—————— ——j—— Unw.⸗B Bl. Slesssn — Reise nach China d urch die Mongoley ö i den Jah en 1820 und 18 v o n Georg Timkowski. Mus dem Nu ssische n über setz t von M. J. A. E. Schmidt, 1 öffentlichem Lehrer der russischen und neugriechischen Sprache an der 10 Universität zu Leipzig. 1 Erster Theil, 5 Nee e deen 1. 0 . Mit einem Kupfer, einer Charte und einem Grundrisse. 1 b Leipzig, bey Gerhard Fleischer. 182 5. Ain d eee Das Schicksal verschönerte mein Leben durch ein sel— tenes, unvergeßliches Ereigniß: ich sah China. Der Wechsel der Mitglieder unserer geistlichen Mission in Pekin war dazu die Veranlassung. Da ich die neuen Mitglieder von der russischen Gränze bis Pekin, und die vorigen zurück ins Vaterland begleitete, und mich in der Hauptstadt China's ungefähr ein halbes Jahr aufhielt, führte ich ein besonderes Tagebuch. Die wesentlichsten Gegenstände dieser Aufzeichnungen sind: a) die Geschichte der Reise, d. i. unsere täg— lichen Reisen von einem Orte zum andern, der Auf— enthalt unterwegs, merkwürdige Vorfälle und Be— — — —— 2 3 gegnungen. 5 5 f 1. 1 „ g 10 5 1 r. 1 p) meine haushälterischen Anstalten zur Beför— derung der Reise der Mission; meine Verhältnisse in dieser Hinsicht mit den manshurischen und mongoli— schen von der chinesischen Regierung dazu bestimmten Beamten. c) die Beschreibung des Weges zwischen Kiachta und Pekin; umständlicher Bericht von der Beschaffen— heit des Bodens, von den Bergen und Flüssen, von der Sandwüste Gobi; überdieß von dem Glauben, den Einrichtungen, den Gewohnheiten und der Haushal— tung der Mongolen— der Mitbrüder der russischen Buräten und Stammgenossen der Kalmüken. Aufhellung der Erdbeschreibung derjenigen Gegen— den, durch welche ich mit den Mitgliedern der Mis— sion reiste, macht den vorzüglichsten Theil meiner Be— obachtungen aus, soviel es mir die Kürze der Zeit und die beengte Lage in dem Kreise mißtrauischer Ausländer mir gestattete. Endlich d) die wichtigsten Umstände meines Aufenthaltes in Pekin; der Zustand der Albosinen-Russen, die von den Manshuren im siebzehnten Jahrhunderte dorthin versetzt wurden; die Lage der dort lebenden Bekenner des römisch-katholischen Glaubens; die Uebersicht der Hauptstadt China's; die Besuchung ihrer Umgegen— Nen us. b. ——— V Ueber keine Gegend Asiens ist soviel von Eu— ropäern geschrieben worden, als über das ferne China. Wenn man jetzt von diesem Lande spricht, ist es sehr schwer, gänzlich neue Gegenstände, ungewöhnliche Besonderheiten zu entdecken. Denn kein einziges Reich hat, im Laufe der Jahrhunderte, weniger Verände— rungen in seinen Gewohnheiten, seinen Gesetzen, seiner Sprache erlitten, als dieses Kaiserthum. Auf der andern Seite muß man bekennen, daß unsere Kennt— nisse von dem mittlern Asien, zu dessen Gebieten die Mongoley und kleine Bucharey gehören, noch ziemlich beschränkt sind. Wer kennt nicht die verschiedenarti— gen Hindernisse in dem Verkehr mit so entfernten Gegenden? und wer wird nicht zugeben, daß Nach— richten von den unter der Herrschaft China's befind— lichen Völkern, an Ort und Stelle aus treuen Quel— len gesammelt, in jedem Falle von Nutzen für das gelehrte Europa überhaupt seyn können, und besonders für unser Vaterland, das mit ihnen in den engsten Verbindungen steht.— Diese Gründe, vollkommen aufgefaßt, wurden von dem Hrn. Director des asia— tischen Departements des Ministeriums der auswär— tigen Angelegenheiten, Rodofinikin, dem Hrn. Gra⸗ fen Karl Waßiljewitsch Nesselrode, der dieses Mini— sterium verwaltet, zur Erwägung vorgelegt. Groß, unvergeßlich ist die Aufmerksamkeit dieser edeln Män— N ner auf meine Reise. Durch Fürsprache Sr. Excel— .——.—— 8 2— G lenz wurde ich der kaiserlichen Unterstützung zur Her— ausgabe meiner aufgezeichneten Nachrichten gewürdigt. — Es ist zu wünschen, daß sie für die Zukunft als eine Anweisung(wie wir sie nicht hatten) dienen möchten, sowohl für unsre Mission in Pekin, als auch für andere Reisende in denjenigen Ländern, die darin beschrieben sind. Nicht minder nöthig ist es, die Mitglieder der Missionen, die künftig nach Pekin ihre Bestimmung erhalten werden, mit der Reise nach China und mit den vorzüglichsten Umständen ihres langen Aufenthaltes daselbst vorläufig bekannt zu machen. Die Unwissenheit ist schüchtern; viele haben von diesen Dingen sehr dunkle Begriffe. Ueberdieß werden meine Nachrichten— wenn auch nur einiger— maßen— Licht über die mongolischen Steppen ver— breiten, die gegenwärtige Lage des chinesischen Reichs enthüllen, und können vielleicht zu weiteren Beobach— tungen der Erdbeschreiber und Naturforscher Veran— lassung geben, um desto mehr, da von allen Euro— päern die Russen die einzigen sind, welche das Recht haben, die Mongoley und die Hauptstadt China's zu besuchen. Die Nachrichten von der Mongoley, welche Plan Carpin, Ruysbroek, Marco-Polo, der arme— nische Fürst Gettum(Hettum) und die Jesuiten, die nach dem Willen des Kaisers Kansi eine Karte des chinesischen Reiches verfertigten, so auch das Tage— buch des Doctor Bel, der im J. 1720 mit dem VII russischen Gesandten Ismailow in Pekin war, haben alle ihren Werth, sind aber eben so oberflächlich, als die Reisen der Sammler derselben eilig waren, auch sind sie mehr mangelhaft in Beziehung auf Ortsbe— schreibung und Sprache; denn die Reisenden wende— ten, wie es scheint, darauf nicht die gehörige Auf— merksamkeit. Einige davon wurden vorzüglich nur durch geistliche Ansichten angezogen; andere wollten ihre Landsleute durch wundervolle, vergrößernde Er— zählungen von den Asiaten in Erstaunen setzen.— Das ist der Grund und die Absicht der Ausgabe meiner Schrift. In der Einrichtung derselben ist von mir(auf Anrathen eines Mannes, dessen Meinung ich mich zu unterwerfen gewohnt bin) dieselbe Ordnung beybehal— ten worden, die ich in der Reise befolgte, d. i. jeden Tag niederzuschreiben, was in Hinsicht der von mir gesehenen Länder, und der sie bewohnenden Völker merkwürdiges mit mir vorfiel. Hierin wurde ich eben— falls durch das Beyspiel der bekanntesten Reisenden, die in China gewesen waren, geleitet, als des Doc— tor Bel, unseres Agenten Lange, eben so auch der englischen Gesandten am Hofe zu Pekin, des Lord Macartney und des Lord Amherst. Gründliche Kennt— nisse von fremden Ländern und Völkern erwirbt man aus den Berichten von Reisenden, die Augenzeugen waren— so zu sagen, lebendigen Berichten. Bey — VIII aller Kälte der Sprache der Wahrheit und Mäßigung befördern solche Nachrichten die Fortschritte der Zeit— genossen, und können lehrreich für die Nachwelt seyn. Dieser Ansicht zufolge habe ich mein Buch, nach geschichtlicher Ordnung, in drey Theile getheilt, nämlich: Der erste Theil enthält meine Reise mit der Mission von Kiachta nach Pekin. Im Anfange ist die Ansicht unseres Uebergangs über den Fluß Iro beygefügt. Ich wünschte dadurch— wenn auch nur ein wenig— die Leser mit der örtlichen Lage der Mongoley bekannt zu machen, und zugleich zu zeigen, auf welche Art während unserer, so zu sagen, noma— dischen Reise, die Stationen angelegt waren. Am Ende dieses Theiles befindet sich ein Grundriß und ein Aufriß des russischen Klosters und des Gesandt— schaftshofes in Pekin. Beide sind nach der Natur aufgenommen. Diesem Theile ist auch eine Charte unserer Reise von Kiachta nach Pekin beygefügt. Mehrere werden vielleicht der Kühnheit mich beschuldigen, daß ich als Topograph auftreten wolle, da ich keinen Anspruch auf diese Eigenschaft machen könne. Ich sage nichts zu meiner Rechtfertigung; aber hier sind die Gründe, die mich dazu bewogen. Auf allen uns bekannten Charten wird der weite Raum der Mongoley als fast IX ganz öde dargestellt; Berge und Flüsse sind entweder nicht alle, oder in falscher Richtung, oder auch mit unrichtigen Benennungen angegeben. Ich sage dieses übrigens nur von den Orten, die ich selbst sah. Die Worte Gobi(unrichtig Cobi, Kobi), oder Schamo, auf mongolisch und chinesisch Benennungen eines san— digen Striches, der die Mongoley von Osten nach Westen durchschneidet, werden auf jenen Charten als die einzigen Merkwürdigkeiten dieser Gegend darge— stellt. Mit der Charte Asiens von Brüé, Paris 1814, in den Händen, den Blick auf den Kompaß gerichtet, und nach einer richtig gehenden Uhr den Gang der beladenen Kameele berechnend, der immer sich gleich bleibt und selten von einer Station zur andern unterbrochen wird, bezeichnete ich die Entfer— nung der Oerter, indem ich die genaueren Umstände im Reisetagebuche niederschrieb. Zu Benennungen der Berge, Flüsse, Gegenden u. s. w. nahm ich diejeni— gen an, die bey den Einwohnern dieser Oerter im Gebrauche sind. Nach diesen Grundsätzen ist, nach meiner Rückkehr ins Vaterland, unter meiner Anlei- tung die erwähnte Charte entworfen worden, einzig nur zur Erklärung unseres Weges. Ich wünsche, und wer wird es nicht wünschen, daß in diese Wüsten, und selbst nach China ein sachkundiger, aufmerksamer Topograph vordringe, und dieses Land in seiner wah— ren Gestalt darstelle. Aber die Erfüllung solcher Er— 5 1 0 1 W 2 — X wartungen hängt von dem glücklichen Zusammentref— sen der Umstände ab; und das Glück ist eigensinnig. Der zweyte Theil enthält das von mir in Pe— kin geführte Tagebuch. In diesem Theile vorzüglich befinden sich die Nachrichten von China, zum Theil von dem östlichen Turkestan, Tibet und Korea; auch eine kurze Beschreibung der Hauptstadt China's, nebst dem Grundrisse derselben, ist da eingerückt. Ein klei— nes Buch, hierüber in Paris herausgegeben unter dem Titel: Description de la ville de Peking, par VI. de IIsle et Pingré, ist von mir zu Hülfe ge— nommen worden, da es auf die Nachrichten gelehrter Jesuiten gegründet ist, die einige Jahre in Pekin leb— ten, und folglich alle Mittel hatten, umständliche und genaue Beobachtungen über diese Stadt zu machen. Diesem Theile habe ich zwey Original-Abbildungen eines Manshuren und einer Manshurin(in Pekin von einem chinesischen Mahler gezeichnet) beygefügt, um einen deutlicheren Begriff von dem Aeußern und der Kleidung eines Volks zu geben, das vor ungefähr 180 Jahren, mit einer Zahl von nicht vielen Tau— senden Krieger, von Rache und Kühnheit geführt, China— das älteste Reich, das bevölkerteste aller Reiche unseres Zeitalters, unterjochte. Der dritte Theil hat zwey Abtheilungen. In der ersten ist unsere Rückkehr ins Vaterland kurz be⸗ X schrieben. Im Anfange dieser Abtheilung ist die Ab— bildung(als Bildsäule) des Schigemuni, des Stifters des lamaischen Glaubens, zu dem sich der größte Theil der Chineser, alle Mongolen, Kalmüken und Buräten bekennen. Zum Schlusse des Ganzen habe ich in der zwey— ten Abtheilung des dritten Theils einen Ueberblick der Mongoley in einer allgemeinen Ansicht gegeben. Diese ist, gewissermaßen, eine Sammlung dessen, was ich früher von dieser Gegend kannte, und jetzt an Ort und Stelle bewährte und vervollständigte, wobey— ich wiederhole es— ich mich nach dem richtete, was mir bey dem beengten Striche Landes, durch den wir reisten, und bey der Unwissenheit der Mongolen, die uns umgaben, möglich war zu erfahren. Die statistischen Kenntnisse bey ihnen beschränken sich größ— tentheils auf die Kenntniß ihrer Heerden und der ih— rem Choschune zunächst liegenden Oerter. Ueberdieß — es sey nun aus wirklicher Unwissenheit, oder aus Verschlossenheit gegen den Fremden, sagen sie bey den wichtigsten Gegenständen gerade zu, daß es ihnen un— bekannt sey. Odo Isain medechu ugei(uhei), Noin, d. i.„übrigens, mein Herr, weiß ich davon gar nichts“ war die Antwort, mit welcher gewöhn— lich die Mongolen meine Wißbegierde zurückwiesen. Aus diesem Grunde hielt ich es für Pflicht, meine Worte durch die Bemerkungen der erfahrensten unter XII den Reisenden und den Cha. Ten, und auch durch die Urtheile anderer europäischen Gelehrten zu unterstützen. — Zur Erinnerung an die Mongolen, achtete ich es als eine angenehme Verbindlichkeit, vor dem Ueber— blicke der Mongoley eine Abbildung eines halbwilden Nomaden einzurücken, des Araschi Taidsi, des An— denkens würdig, wegen seiner Rechtschaffenheit und seines Eifers, den er bey der Reise der russischen Mission bewies. Diese Abtheilung schließt mit dem Leben des Budda oder Schigemuni, wobey auch sein Bildniß sich befindet. Diesem Theile ist noch ein Schreiben beygefügt, womit der Hr. Präsident der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften die Güte ge⸗ habt hat, mich zu beehren, und worin tiefe For⸗ schungen über das bekannte lamaische Gebet: om mani padme aum) enthalten sind. Das waren die Hülfsmittel, die mir bey der Abfassung meiner Reise nach China durch die Mongoley dienten. Glücklich werde ich mich schätzen, wenn die Leser darin etwas neues, bestimmteres, mit einem Worte: etwas der Aufmerksamkeit eines aufge— klärten Geistes würdiges finden. Aber wenn das Schicksal— seine Wege sind unerforschlich— irgend einen von ihnen in diese von mir beschriebenen Ge— —— ) In der Reisebeschreibung selbst steht immer: om ma ni bad me chom. ä XIII genden führt; wenn dieser Reisende, hinauf steigend auf die Höhen des Tumukei und Guntui, versinkend in den durmin'schen Sandgegenden, oder den Absich— ten der Manshuren und Chineser nachforschend— in den bedrängten Umständen dieser beschwerlichen Reise, meine Anweisung benutzt, den Unannehmlich— keiten, die mich trafen, entgeht; dann wird der glück— liche Erfolg und die Ruhe, die dieser erlangt, für mich der erfreulichste Lohn seyn. Georg Timkowski. Vorrede des Uebersetzers. Eine Reise zu Lande nach der Hauptstadt China's ist eine Freyheit, welche die chinesische Regierung nur allein den Russen, einem frühern Vertrage) zufolge, gestattet. Nicht unwillkommen muß daher wohl jedem Freunde der Erd- und Völkerkunde die Beschreibung einer solchen Reise seyn, die noch überdieß durch theils unwirthbare Gegenden der Mongoley geht. Das Original dieser Reisebeschreibung, von dem Verf. in russischer Sprache geschrieben, erschien St. Petersburg 1824. auf russisch-kaiserl. Befehl und Kosten der Schatzkammer. Zu dem, was der Verf. hierüber und über den Zweck und die Einrichtung seines Werkes sagt, findet der Uebersetzer nicht nö— thig, etwas hinzuzusetzen. Für deutsche Leser sind hier und da noch einige kurze erläuternde Anmerkun— gen beygefügt. Da so viele fremde Nahmen und Be— nennungen von Dingen darin vorkommen, ist zu be— merken, daß die Aussprache, möglichst genau, auch *) S. S. 3. 4. dieser Reise. W 0 i Aut 90 f fiche 900 de fannt, Ransht mufour sutete“ mit us Echtist habet das g fir gj der Ruf bert! Bey bo, ö oft in! audetem Venn ee shigt z Races —ůů— Obe ut dul kü shi XV noch durch Accente bezeichnet ist, eine Sorgfalt, die der Verf. immer beobachtet, so oft ein neues fremdes Wort vorkommt. Man wird oft sh in solchen Wor— ten finden, womit der Laut des französischen j oder g), der in keinem einzigen deutschen Worte vor— kommt, bezeichnet werden soll. Daher ist z. B. Manshur auszusprechen, als wäre es französisch manjour geschrieben. Noch giebt es aber eine be— sondere Schwierigkeit Wörter fremder Sprachen, die mit russischer Schrift geschrieben sind, in deutscher Schrift richtig wieder zu geben. Dem russischen Al— phabete mangelt das h, wofür in fremden Worten das g als Stellvertreter dient, das aber eben so auch für g jener fremden Wörter gesetzt ist. So schreibt der Russe die deutschen Nahmen Herbert und Ger— bert beide auf dieselbe Weise: Gerbert(Tepéepmb). Bey mehrern mongolischen Benennungen kommt g vor, das eben sowohl auch h seyn kann, weswegen oft in Klammern dasselbe Wort einmahl mit g das anderemahl mit h angeführt ist. Oft ist man dann, wenn es Nahmen bekannter Sprachen betrifft, genö— thigt zu rathen. So ist der frühere französische Reisebeschreiber Dühhaldee immer Düg al de *) Oder der gelinde Zischlaut. Die deutsche Sprache hat nur den scharfen Zischlaut, das sch, daher auch eft Deutsche das französische j wie sch, und z. B. bonjour aussprechen: bongschur, als wäre es bonchour ge- schrieben. —— XVI (Aioranbge) geschrieben.— Ueberdieß ist, da der Verf. sein Tagebuch nach dem alten, in Rußland und bey den Griechen üblichen Kalender führte, über— all der neue Styl beygesetzt, auch bey den so oft vorkommenden russischen Wersten der Betrag derselben in deutschen(oder geographischen Meilen 15 in einem Grade) angegeben.— Da alle in dem Werke vor— kommende Maaße russische sind, so ist auch die Klaf— ter(russisch: Sashén) nicht für drey Ellen Leipzi— ger oder Berliner Maaßes, sondern für 3 russische Arschinen zu nehmen, deren Verhältniß zur Leipziger und Berliner Elle S. 17. in der Anmerkung genau angegeben ist. Diese wenigen Bemerkungen werden hinreichen, um jeden Zweifel, der dem forschenden Leser in die— ser Hinsicht sonst bleiben könnte, zu lösen Geschrieben im Juni 1825 Der Uebersetzer. h. 1 f Ne na ch China durch die Mongoley. J. Band. 1 00 0 Mi 22 dem Arti E ft ens Ka ß iet en. Grund und Absicht des Aufenthalts der russischen geistlichen Mission in Pekin. Einrichtung der neuen Mission. Vorbe— reitungen derselben zur Reise. 8 dem General-Tractat, vom 14. Juni 1728, zwischen dem russischen ausserordentlichen Gesandten Grafen Wla— dislawitsch mit den chinesischen Ministern über einen ewigen Frieden zwischen beiden Reichen abgeschlossen, ist im öten Artikel festgesetzt: „Der Koen(Huan) oder das Haus, welches jezt für „die Russen in Pekin sich befindet, soll auch für künftig „ankommende Russen seyn. Und da der russische Ge— „sandte, der illyrische Graf Sawwa Wladislawitsch „Vorstellung wegen Erbauung einer Kirche gemacht hat, „so ist eine solche in diesem Hause durch Hülfe der „Großen, welche die Aufsicht über die russischen Ange— „legenheiten haben, erbaut worden. In diesem Hause „soll ein Lama lein Geistlicher), der jetzt in Pekin sich „befindet, wohnen, und noch drey andere Lama's „(Geistliche) beygegeben werden, welche, wie beschlossen, „ankommen werden. Wenn sie ankommen, soll ihnen „Unterhalt gegeben werden, so wie dem gegeben wird, „der zuerst angelangt ist, und sie sollen bey dieser Kirche „angestellt seyn. „Den Russen soll nicht verboten seyn, zu beten und „ihren Gott, nach ihrer Religion, zu verehren. Außer— 1* „dem sollen noch vier Knaben als Lehrlinge, und zwey „etwas ältere, welche russisch und lateinisch verstehen, „und die der russische Gesandte, der illyrische Graf „Sawwa Wlladislawitsch in Pekin zum Erlernen der „Sprachen lassen will, in diesem Hause wohnen, und „der Unterhalt ihnen auf zarische Kosten gegeben wer— „den; und wenn sie die Sprachen gelernt haben, kön— „nen sie, nach ihrem Gefallen, sie wieder zurück „nehmen.“ Auf diese festgesetzten Punkte sich gründend, hat, wie bekannt, die russische Mission, bestehend aus sechs geist— lichen und vier weltlichen Mitgliedern, in Pekin ihren Aufenthalt*). Die erstern sind zum Gottesdienste in dem dort befindlichen Kloster erster Klasse zur Reinigung Maria be— stimmt, und in der Kirche zu Mariä Himmelfahrt, die beson— ders in jenem Theile der Stadt gestiftet worden, wo vom Anfange an Russen gewohnt haben, die durch die chinesische Regierung, nach Zerstörung unserer albasinischen Festung am Fluße Amur, im Jahre 1685. dahin versetzt wurden. Was die weltlichen Mitglieder der Mission, oder die Stu— denten betrifft, so ist die Hauptabsicht ihrer Absendung nach Pekin die gründliche Erlernung der manshurischen und chinesischen Sprache, so wie auch d und weitere Verbreitung der Kenntnisse von China u. s. w. Diese sowohl als jene haben ihren Wohnplatz in dem ge— ie Berichtigung *) In dem Journal: der sibirische Bote vom Jahre 1822. Buch 4. 5. 6. u. 7. ist ein sehr interessanter, gründ— lich ausgeführter Artikel enthalten: vom Anfange der Ver— hältnisse des Handels und der Reiche zwischen Rußland und China, oder von der Stiftung einer russischen Kirche und geistl. Mission in Pekin. A. d. V. wc Nbg In heilen, bete in deen * 5 — 5 2 räumigen russischen Hofe*), wovon derjenige Theil, der der Gesandtschaftshof heißt, von der chinesischen Regierung erhalten wird, die Klostergebäude aber auf Rechnung der russischen. Die Mitglieder der Mission werden nach Pekin auf zehn Jahre ungefähr geschickt. Nach deren Verlauf aber werden sie durch neue ersetzt. Der langdauernde Brief— wechsel darüber zwischen dem Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, im Nahmen des dirigirenden Senats, und dem Pekinschen Gerichtshofe der auswärtigen Angelegen— heiten, ist die Ursache, daß unsere Missionen dort zehn und mehr Jahre sich aufhalten. Dem zufolge wurde den Verbindungen Rußlands mit dem chinesischen Reiche gemäß im Jahre 1819. in St. Peters— burg eine Mission bestimmt, um die, welche sich seit dem 10. Januar 1808. dort befand, zu ersetzen. Im Februar 1820. kamen die neuen Mitglieder in Irkutsk an. Im Juli trafen sie in der troitzkosawskischen Festung ein, die mehr unter dem Nahmen Kiachta bekannt ist, und hielt sich dort bereit, nach dem Vorschlage der allerhöchsten Regierung, in Zeit eines Monats, über die Gränze zu gehen. Von diesem leztern Umstande gab der sibirische General-Gou— verneur, Geh. Rath und Ritter Michailo Michailowitsch Speranski, noch im Mai, im Nahmen des Gouverneurs der Stadt Irkutsk, den Gränz-Directoren der chinesischen Angelegenheiten, dem hauptdirigirenden Dsünwan*) Für— „) S. den bei diesem Theile befindlichen Grundriß des russi— schen Klosters und Gesandtschaftshofes in Pekin. A. d. V. **) Der Verf. schreibt Zsünwan und führt verschiedene Gründe für diese Schreibart an; so wie auch dafür, daß er den chinesischen Laut dsch(genauer durch die beiden französischen Laute dq oder das italienische 8 bezeichnet) durch tschsh aus— druckt. Da aber die deutschen Laute ds und dsch dem Deut— 3 6 3 sten des zweyten Grades, und Amban oder dessen Stell— 9 vertreter, die ihren Aufenthalt in der mongolischen, von 0 Kiachta 260 Werste südlich entfernten Stadt Urga f hatten, schriftliche Nachricht. a Die neue Mission machen aus 5 a) geistliche Mitglieder: 15 1) der Vorsteher der Mission, der Archimandrit und uh Ritter des St. Annen-Ordens 2r Klasse, Peter(vor! Annahme des Klostergelübdes Paul Iwanowitsch) Kamens— aan ki, 54 Jahr alt. Er ist aus dem geistlichen Stande, uit im Gouvernement Nishe-Gorod, im District Makariew, bun im Dorfe Luiskow geboren; hat im nishegorodischen Se— Ode minar studirt; war dann Lehrer in der dortigen National— Schule; befand sich darnach in der Universität zu Moskau, Jh um sich in den Wissenschaften zu vervollkommnen, und Kun ging von dort als Lehrer in das Erziehungshaus in St. Dt Petersburg. 1794. wurde Kamenski nach Pekin geschickt, um pat die chinesische und manshurische Sprache zu erlernen; nach fern der Zurückkunft der Mission aus China 1808. befand er M sich bey dem kaiserlichen Collegium der auswärtigen An— gelegenheiten als Uebersetzer mit dem Range eines Colle— Juht 1 fe schen besser verständlich sind, hielt es der Uebers. für besser. diese in chinesischen Benennungen, wo der Verf. zs und wü tschsh schreibt, zu gebrauchen. A. d. U. ole *) Oder 57 deutsche Meilen ungefähr. A. d. U. ö **) Diese Stadt ist, bey den Mongolen, unter dem Nahmen 5 Kuren bekannt. Urgs oder Erg«é, bedeutet in ihrer ße Sprache das Haus einer vornehmen Person; Kurs jeden umschlossenen oder umzäunten Platz; dieses sowohl als jenes 0 bezieht sich mehr auf den Wohnort ihres Oberpriesters Ku— b tuchta, der in dieser Stadt residirt. Unsre Kalmüken nen⸗ nen ihre Bethäuser und Klöster Churul und Kurä. 2 A. d. V. . 7— gien-Assessors. Nachdem er die Tonsur als Ordensgeist— licher angenommen, wurde er in das Kloster Alexander— Newsky in St. Petersburg in der Würde eines Archi— mandriten am 30. Mai 1819, mit dem Titel als Ritter, versetzt. 2) Der Gehülfe desselben, der Ordensgeistliche Benja— min Moratschewitsch, 26 Jahr alt, aus dem geistlichen Stande; gebohren im Dorfe Maidani im wolhynischen Gouver— nement, im Saßlawischen Gebiete; studirte zuerst im wol— hynischen Seminar zu Ostrog und nachher in der peters— burgischen geistlichen Akademie; erhielt die Tonsur als Ordensgeistlicher im September 1819. 3) Der Ordensgeistliche Daniel Siwillow, 22 Jahr alt; aus dem geistlichen Stande; gebohren im Dorfe Kenscha im Gouvernement Pensa, im gorodischtschenskischen Districte; studirte im pensaischen Seminar, in der. St. petersburgischen medicinisch-chirurgischen Akademie, und hernach im St. petersburgischen Seminar; trat in den Mönchsorden im Sept. 1819. 4) Der Ordensgeistliche Israil Weretelnikow, 31 Jahr alt, aus dem Bürgerstande; gebohren in der Gou— vernementsstadt Woronesh; trat in den Mönchsstand in dem sophronischen Kloster, im Gouvernement Kursk, im ruilschen Districte; nachher im Kloster Alexander-Newsky, wo er zu der Würde eines Hierodiakons erhoben ward 1819. 5) Der ältere(obere) Kirchendiener Nicolai Wos— neßenski, 20 Jahr alt, im St. petersburgischen Gouver— nement, in der Stadt Sophia; studirte in der St. peters— burgischen Schule des Districts Petropawlosk. 6) Der jüngere(untere) Kirchendiener Alexei Isa— kow, 27 Jahre alt; aus den klösterlichen Staatsdienern; befand sich zuerst bei dem Nilschen Kloster(im Gouver— 1 1 1 1 5 0 ö FFP———— —— 8— nement Twer; District Ostaschkow), und dann im Alexan— der-Newsky Kloster. b) Studenten. 7) Von der gten Klasse), Oßip Pawlowitsch Woizechowski, 27 Jahr alt, aus dem geistlichen Stande; gebohren im Dorfe Zebermanowka, im Gouver— nement Kiew, District Lipowetzk, studirte in der kiewschen Akademie, darauf in der St. petersburgischen medicinisch— chirurgischen Akademie, von welchen er, wegen seiner aus— gezeichneten Fortschritte in den medicinischen Wissenschaf— ten, die Würde eines Arztes erhielt. 8) Von der 12ten Klasse, Zacharias Fedoro— witsch Leontiewski, 22 Jahr alt, aus dem Ober— offizierstande; gebohren in Jaroslaw; studirte im St. petersburgischen pädagogischen Institute, welches jetzt eine Universität ist. 9) Von der 12ten Klasse, Kodrat Gregorie— witsch Kruimski, 25 Jahr alt, aus dem geistlichen Stande; gebohren im Dorfe Dubrowitza, im Gouvernement Mohilew, im District Tschernikow; studirte im mohilew— schen Seminar, und seit 1819. in der St. petersburgischen geistlichen Akademie. 10) Von der 12ten Klasse, Wasili Kirilo witsch Abramowitsch, 24 Jahr alt, aus dem geistlichen Stande; gebohren im Dorfe Podleszi, im wolhynischen Gouvernement, im Kremenezkischen Kreise; studirte im wol— hynischen Seminar, nachher in der St. petersburgischen medicinisch-chirurgischen Akademie. Nach dem allerhöchst bestätigten Etat vom 4. August *) Bekanntlich sind alle Bewohner des russischen Reichs in mehrere Klassen eingetheilt. A. d. U. 1804 ai t ———ͤ—e—ũ——̃ l.— — 5 1818. ist zum jährlichen Unterhalt dieser Mission in Pekin ausgesetzt: Silberrubel. Dem Archimandriten 2000 Demselben um Diener zu miethen und zwey Equipagen zu halten, die eine für ihn selbst, die andre für die Mission.. 1000 Dem Ordensgeistlichen, Gehülfen des Archi— r 650 Dem Ordensgeistlichen, der das Amt eines Hasstrers verwaltte 650 Dem Hierodiakoen n 500 Den beiden Kirchendienern, jedem 500.. 1000 Den drey Studenten, jedem 500... 1500 Dem Arzte, oder Studenten der Medicin. 700 Zum Tische, welcher für alle Mitglieder der Mission gemeinschaftlich seyn soll, zu Hei— zung und Licht für den russischen Gesandt— schaftshof und zum Dienst der ganzen Mission„„ 5000 Zum Unterhalt der Privatlehrer der man— shurischen, chinesischen und mongolischen Sprache und zum Ankauf von Papier 500 Zu kirchlichen Bedürfnisse n 250 Zum unterhalt und Unterricht der albasini— schen Knaben 1000 14/50 *) Nachkommen unsrer albasinischen Kasaken; arme Knaben, die durch den Aberglauben der manshurischen Mütter, und das Zusammentreffen anderer Umstände, selbst von der Wiege an jetzt mehr mit den wilden phantastischen Ideen des Scha— manenglaubens bekannt sind. Noch kann man sie, indem sie auf Kosten unsrer Regierung erhalten und unterrichtet wer— den, in dem rettenden Schooße der rechtgläubigen griechisch— „——— 8———— Z———.—..———. 7 9 2 10—— 1— 1a 4 Transp. pag. g. Silberrubel. 00 d „ 147⁵⁰ 1 3 5 Zu Ausbesserungen und Bauen im Gesandt— 1 0 5 schaftshofe und den Kirchen... 500 5 10 . Zum Ankauf von Büchern u. s. w.... 500 15 0 1 Zu Geschenken an die Lehrer u. s. w.... 500 eie 1 Summe 162509 i Außer diesem wird von dem chinesischen Hofe an jähr— Gagen lichem Gehalt ausgeworfen: 903 In Silber:. Hin i Rub. Kopek. deb Dl, Dem Archimandriten„„[21 580 0 Den beiden Otrdensgeistlichen und dem 1 Merodiakon, sedmmnmnmn 42 0 t Den beiden Kirchendienern, jedem i e 5 1. Den ger Studenten, demmm 50 ö 2 also allen zusammen, in Silber 855— 50 i Alle drey Jahre zur Kleidung: 125 Dem Atih mand kite nn: Wal Dei Mönchen„„ 8 0 Den Studenten und den Kirchendienern, uit C“ã„ f ęfxf. ⁵² M allen zusammen 562 50 fͤkgg Allen zusammen an Reis, einem jeden monat— 3 lich 2 Pud(jedes Pud 40 Pfund), also auf 90 zehn Menschen jährlich, pod... 240— geb An Einkünften aus den Ländereyen und Häusern, die ö i dem Kloster zugehören, kommt an Silber 300 Rub. bel; Zur Begleitung der neuen Mission von Kiachta nach Pe— f kin, und um die seit 1808. dort befindliche in das Vaterland zu— 9 f russischen Kirche erhalten, und aus ihnen fromme Gläubige 0 und nützliche Mitarbeiter machen. A. d. V. i * 6 rückzugeleiten, wurde in der Eigenschaft eines Aufsehers 795 von dem Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, aus dem asiatischen Departement der Collegien-Assessor, f und gegenwärtig des Ordens der heil. Anna 2ten und des beil. Wladimir Eten Grades Ritter, Georg Fedorowitsch Timkows ki abgeordnet. Unter dessen Gewalt wurden aus dem irkutskischen Gouvernement gestellt: 1) In dem Amte als Wagenmeister, der Befehlshaber der Gränzdistanz von Zuruchaituj, jezt der 12ten Klasse und des St. Annen Ordens Zten Grades Ritter Eugraph Jwanowitsch Rasgildejew J. Der in dem Ka— saken-Detaschement**) im Febr. 1807. und 1808. bei der Begleitung der pekinschen Mission sich befunden hatte. 2) Der Dolmetscher der mongolischen und manshu— rischen Sprache, jetzt Collegien-Registrator Andreas Pe— trowitsch Frolow, in diesem Amte bei dem Gränz— Befehlshaber von Kiachta befindlich. Außer dem wurde dem Aufseher ein Detaschement sibirischer Kasaken zugegeben, die aus dem Gebiete der Gränz-Kanzley(jetzt Gränzdirektorium) von Troitzkosawsk ausgenommen waren. Es ist nöthig zu erwähnen, daß *) Im russischen Prista w, ein Wort, das überhaupt einen Zu— geordneten oder über irgend etwas zur Aufsicht bestellten bedeutet. Daher auch ein Polizeyinspeetor, ein Polizeydiener u. s. w., wir glauben es hier am besten durch Aufseher ge— ben zu können, dem nämlich die Aufsicht in allem was po— lizeyliche Ordnung betrift, anvertraut ist. A. d. U. *) Kasak ist ein tatarisches Wort. Kein einziges der türkisch— tatarischen Volker spricht Kosak; die Chineser, Manshuren und Mongolen sprechen gleichfalls Chassak, und nicht Chossak. Diese Gründe bewegen auch uns, anstatt Kosak stets Kasak zu schreiben. A. d. V. 5— —.——..—— 5 J 2 2 12 8 das Kasaken-Detaschement nur zur Begleitung des Ge— 11 päcks bestimmt ist; denn mit dem ersten Schritte der hitti Mission über die Gränze, tritt sie mit allem der Regierung 106, 6 und auch ihr selbst eigenen Habe in den völligen Schutz ade der chinesischen Regierung. Ja ball 3) Der Aelteste*) aus der akschimschen Festung, glitt jetzt von der 12ten Klasse, Anempodist Iwanowitsch nah/ Rasgildejew der vierte, und bey ihm a) die Sot— a niks**) der Distanz von Troizkosawsk, jetzt von der zu: 14ten Klasse, Alexei Karpowitsch Petrow und ian d Iwan Markowitsch Sacharow. Die Kasaken 10 90 Andrei Mediänskoi(ein Zimmermann). Nikolai; b) 1 aus der kudarinschen Distanz die Kasaken: Gawrilo 1 (Gabriel) Frolow(befand sich unter der Bedeckung bey 9 5 der Gesandtschaft 1805 und 6. und begleitete auch die de en eission nach China und wieder zurück 1807 und S.), A n— Na drei Koshewnikow der ite(der unter der Bedeckung a0 5 1807 und 8. gewesen war), Fedor Maksimow(ein* ö Schmidt), Semen(Simeon) Perewalow, Andrei 1 Koshewnikow der 2te, und Peter Worobjew.— 1 c) aus der akschinischen Distanz: der Urädnik**) Georg 175 Rasgildejew und der Kasak Georg Perfiljew. 5055 d) aus der tschindant-turukujewschen Distanz: die Kasaken 0 N Iwan Tokmakow, Wladimir Mülnikow, Ilja dae (Elias) Jepow, Philipp Kobülkin, Timofei(᷑i— 5 5— 0 5 0 w laß *) Im Russischen, Starschina, ein Aeltester, ein Vorsteher, e f ein Aufseher, Borte eier 15. i g 10 Rr) Eigentlich bedeutet Sotnik einen Befehlshaber über Hun— el dert. Bey den Kasaken nennt man soden Hauptmann. A. d. U. iki ry) Urädnik ist ein Unteroffizier, der zur Aufsicht über irgend — etwas gesetzt ist, z. B. in militärischen Erziehungshäusern über die Kleider u. s. w. A. d. U. 0 — 5 555 5 Gi 8 5. motheus) Podschiwalow, Gerasim Wlasjewskoi, rung Dmitri(Demetrius) Sawatjew, Iwan Mirsa— hut now, Galaktion Wasiljew, Andrei Jepow.— 5 e) aus der zuruchaitujewschen Distanz: der Urädnik Ale x an— g, der Gorbunow; die 9 Adrian Surin, Jakow 0 Kütschakow, Alexei Schestakow, Alexei Skor— 915 näko w, Ippolit(Hippolytus) Sophronow. 1 Alle zusammen mit dem Aeltesten dreyßig Kasaken. 10 Zur Reise der Mitglieder der Mission waren in Irkutsk 0 zehn bedeckte Wagen gemacht worden, jeder mit drey Pfer— 0 den bespannt. Zum Fortschaffen der Lasten von Kiachta 0 nach Chalgan und wieder zurück, waren 85 Kameele vor— 5 handen; ein Theil davon war gekauft, und die übrigen von 0 den Buräten geliefert. Bepackt gingen 64 Kameele über die Gränze, die übrigen wurden in Vorrath mitgenommen. 0 Pferde 150, und Rinder, zum Schlachten, 28; diese sowohk als jene wurden freywillig, ohne einiges Entgeld, von den Buräten abgelassen. Ueberdieß waren zum Fortbringen zerbrechlicher, den Mitgliedern der Misston gehöriger Dinge, sechs einspännige Wagen bestimmt. 5 Es ist oben erwähnt worden, daß die Mission noch im 5 Juli sich zur Abreise aus dem Vaterlande fertig machte. Dieses erforderte die unvermeidliche Nothwendigkeit, wie man aus traurigen Erfahrungen bey einer spätern Reise durch die kalten und unfruchtbaren Steppen der Mongoley und besonders durch die Wüste Gobi erkannt hatte. Aber die von dem pekinschen Gerichtshofe der auswärtigen Ange— legenheiten für die Mission bestimmten Führer erschienen auch diesmahl nicht eher, als den 27. August*) in Kiachtinski *) Nämlich des alten Kalenders, also den 8. September des Rene; e d „ 710 Maimatschen— einer chinesischen Handels-Slobode), ge⸗ 15 i rade auf der Gränze, Kiachta gegenüber, von der Festung abs 8 von Troitzkosawsk 4 Werste) entfernt. g 9 Als ich hiervon durch den Gränzcommissair, den Colle— h gien- Assessor P. A. Petuchow Nachricht erhalten hatte, ging 1 0 ich, meiner Pflicht als Aufseher(Pristaw) der Mission gemäß, 0 an demselben Tage, um 2 Uhr des Nachmittags mit dem Wa— 5 0 genmeister) und dem Dolmetscher Frolow nach Mai- 1 matschen ab, um mich mit den pekinschen Beamten zu be— 0 sprechen und die Hauptbedingungen wegen der bevorstehenden d 0 Reise festzusetzen. Dort wurden als Führer vorgefunden: 15 1) In der Eigenschaft als Aufseher(Pristaw) von der 10 7ten Klasse 4) der Bitcheschi oder Aufseher der Schreiber, aus der Familie Tschen, der an Range unserer 14ten Klasse gleich kommt. Sie nannten ihn unrichtig Galaida. 5 Tschen-loje(Loje bedeutet Herr), ein Mann gegen 60 Jahr alt; er hat an der Mütze, doch nur außer der Haupt— W *) Slobode(Sloboda) nennt man ein großes, aus einer einzi— zigen Gasse bestehendes Dorf; auch eine Vorstadt. A. d. U. **) Etwas mehr als eine halbe deutsche Meile. A. d. U. 0 rr) Im Russischen Osbosni, Wagenmeister, oder Aufseher über das N sämmtliche Fuhrwesen und Gepäck. A. d. V. 0 8. f 7) Nach der chinesischen Rang-Tabelle. Bey ihnen sind die 5 bürgerlichen und militärischen Rangordnungen in sieben Stu— fen getheilt, wovon jede wieder in eine jüngere und ältere 0 getheilt wird; es giebt auch noch eine 8te und gte Stufe, aber die Leute in denselben sind am Range geringer als 5 Offtier. A. d. V. 5 7) Galai Amban oder Galaida ist eigentlich ein Vornehmer s der zweyten ältern Klasse, der in der manshurischen Garde die Detaschements der leichten Reiterey, die auf den rechten und linken Flügel der Schlachtordnung gestellt wird, eom— mandirt. A. d. V. 4 stadt*) ein steinernes undurchsichtiges Kügelchen von wei— ßer Farbe, dem zufolge er zur sechsten Klasse gerechnet wird, welches unserer 12ten entspricht.— Bey ihm befand sich der Dolmetscher Tschakdur, 20 Jahr alt, ein Mongole, der ziemlich chinesisch sprach, und zwey Nerba's, oder Diener aus Pekin, Vater und Sohn. 2) Der Boschko oder Wachtmeister, mit dem Fa— miliennahmen Urgentai, 47 Jahr alt. Außerhalb der Hauptstadt trägt er an der Mütze ein vergoldetes Kügelchen, das den chinesischen Beamten der 7ten Klasse zukommt. Ein dem Trunke ergebener Mensch, wie uns schon der Sargu— tschei**) vorher durch einen in Kiachta durch den Rhaba— berhandel bekannten Bucharen oder Turkestaner***), Ab— *) Die chinesischen Beamten, wenn sie aus Pekin in Dienstan— gelegenheiten über die große Mauer reisen, genießen das Recht, eine kleine Kugel an ihren Mützen zu tragen, die den höhern Rang der nächstfolgenden Klasse anzeigt. A. d. V. **) Eine Würde eines Beamten, der auf Anordnung des pekin— schen Gerichtshofes der auswärtigen Angelegenheiten in Maimatschen sich aufhält. Er hat die Aufsicht über die Gränz- und Handelsangelegenheiten, und hat einen Boschko bey sich. Alle drey Jahre werdeu diese Beamten mit neuen vertauscht. A. d. V. x) Diese Benennung ist weit gegründeter, als die erstere; denn die Bewohner der Gegend, welche in der Sprache der Euro— päer unter dem Nahmen der kleinen Bucharey bekannt ist, nennen sich selbst Türken; sie reden die türkische Sprache, und bekennen sich zum mohamedanischen Glauben. Uebrigens sind diese Eigenschaften auch den andern asiatischen Völkern gemein, die von dem westlichen Striche der gedachten Ge— gend an gegen Norden bis an die russische Gränze, gegen Westen bis an das kaspische Meer, und gegen Süden bis an Afghanistan wohnen. Es scheint passender zu seyn, die ganze Gegend, die innerhalb dieser angezeigten Gränzen liegt, und von verschiedenen Stämmen, mehr von türkischer Herkunft, bewohnt wird, Turkestan überhaupt zu nenuen, und sie, nach dem Maaßstabe des politischen Zustandes und der Abhängig— 5 daraim, hatte zu wissen gethan. Der Boschko hatte auch einen Nerba, der nue bey dieser Grlegengeit sich auf den Weg gemacht hatte, und wie man sagt, aus den pekinschen Fuhrleuten war. 3) Von Seiten der Mongolen, aus dem chalchassischen Aimak, d. i. Fürstenthum, der Tußulachtschi, mit Nah— men Idam Dschan, im Range der chinesischen jüngern zweyten Klasse entsprechend; er trägt an der Mütze ein korallenes geschnittenes Kügelchen. Ein ehrwürdiger und munterer Alter von 65 Jahren, der einigemahl als Kurier in Irkutsk gewesen war, da er die russische Mission durch das ganze Gebiet der Chalchassen im Jahre 1794. und 1795. so wie auch 1807. und 1808. begleitete. Bey ihm befand sich sein Neffe Chä, Leibwächter eines mongolischen Hun, Fürsten des ödten Grades, Zebek Dordschi, 18 Jahrealt. Nachdem wir bey dem Sargutschei, chinesischen Gränz⸗ richter(dem Range nach von der ten Klasse, unserer 12ten entsprechend) ungefähr zwey Stunden mit Berathschlagun— gen zugebracht hatten, wie der neuen Mission auf der Reise keit jener Stämme, in einige Theile einzutheilen, und zwar 1) in den nördlichen, der die große, die ganze mittlere und kleinere Linie der Kirgiskaisaken begreift, oder das russische Turkestan; 2) das südliche Turkestan, oder die Gebiete der Chiwinzen, Turkmannen und Karakalpaken, so wie auch die Fürstenthümer, die ihre Benennung vorzüglich von den Re— sidenzen ihrer Chane erhalten, als: die große Bucharey, Kokant, Taschken; endlich 5) ist das östliche Tur kestan die Gegend, die bey uns die kleine Bucharey genannt wird, und jezt unter chinesischer Herrschaft steht. Ich gebe diese Mei— nung nicht für entscheidend aus, doch erlaube ich mir die Kühnheit, die kleine Bucharey künftig das östliche oder chi⸗ nesische Turkestan, und die Bewohner derselben Turkestaner zu nennen. Ich werde davon umständlicher in dem zweyten Theile dieses Werkes reden. A. d. V. ö swihh 1 In 1 fl 0 id.! ich gegen fach Jolle Rall Nag Mair mel 30 5 ach fan Wil f cg schl, 1 et! 3 1 großere Bequemlichkeiten zu verschaffen wären, kehrten wir in die Festung zu rück. Noch stand der wichtigste Umstand bevor: die oben erwähnten Führer zu unfrem Vortheil zu stimmen, und sie zu der durchaus nöthigen Versorgung der Mission mit Jur— ten(Filzzelten, oder wie andere es ausdrücken, Kibitken), und mit andern Bedürfnissen, die auf einem solchen beschwer— lichen Wege und in so später Jahrszeit unumgänglich nöthig sind. Da ich ein wenig mit den Neigungen der Asiaten mich bekannt gemacht hatte, und noch mehr aus Achtung gegen den Rath des Vorstehers der Mission, so wie auch nach vorläufiger Erklärung mit dem Herrn Director des Zollamtes von Kiachta, P. Ph. Golächowski und dem Herrn Rath der Gränzkanzley Drishenek, sandte ich am 28sten August(9. Sept. 22. St.) in meinem Nahmen, nach Maimatschen, mit dem Kasaken-Aeltesten und dem Dol— metscher folgende Geschenke, aus solchen Dingen, die ich von der Stadtobrigkeit von Irkutsk zu dem Ende erhal— ten hatte: Dem Bitcheschi, 8 Arschinen*) schwarzes Tuch, 10 Fuchsbälge, 4 rothe und fünf grüne Bockshäute, einen Flaschenkeller mit Theegeschirr. Ueberdieß wurde eine nicht kleine Menge vom besten Zucker, Rum, Brantwein und Wein mit Gebackenem überschickt. Dem Bo schkô: 5 Arschinen schwarzes Tuch, 6 Ar— schinen Plüsch, 4 rothe, 5 grüne Bockshäute, einen Offiziers⸗ säbel, auf gleiche Weise auch Getränke und Gebackenes. Am 29. August(10 Sept. N. St.) kamen die Füh— rer der Mission, mit allen ihren Dienern, in Begleitung *) Der Arschin, oder die russische Elle beträgt ziemlich genau 11288 leipziger Elle, oder fast 1188 Elle, nach berliner Maaße. A. d. U. J. Band⸗ 8 — 18— des Sargutschei von Kiachta und einer Abtheilung Reiterey von den Gränz-Mongolen, mit Bogen und Pfeilen bewaffnet, gegen Mittag in der Festung von Troitzkosawsk an. Sie besuchten zuerst den Vorsteher der Mission, hierauf den Rath der Gränzkanzley, den Direktor des Zollamtes, und zuletzt erzeigten sie diese Ehre auch mir. Der oben gedachte Turkestane Abdaraim verwaltete nicht bloß Einmahl das Amt N chinesischen Dolmetschers bey meinen Zusammenkünften mit dem Sargutschei, so wie auch mit dem Bitcheschi und dem Boschko, die aus Pekin ange— kommen waren, um die Misston zu führen. Diese letztern können weder mongolisch noch manshurisch sprechen. Für solche Dienste wurden dem Abdaraim an diesem Tage 2 Fuchsbälge und 4 schwarze Bockshäute geschenkt. Zugleich mit diesem wurden bey diesem mir von den fremden Gästen gemachten Besu 995 dem Verwandten des Tußulachtschi, Chä Zebek Dordschi 2 schwarze Bockshäute geschenkt. Die Nerba's des Bitcheschi und des Boschko erhielten von mir ein Stück schwarzes meserizisches(schlestsches) Tuch. In dem angränzen— den Asien,— ich weiß nicht, ob auch in den andern Theilen desselben—, muß beynahe jedes Wort an Leute, deren man bedarf, mit wesentlichen Zeichen der Erkenntlichkeit ver— stärkt 0 0 um die Stimme dessen, der etwas bittet, ver— nehmlich zu machen. Am 30sten August(11. Sept. N. St.), dem feierlichen Tage des Nahmensfestes Sr. K aiserl. Majestät war, nachdem Gott dem Herrn in der Kirche zu Kiachta Gebete dargebracht worden, N Nittagstafel bey dem Gränzkommissar, wozu aus Maimatschen der Sargutschei und Boschko mit den angesehensten chinesischen Handelsleuten, so wie auch die Führer der Mission eingeladen waren. Ueber Tische trank man auf das Wohl des Monarchen, auch des chinesischen lle . Bogdochans, mit dem eifrigen Wunsche der Erhaltung einer ewigen Freundschaft zwischen beiden Reichen. Alles dieses wurde mit Kanonenschüssen, Glockengeläut und lauten Chö— ren von Sängern und Soldaten der Besatzung des Ortes, die in Parade standen, begleitet. Dieses Fest machte einen angenehmen Eindruck auf die fremden Gaste, welche hier die ausdrucksvollen Beweise einer wahren lebhaften Freude treuer Unterthanen sahen. Zweytes Kapitel. Abreise der neuen Mission aus Rußland.— Reise nach Urga. Den allgemeinen vorläufigen Verabredungen gemäß, be— reitete sich endlich die russisch-kaiserliche geistliche Mission am 31sten August(12. Sept. N. St.) zur Abreise nach Pekin. um 10 Uhr des Morgens ging unser Gepäck aus der troitz— kosawskischen Festung ab. Nach diesem fuhren die Mitglie— der der Mission in den Equipagen des Herrn Directors des Zollamtes und des Herrn Raths der Gränzkanzley, aus dem Gesandtschaftshause zugleich mit mir ab, in Begleitung ihres Kasaken-Detaschements, der Beamten des Orts und der Ein— wohner. Nach ihrer Ankunft in Kiachta, gingen die Mit— glieder und ihre Begleiter die Kasaken in die Kirche, wo die dortige Geistlichkeit Gebete zu Gott dem Herrn empor sandte, um einen gesegneten Erfolg für die Abreisenden zu erflehen. Aus der Kirche gingen alle zusammen in ein Haus eines Kaufmannes und versammelten sich da. Das Gepäck, mit dem der Regierung zugehörigen Vieh wurde unter der Bewachung von zwanzig Kasaken, die mit Erlaubniß des Sargutschei zur Begleitung der Mission, besonders auf zwey Tage ab— 2* — 20— geordnet waren, über die Gränze gelassen, und ging nach der ersten Station, die von Kiachta etwa 7 Werste(1 deut— sche Meile) entfernt ist; bey demselben befand sich der Befehlshaber der troitzkosawskischen Distanz(oder Gränz— abtheilung), J. Ph. Ostrowski von der 10ten Klasse. Nach— dem das Gepäck abgegangen war, gab die Kaufmannschaft von Kiachta zuerst den Kasaken der Bedeckung, wovon ein Theil unverzüglich über die Gränze ging, und dann allen Mitgliedern der Mission ein Mittagsmahl. Zu diesem Ab— schiedsmahle war auch der Sargutschei geladen, so wie auch unsre Führer und die mongolischen Gränz- Offizier. Nach geendigtem Mahle ging der Vorsteher der Mission, nebst allen Mitgliedern, zugleich mit mir, mit dem Wagenmeister und dem Dolmetscher, in die Kirche, um unsre letzte Verehrung in dem vaterländischen Tempel der Gottheit darzubringen. Von da gingen wir, von der Geistlichkeit von Kiachta mit vorgetragenen Kreuzen begleitet, und unter Glockengeläute bis an die Gränzlinie selbst. Ungeachtet des Regens war ein großer Zusammenlauf sowohl unsrer eifrigen Landes— leute, als auch neugieriger Chineser aus Maimatschen. Auf der russischen Gränze schieden wir von den Einwohnern von Kiachta. Hierauf trat die Mission, nachdem sie auf kurze Zeit in das Haus des Sargutschei gefahren war, wo sie die pekinschen Führer erwartete, in das Gebiet des chinesi— schen Kaiserthums um 6 Uhr des Nachmittags. Der Di— rector des Zollamtes von Kiachta und der Rath der Gränz— kanzley, mit einigen Mitgliedern der Handelsgilde begleite— ten die Mission ungefähr noch 3 Werste(fast eine halbe deutsche Meile) weit bis zu dem Zelte, das die Chineser auf dem Wege selbst aufgeschlagen hatten. Dort bewirthete uns der Sargutschei mit Thee; wir nahmen Abschied von unsern Landsleuten, und reisten weiter unter häufigem Regen. 0 —. nach Voran ritt das mongolische Reiter-Detaschement von etwa deut⸗ 20 Mann, mit Bogen und Pfeilen bewaffnet. Bey ihnen der waren die Offizier: Sakirochtschti, Méiren und Dsalän, inz⸗ auch der Dsangin, der an der Mütze ein weißes undurchsichtiges ach⸗ Kügelchen trug, ein Grad, den man mit dem Range eines Cor— haft nets vergleichen kann, und der Kundu, der mongolische Wacht— ein meister, der an der Mütze ein Kügelchen von Messing hatte. len Hinter dem Detaschement folgten der Bitcheschi und Boschko Ab⸗ in einer chinesischen Kalesche), d. i. in einem bedeckten zwey— uch rädrigen Wagen oder Karren mit zwey nicht großen Fen— Nach stern an den Seiten, welche zwey Postführer auf Pferden nebst sitzend an einer an der Gabeldeichsel befestigten Querstange ister fuhren, indem sie diese an ihrem Sattel hielten. Nach die— rung sem kamen die Glieder der Mission in zwey Lineiken(einer Art gen. langer und breiter Droschke), mit Postpferden aus Kiachta; mit neben ihnen ritten wir nebst dem Wagenmeister und dem jute Dolmetscher, in Begleitung von zehn zur Bedeckung gehö— war rigen Kasaken. Der Tußulachtschi Idam war stets von deu deb⸗ tussen unzertrennlich. Nachdem wir 4 Werste(über eine halbe deutsche Meile) N, 0 in dieser Ordnung gereist waren, kehrten wir in den für 5 uns bereiteten vier Jurten**) ein. In der einen blieben sie die geistlichen Mitglieder der Mission; in der andern die si⸗ Studenten; das dritte nahm ich, mit den bey mir befindli— i⸗ z⸗*) In dieser Kalesche, die von einem der Beamten aus Urga . aus Gefälligkeit geliehen war, fuhren sie nur von Urga 3 nach Kiachta und wieder zurück nach Urga; nachher reisten be sie zu Pferde. A. d. V. uf*) Eine Jurte(Filtzelt) oder Kibitke heißt auf mongolisch Ger; und einige Jurten, die beysammen stehen, gleichsam ein 5 Steppendorf, auch eine Station, nennen die Mongolen ur t é. n Ulüß, oder Oléß, bedeutet in ihrer Sprache ein Reich, ein Volk; ordé— den kaiserlichen Hof oder Pallast. A. d. V. 50 — chen Beamten ein; in die letzte wurden die zur Bedeckung gehörigen Kasaken gelegt. Hier fanden wir all unser Ge— päck und unser Vieh, das auf einer Wiese weidete, ausge— nommen die Last-Kameele, die man aushalten lassen mußte, das heißt 12 Tage und Nächte lang weder zu fressen noch zu saufen geben; so wie auch die Zug- und Reitpferde, die im Herbste los gebunden, das heißt, die ganze Nacht hindurch ohne Fütterung gelassen werden, zu mehrerer Ver— stärkung ihrer Kräfte, der Beobachtung der sibirischen und mongolischen Landwirthe zufolge. Nachdem die Mitglieder der Mission in den Jurten ihre Plätze genommen hatten, wurden die Lineiken wieder in die troitzkosawskische Festung zurückgeschickt. Mit ihnen mußten der Dsangin und Kundui, die uns von der Gränze an begleitet hatten, nach Kiachta zurückkehren. Als sie bey mir erschienen, um mir ihre Abreise anzuzeigen und uns eine glückliche Reise zu wünschen, wurde jedem von ihnen, nach dem eingeführten Gebrauche, eine schwarze Bockshaut geschenkt. Nur den Aeltesten oder Vorstehern wurden Ge— schenke gegeben. Nach neun Uhr war Abendessen bey dem Vorsteher der Mission, zu welchem alle, die gereist waren, und auch unsre Führer eingeladen wurden. Der Ort, auf welchem diese Station angelegt war, heißt gilan nor(der weiße See). Ein weites grasreiches Thal erstreckt sich von Kiachta gegen Süden auf 10 Werste (12 deutsche Meile); und von Westen gegen Osten, in sehr großem Abstande, sogar bis an unseren Wachtposten zu Kairan. Gegen Osten von der Station sind zwey Land— seen, an deren Ufern der Sargutschei von Maimatschen in Kiachta im Sommer hinfährt, um dort zu spazieren und zu jagen. f fal A fc Ag ff aok ache Wtag keut, 23 Nach Sonnenaufgang sahen wir große Heerden wei— dender Schafe, Ochsen und Kameele. An vielen Stellen auf der Ebene rauchten Jurten; von allen Seiten hörte man das Gebrüll der Heerden, und das Stampfen laufen— der Pferde. Das war das erste Gemählde des Nomaden— lebens, das für viele unter uns gänzlich neu war, und das angenehme Bild der alten friedlichen Zeiten und der sorgen— freyen Haushaltung des patriarchalischen Zeitalters in uns erweckte. Einige der Mongolen, die eine chinesische Gränz⸗ wache bilden, kamen zu uns mit dem Antrage, Kameele zu vertauschen. Da sie von Seiten der ch'nesischen Handels— leute in dem unmittelbaren Einkauf und Verkauf jeder Sache in Kiachta viele Hindernisse antrafen, wünschten sie diese Gelegenheit zu einem freyen Handel zu benutzen. Aber da ich hoffte frische und durch den Gebrauch schon eingewöhnte Kameele, bey meiner Ankunft in Urga, zu erhalten, so blie— ben ihre Anträge unberücksichtigt. Zeitig fingen wir an, uns auf den Weg zu machen; aber lange brachten wir zu, unsere Pferde, die ganz und gar nicht bezähmt waren, einzufangen, und noch längere Zeit gebrauchten wir, um die Kameele, die sehr wild wo— ren, zu beladen. Bey dem Einfangen der Pferde lief eines der besten aus der der Regierung gehörigen Heerde, über die Gränze zurück, und mit solcher Schnelligkeit, daß weder die Kasaken, noch die Mongolen, welche die Roßheerde weide— ten, es einholen konnten, Zuerst wurde das Gepäck, d. i. die beladenen Kameele und die Karriole, fortgeschickt. um 11 Uhr bewegten sich die Wagen von der Stelle, in welchen die Mitglieder der Mission saßen; hinter ihnen ging die der Regierung gehö⸗ rige Roßheerde, und ich befahl diese so langsam als möglich zu treiben, damit sie, während sie im Gehen weidete, un— 5 24 vermerkt vorwärts käme. Bey dem Vieh befand sich der mongolische Aelteste mit 5 gemeinen Soldaten, außer un— serm Aufseher der Roßheerde(Gawrilo Frolow), der des Nachts von zwey Kasaken abgelöst wurde. Um auf die Ordnung in dem Reisezuge der Mission zu sehen, hielt ich es für's Beste, bis nach Pekin hin die Reise zu Pferde zu machen, und bey mir den Wagenmeister, den Dolmetscher und einen Kasaken— Sotnik zu haben. Daher ging ich von der Station hinter allen zuletzt ab, zugleich mit dem Tußulachtschi Idam. Un— sre Führer, die Chineser, waren schon am Morgen früh vorangegangen. Der Weg, auf welchem wir reisten, ist die Sommer— poststraße zwischen Urga und Kiachta, und liegt gerade nach Süden zu. Die früheren Missionen wurden, um die Berge zu umgehen, auf der westlichen Seite, d. i. auf dem rechten Ufer des Flusses Orchon, der in die Selenga fällt, geführt; allein dieser Weg ist weiter als der erstere. Auf diesem reiste auch die letzte russische Gesandtschaft an den pekinschen Hof 9 Von der Station aus gingen wir durch niedrig lie— gende Stellen, welche die Ufer des sumpfigen Flüßchens Borô ausmachen. Hier führte der Graf Wladislawitsch, der nach den Absichten Peters des Großen von Katharina der J. im Herbste 1727 abgesandt wurde, hitzige Unterhand— lungen mit den manfhurischen Ministern wegen der Fest⸗ setzung der Gränzen, wegen der Ueberläufer, wegen der ulin— schen Plätze, wegen der Gesandten u. s. w. und am 22. *) S. Authentische Nachrichten von der russischen Gesandtschaft nach China in den Jahren 1805 und 1836. In dem weimar— schen Journale: geographische Ephemeriden(1806. 2r Bd. S. 219— 57.) abgedruckte kurze Nachrichten oder Tagebuch, von einem der Mitreiseuden dieser Gesellschaft geführt. ch Du agen ff dec von! Wohl fit abe ein bl man se chte ihn ein lier g fes, Unit 0 an Fate deb sc funf * 1 October(1. Nov. N. St.) desselben Jahres, den noch bis jetzt bestehenden ewigen Freundschafts-Vertrag zwischen Rußland und dem chinesischen Reiche abschloß, welcher am 14. Juni(25. Juni N. St.) ausgewechselt wurde. Durch diesen Vertrag ist, wie oben bemerkt worden, uns der un— gehinderte Weg nach der Hauptstadt China's geöffnet, die beynahe allen übrigen Europäern unzugänglich ist. Durch die den ganzen Sommer hindurch anhaltenden Regen waren diese Wiesen mit Wasser bedeckt und sehe sumpfig geworden. Nachdem wir 3 Werste(fast eine halbe deutsche Meile) zurückgelegt hatten, gingen wir aufwärts; von hier aus sah man noch Kiachta. Die Kirche, die Wohnungen der Freunde und die bekannten Umgebungen waren für uns die letzten Gegenstände, die uns an das Vaterland erinnerten, und zugleich das Unterpfand trösten— der Hoffnungen. Auf der Höhe setzten wir unsern Weg in gerader Richtung nach Süden fort durch einen nicht großen Birken- und Fichtenwald. Ackerfelder sah man nirgends, aber Gras in Menge, wegen der Regen und der Fruchtbar— keit des Bodens. Der Weg war, wegen des weißen Sand— bodens, tief ausgefahren. In der Ferne vor uns erhob sich ein blauer Bergrücken, auf mongolisch Kukünniru, den man schon aus der troitzkosawskischen Festung bemerkt; aber näher auf der Ostseite, der Berg Barsutschja: so nannte ihn ein uns begegnender Lama in einem rothen Kleide und mit einer gelben Mütze. In der Mongoley und in China ist alles, was mit dieser letzten Farbe bedeckt ist— heilig. Wer damit bekleidet ist, bedarf keiner Schutzwehr und wird überall hochgeachtet, wo er sich nur zeigt. Diese gedachten zwey Farben sind durch das Gesetz zur Kleidung der Geistlichkeit des schigemunischen Glaubens vorgeschrieben; ein geschorner Kopf ist auch ein auszeichnendes Merkmahl der Lama's. 3—— — 8— Unter dem Nahmen der Lama's verstehen die Mongolen alle Geistliche, die ältern sowohl als die jüngern; dahingegen bey den Kalmüken, die sich zu demselben Glauben bekennen, ist diese Benennung nur den höhern Personen eigen, und im allgemeinen Sinne sind die Personen vom geistlichen Stande bey ihnen unter dem Nahmen Chuwaräk* bekannt. Man sagt, das Wort Lama sey tangutisch oder tibetisch und bedeute eine geistliche Mutter; denn diejenigen Men— schen, welche zu dieser Würde erhoben worden, sind verbun— den, alle Seelen und lebenden Geschöpfe zu lieben, sich um ihre Erhaltung und die Anordnung ihres Glückes durch ihre Gebete und ihr Studieren zu bemühen, und zwar mit sol— chem Eifer, wie eine Mutter sich um die Glückseligkeit ihrer Kinder bemüht. So wichtig und angenehm auch die Pflicht dieser mitleidsvollen Leute ist, so besiegen doch die Freuden der Welt, die Leidenschaft sich Reichthümer zu erwerben und die Herrschsucht, wie wir sehen werden, nicht selten das hohe und wohlthätige Gelübde der schigemunischen Priester. In dem dichten Walde legten wir 4 Werste lüber 2 deutsche Meile) zurück; hierauf zeigte sich eine große, mit Wiesenkräutern und Gras reichlich bewachsene Ebene zwi— schen steilen Felsen; durch diese windet sich von Südwest nach Nordost das Flüßchen Ibizüch, welches, nachdem es den Fl. Chantschäi in sich aufgenommen, von der linken Seite in den Kiran fällt, der sich in den Tschikojem ergießt. Diese beiden letztern Flüsse fließen schon an den Gränzen Ruß lands, östlich von Kiachta. Das Flüßchen Chantschai erhielt — * ) S. Pallas Sammlungen historischer Nachrichten über die mon— golischen Völkerschaften, 7776 und 1801. zr Theil. S. 112.— Bergmann, nomadische Streifereyen unter den Kalmüken, 1804. III. 77. A. d. V. fein 1 b N 0 lle nd fat elt fa ft N fin ffn! rde, Und d wo d sie v zurie das und seinen Nahmen von dem Berge, aus welchem es heraus— fließt, und auf dem es viele wilde Thiere giebt. Nicht weit von der letzten Station, die an dem rech⸗ ten Ufer des Ibitzüch errichtet war, kam uns der Stations— Kundui entgegen und bewillkommte uns nach der Gewohn— heit eines Helden in den Steppen. Da er zu mir heran— kam, sprang er vom Pferde, ließ sich auf das linke Knie nie— der, stämmte den rechten Arm in die Seite, berührte mit der linken Hand den Elbogen desselben und rief laut aus: Amur! (Friede, Ruhe); darauf stieg er wieder zu Pferde und führte uns auf einem Furth durch den Fluß bis zu den Jurten, wo die Mission Nachmittags um 4 Uhr ankam, nachdem sie von Gilannöor aus 25 Werste(32 deutsche Meile) zurückgelegt hatte. Nach Verlauf von zwey Stunden kam das Gepäck an. Das Wetter war den ganzen Tag heiter und warm. Auf der Station fanden wir sehr viele Leute, die sich versammelt hatten, um die durchreisenden Russen zu sehen, die sonst im Uebrigen ihnen, wegen ihrer Nachbarschaft mit Kiachta, und wegen des Durchgehens unsrer Couriere nach Urga, hinlänglich bekannt waren. Als der Lama bemerkte, daß eins von unsern Kameelen hinkte, erbot er sich, es für fünf Lana*) Silber zu kaufen, welches nach unserm Gelde *) Lana ist ein chinesisches Gewicht, ungefähr 84 Solot— nik 5), und kommt daher zwey Silberrubeln gleich. In dem ganzen chinesischen Reiche gebraucht man weder goldene noch silberne Münzen, sondern Zän's aus Messing, auf mongolisch Dschoß; woraus die Sibirier die Benennung Tschoch oder Tschech gemacht haben, welches noch weniger als eine Ko— peike 4) werth ist. Unter Privatleuten sind auch Assig— nationszettel im Umlaufe. A. d. V. f 1 Ein Solotnik ist 1 eines russischen Pfundes. A. d. U. ) Bekanntlich hat der Rubel 100 Kopeiken. A. d. U. 7 40 Rubel in Assignationen ausmacht, da doch das Kameel 150 Rubel gekostet hatte.— Das war die erste Erfahrung, die wir von der Rechtlichkeit der Lama's machten! Des Abends hielt ich es für meine Schuldigkeit, den Bitcheschi, Boschko und Tußulachtschi mit einem Abend— essen zu bewirthen, bey dem sich auch der Pater Archiman— drit Peter befand. Nachdem wir so etwa drey Stunden in angenehmer Unterhaltung zugebracht hatten, entfernten sich die Führer mit allen Zeichen freundlicher Zuneigung. Nach der Entfernung der Gäste,(vier ihrer Jurten standen 50 Schritt weit von den unsrigen) kamen zu uns einige Mongolen. Mit Freundlichkeit gab man ihnen Fleisch und Brod; sie fuhrten das Empfangene an die Stirne, zum Zei- chen der Dankbarkeit, und entfernten sich entweder, oder verzehrten es auch gleich auf der Stelle. Man konnte be— merken, daß sie gebacknes Brod gern aßen. Den 2. Sept.(14. Sept. N. St.) In der Nacht war ein Frost von 3 Grad nach dem reaumür'schen Thermometer. In den zwischen den hohen Bergen eingeengten Thälern ist die Luft sehr kalt. Ueber⸗ dieß geht von Kiachta aus, das eine sehr hohe Lage hat), unser Weg bis zu der Steppe von Gobi hin, beynahe mit jeder Werste höher bergan, und die Luft wird dünner und kühler. Der Doctor G., der sich den 20. Dec. 1805.(8. 1. Jan. 1806. N. St.) auf der nördlichen Seite des chalchaski Aimak befand, neunzehn Werste(22 deutsche Meile ungefähr) *) Nach der Bemerkung von Gelehrten, die in Sibirien gereist sind, liegt der See Baikal 1715 Fuß, Selenginsk 1779, und Kiachta 2400 Fuß über der Meeresfläche,— folglich höher als alle Bergstädte auf dem Harzgebirge, und den Schweizer-Alpen. — S. Ritters Erdkunde, 1817. S. 470. A. d. V. 9b f 110 1 0 II fake, shuahen 11 duc In sch! fee N 1 schig saken, belles hon u Heltn son; den! Bef 7 2 halche fh, wu d eig sihen ff Eihl n beg t he 0 Sega — 3 von Kiachta entfernt, sagt unter andern, die hohe Lage dieses Theiles der Mongoley sey eine von den Ursachen, die ihn nöthigten, außerordentlich viel warmen Thee zu trinken, ohne doch dadurch übrigens seinen Magen zu schwächen.) Am Morgen schickte der Tußulachtschi den Chä Zebek Dordschi zuerst zu mir, und dann zu dem P. Archimandriten, um sich nach unserm Befinden zu erkundigen. Diese Höf— lichkeitsbezeigung beobachtete er die ganze Zeit der Geleitung der Mission hindurch. Von hier mußte der Befehlshaber der troitzkosawski— schen Distanz zurückkehren, der uns bis hierher mit 20 Ka— saken, um unserer Bedeckung bey der Bezähmung des Ar— beitsviehes behülflich zu seyn, begleitet hatte. Indem ich von unsern Landsleuten Abschied nahm, übergab ich dem Herrn Ostrowski meine Berichte von der Abreise der Mis— sion nach China, an das asiatische Departement und an den Herrn General-Gouverneur von Sibirien, zur weitern Beförderung. Die mit ihnen zurückkehrenden Dsangin und Kundui, welche uns von Maimatschen in Kiachta aus begleitet hat— ten, wurden belohnt: der erste erhielt einen kleinen Spiegel und einen Sabel, der andere eine schwarze Bockshaut und einen kleinen Spiegel. Dem Dsangin gesiel der erhaltene Säbel ganz vorzüglich, aber den Mongolen gefallen, zu ih— rem bequemen Gebrauch, die Hirschfänger oder großen Mes— ser besser, welche unsre Jäger gebrauchen. Ich halte für nöthig zu bemerken, daß unsre Zelte von Segeltuch, wegen der Unmöglichkeit Feuer darin anzuma— *) Geographische Ephemeriden. 211 Band, S. 224. A. d. V. 4 — ä————— —— ä———— r— 8 — — —— 30—— chen, und wegen ihrer Durchsichtigkeit, auf dieser Reise unbrauchbar sind. Und deswegen, da wir keine eignen Jurten hatten, die sehr bequem für Reisende in den offenen Steppen sind; da wir auch weder Zeit noch Mittel hatten, um uns Brennholz, Argal), Wasser zu verschaffen, wel— ches letztere man zuweilen weit von dem Nachtlager entfernt holen mußte; empfanden wir, wie unumgänglich noth— wendig, fast bey jedem Schritte, die Hülfe von Seiten der Bewohner dieser Gegenden war, vor allem, bey dem Treiben unseres Viehes, um uns gute Weideplätze anzuweisen; denn die chinesischen Führer bekümmerten sich, ihrer Gleichgültig— keit zufolge, nicht im mindesten darum. In dieser Hinsicht hielt ich mich für verbunden, den Mongolen durch kleine Geschenke unsre Erkenntlichkeit für ihre Dienste und Ge— fälligkeiten zu bezeigen, die sie uns bei den gedachten Be— dürfnissen erwiesen hatten. Da der Tußulachtschi uns vorschlug, so schnell als möglich weiter zu reisen, um noch am Tage über den Fluß Ir“ zu kommen, brachen wir um 11 uhr auf. Wir konn— ten nicht früher unser Nachtlager verlassen, wegen unsrer Ungewohnheit im Anspannen unsrer Steppenpferde. Die Mongolen verwunderten sich sehr über die Geschicklichkeit und die Kühnheit der Kasaken, die auf einmahl drey, fast ganz tolle Pferde regierten. *) Argal nennen die Mongolen den trockenen Mist des Viehes, der bey ihnen zur Heizung, vorzüglich in holzleeren Gegenden, gebraucht wird. Der Mist des Hornviehes wird, wegen seiner leichtern Brennbarkeit und Hitze, dem Pferdemist vorgezogen; Schaf- und Kameelmist gebrauchen sie gar nicht. Das hiesige Brennholz ist großtentheils feucht, sprühet weit umher Funken, und verderbt dadurch sehr die in der Jurte befindlichen Klei— der und Sachen. A. d. V. 0 a b hol m fan t ie den il fuse linen sawei Us 6 Nachdem wir 1 Werste(fast& deutsche Meile) zu— rückgelegt hatten, gingen wir bergan. Hier mußten wir uns von Herrn Ostrowski und den Kasaken trennen, welche nach Kiachta zurückgingen. Die Trennung von Bekannten ist immer schwer, aber schmerzlich ist sie unter einem frem— den Himmel.— Der Tußulachtschi, der bisher sich bey uns befunden hatte, sprengte zurück, und ließ bey uns seinen Chä. Von dem Berge, auf der linken Seite entdeckte man eine tiefe Ebene; man erblickte darin einige Jurten und Vieh; hin und wieder standen einzelne Birken. Als wir tiefer herabkamen, gingen wir lange in einer engen Schlucht zwischen den steilen Höhen des Bergrückens Zagaän§la (der weiße Berg). In den Niederungen ist das Gras lang und dicht; die Gipfel und die Abhänge der Berge sind mit kleinem Gehölze bewachsen, besonders mit kleinen Birken; die Blatter davon fingen schon an sich mit dem herbstlichen Gelb zu bedecken. Der Tag war heiß; die Pferde und Kameele blieben unaufhörlich stehen, und verzögerten dadurch fehr den Uebergang über den Berg. Auf der Höhe, beynahe in der Hälfte unseres Weges vom Ibizüch bis an den Iro, trafen wir zwey Mongolen mit 7 Kameelen an, die aus Urga zurückkehrten. Sie überbrachten Geschenke an Näschereyen, an Wein von dem Sargutschei aus Kiachta, das ist(bey den Chinesern?) das gewöhnliche Opfer, das der Klient seinem Patron für die Verschaffung eines einträglichen Amtes darbringt. Auf die— ser Höhe zeigt sich ein Hohlweg zwischen nackten Bergen, der sich 10 Werste(12 deutsche Meile) weit erstreckt, mit einem merklichen Abhange bis an den Fluß Iro hin. Stel— lenweise sieht man kleine Felder, mit Hirse besäet, und et— was Gras, das mit Sicheln— Sensen mit kurzen Stie— J 2 2 —————. 2 9 g i.—— 1 ——— . len, wie sie auch unsere Buräten gebrauchen— abgemäht wird. Das Heu wird hier feucht in Haufen gelegt. Ein sehr alter, uns unbekannter Lama, der zur Be— sichtigung seines Feldes ritt, reiste lange mit uns. Er saß auf einem grauen Zelter, mit gen Himmel erhobener Hand, an welcher ein Rosenkranz(Paternoster) herabhing. Mit einem Tone, der von den Lama's zum Lesen der Gebete angenommen ist, und dem Klange einer Baßsaite oder dem Gesumme der Bienen gleicht, wiederholte der grauhärige Priester des Schigemuni, mit zitternder, nur selten von tiefen Seufzern unterbrochener Stimme, das bekannte tibetische Ge— bet: om mani bat me chom. Jeder Schigemunier ist verbunden, so oft als möglich dieses Gebet herzusagen, und sich dabey in andächtige Betrachtungen zu versenken. Zur Erinnerung stellen sie es auf Leinwand, auf Papier, auf Holz, auf Stein dar, in den Tempeln, Jurten und auf dem Wege. Bis jetzt indessen kennen wir noch nicht den genauen Sinn dieser Ausdrücke des andächtigen Gebets der Nachfolger des Schigemuni. Die mongolischen Lama's versichern, daß die Worte om ma ni bat me schom, eine geheime, vielbedeutende Kraft in sich schließen: vermittelst derselben befreyet sich der Rechtgläubige(bey ihnen) von dem irdischen Elend, verbessert seine sittlichen Verdienste; endlich drücken sie die göttlichen Vollkommenheiten aus. Forster sagt*), daß bey den Nestorianern auch einige Ge— bräuche, den christlichen ähnlich, bestanden hätten; sie hatten aber auch Tempel für Götzenbilder, und folgten, nach dem Beyspiele der Manichäer, wahrscheinlich den Regeln der *) Histoire des decouvertes et des voyages faits daus le nord. I., 2. Man vergleiche damit Pallas Meinung in dessen Nachrichten über die mongol. Völker. II., 77. 90. u. folg. A. d. V. 0 g he Ng ß di gh, et onde Ende Lotos Gch. Doc Nur ant 8 schigemunischen Religion. Sie trugen, gleich den römisch⸗ katholischen Mönchen, einen Rosenkranz von 108 Kügel— chen, und ihr Gebet bestand nahmentlich in diesen Worten: Hom— Mani— Pema— Hum, gewiß Om ma ni bat me chom. Forster, der darin die Erfüllung der Regeln der Nachfolger des Dalai-Lama entdeckt, fährt fort, daß die angeführten Worte, nicht Rüisbruks Auslegung gemäß, bedeuten: Gott, du weißt dieses, oder, wie Messerschmidt versichert: Herr, erbarme dich unser; sondern daß der wahre Sinn derselben ist:„Anfang und Ende der Macht des Mani“) welcher in den Händen die Lotosblumen(Wasser-Lilien) hält, auf die, welche dieses Gebet verrichten, merkt, sie beschützt und ihr Glück schafft. Doch kann man auch einer solchen Auslegung nicht glauben. Nur allein eine gründliche Kenntniß der tibetischen Sprache kann diesen Knoten der schigemunischen Gottesgelahrheit lösen, und diese Ehre gehört unter allen am nächsten unsern Lands— leuten, die mit den Lama's an den russischen Gränzen ver— traut sind, und unmittelbare Verbindungen mit den in Pekin wohnenden Tibetern haben. Der erwähnte Lama, unser Reisegefährte, freute sich sehr über die baldige Ankunft des wiedergebornen Kutuchta, der, durch seine Erscheinung auf dem Kurenschen Throne, die einige Jahre hindurch verwaiste chalchassische Geistlichkeit wieder beleben wird. f Chutuchta, in tibetischer Sprache, bedeutet den Ober— priester des schigemunischen Glaubens. Die Mongolen nennen ihn Gégen(Héhen). Solcher Chutuchta, oder, nach der angenommenen Aussprache, Kutuchta, zählt man —— H— *) Aber wer ist dieser hohe König Mani, Manes rex summus, vom Herrn Georgi entdeckt?— R. Alph. Tibet. S. 500. A. d. V. I. Band. 3 r—( „. a 1 . ungefähr zehen. Einer von ihnen wohnt, seit der Zeit der 9 Bekehrung der Mongolen(im dreyzehnten Jahrhundert) zu f 1 dem Glaubensbekenntniß des indischen Propheten Schige— 8 7 muni, auf chinesisch Fo, mitten unter den Mongolen des 5 1 chalchaski Aimak in der Stadt Kuren oder Urga. Die 1 1 Kutuchta's nehmen die zweyte Stufe ein, nach dem Dalai— 10 N Lama, dem höchsten Oberpriester des lamaischen oder schi⸗ 8 1 gemunischen Glaubens, der seinen Aufenthalt in Tibet, l 1— nahe bey der Hauptstadt Chlassa(Lassa), in den Götzen— ich 0 tempeln auf dem Berge Budal hat. Die Mongolen be⸗ e N kennen ein höchstes Wesen; die Kutuchta's halten sie für nuf ö dessen Stellvertreter, und glauben, daß sie nach ihrem Tode 00 0 wieder geboren werden, und der Sünde untheilhaftig sind. f 0 Das gemeine Volk glaubt, daß ihnen das Vergangene, ü 6 Gegenwärtige und das Zukünftige bekannt sey. Die La— fil ö ma's, ihre eifrigen Schützer, unterhalten diesen Irrthum. in Doch haben die Kutuchta's nicht so viel Gewalt, daß sie, Bel N nach ihrem eignen Gefallen, könnten in neuen Körpern er— in scheinen. Der Dalai-Lama bestimmt, nach seiner vermein— da W ten Allwissenheit,(jezt thut es der pekinsche Hof), die Kin— 10 ö der, in welche die Seele des Kutuchta einwandern soll, oder fu schon eingewandert ist. Der hierzu ausgewählte Knabe, fen größtentheils aus einer vornehmen Familie, wird seinem Je N künftigen Berufe gemäß erzogen, um dann feierlich dem in! vorigen Kutuchta nachzufolgen. Wenn die Seele des Ku— l ö. tuchta in den neuen Körper übergeht, d. i. wenn er stirbt, Jun 1 bemühen sich die Lama's, zur Beobachtung des angenom— llt menen Gebrauches, denjenigen Ort ausfindig zu machen, wo 5 dieser wundervolle Oberpriester wieder in diese Welt zurück— 1 N gekehrt ist. Nachdem sie, als wäre es unvermuthet gesche— 5 hen, den bereit stehenden Nachfolger entdeckt haben, schicken sie die ältesten Lama's ab, um es in Augenschein zu neh— N * 35—— men. Sie nehmen einige Sachen mit sich, die dem ver— storbenen Kutuchta gehört haben; vermischen sie mit andern und legen sie dem jungen Menschen vor, der die erstern eilends ergreift, und die letztern verwirft. Darnach thun sie Fragen an ihn, die Streitigkeiten, und andere wichtige Er— eignisse betreffend, die sich bey dem Leben des vorigen Ku— tuchta zugetragen haben, und er antwortet hierauf befriedi— gend. Hierauf erkennen alle, mit Bezeigung des lebhaftesten Entzückens, ihn für den vorher da gewesenen Kutuchta und geleiten ihn mit Pomp nach Kiachta, wo sie ihm zur Woh— nung die Jurte des vorigen Oberpriesters übergeben. Den Lama's wird die Aufsicht auf das Betragen des neuen Kutuchta einige Jahre lang aufgetragen. Man darf ihn nur von weitem sehen; auch dieses sogar wird nicht vielen erlaubt. Man kann nicht umhin, sich zu verwundern, daß in einer so zahlreichen Versammlung von Lama's alles, wie Bel*) anmerkt, ohne Kabalen und Streitigkeiten abgeht; im Gegentheil, alle sind so einstimmig in ihrem Verfahren, daß sie alle nur von Einem Gefühle getrieben, zu Einem Ziele hin— zustreben scheinen. Die Chalchassen versichern, daß ihr Ku— tuchta schon 16 Menschengeschlechter gesehen habe, und daß sein Aeußeres sich mit jedem Umlaufe des Mondes erneuere. Im Neumonde hat der Kutuchta das Ansehen eines Jünglings; im Vollmonde wie ein Mann von mittlern Jahren, und endlich kehrt das grauhärige Alter zu ihm zurück, wenn der Mond im letzten Abnehmen ist.— Doch genug vom Ku— tuchta. Die Strahlen der Abendsonne zeigen sich schon *) Bels Reisen durch Rußland in die asiatischen Länder. St. Petersb. 1776. II., 9. Er reiste nach Pekin 1720. mit dem Ge— sandten Ismailow, der von Peter dem Großen an den scharf— sichtigen Kansi geschickt war. A. d. V. 3* auf den Gipfeln der Berge, und noch ist die Station nicht nahe. Nahe am Iro, auf der Hstseite unseres Weges, er— hebt sich ein steiler Berg, der den Winkel eines Bergrückens ausmacht, welcher auf dem rechten Ufer des Flusses hin— läuft. Der Gipfel des Berges ist mit einem steinernen Obo bekränzt. Fast jede merkliche Höhe in der Mongoley wird mit einem solchen Obs oder Hügel der Anbetung geschmückt. Der Bewohner dieser Steppen, gleich dem Wilden in den Wüsten Afrika's, durch Erfahrungen von dem Daseyn einer höhern, unergründlichen, allmächtigen Kraft überzeugt, meint, daß diese Kraft durch alle Gegen— stände der Natur ausgegossen ist. Nach seiner Meinung muß, je erhabener der Gegenstand für die Augen ist, auch in desto größerer Ausgießung darin jener wohlthätige Geist wohnen; und darum werden ein mächtig großer Stein, ein hoher Berg, ein schattiger Baum, oder ein breiter Fluß, die Gegenstände seiner Andacht. Der Mongole errichtet darauf, mit feyerlichen Gebräuchen, nach der Anweisung seiner Lama's Hügel oder Ob's aus Haufen von Stei— nen, aus Sand, Erde oder Holz, und vor ihnen beugt er sich verehrend den allgewaltigen Geist. In Zeiten des Kampfes erbittet er von ihm Hülfe zur Besiegung der Feinde und zum Schutze des Landes seiner Geburt; in den Tagen der Seuchen unter Menschen, des Viehsterbens, oder andrer Unfälle, betet er auf eben der Stelle zu dem Schutz— geiste der Berge und der Thäler um Verschonung. Jeder Mongole, der bey einem Obo vorbeyreist, hält es für eine unerläßliche Pflicht, vom Pferde zu steigen, und gegen die Südseite des Obo, mit dem Gesichte nach Norden gewen— det, einige tiefe Verbeugungen bis zur Erde zu machen, und etwas von seinen Sachen dahin zu werfen. Am häufigsten 5 5 0 von allen sah ich auf den Ob's Bündel von Pferdehaa— ren, als ein Unterpfand des Gebetes der Nomaden um Er— haltung der Thiere, der beständigen Gefährten ihrer Reisen. Diese Obo's dienen auch zu Wegzeigern, und werden auf den Gränzen errichtet. Muß man nicht aus eben dem Ge— sichtspunkte auch die Grabhügel ansehen, mit denen die Ebenen von Klein-Reußen und die Gefilde von andern unsrer Statthalterschaften hin und wieder besetzt sind? Verkünden sie nicht einer späten Nachwelt, daß auch an diesen Orten, vor einigen Jahrhunderten, Nomaden-Völker umherirrten, die uns die Denkmähler ihrer Eroberungssucht, ihrer Gewohnheiten hinterließen?— Als wir aus dem Hohlwege herauskamen, wendeten wir uns bey zwey Hügeln vorbey zur Rechten, hinunter auf die Wiese am Iro, und nach Zurücklegung einiger Werste kamen wir an die Furth um Uhr des Abends, nachdem wir an diesem Tage 25 Werste(32 deutsche Meile) gemacht hat— ten. Zur Ueberfahrt der Mission und ihres Gepäckes waren viele Einwohner versammelt, größtentheils Geistliche der un— tern Klasse. Der Fluß Iro war, durch die den ganzen Som— mer durch anhaltenden Regen vierzig Klaftern breit 1 1 5 ten, und strömte mit reißender Heftigkeit. Ich befahl, wichtigsten Pakete auf Bat's überzuführen: dieses sind 159 fichtene Balken, inwendig ausgehöhlt; sie haben einige Aehn— lichkeit mit Kähnen, sind aber sehr eng, und daher befestigt man immer zwey derselben zusammen. Unterdessen fanden wir oberhalb des Furthes eine seichte Stelle, wo wir die Kameele mit solchen Ladungen, denen die Nässe nicht schaden könnte, durchgehen ließen. Obgleich die Durchfahrt bis 10 Uhr in der Nacht wirklich dauerte, gelang es uns doch nicht, alle Packe hinüber zu bringen. Zum Anfange dieses Buchs habe ich eine Zeichnung von unserm Uebergang über den Iro beygefügt. Jenseits des Flusses, am nördlichen Fuße eines felsigen Bergrückens sieht man die Kette der beladenen Kameele, die aus der Bergschlucht herauskommen; am Ufer liegt ein Theil der Packe, welche auf Bat's übergeführt werden; einige Kameele gehen auf dem Furth durch den Fluß, auf dem diesseitigen linken Ufer steht der Aufseher(Pristaw), der einem Kasaken Befehl giebt. Etwas zur Linken ist das Lager der Mission; von da sprengt ein Mongole zu Pferde nach den Jurten, in welchen die chinesischen Führer ihren Platz genommen haben; nahe bey ihnen treibt ein Hirt, auf einem Ochsen sitzend, eine Heerde Schafe. Der Fluß Iro hat seinen Ursprung 200 Werste (28 deutsche Meile) von hier, aus dem Berge Gentéi, er fließt von Osten nach Westen, und nachdem er noch 20 Werste(fast 3 deutsche Meilen) durchlaufen hat, fällt er von der rechten Seite in den Orchon. In der manshu— rischen Sprache bedeutet Orché Gras. Man oersichert, daß an den Ufern dieses Flusses wirklich reichliche Weiden sich befinden, an denen auch die ufer des Iro nicht minder reich sind. Wir sehen hier zahlreiche Heerden Schafe, doch nur weiße, ohne Hörner, mit langen Ohren und Fett— schwänzen, im Allgemeinen sind diese Schafe denen in den Gegenden am See Baikal ähnlich, so wie auch den kal— mückischen und kirgisischen Schafen; auch sahen wir Heer— den großer und wohlbeleibter Pferde, doch unter ihnen we— nig schöne. Iro oder Juro bedeutet auf mongolisch wohlthätig. An dem Ursprunge des Flusses sind, nach dem was die Einwohner jener Gegenden sagen, mineralische Heilquellen. Der bekannte Gelehrte Pallas sagt, in einer seiner Bemerkungen über das Journal der Reise des Agenten Lange — , .. 2 ,. ,,, 2 2 fe, — — — .—— — — — — — 93 ———— r——— 7— ä 1 7 5———— ̃— ——*— 5— 8 — b de gaht 0 Bitgbal jn e alen Maufteate dd dell den Kl 7 die an dieser! nur dat iu bekoy augezün den läbt 00 0 mh Gl mit der Karawane nach Pekin 1727. und 28.), daß an den Ufern des Iro die Mongolen Eisenerz gewinnen, dar— aus einfache Geschirre von Gußeisen verfertigen, und diese nach Kiachta zum Verkauf führen. Diese Angabe bestätigten uns die hiesigen Bewohner nicht, mit welchen wir Gele— genheit hatten, darüber zu sprechen. Vielleicht hat dieser Bergbau vor etwa vierzig Jahren geblüht, zu der Zeit, als jene erwähnte Schrift herausgegeben worden; aber jezt er— halten die Mongolen selbst Eisengeräthe von den kiachtaischen Kaufleuten. Uebrigens bemerkt man in dem Sande, der aus dem Boden des Flusses genommen wird, viel glänzen— den Kies. Des Abends kamen aus Neugierde in meine Jurte die Lama's, welche die Mission übergeführt hatten. Besuche dieser Art sind in der Steppe gewöhnlich: jeder erscheint nur darum, um die Fremden anzusehen, etwas Zwieback zu bekommen und eine Pfeife Tabak, bey dem in der Jurte angezündeten Feuer sitzend, zu rauchen. In diesen Gegen— den lebt eine sehr große Anzahl von Lama's; denn am Iro, etwa 3 Werste(fast 4 deutsche Meile) oberhalb der Station, sieht man einen hölzernen Tempel, und ein anderer befindet sich unterhalb am Fluße, etwa 10 Werste(12 deutsche Meile) von hier. Dieser Theil der Mongoley bis nach Urga, und noch etwa 60 Werste(83 deutsche Meile) über dieses hin, ist mit chalchassischen Mongolen von schabinischer(Scha bi auf mongolisch ein Schäler, ein Gehorchender) oder kutuchtai— scher Gerichtsbarkeit besetzt. Man nimmt an, daß bis 30 *) Tagebuch zwoer Reisen, welche in den Jahren 1727 1728. und 1756. von Kiachta und Zuruchaitu durch die Mongoley nach Pekin gethan worden, von Lorenz Lange; mitgetheilt vom Prof. Pallas. Leipzig, 1781. S. 7. A. d. V. — 9 tausend Jurten oder Familien dem Throne des Kutuchta von dem Eifer der verschiedenen mongolischen Beherrscher zu eigen verschrieben worden sind. Die von den Schabinen eingehenden Einkünfte, außer den persönlichen Diensten, zu⸗ folge der Landesverpflichtungen, und der Weide für die zahlreichen gegen' schen Heerden u. s. w. werden zur Un⸗ terhaltung des Kutuchta- Gegen selbst und seines Hofes verwendet. Den 3.(15, N. St.) Sept. Da ich sah, daß von dem Gepäck der Mission diesseits noch einige einspännige Wagen zurückgeblieben waren, schickte ich am Morgen mei— nen Dolmetscher zum B Bitcheschi, um ihn wegen des Ueber— setzens derselben zu bitten, und ihm zu sagen, daß wir nicht wünschten, gerade im Anfange der Reise, unser des W̃ Weges noch ungewohntes Vieh zu ermüden, und daher für nöthig fänden, dasselbe heute ausruhen zu lassen. Der Bitcheschi gab hierzu seine Einwilligung. Die einspännigen Wagen wurden sogleich auf das linke Ufer des Iro übergeführt. Für das schnelle Uebersetzen des ganzen Gepäckes, bey wel— chem funfzehn mongolische Arbeiter gebraucht wurden, schenkte ich dem Stations- Dsangin, der einen musterhaften Eifer gezeigt hatte, einen schwarzen Saffian, und zum Verthei— len zwey Juchtenhäute. Bey dem Uebersetzen der Karawane über den Iro, am 20. Sept.(1. Okt. N. St.) 1727 forderten die Mongolen, von Lange, 10 Kopeiken für das Pud; ein sehr hoher Preis, nach damahliger Zeit. Beym Uebersetzen waren unsre Leute genöthigt, im Wasser zu waten, wovon der Kasak Sawatejew ein hef⸗ tiges hitziges Fieber bekam, an dem er in der Folge lange litt. Doch durch die Sorgfalt des Arztes Woizechowski wurde er, beynahe vom Tode noch, gerettet. Gegen Mittag kam der die Mission geleitende Boschko a ad süng 1 3— 8 Urgentai zu uns, und bestätigte durch sein nicht nüchternes Ansehn im vollen Maaße die Richtigkeit dessen, was der Sargutschei zu Kiachta von ihm»gesagt hatte. Er ging unaufhörlich aus der Jurte des Pat. Archimandriten in die meinige, und von mir wieder zu dem Archimandriten; was ihm nur vor die Augen kam, alles wollte er haben; einen Pelz, einen Gürtel, einen Präsentirteller u. s. w. u. s. w. Ich befriedigte, so viel es möglich war, die Hab— gier dieses Chinesers, indem ich ihm, von meinen eignen Sachen, ein Schnupftuch, zwey Weingläser, zwey Messer schenkte. Nicht zufrieden damit fing unser Boschko an mit hohem Tone, aber mit nicht fester, mongolischer und man— shurischer Zunge zugleich, alle die schrecklichen Unbequem— lichkeiten darzustellen, denen man auf der Reise ausgesetzt ist, wenn man keine Uhr bey sich hat. Ohne diese— sagte er— weiß ich nicht, wenn man von der Station abreisen, wie sehr man auf dem Wege eilen muß, zu wel— cher Stunde wir an einen Ort kommen u. s. w. Der Boschko entdeckte diese wichtigen Ursachen auch dem nach Kiachta zurückkehrenden Herrn Ostrowski, in der Absicht, daß er es mir wieder sagen sollte; aber lange stellten wir uns, als verstünden wir die Worte des Herrn Urgentai nicht, und begnügten uns seine Verlegenheit zu bedauern, daß ihm ein so nöthiges Stück fehle. Angetrieben von seiner Hab⸗ sucht fing er an unverholen zu bitten, daß wir ihm eine Uhr schenken möchten. So sehr ich auch der Erfüllung einer solchen unstatthaften Bitte auszuweichen suchte, so war ich doch, um einen solchen außerordentlichen Besucher los zu werden, genöthigt, ihm meine eigene silberne Uhr zu ge— ben. Der Boschko verließ, nach Empfang dieser[Beute, die Jurte, wurde auf's Pferd gesetzt, und begab sich wieder nach seinem Lager. Bald nach ihm erschien bey mir ein Mongole, der das der Regierung gehörige Pferd mitbrachte, welches von der ersten Station davon gelaufen war. Es wurde in der troitzkosawskischen Festung aufgefangen, und nach genom⸗ mener Rücksprache unserer Behörde mit dem Sargutschei, uns zugesandt. Für seine Mühe wurde diesem Mongolen ein kleiner Spiegel geschenkt. Er überhäufte uns mit den herzlichsten Wünschen einer glücklichen Reise. Um 5 Uhr des Nachmittags ritt ich, nebst dem Wa— genmeister und dem Dolmetscher, den Bitcheschi und Tu— ßulachtschi zu besuchen. Wir wurden freundlich empfangen, besonders von dem letztern. Er nannte mich seinen jüngern Bruder, welches bey den Mongolen die freundschaftlichste Höflichkeitsbezeigung ist; er drückte sein Vergnügen darüber aus, daß er schon die fünfte russische Mission begleite u. s. w. In der Jurte des Tußulachtschi bemerkten wir mehr Ver— zierung, als bey den Chinesern. Er saß auf einem ausge— breiteten Stück Filz, umringt von Lama's und gemeinen Mongolen, und zeigte merklich, wie stolz er auf die Bezei— gung unsrer Erkenntlichkeit gegen ihn war. In den Ge— sprächen gab er, unter andern, unsern Führern ihren wah— ren Werth. Der Bitcheschi war, nach seinen Worten, hinfällig an Körper und Geist; gänzlich unerfahren in Ge— schäften, und er erhielt sein gegenwärtiges Amt nicht um— sonst, in der festen Hoffnung, keinen geringen Vortheil für sich daraus zu ziehen. Der Boschko entdeckte seinen Charakter selbst, wie oben erwähnt wurde. Seine Nerba's, oder Diener, waren mit nicht minder habgierigen Absichten aus Pekin abgereist, um die russische Mission zu begleiten. Diener dieser Art sind, nach dem in China angenommenen Gebrauche, aus den freyen Leuten genommen; sie befinden sich bey den Staatsbeamten, selbst die Minister nicht aus— U 5 genommen, ohne irgend einen Gehalt, oder sie erhalten nur etwas ganz unbedeutendes. Sie mischen sich in alle An— ordnungen ihrer Herrn; sie sind die Fürsprecher oder die Nebenbuhler der Bittenden, ja sie haben sogar die Hand im Spiel bey der Entscheidung der Rechtshändel, und zie— hen bey allen Gelegenheiten große Vortheile, wie für ihre Herrn, so auch für sich selbst. Wenn eine Klage gegen einen Stgatsbeamten wegen irgend eines Mißbrauchs ge— führt werden soll, so hört man erst seine Diener ab.— dach einer Stunde kehrten wir wieder in unser Lager zurück. Kaum war ich in meine Jurte getreten, als der Sta— tions-Dsangin erschien mit der dringender Bitte, daß unsere Studenten aufhören möchten, Fische zu fangen, womit sie gerade damahls sich belustigten. Der Vorsteher der Mission erfüllte sogleich das Verlangen des Mongolen, der die Fische für Wesen hielt, die man nicht anrühren dürfe, wahrschein— lich wegen seiner Idee von der Seelenwanderung, die er zu— gleich mit der Religion aus Indien entlehnt hatte. 4. Sept.(16. Sept. N. St.) Die Nacht war ziemlich warm. Die Mission ging um 9 Uhr des Morgens weiter. Kaum hatten wir uns von der Stelle bewegt, als die Frauen der Mongolen, ihrer Pflicht zufolge für die Haus— wirthschaft zu sorgen, sogleich erschienen, um vier ihnen gehö— rige Jurten abzubrechen. In der allerkürzesten Zeit beendigten sie ihre Arbeit,, beluden die Ochsen und führten alles mit sich fort. Unsere Führer nahmen in Jurten Platz, die zu dem Ende immer bey den Unterhaltern der Poststationen be— reit stehen; und für die Mission entlehnten die Stations— Aeltesten(Stations- Vorsteher) Jurten von den Einwohnern der Umgegend. Dieses Loos traf gewöhnlich schwache und arme Leute; die Reichen finden dort Mittel, sich von solchen Dienstleistungen zu befreyen. Mit großer Mühe wurden die Wagen einen steilen, sandigen Berg hinaufgebracht, der eine Werste( deutsche Meile) von unserm Nachtlager sich befand. Der Berg— rücken, den wir auf dem rechten Ufer des Iro verließen, stellte sich uns als eine ungeheure, ausgezackte Mauer dar; die nackten Gipfel desselben ragen in der Gestalt spitziger Pyramiden empor; ein Zweig des Berges dehnte sich, gleich als wie ein besonderer Wall, beynahe bis an den Ort der Ueberfahrt. Gegen Westen erblickte man bläuliche Berge, hinter welchen der Orchon, ungefähr 20 Werste(fast 3 deutsche Meilen) von unserm Wege entfernt, fließt. Das weite hügelichte Gefilde hat Ueberfluß an Steppengras. An vielen Orten wächst wilder Knoblauch, Allium scoxo— doprasum Linn., und wilder Lein, Linaria, oder linum perenne Linn. Diese letztere Pflanze gleicht sehr dem gesäeten Lein; unterscheidet sich aber darin von diesem, daß sie von selbst alle Jahre aus der Wurzel emporwächst; sie hat einen grasartigen, etwas salzigen und bittern Ge— schmack; sie hat eine sehr auflösende und erweichende Kraft, und der Saft davon, und das mit derselben destillirte Was— ser heilt Wunden u, s. w. Der wilde Lein wächst auf unbearbeiteten Plätzen, auf den sibirischen Bergen und auch im St. petersburgischen Gouvernement). Am Tage war es so heiß, als wären wir mitten im Sommer; die Gipfel der Berge verhinderten den Wind, die Luft abzukühlen. Unsere Kameele fingen an, sich zur Ar— *) S. Sewergin Anfangsgründe der Naturgeschichte; Pflan— ienreich. 1794. II. 127. A. d. V. beit zu gewöhnen, und gingen weit ruhiger als in den ersten zwey Tagen. Der Tußulachtschi Idam ging, wie immer, mit uns 7 Werste(1 deutsche Meile) weit von der Station; alsdann ging er voran, um alles zum Empfange der Mission vorzubereiten. Zu unserer Begleitung ließ er den Kundui mit einem Schabinen zurück. Etwa zweymahl gingen wir Anhöhen hinauf, und dann wieder ins Thal hinunter. Wir zogen gerade gegen Sü— den, indem wir die enge mangirtujsche(Steppenknob— lauchs-) Ebene durchschnitten, die sich auf eine große Ent— fernung von Osten nach Westen ausdehnt. Der Weg blieb zur Seite, und wir gingen auf einer ungebahnten Stelle die Höhe Mangirtui hinan. Auf meine Frage: warum man hier keinen Weg bemerke,— sagte der bey uns befindliche Kundui, daß dort nur Leute, in Dienstangelegenheiten, reiten; daß sie auch übrigens, nach dieser Richtung, einen Winter-, Frühlings-, Sommer- und Herbstweg haben, auf welchem letztern jetzt die Mission reise. Diese Wege werden in jeder Jahrszeit verändert, um die Postpferde besser in frischem ab— gemäheten Futter zu erhalten. Auf der Ebene sah man jetzt keine Nomaden, wegen Mangel an Wasser; aber die umher wohnenden Mongolen begeben sich im Winter hierher; dann ist hier Gras genug, statt des Wassers kann man Schnee gebrauchen, und die nahe stehenden Berge dienen ihnen zum Schutz gegen den kalten Wind. Nachdem wir uns von dem Flusse Iro etwa 20 Werste (fast 3 deutsche Meilen) entfernt hatten, gelangten wir zu einer Höhe, auf welcher ein ungeheurer Stein liegt; zur echten erhebt sich der Berg Narin Kundu; auf dem Gipfel und am Fuße desselben wachsen große Fichten. Im Allgemeinen haben diese Gegenden eine sehr angenehme Lage. In der Ferne gegen Westen, nicht weit von der Mündung des 3 Flüßchens Selbi, das in den Orchon fällt, erhebt sich fast bis in die Wolken der Berg Mingädara(der Tausende überragende). Man sagt, daß in der Nähe desselben viele steinerne Götzentempel sind, in deren allergrößtem bis 4000 Lama's, zu der Zeit ihrer feyerlichen Versammlung, sich einquartieren. Das Herunterfahren von der Höhe, auf einem engen Fußpfade, war für die Fuhrwagen sehr beschwerlich. End— lich kamen wir in einen engen Hohlweg; in demselben wächst viele Altagana(Robinia pygmaea). Hier wird auch genug Hirse gesäet, der jezt schon abgehauen war; die Aehren desselben sind weit kleiner in Vergleichung mit dem klein-reußischen Hirse. Aus diesem Hohlwege wende— ten wir uns zur Linken, über eine kleine Anhöhe, mit grü— nem Sandsteine bedeckt, und kamen eben an das rechte Ufer des Flusses Schara hinunter, nachdem wir ungefähr 30 Werste(45 deutsche Meile) zurückgelegt hatten. Auf der Station, die von drey Seiten mit Bergen umschlossen war, versammelte sich die Mission um 4 Uhr Nachmittags. Hier waren für uns vier schöne Jurten vorbereitet; für den Vorsteher der Mission und für mich mit Daba, einem groben Nankin mit farbigen Rändern ausgeschmückt; auf der Erde waren gesteppte Filzdecken ausgebreitet. Diese Bequemlichkeiten verdankten wir den freundschaftlichen Bemü— hungen des Tußulachtschi Idam. Auf seine Anordnung wurden für die Kasaken zwey Schalen Backstein-Thee gekocht. Ich werde einige Worte von dem Backstein-Thee sagen. Die Mongolen und der größte Theil der Völker, die als Nomaden in der ganzen Ausdehnung Mittelasiens herum— ziehen, gebrauchen ihn gewöhnlich zum Trank und zur Speise. Die Chineser treiben damit einen bedeutenden Handel; sie — 47— selbst aber trinken ihn niemahls. In den Theefabriken, die sich größtentheils in der chinesischen Statthalterschaft Fu— dsän(Fo- kien) befinden, werden, bey der Zubereitung je— der Art Thee, die verwelkten, unreinen und verdorbenen Blätter und Stengel des Theebaums weggeworfen; klebrige Sachen darunter gemischt, dann in längliche Formen ge— drückt und in Oefen getrocknet. Diese kleinen viereckigen Balken nennen die Russen, wegen ihrer Gestalt, Backstein— Thee. Die Mongolen, Buräten und übrigen Bewohner der Gegend Sibiriens am Baikal, eben so auch die Kal— müken nehmen zur Zubereitung desselben ein kleines Stück eines Theebacksteins, stoßen es in einem besondern kleinen hölzernen Mörser, schütten den fein gestoßenen Theestaub in eine Schale von Gußeisen, die über dem Feuer mit heißem Wasser steht, wobey sie zugleich etwas Salz und Milch hinein thun. Zuweilen mischen sie auf Butter geröstetes Mehl darunter; dergleichen Thee oder Bouillon ist unter der besondern Benennung Saturäͤn bekannt. Ich trank Backstein-Thee von dieser sowohl als von der andern Zu— bereitung, und fand ihn schmackhaft genug, wenigstens sehr nahrhaft: alles hängt von der Geschicklichkeit und Reinlich— keit des Kochs ab. Noch muß man sagen, daß die balken— förmigen Stücke des Backsteinthees statt gangbarer Münze, bey dem Handelsverkehr der oben erwähnten Völker, so wie auch in Daurien, dienen. Auf dieser Station erschienen bey mir, von schabin'scher Gerichtsbarkeit, der Dargui oder Befehlshaber über funf— zig*), und der Chalgatschi, Thürhüter aus dem Staate *) Bey unsern Kalmüken heißt Daragà ein Kassirer oder Ausgeber in Diensten der Regierung. In Abulhasi's Ge— schichte der Tataren, Th. I. S. 265. wird gesagt, daß ein ge— 0 10 0 — 8— ———ů—ů—ů—ů ——— 48 ä des Kutuchta, welche die Mission bis Urga begleiten sollten. Sie wurden von mir freundlich aufgenommen, und mit Thee und Brantwein bewirthet. Diese Verbindlichkeit war ihnen, nach der Vorschrift des Schandsaba, des Ober-Oeko nomen, der das Vermögen und die Angelegenheiten des vergöt terten Kutuchta-Gegen verwaltet, auferlegt. Diesem Schand— saba, wie man sagt, sind von dem Bogdochan besondere Vor— rechte und ein Siegel verliehen, welches die Asiaten gewöhnlich, statt der eigenhändigen Unterschrift, zur Bekräftigung der Papiere gebrauchen. 5. Sept.(17. Sept. N. St.) Die ganze Nacht hin— durch wehete ein heftiger Wind aus Westen. Der Mor— gen war kalt. Die Mongolen, die außer unsern Schild— wachen, zu dem Gepäcke gestellt waren, ritten in der Nacht um dasselbe herum, und gaben das Signal durch ein Ge— schrey, das dem Geheul des Bergwindes ähnlich war. * N Des Morgens um 10 Uhr kam der Bitcheschi zum Be— such zu dem Vorsteher der Mission und zu mir. Das neben unsern Jurten strömende Flüßchen Scharl (der gelbe Fluß, von der Farbe seines Wassers, die von dem sandigen Grunde entsteht) fängt von dem Bergrücken Türgétu an; fließt von Süden in gerader Richtung nach Norden; macht dann eine plötzliche Wendung gegen Westen. und ergießt sich in den Orchön. Nahe bey der Station, wo wir uns gelagert hatten, fällt in die Schara das Flüß— chen Kuitun. In der Schara giebt es nur kleine Fische; wisser turkestanischer Kaber-Chan, zur Erkundigung, in das Gebiet der Uiguren, seinen Daruga, d. i. Obersten über die Polizey, geschickt habe. Daselbst wird auch in einer Anmerkung erklärt, daß diese Würde noch bis jezt in Persien beybehalten wird, und daß in jeder Stadt ein Daruga ist. A. d. V. lehr! feli desen; dub De 10 6 l fut te d 0 f laat . S. 49— aber in dem Orch on, der in geringer Entfernung von hier vorüberfließt, sind Störe, und mehr noch Lachse(Sanno Fluviatilis) und Lenok(eine Art Forellen in Sibirien); bey dem Austreten des Wassers im Frühjahre, kamen die großen Fische zuweilen in die Schara. Bey uns flogen ganze Züge wilder Gänse, Enten und Kraniche vorbey. Die hiesigen Mongolen sind sehr wohlhabend; ihr mun— teres Ansehen und ihre reinliche Kleidung gaben davon den Beweis. Wir sahen diesseits der Schara viele Jurten, zahllose Heerden Schaafe und Pferde. Nahe bey der Sta— tion gingen einige Büffelkühe herum, deren Milch sehr von den Mongolen geschätzt wird. Die müßigen Lama's ließen nicht ab mit ihren Besuchen bey uns. Es mochte scheinen, daß die Geistlichkeit in den Steppen gebildeter als gemeine Leute seyn sollte; aber die Erfahrung versicherte uns vom Gegentheile. Ich legte den bey mir versammelten Lama's einige geschriebene mongolische Worte zum Lesen vor; mit großer Mühe nur buchstabierten sie diese zusammen, Der Dsangin der Station im Gegentheil las sie leicht und ohne Anstoß. Freylich hat er, seinem Amte zufolge, mit schrift— lichen Sachen zu thun; die Lama's aber beschäftigen sich mehr mit dem Lesen des Hanshur— eines tibet'schen geistlichen Buches, dessen Sinn für sie viel zu hoch ist, und dessen Inhalt sie, größtentheils nur, nach der Gestalt der Buchstaben, kennen. Der ehemalige Dsangin dieser Station, dem Ansehen nach ein Greis von etwa 70 Jahren, kam zu uns herangesprengt, blos in der Absicht dem Vorsteher der Mission seine Ehr— furcht zu bezeigen. Der graue Mongole begleitete einst un— sere Mission, und betrübt sich jetzt, daß die Last der Jahre ihn hindert, so schnell, wie in der Jugend, zu reiten. Er beneidete sehr die langen und dichten Haare des Bartes des J. Band. 5 — 2 50—— Pater Archimandriten. Die Mongolen haben entweder ganz und gar keinen Bart, oder er ist nur bey ihnen sehr dünn; sie lassen den Knebelbart wachsen, und scheren, gleich ihren Stammverwandten, den Buräten und Kalmüken, den Kopf hoch hinauf kahl; die übrig gelassenen Haare flechten sie in einen Zopf. Ich kann nicht in die Erklärung einiger mit einstimmen, daß die Völker des mongolischen Stammes darum einen Haarzopf stehen lassen, um, wenn sie durch tiefe Flüsse schwimmen, damit den Bogen, ihre vorzüglichste Waffe, auf dem Kopfe festzubinden, und so ihn vor der Benetzung zu schützen. Nach meiner Meinung kann man, in einem solchen Falle, leicht und sehr bequem mit einem Schnürchen den Bogen auf den Rücken oder auch an den Hals festbinden. Ungefähr gegen drey Uhr des Nachmittags ging auf dem an⸗ dern Ufer der Schara eine chinesische Karawane, auf 25 Kamee— len, auf dem Wege nach Kiachta zu. Wir konnten nicht gewiß er—⸗ fahren, warum uns die Führer auf dem neuen Wege und nicht auf jenem führten, auf welchem die Missio nen bis jezt gegangen waren, und worauf die erwähnte Karawane ging. Der alte Weg ist bloß für die Ueberfahrt beschwerlich, aber dafür weit bequemer für das schwere Gepäck. Auf dieser Station verein igt sich dieser Weg mit der Poststraße. 6. Sept.(18. Sept. N. St.) Ein kalter Nordwind wehete in der Nacht mit wenigem Regen. Der Wind hielt den ganzen Tag an. Von der Station der Mündung des Kuitun gingen wir um 10 Uhr des Morgens ab. Auf unsere Bitte befahld er Tußulachtschi, heute und für die Folge, den Mongolen auf den Stationen, unsre Pferde, die Zugpferde sowohl als die Reitpferde, anzuhaken, d. i. mit der Schlinge zu fangen. Die mongolischen Pferde sind sehr zu schnellen und plötzlichen Wendungen geeignet; und in einem 5 guten Pferdefänger kann man sogleich den geschickten Reiter erkennen; er hält sich fest im Sattel, und macht außeror— dentlich kühne Bewegungen, bis er die Schlinge demjenigen Pferde nahmentlich über den Hals wirft, welches gerade gebraucht wird, und das unterdessen sichtbar strebt, ihm zu entschlüpfen. ueber die Schara, die hier eine Breite von ungefähr 10 Klaftern hat, setzten wir durch den Furth, und dann gingen wir auf einer Wiese gegen Osten 2 Werste(5 deut— sche Meile); dann weiter gingen wir aufwärts auf einen sanft abhängigen Berg, auf dessen Gipfel, auf der linken Seite des Weges ein großer Haufen roher Steine liegt. Da wir eine Werste( deutsche Meile) südwärts zurückge— legt hatten, kamen wir auf einem steilen sandigen Abhange hinunter an das linke Ufer der Schara. Die Aue ist mit hohem Grase und Ulmengesträuche bewachsen. Dort sahen wir einige Schober Heu. Der Grund des Bodens ist san— dig. An dem Fuße eines hohen Bergrückens, der zur Rech— ten liegen blieb, setzten wir unsern Weg etwa 7 Werste (1 deutsche Meile) lang fort, zum Theil in einem Fichten— walde, womit auch der ganze Bergrücken bedeckt war, und davon die Benennung Kutül norasu(Fichtengehölz) erhält. Hierauf näherten wir uns einem mongolischen Götzentempel, der nahe am Wege stand, gerade am Fuße des Berges Huntu Sambü. Auf dem Vorsprunge des Berges schimmert weiß ein Suburgäͤn oder Bunch a hervor. Ein Suburgan ist eine Art Kapelle, von reichen Leu— ten zur Reinigung von Sünden und in der Hoffnung einer künftigen Belohnung errichtet. Sie hat die Gestalt einer hoh— len Pyramide, aus Holz oder Stein zusammengesetzt, und hat nur auf der südlichen Seite eine nicht große Oeffnung. 4* 5 In das Innere des Suburgan werfen sie, bey der Einwei— hung, einige hundert thönerne Säulchen oder Kegel, auf mongolisch Zaza, die man für den symbolischen Ausdruck vergötterter Personen hält. Solche Zaza müssen eigentlich aus neun kostbaren Stoffen zusammengesetzt seyn, als: Gold, Silber, verschiedene Edelsteine, Perlen u. s. w. Da aber nur sehr wenige im Stande sind, eine hinlängliche Menge solcher Materialien zu haben; so beschließt man Thon da— für zu gebrauchen, in welchen aber dennoch, beym Lesen der festgesetzten Gebete, ein, wenn auch nur kleiner Theil der obgedachten Dinge eingemischt seyn muß; und um dem Suburgan sein volles Verdienst zu geben, muß man nicht weniger als 100 Zaza dort hineinbringen. Uebrigens hängt die wirkliche Zahl derselben von dem freyen Willen, dem Vermögen und der Frömmigkeit der Erbauer ab. Die Mongolen bezeigen gegen die Suburgane eine hohe Achtung; wer vorbeyreist, ist verbunden anzuhalten, vor denselben drey Verbeugungen bis zur Erde zu machen und dreymahl um diese Kapelle herumgehend, in der Absicht eines Opfers, etwas aus seinem Eigenthum, ein Haar vom Kopfe, oder auch nur einen kleinen Span hinein zu werfen. Der am Ufer der Schara stehende Tempel ist von Holz erbaut, in Gestalt eines kleinen Hauses; die äußern Seiten desselben sind mit weißer, und das Dach mit rother Farbe bedeckt. Im Innern, vor den Götzenbildern, glimm— ten einige wohlriechende tibetische Kerzen, von dunkelrother Farbe, aus Baumrinde mit Bisam verfertigt. Zwey La⸗ ma's lasen das Buch Hanshur, das die heiligen Geheim— nisse in sich schließt. Vertieft in ihre düstere Beschäftigung warfen sie kaum einen Blick auf die russischen Besucher. Von dem Tempel aus reisten wir auf einer Wiese 2 Werste(5 deutsche Meile) weit; dann gingen wir durch 3 a 8— 4 — — 53 den Furth auf das rechte Ufer der Scha ra über, und setz— ten unsere Reise auf einem ebenen und glatten Wege fort. Hin und wieder sah man Jurten nomadisirender Mongolen. Zuweilen gingen wir auch über kleine Hügel. Der Erdbo— den ist steinig; Steine liegen selbst in den Wagengleisen; aus Allem sieht man, daß nie hier eine Hand sich um die Verbesserung des Weges bemüht. Auf der Hälste des Weges begegneten wir dem Ge— päck eines Mongolen, der aus Urga auf sechzehn einspän⸗ nigen Wagen(an jedem war ein Ochse angespannt) Zucker⸗ kand ausführte, welcher einem chinesischen Kaufmanne im kiachtaischen Maimatschen gehört. In der Ferne, am Ufer der Schara stand ein weißes Zelt irgend eines chinesischen Verkäufers. Handelsleute dieser Art schweifen in der Mon— goley mit verschiedenen unbedeutenden Waaren herum, und tauschen dafür von den Steppenbewohnern Hammel und Ochsen ein, welche sie hernach zum Verkauf nach China treiben. Das ist eine Art unserer Kleinkrämer, welche mit Waaren in den entfernten Gegenden Rußlands herum reisen. In der Nähe des hohen Berges Urmuchtu, der auf der linken Seite liegt, und in dessen Hohlwege sich die Winter-Station befindet, gingen wir herab bis auf die Aue des Flusses Schara. Von hier bis an unser Nacht— lager blieben noch ungefähr 6 Werste(fast eine deutsche Meile). Auf der Aue stehen einige Weiden; das Gras ist dicht und hoch: wie viel Schober Heu würden hier nicht von unsern Landsleuten aufgestellt werden! Jetzt schweift hier das Vieh herum, und zertritt mit seinen Füßen die 5 Weide.— Wir gingen wieder durch einen Furth über e Schara bey dem gegen Osten liegenden Berge Ker Etu, und die Mission kam um 4 Uhr Nachmittags auf der Sta- tion Urmuchtui an, die auf dem linken, eingestürzten Ufer 3 1 angelegt ist. An diesem Tage kamen wir auf 25 Werste (32 deutsche Meile) vorwärts. Am Abend schieden wir von dem Dsangin Züdén, der die Mission von der Mündung des Kuitün aus begleitet hatte. Er war aus dem Gebiete des Zezen Chan durch Wahl zum Stations-Aeltesten(oder Stations-Vor— steher) bestimmt. Aus allen vier Chanschaften*) werden auf die Poststationen auf diesem Wege, auf jede ein Dsan— gin, Kundui und 4 gemeine Soldaten abgeordnet. Die Aeltesten oder Vorsteher haben des Jahres 10 Lana(20 Rubel) Silber Gehalt. Wenn sie sorgfältig sind in ihrem Amte, so bleiben sie einige Jahre darin, ohne durch andre ersetzt zu werden, und wohnen mit ihrer Familie und ihren Heer— den beysammen. Es ist festgesetzt, daß auf jeder Station 8 Pferde und 4 Kameele, für die nach dem Willen der Re— gierung Durchreisenden, in Bereitschaft gehalten werden müssen. Die dem Wege am nächsten liegenden Chanschaf— ten geben die Pferde, und die entfernteren liefern eine Sum— me zu ihrem Unterhalt und Vieh für die Postfuhren, ent— weder in Natur oder geben Geld dafür. Bey der empfindlichen Veränderung der Temperatur(am Morgen um 8 uhr waren nur 5 Grad Wärme) kamen *) Die Mongoley wird in einige Aimak's oder Fürstenthümer eingetheilt, wie dieses weiter unten, im ten Theile dieses Werks deutlicher wird gezeigt werden. Für das vornehmste darunter wird der chalchassische Aimak oder Chalchn(auf mon— golisch: Vorhang, Thüre) gehalten. Es wird wieder in vier Chan— schaften eingetheilt, deren oberste Beherrscher erbliche Titel haben. 1) Tuschéstu-⸗Chan, nomadisirt an dem Ulrsprunge des Flusses Selenga; 2) Zezen⸗Chan am Flusse Cherulion, östlich von Kiachta; 5) Dsaßachtü-Chan hat seinen Aufent— halt an dem südlichen Fuße des altaischen Gebirges, am Flusse Dsabachun; 4) Sain Noin wohnt in der gobischen Steppe, südlich von Urga. A. d. V. 2 8 einige Mongolen zu uns in Schlafpelzen und Pelzmützen, die mit Marderfell, vorzüglich aber mit weißem Schaffell verbrämt waren. 7. Sept.(19. Sept. N. St.) Die Nacht war Frost; der Wind ging wie vorher aus Norden, und der Tag war trübe. Viele von den Kasaken unserer Bedeckung empfan— den Anfälle einer heftigen Erkältung; eine Folge des Ueber- ganges über den Iro. Hierbey kann man nicht umhin zu bemerken, daß die sibirischen gemeinen Leute ihre, übrigens sehr feste, Gesundheit durch den übermäßigen Gebrauch des Backstein-Thees schwächen, den sie dreymahl des Tages, einige sogar noch öfter, trinken. Hier wurde von mir dem Dsangin Gur(Hur) Dshäpu ein lerkranktes der Regierung gehöriges Pferd überlassen, mit der Bedingung, es uns, bey unsrer Rückkehr aus China, wieder zurück zu geben; wenn es aber fiele, sollte unsrer Seits von den Mongolen nichts dafür gefordert werden, wenn sie deutliche Beweise davon beybringen könnten. Die beladenen Kameele gingen von der Station des Morgens um 8 Uhr ab, und nach 8 Uhr fuhren auch die Wagen, unter Begleitung zweyer Mongolen fort. Bey der Roßheerde befanden sich jetzt 8 Mann. Ungefähr 12 Werste (fast x deutsche Meile) fuhren wir auf der Aue der Schara, ließen dann diese hinter uns, und zogen einen Zweig des Berges Bangi(Ban— hi), unter dem Nahmen Chu ßut u (Birkenwald) bekannt hinan; dort geht der Weg in einem kleinen Hohlwege fort. Nach einer Fahrt von 7 Wersten (1 deutsche Meile) von der Station aus, kamen wir auf die Ebene Zaidam(Salzgrund), welche diese Benennung von dem Salze erhalten hat, das gewöhnlich in Dünsten aus der Erde auf die Oberfläche der hiesigen Steppen heraus— tritt. Der Hohlweg Zaidam wird von dem Flüßchen RR Bain(der reiche) begränzt, welches von Osten nach Westen fließt, und von der rechten Seite in den Fluß Chara fällt. Der Bain windet sich am Fuße hoher Berge hin. Unsern Augen zeigte sich, links gegen Südosten, zum ersten Mahle das Gebirge Mangatai(das steile), dessen west⸗ licher Zweig Tumuk Ei(Menge der Winde, oder von Wir— belwinden umstürmt) heißt. In den Klüften des Mangatai giebt es viele wilde Ziegen, Isübri(eine Art Hirsche), Füchse, Steppen ⸗Katzen, auf mongolisch Manüla genannt; selten trifft man auch Bären dort an. Die Gipfel der Berge sind mit Birkenwäldern bedeckt. Durch den erwähnten Hohlweg fuhren wir 8 Werste (17 deutsche Meile) weit; dann kamen wir auf den niedri— gen Zweig des Berges Undür Ulän(rothe Höhe), und setzten unsern Weg auf einer nach Süden zu geneigten Ebene 5 Werste(5 deutsche Meile) fort, bis zur Station. Dieser gegenüber setzten wir durch den Fluß Bain auf einem Furth. Diesen Tag hatten wir 20 Werste(fast 3 deutsche Meilen) zurückgelegt. Ein Haufen Mongolen um— ringte sehr bald unsre Wagen; am meisten zogen ihre Auf- merksamkeit die mit eisernen Schienen beschlagenen Räder auf sich. Die mongolischen Fuhrwagen sind gewöhnlich nur mit zwey Rädern, die sich unter denselben zugleich mit der Achse umdrehen. Das Rad wird aus zwey kreuzweise über einander geschlagenen Hölzern oder Balken gemacht; statt der Felgen sind sie mit zugerundeten Keilen umlegt; im Mittelpunkte desselben wird die Achse so befestigt, daß sie gar nicht aus dem Rade hervorragt. Von der Höhe des Undur Ulan aus, von welchem oben gesprochen worden, erstreckt sich westlich herab, am Flusse Bain hin, eine schmale Ebene, fast bis an den Or— chon. Dieses Thal stößt gegen Süden an das Gebirge * 9 — — ——— 3————— —— 7— Tumukei, und gegen Nordwest, an nicht so hohe, aber sehr spitzige Berge. In der Nähe der Station, und auf dem entgegengesetzten Ufer des Bain standen ungefähr 20 Jurten; große Heerden fetter Schafe und Pferde zeigten die Wohlhabenheit der Bewohner und die Fruchtbarkeit der Steppen. Die Station ist an dem Fuße des Gebirges Tumukei, gerade am Ufer des Flusses Bain, angelegt. Wir sprechen bloß der Fluß Bainz einige schreiben auch: der Fluß Bain-gol(-hol), der Fluß Chara-gol(-hol) u. s. w. Das Wort gol(hol) bedeutet in mongolischer Sprache Fluß; und darum dünkt es uns überflüßig, eine Benen— nung zu wiederholen, die ein und dasselbe anzeigt, wie es auch unsere(russischen) Erdbeschreiber thun, in den Wor— ten: der Fluß Amü-Darja(Fluß); der Fluß Sür— Darja(Fluß); der See Saißän-Nor(See), Kuku⸗ Nor, Karä-Kul u. s. w. Da wir die mit schönem Grase bedeckten Auen sahen, be— schlossen wir hier den folgenden Tag zu bleiben, und unsre vom Fasten abgemagerten Kameele zu füttern. Der Tußu— lachtschi willigte ein; aber die chinesischen Führer eilten sehr nach Urga, und schlugen uns dieses ab. 8. Sept.(20. Sept. N. St.) Des Morgens erschien der Bitcheschi bey mir, und fing selbst an, die Ursachen zu erklären, warum sie nicht eingewilligt hätten, diesen Tag am Bain zuzubringen. Als Hauptgrund führte er die un— umgängliche Nothwendigkeit an, nach Kuren oder Urga zu eilen, um dort den Wan anzutreffen, der schon von dem Bogdochan) den Befehl erhalten habe, seine Majestät auf *) Benennung des chinesischen Kaisers in mongolischer Sprache; sie bedeutet: der geheiligte König. In chinesischer Sprache ist sein Titel: Chuändi— der höchstweise Kaiser. A. d. V. . dem Fange wilder Thiere in der östlichen Mongoley zu be— gleiten. Wie dem auch seyn mochte, ich war genöthigt, in Beyseyn des Vorstehers der Mission gegen den Bitcheschi zu bemerken, daß auch wir selbst wünschten, baldigst das Ziel unsrer Reise Pekin zu erreichen; aber man müsse doch darauf achten, daß man mit schwerem Gepäck nicht so schnell reisen kann, als mit Postpferden; daß man die Kräfte des Viehes immer im Anfange einer Reise schonen müsse u. s. w. Es wurde beschlossen, den andern Tag am Flusse Chara einen Rasttag zu halten. Hierauf kam der Tußu— lachtschi zu uns geritten und versicherte uns von seinem unwandelbaren Eifer. Nach 8 uhr des Morgens ging das Gepäck von der Stelle des Nachtlagers ab. Wir fuhren gerade südwärts und gingen langsam auf die Höhe des Tumukei hinan. Aus dem Berge quillt ein Quell reinen, kalten Wassers hervor, fällt dann mit Gemurmel über Steine hinab und verbirgt sich in der Erde nicht weit vom Bain, mit dem er wahrscheinlich eine unterirdische Verbindung hat. Der Berg besteht aus rothem Granit, wovon größere Stücke auf den Abhängen des Berges umher zerstreut liegen. Die Gipfel des Berges und die Klüfte sind mit Birken, Zwergkirschen oder Beinholz(Lonicera tatarica), und rothen Johannisbeersträu— chen(Ribes rubrum) bewachsen, auf denen sich genug Beeren erhalten hatten, ungeachtet der herbstlichen Jahrszeit. Nicht nur der Geschmack der Beeren war uns angenehm, sondern auch der Anbau dieses Erzeugnisses der Natur, das sich überall in den Gärten unsers Vaterlandes findet. Als wir auf den Berg hinaufkamen, holten wir den kleinen Fuhr— wagen ein, worauf der Bitcheschi und Boschko fuhren; aber sie ließen uns bald hinter sich und eilten vorwärts. So — 59— lange bis wir auf das Gebirge hinaufgekommen waren, trennte sich Idam auch nicht einen Schritt weit von uns. Ganz oben auf dem Gipfel desselben ist aus Stein ein ungeheurer Obs aufgethürmt. Von da an gingen wir auf einem steilen Abhange hinab in den Hohlweg des Tumu— kei, der an den Fluß Chara anstößt. Wie nahe ist die Aehnlichkeit zwischen den Ebenen, die an die Flüsse Iro, Schara, Chara stoßen! Eingeengt zwischen zwey Gebirgen lehnen sie sich alle an die rechten Ufer der Flüsse. Auf der letzten darunter wächst hohes und dichtes Gras. Wir fuhren 3 Werste(2 oder fast 4 deutsche Meile) auf einem befahrenen Wege, und wendeten uns dann links gegen Osten. Wir kamen über eine kleine Anhöhe, dann fuhren wir 2 Verste(& deutsche Meile) in einem engen Hohlwege, wo wir zur rechten Seite hohe Berge hatten; auf der linken hingen, fast gerade über unserm Kopfe, über uns ungeheure Steine. Die mongolischen Führer reisten mit dem Vortrab unseres Gepäckes ab; und wir blieben allein, in völliger Unwissenheit, wo wir zugehen sollten. Nur das von den Kameelen niedergetretene Gras zeigte uns den Weg. Durch einen engen Pfad gelangten wir mit großer Mühe auf eine Anhöhe, die eine Scheidung in dem Gebirge Scharä Ku— tül macht. Dort befindet sich ein kleines Gehölz von Bir— ken und Espen; auch viel rothe Johannisbeeren. Von dieser Höhe erblickte man nach Osten zu eine unübersehbare Fläche, mit wilden nackten Bergen angefüllt; die spitzigen Gipfel derselben, gleich dem wogenden Meere, zeigten sich schichten— weise in bläulicher Farbe. Auf eben diesem engen Pfade gingen wir auf einem gefährlichen Abhange südöstlich in einen Hohlweg hinab, legten darin 5 Werste(5 oder fast à deutsche Meile) zurück, gingen dann die übrige Strecke durch eine torfige Aue an der Chara, die an dieser Stelle viele kleine —*—ů— 5 Arme und Inseln hatte. Gerade der Station gegenüber gin— gen wir nach der Anweisung von Mongolen, die uns entge— gen gereist waren, durch einen Furth auf das linke Ufer des Flusses hinüber. Die Station ist auf einer Wiese nicht weit von einem Berge angelegt, der gegen Südwesten liegt und Kuku⸗-Golu(der blaue Stein) heißt. Der Fluß Char ä(der schwarze) ist weit größer als die Schara; das Wasser darin ist von etwas dunkler Farbe, die von dem steinigen Boden und der großen Tiefe herkommt. Er fließt von Osten nach Westen in einer breiten Aue, die Ueberfluß an trefflichem Grase hat; an seinen Ufern erheben sich Berge. Die Cha rä fällt ebenfalls in den Fluß Orchon. Hier bemerkt man wenig Nomaden, und wegen des regnichten Wetters kamen nicht viele Besucher zu uns. Am Abend er— schienen nur, ihrer Pflicht gemäß, der Dsangin und Kundui der Station, in rothem Kleide mit gelben Knopflöchern. Mäntel mit Aermeln sind bey den Mongolen sehr in Ge— brauch. Wenn ein Mongole von Hause irgend wohin reist, und besonders in Dienstangelegenheiten, so hat er stets, so hei— ter auch das Wetter immer seyn mag, und wenn auch die Ent— fernung seines Reiseziels nicht mehr als eine Station beträgt, einen Mantel an seinem Sattel angebunden, so wie bey un— sern Cavalleristen. 9. Sept.(21. Sept. N. St.) Rasttag. Die ganze Nacht regnete es. Der Tag war herbstlich feucht und trübe. Außer den vier Jurten, waren wir noch zum ersten Mahle genöthigt, unsere Zelte aufzuschlagen, zum Schutze der Packe gegen die Benetzung vom Regen. Der Vorsteher der Mission, zugleich mit mir, so wie auch der Wagenmeister und der Dolmetscher, machten am Morgen einen Gegenbesuch bey dem Bitcheschi, Boschko und Tußulachtschi. Der letztere saß in der Mitte der Mongo— f ben er s gang — 5 len, wie ein Vater unter seiner Familie. Ein Knabe von 7 Jahren, der Sohn des hiesigen Dsangin, las das mon— golische Alphabet. Da ich erfuhr, daß an diesem Tage die Chineser die Hälfte des mittlern Herbstmonds feyerten, sandte ich, nach meiner Zurückkunft, ihnen und dem Tußulachtschi Getränke und getrocknete Früchte. Nach Mittage gingen wir an einen nah gelegenen Mo— rast, um wilde Enten zu schießen. Darnach fingen wir mit einem aus Kiachta mitgenommenen Netze Fische, deren es hier sehr viel giebt. Diese den Mongolen fremde Beschäfti— gung zog nicht wenig Zuschauer herbey. Unsre Bemühun— gen wurden mit einer ziemlich guten Beute belohnt. Aber der Tußulachtschi Idam, als ein eifriger Verehrer der Lehre von der Seelenwanderung, kam zu uns mit seinem Neffen geritten, und bat uns inständigst, alle unsre gefangenen Fische wieder ins Wasser zu werfen; und wir thaten ihm hierin auch völlig seinen Willen. Zur Erklärung dieses Vorfalls müssen wir sagen, daß die Sittenlehre des Schigemuni zehn schwere Sünden oder schwarze Thaten, aufstellt, mit folgender Eintheilung: a) fleischliche Sünden: Todtschlag, Plünderung, Unzucht; p) wörtliche: Lügen, Verleumdung, unsittliche Reden, Dro— hungen, endlich c) geistliche: Rache, Neid und Abwei— chung von den Regeln Glaubens. Alles diesem Entgegen— gesetzte macht gleichermaßen zehn sehr wichtige gute, oder weiße Thaten aus. Die Tödtung nicht nur seines Glei— chen, sondern auch, nach dem allgemeinen Begriffe von der Seelenwanderung, sogar der allergeringsten Insekten, wird für Sünde gehalten. Kein Lama, kein frommer Mongole, ent— schließt sich selbst ein lebendes Wesen zu ködten; obgleich das von andern abgeschlachtete zur Speise zu gebrauchen erlaubt ist, wahrscheinlich in Erwägung dessen, daß die Steppen, ————— 5 die zum Ackerbau untauglich sind, zur Nahrung der Einwoh— ner nichts darbieten als Fleisch. Hingegen erkennt es jeder für seine Pflicht, vom Tode nicht nur einen Menschen, son— dern selbst eine Fliege, einen Schmetterling u. s. w. zu ret— ten. Das sind die Ursachen, welche die Mongolen zur Scho— nung der Vögel, der Fische bewegen. Ein gottesfürchtiger Verehrer des Schigemuni schenkt ihnen die Freyheit bey jeder bequemen Gelegenheit, wenn ihm auch dieses einige Kosten verursachen sollte. Die Richtigkeit dessen wird durch ein Beyspiel bestätigt, daß sich vor hundert Jahren ereignete, und das Bel*) in seiner Reise nach China erwähnt. Als ich, sagt er(in Selenginsk, einer Stadt in der irkuts— kischen Statthalterschaft, nicht weit von der chinesischen Gränze), am Ufer der Selenga spazieren ging, erblickte ich unter einigen Knaben, die Fische fingen, einen sehr alten Mann, dessen Ansehen und Kleidung mich in Verwunderung setzte. Er kaufte alle gefangene Fische zusammen und warf sie mit ernster Miene, einen nach dem andern, in's Wasser. Ich bemühte mich, mit ihm ein Gespräch anzu— knüpfen; aber er war so beschäftigt, daß er gar keine Auf— merksamkeit meinen Worten schenkte. Sogleich erkannte ich, an seiner Kleidung und an dem safrangelben Streifen an seiner Stirne, daß dieses ein indischer Bramine sey. Er war in diese Gegend gekommen, einem Gelübde zufolge, mit einigen sei— ner Landsleute, zur Verehrung des Kutuchta. Der siebzig— jährige Bramine schien außerordentlich zufrieden, daß er diesen Fischen die Freyheit wieder geben konnte. Da er etwas russisch und portugiesisch(unwahrscheinlich!)**) ver- *) Ebendas. S. 13. A. d. V. *) Der Verfasser findet es unwahrscheinlich, daß der indische Bra— mine sollte portugiesisch verstanden haben. Aber da die Portu— 5 stand, sagte er mir nachher, daß er dieses nach den Vor— schriften seiner Religion gethan habe: es könnten vielleicht die Seelen seiner Freunde und Verwandten in die Körper der Fische gewandert seyn; und deswegen hielt er es für seine Pflicht, sie vom Tode zu retten, um destomehr, da ihre Religion nicht erlaube, irgend ein lebendes Wesen zu tödten, noch auch ihr Fleisch zu essen. Sie nähren sich nur allein von Pflanzenspeisen. Wir mußten über Bäche und Morast zurückkehren; weswegen mir der Tußulachtschi sein Pferd anbot, um bis zur Station anderthalb Werste(2 deutsche Meile) zu reiten. Sein Sattel, in dem Gebiete der Solonen(an den Ufern des Amur) gemacht, auf den er sehr eitel war, schien mir gewaltig unbequem; denn bey den Mongolen, so wie auch bey den Chinesern, sind die Steigbügelriemen so kurz, daß es einem Europäer nicht möglich ist, sich darin zu erhalten. Die Stations-Pferde sind hier groß und sehr wohlbeleibt. Bey unsrer Rückkehr sahen wir eine Frau, welche Stuten gemolken hatte. Die Mongolen trinken, so wie unsre Baschkiren und Kalmüken, Stutenmilch, und einige melken auch Kameelstuten, welches auch bey den Kirgisen gewöhn— lich ist. Bergmann merkt dabey an, daß der unmäßige Gebrauch der Stutenmilch Schmerzen in den Augen ver— ursacht.) Gegen Abend versammelten sich einige Mongolen, wel— che die Gesänge der Kasaken hörten, in unserm Lager. Selbst unsre Führer hörten lange zu, und man merkte, daß giesen doch einige Colonien in Indien besitzen, konnte der Bra⸗ mine wohl durch Umgang mit ihnen etwas von ihrer Sprache gelernt haben. A. d. U. ) Nomad. Streif. unter den Kalmüken 1. 521. A. d. V. a 1 die russische Melodie ihrem Ohre nicht zuwider war. Der Boschko, der indessen in der Jurte des Pat. Archimandriten saß, lernte einige russische Wörter auswendig, z. B. Baran (Widder, Hammel), Owza(Schaf), Kon'(Roß), Wodka (Brantwein), rumka(Weinglas) u. s. w. Solche Worte wie Werblud'(Kameel) u. d. gl. konnte er, wegen der schweren nach einander folgenden Mitlauter, durchaus nicht aussprechen. Uebrigens ist es durch Erfahrung bewährt, daß die Manshuren und die Nachkommen der Mongolen, die sich mit den Manshuren bey der Eroberung von China vereinigt haben, weit mehr Geschicklichkeit zum Aussprechen russischer Worte besitzen, als die Chineser. Zum Beweise davon kann die verdorbene und gemischte Mundart dienen, in welcher die Schaansier(Handelsleute aus der chinesischen Statthalterschaft Schaansi) in Kiachta mit unsern Kaufleu— ten, die niemahls chinesisch lernen, wichtige Handelsgeschäfte machen. Z. B. loschad'(das Pferd) nennen sie lo schka; ziehen in Ein Wort zusammen sameßäs(für: sa meßäz, auf einen Monat); sie sprechen Fetel statt Fedor(Theo— dor), und tuazeti päti monißa statt: dwadzat' pät' monet(fünf und zwanzig Kopeiken). Die chinesi— schen Kaufleute haben sogar große Wörterbücher in dieser unverständlichen Mundart abgefaßt. Am Abend besuchte uns ein Lama, der sehr lang von Person war und stotterte. Mit großer Neugierde betrachtete er uns und unsere Sachen. Unter andern sagte er, daß durch das schlechte Futter im J. 1819. und die Härte des ver— gangenen Winters, ein so großes Viehsterben bey ihnen im Frühjahr dieses Jahrs 1820. gewesen sey, daß manchen Landwirthen von 200 Stück Vieh kaum fünf übrig blie— ben. Daher haben die Einwohner jetzt viele Noth in Rück— sicht ihres Unterhaltes. Wenn in den Heerden viele Kühe und Schafe sind, so nähren sich die Mongolen von dem Fleische derselben; im entgegengesetzten Falle begnügen sie sich mit Milch und getrocknetem Käse(bißaläk und churüt); zum Theil gebrauchen sie auch(Hirsen-) Weizen Schar buda. Zut Vertreibung der Beschwerden dieses Lebens bereiten und trinken sie, nur in der Sommerzeit, eine besondere Art Brantwein aus Milch. Sie klagen selbst, daß sie im Winter in ihren Jurten viel von der Kalte leiden; die kleinen Kinder müs— sen sie in Schlafpelze und Felle wilder Thiere einwickeln. Aus Schafwolle walken sie Filze, zum häuslichen Gebrauche. Aus Pferdehaaren machen sie Seile. Deswegen scheren sie den Füllen im ersten Jahre die Mähne ab, und überdieß schneiden sie dieselbe alle Jahre im Frühlinge ihren Pferden ab, Hengste und Stuten ausgenommen. Ein wohlgebautes Pferd, das einen stolzen Hals hat, erhält durch die abge— schorene Mähne ein trotziges, ziemlich hübsches Ansehen. Handwerke und Fabriken haben die hiesigen Mongolen gar nicht. Zwar giebt es bey ihnen Schmiede, sie sind aber sehr ungeschickt. Bauholz verschaffen sich die Bewohner der Ufer der Schara von dem Gebirge Tumukéi und Mangatäi. Die hiesigen Einwohner sind nicht sehr wohlhabend. Am Morgen kam zu uns ein Bettler von ungefähr 20 Jah— ren; wir gaben ihm Brod und ein Stück Backsteinthee. Der Arme hatte sich auch an den Bitcheschi gewendet; aber sie schickten ihn dort mit Stößen fort. Bey der unge— wöhnlichen Kälte der Chineser muß man das nämliche auch von den Manshuren verstehen, wir bemerkten in ihrem Um— gange mit den Mongolen einen übermäßigen Stolz. Den 10. Sept.(22. Sept. N. St.) um 9 Uhr ging das Gepäck ab; ein krankes Kameel wurde zur Aufbewah— I. Band. 5 1 rung zurückgelassen. Den ganzen Morgen blies ein durch— dringender Nordwind, und am Tage war es trübe. Auf dem rechten Ufer des Flusses Chara ließen wir das Gebirge Mangatai zurück; östlich davon erhebt sich in weiter Entfernung abgesondert der Berg Dülosch ei. Sein Gipfel hat, gleich dem Montblanc in Savoien, die Gestalt eines Maulwurfshaufens oder Kameelbuckels; wahrhaftig eine Vergleichung der Steppen würdig! Noch weiter gegen Osten war der Möndal sichtbar, der höchste von allen, die wir gesehen hatten, und der dem Berge Mogéitu(Schlan— genberg) sehr ähnlich ist, welcher auf dem rechten Ufer un— 12 1 oberhalb der kudarischen Festung liegt. Wer je in Kudara war, wird gewiß nicht versäumt haben, den Mogoitu und die benachbarten burätischen Götzentempel zu besuchen; von dort herab bieten sich dem Blicke weit aus— gedehnte, majestätische und liebliche Aussichten dar. Eine Werste( deutsche Meile) weit fuhren wir von ——„ VB der Station weg am Fuße eines gegen Westen liegenden Berges; darauf wendeten wir uns rechts gegen Süden, berhalb am Flüßchen Bors, das in die Chara von der linken Seite fällt, neben unserm ehemaligen Nachtlager. Das Flüßchen Bors fließt auf einer Ebene von Süden nach Norden, in scharfabgeschnittenen Krümmungen, seine Ufer sind mit fettem Grase bedeckt. Auf der Aue und auf den benachbarten Abhängen sahen wir viele Jurten und Vieh. Die Gattungen von Getreide, dessen sie hier genug aussäen, bestehen in Hirse, Gerste und Weizen; den letztern hatte ein frühzeitiger Frost beschädigt. Den Hirse und das andere Getreide reißen sie hier, wenn es reif ist, mit der Wurzel aus, andere aber hauen es; sie dreschen mit Pferden, die sie auf die Garben treten lassen. Im Allgemeinen ist das von dem Flüßchen Borsô bewässerte Thal, sehr geeig— — 67—3 net zum Ackerbau, den Boden macht Sand ohne Beymi— schung großer Steine aus. Am User, nahe bey dem Acker- felde, gingen Heerden gar nicht scheuer Kraniche herum; und auf dem Flusse schwammen in ganzen Zügen wilde Enten, unter welche man ohne Mühe schießen konnte. Der Don— ner des Feuergewehrs zog neugierige Mongolen zu uns herbey, denen Bogen und Pfeile, die jetzt nur mit dem Blute wilder Thiere geröthet werden, mehr bekannt waren. In diesem Thale, das gegen Süden eine Länge von ungefähr 15 Werste(27 deutsche Meile) hat, begegneten wir unaufhörlich Haufen von Mongolen, die von der Ver— ehrung des Kutuchta-Gegen zurückkehrten. Dieser oberste siebenjährige Stellvertreter des Propheten Schigemuni, hat, durch seine vor kurzem erfolgte Erscheinung in Urga, eine gewaltige Bewegung bey den in ihrem Glauben eifrigen chalchassischen Mongolen erregt. Greise und Kinder, Män— ner und Weiber, in reicher Kleidung, mit Zobelmützen, auf ihren besten Pferden und Kameelen, strömten in großen Haufen einher; die einen eilten zu dem Kutuchta, die an— dern reisten wieder in ihre Nomadenwohnungen zurück, belebt durch die Anschauung des Angesichts des wundervollen Propheten, und seinen Segen mit sich nach Hause tragend. Da wir auf einem glatten, geraden Wege von der Chara an 15 Werste(27 deutsche Meile) zurückgelegt hat— ten, entkamen wir dem Thale Dsun Modo(hundert Bäume), auf dem rechten Ufer des Flusses Boro, wo unsre Missionen 1794. und 1807. am Fuße des Berges Non(der Herr), aufgehalten worden waren. Wir dräng— ten uns noch etwa 3 Werste(8 oder 2 deutsche Meile) vorwärts und kamen dann auf den großen Hügel M änitu (platz der Gebete) hinauf; dort steht ein Obo. Zur Rech⸗ ten westlich liegt der Berg Bain Dshiruché(das reiche 0 e. 8 3 Herz), und zur Linken jenseits des Fl. Borö zeigt sich in bläulichem Dufte das hohe Gebirge Noin. Auf der südlichen Seite des Hügel stießen wir auf eine große Karawane von Verehrern des Kutuchta. Einige von ihnen waren sogar nach Tibet gereist zum Empfang ihres Phönix— des wieder— gebornen Kutuchta-Gegen; sie hatten diesen jungen Priester mit seinem ganzen Gefolge auf ihren eignen Kameelen über— geführt. Die Chalchassen, von frommen Eifer getrieben ver— sammelten ihrer mehr als tausend; das abgemagerte Vieh war ein Beweis der Entfernung und Beschwerlichkeit ihrer vollendeten Reise. Besondere Aufmerksamkeit zog in dieser Karawane ein Kameel auf sich— weiß, wie der Schnee, und an Größe alle die, welche wir bis dahin gesehen hatten, übertreffend. Die Mongolen kennen die Russen, wissen auch, 1 viele der Unsern ihre N reden, und darum über— häuften sie uns von allen Seiten mit den lauten Wünschen von löse und 1 heit: Mendü! Amur! Von dem erwähnten dg herab gingen wir ungefähr 4 Werste( oder 2 deutsche Meile) auf einem abhängigen Wege. Nicht weit von der Station begegnete mir der Kun— dui, abgeschickt von dem 1 um sich nach meiner Gesundheit zu erkundigen; darauf sprengte er zu dem Pater Archimandriten, der mit den Uebrigen hinter dem Gepäcke herfuhr, um ihm dieselbe Höflichkeit zu erweisen. Einige von den Mitgliedern der Mission, als der Hierodiakon und ie Studenten, zogen es nicht selten vor, zu reiten. Ueber Fluß Bors gingen wir um 34 Uhr Nachmittags, er Station Chorimtu gegenüber, die auf dem rechten Ufer, am Fluße des Noin angelegt ist. Wir legten diesen Tag 23 Werste(35 oder 31 deutsche Meile) zurück. Südwestlich von unsern Jurten liegt ein Berg, in Ge— stalt eines ungeheuern Erdwalles, oben sich in eine Stein— d N 5 klippe endend, welche Chorimtu(Ort der Schmauserehen) heißt; rechts gegen Westen enthüllt sich ein Thal, durch welches — der Fl. Bors aus einem See desselben Nahmens fließt; * etwas zur Linken der Berg Ugemül, auf dem ein Obo steht. Bey der Ankunft auf der Station hatten einige Mit— glieder der Mission die warme Abend- Witterung benutzt, um einen Spaziergang in die nahen Wdungen des Noin zu machen. Der Tußulachtschi schickte sogleich seinen Diener zu mir, und bald kam er auch selbst mit der Bitte, die Mis— sionare von ihrem Vorsatze abzuhalten; denn in denselben Walde waren, nach seinen Worten, viele Bären, welche leicht die Besuchenden, die nichts zu ihrer. bey sich hatten, zerreißen konnten. Es wurd e ein Kasak abge⸗ schickt, um den schon Fortgewanderten dieses zu berichten, und sie kehrten ohne Säumen zurück. Aus den Reden des Die⸗ ners des Tußulachtschi erfuhren wir nachher, 85 der Wald des noin'schen Gebirges ein verbotener Ort ist. Dort kom— men die mongolischen Gränz-Befehlshaber, der Dsunwan und Amban mit ihrem Gefolge aus Urga hin, und vergnü⸗ gen sich an dem Fange wilder Thiere. In dem einen Herbste beschäftigen sie sich mit der Jagd am Borô und in dem andern auf den Bergen jenseit Kuren oder Urga. Die in diesen Gegenden nomadisirenden Mongolen sind verpflichtet darauf zu sehen, daß niemand wilde Thiere darin fange, ja sogar, daß niemand es wage, auch nur mit einem Fuße diese dunkeln Vergnügungsörter ihrer Großen zu be— treten. In dem Herbste des vergangenen Jahres war keine Jagd am Bor“, so wie auch an den übrigen Orten; denn ganz Chalcha erwartete mit andachtsvoller Ungeduld die beglücken Zeit, wenn es der Kutuchta mit seiner Ankunft der Ja gd bey würde. Jetzt ist der Wan entschlossen, sich mit Urga zu beschäftigen. —— ä 4—— 70 Der Bögdo— so nennen die Mongolen den chinesischen Kaiser— sendet, wenn er aus Pekin auf die Jagd sich nach dem Sommerhof Sheché(jenseits der großen Mauer, in dem südöstlichen Theile der Mongoley) an alle apanagirten Fürsten der Mongoley Befehle; den einen, daß sie sich mit der Jagd in ihren Gebieten beschäftigen; den andern, daß sie zu diesem Zwecke in Shech“ sich einfinden sollen. Die beste oder seltenste Beute, sie sey wovon sie wolle, besonders wilde Schweine, werden seiner Majestät zum Geschenke dargebracht. Man sagt, daß zu der Jagd des Wan bis 500 Mann der besten Reiter und Schützen aus dem chal— chassischen Aimak abgeordnet werden. Sie treiben das Wild auf einen Haufen zusammen. Nur allein der Wan, der Amban und die manshurischen Beamten ihres Gefolges schießen in diese versammelte Heerde des Wildes. Kein ein— ziger von den Mongolen darf, bey schwerer Strafe, einen Pfeil dahin abschießen; sie können bloß diejenigen Thiere, welche aus dem Kreise hervorbrechen, schlagen indem sie sie verfolgen: so beliebt es den Asiaten! Die hiesige Gegend dient zum Orte des Hauptaufenthalts und der Siegesschmäuse dieser stolzerhabenen Jäger. Am Abend war der Boschko bey dem Pat. Archiman— driten und fragte unter andern, ob es in Rußland Man— darinen*) gebe;— welchen Rang der Aufseher(Pristaw) der Mission in Vergleichung mit dem Range des Bitcheschi habe, und in welcher Art Dienst er sich befinde, im Civil— — ) Mandarin ist ein portugiesisches Wort, und kommt her von dem lateinischen Zeitworte mandare befehlen. Die Chineser gebrauchen diese Benennung gar nicht. Ein Staatsbeamter heißt, in ihrer Sprache— Huan, ein Großer oder Minister— Döłshin oder Oshüntau. A. d. V. * 71 oder Militärdienste u. s. w. Er war sehr betrübt darüber, daß gestern(nach chinesischem Kalender die Hälfte des Yten Monats) in der Nacht der Mond in dichten Wolken schwamm: ein unheilbringendes Vorzeichen für einen abergläubigen Chineser! Den 11. 19 0 ü Sept. N. St.) Das Gepäck ging um 8 Uhr des Morgens ab. Zuerst fuhren wir westlich fast eine Werste weit, bey dem Berge Ugemül vorbey, dann wendeten wir uns süd⸗ lich und setzten unsern Weg in dem Thale Arangata unge— fähr 5 Werste(I oder 4 deutsche Meile) fort. Auf den Gipfel dieser Kluft, jagen sie größtentheils dem Wan das Wild, aus den Waldungen des Noin, zum Schießen zu. Der jetzige Jun-Wan reitet auf die Jagd; hingegen der Amban geht, wegen seiner schwachen Gesundheit, zu Fuße, und dieses nur auf kurze Zeit. Bald kamen wir auf den Berg Gurändsatä(Hurän⸗ dsatä)(Wetzstein- oder Schikferberg); wirklich sieht man auch, sogar auf der Oberfläche des sselben, Lagen von Schie— fer. Von diesem Gebirge ritten wir, auf einem steilen Ab— hange in einer tiefen und engen Bergschlucht, G udshiktü oder Hudshiktu,(die abschüssige Erhebung) auf Sibi— risch: Tänigüß hinab. Auf den Bergen, beschatten, wachsen auf der linken Seite wilde Pfirsich— bäume, und auf der rechten Birkenwälder. In diesem Thale Meile), und die das Thal fuhren wir etwa 6 Werste(fast 1 deutsche nach und nach kamen wir auf den Berg hinan, und 1 it o It. 15 92 — gen dann die Höhe, die aus nacktem Stein be großer Mühe stiegen die Kameele zu dem Bergstrome Ssußuktu hinab, an dessen Ufer einige Jurten standen. Von der Station Chorimtu bis an diesen man 15 Werste(uber 2 deutsche Meilen) annehmen. Bach kann Wir verließen den geraden Weg über das Gebirge Chußustu (das Birkengebirge), weil es so außerordentlich steil war, und fuhren auf 3 Werste(J oder deutsche Meile), unten am Bache etwa 5 Werste(§ oder 3 deutsche Meile). Da wir über den sehr schlammigen Bach gegangen waren, wendeten wir uns in derselben Bergschlucht wieder südlich, und brach— ten lange zu, ehe wir auf den großen, aber zum Theil ab— schüssigen Berg Naraßotu(Fichtenberg) hinauf kamen. Auf dessen Gipfel steht eine große Fichte, die sichtbar von den Mongolen sehr hoch geachtet wird; sie ist ganz mit Läppchen von Leinwand, Rosenkränzen(Paternostern) und ähnlichen Opfern behängt. Zur Rechten, am Abhange des Berges, wachsen kleine Birken, und zur Linken ragt pyra— midenförmiges wildes Gestein empor. Auf diesem Berge vereinigen sich die Wege aus den nördlichen Nomadenplätzen in einen einzigen, der nach Urga führt. Von dem Berge fuhren wir, während Regen in gro— ßen Tropfen fiel, auf einem abschüssigen Abhange etwa 4 Werste(über 2 deutsche Meile) bey kleinen Landseen vor— über; dann ungefähr eine Werste auf einem ebenen Wege bis zur Station Chunzal, so nach dem Nahmen eines Baches genannt, der das Thal durchschneidet. Wir kamen an dem Orte Nachmittags um 3 uhr an, nachdem wir in al— lem 25 Werste(32 deutsche Meile) zurückgelegt hatten. Die Station ist rechts vom Wege angelegt, in einem morasti— gen Thale, umringt von Bergen, von welchen einige mit Birkenwäldern bedeckt sind; einer davon, der abgesondert ge⸗ gen Osten liegt und sehr spitzig ist, hat auf seinem Gipfel einen Obo. Das Thal dehnte sich von Norden nach Sü— — den; auf den fetten Weiden desselben gingen viele Schafe und Büffel. Vor diesen letztern, wegen ihres ungewöhn— 6 * lichen Ansehens und ihres schwarzen zottigen Haares, scheu⸗ ten sich unsre Pferde sehr. Auch diesen Tag begegneten uns unaufhörlich Mongo— len, die aus Urga zurückkehrten. Ein hundertjähriger La— ma, der vor Entkräftung kaum noch auf dem Pferde sitzen konnte, und von zwey dienstfertigen Frommen unterstützt wurde, begrüßte uns höflich. Er hielt mich und die Ka— sakenoffizier für Schüler und wünschte uns gute Fortschritte in den Wissenschaften, wenn wir in Pekin seyn würden. Bey vielen Lama's ist das Obertheil der Mütze mit Schaf— fell bedeckt, dessen lange Wolle, nach tibetischem Geschmacke mit gelber Farbe gefärbt, ihrem Aeußern etwas gewisses besonders Herporstechendes giebt. Auf dem Wege zog mit uns unter andern eine zahlreiche Familie von den Ufern des Flusses Iro, aus der Zahl der Unterthanen des Amban Béiße ler geleitete die russische Gesandtschaft 1805. und 1806.), einem Fürsten des ten Grades, der in Staatsdien— sten in der Stadt Ulaßutu, westlich von dem Flusse Se— lenga, wohnte. Die Männer, Lama's sowohl als weltli— liche, eben so auch die Frauenzimmer und Kinder, alle rit— ten auf Pferden. Auf einem Kameele führten sie zwey Kna— ben von etwa sieben Jahren(von Einem Alter mit dem neuen Kutuchta), zur Einweihung in den geistlichen Stand. Die Mongolen halten es für eine unerläßliche Pflicht, aus ihrer Familie wenigstens Einen Sohn in diesem Stande zu haben; diese Wirkung der Frömmigkeit hat diese Gegend mit einer großen Menge Lama's angefüllt. Dieselben heroischen Mongolen trieben, zum Opfer für den Kutuchta-Gegen, eine Heerde Pferde, bestehend aus einem Hengste, 10 Stuten, 6 Füllen und 3 Wallachen; einige darunter waren sehr an— sehnlich und behend. Auf meine Frage nach dem Preise eines dieser Pferde, sagte ein Mongole: 60 Backsteine Thee, — 74 welche nach hiesigem Gewicht 12 Lana, nach unserm Gelde 24 Silberrubel ungefähr, oder 100 Rubel in Kupfer kosten; ein Preis, der in Betracht der Güte des Pferdes, eben nicht hoch war. um 6 Uhr des Abends ging bey unserm Lager eine chinesische Ladung mit Waaren aus dem urgaischen Mai— matschen nach Kiachta(auf chinesisch tschägta) auf 100 Wagen, an deren jeden ein Ochse gespannt war. Nicht weit von uns hielten zum Nachtlager chinesische einspännige Wagen mit Bauholz von den Ufern des Orchon, das größtentheils in fichtenen Balken, ungefähr 4 Arschinen) und drüber lang, und von verschiedener Dicke, bestand; sie führten dieses nach Chalgän. Der holzarme Norden von China bedarf dieses Material höchst nöthig, welches dort auch nach dem Gewicht verkauft wird. Jeder mag von dem Preise eines Holzes urtheilen, das über 1000 Werste(141 deutsche Meilen), zu Lande und auf einem höchst uh lichen Wege herbeygeführt wird. Der nördliche Theil der Mongoley, besonders des chalchassischen Fürstenthums, in welchem die Flüsse ihren Ursprung nehmen, die dann Ruß— lands Erbe ausmachen, ist das reiche Vorrathshaus an Vieh und andern Naturerzeugnissen, die dem chinesischen Haushalt unentbehrlich sind. Die Wendung dieses Vorraths gegen Nor— den kann eben so vortheilhaft für den einen Theil, als lästig für den andern seyn. 12. Sept.(24. Sept. N. St.) In der Nacht war ein Frost von 4 Graden nach Reaumür, und am Morgen ein starker Reif. Die mongolischen Wachen reiten bey un— serm Gepäck nur bis Mitternacht herum, dann steigen sie von den Pferden und schlafen ruhig ein. *) S. Anm. S. 17. A. d. U. 33 Diese Station wird von einem Chotun oder einer Ab— theilung dienender' Mongolen, und nicht Shabinen, unter— halten. Der Dargui und Chalgatschi, die sehr dienstfertig gegen uns waren, waren schon gestern nach der folgenden Station ihres Gebiets abgegangen. Hier war in allem nicht die gehörige Ordnung: man gab uns feuchtes Brenn— holz, unsre Pferde wurden langsam von den Mongolen ein— gefangen, und dieses war ihnen nur deswegen überlassen weil in unsrer Roßheerde an guten Fangepferden Man— gel war; so nennen sie diejenigen Pferde, auf welche sich ein Mann mit einer Schlinge setzt, um die andern ein— zufangen. Nach 7 Uhr des Morgens verließen wir den Ort un— sers Nachtlagers. Ungefähr um 9 Uhr verschwand der Reif und es ward sehr warm. Nach Zurücklegung von etwa 5 Wersten(& oder etwa 2 deutsche Meile) kamen wir auf einen eben nicht hohen Zweig des Gebirges Chunzäl hinan; dann gingen wir un— gefähr 2 Werste(5 deutsche Meile) in einem Hohlwege, aus welchem wir, zur Linken gegen Westen, zwey Landseen er— blickten. Jenseit des zweyten, ziemlich steilen Zweiges des— selben Gebirges, lagen uns zur Rechten einige kleine Land— seen, neben welchen armselige Jurten standen. Weiter vom Wege entfernt, gegen Westen, sah man eine Kette hoher Berge, mit Birken- und Fichtenwäldern bedeckt; auch diese Bergkette gehörte zu den verbotenen Plätzen. Dieses Gebirge heißt Gurbän(Hurban) Urtu Nira(die drey langen Berg— ketten), und erhielt diesen Nahmen von den drey vorzüg— lichsten Schluchten darin, in welche sie das Wild treiben, wenn der Wan von Urga auf die Jagd geht. Alle nahge— legene waldige Berge werden für solche Ergötzungen des allgewaltigen General-Gouverneurs in dem chalchassischen 5—— Fürstenthume aufgespart. Aus dem gedachten Gebirge fließt das Flüßchen Burgultäi hervor, das seine Richtung von Westen nach Osten nimmt, und, nach seiner Vereini— gung mit dem Flusse Kui, von der linken Seite in den Fl. Chara fällt. Der Burgultai fließt am Fuße eines Gebirges vorbey, das auf seinem rechten Ufer liegt und un— ter demselben Nahmen bekannt ist. Auf der Aue standen viele Jurten, wanderten große Heerden Schafe und Horn— vieh. Wir sahen hier bey den Einwohnern auch Ziegen; aber diese letztern sind mehr ein Besitzthum der Unbe— mittelten. Ungefähr 5 Werste(I oder 4 deutsche Meile) gingen wir auf einem unebenen Wege über zerbrochene Steine; dann gingen wir über den dritten und letzten Zweig des Chunzal, kamen dann auf die steinige Ebene am Burgul— tai herab, auf welcher der Weg 7 Werste(1 deutsche Meile) weit bis an die Station selbst geht, die am Flüßchen Bur— gultai, in einem geräumigen sehr ebenen, von den na— rin'schen Höhen umringten Thale angelegt ist. Eine Werste noch von der Station entfernt kamen uns der Dargui und Chalgatschi entgegen; sie zeigten uns einen Furth, wo man am bequemsten durch den Bu rgultai setzen könnte. Auf der Station kam die Mission halb ein Uhr Nachmittags an, nachdem sie diesen Tag 20 russische Werste (29 oder fast 3 deutsche Meilen) zurückgelegt hatte, welches 40 mongolische Gasar(oder Hasär d. i. Laufbahnen) aus— macht, und fast eben so viel chinesische Li, deren jedes nach der Versicherung von Leuten, die es wissen, 285 russische Klaf— tern enthält, folglich 35 Klaftern mehr als unsre halbe Werste. Ich bekenne, ich habe diese Länge nicht abgemessen; denn ich sah deutlich, daß die praktischen Versuche der Geo— 7— metrie, für einen Fremden, in China eine sehr schwere, nicht zu erlaubende Sache sind. Unter andern Verehrern des Kutuchta-Gegen(Hehen) begegnete uns, auf dem halben Wege, ein bekannter Lama vom Flusse Ibizüch, von dem oben gesprochen worden, und welcher schon eilte, um nach Urga, zur Verehrung des ver— götterten Knaben zu gelangen. Kaum hatte er sich uns ge— nähert, so sprang er vom Pferde, zog aus dem Busen ein Chadäk, bedeckte damit ein papiernes Kästchen mit chine— sischen Butterbrödchen,“) und überreichte mir alles dieses, indem er Glück auf der Reise, und für das ganze Leben den Segen des Gegen(Hehen) wünschte. Zur Erwiederung einer solchen Höflichkeitsbezeigung, schenkte auch ich dagegen dem höflichen Priester ein schönes Messer. Der Lama nahm dankbar diesen Beweis unsrer Aufmerksamkeit gegen ihn an, und billigte mit Entzücken unsern Entschluß, bey der Durch— reise durch Urga den Tempel des Kutuchta-Gegen(Hehen) zu besuchen. Neugierige Leser werden vielleicht fragen: was ist denn ein Chadak, den mir der Lama überreichte, für ein Ding? Ich gebe hier eine kurze Beschreibung dieses Gebrauchs der Nachfolger der Lehre des Schigemuni, wie denselben die mongolische Geistlichkeit erklart. Chadak heißt ein seidenes gelbes, öfters auch perlfarbenes Tuch, mit eben solchen Mu— stern, einen Arschin*) lang, und 5 Werschok* breit, zu— *) Oder auch geöhlte Brödchen. Denn im Russischen steht das Wort masslenüi, welches sowohl mit Butter bestri— chen als auch geöhlt bedeutet. A. d. U— . um Ss, A. d. U. ***) Ein Werschokkist zu des Arschins,(oder der Arschine, wie man gewöhnlich im Deutschen, obgleich minder richtig, sagt). A. d. I. 3 weilen mehr, zuweilen weniger. Die Mongolen hängen, nach dem Beyspiele der Tibeter, dieses vor den Götzenbildern auf, zur Verzierung, und als ein Opfer, das ihre Gebete zu dem Höchsten kräftigen soll. Die Jüngeren überreichen es den Aelteren, als eine Gabe der Achtung, der Ergebenheit, und endlich schenken auch Personen gleichen Standes und Alters einander Chadaks, um sich gegenseitig zur Freundschaft und Inbrunst zu ermuntern. Verwandte und Freunde stellen auf dem Felde, über dem Körper ihrer verstorbenen Angehörigen, einen großen Pfeil, und binden ein solches Tuch daran. Ich erinnere mich, daß ich in Kleinreußen, auf Dorfkirchhöfen flatternde Tücher an kleinen Lanzen sah, die an dem Kreuze über dem Grabe befestigt, und, wie es scheint, nur über den Gräbern von unverheirathet verstorbenen Kasaken errichtet waren. Jeder Chadak muß vorläufig von einem Lama durch Lesung festgesetzter Gebete geweihet seyn, und dann erhält er schon seine hohen Eigenschaften und Kraft. Unser Boschko— ich kann nicht von diesem unvergeß— lichen Reisegefährten schweigen— machte mir heute neue Erklärungen von der unumgänglichen Nothwendigkeit, gute Barbiermesser zu haben, ferner ein europäisches Feuerzeug, ein Tischmesser und Gabel, und besonders ein Brennglas in Silber eingefaßt, wie er bey Zach är(Sacharja Leon— tiewski), Studenten unsrer Mission, gesehen habe. Dieses letztere fand er außerordentlich brauchbar zum Anzünden der Pfeife während des Reitens. Für dieses Mal erhielt der 8 Boschko die bescheidenen Geschenke; auch etwas Schwamm und Feuersteine. Den 13. Sept.(25. Sept. N. St.) Rasttag. In der Nacht Reif. Die ganze Nacht schien der Mond hell. Am Morgen schickte der Bitcheschi zu dem Vorsteher der Mission und zu mir einen alten Nerba(Diener), um — 79— sich nach dem Befinden zu erkundigen. Dann kam mit glei— chem Auftrage von dem Tußulachtschi Chä Zebek Dordshi, dem ich, zur Belohnung seiner musterhaften Dienstfertigkeit ein Paar messingene Pistolen und ein Pfund Schießpulver schenkte. Der junge Ritter war von ganzem Herzen über die Pistolen entzückt. Um ein Uhr Nachmittags bewirthete ich mit einer Rei— semahlzeit den Bitcheschi, Boschko und Tußulachtschi; auch der P. Peter befand sich dabey. Die Führer nahmen mit Vergnügen ein solches Zeichen unsrer freundschaftlichen Ge— sinnungen auf. Die Chineser waren lustig, aber der Tußu— lachtschi war in Gedanken versunken, und hatte noch nicht das Kügelchen des Ranges an seiner Mütze; die Ursache da— von entdeckte sich in der Folge. Den ganzen Tag ging ein starker Wind aus Südwest. Für uns waren sehr alte abgenutzte Jurten ohne Thüren errichtet; die hiesigen Einwohner waren schlecht gekleidet; auch gab es viele nicht nüchterne darunter; man konnte be— merken, daß die Stadt nahe war. Gegen 8 Uhr des Abends erhob sich ein heftiger Nord— westwind, ein Vorbothe von Regenwetter. Einige aus der Zahl unsrer mongolischen Wachen sangen ihre Volkslieder. Ich rief zwey davon zu mir, bewirthete sie mit Brantwein, und die Mongolen setzten, uns zu Gefallen, ihren Gesang fort, der eine im hohen Tenor, der andere im Baß. Die Melodie aller Gesänge ist eine und dieselbe, mehr schwer— müthig, aber ziemlich wohlklingend). Das Roß, der beste *) Man sagt, daß die Gesänge der ehemaligen Sungaren auch von trauriger Art waren. Wenn sie bey stiller Nacht im Kreise saßen und anfingen zu singen, rührten sie die Zuhörer und entlockten ihnen Thränen. A. d. V. Gefährte des Steppenbewohners, spielt eine große Rolle in den Gesängen des Mongolen. „Hier zog er, auf offener Steppe, ein isabellfarbenes Roß auf, schnell gleich einem Pfeile, die Zierde zahlreicher Heerden, das Wunder des ganzen Chotuns. Ruft der Bogdo zur Jagd, so eilt Idam in die charatschinischen Wälder(nahe bey Sheche), er erlegt Ziegen und Hirsche, wilde Eber und furchtbare Panther; alle freuen sich des Rei— ters und der Schnelle des Rosses.— Und dort rüstet sich der junge Zür en zum Dienste an der russischen Gränze, zur mendsinischen Wache; er betet zu den Burchanen des Hauses, nimmt Abschied von Vater und Mutter; sein Weib sattelt mit schwerer Betrübniß das rabenschwarze Roß; der in Gedanken versunkene Reiter eilt nach dem Norden; lautlos ist die Steppe um ihn her; kaum säuselt der Wind der Wüste in den gefiederten Pfeilen; der elastische Bogen schlägt an den solon'schen Sattel; Züren reitet in einem düstern unbekannten Walde, er erblickt blaue fremde Berge. Die Freundlichkeit der benachbarten tapfern und guten Ka— saken beruhigt ihn zuweilen; aber seine Gedanken fliegen immer zu den Hügeln des Chotuns seiner Geburt empor.— Die Schatten der kriegerischen Vorfahren erscheinen in nächt— lichen Träumen dem jungen Nachkömmling, schwach an Geiste und bedrückt von fremder Gewalt. Wo ist unser Dshingis-Chan, der Gefürchtete und Weise? Die Gesänge von seinen ruhmvollen Thaten hallen traurig in den onon'- schen Felsen und an den grünen Üfern des Cherulun.— Ver reitet dort an dem glatten Ufer der Schara, leise sin— gend geliebte Worte? Wessen stürmischer Zelter(Disheor s- muri) eilt so schnell dahin? Wen sücht dieser fröhliche Batur mit den Augen, bey den weißen Jurten vorüber rei— tend? Sein Herz weiß, wer dort wohnt; bald wird er — 81 28 e in aufhören, diese Berge zu besuchen; sein feuriger Zelter wird seinem Weibe anheim fallen.— Das braune Roß, das dem 5 Wirbelwinde gleiche Roß, bereit zum Wettrennen auf dem volkreichen Obo, wiehert uud stampft mit leichtem Huf auf 4 die spitzen Steine; erzürnt benagt es den Acker unter sich. 1 Schon stürzen alle, auf das gegebene Zeichen, dem vorge— 5 steckten Ziele zu; Wolken von Staub verhüllen die Renner, 1 und das braune Roß, stets Sieger, erreicht zuerst das Ziel, 0 weit hinter sich die emsigen Mitbuhler zurücklassend“ u. s. w. 5 Das war der Inhalt der von mir gehörten mongolischen . Gesänge. 0 14. Sept.(26. Sept. N. St.) Bey Tages Anbruch 55 dichter Regen. Die Gipfel der Berge waren mit dickem 5 Nebel umhüllt. Um 7 Uhr des Morgens wurden, wegen i des Festes der Erhöhung des heil. Kreuzes, die Horä in 0 einem aufgeschlagenen t te gelesen, und gestern hielten die 1 geistlichen Mitglieder der Mission den vor jedem hohen Feste 5 gewöhnlichen 10 Gottesdienst Y). * Von der Station gingen wir um 10 Uhr ab. Zuerst 2 kamen wir durch ein ebenes Thal ungefähr eine Werste lang 1 bis an einen großen Hügel. Wir gingen über diesen und t setzten dann unsere Reise in einem Hohlwege 21 Werste 5(AX oder fast 5 deutsche Meile) weit, bis zu dem hohen, aber er abschüssigen narin'schen Berge fort. 9e Als wir auf diesen Berg hinauf kamen, trafen wir 5 viele Lama's und gemeine Mongolen an, die aus Urg a 75 zurückkehrten. Unter ihnen befand sich auch der alte Tußu— 55 lachtschi Gendün(Hendün), der einen ganzen Chotun an der c 0⸗ liche 1475*) Dieser Gottesdienst wurde von unsern Geistlichen alle Sonn— lel⸗ N und Feyertage gehalten, sowohl auf dem Hinwege nach Pekin, d et als auch auf dem Rückwege nach Rußland. A. d. N. I. Band. b .* 3—— 2 . 898 Selenga nahe an unsrer Gränze nomadisirender Mongolen beherrschte. Er war im Frühlinge dieses Jahrs in Irkutsk, unter der Zahl der Couriere des Wan, gewesen. Unter sei— ner Gewalt stehen einige Wachtposten an der Gränze Ruß— lands. Es war zu bemerken, daß Gendun(Hendun) sehr reich ist; auf einigen Kameelen führte man seine sehr rein— liche Reise-Jurte; auch führte man viele Reitpferde mit. Seine Frau saß in einer chinesischen Kalesche, an welche ein Pferd im Geschirr angespannt war; daneben ging ihr Reitpferd. Die Weibersättel sind bey den Mongolen ganz eben so, wie die, auf welchen die Männer reiten, nur statt einer ledernen Satteldecke(Kütschüm auf mongolisch), sind sie mit Teppichen von schöner Arbeit bedeckt. Nachdem wir noch 25 Werste zurückgelegt hatten, gin— gen wir über das Flüßchen Narün; dann gingen wir et— wa 2 Werste(5 oder über 4 deutsche Meile) bergan, dann auf einem abhängigen Wege etwa 4 Werste(5 oder über 2 deutsche Meile) bis zu dem Flüßchen Kui, das gegen Westen sich mit den Burgultai vereinigt. Am Narin und Kui liegen weite, fette Auen. Am Ufer des letztern ging eine Heerde Büffel, deren die hiesigen Landwirthe ge— meiniglich viele halten. Von dem Kui gingen wir etwa 6 Werste(5 deutsche Meile) an dem Fuße hoher Berge hin, oberhalb des Laufes des Baches Araschän, welcher sich von Süden nach Norden schlängelt und in den Ku i von der rechten Seite fällt. Zunehmender Regen bey Nordwinde begleitete uns lange. Dann folgte feuchtes Schneegestöber und verdarb den Weg gänzlich; es wurde sehr kothig, die Kameele glitten aus, und fielen unter ihren Lasten. Nach— dem wir mit vieler Mühe ungefähr 18 Werste(25 oder über 2 deutsche Meile) zurückgelegt hatten, kamen wir end— lich um 2 uhr Nachmittags zu der am Araschän selbst angelegten Station. Unter der Benennung Araschan ver— stehen die Mongolen gewöhnlich ein mineralisches, heilendes Wasser; aber im höhern Sinne bedeutet dieses Wort die heiligen, wundervollen Quellen des Lebenswassers, die mit süßem Gemurmel in dem schigemunischen Paradiese strö— men. Warum dieser Nahme dem Bache, an welchem wir Halt machten, gegeben wurde, ist nicht genau bekannt. Es scheint, die Nähe des Kutuchta-Gegen(Hehen) verbreitet seine Heiligkeit, in der Idee der Abergläubigen, auch auf die Gewässer der umliegenden Gegenden. Eine Stunde nach der Ankunft ging der Boschko voran nach Urga, um dem Wan und Amban die Annäherung der Mission zu melden. Vor der Abreise erschien er bey mir, um sich nach der Zahl der Pferde, und dem Zustande un— sers Gepäckes zu erkundigen. Mitglieder der Mission wa— ren 10, die Bedeckung bestand aus 33 Mann; was das Gepäck betraf, so befanden sich darin 84 Kameele, 149 Pferde und 25 Ochsen. Nach der Abreise des Boschko ließ mir der Tußulachtschi Idam durch den Dolmetscher Frolow sagen, daß er von dem Wan die Anzeige von dem am 23. Aug.(4. Sept. N. St.) im 61sten Jahre seines Alters erfolgten Ableben des chine- sischen Bogdochan Dsäzin erhalten habe. Diese Nachricht wurde von mir mit nicht geringer Bestürzung vernommen; denn der Tod des Kaisers konnte leicht die Fortsetzung unserer Reise ver— hindern. Ich benachrichtigte von diesem wichtigen Umstande sogleich den Vorsteher der Mission. Der P. Archimandrit, unter andern, erinnerte daran, daß ein chinesischer hoher Beamter), der eine Gesandtschaft aus der ehemahligen *) Das sind die eigenen Worte dieses hohen Beamten, dessen Familiennahme Bodshu war: Zu Erfüllung des Befehles 6* 2 84 8 Sungarei geleitete, als er auf der Reise die Nachricht von dem Ableben seines Kaisers Kansi(des berühmten Zeitgenos— sen Peters des Großen, Ludwigs XIV., Karls XII. u. s. w.) erhielt, so sehr davon gerührt worden war, daß er, um sei— nen Schmerz vor seinen Reisegefährten zu verbergen, sich in die Berge begab und dort einen so wichtigen Verlust beweinte, bis er von dem neuen Kaiser(Jundshen) die Ent— scheidung erhielt, seine Reise nach Pekin fortzusetzen. Wir bemerkten, daß die Mützen der chinesischen und mongo— lischen Beamten schon ohne Kügelchen und Quasten wa— ren; sogar die Diener hatten ihre Quasten abgenommen. Die Beamten müssen noch außerdem weiße Kleider anzie— hen, und ebenfalls, so wie auch das gemeine Volk, die Haare auf dem Kopfe nicht abscheren; darin besteht ihre Trauer, welche hundert Tage währt. 15. Sept.(27. Sept. N. St.) Die ganze Nacht ging ein heftiger Wind; bey Tagesanbruch Frost von 6 Grad nach Reaumür. Das Vieh zitterte von dem Regenwetter, und ich konnte mich durchaus nicht entschließen, diesen Tag des Bogdochan begab ich mich, nachdem ich jene Gesandtschaft (zu Ende 1722.) in Empfang genommen, in kurzen Tagereisen auf den Weg. Als ich hinten durch die chalchassischen Nomaden— plätze ging, hörte ich auf einmahl, daß Se. Majestät Schend— sugoshin Chuandi(Kanst) schon in die himmlischen Wohnungen hinübergegangen sey. Diese Nachricht traf mich wie ein Don— nerschlag. Ich gerieth in großes Schrecken, wußte nicht, was ich anfangen sollte; ich konnte weder Speise zu mir nehmen, noch schlafen. Am Tage forderte meine Pflicht, eine so wichtige Veränderung vor der mir anvertrauten Gesandtschaft zu verber— gen; daher machte ich auch an meiner Kleidung nicht die geringste Aenderung, und schweifte umher und härmte mich, wie ein wahn— sinniger Bey den Nachtlagern ging ich an einsame Plätze, in Berge und Thäler, ich legte die Zeichen der Trauer an, verrich— tete meine Anbetung mit Aufhebung der Hände gen Himmel, aus meinen Augen Blut, nicht Thränen vergießend. A. d. V. 1 1 weiter zu gehen; aber der Bitcheschi bat, daß wir nicht an— halten möchten, da jetzt der Wan die Mission in Urga erwarte. Heute, als am Tage der Krönung Sr. Majestät des Kaisers und J. Maj. der Kaiserin Elisabeth Alexejewna, wur— den am Moegen die Horä gelesen, und das öffentliche Dank⸗ gebet verrichtet. Während unsers Kirchengesanges auf die— sen Höhen Asiens versammelten sich die Mongolen in Hau— fen um das Zelt, um zuzuhören. Der Bitcheschi und Tußulachtschi kamen zu mir zum Besuch. Der Gegenstand des Gesprächs war die erhaltene Nachricht vom Tode des Bogdochans. Ich gab ihnen die Empfindungen meines Bedauerns über den Verlust ihres Monarchen zu erkennen. Der Tußulachtschi wußte von die⸗ sem Umstande schon seit zwey Tagen; aber es war ihm von dem Wan vorgeschrieben, nicht eher etwas davon den chinesischen Führern und der russisch-kaiserlichen nach Pe—⸗ kin gehenden Mission bekannt zu machen, als auf der letzten Station vor Urga. Sein Nachfolger hatte den chinesischen Thron bestiegen, aber es war nicht bekannt, wel— cher nahmentlich unter den vielen Söhnen des verstorbenen Dsäzin. 8 Es war schwer zur Abreise uns zu bereiten. Die Mongolen leisteten nicht den mindesten Beystand; sogar dem Tußulachtschi selbst begegneten sie mit Grobheiten deswegen nur, weil sie unter schabinische, geistliche Gerichtsbarkeit ge— hörten; dies ist eine Gattung unsrer ehemaligen Kloster— bauern. Die hiesigen Einwohner sind arm. Sehr viele Bettler kamen um Almosen zu bitten; das empfangene Brod und Fleisch aßen sie mit hungriger Gier. Und doch schlep— pen sich diese armen Elenden aus fernen Gegenden herbey, um den Kutuchta-Gegen(Hehen) zu verehren. 3 Endlich, nachdem wir auf dieser Station ein am Tage vorher umgekommenes Kameel zurückgelassen hatten, gingen wir weiter. Der Schnee fing durch die Sonnenstrahlen an zu schmelzen; es wurde kothig und schlüpferig. Fast von der Stelle des Nachtlagers selbst an gingen wir 5 Werste (oder fast 4 deutsche Meile) aufwärts auf das Gebirge Guntü(Huntu)— das höchste von allen, über die wir bis jetzt gegangen waren. Zur Linken des Weges waren viele Jurten; auf der Rechten ein tiefer Hohlweg. Nur dies— mahl fuhr der Bitcheschi mit uns in seinem chinesischen Wagen; der Tußulachtschi stand uns eifrig bey zur Vollen— dung dieser mühevollen Reise nach Urga. Die Kameele glitten, beym Hinaufsteigen auf das Gebirge, aus und fie— len unaufhörlich. Auch die Wagen erreichten den Gipfel desselben nur mit vieler Mühe. Gerade auf dem Gipfel des Guntui(Huntui) steht ein ungeheurer Obo, von den eifrigen Verehrern des Ku— tuchta errichtet; dort sind steinerne und hölzerne Säulchen mit tibetischen Aufschriften aufgestellt, die eben so sehr für uns, als auch für die mongolischen La ma's unverständlich waren. Wahrscheinlich ist auch hier das geheimnißvolle Gebet Om ma ni bat me chom. Auf diesen Bergen wachsen viele Lärchenbäume, Fichten und Birken; aber jetzt lag der Schnee einige Werschok hoch') über der Erde; gegen Westen erheben sich die Steinklippen des Gun tui (Huntui) fast bis an die Wolken. Kaum hatten wir uns auf dem Gipfel des Berges ver— sammelt, so begegnete uns ein junger Dsaßäk von etwa 20 Jahren, von den Ufern des Flusses Selenga, der jetzt — 0 S. Anm. AK) c. 77. A. d. U. 1 87 aus Urga, wohin er zur Verehrung des Kutuchta gereist war, zurückkehrte. Die Mongolen des ihm unterworfenen Chotun's umringten ihn, bewaffnet mit Bogen und Pfeilen; überdieß reiste mit ihm seine Frau, seine Mutter, sein jün— gerer Bruder und die Schwestern, mit einem stattlichen Ge— folge, alle auf stattlichen Pferden reitend. In Allem war ein bedeutender Reichthum zu bemerken; besonders zeichneten sich die Frauenzimmer durch frische, rothe Wangen und ih— ren Reiseanzug aus; ihre Kleider waren vom besten dunkel- blauen Atlaß; ihre Mützen von Zobel; ihre Gürtel von Seide, mit Silber und sehr großen Korallen durchflochten, womit sogar auch ihre Sättel geschmückt waren. Die rei— zenden Reiterinnen naheten sich uns ohne Schüchternheit und würdigten uns ihrer Aufmerksamkeit. Ein Dsaßäk ist ein erblicher Befehlshaber eines besondern Chotun's oder mongolischen Division, die gewöhnlich aus 2000 Familien besteht; übrigens sind diese Chotune an Menschenzahl nicht gleich. Während der Minderjährigkeit des Dsaßak verwal— tet seinen Chotun der älteste Tußulachtschi(Befehlshaber ei⸗ nes Regiments) Gendün(Hendun), dem wir begegneten. Der Dsaßak hielt neben mir und fragte, woher wir kämen, wie lange wir in Pekin bleiben würden, was eigentlich der Zweck unsrer Reise sey u. s. w. Endlich wünschte er uns eine glückliche Reise, und setzte seinen Weg weiter fort. um 2 uhr Nachmittags waren wir kaum im Stande, weiter zu reisen. Die Herabfahrt vom Gebirge ist ziemlich steil, und der ganze Weg mit Kieselsteinen übersäet, die von dem Berge durch die Regenbäche herabgespült werden. Von Guntu(Huntu) nach Urga fuhren wir in einem gegen Süden geneigten Hohlwege, zwischen hohen Bergen. Die— ser Hohlweg wird durch das reißende Flüßchen Selbi bewässert, durch das man, wegen seiner starken Krümmun— 0 „ — *— .— — gen, einigemahl durchsetzen muß. Es entspringt in den nordöstlichen Bergen, und fällt in den Fl. Tola in Urga selbst. Auf dem Wege sahen wir viele Jurten und Büffel, deren Kälber ganz auf dem Gipfel der Steinklippen weide— ten; es ist unbegreiflich, wie sie auf solche steile Höhen hinaufkommen und sich dort erhalten konnten. An vielen Stellen wachsen Tannen und Lärchenbäume in gerader Linie, als wären sie mit Fleiß dahin gesetzt. Etwa 7 Werste(1 deutsche Meile) von Urga steht, auf der rechten Seite des Weges, ein kleiner Tempel; auf der linken oder östlichen, in einer engen Bergschlucht, ein zweyter, von Holz erbaut, und mit weißer Farbe angestri— chen. Als wir noch 2 Werste weiter kamen, sahen wir zur Linken von dem Wege einen ungeheuern Tempel, nach den tegeln der tibetischen Baukunst aufgeführt. Berge, in Ge— stalt eines Amphitheaters, umgeben ihn. Oben auf dem Gipfel ves südlichen Felsen waren mit weißem Steine ei— nige ungeheure tangutische oder tibetische Buchstaben ausge— legt, welche, nach den Aeußerungen der uns begleitenden Mongolen, das bekannte Gebet derselben Om ma ni bat meschom ausdrücken. Schon nach Untergang der Sonne kam die Mission in Urga, in dem russischen Klosterhofe an, der östlich von dem Lager des Kutuchta-Gegen(Hehen), und 2 Werste(5 deut⸗ sche Meile) von dem rechten Ufer des Fl. Tola liegt. Ni eher als in einer Entfernung von etwa 3 Werste(5 oder fast* deutsche Meile) sahen wir Urga, theils wegen des Abendnebels, theils deswegen weil der größte Theil davon aus Jurten besteht. In allem hatten wir diesen Tag 25 Werste(3 oder 32 deutsche Meile) zurückgelegt. Die am Thore Wache haltenden Mongolen mit Bogen und Pfeilen, ließen zum Glück den Pöbel nicht heran, der — — —— Nn d ——— — 89 sich versammelt hatte, die russischen Reisenden zu sehen. Unser Klosterhof, so wie auch alle Wohnungen in urga, sind mit hohen Stangenzäunen umgeben. Auf dem ersten Hofe stand ein Wachzelt; und auf dem zweyten waren für uns vier ungeheure Jurten errichtet, hinter denen sich ein Schuppen, oder chinesisches Häuschen von zwey Zimmern, befindet; zur Rechten war noch ein kleiner Hof, wo die Jurte des Tußulachtschi stand, und links noch zwey andre für den Bitcheschi und Boschko. Der erste Thorweg war weit genug; durch den zweyten aber konnten unsre Wagen, weil er zu eng war, nicht durchkommen; deswegen nahm man, mit Erlaubniß der dort die Aufsicht habenden zwey Sakirochtschi's(Offizier), die mit weißen— Trauerkleidern angethan waren, den Stangenzaun auseinander. Auf diese Art konnten alle zehen Fuhrwagen und die sechs einspänni— gen in den zweyten, übrigens ziemlich engen Hof einfahren; wo man sie auch so unterbrachte, daß die Kasten von den Kameelen in der Mitte des Hofes in einen Haufen zusam— men geschichtet und mit Filzen bedeckt wurden; die Zwie— backe aber und andre Sachen wurden, um sie vor der Nässe zu schützen, in das Häuschen geschafft, worin 1807 und 1808 die russische Mission sich aufgehalten hatte, und das jetzt sehr verͤdet war. Der Boschko Urgentäi kam der Mission auf dem Klo— sterhofe entgegen. Am Abend erschien in meiner Jurte der Tußulachtschi Idam mit dem Sakirochtschi Darma Dsap, dem Aufseher unseres Hofes. Ich hielt es für meine Pflicht, diese gutmüthigen Mongolen persönlich zu be— wirthen. ö 5 Dari t ties Kea pa tee. Aufenthalt in Urga. 16. Sept.(28. Sept. N. St.) In der Nacht Frost von 7 Grad Reaumür. Der Morgen war heiter, dann— um 8 Uhr— fiel näßlicher Schnee. Der Bitcheschi, Boschko und Tußulachtschi begaben sich um 7 Uhr zu den regierenden Magistratspersonen von Urga, dem Dsunwan und Amban, und meldeten ihnen die Ankunft der Mission. Nach ihrer Rückkehr von ihnen, besuchte mich der Tußulachtschi Idam und zeigte an, daß, ob er gleich um die Erlaubniß nach seinen Nomadensitzen zurück— zukehren gebeten, es doch dem Wan gefällig wäre, daß er, da er mit den Russen gut umzugehen wisse, die Mission sogar bis zu den sunitischen Mongolen, d. i. durch alle No— madenplätze des chalchassischen Fürstenthums, begleiten solle. Diese Nachricht empfingen wir mit Vergnügen. Um 10 Uhr besuchte den Vorsteher der Mission und mich ein Abgesandter von dem Wan, der Sargutschei von Maimatschen bey Urga, Choi, der in Pekin, von Seiten der chinesischen Regierung, als Lehrer der manshurischen und chinesischen Sprache, bey den Herren Kamenski, Lipopzow und Nowoselow bis 1808 gewesen war. Mit ihm ka— men zwey Bitcheschi(Manshuren) aus dem urgaischen Ja— mun(Gerichtshof) und der Terigün Charzagäi Mergén, der im Frühlinge dieses Jahres in Irkutsk als Courier ge— wesen war. Die ersten drey waren, über seidene Kleider von dunkelblauer Farbe, die im Schnitte sehr den russischen glichen, in weiße(Trauer-) Gewänder gekleidet; darüber trugen sie Maguaszen, einen kurzen Halbpelz mit weiten Aermeln von weißen Lämmerfellen die Wolle auswärts ge— kehrt. Mit ihnen kamen der Bitcheschi, Boschko und Tußu— ** 1 lachtschi, welche die Mission geleiteten, so wie auch viele Diener. Wir unterredeten uns, durch unsern Dolmetscher, in mongolischer Sprache. Unsre Besucher erkundigten sich nach meiner Gesundheit, ob die Reise der Misston von Kiachta nach Urga glücklich gewesen sey, und ebenfalls, wie lange wir hier zu bleiben gedächten.— Auf das letztere antwortete ich, daß ich bey der späten Jahreszeit die Zö— gerung fürchte, und daher mit der Mission nicht länger als 4 oder 5 Tage in Urga zu bleiben wünsche. Sie riethen uns, mit merklichem Bestreben uns zu überreden, vollkom— men Erhohlung uns zu gönnen. Von meiner Seite wurde dieser Umstand dem Gutbefinden des Wan und Amban über— lassen; dabey dräckte ich meinen aufrichtigen Dank aus für ihre sorgfältigen Anordnungen auf der Reise in Betreff der Mission, und für die Ehre, deren sie uns würdigten, sich nach unserm Befinden zu erkundigen. Die manshurischen Beamten ermangelten nicht mir kund zu thun, daß ihr Chuandi in den Himmel versetzt worden sey. Ich antwortete mit Aeußerung meiner Theilnahme an dem Ver— luste eines so sanften Monarchen, und sagte, daß ich hoffe, die Tugenden seines Nachfolgers würden das Volk trösten. Auf gleiche Weise thaten sie mir zu wissen, daß dem Wan und Amban gefällig wäre, die Mission den folgenden Tag zu empfangen. Ich sagte darauf, daß nicht nur alle Mit— glieder der Mission wünschten, persönlich den regierenden Magistratspersonen von Urga ihre Ehrfurcht zu bezeigen; sondern daß auch ich, meiner Pflicht als Aufseher(Pristaw) gemäß, verbunden sey, dem Auftrage des Statthalters von Irkutsk zufolge, von welchem ich auch ihnen Geschenke über— brächte, dieses zu erfüllen. Der Terigun Charzagai that so— gleich die Frage:„von wem sind die Geschenke übersandt? von dem General- Gouverneur, oder von dem amtsverwal— — 2—— —— — 3 — r War — — tenden Stadt-Gouverneur?*)“ Von dem letztern, sagte ich. Während des Gesprächs bot mir der Sargutschei Choai-Loje seine Tabaksdose— eine bey den Chinesern, Manshuren und Mongolen allgemein gewöhnliche Höflichkeit. Unsre Besucher wurden mit Thee und Gebackenem dazu bewirthet. Der Sargutschei Choai ist ungefähr 60 Jahr alt. Er ist noch sehr munter, höflich*), und genießt das besondere Vertrauen des Wan. Von den beiden Bitcheschi's ist der ältere Sun still und bescheiden; der jüngere Tanbai, sehr red— selig, war vor einigen Jahren in Kiachta, in der Eigenschaft eines maimatschen'schen Boschko gewesen, und spricht ziem— lich gut mongolisch. Er erklärte dem Choai in chinesischer Sprache die wesentlichen Gegenstände unserer Unterredung. Nachdem unsre Gäste sich entfernt hatten, kam zu dem P. Archimandriten und zu mir, um seine Ehrfurcht zu bezei— gen, der dreyzehnjährige Sohn des die Mission geleitenden Tußulachtschi Idam, Züren Dordshi, der in Urga studirte. mach asiatischer Sitte schenkte ich ihm, der neuen Bekannt— schaft wegen, ein levantisches Schnupftuch und ein Paar Barbiermesser. Der Tußulachtschi Idam brachte zu uns nach 11 uhr den Tußulachtschi Demit, und Sakirochtschi Darmadsap, von dem oben gesprochen worden, um sie, die von dem *) Der Vice-Gouverneur vou Irkutsk, Staatsrath Iw. Sem. Serkalejew. A. d. V. **) Diese Eigenschaft ist kein gewöhnlicher Zug des manshurischen Charakters.— Choai zeigte einen besondern Eifer für die Russen in Kiachta 1819, auch bey Schlichtung der Angele- genheit, unsere Ueberläufer über die Gränze aus dem ner— tschinskischen Bergwerke betreffend. Er bestimmte den wah— ren Werth der Sachen, welche die lleberläufer mitgenommen hatten, während die Solonen alles, was ihnen geraubt wor— den war, fünfmahl theurer anschlugen. Choai-Loje starb im Anfange d. J. 1821. A. d. V. . 9 5 9 8— Wan zu Polizeybeamten der Mission für die Zeit ihres Auf— enthalts in Urga bestimmt waren, zu empfehlen. Der erste, ungefähr 55 Jahr alt, ist von schwacher Gesundheit, aber sehr gewandt und ungemein höflich in Gesprächen. Er be— fand sich, unter andern mongolischen Beamten, in Kiachta im J. 1809 und 1810 zur Zeit der Unterhandlungen des Wan mit dem Statthalter von Irkutsk Treskin. Bald nach ihnen erschien bey mir der Terigun Charza— gai, und zeigte an, der Wan habe ihm aufgetragen, mit uns die Zeit zu theilen, damit wir nicht lange Weile hät— ten, indem wir uns unter Fremden befänden. Charzagai ist 60 Jahr alt; er ist ein sehr naher Verwandter des Wan, kühn und ziemlich gewandt. Er süchte auf alle Weise mich zu überreden, vor ihm ganz offen zu seyn. Un⸗ ter, andern sagte Charzagai, der Wan habe, als er aus Pekin mit einem Expressen die Nachricht von dem Ableben des Bogdochan Osäzin erhielt, während die Mission sich schon auf dem Wege befand, diese anhalten wollen, ja so⸗ gar sie wieder nach Kiachta zurückgehen lassen. Aber da er die unternommenen Beschwerden und selbst die Kosten unsrer Regierung in Erwägung gezogen, habe er beschlossen, unter seiner eigenen Verantwortlichkeit, die Mission bis nach China selbst gehen zu lassen. Wir erfuhren aber doch von dem Tußulachtschi Idam, daß der Wan wegen dieses Umstandes einen Buchi (Courier) nach Pekin geschickt habe, und daß die Mission in Urga die Entscheidung erwarten müsse.— Das war der Grund, warum man uns überredete, hier ein wenig län ger auszuruhen. um 2 uhr des Nachmittags kam wieder zu mir der Terigun Charzagai mit den Tußulachtschi's Idam und De— mit. In Gegenwart des P. Archimandriten fragten die Gäste neugierig, worin eigentlich die Geschenke bestünden, ——.— ͥ—— 5 1 1 N—— 8 S—————— 94 die ich von dem amtsführenden Statthalter von Irkutsk mitgebracht hätte. Ich sagte, dieß sey mir nicht bekannt. Indessen gab ich dem Terigun meinen und des Missions— vorstehers Wunsch zu erkennen, dem Wan und Amban Ge— schenke zu überreichen, als ein Zeichen unsrer besondern Verehrung gegen sie, und zum Andenken unsrer Erkennt— lichkeit für ihr Wohlwollen. Die Mongolen billigten diesen Vorsatz. Darauf fragten sie mich nach meinem Nahmen: „Tandi nére ken bi?“ ist die erste Frage der Höflich— keit bey allen unbekannten Mongolen; dann nach dem Range, dem Alter u. s. w. Sie waren neugierig zu wissen, was Rußland für Nachbarn habe; ob der furchtbare Krieg mit den Franzosen geendigt; ob England weit von uns entfernt sey.— Hierauf wurden solche Antworten gegeben, wie sie den Umständen und meiner Lage angemessen waren. Die Beamten sagten mir darauf, daß die Engländer schon lange nicht mehr dem Bogdochan Abgaben brächten; daß, vor ungefähr 4 Jahren, der verstorbene Dsäzin ihre Gesandtschaft nicht zu sich gelassen, und, aus bey ihm aufkeimenden Miß— vergnügen, gerade in der Stunde der Audienz befohlen habe, sie wieder aus seinem ergötzenden Hofe, der in der Nähe von Pekin liegt, zurückzuschicken. Solche Gedanken hatten die Mongolen— diese kriegerischen Hirten, aus der chine— sischen Politik geschöpft! Nach drey Uhr hörte man in den gegenischen Tempeln ein unharmonisches Getöse von Hörnern und Pauken. Dieses war, wie die bey uns sitzenden Mongolen sagten, der cere— monielle Umgang der Lama's um die Tempel mit Fahnen, der täglich, bey einer zahlreichen Versammlung von Vereh— rern, vollzogen wird. 17. Sept.(29. Sept. N. St.) Am Morgen war es kalt. Der Schnee war nur eben unterbrochen; aber dicke — 95—— finstere Wolken stiegen in der Ferne auf den Gipfeln des Gebirges Guntü(Huntü) empor. Der Terigun, der Tu— ßulachtschi Demit und der Sakirochtschi kamen um 8 uhr zu mir und zeigten an, daß wir diesen Morgen zu dem Wan und Amban auf mongolischen Postpferden reiten könn— ten, von denen ungefähr 200 in Urga durch die zwey nächsten Chanschaften d. i. Tuschetu und Zezen unterhalten werden, und 100 Pferde durch die Schabinen. Ueberhaupt ist vom Wan der Befehl gegeben, daß man uns, während der ganzen Zeit des Aufenthalts der Mission in Urga, beym Ausfahren oder Reiten, mit diesen Pferden versehen solle, um die unsrigen zur weitern Reise zu schonen. Bald nachher kam der jüngste Sohn des Tußulachtschi Idam, der wieder in seine Nomadenwohnungen zurückkehrte, um von uns Abschied zu nehmen; mit ihm schickte ich sei— nem ältern Bruder ein Paar Barbiermesser zum Geschenke. Herr Rasgildejew J., von Erkenntlichkeit für den Eifer des Tußulachtschi bey Geleitung der Mission bewogen, schenkte dessen Sohne einen schönen Zelter. Diesen Morgen erschie— nen bey uns, zu Bezeigung ihrer Ehrfurcht, drey Söhne des Tußulachtschi Demit, wovon der mittlere 15 Jahre alt, die Tonsur als Lama erhalten hat. Sie sind alle im Gan— zen genommen bescheiden, haben bräunliche Gesichter mit rothen Wangen, und waren sehr reich gekleidet. Zum Andenken an die Russen wurde jedem der beiden jüngern ein Levantin— Schnupftuch geschenkt. Darnach brachte auch der Terigun Char— zagai seinen Enkel, der sich in dem Staate der Söhne des Wan befand; auch ihm wurde ein Geschenk gegeben. Diese häufigen, übrigens nicht sehr theuern Geschenke waren eine Folge unsrer Bereitwilligkeit, die stillschweigenden Erwartungen un— srer Besucher zu befriedigen; noch mehr aber forderte dieses die zweifelhafte Lage der Mission, ihre weitere Reise betreffend. Es war nöthig, die Nächsten an dem Wan uns geneigt zu machen; mit dem Geschenke, das der Sohn erhielt, war auch der Vater zufrieden. Endlich um 10 Uhr versammelten sich in meiner Jurte der Bitcheschi Tschen und der Boschko Urgentai; bald ka— men auch die gestern bey uns gewesenen zwey Bitcheschi des hiesigen Jamuns, Sun und Tan an, und luden uns zu dem Wan und Amban ein. Der Vorsteher der Mission und der Ordensgeistliche Benjamin fuhren in einem Wagen, der Ordensgeistliche Daniel und der Hierodiakon Israel in dem andern, in welchen die Geschenke an den Wan und Amban gelegt wurden. Von dem russischen Klosterhofe bis an das südwestlich liegende Haus des Wan beträgt die Entfernung fast eine Werste. Wir gingen in folgender Ordnung: voran ritten auf den besten mongolischen Pferden 12 Kasaken, zwey in einer Reihe neben einander, mit ihrem Aeltesten; hinter dieser Kasaken-Abtheilung ritt ich, auf meinem eigenen Pferde, und hatte zu meiner Rechten den Wagenmeister, zur Linken den Dolmetscher; dann folgten die Wagen, umgeben von den Studenten und den Kirchendienern. Unsern Zug schloß der Sotnik mit zwey Kasaken. Vor dem ganzen Zuge gin— gen die urgälschen Beamten her, und zur Seite fuhren unsere Führer, der Bitcheschi, Boschko und Tußulachtschi; über— dieß der Terigun Charzagai, der Tußulachtschi Demit, der Sakirochtschi und einige Mongolen. Der schneidende Con trast in den Gesichtern, in der Kleidung, selbst in den 95 rden den unsrigen und den mongolischen, gab diesem Zuge ein nes, angenehmes buntes Ansehen. Dort 8 1 die we iben Büsche auf den Mützen der Kasaken, und die Sonnenstrah— len blitzten hell von ibren Säbeln und lakirten Wehrgehen— ken zurück; hier glänzten die atlaßnen Röcke der Mongolen, und der Wind spielte mit den rothen Bändern ihrer Mützen. —— 97 1 f Alles dieß könnte, dünkt uns, zum Gegenstande eines, wenn war auch nicht vorzüglichen, mindestens doch ziemlich originellen Gemähldes dienen. ute Nach unsrer Ankunft bey dem Hause des Wan, das fa⸗ von Holz, in bescheidenem chinesischen Geschmacke, gebaut des war, stiegen wir von den Pferden und aus den Wagen und U begaben uns in den Hof. Am Thore standen 20 fürstliche nd Leibwächter in chinesischen weißen Kleidern. Sie hatten er keine Wehrgehenke, sondern hielten ihre Seitengewehre in em der linken Hand. ban Der Sargutschei Choai kam uns entgegen, stellte sich dab auf die linke Seite, bey den Chinesern die ehrenvollste, und ung geleitete den Pat. Archimandriten; nach ihnen folgte ich ran mit dem Bitcheschi Tschen und dann die Uebrigen. Das weh Hauptthor war geöffnet: in demselben stand die Kalesche ter des Wan und eine Tragsänfte; das ganze Gebäude neigt de, sich zum Verfall. Nachdem wir bey zwey Schirmdecken ken oder verschlossenen Thoren in dem innern Hofe der von bon einem Bache durchströmt wird und von Birken umschat— L0ß tet ist, vorüber gegangen waren, traten wir in ein enges n⸗ Vorzimmer, in welchem, auf einem Tischchen der Thüre ere gegenüber, chinesische porzellanene bauchige Krüge*) und er⸗ lakirte Kästchen standen. Aus dem Vorzimmer traten wir der in ein äußerst enges Durchgangszimmer; dieses ist der Em— n⸗ pfangssaal. In demselben ist ein großes Fenster durch die n, ganze Wand, dessen Gitter mit dünnem weißem Papier ge überklebt ist; gerade in der Mitte ist eine große Glasscheibe 5 eingesetzt. Neben dem Fenster befand sich auf einem einfa— . chen schlichten Diwan ein Tischchen, und nahe bey diesem en⸗— 5 en,*) Im Russischen Kuwschin, das heißt ein großer Krug, mit zen. weitem Bauche, und weiter Oeffnung ohne Deckel. A. d. U. f I. Band. 7 „„ saßen, in weißen Halbpelzen, mit Schaffell von außen, die Füße untergeschlagen: der Wan weiter von dem Eingange des Zimmers, und näher an der Thüre der Amban. Auf einem andern Tischchen, nahe an der Wand, bemerkte ich eine englische Stutzuhr; aber es schien, daß sie still stand. Zuerst ging der Vorsteher der Missson, nebst mir, Rasgil— dejew I., und Frolow hinein. Ich bezeigte, durch den Dolmetscher in mongolischer Sprache, den beiden urgaischen Gebietern meine Ehrfurcht im Nahmen des irkutskischen Statthalters. Der Wan fragte, ob der Statthalter sich wohl befände u. s. w. Darauf wurden zwey Kisten mit Geschenken hereingebracht, und vor dem Wan und Amban, wie sichs gebührte, hingestellt. Der Wan nahm sie mit dem Ausdrucke des Danks an und sagte: gegenseitige Geschenke bestehen bey uns seit langer Zeit, aus nachbarlicher Freund— schaft; daher werden auch wir, wenn ihr wieder in euer Vaterland zurückkehrt, dem Statthalter Ehrengeschenke sen— den. Indem er das auf dem Tisch liegende Nahmensver— C zeichniß ansah, sagte er:„ah, das ist der Major*), da der Dalama* 9 5 und ließ uns ihm gegen über in fol— gender Ordnung setzen: der Sargutschei, der Bitcheschi Tschen, der Archimandrit und ich. Hierauf traten die Mitglieder der Mission ein. Der Wan begegnete ihnen mit diesen Wor— *) Diesen Titel führte ich während der ganzen Zeit meines Aufenthalts in dem chinesischen Reiche, zufolge der officiellen Anzeige von Seiten unsrer Regierung. Die Chineser fügten ihr Löse und die Mongolen Noin, welches Herr bedeutet, hinzu. Die übrigen Beamten und Studenten der Mission nannten sie nach ihren Nahmen, z. B. Eugraph-noin, An— drei⸗noin u. s. f. A. d. V. *r) Dieß heißt in mongolischer Sprache der älteste Geist— liche; so nennt man in den hiesigen Papieren die Vorsteher unserer Missionen. A. d. V. — — 99 ten:„ah, das sind die Charalama's(schwarzgekleidete Geistliche, Mönche); das die Schüler.“ Diesen letztern rieth er, nach ihrer Ankunft in Pekin fleißig zu lernen, und nichts zu sparen, um durch ihre Fortschritte den Willen der Regierung zu erfüllen, und sich so aufzuführen, wie es wohlerzogenen, ehrbaren und die Würde ihres Vaterlandes einsehenden Leuten geziemt. Man gab jeden von uns eine Tasse Thee mit Zucker. Der Wan bewillkommte hierauf den Pat. Archimandriten in mongolischer Sprache, und fügte hinzu, er erinnere sich noch der Zeit, als der Pater Peter Schüler bey der Pekinschen Mission war u. w. Der Amban seinerseits fragte ihn in derselben Sprache, wie alt er wäre, wie lange er in Pekin studiert habe u. s. w. Als der Wan den Dolmetscher Frolow erkannte, sagte er: „ah, ich erinnere mich, du warst bey uns im Frühjahre mit dem Kapitän Wasili.“ Der urgaische Fürst verstand unter diesen Nahmen den Titularrath Nowoßelow, Dol— metscher der manshurischen und mongolischen Sprache in Irkutsk. Er überbrachte im Februar 1820 die Anzeige des Statthalters von dem Wechsel der russischen Mission. Hierauf drückte ich meinen und des Dalama(des Ar- chimandriten) Wunsch aus, dem Wan und Amban einige russische Sachen zu überreichen. Der Wan antwor— tete darauf mit ausgezeichneter Freundlichkeit, daß wir uns vergebens deswegen Sorge machten; übrigens wollte er nicht mit einer abschlägigen Antwort unsre Höflichkeit er- wiedern, in Erwägung dessen, daß wir so weit herkämen. Sogleich wurden verschiedene krystallene, in Kiachta mitge— nommene Sachen herein gebracht und vor den Wan und Amban im Nahmen des Vorstehers der Mission hingestellt. Nachdem überreichte ich dem Wan ein paar Pistolen von der besten Arbeit, mit Bayonetten auf Springfedern; ei— 5 J 1 N 5——. . 7 g ö 0— 100 0 1 nen niedlichen Schraubenzieher, ein messingnes Kofferchen mit 6 kunstreicher getriebener Arbeit, zum Pulver, zehn Pfund des besten Schießpulvers, und endlich wurde von Rasgildejew J. 9 ihm ein Fernrohr und eine weiße Juchtenhaut dargebracht. i Dem Amban wurden von mir 25 Arschinen*) Kamlot, 0 von Zimmt farbe(der beliebtesten in China) und von der 1 besten Güte, geschenkt. Der eine sowohl als der andere 1 nahm das Ueberreichte mit Dank an. Endlich fragte mich 1 der Wan, wie alt ich sey, welches mein Geburts— 10 ort wäre; wo ich in Dienst stände, in Moskau oder in Petersburg, und als er die Antwort(was ihm auch schon fruher bekannt war) erhalten hatte, daß ich in Petersburg 0 im Dienst stünde, fuhr er fort:„Ah, das ist dort, wo euer Herr der Kaiser seinen Aufenthalt hat.“ Der Wan wünschte uns, nach den Unruhen der Reise uns zu erholen. Beym Weggehen ermangelte ich nicht, die Sorgfalt unse— rer Führer, des Bitcheschi, Boschko und Tußulachtschi, für 1 die Mission zu rühmen. Der Wan hörte dieses mit Ver— 10 gnügen an und sagte:„ja ihr begehrt ihre Hülfe bey eu— 9 ren Reisebedürfnissen, und sie sind verbunden, euch in allem 71 beyzustehen.“ Der Sargutschei geleitete uns, wie vorher, bis 9 4 an das Thor, und indem er von uns schied, lud er mich f auf morgen zum Mittagsessen ein. Hier eine flüchtige Schilderung der jetzigen regierenden 0 Magistratspersonen von Urga: 10 Der Wan, mit Nahmen Jundün Dordschi ist ein ö 0 geborner und appanagirter mongolischer Fürst, der seine Abkunft von Dschingis-Chan herleitet; durch seine Gemah— lin ist er der nächste Verwandte des verstorbenen chinesischen 1 Kaisers Dsäzin. Er ist 55 Jahr alt, von hohem und ge— *— 1*) S. Anm. S. 17. g 9 radem Wuchs, von starker Constitukion; er hat ein volles, männliches und zugleich angenehmes Gesicht, mit einer asiatischen, stolzen schönen Miene. Bey einer besondern naturlichen Schärfe des Verstandes und gutem Gedächtnisse, hat Jun Wan, am Pekinschen Hofe erzogen, alle Verdienste und Fä— higkeiten eines asiatischen Großen am Hofe; er ist scharfsichtig, listig, ziemlich gewandt und angenehm in Gesprächen; wenn es nöthig ist, ist er höflich und artig im Umgange, und in dieser Hinsicht gleicht er sogar einem Europäer. Soviel man bemerken kann, ist er ein Liebhaber der Wissenschaften, der Redekunst und der Künste; er schreibt selbst gut und spricht vollkommen drey Sprachen: chinesisch(in dieser Spra— che hat er viel schöne Verse geschrieben), manshurisch und mongolisch; er weiß viele russische Worte. Da er lange Zeit an dem Hofe von Pekin gedient hat, hat er mehr als einmal Europäer gesehen; er war in dem ceremoniellen Hof— staate als der englische Gesandte Lord Macartney— 1793 und 1794 sich in Pekin aufhielt, und da er in seinem ge— genwärtigen Amte in der Nähe unserer Gränze, ungefähr 30 Jahre lang steht, hat er nicht nur nicht die Nationalkälte gegen Europäer, sondern er ist auch äußerst neugierig und sogar leidenschaftlich für alles Europäische. Ein großer Liebhaber der Musik hat er selbst auch ein gutes Gehör. Ueberhaupt ist er von einem festen und lebhaften Charakter, recht gut und sanft; er versteht seinen Antheil zu verwalten, aber, dem Anschein nach, ist er habsüchtig und geizig. Der Ambän oder General von Urga, der aus Pekin nur auf drey Jahre dahin geschickt wird, ist der Gefährte des Wan, bey dem er übrigens sich in völliger Abhängig— keit befindet. Der jetzige Amban ist aus einer guten man— shurischen Familie, über 60 Jahr alt, nicht groß von Körper und mager, er hat ein ziemlich gemeines Gesicht, 102— aber in Gesprächen und in Umgange ist er höflich und an— genehm. Er hat nicht den gewöhnlichen Nationalstolz, ist sanft, dem Anschein nach, gutmüthig und mehr zum Still— schweigen geneigt. Er ist arm, durch— wie man sagt,— besondere unangenehme Umstände, die sich mit seinem Va— ter ereignet haben. Wir kehrten auf demselben Wege und in derselben Ord— nung nach Hause zurück; aber die Menge der Neugierigen war noch zahlreicher geworden. Unsere Führer waren sehr zufrieden mit dem, was ich über sie vor dem Wan gesagt hatte, besonders aber der Tußulachtschi Idam, der dankbar zu mir sagte:„der Herr Major hat rechtschaffen gehandelt.“ Eine Stunde nach unserer Rückkehr wurden von dem Wan, für den Pat. Archimandriten und mich, süßes Back— werk auf 17 Schüsseln gebracht; 3 Krüge(Kuwschin, S. Anm. S. 97.) chinesischen Weins, aus Reis bereitet und Schau— sin genannt, 6 Pfund schwarzen Thees; ferner dem Pat. Archimandriten und mir, jedem zwey, und den übrigen Rei— senden ein Stück chinesisches Seidenzeug. Auf den Umschlä— gen stand geschrieben, wem jedes Stück nahmentlich be— stimmt war: dem Dalama, dem Major u. s. w. für die Kasaken wurden besonders zwey Kisten Backsteinthee gebracht, in jeder Kiste 36 Theebacksteine. Für solche Be— weise der Aufmerksamkeit bat ich den Terigun Charzagai, dem urgaischen Fürsten unsern innigsten Dank abzustatten; zugleich tranken wir auf die Gesundheit Seiner Durchlaucht. Der Wan war, wie uns nachher gesagt wurde, sehr zu— frieden mit unsrer Erkenntlichkeit. Dem eingeführten Ge— brauche nach wurde den Ueberbringern der Geschenke folgen— des gegeben: dem Terigun Charzagai ein Säbel, rother und grüner Saffian; dem Bitcheschi des Wan ein Säbel und 5 rother Saffian, und jedem der sechs Diener ein seide— nes Tuch. Auf gleiche Art wurden uns auch von dem Amban ähnliche Gastgeschenke überbracht; aber in geringerer Menge. Dem Narba, der sie überbrachte, wurde grüner Saffian geschenkt. Des Abends tranken Demit, der Sakirochtschi und Char— zagai bey mir Thee. Dieser letzte ist ein Nachkomme des bekannten Tuluschen“), der 1712 Gesandter des chinesischen Bogdochans Kansi bey dem kalmükischen Aiuk-Chan, we— gen der Rüstung desselben gegen die Sungaren, gewesen war. Er zählt auch in seiner Verwandtschaft einen der chinesischen Gesandten, die zu der russischen Kaiserin Anna Joannowna geschickt wurden. Ich lenkte die Rede auf die gegenwärtige Reise der Mission; und gab dem Charzagai den Wunsch zu erkennen, einen ehrlichen Landwirth auszufinden, bey dem ich für uns einige Kameele umtauschen könnte, die an den beschwerli— chen Weg in den mongolischen steinigen Steppen gewöhnt wären. Da in Urga selbst sich keine befanden, erbot sich der Tußulachtschi Demit— einer der reichsten chalchassischen Viehbesitzer— uns mit zehn guten Kameelen zu versorgen, wenn wir durch seine in Gobi befindlichen Nomadenplätze, ungefähr 300 Werste(43 d. M.) von Urga reisen würden. Wir nahmen dieses Anerbieten mit besonderm Danke an. 18. Sept.(30. Sept. N. St.) Als ein Unterpfand der Erkenntlichkeit gegen Choai-loje schickte der Pat. Archi— 4) Die interessante Reise dieses Manshuren aus Pekin, durch Selenginsk, an den Ufern der Wolga, mit Beschreibung der russischen Länder und Gebräuche, ist aus dem Manshurischen durch den bekannten Dolmetscher Al. Leontiew übersetzt. St. Petersb. 1782. A. d. V. — 104 mandrit diesen Morgen ihm nach Maimatschen Gastge— schenke*); auf gleiche Weise wurden auch von meiner Seite dem Choai durch den Dolmetscher Frolow, drey Ar— schinen schwarzes Tuch und ein halbes Pud(20 Pfund) weißer Seife geschickt. Mit Hrn. Frolow, als er zurück— kehrte, kamen zwey Nerba's oder Diener des Sargutschei an, um für die Geschenke zu danken und abermahls alle Mit— glieder der Mission zum Mittagsmahl einzuladen. Nach neun Uhr kam der Bitcheschi Tan mit dem Te— rigun zu uns, und verlangte ein Verzeichniß davon, welche Sachen dem Wan und Amban eigentlich von dem Vorsteher der Mission, und welche von mir überreicht worden wären. Als Ursache davon gab Tan an, daß der Sait Wan und Amban vergessen hätten, was jedem von ihnen geschenkt worden sey. Lange suchte ich dieser umständlich genauen Angabe auszuweichen. Tan bat dringend, und es wurde ihm alles mündlich gesagt; aber er erklärte, er könne dieß nicht im Gedächtniß behalten. Und so waren wir denn genöthigt, das verlangte Verzeichniß in mongolischer Spra— che aufzusetzen und ihm einzuhändigen, wobey wir um Ent— schuldigung baten, daß die unbedeutenden von uns über⸗ reichten Sachen so viele Sorge und Unrnhe verursacht hät— ten. Tan erwähnte Kiachta, erzählte von dem verstorbenen Director des kiachtaischen Zollamtes Wonifantjew, von sei— ner ungewöhnlichen Körperstärke, von dem Vorzuge der rus— sischen Häuser vor den mongolischen räuchrigen Jurten u. s. w. Der Terigun Charzagai und der Tußulachtschi Idam, die dort gewesen waren, fragten mich, ob nicht noch solcher *) Im Russischen Gostinzi, d. i. Geschenke an Backwerk und süßen Sachen. A. d. U. — 105— Kamlot da wäre, wie ich dem Amban überreicht hätte. Ich antwortete, ich hätte keinen mehr davon. Um 12 Uhr begaben wir uns nach Maimatschen zu dem Sargutschei: die geistlichen Mitglieder im Wagen; ich mit den Studenten und der Bedeckung, auf mongolischen Pfer— den reitend. Uns geleiteten der Bitcheschi Tschen, der Boschko Urgentai, der Tußulachtschi Idam mit seinen Dienern, und der Terigun Charzagai, der unzertrennlich von mir war. Von dem russischen Klosterhofe bis e kann man eine Entfernung von 4 Werste(J oder über E d. M.) gegen Süden, oberhalb des Flusses Tala, Winch en. Der Weg ist uneben und selbst bey der Handels-Slobode) mit Kieselsteinen übersäet. Maimatschen bey Urga nimmt einen weit größern taum ein, als jenes Maimatschen bey Kiachta, nur sind in dem erstern alle Gebäude von Holz und ziem— lich verfallen. Die Straßen sind breit und kothig; es giebt viele kleine Buden mit kurzen Waaren. Bey unserm Durchzuge versammelte sich das Volk in Haufen und lief hinter uns drein, ohne auf das Geschrey zweyer Polizey— diener zu achten, welche die Ungehorsamen, nach dem chine- sischen Gesetze der guten Ordnung mit langen Peit— schen auseinander jagten. Der Sargutschei kam uns auf dem Hofe entgegen, bewillkommnete uns mit Artigkeit und führte uns dann in die innern Zimmer, wo ein Saal für die Gäste eingerichtet war. Das Haus ist enger und unreinlicher als die Wohnung des kiachtaischen Sargutschei. Die mit uns *) S. Anm.*) S. 14. A. d. U. **) Die vorzüglichsten umständlichen Nachrichten von der chine— sischen Handelsslobode in Kiachta 1 in dem Journal, nor— disches Archiv, S. 418— 50. A. d . angekommenen mongolischen Beamten wurden an den Ein— gang des Zimmers an einen besondern Tisch gesetzt, der Bit— cheschi und Boschko aber zu uns. Der Wirth bewirthete alle freundlich; gedachte seiner Schüler der Herren Lipowzow und Nowoßelow, und war zufrieden mit meiner Aeußerung, daß der Nahme dieses Lehrers— Choai-loje— auch in der russischen Hauptstadt bekannt sey. Während des Mittags- mahles fragte mich der Sargutschei, wie lange wir uns vor— genommen hätten in Urga zu bleiben. Ich antwortete, seinem Zureden zufolge hätten wir uns sieben Tage dazu fest— gesetzt, und drey davon zurückgelegt, und also wollten wir nach etwa vier Tagen aufbrechen; übrigens wie dieses dem Wan gefällig wäre. Der Sargutschei rieth uns immer noch auszuruhen, und fügte hinzu, daß jetzt die Tage kalt und regnicht wären, und daß er, wenn er(nach chinesischer Astro— logie) einen glücklichen Tag zu unserer Abreise erwählt habe, dieses den urgaischen Gebietern melden würde. Uns blieb nichts übrig, als für solchen Eifer zu danken. Nach dem Mittagsmahle tranken wir eine Tasse Thee ohne Zucker(statt des Kaffees), trennten uns von dem Sar— gutschei und begaben uns nach Hause um 3 Uhr Nachmittags. Beym Abschiednehmen knieten der Terigun Charzagai und der Tußulachtschi Idam vor dem Sargutschei nieder; diese Ceremonie wird von den Mongolen vor allen chinesischen Beamten beobachtet. Die Manschuren, Chineser und Mon— golen nehmen, auch bey den größten Ceremonien, die Hüte nicht ab, sondern sie bezeigen ihre Achtung durch ein kaum merkliches Niederlassen der Hände und durch Kniebeugen. Vor Fürsten und Generalen beugen sie die Kniee dreymahl, und jedesmahl bewegen sie sich etwas vorwärts; vor dem Kaiser neigen sie sich bis zur Erde, neunmahl in drey verschiedenen Absätzen, wie man bey uns sagt, dreymahldrey. 5 Auf dem Rückwege in die Stadt sahen wir viele Zelte, Mongolen gehörig, die zur Verehrung des Kutuchta herbey strömten. Dort stand in einem kleinen Lager Zizen Chan, und harrte Tage lang der Ankunft des Kutuchta. Ueber— haupt hatten sich in Urga viele chalchassische vornehme und geringe Leute versammelt, erhabene Feste wurden bereitet; aber der Tod des Bogdochan zerstörte alles. Die Untertha— nen Geistliche und Weltliche, müssen bey dieser Gelegenheit ungefähr drey Monate lang Trauer tragen; und die Lama's sind verbunden, die ersten 49 Tage, besondere Gebete für die Ruhe des von der Erde hinüber gegangenen zu lesen. Zur Erläuterung der Feste, welche von den Mongolen bey der Erscheinung des Kutuchta-Gegen(Hehen) gefeyert werden, halte ich es nicht für überflüssig, hier einer solchen Feyerlichkeit zu erwähnen, die im J. 1729, bey Gelegenheit der Erhebung eines von diesen Oberpriestern statt fand. Diese Ceremonie wurde in dem ehemahligen Urga, an dem in dem Orchon fallenden Flüßchen Selbi vollbracht. Den 22. Juni(3. Jul. N. St.) in der zweyten Stunde des Tages, d. i. nach Aufgang der Sonne, wurde in Urga der Versammlungstempel geschmückt. Dem Eingange gegen über stellte man das Bild des Burchanen Ajusch). Auf der linken Seite befand sich ein Thron mit Edelsteinen und Gold— stoff geschmückt, und quer über durch den ganzen Tempel wa— ren hölzerne Bänke, zum Sitzen für die Lama's, erbaut. Dort erschienen: des vorigen Kutuchta Schwester, drey mon— golische Chane(Tuschetu, Dsaßachtu und Zezen), auch ein von dem Bogdochan Jundshin abgesandter Amban oder General, der auf der Mütze eine Pfauenfeder hatte: gleichfalls *) Zu diesem beten die Schigemunier um Verlängerung des Le— bens. A. d. V. 5 108— auch die Fürsten Darchantschin Dsuwan, der Vater des jun— gen Kutuchta, Zezen Wan und andre vornehme Mongolen. Die Anzahl der Lama's belief sich auf 26000, und des ge— meinen Volkes, der Männer, Weiber und Kinder strömten mehr als 100 tausend Menschen zusammen. Nach Versamm— lung der vornehmsten Leute in dem Tempel, trug man aus demselben 20 Lanzen heraus mit vergoldeten Knöpfen und gegossenen Figuren von wilden Thieren oben darauf; diese stellten sie in zwey Reihen. Auf gleiche Weise standen in einer Linie 200 Mann mit Trommeln und großen messingenen Trompe— ten. Zwischen dieser Reihe trugen 6 Lama's aus dem Tem— pel, auf einem Lehnstuhle, die Schwester des vorigen Ku— tuchta heraus, hinter welcher die Chans, Wans und alle übrigen vornehmen Leute, in prächtigem Gewande, bis zu der Jurte des jungen Kutuchta gingen, der bey seinem Va— ter Darchantschin Dsunwan*), eine Werste weit von dem Tempel, wohnte. Nach einer Stunde führten die mongolischen Großen und die ältesten Lama's den wieder— geborenen Kutuchta unter den Armen aus der Jurte, und setzten ihn auf ein bereit stehendes reich geschmücktes Pferd; dieses führten der Chubilgan(der Wiedergeborne) und der Dalama l(älteste Lama) Dshangun Neffe des Wan, am Zügel. Bey ihrem Austritte aus der Jurte fingen alle Lama's an dem Kutuchta Lobgesänge zu singen und auf allen Instrumenten zu spielen; während dem verbeugten sich vor ihm vornehme und gemeine Leute mit inniger Rührung und hoben die Hände empor. Der Kutuchta ritt langsam bis zu der Umzäunung; hinter ihm trug man auf einer *) Dieser mongolische Fürst war mit einer Verwandtin des chi— nesischen Kaisers Jundshen vermählt. Seine Familie wurde, auf den Rath des Dalai-Lama, mit der Wiedergeburt des Kutuchta in derselben beglückt. A. d. V. Wo Au fein gen lun det n Am doch i b Nach file „ Sänfte die Schwestor des vorigen Kutuchta, welche auch von ihm Schwester genannt wurde. Dann folgten der von dem Dalai-Lama abgesandte älteste Lama Nomochon, der chinesische Amban, alle Lama's, und die übrigen vorneh— men Mongolen; das gemeine Volk ging auf beiden Seiten neben her. Innerhalb der Umzäunung oder Ringmauer standen 6 Jurten mit vergoldeten Knöpfen, mit buntfarbi— gen reichen Stoffen umwunden. Alle hielten an, als sie bis zu der Umzäunung gelangt waren. Die nächsten La— ma's hoben ehrerbietig den Kutuchta vom Pferde und führ— ten ihn durch das südliche Thor in die Umzäunung oder Ringmauer; dort blieb er ungefähr eine halbe Stunde, als wollte er seine vorige Wohnung in Augenschein nehmen. Aus der Verzäunung führten die ältesten Lama's, wie auch seine Schwester, der bogdochanische Amban und alle übri— gen Großen, ihn unter den Armen in den großen Versamm— lungstempel. Als sie in den Tempel getreten waren, setzten der von dem Dalai-Lama abgesandte Chubilgan Nomochon und die andern Lama-Chubilgans ihn auf den Thron. Der Amban verkündigte dem ganzen Volke den Befehl des Bog— dochans, dem Kutuchta die gebührenden Ehrenbezeigungen zu erweisen. Umgesäumt verbeugten sich alle Anwesende dreymahl bis zur Erde vor ihm. Hierauf stellte man auf einen Tisch vor den Kutuchta einige silberne Glöckchen (chonch o), welche die Lama's gewöhnlich zur Zeit des Gottesdienstes gebrauchen; ein Glöckchen aber, als wenn es dieses wäre, das er ehedem gebraucht hätte, behielten sie zurück, zur Prüfung, ob er dieses wirklich erkennen werde. Der Kutuchta sah sie an und sprach dann zu den nächst— stehenden Lama's: warum habt ihr mein Lieblingsglöckchen nicht mit den übrigen hergebracht? Und nun riefen alle Chans, 771 Wans, Lama's und das Volk mit Einer Stimme; Du bist wahrhaftig unser Oberpriester und der alte Kutuchta! Dann trat zu dem Kutuchta seine Schwester, um sei— nen Segen zu empfangen. Nach ihr folgte der chinesische Amban, die nächsten ältesten Lama's, auch die Chans und übrigen Vornehmen. Als sie den Segen erhalten hatten, entfernten sich alle. Der Kutuchta blieb im Tempel bis ganz zum Abend, um die Lama's und das gemeine Volk zu segnen. Den 23. Juni(4. Juli N. St.), in der ersten Stunde des Tages versammelten sich der aus Pekin gesandte Amban und die übrigen Großen in demselben Tempel; das gemeine Volk stand um denselben herum. In der dritten Stunde nach dem Aufgange der Sonne führten die ältesten Lama's den wiedergeborenen Kutuchta unter den Armen aus der Um— zäunung in jenen Tempel und setzten ihn auf den Thron. Der Amban legte ihm die von dem chinesischen Kaiser über— sandten Geschenke vor, und nahmentlich: einen goldenen Präsentirteller, 300 Lana(ungefähr 28 Pfund) schwer, in dessen Mitte 8 Edelsteine eingesetzt waren. Auf dem Prä— sentirteller lagen Chadaks, 1000 Lana(2000 Rubel) in Silber, und 81 Stück Gold- und Silberstoffe, auf deren jedem geschrieben stand, daß für die Arbeit 300 Lana (600 Rubel) in Silber bezahlt worden; gleichfalls auch 81 Schüsseln mit Confect und verschiedene andere Sachen. Alles dieses reichte der Amban dem Kutuchta mit der tief— sten Ehrerbietung dar, und verkündete ihm zugleich den Glückwunsch von Seiten seiner bogdochanischen Majestät. Endlich, nachdem er um den Segen gebeten hatte, sprach er im Nahmen des Bogdochans folgendes:„wie das Gold unvergänglich ist, so sey auch du, großer Priester, unver— gänglich; wie der Edelstein glänzt, also sey auch dein Glanz; 0 N. 111— und wie du bey Lebzeiten unsers Vaters unser Reich bewah— ret hast, also sey auch jetzt unter meiner Herrschaft, großer Priester, gnädig unserm Reiche und bewahre dasselbe!“ Der Kutuchta nahm die Geschenke an, und gab dem Bogdochan den Segen, indem er auf das Haupt des Am— ban beide Hände legte. Dann segnete er die Lama's und das gemeine Volk, welches, in der Einbildung, es empfange diesen Segen von Gott selbst, mit großer Furcht, einer nach dem andern, in den Tempel trat. gachmittags schlug man, zur Bezeigung einer so gro— ßen Freude vier große Zelte und viele kleinere, eine halbe Werste weit von dem Tempel, auf, und in der Mitte ließ man einen großen freyen Platz zum Ringen. In den gro⸗ ßen Zelten saßen die Chans und die übrigen Großen. Von beiden Seiten führte man Ringer hervor; auf jeder befan— den sich 268 Mann, wovon die eine Hälfte dem Tuschetu Chan, Zezen Wan und Darchan Wan, die andere Dsaßachtu Chan, Dsunwan und Bartu Beil angehörte. Die Ringer kämpften bis ganz gegen Abend; wer siegte, dessen Nahmen schrieb man auf; und wer fiel, wurde nicht weiter zum Ringen zugelassen. Auf diese Art blieben zuletzt nur 35 Sieger übrig. Den 24. Juni(5. Jul. N. St.) versammelten sich wie der alle Mongolen im Tempel und hielten dem 1 5 das Dankgebeth. Den 25. Juni(6. Jul. N. St.) überreichten Dsa— ßachtu Chan und Zezen Wan von ibrer Seite d em Kutuchta Geschenke, die in Gold- und Silbergeschirr, in seidenen Zeugen, Chadaks und Thee bestanden. Die übrigen mon— golischen Regenten und das gemeine Volk gaben ihren Eifer durch gleiche Opfer zu erkennen. Ein gemeiner Mongole, aus dem Chotun des Sezen Wan, trieb 300 Pferde zum 5 112— Geschenke herbey. Die damahls gerade in Urga befindlichen chinesischen Kaufleute versammelten sich und überbrachten dem Kutuchta 150 Stück Atlaß und 400 Kisten Back— steinthee. Den 27. Juni(6. Jul. N. St.) wurde das Ringen wieder fortgesetzt. Der Tag war sehr heiß, und die Rin— ger wurden von Hitze und Staub ganz entkräftet; deswe— gen äußerten die Chans gegen die Lama's den Wunsch, daß es regnen möchte. Gerade zu derselben Zeit zog von Westen eine Wetterwolke heran, es fiel Regen, und bald nachher wurde es wieder heiter; dieses schrieb das aber— gläubige Volk als unbezweifelt der Wirkung der Lama's zu. Vom 28. Juni bis zum 3. Juli(9— 14. Jul. N. St.) waren jeden Tag Ringkämpfe. Den 3. Juli(14. Jul. N. St.) reisten die Chans und die übrigen mongolischen Regenten mit dem Volke nach dem Flusse Orchon in den District Urachu, von Urga über 50 Werste(7 deutsche Meilen) entfernt, und nahmen die oben erwähnten 35 Ringer mit sich. 8 Den 5. Juli(16. Jul. N. St.) war in Urachü Pfer— derennen; das Ziel war 18 Werste(25 oder 22 deutsche Meile) entfernt. Es wurden auf einmahl 1110 Pferde los— gelassen; von diesen wurden nur 100 der vordersten Pferde für die besten erkannt, welchen allen berühmte Nahmen gegeben wurden; ihre Besitzer erhielten Geschenke und einige Vor— rechte). Am 6. Juli(17. Jul. N. St.) ließ man in demsel— *) Bergmann sagt, daß man bey den Kalmüken, welche das Pfer— derennen sehr lieben, dem Besitzer des besten Siegers im Nennen bis 500 Schafe zur Belohnung gegeben habe. Nomad. Streif. I. 99. Hfet⸗ int mad. — 113— sche Meile) 1627 sechsjährige Pferde; den Besitzern der hun⸗ dert ersten gab man Geschenke. Am 7. Juli(18. Jul. N. St.) war wieder Pferde rennen, auf eine Entfernung von 12 Wersten(15 öder 12 deutsche Meile), von 995 vierjährigen Pferden; nach diesem wurden die Besitzer der ersten hundert Pferde nach dem Beyspiele der ersten belohnt. Die erwähnten Pferde bey den drey Rennen, 3732 an der Zahl, waren von allen Mongolen des chalchassischen Fürstenthums zusammengebracht. An demselben Tage, nach Beendigung der Pferderen— nen, theilte man die aus Urga mitgenommenen in zwey Theile, die einen auf die Seite des Tuschetu Chan, und die andern auf die des Dsaßachtu Chan. Sie rangen lange, und Hauptsieger blieben nur sieben, die wieder nach Urga zurückgebracht wurden. Während der Rennen und des Ringens schossen sie mit Bogen nach dem Ziele auf eine Weite von 25 Klaf⸗ tern. 302 Mann schossen jeder vier Pfeile auf einmahl ab; diejenigen, welche mit allen vier Pfeilen, oder wenigstens. mit dreyen das Ziel trafen, wurden für die besten Schützen erkannt; 25 zeigten sich als solche. Am 8. Juli(19. Jul. N. St.) kehrten alle mongo⸗ lische Heerdenbesitzer nach Urga zurück, und um 9 Uhr des Morgens schossen die 25 noch übrigen Schützen auf demsel— ben Platze und in demselben Zelte, wo die Ringer vorher kämpften. Nachmittags wurde bey der Umzäunung oder Ringmauer des Kutuchta eine reich verzierte Jurte errich⸗ tet, in welche man den Kutuchta aus der Umzäunung un— ter den Armen führte. Vor ihm trug man verschiedene Götzenbilder und ein dampfendes silbernes Rauchfaß. Als er in die Jurte getreten war und sich auf den Thron gesetzt J. Band. 8 5 hatte, setzten sich alle vornehme Leute, jeder an seinen Platz. Dann trug man aus der Umzäunung in silbernen bauchigen Krügen oder Kannen gekochten Backstein-Thee und über— reicht ihn in Tassen dem Kutuchta und seiner Schwester. Der Kutuchta kostete ihn, gab ihn dann zurück und befahl aus allen Kannen einzuschenken, aus welchen man zuerst den Chubilgans und Dalama's dann den Chans und den übri— gen vornehmen Leuten, jedem in seine Tasse einschenkte; wer aber gerade keine Tasse hatte, dem goß man den Thee in die Hände. Alle tranken ihn mit großem Vergnügen, denn sie hielten dieses Getränk für ein heiliges Wasser, da es ihnen vom Kutuchta selbst gegeben wurde. Hierauf kämpften die 7 Ringer unter sich, von der zehnten Stunde des Tages an bis zu der ersten der Nacht. In diesem Kampfe blieb Sieger ein Mongole aus dem Chotun des Zezen Wan, Babeéi Bikisän genannt, d. i. der starke Elephant. Nach Beendigung des Ringens be— gleiteten sie den Kutuchta in seine Wohnungsumzäunung mit eben solchen Ceremonien, als sie ihm entgegen gegangen waren; und die Großen, so wie das Volk, gingen aus einander und nach Hause. Am 10. Juli(21. Jul. N. St.) war bey dem Tuschetu Chan im großen Zelte Mittagsmahl, bey welchem alle vor— nehme Leute und die großen Lama's zugegen waren. Nach dem Mittagsmahle schossen sie mit Bogen in die Weite. Schützen waren einer auf hundert Dsaßaks, in allem hun— dert Mann, doch wurden darunter nur zehen als die ge— schicktesten befunden, welchen man dieselben Belohnungen, wie für die Ringer, bestimmte. Am 11. Juli(22. Jul. N. St.) in der vierten Stunde des Tages versammelten sich alle Chans und die übrigen Großen bey dem Kutuchta in der Umzäunung, und berath⸗ schlagten sich dort bis zum Abend, welche Nahmen sie den. Schützen und Ringern bestimmen sollten, damit das Volk sie kenne, und ihr Ruhm zur Nachwelt dringe. Endlich gaben sie alle einstimmig dem, dessen Nahme der starke Elephant gewesen war, den gewöhnlichen der Löwe, und den übrigen gaben sie, jedem nach der Ordnung, den einen Nahmen von wilden Thieren, den andern Nahmen von Vögeln. Wer einen Nahmen bekommen hatte, betete zuerst zu dem Kutuchta, verbeugte dann sich vor allen Chans und Wans dreymahl bis zur Erde, und überreichte jedem ein Chadak. Hierauf nahm ihn der Chälgatschi, führte ihn um die Umzäunung herum, und verkündete dem ganzen Volke seinen Nahmen und seine Auszeichnung. Den ersten Ringer beschenkten sie mit einer Flinte, einem Panzer, 15 Ochsen und Kühen, 15 Pferden, 100 Widdern oder Ham— meln, 1 Kameele, 1000 Backsteinen Thee, einigen Stücken Atlaß, auch einigen Fuchs- und Otterfellen; und dann gab man den übrigen, jedem nach Verhältniß seiner Stärke und Geschicklichkeit. Auf solche Art wurden auch den Schützen Belohnungen bestimmt; der letzte Ringer und Schütze er— hielten jeder 2 Kühe und 2 Widder oder Hammel. Am 12. Juli(23. Jul. N. St.) trennten sich alle Chans, Wans, Lama's und die übrigen vornehmen Leute, so wie auch das gemeine Volk, und reisten wieder nach ihren Nomadenplätzen zurück; hiermit endigten sich diese Festlichkeiten. Der Nahme des vorigen Kutuchta und nach ihm des neuen Wiedergeborenen ist: Dshabdsün Dombo Chutuchtu Gegen(Hehn). So heißt auch der jetzt(1820) wieder— geborene Kutuchta. Aehnliche Feste wie dieses feyern die Mongolen jedes 8* — — — 2 — 1.—— 2 2 2— r.——ů———— 1 Jahr in ihren Aimaks, wobey sie sich auf einem Obo ver— sammeln. Den 19. Sept.(1. Oct. N. St.) besuchten mich der Bitcheschi und Boschko, welche die Mission geleiteten, da sie nach dem urgaischen Jamun(District) reisten, um 7 Uhr des Morgens, um bestimmt zu erfahren, über welche Gegenstände ich vom Wan Entscheidung verlange. Ich fand für nöthig: 1) für die Mission auf dem Wege von Urga nach Chalgan von Seiten der Ortsbewohner vier Jurten, Holz und Wasser, genau so wie wir es von Kiachta bis Urga bekommen hatten, zu erhalten; 2) unter der Gerichts— barkeit des Sargutschei einigen Proviant für die Kasaken, in Zwiebacken bestehend, bis zu unsrer Rückkehr zu lassen; 3) daß mir erlaubt würde, den Kutuchta Gegen(Hehen), nach dem Beyspiele der vorigen Aufseher der russisch-kaiser— lichen Missionen, zu sehen,(der Collegiensecretär Igumnow wurde dem Gegen(Hehen) 1794 vorgestellt); und wenn dieses aus irgend einer Ursache etwas schwer halten sollte, daß ich 4) den Schandsab, den obersten Verwalter der Angelegenheiten des Kutuchta besuchen dürfe, und 5) wenn auch dieses nicht möglich wäre, daß mir wenigstens gestat— tet sey, mit den Beamten, den Studenten, so wie auch den Kasaken, ungehindert in die Stadt auszugehen. Die Chi— neser hörten mich an und dann entfernten sie sich. Nach 9 uhr des Morgens wurden Gastgeschenke von dem Wan und Amban dem Vorsteher und den Uebrigen der Mission, für die überreichten Geschenke überbracht. Das sind die Bedingungen einer freundschaftlichen Verbindung und Höflichkeit bey den Asiaten: der erste Schritt zur Be— kanntschaft muß mit einem Geschenke begleitet seyn; für das Empfangene bemüht sich jeder, seine Erkenntlichkeit, wenn auch nur durch eine geringe Kleinigkeit, zu bezeigen. — 5 1—— henn lte, r der nn at⸗ e Ovid hat sehr recht, wenn er sagt: vulgus utilitate ami— citiam probat: der große Haufe schätzt die Freundschaft nach dem Gewinn.— Man sandte uns einige Stücke chine— sisches Seidenzeug, blauen Atlaß und gemusterten Taffet. Die Ueberbringer erhielten von mir angemessene Geschenke. Nach einer halben Stunde kamen der Bitcheschi Tschen und der Boschko, nach ihrer Zurückkunft aus dem Jamun, in meine Jurte, wo damahls sich auch der Vorsteher der Mission befand. Auf meine ergangene Bitte erklärten sie mir: a) daß der in dem Jamun zu Gericht sitzende Wan nicht eingewilligt habe, uns Jurten auf der weitern Reise anweisen zu lassen, weil dieses ehedem nicht geschehen sey; überdieß reise die Mission auf eigene Kosten und ihres eignen Bedürfnisses halben. Da unsre Führer unsern Verdruß darüber bemerkten, und der Archimandrit sagte, daß wir sehr von der Kälte in Gobi leiden würden, beruhigten sie uns damit, daß sie hofften durch ihre Anordnungen uns zwey Jurten, Argal und Wasser zu verschaffen. b) Es wäre nicht möglich, daß ich den Kutuchta-Gegen(Hehen) sehen könnte, weil er von der beendigten weiten Reise, und auch davon ermüdet sey, daß er mehr als hunderttausend Menschen, seine Verehrer, gesegnet habe. Endlich e) zur Aufbewahrung unsrer Swiebacke müßten wir selbst einen zuverlässigen Kaufmann in Maimatschen bey Urga aufsuchen. Spät am Abend war der Tußulachtschi Idam bey mir. Von diesem erfuhren wir, daß er, ob er gleich bey dem Vor— trage unsrer Forderungen nicht bey dem Wan und Amban gewesen, dennoch wegen einer besondern Angelegenheit, bey dem Wan nachher erschienen war, und den eigentlichen Sinn der Entscheidung meiner Bitte erfahren hatte. Diese besteht darin, daß der Wan wegen der unumgänglichen Versorgung der Mission mit Jurten bis nach Chalgan hin, keine Befehle 88— geben könne, auch dazu nicht das Recht habe. Denn erst— lich werde die Mission auf einem solchen Wege reisen, wo es keine beständigen Stationen giebt, und überdieß erstrecke sich die Gewalt seiner Durchlaucht(als Gränz-General— Gouverneur in den Chalchassen) nur bis an die nächste russische Gränze; aber dessen ungeachtet werde die Mission auf der fernern Reise nicht ohne Jurten bleiben. Was un— seren Besuch bey dem Kutuchta-Gegen(Hehen) betreffe, so sey dieß Fremden nicht verboten. Aber, setzte Idam hinzu, es ist den Russen bekannt, daß der Gegen(Hehen) ein menschliches Geschöpf ist, ein unerfahrner Knabe, der außer seiner Muttersprache keine andere weiß; folglich, auf welche Art würde es den Russen möglich seyn, ihn anzureden. Ueberdieß trägt der vergötterte Knabe Trauer, wegen des Todes des Bogdo. Im folgenden Jahre könnte es uns vielleicht möglich seyn, den Kutuchta-Gegen(Hehen) und seinen Schandsaba zu sehen, welcher jetzt sehr mit dem Empfange der Verehrer und der von ihnen dargebrachten Opfer beschäftigt seyp. Der Tußulachtschi fragte mich hier— auf, wie lange wir uns vorgenommen hätten, in Urga zu bleiben. Es wurde die Antwort gegeben, daß wir, bey der ersten Zusammenkunft mit den hiesigen Beamten, auf ihr Zureden, zum Ausruhen 7 Tage bestimmt hätten; 4 hätten wir zugebracht, also blieben uns noch 3 Tage zum Aufenthalte übrig. Idam erwiederte lächelnd: und wenn es über sieben sind, wird die Mission wohl noch 10 Tage in Urga blei— ben müssen?— Ich sagte, alles käme auf den Willen des Wan und Amban an. Doch zweifelten wir nicht im geringsten an ihrer guten Gesinnung gegen uns; sie würden gewiß nichts für uns nachtheiliges wünschen. Die Mission hätte schon 2 Monate in Kiachta zugebracht, in der vergeblichen Erwartung der chinesischen Führer, und wenn sie nun auch — 5„„ 8—————— n ers⸗ „ wo strecke eral⸗ ichste ssion un⸗ so zu, ihr Aten halte jeben blei⸗ Wan gsten gewiß alte lichen auch b * 1 hier aufgehalten würde, so müßte wegen der späten Jahrs— zeit, unser Vieh in Gobi von der Kälte zu Grunde gerichtet werden. Idam, so wie auch alle übrigen mongolischen Beamten, entschuldigte sich, daß nach der im Mai erfolg— ten Zurückkunft der urgaischen Couriere aus Irkutsk, die Meldung des Gouverneurs sogleich mit einem Expressen von dem Wan an den Gerichtshof der auswärtigen Ange— legenheiten in Pekin gesandt worden sey. Aber der Bitche— schi und Boschko waren, dem Anscheine nach, spät zur Ge— leitung der Mission abgesandt worden, und waren zu lang— sam gereist, nicht mehr als zwey Stationen des Tages; und von Pekin bis nach Kiachta rechnet man 60 Stationen. Wie dem auch sey, ich überließ alles dem Gutbefinden des Wan und Amban; wenn wir aber durch Verspätung, irgend einem Unfälle, wie frühere Beyspiele lehrten, auf dem uns bevorstehenden Wege ausgesetzt würden, müßten sie alle Zerrüttung, die daraus entstehen könnte, wieder gut machen. Rasgildejew J. begleitete den Idam bis zu seiner Jurte. Als er Abschied nahm, sagte der Tußulachtschi, daß die Mission wahrscheinlich noch bis zum öten Tage des 10ten Mondes(nach unserm Kalender bis zum 1. Oct.— oder 13. Oct. N. St.) bleiben würde, zu welcher Zeit der Courier aus Pe— kin zurückkehren müßte, der von dem Wan dahin gesandt worden, mit der Bitte um die Erlaubniß, sich dem neuen Bogdo, zur Bezeigung seiner Unterthanentreue vorzustellen; ob aber irgend etwas von der Mission geschrieben worden, davon sagte Idam nichts. Neue Ungewißheit, neue Entfernung des Zieles unserer ungeduldigen Erwartungen! Als der Tußulachtschi Idam bey mir war, erzählte er, daß jetzt der Wan und Amban, mit dem Sargutschei und ihren Bitcheschi's, jeden Morgen sich in dem Jamun in Trauerkleidern versammelten, und die Trauergebräuche nach dem Tode des Bogdochan begingen. Dieses geschieht auf folgende Art: man stellt im Zimmer eine kleine Kiste hin, mit Erde— dem allgemeinen Antheile der Sterblichen, gefüllt; den versammelten Mitgliedern der Gerichtssitzung wird Thee mit Milch in zinnernen Schalen*) überreicht; sie müssen etwas Thee auf die vor ihnen liegende Erde ab— gießen, und hierauf den Thee trinken unter Vergießung von Thränen des Schmerzens über den Verlust ihres Beherr— schers. Diese Ceremonie währt die ganzen hundert Tage der Trauer hindurch, wenn nicht ein allergnädigster Befehl des neuen Kaisers zur Abkürzung derselben erfolgt. Ueberdieß erfuhren wir von Idam, daß man in dem urgaischen Jamun gemeiniglich alle chalchassischen Ange— legenheiten untersuche: die politischen in Bezug auf die Gränze, die Kriegsangelegenheiten, die innern und gericht lichen Sachen, die bey den Mongolen dieser Gegend vor— fallen. Die Richtersprüche geschehen nach gedruckten Ge— setzen; die Entscheidung des Jamuns wird dem Wan und Amban seinem Rath und Prokurator, zur Bestätigung vor— gelegt. Bey gewöhnlichen Streitsachen wird der Richter— spruch, nach der Bestätigung durch den Wan, vollzogen; aber in Sachen von vorzüglicher Wichtigkeit erbittet er sich jedesmahl die Entscheidung von dem pekinschen Dshurg an (dem Gerichtshofe der auswärtigen Angelegenheiten). Die Strafen werden den Verbrechen angemessen; bey Verhören wendet man auch Foltern an; diese, sowohl als jene sind grausam. Die Strafen sind unmenschlich: das Rädern, das *) Nach chinesischer Sitte trinken die Mitglieder an den Orten der Gerichtssitzungen Thee, und können auch sogar Tabak da rauchen. A. d. V, 1 b 55 Zerreißen eines lebenden Verbrechers durch vier Pferde, das Kochen der Füße in siedendem Wasser u. s. w. u. s. w. In Urga gab man uns nicht selten ganz feuchtes Holz; aber auch dieses konnten wir nicht einmahl bestimmt fordern. Ueberhaupt ließen es die pekinschen Beamten bey der Fortsetzung der Reise fühlen, daß die Mission auf ihre Kosten reise; diese Bedingung wird mit merklichem Be— streben in den Papieren des pekinschen Gerichtshofes der auswärtigen Angelegenheiten wiederholt. Die Wache und die Versorgung mit Holz in unserm Klosterhofe wird nach der Reihe durch Schabinen und Unterthanen der Chane Tuschetu und Zezen, als den nächsten bey Urga verrichtet. Die Wachen sind in den Nächten sehr störend, indem sie mit Schlägeln in die Hände klopfen; auf diese Art geben auch die Schildwachen, beym Anfange jeder Stunde der Nacht das Zeichen zur Ablösung. Hier fliegen Vögel herum mit rothen Schnäbeln und Füßen, bekannt bey den Mongolen unter dem Nahmen Ulän-choschütu Rothschnäbel. Der Titularrath Per— wuschin, der 1807 und 1808 die Mission begleitete, nennt sie in seinem Journale Dohlen mit gelben Schnäbeln; aber unserer Bemerkung zufolge haben sie ein Geschrey, das dem Zwitschern oder Pfeifen des Dompfaffen(Gimpels) gleicht. Heute sahen wir eine Probe chinesischer Ehrlichkeit. Der Dolmetscher des bey unserer Mission befindlichen Bit— cheschi ging in eignen Angelegenheiten nach Maimatschen und erbot sich für uns 20 Gin(29 Pfund) Reis zu kaufen. Er erhielt das Geld für die ganze Menge desselben; er brachte aber drey Gin weniger, und bekam, dem Preise nach, un— gefähr 5 Tschin oder einen Rubel in Silber noch darüber. Den 20. Sept.(2. Oct. N. St.) kam der Tußu⸗ achtschi Idam nach 7 Uhr zu mir und fragte von neuem, ob ich nicht gerade solchen Kamlot hätte, wie ich dem Am— ban geschenkt habe. Obgleich Idam sagte, daß der Kamlot für den ältesten Sohn des Wan, Arablän Dordshi nöthig wäre, der sich fertig gemacht hätte, bald nach Pekin zu reisen, so konnte man doch an den häufigen Nachfragen der mongo— lischen Beamten nach diesem Zeuge, die sie bald geradezu, bald durch Umwege thaten, bemerken, daß dieses entweder dem Wan sehr gefallen habe, oder daß das Gefühl der Mit— buhlerschaft dieses Verlangen erweckte, weil die, welche den Wan zunächst umgaben, nicht ein einzigesmahl bey uns nach dunkelblauem Tuche fragten(wie dem Amban im Nahmen des Statthalters von Irkutsk übersandt worden war). Zum Unglück hatten wir weder das eine noch das andere. Im Gespräche sagte Idam, daß der älteste Sohn des Wan, sein Erbe, mit mir bekannt zu werden wünschte; ich erklärte hierzu meine völlige Bereitwilligkeit. Um 10 Uhr ritten wir auf mongolischen Pferden aus, um uns in der Stadt umzusehen. Mit mir ritten die bei— den Kasaken-Offizier und der Dolmetscher, mit drey Kasa— ken; wie auch der Hierodiakon Israel, die Studenten und Kirchendiener. Uns begleiteten der Tußulachtschi Demit, der Sakirochtschi Darmadsap und einige Mongolen. Von dem Hofe aus begaben wir uns gerade nach den hiesigen Tempeln und Palästen des Kutuchta-Gegen(Hehen), welche von un— serm Klosterhofe fast eine Werste weit gegen Westen liegen. Eine ziemlich hohe Umzäunung oder Ringmauer verhinderte uns, vollkommen die Architektur dieser Gebäude zu übersehen, die eins neben dem andern standen. Die Tempel sind von Süden nach Norden gewendet, haben grüne Dächer, und oben auf dem einen glänzt ein ausgezacktes, hell vergoldetes Gitter. Der Kutuchta wohnt innerhalb der Ringmauer in einer beson— dern Jurte, nach der Gewohnheit der Nomadenvölker. Es — — 1 ist bekannt, daß selbst die mongolischen 1 immer in Jur⸗ 5 ten oder Kibitken wohnen; ein Beyspiel hiervon sehen wir 900 auch an den bucharischen, chibinischen und übrigen Chanen. 0 Weiter von den Tempeln gegen Norden steht ein sehr großes W hölzernes Gebäude— die Schule, worin die Lama's lehren, i, tibetische Bücher zu lesen und auf Blase-Instrumenten zu 9 spielen. Wir ritten absichtlich zu einer solchen Zeit, wo alle, 7 1 nach hiesiger Sitte, das Mittagsmahl halten; auch versam— 1 meln sie sich zum Gebete gegen Abend. Dessen ungeachtet lie— 5 fen zahlreiche Haufen von Mongolen, Geistliche und Weltliche, 8 1 uns entgegen, und erschwerten uns sehr unsern Weg. Der den Schandsaba schickte zu unsrer Begleitung zwey seiner Chal— ds chatschi ab. Hinter der Schule befindet sich ein besonderes ohn Haus zur Zubereitung der Speisen für die Chubarak's oder lz Schüler der Lama's, deren hier mehr als Tausend wohnen, und auf Kosten des Gegen(Hehen) unterhalten werden. 185 Nordöstlich von dem Tempel stehen einige Jurten, worin ei⸗ der Schandsaba wohnt; neben diesen ist ein Gebäude, wo sa⸗ die Kasse des Kutuchta aufbewahrt wird; es hat das An— 0 sehen eines gemeinen Bauernhauses, mit einem Dache von et Erde. Auf der nordwestlichen Seite sind Niederlagen für m die Vorräthe; bey dem Thore ist ein Pferdestand, in wel— bn chen man die Kameele, Pferde, Schafe und das übrige n⸗ Vieh treibt, das von eifrigen Verehrern dem Kutuchta zum n. Geschenke dargebracht wird. Die Tempel stehen auf einem te weiten ebenen Platze. Vor den südlichen Hauptthoren der— n, selben ist ein kleiner Platz, von hölzernen Säulen mit Quer— on balken, die mit rother Farbe angestrichen sind, umgeben; hen dort werden die lamaischen Ceremonien vollzogen; und auf ter. einer besondern hölzernen Einfassung, auf der Südseite die— on⸗ ses Kreises singen sie Gebete, und verbrennen wohlriechende Ed Sachen an den Tagen der festgesetzten Feste. An den Sei— ä —— 5 jenes weiten ebenen Platzes sind Höfe, mit Stangenzäunen umschlossen; in jedem steht eine weite Jurte, auf Säulen befestigt, mit weißem Nankin umspannt; sie dient als Pri— vattempel jeder chalchassischen Chanschaft. Die Bürger von Urga, Geistliche und Weltliche, wohnen alle in Jurten, wovon einige von Weiden, die in den Höfen wachfen, umschattet sind. Die Straßen sind so enge, daß kaum zwey Menschen zu Pferde neben einander vorbey kommen können. Am linken Ufer der Tola, den Tempeln gegenüber er— hebt sich der ungeheure Berg Chan-CGla d. i. König— Berg*). Auf einer von den unteren Felsen desselben sind mit weißem Steine ungeheure Buchstaben in manshurischer, chinesischer, tibetischer und mongolischer Sprache ausgelegt, welche die Worte himmlische Freude bedeuten; dieß *) A. W. Igumnow, jetzt in Irkutsk wohnhaft, schreibt in seinen Nachrichten von der Mongoley, die im sibirischen Boten 1819. Thl. V., S. 15. abgedruckt sind, diesen Berg betreffend: „der Chan- ola ist bey den Chalchassen durch die Versamm— lungen berühmt, die aller drey Jahre da gehalten werden. Dort wird die Volkszählung vollzogen, alle nützliche Unterneh— mungen werden dort angefangen, und Maaßregeln gegen un— gerechte Anmaßungen und Feindschaften der Mongolen unter sich, festgesetzt. Auf der Südseite des Berges ist ein Tempel errichtet, dessen erhabene Pracht der Wichtigkeit dieser Ver— sammlung entspricht. Der Berg ist steil auf der nördlichen, und sanft abhängig auf der südlichen Seite. Seine Länge erstreckt sich auf 40 Werste(5? deutsche Meile), die Höhe aber, vergli— chen mit dem auf der südlichen Gränze Sibiriens liegenden Bergen, ist unbedeutend“— Diese Vergleichung kann sich nur auf die sibirischen Gletscher beziehen, oder auf solche Berge, welche eine sehr große Hohe über die Fläche des See Baikal haben, und deren Granitgipfel mit ewigem Schnee bedeckt sind. Aber in allgemeiner Beziehung auf die Oberfläche Mit— telasiens ist der Chanola, seiner Lage nach, ungleich höher als jene Berge. A. d. V. —— U — 125— sind die Gefühle der Chalchassen bey Gelegenheit der Wie— dergeburt des Kutuchta. Selbst durch die Größe der Buchstaben wollten sie die Würde dieser hohen Feyer andeuten. Man sieht die Aufschrift deutlich sogar aus dem russischen Kloster— hofe. Der Gipfel des Berges ist mit Waldung bedeckt; in den Klüften sind die Jurten der Wachthabenden(Zag da) aufgeschlagen, damit keines Sterblichen Fuß es wage, diese dem lebenden Götzen Gegen(Hehen) geheiligten Plätze zu be— treten. In diesen Schluchten herrscht ewige Stille, und wilde Ziegen wandeln dort ohne Furcht in zahlreichen Heerden. Als wir an den Fluß Tola kamen, sahen wir das große Lager des vor Kurzem hier angekommenen Tuschetu Chan. Von dem ebenen Platze kamen wir zu dem Flüßchen Selbi hinunter, das viele Arme hat und nicht weit von hier in die Tola fällt. Auf der Aue sind viele Buchten und kleine Seen. Nahe am Hofe des Wan zeigte man uns auf der Ebene einen Platz, wo bey feyerlichen Gelegenheiten bey den Mongolen Kämpfe im Ringen, Bogenschießen und Pfer— 8 Aeuß derennen gehalten werden. Das Aeußere des Hauses des Wans verkündet im Geringsten nicht, daß unter diesem nie— dern Dache ein Großer wohnt— der an einem genug verfei— nerten und üppigen Hofe erzogen ist; ein Abkömmling des Dshingis-Chan, der eine chinesische kaiserliche Prinzessin zur Gemahlin hat; der Wan, der mächtigste von allen mongo— lischen Fürsten, und endlich ein Minister, dessen Antheil an den Unternehmungen der Europäer an den Gestaden Finn— lands bekannt ist, und vielleicht selbst bis zu der stolzen Themse hinwirkt. Das Haus ist mit einem Stangenzaune umgeben; um diesen herum wachsen kleine Birken, zwischen welchen weiße Jurten hervorschimmern. Durch den Hof ist, vor den Fenstern dieses bescheidenen Palastes, ein Bach ge— — leitet, der aus den nördlichen Bergen herfließt. Ueberhaupt lieben die Chineser, und Leute, die sich nach ihrem Geschmacke gebildet haben, die Natur, und streben, ihre Schönheit so— gar in die Städte überzutragen; ich meine dieses von Gär— ten, Blumenbeeten u. s. w. Von dem Hause des Wan wendeten wir uns links anf der Aue, und ritten neben seinem kleinen Garten vorbey, der mehr einem Küchengarten gleicht, mit einem Zaune um— geben ist, und etwa 60 Klaftern weit von dem Hause gegen Süden, zwischen der Selbi und der Tola liegt. In diesem Garten sieht man kleine Seen, einen Brunnen, einige Beete mit Kohl, eine alte Laube mit Weiden umringt; zwey schöne Pferde weideten dort auf einer Wiese. Auf dem Rückwege ritten wir bey einem Hause vorüber, in welchem gewöhnlich der Aufenthalt der Amban's von Urga ist. Dieses Haus steht von der Wohnung des Wan gegen Osten ungefähr eine halbe Werste, zwischen zwey Armen des Flüßchens Selbiz über einen davon ist auf Pfählen eine lange schmale Brücke geschlagen, über welche man nur zu Fuße ge— hen, oder auch mit einem Pferde reiten kann. Ueberhaupt haben die Paläste der urgaischen Gebieter eine große Aehn— lichkeit mit den hölzernen Häusern unserer unbemittelten Gutsbesitzer. Das Haus des Amban ist dem russischen Klo— sterhofe etwas näher; nachmittags um 2 Uhr kamen wir wieder dahin zurück. Nach einer Stunde wollte der Pat. Archimandrit mit den übrigen Mitgliedern der Mission, bey dem heitern Wet— ter am Ufer der Tola spazieren gehen; aber der Bitcheschi Tschen gab ihm keinen Wegweiser, indem er vorwendete, daß er hierzu noch nicht die officielle Entscheidung von dem Wan habe. Der auf dem Hofe befindliche Tußulachtschi Demit versicherte das Gegentheil, und merkte an, das die chinesisch— pekin'schen Staatsbeamten sehr viel Ceremoniel lieben.„und wir Mongolen, sagte er, erstatten dem Wan Bericht an jedem Orte, und zu jeder Zeit.“ Er ging über diesen Ge— genstand in eine Erklärung mit den Chinesern ein, und das Mißverständniß endete damit, daß unsern Leuten erlaubt wurde, auszugehen. Dem zu Folge wurden die Kasaken der Bedeckung in die Stadt abgeschickt, unter Begleitung derselben beiden Chal— chatschi's, von denen oben die Rede war, und die, nach der tückkehr unserer Leute, mit angemessenen Geschenken belohnt wurden. Der älteste von ihnen ist in der am Flusse Cheru— lion(Kerlon) liegenden Steppe geboren, und lebt hier am Hofe des Kutuchta, auf seine eigenen Kosten; der jüngere aber, von Ansehen mehr einem Europäer ähnlich, ist von den Ufern des Orchon. Diese Chalchatschi's sagten uns, daß dem Kutuchta eine besondere Summe von dem Bogdochan als Tafelgeld geschickt werde. Die Heerden des Gegen(Hehen) darf niemand anrühren; nur die Hirten allein benutzen die Wolle und die Häute des gefallenen Viehes. Dagegen sendet der Kutuchta selbst jährlich eine festgesetzte Anzahl Pferde und Hammel an den Bogdochan und Dalai-Lama. Den 21. Sept.(3. Oct. N. St.) des Morgens besuch— ten mich der Terigun Charzagai und der Tußulachtschi Idam. Der erstere meldete, daß, meinem Wunsche gemäß, die Söhne des Wan geneigt wären, mich heute nachmittags zu em— pfangen. Nach ein Uhr begab ich mich nach dem Hause des Wan, mit dem Wagenmeister, dem Kasaken-Aeltesten und dem Dolmetscher, in Begleitung von vier Kasaken, des Boschko Urgentai, des Charzagai, Sakirochtschi und einiger Mongolen. Bey dem Haupteingange standen die Leibwäch— „ ter in derselben Ordnung, in welcher wir sie am 17. Sept. (29. Sept. N. St.) sehen. Nachdem wir bey zwey ver— schlossenen Thüren oder Schutzdecken vorübergegangen wa— ren, wendeten wir uns links in einen engen kleinen Hof, aus welchem wir gerade in das Zimmer, oder den Lehr— saal mit einer Scheidewand, traten. Dort fanden wir die drey ältesten Söhne des Wan, die uns erwarteten. Der älteste, Terigun Taidsi, mit Nahmen Arabdan Do r— dshi, ist 32 Jahr alt; der mittlere 25; der jüngste 23 Jahr. Alle drey sind nicht groß von Person; der älteste ist hager und hat einen scharfen Blick; die zwey jüngern sind wohlbeleibt, der jüngste sieht dem Vater sehr ähnlich. Sie waren schwarz gekleidet. Nach dem Eintritt in das Zimmer bezeigte ich allen drey Fürsten meine Hochachtung, und zum Unterpfand der Erkenntlichkeit für die uns von ihrem Vater bewiesene Auf⸗ merksamkeit, zugleich auch wegen der neuen angenehmen Bekanntschaft, überreichte ich ihnen in meinem Nahmen 6 Arschinen rothes Tuch und eben soviel dunkelblauen Kasi— mir; überdieß eine Schnupftabaksdose mit einem bronzenen Medaillon, einen Präsentirteller, zwey silberne Tischlöffel, eine Schere, ein Paar Tischmesser mit Gabel, und eine stählerne Lichtputze mit Untersetzer, von der allerfeinsten Arbeit; zwey Paar ausgenähete kasanische Stiefeln, zwey saf— sianene mit Zinn ausgelegte Kästchen zum Rauchtabak, zwey Büchsen wohlriechender Pomade, und zwey Gläschen der besten Spiritus. Im Nahmen des Pat. Archimandriten wurden ihnen ein Paar krystallne facettirte Nachtlampen, sehr künstlich in der Sanctpetersburgischen Fabrik gemacht, und noch einige andere Sachen von Glas, geschenkt. Die Agassen(Fürsten) nahmen unsere Geschenke mit nit 129— besonderer Zufriedenheit an, sagten aber doch, daß wir, da wir so weit hergereist wären, uns zuviel mit dergleichen Darbringungen bemüheten. Mich ließen sie gegenüber setzen; jedem trug man eine Tasse Thee auf mit Zucker. Der äl— teste Fürst bot mir eine Prise wohlriechenden Tabak aus seiner chinesischen Tabaksdose an, und fragte, ob wir glück— lich von der Gränze aus gereist wären, ob es uns in Urga gefiele, ob wir bald weiter reisen würden u. s. w. Ich beantwortete alles gehörig, und bezeigte meinen Dank für die gütige Aufnahme, welche der Wan der neuen Mission bewiesen, und bat um die Fortsetzung einer solchen Aufmerk— samkeit überhaupt gegen ihre erkenntlichen Nachbarn— die Russen. Am Ende unserer Unterredung machte mich der Terigun Charzagai, der von uns unzertrennlich war, als Verwandter und Erzieher der jungen Fürsten, auf 5 gezo⸗ gene Röhre aufmerksam, die nebst Stützgabeln zum Auflegen an den Wänden des Zimmers hingen, alle von russt— scher Arbeit, mit Vergoldung nach mongolischem Ge— schmack. Mit diesen Flinten gehen die Fürsten selbst auf die Jagd, um wilde Ziegen zu schießen, zu der Zeit der Besichtigung ihrer Heerden. Ich bezeigte mein Bedauern, daß ich so schnell in Dienstangelegenheiten von Petersburg hatte abreisen müssen, und daher meine Flinten nicht mitnehmen konnte; auch fügte ich hinzu, daß jetzt die Gewehrfabriken in Rußland zur Vollkommenheit gebracht wären.— Wir schieden freundschaftlich von einander. Eine große Menge Mongolen sahen, während der ganzen Zeit unseres Besuchs bey den Fürsten, zu den offenen Fenstern herein, und hör— ten mit sichtbarem Vergnügen unsere Höflichkeitsbezeigungen gegen die Kinder ihres vornehmen Gebieters an. Auf diese Art hatten wir zweymahl Gelegenheit, über jenen Hof zu gehen, wo Graf Golowkin mit Würde die Ehre I. Band. 9 — 130— des russischen Nahmens gegen die Demüthigung behauptete, die von dem chinesischen Uebermuthe und dem persönlichen Stolze des Wans von Urga ihm bereitet war. Hier hält man die Festigkeit des Charakters des Gesandten für die Ursache, warum die russische Gesandschaft in Pekin nicht angenommen worden sey. So äußerten sich die chinesischen Minister im J. 1816 gegen den englischen Gesandten, Lord Amherst), der übrigens, so zu sagen, vor den Augen des Bogdochan, aber ohne ihn zu sehen, aus dem Hofe Juan— Minjuan(Chaidän), der 8 Werste(1 d. M.) von Pekin liegt, wieder abzureisen genöthigt war. Wir kehrten in unsern Aufenthaltsort auf demselben Wege zurück, bey dem urgaischen Jamun vorbey. Auf dem Wege begegneten wir einer bucharischen Karawane mit Backstein— thee, die auf 140 Kamelen aus Maimatschen bey Urga nach der Stadt Uläußuta(Pappelgegend) ging. Diese liegt von dem Flusse Selenga nordwestlich, nahe bey dem altai— schen Gebirge. Nach der Stadt Uläßuta kommt man, wie der Tußulachtschi Demit sagt, auf Kameelen aus Urga, in *) Voyage en Chine, ou le journal de la dernière Ambassade An glaise à la Cour de Pekin, par M. H. Ellis. 1818.(Reise nach China, oder Tagebuch der letzten englischen Gesandschaft an den Hof von Pekin, von M. H. Ellis.) In diesem Buche, Th. I., S. 147 wird gesagt: L'allusion faite à la Russle leur donna occasion d'observer, que I'Ambassade Russe m'avait pas été admise, en conséquence du refus fait par PAmbassadeur d'exécuter le cérémonial voulu. Die(vom Lord Amherst) auf Rußland gemachte Anspielung gab ihnen(den chinesischen Großen) Ge— legenheit zu bemerken, daß die russische Gesandschaft nicht zuge— lassen worden wäre, in Folge der Weigerung des Gesandten (Grafen Golowkin) das verlangte Ceremoniel zu beobachten.)— Nach Berichten aus London vom 13. Oet. 1822. ist Lord Am- herst zum General-Gouverneur von Ostindien ernannt. Diese Ernennung soll, wie es scheint, zur weitern Entwickelung der Pläne der Regierung zu Caleutta mitwirken. 134— 40 Tagen,— eine Seit, welche die chinesischen Kaufleute zur Reise mit Waaren aus Chalgan nach Kiachta, d. i. auf eine Entfernung von ungefähr 1200 Wersten(171 d. M.), auf untergelegten Kameelen gebrauchen. In uläßuta wohnt der Dfändsiun, oder auf mongolisch Dshandshun, d. i. der manshurische Ober-General aller Truppen des chal⸗ chassischen Fürstenthums. Dort befindet sich eine zahlreiche chinesische Besatzung mit großen Vorräthen an Reis und der Regierung zugehörigem Silber zur Besoldung der Truppen. um 3 Uhr wurden der Wagenmeister und der Dolmet— scher von mir nach Maimatschen wegen verschiedener Ein— käufe geschickt. Der Sargutschei gab ihnen seinen Weg⸗ weiser mit, und gab noch überdieß seine Zustimmung zur Auf— bewahrung des Proviants für die Kasaken. Unterdessen gin⸗ gen der Vorsteher der Mission, und die Mitglieder derselben mit mir am Ufer der Tola, in Begleitung eines wachtha— benden Soldaten, spatzieren. Dieser letztere mußte, in schweigendem Verdrusse, dieses für ihn unbegreifliche Ver— gnügen theilen. Die Mongolen, so wie alle Asiaten, sind gewohnt zu reiten, und sind zu träge, um zu Fuße zu ge⸗ hen, ja sie halten es sogar für unanständig. Wir gingen gegen Osten über zwey schmale Brücken, die über Arme der reißenden Selbi, welche neben unserm Klosterhofe vorbey fließt, gebaut sind, und sahen südlich das Haus des Amban Beiße(von dem oben gesprochen worden), von sehr hüb— scher Bauart; und auch noch ein kleines Häuschen zur Woh— nung der chinesischen Beamten, die nach Urga in Dienst— angelegenheiten kommen. Aus dem Flusse Selbi sind kleine Kanäle gezogen, um Wasser in die Küchengärten, die bey diesen Häusern angelegt sind, zu leiten. Näher am Flusse Tola steht das Haus des Amban von Urga, neben wel— 9* — chem aus demselben Flusse ein kleiner Teich angelegt ist. Die Wiese ist vom Vieh ganz ausgetreten. Magere Ka— meele benagen nur dort die Erde. Den 22. Sept.(4. Oct. N. St.) nach 9 Uhr des Morgens brachten der Terigun Charzagai und Chä Bain dem Pat. Archimandriten und mir von den Söhnen des Wan Gastgeschenke, die in chinesischem Seidenzeuge bestan— den. Die Ueberbringer erhielten: jeder der beiden Chä einen kleinen Spiegel und 2 Arschinen Plüsch, jeder ihrer drey Diener 1 Arschin. Als sie fort waren, kam der Sargutschei Choai-Loje, um Abschied von uns zu nehmen. Als ich gegen ihn die Bitte wegen einer baldigen Abreise aus Urga erneuerte, antwortete der Sargutschei, daß er nur seine Geschäfte in Maimatschen kenne, und im Jamun nicht viel Gewicht habe: wenn er jetzt käme, um von uns Abschied zu neh— men, so wäre er dazu durch die Gerüchte bewogen worden, daß wir schon uns zur Reise fertig machten. Bey aller Unbestimmtheit dieser Aeußerung nahmen wir sie doch für eine frohe Vorbedeutung einer baldigen Befreyung von dem Ausruhen in Urga. Des Abends versammelten sich bey mir, nach ihrer Gewohnheit, der Terigun Charzagai, die Tußulachtschi's Idam und Demit und Chä Bain. Lange sprachen wir von der Zeit unserer Abreise aus Urga. Demit entschuldigte sich, daß es nicht in seinen Kräften stünde zu helfen, und daß wir vielleicht bis zum 1. Oct.(13 Oct. N. St.) hier blei— ben würden; denn der Wan und Amban wünschten, daß die Mission vollkommen ausruhe. Ich beklagte mich über die Feuchtigkeit, die merklich die Gesundheit der Missions— glieder zerstöre, über das schlechte Futter für das Vieh, und sagte, für die Schonung des letzteren, als eines Eigen— 55 gt i, thums der Regierung, sey ich selbst verantwortlich; und 1 Kg⸗ darum wäre ich sehr besorgt, wir möchten, wenn wir so spät in die Steppe von Gobi kämen, einen solchen Verlust r des am Viehe erleiden, wie es bey der Reise der Mission 1807 Bain der Fall war. Ich sagte dem Tußulachtschi Demit offen, n des er sey selbst Besitzer von Vieh, und begreife gewiß den Grund einer solchen Besorgniß. Er fragte, was wir wei— stan⸗ einen ter wünschten; ob wir unser Vieh in die Ferne, auf bessre dreh Weidplätze treiben wollten, oder aus Urga wegreisen.— Wir alle antworteten mit Einer Stimme: wegreisen, und ah, die Mongolen versprachen, daran zu denken. iu die Den 23. Sept.(5. Oct. N. St.) Nachmittags gin— ˖ gen wir auf dem Wege nach Maimatschen, bey dem Hause 0 des Beiße vorbey, spazieren. Wir wollten gern bis an gpicht das Ufer der Tola gehen, aber der uns begleitende Mon— oeh gole sagte, es wäre dort sehr morastig. Von dem Hause nden, des Amban Beiße gingen wir allmählig aufwärts auf lle einen östlich liegenden Hügel, auf welchem ein Subur— 0 fir gän oder mongolisches Bethaus steht. Es wird in Gestalt 1050 einer Pyramide, auf Kosten eines Gun(Hun, Fürsten des fünften Grades), gebaut. Der viereckige Grund ist aus her unbehauenen Kieseln gemacht; die Fugen sind mit Thon, deal der mit Stroh vermischt ist, verstrichen; die Mauern aus 1 grauen Ziegeln aufgeführt, und der innere leere Raum mit sch, Sand und t ausgefüllt. In der Nähe des Suburgans 15 eee 1 einem Dshandshun Beide(Fürsten des dritten lle⸗ Garde mit Nahmen Namdshil, Wilen selüe Wide i plate in der Steppe Gobi hat. Er war, wie die chalchassischen . Chane, nach Urga gekommen, um den neuen Kutuchta-Ge— 92 gen(Hehen) zu verehren, und noch mehr wegen des Todes 0 15 chinesischen Bogdo. Hie alle erwarten mit Magz un eon vas der neue Kaiser sagen wird. Der Beide ist etwa 45 Jahr alt, ziemlich dick; er hat keinen Bart wie fast alle Mongolen. Mit merklicher Neugier betrachtete er die Rus— sen, und besonders die Kleidung der Ordensgeistlichen; er verwunderte sich nicht wenig, als er hörte, wie richtig die Unsrigen mongolisch sprachen, und daß der Vorsteher der Mission und der Dolmetscher Frolow die manshurische Sprache gut in ihrer Gewalt hatten. Der Beide, in sei— denem dunkelblauen Gewande, von fünf Dienern begleitet, kehrte auf einem schönen Rappen aus Maimatschen zurück. Von dem Hügel ist eine weite und majestätische Aus— sicht; unten an der Tola zeigt sich die Stadt mit ihren glänzenden Tempeln. Von Süden beschatten sie die langen Schatten des Chanola, und von Norden dient ihr eine Reihe hoher Berge zum Schutz gegen den kalten Wind. Gegen Westen liegen die Häuser des Wan und Amban, eine Menge städtischer Jurten, ausgedehnte Auen, und in der Ferne Berge im bläulichen Dufte. Auf der Ostseite sieht man Auen und Berge, an dem Ursprunge der Tola, Maimatschen und dort erheben sich wieder nackte Granitfelsen. Eine große Menge von Zelten, worin die zur Verehrung des Gegen(Hehen) Angekommenen wohnen; die um sie her wandelnden Pferde und Kameele geben eine größere Lebendigkeit diesen Platzen, die an sich das Gepräge einer gewissen Oede und Wildheit tragen. Das Klima von Urga selbst ist sehr rauh. Die na— türliche Feuchtigkeit der zwischen Bergen, aus denen viele Quellen entspringen, eingeengten Gegend wird durch den hohen Berg Chanola vermehrt, der die Stadt von der Süd— seite deckt, und dadurch sie der wohlthätigen Einwirkung des warmen Windes beraubt. Hier ist es so kalt, daß sogar die Küchengewächse, welche die Einwohner von Maimatschen in ihren Gärten bauen, nicht immer vor dem verderblichen —— 12 2 t ale Rus⸗ n; er g die r der rische sei⸗ itet, rück. Aub ihren angen r eine Gegen Menge Berge und h dort Menge ehen) fferde ttzen, heit na⸗ viele den Büd⸗ 9 de sogat ischen blechen 1 Reife und den Morgenfrösten gerettet werden. Die in Urga wohnenden Chineser nehmen ihre Zuflucht zu ihren kiach— taischen Küchengärten, deren Erzeugnisse auch die angränzen— den Russen benutzen. Ueber 2 Werste(& deutsche Meile) unterhalb Urga ist ein Platz, der ohne Vergleich bequemer zu einer größern Niederlassung ist. Als wir von dem Hügel wieder herab nach der Stadt kamen, gingen wir bey einem Hause vorbey, am linken ufer der Selbi, in welchem der Achäi Gun(Hun), der Polizeymeister von Urga wohnt. Der Hof, so wie auch alles Uebrige, ist mit einem Stangenzaun umschlossen; in— nerhalb desselben sind einige hölzerne Schuppen und Jurten; die Jurte des Hausherrn ist mit dunkelblauem Daba leine Art Nankin) umzogen. Der hiesige Polizeymeister verwaltet die Stadt- Angelegenheiten in Verbindung mit dem Schand— saba(auf tibetisch Zän dsol oder Tschäkdsot), weil den größten Theil der Bürger von Urga die Geistlichkeit aus— macht, über welche der Schandsaba in allen Fällen der Rich— ter ist. Man sagt, daß in diese richterlichen Untersuchungen sich weder die andern Lama's, noch auch selbst der Kutuchta einmischen. In Urga rechnet man ungefähr 7000 Einwohner; unter dieser Zahl sind zum fünften Theile bloß Lama's. Am Abend besuchte ich mit Rasgildejew I. den Tußu— lachtschi Idam; dort fanden wir den Terigun Charzagal und den Sakirochtschi. Die Gäste scherzten über den Tu— ßulachtschi, daß er so selten zu uns käme, und dadurch uns gleichsam aufforderte, zu ihm zu kommen. Idam— reich an asiatischer Bildersprache, auf die Erscheinungen der Na— tur selbst gegründet— sagte, um zu beweisen, daß wir, wegen unsrer Jugend, ihn, als einen Alten, öfter besuchen müßten:„ein alter Baum, der abgesondert steht, stürzt bald nieder; aber, unterstützt von den Zweigen junger Bäume, 2 b. 2 2 — 1 53— 2 —————— 4— —— — r —— 1 136 kann er noch den Sturmwinden widerstehen.“ Der Tußu— lachtschi sagte uns, daß sie schon wegen unsrer Sache eine Berathschlagung gehalten hätten, und der Terigun werde nach einer Stunde zu dem Wan abgehen, um ihm Bericht zu erstatten. Ich unterließ nicht bey dieser Gelegenheit den Terigun zu bitten, daß er Theil an der Lage der Mission nehmen möchte. Den 2. Sept.(6. Det. N. St.) kam zu mir der Aufseher unsers Klosterhofes, der Sakirochtschi Darmadsap. Er war einigemahl in Dienstangelegenheiten in Uläßuta, wohin er mit Postpferden von Urga in 16 Tagen gereist war; der Weg ist sehr beschwerlich, man muß auf den tücken hoher Berge, und über reißende Flüsse sich durch— winden. Er sagte uns auch, daß 8 Tagereisen von Urga, gegen Westen, in den Bergen warme Mineralquellen, am meisten Schwefelquellen sind, Aqua hydrothionica; das beweist selbst der Schwefelgeruch, den man schon von weitem empfindet. Die Mongolen nehmen, nach dem Rathe ihrer Lama's, in einigen Krankheiten zu der Hülfe dieser Wasser ihre Zuflucht; dort ist aber ganz und gar kein Gebäude er— richtet; nur Gruben sind in den steinernen Boden gegra— in welche, anstatt der Badewannen, sich die angekomme— nen Kranken setzen, und die Heilung ihrer Krankheiten erhalten. Rach einiger Zeit kamen der Bitcheschi und Boschko aus dem Jamun zurück. Mit finsterm Blicke meldeten sie uns, daß der Wan, in Erwägung der Lage unsrer Mission, wie auch, daß sie in Folge eines Traktats, dessen Heiligkeit bey der gegenwärtigen manshurischen Dynastie unerschütter— lich fest besteht, reise, endlich die Entscheidung gegeben habe, daß wir unsere Reise fortsetzen könnten; wenn indessen aus Pe— — —— —!?ͤͤ7ñ. kin irgend ein besonderer Befehl die Mission betreffend ein— ginge, werde er eilen, uns dieses unter Weges zu wissen zu thun. Mit dem Gefühl der lebhaftesten Freude empfingen wir diese Nachricht. Sogleich befahl ich den Kasaken unsre Roßheerde nach Urga zu treiben, um am folgenden Tage von hier abzugehen. Während des Mittagsessens kam der Bitcheschi zu mir. Es war unmöglich, in seinem Gesichte nicht ein starkes Miß— vergnügen zu bemerken. Am Abend bewirthete der Pat. Archimandrit bey sich sowohl die Führer, als auch die mon— golischen Beamten; die sich bey unserm Klosterhofe befanden. Der Bitcheschi und Boschko blieben in der Jurte des Archi— mandriten nicht länger als eine halbe Stunde. Als sich von da der Terigun Charzagai, die Tußulachtschi's Idam und Demit und der Sakirochtschi entfernt hatten, kamen die Manshuren wieder zu dem Vorsteher der Mission. Dort äußerten sie ihren ganzen Unwillen gegen die Mongolen darüber, daß der Wan heute weder den Bitcheschi noch den Boschko vor sich gelassen; sondern nur im Jamun ihnen angezeigt habe, daß am vorigen Abend der Terigun Charza— gai, zu Folge der einstimmigen Meinung der ältesten mon— golischen Beamten, dem Wan die unumgängliche Nothwen— digkeit, daß die Mission weiter reisen müsse, vorgestellt; worauf seine Durchlaucht auch die Entscheidung gegeben habe. Eine solche Wendung der Sache kränkte sehr den chinesischen Stolz. Bittere Scherze auf Rechnung der Mon— golen und selbst Schimpfreden strömten aus dem Munde des Bitcheschi und Boschko. „„ Väertes Kapitel. Fortsetzung der Reise nach den südlichen Gränzen des chalchassi— schen Fürstenthums. Den 25. Sept.(7. October N. St.) in der Nacht ging der Frost bis auf 6 Grad nach dem reaumür'schen Thermometer. Wir standen früh um 4 Uhr auf, um 8 Uhr schickten wir unser Gepäck aus Urga, und endlich um 10 Uhr nahmen wir Abschied von dem Terigun Charzagai, dem Tußulachtschi Demit und dem Sakirochtschi Darmadsap, und verließen den kothigen urgaischen Klosterhof, zur innigen Zufriedenheit aller Mitglieder der Mission. Bis zu dem östlichen Suburgan, der oben erwähnt wurde, gingen wir zu Fuße, um das heitere und warme Wetter zu benutzen. Unaufhörlich begegneten uns Verehrer des Gegen(Hehen), die in Haufen zu seinem Tempel ström— ten. Der neue Sakirochtschi, der uns bis zur folgenden Sta— tion begleiten mußte, machte, um nicht ohne den Segen des Kutuchta-Gegen(Hehen) die Reise anzutreten, vor unsern Au— gen bey demselben Suburgan einige Verbeugungen bis zur Erde, mit demüthigem Gesichte sich gegen den Tempel wendend. Der Tußulachtschi Demit begleitete mich, nicht aus Dienst— pflicht, sondern aus freundschaftlicher Gesinnung, wie er sagte, 3 Werste(fast 2 deutsche Meile) weit von Urga, und kehrte dann zurück, um dem Wan die glückliche Abreise der Mission zu melden. Von Urga aus, oberhalb des Flusses To la, gingen wir in gerader Richtung gegen Osten 10 Werste(1, oder 12 deutsche Meile) auf einem mit Steinen übersäeten Wege. Maimatschen blieb zu unsrer Rechten; hinter den Küchen— gärten sah man einige hölzerne Dächer, die über Gräbern hier verstorbener Chineser erbaut waren. Dann gingen wir 255 über das Flüßchen Uliutui, das von Norden nach Süden fließt und in die Tola von der rechten Seite fällt. Am Ursprunge dieses Flüßchens wurde bisher unsere Roßheerde unterhalten; wirklich bemerkte man da ganz und gar nicht viel Gras, und nur Steine liegen da. Auf der linken Seite unseres Weges ist eine Kette von Bergen; und auf der rech— ten ragt der königliche Chanola jenseit der Tola, empor. Dieser Fluß theilt sich dort in viele mehr oder minder tiefe Arme; sein Wasser, so wie bey fast allen Bergströmen, die über Steingrund fließen, ist sehr hell und durchsichtig. Dem Berge Bain Dshiruch é(auf mongolisch: das reiche Herz) gegenüber, gingen wir auf das linke Ufer der To la über. Zwey Mongolen aus schabinischer Gerichtsbarkeit leiteten den Uebergang durch den Furth. Die Strömung des Flusses ist sehr reißend. Der Manshur Tulischen, der durch diese Gegenden nach Rußland im Jahre 1712 reiste, sagt*), der Fluß To la sey, zur Zeit seiner Durchreise, im Anfange des Septembers von dem Regen ganz ausgetreten gewesen; durch einen Furth zu gehen war nicht möglich, zum Ueberfahren waren keine Fahrzeuge da, und so fanden sie sich gezwungen, in Erwar— tung des Sinkens der angeschwollenen Gewässer, drey Tage und drey Nächte dort zu halten. Die Reisenden fingen dort Fische, mehr als zehn Sander und Hechte, wovon jeder über einen Arschin lang war. Dann schossen sie mit Flinten auf dem Chanola einen sehr großen Hirsch.„Der Fluß Tola, fährt Tulischen fort, kommt aus dem Fuße der westlichen Seite des Berges Gentéi(Hentéi) hervor, fließt gegen Westen und ergießt sich in den Orchon, der aus dem Berge *) S. die oben angeführte Reise. S. 25 ff. A. d. V. „ Changi entspringt; sie umfließt diejenigen Gegenden, wo (ehedem) Dshabdsiun Dombo Kutuchta und Tuschetu Chan ihre Nomadenplätze haben, strömt gegen Nordwest und verei— nigt sich endlich mit der Selenga. Jenseit der Tola, auf der nördlichen Seite, liegen drey Gebirgshöhen, Songin ge— nannt; dort sind in den Hohlwegen drey große Quellen, un— ter dem Nahmen Selbi bekannt. Die Berge sind sehr hoch, mit spitzigen Steinklippen. Die Wege durch diese sind sehr beschwerlich und enge. In den Klüften wächst dichtes Gras, und schöne Blumen ranken darin, die mit ihrem Glanze das Auge bezaubern, und ein sehr liebliches Gemählde bilden.“ So waren wir also über die Tola hinüber. In der Strecke von Kiachta bis Urga dünkte es uns immer noch, als reiseten wir in dem innern Gebiete, das zu der russischen Gränze gehört und von unsern Buräten bewohnt ist; so viele Aehnlichkeit ist in den Ansichten und den Erzeugnissen der Natur. Aber der erste Schritt jenseit der Tola zeigt uns, daß wir schon in einem fremden Lande sind. Wir tranken ein Glas frisches Wasser aus dem Flusse— dem letzten bis zur großen chinesischen Mauer hin, und zogen nun in die steini— gen, düstern mongolischen Wüsten. Von dem linken Ufer der Tola an nimmt der Weg eine südöstliche Richtung, die er fast bis nach Pekin hin behält, einige kleine Krümmungen zwischen den Stationen ausge— nommen. Ungefähr 15 Werste(über 2 deutsche Meilen) gingen wir immerfort bergan auf Bruchstücken von Steinen. Von der rechten Seite stößt, einige Werste lang, ein Zweig des Chanola an den Weg. Auf diesem Gebirgszweige ra— gen ungeheure Steine empor, gleich Riesen sich erhebend, um die bekannten Russen zu beschauen. Selbst der Gipfel dieses Berges ist mit Fichten, Lärchenbäumen, zum Theil auch mit Birken, bedeckt. Aus dem Rücken des Berges strömen 1— N „ viele Bäche herab und bilden das Flüßchen Kul, das in die Tola) fällt. In den Niederungen, am Fuße des Ge— birges weideten Büffelheerden. Auf der Strecke vom Ufer der Tola bis zu der Höhe Nalichä sahen wir nahe am Wege viele sehr ärmliche Jurten; fast bey jeder derselben Hakenschlingen(zum Einfangen der Pferde), spitzige Stangen und Reifen zu den Jurten u. s. w. Alle diese hölzernen Geräthschaften werden an die Bewohner der völlig holzarmen Steppe Gobi verkauft. Als wir 15 Werste(über 2 deutsche Meilen) von der Tola entfernt waren, gingen wir eine Höhe hinauf, und von dieser 5 Werste(I deutsche Meile) bis nach der Höhe Nalicha. Von hier aus sahen wir vor uns eine ausge— dehnte Ebene; und der Hohlweg, der von der Tola sich erstreckt, verbarg sich schon unsern Augen. Der Boden hatte sich in kleines Gestein, wie Schutt, verwandelt. Auf der linken Seite zeigen sich unsern Blicken nackte Felsenberge, in denen die Tola fließt. In einem der tiefen Abgründe dieser Berge müssen, wie die Mongolen sagen, unermeßliche Schätze Goldes und Silbers, die dort in der Vorzeit von Räubern zusammengebracht worden, aufbewahrt liegen. Furcht— bare Abgründe und schädliche Dämpfe gestatten den kühn— sten der Sterblichen nicht, dahin einzudringen. Diese Ge— genden sind überhaupt merkwürdig in der Geschichte des chalchassischen Fürstenthums, durch die Schlachten der Mon— golen, zur Zeit des Einfalles des berühmten sungarischen Fürsten Galdan in diese Gegenden, am Ende des 17ten Jahrhunderts; dieß ist die Epoche der Vereinigung der Chal⸗ chassen unter dem Schutze und der Oberherrschaft der man— shurisch-chinesischen Kaiser. *) S. die zu diesem Theile gehörige Charte. A. d. V. r ͤ—uà1uu‚. — 1 35 ———— Wir wollen von diesem Umstande etwas ausführliche⸗ res sagen, indem wir uns auf die Nachrichten der Mongo— len selbst gründen. . Nach dem Tode des chalchassischen Altan Chan im J. 1657 übernahm die Regierung nach ihm sein ältester Sohn Lobsan Tuschetu Chan; sein zweyter Sohn war der erste mongolische Kutuchta. Um jene Zeit hatte sich der schige— munische Glaube in der Mongoley schon so sehr ausgebrei— tet, daß von den drey in dem einen chalchassischen Fürsten— thume regierenden unabhängigen Chanen jeder in seinem Aimak einen besondern, von den andern unabhängigen Ober— priester haben wollte. Tuschetu Chan forderte die erste Stelle für seinen Bruder Dshabdsiun Dombo Kutuchta, weil ihr Vater der berühmteste Chan in der Mongoley ge— wesen sey, und weil in Dsabdsiun Dombo der erste mon— golische Kutuchta seinen Sitz genommen habe. Dagegen bewies Dsaßachtu Chan den Vorzug seines Sohnes Kutuchta Galdan') dadurch, daß der in ihm wohnende Burchan 5) Hier entdeckt sich ein Widerspruch die Abstammung des Galdan be⸗ treffend. Gemeiniglich hält man ihn für einen Sohn jenes Batur Chun Taitsi(Kontaischi) eines olutischen oder sungarischen Regen— ten, der nach der weitern Ausdehnung der russischen Eroberun— gen dem moskauischen Hofe durch seine Verhältnisse mit dem— selben bekannt wurde. Uebrigens kounte die Nachbarschaft der Län— der des Dsaßachtu Chan mit dem Gebiete der Sungaren leicht eine Veranlassung zu einer solchen Verwechselung geben. Man vergleiche die Nachrichten von dem Kriege des Galdan mit den Chalchassen und Chinesern a) von Dü Halde in seinem Wer— ke: Description de la Chine et de la Tartarie Chinoise, auf die Berichte des Jesuiten Herbillon gegründet; Thl. IV. S. 55— 62. b) Herrn Lipowzow'es(Hofraths und Dolmetschers der chinesischen und manshurischen Sprache bey dem asiati— schen Departement des Ministers der auswärtigen Angelegen— heiten) Uebersicht der Sungarep, gedruckt im sibirischen Bo— —.— a— 5 2 11 1 kachagallan(Machahallan)*) ohne Vergleich stärker wäre als Boddi Sado Darnatu*) der in den Bruder des Lobsan gefahren sey. Zur Entscheidung dieses wichtigen Streites wurde eine Reichsversammlung angesetzt. Aber Tuschetu Chan ließ ohne diese abzuwarten, einem in seine Gefangen— schaft gerathenen Unterthanen des Dsaßachtu Chan den Kopf abschlagen, den Körper an den Schweif eines Pferdes bin— den, und dem Dsaßachtu Chan zuführen, mit der Erklärung, er könne ihm künftig keine bessern Nachrichten senden. Hier— auf reiste Galdan Kutuchta zu dem Dalai-Lama, bey dem er die ersten Jahre seiner Jugend, als einer von den aus— gezeichnetsten Lama's zugebracht hatte, und bat ihn, die geistliche Würde ihm abzunehmen. Der Dalai-Lama ant— ten auf das Jahr 1821. Dieser interessante, mit sehr geschick— ter Feder geschriebene Artikel beweist die tiefen Kennttisse in der chinesischen Geschichte, welche der Verfasser sich während seines Aufenthalts in Pekin von 1794 bis 1808 erworben hat. A. d. V. *) Das Bild dieses Burchanen ist von dunkelblauer schwarzer, oder auch weißer Farbe; er hat ein fürchterliches feuerfarbe— nes Gesicht, drey Augen und sechs Arme; zuweilen bilden sie ihn ab auf einem Elephanten reitend oder auf einem menschlichen Ungeheuer mit dem Kopfe eines Elephanten. Ueberhaupt hält man ihn für eine Gottheit des Wassers; andere aber setzen seinen Aufenthaltsort in eine schreckliche waldige Einöde, die im südöstlichen Theile der Welt liegt, und Sserigun Tschi— tscherlik heißt. A. d. V. *) Diese geheiligte Person ist um eine Stufe geringer als ein Burchan; er ist aber, gleich dem indischen Brama, der Ver— treter und Beschützer des meuschlichen Geschlechts: er wider— setzt sich den bösen Geistern, nimmt die Seelen der Sterbenden auf; die der Seligkeit würdigen führt er in die für sie bestimmte Wohnung, und befreyt auch nach und nach von den Qualen die sich selbst peinigenden Sünder. Man bildet ihn auf Gemähl— den ab in einem leichten Gewande, mit angenehmen Aeußern, mit acht Armen und einer großen Menge Gesichter, die in drey Reihen, in Gestalt eines Kegels, über einander liegen. A. d. V. —— —*—̃ñññ — 2 2 3 2 —— 0. 7 1 1 1 1 9 5 15 144 wortete dunkel, d. i. daß er ihm darauf weder ja noch nein antworten könne, und alles seinem eignen freyen Willen überlasse. Bey solcher Entscheidung nannte sich Galdan selbst Chan mit dem Titel Boschochtu, welcher bis dahin nur den Nachkommen des Dshingis zugekommen war; er nahm das bewaffnete Aimak(Fürstenthum) seines Vaters des Dsaßachtu Chan unter seine Befehle, und fing Krieg mit Tuschetu Chan an, und zwar mit solchem Ingrimm, daß einige Mongolen, auf die Ueberlieferung der Sagen ihrer Väter sich gründend, noch jetzt mit Entsetzen des da— mahligen Blutvergießens und des Schreckens des galdanischen Nahmens gedenken. Jeder floh wohin er nur kommen konnte, und viele Tausende der Chalchassen starben vor Verzweiflung und Hunger. Tuschetu Chan und sein Bruder der Kutuchta waren anfangs gezwungen, sich durch die Flucht zu retten; und endlich fand er zu seiner Rettung kein andres Mittel, als sich in den Schutz der Manshuren zu begeben, die da— mahls das chinesische Reich beherrschten. Um darüber zu unterhandeln reiste sein Bruder, der Kutuchta, selbst nach Pekin, und wurde dort mit ausgezeichneter Freundlichkeit aufgenommen. Die dem Tuschetu Chan zur Hülfe gesand— ten chinesischen Truppen, die größtentheils aus solchen be— standen, die sich den ehemaligen daurischen und mongolischen Aimaks als Unterthanen unterworfen hatten, schlugen den durch viele Schlachten entkräfteten Boschochtu Galdan und nöthigten ihn in die Sungarey zu fliehen.— So sprechen davon die Mongolen. Der Kaiser Kansi(der zweyte manshurische Kaiser auf dem pekin'schen Throne) nahm um desto mehr mit größter Thätigkeit an dem unglücklichen Zwiste des chalchassischen Fürstenthums Antheil, weil der pekin'sche Hof entschlossen war, die ganze Mongoley seiner Herrschaft zu unterwerfen. „ Fünf zahlreiche Heere, aus auserlesenen Kriegern gebildet, waren bereit aus China in die Mongoley einzurücken. Der Kaiser selbst nahm, zur bessern Beförderung des von ihm begonnenen Krieges, über sie den Oberbefehl und führte sie gegen Galdan*). Die Folgen zeigten bald eine große Un— gleichheit in der kriegerischen Geschicklichkeit dieser beiden Feinde. So vorsichtig der chinesische Kaiser verfuhr, und seine Bewegungen mit besonderer Klugheit einrichtete, so sorglos und unwissend zeigte sich dagegen Boschochtu Chan in seinen Anordnungen. Die außerordentliche Ueberlegenheit des Fein— des an Kräften und eine zahlreiche Artillerie brachten bald die Oluten in Verwirrung und trieben sie in die Flucht. Nach dieser unglücklichen Schlacht konnte Galdan nicht mehr daran denken, sich den Chinesern zu widersetzen, und bemühte sich nur, die Reste seines geschlagenen und zerstreuten Heeres zu retten; aber der Feind schnitt ihm beständig den Weg ab. Kaum war es ihm gelungen, bis zu dem Berge Tereldshi zu ge— langen, als ihm dort Fängu, des Kansi Heerführer begegnete und im Juni 1696 die Niederlage vollendete, wobey Galdan's Frauen und Kinder, nebst vielen olutischen Kriegsoberhäuptern in die Gefangenschaft des Siegers geriethen. So sehr dieses Ereigniß für Galdan unglücklich war, so vortheilhaft war es für Kansi, der, unter dem Scheine eines Beschützer der chalchas⸗ sischen Chane, sich über sie eine unbeschränkte Herrschaft an— maßte. Die erlittene Niederlage, der unwiederbringliche Ver— lust der eroberten Länder und das Murren der Unterthanen brachten den sungarischen Boschochtu-Chan zur völligen Ver— *) Das Journal dieses Kriegszugs führte der Pat. Herbillon, den sich in chinesischen Diensten befand; er wurde von Kansi mit in das Feld genommen wegen der geographischen Beobachtun— gen über Mongoley. Seine Schrift ist bey Dühalde im àten Theile abgedruckt, besonders S. 585. ff. A. d. V. J. Band. 10 * 4 ** 335 4 4 11 1 1 0* 1 1 1 1 — 17 1 * 1 1 ö 15 ö. 1 8 110904* 6 1 1 1 1 17 1 N ö „ 5 „* 0 0 e n 1 1 1. 2 5 1 1 n 1 15 4 W M 4 1 1* 99 1. 5 zweiflung. Er konnte sein Unglück nicht überleben, und starb im folgenden Jahre von heftigem Grame; und, wenn man der Aeußerung des Kansi selbst trauen darf, so endete Gal— dan selbst sein Leben durch genommenes Gift.— Ich halte es nicht für überflüssig, hier eine Beschrei— bung der ehemahligen Sungarey beyzufügen, die von einem chinesischen Staatsbeamten), der drey Jahre in diesen Ge— genden lebte, abgefaßt ist. Die von dem Gebirge Imaus oder dem Schneege— birge(Himmala, und auf chinesisch Ssiuei-schan) gegen Norden liegende Gegend gehörte den Sungaren. Nach mehr als einmahligem Eindringen der Manshuren in die Sungarey vollendeten, ungeachtet der Vorsichtsmaaßregeln, die von den tapfern Chanen Zewän Raptän und Galdän Züren genommen wurden, die innerlichen Zwiste Dewazi's und Amursana's den Untergang dieses zerrütteten Landes. Im J. 1756 wurde es mit dem chinesischen Reiche vereinigt und macht nun den nördlichen Strich der Schneegebirge aus. Diese Bergkette hat, von der Festung Difäjui* an gerech— net, von Osten nach Westen eine Länge von mehr als 9000 Li**), und dient zur Gränzlinie zwischen dem süd— lichen und nördlichen Striche bis nach Jarkänn hin; von da wendet sie sich südwestlich, geht nach Indostan, wo sie eine neue Wendung nach Westen macht und sich in unbe— *) Seine Schrift ist in Pekin in chinesischer Sprache gedruckt, unter dem Titel: Ssi jui wün dsän lu, d. i. Beschreibung der westlichen Gegend. i **) Im nordwestlichen Winkel von China. Von demselben be— ginnt die große Mauer, die dann nach Osten zu geht. kx) Jede zwey Li kommen einer russischen Werste gleich. A. d. V. Also ist ein Li rr deutsche Meile. A. d. U. 1 3 16 0 f tasch geen surclb eben Jak, n wob So agi wass Wal Sb d be Nasen den n care „ o sas kannte Gegenden verliert. Die berühmtesten und höchsten 3 von den Bergen dieser Kette befinden sich: e bal a) Neben Charatar das Gebirge Julduß, das mehr als 100 Li im Umkreis hat. Die Gewässer darin sind rein, scs⸗ das Gras fett und die Gegend bequem zur Weide. e b) Bey Jarkän der Berg Mirdshai leigentlich Kasch— 67 tasch). Er besteht ganz aus weißem Jaspis, und weiter gegen Westen verwandelt er sich in einen Eisberg, wird furchtbar und höchst beschwerlich zum Uebergange darüber; 905 aber dessen ungeachtet geht eine große Straße darüber aus ar Jarkän nach Indien. Diese Bergkette dient seit alten Zei— fa ten schon als ein Vorrathsbehälter von Eis und Schnee, die wovon Bäche im Winter und Sommer von der südlichen h, Seite der Berge herabstürzen, sich in den südlichen Strich bin ergießen und endlich, nachdem sie verschiedene Städte be— 18 wässert haben, sich in den See Lob vereinigen. In c) in der Nähe von Urumza das Gebirge Bog do, auf und welchem drey emporragende Gipfel die Sonnenstrahlen von us. Schnee und Eis, gleich Krystallen, zurückwerfen; sie berüh— c ren die Wolken, die Sonne und Mond verhüllen. ls d) Swischen Ili und Usch der Eisberg(Mußuru), d⸗ der von dem darauf liegenden Eise wie Silber glänzt; über on diesen Eisberg geht ein Weg aus dem südlichen Striche in sie den nördlichen, nahmentlich aus der sogenannten kleinen Bu— e charey, d. i. aus Turkestan in dem Jlischen Gebiete. Auf der nördlichen Seite jenes Berges liegt die Post— a station Gachza(Hachza) Charchai, und auf der südlichen 0 Terme Chada, welche von einander 120 Li d. i. ungefähr 60 Werste(85 od. 84 M.) entfernt sind. Geht man von be⸗ Gachza(Hachza) Charchai südwärts, so zeigt sich vor allem 15 dem Blicke ein unübersehbares Schneemeer. Im Winter ist der Schnee sehr tief, und im Sommer das Eis, der 10* . 9— — 2 — . 3 2 f 1 K. 9 45 0 16 N N 1 1 . ö N 5 1 1 „ MEN N N 9 f 6 1 1 3 Schnee und die Moräste. Menschen und Vieh gehen längs an den Bergabhängen auf gekrümmten Seitenwegen hin. Wer aus Unvorsichtigkeit vom Wege ab in das Schneemeer geräth, der versinkt darin auf immer. Wenn man auf die— sen Seitenwegen ungefähr 20 Li, oder ungefähr 10 Werste (15 od. 14 d. M.) fortgegangen ist, steht man mit einem mahl an einem Eisberge, auf welchem weder Sand, noch Gras, noch Bäume sind, sondern überall grauenvolle, sehr hohe Felsen, über einander in einigen Schichten aufgethürmt, und alle bestehen einzig nur aus Eis; nach unten zeigt sich nur eine dunkle Oede, und nirgend erblickt man einen Grund. Das Tosen der Gewässer, die unter der Eisdecke strömen, hallt gleich dem Donner. Auf diesen Eisdecken wandelt man, indem man Knochen von Pferden und Kameelen dar— auf hinwirft, und an schroffen Stellen haut man Stufen ein, an die man sich beym Hinauf- und Herabsteigen fest— klammert, und doch unaufhörlich abgleitet; wer unvor— sichtig nur einen Schritt thut, stärzt augenblicklich in die Abgründe. Menschen und Vieh dehnen sich beym Uebergange über diesen Berg in lange Reihen aus, und alle beben vor Furcht. Zuweilen trift man kleine Steine von der Größe einer Faust, und große einige Klaftern dick, und manchmahl stehen sie auf einer dünnen Stütze von Eis; die Reisenden müssen durchaus unter denselben weggehen. Wird man auf dem Wege von der Nacht überfallen, so muß man ei— nen großen Stein aufsuchen, und auf ihm sich niederlegen. In der Stille der Nacht hört man liebliche Töne, als erklän— gen verschiedene musikalische Instrumente; dieß ist der Wie— — derhall von den berstenden nahen und fernen Eismassen. Der geht auch nicht immer über dieselbe Stelle. Es giebt ein geheiligtes Thier, nicht Wolf und nicht Fuchs; jeden Mor— gen sucht man seine Fußtapfen auf, und wenn man diesen — 149 . 1 folgt, fehlt man nie. Es giebt noch einen aschfarbigen Adler; n hin die sich vom Wege verirrt haben, gehen seiner Stimme i nach, und kommen so auf den rechten Weg zurück. Wei— f die⸗ ter gegen Westen sind Berggipfel, senkrecht stehend und be— dete deckt mit dichtem Gehölz, das von weitem dunkel erscheint, einem aber man kann nicht da hinauf kommen. 80 Li(40 Werste noch od. 57 d. M.) weiter ist die Station Terme Chada. Hier schr stürzt sich mit furchtbar reißender Schnelle ein Fluß herab, mt, der aus den Eisbergen hervorströmt; er fließt südostwärts, dur theilt sich in viele Arme und fällt in den See Lob. Von rund. Terme Chada gegen Süden, vier Tagereisen weit, liegen im, nackte Steppen, wo auch nicht ein Grashälmchen wächst. andelt Auf 80 oder 90 Li von der Station giebt es überall un— n dak⸗ geheure Steine: das Vieh auf den Weiden muß durch ihre stufen Spalten hindurchgehn. Der Commandant von Usch sendet fist⸗ jahrlich Beamte hin, um dem Eisberge ein Opfer zu brin— svor⸗ gen; das Gebet dazu wird von dem anordnenden Gerichts— u die hofe zu Pekin dahin geschickt. gange Zur Erklärung des oben gesagten fügen wir noch hin— vor zu, daß das Eis eigentlich auf dem Gipfel selbst des er— röße wähnten Berges, längs des Bergrückens hin, in unbegränz— nahl ter Ausdehnung, der Länge nach liegt, in der Breite aber aden des Bergrückens beträgt es nicht mehr als 5 Werste(Er d. man M.). Täglich hauen 10 Menschen von beiden Seiten Stu— q ei⸗ fen zum Hinaufsteigen und Herabsteigen ein; aber diese gen. Stufen glätten sich des Nachmittags durch das Aufthauen än⸗ ab. Im Sommer, zur Zeit der Regen, fällt hier Schnee. Bie⸗ Dieser Bergrücken ist überhaupt so hoch und steil, daß man Dir unvermeidlich gezwungen war, den Weg aus der nördlichen ein Gegend in die südliche über den Eisberg zu führen. Zu— Nor⸗ weilen berstet das Eis unter den Füßen der Reisenden und üesen die Menschen versinken in die Spalten. Die Mohameda— 8————— 5 ner, d. i. die Bewohner des östlichen Turkestan bringen, ehe sie diesen Berg besteigen, einen Widder zum Opfer, und dann begeben sie sich auf die Reise. Am Fuße dieses Ber— ges schneyet es ebenfalls immer; aber es regnet nie. End— lich muß man noch bedenken, daß das oben erwähnte ge⸗ heiligte Thier und der Adler, wenn nicht auf dem Wege hingeworfene Knochen lägen, diese Berge nicht besuchen, und als Führer, nach irgend einem übernatürlichen Antriebe, dienen würden. In der gedachten Gegend, der ehemahligen Sungarey, jetzt bey den Chinesern unter dem Nahmen des indischen Gebiets bekannt, befinden sich die Städte: Bargo'l, Urumzi, Ili, Tarbachtabi. 1) Bargob'l liegt nordwestlich von der Stadt Ko— mu'n oder Cham, über 300 Li; gegen Süden gränzt sie an Komun, gegen Norden an das chalchassische Fürsten— thum, gegen Westen an Urumzi. In diesem Orte liegt eine starke Besatzung; ein General ist über 1000 manshu⸗ rische Soldaten mit Familie, und ein andrer General über 3000 der chinesischen Truppen gesetzt. Die Bevölkerung ist dort zahlreich genug. Die Hitze und die Kälte hat sich, gegen die vorige Zeit verglichen, sehr verändert. Das Klima ist eigentlich sehr kalt. Zuweilen schneyt es im Juni große Flocken, und man kann den Pelz nicht entbehren; aber in den letzten Jahren konnte man Weizen, Gerste und Hirse säen. 2) Die Stadt Urumzi ist am Vorsprunge des rothen Berges erbauet. Die hiesigen Gegenden sind angenehm; der Boden ist überall fett, hat vertreffliche Weide und Was— ser, und ist sowohl zum Ackerbau als zur Viehzucht sehr passend. Im J. 1765. wurde hier ein Ober-Kriegsbefehls— haber mit zwey Generalen gesetzt. Von der alten Stadt sbeh fit bring, er, und Ber⸗ End⸗ e ge⸗ Wige ichen, riebe, dreh, ichen go“, t Ko⸗ t sie sten⸗ ligt ushu⸗ 3000 doll gen 5 8 Li entfernt ist auf acht Hügeln noch eine Stadt erbaut, die im Umkreise mehr als 10 Li hat und Gungu heißt. In dieser Stadt liegen 3000 manshurische Soldaten mit Familie, 78 Offfzieren; über dieß sind 2000 chinesische Solda— ten mit Familie, bey welchen mehr als 100 Offizier sind. In der alten Stadt ist ein Inspector mit 3000 Mann Truppen angestellt, worunter mehr als 100 höhere und niedere Offfzier sind. Vor nicht langer Zeit hat man aus Hansu(einem Gebiete in der Statthalterschaft Schansi) viele Anbauer dahin geführt, ja sogar einige tausend Ver— brecher aus dem Reiche dahin gesandt; sie alle find in den Ländern Dshankéi und Manaß vertheilt und machten die dortigen Steppen urbar. In Urumzi sind die Handelsgas— sen geräumig; das Volk strömt von allen Seiten in gro— ßer Menge zusammen; Theehäuser, Wirthshäuser, Schau— spieler, kleine Sänger, verschiedene Handwerker und Arbeiter befinden sich dort in großer Anzahl. Ueberall sieht man Reichthum und Ueberfluß. Im Jahr 1775 ernannte der Kaiser Zäng-lung diese Stadt zu einem selbststän— digen Gebiet Dichua. Darin sind erbaut: ein Gymnasium, zwey Tempel, eine Gebiets-(oder Stadt-), und eine Di— strictsschule. Auf der Westseite ist die Stadt von einer Schicht Sandberge umringt, aus denen man in Menge Steinkohlen gewinnt. Anf der südöstlichen Seite des Ber— ges erhebt sich das Gebirge Bogdo Ola. Nicht weit von Urumzi, auf 30 Li westlich von der Station Bürke Bulak, sagt man, ist ein Ort, von mehr als 100 Li im umkreise, der mit flüchtiger Asche bedeckt ist. Wirft man irgend etwas dahin, so zeigt sich sogleich eine Flamme, und die hingeworfene Sache wird in Asche verwan— delt. Wirft man einen Stein dahin, so erhebt sich ein schwarzer Rauch. Im Winter, wenn tiefer Schnee fällt, „ findet dieses gar nicht statt. Dieser Ort heißt gewöhnlich die Flamme, und die Vögel wagen es nicht, darüber weg zu fliegen.— Eben so ist auch auf der Gränze zwi— schen Urumzi und Ili ein Ort, der sich auf 90 Li im um— kreise erstreckt. Von weitem scheint er mit Schnee bedeckt zu seyn; der Boden aber gleicht den Salzgründen und verhärtet nach dem Regen. Wirft man einen Stein dahin, so er— tönt ein Schall wie von Holze, das an Eisen geschlagen wird(ist dieß wohl Lava?). Gehen Menschen oder Vieh, aus Versehen, einige Schritte vom Rande dorthin, so ver— sinken sie dort auf immer in den Abgrund. Dieser Ort heißt die Aschengrube. 3) Ili gehört den Sungaren und war die Residenz ihrer Chane. Im J. 1754 entzweyete sich Amurßana* mit dem Sungarischen Chan Dawazi, und kam mit sei— nem Aimak in die Stadt Kuku'chots(Gu'ichuatschen) und begab sich unter die Oberherrschaft von China. Der Kaiser Zänglung nahm ihn auf, befahl ihm mit Truppen ge— gen Dawazi zu gehen, und die Länder dieses letztern wur— den erobert. Nach diesem fielen die Oluten wieder einige Jahre nach einander ab und erregten Unruhen, während welchen ungefähr eine Million Sungaren beyderley Ge— schlechts durch die Waffen vertilgt, und diese Gegend ver— ödet wurde. Der Kaiser befahl dem Ober-Kriegsbefehlsha— ber mit manshurischen und chinesischen Truppen sich in Ili *) Amurßana war der letzte, in Rußland verstorbene olutische Chan; da er aber als Rebell von dem chinesischen Reiche ab— gefallen war, wird er nicht in die Zahl der Chane gerechnet. Seine Frau wurde nach Pekin gebracht, wo sie in dem öffent⸗ lichen Gefängnisse einen Sohn gebar. Dieser Prinz wurde in der Gefangenschaft sehr schlecht erzogen; aber die Kerkermei— ster nannten ihn immer Prinz. Er starb 40 Jahr alt. 2 55 anzusiedeln, und beide Linien, die nördliche, das ili'sche Gebiet, und die südliche, d. i. das östliche Turkestan, unter seiner Gewalt zu vereinigen. Die Generale, Directoren, In— spectoren der chinesischen Truppen und ihre Hülfsvölker stehen alle unter der Gewalt des Ober-Kriegsbefehlshabers(auf manshurisch Dsängdsung). Auch die Oluten, die Torgou— ten und verschiedene turkestanische Horden stehen unter sei— ner Herrschaft. Bey dem Flusse Ili) ist eine Stadt angelegt, von mehr als 8 Li im Umkreise, gewöhnlich Ili genannt, der aber der Kaiser Zänglung einen andern Nahmen Gui— ju än(Huijuan) gegeben hat. Der Ober-Kriegs-Befehls— haber hat hier seinen beständigen Aufenthalt. Die die soloni— schen, ßiboischen, zacharischen, olutischen und die turkesta— nischen Städte beherrschenden Generale wohnen bey dem Ober-Kriegsbefehlshaber außerhalb der Stadt. Aus Siang wurden dorthin 3800 manshurische Soldaten mit ihren Familien und 128 dabey befindlichen Offizieren gesandt. Mehr als 2000 Verbrecher wurden aus China dahin zu Diensten der Regierung versetzt; und daher sind sehr viele Truppen dort, und ein großer Zusammenfluß von Handels— leuten. Den manshurischen, chinesischen, solonischen, zacha— rischen, ßiboischen, olutischen und turkestanischen Truppen sind größtentheils in den Umgebungen der Stadt Wohn— plätze angewiesen. Auf 15 Li ostwärts von Ili liegen Berge, Chongor genannt; in ihnen sind viele Steinkohlen und im Innern giebt es auch Eisenerze. Eine halbe Werste von der Stadt fließt der Fluß Ili ) Die Völker, welche die türkische Sprache reden, als: unsere Tataren, Kirgisen und Bucharen, nennen diesen Fluß Ilja. A. d. V. . 2 — —— — — — —— .— 6 „ vorbey; er besteht aus den Flüssen Chasch und Parzing oder Tegis. Durch die Aufnahme vieler Bergquellen wird der Fluß Ili breiter und fließt mit reißender Schnelligkeit in schroffen Windungen dahin; zum Ueberfahren hat man Kähne; in dem Flusse sind viele weiße*) Fische und Fisch⸗ ottern. 700 Li von der Stadt gegen Norden verliert er sich im Sande. Auf der Südseite des Flusses ist ein ge⸗ räumiges Thal, in welchem 8 Wachtplätze erbaut sind, mit 1000 Mann ßiboischer Besatzung nebst ihren Familien. Sie sind in 8 Fahnen eingetheilt, und haben einen Oberbefehls— haber mit Gehülfen oder Beyständen. Unter ihnen wohnen auch die Turkestanen und beschäftigen sich mit Ackerbau. Die nordöstliche Seite ist mit Wäldern bedeckt, in denen es Wölfe und wilde Widder(oder Schafe) giebt. Gegen Westen sind Sümpfe mit Schilfrohr bewachsen, wo sich wilde Ziegen und wilde Schweine anfhalten. Westlich von der Stadt sind zwey Flüsse Chorgös und Zizichän, um welche herum 600 solonische, und 400 daurische Kriegs— männer mit ihren Familien nomadisiren. Das ilische Gebiet ist groß, und hat eine Menge Ge— birgsstraßen. Gegen Nordwest und Südwest gränzt es an fremde Gebiete; gegen Norden an Tarbachtai; gegen Süden ist die neue oder turkestanische Linie und gegen Osten stößt es an Urumzi. Zum Schutz auf der Nordseite sind 12 Kriegsstationen und 30 Wachtplätze angelegt. Dieses Land machte eigentlich die Nomadenplätze der Sungaren aus, welche sich von Viehzucht nährten, aber um den Ackerbau ) Weiße Fische(russisch: belaja rüba), nennt man in Ruß— land die kleinern Fische, im Gegensatze der großen, als: der Störe, der Hausen ꝛc. Diese letztern werden rothe Fische (kräsnaja rüba) genannt. A. d. UI. — 155— sich wenig bekümmerten. Für die hierher gelegten chinesi— schen Truppen bedurfte man Lebensmittel; deswegen machten sie auch die Steppenplätze urbar. 6000 turkestanische Fa— milien besäen das Land und bringen der Schatzkammer das Getreide, welches nur so eben zur Proviantvertheilung hin— reicht. Zum Sold und Pferdefütterung(Fourage) für die Offizier und Soldaten, wie auch zu Salz und grünem Ge— müse werden jährlich aus dem Reiche hierher mehr als 500000 Lana(1 Million Rubel) Silber geliefert, noch über— dieß einige tausend Stück Atlaß und Gros de Tour zum Tausch mit den Chassaken oder Kirgisen gegen Vieh; dieses verkauft man dann auf öffentlichem Markte und gebraucht das Geld für die Truppen. Außerdem wird an Grundzin— sen und Zöllen mehr als 40000 Lana Silber gesammelt, welches mit der in den turkestanischen Städten anstatt der Abgaben eingebrachten Baumwolle, Leinwand u. s. w. zum jährlichen Unterhalt hinlänglich ist. Als das Geld hier, wegen seiner Seltenheit, theuer war, so wurde im Zisten Jahre des Zänglung(1774) erlaubt, von den Städten Akßu, Jarkäng und Biugur auf Abschlag des Getreides bis 8000 Gin Kupfer zu nehmen, aus welchem in dem Münz— hofe zu Ili Geld geschlagen wird. Einem von den Gene— ralen ist vorgeschrieben, mit 500 Soldaten einmahl des Jahres die chassakischen oder militärischen Gränzen zu berei— sen, um den Tribut einzusammeln. Von hundert Kühen wird ein Kopf genommen und ein Widder oder Hammel von tausend. Die olutischen Taitsi's und die Beamten der turkestanischen Städte, reisen am Ende jedes Jahrs, der Reihe nach, an den chinesischen Hof mit dem Tribut. Die Chassaken reisen alle drey Jahre; aber für die Kirgisen ist keine Frist bestimmt. Wenn sie hierher reisen, geschieht es allemahl mit der turkestanischen Reihe, am Ende des Jahres. . 4) Tarbachtai wird von seinen Einwohnern Ta sch— tawa genannt. Die Umgegend dieser Stadt hing von der olutischen Horde ab. Es giebt noch die Oerter Jar und Tschuchutschu(Tschugutschak), in welchen Amurßana seine Nomadenplätze hatte. Nach 1755 besiegten ihn die Sungaren Amurßana floh nach dem Norden(nach Rußland) und diese Oerter blieben leer. Die chinesischen Truppen unterwarfen sich, nach der Unterwerfung von Ili, auch dieses Land. Seine Ausdehnung ist sehr groß; nach Süden, bis nach Ili hin, hat es 18 Stationen, nach Nordwest bis zur chas⸗ sakischen Gränze(der großen Horde) auf sieben Tagereisen, gegen Westen bis zu den Chassaken auf drey Tagereisen, gegen Nordost erstreckt es sich bis ganz an die Gränzen Rußlands, beynahe auf 500 Li, und die Wachtposten zweyer Reiche stehen einander gegenüber. Vorher hatte die Gränz— Regierung ihren Aufenthalt im Nordwesten; aber dort ist es sehr kalt. Im Winter fällt Schnee ungefähr 10 Fuß hoch; und im Sommer giebt es eine Menge giftiger Schlan— gen, besonders auch Blasenfüße); deswegen ist der Auf— enthaltsort der Generale nach Tschuchutschü verlegt, dessen Nahmen der chinesische Kaiser in Tarbachtai verwandelt hat. Hier ward eine Stadt von Erde erbaut, in welcher zwey Expediteurs, drey Schreiber, ein Commandant und sieben wachthabende Offizier angestellt wurden. Da Besatzung hier— her verlegt wurde, waren Lebensmittel nöthig; deswegen quartierte man hier 1000 ackerbauende chinesische Soldaten, mit einem Obersten, ein, ja sogar aus Ili werden hierher abwechselnd 1500 Manshuren und Mongolen, zur Wache, geschickt. Den jährlichen Sold giebt man ihnen zum J Thrips(im Russ. mochä oder moschka), eine Art sehr klei— ner Fliegen. A. d. U. fall I; ange d b ict a0 dh ssen, isen, zen deer anz t sst fuß lan⸗ luf⸗ en Theil in Silber, zum Theil in Seidenzeugen, die sie an Chassaken gegen Rinder, Schafe, Kameele und Pferde ver— tauschen, welche dann auf öffentlichem Markte verkauft wer— den; das daraus gelösete Geld wird zu den Ausgaben angewendet. Als im 36sten Jahre des Zänglung(1777) die Torgouten(Kalmüken) unter chinesische Herrschaft kamen, wurden mehr als 3000 Menschen, aus dem Stamme des Fürsten Zebek Dordshi, auf der östlichen Seite der Stadt angesiedelt, in vier Standörtern an dem Flusse Chobök und dem Gebirge Sari, wo sie nach ihrem Gefallen nomadisch hin und her ziehen. Die Erzeugnisse dieses Landes sind Fische und alle Arten Wild; viele wilde Schweine, schwarz— braune Bären und tatarische wilde Ziegen. Dort giebt es auch einen Vogel, von der Größe eines Haushuhns; er setzt sich oft auf die Bäume, und wird des wegen auch das Baumhuhn genannt. Er hat grüne Federn, denen der Papagaye ähnlich. Hiermit beschließe ich die kurzen Nachrichten von der geographischen Lage der Sungarey, jetzt das ilische Gebiet genannt). Weiter vorwärts auf unserm Wege werden die Berge niedriger und ebener; man bemerkt weder große Höhlungen noch bauchige Wölbungen; alles scheint nach und nach in eine Masse sich zu verschmelzen, um Gobi, diese höchste Ebene Mittelasiens, zu bilden. Als wir noch 5 Werste (5 deutsche Meile) weiter gekommen waren, kamen wir um 4 Uhr Nachmittags auf der Station Na lich à an, die von *) Eine vollständige Sammlung früherer Nachrichten von dieser Gegend kann man bey Rit ter lesen, in seinem gelehrten Werke: Erdkunde, 1817. I. Thl. S. 472— 487. A. d. V. ——— — — — 158— Urga auf 35 Werste(5 deutsche Meilen) entfernt ist. Die Einwohner sind hier weit ärmer in Vergleichung mit denen, die als Nomaden auf der Nordseite von Urga woh— nen. Viele Knaben liefen auf uns zu, um zu betteln, unge— achtet man hier Heerden von Schafen und Kameelen sah, die in diesen Gegenden sehr groß und fett sind. Die Station ist zur Linken des Weges, nahe bey einem großen See. Für die Mission waren nur zwey Jur— ten bereitet; aber auf mein Verlangen bat der Bitcheschi, den uns geleitenden Chalgatschi noch eine Jurte besonders für die Studenten aufstellen zu lassen. Die hiesigen Jurten sind sehr unbequem, enge und alt und abgenutzt; überdieß mußte man, statt des Brennholzes, sowohl zur Zubereitung der Speisen, als zur Heizung der Jurten, Argal, der oft feucht war, gebrauchen, und auch diesen ließen uns die Mongolen nicht eben freygebig ab, da sie ihn für sich selbst auf den Winter sparten. Uebrigens ist der Argal eine Ma— terie, die gut brennt, und, ohne einen widrigen Geruch von sich zu geben, wenig Rauch verursacht, aber viel Hitze giebt. Sogar mitten in der Jurte des mächtigen mongolischen Sie— gers, Münge Chan, brannte auf dem Heerde Kuhmist mit Dorngesträuch und Wermuth, zu jener Zeit(im Januar 1255), als ihm die Gesandten, oder richtiger, die Prediger des Kö— nigs von Frankreich Ludwigs des neunten, oder des Heili— gen, vorgestellt wurden, unter deren Zahl auch der Mönch Rüisbruk, aus Brabant gebürtig, war, der mehr unter dem Nahmen Rubruquis) bekannt ist. „) Rubruquis in dem Buche: Voyages en Asie, par Bergeron, 1755. 1 Thl. S. 71. Ruisbruks(Ruysbroek) Reise in die Mon— goley ist erläutert von Sprengel, in der„Geschichte der geographischen Entdeckungen“. S. 288— 99, und von Forster ron, Nol⸗ det stet „ Dem Sakirochtschi aus der zezen'schen Chanschaft, der die Mission von Urga aus geleitet hatte, schenkte ich bey seiner Abreise von hier nach dem Choschun, einen Arschin Plüsch. Dieser Sakirochtschi fragte, während er mit uns reiste, an welche Völker Rußland gränze, und war besonders neugierig, von dem Zustande unserer Beamten, Truppen u. s. w. zu wissen. Wir bemühten uns, nach Möglichkeit, die Größe unseres Reiches, in einer wahrhaften Ansicht, deutlich zu machen. Von seiner Seite enthüllte uns der gesprächige Sakirochtschi ganz aufrichtigen Herzens seine dürftigen Kenntnisse in der Geschichte und Erdbeschreibung. Er sagte, wir würden in der Folge bey dem Berge Dar— chan(der Schmidt) vorbeykommen, der diesen Nahmen davon erhalten habe, daß der in den Jahrbüchern der Mon— goley berühmte Chan Dschingis(diesen Nahmen gab man ihm, sagt man, nach der Stimme eines Vogels, der zur Zeit seiner Erwählung vorüber flog), der bis zu jener Zeit nur ein gemeiner Schmidt gewesen war, an dem Fuße jenes Berges Eisen geschmiedet hätte. Dieses scheint nur eine Allegorie zu seyn, die auf jenes Schwerdt hindeutet, mit welchem Dschingis, ein Fürstensohn, nicht weit von hier am Ufer des Flusses Onon geboren, zu seiner Zeit die Mongolen, Tibeter und China's Bewohner zu Boden schlug, und dadurch Stifter der berühmten juan'schen Dynastie ward. Der Salirochtschi meinte, daß sogar einige von den euro— päischen Beherrschern von Dschingis-Chan abstammen müß— in seiner„Histoire des découvertes et des voyages faits dans le nord“ ir Thl. S. 157— 86. Uebrigens dienen diese Erläu— terungen mehr zur Beförderung der Bücherkenntniß, als zur Aufhellung der von Rüisbruk und andern Reisenden, die einst die mongolischen Steppen besuchten,(gelieferten Nachrichten von der Mongoley. A. d. V. —B 8 ten, der seine Herrschaft in Rußland und andern benachbar— ten Gegenden gehabt habe— eine Vermuthung, deren Un— grund wohl nicht nöthig ist zu beweisen. Wir erfuhren von ihm, daß man an verschiedenen Stellen in der Mongoley noch Trümmer von Häusern des Oschingis sieht, und der— gleichen müßte es nach seiner Meinung, wahrscheinlich auch in Rußland geben. Die Mongolen hörten mit Ver— gnügen unsere Aeußerung, daß auch die Europäer den Dschin— gis als einen berühmten Helden anerkennen. Der Sakirochtschi sagte, der Wan von Urga erhielte an jährlichem Gehalt aus Pekin 1200 Lana Silber, unge— fähr 2500 Silberrubel und 40 Stück Kanfa(ein Sei— denzeug, dem Atlaß ähnlich) und noch 720 Lana Tafelgelder. Von dem Gehalte des Amban war ihm nichts bekannt; aber Tafelgelder erhält er 720 Lana jährlich, d. i. 1500 Rubel in Silber. Ueberdieß hat der Wan, der von Dschingis— Chan abstammt, seinen eigenen Choschun, aus welchem ihm Diener und Hirten gegeben werden. Die Verwaltung der Gränzangelegenheiten und der chinesische Handel verschaffen ihm große Vortheile. Die in Urga im Dienst stehenden Man— shuren bekommen Gehalt aus Pekin; aber die mongolischen Beamten, so wie auch die gemeinen Leute, verrichten, da sie alle im Mittelstande und von Abgaben und Zöllen beym Handel befreyt sind, alles, was ihnen zufolge der Regierung des Volks und des Kriegsdienstes obliegt, auf eigene Ko— sten; sind sie aber arm, so helfen ihnen die Vorsteher der Choschun's. Heute begegneten wir Mongolen, die nach Urga eilten, um den Kutuchta-Gegen zu verehren. Unter andern zog die Karawane der Mutter eines sehr reichen Lama's in Gobi vorüber. Sie saß in einem chinesischen zweyrädrigen kleinen Wagen, den Kameele zogen; und ihr Gefolge, Männer und 1 achbar⸗ en Un⸗ en von goleh d der⸗ einlich Ver⸗ schin hielte unge⸗ u Sei⸗ gelder. tt; aber Mubel singis⸗ n ihm ug der chaffen Man⸗ schen „da beym erung Ko⸗ r der lten, og die Gobi fleinen a und 5 Frauen, ritten auf Kameelen. Dieses Thier wird vorzugs— weise hier zum Reisen gebraucht; denn das Kameel kann, ungleich länger als das Pferd, Hunger und Durst, die un— zertrennlichen Begleiter in diesen Steppen, ertragen. Einige der Mongolen begrüßten uns auf russisch: sdrawstwui!) Die Reisen der russischen Missionen, und die Geleitung der Gesandtschaft in den Jahren 1805 und 1806, haben die hie— sigen Einwohner auch mit unserer Sprache bekannt gemacht. Am Abend schickte der Tußulachtschi Idam für den Vor— steher der Mission und für mich, fär jeden eine Kanne(Kuw— schin, S. Anm. S. 97.) Backsteinthee, mit Milch gekocht, und etwas sauern, sehr unreinlich zubereiteten Quarg. Die— sen Beweis der Gastfreundschaft erhielten wir in der ganzen Zeit unserer Reise durch die Mongoley. Wasser bekamen wir aus dieser Station aus einem Brunnen, der sich nahe bey den Jurten befindet und mit Holz eingefaßt ist; das Wasser ist auf einen Arschin tief, süß und sehr rein. das Vieh wurde aus einem kleinen See getränkt. Der Boden ist hier an vielen Stellen mit Salzkrusten bedeckt. Den 26. Sept.(8. Oct. N. St.) war in der Nacht ein Frost von 5 Grad nach Reaumür. Der Morgen war heiter und warm, wie im Sommer. Von der Station reisten wir um 10 Uhr ab. Von dem Orte unsers Nachtlagers aus gin— gen wir auf 10 Werste(1 oder 1 d. M.) auf einer mit Hügeln hin und wieder besetzten Ebene bis zu dem hohen Gebirge Bürulün Dab(der graue Berg), bey Lange ) Gewöhnlich ausgesprochen: sdrastwui, d. i. sey gesund, der gewöhnliche Gruß, den der Russe zu jeder Zeit des Tages, anstatt unsers:„guten Morgen, guten Tag, guten Abend“ gebraucht. A. d. U. J. Band. 14 — die sieben Hügel und bey Perwuschin Burumo genannt. Am Fuße desselben standen acht Jurten, aber man bemerkte we— nig Vieh. Wenn man auf den Gipfel des Berges kommt, der mit einem hohen Erdaufwurf— Obo gekrönt ist, sieht man gegen Norden die weite Ebene, auf welcher wir gereist waren; in noch größerer Ferne zeigen sich im bläulichen Dufte die urgaischen Berge; etwas zur rechten und näher die Felsenberge an der To la, und fern gegen Nordost die lange Bergkette Altan Ulugui(die goldene Wiege), von deren schneebedeckten Gipfeln der Glanz der Sonnenstrahlen grell zurückgeworfen wurde. Vorwärts gegen Süden enthüllt sich eine lange Ebene, von nicht hohen Bergen eingeengt. Auf dem Wege giebt es stellenweise viele Steine, doch ist er mehr mit kleinen zerbrochenen Steinen und Kies bedeckt. Hier und da kommt auch vor: Feldspath von weißer und gelblicher Farbe, rother Granit, vorzüglich aber kalkartige Steine. Von Burul bis zur folgenden Station sind ungefähr 30 Werste(4 d. M.) der Weg geht auf kleinen runden flachen Erhöhungen hin, die an einigen Stellen an Glätte die beste Chaussee übertreffen. Nach einem Wege von ungefähr 18 Wersten(27 d. M.) verließen wir zur Linken von der Straße den hohen Berg Changi. Dieser Berg hat die Gestalt eines sehr großen Haufens aufgethürmter kleiner Steine. Von hier gingen wir in einen Hohlweg herab, bewässert von dem Flüßchen Changai, das links von der Straße durch eine Aue fließt. Die Jurten sind armselig; aber um sie herum gingen große Heerden Schafe und Ziegen. Ueberall glänzen weiße Salzkrusten. Endlich nachdem wir von dem Berge aus 12 Werste(1 oder 14 d. M.) zurückgelegt hatten, kamen wir auf der Station Gachzä chudük um 5 Uhr des Abends an. Wir hatten diesen Tag 40 Werste(57 od. 54 d. M.) gemacht. Für die Mission waren drey sehr alte und schlechte ff. n fte we⸗ ommt, sieht gereist lichen er die lange deren geel. llt sich „Auf r meht iet und licher Steine. gr 30 flachen ie beste r 18 traße estalt Von n dem e Ale ingen veiße 972 n wit bende „ N.) hlechte Jurten bereitet; in der einen nahmen die Geistlichen Platz, in der andern die Studenten mit den Kirchendienern, und die dritte nahm ich mit meinen drey Beamten ein. Die Kasaken bauten sich Hütten wie zum Bivouac aus Kasten, die zum Gepäck gehörten. Den 27. Sept.(9. Oct. N. St.) beschlossen wir auf dieser Station den Tag zuzubringen, um unser Vieh, das in den Umgebungen von Urga völlig abgemagert war, zu füttern. Das Gras ist auf dieser Station ziemlich gut, aber wenig Wasser. Unsere Jurten waren auf der rechten Seite des Weges aufgeschlagen, in einem abhängigen Thale von Bergen amphitheatralisch umgeben. Auf den Bergen liegen grünliche Steine, in der Gestalt einer zerstreuten Heerde Schafe; und über die Berge gehen vom Vieh ausgetretene Pfade zu einer Quelle. In dieser Gegend giebt es viele wilde Ziegen. Die Einwohner sind ärmlich gekleidet; aber auch nicht einer kam zu uns, um zu betteln, wie das auf der vorigen Station geschehen war. Nach dem Mittagsessen kam der Boschko Urgentai, der die Mission geleitete, zu uns. Der eigentliche Weg war ihm nicht bekannt; denn die in Dienstangelegenheiten abgesendeten Leute reisen gewöhnlich auf dem andern Wege, der eigentli— chen Poststraße, die weiter westlich liegt, wie es auf der beylie⸗ genden Charte dargestellt ist. Auf diesem letztern Wege von Urga noch Chalgan rechnet man 45(richtiger 42) Stationen; und auf dem gegenwärtigen, dem Handelswege,— bekannt unter dem Nahmen der Darchan'schen Straße, weil sie an der Westseite des Berges Darchaän hingeht, nimmt man nur 37 Nachtlager an. Die Ursache dieser Verschiedenheit rührt daher, daß die Poststraße von Chalgan nicht gerade auf Urga geht, sondern zuerst auf das Städtchen Saur 11* uß u, wo eine Postexpedition ist und einige Beamte aus dem pekin'schen Gerichtshofe der auswärtigen Angelegenheiten wohnen. Dort theilt sich die Straße, ein Theil geht auf Chödba, der andere auf Ili, und der dritte nach Urga. Auf der Poststraße findet man, so wie von Kiachta nach Urga, bereitstehende Jurten für die Durchreisenden. Hier nahmen auch unsere Führer die Jurten der Ortsbewohner ein, die nach Anweisung der Choschune geliefert werden. Der Vorsteher der Mission und ich, nebst dem Wagen— meister und dem Dolmetscher, besuchten am Abend den Bit— cheschi, bey dem wir den Boschko und Tußulachtschi antra— fen. Sie bewirtheten uns nach Sitte der Steppenbewohner, mit gekochtem Schöpsenfleisch. Der Bitcheschi klagte, daß er, da er von Urga aus ungefähr 160 Li(80 Werste, oder 113— 112T deutsche Meile) geritten sey, eine Zerrüttung seiner Gesundheit fühle; ich bot ihm, aus Mitleid mit sei— nem Alter, meinen Wagen an. Tschen-Loje konnte sich nicht entschließen dieses Anerbieten anzunehmen. Den 28. Sept.(10. Oct. N. St.) ging die Sonne zwischen finstern Wolken auf. Am Morgen war es warm; aber gegen Mittag fing, wie vorher, der Nordwestwind heftig zu wehen an; um 3 Uhr verdunkelte der Himmel sich wieder mit Wolken, hinter denen sich die Sonne verbarg. um 10 Uhr des Morgens gingen wir weiter. Von Gachza Chuduk reisten wir etwa 10 Werste(15— 12 deutsche Meile) in einem Hohlwege. An Gras ist hier Ueberfluß, wegen der heftigen Regen im vergangenen Sommer; der Boden ist ein feiner Kies. Wir gelangten im Thale bis zu jener Stelle, wo die Höhen, die uns bis— her begleitet hatten, endeten; es sind dort zwey Berge: gegen Nordost der Bogzl(der Diener), gegen Südwest der Urgün(der breite), sleich als zwey Thorsäulen, durch 2 8 8——— 18 dem heiten t auf ga. nach Hier ner gen⸗ Dit⸗ mtta⸗ ohner, daß , oder Ittung sei⸗ sich Zonne arm; vind amel barg. Von * — 166— die wir auf die weite Ebene Böreldshut hinausgehen, die sich in unübersehbarer Ferne vor uns ausdehnt. Dort zeigte sich, etwas zur Linken, der bläuliche Berg Bain ulan. Der uns geleitende Mongole sagte, er stünde schon jenseit des Flusses Cheruliun, auf dem linken Ufer desselben. Der Cheruliun entspringt nicht weit von unserm Wege; er fließt südwärts zwischen Bergen, dann wendet er sich nach Osten und fällt in den Fluß Chaidar, und dieser in den Argun. Westlich, etwa 15 Werste(27 deutsche Meile) von uns, erhob sich der Berg Bain Zochts(der reiche Zochto). Wir gingen auf einer Ebene etwa 13 Werste (15— 2 deutsche Meilen) und nahten uns dem Gebirge Dsamün Schandaä(der Reisebrunnen, oder: der Brun— nen am Wege), an dessen Fuße die Mission 1807 angehal— ten hatte. Hier sind einige Salzseen. Ein weißes, bitteres Salz bedeckt sehr tief die Erde, selbst auf dem Wege. Auf den Weiden dieser Gegenden wird das Vieh sehr fett, und besonders die Hammel. Von dem Gebirge Dsamün Schanda reisten wir noch 12 Werste(1— 13 deutsche Meile) bis zu der Sta⸗ tion Oshirgalantülueberfluß), auf steilen kleinen Hügeln, die mit Quarz und andern Steinarten übersäet sind. Eine Werste vor der Station kam uns der Boschko derselben mit einem mongolischen gemeinen Soldaten entgegen. Der Boschko bewillkommnete uns gleich dem Kundui am Ibizüch (am 1. Sept.= 13. Sept. N. St.), d. i. er sprang vom Pferde, ließ sich auf's Knie nieder und rief aus: Amur! (Friede, Ruhe) dann that er noch einige Fragen: wie uns das mongolische Wasser bekäme, d. i. ob wir uns wohl befanden; ob unsre Reise glücklich sey, u. s. w. stieg hierauf zu Pferde und geleitete uns bis zur Station, wo die Mission halb 6 uhr des Abends ankam, nachdem sie — — — 168 ñ— diesen Tag nicht weniger als 35 Werste(5 deutsche Meilen) zurückgelegt hatte. Die Station Dshirgalantu liegt links von dem Wege; sie hat ihren Nahmen von einem sehr hohen Berge, der etwas vorwärts von unsern Jurten liegt. Aus einer Quelle, die aus dem genannten Berge hervorfließt und sich gestauet hatte, nahmen wir Wasser für uns, und tränkten unser Vieh. Diese Gegend gehört zu dem Choschun des Amban Beiße, der sich in der Stadt Uläßutu in Dien— sten befand. Den 29. Sept.(11. Oct. N. St.) war die Nacht warm; bey der Morgenröthe erhob sich ein Nordwestwind, der am Tage außerordentlich heftig ward. Auf dieser, so wie auch auf der vorigen Station, klopften die wachtha— benden Mongolen, um zu zeigen, daß sie munter wären, mit kleinen Stöckchen, oder sangen mit gedehntem Tone schwermüthige Lieder. Um 8 Uhr des Morgens brachen wir von dem Orte unsers Nachtlagers auf.„ Vor unserer Abreise kam der Bitcheschi, der die Mis— sion geleitete, zu mir und sagte mir, daß er wünsche im Wagen zu fahren. Ich gab ihm mit Vergnügen meine Kibitke, die er bis nach Chalgan hin gebrauchte. Von der Station aus gingen wir auf einem steinigen Wege in einer ziemlich engen Schlucht, etwa 8 Werste (1 oder über 1 deutsche Meile), bis zu zwey hohen Felsen. Der Berg Dshirgalantu blieb links liegen. Jenseit des Weges fließt ein Bach, oder vielmehr eine Kette kleiner Seen, auf welchen wir Gelegenheit hatten, einige Enten zu schießen. Unaufhörlich begegneten wir andächtigen Pilgern, die zur Verehrung des urgaischen Kutuchta-Gegen wall— fahrteten. 9 ren, Tone 8 Auf einer abhängigen Höhe, bey ungeheuren Steinen vorbey, die auf den Abhängen der Berge umher gestreut liegen, oder in Gestalt von Trümmern eines alterthümlichen Gebäudes emporragen, kamen wir zu zwey Felsen empor, die sehr nahe an einander stehen, und Udün Ama(das offene Thor) heißen. Einige der uns begleitenden Mongo— len nannten den zur Rechten des Weges, oder westlich stehen— den Felsen, Charännidu(das schwarze Auge) und den östlichen Uschgi(die Lunge). Als wir durch dieses Thor hindurch waren, sahen wir rechts eine halbe Werste von dem Wege entfernt einen Brunnen am Fuße eines Felsen; das Wasser war sehr rein und süß. Dort hielten unsre Missionen in den Jahren 1807 und 1808 an. Viele nehmen an, daß von Udün Ama die gobische Steppe anfange. Von hier gehen nach Süden zu offene, vollkommen trockene Gegenden, und der Boden besteht mehr aus Sand und Kies. Aber auch auf dieser Strecke, bis zu den Nomadenplätzen der Mongolen zacharischen Stammes, giebt es Berge, und ziemlich hohe. Nach der Meinung der Chalchassen fängt Gobi gerade vom linken Ufer der Tola an; denn weiter gegen Süden giebt es in der Steppe weder Waldung noch Flüsse. Von Udün Ama bis zur folgenden Station, etwa 20 Werste(27— 3 deutsche Meilen) weit, reisten wir auf einer offenen freyen Ebene. Der Weg geht an vielen Stellen auf sandigem Grunde. Ein heftiger Nordwestwind folgte uns mit dichten Wolken von Sand und Bruchstücken ver— trockneter Pflanzen. Das Gras ist hier, in diesem Jahre, sehr gut. Auf jeder Werste, so zu sagen, erneuerte sich in uns das Gefühl des Bedauerns, daß die chinesische Regierung die Mission nicht im Anfange des August in ihre Gränzen — 1 aufgenommen hatte, welches für unser Vieh eine bedeutende Erleichterung gewesen wäre. Auf einem ebenen und glatten Wege machte ich einen Versuch und fand, daß ein Kameel, unter einer Last von nicht weniger als 10 Pud), mit freyem Schritte in der Stunde 332 Werste(2 deutsche Meile) geht. Diese Beobach— tung diente zum Grunde der Bestimmung der Länge des Weges, welchen wir von einem Nachtlager bis zum andern zurücklegten. Als wir nicht ganz 3 Werste bis zur Station hin hatten, wendeten wir uns von der Hauptstraße links; denn die Jurten waren für uns näher an den Brunnen aufgeschla— gen, am Fuße der Höhe Bud A. Eine Werste davon kamen uns die Stationsältesten, der Dsangin und Kundui, mit ihren gemeinen Soldaten, feyerlich entgegen. In ihrer Be— gleitung kamen wir auf der Station um 3 Uhr Nachmit— tags an. Wir hatten ungefähr 28 Werste(4 deutsche Meilen) zurückgelegt. Die Station heißt Gültegentäi(die glänzende) und befindet sich in dem Choschun des Dshandshun Béide (Fürsten des dritten Grades) Namdshil, desselben, den wir in Urga am 23. Sept.(5. Oct. N. St.) sahen. Sein Choschun besteht aus 8 Somun's(Escadrons oder nach Kasakenart gesprochen: Sotnä)), in deren jedem man 150 Mann mongolische Linientruppen rechnet. In der Ferne, gegen Nordost, etwa 30 Werste(47 oder über 47 deutsche *) Das Pud hat 40 krussische) Pfund also 400 Pfund auf ein Kameel. A. d. U. ) So heißt bey den Kasaken die Schwadron. Eigentlich bedeu— tet es eine Zahl von Hundert, wie die altrömische centuria. A. d. U. r— — 1 8 Meile) von der Station, sieht man eine Bergkette, die sich längs des rechten Ufers des Flusses Cheruliun hin ausdehnt. inen Das Thal, in welchem wir unser Nachtlager aufschlagen bon wollten, erhebt sich merklich schräge gegen die erwähnte der Bergkette hin. ach⸗ Hier stand für uns in hölzernen Zubern Wassern bereit, des äußerst unrein und salzig. Eine Werste von den Jurten ern sind vier Brunnen. Unser Vieh, das größtentheils an den Flüssen Selenga, Dshuda, Dshiko u. s. w. aufgewachsen war, konnte fast nicht aus dem Troge saufen, welches bis jetzt zum erstenmahle bey der Fortsetzung unserer gegenwär— tigen Reise geschah. Zum Schöpfen des Wassers aus den 10 Brunnen, muß man ausgepichte lederne Eimer mit haben. t Der Tußulachtschi Idam hatte uns hinlänglich mit Argal Be und Wasser versehen. Gleichwohl bezeigten wir ihm unsere nl Unzufriedenheit darüber, daß die vorigen Stationen gar zu 0 weit von einander verlegt waren, so daß wir in vier Tagen he von Urga aus ungefähr 150 Werste(21— 212 deutsche Meile) zurückgelegt hatten. Ein solches Eilen hatte unser and mageres Vieh sehr entkräftet. Der Tußulachtschi gestand, de daß wirklich eine Station zu wenig angelegt worden sey. en Die Ursache davon gab er nicht an; aber wir glaubten, es din möchte wohl auf Bitten der Einwohner der Gegenden ge— ch schehen seyn, um desto schneller der Geleitung der Reisenden 100 überhoben zu seyn. Idam versprach ins künftige die Nacht— le, läger auf denselben Stellen anzulegen, auf welchen die vorige che Mission angehalten hatte. Den 30. Sept.(12. Oct. N. St.) hielten wir Rast— 1 tag. Die Nacht war warm, aber bey Tagesanbruch Frost. Am Morgen kamen unaufhörlich Mongolen uns zu besuchen; del⸗ jeder fragte nach dem Verkaufe von Bibern, Morshan urla, 5 8 9795 9855 5 2 i 2 8 5 d. i. Korallen u. s. w. Wir erklärten ihnen bestimmt, daß 5 wir gar nichts zu verkaufen hätten; denn wir reiseten in Dienstangelegenheiten nicht des Handels wegen. Ihrerseits boten sie uns gegärbte Lämmerfelle und rohe Häute an. Auf Einladung des Bitscheschi speisten heute Mittags bey ihm der Vorsteher der Mission, ich, der Wagenmeister und Dolmetscher; auch der Boschko und Tußulachtschi waren da. Beym Weggehen aus der Jurte des Bitcheschi nach dem Essen, ließ sich beym Abschied Idam auf ein Knie vor ihm nieder— eine lästige Sitte von Erniedrigung in den Steppen! Die am Abend bey mir gewesenen Stationsältesten sagten mir, auf meine Fragen, daß sie von dieser, Gegend nach Chalgan, auf Kameelen in ungefähr drey Wochen rei— sen; sie reisen, ohne Rasttage zu halten, von Mitternacht bis Mittag, und lassen dann das Vieh ausruhen. Sie treiben größtentheils unbeladene Kameele nach Chalgan, um von dort nach Kiachta verschiedene Lasten überzufüh— ren. Von Chalgan bis nach Maimatschen bey Kiachta reisen sie mit Waaren auf Kameelen, die sie auf dem Wege umtauschen(so machen es auch die kirgisischen Fuhrleute) in vierzig bis fünf und vierzig Tagen. Als Frachtlohn nehmen die Fuhrleute von 100 Gin(35 Pud oder 140 Pfund) 12, 2 bis 2 Lana Silber; der Preis ist nicht fest⸗ gesetzt, und richtet sich nach den Umständen. Auf dieser Station mußten wir einige unserer Pferde beschlagen lassen, die ihre Hufe an Steinen zerstoßen hat— ten und anfingen zu hinken; auch die Ochsen wurden beschlagen. October(A. St.). Den 1.(13. Oct. N. St.) erhoben wir uns um 4 Uhr, aber machten uns erst um 9 uhr des Morgens auf en in erseitz . dtags eister aren nach 33 den Weg. Ein kalter Ostwind wehete bis 2 Uhr des Nach— mittags und es war dunkel. Zuerst mußten wir eine Höhe hinan, einen Zweig des Berges Bu da. Von Giltegentai ungefähr 3 Werste 6 deutsche Meile) weit, kehrten wir wieder auf den Hauptweg zurück. Von der Höhe bemerkt man, in einer Entfernung von etwa 50 Wersten lüber 7 deutsche Meilen) schon den Berg Darchän, der wegen Dshingis-Chan bekannt ist, und von den Mongolen sehr geehrt wird. Ungefähr 10 Werste gingen wir über steile niedrige Hügel. Als wit in das Thal Scharäschudük hinab gekommen waren, sahen wir dort, zur Rechten des Weges, einen Brunnen mit gutem Wasser; und zur Linken einen Salzsee, am Fuße des Berges Jerchétu, der einen kleinen Nebenzweig hat. Aus dem Thale, von welchem bis zur folgenden Station Goto oder Murchôͥetu 10 Werste(13— 13 deutsche Meile) sind, gingen wir den Berg Chaldsän hinan. Dort enthüllte sich nach allen Seiten eine weite Steppe, von nicht tiefen Schluchten unterbrochen. Seitwärts vom Wege schimmerten weiße Heerden weidender Schafe, und hier und da zerstreute Jurten. Auf der Höhe Chaldsän, auf dem Wege selbst, fanden wir nicht ganz reine Carneole, Bruch— stücken von Jaspis, Achat und andere buntfarbige Steine. Von der Höhe Chaldsan gingen wir auf eine weite Ebene hinab; dort gingen mehr als tausend Schafe herum, die einem reichen Lama gehörten. Der Hirt sagte uns, ein guter Hammel mit Wolle koste 2 Lana(4 Rubel) in Silber, ein Schaf 13 Lana. Als wir der Station nahe kamen, sahen wir auch einiges kräftiges und fettes Hornvieh. Eine Werste vor der Station, nahe an unserm Wege besindet sich ein Brunnen mit reinem Wasser. Zu unserm Bedauern erfuhren wir, daß die Einwohner der Gegenden, bey unserer Annäherung, aus den Brunnen fast alles Wasser für sich und zur Tränkung ihres Viehes ausschöpfen. Die Mission kam an den Ort um 2 Uhr Nachmittags, nachdem sie diesen Tag 23 Werste(35 deutsche Meile) vorwärts gekommen war. Die gegenwärtige Station ist in einem Thale angelegt, das am Grase Ueberfluß hat. Gegen Westen ist noch ein Brunnen. Vorwärts und auf dem Wege hin zeigen sich weiß schimmernd vertrocknete Salzseen. Die zur Station gehörigen Mongolen, zur Geleitung der Mission aus entfernten Choschunen hergesandt, befanden sich schon länger als 20 Tage auf der Station, in Erwar— tung unserer Ankunft. Unser langdauernder Aufenthalt in Urga hatte bey einigen den Gedanken erzeugt, daß wir, wegen des Todes des Bogdochans Dsäzin, würden wieder in das Vaterland zurückkehren müssen. Die hiesigen Poli— tiker hielten die Einlassung von Fremden in das Reich, gerade zu der Zeit, da der neue Bogdochan den Thron bestieg, fär eine schreckenvolle Vorbedeutung. Während meines Spazierganges*) begegnete ich einem ) Es ist bekannt, daß den Handel mit den Russen in Kiachta sich die Chineser allein nur von der Statthalterschaft Schaangst (Chansi) zugeeignet haben; übrigens handeln sie auch größten— theils mit seidenen Waaren in Pekin und in Kanton. Die Schaangsier haben noch außerdem den besondern Erwerbszweig, die zu einträglichen Aemtern in den Provinzen bestimmten neuen Beamten mit Geld zu versehen. Sie geben diesen Neuerwählten die erforderliche Summe Silbers; erkundigen sich aber vorher nach den Vortheilen des Platzes, nach der Stärke ihrer Kräfte, auch nach dem Alter und der Gesundheit ihrer Eltern; denn nach dem Tode des Vaters verläßt ein chinesischer Beamter sogleich den Dienst auf drey Jahre, um die Trauer anzulegen. Daun begleitet der Gläubiger seinen Schuldner in die Provinz, und bekümmert sich schon selbst um die Rückzahlung seines Capitals mit beliebigen Zinsen. Aid B. — 88 ch im schaangsi'schen Kaufmanne, der auf 10 Kameelen Waaren fam nach Kiachta führte. Er sprach russisch nach der kiachtai— Tag schen russisch— ⸗chinesischen Mundart. Auf unsere Fragen 8 antwortete der Schaangsier, daß er von Chalgan aus mit legt, leichten Ladungen 16 Tage reise, daß weiter vorwärts das ein Futter für das Vieh, ausgenommen 3 oder 4 Orte der sich Ueberfahrt, sehr gut sey. Wir trugen diesem Kaufmanne auf, den kiachtaischen Beamten von uns Nachricht zu geben. ung Am Abend besuchte uns der Tußulachtschi. Ich kam den ihm mit der Klage über den Ungehorsam der Mongolen war entgegen, die unsre Roßheerde führten; ungeachtet aller Vor— lt in stellungen unsers Roßheerdenaufsehers(auf mongolisch Ad ü— wir, nei Dämal) eilten die Mongolen außerordentlich mit pieder Uebertreibung des Viehes, um dieses nur recht bald dem oll⸗ Aeltesten der folgenden Station zu übergeben, und nach tech, Hause zurückzukehren. Idam versprach diesem Uebel abzu- sieg, helfen. Unterdessen erkundigte er sich, im Laufe des Ge— e nach unsern Truppen, nach unsern Generalen u. s. w. en Wir benutzten diese neue Gelegenheit, und schilderten ihm die glücklichen Fortschritte unserer siegreichen Truppen in sch den Schlachten mit den Feinden, und besonders im letzten gsi Kriege. Dieser Krieg ist den chinesischen Staatsbeamten, 19 und zum Theil auch den Mongolen, hinlänglich bekannt, weiß, wegen der Verhältnisse, in welchen der Statthalter von ine Irkutsk mit dem Wan von Urga und dem Vorsteher der 17 Mission in Pekin steht. Den Ruhm unserer vaterländischen der Kämpfe hier weiter zu verbreiten, dienten auch die Zeitun— 10 gen, welche die in China sich aufhaltenden portugiesischen „ un Missionare aus Europa erhalten; diese theilten, aus Rache stuen gegen die Franzosen, den Chinesern die Nachrichten von der U Niederlage, die sie erlitten hatten, sehr gern mit.— Wir sel. 5. 5 8 88 8. ermangelten nicht der Kriegskunst eines Rumänzow, Suwo— „ 1 row, Kutusow und vieler andern von unsern Generalen zu erwähnen, die in den Herzen ihrer dankbaren Landsleute bis jetzt leben und bis zu den spätesten Zeiten leben werden. Idam, dieser alte Abkömmling der Krieger des Batja, hörte mit Neugierde unsern aufrichtigen Erzählungen zu. Um nicht in der Schuld zu bleiben, erzählte er uns seiner Seits zwey Begebenheiten aus der Geschichte des chinesischen Heerfüh— rers Kumin), der im tiefsten Alterthum durch seinen Verstand hoch berühmt war. Dieß sind sie: 1) Bey den Einfällen der Feinde in das liuschi'sche oder liube'sche Reich, befahl Kumin auf der Hauptstraße, auf welcher das feindliche Heer durchkommen mußte, ein steinernes Menschenbild aufzustellen. In die eine Hand dieser Bildsäule legten sie ein Buch, dessen Blätter mit Gift getränkt waren, und in die andere ein Schwert. Der An— führer des eingedrungenen Heeres ging, als er dieser Stelle nahete und das aufgeschlagene Buch sah, hinzu und fing zuerst an zu lesen. Der Inhalt des Buches war so, daß er die Neugierde weckte. Von dem öftern Anrühren der vergifteten Blätter mit dem Finger, den er mit der Zunge benetzte, fühlte er plötzlich im Munde die Wirkung des Gif— tes; er wollte weggehen, aber vergebens. Das Fußgestell der Bildsäule war aus Magnet gemacht, welcher sehr stark das eiserne Panzerhemd des Anführers an sich zog. In dieser Lage riß der Anführer das Schwert aus der andern Hand der Bildsäule, und schlug damit auf dieselbe. Dieses war *) Dieser Kumin, Minister und Heerführer, wird wirklich in der chinesischen Geschichte erwähnt. Er lebte in dem westlichen Theile oder Ssütschuan unter dem Kaiser Liube, als China in drey Reiche getheilt war, im öten Jahrhunderte nach Chr. A. d. V. n 0 li x nach gl 5 J 0 kuh sche aße, ein Hand t Gift An⸗ telle fing „daß det inge Bif⸗ stell statk dieser and war in der lichen China Chr. — 5 für ihn noch verderblicher; von dem Schlage sprangen Fun— ken umher; die im Innern der Bildsäule versteckteu brenn— baren Materien entzündeten sich, zersprengten die Bildsäule, und unter ihren Trümmern endete der von Kumin's List getäuschte Krieger sein Leben. Das Heer, durch den plötz— lichen Tod des Anführers bestürzt und zerrüttet, war genöthigt wieder umzukehren. 2) Derselbe Kumin befand sich einst, zur Zeit der Kriegs- operationen gegen die Feinde, in einer solchen Lage, daß nur allein ein Fluß die kämpfenden Partheyen trennte. Er ging zum Ufer hin und nahm eine Stelle oberhalb des feindlichen Heeres ein, ließ dort in der Nacht aus Stroh einige Hundert Menschengestalten oder Puppen verfertigen, setzte diese in Kähne, an deren Spitze sich angezündete Lun— ten befanden, und ließ endlich diese todte Flotte den Fluß hinunterfahren. Die Feinde schießen, als sie schwimmende Kähne mit darin sitzenden Menschen erblicken, tausende von Pfeilen darnach ab, bis endlich alle Köcher geleert sind. Als Kumin sieht, daß seine List gelungen ist, setzt er über den Fluß, greift das fremde Heer, das keinen Feind mehr erwar— tete, an, und besiegt es leicht. Den 2. Oct.(14. Oct. N. St.) Die mongolischen Schildwachen erinnerten uns die ganze Nacht an ihre Wach— samkeit. Während sie um unsere Jurten und unser Gepäck herum ritten, sprachen sie unaufhörlich ihr Om ma ni bat me chom mit dem Laute summender Bienen, oder sangen traurige Lieder. Von der Station gingen wir um 10 Uhr ab. Noch kurz vor unserm Aufbruche ging bey uns eine Karawane nach Kiachta mit chinesischen Waaren auf Kameelen vorbey. Wenn man auf die Höhe hinaufkommt, sieht man westlich den Berg Ton o, der, wie man sagt, jenseit des „ Flusses Cheruliun liegt. Dieses Berges erwähnt der Jesuit Herbillon in seinem Reisejournale vom 11. Juni 1696, als er sich bey dem chinesichen Kaiser Kansi befand, auf dem Kriegszuge gegen den sungarischen Galdan.„Nous cam— pames— sagt Herbillon“)— au delà de la rivière de Kerlon proche de deux montagnes, dont celle qui est au nord, s'appelle Tono; celle qui est à F'oc- cident, s'appelle Suilhitou, d. i. unser Lager war jenseit des Flusses Cheruliun aufgeschlagen, nicht weit von zwey Bergen, wovon der nördliche Tono, der westliche Suilhitu(es sollte Dsulhetu heißen) genannt wird.“ Etwa 8 Werste(1 deutsche Meile) reisten wir auf einem ebenen Wege bis zu einem Hohlwege. Nahe bey diesem fanden wir auf dem Rücken des Berges einen Strich kleiner Achate und Jaspise. Von dieser Höhe hat man weit ausgedehnte Aussichten auf die Steppe; weiter vor— wärts steht der Berg Darch n, wie ein Riese diese Wü— sten bewachend; rechts davon befinden sich zwey Berge ganz gleich von Gestalt, wie Zwillinge; weiter gegen Westen erscheinen in blauer Ferne noch größere Höhen. Als wir in den Hohlweg hinab kamen, fanden wir dort chinesisches Gepäck, das aus zweyhundert Lastwagen be— stand, es waren Leute aus Schaangsi, die Blumenthee nach Kiachta führten. Den gemeinen Thee verführen sie gewöhnlich im Winter auf Kameelen, da dieser schon aus gereiften Blättern gemacht wird, und nicht eher aus den Pflanzungen in Fudfän nach Chalgan geschafft werden kann, um von da weiter nach Rußland zu gehen. Vierhun— dert dazu gehörige Ochsen weideten auf der Steppe. Die *) Dü Halde, ebend. VI., 414. A. d. V. der Jsit 1000, a ff den us cam- rixiere ut celle A Toc- T jenseit dit von waftache 10 * wir auf Nahe beh en Stich hat man eilt vor⸗ iese Wü⸗ arge gaz Westen „ N ir dort en be⸗ menthee hren sie son aus aus den werden Vierhun⸗ pe. Die Schaangster kommen aus Chalgan schon in 40 Tagen: gewiß mit Ochsen zu fahren ist bequem, aber gar zu langsam. Viel— leicht erwähne ich es zu oft, daß wir chinesischen Handelska— rawanen begegneten. Doch hierzu bewegt mich erstens der Wunsch, die Zeit und die Art der Ueberfuhr der chinesischen Waaren nach der russischen Gränze zu zeigen, und zweytens halte ich dieses deswegen für nöthig, um den Verdacht eini— ger unserer Landsleute zu benehmen, die bis jetzt behaupte— ten, unsere Missionen nach Pekin würden absichtlich gar nicht auf dem Wege nach China geführt, auf dem die Chi— neser selbst reisen, und der weit bequemer als jener erstere seyn soll. Es ist wahr, die Missionen reisen nicht auf der Poststraße; aber als die sehr natürliche Ursache davon kann man annehmen, daß es eine Unmöglichkeit ist, bey einer großen Reise von Leuten in Dienstangelegenheiten, alle Be— quemlichkeiten den Fremden, d. i. der russischen Mission, die stets ein bedeutendes Gepäck mit sich hat, zu verschaffen. In dem Hohlwege gingen wir etwa 5 Werste(— 4 deutsche Meilen), dann auf niedrigen Hügeln 7 Werste (1 deutsche Meile) bis zu der Station Bumbatu, die auf dem Abhange eines Berges, rechts von dem Wege, angelegt ist; dort kamen wir auch in 12 Stunden am Tage an, nachdem wir von dem Nachtlager aus 20 Werste(25— 3 deutsche Meilen) zurückgelegt hatten. Zwey Werste eher als man an die Station kommt, ist ein Thal, das mit Salz— krusten bedeckt ist. In diesem Thale ist ein tiefer Brunnen mit reinem Wasser. Ungefähr um 6 Uhr kam in unserm Lager mein Freund der Tußulachtschi Demit an, der aus Urga in seine No— madenplätze zurückkehrte, wohin er von hier aus nicht mehr als 170 Werste(245 deutsche Meile) hat. Er brachte uns zugleich die Nachricht, daß der von dem Wan abgesandte J. Band. 1 Courier vier Tage nach unserer Abreise aus Pekin angekom— men, und daß der Fürst am folgenden Tage nach der Haupt— stadt abgereist sey, um dem neuen Bogdochan den Eid der Treue zu leisten. Der Wan reist gewöhnlich in einer Sänfte, die von vier Vorreitern geführt wird; sein Gefolge begleitet ihn zu Pferde. Den Tußulachtschi Demit bewirthete ich nach Gebühr; dann reiste er nach seinem Nachtlager ab. Die Mongolen brachten zum Tausch viele Kameele und Pferde zu mir. Das Vieh ist hier groß, fett; denn nach allen Seiten hin erstreckt sich eine mit dichtem Grase bewach— sene und an Salzgründen reiche Steppe. Die Menge des Viehes, das wir sahen, beweist, daß dieser Zweig der Land— wirthschaft hier in einem blühenden Zustande ist. Wir konnten aber gleichwohl diesesmahl auch nicht ein einziges Kameel eintauschen, weil die Mongolen, unsere Kameele gar zu gering anschlagend, zu viel heraus verlangten. Die zur Geleitung der Mission versammelten Mongo— len beklagten sich, daß sie, in Erwartung unserer Ankunft, viele ihrer Pferde zur Speise verbraucht hätten; 30 Mann hatten in zweymahl vier und zwanzig Stunden ein Pferd verzehrt. Den 3. Oct.(15. Oct. N. St.) ging die Mission um? Uhr des Morgens weiter. Bald darauf brachte ein junger Taidsi (ein Edelmann aus den Steppen) sein junges und star— kes Kameel zu uns. Wir gaben ihm dafür aus unserer der Regierung gehörigen Heerde ein schwaches und ein dreyjäh— riges Kameel; dieses sowohl als jenes taugte ganz und gar nicht zum Lasttragen. Wir machten unsern Handel im Bey— seyn des Tußulachtschi Idam; aber damit dieses auch unsern pekin'schen Führern bekannt würde, schickte ich vorläufig unsern Dolmetscher zum Bitcheschi, um ihm unsern Entschluß zu melden, unser abgemattetes Vieh an die Mongolen zu — 179— en. vertauschen. Der Bitcheschi billigte diese Verfügung; nut 3 rieth er uns, vor Betrug uns in Acht zu nehmen. Ich ant— n der wortete, ich hätte erfahrene Leute bey mir; übrigens, wenn 0 wir auch uns täuschen sollten, würden wir uns deswegen in leitet keine Rechtshändel einlassen. Ganz andere Gedanken hatte nach aber davon der Herr Bitcheschi, wie dieses seine Diener durch ihr Betragen merken ließen: sie hatten Lust von allem Zoll und zu nehmen.— Wie dem aber auch seyn mochte, wir tauschten 'ach dennoch von einem der Einwohner noch zwey braune, sehr dach schöne Pferde ein, wovon das eine auch zum Ziehen gewöhnt des war— dieß kann man in der Mongoley für eine Seltenheit sand⸗ rechnen.— Wahrscheinlich war dieses Pferd dem Besitzer aus Wir einem chinesischen Waarentransport zu Theil geworden. Für laiges diese Pferde gaben wir unsre drey ausgemergelten, und noch merle 13 Lana, oder 3 Rubel in Silber heraus. Die Wagen fuhren nach Bumbatu ungefähr um 9 ongo⸗ Uhr des Morgens ab. kunft, Zuerst gingen wir auf eine Höhe hinauf, in deren Mitte Mann unser Nachtlager war. Der Weg ist glatt, mit einigen klei— ed nen Hügeln: das Gras ist sehr gut und bis jetzt noch grün. Noch 12 Werste(17— 13 deutsche Meile) weiter hin erreich- Uh ten wir den Darchän, einen sehr hohen, majestätischen Berg. asi Etwa 10 Werste(19— 12 deutsche Meile) gingen wir durch str⸗ Hohlwege, die Zweige davon ausmachen, bis zur Station der Borô chudshür. Dort kamen wir Nachmittags um 3 häh⸗ Uhr an, nachdem wir auf 22 Werste(37 deutsche Meile) gar vorwärts gekommen waren. Die Jurten unserer Führer Beh⸗ waren auf einem Hügel aufgeschlagen, zur linken Seite des ansein Weges; und für uns waren Jurten noch weiter dstlich in düuft einem Hohlwege errichtet, der uns vollkommen vor dem Winde gala sch ütte. 5 10 1 Nicht weit von dieser Gegend begegnete 12 1 mongo— 180 lischer Tauschhändler, der zu uns vier Pferde zum Verkauf brachte. Seine Kunstgriffe und meisterliche List glichen sehr den Kniffen unsrer Zigeuner. Da wir Fehler an den Pfer— den entdeckten, ließen wir seinen Vorschlag unbeachtet. Eine halbe Werste weiter vorwärts von unsern Jurten fließt nahe am Wege eine Quelle reinen Wassers. Zur bequemeren Tränkung des Viehes gruben die Kasaken die Quelle auf und dämmten sie mit einem Steine. Dadurch ent— stand ein tiefer und hinlänglich breiter Trog fließenden Was— sers. Da die Mongolen ein Nomadenleben führen, können sie sich nicht an einem Orte häuslich niederlassen, und die— sen in Hinsicht der Brunnen oder der Vorsorge für das Vieh verbessern. Der Berg Darchän liegt von der Station gegen Osten ungefähr 2 Werste(5 deutsche Meile) weit. Die Neugierde, die geringe Entfernung und das gute Wetter veranlaßten mich, diesen Berg zu besuchen, hoch gefeyert von den Mongolen zum Andenken Dschingis Chans, des berühmtesten der asiatischen Helden. Um 6 Uhr Nachmit— tags ging ich dahin ab, und nahm den Hierodiakon Israil und den Kasakenältesten Anempodist Rasgildejew mit mir. Von der Station selbst aus arbeiteten wir uns mit vieler Mühe durch Hohlwege, die von Regengüssen ausgehöhlt waren. Am Fuße des Berges wohnt in einigen Jurten ein gewisser reicher Taidsi mit seiner Familie. Dort steht auch ein kleiner Tempel— in der Mongoley das beständige Kennzeichen der Oerter, die durch allgemeine Volksachtung geheiligt sind. Endlich fingen wir an, auf den Berg selbst über spitzige Bruchstücken von Granit hinauf zu steigen. Der Berg Darchän nimmt eine große Strecke von Nor— den nach Süden ein; sein hoher Rücken trennt sich in einige ungeheure Felsen; er besteht aus rothem Granit, auf den — 181 Abhängen wächst die Robinja pygmaéa und andere wilde Sträucher. Auf dem letzten Gipfel gegen Süden, den zu erreichen uns nur gelang, sind hohe Obo's aus Steinen aufgethürmt— ein Werk der Frömmigkeit der Mongolen, die hier im Sommer in großer Menge zusammenströmen, um das Andenken ihres vaterländischen Helden zu feyern. Von der Höhe enthüllen sich Aussichten auf eine unüberseh⸗ bare ausgedehnte Fläche; gegen Osten liegen sechs Salzseen (von mineralischem alkalischen Salze oder Salmiak), und weiter jenseits stehen in blauer Ferne die Berge am Cheru⸗ liun; die ganze Fläche gegen Westen ist mit spitzigen Er höhungen bedeckt. Die Sonne verbarg sich, als wir auf dem Gipfel dieser Felsen waren und erinnerte uns an die im Dunkel der Vorzeit verhüllten Thaten der alten Mongo— len, die unter dem Nahmen der Hunnen und Tataren selbst Europa zittern machten. Jetzt schweifen ihre Nachkommen in den Steppen mit ihren Heerden umher, mit schwerem Gram gedenken sie des Heldenthums ihrer Ahnen, und ertragen geduldig das auf ihnen lastende Joch. So ist das Loos kriegerischer Stämme, denen keine Bildung zu Theil ward, und die die wohlthätigen Wirkungen der Aufklärung nicht kannten! Es wurde dunkel; wir mußten umkehren. Lange brachten wir zu, vom Berge herabzusteigen, da wir mit jedem Schritte in Gefahr standen, in den Abgrund zugleich mit den Steinen hinabzustürzen, die unter unsern Füßen fortrollten. Die heranrückende Nacht zeigte uns die Umge— bungen in einer ganz andern Lage, so daß wir diejenigen Gegenstände, durch die wir den Rückweg zu finden hoff ten nicht unterscheiden konnten. Die Station befand sich in einem Hohlwege, und wir sahen keine Feuer, an denen wir unsere Jurten hätten erkennen können. Jeder unter uns 1 wollte sich als den besten Topographen zeigen, und bemühte sich daher, den Wegweiser zu machen. In diesem eiligen, unnützen Umherirren brachten wir über eine Stunde zu. Ermüdet und sogar mit zerrissenen Schuhen, auf den spitzi— gen Steinen des Darchan wandelnd, begannen wir zwei— felhaft zu werden, wohin wir gehen müßten, und auf welche Art wir wieder zur Station zurückkommen sollten. Auf einmahl knallte ein Flintenschuß; hierauf hörten wir das Geschrey der Kasaken. Jetzt entdeckte sich unser Irrthum; wir waren auf dem Wege nach Chalgan wenigstens 3 Werste 7— B deutsche Meile) weiter vorwärts gegangen. Herr Rasgildejew I. war, da er bey so später Tageszeit uns nicht sah, genöthigt, Kasaken zu unserer Aufsuchung auszuschicken. Unsere Rückkehr erfreute unsere Landsleute sehr, und beruhigte auch nicht minder den Tußulachtschi, der die Mis— sion geleitete; denn er fürchtete, wir möchten auf den Fel— sen des Darchan zerschmettert, oder eine Beute der Wölfe geworden seyn. Den 4. Oct.(16. Oct. N. St.) hielten wir Rasttag. Um 8 Uhr des Morgens kam der Bitcheschi zu uns, und lud alle Mitglieder der Mission und die sie begleitenden Offizier zum Mittagsmahl ein. Nach einer Stunde besuchte uns der Tußulachtschi Idam, der von unserer Heerde zurückkehrte. An jedem Rast⸗ tage überzählte er unser Vieh und prägte es den Mongolen ein, es zu schonen. In der Unterhaltung mit mir, fragte der Tußulachtschi, ob die lateinische Sprache bey uns sehr im Gebrauch sey.— Zur Antwort wurde ihm erklärt, daß diese Sprache nur von unsern Gelehrten gebraucht werde; und daß, nach der angenommenen Regel, die Schriften, die man an den chinesischen Gerichtshof der auswärtigen Ange— legenheiten sende, in diese Sprache übersetzt würden. Im Mute l igen 5 0. bibi⸗ wei⸗ elche Auf das m; erte Hett nicht cken. und Ms⸗ Jel⸗ . Gespräche sagte der Tußulachtschi, er sey schon lange nicht in Pekin gewesen. Das letztemahl war er dahin gereist, um dem verstorbenen Bogdo von dem Wan von Urga 9 weiße Pferde zu überbringen. Die Chane machen jährlich ähnliche Geschenke. Die bogdochanischen Stallmeister be— obachten eine strenge Auswahl bey solchen Pferden: als erster Vorzug wird bey ihnen gesetzt, daß sie fromm und nicht scheu seyn, und einen freyen und schnellen Gang haben müssen. Man sagt, der verstorbene Dsäzin sey einst, als er aus seinem Lusthofe Sheche wegritt, von einem stol⸗ pernden Pferde herunter gefallen. Alle Großen, die seine bogdochanische Majestät begleiteten, entsetzten sich; aber der Kaiser begnügte sich bloß damit, daß er befahl, dieses Pferd zu der Roßheerde in den Steppen zu schicken, und es ihm nie wieder zum Reiten zu geben. Die besten und größten Pferde bringt man an den pekin'schen Hof von den Ufern des Ili(kirgisische), aus Tarbachtai, Kaschchar und Uläßutu. um 10 uhr wehete aus Nordwest ein kalter Wind; er zerstreute die zusammengezogenen Schneewolken, und ver— wandelte sich dann in einen heftigen Sturm, der die ganze Luft mit fliegendem Sande erfüllte, und die Filzdecken von unsern Jurten riß. i um 4 uhr Nachmittags begaben sich, auf nochmahlige Einladung des Bitcheschi, der Vorsteher der Mission, mit allen Mitgliedern und ihren Beamten, zu ihm, den Wagen— meister ausgenommen, der wegen Krankheit zurückgeblieben war. Der Wind wurde immer stärker und stärker, und kaum waren wir zu den Jurten unfrer Führer gekommen, als sich ein Schneegestöber erhob.— Tschen-Loje kam uns an der Thüre seiner Jurte entgegen, empfing uns freundlich, und bemühete sich uns zu bewirthen, so gut als ihm nur die Steppe dazu die Gelegenheit darbot. Da wir aber nicht 5... —:=iłli...—— 2**— 1 alle in der Jurte Platz finden konnten, so bat unser Wirth die Studenten, Rasgildejew IV. und den Dolmetscher Fro— low in die Jurte des Boschko zu gehen, wo die Sorge für die Gäste dem Tußulachtschi auferlegt war. Wir brachten ungefähr zwey Stunden unter den Chinesern zu, dann kehr⸗ ten wir wieder in unser Lager zurück. um 7 Uhr erhob sich ein heftiges Schneegestöber. Ein gewaltiger Wind erschütterte unsre leichten und durchsichti— gen Wohnungen. Die Stangen der Jurten krachten; wir befestigten sie, so gut es gehen wollte, mit unsern eignen Schnüren, und so brachten wir es nur eben dahin, daß sie der Wind nicht wegreißen konnte. Selbst unsre Wagen wankten auf den Rädern, und es scheint, hätte man irgend ein kleines Segel daran befestigt, so würden sie von selbst den Weg nach Chalgan gelaufen seyn, gleich den Kähnen des Oleg, die einst, nach der Erzählung der Chronikenschrei— ber, zu Lande bis zu den alten Mauern des berühmten Con— stantinopels hinliefen. Die Kasaken waren jedes Schutzes gegen das heftige Schneegestöber beraubt. Ich schickte zum Tußulachtschi, um ihn zu bitten, uns mit einer vierten Jurte zu versehen, aber zu unserm Bedauern ließ er uns sagen, er habe keine übrig, denn drey Jurten wären nur darum allein aus einander genommen worden, um mit ihren Filzen die Wohnungen des Bitcheschi und Boschko zu umhüllen. Indessen befahl ich das Vieh in den Hohlweg am Fuße des Darchan zu treiben, um es so nur etwas gegen das Unwetter zu decken. Bey der Reise unsrer Mission im Jahre 1807 trieb ein entstandenes Schneegestöber, schon in den zacharischen No— madenplätzen, gegen 80 Pferde aus der der Regierung zuge— hörigen Heerde aus einander, welche vom Sturmwinde fort— gerissen ganz von Kräften kamen und sielen. e i Am Abend kündigte ich den Führern an, daß, wenn 10585 der Sturm am folgenden Morgen sich nicht gelegt hätte, 3 wir nicht weiter reisen könnten. chen Den 5. Oct.(17. Oct. N. St.) wüthete der Sturm sh⸗ die ganze Nacht hindurch. Am Morgen war ein Frost von ungefahr 10 Grad nach Reaumür. Lange brachten wir En damit zu, unsre Jurten vom Schnee zu reinigen, den der ti⸗ der Wind darauf zusammengeweht hatte. Die von der wir Heerde angekommenen Wächter meldeten, daß dort alles in Men Ordnung wäre, nur die Leute hätten viel von der Kälte ß se gelitten. Die Mongolen, die leicht bekleidet waren,(denn agen sie waren aus ihren Nomadenwohnungen noch vor dem gend Eintritt der kalten Witterung gekommen), befanden sich in sabst einer traurigen Lage: einer von denen, die sich bey unsrer ihnen Heerde befanden, kroch, da er sonst kein Mittel zum Schutz reiz gegen die Kälte hatte, unter den Hals eines liegenden Ka— Jon⸗ meels, und konnte seine erstarrten Glitder nur durch das lange Haar am Halse desselben erwärmen. eftige Gegen Abend fing der Wind an sich zu legen, und um deswegen schickte der Bitcheschi seinen Dolmetscher zu mir lber mit dem Vorschlage, morgen zur folgenden Station weiter zu rig, gehen. Darum baten uns auch dringend die mongolischen der Stationsältesten, indem sie anführten, daß sie weit herge— gen kommen wären, bey dem langen Aufenthalte auf der Sta⸗ fahl tion alle ihre Lebensmittel aufgezehrt hätten; und überdieß 0 wären sie genöthigt gewesen, zur Verpflegung des Bitcheschi, fen. Boschko und Tußulachtschi mit ihren Dienern, Hammel bey ein den Einwohnern der Gegend zu kaufen. No⸗ Ich befahl den Kasaken, sich zur Abreise fertig zu zuge⸗ machen. fotl⸗ Den 6. Oct.(18. Oct. N. St.) weckte uns um Mit⸗ ternacht ein Knarren auf dem Wege auf; ein chinesischer 8 Transport, der mit Thee nach Kiachta ging, und nicht weit uns, ebenfalls auch in Erwartung des guten Wetters, stand, war abgefahren. Mit großer Mühe machten wir uns auf den Weg; denn alles war durch die Kälte verändert. Ungeachtet fin— stere am Horizonte aufsteigende Wolken uns wieder mit Schnee bedroheten, gingen wir doch um 9 Uhr des Mor— gens nach der folgenden Station ab. Als wir über den oben erwähnten Bach gegangen wa— ren, reisten wir ungefähr eine Werste weit auf einer mit Schnee bedeckten Steppe, bis zu der Hauptstraße, die wir zwey Tage lang hatten zur Rechten liegen lassen. Dann kamen wir in einen Hohlweg hjnab und ungefähr 15 Werste 7 deutsche Meile) weiter naheten wir dem Fuße des Gebirges Chamär Dabaà. Auf einem obhängigen Wege gingen wir auf dem Gipfel des Gebirges hinauf. Auf der Mitte der Höhe standen einige Jurten; aus diesen kamen uns einige arme Leute entgegen und baten um Brod und Rauchtabak. Gern erfüllten wir ihre Bitte. Von der Station 7 Werste weit gelangten wir zu dem Berge Büilan, der von dem Wege rechts liegt und ziemlich hoch ist. Am Fuße desselben fanden wir Bruch— stücke von grünem Jaspis; wahrscheinlich enthält der Berg eine große Menge davon. Ungefähr 3 Werste(1— deut- sche Meile) gingen wir auf dem Abhange des Builan, und dann kamen wir in ein Thal hinunter, das von allen Seiten mit Anhöhen umschlossen ist. Auf einem ebenen Wege durch das Thal gingen wir 6 Werste(5— 1 deutsche Meile). Zur Linken sah man die Nomadenplätze des Gun (Hun) Achai, des Polizeymeisters von Urga, viele Jurten, Kameele und Hornvieh. Endlich, nachdem wir auf einer sanft abhängigen Anhöhe 4 Werste aufwärts gegangen wa— 1 „ gu ren, erreichten wir die Station Schibétu 20 Werste e(29 3 deutsche Meile) weiter, bald nach 2 Uhr des Nach— 0 mittags. Der Weg lag fast ganz gerade nach Osten. 5 Bey Nordwestwinde war ein heiterer und warmer Tag. i 5 Die Zugpferde gingen nach dem Froste gut; aber die Ka⸗ W meele legten sich unaufhörlich nieder. Der Aufenthalt unsers Mor⸗ Viehes in Urga, fast ohne Fütterung, ganzer zehn Tage lang, und das zu bald eingefallene Schneewetter am Dar— l chan brachten eine große Zerrüttung in den Kräften dessel⸗ b 1 ben hervor. In der Folge machten wir, zu unserer lebhaf⸗ e wit testen Bekümmerniß, davon die Erfahrung. Unter andern Dam konnte ein Kameel von der Station Bors m chudshür Bure sich nicht von der Stelle bewegen; und ein anderes fiel e deh auf dem Wege nach Schibé tu unter seiner Bürde nieder. Wehe Da ich eine solche Abmattung unsers Viehes bemerkte, uf der schickte ich nach unserer Ankunft zu Schibetu den Dol— kamen metscher zum Bitcheschi, um ihm zu scgen, daß wir in die d und unumgängliche Nothwendigkeit versetzt wären, den folgenden Tag auf der Stelle zu bleiben, um unserm Viehe nur we— ir zl nigstens einige Zeit zur Erholung zu lassen. Denn das und gestrige schlimme Wetter hätte es äußerst entkräftet; in die— tuch⸗ sem Districte aber wäre das Futter sehr gut und Wasser im Berg Ueberfluß. Der Alte wollte nicht einwilligen, indem er deut⸗ anführte, daß wir auf der vorigen Station zwey Tage lan, geblieben wären. Kann man aber wohl einen Aufenthalt allen auf einer offenen Steppe bey aller Rauhigkeit eines kalten benen Sturmwindes während zweyer Tage und Nächte, fuör ein utsche Ausruhen anrechnen?— Der Boschko und die Nerba's unter— Gun stützten seine für uns verderbliche Meinung. Nur allein der Jurten, Tußulachtschi begriff die Mißlichkeit unserer Lage und stellte f einer es dem Bitcheschi vor. en wa⸗ Der Dolmetscher Frolow wurde zum zweytenmahle VE von mir abgesandt mit der bestimmten Erklärung, daß wir auf dieser Station einen Tag und länger bleiben würden. Der Bitcheschi willigte in alles mit freundlicher Miene. Der Pater Archimandrit wollte mir rathen, mich selbst mit der Bitte zu den Führern zu begeben; aber, ob ich gleich mich nach allen Kräften bemühete, ihm gefällig zu seyn,— indem ich stets allen gehörigen Anstand beobachtete; so hielt ich es doch in diesem Falle für erniedrigend für mich, um dasje— nige zu bitten, was ich stets das Recht hatte zu for— dern. Uebrigens lehrte uns die Erfahrung hinlänglich, daß eine unerschütterte, kalte Festigkeit im Benehmen mit den Chinesern, weit mehr auf sie wirkt als eifriges Zureden oder eine sanfte Gefälligkeit, die als Regel des Umgangs unter Europäern angenommen ist. Der Chineser von gemei— nem Stande ist in seinem Betragen, besonders gegen Fremde, sehr stolz; findet er aber im Gegentheile einen gerechten hartnäckigen Widerstand, so demüthigt er sich und wird sklavisch kriechend. i Bald besuchte uns der Tußulachtschi und kündigte uns an, daß er nach zehn Stationen, mit dem Ende des chal⸗ chassischen Gebietes, die Mission verlassen, und nach seiner Rückkehr nach Urga kaum noch in seine Nomadenwohnun— gen kommen werde; denn der festgesetzten Ordnung nach müsse er zur Besichtigung der mongolischen Gränzen gegen Rußland abgehen. Vier Tußulachtschi's haben diese Pflicht auf sich, und besichtigen die Gränzen jedes Jahr. Idam äußerte dabey, daß er von uns Briefe in unser Vaterland befördern werde, wenn wir dieses wünschten, nur dürften darin durchaus keine Nachrichten von politischen Gegen— ständen enthalten seyn, wie zum Beyspiel, vom Tode des Bog— dochan u. s. w. Wir nahmen sein Anerbieten dankbar an. Unsre Station ist auf einer Höhe nahe an einem Hü— — 119— 555 gel angelegt; einige Sicht eh wärt liest der hohe, . 100 kieselhaltige Berg Schibetu(die Festung) mit zwey Zwei— 1 gen. Am Fuße desselben ist ein Brunnen, von den Jurten N 0 300 Klaftern nordostwärts entfernt, und der andere weiter⸗ ö nich hin jenseit des Berges: das Wasser ist rein und süß. Jen— en seit des Berges erheben sich einige Granitfelsen, als wären ic e sie durch Kunst zusammengesetzt, in der Gestalt von Trüm— ab je⸗ mern einer steinernen Mauer. Auf dem entfernten Zweige fot⸗ des Berges, der nach Osten liegt, ist die südliche Seite an ih, vielen Stellen mit weißem Quarz und kirschfarbenem Spa— n mit the bedeckt. uteden Der Dsangin, von allen der Dienstfertigste, der die shangs Mission zwey Stationen durch, Bumbatu und Boro hem chudshir, die in dem Choschun des Dsaßak Dshonon fand, liegen, geleitet hatte, konnte, als er bey mir war, sich nicht achten enthalten, mir seine Volksfabeln zu erzählen. Er versicherte wird mir, daß auf dem Berge Darchan noch jetzt der Ambos 8 des Dschingis aufbewahrt werde, der aus einem Metall te uns Burün gemacht sey— welches die Eigenschaften des Ei— chal⸗ sens und des Kupfers in sich vereinigen, d. i. zugleich fest seiner und biegsam, solglich elastisch seyn soll. Und dort gegen nun⸗ Osten auf dem Berge Tono, von dem oben S. 176.) gespro— nach chen worden, stehe am Ufer des Flusses Cheruliun der gegen Tono oder der Rauchfang jener merkwürdigen Jurte, in ficht welcher Dschingis, der Lieblingsheld des größten Theils der Jam Völker Mittelasiens im ersten Anfange lebte und emporreifte. erland Zu seinem Andenken bringt Dshonon Dsaßak im Som— ürften mer ein Opfer auf dem Berge To no; und Hun Achai, in Geger⸗ dessen Gebiete die Station Schibetu und die folgende Schara s Bog⸗ schorotu liegen, beobachtet diesen Gebrauch auf dem Berge bat an. Darchan. n Hö⸗ Den 7. Oct.(19. Oct. N. St.) um 8 uhr des Mor— 190— gens erschien der Tußulachtschi bey mir mit einer Mütze mit Zobel verbrämt, und einem Kügelchen oben darauf. Die Trauerzeit über den Tod des Bogdochan war für die Mongolen beendigt. Alle Aeltesten trugen wieder ihre Mützen mit den Kügelchen, nach dem Range eines jeden. Die Trauer bey den Chinesern und Manshuren dauert, wie frü— her erwähnt wurde, hundert Tage. Ungefähr um 4 Uhr Nachmittags ging, auf dem Rück— wege aus Pekin, bey uns ein Amban vorbey, der über sieben Choschune der westlichen Uränchen gebietet. Der Amban fuhr in einem niedlichen chinesischen Karriole, das von einem Kameele gezogen wurde. Sein ganzes, ziemlich zahl— reiches Gefolge, ritt auf Kameelen. Drey Mongolen dieses Zuges kamen aus Neugierde in unser Lager. Sie sagten uns, der Amban sey auf seinen Nomadenplätzen am Fuße des altaischen Gebirges zur Jagd des Bogdochan, auf mon— golisch Muranu aba) berufen gewesen. Indessen habe, nach dem Willen der höchsten Regierung, diesen Herbst keine Jagd Statt gefunden. Die Mongolen konnten sich nicht entschließen, uns die wahre Ursache davon zu sagen, aber wir wußten schon, daß der Tod des Dsäzin, auf eine Zeitlang, auch die Vergnügungen der Unterthanen der chinesischen Herrschaft unterbrochen hatte. Der Amban kehrt deswegen nach Urga zurück, um dort den Segen von dem Kutuchta zu erhalten. Die Uränchen machen einen von den mongolischen ) Zu dieser Jagd werden, außer den Manshuren, jährlich bis 10000 Mongolen beordert, und jeder von ihnen muß wenig⸗ stens drey Pferde bey sich haben. An ihr nimmt der Bog— dochan selbst Theil, und sie dauert ungefähr vier Monate bis tief in den Herbst. Ueberhaupt hat diese Jagd das Ansehen, und vielleicht auch den Zweck, von Kriegsübungen. — 191— * Mit Stämmen aus; sie nomadisiren nordwestlich von den Chal— darauf, chassen, auf der Südseite des altaischen Gebirges; ein Theil fir di von ihnen zieht in die Sommer-Nomadenplätze an dem Mützen nördlichen Fuße desselben Gebirges, d. i. in die Gränzen Die Rußland und bezahlt einen doppelten Jassak(Abgabe), an e ftü⸗ unsere Regierung und an die chinesische. Ihre Filzjurten oder Kibitken sehen, nach dem was der Tußulachtschi Idam Rück⸗ sagt, wie lange Schuppen aus. sieben Nach 6 uhr kamen, wie gewohnlich, der Dsangin und nba Kundui, die zur Begleitung der Mission bestimmt waren, b von in meiner Jurte. Der Kundui, der vor ungefähr 14 Jah— 9 zahl⸗ ren in Urga bey dem Wan als Chä(Leibwächter) gestan— dieses den hatte, ist ein sehr gewandter und behender Mann. Er sagten rühmte sich des Wohlwollens einiger Mitglieder der letzten Fuße russischen Gesandtschaft. Die mongolischen Dsangin's und Ron⸗ Kundui's werden zu diesen Aemtern durch die Gemeinde habe, gewählt; nach der Wahl reisen sie nach Urga zur Bestäti— keine gung; aber vollkommen werden sie erst in ihrem Amte durch nicht den pekin'schen Oshurgän, oder Gerichtshof der auswär— aher tigen Angelegenheiten, bestätige. Der erwähnte Kundui hatte lang, sich lange in seinem Somun(Schwadron) als Dsangin schen befunden. Aber da, nach den dem Bogdochan vorgelegten wegen Verzeichnissen, in jedem Somun, der Einrichtung nach, nicht tuchta mehr als 150 Familien angenommen werden; so maßen sich die, welche über die festgesetzte Zahl übrig bleiben, deren lh Menge sehr groß ist, bisweilen eigenmächtig große Freihei— ten an, und erregen Unordnungen in den Steppen. Ein— mahl geschah hier ein bedeutender Diebstahl; nach dem Ge— lch bis setze wurde vom Dsangin, wegen der Nachlässigkeit, 27 1 5 Lana, oder 54 Rubel, Silber an Strafe gefordert; und wie nate bis soll man alles übersehen, sprach der Kundui, die Steppe ist chen groß... Daher bat er, ihn von dem Amte eines Dsan— 8 gin zu entlassen. In der Folge wurde er indessen, wegen seiner guten Fähigkeiten zu der Stelle eines Kundui gewählt. Bey ihm befindet sich ein gewisser junger und äußerst ein— fältiger Mongole, der zur Begleitung unsrer Mission, in der Eigenschaft eines Dsangin, bestimmt ist. Den 8. Oct.(20. Oct. N. St,). Eine heitere Nacht; aber am Morgen trieb der Ostwind dicke finstere Wolken herbey. Wir vertauschten die am meisten ermüdeten Ka— meele gegen die, welche wir in Vorrath mitgenommen hat— ten, und gingen von Schibetu um 9 Uhr ab; auf der folgenden Station, Scharäͤ n schorotu, die 20(027— 3 deutsche Meilen) Werste entfernt ist, kamen wir um 2 Uhr Nachmittags an. Der Weg liegt gegen Osten, auf nicht großen Höhen, zwischen denen ausgedehnte Hohlwege sind. Der erste davon, durch den die Quelle Muchor buläk von sehr gutem Wasser fließt, heißt Derißu, von dem Kraute Derißu (Tyrsis paniculata?): es ist dieses ein hiesiges federartiges Pfriemengras, das einen Stengel 12 Arschin lang, biswei— len auch wohl länger, und oben darauf eine Aehre, der Roggentrespe ähnlich, hat; es wächst zu ganzen Feldern voll beysammen, an vielen niedrigen Stellen der Steppe Gobi. Hier begegneten wir einem jungen Dägun aas dem chalchassischen Gebiete des Chan Dsaßachtu, der nicht weit von dem altaischen Gebirge wohnt. Er war ebenfalls nach Sheche zur Jagd berufen, da aber, bey den schon bekannten Umständen, diese nicht Statt fand, so kehrte der Dagun in seine Nomadenplätze, auch über Urga zurück. In dem erwähnten Thale stehen viele Jurten, deren wir überhaupt nicht wenig bey der gegenwärtigen Reise sahen. Der Weg ist glatt wie ein Tisch; der Boden feiner —.— N 3— 211 1% wege Sand mit kleinen buntfarbigen Steinen von det Kieselgat— gewäͤhl, tung vermischt. An vielen Stellen liegen haufenweise Chal— ert en cedonier(Chalcedonius), von Farbe grau, sehr dunkelblau, sion, in weiß und undurchsichtig, auch giebt es sogar hellblaue. Diese letztern indessen stehen den nertschinskischen Chalcedo— Nacht; niern weit nach. Es kommen auch hier solche Chalcedonier Wollen vor, welche, gleich den böhmischen, Abbildungen von Bäu— n Ka⸗ men, die von Braunstein herkommen, enthalten. en hat⸗ Die Station Schara schorotu liegt rechts vom auf det Wege, auf einer weiten Ebene, auf welcher jetzt mehr als 329 20 Jurten nomadisirender Mongolen beysammen waren. Als u Ahr Ursache dieses Zusammenflusses von Menschen muß man zwey hier befindliche schöne Brunnen annehmen, wovon der Hohen, eine unerschöpflich ist. ße dabon, Kaum waren wir angekommen, als eine Menge wohl— gutem gekleideter Mongolen uns umringte; sie kamen zu uns in derißü die Jurte und besahen alles mit großer Neugierde. Nach rattiges* einer Stunde brachten sie uns, auf des Tußulachtschi Ein— bis wei⸗ ladung, einige Kameele und Pferde zum Tausch. Doch kaum , ber war ich mit dem Wagenmeister hingekommen, um sie zu Feldern besehen, als aus der Jurte des Bitcheschi der Dsangin und Steppe Kundui auf Pferden herbeygesprengt kamen, und anfingen auf die Tauschhändler mit Peitschen los zu hauen. Darauf gas dem warfen die Diener des Bitcheschi, von einem alten Nerba er nicht aufgehetzt, in unsrer und selbst des Bitcheschi Gegenwart, cbenfalls eine Hagelwolke von Steinen nach den Kameelen und n schon den Leuten, und jagten so alle aus einander. Schuld an ehrte det dieser Frechheit waren: der Dolmetscher des Bitcheschi, dem rück. der Tußulachtschi vor kurzem einen strengen Verweis darüber an, den gegeben, daß er die Tauschhändler nicht zu uns gelassen geh Reise hatte; und zweytens ein alter Nerba, der vor drey e dan seht* e Kasaken Morshan, oder Ae. auf 25 1 U —. 5—ů 5—— 2——— 5 8 Silberrubel an Werthe, zu kaufen(d. i. zum Geschenke zu bekommen) gesucht hatte. Auf meine Anordnung begaben sich der Wagenmeister und der Dolmetscher Frolow unverzüglich zu dem Bitcheschi, zur Aufhellung dieser Sache. Diesem Chineser wurde gesagt, er selbst habe uns erlaubt, von den Mongolen das für uns zöthige Vieh einzutauschen; aber heute habe man die Tausch— händler von uns auf eine gewaltsame Weise fortgetrieben. Hierzu käme noch, daß wir— wenn der Bitcheschi uns den Tauschhandel verbieten wollte, den doch die Russen im— mer bey ihren Reisen durch diese Gegenden getrieben hätten,— wegen der Entkräftung unsres Viehes, das so weit, ohne obgelöst zu werden, gehen müßte, nothwendig große Hin— dernisse auf unserm Wege antreffen würden. Uebrigens hatten wir dabey auch diesen Gedanken, daß die chinesischen Fͤͤhrer der Mission sicher wünschen möchten, unser Vieh in einen elenden Zustand zu bringen, und uns zu nöthigen, Gameele und Pferde, durch ihre Vermittelung, zu miethen, wie dieses bey der Reise der Mission 1807 und 1808 ge— schehen war; und dann würde die ganze auf die Postpferde gewendete Summe ihren Händen nicht entgehen. Zu unsern Bedauern verstand der Bitcheschi, außer der chinesischen Sprache, weder manshurisch noch mongolisch; und der Dol— metscher übersetzte alles nach seinem eignen Vortheil.— Es begann eine Untersuchung. Der Boschko, der Dolmetscher und die Nerba's waren auch da. Sie legten alle Schuld auf den Tußulachtschi, als habe dieser dem Dsangin und Kundui besohlen, keine überftüssigen Leute in unser Lager zu lassen, damit nicht etwa ein Diebstahl sich ereigne. Der herbeygerufene Tußulachtschi bewies deutlich, daß die ganze Unordnung von dem Dolmetscher und den Nerba's des Herrn Bitcheschi herrührte; er(der Tußulachtschi), der schon — 2 1—— K r— 5 2 — 195 schenke zum fünftenmahl eine russische Mission begleite, wisse sehr gut, was auf einer Reise nöthig sey, und er habe sogar genteisfr selbst die Tauschhändler eingeladen, indem er weit davon Bichssch, entfernt sey, die russischen Reisenden zu bedrücken. Der de gasagt, Tußulachtschi erklärte, er werde von allen solchen Unord— für uns nungen, über welche er ein genaues Verzeichniß führe, dem dausch⸗ Wan Bericht erstatten,— und hierauf entfernte er sich. trieben. Der Bitcheschi wendete sich dann zu dem Wagenmeister und chi und Boschko, und sagte, er verböte uns auf keine Weise, Vieh den im⸗ einzutauschen, nur fürchte er, die fremden Leute möchten uns ätten,— belästigen. Welch ein schöner Grund! und welche unge— lit, ohne wöhnliche Nachsicht gegen Diener!— Eine neue warnende ße Hin⸗ Lehre für Reisende nach China. lebrigens 4 5 sushe 10 1 bald 1 1 Dolmetscher zu sich 55 1 ah fragte, wie die Sache sich geendigt habe. Es wurde ihm 17 alles erzählt. Der Tußulachtschi gab sogleich Befehl, und e die vorigen Tauschhändler erschienen wieder bey uns; einen N davon verwundete der Nerba des Bitcheschi, ein sehr bos— h e hafter Mensch, mit der Spitze seines Stiefels— dem ge— pile wöhnlichen Werkzeuge der Rache des chinesischen Pöbels— 1 0 an dem Backen. Die nächtliche Dunkelheit erlaubte uns esschen nicht mehr als ein sehr großes und starkes Kameel einzu— 1 doc tauschen, für welches wir, aus unsrer Heerde, zwey zum 5 Lasttragen untaugliche Kameele gaben. netscher Schuld Den 9. Oct.(21. Oct. N. St.) standen wir um 4 n 10 Uhr des Morgens auf. Die Nacht war warm, vom Monde Lag hell erleuchtet. Der Morgen war hell, nur von Norden 1. Du sing der Wind wieder an zu gehen, und nahm bis zum i gde Abend so sehr an Heftigkeit zu, daß um 8 Uhr Schnee fiel. 17 55 Die Mission ging um 10 Uhr des Morgens ab, und kam, 905 nach einem Wege von 23 Wersten(35 deutsche Meilen) 13* —— 2— 55 auf der Station Olôn bäischin(biel Gebäude) um 2 Uhr des Nachmittags an. Nahe bey der Station Schara schorotu, rechts vom Wege, sieht man die Plätze zweyer Salzseen. Unge— fähr 5 Werste(5— 4 deutsche Meile) gingen wir auf nie— drigen Anhöhen; an der Seite des Weges gingen Heer— den von Kameelen und Pferden. Noch eine Werste wei— ter enthüllte sich uns gegen Süden eine weite Ebene, ulanschudük(der rothe Brunnen) genannt, und erstreckt sich auf 25 Werste(3 über 33 deutsche Meile) vorwärts bis zu dem Gebirge Bußün golü ulder steinerne Gürtel) hin. Am nördlichen Ende der Ebene stand ein chinesischer Wagentransport, der mit Blumenthee nach Kiachta ging. Diese Reisenden haben, nach ihrem eignen Belieben den Vor— theil, daß sie sich vornehmen können, an Plätzen auszuru— hen, die an Wasser und Futter für das Vieh Ueberfluß haben; wir aber halten da, wo man es uns befiehlt. Un— gefähr 10 Werste von unserm vorigen Nachtlager ist auf dieser Ebene ein tiefer Brunnen mit reinem Wasser. Der ganze Weg ist mit halbdurchsichtigen Steinchen von der Kieselgattung überstreut. Ungefähr 3 Werste(1— 3 deut— sche Meile) von dem Brunnen zertheilt sich das Gebirge Mändal in zwey Theile, den mittlern und westlichen. An dessen Fuße fanden wir eine Stelle ganz mit Karniolen und Achaten bedeckt; die besten Steine aber sind im Laufe der Zeit von den Chinesern, die auf diesem Wege reisen, herausgenommen worden. Auch viele Hasen kamen uns vor. Dann gingen wir bey einem Berge vorbey, der zur Linken des Weges liegt, und auf dem ein hoher Obo mit einer hölzernen Stange steht. Zwey Werste weiter, begeg— nete der Mission ein Mongole, der vom Jußulachtschi, den Weg zu zeigen, ausgeschickt war. N —— 2 8— ů———— 1 1 de) um! u, kects . lge⸗ auf nie⸗ n Heer⸗ e ej⸗ Ebene, erstreckt vorwättd Gürteh iesscher ta ging. den Vor⸗ auszuru⸗ leberfluß lt. Un⸗ x ist auf b. Der on der z deut⸗ Hebirge en. An arniolen 1 Laufe reisen, n uns der zür Obo mit , begeg⸗ schi, den 197 Hier verließen wir die große Handelsstraße Darchän Dsan genannt, und wendeten uns links auf die ar ga li— nische und fuhren etwa 2 Werste(5 deutsche Meile) bis an einen felsigen Zweig des Gebirges Mändal. Hier war weder Weg noch auch Fußpfade. Ungefähr 4 Werste (J oder über 5 deutsche Meile) gingen wir auf dem Gebirge hin und von demselben bis zu dem Distriet Olon Baischin. Von dem Rücken des Berges hat man eine weite Aussicht. In der Ferne gegen Westen bemerkte man einen Salzsee, deren es in dieser Gegend sehr viele giebt. Gegen Norden steht im bläulichen Dufte der Berg Barg eu mit fünf Gipfeln. Auch auf dieser Station brachte man Kameele und Pferde zum Tausche zu uns. Da aber die erstern größten— theils weibliche Kameele waren, und sie die Pferde nicht anders als gegen Silber verkaufen wollten— sie forderten für die besten 15 Lana oder 30 Rubel in Silber; so schlu— gen wir es diesen Tauschhändlern ab. Unser jetziges Nachtlager ist in einem sandigen Thale, das sich von Osten nach Westen erstreckt, und mit hohem federartigen Pfriemengras bewachsen war, angelegt. Eine. Werste von den Jurten geht, in der erwähnten Richtung, eine mit Steinen bedeckte Höhe. Von weiten sieht es aus wie Waldung, aber in der Nähe entdeckt sich eine unge— wöhnliche Naturerscheinung. Wilde Steine stellen— der eine die Gestalt eines ungeheuern Opferaltars, der andre eines Grabmahls dar; dort erhebt sich ein Thurm, und hier stehen die Trümmer eines Hauses mit steinernem Fußboden u. s. w. u. s. w. Das Gestein— ein verwitterter Gra— nit, liegt in großen Klumpen, 2, 4, und 8 Werschock dick; auf den Steinen wächst stellenweise die Robinia pygmaea (lein Strauch des dstlichen Sibiriens); andere Pflanzen wa— 7— ren durchaus nicht zu bemerken. Der Boden ist sandig. Die Mongolen versicherten uns, in diesen Graniten stecke Magnet, und wenn jemand mit einem Gewehr da vorbey— ginge, so hinge dieses sich fest an den Stein an. Den 10. Oct.(22. Oct. N. St.). Von Olon baischin gingen wir halb 8 Uhr ab, und nach einem Wege von 12 Wersten(15— 134 deutsche Meile) kamen wir zur folgenden Station Dsulgetä(Dsulhetu) um 11 Uhr des Morgens. Auf unserm ganzen Wege war dies die erste so kurze Station. Auf Einladung des Tußulachtschi Idam ritt ich mit den übrigen, die auch beritten waren, etwas von der Sta— tion zur Seite, um die Trümmer zu besehen— ein altes Denkmahl der Baukunst der Mongolen. Ungefähr 3 Werste 1— 3 deutsche Meile) ritten wir in einem Hohlwege öst— lich, und endlich naheten wir uns dem Abhange eines Ber— ges, der mit steinernen Gebäuden, ungefähr zwey Werste im Umkreise bedeckt war. Hier lebte, nach den Erzählun— gen des Tußulachtschi vor 300 Jahren, und vielleicht noch früher, eln mongolischer Taidsi(ein Abkömmling eines fürst— lichen Stammes), mit Nahmen Sain Chun(der schöne Schwan). Die Gebäude, deren Trümmern wir vor uns sahen, machten seine Tempel aus. Alles zeugt von dem Reichthum und der Pracht des vorigen Besitzers dieser wü— sten Gebäude, unter deren Zahl sich einige ungeheure Opferaltäre und Suburgane befinden; auch waren viele Gebäude da, deren Bestimmung wir nicht einsehen konnten. Die Gipfel der halbverfallenen Gebäude waren mit Moos und Gras bewachsen; der Grund war aus Granit zusammengesetzt, gerade von eben solchem Ansehen wie der auf dem nahgelegenen felsigen Bergrücken; aber von der Länge der Zeit hatte er sich fast in Sand verwandelt. Die 199 Mauern waren aus Backsteinen aufgeführt, die ziemlich stark an der Sonne getrocknet, und in einigen Mauern horizon— tal, in andern schräge von der Seite gelegt waren. Anstatt des Kalks waren die Steine und Ziegel mit Thon, der mit 1 grobem Sande vermischt war, verbunden. Die Feuchtigkeit und die Windstürme hatten, in ders Länge der Zeit, den Thon zerstreut, und nur d der grobe Sand war in den Fugen zurückgeblieben. Auf einem hohen, runden Gebäude, etwa vier Klaftern von der Erde war ein Karnieß aus Stein, der in drey Reihen gelegt war, aufgeführt. In dem großen Tempel, und in den Suburganen waren Höhlungen, in der Form von gewölbten Bogen, wahrscheinlich zur Dar— bringung der Opfer, angebracht. Auf dem mit Stei— nen gepflasterten Hofe liegen B Bruchstücke eines grünen Dachziegels und ein Trog aus demselben Steine ausgehauen. Dort, wo irgend ein krieger rischer Abkömmling des Dschin— gis-Chan im blitzenden Panzerhemde wandelte, oder auf feurigen Zeltern und leichten Rennern umherritt; dort wei— den jetzt friedliche Heerden. Selten besucht der unterdrückte Mongole diese alten Denkmähler seiner ehemaligen Macht und Unabhängigkeit. Von den Trümmern begaben wir uns hinunter in einen Hohlweg zu einem Brunnen mit reinem Wasser; nahe da— bey sah man noch die Stellen von Brunnen, die durch die Länge der Zeit verfallen waren. Neben einem derselben liegt ein zerschlagener Trog. Hier standen einige Jurten, und zahlreiche Heerden Schafe wanderten umher. Hasen in Menge sprangen aus dem Grase Derißä, mit dem dieser weit ausgedehnte Hohlweg bedeckt war, hervor. Ueber dem oben gedachten verschieden gestalteten Bergrücken, neben Grabmählern und Thürmen vorbey, ritten wir von 1 0. 10 6 i 0 N 17 1 1 6 der Station etwa 5 Werste weit, und kamen in ein tiefes Thal hinunter, wo man einen Brunnen nahe an dem schma⸗ len Wege sah, über welchen wir reiten mußten. Zur Lin— ken des Brunnens steht der verfallene Suburgan Gachz 4 (Hachza) ßumé, von eben solcher Bauart wie die oben beschriebenen. In dieser Gegend hatte die Mission im Jahre 1794 den 8. Oct.(19. Oct. N. St.)*) ihr Nachtlager. Von hier bis zur folgenden Station ritten wir 7 Werste (1 deutsche Meile) nach Osten, auf einem sandigen schma⸗ len Wege. Zur Rechten gegen Osten ließen wir den hohen Berg Bain ulisüitu, neben welchem gegen Süden ein abhängiger Hohlweg geht. Ungefähr 3 Werste stiegen wir über kleine Erhöhungen auf eine Anhöhe empor. Gegen Nordost sah man in der Ferne Berge; an sie schließen sich weite Thäler, in denen sich schon der steinerne Gürtel ver— liert, und vorwärts im fernen Blau enthüllt sich die un— übersehbare Fläche, das Sandmeer von Gobi: *) Es sey hier erlaubt zu bemerken, daß der Unterschied des alten Kalenders(den die Nussen gebrauchen) von dem neuen im vorigen Jahrhundert, oder von 170— 28. Febr. 1800. 11 Tage betrug; jetzt aber vom 1. März 1800 an bis zum 28. Febr 1900. 12 Tage beträgt. Die Ursache ist der im neuen Kalender 1800 weggelassene, im alten aber beybehaltene Schalttag. Nicht im⸗ mer scheint dieses beachtet zu werden. Denn z. B. im ver⸗ besserten Leipziger Kalender ist der Geburtstag des Kaisers Alexanders von Rußland den 24. Dec. 177%. angegeben, weil jetzt dieser Tag der 12te Dee. des alten Kalenddrs ist, an dem dieser Monarch 1777 geboren worden. Allein damahls war der 12. Dee— des alten Kalenders der 23ste des neuen, und nicht der 4ste. — Da in diesem Werke zuweilen anch Anführungen von Tagen und Jahren aus dem vorigen Jahrhundert vorkommen, wo vielleicht manchem Leser die Verschiedenheit der Angabe, wie sie nach dem neuen Styl ausgedrückt sind, auffallen möchte, dürfte vielleicht diese Bemerkung nicht ganz überflüssig seyn. A. d. Ul. ein tit n schma⸗ ur Lin⸗ a4 oben Jahre lager. Werste schma⸗ hoben den ein en wit Gegen ch weite 7 el bek⸗ die un⸗ es alten en inn Tage 19000. 11800 ht im⸗ m ver⸗ Kaisers jetzt dieser Dec⸗ Alste. Tagen en, boo be, wie mochte, sig eh. U. — 201 Allein des Wandrers Augen schauten Nicht Wohnungen, nicht Pfad; nur ewig Stepp und Steppe, Und fern der Berge Kett' im grauen Nebelflor. 9) Zu unserm Glücke waren, von den im Sommer gewe— senen starken Regengüssen, die hiesigen Wiesen mit etwas Gras bedeckt; im entgegengesetzten Falle würde überall, wie z. B. im Jahre 1807 nur Sand, mit kleinen buntfarbigen Steinen, oder mit groben Kieselsteinen durchmengt, gelegen haben. Und dann wehe den Reisenden! Das Vieh ver— schmachtet vor Hunger und Durst. Als wir 4 Werste (3 oder ouäber 1 deutsche Meile) unterhalb des Berges gekom— men waren, hielt die Mission im Thale Dsulhetu an. Diese, so wie auch die folgende Station, befindet sich im Choschun des Beiße(Fürsten des Iten Grades) Char— däl. Auf 200 Klaftern gegen Westen von unsern Jurten ist ein Brunnen mit reinem, süßen Wasser. Das Thal hat Ueberfluß an Futter. Wir fanden auch darin viele Achate und Karneole. Noch por der Abreise von der vorigen Station traf ich mit dem Bitcheschi in der Jurte des Vorstehers der Mis— sion zusammen. Mit Hülfe des Pater Archimandriten ver— ständigte ich mich, in chinesischer Sprache, mit Tschen— Loje darüber, daß er mehr Aufmerksamkeit auf die Schonung unseres Viehes bezeigen, d. i. es nicht durch weite Tagerei— sen abmatten und gute Weideplätze anweisen möchte, auch uns nicht hindern, bey sich ereignender Gelegenheit, unsre ermüdeten Kameele und Pferde gegen frische zu vertauschen u. s. w. Der Bitcheschi versicherte mir dagegen, er selbst sorge sehr darum, daß er, bey unsrer Ankunft in Pekin dem Gerichtshofe der auswärtigen Angelegenheiten melden *) Der Wanderer und der Stubensitzer(russisches Gedicht) von Batiuschkow. A. d. V. 8 könne, die von ihm geführte russische Mission habe auf dem Wege keine Bedrängniß erlitten. Der Bitcheschi fügte noch hinzu, er nähme mit mir gleichen Antheil an der glücklichen teise der Misston, als einer Reichsangelegenheit; wenn die Mission auf dem Wege aufgehalten würde, so wären auch sie— die Führer— ebenfalls gezwungen, anzuhalten; wir müßten in Eintracht, Freundschaft u. s. w. zusammen rei— sen. Zum Schlusse sagte ich noch, daß ich, des Zutrauens meiner Regierung gewürdigt, die mir ein Besitzthum von einigen tausend Lana oder Rubel in Silber anvertraut habe, mich sehr darüber beunruhigte, daß für die Schatz— kammer ein Schade aus irgend welchen unregelmäßigen Anordnungen entstehen möchte. Tschen-Loje versprach alles zu unserm Nutzen, der Pflicht seines Dienstes gemäß, zu thun.— Für uns sehr günstige Gedanken, und gewiß dem kalten Chineser durch den Tußulachtschi Idam eingehaucht, der schon viele Beweise eines musterhaften Eifers für die tussen bewiesen hatte. Den 11. Oct.(23. Oct.) war die Nacht warm, der Morgen trübe. Gestern ging ein Südwestwind, aber heute wehete er außerordentlich heftig, so daß zwischen drey und vier Uhr Schnee fiel. Wir reisten bald nach 8 Uhr des Morgens ab, und nach einem Wege von 20 Wersten(27— 3 d. M.) kamen wir auch der Station Ssud shin ußü um ein Uhr Nach— mittags an. Der Weg lag, wie gestern, gerade gegen Osten. Aus dem Thale, in welchem wir übernachteten, gingen wir auf Höhe hinauf, bedeckt mit Steinen, durch welche die Räder der Wagen sehr gehemmt wurden. Als wir über eine nicht sehr hohe Erhöhung gekommen waren, mußten wir wieder einen Hügel hinauf, wo wir einen schon befahrenen Weg fan— auf den gte noch scklchen enn die U auch n; wir en rei⸗ ralens von ertraut Schatz⸗ näßigen ch alles mäß, zu viß dem chaucht, für die m, der ᷑ heute und „ und kamen t Nach⸗ Aus ir auf Roder ine nicht r widder Weg fan⸗ — den. Etwa 7 Werste(1 d. M.) von der Station vermie— den wir ein nicht sehr tiefes Thal oder Hohlweg, mit wil— dem Grase bewachsen, bey den Mongolen Budurgun a4 genannt. Von da gingen wir eine sanft abhängige Anhöhe hinauf, die mit Karneolen, Chalcedoniern, Moosschwämmen (fungus subtomentosus) und Jaspisen von verschiedenen Farben bedeckt war. Diese von der Natur selbst gebildete Mosaik stellt, beym Zurückprallen der Sonnenstrahlen, ein ungewöhnliches, für die Augen sehr angenehmes Gemählde dar. Wir arbeiteten uns auf diesem bunten, mineralischen Felde, 5 Werste(5— 3 d. M.) vorwärts, und gingen dann abwärts zu dem Salzsee Zagän tugurik(auf mongo— lisch: der weiße Kreis; tugursk bedeutet auch noch eine Münze). Noch jetzt bemerkt man Salzquellen, die von ver— schiedenen Seiten in den See fließen; auf dem Wege giebt es viel salzigen Thon. Die nach dem See hin ausgetrete— nen schmalen Pfade lassen vermuthen, daß diese Salzgründe von Schafen besucht werden, obgleich wir übrigens weder Jurten noch Vieh da sahen. Von Zagan tugurik geht der Weg, bis 8 Werste vor der Station, auf einer gegen Osten geneigten Ebene. Auf dem ganzen Wege besteht der Boden aus feinem Kiessande. Die Jurten für die Mission waren links von dem Wege auf dem Abhange Ssudshin ußu aufgeschlagen; gegen Süden davon erstreckt sich die Anhöhe Dsamüln arik, an deren Fuße ein Brunnen mit gutem Wasser ist. Dieser Brunnen ist in Stein ausgehauen; das Wasser ist zwey Klaftern unter der Oberfläche der Erde. Das Gras um die Station her ist, in Betracht des sandigen Grundes recht gut. Als ich, nach unsrer Ankunft an dem Orte, nach meiner Gewohnheit, die Stationsältesten fragten wie das Futter hier sey, was es für Wasser gebe, antworteten sie:„ganz schlecht, mein Herr; aber auf der folgenden Sta— tion ist das Wasser gut und viel Gras; in é gasär (hasär) ußutai, ubußutai.“ Ein Ausdruck ihres herzlichen Wunsches, recht bald die fremden Reisenden los zu werden. Wie aber dem auch seyn mochte, ich hielt es doch für nöthig, dem Viehe auf dieser Station einen Rast— tag zu geben; welches, der Ordnung gemäß, den Führern am Abend angezeigt wurde. Den 12. Oct.(24. Oct. N. St.) blieben wir liegen. Die Nacht war heiter; am Morgen eine empfindliche Kälte von dem gestern gefallenen Schnee, der gegen Mittag zer— schmolz. Den ganzen Tag ging der Wind aus Norden. Wegen der entstandenen Mißhelligkeit mit unsern chine— sischen Führern, und ihrer Kälte gegen uns, sandte ich ihnen, da mir besonders der Vorsteher der Mission dazu rieth, unter dem Vorwande unsrer Erkenntlichkeit für die von ihnen für die Mission bewiesene Sorgfalt, folgende Geschenke: dem Bitcheschi 2 Zobel von der besten Sorte, 2 von der mittlern Sorte, 2 rothe Füchse; dem Dolmetscher und seinen beiden Nerba's, jedem einen Fuchs.— Dem Boschko 4 Füchse, sei⸗ nem Nerba einen Fuchs. Dem Tußulachtschi Idam: 2 Zo— bel von höchster Güte und 2 Füchse; seinem Neffen Cha Zebek Dordshi einen Fuchs, und dem Diener einen schwarzen Saffian. Der Tußulachtschi erschien bald nachher bey mir und dankte für die ihm übersandten Geschenke; erklärte seine gewis— senhafte Denkungsart und fügte hinzu, sie, die Führer, empfin— gen gar zu viel Gefälligkeiten, es wäre fast, als hielten sie unaufhörlich die Hände ausgestreckt, um Zeichen von der Großmuth der Russen zu empfangen. So waren seine eige— nen Worte. Der Bitcheschi und der Boschko kamen am Abend gleich— den Sh „ gasel uck ihre enden los hielt es en Rast⸗ rern am ligen. e Kalle dag zer⸗ en, in chike⸗ ch ihnen, ih, unter nen für fe: dem mittlern n beiden ce seiß 2 Ho⸗ n chä Warzen nir und gewis⸗ mpfin⸗ lten sie don del ie eige⸗ d gleich falls, um mir für die Gefchenke zu danken. Der Boschko ermangelte indessen nicht, auch hier, wie am Flusse Jrs (am 3. 15. Sept. wegen der Uhr) unaufhörlich zu erwäh— nen, daß, aus Fuchs eine Mütze zu machen, nicht an— ständig sey, und daß man bey den Chinesern zur Verbrä— mung Zobel gebrauche. Er hatte die Zobel gesehen, die der Bitcheschi erhalten hatte. Den 13. Oct.(25. Oct. N. St.) war die Nacht heiter und sehr kalt; am Morgen war ein Frost bis 8 Grad nach Reaumür. Die Wagen fuhren bald nach 8 Uhr des Morgens ab. Nach einer Fahrt von 18 Wersten kamen wir auf der Station Chulugür um 1 Uhr Nachmittags an. Von Ssudshin uß ü gingen wir durch einen Hohl— weg, in welchem ein Brunnen ist, dann kamen wir in süd⸗ östlicher Richtung, durch einige abhängige Thäler, die von nicht 9 95 Höhen durchschnitten waren. Drey Werste(— 2 d. M.) vor der Station gingen wir über den Bach Ga— schün, der ein bitteres Wasser, mit einem Schwefelgeruch enthält. Die Gegend Chulugür ist eine halbe Werste von dem Wege, oder, eigentlich zu reden, von dem engen Fußpfade, auf welchem wir uns von der Stelle an, wo wir die da r— chan' sscche Hauptstraße verließen, durchdrängen mußten. Vorwärts gegen Süden befindet sich eine Erhöhung, die von Osten nach Westen geht, und in welcher drey Haupt— thäler oder breite Hohlwege sind, hier Bain Kundül genannt; das östliche, mittlere und westl iche. Am Fuße des westlichen, etwa 2 Werste(— 4 d. M.) von der Station, hinter einigen Hügeln, fließt ein Bach hervor, der nähmliche, wie es scheint, durch den wir heute auf einem Furth gingen. Von dem starken Froste, ist an tiefen Stellen des Baches das Eis 1. Werschok dick; aber es giebt auch Stellen, wo das . ö. N N 5 1 1 N f f 1 11 1055 1 0 M 1 206 Wasser fließt ohne zu gefrieren; es ist von unangenehmen Geschmack und giebt einen Schwefelgeruch von sich. Die Höhen sind auf dem Wege zu dem Bache mit Bruchstücken von grobem Jaspis, größtentheils von gelblicher Farbe, über— streut. Es giebt ungeheure Steine von derselben Gattung dort, die tief in der Erde stecken, und wie Stämme verstei— nerter großer Bäume aussehen. Auf denselben Höhen wächst die Robinia pygmaea, und an tiefen Stellen des Baches fanden wir eine stachlige Pflanze, die in dünnen Ruthen auf der Erde sich hinrankt. Um die Station herum wächst viel Budurguna: das ist ein niedriger Strauch mit röthlichen kleinen Blättern. Die Budurguna ist der Steppe Gobi eigen. Bey der Durch— reise der mongolischen Karawane durch diese Gegenden, aus Chalgan nach Kiachta, und wieder zurück nach Chalgan oder Dolonnor, nähren sich sich die Kameele zur Winterzeit nur von dieser Pflanze, die viel beyträgt, sie fett zu machen. Von der Station Dsulhetu an südwärts wächst sie in Menge; unser Vieh aber, das daran nicht gewöhnt war, fraß nicht davon. Während daß die Pferde beschlagen wurden, ging ein Lama um unsern Schmidt herum und sah lange seiner Arbeit zu, endlich setzte er sich auf einmahl aufs Pferd und jagte davon. Es zeigte sich nun, daß dieser neugierige Kirchendie— ner eins von den eisernen Schmiedewerkzeugen mitgenommen hatte. Obgleich der Tußulachtschi dem Dsangin strengen Befehl zur Aufsuchung des Verlornen gab, so blieben doch alle Bemühungen fruchtlos. Man kann nicht vorsichtig genug seyn. Die Dsangine der chalchassischen Stationen von Kiachta bis urga tragen weiße undurchsichtige Kügelchen; jenseit Urga aber durchsichtige. genehm sich. Di ruchstücke ache, lher⸗ Gatung e berstei⸗ u nat Baches hen auf na: das Blattern. t Durch den, aus gan oder tzeit nur . Von Menge; t dabon. ing ein Acbeit d jagte schendie⸗ nommen strengen en doch richtig d Kiachta J jisi 123— — „5 Den 14. Oct.(26. Oct. N. St.). Die Nacht war äußerst kalt, am Morgen 10 Grad Frost. Selbst die hiesi— gen Einwohner sagen, daß sie einen so kalten Herbst lange nicht gehabt hätten; sie halten die heftigen Regen, die den ganzen Sommer hindurch gewesen waren, und die Erde durch— näßt hatten, für die Ursache davon. Von der Station ging die Mission um 8 Uhr des Mor— gens ab, und nach einem Wege von 18 Wersten(27 oder über 2 d. M.) kam sie nach 12 Uhr Mittags in dem District Deriß uin ußn(d. i. Wasser im Grase De⸗ rißu) an. Eine Werste vor der Station kam uns ein Taidsi von ansehnlicher Gestalt, mit den mongolischen Aeltesten, ent— gegen. Dieser Taidsi ist von dem Mergen Wan(der von hier westwärts seine Nomadenplätze hat) zur Geleitung der Mission durch seinen ganzen Choschun bestimmt, der sich von dem District Derißuin ußu bis zu den ßunitischen Gränzen erstreckt, wo schon die chalchassischen Lande enden. Von urga bis hierher reisten wir durch die Gebiete des Zezen Chan. Bald nach unsrer Ankunft kam zu mir in reicher Klei— dung der Chan Züren Dsap, und brachte eine Empfehlung vom Tußulachtschi Demit, der von hier ungefähr 25 Werste (33 oder über 35 d. M.) weit gegen Südwest seine No— madenplätze hat. Bey dieser Gelegenheit schenkte der Chä, in seinem und seiner beiden jungen Brüder Nahmen, dem Vorsteher der Mission und mir, jedem einen lebendigen Ham— el; überdieß überreichte er mir ein Chadak und eine chine— sische Dose zum Tabak. Der asiatischen Sitte, und auch selbst dem Anstande gemäß, schenkte ich gegenseitig dem Chä Züren Dsap, drey Arschinen schwarzes Tuch und grünen Saffian; jedem seiner Brüder einen kleinen Spiegel. Der „ dreiste und gesprächige Mongole versicherte uns seiner Er— kenntlichkeit für die ihm bewiesene Aufmerksamkeit, seines Eifers, seiner Bereitwilligkeit uns zu dienen u. s. w. End— lich fragte der Chä, beym Abschiede, was wir durch ihn, dem Tußulachtschi Demit, zu dem er jetzt reise, sagen lassen wollten. Ich trug ihm auf, mich ihm zu empfehlen, und ihn zu bitten, daß er, aus seinen zahlreichen Heerden, einige Kameele und Pferde zum Tausche bereit halten möchte. Den 15. Oct.(27. Oct.) verließen wir die Station um 8 Uhr des Morgens, und kamen, nach einem Wege von 15 Wersten(27 d. M.) nach Aburgäin Ssumeé, d. i. dem Tempel auf dem Schlangenberge. Der Weg dahin geht ebenfalls durch Thäler, die oft unterbrochen sind, zwischen flachen Erhöhungen. Ungefähr 5 Werste(— 4 d. M.) von dem Nachtlager sahen wir bey einem Brunnen eine zahlreiche Heerde Kameele, deren sie hier eine große Menge aufziehen. Die gobischen Ka— meele werden für die besten in der Mongoley gehalten, ob— gleich im Allgemeinen die mongolischen Kameele schwächer als die kirgisischen sind. Die hiesigen Pferde sind von klei— nem Wuchse; aber stark, und ansehnlicher als die, welche wir jenseit Urga, näher an der russischen Gränze gese— hen hatten. Mit Vermeidung der Höhe gingen wir gerade ostwärts 5 Werste(5— à d. M.) bis zu dem Fuße des hohen Ber— ges Ul4 Obò(der rothe Obo); ganz auf dem Gipfel des— selben ist ein Haufen Steine aufgethürmt— ein Opferaltar der Verehrer des Schigemuni in den Steppen. Der Berg besteht aus rothem Granit, mit Quarz vermischt. Als wir ungefähr eine Werste weit bey Ulan Obo, das zu unsrer techten liegen blieb, vorbey kamen, enthüllte sich uns vor— wärts eine sehr weite Ebene, auf welcher in der Ferne der seintr fit, seng se w. End, durch ihn, agen lassn chlen, und en, einge chte. Station en Wege Ssumk, et, die oft Ungefäht sahen wit le, deren chen Kar alten, ob⸗ schwächet von Hei „welche e gese⸗ ostwärts hen Ber- fel des⸗ pfetaltat et Berg Als wir zu unscet 5 unb bor⸗ Ferne det 209 hohe ansehnliche Berg Tschindamoni lein tibetisches Wort) steht. Dann drängten wir uns 3 Werste( — d. M.) hindurch auf steinigen kleinen Erhöhungen bis zu einem Tempel, der links vom Wege auf dem Abhange des Berges Aburga steht. Dieses Wort bedeutet in mongo— lischer Sprache eigentlich eine Schlange. Man sagt, in den Klüften dieses Berges gäbe es sehr große Schlangen, dergleichen wir jetzt, eben so wie auch Frösche, ganz und gar nicht gesehen hatten. Was für ein Land! Weder kriechende noch hüpfende Geschöpfe!— Aus dem Berge fließt eine nicht große Quelle, die jetzt schon mit Eise bedeckt ist. Die Jurten für die Mission waren eine Werste weit von dem Tempel gegen Süden aufgeschlagen. Mit dem lebhaftesten Vergnügen blickten wir die bewohnten Gebäude an, gleich wie eine Insel mitten im unübersehbaren Welt— meere. Nicht weit von der Station kam mir der Chä Süren Dshap entgegen, mit dem wir gestern zusammen gewesen waren. Er berichtete uns, der Tußulachtschi Demit werde, wegen Krankheit, schwerlich selbst zum Besuch zu uns kom— men können; er habe aber seinen Bruder, einen Lama, und seinen ältesten Sohn abgeschickt, und ihnen aufgetra— gen, Vieh an uns zu vertauschen, wenn wir es wünschten; eine Folge der Schlauheit dieses Generals) in den Steppen. Er selbst fürchtete,— so schien es— sich in Handelsge— *) Der Tußulachtschi Demit, so wie Idam, hat an der Mütze ein rothes geschnitztes Kügelchen; dieses gehört, nach der chine— sischen Rangordnung den jüngern und ältern Beamten des zweyten Grades zu, dem zufolge sie sich mit dem Range eines Generalmajors und General-Leutnants vergleichen können. Uebrigens sind die mongolischen Rangstufen, auch wenn sie die— selben Kügelchen tragen, an Würde niedriger als die manshu— rischen und chinesischen. A. d. V. 1. Band. 14 schäfte einzulassen, damit Ehrliebe ihn nicht etwa derleiten möchte, uns etwas zu unserm Vortheile nachzugeben. Ueber— dieß verwaltet sein jüngerer Bruder, der Lama sein ganzes Vermögen. Von den Kameelen, welche Lasten trugen und der pekinschen Mission gehörten, fingen einige an, schon auf dem Wege nach Urga, merklich schwach zu werden, wegen des beschwerlichen Weges, des schlechten Wetters, der zu gro— ßen Schwere der Kasten mit Silber, und mehr als alles von der gänzlich Ungewohnheit der Arbeit. Um diesem eini— germaßen abzuhelfen, bemühte ich mich in Urga einige völlig an den beschwerlichen Weg durch Gobi gewöhnte Kameele einzutauschen. Es fand sich niemand, der zu tau— schen wünschte; und im Einkauf konnte ein erwachsenes, starkes und an Lasttragen gewöhntes Kameel fast auf 250 tubel in Assignationen zu stehen kommen. Der Tußulach— tschi Demit, einer der reichsten Viehbesitzer unter den chal— chassischen Mongolen(er hat mehr als 1000 Kameele, 2000 Pferde, 7000 Schafe und nicht wenig Hornvieh) äußerte, aus Freundschaft gegen uns, werde er uns dabey behülflich seyn; wovon oben gesprochen worden. Bey unsrer Ankunft bey dem Tempel Aburgain Ssume war ich genöthigt, diese Sache zu Ende zu bringen, um desto mehr, da in un— srer Heerde sich schon viel solche Kameele zeigten, welche vor großer Erschöpfung auch ohne Last kaum gehen konnten. Und so schickte ich denn, mit Vorwissen der chinesischen Führer der Mission, um 4 Uhr Nachmittags, zu dem Tußu— lachtschi Demit, der absichtlich in diese Gegenden gekommen war, den Sotnik(Kasakenhauptmann) Sacharow, in Be— gleitung des Stations-Mongolen, um mich ihm zu empfeh— len und ihn zugleich um die Erfüllung seines gegebenen ha deren hen. lehne sein ganze mund der on auf dem vegen des zu gro⸗ als alles cem eivi⸗ ga einige gewöhnte er zu tau⸗ rwachsenes, auf 250 Tußllach⸗ den chal⸗ ele, N00 ) dußert, hehllflich Ankunft enothigt, a in un⸗ „ welche fonnten. nesischen u Tußu⸗ kommen „in Bi⸗ u enpfeh⸗ gegebene — 11— Wortes zu ersuchen. Sugleich schickte ich dem Demit 2 rothe Füchse und 4 Zobel zum Geschenke. Bald nachher, nachdem der Sotnik nach den Nomaden— plätzen des Tußulachtschi, die von unsrer Station 8 Werste (1% d. M.) westlich in der Nähe des Berges Tschindamoni entfernt lagen, abgegangen war, kam der Lama, der Bru— der des Demit, und sein Sohn, der junge Taidsi, zu mir. Nach den gegenseitigen Höfllichkeitsbezeigungen überreichten sie, im Nahmen des Tußulachtschi, zum Zeichen der Freund— schaft, dem Vorsteher der Mission 2 Hammel, und mir eben so viel, außerdem Butter, Käse und Gebackenes. Die Be— sucher wurden von mir gehörig bewirthet. Nachdem wir ungefähr eine Stunde in Unterredungen hingebracht hatten, sagten sie endlich, daß sie auf Befehl des Tußulachtschi 10 Kameele zum Tausche herbeygeschafft hätten, die an Größe und Stärke die unsrigen weit über— träfen, diejenigen Kameele ausgenommen, welche von den Söhnen des Oberhetmanns(Ober-Generals) der bratski— schen leichten Reiterey als Gabe dargebracht worden. Wir fingen an um den Tausch zu handeln. Der Lama verlangte für jedes seiner 13 Kameele zwey der unsrigen, wobey er einwilligte sie ohne Auswahl zu nehmen, nach unserer eigenen Bestimmung. Die Forderung war sehr hoch, aber die Verschiedenheit des Viehes fiel auch in die Augen. Ich bemühte mich für den Vortheil der Schatzkammer zu sorgen und bot 15, 18 und 20 von unsern Kameelen, end— lich nach langen Unterhandlungen bot ich 23 Kameele für jene 13. Der Lama und Taidsi gingen durchaus nicht von ihrer Forderung ab; sie stützten sich darauf, daß ihre Ka— meele frisch und wohlbeleibt wären; daß sie mehr als ein— mahl von diesen Gegenden nach Chalgan, und von da nach Kiachta mit Thee gegangen seyen; daß sie leicht Lasten bis 14* — 212— zu 400 Gin d. i. ungefähr 14 Pud(560 russische Pfund) trügen. Es ist bekannt, daß die Kirgisen, beym Transport russischer und bucharischer Waaren, auf ein Kameel 46 Pud (640 russische Pfund) laden. Unterdessen kehrte der Sotnik Sacharow von Demit zurück, der sich entschlossen hatte, am andern Tage in unser Lager zu kommen. Bald kam in meine Jurte einer seiner Diener und rief den Lama hinaus. Nach einer Viertelstunde kam der Lama zurück, erklärte bestimmt, er werde für seine 13 Kameele nicht weniger als 24 der unsrigen annehmen, und entfernte sich mit dem Taidsi, indem er unsern Handel als nicht geschehen ansah. Ich begleitete sie freundlich, und beym Abschiede schenkte ich dem Sohne des Demit einen sil— bernen Löffel und ein Paar krystallene Becher zum Andenken. Den 16. Oct.(28. Oct. N. St.) hielten wir Rast⸗ tag. Die Nacht war warm; der Morgen heiter. Gegen Mittag ein sehr schneidender Wind aus Westen. um 8 Uhr des Morgens kamen die gestrigen Besucher wieder zu mir, mit der Anzeige, daß sie, dem Befehle des Tußulachtschi Demit gemäß, wegen seiner Freundschaft gegen den Major(gegen mich), die 23 Kameele von uns für ihre 43, die sie auch schon auf die Station mitbrachten, anneh— men wollten. Unsre Kameele wurden übergeben und die neuen, im Beyseyn des Tußulachtschi Idam, angenommen. Die Chineser ließen sich gar nicht vor unsern Augen sehen. Um 11 uhr ging ich mit einigen Mitgliedern der Mis— sion, den aburgainischen Tempel zu besehen. Er ist auf dem Abhange des Berges errichtet, und mit der Vorderseite, nach den Regeln der tibetischen Baukunst, gegen Süden gekehrt. Am Fuße des Abhanges ist ein Brunnen gebaut, neben welchem aus den nächsten Bergen eine besondere Quelle fließt. Der Tempel hat im Umfange ungefähr 250 Klaftern, —— 9 Nn und ist mit einer Mauer umgeben, die, so wie auch alle Ge— e bäude, aus Backsteinen erbaut und mit rother Farbe ange— f 10 fn strichen ist. Die Dächer bestehen aus Hohlziegeln. Bey dem südlichen Haupteingange sind in die Erde zwey Balken, 2 Damit in Gestalt hoher Masten, eingegraben; hinter der Mauer, in une auf der Ostseite, steht ein hölzernes Häuschen, der gemein— er seiner schaftliche Speisesaal der Lama's zur Seit, wenn ihre Ver— tilstunde sammlungen hier gehalten werden; und 1 der Westseite ür seine sind 7 Jurten aufgeschlagen, worin die beständig dort ange— wehmen, stellten Lama's und die Diener dieses Tempe 5 wohnen. u Handel Der uns begleitende Neffe des Idam Zebek Dordshi lich, und rief aus den Jurten den Schlüsselbewahrer, mit dem auch einen sil⸗ wir, durch das südliche Thor, zuerst in den Vorhof gingen. Andenken. In diesem stehen vier Götzenbilder von riesenmäßiger Größe, vir Rast⸗ in Gestalt von Kriegern in völliger Rüstung. Das erste Gegen zur rechten Seite des Einganges hat ein rothes Gesicht, und hält in beiden Händen eine sich windende Schlange; Besucher das zweyte hat ein weißes Gesicht, und in der rechten Hand fehle des einen 5 wodurch sich in China die Grade ft gahen der Beamten unterscheiden, und in der linken Hand eine jr ihre Maus. Das dritte, auf der linken Seite des Einganges, hat anneh⸗ ein blaues Gesicht, in den Händen ein Schwerdt; endlich ind die das vierte, mit einem gelben Gesichte, spielt auf einer men. Laute. Diese Burchanen, oder geheiligten Personen, zufolge sehen. der Lehre des Schigemuni, heißen: Julkurßün, Pa⸗ g Mis⸗ tschibu, Tschemidsän, No mtosseré. Sie sind t auf Tengern oder Macharansä-Chane, welche auf 2500 rseite, Jahr leben und jeder 125 Klaftern hoch sind. Sie sorgen Suden für die zeitliche Glückseligkeit der Sterblichen und wohnen achat, an den vier Rändern 5 Berges Siummeér— dem Dult Mittelpunkte des Erdkreises, und der Hauptwohnung der ast, Schutzgeister. Die 8 55 des eben erwähnten Berges, — — n ——— — 2— zugleich mit den ihn umgebenden sieben goldenen Bergrücken, erstreckt sich beynahe bis auf 100000 Werste) in jeden der vier Theile der Welt. Ueber den mit Backsteinen gepflasterten Hof gingen wir in den Haupttempel, wo die Lama's gewöhnlich sich zum Gebet versammeln. Im Winter finden, wegen der Kälte, solche Versammlungen nicht Statt. um die innern hölzernen Säulen befinden sich Fahnen, Trommeln und Chadak's; und an den Wänden hängen auf seidene Zeuge gezeichnete Abbildungen verehrter Heiligen. Der Thüre gegenüber, an der nördlichen Wand, stehen große kupferne Götzenbilder; neben ihnen sind Plätze für die ältern Lama's gebaut, in Gestalt von Lehnstühlen, mit Kissen, die mit Atlaß überzogen sind; und zum Sitzen für die niedern geist⸗ lichen Personen sind Filzdecken auf dem Fußboden ausge— breitet. Ueberall ist es rein und sauber. Hinter diesem Tempel ist noch ein andres Häuschen, in welchem, in der Mitte der nördlichen Wand, das vergoldete Bild des Schi⸗ gemuni oder Fo steht. Das Dunkel dieses Tempels drückte in vollem Maaße die Finsterniß der Begriffe der Lama's von den Gründen der schigemunischen Religion aus. Man sagt, daß den ersten Grund dazu, lange schon vor der christlichen Zeitrechnung, ein gewisser Fürst Schige— müni(Dshakdfämüni) oder Fo, in einer indischen Provinz, am Ufer des Ganges geboren, gelegt habe. Dieser Fürst verbarg sich im 19ten Jahre seines Alters, und ließ sich bey den Einsiedlern seines Landes unterrichten. Als er in das Fürstenthum, das ihm nach dem Erbrechte zugehörte, 5) D. i. 14285 d. M. also(da der ganze Umkreis der Erde 5400 d. M. betragt) fast 27 mahl so viel, als der ganze Umkreis der Erde. A d. i. Betgrükk, e in je of gigen hnlich sc gen der innern In und 1 Zeuge Thute kupferne Lamas die mit ern geist⸗ n auége⸗ F diesem in det 85 Schi⸗ b drückte 45 bon schon ch i ge⸗ dischen Dieser d ließ Als er chdtte, rde 5400 kreis det — 8 zurückgekommen war, stiftete er dort einen neuen Glauben, über den er eine zahllose Menge Bücher schrieb und sich sehr viele Nachfolger erwarb; er stiftete den ehelosen Braminen— Orden, den in der Folge, aus Nachbarschaft, die Tibeter, und von diesen wieder die Mongolen, unter dem Nahmen des Lama-Ordens angenommen haben. Schigemuni lehrte dem Volke die Seelenwanderung und die Unsterblichkeit der Seelen, wobey er nach dem Tode den Guten Belohnungen versprach, und Qualen den Bösen drohete. Vor seinem Ende entdeckte Schigemuni zweyen seiner auserlesenen Schüler als ein Ge— heimniß, daß er ein gewohnlicher Sterblicher sey). Den schigemunischen Glauben halten, mit einigen abweichenden Secten, Indien und Tibet, und seit dem Jahre 85 nach Chr. G. der größte Theil China's. Aus der Geschichte des dshin— gisischen(juanischen) Hauses ist bekannt, daß im 12ten Jahr— hundert dieser Glaube durch reisende Lama's, und durch den Willen der Chane, in der Mongoley eingeführt wurde, wo man bis dahin die Gebrauche des Schamanenthums beobachtet hatte. Auf eben diesen Wegen ist diese Lehre auch in die süd⸗ lichen Gebiete Sibiriens, besonders in die Statthalterschaft Irkutsk eingedrungen. Auch in diesem, so wie in dem ersten Tempel, hängen viele Chadaks. Vor dem Bilde des Schigemuni befindet sich ein großer Tisch mit Butter und Hirse, Schͤre genannt, welches bey den mongolischen Lama's, so wie bey den indi— schen und chinesischen, das Haupterforderniß des Dienstes der Götterbilder ist. Diese Götzenverehrer nehmen an, und zwar vernünftig genug, daß den Göttern ein getödtetes Opfer, 0 Sein Leben und seine Thaten sind ausfuhrlich in der ie“? ten Abtheilung des dritten Theils dieses Werkes beschrie— ben. A. d. V. e so wie jede Tödtung lebendiger Geschöpfe, nicht gefalle, und gebrauchen daher jenen Tisch anstatt blutiger Altäre, die bey Heiden des Abendlandes nicht selten sogar mit Menschen— blute geröthet waren, und dadurch den wilden Sinn ihrer Priester nährten. Auf dem Tische sahen wir einige kup— ferne vergoldete Schalen mit gefrornem Wasser und Thee, Schüsseln mit Hirse, und darneben einen runden Fächer aus einem Pfauenschweife. Endlich in einem dritten Häuschen, das hinter allen stand, wird in hölzernen Schränken das bekannte tibetische Buch des schigemunischen Glaubens, Hanshur genannt, aufbewahrt. Es ist auf Zlätter geschrieben, und auf solche Art eingerichtet, daß 54 Theile sich auf der rechten Seite des Tempels befinden und 54 auf der linken, in allem 108 Theile, von welchem jeder bis tausend Seiten enthält. Nahe bey den kupfernen Bildsäu— len liegt auch das geistliche Buch Jum in 16 Theilen. Beide erwähnte Werke sind in tibetischer Sprache gedruckt und reich eingebunden. An den Seiten des letzteren Ge— bäudes steht an jeder noch ein Häuschen, die aber leer waren. Dieser Tempel,(dessen geistliches Oberhaupt, ein jun— ger Chubülgan*) nach Urga zur Erziehung gereist war) ist auf Kosten der Vorfahren des Tußulachtschi De— mit, die schon in alten Zeiten in diesen Gegenden nomadi— *) Ein Grad der schigemunischen Geistlichkeit; es bedeutet einen Wiedergebornen. Er ist dem Range nach niedriger als der Kutuchta. Zu Chubülganen erhebt man, vorzüglich vor an— dern, Leute geistlichen Standes. Um sich die Achtung des Volks und das Recht zu einer Chubülganstelle zu erwerben, ist die Wahl durch den Kutuchta allein nicht hinlänglich; man muß sich durch besondere Frömmigkeit und ausgebreitete Kennt— nisse auszeichnen. A. d. V. falle, Und „ die bey hunschn⸗ inn ihur ige kuz⸗ d Jhger, er gus löchen, en das dubend, Blätter Teile 54 auf ddet bis , Osau⸗ hellen. edruckt en Ge⸗ er leer jun⸗ ereist De madi⸗ einen der r an⸗ g des en, it z fell Keunt⸗ — sirten, gebaut.— Nach ungefähr zwey Stunden kehrten wir in unsre Jurten zurück. um 5 uhr Nachmittags endlich besuchte uns auch der Tußulachtschi Demit, der mit einem großen Gefolge, und in reicher Kleidung angekommen war. An seiner mit Biber verbrämten Wintermütze hing hinterwärts eine doppelte Pfauenfeder herab, 5 Werschok lang, mit Einem Auge, welche er von dem verstorbenen Bogdochan als eine Auszeichnung erhalten hatte. Ich hatte angefangen dem Demit zu dan— ken, dafür, daß er die Mission mit guten Kameelen versehen hatte. Aber unser Gast, mit dem sein Bruder der Lama, der junge Demit und der sechsjährige Sohn dieses letztern ge— kommen war, wiederholte unaufhörlich; tüms mori nada chamädugé(uhé), d. i. mit den Kameelen und Pferden habe ich nichts zu thun;„ich habe alles meinem Bruder und Sohne aufgetragen, sie werden alles entscheiden, wie sie es wissen.“ Er versicherte, er sey mir geneigt wie einem Sohne, einem Freunde u. s. w. er roch an den Kopf seines deffen(bey den Mongolen ein Zeichen elterlicher Liebkosung, statt einer Umarmung), rühmte sich mit seiner Pfauenfeder an der Mütze u. s. w. Ungefähr eine Stunde brachte De— mit in meiner Jurte zu, und schied dann freundlich von uns. Den 17. Oct.(29. Oct. N. St.) war die Nacht sehr warm, aber unruhig für uns. Der Argal in meiner Jurte, die der größern Wärme wegen von allen Seiten verhüllt war, hatte sich entzündet, und weckte uns um 2 Uhr nach Mit— ternacht durch einen dicken Rauch auf, wovon wir in Ge— fahr waren zu ersticken. Ueberdieß konnten wir auch nicht fest schlafen, aus einer für uns neuen und seltsamen Ur— sache. Unter den von Demit eingetauschten Kameelen befand sich ein weibliches, das von seinem Füllen getrennt war. Denen, die mit der Naturgeschichte sich beschäftigen, ist — 218— gewiß bekannt, wie viel Gefühl dieses Thier hat. Die Ka— meelstute stieß unaufhörlich langgedehnte und so klägliche Töne aus, daß ich gestehen muß, es war nicht möglich, es gleichgültig anzuhören. Sie klagte auf ähnliche Weise noch fünf Tage nachher, und ich habe mit eigenen Augen Thrä— nen gesehen, die in starken Tropfen aus ihren Augen rollten. Gewaltig ist die Wirkung der Natur!— Die Mission brach ungefähr um 7 Uhr des Morgens auf. Auf der folgenden Station Dubän deretü(4 Kissen) kamen wir um 12 uhr Mittags an; 20 Werste(28— 3 d. M.) hatten wir uns weiter vorwärts gearbeitet. Sechs Werste(5— 1 d. M.) reisten wir auf dersel— ben Ebene, wo wir das Nachtlager hatten, bis zu einer großen querüber liegenden Höhe. Am Fuße derselben gin— gen mehr als hundert Demit zugehörige Kameele herum. Noch 6 Werste setzten wir unsern Weg über steile kleine Hügel bis zu dem Brunnen Kutül fort, wo unsre Mis— sionen in den Jahren 1794 und 1807 angehalten hatten. Das Gras ist gut, der Boden besteht aus Schutt von Steinen und Sand, an vielen Stellen liegt in langen Strei— fen eine sandsteinartige Krystallenmutter; dieses ist die schärfste Säge für die Füße der Kameele und die Hufe der Pferde. In einigen Hohlwegen waren die Spuren von Salzseen bemerkbar. 8 Ungefähr 4 Werste von dem Districte Kutul holte uns Chä Züren Dshap ein, und brachte uns Danksagungen vom Tußulachtschi Demit für die gestrige Bewirthung. Zu— gleich mit diesem schickte der Tußulachtschi dem Vorsteher der Mission ein nicht großes Stück blauen Kanfa oder Atlaß mit runden Mustern, und mir seinen Fächer. Der Sohn des Tußulachtschi beschenkte mich auch mit einem mongoli— schen Messer. Der Chä begleitete mich, auf meine Einla- „„ Die Kg.. 8 ib 2 Bel. 1 dit 1 5 12 1 wo. zur Belohnung für seine 10 5 Mühe, 05 8 schwarzer 1 1 1 1 desen schickte ich mit ihm dem 0 zum Geschenk meine Brief— 0 tasche von grünem Saffian mit Pergamentblättern und Bley— en Shi stiften, und seinem Sohne, dem Taidsi, ein Tischmesser und tolle. Gabel von der besten Arbeit. Die Station Durban deretu befindet sich in einem dorgens engen, sandigen Thale, in welchem ein Brunnen mit süßem ien) Wasser ist. — Am Abend kam zu uns ein alter Mongole, der vor l. ungefähr 6 Jahren auf der narümskischen Wache, Buch— f ders⸗ tarma gegen über gewesen war. Er wußte von dem Irtüsch, zu eier wußte auch einige russische Wörter, und wußte sich viel mit ben gib⸗ dem freundlichen Benehmen unserer Gränzbewohner im Um— serum. gange mit den Mongolen, die die chinesische Gränze bewa— e fleine chen. Die Wache heißt bey den Mongolen Charagül), e Mis⸗ bey den Manshuren Kärun, welches einen Wächter, ein hatten. Piket bedeutet. itt bon Den 18. Oct.(30. Oct. N. St.) tobte die ganze Strei⸗ Nacht durch ein Westwind, der auch heute von Morgen säͤrfste bis völlig zum Abend anhielt. ferde. Vor unserer Abreise trieb man ungefähr 150 Kameele alhseen von denen, die dem Bogdochan gehörten und auf der süd⸗ lichen Gränze der Chalchassen weiden, an den Brunnen zur holte Tränke. Die Kameele waren jung, mehr weibliche und ungen Bur's(d. i. Füllen); einige so weiß wie der Schnee und Zu⸗ sehr schön. Wir fragten aus Neugierde bey den Hirten, ob er der sie nicht einwilligen würden, ein Kameel wenigstens davon Atlaß. Sohn ö) Der Verf. führte dieses Wort ohne Zweifel wegen der gro— ongoli⸗ ßen Aehnlichkeit an, die es mit dem russischen Worte Karaul Eilla⸗(die Wache) hat. A. d. U. 7 . zu vertauschen; aber sie sagten uns ganz entschieden, daß dieses ihrer von Seite ein Verbrechen seyn würde, das den Kopf kostete. Wir verließen den Platz unsers Nachtlagers bald nach 8 Uhr des Morgens. Nach einem beschwerlichen Wege von 15 Wersten(27 d. M.) kamen wir auf der Station Ude (die Thüre) um 12 Uhr Mittags an. Von Olon Baischin an bis hierher ging die Rich— tung unseres Weges östlich. Ude, unsre heutige Station, ist in einem tiefen Thale angelegt, daß von allen Seiten von steinigen Gebirgen ein— geschlossen ist. Aus diesem von dem Wege durchschnittenen Thale geht die Ausfahrt südwärts, eben so wie nordwärts, zwischen zwey Felsen, die von einander nicht weiter als zehn Klaftern abstehen. Es ist schwer zu glauben, daß nicht die Hand des Menschen an dem Durchbrechen dieser gewaltigen Steine sollte Theil gehabt haben. Bey dem Eingange in das Thal auf der Nordseite ist ein nicht großer, länglicher See, mit trübem Wasser, von sehr widrigem Geschmack. Auf meine Bitte schickte der Tußulachtscht zu dem etwa 3 Werste(— 2 d. M.) entfernten Brunnen, und am Abend brachte man uns reines Wasser. Der Grund des von uns eingenommenen Thales besteht vorzüglich aus salzigem Thone. Dieses Thor der Wüste, das den Weg zu Gobi im eigentlichen Sinne eröffnet, heißt bey den Mongolen Ar u üde(die nördliche Thüre), zwey Stationen weiter ist bey den ßunitischen Mongolen ein Ort, bekannt unter dem Nahmen übür üde(das südliche Thor). Von dem Gipfel des Bergrückens, der unser Lager umgiebt, eröffnen sich ausge— dehnte Aussichten nach allen Seiten, und am meisten nach Süden. Auf dem Gebirge wächst hin und wieder der „5 5 Spierstrauch(Spiraea erenata) und wilde Pftrsichbäume; in den Klüften viel wohlriechende Sträucher, welche Blätter 50 gleich denen der Fichten haben, bey Linné Amaris mirtillus. 0 0 Die Mongolen gebrauchen diese Pflanze mit Nutzen zu Um— h schlägen auf Geschwülte. Es kam uns auch die Pflanze ion Ude Equisetum arvense, Pferde⸗ Kothhaar(eine Art Schach— f telhalm) und der wohlriechende Strauch Artemisia, un— r Rich serm Beyfuß ähnlich, vor. Der Pater Archimandrit sagte mir, während seines Aufenthalts in Pekin wären viele Ar— n Wale temisia von ungewöhnlicher Höhe auf dem russischen Klo— gen ein⸗ sterhofe gewachsen. dunn Hier kam zu uns in unser Lager der Mͤiren(auf ddwwäͤts, der Mütze hat er ein blaues Kügelchen des Aten Grades, als ahn das ihn unserm Majors-Range gleich stellt) der östlichen nicht die Ssuniten, in deren Länder die Mission bald kommen mußte. valchen Mit ihm kam in meine Jurte der Boschko und Tußulach— ange in, tschi Idam; sie meldeten, es sey vom Tußulachtschi dem inglicher Meiren schon Vorstellung gethan worden, daß in den schmatk. Nomadenplätzen der Ssuniten die russische Mission mit eben e 3 den Bedingungen geleitet werden möchte, als man von Sei⸗ Abend ten der Chalchassen beobachtet habe; d. i. daß, bey kaltem n uns Wetter, die Einwohner der Gegenden, aus Freundschaft, Higem zum Ausruhen für die Mission drey Jurten auf jeder Sta— tion aufschlagen, und sie mit Argal und Wasser versehen; hin überdieß aus Dienstpflicht verbunden seyn sollten, unsre Ar ü Heerde zu weiden, sie unversehrt zu erhalten und Wegweiser st bey und Wachen bey den Nachtlägern zu geben. Ich fügte noch Amen die Forderung hinzu, daß eine Station nicht zu weit von (l des der andern und auf Plätzen angelegt seyn möchte, die Ueber— auge fluß an Wasser und an gutem frischen Futter hätten; ich an lach berief mich dabey auf das Zeugniß des Boschko und Tußu— r di lachtschi, daß die Russen sich bemühen, für die ihnen erwie⸗ senen Dienste, erkenntlich zu seyn. Als der Meiren alles dieses angehört hatte, entfernte er sich. Während dieser unserer Zusammenkunft mit den ßuni— tischen Beamten entdeckte der Vorsteher der Mission, daß ihm der ihm gestern vom Tußulachtschi Demit geschickte Atlaß gestohlen worden war. Der Pater Archimandrit hatte bemerkt, daß ein junger Mongole aus der Zahl derjenigen, welche die Mission von Aburgain Ssume begleitet hat— ten, nicht lange zuvor um unsre Wagen herum gegangen war. Sogleich schickte ich den Dolmetscher zu dem Tußu— lachtschi um ihm diesen unangenehmen Vorfall anzuzeigen. Nach den angegebenen Merkmahlen fingen sie an, den Schul— digen aufzusuchen, und es zeigte sich, daß wirklich vor einer Stunde ein Mongole von der Station weggeritten war, der den Verdacht des Pat. Peter auf sich gezogen hatte. Auf Befehl des Tußulachtschi jagten sie dem Weggerittenen nach, holten ihn ein, fanden bey ihm die gestohlene Sache und brachten ihn zurück. Nach einem strengen Verhör von Seiten der Mongolen, gestand der Verdächtige, daß er wirk— lich das Zeug gestohlen habe. Diese Sache entschieden die Herren Bitcheschi und Boschko dahin, daß sie den Atlaß dem Pat. Archimandriten zurückgaben; von dem Verbrecher nahmen sie für sich selbst zwey Pferde, indem sie ihn, we— gen seiner Jugend, eines Gerichts nach der Form überhoben. Der verstorbene Igumnow, der in der Eigenschaft eines Aufsehers dreymahl unsre pekin'sche Mission begleitet hat, und noch jetzt bey den Mongolen, unter dem Nahmen Schorön Chamissär, im Andenken geblieben ist, äußert ebenfalls, daß in diesen Gegenden viele Diebstähle vorfallen. Ein Lama, der mit uns von der vorigen Station gereist war, einer von den Hirten der Kameele des Bogdochan, sagte, daß in diesen Gegenden mehr als 20000 dem Kaiser fin al eigenthümlich gehörende Kameele aufgezogen würden. Ueber— dieß weiden auch noch, weit gegen Westen, Heerden von den fun Kameelen und Pferden, die von den ßunitischen und chal— son, daß chassischen Fürsten, in Form einer Abgabe, versammelt wer— geschicktz den. Dieses Vieh wird, im Fall kriegerischer Ereignisse, it hatt zum Führen des der Regierung gehörigen Gepäckes unter— tjenigen, halten. Hier gehen nur Kameelstuten, einige Füllen und tet hat⸗ junge männliche Kameele bis zu drey Jahren herum; darnach egangen treiben sie sie auf die zacharischen Steppen, näher an Chal— u Tußo⸗ gan, oder im eigentlichen Sinne, an der großen Steppe, wpuzeigen. wo Heerden von geschnittenen Kameelen und Pferden ange— n Schul⸗ legt sind. Diese letztern sind zum Voraus schon für die vor einer manshurische Reiterey zur Kriegszeit bestimmt. Viele Heer— ten wat, den des Bogdo werden gegen Südost von hier in Districten yen hatt, unterhalten, die Dart(Nahme eines Berges) Ganga erttenen(Hanha)(eines Sees) heißen. Dort wohnt ein besonde— e Sache rer Amban vom Stallmeister-Stande; General-Inspector aher von, aller bodochanischen Heerden ist der Gusai-(Husai—) er wil Amban, der Oberbefehlshaber der Truppen, der seinen 1e de Aufenthalt in Chalgan hat. Die bogdochanischen Heerden n Alaß sind in viele Unterabtheilungen zertheilt, zur Bequemlichkeit Ai her beym Weiden und Tränken. In jeder Abtheilung ist ein „ 109 eee Dargui oder Aufseher, der ö Kameele unter hoben fehle Aufsicht hat. Aller sechs N wird eine Revision teln über den e Kehlen. Die erwachsenen männlichen gt. hal, Kameele e 8 in das Land der Aachen e sich dahmen bey. Viehe eine große Vermehrung zeigt, und überhaupt aße wenn die Kameele in gutem Zustande gefunden W gafdll dang beschenkt der Bogdochan den Amban und seine Bit— cg cheschi's Mathe) mit seidenen Zeugen, und jeden der Dar— guis mit 100 Stück Nanking, damit die Dargui's davon ogdochan, 10 auch die unter ihrer Aufsicht stehenden Arbeiter belohnen em Kalse 5070 — sollen. Jedem Dargui sind 6 Arbeiter untergeordnet, welche die Heerde nach der Reihe weiden. Wenn ein Wolf ein Kameel zerreißt, oder sonst eins verloren geht, so wird es von einem reichen Auffeher in Natur gefordert, aber die Armen züchtigt man körperlich, und vertraut die Heerde einem andern an. Alle Hirten hängen von einem besondern in Pekin eingesetzten Gerichtshofe über das Pferdewesen ab. An Gehalt empfangen jährlich: der Amban 150 Lana (300 Rubel), der Bitcheschi 60 Lana(120 Rubel), der Dargui 24 Lana(48 Rubel) und ein gemeiner Arbeiter 12 Lana(24 Rubel) in Silber. Der Tußulachtschi Idam versicherte seiner Seits die Richtigkeit alles Vorbesagten, und fügte hinzu, ihre der Regierung gehörigen Kameele würden auch in Friedenszeiten zu Tausenden gebraucht, um Lebensmittel für die u läß u— tu' ssche Besatzung aus Ili und Gobdo, wo man sehr viel Getraide baut, herbeyzuführen. Am Flusse Jli treiben die von Zänglung) aus dem östlichen Turkestan da— hin versetzten Tataren oder Türken einen ausgebreiteten Ackerbau. Den 19. Det.(31. Oct. N. St.) um 8 Uhr des Morgens verließen wir unser Nachtlager. Nach einem Wege von 17 Wersten(23— 22 d. M.) kamen wir auf der Station Er gi lein steiles Felsenufer, oder auch eine Schlucht), der letzten im chalchassischen Fürstenthume, an. Der Weg neigt sich mehr nach Osten. Durch eine enge Schlucht zwischen hohen Felsen gingen wir von Ude auf eine weite Ebene. Vor uns stand in *) Manshurisch-chinesischer Kaiser, der von 1755 bis 1795 re- gierte A. d. V. — net, wih blauer Ferne das Gebirge Argali, das sich von Nordost Wolf ah nach Südwest erstreckt. Durch dieses Gebirge werden die so witd ez chalchassischen Nomadenplätze von den ßunitischen geschieden. t, aber die Der westliche Theil des Gebirges ist in drey große Massen die Head gespalten, die von ferne wie große ansehnliche Gebäude aus— besonder sehen. Nach dem Nahmen des Berges hat auch diese Straße wesen ab. den Nahmen der Argalischen erhalten. Zur Linken von 50 Lana dieser liegt der nicht große Berg Naradaàz; an dessen beh, der Fuße ein Theil der Kameele des Bogdochan weidet. Die alter 12 Station Ergi sieht man auf 5 Werste(1— 4 d. M.) weit; so eben ist die Steppe. In den Umgebungen von Ude besteht der Boden aus nacktem Kies; aber je näher an Ergi, je besser ist das Gras. Die Jurten für unsre Führer waren auf einem Abhange aufgeschlagen, und die für die Mission in einem Hohlwege, Seits die ihre der ddend zeiten 10 nicht von einem Brunnen, der Ueberfluß an gutem Wasser 15 100 hatte. Der Aufseher(Pristaw) Perwuschin, der 1807 die 9 901 Mission begleitete, hielt hier nicht an. Er verließ sich auf 10 1 die arglistigen Versicherungen seines Bitcheschi, daß die fol— in gende ßunitische Station nahe sey, und wagte es, gerade darauf zuzureisen; da doch von jenem Orte bis hierher 35 Werste uhr des(5 d. M.) sind. Durch solche Tagereisen von mehr als 50 n Wege Werste(über 7 d. M.) in einem Zuge, wurde das Vieh sehr auf der merklich abgemattet und zerrüttet. chlucht, Um 4 Uhr Nachmittags kam zu mir der Tußulachtschi er Weg Idam und zeigte mir an, daß er am folgenden Tage nach Urga zurückkehren werde. Obgleich er verbunden war die gungen Mission bis zur folgenden Station zu geleiten; so hatte er sad i doch, bey der gestrigen Unterhandlung mit Meiren, dem Taidsi Ajuscha Uidsin vorgeschlagen, uns zu geleiten, und unsre Heerde den Ssuniten-Mongolen zu übergeben, weil 1705 ke⸗ diese Orte seinem Oberhaupte, dem Mergen Wan zugehörten. J. Band. 15 Wit gaben dem Tußulachtschi die allgemeine Dankbar— keit der ganzen Mission zu erkennen für seine Gefälligkeit und freundschaftliche Sorgfalt für uns bey der Durch— reise durch die Lande der Chalchassen, die gerade 50 Tage gedauert hatte; so wie auch für die standhafte Vertheidigung unserer gerechten Forderungen vor den pekin'schen Führern, welche in der Folge, durch für uns lästige Erfahrungen, den Gedanken der chinesischen Beamten bestätigten, daß sie mit uns im Dienste reisen, und wir in unsern eignen An— gelegenheiten, und daß wir daher auch verbunden wären, alles und an alle zu bezahlen. Wir baten ihn auch um die künftige Fortsetzung seines Eifers für die Russen; auch konnten wir nicht den aufrichtigen Wunsch verhehlen, daß der Tußulachtschi auch bey unsrer Rückreise unser Führer seyn möchte. Bey dieser Gelegenheit wurde der Tußulachtschi mit 52 Arschinen hellrothem Tuch zu einem Zu bu(Mantel), mit 3 Arschinen zimmtfarbenem Kasimir zu einem Chan— tadsu(einem manshurischen Brustlatze ohne Aermel, der über dem Rocke wie ein Panzer getragen wird) überdieß gab ich ihm zum Andenken mein Brennglas und mein Trink— glas. Herr Rasgildejew I., der schon lange mit dem Tu— ßulachtschi bekannt war, überreichte ihm zwey Füchse, einen silbernen Eßlöffel, und eine porzellanene Theetasse. Es war uns nicht leicht, den Idam zur Annahme der Geschenke und besonders des Tuches, des Kasimirs und der Füchse zu bewegen; lange weigerte er sich, dieses anzunehmen, indem er es so ansah, als wenn wir, statt ihm Zeichen unsrer Freundschaft zu geben, ihn für seine Dienste, wie, einen Miethling, bezahlten.— Solche Gesinnungen, ich muß es bekennen, äußerte gegen uns auch nicht ein Chineser, noch weniger Manshuren. Seinem Neffen wurden 3 Arschinen schwarzes Tuch, und dem Diener 2 Arschinen Plüsch und — —— 1 5 Gefällt grüner Safflan geschenkt. Der Tußulachtschi erbot sich zum zweytenmahle, Briefe von uns in unser Vaterland zu beför— der Dutt, e 50 110 dern, wenn wir ihn nur darin unsers Zutrauens werth . Den 20. Oct.(1. Nov. N. St.) Auf dieser Station fand ich für nöthig, unserm Arbeitsvieh einen Ruhetag zu geben, um desto mehr, da das Gras hier in Betracht der herbstlichen Jahreszeit sehr gut war, den engen Hohlweg, in dem unsre Jurten aufgeschlagen waren, ausgenommen; dieser ist ganz, seiner völligen Länge nach, mit grobem Kies— sande bedeckt. Um 11 Uhr des Morgens nahm der Tußulachtschi en Fühun, rungen, den aß sie mit nen An⸗ den Wöten, n ihn auc die Rusenz 9 berhehlen, unser Fihin Idam von allen Mitgliedern der Mission Abschied, eben so ußulahtss auch von den sie begleitenden Beamten und Kasaken. Ich (Auna, übergab dem Idam ein Paket an den kiachtaischen Gränz— m Chan⸗ Commissar adressirt; darin befanden sich meine Berichte an das asiatische Departement des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten, und an den sibirischen General-Statthal— ter.) Mit dem Gefühl einer gewissen Betrübniß schieden wir vom Tußulachtschi, als von einem aufrichtigen und sehr guten Manne. Er entfernte sich von unserm Lager, und nach einer halben Stunde trat er den Rückweg nach Ur ga an. Netmel, der d) ühudeeß nein Trinke dem Tu⸗ Füchse, tasse. Es Geschenke Füchse zu , indem en unster vie, einen 0 muß( eser, laß) Diese Papiere wurden von dem Tußulachtschi dem Amban von Arch Urga vorgelegt, der sie mit einem Expressen gänzlich unver— 15 sehrt, nach Kiachta an unsern Kommissar Herrn Petuchew lasch 10 schickte. A. d. V. Von Mitternacht an bis zum späten Abend blies ein Westwind mit solcher Heftigkeit und solchen Stößen, daß die Luft sich mit Sand erfüllte, unsre Jurten krachten und den gänzlichen Einsturz droheten. Zum Glück war das Wetter warm. 15 ⁰ e Den 21. Oct.(2. Nov. N. St.) des Morgens war 1 ein Frost von 8 Grad nach Reaumür, bey einem rauhen 9 Nordwestwinde. Mit großer Mühe konnten wir die Decken 1 unter den Sätteln befestigen und unsre Kameele beladen, 1 die um 7 Uhr, und die Wagen um 9 Uhr des Morgens 1 abgingen. Nach einem Wege von ungefähr 35 Wersten 65 (5 d. M)) erreichte die Mission die Nomadenplätze der ostli— 05. chen Ssuniten. Auf der Station ubürüde(das südliche 10 8 Thor), versammelten wir uns schon nach 4 Uhr Nach— gad mittags. de! 0 Vor der Abreise von Ergi bat mich der Bitcheschi, ul 0 unsern Leuten zu verbieten Raben zu schießen, wie sie vor— 10 1 gestern, nach der Ankunft auf der Station gethan hätten; 10 . denn der gestrige Sturm war, nach seiner Meinung eine 10 0 Folge dieses Todschlages. Zur Beruhigung dieses aufge— 10 9 klärten Alten versprachen wir ihm künftig das Leben der fn Raben zu schonen, die übrigens grausam die Rücken der 1 Kameele zerfleischen, sobald sie von weitem Blut bemerken, ö das sich an wundgeriebenen oder gedrückten Stellen zeigt. 0 Heute war der Wind sehr heftig; bey den Stößen desselben 16 konnte man sich kaum auf dem Pferde erhalten. Nach sol— 1 chen Erfahrungen weiß ich nicht, worauf Ruisbruk(Ruys— b brock) seine Bemerkung*) gründete, die er im December N 1253, zur Zeit seines Aufenthalts am Hofe des mongolischen 1 Minge Chan in Charachorum gemacht hatte, daß, wenn in diesen 05 Gegenden, bey starker Kälte im Winter, ein so heftiger Wind 45 ginge als in Europa(oder eigentlich in Holland?); so wäre 1 es nicht möglich darin zu leben. Das Wetter in der Mon- 1 goley, sagt der Pat. Ruisbruk, bleibt still bis zum April, 1 in welcher Zeit schon der Wind anfängt sich zu erheben. ö 8 *) Sc. Bergeron S. 99. f ——.— 22 —.— 229 lotgenze f ungefähr 13 Werste(15— 2 d. M.) von Srgi reiten inem faut; wir durch eine ebene Steppe, die selten nur von sandigen ir die Deck. Strichen unterbrochen war; dabey war der Weg wieder ziemlich festgetreten. Wenn nicht so heftige Regengüsse sind, als den vergangenen Sommer gewesen waren, so würden diese Gegenden bloß mit Sande bedeckt seyn; jetzt ist im Gegentheil fast überall Gras. Nachdem wir etwa 7 Werste (1 d. M.) von unserm Nachtlager entfernt waren, holten wir das Gepäck eines Lama ein, der von dem Gebirge Mändal mit 8 Kameelen kam, um in der Stadt Dolonnör, die östlich von Chalchan liegt, Waaren abzuholen; er führte dahin rohe Schaffelle zum Verkauf. Etwa 3 Werste weiter gingen wir über eine nicht große gefrorne Quelle T sch i p⸗ tschi, an deren Ursprung nahe am Gebirge Argali eine ele beladen ze der östl⸗ da süͤdliche Uhr Nach⸗ r Bilchesch, wie sie vor⸗ chan hötten; 1 0 große e ae(Gemse, Gazelle) e Siegen i herum ging. Wir bedauerten sehr, daß wir keine Wind— 155 N hunde bey uns hatten. Uebrigens würden sie auch in Pekin, Wuam. wegen ihrer Seltenheit, eine große Aufmerksamkeit auf sich t bemalt, gezogen haben. eln feht Nach diesem kamen wir in ein sandiges Thal herab, en daselhen das mit federartigem Pfriemengras bewachsen ist. Von duch sol⸗ hier aus fingen wir an auf einen Bergrücken gegen Osten A Ruys. hinaufzugehen. Nach einem Wege von 6 Wersten über Derne flache Hügel des Bergrückens, in einem tiefen Hohlwege, Jongolichn sahen wir rechts vom Wege, bey einem Brunnen eine Heerde nn in diese Pferde; in geringer Entfernung von da stand an dem Ab— iger Wind hange des Berges eine Jurte, in der wahrscheinlich die so wör Hirten wohnen. Von diesem letzten Brunnen aus gingen der Moß⸗ wir auf einem unbequemen Wege über steinige Hügel etwa zum Mil 8 Werste(1 d. M.), und wendeten uns nach Südost. erheben. Dort kam uns von der Station Ubur Ude der Dsangin, ein bärtiger, grauhäriger Ssunit von kriegerischem Ansehen, mit ungefähr 7 Mann gemeinen Soldaten entgegen. Das Ansehen, die Kleidung, die Pferde— alles zeigte, daß die hiesigen Einwohner ärmer als die Chalchassen sind. Als der Dsangin mich bewillkommnet hatte, befahl er einem Mongolen uns bis zu dem Orte des Nachtlagers zu geleiten; er selbst sprengte fort zu seiner Heerde. Noch 2 Werste fuh— ren wir auf der Straße, dann wendeten wir uns links, und 3 Werste gingen wir gerade aus auf den Berg zu, hinter welchem für uns die Jurten aufgeschlagen waren. Eine Werste von hier gegen Norden ist, in einer tiefen Schlucht, ein Brunnen mit gutem Wasser. Das Feuer war schon in meiner Jurte angezündet. Gleich nach unserer Ankunft besuchte mich der Meiren Namßaräi und versicherte seine Bereitwilligkeit zu unsern Diensten; in der Folge zeigte er dieß durch Erfahrung auf die allerbeste Weise. Er bewirthete uns, nach dem Beyspiel des Tußu— lachtschi Idam, mit Backsteinthee, Butter und Käse. Diese Gastfreundschaft wurde uns bis zu dem zacharischen Stamme der Mongolen hin erwiesen. Bald erschien auch der Boschko in einem ganz hübschen Pelze. Seine ersten Worte waren: „nun, seht ihr, der Tußulachtschi ist nicht da, und doch habt ihr Jurten, und bessere als bey den Chalchassen.“ Obgleich wir dieses dem Meiren zu verdanken hatten, so fanden wir es doch für gut, unsern Dank auch den Chinesern zu bezeigen. Am Abend nahm der Taidsi Ajuschi Uidsün(ein Abkömm— ling eines im Alterthum berühmten Fürsten) von mir Ab— schied, nachdem er unser Vieh den ßunitischen Aeltesten über⸗ geben hatte. Für den Eifer, den der Taidsi bey der Geleitung der Mission durch fünf Stationen des Choschuns des Mergen Wan bewiesen hatte, erhielt er zum Geschenk einen Fuchs, zwey Arschinen schwarzen Plüsch und einen rothen Saffian. Der Kundui, und die übrigen bey ihm befindlichen erhielten N 231 3 segen. di te, daß gehörige Geschenke. Endlich schieden wir von dem Taidsi, dem sud. J letzten chalchassischen Beamten. leer aßen Der Taidsi ging von mir zu dem Vorsteher der Mis— zu gelen, sion, um ebenfalls Abschied zu nehmen; dabey bietet jeder Verste fih⸗ Mongole gewöhnlich seine Dose oder Blase mit Schnupf— inte, und tabak an. Der Meiren blieb bey mir, um die gegenwärtige zu, hinter Ordnung in der Reise der Mission zu bestimmen. Ich setzte n. Eine ihm alles aus einander, was nur nöthig war zur bequemen Schlucht, Vollendung der Reise durch diese Gegenden; und zum Schlusse wurden dem Meiren zwey schöne Füchse geschenkt, um ihn unserm Vortheile geneigt zu machen. Die Ssuniten schätzen die Fuchspelze sehr, und besonders die rothen, womit sie die Wintermützen verbrämen. Arme Leute tragen Schlafpelze und Mützen ohne Ueberzug, mit weißem Schaffell verbrämt. bet. Gli Namßatäi Jensten; in ie allrbest bes Tupu⸗ se. Dide Fünftes Kapitel. Stamme Reise der Mission durch den Aimak(das Fürstenthum) der Funiti— N schen Mongoleg. cle waren: doch habt Den 22. Oct.(3. Nov. N. St.) In der Nacht und Obgleich am Morgen warm. Wir fuhren um 8 uhr des Morgens nden wie mit unsern Fuhren ab; aber der Boschko, die Nerba's und besege. die übrigen, ausgenommen der Bitcheschi, der in meinem gbkönm⸗ Wagen Platz genommen hatte, eilten schnell zur folgenden mie Ab⸗ Station Gaschün(Haschün), auf welcher die Mission um in über⸗ 2 Uhr Nachmittags ankam. Scletung Zuerst mußten wir durch einen der Hohlwege, die ö Mei ubur ude umgeben. Kaum waren wir auf die Höhe gen Fug, gekommen, als sich vor uns die Steppe, unübersehbar Eaffan. dem Auge und ermüdend für den Geist, in vollkommener n etheeltn Oede enthüllte. Die allerentferntesten hohen Stellen, auf 50 Werste(über 7 d. M.) zeigten sich in blauer Ferne, gleich einem Meere, dessen ungleiches Wogen längliche An— höhen und kleine Hügel darstellen, die die einzige Abwech— selung der Formen hier in diesen öden Gegenden ausmachen. Von hier aus kommt man allmählig auf die höchste Ebene Mittelasiens, die im strengen Sinne Goöbi genannt wird. Der regenvolle Sommer dieses Jahres hatte etwas mit Grün die Nacktheit dieser Steppen überkleidet; aber zur Zeit der Dürre ist dieses ein Thal des Trauerns; das Vieh ver— schmachtet vor Hunger und Durst. Die Wahrheit davon erfuhren hinlänglich unsere Karawanen, die ehedem mit Waaren nach Pekin gingen, und fast alle unsere dahin abge⸗ gangenen Missionen. Von der Höhe herab gingen wir ungefähr 3 Werste bis zu einer Ebene, die einen thonigen und mit Budur— guna bewachsenen Boden hatte. Hier kamen uns viele, gar nicht scheue Hasen vor. Noch 2 Werste weiter kamen wir auf die gestern von uns verlassene Hauptstraße zurück. Nach einem Wege von 8 Wersten(17 d. M.) näherten wir uns, auf einer geneigten glatten Fläche der Höhe Chara tologôi(der schwarze Hügel), wo die Mission im Jahre 1794 anhielt. Die Benennung„der schwarze Hügel“ gab man diesem Orte wahrscheinlich deswegen, weil die ganze Höhe, die nach der Länge von Osten nach Westen in unab— sehbarer Ausdehnung hinläuft, und in der Breite etwa 2 Werste hat, mit Budurguna bedeckt ist, das in der Ferne schwarz, wie der junge Anflug von Eichenwäldern, erscheint. Auf dieser Höhe ist der Grund völlig morastig. Von dieser Höhe gingen wir 4 Werste weit abwärts, und etwa 6 Werste lang auf flachen Erhöhungen bis zu der Station. In dieser Steppe giebt es eine Menge Feldmäuse, deren Löcher so nahe an einander sind, daß die dadurch auf— 9 ler Ferm, liche Ah⸗ 4 Abwech⸗ U achen. ste Ehene int wird. bas mit zur Zeit Lich ver at dagen edem mit ahin abge⸗ 3 Werste Budur— ins viele, er kamen de zutück. herten wir Chara u Jahre el“ gab ie ganze in unab⸗ etwa 2 er Ferne rscheint. on dieset etwa 6 Station. use, deten urch auf— 8 gelockerte Erde unaufhörlich unter dem Hufe der Pferde einsinkt. Der Boschko kam zu mir in einem nicht ganz nüchter⸗ nen Ansehen, was übrigens bey ihm nicht selten vorsiel: denn auf dem Wege, nahm er, sogar bey den Mongolen, ihren aus Milch bereiteten Brantwein weg. Durch schlaue Wendungen bemühte er sich, von mir eins von den Reit— pferden zu erhalten; aber diese schon ganz unstatthafte Bitte wurde ihm entschieden abgeschlagen. Während er da war, kam auch der Meiren Namßarai— ein einfacher Mongole von aufrichtigem Herzen. Namßarai that viele Fragen an Rasgildejew I.: über die Ssolonen, über Zuruchaitu und andere Gränzörter an Argun und nahe am Flusse Amur. Da der Boschko diesesmahl von uns nichts erhalten hatte, ward er verdrüßlich, und sagte beym Weggehen zum Meiren:„warum fragst du nach diesen Oertern? du wohnst ja weit von der russischen Gränze, und wirst dahin nicht kommen.“ Der Meiren, der bey uns geblieben war, beklagte sich, daß der Bitcheschi Tschen ihm einen Verweis darüber gege— ben hätte, daß man den russischen Reisenden bessere Jurten gäbe, als ihm, der zufolge eines geheiligten Befehles des höchstweisen Chuandi oder Bogdochan reise, und daß er für eine solche Vernachlässigung ihn mit einer gerichtlichen Un— tersuchung bedrohe. Das ist weiter nichts, als ein man— shurischer Kunstgriff, um ihre Einkünfte zu vermehren. Alle chinesischen Beamten, die unsre Missionen geleiten, erlauben sich eine besondere Willkühr in den Ländern der Ssuniten, und nicht ohne Vortheil. Es ist schwer zu erklären, was dazu die Veranlassung giebt; aber es scheint, daß die chine— sische Regierung selbst ihnen nicht dieselbe Aufmerksamkeit 1 ö N 1 9 b ö 0 — 234— widmet, als den zwey an die Ssuniten gränzenden Aimak's, gegen Süden dem zacharischen und gegen Norden dem chal⸗ chassischen. Das erste davon ist in die Zahl der manshu— rischen Truppen getreten; und die Chalchassen machen eine wichtige Gränzwache aus, und haben dabey mächtige Ober— häupter, als den Wan von Urga, die Chane u. s. w. Unter andern that Namßarai an uns die Frage: ob der russische Kaiser dem chinesischen Gaben sende. Da man viele Kasten mit Silber und andern Sachen der Mission bey uns sah, legten es einige der Mongolen wirklich so aus, als führten wir Geschenke mit uns für den Hof von Pekin, und daß wir die Verbindlichkeit hätten, dem neuen Bogdochan zu seiner Thronbesteigung Glück zu wünschen. Auf die gethane Frage antworteten wir: dieses geschieht niemahls; unser Herr der Kaiser ist dazu zu groß und mächtig. Nur wegen der Freundschaft beider Monarchen reisen wir nach Pekin mit Schülern, welche dort die manshurische und chine— sische Sprache lernen. Der Meiren fuhr fort: ob wir auf der Reise einen Gehalt vom Bogdo erhielten.— Nein, wir reisen auf Rechnung unsers Vaterlandes.— Dabey wurde ihm gesagt, daß die mongolischen Courier, die aus Urga nach Irkutsk kämen, bey uns Wohnung in schönen Häusern bekämen, und von unsrer Regierung Speise und Trank im Ueberfluß, und überdieß noch gute Geschenke erhielten. Der dürftige Bewohner von Gobi war über die Vortheile erfreut, welche jene durch unsre Gastfreundschaft genießen. Da der Meiren bey einigen unserer Bedeckung eine gewisse Aehnlichkeit mit den Gesichtern der Kirgisen(hier Chassak genannt) entdeckte, fragte er, ob wir die Chassaken kenneten. Darauf erzählte er, daß er im Juli des vorigen Jahres durch n Aimake, dem chal— et manshu⸗ nachen eine lige Obrr⸗ w. e: ob der Da man isston bey aus, als bekin, und Nochan zu ie gethane lo; unser 10. Mur wir nach und chine⸗ wir auf lein, wir wulde Urga Häusern rank im en. Der e erfteut, e gewise hassak kenneten. tes durch 5 seinen Choschun, auf der westlichen Straße, 32 Kirgisen gelei— tet habe, die mit mongolischen Fuhren nach Pekin mit Abga— ben*) gingen, die sie auf 35 Kameelen mit sich führten. Ueberdieß trugen 35 Kameele das den Kirgisen und zwey manshurischen Beamten, ihren Führern(wovon einer aus Uläßutu) zugehörige Gepäck. 17 Pferde waren für das Gefolge geliefert; 6 Hammel gab man täglich den Kirgisen, und den manshurischen Beamten mit ihrem Gefolge; alles auf Rechnung der Mongolen. Die Kirgisen reisten den Tag hin— durch in zwey Abtheilungen; drey Jurten wurden ihnen auf 16 Mann geliefert. Für die ältern waren Bettstellen berei⸗ tet, auf welche sie ihre Matratzen legten— ein Luxus, den die Mongolen wenig kannten; und wo man keine Bettstel— len bekommen konnte, wurden Filzdecken für sie ausgebreitet, bis zur Höhe von einem halben Arschin und drüber von der Erde. Alles dieses fiel den Mongolen zur Last. Nam— ßarai machte sich auf Kosten des mahometanischen Gebrauchs der Abwaschung lustig, und klagte, daß die Chassaken mit den Mongolen auf eine sehr grobe Weise umgegangen wären. Aus Pekin kehrten sie im November auf demselben Wege zurück, und gingen dann auf Uläßutu; sie waren freyge— big von dem verstorbenen Bogdochan beschenkt worden. Da von den Kirgisen niemand mongolisch sprach, den einzigen Dolmetscher und einen siebzigjährigen Greis ausgenommen, der schon zum drittenmahle nach Pekin gereist war; so konnte man über sie nichts umständlicheres ersahren. Uebrigens halte ich es für meine Pflicht, hier die Aeußerung eines chinesischen *) Im Jahre 1819 kamen zu dem Feste, das wegen des Kaisers Vollendung seines sechzigsten Jahres statt fand, von allen China unterworfenen Völkern Abgeordnete; sie wurden in Sheche empfangen. A. d. V. S Beamten„), der an dem Orte gewesen war, über die Kirgi⸗ sen mit beyzufügen. Die Chassaken* machen ein großes Gebiet aus, das von der Stadt Fli nach Nordwest liegt. Im 2lsten Jahre des Kaisers Zänglung(1756) rückten die chinesischen Trup— pen in ihr Land ein, und der Chan der Chassaken Abdulla (Ablai— bi) ging selbst ihnen entgegen und unterwarf sich. Er erhielt von dem Bogdochan einen Gnadenbrief zur Für— stenwürde und einen Kalender(Bedingungen chinesischer Va— sallenschaft); von dieser Zeit an wurden alle seine Gebiete zum chinesischen Reiche gezählt. In dieser Gegend sind weder Städte noch Gebäude oder feststehende Wohnungen, auch beschäftigen sich die Einwohner nicht mit dem Ackerbau. Jur— ten von Filz dienen den Chassaken als Häuser; sie nähren sich von der Viehzucht, und wohnen zerstreut von einander. Ihre Länder sind voll von Thälern und niedrigen Bergen, die Ueber— fluß an Gras haben, was sie sehr bequem zur Viehzucht macht. Das Oberhaupt des Volkes nennen sie Bi(Bej, Fürst). Ihre Gebiete sind ziemlich weit ausgedehnt. Die Zahl der Einwohner ist groß; sie haben viel Vieh, so daß reiche Leute auf 10000 Kühe und Pferde haben, und so viele Schafe, daß sie ihre Anzahl nicht kennen. Das Volk ist von starker Leibesbeschaffenheit, von rauhen Sitten und unaufgeklärt. Die Weiber gehen nach der Ordnung von „) Aus dem chinesischen Büchelchen: ßi jui wüͤn dsän lu. A d B **) So nennen die Chineser das Volk, das bey uns unter dem Fahmen der Kirgis-Kaisaken bekannt ist. Sie theilen sich in drey Gebiete, wovon das östliche oder das größere theil— weise von den benachbarten Reichen abhängt; das mittlere aber und das westliche oder kleinere steht unter russischer Herrschaft. A. d. V. de Kitg⸗ aus, das 1 Jute n Luß⸗ Abdulla uf sech. gür⸗ er Va⸗ Gebiete d weder „ auch l. Jut⸗ fen sich Ire lleher⸗ chzucht (Be, „Die 0 daß nd so Volk n und bon lu. dem n sich heil sittlele ssische einem Bruder auf den andern über. Im 1ö6ten Jahre son— dern sie ihre Söhne von sich ab und versehen sie mit einem Theile des Viehes, damit sie für sich leben können. Bey Schmausereyen essen die Chassaken Kameel-, Pferd-, Rind— und Schöpsenfleisch; der Kumüß) dient ihnen statt des Weines. Sie gebrauchen hölzernes Geschirr; die Reichen aber haben kupferne und zinnerne Geräthe. In der Kleidung setzen sie die Pracht darein, daß sie im Sommer, ungeachtet starker Hitze, zu Gastmählern in sieben oder acht verschiede— nen Kleidern gehen. Sie lieben sehr das chinesische Por— zellan, Thee, bunte gedruckte Leinwand, reiche Stoffe, Plüsch und ähnliche Zeuge, die sie höher als alles halten; Gros-de-Tour, Taffet und andere achten sie nicht. Sie haben weder Gesetze noch Verordnungen, und gehorchen ihrem Beherrscher wenig. Wenn einer etwas verbrochen hat, so richten sie den Verbrecher in einer allgemeinen Versammlung. Für ein geringes Verbrechen strafen sie ihn an Vieh; aber für ein großes verurtheilen sie ihn zum Tode und theilen das Vermögen des Schuldigen unter sich, ohne darüber sich mit ihrem Beherrscher zu besprechen. In Kriegsangelegen— heiten berathet sich der Fürst mit dem Volke; wer nicht Lust hat ins Feld(auf Plünderung) zu gehen, den zwingen sie nicht dazu. Die Chassaken bezahlen jährlich an China, statt eines Jassak(Abgabe, Tribut), von hundert Kühen und Pferden einen Kopf; von tausend Hammeln einen*). *) Eine Art Brantwein aus Stutenmilch gezogen. A. d. U. **) Aber auch dieses erhält man sehr theuer. Der chinesische Hof beschenkt, der Erhaltung des Nahmens der Vasallen wegen, auch die Chassaken ungleich mehr. Die Minister haben dem Kaiser viele Vorstellungen gemacht, daß diese unvortheilhafte Abgabe verändert werden sollte. Dieses gierige Volk kommt nach Pekin, um dem Bogdochan am neuen Jahre seine Ehr⸗ Der manshurische Oberbefehlöhaber in Ili schickt Beamte in ihr Land, zur Einsammlung des Jassak's von den Chas— saken. Ihr Beherrscher und die Aeltesten fanden, bey der ersten Forderung, große Schwierigkeiten. Die Chassaken sprachen:„der Himmel schenkt Gras und Wasser; das Vieh ist eine Gabe des Himmels; wir weiden es und ernähren uns selbst auch; wofür sollen wir denn einem andern etwas abgeben?“ der Beherrscher bemühete sich auf alle Weise sie zu überreden, und endlich stimmten die Chaffaken wider Willen ein, den Jassak abzutragen. Nach diesem geben sie, da sie schlimme Folgen befürchten, jährlich von selbst den Jassak vollständig und ohne Zögerung. Es giebt zwey Horden der Chassaken. Die erste hier beschriebene(der gro— ßen Kirgisen) gränzt an Ili und Tarbachtai, steht unter dem Schutze des Kaiserthums, und treibt jedes Jahr viel Vieh an die Gränze, zum Tausch gegen Seidenzeuge; aber die Chassaken, die gegen Norden an sie gränzen, machen eine besondere Horde(der mittlern Kirgisen) aus, die zahl— reicher als diese ist und nicht von dem chinesischen Reiche abhängt. Die Kirgisen), auf chinesisch Buruten, sind ein No— furcht zu bezeigen, aber einzig nur des Gewinnes wegen. Der chinesische Kaiser giebt ihnen Würden und Auszeichnungen; sie aber vernichten, wenn sie aus China abgereist sind, größten— theils alles dieses und legen die Zeichen der Würden wie— der ab. A. d. V. „) Die kirgisischen Horden haben vor alten Zeiten in diesen Ge— genden nomadisirt. Djeschtsch-Kiptschak macht eine Horde oder einen Stamm der Kirgisen aus, die noch jetzt um die kiptscharischen Berge her nomadisirt. Der bekannte mongolische Fürst Batüi empfing als Antheil(Appanage) alle Nomaden— horden die von den Kalmüken oder Sungaren westlich bis zum kaspischen Meere wohnen. Aber als er in dem Stamme der Kirgisen, der Djeschtsch-Kiptschak heißt, Chan wurde und auch 3 t Beat madenvolk, das jenseit des östlichen Turkestans nach Westen den Ghas⸗ zu wohnt. Ihr weitläuftiges Land liegt zwischen Angdsi— , bey der dshan und Kaschchar. Sie nennen ihre Beherrscher oder Gasafen Oberhäupter Bi. Einige Bi's haben von 10 bis 20, an— das Viech dere von 20 bis 30 Ulusse. Die Leute in den Ulussen wer— ernähren den für ihre Sclaven gehalten. Kergis ist die allgemeine n etwas Benennung dieses Volkes, das sich in mehrere Horden theilt; age se jede Horde hat ihren Bi, deren Würde erblich ist, und die wider selten von einander abhängig sind. Die Kirgisen scheren 1 gbben sich den Kopf, essen kein Schweinefleisch; tragen Kleider mit on salbf engen Aermeln, und viereckigen Mützen mit flachem Kopfe. bt way Die Frauenzimmer stecken, statt eines Schmucks, Fasanen— der ge federn auf die Mütze. Ihre Gewohnheiten und Sprache sind fast dieselben, wie im östlichen Turkestan, und wenn sie ja verschieden sind, so ist der Unterschied doch nicht groß. Sie wohnen in Jurten von Filz, nähren sich von der Vieh— ht unter ahr viel ; aher e 55 a nahen zucht; Fleisch dient ihnen zur Speise, und Kumüß statt des e al Weines, so wie bey den Oluten oder Sungaren. Sie lie— e gahl⸗ 8 5 178. uh ben das chinesische Porzellan, Thee, Gros-de- Tours, Lein— wande, Tabak und Wein, und halten diese Dinge für schätz— 90 bar. Die Kirgisen sind arm, aber kühn; sie denken nicht an J„ O 1—* 0 7 9„ das Leben; sie sind gewinnsüchtig, zum Plündern geneigt und tapfer im Kriege. Die Chassaken und Beluren fürch— Der u sie a Ißten⸗ dort seinen Hauptaufenthalt hatte, erhielten nun deswegen alle uie⸗ seine Gebiete im Allgemeinen den Nahmen des kiptschak schen Fürstenthums; indessen blieb jede Horde, jeder Stamm bey Ge⸗ seinem vorigen Nahmen. Auf diese Art waren die Kirgisen Horde und Chassaken, der Chanschaft nach, Kiptschaken; insbesondere m die aber für sich behielten sie ihre Nahmen. Dieser Gebrauch olische dauert auch noch bis jetzt bey den Nomadenvölkern fort. maden⸗ A. d. Y. ois zun*) Sind dieß etwa die südlichen Turkestanen, die am Fuße der ie det belurischen Berge wohnen? A. d. V. d auch — 240 ten sich vor ihnen; sogar auch die Sungaren konnten, zu der Zeit ihrer Macht, sie nicht ihrer Herrschaft unterwerfen. Sie plünderten nicht nur die östlichen Turkestanen, die über die Gränze gegangen waren, als auch die fremden Kaufleute, die aus der großen Bucharey und andern Gegenden im östli— chen Turkestan gekommen waren. Sobald die chinesischen Truppen die westliche Gegend sich unterworfen hatten, unter— ließen auch die Kergisen ihre Räubereyen. Ihre Bi's sen— den jährlich ihre ältesten in die Stadt Usch, zu dem man— shurischen General, um ihre Pferde an den Hof gelangen zu lassen. Im 23sten Jahre des Zänglung(1758), während des Krieges mit dem Empörer Chodshäm, zog ein Bi, der in der Nähe von Kaschchar nomadisirte, aus Furcht vor der Macht des Reichs mit seinen 19 Sultanen gegen Cho— dsham, und kämpfte mit seiner ganzen Macht gegen ihn, wofür er zu der Stelle eines Richters der Stadt Bjeschba— lek erhoben ward. Die ihm unterworfenen Fürsten wurden auch mit Ehrenstellen und Pfauenfedern belohnt. Jetzt nomadisiren die unter seiner Herrschaft stehenden im Innern der jarkäng'schen, kaschcharischen und uschischen dichten Wäl— der und Berge, und beschäftigen ruhig sich mit der Viehzucht. Den 23. Oct.(4. Nov. N. St.) hielten wir Rasttag. Nach 8 Uhr des Morgens ging ich mit dem Dolmetscher einen Obo zu beschen, der von den Jurten ungefähr 3 Werste gegen Osten zu, ganz auf dem Gipfel jener abhängigen Höhe stand, auf welcher wir am Tage zuvor 6 Werste bis zu dieser Station gereist waren. Der Obo war aus Bruch— stücken von Quarz in Gestalt eines Quadrats zusammen— gesetzt; er ist eine Klafter hoch, und jede der vier Seiten ist eine Klafter lang; oben darauf ist noch ein Haufen von Steinen gelegt, und auf diesem eine buntfarbige Fahne auf— gepflanzt, auch überdieß noch farbig angestrichene Stangen fonnti, U N mit platten Enden aufgestellt, auf denen Pferde und andere eee 1 Thiere gezeichnet sind. An den Stangen. von a Hauflate Leinwand, Pferdehaare und ace Sagen e 10 init An sind h von dem nde des ee aus, 5 ginn jeder* vier 5 den n l Seiten 5 i 13 Haufen aus Quarz aufgethürmt. Diesen Ort nennen n, Unler⸗ 80 die Mongolen Zagän Obs(der weiße Obo); wovon auch s sen⸗ unsere jetzige Station Gaschun mehr unter dem Nahmen en man⸗ Zagan Obo und Kurd bekannt ist. In den schige— gange munischen Tempeln heißt Kurde ein hoher vieleckiger Kasten, wih der sich auf einer Spindel umdreht. Es ist, so zu sagen, 5 85 ein Gebetbuch für solche, die nicht lesen können. Die Sei— uhu ten desselben sind mit Anrufungen an den Propheten Schi— ohn h gemuni, in tibetischer Sprache, mit großen goldenen Buch— gen ihn, staben beschrieben; in diesen Kasten legen sie auch Gebete Beha in tibetischer und mongolischer Sprache, damit der in den wurden Tempel kommende, auf den Knien vor dem Kurde liegend .. It und sein Om ma ni bat me chom wiederholend, diesen n Inner so lange herumdrehen könne, als ihm dieses die andächtige in Wil cührung seines Herzens eingiebt. Dieß wird für eben so sahucht. wirksam gehalten, als würden die Gebete von ihm selbst Rasttag. ausgesprochen. Ich sah einst in der Mongoley einen Lama, metscher der einen solchen Cylinder, mit einem zur schnellern Umdre— 5 Werte hung daran gebundenen Gewichte, in den Händen hatte; gangen mit eben solcher Schnelligkeit verrichtete auch die Zunge des erste bis Lama ihr Werk, woran seine Seele, wie es schien, nicht Bruch⸗ den geringsten Antheil nahm. ammen⸗ um 3 uhr Nachmittags waren der Vorsteher der Mis⸗ Seiten sion, ich, der Wagenmeister und Dolmetscher bey dem Bit⸗ ufen von cheschi und Boschko, aus Dankbarkeit für ihre täglichen hne auf Besuche. Nur Schade, daß unsere chinesischen Führer, ent— Stangen weder aus Bescheidenheit, oder aus Unwissenheit fast immer J. Band. 16 —* das Gespräch nur auf Pferde, Hunde, auf das Lob der pekinschen Esel, Maulthiere u. s. w. lenkten. Auf diese Art fand unsre Neugierde, die nach der Kenntniß wichtige— rer Umstände dieses uns fremden Landes strebte, wenig Nahrung. Nach unsrer Rückkehr brachte der die Mission geleitende Dsangin, im Nahmen des Meiren mir zwey lebendige Ham— mel. Da wir auf keine Weise der Darbringung solcher Geschenke ausweichen konnten, so willigten wir darein mit der Bedingung, daß wir zu seiner Zeit dem Meiren und den andern, die Eifer für uns gezeigt hatten, unsre Dank— barkeit beweisen wollten. Den 24. Oct.(5. Nobo. N. St.) schickten wir das Gepäck nach 6 Uhr des Morgens fort; um 8 Uhr gingen die Wagen ab, und nach einem Wege von 20 Wersten gegen Südost, kamen wir auf der Station Charätuin Ssüdshi um 1 Uhr Nachmittags an. Von Gaschun gingen wir erst 3 Werste bergan bis zu dem Gipfel der Höhe, auf welcher rechts sich der oben be⸗ schriebene Obo befindet. Von dieser Höhe mußten wir im⸗ mer thalwärts herunter über steinigte flache Erhöhungen, — während wir immer, wie ein Ziel, vor uns im Auge den Obo auf einem hohen Hügel hatten, der nicht weit von der Station Charatuin Ssudshi liegt. Das vergelbte Gras war im Anfange des heutigen Weges zwischen den Stationen schlecht; aber näher an der folgenden Station war es etwas besser. Ungefähr 3 Werste davon kamen wir in einen langen sandigen Hohlweg herab, und gingen in gerader östlicher Richtung durch denselben, bis zu den für die Mission auf einer kleinen Höhe vorbereiteten Jurten. Als wir den Jukten bis ungefähr 50 Klaftern nahegeko mmen waren, bemerkten wir einen Brunnen, mit trefflichem Was— b Lob f Auf di b wichtg⸗ ble, ung geleitende dige Ham⸗ g solchet atein mit leiten und sre Dank, wir das hr gingen Wersten ratuin an bid zu oben be⸗ wir im⸗ hungen, uge den heit von vFergelble hen den tation zen wit agen in den füt Jurte. o mmh u Was⸗ 8 ser und zwey sehr großen Trögen, die aus fichtenen Bretern gemacht und mit Eisen beschlagen waren; eine Bauart eines Brunnens, wie wir noch keine ähnliche bisher in der Mon— goley gesehen hatten. Der Platz um den Brunnen war sehr weit umher von Pferdehufen zerstampft; von allen Seiten gingen aus der Steppe tief ausgetretene Psade da— hin— alles zeigte, daß in der Umgegend zahlreiche Heerden umherwandern, aber wem sie zugehörten, das sagte man uns nicht bestimmt. Der Boden unter unserm Lager besteht aus kleinem Gestein, worunter wir auch Bruchstücke von schwarzem Schiefer fanden. Am Abend besuchte mich, nach seiner Gewohnheit, der Meiren. Kein einziger Mongole, kein einziger Chineser äußerte so viel Neugier etwas von Rußland, und von allem was russisch war, zu wissen, als dieser gutmüthige Mon— gole. Heute fragte er nach der russischen Musik, den mu— sikalischen Instrumenten, den Gesängen u. s. w. Von sei⸗ ner Seite sagte er uns, sie hätten eine Art Flöte, Baß— geige und Gußli). An Feyertagen, in den Jurten der Wane und Ambane, klimpern auf diesen mustkalischen In⸗ strumenten gelernte Musikanten nach Noten. Den 25. Oct.(6. Nov. N. St.) gingen wir des Mor— gens um 8 uhr von unserm Nachtlager ab, und kamen nach einem Wege von 30 Wersten(47 d. M.) in dem District *) Die Gußli— ein sehr gewöhnliches musikalisches Instrument bey den Russen— ist eine Art Harfe, welche aber nicht auf— recht steht, sondern auf einem Fußgestelle liegt, in der Form fast wie ein Klavier. Es hat keine Tastatur, sondern die Sai— ten werden mit den Fingern, eben so wie bey der Harfe, gerissen. A. d. U. 16* Dsun Ssüdshi(das östliche Ssudshi) um 3 Uhr Nach— mittags an. Der gangbare Weg, auf dem wir von Ergi nach Charätuin Ssudshi kamen, ging weiter links gegen Osten, auf Dolonnor zu; uns führte man aber durch die Steppe. Ungefähr 15 Werste(über 2 d. M.), mußten wir gerade südwärts, bald durch tiefe Thäler, bald über steile Höhen vordringen. Ungefähr 5 Werste von Charatuin Ssudshi kamen wir bey einem Salzsee vorbey. Auf der Hälfte des Weges sieht man eben so einen See, ein wenig größer als den ersten. Am nördlichen Ufer dieses letztern steht ein Schmiedeofen mit zwey Essen, der, wie man bemer— ken konnte, nicht längst erst errichtet war. Auch in diesen Wüsten erkannte der Mensch die Unentbehrlichkeit und den Nutzen des Hammers.— Von hier gingen wir lange eine schräge Anhöhe hinauf, wo wir Spuren eines Weges fan— den; aber auch diese war jetzt mit Gras bewachsen. Auf diesem Pfade gingen wir südöstlich ungefähr 15 Werste (2% d. M.) über häufige flache Erhöhungen, während wir rechts einen Salzsee, der wie der Schnee weiß glänzte, zurückließen. Von dieser Höhe zeigt sich eine große Abda— chung gegen Westen nach dem Gebirge Darchan zu, das von dem Wege auf 20 Werste(25— 3 d. M.) entfernt ist. Die letzten 4 Werste bis Dsun Ssudshi gingen wir durch eine ebene mit Steinen übersäete Gegend, wo wir auf der Ostseite den hohen Berg Ssudhin Obo im Ge— sicht hatten. Die Klüfte in diesem Wege sind mit Sand bedeckt. Nicht einer von den uns begleitenden Mongolen kannte den richtigen Weg; denn diese Leute waren aus ent— fernten Nomadenplätzen versammelt worden und mit den hiesigen Gegenden unbekannt. Und darum ging unsere Reise lh Nach gl nach fs gegn durch die ßten wir her steile ratuin Auf det in wenig ö lebten n bemer⸗ in diesen Und den ge eine ö fan⸗ n. Auf Verste end wit hlänzte, Abda⸗ zu, das ernt ist. en wir bo wir n Ge⸗ Sand ongolen ius ent⸗ mit den le Mise — 245 heute in großen Krümmungen. Ueberhaupt war der heutige Weg für das Vieh äußerst beschwerlich. Eine halbe Werste von unsern Jurten südwärts ist ein Brunnen in einem sandigen Thale; das Wasser darin ist eine Klafter tief. Heute wehete vom Morgen an ein kalter Ostwind, aber Nachmittags wurde es so warm, wie es in Petersburg im August ist. Den 26. Oct.(7. Nov. N. St.) war der Ostwind gegen Morgen ungemein heftig und mit großer Kälte beglei— tet. Die Sonne stieg aus röthlichen Wetterwolken empor. Wir brachen vor 8 Uhr auf, und gelangten, nach einem Wege von 25 Wersten(35 oder über 3 d. M.), zu der Station Batchaäi um 2 Uhr Nachmittags. Unsere Pferde, von dem weiten, beschwerlichen Wege und dem kargen Futter erschöpft, fingen an merklich von Kräften zu kommen. Einige davon konnten kaum den Weg bis zur jetzigen Station aushalten. Nach einem Wege von 2 Wersten von Dfun Ssu— dshi aus befanden wir uns in einem tiefen sandigen Thale. Dort standen in der Nähe eines Brunnens 4 reiche Jurten, und viel sehr fettes Hornvieh ging herum. Dann kamen wir eine Höhe hinauf, von welcher wir 12 Werste(27 d. M.) auf steinigen Bergen uns porwärts arbeiten mußten, die von Ost nach West gehen und an den Fuß des Gebirges Darchan stoßen. Diese Tagereise war äußerst lästig für das Vieh, besonders für das Zugvieh. Der Boden theilt sich in einzelne Schichten, welche hoch und nicht weit von einander sind, das Herabsteigen davon geht steil, das Hinauf— steigen ist beschwerlich. Diesen aus vielen neben einander liegenden Schichten bestehenden Bergrücken, der einem mit einer Menge Grabsteine bedeckten Kirchhofe gleicht, nennt man Ssunuin golu lden Götzenstein), vielleicht deswe— 1 gen, weil westlich von dem Gebirge Darchan, wie man sagt, sich ein schigemunischer Tempel befindet. Im südli— chen Theile dieser Schichten ist eine Quelle, die sich nach Osten schlängelt; wo vom weiten ein Salzsee mit weißem Glanze sich zeigt. Endlich kamen wir auf eine Ebene her— aus, von welcher wir auf sandigen flachen Erhöhungen 10 Werste(17 d. M.) bis Batchai gingen. Von der linken Seite ziehen sich in einer Kette Salzseen hin, die sogar bis an die Station selbst, die auf einem sandigen Hügel ange— legt ist, heranreichen. 150 Klaftern von derselben gegen Süden sind zwey Brunnen, deren Wasser etwas salzig ist. Bey unserer Ankunft an dem Orte fanden wir, daß man an den Brunnen die Heerde der bogdochanischen Pferde tränkte, deren mehr als 2000 in der Umgegend herumwan— dern. Diese Pferde sind von verschiedenen Farben, viele mit Blässen) oder einem Sternchen an der Stirne, im chinesischen Geschmacke; sie sind größtentheils klein von Wuchs, aber sonst von gutem Ansehen. Nahe bey jenem Brunnen sind die Thäler mit Salzgründen bedeckt. Dieses bittere Salz ist, wie bekannt, dem freyen Viehe sehr nützlich; aber man muß durchaus nicht gestatten, daß das Arbeits-Vieh auf die Salzgründe gehe; denn vom Gebrauche desselben wird das Innere ihres Körpers zerrüttet. Den 27. Oct.(8. Nov. N. St.) hielten wir Rasttag. Ungefähr um Mitternacht hatte sich der Wind gelegt; aber *) Die Mongolen können gar nicht Pferde mit einer länglichen und noch weniger mit einer breiten Blässe leiden, die unsere Skuteregbefttzer Fonar(d. i. eine Laterne) neunen. Solche Pferde gebrauchen sie nie zum Reiten, sondern verkaufen sie sogleich aus ihren Stutereyen an die Chineser zum Ziehen. Den Mongolen gefallen Pferde von folgenden Farben: weiße * (für Vornehme), isabe llfarben e, braune und Rappen. A. d. W. wie n In sidl⸗ sich fac b wee bene he⸗ ungen 10 er linten ar bis lange⸗ u gegen aalig is, wir, daß n Pferde umwan⸗ , hiele re, in n von rüttet. asttag. abet lichen unsere Solche fen sie Qishel. Ziehen nach 8 Uhr des Morgens ging er von Nordost mit großer Heftigkeit, und es wurde trübe. Am Morgen ging ich auf den Berg Batchai, der eine Werste weit von unserm Lager nach Osten liegt. Am Fuße desselben standen einige ärmliche Jurten, worin Hirten der Heerden des Bogdo wohnen. Von dem Gipfel dieses Ber— s erblickt man, eben so wie vom Darchan Ola(am 2. Oct.), von allen Seiten weit ausgedehnte Ebenen. Viel Vieh weidete auf dem Berge, und stellenweise zeigten sich schwarze Jurten, wie Inseln auf einem großen See. Der Boden ist sandig; selten wächst die Robinia pygmaea. Sieht man diese offenen und unfruchtbaren Wüsten, so ist s schwer zu glauben, daß der Einwohner von Gobi sich eines glücklichen Lebens erfreuen konne. Da er keine Wäl⸗ der hat, leidet er den äußersten Mangel an den unentbehr— lichsten Lebensbedürfnissen; beym Eintritt des Sommers bittet er täglich den Himmel um Regen, der nur selten diese Steppen benetzt; die Dürre des Sommers bringt Verderben seinem Viehe, das sein einziges Besitzthum und seine Nah- rung ist; der Winter bedroht ihn von neuem mit der Ver— tilgung aller seiner Heerden; denn bey tiefem Schnee, beson— ders zur Zeit des Glatteises magert das Vieh ab, das nur vom grünen Futter sich nährt, und keine Zuflucht vor der Kälte hat, und geht zu Grunde. Die Mongolen sagten uns, daß vor fünf Jahren ein so großes Viehsterben im ganzen Gobi gewesen sey, daß von 500 Pferden bey einigen Vieh— besitzern nicht 20 geblieben wären; und wer 200 Stück Hornvieh hatte, der rettete aus dem Viehsterben nicht mehr als 4 Stck. Nach einem so großen Verlust an Vieh kön— nen die Einwohner auch bis jetzt sich noch nicht ganz erholen. ee e ä ů ů— — 88 Um 11 Uhr schneyete es ungefahr zwey Stunden lang, doch von dem warmen Wetter zerging der Schnee bald. Am Abend wurde es sehr feucht. Den 28. Oct.(9. Nov. N. St.) um Mitternacht än⸗ derte sich der Wind; er ging von Westen mit Schnee. Am Morgen war ein dicker Nebel. Wir hatten anfangs uns nicht entschließen können, heute weiter zu reisen, damit uns nicht auf dem Wege ein Schneegestöber überfallen möchte. Da wir aber in Betrachtung zogen, daß das Vieh, durch die gestrige Ruhe gestärkt, die bevorstehende Tagereise wohl machen könnte, und überdieß, bey der Nähe des Winters, die unumgängliche Nothwendigkeit einsahen, so bald als möglich nach Chalgan zu gelangen, hielten wir es für besser, die Reise bis zur folgenden Station fortzusetzen. Vor der Abreise kam, wie gewöhnlich, der Bitcheschi zu uns. In dem Gespräche über die Beschwerden des gegen— wärtigen Weges bemühte ich mich, diesem Beamten des pekin'schen Gerichtshofes der auswärtigen Angelegenheiten unsern Wunsch merken zu lassen, daß wir auf der Rück— reise nach Rußland, von Chalgan aus gerade auf Zu ru— chaitu gehen möchten, welcher Weg kürzer ist; dabey geht dieser Weg durch solche Gegenden, die von Flüssen bewäs— sert sind, und Ueberfluß an Grase haben. Wir äußerten, daß die Vorsteher der russischen, mit Waaren nach Pekin gehenden Karawanen, ganz vorzüglich diesen Weg loben. Aber der Bitcheschi sagte, dort wohnten keine Chalchassen, sondern Mongolen von andern Appanage-Theilen), die *) Es sey erlaubt, Ländertheile, die der chinesische Kaiser mongo— lischen mit ihm verwandten Fürsten giebt, so zu neunen. Die Appanagen, die in Europa gewöhnlich in Geld bestehen, werden in China durch Ländertheile abgemacht. A. d. U. — n 249 unde 3 Ne 7 8; 0 1 von dem Lifujuan(dem Gerichtshofe der auswärtigen An— hne,; 3 Wi iff inlänglich nee hal, gelegenheiten) nicht abhängen. Wir begriffen hinlänglich, daß der Wan von Urga, ein feiner und eigenliebiger Fürst, ernacht ah kaum gestatten werde, daß eine russische Mission, bey seinem nee, Anz Leben nach Pekin auf einem andern Wege als über Ur ga angs uns gehen dürfe. Auf diesen Umstand deutete auch der Bitcheschi amit uns selbst in der Folge hin. mochte. Das schlimme Wetter machte, daß wir das Nachtlager , durch nicht eher als um 9 Uhr des Morgens verließen. Nach ie wehl einem Wege von 40 Wersten(57— 54 d. M.), bey einem Wintert, rauhen Westwinde, gelangten wir sehr ermüdet zu der Station halb ass Olönchudük(viele Brunnen) um 5 Uhr des Nachmittags. für hesst, Ven Bachtai aus gingen wir durch einen sandigen Hohlweg, bey einem Brunnen vorbey, 5 Werste südwärts über flache Erhöhungen; dann wendeten wir uns gegen 15 Osten, einem hohen steinigen Hügel gegenüber, und gingen 0 des 7 Werste(1 d. M.) bis zu einem Brunnen, der zur linken gehen Seite des Weges lag; das Wasser war rein aber etwas 5 gut salzig. Der Weg ging zwischen zwey Höhen in er 1 1105 Schlucht, die nicht breiter als eine halbe Werste war. Hier . sahen wir viele Furten und Vieh. In dieser Schlucht gin— . 0 9 0 0— 790 gen wir 20 Werste(27— 3 d. M.) südwärts; der Grund h ist sandig, hier und da mit kleinen Steinen; es wächst 1 1 1 da die Pflanze Derißu, welche bis jetzt noch immer f grün war. Aus der Schlucht gingen wir 5 Werste auf— 11 wärts und dann 10 Werste bis Olon chuduk, zum Theil 60 1 eine chene Gegend, noch mehr aber auf einer gegen Süden geneigten Fläche. Während dieser ganzen Tagereise wehete ein schneiden— mothe⸗ der Westwind. Bis 12 uhr schwebte in der Luft ein dichter 15 Nebel, aber vom Mittage an zerstreute der Wind die Schnee— 1 wolken. Den ganzen Tag hindurch war eine Kälte bis 8 250 Grad, und wir waren genöthigt, die Hälfte des Weges zu gehen, um uns nur etwas wenigstens zu erwärmen. Die Station Olon Chuduk ist in einem Thale, nahe bey einem sehr tiefen Brunnen mit süßem Wasser, angelegt. Eine Werste weit von unsern sehr alten und engen Jurten war auf allen Seiten der Boden, durch das häufige Gehen des Viehes zur Tränke, ganz kahl; weiter aber davon ist das grüne Futter ziemlich gut. 1 Werste gegen Norden sieht man in einer offenen Steppe 7 Jurten, in welchen ein gewisser Chubilgan mit Nahmen Dajan wohnt. Wir bemerkten nichts was Größe oder Reichthum dieses von den Mongolen hochgeehrten Wiedergebornen ver— kündet hätte. Am Abend schieden von uns der Dsangin und die übrigen Ssuniten, welche die Mission von der Station Ubur ude aus geleitet hatten; bey dieser Gele— genheit erhielten sie für ihren bewiesenen Eifer und geleistete Hülfe, anständige Geschenke von uns. Unter den alten Ssuniten fanden wir nicht wenig solche, welche schon zum fünftenmahl die russische Mission geleiteten. Der Meiren und einige Taidsi's gehen mit uns bis zu den Wohnungen der westlichen Ssuniten. Den 29. Oct.(10. Nov. N. St.) dauerte der Wind bis Mitternacht fort und es ward sehr kalt; am Morgen war der Frost 10 Grad nach Reaumür. Der Westwind hatte um Mittag sich gelegt; aber um 3 Uhr erhob sich ein rauher Sturm aus Nordwest. Die Mission ging um 8 Uhr des Morgens weiter, und um 2 Uhr Nachmittags hielt Ssäin ußu(auf mongolisch: gute versiegender Brunnen), nachdem sie 23 Werste(35 d. M.) gemacht hatte. sie bey dem Brunnen 8 Wasser, d. i. ein nie 281— 90 50. N Sechs Werste von Olon chuduk gingen wir gegen ö Süden durch steinige Gegenden, die entweder ganz nackt oder em Jhal, wit Budurguna bewachsen waren, und dann fingen wir u Mac, an abwärts gegen den Fuß des in der Ferne liegenden Ge— alten und birges Talain irmük(Steppengränze) zu gehen. Durch dieses Gebirge, sagt man, wird die Steppe Gobi in die durch das nördliche und südliche getheilt. Nach einem Wege von noch weit 1910 6 Wersten wendeten wir uns ostwärts, und gingen unge— Jutten, fähr 11 Werste(17 od. üb. 12 d. M.) bis zur folgenden Dajan Station auf Sande. In einer großen Entfernung von peihthum beiden Seiten erheben sich hohe Sandhügel; zur Rechten des 155 Weges fließt ein Bach, der jetzt zugefroren ist. Diese ganze Dugi Gegend hat Aehnlichkeit mit n Boden daß genes nd hat 9 Ueberfluß an Salzgründen. Dieser Boden ist mit Steinchen ir Gül von verschiedener Farbe bedeckt, unter welchen man auch gelbe get Karneole bemerkte. Die Sandberge sid von Regenbächen 1 000 durch die Regengüsse des vergangenen e durchfurcht. 10 Gras sieht man nicht darauf; nur das fede erartige Pfrimen⸗ 1110 gras. De e 8 N 5 Wai 8 Hierbey halte ich es nicht für überflüssig, zu sagen, daß 45 von Olonschuduk südwärts ein für unser Vieh höchst be⸗ schwerlicher Weg geht, besonders nach dürren Sommern. Wind Der Boden ist überall sandig; es giebt viele Erhöhungen und Morgen sogar Berge, mit tiefem Sande bedeckt. Aber, was verderb— estwind licher als alles ist, auf diesem Sande wächst allein nur das ich ein lange grünliche Gras, von den Mongolen Ssuli' genannt, eine Art Riethgras. Wenn ein Pferd Ssuli frißt und das weitet, salzige Wasser hier säuft, bekommt es einen heftigen Durch— unt fall, wovon viele umkommen. Diese aten Gegen— a l den 8 5 sich sieben Stationen oder 150 Werste(215 bis 9. 4 21 d. M.) weit bis zu den Nomadenplätzen der Mongolen des 990 Aimals.— So ist die Steppe Gobi, 1——— 8—— ů——— 2— 1 * 3 5 — die die Reisenden mit Entsetzen erfullt, gleich der afrikanischen Wüste Sahara, welche für die durchreisenden Karawanen treuloser als selbst das Meer ist. Ungefähr 5 Weste vor Ssain ußu wendeten wir uns wieder gegen Südost, ließen zur Linken einen zugefrornen See, und 3 Werste vom Wege zur Rechten den Brunnen Bumbatu'), wo die Mission am 3. Nov.(15. Nov. N. St.) 1807 anhielt. Der Brunnen befindet sich in einem thönigen, mit hohem federartigen Pfriemengrase bewachsenen Thale, ganz nahe bey unsern Jurten. Die Oeffnung desselben ist oben mit Pferde— schädeln umlegt,— eine wahre der Steppen würdige Ver— zierung! Bey unserer Ankunft tränkten die Mongolen ihre Heerden und rührten das Salzwasser so sehr auf, daß wir es durchaus nicht gebrauchen konnten. Auf Anordnung des Meiren brachte man uns einige Stücken Eis, welche man aufthauen mußte, um Wasser zu erhalten; dieses war zwar nicht widrig von Geschmack, aber mit Sand und Gras ver— mischt. Es blieb kein andres Mittel als Wasser aus dem Brunnen Bumbatu zu holen. Bey der Ankunft an diesem Orte befahl ich dem Kasa— ken-⸗Sotnik, zu sehen wie das Futter in der Nähe der Sta— tion beschaffen sey. Es zeigte sich, daß auf dem Gebirge Talain Irmük das Gras ziemlich gut war. Von der ) Bu'mba ist ein metallenes Gefäß, aus Silber oder Kupfer gemacht, und bey Darbringung der Opfer in den schigemuni— schen Tempeln gebraucht; in demselben bereitet man Ar⸗ scha'n oder heiliges Wasser, daß nach der Meinung der Lama's, durch Ausgießung vor den Burchanen, eine wundervolle Kraft erhält. Dieses Wasser besteht aus folgenden sechs Arzueypflan— zen: Muskatennuß(dsadi), Würznelken(bischi), Karda— mom(Fßuwell), einer andern Art davon(chagu'l), Safrau (ehurgu'em) und Mergel oder weißem Thon(dsug a'n). affifgnishe Kurawang ten wir unz zugestornen n Brunnen (46, ob. nit hohen nahe bey nit Pferde irdige Va⸗ igolen ihte daß wir ez dnung des ache man war zwar Gras ver⸗ aus den n. Kasa⸗ er Sta⸗ Gebirge Von der Kupfer igemuni⸗ gan Ar⸗ r Lamas, olle Krast zueybshan⸗ „ Karda⸗ „ Sata . 233—— weiten gestrigen Tagereise, bey rauhem Winde, fühlte unser Vieh eine große Ermüdung. Darum erkannte ich es für nothwendig, ihm auf den andern Tag einen Ruhetag zu geben. Mit der Erklärung dieses Entschlusses sandte ich den Dolmetscher zu unsern Führern. Der Bitcheschi über— ließ alles unserm eigenen Gutbefinden. Indessen erfuhren wir von einem der Mongolen auf der Station, daß sie für die Fortschaffung von Ladungen von Chalgan bis Urga(ungefähr 1000 Werste, oder 143 d. M. weit) von jedem Kameele 63 Lana(13 Rubel) in Silber nehmen, und auf jedes 300 Gin, d. i. ungefähr 11 Pud (440 russische Pfund) laden. Er sagte auch, daß 1 Werste von der jetzigen Station nordöstlich ein Salzsee liegt, auf dem immer eine Salzkruste anschießt; die Bewohner der Um— gegend sammeln das Salz und führen es zum Verkauf in die bey der großen chinesischen Mauer liegenden Städte: Cha'lgan, Kuku' choto' u. s. w. Im Sommer des gegenwärtigen Jahres verkauften sie dort die Ladung eines Kameels(ungefahr 300 Gin oder über 10 Pud, d. i. 400 russ. Pfund) von 3 bis zu 5 Lana; wenn aber starke Zufuhr ist, wird die Ladung noch unter 3 Lana verkauft. Den 30. Oct.(11. Nov. N. St.) hielten wir Rasttag. In der Nacht erhob sich ein heftiger Sturm, der bis völlig zum Aufgange der Sonne dauerte; am Morgen waren 12 Grad Frost. Die Ursache dieser großen Kälte muß man den hiesigen salzreichen Gegenden zuschreiben. um 10 uhr des Morgens ging ich den nicht weit von unsern Jurten liegenden Salzsee zu besehen. Er hat eine längliche Gestalt, von Norden nach Süden; im Umkreise hält er 5 Werste. Das Wasser war jetzt vertrocknet, aber der Schlamm war, ungeachtet des heftigen Frostes, so weich, daß die Füße darin einsanken. Das Salz war ge— — — 4 5— 5 sammelt worden; an vielen Stellen glänzten Salzkrystallen. um den See herum ist der Boden morastig, mit dünnem Schilfe, der gelben Budurguna bewachsen und ganz mit Salzkrusten bedeckt. Die Mongolen sagten uns, ihren Sagen zufolge, hier sey einst das Meer Dalai(den See Baikal nennen die Buräten auch Dalai), oder ein großer See gewesen. Die noch sichtbaren Kennzeichen bestätigen, daß diese Nachricht Grund hat. Das mit Sand bedeckte Thal liegt zwischen merklichen Erhöhungen oder Ufern und nimmt einen um— gränzten Raum ein; kleine Steinchen, die gewöhnlich von den Wellen an die Ufer der Seen und Flüsse gespielt wer— den— alles dieses erweckt die Vermuthung, daß dort wirk— lich einst ein großer See gewesen seyn könne. Der die Mission begleitende Kundui erzählte, die östli— chen(Dsun) Ssuniten hätten einen Choschun, der in 4 Dsala'n(Regimenter) eingetheilt ist; in jedem Dsalan sind 5 Ssomun(Schwadronen), und in einem Ssomun 200 Familien.— Die westlichen(barün) Ssuniten haben auch einen Choschun, der aus 2 Dsalanen besteht, wovon der eine 7, der andre 6 Ssomun hat. Hiervon wird aus— führlicher im dritten Theile dieses Werkes gesprochen werden. Den 31. Oct.(12. Nov. N. St.) war am Morgen 10 Grad nach Reaumür Frost. Von diesem Lager gingen wir nach 8 Uhr weiter, und nach einem Wege von 23 Wer— sten( 35 d. M.) kamen wir auf der Station Chudshirtu (salzige Gegend) um 1 Uhr des Nachmittags an. Von Ssäin ußu gingen wir auf einer Ebene, die mit rothem Thon bedeckt war, 4 Werste bis zu dem ostli— chen Zweige des Gebirges, der das nördliche Gobi von dem südlichen trennt. Von dieser Höhe sieht man nach Osten zwey Salzseen, und nach Süden eine weite Steppe, aht mit dͤnnen ud gu n folge, ger hennen dee besen. Die Nachricht t zwischen einen um⸗ ohnlcch o spielt wa dort witk⸗ die östl⸗ „ der in u Dsalan Ssomun ten haben „ wobon ird auo⸗ werden. Morgen gingen J Ver⸗ shirtu ne, die m ostli⸗ bi von an nach Steppe, 255 die eine Abdachung nach dem Gebirge Sserén(der Rück— grat oder die Rückgratswirbel) in Gestalt eines nach Süden sich öffnenden Amphitheaters hat. Das gute Gras in dieser Steppe machte einen angenehmen Contrast mit dem düstern Anblicke der zwischen den Districten Ssain ußu und Olen chudük liegenden Steppen. Häufige schmale Wege, die nach der Tränke zu gingen, zeigten, daß hier viel Vieh geht; aber dennoch sahen wir keine einzige Jurte. Wahrscheinlich veranlaßte die Annäherung der pekinschen, den Ssuniten unwillkommenen Beamten, die achtbaren Ein— wohner, während der Durchreise derselben, mit ihren No— madenwohnungen vom Wege ab zur Seite zu ziehen. Un— gefähr 11 Werste(15 d. M.) gingen wir bis zu einem Hügel, der auf dem Wege selbst liegt und sehr steil ist. Der Weg ist sehr gangbar, und wie man sieht, gehen oft Lasten auf der Achse da durch. Auf den Seiten wächst die Robinia pygmaea, die wir nirgends noch in solcher Nenge sahen; die Winde haben auf ihre Wurzeln große Haufen Sand gewehet. Diesen Strauch, so wie auch die baumähnliche Pflanze Bud urguna könnte man mit Nutzen statt des Brennholzes gebrauchen. Mit Mühe und Anstrengung kamen wir über den oben gedachten Hügel, und nach einem Wege von 5 Wersten auf einer geneigten Fläche, wendeten wir uns von dem Wege links und gin— gen noch 2 Werste bis zur Station Chudfhirtu, die bey einem Brunnen, in einer tiefen Schlucht, am Ufer eines Salzsees sich befindet. Das Wasser ist rein, aber salzig. Auf 3 Werste gegen Westen steht abgesondert der Berg Sarin, mit einem großen Obo geschmückt; am Fuße desselben ist ein jetzt verschütteter Brunnen Sarin ßäin uß ü. Dort hatte die Mission 1794. vom 26. auf den 27. Oct.(6. auf den 7. Nov. N. St.) ihr Nachtlager. nach unsrer Ankunft auf dem Nachtlager besuchte mich der Boschko. Unter andern erneuerte er die hochfliegenden Erklärungen seiner Wünsche, gerade so einen Säbel leinen Offtzierssäbel) zu haben, als der Bitcheschi von uns erhalten hatte. Mit Worten und Geberden bemühte sich der Boschko zu zeigen, wie sehr ihm daran gelegen sey, seinen Kindern ein dauerndes Denkmahl seiner Bekanntschaft mit den Russen zu hinterlassen, damit auch die späten Nachkommen, bey dem Anblicke des stählernen Säbels, das Recht hätten zu sagen, daß er einst die russische Mission begleitet habe.... Wir hörten ihn an, erklärten ihm aber unser Bedauern, daß wir keine solchen Säbel mehr hätten. November(A. St.) Den 1.(13. Nov. N. St.) wüthete die ganze Nacht ein Sturm mit solcher Heftigkeit, daß der Gipfel unsrer Jurte sich zur Seite bog; zum Glück deckten uns die hohen Felsen der vorwärts liegenden Schlucht. Der Westwind ging den ganzen Tag mit heftigen Stößen und Kälte. Wir brachen um 9 uhr des Morgens auf, und nach einem Wege von 23 Wersten(35 d. M.) erreichten wir mit vieler Mühe die folgende Station Kul chudük(der Reisebrunnen) um halb 3 Uhr Nachmittags. Die Kameele kamen um 6 Uhr an. Zum erstenmahle noch seit unserm Abgange aus Urga hatten wir einen so beschwerlichen und unangenehmen Weg. Etwa 3 Werste lang mußten wir aufwärts auf das Gebirge Sseren auf einem sandigen Wege. Auf den Sei— ten grünte überall die Pflanze Ssuli. Nach dem Brun— nen Chudshirtu geht eine Hauptstraße, die aus den bogdochanischen Gestüten nach Dolonnör führt; auf dieser reisten wir heute 10 Werste(15 d. M.) — ä—— 27 8 besuch te n hochfliegendg Säbel gain Uns erhalten Als wir auf das Gebirge hinauf gekommen waren, sahen wir rechts gegen Westen, 3 Werste von der Straße, auf dem Abhange eines Berges einen weißschimmernden Tempel und Jurten irgend eines reichen Lama; seinen eigent— 10 ae lichen Namen sagten uns, nach ihrer Gewohnheit, die Mon— hen Kindem golen nicht, aus Achtung gegen die Person. Von diesem b den Rue Orte bis an den Brunnen Kul chuduk muß man über u, bey dem das Gebirge mühsam vorwärts; das Hinab- und Hinauf— n zu sagen, steigen geht steil und kommt sehr oft vor, ähnlich unsern „s Wit waldaischen Bergen. Der Boden ist Sand mit rothem in, duß wi Thone wechselnd. Bey regnichtem Wetter ist es hier sehr kothig; dann ist dieser Uebergang äußerst beschwerlich für Lasten die auf der Achse gehen. i In den Bergen lag viel Schnee, der bey einem hefti— gen Winde eine empfindliche Kälte erzeugte. Ueberdem, ob— gleich wir heute in einer mehr südöstlichen Richtung gingen, kam uns doch der Westwind, der in den Klüften zurück— prallte, fast gerade entgegen. Der nun schon den elften ze Nacht ein instcar Jurte hen Felsen h ging den Tag,— oder besser zu sagen, seit dem Eintrltt der Mis— und naß sion in die Nomadenplätze der Ssuniten— anhaltende ichten wie rauhe Wind, der Frost, die langen Tagereisen, die schädli— dük(öder chen Kräuter und das salzige Wasser äußerten nun ihre ver— e Kamele derbliche Wirkung auf unser Arbeits-Vieh. Sechs Kameele eit unsn fielen unter ihren Lasten; eben soviel an die Wagen ge— lichen und spannte Pferde kamen ganz von Kräften und konnten nicht bis zur Station hingehen; auch unsre Reitpferde schleppten auf das sich kaum, kaum nur noch im Schritt fort. den Sei⸗ Endlich, nachdem wir durch die langgedehnte, von Berg— an Blul⸗ wassern durchfurchte Schlucht hindurch waren, und zwey aus de zugefrorne Seen umgangen hatten, ließen wir den gangbaren fit; uf Weg links, und drangen, durch ein mit(bis 5 Arschinen) hohem Derüßu bewachsenes Thal, in einen geräumigen von I. Band. 17 nn Bergen umringten Hohlweg vor. Der schmale Weg, auf dem wir gingen, theilte sich in zwey Theile. Die ßuniti— schen Führer verbargen sich vor dem Froste in die Jurten. Da wir den Weg nicht wußten, waren wir gerade auf das vorliegende Gebirge zu gegangen, wo man, wie wir nach— her erfuhren, nur ohne alles Gepäck reiten kann, wegen der sehr steilen Felsen. Zum Glück zeigten sich auf dem Gipfel des Gebirges zwey westliche Ssuniten, die uns ent— gegen gereist waren; sie hielten das Gepäck an und zeigten uns den leichtesten Weg durch eine östliche Schlucht. Da wir auf diese Art einen Umweg von 3 Wersten gemacht hatten, kamen wir auf steilen Abhängen aufwärts in jene Schlucht, die nicht wenig den Uebergang über dieses Ge— birge erschwert. In den Bergen fanden wir eine Menge wilder Ziegen oder Dserenen. Von dem letzten Gipfel sieht man, drey Werste weit, die Station Kul chu duk, die an dem südlichen Fuße des Gebirges angelegt ist. Ein Brunnen war in der Nähe, aber keine Tränke daraus war möglich; und daher mußte unser Vieh, statt des Wassers, sich mit Schnee begnügen. In nicht weiter Entfernung von dem Lager giebt es auch Salzseen. Hier kamen uns schon die Dämals der westlichen Ssuniten, mit allen Zeichen einer Gastfteundschaft nach Steppensitte, entgegen. Die für die Mission aufgeschlage— nen Jurten waren vortrefflich; überdieß war Backsteinthee, Käse und Butter bereitet. Sogleich nach unserer Ankunft kam zu mir der Meiren Namßarai, der von hier nach sei— nen Nomadenplätzen zurückkehrte und einige Barun-ßuni— tische Taidfi's(westlich-ßunitische Edelleute), wovon der älteste Aräsch i hieß, bey sich hatte. Vor der ten Abtheilung des Zten Theils dieses Werkes ist er im Winterkleide auf einem Ka— meele reitend abgebildet. Da ich die Entkräftung unsers 05 Nich due Ube der hoch wen, mit Non fle ue ordn ser! eber geber dung lassen fen. Hang; i c Püdd fact a Ei 1 Wg/ l Die un n die Jurte, erade auf dae vie wir ia. kann, wegn ich auf den ie uns ent— und zeigten Rucht. Da csten gema üͤttb in jrne t dieses Ge⸗ eine Meng ebten Gipfel Uchuduf, t ist. Ein daraus war s Wassert, Entfernung westlichen chaft nach sgeschlag⸗ cksteinthee, r Ahkunft nach sei⸗ n ⸗ ßuni⸗ der allt 19 deb Jer einem Ka⸗ 19 unser Viehes sah, schickte ich, nach unsrer Ankunft auf der Sta— tion, den Dolmetscher, um dem Bitscheschi zu melden, daß wir morgen dem Viehe in dieser Gegend einen Ruhetag geben müßten, um indessen auf einem Platze die Kameele und Pferde zu versammeln, die aus gänzlicher Erschöpfung sich auf dem Wege zerstreut hatten. Bey Vergleichung der Kräfte des noch vorhandenen Viehes mit der Menge des Gepäcks, das den die Mission ausmachenden Personen gehörte, war ich, nach allgemeiner Uebereinkunft mit meinen Beamten, entschlossen, mit dem der Regierung gehörigen Viehe bis zu den Zacharen, d. i. noch hundert Werste(14 d. M.) zu gehen, und sogar, wenn es die Noth erforderte, bis auf zehn Pferde, jedes mit 4 Pud(160 Pfund) zu beladen; durch die zacharischen Nomadenplätze sind nur noch fünf Stationen(oder Tage— reisen) bis zu dem Flüßchen Schabart Ai, an dessen Ufern unser Vieh zum Ueberwintern gelassen wird, zufolge der An— ordnung der chinesischen Regierung. Um die Reise von die— ser letzten Entfernung aus zu vollenden, könnte man ent— weder einen Theil des Viehes bey den Einwohnern der Ge— genden miethen, oder auch die zur Rückreise nöthigen La— dungen, unter der Bewahrung von zwey Kasaken zurück— lassen, und sie hernach mit unserm eigenen Viehe überfüh— ren. Der Vorsteher der Mission war mit uns Einer Mei— nung; daher beschlossen wir auch dieses auszuführen, sobald die chinesischen Führer keine Einwendung dagegen machen würden. Den 2. Nov.(14. Nov. N. St.) hörte der Wind nicht auf zu wehen; am Horizonte schwebten vom Morgen an dicke Wetterwolken, und um 2 Uhr Nachmittags fiel Schnee; ein neuer Schlag für unser Vieh. 17* 1 Ungefähr um 9 uhr des Morgens kam der Bitcheschi zu mir. Ich entschuldigte mich, daß das regnichte und kalte Wetter, durch Entkräftung unsers Viehes, uns nöthigte, so sehr unsre Ankunft in Chalgan zu verzögern. Als der Bitcheschi von unserm Vorschlage hörte, einen Theil des Gepäcks eine Zeitlang bey den Zacharen zu lassen, fand er diese Maaßregel nicht vortheilhaft für uns, wegen ihrer Neigung zum Stehlen, wie er sagte. Kameele zum Fort— schaffen des Gepäckes der Mission konnte man, nach des Boschko Meinung überall miethen, allein dieses möchte sehr theuer zu stehen kommen; und darum rieth er uns, mit un— serm eigenen Viehe bis nach Scehabartͤi oder Zagän Balgasu zu gehen. Gewiß wir selbst wünschten auch das— selbe; aber die Kräfte unsrer Kameele und Pferde erschöpften sich merklich. Die Kasaken ritten nach dem wegen Ermüdung am Tage zuvor zurückgelassenen Viehe aus, und trieben es hierher. Bey all' dem wurden von mir aus der der Regierung gehö— rigen Heerde, zwey Kameele und ein Pferd, gegen einen vom Meiren Namßarai ausgestellten Schein den östlichen Ssuni— ten übergeben, um sie bis zu unsrer Rückkehr aufzubewahren. Um 3 Uhr nachmittags nahmen die östliche Ssuniten, welche die Misston begleitet hatten, von uns Abschied. Zum Zeichen der Dankbarkeit für die von ihnen uns geleisteten Dienste, erhielt der Meiren, der mit uns 11 Tage lang ge— wesen war, zwey Zobel von höchster Güte und eine Juchten— haut. Die übrigen Aeltesten, welche die Mission geleitet hatten, empfingen ebenfalls Geschenke. Am 3. Nov.(15 Nov. N. St.) des Morgens war 14 Grad nach Reaumür Frost. Nicht ohne Mühe konnten wir unsre Reise zur folgenden Station Sehära Budür— halle, cl de f auch aft N bergeh welch 5 Boben Dold len; boh d halle! 05 e hon u Gipfel Kamel Ehle en n Gil Woh di d. N. chest later den l i der Bichgg niht und l uns nöͤthig, gern, Js d. han Nel de sen, fund a wegen ihre zum Fort u, nach des o wöchte sch uns, mit un⸗ ober Ja gan ten auch daf de erschöpfin ing am Tage es hierher, gierung gehb⸗ an einen don gen Ssuni jubewahten. Ssuniten, chied. Jun s geleisteten ge lang ge— ge Juchten⸗ 'on geleitet orgens war ͤhe konntet N Budüt⸗ 261 gun(gelbe Budurguna), die 22 Werste(35 d. M.) von hier entfernt ist, fortzusetzen. Wir brachen um 8 Uhr des Morgens auf und kamen um 2 Uhr nachmittags dort an. Der Ostwind, der vom Abend an in der Nacht gewehet hatte, änderte sich, ging nun von Westen und war sehr schneidend. Die Wirkung der Stürme ist auch dadurch für die Kameele schädlich, daß ein widriger Wind sich in dem aufgeladenen Gepäck, wie in einem Seegel, fängt und so die Last davon vermehrt. Im Anfange gingen wir 3 Werste lang durch die Steppe, dann kamen wir auf einen Weg, der von der rechten Seite hergeht. Wir gingen eine nicht hohe Anhöhe hinauf, von welcher ein allmähliger Abhang nach Süden auf 20 Werste (25— 3 d. M.) hin sich erstreckt. Das Gras ist gut. Der Boden ist sandig, stellenweise indessen giebt es Streifen rothen Thons. Von der Station 8 Werste weit ist ein Brun— nen; auch kamen viele Hasen vor. Etwa 3 Werste rechts von der Straße steht ein nicht großer Tempel; einige Ge— bäude davon waren aus Holz erbaut, die andern von Stein. Weiter gegen Westen, etwa 10 Werste(18— 12d. M.) von unserm Wege steht in blauem Dufte ein Berg mit spitzem Gipfel. Ein Barun-Ssunite, der mit uns auf einem Kameele ritt, sagte, dieser Berg heiße Charbatü 6(der Schützenberg); diesen Nahmen erhielt er davon, daß Geßer— Chan— von den Mongolen vergöttert, wie Herkules bey den Griechen— auf diesem Berge ein Ziel aufgestellt, und von einem andern, der eine Tagereise(50 Werste, od. üb. 7. d. M.) davon entfernt ist, Pfeile von seinem Bogen darnach abgeschossen haben soll; auch nicht ein Pfeil flog daneben. Unter den Mongolen, und eben so auch unter unsern Burä⸗ ten und Kalmüken sind viele wunderbare Sagen zum Ruhme —— dieses Geßer in Umlauf*). Von seinen ungewöhnlichen Thaten ist in mongolischer Sprache sogar ein besonderes Buch in einigen Theilen gedruckt. Da ich wünsche, meine Leser *) Pallas(Mongol. Nachr. 21. Thl. 103.) sagt, Geßer-Chan sey eigentlich eine Person, in die einst der Burchan Arä— balu oder Luga schiri, der jetzt in dem Körper des Da— lai-Lama wohnt, sich verwandelt habe; und der göttliche Geist, der auf dem mongolischen Kutuchta(in Urga) ruht, be— gleitete jenen Burchanen auf allen seinen Wanderungen, und diente einst in Gestalt eines Pferdes des Geßer-Chans; in einigen Verwandlungen war er bald sein Diener oder Schild— träger, bald sein Mitgehülfe. Herr Klaproth, in seinen interessanten Bemerkungen über die chinesische Gränze, sagt, den erwähnten Gegenstand betreffend, folgendes: Geßer-Chan ist die mongolische Benennung eines unter die Götter versetzten Heerführers, der im An— fange des dritten Jahrhunderts nach Chr. G. lebte, und, nach den mongolischen Büchern, aus einem bey Chuchumor zwischen Tibet und der chinesischen Statthalterschaft Schangsi liegenden Lande, herstammt. Die Chineser nennen ihn Huang— jui oder Huangjundschan. Er war ein Feldherr im Heere des Ljube, der im J. 199. nach Chr. G. sich gegen den Kaiser Sändi, den letzten aus der Dynastie Chang, em— pörte, bie Stadt Chiabei eroberte, und sie unter die Huan— jui Schutz gab. Aber da im folgenden Jahre Zaodsao ein chinefischer General, diesen Platz eroberte, gerieth er in Ge— fangenschaft, und trat in dessen Dienst über. In der Schlacht bey Bem, in welcher Zaodsao die andern Aufrührer schlug, zeichnete sich Huangjui sehr aus, und erschlug mit eigner Hand Jenlän, wodurch er die Schlacht entschied. Obgleich Sasdsao, der den Huangjui sehr hoch achtete, alles Mögliche anwenbete, um ihn an sich zu ziehen, so konnte er ihn dennoch nie bewegen, den Ljube zu verlassen. Im Verein mit Ljube vollbrachte Huangjui noch viele Großthaten und gewann Schlachten; aber im J. 220. endlich wurde er von Sun Hun gefangen und zugleich mit seinem Sohne und an— dern Anführern hingerichtet.— Die jetzigen Chineser mei— nen, er sey nicht gestorben, sondern unter die Halbgötter versetzt worden, und die jetzt herrschende manshurischen Dy— nastie betrachtet ihn als ihren Schutzpatron, und hat ihm den Nahmen gegeben Huang Mafa Chuandi, auf ehinesisch Huang ungewöhulch hesonderts But 9 meine J.. Geßet⸗ hn Burch Ati aper des Du der göttlich legq) ruht, be⸗ derungen, und der⸗Chans; in ser oder Schi kungen lber die fand betreffend, he Benennung „ der im M⸗ G. lehte, und, ey Chuchumee chaft Schangst en ihn Huang; dhetr im Heeke sich gegen den je Chang, en⸗ ter die Hual⸗ 560 ösas en eth er in Ge⸗ der Schlacht kührer schlun, ug mit eignet ied. Ohgleiß les Miglich ynnte er ihl Im Vereins osthaten und urde er dal ohne und al Chineser fei ie Habt shurschen d 15 hir in hinessc hui mit den mythologischen Sagen der Verehrer des Schigemuni bekannt zu machen, will ich hier einen Auszug aus zwey Erzählungen von Geßer einrücken. I. Bogdo Geßér(Heßer) Chan wurde gebohren, die Wurzel der zehn Uebel auszurotten. Herrschend in allen zehn himmlischen Gegenden stand Bogdo gleich einem Löwen auf, schlug mit Kräften eines Chubilgan den zwölfköpfigen Mangusch, einen bösen Geist, zu Boden, nahm dessen Ge— mahlin Arüla zu sich und zog in dessen goldenen Pallast ein. Arula, die hohe Gemahlin, mit einen Geiste voll Has⸗ ses, brachte einst dem Bogdo einen Zaubertrank und bat ihn, davon zu kosten. Geßer(Heßer) Chan hatte von allen Dingen Kenntniß; aber kaum hatte er diesen Trank versucht, als alles in Vergessenheit hinschwand. Zwölf Jahre blieb Bogdo in dem Gebiete des zwölf— köpfigen Mangusch. Indessen fielen drey scharagolische Chane in seine vorigen Besitzungen ein, zerstörten das Reich und zerstreuten das Volk. Da sahen vom Himmel die drey gerechten Schwestern des Herrschers hernieder, und sprachen aus beklommenen Herzen: der Zaubertrank Arulens hat den Unbesiegten besiegt. Mit Kräften eines Chubilgan standest du auf gegen die Macht des zwölfköpfigen Mangusch, und dort hast du alles der Vergessenheit übergeben! Also sprachen die gerechten Schwestern; sie schrieben einen Brief auf einen gefiederten Pfeil und sandten ihn hin zu dem Herrscher. Er Schendihun. Man stellt ihn gewöhnlich sitzend vor; zur liu⸗ ken Hand steht sein Sohn Huanpin und zur Rechten sein Schildträger mit einem schwarzen Gesichte. s. Nord. Archiv, herausgegeben von Bulgarin. 1825. S. 422. A. d. V. las das Geschriebene, und begann nachzusinnen über die ehemahligen Begebenheiten. Aber die boshafte Arula giebt ungesäumt ihm den Zaubertrank, und der Herrscher versinkt von neuem in das Vergessen. Die drey gerechten Schwestern steigen hernieder in das Gebiet des Mangusch und stärken die Geisteskraft des Geßer (Heßer) Chan. Endlich wird er von der Bezauberung frey, und in seinem Gedächtniß erneuert sich die Vergangenheit. Auf einmahl erscholl seine Löbenstimme; die Erde wankte und in heftigem Wirbelsturme drehte sich 88 mahl sein gol— dener Pallast, und dreymahl die Mauern der Stadt im Kreise um. Alles wurde durch's Feuer vertilgt. Der Herr— scher setzte sich auf das braune Zauberroß*) und kehrte in sein Reich zurück. Sich zu der Stufe eines tausendmah— ligen Chubilgans(oder Wiedergebornen) erhebend, verheerte der Herrscher das ganze scharagolische Land, nahm seine göttliche Gemahlin aus der Gefangenschaft wieder zurück und errichtete wieder seinen Thron in einer Stadt, die drey⸗ zehnmahl verdoppelte Tempel und 108 große Festungen hatte. Als der Gebieter der zehn himmlischen Gegenden seinen achtzigjährigen Krieger Zargin mit den Töchtern und Kin— dern der Helden von den scharagolischen Chanen zu Boden geschlagen sah, erseufzte er. Mit umdüstertem Geiste begann er seiner Helden zu gedenken und rief ihnen zu:„Aar unter den Menschen, du der du edlen Herzens immer vorwärts dahin dich stürzest, geliebter Ssesse Schicher, mein theuerster Freund, wo bist du?— Und du Adler unter den Menschen, du, der stets Unerschrockene, und dem Elephanten gleich alles zertre— tende, mein berühmter Schumar, wo bist du?— Und du, Falke *) In den schigemunischen Tempeln wird Geßer Chan auf einem solchen, aus Holz verfertigten Rosse reitend vorgestellt. A. d. V. un üer e ulg gig cher unit unter den Menschen, mit felsenfestem Herzen begabt, der du früh mir deine Kräfte weihetest, wo bist du mein Bujantük?— Lö— wenklauen des Herrschers, du, der du, dem Falken gleich, deine Beute sicher ergreifst, der du die Macht von 88 Völkern zermalm— test, wo bist du, mein funfzehnjähriger Nanßon? Wo bist du mit dem felsenfesten Herzen, alles zu Boden schlagender Bars? Also sprach er. Gedenkend der Helden erhob er laut seine Stim— nieder in das ft deb Geßer herung ftch gangenheit. me, und die Mauern drehten dreymahl im Wirbelsturme sich um. de wankte Der Herrscher befiehlt sein braunes Roß zu satteln g san gol⸗ und stürmt nach dem Orte des Schlachtfeldes der Helden. Stadt in Hinter ihm spornt Zargin sein stattliches Roß von gemisch— Der Her⸗ tem Haare. A kchtte in Bey seiner Ankunft auf dem Felde stieß der Herrscher wusendnah⸗ einen lauten Schrey aus. Als der Herrscher die Gebeine „ berate von Bujantük und Bars erblickte, sank er empfindungslos alin seine zur Erde. Aber in einen Löwen war die Seele Nanßon's, er zurück in einen Elephanten Schumar's Seele übergegangen, und t, die dreh⸗ der Herrscher erwachte wieder; er umarmte den Elephanten gen hatte. und den Löwen, wendete sich zu den Göttern aller zehn den salnen Gegenden und rief trauernd aus: ihr meine unvergleichlichen und Kin— Helden! Nanßon, Schumar und du mein geliebter Bruder u Boden Ssesse Schicher! und du gegen die Feinde voll Grimmes ie begann fliegender Bars! Früh habt ihr mir eure Kräfte geweiht; gar unter ihr waret die Leuchten, die das Dunkel meiner Nacht olweltz erhelleten. Treuer Bujantük und ihr alle meine Helden, ihr lheuerstet Priester und du man Volk, unerschüttert, einem Granitfelsen hen, du, gleich, widerstandet ihr den Feinden. Ja, ich bin gewiß der herrschende Bogdo; aber, als ich den zwölfkköpfigen Mangusch besiegte, ward ich selbst besiegt von dem Zauber— tranke der Arula.“ io zertre⸗ du, Falfe auf eilen Dem Donner gleich, im Himmel von dunkelblauen N 97 8 N Drachen erzeugt, erscholl das Klaggeschrey des Heerschers. b. N. 2——ůů—ů—ð; ̃ ͤ ⁵¶ͥ———— ͤ——. 2— Ihm naheten die Seelen der Helden, in der Gestalt von Elephanten, Tigern, Wölfen, und dreymahl umkreisten sie rund den Herrscher, Klagetöne ausstoßend. Als die drey gerechten Schwestern des Herrschers sein Klaggeschrey hörten, fuhren sie hernieder aus der erhabenen Wohnung, um Ruhe ihm zu geben. Aber da sie Geßern trostlos erblickten, kehrten sie um zu Churmusta seinem Vater, dem Erhabenen über 33 Tengern und dem obersten Beschützer der Erde. Churmusta öffnet das Buch der Schicksale und liest darin folgende Worte:„aus dem ten— gaischen Reiche ist Geßer Chan gesandt mit seinen Helden; aber das Schicksal hat gestattet, daß sie vor dem Tode ihres Gebieters umkommen sollten. Uebrigens besiegte Geßer Chan neunmahl noch vor dem Auszuge zu seinen Großtha— ten drey treubrüchige Tengern, die in Gestalt dreyer gewalti— ger Chane ihn einmahl zur Erde niedergeworfen hatten. Churmusta, von einem Haufen Tengern umringt, erscheint vor Schigemuni und spricht:„Lehrer der Götter! ihr Gesandter, den sie zur Erde geschickt haben, hat 30 seiner Helden verlohren; sein Zug ist beendigt; aber der Vollbrin— ger liegt seufzend auf den Gebeinen seiner Helden.“ Der Lehrer der Götter hört mit freundlichen Lächeln ihn an, und im Beyseyn von tausend Burchanen, ergreift er den schwarzen Badur*) mit dem Arschan, füllt die Bumba an, und sie dem Churmusta gebend, spricht er:„sende diesen Arschan zu dem Erfüller seiner Großthat; sobald er einen Tropfen auf die erneueten Körper spritzt, werden sie wieder Leben und Seele erhalten; und von dem dritten Tropfen werden sie vollkommen wieder geboren werden. *) Ein geheiligtes Gefäßß mit dem die Mongolen gewöhnlich ihren obersten Burchanen abbilden. A. d. V. Gestult y 0 inkreisten f Endlich laßt sie den Arschan austrinken und der Schutzgeist wird wieder zu ihnen zurückkehren und ihren Körper mit rrscherb san hohen Eigenschaften begaben.“ Churmusta nahm den Arschan und überreichte ihn den er erhabenen drey gerechten Schwestern mit folgenden Worten:„saget sse Geßern 1 dem Erfüller seiner Großthat: was ist mit dir geschehen? w obersen dein Haupt bewahren die Götter der zehn Gegenden, deine Buch der Brust steht unter dem Schutze der mächtigen Tengern, und . deine Fußtapfen beschützen 88 mächtige Burchanen; 180 Göttinnen schirmen deinen Gürtel, o Geßer Chan! du herr— schest in allen zehn himmlischen Gegenden, du Zögling des Churmusta! und wärest du unzertrennlich bey deinen Hel— den geblieben; so würdest du jetzt nicht trauern und ihren Tod en Helden; Tode ihkes gte Geßer hi beweinen.“ er gewalti⸗ 0 5 tet; ö 110 Die drey gerechten Schwestern ließen sich 955 den N Wolken herab, unter heftigen Donnerschlägen, gleich dem e Gebrüll von 20 Drachen. Geßer Chan machte neun neun— k! mahlige Verbeugungen vor dem göttlichen Lehrer, und neun 79 0 vor Churmusta seinem Vater, und empüng den Aeschan. 0 Durch die Wirkung dieses wundervollen Wassers lebten die a i 30 Helden auf und erschienen in ihrer vorigen Gestalt. b Nach der Rückkehr von dem Kriegszuge ins Vaterland el sammelte der Herrscher die zurückgekommenen Helden zugleich füllt die mit drey Stammen des Volks, und Freudenrufe ertonten sende an allen Gränzen des Meerds. Der Rauch der Opfer stieg ohald er in dicken Wolken empor. Mit ungewöhnlichem Glanze ent— den sie keimten blühende Lilien der Erde: kein einziges Auge sah dritten sie am Tage, aber des Nachts dienten sie als Leuchte. Ge— werden. deckt von unersteiglichen Mauern brachten die Helden ihre Huldigung dem Herrscher dar. Nach einem frohen Feste, slich hel das drey Monate dauerte, kehrten alle in ihre Häuser zurük. Die Löwenstärke des Gebieters erneuete die Helden; alles — ä—— 8—————————— e ward vollbracht, und Bogdo Geßer Chan lebte in ungestör— tem Frieden. II. Bogdo Geßer Chan herrschte in allen zehn himmlischen Gegenden über eine Geistlichkeit gleich der Sonne, über ein Volk gleich der felsigen Klippe. In dem Gebiete Dokurtib herrschte Andulman Chan, begabt mit einem wundervollen Körper: er hatte mit einer Kraft der Dämonen hundert Hände und hundert Augen. Die Mitte seines Leibes bewahr— ten vier treubrüchige Tengern; über den obern Theil dessel— ben wachten acht Mächte der Finsterniß. Er gebot über 70 Chubilgane. Unter seinen Befehlen standen 360 verzweifelte Krieger, 3000 Helden und 33 Millionen gemeine Krieger. Sein gelbgetiegertes Roß war an Stärke 13 Drachen gleich. An den Ufern des Landes Tuk unterjochte er 500 Millionen Gebiete, und sandte die Fürsten dieses Volkes zu Bogdo Geßer Chan mit folgender Botschaft:„aus dem Gebiete Dokurtib kam Andulman Chan. Wer von den Chanen von Samputib kann ihm widerstehen? Wir wurden besiegt und unterwarfen uns ihm. Ihm gehorchen 3000 Helden. Sein gelbgetiegertes Roß ist an Stärke 13 Drachen gleich. Funf— zehn Jahre reisten wir bis nach Dokurtib, seinem Gebiete.“ Jedem der drey Fürsten, und jedem ihrer 300 Gefähr— ten überließ er 100 Rosse und sprach: eilet Tag und Nacht; in drey Jahren werdet ihr zu Geßers Reichen gelangen; nach drey Jahren kehret zurück, und dann bleiben euch noch neun Jahre, um bis zu meinem Gebiete zu wandern. Nach Verlauf dreyer Jahre gelangten die Abgesandten an die Reiche des Herrschers, und als sie dem Pallast so weit sich genahet hatten, daß man die Stimme vernehmen konnte, beugten sie sich zu neunmahl neun Mahlen bis zu 269 ä N ungestht. ae. d 9 r 8 em Angesicht der Erde. Laut sprachen sie den Befehl des Chans von Dokurtib, Andulman aus. Er beruft seine Helden zusammen. Sie empfangen mit Lächeln die Kunde mmh von den Siegen des Andulman, und bitten ungesäumt den uber ein Krieg zu erklären. Bujantük, der sechs Sprachen spricht, Doll schlägt vor 10 Bothen abzusenden, und mit jedem Bothen rollen 10 Millionen Reisige; diesen zu gebieten, Tag und Nacht hundert ihren Zug fortzusetzen, mit der Beyfügung, daß sie mit dem bwoht⸗ Hauptheere zu dem Herrscher selbst sich begeben sollen. il desel⸗ Schumar der Held hängt schon an das schimmernde Pan— über 7 zerhemd den schweren Bogen und den Köcher mit 88 breit weiflle befiederten Pfeilen, er umgürtet sich mit einem Schwerte, gregit 9 Klaftern lang, schwingt sich auf sein dunkelbraunes Roß, n gleich und zu dem Herrscher hin reitend ruft er aus:„furchtbarer 1 Herrscher! Ich allein gehe gegen den funzehnköpfigen* Be Mangusch. Fünf hundert Millionen unsrer Länder unter— Geblte jochte er; warum denn säumen wir?“ gen bon Endlich giebt der Herrscher den Kriegern Befehl, sich t und zum Kampfe zu rüsten. Sein Als die Helden sich versammelt hatten, bestimmte der Funf⸗ Herrscher, daß dieser Kriegszug, der 12 Jahre dauern konnte, iete.“ in 12 Monaten beendigt seyn sollte. Den hochalten Zargin eit will er daheim lassen, um für das e end die Maden ust; zu sorgen. Aber der schwache achtzigjäͤhrige Zargin wen— 10 N sich zu N Herrscher mit diesen Worten: od 1 es ist wahr, ich habe achtzig Jahre gelebt; dennoch wünscht' ich noch einmahl Zeuge des furchtbaren Kampfes zu seyn. 1*) 1 1 8 oben wurden diesem Mangusch zwölf Köpfe zugeschrie⸗ en; hier aber funfzehn. Man glaubte dieses anführen zu Jchmen müssen, damit diese Verschiedenheit nicht für einen Druckfeh— 105 w ler gehalten werde. A. d. U. 270— Als Churmusta dich nach Samputib herniedersandte, wur— den zwey ausgezeichnete Kriege vorher bestimmt. Den ersten Krieg erregten die scharagolischen Chane; der zweyte beginnt jetzt. Viele Tage habe ich gesehen; nicht lange habe ich mehr zu leben. Und so gestatte es mir, o Herrscher! dich in den Kampf zu begleiten.“ So sprach der bekümmerte Greis, und der Herrscher selbst vermochte nicht sich der Thränen zu enthalten. Darauf nahete ihnen der Held Nanßon und sagte: du zeigtest dich immer dem Herrscher gehorsam, warum willst du jetzt seinen Befehlen widerspre— chen? Da entgegnete der hochalte Zargin:„was denkst du von mir, funfzehnjähriger Nanßon? Ich, der achtzigjährige Zargin bin schon unter der Last der Jahre gebeugt. Mein Roß gemischten Haares nagt kaum noch das Gras vor Alter. Graue Haare haben mein Haupt bedeckt. Noch wünschte ich zu kämpfen vor den Augen des Herrschers, und in einer Reihe mit dir, geliebter Nanßon.“ So sprach er trauernd, und alle Helden vergossen Thränen mit ihm. Hierauf sprach Bogdo, indem er dem Greise sein Gewand gab:„Zargin, mein hochgeliebter! du sprichst Wahrheit. Ja du achtetest immer meine Befehle; und also, bleib hier und trage Sorge für das Volk.“—„Heilig sind deine Worte, Bogdo, antwortete Zargin. In den Tagen der Jugend erfüllte ich stets deine Befehle, kann wohl der schwache hinfällige Zargin sie übertreten? Meine Gebeine sind vertrocknet. Mein schwarzes Blut ist in meinen Adern erstarrt. Das Alter hat mich zur Erde gebeugt. Und ich wünschte in das Feld des Kampfes zu ziehen, um vor dei— nen Augen zu sterben. Aber dir gefällt es zu gebieten: Zargin! du hast keine Kraft mehr, bleib daheim. Ja, meine Kräfte sind geschwunden, und ich bleibe.“ Der Herrscher ordnete sein Heer gegen den funfzehn— Vöte, wur Den ersten te beginnt r Held derrschet derspre⸗ denkst du jährige Mein rab vot Noch ro, und rach er it ihm. Gewand ahtheit. ib hier deine en der hl det hebeine Adern d ich t dei⸗ bieten: „meine ufchs⸗ köpfigen Mangusch, und gab Ulan und Bujantük den Be— fehl:„geht vorwärts! sobald ihr den feindlichen Boden betretet, so sprechet: Geßer Chan, der in Samputib herrscht, schreitet daher mit seiner Waffenrüstung, um dem Chan Man— gusch alle funfzehn Köpfe, einen nach dem andern, abzuschlagen.“ Ulan und Bujantük bestiegen freudig ihre Rosse, und rückten ein in den feindlichen Boden. Beide stießen auf des Chans Heerde weißer Rosse, sie nahmen 11000 Rosse weg, und mit lautschallendem Hufschlag, wovon die Erde erzitterte, eilten sie mit den Rossen wieder zurück. Als Andulman Chan das Beben der Erde gewahrte, rief er aus:„wer ist der Kühne, der hierher gedrungen ist? Kein einziges irdisches Wesen kann zu mir hindurchdringen; das muß Churmusta seyn.“— Bald erscheinen die Wäch— ter seiner Heerden und bringen ihm Kunde von dem was geschehen war.„Wie groß war das Heer?“ fragte An— dulman Chan. Die Wächter antworteten:„es bedünkte uns, daß mehr als 10000 Feinde die Heerde anfielen; aber es zeigte sich, daß ihrer nur zwey waren. Der Chan rief aus:„das müssen die Fürsten seyn, gesandt von meinem Feinde Geßer Chan. Ihr, meine Helden Archai und Schar— chai, nehmt tausend Krieger und setzt eilend den Fliehenden nach. Tödtet sie nicht, bringt sie mir lebend und führt die Heerde zurück.“— Archai und Scharchai begannen jenen nachzusetzen. Indessen hatten Ulan und Bujantük schon den Gipfel des Löwenberges erreicht, hatten aus der ganzen Heerde das beste Roß genommen und es angespannt. Bujantük, zu dem Herrscher der Erde betend, hört ein Getose, besteigt sein Roß und schaut umher von dem Gipfel des Löwenber— ges. Die Helden Archai und Scharchai mit 1000 Kriegern erblickend rief er aus:„Ulan! besteige dein Roß! nahe ist ————————— „ der Feind. Ulan schwingt mit lautem Gelächter sich auf seinen Gaul. Beide Helden stürmen auf die Feinde, den Schutzgeist des Herrschers anrufend. Bujantük stürzt sich auf den Helden Archai, und sein Kopf flog weit dahin. Mit Einem Hiebe seines Schwertes schlug Ulan beide Hände dem Helden Scharchai ab. Bujantük rief:„tödte ihn nicht, lieber Ulan!“ und so sprechend schlug er mit Einem Schwunge seines Schwertes die 1000 Krieger zu Boden. Dann banden sie an den Gürtel des Scharchai seine beiden abgehauenen Hände, und sandten diesen Helden zum Chan Andulman mit der Botschaft von dem Heran— nahen des furchtbaren Geßer. Ulan und Bujantük kehrten mit den 11000 weißen Rossen zurück zu dem Herrscher und verkündeten ihm ihre That. Der Beherrscher der 10 himmlischen Gegenden sagte: „unser Kriegszug wird nicht ohne Erfolg seyn, da Ulan und Bujantük glücklich zu uns zurückkehrten. 11000 weiße Rosse sind ein günstiges Vorzeichen“ so sprechend befahl er die Rosse unter die Helden zu vertheilen. Die Helden setzten ihren Zug fort, und nach einem Wege von 3 Monaten erblickten sie die Stadt des Andulman Chan. Da riefen sie aus:„sehet! dort liegt die Stadt Andulman Chans.“ Alle eilten vorwärts dem Herrscher nach. Kaum nahete Geßer den feindlichen Schaaren, die schon gerüstet standen, als Andulman Millionen Krieger auf der Oberflache der Erde erblickte, und vor Schrecken erbebte. Geßer Chan hielt an und sprach zu seinen Helden:„geliebte Mitkämpfer, eure Herzen sind gleich einem Felsen von Kiesel, Groß ist die Zahl der Feinde. Aber wenn ihr ermüdet indem ihr sie zu Boden schlagt, so ruft mich an; Geßer Chan hat neunfache Kräfte, und wird eure Kräfte erneuen. Seyd ihr mit Wunden bedeckt, so ruft mich an; Geßer Chan wird cher sich a einde, 10 if fürt f weit hin, lllan bede tief:„tit flag er mi Krieger zu Scharchal den Halden den Herah⸗ 00 weißen n ihm ihte nden sagte: lan und 00 weiße d befahl er nem Wege jan Chan. Indulman die schon auf der erbebte. „geliebte n Klesel, det inden Gan hat Sehd iht an wid „ eure Wunden ohne Arzney heilen. Verschmachtet ihr vor Durst, so ruft mich an; Geßer Chan wird ihn mit Ar— schan stillen.“ Also sprach er, und alle Helden riefen entzückt mit Einer Stimme:„mächtiger Beherrscher der zehn Gegenden! geboren die Wurzel der zehn Uebel auszurotten! du bist unser Trost!“ Mit gebeugten Knien sprachen sie diese Worte aus; der Herrscher vernimmt sie und setzt sich wieder auf sein Roß. Gleich der Sonne und dem Monde strahlt das Pan— zerhemd des Furchtbaren von sieben edlen Steinen. Um seine Schulter hängt der schwarze schwere Bogen, zugleich mit dem glänzenden Köcher; an seiner linken Seite klirrt das lange, stählerne Schwert. In solcher Gestalt ging der Herrscher in den Kampf gegen den Mangusch. Gleich dem Gebrüll von tausend Drachen ertönt seine Stimme. Ein neunfarbiger Regenbogen umglänzt seinen Helm, den Flügel des Paradiesvogels Garudin(Harudin) schmücken. Sein Antlitz flammt von einem göttlichen Feuer. Seine Stirn ist gleich dem Angesichte des Machahallan). Funken sprü— heten von den Hufen seines braunen Zauberrosses; jedes Haar blitzt von Feuer. Also stürzt der Herrscher gegen die Feinde, das stählerne Schwert in den Händen. Alle 30 Helden in kriegerischer Rüstung bestiegen die Rosse, und von Freude erfüllt, gleich als hätten sie einen unzerstörbaren Felsen gefunden, riefen sie einander zu:„kühn laßt uns schlagen auf die Feinde!“ Es begann ein schaudervolles Blutbad. Der Herrscher der 10 himmlischen Gegenden, begleitet von den 30 Helden, *) Eine furchtbare Gottheit der Mongolen, die oben S. 143. beschrieben ist. A. d. V. 1. Band. 18 . rief mit einer Stimme, gleich dem Gebrüll von tausend Drachen. Sein Schwert wuchs an bis zur Länge von 1500 Klaftern, und mit jedem Schlage streckte er tausend Feinde zu Boden. Seine Kräfte mit Arschan stärkend stürzt Geßer Chan gegen den Chan Andulman heran; und die Streiche der Helden fallen auf beide Flügel des feindlichen gerüsteten Hee— res. Geßer Chan nahet sich dem Mangusch, hauet mit seinem scharfen Schwerte ihm 5 Köpfe ab, aber die Köpfe wuchsen von neuem empor. Indessen reißt ein Held des Mangusch, der Anführer des linken Flügels, Sain Tuschimel, mit der Wurzel einen Baum aus, den fünf Menschen nicht hätten umfassen können; diesen schwingt er hin und her, alles damit zerschmetternd. Nanßon und Schumar vollendeten dennoch den Sieg über den Feind und schlugen ihn. Der Herrscher der zehn himmlischen Gegenden hieb von neuem dem Mangusch 5 Köpfe ab; aber sie erschienen wieder. Der erstaunte Herrscher läßt sein Schwert zur Erde sinken. Da haut Andulman Chan den Herrscher von der linken Schul— ter bis zu den Füßen durch. Aber der Körper heilte plötz— lich wieder zusammen. Churmusta, mein Vater! rief der Herrscher aus, ich habe die Kraft nicht, diesen Chan zu Boden zu schlagen. Die drey gerechten, großen Schwestern vernehmen diese Worte, sie eilen zu Churmusta. Der Gebieter der Tengern sendet zur Hülfe des Herrschers den Bruder desselben, Ssesse Schicher hernieder. Auf einem grauen Rosse mit acht Flü— geln senkt sich Ssesse aus dem Reiche der Tengern herab. Nach allen vier Seiten umherschauend erblickt endlich 5 Tagereisen weit Ssesse Schicher den Herrscher, wie er mit Mangusch kämpft. Da spricht er zu Gumßuna(Humßuna) seiner Gemahlin:„sobald ich mich noch mehr nahe, muß ich den Mangusch in kleine Stücken zerhauen. Die Seele bon thus Lunge mn er kauseh färken ftir die Stuiich rͤstetin Sy mit seinen fe wuchsen Mangusch, al, wit der sicht hätnn her, alles vollendeten ihn. Dur neuem dem der. Der nken. Da ken Schul⸗ heilte plöz Jef der Chan zu t Tengern n, Ssest aht fli⸗ n herab. endlich) die er mt Humßunt nahe, naß 75 des feindlichen Chans wohnt in seinen Augen. Damit der Herrscher mich erkenne, werde ich den Blick des Chans verdunkeln.“ Also sprechend schoß er fünf Tagereisen weit einen Pfeil in das Auge des Mangusch, in dem seine Seele ihren Sitz hatte. Gleich einem niederstürzenden Berge fiel Man— gusch von seinem gelbgetiegerten Rosse zur Erde. Da rief Geßer aus:„das ist euer Werk, ihr drey großen Schwestern! Das ist euer Werk, ihr mächtigen drey Tengern!“ Ssesse Schicher läßt die Zügel dem grauen Rosse mit den acht Flügeln schießen, stürzt sich dahin mit entblößtem Schwerte. Gleich einer Heerde Schafe schlug er die Reste des feind— lichen Heeres darnieder und zerstreute es wie Asche in der Luft. Alles dieses vollbrachte er mit einem einzigen Schlage seines Schwertes und eilte dann zu dem Herrscher Geßer Chan, erkennt den hochgeliebten, schwingt sich herab von dem braunen Zauberrosse, seinen Bruder zu umarmen; und bewillkommt ihn so:„theuerster Bruder! die scharagolischen Chane hatten dich in kleine Stücke zerhauen. Du mein Unvergleichlicher, woher bist du gekommen, und wohin eilst du jetzt?“ Der Herrscher der 10 Luftgegenden und Ssesse Schicher erhoben zugleich laut ihre Stimme, wovon die Erde dreymahl im Wirbel sich umdrehete; aber der Herr— scher der 10 himmlischen Gegenden und Ssesse Schicher befestigten sie wieder auf ihrer vorigen Stelle. Nach solchem Siege über den funfzehnköpfigen Man— gusch tödteten die Helden seine Gemahlin Balma Raka, verbrannten seinen Sohn, übergaben den Körper des Andul— man Chan dem Feuer, und nahmen sein Volk gefangen. Schon funfzehn Tagereisen hatten die Sieger vollendet von dem Orte aus, wo Ssesse Schicher, von den Wolken 18 140 herniedergefahren, den Mangusch erschlagen hatte, als sie die göttliche Königin Geßers Almur erblickten, die Tausende von Reisegefährten und der achtzigjährige Zargin umgaben. Das Volk war von Entzücken durchdrungen, als es Ssesse Schicher und seinen Herrscher erblickte. Alle naheten sich ihm; aber zuletzt erschien der Fürst Tschoton, der Verräther in der Schlacht mit den scharagolischen Chanen. Der Herrscher der 10 Luftgegenden, mit seinem Bruder Ssesse, kehrte in sein Reich zurück, in die Stadt mit den dreyzehnmahl verdoppelten Tempeln und den 108 großen Festungen. Dort in dem weiten erhabenen Platze feyerten sie das Fest der Freude. Der große Ssesse Schicher trank 20 Schalen Wein aus, und als er den Fürsten Tschoton erkannte, forderte er dessen Tod. Auch das Volk forderte dieß. Da sprach der Herrscher der 10 himmlischen Gegenden:„gelieb— ter Ssesse Schicher, halt ein; ihn dürfen wir nicht tödten. Tschotons Geist bewacht uns zur Zeit des Schlafs, erinnert uns an unsere Pflichten in den Augenblicken der Vergessen— heit, und hat jetzt uns das Vergnügen verschafft, uns dieses Gastmahls zu erfreuen. Tschoton ist an allem Schuld: der tückische Tschoton ist einer von meinen tausend Chubilganen. Meines Wohlwollens beraubt würde dieser Arglistige schon längst dahin seyn. Warum ich ihn nun erhalte, urtheilet ihr selbst.“ Alle schwiegen. Endlich vertheilte der Herrscher der 10 Gegenden die gewonnene Beute. Dem Ssesse Schicher gab er das gelb— getiegerte Roß des Mangusch, das die Kraft von 13 Dra— chen hat; das neunfache Panzerhemd desselben gab er dem Schumar. Das gewaltige Roß des Ssain Tuschimel schenkte er dem Zargin; und sein feuerfarbener Panzer fiel dem funf— zehnjährigen Nanßon zu. So empfingen auch die übrigen Helden Geschenke. Nach Vollbringung aller dieser Dinge f ben alt f , ale r dausen umgahen, eb Esese obern sis Verräthn n Btuder mit den 8 großen scherte er nf Tchoton ette dieß, „gelich— boden. erinnert Frgessen⸗ hö diesck ld: der ganen. schon 1 utheilet den die gelb⸗ Dra⸗ er dem schenkte 2 m funf⸗ ubrigen Dinge bestieg der furchtbare Geßer Chan den Thron in der Gegend Nulum, und saß in seinem Pallaste, nach dem Willen der heiligen Tengern, ruhig und fröhlich. Der Herrscher der 10 Gegenden, der furchtbare Bogdo Geßer Chan hatte die Wur— zel der zehn Uebel ausgerottet, den funfzehnköpfigen Man— gusch besiegt, seinen Bruder Ssesse Schicher wieder zurück— gebracht, und dadurch alle Geschöpfe der Erde erfreuet.— Solche Mährchen geben einen neuen Beweis, zu wel— chen ausschweifenden Erdichtungen und Verirrungen der in der Finsterniß des Heidenthums versunkene Geist geneigt ist. . Die Station Scharä Budurgunä liegt zwischen zwey entfernten sandigen Anhöhen. Von der Ostseite stößt daran ein tiefer Wasserriß, der von Regengüssen im Sande aus— gespült worden ist; ein Brunnen war neben unsern Jurten, aber sein Wasser war trübe. Schon vor der Abreise von der Station Kul chuduk sagte mir der Bitcheschi, wir sollten uns wegen des Mie- thens der Kameele keine Sorgen machen; denn es sey ihm gelungen, die Taidsi's von der Station zu bewegen, uns einige Kameele zum Lasttragen aus der Zahl der allgemeinen zu geben. Ich dankte dem Bitcheschi für diesen Beweis seiner Freundschaft und seines Eifers für uns. Uebrigens konnte man leicht begreifen, daß diese ihre Einwilligung eine Folge der vortheilhaften Aeußerungen über die Russen war, die der Dsun-ßunitische Meiren gegen die Aeltesten der Barun-Ssuniten gemacht hatte. um 5 uhr Nachmittags änderte der Wind sich wieder und ging aus Südost. Es trat Thauwetter ein, dann fiel näßlicher Schnee, bis 10 Uhr in der Nacht. Den 4. Nov.(16. Nov. N. St.) war am Morgen 15 Grad Frost nach Reaumür, bey Westwinde. um 7 Uhr brachte man uns die Kameele von der Station. Wir leg⸗ ten ihnen unsere Satteldecken auf und 10 Kisten mit Sa— chen, beorderten einen Kasaken dazu— und der mongolische Führer trieb seine beladenen Kameele so an, daß er auf der folgenden Station zwey Stunden vor uns ankam. Dasselbe Mittel benutzten wir auf unsrer Reise von hier bis nach Chalgan. Endlich um 9 uhr des Morgens brachen wir auf— zu der mühevollsten Tagereise auf dem ganzen Wege. Nachdem wir 25 Werste(35 d. M.) mehr südwärts gegangen waren, gelangten wir um 3 Uhr glücklich zu der Station Durma. Der ganze Weg zwischen Schara Budurgunga und Durma geht über einen hohen, sandigen Bergrücken, der sich von Osten nach Westen dehnt. Auf Triebsande und Bergabhängen mußte man unaufhörlich bald in tiefe Thäler herab, bald hinauf auf Hügel steigen, die von allen Seiten den Weg beengten. Zum Glücke war der Sand vom Regen naß und fest gefroren; und daher schnitten die Räder nur einen Viertel Arschin ein. Im Jahre 1807 mußte die Mission in diesen Gegenden 5 Tage aushalten. Zur Erleichterung dieser Tagerelse entschlossen sich einige Mitglieder der Mission zu reiten. Der Jesuit Herbillon, der den chinesischen Kansi, während seines Zuges in das chalchassische Fürstenthum 1696 begleitete, erwähnt in sei— nem Journale vom 20. April, daß der Kaiser, als er in diese Gegenden kam, befahl, alle zu seinem Gefolge gehörige Personen sollten, während des viertägigen Zuges durch die— sen Sand, von dem District Kezu bulak und dem Mo— rast Podfhochtei an, zur Erleichterung der Pferde, zu Fuße gehen. Ja sogar der Kaiser ging mit Vergnügen Wir l mt Sz⸗ mongolsche aß er auf ankam. bon hier ö brachen N gagzen südwartz ch zu der urgung ergrůͤcken, riehsande in tiefe oon allen er Sand len die 1807 erbillon, in das in sei⸗ ergnage — 279 selbst zu Fuße, indem er Hasen schoß, deren es damahls eine große Menge hier gab.“) Zwischen den Sandhügeln sahen wir Jurten und viel Hausvieh. Auf der Hälfte des Weges begegneten wir zum erstenmahle einer großen Karawane, die mit Thee auf Ka— meelen aus Chalgan nach Kiachta ging. Der Fuhrmann wohnt nahe bey Olonschuduk; und deswegen verläßt er die eigentliche Handelsstraße im Westen und geht durch diese Gegenden. Er ist schon 10 Tage unterwegs und sagte uns, daß das grüne Futter weiter sehr gut, aber tiefer Schnee gefallen sey. Ungefähr 7 Werste(1 d. M.) vor Durma, fingen wir an, über flache Erhöhungen merklich abwärts zu gehen, und endlich, etwa 4 Werste weiter, kamen wir in ein geräumiges Thal, von Sandbergen umringt. Dieses Thal ist ein Morast, wo sich einige Seen mit süßem Was⸗ ser befinden; das Gras auf den Auen ist ziemlich gut, aber von den eingetretenen Frösten verdorrt. Schnee liegt überall viel. Zwey Werste weiter begegneten wir einem Haufen Barun-Ssuniten(westlicher Ssuniten) von dem neuen Dsalan oder Regimente, die zur Uebernahme unsers Viehes ausgezogen waren. Sie halten sich nicht an die Straße, sondern setzen in gerader Richtung über Klüfte weg, wie Gemsen auf den Bergen. Auch hier waren für die Mission die allerbesten Jurten errichtet, wie wir selbst nicht einmahl von den diesseits urga wohnenden Chalchassen erhalten hatten. Alle Mon— golen wünschten uns Glück zu der glücklich in einem Tage, auf einem so beschwerlichen Wege, wie der zwischen den beiden letzten Stationen war, vollbrachten Reise.— Ein *) Dmühalde, ebend. IV. 392. Brunnen war hier vor unsrer Ankunft ausgegraben worden, 1 Arschin unter der Oberflache der Erde; es war wenig Wasser darin, und darum tränkten wir unser Vieh aus einem nahe liegenden See. Auf eben der Aue ist auf der Westseite auch ein Salzsee. Am 5. Nov.(17. Nov. N. St.) war des Morgens Frost von 12 Grad. Am Tage aber war das Wetter heiter und still; dieß belebte etwas unser Vieh. Von dem auf der Reise entkräfteten der Regierung gehörgen Viehe wurde heute ein Theil in die Heerde getrie— ben, die übrigen 3 Kameele und 4 Pferde, nach der Anord— nung des Bitcheschi und Boschko, dem Ortsältesten, dem Taidsi Araschi, zur Aufbewahrung bis zu unsrer Rückkehr übergeben. Die Barun-Ssuniten, welche die Mission durch die zwey letzten Stationen begleitet hatten, kehrten von hier nach ihrem Choschun zurück. Beym Abschiede erhielten die Taidsi's und der Kundui von mir angemessene Geschenke. Den 6. Nov.(18. Nov. N. St.) leuchtete der Mond die ganze Nacht. um 2 Uhr nach Mitternacht gab der Südwestwind einen so heftigen Stoß mit solchem Sausen, daß wir alle erwachten und sehr fürchteten, er möchte die Jurten mit fortreißen. Wir brachen vor 7 Uhr des Morgens auf, und nach einem Wege von ungefähr 20 Wersten(27— 3 d. M.) kamen wir auf der Station Zakildak*) nach 2 uhr Nachmittags an. Von Durma aus gingen wir gerade eine sandige Höhe hinauf, dann bis nach Zakildak hin auf ein Die Pflanze Piskulnik(Iris an spuria d) wächst in großer Menge auf niedrigen, sandigen und salzigen Stellen hier und in den Ge— genden am Baikal. A. d. V. n wor, bar peng Vich aut t auf der Morgens . Vetter egierung e getrie⸗ r Apord⸗ en, dem Rückkehr urch dee on hier ten die schenke. Mond ah der ausen, te die d nach „ M.) hr gerade n auf Menge den Ge⸗ „ sandigen Hügeln, wobey wir nur zu oft genöthigt waren, Anhöhen hinauf und wieder in Thäler hinab zu steigen. Der Boden ist sandig, mit Kies gemischt. Näher bey Zakil— dak fängt sich an gutes Gras zu zeigen, aber auch viel Ssuli. Etwa 4 Werste vor dieser Station ist der Sand sehr tief. Den ganzen Weg hindurch gingen mit uns 25 unbe— ladene Kameele, die einem gewissen Lama aus dem Choschun gehörten, den der Tußulachtschi Demit verwaltet. Sie gin— gen nach Chalgan, um von dort Kaufmannswaaren nach Urga zu führen. Wir fragten, was sie für ein Kameel nehmen würden, um einen Theil unsrer Sachen nach Chal— gan(250 Werste, oder fast 36 d. M. weit) zu führen, wobey auf jedes Kameel ungefähr 12 unsrer Pud(480 russ. Pfund) zu laden wären. Der Lama verlangte zwey Lana (4 Rubel) in Silber.— Als wir uns Zakildak näherten, sahen wir zur Seite gegen Westen eine Karawane von Ka— meelen, die aus Chalgan mit Thee kamen. Ueberhaupt war jetzt die Zeit des Transports der chinesischen Thee nach Kiachta gekommen. Die russischen Waaren werden von da mehr im Februar und März ausgeführt. Nach unsrer Ankunft auf der Station Zakildak, die zur Linken der Straße angelegt ist, kamen zu mir die zu Gelei— tung der Mission bestimmten Barun-Ssuniten: zwey bejahrte Chä und drey graue Taidsi's; einer von ihnen sprach ordentlich chinesisch, denn er war oft in Chalgan und Pekin gewesen. Das Ansehen dieser Mongolen ist sehr ernst; sie betrugen sich gegen uns mit besonderer Höflichkeit. Nahe bey der Station sind 3 Brunnen, aber mit we— nig Wasser; der eine ist wahrscheinlich von den Einwohnern vor unsrer Ankunft ausgeschöpft worden. Uebrigens bemerkt man, daß an diesem Orte nicht wenig Jurten zusammen kommen. Wir sahen einige runde, aus Steinen zusammen— gelegte Feuerherde; auch selbst für die Jurten sind Plätze ausgegraben. Die mongolischen Jurten werden mit den Thüren nach Süden gestellt; das ist eine unseränderliche Regel ihrer Steppenwirthschaft; denn der Südwind ist auch im Winter nicht so kalt, als der Nord- und Westwind. Eine Werste gegen Westen ist der Brunnen Togötu, bey welchem die Mission 1794 den= Nov. angehalten hatte. Hier endet das Gebiet der Ssuniten und die folgende Station ist schon in den Nomadenplätzen der Mongolen zacharischen Stammes bestimmt. Den 7. Nov.(19. Nov. N. St.) war das Wetter ziemlich warm geworden. In Zakildak wurden, wegen Ermüdung, drey Pferde und ein Kameel von den der Regie— rung gehörigen übergeben, um bis zu unsrer Rückkehr im folgenden Jahre, wenn wir am Leben bleiben, aufbewahrt zu werden. Die Mission ging um 8 uhr des Morgens ab, und nach 22 Wersten(3 d. M.) Weges traf sie in der za ch a— rischen Station Jeleßutu(die sandige) halb zwey Uhr Nachmittags ein. Von Zakildak aus mußte man 22 Werste(fast z d. M.) auf sandigem Wege gehen. Der Sand ist nicht tief; aber es giebt zwey Stellen, wo es aufwärts geht, die für Wa— gen sehr beschwerlich zu befahren sind. Dann kamen wir auf eine Ebene, wo der Boden schon ziemlich fest war. Zur Rechten sieht man einen Tempel und nahe dabey, auf einem kleinen Hügel, steht ein pyramidenförmiger Suburgan; zur Linken des Weges ist ein Brunnen mit reinem Wasser, der tief und gut gebaut ist. Auf der Ebene legten wir etwa 5 Werste zurück; das Gras war gut, wie wir schon lange es nicht mehr sahen. hierauf mußten wir aufwärts auf einen ssammn⸗ d Nlätz mit den dale it auc ind. 90, hatte. Agende ugolen wahrt „ und zacha⸗ Uhr M.) aber Wa⸗ wit Hur nem — 283 Bergrücken, der sich von Osten nach Westen hinzieht. Auf diesem Bergrücken, der häufige und steile kleine Erhöhungen hat, kamen wir mit vieler Anstrengung 5 Werste vorwärts. Von dem Gipfel zeigt sich der Horizont von allen Seiten von hohen Bergrücken umschlossen. Auf dem Berge ging viel Hornvieh und Schafe umher, und in den tiefen Klüften standen Jurten. Endlich kamen wir in ein Thal, das einen thonigen Boden hatte, hinab; dort sah man einen tiefen Brunnen; es wächst viel da von dem Grase Derißu, aus welchem Hasen in Menge hervorsprangen. Hier kamen die zacharischen Beamten, mit ihren Soldaten, von der folgenden Station uns entgegen; der Dfsangin ler hat an der Mütze ein dunkelblaues undurch— sichtiges Kügelchen) der unserm Escadrons-Chef gleich kommt; der Chawän(auf manshurisch chaf än— Be— amter) und Dshungdà(auf manshurisch Dshu Anida— Vorgesetzter von zehn Mann); die zwey letztern, der Chawan und Dshungda mit weißen Kügelchen an den Mützen. Alle waren reinlich gekleidet, und in ihrem Betragen ziemlich gewandt. Die Sacharen machen eins von den acht Corps des manshurischen Heeres aus, welches China im Jahre 1644 sich unterwarf. Viele von ihnen haben die Aufsicht über die Schäfereyen und andere solche Anstalten des Bog— dochans und empfangen Gehalt. Aus dem erwähnten Thale gingen wir sehr lange eine thonige Anhöhe hinauf bis zu einem Hügel, der sich von der linken Seite des Weges erhebt. Auf diesem Hügel ist ein Haufen von Erde aufgeworfen, auf dem ein hoher Obo aus Ruthen von Sandweiden errichtet ist. Dieser Strauch wächst häufig von hier gegen Osten, im Sande. Im Som— mer versammeln sich da die Mongolen der Umgegend, zur Begehung geistlicher Feste. Dem Obo gegen über, auf der rechten Seite, steht eine abgesonderte sandige Anhöhe, in Gestalt eines ungeheuern von Erde aufgeworfenen Walles; und weiter westlich ist das Gebirge Nogon Niru(das grüne Gebirge), das die Nomadenplätze der Zacharen von denen der Ssuniten scheidet; und daher sprechen sie, so zu sagen, aus Andacht seinen wirklichen Nahmen nicht aus. Von dem Obo hat man weitgedehnte Aussichten. Bis zur Station Jeleßutu gingen wir 5 Werste, immer ab— wärts und abwärts, auf nicht großen Erhöhungen. Etwa 15 Werste weiter befindet sich im Thale ein Brunnen, der sehr gut gebaut ist. Ueberhaupt bemerkten wir bey den Za— charen, in dieser Hinsicht, eine große Sorgfalt. Es scheint Nachahmung der Wirthschaftlichkeit ihrer Nachbarn der Chi— neser zu seyn. Von dem Brunnen aus mußten wir über die letzte sandige Anhöhe gehen, jenseit welcher für uns Jurten in einem weiten Thale aufgeschlagen waren. Oestlich ven der Station, im Thale, nahe am Wege, ist ein guter Brunnen. Die Weiden sind hier fett. Das in den zacharischen Landen gewöhnliche Gras ist Spitzgras. Unser Vieh, vom Hunger auf den drey vorigen Stationen verschmachtet, fraß und ging nicht von der Stelle. Die für die Mission aufgestellten Jurten waren eng und sehr im Verfall. Aber wir, gleich Seefahrern, die im späten Herbste den furchtbaren Klippen und Sandbänken des baltischen Meeres glücklich entgingen, achteten mehr darauf, daß die gütige Vorsehung uns ohne Unfall durch Gegenden hindurch geführt hatte, die mit nicht gewechseltem Vieh zu durchreisen so schwer ist. In der Nähe weiden viele Schafe des Bogdochans. Die Hirten, größtentheils aus dem Stam— me der Lama's, versammelten sich hier in großer Zahl, von Neugierde, die Russen zu sehen, herbeygezogen. Diese Station, so wie auch die folgenden drey sind in dem Cho— N hohe, Wallez; irü(das aten gon , fo U auß. J. Bis ner ab⸗ Etwa en, der den Za⸗ ö scheint er Gi⸗ die letzte ten in en det ungen. Lunden Hunger J un weng ie im n des rauf, enden 0 zu schafe tam⸗ Jah, Diese Cho⸗ — 28 schun oder der Abtheilung Kuboscharä(welche eine gelbe Fahne mit einer Einfassung hat). um die Zacharen zu eben der Dienstfertigkeit zu ermun— tern, welche der Mission die Chalchassen und Ssuniten bewiesen hatten, schenkte ich dem Chawan und dem Dsungda, jedem einen Zobel. Sechstes Kapitel. Reise durch die Nomadenplätze des zacharischen Heeres bis zu der in der großen chinesischen Mauer liegenden Festung Chalgan. Den 8. Nov.(20. Nov. N. St.) Zur Beförderung des Transportes unsers Gepäck's versahen uns die zachari— schen Aeltesten nach dem Beyspiele*) der Ssuniten, mit vier Kameelen und einem chinesischen zweyrädrigen Wagen, an den sie nur ein Pferd anspannen. Auf der vorigen Sta— tion und hier fragten die Mongolen bey uns nach dem Ver— kaufe von Karriolen. Wir übergaben den Aeltesten zwey abgemattete Kameele und ein Pferd, und gingen dann von Jeleßutü um 8 Uhr des Morgens ab, und kamen nach einem Wege von 30 Wersten(45 d. M.) gegen Süden auf der Station Charätologs i(der schwarze Hügel) um 4 Uhr Nachmittags an. Dieser Weg war äußerst beschwer— lich wegen unsers ermüdeten und erschöpften Viehes; denn der Weg geht über steile Erhöhungen. ) Der Asiate, bey dem die Sitte der Vorfahren als Gesetz in allen Dingen gilt, leistet gern Handreichung in ähnlichen Um— ständen, aus einem Gefühl seinem Stammgenossen nachzu— eifern. A. d. V. „„ Als wir 6 Werste weit von Jeleßutu gegangen wa— ren, sahen wir mit Staunen einen todten Knaben, der über ein Jahr alt seyn mußte, in einem ledernen Sacke gerade auf dem Wege liegen. Auf den Sack war ein Stück eines Schaffelles, etwas Hirse und ein kleines Brod gelegt; das ist das gewöhnliche Begräbniß der Todten bey den Mongolen. Der Tod ist gewiß für jeden die rührendste Erscheinung in der Natur. Die Einbildungskraft, von dem Anblicke desselben bestürzt, vernimmt nicht die Stimme der Vernunft, stellt die unbekannte Zukunft in den düstersten Farben dar. Hierdurch öffnete sich der Aberglaube volle Freyheit, eine Menge seltsamer Vermuthungen zusammen zu stellen, dunkeln Ahnungen zu glauben, und leere Träume als Gesetze des Geschicks anzuerkennen. Die Priester der schigemunischen Secte hielten, zur Bezähmung ihrer Nachfolger, Drohungen von den Schrecken des Todes fär das sicherste Mittel. Der gute Mann aus dem großen Haufen ruft, um sich und den Sterbenden von dem gegenwärtigen und künftigen Uebel zu erlösen, ungesäumt den Lama, wenn er das Ende seines Kranken nahe sieht. Der geheimnißvolle Priester, nach den Tagen, Stunden und übrigen Umständen sich richtend, die bey der Geburt des Entschlafenen oder in den letzten Augen— blicken seines Lebens sich ereigneten, thut, zufolge seiner geistlichen Bücher und der Sterndeutekunst, den Ausspruch: den Leichnam den Flammen zu übergeben, oder ihn ins Was— ser zu werfen; ihn auf einem hohen Balkengerüste auszustel— len, oder mit Steinen zu bedecken u. s. w. Dabey werden aber einige unabänderliche Ausnahmen gemacht: einen Selbst— erhängten übergeben sie nicht der Erde; einen an Geschwulst erstickten verbrennen sie nicht; wenn einer während einer Ueberschwemmung ertrunken, wer vom Blitze erschlagen, oder „„ ngen wg. der üͤhe ke gage bey einer Feuersbrunst verbrannt ist, den werfen sie nicht ins Wasser; einen der an einer ansteckenden Krankheit gestorben ist, beerdigen sie nicht auf einem Berge. Mit einem Worte: ohne ff ei ursache sollt ihr nicht Holz im Feuer verbrennen, nicht Feuer o glegt; ins Wasser werfen, nicht Erde unter Wasser legen, nicht Holz bey dan auf Berge und in den Wald tragen— so lautet die Religions— vorschrift des Schigemuni. Das gewöhnlichste Begräbniß heinung besteht darin, daß man den Verstorbenen in eine weite Steppe Aublicke bringt, und dort ihn den wilden Thieren und den Vögeln in erduuft, der Luft zur Speise überläßt. Aber auch in diesem Falle ben dat giebt der gewaltige Lama die Entscheidung, nach welcher eit, eine Weltgegend der Leichnam mit dem Kopfe liegen soll. Sie dunkeln stellen auf dem Felde eine Windfahne auf, und die Richtung seze des des Windes bestimmt dieses Schicksal des Verstorbenen. unichen Uebrigens hängt alles von der Besichtigung des Lama ab; ungen dieser schreibt vor, wie man den Leichnam hinlegen soll, beklei— „ Der det oder ohne Bekleidung, unter freyem Himmel oder in einer und den alten verfallenen Jurte, und was für Dinge oder Opferbe— label zu dürfnisse sich bey ihm befinden sollen. Wenn der Leichnam feines verbrannt wird, so bedecken sie den Ort dieses Begräbnisses ich den und die Ueberreste des verbrannten Körpers mit gar nichts. d, die Einige pflanzen dort Fahnen gegen alle vier Weltgegenden Augen⸗ auf, oder umgeben den Aschenhaufen mit in die Erde gesteck— seiner ten Schaufeln, woran tibetische Gebete geschrieben sind. Die spruch: welche dem Orte eine gewisse Art von Heiligkeit geben wol— Was⸗ len, oder auch vornehme Leute bauen hölzerne oder steinerne zustel⸗ Grabmähler, und legen in diese die Asche des verbrannten werden Leichnams. Dieser Gebrauch in der Mongoley ward auch Selbs⸗ von Europäern älterer Zeiten beobachtet. Ruisbruk(Euys— chf brock)) nahmentlich sagt:„die Tataren(Mongoleu) dd eine* 0*) Bey Bergeron S. 55. A. d. V. en, boek 8 verbrennen, so wie die Völker des frühesten Alterthums, die Leichname der Verstorbenen, und bewahren ihren Staub in hohen Pyramiden.“ Die Reichen rufen Lama's herbey, um über den Leichnamen ihrer Verstorbenen, nach Verhält— niß ihres Vermögens, mehr oder weniger Gebete zur Ruhe ihrer Seelen zu halten, die mindesten 49 Tage lang dauern müssen. Dreyzehn Werste(15— 2 d. M.) vor Jeleßutu gingen wir in einem tiefen Hohlwege, wo, eben so wie auf dieser Straße, zahlreiche Heerden Schafe des Bogdochan wei— deten. Wir zählten hier mehr als 50 Jurten, worin die Aufseher und Hirten dieser Gegenden wohnen. Auch kam uns viel Hornvieh, von kleinem Wuchse, aber sehr fett, vor. Man kann nicht umhin zu bemerken, daß in den zacharischen Steppen mehr als irgendwo sonst in der Mongoley, Rinder gezogen werden, die die Zacharen entweder nach China zum Schlachten verkaufen, oder auf denselben ihren Blumenthee und Nankin von Chalgan nach Urga und auch sogar nach Kiachta ausführen. Noch etwa 10 Werste weiter näherten wir uns dem zur Linken liegenden großen Gebirge Ongon (König der Schamanen). Ein Schaman heißt auf mongo— lisch Beg, und eine Schamanin Uddugun: sie zeichnen sich im Herrufen der Geister durch eine glühende Einbildungs— kraft aus, die sie in ein wildes Entzücken versetzt. Ongon ist eigentlich eine Hausgottheit, welche die Familien und die Heerden schützt; das ist noch ein Ueberrest der schamanischen Gebräuche, welchen, so sehr auch die Priester des Schigemuni dagegen kämpfen, doch einige von den Mongolen mit Eifer und herzlichem Vertrauen folgen. Das Bild des Ongon, daß aus einigen Stücken rother Leinwand besteht, empfängt man aus den Händen eines ausgezeichneten Schamanen, oder abergläubige alte Mütterchen machen sie selbst aus irgend hum, Staub i s habe ) Veet fur Ruhe ig dauern leßutu wie auf Han wei⸗ worin die luch kam fett, vot. charischen , Rinder ina zum menthee gar nach näherten Dngon mongo⸗ eichnen dungs⸗ ngon und die nischen emuni t Eifer ngoh, pfürgt ien, ober b igen — einigen Lumpen, nach ihrem eignen Geschmacke. Die Fa— milienmütter halten sehr viel auf diese Laren; sie bewahren sie in den Jurten, nnd wenn sich ein Unglück ereignet, das sie gewöhnlich seinem Zorne zuschreiben, bringen sie ihm reichliche Opfer mit heißen Gebeten um Begnadigung und Schonung. Nach diesem gingen wir über einen kaum bemerkbaren Wall, der, nach dem was die Einwohner sagten, einst die chinesischen Lande von der unabhängigen Mongoley schied. Dieser Wall geht von Osten weit nach Westen und schließt sich dort an den Ursprung des Flusses Orchon. Von dem Walle gingen wir auf 8 Werste bis Chara tologai, bald über steinige Höhen, bald durch thonige und graslose Thäler. Am südlichen Ende des größten darunter ist die Station angelegt, nicht weit von einem Brunnen bey einem komadenplatze der aus 15 Jurten, die Hirten bewohnen, besteht. Weiter gegen Südost, ungefähr 15 Werste lüber 2 d. M.) weit, sieht man ein langes Gebirge, auf welchem hoch empor der ganz ungeheure Berg Dshibchalantu ruht. Auf demselben wird, zu einer festgesetzten Zeit, von den Zacharen der kuboscharischen Division ein Opfer gebracht. In der Nähe unsrer Jurten gingen zwey Karawanen auf Kameelen vorbey, die aus Dolonnor zurückkehrten, wo— hin sie Salz geführt und dafür Tabak, Hirse u. s. w. ein— getauscht hatten. Den 9. Nov.(21. Nov. N. St.). Den ganzen Tag ging ein kalter Westwind und es war sehr trübe. Einige— mahl schneyete es, und daher wurde unser Vieh, auch bey gutem Futter, wenig erquickt. Die zacharischen Hirten luden den Vorsteher der Mission und mich ein, Thee zu trinken; ein Zeichen mongolischer Gastfreundschaft. Aber wegen des schlechten Wetters lehnten wir es ab. J. Band. 19 — 290— Die Mongolen, so wie alle Völker dieses Stammes (ich verstehe darunter die Buräten, Kalmüken), sind große Liebhaber von Rauchtabak. Ein Säckchen mit Tabak, eine kleine Pfeife, ein Feuerzeug— das sind für jeden die nöthig— sten Geräthschaften zu Hause und auf der Reise. Wenn Bekannte einander begegnen, so bieten sie einander die an— gerauchte Pfeife an, und gegenseitig beobachten sie diese Art von Bewirthung. Die höfllichen Zacharen bewiesen diese Artigkeit auch gegen uns. Die Pfeifen kaufen die Mongo— len größtentheils bey den Chinesern; die Feuerzeuge aber machen die mongolischen Schmiede selbst, und zwar ziemlich geschickt, aus gutem gehärteten Stahle. Der Mongole trägt das Feuerzeug an einem ledernen Gürtel hinten, als ein unumgänglich nothwendiges Bedürfniß und statt einer Ver— zierung, gleich der Patrontasche bey unsern Cavalleristen; deswegen beschlagen sie das Feuerzeug mit Silber, Korallen u. dgl. Hier bemerkten wir auch bey vielen an den Feuer— zeugen statt der Knöpfe, um sie an den Gürtel zu befestigen, eine russische Münze— Fünfkopeikenstücke, und alte sibi— rische Zehnkopeikenstücke. Diese Verzierung wird von den Einwohnern der Gegend sehr geschätzt. Der Bitcheschi kam am Morgen zum Besuch bey dem Vorsteher der Mission und mir. Er erklärte uns auf ver— schiedene Weise, daß er einen Fuchspelz brauche, wie er beym Pater Archimandriten Peter gesehen habe. Von meiner Seite gab ich ihm zu bemerken, daß ich solches Pelzwerk nicht habe, und daß es zu Kiachta nicht wohlfeil verkauft werde.— Auf meine Forderung machte der Bitcheschi die Anordnung, daß unsere ermüdeten Kameele, um sich etwas zu erholen, hier gelassen, und dann von den Einwohnern in den District Za gan Balgaß u kgeschafft werden sollten. 5 Stam „ind groß Tabak, ein die githig⸗ s. Wenn er die ay⸗ diese Art esen diest Mongo⸗ Nuge aber ar ziemlich igole trägt , als ein einet Ver⸗ aller sten; Korallen en Feuet⸗ befestigen, alte sib⸗ von den bey dem auf vet⸗ er beym r Seile ark nicht erde.— ordnung, erhole, in dil eh. 9 Am Abend war bey mir der Dsangin Enkédshirgäl (auf mongolisch: ewiges Glück) 30 Jahr alt. Wegen der Kameele, die er für unser Gepäck uns geschafft hatte, erhielt er einen Fuchs, und überdieß noch ein Weinglas von grü— nem Glase, das ihm sehr gesiel. Im Gespräche sagte der Dsangin unter andern, daß er, als er 15 Jahr alt war, schon unter der Zahl einer starken Bedeckung zur Begleitung des russischen außerordentlichen Gesandten im Jahre 1806 abgeschickt worden sey. Auch hier waren auf jeder Station 20 Pferde, 150 Kameele und 50 Jurten für das Gefolge des Gesandten in Bereitschaft. Wir hielten es für unsre Pflicht zu erklären, was für eine wichtige Person ein Ge— sandter vorstelle u. s. w. Der Dsangin hörte ebenfalls mit großer Aufmerksamkeit zu, und war ganz entzückt über unsre Erzählungen von den russischen Häusern, Sachen, Equipagen u. s. w. Enkedshirgal seinerseits erzählte, daß in den zacha— rischen Choschunen die Beamten von der Schatzkammer fol— gende Gehalte beziehen: der Ücherida(Divisionsbefehlshaber) 120 Lana, d. i. 240 Rubel; der Dsalan(Regiments-Chef, 115 Lana, oder 230 Rubel; der Ssunum Dsangin(Esca— drons-Chef) 100 Lana, oder 200 Rubel; der Chawan, oder Kundui und Dshuanida(so wie Leutnant und Kornet zu ver— gleichen), jeder 60 Lana, oder 120 Rubel; endlich der Boschko oder Wachtmeister 24 Lana, d. i. 48 Rubel, in Silber. Der Ucherida und der älteste Dsalän(Tußulachtschi) können nicht selbst für sich Gehalt aus Chalgan fordern; sondern sie machen davon eine Vorstellung an ihren Husai-Amban, mit Aufdrückung des Siegels des Dsangin. Alle Zacharen machen ein militärisches Corps aus, das aus acht Fahnen oder Divisionen besteht, und dem Husai-Amban(General) von Chalgan unterworfen ist. Die Mission reist nur durch N die Länder zweyer Divisionen: Kuböschara leine gelbe 19* . Fahne mit Einfassung), und Hulischara(Gulisch ara) (gelb ohne Einfassung), in dieser Division befinden sich die zwey letzten Stationen nach Chalgan zu. Nach der folgenden 35 Werste(5 d. M.) entfernten Station ging unser Gepäck noch vor Tagesanbruch, früh um 4 Uhr ab. Die Wagen fuhren um Uhr fort, und nach 10 Stunden gelangten wir zu der Station Kuitün (kalt). Von Chara tologoi 3 Werste entfernt, kamen wir einen Hügel hinauf, von welchem wir bis fast ganz nach Kuitün hin, auf einer langen, zum Theil sandigen Ebene gingen, die von Ost und West mit Gebirgen eingeschlossen war, die sich nachher bey dieser Station vereinigen. Auf der Ebene sind an verschiedenen Stellen Hirtenwohnungen in ganzen Ulussen. Jurten, welche in Ulussen— das heißt, einige beysammen— stehen, fanden wir nur in den zacha— rischen Nomadenplätzen. Die übrigen Mongolen nomadi— siren, wegen Mangel des Grases für ihr Vieh, zerstreut auf der Steppe umher, mit Ausnahme der vornehmsten Beam— ten, die mit ihren Familien, ihren Untergebenen und der Dienerschaft auf einem Platze 15, 20 und mehr Jurten aufstellen. Endlich kamen wir auf die große Handelsstraße Gun— dshu(Hundshu) mit welcher auch Darchan Dsam (die darchanische Straße) vereinigt war, die wir schon am 9. Oct.(21. Oct. N. St.) bey unsrer Reise von der Sta— tion Scharäͤ n schorô tu nach Olön bäischin verlassen hatten. Von der Vereinigung dieser zwey Straßen an gin— gen wir auf einem breiten und sehr ebenen Wege, etwa 10 Werste bis auf die Station Kuitun, die in Bergen, zur linken Seite unsers Weges liegt. Die letzten 5 Werste gingen wir immerfort aufwärts, wobey wir auf der rechten ich ar h sich di entfernten , früh ort, und uitün Jen wir a dach n Ebene schlossn n. Auf nungen ö heißt, gacha⸗ jomadi⸗ teut auf Beam⸗ nd der Jurten Gun⸗ Dsam on am Sta⸗ lassen n gin⸗ wa 10 u, zut Werste rechten 293— Seite einen großen, mit dichtem Grase bedeckten Hohl— weg hatten. Auf dieser Station quartirte man uns in drey Jurten ein, die den Einwohnern des hiesigen Ulusses gehörten. Diese hatten sich für dießmahl aus denselben weg zu ihren Nach— barn begeben, und nur im vordern Winkel die kupfernen Bilder der Burchanen, ihrer Laren und Penaten, zurückge⸗ lassen. Näher am Wege fließt eine Quelle, die aber jetzt zugefroren ist. Es ist auch ein Brunnen mit gutem Wasser in der Nachbarschaft der Jurten; es war aber kein Trog zum Tränken dabey, daher waren wir genöthigt, das Was— ser in eiserne Schalen zu gießen, um so unsre Pferde zu tränken. Das übrige Vieh mußte sich mit Schnee begnü⸗ gen, mit dem schon Gebirge und Ebenen bedeckt waren. Den Argal kauften wir größtentheils, und dieß dauerte fort durch das ganze zacharische Gebiet, bis die Mission die Gränzen China's betrat. Den 11. Nov.(23. Nov. N. St.) war ein Frost von 15 Grad nach Reaumür, doch zum Glück, ohne Wind. Wir brachen um 7 Uhr des Morgens auf, und trafen, nach einem Wege von 20 Wersten(7— 3 d. M.), auf der Station Dsamüin ußn(Wasser am Wege), um 12 Uhr Mittags ein. Von dem Orte unsers Nachtlagers gingen wir 5 Werste durch enge Schluchten des Gebirges Kuitun; dann kamen wir auf eine mit reichen Weideplätzen bedeckte Ebene. Un— geachtet des tiefen Schnees grünte doch hin und wieder vor— treffliches Gras. Dort kamen uns ganze Heerden wilder Ziegen vor. Wir mußten noch 6 Werste bis zu jenem Wege gehen, der unser Hundshu Dsam durchschneidet und ostlch nach Dolonnor führt. Noch 5 Werste weiter mußten wir uns von der Hauptstraße rechts wenden, und 294 2 8 3 Werste weit über Schnee, zwischen ungeheuren, verschie— den gestalteten Steinen und hohen Hügeln gehen, bis wir endlich die Station Dsamüin ußu, die in einem tiefen und weiten Thale angelegt ist, erreichten. Der Mongole faßt irgend einen Gesichtspunkt auf, und geht dann, ohne auf sonst etwas zu achten, entweder zu Pferde, oder in einem Karriol, gerade darauf zu. Wir aber, mit schwerem Fuhr— werke und ermüdetem Viehe, litten viel von solchen Reisen nach den Regeln des mongolischen Astrolabiums. Es blieben uns nur noch'3 Werste auf der Hauptstraße zu gehen; mit Umgehung des hohen Berges wären wir in dasselbe Thal gekommen, wo gegen Westen, nahe bey einem Brun— nen, die Station eine Werste weit vom Wege angelegt war. Für die Misston waren hier zwey gute und geräumige Jurten auf tiefem Schnee errichtet, deswegen standen wir auch unaufhörliche Kälte und Feuchtigkeit aus, als die vom Schnee gereinigte Erde anfing warm zu werden. Einen großen Mangel litten wir an Argal. Auf 8 Werste weiter gegen Süden ist der District Za⸗ gan obé, wo die Missionen 1794 und 1808 den 3. Juni (15. Juni N. St.) ihr Nachtlager gehabt hatten. Auf 100 Schritte von unsern Jurten westlich wohnt ein gewisser rei— cher Zachare, der mehr als 3 Jurten und viel Vieh hat. Er sagte uns, daß der jetzt gewöhnliche Preis für die Fracht von Chalgan nach Kiachta, auf Kameelen, 3 Lana, 6 Tschin von 100 Gin sey; und da auf jedes Kameel wenigstens 300 Gin(bis 10x Pud, oder 420 russische Pfund) geladen wer— den, rechnet man auf jedes Kameel 10 Lana, 8 Tschin, unge— fähr 20 Rubel in Silber, um 11 Pud ungefähr so ein 1200 Werste(171 d. M.) weit zu führen. Auch die Zacharen, eben so wie vorher die chalchassischen Lama's, belästigten uns mit ihren Fragen, ob wir keine Füchse, bershi „ bis wi nem tese Mole aun, ohye in einen n Huhr⸗ Reisen 16. Es u gehen; dasselbe Brun⸗ igt war. säumige den wit de bom Einen rict Z a⸗ q. Juni F 100 ser rei⸗ h hat. Fracht Tschin 5 300 wer⸗ unge⸗ 12⁰⁰ jssischen Füchs, 25— Korallen, Juchten zu verkaufen hätten. Einen Fuchs, so wie wir dem Dsangin am 2 Nov. zu 25 Rubel in Assigna— tionen geschenkt hatten, könnte man, nach den Aeußerungen der Zacharen, in Chalgan für 2 Lana oder 4 Rubel in Sil⸗ ber kaufen; eine Juchtenhaut(von 20 Rubel, 70 Kopeiken) würde zu 1 Lana und 7 Tschin S 2 Rubel 70 Kopeiken in Silber oder ungefähr 12 Rub. in Assign. verkauft. Den 12. Nov.(24. Nov. N. St.) war ein Frost von 17 Grad nach Reaumür. Von der Station Dsamüin ußu ging unser Gepäck halb 2 Uhr nach Mitternacht ab, und kam, nach einem Wege von 37 Wersten(57 d. M.) auf der Station Tulga(Tulhä) nach 1 Uhr des Nach— mittags an. Der Tag war sehr trübe, und bey Nordwestwinde fiel etwas Schnee. Etwa 2 Werste reisten wir bey Mondscheine, auf tiefem Schnee, so lange bis wir auf die eigentliche Straße kamen. Dort begegneten uns unaufhörlich mongolische Karawanen, die nach Kiachta mit Thee gingen. Dann kamen wir über einen alten Erdwall, der den Weg von Ost nach West durch— schnitt. Hat nicht eine und dieselbe Regel der Vertheidigung im Kriege bey Errichtung der alten Wälle bey Perejaßlawl in der poltawaischen Statthalterschaft, in Bessarabien und an verschiedenen andern Orten Rußlands die Menschen geleitet?— Der Wall ist noch jetzt ziemlich hoch. Auf demselben endigen sich Berge, die noch weiter östlich und westlich sich hinziehen; gegen Süden öffnet sich eine weite Steppe, die für die Vieh— zucht sehr vortheilhaft ist. Von dem Walle aus setzten wir unsre Reise 6 Werste bis zu einer quer über liegenden Anhöhe fort; in der Hälfte dieser Entfernung gingen wir durch die große Handelsstraße, die von Westen nach Osten geht, es ist zu vermuthen, aus Kuküchotò(auf chinesisch: Hui-chua— tschͤn) nach Dolonnor. In der Stadt Kukuchoto liegt eine chinesische Besatzung, zur Beobachtung der(ehedem) un— ruhigen Zacharen. Dort werden größtentheils Hausgeräthe verfertigt, die von den Schaangsiern in Kiachta eingekauft und von da über Chalgan nach Pekin und andern chinesischen Städten verführt werden. Als wir auf die erwähnte Ebene hinauf waren, muß— ten mir wieder auf einem abschüssigen Abhange bis zu dem See Dutu(Du bedeutet in mongolischer Sprache Ge— sang, Stimme), der links vom Wege liegt, abwärts gehen; dort stand ein Uluß von 18 Jurten, worin im Dienste der Regierung stehende Hirten wohnen.— An die— sem Orte ließen wir unsere beladenen Kameele ungefähr zwey Stunden ausruhen. In der Nähe hielt, auch zum Ausru— hen, ein Lama aus der Gegend von Urga, der uns auf russisch: sdrawstwui bewillkommte*). Er kehrte aus Chal— gan zurück, wohin er Ochsen und Pferde zum Verkauf getrieben hatte. Jene verkaufte er das Stück zu 8 und 10 Lana(16 und 20 Rubel); und die Pferde zu 6 und 8 Lana (12 und 16 Rubel) in Silber. Von Dutu- nor bis Tulg a4(Tulha) ging unser Weg noch 16 Werste(25 d. M.) über kleine Erhöhungen. An verschiedenen Orten schimmerten die weißen Jurten der hiesigen Ulusse: dieses sind bewegliche Dörfer. Besondre Auf— merksamkeit erregte auch links vom Wege eine Nomaden— wohnung eines zacharischen Ucherida, oder nach gemeiner Aussprache Ukirda, die aus 50 Jurten bestand. Dieser Ukirda ist Oberaufseher über die hier weidenden Schafe, Pferde JS. Anm. S. z. d. ä—̃— cot fa dem) in. uögeräthe kauftund iefschen Nuß⸗ zu dem e Ge⸗ wärt tin im An die⸗ r zwey Aubru⸗ no auf Cal⸗ setkauf und 10 d Lana unser ngen. n der Auf⸗ aden⸗ einer dieser pferde 8 und Rinder des Bogdochan. Ueberhaupt werden nördlich von der großen Mauer, zwischen den Zollhäusern Dshandsä— keu und Duschi-keu) zahlreiche, dem chinesischen Kaiser gehörige Heerden unterhalten. Keiner der Mongolen konnte mir die wirkliche Anzahl derselben angeben. Der Abbe Gro⸗ zier, der frühern Berichten französischer Missionare, die am pekin'schen Hofe lebten, folgt, sagt: Ia quantité de bestiaux entretenus dans ces fermes royales est prodigieuse (die Menge des in diesen königlichen Pachtungen unterhal⸗ tenen Viehes ist ungeheuer groß), und versichert, man zähle in den bogdochanischen Schäfereyen 90000 Schafe, die in 223 Heerden eingetheilt sind, und fast eben so viel Stück Hornvieh, das in Heerden geweidet wird, wovon jede nicht weniger als 100 Stück enthält. Ein solcher Reichthum, fährt der Abbe Grozier fort, der in Ländereyen, Stutereyen und Heerden besteht, macht bey den Mongolen einen ungleich stärkern Eindruck, und stellt ihnen die Größe des Bogdo— chans weit anschaulicher dar, als alle Pracht seines pekin'— schen Hofes.— Es ist wahr, Heerden schneller Rosse, große Heerden Schafe und ähnliche solche Kennzeichen des kaiser— lichen unüberzählbaren Reichthums, müssen ein Nomaden— volk mit Staunen erfüllen, und in ihm die Gefühle tiefster Ver— ehrung wecken. Aber auf der andern Seite sehen die Mon— golen einen weit kräftiger überzeugenden Beweis der Größe des chinesischen Bogdo in der zahllosen Menge von Pfeilen und Flintenkugeln, die seinen über die Mongoley wachenden Truppen gehören. ) Es ist zu bemerken, daß bey chinesischen Nahmen und andern Wörtern dieser Sprache das eu nicht wie im deutschen en (3. B. in dem Worte heute), sondern e- u(getrennt und nicht als Doppellaut) ausgesprochen werden muß. A. d. U. **) De la Chine, 1818. T. 1. pag. 275. A. d. V. — 298— Etwa 7 Werste(1 d. M.) vor der Station gingen wir del in einem geräumigen Hohlwege, wobey uns zur Rechten finn nahe bey einem Uluß, ein großer See liegen blieb; der Weg ist an vielen Stellen sehr eben und glatt. Eine Werste vor Tulga(Tulhä), ganz nahe am Wege, sind zwey 110 tiefe Brunnen, einem Berge mit einem hohen Obo gegen a über, der in der Ferne gegen Südost liegt. Von dem Brun— us nen gingen wir über eine sandige Anhöhe, und auf einmahl wu fanden wir uns in einem tiefen und engen Thale, wo drey e ziemlich gute Jurten für die Mission bereit standen. Une geh Die Station Tulga(Tulha) liegt in der zacharischen Division Gulischard(Hulischara), deren Gebiet sich bis völlig an die chinesische Gränze, oder bis an den Gipfel des weiter vorwärts liegenden Gebirges Singchan da— U bachän erstreckt. Durch ein seltsames Spiel der Natur 1 sind hier drey Felsen im Thale hervorgebracht, gegen Ost, 0 Nord und Süd, die wie ein Haufen auf einander gewor— u fener Steine aussehen; unter jedem davon ist ein Brunnen 4 mit Wasser, das einen Salpetergeschmack hat. Die Einwoh— ner der Gegend nennen die Felsen Gurbün tulgotu 14 (Hurbün tulhotu)(die drey Dreyfüße) und sagten, im t tiefsten Alterthume habe Dshingis-Chan, der Anführer der 0 Mongolen, als er Krieg gegen die Chineser führte, hier sein ac, Kriegslager gehabt.* 0 Bald nach unserer Ankunft kam zu uns ein bejahrter 5 Dargui(Aufseher einer gewissen Anzahl der Regierung gehö— 1 riger Heerden) Molôn, um uns zur Ankunft in diesen 15 Gegenden Glück zu wünschen. Er ist schon lange mit den 1. nach Pekin durchreisenden Russen bekannt. 10 Den 13. Nov.(25. Nov. N. St.). Nachdem wir in 8 drey Tagen ungefähr 100 Werste(über 14 d. M.) mit ermü— 0 ö . ß U—öÜ⅕41ñ à—! ꝓ—— gingmn I r Rachtn lieb; da e Werste nd zweh o gegen Brun⸗ einmahl ho dreh harischen let sic n Gipfel an da⸗ Natur en Ost, gewor⸗ Brunnen Einwoh⸗ ol en, im rer der ier sein jahrter j gehd⸗ diesen nit den wit 1 it eim 9 detem Viehe gemacht hatten, hielt ich es für nöthig, dieses einen ganzen Tag ausruhen zu lassen. In der Nacht war ein heftiger Frost, aber am Morgen ward es etwas gelinder; am Tage war das Wetter heiter und still. Am Morgen kamen die Aeltesten der vorigen zachari— schen Division, welche die Mission bis hierher geleitet hat— ten, um von uns Abschied zu nehmen. Sie gaben mir, so wie der ßunitische Meiren, in mongolischer Sprache einen Empfangsschein wegen Aufbewahrung von 8 der Regierung gehörigen Kameelen, mit der Bemerkung, sie, wenn sie sich erholt hätten, nach 8.— Balgaßu(Balhaß u) treiben. Wegen der Hülfe, die sie uns mit Kameelen gelei— stet hatten, als die Mission durch die letzten vier Stationen ging, wurden dem Dsangin Enkedshirgal zwey Zobel, und dem Chawan oder Kundui und Dshungda jedem ein rother Fuchs geschenkt. Die Geschenke nahmen sie dankbar an, und schieden freundschaftlich von uns. Nach ihnen kam zu mir der Dsangin und Kundui der neuen Diovision, die bestimmt waren die Mission bis nach Chalgan zu geleiten: sie wurden freundlich empfangen und anständig bewirthet. Es drängte sich uns die Bemerkung auf, daß alle Beamte bey den Zacharen ziemlich jung wa— ren. Im Laufe dieses Tages besuchten uns die Beamten, welche bey dem Ukirda, dem bogdochanischen Ober-Vieh verwalter in diesen Gegenden dienten. Sie waren alle rein— lich gekleidet, artig im Umgange, und sprachen, außer der mongolischen Sprache, auch gut manshurisch und chinesisch. In Chalgan ist bey dem Husai-Amban eine eigene Schul— anstalt zur Bildung der Zacharen errichtet. Viele dieser Besucher baten uns recht dringend, bey ihnen Thee zu trin— ken; wir schlugen es aber, aus Mangel an Zeit, aus. Un— 3 3 ter der Zahl der Gäste war mit seinem Gefolge einer der Verwandten des Ükirda. Ihre Neugierde zu befriedigen beschrieben wir ihm und den übrigen Zacharen die Kriegs— macht Sr. russ. kaiserl. Majestät, die große Anzahl und höchst vorzügliche Ordnung unsers Fußvolks, unserer Rei— terey, Artillerie und Flotte; sagten ihnen von den über viele Völker erhaltenen Siegen u. s. w. Der Kundui that sei— nerseits an uns die Frage, ob wir, nach unsrer Ankuuft in Pekin, uns das Haupthaar bescheeren würden, wenn die Trauer über den Tod des Dsäzin beendigt wäre. Er glaubte, man ließe bey den Russen die Haare auf dem Kopfe nach eben derselben Sitte, wie bey ihnen, wachsen.— Von der andern Seite äußerte einmahl ein gewisser Mongole ganz aufrichtig ge— gen uns seine Vermuthung, daß unsere Offiziere und Studen— ten, weil sie kurze Haare auf dem Haupte trügen und folg— lich darin den hiesigen Lama's ähnlich waren, nach seiner Meinung auch Leute geistlichen Standes seyn müßten. Die Zacharen sagten uns, daß das Zeitalter des neuen Bogdo— chans auf manshurisch: doröi eldengé(eldenhé) und auf chinesisch dao hun genannt werden würde. Den Sinn dieser Worte erklärte der Pater Archimandrit: Licht des Verstandes; aber nach der Erklärung des Dolmet— schers Frolow sollen sie bedeuten: Regierung vom Ge— setze(oder auch von der Religion), erleuchtet. Nach 3 Uhr Nachmittags besuchten der Vorsteher der Mission und ich, mit dem Wagenmeister und dem Dolmet— scher, den Bitcheschi und Boschko. Der Bitcheschi sagte wäh— *) Im Russischen ist hier das Wort Sakön gebraucht, welches beides, Gesetz und Religion oder Glaube bedeutet. Da beide Bedeutungen hier zu dem Sinne passend sind, glaubte man dieß hier bemerken zu müssen. A. d. U. e einer hefredigz ie Ktiege⸗ fahl und seter Mai⸗ über vice tat sei⸗ kuuft in venn die glaubte, ach eben r andern ichtig ge⸗ Studen⸗ und folg⸗ seiner olmet⸗ n Ge⸗ er der olmet⸗ wäh⸗ ö beide, da beide pte al „„ rend des Gesprächs, daß die Sacharen(die von allen China unterworfenen Mongolen den Manshuren am meisten erge— ben sind) in großer Achtung au Hofe zu Pekin stehen. Sie erhalten alle von der Regierung Gehalt. Sogar den Kna⸗ ben wird zum Unterhalt monatlich eine Lana, d. i. zwey Rubel in Silber gegeben. Der Stations-Kundui oder Chawan trägt an der Mütze ein weißes undurchsichtiges Kügelchen(von der ten chinesischen Klasse, unserm n gleich), welches ein Bitcheschi nur außerhalb Pekin tragen darf; und der Dsangin hat ein dunkelblaues und undurch— sichtiges Kügelchen(von der Tten Klasse, dem Major ent— sprechend). Den 14. Nov.(26 Nov. N. St.) in der Nacht fielen von den der Regierung gehörigen Pfrrden zwey von Erschö⸗ pfung und Kälte.— Das Gepäck brach um 2 Uhr des Mor— gens auf. Die Nacht war sehr dunkel. Wegen der Kälte zogen viele von uns es vor, zu Fuße zu gehen, als zu reiten. Von Tulga(Tulha) aus gingen wir, am Ufer eines zuge— frorenen Sees, ostwärts auf der Hauptstraße, und auf ab— hängigen Stellen, etwa 12 Werste(15— 14 d. M.) weit, etwas bergauf. Auch in dieser Nacht begegneten uns viele Karawanen mit Thee. Einige davon hatten 100, 200 und 250 Kameele. Für die Fracht von Chalgan bis nach Kiachta nahmen sie von jedem hundert Gin Last 33 Lana. Nachdem wir diese Entfernung durchlaufen hatten, näherten wir uns einem felsigen Vorsprunge, von dem die immer neben uns hin laufenden Berge sich in einer Kette weit nach Osten hin zogen; von der rechten Seite schimmerte weiß der weite See Angal. Bey dem Froste ging die Sonne aus röth— lichen Wetterwolken auf und enthüllte weit ausgedehnte Aussichten. Weiter vorwärts zeigte sich uns eine niedrige 1 Eben, die sich gegen Süden auf 40 Werste(57— 54 d. M.) bis an den Fuß des Gebirges Ssingchan dabachan (Gebirgsweg) erstreckt. Auf dem Gipfel desselben erschienen in blauer Ferne die Thürme auf der Gränze, die China von der Mongoley trennen. Welche freudige Wallung erregte in uns der erste Anblick von China! Auf einem merklich hervorstehenden Theile des Gebirges kamen wir auf diese Wiese von unabsehbarer Ausdehnung herunter, die mit hohem, fettem Grase bewachsen war. Zu unserm großen Bedauern bedeckte schon der Schnee diese rei— chen Weideplätze 4 Arschin und höher noch. Zur Linken des Weges hatte in einem Zelte ein gewisser reicher Mongole aus der Gegend von Urga seine Wohnung aufgeschlagen, der auf der Steppe mit 100 Kameelen das Steigen des Preises für die Fracht von Waaren aus Chalgan nach Urga und Kiachta erwartete. Man sagte uns, daß, nachdem zahlreiche Karawanen schon abgegangen, in Chalgan noch Waaren lägen, zu deren Fortschaffung ungefähr 2000 Kameele nöthig wären. Unge— fähr 3 Werste gingen wir auf einer Ebene, und als wir durch den District Chamchün, wo die Missionen in den Jahren 1794 und 1807 anhielten, kamen, gingen wir über einen gefrornen Bach im Wege selbst. Viele wilde Ziegen und Hasen kamen uns vor. Dann gingen wir etwa 8 Werste eine erhabene Fläche hinauf, auf welcher von Osten nach Westen ein Erdwall durchgeht, der aber weit niedriger als die früher von uns gesehenen war, und mit denen überhaupt China sich einst gegen die Nomaden umgürtete. Um diesen Ort herum hatten einige Mongolen ihr blaues Zelt auf dem Wege selbst aufgeschlagen. Sie führten nach China, aus Maimatschen bey Urga, fichtene Balken und einige Kisten mit getrockneten Bilzen, wovon die Chineser große Liebha— 51 d.. aba han erscheng Gina bon ng erregte Bebirges dehnung ar. Zu diese til ken des hole aus der auf ö für die Khachla kwanen zu deren „Unge⸗ ale wir in den reinen n und Verste n nach er als haupt diesen uf dem , aus Kisten Läabha⸗ — 3033 ber sind. Für die Fracht bis Chalgan 13 und 2 Lana in Silber von 100 Gin Last. Von dem Walle etwa 3 Werste südöstlich liegt ein vier— eckiges von Erde erbautes Städtchen Zagan(Zahän) Balgaßu(Balhaßü) der weiße Wall genannt, das schon völlig verödet ist. Als wir da vorüber waren, hielten wir, der südöstlichen Ecke gegen über, nahe an einem Brun— nen, 10 uhr des Morgens an. Wir hatten heute ungefahr 27 Werste(fast 4 d. M.) zurückgelegt. Und so sind wir schon in dem Hafen eingelaufen, wo wir bald den Anker auswerfen werden. Glücklich war unsere Reise unter Schnee und kalten Stürmen durch sandige Wü— sten, in denen der Himmel uns vor Unfällen bewahrte! Nach unsrer Ankunft an dem Orte beschäftigten wir uns mit Aufzeichnung der Sachen und des Viehes, das hier zum Ueberwintern zurückbleiben sollte. Zur Bewahrung des Gepäckes und Hüthung der der Regierung gehörigen Heerde bestimmte ich, als erste Wache, den Sotnik Sacharow, und mit ihm neun Kasaken, und beschloß, sie im März des künf⸗ tigen Jahres ablösen zu lassen. Dieses erforderte die un- umgängliche Nothwendigkeit, wegen der ungewöhnlichen Strenge des gegenwärtigen Winters, und wegen des bedenk— lichen Zustandes des Viehes. Der zum Ueberwintern ange— wiesene Platz ist eine weite Ebene, das Gras ist, wie man bemerken konnte, gut, aber alles jetzt unter dem Schnee ver— borgen. Eben dieses erweckte in mir große Besorgniß, ob auch unser ermüdetes Vieh Kräfte genug haben werde, den Winter in einer offenen Steppe auszuhalten, ohne hinläng— liches Futter zur Stärkung seiner Kräfte zu haben. Der Bestand des Viehes war: ä a) wirklich vorhanden... 51 Kameele 135 Pferde b) auf der Reise den Mongolen, zur Aufbewahrung wegen Er— müdung, übergeben 19„„ 10 c) beym Eintausche neuer zuge— gehn 12 1* geil.. 4* über die Gränze waren gegangen 85 Kameele 150 Pferde. Ochsen waren über die Gränze 27 gegangen; nach Ab— zug von 13, die zum Verspeisen geschlachtet wurden, blie— ben 14. Nach Beendigung unserer das Vieh betreffenden Verfü— gungen, hielten wir es für Christenpflicht, das Todtenamt zum Gedächtniß des am 13. Mai(25. Mai N. St.) 1808 hier verstorbenen Kasaken von der Bedeckung der Mis— sion, Jakim Tarakanowski, zu halten. Sein Grab, mit einem Steine bedeckt ist eine Werste südwestlich von dem Städtchen. Um 4 uhr Nachmittags ging der Boschko nach Chalgan ab, um dem Husai-Amban die Annäherung der Mission zu melden. Mit ihm reiste auch der alte Nerba des Bitcheschi. Ich bat den Boschko und den Nerba, für die Mission warme Zimmer zu besorgen; denn da wir 2 Monate hindurch, fast immer in freyer Luft zugebracht hatten, empfanden, einige unsrer Reisenden eine merkliche Schwächung ihrer Gesundheit. Den 15. Nov.(27. Nov. N. St.). Seit dem Abend des vergangenen Tages hatte es angefangen stark zu schneyen, und da selbst bis zum Morgen der Schnee noch nicht aufge— hört hatte, hielt ich es für unumgängliche Nothwendigkeit, diesen Tag an dem Orte zu bleiben, worein auch der Bitcheschi gern willigte. Der Schnee dauerte bis zum Abend fort. 30 fh 1 4* 50 Pferde. nach Ab⸗ urden, blie⸗ den Verfü⸗ Todtenamt N. St.) q der Mis⸗ tab, mit von dem Galgan lission zu zitcheschi. n warme urch, fast en einige sundheit. n Abend schneyen, t aufg⸗ sendigket, Bitch fort. 305 Das nicht weit von der Station befindliche Städtchen kann zu einigem Schutze für das Vieh dienen, wenn im Winter Schneegestöber einfällt. Die jetzt halb verfallenen Mauern desselben sind von Erde 5 Klaftern hoch aufgeführt; an den vier Winkeln bemerkt man nicht große Basteyen. Im Innern des Städtchens, am nordwestlichen Winkel ist ein runder Platz, mit rohen unbehauenen Steinen umlegt; wahrscheinlich diente dieses als Grundlage zum Zelte des Chan. In der Mitte eines freyen Platzes ist ein hoher Erdhaufen; auf der Westseite liegt eine zerbrochene viereckige kleine Säule, von weißem Marmor, auf welcher ein Drache, das Wapen des chinesischen Reiches, ausgehauen ist. Einige versichern, dieses Städtchen, so wie auch die weiter gegen Süden gelegenen, haben, in der Zeit der Heereszüge des berühmten chinesischen Kaisers Kansi, am Ende des siebzehn— ten Jahrhunderts, als Kriegslager gedient. Ohne das Alter des Ortes auf ein oder zwey Jahrhunderte zu bestimmen, kann man gleichwohl sagen, daß er wirklich das Ansehen einer Festung hat. Auf allen Seiten bemerkt man noch die Spuren von nicht großen Verschanzungen, in welchen, nach den Regeln der chinesischen Befestigungskunst, die Truppen ihr Lager aufschlagen. Bey dem Städtchen vorbey führen zwey Wege nach Chalgan: der eine gesäuberte geht auf der Ostseite über das Flüßchen Schabartai und das Dorf Tölaißumé); auf diesem reisen die Zacharen von der Division Kuboschar, und auf demselben Wege wurden unsre vorigen Missionen geleitet; der andre, westlich von dem *) Mongolische Worte, sie bedeuten: Tolai ein Hase, und Ssums ein Götzentempel. Die Chineser nennen dieses Dorf Tolo mas; mas in ihrer Sprache heißt Götzentempel. 1 A V. . Band. 20 3 Städtchen, über den Berg Ssendshit, heißt der Kameel-, oder Karawanenweg. In dieser Richtung reisen gewöhnlich nach Chalgan die Zacharen von der Division Gulischar (Hulischar), die jetzt uns geleiten. Um 12 Uhr kam zu uns der Chawan Tukshi, von der Division Kuboschar, der das der Regierung gehörige Vieh unter seine Aufsicht genommen hatte. Nach einem Monat wird er von einem Aeltesten aus der Division Gulischar (Hulischar) abgelöst, und dann kommt die Reihe wieder an ihn. Um den Chawan noch mehr zur Fürsorge für un— sere Leute und für das der Regierung gehörige Vieh zu bewe— gen, wurde ihm ein sehr guter Fuchs geschenkt. Indessen mietheten wir bey einem zacharischen Lama, Bain Zagän, der in der Nachbarschaft nomadisirte, eine Jurte zur Wohnung für die Kasaken, die zum Ueberwintern dort zurückgelassen wurden. Wir kamen überein, ihm mo— natlich 1 Lana(2 Rubel) in Silber zu zahlen; andere Wir— the wollten nicht unter 2 Lana sie ablassen. Der gedachte Mongole versah auch mit seiner Jurte die Kasaken, die bey der Mission im Jahre 1807 und 1808 waren. um 5 Uhr Nachmittags hörte der Schnee auf; aber es wurde eine heftige Kälte, bis 18 Grad nach Reaumür. Dessen ungeachtet beschlossen wir am andern Tage weiter zu reisen. Den 16. Nov.(28. Nov. N. St.). Wir wählten das kräftigste Vieh aus, 27 Kameele(von mongolischen wurden noch 4 zur Beyhülfe gegeben); wir nahmen 9 Fuhrwagen und 4 Karriole mit Sachen, die der Mission gehörten, und brachen um 3 Uhr nach Mitternacht auf. Zum Beystande auf dem beschwerlichen Wege nach Chalgan, wurde zur Be— gleitung der Mission auch der Sotnik Sacharow, mit fünf r Kamal, Newöhnlc ulischar shi, lige Veh Monat lischar wieder für un⸗ zu hewe⸗ n Lama, itte, eine cwintern hm mo⸗ ere Wir⸗ gedachte die hey ; aber aumür. weitet en das vurden wagen n, und eystande zur Be it fünf — 307— Kasaken von denen, die zum Ueberwintern hier bleiben soll— ten, beordert. Zwey Werste gingen wir westlich auf der Karawanen— straße. Auf 6 Werste weiter sieht man, ganz nahe bey der Straße einen großen aus Erde aufgethürmten Hügel. Von da sind ungefähr 5 Werste bis zu dem sich schlängelnden Flüßchen Burgäßutu(Burhäßutu), auf mongolisch: „reich an Ulmenwäldern.“ Rechts von der Straße liegt auf einer Wiese ein steinernes, viereckiges Städtchen. Ueber den Fluß gingen wir auf dem Eise, und nahmen unste Richtung geradezu auf die große Schlucht in dem sinchan'- schen Gebirge. Wir ließen zur Linken die Straße, die auch nach Chalgan, aber in einer andern Richtung, führt. Nahe bey dieser, auf einem Hügel, sieht man ein drittes Städtchen, das einen sehr großen Raum einnimmt. Etwa 7 Werste(1 d. M.) gingen wir auf einer Aue bis zu den chinesischen Gasthöfen. Dort steht am Fuße des Berges ein Tempel, Boronedshi genannt. Diesem gegen über ist ein Theater. Bey den jährlichen Festen kommen aus Chal— gan Schauspieler hierher, und führen verschiedene Possen— spiele im Volksgeschmack auf. Mit dem Aufgange der Sonne ging der Nordwestwind bey 17 Grad Frost, und um 10 Uhr des Morgens erhob sich ein heftiges Schneegestöber. Auen und Berge waren kaum mehr vor dem die Luft erfüllenden Schnee zu erkennen; sogar auf eine halbe Werste“) weit konnte man nichts mehr sehen. Plötzlich häuften sich hohe Schneeberge auf. Das abgemattete Vieh konnte kaum die Wagen von der Stelle fortschleppen. Die Kälte wurde durch den Wind noch hef— *) Eine halbe Werste sind 272 Toisen(oder franz. Klaftern), jede von 6 Fuß par. Maaß. A. d. U. 29 WWH SF tiger, so daß man, selbst wenn man zu Fuße ging, sich nicht einmahl völlig erwärmen konnte. Bey einem so rauhen Wetter mußten wir noch 20 Werste(29— 3 d. M.) bis zu der bestimmten Station gehen. Von dem Tempel etwa 4 Werste weiter wendeten wir uns links, und gingen in einer engen Schlucht mehr als 4 Werste bergauf. Die Kameele, die Zug- und Reitpferde fielen bald unaufhörlich nieder, da sie auf schlüpferigen Berg— abhängen gingen, bald versanken sie in dem Schneehaufen. Als wir den eben erwähnten Weg zurückgelegt hatten, gingen wir in einen Hohlweg herab, wo ein mongolisches Piket aus einigen Jurten steht. In die Augen fallend war die besondere Regsamkeit, die durch die Nachbarschaft eines Han— delsplatzes erzeugt und belebt wurde. Unaufhörlich begegne— ten uns Karawanen und Wagen, die aus Chalgan kamen; oder es holten uns auf Pferden und Kameelen dorthin rei— tende ein. Noch 2 Werste gingen wir in Schluchten zwischen Ber— gen, und endlich erreichten wir die Gränze, welche die Mon— goley von China scheidet. Auf dem Gebirge ist ein Wall aus Steinen aufgeworfen. In einer gewissen Entfernung von einander stehen viereckige Thürme, aus Backsteinen erbaut; sie halten in dem Grunde 3 Klaftern, und haben 9 Klaftern Höhe.— Von diesem Orte zeigt sich China in der furcht⸗ barsten Gestalt. Gegen Süden, Osten und Westen stellt der ganze Horizont nichts dar als Berge, deren schwarze mit Schnee bedeckte Rücken die Wolken berühren. Von der Gränze bis an das chinesische Dorf Nordäng gingen wir 5 Werste merklich abwärts auf einem sehr engen und schlüpfe— rigen Wege. Auf der rechten Seite geht über die Höhen der erwähnte Wall; auf der linken Seite ist ein Abgrund, stets bereit den unvorsichtigen Reisenden zu verschlingen. 0 sch fich 0 rauhen d. M) he deten i uhr ald! Melhfetde gen Berg⸗ fen. Als ü, giggen, ches ift par die es Han⸗ begegne⸗ fame; In tei⸗ hen Bet⸗ ie Mon⸗ Wall ernung baut; laftern furcht⸗ llt der ze mit n der en wit hlüpfe⸗ Höhen bgrund, hlingen, 1 e Jenseits erhebt sich gegen Osten ein Haufen hoher Berge, deren emporragende Felsen ein finsteres wildes Ansehen haben. So ist die bekannte Niederfahrt von den hohen mon— golischen Steppen in das tiefe China!*) Endlich nachdem wir heute ungefähr 40 Werste(557 d. M.) gemacht hatten, kamen wir in dem ersten chinesischen Dorfe an. Unsere beladenen Kameele trafen um 3 Uhr Nachmit— tags ein; und 2 Karriole und 6 Wagen, in denen die Mit— glieder der Mission saßen, langten um 5 Ii an. Die übrigen wurden, wegen äußerster Ermüdung der Pferde, un— ter Aufsicht von 3 Kasaken, bis zum andern Tage, bey dem mongolischen Piket zurückgelassen. Mit dem Gefühle unaussprechlicher Freude traten wir in die Wohnungen der Chineser, da wir von Urga aus, auf einer Strecke von ungefähr 1000 Wersten(143 d. M.) nicht die geringsten Merkmahle einer geordneten Hauswirth— schaft gesehen hatten. Das Dorf besteht aus 20 Häusern; es liegt am Abhange eines hohen Bergrückens. Oestlich davon, in einer tiefen Schlucht, sind auch Niederlassungen; aber alle außerordentlich beengt. Hin und wieder bemerkte man bearbeitete Felder. Für die Mission hatten die Zacharen eine Wohnung am Ende des Dorfes bereitet, in einem der Gasthöfe, dem letzten zur linken Seite des Weges von da nach Chalgan. Die Zimmer und auch alle Gesindestuben sind aus Lehm 5) Ritter in seiner Erdkunde(18177. ir Thl. S. 445.) sag!, man komme bey dieser Niederfahrt auf die Ebeue China's; diese Angabe ist nicht genau. China muß man mit vollem Rechte eine bergige Gegend nennen. Des nämlichen Verfassers Ausdruck das bewohntere China ist weit gegründeter, in Vergleichung mit den völlig öden mongolischen Steppen A. d. V. 9 mit Stroh vermischt gebaut. Der Bitcheschi quartirte sich in demselben Hause ein. Hier konnten wir kaum unsre Glie— der erwärmen, die von der ausgestandenen Feuchtigkeit und Kälte ganz erstarrt waren, da wir seit der Abreise von Kiachta fast immer uns in freyer Luft befunden hatten. Bey glühenden Kohlen sitzend vergaß jeder von uns fast alle Beschwerden und Unannehmlichkeiten, die wir auf der vergangenen Reise durch die Mongoley erduldet hatten.— Die chinesischen Dorfbewohner versammelten sich in Menge in dem Gasthofe, um die Russen zu sehen. Indessen hatte des Bitcheschi Dolmetscher Tschakdur, der wahrscheinlich vor uns seine Geschicklichkeit in der Musik zeigen wollte, im Dorfe eine Balalaika*) mit drey Saiten sich zu verschaffen gewußt, und spielte darauf verschiedene Volkslieder mit Be— gleitung des Gesanges. Dem Tone und dem Inhalte nach gefiel uns der Gesang. Er enthielt die traurigen Phanta— sieen einer chinesischen an einen charatschin'schen Fürsten in der Mongoley vermählten Prinzessin. Zur Fütterung des Viehes kauften wir bey dem Herrn des Gasthofes ordentlich grünes Heu, für 3 Tschech**) ein nicht großes Bündel, das ungefähr 1 Pfund wog. Für die Tränke des Viehes in den ungemein tiefen Brunnen mußte man ebenfalls 1 Tschech auf jedes Stück bezahlen. *) Eine Art Zither, mit zwey oder höchstens drey Saiten, deren Gebrauch die gemeinen Russen wahrscheinlich von den Tataren angenommen haben. A. d. U. **) Tschech, oder auf chinesisch Zän, ist eine kleine runde Münze don Messing mit einem kleinen viereckigen Loche und einer Aufschrift, unter welchem Kaiser sie geschlagen worden ist. Die Tschechen werden in Bündel von 500 Stück zusammengebunden. Bis nach Pekin gab man uns auf 1150 für einen Lana oder für 84 Solotnike Silber. A. d. V. n 8 8 lattirtesch dgl. ptgket un von Hag on s fit r uf dit galten.— 0 Menge ssen hatt anlch vor oollte, in erschafen mit Be⸗ lte nach Uhanta⸗ sten in Herrn ) ein Für die mußte „ deten Tataren Münze ind einer ist. Die gebunden. g oder fit ——— Den 17. Nov.(29. Nov. N. St.) Frost von 16 Gra⸗ den. Es ging ein Nordwestwind, vor dessen Rauhigkeit uns die nahe stehenden Felsen einigermaßen schützten. Als unsre Pferde sich etwas erholt hatten, wurden die Kasaken wieder abgeschickt, um die zurückgelassenen zwey Wagen und Karriole hierher zu bringen. Diese kamen um 2 uhr Nachmittags im Gasthofe hier an. Siebentes Kapitel. Ankunft in Chalgan, Aufenthalt daselbst. Den 18. Nov.(30. Nov. N. St.). Der beschwerliche Weg und die gefährlichen nahe daran liegenden Abgründe erlaubten uns nicht, früh von hier abzureisen; deswegen gingen wir erst um 9 uhr des Morgens nach Chalgan ab. Ungefähr 5 Werste ging unser Weg über steile und schmale Stellen abwärts, wobey wir zur Linken tiefe jähe Abstürze hatten. Den Weg über solche Stellen erschwerten uns noch dazu nicht wenig chinesische sehr große zweyrädrige Fuhrwagen, mit 4 und 5 Pferden auf die Art bespannt, daß nur Eins in der Gabeldeichsel ging, die andern aber hinter einander an Strängen zogen. Die Pferde sind hier sehr stark; doch spannt man größtentheils dafür Maulthiere und Esel an. Endlich 3 Werste weiter kamen wir auf eine ebene Straße, welche sehr gegen Chalgan zu geneigt ist, und gin⸗ gen bey einem Gasthofe vorbey, wo die Mission 1807 an⸗ gehalten hatte. Wir konnten vorgestern noch nicht hierher kommen, wegen der zu großen Entfernung; denn man rech⸗ net von Zagan Balgaßu(Sahan Balhaßu) bis hier— her 48 Werste. Auf den Bergabhängen liegen hier und da chinesische Dörfer mit Götzentempeln. Einige Häuser sind in „„ steilen Felsen ausgehauen oder an diese, wie Vogelnester, angebaut; es giebt viele Bäume und Aecker auf lehmigem Boden. Am meisten setzte uns die Kühnheit der chinesischen 2 andbauer, zu der sie übrigens der Mangel an Land nöthigt, in Erstaunen: die Gipfel der höchsten Berge waren in vor— treffliche Ackerfelder verwandelt. Man begreift kaum, wie es ihnen gelungen ist, diese steinigen und fast unersteiglichen Klippen urbar zu machen. Aber die gewaltige Anstrengung, die einzige Bedingung des Daseyns der chinesischen Anbauer, ihre beharrlichen Bemühungen, besiegten alle Hindernisse, fast der Natur selbst zum Trotz, die ihnen das nöthigste, das Land, versagt hatte. Beym Anblicke dieser unermüdeten Thätigkeit der Chineser muß man bekennen, daß die Land— leute unserer mittlern, und noch mehr unserer südlichen Statthalterschaften, mit ihnen verglichen, reiche, schwelgende Gutsherren sind. Von hier windet sich der Weg bis Chalgan, 12 Werste (— 13 d. M.) lang zwischen Steinklippen, die über dem Kopfe des Reisenden schweben. Die Fläche des Weges ist eine von der Natur selbst erbauete Chaussee. Kleine Steine, mit grobem Sand und Lehm vermischt, haben sich sehr dicht vom Regen und dem beständigen Fahren zusammen geschich— tet. Es würde der Mühe werth seyn, nur leicht daran die Hand der Kunst zu legen, und diese Straße würde gewiß jener, die aus der Schweiz nach Italien über den Simplon und Mont-Cenis führt, nichts nachgeben. Ein Bergstrom, der über den Weg selbst fließt und nachher einen Theil Chal— gans bewässert, erschwerte durch seine Eiskrusten nicht wenig den Durchgang unsrer Wagen. Wir bemerkten Chalgan nicht eher, als bis wir an die roße halbverfallene Mauer desselben kamen, die aus Back— steinen zwischen zwey steilen nicht weit von einander stehen— n 9 313 Jogelyes elne 155 8. 5 b g 5 den Felsen erbaut ist. Eine große Menge Volk hatte sich ehmigeg 5 8 11 g versammelt, um die reisenden Russen zu sehen. Unter der 105 Zahl der Uebrigen kam uns einer der hiesigen Beamten, 0 Höth„**** wah, mit einem goldenen Kügelchen an der Mütze, entgegen. Der nh hor⸗ Bitcheschi Tschen stieg aus meinem Wagen, setzte sich zu u, wi Pferde und ritt mit ihm. Als wir durch die eingefallenen ahl Lücken der Mauer gingen und uns dem großen ansehnlichen gung, Stadtthore naheten; bat der Bitcheschi uns alle, durch das dbaues, Thor zu Fuße zu gehen, als beym ersten Eintritte in das sse, fat erlauchte dazinische Reich. Da wir gern jeden, und noch te, dat mehr jeden unnützen Streit mit Fremden vermieden, so tha— müdeten ten wir was er verlangte. Dann stiegen wir zu Pferde, e Land⸗ und die Mitglieder der Mission in ihre Wagen und gingen sodlichm geradezu auf der großen Straße zwischen Kaufmannsbuden. welgende Als wir auf einen großen Marktplatz, wo man links das Haus des Husai-Amban, des General-Inspektors der zacha— Werste rischen Truppen sieht, gekommen waren, gingen wir gerade lber dem über diesen Platz nach dem von dem chalganischen Magistrate ehes ist für die Mission angewiesenen Gasthofe. Wir kamen nach Steine, 1 uhr Nachmittags an dem Orte an. r dicht Zur Aufnahme der Mission waren nur zwey Zimmer schich— angewiesen; aber da diese so enge waren, trat der uns ent— an die gegen gekommene Boschko Urgentai ein drittes daran sto— gewiß ßendes Zimmer für die Studenten ab. Die Kasaken wurden implon in einer besondern Abtheilung untergebracht. Unsre pekin'— sttom, schen Führer quartirten sich auch in demselben Gasthofe ein. Ghal⸗ Nach 5 Uhr des Abends besuchte mich der die Mission wenig geleitende Bitcheschi Tschen mit zwey bey dem Husai-Am— ban dienenden Beamten: dem Sargutschei, mit einem kry— an die stallenen Kügelchen an der Mütze, und demselben Bitcheschi Back; Dsha-Loje, der uns bey dem Stadtthore entgegen kam. Sie saehen⸗ fragten mich, ob wir auf der Reise die nöthigen Bequemlichkei— „ ten gehabt hätten, und ich rühmte die Bereitwilligkeit unserer Führer des Bitcheschi und Boschko gegen die Mission. Unsre Gäste wurden anständig bewirthet. Dann besuchten sie den Pater Archimandriten und nach einer halben Stunde ent— fernten sie sich. Der Sargutschei kam indessen nicht umsonst zu mir. Ihm gefiel außerordentlich mein Hund, der übri— gens von einer ziemlich gewöhnlichen Art war, und den ich aus der troitzkosawskischen Festung(Kiachta) mitgenommen hatte; der Manshur ließ durch den Bitcheschi Tschen ange— legentlichst bitten, daß ich ihm denselben schenken möchte. Ich konnte es dem Sargutschei nicht abschlagen und mein Hund blieb in Chalgan. Hier trafen wir viele Hindernisse in Hinsicht der Ver— sorgung unseres Viehes an. Der Boschko zeigte mir an, daß man das Futter auf Rechnung der chinesischen Schatz— kammer ablassen werde. Spät am Abend brachte man uns nur 5 Körbe gehacktes Stroh, und daher waren wir gezwun— gen, bey dem Wirthe des Gasthofes 20 Bündel Hirsenstroh, jedes für 50 Tschech zu kaufen. Den 19. Nov.(1. Dec. N. St.). Da endlich die Mission das eigentliche China betreten, und folglich, glück— lich genug, den größten und beschwerlichsten Theil der Reise— von Chalgan bis Pekin sind nur? Tagereisen mit Gepäck— beendigt hatte, hielt ich es für Pflicht, aus Artigkeit den Beamten, welche die Mission geleiteten, Geschenke zu ma— chen Der Bitcheschi erhielt 5 Zobel der ersten Sorte, 4 von der geringern; seine beiden Nerba's jeder einen Fuchs. Der Boschko bekam 2 der besten Zobel, und von der gerin— gern Gattung 3; sein Diener 1 Fuchs. Ich beschloß, auf diese Art, ihnen unsere Erkenntlichkeit zum letztenmahle auf der Reise der Mission nach Pekin zu bezeigen. 2 gkeit un ission. li Nach 8 Uhr des Morgens kamen zu uns der Dsangin ichten se dy und Kundui, welche die Mission von der Station Tulga Stunde elt(Tulha) aus begleitet hatten, um Abschied zu nehmen. icht anon Zum Zeichen der Dankbarkeit für ihre auf dem Wege gelei— „ der ühl⸗ steten Dienste wurde jedem ein Fuchs geschenkt. Auf meine 10 fr Bitte versprach der Dsangin einen Podeäpschik*) aufzu⸗ genommen suchen, der die Ueberfuhr der Mission nach Pekin besorgen n hen ange⸗ Der Dsangin fand auch wirklich einen Turkestanen, der für die a möchte. Ueberfuhr pon 100 Gin(Hin) Last nicht mehr als 2 Lana c e verlangte. Aber die chinesischen Thorwärter ließen, auf den Wunsch unsers Bitcheschi, diesen ihnen unbekannten Lie— feranten nicht zu uns. der Vit⸗ um 12 Uhr waren der Vorsteher der Mission und ich, e mir an, nebst dem Wagenmeister, dem Kasaken-Aeltesten und dem u Sgaß⸗ Dolmetscher, in den Zimmern des Bitcheschi Tschen zu Tische man uns eingeladen. Gewöhnlich wird eine solche Einladung an r gezwun⸗ durchreisende Russen auf Rechnung der chinesischen Regierung sirsenstteh, gemacht. Dort war auch unser Boschko, der Sargutschei von Chalgan und der Bitcheschi Dsha. Bey diesem Mit— lch die tagsessen 1 eine Mißhelligkeit mit i Wirthen „ güt⸗ wegen Bedrückungen durch die chinesischen Thorwärter. Schon 1 am Morgen hatte ich Tschen-Loje gebeten, er möchte Befehl 5 geben, für unsre Rechnung Heu für das Vieh zu kaufen; 700 er versprach alles ohne Aufschub zu erfüllen. Da wir aber glei de keine Erfüllung sahen, wiederholten wir unsre Bitte an e Tschen Loje; er sagte eben das wie vorher, aber alles ver— Sorte, 4 8—— 3*) Ein Podrädschik ist einer, der für Bezahlung die Besor⸗ . gung irgend einer Sache übernimmt, wie hier die Besorgung loß, auf der Ueberfuhr der Mission. Einen Lieferanten könnte man gahle auf ihn allenfalls nennen, wenn sein Geschäft in Lieferung von Be— dürfuissen für ein Heer u. s. w. besteht. Darum ist es besser den russischen Ausdruck beyzubehalten. A. d. U. 55 gebens. Endlich bat ich ihn zu erlauben, daß wenigstens unsre Kasaken selbst, um Heu einzukaufen, jenseit der großen Mauer gehen dürften, wo wir am Tage zuvor viele Buden mit Bauholz und Heu gesehen hatten. Der Bitcheschi willigte auch darein. Aber während des Mittagsmahls selbst erschien der Sotnik Sacharow bey mir und klagte, daß die Boschko's von Chalgan die Kasaken nicht weiter als bis an die Thore von Chal— gan ließen. Mit Hülfe des Pater Archimandriten wendete ich mich wieder an den Herrn Bitcheschi und verlangte eine Erklärung, warum er gegen unsere Leute solche Bedrückun— gen ausübe, wobey ich hinzufügte, die Magistratspersonen des Ortes wollten doch nicht etwa unser Vieh durch Hun— ger zu Grunde richten?— Es begann eine Untersuchung. Sie warfen die ganze Schuld auf einen der Boschko's, der Thorwärter war; aber dieser entschuldigte sich damit, daß ihm befohlen worden sey, die Russen nicht jenseit der Stadt— mauer zu lassen. Da wir dieses hörten, waren wir ent— schlossen, vom Tische aufzustehen, indem wir die uns ange- botene Bewirthung durchaus im Widerspruche mit der offen— baren, beleidigenden Bedrückung fanden. Der Bitcheschi fing an uns zu beruhigen. Dsha-Loje und der Boschko gingen hinaus, und die Sache endigte sich damit, daß nach einer Stunde das Heu auf den Hof gefahren wurde. Nach der Herbeyschaffung desselben gab es weiter keine offenbaren Hin⸗ dernisse; nur waren wir genöthigt, dafür, so wie auch für Lebensmittel, größere Zölle, zum Vortheil der armen hiesigen Beamten zu zahlen. Um 8 uhr des Abends kam zu uns ein Chineser Lo— dshu aus Pekin von dem Vorsteher unserer dort befindlichen Mission an den Pater Peter mit einem Briefe vom 13. Nov.(25. Nov. N. St.) abgesandt. Der Pater Archiman— ä———————— aß wenigph eit der gußz r viele Bun hescht wilt st archien oschfoꝛs van e von Cal⸗ en wendete langte eine Dodtͤckun⸗ ratspersogen durch Hun⸗ atersuchung. schko's, der damit, daß der Stadt⸗ u wit ent⸗ uns ange⸗ t der offen⸗ chesch' fing ko gingen nach einer dach det baren Hin⸗ e auch für in hiesigen neser Lo— efindlichen vom 13. Acchimah⸗ 8 drit Jakinf), mit den sechs Mitgliedern seiner Mission, bewillkommte uns bey unsrer Ankunft in den Gränzen Chi— na's, benachrichtigte uns, daß alles zur Aufnahme der neuen Mitglieder der Mission in dem pekinschen Kloster bereit sey u. s. w. Heute und gestern war das Wetter heiter und warm genug. Die über Chalgan stehenden Berge schützen es vor den kalten Winden. Doch machten die feuchten Ausdün— stungen der Steinkohlen einen sehr schädlichen Eindruck auf unsre Gesundheit; dessen ungeachtet mußte man, während der ganzen Zeit unsers Aufenthaltes in China, damit die Zimmer heizen. i Den 20. Nov.(2. Dec. N. St.). Der Pater Archi⸗ mandrit Peter fertigte den expressen Bothen wieder zurück nach dem pekinschen Kloster ab. um 9 uhr des Morgens besuchte uns der Bitcheschi von Chalgan, und brachte dem Pater Archimandriten und mir einige Tellerchen mit seinen chinesischen Speisen. Wir empfingen Dsha-Loje freundlich, und um ihm gegenseitige Höflichkeit zu beweisen schickte ich ihm, durch den Dolmet— scher, einen Fuchs und einen Säbel. Hierauf ging der Wagenmeister mit den Studenten und einigen Kasaken nach den hiesigen Buden, um verschie— dene Dinge einzukaufen. Der Nerba des Bitcheschi erman— gelte nicht diese Gelegenheit zu benutzen, um bey unsern Einkäufen seine Vortheile wahrzunehmen. Er eilte mit ihnen zugleich zu gehen, ungeachtet man seiner gar nicht bedurfte; *) D. i. Hyaeinth. Die Nussen setzen für das ih in Worten griechischen Ursprungs gewohnlich ein 4— z. B. Timofei für Timotheus, Fedor(Feodor) für Theodor u. s. w. A. d. U. 1 3 e 5——— —— 6 denn die chalgan'schen Kaufleute sprechen ziemlich mongolisch. Unsre Führer suchten sehr uns davon abzubringen, daß wir nicht selbst einen Podrädschik aufsuchen sollten, um die Mission nach Pekin überzuführen. um 5 Uhr Nachmittags kamen zu mir der Nerba und der Dolmetscher des Bitcheschi mit zwey Podrädschiks, die nach Besichtigung der Lasten der Mission, über die Anzahl des Viehes, das zum Fortschaffen derselben nöthig wäre, handeln wollten. Wir konnten uns darauf, als auf eine gar zu un— bestimmbare Bedingung, nicht einlassen, und verlangten die Bestimmung des Preises der Fuhre nach dem Gewicht. Die Podrädschiks sprachen unter sich in chinesischer Sprache, und eben so auch mit dem Nerba, der bey dieser Gelegenheit die— selbe Rolle spielte, wie der Boschko bey der Reise der Mis— sion im Jahre 1807, und sagten dann die Preise: für un— sern Wagen, worin der Pater Archimandrit wünschte bis Pekin zu fahren, für zwey chinesische Kaleschen oder kleine Wagen, in deren jeder zwey Menschen fahren mußten, eben so auch für zwey große Wagen, für zehn Kasaken— 12 Lana(24 Rubel in Silber) für jeden. Ueberdieß für Reit— pferde und Maulthiere, für jedes 10 Lana; und von jedem 100 Gin(Hin), ungefähr 35 Pud(140 Pfund) Last, auf Kameele oder Maulthiere geladen, 7 Lana in Silber. Un— glaublich hohe Preise!— Nach langem Handeln erklärten wir endlich bestimmt, wir würden für die Wagen nicht mehr geben, als 8 Lana; für die Reitpferde und Maulthiere 22 Lana, und von jedem 100 Gin(Hin) 2 Lana; denn wir hatten dieses vor Augen, daß im Jahre 1807 die Reisenden unserer Mission von jedem Manne, der in einem Wagen fuhr, und von jedem 100 Gin(Hin) 2 Lana 8 Tschin be— zahlt hatten. Die Podrädschiks ließen etwas von ihrem Preise nach und entfernten sich. Bald nachher kamen der lch monpolß ingen, daß N solten, un d. der Nerba if rädschiks, zy e Amzall dez ite, handeln e gar zu un⸗ dalangteg die ewicht. Die Spiache, und legenheit die— ise der Mis⸗ eise: für un⸗ vünschte bis oder kleine ußten, eben saken— 12 6 für Reit⸗ bon jedem Last, auf lber. Un⸗ in erklätten nicht mehr Ilthiere 2 denn wir Reisenden em Wage Tschin he⸗ bon ihtel kamen de — 8 Nerba und Tschakdur, der Dolmetscher des Bitcheschi zu mir zurück mit Versicherungen ihres Eifers für uns. Wenn wir nur noch etwas weniges, sagten sie, zu den oben erwähn— ten Preisen zusetzen wollten, so würden sie, ungeachtet der Nachtzeit jetzt, es den Podrädschiks zu wissen thun. Wir baten sie, die Preise, die wir ihnen schon geboten hätten, zu bewilligen, die noch höher wären, als die, welche der zu uns nicht zugelassene Turkestane gefordert hatte. Den 21. Nov.(3. Dec. N. St.) war in der Nacht ein heftiger Sturm: mit Geheul brach der Wind durch die chalgassischen Schluchten, und erregte in der Luft ein gewal— tiges Sausen. um 8 uhr des Morgens kamen die Podrädschiks. Auf unser Zureden willigten sie ein zu nehmen: 1) für eine Sänfte(zu 2 Maulthieren) für den Pater Archimandriten (wegen der völligen Unmöglichkeit unsern vierrädrigen Wa— gen zu fahren, wovon es auch vorher schon Beyspiele gab), so wie auch für 2 Kaleschen, in denen nachher die Ordens— geistlichen, der Hierodiakon und ein Student fuhren, und für zwey große Wagen für zehn Kasaken— 8 Lana für jeden; 2) für 19 Pferde und Maulthiere zum Reiten für mich und den Wagenmeister, den Kasaken-Aeltesten und den Dolmetscher, so wie auch für drey Studenten, zwey Kir— chendiener und neun Mann Kasaken, die zur Begleitung des Gepäckes bestimmt waren,— 2 Lana 5 Tschin. Es wurde festgesetzt den 24. Nov.(6. Dec. N. St.— nach dem chinesischen Kalender, den ten des 11ten Mondes) abzureisen und nach 7 Tagen die Mission nach Pekin in den russischen Klosterhof zu bringen; über diese Punkte mußten die Podrädschiks auf mein Verlangen einen schriftlichen Schein ausstellen. Von dieser Beendigung des Handels gaben wir dem Bitcheschi und Boschko Nachricht, welche gern sich für e die Pünktlichkeit des obersten Podrädschiks Lilän dün, der aus dem östlichen Turkestan gebürtig war, verbürgten. Man muß anmerken, daß die Turkestanen vorzugsweise mit Fuhr— wesen und Unterhaltung von Gasthöfen sich nähren. Um 12 Uhr bereiteten sich unsere Leute, die zum Ueber— wintern in der Steppe bestimmt waren, zur Abreise nach Zagän Balgaßü(Zahan Balhaßu). Der Sotnik Sacharow, der als Vorgesetzter dieser Abtheilung dort blieb, erhielt von mir eine schriftliche Anweisung. Indessen konn— ten sie an diesem Tage noch nicht aus Chalgan abreisen, wegen eines entstandenen Streites der Zacharen mit un— sern pekin'schen Führern. Der zacharische Kundui, der die Mission von der Station Tulga(Tulha) bis Chalgan begleitet hatte, kam in unsern Gasthof um 4 Uhr des Nach— mittags. Als der Bitcheschi sah, daß es schon spät zur Abreise für unsre Leute wurde, gab er dem Kundui einen zu strengen Verweis für seine Unachtsamkeit. Der Kundui, beleidigt durch die groben Reden des Bitcheschi, fing gegen— seitig an, ihm verschiedene gegen die Russen auf der Reise bewiesene Ungerechtigkeiten vorzuwerfen. Der Bitcheschi ging sogleich hinaus, unter dem Vorwande, er wolle sich bey dem Husai-Amban über jenen Zacharen beschweren. Nach einigen Minuten kam er zurück, und seine Nerba's baten den Kundui, sich in Friede und Ruhe zu entfernen. So viel bedeuten hier die kriegerischen, für die Chineser uner— träglichen Zacharen. Den 22. Nov.(4. Dec. N. St.). In Chalgan, so wie in den beiden Maimatschen, bey Kiachta und bey Urga, feuert man, des Morgens um 6 und des Abends um 9 Uhr eine Signalkanone ab. Mit dem ersten Schusse kann jeder ausgehen und, wenn es nöthig ist, sogar bey der Obrig— andi bͤͤrgten. N weise mit dul hahn. e zum lch, Abreise nach Der Sotnik ig dort lieh, dessen konn⸗ an abtiist, ren mit un⸗ dul, der die bis Chalgan ihr des Nag⸗ son ful zur ui einen zu der Kundui, fing gegen F der Reise ei gg le sich bey ten. Nach rba's baten ernen. So heser uner— 0 an, so wie bey Urga, nds um 9 schusse kann der Ohr * keit erscheinen; der letzte Schuß aber benimmt dieses Recht, außerordentliche Vorfälle ausgenommen. Nach 9 Uhr kam zu uns der Kundui, von dessen Kühn— heit wir gestern erwähnten, mit einigen Zacharen, und erzählte mit Triumph von der Demüthigung des Bitcheschi. Der Sotnik Sacharow wurde sogleich von mir mit fünf Kasaken und dem Viehe aus Chalgan weggesandt. Nachmittags beschäftigte sich der Podrädschik, die der Mis— sion gehörigen Sachen auf einer großen ansehnlichen chinesischen Schnellwage zu wiegen. Die ganze Last betrug 12400 Gin, oder, nach russischem Gewicht, ungefähr 452 Pud(18080 russische Pfund), wenn man nach der im Jahre 1807 an— genommenen Berechnung, auf 100 Gin 3 Pud 25 Pfund 80 Solotnik') rechnet. Unserer geschlossenen Uebereinkunft zufolge wurden für jede 100 Gin 2; Lana oder 5 Rubel in Sil— ber gerechnet; folglich bekam der Podrädschik für die Ueberfuhr der erwähnten Lasten von Chalgan bis Pekin, etwa 200 Werste (283 d. M.) weit, ungefähr 700 Rubel, d. i. von dem Pud 1 Rubel 25 Kopeiken**) in Silber. Welche Theurung, in Vergleich mit unsern Preisen! Nach einer Stunde kamen der Nerba und der Dolmet— scher des Bitcheschi wieder zu mir. Der Zweck ihres Besuchs war seltsam. Der Nerba fing zuerst an, aus einander zu setzen, welchen Eifer sein Herr und der Boschko Urgentai bey Geleitung der Mission bewiesen hätten; wie viele Un— ruhe sie gehabt, da sie sich nach unsern Plänen und nach dem Zustande unseres Viehes gefügt hätten; endlich stellte *) D. i. 14594 oder 1455 Pfund, da das Pud 40 Pfund, und das Pfund 96 Solotnik enthält. A. d. U. *) D. i. 1 Thlr. 8— 9 gr., da der Silberrubel ungefähr einen Thaler beträgt. A. d. U. J. Bauhb. 21 335 er auch das noch uns vor Augen, daß der Bitcheschi sich viel Mühe gegeben habe, einen zuverlässigen Podrädschik zur Ueberfuhr der Mission von Chalgan nach Pekin ausfindig zu machen, und daß er die Bürgschaft für dessen Pünktlich— keit auf sich nehmen wolle. Er schloß diese schlau zusam— mengewebte Lobrede damit, daß es, zur Belohnung für solche große Dienste, weit anständiger für den Major wäre, die Geschenke den Führern der Mission in Chalgan, und nicht in Pekin zu geben.— Nachdem ich geduldig(was für einen Europäer nöthiger als alles ist) einen Vorschlag die— ser Art angehört hatte, bewies ich unsrerseits, daß nicht wenig Geschenke von mir den Führern schon auf dem Wege gegeben worden, und deswegen hätte ich, nicht ohne Grund, es aufgeschoben, für die Bemühungen des Bitcheschi und Boschko eine anständige Belohnung erst nach völliger Been— digung unserer Reise, das heißt, nach meiner Rückkehr mit der vorigen Mission nach Kiachta zu bestimmen; aber alles vergebens. Der Nerba erkühnte sich, sogar einen Wink zu geben, daß die von uns mit den Podrädschiks geschlossene Uebereinkunft, ohne Mitwirkung des Bitcheschi, leicht gebro— chen werden könnte, und wir dann genöthigt seyn würden, noch eine Woche hier zu bleiben, bis wir neue Podrädschiks fän— den, und diese wahrscheinlich theuer bezahlen müßten. Im vollen Maaße unsre schutzlose Lage) fühlend unter einem *) Durch eigene Erfahrung erkannten wir die Richtigkeit fol— gender Aeußerung, die der Agent Lange schon vor 100 Jahren machte.— Alle Mandarinen(chinesische Beamten), sagt Lange, denen irgend ein Auftrag vom Hofe— er betreffe nun Unter— thauen des Reichs oder Fremde— gegeben wird, werden vom Ministerium gewählt und abgesendet. Nach Beendigung des Geschäfts sind sie verbunden, den vornehmsten Großen Geschenke darzubringen. Und damit dieses den Darbringern nicht zum Nachtheil gereiche, und sie selbst davon auch einigen Nutzen 2 Bitches adrids fin auff in Pünkllg⸗ lau zusen⸗ ahnung fit sajor ware, gan, und (was füͤr chag die⸗ „daß nicht dem Wie hne Grund, cheschi und liger Bern- lkkehr mit abet alles u Wink zu eschlosser icht gebro— kden, noch hiks fän⸗ ten. In ster einen igkeit fol⸗ oo Jahren agt Lange, un Unte⸗ erden vont digung de n Geschenke nicht zun gen Nußel 3 1 kalten zu Bedrückungen so geneigten Volke, war ich gezwun— gen zu versprechen, die Forderungen des Bitcheschi zu erfül— len. Seine treuen Diener verließen uns mit fröhlichen Ge— sichtern. Sobald als diese Werkzeuge der hiesigen Habsucht sich entfernt hatten, wendete ich mich sogleich an den Vorsteher der Mission, und bat um seinen Rath, wie man bey diesem mir gänzlich neuen Falle gehörig verfahren sollte. Da man nach allen Betrachtungen fürchten mußte, daß die beynahe schon zu Ende gebrachte Angelegenheit der Reise der Mis— sion nach Pekin, durch unsre Führer, zum großen Nachtheil unsrer Kasse, gestört werden könnte, beschloß der Vorsteher der Mission einstimmig mit mir, nach Möglichkeit die Gier des Bitcheschi und Boschko zu befriedigen. Den 23. Nov.(5. Dec. N. St.). Und so überschickte ich um 7 Uhr des Morgens folgende Geschenke: dem Bit— cheschi 5 Arschinen schwarzes Tuch, 2 der besten Zobel und 2 der mittlern Gattung; er hatte sehr gewünscht einen Bi— ber zu bekommen, aber dergleichen Pelzwerk hatten wir selbst nicht; seine zwey Nerba's und der Dolmetscher erhielten 6 Arschinen desselben Tuches, 2 Zobel der Mittelgattung und genießen; haben sie nie zu fürchten, daß man ihr Verfahren jemahls einer strengen Untersuchung unterwerfen werde. Nie— mand kann seine Klagen geradezu dem Bogdochan vortragen, und er muß durchaus dazu durch das Ministerium gelangen, oder durch die, welche die ersten Aemter am Hofe inne ha— ben; und diese Herren sind so enge durch ihren Vortheil mit den Großen des Reiches verbunden, daß der Beeinträchtigte, er mag sich auch wenden wohin er will, dennoch überall gar nichts ausrichtet.— S. Tagebuch des Aufenthalts des Agenten Lauge in Geschäften des Kaisers Peter J. am pekin'schen Hofe in den Jahren 121 u. 22; in Bels Reisebeschreibungen(St. Pe— tersburg 1776) Ir Thl. S. 79. A. d. V. 2 4 Füchse. Der Boschko 3 Arschinen Tuch und 2 der besten Zobel; sein Nerba empfing 2 Füchse. um 9 uhr des Morgens kamen zu mir der Bitcheschi und Boschko, mit allen ihren Dienern, um für die über— sandten Geschenke zu danken; ein höchst komischer Auftritt! Mit ihnen kam auch der Podrädschik. Sein mitgebrachter schriftlicher Contract, in chinesischer Sprache, wurde zuerst von mir dem Pater Archimandriten Peter übergeben, und von ihm mit Billigung aufgenommen. Nach dieser Ueber— einkunft kamen dem Podrädschik 400 Lana in Silber zu. Von dieser Summe gab ich ihm in Gegenwart des Bitche⸗ schi und Boschko 301 Lana, 8 Fun und 6 Li nach dem chinesischen Gewicht Schüpin(das man uns aus der troitz— kosawskischen Gränzkanzley mitgegeben hatte), welches mit dem Kupin), nach welchem in China alle Steuern in die Schatzkammer angenommen, und eben so auch von dieser alle Zahlungen der Gehalte u. s. w. gemacht werden. Nach dem Gewicht Schipin machte eins unsrer Pfunde 11 Lana und 1 Tschin aus; deswegen erhielt der Podrädschik 27 Pfund und 12 Solotnik(275 oder 275 Pfund). Das Uebrige sollte, der Uebereinkunft zufolge, bey unsrer Ankunft in Pe— kin ausgezahlt werden. Die Güte unseres Silbers ist hier bekannt, und wird darum sehr geachtet. Als der Podrädschik seine Summe erhalten hatte, ent— fernte er sich mit dem Nerba. Bald nachher begaben sich der Bitcheschi und Boschko von mir zu dem Husai-Amban, ihm zu melden, daß die russisch-kaiserliche Mission morgen nach Pekin abreisen werde.— Der Husai-Amban lud uns *) Eine vergleichende Berechnung des chinesischen Gewichts mit dem unsrigen ist am Ende des zweiten Theiles dieses Werks beygefügt. A. d. V. r Bitch r die bh r Auftritt cgebrochlu de zuerst en, und r Ueber⸗ Sicher zu. is Bitche⸗ nach dem det ttoitz⸗ sches mit rn in die eser alle ach dem dana und fund labrige in Pe⸗ ist hier te, ent⸗ hen sich Amban, morgen ud und chts nit Werkz 1 nicht zu sich ein; eine Zusammenkunft mit ihm zu suchen hielt ich nicht für passend. Nach 2 uhr kam, um von mir Abschied zu nehmen, der Bitcheschi von Chalgan Dsha-Loje, in Begleitung eines jungen Chinesers, der reich gekleidet war und an seinem Gürtel eine silberne französische Uhr trug. Bey uns war noch ein chinesischer Kaufmann, der etwas russisch sprechen konnte. Nach ihm kam der Dolmetscher des Bitcheschi. Nach einigen Worten des Dolmetschers, die in chinesischer Sprache gesagt wurden, entfernte sich der Kaufmann. Von ihm erfuhren wir indessen, daß der chine⸗ sische Arschin, d. i. 2 Arschin unseres Maaßes, von schle⸗ sischem schwarzen, in Kiachta eingetauschten Tuche, in Chal— gan zu 6 und 7 Tschin, oder unser Arschin zu 2 Rubel 50 Kopeiken(ungefähr 27 Thlr.) in Silber verkauft wird; ein guter Zobel zu 2 und 3 Lana, ein Fuchs zu 2 Lana. Un- sre Seife wird hier sehr geschätzt. Noch einige Worte von Chalgan überhaupt.— Diese Stadt hat den Nahmen von dem mongolischen Worte Chalga, welches ein Thor oder einen Schlag bedeutet. Es ist bekannt, daß die Einwohner, welche irgend einer Stadt am nächsten sind, sie gewöhnlich nicht mit ihrem Nahmen, sondern bloß die Stadt nennen. Auf diese Art haben die Russen, die oft von den Mongolen das Wort Chalga hörten, diesen Gattungsnahmen in einen eigenen Nahmen verwandelt. Bey den Chinesern ist sie unter dem Nahmen Tschandsä-keu bekannt. Sie wird in den obern und untern Theil, nach dem Laufe des Flusses abgetheilt. Der obere Theil liegt beym Ausgange über die Gränze in die Mongoley, und hat ein Thor, daß in der großen über die Berge geführten Mauer erbaut ist. Aus diesem Thore erkennt man gegen Westen die alte Mauer nur an einem 10 ——„ — 2— — — 326 Walle von Steinen und grünen Hügeln, die von den ein— gefallenen Thürmen zurückgeblieben sind. Der untere Theil von Chalgan liegt von dem südlichen Eingange an, und hat eine nicht eben große Festung mit Besatzung. Diese Stadt ist nicht groß, es sind keine prächtigen Gebäude darin; aber sie ist sehr volkreich. Die Einwohner zeigten eine große Neugier gegen die durchreisenden Fremden. Nicht nur an den Thoren unsers Gasthofes, sondern gar auf den benach- barten Dächern standen in großen Haufen Zuschauer vom Morgen bis zum Abend. Hier rechnet man 22 bürgerliche Beamte; Militärbeamte sind bey dem Husai-Amban, dem Inspector und seinem Gefährten, eine große Menge. Ueber— dieß ist Chalgan der Schlüssel des chinesischen Handels mit Rußland, und zum Theil mit der Mongoley. Aus dieser Ursache ist hier ein großer Zusammenfluß von Kaufleuten. Das Silbergewicht ist mit dem pekin'schen nicht überein— stimmend; wohl aber mit dem von Kiachta und Urga, weil diese Plätze durch Handelsgeschäfte in unmittelbarer Verbin— dung mit einander stehen, Achtes Kapitel. Reise der Mission von Chalgan nach Pekin. Den 24. Nov.(6. Dec. N. St.) verließ endlich die Mission Chalgan bey heiterem und hinlänglich warmen Wetter. Das Gepäck ging um 10 Uhr, unter Aussicht unserer Kasaken, auf 27 Kameelen und 25 Maulthieren; und um 11 uhr reisten auch die Mitglieder der Mission in Begleitung des Bitcheschi und Boschko ab. Uebrigens beglei— tete bis zur folgenden Stadt lersten Grades) Siuäng— chua-fu die Mission ein Boschko, der dazu von dem chal⸗ gan'schen Inspector, dem Husai-Amban abgeordnet war. on den ih tere Thel u, und hat de Set arin; hlt ine großt t nur an benach⸗ uer vom urgeiliche ban, den „ eber⸗ dels mit us dieser uufleuten, llberein⸗ a, weil Virbin⸗ lich die warmen lufsicht ieren; sion in beglei⸗ uäng⸗ n chal⸗ vor. 8 Als wir aus dem Thore des Gasthofes heraus waren, wendeten wir uns rechts. Etwa 2 Werste gingen wir durch enge und schlecht gepflasterte Straßen. Auf beiden Seiten sind viele Buden mit verschiedenen Waaren, und unter diesen auch Reisebedürfnisse. Ganz am Ende der Stadt fuhren wir über eine steinerne Brücke, die über einen kleinen Fluß gebaut ist, der aus den Bergen oberhalb Chalgan, wie vorher erwähnt worden, hervorfließt. Die Brücke ist ungefähr 80 Klaftern lang und 7 Klaftern breit. Einige Geländer von Granit sind in den Fluß gestürzt, und die Stelle, wo sie gestanden haben, ist mit nichts bedeckt;— eine Unachtsamkeit der Po— lizey, die für die Darüberfahrenden verderbliche Folgen haben kann; denn die Brücke ist über die Oberfläche des Flusses 3 Klaftern erhöht. Auf der linken Seite des Flusses außerhalb der Stadt verkauft man in Haufen Mist zur Düngung der Felder. Jenseit der Brücke geht die Straße durch eine Ebene gegen Westen. Von hier aus nur kann man bemerken, daß Chalgan ganz an dem Rücken hoher Berge in einem langen Streifen, am rechten Ufer des vorerwähnten Flusses gebaut ist. Die Häuser sind von ziemlich hübscher Bauart und mit Weiden umpflanzt. Die ganze Ebene diesseit des Flusses ist ein reicher, bearbeiteter Acker. Die Gipfel der Berge sind weiß von Schnee, den man auf den Feldern ganz und gar nicht sieht. Der Boden ist thonig mit Schutt von kleinen zerbrochenen Steinen vermischt. Dicke Staubwolken umwog— ten uns auf der ganzen Fahrt. Der Weg selbst liegt auf 2 und 3 Arschinen tiefer als die Felder: das Vieh kann, wenn es auf der Straße geht, die besäeten Felder nicht be⸗ schädigen. Auf den Feldern sieht man viele ländliche Häus— chen. Aber der Weg dient mehr als alles zum Beweise der Betriebsamkeit und der starken Bevölkerung China's. Auf — 22 * jedem Schritte begegneten uns Leute zu Pferde, andre die Stroh u. s. w. auf Maulthieren und Eseln führten. Alle 5 Li, oder 2 Werste“(I oder etwas über 3 d. M.) befin⸗ den sich Wachthäuser, ähnlich den russischen auf vier Pfählen stehenden Warten. Neben jedem Wachthause stehen 5 kleine dicke und kegelförmige steinerne Säulen, auf denen die An— zahl der Li's bemerkt ist. An den Wänden des Wachthauses sind mit Farben, ungeschickt genug, Pferde, Flinten, Bogen und Köcher mit Pfeilen abgebildet. Diese Wachthäuser die— nen statt eines Telegraphen: wenn etwa Unruhen an der nördlichen Gränze China's entstehen, so gelangt plötzlich die Nachricht davon nach Pekin, und die Truppen müssen unge— säumt in Bereitschaft seyn, dem Feinde entgegen zu gehen. In jedem Wachthause wohnen einige Soldaten von der grü— nen Fahne, oder dem eigentlichen chinesischen Corps. Diese, so wie alle chinesische Soldaten, mit Ausnahme der Man— shuren, sind mehr Ackerbauer, die von den Verbindlichkeiten der Bauern befreyt sind; dafür aber sind sie verpflichtet, in gewissen Fällen, den Kriegsdienst zu verrichten. Als wir 15 Werste(22 d. 5 M.) von Chalgan entfernt waren, hielten unsre pekin'schen Führer und die Fuhrleute der Wagen, nach der Gewohnheit ihres Landes, in dem gro⸗ ßen ansehnlichen Gasthof Mäojuilin zur Linken des We⸗ ges, zum Ausruhen an.— Die Chineser lassen nie die Gele— genheit vorbey, die Lockungen und Bequemlichkeiten solcher an der Straße liegender, Ruheplätze zu benutzen. Dort fanden ) Man sagt ein Li enthalte mehr als 250 Klaftern. Da ich aber, nach Berechnung der Zeit, keine sehr große Abweichung von diesem Maaße bemerken konnte; so setze ich jede zwey Li, dem Maaße nach, 500 Klaftern oder einer russischen Werste gleich. A. d. V. wir leut 1 10 lier! fan Hul , ndnd. feln, gl „Mu ift bie Mhh an ö fh n die h acsthausse „ Bogen user die⸗ an der oli de en unge⸗ u gehen. er grü⸗ Diese, Man⸗ keiten htet, in ntfernt erleute gro⸗ We⸗ Gele⸗ solcher anden haber/ ng von weh sischen — wir eine Menge reisender Beamten, Dorfbewohner und Kauf— leute. Sie saßen in der langen Gallerie des Theehauses, und stärkten ihre Kräfte, jeder nach seinem eigenen Geschmacke und Vermögen. Sie tranken Thee, aßen Fadennudeln— hier ein Lieblingsgericht u. s. w. Die Fuhrleute indessen tränkten ihre Maulthiere und Pferde, und fütterten sie mit Häckerling, der in demselben Gasthofe gekauft war und aus klein gehacktem Strohe und Getreidekörnern bestand. Von Maojuilin aus fingen wir an merklich aufwärts auf eine Höhe zu gehen, wo ein nicht großer, sehr schöner Tempel steht. Diesem gegenüber steht ein steinernes Schau— spielhaus, oder nur bloß eine Bühne. An Festtagen ergötzen herumziehende Schauspieler das Volk hier mit ihren Vor— stellungen. Nach diesem mußten wir durch einen sehr engen Hohlweg hindurch. Um die Straße durchzuführen, ist hier der Berg absichtlich mit Pulver gesprengt; der Hohl— weg selbst ist auf einige Klaftern weit mit rohem Gesteine gepflastert. Aus dem Hohlwege kamen wir in ein Thal, das von allen Seiten hohe Berge umschließen. Zwischen Sandhü— geln fuhren wir, uns gegen Süden wendend, bis zu der Stadt Siuangchua, auf einem für Wagen sehr beschwer— lichen Wege. In der Umgegend der Stadt giebt es viele Aecker, die unter andern zum Aussäen des Reißes eingerich— tet sind. Diese Reißfelder sind mit Wasser übergossen, das jetzt, in Eis verwandelt, den Anblick ungeheurer Spiegel gewährte; die röthlichen Strahlen der niedersinkenden Sonne gaben ihnen noch größern Glanz. Lange gingen wir an der Stadtmauer hin durch Wäldchen von Weiden und Kanäle, die aus den in der Nähe befindlichen Bergbächen abgelei— tet sind. . Als wir über eine Brücke, die über den Hauptkanal gelegt war, und dann durch ein dichtes Gehölz gegangen waren, kamen wir nach Siungchua hinein, nachdem wir diesen Tag 35 Werste(5 d. M.) zurückgelegt hatten. Die Stadtmauer, ungefähr 30 Fuß hoch, gleicht der gezackten Mauer des Kremls in Moskau und überhaupt den alterthüm— lichen Mauern einiger russischen Städte. Sie ist, wie wir an eingefallenen Stellen bemerkten, aus zwey dünnen Mauern von Backsteinen aufgeführt und im Innern mit Lehm, der mit Sand vermischt ist, ausgefüllt; auf der Mauer sind Thürme in einer gewissen Entfernung von einander errichtet. Der Eingang in das erste nördliche mit Eisen und großen Nä— geln beschlagene Thor ist links von dem Wege; aus diesem Thore muß man rechts durch ein anderes gehen, wo ein Wachthaus steht; von da kommt man durch ein drittes Thor, und dann erst tritt man in die Stadt selbst ein. Bey dem Eingange der Stadt sind, wie in vielen unserer Städte, die Schmiede- und Wagner-Reihen*). Auf einer breiten Straße fuhren wir bis zu einer Triumphpforte, dann wen— deten wir uns rechts. Durch Nebengassen und Hauptgassen kamen wir bis an die südliche Stadtmauer, wo für die Mis— sion ein besonderes Haus, weit bequemer und reinlicher als das in Chalgan, angewiesen war. In einem und demselben Gasthofe mit uns wurden auch unsre Führer einquartiert. Die Gouvernementsstadt Siuangchua-fu, von den Mon— golen Bäͤin Ssum é(die reichen Tempel) genannt, ist größer und prächtiger als Chalgan; die Straßen darin sind *) Im Russischen rädu. So nennt man jede Reihe neben einan— der stehender Buden, Gewölbe, Werkstätte. In russischen Städten sind gewöhnlich die Schmiede u. s. w. in einer Reihe neben einander, so wie Fischer, Fleischhauer in deutschen Städten. A. d. U. 10 schb Wege 0 0 auth gegangg idem pr sten. Dee gezackten lterthün⸗ wie mir Mauern hm, der Würm et. Det hen Nä⸗ ö diesem wo ein drittes n. Beh Städte, breiten an wen⸗ othassen ie Mis⸗ ger als mselben jartiert. n Mon⸗ nt, ist in sind g einan⸗ ussischen er Reihe eutschel breit und rein. Nach der Größe der Stadt zu urtheilen, sind hier zu wenig Einwohner. Man sagte uns, unter der letzten chinesischen Dynastie Ming sey Siuangchua sehr bedeutend und volkreich gewesen; damahls befanden sich in dieser Stadt und der Umgegend bis hunderttausend Mann Truppen, um die Mongolen zu beobachten, und ihre Ein— fälle in China von dieser Seite abzuwehren, auf welcher es mehrere Stellen zum bequemen Durchdringen gab, als an andern Theilen der Gränze. Hier bereitet man die besten Filze und leichte aus Wolle gewalkte Mützen, die bey den chinesischen Dorfbe— wohnern allgemein im Gebrauche sind. Den 25. Nov.(7. Dec. N. St.) ging die Mission um 10 uhr des Morgens von Siuangchua ab, und kam nach sechs Stunden bey der Festung Dsimin- i, nach einem Wege von 30 Wersten(47 d. M.) an. Vor unsrer Abreise bat ich unsern Bitcheschi die Ein— richtung zu treffen, daß die für die Mission angewiesenen Quartiere vor unsrer Ankunft etwas geheizt werden möch— ten; denn wir litten sehr viel von dem Dampfe der Stein— kohlen, die erst nach unsrer Ankunft angezündet wurden. Man muß sagen, die Chineser ertragen Feuchtigkeit und Kälte in den Häusern sehr leicht. Arme Leute heizen, selbst im strengsten Winter, sehr selten ihre Wohnungen, und zün— den nur zur Bereitung ihrer mäßigen Speise Feuer darin an. Aber auch diese häusliche Erquickung haben sie nicht jeden Tag, wegen der unter diesem Volke bemerkbaren Dürf— tigkeit. Hier verkauft man alles, was zum Leben unum— gänglich nöthig ist, von dem Kruge Wasser an, dessen man zur ersten Erfrischung nach dem Schlafe bedarf. Es versteht sich von selbst, daß die Lüsternheit ihre Befriedigung nur auf den Marktplätzen findet; die ordentliche Kost erhalten „ Reisende, eben so wie die Einwohner selbst, aus Speisehäu— sern. Da ich nicht viel Glauben an die Reinlichkeit der hie— sigen Köche hatte, hielt ich, während meiner Reise und mei— nes Aufenthalts in China, immer meine eigene Reisekost, die von den Kasaken zubereitet wurde, wobey man nur die Vorräthe, die man fast in jedem Städtchen finden kann, einkaufte. Doch wird immer auch hier Vorsicht und eine genaue Kenntniß der Physiologie erfordert, um nicht auf seinem Tische ein gekochtes oder gebratenes Stück desselben Thieres zu sehen, das eine Stunde vorher den Sattel trug, auf dem man saß, oder den Wagen zog. Der chinesische Geschmack gestattet in dieser Hinsicht eine unbegränzte Duld— samkeit. Der gegenwärtige Weg geht in gerader Richtung nach Süden, am linken Ufer des Flusses Jan, der nicht tief ist, aber eine reißende Strömung und dadurch sehr trübes Was—⸗ ser hat. Jetzt ist dieser Fluß mit Eis bedeckt, außer den Wasserstrudeln, die nicht zufrieren. Zur Zeit der Regen schwillt er von den Bergströmen schnell an, und ergießt sich über die ganze niedrig liegende Strecke zwischen den Bergen. Von allen Seiten erheben sich die höchsten Berge; auf ihren Gipfeln lag viel Schnee. Zuerst fuhren wir auf einer Ebene bey den chinesischen Todtenäckean vorüber; dann kamen wir über eine Brücke über einen Bach, der in den Jan⸗ che fällt, und gingen hierauf durch ein Wäldchen von Weiden und zwischen Ackerfeldern, die gewöhnlich durch Wasser, das in Kanälen hingeleitet wird, bewässert werden. Der Boden ist Thon mit Sand vermischt; und am Fuße der Berge Kiesel und Schutt kleiner zerbrochener Steine. Als wir 11 Werste *) Jan ist der eigentliche Nahme des Flusses; und che bedeutet in chinesischer Sprache Fluß. A. d. V. 05 eine W 10 dan deb 1 W l U D Wesch en gag! de e der r a die desen droh Specht, keit der h ge und m Meisel n nur die den fans, und eine icht auf desselben wal trug, chinesisch te Duld⸗ ung nach fief /, b Was⸗ ßer den t Regen laßt sich Bergen. f ihren Ebene den wir 0 fall, en und dab in den ist sel und Werste hedeutel —— (1% d. M.) von Suangchua entfernt waren, mußten wir über einen nicht sehr hohen Bergrücken gehen, auf einem sehr engen Wege, der durch den Felsen durchgebrochen war. Vier Werste lang gingen wir in einer Schlucht, zuerst zwischen Steinen, dann in einem lehmigen Hohlwege. Und hier, auf der Hälfte des Weges, in der Niederlassung Schangßäpu, hielten die Fuhrleute mit den Wagen an, um ihre Pferde zu füttern. Unser Gepäck auf den Kameelen und Maulthieren ging vorbey. Die letzte Hälfte des Weges bis Dsimin-i ist äußerst beschwerlich zum Durchfahren, unsre vierrädrigen großen Wa— gen können auf keine Weise hier durchkommen. Größtentheils ging unser Weg über Kieselfelsen. An vielen Stellen hängen die Steine, über welche wir weggingen, über den Fluß selbst, der mit Brausen sich um die Felsen herum windet; und von der andern Seite drohen sie den Reisenden zu verschütten. Diesseit des Flusses steht der Granitberg Chuan jan, dessen spitzige Gipfel sich in den Wolken verlieren. Diese drohenden majestätischen Oerter machen einen tiefen Eindruck auf den Reisenden, der aus offenen Steppen kommt.— Ununterbrochen gingen Karawanen mit Backsteinthee auf Kameelen nach Chalgan. Auf Maulthieren und Eseln führ— ten sie Steinkohlen aus den nächsten Bergen. In den engen Schluchten konnte man kaum den Begegnenden ausweichen. Für den Fall, wenn der Fluß austritt, und um die Enge zu vermeiden, ist ein schmaler Weg über die Berge geführt, die auf dem rechten Ufer des Flusses Jan liegen; auf diesem gehen beladene Esel bis Dsimin-i. Zum Uebergange über den Fluß während des Winters sind auf dem Eise einstweilige Brücken aus dünnen langen Stangen und Stroh gemacht, welche beym ersten Austreten des Wassers im Frühjahr, bis auf den Grund zerstört wer— „ den. Viele Mongolen begegneten uns und besonders vom zacharischen Ländertheile, die aus Pekin zurückkehrten. Näher bey Dsimin-i giebt es Dörfer. Die wirth— schaftliche Bauart der chinesischen ländlichen Wohnungen ist nachahmungswerth. Auf den aus Lehm geklebten Ring— mauern sind Dorngebüsche aufgepflanzt, und in den Gassen, auf dem Wege und um die Tempel stehen alte Weiden mit sehr vielen Zweigen. Etwa 8 Werste vor der gedachten Festung geht der Weg auf dem sandigen Ufer des Flusses Jan; dann 3 Werste über Bergströme und Steinklüfte; die noch übrige Strecke zieht sich am Fuße steiler und hoher Berge hin, die zur rechten Seite des Weges liegen; in die— sen Bergen gewinnt man viele Steinkohlen. Die Mission hielt in der Vorstadt, der westlichen Festungsmauer gegenüber, in einem der Regierung gehörigen Gasthofe an; der Bit— cheschi und Boschko blieben im Posthause. Ungefähr 2 Werste vor der Vorstadt begegneten wir chinesischen Courieren, die aus Pekin kamen. Voran war ein Boschko, der auf dem Rücken eine mit gelbem Zeuge umwundene Rolle hatte; hinter ihm zwey Beamte in Be— gleitung von noch vier Menschen, entweder Dienern oder Soldaten. Wahrscheinlich überbrachten sie irgend einen Be— fehl des Bogdochan. Die Farbe des Umschlags um die Rolle bestätigte die Richtigkeit dieser Vermuthung. Dem Gasthofe gegenüber nach Nordost, beynahe über der Festung, erhebt sich der Felsenberg Dsimin. Auf sei— nem Felsenhügel, wohin die Augen kaum reichen können, steht ein Gebäude: dieses ist ein Kloster, von Choschanen, chinesischen Mönchen des foischen Glaubens*), bewohnt. *) Den Propheten Schigemuni, den Stifter der, in Europa mehr unter dem Nahmen der lamaischen bekannten Lehre, neu— 55 U 6 sch 1 U g! Ni falt fat sonderb i, ten. Die wit ungen f ten Re en Gossh eiden mit gedachten 6 Flusses deͤnklüftt; und hoher n; in die⸗ e Mission gegenüber, der Bft⸗ eten wit otan war n Heugt e in Be⸗ ern oder nen Be⸗ um die ahe über Auf sei⸗ können, schanen, ewohnt. n Euro ehke, e Die Erbauung dieses Klosters, an diesem unzugänglichen Orte schreiben die Chineser dem Antriebe der Frömmigkeit eines Frauenzimmers zu. In alten Zeiten(sagtdie Ueberlieferung), entfernten sich zwey Schwestern aus einem reichen Hause, in diese Berge, und brachten dort ihr Leben im Gebet zu. Endlich entschlossen sie sich, zur Prüfung ihres Glaubens, die älteste Schwester— einen Tempel auf dem Berge, und die jüngste— eine steinerne Brücke, diesem gegenüber, über den Fluß Jan, in Einer Nacht zu bauen. Noch vor Tages Anbruch war der Tempel gebaut; die Erbauerin starb und wurde darin mit Ehren begraben. Die jüngste Schwester indessen war erst so weit gekommen, die Säulen zur Grün— dung der Brückenbogen zu errichten; mit dem Anbruche der Morgenröthe wurde sie in den Wellen des Flusses Jan begraben. Bel, der nach Pekin im Jahre*) reiste, hat uns die umstände der Erbauung des Tempels und der Brücke, in einer andern, romanhafteren Gestalt überliefert. Dieses Gebäude, d. i. Kloster,— schreibt Bel,— stellt sich sehr schön dar, wenn man es vom Thale aus ansieht, und die Sage erzählt, es sey in einer Nacht erbaut worden. Folgendes gab dazu die Veranlassung. Ein gewisses Fräulein, eben so sehr we— gen ihrer Schönheit, als wegen ihrer Tugend und ihres Reichthums berühmt, sah, daß viele Fürsten ihre Hand zu erhalten sich bemühten, und da sie ihnen nicht geradezu den Korb geben wollte, ließ sie bekannt machen, sie habe sich vorgenommen, auf diesem Felsengipfel mit eigenen Händen nennen die Chineser Fo; daher werde ich, wenn ich in China von ihm spreche, die dort gewöhnliche Benennung beybehalten. A. d. V. *) Bel's Reisen, II. 69. A. d. V. — 5 in Einer Nacht ein Kloster zu bauen, und werde denjenigen f zum Gemahl erwählen, der in eben der Zeit über den nahe ein vorbeyfließenden Fluß eine steinerne Brücke bauen würde. 1 Ihre Freyer, die die Unmöglichkeit dieses Unternehmens l fühlten, gaben ihre Hoffnungen auf, und jeder kehrte wieder in fuft sein Land zurück. Ein Fremder ging diese Bedingung ein. fun Die Dame und ihr Bräutigam schritten zur Ausführung ihres 1 Gelübdes zu derselben Zeit, und die erstere vollendete ihren Nach Bau vor Anbruch des Tages. Als die Sonne aufgegangen fl war, sah sie vom Berge herab, daß der Fremde nur die Säulen der Brücke gebaut hatte, und daher erklärte sie sich ihres gegebenen Wortes entbunden. Der unglückliche Lieb— 4 haber entfernte sich in sein Land, und die Dame verlebte ihre 11 übrigen Tage in diesem Kloster.— Jedes Volk hat seine 0 eignen Phantasien, nach eignem Geschmacke. Fast in jedem a Zeitalter finden wir auffallende Beyspiele eines festen und Rachnt entschlossenen Geistes bey dem schönen Geschlecht. d din Dem gedachten Berge gegenüber sahen wir wirklich einige Gene steinerne viereckige Säulen; aber aber ihre eigentliche Be— alla stimmung ist nicht bekannt. Man sagt, die chinesische Re— hotl gierung habe, um den Umweg von der Festung Dsim in- i 0 ai nach Siuangchua längs der Krümmungen des Flusses Jan Mitt abzukürzen, sich bemüht, dem Berge Dsimin gegenüber, eine in En steinerne Brücke bauen zu lassen, um eine gerade Straße zu ä führen. Es scheint, der sandige Grund und die sich weit 5 ergießenden Ueberschwemmungen dieses Flusses haben die 9 0 Ausführung dieses Unternehmens gehindert. 1 5 Den 26. Nov.(8. Dec. N. St.)) wüthete die ganze 8 Nacht ein Sturm. Der Bergwind führte mit Geheul große 15 Haufen Sand auf den Hof und stieß heftig gegen das Pa— 5 pier, womit gewöhnlich in China die Fenster in allen Häu— 9 A ern, selbst sogar in den kaiserlichen Palästen, beklebt find. e denjeng er den naß len wü, slernahmege e widder in ung ein. ung ihres ete ihren gegangen e nur die rte sie sic iche Lich— lebte ihte hat seine in jeden sen und lich ünige liche Be⸗ sche Re min⸗i sses Jan er, eine traße zu sch weit en die ganze ul große dab Pa⸗ n Häl⸗ bt find 3 Uebrigens, wenn auch hier der Gebrauch des Glases mehr eingeführt wäre, so würden die heftigen, nicht selten sich ereig— nenden Stürme den Einwohnern einen doppelten Verlust verursachen: man müßte oft neues Glas zu den Fenstern kaufen, was ungleich theurer als Papier ist; und überdieß könnten die spitzigen Bruchstücke des zerstoßenen Glases auch die Leute beschädigen. Das ist, wie es scheint, die Haupt— ursache der Gleichgültigkeit der Chineser gegen die glückliche Erfindung des ihnen jetzt hinlänglich bekannten Glases. Das Gepäck brach um 9 uhr des Morgens auf, und nach ihm gingen auch die Mitglieder der Mission ab. Nach einem Wege von 30 Wersten(45 d. M.) kamen wir in dem Städtchen Tuméu um 2 Uhr Nachmittags an. Von Dsimin-i geht gegen Süden hin eine weit aus— gedehnte Sbene. Der Fluß Jan fließt weiter westlich; auf der linken Seite ziehen sich nackte felsige Berge hin. Auf der Ebene sind viele Ansiedelungen. Die Felder sind auf die allerbeste Weise bearbeitet, obgleich der Boden aus Lehm besteht, der mit Sand und kleinen Kieseln vermischt ist. Auf einer Stelle ist ein Bassin erbaut, zur Ansammlung des Wassers, womit sie die mit Reiß besäeten Felder begießen; im Sommer begießen sie auch damit andere Felder. Etwa 8 Werste von Dsimin-i kamen wir bey den Mauern eines nicht sehr großen Fleckens vochey. Zwey Werste weiter mußten wir durch die Stadt Neu-Baoäng gehen, die mit einer guten steinernen Mauer umgeben ist. Beym Einzuge in das erste Stadthor sahen wir einige kleine Kanonen von Gußeisen auf Schießscharten von Lehm, die gewiß von den Jesuiten gemacht waren. Dieses durch die Zeit verdorbene, und vielleicht nur für Chineser und Mon— J. Band- 22 „ golen furchtbare Geschütz liegt neben einigen am Wege errichteten Wachthäusern oder Wachtthürmen. Die Batte— rien sind unter eigenen hölzernen Wetterdächern angelegt. In Baoang trafen wir einen Kriegsbeamten, der an der Mütze ein blaues undurchsichtiges Kügelchen hatte, vom Aten Grade. Er kehrte aus Pekin nach der Stadt Ili, dem gegenwärti— gen Orte seines Dienstes zurück. Er spricht manshurisch und etwas mongolisch. Er fragte, wer wir wären, wohin wir reiseten und weswegen.— Das Städtchen Baoang ist ziem- lich gut gebaut. Nach den Regeln der chinesischen Baukunst ist in der Mitte derselben ein großes Thor mit vier Durch— gängen. Die Einwohner beschäftigen sich, wie man bemer— ken konnte, meist mit Zimmer- und Tischlerarbeit. Wir gingen 4 Werste bis zu der Festung Dunbäli, und dann, 6 Werste weiter, kamen wir in einer andern Stadt Schatschen an, die auch mit einer steinernen Mauer umgeben ist, aber an Ausdehnung und Reinlich— keie Baoang übertrifft. In Schatschen brennt man aus Reiß den besten Branntwein Schaudsiu, den die Chineser ein wenig erwärmt aus ganz kleinen Weingläsern trinken. Ungefähr 10 Werste nachher reisten wir zwischen lehmigen Schluchten, und größtentheils auf einer ganz mit Kieseln bedeckten Ebene, die von den Bergen während der Regen herabgeschwemmt werden. Der Weg ist in dieser Gegend sehr beschwerlich für Kameele und Pferde. Nur Maulthiere und Esel können mit ihren schmalen und spitzigen Hufen frey auf diesen Bergwegen, denen jede Verbesserung durch Kunst mangelt, einher schreiten. Endlich kam die Mission in dem Städtchen Tumeu an, und wurde in einem Wohnhause einquartirt. Hier heizt man die Zimmer mehr mit Stroh von indi— discher Hirse, oder Buchweizen(Linn. Panicum Indicum, am Wg Die Bult gelegt, der Me ten Gia, gen wart anshurisch , wohin gist zem⸗ Daukunst er Durh⸗ in hemer⸗ unbäli, er andern seinernen Minlich⸗ man aus Cineser trinken. ehmigen Kieseln r Regen Gegend aulthiere Hufen j durch meu ah, on indi⸗ adicum, „—— Bobarts-Gras), auf chinesisch Haolän genannt.?) Der Stengel dieser Pflanze ist ungefähr 4 Arschinen lang und sehr dick. Bey den Chinesern vertritt dieses Gewächs die Stelle des Brenn- und Bauholzes. In den Dörfern macht man die Wände der aus Lehm oder Klebwerk erbauten Häu— ser, die Decken, die Dächer, die Umzäunung u. s. w. alles aus Haolän. Die Samen davon dienen den Leuten, in Form von Grütze, als Speise. Auf gleiche Weise geben sie es auch dem Arbeitsviehe und den Hausthieren; denn wegen Mangel des Landes, wird das Vieh hier gar nicht auf die Weide getrieben. Die erwähnte Pflanze könnte den rus— sischen Steppenbewohnern, in den Statthalterschaften wo kein Holz ist, von großem Nutzen seyn, wenn es gelänge, sie an unser Klima zu gewöhnen.“) Den 27. Nov.(9. Dec. N. St.) ging die ganze Nacht der Nordwind. Die Kasaken, die auf der Wache gewesen waren, meldeten mir am Morgen, daß nach ein Uhr nach Mitternacht gegen Norden zu in der Luft ein Knallen gleich Donnerschlägen gehört worden sey; dann ward es auf ein— mahl hell wie am Tage; nach einer halben Stunde aber war alles vorüber. Diese Erscheinung muß Folge eines *) Diese Pflanze wird in der Reise des englischen Gesandten Lord Macartney nach China, im 2ten Theile, erwähnt.„Auf den Feldern(südöstlich von Pekin) sah man eine große Menge des höchsten Zuckerkrautes(Holcus sorghum), dessen Erzeugniß dem Menschen zu Speise dient, d. i. es bringt Körner hervor, die gewöhnlich Hirse von Barbados(Millet de Barbades) ge- nannt werden. Die Pflanze wächst 1o oder 12 Fuß hoch, und giebt, nach der mäßigsten Berechnung, auf ein Korn hundert.“ e e **) Nach meiner Nückkehr aus China hatte ich die Ehre diesen Hirse zum Versuch, einigen unserer ausgezeichneten Landwirthe zu überreichen. A. d. V. 90** —— 340— i ungewöhnlichen Meteors seyn, oder eines schwachen Aus— wurfs eines feuerspeyenden Berges. um 7 uhr des Morgens besuchte mich unser Bitcheschi, der in dem der Regierung gehörigen Gasthofe, im westlichen Theile der Stadt eingekehrt war. Unter andern fragte er nach unfrer Meinung, ob heute die Mission in Chuailai ihr Nachtlager halten wollte, oder weiter reisen bis Juiling. Wir zogen das letztere vor, weil wir recht bald das Ziel unsrer Reise zu erreichen wünschten. Aber der Bit— cheschi sagte, nach seiner Gewohnheit, auf eine unbestimmte Weise, daß in dem erstern Städtchen eine Poststation ange— legt sey. Wir brachen um 9 Uhr des Morgens auf. Der Weg ging durch eine Ebene, die mit Steinen, welche das Wasser von den Bergen herabgespült hatte, übersäet war. Links zieht sich ein hoher Bergrücken in zwey Reihen hin; Berge stehen auf Bergen; rechts glänzte das Eis auf dem Flüß— chen Jan; jenseit des Flusses liegen auch Berge mit beschneye— ten, in die Wolken ragenden Gipfeln. Die Felder sind mit musterhafter Sorgfalt bearbeitet. Die hiesigen Bewohner sind unermüdet mit Düngung des Bodens beschäftigt. Bey jedem Schritte sahen wir Knaben und erwachsene Manns— personen mit Körben auf dem Wege gehen, um Dünger einzusammeln. Stellenweise ist der Weg durch enge lehmige Schluchten geführt, den Corridors in Gebäuden ähnlich. 1 0 I Von Tumeu 6 Werste entfernt kamen wir bey einem großen Flecken vorbey; die Mauer, die ihn umgiebt, ist aus dicken Stücken Lehm zusammengesetzt. Noch waren 9 Werste (45 d. M.) bis nach dem Städtchen Chuailai übrig; wir kamen dort um 11 Uhr an, nachdem wir in allem 15 Werste Werste(27 d. M.) zurückgelegt hatten. Hier wurde beschlos— nm hachen du r Bitchsch, u westichn n fragte it e uiling. bald das det Bit⸗ sbestimmte ion ang⸗ Der Weg as Wassit . Vink ; Berge beschney⸗ sind mit wohner be Bey Manns⸗ Dünger lehmige lich. einem ist aus Werste ig; wit Werste beschsos 5 sen das Nachtlager der Mission zu halten, so sehr wir auch wünschten weiter zu reisen. Die Glieder der Mission und unsre Führer erhielten ihren Platz in dem der Regierung gehörigen Gasthofe. Dort kehren gewöhnlich die chinesischen Beamten, die in Dienst— angelegenheiten gesandt werden, ein. Die Zimmer sind geräumig und sehr reinlich; aber wegen der Feuchtigkeit im Winter zu einem langen Aufenthalte sehr unbequem. Vor dem Thore ist, auf einem hölzernen Schilde, ein gewaltig großer Drache— das Wapen des chinesischen Reichs— gemahlt. Nicht wenig neugierige Besucher kamen zu uns; unter ihnen war auch der zwanzigjährige Sohn des hiesigen Commandanten. Bald nach unserer Ankunft füllte sich der Hof des Gasthauses mit Soldaten der hiesigen Besatzung. Sie hatten dunkelblaue chinesische Röcke an, und über diese trugen sie kurze Kurmen leine Art weiter Reisewesten) von rother Farbe. Die Soldaten halten sich gerade und schreiten keck einher; in den Händen hielt jeder einen ver— rosteten Säbel. Sie ließen aber bald dieses Gewehr weg, das, wie man sah, ihnen nicht allzu bekannt war. Gestern in Tumeun und hier in Chuailai sahen wir, beym Eintritte in die Stadt, wie ein Soldat, indem er auf der Straße ging, mit einem Klöpfel auf ein kupfernes Becken schlug, und etwas dabey ausrief. Der Bitcheschi erklärte uns, daß dieser Ankündiger einer von den Stadtthorwärtern wäre. Sie sind verpflichtet, von der Ankunft und Abeeise gewisser Beamten Kunde zu geben; auch, wenn ein Dieb⸗ stahl vorfällt, macht der Polizey- Herold den Einwohnern den verübten Diebstahl und die Gegenstände desselben bekannt. Den heutigen Tag bezeichneten die Chineser, durch Ab⸗ scherung ihrer Haupthaare, das Ende der Trauer um den Bogdochan Dsäzin. — 342— Den 28. Nov.(10. Dec. N. St.) legte sich der Nord— wind, der während der vier vergangenen Tage angehalten hatte, und das Wetter wurde weit wärmer. Wir gingen um 9 uhr des Morgens ab. Halb 11 uhr kamen wir, nach einem Wege von 122 Wersten(über 12 d. M.) in der Festung Ssing(d. i. neu) juiling an. Hier ruheten wir etwas aus und gingen dann weiter. Nach einem Wege von nochmahls 122 Wersten kamen wir zu dem Gasthofe, nahe bey der Festung Tschad o, nach 1 Uhr des Nachmittags. Wir hatten 25 Werste, oder 50 chinesische Li(35 d. M.) zurückgelegt. Bey der Abreise aus Chuailai schickte ich dem Aufseher des Gasthofes ein Levantin-Schnupftuch und ein gutes Messerchen. Wir fuhren durch das südliche Stadtthor hinaus. Die Herunterfahrt ist sehr steil; aber noch schwerer war es, von der nahe liegenden steinernen Brücke abwärts zu fah⸗ ren. Diese Brücke ist über ein Flüßchen gebaut, das aus dem östlichen Gebirge herfließt und in den Jan fällt; der Bau ist groß und prachtvoll. Die ehemahlige Brücke hatte 11 Bogen, aber jetzt nur drey, die sich näher bey der Stadt befinden; überdieß steht noch ein Bogen einige Klaftern weiter vorwärts. In dem Zwischenraume war, wie man sieht, auch eine Brücke, aber ihre Bogen sind in der Länge der Zeit verfallen und die Steine weggetragen worden. Die Chineser fahren ihre sehr großen Wagen von dem steilen eingestürzten Brückentheile auf eine ungewöhnliche Weise herab. Hinter den Wagen stellen sie einen Maulesel, dem sie einen Strang, der an der Achse befestigt ist, über den Kopf werfen. Der Maulesel, den sie indessen auf die Schnauze schlagen, geht vorsichtig den steilen Abhang herunter und erhält so sich selbst und den Wagen: eine gar zu mühevolle und gefährliche Arbeit! f ber Node e argehaltz Halb 1t lf an(iber 9 an. Hin lar. Nach en wir zu 10 nach 1 'Wer 50 m Aufsehee ein gutes hor hinaus. er wat eb, 5 zu fah⸗ das aus falt; der rücke hatte der Stadt Klaftern wie man er Lange den. Die m steilen Weise sel, dem über den Schnauze nter und nähevold „ Die südliche, so wie auch die nördliche Mauer der Stadt Chuailai, sind über zwey gegen Osten liegende Hügel geführt. Auf dem einen davon liegt eine Festung und auf dem an— dern, südlichen Hügel ein choschan'sches Kloster. In diesem letztern hielt(den 4. Apr.) 1696) der Kaiser Kansi, als er mit seinem gerüsteten Heere gegen den grausamen sunga— rischen Chan auszog. Vom Anfange an ist der Weg eben und sehr glatt, weiter hin aber sehr steinig. Etwa 6 Werste lang gingen wir an den eingestürzten Mauern eines Fleckens hin, von welchem 65 Werste entfernt die Stadt Juiling liegt. Zu dem Stadtthore führt ein langer Weidengang, wie wir vor— her schon hin und wieder gefunden hatten. Man muß den Chinesern die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß sie es verstehen, ihre Wohnungen mit den Erzeugnissen der Natur zu verschönern. Dichte Weiden beweisen dem Reisenden die gute Einrichtung der hiesigen bewohnten Oerter, und bereiten ihm, zur Stunde der Sommerhitze, einen kühlenden Schatten. Lange suchten wir in der Umgegend der Stadt, wo unser Archimandrit Schischkowski, der auf der Rückreise aus Pekin nach Rußland im Jahre 1795 in Juiling starb, begraben ist. Aber wir konnten keine Spuren seines Grabhügels finden. Als wir in dem Städtchen angekommen waren, hielt die Mission, nur für eine Zeit lang, auf Einladung des Bitcheschi in einem der Regierung gehörigen Hause an. Als unsre Füh⸗ rer die Postpferde gewechselt hatten, setzten wir mit ihnen zugleich unsre Reise weiter fort. ) D. i. den 14. April 1696 des neuen gregorianischen Kalenders. Denn von 1600 bis den 28. Febr. 1700 betrug der Unterschied des alten und neuen Kalenders nur 10 Tage. A. d. U. Nach unsrer Abreise aus Juiling naheten wir uns einer di Bergreihe, die von Süden her die Ebene umschließt, auf wel— 0 cher wir von der Festung Dsimin si hergekommen waren. N Das Land ist hier mit Kieseln, die von den Bergströmen her— abgespült sind, bedeckt, und Ackerfelder bemerkt man hier 2 gar nicht. Ja Endlich sahen wir am Fuße hoher Berge einige ver— 10 fallene Thürme. Und dort, auf dem Gipfel des von Wolken 1 umschatteten Gebirges windet sich, gleich einem furchtbaren fh. Drachen, ein gezackter Streifen eines ungeheuren Baues. ng Das ist die berühmte chinesische Mauer, groß durch die and Arbeit die sie kostete und durch ihre Bestimmung; einzig in gl ihrer Art als ein Werk menschlicher Hände. Dieses ewige Denkmahl, stolz sich auf unersteiglichen Bergen erhebend, 0 trift mächtig die Blicke des Ausländers, hemmt seine Schritte 0 und versetzt ihn unwillkührlich in Nachdenken über das Außer— 10 ordentliche, hervorgebracht von einem ungewöhnlichen Volke. 0 In jenen Seiten, als eine geschickte Vertheidigung durch 0 Verschanzungen noch gar nicht bekannt war oder in großer 90 Unvollkommenheit angewendet wurde, war der Gedanke— vor den plötzlichen Einfällen eines räuberischen Volkes durch eine lange, starke und hohe Mauer sich zu schützen, sehr f gegründet. Das Alterthum stellt uns viele Versuche dieser n Art bey den Aegyptern, den Medern und Syrern dar. In aaf Europa sehen wir sogar ein Beyspiel an der Mauer, die m auf Befehl des Kaiser Severus von den Britten, oder viel— fl mehr von den Römern, die in Britannien herrschten, aufge— 0 führt wurde. Sie erstreckt sich von Carlisle in Cumberland U bis nach Neweastle an der Tine in Northumberland, 80 0 englische Meilen(ungefähr 16 d. M.) in der Länge, und 1 hat 12 Fuß Höhe und 9 Fuß Dicke. Aber wie unbedeu— tend ist dieser ubrigens ziemlich große Bau der Römer gegen 1 1— 13 r uns dig , auf pi. nen wart, römen her⸗ man hier Ihe her⸗ Wolken rchtbaren Baues. durch die einzig in o ewige b Mer⸗ n Volke. ing durch n großer ane— o durch n, sehr dieser r. ger, die r viel⸗ aufge⸗ berland ad, 80 ge, und nbedeu⸗ er gegen „ die chinesische Mauer, die sich auf 1500 englische Meilen (ungefähr 300 d. M.) hinzieht, wie unten bemerkt wer— den wird. Der Fluß Jan geht zwischen den Bergen gerade nach Süden; aber unser Weg wich etwas gegen Südost ab. Von Juiling 125 Werste(über 14 d. M.) weit kamen wir in einem an den Mauern der Festung Tschad o gebauten Gasthofe an. Dort fanden wir einen großen Zusammen— fluß von Volk; die einen bereiteten sich zum künftigen Durch— gange durch die höchst beschwerliche Bergschlucht vor; die andern ruhten aus, nach glücklicher Vollendung dieses mühe— vollen Weges. Der Gasthof, der von Turkestanen gehalten wird, ist sehr geräumig; er enthält vier Höfe; er liegt am Wege selbst, zwischen zwey hohen Bergen. Es umringen ihn Ver— theidigungsflügel, die von der großen Mauer aus geführt, aber jetzt verfallen sind. Aus der Festung versammelten sich viele Soldaten in Parade bey uns auf unserm Hofe, zur Verrichtung der Wache. Der Podrädschik Liländün, mit dessen Vorspann die Mission reist, und der auf dem Wege immer von uns unzer— trennlich blieb, bat mich hier um eine Beyhülfe in Geld, außer der verabredeten Zahlung, damit er besondere Arbeiter miethen könne, um das Gepäck schneller durch die Berg— schlucht Hu anghöu) zu bringen, die auf 20 Werste (fast 3 d. M.) weit mit hohen Steinen und Abgründen bedeckt ist. Ich gab sehr gern Liländün ein halbes Pfund Silber, welches nach dem Schipin-Gewicht 5 Lana, 5 Tschin ) Hu ang auf chinesisch: Festung, und Hou Bergschlucht. Dai. befestigter Bergdurchgang. A. d. V. — 34— und 5 Fun ausmacht. Zu dieser Ausgabe bewog mich die musterhafte Sorgsamkeit des Podrädschiks um die schnelle För— derung unsrer Reise. Den 29. Nov.(11. Dec. N. St.) um 9 Uhr des Mor⸗ gens ging die Mission ab. Aus dem Gasthofe fuhren wir durch die Festung Tscha— dao, die von hohen Mauern umringt ist; sie dient zum Schutze der nördlichen Oeffnung der Schlucht. Weiter von der Festung ist der Weg so beschwerlich, als ihn Keiner von uns noch je gesehen hatte. Der Weg geht zwischen Haufen ungeheurer Steine durch, die von den Felsen durch die Länge der Zeit und durch Regengüsse losgerissen sind. Auf den Seiten sieht man entweder über dem Kopfe hän— gende Felsen, oder Abgründe von spitzigen Steinen umringt; das Hinaufsteigen ist mühevoll, das Herabsteigen gefährlich. Ein wankender Schritt, und besonders zu Pferde, kann hier dem Reiter Verderben bringen; sogar in einem zweyrädrigen Wagen zu sitzen ist gefährlich. Wir freueten uns, daß wir nicht eine von unsern Kibitken mitgenommen hatten; sonst hätten wir sie unfehlbar bey dem ersten Schritte in diese Schlucht wegwerfen müssen. Von der Festung gingen wir 3 Werste aufwärts auf einen Zweig des Berges Badalin, bey Herbillon Pa— lim, den höchsten Punkt in diesen Gegenden. Dem, wer von da herabschaut, stellen sich die großen gegen Süden befindlichen Berge als unter ihm liegend dar. Dort gelang— ten wir an die große chinesische Mauer, deren äußere Linie die chalgan'sche Mauer ausmacht. Ungeachtet schon vieler *) S. Duhalde, IV. 425. A. d. V. „ Ig mich dy le gt vorübergegangenen Jahrhunderte*) ist das ganze Gebäude, bl: durch die geschickte und sorgsam fleißige Bearbeitung, so fern noch von der Zerstörung, daß es einem steinernen Walle des Mor⸗ gleicht, von der Natur selbst hervorgebracht, um die nörd⸗ lichen Statthalterschaften China's, Dshili, Schaangsi und Schangsi vor den Einfällen der einst kriegerischen Söhne der g Tscha⸗ e* 4 9 10 0 nördlichen Steppe, der Mongolen, zu schützen. Die Mauer zu*** 2* 0 N ist eigentlich aus zwey dünnern Mauern erbaut, die oben ler von u Keiner zwischen) Diese Mauer ist von den Chinesern 215 Jahr vor Christi 0 Geburt unter der Regierung des Kaisers Schi-Chuandi en dutch von der zin'schen Dynastie erbaut worden. Der Heerführer ssen sind. Müngtäng gewann, nach Verfjagung der Ssunnusen pfe hän⸗(Mongolen) Ortos, und bauete die große Mauer von Lingtao b bis Läodun, die sich von Westen nach Osten auf 10000 Li, umringt; d. i. mehr als 5000 Werste(714 d. M.)) hinzieht. Die cfihclch Arbeit daran dauerte ungefähr 10 Jahre.— Maltebrün 4(Précis de la Géographie univ. III. 548.) auf das was Mareo ann hier Polo und Bel sagen, sich gründend, nimmt an, daß diese Mauer vor Alter verfallen, und mehr als einmahl erneuert worden ie sey, in Hinsicht der politischen Nothwendigkeit. Folglich kann, daß wir nach seiner Meinung, die Existenz der jetzigen Mauer nicht n; sonst bis zum tiefen Alterthum reichen, und ihr jetziger unzerstörter 0 Zustand verdiente keine große Bewunderung.— So sehr auch in diese diese Meinung den Schein der Wahrheit für sich hat, wenn man die weniger dauerhaften Produete unserer Baumeister betrachtet: so bleiben wir doch bey dem Gedanken, daß die kts auf große chinesische Mauer ein sehr altes Werk ist. Schon Am— mianus Marcellinus— ein Schriftsteller der Vorzeit, macht on Pa⸗ uns mit diese öhnli 5 inde it diesem ungewöhnlichen Baue bekannt, indem er sagt: Dem, dort in dem entferntesten Osten umgeben kreisförmig errich— Sͤͤden tete hohe Wälle das Land der Serer(China). Ulra hae Scythiae loca, contra orientalem plagam, in orbis speciem con- gelang⸗ sertae celsorum aggerum summitates ambiunt Seres. XXIII. 6. e Nie A. d. V. n ville 7 Diese Angabe stimmt mit der vorherigen(2500 englische Meilen) nicht überein. Da hier die Bestimmung in Li und Werste genauer ist, kann wohl in dem Vorherigen ein Feh- ler und vielleicht 5500 engl. Meilen(7e d. M.) zu lesen seyn. A. d. U. 348 breite Auszackungen haben; der Zwischenraum ist mit Erde und Schutt ausgefüllt. Der Grund derselben ist aus vier— eckigen Quadern von Bruchsteinen gemacht; und alles Uebrige aus großen gebrannten Backsteinen. Vom Grunde bis zum Gipfel hat sie 26 Fuß Höhe, und hält oben 14 Fuß in der Dicke. In den Thürmen, die fast jede hundert Schritt erbaut sind, liegen in Haufen einige hundert Kanonen von Gußeisen. Der Hauptthurm ist eingestürzt; das Thor ist sehr schadhaft; auch in der Mauer sind an vielen Orten bedeutende — eingestürzte Stellen, die jetzt nicht mehr ausgebessert werden. Um genauer die außerordentlich große Masse dieses Rie— senwerkes begreifen zu können, halte ich es nicht für über— flüssig, hier die Berechnung des Mathematikers Barrow', der in China 1793 und 94 bey dem englischen Gesandten Lord Macartney war, anzuführen. Er setzt die ganze An— zahl der Häuser in England und Schottland auf 1,800000** *) Voyage en Chine: à Paris, 1805. II. 88. 89. A. d. V. **) In der russischen Urschrift steht 1. Soo das Wort Tausend fehlt dabey. Es muß aber ohne Zweifel so verstanden werden. Hier eine Berechnung über diesen Gegenstand, da nicht jeder Leser wohl immer Barrow's Reise zur Hand hat. Setzt man die untere Dicke der chinesischen Mauer auch nur— ob sie gleich mehr betragen mag— so wie die obere, 14 Fuß und die Höhe 26 Fuß; so ist der Quadratdurchschnitt der Mauer 564 Qua— dratfuß. Die Länge der Mauer Joo deutsche oder geographi— sche Meilen, jede zu 5807 Toisen oder 22842 pariser Fuß an— genommen, betragen 15,989, 4 Fuß, welche, mit 564 Quadrat— fuß multiplieirt, 5,820, 14,600 Cubikfuß geben. Dagegen machen, 80oοοοο mit 2000 mult. erst 5, 0, οοοο Cubikfuß (die Summe des Materials aller Häuser in England und Schottland). Der Umkreis der Erde von 5400 geogr. Meilen ist in par. Fuß 125,546,800. Auf diese Art würde die Mauer, bey einer Dicke von 1 Fuß und einer Höhe von 25 Fuß 7 Zoll, noch zweymahl um die ganze Erde herumgehen können. Hier— bep ist zu bemerken, daß, wenn die von dem Verf. angegebene st mit Ec. t aus vii les ahne de his zum 1 Fuß in ut Schritt ohen von r ist schr deutende werden. ieses Rie⸗ für über⸗ row), esandten onze M⸗ 900* N. d fehlt n. Hier er Leser man die sie gleich je Hohe 64 Qua⸗ ographi⸗ Fuß an⸗ uadrat⸗ dagegen ubikfuß nd und Meilen Mauek, 7 Zul, . Hier⸗ gegebene 5 und zieht hieraus den Schluß, daß die Mauern aller Häuser zusammengenommen, wenn man auf jedes 2000 Cubikfuß rechnet, nicht so viel Material enthalten, als die chinesische Mauer, welche so viel enthält, als hin⸗ reichend wäre, um eine Mauer zu erbauen, welche den gan— zen Erdball zweymahl umgeben würde; in dieser Berechnung begreift aber Barrow auch die Erde mit, die im Innern der chinesischen Mauer enthalten ist. die 5 Diese Mauer, die jeden durch ihre ungeheure Größe in Staunen setzt, ein Denkmahl riesenhafter Anstrengungen und zugleich des unglücklichen Schicksals China's, das im— mer— entweder ein Opfer innerer Zwiste, oder eine Beute äußerer Feinde war,— ist gewiß für die Reiterey de Hir tenvölker in den Steppen unersteiglich; allein gegen 1 15 pfündige Kanonenkugeln würde sie nicht lange bestehen. Uebrigens kann die Lage der ganzen Bergschlucht als sicherste Schutzmauer gegen Anfälle eines Feindes angesehen werden, wenn dieser nicht Mittel findet, über dieses Gebirge weiter westlich durchzudringen, wie die Mongolen bey ihren Einfällen in China es machten. Von der Mauer aus gingen wir 3 Werste(2 d. M.) auf einem steilen Abhange bis zu einem in dem Felsen gemachten Tempel. Dort wendet sich der Weg von Nord— west nach Süden. Eine halbe Werste von dieser Wendung Höhe und Dicke der Mauer in einem andern Fußmaße als dem pariser zu verstehen ist, auch die Länge einer geographischen Meile in jedem andern Fußmaaße— da das pariser das längste unter den gewöhnlichen Maaßen ist— mehr als 2284 Fuß betragen, und eine noch größere Summe des Materials, auch eine noch größere Höhe der Mauer, wenn man sie zweymahl um die Erde herumführte als die hier angegebene, herauskommen würde. A. d. U. — „ des Weges steht ein Tempel aus alter Zeit, dem gegenüber aus den Bergen Wasser in einer hölzernen Röhre geleitet 2 ist. Wir gingen 3 Werste bis zu der verfallenen Festung 6 Schang-huang. Von hier beginnt ein sehr beschwer— 1 licher Weg vorzüglich für Wagen. Ungefähr 5 Werste gin— 0 gen wir auf diesen mit Steinen übersäeten engen Pfaden, g bis wir zu der Festung Dsiuijun kamen, die vorzüglich 1 diesen Durchgang deckt. Das Innere ihres mittlern Thores 15 ist sehr schön gebaut; auf den Mauern sind Abbildungen n von Helden ausgehauen. Und diese Festung liegt in zwey 0 Linien oder Flügeln der großen Mauer, die zwischen sehr für! hohen Bergen erbaut sind. Die Festung konnte auch Dshin— mal gis-Chan nicht bezwingen, während seines Kriegszuges nach. China. Er war genöthigt, von hier in die Mongoley zurück— f 67 zukehren, und drang hierauf in die chinesischen Lande von der Westseite durch Kukunnor ein. ö U In einigen Stellen dieser Schlucht sieht man ländliche 9 Hütten mit nicht großen Ackerfeldern. Bäche rauschen von m den Bergen herab und bilden ein reißend schnelles Flüßchen, v0 das mit Getöse über umhergestreute Steine strömt. Einst waren darüber Brücken von Granit und Marmor gebaut, f ib aber jetzt sind nur noch ihre Trümmer übrig. So beschwer— an lich der Weg durch diese Schlucht, wegen der Enge und At Ungleichheit des Bodens ist, so angenehm ist er durch die reizenden Gemählde, die sich bey jedem Schritte darbieten. N Nn Hier stehen furchtbare überhängende Felsen, die bereit n scheinen, den kühnen Wanderer zu zerschmettern, dort stei— e nerne Häuser mit lieblichen Gärten, in denen Bäche mur⸗ den meln, und wo man Nuß- und Kastanienbäume, viele Wein— bat stöcke, Cypressen u. s. w. erblickt. Auf dem Wege liegen hier und da große Bruchstücke von Porphyr und grauem 0 Marmor. 0 50 u gegen ohie get un fesuug beschun⸗ Berste gg Moden, orzüglich Thores üldungen in weh schen sehr Dshün⸗ iges nach cy zurüc⸗ ande von ländliche chen von flaßschen, Einst gebaut, schwer⸗ ige und irch die hielten. bereit t stei⸗ e mur⸗ Wein⸗ e liegen grauem — 1— Von Dsiuijun, wo eine Poststation ist, gingen wir 21 Werste auf Steinen, bis zu einem kleinen Wachthause an einem Felsen; von da kamen wir auf eine steinige mit ulmen bewachsene Aue herab, und zogen an dem Fuße hoher Felsen 5 Werste bis Nang-keu d. i. der südlichen Oeff— nung hin. Das ist eine kleine Festung, die mit einer stei— nernen Mauer umgeben ist und gerade am Ausgange aus der Schlucht Huanghou liegt. Sie deckt den Weg nach Pekin von Norden her. Als wir durch die Festung gegan— gen waren, wendeten wir uns links nach der Vorstadt, wo für die Mission eine besondere Herberge, ganz an der Festungs— mauer, bereitet war. In dieser versammelten wir uns alle um 2 uhr Nachmittags, nachdem wir ungefähr 23 Werste (35 d. M.) zurückgelegt hatten. um 4 uhr Nachmittags reiste der Boschko Urgentai nach Pekin ab, das von hier ungefähr 45 Werste(67— 62 d. M.) entfernt ist, um dem Gerichtshofe der auswärtigen Angelegenheiten die baldige Ankunft der russischen Mission vorläufig zu melden. Den 20. Nov.(12. Dec. N. St.) war es in der Nacht und am Morgen sehr warm. Ueberhaupt bemerkt man, wenn man aus der Schlucht Huanghou gegen Süden her— auskommt, eine auffallende Veränderung des Klima's. Wir brachen um 9 Uhr des Morgens auf. Als wir 22 Werste(33 d. M.) weit bis zu der Stadt Schach é gekom— men waren, wo wir ein wenig ausruheten, gingen wir weiter, und kamen, nach einem Wege von 13 Wersten in dem Flecken Zinche nach 3 Uhr Nachmittags an. Wir hatten in Allem 35 Werste(5 d. M.) zurückgelegt. Von Nangkeu 3 Werste entfernt gingen wir auf einer Aue, die immer noch mit kleinen Steinen übersäet war; dann kamen wir auf eine Höhe und traten in eine unüber— 382 sehbare Ebene. Das mit Schnee bedeckte Gebirge Dsiui— jun blieb hinter uns; ein Theil der Berge ging nach Osten, der andere nach Westen in einer hohen Schicht. Die Schluchten und der Boden der südlichen Seite sind mit Fruchtbäumen bedeckt; und tiefer unten, sind an dazu schick— lichen Stellen, Felder zum Reiße gereinigt. Diese Berge sind noch dadurch merkwürdig, daß sie von Norden nach Süden zu die ersten sind, auf denen es Tieger, Panther und bunte wilde Ziegen giebt. Hier fängt die Ebene von Dshili(so heißt die ganze Statthalterschaft) an. Sie ist musterhaft bearbeitet. Einige Geologen bemerken, daß dieser nordöstliche Theil China's sich später als die übrigen höheren Gegenden des Erdballs gebil— det habe, und daß er bloß aus aufgehäufter Erde bestehe, die durch die von benachbarten Bergen herabstürzenden Ströme dahin geschwemmt sey. Diese Erde setzte sich anfangs am Fuße der Berge, und zwang nach und nach das Meer sich zu entfernen, das einst sie bespülte, und jetzt schon von hier auf 150 Werste(21 d. M.) in gerader Richtung gegen Osten liegt. Der Grund dieser Ebene ist Sand mit Lehm vermischt. Man sieht viele angebaute Oerter auf dieser Ebene; die Häuser sind von Bäumen umgeben; auf allen Seiten erblickt man große Wälder von Weiden, Cppressen, Wacholdersträuchen, Wallnußbäumen u. s. w. Der Weg windet sich zwischen Ackerfeldern hin, auf denen man die Grabhügel der Bewohner, die in der Gestalt kleiner Kegel aus Backsteinen, oder auch aus bloßer Erde errichtet sind, bemerkt. Das sind die Todtenäcker, zu deren Anlegung der Chineser, nach der Religionsvorschrift des Konfucius, nichts spart, und die eifrigste Sorgfalt für die unverletzte Erhal— tung dieser geheiligten Zufluchtsörter trägt. — the Ofiut nach Of, hit. de te sind mit dazu shik⸗ Vese Berge den nach Wit ließen, 5 Werste weit zur Linken, die Stadt Tschänpin-Dshéu, wohin der Bitcheschi mit seinen Nerba's, wegen des Wechsels der Postpferde, abgegangen war, und gingen immerfort gerade aus, und nach einem Wege von 22 Wersten(37 d. M.) von Nangkeu, kamen wir nach 11 Uhr in der Vorstadt von Schache an, wo unsre Fuhrleute anhielten, um die Maulthiere zu füttern. 9 0 Bey der Stadt Schache fuhren wir über eine große marmorne Brücke von 6 Bogen, die über den Fluß gleiches die gange Nahmens, dessen Ufer mit Sand bedeckt sind, erbaut ist. . Eine Die ungeheuren Steine darauf sind mit großen eisernen ina sch Schienen verbunden. nls gebil⸗ Nach 1 Uhr ging die Mission weiter. Wir setzten unsern Weg auf tiefem Sande, an der westlichen Mauer der Stadt Schache fort, und kamen über eine Brücke aus e bestehe, Stone 15 5 alter Zeit, die von Marmor über einen Arm des oben erwähn— Meer sch ten Flusses erbaut ist. Man muß mit Bedauern sehen, daß diese von hier schönen und nützlichen Werke, Denkmähler der verständigen ih een, Sorgsamkeit der ehemaligen chinesischen Regierung, schon i 15 dem Verfalle nahe sind. In einer Entfernung von etwa f dieser 10 Wersten(1— 14 d. M.) vor dem Flecken Zinche fan— f allen gen die zwar nicht prachtvollen, aber hübsch angelegten pressen, Landhäuser und Todtenäcker der pekin'schen Beamten an. er Ac Ueberall sieht man Eypressen, dichte Wälder hundertjähriger nan die Weiden und Wacholdersträucher, die hier an Größe hohen r Kegel Fichten oder Tannen gleich kommen. Auf dieser großen t sind/ Fläche begegneten wir einem Haufen Mongolen in Lumpen. ing der Als diese Unglücklichen uns sahen, riefen sie mit Einer „ nichts Stimme: oroß, oroß! d. i. Russen. Dieselbe Benennung Erhal⸗ gebrauchen auch die Völker türkischen Stammes. Man sagte uns, das wären Angeklagte, die wegen Führung eines Cri— I. Band. 28 minalprocesses in Pekin aufgehalten worden wären; aber bey der Thronbesteigung des neuen Bogdochans hätten sie Ver— zeihung erhalten, und kehrten nun in ihre Nomadenwoh— nungen zurück. Heute sahen wir auch ungefähr 50 mon— golische Kameele, die aus Chalgan nach Pekin mit Butter für den Hof gingen; an den vorangehenden Kameelen hing an einem Stocke ein Stück von gelbem Zeuge in Gestalt einer Fahne. Nachdem die Mission in Zinche angekommen war, nahm sie einen von den Gasthöfen ein, der für diesen Fall, auf Anordnung des Bitcheschi, vorbereitet war. Hier kam zu dem Vorsteher der Mission ein von Jesuiten getaufter Chineser Chandsiu, der ihm aus Pekin entgegen gereist war. Dieser Chineser ist seines Handwerks ein Ofensetzer, der nach seinem Vater dieses Amt bey dem rus— sischen Klosterhofe versah. Er war auch schon vorher unserm Archimandriten bekannt, zu der Zeit, da dieser als Student 1795 und 1808 bey der Mission gewesen war. Der Bitcheschi schickte am Abend seinen Dolmetscher zu mir, um sich zu erkundigen, ob wir keine Zobel zu verkau— fen hätten; denn die von uns zum Geschenk erhaltenen reich- ten für ihn nicht zu einer kurzen Kurma hin. Da ich ganz und gar nichts Verkäufliches mit mir hatte, und auch auf der andern Seite mich nicht gar zu sehr geneigt zeigen wollte, solche Anträge, die etwas anders sagen wollten als sie lau— teten, zu enträthseln, schickte ich den Dolmetscher mit der Antwort zurück, dem Herrn Bitcheschi wären schon von den Russen bedeutende Gefälligkeiten erwiesen worden, und des— wegen überließe ich es ihm, in Pekin selbst für seine Klei— dung zu sorgen. z aber bey 0 sie Ver⸗ adenwoh⸗ 50 fh lit Butter 2 8. eln hing NN be. Gestalt Seite. Erstes 1 l. Grund und Absicht des Auf⸗ N, hahm enthalts der russischen Mission in Pekin. Fall, auf Vorbereitungen zur Reiff 3 e Kapitel. Abreise der Mission aus dem Vaterlande. Reise nach der Stadt Urga Jsslten der ngen 8 19 ˖ Der Fluß Boro, an dessen Ufer 172) ein bis jetzt e noch fort bestehender Freundschaftsvertrag zwi— 3 verks ein schen Rußland und China geschlossen ward.. 2⁴ dem rus⸗ Kleidung, Benennung und Pflichten der mongo— 9 lischen Geistlichkeit 0 e 5 5 t unserm Zusammentreffen mit dem Ku 0 5 n 55 Student Erklärung der chinesischen Münze.. 8 28 Beweise von der hohen Lage der Mongole r.. 55 Der Argal oder das Brennholz in den Steppen 30 Geheimnißvolles Gebet der Nachfolger des 8915 cher zu gemunt oder Fo.*. 5 5 32 verkau⸗ Kutuchta, der schigemunische Oberpriester 3 33 f Der Obo oder Anbetungs-Hü gen. 36 en reich⸗ Fluß Is T 38 ich ganz Bericht von Pallas über das mongolische Eisen. 39 1 Die mongolischen Schab inen 39. 40 auch auf Zug des manshurischen Charakters.. 41 n wollte, Die pekin'schen Führer der Missian ns. 42 sie lau⸗ Begriffe der Mongolen von der Seelenwanderung 43 1 Der wilde Knoblauch und Flachs. 44 mit der Der Berg Min gudarn 46 von den Backstein-Thee(Thee in Form von Backsteinen. 5 gekneter) CCC 46. 4, und des⸗ Der Fluß Schara. ö 48 eine Klei⸗ Unterscheidende een en des mongolischen Skamms FFF 49 XVIII Seite Der Suburgan oder das Bethaus 51 Chinesische Handelsleute in der.. 53 Post⸗Einrichtunn g„ 54 Der Fluß Ban;»f„n!!ß! 56 Was Bog dochan bedeutet 8 5 3 26 Uebergang über das Gebirge Man. 58 Der Fluß Ehaeraga 8 60 Glaube an die Seelenwanderung. Schwarze und weiße Thaten. 61 Der indische Bramin in Selenginsk* 62 Russisch-chinesische Mundart in Kiachtg.. 64 Einige Bemerkungen über die e e 5 Mongolen 8 2 64. 65 Erinnerung an Kuda a.. 66 Bewegung unter den Mongolen 95 der bene burt des Kütuchn 3 67 Mongolische verbotene Haine. 5 69 Jagd des Wan und Am ban.. 69 Einrichtungen des Bog do(des chinesischen Kai⸗ sers) diesen Gegenstand betreffend... 5 70 Opfer an den Kutuchtgn 8 78 Ursache der Theurung des Holzes in China* 74 Mongolische und chinesische Werste.. 76 Der Chadak als Zeichen der Ehrfurcht dargebracht 8 Mongolische Gesänge... 79— 81 Zusammentreffen mit dem Tußulachtschi bendun (Hendun) 8 3 81 Araschan, das lebenschaffende Wasser i 83 Nachricht von dem Tode des chinesischen Kaisers 83 Beschwerlicher Uebergang über das Gebirge Guntu Gunt u 85 Zusammentreffen mit 1 gingen Ofeß saken 4 86. 87 Mongolische Götzentempel. Ankunft 55 sg 0 88. 89 Drittes Kapitel. Aufenthalt in urga. 90 Vorstellung der Glieder der Miss. vor dem Dfünwan 96— 100 Darstellung der Regenten von Ur gan. 8 100 Von denselben geschickte Geschenke.. 102 Unser Besuch bey dem Sargutschei von 1792 105 Beschreibung der Feyerlichkeiten bey der e burt des Kutuchta. 107— 115 Neue Gastgeschenke von dem Wan und Am ban 116 Jam un oder Gerichtshof in Ar 0 —— Seite Besichtigung der Stadt Urggga 122 Heiliger Berg Chan olan 124 Mein Besuch bey den Söhnen des Wan 427 Der urgaische Suburgan. Zusammentreffen mit dem Dshandshun Beile. Urgaische Ansichten 133 Polizey in Urga. Zahl der Einwohner 135 inne Wasse r,. 136 Viertes Kapitel. Fortsetzung des Weges nach den Gränzen des chalchassischen Für⸗ stent hum„ 138 Bemerkung über den Fluß Tola von dem Manshuren Tulischen, der 1712 in Rußland war 139 Zeitpunkt der Vereinigung der chalchassischen Mon— golen unter der Herrschaft der manshurisch-chine— sischen Kaiser. Krieg mit dem sungarischen Gal— dan Boschochtu-Chä«k 142 Nachricht von dem ili'schen Gebiete, der ehe— maligen Sungareyhyhõ):: 146 Die ili'sche Stadt Bar gol 150 Hum 150. 151 jj ˙. 152— 155 Tarbacht aaa C 156. 157 Ruysbroek's Bericht vom Argal 158 Erinnerung an Dshingis- Chan 159 Gehalt, den die Regenten und Beamten zu Urga von dem pekin'schen Hofe beziehen 8 160 Zahl der Stationen zwischen Urga und Chalgan 163 Meinung von dem nördlichen Striche der Wüste Goh 8 167 Carneole, Achate und Jaspise in Go bi 171 Zusammentreffen mit einem chinesischen Kaufmann, der nach Kiachta reiste. Bemerkung über die scha— angsischen Kaufleue n:. Erinnerung an unsere Helden 173 Mongolische Anekdoten. 174 Der Berg Tono, von Herbillon erwähnt 175 Chinesischer Transport mit Blumenthee 176 Die besten Pferde bey den Chalchassen in den Um— gebungen des Berges Darcha n 178 Mein Besuch des Berges Darchan, der durch den Namen das Chan Dshingis berühmt ist 180 iche Reife 181 184 Heftiger Sturmwind r— 2—————— 1— ä—— 3 585 3—— 8 2— 1———— 8*— 8— 2—— 4—— 8——.— N 5 8 2——————..————*— 8—— 1 ..— 5—— 5———— 2 a 58 48 15 5..— n 8 5 0——— 2—— N**—— 9— ———— PFF.——.—*— — XX Seite. Widersetzlichkeit der dekin'schen Führenr.... 5487 Darbringung eines Opfers dem Andenken Dshin⸗ gis⸗Chaus ge weight 189 Beendigung der Trauer um den Kaiser für die Monges enn 190 Der Amban der westlichen Urän chen.. 190 s aut Der N 192 Der gltaische een 8 192 Neue Kränkung von Seiten der chinesischen Führer 193 Theilung der Wege, die nach China führen.. 197 Verschieden gestalteter Felsengürtttt Ls 197 Altes Denkmahl mongolischer Baukunst.... 198 Euer gift, 8 201 Schmeichelhafte Erklärung vom Bitcheschi... 201. 202 Mineralisches buntfarbiges Felde. 8 203 Die Quelle Gaschun, mit bitterm Wasser, das einen Shen]? 8 205 Die pflanze Bu dun gun 8 15 206 Diehstahl eines Lama 8 207 Höflichkeit eines Taidsi.— Handel mit einem Lama über Tausch von Kameelen.... 211 Besichtigung des Götzentempels Aburgain Ssume 212. 213 ß lachtschi Demit 8 1 Gegenseitige Geschenke.. ee l 218 Dem Vogdochan gehörige Kameele. 29 Das nördliche Thor von Go bt. 220 Ein bedeutender Diebstahl, von einem Mongolen n, 222 Genauere Umstände von den manshurischen der Re— gierung gehörigen Kameelstutereyen... 4 223 Trennung von dem Tußulachtschi Ida m, der die Mission von Kiachta aus führte 9 5 225 Schonung der Chineser gegen die Naben 228 Ungrund einer Bemerkung Ruysbroek's... 228 Fünftes Kapitel. Reise der Mission durch den Aim ak(das Fürstenthum) der Ssu— Bait Mengolen 231 Noch ein Baie uf So))!!! Nachricht von den Kirgisen, die 1819 nach Pekin reisten um ihre Ehrfurcht dem Bogdochan zu apezeigen e e Bemerkung eines chinesischen Reisenden über die Chaßsgken und Kirgisen e 236 0 189 100 100 192 192 193 197 197 198 1 1. 202 203 20⁵ 200 207 211 . 243 27 A8 29 220 305 1. December(A. St. oder 13 Dec. N. St.). Wir bezahlten dem Wirthe des Gasthofes für das Nacht— lager der Mission zwey Lana(4 Rubel in Silber) und rei⸗ sten aus Zinche um 9 Uhr auf der Straße nach Pekin ab. Auf 5 Werste geht der Weg zwischen Reihen alter Weidenbäume; hinter ihnen liegen bewohnte Oerter und Todtenäcker. Die Ansicht dieser Aecker hatte einige Aehnlich— keit mit unserm Wege nach Peterhof. Als wir jene gedachte Strecke zurückgelegt hatten, betraten wir die Vorstadt von Pekin. Dort kamen uns die Studenten der vorigen Mis— sion Ssipakow und Simailow entgegen, und brachten, auf Anordnung des Pater Jakinf vier sehr gute chinesische Ka— leschen mit, zur Einfahrt der neuen Missionare in Pekin, und für mich ein Reitpferd. In Begleitung der Herren Ssipakow und Simailow, so wie auch des Bitcheschi Tschen, setzten wir unsre Reise fort. Aus der Vorstadt, in welcher ein großer Zusammen— fluß von Volk und das Getdse die Nähe der Hauptstadt, der volkreichsten in der Welt, verkündeten, wendeten wir uns links, fuhren durch eine Gasse, und kamen auf ein geräu— miges Feld, jenseit dessen die Mauern Pekins in ihrer gan— zen Ausdehnung sich unsern Augen darstellten. und so sehen wir nun Pekin!— Wo ist der unge— heure, der Einbildungskraft nicht faßliche Zwischenraum zwi— schen St. Petersburg und der Hauptstadt China's hinge— schwunden?*) Wir Bewohner der finnischen Ufer scheinen, 1 diachta oder die kiachtaische „ Pon St. Petersburg bis nach! 9285 d. N.); von da nach Gränze rechnet man 6500 Werste Pekin ungefähr 1590 Werste(214 d. M.). Folglich kann man die Entfernung von Petersburg bis Pekin nicht weniger als 8000 Werse(1145 d. M.) setzen. A. d. V. e in einem Augenblicke, durch eine unbegreifliche Macht, in ein Reich versetzt, das den Gegenstand unsrer frühen Wißbegierde und dunkler Vermuthungen ausmachte. Jeder von uns blickte mit einem Gefühle der Freude und des Staunens auf diese ausgezackten Mauern, deren Alter in tiefes Dun— kel gehüllt ist. Auf der nördlichen Seite sieht man die rothen Mauern der Tempel des Fo. Nahe bey diesen Oertern kamen wir zufallig zu der Begräbnißfeyerlichkeit irgend eines reichen Chinesers. Nach einem Wege von 3 Wersten auf dem Felde kamen wir an den russischen Todtenacker, wo die in Pekin sterbenden Mitglieder unserer Mission begraben wer— den. Hierher kam aus der Stadt auch der Boschko Urgen— tai. Wir begrüßten den Staub unsrer Landsleute und reisten dann weiter. Eine Werste weit von dem Todtenacker zog endlich die Mission in die Hauptstadt China's, durch ein Thor, An— dinmün genannt, in feyerlichem Aufzuge ein. Zwey Werste zogen wir einher unter großem Zusammenfluß neugieriger Chineser, gerade durch die andinmünsche Gasse, dann unge— fähr eine halbe Werste weiter gegen Osten durch eine Neben— gasse. Aus dieser Nebengasse ging der Zug wieder gegen Süden auf der Straße Dafoßa 3 Werste bis zu der hölzer— nen Triumphpforte. Aus dieser gingen wir rechts, durch die Straße Tschanän, bey einem schamanischen Tempel der Manshuren zur Linken und dem Gerichtshofe der auswärti— gen Angelegenheiten zur Rechten vorbey, bis zu der mar— mornen Brücke(Beizäo), die über den Kanal oder das Flüß⸗ chen Ju iche geht. Wir gingen über diese Brücke hinüber, ließen die Thore des Hofes zur Rechten und zogen ungefähr eine Werste südlich am Kanale hinunter; bey der Brücke Dshun Juichezäd, wendeten wir uns gegen Westen in die , in ein begietde on uns daunens Dun⸗ auern wir eichen dem die in wer⸗ Urgen⸗ e und ich die An⸗ Werste zietiger Age⸗ eben⸗ gegen olzer⸗ durch el der värti⸗ mar⸗ Flüß⸗ nüber, gefahr Brücke in die 8 Gasse Dun-Dsämißäng, und zogen rechts in das prächtige Thor des russischen Klosterhofes nach 12 Uhr Mittags ein. An der Klosterpforte empfingen die neue Mission die Ordens— geistlichen der vorigen Mission Serafim, und Arkadi, so wie auch der Kirchendiener Jasizki. Wir gingen in die Kloster— kirche; dann in die Zimmer des Superiors, wo der Pater Archimandrit Jakinf die neu angekommenen Gäste erwartete und sie empfing. Er bewirthete auf eine ausgezeichnete Weise die Mitglieder der neuen Mission, und eben so auch die sie begleitenden Offizier und Kasaken. Der Bitcheschi Tschen und der Boschko Urgentai wur— den in einem besondern Zimmer empfangen und entfernten sich bald. Nach dem Mittagsessen kamen zu dem Pater Jakinf die für den russischen Klosterhof von dem Gerichtshof der auswärtigen Angelegenheiten bestimmten Beamten: 1) der gegenwärtige Aufseher(Pristaw), von der öten(unsrer 9ten gleichen) Klasse, To-Loje, der einst Sargutschei in Kiachta gewesen war; 2) der sehr alte Beamte desselben Grades, Fu-Loje, und 3), De-Loje, von der 7ten(unsrer 14ten) Klasse. Die zwey letzten waren nur für die Zeit des Auf— enthalts beyder Missionen und der russischen Beamten in Pekin bestimmt. Der Pater Jakinf lud zu sich den Vor⸗ steher der neu angekommenen Mission und mich, als Auf— seher(Pristaw) derselben ein. Die chinesischen Beamten erwiesen uns einige gewöhnliche Höflichkeitsbezeigungen und fragten dann mich, wie der Weg gewesen sey, ob wir eine glückliche Reise gehabt hätten, ob sich alle Reisende wohl befänden.— Ich rühmte das eine wie das andre und fügte hinzu, wir wären die ganze Seit der Reise hindurch sehr zufrieden gewesen mit der Aufmerksamkeit der chinestschen Regierung gegen uns, und der Sorgfalt, welche die die „ Misston geleitenden chinesischen Beamten zu unserm schnellen Fortkommen bewiesen. Am Abend beschäftigten wir uns alle neu Angekom— mene unterzubringen. Die geistlichen Mitglieder der Mis— sion erhielten ihren Platz im Kloster, in den dazu bereiteten Zimmern der Ordensgeistlichen; die weltlichen aber auf dem Gesandtschaftshofe in dem Flügel, wo gewöhnlich unsere Stu— denten wohnen. Ich nahm die östliche aus zwey Zimmern bestehende Hälfte des sogenannten Datin oder Gesandtschafts— hauses ein; in der westlichen Hälfte wurde der Wagenmeister, der Kasakenälteste und der Dolmetscher untergebracht; zwölf Kasaken erhielten ihr Quartier in einer besondern gegen Osten liegenden Abtheilung. Aus Mangel einer großen Vor— rathskammer wurden alle der neuen Mission gehörige Sa— chen in dem westlichen Flügel desselben Hofes zusam— mengelegt. f Am Ende dieses Theiles lege ich noch den Grundriß des russischen Klosters zur Reinigung Mariä und des Ge— sandtschaftshofes in Pekin bey. Das erstere ist auf der lin— ken, der letztere auf der rechten Seite des Grundrisses dar— gestellt. Der Grundriß ist von mir auf der Stelle selbst aufgenommen; und die Faßade ist das Werk eines jungen chinesischen, in Pekin lebenden Künstlers. Hier folgt die Er— klärung der in dem Grundrisse angezeigten Gebäude. a) Kirche zur Reinigung Mariä. b) Glockenthurm. Drey Glocken auf zwey Säulen mit einem Dache. e) Zimmer des Archimandriten. d) Zwey Zimmer der Ordensgeistlichen. e) Zimmer des Hierodiakon. )— der Kirchendiener. g) Bibliothek der pekin'schen Mission. J n schnell 8 Seite. 5 Ein Obo von Qua: 240 Angekom⸗ Kur de, ein Gebetbuch für Unkundige im Lesen 241 der Mis⸗ Roßheerden des Bogdochan n Ss 246 f Unbequemlichkeiten der mongolischen Steppen 247 leresteten Vorzug des Weges aus Rutland nach Pekin über auf dem Zuruch ait„„ 248 ol! 5 250 re Stu⸗ Eintheilung von Gobi in den nördlichen und süd— immern Hblichen Theil„ 251 schafte⸗ Schädliches Kraut Ssu lk: 251 5 eee„ 253 eister, Die westlichen Ssuniten. 258 t; of Gesser-Chan, der mongolische Herkules; seine f wundervollen Thaternnnn?nn‚nnn 263— 277 m gegen Beschwerliche Reise auf unserm Wege in der Mon⸗ en Vor⸗ goley„ N 278 1 Chinesische Karawane mit Thee 3 279 ge Sa⸗ Zacharischer Obo S 283 zusam⸗ b N i Sechstes Kapitel. Reise durch die Noma— denplätze des zacharischen Heeres nach der rundriß in der großen chinesischen Mauer liegenden 8 Gt⸗ Festung Chalgn un 285 e Begräbniß der Todten bey den Mongolen... 286 der lin— Heerden des Bogdochau ns. 5 288 . Mongolische Schutzgeiste nnn 288. 289 e Vom Rauchtabak„ 290 e selbst Erinnerung an das Jahr 1866 291 jungen Gehalt, den die Zacharen bekommen 291 f Vereinigung der nach China führenden Wege 292 die Er⸗ Weg nach Dolonnoo&n 8 293 Preise des Transports der Waaren von Chalgan nach Kiache z. 294 Erdwall, der Aehnlichkeit mit dem von Perejas⸗ en mit VVV 3 295 Die Stadt Kukuchocy9hhhh 295. 296 Von der Zahl der Heerden des Bogdochan.. 296. 297 Kriegslager des Dshingis* 298 Aeußeres Ansehen der Zacharen. 5 299 Benennung des Zeitalters des neuen Bogdochan. 300 Erster Anblick von China 302 Das Städtchen Zagan Balgassu. 303. 305 XxII Seite. Heftige Kä lte. 2 307 Gränzscheidung der Mongoley von Shen 9 308 Reise von der mongolischen Steppe herab... 308. 309 Siebentes Kapitel. Ankunft in bd Aufenthalt daselbs t.. 2 311 Achtes Kapitel. Reise der e von Chal⸗ gan nach Pein„ 326 Chinesische Saggngne. 385. 336 Ansicht der großen M aue* 344 Ausführliche Beschreibung derselben. 347 Ansicht von PekinmçmdkẽWéWêé—ä 8 355 Einfahrt in diese Hauptstad e 356 Erklärung des Grundrisses des russischen Klosters und des Gesandtschafthofes in Pekin 358 ————— —— 326 5. 336 344 347 355 350 358 900. Herabgesetzte Preise. ——— Um die Hälfte im Preis herabgesetzt sind von nun an folgende zwey Werke zu haben: E. A. W. von Zimmermann's Taschenbuch der Reisen, oder unterhaltende Darstellung der Entdeckungen des 18ten Jahrhunderts, in Rücksicht der Länder—, Menschen- und Pro- ductenkunde. Für jede Klasse von Lesern. Lr. bis 14r. Jahrgang in 18 Bändchen. Mit 203 Kupfern und 11 Charten. Leipzig, bey Gerhard Fleischer. Sonst 36 Thlr. Jetzt 18 Thlr. Minerva. Taschenbuch für 1809 bis 1820 oder Ir. bis 12. Jahrgang mit 111 Kupfern zu Schillers Gedichten und dramatischen Werken. Ebendaselbst. Sonst 24 Thlr.— Jetzt 12 Thlr. Dasselbe für 1821 bis 1824 oder 13r. bis 16r. Jahrgang mit 36 Kupfern zu Göthe's Gedichten und dramati— schen Werken. Cbendaselbst. Sonst 8 Thlr.— Jetzt 4 Thlr. Die Beitrage in der Minerva sind von C. Pichler, A. W. von Zimmermann, Tiedge, Langbein, Kind, Ehrenberg, Klopstock, Th. Huber, H. Voß, F. H. Jacobi, G. Schilling, E. Raupach, van der Velde, Fr. Jacobs, Seume, Kahler, A. Lafon- taine, Prätzel, Fouqué, Bredow, Blumenhagen, Böttiger, Th. Hell und Andern. Man hat nicht nöthig, diese Werke gleich vollständig zu nehmen, sondern kann so viel Bände als man wünscht erhalten, in welchem Fall der Preis gleichfalls unverandert und für jedes Bändchen 1 Thlr. bleibt. Durch jede Buchhandlung sind obige Werke zu erhalten. Gerhard Fleischer in Leipzig. r— ä—ͤ— ... * Pränumerations-Anzeige einer neuen Ausgabe der Oeuvres compleètes de M. de Florian. Dieser klassische französische Schriftsteller bedarf keiner wei— tern Empfehlung, denn er ist einheimisch im deutschen Vater— lande geworden, welches er auch in jeder Hinsicht, sowohl sei— ner leichten und reinen Sprache, als seiner lieblichen und ganz sittlichen Darstellungen wegen, mit Recht verdient, und in dieser Hinsicht auch der Jugend mit Nutzen und ohne Gefahr in die Hände gegeben werden kann. Diese neue Ausgabe wird in acht Bänden, auf gutem Pa— pier und mit deutlichen Lettern gedruckt, in meinem Verlage erscheinen, und enthält nicht nur die in den frühern Ausgaben enthaltenen Werke, als: Nouvelles, Numa Pompilius, Théäàtre, Estelle, Elièezer et Nephtaly, Gonzalve, Fables, Guillaume Tell, Don Quixotte, Galatée et petites Pieges, sondern auch die erst neulich erschienenen Oeuvres inédites en 4 Volumes, so daß diese Ausgabe ganz vollständig wird. 2 Der Pränumerationspreis für alle acht Bände ist Fünf Thaler Preußisch Courant oder Neun Gulden Rheinisch. Es ist die Einrichtung getroffen, daß zur nächsten Michae— lis-Messe die ersten, und noch vor der Jubilate-Messe des nächsten Jahres sämmtliche Bände die Presse verlassen sollen. Eine Probe zur genauern Beurtheilung des Ganzen ist in jeder Buchhandlung unentgeldlich zu haben.— Jede Buchhand— lung nimmt Pränumeration an. Im Juni 1825. Gerhard Fleischer in Leipzig. —— olan. iner wei⸗ Vater⸗ sohl sei⸗ ad ganz in dieser yr in die tem Pa⸗ Verlage lusgaben Théatre, lillaume ern auch olumes, 5 Fünf lden Michae⸗ esse des sollen. en ist in schhand— Lippi. — 359 h) Gang hinter diesem Häuschen. i) ein Brunnen, worin das Wasser zum Trinken untaug— lich ist, und nur zum Begießen der Gärten gebraucht wird. k) Sonnenuhr auf einer Säule von weißem Marmor. J) Bad. m) Kleine Vorrathskammer. n) Höfe vor dem Gebäude. o) Klosterzimmer, die vermiethet werden. p) Küche des Archimandriten. 4) Enger Gang hinter den Zimmern. r) Weinberg. s) Terrasse im Garten, nahe am Gebäude. t) Blumenbeet mit einem steinernen Trottoir. u) Klostergärten, größtentheils aus Birn-, Aepfel-, Pfir⸗ sich-, Abrikosen-und andern Fruchtbäumen bestehend; es giebt auch Cypressen und große Akazien darin. v) Küchen. w) Treppen. Im Sommer beschattet sie mit ihren dichten Zweigen das Gewächs T Tünlo; die Blüthe desselben ist dunkelblau und von äußerst angenehmen Geruche. *) Vorhaus. y) Wagenschuppen. 2) Klosterthor. Auf dem Gesandtschaftshofe. 1) Gesandtschaftshaus, in welchem ehedem die russischen Gesandten sich aufhielten; jetzt aber wird darin, zur Zeit des Wechsels der Missionen der Aufseher(Pri— staw) derselben nebst den Beamten einquartiert. 2) Zimmer, für das Gefolge des Gesandten, seine Die— ner, Küche u. s. w. bestimmt. 3) Reihe von Zimmern, in welchen die! Studenten der Mission wohnen. — ff . 9—— a — 300 — l 4) Küche und Gesindestube. 5) Vorrathskammer. 6) Brunnen, worin das Wasser ebenfalls nicht gut ist. 7) Schuppen. 8) Kleiner Hof. 9) Weinberg. 10) Garten mit Fruchtbäumen. 11) Thor auf den Gesandtschaftshof. 12) Hof. 13) Zimmer für die Dienerschaft. 14) Das Zimmer des chinesischen Boschko, an dem die f Tagesreihe(Dejour) ist. 19 15) Einfahrt in den Hof. 16) Simmer für die chinesischen Beamten, welche sich zur Zeit des Aufenthalts der Russen versammeln. 17) Wohnung des chinesischen Thürhüters. l 18) Thor. „ 19) Hof. 20) Großes Hauptthor. 5 5 21) Wachthaus. 22) Tempel des Fo. Nach Beschreibung der Begebenheiten und Beschwerden der Reise der Mission von den Gränzen des Vaterlandes bis N zu der Hauptstadt China's und auch der Art, wie sie dort ö Platz fand, gehen wir nun zur Beschreibung unsers Aufent— 1 halts in Pekin über. 1 * 2 *—— N —* N 2—— 1 1 6 N — 8——— 5 5— N N —.. * * .. Ende des ersten Theils. — 2 l Hl. 5 15 f Lankan, Hau J,, Re, 1„ e,. ue 2 2 1 = E 5 III 6000 e e 0 1 e II HI III MA II 10 II IAA 1 III 1 1 Ae, 1 e Ace ee, 2 ui i, Ace nee, zeln, Ce 7 * g 0 a 7 970 5 90 991 7 7— 3 eee eee eee dane— 1 Auunnunnun 18 8 bg bubu, ve, gott, 8 2 7017 9 N f mmm— nn qimnimnmn eee eee neee num mmm munen mmm mne . 2 5 9 8 ö mm nnn 1 4 8 0 JN 5 8 8 7. 0— 1 8 f— 7 5 ö 8— N— anch tig, hun, de, 75 g 8 4 5 5 gönnen gr an n, ö * NN 3 9 are, vas, 5 16.—— 75 5„ K—— 0 R 5 hn J NJ. 4 8 J ee o. 5 8 ns end wadege 0 5 8 8 8 aeg ee v 8 5 7 8 7. 5 3 De-, 8 8 a 0 9 0* gedit; ge; 7 1 G 2 0. 0 * 5 4 85/ 2 2 ö 0 8 2 7* Hu N pung 90 g a 10 5 5„ muuuluagia, lane mut 8 58 7 8 0 11 0 8(* zune; autugig, 7. e t Ss 0 0 5 i 9 9 q 9 8 8 eee, e pris sus, f 5 8 u 6 ö 0 0 rs 3„ 5 5 10 0 0 ore ap Jun apa 8 0 0 1 0 0 — 5 N — 0 0 0 U 9 8 Jubius 0 8 2 uhogun* 8 D N. 2 0 1 7. 8 ö— ö 0„„ . ö N 0— 8 8 22 Ae 5 0 6 5 . 5 56. N 0. ö 1 8 n— 8 1 1 D 7 8 3 a ue N ö 8 1 A 0 U 0 U* 1 N 1 1 1 + 0 U 4 5 U 9 N 1 8 0 0* ö 2 e ee, 0 N 8 mn 0 N 0. 110A i N ö. e, N.. q 782 7 ö* 0 6 ebe 27 N i 8 1 5 n ö r g N. ö 7 SAF ved bed we 0 5 ö 2 ION O& 7 1 N N 5 8. 0— 1 N 3 S 5 D 7—— a. e 2 N 2 N J 7 VVS 14 10 8 8 25. rt 70 9 5 8 D 5 70 5 N lp o anp 8 NI c 0 1 2 ü 5* N e al und, oe.— f 75 N 7 27 1 5 1 81 5 1 Vd re E p„ 8 IH e,, E 3 d— 5 G oO A 5 5 i 5 „„ 5 Sou gp 0———— 1 8— 0 A 8 75 —* U— N. LVL I., a G 41111( 1 8 e 2 f f 8 W,— 5 ö 5 e 2. N X v N S N 0 D ö 8 68 8 — ame 8 Y S eee 8 a 7 I— ö 5 wee e 0 ö aug, ene, 72 ö 1 2 2 7 S X 5 5 5 8 8 2— 0 aun 2 ä 0— N a, Hen,————— 2 i VF e N N —— 2 20 C, eee ö 77 8 WN 8 5 N— f. r M 40 2 , ö , 9, ae,, 0 nl ee— oe v u,. Na, dil Se 8 2 N ee! 1 1, 5 — 1 e— 8 eee. 9— 2 8 5 9 e. 4— be, e 28—+ — 2 8 8 2 — 7 S 5 22 N I 2 7 ee, u W 2 8 e.— 8 S—* e 8 8 5 5 5 8 2 6 es WC ee, Ne,. N,— 8 1. 5 O ne dN e 8 0 5 i 1 7 a. ö 5 7 8 5 d. ö 2 S 1. 0 8 7 1 5 eue 5 N 2 8 ö 0 5— 5 5 9 Nag 2. 9 14 0* el, 14 0 ö 7 ee ee g N a 0 ö 1* 6 5 vy d 55 N 5 75 D N 1 0 0 e 1g, a, bee. 1 Wia. 7%, Ne e n,, s 922. 1 5 75 8 f 5 2 gor, uh 8 8 e N 0— ö 5 4 N 0— 5 5 ö— 1 3 J pp N. me 717 8 0 A ige, it, A werfe ing—.— N N 8 8 ö 5 8 1—— I ö 8 0 2— 5— — e e 8 8 55 4 ür rn?& 8— lg, 2, 5 Ve d? N N 5 2— y 2 ——————* 9 7——...:. 5 e 0, ML& 9 5 . J* — 4 5 2 mo coe ib e, N 2 8— N 2. 5 2 egen 269 8 „ 7 5 vpn nf- N 8 9 eee 8 N 5 4 eee gie U 3 4 5 0 h e, Abe ea bel, en e 5„5— 8 5 dne g. MN. WIN— 5 ar e eee e eee 5 , eee 2 V V 1 ö 2 00 g nge— vb, 0„ 4 2 0 e ö 5 gat ace ene,. 4 2 tunit dhe J 1 ö 2 4— ee ie, 5 8 2 1 8 oe, ve ee— a 8 e 22 8 0 meet, 8 2 N 8 8 8 — D S 1 8 555 5 Sed gen 1 2 ö N 8 00 ue f S ee b db 3% deu N. WN — e 6 0— vnd.* n ö„ 8 90 e g egi, dug) 55 2 2 u— D 5 ug 8. Se. 2 W 0 Ab 2.. 15 eee, 5 Det 5 5 8 28. 0 Do gib ö 0 ä 2 N 28. 15 ö V 8 2 222 8 5 2 2 tees ge, e. 5 e e Ne 8 ogg 8 ö V INN e 8 a s e 8 0 3 8 Af 1 N 8 d 6 0 ä wee ae, f V I Ii 8— ö e 2 W ö 8— 7 N 7 ö.* V * e 2 ö 5* ee— 2 S N.— 5 5— 8 — N 1* 0 W d N N — 5 e. N N* 2 1— N 2 N f 2 1 7 5 N 8 N e W 8 . N l Y N 0 5 ne N N e. + 90 N N e 1 0 8 N 1 8 e 4* 1 10 285 75 1 2 55 7 ö 1 A Y 1 0 ö N 5 N 0 N N48 ö ee „— 1 e ä 0. n* g(A216 e 5 7. f 8„ 0 0 E 0 n. 5 5 2 5 5* ö 7 55588 eee, 8 . 0 N eee, NV I 2 ö 8 8 8 0 ö J ö L 7 8 ö 0 e 0 5——, eee e 1 ö 0 2 0 * 9 7 ee 8 0 ne de 8 6 5. 8 —— NN 7 7* D 9 U N 1 1 1 8 10 A ,, 1 1 F 1 1— . 7 d 14 J 5 4 ..— 8 e N . f —— 5—— amm unn mmm Anm Ane munen A 27 N 0 4 L fun Auummutin Iiunuunum ö 8 J 5 777 77 neee Aim 8 1 ö— 0 75 e 5 2 0 Iuuunuum Annen mn mn f Ak — 0 1. 4 1 7 5 i— 1 K N 5 — 2 9—. N— 2* d 8 8 8 f 5 0 — . an 5d.—ꝑ———-——— 3 *. 1 .. 1 † 4 1 1 1 4 . 1 1 8 8 . 8 1 1 1 1 —. ———õ doanes pᷣĩẽ Blue Cyan Green Vellow Hed Magenta Wnite Greyl Grey 2. Grey 3 Groy 4 Black