S Abbildung und Beſchreibung eines neu erfundenen, einfachen und wenig koſtſpieligen Brenn⸗ und Deſtillir Apparats, durch welchen mit geringer Holz⸗ oder Torffeue eng ſogleich der peinſte, vollig fuſelfreie Spiritus und Branntwein gezogen wird, und zugleich nicht nur das Maiſchwaſſer geſchafft, und 8 die Kartoffeln, ſowohl zur Brennerei als zur ganzen Wirthſchaft, ohne das Geſchaͤft im mindeſten zu ſtoͤren, 8 gekocht; ſendern auch durch Daͤmpfe mehrere Zimmer erheitzt werden koͤnnen, und aͤberdies noch aus dem Nachlauf ein vorzuͤglich guter Eſſig zu gewinnen iſt. Von Ph. Juſt. Chriſtoph Reitz, vormaligem Bauinſyektor, jetzigen Oberamtmann des Amtes Waltersdorf bei Berlin Berlin, 1820 In der Schuppel ſchen Buchhandlung. Aufgeſchnitteue und beſchmußte Eremplahe werden nicht zurnel gensmmen Abbildung und Beschreibung eines neu erfundenen, einfachen und wenig kostspieligen Brenn⸗ und Destillir Apparats, durch welchen mit geringer Holz⸗ oder Torffeuerung sogleich der reinste, völlig fuselfreie Spiritus und Branntwein gezogen wird, und zugleich nicht nur das Maischwasser geschafft, und die Kartoffeln, sowohl zur Brennerei als zur ganzen Wirthschaft, ohne das Geschäft im mindesten zu stören, gekocht; sondern auch durch Dämpfe mehrere Zimmer erheitzt werden können, und überdies noch aus dem Nachlauf vorzüglich guter Essig zu gewinnen ist. Von Ph. Just. Christoph Reitz, vormaligem Bauinspektor, jetzigen Oberamtmann des Amtes Waltersdorf bei Berlin. bi 5 0 E * 75 nne d e ee 1 1 5 ADB 8 e OLT —— 2 hat wohl, seit Einführung der Gewerbefreiheit, in Geschäft mehr Aufsehn erregt und Verände⸗ ungen erlitten, als die Branntweinbrennerei. Indem die Steuer des Branntweins, als eine der größten Staats⸗Einnahmen durch den Blasen⸗ zins erhoben werden soll,[wodurch eigentlich die Zeit versteuert wird,] sind so mancherlei neue Brenn— Apparate erfunden worden, durch welche zwar die Fabrikation des Branntweins schneller betrieben wer⸗ den kann, jedoch in der Vielheit und reinen Aus⸗ beute so wenig, als in der Feinheit und dem Wohl⸗ geschmack des Fabrikats, etwas gewonnen wor— den ist. Unsere hohen Staatsbehörden sind gerecht ge— nug, wenn sie gleich im ersten§. des Gesetzes vom A 2 4 Sten Febr. 1819 zu erkennen geben, daß die Steuer nach der Produktions⸗Fähigkeit der Apparate aus⸗ gemittelt und berechnet werden soll. Diesem nach kann eine Uebertreibung der Brennerei keinen we⸗ sentlichen Vortheil gewähren, indem der schnellere Abtrieb durch die immerwährende Kontrolle und Maischnotizen sehr bald ausgemittelt und hiernach die Steuer berechnet werden kann. Man muß daher unter diesen Umständen hauptsächlich auf Holzersparung und Veredelung des Fabrikats selbst Rücksicht nehmen. Ich habe mich daher seit einer Reihe von Jahren mit Versuchen aller Art in diesem so wich⸗ tigen Erwerbzweig beschäftigt, und da ich in dieser Zeit oft genug Gelegenheit hatte, fast alle neu er⸗ fundenen Brenn⸗Apparate kennen zu lernen und ihre Produkte zu prüfen, so habe ich die sichere Ueberzeugung erhalten: daß der Spiritus, sei es aus Getreide oder aus Früchten, nie so rein und vollständig entwickelt werden kann, als wenn er zuvor den ersten Prozeß des Lutters überstanden hat, und dieser Lutter durch eine neue Auflöͤsung 5 in reinen Spiritus übergehen kann; daß ferner ein zu weitläufiger Gang durch warme kupferne Röhren, dem Branntwein einen brandigen Geschmack giebt; daß aber auch der Lutter, wenn er sich durch freie atmosphärische Luft ziehen muß, durch Ein⸗ mischung der Luftfäure, einen übeln Geruch und Geschmack annimmt, welcher nur durch mehrere Destillationen hinweggeschafft werden kann; wie man dies in den Destillateur-Werkstätten häufig sieht, wo die stärksten Branntweine, wenigstens noch zweimal gereinigt werden müssen, ehe man den sogenannten Fusel herausbringen kann. Dies hat mich veranlaßt, auf einen Brenn⸗ Apparat zu denken, welcher zuvor aus der Mai— sche den Lutter gehörig entwickeln und abkühlen, zugleich aber auch denselben, in einem hermetisch verschlossenen Gang und Gefäß, ohne Einwirkung der Feuertheile, zum reinsten Spiritus bilden kann. Da ich hoffe und glaube, daß vielen meiner Mitbürger damit gedient seyn möchte, eine genaue Abbildung und Beschreibung davon zu sehen, so habe ich auf viele und wiederholt an mich ergan— 6 gene Aufforderungen meiner Freunde mich entschlos— sen, diese Erfindung dem Druck zu übergeben, und versichere dabei: daß ich nichts hier bekannt mache und als brauchbar und nützlich empfehle, was ich nicht zuvor sorgfältig gepruft und in der Anwen— dung bewährt gefunden habe; wovon sich denn auch ein Jeder in meiner, nach dieser Anleitung hieselbst eingerichteten Brennerei durch den Augen⸗ schein selbst überzeugen kann. Dieser Apparat hat den Vorzug, daß er nicht sehr kostbar, auch nicht eben künstlich, dagegen aber dauerhafter und unverderblicher ist, als alle andere; daß er ferner weniger Arbeit und Aufsicht erfor⸗ dert, auch nicht so viel Wasser bedarf, indem der Maischwärmer zugleich einen Theil des Kühlers ausmacht; daß man während des Brennens und Destillirens, zu allen Zeiten nicht nur die Kartof⸗ feln zum Branntweinbrennen, sondern auch das Wasser zum Einmaischen und außerdem noch al⸗ les mögliche, selbst die Speisen für den ganzen Haushalt, kochen und zuletzt noch einige Zimmer durch Dämpfe erheitzen kann, und zwar mit einem 7 nicht stärkeren Feuer, als womit man sonst eine Blase gewöhnlicher Art unterhalten mußte. Diese Einrichtung bedarf auch nicht eines so großen Raumes und kann von jedem gewöhnli⸗ chen Branntweinbrenner, der nur das Einmaischen versteht, sogleich betrieben werden. Da ich selbst Architekt bin, und die ganze Anlage in dieser Brennerei beständig unter meinen Augen und genau nach meiner Vorschrift gemacht worden ist, so kann ich auch von der gelungenen Einrichtung der Feuerung die beste Versicherung geben. Wenn ich nun gleich nichts anderes zur Ab— sicht habe, als die Konstruktion und den Gebrauch dieses neuen Brenn-Apparats zu beschreiben und zu erläutern, so muß ich doch vorher noch der we— sentlichsten Bedürfnisse gedenken, die zu einer wohl eingerichteten Brennerei erforderlich sind. 1. Das Lokal der Brennerei muß massiv und überwölbt seyn, um sowohl Feuers-Gefahr, als auch das schnelle Verderben, dem alles Holz werk bei den beständigen feuchten Dämpfen aus⸗ gesetzt ist, zu verhüten. 8 2. Müssen die Maischtienen nicht in der Brenne⸗ rei, sondern in einer besondern Kammer, unmit⸗ telbar neben der Brennerei, stehen, damit die Temperatur des Maisches zu allen Zeiten gleich erhalten werden kann. In dieser Kammer muß vorzüglich auf durchziehende Luft Bedacht ge⸗ nommen werden, um augenblicklich die starke Ausdünstung fortschaffen zu konnen. Diese Kam⸗ mer muß jedoch auch möglichst nahe an der Brennerei stehen, damit das Einmaischen sowohl, als das Ueberbringen der Maische in die Bren— nerei, nicht weitläufig wird; auch durch Oeff— nen und Verschließen einer Thür, die Wärme zugelassen und abgehalten werden kann, je nach⸗ dem die Temperatur es erfordert. Muß die Schlempe sogleich von der Blase durch einen unterirdischen Kanal, wo möglich gleich nach dem Orte ihrer Bestimmung, ge— schafft werden können. Muß der Brunnen im Gebäude, wenigstens auf der Flur desselben, befindlich seyn, damit der Brenner zu allen Zeiten, auch bei übler Witterung, trocken und sicher, Wasser geben kann. 9 5. Die Wasserrinnen müssen hoch genug und nicht mit überflüssigen Oeffnungen versehen seyn, und 5. muß der Fußboden mit guten Mauersteinen oder Klinkern und mit gehörigem Abfall und kleinem Gerinn gepflastert werden, damit das Wasser aus allen Ecken und Enden rein ablau⸗ fen, auch nachgespühlt werden kann. Demnach gehe ich nun zur Beschreibung des Lokals und der Brennerei-Geräthschaften über. Tab. I. A. Ist der Raum worin die Brennerei, und B. der Raum, worin die Anstellung und Abgährung der Maische betrieben wird. Fig. 2. Grundriß der ganzen Brennerei. a. Maischblase, hier von 110 Quark Inhalt. b. Die Wasserblase, von 600 Quart. In dieser hängt die Weinblase[auch Wienblase genannt] eine kleine kupferne Blase, die allenfalls auch von Zinn oder verzinntem Blech[welches jedoch weniger dauerhaft ist] seyn kann, und nur den öten Theil so groß als die Maischblase zu seyn braucht; weil bekanntlich der Maisch nur 5 Lutter absetzt, zur Sicherheit jedoch 10 oder die Hälfte der Lutter⸗ oder Maisch⸗ blase enthalten kann.(Ist bei lig. 2. Litt. k deutlicher zu sehen). Der Maischwärmer. Dieser bildet zu⸗ gleich den Geddaischen Refrigerator, wo die Dünste rundum gehen, sich concen— triren und zuletzt durch ein Schlangenge— winde, bei durch ein Ableitrohr in die Weinblase gefuhrt werden.(Ist Tab. II. G. g. deut⸗ licher zu sehen). In diesem Rohr ist ein Hahn befindlich, durch welchen man nicht nur den Gang und die Stärke des Lut— ters beobachten, sondern auch zuletzt, wenn die Maischblase abgegangen ist, den Zu— gang der kleinen Weinblase verschließen kann, damit die Dämpfe aus derselben nicht wieder zurücksteigen konnen. Ist das Kühlfaß nebst Wolf, wodurch mittelst einer Schlange der reine Spiritus concentrirt und unten in ein Vorlegfaß ge— führt wird. 11 1. Der Hahn in der Wasserblase, woraus zu allen Zeiten kochendes Wasser genommen werden kann. Ein Hahn, durch welchen, mittelst eines Rohrs, der Nachlauf aus der kleinen Wein⸗ blase durch die Wasserblase, den Feuer⸗Ka⸗ nal und die Mauer abgeleitet wird.(Ist Tab. I. lig. 2 bei k deutlicher zu sehen). h. Ein Hahn zum Ablassen der Schlempe, welche hier unmittelbar in ein unterirdisches 18 Gerinne fällt und in die Futterkammer des Kuhstalls geführt wird. i. Ist ein Rohr, wodurch der warme Maisch aus dem Maischwärmer in die Maischblase geleitet wird.(Ist bei Fig. 6 Tab. II d. e. f. deutlicher zu sehen.) d wird nach geschehener Füllung der Blase mit einer Kapsel verschlossen, welche bei der Füllung abgenommen, das Rohr e aufgesteckt und bei k der Hahn geöff⸗ net wird. k. Die Wasserrinnen, wodurch das Wasser 12 in die Kühlfässer und in die Maischtienen zum Abkühlen geführet wird. 1. m. Durchschnittslinie zu Fig. 2. B Ist die Maischkammer. 5 n. Die Matschtienen; sind hier jede zu 600 Quart Inhalt. o. Kleine Oeffnung, durch welche, mittelst ei⸗ ner kurzen Rinne, den Maischtienen Ab— kühl⸗Wasser gegeben wird. Fig. 2 C. Durchschnitt durch die Maisch⸗Wasser⸗ und Weinblase und deren Feuerung. a. Ist die Maischblase, b. der Helm, welcher in bb mit einem 8 Zoll hohen und 6 Zoll weit abstehenden Rand versehen ist, um im Nothfall, wenn die Blase überschießen will, kaltes Wasser auf⸗ zugießen. c. Der Maischrührer, um das Anbrennen zu verhüthen. d. Oeffnung, wodurch der Maisch eingelassen wird.(vid. Tab. I i). e. Die Wasserblase, worin 13 f. die Weinblase hängt und mit Wasser⸗ Dämpfen umgeben wird. g. Der Helm der Weinblase. B. Oeffnung, durch welche die Dämpfe aus dem Wasserkessel gehen, und sowohl zum Kochen der Kartoffeln, als auch zu andern Zwecken geleitet werden konnen. 1. Der Hahn zum Ablassen des Wassers. k. Hahn zum Ablassen des Nachlaufs. J. Der Rost. m. Der Feuer⸗Kanal. n. Die Feuer⸗Züge. o. Der Asch⸗Kanal. Fig. 3. D. Grundriß der Feuerung. a. Der Feuerkanal. b. Die Feuerzüge. c. Zu beiden Seiten des Feuerkanals auf die hohe Kante gesetzte Mauersteine, worauf die Blasen ruhen. d. Stellt den Umfang der Maischblase und e. den Umfang der Wasserblase; so wie k. den Umfang der Weinblase, mit ihren Häh⸗ nen vor. 14 Tab. II. fig. 4. E. Perspektivische Ansicht des gan zen Brennapparats. a. Der Helm von der Maischblase. b. Die Oeffnung und das Rohr, wodurch die Maische aus dem Maischwärmer in die Maischblase gelassen wird. c. Der Maischwärmer. d. Das Rohr mit seinem Hahn, wodurch der Lutter in die Weinblase geleitet wird— e. Das Kühlfaß, welches den Maischwärmer umgiebt. f. Ein Hahn, um warmes Wasser abnehmen zu konnen. g. Wasserblase, in welcher die Weinblase hängt. h. Die Oeffnung der Wasserblase, woraus der Dampf, durch 1. die blecherne Rohre durch den Boden, zur Erwärmung einiger Zimmer, oder aus dem Gebäude geleitet werden kann. k. Eine andere Oeffnung der Wasfferblase, durch welche mittelst 15 J. des Wasserrohrs, aus m. dem großen Kühlfaß, durch N 0 den Wasserhahn, von Zeit zu Zeit, Wasser in die Blase gelassen werden kann. Der Wolf im Kühlfaß. p. Das Vorleg⸗Fäßchen, zum Auffangen des 5 * 2 55 Fig. 0 EN 17 d Spiritus. Der Wasserhahn, um zu jeder Zeit heißes Wasser ablassen zu konnen. Der Hahn aus der Weinblase, den Nach⸗ lauf abzulassen. Die Wasserrinnen. Die Treppe zum Maischwärmer. 5. F. Die Maischblase, wie sie in den Maischwärmer und Refrigerator gehet. Die Maischblase. Der Helm, an welchem der Rand, zum Aufgießen des kalten Wassers, befindlich. Ein Hähnlein, das Wasser, wenn es warm geworden ist, wieder abzulassen. Oeffnung, wodurch, mittelst eines Stech⸗ rohrs e, von 16 f. ein Auslaßrohr des Maischwärmers, der Maisch in die Blase gelassen werden kann. g. Ist der Maischwärmer im Durchschnitt. h. Der innere Raum des Maischwärmers. i. i. i. Der hohle Raum des Refrigerators, welcher außerhalb mit Wasser, innerhalb mit Maisch gekühlt wird. Ein Schlangengewinde, um den Lutte 15 besser abkühlen zu können. H. 1. Ist der Maischwärmer von außen anzu⸗ sehen. m. Die Mündung, wodurch der Lutter aus der Maischblase in den Relrigerator ge- het und bei n. herausgeführt wird. o. Ist die Oeffnung, aus dem Maischwärmer den Maisch in die Blase zu führen. p. Ist ein Hahn, wodurch das in dem Maisch—⸗ wärmer im Kühlfaß warm gewordene Was⸗ ser, mittelst des Stechrohrs 9. in die Blase durch d gelassen werden kann, 17 um die Blase auszuspühlen und nach Ge⸗ fallen die Schlempe zu verdünnen. Fig. 6. a. Das große Kühlfaß, mit Schlange und Wolf, im Durchschnitt. b. Die Wasserblase. c. Das Dampfrohr, wodurch die Dämpfe in d. das Gefäß, worin die Kartoffeln gekocht werden, geleitet wird. Nach dieser etwas weitläufig gewordenen Be⸗ schreibung der einzelnen Theile des Brenn⸗Apparats, finde ich es nun nöthig, auch den Gebrauch desselben, so deutlich als möglich, zu beschreiben und fange diese Beschreibung so an, als ob die Brennerei zum erstenmal in Gang gebracht werden soll. Ehe die Maischblase gefüllt werden kann, muß man reifen Maisch haben, daher kann wäh⸗ rend der Versiegelung der Maischblase, schon drei Tage vor der Entsiegelung, das Maischen angefan— gen werden. Man füllt in dieser Absicht die Maischblase sowohl als die Wasserblase mit Was⸗ ser, setzt das Faß d, Tab. II. Fig. 6, auf die in Fig. 4 E bezeichnete Stelle, schiebt das blecherne B 18 Dampf⸗Ableitungs⸗Rohr i in die Höhe, bringt das Dampfrohr o, Fig. 6, mit dem obern Theil auf der Tülle h und mit dem untern Theil im Faß an; füllt dann das Faß, welches unten einen, vom Boden 4 Zoll erhöhten, Rost oder Boden mit vielen Löchern haben muß, mit Kartoffeln, deckt solche oben nur mit doppelten leinenen Decken zu und läßt den, aus der Dampfblase ausströmenden Dampf in das Faß, zwischen beide Boden hinein gehen; so hat man, in 14 höchstens 2 Stunden, 6 bis 8 Scheffel vollkommen gar gekochter Kartof— feln. 1te Anmerk. Um die Kartoffeln auf eine leichte Art zu waschen, wird das in Tab. II Fig. 4 E am Kühlfaß angebrachte Wasserrohr 1, von der Tülle k ausgehoben und auf das Kartoffel⸗ Faß gehalten, der Hahn in n aufgemacht und das Wasser so lange abgelassen, bis solches durch das, unten am untersten Boden befindliche, Loch y rein abläuft. Schneller geht dies Reinigungs⸗ Geschäft von Statten, wenn während des Eintra— gens der Kartoffeln, das Wasser Lagenweis auf⸗ gegossen wird. 9 7 19 2te Anmerk. Damit während des Kochens der Kartoffeln durch die Dampfblase, das, in der Maischblase befindliche, Wasser welches jetzt nur, wegen noch nicht vorräthiger Maische, die Blase a vor dem Verbrennen sichern muß, das Siegel der Blase nicht verderben kann, wird über die Blasen-Oeffnung, welche mit einem Bindfaden durchzogen und in der Mitte versie⸗ gelt ist, ein kleines Brettchen untergelegt, wodurch das Siegel verwahrt bleibt. Das Wasser kann nach Gefallen abgelassen oder zum Cinmaischen gebraucht werden; wiewohl aus der Wasserblase siedendes Wasser genug zu haben ist. Sobald die Kartoffeln gar sind, werden solche auf der bekannten Quetsch-Maschine, durch zwei gegen einander gehende Walzen, klein gedrückt und in den ledigen, sehr rein gemachten Tienen, (bei meinem Apparat in zweien, zu gleichen Theilen) mit heißem Wasser eingebrühet, mit etwas Ger⸗ stenmalz eingemaischt, abgekühlt und angestellt. Auf diese Weise muß den zweiten Tag fort⸗ B 2 20 gefahren werden, weil noch an diesem Tage kein 0 abgegohrener Maisch vorhanden ist. Den sten Tag wird die Maischblase entsie⸗ ö gelt, das erstemal mit Maische aus der Tiene gefüllt, Wasser in die Wasserblase gelassen und Feuer gegeben. Hierauf wird die Maische zur zweiten Blase in den Maischwärmer getragen, um sich darin, während des Abgangs der ersten Blase, zu erwärmen. Sobald die Maischblase anfängt zu kochen, muß von Zeit zu Zeit der, durch den obern Theil des Helms gehende, Rührer einigemal um— gedrehet werden, damit das Gut nicht anbrennen kann; sobald man aber wahrnimmt, daß die Maischblase angehen will, wird außen bei der Feuerung die Ofenthüre zugemacht und die Zug⸗ löcher etwas gedämpft, damit die Blase nicht zu heftig angehen kann; und im Fall die Blase zu hoch steigen oder überschießen will, wird auf den, am Maischblasen⸗Helm angebrachten, Rand bb etwas kaltes Wasser aufgegossen, wodurch dann die Blase ganz ruhig abgehet. Das 21 Wasser wird dann, wenn es warm geworden, durch das Hähnlein. Tab. II. Rig. 5. F. wieder in eine darunter stehende Kanne abge⸗ lassen. Der Lutter concentrirt sich in dem Refrigera⸗ tor, zwischen dem Maischwärmer e und dem Kühlfaß e. Fig. 4. E. Tab. II., geht durch das Rohr d in die Weinblase, wird daselbst durch die, die Weinblase umgebenden, Wasser⸗Dämpfe wieder aufgelöset, und durch das im Kühlfaß m. befindliche Schlangen-⸗Rohr als Spiritus in die Vorlage p. geführt. 3te Anmerk. Da das in der Dampfblase be⸗ findliche Wasser beständig ausdünsten muß, und nicht zu allen Zeiten zum Kochen der Kartof⸗ feln ꝛc. gebraucht werden kann, so muß solches, um den Wrasen(Dunst) in der Brennerei zu verhüten, durch das Dampfrohr 1 nach oben zur Erwärmung der Stuben, oder wenn dies, wie im Sommer, nicht nöthig ist, zum Dache hinausgeführt werden. Um den durch das Ausdün⸗ sten verursachten Abgang in der Wasserblase zu erse⸗ 22 tzen, muß von eit zu Zeit aus dem Kühlfaß m, durch den Hahn u, Wasser zugelassen werden. Der Hahn n ist so angebracht, daß er nur soviel von dem obern Theil des warmen Wassers ablassen kann, als nöthig ist, und ist hierbei nur noch zu bemerken, daß das Zulassen des Wassers zu der Zeit ge⸗ schehen muß, wenn die Lutter⸗ oder Maischblase in vollem Gange ist. Während dieser Zeit kann die Weinblase, wegen des Zuströmens des kalten Lutters, ohnehin nur langsam oder gar nicht ge⸗ hen; das Wasser wird alsdann bis zu dem Zeit⸗ punkt wo die Lutterblase abgegangen ist, wieder in vollem Kochen seyn und den Spiritus rasch übertreiben. An dem Einlaßrohr d(Tab. II Fig. 4 E) ist in der Mitte ein Hahn, welcher 3 Oeffnun⸗ gen hat, durch deren zwei der Lutter freien Durch⸗ gang in die Weinblase erhält, beim Umdrehen aber den Durchgang versperrt und den Lutter nach unten auslaufen läßt. Diese Vorrichtung habe ich darum anbringen lassen, damit man den 23 Lutter probiren; nach geschehenem Abgang des⸗ selben aber den Rückgang der Dämpfe verhüͤ⸗ ten kann. Sobald der Spiritus aus dem Lutter heraus⸗ gezogen ist, hört die Blase auf zu gehen. Der Nachlauß oder der Ueberrest des Lutters, enthält alsdann, nach allen angestellten Versu⸗ chen, auch nicht das Geringste mehr von spiri⸗ tudsen Theilen, wird durch den kleinen Hahn r abgelassen und eignet sich zu einem vorzüglich guten Essig, welcher außer einer warmen Lage, die ihm hier, bei der Dampferwärmung, sehr leicht zu geben ist, nichts zu seiner fernern Bildung bedarf, und wenigstens dreimal soviel als Brannt⸗ wein gewonnen werden kann. So wie die erste Maischblase abgegangen, welches an dem oben beschriebnen Hahn zu sehen ist, wird die Kapsel an d, Fig. 6 F Tab, II, so wie der Hahn zum Ablassen der Schlempe 24 geöffnet; während der Zeit zugleich das Rohr 9 an den Hahn p, Tab. II Fig. 5 H l, in die Oeffnung d gesteckt und das in dem Kühlfaß um den Maischwärmer heiß gewordene Wasser in die Maischblase gelassen, wodurch die Blase rein ausgespühlt wird; welches hier um so nd— thiger ist, als die Helme die ganze Woche hin— durch und so lange nicht versiegelt wird, nicht abgenommen werden. Wenn nun Wasser genug abgelassen worden ist, wird das Rohr e, zwischen d und k ange⸗ bracht, bei k der Hahn aufgemacht und der warme Maisch in die Blase gelassen. Das Ablassen der Schlempe, das Nachspühlen der Blase mit Wasser, und das Anfüllen derselben mit Maisch, ist das Werk von zwei, höchstens drei Minuten. Und so wird das Geschäft immer fortgetrie— ben, bis kein Maisch mehr vorhanden ist, oder mit dem Brennen eingehalten werden soll. Da der auf diese Weise gewonnene Spiritus ganz rein und fuselfrei ist, so kann man den⸗ sel⸗ 21 2 selben, mit Zucker⸗Wasser versetzt, in den schön⸗ sten doppelten Branntwein umschaffen. Damit man auch demselben jeden beliebigen Geschmack geben könne, ist oben an der kleinen Weinblase, bei 2, Tab. II Fig. 4 E, ein Scöpsel ange⸗ bracht, durch welchen man jede Sorte von Ge— würzen und Kräutern einschütten, und so augen⸗ blicklich den verlangten Geschmack hervorbringen kann. Wenn ich mich nun auch so viel als möglich bemüht zu haben glaube, meinen Lesern, die von die⸗ sem Apparat Gebrauch machen wollen, verständ— lich zu werden; so wäre es doch möglich, daß sich Man⸗ cher nicht ganz vollständig daraus möchte vernehmen können. Es steht daher einem Jeden frei, sich in meiner Brennerei selbst die etwa noch erforderliche Einsicht zu verschaffen, oder bei dem Hof⸗Kupfer⸗ schmidt Herrn Kräuter in Berlin, Klosterstraße No. 100, welcher nicht nur diesen Apparat sehr pünkt⸗ lich nach meiner Angabe verfertigt, sondern auch ein sehr deutliches Modell danach gemacht und bei C 6 26 sich aufgestellt hat, in Augenschein zu nehmen, und halte ich mich noch bei dieser Anzeige verpflichtet, den Herrn Kräuter als einen sehr geschickten, ein— sichtsvollen und billigen Mann bei vorkommenden Arbeiten, woran es ihm zwar nicht fehlt, bestens zu empfehlen. Amt Waltersdorf bei Berlin, den 19ten März 1820. N. S. Die in den Durchschnittssiguren angedeutete Starke des Kupfers ist bei Anfertigung dieses Apparats, wie sich wohl von selbst versteht, nicht als Maaßstab anzuneh⸗ men und hier bloß so stark gezeichnet worden, um die Umrisse recht in die Augen fallend darzustellen. Zur vollkommenen Dauerhaftigkeit der Blasen ist es hinreichend, wenn das Kupfer in den Böden 1 Zoll und an den Seiten 22 Zoll stark ist. Gedruckt bei Johann Friedrich Starcke. 7 e,, 7 Fuͤr Forſtmaͤnner, Gutsbeſitzer und fuͤr Freunde der Botanik. ☛—. * In der unterzeichneten Buchhandlung iſt erſchienen und 8 durch alle Buchhandlungen zu haben; Abbildung der deutſchen Holzarten, fuͤr Forſtmanner und Liebhaber der Botanit, herausgege⸗ den von Prof. Fr. Guimpel, mit Beſchreibun derſelben von Prof. C. L. Willdenow und Prof. Fr. Gottl. Hayne, 2 Baͤnde 136 Hefte] mit 216 ſanber ausgemalten Kupfern und vollſtaändigem Ne⸗ 8 giſter, gr. A. 54 Rthlr. 6 Gr. Dieſes, nunmehr vollſtaͤndig erſchienene, Werk enthaͤlt Ab⸗ bildungen und Beſchreibungen ſaͤmmtlicher in Deutſchland s kvon der Nord⸗ und Oſiſee bis an die hohen Alyen, ſo wie von dem Rhein bis zur Weichſelz wild wachſenden Baume und Straͤucher, genau nach der Natur gezeichnet und ſanber 2 in Kupfer geſtochen und illuminirt. Jede Platte zeigt einen vollſtändig bluͤhenden Zweig, Zergliederung der Blume und Frucht, und treue Abbildung der Knosye. Der Tert, von 2 Herrn Profeſſor und Ritter Willdenow und Herrn Prof. Hayne nach dem Linneiſchen Syſtem abgefaßt, enthaͤlt eine zweckmaͤßige Beſchreibung jeder Holzart, nach ihren Kenn⸗— zeichen, Benennungen in den verſchiedenen Provinzen, Be⸗ timmung des Vaterlandes und Bodens, der Bluͤthe und Fruchtzeit, Ausſaat, Hohe, Alter, Benutzung u. ſ. w. Voran ſteht jedesmal der ſyſtematiſche deutſche und lateiniſche Name; auch iſt der Herr Herausgeber beſonders bemuht geweſen, auf den richtigen Unterſchied verwandter Arten aufmerkſam zu machen and moͤgliche Verwechſelungen zu verhuͤten. Uebri⸗ 8 gens ſind ſaͤmmtliche Platten von Herrn Prof. Guimpel, einem der vorzuͤglichſten jetzt lebenden Pflanzenmahler, unter beſonderer Aufſicht des Herrn Nitters Willdenow und Herrn Prof. Hayne verfertigt und laſſen an taͤuſchender Aehnlichkeit nichts zu wuͤnſchen aͤbrig; ſo daß auch Herr e Ober⸗Landforſtmeiſter und Staatsrath Hartig in ſeinem 4 Forſt⸗ und Jagd⸗Archiv von und fuͤr Preußen, Jahrgang 2, Heft 1, bei der Anzeige von dieſem Werk ſagt: „Unter den hisber erſchienenen Kupferwerken der Art, zeich „net ſich das vorhin erwaͤhnte durch naturgetreue Darſtel „lung ſehr vortheilhaft aus, und verdient daher beſonders ⁶ „empfohlen zu werden, da es das Studium der Holzpflan⸗ „zenkunde ſehr erleichtert.— Schaͤppel ſche Buchhandlung in Berlin. 2 De 2 . e ⁸ 8 2 “ ee ee ſIIfnnnnſſſſnſſinnſſſſänſſſiſinnſſinſiſnſſſſſſſſſſſſſſſſſſnfſſſſiſſſſiſſſiſſſiſſſſiſiſſ Oem 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 1