— . Beschreibung und abel 7274 e 4 einer neuen und wohlfeilen Vorrichtung bei der ö Branntwein Brennerei mit welcher man gleich von der Maische reinen Spiritus oder Branntwein erhält, das bisherige Klärge⸗ räth, auch viel Feuerung und Arbeit erspart, und mehr Branntwein gewinnt, nebst Bemerkungen über andere dergleichen Vor⸗ richtungen. vom Justizamtmann Reuter, Besitzer des adl. Guts Groß⸗Blandau bei 2 in Preußen. e 5 7„nl rn N. 611 Pl 8* 10, 1 1* 5 ri a 1 NA . 4 r 14 * 8 71 U 0 00 0 See Gumbinnen, gedruckt bei J. W. V. Krauseneck N 1 hochgerühmt der Branntwein bald nach Erfindung und Einführung war, indem sereimt und ungereimt, von mehreren als ein anum gegen fast alle Krankheiten, ja so gar Verlängerung des Lebens angepriesen wur⸗ so sehr ist er in neuerer Zeit in übeln Ruf kommen. Dle Uebertreibung ist auf beiden zeiten, in der Mitte liegt die Wahrheit. Das lebermaß schadet, den mäßigen Genuß wird lein Arzt tadeln, und seine Unentbehrlichkeit, für den gemeinen Mann, so wie für den Sol⸗ daten im Kriege, oft als einziges Stärkungs⸗ mittel, niemand bestreiten? Was durch seine Fabrikation dem Ganzen an Nahrungsmitteln entzogen wird, kommt, we⸗ nigstens auf dem platten Lande, wo Viehmastung mit a„„ mitder Branntwein⸗Brennerei verbunden ist, durch den vermehrten Dünger und den dadurch sich reichlich mehrenden Körner ⸗Ertrag größtentheils wieder ein. Bloß durch die Brennereien in den Städten, besonders in den großen, wo nur Schweine ⸗Mastung statt findet, die wenig Dung giebt und wo derselde größtentheils unbenutzt sortgeschafft wird, gehen dem Lande Nahrungs⸗ mittel verloren, daher die Fabrikation des Branntweins mehr fürs platte Land, als für die Städte geeignet zu seyn scheint.— Daß die Branntwein⸗Brennereien viel Feue⸗ rungs⸗Materiale fortnehmen und zur Vertheue⸗ rung desselben beitragen, ist nicht zu läugnen, indessen bei den unerschöpflichen Torfmooren, die wir in Preußen haben, ist an keinen Mangel der Brennstoffe zu denken, überdem hat das Holz noch keinen verhältnißmäßigen Preis, denn die Wälder tragen bis jetzt die geringsten Zin⸗ sen. Bet alle dem ist es doch Pflicht, darauf zu sinnen, wie man nicht bloß seines eigenen Vortbeils wegen, sondern auch zum Besten des Ganzen aus den, zur Nahrung dienenden Früch⸗ ten „ ten, als Getreide, Kartoffeln ꝛc. die größte Men⸗ ge Branntwein, mit der größten Ersparniß der Feuerung, bekommen konne? Seit beinahe 20 Jahren hat mich, als Inn⸗ haber einer Branntwein⸗ Brennerei, dieser Ge⸗ danke beschäfftigt, und jede mündliche und schrift liche Belehrung darüber, war mir willkommen. Vorzöͤgliche Reinhaltung der Gefäße, zweck⸗ mäßlges Brühen und Einmaischen der Früchte, worüber sich aber nicht ganz bestimmte Vor⸗ schriften angeben lassen, indem eine und die nehmliche Frucht, ein Jahr stärker als das an⸗ dere gebrüht, so wie auch ein Jahr dunner, das andere Jahr dicker gemaischt werden muß, wel⸗ ches ein kluger Brenner beim Anfange der Brennerei durch Versuche aus mittelt, und voll⸗ ständige Gährung, sind bekanntlich die Haupt⸗ erfordernisse, um viel und guten Branntwein zu bekommen, so wie es sich von selbst versteht, daß man don bessern, und mehr Zuckersteff enthal⸗ tenden Früchten, eine reichere Ausbeute erhält als von schlechtern. Hiernächst aber kommt sehr viel auf die gu⸗ ten oder fehlerhaften Brennerel⸗Geräthe an; da⸗ f her ö 6 her sich mit deren Verbesserung schon sehr vie. le beschafftigt haben. Es würde mich zu welt führen, alle die künstlichen Einrichtungen, die man deshalb ge⸗ macht hat, hier anzuführen; wer sich daruber näher belebren will, den verweise ich auf das Buch: „Die Branntwein⸗Brennerei nach theoretlschen und „praktischen Grundsätzen von Neuenhahn 1804,“ in 2 Bänden, wo über die Branntwein⸗Bren⸗ nerei, und alle dahin einschlagenden Zweige, sehr ausführlich geschrieben ist. Nur über das eigentliche Verfahren bei der Fabrikation des Branntweins, findet man hier, und in keinem mir bekannten Buche, eine vollständige Anwei⸗ weisung, die doch sehr wünschenswerth ist, in⸗ dem man dieses nur von den Brennern lernen kann, diese machen aber alles bloß mechanisch, wissen selten den Grund ihres Verfahrens anzu⸗ geben, daber nicht jeder ganz gleich verfährt, und doch behauptet jeder: er mache es am Be⸗ sten Etrhält er nicht die gehörige Menge Branntwein, so hat er hundert Entschuldigun⸗ gen, und der Herr der Brennerei ist selten im Stande den eigentlichen Fehler auszumitteln. Da —— — 5. Da man an den mehresten Orten die Branntweinsteuer nach der Zeit des Brennens und dem Inhalt der Blase erhebt: so hat man, um an der Steuer zu vortheilen, fast bei allen neuen Verbesserungen der Brennerei ⸗Geräthe vorzüglich darauf gesonnen, die Blase so rasch wie möglich abzutreiben, und man ist darinn so weit gegangen, daß man in Schottland schon eine Einrichtung gemacht hat, mit welcher man, 480 mahl in 24 Stunden, die Blase abtreibt. Neuenhahn Band 2 Seite 514. Den nehmlichen Zweck, sucht man auch durch die neuen Vorrichtungen, vermittelst wel⸗ cher man, gleich von der Maische, ohne zu läu⸗ tern, Spiritus oder Branntwein abzieht, zu er⸗ halten. In den chemischen Annalen 1798. Band 2 Seite 296— 270 wird schon die Distillati⸗ ons⸗Anstalt des Brugnatelli, wodurch er zu gleicher Zeit Branntwein und Alkohol erhält, in folgender Art beschrieben: „Er ließ in der obern Fläche des Helms d elnen kleinern Helm aufsetzen, der auch selnen — — 8 8 „selnen besondern Helmkühler hat, wedurch bie „Dämpfe sehr leicht verdichtet werden können. „Der untere größere Helm, hat einen besondern „Helmkühler, worinn eigentlich der wäßrige „Weingeist verdichtet wird. Der Alkohol aber „ steigt, wegen seiner stärkern Flüchtigkeit, aus „dem untern Helm in den obern, wird darin „ durch dessen Helmkühler verdichtet und in ei⸗ une besondere Vorlage geleitet. Neuenhahn Band 2 Seite 222. 5 Seite 242 beschreibt Neuenhahn eine Ein⸗ richtung in Paris, nach welcher man die Däm⸗ pfe in eine 16 Fuß hohe Schlangen ⸗Röhre, wel⸗ che statt des Helms auf die Blase gesetzt ist, mit Gewalt hinauftrelbt, und von da in eine 6 Fuß lange, abwärts gekrümmte Röhre, und von hier in eine andere 2 Fuß lange Schlan⸗ genröbre, die sich in einem sehr großen Wasser⸗ Behälter befindet, hinleitet, so daß der Weingeist einen Weg von wenigstens 120 Schritten bis zur Vorlage zu machen hat. Eine ahnliche Vorrichtung hat vor etwa 2Jahren der polnische Graf Herr von Pacz bei Raßken durch einen Franzosen machen lassen. Die 5 Die dazu eingerichteten Gebäude und das Gan⸗ ze soll ihm mehrere Tausend Thaler gekostet haben; wie ich aber erfahren habe, so hat der Erfolg den Erwartungen nicht entsprochen und die ganze Einrichtung ist mit Verlust der Ko⸗ sten aufgegeben worden. So viel ich weiß, sind alle neuere Erfin⸗ dungen dieser Art, nach eben derselben Theo⸗ rie gemacht, nehmlich, daß die Dämpfe in ein Rohr oder anderes Behältniß, dessen Form und Gestalt der eine so, der andere anders gemacht hat, in die Höhe getrieben werden und auf ih⸗ tem Wege nach oben hin, durch das, die Vor⸗ richtung umgebende Wasser in eine solche Tem⸗ peratur kommen, wo die Wasser⸗Dämpfe schon gerinnen und als Tropfen in die Blase wieder zurückfließen, dagegen die Spiritus Dämpfe, vermöge ihrer größern Flüchtigkeit, weiter hin⸗ auf und bis in die Schlange des Kühlfasses gehen, wo sie durch Kälte gerinnen und als Tro⸗ pfen in die Vorlage fließen. Ein Gutsbesitzer in meiner Nachbarschaft richtete hienach voriges Jahr seine Brennerei ein, er zog gleich von der Maische starken Spiritus, aber nach 14 Tagen ließ er alles wie⸗ wieder einreissen, weil zu viel Holz verbrennt werden mußte und der Verlust an Holz den ubrigen Vortheil überwog. Eg leuchtet auch ein, daß alle jene Vorrich. tungen, durch welche die Blasen rasch abgetrie⸗ ben werden, wie dle Schottländische und dieje⸗ nigen, wodurch man auf die vorher beschriebe⸗ ne Art gleich von der Maische Spiritus zieht, eine weit großere Feuerung erfordern müssen, als die gewohnliche Art zu brennen, denn besonders bef den letztern Vorrichtungen müssen nicht nur die Spiritus⸗Dämpfe durch eine starke Hitze zu einer bedeutenden Hohe getrieben werden, son⸗ dern auch die Abkuhlung, welche naturlich, durch die zu Tropfen gewordenen und in die Blase zurückfließenden Wässerdämpfe entsteht, muß, so gering ste auch seyn mag, doch immer durch grö⸗ ßere Feuernng ersetzt werden. Ein Haupt⸗Nachtheil aber bei allen jenen Vorrichtungen, wobei eine so starke Feuerung nöthig ist, bleibt immer der schlechtere Brannt⸗ wein, indem die Schlempe von der starken Hitze brenzlich wird und dem Branntwein den schlech⸗ ten Geruch und Geschmack mittheilt. Denn es 11 ist ja bekannt, daß eine langsame Distillatlon bei wenigem Feuer, immer den schönsten und reinsten Spiritus liefert. Hierin scheint wohl der Grund zu liegen, daß alle jene Vorrichtungen bis jetzt nicht allge⸗ mein in Gebrauch gekommen sind und wahr⸗ scheinlich auch nicht kommen werden. Meine Vorrichtung und mein Verfahren ist von allen, vorher bemerkten Vorrichtungen ganz abweichend, und durch einen 8 Monat hindurch gemachten Gebrauch bewährt gefunden; ich ging von folgendem Grundsatz aus: Die Spiritus⸗Dämpfe sind leichter und flüchtiger als die Wasser⸗Dämpfe, wenn daher beide zusammen, in einen nicht zu heißen ein⸗ geschlossenen Raum kommen, und sich überlassen sind, so müssen sie, ihrer Natur nach, sich schon von seibst scheiden, indem die Spiritus⸗Dämpfe sich nach dem obern und die Wasser⸗Dämpfe sich nach dem untern Theile des Raums hin⸗ ziehen und wenn immer mehrere Dämpfe hin⸗ zuströhmen, und den Raum immer mehr anfül⸗ len, so werden die Spiritus⸗Dämpfe auch im⸗ mer 95 3 12 2 mer mehr nach oben und zuletzt ganz fort oder hinaus gedrängt. Hiernach ließ ich mir von kienenen Bohlen, weil ich gerade kein anderes Holz hatte, ein Faß, mit eisernen Bändern beschlagen, machen, welches mir nur 10 Rthlr. kostete. Es hatte 57 Fuß Höhe und oben 3 Fuß 6 Zoll, so wie unten 8 Fuß 2 Zoll im Durch⸗ messer. Es war mit zwei Boden versehen, von denen der obere einen Fuß tief hineingesenkt war. In demselben war ein rundes Loch eingeschnitten, wo ein gewöhnlichee Blasen⸗Helm hineingesetzt wurde. Dieses Gefäg, welches ich Scheidefaß nenne, setzte ich zwischen den Grapen(Blase) und das Kühlfaß. Das Rohr des Blasenhelms(Huth) leitete ich in den untern Raum des Scheidefasses, wo⸗ rin ein dazu passendes Loch ausgeschnitten war, hinein, und das Rohr von dem oben auf dem Scheidefaß eingesetzten Blasen⸗Helm, steckte ich in die Schlange des Kühlfasses, den obern Raum des Scheidefaffes füllte ich mit kaltem Wasser, welches den Helm umgab. Nun war die Vor⸗ rich⸗ — 1 3—— richtung fertig. Die in der Blase sich ent⸗ wickelnden Dämpfe konnten in den untern gro⸗ ßen Raum des Scheidefasses und aus diesem, durch den darauf stehenden Helm in die Schlan⸗ ge des Küͤhlfasses und so in die Vorlage kom⸗ men. 8 Die Maische wurde aufgebracht und so wie der Grapen in den Gang kam, hatte ich das Vergnügen zu sehen, daß ich richtig geschlossen hatte, denn das Fluidum, welches in die Vorlage lief, war nicht gewohnlicher Lutter oder Läuter, son⸗ dern reiner Branntwein, jedoch gleich im An⸗ fange nur von 435 Grad nach meinem Tralles⸗ schen Alkoholometer und je länger es lief, desto schwächer wurde es. d In dem Scheidefaß selbst war der größte Theil der Wasser⸗Dämpfe zu Tropfen gewor⸗ den, und beinahe Ttel mehr Wasser im Scheide faß, als Branntwein und Nachlauf in die Vor⸗ lage gekommen war. Wenn nun auch die gan⸗ ze Masse der in die Vorlage gelaufenen Flüs⸗ sigkeit, gleich das erste mahl nicht reiner Brannt⸗ wein war, so war sie doch doppelt so stark als gewohnliche Lutter und hatte nicht den schlech⸗ den ten Beigeschmack des Letzieen, wohl aber einen Beigeschmack vom Holze, und es blieb mir hiernach kein Zweifel, daß auf diese Art eine vollständige Scheidung der Spiritus⸗Dämpfe von den Wasser⸗Dämpfen möglich sey, und zwar mit großer Ersparung des Holzes, denn die Feuerung war blos die nehmliche gewesen, als wenn ich auf die gewöhnliche Art bei ver⸗ schlossener Ofenthür geläutert hätte. Als den andern Tag wieder eine Maische von 2 Scheffel Roggenschroot und 4 Metz Malz Berliner Maas aufgebracht wurde, ließ ich kurz vorher, ehe der Grapen in den Gang kam, das vom vorigen Tage in der Vorlage erhaltene Flui⸗ dum mit hineingießen, und wie der Grapen zu gehen anfing, kam Spirttus von 65 Grad Al⸗ kohol. Ich ließ so lange gehen, bis das Fluf⸗ dum, wie es aus der Schlange kam, 45 Grad wog, da nahm ich die Vorlage fort und ich hat⸗ te einige 30 Quart Branntwein von 53 Grad Starke. 0 Es wurde nun eine andere Vorlage unter⸗ gesetzt, in der noch eben so viel Nachlauf lief, als ich vom vorigen Tage in die Maische hin⸗ eingegossen hatte. Mit 15— Mit der Ausbeute des Branntweins war ich ganz zuftieden, auch lief der Branntwein vollkommen klar, nur bisweilen war er trübe, welches daher kam, weil der ohere Theil des Scheidefasses nicht zweckmäßig gekühlt und nicht in einer gleichen Temperatur erhalten werden konnte, hiezu fehlte jetzt noch eine Vorrichtung. Ehe ich diese, wie ich erst weiter hin that, an⸗ brachte, mußte das Kühlwasser hineingegossen werden, dieses verursachte aber eine zu plötzliche und zu starke Abkühlung, wodurch sogleich der regelmäßige Gang der Dämpfe verhindert wur⸗ de. Die Spiritus ⸗Dämpfe wichen, durch die plötzliche Kälte getrieben, von dem obern Theile des Bodens zurück, dadurch entstand eine Vermen⸗ gung mit den Wasser⸗Dämpfen und durch den Luft⸗ zug gingen nun Spiritus und Wasser⸗Däm⸗ pfe zugleich mit, welches so lange dauerte, bis der obere Theil des Scheidefasses wieder den gehörigen Grad der Wärme erhalten und die Ordnung der Dämpfe im 50 sich wieder her⸗ gestellt hatte. Auch hatte der Branntwein einen starken Harz⸗Geschmack, weil durch die Hitze der Däm⸗ pfe vom kienen Holze, das Harz ausschmolz, oft als 0 „ als reines Kiendhl in die Vorlage mit üderging und oben auf dem Branntwein schwamm. Die ursache der Fehler war sichtbar, also leicht dem Uebel abzuhelfen, der Zweck selbst war erreicht, denn ich erhielt jedesmal von mehreren nachherigen Maischen, wenn ich den Nachlauf hineingegossen hatte, immer starken Branntwein in reichlichem Maße, nur trübe und mit Harz⸗ geschmack. Um diesen Branntwein durch eine nochma⸗ lige Distillation zu verbessern, ließ ich ein Ohm ohne Maische aufbringen und bekam gleich von Anfang den stärtsten Spiritus über 80 Grad, denn der Alkoholometer sank ganz zu Boden. Ein Beweis also, daß sich in dem Scheide⸗ faß die Spirttus⸗Dämpfe weit mehr und besser scheiden, als durch einen gewohnlichen Klar⸗ grapen, worauf man durch einmaliges Klaren keinen Spiritus von solcher Stärke erhalten kann. i Dle Stärke ließ den 1 nicht durchschmecken, so wie dieser Spirttus aber mit Wasser verdünnt und trinkbar gemacht war, trat 1 8 der der Harzgẽschmack wieder hervor. Ich über zeug te mich, daß dieser Geschmack, vom kienen Holz, sich nicht so leicht verlieren würde. Nun wollte ich ausmitteln, ob es nicht moglich wäre, es dahin zu bringen, daß bloß reiner Spirltus ohne Nachlauf distilltrt wurde. Ich ließ zu diesem Zweck noch ein Scheidefaß machen, verband dieses mit dem erstern und ließ die Dämpfe durch beide Fässer gehen. Aber der Erfolg entsprach nicht meiner Erwartung, denn um die Dämpfe so weit zu treiben, war eine stärzere Feuerung nöthig, der Gang des Branntweins in die Vorlage war nicht gleich⸗ förmig, sondern zuckend, weil, wie ich glaube, zu viel Luft in den beiden Gefäßen war, welche sich nicht in gleicher Temperatur erhalten konnte, und ich erhielt auch nicht viel stärkern Brannt⸗ wein als vorher, und eben so auch Nachlauf, welches auch wohl nicht anders seyn kann, denn selbst bei der Vorrichtung, wo die Dämpfe in die Höbe getrieben werden, kommt gegen das Ende ganz schwacher Branntwein oder 25 8 i— Bei diesen Experimenten hatte ich e einen nicht Rehren Schreck. 9 2 g Bald Bald nachdem der Branntwein im besten Gange war, entstand in dem Scheidefaß ein fürchterliches Brausen und Toben, welches ich mir nicht gleich erklaren konnte, ich ließ das Feuer dämpfen und alles öffnen, bis ich gewahr wurde, daß das im obern Theil des Scheide⸗ fasses befindliche Kühlwasser verschwand. Es hatte eine kleine Oeffaung gefunden, duech dte es in den innern Raum des Gefäßes, worinn sich die Weingeist⸗Dämpfe befanden, hinein liefz dieses verursachte eine solche Wirkung, als wenn Wasser in siedendes Oehl gegossen wird. Ich erzähle dieses zur Nachricht für jeden, dem so etwar wiederfahren sollte, so wie ich überhaupt meine gemachten Versuche deshalb hier etwas umständlich anführe, um zu zeigen, daß ich niemanden seine Erfindung gestohlen habe. Da ich nun des Erfolgs gewiß war, so ließ ich mir im Monat September 1817 beim Kupferschmidt Herrn Pötsch in Goldapp ein Scheidefaß von Kupfer machen, ganz von der nehmlichen Höhe und Breite als das hölzerne, nur mit dem Unterschied, daß ich den vbern Bo⸗ den um einen Fuß tiefer also a Fuß tief ver⸗ senken ließ. Auf Auf der hinten befindlichen Kupfertafel ist: A. die Blase oder der Grapen, welcher bei mir 960 Quart enthalt. B. das Scheidefaß, C. das Kühlfaß, D. die Kühlwanne. Nach dem Maasstabe kann man die Höhe und Breite des Scheidefasses abnehmen. Das Küͤhlfaß richtet sich nach der Größe der Schlange. Da die Dämpfe nicht so heiß in die Schlange kommen, als wenn sie unmittel⸗ bar aus dem Grapen hineingehen, so ist ein großer Kühlapparat nicht einmahl nöthig und das ganze bisherige kostbare Klargeräthe übrig. Ich habe mein Brandhaus so eingerichtet, daß das Kühlfaß mit der Vorlage in einer zur Seite des Grapens befindlichen Kammer steht, nach dieser Seite hin habe ich im Brandhaus das Scheidefaß gestellt und das obere Rohr desselben durch die Mauer in das Kühlfaß ge⸗ leitet. Die Kammer hat der Brenner verschlos⸗ sen, damit beim Klären niemand ausser ihm hin⸗ ein kann, wodurch Unordnungen aller Art die sonst im Brandhause vorzugehen pflegen, ver⸗ mieden sind. ö* Oben — 20— Oben neben dem Scheidefasse steht Fig. D. eine hölzerne Wanne, worinn kaltes Wasser ge⸗ pumpt wird und immer vorräthig seyn muß. An der Seite desselben ist eine mit einem Za⸗ pfen verschlossene Oefnung, welche 4 Zoll im Durchmesser hat und durch welche das kalte Waässer in den obern Theil des Scheidefasses hineingelassen werden kann. Dier fließt es nehm⸗ lich so, wie beim Kühlfasse, in ein kleines höl⸗ zernes Rohr Fig, d. welches unten an der Sei te offen ist, damit das kalte Wasser auf den Boden kommen und das warme von oben durch das Rohr Fig. e. abfließen kann. 5 Die Theile des Scheidefasses sind folgende: Fig a. der Bauch, oder innere Raum, in wel⸗ N chem die Dämpfe aus dem Grapen hia⸗ einströhmen und sich sondern, Fig. b. der Hals, in welchem die Dampfe hin⸗ 5 aufsteigen, und die Absonderung derselben ö noch vollständiger wird. Der Hals hat 15 bis 18 Zoll im Durchmesser, damit ein Mensch bequem hindurch, in den Bauch des Fasses steigen und ihn vollständig rei⸗ nigen kann. 518 e — 21— 80. c. die Mütze mit dem krummen Rohr, welche abzunehmen ist, und wovon das Ende des Rohrs in die 1 Wen wird, Fig. d. das hölzerne Kütlohk, wo das Kühl⸗ wasser hineinflteßt, Fig. e. der obere Zapfen, wodurch das warme Wasser bei der Abkuhlung fortfließt, Fig. l. der untere Zapfen, um alles Wasser aus dem obern Theil des Scheidefasses abzuzapfen, Fig. g. der Krahn im Bauch, um die darinn bel der Klärung sich sammelnde Flüssigkeit abzapfen zu konnen, Fig. 8 das Bauchrohr, worin das Ende des Helmrohrs gesteckt wird. Das Verfahren mit dieser Maschine oder das Branntweinbrennen, ist sehr einfach, und für einen, der das Branntweinbrennen schon ver⸗ steht, ganz leicht. Wenn der Bauch des Scheidefasses zuvor gehörig gereinigt ist, setzt man die Mütze auf und verschmiert solche gehörig mit Teig und a— N auch auch das Ende des Rohrs, wo es in die Schlange kommt, welche letztere, wie gewöhnlich, zuvor gehörig ausgeschpült worden, alsdann läßt man in den obern Theil des Scheidefasses, etwa 3 bis 4 Zoll hoch, kaltes Wasser aus der Wan⸗ ne D. laufen. Sobald nun die in der Blase(Grapen) bereits aufgebrachte Maische kochen und die Blase in den Gang kommen will, gießt man das erste mahl 12 bis 15 Stof Branntwein in die Maische, setzt den Helm auf und verschmiert ihn, so wie das Rohr, an der Stelle, wo es ins Bauchrohr gesteckt wird. Wenn das Bauchrohr heiß wird, so fangen die Dämpfe an in den Bauch des Scheidefasses hineinzugehen und nach einigen Minuten, wenn sich das Wasser um den Hals etwas erwärmt hat und die Mütze heiß geworden, fängt der eee an in die e zu fließen. Der erste Fluß hat 1 die oed Stärke und ist öfters auch etwas trübe, daher ich immer ein bis zwei Biergläser voll besonders auffange und nicht in die Vorlage mitlaufen la sse, lasse, um den Branntwein desto klarer zu er⸗ halten. Wenn das Kühlwasser im obern Theile des Scheidefasses zu warm wird, so zieht man den Zapfen in der Kühlwanne, man muß aber nicht zu viel kaltes Wasser laufen lassen und zu stark kühlen, sonsten entsteht gleich eine Unterbre⸗ chung in dem regelmäßigen Gange, die Spiri⸗ tus⸗Dämpfe vermengen sich mit den Wasser⸗ Dämpfen und der Branntwein läuft etwas schwächer, sobald aber die Ofenthüt etwas ge⸗ offnet wird, wodurch dit Blase mehr Hitze be⸗ kommt und mehrere Dämpfe in das Scheide⸗ faß schickt, so findet sich wieder die vorige Brannt⸗ weins probe. Durch die Kühlwanne und die Direktion. des Feuers, hat ein Brenner es ganz in seiner Gewalt, die Distillation in einem gleichförmigen Gange zu erhalten und ich bemerke nur, daß, wenn auch besonders gegen das Ende der Brannt⸗ wein etwas lauwarm in die Vorlage kommt, dieses nicht schadet, wenigstens nicht so viel als eine starke Abkuhlung, sie geschehe im Kühl⸗ fasse, oder oben in dem Scheidefasse, die Wir⸗ kung i eich. g ist gleich. ch — 24 9——— Ich lasse den Branntweln so lange laufen, als er kristallenklar ist, sobald er anfängt eine bläuliche Farbe zu bekommen, welches alsdann geschteht, wenn mein Trallesscher Alkoholometer unter 45 Grad zeigt, wird der Branntwein ab⸗ gend mmen, und eine andere Vorlage zum Nach⸗ lauf untergesetzt, alsdann wird das Küͤblfaß ab⸗ gepumpt, auch die Ofenthüͤr etwas geöffnet, da⸗ mit der Nachlauf desto rascher abgehe. Bei mir wird jedesmahl zu einem Viertel Ohm Branntwein aufgebracht und dieses läuft in anderthalb Stunden ab. Der Nachlauf geht 2 Stunden und bis der Grapen in den Gang kommt, dauert es 1 bis 15 Stunden. Bei der alten Art zu brennen, läßt man so lange die Blase gehen, als das Fluldunn, wenn man einen Löffel voll davon auf die hei⸗ ße Blase gießt, zischt. Darauf darf man hier nicht warten, ich habe den Helm abnehmen lassen, sobald der Nachlauf, welcher auf die hei⸗ ße Blase gegossen wurde, nicht mehr brennen wollte. Denn von dieser Zeit ab verräth der Ge⸗ e n — B Geruch der Maische aus der Blase auch nicht die geringste Spur mehr von Spiritus Dam⸗ pfen, und man würde unnüßz Holz verbrennen, und Zeit derderben, wenn man die Biase so lange gehen lassen wollte, als der Nachlauf, welcher auf die heiße Blase gegossen wird, noch zischt, denn dieses Zischen entsteht alsdann von dem wenigen Sptritus, welcher im Fluldo, in dem Bauch des Scheidefasses tmmer zurück⸗ bleibt, und durch die im Fasse befindliche Hitze in Dämpfe verwandelt, mit in die Vorlage kommt. 5 14 f Anfänglich ließ ich das im Bauche des Scheidefasses sich sammelnde Fluidum ganz un⸗ genutzt fortlaufen, weil ich nicht glaubte, daß noch Spiritus dar inn enthalten wäre, seitdem ich aber bet näherer Untersuchung mich eines Bes⸗ sern belehrt habe, so lasse sch diese Flüssigkeit unter dem Namen Profit in Ohme füllen und wenn 8 Ohme voll sind, werden sie in die Bla⸗ se gebracht, der Nachlauf von der vorletzten Klä⸗ rung auch hineingegossen, und gewöhnlich erhal⸗ te ich davon ein Viertel Ohm reinen Brannt⸗ weis und auch eben so viel Nachlauf, als hin eingegossen war und zur folgenden Maische nö⸗ thig ist. a 5 d ä Jede Klärung von einem Viertel Ohm Branntwein giebt beinahe ein Ohm des gedach⸗ ten Profits, wovon man 32 bis 4 Stof reinen und starken Branatwein erhält. Dieses ist rei⸗ ner Gewinn, denn das gehörige Maas Brannt⸗ wein bekommt man schon aus der ordentlichen Klärung, daher glaube ich, dem Fluido mit Recht die Benennung Profit gegeben zu haben. Durch diesen Profit erhält man schon um den achten Theil mehr Branntwein, als bei der alten Art zu brennen, welches gewiß nicht unbedeu⸗ tend ist, und allein schon die Mühe der Klä⸗ tung reichlich belohnt. a Dieses hat sich bei mir durch eine acht⸗ nwnatliche Erfahrung vollkommen bestätigt, und mein Vortheil würde noch großer gewesen seyn, wenn mein Kupferschmidt die Nägel auzwendig verlöͤthet hätte. Er hatte sie aber bloß inwen⸗ ig mit Kitt verschmiert, welchen die Dämpfe auflöͤsten, daher wurde mir das Scheidefaß oft leck und viele Spiritus Theile gingen verlor en. Ich rathe sehr darauf zu sehen, daß der Kupferschmidt das Gefäß zwar nagelt, aber je⸗ den Nagel sorgfältig von aussen verlöthet. Das Das Gefäß bloß zusammen zu löͤthen, ist nicht für die Dauer und ein offenbarer Betrug, wenn der Kupferschmidt die Verlöthung noch dick mit Blei übergießt. Ich bemerke noch, daß unter meinem Feu⸗ erherde ein Rost ist, bloß von Ziegeln gewölbt, und mit Löchern durchschossen. ö Das Feuer geht in 3 Kanälen um die Blase herum, der zte Kanal ist oben über die Decke der Blase gefuhrt, daher die Hitze auf alle Theile der Blase wirkt, wodurch auch viel Holz erspart wird. Die Kanäle müssen aber wö⸗ chentlich gereinigt werden, welches in einer halben Stunde geschieht, da an jedem Feuerkanal eine Heine eiserne Thür eingemauert ist, welche mit Teig oder Lehm in den Fugen etwas verschmiert wird. f Der bei mir auf die beschriebene Art fa⸗ brizirte Branntwein ist vollkommen klar, vom reinsten Branntweins ⸗Geruch und Geschmack. Ich habe mit dem kupfernen Scheidefaß gleich vortheilhaft von Getreide und Kartoffeln ge⸗ — j 28— gebrannt, demohngeachtet lasse ich mir jetzt noch, zu meiner mehreren Ueberzeugung, ein höl⸗ zernes Scheidesaß von zwei Zoll dicken eichenen Planken machen, wo ich den obern Boden wie⸗ der nur 1 Juß tief einsetzen lasse. Denn ich glaube, daß zur vollständigen Absonderung der Dämpfe der innere Raum eher großer als klei⸗ ner seyn kann, besonders bei einem hölzernen Gesäß, welches die Warme mebr in sich hält, da Holz kein Wärmeleiter ist. Den Hals, die Mütze und das Bauchrohr lasse ich von Kupfer machen. Anstatt des Krahns und der obern beiden kleinen Rohren, kommen 80 hölzerne Aafes ö Oise Gefäß wird mir höchstens 50 Rihlr. kosten und ich bin überzeugt, daß es die nehm⸗ liche, vielleicht auch noch eine bessere Wirkung als das kupferne Faß machen wird, wenn es auch nicht von so langer Dauer seyn sollte, denn ich bekam bei meinen Experimenten mit den hölzernen Gefäßen mehr Branntwein als mit den kupfernen, welches letztere vielleicht auch ba⸗ her gekommen seyn mag, weil das kupferne Scheidefaß, wie schon gedacht, nicht gut 0 beitet war und oft leck wurde. i Für Vor dem Holzgeschmack glaube ich mich bei diesem Holze nicht fürchten zu dürfen. Eschen, Röstern, Rothbüchen ꝛc. durfte eben so gut seyn, denn alle diese Holzarten haben kein Harz und sind fest. Wer daher ein ganz wohlfeiles Schei⸗ defaß haben will, lasse es sich von den gedach⸗ ten Holzarten machen, nur mit 5 starken eiser⸗ nen Reifen beschlagen, damit die Dämpfe es nicht auseinander treiben. Jetzt noch etwas über die von Herrn Storch in Königsberg angeblich, erfundene Klarmaschi⸗ ne, worüber er ein Patent erhalten hat. Schon unterm loten August v. J. machte ich von meiner Erfindung in den Königsberger Zeitungen im allgemeinen eine Anzeige, auch reich⸗ te ich schon unterm 27sten Oktober 1817. eine Zeichnung der Königl. Preuß. Hochverordneten Regierung von Litthauen ein. Dieses veranlaß⸗ te unter vielen andern, welche die Vorrichtung kennen lernen wollten, einen Brieswechsel mit einigen der Herrn Branntweinbrenner in Köö⸗ nigsberg; dadurch erfuhr der dasige Kupferschmidt Herr Storch, daß ich meine Vorrichtung bei dem Kupferschmidt Herrn Pötsch in Goldapp, 8 mit „ mit welchem er in Handels Verbindung steht, ma⸗ chen lasse. Er 0 daher an diesen im Monat Oktober v. J. und bat ihn inständigst um eine Zeichnung, wenn auch nur mit der Fe⸗ der, und um eine genaue Beschreibung der Ma⸗ schine, jedoch mit dem Beifügen: daß Herr Potsch mir ja nichts davon sagen möchte, da ich die Sache als ein Geheimniß behandle. Herr Pötsch ließ sich verleiten, ihm die Zeich⸗ nung zu schicken, denn in dem Antwortsschreiben des Herrn Storch vom Sten November 1817. bedankte er sich sehr für die ihm überschickte Zeich⸗ nung. Ich habe beide Original Briefe ge⸗ lesen. ̃ a Nun machte Herr Storch ganz nach mei⸗ nem Scheidefaß seine Klarmaschine, jedoch mit folgenden Abänderungen: istens sezte er den obern Boden tiefer nach unten, wodurch er den untern Raum ver⸗ engte und den Hals verlängerte. Es ist klar, daß er dieses in der Mel⸗ nung that, die Maschine zu verbessern, denn die Art, wie ich diese Vorrichtung wirken lasse, war ihm unbekannt geblieben. Die 3 31— Die irrige Vorstellung, die auch viele an⸗ dere haben, daß nur durch eine nochma⸗ lige Distillation, der Spiritus gewonnen werden könne, mußte auf den Gedanken führen, daß in dem innern Raum der Lut⸗ ter gekocht werden müsse, wozu ein enge⸗ rer Raum, der geschwinder erhitzt wer⸗ den kann, vortheilhafter zu seyn schien. Deshalb machte er auch gtens ein krummes Rohr im untern Raum, durch welches die Dämpfe aus dem Gra⸗ pen bis gegen den Boden des Gefäßes getrieben werden. a In diesen untern Raum laßt Herr Storch den Nachlauf eingießen, welcher Durch die hineingehenden Dämpfe zum Ko⸗ chen gebracht wird, und da diesem Fluido immer neue Spirltus⸗Dämpfe aus dem Grapen zugeführt werden, so erfolgt na⸗ türlich so lange eine Abdampfung des Weingeistes, als noch Theile desse ben in der Maische oder im Nachlauf vorhan⸗ den sind. i Ich ließ bei mesnen ersten Experimenten auch auch ein krummes Rohr inwendig in das Bauchrohr hineinsetzen, aber blos um die Dampfe tiefer nach unten zu treiben und sie dadurch zur vollständigern Absonderung höher im Faß steigen zu lassen, ich mußte es aber fortnehmen, weil eine weit stärkere Feue⸗ rung nöthig war und der Holzverlust den geringen Vortheil überwog. Obgleich die Klarmaschiene des Herrn Storch, wie gesagt, eine bloße Nachahmung meines Schei⸗ defasses ist, so gab er solche dennoch für seine eigene Erfindung aus, und erhielt daruber un⸗ tern 4ten Mai d. J. ein Patent. Ich hätte von diesem Vorgange nichts ge⸗ wußt, wenn mich nicht das Löbliche Kupferschmiede⸗ Gewerk zu Königsberg davon benachrichtigt hätte, worauf Herr Pötsch mir sein Versehen einge⸗ stand und die Original⸗Briefe des Herrn Storch übergab. f a Herr Zander in Königsberg verfertigt jetzt dieselbe Maschine des Herrn Storch, nur wie⸗ der mit der Abänderung, daß er solche in zwei Theile getheilt hat, die von einander genommen wer ⸗ —T—T——T—bC—T—.... — — r —— —————— r eee werden können und etwa die Form haben, als wenn man zwei Obertassen, wovon die untere umgekehrt ist, mit den beiden Enden zusammen setzt. Ich halte diese nachgemachte Maschlnen für fehlerhaft, den es muß ja jedem Unbefange⸗ nen einleuchten, daß auf diese Art zum Abtrei⸗ ben einer Blase eine weit großere Feuerung nöthig ist, als zum bloßen Läutern, mithin kein Holz erspart wird, weil das Feuer nicht bloß die Blase zum Sieden bringen, sondern auch ver⸗ mittelst der Dämpfe eine bedeutende Masse Flüssigkeit, in der einige Fuß vom Feuer ent⸗ fernt stehenden Maschine zum Kochen bringen muß. Wenn daher die Blase schon kocht, so dauert es doch noch über eine halbe, ja oft eine ganze Stunde, bis der Nachlauf in der Maschiene zu kochen und der Branntwein zugehen anfängt, ist das nicht Zeit und Holzverlust? ich gieße meinen Nachlauf in die Blase, wenn die Maische zu kochen anfangen will, wodurch zwar auch eine augen⸗ blickliche Abkühlung entsteht, welche aber sehr unbedeutend ist, weil der Nachlauf in die große Menge heiße Maische kommt und der unmittel- baren Einwirkung des Feuers ausgesetzt ist. 3 Da⸗ 1 Dadurch, daß in der Storchschen Maschi⸗ ne die aus der Blase ausslröhmenden Dämpfe in den Nachlauf geleitet werden, ist ihnen der freie Ausgang verschlossen, daher entsteht auch von Anfang, ehe der Nachlauf kocht, ein furcht⸗ bares Geräusch und Wellenschlagen in der Ma⸗ schine. f Um nun das Abwerfen des Huths zu verhüten, muß sogleich, wenn die Dämpfe aus der Blase zu gehen anfangen, das Feuer durch Zumachung aller Oeffnungen gedämpft werden, wodurch aber wieder die Hitze vermindert wird und es noch langer dauert, bis der Nachlauf kocht und der Branntwein zu fließen anfängt. Würde aber die Dampfung des Feuers nicht gleich geschehen, so würde der Helm der Blase herabgeworfen oder die Maschine ge⸗ sprengt werden. Da ich die Natur der b Dömpfe und ihre surchtbare Wirkung kenne, so würde ich ein sol⸗ ches Experiment nie gewagt haben. An einem Orte, wo mit der Storchschen Maschine gebrannt wird, sah ich, daß der Helm vermittelst eines zwischen diesem und einem darüber befindlichen Balken gestemmten 8 Pfahlt pfalz befestigt und gegen das aba ge⸗ sichert war. Dieses ist aber noch gefährlicher, denn wenn sich dabei das Rohr verstopft, welches bei einem Uebersteigen der Maische sehr leicht ge⸗ schehen kann, auch schon an mehreren Orten ge⸗ schehen ist, so muß, wenn nicht augenblicklich alles aufgerissen wird, eine Explosion wie bei einer Dampfmaschine erfolgen, welche viel Un⸗ glück anrichten kann.— Um das Abwerfen des Blasenhelms zu ver⸗ hüten, sezt Herr Storch jetzt das Blasenhelm⸗ Rohr oben, in der Mitte des Helms, und laßt es mit einer hohen krummen Biegung in die Maschlne gehen. Es ist natürlich, daß durch den längern Weg, den hledurch die Dämpfe nehmen müssen, solche ziemlich erkältet in den Nachlauf kom⸗ men, und es noch länger dauern und noch mehr Holz kosten muß, um die Maschine in Gang zu bringen, als beim gewöhnlichen Helm.— Durch die große Hitze in der Maschine muß die Schlempe brenzlich werden und der Branntwein an seinem reinen und guten Geruch und Geschmack verlieren. * Der — 36 5 Der auf dieser Maschine gezogene Brannt⸗ wein hat auch nach dem, was mir ein acht⸗ barer Distillateur in Königsberg versicherte, so viele Fibler, daß er zur weitern Distillation feiner Branntweine von ihm nicht genommen wird. Wozu aber dieses furchtbare und holzfres⸗ sende Kochen des Nachlaufes in der Maschine? Es wird doch wohl keiner glauben, daß aus diesem Nachlauf, und den aus der Blase hin⸗ einströhmenden Dämpfen blos reine Spixritus⸗ Dampfe in der Maschine aus kochen? Nein! gewiß nicht, die Dämpfe, welche in der Ma⸗ schine sich bilden, enthalten Spirttus⸗ und Was'⸗ ser⸗Dämpfe, eben so gut, als wenn sie unmik⸗ telbar aus der Blase kommen, und sie wurden als bloßer Lutter in die Vorlage laufen, wenn sie sich nicht in dem obern Theile der Mascht⸗ ne oder dem Halse eben so scheiden würden, wie sie es bet mir ohne Kochen thun, denn der Scheidungs Prozeß, welcher bei mir schon im Bauche des Fasses anfängt und im Halse, so wie in der Mütze vollendet wird, geschieht hier bloß im obern Theil der Klärmaschine, daher dieser auch viel größer ist und seyn muß als dei meinem Faß. a i Alss Also nochmals, wozu müssen die aus der Blase kommenden Dämpfe erst in der Ma⸗ schine zu Tropfen und durch nochmaliges Kochen wieder in Dämpfe aufgelößt werden? Wem ist es übrigens denkbar, daß der un⸗ tere Raum, welcher nur 18 Zoll hoch ist, und worinn sich noch das krumme Rohr befindet, zweckmäßig gereinigt werden kann, höchstens kaun er ausgespühlt werden, und das ist nicht genug 5 Sind das Verbesserungen der Maschine? Das ihm ertheilte Patent verleitet Viele zu glauben, daß seine Maschine als vollig zweckmäßig und nüzlich von den Staatsbehör⸗ den befunden ist, daher er einen so großen Zu⸗ lauf hat. Er scheint aber bloß seinen momen⸗ tanen Vortheil zu bezwecken, denn nach der Versicherung mehrerer der Herrn Kupferschmie⸗ de kann seine Maschine durchaus nicht von Dauer seyn, weil die beiden Boden nur aufge⸗ steckt und von außen verlöthet sind, da sie doch der Dauerhaftigkeit wegen zuerst mit dem Schei⸗ defaß zusammen verbogen und verschmiedet und dann von außen, jedoch nur wenig verlöthet seyn müssen, aber nicht mit einem solchen dicken l 5 Wulf 7 — 38—p Wulst von Blei, wie Herr Storch es macht,— und diese dicke Zinn⸗ und Blei ⸗Verlöthung ist zum Theil inwendig in dem Halse und der Mü⸗ be. Biei ist aber ein Gift und läßt sich durch die saueren Dämpfe sehr leicht auflösen, mit⸗ hin macht es den Branntwein schädlich.— Die ganze Maschine enthält beinahe die Hälfte des Gewichts an Blei und Eisen, wel⸗ ches doch als Kupfer bezahlt werden muß, und welches die Maschine so sehr kostbar macht, denn eine kleine 4 Fuß hohe Maschine kostet mit allen Unkosten an 400 Rthlr. Preuß., wo⸗ gegen die meinige, obgleich selbige ein Drittel großer und von reinem Kupfer ist, kaum halb so viel kostet, und wenn sie von Holz ist, nur ein Zehntel, wobei der auf meine Art gemachte Branntwein durchaus fehlerfrei und die Zeit⸗ und Holz Ersparniß sehr bedeutend ist. Weit entfernt von der thörichten Eitelkeit zu glauden, daß sich an meiner Vorrichtung keine Verbesserungen weiter anbringen ließen, freue ich mich vielmehr noch auf viele, welche der Gebrauch die aufmerksamen und nachden⸗ kenden Beobachter gewiß lehren wird— nur seyen es keine nach der von Herrn Storch ge⸗ machten Art.— Zum 2 2 — 39— Zum Schluß noch eine Berechnung des Portheils, welchen diese neue Brennerei ⸗Einrich⸗ tung auch für den Staat haben möchte, wenn solche allgemein würde. Ich glaube nicht zu viel zu sagen, wenn ich annehme, daß bloß in den beiden Regie⸗ tungs ⸗ Departements Ostpreußen und Litthauen 500 Brennereien sind, in welchen im Durch⸗ schnitt jahrlich 50000 Ohm Branntwein fabrizirt werden, die Hälfte von Roggen, die andere Hälf⸗ te von Kartoffeln.— Nach der bisherigen Art zu brennen brauch te man zu einem Ohm Branntwein 8 Scheffel Roggen und 1 Scheffel Gerstenmalz oder 24 Scheffel Kartoffeln und 1 Schessel Gerstenmalz und mindestens 2 Klafter Holz. Es werden also bloß in diesen beiden De⸗ partements zu Branntwein verbraucht 200,00 Scheffel Roggen, 600,000 Scheffel Kartoffeln, 50/00 Scheffel Gerstenmalz, 25,000 Klafter Holz. Zu der nehmlichen Quantität Brannt⸗ wein ist nach meiner Vorrichtung ztel an Ge⸗ treide und Kartoffeln und ztel an Holz weniger erforderlich, mithin würden bei der allgemeinen Einführung derselben bloß in diesen beiden De⸗ partements erspart werden: 25,00 — 40— 25000 Scheffel Roggen, 75,000 Scheffel Kartoffeln, 6,250 Scheffel Gerste, 8,3333 Klafter Holz, ö welches alles zu andern nütlichen Zwecken ver⸗ wandt werden kann. Das bisher nöthige Klargeräthe, nehmlich Huth, Schlange, Küͤhlfaß, kostet im Durchschnitt wenigstens 400 Rthlr., dagegen das Scheidefaß von Kupfer, wenn der Kupferschmidt nicht über⸗ setzt, nur 200 Rihlr. und von Holz höchstens 50 Rthlr. kostet; es würde also in den ange⸗ nommenen 500 Brennereien bei den kupfernen Scheldefässern 100000 Rthir. und bei den höl⸗ zernen 275,000 Rthlr. Kapital bespart werden, welches sich jetzt mit der Zeit nicht nur selbst verzehrt, sondern, wovon auch die Interessen verloren gehen. f Sehr bedeutend ist auch der geringere Auf⸗ wand von Menschenkräften bei der neuen Vor⸗ richtung gegen die bisherige Arbeit. Wer sich von Allem, was ich hier gesagt habe, durch den Augenschein überzeugen will, a des⸗ J——P—T———— — v7 dessen Besuch wird mir, so wie jede gütige Be⸗ lehrung von Kennern, Ae sehr lieb und an⸗ genehm seyn. Groß⸗Blandau, den roten September 1818. Reuter. —.— Nach⸗ Nach schrif t. —— Seit 14 Tagen brenne ich jetzt mit dem Scheidefaß von Eichen⸗ Holz und der Erfolg ist ganz derselbe als mit dem kupfernen; daher ist die Behauptung des Herrn Storch in der Be⸗ schreibung seiner Klarmaschine, daß nehmlich eine solche Vorrichtung nur von Kupfer sseyn * könne, ganz falsch. 5 10 b Ob seine zweite Behauptung: daß die Grö⸗ 0 ße der Maschine sich nach der Größe der Bla⸗ 0 b se richten müsse, richtig sey? ist mir beim Mangel an Versuchen noch zweifelhaft, denn nach der Theorie sollte man glauben, daß die vollkommne Scheidung der Dämpfe nur in ei⸗ nem bestimmten Raume und bei einer bestimm⸗ ö ten Temperatur geschehen, mithin beides weder vergrößert noch verkleinert werden könne. Davon bin ich aber überzeugt, daß, wenn die Blase auch viel größer wäre als die mei⸗ nige, das Scheidefaß dennoch nur von der an⸗ gegebenen Größe seyn darf und daß bei bedeu⸗ tend kleinern Blasen die Höhe des Scheidefasses auch beibehalten und bloß die Dicke desselben verringert werden müß te. Ich brenne jetzt bloß von Kartoffeln und be⸗ komme von 15 Scheffel Kartoffeln und 1 Schef⸗ fel Gerstenmalz 90 Stof Branntwein von 50 Grad nach Tralles. 5 Hie⸗ Hiezu wird die Blase dreimal abgetrieben, welches von 4 Uhr Morgens bis spatestens 9 Uhr Abends gesch ben ist. Eine langsame Klä⸗ rung giebt nicht so guten Branntwein als eine rasche, weiches auch ganz gegen die alte Art zu brennen ist, sich aber sehr gut erklaren läßt. Bei der gewohnlichen Alt zu brennen gehen die Dämpfe aus der Blase unmittelbar in den Refrigator, die darinn befindliche Kälte ist ihrer Natur zuwider, nur die Gewalt des Feuers treibt sie hinein. Bei dem Scheidefaß finden sie aber fast gar nicht den Widerstand der Kälte, daher sie auch in weit größerer Masse und bei kleinerm Feuer hineinströhmen, mithin auch weit stärker distil⸗ lürt werden kann, ohne daß dadurch der Güte des Branntweins das Geringste abgeht, welches ein Hauptoortheil ist. (GKupfertafel) 1 441 1 1 4L ͤͤͤͤͤ