 5 Ellen Leipz. Maaß, oder 9 Fuß rheinl.) Er liegt in einem besondern Schuppen. Im Volke geht eine Sage, daß noch unter der Dynastie Min, vor 200 Jahren, diese Buche von den Wellen aus dem Meere ans Ufer geworfen worden sey. Ein Verschnittener führte sie aus Frömmigkeit hierher, baute ein Wetterdach darüber, und in der Nähe einen kleinen Tempel. Andere im Gegentheil versicherten uns, dieser Baum sey auch hier gewachsen. Lange war er die Zierde der Umgegend Pekin's gewesen, und hatte durch seine mächtige Größe in den Herzen der Einwohner eine be— sondere Achtung erweckt; endlich war er, abgestorben vor Alter, von einem Stoße eines Sturmwindes von der Wurzel aus nledergeworfen worden. Der Kaiser Zänglung, ein aufgeklärter Liebhaber alles Seltenen, und um desto mehr der Denkmähler der Frömmigkeit des Volks, hatte vor 50 Jahren befohlen, an derselben Stelle, wo der Baum gestanden, einen Tempel und ein Lusthaus zu erbauen, und darin zwey Marmortafeln aufzustellen, in welchen mit chi— nesischer Schrift die ganze Geschichte dieser Buche eingegra— ben ist. Man muß anmerken, daß die Inschrift von dem von Zänglung selbst geschriebenen Originale genommen ist; denn dieser Kaiser wird, in der Kunst des Schönschreibens, *) D. i. 36 russische Arschinen, oder etwas über 455 Elle Leipz⸗ Maaß, oder fast 813 Fuß rheinl. A. d. U. 16* so wie auch in der Kenntniß der manshurischen und chine— sischen Sprache, är einen vorzüglichen Kenner noch bis jetzt gehalten. Es ist übrigens schwer zu entscheiden, zu welcher Gattung dieser Baum eigentlich gehört. Sein lan— ger Stand auf der Wurzel, und die Wirkung der Luft jetzt, haben seine Oberfläche sehr verändert. Jetzt verbergen sich in den Höhlungen des Baumes, in der Nacht, die in der Nähe der Stadt befindlichen Bettler. Von diesem Baume setzten wir unsern Weg gegen Westen bis zu dem Todtenacker Ssu-Zinwan fort, eines Fürsten des ersten Grades, eines von den 8 manshurischen Fürsten, die sich in Pekin, bey der Eroberung China's, niedergelassen haben. Schundshi, der Vater Kanßi's, den erste Chuandi der dazin'schen Dynastie, erbauete, als ein Denkmahl seiner Erkenntlichkeit gegen die Kriegsthaten des Ssu-Zinwan, diesen Todtenacker oder Begräbnißplatz, der aus einigen Gebäuden, einem Tempel u. s. w. besteht. Das eigentliche Denkmahl ist in einem Lusthäuschen errich— tet; zwey sehr große Tafeln von weißem Marmor, sind auf Schildkröten, die aus demselben Marmor gemacht sind, befestigt. Auf den Tafeln sind mit manshurischer, chinesi— scher und mongolischer Schrift Inschriften eingegraben, welche der Nachwelt die Thaten des berühmten Heerführers in den Schlachten mit den mongolischen Stämmen verkün— den. Außen erhebt sich eine Ceder, unter deren großen Aesten Gänge(enge, mit hölzernen Säulen abgetheilte Alleen) von der Wurzel aus, auf sechs Klaftern in der Breite, er— bauet sind. um den Begräbnißplatz herum wachsen viele Cypressen und Wachholdersträuche. Längs der südlichen Mauer der Vorstadt Pekin's, durch grüne Felder, bey kleinen Landhäusern vorüber, kamen wir bis zu dem Thore Fundin, von welchem wir uns gerade ä gegen Süden nach dem Thiergarten wendeten. Drey Werste bu ungefähr von der Stadt, fieht man unter vielen andern, 9 rechts vom Wege gegen Westen, ein ziemlich ungewöhn— „ liches Denkmahl. Auf zwey, Schildkröten stehen zwey Ta— l= feln. Die Inschriften darauf sind von der Länge der Zeit fc, verloschen. Auf beiden Seiten stehen Bildsäulen; auf der sich linken Seite(bey den Chinesern die ehrenvolle) ein Civil— der Beamter, und auf der rechten ein Vornehmer in Waffen— rüstung; ferner zwey Pferde, und noch näher am Wege 1 zwey Widder. Alles ist aus weißem Marmor ausgehauen; ins aber es verfällt schon alles mit dem Verfalle der Nachkom— schen menschaft jener Leute, deren Staub hier ruhet. Solcher 0, Denkmähler, die aus ältern Zeiten übrig geblieben sind, 5150, giebt es um Pekin nicht wenig. Um die Vorschrift des ö ein Kong-fu-tße(Confucius) zu erfüllen, der die alte chine— des sische Sitte aufrecht erhielt, nichts zu sparen zum Begräb— der niß der Eltern, zum Beweise der kindlichen Liebe— der echt. Stütze der gesellschaftlichen guten Ordnung— um diese rich Vorschrift zu erfüllen, sage ich, sind die Umgebungen von sihd Pekin mit Denkmählern und großen Hainen von Cedern, ind, Cypressen und Wachholdersträuchern geschmückt. Diese letz— gest⸗ tern tragen durch ihre harzigen Ausdünstungen viel dazu hen, bey, die Luft auf den Todtenäckern zu reinigen. Der jetzige res Chuandi hat auch, wie ich schon mehr als einmahl bemerkt ůn⸗ habe, diesen Luxus kindlicher Ehrfurcht eingeschränkt, und sten wir sahen heute einige, nicht sehr prächtige Leichenbegäng— len) nisse, denen doch große Haufen von Verwandten und Trä⸗ er⸗ gern folgten. diele Der Weg nach dem Thiergarten geht ganz zwischen Todtenäckern. Nicht weit von demselben muß man über durch eine marmorne Brücke, über einen kleinen Fluß gehen, der wie zur Zeit der Sommerregen, aus seinen Ufern tritt, und bade nicht selten große Verheerungen anrichtet. Der Thiergar— ten, der sich im Umkreise auf ungefähr 80 Werste(112 d. M.) erstreckt, ist mit einer steinernen Mauer umgeben, die 3 Klaftern oder 21 Fuß hoch ist; durch nordwestliche Wir— belwinde sind große Sandhügel an ihr aufgehäuft. Die am Thore stehenden Wachen konnten sich nicht entschließen, uns als Fremde in den Thiergarten einzulassen, durch welchen übrigens eine Landstraße geht. Sie verlangten, wir sollten uns bey ihren Offizieren melden, und von ihnen hierzu die Erlaubniß erbitten. Aber wir, da wir hierin Beschwerden erblickten, kehrten wieder um. Uebrigens ist im Thiergar— ten nichts, das besonderer Neugierde werth wäre; nur Sand, kleine Dörfchen und Gehölze, in denen man Hir— sche, wilde Ziegen u. s. w. unterhält. Dort beschäftigt sich nicht selten der Chuandi mit den Manöuvres der Truppen des pekin'schen Corps; bisweilen auch mit der Jagd oder dem Schießen der wilden Thiere. Von einem verfallenen kleinen Berge, der diesseits der Brücke liegt, und offenbar durch Kunst aufgethürmt ist, entdeckt man das Innere des Thiergartens, und die dazu gehörigen Thäler. In blauer Ferne sieht man die zu den Wolken sich erhebende Kette der westlichen Berge, welche die weite Ebene von Dshili(in unsern Erdbeschreibungen irrig Petchelie Petscheli genannt), die sich südwärts fast bis an den gelben Fluß erstreckt, umgränzen. Wir kehrten in die Stadt auf demselben Wege, durch die südliche Vorstadt Wailotschen, zurück. Wir ritten an den Mauern sehr großer Opferaltäre hin, die zur Ehre des Himmels und der Erfinder des Ackerbaues errichtet sind. Gebäude im Innern, jenseit der Mauer, sieht man nicht. Nahe bey den Tempeln auf beiden Seiten des mit rohen Bruchsteinen gepflasterten Weges bemerkt man Spuren 247 h ehemahliger schöner Teiche. Der verstorbene Dsäzin befahl, llt nach dem im J. 1813 ausgebrochenen Aufstande*) diese „ de Teiche zuzuwerfen, damit nicht, wenn er vorüber zöge zur Wf⸗ Darbringung der Opfer, sich etwa ein übelgesinnter Mör— am der in dem Rohre am Ufer verbergen könnte. Ein vergeb— uns licher Schutz für einen schwachen Chuandi, den nicht die schen Herzen des Volkes schützen! lien Den 17. April(29. April N. St.) Am Morgen kam die zu uns der Portugiese Ferreira, um die beiden Pater Ar— den chimandriten und mich in das südliche Kloster auf den fol— gat⸗ genden Tag zum Mittagessen einzuladen. Er beehrte mich nul mit dem Titel Centurio(Gebieter über hundert Mann, Hir⸗ Hauptmann). t sich Den 18. April(30. April N. St.) Um 9 Uhr des ppen Morgens erschien bey mir der von neuem von dem Gerichts— oder hofe zur Begleitung unsrer Mission nach Kiachta bestimmte lenen Bitcheschi Füßang von der 7ten(unsrer 14ten Klasse feng entsprechenden) Klasse, nebst dem vorigen Boschko Urgental e dab und dem alten Nerba, der bey Tschen-Loje(welcher die aer neue Mission begleitete) gedient hatte, und jetzt dem Füͤ— der ßangé beygegeben war, als ein Mensch, der schon in der (in Mongoley gewesen sey, und der seine Sache verstehe. nt), Es ist äußerst zu bedauern, daß auch unser neuer Führer, akt, außer der chinesischen Sprache, weder mongolisch noch man— 6 shurisch versteht, und weiter als bis Dshandsäken (Chalgan) nicht gewesen ist. Daher kann man schon an— urch itten nehmen, daß der Boschko und der Nerba die Hauptpersonen chte. sind.*) Der Aufstand war von gebornen Chinesern erregt worden, f unter denen sich auch Nachkommen der letzten Dynastie Min nicht befinden, in dem festen Entschlusse, die Manshuren auszu— rohen rotten. Die Funken dieses Nationalhasses glimmen noch letzt in den Herzen der Chineser. A. d. V. puren auch bey dieser Reise seyn werden. Fußangé schlug mir vor, mich schriftlich an den Gerichtshof, wegen der Abreise der Mission aus Pekin, zu wenden, ohne entscheidend die Zeit davon zu bestimmen; und ebenfalls auch diesem Ge— richtshofe den Mangel an dem der Regierung gehörigen Vieh, zur Reise der Mission, zu melden, damit der Ge— richtshof in Zeiten Verordnungen erließe, auf den Statio— nen in der Mongoley Arbeitsvieh in erforderlicher Anzahl bereit zu halten. Ich erklärte, so groß auch der Verlust an dem der Regierung gehörigen Viehe wäre, bedürften wir doch, für das erstemahl, nicht mehr als 10 Kameele zur Beyhülfe, die wir, nach dem früheren Beyspiele, bereit wären zu miethen. Um dem Fußangsé mich freundlich zu beweisen, schenkte ich ihm? Arschinen schwarzen Kasimir zu einem Alän dai (eine kurze Kurma oder Ueberkleid), 35 Arschinen Tuch zu einer Kurma und ein Paar der besten Zobel. Sein Diener erhielt eine Haut rothen Saffians. um 11 uhr schickten die Portugiesen ihre vier Wagen, in chinesischem Geschmacke, um den Pater Archimandriten Peter und Pater Jakinf, mich und Hrn. Rasgildejew den J. abzuholen. Sie hatten auch alle Mitglieder der neuen und der vorigen Mission gebeten; aber von ihnen kam nur allein der Student Woizechowski. Sie hatten uns nicht vorher gesagt, daß die Franciscaner schon längst den Wunsch geäußert hatten, alle Russen, ja auch alle Kasaken bey sich zu sehen. Nachher erfuhr ich, daß die Portugiesen, welche wünschten, die von dem chinesischen Offizier(s. S. 204.) vor unsern Augen zugefügte Demüthigung wieder auszu— gleichen, ausdrücklich den pekin'schen General-Polizeymeister um die Erlaubniß, die Russen, als ihre Landsleute, bey sich aufnehmen zu dürfen, gebeten hatten; und von der 249 5 hiesigen Obrigkeit war ihnen hierauf ein günstiger Bescheid ertheilt worden. Die Franciscaner empfingen uns in dem südlichen Klo— ster, wo wir den Bischof Pius, den zu dieser Würde er— wählten Gau, Ribeira und den sehr alten Ferreira fanden. Die Mitglieder der portugiesischen Mission bewillkommneten uns mit allen Zeichen der Freundschaft und Gastfreyheit, und bezeigten nur darüber ihr Bedauern, daß nicht auch die andern Russen ihnen die Ehre ihres Besuchs gegeben hät— ten. Der Bischof unterhielt sich lange mit mir über die Anzahl unserer Truppen, von ihren Waffen, ihrer Kleidung, besonders erkundigte er sich sehr neugierig nach den don'schen Kasaken u. s. w. Er bedauerte unsern erlittenen Verlust am Viehe, und that die Frage, warum wir nicht, wie die an— dern Europäer, zur See von Petersburg nach China reiseten. Ich antwortete, die Reise zu Lande nach Pekin sey für uns weit kürzer und sicherer. Bey Tische tranken die Portugiesen auf die Gesundheit unsers Herrn des Kaisers; dieses erwiederten wir unsrer Seits, indem wir Gesundheit und Frieden dem Beherrscher Portugals wünschten. Um 3 Uhr Nachmittags kehrten wir nach Hause. Der Pater Archimandrit Peter gab heute, in Folge un— serer vorgängigen Berathung, durch den Studenten Ssipa— kow seine Bitte in dem Gerichtshofe der auswärtigen An— gelegenheiten ein, den Hierodiakon Israel ins Vaterland zurückzusenden, und an seiner Statt den Dolmetscher Fro— low in der Eigenschaft eines Studenten der russischen Mis— sion in Pekin, hier lassen zu dürfen. Nach seiner Zurück— kunft aus dem Gerichtshofe meldete Hr. Ssipakow, daß die Mitglieder desselben die Schrift angenommen, aber we— gen der Vertauschung des Hierodiakons gegen einen welt— lichen Beamten einige Bedenklichkeit geäußert und hinzuge— fügt hätten, die Stelle eines geistlichen Mitgliedes der Mission müsse ebenfalls ein Geistlicher einnehmen. Den 21. April(3. Mai N. St.) Bey Tagesanbruch erhob sich ein heftiger Sturm mit großem Getöse in der Luft und mit dichtem Staube, und hielt bis zum Mittage an. Den 23. April(5. Mai N. St.) nach chinesischem Kalender, den Aten des Aten Mondes. Um 11 Uhr des Morgens kamen zu mir zwey pekin'sche Podrädtschik's, Lju— ßüchai mit einem Gefährten, um wegen der Ueberfuhr der Mission, die aus Pekin zurückkehren sollte, nach Z. Balgaßu zu unterhandeln. Ich erklärte ihnen, die Mission würde, mit dem ihr zugehorigen Gepäcke, von hier nicht vor dem 25sten oder 26sten dieses Aten Mondes, d. i. in der Hälfte unsers Mai*), abgehen. Zur Reise der Leute sey nöthig: für den Vorsteher der vorigen Mission eine Tragsänfte; eben so auch für die Ordensgeistlichen Seraphim und Arkadi, die über ihre zerrüttete Gesundheit klagten, zwey Tragsänften, jede zu zwey Maulthieren; zwey große Wagen für 10 Ka— saken, von welchen 5 Mann auf jedem fahren werden; Reitpferde für mich, den Wagenmeister, den Kasaken-Ael— testen und den Dolmetscher(oder Hierodiakon), so wie auch für die zwey Studenten der vorigen Mission, Ssipakow und Simailow, dem Kirchendiener Jafitzki und für 9 Ka— saken, die neben den Tragsänften und dem Gepäcke reiten sollen, wären 16 Reitpferde und Maulthiere erforderlich. Ueberdieß habe es sich gezeigt, daß das verschiedene Gepäck bey der Mission ungefahr 10000 Gin betrage. Die Podrädtschiks bestimmten folgende Preise: für jede Tragsänfte 30 Lana(60 Rubel in Silber); für einen Wa— *) Nach altem Kalender; also in den letzten Tagen des Mai nach dem neuen Kalender. A. d. U. 5 gen 20 Lana; für ein Milhse ad ein Maulthier 6 Lana; von 100 Gin Last 6 Lana in Silber; ungeheuer hohe Preise! Von meiner Seite wurde ihnen ein etwas niedri— 10 gerer Preis geboten, als der, den wir für die Reise der der neuen Mission von Chalgan nach Pekin im J. 1820 ge— ge an. zahlt hatten. Aber die Podrädtschiks ließen sich in keinen sshen entscheidenden Handel ein, und versprachen, nach zwey Ta— N 1 gen wieder zu kommen. d Der älteste Lehrer der russischen Schule in Pekin t. Schumin hatte heute dem Hrn. Ssipakow, zum Ueber— 5 setzen aus der russischen in die manshurische Sprache, Ab— , schriften von zwey Schreiben(die gewöhnlich in russischer o di und mongolischer Sprache abgesandt werden) des Amtsfüh— Hilsn renden Civil-Gouverneurs von Irkutsk, Staatsraths J. noch; S. Serkalejew an die Directoren der Gränzangelegenheiten cen zu Urga, vom 19. und 29. März(31. März und 10. April N die N. St.) 1821. In diesen Papieren waren Antworten ent— sansten, halten auf Briefe des Wan und Amban, a) von der Thron— 10 H. besteigung des chinesischen Kaisers Daoguan, und b) von mn; der Ernennung eines neuen Amban in Urga. Man übersetzt Al⸗ solche Schriften in Pekin deswegen, um das aus Rußland auch erhaltene Papier mit der Uebersetzung zu vergleichen, die afow gewöhnlich in der russischen Schule gemacht wird, um auf Ka⸗ diese Art sich von ihrer Richtigkeit zu versichern. nilen Die Ordensgeistlichen Seraphim und Daniel und der lich. Student Woizechowski kehrten heute, nach einer dreytägi— hepäff gen Abwesenheit, aus den warmen Bädern zurück, die sich 35 Werste(5 d. M.) weit von Pekin, am Fuße der nord— r jede westlichen Berge*), nicht weit von der Districtsstadt Wg: a5 Mi) In der Reise des Lord Macartuey werden auch diese warmen Bäder(II, 10. der russ. Uebers.) erwähnt:„Nicht weit von Tschampin-dsheu befinden. Nahe bey den warmen Bädern ist ein kaiserlicher Hof als Absteigequartier, erbaut, und ein Thiergarten und schöner Garten angelegt worden. Der Arzt Woizechowski hatte Gelegenheit, bey seinen Kennt— nissen in der Chemie, Beobachtungen über die Eigenschaft dieser Wasser zu machen. Ihre Wirkung ist sehr stark und heilsam; aber von den Einwohnern Pekin's benutzen diese Wasser nur allein die Lama's. Da ich während der Reise nach China ungefähr 75 Tage, im Schnee und Sande der mongolischen Steppe, unter freyem Himmel(sub Jove) zu⸗ gebracht hatte, empfand ich die für die Gesundheit unange— nehme Folge dieser Nomadenreise. Unvermeidliche Nothwen— digkeit zwang mich, ebenfalls die pekin'schen warmen Bä⸗ der zu gebrauchen. Die Dshangin's des Gerichtshofes lehn— ten, als sie von meinem Vorhaben hörten, die Erfüllung desselben ab, und sagten unter andern, der Gerichtshof, der für die Erhaltung der Ruhe und des Lebens der russi— schen Beamten Sorge trage, könne sich nicht anders ent— schließen, mich auf einige Tage aus Pekin zu entlassen, als in Begleitung seines Bitcheschi, und dabey mir einen guten Unterhalt in den Bädern auszusetzen und die andern Aus— gaben zu bestreiten; und hiervon müsse man an den Chu— andi einen besondern Bericht erstatten u. s. w. Ich vergaß meinen eigenen Nutzen, und überhob gern die hochgeehrten Dshangin's solcher Beschwerden. Den 24. April(6. Mai N. St.) erschien bey mir der Podrädtschik Liländüng, der die neue Mission nach Pe— diesen Bergen, sagte man uns, giebt es Mineralwasser, be— kannt unter dem Nahmen der kaiserlichen Bäder, entweder weil sie auf kaiserliche Kosten eingezäunt und überbaut sind, oder weil jemand von der kaiserlichen Familie sie gebraucht hat, oder endlich, weil sie niemanden von Privatleuten zuge— hören.“ A. d. V. um e thut, kin gefahren hatte, um wegen der Ueberfuhr der vorigen den. Mission nach Z. Balgaßu zu unterhandeln. Da er schon unt durch Erfahrung seine Pünktlichkeit und Mäßigung im Preise haft bewiesen hatte; so bemühete ich mich nur, diesesmahl etwas und von den Preisen abzuhandeln, die wir auf der Herreise be— diese zahlt hatten. Liländüng willigte gern darein, auch die neue eise Ueberfuhr zu übernehmen, zu folgenden Preisen: für eine der Tragsänfte und für einen großen Wagen 10 Lana für je— zu⸗ des, für ein Pferd und für ein Maulthier, jedes 2 Lana g 8 Tschin; und für jede 100 Gin Last 2 Lana, 3 Tschin. hen⸗ Diese Preise waren wirklich mäßiger selbst als die, welche Bö⸗ bey den am 21. Nov.(3 Dec. N. St.) vorigen Jahres ge— ahn⸗ schlossenen Handel statt fanden, sowohl in Rücksicht dessen, ung daß der Podrädtschik jetzt die Mission noch 60 Werste(82 d. M.) hof, jenseit Chalgan führen sollte, als auch weil zu dieser Zeit iss⸗ Mangel an Kameelen ist, da diese im Anfange des Früh— eat⸗ jahres von den Kameelführern gewöhnlich in die Steppen ü geschickt werden, um dort frisches Futter auf der Weide zu finden. Von dem Podrädtschik forderte ich, 1) das Arbeits— 4 vieh und das Fuhrwerk sollten gehörig rein und zur Reise 1 im tauglichen Stande seyn; 2) er sollte die Mission aus 5 Pekin nach Chalgan in 8 Tagen bringen, vom Tage der 0 Abreise an gerechnet; 3) in Chalgan nicht länger als 2 Stunden verweilen, um uns die nöthigen Vorräthe zur 15 Reise einzukaufen, und dann sollten zwey Tage nachher alle b. zusammen in Z. Balgaßu seyn, endlich J für Verzögerun— gen, die von Seiten chinesischer Beamten, bey unsrer Ab— be⸗ reise aus Pekin oder unterwegs entstehen könnten, über— 0 nehmen wir nicht die Verantwortlichkeit. Liländüng willigte 1 in alles. ge Der Kaiser Daoguan brachte heute, am Sten des 4ten Mondes, das Opfer im Tempel des Himmels dar, und dann pflügte er die ersten Furchen auf einem Felde in der Nähe des Opferaltars, der zu Ehren des Erfinders des Ackerbaues errichtet ist. Diese Ceremonie, die zur Aufmun— terung des Landbaues festgesetzt ist, wird an dem nämlichen Tage im ganzen Reiche, von den ältesten Ortsvorgesetzten verrichtet. Se. Hochweisheit entschlossen sich, nach der Rückkehr von dem westlichen Begräbnißplatze, 6 Tage lang die vorzüglichsten Tempel in Pekin zu besuchen. Dort sendet er, unter Beobachtung eines strengen Fastens, Gebete zu dem höchsten Geiste empor, für die Ruhe der Seele seines hinübergegangenen Vaters. Diesem Beyspiele folgen auch die Beamten, die in allen Städten des Reichs in Diensten stehen. In den Gerichtsstellen wird, so wie auch jedesmahl den Tag vor den festgesetzten Opfern und vor den Sonnen— und Mondfinsternissen, eine schwarze Tafel mit folgender goldenen Inschrift in beiden Sprachen aufgestellt: enthal— tet euch und reiniget euch! Dsin, dshai auf chi— nesisch, und auf manshurisch: Bolg omi, torgä. Den 25. April(7. Mai N. St.) Nachmittags um 2 Uhr schickte ich in den Gerichtshof der auswärtigen Angele— genheiten die Bitte wegen der Abreise der Mission aus Pe— kin. Wir setzten diese nicht später als den 26sten des 4ten Mondes, d. i. unsern 15. Mai(27. Mai N. St.) fest. Dabey wurde zugleich vorgestellt, daß es unumgänglich nö— thig sey, daß die chinesische Regierung den Führern der Mission befehle, mir bey dem Miethen des uns nöthigen Lastviehes behülflich zu seyn. Dem Beyspiele des Titular— raths Perwuschin folgend, der 1807 und 1808 die Mis— sion begleitet hatte, beschloß ich auch diesesmahl dem Ge— richtshofe anzuzeigen, daß ich bereit sey, für die zu mie— thenden Kameele und Pferde einen bestimmten Preis zu zah— 7 len. Diese Aeußerung von meiner Seite geschah deswegen, 1 um dadurch, daß ich dem Gerichtshofe die Zahlung für das Vieh, das wir miethen wollten, vor Augen legte, dieser eine gewisse Bestimmtheit zu geben, und damit die chine— sischen Führer nicht Gelegenheit hätten, die Preise nach ih— rer Willkühr zu erhöhen, wie dieses bey der ersten Reise geschehen war. Dabey hatte ich noch die Absicht, daß alle sich versichern möchten, wie weit entfernt unsre Regierung davon sey, daß ihre Unterthanen, wenn sie in den Ländern einer fremden Macht reisen, die nöthigen Reisebedürfnisse durch irgend eine Art von Bedrückung der Einwohner erhal— ten sollten, und daß der geringste Dienst von ihrer Seite immer von uns freygebig belohnt werden würde. Die Bitte überbrachten der Dolmetscher, in Begleitung des Herrn Ssipakow und zweyer Kasaken. Die Schrift ward von den Mitgliedern des Gerichtshofes geneigt aufge— nommen, und sie versprachen eine baldige und für uns günstige Entscheidung. Aber über den Gegenstand derselben entstand einiges Mißverständniß. To-Loje, der erste Aufseher(Pri— staw) des russischen Klosterhofes, bat den Wagenmeister, mir zu sagen, daß sie wegen unsrer Sache dem Kaiser Be— richt erstatten müßten; indessen wagten sie durchaus nicht, ihm vorzustellen, daß die Russen, Unterthanen des mächtig— sten benachbarten Reichs(das China nur kennt und achtet) bey ihrer Reise durch die Gebiete des hochweisen und heilig— sten Chuandi, für alles zu zahlen genöthigt seyn sollten. Nach dem, was To-Loje sagte, sey die chinesische Regie— rung, zum Beweise ihrer Freundschaft gegen Rußland, be— reit die Mission nach Kiachta sogar auf ihre eigne Rechnung bringen zu lassen, wenn zum Ungläck uns nicht ein Pferd und nicht ein Kameel übrig seyn sollte. Ueberdieß fügte er hinzu, daß dem Bitcheschi, der 1807 und 1808 die Mis— * sion begleitete, so wie auch jederzeit, vorgeschrieben worden —————— sey, stets den nach China reisenden Russen, wie auch den von da zurückkehrenden, alle Hülfe und Schutz zu leisten. Wenn er aber, bey solchen Hülfsleistungen den Russen un— nöthige Ausgaben verursacht hätte, wie Herrn To Rasgil— dejew der I., der sich bey der Kasakenbedeckung auch da— mahls bey der Mission befunden hatte, versicherte; so habe jener Bitcheschi den ihm gegebenen Anweisungen zuwider gehandelt, wovon indessen dem Gerichtshofe der auswärti— gen Angelegenheiten nichts bekannt sey, und wir selbst würden nicht wünschen, jetzt Veranlassung zur gerichtlichen Untersuchung der Vergehungen des gedachten Bitcheschi zu geben. Aus allen diesen Gründen bat uns To-Loje drin- gend, den Umstand in unsrer Schrift abzuändern, daß bey der vorigen Reise unser Aufseher(Pristaw) in der Mongo— ley die fehlende Anzahl Vieh zum Fortschaffen der Lasten, für Bezahlung in Gelde erhalten habe. Auf diese Art, um das gegenseitige gute Vernehmen zu erhalten(Hart— näckigkeit von unsrer Seite wäre nicht am rechten Orte gewesen) war der Wagenmeister genöthigt, die Schrift zu— rück zu nehmen, um darin, der Bitte des Herrn To ge— mäß, die verlangten Veränderungen zu machen, und sie dann von neuen dem Gerichtshofe vorzulegen. Am Abend regnete es heftig. Den 26. April(8. Mai N. St.) In der Nacht und am Morgen wüthete ein heftiger Sturm. um 3 uhr ward von mir dem Gerichtshofe der aus— wärtigen Angelegenheiten das neue Schreiben wegen der Rückkehr der vorigen Mission ins Vaterland übergeben. Dieses Schreiben, wovon am Ende dieses Kapitels eine Ab— schrift folgt, ward von den Dshangin's angenommen. Aber auch bey dieser Gelegenheit äußerte eins der Mitglieder des Gerichtshofes eine richterliche Bedenklichkeit. Ich bat bey uch den leiten, n un⸗ zögil⸗ da⸗ habe wider ärti⸗ elbst ichen 1 0 drin, 5 bey ongo⸗ asten, diese und aus⸗ eben. e Mb⸗ „Aber dit di at eh 257 der chinesischen Regierung um Anordnungen zur Hülfslei— stung, zufolge des Freundschafts-Tractats zwischen beiden Reichen, der von den Chinesern mit dem Grafen Wladislawitsch am 21. Oct.(1. Nov. N. St.) 1727 und am 14. Juni(25. Juni N. St.) 1728. ausgewechselt wor— den. Der Dshangin— offenbar aus Furcht, wir möchten die Kraft dieses Vertrags weiter zu unserm Vortheil aus— dehnen, und etwa bedeutende Forderungen machen— ver— langte, daß statt des Wortes Tractat geschrieben werden sollte: Uebereinkunft; dieß that auch Hr. Ssipakow im Gerichtshofe in der manshurischen Uebersetzung meiner Bitte, aber das russische Original blieb in seiner ungeän— derten Form. Es geschah nicht in Gegenwart des To⸗Loje, der die Ordnung der Sachen gut kennt, und daher entstand die neue Anmaßung, die übrigens gar keinen Grund hatte. Die Forderung uns behülflich zu seyn, oder richtiger zu sagen, uns nicht hinderlich zu seyn von Seiten der chinesischen Führer, auf der Reise das nöthige Vieh bey den Mongolen zu miethen oder einzutauschen, that ich nach dem genauen Sinne der folgenden im 4ten Punkte des erwähn⸗ ten Tractats enthaltenen Festsetzung:„wenn Kaufleute(der Regierungs-Karawanen, die nach Pekin gehen; von der Reise einer Mission ist in dem Tractate kein Wort gesagt) auf dem Wege Kameele und Pferde und Futter zu kaufen, oder Arbeiter auf ihre eignen Kosten zu miethen wünschen, so mögen sie sie kaufen und miethen.“ Aus diesem festge⸗ setzten Artikel geht hervor: wenn es Leuten, die des Han— dels wegen reisen, erlaubt ist, auf eigene Rechnung von den Fremden, die zu einer so mühevollen Reise noth— wendigen Bedürfnisse zu miethen, durch deren Bezah— lung die Einwohner der Oerter Vortheile genießen, so ist es, dem Sinne des Tractats nach, weit gerechter, Leuten U. Band— 17 5 2——————ñʒ— behülflich zu seyn, wie die von Rußland nach Pekin abge— schickten Geistlichen und Studenten sind, die als Unter— pfand eines dauerhaften Friedens und der Freundschaft zweyer benachbarten Mächte dienen, und überdieß, da sie sich in Pekin befinden, allen Unterhalt vom Chuandi erhalten. Hr. Ssipakow erklärte, in Gegenwart des Wagenmei— sters und Dolmetschers, dem Gerichtshofe den Wunsch des Vorstehers der neuen Mission, zu wissen was wegen seiner Vorstellung, den Hierodiakon Israel nach Rußland zu schicken, und dafür den Dolmetscher Frolow bey der pe— kin'schen Mission zu behalten, beschlossen worden sey. Die Beamten des Gerichtshofes antworteten, auf den von dieser Sache an den Kaiser erstatteten Bericht, erlaube es Se. Hochweise Majestät dem Lama, wegen Kränklichkeit nach Rußland zurückzukehren, er habe aber befohlen, in Pekin nur 9 Mann Russen, die neu angekommen wären, zurück— zulassen. Hiervon werde von Seiten des Gerichtshofes ein Bericht an den russischen Senat geschickt werden. Den 29. April(11. Mai N. St.) Nach der Ankunft der neuen Mission in Pekin richtete der Pater Archiman— drit Peter vor allem sein Augenmerk auf die möglichste Verbesserung der Klosterkirche. Die Kuppel darauf, die vor 13 Jahren errichtet war, befand sich in äußerst verfallenem Zustande; und deswegen hatte Pater Peter schon im Monat März Anordnungen zur Erneuerung derselben gemacht. Die fertige Kuppel ward heute ins Kloster geschafft und auf die Kirche gesetzt. Die Kuppel mit dem Kreuze ist von Mes— sing und gut vergoldet; der(runde) Hals und der(viereckige) Grund derselben von Kupfer, welches, nach dem mit dem Meister geschlossenen Contracte, durch langes Glühen und Härten eine dunkle Farbe bekommen sollte; an der nörd— lichen und südlichen Seite des Fußgestells sind zweyköpfige 8 lch vergoldete Adler angeschlagen, die das Wapen des russischen kun. Reichs vorstellen. Zu dieser ganzen Verschönerung wurden och von den Kirchengeldern tausend Lana in Silber(2000 Sil⸗ se sc berrubel) d. i. mehr als 10000 Rubel in Assignationen len. genommen. Man muß gestehen, die neue Kuppel hat ein nmei⸗ schönes Ansehen; die feurige Vergoldung hat die Aufmerk— sch da samkeit der Einwohner Pekin's auf sich gezogen. Aber die seinet Arbeit daran ist gar zu grob, selbst der große Knopf ist 0 fi nicht polirt, daher wird die Feuchtigkeit in den Grübchen er he⸗ stocken und Rost erzeugen. Was den Hals und das Fuß⸗ Die gestell davon betrifft, so hat der Meister sehr bey der Aus— n diese arbeitung gefehlt, denn anstatt diese zu glühen, was weit d Ert. mehr Mühe und Aufwand in Kohlen erfordert hätte, war t nach das Kupfer dick mit Tusche, oder chinesischer Schwärze Helin überzogen. zurük⸗ Der Pater Jakinf, der bey dieser Errichtung Anwei— fed ein sung mit gegeben hatte, beschuldigte auch den Meister des Betrugs bey der Ausarbeitung; und, da er den Contract fünft bey sich hatte, beschloß er 150 Lana(300 Rubel in Sil— iman⸗ ber, die der Meister bekommen sollte, zurückzubehalten, lichte als eine gesetzliche Strafe für seine Abweichung von dem ie vor Contracte. lenem Den 4. Mai(16. Mai N. St.) fuhren, auf vorher⸗ Monat, gegangene Einladung, um von unserm Bekannten Tschen— Die Lama Abschied zu nehmen, sowohl alle Glieder der aus uuf die Pekin zurückkehrenden Mission, als auch ich aus, nebst den n M bey mir befindlichen Beamten und Studenten der neuen geckge) Mission Pater P. Woizechowski. it den Tschen-Lama wohnt in den großen Tempeln, die nahe en und am kaiserlichen Hofe gegen Nordwest liegen. Als wir dahin e wb. fuhren, sahen wir an dem östlichen Thore der Hofburg eine ehe große Menge Tragsänften, Kaleschen und Reitpferde, die 17 4. = —— 260 den Hofbeamten und andern Beamten gehörten. Nicht weit von dieser Stelle ist die pekin'sche Schule der russischen Sprache. Die Tempel sind mit rother Farbe überzogen; sie sind geräumig, prachtvoll, und werden mit musterhafter Reinig— keit unterhalten. Hier wohnt der Foje oder Kutuchta, den wir am 28. Febr. den Tempeldienst verrichten sahen. Jetzt ist er für das ganze Jahr nach seinen Tempeln in Dolonnor gegangen. Man zeigte uns auch selbst die Zimmer dieses Oberpriesters, die im besten chinesischen Geschmacke gearbei— tet waren, mit reichen Verzierungen. Die innern Scheide— wände oder Zimmerabtheilungen darin sind von kostbarem wohlriechendem Holze, und anstatt der Thüren sind Vor— hänge angebracht; der Fußboden ist mit Filzdecken in eini— gen Schichten über einander belegt, die oben mit sehr schö— nen Teppichen bedeckt sind. Man geht weich darauf, und hört gar kein Geräusch der Fußtritte. An den Wänden hängen einige Gemählde von tibetischer und chinesischer Ar— beit, und in zwey Zimmern sahen wir auch englische Stutz— uhren. In diesen Tempeln wohnen die Lama's vorzüglich aus den östlichen Aimaks der Mongoley, über deren geist— liche Angelegenheiten der hier wohnhafte Kutuchta die Auf— sicht hat. Sie freueten sich sehr, daß sie Gelegenheit hat— ten, mit uns mongolisch, durch den Wagenmeisier und den Dolmetscher Frolow, zu sprechen. Tschen-Lama empfing und bewirthete uns mit allen Zeichen der Freundschaft. Er war unser Führer bey dem Besehen der Tempel. Nach ungefähr fünf Stunden schieden wir von ihm und äußerten gegen ihn unsern aufrichtigen Wunsch, daß er seine Freundschaft auch gegen unsre in Pe— kin zurückbleibenden Landsleute fortsetzen möchte. ict pit ussscn ie sind leinig⸗ „ den Jet nor dieses atbei⸗ eide⸗ barem Vor⸗ hicden tigen in Pr Endlich besuchten wir auch zum letztenmahle die Lama's, die in den gelben Klöstern Chuanßü wohnen. Die dor— tigen Tempel erhielten, beym Eintritt des Frühlings, einen neuen Reiz von dem sprossenden Grün auf den Höfen und in der Gegend umher. Von Morgens 5 Uhr an bis Mittags regnete es; der Abend war trübe. Den 5. Mai(17. Mai N. St.) Der Lehrer der pe⸗ kin'schen russischen Schule, Schumin, kam zu dem Stu— denten Ssipakow mit der Bitte, in die russische Sprache aus der manshurischen das Schreiben des Gerichtshofes der auswärtigen Angelegenheiten an den russischen Senat, we— gen des geschehenen Wechsels der Mission, zu übersetzen. Diese Schrift war in das Lateinische von dem portugiesi— schen Missionar übersetzt worden. Von der Uebersetzung des Hrn. Ssipakow nahm ich eine Abschrift, um sie der höch— sten Regierung vorzulegen. Die Mitglieder der russischen Mission könnten, wenn sie mit der Schule der russischen Sprache Verbindung unterhielten, Nutzen daraus ziehen. Den 6. Mai(18. Mai N. St.) wehete ein starker Westwind den ganzen Tag und wirbelte dicke Staubwolken empor. Den 10. Mai(22. Mai N. St.) Der Podrädtschik Liländüng(s. 24. April, 6. Mai N. St.) beendigte in un— serm Beyseyn, auf einer chinesischen Schnellwage, das Abwägen der Lasten, die den Mitgliedern der in das Vater— land zurückkehrenden Mission und den sie begleitenden Be— amten gehörten, so wie auch der für die Bibliotheken des asiatischen Departements der irkutskischen Schule der asia— tischen Sprachen, und die St. Petersburgische öffentliche Bibliothek gekauften Bücher. Ueberhaupt machten den größ— ten Theil der Last die Bücher aus, mit Beyfügung der Bibliothek des Pater Jakinf und andrer Mitglieder der Mission. Funfzehn Kameele wurden mit diesen Erzeugnissen chinesischer Gelehrsamkeit beladen. Man kann kühn sagen, daß bey allen den 8 Mahlen, daß in einem Zeitraume von 100 Jahren die russisch-kaiserlichen Missionen in Pekin ge— wechselt haben, keine so große Anzahl nützlicher Werke aus— geführt worden ist, als bey dem jetzigen Yten Wechsel der— selben. Am Ende dieses Theils folgt ein Verzeichniß der wichtigsten davon. Alle Lasten zusammen fanden sich am Gewichte 11000 Gin, welches nach russischem Gewichte, auf 100 Gin 3 Pud 25 Pfund und 80 Solotnik gerechnet,— ungefähr 400 Pud) ausmacht. Auf diese Art mußte man dem Podrädtschik für die Ueberfuhr der Mission bis zu dem Orte des der Regierung gehörigen Gepäckes, an Silber bezahlen: a. für 3 Tragsänften, 10 Lana für jede 30 Lana b. für 17 Reitpferde und Maulthiere, für jedes 2 Lana 8 Tschin.. 47„ 6 ⁊schin c. für 2 große Wagen für 10 Kasaken, 10 Lana für jeden Wagen. 20 d. für Fracht von 11000 Gin Last auf Kameele geladen, 2 Lana 2 Tschin in ünnununun gans also für die ganze Ueberfuhr 350 Lana 6 Tschin und nach russischem Gewichte, übereinstimmend mit dem Er— lämpin-Gewicht, d. i. wenn man 11 Lana 6 Tschin auf das Pfund annimmt, 30 Pfund, oder ungefähr 750 Rubel in Silber. ) D. i. 16000 Pfund russ. oder 15920 Pfund Leipz. Gewicht, d. i. 126 Zentner und 60 Pfund. A. d. U. 9 . toit e 1 5 rddtcchik: 5 a . um die Bitte des Podrädtschik zu erfüllen, wurden ihm lugnise heute auf Abschlag der ihm zukommenden Summe, an Sil— cha, ber 116 Lana oder 10 Pfund gegeben. i den Den 11. Mai(23. Mai N. St.) war den ganzen Tag in ge⸗ ein furchtbarer Sturm. aus⸗ Der Lehrer der pekin'schen russischen Schule, Schumin, der⸗ kam um 4 Uhr Nachmittags, um von mir und von allen ö der die nach Rußland zurückkehren sollten, Abschied zu nehmen. Am Abend besuchte der portugiesische Missionar Gau 1000 den Pater Archimandriten Peter, wegen einiger Erklärungen 5 3 über die vor der Zeit erfolgende Rückkehr des Hierodiakon cefahr Israel nach Rußland. Den 12. Mai(24. Mai N. St.) um 2 Uhr Nach- mittags, sandte ich, auf Einladung von dem Gerichtshofe ir de rung der auswärtigen Angelegenheiten, den Wagenmeister und den Dolmetscher dahin; mit diesen ging auch noch der Stu— dent Ssipakow. Die Mitglieder des Gerichtshofes überga— ben ihnen eine Schrift an den dirigirenden Senat, vom dh 18. des 4. Mondes des ersten Jahres des Daoguan, d. 1. der erleuchteten Regierung(doctrinae illustrantis), und ba⸗ ten, ich möchte diese Schrift, nach meiner Rückkehr ins Vaterland, an ihre Behörde befördern. Den 13. Mai(25. Mai N. St.). Der Turkestane Li⸗ ländüng legte mir einen in chinesischer Sprache geschriebenen N Contract vor, wegen der Ueberfuhr der Mission von Pekin uit nach Z. Balgaßu, unter den oben erwähnten Bedingungen. 8 5 Als Zeitpunkt der Abreise der Mission aus Pekin war der af 26. des jetzt laufenden 4. Mondes, oder nach unserm Ka— zb lender der 25. Mai 1821 festgesetzt, als ein sehr glücklicher Tag für Abreisende, zufolge der chinesischen Sterndeutereh. Außer den dem Podrädtschik vorher übergebenen 10 Gerich, Pfund Silber, deren Empfang er im Contracte quittirt hatte, wurden ihm heute von neuem gegen Quittung 10 Pfund Silber gegeben. Auf gleiche Weise erhielt der Podrädtschik an Silber, für 8 Reitpferde, besonders bestimmt für 8 Kasaken von denen die auf den Wagen fahren sollten, für jedes Pferd 1 Lana. Diese Kasaken bestimmte ich mit den übrigen, die Parade— Bedeckung auszumachen, bey der Abreise der Mission aus Pekin, nach der ersten Station Zinch é. Nachmittags kam der Aufseher(Pristaw) des russischen Gesandtschaftshofes To-Loje, mit seinem Gefährten, um von dem Pater Jakinf und von mir Abschied zu nehmen. Diese Beamten sagten mir, nach dem Willen des Chuandi sey an den Husai-Amban von Chalgan, so wie auch an die urgaischen Gränz-Directoren, den Wan und Amban, der Befehl gesandt worden, den aus Pekin ins Vaterland zurück⸗ kehrenden Russen mit Vieh und allen Erfordernissen zur Reise behülflich zu seyn. Ich erklärte ihnen unsere gemeinschaftliche Dankbarkeit für ihre so thätige Bemühung um unsere Vor— theile, und für die während unsers ganzen Aufenthaltes in Pekin bewiesene Freundschaft; zugleich bat ich sie, diese Ge— sinnung ferner auch gegen die hier zurückbleibenden Mitglieder der russischen Mission beyzubehalten, und sie bey keiner Ge— e legenheit ohne Hülfe zu lassen. Sehr bald trennten wir uns von diesen guten Fürsorgern, die— besonders To-Loje— Beweise eines wahren Eifers für uns gegeben hatten. Am Abend erschien bey mir der Boschko Urgentai, der zur Begleitung der Mission bestimmt war. Der Zweck des Besuchs des Hrn. Boschko war der Wunsch zu erfahren, ob wir zur Abreise bereit wären. Dabey ließ er die Gelegenheit nicht vorbey, in unsern Augen den zur Begleitung der zurück— kehrenden Mission neu ernannten Bitcheschi Fußangé herab— zusetzen. Ihm zum Nachtheile setzte der Hr. Boschko dieses, tung 10 85. denen Lang. arade⸗ n auô chen um hneg. huandi an die n, der zurlͤck⸗ r Meise oftlache r Va- l 1 Ge⸗ leder Ge⸗ 5 f gr 5 Eine Manshurinn in Hlof tracht g e U 0 0 0 ö ö 0 1 1 4 1 0 .——————.———— 8 — 8=— 8—————————————— 2 5— S— 1——— j— 1———— 8 2—— 22.————————————————— 882———— 2 8——ĩ————————————— 5— 1 — 5 N— 3—.— —— 7 8 5— 7— 2—— 2 5 8 8 ———————————— 3— 2—— 5 8—*— —————— 8———— 8 0— a 9— 1— ä—— 2— — 5 ——— 8 0— 8 ä ————5 2—— daß er weder die mengolische noch die manshurische Sprache verstehe, so wie auch das, daß Fußangé, der niemahls in der Mongoley gewesen ist, einen Nerba mit sich nehme, der schon mehr als einmahl uns auf der Reise Verdruß verursacht habe. Solche Wendungen beliebte es dem Herrn Boschko deswegen zu nehmen, um— wenigstens in Wor— ten— seine Ergebenheit gegen die Russen zu beweisen. Aber wir kannten schon hinlänglich den wahren Werth die— ses Menschen, und verwunderten uns nur über den neidi— schen Geist der manshurischen Beamten, die sich nicht im geringsten schämen, die Schwächen ihrer Mitbrüder, auch selbst vor Fremden aufzustellen. Den 14. Mai(26. Mai N. St.) Diesen Tag brach— ten wir mit den letzten Anstalten zur Rückreise ins Vater— land zu, nachdem beide Missionen zusammen in der Haupt— stadt des chinesischen Reiches sich gerade 52 Monate auf— gehalten hatten. Beylage der zwey Bittschreiben an den Ge— richtshof der auswärtigen Angelegenheiten. An den Gerichtshof der auswärtigen Angelegenheiten des dazin'schen Reichs des Aufsehers(Pristaw) der russisch- kaiserlichen Mission in Pekin, Timkowski gehorsamste Bitte. „Aus dem Berichte unsers Beamten, der jetzt die rus⸗ sische Mission begleitet hat, wird vielleicht schon dem Ge— richtshofe bekannt sehn, wie viel ich von dem der Regie— rung gehörigen Viehe auf dem Wege von Kiachta nach Chalgan verlohren habe, wegen des späten Eintritts der Mission in die Gränzen Ihres Reichs. Von Chalgan bis zu Ihrer Hauptstadt reisten wir mit gemiethetem Vorspann, und unser Vieh ließ ich, fär den Winter, in dem Gebiete Zagän Balgaß, und dabey zehn Kasaken zurück. Diese Kasaken haben, durch mündliche Berichte von Ihren Leuten, mir jetzt gemeldet, daß durch den frühzeiti— gen Winter, die heftigen Fröste und den tiefen Schnee, der zum Aufenthalte unsers Viehes bestimmte Ort nicht nur ihm keine Erholung nach einem beschwerlichen Wege verschaffen konnte, sondern daß es noch mehr durch gänzlichen Man— gel an Futter entkräftet worden, so daß nach unsrer Ab— reise noch einige Kameele und Pferde fielen. Ueberdieß ha— ben auch unsre, zur Aufsicht über das Vieh in Zagan Bal— gaßu zurückgelassenen Leute, die in Rußland gewohnt sind in warmen Häusern zu wohnen, sehr an ihrer Gesundheit gelitten, da sie, ohne abgelöst zu werden, den ganzen Win— ter hindurch, sich auf einer offenen Steppe befanden. In Folge dieser Nachrichten wende ich mich an den hohen Gerichtshof der auswärtigen Angelegenheiten des da— zin'schen Reichs mit der gehorsamsten Bitte, mir zu gestat— ten, daß ich nicht später als den 10ten Ihres ten Mon— des, nach Zagan Balgaßu, auf meine eigenen Kosten, an— dere 10 Kasaken mit unserm Offizier, Hrn. Rasgildejew von der 14ten Klasse, absende, damit derselbe die dort be— findlichen Leute ablöse, und mit den vorigen zehn Kasaken wieder in Ihre Hauptstadt zurückkehre. Diese Ablösung ist auch in früheren Jahren geschehen, und ist jetzt sogar un— umgänglich nöthig, deßwegen: 1) um den Kasaken, die den ganzen Winter in Zagan Balgaßu zugebracht haben, Zeit zu lassen, sich hier zu er— holen, und ihre Gesundheit zur Rückreise nach Rußland wieder herzustellen, und 2) damit unser Offizier bey dieser Gelegenheit an Ort und Stelle sehe, wie viel von dem der Regierung gehörigen 22 1 le bon eiti⸗ der ihn affen lan⸗ Ab⸗ ha⸗ Dol⸗ sind heit Vin⸗ den gan et⸗ land Ott rigen Viehe übrig geblieben ist, und ob es zu unsrer Reise von Chalgan nach Kiachta tauglich sey. Wenn in dem der Regierung gehörigen Viehe die äu— ßerste Verheerung und ein bedeutender Verlust statt gefunden hat, so wird es nöthig seyn, anstatt der schwachen Ka— meele und Pferde frische bey den Ortseinwohnern einzutau— schen, und die daran mangelnde Anzahl zu kaufen. Zu dem Ende sende ich mit dem gedachten Offizier eine bestimmte Summe in Silber ab. Durch die oben auseinander gesetzten Umstände bewo— gen, bitte ich den hohen Gerichtshof der auswärtigen An— gelegenheiten gehorsamst, zufolge des Freundschafts-Tractats zwischen beiden Reichen, mir in dieser Angelegenheit Bey— stand zu leisten, und mir zu gestatten, unsere Leute, die sich in Zagan Balgaßu aufhalten, abzulösen, und den von mir abzusendenden Offizier mit einem zuverlässigen Führer bis nach Zagan Balgaßu, und von da zurück uach Ihrer Hauptstadt, zu versehen.“ Gegeben Pekin, den 22. Febr. 1821. mit der manshu— rischen Uebersetzung des Hrn. Ssipakow. An den Gerichtshof der auswärtigen Angelegenheiten des dazin'schen Reichs des Aufsehers(Pristaw) der russisch-kaiserlichen Mission, Timkowski gehorsamste Bitte. „Der von mir im vergangenen Monate zur Ablösung unserer Leute und zur Besichtigung des der Regierung ge— hörigen Viehes abgesandte Hr. Rasgildejew von der 14ten Klasse, hat, nach seiner Rückkehr aus dem Gebiete von Za— gan Balgaßu, mir berichtet, daß wegen der strengen Kälte und des tiefen Schnees im vergangenen Winter, von dem ———* 8 r— „5 jenseit Chalgan zurückgelassenen Viehe mehr als 30 Kameele und fast eben so viele Pferde gefallen sind. Dieser Offizier lud die dort befindlichen Mongolen ein, uns die nöthige Anzahl Last-Kameele und Pferde zu verkaufen; aber die Zacharen schützten vor, daß sie kein Vieh zum Verkauf übrig hätten. Und da man dem der Regierung gehörigen zurückge— lassenen Viehe, das durch den rauhen Winter sehr entkraftet ist, einige— wenn auch nur wenige— Seit lassen muß, um sich in dem Frühjahrsfutter zu erholen, so bin ich ent— schlossen, aus ihrer Hauptstadt nicht eher als den 26sten des jetzt laufenden Tten Mondes, mit der Midssion, die nach Rußland zurückkehren soll, abzureisen. Bey all dem sieht man keine Möglichkeit, wie wir bey der mangelnden Anzahl von dem zurückgelassenen eigenen Viehe, die vorha— bende Reise unternehmen können. Es ist Ihnen bekannt, daß das letztemahl, vor 13 Jahren, unser Beamter, der die in das Vaterland zurück— kehrende Mission begleitete, wegen der geringen Anzahl von dem der Regierung gehörigen Viehe, die fehlende Zahl Ka— meele und Pferde, auf Anordnung Ihrer Regierung, auf den Stationen in der Mongoley erhielt. Deswegen, da ich durch die Umstände in eine ähnliche Lage versetzt bin, und mich gleichfalls auf den Freundschafts-Tractat(die freundschaftliche Uebereinkunft) zwischen beiden Reichen be— ziehe, wage ich den hohen Gerichtshof der auswärtigen Angelegenheiten gehorsamst zu bitten, uns auch dieses Mahl gleichen Beystand zukommen zu lassen.“ Gegeben Pekin, den 27. April(9. Mai N. St.) 1821 mit der manshurischen Uebersetzung des Hrn. Ssipakow. Kapile Offen nöchige er die erkauf üͤckhe⸗ rͤftet muß, ent⸗ feen e nach n süht unden volhg⸗ hot 13 zu Maul n⸗ auf da bih, (die be⸗ tigen, fahl 8²¹ . . 269 Fünftes Kapitel. Kur ze Beschreibung von Pekin. I. Allgemeine Bemerkungen über Pekin. Benennung. Die Hauptstadt China's ist in der chinesischen Erdbeschreibung unter dem Nahmen Schung— tiäng⸗fu, d. i. die dem Himmel untergebene Stadt bekannt. Die politischen Umwälzungen, die so oft dieses Reich erschüttert haben, gaben die Veranlassung zu den innern Ab— theilungen desselben. Der oberste Beherrscher jedes Appa⸗ nage-Theils nahm seinen Aufenthalt in der ihm unterwor— fenen oder am meisten ergebenen Gegend. Auf diese Art waren in den Zeiten, die sich von dem fabelhaften Alter— thum entfernen und unsrer christlichen Zeitrechnung näher stehen, die Städte Tschanang(etzt Siang-fu, die Hauptstadt in Schangßi) und Loang(Districtsstadt in Chenan), in dem Laufe von elf Jahrhunderten, abwech— selnd die Hauptstädte von ganz China. Die Kaiser der neuen Dynastie verlegten, den Absichten ihrer Politik ge⸗ mäß, ihren Thron nach Norden, nach Beidsin, das in Europa so sehr bekannt unter dem Nahmen Pekin ist. Wir wollen aber eine verständliche Sprache reden, wir wollen die Benennung der jetzigen Hauptstadt China's beybehalten, die auch von unsern Landsleuten angenommen ist. Die Asiaten müssen sich schon an die Verdrehungen gewöhnen, die von europäischer Gelehrsamkeit in ihren Sprachen ge— macht werden, doch wollen wir nur nicht die Benennungen vergessen, die auch für sie verständlich sind. Zeit der Erbauung. Nach den Ueberlieferungen chinesischer Chronikenschreiber war, nicht weit von dem —, Platze, wo jetzt Pekin liegt, eine ziemlich große Stadt, von 2—— 1 —— 2——— . einem der ersten Kaiser des Hauses Tscheu erbaut, das von 1122 bis 256 vor Chr. Geb. regierte. Die Nachkommen des mongolischen Chan Dshingis, welche(von 1280— 1367 nach Chr. Geb.) unter dem Nahmen der Juang China beherrschten, errichteten dort ihre Residenz. Chubi— lai, Dshingis-Chans Enkel, legte den Grund zu Pekin, unter dem Nahmen Dädu, welches große Hauptstadt be— deutet; sie nannten sie auch Dsüntschen, d. i. Residenz— stadt. Sie hatte 60 Li, mehr als 30 russische Werste (4% d. M. ungefähr) im Umkreise. Der venezianische Edelmann Marco Polo, der erste Europäer, der im dreyzehnten Jahrhunderte China besuchte, und länger als drey Jahr im Dienste des chinesischen Bog— dochan Chubilai stand, hat uns folgende Beschreibung von seiner Hauptstadt übergeben:„die Stadt Chanbalu liegt am Ufer eines Flusses, in dem chinesischen Gebiete. Sie ist sehr alt, und dient schon lange als Hauptstadt. Die Benennung Chanbalu bedeutet in dortiger Sprache: Kaiser— stadt(auf mongolisch Chan Monarch, und Balg aß u Stadt). Der Groß-Chan versetzte sie an eine andere Stelle, jenseit des Flusses, da er durch die Sterndeuter von einem dem Reiche drohenden Aufstande gehört hatte. Diese Stadt ist in Gestalt eines Vierecks gebaut, dessen Oberfläche(Umfang) sich auf 24 Meilen“) erstreckt, indem jede Seite ungefähr 6 Meilen in der Länge hat. Die Mauern der Stadt sind mit Abdachungen versehen und ge— weißt; sie sind 20 Fuß hoch und 10 Fuß breit. In den Mauern sind auf jeder Seite drey Hauptthore, und also in allem zwölf. Neben jedem Thore sind prächtige Palläste *) Ohne Zweifel sind italiänische Meilen zu verstehen, wovon 4 eine deutsche ausmachen. A. d. U. „ dab gag chfommg 1280— Juang hubi⸗ elin, ot he⸗ sddenz⸗ Werste t eiste sucht, Bog⸗ 9 bon ligt Kalser⸗ 90 46 deke deuter a 271 erbaut, eben so erheben sich an den Ecken der Mauer schöne Gebäude, worin man die Waffen der Stadt verwahrt. Die Straßen und die Marktplätze sind regelmäßig nach der Schnur angelegt, so daß man durch die Stadt die ganze Strecke von einem Thore bis zum andern sehen kann. Auf beiden Seiten der Straßen stehen schöne Häuser. In der Mitte der Stadt ist ein Gebäude, auf welchem eine große Glocke hängt; an diese schlägt man dreymahl des Abends, wodurch man ein Zeichen giebt, daß niemand bis zum an— dern Tage aus dem Hause gehen soll, ausgenommen Aerzte und Hebammen. Aus dieser Ursache müssen Leute, die zur Nachtzeit auszugehen haben, eine Laterne mit sich tragen. Bey jedem Stadtthore stehen tausend Soldaten, nicht so— wohl aus Besorgniß feindlicher Ueberfälle, als zur Verfol— gung der Diebe und Räuber; denn der Kaiser sorgt sehr dafär, diese schädlichen Menschen auszurotten“ 92 Die Hofgebäude, der Berg Dsin, die Seen und Kanäle, ie man jetzt noch in Pekin sieht, sind Denkmähler jener eit. Der dritte Kaiser des letzten chinesischen Hauses Min (von 1368— 1643), der bekannte Junle versetzte 1421 seinen Hof aus Nangkin(der südlichen Hauptstadt) nach Pekin, und von dieser Zeit an ist diese Stadt der Ort des Aufenthalts der Kaiser und die Hauptstadt von ganz China geworden. Die erste Benennung derselben Beipin ——— d 8 *) Bergeron Voyage en Asie, S. 67. A. d. V. **) Folglich ist unsre erste Hauptstadt Moskwa) älter als Pe⸗ kin. Von ihrem Ursprunge wird schon im J. 1147 erwähnt, — und im J. 1528 war sie das Haupt Rußlands. S. Karam— sin Geschichte des russischen Reichs, Ausg. von 1816 u. 1817. I. Th. S. 206. und IV. Th. S. 201.(der russischen Origi⸗ nalausgabe). A. d. V. T) Moskwa nämlich wird als die Hauptstadt des russt— schen Reichs angesehen, obgleich St. Petersburg die Re— sidenz der Kaiser seit Peter dem Großen ist. A. d. U. 272— ward in Schung-tiäng verwandelt. Jun ls befahl die Stadt anders zu bauen, verschönerte sie mit neuen Gebäu— den, umgab sie mit einer Mauer, und von dieser Zeit an ist die Größe und die innere Einrichtung Pekin's, in den Haupttheilen, unverändert geblieben. Nach der Eroberung China's durch die Manshuren(1644) errichteten ihre Chane unter dem Nahmen der dazin'schen Dynastie, ebenfalls ihren Thron in Pekin. Der erste davon, Sch ungdshi, concen— trirte, indem er übrigens die Gesetze und Gebräuche der Chineser unangetastet ließ, in der einen Hauptstadt die oberste Verwaltung des Reiches. Die Besieger China's, die Manshuren, und eben so die mongolischen und chinesischen Krieger, die Gefährten ihrer Waffenthaten— wurden Bürger von Pekin. Geographische Lage. Astronomischen Beobachtun— gen zufolge, die von Jesuiten an Ort und Stelle gemacht worden, ist die nördliche Breite Pekin's bestimmt worden 39 Grad, 42 Minuten, 15 Secunden, und die Länge von dem pariser Mittagskreise 7 Stunden, 36 Minuten, 22 Secunden, oder 1140 Grad. Pekin liegt in dem nördlichen Theile der Statthalter— schaft Dshili, deren Hauptstadt indessen dennoch Ba o— din-fu ist. Von der großen Mauer, welche die nördliche Gränze China's auf der Seite der Mongoley ausmacht, — sind nach unsrer Rechnung, bis Pekin, ungefähr 200 Werste *) Genauer 114 Grad, 5 Minuten, 30 Seeunden, ode (da deutsche Erdbeschreiber lieber von der Insel Ferro oder 20 Grad westlich vom pariser Mittagskreise die Länge rechnen) 154 Gr. 5 M. 50 S. Vom leipziger Mittagskreise ig Pekin östlich 104 Gr. oder in Zeit 6 Stunden, 50 Min:! um soviel tritt die Sonne früher in den Mittagskreis von Pekin, als in den von Leipzig, und man zählt in Pekin 6 Uhr, 56 M. Abends, wenn in Leipzig Mittag ist. A. d. U. „„ fall die Gil(284 d. M.) Diese Stadt liegt auf einer vollkommen gan glatten, trockenen Ebene ohne alle Waldung. Etwa 15 1 5 Werste(über 2 d. M.) davon gegen Westen sieht man eine („ N 155 Kette hoher Berge, die sich von Norden nach Südwest er— 0 9 strecken. Aus diesen Bergen fließen kleine Flüsse hervor, ahe* 7 2„ 0 0 welche stellenweise die Ebene bewässern. Der eine davon ihre.. 5 . geht rund um ganz Pekin*), und fällt, nachdem er sich 1* 7 0 1 in einen Arm unter dem Nahmen Ju ngché, d. i. Kanal e 1 der Zufuhr, ergossen hat, in den Fluß Baiché, bey der J 8— 0— 2 1 0 Stadt Tundsheu, 25 Werste(35 d. M.) östlich von Pe— 1 kin. Aus diesem Flusse ist nordwärts nach Dsintschen chen ein Kanal geleitet, der sich in einige Zweige theilt, den kai— do——— 1.„— 8 Würden serlichen Hof umfließt, indem er einen See, sichtbar durch Hülfe der Kunst, bildet, und dann, indem er einen Bogen ahun⸗ um Dsintschen herum macht, aus der Stadt nach Osten dacht zu fließt, wo er sich mit dem Jungchö vereinigt. Wodden In der Hauptstadt ist die Luft gesund, sogar für ige on Fremde. Ansteckende Seuchen suchen selten die hiesigen Ein— 17 2 wohner heim. Die Verheerungen der Pest sind ihnen gänz⸗ lich unbekannt. Die Gewässer sind jedes Jahr von der aalter⸗ Mitte des Decembers an bis zum März, bisweilen auch Bab⸗ kürzere Zeit mit Eis bedeckt; starke Fröste aber giebt es liche nicht. Die Kälte im Winter ist 10 bis 12 Grad nach nacht,— Werste*) S. den Grundriß von Pekin, der sich am Ende dieses Theils befindet. Die Lage und Eintheilung der Stadt ist mit mög⸗ lichster Genauigkeit beobachtet, und alle der Aufmerksamkeit „ bber der Fremden würdige Gegenstände angezeigt worden. Andere gerte kleinere Dinge, als: kleine Gassen, Nebengassen u. s. w. sind Länge von mir nicht mit in den Plan eingetragen worden, da sie gekteise mir theils unbekannt waren, theils auch selbst unbedeutend Mil.) sind.— In dem Landcharten-Depot des General Stabs es vl. Sr. Kaiserl. Masestät befindet sich jetzt der neueste Grundriß eln von Pekin, der nach einem größern Maaßstabe gezeichnet ist 1 1 und alle Details enthält. A. d. V. II. Band. 18 „ teaumür, und gar nicht so empfindlich als bey uns in St. Petersburg“). Den Frühling begleiten heftige Stürme und Wirbelwinde mit Staub. Der Sommer ist drückend durch große Hitze, und besonders im Juni und Juli; zu— gleich fallen dabey Platzregen, welche den harten Boden, der aus Lehm und Sand besteht, erfrischen. Ströme von Regenwasser, die von den Bergen herabstürzen, zerstören nicht selten Dörfer, und bringen in den obern Erdschichten große Umwandlungen hervor. Der Herbst ist die schöͤnste Jahrszeit in Pekin, und besonders der September, October und November. Die reine, und gelinde erwärmte Luft, der heitere Himmel, das stille Wetter, alles erquickt dann die Einwohner nach der ermattenden Sommerhitze. Eintheilung und Größe. Pekin besteht gleichsam aus zwey Städten, oder zwey großen Theilen, die von einander durch eine hohe Mauer geschieden sind. Der nörd— liche Theil hat beynahe die N eines vollkommenen Quadrats**) und heißt Dsintschen, d. i. die Thron— stadt. Der südliche Theil stellt ein längliches Viereck vor; man nennt sie Wailotschen, d. i. die äußere Stadt, im gemeinen Leben aber die südliche Vorstadt. Sie ist nicht so breit von Norden nach Süden, als die Thronstadt, aber weit länger von Osten nach Westen. Den Umkreis der äußern, das ist der Hauptmauer von Pekin, bestimmen alle europäische Erdbeschreiber verschieden. In der vom Pater Jakinf aus der chinesischen Sprache ) Wo sie freylich nicht selten bis 50 Grad und mehr steigt. A. d. U. **) Einige nehmen an, die südliche Mauer 8 Dsintschen erstrecke sich von Osten nach Westen auf 113 Li(fast 8 d. M.) und die östliche Mauer desselben von Norden nach Süden habe 9 Li und einige Schritt lüber 8 d. M.) S. Pallas Ta— gebuch zwoer Reisen nach Pekin, S. 145. A. d. V . 273 8 hey u i 9e Stürme f dre Juli; zu übersetzten Beschreibung von Pekin wird(im Manuscripte gesagt, die Mauer allein von Dsintschen habe im Um— kreise 40 Li(fast 3 d. M.), und die Mauer von Wailot⸗ schen von drey Seiten 28 Li(2 d. M.); folglich beträgt, u Boden, mit Ausschluß der südlichen Mauer von Dsintschen, welche tüm von 10 Li lang ist, der ganze Umkreis Pekin's 58 Li, welche zersbre fast 30 unserer Werste gleich kommen“)(ungefähr 45 d. M.) schschten Diese gezackten Mauern, die weder mit Gyps beworfen shönst noch geweißt sind, sind aus Backsteinen gebaut, 41 Fuß October hoch, d. i. ungefahr 6 Klaftern**)(bey dieser Ausmessung ist die Höhe der gezackten Zinnen 5 Fuß, 5 Zoll), und 21 dann die Fuß, d. i. 3 Klaftern(114 Elle Leipz. oder 204 Fuß rheinl.) dick oder breit, so daß man oben darauf bequem reiten lech kann. Zu diesem Zwecke sind in bestimmten Entfernungen die bon von einander sanft abhängige Auffahrten gebaut, auf wel— der nörd⸗ chen die Reiterey bis ganz oben auf die Mauer hinaufreiten önmenen kann. Uebrigens ist alles dieses nur von den Mauern der ie Ton Thronstadt zu verstehen; denn die Mauern von Wailotschen alk bor; sind dünner, einfacher und sind von den Mauern anderer aadt, im Städte in China nicht verschieden. In Pekin sind sechzehn nicht so Thore: neun in der Thronstadt und sieben in der äußern t, aber Stadt. Ihre Nahmen sind folgende: In Dsintschen(der Thronstadt). ür von 1. Gegen Süden das Hauptthor, bekannt bey dem schieden.„ Epuhe) Hr. Orlow sagt, daß jede Seite der Mauer von Osint⸗ schen 6 Werste lang ist, und die ganze Mauer im Umkreise 24 Werste hält; die Mauer von Wailotschen hat von drey chr figt. Seiten, mit Ausnahme der nördlichen, uugefähr 16 Werste, 400 Klafteru. Und so ist, wie er saght, der Umkreis von Pe— iutschei kin 40 Werste, 400 Klaftern(fast 52 d. M.), mit Ausschluß 58 N.) der Vorstädte. S. Beschreibung des chinesischen Reichs. ach Side Moskwa, 820 b II. Th. S. 62 und 1 A. d. V. f 1 alas 11**) Oder is Arschinen, welche ungefahr 223 Elle leipz. Maaß, 2. oder 403 Fuß rheinl. ausmachen. A. d. U. 7 15 18* — 2 276—— Volke unter dem Nahmen Zängmüng(Siangmüng); die eigentliche Benennung desselben auf chinesisch ausgeschnit— ten, ist ODshen-jan-müng, welches bedeutet: das ge— gen Süden gekehrte Thor. 2. Auf derselben Linie gegen Osten Tschunwüng“), d. i. Verehrung der Weisheit; im gemeinen Leben: Chäta. 3. Das südöstliche Thor Tschaojan, d. i. den Auf⸗ gang der Sonne empfangend; bey dem gemeinen Volke Zichua. a 4. Dundshi, d. i. gerade gegen Osten gekehrt. 5. Gegen Norden: Angdin, dauerhafter Friede. 6. Gegen Nordwest: DᷣEschen, d. i. das Thor krie— gerischen Muthes, welches zum Einzuge siegreicher Truppen bestimmt ist. 7. Gegen Westen: Ssidshi, d. i. gerade gegen We⸗ sten gekehrt. 8. Futschen, d. i. Sicherung der Ruhe; im gemeinen Leben: Pindsü. 9. Gegen Süden: Ssiuang- u, Verherrlichung der Tapferkeit; im gemeinen Leben: Schu ngtschen. In Wailotschen(der äußern Stadt). 10. An der nordwestlichen Ecke: Dunbäng(Dun⸗ biang), östliches Seitenthor. 11. Gu andsiui(Huandsiui), bey dem gemeinen Volke: Schägo. 12. Gegen Süden: Dsoang, linkes Thor des Friedens. 13. Jundin, unerschütterliche Festigkeit. 14. Juang, rechtes Thor des Friedens. „) Zu jedem chinesischen Nahmen eines Thores muß man noch das Wort Müng, Thor, hinzufügen. Um die Wiederholung dieses Wortes zu vermeiden, sage ich Thor, und lasse das Müng weg. A. d. V. — f—— — 277 Fang; 15. Guanmin Guanmin), vollkommene Ruhe. geh 16. Ssibängmüng, westliches Seitenthor. In der Thronstadt sind die Thore mit schönen und hohen . das U Bogen, zu neun Stockwerken und mit Schießscharten gebaut. hänge, Unten ist eine Art von Saal(Hauptwache) angebracht, wo Chätg sich die Offizier und Soldaten versammeln, welche von der den Mi Ablösung kommen und die Wache beziehen. Vor jedem Thore ist ein freyer, über 360 Fuß großer Platz, als wie zu den Wachparaden; um diesen herum geht eben eine solche Mauer, wie um die Stadt. Diese äußere Mauer ist eben— N Volke 0 falls durch Thürme gedeckt, so daß man aus den innern donn fr Schießscharten mit 5 die Plätze innerhalb der Mauer, Aae und aus den äußern die Vorstädte und alle naheliegenden Oerter bestreichen kann. Ueberdieß sind, fast alle 20 Klaf— n W tern weit, auf der Mauer kleine viereckige Wachthäuser, und an den Ecken der Mauer stehen ziemlich große Thürme. genen Die Straßen in Pekin sind groß und gerade; ob— gleich ungepflastert, ist der Boden doch ziemlich fest. Die Hauptstraßen sind ungefähr 20 Klaftern(60 Arschinen, un— hug ber%% ˙ A 3 gefähr 75— 76 Leipz. Ellen, oder 136 rheinl. Fuß) breit. Nur eine, bekannt unter dem Nahmen Tschanangdse (dur(chang- gan- kiai), d. i. die Straße der ewigen Ruhe, 2 hat bis 30 Klaftern(90 Arschinen, 1134 Leipz. Elle, oder 5 204 rheinl. Fuß) in der Breite. Sie ist die beste in Pekin, e geht von Osten nach Westen in einer Krümmung, indem 8 sie auf der Nordseite, von einem Theile der Mauer der kai— N serlichen Hofburg, auf der Südseite von verschiedenen Ge— bäuden und Gerichtshäusern umgeben ist. Die Häuser in der Stadt sind gemeiniglich von einem Stockwerke, sehr niedrig, aus Backsteinen gebaut, nicht mit 6 bu Gyps beworfen und mit grauen Ziegeln gedeckt. Die Ge— 1 richtshäuser und die Fürstenhöfe zeichnen sich durch einen hohen Grund und schöne Thore aus; überdieß sind auf den Fürstenhöfen Dächer von grünen glasurten Ziegeln. Doch für die besten Gebäude von allen in Pekin muß man, mit allem Rechte, die erhabenen, geräumigen Tempel, mit Säulen und prächtigen Treppen von Marmor, anerkennen. Auf beiden Seiten der Hauptstraßen sind Kaufmannsläden, sehr schön vom Aeußerlichen, erbaut. Der Glanz und die Mannichfaltigkeit der Waaren, die dem Volke zur Schau ausgelegt sind, gewähren dem Auge ein angenehmes Gemälde. Die Straßen und Häuser in der äußern Stadt sind weit schlechter, als in der Thronstadt. Außer den erwähnten zwey Theilen, giebt es noch bey Pekin zwölf große Vorstädte, die in die Länge sich auf 2 Werste(8 oder fast 3 d. M.), einige mehr, andere weni— ger ausdehnen. Den drey südlichen Thoren der Thronstadt gegenüber liegt, wie eine Vorstadt, Wailotschen. Vor dem Thore Jundin, das sich in der Mitte der südlichen Mauer Pekin's befindet, liegt ein freyer Platz; aber vor allen übrigen Thoren beider Städte liegen Vorstädte Anzahl der Einwohner. Die Thronstadt und die äußere Stadt, nebst den zwölf Vorstädten, machen ge— wiß eine sehr große Stadt aus; aber folgt denn daraus der Schluß, wie mehrere Reisende und Schriftsteller ihn machen, daß in Pekin die Zahl der Einwohner aus acht, oder wenigstens aus drey Millionen*) bestehe? Dieses geht weit über das Maaß einer gründlichen Volkszählung. Erstlich ist die Hälfte der äußern Stadt fast leer, außer *) Staunton sagt, nach den besten Nachrichten, welche die eng— lische Gesandtschaft erhalten habe, enthalte Pekin ungefähr 8 e Einwohner. S. Reise des Lord Macartuey, II. 285. der russ. Uebers.) A. d. V. — ind suf Fiche. 6 man, „ nit ennen. läden, nd die Schau chmes sind och bah auf 2 weni⸗ onstadt or dem Mauer r allen und n ge⸗ aus r ihn acht, Discs lung. außer je eng⸗ gefäht eh, I, — den großen umschlossenen Plätzen Täng tang, des Tem— pels des Himmels, und Ssäng nun tang, d. i. des dem Erfinder des Ackerbaues geheiligten Tempels. Dort giebt es Felder, Gärten, Begräbnißplätze. Dann sind in Dsintschen, oder der Thronstadt, außer der sehr großen kaiserlichen Hofburg, viele Fürstenhöfe, Vorrathshäuser, Gerichtshäuser, Seen, Tempel; alles dieses nimmt mehr als die Hälfte von Dsintschen ein. Die Straßen sind darin sehr breit, und die Häuser auf beiden Seiten sehr niedrig, von einem Stockwerke. Dieses alles in Betrachtung ziehend hatte der Pater Gobille“) angenommen, daß in beiden Theilen der Stadt, mit allen Vorstädten zusammen, weni— ger Einwohner sind als in Paris mit seinen Vorstädten. Es ist wahr, der bewohnte Theil Pekin's ist volkreicher als ein ähnlicher Theil von Paris oder Petersburg. Die Chi— neser sind keine Freunde davon, sich in großen Zimmern abzukühlen; ein Zimmer ist hinreichend für viele. Zwanzig Chineser finden bequem da Raum, wo es zehn Europäern enge scheint. Pater Gobille glaubt, in beiden Theilen Pe— kin's mit den Vorstädten müssen mehr als zwey Millionen Einwohner seyn. Das ist nur eine bloße Voraus— setzung, sagt er, aber sie scheint der Wahrheit sehr nahe zu kommen. Etwas bestimmtes von der Zahl der Einwohner Pekin's zu sagen, eben so wie von der Bevölkerung von ganz China, ist fär einen Ausländer sehr schwer, beynahe unmöglich. Denn selbst die hiesige Regie— rung, da sie, wie man sagt, nicht beständig ein genaues Verzeichniß der Unterthanen nach den Köpfen führt, hat kaum von dieser Sache genaue Kenntnisse. Wie dem auch sey, so kann man, nach den oben auseinander gesetzten . *) Ein französischer in Pekin wohnhafter Jesuit. A. d. V. „ Gründen zu urtheilen, auch nach meiner eigenen Beobach— tung, die Zahl der Bewohner Pekin's beiderley Geschlechts, auf 2 Millionen anschlagen. Einem Europäer gewiß wird die Volksmenge in einigen Straßen von Dsintschen auffallen, und überall in den äu— ßern Theilen Pekin's. Wirklich ist diese so groß, daß vor— nehme Personen, wenn sie durch die Straße fahren, Leute zu Pferde voran schicken, um den Weg frey zu machen. Frauenzimmer zeigen sich selten öffentlich, ohne übrigens ihr Gesicht zu verhüllen, wie dieses bey den Mohammedanern geschieht. Mannspersonen gehen wegen Handelsgeschäften, noch mehr aber aus Neugier, sie strömen in großen Haufen zusammen, um Gaukler zu sehen, Neuigkeiten einzusam— meln, und Wahrsagern und Marktschreyern zuzuhören, die die wundervollen Wirkungen ihrer Arzeneyen anpreisen. Was das äußere Ansehen der Chineser betrifft, so sind sie, im Ganzen genommen, von mittlerer Größe, und die Theile ihres Körpers, besonders Füße und Hände, sind sehr klein. Die Farbe ihrer Haut ist gelblich-bräunlich, versteht sich, mit einigen Abänderungen, die von dem Ge— burtsorte und der Lebensart abhängen. Der Chineser in den nördlichen Statthalterschaften ist etwas größer und wei— ßer als der Bewohner von Dfänßi(Dsianßi) und Huandun. Der sich immer in freyer Luft aufhaltende Küli(Träger) ist bräunlicher als sein Hung(Beamter) oder ein reicher Mann, und weit schwärzer als irgend ein im Harem eingeschlossenes Frauenzimmer. Ein etwas plat— tes Gesicht, mit hervorragenden Backenknochen, eine nicht große und stumpfe Nase, hervorstehende und zusammenge— drückte Augen, verbunden mit der Schattirung der Haut, mit schwarzen und harten Haaren auf dem Kopfe, die sehr dünn im Knebelbarte und im Barte sind— zeigen deutlich . 281 g m, die Verwandtschaft der Chineser mit den Mongolen an. lch, Man muß denken, daß diese Verwandtschaft mehr von den 5 Zeiten der Eroberung China's durch die Mongolen herrührt. engen Die Verschiedenheit der Chineser und Manshuren ist fast 5 bu. unmerklich. Diese letztern sind indessen viel wohlbeleibter, b hut⸗ stärker und kräftiger. Einige nehmen an, der Chineser un— Letz terscheide sich noch von dem Manshuren durch die Anlage, achen. bey gleich guter Nahrung und sorgenfreyem Leben, bald ö ihr dick zu werden. Diese Bemerkung hat ihren Grund, obgleich ahern mir viele sehr dicke Manshuren vorgekommen sind, da man fen, indessen dasselbe von den Mongolen nicht sagen kann. haufen und das weibliche Geschlecht, obgleich mit einem schö— husan⸗ neren Aeußeren, ist übrigens sehr weit von den Idealen „ de der Schönheit entfernt, deren sich andere Völker Asiens . rühmen, wie in Indien, Georgien(Grusien auf russisch) 9 sind und besonders die reizenden Bewohnerinnen des stolzen Kau— d die kasus. Man trifft auch in China Frauenzimmer, vorzüglich „ sind Manshurinnen, die ohne irgend eine Hülfe von weißer oder lic, rother Schminke(die von einigen gar zu verschwenderisch n Ge⸗ angewendet wird), so weiße Gesichter haben, daß man sie ir in den reizendsten europäischen Mädchen gleich stellen kann. wei⸗ Aber von der andern Seite haben ihre nicht großen, obgleich und übrigens schwarzen, flammenden Augen nicht jenes Zärtliche, tende jenes Ausdrucksvolle, welches in den großen blauen oder inter) schwarzen Augen unsrer Schönen strahlt.— Die Züge des gd ein ganzen Gesichts der Manshurinnen sind fast dieselben wie ö flat⸗ bey den Männern. e ncht Ueberdieß machen in China, mehr als irgendwo sonst, mange ungewöhnlich kleine Füße einen Reiz der Frauenzimmer aus. Halt, Das Maaß des Fußes bestimmt den Werth der Braut; de sch denn bey diesem Volke, das auf seine Bildung stolz ist, ist Wel eine Frau eine verkäufliche Waare. Der unbarmherzige —— f——— 5 Wollüstling verstümmelt hier selbst die Natur. Bald nach der Geburt umnähet die Hebamme die Füße des weinenden kleinen Kindes mit starkem Leder, damit sie nicht mehr wach— sen können. Bis zur Vollendung des völligen Wuchses des Mädchens, bemüht man sich, durch Binden die Füße so klein als möglich zu machen; wovon dann die Zehen zu— sammen wachsen und einen spitzigen Fuß, als wie nur mit einer Zehe, bilden; der ganze Fuß mit der Ferse ist selten länger als 27 Werschok(fast 5 Zoll Leipz. Maas, oder 42 Zoll rheinl.) Die niedlichen, mit verschiedenen Farben aus— genäheten Schuhe zeigen diese Verunstaltung noch deutlicher. Die Füße bekommen um die Knöchel eine ungewöhnliche Dicke, welche etwas durch seidene lange Beinkleider mit Franzen verdeckt wird. Eine solche unvernünftige Sitte be— raubt die Frauenzimmer des schönsten Geschenks der Natur, einer freyßen Bewegung. Die Bäuerinnen pressen ebenfalls ihre Füße zusammen, obgleich nicht in einem solchen Grade, wie die vornehmen, oder die für reiche Harems erzogenen Frauenzimmer. Diese letztern können kaum in den Zimmern ihres frohen Gefängnisses umhergehen. Nur die heftigste Eifersucht konnte die Chineser zu solcher Grausamkeit bewe— gen. Gleich den Türken und Persern halten sie ihre Gelieb— ten unter starkem Verschluß, unter der Aufsicht verschnitte— ner Wachter; doch keiner von jenen Tyrannen der Weiber unterwirft das schöne Geschlecht einer solchen Verunstaltung. Die Chineser, in vielen Dingen einzig, zeichnen sich auch in diesem Falle aus, so wie auch in andern Sitten und Gebräuchen. Nach einiger Meinung muß diese rasende Mode nicht gar zu alt seyn, denn Marco Polo, der im dreyzehnten Jahrhunderte in China war, und oft genug von der Schönheit der Chineserinnen und ihrem Putze spricht, hat uns nichts von dieser Sitte gesagt. g fach Die Manshurinnen lassen ihre Füße in ihrer natürli— e chen Größe, dafür aber tragen sie niedliche, mit bunter dz Seide gestickte Schuhe mit hölzernen schräg abgeschnittenen . ds Sohlen, die wenigstens drey Werschok(fast 4 Elle Leipz. fe so Maaß, oder 55 rheinl. Soll) hoch sind. Dieses seltsame i Schuhwerk verhindert sie ebenfalls frey und ungezwungen nit zu gehen, und macht auf einem steinernen oder hölzernen eln Fußboden ein gewaltiges Geklapper. Es scheint, nur allein 45 der Trieb der Nacheiferung habe die manshurischen Damen aus⸗ veranlaßt, auf ein Mittel zu denken, um ihre Herkunft aus cher. den Steppen zu verschönern, und den gebornen Chineserin— liche nen in ihrem ungewöhnlichen wankenden Gange nachzuah— c mit men, und ihren eigenen Füßen ähnliche, übrigens aber für te be⸗ ihren Körper unschädliche Fesseln anzulegen. Ueberall giebt alut, es sklavische Erfüller der wunderlichen Gesetze der Mode. falls Polizey. In einer großen und volkreichen Stadt ade, muß nothwendig eine strenge Polizey seyn. In Pekin ist genen sie so thätig, daß man sehr selten von Unordnungen hört. nem Auf der Straße gehen unaufhörlich Polizeysoldaten mit ei— gte ner Peitsche auf der Schulter umher, um Freoler von ei— ewe⸗ genmächtigen Anmaßungen abzuhalten. Sie sehen auf die lieb⸗ Reinlichkeit der Straßen in Dsintschen, und greifen, im itte⸗ Nothfalle, die Arbeit selbst mit an. Sie halten die ganze eiber Nacht Wache, und gestatten niemanden auf der Straße zu ung. gehen, es sey denn mit einer Laterne, oder wegen eines auch wichtigen Vorfalles, als die Herbeyrufung eines Arztes und(wenigstens ist es so in der Polizeyordnung festgesetzt); sie sende befragen sogar vom Kaiser abgeschickte Leute, und alle sind r im verbunden, ihnen eine genügende Antwort zu geben. Sie vo haben das Recht, bis zur Aufhellung der Sache, jeden an— richt, zuhalten, der sich ihnen widersetzt, oder verdächtig scheint. Der Polizeymeister macht oft unvermuthete Besuche. Die „ Ofstzier halten sehr strenge Aufsicht über ihre Soldaten; das kleinste Versehen geht nicht ohne Bestrafung hin, und den Offizier unterwerfen sie der Untersuchung auf den an— dern Tag. Diese Polizeysoldaten sind geborne Chineser und machen ein irreguläres Truppencorps aus. Außerdem giebt es in Pekin eine zahlreiche Reiterey und Fußvolk. Ihre Hauptpflicht besteht darin, an den Thoren und Mauern zu wachen, und bey der ersten Auf— forderung zum Ausmarsch bereit zu seyn. Diese Truppen, die ein Corps von ungefähr 80000 Mann ausmachen, wer— den in acht manshurische Divistonen, acht mongolische und eben soviel Udsheng Tschöcha oder chinesische eingetheilt, welche zur Unterwerfung ihres Vaterlandes unter die Man— shuren mitgewirkt haben, wie dieß von mir im vorherge— henden Kapitel S. 135. aus einander gesetzt worden ist. Jede Division unterscheidet sich durch die Farbe ihrer Fa h— nen, und der dieser entsprechenden Uniform. Die gelbe Fahne(Division) list die oberste; sie hat Häuser in Dsint— schen, und nimmt den ganzen nördlichen Theil von Osten bis Westen ein; sie wird wieder in die erste gelbe Fahne ohne Einfassung und in die zweyte gelbe Fahne mit rother Einfassung getheilt. Die dritte rothe Fahne ohne Einfassung und die vierte rothe mit gelber Einfassung; deren Aufenthalt ist in dem westlichen Theile von Dsintschen, den sie indessen nicht ganz einnimmt. Der nördliche Theil davon ist der gelben Fahne vorbehalten. Die blaue Fahne nimmt den— jenigen Theil der Stadt ein, der an den kaiserlichen Hof gränzt; ihre Wohnungen, die sich hierauf gegen Süden von dem Hofe hin wenden, erstrecken sich in einer Parallellinie der südlichen Mauer gegenüber, bis zur westlichen. Diese Fahne theilt sich in die fünfte bloß blaue, und sechste blaue Fahne mit einer rothen Einfassung. Endlich ist die weiße litereh n den Auf⸗ ppen, wer⸗ und cheil, Man⸗ here⸗ n i. Fah⸗ gelbe Dsigt⸗ Ofen hne other „ siebente Fahne ohne Einfassung, und die achte mit einer rothen Einfassung. Sie ist in die Mitte des östlichen Theils der Stadt verlegt, und gränzt gegen Norden an die erste, und gegen Süden an die dritte Fahne. Jedem Oberbefehls— haber einer Fahne sind sechs niedere Befehlshaber unterge— ordnet. Diesen Befehlshabern der Unterabtheilungen wird der Befehl über ihre Landsleute anvertraut. Jede Fahne hat ihre Kanzley, Zeughaus, Schatzkammer und Schule für Kinder. Man muß sagen, daß hier Kriegsleute auch die wichtigsten bürgerlichen Aemter in Gerichtshöfen verwal— ten, wie dieß auch bey uns in Rußland ehedem der Fall war. Die Minister, Vorsitzer, Expeditoren sollen, indem sie den Schreibepinsel) führen, nicht die Kunst zu reiten, mit dem Bogen zu schießen u. s. w. verlernen. So ist die Einrichtung der manshurischen Truppen. Das pekin'sche Corps(außer der eigentlich chinesischen grünen Fahne, die in Wailotschen liegt) ist selten vollständig gegenwärtig. Denn ganze Regimenter davon werden zum Dienst an die Kriegsbefehlshaber der Hauptgränzplätze geschickt, als z. B. an den Fluß Ili, nach Uläßutai, Tschitschigar, Tibet. Eine der Hauptpflichten der pekin'schen Polizey ist die Verhinderung einer Hungersnoth. In der Stadt, so wie auch in den Vorstädten, giebt es eine Menge Getreidehöfe, wo Reiß für den Fall einer Hungersnoth aufbewahrt wird. Wenn die wegen der Getreidehöfe gegebenen Befehle in den Provinzen eben so streng, als in der Nähe des Hofes be— obachtet würden, so könnte nie eine Hungersnoth entstehen, die indessen oft die volkreichen chinesischen Statthalterschaften ) Die Chineser, Manshuren und Mongolen bedienen sich kei— ner Federn. Sie schreiben gewöhnlich, sehr schnell und schön, mit einem großen Pinsel, und gebrauchen dabey chinesisches Papier und Dinte. A. d. V. 286 verheert, wegen der Kälte und außerordentlichen Mißbräuche der Getreideaufseher. Außer diesen Getreidemagazinen hat der Chuandi noch andere Vorrathshäuser, wo man Weizen in Körnern, verschiedene Früchte und Futter für das Ar— beitsvieh aufbewahrt. II. Besondere Umstände von Dsintschen. Dsintschen besteht aus drey Theilen, die in einander eingeschlossen und mit besondern Mauern umgeben sind. Der erste Theil, der nächste an der kaiserlichen Hofburg, heißt Dfüdsintschen(die Festung, Citadelle). Die Zah— len 17, 18, 19, 20 auf dem beygefügten Grundrisse von Pekin bezeichnen die vier Hauptthore zu diesem Theile, und zeigen seine Große. Wir fügen zu diesem die Strecke hinzu zwischen dem Thore unter 21 und dem Thore unter 17, welche den Haupteingang ausmacht. Die zweyte Abtheilung endigt sich mit den Thoren 22, 23, 24, 25; man nennt sie Chuantschen, d. i. kai⸗ serliche Stadt; die Russen aber gaben ihr den Nahmen der rothen Stadt, von der Farbe der Mauern. Endlich die dritte Abtheilung begreift die ganze Thron— stadt, Dsintschen genannt, welche neun Thore hat, wo— von vorher gesprochen worden. 1. Dsündsintschen oder die kaiserliche Hofburg. Wir haben schon gesagt, daß der Umkreis der Hofburg auf dem Grundrisse durch die Thore 17, 18, 19. und 20 bestimmt wird. Ihre Gestalt ist eine Art länglichen Vier⸗ ecks. Sie ist mit einer dicken und hohen gezackten, aus Backsteinen erbauten Mauer umschlossen. Ueber jedem Thore, so wie auch an den vier Ecken der Mauer sind geräumige and hohe Gebäude errichtet. Dsündsintschen hat ungefähr 287— chi 6 Li(mehr als 3 Werste, fast 4 deutsche Meile) im um— (hen ha kreise. Um die Mauern herum ist ein breiter mit behauenen Wee Steinen ausgelegter Graben geführt. Dem nördlichen, öst— ab Ar⸗ lichen und westlichen Thore gegen über sind Zugbrücken angebracht. Das Innere der Hofburg enthält eine Reihe von Hö— fen und Sälen oder Zimmern, wovon immer eins schöner und prachtvoller als das andere ist. 5 Wenn man in die Thronstadt Pekin's durch das süd— sch liche Thor Zäng(Ziang) hineinkommt, und gegen Nor— hun, den zu geht, muß man zuerst quer durch eine große Straße 80 gehen, welche mit der südlichen Mauer der Stadt parallel bl läuft. Dann kommt man auf einen großen viereckigen, N mit marmornen Geländern umgebenen Platz. Dieser Platz 5 endigt sich gegen Norden mit dem Thore 21, welches das 1, Daizin' sche heißt, zu Ehren des manshurischen Kaiser— hauses, das jetzt China beherrscht. Unten sind drey große Helen Thore, die nur dann geöffnet werden, wenn der Kaiser fal selbst aus der Hofburg ausfährt. Die Uebrigen gehen durch der die Thore 26 und 27 aus und ein. Das zweyte Thor Tängwang(Tiangwang) mit gewölbten Bogen, ist ron⸗ sehr groß und tief; über demselben ist ein schöner Saal wo⸗ gebauet. Der Raum zwischen 21 und 22 macht einen geräumi— gen Hof aus, der mit großen Backsteinen gepflastert, mit 1 Hallen und Gallerien, die von mehr als 200 Säulen ge— 90 tragen werden, umgeben ist, welches, wie die Einwohner 9 2 1 e 1 8 8 2 sagen, einen majestätischen Anblick giebt. Dieser Hof en— Lier 1 00 digt sich gegen Norden mit der Straße Tschang-ang, al 5 5 2 e, e. 8 mit welcher er durch die zwey Thore 26 und 27 Gemein— hoke, 8 i a 5 8. A f schaft hat. In gleich weitem Abstande von diesen Thoren umige 1 muß man, auf der eben erwähnten Straße, zwey Triumph— gefaht — 288— bogen bemerken, die auf dem Grundrisse angezeigt sind. Den Thoren 26 und 27 fast gegenüber fließt ein halb aus— getrockneter Bach oder Kanal, über welchen fünf marmorne mit Säulen, Geländern und von Stein ausgehauenen Lö— wen verzierte Brücken gehen. Diese Brücken führen zu dem zweyten Thore 22, das aus fünf Durchgängen besteht; nur allein der Kaiser kann durch die drey mittelsten davon ge— hen, die andern zwey sehr niedrigen sind für alle offen, die das Recht haben, bey Hofe zu erscheinen. Uebrigens sind nur die ältesten manshurischen Fürsten des Rechtes gewürdigt, durch das innere Thor hineinzureiten. Die Mauern desselben sind dicker als 20 geometrische Schritte“); oben ist, so wie auch bey den andern Thoren, eine Wohnung darauf gebaut, und daneben ein kleiner Hof, der zu dem dritten Thore 28, Duang genannt, führt. Ehe man zu diesem kommt, sieht man auf der rechten Seite 29 Taimiao. Das chi— nesische Wort Mia o bedeutet einen Tempel; in diesem verbeugt man sich verehrend vor den Gedächtnißtafeln mit den Nahmen der Vorfahren der manshurischen Kaiser. Der Anblick dieses Tempels ist sehr schön. Der Kaiser besucht zu gewissen Zeiten denselben, zur Erfüllung der gewöhnli— chen Opfergebräuche zur Ehre seiner Vorfahren. Zur linken Hand von diesem Gebäude steht Schedsitang 30, der Tempel zur Verherrlichung der Erde und des auf ihr wach— senden Getreides; und hier kommt der Chuandi zu einer festgesetzten Zeit her, um die gewöhnlichen Opfer darzu- bringen. 28, 31, 32 sind die Thore eines geräumigen Ho— fes, wo sich die Fürsten jeden Monat versammeln, um die *) Der Verf. erklärt sich nicht darüber, ob dieser geometrische Schritt von 5 Fuß, oder von 25 F. zu verstehen sey, welches freylich für die Dicke dieser Mauer einen mächtigen Unter⸗ schied ausmacht. A. d. U. gt sud. lb aus rmorn: en Lö⸗ u dem 5 nur n ge⸗ , die nur durch 1 siod e auch , und L 28, mt, 5 chi⸗ diesem n mit Oer sucht hnli⸗ inken det ach⸗ einer arz⸗ Ho⸗ n die trische velches Untel⸗ Vn Befehle des Chans*) zu vernehmen. Die Hofbeamten be— wirthen sie mit Thee, und tragen ihre Nahmen in die Ver— zeichnisse ein, die dazu gehalten werden. Wenn einer von ihnen an dem bestimmten Tage nicht erscheinen kann, so ist er verbunden, die Ursache seiner Abwesenheit zu melden. Auf eben diesem Hofe bezeigen die zinsbaren Fürsten dem Kaiser ihre Unterwürfigkeit, entweder in eigner Person, oder durch Bevollmächtigte. Der Chuandi macht den Fürsten und ihren Abgesandten Geschenke, und diese Geschenke werden als Be— lohnungen angenommen. Dort giebt man auch den europäi— schen Gesandten Geschenke. 33 und 34 stellen wahrscheinlich Miao Fandsintschan vor, oder den Aufbewahrungsort der ausländischen klassischen Bücher, nahe bey 31. Es ist nicht bewiesen, ob sich darunter auch die Bücher der heiligen Schrift befinden). ) Vielleicht Chuandi's. Doch zuweilen nennt ihn der Verf. auch Chan, weil die Mongolen den chinesischen Kaiser doch den Bogdochan nennen. A. d. U. **) Der berühmte Rieei, einer der ersten Jesuiten, die nach China gekommen sind, äußerte den Gedanken, daß in alten Zeiten Hebräer— nahmentlich in Kaifüng, der Hauptstadt der Statthalterschast Chenang, gewohnt haben. Die in China befindlichen römisch-katholischen Missionare haben sich eifrig bemüht, diesen Gedanken in der Meinung der Europäer aufrecht zu erhalten. Aber alle ihre Forschungen über diesen Gegenstand sind(und zwar sehr natürlich) bloß muthmaßliche Schlüsse geblieben. Der Abbs Grosier hat, im Aten Theile seines Buches de la Chine, das ganze inte, aus 22 Seiten bestehende Kapitel mit den unbewiesenen Ueberlieferungen der Jesuiten von in China lebenden Hebräern angefüllt. Aus die— sen sieht man unter andern, daß gewisse Israeliten von Kai— füng dem Pater Gosani, einem portugiesischen Jesuiten, der an dem Orte gewesen war, berichtet hatten, es solle sich in einem der pekin'schen Tempel, dem oben erwähnten Fand— sintschan, unter den übrigen ausländischen Büchern, eine Bibel in hebräischer Sprache befinden. Die französischen und portugiesischen Jesuiten erbaten sich von dem Kaiser die Er— II. Band- 19 290 Alles, was wir bis jetzt sahen, macht gewissermaßen den öußern Theil der Hofburg aus; in das Innere derselben führt das schöne Thor 17. Es heißt der südliche Thurm oder Vorhof, und besteht aus drey Arkaden; über diesen ist ein Saal gebaut, 1 1 5 größer ist, als in den vorherge henden Gebäuden. Auf beiden Ecken dieses Thurmes sind zwey Gänge angebracht, die nach Süden zu, ungefähr auf einen Flintenschuß weit gehen, und sich gegen Osten und Westen mit Zimmern oder Säälen endigen. Diese Gänge erstrecken sich bis 31 und 32. Bey dem südlichen Thore hängt eine Glocke und eine Trommel oder Pauke, worauf man schlägt, wenn der Kaiser aus der Hofburg ausfährt, oder wenn er dahin zurückkehrt. Aus dem Thor 17 tritt man in einen Hof, hinter welchem ein tiefer und mit Wasser gefüllter Kanal, mit fünf Brücken von kostbarem Marmor sich befindet, die mit Git— tern, Säulen, Pfeilern, Vorsprüngen mit ausgehauenen Löwen und anderer Bildhauerarbeit geschmückt sind. Neben diesen kommt man zu dem dritten Thore, das in dem Grundrisse mit keiner Zahl bezeichnet ist. Hinter diesem ist ein schöner Hof Taichedäng, wohin man ebenfalls durch die Seitenthore 35 und 36 kommen kann. Dieser Hof ist mit Hallen und Gallerien umgeben, die mit Altanen und Säulen verziert sind. Man versichert daß alles dieses zu— sammen den Blick mächtig ergreift. An der Nordseite des laubniß, in den erwähnten Tempel zu gehen und jene Bücher zu sehen. Pater Parenin nahm Theil an diesen Untersuchun— gen; aber man fand dort nichts. Pater Bou vs glaubt wenig stens, man habe in dieser Büchersammlung auf einigen Hand— B schriften syrische Buchstaben gesehen. Man denkt, der Vor steher des Wiab(Tempels) habe gegen die Mission mit Hin— terlist gehandelt, und diejenigen Bücher verborgen, welche sie r, 90 5 mit solchem Ciset su Hen A. d. V. isermußen derselhn Thurn lesen is orherge— sed sind uhr auf en und Gänge Thore worauf lͤbfähtt, hinter it funf t Git— chauegen Muhen u dm weh 10 elche fle 291— Hofes 37 ist der schöne Saal Taichedäng, oder der kai— serliche Thronsaal. In diesen gelangt man auf fünf mar— mornen Treppen, deren jede zwey und vierzig Stufen ent— hält; die mittlere Treppe ist sehr breit und für den Kaiser bestimmt; die Fürsten und hohen Staatsbeamten gehen auf den zwey nächsten; die Seitentreppen sind die engsten, und den Verschnittenen und Hofbedienten überlassen. Am Neu— agen versammeln sich — jahrstage und an andern feyerlichen 7 die hohen Staatsbeamten vor dem Taichedäng zufolge ihrer Rangordnungen. Der Kaiser sitzt in dem Saale auf dem Throne. Die Fürsten, die Minister, die vornehmsten Großen stehen um ihn her; die Civil- und Militärbeamten bezeigen dem Kaiser ihre Ehrfurcht, indem sie sich bis zur Erde verbeugen. In demselben Saale empfängt der Chu— andi die fremden Regenten und ihre Abgesandten. Man sagt, zur 8 t der chinesischen Dynastie sey dieser Saal ein Wunder der Welt gewesen. 17 der Aufrührer Lifü— tschen, der Pekin und die Hofburg inne hatte, unter der Regierung des letzten Kaisers der Dynastie Min-Tschung— shen— und aus Furcht vor den Manshuren, die mit Schnelligkeit naheten, seine Beute fahren zu lassen gezwun— gen war, wollte seinen Grimm noch vor dem Weggange zeigen. Er zündete die Hofburg an und Ta ichedäng ward ein Raub der Flammen. Die Manshuren stellten es in der Folge wieder her, wenn auch nicht mit der ehemahligen Pracht, doch im ehemahligen Geschmacke. Hinter Ta ichedäng, zu dessen Seiten die Gänge 38 und 39 erbaut sind, giebt es viele andere, hinter einander stehende Paläste; sie werden durch größere und kleinere Höfe von einander getrennt. Das siebente Gebäude der Hofburg ist der sogenannte sehr erhöhete Saal; das achte ist unter dem Nahmen des mittlern hohen Saa— 18 10 1 les bekannt. In das neunte, genannt das Zimmer der höchsten Eintracht, kommt der Kaiser zweymahl des Tages, um über die Reichsangelegenheiten mit den Tschun— tan's oder Ministern und den hohen Beamten der sechs obersten Gerichtshöfe sich zu berathen. Das zehnte Gebäude ist der Vorhof des heitern Himmels, und das elfte heißt die Wohnung des heitern Himmels. Dieses ist höher, reicher und ole als alle andere. Vor demsel 195 auf dem Hofe ist ein kleiner Thurm von vergol— detem Kupfer errichtet, mit einem spitzigen Gipfel, 12 bis 15 Fuß hoch, mit einer Menge Figuren verziert, die mit bewundernswürdiger Reinheit gearbeitet sind. Auf beiden Seiten dieses Thurms stehen zwey große Rauchfässer von vergoldetem Kupfer, wo Tag und Nacht wohlriechende Sa— chen brennen. Die zwey folgenden Zimmer, wovon das eine das schöne Haus des Mittelpunkts, und das andere das Haus, das den Himmel in sich faßt, genannt wird, machen mit der vorhergehenden Wohnung das aus, was man im eigentlichen Sinne die kaiserlichen Zim— mer nennen kann. Wirklich wohnt in diesen drey Abthei— lungen der Kaiser, die Kaiserin, die kaiserlichen Gemahlin— nen und Beyschläferinnen. Diese Wohnung ist in einem länglichen Vierecke eingeschlossen, das man in dem Umkreise 40 sehen kann, weil es nicht möglich war, alle Gebäude auf dem Grundrisse vorzustellen. In der Abtheilung, welche die Zimmer. worin der Kaiser und die Kaiserin wohnen, 15 Mauern und Thore höher als in den Ab— theilungen, 91195 die von den kaiserlichen Gemahlinnen und Beyschläferinnen bewohnten Zimmer enthalten. Uebri— gens sind im Innern dieser Abtheilungen kleine Kanäle, Springbrunnen, Seen, Blumenbeete, Fruchtgärten u. s. w. Die verwittwete Kaiserin wohnt in einer geräumigen und N 290 8 lier det schönen Hofburg, westlich von dem Hofe Taichedäng 41, fahl de die unter dem Nahmen Dfüningun, d. i. der Palast Ischun⸗ des innigen Mitleidens und der Ruhe bekannt ist. Oestlich scche von demselben Hofe ist 42 ein anderes Hofgebäude, das chäude der Thronerbe bewohnt, wenn er dazu erklärt ist. ö alst 40 ist eine Triumphpforte. Diesel Hinter der kaiserlichen Wohnung ist ein großer Saal Jor angebracht, der kaiserliche genannt, der den Platz der rgol⸗ vierzehnten Abtheilung der Gebäude ausmacht. Aus dieser 2 bis Abtheilung kommt man in die funfzehnte und letzte in D sü⸗ 2 dsintschen gegen Norden, der Vorhof der geheimen eden(geistlichenp Mannhaftigkeit genannt, 19. Es macht 70 eins von den Thoren von Dfüdsintschen aus. Hinter 60 diesem sind noch kaiserliche Zimmer, die schon einen Theil 199 von Chuantschen ausmachen, welches wir weiter unten d das beschreiben werden. J 060 ier den Höfen und 1 n 1 1 5 haben, giebt es noch in Dfüdsintschen viele 8 Ge⸗ 105 1 als: Dfüngdsitschü— der e Rath; fei Nüigé— der Senat; Neiufü— das Hofcomptoir; 0 eben so auch eine große Anzahl Manufakturen und Maga— 10 zine, schöne Tempel, eine Schule, wo man die Großfürsten 10 3 der Wali und n Wahlerdenheit 8 000 eichket, die kaiserliche Druckerey, eine vortreffliche Apotheke, 00 mit Laboratorien u. s. w. 35 2. Chuantschen). Diese Abtheilung fängt bey 21 100 an, und geht gegen Norden, durch die Straße Tscha—⸗ nnen) Europäische Gelehrte, die das Schriftzeichen Chuan, das f Kaiser, kaiserlich bedeutet, für das gleichbedeutende Chuan debt gelb, genommen haben, übersetzen irrig Chuantschen die näle, gelbe Mauer. Die Mauern von Chuautschen sind jetzt, 18217 eu. mit rother Farbe bedeckt; nur das Dach darauf ist von Ziegeln gemacht, die gelb glasurt sind. A. d. V. . näng, bis zu der Triumphpforte, die dicht am südlichen See steht, dann wendet sie sich gegen Westen, hierauf wie— der gegen Norden, geht durch das Thor 25, dann neigt sie sich gegen Osten, jenseit der Seen, geht bey dem Thore 24 und dem Bache vorbey, dehnt sich nach Süden, am östli— chen Ufer desselben hin, wird durch das Thor 23 unterbro— chen; durchschneidet wieder den Bach, reicht bis an das Thor 22, und geht dann südwärts bis zu dem Thore 21, von wo sie angefangen hat, und macht auf diese Art im Umkreise 18 Li, ungefähr 10 russische Werste(12 d. M. aus. Dieser ganze Raum war, unter dem Kaiser Junlé für die kaiserliche Hofburg bestimmt, und er ließ die Ring— mauer darum in der Gestalt bauen, in der sie noch jetzt besteht. Seine Nachfolger gaben mehrere Plätze an Privat— leute, und erlaubten Kaufleuten, sich an diesem Ort nieder— zulassen, die nun überhaupt in dieser Abtheilung viele Kauf— läden haben. Jetzt wohnen dort größtentheils Beamte und Diener des Hofcomptoirs. Tritt man aus D ee gegen Norden her— aus, durch den Vorhof der geheimen Mannhaftigkeit 19, und geht über den Bach oder Graben, auf einer schönen marmornen Brücke, so tritt man in die sechzehnte Abthei— lung der Hofpaläste, genannt: der sehr hohe nördliche Vor— hof 43; die siebzehnte Abtheilung der Hofburg, unter 44, heißt der Vorhof Wangßui, oder: viele Jahre. Wangßui ist einer von den unter dem Volke gewöhnlichen Titeln des Kaisers. Diese beiden Vorhöfe sind von einander durch ei— nen Hof geschieden, der sich 30 Klaftern von Süden nach Norden und ungefahr 200 von Osten nach Westen erstreckt. Die Thore 44, 45, 46 gehören zu dem geräumigen Gebiete, in welchem der Berg D sin sich befindet. Dieser Berg ist von Menschenhänden aufgethürmt, und dazu hat nagt s Jon am aß interhro⸗ an das ble A, let in . M) unlé N. Aing⸗ ch jekt man die beym Graben der Graben und Seen ausgegrabene Erde genommen. Man sagt, man habe in den Grund die— ses Bergs eine große Menge Kohlen gelegt, die bey einer vorfallenden Belagerung der Stadt als Vorrath dienen sol— len. Dsinschang besteht aus fünf nicht hohen Hügeln, wovon der mittelste der größte ist. Die übrigen sind mit ihren Abhängen gegen Osten und Westen gewendet. Sie sind mit Bäumen bedeckt, die bis oben hinauf in symme⸗ trischen Reihen gestellt sind. Hier unterhält mar Hasen, Kaninchen, Hirsche, wilde Ziegen und ähnliche Thiere, wo— bey zugleich die Luft von dem Gesange der Vögel ertönt, die auf den Bäumen umherfliegen. Auf diesen Berg ging Tschungdsheng, der letzte Chuandi der Dynastie Min, um nicht lebendig in die Hände des Aufrührers Lid sü⸗ tschen zu fallen, der, wie oben erzählt wurde, die Hofburg inne hatte. Dieser unglückliche Kaiser hieb seine Tochter mit dem Säbel nieder, und hängte sich dann selbst an ei⸗ nem Baume, auf dem Berge Dsin, am Morgen des 1öiten (25sten N. St.) April 1644. Am Vorabende diese entging seine Gemahlin, durch einen ähnlichen To Hofburg, der Verfolgung des Lidsütschen. Der Kaiser Zang lung hat Dsinschang sehr verschönert, indem er d vortreffliche Gärten, angenehme Spazie rgänge ange— legt, ein prächtiges Haus und Sääle zu Schau pielen und Concerten erbaut hat. Ueberhaupt ist Dsinschang auch bis jetzt wirklich der schönste Platz in Pekin. Nördlich von diesem Berge sieht man der Vorhof 47. Etwas höher ist der Palast 48 erbaut, genat unt: der kaiser⸗ liche Hof des langen Lebens. Jetzt ist er unbewohnt. Nur beym Todesfalle der Kaiser werden ihre Leichname, bis zur Einrichtung des Begräbnißplatzes, in dem eben erwähn— ten Hofe ausgestellt. Weiter hin geht eine lange und breite r—— „ Straße, auf deren linken Seite eine Reihe Buden gebaut ist, die Werkstätte der Hoffeuerwerker und Lakirer, die Niederlagenhöfe für Bauholz, und auch eine zweyte Reihe Buden, der ersten ähnlich. Auf der rechten Seite sind auch zwey solche Reihen. Der dazwischen befindliche Raum ist mit Häusern und sogar mit Schlössern besetzt. Dort steht auch ein nicht großes hölzernes Gebäude, in welchem die Soldaten des kaiserlichen Garderegiments ihre Wohnun— gen haben. Diese Straße endigt sich mit dem Vorhofe Diang d. i. der Ruhe auf Erden 24; er macht eines von den Thoren von Chuantschen aus und ist die zwanzigste und letzte Abtheilung der kaiserlichen Hofburg. Jetzt kann man es sogar für die ein und zwanzigste rechnen, seitdem der Kaiser Zänglung auf Dsinschang das Schloß erbaut hat, von dem wir oben sprachen. Die Hauptörter in Chuantschen und Dsintschen sind größtentheils Tempel, oder Miao, Gerichtshäuser und Schlösser, und deswegen sind auf dem Grundrisse, um die besondern einzelnen Verweisungen darauf abzukürzen, einige allgemeine Zeichen gemacht. Die Tempel sind durch Stern— chen bezeichnet. Doch fanden wir für gut, eine Menge der kleinern Mia do wegzulassen; denn, außerdem daß die Zahl der Sternchen gar zu groß geworden wäre, giebt es kein chinesisches Schloß oder der Regierung gehöriges Gebäude, wo nicht ein Tempel dazu gehörte. Der Buchstabe 8 bezeichnet ein der Regierung gehöri— ges Schloß eines kleinen Königs oder Fürsten aus dem Geschlechte der Kaiser der manshurischen Dynastie, besonders der Fürsten, die an der ersten Eroberung China's Theil ge— nommen haben. Alle erhalten von der Regierung einen sehr bedeutenden Gehalt, zum Unterhalte für sich selbst und die bey ihnen befindlichen Staatsbeamten. Die Prinzen von — ien ght ffir, che ge le sss 0 Naum t. Dolt welchem dohnun⸗ Jorhofe ed von amiise t kann seitdem erlaut n sind t und um die einge dan⸗ e der Zahl fein de, höͤri⸗ dem ders ge⸗ seht d die von Geblüt und die eben erwähnten Fürsten theilen sich in be— sondere Klassen; wovon die der ersten Klasse den Titel Sin— wan haben; die der zweyten heißen Dsiun-wan; die der dritten Beil“, die der vierten Beiß é, und die von der fünften Gun(Gun). Bey dem Tode eines von diesen Fürsten geht seine Würde auf denjenigen Sohn über, der von dem Vater zum Erben ernannt ist; die übrigen Kinder bleiben unter der allgemeinen Benennung Chuan Daidsü d. i. die gelbumgürteten“) Prinzen; aber sie haben keine ihnen verliehenen Schlösser. Uebrigens können die Manshu— ren Fürsten seyn, nicht bloß durch ihre Abstammung, son— dern auch durch Vermählungen mit dem regierenden Hause. Der Buchstabe 6 bedeutet Gerichtshöfe oder Gerichts— häuser, sowohl obere dirigirende, als untere oder unterge— ordnete. Wir werden davon in der Folge sprechen. Auf der Westseite von Osüdsintschen und Dsinschang sind Seen, die von Menschenhänden ausgegraben sind. Ge— gen Norden sind fünf Lusthäuser in dem See selbst erbaut. Der Kaiser macht Spazierfahrten auf einer Gondel dahin. Dort wohnen auch, wie die Einwohner Pekin's sagen, im Sommer die reizendsten der chinesischen Frauen aus dem Harem des Chuandi. Ueber den Lusthäusern ist 49 ein sehr angenehmer Platz mit einem schönen Gebäude am Ufer des Sees. Nördlich davon ist ein Tempel erbaut, wo die kolossale, aus ver— goldetem Kupfer verfertigte Bildsäule des Fo oder Schig e— muni, des Stifters des lamaischen Glaubens, aufgestellt ist. Das Bild hat hundert Arme, und ist über 60 Fuß *) In China ist die gelbe Farbe dem Kaiser vorbehalten. Die manshurischen Prinzen streben sehr, wenigstens durch gelbe Gürtel, den Beweis ihrer kaiserlichen Herkunft zu bewahren. A. d. V. N „ hoch. Der Tempel ist nicht längst erst gebaut und ist ein sehr schönes Gebäude mitten in einem großen Garten. Ge— gen Nordost davon steht ein andrer Tempel. Wenn man sich gegen Süden wendet, zeigt sich dem Blicke eine Insel in dem See 50, die einen Berg bildet, auf dem ein Baitä oder weißer Obelisk, in Form einer hohen spitzigen Säule aus weißem Marmor errichtet ist. Der Hügel, auf dem dieser Obelisk steht, besteht aus sel— tenen Steinen, die in alten Zeiten aus den südlichen Statt— halterschaften China's herbeygeschafft worden sind. Die ge⸗ genwärtige Dynastie hat diese Insel in einen mongolischen Tempel verwandelt, worin Verschnittene als Lama's die— nen. Uebrigens giebt es darauf, außer den Tempeln, viele Thronsääle und Lusthäuser, die mit sehr gutem Geschmacke gearbeitet sind; alles dieß bietet einen erhabenen Anblick dar, welchem noch die am Ufer der Insel selbst errichteten Geländer von weißem Marmor eine besondere Schönheit ver— leihen. Diese Insel macht eine der schönsten Zierden der Hauptstadt China's aus. An dem östlichen Ufer desselben Sees ist ein Garten von Maulbeerbäumen, Ssan-juang, angelegt, um Sei— denwürmer aufzuziehen. An der nördlichen Ecke davon, 51, ist ein Tempel, dem Schutzgeiste des Seidenbaues geweiht. Die regierende Kaiserin beschäftigt sich, zu festgesetzten Zei— ten, jeden Frühling dort mit dem Aufziehen der Seiden— würmer. Die Hofdamen theilen diese wohlthätige Arbeit, die zum Swecke die Aufmunterung zum Seidenbau hat, welcher für China zur Bekleidung der Bewohner unentbehr— lich ist; auf gleiche Weise wie der Kaiser durch eigenhändige Bearbeitung eines Feldes, die Fortschritte des Ackerbaues befördert. 299. In derselben Richtung, zwischen zwey Bergen, das ist zwischen Dsinschang und dem weißen Obelisken, trifft man, 52, ein schönes Schloß, wo die Gedächtnißtafeln des Kai— sers Kanßi aufbewahrt werden. Der Kaiser geht zu ge— wissen Tagen hin, wegen des Andenkens an Kanßi, einen der berühmtesten und glücklichsten Beherrscher China's. Er regierte von 1662 bis 1722; er begünstigte die Verkündi— gung des Evangeliums; besonders beschützte er die Jesuiten aus Achtung für ihre Gelehrsamkeit. Der See, auf dem der Obelisk steht, wird durch eine prächtige marmorne Brücke von einem andern großen See geschieden, der in der Länge nach Süden zu 2 Li(F d. M.) hat. Die Ufer die— ses Sees sind auch mit verschiedenen Schlössern, Tempeln und Lusthäusern geschmückt. Auf der Südseite davon muß 53 ein Lustschloß, In— tai, seyn. Es hat prachtvolle Gärten, Sääle und Spa— ziergänge. Der größte Theil der Gebäude davon ist schon zur Zeit der mongolischen Kaiser aus dem Hause Juang, gebaut. Man sagt, in diesem Schlosse habe der verstorbene Chuandi Dfäzin persönlich die Hauptverschwörer des letzten chinesischen Aufstandes, der im Herbste 1813 ausbrach, verhört. 54 ist ein Thor, das aus dem Schlosse nach dem süd— lichen See führt. Westlich von diesem See sieht man, unter 55, das ehedem den französischen Jesuiten gehörige Kloster, durch welches auch von ihnen der Mittagskreis von Pekin gezogen ist. Dieses Gebäude ist in Pekin unter dem Nahmen Bei— tan, d. i. nördlicher Tempel, bekannt. Wenn man längs der Mauer von Chuantschen nach Norden zu, von dem Thore 25 aus, geht, sieht man, über 1 56, viele Gebäude von einerley Art, die in einer Reihe „ nach Norden zu gebaut sind. Dieses sind die Pulver- und Salpetermagazine. In Chuantschen sind noch andere der Regierung gehörige Magazine, wo Seide, Doppelmatten, Leder, Leinwand, Oehl, Wein, Essig, Eyer, Porzellan, lakirte Sachen, Brennholz, Kohlen u. s. w. aufbewahrt werden. Etwas gegen Osten, der Mitte der Pulvermagazine ge— genüber, 57, ist ein Thiergarten für Tiger. Weiter unten ein großer lamaischer Tempel. Gerade gegen Nordwest von Chuantschen, im Innern des umschlossenen Platzes, ist ein Lusthaus, 58, erbaut, aus welchem der Kaiser das Schießen mit Bogen und die Pferderennen seiner Krieger ansieht. In der Richtung gegen die nordwestliche Ecke von Chu— antschen, findet man unter 29 einen Ort, wo gewöhnlich das Pulver bereitet wird. Auf der andern Seite des Baches bemerkt man das Gebäude 60, hier verfertigt man verschiedenes Hausgeräthe für die Hofzimmer. Weiter unten, 61, ist ein großer mon— golischer Tempel Ssündshußü n), worin der Kutuchta wohnt, der vornehmste von den in Pekin befindlichen drey Oberpriestern der lamaischen Religion. Bey diesem Tempel ist eine große Druckerey, um geistliche Bücher in tibetischer Sprache zu drucken. 62 sind die kaiserlichen Marställe, deren auch viele in andern Gegenden dieses Stadtviertels sind. 63 die manshurische Schule der russischen Sprache. Geht man gegen Süden, so sieht man einen Platz, mit 64 bezeichnet, das ist das Archiv. An der Südseite ) Hier hat seinen Aufenthalt Tschen-Lama, unser guter Freund, von dem im dritten Kapitel dieser Reise viel gesprochen wor— den. A. d. V. gr. dere dat nnatteß, elan, wahrt e ge⸗ ten ern aut, die Gu⸗ — a————— „ davon ist der Gerichtshof, der über die Hofküchen die Ge— richtsbarkeit hat, er ist mit 65 bezeichnet. Nahe an der Ringmauer von Osüdsintschen ist ein andrer Gerichtshof 66, in welchem man sich mit Sachen beschäftigt, welche die Abbildung der Schutzgeister auf den Häusern betreffen. Weiter unten von Chuantschen, oder an der Südseite der Ringmauer ist ein Gebäude, zwischen dem Bache und der Mauer, 67, das ist ein Lusthaus, aus dem die Gro— ßen des Hofes dem Schießen mit Bogen zusehen. 3. Dfintschen. Diese dritte Mauer ist die Ring— mauer der ganzen Thronstadt. Süͤdlich von Chuantschen und westlich von dem Ein— gange in die Hofburg, befindet sich Tschugutin, oder der Gerichtshof 68, wo einst eine Trommel stand, und wo man Tag und Nacht eine aus Beamten und Soldaten be— stehende Abtheilung von Mannschaft unterhielt. In alten Zeiten, wer vor einem Gerichte kein Recht finden konnte, der ging dahin und schlug auf die Trommel. Auf diesen Schall versammelten sich die Beamten, untersuchten die Klage des Bittenden, und entschieden entweder selbst seine Sache, oder verschafften dieser ihren gesetzlichen Lauf. Jetzt ist diese Gewohnheit des alten Rechtes abgeschafft. Wenn man gegen Westen auf der Straße der ewi— gen Ruhe weiter geht, trifft man links ein anderes Ge— bäude, den Verwahrungsort der Fahnen, Abzeichen und anderer Decorationen, welche hinter dem Kaiser bey sei— nem Ausfahren aus der Hofburg hergetragen werden. Noch weiter gegen Westen, unter dem Buchstaben M, ist die mohammedanische Hauptmoschee für die Turkestanen. Auf der andern Seite, oder auf der Ostseite von dem Eingange in die Hofburg auf derselben Straße, unter 69, ist ein zweyter Verwahrungsort für die Decorationen, welche vor — 02 7 dem Kaiser bey den obenerwähnten Fällen vorgetragen wer— den. Beynahe der ganze übrige Theil dieses Stadtviertels ist von Gerichtshäusern eingenommen. Darunter sind sechs Haupt-Gerichtshäuser, von welchen die andern abhängen. Es ist oben von Gerichtshöfen im Innern der Hofburg die Rede gewesen. Sie sind in der Form eines Reichsrathes eingerichtet und haben das Vorrecht der höchsten Instanz über die andern Gerichtshöfe, sogar über die sechs di— rigirenden. 70, östlich von dem Zugange zu der kaiserlichen Hof— burg Dsunshing-Fu, oder der fürstliche Gerichtshof, der über alles, was die kaiserliche Familie betrifft, verfügt. Unter 71, Libu oder die Wapenkammer, ist der erste und vornehmste unter den sechs dirigirenden Gerichtshöfen. Ihre Pflichten bestehen darin, die Civil-Beamten in die verschiedenen Provinzen des Reichs zu ernennen, über sie die Aufsicht zu führen, und über ihre Aufführung dem Kai— ser Bericht zu erstatten. 2, Chuübu, oder der Gerichtshof der Schatzkammer, der die Reichseinkünfte und Ausgaben verwaltet, und alle wget über e e det. Dieser Gerichts— 0 73, Liibu, der Gerichtshof der Rangbestimmungen, der der Ceremonienmeister-Gerichtshof, der dritte dirigi— rende Rath. Er entscheidet alles, was die chinesischen Ce— remonien, Religion, Vorstellung der Gesandten, Erklärun— gen mit ihnen, betrifft u. s. w. 74, Täiijuäng, der medicinische Gerichtshof. 75, Zintängdsäng, die astronomische Akademie oder Behörde, dem Gerichtshofe der Rangbestimmung un— „o grdno tergeordnet. en un btbiertetz ————— 76, Chünlußü', der Gerichtshof, der über die Ce— remonien bey Hofe zu entscheiden hat. 77, Günbu(Hünbu) der Gerichtshof der der Re— gierung gehörigen oder offentlichen Gebäude, die sechste di— rigirende Behörde. 78, Binbu, der vierte dirigirende Militär-Gerichts— hof. Die Unterhaltung und Verwaltung der Truppen, und dann die Post im Innern des Reichs— machen den Ge— genstand seiner Arbeiten aus. 79, westlich von dem Eingange zur kaiserlichen Hof— burg, ist Ssüinbu, oder der Criminal-Gerichtshof, die fünfte dirigirende Behörde. 80, Dutschäjuäng, oder der Gerichtshof der Ge— neral-Procuratoren, von andern der Polizey-Gerichtshof genannt, von welchem die Procuratoren in den Statthal— terschaften abhängen. An diesen Gerichtshof gelangen auch Bittschriften, die an den Kaiser gerichtet sind, und sehr wichtige Dinge betreffen Der Gerichtshof unter 79 ist das zweyte Departement des Criminal-Gerichtshofs, der dem ersten untergeordnet ist. Drey kleinere Gerichtshöfe, zur linken Seite, sind be— sondere Gerichte von drey Procuratoren, die über die Cri— minalsachen der eigentlichen Einwohner Pekin's zu entschei— den haben. Wendet man sich nach dem 100 10 en 3 ile der Stadt, so sieht man auf dem südlichen Theile der Straße der e wi— gen Ruhe, nahe bey dem Kanale unter 81, Chang— ling-juang, oder den Gerichtshof der chinesischen Ge— schichte und Wohlredenheit. Der Vorsitzer und die Mit— glieder, die diesen Gerichtshof ausmachen, sind die ausge— zeichnetsten von der Regierung ernannten Gelehrten, Chäͤng— ling genannt. Die gelehrten Chineser, die hohen und 8 niedern gelehrten Stellen hängen von diesem Gerichtshofe ab. Er erwählt und ernennt die Untersucher und Richter für die Werke, die man von den Candidaten bey ihrer Er— hebung zu Civilwürden fordert. Derselbe Gerichtshof er— nennt auch die besten Dichter und Redner, die verbunden sind, die Stunden ihrer Muße zur Ausarbeitung von Ge— dichten oder rednerischer Prose zu widmen, um sie dem Kaiser vorzulegen. In der Richtung desselben Kanals gegen Süden, bey der Brücke Dshunjuichü, 82, ist der russische Gesandt— schaftshof und das stawrop igische) Kloster zur Reini— gung Mariä. Hier hat die russische kaiserliche Mission seit länger als hundert Jahren ihren Aufenthalt. Das Beson— dere der Gebäude selbst ist auf dem eigenen, dem ersten Theile dieser Reise beygelegten Grundrisse erklärt. Der aum dieses Klosterhofes, auf chinesisch: Weitünguäng (Weitunhuang) hat fast alle Bequemlichkeiten eines ruhigen und angenehmen Lebens in sich. Ohne Beengung des Raums können darin funfzig und mehr Menschen Platz finden; es sind vortreffliche Fruchtgärten und Blumenbeete angelegt. Ich sage es kühn, einem edlen Manne, der die Einsamkeit nicht scheuet, Geistesbeschäftigung liebt, und gern sich der Erfüllung der Zwecke des Vaterlandes widmet, *) Im Nussischen: stawropigialnüi, von dem(spätern) Griechi— schen or ονοοννννπναπν.(tawropigia nach reuchlinischer, stauropegia nach erasmischer Aussprache.) Heftung ans Kreuz, Kreuzigung. (Fast alle aus der griechischen in die russische Sprache übergegan— genen Wörter haben die sogenannte reu chlinische Aussprache der jetzigen Griechen, daher stawropigialnüi, wo man nach der erasmischen Aussprache des Griechischen stauropegialnüi sprechen würde). Bey den Russen bezeichnet aber dieses Wort: nur vom heiligen Synod(dem höchsten geistlichen Gericht in Ruß— land) unmittelbar abhängig, und nicht dem Kirchensprengel ir— gend eines Bischofs unterworfen. A. d. U. 80 fahlehose Nichten ler Er⸗ of er⸗ bunden on Ge⸗ e dem bey sandt⸗ Mini on seit Beson⸗ ersten Det uäng Lines angung Leh op gia gung,. segan— rache 0 det rechen „ nut Nuf⸗ gel ik — 305— einem solchen Mann wird das Leben in Pekin nie ein Zeit— raum der langen Weile oder des Leidens dünken. Dort kann man immer Gegenstände finden, würdig einer auf⸗ merksamen Untersuchung; man kann auch Seit und Gelegen— heiten zu angenehmer Zerstreuung finden. Zu dem russischen Kloster gehört die Kirche zu Marla Himmelfahrt, die in dem äußersten nordöstlichen Winkel von Dsintschen, 23, sich befindet. Dorthin sind unsre Ka— saken, die unter dem Kaiser Kanßi, 1685, gefangen ge— nommen wurden, aus der Stadt Albasin, die am linken Ufer des Flusses Amur lag, versetzt worden. Jetzt sind bey dieser Kirche einige kleine, dem Kloster zugehörige Häuser. Nicht weit von dem russischen Klosterhofe gegen Sü— den, 84, gerade an der Stadtmauer, ist Gäwliguang (Hawlihuang) oder der koreische Kloster- oder Tem— pelhof. Wenn man etwas gegen Nordost von unserm Kloster— hofe über den Kanal hingeht, befindet sich auf der Straße der ewigen Ruhe, 85, Lifangjuäͤng, der Gerichts— hof der auswärtigen Angelegenheiten, die auf Rußland, die Mongoley, Ili, das östliche Turkestan, Tibet und Korea Bezug haben. Beynahe dem Thore dieses Gerichtshofes gegenüber, auf der Südseite derselben Straße, ist, 86, Tängdsü oder der schamanische Tempel, der zur Verehrung der Ah⸗ nen der manshurischen Dynastie gewidmet ist. Am isten Tage jedes neuen Jahres, am[sten jedes Monats, und bey besondern Vorfällen am Hofe, eben so auch zur Zeit der Abreise aus der Hauptstadt, oder der Ankunft darin, begiebt sich der chinesische Kaiser in diesen Tempel, um hier die festgesetzten Ceremonien zu vollziehen. Bey der Rückkehr von Truppen aus einem siegreichen Kampfe, bringt man, E Band. 20 „ unter Vortragung der Fahnen, dem höchsten Geiste die Danksagung. Weit mehr rechts, nahe bey der östlichen Stadtmauer, 87, ist Gün ju ang(Hunjuang) oder Dsiütschan, eine Abtheilung von Chäng-ling-juäng. Der geräumige Platz, wo man gewöhnlich die vom Civildienste, wegen Beförderung zu Würden, prüft, besteht aus 10000 Zim— mern oder Kämmerchen, noch außer den schönen Ge mä— chern für die Beamten, die sich einfinden um die Prüfungen zu halten. Diese letztern führen die Aufsicht über die Schriftsteller, nicht sowohl der guten Ordnung wegen, als damit der Unwissende nicht die Beyhülfe seines gelehrteren Gefährten benutze. Mit eben der Strenge hält man auf die Candidaten beym Eintritte Aufsicht, daß sie nicht Bü cher, oder schon fertige, von andern geschriebene Schriften mitbringen. Aehnliche Prüfungsplätze sind auch in den Gouvernements-Städten eingerichtet. Der Kaiser ernennt dahin als Vorsitzer Chang-ling's aus der Hauptstadt, welches vornehme, den ersten Großen des Reichs gleich ste— hende Leute sind. Die kaiserliche Sternwarte ist ebendaselbst, 88, auf der östlichen Stadtmauer. Sie wurde unter der Dynastie Juang 1279, im 16ten Jahre des Kaisers Juangdshi, vor länger als 500 Jahren, gestiftet. Da die ehemahligen 8 — astronomischen Geräthschaften, durch die Länge der Zeit zum Gebrauche untauglich geworden e 1 nach 7 14 2 em Willen des e Kanßi 1673, unter Anleitung der Jesuiten, sechs neue 1 verfertigt. Dort ste— hen auch die astronomischen Instrumente, welche von dem englischen Gesandten, Lord Macartney, als Geschenke des e Königs von England überbracht wurden. „— . Gegen Nordwest von der Sternwarte, näher gegen Chuantschen, unter 89, ist ein Ort bezeichnet, wo das nauer, Kloster zum heil. Joseph war, das in Pekin unter dem , eine Nahmen des östlichen christlichen Tempels bekannt ist. Dar— Jumige in hielten sich die Jesuiten der verschiedenen europäischen wegen Reiche auf, ausgenommen die Franzosen, die, wie oben er— Hln⸗ wähnt, ihr eigenes Kloster hatten. Bey der in diesem Klo— e ma⸗ ster 1812 entstandenen Feuersbrunst ist es vernichtet worden. ungen Im Norden des gedachten Klosters geht eine große 00 Straße, auf deren Durchkreuzung, 90, eine hölzerne) , als Triumphpforte, auf chinesisch Dun-ßü-pai-lou, di. hiteren die östliche der vier Triumphpforten, steht. Sie ist aus n auf hohen, oben mit Querbalken in einigen Schichten überein— t Bö⸗ ander verbundenen Säulen errichtet, mit rother Farbe an— helfen gestrichen, und mit Inschriften und Abbildungen verschiede— 1 b ner Thiere versehen. ernennt Der Tempel Läͤnfußü, 91, gegen Westen, steht od, gerade neben dem Thore und auf der Nordseite von Ma— 1 schi, oder dem Roßplatze. Der Bau dieses prachtvollen f Tempels kam 1452 hoch zu stehen; er ist unter der jetzigen Dynastie, unter der Regierung des Jundshen, neu ge⸗ auf baut worden. Auf dem Hofe desselben ist, am 9ten und gastie 10ten, am 19ten und 20sten, am 29sten und 30sten Tage shi, jedes Monats vom Mittag an großer Markt, zu welchem ö ligen von allen Theilen der Stadt sich Kaufleute mit Waaren 7 Zeit, versammeln. Der Zusammenfluß des Volks ist außerordent— 1 nach lich. Reiche und hohe Familien fahren mit ihren Kindern 9 stung hierher zum Vergnügen. a ste⸗* 195 egen Entfernung der waldigen Gegenden von Pekin, und 1 den egen der Schwierigkeit, Lasten dahin zu bringen, 8 0 2 6 00 belzerne Gebäude ungleich theurer als steinerne zu stehe 0 N e zeigt sich eben hierdurch der Reichthum und der! 5 7 der Erbauer, und sie sind hier sehr selten. A. d. V. 20* ———— . Lange Reihen von Gebäuden 92 und 93, näher an der östlichen Stadtmauer, bieten sehr große Vorrathshäuser zur Niederlage von Reiß dar. Aus diesen werden monatlich Lebensmittel an die Offizier und Soldaten des pekin'schen Corps ausgegeben). Von da gegen Norden, nicht weit von dem angdin'schen Thore, ist 94 Junchogüͤͤn, ein geräumiger Platz, wo ehedem das Schloß des vierten Sohnes des Kanßi stand. — Sein Sohn Zänglung befahl das Schloß niederzureißen, und ließ an dessen Stelle erbauen: 1) ein Haus zu Ehren des Jundshen; 2) schöne Zimmer fär ihn selbst, für die Fälle, wenn er hierher kam, die Ceremonien zum Andenken seines Vaters zu verrichten; 3) einen prächtigen Tempel zu Ehren des Fo; 4) ein Kloster, wo mehr als 300 mongo— lische Lama's wohnen. Sie haben mehr als 200 Schüler, welche die tangutische oder tibetische Sprache lernen, geist— liche darin geschriebene Bücher zu verstehen, die Lehre des Fo, die Arzneykunde und andere Wissenschaften studieren. Hier befinden sich auch Bildhauer und Mahler. Die Lama's lesen in ihren Tempeln Tag und Nacht Gebete. Ueberhaupt ist Junchogun der erste Tempel, wegen seiner Größe, und der Pracht seiner Gebäude. Er steht an Schönheit der kaiserlichen Hofburg und den Lustschlössern nicht nach, die unter Zänglung erbaut sind. Ueber die Straße nach Westen hin, ist 95 Hödfü— d sänng, oder die kaiserliche Universität, in welcher viele Professoren sind, die die chinesische und manshurische Bered— samkeit lehren. In diesem Gebäude ist ein schöner Tempel *) An die Mitglieder der Mission wird der beste Reiß aus den Hofmagazinen gegeben. A. d. V. — 309 dhe ah dem Confucius(Kun-fu-tßün) und seinen Jüngern söhäuse errichtet. Zu gewissen Zeiten des Jahres, und unabänder— pati lich am ersten Tage des Aten Mondes, kommt der Kaiser wescheg hierher, um seine Ehrfurcht dem Andenken des Philosophen Confucius, als eines Weisen und Volkslehrers zu bezeigen. Die Eingänge, Thore, Höfe und Zimmer von Hödsü— u schen dsäng sind sehr merkwürdig, wegen ihrer schönen Bauart. 3 Südlich von der Universität, auf der Westseite der 105 Straße, die von dem angdin'schen Thore ausgeht, trifft aßen, man 96. Das ist das Verwaltungsbüreau von Schüng— 05 tängfü oder des Gouverneurs von Pekin. Fu auf chine— 1 1 sisch bedeutet eine Stadt der ersten Klasse; zu diesem Fu ddugken setzt man noch gewöhnlich hinzu Dsheu und Sfäng el z(Ssiang) oder Stadt der zweyten und dritten Klasse, nongo⸗ gleichsam Kreisstadt und Districtsstadt. Schungtängfu, d. i. chület, Pekin, begreift, außer vielen davon abhängigen Dsheu geisk und Ssäng, in sich zwey besondere Sfäng, deren jede ir de einen eigenen Vorgesetzten oder Director hat. Dem Direc— lor, tor von Daßingßäng, der die bürgerlichen Angelegen— ma's heiten der Bewohner des östlichen Theils von Pekin, und haupt der dazu gerechneten Dörfer in einer Linie von 15 Wersten und(27 d. M.) unter seiner Gerichtsbarkeit hat, gehört das t der Haus 97, gegen Südost von dem vorhergehenden Verwal— „ die tungsbüreau des Gouverneurs. Nahe dabey gegen Osten ist der Münzhof, deren man noch zwey in andern Theilen 5 von Dsintschen findet. Dem Vorgesetzten oder Director von 1 Wang-pin⸗ßäng, dem der westliche Theil Pekin's mit 5 0 seinen Ueberrest untergeordnet ist, gehört ein andres Haus Buudd⸗ 98 zu, dem nordwestlichen Winkel von Chuantschen gegenüber. Tempel ) Go schreibt der Verf. den Nahmen, der gewöhnlich sonst qus del immer Kong-fu-tße geschrieben wird. A. d. U. 5 Geht man nördlich aus dem Kaiserhofe durch Chuan— tschen, trifft man, bey einer Brücke über einen Bach, etwas zur Rechten, 99 das Haus der obersten Polizey: Tüidu jämung. Weiter gegen Norden ist 100 Gulôò u, oder ein Thurm mit einer Trommel. Diese schlägt man fünf— mahl des Nachts, so daß man es in allen Theilen der Stadt hört. Ehedem, sagt man, war hier eine kupferne Wasseruhr, die jetzt außer Gebrauch ist. So wie dieser Thurm, so ist auch der folgende unter Junlé, dem dritten Kaiser des Hauses Min, erbaut worden. Etwas nördlicher ist ein Thurm 101, auf dem eine große Glocke hängt, zu demselben Gebrauche wie die Trom— mel. Junlé befahl 5 Glocken zu gießen, wovon jede 3000 Pud*) wiegen sollte. Die am lautesten tönende und am besten bearbeitete ist 3 Werste(fast E d. M.) von Pe— kin gegen Westen auf dem Choschan'schen Tempel**); die zweyte ist bey dem Eingange in die kaiserliche Hofburg nahe bey dem Thore 17, von dem wir gesprochen haben; die dritte ist auf Dshunlou, von dem eben jetzt die Rede ist; die andern sind ohne weitere Beachtung in dem näch— sten Tempel bey Dshunlou gelassen worden. Der ganze nordwestliche Winkel von Dsintschen wird von großen, künstlichen Seen bewässert, durch welche große Dämme gezogen sind, besetzt mit dickbezweigten Weiden. Es wachsen deren viele auch an den Ufern der Seen. Ue— brigens ist dieser Theil der Stadt sehr wenig bevölkert. Die westliche Seite von Dsintschen zertheilt in zwey Theile der Tscheugéu, oder ein stinkender Kanal, der „ *) D. i. 120000 russische Pfund, welche 10440 Leipz. Pfund, oder 949 Zentner und 10 Pfund betragen. A. d. U. *r) S. oben, S. 198. A. d. V. —.——. ———— — 311 3 Ghun⸗ ä f 0 5 3 von Norden gegen Süden gezogen ist, um den Unreinigkei— 105 ten Abfluß zu verschaffen. i Auf der Straße, die in die Stadt von dem südlichen n Thore aus führt, gerade am Anfange des Fscheugeu, sieht fans man einen Platz, worauf das Kloster 102 war, in dem u det einst die Missionare der Propaganda, oder der Gesellschaft bern zur Verbreitung des Glaubens, wohnten; jetzt ist dieses dieser Kloster nicht mehr. ten Geht man etwas gegen Osten, so wendet man sich südlich in eine große gerade Straße. Links steht ein großes de altes Gebäude 103; das ist der Tempel Chugoß un, be⸗ Ao kannt durch einen zahlreich besuchten Markt, der alle Mo⸗ jede nat, den 7ten und Sten, 17ten und 18ten, 27sten und e und 28sten gehalten wird. N⸗ Geht man noch immer südwärts auf der großen Straße, die so tritt man in die hölzerne Triumphpforte 104, auf chine— hahe sisch Ssi ßipailou, d. i. die westliche der vier Triumph— die pforten, den östlichen entgegen gesetzt. Robe zömmt man von dieser Pforte gegen Westen zu dem sach⸗ Stadtthore Ssidshi, so sieht man 105 den Tempel Di— wanmiao, wo die Gedächtnißtafeln aller chinesischen Kai— wild ser und großer Männer, mit Ausnahme der Gottlosen, toße aufbewahrt werden, von Fußi an, dem Stifter des Reichs den. bis zu den Kaisern des jetzt herrschenden Hauses. Hier le⸗ bringt man, zu einer festgesetzten Zeit, ein Opfer zum An- g denken der weisen Kaiser und der wackern Helden, die sich weh durch friedliche Tugenden oder Großthaten auf dem Felde „det des Kampfes berühmt gemacht haben. Auf beiden Seiten dieses Palladiums erheben sich Triumphbogen; und gegen— über steht ein ungeheurer Schild, bey welchem— aus Ehr— Pfund, furcht für die Stelle— weder vorbey zu reiten noch zu fahren erlaubt ist; alle müssen zu Fuße vorüber gehen, oder N , 1 00 1 1 ö 1 5. 5 312— hinter dem Schilde weg reiten oder fahren. Daran erin— nern Inschriften, die in besondere Säulen eingeschnitten sind. Auf der Westseite des gedachten Tempels erhebt sich ein großer Obelisk 106, der mit Kalk geweißt ist. Die Er— richtung desselben setzt man ins elfte Jahrhundert. Chubilai, mongolischer Chan auf dem pekin'schen Throne, öffnete im Jahr 1271 diesen Obelisk, und fand darin, unter andern, eine Münze, auf der sein Nahme geprägt war, als wäre es eine Vorhersagung seiner Herrschaft über China; ein Werk der mongolischen Lama's, welche gern den Chinesern glauben machen wollten, die Vorsehung selbst habe Chubilai zu ihrem Kaiser bestimmt.“ Von der westlichen Triumphpforte weiter hin auf der großen Straße bis ganz an die südliche Mauer von Dsin⸗ tschen, nahet man dem Thore Schungtschen. Nicht weit von diesem, gegen Osten, ist 107 ein großes Kloster worin jetzt Katholiken vom Franciscanerorden wohnen, die einzigen europäischen Missionare in Pekin, die vom Pabste abhängen. Westlich von dem Thore Schungtschen, bey der südli— chen Stadtmauer, ist 108 der Thiergarten, in dem man die Hof-Elephanten unterhält. Außer den von uns beschriebenen Gebäuden in Dsin⸗ tschen, sind fast auf jeder Straße kleine Triumphbogen er— richtet, die man richtiger die rothen*) nennen könnte, wegen ihrer Farbe und deswegen, weil sie nur die einzige *) Im Russischen ist hier ein Wortspiel, das im Deutschen nicht wieder gegeben werden kann. Es ist hier das Wort krasnüũi, welches sowohl roth als auch schön heißt, gebraucht, und daher wird gesagt, man könne sie so nennen, wegen ihrer Farbe, und weil sie die einzige Verschönerung sind. e . 313 Verzierung der Stadt ausmachen, die übrigens gar zu be— scheiden und sogar nichtig ist, in Vergleichung mit euro— päischen Werken dieser Art. III. Wailotschen. Dieser Theil Pekin's steht an Größe, Schönheit der Gebäude und Zahl der Einwohner Dsintschen nach. Der Umkreis davon ist oben(S. 275) bestimmt worden, wo im Allgemeinen von der Eintheilung Pekin's die Rede war. Jetzt wollen wir auf die Oerter und Gebäude dieser Stadt hinzeigen, die der Aufmerksamkeit der Fremden werth sind. Der Hauptausgang aus der Thronstadt nach Wailo— tschen ist durch das südliche Thor Zäng. Die mittlere Durchfahrt durch das Thor ist für den Kaiser vorbehalten; das Volk aber geht gewöhnlich durch die östlich und westlich von dem Hauptdurchgange liegenden Seitenvorhöfe. Aus dem gedachten Thore geht gegen Süden eine gerade, sehr breite Straße, die mit Steinen gepflastert ist, und Wailo— tschen in zwey Theile, den östlichen und westlichen theilt. Diese Straße kann man mit allem Rechte als eine große Hauptstraße ansehen. Auf beiden Seiten derselben dehnen sich lange Reihen Buden bis an den Bach hin, der die Straße fast in der Hälfte durchschneidet. Gerade bey dem westlichen Ausgange des zäng' schen Thores sind viele Kaufläden mit verschiedenen Waaren. Dann ist 1 eine steinerne Brücke über einen Kanal, der Wailotschen seiner ganzen Länge nach von Norden her durch— strönmt. Neben der Brücke sind reiche Kaufläden mit Sei— denwaaren. Weiterhin auf der großen Straße ist der Tri— umphbogen 2. 314 In der ersten Straße von dem Triumphbogen gegen Osten sind, 3, ganze Reihen von Gast- oder Speisehäusern der besten in ganz Pekin. Dort schwelgen die Chineser in leckeren Speisen. Ein gutes Mittagsmahl, das aus unge— fähr zwanzig und mehr Schüsseln verschiedener Gerichte be— steht, übrigens auf kleinen Tellern in mäßiger Anzahl auf— getragen wird, kostet einem Menschen nicht weniger als 1500 Tschech oder 10 Rubel unseres Geldes in Assignationen. Gegen Süden von den Gasthäusern, auf der nämlichen Straße, sind große Reihen Buden mit Leinwand und ferti— gen Kleidern. Diese Straße wird, 4, von dem Nebengäßchen der Löffelstinte, Ssäng juli keu, das diesen Nahmen von den Fischerbuden, die sich an diesem Orte befinden, bekom— men hat, durchschnitten. In demselben Gäßchen sind einige öffentliche Theater und Buden mit verschiedenen Waaren. Von dem Triumphbogen gegen Nordost geht eine Straße, in welcher 5 reiche Kaufläden mit seidenen Zeugen, weib— lichem Putz und Galanteriewaaren sind. Nördlich von da, gerade am Ufer des Kanals ist ein Platz 6, wo in besondern mit Erde bedeckten Gruben, zum Verkaufe im Sommer Eis aufbewahrt wird, das man sich aus dem Kanale verschafft. Einige solche Eiskeller findet man auch an andern Oertern an demselben Kanale. Weiter gegen Osten 7, ist ein Theater, worin man Schauspiele auf Bestellung solcher Leute aufführt, die durch dieses Vergnügen ihre Freude über irgend einen angenehmen Vorfall zu bezeigen wünschen. Die dazu Eingeladenen brin— gen dem Geber des Festes ein freundschaftliches Opfer an Geld dar, nicht weniger als 1 Lana, d. i. 2 Rubel in Silber. Diese Opferungen sind im Kreise von Bekannten gegenseitig. Theater solcher Art giebt es auch in andern Gegenden von Wailotschen, aber in der Thronstadt Pekin's 5 l— auf⸗ ald ohen. ichen erti⸗ chen Lon sind sie von dem verstorbenen Dsäzin, aus argwöhnischer Besorgniß, abgeschafft. Südlich von dem Eisberge, über einige Straßen hin, ist 8 ein ziemlich großer Platz, wo öffentliche Bäder ange— legt sind. In der Nähe derselben ist 9 ein Gebäude, worin ehedem ein Theater war, daß aber unter Dsäzin, bey Ge— legenheit des chinesischen Aufstandes 1813 abgebrochen wurde; weil in diesem Theater, am Vorabend des Ausbru— ches dieses Aufstandes, die Verschwörer sich die ganze Nacht hindurch mit dem Wirthe, der an ihrem bösen Vorhaben Theil nahm, belustigt hatten. Von den Bädern führt eine gekrümmte Nebengasse ost— wärts auf eine große Straße, die sich gegen Süden von dem zweyten dsintschen'schen Thore, Tschunnüng oder Chata aus erstreckt. Fast dieser Nebengasse gegen über geht nach Osten zu eine andere Straße 10, auf welcher ein bedeuten— der Markt gehalten wird, mehr von ländlichen Erzeugnissen und Waaren, die das gemeine Volk bedarf; dieser Markt wird den 4ten, 14ten und 24sten jedes Monats gehalten. Gerade in dem nordöstlichen Winkel ist ein Thor, das zu einem Kanale führt, der an den Mauern Pekin's hin— geht, und auf dem man Getreide hereinbringt. Der ganze Theil Wailotschen's von diesem Thore an bis zu der südlichen Mauer hin ist wenig bewohnt. Es sind Küchengärten und Felder darin; an einigen Stellen sieht man Seen sumpfigen Wassers. Ueberhaupt gleicht dieser Theil der Stadt mehr kleinen zerstreuten Dörfchen. Wailotschen wird von Osten nach Westen der Länge nach von einer großen Straße durchschnitten, auf der man Kleinkrämerbuden sieht. Näher an der Hauptstraße ist eine kleine Brücke über einen Bach. Von diesem geht man auf einer Nebengasse südwärts auf den Marktplatz 11, wo alle — 316 Tage, von Tagesanbruch an bis 10 Uhr des Morgens ein volkreicher Markt gehalten wird. Der Haupthandel besteht in fertigen, größtentheils schon getragenen Kleidern, von jeder Gattung und Gestalt. Südlich von dem Marktplatze sind, bey 12 2, viele Teiche, die von der Regierung unterhalten werden. Darin hält man zum Vergunügen Goldfische. Daher hat man ihnen auch den Nahmen Dsing-jui-tschi, d. i. die Teiche der Goldfische, gegeben. Spazierengehende kommen dahin und füttern diese Wasserbewohner mit Brodkrümchen. Wer in Pekin war, hat auch gewiß gehört, daß die Umgebun— gen dieser Teiche auch noch reichlich mit Gegenständen der Zerstreuung für Ehelose versehen sind. Uebrigens findet man an mehrern Orten in Wailotschen ähnliche Geniste, die, wie man sagt, der Thronstadt von Pekin ganz fremd sind. Nördlich von den Teichen sind, bey 13, große Reihen Buden, worin man mit Bauholz handelt. Gehen wir jetzt zu der westlichen Hälfte von Wailo— tschen über. Von der nahe bey Zängmüng liegenden Brücke geht etwas nach Nordwest zu eine krumme Gasse, 14, worin viele Kaufläden mit verschiedenen Waaren sind. Wendet man sich von dem Triumphbogen rechts, so tritt man, bey 15, in die Reihen Dshübaoschi, d. i. die Reihen der Perlen- und Kostbarkeitenläden, die in Pekin für sehr reich gehalten werden. Hier treffen den Blick des Fremden Galanteriewaaren von Gold und Edelsteinen, die besten seidenen Zeuge, theures Pelzwerk, das man aus Ruß— land erhält, und verschiedene Erzeugnisse chinesischer Manu— facturen und Künste. Zur Linken, bey 16, sind Kaufläden, wo man Ge— mählde, die auf Papier mit Wasserfarben gemahlt sind, verkauft(Oe hlgemählde kennen die hiesigen Mahler fast gar nicht). Sie sind eben nicht sehr anziehend für einen Euro— päer, haben aber ihren Werth. Bald nach meiner Ankunft in Pekin war, auf dem Aushängeschilde von einem dieser Kaufläden, den neugierigen Zuschauern das 1 eines von den Kasaken unsrer Bedeckung dargestellt. Der chinesi— sche Mahler hatte sich sichtbar bestrebt, seine e mit der Kraft und Nännlichkeit eines nordischen Kriegers be— kannt zu machen, indem er ihn mit einem ansehnlichen gro— zen Gesichte, sehr langem Schnurrbarte, und mit einer Brust von ungewöhnlicher Breite vorgestellt hatte. Den russischen Kasaken zollt man überall Bewunderung!— Gegen Süden durchschneidet die Reihen der Galanterie— läden eine Straße, welche nach Westen zu geht, 17. Das ist der Wohnsitz Melpomenens und Thaliens, beide gleich geliebt von China's Bewohnern. Hier sind sechs Theater erbaut, eins neben dem andern. Auf diesen giebt man tra— gische und komische Stücke, mit Gesang und Musik, fast jeden Tag“) von der Hälfte des Tages an bis zum Abend. Die weiblichen Rollen spielen junge Burschen, die, wie man sagt, den Schauspielerinnen sehr geschickt nachahmen. — Sie erfreuen sich der besondern Aufmerksamkeit und reich— licher Belohnungen von verschwenderischen Manshuren und reichen wollüstigen Chinesern. Für den Eintritt ins Thea— ter bezahlt man nicht mehr als 150 Kopeken in Kupfer Fär die Zuschauer giebt es ein Parterr und Logen. Sie sitzen auf hölzernen Bänken an Tischen, auf welchen den Besuchern von den Unternehmern des Theaters unentgeldlich *) Während meines Aufenthalts in Pekin waren die Theater auf drey Jahre(vom Aug. 1820 bis Aug. 1825) geschlossen, wegen der Trauer um Dsäzin's Tod. Diese Sitte beobachtet man überhaupt bey dem Tode der chinesischen Kaiser. A. d. V. 318 Thee,— zwar nicht der allerbeste— vorgesetzt wird, und glimmende Lichter zum Anzünden der Pfeifen hingestellt werden. Was die Theaterstücke*) betrifft, d. i. Trauerspiele, Lustspiele und Singspiele, so folgen die Chineser nicht den— selben dramatischen Regeln, die in Europa angenommen sind, und streng beobachtet werden. Sie kennen nicht unsre drey Einheiten**), noch alles das, was wir erfüllen, um der theatralischen Handlung Kraft und den Schein der Wahrheit zu geben. In ihren Schauspielen stellen sie nicht Eine Handlung des Helden bloß vor, sondern sein ganzes Leben, in einem Zeitraume von zwey oder drey Jahren. Die Einheit des Ortes wird nicht besser beobachtet. Der Zuschauer, der sich im ersten Aufzuge in China befindet, wird in dem folgenden in die Manshurey oder Mongoley versetzt. Der chinesische Schauspieldichter folgt nur der Lei— tung der Natur); keine einzige von unsern Regeln ist ihm bekannt, und vielleicht bedauert er dieß auch nicht, in— dem er seinen Zweck erreicht, der darin besteht, zu gefallen, zu rühren, zum Guten aufzumuntern, und das Laster ver— haßt zu machen. ö V. **) Der Handlung, des Ortes und der Zeit. Diese beiden letz— ten Einheiten, welche französische Schauspieldichter, die den alten Griechen und Römern darin streng folgen, besbachten, werden von deutschen Dichtern, die darin die Vorbilder der Britten, besonders des Riesengeistes Shakespeare vor Augen hatten, nicht für wesentlich nothwendig zur Vollkommenheit eines dramatischen Stückes gehalten, und die Gründe, die sie dafür aufstellen, werden auch wohl dem Unbefangenen ge— nügen. A. d. U. **) Dann wäre er doch wohl auf keinem üblen Wege. Wie— land sagt im neuen Amadis: Bleibt nur der Natur getreu, so könnt ihr, auf meine Gefahr, die andern Regeln ver— achten. A. d. U. * S. Abbé Grosier de la Chiue, VI, 30 57. A. d. V , und berden. spiele, den⸗ men unsre um der 9 Bey den Chinesern ist kein Unterschied zwischen Trauer— spielen und Lustspielen, und daher kennen sie keine beson— dern Regeln, die man jeder dieser Darstellungsarten, die so sehr von einander abweichen, zueignet. Jedes dramatische Stück wird bey ihnen in einige Theile eingetheilt, vor de— nen eine Art Prolog oder Einleitung vorhergeht. Diese Theile oder Akte kann man wieder in Scenen abtheilen, indem man diese letztern zufolge des Erscheinens und Ab— gehens der Schauspieler bestimmt. Jede auf der Bühne auftretende Person fängt damit an, die Zuschauer mit sich bekannt zu machen, sie sagt ihnen ihren Nahmen und die Rolle, die sie im Stücke spielen wird. Ein Schauspieler spielt oft mehrere Rollen in einem und demselben Stücke. Zum Beyspiel, ein gewisses Lustspiel wird von fünf Schau— spielern aufgeführt, obgleich es zehn oder zwanzig sprechende Personen enthält,. nach und nach auftreten. Das Gesicht des Schauspielers, das man für ein und dasselbe in zwey sehr verschiedenen Rollen erkennt, stört sehr die Täuschung. Man könnte wohl auf der Bühne mit gefärb— tem Gesichte erscheinen, oder eine 99 8 zur Verbergung dieses Mangels gebrauchen. Aber Masken legt man nur in Balleten an, oder es erscheinen mit ihnen auf dem Theater 7 Ga 1 nur Bösewichter, Räuberhauptleute, verurtheilte Verbrecher. Das chinesische Trauerspiel hat keine eigentlich so ge— nannten Chöre, wird aber durch Gesang unterbrochen. In denjenigen Stellen des Stücks, wo der Schauspieler von irgend einer heftigen Leidenschaft bewegt seyn muß, unter— bricht er seine Rede und fängt an zu singen, nicht selten mit Begleitung musikalischer Instrumente. Diese Arien, in Versen geschrieben, sollen heftige Gemüthsbew)hegungen aus— als: Zorn, Freude, Liebe n Der Schau— spieler singt, wenn er ausgebracht ist gegen einen Räuber — 8— 5 — 55 1 92090 wenn er sich selbst zur Rache erweckt, oder wenn er sich zum Tode bereitet. Die chinesischen Schauspieler haben keine stehenden Büh— nen, ausgenommen die Hauptstadt und einige große Städte. Sie ziehen im ganzen Reiche herum, besuchen verschiedene Provinzen und Städte, und gehen um in Privathäusern zu spielen, wohin man sie ruft, wenn man das Vergnügen des Schauspiels mit den Genüssen eines Schmauses verei— nigen will, bey denen man selten diese Art Darstellungen entbehrt. In dem Augenblicke, wenn die Gäste sich zu Ti⸗ sche setzen, treten vier oder fünf reich gekleidete Schauspieler in den Saal; sie verbeugen sich alle zusammen, und so ehrfurchtsvoll und gewandt, daß sie viermahl mit der Stirne die Erde berühren. Dann überreicht einer von ihnen dem Vornehmsten aus den Tischgenossen ein Buch, worin mit goldenen Buchstaben die Nahmen von funfzig oder sechzig Schauspielen stehen, die sie auswendig wissen, und im Stande sind, sogleich aufzuführen. Der vornehmste Gast bestimmt das Stück nach seinem Belieben erst dann, wenn die Abschrift rund herum gegangen und endlich wieder an ihn zurückgegeben ist. Die Vorstellung beginnt beym Schalle von Trommeln aus Büffelhaut, Flöten, Schalmeyen und Trompeten. Die Scene wird auf einem ebenen Platze eingerichtet und nimmt den leeren Raum ein, der zwischen den Tischen, die in zwey Reihen stehen, übrig bleibt. Nur der Fußboden des Saales wird mit einem Teppich belegt, und statt der Koulissen dienen den Schauspielern die anstoßenden Zimmer, aus denen sie herauskommen um ihre Rollen zu spielen, und immer bey Tageslichte. Sie haben gewöhnlich mehr Zuschauer als Gäste versammelt sind; denn nach einer be— stehenden Sitte läßt man in den Hof einige Leute ein, sch um . Buh Slädte, hiedene sern zu ngen herei⸗ and so Stirne dem in mit scchig ind im e Gast nenn an challe und mer lelen, miht et be⸗ le eil, „ 8 welche auch das Schauspiel mit ansehen, ob es gleich nicht für sie bereitet war. Frauenzimmer können daran Antheil nehmen, ohne gesehen zu seyn. Sie sehen die Schauspieler durch ein Gitter, das sie selbst verbirgt. Zur Zeit von Festtagen und öffentlichen Spaziergängen eröffnet man Baühnen in den Nebengassen und in der Mitte der Straßen. Die Schauspieler stellen darauf Stücke vor, vom Morgen bis zum Abend, für das gemeine Volk und für eine sehr mäßige Bezahlung. Chinesische Gelehrte schreiben selten für die Bühne, und gewinnen nicht viel Ruhm von Producten dieser Art; denn das Schauspiel ist mehr geduldet als erlaubt in China. Die alten Volksweisen tadelten es immer, und hielten es für eine Kunst, die den Menschen verderbt. In der Geschichte wird zum erstenmahle theatralischer Stücke, zum Lobe eines Kaisers der chang' schen Dynastie(welche in China vom J. 206 vor Chr. G. bis 219 nach Chr. G. herrschte) für die Abschaffung dieser Art leichtsinnigen und schädlichen Ver— gnügungen, gedacht. un Ssiu andi, aus dem Hause Tscheu(von 1122 bis 256 vor Chr. Geb.) gelangte von den Ministern ein Bericht, worin sie ihn baten, die thea— tralischen Vorstellungen vom Hofe zu entfernen, um den verderblichen Einfluß, den sie auf die Sitten haben sollten, abzuwenden. Ein andrer Kaiser wurde der Ehre des Be— gräbniß beraubt, wegen seiner zu großen Leidenschaft für das Theater, und der Besuche bey jungen Schauspielern. Der Kaiser Jundshen verbot durch strenge Befehle den Manshuren das Besuchen des Theaters. Der verstorbene Dsäzin bestätigte dieses Verbot, und die manshurischen Of— fizier konnten nur heimlich ins Theater gehen, indem sie von ihren Mützen die Zeichen ihres Ranges, d. i. die sar— bigen Kügelchen abnahmen. Durch diese in China ziemlich UI. Band. 2 20 22 D—— allgemeine Denkungsart kommt es, daß die Theaker in glei— chem Range mit liederlichen Häusern gesetzt und in die PVorstädte verwiesen werden. Die chinesischen Zeitungen ei— len, den Nahmen des unbekanntesten Soldaten, der sich durch Tapferkeit im Kampfe ausgezeichnet hat, bekannt zu machen; sie verkünden dem ganzen Reiche ein Beyspiel kind— licher Liebe, einen Zug der Sanftmuth und Unschuld eines einfachen Landmädchens; aber die Herausgeber dieser Blätter würden einer Bestrafung unterworfen werden, wenn sie es wagten, dem Volke durch Beschreibung des Spiels, des Aeußern oder des erhaltenen Beyfalls irgend eines Schau— spieles anstößig zu seyn. Doch genug von der chinesischen Bühne. Auf einer gekrümmten Straße von den Theatern kann man weiter westlich zu den Buchläden 18 gehen. Hier ver— kauft man, und ziemlich wohlfeil, alle gelehrte Producte der 2 chinesischen und manshurischen Literatur.(S. oben S. 130). Unter den Buchläden ist ein Tempel, bey welchem Markt und ein öffentlicher Spaziergang vom[sten bis zum 18ten des ersten Mondes eines neuen Jahres gehalten wird. Auf derselben Straße, etwas nördlich, 19, ist ein großer Platz Liulitschän, wo eine Fabrik angelegt ist, in welcher Fliesen und glasurte Ziegel gemacht werden; auch Glaswaaren werden darin verfertigt. Geht man über eine kleine Brücke nach Westen, so sieht man den Kaufladen 20, wo vorzugsweise Seide, und mit Seide gestickte Sachen, von ganz vorzüglicher Güte verkauft werden, so wie auch andere von den besten Waa— ren, die man aus den südlichen Statthalterschaften China's, welche mehr durch Künste berühmt sind, erhält. Dieser Kaufladen ist auch dadurch noch merkwürdig, daß man dar— in alle Sachen, ohne einen zu hohen Preis dafür zu for— — et in se⸗ dern, verkauft; solcher Kaufläden giebt es in Pekin nicht din d viel. Die hiesigen Kauf! eute stellen gern, wie die unsrigen, Hen ei— die Erfahrenheit des Käufers auf die Probe, und fordern, der sic beym ersten Worte, einen dr reymahl höhern Preis als die annt zu Sache werth ist; wehe dem Unwissenden oder dem Un— el kind⸗ geduldigen! O eihes In gerader Richtung nach Westen kommt man auf eine Blatter große Straße, die aus Dsintschen durch das Thor Schung— sie es tschen geht. Kommt man auf eben dieser Straße südwärts „ des bis zu einer andern großen Straße, die von Westen nach Schal Osten geht, so nähert man sich dem Kreuzwege 2 wo man die Verbrecher hinrichtet. Etwas höher über dieser Stelle, nahe bey dem See ist eine tiefe Grube, in welche f kann man, nach vollzogener Hinrichtung, die Körper wirft. e Gegen Südwest, ehe man noch an die andere Quer⸗ 19 000 straße kommt, ist 22 eine mohammedanische Moschee, die 20 für die in diesem Theile Pekin's wohnenden Turk kestanen er⸗ gurt baut ist. lan Von dem übrigen Raume der westlichen Hälfte von Wailotschen kann man denselben Ausspr ruch thun, den wir 0 0 über den östlichen Theil gethan haben: dieselbe geringe Be— ib völkerung, dieselbe Leere, 8 so viel Küchengärten und 101 Felder. Uebrigens sind, außer den von uns beschriebenen Plätzen in Wailotschen noch kleine Tempel und Kasernen. . In diesen letzten werden einige Regimenter des pekin'schen 08 Corps einquartiert, die(im Falle einer Vertheidigung) zu . 1 den Thoren Schungtschen und Ssiuang von Dsintschen— 1 oder der Thronstadt Pekin's— gehören. Waa⸗ Endlich muß man noch 2 merkwürdige Gebäude in Wai⸗ lotschen erwähnen, und zwar den Tempel des Himmels und Dieser 1 r 1„ 10 den des Erfinders des Ackerbaues, die ganz an dem südlichen d. 5 5 an dal Thore liegen. zu fer⸗. Der Tempel des Himmels Tängtang, 23, ist von der großen Straße zur Rechten. Die hohe Ringmauer des— selben hat im Umkreise 9 Li, ungefähr 5 russische Werste (J oder fast 3 d. M.) Alle schöne Gebäude im Innern die— ser Ringmauer sind üppig verziert. Der Kaiser begiebt sich alle Jahre dahin, am Tage der Wiederkehr der Sonne vom Winter zum Sommer(am Tage der Frühlingsnachtgleiche) um feyerlich den Himmel zu verehren. Einen Tag vorher begiebt er sich bey Anbruch des Tages zu dem Opferaltar und bereitet sich zu der Ceremonie durch ein strenges Fasten, in einem besondern Reinigungshause. Ein hoher, runder Platz von weißem Marmor, in Gestalt eines Hügels, wo der Kaiser das Opfer darbringt, ist prächtig verziert. Die Eingänge dazu sind von drey Seiten, Süden, Osten und Westen, unter sehr großen Bogen, die vom reinsten Mar— mor erbaut sind; die dahin führenden Treppen sind ganz vorzüglich schön gearbeitet. Uebrigens besucht der Chuandi den Tängtang auch zu anderer Zeit im Jahre, um den Himmel zu verehren, und zugleich um die geistlichen Ge— bräuche zum Andenken seiner Ahnen zu vollziehen. Dem Tempel des Himmels gegen über, westlich von der großen Straße, ist 24 der Opferaltar, geweiht dem Erfinder des Ackerbaues, auf chinesisch Ssäng- nun- tang. Dieser Platz ist gleichfalls mit einer hohen steinernen Mauer umgeben, in einem Umkreise von 6 Li, mehr als 3 Werste (fast E d. M.) Die chinesischen Kaiser begeben sich jedes Jahr, im Frühlinge, nach Sfäng-nun-tang, um die Erde zu bearbeiten und dem Himmel Opfer darzubringen. Die dort besindlichen Gebäude bieten an sich nichts Erhabe— nes dar; aber die Ceremonie der Bearbeitung der Erde ist anziehend, und wird mit großer Feyerlichkeit verrichtet. Das Feld, das vom Chuandi bearbeitet wird, bedeckt man — 3, Run maler dy, he Vue nern dle⸗ ziebt sic nne vom sthleiche borher seraltar ten und n Mar⸗ d ganz Chuandi um den gen Ge⸗ dattichtl. dockt ml 1 ——— 8 zu dieser Zeit mit einem besondern Wetterdache. Wenn der Kaiser in dieser geheiligten Arbeit ungefähr eine halbe Stunde zugebracht hat, entfernt er sich in ein Lusthaus, und sieht von da aus der Arbeit der Fürsten und Minister zu, die unter der Anleitung der ausgezeichnetesten wirklichen Ackerbauer das Land unter freyem Himmel bearbeiten, ohne irgend einen Schutz gegen Regenwetter. Während dieser Ceremonie singen die Hofsänger Lobgesänge, die schon in alten Zeiten zum Lobe des Ackerbaues gemacht worden sind. Der Kaiser, die Fürsten und alle Großen kleiden sich für diesesmahl in das Gewand der Dorfbewohner. Ihre Acker— werkzeuge, die man in besondern Vorrathskammern bewahrt, sind sehr rein. An die Hakenpflüge spannt man Ochsen, die bloß dazu unterhalten werden. Innerhalb derselben eingmauer ist auch ein kleiner Speicher, wohin man die Früchte der geheiligten Ernte bringt. Man hat bemerkt, sagt man, daß das Korn(der Hirse) von dem von des Kaisers Händen bearbeiteten Felde, an Güte ungleich die Erzeugnisse desjenigen Feldes übertrifft, das von den Für⸗ sten und Beamten bearbeitet wird. Aus denjenigen Körnern, die von des Kaisers Arbeit gewachsen sind, bäckt man Bro— de, die man bey den Opfern gebraucht, die dem Himmel dargebracht werden. Der Kaiser bereitet sich zu der hier be— schriebenen Ceremonie durch Fasten, Gebete und eine andäch— tige Zurückgezogenheit vor. Der Zweck dieses feyerlichen Gebrauchs ist die Erhaltung des Andenkens jener Zeiten, wo die Herrscher der Völker zugleich auch Ackerbauer waren. Nach der Meinung Anderer soll dieser Gebrauch in dem Herzen der mächtigen Chuandi's die unbestreitbare Wahrheit befestigen, daß ein großes Reich ohne Ackerbau nicht beste— hen kann, und daß der Reichthum desselben die Frucht der —— 346( Arbeiten des Landmanns ist. Der Ursprung dieses Gebrau— ches in China ist in das Dunkel der fernsten Zeiten gehüllt. IV. Beschlußß. Nachdem ich die innere Lage der Hauptstadt China's erklärt habe, überlasse ich gern die Ehre einer genauern und anziehendern Beschreibung davon meinen würdigen Lands— leuten, die einige Jahre in Pekin gelebt haben, und bessere Hülfsmittel dazu besitzen. Meiner Seits halte ich es nicht für überflüssig, einige kurze, allgemeine Bemerkungen über diese merkwürdige Stadt beyzufügen. Pekin zeichnet sich vor andern Hauptstädten und großen asiatischen Städten durch seine Einrichtungen und innere Ordnung aus. Man muß darin keine großen Gebäude von vier und fünf Stockwerken be man sieht da nicht prächtige Quai's und Trottoirs; man findet nicht die helle Beleuchtung der Häuser, Kaufläden und Straßen— An— stalten, die gewöhnlich den Reisenden in europäischen Städ— ten anziehen. Der Unterschied der beiden zusammen grän— zenden Welttheile, Asiens und Europens, in Klima und Anbau, in dem Grade der sittlichen Bildung und des Ge— schmacks, eben so auch in den Verhältnissen der innern Haushaltung und politischen Vereinigungen— macht einen schneidenden Gegensatz auch in den Erzeugnissen der Völker, die in diesen Welttheilen wohnen. Diese Besonderheit ist am meisten in China einem Fremden auffallend, dessen Be— wohner von Nachahmung ausländischer Sitten fern sind. Dessen ungeachtet stellt uns diese Hauptstadt(von andern Orten, wo ich nicht war, zu urtheilen, gehört nicht zu meinem Zwecke) viele Beyspiele jener Verfeinerung auf, zu cc Gem. inn gal. t Chin lern und Lands⸗ d bessere eo nicht gen übhr nd großen ad innere Halde von da niht t die hall — An⸗ n Städ⸗ n grän⸗ ma und * des Ge⸗ r Volket, etheit it essen Be⸗ fern sind. on ande t nicht l 9 uf, welcher die Völker durch Erfahrungen, die Jahrhunderte hindurch dauerten, und geistige Vervollkommnung gelangen. Dort findet man fast alles, was zum Bestehen einer wohlgeordneten Gesellschaft erforderlich ist: a) die Ruhe der Einwohner ist durch sittliche Gesetze, feste Verordnungen und eine aufmerksame Polizey geschützt; b) ihr Lebensun— terhalt ist sorgenfrey durch die freye Thätigkeit der Gewerbe, und e) in den Stunden der Muße findet jeder Bürger Er⸗ holung in gesellschaftlichen Vergnügungen. Wir wollen von diesen Einrichtungen etwas umständlicher sprechen. 1) Bürgerliche Ordnung. In Pekin kann man selten von Familienzwisten hören. Die Regeln der Lehre des Confucius, der erste Unterricht bey der Kindererziehung, werden nicht nur von den Chinesern im Gedächtniß aufbe— wahrt, sondern sie bleiben auch der feste Grund und gleich— sam der Leitstern durch alle Jahre und Vorfälle ihres Le⸗ bens. Ein gränzenloser Gehorsam der Kinder gegen die El⸗ tern bestimmt das Betragen eines jeden gegen Verwandte, Freunde und Mitbürger. Sie macht die Chineser zu unbe⸗ dingten Erfüllern der Anordnungen der Regierung und ehr— erbietig gegen die Repräsentanten ihrer Macht— die Civil⸗ und Militärbeamten. Von der andern Seite haben die Chineser, gleich allen Völkern, nicht wenig Schwachheiten und Laster. Kalte nicht nur gegen Ausländer, sondern selbst gegen ihre Lands⸗ leute, ist ihr Hauptfehler. Daher ist der Chineser(dasselbe ist auch von den Manshuren zu ver ehen) stolz, rachsüchtig, habsüchtig, neidisch und äußerst mißtrauisch. List sieht er als die Hauptgrundlage an im Betragen gegen fremde Leute, und in allen häuslichen und Handelsverhältnissen. Hierzu zwingt ihn übrigens nicht wenig die Armuth, die unter den hiesigen Bürgern jedes Standes sehr merklich ist. Der 5 Reichthum des ganzen Reichs, zusammen genommen, ist groß; aber er vertheilt sich hier, wegen der ungewöhnlichen Volksmenge, in unglaublich kleine Bruchstücke. Ein chine— sischer Beamter von Oberstensrang, vergleichungsweise zu reden, lebt ärmer als unser bloßer Ofsizier, vorausgesetzt, daß beide ihren Unterhalt nur allein durch ihren Sold ha— ben. Zu den hier sehr gewöhnlichen Lastern gehört eine außerordentliche Ausschweifung in der Wollust, zu deren Befriedigung Personen beiderley Geschlechts dienen. Außer einer auf gesetzliche Weise verbundenen Frau, unterhalten wohlhabende Leute in ihren Häusern zahlreiche Harems. Bey all' dem besuchen sie noch, von Hang zur Ausschwei— fung hingerissen, nicht selten in Wailotschen die Wohnun— gen der Freudenmädchen und der jungen Priester Thaliens. Die oberste Klasse der pekin'schen Bürger machen die manshurischen Truppen aus, deren Offizier zugleich auch Mitglieder der bürgerlichen Gerichtshöfe sind, wo sie aber, die Mühe sich mit Untersuchung der Processe zu beschäftigen scheuend, sich der Führung der sehr gewandten und gelehr— ten chinesischen Secretäre hingeben. Nach der Einnahme Pekin's durch die Manshuren wurden jedem Offizier und Soldaten Häuser von Chinesern gegeben, die in die südliche Vorstadt versetzt wurden; aber längst schon wohnt der größte Theil der manshurischen Soldaten und Offtzier in gemiethe— ten Wohnungen. Ihre Häuser und Ländereyen sind, nach dem gemeinen Loose verschwenderischer Leute, die nicht zu rechnen wissen, wieder in die Hände chinesischer Käufer übergegangen. Wohlhabende Kriegsmänner erwerben sich, auf eigene Kosten, besondere Häuser und Kaufläden, die ih— nen ein bedeutendes Einkommen bringen. Die zweyte Klasse der Einwohner machen die Kaufleute und Handwerker aus. Hier giebt es keine Eintheilungen men, ff wöhnlich 1 sine⸗ lbeise zu üegseßt, 5b ha; rt eine deken gußer halten Lehnur⸗ alens. hen die ch auch sie abet, Häftgen 2 une und liche ßte alhe⸗ nach 1 der Gewerbe in Gilden und Zünfte. Die Kaufmannschaft hat ihren Wohnsitz mehr in Wailotschen oder der südlichen, äußern Hälfte Pekin's. Die große, allen so sehr bekannte Bevölkerung China's beraubt viele Einwohner der Möglich— keit, ihre Nahrung durch den Ackerbau oder andern ländli— chen Arbeiten. Aus dieser Ursache strömen aus allen Statt— halterschaften nach der Hauptstadt nicht wenig Leute zusam— men, die als den einzigen Preis ihrer Mühe— nur ihren täglichen Unterhalt suchen. Aber auch dieses beschränkte Bedürfniß können sie nicht immer befriedigen. Die Klasse derer, welche Arbeiter bedürfen, ist sehr mäßig in ihren Wünschen, und daher hat nicht jeder Arbeiter Gelegenheit, seine Kräfte und Kenntnisse zu persönlichem Dienste oder irgend einer Handarbeit anzulegen. Man sagt, daß in Pe⸗ kin sich allein von müßig herumschweifenden Leuten 50000 befinden. Diese Menschenklasse versucht auch verbotene Er— werbsmittel, Diebstahl, Betriegerey u. s. w. Die Wach— samkeit und Strenge der Stadtpolizey verhindert sie aber sich mit diesem Handwerke mit gutem Erfolge zu beschäfti— gen. Wenigstens habe ich, während fast sechs Monaten, die ich in Pekin gelebt habe, auch nicht von einem bedeu— tenden Diebstahl gehört. Da die Bettler bey den Chinesern in großer Verachtung sind, und der um Almosen Bittende überall eine kalte Zurückweisung antrifft, so wenden sich gar nicht viele von den Armen zu diesem leichten, hier aber sehr unsichern Mittel der Ernährung. Sie sind genöthigt, Ge— sellschaften auszumachen, und unter der Leitung ihrer Ael— testen oder Vorsteher, irgend eine Arbeit zu suchen, um nicht Hungers zu sterben. Sie beschäftigen sich mit Reini— gung, Begießung der Gärten und Straßen, Bearbeitung der Erde, Lasttragen; zuweilen machen sie auch Haufen von Begleitern aus, bey Hochzeitfeyerlichkeiten, Begräbnissen u. s. w. — 86 Oft traf es sich, daß ich diese armen Elenden, die kaum ihre Blöße bedecken konnten, in Mützen mit rothen Federn und Ceremonienmänteln den Sarg eines Reichen begleiten sah. Wenn der Besitzer eines Kaufladens jemanden mit einem Träger dieser Art versieht, um gekaufte Waaren nach Hause zu tragen, so erfüllt er doch, und wenn die Waaren auch über 50 Rubel kosten sollten, diesen Auftrag genau, ohne daß man nöthig hat, auf ihn Acht zu haben, und ist sehr zufrieden, wenn er 40 Kopeiken für eine Bemühung er— hält, die auf zwey Stunden gewährt hatte. So stark wirkt die Nothwendigkeit des Vertrauens, das ihm ein Mittel zum Unterhalt eröffnet. Bedienten nimmt man in Pekin aus den Landleuten; bisweilen miethet man hierzu auch Soldaten, indem sie sich von ihren Regimentsverbindlichkeiten mit dem dritten Theile ihres Soldes loskaufen. Einen nüchternen, gewandten Menschen, der etwas zu lesen und zu schreiben versteht, kann man für 1500 Tschech, oder 12 Rubel in Kupfer, — außer der Speise, monatlich miethen. Die besten Bedien— ten nimmt man ins Haus, gegen Privatbürgschaft, wegen ihrer Pünktlichkeit, die von irgend einem reichen Kaufmanne geleistet wird. Alle Leute der erwähnten Stände sind einen und den— selben bürgerlichen Gesetzen unterworfen. Kriegsgerichte giebt 2 441 5* V 6 5 es nicht, ausgenommen die Urtheile über Verbrecher, die zu * 8 NSN 8 D et elde entdeckt werden. Die Deutlichkeit (/2sw² 18 F und Genauigkeit der Verordnungen 1 das treue Unterpfand der innern Ordnung in der Stadt. S . — — bekannt ge— wordene Verbrechen wird e urch die Strenge des Gesetzes, das oft die Gestalt selbst der Grausamkeit hat, verfolgt. Der Klage von Vater und Mutter gegen Kin— der leistet man unverzüglich Genüge, fast ohne Untersuchung; — — 331— 5 8 ien Firn denn, nach der Meinung der Chineser, kann die Zärtlichkeit 8 f i f der Eltern keinen Hang haben, aus bloßer Willkühr ge⸗ 8 9 ichtliche Untersuchungen zu beginnen. 3 Die Auseinandersetzung von Streitigkeiten über un⸗ . wichtige Dinge geschieht mündlich und ohne aller Ver⸗ 122 9 3 zögerung. N 28 Die in Pekin wohnenden Russen genießen unter den 24 Bürgern einer besondert Achtung, und eines unausgesetzten . Schutzes der vas man von den übrigen Auslän⸗ Alten, 8 7 2 n 2 7— E die sich dort aufhalten, nicht sagen kann. 1 2 ber ä—* Ende 8 don brünsten bat die pekin'sche Poli⸗ 0* 5 7 Im Falle von Feuetsdran 2 f 20 zes Morzg: ren 12 Conor„ ene zey ihre Werkzeuge zum Löschen des Feuers, die freylich an 3 n 2 3 n 5 8 1„ Nr 1 Kraft genauer Wirksamkeit den europaischen nachstehen; L. 75 1— 1 er raucht* allein dafür werden diese oft gebraucht, da f 8 Dil d d 50 * 1 is Narsscht„Eo und Mel r Wadern* Tinos ist, die Vorsichtigteit und Dehursauiteie, wodurch die Ehine⸗ e 5 8 3 Ane Fort 5 N25 N 11 —*—*——— + 1* ler ich Lor allen Senern Guse!„ nnd Ol UAr⸗ e Wosmegen die Bewohner Pe 228 seslten den Verhee sachen, weswegen die Bewohner peiin selten den Werhee⸗ a 1 N sen Nor Teuershrümfte 3 N„ et uns a rungen der Feuersdrunfste ausgescer ind, die bey uns ost 5 ane Str II erden *—— 1 Ache der 0 een. 1— g 1 1 c Roi 8— Fier 2 EU 1 27 7 7 8—* Alle taunm Han 11 eren Tree 24 8„oe N* 1*———* Pein k E Ker bell.— r* er ee——— 1 ren a—— 1 5 4 1 18* Faller en es 1 El 2 1 1 E Ole Dt, uno mehr er 1* t 8 Nikt* de Faorfinnfe e eg 1 — rale 1 Gut 1* Gelet* En 4 17 1 0 4 em Strkuge ann onden ranken 5 jeden Besuch nicht mehr 2 5 Wodtlodren eden At i, Ur 1— U nicht 1105 A 8 1 8 1 5 2 E N ** 8 r— N22 A A— Er 1 7* ——— 1— Unfserm ar tergetee: 2 armen Kranden,—— 27 1s Sons komm a 1 on Nie for„She obne e N* ——— 2 2 Oiell, te kell bie Aerzte u 2 e 2 Tan N 8 Su 7 nns enn 7 or. aner dthgei! zin„ AAs ung 75 eunbhestar e doch fur au ckit geringe Bezablun Die Atzneybde lanleredele „ werden in besondern Kaufläden oder Apotheken verkauft. Arzneyen für viele Krankheiten läßt man ohne Verschreibung eines Arztes ab, um desto mehr, da die chinesische Arzney— kunde gemeiniglich Kräuter und andere Naturerzeugnisse in ihrer einfachen Gestalt als Hülfsmittel anwendet. Zuweilen bereiten sie auch Pillen aus heilsamen Wurzeln. Ein be— sonderes Vertrauen haben auch die Chineser auf die wunder— volle Wirkung der Wurzel Shingscheng, welche die Lebenskräfte unterstützt, die erschöpften wieder erneuert, und — wie man sagt— Alte wieder jung macht. Arme Leute müssen dieser Labung entbehren. Ein Solotnik*) von huangdun'schen, d. i. manshurischer Shingscheng, kostet 280 Rubel; die koreische ist von geringerer Güte, und da— her ungleich wohlfeiler. Eine bequeme und schnelle Communication in der Stadt wird durch eine große Anzahl Miethkutscher befördert. Auf jeder Stelle, wo sich zwey Straßen kreuzen, bey jeder Brücke findet man kleine bedeckte Wagen mit zwey Rädern stehen, die mit Atlaß und Sammt aufgestutzt sind. An diese spannt man Maulthiere oder Pferde, aber hauptsächlich die ersteren, als ein sehr starkes und schnelles Thier zum Fahren. Die Großen, und besonders vornehme Damen, bedienen sich der Tragsänften; doch müssen sie hierzu vorher die Erlaubniß des Kaisers erhalten. Beamte ziehen das teiten allem andern vor, welches auch, wegen der unglei— chen Oberfläche der Straßen in Pekin, und des Gedränges halben, weit schneller und bequemer zum Fortkommen ist, wie ich selbst es erfahren habe. In Pekin giebt es viel solche Beamte, welche eigne Equipagen und Reitpferde ) D. i. J des russischen Pfundes, oder 2 oder fast Loth nach Leipz. Gewicht. A. d. Ul. 4 — 333— haben. Aber dessen ungeachtet bringt das Gewerbe eines Miethkutschers dem, der sich damit beschäftigt, ein großes Einkommen. 2) Versorgung mit den nöthigen Bedürf— nissen. Der innere Verkehr zur Versorgung der Einwoh— ner Pekin's mit verschiedenen Vorräthen von Lebensmitteln und andern Bedürfnissen, macht für die chinesischen Ge— werbsleute einen Gegenstand großer Thätigkeit und eine er— giebige Quelle des Gewinns aus. In dieser Hinsicht kann man die südlichen Statthalterschaften, und besonders die jenseit des Flusses Dsän(Dsian) als den Mittelpunkt des innern Handels ansehen. Dort wächst Thee, Reiß, Baumwolle. Dort bereitet man Seide und die verschiede— nen Zeuge daraus(in den Städten Chandsheu und S su⸗ dsheu; diese letztere ist, nach den Begriffen der Chineser, das irdische Paradies), auch Porzellan, Dinte(Tusche, auf chinesisch Mo), lakirte Sachen, feine hölzerne Arbeiten zur Verzierung der Zimmer u. s. w. Die Einwohner Pekin's erhalten alle Bedürfnisse ihrer städtischen Haushaltung durch die aus dem Süden herbey— geführten Waaren. In der Hauptstadt giebt es keine guten Fabriken, ausgenommen Fabriken von Fliesen und Glas— waaren, Färbereyen(nirgends als in Pekin kann man so schön blau färben) und Steinschneiderwerkstätte, so daß die Kaufleute aus dem Süden im Scherze sagen, der ganze Verkehr der pekin'schen Handelsleute bestehe in Steinkohlen. Dabey richten sich die pekin'schen Kaufleute, im Anschaffen ihrer Waarenvorräthe, streng nach der Zahl ihrer Abnehmer und der Größe des Luxus derselben. Die pekin'schen Kaufläden werden, gegen das Ende des Handelsjahres, merklich leer bis zur neuen Zufuhr der Waaren, die nach „„ völliger Eröffnung der Communication zu Wasser beginnt, im fünften Monde, das ist vom Monat Juni an. Die zur Kleidung und dem Schuhwerke nöthigen Waa— ren, als: seidene und baumwollene Gewebe verkauft man in Wailotschen oder dem südlichen Theile Pekin's. Dort kann man auch Arbeiten vom höchsten Geschmacke, gutes Hausgeräthe, Gemählde, verschiedene aus Stein gehauene Sachen u. s. w. finden. Lebensmittel verkauft man in allen Theilen der Stadt Fast auf jeden Schritt findet man Kaufläden oder Buden mit Reiß, Mehl, mit Brod, das über e gebak⸗ ken, oder richtiger zu sagen, gekocht ist, Oehl u. s. w. Die Bewohner Pekin's, und besonders die fee genie— ßen vorzüglich Schweinefleisch, das 5 r aß schmackhafter 2.— 8— als das unsrige und leichter für den Magen ist; Schöpsen— fleisch gebrauchen die Mapsseeene 1 7 8 und die Tu 1 * 2 fleisch essen nur die letztern. Uebrigens muß daß das Schöpsenfleisch und Rindfleisch wirklich hier nicht schmackhaft ist; die Ursache davon ist, daß das Vieh so weit und auf so beschwerlichem Wege aus der Mongoley herbey getrieben und so schlecht in den Fleischbänken mit Häcksel genährt wird. Milch in Pekin zu bekommen ist sehr schwer. Butter, besonders von Schafmilch gemacht, bringt man aus der Mongoley. Die Chineser ziehen dieser das Schweineschmalz vor, und können nicht einmahl den Ge— ruch der aus Kuhmilch gemachten Butter leiden. Von zah⸗ men Federvieh gebrauchen die Chineser Gänse, Hühner und Enten zur Speise. Die ersten sind ein unumgängliches Er— forderniß bey Hochzeitschmäusen; das Hühnerfteisch wird schwächlichen Leuten verboten, aber Enten— Jädsü— man sagen, fette Jädsü sind das leckerste Gericht für eine chinesische — 335— coin, 8 i. e Tafel, die bey Gastmählern aus 30 und mehr Trachten be— Wag⸗ steht. Wie Enten in Pekin N e groß„ sehr fett 1 durch künstliche Mastung, und schmackhaft. Im Winter ver— man kauft man Haselhühner, Fasanen und Wild jeder Art. Beym datt Einkaufe der Lebensmittel indessen muß man vorsichtig seyn. gutes Die chinesischen Kaufleute mischen absichtlich in das Mehl . Alabaster oder Sand, um der Schwere willen; oft verkaufen sie das Fleisch verreckter oder unreiner Thiere, als: Esels-, cot. Maulthier-, Kameelfleisch u. s. w. Die armen Chineser und den Manshuren sind gar nicht ekel in der Wahl.... Die Enten lal⸗ und Hühner(Truthühner ganz und gar nicht) blasen sie w. auf eine gewisse Art auf, indem sie Luft unter die Haut enie⸗ lassen, wovon sie sehr weiß und fett aussehen u. s. w. 0 Frische Fische, besonders Karpfen, erhält man in Pekin I aus den nächsten Flüssen und den am Meere liegenden Gegen- lud⸗ den; auch viele geräucherte Fische, eingesalzene Seekrebse u. s. w. a9 Im Winter bringt e ür die Hofburg, vom Flusse Amur icht auf Kameelen, eine große Menge Störe, Hausen, eine 1 Art Karpfen u. s. w. Der Kaiser 6 ilt diese mit den Fürsten 10 des ersten Grades, und auf solche 1 0 gehen die Fische, in 0 gewisser Menge, auch zum besondern Verkaufe über. sehr Gemüse aus Küchengärten und Gartenfrüchte kann man igt überall dieselben nden, an die der europäische Geschmack ge— das wöhnt ist: sehr großen und schmackhaften Kohl, Gurken, Ge⸗ Möhren(gelbe Nahe tüben(weiße Rüben), Rettige ꝛc. zah⸗ Alle diese Gemüse, außer dem Kohle, salzt man noch sehr und stark, um sie bey Tische, anstatt des Salzes zu gebrauchen. Er⸗ Es giebt viel Weintrauben, Pfirsichen, Aepfel und Birnen, wild die ungewöhnlich saftig und wohlschmeckend sind, auch 3 Apfelsinen und Citronen hat man, sie sind aber nicht sehr ace schmackhaft. 35 Das allgemeine und beständige Getränk ist Thee, aber von ganz anderm Ansehen und Geschmack als der den man nach Europa gehen läßt. Für sich pflücken die Chineser von dem Theestrauche das junge Blatt ab und trocken es an der Sonne. Diese Art von Thee ist angenehmer von Geruch und Geschmack, und sogar heilsam für den Magen. Uns Euro— päern aber verkaufen sie das schon gereifte auf Pfannen et— was geröstete Blatt, indem sie ihm die Farbe der Theeblüthen geben; oder sie bereiten grünen Thee, indem sie ihn mit den Blumen, Dishulan genannt, vermischen. In der Nähe von Pekin wächst kein Thee. Wein giebt es in Pekin gar nicht. Einen sehr starken Branntwein destilliren sie aus Reiß. Die Chineser trinken ihn ein wenig erwärmt und aus kleinen Schälchen. Bey Tische gebrauchen sie eine Art von säuerlichem Branntwein, Schaußin, der aus Reiß durch Gährung und Destillation gezogen wird. Uebrigens sind die Chineser und Manshuren im Ganzen genommen, keine gar zu eifrigen Verehrer des Bacchus. Die am Ende dieses Kapitels von mir beygefügte beson dere Nachricht kann etwas Licht über die Lebensbedürfnisse in Pekin verbreiten und wieviel Ausgaben nöthig sind, um sich häuslich in dieser Stadt einzurichten. Eine große Unbequemlichkeit für einen Fremden macht die Verschiedenheit der Maaße und Gewichte, die in Handels— sachen und bey Arbeiten gebraucht werden. Es ist schwer, sich in die genaue Berechnung bey der Theilung der Last und des Raumes zu finden. Jede Art von Werkstatt hat ihre be— sondere Elle; jeder Kaufmann verschiedener Waaren hat sein Gewicht. Beym Einkaufe von Sachen, da man in ganz China keine andere Münze hat, als Zän g, Tschechen oder Kopeiken von Kupfer, so wird das Silber von dem Käufer * The, ier r den mog sneser von ts an der eruch und nö Euro⸗ nnen et⸗ ehlüthen mit den r Nahe t sturken r trinken h. Beh itwein, sillation anshuten hret deb beson— lisse in im sich macht andels⸗ schwer, ast und ihte be⸗ hat sein in ganz hen dec n Hüft — 337— auf die Wage des Besitzers des Kaufladens gegeben, und bey dieser Gelegenheit eröffnet sich für die Chineser ein wei— tes Feld des Betrugs. Die Geschicklichkeit der Hände des Kaufmanns vermindert die Last des empfangenen Silbers, indem er auf eine unmerkliche Weise das Gleichgewicht der Schnellwage stört, die oft auch falsch ist; man giebt dem Käufer Silber heraus, das oft mit Kupfer ꝛc. gemischt ist. Die Behutsamsten der Chineser nehmen, wenn sie in die Kaufläden zum Einkaufen gehen, auch eine richtige Wage mit. Demselben Kapitel hier habe ich auch eine von mir gemachte Berechnung des chinesischen Gewichts, in Verglei— chung mit unserm russischen beygefügt. Ich bürge zwar nicht für die vollkommene Genauigkeit desselben; aber we— nigstens mußte ich, da ich keine andere Berechnung hatte, mich ihrer bey den Ausgaben im Silber bedienen, und dieß that ich auch. Ich halte es nicht für überflüssig zu erwähnen, daß man in China noch einen stillschweigenden Handel erfunden hat, indem man den Preis durch die Finger bezeichnet. Was für eine Zahl sie ansdrücken wollen, eben so viele Finger strecken sie aus; wenn es 5 ist, strecken sie die Hand mit allen fünf Fingern aus; 6 oder 60 bezeichnen sie durch Einbie— gung der drey vordern Finger und durch Ausstreckung des kleinen Fingers und des Daumens, 7 oder 70, oder auch noch weiter 700 u. s. w. durch Einbiegung des Zeige- und des Mittelfingers, und durch Ausstreckung des kleinen Fin— gers, des vierten Fingers und des Daumens; 8, 80, 800 u. s. w. durch Einbiegung des kleinen, des vierten und des Mittelfingers, und durch gerade Ausstreckung der übrigen Finger, 9, 90, 900 u. s. w. bezeichnen sie durch Einbiegung des kleinen, des vierten und des Mittelfingers, und durch gerade Ausstreckung des Daumens, indem sie II. Band. 22 338 den Zeigesinger in einer gegen den Daumen geneigten Lage ausstrecken u. s. f. Dieses Mittel gebraucht man öffentlich und auch im Verborgenen. 1. Ein Käufer, der weit hergekommen ist, streckt, wenn er seine Gedanken nicht mit Worten ausdrücken kann, sogleich die Hand zur Bezeichnung des Preises aus, z. B. 7; wenn der Verkäufer seiner Seits nicht damit zufrieden ist und 9 zeigt, so bietet der Käufer mehr und zeigt S u. s. w. 2. Gebrauchen sie dieses Mittel im Verborgenen. Wenn die Chineser ihren Handel vor fremden Leuten geheim halten wollen, fassen sie einander in ihren weiten Aermeln bey den Händen, und machen ihren Handel so, auf die eben erwähnte Weise, mit den Fingern im Verborgenen ab. Die Mongolen lieben dieses Mittel sehr; es gebrauchen es auch die Herren, wenn sie Bedienten bey sich haben. In China herrscht bey den Bedienten der Mißbrauch, daß sie von dem Preise, den der Herr bey Einkäufen bezahlt, von den Kaufleuten für sich den achten oder zehnten Theil neh— men. Wenn der Herr aber vor den Bedienten die Summe, die er giebt, verborgen hält, wie er hierdurch eben dem Kaufmanne zu verstehen giebt, so sind sie genöthigt zu neh— men, was ihnen gegeben wird. Dessen ungeachtet bezeich— nen die hinter dem Herrn stehenden Bedienten, ihrer Seits durch heimliche Ausstreckung der Finger, daß er ihnen den siebenten, achten, neunten, zehnten Theil der Summe, die er von dem Herrn bekommen werde, geben soll, und der Kaufmann ist, wegen dieser Forderung der Bedienten, ge— zwungen, entweder um soviel den Preis zu erhöhen oder gar nicht zu verkaufen. 8. B. wenn die Bedienten nicht dabey gewesen wären, hätte er für 10 verkauft, aber in ihrer Gegenwart kann er nicht wohlfeiler als 11 verkaufen, „ geen gaht auch in strackt, en kann, . B. frieden . s. w. cgenen. geheim Nermely, auf die enen ab. ichen es lt, von L nch⸗ umme, n dem u neh⸗ zzeich⸗ Seits n den je, die nd der , ge⸗ n oder nicht abet in raufen, 339 und dieser 11te Theil wird heimlich, zuweilen auch sogar öffentlich ihnen gegeben. Dieses Verfahren von Seiten der Bedienten ist keinem Gericht unterworfen, selbst nicht ein— mahl einem harten Tadel. Hier sprach ich von Bedienten, man kann aber dasselbe von allen Chinesern sagen. Auf den besten Freund und einen bekannten Bürger kann man sich dennoch nicht verlassen, daß er sich nicht einen solchen Antheil anmaaße, wenn man ihn einladet, in einem Kauf— laden zur Gesellschaft oder zur Beyhülfe im Handeln mit— zugehen. Schu-Lo je, der Lehrer an der manshurischen Schule der russischen Sprache, enthielt doch, beym Ein— kaufe einiger Kleinigkeiten auf meine Bitte, sich keineswegs, nach der Sitte seines Landes, bey dieser Gelegenheit 10 oder 12 Rubel darüber zu nehmen. 8 Endlich sind auch selbst die mit Worten ausgesproche— 7. nen Preise für einen aus fernen Gegenden Ankommenden nicht verständlich. In China hat nicht nur jede Statthalter— schaft, sondern fast jeder Kreis, bey einer und derselben Münze, seine besondere Bezeichnung des Preises, ohne doch den eigentlichen Werth derselben dadurch zu verändern. 3. B. in Pekin, wenn man 2 ausspricht, bedeutet es 1; 20 bedeutet 10 u. s. w. An andern Orten bezeichnet man 2 durch 5; 100 bedeutet 30 u. s. w. Alles dieses kann es klar machen, wie schwierig die Abschlüsse im Handel der Chineser sind, und zugleich zum Beweise ihres nicht geraden Charakters dienen. b) Vergnügungen. Die Chineser zeigen wenig Nei— gung zu gymnastischen Uebungen. Sie scheinen zu Zeit— vertreiben dieser Art nicht geschickt zu seyn, wegen ihrer körperlichen Schwäche, die am meisten von dem heißen Klima, dann der dürftigen Nahrung, und der außerordent— lichen Erschöpfung ihrer Lebenskräfte entsteht. Die unver— 99* 2 340 meidliche Noth zwingt die in Regimentern Dienenden, be— sonders die Manshuren, viel und schnell zu reiten, mit dem Bogen zu schießen. Tänze kennen sie nicht, ausgenommen die Pantomimen, die sehr unvollkommen sind, und von Schauspielern vorgestellt werden. Die gesellschaftlichen Unterhaltungen der gebornen Chi— neser, eben so auch der Manshuren, von gewissen Jahren und Range, sind sehr zwangvoll. So sehr in Europa eine Gesellschaft ohne Damen langweilig ist, eben so sehr hält man in China eine Gesellschaft mit Frauenzimmern für un⸗ anständig und niedrig. Eine Gesellschaft der Chineser gleicht oft einer Sitzung einer Akademie, in welcher ihre unaufge— klärten Damen keinen Platz haben dürfen, als Personen, die der Ordnung und Wichtigkeit ihrer Unterredungen hin— derlich sind. In einer Versammlung von Leuten von Er— ziehung wenden alle ihre Aufmerksamkeit auf die ältesten, och Ack Femme Maat I Rror gsüftklͤarn 21 Fee welche, nach dem Mac r Aufklärung, zum Inhalte 7 1 ihres Gesprächs moralische Gegenstände wählen, die, so zu sagen, als Vorlesungen 1 die jungen Leute dienen. Ob— gleich solche gesellschaftliche Unterhaltungen nicht selten ziem— lich einfältig sind, so sind sie doch stets, selbst bey den Landleuten, mit einem gewissen Ernste verbunden, und über— schreiten nie die Schranken der Wohlanständigkeit. Jeder chinesische Beamte wird auch zugleich für einen Gelehrten gehalten. Sein langsames und überdachtes Gespräch, mit entsprechenden Bewegungen des Körpers verschönert, zeichnet ihn vor den übrigen aus. Personen von Wichtigkeit geben sich ein Ansehen, als wären sie in tiefe Betrachtungen verf senkt. Sie lieben die Geschichte; sie entlehnen daraus passende Gegenstände, machen Auslegungen darüber und führen durch ihre Urtheile immer zur Belehrung und Nachahmung. Mit demüthigem Geiste wiederholen sie die Thaten weiser Vor— — 341 den, ge fahren, und seufzen, weil sie in sich selbst nicht die Fähigkeit de hig mit dim eben so gut zu handeln fühlen. nomm Aetas parentum, pejor avis, tulit n Nos nequiores, moOx daturos 0 bon Progeniem vitiosiorem* Die Chineser erklären, nicht selten mit großen Verstößen ge— en Chi gen die Geschichte und mit Aberglauben, die Ursachen der Er— Johren hebung und des Falls vieler Kaiserhäuser, die Ursachen der 22 ha eine wichtigsten Thronveränderungen in China. Mit Bitterkeit r halt sprechen sie von der Einführung der neuen Manshuren, die, ir un⸗ ihrer Meinung nach, stets dem Vaterlande Unheil bringen. gleicht Hartnäckig vertheidigen sie den? Nutzen der alten Einrichtungen, greifen den Luxus an, als die ge 55 ime Ursache vieler Unord— maufge nungen und Unfälle.— Eine gelehrte Gesellschaft, besonders ge⸗ 9 ersogen, n hin⸗ von fröhlichen, scharfsinnigen jungen? Leuten, beschäftigt sich on Er⸗ nicht selten mit kleinen Poesien, als z. B. es legt einer in 1 einer Zeile ein be f vor, und sein 0 0 0 eee Juhalte 0 zu 90 gens he die 72 5 8 115 15 kalten 11 7 f. ermüdenden Unterhaltungen das Vergnügen vor, ihre Zeit in „ b⸗ 8 ganug hre 8 der frohen Gesellschaft guter Freunde zuzubringen, und diese Freuden noch durch einen guten Tisch, witzige Scherze und eh den uh das Fingerspiel, ba Chuaziuang genannt, zu wür— Ader zen. Dieses Spiel besteht da rin, daß der eine, indem er dem 0 andern die geschlossene Hand vorhält, die Zahl der plotzlich an lehrten e f 11 beiden ausgestreckten Finger errathen m uß. Wer diese Zahl N e f nicht trifft, muß zur„ ein Glas Wein austrinken. Sie zeichnet f. 8 5 un sch spielen auch Karte, Dame oder Schach, ergötzen sich am Kam— 0 1 1 f. 5 5. 5 colt pfe von Wachteln, Ae, Heuschrecken u. s. w. sehlbe ascode Die Armuth der Bürger und die asiatische Eifersucht der 0 5—ͤ—ü——42ꝙ— a dutch) Es zeugten Väter, schlimmer als die Ahnen c Uns schlechtre, die 1 ein verderbteres ö 1 Geschlecht bald geben werden Horat. Od. III,“ Gatten erlaubt ihnen nicht, in ihrem Hause Bekannte zu em— pfangen und zu bewirthen. Dort kommen bloß Verwandte hin, und nur um einander zu sehen. Daher ladet jeder, um seine Freude zu bezeigen, oder sich einer lästigen Pflicht zu ent— ledigen, wenn er bey irgend jemand etwas zu erhalten sucht, gewöhnlich seine guten Freunde oder die Leute, deren er be— darf, in ein Gasthaus, und zeigt dort seine Freygebigkeit, nach seinem Vermögen und Bedürfniß. Dort hält man leckere Mahle und es herrschen geräuschvolle Vergnügungen.— Und so können denn einige ökonomische Europäer, die vor Ruß⸗ land— dem einzigen Lande in der Welt, wo der Gast stets satt und fröhlich ist— mit den Bequemlichkeiten eines Lebens in Gasthäusern sich rühmen, sich nicht die Erfin— dung einer hin und her wandernden Gastbewirthung anmaaßen. Von der Neigung der Chineser zu Schauspielen ist schon oben gesprochen worden. Die Chineser lieben zahlreiche Versammlungen. Deswe— gen sind bey den Tempeln in Pekin öffentliche Spaziergänge eingeführt, die aber übrigens nicht sehr oft statt finden. Bür— ger jedes Standes versammeln sich dort zu ganzen Tausenden. Außer dem Neujahrsfeste und noch einigen andern, giebt es bey den Chinesern keine jede W 5 wiederkehrenden Feyertage. Das Volk arbeitet unaufhörli Im Frühlinge finden he statt in den Umge— bungen Pekin's gegen Süden und Westen, größtentheils von der Natur durch eine angenehme Lage geschmückt. Die Armen beiderley Geschl echts kommen in Menge dahin zu Fuße, trin— ken Thee in Gasthäusern, sehen Gauklern zu u. s. w. und keh⸗ ren, beym Herannahen des Abends, zufrieden nach Pekin zu— rück— über welchem ewig eine Staubwolke schwebt. Vor— nehme Leute, die reichen und sorgenfreyen manshurischen Hel⸗ den, zeigen sich mit Stolz auf den Spaziergängen in ihren theuren, mit schönen Maulthieren bespannten Wagen, oder reitend auf feurigen kirgisist 00 9 Paßgängerg⸗ Der Geist der Eitelkeit und des Luxus, der den Bürgern aller H auptstädte gemein ist, zeigt sich auch in 85 mit denselben Zügen. ——— — 3 le zu im erwadte der, un b zu ent⸗ en sich, er be⸗ t, sach leckere lun R ß⸗ Gast leiten Erfin⸗ Haaßen. t schon Deswe⸗ change erlag imge⸗ ö von Itmen trin⸗ keh⸗ n zu⸗ Vor⸗ Hel⸗ ihten oder st der stadte „ zu m Beylagen zweyten Theile. 9 1 g . 1 ö ————— ——— BB WB—— 3—— r———— 2— N——— 5 1 —————ĩ=.——— 5— Verzeichniß der in Pekin 1821 gekauften chinesischen und manshurischen Bücher. A. Für die kaiserliche St. Petersburgische öffentliche Bibliothek. 1. Tung dsäng gan mu. Alte und neue Geschichte China's, das einzige Werk des berühmten Dshudsu, der im zwölften Jahrhunderte lebte. Er fing von dem ersten Kaiser Fußi an, der(wenn man der chinesischen Zeitrech— nung trauen darf) 3331 Jahr vor Christi Geburt lebte, und fuhrte die Geschichte bis zum zehnten Jahrhundert nach Chr. Geb. Sie endigt sich mit dem J. 1368, in welchem der letzte Kaiser aus dem Hause Juang, ein Nachkomme Dhingis-Chans, aus China verjagt wurde.— 10 Theile. Preis 10 Lana. 2. Dfhungaär bo nezisämo toktöbucha bö— dochoni. Genaue Beschreibung des Krieges, der von 1754 bis 1759 von dem manshurisch-chinesischen Kaiser Zänglung gegen die mongolische Nation, genannt Dshungar(die Sungaren), und dann gegen das östliche Turkestan oder die kleine Bucharey geführt wurde. In manshurischer Sprache. — 12 Theile, wofür bezahlt wurden 30 Lana, d. i. unge— fähr 60 Rubel in Silber. 3. Pin din dshun gal fan läo. Dasselbe Buch in chinesischer Sprache. 12 Theile. 30 Lana. 4. Pa zi i tun dshi. Geschichte der Abkunft und des Zustandes des manshurischen, mongolischen und chinesi— 346— schen Adels(der Beamten) und der Truppen, die unter den sogenannten acht Fahnen jedes Volkes, oder in 24 Corps bestehen. In 18 Theilen(ungebunden) dieses Buches sind ausführlich beschrieben: die Einrichtung jener Corps; die verschiedenen, ihm ertheilten Vorrechte; die Vertheilung der Ackerfelder, welche dem Adel(den Beamten) und den Trup— pen, nach der Eroberung China's, zufielen; die Erbauung der Kasernen in allen Theilen Pekin's, der öffentlichen Ge— bäude, Kornspeicher, Waffenvorrathshäuser und Zeughäuser; die militärischen Einrichtungen und Anordnungen; Verord— nungen wegen der Schuleu; Rangbestimmung oder Tabelle von den Rangordnungen; Verordnungen wegen der man— shurisch kaiserlichen Familie, wegen der Civil- und Mili— tär⸗Rangordnungen und erblichen Würden; Lebensbeschrei— bung und Kriegsthaten der Prinzen von Geblüte, der Heer— führer und bürgerlichen Beamten, welche ihrem Vaterlande durch Aufklärung und Tugenden wichtige Dienste geleistet. haben; Lebensbeschreibung vieler Frauen und Mädchen, die sich durch Keuschheit und häusliche Tugenden ausgezeichnet haben, u. s. w. In manshurischer Sprache, 18 Theile, 26 Lana. 5. Wörterbuch Känßi, dfüdäng, nach dem Wil— len des Kaisers Kanßi ausgearbeitet, und ist eins der besten in dieser Art, sowohl wegen seiner Vollständigkeit als auch wegen der deutlichen und ausführlichen Erklärung jedes Wortes.— 18 Lana. 6. Inengidari dfännacha düingbitché, in 4 Büchern, welche eine Sammlung des Besten aus der Lehre des Confucius und Mencius(Men-dsü) zweyer berühm— ten Philosophen im alten China, mit ausführlicher Erklä— rung enthalten, verfaßt von gelehrten Männern des ersten Grades, nach dem Willen des Kaisers Kanßi, zu seiner 2 eigenen Beschäftigung damit.— 2 Theile. 3 Lana. Unter de 3.* 2 1 0 7. Shi dsän ßüschu. Dasselbe Buch in chinesi— 1 Lorpz 5 73„ a scher Sprache.— 2 Theile. 8 Lana. ges sind 2 1 e 8. Schu schi tun kao. Anleitung zu einer ordent— 6 1 lichen Haushaltung, zum Ackerbau, Seidenbau, ee . zur Vermehrung des Baumwollenstrauches, der Weberey N und übrigen ländlichen Beschäftigungen, mit in Kupfer ge— a stochenen Abbildungen der verschiedenen Werkzeuge, die in . 1 allen Theilen der Wirthschaft gebraucht werden. In chine— laß sischer Sprache.— 4 Theile. 8 Lana. 177 9. Chuan tschäo li zistu. Abbildung alles dessen, 0 was bey dem jetzigen chinesischen Hofe zur Zeit feyerlicher 9 und anderer Versammlungen gebraucht wird, als Opferge— 77 fäße, mathematische, astronomische und musikalische Ge— e räthe und Instrumente, Gewänder und andrer Schmuck, 110 von den kaiserlichen Beamten an bis zu den letzten herab, 5 Gewänder der Kaiserinnen und der Frauen von Beamten, at kaiserliche Regalien, kriegerischer Rüstungen, Feuer-Waffen, 5* Fahnen, großer und kleiner Kriegszelte, mit in Kupfer echnt gestochenen Figuren. In chinesischer Sprache. 2 Theile. band, 15 Lana. Wil⸗ e 10. Atlas des chinesischen Reichs. 6 Lana. 1 11. Beschreibung der schamanischen Gebräuche, mit in 100 N Figuren der Opfergefäße, musikalischen 5 1 nte und andern Sachen, die von den Schamanen 1 4 ber 1 Gottesdienste gebraucht werden. In manshuri— gh scher Siehe— 1 Theil. 2 Lana und 5 Tschina. ihn⸗ 12. Belehrende Worte an das Volk, von den Kaisern kkla⸗ der daimin'schen Dynastie, vom J. 1368 an bis 1644. arten In chinesischer Sprache.— 1 Theil, und seiner 13. Dieselben Worte in manshurischer Sprache.— 40 Theile. 25 Lana und 5 Tschina. 38- 14. Dshurchän badarämbucha duing bitches. Vier Bücher, mit kurzer Erklärung der Worte und des Sinnes, und der Anzeige der Zeit der Begebenheiten. In chinesischer und manshurischer Sprache zusammen gedruckt. — 4 Theile. 10 Lana. 15. Daizin gurüni fökdsini dorôenéiché bö— dochoni bitché. Geschichte der Erhöhung des manshuri— schen Reichs, oder Thaten der ersten zwey manshurischen Kaiser, bekannt unter den Nahmen Taidsu und Tai— dsun, vom J. 1616 bis 1644, die den festen Grund zur Eroberung China's und der folgenden Größe ihrer Nachfol— ger gelegt haben. In manshurischer Sprache.— 2 Theile. 25 Lana. 16. Mio fa liang chuà dsin. Heiliges Buch der Verehrer des Fo, welches die Lehren darstellt, wodurch jeder nach dem Tode(angeblich) wiedergeboren werden kann auf der Blume Nenuphar oder der chinesischen gelben Nym— phaeca, und ein seliges Leben fortsetzen; weshalb auch die— ses Buch mit dem Nahmen dieser Blume benannt worden. In chinesischer Sprache.— 1 Theil. 17. Müng ßiang dsin. Heiliges Buch derselben Religionsparthey von den übernatürlichen Offenbarungen an diejenigen, welche dieses Buch fleißig lesen. Chinesisch. 1 Theil. 18. Lün jang dsü. Heiliges Buch derselben Reli— nge von den schreckliche Chinesisch. 1 Theil. 19. Dao de dsin. Regeln der Weisheit und Tu— gend, ein Werk des berühmten Lao-dsiung, der beynahe 600 Jahr vor Christi Geburt lebte. Chinesisch. 1 Theil. Alle diese vier Bücher, No. 16, 17, 18 und 19 kosten — 4 Lana 5 Tschina. l 349 ltc 0 20. Ssin li dsin i. Sammlung philosophischer Ur— en. Ju theile, zum Theil uber Metaphysik„Physik und Moralphi— wöruckt losophie. In manshurischer Sprache.— 1 Theil. 1 Lana 5 Tschina. 21. Adreßkalender auf das Jahr 1820.— 1 Theil. q be⸗ nshuri⸗ rischen 6 5 5 22. Manshurisch-mongolisches Wörterbuch.— 4 Theile. 5 Tschina). Tai⸗ 5 5 5 0 2—„ 23. Ssi jui wüng dsäng lu. Schriften von den 0 westlich von China liegenden Ländern: dem östlichen Turke— i stan oder der kleinen Bucharey, Sungarey, den Chassa— 105 ken u. s. w., von ihrem politischen und sittlichen Zustande, 0 von den in der letzten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts 5 dort vorgefallenen Veränderungen, und ähnlichen Dingen. ug 2 Exemplare. 4 Bändchen. 5 Lana. kan 24. Tagebuch, vom J. 1712, der Reise des chinesi— s schen Gesandten T ulischeng zu dem Chan der K n 0 de Ajuk, durch die Mongoley und Rußland. Manshurisch.— ag, 1 Theil. 1 Lana 5 Tschina. 25. Chuän zin dshi gun tu. Kurze Beschreibung ilben der in China bekannten und dort als diesem zinsbar gehal— n af tenen Völker(darunter 1 1098 einige Europäer), mit Ab— sisch. bildung der Kleidung und des Schmucks beider Geschlechter, sowohl von Leuten vom Mang als auch des gemeinen Vol— seli⸗ kes; gedruckt nach dem Willen des Kaisers Zänglung. dolle. In chinesischer Sprache.— 2 Theile. 6 Lana. 26. Wang näng 325 u. Chinesische Chronologie.— Tu⸗ 1 Theil. 1 Lana. nahe Theil.*) Ein so geringer Preis, in Vergleich der Preise der andern 119 Bücher, läßt fast einen Druckfehler des russischen Originals osten vermuthen. Indessen ist in dem Druckfehlerverzeichniß dessel ben nichts angezeigt. A. d. U. F 350 27. Manshurisches Wörterbuch, alphabetisch geordnet, mit mongolischer, tibetischer und chinesischer Uebersetzung. — 8 Lana 5 Tschina. 28. Zwey Landcharten von China. 29. Grundriß von Pekin. 30. Abbildung beider Hälften der Erdkugel, nach euro— päischem Muster; und 31. Abbildung beider Hälften der Himmelskugel. Die Landcharten No. 28, 29, 30 und 31 kosten 3 Lana und *) Tschina. Ausgemahlte Zeichnungen im chinesischen Costume, vor— gestellt von dem bey der pekin'schen geistlichen Mission ge— wesenen Mönche Jakinf, und jetzt ebenfalls befindlich in sie De 5 9 3 6 Pi ß 1 der russisch-kaiserlichen offentlichen Bibliothek, an welche auf allerhöchsten Befehl des Kaisers im J. 1824. über— sandt wurden. Ein chinesischer Beamter in eigentlich chinesischer Klei— dung, welche aber, seit der Unterwerfung China's unter die Gewalt der Manshuren, gegen die manshurische ver— tauscht worden ist. Eine chinesische Dame in eigentlich chinesischer Klei * dung, welche jetzt ihnen nur am Tage ihrer ehelichen Ver— bindung, und an den Tagen, wenn sie ihren Voreltern Opfer darbringen, gestattet ist. Aufgenähete Flecken, welche jetzt von chinesischen Staatsbeamten(von der ersten bis zur zwölften Klasse) auf der Brust und auf dem Rücken am Oberkleide getragen *) Durch einen nicht angezeigten Druckfehler des russischen Ori— ginals fehlt die Zahl, die aber zufolge einer(hier nicht wohl zu erklärenden) Eigenheit der russ. Sprache nicht unter 2 und nicht über 4 seyn kann. A. d. U. ——— 35141— unn, werden; und aufgenähete Flecken, welche die chinesischen schun, Militärbeamten auf der Brust und auf dem Rücken, an dem Oberkleide,— entsprechend den Rangklassen 1—8 mit eingeschlossen— tragen. Ein chinesischer Beamter in der Hof-Ceremonien-Klei— kLlto⸗ dung, und Eine manshurische und mongolische Dame in der Hof— Die kleidung. und Ueberhaupt chinesische Beamte in der Hofkleidung, und Eine chinesische Dame in jetziger Tracht. Ein Manshur zu Pferde im 15 n begriffen. „bot⸗ Ein chinesischer Beamter in Haustracht, welche jetzt f ge nur bey theatralischen Vorstellungen zu 55 rauchen gestattet ist. 15 Ein kämpfender Soldat von der grünen Fahne mit 10 se Schilde, in solcher Kleidung vorgestellt, in der sie nur bey fbn der Haupt-Heerschau erscheinen. 2 Die allgemeine Winterkleidung der Chineser, die jetzt ale sowohl von Beamten als gemeinen Leuten getragen wird. Alkl⸗ Die allgemeine Uniform der chinesischen Soldaten von 5 der grünen Fahne, mit Ausnahme der Manshuren und Mongolen. lei Die allgemeine Sommerkleidung der Chineser, die jetzt 0 von Beamten und gemeinen Leuten getragen wird, und 5 Eine gemeine Manshurin in der Sommertracht, wovon 19 sich die Winterkleidung bloß dadurch unterscheidet, daß sie chen gesteppt oder mit Pelz gefüttert ist. 15 Ein Chineser in Sommerkleidung nach gemeiner Art, und aße Eine gemeine Chineserin der südlichen Gegenden. 8 Ein chinesischer Bauer aus nördlichen Gegenden, der Oli⸗ Ohrgehenke und Frauenglas verkauft, und wohl Eine chinesische Bäuerin aus nördlichen Gegenden, ek welche Weißzeug wäscht, Ein chinesischer Bauer aus dem Süden, der das Land umgräbt, und Eine chinesische Alte aus dem Süden, welche eine Gans trägt. Ein Lama im Tempeldienst, und Ein Lama in gemeiner Kleidung. Ein Däos, Mönch von der laodanischen Secte, der Almosen in eine aus Wurzeln geflochtene Schale, und Ein Choschan von der Secte des Fo, der Almosen in einen leinenen Quersack sammelt. Eine Bizini, im gemeinen Leben Nigu, eine Nonne von der Religion des Fo. Eine chinesische Dame in einem kleinen mit Maulthie— ren bespannten Wagen. Ein Barbier, der einem den Kopf schiert, welches im Hause und auch auf der Straße geschieht. Ein vornehmer Herr und sein Bedienter, in Sommer— kleidung mit Uhr und Fächer. Ein blinder Musikant und Sänger, und Ein Bettler. Ein Mongole auf einem Kameele, und Eine Mongolin aus dem Süden. Ein Koreer in Hof-Ceremonien-Kleidung, die man in den ältesten Zeiten auch am chinesischen Hofe trug, jetzt aber nur noch auf der Bühne vorkommt. Eine Koreerin in Hof-Ceremonien- Kleidung. Ein koreischer höchster Staatsbeamter, in einer von den Chinesern entlehnten Kleidung, und Eine koreische Dame. Kleidung der koreischen Beamten und Bürgerlichen des Mittelstandes, und Ein koreisches Mädchen. sosen Nonne gan in jetzt er von hen deb Ein Koreer in gemeiner Tracht, und Eine gemeine Koreerin. Ein koreischer Bauer. Ein Tibeter und ein Tangute. Ein Mann aus der kleinen Bucharey, eigentlich ein Turkestane, und Eine reiche Mongolin aus dem Norden. Eine Turkestanin, und Ein turkestanisches Mädchen. Ein Bürgerlicher aus den liuziusischen Inseln, und Ein Beamter aus den liuziusischen Inseln. B. Bücher für die Bibliothek des asiatischen Departements des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten. In chinesischer Sprache: 32. Shi dsän idsin, d. i. Buch der Veränderun— gen, mit ausführlicher Erklärung, verfaßt von gelehrten Männern des ersten Grades, zum Gebrauch des Kaisers Kanßi. Drey ganze Schriftzüge und eben soviel durchschnit— tene machen die Grundlage dieses alten Buches aus. Die ersten drey beziehen sich auf den Himmel und die letzten auf die Erde. Aus der Vermischung der ganzen mit den durchschnit— tenen, sind acht Trigrammen oder dreyfache Schriftzeichen ent— standen, und diese, mit sich selbst multiplicirt, gaben 64 Hexagrammen oder sechsfache Schriftzeichen, w omit die neuern Chineser denken die Entstehung der Welt und d aller darin existiren— den Dinge zu erklären. Aber 1950 Wang und sein Sohn Dsheugun, auch Confucius untersuchten diese Züge und ga— ben ihnen einen mehr poetischen als metaphyft schen Sinn. Für den Erfinder dieser Trigrammen hält man Fußi den Kaiser und Gesetzgeber der ersten ur lten Zeit China's, der, II. Band wie die Chineser annehmen, 3331 Jahr vor Chr. Geburt gelebt hat.— 2 Theile. 3 Lana. 33. Sang go(ho) dshi. Geschichte der drey Kai⸗ serthümer Schu, Wei, u, in welche China von 189 bis 265 nach Chr. Geb. getheilt war, das ist: nach der Ver— nichtung des Kaiserhauses Chang bis zu dem Stifter der neuen dsingschen Dynastie Sfümajang, der den drey Reichen ein Ende machte. Die Begebenheiten, während eines Zeitraums von 76 Jahren, sind mit lebendigen Farben geschildert, mit vielen Erdichtungen, die mehr für ein Hel— dengedicht als für eine Geschichte gehören.— 6 Theile. 11 Lana. 34. Chun lo mün, ein satyrischer Roman auf die Erhebung und den Fall einer vornehmen manshurischen Fa— milie.— 4 Theile. 8 Lana. 3 Liu din tu, Darstellung des alten China; oder Sammlung alles Merkwu irdigen in Hinsicht auf Erdbeschrei— bung und Statistik dieses Reichs, mit gestochenen Karten und Abbildungen merkwürdiger Gegenstände.— 2 Theile. 5 Lana. 36. Ssi jui wüng dsiang lu, s. oben No. 23. 37. Wüng mio ßü diang, Rangbestimmung der feyerlichen Darbringungen der Opfer im Tem pel des Confu— cius, mit ausführlicher Beschreibung der 2 Vorrechte und Eh— renbezeigungen, die man zu allen Zeiten diesem großen— wie die Chineser sagen— Lehrer der Fürsten und Völker erwiesen hat, eben so auch dem Mendsü und übrigen durch Gelehrsamkeit und Tugenden berühmt gewordenen Männern. Diesem Buche sind einige gestochene Abbildungen von Opfergefäßen, musikalischen Instrumenten und andern Sachen beygelegt.— 1 Theil; 4 Bände, 1 Lana 5 Tschina. pr. Gurt dreh Ka 189 bis der Ver⸗ liter det den dreh während Farben in Hel⸗ Weile. na; oder dboschrii⸗ n Kakten 2 Hl. 1 25 ing der Confu⸗ d Eh⸗ ben— Volker ubrigen ordenen ungen andern Tschina. — 355 Dshudfüzinang schu, eine ähnliche Samm— lung aller Werke des chinesischen Kaisers Dshu-ßi, der im 12ten Jahrhundert nach Chr. Geb. lebte.— 5 Lana. 39. Känßi dfüdiang, Wörterbuch, s. oben No. 5. 40. Wörterbuch Dshu dfü wei.— 2 Theile. 1 Lana 15 Icchina. 41. Wörterbuch Fui tan d sü wei.— 62 Tschina. 42. Adreßkalender auf das Jahr 1821.— 6 Tschina. In manshurischer Sprache. 43. Schi dsin, Sammlung von Gedichten, geschrie— ben zur Zeit der Dynastie Osheu, deren Anfang von den Chinesern 1222 Jahr vor Chr. Geb. gesetzt wird. Dieses Buch ist, nach der Wichtigkeit der Gegenstände, auf welche diese Gedichte gemacht sind, in vier Theile getheilt. Der I1ste heißt Go(Ho) fün und enthält den größten Theil der gemeinen Lieder in den appanagirten Fürstenthümern. Lieder dieser Art wurden an den Hof des Kaisers geschickt, wo man eine Auswahl daraus machte, und Schlüsse von den Sitten und Neigungen der Einwohner daraus zog. Der 2te Ssiao ja, Verse und Gesänge, von kaiserlichen Männern gemacht; man sang sie bey feyerlichen Gastmah— len am Hofe. Der Zte, Da ja, enthält? Verse und Oden von besonderer Wichtigkeit. Die Tugenden des W ün g⸗ wan und seines Sohnes UÜ-wan waren die einzigen Gegenstände dieser Gedichte. Oden und Lieder dieser Gat— tung wurden bey den feyerlichen Audienzen gesungen, welche die chinesischen Kaiser den appanagirten Fürsten gaben. Der Ate, Ssung oder Lobgesänge zu Ehren der Vorfahren, die beym Darbringen der Opfer gesungen wurden.— 2 Theile. 3 Lana. ü 44. Gu(Hu) wüng, alte Beredsamkeit oder Samm⸗ lung merkwürdiger und musterhafter Werke, Befehle, Be— 23* 2 — 355— richte und ähnlicher gelehrten und politischen Producte über verschiedene Gegenstände, die Reichsregierung, das öffentliche und Privatleben betreffend.— 12 Theile. 12 Lana. 45. Tun dsian gan(han) mu, alte und neue Ge— schichte von China, einziges Werk des berühmten Dshu— dsü, der im zwölften) Jahrhunderte lebte. Er fing an von dem ersten Kaiser Fußi, der 3331 Jahr vor Chr. Geb. gelebt haben soll, und führte die Geschichte bis zum zehnten**) Jahrhunderte nach Chr. Geb. Sie endet mit dem J. 1368, wo der letzte Kaiser des Hauses Juang, Dshingischans Nachkomme, aus China verjagt wurde.— 10 Theile. 10 Lana. 46. Inengidari dfännacha duin bitchs. S. oben No. 6. Sammlung des Besten aus der Lehre des Kong⸗fu⸗tßü und Mengdsü, zweyer berühmten Phi— losophen im alten China, mit ausführlicher Erklarung, ge— macht von gelehrten Männern des ersten Grades, nach dem Willen des Kaisers Kanßi, zu seinem eigenen Gebrauche. — 2 Theile. 3 Lana. 47. Zin wüng dsäng, manshurisches Wörterbuch mit chinesischer Erklärung und richtiger Aussprache sowohl der manshurischen als chinesischen Wörter, mit genauer Auseinandersetzung der Bedeutungen jedes Wortes.— 8 Theile. 6 Lana 5 Tschina. 48. Ißäbucha bitché, manshurisches Wörterbuch mit chinesischer Uebersetzung, alphabetisch geordnet.— 2 Theile. 1 Lana und 3 Tschina. *) Vielleicht vierzehnten. Denn Dshud sü's Geschichte endet ja mit dem J. 1568. A. d. Ul. **) Doch wohl vierzehnten? No. 1. ist derselbe Fall. A. d. U. 5 Ishu— fing an or Ct. bis zum det mit Juang, Da 0 dem gahtauche rterbuch sowohl genauer 8 zotterbuch 1 chte endel . 4 d „— 49. Ssang chéö biang lang, manshurisches Wör— terbuch, mit mongolischer und chinesischer Uebersetzung, in alphabetischer Ordnung.— 2 Theile. 5 Lana. 50. Ssiäo ßio. Schule der Knaben, oder Anfangs— regeln, welche die Jugend zur Aufklärung und Tugend füh— ren, mit verschiedenen Anekdoten.— 1 Theil. 2 Lana und 5 Tschina. 51. Charte des chinesischen Reichs und des größern Theils von Asien, entworfen von den 1 Missionaren in China, und gedruckt auf besondern Befehl des Kaisers Zänglung in der letzten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, auf 118 Blättern.— 20 Lana. C. Für die in Irkutsk zu errichtende? lnstalt der asiatischen Sprachen. 52. Mangdshu güruni, uche e manshurisches Gesetzbuch, in manshurischer Sprache— mit 40 Lana oder 80 Rubeln in Silber bezahlt. 53. Dshäkung Gusäi( Husäi) itun n Geschichte der Herkunft und des folgenden Zustandes des manshurischen Volkes, in manshurischer Sprache.— 16 Theile, und in chinesischer Sprache in n 26 Lana. 54. Fäfunübitché, d. i. peinliche Gesetze, manshu— risch, in 6 Theilen, und chinesisch, 4 Theile.— 10 Lana. 55. Juäng güruni bitché, d. i. Geschichte des Hauses Juang, oder Dshingis-Chan's und seiner Nach— kommen, manshurisch.— 1 Lana. Gespräch eines Christen nit einem Chineser über den Glauben, in mongolischer Sprache, in 2 Theilen.— 1 Lana AIschina. 5 56. Chun lo müng, romanhaftes Werk, chinesisch. — 4 Theile. 1 Lana 5 Tschina. 57. Wörterbuch in 4 Sprachen, d. i. manshurisch, mongolisch, tibetisch und chinesisch.— 9 Lana. 58. Wörterbuch in 3 Sprachen, d. i. manshurisch, mongolisch und chinesisch.— 4 Theile. 7 Lana. 59. Wörterbuch in manshurischer und chinesischer Sprache.— 8 Theile. 6 Lana. 60. Manshurisches alphabetisches Wörterbuch, mit Ue— bersetzung und Erklärungen in chinesischer Sprache.— 2 Theile. 1 Lana 2 Tschina. 61. Ssang che biang lang, oder Wörterbuch nach dem manshurischen Alphabete, mit mongolischer Ueber— setzung.— 2 Theile. 5 Lana. 62. Shi dsän ßüeschu, d. i. tägliche Auslegung über die vier Bücher der Schöpfung, von Ku ndsü(Con⸗ fucius) und seinen Jüngern. Chinesisch.— 2 Theile. 3 Lana. 63. Endüringé täzißäng, geheiligte Unterweisung des chinesischen Kaisers Ju ndshen, manshurisch und chi⸗ nesisch.— 5 Tschina. 64. Zin wüng zi mün, d. i. Buch, welches das Alphabet, die Grammatik und Gespräche in beiden Spra⸗ chen enthält.— 3 Tschina. 65. Ziäng dsü wüng bo dsiähßin, ß ang dfüdsin, in chinesischer Sprache.— 2 Tschina. 66. Ssang dsündsin, manshurisch und chinesisch, mit Erklärung.— 2 Tschina. 67. Ssiäo ßio, d. i. Kinderschule, in beiden Spra⸗ chen, mit Erklärung.— 2 Lana 5 Tschina. 68. Hundert Gespräche in manshurischer und chinesi⸗ scher Sprache.— 2 Tschina. —ü—ü—ä— W 2 — assch, 69. Hundert Gespräche in mongolischer Sprache, mit chinesischer Uebersetzung.— 7 Tschina. 70. Zwey Exemplare der mongolischen Gesetze, in ld 4 mongolischer und chinesischer Sprache, jedes in 2 Theilen. i— 40 Lana. sher Preise der Lebensmittel und verschiedener Waaren in Pekin, lle⸗ im Jahr 1821, 2 wobey 1(russisches) Pfund Silber“) zu 92 Rubel 80 Ko— peiken in Assignationen, und die chinesische Lana zu 8 Ru— nach bel in russischem*) Gelde, oder 1100 Tschech in ber⸗ chinesischer Kupfermünze angenommen ist. J. Lebensmittel und häus liche Bedürfnisse. ing Thee. Blüthenthee, aber nicht der beste, ein Gin d. i. un- 5 gefähr 13 Pfund russ. oder ungefähr 15 Pfund N Leipz. 27— 3 Lana. ung— schwarzer, gewöhnlicher 1 Lana. *— Lundsin, das allerjüngste Blatt, nach chinesischem Ge— schmacke der beste 1600— 2000 Tschech. ab— Dshülang, grüner 1— 2 Lana. a⸗— Ssiangpiang, der in China gewöhnlichste 320— 1600 Tschech. 9*) Wenn man 1 Pfund Silber zu 26 Rthlr. 16 Gr. in Conv. Gelde, oder zu 28 Kthlr. in preuß. Courant annimmt, so „ 5 1 8(wenn 1 Pfund russ. 180 Pfund Leipz. Gewicht eträgt) gerade 2 Rthlr. in Conv. Geld, oder in Pr. Cour. 2 RKthlr. 2 Gr. 5 Pf. beynahe(wobey aber der steigende und 95 fallende Cours des Pr. Cour. nicht mit in Anschlag kommt); also 1 Tschech r Pfennige in C. G. oder 273, d. i. etwas über 2 Pfennig, oder ungefähr 1 Heller. A. d. U. 0**) Nämlich in Assignationen. Denn in Silberrubel sind immer ce 2 auf eine Lana gerechnet. A. d. U. — Thee, Bortogon, eine Art Backsteinthee, die Kiste 550 Tschech. Zuckerkand, weißer, das Gin 130 Tschech. — rothen—— 120— Wachs, weißes, von Bäumen gesammeltes 700 Tschech. — gelbes, 400— 500 Tschech. Weintrauben, weiße und rothe(blaue) das Gin 40— 70 Tsch. Birnen, 10 Stück der besten 300 Tschech. — mittelmäßige 100— 150— Aepfel, 10 der besten 200— 300— — mittelmäßige 100— 150— Granatäpfel, 10 n Zitronen, 10 700— 1000— Weizenmehl, das beste, das Gin 35— 40 Tschech. Graupen aus Reiß, das Maaß von 20 Pfund am Ge— wicht— 400 Tschech. also das Pud(40 Pfund russ. oder 3488 oder fast 35 Pfund Leipz.) 550 Tschech. Butter, das Gin 130 Tschech. Oehl—— 120— Talg zu Lichtern, das Gin 130 Tschech. Rindfleisch, das Gin ohne Knochen 45— 60 Tschech. Schöpfenfleischld2??ͤäx 60— 70— Schweinefleisch———— 70—80— Ein Spanferkel 1000— 1300 Tschech. Eine zahme Gans 600— 800—. Eine zahme Ente 500— 600— Eine wilde Ente 300 Ein Huhn 160— 250— Ein Fasan 200— 350— Haselhühner, das Paar 55— 665— Ein Hühnerey 1 66 SS schech. 70 Ich. am Ge⸗ Ichech, oder fast ech. 1 Große Fische: Hausenfleisch, das Gin 60— 400 Tschech. Karpfen und andere Gattungen, weiße“) Fische 50— 60 Tschech. Lebendige Karpfen, das Gin 20 Tschech. Eine Flasche Essig 11— Gemeiner Kornbranntwein, das Gin 100 Tschech. Liqueur, eine Art Aufguß mit süßen Früchten aufgesetzt, das Gin 120— 150 Tschech. Schaußin(schwacher) säuerlicher Kornbranntwein, das Gin 56- 70 Tschech. Senf 65 Tschech. Kohl 3— 52 Tschech. Shangjo leine Art länglicher Kartoffeln) 30— 40 Tschech. Rauchtabak in Blättern, das Gin 160— 250 Tschech. Tabak von Huangdung oder manshurischer 3— 660 Tsch. — in kleinen viereckigen Stücken(Dindfüjan) das (viereckige) Stück 18 Tschech. — in(runden) Paketen, aus dem Süden(Nang— jang) das Paket 160 Tschech. Schnupftabak, brasilischer, den die Portugiesen einführen, das Pfund, in Silber 25 Lana. Wohlriechender Tabak, in Pekin zubereitet, die Lana 500— 1000 Sschech. Tabak von geringerer Gattung, das Gin 250 Tschech. Steinkohlen, gewöhnliche 48 Tschech. — die besten 6— Holzkohlen 13— 16 Tschech. Brennholz, das nach dem Gewichte verkauft wird, das Gin 6 Tschech. *) Im russischen belaja rüba, wörtl. weiße Fische, wörunker man in Rußland die kleinen Fische versteht im Gegensatz der großen, als: Hausen, Störe, die krasnaja rüba, rothe Fi— sche genannt werden. N. d. U. II. Band, 24 5 H, Bedi enden. g. Einem Bedienten bezahlt man, in den besten Häusern, mo— natlich 3 Lana, oder 3300 Fschech. Einem Bedienten in mittlern Häusern(die Kost hat er bey dem Herrn) 1000— 1500 Tschech. Einem Miethkutscher für einen Wagen mit einem Maul— thiere bespannt, auf den Tag 1000— 1200 Tschech. Ein Wagen(Kalesche) 600— 750 Fschech. Ein Reitpferd auf den ganzen Tag 600— 1100 fschech. Auf 24 Stunden, Futter für ein Pferd, Häckerling mit Körnern und Mehl, kostet 250— 300 Tschech. Auf 24 Stunden, Futter für ein Maulthier 160— 200 Tschech. Einem Tischler bezahlt man auf den Tag 300 Tschech. Einem Zimmermann und Steinmetzen auf den Tag 200 Tschech. Einem der die Zimmer(mit Papiertapeten) verklebt auf den Tag 200 Tschech. Einem gemeinen Arbeiter auf den Tag 130 Tschech. Wasser zum Gießen, zwey Eimer an einem Schulterjoche, 3 Tschech. I Scheei bp per g., f, w. Schreibpapier, der Bogen,— 6 der unsrigen 18— 22 Tschech. Packpapier(Mao tudshi) der Bogen so groß als 12 der unsrigen 3 Tschech— Tusche, die beste, in gleichem Preise mit dem Silber. — mittlerer Güte, das Gin 1 Lana— 52 Lana. Zinnober, der beste, beynahe in gleichem Preise mit dem Silber. W. — 1 0 f de 1 363 5 IV. A z neh mittel. Shingscheng, Radix Chinae, die allerbeste, 1 Lana oder 84 Solotnik“), kostet in Silber 350 Lana. — koreische, das Gin 250 Lana. Kugo, oder Ignatiusbohnen, das Gin 1250 Tschech. Densui oder Dindsäüja so, weißer und rother 250 Tsch. V. Med le, Gold, das allerfeinste, ist 18mahl theurer als Silber, von 90r Probe, 16mahl. Kupfer, weißes, das allerbeste, aus Jungnang: — vecarbeitetes, das Gin 1 Lana 2 Tschina. — grünes, verarbeitetes 350 Fschech. — rothes,— 350— 400 Tschech. Zinn, verarbeitetes, das Gin 300— 450— Vl. Seiden ze ung e Duangdsü, auf sibirisch Kan fa, der beste Atlaß, Stück bis 20 Arschinen(ungefähr 25 Ellen 1 Maaß) lang 25 Lana. — mittlerer Güte, das Stück von derselben Länge 18— 19 Lana. Kantscha(Nintscheu) das Stück bis 22 Arschin(272 Leipz. Elle) 18— 20 Lana. — e das Stück 7— 8 Arschin(10 Leipz. Ell.) 75— 9 Lana. Fänßü, sibirisch: Fansa, breiter, glatter Taffet, das St. bis 27 Arschin(34 Leipz. Ell.) 11— 122 Lana. — schmaler, glatter, das St. 13 Arschin(175 L. E.) 32 Lana. ) Wieviel 1 Lana genau beträgt, sehe man am Ende bey det Vergleichung des chin sischen Gewichtes. A. d. V. 24* 5 Lindsü, das St. bis 13 Arschin 4— 44 Lana. Dshéutschéu, das allerbeste Koudsheu, oder glatter Krepp, das Stück bis 27 Arschinen 16 Lana. Jandsheu— geblümter Krepp von demselben Maaße 11- 12 Lana. Miängtscheu— breiter Krepp, das St. 20 Arschinen 47 Lana. — schmaler Krepp, 20 Arschinen 32 Lana. Scha, d. i. geblümter Flor, der allerbeste, breite, das Stück 26 Arschinen(322 L. E.) 20— 22 Lana. — mittlerer Güte 11 Lana. — glatter, breiter, bis 13 Arschinen(163 Leipz. Ell.) 34 Lana. Ssiängtscheu, auf sibirisch Halb- Seidenzeug und Tschentscha bis 25 Arschinen 3 Lana. Ssüßütscheu, auf sibirisch Tschißütschu, bis 24 Ar— schinen(304 Leipz. Ell.) 5 Lana. Seide, das Gin, nach chinesischem Gewicht enthält an rei— ner Seide 12 Lana. — ungezwirnte 5— 7 Lana. — gezwirnte 3 Lana? Tschech bis 5 Lana. VII. Baumwollene Waaren. Kitaika(Nanking) das Stück, ungeglätteter, zu 9 Ar— schinen(115 L. E.) 1 Lana 2 Tschina. — geglätteter, 7 Arschinen(über 83 Leipz. Ell.) 6—7 ITschina. — urngeglätteter 1 Lana. Daba(grobe Leinwand), der beste, 20 bis 24 Arschinen lang 1 Lana 1 Tschina bis 1 Lana 4 Tschina. Dalenba, 2 Arschin breit, das Stück bis 15 Arschinen (187 L. E.) 1 Lana 3 Tsching. ————— 0 H. her glatter Lang. u Maaße Ascheg te, das dana. az. El.) eg und 0 24 Ar⸗ t an tei 9 Ar⸗ El.) schinen na. chigen ——————-—-—-—— ——.——————ö—.——— —— 5—n'.— *—ͥ—-—-————-—j— Gedruckte Leinewand, das Stück bis 13 Arschinen 1 Lana 5 Tschina. Ein Gin der besten Baumwolle 250 Tschech. VIII Pe lz wier k. Pelzwerk zu einem Schlafrock von Rückenfellen von Grau— werk 23— 25 Lana. — von Bauchstücken 12— 13 Lana. Eine Kurma(kurzes Oberkleid), schwarz mit untermischtem Grau 30— 40 Lana. —— schwarz, ohne Grau 25— 30 Lana. Pelzwerk von weißen Lämmerfellen zum Schlafrock 12— 15 Lana. — don großgewachsenen, dichthaarigen Lämmern 15— 17 Lana. Biberaufschläge zu den Aermeln 4— 10 Lana. Kragen von Biberschwanz 5— 8 Lana. Eine Mütze von Zobel mit seidenem Quast 6—8 Lana. —— don geschwärzten Iltissen, mit Quast 2500 — 3000 Sschech. Eine Kurma von Pfotenfellen rother Füchse 50— 80 Lana. Pelzwerk zu einem Schlafrock von Pfotenfellen weißer Steinfüchse 40— 60 Lana. — blauer oder graulicher Steinfüchse 40— 60 Lana. — von Rückenfellen weißer Steinfüchse 50— 100 Lana. IX. Holz in Bretern, zu kleinen Arbeiten. Kampferholz, das Gin 40— 50 Tschech. Cypressenholz, weißes 35— 40— — schwarzes 300— — rothes 250— Sandelholz, rothes 350— Fichtenholz 20— 1 ——— Lindenholz in Bretern 1 Klafter lang, 2 Arschin breit, und 4 Werschok(fast 13 Zoll Leipz. Maaß) dick 6 Tschech. Beym Hausbau, zu Säulen und Bin— debalken gebraucht man Ceder und Tanne. Ein Balken 3 Klaftern lang, im Querschnitt 6 bis 7 Wer— schok(9— 10 Zoll L. M.) 10— 15 Lana. EChinkfisches Gewicht. Das Gin(Dsin) enthält 16 Lana, eine Lana ‚ 10 Tschina(iäng), eine Tschina 10 Funa, eine 4 Funa 10 Li. 10 In China giebt es drey verschiedene Gewichte: 1 1) Küpin oder das Gewicht der Regierung, wovon 9 11 Lana ein russisches Pfund( Leipz. Pfund) ausma— chen; in diesem Gewichte werden die Abgaben angenommen, die Gehalte ausgezahlt u. s. w. 2) Schipin, aus Irrthum Tämpin(dieses letztere 9 Wort bedeutet bloß Gleichgewicht); davon machen 11 Lana 10 1 Fschina ein russisches Pfund aus. Dieses Gewicht ist „ fast gar nicht in Gebrauch. 3) Erlämpin. Nach diesem Gewichte handeln die Chineser. Sie gebrauchen es vorzugsweise im gemeinen Le— . ben und im Handel; auf das russische Pfund gehen von 5 diesem Gewichte 11 Lana 6 Ischina. Aa Goldene nnd silberne Münzen giebt es in China gar nicht. Silber in Stangen gebraucht man zu Bezahlung der Arbeit u. s. w. Nur eine einzige Kupfermünze Ziäng (Zäng) ist im umlaufe. Die Mongolen nennen sie Dshoß; nach ihrem Beyspiele haben die Russen das Wort Tschoch oder Tschech gebildet. Es ist eine kleine runde Scheibe von gelbem Kupfer(Messing); auf der einen Seite ist der Nahme des Kaisers, unter dem die Münze ——— ana eine hohon ama⸗ . — 367— geschlagen ist, ausgeprägt, und auf der andern der Nahme des Münzhofes, wo sie geprägt ist; in der Mitte des Tschech ist eine viereckige Oeffnung. Diese Münzen reihet man zu 500 an eine Schnur, welches die Chineser Diao, ein Bund, nennen. Nur den Polizeysoldaten, eben so auch den Dienern am Hofe, wird der Gehalt in Tschechen gegeben, die zu 1000 auf einem Bund angereihet sind. Wenn sie beym Einkaufe oder Verkaufe handeln, besprechen sie sich allezeit darüber, ob ein großes oder kleines Bund für die Sache gefordert wird. Auf diese Art, wenn sie sprechen: i diäo dazäng, d. i. ein großes Bund 7schechen, ver— stehen sie darunter 1000 Tschechen. In Kupfermünze gilt eine Lana Silbers im Tausch— handel 1100 Tschech. Aber dieß ist Abwechselungen unter— worfen. Der Geldcours in China steigt und fällt nach dem Zu— stande der innern Industrie. Hier folgt die Berechnung des chinesischen Gewichts in Vergleichung gegen das russische. ) Kupin, Gewicht der Regierung, 11 Lana gleich einem russ. Pfunde. 1 Pfund 95 Solotnik Pfund(odersin Tschechen 25 Lth.) L. G.sauf 1 Lana 1 Funa, Solotn. 387(ungef. 91060 Icch⸗ Loth Leipz. Gew. 12,760 Tf. 1 Tschina 3 Solotn. od. üb. das Pfund. Loth L. G. 1 Lana 8 rr Solotn. 2295(über 22) Loth L. G. 1 Gin 1 Pf. 437 r Sol. I Pfund, S fast 84) Loth Leipz. G *) Das russische Original enthält hier in einer Tabelle eine ausführliche Berechnung, wieviel 1 Pfund, 2, 2, 2 Pf. u. s. w. 6 1 0 0 1„ 10 1 7 17 0 1 0 Erlämpin, Handelsgewicht, 11 Lana, 6 Tschina auf 0 4 5 ein russisches Pfund. N 7 9 2 7 50 1 Pfund 96 Solotnik 70 Leipz. Pfund in Tschechen 17055(od. 272 L.) L. g. auf 1 Lana 115 I Funa g Solotn.; Loth Leip. G. 1100 Tsch. 0 1 4 eee 5 1 Tschina 23 Solotfn— 5, Loth Leipß. G. das Pfund. 0 1 Lana 825 Solotn. 25 Loth Leipz. G. 1 Gin 1 Pfund, 1 Pfund, 65 Loth 0 0 3625 Solotn. Leipz. Gew. „ * in Lana, dann wieder wieviel 1, 2, 5 bis 10 Funa u. s. w. 10 1 in russ. Gewichte machen. Hier sind bloß die Hauptresultate 60 16 1 aus der Tabelle genommen, mit Beyfügung der Berechnung ö 0 0 der russ. Pfunde, Solotniks u. s. w. in Leipz. Gewicht, wo 0 00 1 jeder dann leicht nach diesem das Uebrige berechnen kann, 4 ö wenn er dessen bedarf. A. d. U. 5 170 f 1 1 Ende des zweyten Theils. ——. 1 — ä— —— 7ST — hen ——— , 7 ee, , ee, eee 9 9 , rem , r 4 UD e , 3 1 4 32 —yyyy—yy——myÿym 9/ 7 9 ſſ , 1 8“ 6 8 ☛‿ 2 G 8 Colour& Grey Control Chart Blue Cyan Green Vellow Hed Magenta White Grey 1. Grey 2. Grey 3 Grey 4 Black