4 1 d, Univ. Ln E. Giess- 1* ——. 3 — * 3 4 3 —2 —...— 0 14** 2. 7 9* 1 4—— . 5. 4 10 4. 7 —. 3 1 2 5 4 4 9 ö. 2 8 9 6. 1 5 . 4 Abhandlungen über wichtige Gegenstände der Staatswirthschast Herrn von Struensee Königl. Preuß. Staatsminister. —- ͤ ęLÜ;LuL—ꝛ—yt—̊v eiter Ba n d. 0 , 5 * —— 2—*.— 5—————— 2 1 1 . 2 145 N —ů—— 268 3 * 1 1 1 ö ————————————— ͤ- ti Fortsetzuung des 2 1 153 10 50% Pränumerantenverzeichnisses. —— 7 9 Albanus, Hofbuchhändler zu Neustrelitz. Se Exzellenz Herr von Alvensleben, Königl. Preuß. Staatsminister zu Berlin. Herr Graf von Alvensleben, Domdechant zu Halberstadt. — von Auerswald, Königl. Preuß. Geheimer— rath und Kammerpräsident zu Marienwerder. Herr Bötticher, Regierungsreferendarius zu Königsberg. Brade zu Danzig. 1 Pränumerantenverzeichniß. Herr von Colomb, Kriegs- und Domänen— 0 rath zu Warschau. * Se Exzellenz Herr von Dewitz, Geh. Rath und Kammerpräsident zu Neustrelitz. f Herr Fischer, Rektor zu Halberstadt. 11 Herr Edler von Gräve, Kriegs- und Domaäͤ— N nenrath zu Glogau. a 1 6 f 0 1 0 Herr Joly zu Berlin. 5 Die Kriegs- und Domänenkammer zu 15 Hamm in der Grafschaft Mark. 9 —* 2 8— N Herr Reil, Buchhändler zu Magdeburg. 1 — Klaatsch, Geh. Rath zu Berlin. — Krause, Geh. Rath zu Danzig. 9 f 1 Herr Manthey, Ober- Accise- und Zollrath zu Danzig. 0 — Medinck, Kammerreferendarius zu Berlin. g 1 —— I 9 . y A h.————Ü——ẽ—f——— S— „„ v Herr Möbes, Buchhalter zu Schönebeck. ö N 91 979 zu Berlin. 2 Herr Plümicke, Kriegs- und Domänenrath zu Glogau. — von Prillwitz, Kriegs- und Domänen— rath zu Glogau. Herr Redecke, Ober- Accise- und Zollrath zu 2 Danzig 7— Rindfleisch, Ober- Accise- und Zollrath zu— — von Rosenberg, Kriegs- und Domänen rath zu Glogau. Herr Schäfer, E. Fr., Kommerzienrath zu Hirschberg * 25 N — Seiffert, Bäckermeister zu Berlin. 1 Herr von Unruh, Kriegs- und Domänenrath ö u Glog ö zu Glogau Herr Graf von wedel, Oberforstmeister zu Breslau. a N 4 — VI Pränumerantenverzeichniß. Herr Zollner, Ober- Accise- und Zollrath zu Berlin. — Zur Nedden, Herzogl. Mecklenb. Geh. Registrator zu Schwerin. TTTTdT7T7T—TTTT—T—T—————————— 2 ———————— el des Zweiten Bandes „ Über Englands Gesetze in Absicht auf den Getreidehandel. Aus dem Engländischen des Hrn A. Moung. Seite 1 Vortheilhafte Umstände für den Ackerbau in England. Englands Gesetze vom J. 1689 in Ab— sicht auf den Getreidehandel. Sie sind ein Mei— sterstück der Staatskunst. Ob sie England nach theilig sind. Warum sie niedrige Getreidepreise verursacht haben. Sie haben dem Preis eine gewisse Festigkeit gegeben. Beschaffenheit der Pueise vor dem Verbot der Einfuhr; nach dem Verbot. Klagen in wohlfeilen Jahren. Schlechte Preise in England. Vortreflichkeit der Engl. Getreidepolizei. Warum die Preise steigen. 3138. Verfahren der Engl. Regierung seit dem J. 1756. Grund davon. Warum die Preise gestiegen sind. Ob die Einfuhr zu erlauben ist. 18— 25. VIII n h l k. — — — — 9 O es Guvernörs Pownall. Vortheile die letzten Arnten schlecht gewe— sen sind. Ob die Getreidepreise übertrieben ge— wesen. Welche Witterung für England die beste ist. Ob theure Zeit eine Strafe des Him— st mels ist. Anmerkung in Absicht auf den Luxus. Wirkung einer schlechten Arnte. 25—3 Anmerkungen über den vorstehenden Aufsatz des Hrn Mou ng. Dreierlei Scheffel in England. Dreierlei Quarter in England. Vergleichung des En⸗ gländischen mit dem Preußischen Getreidemaaße. ergleichung des Engl. und Preußischen Gel— * des. Bestimmung der Prämie auf die Getrei— deausfuhr in England. 38— 48. Menge des in einigen Jahren aus England führten Getreides. Größe der darauf gezahlten Prämie. Vortheile von der Ausfuhr. Ir. 97 Ob eine gute Arnte England auf füpf Jahre tung wird widerlegt: aus der Größe der Ge— treidekonsumtion in Englandz aus der Größe des Getreideabsatzes in Europa. Anmerkung in Absicht der Bevölkerung. 46— 61. Vorschlag eines Ungenannten En⸗ gländers zur Verbesserung des Ackerbaues in Engl d. Erinnerungen dagegen: weil die Ausführung des Vorschlags unmöglich ist. Ob der Ackerbau übertrieben werden kann. Wie weil er zu treiben ist. 61— 72. 38 — r — — — ä—— D— —— rr ——— ———̃ ̃ DÄ— ——— 53 r ——4ͥ . N—— 2 et. Englands Vortheile von der Ansfuhrprä⸗ mie. Folgen einer verminderten Konsumtton. BVeispiel davon. Anderweitiger Vortheil der Aussuhrprämie. Noch ein Vortheil derselben. Dangueil's Angaben von den Vortheilen derselben. Voung's Berechnung von dem Ertrage eines offenen, und eines eingekoppel— ten Feldes. Anmerkung in Absicht der Kop— peln gegen Dangueil. 72 87. Einwendungen gegen die Aussuhrprämie. Erste Einwendung. Dagegen: woher die Prä mie in England bezahlt wird. Ob alle Taxen von den Ländereibesitzern bezahlt werden. Wie groß die Auflage der Prämie wegen seyn mög— te. Ob ohne Prämie eine Ausfuhr n England möglich ist. Gewinn der Ausfuhr. Ist die Prämie 1 gewesen? Zweite Einwen— 88 dung. Wahrer Sinn der Getreideakte. Die besondern Bestimmungen darin sind zufällig. Alle mögliche Fälle konnten vorläußg nicht be— stimmt werden. Ob viele Mißbräuche bisher dabei gewesen. Dritte Einwendung. Schon oben widerlegt. Vierte Einwendung. Ob die Berechnung richtig ist. Sie beweis't nicht den Nachtheil der Prämie. Wann verkauft En— gland Getreide an Frankreich? 87-105. Arbuthnot's Behauptung der freien Getreideeinfuhr. Preis des Amerikanischen Weizens in England. Vor— theilhafter Feldbau daselbst. Ertrag eines mit niht. Rüben bestellten Ackers. Ertrag einer Bestel⸗ lung mit Gerste. Mit Klee. Mit Weizen. Sämmtlicher Ertrag. Gewinn eines Pächters von einem Weizenacker. Ob die Ausfuhrprä⸗ mie anitzt noch nöthig ist.— Voung's Gründe gegen eine freie Getreideeinfuhr. War— um in Holland die Getreideeinfuhr frei ist. Warum sie es in England nicht seyn darf. Wie der Getreidepreis zu bestimmen ist. Ge— treideeinfuhr aus Amerika ist nachtheilig. Vor⸗ theile des dortigen Landes in Absicht auf den Ackerbau. Preis des dortigen Weizens in En— gland. 105- 131. Anwendung der Engländischen Getreidepo⸗ lizei auf Schlesien. Größe der Provinz. Größe des angebauten Landes. Größe des Getreidelandes. Ertrag einer gewöhnlichen Arnte in Schlesien. Anzahl der Einwohner daselbst. Getreidekonsumtion daselbst. 131 149. Absatz des Schlesischen Getreides. Abwech— selnde Getreidepreise in Schlesten: hohe. Ge— setz, nach welchem die Preise zunehmen(nach Davenant). Folgen einer schlechten Arnte. Niedrige Getreidepreise. Veränderung der Preise. Wie man sie beständig machen könne. 140- 161. Erstes Mittel dazu: ein Getreidemagazin. Nutzen der Magazine. Ob er dauerhaft ist. Vorschlag von einem allgemeinen Landesmaga⸗ zin wird geprüft. Schlußfolgen. 161— 17. 9. ih get k. Ein andres Mittel, Schlesien vor Getrei— demangel in Sicherheit zu setzen. Ertrag der schlechtesten Aente daselbst. Wie hoch der Ge— treidebau in Schlesien zu treiben ist. Absatz des überflüssigen Getreides. Wie man den Absatz verschaffen kann. Niedrigster Getreide— preis in Schlesien. Absatz des dortigen Getrei— des: nach der Mark Brandenburg; nach der Lausitz; nach Stettin. Getreidehandel in der Ostsee. Getreidepreise in den dortigen Häfen. Nöthige Vorkehrungen der Regierung, damit Schlesisches Getreide durch Stettin in die Ost— see verkauft werde. Ausfuhrprämie. Cröße derselben. Wie Mißbräuche zu verhüten sind. Getreidepreis, bei dem die Ausfuhr aufhört. Größe dieses möglichen Absatzes. Vortheile da— von: Nationalgewinn; Größerer Ertrag der Arnten; Vermehrter Weizenbau; Verminderte Furcht vor Mißwachs; auch vor allzu hohen, und vor allzu niedrigen Getreidepreisen. War— um die Preise niedriger werden. 179- 222. Einwendungen gegen diesen Vorschlag. Nicht hinlängliche Große des Absatzes. Mög— liche Hindernisse. Kosten der Prämie. Be— schwerden der andern Provinzen. Entgegen— wirken andrer Länder. Ob in Schlesien eine freie Getreideeinfuhr zu gestatten sei. Schluß— folge. Anmerkung wegen der Engl. Naviga— tionsakte. 222— 234. XI 0 XII In hat k. Über den freien Getreidehandel im Preußen Seite 235 Friedrich der Große beschränkte in man— chen Stücken den Handel. Friedrich Wilhelm I hebt die Beschränkungen in Absicht des Ge— treidehandels anf. Damal klagte man; und klagt auch itzt. Ob diesmal mit Recht? 237— 239. Im Königreich Preußen war immer freier Kornhandel, und die Provinz litt dadurch kei— nen Schaden. Nicht nur die Handelstädte ge— wannen; auch das platte Land. Dies kömmt von der Lage dieser Provinz. 239— 241. Eine ähnliche Lage haben die Kurmark, Pommern, und Magdeburg. Vortheile für diese Provinzen aus einem freien Getreide— handel. 241— 246. Nicht so günstig sind die Umstände für Schlesien. Indeß brauchte auch diese Provinz nicht sogleich zu klagen, da manche Betrach— tungen zeigen daß sie fürs erste noch nichts zu besorgen hatte, und da am Ende die Regie— rung zutreten konnte. 246— 230. — Über den freien Gold- und Silber— handel; eußis chen, 251 2— Patent des Königs vom 21 Februar 1787, welches den Unterthanen eine dreifache Frei— heit in Absicht des Gold- und Silberverkehrs In ha(t. XIII ertheilt. Die Erlaubniß, metallisches Geld auszuführen, kann eine Nation nicht ärmer machen. Man schickt es nur fort um seine Schulden zu bezahlen; bei einem Verbot, ent— steht Schleichhandel, oder kostbarere und schwin— delnde Operationen. Auch was aus Spekula⸗ tion weggeschickt wird, macht das Land nicht ärmer. 251— 261. Nie darf ein Gesetz das Verhältniß vom Wehrte des Goldes gegen den Wehrt des Sil— bers bestimmen wollen. Dies muß bloß der Konkurrenz überlassen werden, wie es in der Verordnung vom 24 Febr. geschieht. Zusam⸗ menfassung der daraus fließenden Haupt— punkte. 261— 265. Wohlthätige Freiheit für die Unterthanen, die landesherrl. Abgaben entweder in Gold, oder in Silberkurrent mit einem festgesetzten — 1 f Aufgelde, abzuführen. Schwierigkeit bei Pri— vatzahlungen. 265, 266. —— — Über den neuesten Finanzzustand Frankreichs, oder die Neckersche Finanzverwaltung... Seite 257 1. Im J. 1788. Die Zerrüttung der Französischen Finanzen seit der Versammlung der Notabeln 1787 dem ganzen Europa bekannt. Arret des Französi— schen Staatsraths vom 16 August 1788. Der —— —— ——— r xlv Jüh a l. Staat ward dadurch für insolvent erklärt. Der Kredit von Frankreich also abermal ver— nichtet. Nachtheilige Stockung daraus. Ein— fluß auf die Caisse d' Escompte; Verordnung darüber vom 18 August. Verabschiedung des Ministeriums. Berufung Necker's. Was Necker sogleich thun muß. Schwierigkeit der Aufgabe. 269- 279. Zwischen welchen vier Mitteln Necker wäh— len kann. Vorzug des zweiten Mittels. 280—236. Arrét vom 14 September. Beurtheilung desselben, als des ersten Schritts von Necker Er redet theils nicht deutlich darin, theils schiebt er gleichfalls Zahlungen auf. 286— 393. Bisher bekannt gewordene Hülfsmittel von Neckern. Ob sie hinreichen. Er setzt etliche Zahlungen auf ein ganzes Jahr aus. Ein neues Hülfsmittel; aber kein einziges ist frei— willig. 303- 313. Währscheinlicher Plan Neckers. Durch alle Kunstgriffe eines Bankiers zu helfen. Durch Zusammenbesufung der Nation. Durch das Parlement. Durch die Notabeln. Durch ge— zwungne Anleihen. Durch Verschiebung der Zahlungen. 314— 322. Neue Nachrichten aus Paris. Die Fonds fallen: wohl nicht durch das Spiel der Agio⸗ töre. Unzufriedenheire daß die Notabeln die Form des künftigen Reichstages bestimmen sollen. Nockers Augabe des Defizit. Sein In— In ha(t. XV terimsplan. Sein Betragen, als Finanzmi— nister; als Privatmann. 322— 335. Versammlung der Notabeln. Neckers Rede zu Gunsten des Bürgerstandes.— Neue Hülfs⸗ mittel Neckers.— Gährung der Gemüther über die Forderungen des Bürgerstandes. Kö— nigliche Entscheidung über die Form des künf⸗ tigen Reichstages, aber nicht über alle punkte enkscheidend. Neckers Meinung hat obgestegt. Ob er wohl that sich in diese Sache zu mischen. Finanzvortheil aus diesem Königl. Beschlusse. 335— 361. 11. Im J. 1789. Bürgerliche Unruhen.— Die öffentlichen Fonds sind gestiegen. Necker soll Spekulatio— nen darin gemacht haben.— Erwartung des Reichstags. Eröfnung desselben. 362— 368. Neckers Rede bei Eröfnung des Reichsta— ges. Der Eingang, welcher aus drei Punkten besteht: über Necker selbst, über die Französt— sche Nation, über den Nachtheil einer zu frü⸗ hen Freude. Eintheilung der Rede. Vor der Behandlung des Thema, spricht noch der Red— ner; von dem Einfluß der Finanzunordnung, don seiner Verwaltung, von fixen Einkünften und Ausgaben, von der Berechnungsmethode. 369384. Erster Abschnitt der Rede: Vom itzigen Defizit. Differenz gegen die Berechnung vom E 4 XVI J ha k März 1788. Wiederum von seiner Verwaltung 8 17 w ung. Wie denkt Necker das feststehende jährlich fizit von 56 Mill. zu heben? 1) Ohne derung des bisberigen Taßgensystems: Aus zwei Quellen hoft er 24 Millionen; und zeigt noch 16 andre Hülfsmittel zu größerer Einnahme an. 2) Bei verändertem System; hier spricht er nur im Allgemeinen, warnt hingegen vor drei Vorschlägen. Verbindlichkeit, alle Staats- schulden voll zu bezahlen. Bemerkungen über diesen Theil der Neckerschen Rede. 384— 429. Zur Geschichte des Französischen Reichs⸗ tags. Erklärung des Bürgerstandes. Beschlüsse der Nationalversammlung. Königliche Sitzung. Neckers Rath. Vereinigung der drei Stände. 430— 436. —.— — 3 ——L—iͤ Über Englands Gesetze Absicht auf den Getreidehandel; aus dem Engländischen des Hru Voung — 2— Nebst Anmerkungen. —— 92 : 5——— 1—— 8— 8 2— 5— 4 ——— P.——————„———ũ)Uꝶä———— ́ 2 Über Englands Gesetze Absicht auf den Getreidehandel. Aus Hrn Poung's politischer Rechenkunst. e. In England befinden sich zwar viele für den Ackerbau höchst vortheilhafte Umstände: die Freiheit, deren sich alle Klassen von Menschen zu erfreuen haben; die Mäßigkeit und Unpar⸗ teilichkeit bei den Auflagen und deren Verthei— 1 A 2 ) Arthur YNounge's Polhieal Arichmetic erschien zu London 1774 in zwei Theilen. Was hier aus diesem Werke übersetzt geliefert wird, macht im Drigitnal den Sten Abschnitt des Ersten Buches aus. Anm. d. Herausg 4 Englands Getreidepolizei; lung; die Einrichtung der Pachtkontrakte, die auf eine lange Reihe von Jahren geschlossen werden, und jedem Theil die gehörige Sicher— heit gewähren; die Befreiung von allen per— sönlichen Frohndiensten. Aber nur umsonst würden sich alle diese Vortheile vereinigen um ihren wohlthätigen Einfluß auf den Ackerbau zu äußern, wenn, aus Mangel guter Gesetze in Absicht des Kornhandels, es Ausländern 1 erlaubt wäce ihr Getreide nach England auf die Märkte zum Verkauf zu bringen, um es daselbst in Konkurrenz mit den inländischen Pächtern feil zu bieten; oder wenn durch die verbetne Ausfuhr unser Getreide in einem zu niedrigen Preis gehalten würde. Jeder andre ersinnliche Vortheil würde nicht hinreichen den Landmann dagegen zu entschädigen; der Ak— kerbau müßte in einen schmachtenden und sich immer mehr verschlimmernden Zustand gera— then, dem die Regierung, ungeachtet aller dagegen angewandten Mittel nicht abhelfen könnte. Was fruchteten die noch so vielfältig ertheilten Aufmunterungen, sich von seinen Ackern die möglich reichsten Arnten zu ver— schaffen, wenn mitten in diesem Überfluß ver— kehrte Gesetze den Landmann hinderten einen von A. Moung. 5 anständigen Preis beim Verkauf seines Ge— treides zu erhalten? Man kann in verschiednen Schriften hin— längliche Nachricht von den besondern Bestim⸗ mungen über unsern Kornhandel finden. Hier will ich nur einige wesentliche Anmerkungen beibringen, welche die Absichten der Regierung, die sie sich bei der Polizei über diesen wichti— gen Gegenstand vorgesetzt hat, recht verständ— lich machen sollen. 5 Um den Anbau der Ländereien zu beför— dern, Überfluß im Reiche zu verschaffen, und zugleich Geld aus der Fremde in das Land zu ziehen, ward eine weise Verordnung gege— ben, welche die Einfuhr des fremden Getrei— des verbot, solange sich der Kornpreis unter einem gewissen Stand erhielte; und zweitens, ward eine Prämie auf die Ausfuhr des Ge⸗ treides in inländischen Schiffen bewilligt, so— Punkt nicht überschritte). Dieses Sr hat alle die vortheilhaften Folgen gehab 7 3 0 2 9 die man sich davon versprach, und ist ein ) Die Akte welche die Prämien für die Ausfuhr be⸗ A. d. H. stimmte, ward im J. 1669 gegeben 6 Englands Getreidepolizei; wahres Meisterstück der Staatskunst, obgleich das übrige Europa es noch nicht recht zu ken— nen und zu begreifen scheint. Die Regierung bewilligte 5 Schillinge Sterling Ausfuhrprämie auf jedes Quarter Weizen, wenn der Preis davon in England nur nicht höher als 2 Pfund Sterl. und 8 Schillinge(oder 48 Schillinge) ist; 3 Schill. und 6 Pfennige auf jedes Quarter Roggen, solange der Preis davon im Lande nicht über 32 Schill. geht; 2 Schill. 6 Pf. auf jedes Quarter Gerste, solange diese Getreideart im Lande nicht über 24 Schill. gilt“) Verschiedne Schriftsteller haben die auf die Ausfuhr des Getreides bewilligte Prämie den wahren Vortheilen Großbritanniens zu— widerlaufend genannt. Sie bilden sich ein, daß die Holländer vermittelst dieser Prämie unser Getreide einkauften, um es hernach wie— der mit Vortheil zu verkuufen.— Den nehm— lichen Einwurf hat man gegen die Bill des 2 ) Auf Weizenmalz war die Aus fuhrprämie so groß als auf den Weizen selbst; auf Gersten⸗ malz, 5 Schill. 9 Pf.; und auf Hafergrütze, so groß als auß die Gerste. „7 von A. Young. 7 0 Gouvernörs Pownall“) gemacht: daß sich . N nehmlich Käufleute finden würden, die das ö Getreide nach Holland verführten um die Prä— ge mie zu erhalten, und die dann das nehmliche er Getreide wieder nach England zurück kommen 0 ließen. Die vollständigste Beantwortung ge— 8 gen dergleichen Einwendungen ergiebt sich aus . der Berechnung der Kosten welche die Ausfuhr und eine hernach wieder unternommene Ein⸗ t führ verursachen. Folgende ÜÜbersicht ist' ein 8 Beweis, daß die von dem Staat bewilligte m Prämie nicht hinreicht, wegen der Kosten ei— 5 ner solchen Unternehmung zu entschädigen. af Jedes Quarter Weizen erfordert an ie Mäklerlohn, um das Getreide Schill. Pf. 5 18 Schif zir bringen 8 1 Kommission und Assekuranz, 10 wenn der Preis zu 43 Schill. 5! 1— 6 1 Fracht und Havereigelder.. 1— 8 4 Zusammen 4— 8 — ö Die kleinen Kosten bei der Zu⸗ rückladung aus Holland nach „) Von dieser Bill wird bald hernach unten mehr vorkommen. A. d. H. —— 8 Englands Getreidepolizei; England müssen um 1 Schill. Schill. Pf. höher gerechnet werden; also. 5— 8 Folglich betragen die Kosten der Ausfuhr und Zurückein— e 10— 4 In Irland sind diese kleinen Kosten die nehmlichen, nur daß die Fracht von da nach Holland und dann zurück, jedesmal 1 Schill. höher ist; folglich sind von Irland aus alle Kosten 5 a 1.— 4 Nach dieser Berechnung, ist also augen— scheinlich daß die auf jedes Quarter bewilligte Prämie von 5 Schillingen unmöglich die Spe— kulation veranlassen kann, welche sich diese Schriftsteller eingebildet haben. Die Akte welche die Prämie auf die Ge— treideausführ festsetzte, sagt daß der Getreide— preis viel zu niedrig wäre; und die ergriffene Maaßregel zeigt, daß die vornehmste Absicht dabei also war, ihn in die Höhe zu bringen. Allein es erfolgte gerade das Gegentheil: die Yr — eise, statt zu steigen, kamen immer tiefer herunter. —— ——— — —— von A. Young. 9 D Viele Menschen verstehn und beurtheilen diesen Punkt der Staatswirthschaft nicht ge— hörig. Wenn sie das Verhältniß des itzigen und ehmaligen Getreidepreises berechnen, so bedenken sie dabei nicht immer, daß während der Zeit das Geld sehr in seinem Werthe ge— fallen ist, und alle übrige Waaren und Pro— dukte, das Getreide allein ausgenommen, theu— rer geworden sind. Giebt man auf diesen herabgekommenen Werth des Geldes gehörig Achtung, so findet man die wirkliche und sehr beträchtliche Verminderung unsrer Getreide— preise. Es wäre ein Irrthum zu glauben, diese Verminderung gründe sich in den unternom— menen großen Verbesserungen des Ackerbaues. Wäre dies der Fall, so müßte ja auch der Preis von allen übrigen Produkten des Land— mannes verhältnißmäßig gefallen seyn; wel— ches aber nicht erfolgt ist. Hier zeigt sich also ein scheinbarer Wider— spruch. Wie hat ein Mittel, wodurch der Ge— treidepreis heruntergebracht ist, zugleich eine Aufmunterung zu Verbesserung und Erweite— rung der Landwirthschaft abgeben können? Zuförderst ist ausgemacht, daß die Aus⸗ 10 Englands Getreidepolizei; fuhrprämie dem Getreidepreis eine gewisse Fe— stigkeit ertheilt hat; welches allerdings ein sehr wichtiger Punkt ist. Ein Pächter hat keinen Vortheil davon, wenn der Preis eines Quar— ters innerhalb einem Jahre von 3 Pf. Sterl. bis zu 25 Schillingen fällt. Jahre, wo die Preise merklich herabsinken, sind dem Pächter immer nachtheilig. In den sechszehn Jahren von 174 bis 1756, sind die Arnten in ganz Großbritannien in dem Maße ergiebig gewesen, daß ohne die erstaunliche Ausfuhr, der Getreidepreis natür— licher Weise so hätte fallen müssen, daß der Landmann allen Muth und alle Lust zu Fort— setzung und weiterer Verbesserung des Acker— baues würde verloren haben. Allein die Aus— fuhr ward nur deshalb so eifrig betrieben, weil der Kaufmann die darauf bewilligte Prä— mie gewinnen wollte. Ohne diesen Antrieb, würde das Getreide nicht aus dem Reiche ge— gangen seyn, die Pächter hätten nicht so viel Weizen angebaut, und in den folgenden Jah— ren wäre eine solche Cheurung entstanden, daß der Durchschnittspreis dieser Periode weit hö— her ausgefallen wäre, als er je in einem Zeit— raum von eben so viel Jahren vor dem neuen Getreidesystem gewesen ist. — 8 8 2—* C ˙² Ä ˙——T—T—TT—T—T—T—T—T—T—T—.....————— 1 * von A. Young. 11 Um die Getreidepreise zu untersuchen, ebe die Einfuhr des fremden Korns verboten wurde, hat man kein ander Mittel als die windsor— tabelle in die Hand zu nehmen; allein man wird auch bald finden, daß sie keineswegs die wahren, den Umständen des Landes angemes— senen, Preise angiebt. Die Tabelle kann bloß die Marktpreise von Windsor zeigen, die noth— wendig von dem Preise der nahe gelegenen Märkte, und besonders des Marktes zu Lon— don abhangen, mit welchem Windsor vermit— telst der Themse in unmittelbarer Gemeinschaft steht. Wenn also Frankreich und Holland eine große Menge Getreides nach England schick— ten, so mußte das unsrige dieser Konkurrenz wegen im Preise weit mehr fallen als es dem billigen Verlangen unsrer Pächter in Rücksicht auf alle Umstände und Bedingungen gemäß war. Man hielt die fremde Einfuhr damal für ein Mittel, den Preis in einer gewissen Gleichheit zu erhalten; allein diese Gleichheit, gründete sich nicht auf die Verbesserung und Erweiterung unsers Ackerbaues, sondern war bloß erkünstelt. Ja dieser nachtheilige Grund— satz, den man aus Unwissenheit angenommen hatte, entsprach nicht einmal den Absichten der 1 6 . ——äů—ĩ—— 22 12 Englands Getreidepolizei; Regierung: denn die Getreideßreise veränder— ten sich wirklich sprungweise und oft gegen alle Erwartung; da sich nun, seit dem Ver— bot der Einfuhr und seit der Bewilligung der Ausfuhrprämie, solche nachtheilige Abwechse— lungen nie mehr eingefunden haben. Wenn daher die Schriftsteller welche die der Getreideausfuhr bewilligten Prämien ta— deln, sich oft auf die niedrigen Preise vor diesem Zeitpunkt berufen, so bedenken sie nicht, daß jene Wohlfeilheit sich eben so gut auf d Französische Getreide bezieht als auf das Eng— ländische, und daß sie eigentlich bloß durch die Einfuhr bewirkt ward. Diese Bemerkung konn— te man besonders unter der Regierung des Kö— nigs Jakob J machen. Seit dem glücklichen Zeitpunkt des neuen Systems, sind die Marktpreise bei uns den wahren Umständen des Landes angemessen, und nicht mehr den plötzlichen Veränderungen unterworfen, denen sie vorher, der Konkur⸗ renz des fremden Getreides 3 ausgesetzt waren. Sie zeigen uns also den wirklichen Grad der Wohlfeilheit oder der Theurung, der unserm Getreide in Rücksicht auf alle Um— stände zukömmt. PPP TTTTdTꝙT7T—T—T—T—T——..... ̃— ̃——— von A. Moung. 13 Es war demnach eine Wirkung dieser wei— sen Polizei, daß die Ungleichheit in den Ge— treidepreisen nicht mehr so unvermuthet und gegen alle Erwartung ausfiel; und es giebt seitdem Zeitpunkte, wo die mittlern Preise so niedrig waren, daß unsre Landleute dabei nicht würden zurecht gekommen seyn, wenn nicht ausländische Käufer ihnen den Absatz ihrer reichen und überflüssigen Arnten versichert hätten. Von dem J. 1730 bis 1756, stand das Getreide in England so wohlfeil, daß die Nation nie eine vortheilhaftere Zeit wünschen durfte. Indeß ist es doch nur allzuwahr, daß in diesen sechsundzwanzig Jahren des Über— flusses, die Klagen über den Verfall und den Untergang der Manufakturen ganz allgemein waren. Ich habe ein Verzeichniß von mehr als hundert und vierzig Schriften, die in die— sem Zeitraum zu London erschienen, worin sich die Verfasser zu erweisen bemühn daß alle Umstände den nahe bevorstehenden Verfall unsrer Tuchmanufakturen anzeigen. Hatten diese Klagen einigen Grund(was ich doch kaum glaube), so lag derselbe bloß in dem gar zu niedrigen Preise aller Landesprodukte, 14 Englands Getreidepolizei; der jederzeit einer Nation sehr nachtheilig ist, weil er die Faulheit begünstigt, und den Wachsthum der Manufakturen verhindert. Die Marktpreise von Windsor zeigen, daß vom J. 1741 bis 1756 der mittlere Preis des Büschels oder Scheffels vom Weizen 3 Schil— linge und 8 Pfennige, mithin eines Quarters 29 Schill. und 4 Pf. gewesen ist: welches folg— lich auf den Scheffel Winchestermaaß nicht mehr als 2 Schill. und 7 Pf, beträgt. Na— türlich mußte ein so niedriger Preis die Ver— mögensumstäude der Pächter sehr heruntersez— zen; ja es war ihnen unmöglich, in diesem langen Zeitraum von 1730 bis 1756 sich zu erhalten und ihren Ackerbau fortzusezen. Denn wie hätten sie wohl bei so geringen Preisen ihre Vorschüsse wieder erlangen können z Ich habe die genquesten Untersuchungen angestellt, um diesen merkwürdigen Punkt unscer Lapd⸗ Wirhschafe aufzuklären: und da, habe ich die starksten Gründe gefunden, zu glauben, daß in diesem Zeitraum von 26 Jahren das Pachtgeld unsrer Ländereien weit unter seiner wahren und gehörigen Größe gewesen ist— Die Eigenthümer, nachdem sie unendliche Vor— schüsse gethan hatten um ihre Landgüter in von A. Moung. 15 den möglich besten Zustand zu versetzen, ver— pachteten sie um den vierten Theil des Geldes das sie anitzt mit Recht fordern können.— Seit dem J. 1756 aber, wo der Getreidepreis weit höher stand, sind die Bestandauslagen und die jährlichen Vorschüsse stufenweise viel höher gestiegen; und die Pächter haben den— noch in den letzten sechszehn Jahren mehr ge— wonnen, als vorher in sechsundzwanzig 7. ) Bei dem Ackerbau kommen dreierlei Vorschüsse oder Auslagen vor, die man am besten so benen— nen und eintheilen kann: 1) Die Grundauslagen(avances foncieres) sind diejenigen welche erfordert werden um Gemein. heiten oder wüste gelegene Ländereien in Ackerland zu verwandeln; also auch zur Aufführung der nö— thigen Wirthschaftsgebäude, zur Anpflanzung der Obstbäume und der Hecken, Einrichtung der Kop⸗ peln, Austrocknung der Moräste, u. s. w. 2) Die⸗ Bestandauslagen(avances primiti- ves) betreffen den Ankauf aller zu wirklicher An⸗ stellung eines Pächters erforderlichen Sachen, kurz die Anschaffung des sogenannten Indentariums: also das Ackergeräthe, das Zugvieh, die Heerden von großem und kleinem Nutzvieh, u. s. w. 3) Die jährlichen Auslagen(ayvances an- nuelles) veranlaßt der Lohn und Unterhalt des Ge⸗ sindes, die Erhaltung des Arbeitsviehes, die Aus besserung des Geräthes, die Aussaat, und über— haupt alle im Lauf eines Jahres von Bestellung des Ackers bis zur Aente vorfallende nöthige Arbeiten, —— 3 2 16 Englands Getreidepolizei; Bei so entschiedenen Vortheilen läßt sich dur gar nicht mehr zweifeln, daß dies System die f Getreideausfuhr mit Prämien zu belohnen, da unsrer Nation eine unerschöpfliche Quelle von 5 Reichthümern eröfnet hat. Zwischen den J. 1730 6 und 1756 hat England viele Millionen von den lain Ausländern für Getreide gewonnen, und eine fag erstaunliche Anzahl von Schiffen und Matrs— uu sen bei diesem Handel in Bewegung gesetzt; fn und doch hat die so lebhaft betriebene Getrei— dle K deausfuhr nie einige Theurung im Lande selbst den veranlaßt. Wie aber, wenn eine unkluge Po— für n lizei uns gezwungen hätte unser Getreide bloß 16 zum inländischen Gebrauch aufzubewahren? 1 Sie würde uns nicht nur aller aus der Fremde 6 üs erworbenen Reichthümer beraubt, sondern auch 15 8 den Getreidepreis im Lande so weit herunter— eg gebracht haben, daß kein Pächter hätte beste— N hen können, und daß mithin in den folgenden gs Jahren Mangel und Elend entstanden wäre. gd Die gleichförmige Erfahrung aller Völker Ji zeigt, daß überall wo die Ausfuhr des Ge— Ir. ge treides verboten ist, dessen Preis in fruchtba— 51 ren Jahren so herunterkömmt, daß die Ein— siß nahme des Pächters ihm nicht mehr die Zin— 0 100 sen seiner Vorschüsse ersetzt. Dadurch geräth b In g der J von A. Young. 7 der Ackerbau in kraftlosen Zustand, die Län— dereien bleiben unbestellt liegen, und wenn dann unfruchtbare Jahre eintreten, so äußert die Hungersnoth in einem unbegränzten Um— fange ihre Wuth. Man glaube nicht den Landmann mit dem Troste zufrieden stellen zu können, daß der übertriebne Preis des Getrei— des, welcher alsdann auf die niedrigen folgt, einen Mittelpreis erzeugt, der eben so hoch oder noch höher als in den benachbarten Län— dern ist. Kann dies ein Beruhigungsgrund für einen Menschen seyn, der durch den vier fünf Jahre bestandenen niedrigen Preis an den Bettelstab gebracht ist! Und bedarf es wohl einer längeren Zeit, um eines Päch— ters jährliche Vorschüsse und Bestandauslagen zu erschöpfen, und sein Kapital, nebst den Reichthümern die er sich durch seine Arnten versprochen hatte, in ein Nichts zu verwan— deln? Denn eben von diesen Reichthümern hängt der fruchtbare Ertrag der künftigen Arnten ab. Daher ist es auch nicht möglich, daß ein Pächter sich hernach durch den ÜÜber— fluß den ihm eine reiche Arnte gewähren könn— te, von seinem Verluste erhohlt. Da er kein Vermögen mehr hat um etwas in dle Lande II. B — — 4 14 4 1 915 1* 5 f. 7 18 Englands Getreidepolizei; wirthschaft zu stecken, so hört der Acker auch 1 auf, fruchtbar zu seyn, und man sieht ihm 10 das Elend und die Armuth seines Anbauers 0 nur allzu deutlich an. Man kann daher die n Weisheit der Regierung nicht genug loben, 11 daß sie ein System in der Staatswirthschaft! annahm, das nun seit mehr als achtzig Jah— 11 ten den Neichthum und den Ruhm von Groß⸗ er britannien ausgemacht hat. 10 Wir müssen noch einige Anmerkungen über f das Verfahren beibringen, das die Regierung paß seit dem J. 1756 beobachtet hat; indem die ö 10 seit der Zeit auf einander folgenden häufigen bol Veränderungen in der Polizei des Getreide— 10 bandels muthmaßen lassen könnten, daß man ef f ein auf andre Grundsätze gebautes System bauch angenommen habe. 105 In den J. 1757 und 1758 stieg der Ge⸗ 0 el treidepreis merklich, und man verbot die Aus— 8 94 fuhr. In den sechs darauf folgenden Jahren 1 war sie wifder frei. Aber von 1756 bis auf 11 gegenwärtige Zeit ist die Polizei des Getreide— 0 handels beständigen Abwechselungen unterwor— 0 fen gewesen. Ohne daß die Regierung sich g 4 5 7 5 F 2 1 95 este nach einem festgesetzten Plan gerichtet hätte, 9 ohne daß,!durch ein neues Gesetz wäre be—. ö g a 9 f ————————ß—ß—ß—.—————— —— pon A. Young. 19 1 stimmt worden bei welchen Preisen die Aus— fuhr des Getreides erlaubt oder verboten seyn sollre; hat man von Zeit zu Zeit Interims— verordnungen erlassen, wodurch die Wirkung jener Gesetze deren Nutzen überhaupt genom— men hinlänglich erwiesen war, aufgehoben wurde. Die ewigen Klagen über den Verfall der„ das Geschrei des Londner Pöbels, und die thörigen Vorstellungen ver— boom. unwissender Gemeinden, sind Schuld daß die Gesetzgebung keine festere Maaßregeln ergrif, sondern ein verderbliches System be— folgte. Um das gonze unregelmäßige Verfah⸗ ren einzusehn, darf man nur die Getreide— preise von der Zeit da die Prämie anfänglich bewilligt würde, mit den Preisen der nachhe⸗ rigen Zeit da die Ausfuhr verboten war, ver— gleichen. Vom J. 1757 bis 177 ist der Mittelpreis des besten Weizens auf dem Markt von Wind— sor nicht höher als 5 Schill. uns 6 Pf. vom Scheffel, oder 44 Schill, vom Quarter Ae , 1 J 9 sen: welches für den Mittelweizen nach Win— chester- oder Londner 5 nur 4 1 85 4 5 8 8. Pf. auf den Scheffel, oder 34 Schill. 8 Pf. auf das Quarter, ausmacht. 5 Preis B 2 * 55 8 8 2 20 Englands Getreidepolizei; 5 f 5 5 8 tel wird gewiß niemanden ausschweifend vorkom— men.— Zwischen 1689 und 1774, mit Aus— 90 lassung der Jahre wo die Ausfuhr verboten 0 war, so daß gleichfalls ein Zeitraum von sechszehn Jahren herauskömmt, in welchen die 1 Getreideausfuhr mit der Prämie ununterbro— f chen fortgegangen ist, betrug während dieser 1 Jahre der Mittelpreis des Weizens auf dem— 6 selben Windsormarkte 46 Schillinge. Folglich gan ist in jenem Zeitraum der mit dem J. 1772 lutz zu Ende ging, das Quarter Weizen noch um 00 einen Schilling wohlfeiler gewesen, als damak uh wo man die Prämie bezahlte. Dennoch hat 6 e es in jenem letztern Zeitraum die Regierung ih nicht dabei bewenden lassen die fernere Aus— An! theilung der Prämie aufzuheben, sondern hat, 1e 10 sogar in zehn von diesen sechszehn Jahren die I 6 Ausfuhr gänzlich verboten. Eine solche Ver— lug zn änderung in den bisher befolgten Polizeigrund— wu sätzen, die den wahren Vortheilen der Nation ti und der Aufmunterung des Ackerbaues so zu— nenn wider läuft, läßt sich unmöglich anders erklä— ves ren, als durch die zustürmenden Klagen eines ä dug untuhigen Pöbels, der sein eigenes Beste ver— une gyn kennt. sche Ich muß überdies bemerken, daß der letz⸗ lng thums, statt sich zu vermindern, von A. Young. 21 — tere Zeitraum bis 1772, den man nur in Ver⸗ gleichung mit den sechszehn unmittelbar vor— hergehenden Jahren eine theure Zeit nennen kann, mit dem Kriege anfing. Da nun un— läugbar während der Kriegsjahre eine unge— heure Menge von Geld und Zetteln in Um⸗ lauf gekommen, und die Masse des Reich⸗ vielmehr theils durch die Eroberungen in Ostindien, theils durch den blühendsten und ausgebreitetesten Handel vermehrt worden ist; so würde es in der Staatswirthschaft eine ganz unerhörte Er— scheinung gewesen seyn, wenn nicht nach Maß— gabe dieses Anwachses von Reichthümern der Preis aller Arten von Lebensmitteln und Waa⸗ ren erhöht worden wäre. Es war ja unmög— lich, daß die um siebzig Millionen Pfund Ster⸗ ling vermehrte Nationalschuld, nebst den fort⸗ laufend dafür zu entrichtenden Zinsen, daß eine jährliche Ausgabe von 12 bis 20 Millio— nen solange der Krieg daurete, daß das Geld welches England in den letzten Kriegsjahren durch einen bei allen übrigen Nationen bisher unerhörten Handel erwarb, daß die beträcht— liche Vermehrung der Auflagen, daß der starke Umlauf von allen Arten des Papiergeldes; es 7 8—— 5 4 5 1 22 Englands Getreidepolizei; war, sage ich, unmöglich daß diese zusammen w. f verbundene Ursachen nicht alle Gegenstände l fe des Handels vertheurt haben sollten. n K. Man nenne einen einzigen Artikel, der U in den sechszehn letzten Jahren nicht aufge— 3 schlagen wäre. Ist es denn wohl vernünftig U zu verlangen, daß allein der Preis des Ge— 0 treides sich nach dieser stufenweise erfolgten 905 Zunahme des Werthes aller übrigen Dinge 10 nicht auch hätte richten sollen? Man will gegle doch nicht den Landmann aller der Vortheile ng berauben, deren sich jede übrige Klasse von bilch Menschen zu erfreuen hat! Seine zum Ver— 165 kauf gebrachte Produkte sollen doch nicht im— 23 mer in dem nehmlichen Preise bleiben, da un von der andern Seite alle übrige Artikel sei— 10 nes Aufwandes, sein Pachtgeld, seine Taxen, 10 sein Arbeitslohn, immerfort steigen! Auf diese oil Weise würde es ihm ja endlich unmöglich fal— g 1 len, seine Wirthschaft fortzusetzen, und sein luer Untergang müßte unvermeidlich seyn. Es 0 gehört folglich zur allgemeinen Wohlfahrt, 90 daß der Landmann eben so gut behandelt g 0 54 werde als die übrigen Klassen der Einwohner; 9. ö daß sein Gewinn in dem Verhälknisse zuneh— 10 me, als die ihm aufgelegten Lasten schwerer 90 lt 0 * 8—— e=¶pPYpprrrreeeTTeTßT7T7T7T7T—T—T—T—T—T——————.....—————— r 1 von A. Young. 23 werden; und daß eine gegründete Hofnung seine Glücksumstände zu verbessern, ihn auf— muntere die verschiednen Zweige seiner Wirth— schaft noch weiter zu treiben. Nichts verdient so sehr unsre Verachtung und unsern Unwil⸗ len, als die Klagen die man täglich gegen den zu hohen Preis der Lebensmittel vorbrin— gen hört. Man muß sich wundern, wie manche Schriftsteller mit so großer Heftigkeit gegen diese vorgegebene Theurung zu Felde ziehn, deren Ursachen sie bloß in ihrer Ein⸗ bildung aufsuchen. Die Hauptstadt des Reichs, die sich durch dies allgemeine Geschrei hatte verführen lassen, überreichte sogar in der letz— ten Sitzung des Parlaments eine Vorstellung, worin sie darauf antrug daß man eine Prä⸗ mie auf die Einfuhr fremden Getreides be— willigen möchte. Wenn wir den Fall annehmen, daß das Unterhaus dieser Idee Gehör gegeben hätte; was würde die Folge davon gewesen seyn? Der Getreidepreis, der im gehörigen Verhält⸗ niß mit der ganzen in England vorhandenen Geldmenge und mit dem wahren Ertrage der letzten Arnte stand, würde sehr gefallen seyn. — Dies ist ohne Zweifel was man wünscht; aber 24 Englands Getreidepolizei; wie soll es alsdann dem Pächter ergehn? Er— fordert das Verhältniß zwischen dem Gelde und den Produkten, daß er den Scheffel Wei— zen für 7 Schillinge verkaufe; wie kann er bestehn, wenn die Einfuhr des fremden Ge— treides ihn zwingt, den Scheffel um 4 Schil— linge wegzugeben? Was für ein Beweggrund soll ihn aufmuntern, Fleiß und Sorgfalt auf die Erhaltung einer Arnte zu verwenden, die ihm nicht einmal seine Auslagen ersetzt? Will man also den Getreidepreis durch die Einfuhr herunter bringen, so entwendet man dem Land— manne das Kapital, wodurch er seine Lände— reien in Stand gesetzt hat; man fügt dem Ackerbau einen unendlichen Nachtheil zu, und bewirkt den Verfall des Pächters und zugleich des Staats. Mit eben so gutem Grunde könn— te man das Geräthe zu den Manufakturen und die Magazine derselben verbtennen, um den Preis der Tücher herunter zu bringen. Wer sollte glauben, daß dergleichen verderbliche. Grundsätze, die man einem wilden und alber— nen Pöbel kaum vergeben könnte, sich in ei— ner Vorstellung befinden die von Seiten der Stadt London an das Unterhaus des Parla— ments ist übergeben worden! * — 2 — — von A. Young. 25 Aus allem bisher Gesagten ergiebt fich al— so, daß die Veränderungen die man in der Polizei des Getreidehandels unternommen hat, zu nichts anderm taugten, als den Verfall des Ackerbaues zu bewirken, der bis dahin, vermittelst des entwickelten weisen Systemes, sich nur durch die Erhöhung der Getreidepreise bei dem allgemeinen Steigen der übrigen Waa— ren, in seinem vortheilhaften Zustande erhal— ten hatte. 5 Die Akte die in den letzten Sitzungen des Parlaments durchgegangen ist, und von dem Guvernör Pownall in Vorschlag gebracht war, hat größtentheils dem Nachtheil abge— holfen, den die abwechselnden, sich stets ein— ander aufhebenden, Verordnungen dem Land— wesen zufügten. Indeß beruhet doch diese Akte auf einem falschen Grundsatz: daß nehmlich darin die Ausfuhr nicht eher erlaubt ist, als wenn der Getreidepreis noch niedriger als im J. 1689 steht. Man hat also nicht überlegt, daß die hernach erfolgte ansehnliche Vermeh— rung der Nationalreichthümer auch eine verhält— nißmäßige Erhöhung der Getreidepreise nach sich ziehn mußte. Der Beweis, den gewiß Niemand führen wird, daß die Pachtgelder und die auf — 2 2— 26 Englands Getreidepolizei; . den Ackerbau zu verwendenden Kosten anitzt 10 niedriger als zu Ende des vorigen Jahrhun— 1 0 i derts wären, könnte allein den Grundsatz recht⸗ 0 fertigen, daß auch das Getreide wohlfeiler als 1 damal seyn müsse. 0 Ich begreife durchaus nicht, welche Vor— g 1 theile man sich davon verspricht, daß man. den Grundsatz annimmt niedri ge Getreideprzgise f zu haben, und daß man auf einen so verderb— a lichen Grund ein beständiges Gesetz aufführen 0 will. Warum will man don eine iit Wirth— sahh schaftssysteme abgehen, dessen Vortreflichkeit 1 eine beinahe hunde ertjährige Erfahrung bestä— se tigt hat? Die Akte vom J. 108g sagt, daß e (damal) das Getreide zu wohlfeil sei, und Hul daß, um den nachtheisigen Folgen zuvor zu uf kommen die aus so niedrigen Kornpreisen ent— ile stehen müßten, der Staat eine Prämie bewil— face g lige, welche die Kaufleute zur Ausfuhr auf— kat muntern solle; und itzt da das Getreide noch flag wohlfeiler ist als im Ja68g, itzt schlägt man, Jh statt mit der Prämie auf die Ausfuhr fortzu— zig fahren, dem Parlamente vor, eine Prämie auf lig ö die Einfuhr des ausländischen Getreides zu be— bau . willigen h Dies ist eine mir schlechterbige un⸗(gt; begreifliche Umkehrung der Begriffe. Ich habe Helke 5 *———„5 TTT ————— von! A; Moung. 27 noch keinen einzigen hinlänglichen Grund ge— hört, wodurch man eine solche außerordent— liche Maaßregel rechtfertigen könnte. Man ist zufrieden, sich auf das Geschrei eines auf— sätzigen Pöbels zu berufen, der das Getreide zu sehr niedrigem Preise verlangt, um Zucker, Thee, Brantwein und starkes Bier theuer be— zahlen zu können, um im Stande zu seyn viermal so viel von diesen Gegenständen des Luxus zu verzehren, als seine mäßige Vor— fahren davon brauchten. Ungeachtet dessen was ich bisher in Ab— sicht auf die Akte des Herrn Pownall ange— zeigt habe, gestehe ich dennoch, daß, verglei— chungsweise zu urtheilen, nicht in Rücksicht auf unser ehmaliges Polizeisystem bei dem Ge— treidehandel, sondern in Rücksicht auf das un— regelmäßige Verfahren das man seit 1756 be— obachtet hat, ich diese Akte für unschätzbar er— klären muß. Denn erstlich ist sie ein dauer— haftes und beständiges Gesetz; und dieser ein— zige Umstand hemmt schon den Fortschritt des Übels, das sonst den Untergang unsers Acker— baues nach sich gezogen hätte. Ferner bestä— tigt sie die Austheilung einer Prämie auf die Getreideausfuhr bei wohlfeilen Preisen; und * — 28 Englands Getreidepolizei; wir waren schon nahe daran, selbst die Idee von einem Gesetz zu verlieren, das unsre Land— wirthschaft so sehr in Flor gebracht hat. Sie bewilligt drittens die Prämie auf so lange Zeit als die Ausfuhr dauret; wodurch also der Ackerbau und die Schiffahrt wird aufge⸗ muntert und der bis dahin gesunkene Getrei— dehandel wiederum emporgehoben werden. Viertens: die Vorschriften in Betref der Ein— fuhr sind vollkommen gut ausgedacht, sowohl um einen beständigen Getreidehandel zu un— terhalten, auch wenn wir Korn über unser Bedürfniß haben; als auch um den alten Ein— wurf zu entkräften, daß Niemand in auswär— tigen Ländern mit Sicherheit Getreide einkau— fen könne, weil er nie wüßte ob auch der Marktpreis in England die Einfuhr erlauben würde.— Überhaupt ist diese Akte jeden an— derweitigen neuen Maaßregeln, die man etwa hätte ergreifen können, vorzuziehn. Ihr Ur— heber verdient mit allem Rechte einen lebhaf— ten Dank von Seiten seiner Mitbürger). ) Zur Nachricht für Ausländer, denen daran gele⸗ gen ist unser gegenwärtiges Kornsystem zu wissen, will ich hier einen Auszug aus des Guvernors von A. Young. 29 Ich will diesen Aufsatz mit einigen An⸗ merkungen beschließen, die die Veränderung und Abwechselung der Arnten betreffen. Nichts Pownall Akte, die zum immerwährenden Gesetze bestätigt worden, vorlegen. J. Die Akte gilt srit d. 1 Jänner 1774 als Gesetz. II. Wenn das Quarter Weizen über 43 Schill. gilt, —— Roggen über 32—— —— Gerste Über 24—— —— Hafer über 18—— sollen alle Zölle für die Einfuhr aufhören. III. Statt der vorigen Zölle sind neue aufge— legt, nehmlich 6 Pfen. vom Quarter Weizen, 2— vom Zentner Weizenmehl, 3— vom Quarter Roggen, — vowm Quarter Gerste, 2— vom Quarter Hafer. Diese Zölle sind dazu angelegt, damit man die Quantität des eingeführten Getreides nachweisen könne. IV. Wenn die Preise so stehn daß die Einfuhr nach der Akte nicht erlaubt ist, so kann doch Wei— zen oder Weizenmehl, Roggen, Gerste und Hafer zollfrei eingeführt werden, wofern es gleich bei der Ankunft in Gegenwart des dazu ergannten Zollbeamten im Magazine abgeladen, und unter dem doppelten Schlosse des Königs und des Ein— führers verwahrt wird. Das Getreide kann nicht zu inländischer Konsumtion herausgenommen wer— den, bis die gewöbnlichen Einfuhrzölle bezahlt sind. Aber zur Wiederausfuhr kann es zu jeder Zeit ge⸗ 1 1 N — 5 8 g. 30 Englands Getreidepolizei; hal kömmt mir so sonderbar vor, als die Verschie— 1 8. a 1 denheit der Gründe woraus man die Erhö— 100 1 d W. nommen werden, gegen Ausstellung einer Hand— f schrift zur Sicherheit, daß es in keinem Theile 30 Großbritanniens anlanden werde, 1 Die Absicht dieser Klausel ist, die Kaufleute in 9 Stand zu setzen, einen Kornhandel zu einer Zeit 1 zu treiben wenn die Preise hier keine Einfuhr zur An i dischen Konsumtion gestatten. inlan 8 1 5 e 5 g d ir V. Wenn das Or. Weizen gilt 44 Sch. od. darüber, 10 „i— J f ——.— 22——— geg „per 1 3 1 — so soll die Ausfuhr aufhören. Ausgenommen 2500 1 Qr. nach Gibraltar, 3500 nach Minorka, 500 nach Nan G. Helena, 3000 nach Suernsey und Jersey, 2300 Rede 88 5 NA nach der Insel Man. 0 VI. Wenn das Or. Weizen unker 44 Schill. gilt, 1 0 ea,,— 4 ung l 0 ——— Gerste 2222—— ——— Hafer— 16—— 15 40 sollen folgende Prämien für die Ausfuhr bezahlt eg werden, per Quarter: 3 N 5 a a lg fi Weizen 6 Schill. Pfennige, 14 für Weizenmalz 8- 0 oh — 1 r——** für Roggen 8 0 tig für Gerste 2— 6— e. 10 für ta!!! 1554 A für Hafer 3 8—— be 5 VII. Kaufleute welche eingeführtes Korn wie— 10 23 1 2 2 2 1 der ausführen, erhalten die bei der Einfuhr be— 0 0 zahlten Zolle zurück. lellqgu Anm. des Engl. Verf. hen 6 von A. Poung. 25 hung der Getreidepreise herleiten will. Es läßt sich nichts so ungereimtes denken, das nicht über diese Materie wäre gesagt worden. Einige Schriftsteller sind scharffinnig genug 0 gewesen, zu erkennen daß die schlechte Witte— rung eine fast allgemeine Theurung verursacht hat. Ein ganz neuer Autor versichert, die Arnten wären in den letzten fünf Jahren sehr mittelmäßig gewesen. Die Herren Smith und Farrer haben an den Schränken des Unter— hauses die nehmliche Sprache geführt— Ich kann, so oft ich auch die Sache mit der größten Aufmerksamkeit erwäge, mich von der Richtigkeit dieser Bemerkungen nicht über— zeugen. Der Mittelpreis des Quarters Wei— zen ist zu Windsor von 1766 bis 1772, letzte⸗ res Jahr mit inbegriffen, 43 Schill. 6 Pf. ge— wesen, welches nach Winchester-Maaß nicht mehr als 34 Schill. 5 Pf. macht., Zeigt ein solcher Preis wohl einen wahren Mangel, eine wirkliche Hungersnoth an? Man ver— gleiche ihn mit den ehmaligen Preisen; man bedenke, daß wir in einer Zeit leben wo alle Waaren, des so sehr vergrößerten National— reichthums wegen, theurer geworden sind: und dann sage man mir, ob es wohl möglich wäre —B————————— * 3 6 1 1 5 1 — 3 0.— 82 Englands Getreidepolizei; daß der Getreidepreis auf diesem Punkt blei— ib ben konnte, wenn wir fünf schlechte, oder auch 90 nur mittelmäßige, Arnten unmittelbar nach i einander gehabt hätten? I Man hat sehr oft Gelegenheit zu bemer— 1 ken, daß, sobald auf den Märkten ein kleiner 5 Mangel ist, der Preis über alles Verhältniß Dh gegen diesen Mangel aufschlägt; und man bn kann leicht schließen, daß unter solchen Um— 1 ständen eine mißrathene Arnte, zumal wenn un des überflüssig umlaufenden Geldes wegen Al—* les theurer wird, ganz außerordentliche Wir— ita kungen auf den Getreidepreis haben müsse. fig Was würde nicht also erst erfolgen, wenn suale fünf oder sechs schlechte Jahre hinter einander hut einen allgemeinen Mangel verursachten, und erg das zu einer Zeit wo alle Umstände zusammen eu treffen, den Preis selbst reicher Arnten zu stei⸗ bmg gern? Ich glaube so wenig daß wir in den 0 letzten fünf Jahren schlechte Arnten gehabt g haben, daß es mir vielmehr wahrscheinlich e vorkömmt daß wir sie so leicht nicht ergiebi— meg ger haben werden, und daß man daher keine sch; Verminderung der Getreidepreise erwarten darf. En Offenbar ist der gegenwärtige Stand des bolt. Getreides ganz und gar nicht übertrieben, wie wir. .— — 8 * A N b N 1 7 8 2 1 1 8 1 0 1 8 — 8** 9** . 2 75 U 1 1 5 1 8 46 12 1 2 2 8(*— 5 1** J 2 4 1 8 ** 1. 5 7 7 1 . 7„.* 1 9 8 1 2 1 8 E 8 7 81 8 . 5— 1 55 Ne. 651 0 b 5 1 K 1 f— 1 8 2. 0 8 0 8 18 8 1 1. 8 8 5 75* 1 68 5 8 f 5 N** 8 1 5* 2 b. 8 1 8 1 5 1 — 1* 9 A„ 5 5 8 2 1 1 1 1 5 8 8¹ a D. 8) 8¹ 2 ü— 12 N 8„r 4 5 a 1 0. D. 5 8 80 1. 1 5 9 0 2 2 1 8 1 i 52 1* 1 3 c 0 9 1 55 0 5 1 5 1 8 1 8 E a Ne 8¹ 1 3 1— J 2 3. 1 5— 5 1 — 5 7 f 1 1„ 4 0—*— 5 J 7 15 1 F 8 8 80 5 1 b n* 1 4 8 * ö 8 1 W f 81 1 1 74 1 5 9 5 8 5 5 19 4 2 1 5 9 1 0 1 S8 8 0 8 2 85 5 8 8 N 5 8 8 J— 2 0 8 1 A 5 5„ 5 3 5 4 0 K 5 5(s g 8 5 f 8 1 6 1 1 1 1 5 1 ö 8 K f 1 75 1 8¹ 2 8 2 8 1„ — 9 8. 5 0 1 9 1 5 5 5 4 f 1 a 5 7 6 0 PEN 1 A 1 ˖ ö b g 8 f 5 5 8¹ 5 2 1 3 1 1 5 1 25 0 1 5 g 2 *—— 1 1 8 N* 1 1 1 8 7 1 S 1 1 9 1 5 5 8 5 8¹ 5* 1 1* 8 0 1 8 2 8 12 1 5 f 5 1 N a 7— 1e 1 2 r 1 8* N= 1 8 20 8** 2 15 4 f 3 7 7 8 2 J 1 80 4 8 8 2 17 4 E 1 8 8 8 5 N 5 1 85 8 t 5 8 5 2* 1 8. 8 2 8 1 9 2.* Hage 1. 11 4— 8 t 5* 8. 8 1: a ö 7 1 8„ 5 8 1 1— 7 53 5 4 2 99 8 8 14. 1 er—— 8 1 8 34 Englands Getreidepolizei; Meinem Bedünken nach, ist es sehr schwer zu entscheiden, welche von beiden Witterungen, die trockene oder die nasse, am vortheilhafte— sten für den Getreidebau in England ist. Der Boden ist so bei uns verschieden: der Lehm, die Kreide und der Sand befinden sich auf so mannichfache Weise vermischt, daß trockene Jahre einigen Feldern eben so vortheilhaft send als nasse wiederum andern. Kurz, es ist eben so unrichtig, die letztern hohen Getreide— preise, die doch lange so übertrieben nicht sind als man uns bereden will, auf Rechnung der schlechten Arnten, zu setzen, als sie der großen Anzahl von Pferden oder von Hunden zuzu— schreiben, die man in England hält. Alle diese eingebildete Ursachen können keine deut— liche Begriffe von der Erhöhung der Getrei— depreise geben. Ich habe diese Anmerkung gemacht, um zu zeigen wie lächerlich die so häufigen milz— süchtigen Deklamationen über die angebliche Theurung sind, da doch die Horgegebene nach— theilige Witterung bloß in der Einbildung mancher Leute vorhanden ist. Kurzsichtige und abergläubische Sittenlehrer wollen be— haupten, daß wir mitten im Überfluß von 15 von A. Youn 35 einer abscheulichen Hungersnoth heimgesucht würden; sie nennen dies die Folge unsers Luxus, welchen Gott nicht ungestraft lassen könne: zu eben der Zeit, da Er alle Segnun— en des Wohlstandes über uns verbreitet. Ich kann nicht umhin, diesem ungereim— ten Räsonnement eine Stelle aus einer sehr schätzbaren Vertheidigungsschrift des Handels und der Künste) entgegen zu setzen, wo der freimüthige Verfasser auf folgende Art seine Meinung äußert.»Ein feines Hemd und ein »Tressenhut sind mit der Gottesfurcht und Tu— „gend eben so wenig im Widerspruch, als e und Burgunderwein mit der Mä— » ßigkeit, oder ein Daunenbett mit der Tapfer— — »keit, oder eine Prise Tabak mit der Enthalt— »samkeit, oder ein schönes Weib mit der Keusch— »heit. Ein Mann kan: des alles froh wer— »den, und doch würdevoll und ehrenwehrt le— „ben, doch den Vorschrif ten der Religion und »der Moralität gemäß handeln. Eben so we— »nig wird auf der andern Seite das einen »Menschen frömmer, mäßiger, enthaltsamer, C 2 *) A Vindication of Commèrce and Arts. 1258. 36 Englands Getreidepolizei; »keuscher,gottesfürchtiger und tugendhafter »machen, wenn er sich auf den Gebrauch ran— »zigen Specks, Lacedämvnischer Brühe, trü— „ben Bieres, groben Tuches, eines ledernen »Wamses, sackleinenen Hemdes, und einer »Strohhütte auf dem Felde einschränkt; denn »er kann sich mit diesen Dingen behelfen, und „doch ein schmutziger Sünder und viehischer „Schlemmer seyn. Es scheint aber, daß der „verfeinerte Verschwender der vorzüglichere von »beiden Charakteren ist.«— Man denke indeß ja nicht, daß indem ich mich bemühe, schädliche Vorurtheile, un— gegründete Meinungen und eine kindische Furcht auszurotten, ich eine fehlgeschlagene Arnte in England für ganz unmöglich halte. Im J. 1698 und 1699 sollen die Arnten sehr mittelmäßig gewesen seyn; noch schlechter wa— ren sie 1709 und 1710: in diesen beiden letz⸗ ten Jahren stand der Preis des Quarters Wei— zen in Windsor auf 3 Pf. Sterl. und 18 Schil— linge, welches man itzt, wenn man den gerin— gern Werth des Silbers und Goldes in An— schlag bringt, wohl auf 6 Pfund und 10 Schill. oder noch höher schätzen kann. Sollte es sich daher zutragen, daß wir wirklich einen allge— — 0 M 2 von A. Young. a 87 meinen Mißwachs hätten, so darf man nicht zweifeln, daß der Getreidepreis weit höher steigen würde, als er in den letzten Jahren, worüber man sich doch so sehr beklagt, ge— wesen ist. Anmerkungen über den vorstehenden Aufsatz des Hru Young. Geschrie ben im Jahre 1776 — äAüU— Die erste Anmerkung, die ich über diesen Auf— satz des Hrn Voung machen will, betrift das Engländische Getreidemaaß. Die Engländer haben dreierlei Scheffel(bushel), wonach sie das Getreide messen. Der erste ist der soge— nannte Scheffel Landmaaß, dessen körperlicher Inhalt, vermöge einer Parlamentsakte vom J. 1712, auf 1801 Pariser Kubikzoll bestimmt ist. Der andre ist der sogenannte Scheffel wassermaaß, der gerade fünf Viertheile von dem Scheffel Landmaaß ausmacht, und folg— lich 2251 Pariser Kubikzoll enthält. Der dritte ist der in winchester gebräuchliche Scheffel, Anm. zu Hrn Poung's Aufsatz. 39 dessen Inhalt, nach einer Parlamentsakte vom J. 1697, 1778 Pariser Kubikzoll beträgt. Diese drei Scheffel verhalten sich also gegen einan— der, wie die Zahlen 1801, 2251, und 1778. Nächstdem pflegt man auch in England das Getreide nach Quartern zu bestimmen. Die Größe eines Quarters soll, nach der An— gabe in»Krusens Allgemeinem Komtoristen,« gerade acht Scheffel Landmaaß auspiachen, mithin 14408 Par. Kubikzolle enthalten Ein paar Stellen in der vorliegenden Abhandlung des Hrn Moung lassen mich aber schließen, daß der Ausdruck Quarter von den Englän— dern uberhaupt gebraucht wird, um dadurch ein Maaß anzuzeigen das acht Scheffel in sich faßt. Wenn dies richtig ist, so müssen wir auch dreierlei Quarter in England anneh— men: vom Landmaaß, vom Wassermaaß, und vom Winchestermaaß; welche Quarter sich ge— gen einander verhalten, wie die vorhin ange— zeigten Zahlen 1801, 2251, 1778. Folglich enthält das Quarter Landmaaß 14408, das Qu. Wassermaaß 18008, und das Qu. Win— chestermaaß 14224 Par. Kubikzolle. Man s. die Stelle S. 19, wo Young den Preis des Weizens auf dem Windsormarkte von 1757 775 40 Anmerkungen bis 1772, erst ohne Benennung des Maaßes, und dann nach e ers oder Londner * Maaß, in Schef 22 7 15 ln und in Quartern berech— net. Hier zeigt sich offenbar eine doppelte An— gabe dieser Getreidemessungen, nehmlich die in Winchester, und die in Wind sor üblichen Quar— ter und Scheffel; und eben so offenbar, daß das Quarter jederzeit so viel ist als acht Schef— fel, Denn der Preis von einem Quarter so— wohl in Windsor als in Winchester ist acht— mal so groß als der Preis eines Scheffels an jedem dieser Orte. Versteht man nun unter dem in windsor gebräuchlichen Quarter und Scheffel das vor⸗ hin bestimmte Wassermaaß, und berechnet aus den angezeigten Verhältnisfen den Preis eines Quarters in Winchester, wenn das Quarter Windsor- oder Wassermaaß 44 Schillinge ko— stet, so findet man richtig jenen Preis von 34 Schill. 9 Pfennigen. Zwar setzt ihn Young nur zu 34 Schill. acht Pf.; allein dieser Un— terschied kömmt bloß daher, weil er zuerst aus dem Preise eines Scheffels in Windsor den Preis eines Winchesterscheffels berechnet, und dabei den B Bruch aus. der Acht gelassen hatte. Ferner sagt Young S. 31: daß der Mittel⸗ P—————————— ö zu Hrn Poung's Aufsatz. 41 preis des Quarters von 1766 bis 1772, der zu Windsor 43 Schill. 6 Pf. gewesen ist, nach dem Winchestermaaß nicht mehr als 34 Schill. 5 Pf. ausmache. Versteht man unter dem Maaß zu Windsor wiederum Wassermaaß, und berechnet danach den Preis eines Quar— ters zu Winchester, so findet sich die beste Harmonie. Endlich gehört noch eine Stelle hieher. Young sagt nehmlich S. 14: daß von 1741 bis 1736 der mittlere Preis des Scheffels auf dem Markte von Windsor 3 Schill. 8 Pf., 0 mithin nach Winchestermaaß 2 Schill. 7 Pf. gewesen sei. Nur hat sich hier vermuthlich ein Druck- oder Rechnungsfehler eingeschlichen. Denn nimmt man bei den Marktpreisen von Windsor das Wassermaaß an, so würde der Scheffel von Winchester über die 2 Schill. nicht sieben, sondern 103 Pf. gelten; es müßte denn seyn, daß Poung bei dem Preise von Windsor den besten Weizen, bei dem letzten Preise aber nur geringhaltigen voraussetzte, und daß daraus ein Unterschied von 23 Schill. auf das Quarter entstände. N f Muß man also, vezmöge des bisher Go⸗ sagten, mehrere Arten Quarter in England unterscheiden, so entsteht allerdings die Frage, X 2 —— .*— P— — ——— * 42 Anmerkungen von welchem Quarter die Rede in der Par⸗ uu lamentsakte ist, welche die Prämie auf die Dol Getreideausfuhr festsetzt. Ich weiß sehr wohl, Au daß gemeinhin die Schriftsteller darunter kein g 20 Wassermaaß verstehn. So sagt Dangueil“). bei Anführung dieser Prämie, daß ein Engl. f! Quarter ungefähr 24 Pariser Scheffel in sich 11 0 enthalte. Da nun der körperliche Inhalt ei— 160 nes Pariser Scheffels 644 Par. Kubikzoll be— due trägt, so wäre ein Engl. Quarter ungefähr 0 15456 solcher Kubikzolle groß, welches mit fd dem vorhin angezeigten Quarter Landmaaß g„ am nächsten übereinkömmt. Nach Savary“), p machen ok Quarter in England 19 Septiers 5 in Paris aus. Der Septier beträgt aber 7736 Par. Kubikzolle, folglich würde nach dieser ind Angabe ein Engl. Quarter einen Inhalt von 1 13997 Kubikzollen haben, und mithin darun⸗ 7 ehlg ter am ersten ein Qu. Winchester Maaß zu l verstehen seyn. Überdies sagt noch Savary wih ausdrücklich, die Prämie sei auf das in Win— 5 chester übliche Quarter bewilligt.— Allein 1 + *) Remarques sur les avantages et désavantages de la dr France et de la Grande- Bretague par rapport au com- brech merce. 0 anst 1 **) Dictionnaire de commerce. eg F rrTTT7TCTdTCT7TdT—TCT7T7T7TT—T—T—T—T—T—T—T——————————————— N—— rn Young's Aussatz. 4.5 8 — 9 2 3 0 nach einer Stelle in de 2 1 Aufsatz des Hrn Moung, sollte ich glauben, daß sie auf das Quarter Wassermaaß gelegt ist. Er sagt S. 20: daß von 1698 bis 1714, we der Mittel- preis des Weizens auf dem Markte zu Wind— sor 45 Schill. vom Quarter gewesen wäre, man die bewilligte Prämie auf die Ausfuhr ununterbrochen bezahlt, hingegen öfter damit zwischen 1757 und 1772 inne gehalten hätte, ungeachtet in diesem letzten Zeitraum der Mic— telpreis ein Schilling weniger gewesen wäre. Daß Moung äber bei Bestimmung des Markt— preises bon Windsor immer Wassermaaß ver— steht, haben wir vorhin bewiesen. Man sieht also wie unzuverlässig gemein— hin die Schriftsteller find wenn es auf Bestim— mung der Maaße ankömmt, und in welche Schwierigkeiten man verwickelt wird, wenn man ihnen nachrechnet. Ich bin itzt auch nicht im Stande, diese Widersprüche zu heben, oder die Sache auszumachen. Ohne mich dabei weiter aufzuhalten, will ich eine Vergleichung zwischen den Engländischen und den in den Preußischen Staaten üblichen Getreidemaaßen anstellen. In den sogenannten Altpreußischen Staaten ist durchgängig einerlei Scheffel, nehm— ——. ññ—«—ꝛ—ß—m—— 44 Anmerkungen lich der Brandenburgische eingeführt, dessen körperlicher Inhalt 2604 Par. Kubikzoll hat. In Schlesien hingegen ist ein andrer Scheffel durchaus auf den Kornmärkten gebräuchlich, welcher 3524 solcher Kübikzolle enthält. Wenn 4 solch 8 9 =* man nun diese Zahlen mit den obigen Anga— ben vergleicht, und dabei die kleinern Brüche wegläßt, so findet man, daß ein Engl. Quar— ter Candmaaß genau genug mit 4 Schlesischen oder 55 Brandenburgischen Scheffeln, ein Engl. Quarter Wassermaaß aber so ziemlich mit 5 Schlesischen oder 7 Brandenb. Scheffeln über— einkömmt. i Ehe ich die von dem Großbritannischen Parlamente bewilligte Ausfuhrprämie nach der bei uns üblichen Sprache deutlich erklären 2 kann, muß ich noch vorher das Verhältniß des Engländischen Geldes gegen das itzige Preußische angeben. Die Rechnungsmünze der Engländer ist ein Prund Sterling, welches zwanzig Schillinge enthält, deren jeder in zwölf Pfennige eingetheilt wird. Ein Schil⸗ ling Sterling enthält 114 Assen fein Silber. Die Engländer haben auch eine Goldmünze, Huinee genannt, die nach dem Durchschnitt 00 159185 Assen feinen Goldes in sich enthält, * zu Hru Poung's Aussatz. 4 und vermöge des Gesetzes 21 Schillinge Sterl. gelten soll. Es sind daher vermöge der Ge— setze 2394 Assen feinen Silbers in England so viel als 1598335 Assen feinen Goldes; folglich wird dem Golde ein 15 mal so hoher Werth als dem Silber zugeschrieben.— In den Preußischen Staaten enthält, nach dem Münz— fuß vom J. 1764, ein Reichsthaler 34 Assen feinen Silbers, ein Friedrichdor aber 12525 Assen feinen Goldes. Da nun nach den bei der Preußischen Bank angenommenen Sätzen 25 Friedrichdor 1314 Thaler in Kourant oder Silbergeld gelten sollen, so werden 1822 As— sen feinen Silbers mit 1235785 Assen feinen Goldes für einerlei geschätzt; mithin der Werth des Goldes noch nicht völlig 145 mal so hoch angenommen, als der Werth des Silbers) Berechnet man nun den Werth eines Pfundes Sterling in Preußischem Gelde nach dem Sil— berfuß, so würde es 6 Thaler 13 gute Gro⸗ schen und 8 Pfennige gelten, und ein Schil— ling Sterl. würde 7 gute Gr. 10 Pf. in Preußi— *) Dies Verhältniß zwischen Gold und Silber ist ge— genwärtig' im Preußischen Staate völlig aufgeho⸗ ben, und die Bestimmung des Werths des Goldes dem Schicksal überlassen, A. d. H. N 2 9 22 3— 2 46 Anmerkungen schem Kourant seyn. Nach dem in England angenommenen Goldfuß hingegen, gilt ein Pfund Sterling nicht mehr als 6 Thal. 8 Gr. nach Preußischem Gelde, und ein Schill. Sterl ist so viel als 7 Gr. 7 Pf. Da sich nun sicher annehmen läßt, daß die Engländischen Kauf— leute bei ihren Auszahlungen nach dem Gold— fuß rechnen, und daß die Engl. Schillinge wegen des dort zu hoch angenommenen Wer— zthes vom Golde so weit durch Auswägen und Abschaben verringert seyn werden, daß sie nicht mehr 114, sondern nur 110 Assen feinen Sil— bers in 1 enthalten; so werden wir nicht Unrecht thun, das Pari zwischen diesem Gelde und dem! 11 5 Kourant folgendergestalt fest— zusetzen: daß ein Pf. Sterl. so viel am Werth ist, als 65 Reichsthaler in Preußischem Gelde. Damit 1 auch der itzige Wechselpreis in Breslau vollkommen überein;. frei⸗ lich weit 10 5 Umstände auf d des Wechselpreises Einfluß 5 als der —— 2 r. 3 bloße innere Gehalt der verschiedenen Münzen. e Bestimmung Nach Voraussetzung aller dieser Umstände kann man sich nunmehr einen deutlichen Be— grif von der Ausfuhrprämje machen“). Wenn ) Der Herr Verf. berechnet, wie man steht, diese „—!.. T — — e · o·opSPTDTDT7T—XXVTXXTX—T—X—X—V—ã2dT—2Tv—222... ̃ ‚—˖+r—+Ü—— ͤK——— zu Hrn Moung's Aufsatz. 47 unter dem Quarter, worauf die Prämie be— willigt ist, Landmaaß verstanden werden muß, so ist folgendes der Sinn der Engländischen Verordnung: s 1) Solange der Schlesische Scheffel Wei— zen in England nicht über 3 Thaler 24 Sil— bergroschen) gilt, giebt die Regierung auf jeden ausgeführten Scheffel eine Prämie von 12 Sgroschen. Solange der Scheffel Roggen nicht über 2 Thl. 16 Sgr. cer, e eg. stehn, sind die Ausfuhrprämien: für den Scheffel Roggen 8 Sgr. „ e 2) Nach Brandenburgischem Maaß und Gelde: der Schefl. Weizen gilt nicht über 2 Thl. 18 Gr. —— Roggen——— 1 Thl. 20 Gr. —— Gerste——— 1 Thl. 8 Gr. Prämie nach der älteren Parlamentsakte(S. 6.) nicht nach der neuern durch die Bill des Guvernörs Pownall veranlaßten(S. 29.). Der Unterschied ist theils in sich unbeträchtlich, theils ganz ohne Einfluß auf die folgende Abhandlung, und braucht also bloß angezeigt zu werden. A. d. H. ) Der Schlesische Thaler, dem Brandenburgischen völlig gleich, wird in dreißig Silbergroschen eingetheilt, deren jeder zwölf Denar hat. A. d. H. 48 Aumerkungen dann sind die Ausfuhrprämien: für den Scheffel Weizen 7 Gr. Pf 5 Me 085 Efe verstehn, ——— Roggen 4 Gr „„ Gerste 3 G Wäre hingegen Wassermaaß zu so müßte gelten 1) der Schlesische f Scheffel Weizen nicht über 3 Thl. — Noggen—— 2 Thl. — Gerste—— ITChl. 15Sgr. 2) Der Brandenburgische Scheffel Weizen nicht über 2 Thl. 4 Gr. — Roggen—— 1 Thl. 10 Gr. — Gerste—— 1 Thl. 2 Gr. dann wären die Ausfuhrprämien: 1) für den Schfl. Weizen 9 Sgr. 6 Denar. ——— Roggen 6 Sgr. 8 Dr. „Seite Sg 9 Dr 2)——— Weizen 5 Gr. 3 Pfen. W ——— Gerste 2 Gr. 8 Pf. Dangueil theilt uns, in seiner bekannten Schrift Über die Vortheile und Nachtheile Frankreichs und Großbritanniens, ein Ver— zeichniß von der Menge des Getreides mit, das von 1746 bis 1750 aus England ausge— fuhrt fil dad ——— zu Hru Moung's Aufsatz. 49 führt worden. Ich will es hieher setzen, und darüber sowohl als über einige Gedanken die— ses Schriftstellers meine Meinung beifügen. Nach einem dem Unterhause des Parla— ments im J. 1751 übergebenen Verzeichniß, sind 1746 ausgeführt worden 633943 Quarter, ( 1748——— 1045656— 1749——— 1140848— 17%i.e t tibdenn, Zusammen——— 528984) Quarter. Die verschiednen Arten des Getreides sind hier nicht besonders angezeigt; es besteht also die gemeldete Anzahl der Quarter aus Wei— zen, Weizenmalz, Roggen, Gerste, Gersten— malz, Hafer und Hafergrütze. Dangueil behauptet: der Mittelpreis al— ler dieser Getreidearten durch einander genom— men sei in diesen fünf Jahren 28 Schillinge Sterl. vom Quarter gewesen; woraus er be— rechnet, das in diesen 5 Jahren ausgeführte Getreide habe am Werth 7 Millionen und 405786 Pf. Sterl. betragen, folglich sei, im Durchschnitt, in jedem dieser 5 Jahre für eine Million und 481157 Pf. Sterl. ausgeführt II. D 1 . 1 * 1 1 50 Aumerkungen worden. Zu desto deutlicherem Begriffe des esers, füge ich die Vergleichung Deutschen L mit dem Preußisch-Brandenburgischen Gelde bei. Wenn das Quarter in England, nach e e 8„ einem Durchschnitt von den J. 1746 bis 1750, 28„Schill. Sterl. galt, und das Pfund Sterl. dreuß. Gelde 6 Thal. 8 Gr. beträgt, so ist Getreide aus England ausgeführt worden 1746 für 5620961 Nthlr. 6 Gr. 47 Pf. 777 — 18*. 2 2 1743— 9271483 4— 92— 1749— 10115518— 22— 42— 1750— 14642564— 5 Zusammen für 46903310 Rthlr. 1 Gr. 77 Pf Im Durchschnitt kömmt also auf jedes Jahr eine Summe von 9 Millionen und 400000 Thal. unsers Geldes, die den Preis des, in 5„ E 71 5 L. 7 jedem dieser fünf Jahre(im Durchschnitt ge— nommen) ausgeführten Getreides bestimmt. Will man die P der Regierung den Kaufleuten welche dies Getreide ausführten, bezahlt worden ist, so verfährt man folgendergestalt. Auf jedes Quar— ter Weizen beträgt sie 5 Schill., auf jedes Qr. Roggen 33, und auf das Qr. Gerste 21. Im rämie berechnen, die von, 7 — Roggen und Gerste ausgeführt word zu Hrn Poung's Aufsatz. 51 Durchschnitt kömmt also auf jedes Quarter eine Prämie von 3 Schill. 8 Pf. Folglich ist auf die vorhin angezeigten in fünf Jahren ausgeführten 5 Millionen und 289847 Oi ter eine n bezahlt worden, die 8 3 nach Preuß. Gelde 6 Millionen und 142100 Thal. beträgt.— Von vier Jahren zeigt Dangueil die Stärke der ausgezahlten Prämie selbst an, 1 und danach hat sie betragen 1746 die Summe von 99385 Pf. Sterl. 1748—— 202863— 749—— 22836060 1750——— 3234995 81 51 Zusar mmen—— 855993 Pf. Sterl. e e e 5 Oder, in Preußisch. Gelde, 5 Millionen und 421285 Thaler. Wenn daher unsre ige B vorige Be⸗ rechnung richtig ist, so bleibt für das nicht angegebene 17 45ste Jahr eine Prämie von 720815 Thal. übrig: welches genau ge— 2 nug mit der Anzahl der in diefe geführten Quarter über Wenn aber, wie es wahrscheinlich ist, und s— lbst aus der Größe de De 1 der Größe der von Dangueil angezeigten Prä— mien erhellt, verhältnißweise mehr Weizen als den; so D 2 5²⁴ Anmerkungen wird die Summe aller ausgezahlten Prämien auch verhältnißweise größer, als wir sie vor— her bestimmt haben. Offenbar ist dieses eine sehr starke Getrei— deausfuhr; und eben so unwidersprechlich hat England dadurch viel Geld von den Auslän— dern erhalten, und seinen Handelsgewinn an— sehnlich vermehrt. Wenn man ferner erwägt, daß vor Bewilligung der Prämie England zu seinem eigenen Bedarfe fremdes Korn brauch— te, und nach deren Bewilligung der Mittel- preis des Getreides in einem Zeitraum von 70 Jahren niedriger als vorher war; so muß man auch gestehn, daß die Grundsätze welche das 0 Parlament in der Akte vom J. 1689 annahm, den Umständen und Verhältnissen des Landes vollkommen angemessen waren. Unstreitig ist seit dieser Zeit der Ackerbau in England er— weitert und verbessert, mehr Getreide im Lande erzeugt, und Hungersnoth oder außerordent- liche Theurung weniger wahrscheinlich gewor— den.— Nur, wenn Dangueil behauptet, es ha— be sich der Ackerbau dort seit dieser berühmten Akte so stark vermehrt, daß eine gute Arnte die Engländer fünf Jahre ernähren könne, so ist dies, nach meiner Überzeugung, eine 5 han imten unte e/ eine zu Hrn Moung's Aussatz. 55 offenbare Übertreibung. Man muß annehmen, aß England von Jahr zu Jahr alles entbehr— liche Getreide ausgeführt, und das übrige im Lande verbraucht hat. Denn wenn, außer der inländischen Konsumtion und der Ausfuhr in die Fremde, noch Getreide vorräthig blieb so mußte dies nur eine Last der Kbrutden seyn, den Preis außerordentlich verringern, 5 und dem Landmanne den Muth benehmen, die nehmliche Menge auf das nächste Jahr auszusäen: welches den Verfall des Ackerbaues nach sich gezogen hätte. Daß man keine die— ser. in England gespürt hat, beweiset, daß daselbst von Jahr zu Jahr alles Getreide theils 17 theis verkauft ist, folglich das jedesmal ausgeführte Getreide den ganzen Überschuß über die eigene Konsumtion betrug. Wenn wir nun, nach der vorher angezeigten Getreideausfuhr in fünf Jahren(S. 49), jährliche Ausfuhr im Durchschnitt zu einer Million Quarter annehmen; so ergiebt sich daß England in einem guten Jahre, worun— ter die J. von 1746 bis 1730 unstreitig zu rechnen sind, eine Million Quarter Getreide mehr erzeugt als alle seine Einwohner brau— chen. Folglich müßte, wenn Daugueil Recht 54 Anmerkungen hätte, eine Million Quarter hinreichen, den Engländern Brot auf vier Jahre zu verschaf— g lie fen; das heißt, ihre eigene Getreidekonsum— 0 tion betrüge jährlich nicht mehr als 230000 1 Quarter: welches wohl kein Mensch im Ernste 2 behaupten wird. In England leben 53, höchstens 6 Millionen Menschen. Ungeachtet nun ein Engländer zu 10 seiner Konsumtion lange so viel Getreide nicht S braucht als ein Franzose oder ein Deutscher, 1 so behaupten doch selbst Engländer, die diese lebg Materie mit allem Fleiß untersucht haben, ie: daß die inländische Getreidekonsumtion 6 Mill. 4 I Quarter betrage. Wenn daher bei reichlichen 10 Arnten 1 Mill. Quarter ausgeführt werden kann, ohne daß Mangel im Lande entsteht, so wird eine solche Arnte höchstens hinreichen, die Einwohner Englands vierzehn Monate zu erhalten; welch ein Unterschied gegen fünf Jahre! Man übertreibe den Ertrag der Acker noch so sehr, man nehme eine noch so große Sparsamkeit bei dem inländischen Gebrauche des Getreides an: so läßt sich wohl zugeben, 00 daß eines reichliche Arnte dort die Einwohner höchstens fünf Vierteljahre, nie aber zwey, geschweige fünf Jahre, erhalten könne. ————T—Ä—— große gauche 0 0. el, —* zu Hrn Poung's Aufsatz. 1 King rechnet für ganz England 39 Mil⸗ lionen Morgen, wovon er g9 Mill. als Acker⸗ 2 7 land und 12 an Wiesen und Weideplätzen annimmt; die übrigen 18 Mill. rechnet er auf älder, Thiergärten, kleine Hölzungen, Moor⸗ land, 1 Seen, Teiche, Bauplätze, und Heerstraße Da aber King diese Berechnung und Vertheilung gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts angestellt hat, so können wir füglich einen größern Theil der O 1 nd halten. Wir nehmen bebautes tragbares Le zwei volle Drittheile des Ganzen dazu an, und zwar so daß 14 Mill. Morgen au 1 f Morgen Acre) in. enthält, nach Kruse, 0 38284 Pariser Quadratfuß; wenn daher ein f Brandenburgischer oder Mag zdeburgischer Mor— gen, der gerade 180 Rheinl. Quadratrut ausmacht, 24197 Par. Quadratschuhen gleich ist: 15 können wir hier ohne sonderlichen Irr— thum sestsetzen, daß ein C öngländischet Acre so groß ist als anderthalb Magdeb. Morgen. 21 Millionen Magdeb. Morgen. Erwägt man nun, daß die Engländer gemeinhin nur ihr halbes Feld mit Getreide besgen, und die andre — 8 56 Anmerkungen Hälfte mit Klee und andern künstlichen Gras— N arten, mit Rüben, Bohnen, Kartoffeln, Hanf, 5 W Lein, u. s. w. bestellen; so findet sich daß die det ganze Masse des in England in einem Jahre i;. gewonnenen Getreides auf 105 Million Mag— 0 deb. Morgen erzeugt wird. Man kann ferner 1 annehmen, daß die Aussaat auf einen Mag— IJ deb. Morgen ungefähr im Durchschnitt genom— 4 men einen Schles. Scheffel beträgt; folglich wer— 1 den jährlich in England 10 Mill. und 300000 1 Schlesische Scheffel ausgesäet. Wenn man chat nun den Ertrag im Durchschnitt, es sei guter ter( oder schlechter Boden, auf das sechste Korn 1 de annimmt, so ergiebt sich daß England durch Nadz eine reichliche Arnte 63 Millionen Schlesische Jah Scheffel, oder 15 bis 16 Mill. Quarter, Ge— iet treide gewinnt. Zieht man hievon die Aus— Augge saat ab, so bleiben 13 Mill. Quarter zum ei— 99 genen Gebrauch des Landmanns und zum in— a ländischen sowohl als auswärtigen Absatze. ui Von diesen 13 Millionen brauchen, nach Pet⸗, 1 ty's“) Angabe, die Einwohner zur eigenen Eile Konsumtion 6 Millionen; da sich aber seit 3 4 dem Anfang dieses Jahrhunderts die Anzahl 100 1 l a F lex nag „ Will. Petty Essays in Political Auithmetick. f diesen ————————— e zu Hru Moung's Aufsatz. 5 derselben unstreitig vermehrt hat, auch über— dies ein häufigerer Gebrauch starker Biere und des Branteweins Statt findet: so können wit itzt füglich 7 Millionen Quarter jährlich auf Englands Bewohner rechnen. Wenn nun, nach den Angaben der Engländer selbst, die inländische Konsumtion des Hafers(welches Getreide ich bloß auf das Vieh, besonders auf die Pferde, rechne) 4250000 Quarter be— trägt; so bleiben von der ganzen, gewiß reich— lich angenommenen, Arnte noch iz Mill. Quar— ter(an Weizen, Roggen, und Gerste) übrig, A die in der Fremde verkauft werden können. * de e e S 24 2 5 55 8 Vielleicht ist das J. 1750 ein so fruchtbares Jahr gewesen: denn da ist nach dem oben mitgetheilten Verzeichniß beinahe diese Menge ausgeführt. Hiedurch ist wohl überflüssig bewiesen daß Dangueils Behauptung von dem Ertrage der Engländischen Arnten völlig übertrieben ist. Ja, es würde sogar ein solcher Segen gegen Englands wahre Vortheile seyn. Denn, wenn D's Rechnung zufolge, nach der innern reich— lichen Konsumtion wenigstens 24 Mill. Ouar— ter noch übrig blieben, wo wollte England diesen erstaunlichen Betrag absetzen? Nuß— 58 Anmerkungen 5 1. land, Dännemark, Deutschland, Polen, Un⸗ garn, und Italien, brauchen in gewöhnlichen Jahren kein fremdes Getreide; viele dieser Länd er 15 11 2 8a 117 Hperf 1 2 won 1 ie Lände aben sogar einen Überftuß, womit sie ihren Nachbarn aushelfen. Es bleibt also bloß Spanien, Portugal, Frankreich, Hol⸗ land, Norwegen, und Schweden, deren Ein— wohner fremdes Getreide kaufen. Selbst, wenn man annehmen wollte, daß kein Land außer England im Stande sei Getreide aus— zuführen, wird doch nie in dem Laufe eines zahres eine so ungeheure Menge angebracht werden können. Ich finde beim Savary, daß im J. 1754 Danzig 30000 Lasten ausführte; welches gewiß ungemein viel war, da nach chriftsteller die Ausfuhr des J. eben, diesem E 1746 nur 9000 Lasten betrug. Gesetzt aber, 0 1— che A 1 isfuhr von Danzig sei bis— die gewöhnl'k her 30000 Lasten gewesen; gesetzt, eben diese Menge wäre aus den übrigen Häfen der Ost— see verschift worden; und gesetzt, Deutschland, Dännemark, Ungarn und Italien hätten eine esammten Menge gleiche ausgeführt: so würde alles dies Getreide zusam nengenom— men nicht mehr als 120000 Lasten betragen, folglich nach Engl. Maaß ungefähr 1200000 11 N füt zune! zu Hrn Moung's Aufsatz. 39 Quarter. Rechnet man hiezu die Engländische Ausfuhr, die in einem der beste Jahre 1600000 Qr. stark gewesen ist, so 1 die Summe alles in Europa abzusetzenden Getreides höch— stens 3 Millionen Quarter. Hätte also Eng— land den angegebenen jährlichen Überschuß, so blieben ihm noch 21 Mill. Quarter, wofür kein Absatz wäre. will sogar noch anneh— men, daß jeder Pächter und Landmann dort — ein eigenes starkes Magazin unterhalte, um für sich seine Familie und alle seine Leute dar— aus hinreichendes Getreide auf ein ganzes Jahr nehmen zu können, daß folglich noch 4 Mill. Or. gar nicht zum f kommen; dennoch würde dieser eiserne Bestand, welcher außerdem nur in dem ersten 9 5 das über— flüssige Getreide verminderte, noch 17 Mill. Qr. desselben unverkauft übrig lassen. Dies müßte den Getreidepreis dergestalt herunter— bringen, daß der Landmann seine Kosten nicht wieder ersetzt bekäme, folglich der Ackerbau eben dieses Überflusses wegen gänzlich in Ver— fall geriethe. Wollte man einwenden: daß bei einer reichlichen Arnte die Volksmenge unglaublich zunehme, folglich in Kurzem eine verhältniß— 60 Anmerkungen mäßig stärkere inländische Konsumtion sich er— gebe; so würde auch dieser Einwand nur schein— bar seyn. Gesetzt daß durch eine-ganz sonder— bare Revolution die Anzahl der Einwohner in England verdoppelt würde, so entsteht die natürliche Frage: womit sich diese Menschen beschäftigen sollten? Zum Ackerbau sind sie völlig überflüssig. Denn, da die itzigen Land— leute hinreichen eine so ungeheure Arnte zu besorgen, wozu sollte man neue Arbeiter an— nehmen? Zu Fabriken und Manufakturen sind sie ebenfalls überflüssig; denn, wenn keine neue Auswege für diesen Handelszweig gefun— den würden, so hätten die von ihnen verfer— tigten Waaren keinen Absatz. Im Lande wird bereits Jeder mit allem Nöthigen versorgt, und außerhalb ist der Absatz dert Engl. Waa— ren auch schon so stark, als er nach Verglei— chung aller Umstände nur seyn kann. Mithin würden diese Leute bloß für sich arbeiten kön— nen; da nun aber keiner von ihnen, nach der Voraussetzung, einen unmittelbaren Antheil am Ertrage des Landes hätte, keiner auch er— forderlich wäre um irgend ein Bedürfniß der bisherigen Einwohner zu befriedigen: so könnte auch keiner etwas verdienen, womit er dem zu Hen Poung's Aufsatz. 61 Landmanne seine überflüssige Produkte ab— kaufte. Folglich würden alle diese Menschen wahrscheinlich nichts als eine Schaar Bett seyn, die entweder verhungern, oder aus Mit— leid von den übrigen Einwohnern versorgt werden müßten.— Man lege diese Schluß— folge ja nicht falsch aus: denn sie findet frei— lich nur unter den angenommenen Voraussez— zungen Statt; wird an den Umständen etwas geändert, so muß auch sie anders ausfallen. Es wird nicht viele Engländer geben, die diesen übertriebenen Satz Dangueil's behaup— ten; dagegen finden sich genug, denen der Ackerbau in England noch lange nicht hin— länglich blühend vorkömmt, und welche Vor— schläge über Vorschläge entwerfen, um ihn noch viel höher zu treiben. Weit entfernt zwar, behaupten zu wollen, daß der Ackerbau in England keiner Vervollkommnung mehr fä— hig sei; gestehe ich nur, daß die deshalb ge— machten Vorschläge mir unausführbar schei— nen.— Ich will, um dies zu zeigen, über eine Abhandlung die den Titel führt:»Zu— »stand des Ackerbaues in den Großbritanni— »schen Inseln,« und die Herr Freville im 62 Anmerkungen zweiten Theil der von ihm sogenannten Poli— tischen Rechenkunst aus dem Engländischen übersetzt mittheilt), einige Anmerkungen ma— chen. Der Verfasser dringt hauptsächlich dar auf, daß die ganze tragbare Oberfläche des Königreichs in lauter kleine Portionen getheilt werde, und jede derselben einen eigenthümli— chen Besitzer bekomme. Er nimmt an, daß die Oberfläche Großbritanniens 72 Mill. Engl. Morgen enthalte; er rechnet auf Flüsse, Seen, Landstraßen, Bar 80 e, und ganz. bares Erdreich, 12 Mill. dieser Morgen; und es bleiben ihm daher in England und e land 60 Mill. guten und tragbaren Ackerlan— des übrig. Diese sechzig Millionen will er in kleine Grundstücke, jedes 20 Morgen groß, eingetheilt wissen; und da er jedem Grundstück ») Freville gab seine Arichmétique politique 1775, Haag, in zwei Großoktavbänden heraus. Der erste Band enthält Houng's politische Rechenkanst, von ihm ins Französtiche übersetzt und mit Anmer— kungen begleitet; der andere, zwei gleichfalls über— setzte Engländische Schriften: 1) De Putilité des gran- des Fermes et des f1iches Fermiers, von Arbuthnot, welche der Hr Verf, bald nachher anführt; 2) die hier genannte Schrift Essai sur état present de Pagri- culture des Isles Blitanniques, von einem Ungenannten. A. d. H. 3 8 0 B i zu Hru Young's Aufsatz. 63 einen besondern Eigenthümer giebt, so erhält er hiedurch 3 Mill. Ländereibesitzer. Die Fa— milie eines jeden nimmt er 6 Personen stark . er- teenschen her⸗ an, folglich würden 18 Mill. J auskommen, die sich bloß mit dem Ackerdau beschäftigen. Weil jedoch Verschiedne dieser Ländereibesitzer nicht heirathen würden, so rech net er nur 17 Millionen. Die Bedürfnisse dieser Millionen zu befriedigen, nimmt er noch 8 Mill freie Arbeiter an, welche als Handwerker und Fabrikanten die dem Landmanne nöthigen Waa— ren verfertigen. Und so entsteht eine Summe von 25 Mill. Menschen, die in Großbritan nien seiner Meinung nach füglich leben und ihr Brot verdienen können. Wenn ich auch an der ganzen Berechnung nichts aussetzen wollte, so ist doch die Aus— führung eines solchen Vorschlags unmöglich. Was soll die itzigen Besitzer der Ländereien verbinden, von ihren Grundstücken mehr nicht als 20 Morgen zu behalten, alles übrige aber herauszugeben? Will man sie mit Gewalt aus dem Besitze jagen, so wissen wir ja aus der Geschichte, was ein solcher Vorschlag bei 0 Gelegenheit des Gracchischen Gesetzes für Un— ruhen in Rom verursachte, und wie er unwi⸗ ——— 64 Anmerk kungen dersprechlich den Untergang der Römischen Re— jang publik nach sich zog. Wahrscheinlich würde in England ein solcher Vorschlag eine ähnliche Revolution erzeugen. Wollte man sagen, daß den itzigen Besitzern ihre Grundstücke, die ste nach diesem Plan herauszugeben hätten, be— zahlt werden sollten; so entsteht die natürliche Frage, wer denn bezahlen soll? Die neuen Besitzer müßten aus fremden Ländern herbei— geholte Kolonisten seyn, die gewiß nichts im Vermögen haben, weil sie sonst ihren vorigen Wohnplatz nicht verlassen würden. Der Staat könnte ebenfalls das Geld dazu nicht auftrei— ben. Man rechnet, daß der reine Ertrag ei— nes Engl. Morgens von dem besten Lande jährlich 1 Pf. Sterl. ist; wir wollen ihn aber im 5 nur auf 10 Schill. schätzen. 25 Wenn wir nun in Großbritannien eine Mil— lion Ländereibesitzer annehmen, so müßte der Staat 2 Mill. Grundstücke ihnen abkaufen. Diese 2 Mill. Grundstücke betrügen also 40 Mill. Morgen, deren reiner Ertrag folglich 20 Mill. Pf. Sterl. wäre. Die jährlichen Geld— zinsen zu Fünf vom Hundert gerechnet, müßte demnach der Staat mit einer Summe von 400 Nill. Pf. Sterl. diese Grundstücke von ihren ehma— ü——— ense Untere 1 auf di .— 0 daß) ien; alp, gen, duden bes 6 Legen l. zu Hrn Poung's Aufsatz. 65 ehmaligen Besitzern erstehen. Ja, man rechn nur die Hälfte daven, immer wird es noch unmöglich seyn, eine solche Auszahlung wirk— lich zu leisten. Übrigens lassen sich auch gegen die ganze Becechnung noch sehr gegründete Einwürfe machen. 1) Nach der von King mitgetheilten Berechnung, blieben von 39 Mill. Morgen in England nur at zu Wiesen und Ackerland übrig. Unser itziger Schriftsteller will hinge— gen don 72 Mill. bloß 12 abnehmen, die zum Feldbau nicht zu nutzen wären. Ich kann nicht ausmachen, welcher von beiden Recht hat; aber wegen dieser auffallenden Verschie⸗ denheit verdiente dieser Punkt wohl genauer untersucht zu werden, ehe man einen Plau auf diese oder jene Meinung aufführen woll— te.— 2) Man kann unmöglich behaupten, daß der Boden durchaus in ganz Großbritan— nien gleich gut sei. Wer an der äußersten nordlichen Spitze von Schotland oder über— baupt in den dortigen Gebirgen seine 20 Mor— gen erhielte, kann wohl keinen solchen Ertrag davon erwarten, als wenn er ein eben so gro⸗ ßes Grundstück in den am besten angebauten Gegenden Englands bekommen hätte. Folg⸗ II. E — 66 Aumerkungen lich mögte wohl in vielen Gegenden eine Fa— milie von sechs Personen nicht ihr hinlängli— ches Auskommen von dieser Morgenzahl ha— ben. Man überschlage zu diesem Behuf den möglichen Ertrag von 26 Engl. Morgen. Zehn davon rechne ich auf das Vieh, und zehn bleiben zum Getreidebau für die Men— schen übrig. Die Aussaat auf diese letztere be— trägt 54 Quarter, welche bei mittelmäßigem Boden, der doch in einem ganzen Lande der gewöhnlichste ist, eine fünffache Arnte giebt. Diese bringt also 183, Quarter, wovon(die Aussaat abgezogen) 15 zum Gebrauch des Eigenthümers bleiben. Wenn nung g davon zur eigenen Konsumtion der Familie gerechnet werden, so bleiben 6 zum Verkauf übrig. Man setze den Prei s eines Quarters auf 1 Pf. Sterl., und man lasse den Besitzer noch 6 Pf. von seinem Vieh einnehmen, so hat eine Familie von 6 Personen ihren nothdürf⸗ tigen Lebensunterhalt, und eine jährliche Ein— nahme von 12 Pf. Sterl., um die Abgaben an den Staat und ihre übrige nothwendige Ausgaben zu bestreiten. In diesem ungenom— menen Falle ginge die Sache an. Allein, wenn der Acker die Aussaat nur dreifach wie— 3 zu Hrn Voung's Aufsatz. 67 zu Hrn Poun; ssatz f dergiebt, so bleiben für den Ländereibesitzer 5 nicht mehr als 77 Quarter übrig, und er hat t 7³ also wicht einmal für sich und seine Familie das nöthige Brot. Bei dergleichen magerm Lande fällt auch die vorher angenommene Viehnutzung weg, und folglich ist es einer Familie von 6 Personen unmöglich, allein von 5 1 dieser Stelle zu leben. Man bemerke über— dies: daß bei kleinen Grundstücken die Pferde gänzlich wegfallen, oder wenn ja ein solcher Ländereibestzer ein Pferd halten wollte, daß er dadurch seinen reinen Ectrag sehr vermin— derte; daß in diesem Falle ferner die Schaf— zucht dem Besitzer ohne Nutzen seyn würde, W 1 ten, oder nur mit seinen Nachbarn eine ge— meinschaftliche Heerde haben könnte: wodurch die mit Recht so verhaßten Gemeinheiten ent— stehn würden. 3) Wenn 25 Mill. Menschen in Großbri— tannien leben sollten, so würden sie wahr— scheinlich nicht so viel Fleisch essen können als die itzigen Bewohner, und man würde daher wohl 12 Quarter Getreide auf die jährliche Konsumtion eines jeden Einzelnen, folglich Mill, auf die Konsumtion Aller rechnen E 2 1 2 68 Anmerkungen können. Sollen nun die, nach der Angabe unsers Schriftstellers, zum Kornbau bleiben— den 30 Mill. Engl. Morgen obige Summe Getreides erzeugen; so käme, nach Abzug der Saat, auf jeden Morgen im Durchschnitt 14 Quarter: folglich müßte, die Aussaat eines Engl. Morgens zu 3 Engl. Scheffeln gerech— net, 45 Körner gewonnen werden, um nur das nöthige Getreide für die Menschen zu haben. Eine solche reichliche Arnte ist aber gewiß nicht in allen Jahren zu erwarten; welche klägliche Folgen müßten also nicht durch Mißwachs oder Wetterschaden entstehn! Und wo soll das Hartfutter für die Pferde herkom— men; oder will man dieser nützlichen Thiere gänzlich entbehren?— 4% Unser Autor sagt an einem andern Orte seiner Schrift, daß jährliche Konsumtion von Weizen in ganz England auf 3 Mill. und 880000 Quarter ge— schätzt werde. Dies hält er für den mittlern Ertrag von einer Mill. und 600000 Engl. Morgen, und macht daraus folgenden Schluß: Wenn 1600000 mit Weizen besäete Morgen 6 Mill. Menschen den nöthigen Weizen verschaf— fen, so braucht man nicht mehr als 6 660 Morgen, um den nöthigen Weizen für 25 M. zu Hrn MPoung's Aufsatz. 69 Menschen zu erhalten. Allein das folgt mei nem Bedünken nach gar nicht. Nicht jeder Acker ist geschickt Weizen zu tragen. Wenn sich alfo auch 1600000 Morgen in England finden, auf denen mit dem hier angezeigten Gewinn Weizen zu bauen ist, so wird er dar— um noch nicht auf vier oder mehr mal so vie— len Morgen mit eben so großen Vortheilen 8 werden. Überdies brauchen die 6 M. Menschen, die anitzt in England sind, mehr als bloßen Weizen. Wir haben vorher nach King's Ausrechnung gesehn, daß sie den Er⸗ trag von 9 Mill. Morgen Ackerland und von 12 Mill. M. Wiesenland verzehren, und bei einer reichlichen Arnte von diesem ganzen Er⸗ trage höchstens 15 Monate leben können. 4 Wenn nun 25 Mill. Menschen auf gleiche . leben sollen, so müßten sie 87 Niill. en so gut angebauter und benutzter Morgen bekommen. Sind also in Großbritannien nur 60 Mill. Morgen nutzbares Land vorhanden, so würden zum vollkommmnen Unterhalt der geforderten Menschenzahl noch 27 Mill. Mor⸗ gen fehlen; oder es müßte der ermangelnde Ertrag dieser Morgen durch eine fruchtbarere Bearbeitung des übrigen Landes ersetzt werden. 70 Anmerkungen 7 Ob dies im Ganzen möglich sei, überlasse ich der Beurtheilung besser unterrichteter Land— wirthe. Genug, daß ich die mangelhafte Übereinstimmung des Resultats der Berech— nung, mit den Datis welche dieser politische Rechenmeister selbst angiebt, gezeigt habe. Meinem Bedünken nach, kann man den Ackerbau so gut als alle übrige menschliche Beschäftigungen übertreiben. Solange die Einwohner eines Landes noch nicht hinlängli— ches Getreide im Lande finden, solange man einen sichern Absatz von dem Überfluß des er— zeugten Getreides weiß; ist, nichts vernünfti— ger, nichts nothwendiger, nichts lobenswürdi— ger, als den Anbau desselben auf alle mög— liche Weise aufzumuntern, und von Zeit zu Zeit immer zu vermehren. Sobald aber die eigenen Einwohner das nöthige Getreide für einen den Umständen des Landes angemesse— nen Preis genießen, und kein auswärtiger Absatz für eine noch größere Menge zu er— warten ist; würde man im Grunde dem Ak— kerbau mehr schaden als nützen, wenn man ihn noch höher triebe. Es ist damit wie mit jeder andern Fabrik. Will man sie nach ver— nünftigen Grundsätzen anlegen, so untersucht man nem mun licht einer sclec ic and⸗ hafte ufti⸗ irdi⸗ nöge füt iesse⸗ tiger zu Hru Poung's Aufsatz 71 man vorläufig den wahrscheinlichen Absatz, den die Waaren bald Anfangs finden dürf⸗ ten; dem gemäß bestimmt man die Anzahl der Arbeiter, und der Stühse, imgleichen die Menge des einzukaufenden rohen Stofs; kurz, dieser Absatz ist der Zirkel der die Gränzlinie der Fabrik bestimmt. Wollte man bloß dar— auf sehn daß viel Waaren verfertigt würden, den Absatz aber dem Zufall überlassen, so würde man wahrscheinlich den Untergang Fabrik bewirken. Freflich verfuhr man bei deren Anlegung unzähligemal nach solchen un— vernünftigen Grundsätzen; allein der Erfolg davon war auch gemeiniglich, daß entweder eine ungeheure Menge Waaren unverkauft blieb, und die Fabrik von selbst aufhören mußte, oder daß man dem Fabrikanten ein Monopol ertheilte, um seinen Waaren Absatz zu verschaffen. Ich will hier nicht entscheiden, wie weit man den Ackerbau vernünftiger Weise in ei— nem Lande treiben muß; folgende Bestim— mungsgründe scheinen mir aber ungefähr die richtigsten zu seyn. Gesetzt, es zeigt sich nach einer genauen Untersuchung, daß bei der schlechtesten Arnte, die in einem Mißjahre 72 Anmerkungen noch zu erwarten feine die Einwohner neun Monate nothdür rftig, obgleich sparsamer als sonst, leben könnten; so ist das Land für ge— sichert gegen Theurung und Hungersnoth zu halten, wenn der Ackerbau darin so hoch ge— trieben ist, daß eine reichliche Arnte den vol— len nöthigen Unterhalt auf 15 Monate ver— schaft Denn wenn nun auch eine der schlech— testen erfolgte, so wäre doch noch Vorrath ge⸗ nug für die Einwohner gewachsen. Nur müßte man auch hier schon einen auswärtigen Absatz für den jährlichen llberschuß haben. Denn ohne diefen, bliebe 1 wahrscheinlich der Acker— bau nicht lange auf der angenommenen Stuse der VBollkommenheit— r kommen jet zu den Vortheilen, welche England durch die auf die Getreideausfuhr bewilligte Prämie erhalten hat. Der haupt— sächlichste besteht darin, daß der Landmann veranlaßt worden ist, den Ackerbau auf den möglich nutzbarsten Grad zu treiben. So— lange in England die Einfuhr des fremden Getreides erlaubt, die Ausfuhr des inländi— schen aber verboten war, konnte es dem Land— manne nicht der Mühe werth scheinen, viel Halte zu Hrn Voung's Aufsatz. 7³ — A Geld auf die Verbesserung seiner Acker zu ver— wenden. Er mußte befürchten, daß eben die— ses Vorschusses wegen, er auf den Kornmärk— ten die Konkurrenz der Fremden nicht aus— halten könnte, 8 die Zinsen des zur Ver— besserung des Ackerbaues verwandten Kapitals verlieren würde; mithin vermied er alle zur Erreichung dieser Absicht nöthige Ausgaben. Sobald aber die Einfuhr des fremden Getrei— des verboten war, überzeugte sich der Englän— der, daß es ihm nicht mehr an Absatz sehlen würde wenn er auch eine größere Menge von Getreide erzeugte; weil der Preis desselben, da die Konkurrenz des ausländischen wegfiel, nun jedesmal den Umständen des Landes an— gemessen seyn würde. Itzt wagte er ein Ka— pital an die Verbesserung seiner Landwirth— schaft, in der Aussicht, es mit der Zeit nebst den Zinsen gewiß wieder zu gewinnen,— Wäre das Parlament hiebei stehen geblieben, so würde wahrscheinlich auch der Landmann „ nicht weiter gegangen seyn, als alles im Lande erforderliche Getreide anzubauen. Nie hätte der Engländer daran. sein Ge— treide nach Holland, Frankreich, Portugal und Spanien zu führen; es war ihm ja leicht zu 74 Anmerkungen berechnen, daß alle diese Länder das ihnen fehlende Getreide wohlfeiler aus der Ostsee, oder auch aus Sizilien und der Barbarei, als von ihm, bekommen könnten. Nach dem aus— gemacht richtigen Grundsatz, daß man nicht mehr Getreide in einem Lande anbauet als sich im Lauf eines Jahres absetzen läßt, mußte also der Engl. Getreidebau auf die bloße Kon— sumtion eingeschränkt bleiben. Das Parla— ment sah die Richtigkeit dieses Räsonnements ein; nicht genug daher, die Einfuhr des frem— den Getreides zu verbieten, und die Ausfuhr des inländischen zu erlauben, bewilligte es auch eine Prämie auf die Ausfuhr des letzte— ren. Nun ward der Fleiß des Landmanns neu belebt. Er konnte, vermittelst dieser Prä— mie, auf den auswärtigen Marktplätzen die Konkurrenz der übrigen Kornverkäufer aus— halten, wendete folglich noch größere Sum— men an die Verbesserung seiner Felder; und so ward in England nicht nur so viel Ge— treide angebaut als man überflüssig im Lande brauchte, sondern auch noch darüber, so viel als auf den auswärtigen Marktplätzen abzu— setzen möglich war. Die noch höhsre Verbes— serung des Ackerbaues hing itzt demnach von —Z——ẽ!i!—— 2 zu Hrn dem auswärtigen Absatze des Getreides ab. Je größer dieser geworden wäre, destso eifri— ger hätte man sich im Lande bestrebt, die Menge des erzeugten Getreides zu vermehren; je geringer er blieb, desto weniger würde man auf Erweiterung des Getreidebaues gedacht haben. Kurz: wenn Englands Einwohner jährlich 6 Mill. Quarter verbrauchen, und wenn der auswärtige Getreideabsatz 1 Million im Durchschnitt beträgt; so hat die Parla— mentsakte durch ihre Prämie den Ackerbau in England so befördert, daß man daselbst in einem gewöhnlich guten Jahre 7 Mill. Quar— ter Weizen Roggen und Gerste gewinnt, die Aussaat ungerechnet. Der Ackerbau wird also in England— wie allenthalben, wo Absatz ist; und die Ein— wohner Geld und Spekulationsgeist haben— stets in Verhältniß der innern Konsumtion und des auswärtigen Absatzes ab- und zu— nehmen. Könnte das Getreide nicht verkauft werden, so müßte der übrigbleibende Vorrath verderben, mithin wird der Getreidebau sehr bald sich danach beschränken. Wenn hingegen der Engl. Raufmann auf mehrere Jahre einen stärkeren auswärtigen Getreideabsatz voraus— 76 e sähe, und seine Beste ng danach vergrößerte; so kann man überzeugt ser yn, daß diese Spe— kulation auf den Getreidebau in England wir— ken, und der Landmann den verlangten Vor— rath, solange nur noch die Möglichkeit Statt findet, gewiß herbeischaffen wird. Gesetzt al— so, daß durch die noch immer fortwährenden Polnischen Unruhen der Getreid ehandel sich von Danzig wegwendete; so würden die Eng— länder davon zu gewinnen suchen, der Korn— bau in Polen hingegen um so viel schlechter werden. Die Getreideausfuhr von Danzig ist, im Durchschnitt genommen, jährlich 20 000 Lasten groß gewesed Könnten die Engländer diesen ganzen Handel an sich ziehen, so zweifle ich keinen Augenblick, daß sie diese 20 0οο La sten mehr als vorher in ihrem Lande anbauen würden; erhalten ste aber nur die Hälfte oder den dritten Theil dieses Absatzes, so wird ihr Getreidebau sich um diesen Theil vermehren. Gesetzt auf der andern Seite, daß die Fran— zosen sich fleißiger auf den Ackerbau. legten; oder daß die Dänen, die Russen, die Polen, die Liefländen, in der Folge den Engl. Kaufmann von den andern vorhin genannten auswärti— gen Korumärkten durch wohlfeilere Preise ver— ander Mach Mach . zu Hru Poung's Aussatz. 77 drängten: so müßte entweder das Parlament die Prämie vergrößern, oder der Ackerbau in England würde vernachlässigt werden. Die Erfahrung in England seit dem J. 1737 bestätigt offenbar die Richtigkeit dieses Räsonnements. Moung erzählt, daß zwischen 1757 bis 1772 zehn Jahre hindurch die Aus— fuhr des Getreides verboten war. Ich glaube mit ihm, daß dies so viele Jahre hinter ein— ander fortgesetzte Verbot dem Ackerbau vielen Nachtheil zufügte. Der Kaufmann konnte nicht mehr auf den auswärtigen Kornhandel spekuliren; folglich wurde der Absatz des Ge— treides dem Landmanne erschwert, der also lieber seinen Fleiß auf Erzeugung andrer Pro— dukte verwendete. Der Erfolg mußte seyn, wie er es auch war, daß wirklich in England weniger Getreide angebaut, und dies, je län— ger das Verbot daurete, desto seltener wurde. Mit Recht tadelt daher Poung das Betragen der Regierung, zumal da er zeigt, daß der Mittelpreis des Weizens von 1757 bis 1772 auf dem Markte zu Windsor nicht höher als 44 Schill. vom Quarter gewesen, und daß von 1698 bis 1714, wo der Mittelpreis auf eben diesem Markte einen Schilling höher * stand, die Ausfuhr nie verboten sei. Da nun durch die Parlamentsakte vom J. 168g be— stimmt worden, daß die Ausfuhr und die dar— auf bewilligte Prämie nicht eher aufhören soll⸗ ten als bis das Quarter Weizen 48 Schill. Y 0 gölte, so ist Young's Urtheil um so gegrün— deter, daß die Regierung in der letzten Zeit ohne Grundsätze zu Werke gegangen ist d 15 8 1dge zu 2 de gegangen ft, und sich bloß durch das Geschrei eines müßigen und unwissenden Pöbels Ergreifung nach— theiliger Maaßregeln hat verleiten laffen. Er führt selbst an, daß man beinahe schon in England das ganze so sehr zum Nutzen des Ackerbaues gereichende Gesetz vergessen hätte; und er lobt die von dem Guvernör Pownall 9 vorgeschlagne Akte unter andern auch deswe— gen, weil dadurch die Prämie von neuem 10 die Getreideausfuhr be willigt worden, und e so der schon berloren ge gangene Getreid 3 del wieder von neuem entstehn würde. Alles, dies bestätigt meine porhin vorgetragene Grundsätze. Man verschaffe einem Lande ei— nen größern Getreideabsatz als es bisher ge— ibt hat, und der Ackerbau wird sich in die— sem Lande gewiß aufnehmen. * Dies erklätt auch den scheinbaren Wider— Faun fen killer 0 berka, Rehn 8 e zu Hr Moung's Aufsatz. 79 spruch, daß nach der oft erwähnten Parla— mentsakte die Getreidepreise gefallen, und im Ganzen immer vortheilhaft 1 gewe⸗ sen sind. Denn weil nach diesem Zeitpun't ungleich mehr Getreide in England erzeugt wurde als vorher, und es sowohl zur inlän— dischen Konsumtion als zum auswärtigen Ab— hinreichte: so mußte zwischen den Verkäu— fern eine Konkurrenz auf den Kornmärkten entstehn; und die Kaufleute die das Getreide die Fremde führen wollten, und dabei sehr gut berechneten wie hoch sie es im Lande ein— kaufen konnten um es vortheilhaft zu verkau— fen, wurden dadurch Meister des Preises. Wollten die Landleute das Getreide nicht um den von den Kaufleuten festgesetzten Preis ver— äußern, so konnten diese nicht kaufen, und es blieb daher jenen liegen, Der Preis des Kaufmanns war indeß auch nicht zu niedrig, „ 2 da er vermittelst der bewilligten Ausfuhrprä— 2 mie, 5 Schill. auf das Quarter Weizen mehr ** geben konnte. Der Landmann fand daher bei dem vom Kaufmann bewilligten Preise noch einen Ersatz seiner gethanen Vorschüsse; er verkaufte also sein Getreide, und baute die nehmliche Menge im folgenden Jahre von 80 Anmerkungen neuem.— Das Parlament nahm im J. 1689 zur Basis den Mittelpreis des Weizens in den vorhergehenden 48 Jahren an, und die— ser war 2 Pf. Sterl. 10 Schill. 8 Pf.; es be⸗ stimmte hienach, daß die Ausfuhr des Wei— zens und die darauf bewilligte Prämie so lange gelten sollte, als ein Quarter Weizen nicht über 48 Schill.(oder 2 Pf. 8 Schill.) bezahlt würde. Da nun, Dangueil's Zeugniß zufolge, der Mittelpreis des Quarters von 1689 bis 1752 nur 2 Pf. 2 Schill. 6 Pf. ge⸗ wesen ist, so beweistt dies augenscheinlich daß das Getreide durch Bewilligung dieser Prämie wohlfeiler geworden. Und daß der Landmann bei diesem geringern Preise hat bestehen kön— nen, sieht man daraus, weil der Ackerbau in diesem ganzen Zeitraume statt abzunehmen, vielmehr noch immer zugenommen hat. Es läßt sich ferner nicht läugnen, daß diese Akte einen beständigern und gleichför— migern Preis, als bisher, bewirkt hat. Denn wenn gleich die Witterung allerdings einen sehr wesentlichen Einfluß auf die Arnte äu— ßert, so ist doch immer gewiß, daß, wenn der Ackerbau in einem Lande nach richtigen Grundsätzen und nach einer der Beschaffenheit des 0 l zu Hrn Noung's Aufsatz. 81 des Bodens angemessenen Methode bettieben wird, eine nachtheilige Witterung nicht solche schreckliche Folgen nach sich ziehe, als man gemeinhin glaubt. Die Acker sind, in einem Lande von einer nur einigermaßen beträchtli⸗ chen Größe, von so verschiedener Natur, daß die Witterung welche dem einen nachtheilig ist, gerade die Fruchtbarkeit des andern be⸗ fördert. Dieser Acker verlangt trockene, jener nasse; dieser warme, jener kühle Witterung. Dem zufolge ist der Mißwachs nie oder doch nur höchst selten ganz allgemein; und wenn hier und da die Aente nicht geräth, so ist desto mehr Überfluß an andern Stellen. Be arbeitet daher jeder Landwir rth seinen Acker, wie es die Nater desselben erfordert, und Vernunft und Erfahrung die Regeln dazu an⸗ geben; so wird im ganzen Lande beinahe d durch— aus immer die nehmliche Menge Getreide er— zeugt werden. Dadurch findet auch nothwen— dig ein durchaus gleicher und beinahe bestän— diger Getreidepreis Statt. Indem nun die Parlamentsakte die Veranlassung zu einem verbesserten und erweiterten Getreidebau in England war, so mußte sie auch eine gewisse Beständigkeit des Kornpreises bewirken. 1 8 77 82 Anmerkungen Dangueil erwähnt noch andre Vortheile Englands aus der Bewilligung der Ausfuhr— prämie, die ich hier anzeigen und mit einigen Anmerkungen begleiten will. Er sagt:»Eine »vortrefliche Wirkung der Ausfuhrprämie be— »steht darin, daß England durch den vohl⸗ »feilen Preis des Getreides, die Länder welche „wie Frankreich, das Getreide nicht so höchst »nöthig brauchen, dahin bringt, daß sie den »Ackerbau liegen lassen. Ein höherer Preis »würde ihnen unstreitig die gute Lehre geben »sich selbst auf den Ackerbau zu legen; und »durch die Noth, würde auf ihre Faulheit, »die den Engländern so einträglich ist, der »Fleiß bei ihnen folgen.« Ich glaube aber daß Dangueil in diesem Nälonnement irrt. Ich gebe zu, daß der Ackerbqu nicht lleißig genug in Fraykreich getrieben wird, auch, daß die Engländer von dieser Nachlässigkeit der Franzosen ansehnliche Vortheile genießen, in— dem sie dadurch den sichern Absatz eines ge⸗ wissen Theils ihres Überflusses erhalten. Nur, daß die wohlfeilen Getreidepreise in Eng— land, die Franzosen zu Vernachlässigung ih— res Ackerbaues verleitet hätten, kann ich nicht zugeben. Es ist hier keineswegs meine Ab— zu Hru Poung's Aufsatz. 83 sicht, die Gründe aufzusuchen warum der Ak— kerbau in einem von Natur so fruchtbaren Lande als Frankreich, nicht höher gerrie wird; auch ist über diesen Punkt so viel ge— schrieben worden, daß sich kaum etwas neues sagen läßt. Inzwischen sei es mir erlaubt, hier noch einen Umstand zu berühren, der zu Bestätigung meiner vorhin angezeigten Grund— sütze dient. Ich glaube nehmlich, daß Colbert große Schuld an der kläglichen Beschaffenheit 5 kerbaues—— an kroich 12 Jioso Mi- Des Acketbaues in Frandcelich had. Dleser ti 5— 71+. 223 E* 1 nister wollte schlechterdings Fabriken und N nufakturen auf den höchsten Gipfel der Voll kommenheit bringen, er suchte also dem Fa— brikanten und Handarbeiter die Lebensmittel für den möglich kiedrigsten Preis zu verschaf— fen. Er verbot zu diesem Eude die Getreide— ausfuhr, erschwerte selbst die Verführung des Getreides aus einer Provinz in die andre, und schnitt auf die Weise dem Landmann al— len möglichen Absatz des durch eine gesegnete Arnte erhaltenen Überflusses ab. Die Korn⸗ preise mußten also natürlich so fallen, daß der Landmann es nicht mehr der Mühe werth hielt die vorige Menge von Getreide anzu— bauen. Der Erfolg war Verfall des Acker— 3 5 2 2227 84 Anmerkungen baues, Getreidemangel beim geringsten Miß— wachs, Theurung, und wirkliche Hungersnoth. Hätte Colbert nach dem Beispiel der Englän— der gesucht, dem Landmann einen größern und zuverlässigen Getreideabsatz zu verschaf— fen, so würde der Erfolg davon der nehm— liche als in England gewesen seyn. Der Ak— kerbau hätte geblüht, und das Getreide wäre wohlfeil geworden. So wahr ist es, daß in der Staatswirthschaft der Erfolg einer An— stalt oft gerade das Gegentheil von dem be— wirkt, was man eigentlich hat hervorbringen wollen. Dangueil führt, unter den ferneren Vor— theilen die der Ackerbau in England durch die Ausfuhrprämie erhalten hat, an: daß seit die— ser Zeit fast überall die Gemeinheiten und ge— meinschaftlichen Viehweiden aufgehoben wor— den. Seit dem J. 1689, sagt er, hat das Parlamegt jährlich 35 und mehr Verordnun— gen enlen, welche die Umzäunung und Ein— schließung der Gemeindefelder erlauben. Seit dieser Zeit sind also die vordem offenen Fel— der mit Graben umgeben, und durch Hecken in kleinere Plätze eingetheilt; kurz es sind die sogenannten Koppeln eingeführt worden. So berschaf⸗ nehm⸗ er Ak⸗ 1 e war daß in er An⸗ 1 12 em be⸗ bringen nd ge⸗ u wor⸗ hat das zu Hrn Moung's Aussatz. 85 weit hat Alles keine Schwierigkeit. Wenn aber Dangueil behauptet, daß ein eingekop— peltes Land noch einmal so viel Einkünfte bringe als ein offenes, so ist das gewiß wie— der übertrikben. Poung macht in seiner Po— litischen Rechenkunst) von dem Ertrage ei— nes Engl. Morgens nach beiderlei Behand— lungsart folgenden Überschlag: Offenes Feld. Weizen, in die Brache gesäet, 2 Quarter, das 2 Qr. zu 50 Schill.— 6 Pfd. 5 Schill. o Pf, Gerste, als die zweite Frucht, 2g Qr., jedes zu 30 Schill.—— 3— 25ĩͤK4„— Einkünfte in 3 Jahren ro pPföo.———— Jährliche Einnahme— 3— 6— 8— »Eingezäuntes Feld. Turnips——— 1 Pfd. 15 Schill. o Pf. *— 22 Gerste, 4 Or. zu 30 Schill. 6— 2—— Klee 4— H——— Weizen, 30x. zu 50 Schill. 7— 10—— Einkünfte in 4 Jahren 19 Pfd. 5 Schill. o Pf. *) Erstes Buch, gter Abschnitt. 86 Anmerkungen Jährliche Einnahme 4 Pfd. 16 Schill. 3 Pf. Obige Einnahme war 3— 6— 8— Überschuß der Einnahme von einem eingezäun— ten Morgen—— 1 Pfd. 9 Schill. 7 Pf. houng, der doch gewiß den Vor— zug der Koppeln auf alle Art zu erweisen sucht, setzt also(wie man sieht) die Einnah— me von einem eingezäunten Felde verhältniß— weise gegen die von einem offenen, lange so hoch nicht an als Dangueil. Da aber Young bei dieser Berechnung die ganze Nutzung der Brache wegläßt, die doch selbst als Viehweide mit in Anschlag gebracht werden muß, so wird dadurch der Unterschied noch kleiner. Weit entfernt, hiemit die Vorzüge der Kop— peln zu läugnen oder zu verringern, wollte ich bloß auf die hyperbolischen Übertreibungen aufmerksam machen, deren wir schon zwei im Dangueil angetroffen haben, und die bei ei— nem so angesehenen Schriftsteller Unwissende zu ihrem und vielleicht auch zu Anderer Nach— theil leicht zu Irrthümern verführen können. In Absicht der Koppeln, muß ich gleich noch einen Fehler bemerken den Dangueil be— zu Hru Young's Aussatz. 87 geht. Er behauptet nehmlich, daß ihre Be— arbeitung eine größere Menge Menschen er— fordere, als die Bearbeitung offener Felder; welches nach dem Zeugniß aller Wirthschaft— verständigen falsch ist. Man kann auch leicht den Grund davon einsehn. Wenn bei jener Wirthschaft nur die Hälfte oder gar nur ein Drittheil des Feldes mit Getreide besäet wird das übrige aber zu Futter für das Vieh bleibt bei der gewöhnlichen hingegen zwei Theile des Feldes mit Getreide besäet werden und nur ein Drittheil brach liegt: so muß man mehr Menschen zu dieser letztern brauchen als zu der ersten.— Dem Übrigen, was Dangueil sagt, gebe ich meine völlige Zustimmung. Wir wollen itzt auch die Gegner der auf die Getreideausfuhr 7 willigten Prämie hören Die von dem Parlament im J. 1689 in Ab— sicht der Getreidepolizei ergriffenen Maaßre— geln gründen sich zwar so ganz eigentliche auf die wahren Grundsätze einer gesunden Staats— wirthschaft, sind dem Zustande von England so angemessen, und können einen so glänzen— den Erfolg aufzeigen, daß ich noch keinen Schriftsteller gefunden habe, der sie unmittel— 88 Anmerkungen 4 bar oder geradezu hätte tadeln wollen. J 8 deß findet man doch Einwend ungen, die ge⸗ gen den einen und den andern Punkt dieser Verfügung gerichtet find, um die nachtheili— 3 di gen Folgen anzuzeigen, die daraus entstehen 8 könnten. H auptsächlich hat man zwei Punkte angegriffen: nehm lich die Bewilligung einer Prämie auf die Ausfuhr, und das Verbot 2 der Einfuhr fremden Getreides. Zuerst die Erinnerungen gegen die Aus— I.»Sollte eine schlechtweg bewilligte freie Getreideausfuhr nicht noch 95 seyn »als diese mit der Ausfuhr verbundene Prä⸗ »mie? Sie vermehrt doch immer die von dem Volke zu entrichtenden Abgaben: und »da jede Abgabe zuletzt, wenn man auf den »Grund geht, von den Länd ereibesitzern ge— tragen wird, so wird dadurch der ganze Er— »trag der Arnte vermindert, indem dies zur „Auszahlung der Prämie abgeführte Geld mit »weit größerm Nutzen auf die Verbesserung „und Erweiterung des Ackerbaues hätte ver— „wandt werden können.— In diesem gan— zen Räsonnement herrscht Verw virrung und Un⸗ deutlichkeit. 1) Die Taxen in England sind 3 — * zu Hru Noung's Aufsatz. 89 dieser Ausfuhrprämie wegen nicht erhöht wor— den, sondern sie wird von der gewöhnlichen Einnahme der vorher schon festgesetzten Zoll— abgaben mit bestritten. Das Volk würde al— so eben die Taxen entrichten, wenn auch keine Ausfuhrprämie bewilligt wäre; höchstens könn— te man sagen, daß sie die 3 innahme ver— mindere, und folglich einen stärkeren Wachs— 5 thum des zu Tilgung der d bestimmten sinkenden Fonds hindere. Sollte nun der Beweis, daß ein wahrer Nachtheil für die Nation daraus entstehe, geführt wer— den; so müßte man erst ausmachen, obs es vortheilhafter sei die Schulden jährlich um 200 O00 Pf. Sterl. mehr zu vermindern, als wieviel im Durchschnitt ungefähr die Prämie beträgt, oder mit Aufopferung dieser Summe sich eine vielleicht sonst unmögliche Ausfuhr von einer Million Quarter Getreide zu ver— chaffen. Überdies ist es, nach dem Zeugniß 9 0 2 3 einsichtvoller Engländer, offenbar falsch, daß die Auszahlung der Ausfuhrprämie die Zoll— einnahme verringert. Denn, weil für das ausgeführte Getreide viele andre ausländische 518 Waaren, welche starke Abgaben bei dem Zoll entrichten müssen, eingekauft werden, so ge— 90 Anmerkungen winnt die Zollkasse jene Prämie mit Wucher wieder. Wollte man dagegen sager , daß auch ohne jene Prämie die fremden Waaren doch würden eingeführt werden; so läßt sich dies theils bezweifeln, theils we an man es auch zugiebt, leicht zeigen, daß ohne die durch die Prämie bewirkte Getreideausfuhr sodann eine für England nachtheilige Balanz nothwendig erfolgen müsse. 2) Den Satz, daß alle Taxen zuletzt von den Ländereibesitzern bezahlt werden, lasse ich für itzt unberührt. Vielleicht finde ich an ei— nem andern Ort Gelegenheit, dieses so be— rühmte Axiom der Französischen Okonomisten zu zergliedern, und das meiner Meinung nach darin befindliche Wahre, Irrige, und Unbe— stimmte zu untersuchen. 3) Wenn aber auch wirklich die Ländereibesitzer die ganze Ausfuhr— prämie bezahlen müßten, so würde daraus kein beträchtlicher Nachtheil für den Ackerbau entstehn; noch dadurch, daß dies Geld der Landwirthschaft entzogen wird, der Ertrag der Arnte auf eine nur einiger rmaßen merkliche Art 3 rin der e 7— 5 FA! Z Rr bermindert werden. Die Prämie beträgt jähr— Ii 1 7 HB Muf er F 5 d lich im Durch chnitt ungefähr 200 000 Yfd. Sterl.; ich will aber sogar 300 000 Pfund an— Morgen 1 theils Ack N 0 e zu Hru Young's Aussatz. 91 nehmen. Nun sind nach der oben von King mitgetheilten Berechnung in England 21 Mill. r- theils Wie⸗ senland. Folglich wenn die Besitzer dersel— . ben jährlich diese Summe aufbringen sollen, so geben 70 Morgen ein Pfund, und auf j den Morgen kömmt eine Abgabe von noch nicht viertehalb Pfennigen Sterling. Was für Verbesserungen soll wohl der Landmann mit einer so unbedeutenden Kleinigkeit unter— nehmen? und kann man vernünftiger Weise 78 E 7 19 N FRN 2 den Gedanken hegen, daß die Land wirthschaft sich merklich erweitern würde, wenn die Be— sitzer jährlich auf jeden Engl. Morgen unge— fähr zwei Groschen Preußischen Geldes mehr einnähmen? 4) Der Hauptpunkt bei dieser ganzen Sache ist nicht: ob die bewilligte Prämie eine Erhö— noch: ob e hung der Taxen nach sich 4 9 2 N— 1 Neor*— 1 7* allein von den Ländereibesitzern getragen werde gene Geld zu andern Zwecken hätte genutz werden können; sondern: ob ohne Bewilli— gung dieser Prämie überhaupt eine Getrei ausfuhr möglich gewesen wäre. Soll ein Land vor Theurung und Hungersnoth gesichert seyn, jeh noch: ob das dem Landmanne dadurch entzo— 8 1 4 92 Anmerkungen so muß in gewöhnlichen Jahren mehr Getreide daselbst erzeugt werden, als es zu seiner eige⸗ nen Konsumtion braucht. Dieser Überfluß darf aber dem Landmann nicht liegen bleiben, son— dern muß in der Fremde bei den Nationen welche Mangel an Getreide haben, verkauft werden können. Wenn nun der Getreidepreis in diesem Lande so hoch ist daß die Kaufleute dabei auf den auswärtigen Märkten nicht be— stehen können: so muß entweder die Getreide— ausfuhr wegfallen, und alsdann hört auch der stärkere Getreidebau auf, oder man muß eine solche Prämie auf die Ausfuhr setzen, daß der Kaufmann in der Fremde die Konkurrenz an— drer Kornverkäufer aushalten kann. Ist nun dies der Fall von England, so muß man die Weisheit dieser Maaßregel des Parlaments ohne Widerrede eingestehn. Ein Engländer kann sein Getreide so wol hlfeil nicht geben als ein Pole, Preuße, Liefländer, und Russe. Er wird es daher auf keinem auswärtigen Markt— platze los; und folglich bleibt der Getreidebau England auf die inländische Konsumtion eingeschränkt: das heißt, die gewöhnliche Arnte liefert dort nicht mehr als die Einwohner im Laufe eines Jahres brauchen. Findet sich ein⸗ fl zu Hru Moung's Aufsatz. 9³ mal der geringste Ausfall, so entsteht eine über— mäßige Theurung. Findet sich hingegen eine reichliche Arnte, so fällt der Getreidepreis so sehr daß der L Landmann gar nicht bestehn kann. Auf die Weise erfolgen alle. und Zerrüttungen, die man in den Ländern bemerkt, wo keine feste Grundsätze in Absicht der Ge— treidepolizei sind. Eine hinreichende Prämie auf die Ausfuhr aber setzt den Kaufmann in den Stand, das Getreide in die Fremde zu verführen; der Landmann, der dadurch einen sichern Absatz seines Überflusses hat, bauet mehr Getreide an, als das Land braucht; und hieraus erwachsen die vortheilhaften Folgen, deren bereits gedacht worden ist. 5) Die Engländer bezahlen jährlich an ihre eigene Kaufleute eine Summe von 2 bis Zmal hundert tausend Pf. Sterl., um damit anderthalb Millionen Pfunde von fremden Nationen zu gewinnen, welchen Gewinn sie sonst nicht gemacht hätten, weil der Kauf— mann niche im Stande gewesen wäre das Getreide zu verkaufen. Wer kann in diesem Geschäfte eine übel angebrachte Ausgabe, eine unnütze Verschwendung, eine unnöthige Erhö— hung der Auflagen oder eine dem Ackerbau 94 Anmerkungen 8 20 nachtheilige Bedrückung des Landmanns decken? Die zwei Groschen, die der Länderei— besitzer vielleicht von jedem Morgen beiträgt um die Ausfuhrprämi„ werden der 1 und selbst dem Le ne, wenn man die Sache im e nimmt, mehr als hunden rtfältig ersetzt. 00 Wäre es möglich, daß der Eng anitzt sein Getreide nach Holland, Frankreich und Portugal eben so wohlfeil liefern könnte 1411 — als der Pole, der Ri isse, und der Amerikaner; mie von so würde allerdings die Ausf uhrpré nun an überflüssig seyn. Aber durchaus war sie dies nicht von Anfang an; denn ohne sie würde in England wahrscheinlich der K if⸗ mann nie daran gedacht haben, Getreide aus— zuführen, weil ihm die Vortheile der übrigen Kornhändler bei dem Verkauf gar zu überwie— gend vorkommen mußten; folglich wäre auch nie der Ackerbau in die blühenden Umstände gekommen, worin er seit Ben zilligung der Prämie und durch diese Bewilligung versetzt worden ist. II.»Die Prämie verursacht zuweilen dem „Staat eine ganz unnöthige Ausgabe, und »man hätte sie daher nicht auf alle noch so zu Hru Young's Aussatz. 95 »niedrige Preise und auf alle Zeiten bewilli— »gen, sondern vielmehr bloß auf gewisse Preise „und Umstände einschränken sollen. Die Be— »willigung mußte nicht fortdauernd seyn, son⸗ dern jedes Jahr von dem Parlamente ent— »weder bestätigt oder aufgehoben werden.« Um diese Meinung zu begründen, beruft man sich auf zwei Fälle, in welchen die Auszah⸗ lung d der Prämie offenbar! unnöthig ulld nach— Bla Der. ef gz. 5 theillg sei.»Oer erste w krifk ein, wenn »das Getreide in Engla— wohlfeiler ist, als »in den andern Ländern welche Korn ausfüh ren. Dann reicht der bloße( Hewinn bon 8 E 5 5 Worro 14 f 7 »dem Verkauf des Getreides schon hin, den »Kaufmann zu diesem Handelszweige zu be— »wegen. Warum soll man ihn noch dazu be— »lohnen? Der andre Fall ist, wenn das Ge— ö f. 5. 770 »treide in England beinahe den höchsten Yreis 8 5 »hat wobei eine Prämie Statt findet, und es »zu eben dieser Zeit in Danzig oder Hambur »sehr wohlfeil ist. Denn alsdann kann der »Kaufmann dort das wohlfeile Getreide ein— »kaufen, es heimlich nach England bringen »und sich hienächst die Prämie bei der Aus— »führung dieses fremden Getreides bezahlen vlassen. 90 Anmerkungen Diese Einwendung läßt sich durch Fol— gendes e 1) Sie ist nicht eigent— lich gegen die Maximen gerichtet, die bei der 1 te bom J. 1689 zum Grunde lie— gen, sondern sie zeigt nur ein paar dabei mög⸗ liche Mißbräuche an. Solange das Getreide in England um so viel theurer als in andern Kornländern ist, daß der Kaufmann gerade die bewilligte Prämie braucht um auf den auswärtigen Märkten Preis zu halten, solange findet die hier angeführte Einwendung gar nicht Statt. Nun ist aus der Ge schichte die— ser Parlamentsakte bekannt, daß das Unter— haus nach Untersuchung der Kornpreise die seit 43 Jahren Statt gefunden hatten, einen Mittelpreis bestimmte, bei welchem die Aus— fuhr erlaubt seyn sollte: und zwar von der einen Seite mit der Rücksicht, daß durch diese Ausfuhr kein Mangel im Lande selbst entste— hen möchte. Auf der andern Seite wird das Parlament aber auch nicht unterlassen haben, sich um die Getreidepreise von Danzig, Riga, und andern Kornmärkten zu bekümmern, und die Kosten der Verführung des Getreides von diesen Häfen bis nach Holland und Frankreich zu berechnen. Und so konnte es die Prämie —————————————————.—— 81 Hru Moung's Aufsatz. 97 so bestimmen, daß der Engländer in Stand gesetzt wurde mit den andern Kornverkäufern Preis zu halten. 2) Immer aber gebe ich zu, daß alle Sätze worauf sich die bestimmten Zah— len der Ausfuhrakte gründen, zufällig sind; daß folglich, sobald diese Vordersätze eine merk— liche Veränderung leiden, es vernünftig und nothwendig ist die darauf gegründete Akte zu verändern. Allein, hat denn das Parlament im J. 1689 ein ewiges Reichsgrundgesetz ma— chen wollen, worin nichts anders bestimmt werden dürfte? Gewiß vielmehr bloß ein Re— glement, das der damaligen innern Beschaf— fenheit des Landes und dem damaligen Zu— stande des Getreidehandels in Europa ange⸗ messen war. Hat nicht nachher, wie uns Doung erzählt, die Regierung öfter wieder die Ausfuhr berboten? Und würde daher nicht, wenn die angezeigten Mißbräuche in der That Statt finden sollten, das Parlament sogleich die gehörigen Maaßtegeln ergreifen, um ihnen vorzubauen? 3) Unmöglich aber konnten alle denkbare Fälle in der Akte schon vorläufig bestimmt werden; z. B. das Ver— hältniß der Getreidepreise in den Häfen der Ostsee zu den Preisen in England. Gesetze, 355 G 98 Anmerkungen und besonders die Handelsgesetze, müssen so einfach, so deutlich und so verständlich seyn, als nur immer möglich ist; sie können also nicht auf alle verwickelte Möglichkeiten sich einlassen. Und wenn sie es auch wollten, so werden dadurch doch nicht jede Mißbräuche vermieden. Ich will nur einen anführen. Der Marktpreis welcher zur Richtschnur im Lauf eines Jahres dienen soll, muß doch, von ei— nem gewissen Tage genommen seyn. Es hat aber der Engl. Kaufmann einen desto größern Vortheil, je höher an diesem Tage der Korn— preis in England, und je niedriger er in den Häfen der Ostsee, ist; denn eine desto größere Prämie muß ihm alsdann auf die Ausfuhr bewilligt werden. Folglich würden, wenn das Jahrreglement darauf Rücksicht genommen hät— te, die Kunstgriffe der Kaufleute dahin gegan— gen seyn, um diesen Termin den Kornpreis in England recht hoch zu treiben, in den Häfen der Ostsee aber ihn, recht niedrig zu halten. Da dieses in etlichen hinter einander folgen- den Markttagen, allerdings möglich ist, und eben kein allzu starkes Kapital erfordert; so, wäre wieder ein neues Reglement nöthig ge⸗ wesen, um diesen Mißbrauch zu verhindern. rt ell witd 7 zu Hru Poung's Aufsatz. 99 lüssen se 0 N Das Hülfsmittel! hätte vielleicht einem neuen 10 15 Mißbrauch die Thüre geöfnet; und endlich 4 0 müßte das Getreideausfuhrreglement so weit⸗ 70 5 läuftig werden, daß man zuletzt selbst nicht 15 mehr wissen würde, was erlaubt und nicht 195 erlaubt, was bestimmt und nicht bestimmt 10 wäre. 15 4) Überdies glaube ich nicht einmal, daß l die oben angezeigten Mißbräuche bisher sön— 1 derlich Statt gefunden haben. Deyn er stlich 5 wird wohl nicht); dem gewöhnlichen Laufe der n Dinge nach, der Getteidepreis in England 1 do e niedriger stehen, als in“ Danzig oder Riga. N Geschähe es ja einmal, so würde die dadurch h verursachte stärkere Getreideaussuht den Preis 795 bald wieder in die Höhe treiben. Es hätten e also höchstens die Kaufleute die zuerst bei die⸗ f sen Umständen aussührten, einen igrößern Ge⸗ 6 winn gemacht alsl die Regierung ühnen eigent⸗ 5 lich hat gestatten wollen; und dieser Gegen— alen stand scheint doch zu klein, duß sich dadurch 1 das Parlament sollte bewegen kassen, eine auf d den gewöhnlichen Fäll sonst vollkommen pas— 0 sende Regel abzuändern. Ferner ist es“ auch be. nicht wahrscheinlich, daß der Unterschied zwi ec, schen den Preisen in Eugland und andern G 2 100 Anmerkungen Korn ausführenden Ländern lange Zeit hinter einander so merklich seyn sollte, daß Jemand Vortheil dabei fände fremdes Korn heimlich einzuführen, um nachher bei einer öffentlichen Ausfuhr die Prämie zu erhalten. Der Ge— fahr nicht zu gedenken, die doch der welcher dies gefährliche Spiel unternimmt, in An— schlag bringen muß; so ist es ja einleuchtend, daß wenn irgend einmal so wohlfeile Preise in der Ostsee oder in Nordamerika Statt ha— ben, ganz natürlich alle die welche Korn kau— fen, sich an diese Orter hinwenden, und der übergroßen Menge der Käufer wegen, das Getreide sehr bald im Preise steigen muß. 5) Genug, man wird einsehn, daß dem Parla— mente freilich das Recht bleiben muß bei ver— änderten Umständen andere Verfügungen zu treffen; daß es aber besser war, etwas Bestimmtes festzusetzen, als sogleich einer Menge möglicher Fälle zu erwähnen, oder alle Jahre ein neues Reglement zu machen. Auch hat die Erfahrung bewiesen, daß die 1689 entworfne Akte bis auf das J. 1756 un⸗ verändert hat beibehalten werden können, ohne daß sich beträchtliche Mißbräuche geäu— bert hätten. Und daß die Engländer noch itze g vin de vlan af Wag „in al Hun ung Ausef Chi den, rück 1 1 fahr, 56h ted men hinter Jemand eimlich klichen r Ge⸗ elchet An⸗ zu Hrn Young's Aufsatz. 101 sie mit allen ihren besondern Bestimmungen für richtig und zuträglich halten, sieht man aus der von dem Parlamente angenommenen Bill des Guvernörs Pownall, welche im Grunde nur eine Erneuerung der alten, bei— nahe in Vergessenheit gerathenen Ausfuhr— akte ist. III. Man hat geglaubt, daß»die Bewil— »ligung der Ausfuhrprämie einen Kaufmann »in den Stand setze, das Getreide nach Hol— »land auszuführen, und es hernach wieder „nach England zu bringen, um es entweder »daselbst mit Vortheil zu verkaufen, oder die »Ausfuhrprämie noch einmal darauf zu er— »halten.« Dieser Einwurf ist bereits in Hrn Moung's Schrift(oben S. 7) durch Berech— nung der bei diesem Geschäfte vorfallenden Kosten auf das deutlichste widerlegt. Fünf Schilling auf ein Quarter reichen nicht hin, den Weizen einen solchen Weg hin und zu— rück machen zu lassen. IV. Hauptsächlich hat man gegen die Aus— fuhrprämie folgende Einwendung gemacht: daß „England dadurch den Ausländern das Ge— »treide wohlfeiler verschaffe, als seinen eige— »nen Einwohnern.« Man will dies durch 10-, Anmerkungen folgende Berechnung erweisen.»Wenn man »den Mittelpreis eines Quarters Weizen zu 942 Schill. 3 Pf. annimmt, wie er es von »1689 bis 1756 war, so kann man offenbar »das Quarter in Holland, Flandern, Calais, »ja selbst in Bordeaux, um 40 Schill. 3 Pf. »perkaufen, und dabei noch einen verhältniß— »mäßsigen Gewinn haben. Die Prämie ist 5 »Schill. auf das Quarter; die Fracht und die »Assekuranz betragen vom Quarter nicht mehr »als zwei Schillinge; es bleibt daher ein Ge— »winn von 1 Schill. übrig; das heißt, Kauf⸗ »leute, die in einem Lande wohnen wo die »jährlichen Zinsen nur Drei vom Hundert sind, »gewinnen bei einem Geschäfte das höchstens »drei Monate daurt, beinahe Drei v. H. Die Beantwortung auch dieses Einwurfs ist nicht schwer. 1) Gegen die Berechnung selbst ließen sich leicht Einwendungen machen, weil hier die Fracht und andre kleine Kosten von einem Quarter Weizen, das aus Eng— land nach Holland oder Frankreich verführt werden soll, nur 2 Schill. angenommen sind. Voung berechnet eben diese Kosten auf 4 Schill. 8 Pf. Indeß, da Moung's Berechnung aller— dings etwas zu hoch scheint, so will ich mich nicht! det! Fre wen bil! fand all l e. fufent bine f desert ein ft es dale daf N Name den 1 Gag Cungg reid zz seine h Eagle mie b Hola U Ene. es bon ffenbar Calait, 9 J,. allet? mich zu Hrn Young's Aufsatz. 105 nicht darauf berufen, sondern zugeben, daß vermöge dieser Ausfuhrprämie der Weizen in Frankreich und Holland wohlfeiler verkauft werden könne, als er in England eingekauft wird. Nur läugne ich den Schluß, daß Eng— land deshalb keine Prämie hätte bewilligen sollen. 2) Denn gesetzt, daß Frankreich und Holland ihr Getreide wohlfeiler aus der Ost— see holen, als sie es von den Engländern kaufen können; so werden, wenn England keine Ausfuhrprämie bewilligt, und folglich dessen Kaufmann an Frankreich und Holland kein Getreide verkaufen kann, diese Länder es doch wohlfeiler als England haben, ohne daß dieses durch den Getreidehandel etwas gewinnt. Theilt England aber eine Ausfuhr— prämie aus, so bleibt zwar auch in jenen Län— dern immer ein wohlfeilerer Getreidepreis, England aber gewinnt nicht nur ansehnliche Summen von dort durch das hingesandte Ge— treide, sondern verbessert und erweitert auch seinen Ackerbau dadurch ungemein. Ja könnte England durch Zurückhaltung der Ausfuhrprä⸗ mie es dahin bringen, daß das Getreide in Holland und Frankreich theurer würde als in England, so verdiente dieser Einwurf, 104 Anmerkungen Manufakturen wegen, noch einige Aufmerk— samkeit. So aber leidet es zwar ein Übel, nehmlich eine verhältnißmäßig größere inlän— dische Theurung, welches Übel es aber andrer Umstände wegen nicht aus dem Wege räumen kann; doch gewinnt es dagegen wesentliche dieses Übel weit überwiegende Vortheile. 3) Dangueil will diesen Einwurf dadurch ent— kräften, daß England eben wegen seiner wohl— feilen auswärtigen Getreidepreise Frankreich und andre Länder verleite, ihren Ackerbau zu versäumen. Allein ich habe schon oben(S. 82) das Unrichtige in diesem Gedanken gezeigt. Hier bemerke ich nur noch, daß wegen der großen Verschiedenheit der gewöhnlichen Ge— treidepreise in beiden Ländern, Frankreich seine Zuflucht nicht eher zu England nimmt, als wenn Mangel und Theurung bei ihm einreißt. Der Mittelpreis eines Quarters Weizen in England ist 42 Schill. 3 Pfennige. Da nun ein Engl. Quarter ungefähr so viel ist als 2 Septiers in Frankreich, so müßte der Septier ungefähr 25 Französische Livres gelten, wenn man den Weizen eben so wohlfeil dort ver— kaufen wollte als man ihn in England einge— kauft hat. Der Mittelpreis eines Septiers U limek⸗ in hel, e inlän. andter daumen ntliche 90600 ent⸗ vohl⸗ teich u zu (8. tgeigt. n der Ge⸗ seine als zu Hrn Poung's Aufsaz. 105 in Frankreich ist aber von 1700 bis 1745 nicht höher als 18 bis 19 Franz. Libres gewesen. Folglich kann England kein Getreide eher nach Frankreich führen, als wenn es in Eng— land unter, in Frankreich aber über dem Mit— telpreise steht. Und dies ist Beweises genug, daß der wohlfeile Getreidepreis in England eigentlich keinen Einfluß auf die Vernachlässi— gung des Ackerbaues in Frankreich haben kann. Die zweite Klasse der Einwendungen ge— gen Englands Grundsätze in Absicht des Korn— handels betrift das Verbot der Einfuhr des fremden Getreides. Es giebt, besonders in den neueren Zei— ten, viele Schriftsteller, die eine völlige und allgemeine Freiheit für die erste Regel hal— ten, die ein Staat in Rücksicht des Handels, und vorzüglich des Getreidehandels, zu beob— achten habe. Es muß, ihrer Meinung nach, ohne Ausnahme, erlaubt seyn, so viel Korn aus einem Lande auszuführen als man nur will; und eben so sollen alle Häfen und Märkte jedem ausländischen oder inländischen Kauf— mann zur Einführung fremden Getreides of— fen stehn. Andere hingegen halten es fur 106 Anmerkungen vernünftiger, daß ein Staat jederzeit ein wachsames Auge auf die Geschäfte seiner Un— terthanen richte. Sie glauben, daß es Fälle, gebe, wo eine ununterbrochene Getreideaus— fuhr einem Lande zu offenbarem Nachtheil gereichen und dem Ackerbau unersetzlichen Scha— den zufügen kann; daß der Kaufmann bei al— len seinen Unternehmungen bloß auf seinen besondern Gewinn sehe, und sich um die alls gemeine Landeswohlfahrt nicht eher beküm— mere, als wenn sie mit seinem Privatinteresse in Verbindung steht; daß daher die Pflicht eines Staats es erheische, die Vormundschaft über die Unterthanen zu übernehmen, und ihnen Geschäfte zu untersagen die zum wah— ren Verderben des Landes ausschlagen wür— den.— Ich will mich bei dergleichen allge— meinen Sätzen nicht aufhalten, weil es mei— nem Bedünken nach immer auf die besondern Umstände eines Landes und auf den Zusam— menhang aller äußern Verhältnisse ankömmt, um zu entscheiden, ob die Anwendung einer allgemeinen Regel der Staatswirthschaft in einem gegebenen einzelnen Falle Statt finden könne, oder nicht. Lieber will ich, um meine Leser in Stand zu setzen, selbst ein Urtheil drück maß l zu Hrn Poung's Aufsatz. 07 zu fällen, das Räsonnement von zwei Eng⸗ zu fällen, 3 ländern hier einschalten, deren Einer die freie Getreideeinfuhr vertheidigt, und der Andere sie verwirft. Der Vertheidiger eines unbedingt freien Kornhandels ist Hr Arbuthnot in seinen»Be— »trachtungen über das Verhältniß zwischen »der Größe der zu verpachtenden Grundstücke »und dem gegenwärtigen Preise der Lebens- »mittel).« Dieser scharfsichtige Schriftsteller drückt sich über diesen Gegenstand folgender— maßen aus. a »Die meisten Lehrer der Staatskunst wer— »den zwar darin mit mir übereinstimmen, daß »eine freie Getreideausfuhr ein sehr schickliches »Mittel sei den Ackerbau in einem Lande auf— »zumuntern, und daß folglich eine aufgeklärte „Regierung dem Fortschicken des Korns nie »Hindernisse in den Weg legen müsse. Allein, »Viele stehen noch in der Meinung, daß wenn »die Einfuhr eben so frei und uneingeschränkt „) Man sehe die Anmerkung zu S. 62. Arbuthnot's Schrift erschien im Original 1773.— Die Stelle steht in Freville's Werk, Bd 2, S. 154 kolgg. A. d. H. 108 Anmerkungen »wäre als die Ausfuhr, diese Freiheit dem „Pächter unter gewissen Umständen sehr nach⸗ »theilig seyn würde, dessen Ruin alsdann auf »den Grundeigenthümer zurückwirken müßte. »Wenn, sagen sie, die Arnte in England nur »mittelmäßig, in andern Ländern aber sehr ergiebig ist; so kann das fremde Getreide »auf den Engländischen Märkten weit wohl⸗ »feiler gegeben werden, als der Engl. Päch⸗ vter das seinige abzulassen vermag; in die⸗ »sem Fall würde also der Letztere einen Ver⸗ »lust leiden, den die Regierung verhüten muß »wenn sie nicht den Pächter muthlos ma— v»chen, und den Ackerbau in Verfall brin⸗ „gen will. »Laßt uns untersuchen, inwieweit die Furcht »vor einer unsern Pächtern nachtheiligen Ge— vtreideeinfuhr gegründet ist. Die einzige Ge— »gend, von wo sich eine dergleichen Einfuhr »besorgen ließe, sind die Kolonien in Ameri— »ka, die angeblich ihr Korn zu 20 Schill. aus- »führen können. Wenn man dies auch als »wahr annimmt, muß man denn nicht noch »die Mäklergebühren, die Fracht, die Asseku⸗ »ranzprämien, die Ausladungs-, die Haverei— »gelder, u. s. w. hinzurechnen?« welcis ende Juan N Mit auf gest ˖ Prei in ein wenn ih, 19 echt hen seh fach: ann af 1 mißt. and nur er seßt elreide wohl⸗ häch⸗ die⸗ Vet zu Hrn Poung's Aufsag. 109 „Gesetzt also, das Quarter Pfd. Schill. Weizen koste in Amerika 1 so macht die Kommission, zu 25 v. H. g. 5— 8 2 Die Fracht 5 5 a— 3 Die Assekuranz, zu 27 v. H.— Die Abgaben beim Anlanden und Ausladen g 5 b— 3 Havereigelder, zu 10 v. 8 3 Dazu der Unterschied im Wer⸗ the zwischen Korn, das frisch bei uns gewachsen, und dem welches geraume Zeit auf ei— nem Schif gewesen; wenigstens— 23 Zusammen i 5 5 1 14. »lübrigens weiß ich sehr genau, daß der Mittelpreis zu welchem Amerikanisches Korn auf unsern Märkten verkauft worden ist, un— gefähr 48 Schill. beträgt.« „Nun wollen wir auch sehn, um welchen Preis ein Engländischer Pächter sein Getreide in einem gewöhnlichen Jahr verkaufen kann: wenn er nehmlich seinen Weizen in ein Klee⸗ feld, nicht aber in eine gedungte Brache, aus⸗ 110 Anmerkungen säet. Durch die nachstehende Einrichtung, wel— che eine der vortheilhaftesten für den Feldbau in England ist, wird es ihm möglich, sein Getreide wohlfeil zu verkaufen. Es isst hier der Ort nicht, anzugeben wie nach Verschie⸗ denheit des Bodens die Aussaaten auf einan— der folgen müssen; man wird sich einen allge⸗ nen Begrif davon aus der hier gelieferten Be— rechnung machen können.« 5 „J. Die Turnips oder großen Rüben. Pfd. Schill. Mittleres Pachtgeld für einen Engl. Morgen. 5— 12K Viermalige Umarbeitung des Ackers 5 5 42721 1.— Das Eggen—.— 42 Der Saamen. a——* Das Gäten. 0 e Der Zehnte an die Geistlichkeit— 3 Abgabe für, die Amen— 12 Dünger 5 5 5 5 4 3 Die Hecken, 55 n 1 Kleine Kosten 5 5 5 ä 1 Außerordentl. Kosten in der Pacht 8 1 Graben zum Ablauf des Wassers— 8 5 8 Sämintliche Kosten r 6 14 Ertrag b Jun! aeg ächten * der J bon in dich don, U gil, 0 zu Hru Moung's Aufsatz. 112 „Vielleicht hält man den Ertrag in dieser Berechnung für zu hoch angenommen, weil in entfernteren Gegenden oft die besten Tur— nips zu 30 Schill. verkauft werden. Allein, dies geschieht bloß im Fall eines außerordent— lichen Überflusses, und in den Distrikten wo Ackerarbeit und Tagelohn wohlfeiler sind, als wir in unserm Mittelpreise bestimmt haben. Man muß überdies bedenken, daß der an— gezeigte Preis von 4 Schill. lange so be⸗ rächtlich noch nicht ist, als der Gewinn den der Pächter haben kann, wenn er die Rüben von seinen Hämmeln abhüten läßt; und daß in der Nähe von ko bis 15 Meilen bei Lonk don, ein Morgen Turnips! oft 3. Pf. Sterl. gilt, um ihn mit dem Viehe abhüten zu dür⸗ fen, und 6 bis 7 Pfund, um die Turnips auszugraben und fortzuführen. Ohne Über⸗ treibung, kann also im Allgemeinen jener obige Preis gewiß angesetzt. werden. „II. Die Gerste. Pfd. Schill. o— 12 Dreimalige Umarbeitung.= 15 Eggen 5„„ Drei Engl. Scheel Aussaat„ * * 1 5 . 1 5 10 14 1 1 7 5 0 ö 8 1 1 N 1 1 1 N N 1 1 J ö ö 4 U 112 Anmerkungen Pfd. Schill. Wasserfurchen und Graben— 15 Abmähen e.. 8.— 15 Einbringen 2 5 g 5 1 Zehnte f 0. a— 3 Armenabgabe f 5 0— 145 Dröschen von 4 Quartern„— 6 Unterhaltung der Hecken 5— 1 Kleine Kosten 5 e 5— 1 Außerordentliche Kosten.— 1 Auf den Markt zu führen— 3 Sämmtliche Kosten 5: 3 52 Ertrag v. 4 Orn, Pfd. Sch. jeden zu 24 Schill. 4 16 Stoß, 1585 Weide für d. Schafe— 28 Zusammen 5. 5 3 135% uIII. Der Klee. Pfd. Schill. Pachtgeld 8 1 a— 1255 Saamen 8 b 5— 6 Abschneiden, Einführen, u. s. w.— 14 Zehnte g. 7. 8 3 Armenabgabe 1 1 1— 15 Kleine Jacht 9 mal 1 , 150 lane 0 Pfd. Schill Kleine und außerordentl. Kosten— 3 Abhauer-Binder- u. Fortführerlohn— 13 5 Sämmtliche Kosten 5 5 2 13 Ertrag von 2? Fudern, jedes zu 40 Schill. 5 3—— Oder in einem andern Jahre: Pachtgeld 5 g. a— 123 Saamen. 8 5— 6 Zehnte, Armenabgabe, u. s. w.— 72 Zusammen. 5.* 6 Ertrag, mit Inbegrif der Busch— welde, n g 8 8 2 5 Folglich: Kosten. Ertrag. Pfd. Sch. Pfd. Sch Im ersten Jahre 2 15 3— Im andern Jahre 1 6— Zusammen 4 1 7— Im Durchschnitt 2 2 3 roc »IV. Der Weizen. Pachtgeld 5. 5 5— 12 Einmalige Umarbeitung des Ackers— 4 II. H 114 Anmerkungen Pfd. Schill Eggen und Säelohn 5 5 5 2 Aussaat, 25 Scheffel 8.— 15 Wasserfurchen und Graben— 255 Gäten 5 5 5 x 3 255 Mähen. 1 g 8— 6 In die Scheune zu führen.— 42 Zehnte und Armenabgabe b— 42 Dröschen b. 5 8— 9 leine Kosten unf ß w. 3 Auf den Markt zu führen.— Sämmtliche Kosten 5 8 3 2 Ertrag. Pfd. Schill. Drei Quarter, je— des zu 46 Schill. f— S 1— Zusammen—— 8— Sämmtl. Rosten. Sämmtl. Ertrag. Pfd. Schill. Pfd. Schill Erstes Jahr, Turnips 6 14 2 5 Zweites Jahr, Gerste 3 52 3 132 Drittes Jahr, F 3 3 10 ig bon aber 50 1 0 Nl. 101 Hrn Young's Aufsatz. 15 Pfd. Schill. Pfd. Schill. Viertes Jahr, Weizen 3 105 8 7 15 855 19 8 . Davon 15 105 Bleibt Gewinn: 3 186 »So ergiebt sich demnach deutlich, aus der angestellten Berechnung nach einer vor— züglichen Methode der Ackerbestellung, die auch ziemlich allgemein auf unsern eingezäun— ten Feldern angenommen ist, daß ein fleißi— ger und aufmerksamer Pächter es zu einem jährlichen Gewinn von ungefähr Fünfundzwan— zig vom Hundert bringen kann. Hiebei wird aber vorausgesetzt, daß der Weizen das Quar— ter 46 Schill. 8 Pf. und die Gerste 21 Schill. gelte. Freilich läßt sich von jedem Boden nicht ein so großer und reicher Ertrag erwar— ten.— Indeß, kann aus dieser Berechnung doch wenigstens der Schluß gezogen werden, daß um einen solchen Gewinn zu machen, der Ertrag eines mit Weizen besäeten Engl Mor— gens um 7 Pfd. Sterl. verkauft werden muß. Die Kosten des Anbaues werden ungefähr im— . 8— 2 N 104 0 10 1 1 —— 5 116 Anmerkungen mer die nehmlichen seyn; bei dem Ertrage fin— det aber eine große Verschiedenheit Statt: und folglich muß der Preis des Weizens jederzeit in einem gewissen Verhältniß mit der Arnte stehn. Zum Beispiel:« »Bringt der Morgen fünf Quarter Wei— zen, so kann der Pächter das Quarter ver— kaufen zu a 3„28 Schill Vier und ein halb, zu 5 31— Vier, zu 5 g. 8 35— De und ein halb, zn 40— Drei, zu 5 8 2. 468— Zwei und ein halb, zu l 565 Zwei, zu. g 5. 70— »Ich bemerke hiebei einen Umstand, der Aufmerksamkeit verdient: nehmlich, daß ein Pächter mit einem Preise von 46 Schill. 8 Pfenn. zufrieden seyn kann, wenn er von ei— nem Morgen drei Quarter ärntet. Nun ist aber, nach der allgemeinen Meinung der Land— wirthe, der mittlere Ertrag eines Morgens zwischen 3 und 28 Quartern: welches einen Preis von 50 Schill. erfordern würde. Als man daher die Ausfuhrprämie bei einem Preise von 48 Schill. bewilligte, hat man wahrschein— lich diesen Preis für zu niedrig angesehn, als zu Hru Young's Aufsatz. 117 0 age fr⸗ daß der Pächter dabei bestehn könne. Gegen— d wärtig macht er freilich dabei noch einen an— jederzeit ständigen Gewinn; allein man muß bedenken er Ante daß der Ackerbau damal, als die Ausfuhrprä— mie bestimmt wurde, lange nicht in dem blü— r Vei⸗ henden Zustande war, wozu er hernach gestie— r ber⸗ gen ist, und daß die großen Auslagen und ill. Kosten den Gewinn natürlich sehr vermindern — mußten. Die Prämie auf den Weizen ward — folglich bei einem Preise von 48 Schill. nach 8 richtigen Grundsätzen bewilligt; nur itzt, bei dem höheren Ertrage unsers Ackerbaues, kann 5 der Pächter wohlfeiler verkaufen, und folglich 25 ist die Ausfuhrprämie anitzt üͤberfluüssig.« »Giebt es Jahre, worin der Weizen nicht der in über 40 Schill. stehn darf, so kann uns dar— . 8 um doch die Einfuhr des Amerikanischen Ge— 05 treides nicht nachtheilig fallen. Denn, wenn n N gleich dort Grund und Boden äußekst wohl⸗ 9nd feil zu kaufen ist, so steht auf der andern 4 Seite das Arbeitslohn ungemein hoch; und 106 wir dürfen daher nicht befürchten, daß die 55 Kolonieen ihr Getreide unter dem Marktpreise von Europa verkaufen könnten. So günstig auch der Himmelsstrich in Amerika dem Ge— treidebau seyn mag, werden doch nicht alle 7 118 Anmerkungen Arnten dort gleich ergiebig seyn, während die unsrigen so verschieden ausfallen. Die Vor— theile aus dem niedrigen Preise der Lände— reien, und aus dem schönen Klima, finden ein hinlängliches Gegengewicht an den Fracht— kosten, die man auf jedes Quarter wenigstens zu 14 Schill. schägen muß. Die Einfuhr von dort kann daher nur bei einer außerordentli— chen Theurung in England Statt finden, wo der Gewinn den die Kolonieen machen könn— ten, mit diesem hohen Preise in Verhältniß stehn würde. Dies ergiebt sich augenscheinlich durch den itzigen Preis des Weizens in Ame— rika; da der Scheffel dort 55 Schill. gilt, so können die Kolonieen gewiß nicht ihren Wei— zen nach England führen, wo sie ungeachtet unsrer hohen Marktpreise Verlust haben müs— sen. Wenn sie uns aber, bei einer außeror— dentlichen Theurung, Getreide zuführen, so werden, wie vortheilhaft ihnen auch alsdann der Verkauf ihres Getreides seyn mag, doch unsre Pächter wenig oder gar keinen Schaden davon haben.« »Was die große Menge von Getreide be— trift, die man aus andern Gegenden in Eu— ropa nach England führen könnte, so getraue 4 — zu Hrn Moung's Aufsatz. 119 1 ich mir zu behaupten daß diese Furcht völlig Die Ver. ungegründet ist. Holland konnte sonst Pol— r bande, 2— 2 N 1 nischen Weizen und Russischen Roggen nach England bringen; aber seitdem Polen getheilt, und Danzig der Willkür der Preußen unter— 8 9* üigtens worfen ist, können wir ganz 18 annehmen, hr bon daß die Holländer diesen Handelszweig aufge— dentlie ben, und sich vielmehr in f nach Eng— N , wo land wenden werden, um sich mit dem se eh⸗ könn lenden Getreide zu versorgen.« tniß So weit Hr Arbuthnot.— Wir wollen seinlich nun hören, wie Hr Voung hierauf antwor i Ame⸗ tet, und die Nothwendigkeit beweis't, daß die b, so Einfuhr des fremden Getreides in England Mei, verboten seyn müsse. achtet.»Es ist sehr möglich,« sagt er),»daß fr die Klugheit nicht immer gestattet, gewisse ferot⸗ Grundsätze in einem Lande anzunehmen, un— en, do geachtet sie in einem andern Lande, besondrer lsdann Umstände wegen, viele und große Vortheile 4. d verschaft haben. Dahin gehört die unbedingte Schaden Freiheit des Getreidehandels in Holland. Ich bin ein großer Vertheidiger einer freien 715 ö Ausfuhr des Getreides; dagegen giebt es 0 *) Drittes Buch, fünfter Abschnitt. 120 Anmerkungen aber, nach meiner Meinung, Fälle, wo eine uneingeschränkte Einfuhr desselben die nach— theiligsten Folgen nach sich ziehen würde. e »Daß für Holland alle Freiheit bei dem Getreidehandel, was sowohl die Ausfuhr als auch die Einfuhr betrift, eine weise und wohl— thätige Maaßregel ist, kann nicht bezweifelt werden; und zwar aus folgenden Gründen. Holland hat, in Absicht auf das Getreide, nur zwei Punkte in Erwägung zu ziehn: den damit zu führenden Handel, und die innere Konsumtion. In Rücksicht des Handels, kann das Korn nie, so wenig als irgend eine andre Kaufmannswaare, zu wohlfeil werden; weil der Getreidehandel der Holländer mit ihren Nachbarn um so einträglicher seyn muß, je niedriger dasselbe im Preise steht. Und was die Konsumenten betrift, so ist offenbar auch für diese der geringste Preis der vortheilhaf— teste. Sollte indeß die Regierung glauben daß das Brot zu wohlfeil wäre, so kann sie ja den Preis desselben, wie auch in Holland geschieht, durch Auflagen erhöhen; und so ge— reicht wiederum die Wohlfeilheit des Korns dem Staate zum unmittelbaren Vortheil.“ »Aber daraus daß ein freier Getreidehan— Jwisc * In 2 * kann cher f zu Hrn Young's Aufsatz. 121 del für Holland vortheilhaft ist, darf man nicht schließen, wie verschiedene Schriftsteller, und namentlich Hr Arbuthnot, gethan haben, — daß eben diese Freiheit auch andern Staaten, und insonderheit auch England, anzurathen sei. Ich glaube, Gründe dagegen anführen zu kön— nen, die wo nicht entscheidend, doch wenig— stens hinreichend sind, unser Urtheil annoch aufzuschieben.« »Ich habe eben gezeigt, daß Holland bei 0 8 4 dem Getreide nur auf das Interesse seines Handels und seiner eigenen Konsumtion zu 2 2 5 7 0 1 sehen hat. In England hingegen ist der Fall ganz verschieden; es muß außer diesen beiden *...— 8 N 1 Punkten die es mit Holland gemein hat, noch einen dritten in Überlegung ziehen, welcher bei jener Republik ganz weg gfällt, und welcher wenigstens eine eben so große Aufmerksamkeit verdient: nehmlich, den Vortheil seines Acker— baues. Dieser neue, von den angeführten Schriftstellern übersehene, Umstand verändert 75 5 die Lage beider Nationen völlig, und bestimmt zwischen ihnen einen wesentli 1 11 chen Unterschied. In Absicht auf Hollands zwiefaches Interesse, kann das Getreide nicht wohlfeil genug seyn; aber für das dritte Interesse in England, kann 122 Anmerkungen es niemal zu theuer seyn. Wie wäre es also möglich, daß eine und dieselbe Getreidepolizei auf beide Staaten passen sollte? Die Englän— 2 dische Regierung hat bei Festsetzung der Vor— schriften darüber folgende Absicht: das Ge— treide in einem mäßigen Preise zum Vortheil des Verzehters zu erhalten; dabei aber nicht zu gestatten, daß dieser Preis so niedrig werde daß der Landmann dadurch Schaden leide.« »Man könnte vorgeben, daß eine freie Getreideeinfuhr in England darum nicht die von mir angezeigten Folgen, nehmlich eine gar zu große Erniedrigung der Preise, haben werde: weil in einem Lande wo der Ackerbau sich in blühenden Umständen befindet, natür— lich das Getreide eben so wohlfeil seyn müsse, als in jedem andern Lande. Allein, ich kann die Richtigkeit dieser Bemerkung durchaus nicht zugeben. Getreide ist eine Waare, deren Preis nach Verschiedenheit der Arnten, die selten in mehrern Ländern gleich ausfallen, bald höher und bald nieder Es ist gar nichts 1 9 7 außerordentlick 3. B. Polen eine sehr reiche Arnte, England aber nur eine sehr mit— telmäßige hat, und auch umgekehrt; und so in Absicht Englands gegen Frankreich, und A FE 5— 5 „Amerika, und alle übrige Länder.« K solge 1 Jol a günst berel wenr gehö Ccha nung hell nd Ane zu Hru Poung's Aussatz. 123 »Das Interesse des Ackerbaues erfordert, daß der Getreidepreis nicht nach der Einfuhr, sondern nach dem jährlichen. Ertrage der Arn— ten bestimmt werde. Es ist sehr natürlich, daß bei einer reichlichen Arnte das Getreide im Preise fällt; doch ist dieser niedrige Preis einem Pächter nicht nachtheilig, weil er durch die Menge des Getreides schadlos gehalten wird. Vermöge des entgegenstehenden Grun— des, muß also die Erhöhung der Preise eine 17 einer mittelmäßigen Arnte seyn. Was oll aber der Pächter anfangen, wenn bei un— 61 Jahren das Getreide aus andern Gegenden, die sich einer gesegneten Arnte er— freuen, frei 2. eführk werden darf? Ent— reißt ihm die Konkurrenz des fremden Korns alsdann nicht die 1 sich durch einen Je höhern Preis seiner schlechten. Arnte wegen »Hr Arbuthnot hat die verschiednen Preise— berechnet, wofür ein Püchter in England wenn man auf den Ertrag 925 Arnten die gehörige Rücksicht nimmt, sein Getreide ohne Schaden verkaufen kann. Aus dieser Berech— nung selbst aber, deren Richtigkeit ich zugebe, erhellt, daß bei schlechten Jahren die Einfuhr ——* 124 Anmerkungen 1 fremden Getreides den Pächter, wo nicht völ— der lig zu Grunde richten, doch in ganz außeror— 90 dentlichen Schaden bringen würde. Hat er ge in den letztern Jahren diese Nachtheile nicht m sonderlich verspürt, so ist dies daher gekom⸗ 33 men, weil die Arnten überall sehr schlecht 500 ausgefallen waren, und weil eine freie Ge— 60 treideeinfuhr zu einer Zeit wo eine allgemeine fh Theurung wesentliche Hindernisse dagegen in N 71 den Weg legt, keine Folgen haben kann.« ß v. »Wir müssen bedenken, daß eine ergie⸗ über: bige Arnte in Frankreich, Sizilien, und der meint Barbarei hinreicht um Spanien, Portugal, Me und einen Theil von Italien mit dem nöthi⸗ as! gen Getreide zu versehen; und daß in diesem a Fall der sämmtliche Überfluß unsrer Amerika— Mel nischen Kolonieen auf die Kornmärkte in Groß— fun gf britannien würde gebracht werden. Nun be— un ir rechne man den Nachtheil unsrer Landwirth— ban schaft von dieser Menge des Getreides. Hr aueh Arbuthnot zeigt, daß die Verführungskosten dm eines Quarters Weizen von Amerika nach fig London nicht mehr als 14 Schill. betragen. boset In gewöhnlichen Fällen kann man den Preis halten des Quarters in Amerika zu 20 Schill. setzen, N helle wir wollen aber 35 annehmen; so folgt, daß ght emelne en in zu Hru Young's Aufsatz. 125 der Amerikaner seinen Weizen in London zu 49 Schill. verkaufen kann. In England hin— gegen, nach Hrn Arbuthnot's eigener Berech— nung, muß der Pächter, wenn er drittehalb Quarter von einem Morgen gewinnt, welches doch keine schlechte Arnte ist, das Quarter zu 56 Schill. verkaufen, um keinen Schaden zu leiden. »Wir haben eine zu unvollkommene Kennt— niß von dem Ackerbau der Kolonieen, um dar— über mit Gewißheit zu urtheilen; wenn aber meine Nachrichten von den Getreidepreisen in Amerika richtig sind, so kann man dort eher das Quarter Weizen um 20 Schill. geben, als wir es in England um 40 können. In Amerika hat der Ackerbau Vortheile, die je— dem andern Lande fehlen. Der Boden wird um einen sehr geringen Preis erkauft; man kann sich nach seinem eignen Belieben weiter ausbreiten; der Zehnte für die Geistlichkeit findet nicht Statt; die Abgaben sind sehr mä— ßig; die Baumaterialien äußerst wohlfeil; es kostet keine Schwierigkeit, das Vieh zu unter— halten. Und alle diese unermeßlichen Vor— theile werden durch keinen entgegenstehenden Nachtheil vermindert: denn ich glaube nicht, 1 ——* 8 126 Anmerkungen daß das Arbeitslohn dort höher als in Eng— land ist.« f »Um Jedermann zu überzeugen, daß die freie Getreideeinfuhr aus Amerika dem Eng— ländischen Pächter schädlich seyn muß, wollen wir die Kosten berechnen, die bei Verführung des Mehls von dort nach London vorfallen. Folgende Faktur zeigt, um welchen Preis das Mehl von Philadelphia nach London wirklich gebracht worden ist, ehe nehmlich die letztere große Theurung in Amerika entstanden war.« »Ein Faß Mehl von 2 Pfd. Schill. Pf. Zentnern, den Zentner zu 8 bis 83 Schill. i 6 Das Faß 5 5— 1— Kleine Kosten 5 5——— Fracht g. g 3 4 8 Kommissionsgebühren und Assekuranzprämie—* Hafenkosten in London— 14 Zusammen l a 1 4 6K »Die Kosten von Neuyork sind ungefähr dieselben, nehmlich so: Pfd. Schill. Pf. Zwei Zentner Mehl a— 18— Die übrigen Kosten wie vorhin—— Zusammen f 5 8 1 6— e sad Jan zu Hrn Moung's Aufsatz. 127 „Zwei Zentner Mehl sind gleich sechs Engländischen Scheffeln Weizen; daß also die Amerikaner von Pensylvanien ihren Weizen in London ungefähr den Scheffel zu 4 folg— lich das Quarter zu 32, und von Neuyork zu 34 Schill. verkaufen können. Und da brauche ich wohl nicht erst zu erinnern, daß unsern Pächtern bei solchen Preisen zu bestehn un— möglich ist.« »Seit der Zeit sind die Preise in Neu— york und Philadelphia gestiegen. Dies ent— stand durch die starke Mehlausfuhr von den Kolonieen nach Europa, wo in den letztern Jahren die Arnten durchaus mittelmäßig ge— wesen waren. In den Südlichen Kolonieen sind dagegen die Preise sehr niedrig geblieben. Von Südkarolina habe ich kürzlich folgende Faktur erhalten:« »Preis eines Scheffels Pfd. Schill. Pf. Weizen R 0 a— 2 1055 3 Schfl. geben ein Faß Mehl— 8 75 Das Faß„.„— 1 7 Fracht bis Charlestobn.— 2— Fracht bis London.— 4 5 Übrige Kosten g—— 8 Zusammen 5 1— 16 1 128 Anmerkungen »Das Faß Mehl wiegt 22 Zentner; folg— lich kömmt der Zentner Mehl nicht höher zu stehen als 6 Schill. 55 Pf., welches ein sa niedriger Preis ist, daß unsre Pächter dabei zu Grunde gehen müssen.«) »Jedoch, wozu bedarf es weitläuftiger Untersuchungen? Offenbar ist die Absicht ei— ner freien Getreideeinfuhr, den Getreidepreis niedrig zu halten, die durch schlechte Arnten verursachten höhern Preise aber bis zu dem in andern Ländern bei ergiebigern Arnten Statt findenden Punkte herunterzubringen Jeder muß sogleich fühlen, daß kein System besser als dieses geschickt ist, alle Lust zum Ackerbau(n dem Lande, wohin die Einfuhr geschieht, zu unterdrücken.« »Es giebt noch einen andern Grund der den Engländern nicht erlaubt, dem Beispiel Hollands zu folgen: die Verschiedenheit nehm⸗ lich in der Regierungsform. Die Holländische ist *) Bei diesen Berechnungen bleiben viele Dunkelhei— ten, Schwierigkeiten und Widersprüche übrig, die ich theils nicht heben kann, theils auch nicht weit⸗ 8 5 untersuchen will, weil sie keinen wesent⸗— lichen Einfluß auf die hier vorgetragenen Grund— 15 selbst haben. Anm. d. Deut schen Verf. — tei schra dieser geeif l zu Hrn Poung's Aussatz. 129 ist eine der härtesten und schärfsten in Eu— ropa. Was auch für Maaßregeln von den Generalstaaten erwählt werden, so werden sie gewiß pünktlich und mit der größten Strenge zur Ausübung gebracht: das Gerede der nie— geren drigen Klassen kömmt in keine Betrachtung; P man verlangt Gehorsam, und treibt die Un— terthanen mit Zwang dazu. Hr Arbuthnot führt ein merkwürdiges Beispiel davon an. dem Zu einer Zeit wo der Mangel an Getteide in Uunten Holland so groß wat, daß das Volk schlech— terdings kein Brot hatte, wurde doch die Aus— Gystem fuhr des Getreides auch nicht einen Augen— st zum blick gesperrt; da hingegen die Regierung den mit aller Strenge würde bestraft zaben, der sich hätte wollen einkommen lassen, auch nur d der eine Kartoffel auszuführen.“ eippiel»Nun frage ich diese eifrigen Vertheidiger nehm: der Holländischen Kornpolizei: ob es der Eng— ndische ländischen Regierung wohl möglich seyn würde, eine so genaue Beobachtung ihrer Befehle zu — erzwingen. Nach ihrer Meinung, soll die Nulli Freiheit des Getreidehandels völlig uneinge— schränkt seyn; aber was verstehn sie unter dieser uneingeschränkten Freiheit? Das be— 8 greife ich wohl, daß die freie Einfuhr, wie f II. f J 150 Anmerkungen großen Schaden sie auch unsern Pächtern zu— fügen mögte, niemal einigen Widerspruch von Seiten des gemeinen Volks leiden würde; aber ganz anders wäre es mit der Ausfuhr beschaffen. Diese würde man jederzeit sogleich sperren müssen, als ein etwas hoher Getreide— preis das Murren des Volks erregte, das im— mer wohlfeil Brot essen will. Und haben wir nicht erlebt, daß ein Minister im Unterhause öffentlich sagte: die freie Getreideausfuhr könne nicht gestattet werden, weil das Volk sehr miß— vergnügt wäre, und man durch die gegebene Erlaubniß zur Ausfuhr gefährliche Ausschwei— fungen des Volks befürchten müsse! So sprach ein Minister, zu einer Zeit da der Mittelpreis des Scheffels Weizen nicht höher als 45 Schill. war. Man muß also ohne Zweifel zugeben, daß, sobald das Volk nach seiner Willkür die Ausfuhr des Getreides lenken kann, die ganze Freiheit bei diesem Handel ein bloßes Hirnge— spinnst ist. Kurz: wir würden, durch Anneh— mung des Holländischen Systems, uns allen Schaden der Einfuhr zuziehn, und alles Gu— ten der Ausfuhr berauben.« Die Vertheidiger einer unbedingten Frei— heit des Getreidehandel verlangen ferner noch, 4 1—. zu Hrn Poung's Aufsatz. 131 15 4 daß dieser Handelszweig ganz und gar keiner Abgaben in den Häfen, wo die Einfuhr ge— schieht, unterworfen sei; und hiedurch wollen si e des Ackerbaues begünstigen. Ich überlasse es unstreitig die Manufakturen auf Kosten 0 meinen Lesern, die vortheilhaften oder nach— 1 e e 8 zu e die hier— 5 aus für die Nation fließen würden.«— 9 So weit Herr Noung. Ich enthalte mich * anitzt aller Anmerkungen über diese beiden ehr miß⸗ 1 3 25 i 5 Aufsätze, weil ich balde Gelegenheit haben — 25* e werde, meine Gedanken über die ganze Ma— 5 terie weitläuftiger darzulegen. Co sprach lu . Ein Beispiel soll noch zeigen, ob und wie 4 chile die Engländischen Gesetze in Absicht des Ge— zugeben, treidehandels auch in andern Ländern anzu— Dilkür die wenden sind. Ich wähle Schlesten dazu, weil die ganze ich itzt in diesem Lande wohne, und also manche ßes Hienge⸗ Nachrichten die ich zu meinem Räsonnement dutch Anneh⸗ brauche, hier am leichtesten bekomme. Zwar allen kann ich nicht für die Richtigkeit aller nach— folgenden Berechnungen stehen, weil ich kei⸗ nen Zugang zu den Kammerarchiven habe dingte ge indeß glaube ich doch, daß sie leicht eben so n ferker loch zuverlässig seyn werden zsals die meisten von Anmerkungen Privatschriftstellern mitgetheilten statistischen Nachrichten dieser Art. Und wenn ich nur aus meinen angenommenen Datis richtige Schlüsse ziehe, so reicht dies zu meiner Ab— sicht hin. Ich bin sehr entfernt allgemeine Regeln zu geben; vielmehr verlange ich, daß alle meine Sätze immer nur bedingungsweise, nur unter Voraussetzung der von mir ange— nommenen Nachrichten, verstanden werden. Fallen also z. B. die Data weg die ich über Schlesien annehme, so gelten auch meine Schlüsse nicht für diese Provinz. Ich halte es für unmöglich, ein Wirthschaftssystem für ein Land zu entwerfen das man nicht ganz genau sowohl nach seiner innern Beschaffen— heit als nach seinen äußern Verhältnissen kennt; folglich kann es mir nicht in den Sinn kommen, die Regeln die ich hier aus meinen Datis folgern werde, für unfehlbar auszuge— ben. Sie sollen bloß an einem Beispiele zei— gen, wie man aus gewissen Datis schließen muß; wenn also die Art und Weise meiner Folgerungen nur richtig ist, so habe ich meine Absicht erreicht. Zuförderst ist die Große des Preußischen Schlesiens, mit Inbegrif der Grafschaft Glaz, ung! schaften nischen 5.4 zu Hrn Poung's Aufsatz. 135 hen zu bestimmen. Ich nehme hiebei als Einheit enn ich nut die sogenannten Deutschen oder Geographi— itis richtige schen Meilen an, deren 15 einen Grad des meiner A. Aquators ausmachen; und theile, zur Bequem— 0 lichkeit im Rechnen, jede derselben in tausend e ich, daß gleiche Theile. Folglich enthält eine Quadrat— meils eine Million kleinerer Quadrate, wo— durch sich die Größe jeder Provinz in Dezi— malbrüchen angeben läßt. Bei der Ausrech— nung der einzelnen Fürstenthümer und Herr— über meine schaften, habe ich mich der bekannten Homan— Ic halte nischen Spezialkarten bedient). tem füt— cht ganz *) Man hat seit der Zeit über Schlesten sowohl sorg fältigere Karten, als auch genauere Angaben von der Volksmenge u. s. w., erhalten. Allein, theils aältnissen ist doch noch nicht Alles bis zum völligsten Grade en Sinn bestimmt; theils können neuere Messungen und meinen Zählungen in einem Aufsatze vom J. 1776 keinen Platz finden. Will man jene kennen lernen, so ge: zuge⸗ J wird man von selbst die vortreflichen»Beiträge« 85 des Hrn Zimmermann zur Hand nehmen.— Auch kam es(wie der Hr Verfasser auf der vori— gen Seite sehr gegründet sagt), hier nur darauf * an, ein Beispiel zu geben, wie man mit richtiger e ich meine Beurtheilung die Data sich auslesen, mit Scharf— sinn sie kombiniren, und mit Beobachtung der lo— 6 gischen Regeln belehrende Folgerungen daraus ab— Preußen leiten muß.. Anm. d. Hexausg. .—————— 2 ———— 134 Anmerkungen Das Preußische Niederschlesien enthält: Quadratmeilen. Das Fürstenthum Breslau, von. 41,398625 —— Brigg 2,361250 ——— Schweidnitz. 46, 788750 ——„ Jauen 356,98 575 ——— Liegnitz 30, 016450 ———— Waoehlauu 23,503450 4 .—— Glogau 78, 641625 — Neiß(größtenth.) 24.962250 ii bdergres ——„ GSagan 268925 5—— Münsterberg. 13,8875 ——— Trachenberg. 6,814700 ——„ e,, Die Standesherrsch. Wartenberg von 9,9799700 „ millsßß 84000 ———— Goschütz. 1,339375 Die Minderherrsch. Neuschloß von. 1, 172875 ——— Freihahnn. 1.772675 2 8 Suan 399675 Das Preußische Gberschlesien enthält: Quadratmeilen. Das Fürstenthum Oppeln, von. 135,2 16700 N 5 Nalibo? 14,049375 e d 750* igen J Die Gre 10 gerade dratne geupßis en, o ferner e sscher zu Hrn Poung's Aufsatz. 9 98 Die Fürstenthümer Troppau Quadratmeilen. und Jägerndorf, soweit sie diesseit der Oppa liegen, nebst dem Distrikt Kat— scher, von 5 e. Die Standesherrschaft Pleß, von Beuthen 10, 895625 Die Minderherrschaft Loslau 3,0 Einen Theil von Oderberg. Die Grafschaft Glaz enthält Alle durch den Breslauischen Friedensschluß an den Kö— nig von Preußen abgetre— tene Länder betragen also n, 691777850 dr Adr. At. Um die nachfolgenden Rechnungen zu er— leichtern, und weil es auf einige Quadratmei— len mehr oder weniger hier nicht ankömmt, will ich die Größe von Schlesien und Glaz gerade zu sechshundert und neunzig Gua— dratmeilen annehmen. Da nun eine Geo— 23 664 Rheinländischen Fu— graphische Meile 5 ßen, oder 1972 Rheinl. Ruthen gleich ist; ferner ein Brandenburgischer und Magdebur— gischer Morgen 180 Rheinl. Quadratruthen mn 136 Anmerkungen beträgt, folglich auf eine Quadratmeile 21 604 bis 605 dergleichen Morgen gehn: so enthält die ganze von uns gefundene Oberfläche 14 Millionen und 90) 005 Brandenb. oder Mag— deb. Morgen. Ich gestehe daß ich nicht Data genug ha— be, um mit Gewißheit den Theil der Ober— fläche anzugeben, welcher zu Acker und Wie— sen genutzt wird. Indeß glaube ich die Sache nicht zu übertreiben, wenn ich annehme, daß neun Millionen Morgen in Schlesien wirk— lich angebaut sind. Die übrigen 5 goy 005 Morgen rechne ich auf die Waldungen, auf Seen Flüsse und Teiche, auf sehr große Striche des hohen Gebirges die gar nicht angebaut werden können, auf viele noch vorhandene große Gemeinheiten die höchstens abgeweidet werden, auf manche hier und da befindliche Brüche und Sümpfe die noch nicht ausge— trocknet und urbar gemacht sind, auf Bau— plätze in Städten und Dörfern, auf Land— straßen Wege und Fußfteige: kurz, auf alle die Stellen, die nicht ordentlich entweder als Wiesen oder als Gärten oder als Getreide— land genutzt werden. Nach dieser Voraussez— zung, wären also drei Fünftheile von Schle— 5 U ald rule von gleich Gekte immer lauten denk lenke, zu Hru Poung's Aufsatz. 787 8 siens Oberfläche angebaut, und zwei Fünf⸗ theile nicht urbar.— Vielleicht wird man— chem dieses Verhältniß unrichtig vorkommen, indem er einen weit größeren Theil für ange— bauet hält. Auch gebe ich dies in Absicht mehrerer einzelnen Fürstenthümer, z. B. Lieg— nitz, Breslau, Brieg, und einiger andern, sehr gerne zu. Wir haben hier aber das ganze Land zusammenzunehmen. Und da be— denke man, wie viel wirklich noch sehr große Waldungen Schlesien hat, z. B. im Fürsten— thum Oppeln, im Bunzlauschen Kreise des Fürstenthums Jauer, im Saganschen, beson— ders aber in dem Gebirge. Denn, wenn auch über Zugrunderichtung des Holzes, und über dessen Aushauen nach sehr unwirthschaftlichen Regeln, mit Recht geklagt wird; so sind doch 0 eben noch keine große Theile der ehmaligen Waldungen in Ackerland verwandelt worden. Man bedenke serner die beträchtliche Anzahl von Seen und Teichen in Schlesien; und wenn gleich die 1 der letztern abwechselnd als Getreideland genutzt werden, so bleibt doch immer die Hälfte ihrer aller von der ange— bauten Oberfläche aus; geschlossen. Man be⸗— denke, welche große Strecke das hohe Gebirge ———ů— — 158 Anmerkungen in Schlesien einnimmt, wo kein eigentlicher Ackerbau möglich ist. Man wird dann wohl mit mir einstimmen, daß das Verhältniß zwi— schen der angebauten und unangebauten Ober— fläche in Schlesien, von Drei zu Zwei, gewiß nicht ungünstig festgesetzt ist. Nimmt Xing es für England doch nur wie Sieben zu Sechs an, indem nach seiner Berechnung von 39 Millionen Morgen daselbst nur 21 angebauet sind). Von den 9 Mill. Morgen urbaren Landes in Schlesien, rechne ich 3 auf Wiesen, Küchen— „ ) Man sehe diese Berechnung welche Gregory King unter K. Wilhelm Ill machte, oben S. 55.— Nachher hat man angenommen, daß die Ober— fläche Englands 4 Mill. Englischer Morgen ent— halte; und hievon rechnete A. HDoung, vor 25 Jahren, 40 Mill. als mehr oder weniger urbar gemachtes Land. Allein, ein ganz neuer und höchst gründlicher Schriftsteller Beeke(in seinen Obser— vations on the produce of the Income Tax, London 1709) zeigt die Unrichtigkeit hievon. England hat, wie er beweiset, nicht mehr als 365 Mill. Morgen überhaupt. Davon waren, als Young jene Be— bauptung niederschrieb, auf das allerhöchste 28 Mill. kultivirtes Land.(Unser Hr Verfasser nahm also damal mit Recht, in der angeführten Stelle, 26 Mill. dafür an.) Gegenwärtig sind 33 Mill. kultivirte Morgen in England. Anm. d. Herausg.: zu Hrn Poung's Aussatz. 1 gärten, und Weinberge; folglich sechs Millio⸗ nen zu dem eigentlichen Getreidelande. Wenn gleich viele Gegenden in dieser Provinz mit verhältnißweise weit mehr Getreideland giebt; so findet man dagegen auch große Striche wo das Wiesenland überwiegt, z. B. in den Flu— ren zunächst an den Ufern der Flüsse und Bäche, und im Gebirge. Auch ist bei der Menge Viehes das in Schlesien unterhalten, und bei der beträchtlichen Kavallerie die in dem Lande verpflegt wird, die angenommene Morgenanzahl der Wiesen keineswegs über— trieben.— In England ist freilich ein ganz anderes Verhältniß; King rechnet(wie wir oben gesehen haben) 12 Mill. Engl. Morgen g Mill. auf Getrei— defeld. Allein, die Landwirthschaft und die auf Wiesenland und nur g Lebensart dort weichen auch gar sehr von der hiesigen ab. Der Engländer braucht zu sei— nem Unterhalt weit mehr Fleisch, Butter, und Käse, als der Schlesier; jener mästet selbst sein Schlachtvieh, dieser nimmt es größten— theils aus Polen; jener düngt sein Getreide— land weit stärker als dieser. Natürlich muß also der Engländer weit mehr Vieh halten; mithin müssen auch die Wiesen in England —— 140 Anmerkungen gegen das Kornfeld in ganz anderem Verhält— nisse stehn. Dort sind sie wie Vier zu Drei; bei uns, wie Eins zu Zwei. Nach der gewöhnlichen Methode des in Schlesien eingeführten Feldbaues, liegt der dritte Theil des Getreidelandes brach, nur zwei Drittheile werden besäet. Wenn also Schlesien 6 Mill. Morgen Getreideland hat, so liegen jährlich 2 Mill. davon brach, und die ganze Aernte ist auf den Ertrag von vier Millionen Brandenb. Morgen eingeschränkt. Wir wollen untersuchen, wie viel Getreide diese in gewöhnlichen Jahren geben. Die Aussaat auf einen Morgen ist ungefähr ein Schlesischer Scheffel. Wenn durchgängig in der Provinz von jedem ausgesäeten Scheffel fünf Scheffel gewonnen werden, so muß die Arnte schon sehr gut seyn; werden im Gan— zen nur vier Körner gewonnen, so ist die Arnte sehr mittelmäßig. Ich glaube daher, daß man für ein gewöhnliches, weder allzu gutes noch allzu schlechtes, Jahr den Ertrag von fünftehalb Scheffeln auf jeden ausgesce— ten Scheffel rechnen kann; nach welcher Vor— aussetzung, also die Getreideärnte in ganz Schle— sien achtzehn Millionen Schlesische Scheffel 0 f Acht nit felbec heile den bert Hal ef 7 * ohne men kennen Anh und g 7700, zienli sen d. Mense stieden zu Hrn Poung's Aufsatz. 141 beträgt. Von diesen muß zuförderst die Aus— saat, die wir zu 4 Mill. Scheffel angenom— men haben, abgezogen werden, daß also nur 14 Mill. bleiben. Davon geht ab die ganze Fütterung des Viehes, worauf ich den vier— ten Theil des Übriggebliebenen rechne. Denn ich finde, daß die Schlesischen Landwirthe die nicht mehr als die Hälfte ihres Sommerfeldes mit Hafer besäen, nicht viel von dieser Ge— treideart verkaufen, sondern alles größten— theils für ihr eigenes Vieh gebrauchen. Wer— den also in Schlesien viertehalb Mill. Schfl. verfüttert, so bleiben überhaupt noch elfte— halb Millionen Getreide übrig, deren An— wendung Wir itzt näher betrachten wollen. Der eigene Bedarf für Schlesiens Ein— wohner ist nun zuerst auszumachen. Dazu müssen wir die Volksmenge in der Provinz kennen. Ich besitze ein Verzeichniß von der Anzahl aller in Schlesien und Glaz Gebornen und Gestorbenen. Zwar ist es schon vom J. 1755; dennoch wird es auch für die itzige Zeit ziemlich passen: indem der Abgang den Schle⸗ sien durch den Krieg von 1756 bis 1763 an Menschen erlitten hat, gewiß schon durch die Friedensjahre von 1763 an, und durch die e Anmerkungen große Menge der ins Land gezogenen Aus— länder, ersetzt ist. Ich theile hier also dies Verzeichniß mit. Geboren Gestorben In Breslau, Trachen-⸗[Kna⸗Mädef männl.“ weibl. berg, Wartenberg, ben chen 1 Militsch, Goschütz, 5 Neuschloß, Freihahn und Sulauu 405303902 2921 2995 In Brieg 1163801461 11261118 — Schweidnitz 402203845 2577 2646 — Jauer 33483219 2387 2213 — Dels 116171627 1031 1073 — Neiß 153001505 12221185 — Glogau u. Karolath 295102529 2207 2120 — Sggan 422 439 33 33 „it, 1712616711 1401[1484 — Wohlauu 10201009 674 713 — Münsterberg gig 892] 760 772 Im Preuß. Oberschlesiensßör 16399 4609 457 f In Glaz l 14500/1401 998 lor Bei d. Armee in Schlesten 1542 Kin- 1021 Men⸗ n der. i schen. Die Summe aller Gebornen in Schlesien ist demnach 62 664; die Summe aller Gestor— benen, 45723. Wenn wir nun nach den Süßmilchschen Grundsätzen annehmen, daß Schlesien jährlich der 36ste Mensch stirbt, aber auf 26 bis 27 lebende Menschen eine Geburt kömmt; so wird die Zahl aller in Schlesien lebenden Menschen auf 1 600 000 e fal 1770 11 fecchl geh ie manch lauer ausge r 0 mogen Her ern in 5 7 e 13 zu Hrn Moung's Aufsatz. 143 zu setzen seyn.— Dagegen finde ich in dem so eben erschienenen Zehnten Theile des Büsching⸗ schen Magazins: daß nach wirklich angestell— ten Zählungen von den Kriegs- und Domä— nenkammern, sich die Zahl aller in Schlesien lebenden Menschen, sowohl im J. 1755 fl 1775, nur auf 1 Mill. und 372 734 Men- schen belaufen habe. Indeß darf dieser Un— terschied nicht sonderlich befremden. Theils geschieht keine wirkliche Zählung, wobei nicht manche und selbst große Unrichtigkeiten unter— laufen; theils ist in dieser die ganze Armee ausgelassen: wie immer alle Personen die un⸗ ter Gerichtbarkeit der Regimenter stehen sie mögen männlichen oder weiblichen Geschlechts, Kinder oder Erwachsene seyn, von den Kam— mern in ihren Seelenregistern nicht mit auf— geführt werden. Die in Schlesien stehende Armee beträgt 43 212, theils zu dem Stab theils zu den Regimentern gehörige, Men— schen; bedenkt man aber, wie viel Ofßziere und Soldaten verheirathet sind, und Kinder haben, imgleichen wie viel Menschen beider— lei Geschlechts, die keine Soldaten sind, bei den Offizieren in Diensten stehn: so muß an gewiß die Anzahl aller zum Militare in Schle⸗ 144 Anmerkungen sien gehörigen Personen noch höher als auf 100 000 ansetzen. Die von Herrn Büsching angezeigte Menschenzahl steigt demnach auf anderthalb Millionen. Zwar werden in den Seelenregistern der Kammern die Soldaten mit aufgeführt die entweder selbst im Lande ansäßig, oder ansäßiger Einwohner Kinder find; allein, sie betragen höchstens nur 10 bis 12 000 Menschen, und können also unsre muthmaßliche Schätzung nicht merklich ver— ändern. Meinem Bedünken nach, mußte Hr Büsching diese Umstände anzeigen, weil sich sonst das in andern Fällen gewöhnliche Ver— hältniß hier nicht findet. In den von ihm mitgetheilten Tauf- und Sterberegistern sind die bei der Armee Gebornen und Verstorbenen mit begriffen; aber in der von ihm mitgetheil— ten Anzahl der wirklich Lebenden fehlen alle zur Militargerichtbarkeit gehörige Personen). Ich will mich jedoch der Büschingschen Nach— richten *) Hr Vüsching schätzt auch das Preußische Schlesien nebst Glaz auf 50 Quadratmeilen kleiner als ich angenommen habe. Allein es würde hier ohne Nutzen seyn, eine weitläuftige Untersuchung über die Richtigkeit oder Unrichtigkeit dieser verschiednen Verechnungen anzustellen. Anm. d. Verf. sude schnei welch Oel feng wich; l 00 Ju foi tleidded in Bt den g ben t die 0 leide bis 10 , l. zu Hru Young's Aufsatz. 145 richten insofern bedienen, daß ich die Anzahl aller in Schlesien lebenden Menschen gerade ben zu anderthalb Millionen annehme. den in d 5 wie viel Getreide braucht nun diese An— Goldalen zahl von Menschen in einem gewöhnlichen Jahre, ohne daß Jemand Noth leide oder sich etwas abdarbe?— Auf den adelichen nur 10 Höfen werden 7 Scheffel auf einen Knecht, sso unste und wenigstens 6 auf eine Magd zu Brot— ich ver korn gerechnet. Außerdem bekömmt das Ge⸗ fte ht sinde Mehl zum Einbrennen, Brot zum Ein— wel sich schneiden in die Suppe, Mehl zu Klößen, pe Ven welches eine tägliche Kost des Gesindes ist; Gerste zu Graupen, womit dasselbe wenig— lern gern sind stens einen um den andern Tag beköstigt wird; und Mehl zu Kuchen, den es an den drei hohen Festtagen und am Kirchweihfeste len all zu fordern hat. Rechnet man dazu das Ge— e treide das vom Hofgesinde theils in Bier theils in Branntewein verzehrt, wie auch das was den auf jedem Hofe gehaltenen Hunden gege⸗ ben wird: so kann man ohne Übertreibung 1 Ehn die gesammte jährliche Konsumtion an Ge— f treide für jeden dieser Art Menschen auf 9 Ibn bis 10 Scheffel anschlagen. Hiebei sind Erb— aun sen, Linsen, Bohnen, Hirse und Heidegrütze 20 Vf. I K 146 Anmerkungen nicht einmal mitgerechnet, weil diese Früchte meist auf der Brache angebaut werden, und folglich nicht zum Ertrage des eigentlichen Getreidelandes gehören.— Auf den Bauer— höfen ist die Konsumtion an Getreide wenig— stens eben so stark; ich kenne einige, wo al— lein zu Brotkorn 10 Scheffel auf jeden Men⸗ schen jährlich gebraucht werden. Die Verzeh— rung der sogenannten kleinen Leute auf dem Lande, die von ihrer Handarbeit leben, ist zwar allerdings geringer; indeß kann man sie in guten und wohlfeilen Jahren zwischen 8 bis 9 Scheffel rechnen.— Dies gilt jedoch Alles nur von völlig erwachsenen Personen— In Rücksicht hierauf, wird man wohl dem wahren Verhältnisse am nächsten kommen, wenn man im Durchschnitt jährlich auf jeden Dorfeinwohner 72 Scheffel Getreide rechnet. Was die Städte betrift, so wird zwar einerseits nicht so viel Brot, sondern mehr Fleisch und andre Lebensmittel daselbst geges— sen; auf der andern Seite aber wird auch mehr Getreide, durch den häufigern Genuß des Biers und Brannteweins, verbraucht. Um einige Gewißheit über diesen Punkt zu geben, will ich die Getreidekonsumtion von der Stadt Mk al an 600 gegen schen 0 sen, Gig iht 5 so kaf hoben ganze vohne U 80) zu Hrn Moung's Aussatz. 147 Ja zuer im. 1774 hier mittheilen. Es sind daselbst in diesem Jahre verbraucht worden 2203 Scheffel Weizen, 14811 Scheffel Rog— 5 gen, 324 Scheffel Gerste, 3513 Scheffel Malz, und 1430 Scheffel Brannteweinschrot. Zu— sammen also betrug die ganze Getreidekonsum— tion 22281 Scheffel. Die Anzahl der Men— je Vetzeh⸗ schen in Jauer in diesem Jahr war, nach e auf dem vom Magistrat veranstalteten Zählung, 34235: leben, ist daß folglich auf jeden Menschen jährlich 685 + 2 ann man Scheffel kömmt.— Hiegegen läßt sich nun n zwischen zwar ein doppelter Einwurf machen: Einmal, gilt jedoch daß unter der hier angeführten Menschenzahl Versonen die Soldaten nicht mit begriffen sind, die d doch L den mit allen dazu gehörigen Personen sich wohl kommen, an 800 Köpfe belaufen mögen. Allein, da— auf jeden gegen sind unter diesen aufgezählten Jaueri— e technet. schen Einwohnern auch diejenigen mit begrif— died wat fen, welche in den Funfzig Hufen und in dern meht Grögersdorf wohnen, obgleich sie insgesammt 1 ihr Brot nicht aus der Stadt nehmen; und so kann füglich eines mit dem andern aufge⸗ eu hoben werden. Zwejtens: daß man nicht die ganze Bierkonsumtion auf die Jauerischen Ein— 175 wohner rechnen dürfe, weil die Stadt auch die 75 im Bezirk einer Meile umher befindlichen Dorf— K 148 Anmerkungen schaften mit Bier belegt. Allein, theils hat das in den Dorfschenken verzapfte Bier in dem genannten Jahr nicht mehr als 454 Ach— tel betragen, daß man folglich dieses Um— standes wegen von der angegebenen Getrei— dekonsumtion höchstens 454 Scheffel abziehen müßte; theils ist die ganze Rechnung um so weniger unrichtig, als man von der andern Seite auch wieder in Anschlag bringen muß, daß die Jauerischen Einwohner an Sonn— und Festtagen sehr fleißig die benachbarten Dörfer besuchen, wo aus besondern Rechten Dorfbier verkauft wird. Ein Dorfeinwohner braucht also in Schle— sien jährlich 73 Scheffel Getreide, ein Stadt— einwohner braucht 65. Folglich kann man wohl im Durchschnitt auf jeden Menschen in Schlesten 5 Scheffel Getreide zu seiner jährli— chen Konsumtion rechnen. Da nun Schlesien r Million Menschen hat(S. 145), so be— trägt die ganze Getreidekonsumtion in dieser Provinz jährlich 1o Mill. und 500 000 Schef— fel.— Dieses war aber gerade die Menge Getreide die(laut S. 141) in Schlesien von einer mittelmäßigen Arnte nach Abzug des Saamenkorns und des Viehfutters übrig blieb. — 4 Ac: 9 5 so be 1 + in dleset 900 Sche 910 0 8 Ot 95 U. eh eb ä 1———— zu Hru Young's Aufsatz. 149 Also sehen wir, daß die Einwohner von Schlesien gerade ihr eingeärntetes Getreide verzehren, wenn die Arnte weder allzu schlecht, noch auch sehr reichlich ist. Es wird hiedurch mein obiger Hauptgrund— satz augenscheinlich bestätigt: daß nehmlich in einem Lande nicht mehr Getreide angebauet wird, und auch in gewöhnlichen Jahren nicht mehr Getreide wächst, als die Landleute im Laufe eines Jahres Absatz finden. Schlesien . hat keinen andern natürlichen Absatz seines Getreides als seine eigene Konsumtion. Po— len, Mähren, und Böhmen, haben in guten Jahren selbst Überfluß. Die Ausfuhr nach der Oberlausitz, wo noch ein Ausweg für das hiesige Getreide wäre, ist mehrentheils ver— boten; und der Getreidehandel nach Berlin kann nur den zunächst an der Mark und zu— gleich nicht allzu weit von der Oder gelege— nen Schlesischen Landgütern zu gewissen Zei— ten vortheilhaft seyn, weil mehrentheils der Kornpreis im Schlesischen Gebirge höher als in Berlin steht, und also jedermann lieber sein Getreide nach, dem Gebirge verführt als nach der Mark. Ganz natürlich erstreckt sich daher der Getreidebau in Schlesien nicht wei— — . — —̃— 150 Anmerkungen ter als auf das eigene Bedürfniß dieser Pro— vinz. Die Wahrheit jenes Grundsatzes sieht man ferner augenscheinlich in den Kreisen, die am Fuß des Gebirges bis zu einer Entfernung von 4 bis 6 Meilen liegen. Hier wird un— streitig verhältnißweise weit mehr Getreide angebaut und gewonnen, als in den weiter entlegenen Kreisen. Die Ursache ist, weil diese Fluren einen sichern Absatz ihres überflüssigen Getreides in das nahe Gebirge haben. Da— gegen wird in Oberschlesien und in den an der Gränze von Polen liegenden Gegenden der Getteidebau weit nachlässiger betrieben, weil kein Absatz für den Überfluß daselbst vor— handen ist. Man sieht ferner aus der obigen Berech— nung, daß in Schlesien bei der bisherigen Verfassung des Getreidebaues kein beständi— ger Kornpreis Statt haben kann, sondern daß derselbe ruckweise bald sehr hoch steigen muß, bald aber auch so tief fällt, daß der Landmann dabei nicht bestehen kann. Wir wollen die Umstände Schlesiens in einem * schlechten und in einem recht guten Jahre un— tersuchen, um die Folgen davon auf den Ge— treidepreis zu entwickeln.— Zuförderst ein — ——.. zu Hru Moung's Ausfsatz. 151 ape. schlechtes Jahr. Man setze, daß im ganzen woche sch Lande ein halbes Korn weniger gewonnen r AKresen, d a würde, als sonst gewöhnlich geschieht. Dann c Enffenung beträgt die ganze Arnte nur 16 Mill. Schef— let wird un, fel; wovon, nach Abzug der Aussaat, nur 18 Getreide Mill. zur Konsumtion übrig bleiben. Wenn den weiter mun Schlesien zum reichlichen Unterhalt aller weil diese seiner Einwohner und des Viehes 14 Mill. sigen Scheffel braucht, so muß es bald den Man— Da⸗ gel an dem siebenten Theile seines Bedarfs n den an fühlen. Daher steigt der Getreidepreis; und Gegenden zwar gar nicht nach einem gewöhnlichen Ver— bettieben hältnisse mit dem Statt habenden Mangel, gselbst vor sondern nach einem weit größern. Der Eng— länder Davenant, der in seinen ökonomisch— politischen Schriften Berechnungen dieser Art angestellt hat, sucht das Verhältniß zwischen b gen bestandi⸗ dem Rückschlage der Arnte und dem Getreide— sondern; preise zu bestimmen, und giebt darüber fol— 0 steiget gende Regel: Wenn 1 Zehntheil an der Arnte daß det fehlt, so steigt der Preis um 3, Zehntheile; 10 fehlen 2, so geht er um 8; fehlen 3, um 16; fehlen 4, so geht er um 28 Zehntheile in die H 3 Höhe; wenn die Hälfte(J ehlt, so wird — 7 der Preis des Getreides 4zmal so hoch als in gewöhnlichen Jahren. Um diese Regel durch 132 Anmerkungen ein Beispiel zu erläutern, nehme man den gewöhnlichen Ertrag einer Arnte in Schlesien zu 18 Mill. Scheffel an; und setze den ge— wöhnlichen Preis eines Scheffels vom Rog— gen auf einen Thaler, vom Weizen auf zwei Gulden, von der Gerste auf einen Gulden, vom Hafer auf einen halben Thaler. Es würden dann die Getreidepreise von Schlesien für schlechte Jahre nach Davenant's Regel folgendergestalt zu bestimmen seyn: 0 Ertrag Preis des, des der des der Arnte[ Weizens Roggens] Gerste[Hafers Scheffel Thl. Sgr. Thl. Sgr. Thl. Sgr. Thl. Sgr. 18000000 TI 10—— 20— 13 16200000 1 22 1 9 19 14400000 2 12 1 2 1 6— 27 odds 9 108000001 5 2 e ier S 224 900 10 Ohne mich hier auf die Wahrheit oder Unrichtigkeit dieser Regel einzulassen; will ich nur bemerken, daß die Billigkeit allerdings erfordert, den Getreidepreis nach einer weit höhern Proportion als nach dem etwanigen Abgange zunehmen zu lassen. Denn gesetzt, es würde Jemanden folgender Anschlag von einem Landgute gemacht: 60 6 feinen gezeig bon 2 betkäch Die Arnte be— trägt an en Die Aussaa 5 eigene Konsumtion Bleibt also q* zum VBer⸗ zu Hru Moung's Aufsatz. 153 Weizen Roggen Gerste] Hafer 936 600 840 840 160[268188 344 776 332 652 ⁶ 496 kauf übrig So würde seinem Getreide, bei 8 der Käufer dieses Landguts aus Annahme der porher au— gezeigten gewöhnlichen Preise, eine Summe von 2048 Thalern lösen müssen, wenn er bei dem Kaufe be pitals gewinnen will. theil an der stehn und die Zinsen seines Ka— Fehlt nun ein Zehn— ganzen Arnte, so geht dies le— diglich dem zum Verkauf übrig gebliebenen Getreide ab, beträchtlichen spiel würde, theils, der Ertrag der Arnte. Saat und ei— gene Kon— sumtrion und beträgt also hievon einen Theil.— Nach obigem Bei— durch Wegfallen dieses Zehn— Anschlag folgendergestalt lauten: Bleibt zum Verkauf Scheffel Weizen Roggen] Gerste Hafer 842 540 756 756 160 268 188 44 682 272 568 412 — — ————— 54 Anmerkungen Blieben nun die vorigen Preise, so würde man aus dem Verkauf dieses Getreides nicht mehr als 1766 Thal. lösen. Wollte man aber 1 jene auch um ein Zehntheil vermehren, so würden immer noch gegen 80 Thaler an der vorhin angezeigten Summe, die aus dem Ge— treide gelös't werden sollte, fehlen. Mithin könnte der Landmann bei einer Erhöhung der Preise, die sich bloß nach dem wirklichen Ab— gange richtete, nicht bestehen.— Indeß sieht man auch zugleich, daß die Zunahme der Preise nicht so hoch seyn dürfe ols Davenant sie verlangt. Denn, wenn bei einem man— 2 1 gelnden Zehntheil an der Arnte, die Preise um ein Siebentheil oder höchstens um ein Sechstheil zunehmen, so wird der Landmann jederzeit damit zufrieden seyn können. Daß aber die Preise auch nur bei einem kleinen Mangel ganz über alle Verhältnisse zunehmen, rührt davon her, weil in den mei— sten Ländern nicht mehr Getreide wächst, als im Laufe eines Jahrs von den eigenen Ein— wohnern verbraucht wird. Sobald also der geringste Mangel zu muthmaßen steht, hält der Landmann mit dem Verkaufe so lange als möglich zurück, um die höchsten Preise abzu— 8 9 ö ö 5 U 1e 6 mme r N ll, d geschie in ein entste ber gut f, if Gee Ane it fülgäch halt f wenn den so Land den, ö tleieg nuß,; warten; der Städter hingegen, der in der Folge noch höhere Preise vermuthet, eilt mit dem Einkauf, um, seiner Einbildung nach, noch so wohlfeil als möglich seinen Bedarf zu erhalten. Folglich sind auf den Kornmärk— ten weit mehr Käufer als Verkäufer; das Ge— treide muß also in diesem Fall eben so wie 2 1 1 0 1555 jede andre Waare im Preise steigen. Nun 9 d kommen noch die Kunstgriffe der Kornhänd— se 0 ler, Aufkäufer, und Mäkler dazu; und so geschieht es, daß oft eine ziemliche Theurung in einem Lande, ohne hinreichende e entstehn kann, Daß dieses auch die Geschichte des Schlesischen Kornhandels ist, wird de der nur einigermaßen in diesem Lande bekannt ist, wissen. Gesetzt also, daß an der vollkommenen Arnte in Schlesien 2 Mill. Scheffel fehlten, folglich ungefähr auf 4 Wochen kein Unter— halt für Menschen und Vieh vorhanden wäre, wenn nehmlich Alles so reichlich ernährt wer— den soll, als in guten Jahren: so wird jeder Landwirth diesen Mangel bald gewahr wer— den, jeder also mit dem Verkauf seines Ge— treides so lange als möglich zögern; und es muß, weil kein Vorrath vom vergangenen 156 Anmerkungen Jahre da ist, das Getreide sehr im Preise steigen.(Denn freilich, wenn man annimmt, daß das vorhergehende Jahr sehr gut gewe— sen wäre, so daß man etwa 2 Mill. Über— schuß gehabt hätte, so würde dadurch der Preis sehr gemildert werden.) Wenn nun der Getreidepreis um ein Beträchtliches gestiegen ist, so fängt jedermann an zu sparen. Auf den adelichen wie auch auf den Bauerhöfen, kann zwar dem Gesinde nichts abgebrochen werden; aber das Gesinde selbst ißt vielleicht etwas weniger von seinem Lohnbrote, um alle Woche noch einen Theil desselben verkaufen zu können. Die kleinen Leute die von ihrer Handarbeit leben, gehen auch sparsamer mit dem Brote um, und geben ihren Kindern nicht mehr so reichlich als bei wohlfeilen Zei— ten. Ebenso achtet der Bürger und Hand— werker genauer auf diese Konsumtion in sei— nem Hause. Da die Menschen mehr Geld zu Brot brauchen als in guten Jahren, so kön— nen sie itzt nicht so viel Bier und Brannte— wein trinken; und so wird wiederum etwas am Getreide erspart. Bei stheuren Zeiten wer— den viele Hunde todt geschlagen, viele Pferde abgeschaft, weniger Mastvieh aufgestellt; und chli Milo als dab Nun Vert fern Weise gebrac beckau — 5 5 2 5 zu Hru Young's Aussatz. 157 überhaupt werden Lebensmittel für Menschen und Vieh hervorgesucht, an die man sonst nicht dachte. Alles dies zusammengenommen bewirkt, daß am Ende des Jahres auch die geringere Menge von Getreide zum Unterhalt hingereicht hat. Und es geht ohne sonderliche Beschwerde und ohne große unangenehme Fol— gen von Statten, solange nur nicht der Man— gel zu beträchtlich ist. So glaube ich, daß eine Million Scheffel in Schlesien leicht ent— behrt werden kann. Sollten aber 2 bis 3 Mill. oder noch mehr fehlen, so würde aller— dings die Noth ungleich größer, und das Übel um desto empfindlicher seyn, wenn mehrere schlechte Jahre auf einander folgten. Findet hingegen in einem Jahr eine sehr reichliche Arnte Statt, sodaß z. B. ein paar Millionen Scheffel mehr gewonnen werden als in einem gewöhnlichen Jahre, so muß das Getreide außerordentlich im Preise fallen. Nun entsteht eine Konkurrenz auf Seiten der Verkäufer, die ihnen zum Nachtheil, den Käu— fern aber zum Vortheil gereicht. Ist auf die Weise das Getreide auf einen niedrigern Preis gebracht, so muß der Landmann desto mehr verkaufen, damit er nur die zu Bestreitung 158 Anmerkungen seiner Wirthschaft und zu Abführung der Ab— gaben und Zinsen unentbehrlichen Summen zusammenbringe. Dadurch befördert er aber in der That ein noch größeres Fallen der Preise. Und zuletzt, wenn kein auswärtiger Absatz da ist, verbleibt allem ungeachtet der ganze Überschuß des Getreides doch dem Land— manne. Folgen mehrere dergleichen gute Jahre auf einander, so kömmt der Landmann bei diesem Segen sehr zurück. Da er die auf den Ackerbau verwendeten Auslagen nicht wieder gewinnt, so vernachlässigt er, aus Besorgniß oder aus Noth, seine Wirthschaft; und, weil nun dadurch seine Felder verschlimmert wer— den, so müssen endlich magere Arnten erfol— gen, die den Getreidepreis wieder über alle Verhältnisse in die Höhe treiben. Diese hö— hern Preise geben alsdann dem Landmann wieder Muth, und er verbessert mit Mühe und Kosten seine Wirthschaft. Wird der Ertrag der Arnten dadurch von neuem vermehrt, so kommen die niedrigen Preise wieder, und der Ackerbau leidet von neuem. Dies Spiel geht auf diese abwechselnde Weise von Periode zu Periode fort. d Dieses ist die natürliche Geschichte des Ak— wieder schlte, elggef oc 7 0% en fal 0 is z 1 ee war abe Def 0 fanden Gettei — Felder mußte Anke e shaß n her Och — 5 Gr 1 E Hrn Poung's Aufsatz. 159 kerbaues in jedem Lande, das keinen andern Oe Absatz des Getreides als an seine eigenen Ein— wohner hat. Das Beispiel Schlesiens bestä— tigt die Richtigkeit dieser Bemerkung. Und damit man nicht nöthig habe in die ältern Zeiten zurückzugehn, so will ich nur der letz— tern zehn Jahre erwähnen. Der Ackerbau war durch den Krieg sehr zurückgekommen, weil aber bald nach dem Frieden(1763) die gehö— rige Anzahl von Menschen noch nicht völlig wieder da war, weil es im Lande an Geld fehlte, und weil sehr viel Getreide aus Polen eingeführt ward, so stand der Kornpreis nicht hoch. Man kaufte den Roggen in den J. 1764 und 1765 ungefähr um zwei Thaler. In den folgenden Jahren fiel er nach und nach bis zu einem Thaler; dieser wohlfeile Preis war aber mehr eine Folge von der elenden Verfassung worin sich die Ländereibesitzer be— fanden, als von einem großen Überfluß an Getreide. Weil jene außer Stand waren ihre Felder gehörig zu düngen und zu bestellen, so mußte endlich bei einer nur etwas magern Arnte ein großer Mangel erfolgen. Dies ge⸗ schah nach der Arnte des J. 1770, wodurch der Scheffel Roggen bis zu fünftehalb Tha— 160 Anmerkungen lern in die Höhe getrieben ward. Die hohen Preise hielten in den beiden folgenden Jahren an; nun bestrebte sich also jeder Landwirth mit allen Kräften, sein Feld in den besten Stand zu setzen, und sich den möglich größ⸗ ten Ertrag zu verschaffen. Die Arnten wur— den daher von Jahr zu Jahr besser, das Ge⸗ treide mußte folglich im Preise fallen. Itzt (1776) wird der Scheffel Roggen schon unter einem Thaler verkauft, und auf sehr vielen adelichen Höfen befinden sich noch beträchtliche Rückstände vom vorigen Jahr. Halten diese niedrige Preise, wie es allerdings das Ansehn hat, noch einige Jahre an, so vernachlässigt der Landmann gewiß seine Wirthschaft, und wir haben nach 5 oder 6 Jahren sicherlich Theurung zu erwarten, die hierauf nach 3 oder 4 Jahren mit wohlfeiler Zeit abwechselt. Es ist wohl außer Streit, daß ein solcher stoßweise abwechselnder, bald sehr hoher bald sehr niedriger, Getreidepreis unmöglich mit den wahren Vortheilen eines Landes bestehn kann. Und eben so ausgemacht ist es, daß ein be— ständig gleichförmiger Getreidepreis, der mit der wahren Beschaffenheit des Landes in rich— tigem Verhältniß steht, die größten Vortheile nicht N cpöht seeide l. zu Hru Moung's Aufsatz. 161 nicht nur dem Lande überhaupt, sondern auch insonderheit den Güterbesitzern verschaf— fen würde. Folglich entsteht die große Frage: durch was für Mittel ein solcher beständiger Getreidepreis zu erhalten sei. Die allgemeine Beantwortung derselben ist keinen sonderlichen Schwierigkeiten unterworfen. Man sorge da— für daß stets eine gleiche Menge von Getreide in einem Lande vorhanden sei, welche hinreiche die Einwohner desselben zu ernähren, so wird gewiß der Preis in beständiger Gleichheit blei— ben. Allein, schwieriger ist die Aufgabe, die— sen beständig gleichen Vorrath von Getreide zu bewirken. Ich will zwei hiezu dienliche Mittel anzeigen, und meine Beurtheilung dar— über beifügen. Das erste Mittel besteht darin, daß man den Überschuß der guten Jahre in Magazi— nen aufhebt, um dadurch einen Vorrath für schlechte Jahre zu erhalten. Die Ausführung kann auf mehr als eine Art geschehn. Zuföt— derst kann der Staat selbst die Sammlung und Besorgung dieser Magazine übernehmen Wir wissen z. B. daß Sch lesten in einem ge— wöhnlichen guten Jahre 18 Mill. Scheffel Ge— treide einärntet und verbraucht. Gesetzt, daß II. L 162 Anmerkungen ein Jahr einfiele wo die Arnte 20 Mill. be— trüge, so könnte der Staat die zwei überflüs— sigen Mill. zu dem genannten Zwecke aufkau— fen. Wäre nun das folgende Jahr ein ge— wöhnliches, so würde das aufgeschüttete Ge— treide zwar verkauft, dagegen aber zwei neue Millionen Scheffel aufgekauft und wieder auf— geschüttet. Dies Verkaufen des vorjährigen, und das Aufkaufen des diesjährigen Getrei— des würde so lange fortgesetzt, bis eine schlechte Arnte den Staat nöthigte, nach Ver— hältniß des wirklichen Mangels, entweder den ganzen aufgehobenen Vorrath zu verkaufen, ohne ihn mit einem neuen zu ersetzen, oder doch nur eine geringere Menge aufzukaufen.— Zweitens könnte auch dies ganze Geschäft ein— zelnen Personen überlassen werden, wobei der Staat höchstens nur die Oberaufsicht über— nähme. Ein solcher Vorschlag findet sich in dem Zweiten Bande der Berliner Beiträge zur Landwirthschaftswissenschaft. Der Ver⸗ fasser verlangt, daß jeder Hof und jedes Dorf ein Magazin anlege, welches hinreiche, nicht nur die Aussaat für das ganze Feld, sondern auch das Bedürfniß aller Einwohner auf dem platten Lande an Getreide, und das Futter— wel neue der auf⸗ zu Hrn Poung's Aufsatz. 163 korn für das Vieh, auf ein ganzes Jahr zu bestreiten. Mit einem solchen Magazine kann man ohne Zweifel manchen Rückschlag über— tragen; und da alle Einwohner der Dorf⸗ schaften, ja sogar alles Vieh dadurch erhalten wird, so müßte die Arnte wohl sehr schlecht seyn, wenn sie nicht hinreichen sollte die Ein— wohner der Städte zu ernähren. Meine Gedanken hierüber bestehn nun in Folgendem. 1) Ich läugne nicht den Nutzen der Magazine in einzelnen Fällen. Zuver— lässig wird ein Getreidevorrath, der auf ei⸗ nen oder etliche Monate zu Bestreitung der gesammten Landesnothdurft hinreicht, dem Lande sehr zu statten kommen, wenn ein Mißjahr eintritt; und wenn nicht mehrere schlechte Arnten unmittelbar auf einander fol— gen, so ist es allerdings wahr daß ein solches Magazin der allzu großen Theurung und ei⸗ ner wahren Hungersnoth hinlänglich vorbauet. Indeß ergeben sich auch bei einer Anstalt die— ser Art verschiedne Schwierigkeiten, die man wenigstens vorher genau prüfen muß, ehe man den durchgängigen Nutzen derselben be— Rauptet. 2) Anfangs, vornehmlich wenn man zur L 2 —... 164 Anmerkungen Anlegung eines solchen Magazins ein Jahr wählt, wo ein mehr als gewöhnlicher Über— fluß eingeärntet ist, thut das Aufkaufen des dazu bestimmten Vorraths eine sehr gute Wir— kung. Der Landmann erhält einen Absatz für seinen Überfluß, der ihm sonst würde liegen geblieben seyn, und man verhütet den gar zu niedrigen Preis; wodurch also die Ackerwirth— schaft eine herrliche Aufmunterung gewinnt. Allein diese vortheilhafte Wirkung findet in den folgenden Jahren nicht mehr Statt. Denn da alsdann der vorjährige Magazinbestand verkauft, und dagegen nur ein eben so großer neuer Bestand aufgekauft wird, so hat nun— mehr der Landmann im Grunde keinen stär— kern Absatz seines Getreides, als den gewöhn— lichen an die Landeseinwohner. Ist also das zweite Jahr eben so gesegnet als das erste, so müssen doch die Preise fallen; und wenn es so fortgeht, so erfolgen, ungeachtet des Magazins, so niedrige Preise, daß der Land— mann dadurch abgeschreckt, und verhindert wird den Ackerbau in Flor zu erhalten. Die— ser kömmt also zurück, bis(wie wir vorhin gesehen haben) wiederum schlechte und ma— gere Jahre hinter einander eintreten. Wenn dem! N Ka fo g doc die ö Erh einen en, zu Hru Moung's Aussatz. 165 nehmlich, wegen des wenigen Geldes welches der Landmann von seinem Getreide gewinnt, er den Anbau desselben vernachlässigt, und die Felder nicht mehr gehörig bedüngen und bestellen kann; so wird nach Verlauf von ei— nigen Jahren nicht einmal so viel Getreide im Lande wachsen, als die eigene Konsum— tion erfordert.— Wollte man diesen Erfolg durch Magazine verhüten, so müßte dar— aus, solange reiche und überflüssige Arnten wären, nie verkauft, sondern immerfort der Bestand vermehrt werden. Dies ist aber aus mancherlei Ursachen unmöglich. Man nehme das Beispiel von Schlesien. Kämen auch nur vier gute Jahre hinter einander, und wäre der Überfluß in jedem Jahr nicht stärker als 2 Mill. Scheffel; so würde der Staat nach dem Verlauf dieser Jahre ein Magazin von 8 Mill. Scheffeln Getreide haben. Würde die Kasse des Fürsten wohl zu Anschaffung eines so großen Bestandes hinreichen? und da Er doch eigentlich keine andre Gelder hat, als die er von seinen Unterthanen erhebt, welche Erhöhung der Auflagen würden nicht die zu einem solchen Magazin erforderlichen Sum⸗ men nothwendig machen? Was endlich soll — 3— 5 166 Anmerkungen man mit allem diesen Getreide anfangen? Ich will nicht einmal der mannichfältigen na— türlichen Beschwerlichkeiten bei Aufbewahrung eines so großen von vielen Jahren her gesam— melten Bestandes gedenken. 3) Das bloße Aufschütten in die A 8 Maga— zine 1 dert also nicht die nach einigen A guten Arnten nothwendig erfolgenden gar zu Ja, man kann auf gewisse — 1 wan Weise sagen, daß es sie befördert. Denn, da durch das erste Aufkaufen des Getreides der Landmann ermuntert wird, so legt er sich mit vermehrtem Fleiße auf den Getreidebau, und glaubt in dem folgenden Jahre die nehm— liche gute Abnahme zu finden. Wenn er sich hierin betrogen sieht, so bleibt ihm ein Über— schuß auf seinem Boden liegen, den er nicht versilbern kann; und so fällt der Preis mit Macht.— Eben so wenig glaube ich auch, daß die Magazine allein den übertriebenen und gar zu bohen Getreidepreisen vorbauen. Denn, wenn das erste schlechte Jahr einfällt und jene nun geöfnet werden, so zeigt sich zwar ihr Nutzen darin, daß die Landesein— wohner keine Noth leiden dürfen. Allein, es wird dadurch auch der Getreidepreis niedriger Noten zu Hru Moung's s Aufsatz. 167 gehalten als er nach Beschaffenheit der Arnte seyn sollte Der Landmann hat also nicht die gehörige Einnahme, und folglich fehlt es ihm an Kräften seine Acker zu verbessern, und sich für künftig eine reichlichere Arnte zu verschaf— fen. Mithin wird das folgende Jahr wahr— 2 1 scheinlich wieder mager seyn; und wenn a dann das Magazin aufgezehrt ist, so entstehn die vorhin angeführten Folgen, nur daß sie 5 d 88 Jahre soäter sich erei 5 etwa ein oder zwei Jahre pater sich ereignen, Wenn in Schlesien z. B. 2 Mill. Scheffel aufgeschüttet wären, und es fielen 3 oder 4 schlechte Jahre nach einander eim, so wird das Magazin zwar im ersten, vielleicht auch noch einigermaßen im zweiten Jahr der all— gemeinen Noth abhelfen; im dritten aber wir Mangel und theure Zeit eintreten, als wenn d gar kein Magazin vorhanden gewesen wäre. Und daß dies dritte schlechte Jahr nicht aus— bleiben wird, läßt sich daraus schließen, weil der Landmann in den beiden ersten schlechten Jahren eben des Magazins wegen keine Kräfte hat sammeln können, um seine Acker in voll kommnern e zu versetzen. 49 Das Aufkaufe 1 des Getreides von Sei ten der Regierung 5 sich gegen de 168 Anmerkungen treidebau eben so, als das Aufkaufen der überflüssigen und keinen natürlichen Absatz findenden Waaren gegen die Fabrik welche sie liefert. Ist diese in einem Lande so weit getrieben, daß sie mehr Waaren verfertigt als in und außerhalb verlangt werden; so scheint es zwar anfänglich den Fabrikanten sehr vor— theilhaft, wenn die Regierung ins Mittel tritt, und ihnen ihre überflüssigen Erzeugnisse abnimmt. Wird aber nicht bald ein neuer Ausweg gefunden, oder schränkt man nicht die Fabrik ihrem itzt zu erwartenden Absatze gemäß ein; so kann doch das Aufkaufen von Seiten der Regierung keine dauerhafte Wir— kung haben, weil es nach Verlauf einiger Zeit nothwendig aufhören muß. Eben so ist es mit dem Aufkaufen des Getreides. Wird desselben immerfort zu viel in einem Lande angebauet, das keinen Absatz hat; so besitzt der Staat nicht Kräfte genug, diesen Überfluß im— merfort an sich zu kaufen: und der Getreide— bau muß in diesem Lande von selbst in die Schranken zurücktreten, die ihm von dem zu erhaltenden Absatze bestimmt werden. Ein oder ein paar Jahre kann zwar das Getreide— aufkaufen ein trefliches Palliativmittel seyn, bon —— zu Hru Young's Aussatz. 169 um die gar zu niedrigen Preise zu verhin— dern; sorgt man aber nicht in dieser Zwischen— zeit für anderweitigen Absatz, so hört die vor— theilhafte Wirkung gänzlich auf.— Ich tadle übrigens gar nicht das Verfahren der Regie— rung, wenn sie aus besondern Absichten Ma— gazine aufschüttet. Wenn der Staat z. B. die Armee selbst mit Brot verpflegt, so ist nichts natürlicher als daß er das 1 dazu ein— kauft. Wenn er einer Provinz die etwa Miß— vachs gehabt hat, zu Hülfe kommen will, so ist es sehr natürlich, daß das dazu nöthige Getreide in den Provinzen aufgekauft wird wo Überfluß 3 und beide Provinzen finden dabei ihren Vortheil, sowohl die verkaufende als die welche das Getreide nun wohlfeiler als von einem Kaufmanne erhält. Allein, hier ist nicht von diesen und ähnlichen Fällen die Rede; sondern davon: ob das jährliche Aufschütten einer gewissen Menge Getreides ein hinreichend wirksames Mittel sei, theils die gar zu wohlfeilen Kornpreise, theils auch eine übermäßige Theurung zu verhindern; und ob der Getreidebau eines Landes dadurch eine dauerhafte Aufmunterung erhalte. Bloß die— ses habe ich aus den vorhin angezeigten Grün— den geläugnet. 170 Anmerkungen 5) Was den von dem Verfasser der Ber— liner Beiträge gethanen Vorschlag(man s. vorher S. 162) eines auf jeden Hof und je— des Dorf zu vertheilenden allgemeinen Lan— desmagazines betrift; so gebe ich zu, daß er, theoretisch betrachtet, eine sehr scheinbare Seite hat. Kömmt es aber zur Ausführung, so stößt man auf eine unendliche Menge Schwie— rigkeiten. Ein einzelner Landwirth freilich wird sehr vernünftig verfahren, wenn er die jahre nach und nach Arnte von einem ganzen 2 erspart, und er kann gewiß mit der Zeit das darin steckende Kapital nebst den Zinsen reich— lich wieder gewinnen; allein hier haben wir den Vorschlag im Großen, nehmlich als eine im ganzen Lande von allen Gutsbesitzern und allen Dorfschaften zu gleicher Zeit auszufüh— rende Anstalt zu betrachten.— Zuförderst sieht man leicht, daß ein. Vorhaben nicht ohne landesherrliche Befehle zu Stande kommen würde. 2 15 aber 1 es die meisten Landwirthe unerträglich hart finden, daß ihnen die 1 verbieten wollte, ih— ren Vorrath nach eigener Willkür zu verkau— fen, sondern sie gezwungen seyn sollten einen Theil davon auf künftige Zeiten aufzubewah— zu Hrn Young's Aufsatz. 171 ren. Wäre alsdann ein Landwirth unvermö— lbgaben zu entrichten oder seine zinsen abzuführen, so würde er sich nicht un— billig damit entschuldigen, daß er sein Ge— treide nicht habe verkaufen dürfen. Ferner, da(wie wir gesehen haben) in einem Lande gewöhnlich nicht mehr Getreide wächst als sich Absatz dafür findet; so müßte man entwede zu der allmählichen Sammlung des Maga— zins lauter Jahre wählen wo ein großer r Über⸗ fluß eingeärntet ist, oder erst vorläufig den Ackerbau so weit verbessern daß in gewöhnli— chen Jahren viel überflüssiges Getreide ge— wonnen würde. Will man das erste, so wird es sehr lange dauern, ehe ein solches Maga— zin 5 zu Stande kömmt. Will man das letzte, so sehe nicht ein, wie diese Anstalt ip 7 Bofto 58 er 115 die zu 3 des Ackerbaues Aufmunterung verschaffen kann. rechne ein solches Magazin für Schlesien, wo die ganze jährliche Konsumtion für die Ein— wohner und für das Vieh 14 Will. Scheffel Getreide beträgt. Da man ganz füglich an— nehmen kann, daß zwei Drittheile davon auf dem Lande und nur ein Drittheil in den Städ— ten verbraucht wird, so müßten ungefähr e — ————— —ꝛů——— — —— . * 2 172 Anmerkungen Mill. Scheffel in den um das platte Land ein Jahr Dorfmagazinen aufge— schüttet seyn, lang zu versorgen. Rechnet man dazu die Aussaat von 4 Mill. Scheffel, so muß folg— lich ein Bestand von mehr als 13 Mill. Schef— feln aufgesammelt und von Jahr zu Jahr er— 0— neuert werden. Nun überlege man, wie viel Jahre dazu gehören, diesen Vorrath ohne Nachtheil des Ganzen zusammen zu bringen. Will man jährlich eine Million zurücklegen, so muß man 13 Jahre haben; da aber in dieser Reihe gewiß ein paar magere Jahre seyn werden, so zweifle ich ob das Magazin je zu Stande käme. Wollte man schneller zu Werke gehn, und etwa 4 Mill. Scheffel in einem gewöhnlichen Jahre von dem eingeärn— teten Vorrath wegnehmen, so würde daraus unstreitig größere Theurung und mehr Man— gel entstehn, als bei ziemlich starkem Miß— wachs. Schüttete man vollends alle 13 Mil— lionen in Einem Jahre auf, so bin ich über— zeugt, daß man in der Geschichte kein Bei— spiel von einer solchen Hungersnoth findet als diese Anstalt erzeugen müßte. Um daher ein solches Magazin in einem ganzen Lande zu Stande zu bringen, wäre vorläufig der wahre 2 — 0 zu Hrn PYoung's Aufsatz. 17 Getreidebau so zu erweitern, daß durchgängig von Jahr zu Jahr ein mehr als gewöhnlicher Vorrath eingeärntet würde. Allein was soll den Landmann in diesem Fall bewegen, sei— nen Ackerbau zu verbessern; und wo soll er die dazu nöthigen Summen hernehmen? Die Preise bleiben ja bei dieser Voraussetzung die nehmlichen; und da nicht mehr Getreide ver— kauft wird als zu gewöhnlichen Zeiten, so be— kömmt er die auf die Verbesserung seiner Ak— ker verwendeten Gelder nicht wieder. Weder der Patriotismus, noch die Vorstellung des künftig bei magern Jahren davon zu erwar— tenden Gewinnes, kann die Ländereibesitzer vermögen, große Auslagen zu diesem Behufe zu machen; denn sie sind nicht im Stande, diese ohne Nachtheil zu bestreiten. Und was soll aus dem Getreidebau werden, wenn das Magazin vollständig zusammengebracht ist? Alsdann wäre ja der eingeärntete Überfluß vollkommen ohne Nutzen, und es müßte folg— lich der Ackerbau wieder den Krebsgang gehen. Wenn man aber auch als möglich an— nimmt, daß ein solches allgemeines Magazin im Lande zu Stande gekommen, und in al— len Höfen und Dörfern vertheilt vorhanden * 7 9 5 174 Anmerkungen wäre, so findet die Anwendung dieses Bestan— des neue 1 Gesetzt daß Krieg entst„ so ist sehr natürlich daß der Lan— 115 5 1 0 Vorraths bemächtigt. Wenn er auch das Getreide nach dem gewöhnlichen Markrpreise bezahlt, so verliert doch der Land— mann die Zinsen seines im Magazin stecken— den Kapitals. Auch wird er in diesem Fall wohl schwerlich von neuem aufschütten; denn die Furcht, nicht für sich, sondern für die Ar— meen zu sammeln, hält ihn davon ab. Und noch ist es ein Glück, wenn ihm der Landes— herr seinen gesammelten Vorrath auf diese Weise abnimmt; denn sonst wird derselbe eine Beute des Feindes.— Gesetzt daß Mißwachs entsteht, so wird auch in diesem Fall der Land— mann durch ein solches Magazin es nicht bis zu seiner gewöhnlichen und ihm gebührenden Einnahme bringen. Wenn nehmlich die Län— dereibesitzer in Schlesien in einem gewöhnli— chen Jahre 7 Mill. Scheffel Getreide verkauf— ten, und das dafür eingenommene Geld(eins ins andere gerechnet) gerade 7 Mill. Thaler betrüge, so haben sie ein Recht, jährlich diese Summe aus ihrem Getreide zu lösen. Fehlt nun durch Mißwachs ein ganzes Viertheil an — — 3 Fat— zu Hrn Young's Aufsatz. 17 der Arnte in Schlesien; so können, nach Ab— zug des Saamens und der eigenen Konsum— tion, nur 2 Mill. Scheffel verkauft werden. Damit dies geringere Quantum die nehmliche volle Einnahme von 7 Mill. Thalern ver— schaffe, müßte der Scheffel, statt Eines, 25 Thaler gelten. Wüßte man aber daß die Landwirthe einen so beträchtlichen Vorrath von Getreide aufgeschüttet hätten, so würde das Murren der Einwohner in den Städten gegen diesen hohen Preis ohne Gränzen seyn; und vielleicht ließe sich selbst die Regierung theils dadurch, theils auch durch die Rücksicht auf die Fabriken, bewegen, den Getreide— preis vermittelst eines Machtspruchs herun— terzusetzen. g Man würde irren wenn man glaubte, daß der Landmann sich nun eben durch den Ver— kauf seines Magazins schadlos halten könnte. Denn dies Magazin in Schlesien beträgt(wie wir vorhin berechnet haben) ungefähr 1325 Mill. Scheffel Getreide; welches(gleichfalls nach unster obigen Voraussetzung) ein Kapi— tal von 135 Mill. Thaler macht. Die Zinsen betragen also, zu Fünf vom Hundert, 625 000 Thaler; und eben so hoch kann man den jähr— ** und l a pita K wenn zu Hrn Young's Aufsatz. 177 Thaler. Für die im Lande fehlenden und aus dem Magazin genommenen 42 Mill. Schef⸗ fel: 6 Mill. und 750 000 Thaler. Die ge— sammte Einnahme beträgt also in diesem Jahre 10 Mill. und 300 c Thaler; daß folglich noch 6 Mill. an der ganzen Summe fehlen, die sie nach aller Billigkeit zu fordern hätten. Und wie würde es erst aussehn, wenn das Magazin zehn und mehr Jahre vollständig 1 wäre? Nach dieser B Berechnung, ist also ein sol— ches Magazin nicht nur ein todtes Kapital, sondern sogar eine Anstalt die wegen des da⸗ bei unvermeidlichen Abgangs mit einem jähr— lichen gewissen Verlust verbunden ist. Sieht man bloß auf das eine schlechte Jahr, so scheint es als wenn die Landwirthe gewonnen hätten: denn statt 7 Mill. Thaler nehmen sie 1oß ein. Betrachtet man aber, und zwar kaufmännisch, alle Umstände zu sammen, so ist bei diesem ganzen Geschäft für den Landwirth wahrer Verlust.— Vielleicht sagt man daß der ganze Einwurf sich nur darauf gründe, weil ein Machtspruch von Seiten der Regie⸗ rung in Bestimmung des Gerreid depreises vor— ausgesetzt wird. Denn, brenn in dem ange⸗ I.. N * 178 Aumerkungen nommenen Beispiele der Preis eines Scheffels Getreide im Durchschnitt 2 Thaler 24 Silber— groschen bliebe, so würden die Ländereibesitzer in diesem Jahre 19 Mill. und 600 00 Thal., mithin 3 Mill. und 600 000 mehr einnehmen als ihre ganze Forderung betrüge. Allein, so we— nig man eine solche reichliche Einnahme den Landwirthen beneiden dürfte, weil sie durch ihre Spekulation sich dieselbe verschaft hätten, und also eben so als jeder andere Kaufmann berechtigt wären den daraus folgenden außer— ordentlichen Gewinn zu erheben; so wenig glaube ich doch, daß dieser größere Preis bei dem im ganzen Lande vorhandenen Vorrath Statt finden würde. Sobald man das allge— meine Landesmagazin öfnete, fiele ja sogleich der Mangel weg, und die Preise herunter. Also würde zwar durch ein solches Magazin eine große Theurung verhütet; dies geschähe aber auf Kosten und mit Verlust der Lände— reibesitzer, die dadurch gewiß nicht würden er— muntert werden den Ackerbau zu verbessern. Aus allem bisher Gesagten folgt demnach: Daß gewöhnliche, von Seiten der Regierung angelegte, Magazine nicht hinreichen, weder den gar zu niedrigen Getreidepreisen, noch —————— zu Hrn Moung's Aussatz. 179 auch dauerhaft der Theurung und dem Man— gel vorzubeugen;— Daß ein im ganzen Lande vertheiltes Magazin, woraus die Nothdurft aller Dorfeinwohner und alles auf den Hö—⸗ fen gehaltenen Viehes auf ein ganzes Jahr bestritten wetden könnte, in der Ausfül ührung eine wo nicht unmögliche, doch mit den größ⸗ ten Schwierigkeiten verbundene Anstalt ist; Daß ein solches Magazin, wenn es auch er— richtet werden könnte, zwar einer großen Theu— rung bei entstandenem Mißwachs vocbauen würde, aber diese ganze Anstalt dem Land— mann zur Last fällt, seine Einnahme in der That schmälert, und ihn gewissermaßen verhin⸗ dert seinen Ackerbau in größern Flor zu setzen. Indeß ist es allerdings besser, Magazine anzulegen, als es lediglich der Natur zu über— lassen, ob sie jährlich gerade so viel Getreide will wachsen lassen, als die Einwohner in dem Laufe eines Jahres brauchen. Ist ein Land, wo dies geschieht, auch durch eine Reihe glück⸗ licher Jahre emporgehoben worden; so ist ein einziges mageres Jahr nachher im Stande, dies ganze Gebäude von Glückseligkeit und Wohlstand auf lange Zeit hin über den Hau— 0— fen zu werfen N 180 Anmerkungen Es müssen also Mittel angewendet und Anstalten vorgekehrt werden, um so nachthei— lige Revolutionen zu verhindern. Da nun bei den Magazinanstalten mancherlei Schwierig— keiten bemerkt sind; so fragt es sich, ob es noch ein besseres und zuverlässigeres Mittel giebt?— Meiner Meinung nach, ja; und dies besteht darin: den Ackerbau in einem Lande so zu vermehren und zu verbessern, daß er erstlich in gewöhnlichen Jahren weit mehr Getreide liefert, als die Landeseinwoh— ner brauchen, und zweitens man selbst bei der schlechtesten Arnte darauf rechnen kann, so viel zu gewinnen als zu Bestreitung der Landes— nothdurft erfordert wird. Damit meine Aus— führung dieses Gegenstandes nicht zu trocken scheine, will ich sogleich die Anwendung auf Sehlesien machen. i Jedes Land ist vor allem wahren Getrei— demangel und aller daher rührenden außeror— dentlichen Theurung gesichert, wenn es den Ackerbau so weit treibt, daß auch die schlech— teste Arnte noch hinlängliches Getreide für Menschen und Vieh auf ein ganzes Jahr lie— fert. Dieser Satz ist evident. Wenn er aber brauchbar für Schlesien werden soll, so muß zu Hru Young's Aufsatz. 181 ausgemacht werden, theils wie groß der Rück— schlag bei der magersten Arnte hier seyn kann; theils durch was für Mittel der Getreideban zu der angezeigten Höhe sich hier bringen läßt wie viel Getreide die schlechteste Arnte in Schlesien noch liefere: ist gewiß nicht leicht zu bestimmen. Ich bin aber überzeugt, daß man die Beschreibungen von armen und magern Jahren beinahe immer übertreibt, und daß nie der eigentliche Mangel so groß ist, als er gemeinhin alsdann ausgegeben wirds In Schlesien ist besonders das J. 1736 sehs merk— würdig; Leute, die zu der Zeit gelebt haben, können das damalige Elend nicht schrecklich genug abbilden. Ich will also dieses Jahr für das schlechteste annehmen, das in Schle— sien eintreffen kann; und aus dem damali— gen Kornmangel auf die Größe des erlittenen Rückschlages bei der Arnte schließen. Kund— mann hat in seinen sogenannten»Heimsu— »chungen Gottes in Zorn und Gnade über »das Herzogthum Schlesien« ein Verzeichniß beigebracht, woraus man die Summe alles eingeführten fremden Getreides vom 1 Okto— ber 1736 bis dahin 1737 ersieht. Nach die— sem Verzeichnisse sind damal 763 839 Scheffel * * 182 Anmerkungen Getreide in Schlesien eingeführt worden. Un— geachtet nun freilich damit nicht dem völligen Mangel abgeholfen worden, indem noch sehr viele Menschen vor Hunger und Elend um— gekommen sind, und ein großer Theil der Ein— wohner sich damal nicht satt gegessen hat; so glaube ich doch, daß, wenn die Summe des eingeführten Getreides fünf bis sechsmal so groß gewesen wäre, alsdann ein hinreichender Vorrath Statt gefunden hätte. Kurz: wären im J. 1736 4 bis 47 Mill. Scheffel Getreide mehr im Lande gewesen, als daselbst einge— ärntet worden, so bin ich überzeugt, daß man keine Noth würde gehabt haben. Wenn nun eine gewöhnliche Arnte in Schlesien 18 Mill. Scheffel Getreide liefert, so mache ich daraus den Schluß, daß bei dem stärksten Mißwachs doch noch drei Viertheile von dieser Menge eingeärntet werden, und also der größte zu befürchtende Rückschlag ein Viertheil von dem Ertrage einer gewöhnlichen Arnte betrage. Es versteht sich von selbst, daß bei solchen Be— stimmungen nicht von einzelnen Gütern und Distrikten, die freilich noch viel weniger lie— fern können, die Rede ist; sondern von einem ganzen Lande, das schon eine beträchtliche der len ———— zu Hrn Poung's Aufsatz. 185 Größe hat: und da glaube ich, daß es ein äußerst seltener und vielleicht nur alle Jahr— hunderte sich einmal ereignender Fall ist, wenn an der gesammten Arnte ein volles Viertheil der sonst gewohnlichen Menge fehlt. Will man demnach Schlesien vor aller Hungersnoth in Sicherheit stellen, so muß man den Ackerbau so weit treiben, daß drei Viertheile seines Ertrags zur innern Konsum tion hinreichen. Wenn also unsre Provinz jährlich hiezu 18 Mill. Scheffel braucht, so schaffe man, daß eine gewöhnliche Arnte Mill. Scheffel liefere; welche sodann, bei dem traurigsten Mißjahr, doch noch den erforder— lichen Landesbedarf geben werden.— Es fragt sich daher: Erstlich, ist es möglich, den Ackerbau in Schlesien so zu erhöhen? Zwei— tens: durch was für Mittel steht dies zu er— halten? Die erste Frage wird wohl kein Mensch verneinen. Ein Land, welches eine Oberfläche von 15 Mill. Morgen hat, wovon itzt schon 4 Mill. zum Getreidebau theils recht gut, theils wenigstens mittelmäßig angebaut sind; f. 3 5 99 worin es möglich ist, noch einen beträchtlichen Theil der itzt unangebaut liegenden Oberfläche „ 1 6 1 14 0 1 * 1 5 —— 184 Anmerkungen ohne Nachtheil der übrigen Wirthschaft urbar zu machen; und welches, was die Hauptsache ist, eine glückliche Lage zum Getreidebau, und fleißige arbeitsame Einwohner hat: ein sol— ches Land kann gewiß seine Ackerkultur so vermehren, daß es in einem gewöhnlichen Jahre 24 Mill. Scheffel Getreide erzeugt. Blieben auch nur die bisherigen vier Mill. Morgen zum Getreidebau bestimmt, so ist die Annahme wohl nicht übertrieben, wenn man bei verbesserter Wirthschaft den mittlern Er— trag eines Morgens zu 6 Scheffeln im Durch— schnitt rechnet. Jeder Landwirth giebt dieses gewiß ohne Bedenken zu. Was die zweite Frage betrift, so ist die Antwort hierauf ganz kurz. Man verschaffe dem eingeärnteten ÜÜberflusse einen sichern Ab⸗ satz; so werden die Landwirthe die nöthige Auslage thun, und den gehörigen Fleiß an— wenden, um sich diesen Überfluß zu verschaf— sen. Dies ist der große und wichtige Grund— satz, den ein Staatsmann bei beabsichtigter Verbesserung des Ackerbaues, und aller Fa— briken, immer vor Augen haben muß. Will man eine Fabrik weiter ausbreiten, so fängt es der Staat gewiß unrecht an, wenn er den .. zu Hrn Noung's Aufsatz. 185 Unternehmer derselben zwingt, mehr Stühle zu halten und mehr Menschen zur Arbeit anzusetzen. Er verschaffe vielmehr nur den Waaren einen sichern Absatz, so wird die Fa— brik sich gewiß nach Maaßgabe desselben aus— breiten. Eben so mit dem Ackerbau. Alle an und für sich noch so gute Anweisungen, wie man ihn verbessern kann, alle noch so ver— nünftige landesherrliche Befehle, um den Land— wirth zur stärkern Bearbeitung seiner Felder anzutreiben, bleiben gewiß ohne Nutzen, wenn der Staat nicht dafür sorgt daß der eingeärn— tete Überfluß einen sichern Absatz hat, und der Landwirth seine Kosten wieder gewinnt. Ver⸗ schaft hingegen der Staat seinen Landwirthen einen Ausweg, wo sie eine größere Menge von Getreide als bisher anbringen können, und ist dieser stärkere Absatz mit einem gehö— rigen Gewinn für sie verbunden; so ist kein Zweifel, daß auch diese größere Menge im Lande wird angebauet werden, so lange nur noch einige Möglichkeit dazu da ist. Ich will ein paar Beispiele anführen, die, als Begebenheiten aus unsern Tagen, jedem itzt lebenden Schlesier noch bekannt seyn müssen. Als bald nach dem Anfange des Kriegs 1756 2 eren — * eee eee 3 186 Anmerkungen die Ausfuhr der Schlesischen Wolle verboten ward, so litten unstreitig die Ländereibesitzer dadurch anfänglich einen großen Verlust. Denn da unsre Wollfabriken damal noch nicht alle im Lande geschorne Wolle verbrauchen konn— ten, so blieb viel derselben unverkauft liegen, und der Preis fiel so herunter, daß man den Stein mit drei Thalern kaufte. Eine natür— liche Folge hievon war, daß die Schafzucht verabsäumt wurde, und viele Landwirthe ihre Heerden auf eine geringere Zahl setzten. In⸗ deß hoben sich, eben durch den wohlfeilen Preis des Materials, die Wollfabtiken nach und nach empor; und da die Lausitzischen durch die verbotene Ausfuhr unserer Wolle einen großen Stoß erlitten, so fanden die hiesigen nach und nach auswärtigen Absatz. Die An— wesenheit der Russischen Armee in Polen ver— mehrte denselben; unsre Fabriken wurden al— so erweitert, und brauchten itzt eine ungleich größere Menge von Wolle. Diese ging nun auf den Märkten reißend weg; der Preis von einem Stein stieg bis gegen 7 Thaler. Ein so ansehnlicher Preis, und der ver sicherte Ab⸗ satz, ermunterte alle Landwirthe sich mit dem größten Fleiß auf die Verbesserung der Schaf— zu Hrn Young's Aufsatz. 187 zucht zu legen. Nun wurden die Schäfereien wieder als eine ergiebige Geldquelle von den Landwirthen angesehen, und von Jahr zu Jahr ward so viel Wolle mehr gewonnen, daß die Fabriken damit hinlänglich versorgt werden konnten, und die hohen Preise auch wieder aufhören mußten. Itzt im J. 1776 ist Woll der Preis eines Steins Wolle auf 6 Thaler gefallen; und da hiebei sowohl der Landmann als der Fabrikant bestehen kann, so wird we— der die Schafzucht in Verfall gerathen, noch auch der Absatz der Fabriken wegen des all— zu hohen Preises der Waaren vermindert wer— den. Der Grund also, warum sich die Land— wirthe in den letztern Jahren alle Mühe ge— geben haben ihre Schäfereien zu vergrößern, liegt einzig in dem stärkern Absatz der Wolle und in dem einige Jahre anhaltenden höhen Preise derselben. Ohne diesen Umstand, hät— ten noch so viel landesherrliche Befehle erge— hen mögen, die Schafzucht zu verbessern und die Schafheerden zu vermehren, sie würden gewiß fruchtlos geblieben seyn.— Hier ist ein anderes Beispiel. Die Kartoffeln fanden vor zwanzig und mehreren Jahren in Schle— sien keinen sonderlichen Beifall, und niemand 188 Anmerkungen 7 zwar alle Mühe, die Frucht allgemeiner zu bauete sie recht an. Die Kammern gaben sich machen; es wurden mehrmal ernstliche Befehle erlassen um ihren Anbau zu befördern, und Anweisungen um die Art der Pflanzung zu lehren. Allein vergeblich: weil der Landmann keinen Absatz davon fand. Als aber nachher im Kriege diese Frucht aus Mangel an Ge— treide gesucht ward, als die Einwohner der Städte Geschmack daran gewannen, und die Landleute sie statt des Brotes zu ihrer Nah— rung erwählen mußten; da entstand Absatz, da bedurfte es keiner Verordnungen mehr. Der Landwirth sah von selbst, daß er Gewinn aus dieser Frucht lösen könne; und so wandte er allen Fleiß an, um die Methode des An— baues derselben zu lernen. Als nachher die starke Nachfrage aufhörte, ließ auch der Kar— toffelbau nach; in den theuren Jahren von 1771 bis 1773 aber fing er wieder mit dem größten Eifer an. Allenthalben sah man mit Kartoffeln besteckte Felder, ja fast jeder Gra— benrand wurde zu ihrer Erzeugung angewen— det. Itzt im J. 1776 hat die Nachfrage wie— der nachgelassen; und nun baut auch der Land— wirth nicht mehr so viel von dieser Frucht. zu Hrn MPoung's Aufsatz. 189 Dies sind, meinem Bedünken nach, die über⸗ zeugendsten Beweise: daß, wenn man den Ge⸗ treidebau in einem Lande vermehren will, man nur Absatz für den zu erhaltenden Über⸗ fluß verschaffen dürfe. Es versteht sich von selbst, daß mit die— sem Absatz ein verhältnißmäßiger Gewinn ver— bunden seyn muß; der dem Landmann seine Mühe belohne, und die auf Erzeugung einer größern Menge von Getreide verwendeten Ko— sten ersetze. Soll der Landwirth sein überflüs— siges Getreide verschenken, oder es um einen Preis verkaufen der ihm die gethanen Vor— schüsse hicht erstattet, so wird der stärkere Ge— treidebau bald wieder von selbst aufhören.— Wenn man es also dahin bringen will, daß eine gewöhnliche Arnte in Schlesien 24 Mill. Scheffel Getreide liefere, so muß man den Schlesischen Landwirthen nicht nur einen Aus— weg zeigen, wo sie die überflüssigen 6 Mill. Scheffel verkaufen können, sondern auch da— für sorgen, daß sie einen verhältnißmäßigen Preis dafür bekommen. Ich werde daher un— tersuchen, um welchen Preis ein Landwirth hieselbst anitzt sein Getreide ablassen kann, ohne Schaden zu leiden; und hienächst, ob — 2 85 3 P —— 1 7 28 1 n 1 ——— — 190 Anmerkungen auch ein sicherer Absatz für das überflüssige Getreide zu erhalten steht. In den Kaufanschlägen der Schlesischen Landgüter ist gewöhnlich der Scheffel Rog⸗ gen zu einem Thaler angesetzt. Wenn er gleich in manchen Gegenden, z. B. in O schles-ien, und in den jenseit der Oder an der Polnischen Gränze liegenden Kreisen, nur zu 24 Silbergroschen angeschlagen wird; so muß man hier das Fuhrlohn mitrechnen, weil diese Güter oft 8 bis 10 Meilen ihr Getreide zum Verkaufsort führen müssen, und so kömmt auch hier der Scheffel in der That auf einen Thaler zu stehn. Bei den Pachtanschlägen der Kammer ist er zu 1 Thal. undeg guten Pfen⸗ nigen angesetzt. Unter 30 bis 31 Silbergro— schen kann also ein Gutsbesitzer oder Pächter in Schlesien unmöglich einen Scheffel Roggen verkaufen. Oder vielmehr, er kann auch bei diesem Preise anitzt nicht einmal bestehn. In den Kauf- sowohl als Pachtanschlagen sind gemeinhin die jährlich zu Bestreitung der Wirthschaft vorfallenden Kosten und Ausla— gen niedriger angesetzt, als sie nachher sich in der That zeigen. Erhält also nicht der Guts— besitzer sowohl als der Pächter durch etwas binzu gaber bestee zu Hrn Poung's Aussatz. 191 — höhere Getreidepreise eine Erstattung der grö— ßeren Ausgaben, so kömmt er nicht auf die ihm durch den Anschlag versicherte Einnahme. Nach Zusammenhaltung aller vorhandenen Umstände, und nach der itzigen Beschaffenheit der Landwirthschaft in Schlesien, mögte dem— nach wohl der niedrigste Preis um welchen ein Landwirth den Scheffel Roggen ohne Nachtheil bei einer gewöhnlichen Arnte ver— kaufen kann, auf 35 bis 36 Sgr. anzusetzen seyn.— Die Preise der übrigen Getreidear— ten richten sich in Schlesien bei gewöhnlichen Zeiten ziemlich nach dem Preise des Roggens; folglich müßte, nach obigem Verhältnisse, der Scheffel Weizen wenigstens 45, der Scheffel Gerste wenigstens 25, und der Schl Hafer wenigstens 18 Sgr. gelten. Auch würden die Bürger in den Städten, die Fabrikanten, und die ganz geringen Handarbeiter, sich über diese Preise nicht zu beschweren haben. Das Tagelohn, welches diese verschiednen Klassen von Menschen in Schlesien bei gehörig ange— wendetem Fleiß verdienen können, reicht hin, um das benöthigte Getreide für diesen Preis einzukaufen, und alle ihre anderweitigen Aus— gaben nach ihrem verschiedenen Stande zu bestreiten. — ———— 192 Anmerkungen 5 8 e Wir wollen daher diese Preise für das erste festsetzen, und nun uns nach dem Absatze für die größere Getreidemenge umsehn. Die sind Polen, Mähren, Böhmen, die Lausitz, * unmittelbar an Schlestien gränzenden Länder hre und die Mark B randenburg. Nach Polen, Mähren, und Böhmen ist in gewöhnlichen Jahren keine Ausfuhr möglich, weil dies selbst Getreideländer sind, und weil dort meist die Kornpreise niedriger stehn als bei uns. In guten und gewöhnlichen Jahren, haben Polen B und Böhmen selbst solchen Überfluß an Ge⸗ treide, daß sie es unbeschadet ihrer eigenen Bedürfnisse ausführen. Auf den seltenen Fall eines Mißwachses in diesen Ländern dürfen wir hier nicht sehn; denn wir suchen einen sichern und dauerhaften Absatz, worauf Schlesische Landwirth sich jährlich verlassen könne. Folglich bleiben von den genannten Ländern nur zwei übrig: die Lausitz, und die dark Brandenburg. In der Mark ist bloß au 1 zu rechnen, wo sich, mit Inbegrif der Soldaten, zwischen 140 und 150 000 Men— schen befinden mögen. Deren jährliche Getrei— dekonsumtion beträgt also, nach der vorhin von den Schlesischen Städten angenommenen Regel, zu Hru Poung's Aufsatz. 195 4 00 Regel, ungefähr eine Million Scheffel; wenn 1 3 man aber die vielen Pferde die daselbst. 1 ten werden, und hienächst den in großen Städ⸗ 5 ten Statt findenden Luxus mit in Anschlag . bringt, so kann man füglich an 300 000 Schef— ad olen 1 sel mehr ansetzen. Da nun die unmittelbar um Berlin gelegenen Kreise nicht sehr frucht— 70 * bar sind, so muß diese Stadt allerdings größ— * tentheils von entlegenen Gegenden versorgt a . werden. Indeß darf man sich in Schlesien Wolf 5 nicht sonderliche Rechnung auf einen Getrei— 01 deabsatz dorthin machen. Magdeburg, dit Nees Altmark, die pre die Ükermark, ein af Fl i„Theil vom Pommern, die Neumark, und das W Herzogthum Krossen, sind die Getreideländer Wien woher Berlin sehr füglich sich versorgen kann. g der Alle diese Provinzen haben niedrigere Getrei— 1 seen depreise als Schlesien, und liegen auch näher N h an Berlin. In gewöhnlichen guten Jahren ede kann daher der Schlester kein Getreide dort— 1 hin absetzen; auch geht es nicht an, daß ihm 1 beg etwa der König durch Bewilligung einer Aus— 34 fuhrprämie diesen Absatz erleichtere, weil die 15 andern Provinzen dadurch unstreitig Schaden 0 in leiden würden. Höchstens kann Glogau und enen Wohlau, bei entstandener Theurung in Ber— „ I. N — 2 eee 194 Anmerkungen lin, einige hunderttausend Scheffel Getreide auf der Oder nach der Mark verführen; die— ser Ausweg hört aber sogleich auf, als die gewöhnlichen Preise dort wieder eintreten. Unter allen benachbarten Ländern ist da— her bloß die Lausitz übrig, wohin sich viel— leicht Getreide verführen ließe. Der Oberlau— sitz fehlt es auch wirklich daran, weil die vie— len gebirgigen Gegenden, wegen der daselbst befindlichen Fabriken, eine große Menge Ein— wohner haben, aber nicht Getreide genug für diese liefern. Indeß glaube ich nicht, daß Schlesien über 200 000 Scheffel in der Lausitz anbringen kann. Außerdem muß alles Ge— treide was dahin bestimmt ist, auf der Achse bis nach Löwenberg, Bunzlau oder einem an— dern Gränzorte gehen, von wo es der Sachse abhohlt. Dadurch wird es sehr theuer; und höchstens kann nur Jauer, Liegnitz, und Sa— gan unmittelbar dabei gewinnen. Dennoch ist dieser auswärtige Getreideabsatz, der frei— lich in Beziehung auf ganz Schlesien nur ge— ring erscheint, immer ein Gegenstand der alle Aufmerksamkeit von Seiten der Regierung ver— dient. Verkauft Schlesien auch jährlich nur 200 000 Scheffel an die Lausitz, und nimmt a Kteise hunde sehen herführ fen iht medii bi Ge. 9 7* Eten 1 ich — 6 rl 15 * en er b ilenge bi K gen 11 Hicht,! L dor 1 1 alles 6. 1b der Ad inem an de Sach und Ez — Venn * der fl n II 35 der rung l. 0 lich 0 10 nin zu Hrn Poung's Aufsatz. 195 man den Preis des Scheffels, eins ins andere gerechnet, auch nur zu Einem Thaler an; so entsteht dadurch eine für Schlesien vortheil— hafte Balanz von 200 000 Thalern. Findet aber diese Ausfuhr, der Sperre wegen, nicht Statt, so geht nicht nur dieser Gewinn ver— loren, sondern es leidet auch der Ackerbau in Schlesien darunter. Denn solange die zu— nächst an der Sächsischen Gränze liegenden Kreise unster Provinz versichert sind, ein paar hundert tausend Scheffel in der Lausitz abzu— setzen, so geben sie sich gewiß alle mögliche Mühe, dies Quantum über ihren eigenen Be⸗ dacf zu erzeugen. Fällt nun die Ausfuhr weg, so wissen diese Gegenden nicht mit ihrem Ge— treide zu bleiben; und wenn sie es ins Land verführen, so verderben sie den andern Krei⸗ sen ihren Markt, so daß die Preise dadurch niedriger werden als es der Wohlstand der Landwirthschaft verstattet. Ich glaube daher, daß allemal die Getreideausfuhr nach Sach⸗ sen so lange offen seyn müsse, als nicht wirk— licher Mangel in Schlesien ist. Hiebei braucht die Regierung weiter nichts zu thun, als die Versicherung zu ertheilen, daß die freie Aus— fuhr nach Sachsen niemal gesperrt werden 1 * E 3 8 * — c 196 Anmerkungen soll, als wenn der Getreidepreis auf den Schlesischen Kornmärkten so und so hoch ge— stiegen ist. Unter dieser Voraussetzung, wird Schlesien gewiß in seinen gewöhnlichen Arn— ten den Betrag der Ausfuhr nach der Lausitz mehr gewinnen. Beträgt diese also 200 000 Scheffel, so wird in den zunächst an Sachsen gelegenen Kreisen der Getreidebau bis dahin vermehrt werden; und wenn einmal diese Kreise durch Mißwachs oder Hagelschaden ei— nen Rückschlag von so viel Scheffeln hätten, so würden sie für sich selbst noch keinen Man— gel haben, und die Einwohner der Lausitz fürs erste allein darunter leiden. Allein eine Aussicht zu einem weit beträcht— licheren Absatze, nach weit entlegenen Ländern und mit geringen Kosten, eröfnet die Oder, welche Schlesien der Länge nach in zwei Theile abtheilt, und die von Ratibor in Oberschle— sien an schifbar ist. Dieser Fluß ergießt sich unmittelbar in die Ostsee; und vermittelst des großen Kanals, durch die Spree, die Havel und die Elbe, auch in die Nordsee. Dort ist die letzte an seinem Ausgang gelegene Han— delsstadt Stettin; hier ist es Hamburg, am Ausgang der Elbe. Untersucht man indeß sind g sschere * In get Nee E. Men ei Hätten, ser Getreide sogleich weg. Die Waaren die zu Hru Poung's Aussatz. 197 genauer das Verkehr zwischen Schlesien und Hamburg, so fällt dieser Stapelplatz für un— 8 von Schlesien nach Hamburg zu Wasser gehn, müssen in Berlin mit Kosten umgeladen wer— den. Die Zölle die auf der Elbe von Preu⸗ ßen, Hannover, und Mecklenburg angelegt sind, vertheuren die Schiffahrt. Der Weg nach Hamburg ist ungleich weiter als nach Stettin. Es wird schon weit mehr Getreide nach Hamburg gebracht: aus Magdeburg, aus Mecklenburg, aus einem Theile der Mark, aus dem Hannöverschen, dem Braunschweigi— schen, dem Holsteinschen; und zwar theils au einem kürzern Wege, theils wohlfeiler, als es von Schlesien aus geschehen kann. Da aber Stettin eine Preußische Stadt ist, so ist es billig daß die Regierung den zu erwartenden Getreideabsatz vorzüglich nach Stettin erleich— tert und begünstigt. Allerdings kann auch wohl einmal der Schlesier mit Vortheil sein Getreide nach Hamburg verführen; allein das sind außerordentliche Fälle, worauf man keine sichere und dauerhafte Rechnung machen darf. In gewöhnlichen Zeiten, ist Stettin der ein⸗ zige Stapelplatz, wo Schlesien an den Küsten 198 Anmerkungen der Ostsee vielleicht noch einen Absatz seines überflässigen Getreides findet. Sollte nicht eben so, als wie Danzig, Kö— nigsberg, Memel beträchtliche Me länder, Schwede auch au die Dänen wenn daselbst st 0 18 Liebau, und Riga, eine von Getreide an die Hol— Franzosen, und zuweilen verkaufen; auch Stettin, ein hinreichender Vorrath von Getreide vorhanden wäre, diesen an die AH.* N 5 7 Holländer und die andern Nationen absetzen können? Die — rt die Getreide— 3 ausfuhr nach Stettin von entlegenen Provin— zen eben so gut, N Danzig und der 11 aus Grof 1 55751 Y r als es die Weichsel nach egel nach Königsberg thun. nd so wie es möglich ist, daß der Landwirth polen sein Getreide auf der Weich— sel bis nach Danzig verführt, eben so ist es an und für sich möglich, daß der Schlesier das seinige auf der Oder bis nach Stettin bringt. Der 2 nahe gleich groß. die Ausfu * 1 yr des ist auf beiden Seiten bei— — Betrachtet man aber Schlesischen Getreides über Stettin etwas genauer, so findet man freilich mancherlei Schwierigkeiten, die vorher aus 8 N 2 5 dem Wege zu käumen wären. Zuförderst müßte eine Königliche Verord— elch uber — 1 Irn Moung's Aussatz. 199 nung Stettin zu einem Freihafen in Absicht der Getreideaussuhr erklären, und die Fälle in welchen die Ausfuhr gesperrt seyn sollte, auf das deutlichste anzeigen. Man könnte in Absicht des letztern punkts dem Beispiel der 8 Engländer, oder der Stadt Da nzig, folgen. haben einen Getreidepreis festgesetzt, bei Jene l Ausfuhr mehr Statt findet; welchem keine Diese hat einen gewissen Vorrath von Ge— treide(nehmlich 1840 Lasten) angenommen, der Stadt immer vorhanden seyn soll, sodaß die Ausfuhr nicht eher erlaubt wird, enge de ee als wenn schon eine noch größere zndeß müßte man, meinem eingebracht ist. Indeß Bedünken nach, in Stettin vorzüglich die Einschränkung der Engländer erwählen. zig hat bloß für die Einwohner der Stadt Gebietes zu sorgen; Getreide genug für diese nicht be— so kann und eines sehr kleinen wenn 1 Inz zahl vorhanden ist, trächtliche 2 den Ausländern man alles übrige Getreide In Stettin hingegen muß die Re⸗ überlassen. gierung nicht nur auf diesen Ort, sondern auf die Erhaltung des Es könnte bei theuren Jahren * ganzen Landes sehen. die Gewinn— sucht viele Landwirthe verleiten, mehr Ge— 200 Anmerkungen treide nach Stettin zu führen als das Land eigentlich entbehren kann; und so wäre es möglich, daß die im Gesetz bestimmte Menge von Getreide wirklich dort angetroffen würde, aber doch das Land, im Ganzen genommen, Mangel hätte. Daher glaube ich, daß man, wie in England, in Stettin den Getreidepreis bestimmen müsse, bei welchem keine Ausfuhr Statt finden kann.— Durch eine solche Ver— ordnung würden die Holländer und andere Nationen gereizt werden, ihr benöthigtes Ge— treide eben sowohl in Stettin als in Danzig und Riga einzukaufen. Sie würden sich dar⸗ auf verlassen, daß sie in allen gewöhnlichen Fällen sich in Stettin mit Getreide bersorgen könnten, und dieser Handelszweig würde da— durch einen festen Fuß daselbst fassen. Vielleicht gäben die itzigen Umstände Po- lens, und die Lage Danzigs, eine vorzügliche Gelegenheit dazu. In Danzig ist die Getrei— deausfuhr mit Abgaben beschwert, welche die Stadt aus Mangel anderweitiger Einnahmen nicht erlassen kann; auch müssen die von Dan— ig auslaufenden Schiffe dem König von Preu— ßen Zölle entrichten. Dagegen kann die Re— gierung in Stettin alle auf das ausgeführte 2 fg Jepter der in gekom 1 zu Hrn Moung's Aufsatz. 201 Getreide gelegte Abgaben ohne Nachtheil, ja zum größten Vortheil des Handels, aufheben. In Danzig darf Niemand das landwärts ein— geführte Getreide kaufen als ein dortiger Bür— ger, und der Ausländer der Getreide ausfüh⸗ ren will, muß es von einem Bürger kaufen: sodaß dieser also, wenn es angeht, doppelten Vortheil nimmt. Dagegen könnte man in Stettin den Getreidehandel völlig frei lassen; und ungeachtet ihn aller Wahrscheinlichkeit nach die dortigen Kaufleute gänzlich an sich ziehn würden, es auch auf gewisse Weise für Käufer und Verkäufer am nützlichsten und be— quemsten ist, wenn die Stettiner die Mittels— personen bei diesem Handel werden: so hätten sie doch kein Monopol, und es wäre jedem freie Hand gelassen, sein Getreide zu kaufen und zu verkaufen von wem und an wen er wollte. Außerdem wird höchst wahrscheinlich itzt, nachdem Westpreußen dem Preußischen Zepter gehorcht, und da in Großpolen wegen der innerlichen Unruhen der Ackerbau zurück⸗ gekommen ist,(anderer Ursachen zu geschwei— gen), nicht mehr so viel Getreide landwärts nach Danzig kommen als ehedem. Findet ak— so der Ausländer nicht mehr dort seinen gan— —————. 5 5— a—————— —̃—— 5—— 202 Anmerkungen zen Bedarf, so muß er sich anderswohin wen— den; und so könnte Stettin, bei gehöriger Einrichtung, leicht dabei gewinnen. Welche schöne Aussicht eröfnete sich nicht zugleich da— durch für den Theil Pommerns, der in der Nachbarschaft von Stettin, oder nicht zu weit von der Oder entfernt ist, für die Neumark, und für die an der Netze gelegenen Land— striche? Wird der Getreidehandel in Stettin von der Regierung auf die angezeigte Art be günstigt, so haben diese Provinzen einen sichern Absatz ihres eingeärnteten Überflusses, und der Getreidebau gewinnt dadurch in diesen Krei— sen einen ansehnlichen und itzt vielleicht un— glaublichen Fortgang. Indeß zeigt sich bei dem Kornhandel aus unsrer Provinz dahin noch eine Schwierigkeit die diesen ganzen auf das Beste der hiesigen Landwirthschaft abzielenden Vorschlag dem er— sten Anschein nach unmöglich macht. Soll nehmlich der Holländer Schlesisches Getreide in Stettin kaufen, so muß er dies eben so wohlfeil daselbst bekommen können, als er Polnisches Getreide in Danzig, Preußisches in Königsberg, und Liefländisches in Riga einhandelt. Nun ist der gewöhnliche Preis 27 0 0 0 6 N 1 de * u * 8 . b, „„ Wand Mete 19 ho 11 n der 111 Ake . Ante aus aus 75 ge 9 n K 701 een eau 4 3u einer Last Roggen in Danzig zwischen 40 und 50 Thaler; dies muß also auch der Preis wer— den um welchen der Schlester sein Getreide in Stettin verkauft. Es 9255 aber beinahe 42 Schlesische Scheffel auf eine Last in Danzig. Folglich muß ein Schles. Scheffel Roggen tettin nicht höher zu stehn kommen, als 30 is 36 Silbergroschen. Nehmen wir auch so— 15 den höchsten Preis an, so haben wir rhin gesehn, daß bei der itzigen Be— schaffenheit der Landwirthschaft in Schlesien Niemand daselbst, ohne Schaden zu den Scheffel Roggen niedriger als um 35 bis 36 Sgr. auf den Schlesischen Kornmärkten ablassen kann. Wie wäre es also für den Schlester möglich, höchstens sein Korn in Stettin zu verkaufen? da er es in nicht umsonst schicken kann. Der bis zur Oder nicht zu gedenken, will 2 — 2 ◻ die Ausgaben anführen, welche das Einladen des Getreides, Schiffracht, die lle, die Ausladungskosten, die Warte— gelder, wenn das nicht sogleich zu verkaufende Getreide im Schiffe bleiben soll, oder die Mie— the, wenn es in Speichern aufgeschüttet wird, verursachen. Es verdirbt auch wohl eine La— Hrn Young's Aussatz. 203 204 Anmerkungen .— dung; und ferner verlangt der Mäkler in Stettin seine Bezahlung, und der Kaufmann einen Theil des Gewinns für seine Mühe. Alles dies zusammengenommen, kann ohne Ubertreibung gewiß auf 6 Silbergroschen für jeden Scheffel gerechnet werden. Folglich müß— te, um Schlesisches Korn ohne Schaden nach Stettin zu verführen, dessen Preis zu Hause nicht höher als 24 bis 30 Sgr. stehn. Bei diesen Umständen, wird also von selbst kein Schlesier sein Getreide nach Stettin schik— ken, da er hier im Lande einen höhern Preis dafür erhält, als er dort hoffen kann. Von selbst wird also auch die Spekulazion eines Absatzes in Stettin keinen Schlesier bewegen, deshalb den Ackerbau auf seinen Gütern zu vermehren, und Fleiß und Kosten a uf die Ver⸗ besserung seiner Acker zu wenden. Soll dem— ungeachtet eine Getreideausfuhr dorthin zu Stande kommen, so ist kein ander Mittel, —„ ö Prämie auf jeden Scheffel zu bewilligen, der von Schlesien nach Stettin gebracht, und da— selbst zur See wieder ausgeführt wird. Diese Prämie muß so groß seyn, daß der Schlesier die Konkurrenz aller an der Ostsee gelegenen kan fol fn mlt Kennt ban de alen, a diese zu Hru Moung's Aufsatz. 205 G Länder aushalten, und mit ihnen zu gleichen oder gar noch zu niedrigern Preisen verkaufen kann.— Ich bin nicht im Stande, einen förmlichen Plan zur möglich besten Ausfüh— rung einer solchen Anstalt zu entwerfen: weil mir die dazu nöthigen ganz individuellen Kenntnisse von den Umständen Schlesiens, von den zwischen Schlesien und Stettin gele⸗ genen Provinzen, von dem Getreidehandel in der Ostsee, u. s. w. fehlen. Indeß erlaube man mir, bei diesem Vorschlage noch etwas zu verweilen, und man sehe allenfalls meine Gedanken als einen Traum an, den ich zum Besten Schlesiens geträumt habe. wie hoch müßte nun wohl die Ausfuhr— prämie seyn? Nehmen wie den Preis eines Scheffels Roggen in Schlesien zu 36 Sgr. an, und setzen alle bis zu seiner Verführung aus Stettin vorfallende Kosten auf 6 Sgr.; so kann er dort nicht anders als um 42 verkauft werden. Nun ist aber der laufende Markt- preis von einem Schles. Scheffel Roggen in den Ostseehäfen 30 bis 36 Sgr.; folglich müs— sen im schlimmsten Fall 12, und im besten 6 Sgr. vergütet werden, wenn der Kaufmann bei diesem Handel keinen Schaden leiden soll— 206 Anmerkungen Die Mittelzahl hievon ist neun Silbergro— schen, und folglich ist diese Summe die wahre Größe der itzt zu ertheilenden Ausfuhrprämie. Sollte hienächst eine allgemeine dauerhafte Veränderung in Absicht der Schlesischen Ge— treidepreise erfolgen, wie es nicht unwahr— scheinlich ist; so kann alsdann auch die Aus— fuhrprämie ohne Nachtheil heruntergesetzt wer— den.— Das Quantum für die übrigen Ge— treidearten ergiebt sich hieraus von selbst. Wenn auf jeden Schles. Scheffel Weizen 12, und auf jeden Scheffel Gerste 6 Sgr. bewil— ligt würden, so glaube ich, könnte auch die Ausfuhr dieser Getreidearten vortheilhaft werden. Da die Prämie bloß dem Schlesischen Ge— treide ertheilt werden soll, so ist freilich alle Vorsicht zu nehmen daß kein fremdes dabei unterlaufe. Haben die Engländer befürchtet, daß gewinnsüchtige Kaufleute heimlich frem— des Getreide nach England einführen mögten, um bei der nachmaligen Ausfuhr die Prämie darauf zu erhalten, so läßt sich dergleichen noch mehr in Schlesien vermuthen. Die Grän— zen dieses Landes gegen Polen sind ganz of— fen; bei aller angewandten Vorsicht, wird es zu Hrn Moung's Aufsatz. 207 also kaum möglich seyn, die heimliche Ein— fuhr des Getreides von dort zu verhüten: welches viel wohlfeiler als das Schlesische ist, und daher einen Wucherer leicht auf die Ge— danken bringen kann, es einzuschwärzen, und dann als einheimisches nach Stettin zu ver— führen. Ja, wenn auch die an der Polni— schen Gränze gelegenen Gutsbesitzer bloß wirk— lich auf ihren Feldern gewachsenes Getreide ausführten, dagegen aber zu ihrer eigenen Kon— sumtion Polnisches Getreide einbringen woll— ten, so würde dies schon ein Betrug seyn, der nicht nur der Kasse des Fürsten, sondern dem ganzen Lande zum Nachtheil gereichte. Eben— so würde die ganze Absicht der Ausfuhrprä— mie vereitelt, wenn das platte Land alles sein überflüssiges Getreide nach Stettin verführte, und das Gebirge dadurch genöthigt wäre aus Böhmen sein Brotkorn zu ziehn. Man sieht also wohl, daß in diesem Fall alle Kornein— fuhr in Schlesien auf das strengste verboten werden muß. Nach Bewilligung der Prämie, und solange sie bezahlt wird, muß kein Schef— fel fremden Getreides weder aus Böhmen, noch aus Mähren, noch aus Polen, noch aus der Lausitz, noch auch selbst aus der Mark, 208 Anmerkungen unter welchem Vorwande es auch sei, einge- bracht werden; und wer dagegen handelt, ist k mit harter Strafe zu belegen. Dies Verbot gilt aber freilich nur so lange, als das Ge— treide unter einem gewissen im Gesetze festge— setzten Preis in Schlesien verkauft wird. Denn, sobald es bis zu diesem Preise gestiegen ist, hört die ganze Ausfuhr, mithin auch die dar— auf bewilligte Prämie auf; und folglich kann die Einfuhr nach Bewandtniß der Umstände wieder erlaubt werden. Wie hoch ist aber der Preis des Getrei— des anzunehmen, um danach die Ausfuhr und die Einfuhr zu erlauben? Die Schlester klagen nicht eher über Theurung, als wenn der Scheffel Roggen über 50 Sgr. gilt. Man könnte also das Gesetz dahin fassen: daß, so⸗ lange der Preis eines Scheffels Roggen in Schlesien durchgängig unter funfzig Silber— groschen wäre, die Getreideausfuhr vollkom— men frei stehn, und auf jeden Scheffel, der nach Stettin verführt würde um dort weiter in die Ostsee verladen zu werden, eine Prä— mie von neun Silbergroschen ausgezahlt wer— den solle; daß aber die Prämie und die ganze Ausfuhr wegfalle, sobald der Scheffel in Schlesien N zu Hrn Poung's Aussatz. 209 Schlesien 50 Sgr. und darüber gelte; und daß, solange dieser Preis bleibe, die Einfuhr fremden Getreides erlaubt seyn solle.— Ob übrigens dieser Preis die den wahren Umstän— den Schlesiens wirklich angemessene Gränze ist, bin ich nicht im Stande auszumachen; wer aber das Recht hat alle hier in Anschlag zu bringende Data aufzusuchen, dem wird es nicht schwer fallen, diese Gränze auf das ge— naueste zu bestimmen. Damit kein Unterschleif in Stettin möglich sei, müßte der Kaufmann welcher Schlesisches Getreide dorthin verführt, sich auf dem letz— ten Schlesischen Gränzzollamte melden, da— selbst die Menge des geladenen Getreides an— geben, und diese Angabe entweder eidlich er— härten, oder sich die genaueste Untersuchung darüber gefallen lassen; worauf er vom Zoll— amte einen Beglaubigungsschein erhält. In Stettin muß dies Getreide von neuem nach— gemessen werden; und wenn daselbst ein Kauf— mann es erhandelt, so bekömmt derselbe dar— über einen Schein: daß ihm auf diese Menge von Getreide die bewilligte Prämie ertheilt werden soll, sobald er eine eben so große Menge in die Ostsee perladen zu haben nach— 1155 O 210 Anmerkungen weiset. Denn ich halte es für das bequemste, daß der Stettinische Kaufmann die Ausfuhr— prämie aus der Kasse des Königs bekomme, sie aber an den Schlesischen Kaufmann vor— schieße. Auf diese Art würde zwar der Schle— sische Scheffel Roggen in Stettin immer 8 bis 9 Sgr. höher als anderer Roggen bezahlt werden; allein, dies zu viel ausgelegte Geld bekäme der dortige Kaufmann sogleich aus der Königl. Kasse zurück, als er beigebracht hätte, daß dies Getreide weiter aus dem Lande geführt wäre.— Um dies Verkehr möglichst zu erleichtern, müßten vielleicht noch einige neue Einrichtungen in der Oderschiffahrt gemacht werden; und ich bin auch überzeugt daß sie von selbst erfolgen würden, sobald die Fahrt von Schlesien nach Stettin lebhafter als bisher ginge. Nur würde die nähere Un— tersuchung darüber mich von meinem itzigen Gegenstande zu weit abführen. Anfangs, ich gestehe es, würde der Ab— satz des Getreides durch diese Maaßregeln nur unbeträchtlich seyn. Es müßte sich erst nach und nach die Zufuhr aus Schlesieg nach Stettin, und die auswärtige Nachfrage nach Getreide daselbst, und zwar im gleichen Fort— bekenne 12 bok; er Echle⸗ immer 8 2 Wie Geld h aus Nebracht s dem Verkehr licht noch W etzeugt ald die hafter e ln. * dagen zu Hrn Moung's Aufsatz. 21K schritte, vermehren. Alle Handelsgeschäfte werden alsdann am gründlichsten und dauer— haftesten geführt, wenn die Nachfrage mit der Menge der Waaren in Gleichgewicht steht, und mit ihr zu gleicher Zeit und verhältniß— weise zunimmt. Und so wäre nicht einmal zu wünschen, daß bald anfänglich entweder eine zu starke auswärtige Nachfrage nach Ge— treide in Stettin entstände, die aus Mangel an Zufuhr nicht befriedigt werden 28 oder daß ein größerer Vorrath von Getreide dorthin gebracht würde, als Begehr danach wäre. Jenes würde die Getreidepreise in Stet— tin zu hoch hinauf treiben, und die Käufer folglich abschrecken im folgenden Jahre wie— der zu kommen; dieses würde die Preise zu sehr erniedrigen, und folglich die Zufuhr in der Folge vermindern. Mit der Zeit aber, wenn die Getreideausfuhr in Stettin alle bil— ligerweise mögliche Begünstigung erhält, steht ein vortheilhafter Erfolg auf das sicherste zu erwarten. Wissen die Ausländer, daß immer ein starker Vorrath von Getreide in Stettin vorhanden ist; wissen sie, daß die Ausfuhr nie anders als in dem vom Gesetze bestimm— ten Fall gesperrt wird; daß der Preis den in 92 212 Anmerkungen andern Häfen der Ostsee nicht übersteigt; daß die Ausfuhr mit keinen Zöllen und weitern Abgaben beschwert ist; und bemüht man sich in den Ländern die nach Stettin bringen, schönes und auserlesenes Getreide dahin zu führen: so kann es nicht fehlen, daß nicht ein beträchtlicher Getreidehandel dort entstehen, und sich von Zeit zu Zeit vergrößern sollte. Ich halte es für sehr möglich, daß Stettin einen eben so bettächtlichen Kornhandel er— halte als Danzig vordem gehabt hat, folg— lich seine Ausfuhr sich jährlich auf 20 bis 30 tausend Lasten belaufe. Hievon nehmen na— türlich Pommern, die Neumark, und der Netz— distrikt, auch ihren Antheil. Ich will deshalb für Schlesien nur die Hälfte, d. i. 10 bis 15 tausend Lasten rechnen. Zehn Danziger La— sten machen 417 Schlesische Scheffel; und al— so können die Schlesier hoffen, einst auch nur in gewöhnlichen Jahren(denn ich will, wo ich einen gewissen und dauerhaften Absatz zu bestimmen suche, nicht von außerordentlichen einzelnen Fällen reden) jährlich in Stettin 417 o00 bis 625 500 Scheffel Getreide abzu— setzen. So unbeträchtlich auch dieser Getreideab— Vhtinge, Uahin z icht ein ehen, i sollte. tettin Wel er⸗ , folg; u bis 30 1 len nas wer Nez n deshalb bis. 15 het La- 0 lbsag J 6 a 12 entlichen zu Hru Young's Aufsatz. 213 satz Einigen vorkommen mag, so würde er doch die vortheilhaftesten Folgen für die Wohl— fahrt unsers Landes und insonderheit für den Flor des hiesigen Ackerbaues haben. Denn 1) wenn Schlesien auch nur jährlich 500 000 Scheffel Getreide nach Stettin ausführte, und der reine Gewinn auch nur im Durchschnitt auf den Scheffel einen Gulden betrüge, so bekäme dag Land dadurch schon einen jährli— chen Nationalgewinn von einer halben Mil— lion Gulden: wodurch die vortheilhafte Han— delsbalanz sehr ansehnlich vermehrt würde. 2) Ein solcher sicherer Absatz kann nicht feh— len, die Schlesischen Ländereibesitzer, vorzüg— lich die welche ihre Güter unweit der Oder haben, aufzumuntern. Es würde daher man— ches itzt wüst liegendes Feld angebauet, man— cher Sumpf ausgetrocknet werden; die Land— wirthe würden mehr Kosten auf die Düngung ihrer Acker verwenden, und überhaupt keine Auslagen scheuen die tragbare Oberfläche ih⸗ rer Felder möglichst zu verbessern. Kurz, Schlesien würde gewiß nach und nach eben so viel Getreide mehr in einem gewöhnlichen Jahre gewinnen, als es nach Stettin verfüh— ren könnte. Hat man in England diesen Er— * 735 4 214 Anmerkungen folg durch eine ungezweifelte Erfahrung be— stätigt gesehn, warum sollte er nicht auch in Schlesien Statt finden? 3) Durch die Ver— besserung der Acker, würde der Landmann in den Stand gesetzt werden, dort mit Vortheil weizen anzubauen, wo itzt nur Roggen wächst. Dies ist besonders wegen des Handels nach der Ostsee wichtig. In den dortigen Häfen wird bisher nur hauptsächlich Roggen einge— kauft, weil in den Ländern die zunächst an der Ostsee liegen, nicht viel Weizen angebaut wird, auch nicht füglich angebaut werden kann. Es hohlen daher von dort bloß dieje— nigen Nationen das ihnen mangelnde Ge— treide, deren gewöhnliche Nahrung Roggen— brot ist; die wekche sich an Weizenbrot ge— wöhnt haben, kommen nicht hin, weil sie hier ihren Bedarf nicht in gehöriger Menge finden. Die Listen der Schiffe welche Ge— treide in der Ostsee hohlen, zeigen hauptsäch— lich Holländische, Schwedische, zuweilen auch Dänische; sehr selten aber Französische: und diese letztern fast bloß in Danzig, weil hier noch beinahe allein Weizen angetroffen wird. Brächten es also die Schlesier dahin, weit mehr Weizen als bisher anzubauen, und A nach Wäfen Menge⸗ an Ge en: a1 gen 9———— zu Hrn Poung's Aufsatz. 215 hauptsächlich Weizen nach Stettin zu verfüh— ren, so würde man vielleicht im Stande seyn, alle Jahre einen bestimmten Theil nach Frank— reich abzusetzen. Und da Stettin so viele Ge— schäfte mit Frankreich hat, wobei der Verlust auf Seiten der Preußischen Länder ist, so würde dadurch dieser Verlust wenigstens ver— mindert werden; nicht zu gedenken, daß so— bald Schlesien größtentheils Weizen nach Stet— tin verführt, des höhern Preises dieser Getrei— deart wegen sich der Nationalgewinn dadurch ansehnlich vermehrte. 8 4) Je mehr man sich in Schlesien mit der Verbesserung der Ländereien abgiebt, und eine vollkommnere Bearbeitung anzuwenden im Stande ist; desto weniger darf man sich vor Mißwachs fürchten. Denn, wenn gleich nicht zu läugnen steht, daß eine ganz widrige Wit— terung alle menschliche Bemühungen vereiteln kann: so lehrt doch die Erfahrung, daß theils dergleichen sich vielleicht in hundert Jahren nur einmal zuträgt; theils aber, daß auch selbst in diesem schlimmsten Fall, wenn man nur keine Anstrengung der Kräfte scheuet, im— mer noch Hülfsmittel gefunden werden, um einer allzu großen Noth und Theurung abzu— 216 Aumerkungen helfen. Man glaubt nicht, wie weit die Kräfte des Menschen gehn, um selbst über eine ungünstige Witterung und andre die Landwirthschaft betreffende Zufälle Meister zu werden; wovon uns die neueste Geschichte Schlesiens ein treffendes Beispiel liefert. Im Herbste des J. 1764 waren die Mäuse so häufig, daß man in dem darauf folgenden Frühjahr fast gar keine Saat auf den Win— terfeldern erblickte. Man hielt deshalb schon einen allgemeinen Mangel für unvermeidlich, — und demungeachtet fand er gar nicht Statt. Der Schlesier arbeitete sein von den Mäusen verheertes Winterfeld von neuem um, und besäete es mit allen Arten von Sommerge— treide. Der Himmel begünstigte seinen Fleiß: die Mäuse wurden im Frühjahr durch häufige kalte Regen vertilgt; es erfolgte den Sommer darauf die schönste und fruchtbarste Witterung: und die Arnte war so gesegnet, daß das ganze Land zu leben hatte, und selbst der Scheffel Roggen noch unter 2 Thal. verkauft ward. Wäre nun der Landwirth im Frühjahr nach⸗ lässig gewesen, oder hätte er nicht das Ver— mögen gehabt die Kosten der Umarbeitung des Feldes und der Anschaffung des neuen Saa— zu Hrn Young's Aufsatz. 217 mens zu bestreiten, so würde man wahrschein— lich in den Jahrbüchern das J. 1765 unter den ungläcklichen aufgezeichnet finden. Nun aber hat es seinen Platz unter den guten und nicht allzu theuren Jahren. Je mehr Kräfte der Landmann besitzt; desto weniger ist Miß— wachs zu besorgen. Diesen Vortheil wird al— so auch Schlesien genießen, wenn durch eine erleichterte Getreideausfuhr der Ackerbau da— selbst verbessert wird, und der Wohlstand der Ländereibesitzer zunimmt. Ein Rückschlag, der nicht größer ist als die jährlich ausgeführte Menge von Getreide, schadet dem Lande nicht, weil dadurch wahrscheinlich der Preis in die Höhe getrieben wird, und folglich die Aus— fuhr wegfällt. Ein noch größerer Rückschlag bewirkt eine größere Sparsamkeit in Absicht der Getreidekonsumtionz und es müßte schon ein ganz außerordentliches Unglück seyn, wenn jener so groß wäre daß viele Einwohner wahren Hunger litten. Auch sieht man es ja mehrentheils im Frühjahr an der Wintersaat, ob Mißwachs zu befürchten steht; und da hat der Landmann noch Zeit, dem Mangel durch häufigere Anbauung anderer Früchte, als Erbsen Bohnen Kartoffeln, abzuhelfen. 8 — ——— 218 Anmerkungen Die nachtheiligste Witterung für Schlesien ist wohl eine zu große anhaltende Nässe; aber selbst dem hieraus entstehenden Nachtheile könnte vielleicht noch kräftiger vorgebauet werden, wenn die Schlesier mehr anfingen, Graben um ihre Felder zu ziehen, und nach Art der Engländer und Holsteiner die Kop— pelwirthschaft einzuführen. Würde dies nicht auch unstreitig allgemein erfolgen, wenn man den Ackerbau noch höher als bisher triebe? 5) Sowie durch eine vermehrte Getreide— ausfuhr Mißwachs verhütet wird; so sind dann auch die gar zu hohen, den gemeinen Mann und die Armuth drückenden, Getreide— preise nicht zu befürchten. Die Arnten geben, der verbesserten Wirthschaft wegen, beinahe immer(wenn man das ganze Land zusammen nimmt) den nehmlichen Ertrag. Ist in einem benachbarten Lande Mißwachs, so wird zwar anfänglich viel Getreide dahin geführt; da aber dasselbe dadurch bald zu dem höchsten Preise kömmt bei dem die Ausfuhr erlaubt ist, so hört diese von selbst auf, und folglich kann der Preis nicht übermäßig hinaufgetrie— ben werden. 6) Allein auch die gar zu nie— drigen Kornpreise, wobei der Landmann den zu Hru Moung's Aufsatz. 219 Muth verliert seinen Ackerbau mit Fleiß und Aufwand zu treiben, fallen alsdann hinweg. — Durch die begünstigte Getreideausfuhr, kann der Überfluß, der sonst dem Landmann auf dem Boden liegt, und der die allzu wohlfeilen Preise verursacht, abgesetzt werden. Im Lande bleibt also nicht mehr als der gewöhnliche Vorrath, wobei also auch die gewöhnlichen Preise sich erhalten. 1 7) Durch alles dieses bringt es endlich der Landmann mit der Zeit dahin, daß er, ohne dachtheil, und seiner Wirthschaft unbescha— det, das Getreide wohlfeiler verkaufen kann als vormal; und dies ist für Schlesien, be— sonders für die hier befindlichen Fabriken, ei— ner der allerwichtigsten Vortheile. Die Rech— nung soll die Unfehlbarkeit dieses Erfolgs zei— gen., Schlesien gewinnt itzt in einem gewöhn— lichen Jahre 18 Mill. Scheffel Getreide. Da— von rechne ich 11 Mill. theils zur Aussaat, theils auf die eigene Konsumtion der zum Ak— kerbau unmittelbar angestellten Leute, theils auf das Futter des nöthigen Zugviehes. Folg— lich verkaufen die Schlesischen Landwirthe jähr— lich 7 Mill. Schfl an die Städte, und an die Landleute welche keinen hinreichenden Acker— . 220 Anmerkungen bau haben. Sie werden also, nach dem oben angenommenen Durchschnittspreise, aus dem Verkauf ihres Getreides jährlich 7 Mill. Thal. lösen; und sie müssen dies auch, wenn sie be— Gesetzt nun, daß durch die vorgeschlagene Einrichtung der Ackerbau in stehen wollen. Schlesien so weit verbessert würde, daß der Landwirth 8 Mill. Scheffel verkaufen könnte, wovon eine Million außerhalb Landes ginge; so sieht man offenbar, daß er von seiner vo— rigen Einnahme nichts verlieren würde, wenn er auch für den Scheffel nur 21 g. Groschen bekäme. Man muß zwar bedenken, daß er verschiedene Kosten an Auslagen und Zinsen gehabt hat um sich diesen größern Ertrag zu verschaffen, und ihm daher billig auch itzt ei— ne größere Einnahme als vorher zugestanden werden muß. Allein, da diese Kosten gewiß nicht 3 Gr. auf den Scheffel betragen können, so wird unstreitig der Landmann itzt eben so gut, ja noch besser bestehen als vorher, wenn er auch 1 bis 2 Gr. weniger für den Scheffel erhält. Hiezu kömmt, daß durch das jährlich ausgeführte Getreide die Masse des Schlesi— schen Reichthums vermehrt wird, daß dieses Geld sich nach und nach in den Händen ein— Ack zu Hru Poung's Aufsatz. 221 zelner Personen anhäuft, daß daraus Kapi⸗ talien entstehn die gegen Zinsen verliehen wer— den, und folglich der Zinsfuß niedriger wird. Dieser Umstand muß, wenn nicht etwa an— dere Ursachen die Wirkung desselben verhin— dern, den Landmann in Stand setzen sein Getreide wohlfeiler zu verkaufen. Wenn al— so durch diesen natürlichen Zusammenhang die Preise in Schlesien ohne Nachtheil der Land⸗ wirthschaft noch weiter herunter kommen, so werden die Fabriken davon in der Folge die wesentlichsten Vortheile haben. Das Tage— lohn des Spinners, des Webers, und jedes Handarbeiters, wird nach und nach auf das gehörige Verhältniß mit dem Getreidepreise fallen, die Fabrikwaaren mithin wohlfeiler werden, und der auswärtige Absatz desto grö— ßer und sicherer seyn. Alsdann werden sich auch gewiß die Landwirthe mehr mit der Mä⸗ stung des Viehes abgeben, wovon sie itzt ab— gehalten werden, weil sie die Konkurrenz mit dem Polnischen Schlachtvieh nicht aushalten können. Dadurch muß aber nicht nur der Ackerbau wegen des vermehrten Viehstandes und Düngers gewinnen, sondern Schlesien wird auch viele tausend Thaler ersparen, die 222 Anmerkungen es itzt für Ochsen, Hämmel und Schweine nach Polen schickt. Anderer daraus fließenden Vortheile zu geschweigen. Freilich ist diese hier von uns als möglich berechnete Getreideausfuhr lange so groß nicht, als wir sie vorher(S. 183, 18g) durch die Theorie als nöthig fanden, um Schlesien vor allem Getreidemangel in völlige Sicherheit zu stellen. Dazu mußten wir fordern, daß eine gewöhnliche Arnte 6 Mill. Schfl Getreide mehr brächte als im Lande verkauft wird, folglich ein auswärtiger Absatz für diese überflüssigen 6 Mill. da sei. Nun sehen wir hingegen, daß Schlesien bei seiner Lage sich nur auf eine Ab⸗ nahme von höchstens 600 bis 800 tausend Schfl auswärts(nach der Lausitz und nach Stet— tin) Hofnung machen kann, mithin noch mehr als fünf Sechstheile an jener Forderung feh⸗ len. Wenn indeß nicht Alles geschehen kann, so thue man wenigstens Etwas; und selbst die aus dieser geringen, aber als möglich erwie— senen, Getreideausfuhr sich ergebenden Vorthei— le sind so beträchtlich, daß es wohl der Mühe werth scheint, auf das genaueste zu untersuchen „! enn de N both ider Aber g gen faucht Je liel Cg polizei dh ech die din eng aft au 1 kegeln N das 05 0 0* beg J Etat f zu Hru Young's Aufsag. 223 ob und wie weit der gethane Vorschlag ins Werk zu stellen ist. Allerdings dürften sich bei der Ausführung manche Schwierigkeiten finden, an die man vielleicht vorläufig gar nicht gedacht hat. Der— gleichen zeigt sich bei jeder menschlichen An— stalt, vorzüglich bei neuen Einrichtungen; al— lein, darum giebt man nicht gleich eine Ver— besserung oder einen nützlichen Vorschlag auf. Die Ausfuhrprämie kann leicht Mißbräuche hervorbringen, indem gewinnsüchtige Leute sie widerrechtlich zu erschleichen suchen werden. Aber es werden sich auch jederzeit Mittel da— gegen vorkehren lassen, daß ein solcher Miß— brauch wenigstens nicht der Hauptsache nach die Absicht vereitelt. Und sowie in England viele Einwendungen gegen die dortige Korn— polizei gemacht worden sind, und(wie wir gesehen haben) noch gemacht werden, obgleich die Vortreflichkeit derselben durch die Erfah— rung hinlänglich bestätigt ist; so wird es dar— an auch nicht in Schlesien bei ähnlichen Maaß— regeln fehlen, wenn auch der klare Augenschein das Gegentheil von solchem Tadel zeigte.— Indeß gebe ich zu, daß wirklich Hindernisse Statt haben können, die ich nicht einsehe, —U—— — ͤ—⅛— — * — —— —„V 224 Anmerkungen die aber die Ausführung einer solchen An— stalt unmöglich machen. Mir genügt es, rich— tige Grundsätze angegeben zu haben; und ich überlasse es der Beurtheilung der Sachkenner, ob eine Anwendung davon auf Schlesien thun— lich ist oder nicht. Einiger Schwierigkeiten, die man mir entgegen stellen könnte, will ich selbst noch erwähnen. Die Kasse des Königs bekömmt freilich eine stärkere Ausgabe durch diese Ausfuhrprämie, die, wenn meine bisherigen Berechnungen richtig sind, jährlich an 150 bis 200 tau— send Thaler betragen kann. Allein, wenn nur die vorhin angezeigten Vortheile dadurch er halten werden, so wäre wohl nicht leicht eine nützlichere und einen größern Gewinn hervor— bringende Ausgabe zu denken.— Ja gesetzt, daß die Schlestschen Ländereibesitzer selbst diese Prämie durch eine neue Anlage zusam— menbringen sollten, so würden ste ungefähr von jedem Morgen Acker- oder Wiesenland jährlich die unbedeutende Kleinigkeit von zwei Kreuzern beizutragen haben. Da sie nun diesen ganzen Beitrag durch die Prämie wieder zu— rück bekämen, so verlören sie im Ganzen nichts, und das von dem Ausländer zu er— haltende gen, sich l fuhtpr Wilka 1 1 1 2 2 zu Hrn Young's Aufsatz. 229 haltende Geld wäre überdies ein reiner Na— tionalgewinn. Was ich oben in Absicht En— glands über diesen Punkt gesagt habe(S. 88 7 folgg.), kann auch hier angewandt werden. S Die Ländereibesitzer in Pommern, in der Neumark, und an der Nete, könnten sich viel— leicht beschweren: daß die Schlesier durch die Bewilligung der Ausfuhrprämie zu sehr vor ihnen begünstigt würden, indem sie nun mit ihrem Getreideverkauf nach Stettin nicht zu bestehen vermögten. Allein, hier kömmt Al— les auf die besondern Umstände in jeder die— ser Provinzen an. Ist in den hier genannten der gewöhnliche Preis des Getreides so hoch, daß sie mit den übrigen an der Ostsee liegen— den Kornländern nicht Markt halten können, so haben sie allerdings eine verhältnißmäßige Prämie zu fordern, wenn man eine Getreide— ausfuhr bei ihnen zuwegebringen will. Steht aber das Getreide bei ihnen nicht höher als in Polen, in Preußen und in Liefland, so ha— ben sie gar kein Recht, dergleichen zu verlan— gen. Ohne die mindeste Ursache würden sie sich über die den Schlesiern bewilligte Aus— fuhrprämie beschweren. Denn diese ist ja kein willkürliches Geschenk das dem Schlesier ge— II 2 Anmerkungen macht wird, sondern sie ist nur ein Ersatz des Schadens den er sonst leiden müßte wenn er sein Getreide Stettin bringen 5 Der Schlesier gewinnt durch seine höheren 88 r Getreidepreise nur die Zinsen von seinem in der Landwirthschaft steckenden Kapital, und die jährlich zu gehöriger Besorgung des Acker baues erforderlichen Auslagen wieder. erhält auch der Pommer durch seine nie— Sollte jener Erste sein Getreide . in Stettin zu gleichen Preisen mit diesem Let— tern an den Ausländer verkaufen, so würde Ferlust leiden. Und in keiner an— dern Absicht als um ihn dieses Verlustes we— gen schadlos zu halten, wird ihm die Prämie Erst alsdann oder die Neumörker durch diese Prämie von dem Kornmarkt in Stettin verdrängt würden, könnten sie sich darüber beschweren; und in diesem Falle, würde es die Billigkeit erfordern ihnen eine verhältnißmäßige Ausfuhrprämie zukommen zu lassen. Rußland, und auf gewisse Weise auch Dännemark, könnten die Wirkung der auf die Schlesische Getreideausfuhr bewilligten Prä— mie vereiteln. Denn, wenn diese Staaten, rag d. wen nm 10 nem in und Acker: Eben chyne nie⸗ ui etteide I m Leg würde dier an 1 es n J tämie zumern von 5 den nd 1 oetdern zu Hrn Moung's Aufsatz. 227 besonders Rußland, auf das aus ihren Häfen ausgeführte Getreide ebenfalls eine Prämie ertheilten, so würde der fremde Kaufmann unstreitig bei ihnen das Getreide noch wohl— feiler bekommen als in Stettin, ungeachtet der Schlesischen Prämie. Allein, werden denn diese Staaten sogleich eine solche Gegenanstalt tref— fen? Als England im J. 168g die Ausfuhr— prämie bewilligte, so hätte Feankkeich Polen, und damal auch Schweden, die Wirkung da— von größtentheils verhindern können. Nahm Frankreich eben die Grundsätze in Absicht des Getreidehandels an, so mußte es unläugbar den ganzen großen Absatz des Weizens an sich ziehen, dessen sich England hernach zu er— freuen gehabt hat. Wäre in Polen eine Re— gierung gewesen, die auf jene Verfügung ge— hörig Acht gegeben, und dabei die nöthigen Kräfte besessen hätte dienliche Gegenmittel zu ergreifen, so würde der Polnische Roggen we— gen des niedrigen Preises immer den Vorzug vor dem Engländischen behauptet haben. Und wenn die Schweden, die damal Herren von Lief⸗ land waren, in Absicht des Kornhandels für diese Provinz dem Beispiele Großbritanniens gefolgt wären, wie sehr würde nicht dadurch 00 5 14 Nei in 1 1 1. 1 11 1 1 160 i 5 10 1 0 1 1 1 nn 1 16 1 228 Anmerkungen der auswärtige Absatz des Engländischen Ge— treides vermindert worden seyn? Indeß ist nichts von allem diesen geschehn; und so ent— schieden auch die Vortheile für jenen Staat aus seiner Getreidepolizei gewesen sind, so hat doch bis itzt noch kein anderer ihm hierin nach— eahmt. Würde eine Getreideausfuhr den Schlesiern bewilligt, so wäre der Preußische Staat der erste welcher den Engländern in diesem Punkt folgte; und wahrscheinlich würde auch dieser Staat sich eine lange Reihe von Jahren hindurch der davon zu erwartenden Vortheile zu erfreuen haben, ehe ein neuer Nebenbuhler aufstände. Viele der neuern Schriftsteller über den Getreidehandel werden mit diesem ganzen Vor— schlage nicht zufrieden seyn, weil das Verbot 0 der Einfuhr in Schlesien damit verbunden ist. Allein, wenn man die Sache im ganzen Zu— sammenhange erwägt, so wird man bald fin— den, daß die hiesigen Ländereibesitzer nicht be— stehen können, wenn die Einfuhr des Polni— schen oder auch des Böhmischen Getreide durchaus zu allen Zeiten erlaubt seyn soll. In Polen ist das Getreide gewöhnlicher Wei— se weit wohlfeiler als in Schlesien; darf also sch 1 a0 ce fig Ana ff das! gen kön! so schd krieben 7 Irie ö Ackecha; siedurg ird al,, bon zu Hru Poung's Aufsatz. 229 von dort Getreide auf unste Kornmärkte ge— bracht werden, so muß der Schlester sein Ge— treide um einen wohlfeilern Preis weggeben als er es eigentlich thun kann. Darunter lei— det der Ackerbau: denn der Landmann giebt sich alsdann gewiß nicht die Mühe, wendet auch nicht die erforderlichen Kosten an, um die möglich reichsten Arnten hervorzubringen er Will man sagen: daß der Staat durch Zölle auf das ausländische Getreide es dahin brin— gen könne, daß der Pole nicht wohlfeiler als der Schlesier zu verkaufen im Stande sei; so ergiebt sich die natürliche Antwort: daß es doch noch vortheilhafter ist, fremdes Getreide zu entbehren. Und das können wir in Schle— sien, weil diese Provinz bei guter Einrichtung des Ackerbaues Getreide genug für alle ihre Einwohner erzeugt.— Erfolgen auch aus dem Verbot der Einfuhr etwas höhere Preise, so schadet das nicht, solange sie nicht über— trieben sind. Im Gegentheil, befördern hohe Preise und ein sicherer Absatz das Beste des Ackerbaues auf unglaubliche Weise; und wenn hiedurch mehr Getreide im Lande gewonnen wird als vormal, so kommen gewiß die Prei— se von selbst so weit herunter, als es der — 230 Anmetkungen wahre Zusammenhang der gesammten Landes— wohlfahrt erfordert. Will man den mehrern Anbau einer Frucht in einem Lande befördern, verlangt man einen größern Überfluß von einem durch meuschlichen Fleiß zu erhaltenden Produkt; so verschaffe man dieser Frucht und diesem Produkt nur sichern Absatz, und an— fänglich einen hohen Preis: sogleich wird sich Alles darauf legen, und der Preis dann bald von selbst niedriger werden. Diesem Grund— satz gemäß, muß man also in einem Lande wo man den Getreidebau stärker getrieben wünscht, es gern sehen wenn die Preise etwas hoch sind, weil eben sie den Landmann an— locken, allen möglichen Fleiß auf die Vermeh— rung des Getreidebaues zu wenden. Man muß ja keine Maaßregeln ergreifen, wodurch die Getreidepreise so herunter kommen könn— ten daß der Landmann nichts mehr gewönne Daß Holland, Hamburg, Danzig, und andre solche Republiken die keinen eigenen Getreidebau haben, eine uneingeschränkte freie Getreideausfuhr gestatten, ist sehr vernünftig. Diese Staaten haben, wie Hr Young sehr richtig bemerkt(S. 10), bei ihrem Getreide— . handel nur ein zwiefaches Interesse zu beher— a könnt polchet Deich deen Alase fel, da ct Jet Hann p lch; de mann! lch hee liefen tert lelde, freien dünker genstaf 14 thel⸗ zu Hrn Poung's Aufsatz. 231 zigen: nehmlich das Interesse ihrer Kaufleute, die das Getreide wieder ausführen wollen, und das Interesse ihrer Einwohner die es zu ihrer eigenen Konsumtion brauchen. In Ab— sicht beider punkte ist es vortheilhaft, die nie— drigsten Getreidepreise zu haben. Große Län— der, die eigenen Ackerbau treiben, lassen sich aber nicht auf diesen Fuß beurtheilen. Hier kömmt das Interesse der Ländereibesitzer dazu, welches hohe Getreidepreise fordert. Die Weisheit der Regierung muß sich daher in diesen Ländern, wo der Vortheil der einen Klasse mit den Vortheilen einer andern strei— tet, darin zeigen, daß das gehörige Gleichge— wicht beobachtet werde, und kein besondres Interesse die Überhand bekomme. Der Land— mann will die Getreidepreise so hoch als mög— lich; der Fabrikant, der Bürger, der Kauf⸗ mann hingegen, wollen sie so niedrig als mög— lich haben. Der Staat muß das Mittel zu treffen suchen, damit weder die letztern un— terdrückt werden, noch auch der erste Verlust leide. Die Verfechter eines uneingeschränkten freien Getreidehandels verfallen meinem Be— dünken nach, in den Fehler, daß sie den Ge— genstand nur von einer Seite betrachten 9 2————— 9 5 232 Anmerkungen Nehmen wir alles Bisherige zusammen, so glaube ich daraus Folgendes für die in Schlesien zu beobachtende Getrei idepolizei schlie— ßen zu können. 1) Solange der Schlesische Schfl Roggen nicht zu einem gewissen Preise gestiegen ist, darf kein fremdes Getreide nach Schlesien gebracht werden. Wie hoch dieser Preis zu bestimmen sei, kann ich nicht mit Zuperlassigkeit angeben. Vielleicht muß er sich auf 50 Sgr., vielleicht noch höher belau— fen. 2) Solange der Scheffel Roggen nicht diesen Preis hat, kann der Schlesier sein Ge— treide ohne den mindesten Zoll oder andre Abgaben ausführen wohin er will. 3) In dem Fall wenn der Schlester sein Korn nach Stettin bringt damit es dort an Ausländer verkauft werde, ist ihm eine verhält, „ 9 Prämie zu bewilligen, um mit den an der Ostsee liegenden Ländern Preis halten zu kön— nen. Ich bin wieder nicht im Stande, die Größe dieser Prämie genau ar zugeben. Man kann oben die Gründe finden, warum ich glaube daß sie itzt auf den Se chfl Roggen un— gefähr 9 Sgr. seyn müsse. 4) Da die aus Schlesien zu erwartende Getreideausfuhr schwerlich je so beträchtlich werden kann, und —— zu Hru Poung's Aufsatz. 233 wenigstens Anfangs unstreitig nicht so stark ist, als sie zu vollkommner Sicherstellung ge— gen Theurung und Mangel erfordert wird: so würde es für Schlesien sehr vortheilhaft seyn, wenn sich darin beständig ein Magazin von einer gewissen Menge Getreide befände. 2 Sollte der Staat dessen Unterhaltung besor— gen, so wäre vielleicht ein Magazin von 2 Mill. Scheffel weder zu groß noch zu klein 7 f* Würde es aber unter alle Ländereibesitzer ver theilt, sodaß jeder derselben einen gewissen Theil, der mit der Größe seines Feldes im . bei sich verwahrte; so 11 1 könnte man vielleicht nach einigen guten Jah— ren ein Magazin von einem paar Millionen Schfl in Schlesien vorräthig haben. In meiner ganzen bisherigen Abhandlung habe ich den Umstand gar nicht berührt: daß in England die Prämie auf das Getreide nicht anders bezahlt wird, als wenn die Ausfuhr auf Engländischen Schiffen geschieht, deren Mannschaft größtentheils aus gebornen En⸗ gländern besteht. Denn da diese Einschrän— kung eine Folge der so berühmten Naviga— tionsakte ist, so gehört die Beurtheilung da— von auch eigentlich ——— 254 Anm. zu Hrn Poung's Aufsatz. ö 5 9 5 den Nutzen oder die Wirkungen dieser Akte untersuchen will. Bei Schlesien läßt sich über— dies, wie man von selbst einsieht, diese Ein— schränkung gar nicht anbringen; und also brauchte ich auch davon bei der Untersuchung, ob die in England angenommenen Grund— sätze über den Getreidehandel bei uns anzu— wenden sind oder nicht, keine Erwähnung zu thun. Über und den Über den freien Getreidehandel in den Preußischen Staaten. Geschrieben am Ende Februars 1787 4 1 Wie sich doch die Könige müssen beurtheilen lassen! Friedrich der Große schränkte den Handel seiner Unterthanen auf mancherlei Art ein; und allgemein war die Stimme der Miß— vergnügten, die laut nach freiem Handel schrieen. Friedrich wilhelm, der Gütige, der Menschenfreundliche, will seinem Volk diese so sehr gewünschte Handelsfreiheit geben. Er fängt damit an, daß Er die bisher Statt fin— denden Elnschränkungen des Getreidehandels aufhebt; und nun weißagt man aus dieser ertheilten Freiheit: Untergang unsers Getrei— ebaues, Ruin unsrer Edelleute Domänen— — — . A — * 71 = — 1d Bauten, Umsturz unsrer Land— schaftlichen Kreditsysteme, und Gott weiß was sonst noch füt Elend Es hat mir in der Seele wehe gethan, daß man bei dem ersten wohlthätigen Schritt, welchen der beste König zur mehrern Verbrei— tung eines allgemein freien Verkehrs gethan hat, so schief und so kurzsichtig urtheilt. Der weise Regent thut zwar das Gute um des Guten willen, und erwartet von der Zukunft den stillen Beifall seines Volks, welches er glücklich gemacht hat. Aber der Nation we— gen thut es mir leid, weil ich mehr Aufklä— rung bei derselben vermuthet hatte, als sie itzt gezeigt hat. Ich will hier nicht die oft vorgetragene und doch so wenig perstandene Frage von der Freiheit des Handels überhaupt erörtern; auch will ich keine Abhandlung über den Getreide— handel liefern, in wie fern die Freiheit oder Einschränkung dabei aus allgemeinen Grün— den der Staatswirthschaft entschieden werden kann. Wohl aber will ich etwas über den freien Getreidehandel der Preußischen Staa— gleich dadurch nicht 9 ten sagen; und wenn ich diejenigen bekehren werde, die aus vorgefaß— ten Meinungen vom Gegentheil überzeugt zu J ich sädten denn, Cine finbar zugehen latte U. gone tot des Uta laß wegen. Mensc die an gen nchen, ht Getreidehandel. 239 seyn glauben, so wird es mir doch genug seyn, wenn der unbefangene Theil des Publikums vermittelst meiner Bemerkungen den Gesichts— punkt findet, aus welchem dieser Gegenstand zu betrachten ist. In dem Röhigreich Preußen hat bisher schon ein vollkommen freier Getreidehandel Statt gefunden, und der Vortheil den dieses Land davon gehabt hat, ist augenscheinlich. Ich rede hier nicht bloß von den Handels— städten Königsberg, Elbing, und Memel: denn, daß diese und die in ihnen wohnenden Einwohner bei dem freien Getreidehandel of— fenbar gewinnen, wird mir wohl ein Jeder zugeben; sondern ich behaupte auch, daß das platte Land durch den freien Getreidehandel gewonnen hat. Die Kultur des Bodens ist trotz des häufig zugeführten Polnischen und Littauischen Getreides verbessert worden. Kein fleißiger Landwirth läßt, der freien Einfuhr wegen, sein Feld unbesäet liegen; und kein Mensch hat noch in Preußen behauptet, daß die an seinen Ackern angebrachten vernünfti— gen Verbesserungen, der freien Korneinfuhr wegen, unbelohnt geblieben wären. Die freie Einfuhr ist oft Gelegenheit zu reellen Verbes— 240 Über freien serungen geworden; wovon ich nur das Eine Beispiel anführen will, daß bei der Gelegen— heit als ein Theil des Polnischen Handels nach Elbing gezogen wurde, in der dortigen Gegend der Sendomirsche Weizen bekannt ward: worauf die dortigen Gutsbesitzer und Domänenpächter diese vorzügliche Weizenart aussäeten und dadurch ihre Weizenärnte an— Dreis des Getrei— sehnlich verbesserten. Der des ist durch die erlaubte Getreideeinfuhr nicht unter die Füße getreten; im Gegentheil schreien die alten Einwohner, daß durch den so hoch getriebenen Getreidehandel die Preise in die Höhe gegangen wären. Edelleute, Pächter und Bauren sind nicht ruinirt; und wenn gleich zuweilen Jahre kommen, wo der zu niedrige Getreidepreis den Muth des mannes unterdrücken würde, so findet er we— nigstens durch die in den Handelsstädten woh— nenden Getreidehändler und Spekulanten Ge— legenheit, den Theil seines Getreides den er zu Bestreitung seiner Ausgaben versilbern muß, zu verkaufen. Geben nun freilich diese Käu— fer⸗im Fall einer bloßen Spekulation nur we— nig, so ist doch dies Wenige besser, als gar nichts. ls ruhe Tuht fen 0 ufer As Jreaßt AN. Ihder dust ——— Getreidehandel. 241 —— Wir haben also hier ein wirkliches durch die Erfahrung bestätigtes Beispiel, daß man einem Lande einen ganz uneingeschränkt- freien Kornhandel erlauben kann, ohne Nach— theil, und selbst zum erweislichen Vortheil für dies Land. Die Ursache hievon liegt unstrei— tig in der Lage von Preußen. Dieses Land hat auf der einen Seite verschiedene Häfen, aus welchen es sein überflüssiges Getreide aus— führen kann; und es gränzt auf der andern Seite an ein kornreiches Land, welches von Jahr zu Jahr so viel und noch mehr zuführt, als jenes ausführen kann. Und hierauf be— P ruht denn wohl auch der Grund, warum Preu— ßen so leicht keine Hungersnoth oder eine ganz außerordentliche Theurung zu fürchten hat. Aus Polen wird immer mehr Getreide nach Preußen zugeführt, als dieses in gewöhnlichen Jahren auszuführen und in der Fremde ab— zusetzen im Stande ist. Wo ich nun eine ähnliche Lage finde, sollte ich nicht da auch auf die nehmliche Wir— kung schließen können? Ich nehme also die Landkarte vor mir, und betrachte die Lage von der Kurmark, von Pommern, und von Magdeburg. Und wer wird zweifeln, daß II. Q 1 — 242 Über freien diese Provinzen eine eben so glückliche Lage zu einem ganz freien Getreidehandel haben, als Preußen? Diese Provinzen haben einen doppelten Ausweg für ihr Getreide: Stettin nach der Ostsee, Hamburg nach der Nordsee; und hinter sich haben sie auf der einen Seite Großpolen, und auf der andern Seite das Anhaltische und das Halberstädtische. Ich glaube daher, daß ich folgende Sätze als ganz unumstößlich festsetzen kann. 1. Die Getreideeinfuhr aus Großpolen nach der Mark, und aus dem Anhaltischen nach Magdeburg, wird den Getreidebau in der Mark und im Magdeburgischen nicht hin— dern. Die Preise werden dadurch nicht außer Verhältniß mit den Kosten des Anbaues kom— men. Die Edelleute, Pächter und Bauren werden nicht ruinirt werden. Denn, so wie überflüssiges Getreide eingeführt wird, so ist ein Absatz davon in Hamburg und in Stettin zu machen. Das Einzige was erfolgen wird, ist: daß die Preise im Lande mehr mit den Europäischen Getreidepreisen in Gleichheit seyn werden, als bisher. Was wird das aber un— serm Getreidebau schaden, zumal da itzt über— all hohe Getreidepreise Statt finden, und dul 01. Ac en ede ni Ell 1 Eluat ett big, Well seste weil tigu gew ahl. zu ste 9 ———.— Getreidehandel. 240 ee ba, 1 durchaus zum Vortheil des Landmannes be— .. hauptet werden? 1 2. Große Theurung und Hungersnoth . 15 ist, bei einem ganz freien Getreidehandel, in 5 witz der Mark und in Magdeburg nicht zu fürch— Eiite ten. Großpolen wird gewiß seinen Getreide— . da bau nach erhaltener freien Einfuhr noch hö— c her treiben, als er bisher gewesen ist; und in ganz Absicht auf Magdebure müßten ganz beson— gdeburg 9 dere Zeiten einfallen, wenn es da an Ge— N piles treide fehlen sollte. ischen Dieser freie Getreidehandel nun ind man⸗ 3 nichfaltige und sehr große Vortheile bringen t hin- Eiliche derselben will ich anzeigen. i auß 1) Stettin, dieser für die Pkeußischen kon- Staaten so wichtige Platz, erhält durch das len Getreideverkehr einen ganz neuen Handels⸗ wie zweig, der desto wichtiger ist: weil er die e t Ausfuhr von Stettin vermehrt, die bis itzt 1 Gitettin fast allein auf Holz eingeschränkt gewesen ist; 10 vid, weil dadurch die Preußischen Schiffe Beschäf— 10 n tigung erhalten; und weil damit fremdes Geld 1 i eh gewonnen wird, das den Stettinern bei Be— un zahlung ihres starken auswärtigen Saldo sehr in zu statten kömmt. 1 und 3) Großpolen wird wohlhabender wer⸗ 2 —— ———— ů ů ů——ů ů 8 5—.——„— EFEPFTFTFTCTGVCTCTCTCTCTCTCTCTCCCCb— 244 Über freien den, weil es sein Getreide zu anständigen Preisen nach Stettin und Berlin absetzen kann. Es wird also auch mehr Bedürfnisse bekom— men, und uns in Stettin, Berlin, und Frank— furt wehr Waaren abkaufen als bisher. Weg mit der kleinlichen Politik, seinen Nachbar arm urachen zu wollen! Unser eignes Interesse er— fordert es, daß die Einwohner von Großpo— len, die zu ihren Bedürfnissen gar nicht unser entbehren können, wohlhabend seien. Wel— cher Kaufmann wird gern an Bettler, oder an Schwindler, verkaufen wollen? 3) Landsberg an der warte wird ein sehr bequemer Zwischenplatz für die Großpo— len werden; so wie auf der Seite der Weich— sel Thorn dies für den Theil von Polen der durch die Weichsel seinen Handel treibt, ehe— dem war, und zum Theil noch ist. 4) Magdeburg wird durch den freien Getreidehandel wieder zu seiner ehemaligen Größe kommen: denn dieser Handelszweig wird vielen andern ein neues Leben geben. Man glaube ja nicht, als träumte ich, daß alle diese Folgen sogleich im ersten Jahr Man denke nicht, als glaubte ich, daß gar keine Schwierigkei— merklich werden sollten. zu m ic 10 1 f Mucker A Diez 0 Dein Heuesl 906 0 Getreidehandel. 245 ten kommen würden. Nein! ich glaube viel— mehr, daß verschiedene Jahre hingehn wer— den, eh diese Vortheile sich offenbar zeigen; ich glaube, daß manche Schwierigkeiten auf— stoßen werden. Bleibt man aber nur N dem System, und sucht man die Schwierig— keiten dem System gemäß aus dem Wege zu. räumen; so wird der Erfolg die Wahrheit meiner vorigen Behauptungen bestätigen. Der Kurzsichtige mag alsdann das Vergnügen ha— ben, etliche Jahre hinter einander zu schreien, zu murren, und zu klagen. Dies Gewimmer wird von Jahr zu Jahr schwächer werden, und zuletzt wird es ganz aufhören,— wenn es anders möglich ist, daß man die Mißver— gnügten in einem Staate ganz beruhigen kann. Aber treu muß man dem System bleiben. Dies sage ich mit gutem Bedacht; weil die Berlinische Polizei eine Verordnung ganz neuerlich hat ergehen lassen, die gerade gegen das System ist. Sobald man einen allge⸗ mein freien Kornhandel haben will, muß es erlaubt seyn, aufzuschütten, einzuspeichern, und das Getreide bis auf den vorgesetzten Spekulationspreis liegen zu lassen. Solche Spekulanten sind bei dem Getreidehandel noth— — * . —————— 246 Über freien l wendig, weil durch sie die Preise in der Höhe erhalten werden, und weil sie es allein sind die das für die Konsumtion überflüssige Ge— treide aufkaufen. Die Polizei von Berlin hat aber diese Spekulation für Berlin verboten, und ein solches Aufkaufen durch Androhung harter Strafen Untersagt. Man hat also noch aus dem alten System Friedrichs geschlossen, und das ist leicht zu verzeihen: weil man nehmlich seit etlichen und vierzig Jahren dar— an gewöhnt war; wenn man nur damit nicht dem großen wohlthätigen System Friedrich Wilhelms entgegen arbeitete. Ist das Bishergesagte wahr, so hätten wir also die Vortheile eines ganz freien Ge— treidehandels für Preußen, Pommern, die Mark, und Magdeburg erwiesen.— Wie wird es aber mit Schlesien aussehn? Die Schlesier haben keine Ausfuhr, als nach ei— nem kleinen Theile der Oberlausitz; und da— gegen gränzen sie an der östlichen Seite ganz an Polen, von woher ihnen weit mehr zuge— fährt werden kann, als sie jemal in der Lau— sitz absetzen können. Ich gestehe, daß die sitz 5 Ich gesteh Frage hier etwas schwerer zu beantworten ist, als bei den übrigen Königlichen Provinzen. Getreidehandel. 247 he Ich glaube aber doch, daß die Schlesier nicht lin sud gleich hätten Lärm blasen sollen; sondern, daß sissg de. sie den Erfolg etlicher Jahre hätten abwarten Sarl hel müssen. Ich glaube, daß der König ein Mit— erholen tel in Händen hatte, ihnen alle Besorgnisse örohung zu benehmen: welches unser gütige König auch also noc gewiß zu brauchen den Schlesiern würde ver— chossen, 6 sprochen haben, wenn sie Ihn darum gebeten l nan hätten; und welches Er auch gewiß benutzt ten dar⸗ haben würde, wenn das von den Schlesiern r nit nicht geweißagte Elend eingetreten wäre. Hier ist Ftiedtich mein Räsonnement. 5 1) Aus polen ist bisher schon viel Ge⸗ p hün treide nach Schlesien gegangen. Die an der in be.. Gränze wohnenden Schlesier Faben es sehr u, die gut verstanden, all ihr Getreide auf die besten Die und bequemsten Marktplätze zu schicken, und Die dagegen für sich und die Ihrigen Polnisches nach ti Getreide zu essen. Hienächst waren die König— 5 und do: lichen und die Kammerpässe in den Händen ite dan sachverständiger Leute ein vortrefliches Mit— cht u tel, weit mehr Polnisches Getreide nach Schle— der Lal sien zu bringen, als eigentlich in den Pässen 910 dt 5 eglaubt war. Wer diesen Handel getrieben hat, wird mich schon verstehen. Dieser Han— del ward nur von einzelnen Personen getrie— Über freien ben, die durch die Lage oder durch die Pässe begünstigt waren. Wenn es nun dem ganzen Lande frei gegeben wird, so können diese be— günstigten Personen nicht mehr allein gewin- nen; sie schreien also, wie alle Monopolisten, und verstecken ihren Eigennutz unter den Deck— mantel des Patriotismus. Konnte aber die— ses heimlich oder widerrechtlich eingebrachte Getreide Schlesien nicht unglücklich machen; so würde dies auch nicht von dem frei und öffentlich eingeführten Getreide zu befürchten seyn. 2) Man glaube doch nicht, daß in Polen an der Schlesischen Gränze so erstaunliche Vorräthe von Getreide aufgeschüttet lägen, womit Schlesien auf einmal überschwemmt werden könnte. Kein Landmann bauet mehr Getreide an, als er ungefähr verzehren und absetzen kann. Wird also nach der Arnte die Einfuhr frei gegeben, so kann man zwar ver— muthen, daß die Polen in Zukunft ihren Ge— treidebau verstärken werden, weil sie ein neues Mittel zum Absatz bekommen haben. Aber itzt im ersten und zweiten Jahre ist keine Über— schwemmung von Polnischem Getreide zu be— fürchten. * wäre * Hase ———————.—— Getreidehandel. 249 2 V 3) Man weiß, daß die Arnte des vorigen Jahres auch in Polen nicht sonderlich reich gewesen ist; man weiß, daß die Preise in Po— len nicht sehr von den Schlesischen Preisen verschieden sind. Folglich war in diesem Jahr gar nichts zu befürchten, und die Schle— sier konnten ruhig den Erfolg des freien Ge— treidehandels abwarten. 5 1 4) Will der Pole seinen Getreidebau er— weitern, so muß er deshalb ein neues Kapi— tal in seinen Ländereien anlegen. Von die— sem Kapital will er Zinsen bekommen, und er will das Kapital selbst wieder gewinnen. Er muß also höhere Preise haben, wenn er be— stehen will. Er nähert sich also den Schlesi— schen Preisen 5) Der Einfuhrzoll, und die anderweitige Abgabe von 2 Groschen auf den Scheffel, vertheuerten das Polnische Getreide 2 6) Der weite Landweg von Polen bis nach dem Schlesischen Gebirge macht es den Polen beinahe unmöglich, diese Marktplätze zu be— suchen. 7) Sobald, aller dieser Ursachen ungeach— tet, die Preise in Schlesien zu sehr 8 wären; konnte der König zutreten, und das 8 250 Über freien Getreidehandel. Getreide den Schlesiern zu anständigen Prei— sen abkaufen. Ich gestehe, daß meine Gründe für einen ganz freien Getreidehandel in Schlesien nicht so triumphirend sind, als bei den übrigen Kö— niglichen Provinzen; aber das beweisen sie doch, daß das laute Schreien der Schlesier viel zu voreilig war. Indeß hat dieses Schreien, wie ich so eben erfahre, gewirkt— und der gütige König, der den freien Getrei— dehandel seinen Unterthanen erlaubte, weil er glaubte ihnen dadurch eine Wohlthat zu er— zeigen, hat natürlich den freien Getreidehan— del für Schlesien wieder aufgehoben, weil die Schlesier diese Freiheit als ihr größtes Un— glück vorspiegelten. Wie sich doch die Könige müssen beurthei len lassen! — 00000 Über den freien Gold- und Sil— berhandel. Geschrieben im März 1787. Friedrich wilhelm II hat Seinen Untertha— nen durch das Patent vom 21 Februar 1787 einen neuen Beweis Seiner edeln Denkungs— ort und Seiner wohlthätigen Gesinnungen ge— geben. Der Monarch ertheilt durch dasselbe seinem Volk eine dreifache Freiheit, die es vorher eutweder gar nicht oder doch nicht ge— setzmäßig hatte: die Freiheit nehmlich, mit Gold und Silber einen vollkommenen unein— geschränkten Ein- und Ausfuhrhandel zu trei— ben; die Freiheit, das Verhältniß des Wehr— tes des Goldes zum Wehrte des Silbers nach der jedesmaligen Konkurrenz zu bestimmen; und die Freiheit, die in Gold zu entrichten— 252 Über freien den landesherrlichen Abgaben mit einem fest⸗ gesetzten Aufgeld von Fünf vom Hundert mit Silberkurrent zu berichtigen. Da wenig Menschen Zeit und Gelegenheit haben, sich von den Gegenständen dieser Ver— ordnung richtige, deutliche und vollständige Kenntnisse zu verschaffen; so wird wahrschein— lich die dadurch dem Lande widerfahrne Wohl— that vom Publikum eher gefühlt als begriffen werden. Und dies ist für den großen Haufen genug. Da indeß doch auch hier und da Ein— wendungen gegen die wohlthätigen Wirkun— gen dieses Gesetzes gemacht sind, ja da Man— che sogar nachtheilige Folgen daraus prophe— zeihet haben; so ist es vielleicht nicht undien— lich, das Publikum über den Ungrund dieser Einwendungen zu belehren, und die vorge— spiegelten Schreckbilder durch die Fackel der Vernunft zu verscheuchen. Ich will zuförderst von dem freien Gold— und Silberhandel reden; und ich hoffe, jeden unbefangenen Leser zu überzeugen, daß wir aus der ganz unbedingten Freiheit, Gold und Silber auszuführen, keinen Nachtheil für die Nation zu besorgen haben. Soviel wird mir jedermann wohl zugeben, daß wir deswegen — Gold- und Silberhandel. 255 noch nicht unser Gold und Silber ausführen werden, weil wir die Erlaubniß dazu haben; sondern es müssen Gründe da seyn, die uns bestimmen, unser Gold und Silber fortzu— schicken. Ich kann auch wohl ohne Streit annehmen, daß wir unser metallisches Vermö— gen nicht an auswärtige N. onen verschenken werden; und so läßt sich nur ein doppelter Grund zur Ausfuhr der edlen Metalle geden— ken. Nehmlich: entweder wir sind einer an— dern Nation einen Saldo schuldig, den wir mit Überschickung unsers Goldes und Silbers tilgen wollen; oder wir speküllren mit unsern Metallen auf einen auswͤrtigen Marktplatz. Sind wir schuldig, so müssen wir bezah— len; und dadurch, daß wil unsre Schulden tilgen, verbessern wir unsre Umstände. Wenn eine Nation einen auswärtigen Saldo zu be— zahlen hat, so berechnet sie gewiß, wie sie diese ihre Schuld am wohlfeilsten abführen kann. Ist nun der Weg, durch Gold und Silber zu bezahlen, der wohlfeilste; so er— wählt sie diese Methode gewiß, und führet Gold und Silber aus. Ist eine andre Me— thode vortheilhafter, so führt sie diese Metal— le gewiß nicht aus. Wie kann also in diesem 254 Über freien 1 Falle ein Nachtheil aus der Gold- und Sil— berausfuhr erwachsen? Die Absicht davon ist: die Bezahlung unsrer Schulden; und das ist nichts Nachtheiliges. Der Grund warum wir 4 mit Gold und Silber bezahlen, ist: weil wir 4 bei dieser Art zu bezahlen, die größten Vor— 1 theile entdecken; und das kann wohl auch i nichts Nachtheiliges seyn. Wir zahlen jährlich eine große Menge von Dukaten, und eine nicht unbedeutende Summe von unserm Silbergeld, an die Po— len, die uns ihre Produkte zubringen— Sollte dies wohl für unsern Staat nachthei— lig seyn? Unstreitig ist bis itzt der Wehrt aller aus Polen uns zugeführten Produkte größer, als die Summen aller Bedürfnisse der Polen von unsern Waaren. Wir bleiben also, nach gänzlich vellendetem Tausch, den Polen einen Saldo schuldig; und da wir berechnen können, daß wir diesen Saldo am wohffeil— I sten berichtigen, wenn wir ihn mit Dukaten 1 und unserm Silbergelde abtragen, so erwäh— 1 len wir diese Methode. Hieraus hat noch Nie— 0 0 5—. 1 2 5 0 mand einen Nachtheil für unsern Staat erse— hen. Fehlt es uns auch etwa wegen dieser 5 9 9 n Ausfuhr an Gold und Silber? Oder würde Ell⸗ i ns it m wir l wir * Vote a gu — Gold- und Silberhandel. 255 unser Verkehr mit Polen vergrößert und er— leichtert werden, wenn wir andre, das heißt, kostbarere Mittel Denn eine vieljährige Erfahrung zum Bezahlen erwählen wollten? hat es uns gelehrt, daß wir bei Bezahlung der Polen am besten abkommen, wenn wir ihnen Gold und Silber geben; sonst würden wir unste Metalle dahin nicht ausführen.— Umgekehrt haben wir gleichfalls alle Jahre einen ansehnlichen Saldo an Frankreich zu bezahlen; noch weiß ich aber nicht(ich neh— ine die Zeit der letzten Golderhöhung in Frank— reich aus), daß es irgend jemanden von un— sern Kaufleuten eingefallen wäre, Gotd und Silber nach Frankreich zu schicken um nicht? Weil diese Baarsendung nicht die wohlfeilste Art ist, wie wir Frankreich bezah— len können. Man kann sich also wohl ganz sicher dar— auf verlassen: daß eine Nation ihr Gold und Silber zu Bezahlung ihrer Schulden nicht eher ausführen wird, als wenn sie in dieser Und war⸗ Art zu bezahlen überwiegende Vortheile fin— det. Soll man sie nun aber wohl in diesem Geschäfte stören? Ich wenigstens finde es grausam und ungerecht, einer Nation zu ver— —ů—ůůůͤͤ — r freien wehten, ihre Schulden auf die wohlfeilste Ar abzumachen. Auch hat ein solches Verbot die nachtheiligsten Folgen. Erstlich wird die Na— tion dadurch zum Schleichhandel gereizt. Der Gewinn der in diesem Fall durch die Metall— ausfuhr erhalten wird, ist so reizend, daß selbst Festungs Galeeren- und Lebensstrafen den Schleichhandel nicht hemmen werden. Welche schreckliche Folgen aber entstehen nicht aus dem Hang einer Nation zum Schleichhandel? Das daraus beßbirkte Ubel ist so groß und so um sich greifend, daß ich ohne alle Ausnah— me eine jede Finallzoperation tadle, die die— sen Reiz giebt; den Schleichhandel aber selbst kann hernach der Staat mit allen dagegen zu treffenden Maaßregeln nicht verhindern. Aber Zweitens: gesetzt auch, daß die heimliche Aus— fuhr der Metalle ganz verwehrt werden könn— te; so wird das Verbot doch die nachtheilig— sten Folgen für die Nation zeigen, die aus— wärtige Schulden hat. Denn bezahlen muß sie doch einmal; und sie wird nun dazu kost— barere und schwindelnde Gperationen er— wählen. Wenn wir nach Polen nicht mehr Gold oder Silber hinschicken dürften; so wür⸗ den wir vielleicht unste dortigen Schulden mit unsern Gold- und Silberhandel. 257 elt unsern Anweisungen auf England, Holland, n he und Spanien bezahlen wollen. Würde aber it do wohl der Pole diese unsre Forderungen um— . de sonst einziehen wollen? Würden wir ihm Neal nicht vielmehr alle Kosten, die er uns bei der 7 Einziehung in Rechnung brächte, vergütigen e den müssen? und würden wir ihm also am Ende nicht mehr bezahlen als itzt, da wir ihm Du— katen und Silbergeld geben? Diese Bezah— Noe lung wäre indeß noch immer reell. Gesetzt 10 f aber, doß wir zwar Gold unß Silber hätten, f aber keine auswärtige Forderungen; wie wür— e d den wir dann den Polen bezahlen, wenn wir 6 ihm unser Gold und Silber nicht geben dürf— 11 6 ten? Ich weiß hier keinen andern Ausweg, 1 als: mit Kredit der keinen reellen Grund härte, das heißt, mit Schwindel. Ob nun 1 dies doch vortheilhafter seyn soll, als Gold— 7 8 und Silberausfuhr, überlasse ich eines Jeden e f eigener Beurtheilung. A dus e 5 5 18 Selbst also in dem traurigen Fall, wenn ö„ 1 S d f eine Nation im Ganzen Schuldnerinn der 110 5. 225 4 8 übrigen Nationen ist, darf die Gold- und eh e r 1 f 2 Silberausfuhr nicht verboten werden. Denn 0 5 8 5 man macht dadurch die Lage der Nation noch elender, und beschleunigt dadurch ihren Unter— I. N +.—.———————————————— 4 4 15 . * 8 12 g F 258 Über freien gang. Die Lage wird schlechter, weil man die Abbezahlung der Schulden erschweret; und der Untergang der Nation wird beschleunigt, weil man sie zwingt zu schwindelnden und wucherischen Operationen ihre Zuflucht zu nehmen.— Soll aber der Staatsmann in diesem Fall ruhig zusehen, daß alles Gold und Silber aus dem Lande gehe, und daß zuletzt gar kein Geld übrig bleibe, womit sich die Einwohner des Staats ausgleichen kön— nen? Keinesweges. Er muß bielmehr dem Übel vorbauen, er muß alle Kräfte anwen— den, um den Zustand der Nation zu verbes— sern; aber nie muß er die Gold- und Silber— ausfuhr verbieten. Denn theils kann er sie mit aller Macht in diesem Fall doch nicht verwehren, theils macht er mit diesem Ver— bot nur Übel ärger. Wie aber der Staats- mann in dieser traurigen Lage zu Werke ge— hen soll, und was für Maaßregeln er zu er— greifen hat, um den Zustand der Nation zu verbessern: das gehört nicht hieher. Zum Glück für uns sind wir gar nicht in diesem kritischen Fall. Wir sind nicht im Gan— zen Schuldner der übrigen Nationen; und wenn wir fleißig bleiben, und Frieden behal— ———. Gold- und Silberhandel. 259 so läßt uns die physische Lage unsers Landes nicht leicht befürchten, daß wir jemal in diesen Fall kommen sollten. Mithin ver— * 8 8 lieren wir durch unsere Schulden weder u Gold noch unser Silber. Wir bezahlen die einzelnen Nationen denen wir schul dig e sind, nur dann baar, wenn wir unsern Vortheil dabei finden; und unser and erweitiges erweis⸗ liches Vermögen setzt uns in den Stand, dag ausgeführte Metall sogleich, als es uns be— liebt, zu ersetzen. Warum sollte also wohl bei uns die Gold- und Silberausfuhr verbo— ten seyn? Haben wir denn bisher unste Tha— ler verloren, weil die Ausfuhr davon erlaubt war? Sind die Dukaten bei uns verschwun— den, weil wir sie hinschicken konnten, wohin wir wollten? Haben etwa unste Münzen bis— her kein ander Silber zum Ausprägen gehabt, als das im Lande aufgesammelte Bruchsilber, dessen Ausfuhr verboten war? Aber wie wird es mit der Spekulations⸗ ausführ aussehen?— Meiner Meinung nach, recht gut. Wer Gold auf Spekulation aus— führt, erhält doch dafür einen Wehrt; und weil er-dabei gewinnen will, so muß ja der Wehrt den er erhält, größer seyn, als der R 2 — 260 Über freien 2— Wehrt des von ihm ausgeführten Goldes. Wo ist denn also hier Verlust? Gesetzt, daß einer unsrer Nachbarn, aus welchem Grunde es auch seyn möge, das Gold über seinen Marktpreis bezahlen wollte; so würde ich es gar nicht bedenklich finden, wenn wir ihm d as ganze Gold unsrer Nation zuführten. Wir erhielten ja dafür einen größern Wehrt als wir ihm zugeführet hätten; und das Ver— 0 mögen unsrer Nation wäre wirklich auf diese Art vergrößert worden. Wenn wir selbst nun 1 wieder Gold brauchen, können wir es denn g mit unserm Vermögen nicht überall kaufen? N 5 Solange noch alle Jahre Gold aus der Erde 0 gegraben und auf den öffentlichen Markt Europens zum Verkauf gebracht wird, wird 0 es wohl nie sehlen, Gold zu kaufen, wenn 0 man nur Vermögen hat.— Eben dies Rä—. sonnement gilt von der Silberausfuhr auf 10 Spekulation; und warum sollte man diese 1 also verwehren wollen? 0 Dergleichen Spekulation wird uns aber 10 auch nicht alles unser Gold und Silber entzie— u hen, Denn wenn wir auf irgend einen Markt— a platz mehr Gold und Silber führen, als da 6 selbst begehrt wird, und bezahlt werden kann; 5 —— Gold- und Silberhandel. 261 so fallen daselbst diese Metalle im Wehrt, Wiestg. N f ihr Verkauf bringt uns also keinen Nutzen, und wir geben die Spekulation, mithin auch 1 die Ausfuhr, auf. Hätten ja unwissende Spe— e kulanten zu viel ausgeführt, und ist dadurch 3 der auswärtige Preis niedriger geworden als n der inländische; so stehen sogleich andere Spe— 1 kulanten auf, die diese vorher ausgeführten r Metalle wieder ins Land mit Vortheil ein— uf dice führen. So kann also diese Spekulationsaus— ö nn fuhr nie nachtheilig seyn; wohl aber das Ver— Je den, bot derselben. Es reizt die Nation zum Schleich— kaufen! handel, und es verwehrt ihr, ihr Gold und der ede Silber auf vortheilhafte Art zu vertauschen. Mukke Soll indeß der freie Gold s und Silber— handel gar keine nachtheilige Stockung verur— N ytheilig 9 wenn sachen; so gehört, als eine nothwendige Be— sits Rö dingung, dazu: daß der Staat sich nie her— lh auf ausnehme, das Verhältniß von dem wehrte nan dise des Goldes gegen den wehrt des Silbers durch ein Gesetz zu bestimmen. So einleuch— tend dieser Satz ist: daß der Preis des Gol— des durch keinen Machtspruch in ein unver— änderliches Verhältniß gegen den Preis des 8 Silbers gebracht werden kann; sü begehen dun kun; dennoch die meisten Staaten diesen Fehler: eee eee 2 8 5 1 3 1 1 1 1 n * a ee 2 derer ——ů——ů—— * „ ö ——— 5 5 20 2 Über freien und ich müßte mich sehr irren, wenn hierin nicht gerade der Grund zu den vielen unver— nünftigen Verordnungen läge, die man über Geld, über Münzen, über Gold- und Sil— berhandel, noch bis auf den itzigen Tag fast allenthalben in Europa erscheinen sieht. Je⸗ der patriotische Bürger unsers Landes muß sich daher freuen, daß die Verordnung vom 21 Februar uns völlige Freiheit ertheilt, den relativen Wehrt des Goldes und des Silbers nach der jedesmaligen Konkurrenz zu bestim— men. Wir besaßen zwar bis itzt in der That schon diese Freiheit; die Verordnungen aber die das Gegentheil besagten, waren noch nicht aufgehoben, und wir hatten also kein gegrün— detes Recht darauf. Wohl uns, daß unser wohlthätige König uns diese so wichtige Frei— heit durch ein öffentliches Gesetz bestätigt hat! Will ein Monarch sich heraus nehmen, ein festes Verhältniß des Wehrtes zwischen Gold und Silber durch ein Gesetz zu bestimmen; so trift et entweder das wahre itzt Statt haben— de Verhältniß, oder er bestimmt ein anderes. Im ersten Fall, war kein Gesetz darüber nö— thig; denn der Marktpreis gab schon dies Verhältniß. Im andern Fall, bestimmt der ——— r Gold- und Silberhandel. 263 Wehrt des Goldes entweder niedrig; und in beiden Fäl— len entstehen Spekulanten, die auf Kosten des unwissenden Theils vom Publikum gewinnen. Ist nehmlich das Gold zu hoch im Wehrt an— gesetzt, so strömet von allen Orten Gold her— zu, und das Silber verschwindet. Ist das Gold zu niedrig angesetzt, so gehet es weg, und man sieht nichts als Silber. Es geschehe von beiden Fällen welcher wolle, so fühlt man bald das Elend im Staat. Man will dann helfen; statt aber die einzig wahre auf Ver— nunft und Erfahrung sich gründende Kur zu erwählen, das heißt, die Bestimmung des re lativen Wehrts von Gold und Silber der Konkurrenz zu überlassen,— verfällt man auf Auswege, die das Elend noch immer ver— größern. Bald verbietet man die Ausfuhr g 85 des einen Metalls, und erläubt die Ausfuhr . des andern; bald verändert man den bisher beobachteten Münzfuß; bald läßt man ge— schärfte Verordnungen gegen das Wuchern und Agiotiren ergehen: lauter Hülfsmittel, bei denen am Ende die Unordnung noch grö— Per wirq als sie vorher war! Ich breche ab, um meine Leser nicht zu nnen 1 1 1 1 1 1 I 8 110 1 1. nne 11 1 1610 1 5 11 110 6 1.— 1 6 4. 0 6 10 „ 1 1 I 0 . 1 0 11e 1 1 141 1 r 1 14 11 4 14 Nene En e 1101 1 1 10 1 1 1 116410 1 1 n 100 104 N nnn 1018 11041 1041 11711 1 1 101110 110 170100 l Ii i 1 100 0 1 14“ 8 10 1 1 61 . 19 1 16 nn ne 1 110 g 1 9 14 . 4 1 1 3 Nin 1* ll ill 1 ö 1 1 ö 264 Über freien ermüden. Nur will ich zum Beschluß die Hauptsätze noch zusammenfassen, welche Licht über die ganze Materie verbreiten. 1) Durch die erlaubte Gold- und Silber⸗ ausfuhr werden wir Unterthanen Friedrich wilhelms unser Gold und Silber nicht verlie— ren. Denn wir sind im Ganzen nicht Schuld— ner andrer Nationen; und wenn wir auf Spe— kulation ausführen: so erhalten wir für unser Gold und Silber einen Wehrt, den wir wie— der anwenden können um Gold und Silber zu kaufen. 2) Solange wir Vermögen behalten, kön— nen wir Gold und Silber kaufen. 3) Wenn wir kein Vermögen haben, kön— nen wir auch kein Gold und Silber kaufen. Wir verlieren in diesem Fall so gar ußser ganzes Gold und Silber. Daran ist aber nicht die Erlaubniß der Ausfuhr, sondern un— ser Unvermögen, Schuld. 4) Wenn wir un vernünftige Spekulationen machen, und auf einen gewissen Marktplatz zu viel Gold und Silber ausführen; so, ich will es zugeben, kann dadurch bei uns der relative Wehrt dieser Metalle auf eine kurze Zeit aus den wahren Gränzen gebracht wer— 3 Gold- und Silberhandel. 265 den. Aber an dem überführten Marktplatz tritt alsdann der entgegengesetzte Fall ein; A 7 0 und so wird das zuviel ausgeführte Metall bald wieder zurückgebracht, und das wahre Verhältniß bei uns bald wieder hergestellt. Ich vermuthe, daß in der vorliegenden Verordnung auf diesen Fall Rücksicht genom— men ist, und daß eben daher den Untertha— nen frei gegeben worden: ihre landesherrli— chen Abgaben die sie in Gold zu entrichten haben, entweder in Gold, oder in Silber— kurrent mit einem für die Kassen festgesetzten Aufgeld, abzuführen. Und auch in diesem Punkt entdecke ich das gütige Herz unsers be— sten Königs. Denn gesetzt, wir führten An— fangs, weil die Erlaubniß dazu neu ist, zu viel Gold aus; so könnte es kommen, daß bei uns das Agio vom Gold in die Höhe ginge. Dies wird zwar nicht lange dauren; aber die einzelnen Unterthanen, die eben itzt ihre Abgaben in Gold zu bezahlen hätten, würden dabei leiden. Der König hingegen kann die Wiederherstellung des Gleichgewichts ohne Verlust abwarten; Ex erleichtert also dem Untetthan seine Last, ohne Selbst dadurch ei— nen Verlust zu leiden. —.——— 266 lÜber freien Gold u. Silberhandel. 5) Der Wuchergeist bei dem Agiotiren von Gold gegen Silber wird durch diese Verord— nung ganz ausgerottet. Denn der Unterthan braucht nunmehr zu Abführung seiner Abgaben kein Gold zu kaufen; und niemand kann ihn zwingen, Gold zu einem festgesetzten Vehrt in unsrer Rechnungsmünze anzunehmen.— Die einzige Schwierigkeit, die bei uns in Ab sicht auf diesen Punkt übrig bleibet, ist: die Rück— bezahlung der auf Friedrichd'or ausgestellten Schuldverschreibungen, und die deshalb in eben dieser Münze zu leistenden Zahlungen. Hier kann es allerdings sich zutragen, daß bald der Gläubiger, bald der Schuldner über Ver— lust und Wucher klagt. Es liegt aber nicht in dem Vermögen des Besetzgebers, dieser Schwie— rigkeit abzuhelfen; wohl aber können einzelne Parteien, wenn sie wollen, allen Schwankun— gen in dem wahren Wehrt ihrer Ford 1 und Schulden vorbeugen: wenn 0 y mlich ne ihre Obligationen die bisher auf Gold gelau— tet haben, auf Silbergeld fegen und sich das 44 Agio berechnen, welches am Tage der Um— schteibung Statt findet. 1 1 1 — E U 5 1 — 88— — 1 1 —— 0—— 1——* — 7— ä——— 2 2— —— S. 2— S W— 8—.———— 5 5 2 2 ———— 2—— 2 —— 5 8 8 8 —ç— 8 . — ͤ— 2——————— 5 5. KKK ——————— 2—— 8— 7 8 1— 8—— r— 93 Über den neuesten Finanzzustand Frankreichs. Geschrieben im J. 1788 u. s. w. Daß die Französischen Finanzen in Zerrüt— tung sind: ist eine Wahrheit, die seit der Ver— sammlung der Notabeln(1787) ganz Europa be— kannt geworden ist. Daß aber die interimistischen Verfügungen des Französischen Ministeriums wodurch die Finanzen bis zur erfolgten allge— meinen Zusammenberufung der Stände in ei— ner gewissen Ordnung erhalten werden soll— ten, ganz unzureichend gewesen sind: erhellt itzt erst aus dem Schluß des Französischen Staatsraths vom 16 August des itzigen J. (1788). Im November des vorigen Jahres küän— digte das Französische Ministerium mit vieler —— 270 Finanzzustand Feierlichkeit an: daß eine gewisse Nei ihe auf— einander folgender Darlehne die Ordnung in den Finanzen erhalten würde; bis durch die Stände der itzt vorhandene Krebsschaden aus dem Grunde geheilt wäre. Das erste Dar— lehn ward auf 120 Millionen Liver bestimmt Bald nachhet ward in den öffentlichen Blät— tern bekannt gemacht: daß dieses Kapital durch Unterzeichnung zu Stande gebracht sei; ja daß mehr Geld angeboten worden, als man nöthig gehabt hätte, und daß daher Verschiedene mit ihren Anbietungen hätten zurückgewiesen werden müssen. Im März des itzigen Jahres erschien der Compte rendu au Roi et publié par ses Ordres; und hier wur⸗ den obige 120 Millionen Liver als wahre Einnahme für das Jahr 1788 berechnet, und es ward darin mit der größten Zuverlässigkeit behauptet: daß im J. 1788 nicht nur kein Defizit, sondern vielmehr ein Ueberschuß von etwas über sieben Millionen Liver Statt finde. Welches Vergnügen mußten nicht alle Gläubiger des Französischen Staats über die— se Versprechungen und Berechnungen empfin— den! Allein, es hat leider nicht länger ge— 1st bebe 150 er 97 fern dil fc, chen w da Franz f seine wer! gegen ber 90 denn e von Frankreich 1788. 272 dauret als bis zum 16 August des itzigen Jahres, wo das bekannte Arret erschien. Man sieht nunmehr offenbar: entweder, daß der von den Ministern angekündigte Plan nichts getaugt hat; oder, daß er nicht hat ausgeführt werden können, und daß also die dem Publikum auf Befehl des Königs vorge— legten Berechnungen unrichtig gewesen sind. Das Wesentliche der Verfügung vom 16 August kömmt darauf hinaus: daß gewisse von dem königl. Tresor in baarem Gelde zu leistende Zahlungen nur zum Theil in Gelde e werden, und daß für den Rest An— weisungen, auf den königl. Tresor gegeben werd deren Realisation am Ende des J 1789 erfolgen soll; wobei jedoch den Inha— bern dieser Billete Zinsen zu 58 vom Hundert jährlich bis zu erfolgter Realisation verspro— chen werden. Durch diese Verfügung, ward also der Französische Staat für unvermögend erklärt, seine Verbindlichkeit erfüllen zu können. Denn, wer 100 Thaler baar bezahlen soll, und da— gegen nur 60 entrichtet, ist, nach dem Urtheil der ganzen kaufmännischen Welt, insolvent: wenn er gleich für die noch fehlenden 40 Thal. —— eee . 1 105 Di: 1 8 115 Nl 1 . 1 1 l 1 1141 . 1 4 ö 1 1 * 11 — ren 272 Finanzzustand die besten und sichersten Anweisungen ausst Der Gläubiger hat einmal das Recht, 100 Thal. baar zu fordern; und, ohne seine aus— drückliche Einwilligung, kann ihm keine erst nach einem gewissen Zeitraum gültige Anwei— sung in Zahlung gegeben werden. Durch diese Verfügung ist der Kredit von Frankreich, als Staat betrach tet, abermal ver— . 8 2 1 7 nichtet. Denn der Kredit erhält sich nur so — lange, als man das was man versprochen hat, pünktlich und buchstäblich erfüllt. Fehlt man auch nur einmal, ist der Kredit weg; und man muß alsdann wieder ganz von vor⸗— ne anfangen, um 8 wieder herzustellen. Die Folgen dieser Verfü gung treffen zuför— derst die unmittelbaren Gläub diger des Staats. Diese sollten Geld im Tresor bekommen, er— halten aber dagegen entfernte Anweisungen. Dadurch nun werden sie außer Stand gesetzt, die auf sie laufenden Anweist ungen zu berich— tigen. 1 Gläubiger können folglich nun auch wiederum nicht die obliegende Zahlung leisten; und so erfolgt eine allgemeine Stok— kung im Umlauf: das größte Übel, das einen Staat treffen kann. Um sich dies deutlicher u denken, nehme man eine Reihe von * von Frankreich 1788. 273 bg stel* + f schen: A, B, C, D, E, F, G; von welchen A I, f 8* 5 5 C 2 91 die Klasse der unmittelbaren Empfänger aus i dem Tresor vorstellt, B bis E die mittlern Klassen bezeichnen, und unter G die niedrigste — N Klasse von Handarbeitern und Tagelöhnern verstanden wird. Man sieht sodann klar, daß das Geld welches A empfängt, durch alle Zwischenglieder der Reihe bis zu der Klasse W von G ausgegeben wird; so wie es durch die ra,— f Pag Ausgaben von E nach und nach wiederum Seht in den Tresor zurückfließt, von wo aus es von neuem den vorigen Umlauf anfängt. Gesetzt nun, A bekömmt kein Geld, so muß das Geld len.. auch der Klasse G abgehen. Das heißt: Ta— 1 gelöhner und Handärbeiter haben kein Geld; Staats, folglich können sie den Becker nicht bezahlen, , ere und bekommen also kein Brot! Man stelle ungen. sich im Geist die Folgen davon vor; und man wird das Ministerium verabscheuen, welches 1 betic Verfügungen entwerfen und zur Ausführung bringen will, wodurch ein unabsehbares Elend l unter der niedrigsten Klasse des Volks hervot— 5 9 gebracht wird! Es ist wahr, daß dieser verderbliche Er— folg sich nicht gleich am 16 August zeigen 5 konnte. Es gehört eine gewisse Zeit dazu, N II. S ... rr— 1——..r—————————— 140 5 0 274 Finanzzuftand 16 eh das Geld von A bis zur Klasse G kömmt; b 1 und, du die Klasse A doch noch einen Theil 0 5 00 110 ihrer Forderung in baarem Gelde erhalten 5 ö 1 440 soll, so werden vielleicht 6 und mehrere Mo— 1 9 10 nate hingehen, eh der Greuel der Verwüstung 0 1 ausgebrochen ist. Sollte aber ein Ministe— ö . 1 1 1 rium welches eine so wichtige Verfügung giebt, 5 ö 1 1 nicht so weit voraus sehen? Denn, so viel 00 0 0 ist klar: bleibt diese Verfügung bestehen, und fl K werden keine Maaßregeln getroffen dem Elen— 05 1 1 de vorzubeugen; so tritt der betrübte und ver— Sit I derbliche Fall unfehlbar ein, den ich hier nur ö dil 4 9 angedeutet, und nichts weniger als geschil⸗ i 1 1 dert habe. Fi 1 Dagegen wirkte diese Verfügung weit schnel— g 0 ler auf die Caisse d' Escompte; und die daraus Je N00 zu besorgende Gefahr war so dringend, daß lun, 10 1. das Ministerium schon den 18 August zwei 0 . 0 11 Schlüsse des Staatsraths bekannt machte, die fan, 90 100 das Übel heben sollten. Denn das Publikum be „ 1 mußte glauben: daß gar kein baares Geld 604 1 1 0 mehr in Frankreich vorhanden sei, oder doch 1 5 4 N wenigstens nicht so viel als zu den täglichen 10 ö 9 Ausgaben erfordert wird. Da nun die Caisse 90 5 0 ö d' Escompte ihre Zahlungen in Billeten leistet, 1 * 1 0 1 die statt baaren Geldes umlaufen, weil sie f 00 0 14 0 von Frankreich 1788. 275 Fünt alle Tage bei dieser Kasse in baar Geld um— n del gesetzt werden können; so mußte das Publi— F chin kum auf den Gedanken kommen, daß viel— kere Mu. leicht auch diese Kasse nicht im Stande seyn I wüfung würde ihre Verbindlichkeit zu erfüllen. Man Mini wollte daher den Sichern spielen, und lief u giek, haufenweise zur Caisse d'Escompte, um baatr W so viel Geld für die dahin gebrachten Billete zu er— W., und halten. Unmöglich aber kann in der Caisse i Elen d'Escompte so viel baar Geld seyn, als sie 1 bet⸗ Billete ausgegeben hat. Sollten also alle dier nut Billete auf einmal zum Realisiren präsentirt gesch werden, so mußte die gedachte Kasse sich eben so gut insolvent erklären, als es der Tresor p schrel⸗ am 16 August schon gethan hatte. Geschah Sataus dies aber, so mußten auch alle Bankiers von 1 daß Paris zu zahlen aufhören; und so erstreckte 1 zwei sich das Ungewitter zunächst auf die Handels— u städte Frankreichs, und mit der Zeit auf alle Europäische Handelsplätze. Js Geb Diesem Übel vorzubeugen, versicherte nun das Französische Ministerium den 18 August: 1 daß der Tresor die Zinsen von den 70 Millio— nen die er von der Caisse d'Escompte geliehen hatte, ganz in baarem Gelde bezahlen solle. Dadurch sollte das Publikum überzeugt wer— S 2 ————————— 7 Adee* 1 1 . 1 10 44 1 1 11 11 9 000 110 Minn 14 1 1100 11 11061 U 1 1 e n 1 0 1 1 11 10 1 1 11 1, 14, 101 1 161 1010 11 ö 1 10010 1141 1 1 11 17 0 11 1100 1 10 1. 1 4 140 276 Di 2 Finanzzustand den, daß es dieser Kasse nicht an baarem Gelde fehlen werde, um ihre Billete zu realisiren.— Indeß mußte das Ministerium doch selbst glau— ben, daß dies Versprechen nicht hinreichend seyn würde das Publikum zu beruhigen. Es verfügte daher am nehmlichen Tage noch: daß, Jedermann unweigerlich die Billete von der Caisse d'Escompte als baar Geld annehmen sollte, diese Kasse jedoch nicht verbunden wäre die ihr präsentirten Billete in baarem Gelde zu bezahlen; sondern, daß es zur Realisation genug sei, wenn sie die bei ihr verpfändeten Effekte und Dokumente an die Inhaber der Billete ausliefere. Diese letztere Verfügung war in der That ganz widersinnig. Denn der Inhaber eines Billets von der Caisse d'Escompte glaubte Geld zu haben, womit er Jedermann bezah— len konnte, und wofür er in dieser Kasse selbst zu jeder Zeit klingende Münze erhalten konnte. Und nun wollte man ihm dafür wechselbriefe die noch einige Zeit zu laufen hatten, oder königl. Schuldverschreibungen deren Einlö— sungstermin vielleicht gar nicht bestimmt war, in Zahlung geben! Auch sahen die Direkto— ren der gedachten Kasse die höchstverderblichen gut gg A J lung J welchg 0.———— Folgen dieser Verfügung ein; und— zu ih— rer Ehre sei es gesagt!— sie erklärten sogleich: daß sie von dieser Verfügung keinen Gebrauch von Frankreich 1708. 277 Anreichen machen, sondern noch wie vor ihre Billete Hen, Cs mit baarem Gelde einlösen wollten. loch: daß Aus dieser kurzen Darstellung ist nun bon dern wohl klar: daß das Französ. Ministerium nehmen ganz unfähig war, die zerrütteten Finanzen den wäte Frankreichs bis zur Versammlung der Stände in Gelde aufrecht zu erhalten. Es war daher die höchste valisati Zeit, daß es verabschiedet“), und Necker wie— faändet der an die Spitze der Finanzen gesetzt ward. habet Soll aber die Ordnung wieder hergestellt werden, so muß Necker bald helfen. Mit der der That Hülfe zu warten, bis die Stände zusammen— 5 5 berufen sind, würde Neckers Verdienst ganz glaubte entkräften. Denn, daß Frankreich bezahlen n bezah kann, wenn es will, und wenn die Finanzen e sebt gut geführt werden: daran ist kein Zweifel. n konnt Ich bin auch versichert, daß bei der Versamm— ach lung der Stände Männer auftreten werden, 11 11 welche die Nation über die wahre Lage der n Eile 3 *) Der Prinzipalminister Brienne trat am 25 Au— unt b gust ab. Necker bekam den Titel eines Oberauf— e Oui sehers der Finanzen, nebst. Sitz und Stimme um dablchen Königl. Staatsrath— — n 8 — — 3 3 — ———— —————— 0 * 8 4 * 4 — — r 1 5 5 278 ; inen Finanzzustand Finanzen aufklären, ihr die großen Hülfs— mittel die sie in sich selbst hat, um völlige Ordnung herzustellen, entdecken, und endlich die Nation überführen werden, daß ein eine gewisse Zeitlang daurender Druck pon stärkern Abgaben ein weit kleineres Übel ist, als ein gänzlicher Bankerot des Staats. Ich bin ver— sichert, daß die versammelte Nation alsdann zweckmäßige Schlüsse fassen wird, um das Gleichgewicht zwischen Einnahme und Aus— gabe des Staats zu bewirken. Nur, wenn Necker bis dahin warten will, so hat er nichts gemacht: und wenn er auch der Mann wäre, der die ganze Nation in der Versammlung der Stände durch seine Kenntniß und Beredtsam— keit lenkte. Will er sich Verdienst um Frank— reich erwerben, so muß er itzt helfen. Das heißt? er muß die Verfügungen vom 16 und 18 August aufheben, oder ihren nachtheiligen Folgen vorbeugen. Und dies muß er noch im Monat September thun.— Geschieht das nicht, so ist das Übel von Frankreich ent— weder unheilbar, oder Necker ist nicht der rechte Arzt für Frankreichs Krankheit. Dies ist der wahre und einzige Probier— stein für Neckers Verdienst. Auch reich fo fan gf eker gebe von Frankreich 1788. 279 Ich gebe zu, daß die Aufgabe nicht leicht ist. Denn, wenn man lies't, daß bei der Über⸗ gabe des Tresors an Necker nur 419 000 Li— ver baares Geld in der Generalstaatskasse von Frankreich gewesen sind; so mögte einem je— den der Muth entgehen, der die Finanzen dieses Landes übernehmen sollte. Berechnet man auch nur die gewöhnlichen Ausgaben des Tresors, so findet man sogleich, daß dieser Kassenbestand nicht einmal hinreicht die Aus— gabe eines einzigen Tages zu bestreiten.— Indeß halte ich die Neckern anitzt gegebene Aufgabe doch nicht für unmöglich. In Frank— reich selbst ist Geld genug; und es kömmt al— so nur auf das Zutrauen an, welches die Na tion gegen ihn haben wird. Der Anfang der Neckerschen Administration ist sehr glänzend gewesen. Ist er im Stande, dies Zutrauen der Nation bis zur erfolgten Zusammenberu— fung der Stände zu erhalten; so wird er auch das Ziel erreichen, und wird Frankreich vor einem ähnlichen Labyrinthe bewahren, als worein es bei dem Zusammensturz des Law— schen Systems gerieth. Den 14 September 1788. ———k 75 . N 3 —— ——— ——— — e — — —— — — O0 O Finanzzustand Bis itzt hat Necker noch keinen entschei— denden Schritt gethan, um das Arrét vom 16 August aufzuheben, oder dessen Folgen zu entkräften., Er hat zwar befohlen: daß die Zahlun— gen des Tresors in baarem Gelde geschehen sollen; allein dies macht noch nicht viel aus, weil die großen Auszahlungen von Zinsen und Leibrenten im Hotel de Ville erst den 15 Sep— tember anfangen. Alles kömmt also darauf an; ob er im Stande seyn wird, diese Zah— lungen mit baarem Gelde zu leisten. Die heutige Post wird wahrscheinlich die Maaßregeln uns bekannt machen, die Necker wird erwählt haben, um diese Absicht zu er— reichen. Ich will indeß versuchen, ob ich hier Mittel ausfinden kann wie dieses möglich seyn wird. Die Mittel, unter welchen er zu wäh— len hat, sind wohl folgende: 1) Necker hat im Tresor Reskriptionen für 107 Millionen gefunden. Das sind An— weisungen auf königl. Einkünfte, die aber erst nach einer gewissen Zeit eingehn. Diese Reskriptionen waren schon vom vorigen Mi— nisterium ausgefertigt, konnten aber aus Man— gel von Zutrauen nicht diskomptiret werden. — eschehen el aus, n Un * 25 hler. seyn von Frankreich 1788. 281 Itzt also, da das Zutrauen hergestellt ist, wird dies Eskomptiren angehen; und so erhält Necker Geld. 2) Necker läßt das Arrst vom 16 August bestehen, und bezahlt also mit Billeten, die erst am Ende von 178g realisirt werden; trift aber die Anstalt, daß diese Billete in der Cais— se d' Escompte oder in einer andern zu diesem * Ende errichteten Anstalt an den Inhaber auf Verlangen für voll bezahlt werden. 3) Necker eröfnet ein Darlehn unter vortheilhaften Bedingungen, und bemeistekk sich dadurch der Kassenbestände der Kapita— listen. 4) Necker verschaft sich die nöthigen Fonds durch kaufmännischen Kredit, indem er einen oder etliche Bankiers von Paris für Rechnung der Krone auf fremde Plätze zie— hen läßt. Dies sind alle Mittel, die er erwählen kann.— Daß sie bei wiederhergestelltem Kre— dit zweckmäßig sind, hat deswegen keinen Zweifel, weil in Frankreich eine große Men— ge baaren Geldes ist. Necker behauptet in seinem Werk über die Ad ministration: daß »die Masse des numerären Vermögens in 12 114 5 10 3 1 1 1 1 — — 1 2 ———— — .———ů—— ů———— —.— — 282 Finanzzustand „Frankreich 2000 Millionen beträgt. Könnte er also durch inländische Operationen anitzt kein Geld schaffen, so wäre von beiden fol— genden Sätzen einer wahr: Entweder hätte die itzige Neckersche Administratibn noch kei— nen Kredit; oder Neckers Behauptung von 2000 Millionen Numerärvermögen in Frank— reich wäre nicht wahr. Zur Ehre Neckers will ich keines von beiden glauben. Was nun die obigen vier Operationen betrift, so mache ich darüber folgende Bemer— kungen. . n Absicht der ersten Operation, treten auf der einen Seite folgende Schwierigkei— ten ein: a) Sie ist ein bloßes Palliativmittel. Denn, da jede Staatseinnahme auch schon eine sich auf sie beziehende Staatsausgabe mit sich bringt; so fehlt es hernach, wenn diese assignirte Einnahme eingehet, an den Fonds, um die alsdann stattfindenden Ausga— ben zu bestreiten. Das itzige Übel wird als— dann also wieder erneuert. b) Dergleichen Reskriptionen, wie Necker im Tresor gefunden hat, zu diskomp— ren, ist im Grunde nichts mehr und nichts von Frankreich 1788. 283 weniger, als— mit einem gemeinen, aber sehr passend treffenden Ausdrucke— vorge— gessenes Brot. c) Necker würde den Vorwurf von sich nicht ablehnen können, daß er durch diese Operation weiter nichts thäte, als einen Miß— brauch wiederhohlen, der bis itzt zur Schande der Französischen Finanzbedienten Statt ge— funden hat. d) Das Exempel von Terray hat die Kapitalisten schüchtern gemacht, dergleichen Reskriptionen zu eskomptiren; weil es zu Ter— 2 rays Zeiten geschehen ist, daß alle dergleichen Kassenassignationen nicht bezahlt wurden. Auf der andern Seite ist aber auch wahr, daß dies Mittel sehr wirksam ist, wenn es * 0 angebracht werden kann. Findet Necker Ka— pitalisten, die ihm gegen Anweisung auf künf— tige königl. Einnahmen Geld vorschießen, so hat er Geld; und die Stände haben hernach zu reguliren, wie dem dadurch in der Folge verursachten Mangel abgeholfen werde. In Absicht der dritten Operation, ist bloß die Schwierigkeit, daß dadurch nicht schnell genug Geld herbeigeschaft wird. Wenn Nek— ker 200 Millionen borgen muß, so glaube ich .————— 284 Finanzzustand wohl daß er sie bekömmt; aber ehe das Geld beisammen ist, gehen Monate hin, und so lange kann weder der Tresor noch das Pub— likum warten. Die vierte Operation kann nur eine Ne— bensache seyn. Denn da Frankreich nicht Schuldner der übrigen Europäischen Natio— nen ist, so werden sich daselbst keine Liebha— ber zu fremdem Gelde finden, als insofern großer Gewinn dabei zu machen wäre. Die— set Gewinn würde aber auf Kosten des Staats erhalten. Ich gestehe daher, daß ich die zweite Operation für die solideste halte. Und das aus folgenden Gründen: 1) Das Arrét vom 16 August ist einmal gegeben. Und es ist selbst für eine neue Ad— ministration nicht rühmlich, wenn sie damit anfängt alle Verfügungen der vorigen schlecht— weg aufzuheben. Ist es möglich, so lasse man die alten Verordnungen bestehen; man treffe aber Anstalt, daß das Nachtheilige da— von wegfalle und den daraus zu besorgenden übeln Folgen vorgebeugt werde. 2) Das Arrét vom 16 August setzt ein Darlehn zu 5 Prozent fest: und darin ist ————— 138 J C0 Hong leg al 0 5 4 eleage lllachtg ge Cali g duch ten, h den verscg eule ansta 1 laufen, under: 1 ———.. von Frankreich 1788. 285 nichts Böses; es macht aber dies Darlehn zu einer Zwangssache: und dies ist das Fehler— hafte. Wenn nun Necker das Darlehn und selbst die Form desselben beibehält, das Nach— theilige aber wegnimmt; so handelt er gewiß als ein Meister in seiner Kunst.— Dies thut er aber durch meine zweite Operation— Folglich halte ich diese für die beste. 3) Alles kömmt darauf an, daß Necker die Caisse d'Escompte oder das neue Realisa— tions-Institut in Stand setzet, die ihnen auf— gelegte Verbindlichkeit zu erfüllen. Und dies halte ich, bei itzt wiederhergestelltem Zutrauen der Nation, für möglich. Das Einzige, was vielleicht Necker thun müßte um die Sache zu erleichtern, wäre: diesen Billeten mehr als 5 Prozent an jährlichen Zinsen bis zu erfolgter Einlösung zu versichern. Der Zinsfuß ist itzt, durch den niedrigen Preis der königl. Effek— ten, in Frankreich höher als 5 Prozent. Wür— den also bei diesen Billeten nur diese Prozente versichert, so würde keine Liebhaberei danach entstehen, und mithin würde die Realisations— anstalt wenigstens im Anfang zu sehr über— laufen werden. Auch könnte aus den zuge— standenen höhern Zinsen kein sonderlicher K ˙ͤÄ————— PPP 40 140 n 1 286 Finanzzustand nn 1 1099 75 5 5 5— 70 5 14 101 Nachtheil entstehen: weil der Tresor alle Ta— duft 1 14 i 5 n 1 ge mit Ausgabe dieser Billete aufhören kann, ge sobald durch anderweitige Operationen baares ö Geld eingegangen ist. 0h Eine Einwendung findet indeß gegen die— 90 sen zweiten Vorschlag Statt, welche dessen 5 Ausführung vielleicht unmöglich macht. Und 1 diese ist: das Vorurtheil der Nation gegen die 1 6 durch das Arrèt vom 16 August kreirten Bil— lete. Ein Finanzminister muß jederzeit, bei ishege allen Operationen, bei allen Auflagen, auf nent die herrschenden Meinungen des Volks Rück— 1 sicht nehmen, und ja nicht glauben daß er Audi denselben trotzen könne, selbst wenn sie un— f f richtig sind. 90 Freilich bleibt auch diese Operation nur Jul ein Palliativ. Man kann aber itzt von Nek⸗ 0, fg kern eigentlich nichts anders verlangen. Die 10 Hauptkur muß sich erst bei der Versammlung 1 0 der Stände zeigen. 1 Den 28 September. a 0 a Der Beschluß des Röniglichen Staats- 1 0 raths vom 14 September 1788 ist nun also. da. Aber er hat meine Erwartung nicht über— 1 un die Bil⸗ — von Frankreich 1788. 287 troffen; ja ich mögte fast sagen, er hat sie getäuscht. Nach meinen Begriffen, mußte Necker in seiner ersten Erklärung an das Publikum fol— gendes leisten 1) Er mußte das Nachtheilige aufheben, welches durch das Arrèt vom 16 August ver— fügt war. Er mußte die wahre Hülfe gegen die bisher obwaltenden Finanzübel auf die Zusam— menkunft der Stände versichern. 3) Er mußte deutlich und ohne allen Rückhalt die Mittel anzeigen, welche er ad interim als Palliativmittel gebrauchen wollte Necker hat nun zwar die beiden ersten Punkte erfüllt; aber in Absicht auf den drit— ten, ist er zurückgeblieben. Er läßt den Kö— nig befehlen“): daß»alle Zahlungen des . 5 Hier ist der ganze Beschluß des Staatsraths im Originale:»Arrét du Conseil d'Etat du »Roi, portant Révocation des dispositions or- „données par celui du 16 Act pour le paye- »ment en Papiers d'une partie des Rentes et „des autres Charges de I'Etat. Du 14 Septem- »bre 2788. Extrait des Régistres du Conseil „d'Etat. cc LE ROI instrujt de l'alarme, r 3* ———— 2—— —— —(—— —————ů— 8 Finanzzustand »Tresors in baarem Gelde, eben so gut al— »bisher erfolgen sollen.s Dies ist gut. Er giebt qu'avoit répandu parmi Ses sujets et dans les pays étrangers Larrét, qui a autorisé le Tre— sor royal et toutes les caisses pirbliques à pa- yer en efféts, à un an de date, une partie des rentes sur I'Hôtel-de-ville, des intérèts af- fectés sur divers revenus, des gages des Offi- ces, des dépenses des divers départemens, des appointemens, et de plusieurs autres charges annuelles; Sa Majesté s'est fait rendre compte de la situation de Ses finances, afin de savoir si Elle pourroit rénoncer à une disposition qu' Elle avoit adoptéèe avec le sentiment le plus pèenible. Son Ministre ne Lui a point dissimule Petat de crise dans lequel se trouvoient tou— tes les affaires; mais Elle a vu cependant qu'en rétardant un peu les payemens les moins pressés, en veillant exactement sur toutes les distributions de recette et de dépense, et en faisant concourir ad mèéme but chaque partie du grand ensemble des finances, Elle n'au- roit besoin que d'une éetendue mèésurée de cre— dit pour atteindre sans désordre à P'époque des Etats-gèenéraux, puisque Sa Majesté guidée par Son amour constant du bien public, se propose d'en accéléèrer la convocation, ainsi qu' Elle le fera connoitre incessamment. Cette époque solennelle od tout doit se ranimer, von Frankreich 1788. 289 giebt die Versicherung: daß»die Stände die »Ordnung in den Finanzen wiederherstellen où tout doit prendre une viguéur nouvelle, mettra fin pour toujours aux diverses inquié- tudes de fortune, et rassurera le credit en procurant successivement le moyen de s'en passei dans tous les temps ordinaires; car on doit étre certain, que les réprésentans de la plus génèreuse d es Nations ne se sépareront point avant d'avoir concouru effleacement à établir un parfait accord entre les revenus et les dépenses de l'Etat. Déja Sa Majesté a je- té un premier coup-d'oeil sur les moyens lui sont entre Ses mains pour approcher de ce terme si désirable, d'une manière qui ne sit pas trop onéreuse à Ses fidéles sujets: Elle a ordonné qu'on mit sous Ses yeux tous les renseignemens propres à éclairer Ses détermi- nations; et Elle a dit que si de nouveaux sa- crisices de Sa part étoient nécessaires, Elle y consentiroit sans peine, et qu'Elle desiroit avant tout et par- desaꝝs tout contribuer au bonheur et à la tranquillité de Ses peuples. A quoi voulant pourvoir: Oui le rapport fait au Conseil royal des Finances et du Commer— ce, Le Rol tant en So Conseil à erdonné et ordonne: Que toutes les rentes, soit perpe- tuelles, soit viagères, tous les intérèts dus 8. 0 5* par Sa Majesté, tous appointemens, gages et traitemens, toutes les dépenses des divers dé- II 2 „— r ˙——T—T7TCTTfT7T7T7TfT7T7T7T7T—T—T7T—T—T—T—... 7+—˖rł˖ð Ä———˖———————— 9 .—— —— 290 Finanzzustand »würden.« Dies ist auch gut. Aber, wenn er nun erklären soll: wie er, bei der itzigen — Leere im Tresor, das baare Geld zu den vor— fallenden Ausgaben herbeischaff ffen will; so ist er dunktl, er ist zurückhaltend, und er läßt nachtheilige Operationen muthmaßen. Necker sagt: daß er ohne Unordnung die Finanzen bis zur Zusammenberufung der Stän— de führen werde, 1)»Durch etwas Aufschub bei den nicht »so sehr dringenden Zahlungen«(en retar— dant un peu les payemes les moins pressés). Aber welche Zahlungen sollen denn aufge— schoben werden? Es giebt keinen größern Tadel für einen Gesetzgeber, als daß er un— bestimmt redet. Und hier scheint die Unbe— stimmtheit ein Nothbehelf zu seyn, wodurch der Minister sich retten will, das Publikum aber partemens, et génèralement toutes les dé penses à la charge de Sa Majesté, continue- ront à étre payées, dans leur totalité, en ar- gent comptant, comme par le passé. Fait au Conseil d'Etat du Roi, Sa Majesté y étant, tenu à Versailles le quatorze Septembre mil sept cent quatre-vingt-huit. Signé Laurent de VFilledeuil en on fa Jeg 14 ag 90 Za ——.. n von Frankreich 1788. 291 gefährdet wird. Denn muß nicht jeder fürch— ten, die ihm zukommende Zahlung werde aus— gesetzt werden? Liegt nicht in dieser Erklä— rung ein hinreichender Grund zum Mißtrauen? Erklärt Necker hiedurch nicht den Staat e0 ißlo für insolbent? Ist diese Erklärung nicht im Grunde die nehmliche als die vom 16 Au— gust? Denn was sagte jenes Arrét anders, als: daß die itzt Statt findenden Auszahlun— en nicht gen erst nach dem Verlauf eines Jahres be— 1— 7—* 7— zahlt werden sollten? Kennt Necker so wenig die richtigen Begriffe vom Kredit, daß er 1 glaubt: eine unbestimmt ausgesetzte itzt fällige Zahlung könne mit dem Kredit besser bestehn, er un- als eine nach dem Ablauf eines Jahres ver— iabe⸗ sicherte? Wird das Publikum nicht hinter pobüc) das Licht geführt, wenn der Minister am um aber Ende der Verordnung volle Zahlung in baa— rem Gelde verspricht, im Eingange aber sich das Recht vorbehält, die Zahlungen die Ihm nicht dringend scheinen, auszusetzen? 2)»Durch genaue Aufsicht über alle Ver— „ theilungen von Einnahme und Ausgabe * 8 1*„ (en veillant e actement sur toutes les distri— butiôns de receite ef de dépense). Das heißt im Grunde nichts gesagt. Denn dadurch, daß T 2 ——TCTCTCTTCT7T7TCTTCT7T7TTFTCT„TFTTTT—T—T—T—PPPPP—PP—P——P——c————c—çꝙßĩð57ðT97iꝛ, 8 1— 1 2 2***——.— 8——— 5 2 e—— 8 8. 5——— i 3— 3 1 8 5 0 1 0—.— 812 1 D 2 3 2 W 0 8 F N» 1— 0 8 22 1— 2— 1——— 5 2—— 2 * 3—— 1 4— fe 7—*— 72 2 1—9—— E—— 1 2—— 2 2 2— Se 2 2„ 2—— 2— 8 2 .—— 1— 4 8 2—— 2 4 1 2—*—— ee 22 O S 2 E S S„ S „ 82 7 8 5 S E S 8 5 2 K 8 5 2— 8— 2———— 0 7— 1 5 K 5 e . e—§²ENU 2 2 — 8* f 7 fer 1— 2 5— 5— 8)—— 4 7 2 60 8 8—— 7——— ——— 2 2 E 2— 2— 7 2———— 0 7* —— 2— 2————— 0— 8—. 5 2— 1— 2— 5 1——————— 8— 2 7 2——— 1 1— 8 2— E— C 7— 148— * 2—— 1— 2— 0— 2— 28— 1 8 2—— S 72 W ee ee 1 8 1 N 2 S„ 8 1 2 5. 5 2 eee e. 8 ä— 2 2 di* 8 2 8— 5——— — o* 750 8 1.—— E 8 0 3 2 * 8 1 28* 8—— — 2 2* 2 57 2 7 77= 2———— 0 ——4 2—— 2 3— 2 2 12— 2 2 — 2— 70 1— 2 8————— 5—— 7 — 8 2 2 2 62 8— E 7 2 8. 2 W 287 8 8 2 2 8 8 1 W 2 2 8— 1—— 5—* 1———ĩ5—* 7 2—. 3 1— 2 7— 2 ———— 2*— 7 2—— 8 2 2— 2 e 5 1250 8—ͤ 00 7 N—— 2 2 72— 2— 7— — S 0 55 8 7 2 8— 1. 2 1—* 5 25 2 5 2—— 2 r 2*— 1 1 5 8 + 4——— 8 2 2— 72*—* 3 2 1 2 2 8 7 2 8. —— 5 7—— 8 2—. 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Und bis dahm will ich uf also mein Endurtheil verschieben. Den 30 September. 4—— * 8 75 10 Ich kann das Arrét vom 14 September noch nicht so vergesser„ daß ich nicht nach ei⸗ 55 nige Bemerkungen darüber anstellen sollte. ehrere Es, ist⸗des exste öffentliche Schritt, den Necker in seinem itzigen Ministerium gethan haß 1 5 7 E E igen it Erl getha) 5 sheige. und, so wie ein Feldherr bei Eröfnung eine 4— Feldzuges sich muß 1 lassen, daß das Publikum seine erste Disposition mit kritischen Augen betrachtet: so widerfährt ebendasselbe auch einem Minister bei dem Anfang seiner Administration. Ich glaube daher, daß ein 1 Mizzister alle Ursache von der Welt hat seine 0 erste Demarsche sehr genau zu prüfen und ab— 1 zuwägen, damit das Publikum kein Vorur— theil gegen ihn bekomme. In Neckers itziger N 2* 2 ine war 8 ond! 8. Trank— f Lage war dies um so nothwendiger, da Frank 1 9 1 1 10 11 1 1 11 ö 11 14 14 1 14 1 1 10 1060 11 5 9 0 2 294 Finanzzustand reichs Finanzen in Verwickelung waren, da ganz Frankreich in ihm und seiner Admini— stration allein Hülfe zu finden glaubte, und da er die Führung der Geschäfte freiwillig und mit einer Art von Zuversicht und Selbstge— nügsamkeit übernahm. Ich will mit meinen Bemerkungen, die ich theils vorgetragen habe, theils noch vortra— gen werde, Neckers Geschicklichkeit, Kenntnis— se, und Verdienste im mindesten nicht bestrei— ten. Nur das glaube ich dadurch überzeugend darzuthun, daß das Arrét vom 14 September die Erwartung von Frankreich und beinahe von ganz Europa getäuscht hat. Man stelle sich die Lage der Französischen Finanzen vor. Im Tresor war kein Geld; die Nation hatte nicht nur kein Zutrauen gegen die Minister, sondern sie haßte und verabscheute sie; die Geldbesitzer gaben gegen alle ihnen angebo— tene Anweisungen auf künftige Einnahme kein Geld her; in Zeit bon drei Wochen standen große Zahlungen bevor, deren Verweigerung ein unabsehliches Elend über die Nation brin— gen mußte. In diesen Uinständen wurden die alten Minister verabschiedet, und Necker wie im Triumph zur Herstellung der zerrütteten 11 d 2 21 0 11 9 1 5 e ich rtr A tmis⸗ 10 krel⸗ J gend Denber Fpir N fte bor hatte 7 ter, 1 die N gebos e ke banden 1 Jerung IL b. en die re —— von Frankreich 1788. 295 Finanzen eingeführt. Er übernahm diese große Verbindlichkeit freiwillig, und erklärte zugleich bei der ersten Unterredung mit dem König: daß das Übel zwar groß sei; daß die Hülfsmittel aber das Übel weit überwögen.— Wer mußte nun nicht glauben, daß Er schon vorläufig alles überlegt und berechnet habe; daß ihm alle Hülfsmittel bekannt seien; daß er sie in seiner Gewalt habe, und daß ihm bis itzt bloß die Macht eines Ministers fehle, um Alles wieder in Ordnung zu bringen? Mußte man nicht glauben, daß die erste Er klärung die der König nach Neckers Rath und Vorschlage geben würde, diese Hülfsmittel deutlich anzeigen, und das Zutrauen der Na— tion dadurch aus einer blinden Leidenschaft in einen gegründeten Entschluß verwandeln würde? Und nun, nach allen diesen Erwar— tungen,— erscheint das Arrèt vom 14 Sep— tember! Durch diesen Schluß des Staatsraths, sollte eigentlich der Nation bekannt gemacht werden: daß die den 16 August festgesetzte Zahlung in Billeten nicht Statt haben solle, sondern vielmehr alle Zahlungen des Tresors nach wie vor in baarem Gelde erfolgen wür— 5 14 10 1 — . 3 206 Finanzzustand . 3:. den. Hätte nun das Artet weiter nichts als dieses angezeigt, und von den Mitteln wo— 5 + 2 E 77— 70 7 2 durch dies bewe slelliget werden sollte, gar nichts angeführt; so wäre der erste Schritt Neckers groß, edel, und der Würde des Kö— nigs sowohl als der Geschicklichkeit des Mini— sters angemessen gewesen. Ganz Frankreich hätte geglaubt, daß der Minister Hülfsmittel in Händen habe; und hätte die erste Sitzung des Parlements zuhig abgewartet, wo ihm N iese Hülfsmittel wären bekannt gemacht wor— den.— Necker begnügte sich aber nicht mit dieser Erklärung, sondern wollte schon vor— läufig der Nation anzeigen, wie er zu Wer gehen würde. Dagegen habe ich zwar auch nichts zu sagen; aber, ich wiederhole es, die Art und Weise wie er sich hiebei nimmt, ge— fällt mir nicht. Das ganze in dem Arrét enthaltene Rä— sonnement sagt eigentlich nichts; sondern läßt nur muthmaßen, was erfolgen wird. Es ist aus einer Menge hochtönender Phrasen zu— sammengesetzt, die schöne Grundsätze enthal— ten, wovon man aber keine Anwendung sieht; und, wenn man Alles recht genau prüfet, so wird doch eigentlich nur der Satz ausgefüh— Mes 11 Y kleich Nittel 13 a 1 n 6 11* Wer auch , die * , ge— N D Ra —— von Frankreich 1708. 297 ret: es sei moglich daß die Finanzen Frank— reichs in Ordnung kommen, und mit Ord— nung geführt werden können. Wer hat aber jemal daran gezweifelt?— Allein, Necker mußte itzt der-Nation zeigen, wie er der itzt vorhandenen Leere des Tresors abhelfen wolle und könne. Mit allen übrigen sche nen An⸗ Zeit. Kein Mensch ordnungen hatte es noch konnte von Neckern itzt eine Hauptkur erwar— ten: man verlangte nichts als Palliativmittel; aber diese mußten deutlich angezeigt werd en. Wenn ein Mensch in Ohnmacht liegt; und der ülfe gerufene Arzt, der die Natur des chen sehr gut kennt, wollte sich auf ein Räsonnement über die Konstitution dessel— ben einlassen, und mit vieler Beredtsamkeit beweisen, daß bei künftigem guten Verhalten des Patienten dergleichen Ohnmacht micht mehr wäre: was würde man zu die— sem Arzte sagen, wenn er sich damit begnügte, und zu schleuniger Beendigung der Ohnmacht nichts verfügte? In meinem vorigen Aufsatz habe ich schon meine Anmerkungen über die von Neckern an gezeigten Hülfsmittel»durch ein wenig ver— 8 zögerte Zahlung bei den nicht so sehr drin— N * 0 0* 11 1 „ 19 N 0 1 1 110 . 10 1 in 11 inn . 9 1 1 n 9 1 1 * 10 8 4 9 8 10 5 10 J 11 1 1 ä———— —— 298 Finanzzustand genden Posten, durch genaue Aufsicht über alle Vertheilungen der Einnahme und Aus— gabe, und durch richtige Leitung jedes Theils des großen Ganzen der Finanzen auf den nehmlichen Zweck, gemacht. Ich füge nur noch hinzu, daß zufolge einiger Zeitungen, unter den»nicht so dringenden Zahlungen« der Hafenbau in Dünkirchen und dergleichen verstanden werden soll. Das will ich nun zu Neckers Ehre nicht glauben. Daß man den Hafenbau von Dünkirchen aussetzen, und da— durch eine Ersparung in den jährlichen Aus— gaben machen kann, gebe ich zu; allein, dies gehört in den großen Plan zur künftigen Fi— nanzverbesserung. Itzt aber die Unterbrechung des Hafenbaues als ein Hülfsmittel anzeigen, wodurch Geld in den Tresor kommen könne, heißt nichts anders, als die etwa in Dünkir— chen zum Bau zusammengesammelten Gelder nach Paris bringen, und die paar hundert zu diesem Bau angestellten Arbeiter außer Brot setzen. Ich weiß zwar nicht wie viel Geld in der Dünkirchischen Baukasse ist, aber im Grun— de kann es keine große Summe seyn; und wenn man zeigen soll wie etliche hundert Mil— lionen zu schaffen sind, so wäre es kindisch Weid ——— von Frankreich 1788. 299 ein Hülfsmittel von einigen Hunderttausenden anzugeben. Jedoch wir wollen die gedachte Verfügung weiter betrachten. Es heißt nunmehr: Durch diese angezeigten Hülfsmittel ist es dahin ge— kommen,»daß der König nur einen abgemes— »senen Umfang des Kredits brauchen werde, »um ohne Unordnung den Zeitpunkt der Ver— »sammelten Stände zu erreichen«(N'a be— soin—-à T'epoque des Etats Géngraux). Wie dadurch, und zwar bald, Geld soll geschaft werden, muß Necker freilich noch erklären; und das werden wir wohl bei der ersten Sitzung des Parlements erfahren. Warum rägt aber Necker dies, wenn er es doch be— rühren will, so dunkel vor? Daß geborgt werden muß, versteht sich von selbst; daß Necker wissen muß wie er borgen will, ist ohne allen Zweifel zu vermuthen: warum läßt er also die Nation in Ungewißheit? Warum legt er durch diese dunkeln Ausdrücke schon einen neuen Keim zum Mißtrauen, wor— aus die nachtheiligsten Folgen für seine Ad— ministration erwachsen können? Hierauf folgt eine schöne Tirade über die prächtigen Folgen der Versammlung der Stän— * r 1 — — 300 Finanzzustand e.»Dieser feierliche Zeitpunkt, wo Alles »wieder Muth und Leben, wo Alles neue »Kraft gewinnen soll, wird auf immer den » verschiedenen Besorgnissen wegen des Ver— »mögens ein Ende machen, und den Kredit »sichern, indem nach und nach das »verschaft wird, desselben in allen gewöhnli— „chen Zeitläuften entbehren zu können. Denn »davon kann und muß man gewiß seyn, daß »die Repräsentanten der reichsten und groß— » müthigsten Nation nicht auseinander gehen » werden, bevor sie nicht kräftig dazu beige— „tragen haben, eine vollkommne Übereinstim— „ mung der Einkünfte und der Ausgaben des »Staats einzuführen«(Cette epeque so— lennelle—— à Stablir un parfait accord en- tre les revenus et les deépenses de I' Etat) Was soll man hiezu sagen? Ist es denn so gewiß, daß die Stände von Frankreich bei ihrer Versammlung bloß vom Geist des Pa— 2 triotismus werden beseelt werden? Wäre es nicht möglich, daß Parteien entstehn könnten, die um ihres besondern Interesse willen das allgemeine Wohl des Staats ganz aus den Augen setzten? Könnten diese unruhigen Schlüssen der ———— 8 e 1 2 3— 2 von Frankreich 1788. 301 Verf mimlung werden. J es wohl fe lIch, A— N.—ꝗ—. 7 1 17 Daß 1 Ronig in seinen E en seinen Un⸗— — 2 72 0 A — 2 8 . 0 * 2 2 * * und sie so zu sagen, durch Lobeserhebungen zu bestechen sucht? Weites:»Se Maj. haben bereits den »ersten Blick auf die Mittel geworfen, die in Dero Händen sind, um diesem se wün— »schenswürdigen Ziele Sich auf eine Art zu » nähen, die Dero getreuen Unterthanen »nicht allzulästig sei. Sie haben befohlen, »geschickt sind Sie in Dero Entschließungen zu leiten; und haben gesagt, daß Sie, »wenn neue Aufopferungen von Ihrer Seite nöthig wären, gern darein willigen würden, 7 „und daß Sie vor allem und über alles wünsch— „ten, zum Glücke und zur Ruhe Ihrer Unter— hanen beizutragen«(Deja Sa Majésté contribuer au bonheur ct à la tranquilleté de Ses peuples).— Also ist der König noch nicht entschlossen; d ese Mittel zu gebrauchen: sie sind ihm erst obenhin angezeigt worden; 1* ss es müssen ihm noch die d eshalb erforderlichen Nachweisungen ertheilt werden. Und wenn er dann finden wird, daß diese Mittel nicht . 302 Finanzzustand zu drückend für seine Unterthanen sind, und mit einigen Aufopferungen von seiner Seite verbunden werden: so will er sie ergreifen, und sich die Aufopferungen gefallen lassen. Bei diesem Zweifel, bei dieser Ungewißheit, konnte man nun noch keinen Schluß erwar— ten. Und doch heißt der Schluß der Verfü— gung: daß Alles mit baarem Gelde bezahlt werden soll. Wie nun, wenn die Mittel die erst geprüft werden sollen, nicht hinreichend wären; wenn der dadurch verursachte Druck des Volks zu groß wäre; wenn die Aufopfe— rungen die man von Seiten des Königs for— dert, unmöglich wären! Wie wird es dann mit der Bezahlung im baarem Gelde aus— sehen? Jedoch ich höre auf. Ich wiederhohle nur noch, daß ich mit allen diesem nicht Neckers Administration angreife. Ich kenne das von ihm erwählte oder gesuchte System noch nicht. Es kann seyn, daß alles weit besser geht, als selbst die eifrigsten Anhänger Neckers ge— dacht haben. Ich glaube es bis itzt selbst, daß Necker die Ordnung in den Finanzen herstellen wird. Aber das Arrèt vom 14 Sep— tember, womit er seine Laufbahn eröfnet, ge— falt re wiede 9 nach! eka um 4 Harlem Het hee lud hunden den, f en N Ma 5 17 ——— von Frankreich 1788. 303 fällt mir, wie ich aus den obigen Gründen wiederhohlen muß, ganz und gar nicht. Auch hat selbst in Paris dies Arrét einen nachtheiligen Eindruck gemacht. Nachdem es bekannt ward, fielen die öffentlichen Fonds um 1 und 2 Prozent. Den 5 Oktober. — Meine Vermuthung: Necker würde bei der ersten Sitzung des wieder zurückgerufenen Parlements Edikte registriren Lassen, die sei⸗ nen Intkrimsplan deutlicher entwickelten, als das Arrét vom 14 Septemb.(man s. oben S. 299), ist nicht eingetroffen. Noch ist für das Publikum das Neckersche Interimssystem nicht deutlich dargestellt. Man muß sich in der That hierüber verwundern. Der Mann, der dem Könige bei Übernahme der Finanzverwal— tung sagte: Sire]! le mal est grand, mais les ressources sont encore plus grandes; sollte der nicht diese Hülfsmittel schon gekannt haben! Und war er nicht bei der großen Krisis ver— bunden, diese Hülfsmittel nicht nur anzuwen— „ den, sondern auch öffentlich bekannt zu ma— W chen! Warum spricht er also nicht? Man hat zwar in den Zeitungen von ver— r—ꝓꝗ————— 2 304 Finanzzustand 904 Hszuftand schiednen Mitteln geredet, deren sich Necker bis itzt bedienet hat, um baares Geld in den Tresor zu bekommen; allein, wenn man sie auch nur obenhin betrachtet, so findet man gleich, daß diese ressources ne sont pas plus grandes que le mal. Das Hülfsmittel, den Hafenbau in Dün— kirchen bis auf bessere Zeiten einzustellen, ha— be ich schon in meiner vorigen Bemerkung (S. 298) beleuchtet. b f Man hat ferner erzählt: die General⸗ pächter hätten eine Summe von anderthalb Millionen in den Tresor abgeliefert. Dies ist etwas; ich zweifle aber an der Wahrheit die— ser Nachricht. Necker wird sich, nach meinen Begriffen, schwerlich der Maschine der Gene— ralpächter bedienen, um Geld für den Tresor zu erhalten;— weil er dadurch ein flillschwei⸗ gendes Bekenntniß ablegen würde daß der Kredit der Generalpächter größer wäre, als der Kredit eines Mannes der an der Spitze des Französischen Staatsvermögens stehet. Und wenn er sich ja des Kredits jener Päch— ter bedienen wollte, so würde er ihn doch ge— wiß stärker als um die elende Summe von anderthalb Millionen angestrengt haben. Ist etwas Lungen g N Neck, den! fir U fung, l ——— von Frankreich 1788. 305 Jeker etwas an dieser Nachricht; so ist es wahr— hn scheinlich, daß die Generalpächter einen Theil 4 von den im Tresor vorgefundenen Reskriptio— bet naa nen(280, Nr. 1) bis auf die Summe von anderthalb Millionen diskomptirt haben. Man hat erzählt: Necker habe die bei den übrigen Departementern vorgefundenen Kassenbestände dort weggenommen, und in den Tresorx gebracht; namentlich soll er sieben Millionen bei dem Kriegsdepartement, und fünf Millionen bei dem Seeetat, zu diesem N Behuf benutzt haben. Lag dies Geld bei den „ genannten Departementern müßig, und sind 0 f durch diese Operation keine nöthige Auszah— 1 lungen bei denselben ausgesetzt worden; so ist * gegen dieselbe nichts zu sagen. Sie ist viel— 1 f mehr gut; und sie kann nicht eher nachtheilig 3 werden, a wenn Necker, zu der Zeit wenn * die jenen Mportementern obliegenden Zah— ö 5 4 lungen eintreffen, ihnen diese entlehnte Sum— 7 10 men nicht wieder erstattet. . Man schreibt ferner in den Zeitungen: Ae et 1 Necker selbst habe sein ganzes Vermögen in i hi den Tresor gegeben. Dies ist gut, es thut mir aber um Meckern leid, daß er diese Hand— 8 lung, die eben so gut ihren Grund in Eigen— NK u. t .——————P—————³— 2g ——. 8 — 306 Finanzzustand nutz als in Patriotismus haben kann, so sehr ausposaunt. Und, wenn gleich die Pariser ihren neuen Finanzminister darüber vergöt— tern, daß er die so trefliche Sentenz gesagt hat: que lorsqu'on risque S0 epos E n santé, on peut bien encore risquer son ar— gent; so findet der unbefangene Beobachter in diesem Ausspruch doch wohl nichts als ei— nen hohen Grad von Eitelkeit und Selbstlob. Er opfert seine Ruhe und seine Gesundheit auf! Aber war es nicht sein freier Wille? War nicht dieser Triumph den er in den letz— ten Tagen des Augusts hatte, sein einziger Wunsch? Hatte er diesen Triumph nicht durch ein feines Spiel von tausend auf diesen End— zweck gerichteten Unterursachen bewirken hel— fen? Er wagt sein Vermögen, indem er es dem Staat leihet! Hat Necker diesen Satz, als er ihn sagte, wohl recht bedacht? Über— nahm er wirklich die Verwaltung der Finan— zen mit der innern Überzeugung von hinrei— chenden Hülfsmitteln, so wie er es öffentlich behauptete; wie kann er denn etwas wagen, wenn er sein ganzes Vermögen und seinen ganzen Kredit zum Nutzen des Staats ver— wendet? Wagt er aber hiebei wieklich etwas; Jag den pur g —————— 7 * J du bh von Frankreich 1788. 307 Mie herr wie konnte er denn behaupten, daß die von Ver ontöt: ihm gekannten und dem König so hoch ange⸗ Deng ge priesenen Hülfsmittel so überwiegend wären? 0 Endlich schreibt man: Necker behalte neun . 5 i bis zehn Millionen auf ein Jahr im Tresor Peobachler zurück, die sonst als bestimmtes Gehalt an die „ allgemeinen und besondern Einnehmer der kö— 770 nigl. Gefälle hätten bezahlt werden müssen. Dies ist gut; allein, weil diese Operation ein ganzes Jahr fortdauret, so kann man auf je— Ville? 1 den Monat nicht füglich mehr als eine Er— 1 sparung von höchstens Einer Million rechnen. 15 Dies sind alle bisher bekannt gewordene 1 1 70 Hülfsmittel, die Necker gebraucht hat um dem Ne 0 Mangel im Tresor abzuhelfen; und wegen 1 hel- welcher er sich berechtigt hielt, den König am 10 e 14 Sept. versprechen zu lassen; daß alle Aus— 3 zahlungen des Tresors in baarem Gelde ge— 0 schehen sollten.— Wir wollen nun sehn, ob inan, diese Hülfsmittel größer sind als das Übel; 1 wir wollen sehn, ob Necker mit Sicherheit öfentih das Arréèt vom 14 Sept. entwerfen und pub— 1 liciren durfte? nd seine Wie groß war das Uebel, als er die Fi⸗ nanzen übernahm?— Dies kann ich zwar nicht genau angeben. Ich will indeß meine u 2 2 1————————— Pr—— 101 308 Finanzzustand 10 10 Muthmaßungen dem Leser mittheilen. Das ch 0 Defizit des J. 1788 betrug, nach dem Comptes wü 161 rendu vom April dies. Jahres, 168 Millionen. 100 Ich will annehmen, es sind durch die Anleihe 0 g 1 und durch die anderweitigen außerordentlichen 100 Einnahmen 68 Millionen zusammengebracht; fc 1 so bleibt ein Defizit von 100 Millionen. Ich fel 0 will zum Überfluß auch noch dieses halbiren, b 1 um Neckern ja nicht Unrecht zu thun; und„ 11 so wollen wir annehmen, daß gerade funfzig Aubin 1 Millionen gefehlt haben. Der Mangel die— 1 dh, U ser 50 Mill. war also das Übel, das er fand; eidet 10 und wogegen er Hülfsmittel zu haben be— ban 1 9 hauptete. 5 410 9 0 Wir wollen nun die uns bekannt gewor— ü i 00 9 denen Hülfsmittel schätzen. Diese sind: 9 5 1 0 0 1) Der unterbrochene Hafenbau von Dün— Mfg 1 0 kirchen. Darauf rechne ich Eine Million. bin ö 00 2) Die von den Generalpächtern vorge— füt N 9 schossene Summe von anderthalb Millionen. en g 1 0 3) Zwölf Millionen vom Kriegs- und izt, 1 9 1 g See⸗Etat. N bea, 0 ö 4) 5. und Kredit, welche Eat, 9 9 9 beide Artikel ich zu vier bis fünf Millionen Daß 1 1 anschlagen will.. 1er s in 6) Die eingehaltenen Salarien der Ein— —— e von Frankreich 1788. 309 nehmer, welche neun bis zehn Millionen ge— würdigt werden. Dies zusammen macht eine Summe von 28 bis 30 Millionen aus. Das Übel also ist 50, die Hülfsmittel sind 30. Wie konnte Necker denn behaupten: que les ressources sont plus grandes que le mal? 4 8 Necker wußte, daß die Stände nicht eher als im Jänner 1789 zusammenkommen würden, daß folglich die von den Ständen zu erwäh— lenden Maaßregeln vor der Mitte des künf— tigen Jahres nicht wirken konnten. Er mußte also wissen, daß sein Interimsplan das De— fizit des Tresors bis in die Mitte des künf— tigen Jahres decken müsse. Er wußte, die⸗ Mafizit betrage wenigstens 50 Millionen; er konnte berechnen, seine Hülfsmittel würden höchstens nur 30 herbeischaffen, ja wenn sie ein ganzes Jahr hindurch dauren sollten, viel— leicht nicht mehr als 10 bis 15 Mill. ausma— chen. Wie konnte der Mann also am 14 Sept. so dreist der Nation bekannt machen: daß Alles in baarem Gelde bezahlt wer— den solle? Es thut mir um Neckers Ruf leid. Er 5—. ĩͤ v* 11000 1 10 0 1140 6 ö 10 310 Finanzzustand 1104. ö 9 besitzt unstreitig Kenntnisse; er hat sich Ver— hen 9 104 dienste um den Staat erworben; ich halte ihn fat 1 10 itzt noch für den einzigen von Frankreichs be— al 9 10 kannten Staatsbedienten, der die Finanzen de 0 10 dieses Königreichs in Ordnung bringen kann; 5 se 1 100 ja ich glaube, daß er sie mit Hülfe der Stände 11060 in Ordnung bringen wird. Wie Schade ist 0 1 0 es, daß dieser geschickte und verdiente Mann 600 150 sich von der Eitelkeit hat verblenden lassen; 1 0 1 0 9 daß er in dem Taumel von Vergnügen über ha 16 seine Erhebung sich zu Äußerungen hat ver— ö ub f 10 0 1 i leiten lassen, die ganz ohne Grund sind; und g fc l 1 0 0 daß er durch diesen nehmlichen Taumel sich 1 pier 1 5 zu dem noch unverzeihlichern Schritt hat ver— esch 1 ö 0 führen lassen, durch den König etwas an die niht 10 1 Nation zu versprechen, was er nicht erfül— hen 1 0 len kann! 19 9 0 a Denn leider haben die gestrigen Briefe uin bn 1 aus Paris die Nachricht eingebracht: daß et— g 1 0 liche Fahlungen, die im Oktober fällig waren, lh ö schon auf ein ganzes Jahr, mit 5 Prozent 0 ö Zinsen, ausgesetzt sind. Neckers Kredit also 1 1 ist dahin; und er erklärt durch diese Opera— f 1 N tion den Tresor eben so insolvent, als sein 300 f 1 Vorgänger durch das Arrét vom 16 August.— 0 1 6 Es ist daher ganz natürlich, daß die öffentli— 7 — 5 von Frankreich 1788. 311 iz de chen Fonds noch mehr fallen. Dadurch steigt belt in natürlich der Zinsfuß; und dadurch werden 1 alle neue Anleihen sehr kostbar und lästig für Fange den Staat gemacht. Welche betrübte Aus— en kan; sicht für den großen Necker! r Etände Ich behaupte nicht, daß es ein Anderer Habe it besser gemacht hätte. Vielleicht ist das Übel „Mann so groß, daß keine schleunige Hülfe möglich ist. Ich glaube vielmehr, daß Necker alles gethan hat, was itzt für Frankreichs Kräfte, bat ver, und für des Finanzministers Fähigkeiten mög— ind; und lich war. Aber ist dies, und mußte er dies wissen; so mußte er nicht sagen, daß seine Ressourcen überwiegend wären; so mußte er an die nicht sagen, daß alle Zahlungen in baarem krful⸗ Gelde erfolgen würden. Necker kann nun— mehr, nach meinen Begriffen, den Vorwurf tiefe von Leichtsinn, von Eitelkeit, von übermäßi— daß kee gem Zutrauen zu sich selbst nie von sich abs— warn lehnen. legze Den 23 Oktober. 0 5 g Opera: Aus den gestern angekommenen Altonaer Zeitungen, habe ich eine neue von Neckern gebrauchte Ressource kennen gelernt, nehm— lich: ein Darlehn von 6 Millionen, welches — . ͤͤ———..—¾————— —— P 9 ——— — — 1 ö 1 1 1 1 1 312 Finanzzustand die 120 Notarien von Paris gegen 6 Prozent an jährlichen Zinsen dergestalt bewilligt ha— ben, daß diese ganze Schuld getilgt und ab— bezahlt ist, wenn die versprochnen 6 Prozente 37 Jahre hinter einander richtig abgeführt werden. Dagegen habe ich nichts einzuwenden; indeß kann ich die Betrachtung über die von Neckern genutzten Hülfsmittel nicht endigen, ohne noch eine allgemeine Bemerkung hinzu— zufügen. Diese besteht darin: daß alle diese Hülfsmittel gezwungen sind, und der durch Neckers Eintritt in das Ministerium angeblich wiederhergestellte Kredit der Französ. Finanz— verwaltung noch nicht so gegründet gewesen ist, daß Necker zu beträchtlichen freiwilligen Beiträgen sich hat Hofnung machen können— Der Beitrag der Generalpächter ist wohl nicht freiwillig zu nennen. Das zurückgehaltene Ge— halt der Einnehmer ist schwerlich von freien Stücken geschehen. Der aufgeschobene Hafen— bau von Dänkirchen ist ein durch die Noth veranlaßter Machtspruch. Das Wegnehmen der für die Armee und die Flotte bestimmten Fonds ist ein Machtspruch. Das Darlehn der Notarien scheint ein gezwungener Beitrag r e von Frankreich 1788. 310 zu seyn. Und wenn Necker den durch sein eignes Vermögen gemachten Beitrag selbst eine Aufopferung nennt, und ihn mit der Auf— opferung seiner Ruhe und Gesundheit in Pa— rallel stellt, kann man ihn alsdann für ganz freiwillig halten?— Diese Bemerkung ist ein starkes Argument gegen Necker. Ich tadle zwar diese Hülfsmittel im Ganzen nicht; da ich aber noch gar keinen freiwilligen Bei— trag kenne den er im Tresor erhalten hätte; und da bis itzt noch kein Arret oder Edikt er— schienen ist, wodurch freiwillige Zuschüsse in den Schatz die erforderliche Form erhalten hätten: so muß von folgenden Fällen einer oder auch mehrere Statt haben.“ Entweder ist das metallische Vermögen Frankreichs nicht so groß, als Necker es angegeben hat; oder das Zutrauen zu Neckers persönlichen Eigen— schaften in Absicht der Finanzverwaltung ist nicht gegründet genug, um die Kapitalisten zu freiwilligen Beiträgen zu bewegen; oder es ist schon eine Partei vorhanden, die unter der Hand den Neckerschen Maaßregeln entge— gen arbeitet, und nur auf einen günstigen Zeitpunkt wartet, um den neuen Finanzmini— —— — v————— 314 3 Finanzzustand ster wieder zu stürzen. Die Zeit wird uns hierüber wohl die näheren Aufschlüsse geben. Den 24 Oktober. ——b So schwer es auch ist, über den eigenk⸗ lichen Plan, nach welchem Necker bis itzt zu Werke gegangen, in der Ferne und bei so we— nig bestimmten Nachrichten als ich habe, rich— tig zu urtheilen; so will ich doch meinen Le— sern eine Hypothese vorlegen, die ich mir selbst, nach den mir bekannten Datis, gemacht habe; und ich überlasse es dem Urtheil der Kenner, ob daraus Neckers Betragen zu er— klären ist. Necker mußte einsehen, daß alle Kunst— griffe eines Bankier bei der gegenwärtigen Krisis unzureichend waren, um Geld in den Tresor zu schaffen. Das herrliche Gebäude von blühendem Kredit, das er bei seiner er— sten Administration*) nach den feinsten Ma— rimen eines erfahrnen Bankiers aufgeführt hatte, war ganz eingestürzt; und dieses aus den Trümmern wieder zu erheben, erforderte ) Vom Jul. 1777 bis Mai 1781. 77 Hahte Jan halt He fag! von Frankreich 1788. 846 mehr Zeit als ihm itzt vergönnt war. Es blieb ihm also kein ander Hülfsmittel übrig, als seine Zuflucht zur Nation selbst zu neh— men. Erkannte diese die bisher angeschwol— lenen Schulden für wahre Nationalschul— den, und faßte sie den Entschluß, die bisher von Seiten des Staats eingegangenen Ver— bindlichkeiten als eine Sache der ganzen Na— tion anzusehen: so war Neckers Aufgabe auf— gelös't; und es kam nur noch auf die Debat— ten an, wie die neuen Auflagen vertheilt werden sollten, und welche Sicherheit die Nation verlangen würde, daß die Herren Mi— nister die ihnen bewilligten Fonds auch zu keiner andern als zu der bestimmten Absicht verwenden würden. Daß dies das einzige wahre Hülfsmittel für Frankreichs zerrüttete Finanzen war: hatte Calonne eingesehen, hatte der Prinzipalminister begriffen, und Necker setzte den Zutritt der Nation ebenfalls sogleich als den ersten Grundsatz fest, ohne den nichts zu machen sei. Die bisherigen Minister, die nicht recht rein in ihrem Gewissen waren, und sich mit Recht vor den gerechten Vorwürfen einer ganzen Nation fürchteten, hatten die ————————ů—— * ———— —— 8 ——— 316 Cinanzzustand Versammlung der Stände immer von Zeit zu Zeit verschoben). Necker aber, der sich noch rein wußte, der sich mit dem Zutrauen des Volks schmeichelte, und sich wahrscheinlich für den Mann hält, der durch seinen Ver— stand, seine Kenntnisse, und seinen blumenrei— chen sentenzvollen Vortrag den Verstand der versammelten Deputirten nach seinen Absich— ten lenken wird, der vielleicht von dem ersten Feuer der erhitzten Leidenschaft Gebrauch zu ziehen hofte; Necker, sage ich, hatte nichts wichtigers vorzustellen, als daß die Nation noch ehe als vorher beschlossen war, zusam— menkommen mögte. Er wollte wahrscheinlich durch diese angerathene Beschleunigung der Zusammenkunft der Stände der Mann des Volks werden, und dadurch das Volk für sich einnehmen. d So geschwind aber auch die Stände zu sammenberufen werden sollten; so mußte doch bis dahin Rath geschaft werden. Wahrschein— lich wußte Necker nicht, wie er dies anzufan— gen habe; denn er, für seine Person,— man *) Schon im J. 1766 war ihre Berufung beschlossen 9. 170. 9 worden. gufe ißt 1 sich tat 8 chinlich Nu Der dyenkei: 0 der bsich⸗ —— von Frankreich 1788. 317 mag auch sagen was man will,— konnte doch keine andere Operation vornehmen, als Machtsprüche und Bankiergeschäfte. Macht— sprüche wollte er nicht in Absicht des ganzen Volks thun; und die Kunstgriffe des Bankier Necker konnten auch von keiner sonderlichen Wirkung seyn.— Mithin dachte er sehr weis— lich aus, daß die Parlemente für ihn eine brauchbare Maschine abgeben würden, um Geld herbeizuschaffen. Der Zeitpunkt schien ihm sehr günstig zu seyn, das Zutrauen die— ser Gerichtshöfe zu gewinnen. Sie waren aufgehoben; und Necker glaubte, daß sie ihm ewig verbunden seyn müßten, wenn er ihre förmliche Wiederherstellung bewirkte. Er schmei— chelte sich, sie würden wegen dieser großen Ge— fälligkeit die er ihnen itzt bezeigte, sich ihrer Seits bewogen finden, seine ehemaligen An— griffe gegen sie ganz zu vergessen; und die vordem dadurch verursachte Feindschaft würde itzt in Gewogenheit Zutrauen und Harmonie verwandelt werden. Daher bewog er den Kö— nig, die Parlemente wieder in ihre vorigen Rechte einzusetzen). Wahrscheinlich wollte ) Das Pariser Parlement hielt am 24 September 1783 wieder seine erste Sitzung. Finanzzustand 318 er mit Hülfe des Parlements eine Finanzope⸗ ration die bald Geld schaffen sollte, durchsez— zen; und vielleicht faßte er deshalb sein Arret vom 14 Sept. nur vorläufig in so schwanken— den Ausdrücken ab, um das Bestimmte, das Treffende, das Wirksame unter Auktorität des Parlements bekannt zu machen. Diese Maschine muß ihm aber wahrschein— lich fehlgegangen seyn. Der König hat nichts von den Finanzen an das Parlement ergehen lassen; und das letztere folglich bis itzt auch von den zerrütteten Finanzen keine Notiz ge— nommen. Ich halte es für wahrscheinlich, daß Necker mit den vornehmsten Gliedern des Parlements Rücksprache darüber genommen hat: ob es Schwierigkeiten machen würde, Finanzedikte die gleich Geld verschaffen soll— ten, zu registriren? Vermuthlich aber hat Necker keinen guten Willen bei dem Palle— mente entdeckt; und es unterblieben also die Edikte und Anordnungen. Auf die Art, fiel der Beistand der Par— lemente weg; und es blieb Neckern, bis zur Versammlung der Stände, nichts übrig als sich selbst zu helfen. Er für seine Person konnte nichts bringen, als sein Vermögen und 2 —. 8 2 von Frankreich 1788. 319 seinen Kredit. Durch sein Amt, konnte er ge— zwungene Darleihen bewirken; und solange er dies bei solchen Personen und bei solchen Anstalten that, die von ihm abhingen, und über die er befehlen konnte: so war daraus keine sonderlich nachtheilige Erschütterung zu besorgen. Es müssen aber auch diese Hülfs— mittel unhinlänglich gewesen seyn; denn be— reits hat Necker, wie schon angeführt ist, die Rückzahlung eines Theils der im J. 1783 auf— genommenen Kapitalien, welcher im itzigen Oktober fällig war, verweigert und auf ein ganzes Jahr hinausgesetzt. Vermuthlich sind noch mehr Machtsprüche dieser Art vorgefal— len, die ich aber bis itzt noch nicht erfahren habe. Daß dies ein harter Schritt ist, haben wir vorhin schon gesehen; und er ist desto härter, weil das Publikum davon gar keine öffentliche Anzeige erhalten hat, sondern die Inhaber dieser Forderungen schlechtweg bei dem Tresor abgewiesen werden. Neckern muß jedoch die Zeit zu lang wer— den, um die Stände abzuwarten; und er bringt daher eine neue Interimsmaschine vor, der er sich wahrscheinlich bedienen will um Geld zu erhalten. Dies ist die Versammlung der No— 520 Finanzzustand tabeln„ die Anfangs Novembers erfolgen soll. Wir wollen also diese Erscheinung abwarten; ich gestehe jedoch offenherzig, daß ich mir da— von wenig Trost für Neckers Interimsverwal— tung verspreche. Erhält er indeß auch nur das dadurch: daß die Ordnung wie die Stände sich versammeln und ihre Berathschlagungen anstellen sollen, vorläufig festgesetzt wird(wie dies der öffentlich angegebene Grund zur Ver⸗ sammlung der Notabeln ist); so hat er in der That schon viel gewonnen. Die Stände brau— chen alsdann nicht ihre ersten Sitzungen mit Zänkereien über die Form zu verschwenden, sondern können gleich mit der Materie an— fangen.— Ob aber die Notabeln die zu die— sem Endzweck erforderlichen Schlüsse mit der so nöthigen Einigkeit fassen werden; ob nicht der ———— „) Das Edikt des Königs welches sie beruft, ist vom 5 Oktober.— Sie versammelten sich am 6. No⸗ vemb. Necker es gewünscht hatte, Am 27 Dezemb. entschied der König, zu Versailles, stimmten aber nicht so als und wurden daher wie— der entlassen. auf Neckers Vorschlag, er zur Versammlung der Reichs Diese kamen am 5 Mai 1789 zum m. d 5 er ausg. daß die Anzahl der Mit⸗ glied 885 ide 1200 be⸗ tragen solle. ersteumale zusammen, Ann 3 i 5 von Frankreich 1788. 3 der Geist der Intrige und Kabale sich in ihre id. Versammlung einschleichen wird; ob nicht Nek— erg kers Gegenpartei dadurch das Übergewicht er— 1 halten dürfte; und ob so nicht vielleicht eine and neue Revolution im Französischen Finanzmi— don nisterium bewirkt werden könne: darüber wird 11 die Zeit den Ausspruch thun. ö 8 Nach allem Bishergesagten, wäre alse . 6 folgende Vorstellung von dem Plan des Fi— nanzministers zu fassen 1 1) Necker hat deutlich eingesehn, daß un 1 7 ohne Zutritt der Nation keine wahre Hülfe . 1 zu erwarten sei. * 2) Er hat gefühlt, wie schwer es ihm * 1 werden würde, die Sachen in leidlichem Gang N 5 bis zur Versammlung der Stände zu erhalten, a und hat daher die Zusammenberufung be— Fr 0 schleunigt. — 3) Er sah ein, daß alle Hülfsmittel, iu a er als Bankier, und als ee 7 tor anwenden konnte,— ohne daß Macht— . sprüche angewendet werden sollten, die das a Publikum träfen,— unzureichend waren. a . 1 4) Er suchte daher das Parlement in das 1 i Spiel zu ztehen;— und, wie ihm dies fehl— 9% schlug, so bewirkte et II. 5* ————— —.—————.— ———— Finanzzustand 5) Daß die Notabeln schleunigst zusam— menberufen wurden; wodurch er wenigstens die Schlüsse der versammelten Stände, wo— durch allein Hülfe gebracht wird, beschleuni— gen wollte. 6) Da aber der Mangel an Geld so groß war, daß er mit allen seinen Huülfsmitteln nicht einmal bis zur Versammlung der No— tabeln ausreichen konnte, so mußte er seine Zuflucht zu eben den Mitteln nehmen, die das vorige Ministerium den 16 August be— schlossen hatte; das heißt: er mußte mehrere Zahlungen auf ein ganzes Jahr hinaussetzen. Ob nun die Verwirrung, bis zur Zusam— menkunft der Stände im Jänner, noch mehr Maaßre— zunehmen wird; und welche fernern geln Necker mittlerweile ergreifen wird, um nicht völlig mit dem Tresor Bankerot zu ma— chen: wird uns die Zukunft zeigen. Den 28 Oktober. — Seitdem ich obige Bemerkungen nieder— geschrieben habe, sind noch folgende Nachrich— ten aus Frankreich mir bekannt geworden. 1) Die Jünfte von Paris haben ein Dar— lehn von 4 Millionen bewilligt; welches ihnen N ogg 575 9 1 f ls. —.. von. Frankreich 1788. 823 F nach und nach wird zurückgezahlet werden Auch dieses Darlehn scheint kein freiwilliges * zu seyn. 1 2) Necker soll das Defizit des itzigen Jah— N res auf 80 Millionen gesetzt haben. Wenn Wo gaaß ich nun alle bis itzt bekannte Hülfsmittel nach Unten dem höchsten Anschlag rechne, so kommen 40 Nr do, N Millionen heraus. Mithin ist bis itzt das A seine Übel noch großer, als die dagegen vorhand hn, die nen Hülfsmittel. H ust be 3) Die fälligen gib brenten werden bis itzt Arnehrere in baarem Gelde bezahlt; aber sehr langsam: 10 lesetzen, und es werden diejenigen die ihre Renten ab— 1 Zusan- hohlen wollen, oft abgewiesen und auf eine b nehr andere Zeit bestellt. Aplaaßte-⸗ 4) Die öffenkichen Fonds sind noch im rd, um Fallen; und dies mag wohl die Ulrsache seyn, zu ma- warum Necker bis itzt noch mit keinem öffent— * lichen freiwilligen Darlehn zum Vorschein kömmt. Er will nicht gern lästige Bedingun— gen eingehen; und wenn er das bei dem itzi⸗ de gen hohen Stand des Zinsfußes nicht thut, . so bekömmt er kein Geld. Die Zeitungen sa— 1 gen zwar, er habe die bisher geborgten Sum— 13 men zu niedrigen Zinsen erhalten. Allein, * 9 wenn man sich erinnert daß alle diese Dar— 5 2 6 5—— 28 7——,7§7§—,———————— Finanzzustand 324 lehne erzwungen sind; so kann man daraus keinen Schluß auf den wiederhergestellten Kre— * 7 dit machen. Es ist sogar der Natur der Sache nach unmöglich, daß Necker anitzt zu niedri— gen Zinsen borgen könne. Solange ein Ka— pital von hundert Thalern, das fünf Thaler Zinsen bringt, mit achtzig Thalern verkauft wird, wie dies itzt der Fall in Frankreich bei den königl. Effekten ist; solange kann kein Finanzminister auf den Kredit des Staats Geld bekommen, wenn er nicht uber sechs von hundert an jährlichen Zinsen geben will— Denn der Geldbesitzer erhält ja diese hohen Zinsen, wenn er alte königl. Obligationen aufkauft. Was sollte ihn denn bewegen, neue Obligationen an sich zu bringen, die ihm geringere Zinsen gewährten? Den 5 November. ——— Die gestern angekommene Leidener Zei— tung enthält einen Artikel aus Paris vom 20 und 24 Oktober, worin verschiedene Punkte vorkommen, die ich zu meiner Absicht anzei— gen, und mit wenigen Worten erörtern werde 1) Man scheint darüber in Paris schon unzufrieden zu seyn, daß den Notabeln das 8 3 3 von Frankreich 1788. 325 7 a 8 Recht zustehen ee die e cheid 35 Recht zustehen soll, die Form zu entscheiden g in welcher sich die Stände versammeln wer— t En F 5 f den. Dies ist für Neckern nicht gut; denn N nied a 82 5 5 wenn dies Mißvergnügen von seiner Gegen— in K partei benutzt wird, so wird der Gegenstand desselben die erste Materie werden, worüber die Stände in Uneinigkeit gerathen. Und ist % wohl etwas Heilsames von einer Versamm⸗ ken lung vieler unter sich uneiniger und dadurch Whats gegen einander erhitzten Köpfe zu erwarten? sechs 2) Neckek hat das Defizit zwischen 70 wil und 80 Millionen bestimmt, rechnet aber noch hohen besonders die 54 Mill., die nach dem Finanz onen plan von 1788 in diesem Jahr zurückbezahlt egen, werden sollten. Dies heißt auf gut deutsch die ausgedrückt: Wenn der Tresor im J. 1788 al— les leisten soll wozu er sich verbindlich ge— macht hat, so fehlen noch 124 bis 134 Mil⸗ lionen; allein dies ist nicht das gewöhnliche 1. Jü und fortdaurende Defizit: denn, da anter die— om 20 ser Zahl 54 Mill. begriffen sind, die zu Ein— d puhke lösung von Kapitalschulden bestimmt werden, K ant so bleibt für ein gewöhnliches Jahr, wo keine pad Rückzahlung von votrmal erhaltenen Kapita— . lien angesetzt wird, nur ein Defizit von 70 * bis 80 Mill. übrig. Diese Bemerkung ist nun 8——.— vv ̃ ÄÄ———— —— 326 Finanzzustand zwar ein Trost für die Stände; aber für Neckers Interimsverwaltung sehe ich darin keine Erleichterung. Auf diese wirkt das volle Defizit von 120 bis 130 Millionen; und die bis itzt bekannten Hülfsmittel betra— gen gewiß noch nicht 50 Millionen. Also wird Necker mittlerweile, bis die Stände zu— sammenkommen, nicht für voll bezahlen kön— nen. Und warum— denn auf diesen in der That unverzeihlich unbedachtsamen Schritt muß man immer zurückkommen— warum ließ er also d. 14 September öffentlich bekannt ma— chen: der Tresor werde alle ihm obliegende Zahlungen in baarem Gelde leisten? 3) Man schreibt das Fallen der öffentli— chen Fonds den heimlichen Ränken der Ak⸗ tienspieler zu; und Necker hat daher die so— genannten Agens de change gewarnt, dies Spiel durch ihre Vermittelung nicht zu be— günstigen. Ich muß aber gestehn, daß ich bei dem itzigen Fallen der öffentlichen Fonds die Aktienspieler nicht in Verdacht habe. Denn da die Stände schon im Januar 1789 zusam— menkommen, und da es doch höchst wahr— scheinlich ist, daß die versammelte Nation die e* 8. 2 Finanzen in Ordnung bringen wird: so ist 55 Falle endal A 9 5 hal! NI G e hinde 15 eech ag Gent f t muß 1eß e ö de 5 von Frankreich 1788. 327 weit eher Gewinn zu vermuthen, wenn man à la hausse spielt, als à la baisse. Man kann ja auch aus dem Zeitpunkt, da die Fonds während der Neckerschen Administration zu fallen angefangen haben, ganz deutlich auf die Ursache schließen, die dieses Fallen bewirkt hat. Als Necker an die Spitze der Finanzen gestellt ward, stiegen die Fonds, und stiegen von Posttag zu Posttag höher im Preis. So wie er aber das Arret vom 14 Sept. heraus gab, fielen die Fonds, und bleiben bis itzt im Fallen. Ist es nicht offenbar, daß das Schwan kende und Unbestimmte in diesem Arret das Mißtrauen der Nation von neuem erregt hat?— Indeß da das Aktienspiel überhaupt nicht taugt, und der Hang dazu die verderb— lichste herrschende Leidenschaft einer Nation ist; so ist es sehr zu loben, daß Necker dieses Spiel, so viel in seinen Kräften steht, ver— hindert. 5 4) Necker hat zu seinen Freunden»mit »einer für Frankreich beruhigenden Überzeu— »gung« gesagt: Tout ira bien, si l'on veut sentendre, s'il regne de accord; et les Fran- cois ne m' auront pas alors d' aussi grandes obligations qu'ils se limaginent. Dies nenne 18 — 11 1 11 1 1 ———ꝛůů————————ĩ—ßv—rꝛi˖ĩ;₄v:i——— — 328 Finanzzustand ich einmal von Herzen gesprochen. So wenig ich sonst von der Sentenzsprache eines Ge— schäftsmannes und besonders eines Finanzmi— nisters halte; so würde ich es doch itzt Neckern vergeben haben, wenn er diese seine vertraute Außerung mit allen Blumen der Redekunst ausgeschmückt hätte. Es ist wahr, sehr wahr: daß»Alles gut gehen wird, wenn man sich »in Frankreich versteht, und wenn man dar— „über einig ist,« daß man die Ordnung in den Finanzen herstellen will. Es ist wahr: daß»die Nation allein« dazu die Mittel und Kräfte hat; und es würde ein unverzeihlicher Joh f Fehler seyn, wenn man»in irgend einem ein— N 4 „zelnen kenschen!n« die Hülfsmittel gegen 0 8 8 ö Frankteichs zerrüttete Finanzen suchen wollte. Aber wenn es Neckern gelingt, die Nation zu einem zweckmäßigen und festen Entschluß in Absicht auf die Finanzen zu bringen; und wenn er hernach die Finanzen, diesem Ent— schluß zu Folge, mit der von ihm schon be— fkannten Ordnung und Pünktlichkeit verwal— tet: dann wollen wir ihm seine Verdienste nicht schmälern. Im Gegentheil, wenn Nek— ker es bewirkt, daß Frankreichs Stände die bisher angeschwollnen Staatsschulden für eine von Frankreich 1788. 329 Sache det Nation anerkennen; daß sie sich zu so viel Abgaben verstehen, als die Berichti— gung der Zinsen, und die nach und nach zu ende Rückzahlung der Kapitalien erfor⸗ dert; daß sie eine Ordnung festsetzen und ga⸗ tiren, nach welcher dies so verwickelte Ge— schäft betrieben werden soll; und wenn Er als— ann diesen entworfnen und beschlossenen Plan, . solange er an der Spitze der Finanzen steht, 5 ausführt: so hat er, meiner Überzeugung nach, das größte Verdienst, das eine Privatperson * haben kann;— meiner Mei— — um einen Staat nung nach, ein weit größeres Verdienst, als wenn er selbst anitzt 100 Millionen in den Schatz geliefert hätte. Indeß gereicht es Neckern zu wahrer Ehre, daß er sich über das Verdienst das er sich um den Staat erwerben will, so bescheiden ausdrückt. Den 6 November. So viel ich nunmehr aus allen öffentlich f bekannt gewordnen Nachrichten schließen kann, geht Reckers Interimsplan dahin: 1) die von 4 dem vorigen Ministerium auf dieses Jahr an— gewiesenen Rückzahlungen(Remboursements) D pm—— ——— 330 Finanzzustand 4 nicht zu erfüllen, sondern diese Zahlungen auf ein ganzes Jahr hinauszusetzen, jedoch mit dem Versprechen, Fünf vom Hundert an jährlichen Zinsen zu vergüten; 2) alle fällige Zinsen, Leibrenten, Gehalte, Pensionen, und überhaupt alle laufende gewöhnliche Ausga— ben, in baarem Gelde zu leisten: wenn aber der Tresor dazu nicht im Stande ist, die Gläu— biger des Staats auf eine höfliche Art abzu— weisen, und sie auf eine andre unbestimmte Zeit zu bestellen. Wie groß Neckers Verdienst hiebei er— scheint, diesen Plan ausgedacht zu haben, will ich nicht entscheiden, sondern nur fol gende Bemerkungen mittheilen. 1) Die Rückzahlungen für das J. 1788 betragen 54 Millionen. Folglich bleibt der Tresor im itzigen Jahr um diese Summe zu— rück. Der Nachtheil von dieser Nicht-Zah— lung kann für die innere Cirkulation nicht so fühlbar werden, als wenn die Auszahlung der Zinsen, Leibrenten u. s. w. unterblieben wäre. Diese werden ihrer Natur nach zum Lebens— unterhalt bestimmt; jene Rückzahlungen sind Kapitalien, von denen man voraussetzen kann daß sie wieder belegt werden. Gesetzt nun von Frankreich 1788. 331 Sunn auch, daß durch den Mangel an Kapitalien 0 ianche Verbessert terbleibt, und manche manche Ver besserung Unterblel„ And) . Art von Gewerbe in kraftlosen Zustand ver— fil setzt wird; so ist doch dies Übel, wäre es auch ä von fürchterlicher Größe in Absicht auf die Musa; Zukunft, immer für den Augenblick nicht so an ober schrecklich und drückend, als wenn das Geld ig lau. fehlt wovon man leben soll. nb zu 2) Wenn nach Neckers Angabe das De— me fizit inn J. 1788— die Rückzahlungen aus— genommen— zwischen 70 bis 80 Millionen „id er⸗ beträgt, und er itzt durch alle die vorher(S. unben, 308 f.) angeführten Arten von gezwungenen fil. Darlehnen 40 bis 30 Mill. zusammengebracht hat; so fehlen ihm zwar noch 30 Millionen: 12788 ich glaube aber, daß er diese nicht große N der Summe noch zusammenbringen wird. mu; zu⸗ 3) Neckers öffentliches Betragen in Ab— I Zah⸗ sicht auf diesen Plan, hat nicht meinen Bei— Acht so fall. Die Leere im königl. Schatze, und die ig der Unfähigkeit der ehemaligen Finanzbedienten 3 Jwdte dieser Leere abzuhelfen, waren ganz Frank— 40 bens reich bekannt. Der König, die Königinn, die s) Prinzen, die Stände, das ganze Volk, nah— 7 jeser Ve e e e 10 binn men in dieser Verlegenheit ihre Zuflucht zu ** l Neckern, und erkannten ihn laut für den —:.:!::. 222]¶⁵ AA]§³ͤà— *— — 332 Finanzzustand Mann, der ihre zerrütteten Finanzen wieder— herstellen würde. Er übernahm das ihm an— vertraute Geschäft. War es nun nicht seine Pflicht— ich will nicht sagen, aus Klugheit, sondern nur aus Erkenntlichkeit gegen das uneingeschränkte Zutrauen welches König und Volk gegen ihn bewies— daß er ganz gerade, offen und aufrichtig gegen König und Volk zu Werke ging? Mußte er, wenn er es fühlte daß er mit seinen Kenntnissen und Talenter nicht helfen konnte, dieses dem Volke nicht sagen? Mußte er nicht öffentlich erklären, das Übel sei so groß, daß im gegenwärtigen Jahre alle versprochene Rückzahlungen weg— fallen müßten, und daß mit allen zu erhal— tenden Darlehnen es höchstens möglich ge— 9 8 8 macht werden würde, die laufenden Zinsen, Renten und Gehalte zu bezahlen? Statt des— sen verspricht Necker: Alles in baarem Gelde zu bezahlen; in der That aber thut er es nicht. Nicht genug, daß er die Leute mit ih— ren Kapitalienforderungen bei dem Tresor ab weiset, und sie nach Verlauf eines Jahres wieder bestellt: er giebt ihnen nicht einmal 85 für die Richtigkeit dieser hernach zu erhalten— 4— 2 E.— den Zahlung eine Sicherheit; und er ver— von Frankreich 1788. 333 fie spricht ihnen die zu bekommenden Zinsen auf pu me keine gesetzmäßige Art. Dieser Machtspruch ht sin von Seiten Neckers ist größer als der Macht— lughet, spruch des so verhaßten Prinzipalministers. en ds Dieser ließ doch durch den König die nach ei— ig und. nem Jahr zu erhaltende Kapital- und Zins— erabe, zahlung versichern. Necker hingegen weis't die ft zu Gläubiger schlechtweg ab, und läßt ihnen die fühlte Versicherung von endlich zu erhaltender Zah— enten lung durch Kassenbediente geben, die weder nicht für ihre Personen noch durch ihr Amt eine klären,. Sicherheit zu leisten im Stande sind. färtigen 4) Neckers Betragen als Privatmann, so— beg, viel wit davon in den Zeitungen lesen, wirft erhal— kein vortheilhaftes Licht auf ihn. Man hat ih ge⸗ ihn schon lange einer ungemessenen Eitelkeit ünsen, beschuldigt. Seine Schriften sind so voll Ei— tt des⸗ genliebe, daß dieser Vorwurf dadurch vermehrt Gelde worden ist; und wenn ich alle Reden und 4 Sentenzen betrachte, die von ihm seit seinem mit ih⸗ Eintritt in das Ministerium in den öffentli— 0 1 chen Blättern aufgezeichnet stehen, so entdeckt man abermal Spuren von Eitelkeit. Schade 1100 um den Mann, daß er bei seinen anderweiti— en Verdiensten diese Schwäche an sich hat! 5 ö 9 sühles u Eitelkeit ist jedem Menschen nachtheilig; einem F ————— 9—— 334 Finauzzustand Geschäftsmanne aber ist sie verderblich, und um desto verderblicher, je größer der Wir— kungskreis ist worin er sich befindet. 5) Die Nation fühlt, daß Necker bis itzt das nicht geleistet hat was sie sich von ihm versprochen hatte. Sie fühlt es, daß er nicht das Zutrauen gegen sie bewiesen hat, welches sie gegen ihn auf eine so ruhmvolle Art äu— ßerte. Die Nation schämt sich aber noch, ih— ren Irrthum zu gestehen. Sie ergreift begie— rig alles, bis auf die unbedeutendsten Klei⸗ nigkeiten, woraus Neckern ein Verdienst ge— macht werden kann; und erträgt das Übel das ihr gepriesener Finanzminister nicht geheilt hat, in der Stille und ohne lautes Murren. Sie hoft, er werde seine ganze Kunst erst alsdann zeigen wenn die Stände zusammenkommen; und bis dahin enthält sie sich aller lauten Kri⸗ tik über ihn. Die einzige die sie über ihn macht, besteht darin: daß die öffentlichen Fonds seit der Neckerschen Administration eher im Fallen als im Steigen sind. 6) Man hat Neckern bei seiner ersten Ad— ministration vorgeworfen: er habe den Über⸗ schuß der Einkünfte über die Ausgaben bloß durch Ersparungen verschaft, die auf Macht— rück dit sen leich Min fel a cl ac adh g vue E Monde 00 e 15 0 von Frankreich 1788. 335 0, und sprüche beruhen; der von ihm gegründete Kre— er Ul dit sei kein wahrer öffentlicher Kredit Frank— . reichs gewesen, sondern ein persönlicher Kre— l bis ib dit der sich auf Neckers Person und auf seine Jon ihn Administration gestützt hätte; und unter allen er nicht seinen Operationen sei auch nicht eine zu ent⸗ welches decken, die den großen Geist dadurch kennbar elt au⸗ macht, daß die königl. Einkünfte durch die ich, h— dergrößerte Einnahme des Volks vermehret begie⸗ worden. Wir müssen nun schon ein paar an Klei⸗ Monate noch Geduld haben, um zu sehen, Yanst ger ob es Necker anitzt besser machen wird, (Abel das Den 28 November. eilt hat,—— . Ge lsdann Die Versammlung der Notabeln ist den unmen; 6 November in Versailles eröfnet. Es sind ben Kri- bei dieser Gelegenheit verschiedne Reden ge⸗ ber ihn halten worden, die insgesammt darthun, daß 1 0 die Notabeln sich bloß mit der Form beschäf— inn ihn tigen sollen, nach welcher künftig die Allge— meinen Stände sich zu versammeln und ihre ten d Berathschlagungen anzustellen haben. Von n lle der Materie, die erörtert werden soll, ge⸗ 1 schieht gar keine Erwähnung. Da ich keine aht. andre Absicht habe, als meine Bemerkungen 155 — wꝛ] AM.. 22.—lM— ˙⁰ u.— 5 8 5 i 356 Finanzzustaud 1% fl „—..* bel über den Finanzplan mitzutheilen welchen a 5. g 1 hält Necker den Ständen vorlegen wird; so werde q 1 4. 1 q er ich durch die Versammlung der Notabeln we— 5 un nig oder gar keinen Anlaß bekommen etwas aufzusetzen, weil diese sich nehmlich bloß mit der Form des künftigen Reichstages beschäfti— gen. Ich will indeß einige allgemeine Be— merkungen hersetzen. Neckers Absicht geht unstreitig dahin, dem we Bürgerstand in die Geschäfte des Reichstags ai einen größern Einfluß zu verschaffen, als er n bei den bisherigen allgemeinen Versammlun— rig gen der Stände gehabt hat. Ehedem, wenn in def ich mich recht erinnere, waren nur zwei Stände fee; in Frankreich: die Geistlichkeit, und der Adel. sage gu Diesen fügte man zwar in den folgenden Zei— n ten den dritten Stand, nehmlich Bürger und ie Landleute, hinzu; allein das Verhältniß, wie laß ann der dritte Stand in Rücksicht auf die beiden mah erstern zur Abfassung eines Reichsschlusses mit— hte wirkte, war dem innern Verhältnisse der 10 Stände gar nicht angemessen. Necker wünscht, fil a nun, bei dem nächsten Reichstage ein richti- hg geres Verhältniß festzusetzen. Dies von den a lat g Notabeln zu erhalten, wird gewiß schwer seyn. 1 6 Der größte Theil von ihnen ist unstreitig aus chig der — 2—— 8. von Frankreich 1788. 3 Aischen der Geistlichkeit und dem Adel; wie schwer S delde hält es aber nicht, daß Jemand— aus rei— In be: ner Liebe zum allgemeinen Besten— sich selbst etwas und seine Vorrechte verläugne, und Andern (h mit Rechte zugestehe deren ste sich bisher nicht zu hästi erfreuen gehabt haben? Necker hat zwar in Im Be⸗ seiner Rede recht gut ausgeführt: daß sich seit dem letztern Reichstage in Absicht auf das in— rden nere Verhältniß das Vermögen der Untertha— Mags nen um sehr vieles geändert hat; daß durch 5 e den großen Zuwachs von metallischem Ver— N Ipnlun mögen eine neue Art von Reichthum entstan— enn den ist; daß die Gläubiger des Staats eine Lände neue bisher unbekannte Klasse von Staats— 1 be bürgern ausmachen, deren Wohl mit dem 2 Wohl des Staats auf eine unsichtbare und 1 110 vormal ganz unbekannte Art zusammenhängt; 95 daß Kaufleute und Fabrikanten itzt einen ganz Jean andern Einfluß auf den Nahrungsstand der al Unterthanen haben als vor zweihundert Jah— 5 ren; und daß die Klasse der freiwilligen Ak— 15 b kersleute alle Achtung von Seiten des Staats 1 verdiene. Damit aber auch weder Geistlich— 9 keit noch Adel glauben mögten, als wenn 15 der Staat nicht ihre Vorzüge kennete und h schätzte; so zeigt Necker im Gegentheil: wie 0 als II. 2 der C ⁵——— ᷑̃ꝗ n:. ̃ ⁰ m... X 338 Finanzzustand sehr der König von den Verdiensten der Geist— lichkeit und des Adels überzeugt, und wie ver— sichert er von ihrem patriotischen Eifer zu Er— haltung der möglich größten Landeswohlfahrt wäre.— Indeß läßt uns alles dies noch keine gegründete Muthmaßung auf die Entschlüsse der Notabeln machen. Ehedem ward der Einfluß auf die Be— rathschlagungen und Entschlüsse des Reichs— tags durch den Besitz von Ländereien haupt— sächlich btstimmt: sodaß derjenige welcher mehr Ländereien besaß, mehr Recht hatte als der welcher wenige Ländereien besaß; und wer gar kein Ländereivermögen hatte, war vom Stimm— recht auf dem Reichstage ausgeschlossen, wenn er auch ein noch so großes anderweitiges Ver— mögen besaß. Dies war eine Folge der ehe— maligen Verfassung der Staaten, wo man fast kein anderes Vermögen kannte als Län— dereivermögen. Man blieb bei diesem Grund— satz, selbst wie sich schon wirkliche Spuren von Geldvermögen zeigten, weil die ersten Besitzer des Geldvermögens Juden und Wechsler wa— ren, die unter dem Bann lagen, und deren Handthierung äußerst verhaßt war. Aber itzt, da die Sachen sich so sehr geändert haben, Leche 90 eie 2 fle 5 10 berst 1 0 scht 5 10 10 ore, elbe U 1 f don von Frankreich 1788. 339 Vicheit, 1 pi bet; da so viel neue Arten von Vermögen und 5 Reichthum entstanden sind die gar nicht zum zu Et: 2— 5 8 5 8 8 cdu Ländereivermögen gehören, da alle d ese Ar⸗ Snohlf Hf— 15 ten von Vermögen zu der Quelle der Staats— Joch bein 5553 5 8 och keite einkünfte gehören, und da es unrecht seyn Aatschlüf, 8„ o. 9 achläst würde, wenn nur die Besitzer der einen Art des Vermögens das Recht haben sollten über b ie Be, allgemeine Landes angelegenheiteu sprechen zu Reichs: können: itzt, sage ich, ist wohl kein Streit, 1 haupt⸗ daß der ehemalige Grundsatz von Bestimmung her meht. des Einflusses auf Reichstagssachen abgeän— als der dert werden müsse. Necker empfiehlt daher ber gar den Notabeln in seiner Rede, auf diesen Punkt 1 Stimm die gehöeige Rücksicht zu nehmen. Wenn ihm en, weng dies gelingt, so hat er ein Großes gewonnen. U ges Ver: Denn, da die öffentlichen Fonds ein wahres 9 der ehe. Vermögen sind, da diese Art von Vermögen o man einen wichtigen Gegenstand in Frankreich aus— als Län⸗ macht, und da dessen Besitzer(wenn Neckers n Grund: Vorschläge genehmigt werden) Zutritt zum uren bn Reichstag erhalten; so kann Necker durch das n Bester eigene Interesse dieser Klasse bon Bürgern oller we versichert seyn, daß'beine Machtsprüche in Ab— und denn ficht auf die öffentlichen Se hulden durchgehen Ae il werden. Sprächen die Ländereibesitzer allein 100 auf dem Reichstag, so könnten diese durch eine Y 2 U————T—T—T—T—T7T—T—T—T—TFT—T—T—T—T—T—F—F—FPPPpc 1 1 1 1 1 11 11 14 10 11 10 10 11 40. 111 1 10 11 1611 100 10 1 9 N Ma 1 0% 0 1 0 340 Einanzzustand vorhergesehene plötzliche Erleichterung in ihren Abgaben verleitet werden, einen allgemeinen Staatsbankerot für vortheilhaft zu halten Und wenn hernach auch daraus das größte, Elend erfolgte, so wäre das Übel geschehen, und alle Hülfsmittel fielen weg. Sobald aber den Ländereibesitzern auf dem Reichstag durch die Besitzer der übrigen Arten von Vermögen das Gleichgewicht gehalten wird; kann das scheinbare Interesse der einen Klasse von Staatsbürgern nicht leicht das wahre Inte— resse der übrigen Klassen überwiegen. Ob nun Neckers Vorschläge den Beifall der Notabeln erhalten werden, kann ich nicht wissen.— Ein Glück für ihn und für die gute Sache wird es seyn, wenn die Notabeln keine deter— minirte Anhänger des physikalischen Systems sind. Die Physiokraten kennen, wie Jeder— mann weiß, kein andres wahres Vermögen als Ländereivermögen. Der Bürgerstand hat mehrentheils in Frankreich Repräsentanten aus den beiden erstern Ständen genommen; und da haben diese Stellvertreter sehr oft das Interesse ih— rer Prinzipalen vernachläßigt: das persönliche Interesse des Repräsentanten hat das Überge— anten 139 Jesorst gen ag er n acer s fung oz Fu Zach 2* Jorge dor NI etmog + Gordo 7 0 N „ * De —— ch anvertraute In⸗ den Notabeln zeigt daß der erste Prä⸗ ident des Parlements, der einer von den Re— und hauptsächlich die Vorrechte Gerichtspersonen durchfechten will. Necker will es daher dahin einleiten, daß dem Bürger stande verwehrt werden soll, einen 15* 1 12 7 5 Reichs gehöret, oder durch seine Verbin gen von diesen ersten Ständen abhängt. Auch dieser Punkt wird manche Schwierigkeiten ver —— 1 2 2 Nori ursachen, weil es wieder auf eine Verläu 7 1 1 2 Nos. men, so erhellet daraus: daß Necker durch die N F 8 Hef„„ N Versammlung der Notabeln eine dreifache A er DBürgerstand einen 5 7 1 4 5 * 0 1 1 8— * — — f. 0 10 4 10 0 11 1 1 34 Finanzzustand nern, Einfluß auf dem Reichstag erhalte, als er bisher gehabt hat. Die zweite Absicht ist: daß bei Bestim— mung des Rechts, wie der Bürgerstand unter sich zu den Schlüssen des Reichstags mitwir— ken soll, nicht bloß und vorzüglich auf die Ländereien gesehen werde die derselbe besitzt; sondern daß man auf alle anderweitige Arten von Vermögen und Reichthum Rücksicht neh— me, die sich in dem Bürgerstand vereinigen. Die dritte Absicht ist: daß der Bürger— stand keine andere Repräsentanten erwähle als aus seinem Mittel, und überdies bloß solche die durch ihre Amts verbindungen we— der von der Geistlichkeit noch von dem Adel abhangen. Die Gährung der Gemüther über diese gewiß wichtige Fragen ist in Frankreich sehr groß; und es erscheinen darüber täglich neue Schriften in Paris, die zum Theil mit vieler Parteilichkeit und großer Bitterkeit aufgesetzt seyn sollen.— Hoffentlich werden wir näch— stens die Schlusse der Notabeln erfahren, und diese werden uns vorläufig schon mit vie— ler Wahrscheinlichkeit belehren, was Frank— 1 gs u hn An en pig gaben eg nahlücg ung penn N e bog Aue Auegag Ele, als Als Heft Oesüm: — id unter i mitwit⸗ auf die Pbestht, u Arten t reh⸗ ligen. Bürger. zurwahle Is bloß nen we⸗ em Mel t diese ach seht ch neue git bieler ir näche sfahten, 1. 2 von Frankreich 1788. 5 reich von der Versammlung seiner Stände zu hoffen oder zu fürchten hat. Den 4 Dezember. 5 In dem gestern angekommenen Altongi— schen Merkur sind zwei Nachrichten, die Nek— kers Finanzverwaltung betreffen, die ich also meiner Absicht gemäß anzeigen und mit eini— gen Bemerkungen begleiten werde. 1) Necker soll bei dem Hofstaat des Kö— nigs und der Königinn eine Ersparung von zehn Millionen Liver jährlich angebracht, ha— ben.— Dies ist an und für sich gut; es ist aber diese Operation wieder weiter nichts als ein Willensentschluß von Neckern, den er aus— führen kann weil er die Macht dazu vom Kö— nig erhält. Ob sie ein wahres Verdienst um den Staat enthält, ist erst dann auszuma— chen: wenn man weiß, daß dadurch keine Aus— gaben wegfallen die die Größe und Würde eines Französischen Monarchen und seiner Ge— mahlinn erfordern; wenn durch diese Erspa— rung ausländische Ausgaben wegfallen; und wenn dadurch nicht etwa eine zahlreiche Men— ge von Unterthauen die bisher von dieser Ausgabe gelebt hatten, plötzlich außer Nah— 11 144% U 1 1 9 0 140 Ai! 11. 9. 6 1 1 It! 000% 9 MA 1400 2 11 1 nn nn inn i * 104 0 a 10 e 8 06 9 In N 1 9 9 1 e A 9 4 3 11 1 1 8 14 1 1 11 1 111 J 1 9 1 J 1 U e 4 1005 10 1 101 1 1 1 1 1 1 ann 0 0 ö N 344 Finauzzustand 2 rung gesezt wird. Die letzte Bedingung ist für einen ächten Staatsmann sehr wichtig. Selbst eine unrichtige Nahrungsquelle, wenn sie nur nicht gegen die ersten Grundgesetze des Staats streitet, muß nicht auf einmal plötz— lich verstopft werden, ehe man nicht den Leu— ten die bisher davor gelebt haben, anderwei— tige Auswege zum Verdienst zeiget. — 1 — 2) Necker soll Hofnung haben, ein Dar— lehn von tausend Millionen Liver zu 3 vom Hundert an jährlichen Zinsen zu erhalten.— Wenn er dieses Darlehn den Notabeln an— zeigt, so muß es wohl wahr seyn; aber da— für wollte ich wohl stehen, daß außer den Zinsen zu 3 vom Hundert andere für die? 1 a 1 leiher vortheilhafte Bedingungen hinzugefügt Wie wollte ein Geldbefitzer, der seyn müssen. reine 6 vom Hundert durch Ankaufung könig— licher Effekten gewinnen kann, sich dazu be— stimmen nur 3 vom Hundert vom König zu 8 ht anderweitige Bortheile tehmen, wenn er nicht anderweitige Vortheile dabei sich ausbedänge! Die Summe ist fer— ner so groß, daß keine einzelne Person, ja selbst keine Privatverbindung von reichen und 1 RR 8: 75 280. wohlhabenden Kapitalisten, sie herbeischaffen aher etwas an der Sache, so „———— e ere.. a 1 a 1 8 kreich 88 345 von Frankreich 1788. 45 5 1 5. it muß wahrlich Jemand einen Plan ausgedacht u a 5. 2 Wg haben, wie ein Institut zu errichten sei, das 21 pen 5—. 3 W durch seine vom Staat begünstigte Geschäfte Gebo) 225 8 a 2 haze beg einen solchen Vortheil erhalten kann, daß es n psoz⸗ den bei den Zinsen zu übernehmenden Ausfall 0 Len; dadurch zu übertragen vermag. Vielleicht ist d rei- es eine Nationalbank, die an die Stelle der Caisse d' Escompte treten, oder auch mit dieser 5 dar⸗ vereinigt werden soll. Vielleicht ist es eine Ig vom ausschließende Handelsgesellschaft. Vielleicht un.— eine Pacht von gewissen königl. Gefällen zu ohn an- sehr vortheilhaften Bedingungen. In allen Leet da- diesen und ähnlichen Fällen, ist es aber of— Dr den senbar das Privatinteresse des Darleihers, 15 Dar⸗ und nicht sein patriotischer Eifer für die Wohl— lil hefiget fahrt des Staats, was ihn antreibt das Geld Ar, den scheinbar zu niedrigen Zinsen zu geben. Wie Ufkonig⸗ viel Ursache hat also nicht ein Finanzminister,. chu be; alle dergleichen sogenannte patriotische und nig zy vortheilhafte Vorschläge sehr genau zu prü— bote fen, ehe er sie annimmt! 5 will nicht ein⸗ vis sel mal davon reden, daß selbst die Verwendung on, j eines so starken K apitals von tausend Mill. zu 110 Abbezahlung von Kapitolien die höhere Zinse fe tragen, viele Schwierigkeiten hat, wodurch es leicht dahin kommen kann, daß die Ope— ——————— . 140400 346 Finanzzustand ö ration, statt Gewinn zu bringen, mit Verlust il 0 abschließt. Jedoch wir wollen erst warten ob die 1. 0 Sache wahr ist, ehe wir uns um die Folgen a 104 und Bedingungen davon bekümmern. 0 0 Den 5 Dezember. i 0 a . Die Lage der Französischen Finanzen hat 03 1 sich seit dem Dezembermonat um nichts ver— e 1 ändert; wenigstens habe ich keinen nur eini— lh 1 ůõů— germaßen merkwürdigen Umstand erfahren, unh 1 der hierauf Bezug hätte. Die laufenden Zin— ne 10 sen, Renten, Gehalte und Pensionen, werden pilz 1 1 vom Tresor ordentlich, obgleich langsam, be— far 0 zahlt, die Rückzahlung der fälligen Kapita— a 0 lien bleibt noch ausgesetzt; und es ist sehr g eee daß Necker die ee e ef 11 . 9 0 f diesen Fuß bis zur Versammlung der Stände ue 1 aufrecht erhalten wird. 100 0 1 N Dagegen ist die Gährung über die Form, ehe .. wie die verschiedenen Stände Frankreichs auf do ö* dem Reichstage zusammen kommen berath— db N. een uu e abe agen auf das ö 0 Aan höchste gestiegen. Meine Absicht ist es zwar 1 1 0 nicht, die Leser mit Bemerkungen hierüber zu 10 1 1 1 N ö 1 unterhalten; damit sie aber doch im Zusam— 1 8 1. I menhange einer so äußerst interessanten Ge— 1— 1 von Frankreich 1788. 347 ul 2 5. 1 schichte bleiben, will ich folgende Punkte ganz hb de f kurz anzeigen. Sehn e 5 8 f 1) Der Bürgerstand verlangt: daß ihm * so viel Stimmen bewilligt werden als der Adel und die Geistlichkeit zusammen haben, und daß bei allgemeinen Berathschlagungen aller n bar Stände die Stimmen einzeln gezählt werden. den, orach der Natur der Sache, heißt dies sehr i ini: wenig gefordert. Denn wenn bei Regulirung 2 en, von Geldsummen und von Auflagen das Ver— in n. mögen der Stimmenden den Ausschlag geben ntden soll, so überwiegt das Vermögen des Bürger— e, be⸗ standes bei weitem das Vermögen der beiden bpita- andern Stände. Wenn hingegen bei dem d seht Reichstag die Form angenommen wird, daß 10 auf eigentlich nur drei Stimmen gezählt werden: vinde nehmlich die Stimmen des Adels, der Geist— lichkeit, und des Bürgerstandes; so wird der g orm, letztere in Frankreich wahrscheinlich eben so 126 auf wenig Einfluß auf die Reichsschlüsse haben, Mat, als das Kollegium der Reichsstädte in Re— hug gensburg auf die Abfassung der Deutschen hun Reichstagsschlüsse hat. Auch scheint es gegen 10 f den simpeln Menschenverstand zu seyn, daß hun die Geistlichkeit, die sich eigentlich bloß mit be geistlichen und religiösen Sachen zu beschäfti— — d.. w»!— K ⅛—nüö8— 0 5 Me l nne 1 10 0 4 0 10 ee 100 9 10 5 1000 100 1 0 e 1 1 1 Anne 10 10 1 10 1 0 M ne 1000 Mu e 1090 145 1 60 1 150 ne 00 ant 348 Finanzzustand gen hat, einen so großen Einfluß auf die Be— stimmung zeitlicher und irdischer Gegenstän— de, besonders der Geldangelegenheiten eines Staats, haben soll, als ihr nach der bishe— rigen Konstitution Frankreichs zukömmt. Es fällt noch mehr auf, daß der Französischen Geistlichkeit ein solches überwiegendes Vor⸗ recht eingeräumt werden soll, wenn man be— denkt daß die Geistlichen dort in Absicht ih— res Vermögens, und besonders ihres Lände reivermögens, nicht Proprietäre sind, sondern bloß die Rolle eines Intendanten, eines Ver— walters, eines Wirthschaftinspektors spielen.— Allein die bisherige Verfassung in Frankreich ist ganz gegen die Forderungen des Bürger— standes. 2) Die Prinzen vom Geblut(mit Aus— schluß von Monsieur und von dem Herzog von Orleans) haben ganz öffentlich die Par— tei des Adels und der Geistlichkeit gegen den Bürgerstand genommen. Sie erklären die For— derungen des Bürgerstandes für höchst gefähk— lich, und weißagen dem König aus ihrer Be— willigung den Untergang der Monarchie. In— deß erklären sie sich in Absicht des gemein— *— 0 schaftlichen Beitrags zu den öffentlichen Abga— gan lat nel Nac In In— teich elgel⸗ in lus⸗ imczog par⸗ 4 den p Hor; F fäht⸗ Be von Frankreich 1788. 349 ben sehr bereitwillig; und setzen nur hinzu: daß sie sowohl, als der ganze Adel und die Geistlichkeit, aus Sroßmuth und Gnade sich ihrer Vorrechte in Absicht der öffentlichen Ab— gaben begeben, und den bisher obwaltenden rechtmäßigen Beschwerden des Bürgerstandes abhelfen wollen. 3) Die Paits von Frankreich haben sich gegen die Forderungen des Bürgerstandes er— klärt, finden es aber doch billig daß die all— gemeinen Lasten von allen Ständen des Reichs ohne Ausnahme getragen werden. 4) Das Parlement von Paris ist gegen die Forderungen des Bürgerstandes, will aber die ganze bisherige Verfassung Frankreichs umwerfen, und dagegen eine neue einführen Es verlangt eine bestimmte periodische Zusam— menberufung der Stände; es verlangt das ausschließende Recht der Stände, den Gläu— bigern des Staats das Einkommen von be⸗ stimmten Abgaben zu verpfänden; es verlangt die Verbindlichkeit der Stände gegen das Volk, keine in Absicht der Größe und der Dauer unbestimmte Subsidien zu bewilligen; es verlangt die Aufhebung aller Abgaben die nur Einen Stand des Reichs betreffen, und ——ñ—— ———— — . —— 530 Finanzzustand dagegen die Einführung solcher Abgaben die auf alle Stände ohne Ausnahme vertheilt sind; es verlangt das Recht für die Stände, dem Könige die Fonds zu jedem Departement zu bewilligen und anzuweisen; es verlangt, daß die Minister der versammelten Nation Rechenschaft von ihrer Verwaltung ablegen sollen, und daß das bon des Königs allein die Minister nicht fernerhin sthütze; es ver— langt das Recht für die Stände, daß sie je— dermann in Staatssachen bei den Parlemen— ten anklagen können, ohne die sonst gewöhn— lichen Formalitäten zu beobachten; es ver— d langt das Recht für die Parlemente, daß sie kein Gesetz registriren dürfen welches nicht von der ganzen Nation beschlossen ist; es verlangt die persönliche Freiheit der Bürger(gegen die Lettres de Cachet), daß sie nach erfolgter Vet— haftnehmung sogleich an ihre gewöhnlichen Richter abgeliefert werden; es verlangt end— lich eine allgemeine Preßfreiheit.— Hiegegen ließe sich nun von Seiten der Philosophie nicht viel einwenden. Was bleibt aber in dem Fall daß diese Forderungen durchgehen, der König von Frankreich? und wie viel wird nicht dadurch von den bisher ohne alle ant 9——— 8 3 von Frankreich 1738. 351 Hun he Widerrede ausgeübten Vorrechten des Königs Thi vernichtet? Wläre, 5) Die Notabeln haben insgesammt für Cienen die alte Form des Reichstags, folglich gegen Sela, die Forderungen das Bürgerstandes, gestimmt; Mation das einzige Büreau ausgenommen, dessen Wlegen Präsident Monsieur war. Anilin Bei dieser Stimmung der Gemüther, läßt A ber⸗ sich in Frankreich von der bevorstehenden Ver— e ser sammlung der Stände nichts Gutes und Heil⸗ T men, sames voraussehen. Zwar kommen alle Par— Awöhn⸗ 0 teien darin überein, daß die bisher üblichen ber. so verhaßten Vorrechte des Adels und der Haß se 5 Geistlichkeit aufzuheben, und daß die Taxen it bon auf alle Einwohner des Staats, ohne Aus— Wangt nahme und ohne Rücksicht auf den Stand zu de welchem sie gehören, zu vertheilen sind. Al⸗ I Bet lein ich fürchte, daß man bei der bevorstehen— ihn den Versammlung der Stände die zerrütteten De Finanzen, die doch den Hauptgegenstand der * Berathschlagungen ausmachen sollen, ganz be vergessen, und dagegen über eine neue verbes— . 1 serte Konstitution des Reichs streiten wird. in, Freilich, wenn sich dieser Streit mit einem 0 allgemeinen Einverständniß aller dabei interes— sirenden Parteien endigte; so wären auch die ——„ ˙·¹i ¹¹¹Ji A i.. 1 0 ö 1 ne I 11 I 0 4 9 1 14 1 9 111 110 10 n 0 10 11 11 1 100 N 1 1 1000 10 1 1 1 177 10 100 10 1 115 1 1 1 1 1 332 Finanzzustand Finanzen in Ordnung gebracht. Wenn man aber die Erfahrung aller Zeiten und Völker zu Rathe zieht, und wenn man besonders den Geist der Französischen Nation erwägt; sollte— man dann nicht Hundert ja Tausend gegen Eins wetten, daß dieser Reichstagsstreit eine Quelle von weit größern Verwirrungen seyn, wird, als bis itzt in Frankreich Statt gefun— den haben? Schade um Neckern, und seine gewiß gut ausgearbeitete Finanzverbesserung! Er hat nunmehr schon das Fehlgehn zwei seiner Ma— schinen erfahren: erstlich in Absicht des Par— lements, hernach in Absicht der Notabeln. Muß er ein ähnliches Fehlschlagen noch zum drittenmal mit dem Reichstag erleben; so wird seine itzige Administration freilich nicht glän— zend seyn. Den 1 Jänner 178g. —— 5 Der König von Frankreich hat durch den Schluß des Staatsraths vom 27 Dezember in Absicht auf die Form des Reichstags) fol⸗ * gendes entschieden: 1 ») Daß hier, so wie auch schon in den vorigen Ab schnitten, Reichstag statt: Versammlung der 755 88 3877 von Frankreich 1788. 335 1 1) Die Zahl aller Deputirten zum Reichs— U u fe 2 d se 3 tag soll wenigstens tausend seyn; Jorg d 7 detz den„ 8 79 5 s 1 2) Die Zahl der Deputirten von jeder ein— 20 b 2 2 ö zelnen Amtmannschaft wird durch deren Be— 0 Jeg völkerung und Vermögen bestimmt; eit 5 11 N: 1 n 8 3) In Absicht der drei verschiedenen Stän— en seyn 9 gefun de ist festgesezt, daß immer zwei Deputirte aus dem Bürgerstande gegen einen aus dem Adel und einen aus der Geistlichkeit kommen. ß got Necker hat also im Staatsrath die Ober— leer het hand behalten. Die von ihm den Notabeln ar M. zur Entscheidung vorgelegten Fragen sind nicht bes Da- nach dem Gutachten des großen Theils der ꝓitabelg. 7 7 Notabeln, sondern nach seiner Meinung, ent— nach zun schieden worden.— Dieser Streit über die 0 wird Form des Reichstags ist eigentlich nicht der glan⸗ Gegenstand über den ich meine Bemerkungen anstelle; und ich will daher nur einige allge— meine Betrachtungen darüber mittheilen. Mich dünkt, daß Necker bei dem von ihm Inc ben erwählten Gang ganz aus der Sphäre eines Zuber in Finanzministers getreten ist. Die Aufgabe ) filz welche er aufzulösen hatte, war: das Defizit 1—— ö —— Allgemeinen Stände, der Kürze wegen, gesagt ist: a l. wird hoffentlich Niemaaden anstößig seyn. n 1 ih ber II 3 K————. K ̃. ̃§³ d ̃. ³˙.—— — ä——— — — 35⁴ Finanzzustand in den königl. Finanzen durch kluge und zweck— mäßige Anordnung zu decken. Man kann aus verschiednen Datis schließen, daß er dies da— durch leisten will, daß Adel und Gesstlichkeit, die bisher steuerfrei waren, mit zur Steuer gezogen werden. Sobald er also berechnet hatte, daß die von dem Adel und der Geist— lichkeit zu erhebenden Steuren das bisherige Defizit deckten; und, sobald er den Adel und die Geistlichkeit vermocht hatte sich dieser Steuer zu unterwerfen: sobald hatte er seine Aufgabe aufgelöset. Nun haben sich der Adel sowohl als die Geistlichkeit ganz bereitwillig erklärt, ihren Vorrechten in Absicht der allge— meinen Auflagen zu entsagen, und die allge— meine Last gemeinschaftlich zu tragen. Hatte Necker also, als Finanzminister, nicht seine Absicht erreicht? Warum mischt er dann nun eine ganz andere Frage in seine Auflösung? warum veranlaßt er eine, nach obiger Erklä— rung der beiden ersten Stände ganz unnöthi— ge, und im Ganzen gewiß nachtheilige, Spal— tung unter den verschiedenen Ständen des Reichs? warum will er erst den Adel und die Geistlichkeit durch das Übergewicht der Stim— men des Bürgerstandes zu einem Entschluß ahn de deere Jen 190 vu fach n Arn f bas tags z dukt gn kann dem 4 Nag date feht 0 sheng — 2„ 5 2 0 bon Frankreich 1788. 355 tun ppek bringen, den sie schon vorher freiwillig gefaßt n kann gut hatten?— Ich tadle die Grundsätze nicht, er dies da: welche Necker in seinem Bericht an den K önig 8 77 F 10 jelmehr ohne le Wid W esttihtel, vorträgt; ich gebe vielmehr ohne alle Wider— Rur Ckeur rede zu, daß die von ihm vorgeschlagene Form g es Reichstages besse st als die bisherige berechnet des Reichstages besser if herige. er Geist⸗ 0 bisherige Wenn er aber nicht beweiset, daß diese von ihm vorgeschlagene und von dem Könige nun— mehr genehmigte Form nothwendig erwähl Adel und ch dee werden mußte, um das Defizit der Finanzen ee zu deckenz so kann er dem Vorwurfe nicht ent— ge er seine 10 der Mel gehn, in die Auflösung seiner Aufgabe etwas 11 Fremdes und Übetflüssiges gebracht zu haben. F ekelttoillig 10 41 Jener Beweis wird ihm aber schwer werden, der allge⸗„5. 10 0 da Adel und Geistlichkeit das Wesentliche schon die allge⸗ t 5 zugestanden hatten. l. Hatte 8 3 1 11 0 2) Wenn Necker schon vorher entschlos— icht seine 4 2 55 1 sen war, diese itzt festgesetzte Form des Reichs— dann nun 5 5 8 5 8 tages zu bestimmen: so mußte er, meinem Be— luflosung? dan 8 s 5 e dünken nach, die Notabeln nicht zusammen r bil kommen lassen; oder er hätte dann vorher von 0. dem Beitritt derselben zu seiner Meinung über— 14 Erl zeugt seyn müssen. Denn itzt halten sich die duden d Notabeln für verachtet; und, wenn sie nun— f un d mehr als Deputirte auf dem Reichstage er— an Ein scheinen, so bringen sie bösen Willen oder doch uucaß 3 2 TT.! ͤn¾ñ⁊§Xẽeñ̃ꝗ⁵=... ̃]—.... K——ͤ—kꝛ* . ———⁵ů ½:a — ——-b¼ 1 5 11 61 0 0 i 1. 11 10 I 1 1* 10 1 1 1 4 J. 1 1 1 Man 0 14 e e 3356 Cinanzzustand eine gewisse Abneigung mit: Gemüthsstim— mungen, wodurch große Hindernisse bei Ab— fassung gemeinnütziger Reichsschlüsse in den 7 Weg gelegt werden. 2 3 e daß Necker eine neue Form des Reichstages erwählen wollte, so nußte er den König dahin bringen, diese Form sogleich vollständig anzubefehlen. Ich finde aber, daß in dem angezeigten Schluß des Staatsraths zwei wesentliche Punkte der Nek— kerschen Form unentschieden geblieben sind. Einmal ist nicht befohlen: daß die Deputirten jedes Standes aus dessen Mitte seyn müssen; folglich ist es dem Bürgerstande noch erlaubt, Deputirte zu erwählen die für ihre Person zum Adel oder zur Geistlichkeit gehören, oder doch mihren persönlichen Verhältnissen und Amts— verrichtungen ganz von diesen beiden Ständen abhangen. Zweitens ist nicht bestimmt: da hang 2 6 = bei Zusammentretung der Stände die einzel— nen Stimmen der Deputirten gezählt werden sollen; vielmehr wird angezeigt, daß erst auf dem Reichstage die große Frage entschieden werden- soll: ob, bei einer allgemeinen Zusam— mentretung des ganzen Reichstages, nach den Ständen, oder nach den einzelnen Stimmen —.—— von Frankreich 1788. 7 (viritim), beschlossen werden soll? Gesetzt nun, es wird auf dem Reichstage festgesetzt nach Ständen zu votiren; so hat der Adel eine Stimme, die Geistlichkeit eine, und der Ahe Mylte, fo 15 Bürgerstand eine. Was hilft es dann in die— e Form 0 finde 9 h des Mur Re, ilda sind. sem Falle, daß die Deputirten des Bürger— d standes der Zahl nach den Deputirten der bei— S en ersten Stände zusammengenommen, gleich sind; wenn sie gegen die verbündeten beiden 1 ersten Stände doch immer die Minorität ha— 7 ben müssen? Alputirten 4) Geht Neckers ganzer Plan, so viel ie man von demselben bis itzt theils weiß theils 1 1 2 8 5 5 5 5 m erlaab, muthmaßen kann, durch; so wird die bisheri— enen ge Konstitution des Französischen Reichs we— E ib er doch sentlich geändert. Die neue Konstitution kann 1 Ants⸗ allerdings schön und vortreflich seyn, aber tänden welche Gährung wird nicht im Reiche obwal— pet: daß ten, ehe sie zu Stande kömmt? Ist es wohl ee einzel der Klugheit gemäß, diese Erschütterung zu 5 wehen einer Zeit zu veranlassen da die d in anf au Verwirrung sind? Necker setzt den Staat und tchieden seinen König in den Fall, daß keine Hülfe . gusan für die Finanzen eher Statt findet, als Wa bis die große Frage wegen der Konstitution 5 önnen entschieden ist. Und wenn nun über die Ent— .. ̃⁵LUFN—————————————— 0 0 1 — 358 Finanzzustand sch bürgerlicher Krieg und Aufruhr ausbrechen; eidung dieser Frage innerliche Unruhen, wie wird es dann wohl mit den armen Fi⸗ nanzen aussehen?— Ich wünsche Neckern zum voraus viel Glück, wenn ihm alles gelingt, aber immer werde ich behaupten: daß er ein sehr gewagtes Spiel unternommen hat, und welches sehr leicht zum gänzlichen Ruin Frank⸗ reichs hätte ausschlagen können 5) Bedenkt man überdies, daß ganz Eu— ropa sich anitzt in einer außerordentlichen Gährung befindet, wo also die Klugheit je— dem Regenten und Staatsmann wohl anräth, Ruhe im Hause zu haben, um bei den andern Mächten einiges Gewicht zu behalten; was soll man dann zu der Staatskunst sagen, die gerade itzt Frankreich vielleicht in die Lage bringen wird, daß es sich von seinen äußern Nebenbuhlern und Feinden alles muß gefallen lassen? Kann man glauben, daß auswärtige Mächte das im Innern des Landes selbst er— regte Feuer nicht unterhalten und vermehren werden?— Doch, diese Betrachtungen liegen außer meiner Sphäre. 6) Ich mache nicht gern Anmerkungen die bloß die Person und derselben Charakter a.— von Frankreich 1788. 330 hein, betreffen, wenn von Geschäften die Rede ist. Neobutn; Aber wer kann sich enthalten, eine Aumer— mn di kung über Neckern zu machen, wenn man das i Necker Ende seines Berichts an den König lies't; wor— in er demselben auf den Fall, daß der von ihm vorgeschlagene Plan nicht ausgeführt wer— j er ein pit, und den könnte, keinen andern Rath zu geben ank weiß, als:— daß der König seinen Minister, 5 a 1 1 der ihm diesen Plan entworfen hat, verab— 10 Ku: schiede l N 2— 2 ntlichen Uhr, deren 1„5j e 0 1 05 hr, deren innere Zusammensetzung ganz zer— Kajus hat zur Wiederherstellung seiner mit rüttet ist, schon drei bis vier Uhrmacher ge— unkdth, N braucht; die aber, statt den Fehlern abzuhel— fen, das Werk noch mehr verdarben. Er nimmt daher itzt seine Zuflucht zu dem be— lage rühmtesten Uhrmacher seines Orts, Titius. Me Tag a g . Dieser sieht die zerrüttete Uhr an, und sagt 19 außern 5 7 fallen zu Kajus: Deine Uhr hat zwar wesentliche 7 90 alle 2 4 Mängel und Gebrechen; meiner Kunst und swätige 3 a 5 Wissenschaft aber wird es nicht schwer fallen, 1j sel t er. i 8. f die Maschine wieder herzustellen und in Gang Fuemehcen a„. 2 u bringen. Kajus giebt hierauf dem Titius 8 den Auftrag zur Ausbesserung der Uhr, und verlangt von ihm den Plan und di zu wissen, wie er dabei zu Werke gehen will. — vv—* 8—.——„A* 360 Finanzzustand Titius überreicht seinen Plan, und setzt am Ende folgendes hinzu:»Wenn nun alles das was ich vorschlage, nicht helfen will um die Uhr in Gang zu bringen; so weiß ich dir, mein Kajus, keinen andern Rath zu ge— ben, als daß du mich eben so wie die bishe— rigen Uhrmacher verabschiedest, und dich nach einem andern umsiehst.«— Was würde man wohl im gemeinen Leben von diesem Uhrma— cher, der sich anfänglich mit seiner Kunst so sehr erhob, sagen? Für die itzige Interims verwaltung hat Necker indeß einen reellen Vortheil durch die Roß 1. 17 Bekanntmachung des angezeigten Schlusses taatsraths erhalten. 1 12 0 Die Kaufleute aus Nantes haben ihm Darlehn von sieben Millionen Liver an— ein geboten; und in der letzten Versammlung der Theilhaber an der Caisse d'Escompte ist ein— müthig beschlossen worden, dem Staat auf 15 Monate funfundzwan nzig Millionen Liver gegen Fünf vom Hundert an jährlichen Zin— sen vorzuschießen. Diese beiden Summen 7 werden wahrscheinlich hinreichen, um alle — F n von Frankreich 1788. 361 ran aufende Ausgaben bis zum festgesetzten neuen dllos ö Alles,.;. 5 L. ö Finanzplan zu bestreiten. . un 9 1* Bei der Caisse d'Escompte bemerke ich 616 ib ih g— ke i. 22 8 1 jedoch: daß Necker die widersinnige Befug— 1 Dan ge:* 8 die Min 8 a niß, die das vorige Ministerium am 19 Au— 9 bighe— N— 7 gust vor. J. dieser Anstalt ertheilt hatte: e nac 5 e e 85 99 65 ihre Billete mit Effekten zu realisiren(man s. S. 276), bis zu Ende des Junius des e ma⸗. 5 1—— N f ictlaufenden Jahres, oder(wie Andere schrei— 797 5 it so en 5; Fer ö ben) bis nach geendigter Versammlung der Stände, verlängert hat. Dies läßt mich ver— muthen: daß das beschloßne Darlehn von 15 Mill. bloß in Billeten bestehen wird; daß „ 1 4 22— n— Ii hat man, vermöge dieser großen Menge neuer in 7* 5 1 729 4.. 4 2 ch die Uml uf gebrachter Billete, einen sehr starken J lusses zum Realisiren vermuthet; und daß Bilanz von Frankreich keinen hin— I ihm länglichen Ankauf von metallischem Vermö— 2 t an⸗ gen verstattet, um die Nachfrage der Billet— mug det inhaber zu befriedigen. Dies sind aber gewiß git en- Umstände, die einem Finanzminister manche D at auf 1 unruhige Stunde verursachen können 0 Den 25 Jänner 1789. Jen Zi. —— gumnen N ale 5 ————ů— 3 e — ——— — — 3 5 362 Finanzzustand Wir haben gesehen, daß die von Neckern angegebenen Grundsätze in Absicht der Form des Reichstages eine ganz neue Ronstitution des Französischen Staats vermuthen ließen; und wir besorgten, daß dadurch leicht inner⸗ liche Unruhen veranlaßt werden könnten. Die— ses ist leider eingetroffen: in Bretagne sind sogar blutige Auftritte erfolgt). Der König von Frankreich hat bei dieser Gelegenheit den sanftesten Ton angenommen; und es scheint, daß Necker das System f. alles durch gütliches Zureden, durch ge de Zurecht— B weisung und durch zweckmäßige Belehrung 1B1e abzumachen. Die Zeit muß zeigen, wie ihm dies gelingen wird Über die Art wie die Stimmen auf dem Reichstag gezählt werden sollen, sind ebenfalls mancherlei Unruhen entstanden; einige Pro— vinzialversammlungen haben geradezu entschie— den: daß bei einer allgemeinen Zusammentre— tung des ganzen Reichstags nach den Stän— den, und nicht nach den einzelnen Stimmen, beschlossen werden soll.— Ich wiederhohle hiebei die im vorigen Monate(S. 356) schon 2 — 8——„— 2—— 0 2 50 von Frankreich 1789. 363 ecke (Cern 2 8—. 5 5 3 aufgeworfene Frage: Wäre es nicht besser ge⸗ Fam 2 5 8 2 8 . wesen, wenn der König sogleich bestimmt hätte e tee— 5 , wie in diesem Falle votiret werden sollte? 3 10 Jedoch, diese Gegenstände betreffen nicht . eigentlich die Neckersche Finanzverwaltung, 1 5 über welche ich meine Anmer kungen mittheilen e will. In Absicht auf die Finanzen, habe ich 15 seit vorigem Monate weiter nichts als fol— en gende Punkte in Erfahrung gebracht. a 1) Die Französischen Fonds sind im Kauf— 60 ales werthe beinahe um zehn Prozent gestiegen. lech, Noch ist aber der Zinsfuß, zu welchem sie ge⸗ hung kauft und verkauft werden, über Fünf vom de ihn Hundert(man s. S. 324). 2) Mecker soll beträchtliche Spekulationen W ben in Absicht der öffentlichen Fond s gemacht, und fals dadurch für den Staat anderthalb Millionen din Pro⸗ Liver gewonnen haben.— Diese Operation ische ist mir unverständlich. Entweder hat Necker 100 ente: in der That öffentliche Fonds gekauft, oder cet. nur nach Art der Aktienspieler gespielt. Im nen, ersten. kann man billig feagen: woher 2 ichohle Necker das Geld zu diesem Ankauf erhalten Schon hat? 9 5 er Geld, um es in Effekten an— — legen zu können; so hätte er wohl vorzüglich — 1 die dem Staat zur Last fallenden fälligen Ka— —— 1 5 r—— ö—᷑̃v ů̃̃̃. ̃1.¹...⁰...... 64 Finanzzustand 53 2 pitalien abstoßen müssen. Da er dies nicht gethan hat, so wäre diese Operation höchst nachtheilig für Neckers Charakter. Der Fall wäre alsdann dieser. Er hätte Kapitalien zu bezahlen gehabt, wozu auch das Geld vorrä— thig gewesen wäre; hätte aber die Bezahlung verweigert, und dadurch die öffentlichen Pa— piere unter ihren wahren Werth herunterge— bracht. Und nunmehr hätte er unter der Hand diese Papiere unter ihrem Werth auf— gekauft, die Gläubiger des Staats um ihr Eigenthum gebracht, und daraus einen Ge— winn für den Staat gemacht. Dergleichen Wucherstreich läßt sich im itzigen Jahrhundert von keinem rechtschaffenen Staatsminister den— ken; und Necker kennt die wahren Begriffe vom Kredit zu gut, als daß er nicht einsehen sollte, wie er dem öffentlichen Kredit Frank— reichs durch eine solche Operation einen neuen tödtlichen Stoß versetzen würde. Man ver— stehe mich recht. Ich tadle es nicht in allen Fällen, wenn ein Finanzminister mit Geld in der Hand öffentliche Schulden unter ihrem Zahlwerth zum Vortheil des Staats aufkauft; nur, wenn er diese Operation zu der Zeit vor— nimmt, wo er selbst durch einen Machtspruch ———— Frankreich 1 789. 8 —— 7 von icht die Rückzahlung fälliger Kapitalien verweigert, sd erniedrigt er sich bis zu der Rolle eines 5* kr dil elenden Wucherers. D ien f 5. 10 5 D bor Also wird Necker vermuthlich gespielt ha— dora, i N ben; das heißt: er wird eine große Menge lung 8 bn von öffentlichen Effekten verkauft oder ge— Mn L 8 8 kauft haben, um sie an einem bestimmten 30 felge⸗ 2 2 5 15 Tage im ersten Fall abzuliefern, und im zwei⸗ au der; 4 ten anzunehmen; und wenn dann am Ablie— 171. auf⸗ 2 3 7 1 ferungs- oder Empfangstermin sich der Preis iht der Effekten in jenem Falle zum Vortheil des . Verkäufers vermindert, und in diesem Falle 5 zum Vortheil des Käufers erhöhet hat, so ie, wird er den zu seinem Vortheil Statt finden— , den Unterschied der Preise, auf Kosten derer se die mit ihm diese Art von Spiel eingegangen Asehen waren, eingezogen und damit den Tresor be— * reichert haben. Aber auch dies ist von Neckern Pan nicht wahrscheinlich; im Gegentheil ist ja die— Ane es Spiel in Frankreich verboten, und Necker 10 alen selbst hat dies Verbot während seiner itzigen 1e i f Administration erneuert(S. 326). ihren 2 Ich zweifle also an dieser ganzen vorge⸗ 1650 gebenen Spekulation auf öffentliche Fonds; 0 —— —— . 0 366 Finanzzustand und so fiele dieser Gewinn von anderthalb Millionen Liver auch weg. Den 11 März. Die seit dem vorigen Monat aus Frank- reich eingegangenen, mir bekannt gewordenen, Nachrichten thun keines Umstandes Erwäh— nung, der auf die Finanzen oder auf die Neckersche Verwaltung derselben einen wesent— lichen Einfluß hätte. Alles ist voller Erwar— tung, wie die allgemeine Versammlung der Stände ablaufen wird; und jeder der dabei als Mitglied erscheinen soll, bereitet sich vor, eine gewisse Rolle zu spielen, und sein und oi 8 7 oo 2 seiner Wählenden Interesse auf das Beste zu besorgen. Daß diese Versammlung etwas tu— multudrisch seyn wird, ist ziemlich gewiß vor— auszusehn; ob man aber am Ende sich doch vereinigen, und einen für die zerrütteten Fi⸗ nanzen heilsamen Entschluß fassen wird: dar— über läßt sich itzt noch nichts Gewisses sagen. 765 In den Zeitungen steht zwar, daß der Reichstag folgende drei Punkte bestimmen wird: 1) daß die bisher gemachten Schulden Natio— nalschulden des Staats werden sollen; 2) daß Hyth r. dthalb 10 Crank: i denen, darwah⸗ . die ahesenk⸗ Multwar⸗ ng der dabei 190 bol, Ain und 1 dal 155 sagen. b der r wind S Nulo⸗ ———— r 28 von Frankreich 1789. 367 die Abgaben gleichförmig vertheilt werden, so— daß kein Stand und keine Person von der gemeinschaftlichen Last befreiet seyn soll; 3) daß die individuelle Freiheit eines jeden Bür— gers und Unterthanen in Frankreich nach rich— tigen Grundsätzen festgestellt werden soll. Werden diese Schlüsse gefaßt, so hat frei— lich Necker ein gutes Spiel, indem er als— dann weiter nichts thun darf, als: 1) aus dem gesammten Vermögen des Französischen Reichs zu beweisen, daß die bisher gemachten Schulden übernommen werden können; 2) die Mittel anzuzeigen, deren er sich bedienen will, um den zur Bezahlung der Zinsen und zur Tilgung der Staatsschulden erforderlichen Theil des Staatsvermögens in den königli— chen Tresor zu bringen. Allein, nach dem was bis itzt auf meh— rern Provinzialversammlungeßß vorgefallen ist, und nach der itzt Statt findenden allgemeinen Gährung unter allen Ständen Frankreichs zu urtheilen, dürften wohl diese heilsamen Schlüsse nicht so einstimmig abgefaßt werden.— Je— doch, wir wollen warten, bis der Reichstag eröfnet ist; und sobald Neckers Plan in Ab— sicht auf die Finanzen bekannt wird, werde .—-— m,. rr 280 inan? 17 308 inanzzustand 2 7 2 85— 5 7 ich meine Bemerkungen darüber den Lesern mittheilen. Necker hat übrigens vor einiger Zeit die Erklärung gegeben, daß er»nur so lange das »Ruder führen wolle als der Sturm fortdaute, „und sogleich abtreten werde wann der Sturm »sich gelegt habe« Den Zeitungen zufolge, soll die Königinn sich hierauf gegen ihn ge— äußert haben:»Bei dieser Bedingung, werde »Frankreich Neckers Dienste nicht verlieren, 2 »weil der Sturm wohl ewig fortdauren dürf— »„te.«— Ich weiß nicht, ob dies ein Kom— pliment oder eine Satire auf Neckern seyn soll. Den 14 April. * Der Reichstag ist nunmehr den 5 Mai in Frankreich eröfnet. Der König hat dies vermittelst einer Rede gethan, die er an die Versammelten Stände hielt. Auf diese Rede des Königs folgte eine Rede des Großstegel— bewahrers; und den Beschluß der ersten Siz— zung machte eine Rede des Generalfinanzdi— rektors Necker. 2. Von diesen drei Reden ist uns bis heut nur die erste bekannt geworden. Von der zweiten — r— 9 von Frankreich 1789. 309 ben zweiten wissen wir itzt noch nichts; und von 5 5 N es; der Neckerschen, die uns nach unsrer Absicht e eigentlich interessiren würde, wissen wir zu unge du wenig, um darüber schon ein Urtheil zu fällen Waurdaur, Den 20 Mai. n Sturm. Wrufalge, 5 n ge⸗ Ich habe nunmehr den Anfang der Nek— ug werde kerschen Rede erhalten, und will daher, mei— Wlieren, nem Versprechen zufolge, einige Bemerkungen hn dülf. mittheilen, die ich beim Lesen dieses Anfanges 9 n Kom⸗ gemacht habe. Über das Ganze kann ich noch nicht urtheilen, weil ich es noch nicht kenne; und über den eigentlichen Gegenstand womit sich Necker beschäftigt, nehmlich über die Wie— derherstellung der Ordnung in den Französi— schen Finanzen, werde ich diesmal nur wenig oder nichts sagen können, weil es unbillig seyn Ila die n de würde, einen weitläuftigen sehr verwickelten Plan beurtheilen zu wollen, von welchem man 1 noch nicht alle Theile übersieht. Meine Be— trachtungen werden sich also itzt hauptsächlich 4 8 auf den Eingang beziehen, den Necker der ane * elgentlichen Abhandlung vorzusetzen für gut 1 gefunden hat. .»Dieser Eingang enthält dreierlei Necker 5 5 II. A a nen rr.——ů———— ¶ Q 3 Finanzz d 370 Finanzzustand redet zuerst von sich selbst; er schildert zwei— tens die Größe und Würde der Französischen Nation; und fügt drittens eine Warnung an die versammelten Stände hinzu, sich nicht durch die Größe der Nation auf den irrigen Wahn bringen zu lassen, als wenn der Ge— genstand den sie bearbeiten sollen, eine sehr leichte Sache wäre. 1) Die erste Periode der Neckerschen Rede beschäftigt sich also ganz mit dem Ich des Mannes selbst.»Er fühlt eine Aufwallung »ᷣon Furcht, und ein gerechtes Mißtrauen in vseine Kräfte. Er hoft indeß Nachsicht zu er— »halten, und wenigstens einiges Theilnehmen »der erlauchten Versammlung dadurch zu ver— »dienen, daß er unbescholtene Absichten hat. „Auch findet er sich allenfalls selbst durch den »wichtigen Zeitpunkt in welchem er redet, und durch den erhabenen Gegenstand den er be— „handelt, beruhigt und gestärkt; denn, da »dieser Gegenstand alle seine Gedanken auf »sich zieht, und sich seines ganzen Ichs be— »meistert, wie könnte er wohl Zeit haben an »sich selbst zu denken, wie könnte er wohl »dazu kommen, zu untersuchen, ob seine Nat wei fischen 5 8 Tung 0 A sich nich n irrigen der Ge Mane seht Hen Rede 0 ch des wallung Arauen in iht zu er 2 ilnehmen zu ben IIten hal urch den 13 kt, und (det bes S nn, da 2 ken auf Ichs be Tzaben al per posl ae o fen 1*— von Frankreich 1789. 371 . Kräfte auch dem Auftrage den er übernom— „men hat, angemessen sind? Ich hätte gewünscht, daß Necker seine Rede an die versammelten Stände Frankreichs nicht damit angefangen hätte von sich selbst zu reden. Er spricht ja nicht in seinem Na— men, sondern im Namen des Königs. Er spricht nicht für seine Person, sondern als Generalfinanzdirektor. Er spricht über einen Gegenstand, der nicht ihn und seine Person, sondern die ganze Nation angehet. In allen diesen Rücksichten ist seine Person eine so un— bedeutende Kleinigkeit, oder muß doch wenig— stens als solche vorgestellt werden; daß es mir ganz unschicklich scheint, eine so wichtige Rede als itzt gehalten werden soll, mit der Schilde— rung und mit Betrachtungen einer wahren Kleinigkeit anzufangen. Der König— und Necker; der Französische Finanzminister— und Necker; das wesentliche Interesse einer ganzen Nation— und Necker: was für ein Abstand! Necker fühlt und sagt es auch selbst, daß ihm weder der wichtige Zeitpunkt in dem er redet, noch der erhabne Gegenstand den er behan— delt, erlauben an sich selbst und seine werthe Person zu denken; und doch ist er von diesem A a 2 DDD————————————————————————— Finanzzustand seinen Ich so voll, daß er der erlauchten Ver⸗ sammlung zuerst und vor allen Dingen die Empfindungen bekannt macht, die er, als Necker, in seinem Innern fühlet. Denn das ist doch wohl ausgemacht, daß weder der Kö⸗ nig als König, noch der Finanzminister als Finanzminister, eine Aufwallung von Furcht und ein gerechtes Mißtrauen in ihre Kräfte haben dürfen. Man vergleiche hiemit den Fall eines Gesandten. Wenn der Gesandte eines Suve— räns den Monarchen an welchen er geschickt ist, anredet: so spricht er gewiß zuerst von seinem Herrn der ihn gesandt hat, und von dem Gegenstande seiner Sendung; bloß am Ende der Rede hält er es sich für erlaubt, von sich und seinem geringen Individuum zu reden. Hätte Necker als Welt- und Hofmann nicht eben diese Regel beobachten sollen? und wäre es also nicht schicklicher gewesen, erst am Ende seiner Rede(wenn dies ja überall nöthig war) der persönlichen Empfindungen zu erwähnen, die er in einer so erlauchten Gesellschaft gefühlt hat, oder gefühlt zu ha— ben angiebt? Zwar betrift diese ganze Bemerkung wei— 0 von Frankreich 178g. 373 An her e i 1 ter nichts als einen an sich sehr verzeihbaren * N Verstoß gegen den eingeführten Welt- und e, ah Geschäftston; und es sei ferne von mir diesen 5 Fehler noch weiter rügen zu wollen, wenn cer kö, Mecker es in der Hauptsache gut macht, und imer alz unsern Erwartungen entspricht. Doch glaubte 0 furct ich, diese Bemerkung nicht ganz weglassen zu l räfte dürfen, weil sie einen neuen Beweis von der ungemessenen Eitelkeit enthält, von der wir J eines schon so manche robe in dem Neckerschen u Sue. Verhalten gefunden haben(S. 310, und 333). J ecchict 2) Von sich selbst kömmt nun Necker auf g st von die Nation, an deren Repräsentanten er seine d bon Anrede hält. Natürlich rühmt er sie wegen b an aller der vortreflichen Eigenschaften, die er ia laubt, an ihr bemerkt hat.»Diese in so vielen Ab— aim z»sichten berühmte Nation hat,« nach Neckern, Jufmann 0»Alles ausgeführt und Alles erlangt. Diese Jud»edle und großmüthige Nation hat,« nach In, ers Neckern,»Alles in sich vereinigt: beschwer— 5 iberul»liche Untersuchungen einer mühsamen An— 1 hungen»strengung, und hinreißende Strahlen von Huhn„Genie; tiefsinnige Vernunft, und reizende 55 11»„Beredtsamkeit; nützliche Talente, und ausge— 5 »bildeten Geschmack. Die Geschichte liefert »unwiderlegliche Beweise von der unerschrok— —— 2 — r——̃ ̃ V——————— 3744 Cinanzzustand »kenen Tapferkeit dieser Nation im Kriege, »und von den durch sie verrichteten großen „Heldenthaten. Und diesen Gipfel von Voll— »kommenheit hat die Nation größtentheils »bloß durch ihre eigenen Kräfte, bloß durch »ein glückliches Naturel, erstiegen.« Nur Eins hat dieser so großen und würdigen Nation, nach Neckern, noch gefehlet,»um vollständi— »ges Glück und ächten Ruhm zu erlangen.“ Und was ist dies?— Sie hat noch keine »Gesetze und Anordnungen, die ihre innere »Ruhe in Sicherheit setzen;« es fehlt ihr noch an»einer beständigen und unverrückten Ord— »nung in der Staatshaushaltung, die auf »richtige Grundsätze gebauet wären; sie kennt „noch nicht den Weg, auf welchem eine Na— »tion zum wahren Nationalglück und zum »eigentlichen Nationalwohlstande gelangen »kann.« Man erstaunt in der That bei dieser Wen— dung der Neckerschen Rede. Denn sollte man nicht glauben, der Redner wolle nur von ei— ner Kleinigkeit sprechen die den Franzosen noch mangle, und die der so großen und ge— rühmten Nation bloß deswegen entwischt sei, weil sie über alle die großen Thaten die von Frankreich 1789. 375 mie, ö 8 8 Pa sie ausgeführt Wa an diese zu ihrer 8 f 0. deten Zierde bisher noch mangelnde Kleinig— 4 0 keit noch nicht gedacht habe? Auf der andern 4 theils Seite erstaunt man auch über den Staats— 1 15 mann, der eine Nation groß, ruhmvoll, ehr⸗ 5 Eins würdig nennt, welcher doch, nach seiner eige— Wfion, nen Behauptung, gerade das fehlt, wodurch ia eine Nation groß, ruhmvoll, ehrwürdig wird. n n.— Hätte Necker gesagt:»Franzosen, Ihr dcn eine»habt unter Euch große, brave, würdige Män⸗ Aimee»ner gehabt; Ihr habt einzeln im Kriege, in Moch„den Wissenschaften, in den Künsten, im Han⸗ i Ode„del Talente gezeigt; Ihr habt von Natur eine auf»glückliche Anlage, um Alles zu werden was kennt„Menschen werden können; aber bis itzt seid 1 N,,„Ihr noch keine Nation, Ihr seid bis itzt noch zu zum„nicht auf dem richtigen Wege auf dem Ihr g gen»eine wahre Nationalglückseligkeit erlangen »könnet. Und was einzelne große Regenten 10 Pen,„Gesetzgeber und Staatsmänner Euch darüber I nn»von Zeit zu Zeit gesagt und vorgeschrieben 150 el»haben, das hat Euer Leichtsinn verhindert bose»aufzukeimen und fortzukommen; das haben „»die kleinen und elenden Nachfolger jener we— ict»nigen großen Männer ganz wieder wegge— 2705„wischt. Ermuntert Euch demnach itzt, da ——— ———————*— — 376 Fiuanzzustand »Euch Euer König zusammenberuft, und ent— »werfet Grundregeln, die Euer Nationalglück »befestigen, und denen Eure Staatsmänner »zu folgen verbunden sind!« Hätte Necker, sage ich, auf diese oder ähnliche Art gespro— chen, so war in seiner Rede Wahrheit und Würde Bei der Wendung aber, die er die— sem Theile seiner Rede gegeben hat, muß je— der unbefangene Leser eine von folgenden bei— den Bemerkungen machen. Entweder: Wie ist es möglich, daß Necker eine Nation als Nation so rühmen und erheben kann, wel— cher, nach seiner eigenen Aussage, die erste wesentliche Eigenschaft einer großen Nation fehlt? Gder: Ist es schicklich, daß Necker sei— ne Rede an die versammelten Stände mit einer irensschen Satire auf die Nation selbst anhebt? Necker muß es selbst gefühlt haben, daß unkundige Zuhörer seiner Rede, durch die Wendung welche er hier genommen hat, auf den Gedanken kommen könnten, als wenn die Entdeckung des Weges zur wahren Na— tionalglückseligkeit eine Kleinigkeit wäre. Er muß es gefühlt haben, daß die Franzosen vermöge ihrer lebhaften Einbildungskraft es sich nur sehr leicht vorstellen würden, diese . ‚.— von Frankreich 178g. 377 77 ent 5 00 3 5 e . zum Wohlstande der Nation erforderlichen glg ede 8 4 8 fi Gesetze zu entwerfen und abzufassen. Er häng 2 5. 4 muß befürchtet haben, daß ein Theil der Ver— 15 lecker. 8 722. ö sammlung sich schon itzt von lauter süßen Hof— gero, nungen über den künftigen so leicht zu grün— t und denden Wohlstand des Staats würde begei— r bie stern lassen. Necker ermahnt daher . je⸗ 3) die versammelten Stände, nicht zu p bei frühzeitig zu frohlocken.»Es ist, sagt er, so 50) Die traurig, in seinen Erwartungen betrogen zu i ag„werden; es ist so besch werlich, wieder umzukeh— f wil»ren, wenn man vorwärts zu kommen sich e ere»vorgesetzt hat. Überlasset Euch daher nur n nn»allmählich den Bildern von Glück und Wohl— ur sei⸗»stand, die Ihr Euch itzt schon machen könn— n einern tet; haltet Eure Zuversicht zurück, bis Ihr Mpebt?»sie erst recht gegründet wisset; schränket Eure n daß»Einbildungskraft ein, damit Ihr Euch nicht 4 0 die weinst über ihre Blendwerke und falschen Vor— 5, ff»spiegelungen beklagen dürft.«— Dies al— 1 wenn les ist sehr wahr; und der Rath den Necker I„ hier den Franzosen giebt, ist heilsam. 4 5 i n Nach diesem Eingange, der vielleicht eben 800 so gut ganz weggeblieben wäre, kömmt nun bie Necker zur Sache selbst. — w ̃—MIN. ̃8,̃—... rr 8 3 5 378 Finanzzustand »Ich soll, sagt er, auf Befehl des Kö⸗ »nigs, Ihnen einen getreuen Bericht von dem »Zustande der Finanzen abstatten.«— Er zeigt hierauf ein zwiefaches Übel an, daß die Finanzen drückt. Das eine besteht dar— in: daß die bestimmten festen Ausgaben grö— ßer sind als die bisherige bestimmte Einnah— me; das andre ist, daß der Staat keinen Kredit mehr hat. Wenn diese beiden Übel gehoben sind, so ist die Ordnung in den Fi— nanzen wieder hergestellt. Aber dabei darf sich die Bersammlung der Stände noch nicht beruhigen. Sie muß nicht nur die Ordnung der Finanzen herstellen, sondern auch dafür sorgen daß diese Ordnung dauerhaft und un— erschüttert bleibe.— Neckers Rede theilt sich daher in zwei Abschnitte. Der erste soll die Mittel entwickeln, die ordnung in den Fi— nanzen herzustellen. Der zweite soll die Maaßregeln beleuchten, die man ergreifen kann, um diese Ordnung dauerhaft zu machen. Der erste Abschnitt der Neckerschen Rede zerfällt also von selbst in zwei Theile. Zu— förderst beantwortet er die Frage: Wie groß ist das itzt Statt findende Defizit, und durch Ah Lchlag ste N 1 ugut eine lu gabe Ja vag üben „Hebe „an ait! ———. von Frankreich 178g. 379 . 9 welches Mittel kann es gehoben werden? enn Sodann beschäftigt er sich mit der Frage: . wie der gesunkene und vernichtete Kredit des daß Französischen Staats wieder neue Kräfte und is dat neues Leben erhalten kann? U grö, Ehe Necker die eigentliche Abhandlung N gnaß⸗ anfängt, bringt er noch einige Erläuterungen Ad sesf bei; welche folgende Punkte betreffen: 1) den wühbel Einfluß der zerrutteten Finanzen auf das 1 die Wohl der ganzen Nation; 2) die Verdien— o ddatf ste die Necker sich um die Finanzen seit dem donicht August des vorigen Jahtes erworben hat; 3) J ung eine Erklärung der fixen Einkünfte und Aus— u aflt gaben des Staats; 4) die Methode, nach u un- welcher die der Versammlung vorgelegten Be— 0 sich rechnungen der feststehenden Einkünfte und die Ausgaben des Staats angefertiget sind. 6 Fi Erstlich also von dem Einfluß der zerrüt— die teten Finanzen auf das Wohl der ganzen Na— 0 eien tion. Was Necker hierüber sagt, ist sehr rich— 4 0 tig.»Sind die Finanzen in Unordnung, so »verbreitet sich der nachtheilige Einfluß davon 50e»über das ganze Reich; und ein aufmerksamer 11 95„Beobachter entdeckt noch oft den Zusammen— 0„hang eines drückenden fürchterlichen Übels 10 00»mit der Verwirrung in den Finanzen da, .——————— . ̃.—————————— 80 F 0 inanzzustand »wo der gemeine Haufen nicht einmal arg— »wohnet daß die Ursache dieses Übels in jener »Verwirrung liegt.«— Sehr gut ist es, daß Necker seine Zuhörer darauf vorbereitet, daß er sie von einem sehr großen bisher da gewe— senen Übel, und von den Mitteln dasselbe aus dem Wege zu räumen, unterhalten wird Unstreitig würde dieses Übel desto lebhafter geschildert werden, wenn man die Geschichte der letztern Jahre in Absicht der Finanzen dar— stellte. Necker ist aber Zweitens zu bescheiden, als daß er die vor seiner itzigen Administration da gewesene Verwirrung seinen Zuhörern vormalen sollte. Er will sich»bloß mit dem Übel beschäftigen, »so wie es itzt noch da ist.« Er will»nicht »einmal alle die Schwierigkeiten anzeigen, »die er seit dem Ende Augusts hat überwin— »den müssen, um das wankende Gebäude der »Finanzen zu unterstützen. Eine Privatper— »son,« sagt Necker,»ist immer eine unbe— »deutende Kleinigkeit, wenn man sie in Ab— »sicht auf die allgemeinen Geschäfte betrach— » tet; und will sich jemand in den Geschäften »öffentliche und allgemeine Achtung erwerben, »so muß dies durch neue fortgesetzte Bemü— ———— 2 von Frankreich 178g. 381 a„hungen, nicht aber durch Herzählung der i feet»bisher geleisteten, geschehen. Und überdies 4 65 dh»sind einige Arbeiten und Bemühungen von Mur, v»der Art, daß man dafür bloß durch ein n gehe„inneres Gefühl entschädigt und belohnt wer— 1 albe aus»den kann. a min ö Ich wünschte im Ernst wohl zu wissen, wo— Mihafe: durch Necker das wankende Gebäude der Fi— Achte nanzen bisher unterstützt habe. Dadurch et— aul dar; wa, daß er den König versprechen ließ, alles zu bezahlen; und doch nicht bezahlte(S. àgo, et die f. und S. 309)? Dadurch, daß er die Rück⸗ ad wesene zahlung der fälligen Kapitalien verweigerte am sollee(S. 310, und S. 330)? Dadurch, daß er 20 fligen, die Caisse d'Escompte berechtigte mit Effekten n onicht zu realisiren(S. 361)? Ich will zugeben, eigen, daß Necker es nicht hat anders machen kön— zgetwin⸗ nen, ja daß es kein Mensch besser gemacht Ede det hätte; aber ist es wohl erlaubt, ist es nicht zpalhel ein Beweis einer unbegränzten Eitelkeit, von, J Ube⸗ sich zu behaupten, daß man die Finanzen un— in Ab⸗ terstützt habe, wenn man Operationen macht en die gerade gegen alle Begriffe von Treue und hüften Glauben sind?— Ich wünschte wohl zu wis— 75760 sen, wegen welcher Operationen denn eigent— B ü, n N lich Necker bloß durch ein inneres Gefühl — ͤ—mV! eee, r Nee — 2 71 . —— 382 Finanzzustand schadlos gehalten und belohnt werden kann. Dadurch etwa, daß er für sich oder für sein ehemaliges Handelshaus Staatspapiere zum Zinsfuß von 6 bis 7 vom Hundert gekauft hat, die hernach zum Zinsfuß von 4 oder 5 vom Hundert jedem verkauft wurden(S. 365)? Dadurch etwa, daß er den Notarien von Paris oder der Caisse d'Escompte für die dem Staat gemachte Darlehne sehr vortheil— hafte Bedingungen bewilligt hat(S. 312)? Ich will itzt diese Operationen nicht tadeln; aber, ich kann es Neckern nicht vergeben, daß er mit seinen seit dem August unternommenen Operationen prahlt. Denn, so bescheiden er sich auch darstellen will, so sagt er doch ganz deutlich: Er habe seit August 1788 die Fi— nanzen unterstützt, und könne wegen aller bisherigen Operationen bloß durch das innere Bewußtseyn, gut und zweckmäßig gehandelt zu haben, belohnt werden. Drittens erklärt Necker seinen Zuhörern: was er unter fixen Staatseinkünften und Staatsausgaben verstehe. Die Erklärung da— von ist folgende: daß er unter dieser Benen— nung»alle die Einkünfte und alle die Aus— »gaben begreift, die nicht durch die besondern vun vstil on 51 lige an ber 91 hae m U 111 fegt e hm 3 tend die 0 eden mäß gl sen 0 den gene teig von Frankreich 1789. 383 i kun,»Umstände eines einzelnen Jahres be— fit sin»stimmt werden, sondern die immerfort die ere jun»nehmlichen bleiben, bis man sie durch eine 61 gekauft„neue Anordnung abändert.« Diese Erklä— ober rung mag dann genügen. Denn, ob man Wen(0, gleich die Einwendung machen könnte, daß Wogen wenigstens die Einkünfte des Staats nicht Ar die allemal und allein von den Anordnungen ab— hell hangen; so wollen wir uns doch itzt auf diese ape Bemerkung nicht einlassen, da wir keine Fi— ünhen; nanzwissenschaft schreiben, sondern bloß flüch— u, daß tige Anmerkungen über Neckers Rede ent— i imenen werfen. ene Viertens endlich zeigt Necker eine dop— 4590 pelte Form an, nach welcher die Berechnun— „„ gen der fixen Einkünfte und Ausgaben ange— ie fertigt sind. Die eine ist die nehmliche, die ae jedem Leser bekannt ist welcher das Compte e rendu vom J. 1788 gesehen hat. Darin wird f die Einnahme einer jeden besondern Kasse an— 11 gezeigt; und, wenn alle bestimmte Etats— 1 1 6 1 mäßige Ausgaben aller dieser besondern Kas— 5 sen abgezogen sind, so bleibt die Einnahme 1 des Tresors übrig, die nun eigentlich den Ge— D, genstand von der Verwaltung des Finanzmi— 1610 nisters ausmacht. Die andre Form der Be— 3 el . 6———— 5 — —— 394 S 584 Finanzzustand rechnung ist nach den Materien gemacht. Alle Artikel einer Art sind unter einer Rubrik zu— sammengefaßt; und es ist nicht zu läugnen, daß dadurch ein großes Licht über Einnahme und Ausgabe verbreitet wird. Vermuthlich wird nun diese doppelte Berechnung bekannt werden; und ich bin zum Voraus überzeugt, daß man gegen diese Darstellung nichts zu sagen haben wird. In Absicht der Berech— nung und Buchhaltung hat Necker unstreitig große, überwiegende Verdienste. Den 9 Juni. Necker handelt also(S. 378) in dem er— sten Abschnitt seiner Rede von der bisherigen Verwirrung in den Französ. Finanzen, und von den Mitteln ihr abzuhelfen; der zweite Abschnitt aber zeigt: wie die wiederhergestellte Ordnung beständig und dauerhaft gemacht werden kann. Die Verwirrung besteht überhaupt dar— in, daß der Französ. Staat nicht Einkünfte und Geldquellen genug hat, um die erforder— lichen Ausgaben zu bestreiten. In der Schilde— * 1 rung dieses Übels, unterscheidet Necker festste hende von Frankreich 178g. 385 1 hende Ausgaben von zufälligen.»Es giebt 45»(sagt er) gewisse Ausgaben im Staat, die 1 1»beständig vorkommen und alle Jahre erneuert *»werden, solange das angenommene Staats— 1„system keine wesentliche Abänderung erleidet; Akan»es giebt aber auch in jedem Jahr außeror— cen,»dentliche Ausgaben, die bloß für das Jahr Mitsu»gehören, hernach aber nicht weiter vorkom— Mech,»men.« Ein wohlgeordneter Finanzetat muß ang die Geldquellen für beide Arten von Ausga— ben nachweisen. Reicht die bekannte und er— weisliche Einnahme der Schatzkammer zur Be— friedigung dieser Anforderungen nicht hin, so ist natürlich Unordnung und Verwirrung in In en den Finanzen.— Nun zeigt Necker, auf wie ungen hoch man nach der bisherigen Finanzeinrich— a und tung die jährliche feststehende Staatseinnah— weite me Frankreichs rechnen kann; er zeigt, wie etele hoch man dessen jährliche feststehende Ausga— A0 enaht be anschlagen muß; und zeigt, daß jene micht hinreicht um diese zu bestreiten. Noch weit lit bur weniger wird sie also hinreichen, um die au— 0stunste ßerordentlichen Bedürfnisse einzelner Jahre zu lo. befriedigen. Mithin ist das Übel in dieser Elbe Rücksicht so groß und fürchterlich, als man es 1 a sich nur porstellen kann. Gegen dies Übel sol— fade 5 8 ... ̃ ̃Ä—0“!—..̃——ö,——ß . een r ———— — —— —— ä—— —— b bbb ͤͤ—ů— 386 Finanzzustaud len Mittel vorgeschlagen werden, worüber die versammelte Nation ihr Gutachten und ihren Rath dem König mittheilen soll. Wir wollen Neckern folgen, und mit ihm zuerst von den feststehenden jährlichen Ein— nahmen und Ausgaben des Französ. Staats reden. Er theilt hierüber eine Tabelle mit, auf wel man dieselben, nach ihren ver— 1979 8„ mit einem Blick überse— hen kann. Ihr zufolge, betragen die gesamm— ten fest stehend en jährlichen Einkünfte des Staats 475 294000 Liver; zu den feststehen— den jährlichen Ausgaben werden 531 444 000 L. erfordert: mithin fehlt zu diesen Ausgaben jährlich eine Summe von 56 150 000 L. Necker vergleicht dies von ihm festgesetzte Defizit mit der dem König im März 1788 überreichten Berechnung. Damal betrug das ganze Defizit 160 827 492 L. Aber unter d eE⸗ ser Summe waren auch Rückzahlungen von * den in diesem Jahr fälligen Kapitalien, und ferner alle außerordentliche bloß dies Jahr an— gehende Ausgaben, begriffen. Nach deren Abzug, blieb das gewöhnliche fortdaurende Defizit von 54 929 540 L. übrig. Warum ist also das itzt berechnete gewöhnliche um etwas 01 N 1 belle gabel 9 dus N. 1 9 bnd 1 Oel 1 enge u denz fel, h neh Mucke bis. f sid, 11 10 bon g 1 ekt f * ee———— 2 805 20 1 5 R von Fansreich 178g. 387 orie d 9 Orbe die.— 2. 1 mehr als eine Million größer? Necker zeigt, uind ihyen f 5— ö daß die dem König im März vorgelegte Be— rechnung nicht vollständig gewesen. Man hatte mit ihn f chen 6 die Zinsen und Leibrenten ausgelassen, die chen Fin. vermöge des im Novemb. 1787 eröfneten Dar— 190 tat. 1 0 lehns von 120 Millionen zu bezahlen waren; 7 UN. elle llt, so auch die Summen, welche der König auf phte.* 16 Sa 17 die aus ihrem Vaterland geflüchteten Holländer 7 1. db 5 2 3 bers verwenden mußte; und endlich hatte man in gesann, nichts zur Bestreitung unvorhergesehenet Aus⸗ 1 Ainfte dez gaben, die doch in keinem Jahr ausbleiben, S festsehn, ausgesetzt. Von diesen drei Artikeln berechnete 1e N. den ersten auf 12 Mill., den zweiten auf Ausgabe 8 bis 900 000 L., und den dritten auf 5 Mil- . lionen. Werden nun diese, nebst noch ver— Cestgesezt schiednen andern hier nicht berührten Posten, 2 tz 1700 zu dem 1788 berechneten Defizit hinzugerech— Iptug das net, so entsteht ein feststehendes Defizit von 3 0 nter de. mehr als 75 Millionen L. Und nun zeigt Tugen von Necker die Ursachen an, wodurch es von 75 Jien, ud bis auf 56 Mill. heruntergebracht ist. Diese 2(Jahr af. sind, nach seiner Angabe, folgende: ch dere 1)»Durch einen Schluß des Staatsraths I daun,»vom 13 Oktob. 1787 waren verschiedne, Ab— Jarum f»züge von Pensionen verordnet, die ein Ob— »jekt von 5 Mill. ausmachen. Dies war in Bb 2 0 I elo ..—. 1 6 2 5 21.— 10 388 Finanzzustand 1 f 90 1»der Berechnung von 1788 nicht in Anschlag 0 150 9 0„gebracht;« ist aber itzt von Reckern gesche— fin g N hen.— Man halte dies indeß nicht für eine 1 ö 1 0 Operation des Letztern, oder eine von ihm 10 1 1060 gemachte Entdeckung. Die Abzüge sind vor 1 . 1 0 seiner Zeit verordnet worden; auch waren sie en e den Kommissarien die den Finanzetat von 905 5 10 0 1788 anfertigten, vollkommen bekannt: diese„n 1 0 wußten, daß die gedachten Abzüge ungefähr 12 1 0 5 Mill. ausmachten; sie zeigten aber die De 18 190 10 Gründe an, warum diese Einnahme noch löche 1 100 nicht im J. 1788 berechnet werden dürfe, und 1 5 ö 5 fügten mit klaren Worten bei, daß die ganze ug: 00 Wirkung dieser Anordnung erst im J. 178g Pu N zu erwarten stehe. dag f 2)»Das Kriegsdepartement hat seinen e »feststehenden Ausgabeetat um 8 bis 9 Mil— 5 „lionen L. vermindert.«— Dies kann ich bis 93 itzt nicht erklären, weil mir die darüber von 1 ü 1 Neckern angefertigte Nachweisung fehlt. Nach 0 1 dem Etat vom J. 1788, waren die feststehen— 1 den jährlichen Ausgaben des Kriegsdeparte— 1 ments 100 230 000 L.; nebst dem hierunter* nicht z nicht begriffenen Antheil des Generalkriegs— zahlmeisters, der ungefähr 1 Mill. beträgt. Necker rechnet itzt für diese beiden Artikel: 11 von Frankreich 178g. 389 r in lstlag Wetken gate, nig fir in 99 160 o L. Folglich finde ich nur eine Ver— minderung von 2 070 000 L. 3)»Der Seeetat ist um fünftehalb Mil- ene bon i a„lionen herabgesetzt worden.«— Dies stimmt — 1 ge sind o 0 g I mit dem Finanzetat von 1788, wo der See— 0 dan etat mit 45 Mill. feststehend aufgeführt ist; e denn Necker bringt nur vierzig und eine hal— wunnt: die ße Million in Rechnung. . ungesit 4)»Bei dem Etat für das Departement i aber de»der Auswärtigen Angelegenheiten sind J ahne uh„1 800 000 L. erspart.«— Dies stimmt wie— 1 dürfe, un der. Im Finanzetat von 1788 ist dies De- die gaz partement mit 9 130 000 L. aufgeführt; in 1 J 10 Neckers Anweisung stehen 7 480 00 Liver (wovon aber wahrscheinlich 180 000 L. zufäl— Wat feinen lig seyn müssen, weil Necker in der Rede * Ml. selbst nur 7 300 000 L. erwähnt). Um ich bis Hiezu kommen noch verschiedne andre hier dibet von nicht angezeigte Ersparungen, wodurch zusam— mengenommen das feststehende Defizit auf 56 Mill. Liver gebracht ist. Jehle. Nat 2 fesstehen gegdbepate⸗ Bei dieser Gelegenheit kann nun Necker Ju hietuntet nicht umhin, seiner bisherigen Finanzverwal— nlkttg⸗ tung das seiner Meinung nach ihr gebüh— l kecht rende Lob zu ertheilen, und den Versammel— a8 Ml ten Ständen Frankreichs bemerklich zu ma— . ——. ̃ ̃—— —— 5 —ç— ——— — — —— * —.—— — 5. 8 390 Finanzzustand chen, daß sie es lediglich Ihm und seiner gu— ten Haushaltung zu verdanken haben, daß das gewöhnliche Defizit des J. 1788 nicht höher angeschwollen, sondern im Grunde ver— mindert worden ist. Was hat also Necker so Bewundernswürdiges und Verdienstliches seit dem August 1788 gethan? Wir wollen ihn selbst hören: Er hat»die Geschäfte des l. Tresors mit der strengsten Pünktlich— »keit geführt; hat ganz besonders auf alle »Vortheile Acht gegeben, die er dem Tresor »zu verschaffen im Stande war; hat Aufschub »für alle Zahlungen erhalten, die ohne öffent⸗ »lichen Lärm ausgesetzt werden konnten; ist »dadurch der Nothwendigkeit ausgewichen, „beträchtliche Darlehne zu machen; hat sich »in den Stand gesetzt, alle Geldanbietungen „die mit zu lästigen Bedingungen verbunden »waren, von der Hand zu weisen. Und die «Durchführung dieses Planes ist ihm gelun— »gen, ob sich gleich eine allgemeine Bestür⸗ zung über den Zustand der Finanzen und »über das zu erwartende Schicksal der Gläu— »biger des Staats verbreitet hatte.“ Ich fü— ze meine Anmerkungen hierüber bei. Geld sachen mit der strengsten Punktlich— ach 1 5 *—— 2— —— n— era von Frankreich 1789. 391 Hint gu⸗ keit führen, ist kein Verdienst, sondern bloß , N Schuldigkeit.— Dem Tresor hat Necker bis h fit itzt, so viel bekannt geworden, keine andern Hunde ber Vortheile verschaft, als daß er bei verschiede— Jo Nek nen Departementern Ersparungen veranlaßt A nfligs hat. Dabei kann Er einiges Verdienst ha— pollen ben; das eigentliche Verdienst gehört indeß fe des den Chefs dieser Departementer. Denn man hktlich⸗ muß doch voraussetzen, daß diese Ersparun— 1 lle gen eee Machtspruch des Finanz— i Leesot ministers beruhen, sondern in zweckmäßiger 10 fafschub angeordneten Einrichtungen gegründet sind; U öfen und diese müssen wohl eher von dem Chef je— n, tt des Departements vorgeschlagen und erwählt ub chen, worden seyn, als von dem Finanzminister.— Den Aufschub von den im vorigen Jahre geit sich 2—— 5 n 4 fahengen fälligen Zahlungen hat Necker freilich im vo— wunden rigen Jahre erhalten; aber dies war eine bloße a de Willenssache von Ihm, ohne Beistimmung der 1 J gala Aer: 1 Hestuk Gläubiger. Man mußte es sich wohl gefallen lassen, daß Necker nicht bezahlte; und Er war nicht einmal so höflich, die Gläubiger um 17 en und ihre Einwilligung zu ersuchen. Wie könnte „ Glau⸗ A Gläb N 5 i 06 er sich dies zum Verdienst anrechnen?— 3 s Freilich brauchte er nun keine neue Darlehne d Sch 6 zu machen, um die fälligen Anforderungen zu N** ———— 2 ———— cf— 0 r f ꝶ r · ·r0 n Kr— g—— 9 Win“ 0 1 1 1 Nit 1 11. l 1 1 111 1 aht 11 1 I Mn 0 —— — —— r — 3 r N 322 392 Finanzzustand bezahlen. Denn er erhielt, durch die verwei— gerte Auszahlung, ein gezwungenes Darlehn. Wo wäre aber hiebei das Verdienst?— Er ist also bei keinen Darlehnen lästige Bedin— gungen eingegangen. Aber ist die Erlaubniß, die er der Caisse d'Escompte gab, mit Effek— ten zu realisiren(S. 361), keine für das Pub— likum lästige Bedingung? Oder ist ein Fi— nanzminister in Frankreich berechtigt, die lä— stigsten Bedingungen einzugehen, wenn sie nur das Publikum, nicht aber den Tresor, betreffen?— Endlich hat Necker alles dies zu einer Zeit geleistet, wo das Publikum in äußerster Unruhe wegen der Lage der Finan— zen war. Daß aber die Gläubiger des Tre— sors demungeachtet so ruhig blieben, ob ih— nen gleich die Zahlung verweigert ward, und ob man sie gleich wegen gänzlichen Verlustes besorgt machte: ist eher ein Verdienst dieser Gläubiger, als Neckers zu nennen. Was wollten denn auch jene anders thun, als mit ihren unbefriedigten Anforderungen sich nach Hause begeben, und abwarten ob es über ein Jahr besser werde? Sollten sie etwa Tumult anfangen, und den Tresor stürmen? Kurz: es kann nicht Neckern zum Verdienst gerei— von Frankreich 178g. 595 1 chen, daß die Gläubiger des Tresors ihren 1 Verstand nicht verloren. Denn gewiß wird *. Necker doch nicht sagen wollen:»Nur, daß da,»die Franzosen Mich an der Spitze der Fi— ö uf,»nanzen sahen, nur dies bewog sie zur Ge— ö eff»dult, um auf Bezahlung zu warten.« Es pul- würde, gesetzt auch daß es wahr wäre, in N. g seinem Munde gar zu übel klingen. Hätte er e lä aber gefühlt, was er im Anfange seiner 1 se Rede selbst sagt(S. 380): daß jede Privat- ieh, person in Absicht auf die öffentlichen Geschäfte i dies unbedeutend ist, oder doch als unbedeutend n angesehen werden muß, zumal wenn diese Pri— 5 Finan⸗ vatperson von sich selbst spricht; so hätte er // dergleichen Einbildung von seiner eignen db ih⸗ 0 Wichtigkeit auch nicht einmal zu verstehen , und 9 gegeben. plastes 8— 2 1 deset Genug: es fehlen demnach 58 Millionen as 0 Liver jährlich, um alle nach der bisherigen ls nit Verfassung feststehende jährliche Ausgaben zu 1 nach bestreiten. Wie soll nun dies Defizit herbeige— 29 et ein schaft werden? umi Necker nimmt J. an, daß Alles beim Al— 9 Kuh ten verbleibe; und untersucht die Hülfsmittel, die bloß in einer bessern Haushaltung liegen. 3 Helkke ———ꝛñ——Üwã—Ü—ᷣʃÜñm ũ——ů——-——pU—. x ¶—ð R—— 8 —— —— 3 — 2 ——— 2 — 9 1 1 0 10 I ö 1 —— r — e 394 Finanzzustand Diese Untersuchung ist sehr gut und verdienst— lich. Denn, kann man sich helfen, ohne we— sentliche Anderungen in dem bisher gewohnten Gang der Geschäfte zu machen; so ist es de— sto besser. Hier sind seine Vorschläge; mit unsern Anmerkungen. 1) Necker hat»bei genauer Untersuchung »der Bedingungen beim letzten Kontrakt mit „den Generalpächtern gefunden, daß die fest— »stehende Einnahme von dieser Pacht um 18 »Mill. vermehrt werden könne«.—, Er fügt aber hinzu: a)»Daß diese vermehrte Ein— „nahme eine Abänderung in den Bedingun— »gen voraussetze, über welche man bei der letz— »ten Verpachtung mit den Generalpächtern »übereingekommen sei.«(Das heißt so viel, als: Man muß einen neuen Pachtkontrakt machen; und man wird also vielleicht einen Machtspruch thun, wenn die Generalpächter von den ihnen zuletzt bewilligten Bedingun— gen nicht abgehen wollen. Eine Vermehrung von 4 Millionen jährlicher Einnahme im J. 1789 und von 6 Millionen im J. 1790 hatte man schon in der Berechnung von 1788 an— gezeigt; weil aber Necker in seiner Rede nicht deutlich genug ist, und weil uns die beson— 5 —**—— 8 5 relch 1789. 990 Senf. 8 5 e dern Nachweisungen noch fehlen, die er über 0 le we Ar E 2 2 1 5 jeden Artikel den Ständen gegeben hat, oder J ohnt 2. 2 un noch geben wird: so können wir nicht bestim— 0 ke 5 5 N d es des men, ob diese 4 und 6 Millionen zu jenen 18 U i nit if 1 Mol. gehören oder nicht.)— b)»Daß dieser „Zuwachs von 18 Mill. erst nach Verlauf von An chung veinem oder zwei Jahren reel seyn würde, Aut mit„und besonders davon abhinge daß eine ge— de fete»wisse zu theuer eingekaufte Parte! Tabak un 18»verkauft wäre.« t fig 2) Necker berechnet»nach Ablauf von et— n Ein»lichen Jahren einen Zuwachs von 5 bis 6 dun,„Mill. in den kögigl. Einkünften, wenn er 3 Jer len ⸗»die Bedingungen ganz genau wird unter— achtern»sucht haben, die mit verschiednen Gesellschaf— N viel,»ten wegen Einziehung der Landesherrlichen Achtrakt»Einkünfte gemacht sind.« izeinen Außer diesen 24 Millonen,»deren Ein— 1 J ächter»gang« nach Neckern»nicht fehlen kann,« V igun, zeigt er noch 16 andre Hülfsmittel an, die 10 lung Einnahme des Tresors zu verstärken,»ohne n.»das bisherige System der Taxen zu verän— Dihate„dern. 1) In verschiedenen Provinzen werden N 30 . c 7 8 7 7 25 8 8 4 nicht alle Accise- und Konsumtionsgefälle von 8 fe den zu versteurenden Objekten selbst erhoben, 0 f ...... ̃—mpFꝶmß e.... 10 05 9 100 1 1 1 1 0% 1 660 100 N Ne Mü 0 90 0 10 n e ö e 5 10 ö e . 10 0 N 1 0 Me 1( 1 1 1 9 10% Mane 0 10 1 0 100 nne 14 10 10 10 1 0 10 0 396 Finanzzustand sondern die Provinzen bezahlen dafür eine ge— wisse Summe in Bausch und Bogen. Würde man diese Methode aufheben, und die ge— wöhnliche Erhebung jener Gefälle einführen; so würde der Tresor dadurch, nach Reckern, nahe an 7 Mill. jährlich gewinnen.— An und für sich ist das recht; und diese Anderung gehört zur guten Ordnung, um die Gleichheit zu behaupten. 2) Die Geistlichkeit erhält von den Ge— neralpächtern jährlich 25 Million; wozu sie aus ihren eigenen Vermögen noch 2 Mill. schießet, und diese gesammte Summe zu Ab— bezahlung ihrer Schulden anwendet. Diese jährlichen 4, Million will nun Necker in den Tresor ziehen; und dagegen die Abbezahlung der Schulden der Geistlichkeit dadurch über— nehmen, daß er sie auf den sinkenden Fonds anweiset.— Ich begreife hiebei keine Ver— mehrung der königl Einkünfte; die ganze Wir— kung dieser Operation wäre ein Spiel zwi— schen dem Tresor und dem sinkenden Fonds, das sich zum Vortheil des erstern endigte. Dergleichen Spiel, wohinter gar keine Rea— lität ist, muß ein Finanzminister der das Gan— ze übersieht, und das Ganze zu besorgen hat, bessge heroge 0 Kings sießt n fünstd von Frankreich 1789. 397 Hege nicht anführen, noch weniger als etwas Reel i g les vorschlagen. reg 3) Necker schlägt vor, daß die 5 Millio— Ahn; nen, welche der König alle Jahre an Hospi— kenn, täler, Klöster u, d. gl. auszahlt, in Zukunft e An von den Geistlichen Gütern erhoben werden, ung sodaß sie dem Tresor nicht mehr zur Last fal⸗ What len.— Ich habe gegen diesen Vorschlag nichts; nur gehört er nicht hieher, da er mit 0 ge⸗ einer Anderung verbunden ist, itzt aber nur 1 se Hülfsmittel angegeben werden sollen die durch 2 dil. bessere Administration des bisherigen Systems 97 Ab. hervorzubringen sind. ie 4) Die Ostindische Kompanie hat vom Aden Könige gewisse Befreiungen erhalten, unt ge— Ning nießt einen Antheil an gewissen königl. Ein— per künften. Hebt man beides auf, so werden die pos königl. Einkünfte, nach Neckern, um 15 bis 15 1800 000 L. vermehrt. Die Mittel zur Auf— ir hebung dieses doppelten Prärogativs sind, G. nach Neckern: entweder den Handel nach Ost— 19 indien frei zu geben; oder die Kompanie durch g. Bestätigung ihrer Oktroi dahin zu bringen, ge daß sie selbst von diesen Vorrechten abstehe. 1 5) Bis itzt hat der Köuig 3 800 00 L. 1 zur Unterstützung des Handels ausgesetzt, wo— , ... ̃. ̃ 7—67—t?s? ————— e ———— —— 8— 98 Finanzzustand S von 2 400 000 L. allein auf den Sklavenhan— del verwendet werden. Hiebei läßt sich eine Million ersparen, wenn man den Sklaven— handel besser und menschlicher einrichtet.— Eine nähere Nachweisung hierüber wird ver— sprochen. 6) Wenn man in Bretagne wieder ein— führet daß kein andrer als rappirter Tabak verkauft wird, so werden die Einkünfte der Tabakspacht dadurch um 1 200 000 L. steigen. 7) Die Städte und Hospitäler erheben gewisse Konsumtionsabgaben zu ihrem beson— dern Vortheil, wobei vielerlei Mißbräuche vorfallen, und manche Begünstigungen unter— laufen. Für Rechnung des Königs werden an eben diesen Orten gleichfalls Konsumtions— auflagen eingezogen, wodurch wenigstens dop— pelte Administrationskosten entstehn. Wenn alle diese Abgaben vom Könige allein eingehoben, und den Städten und Hospitä— lern eine Vergütigung nach Maaßgabe der bis itzt von ihnen erhobenen Gelder zugestan— den würde; so könnten die Einkünfte des Kö— nigs dadurch um 2 bis 3 Mill. anwachsen.— Dieser Vorschlag ist, meiner Meinung nach, sehr vernünftig und zweckmäßig; obgleich das 992 Ischl 9 hurlcheg gukunfe Penne müßter z un J gen wird enten von Frankreich 1789. 399 Fehn, Publikum welches dabei leidet, gewaltig wich in schreien wird. Win, 8) Ehedem fand eine Abgabe auf die ge— in— druckten Ostindischen Zitze und Musseline Statt. 1800 ber, Man hat hernach die Einfuhr dieser Waaren gänzlich verboten. Necker glaubt, daß dies Mr ein- Verbot nichts gefruchtet, sondern nur die Kon— Wiuk terbande befördert hat. Er schlägt daher vor, ine der die Einfuhr wieder zu erlauben und mit den Olaigen. vorigen Abgaben zu belasten; dadurch hoft er Ieheben für den Tresor 8 bis god o00 L. jährlich zu II beson⸗ gewinnen. U bläuche 9) Für das itzige Jahr sind die Zinsen in Au unten, Anschlag gebracht, welche für das itzt erfor— Ai werden derliche Kapital zu bezahlen seyn werden. In L ontions- Zukunft wird kein neuer Fonds nöthig seyn, gs dop⸗ wenn auch die Anleihen noch ferner geschehen 1 Tenn müßten. Denn dazu will Necker ganz oder a 7 allein zum Theil die Leibrenten nutzen, die im itzi⸗ pospitz gen Jahr erlöschen werden. Mit der Zeit Sbe der wird der Vortheil von den erloschenen Leib— age renten jährlich anderthalb Millionen betragen. 10. 10) Der älteste Bruder des Königs will 5 eine halbe Mill. jährlich vom König weniger I u nehmen, als er bis itzt erhalten hat. A Lich — 2 2*—* 8 7— ———̃. ̃]§Ü—¶——., ̃]⅛—˖⁵êSPꝓ:... ̃7² 0 — F r — — 2 N 2 en 8 74 400 Finanzzustand 11) Der Graf von Artois schenkt dem König jährlich 400 000 L. 12) Wenn man den Bürgern von Paris das Recht nimmt, die Produkte ihrer Lände— reien und Jagden Accisefrei nach Paris zu, bringen, so wird dadurch eine Einnahme von 4 bis 500 000 Liver verschaft. 13) Wenn die Befreiung vom Salzzwang bloß auf die Personen eingeschränkt wird, die dazu durch Schlüsse des Staatsraths berech— tigt sind, so werden dadurch 3 bis 400 000 L. gewonnen. 14) Die beiden Freihäfen in Bajonne und L' Orient haben keinen rechten Nutzen geschaft. Hebt man sie auf, so gewinnt der König da— durch 600 000 L. an jährlich vergrößerten Ein⸗ künften.— Darin bin ich mit Neckern sehr einig. Freihäfen am Meere, und Messen auf dem festen Lande, haben so ungefähr einerlei Werth in den Augen eines ächten Staats— mannes. 15) Eine gewisse Abgabe, von 4 Deniers auf den Liver, von allen verkauften Grund— stücken wird von einer Gesellschaft erhoben, die dagegen dem König ein Kapital vorge— schossen hat. Würde dies genau untersucht, so —— — t dem „ aliz Lände. tis zü File bon 10 pang n J, die che ech⸗ 5 00 L. Aide und nschaft. f An weht af Ahe alte blies 3 und: 1 oben. Mn, 110 bol 1 sich, 0 von Frankreich 1789. 401 so könnte man 600 000 L. für den Tresor ge— winnen. 16) Das Don Gratuit der Geistlichkeit beträgt auf jedes Jahr 3 200 00 C. Necker rechnet nun alle diese 16 Geld— punkte zusammen, fügt sie den Anfangs be— rechneten 24 Mill. bei, und schließt, daß das feststehende Defizit von 56 Millionen dadurch so ziemlich gedeckt sei. Es kömmt uns hier noch darauf nicht an, ob durch Annahme al— ler dieser Vorschläge wirklich ein hinlängliches Gleichgewicht zwischen Einnahme und Aus— gabe würde hergestellt werden. Genug man sieht, daß, wie Necker auch sagt, selbst in dem bisherigen Finanzsystem Frankreichs Hülfs⸗ quellen genug sind, eine größere Einnahme zu erhalten, wenn man nur alles recht genau nimmt, und eine gute Haushaltung einführt. . Will man aber II. noch Veränderungen im bisherigen System vornehmen, so wird nach Neckern gar kein Zweifel übrig bleiben, das bisherige Defizit wegschaffen zu können. Hiebei giebt er jedoch nur im Allgemeinen einige r 2. 5 0 7 5 Winke, wohin seine Anschläge wohl gehen mögten. II. 0 . — 5 ——. ̃ ̃—.. ̃ ̃—. ̃—‚—. ̃§⅛rèPcr...... a ff 0 111 11 5 9 10 11 10 „ 0 e Ne i e 1 A 0 4 100 1 e 150 0 ——— — 402 Finanzzustand Der erste derselben geht auf die gleich— förmige Vertheilung der Auflagen unter alle Bürger des Staats. Da bisher Adel und Geistlichkeit verschiedne Vorzüge gehabt, und nicht allen und jeden Abgaben unterworfen gewesen sind; so müßten natürlich die königl. Einkünfte wachsen, wenn die vom Bürger— stande getragenen Lasten auch in eben dem Verhältniß von den beiden ersten Ständen des Reichs übernommen würden. Diese ha— ben ihre Bereitwilligkeit dazu schon vorläufig geäußert; und Necker berechnet hier, daß wenn daraus ein Gesetz gemacht würde, die Einkünfte dadurch um 10 bis 12 Millionen 5 jährlich wachsen würden.— Daß alle Bür⸗ ger des Staats, weil sie gleiche Vortheile vom Staat genießen, auch gleiche Lasten tra— gen, ist sehr billig; ich bin aber doch über⸗ zeugt, daß in Frankreich das Klagen über Druck nicht aufhören wird, wenn sich auch der Adel und die Geiftlichkeit eben den Druck gefallen lassen, welchen bis itzt der Bürger— stand allein gefühlt hat. Denn dieses Kla— gen entsteht nicht sowohl daraus, daß der Druck nicht allgemein gewesen ist; sondern, weil die hieher gehörigen Auflagen willkürlich dil Lac, 5 gt feht ener Cums der ph on 4 alen, g Halagz N Hürget 5 el zi) Mor denen en ———— * : von Frankreich 178g. 4053 ö l geich⸗ er alle sind, und ihre Erhebung ganz gegen alle el ud Grundsätze einer gesunden Staatswirthschaft kt, und verfügt ist. Der Bürgerstand muß nicht nur 1 orfen verlangen, daß die andern Stände mit tra— gen sollen; sondern auch hauptsächlich darauf dringen, daß die bisher erhobnen Summen 22 N 10 Hürger, nach einem andern Taxationssysteme eingezo— IN dem Mänden gen werden. Jedoch davon werden wir viel— e ha leicht beim zweiten Theil der Neckerschen Rede ißg mehr Gelegenheit zu sprechen bekommen. Hier „dab bemerke ich nur noch: wie selbst die geringe ne, de Summe die durch gleichförmige Vertheilung nen der persönlichen Auflagen herbeigeschaft wird, Bir schon deutlich zeigt, daß der Adel und die 1115 Geistlichkeit eben kein großes Opfer gebracht 1 15 haben, wenn ste sich zu diesem gleichförmigen iber Beitrag bereitwillig erklärten; und daß der . Bürgerstand nicht viel gewinnen wird, wenn 1 er durch diesen Beitrag wegen aller bisheri— 1 gen Finanzbeschwerden zufrieden gestellt zu A Old 2 5 1 seyn erklärt. 5 Nach einem andern Vorschlag, giebt Nek— 5 Klas 0 a ö 8 7 9 K 100 ker zu verstehn: daß verschiedne Iͤkonomische 5 Anordnungen gemacht werden könnten, von 15 denen einige aber die Abbezahlung eines ge— 6527 wissen Kapitals, andre die Benutzung eines Cc 2 .... ̃7+r—2T———————— ———— 110 MI 5 0 0 1 0 11 1 1 17 1018 9 10 0 0 1 ö Mü Kn 1 9 1 N 1 rn! ene 10 1 0 1 1110 A 11 e 11 10 Ne 10* n e e 1 115 1 0 „ 11 3 10 anne 1 00 ee 10000 . 1 1 5 il 0 ö 1. 5 1 0 160 n ne Mine 1 104 9 10 5 Ae n, . 0 ae ien 1 1 1 ö 3 0 ne enn l ö U 0 0 10 404 Finanzzustand günstigen Zeitpunkts, und noch andre eine hinreichende Musse um alle Umstände genau zu untersuchen, erfordern würden.— Da er keine Beispiele von dergleichen Anordnungen anzeigt, so kann ich darüber nichts sagen. Bei dieser Gelegenheit bringt er in Vor— schlag, eine gewisse Abgabe abzuschaffen, die man bisher von Bürgerlichen erhob, welche adliche Güter kauften. Er sagt: dies fließe aus der itzt angenommenen Maxime, alle Bürger des Staats nach einerlei Finanzgrund— sätzen zu behandeln; und zeigt dabei an, daß die Abgabe bis itzt nur 1 600 000 L. einge- bracht habe.— Man sieht wohl, daß Nek— ker hiedurch dem Bürgerstand ein Kompliment machen will; aber zugleich lieber eine gewisse feste Einnahme des Staats aufzuopfern vor— schlägt, als den Adel durch strenge Befolgung des Gleichheitsgrundsatzes vor den Kopf zu stoßen. Denn wäre dieser Grundsatz nicht besser zum Vortheil des Tresors befolgt, wenn die bisher allein von den Bürgern getragne Abgabe auf alle Käufer von adlichen Gütern gelegt würde, sie mögten nun zu diesem oder jenem Stande gehören? Doch gebe ich gern zu, daß wir nicht Data genug haben, zu von Frankreich 1789. 405 bir ene entscheiden welchen von diesen beiden Vor⸗ Wye gal schlägen Necker eigentlich thun sollte. J Da er Er giebt ferner zu verstehn: daß noch 2 dungen verschiedne Einschränkungen bei den festste— igen, henden Ausgaben anzubringen wären, die Vin Vor er aber nicht vorschlagen wolle, sondern F mit einem Kompliment) den Ständen Nun, die b felge überlasse, sowohl sie selbst zu entdecken als iche auch zu prüfen. Diese Wendung gefällt , ale mir nicht. Es heißt dies nehmlich auf gut 5 1 7 8 17 12 Deutsch so viel als:»Ich weiß noch verschie— gtd: sch so vi Ich ß noch verschi Ju, daß dene Mittel, die Ausgaben des Tresors zu ver— „daß 75 1 a Feng mindern, und eine bessere Haushaltung ein— Je zuführen; weil es aber nicht anders möglich 11 zufüh glich * 2 2 2H. 9 7*— 8— 5 ist, als daß gewisse Menschen, gewisse Klas— Linn st, e sche gewiß f ue sen der Staatsbürger, gewisse Departementer, l el 1.. an welche diese Ausgaben bis itzt geschehen üb bol.. At sind, durch Einziehung und Verminderung und 8 29— 55 2 5 derselben leiden: so sehe ich vorher, daß da— N e 5 5. f durch manches Mißvergnügen entstehn wird. 1 nit 5 8 N 5 8 5 Nun aber mögte ich nicht gern den Vorwurf wenn a ö 3 a b 5 leiden, irgend jemand in seiner bisherigen 10 ktlagle 8 N 3 Einnahme geschmälert zu haben. Es ist so j Gütern a 3. 2 8 51 schwer, bei solcher Gelegenheit den Vorwurf del 5 1 odkl e.. 555 10 der Parteilichkeit und persönlicher Feindschaft 00 ell. 5 g g. 5 10 zu vermeiden. Und ich sehe es daher weit e, zu 5 —— 8 ——.. ß ccc 2 8 1 1 g 000 100 1 00 l 1 I .. 1 i 1 00 1 Ane 1 M 1 10 10 1 ö 1100 nee Knee 1 40 Finanzzustand lieber, wenn die Stände selbst angeben, wel— che Personen, welche Klassen von Menschen, welche Departementer in Zukunft an ihren bisherigen Einnahmen verlieren sollen.« So muß, meinem Bedünken nach, kein Finanz— minister, welcher Vorschläge zur Verbesserung der Finanzen an die versammelten Stände eines Reichs zu thun hat, sprechen. Denn giebt er nicht eben dadurch daß er dergleichen Vorschläge von den Ständen verlangt, den stärksten Anlaß zu Parteien unter denselben? und sind diese einmal da, sind sie selbst durch den Aufruf des Finanzministers veranlaßt; muß dann nicht allgemeine Verwirrung dar— aus folgen? und ist nicht in diesem Fall der Finanzminister selbst daran Schuld? —— Necker muß sich indeß auch selbst gefürch— tet haben, daß die Stänrde ihm Vorschläge thun mögten, die zwar scheinbar den Finan— zen Vortheile verschaften, dagegen aber ein weit größeres Übel verursachen würden. Er weiset sie daher schon im Voraus über fol— geude drei Vorschläge zurecht: 1) über eine schnelle und gewaltsame Verminderung der Well 5 375 3 2 . von Frankreich 1789. 407 bn, wel, N 8 Ealien dder bla bisherigen Hebungskosten; 0 er ie Her⸗ 5 5 absetzung der Zinsen der öffentlichen Schul⸗ 1 U den; 3) über die Einziehung oder Verkürzung 95 05 der Pensionen. 1 1) Die bis itzt Statt findende Finanzver— bescung fassung Frankreichs zeigt uns eine Menge Etände Finanzbediente, von denen einige überaus * große Einvahme ziehen. Überdies ist die Fi— i seichen nanzmaschine so zusammengesetzt, daß sehr t, den viel Ersparungen anzubringen wären, wo— ebend durch die Unterthanen Erleichterung bekämen, t duch und der König in seiner Einnahme gewönne, Warlaßt; wenn man nur zweckmäßigere Anordnungen saig da treffen wollte. Alles dies giebt Necker zu; er Pal bern verlangt jedoch von den Ständen, daß sie U diese Saite nur allgemein berühren, und die— sen Punkt erst alsdann beherzigen mögten, wenn man das ganze bisherige Taxationssy— Neha stem abändern, und zum wahren Vortheil der Aschage Nation umschmelzen könnte.— Hierin hat 11 Fan, er vollkommen Recht. Soll Frankreichs Fi— 1 ker ein nanzübel, und das dadurch auf das Land 5 et verbreitete Übel, gründlich gehoben werden; bet fl, so muß man nicht bloß flicken, sondern man ber eue muß alles neu machen. Dies Ulmschaffen aber 100 K ist gewiß nicht das Werk einer Zeit die man 1— 1 ..———————————— 22 — 2 . — 1 — r 2 408 Finanzzustand auf einen Reichstag rechnen kann. Die Stände können itzt nichts thun als gewisse Grundre— geln festsetzen, auf welchen der Finanzminister hernach ein neues System bauet, das auf ei— nem neuen Reichstag den Ständen zur Prü— fung und Bewilligung vorgelegt wird. Itzt gleich die Mißbräuche, die in Absicht der Ge— neralpächter, Generaleinnehmer, Schatzmeister, und so vieler andern Finanzbedienten, Statt finden, abschaffen wollen: würde ein großes Elend bewirken, und die Einnahme der kö— nigl. Kassen schwerlich vermehren. 2) Der andre Vorschlag, vor dem sich Necker fürchtet, ist die Herabsetzung der Zin— sen von den öffentlichen Schulden. Frank— reich bezahlt bis itzt jährlich 230 bis 240 Mill. an Zinsen und Renten für die nach und nach aufgenommenen Darlehne. Man könnte also auf den Gedanken gerathen, diese Zinsenlast um ein Drittheil, oder auch um die Hälfte, herunterzusetzen: wodurch freilich der König 100 Millionen und mehr gewinnen würde. Das Defizit wäre folglich gehoben, und die dem ersten Anscheine nach so schwere Finanz— aufgabe glücklich gelös't.— Dagegen setzt 775 Hen sich aber Necker mit aller Macht. * Sir wo — 1 10 ————— von Frankreich 178. 4og Lum den Beweis den er hier führt, genau entwik— Wihnnr⸗ keln. Denn die Frage selbst die erörtert wer— nine den soll, ist außerordentlich wichtig. Und af ei wem ist es unbekannt, daß eine große Menge ur Je, 8 sogenannter Politiker in und außer Frankreich * J schon lange behauptet haben: es gebe kein fer e.. anderes Hülfsmittel für Frankreich, als alle Wersse, Staatsschulden mit einem Schwamm wegzu— Statt wischen, oder wenigstens die bisher an die Wtoßes Staatsgläubiger gezahlten Zinsen und Ren— Amer kö ten um einen guten Theil herabzusetzen? Al— so war zu vermuthen, daß auch viele Glieder 15 sich des Reichstags auf solche nachtheilige Macht— 5 Jin. sprüche antragen würden. Um nun derglei— ank, chen Berathschlagungen vorzubeugen, bemüht il sich Necker zu beweisen: daß alle Bedingun— ach gen die bis itzt den Gläubigern des Französ. wilo Staats unter dem Siegel der königl. Autori— ef tät zugestanden sind, heilig gehalten werden 10 lte, müssen. Seine Gründe sind folgende: nig g a) Jeder Vertrag muß gehalten werden. vide. Noch mehr ist ein König verbunden, die von d de ihm geschloßnen Verträge zu beobachten; denn 1 fl 1 mit welchem Schein Rechtens könnte er die 1 6 Unterthanen zwingen ihr einmal gegebenes ole ö Wort zu halten, wenn Er sich von dieser Ver— ö .. ̃. rr.* — — 410 Finanzzustand bindlichkeit loszählen wollte? Die Nation ist verbunden, die von ihrem König gemachten Verträge zu halten. Denn sie hat ihm die Erhaltung und Beschützung ihrer eignen Rechte anvertraut; zu denen doch vorzüglich die Rechte sowohl als die Verbindlichkeiten gehören die aus einem förmlichen Vertrag entspringen— Nun sind die Französ. Staatsschulden von den Königen selbst gemacht, und die Bedin— gungen davon sind dem Volke nach der in den Gesetzen bestimmten Form, nehmlich durch das Eintragen in die Register des Parlements, bekannt gemacht worden. Folglich muß die Nation die Bedingungen erfüllen, welche den Gläubigern des Staats zugestanden sind. Da⸗ zu kömmt der zwar in Absicht auf die Ver⸗ bindlichkeit außerwesentliche, aber zur Beruhi— gung der Nation desto mehr beitragende Um— stand: daß Frankreichs Schulden größtentheils gemacht sind um Nationalkriege zu führen, und folglich durch sie die Unterthanen von der unerträglichen Last befreiet worden, in je— dem Jahr so viel an Geld zu erlegen als der Krieg in jedem Jahr gekostet hat. Wäre die Nation auch mit der bisherigen Wirthschaft ihrer Könige nicht zufrieden; so steht ihr zwar von Frankreich 178. 41 on itzt frei, für die Zukunft neue Regeln und E nahen Gesetze vorzuschreiben; in Absicht des Vergan— Ihn. genen aber, muß sie erfüllen was der König 5 ehe J den Staatsgläubigern versprochen hat. Das Wiege ganze Band der bürgerlichen Gesellschaft be— e een die 5 ruhet auf pünktlicher Erfüllung der mit gesetz— i kingen mäßiger Form geschlossenen Verträge. Will b bonn die Nation der Vortheile genießen, die ihr 16 dein. vermöge des gesellschaftlichen Bandes zukom— oh er in men, so muß sie auch die daraus fließenden ng duch Lasten übernehmen. Sie würde aufhören ei— A nentz nen wohlgeordneten Staat zu bilden, wenn daß die sie sich willkürlich von den Verbindlichkeiten m e den lossagte, ohne welche kein wahrer Zusammen— r Da, hang, keine wahre Eintracht Statt findet. 1 b) Der König hat eine persönliche Nei— muh gung sein Wort zu halten, und sein morali— mln; scher Charakter verträgt keine Abweichung von el den Pflichten der strengsten Gerechtigkeit. Er a hen, zieht das innere Gefühl, das aus dem Be— 0 bon wußtseyn rechtschaffen und edel gehandelt zu 35 n fe haben entspringt, dem Reize des Throns und b d der Ausübung einer noch so willkürlichen Macht te di weit vor. Dächte er nicht so edel und recht— „ schaffen, und hätte er auch nur den Gedan— A g ken ertragen können die Staatsgläubiger in TTT r A —— 3 — T r — —— ———— —ñ—ñ—ñ—— —— —— 8——— — —— —— — ͤ— 1 1 412 Finanzzustand ihren bisherigen Rechten zu kürzen, wie ihm dieser Vorschlag wohl von blinden Verehrern einer unbedingten Macht gethan ist: so würde Er keinen Reichstag zusammenberufen, und sich den mannichfaltigen daraus entstehenden Ver— wickelungen nicht ausgesetzt haben. Sollte dies nicht einen mächtigen Beweggrund für die ver— sammelte Nation abgeben, den edlen Ge— sinnungen ihres Königs gleichförmig zu den— ken und zu beschließen; mithin die bisher den Gläubigern zugestandnen Rechte von neuem zu bestätigen? c) Frankreichs politische Macht erfordert eine buchstäbliche Erfüllung dieser Zusagen. Des Reiches Ansehen muß nöthigenfalls durch Kriege unterstützt und vermehrt werden. Da— zu sind Flotten in allen Meeren erforderlich, um seinen Handel und seine entlegnen Bestz— zungen zu vertheibigen; zahlreiche Armeen sind 5 um mit der Landmacht an— drer Europäischer Nationen im Gleichgewicht zu seyn. Die Unterhaltung dieser Flotten und Armeen köstet ungeheure Summen, die man schlechterdings nicht auf einmal von den Un— terthanen erheben kann, ohne alle Nahrung quellen zu verstepfen. Man muß sie folglich bon mal von Frankreich 1789. 413 1 de ihm ahm von Geldbesitzern gegen jährliche Zinsen die Ay nit man vom e Be eg könen Muds eine unmögliche Sache, sobald der Staat kei— Ten dir nen Kredit hat! Kredit findet unter keiner 100 andern Bedingung Statt, als wenn man sein 1 f 5 einmal gegebenes Versprechen jederzeit pünkt— 3 lich erfüllt. 1 105 d) Das Elend, das sich über die ganze 1 0 Nation verbreiten würde wenn man durch * Machtsprüche die öffentlichen Schulden ver— . nichtete, oder auch nur deren Zinsen herun— N tersetzte, ist so groß und schrecklich, daß Jeder ae dem ein menschliches Gefühl zu Theile ward, r lieber alles andre thun wird als ein solches uch Übel bewirken. Die Staatsgläubiger machen ahb keine eigne Klasse von Staatsbürgern aus, fach, die man etwa aufopfern könnte um das Ganze h zu erhalten; sie sind in allen Klassen und 4 Ständen vertheilt. Der geringste Taglöhner ba- und Dienstbote, der durch sauren Fleiß und lie it mühsames Ersparen sich einiges Vermögen er— 2 d worben hat, legt dasselbe in den öffentlichen 1 Fonds an: im vollen Zutrauen auf den Staat, 1 um dadurch einen sichern Nothpfennig bei un— I Cuche vermuthetem Unglück, und einige Bequemlich— Ae keiten für seine dürftigen Umstände zu erhal— .——.—.— . ̃ e .— 1. — — — 9 22 * 2832 —, 9 A 1 . — * 4 0 0 1 eh 1 NN 0 0 14 10 0 100 ö 100 1 0 0 0 0 1 0 0 00 en 0 9 0 10 0 9 9 10 e 0 00 A 100 nen 1 10 1 N f ö 0 10 1 1 0 11 10 e 1 0 N 1 9 1 414 Finanszustand ten. Nun wollte man ihm durch einen Macht— spruch dies Hülfsmittel rauben oder schmälern? Wer kann wohl den Gedanken ertragen! » Deieser Neckersche Beweis ist, meiner Mei— nung nach, sehr gut geführt; und ich glaube, jeder unbefangne Leser wird überzeugt wer— den, daß es äußerst nachtheilig ist, Macht— sprüche zu Lasten der öffentlichen Gläubiger eines Staats zu thun. Indeß werden doch bei Manchen noch Einwendungen übrig blei— ben, die aus dem Weg zu räumen sind, wenn der Beweis ganz vollständig seyn soll. So höre ich z. B. Viele sagen:»Alles das ist recht gut; wenn aber Frankreich nicht bezahlen kann, wozu hilft denn dieser ganze Beweis? Jeder Privatschuldner ist gewiß ver— bunden seine Gläubiger zu befriedigen; wenn er aber, es sei durch Unglücksfälle, oder un— vernünftige Spekulationen, oder üble Wirth— scbaft, oder jede andre Ursache, um sein Ver— mögen gekommen ist: was nutzt in diesem Fall der beste nach allen logischen Regeln ge— führte Beweis von der Verbindlichkeit zu be— zahlen? Wie, wenn nun Frankreich nicht, oder wenigstens nicht für voll, bezahlen kann; welchen Vortheil sollen die Gläubiger des lachte aße Grun wese sage von Frankreich 173g. 415 u Französ. Staats von diesem Beweise. a 05 ziehen? Und hat er denn etwa selbst dessen 5 Stärke im vorigen. nicht gefühlt, wo 8 le er die Gläubiger 9 85 N unbezahlt 15 5 rückwies?« Diesen Einwurf hat Necker frei— . lich nicht buchstäblich und geradezu beantwor— * tet; allein er setzt ja in seiner ganzen Rede 1 55 die Möglichkeit für voll zu bezahlen voraus: Mh seine ganze Rede ist ja dahin gerichtet, der 30 Nation zu beweisen daß sie das Defizit weg⸗ e schaffen könne, und daß es möglich se: eine Tem vollkommne Ordnung in den Finanzen einzu⸗ 1 führen und für ewige Zeiten zu erhalten. Mit— Fl hin war es allerdings wichtig, den bersam— n melten Ständen zu sagen: Ihr braucht nicht he das bisherige Schuldengebäude durch unge— Mi rechte Machtsprüche zu vernichten; wolltet Ihr n das thun, so würdet Ihr gegen die ersten 00 Grundregeln die einen Staat befestigen, Euch h wesentlich vergehen. ig Andre, die billiger seyn wollen, werden nen sagen:»Im Ganzen ist es wahr daß die 2 he. Nation die Schulden bezahlen muß; aber un— 3 bes ter diesen Schulden sind sehr viele zu sehr lä⸗ Doch, stigen Bedingungen gemacht. Die Geldbesiz— 18 U zer haben zu Zeiten wenn die Geldnoth sehr 1 1 —— A—U—IñàaGꝑ—..—— FF 2 — 8 1 * —— — * 2 8 * rr —— — — ———— 3 ů— 416 Finanzzustand groß war, unrechtmäßige Bedingungen er— preßt; haben oft die Unwissenheit, den Eigennutz der e benutzt, um wucherische Vortheile zu erhalte Wäre es nicht billig, unter den 15 8 1 Schulder einen U herabzusetzen, die den übrigen zugef sind?« Diesen Einwurf berührt Necker, und zeigt klar daß auch ein solcher Vorschlag nicht taugt. Der Nutzen von dieser Operation würd in keinem Verhältniß mit dem daraus zu be— sorgenden Schaden stehn. Denn allemal wird doch dadurch der öffentliche Kredit verletzt, und das Zutrauen zum Staat fällt folglich weg. Hält man sich auch nur einmal berech— tigt, die Bedingungen eines so einfachen Ver— trags als ein Darlehngeschäft ist, zu unter— suchen; so ist niemand sicher, daß man nicht weiter gehe. In jedem neuen Fall gerathen die Geldbesitzer in Furcht, ob nicht ihr itziges Darlehn mit der Zeit auch wird herabgewür— digt werden; sie bringen diesen Hazard schon mit in Rechnung: und so muß der Staat den Vortheil den er durch diese Operation anitzt erhalten könnte, mit der Zeit gewiß oft seht theuer bezahlen. Endlich 2 5 — nterschied zu machen, und die für den ber 1 wol Hein fog e de ih 85——— 3 0— „ von Frankreich 178g. 417 een er; i uc Endlich könnte man die Frage aufwer— it, un fen:»Welchen positipen Vortheil wird denn Ade eg f Frankreich von einem so großen Beweise der 1 Sschulben Redlichkeit haben?« Denn, wenn gleich die 4 fl den Regel ist, daß man die Tugend um der Tu— gungen gend willen lieben, und aus Grundsätzen, nz 76 0 ohne auf die Belohnung zu sehn, ehrlich seyn Wil und muß, so giebt es doch viele Menschen, beson— Ani ders im Finanzfache, die bei jeder Operation a. fragen: was wird mir davon? Um nun auch agi be diese zu überzeugen, daß die Erfüllung der ul id Bezahlungspflicht selbst mit überwiegenden Milett, Vortheilen für den Staat und die Nation 5 8 7 8 5 vac a 2 5. Wa re sei; zeige Necker 5 letzteren mit 05 wenigem nach. Wird der Grundsatz ange— 3 nommen für voll zu bezahlen, so steigen die 1110 J. öffentlichen Fonds im Preise. Dadurch geht 1 1 der Zinsfuß herunter; und Güterbesitzer so— 15 wohl, als Fabrikanten und Kaufleute, kön— * nen mit weniger lästigen Bedingungen die er— e forderlichen Kapitalien erhalten. Ist die all— N gemeine Ruhe in Absicht der Staatsschulden 85 hen t den 11 allt demnächst hergestellt, so steht der Preis der öffentlichen Fonds mit dem durch freiwillige Konkurrenz bestimmten Zinsfuß in stetem Zu— 4„ ole Act% 0 sammenhang. Es findet kein plötzliches Stei— 0 8 II. Dad b* 2 —— * * —— * 9—— —— 7 — 418 Finanzzustand gen und Fallen der Fonds Statt, und so fällt das ganze verderbliche Aktienspiel weg. Hört dieses auf, so können alle Summen die bis itzt darauf verwandt sind, anderwärts ange— legt werden; die Menge der zu verleihenden Kapitalien vermehrt sich also: und es mag nun dadurch entweder mehr Fleiß im Ackerbau und in den Fabriken bewirkt, oder der Zins— fuß noch tiefer herunter gebracht werden, so ist der Vortheil davon für Land und Staat immer offenbar. Wer kann sich erwehren, bei Gelegenheit dieser reizenden Aussicht mit Neckern die Be— merkung zu machen: daß die Ausübung un— srer Pflichten ihre Belohnung mit sich führt; daß eine strenge Moral die einzige wahre Nationalstaatskunst ausmacht; daß in der Sittenlehre allein die wahren Grundsätze zur Ordnung, zur Macht, zum Glück der Staa— ten gefunden werden; daß bei jeder Abwei— chung von derselben Schwierigkeiten entstehn, deren Abhelfung immer neue Systeme erfor— dert; und daß hingegen bei Ausübung von Rechtschaffenheit und Ehrlichkeit alles im be— sten Zusammenhang und in der besten Ord— nung erhalten wird? Wohl dem Lande, wo licht heilt! en l 4 N f n N— u 1 1 2 ü— e e 0 1 0 1 0 2 * 8 0 1 N 5* A 1 a 1— 0 A 1 1* 9 1 2 1 1 N g 1 n 5 1 0 1 1 1. U 1 U 8 0 1 * er* 0 0** 8 1 1 1 0 1 01 2 1 1 9 ö 1 95 14 J F 1* 1.— N 2 0 W * 1*** 1 1 0 14 5 1 61„ 2 * — * — — R ‚˖ g 1 5 1 N J 8 605 U b 14 5. 5 1 ö 75 14 1 1 8 A4— 1 1 3 1 v 7 1 4. 1* . 1 1— A 0 8„ 1 1 2 N l 4 2 1 A* 1 „ 0 2 5 2 80 1 2*„*— 0— * 0 1 1 A 1 1 e N 8 8 S 8 9 9 0 1 1 1— 1 1 0 7 1 7 5 1 1 N 4 8246 1 0 U 4** 1 115 1* 1 0 5 1 9.* 60 1* 1 5* 1 1 ö 91 1 04 1 72 2 4.* 0 0 2 5. 0 1 1 8 10 5 8 1 a 0 4 1 15 J 1 N 94 2 14 225 a 1— ö 7 140 1 U. * N 1 5 1 0 1 17 514 i BA K Ar n 0 1. 0 1 10 3 0* 2. N b 1 14 8„ ee 1 0„. 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Dagegen hält Necker für sehr billig, nun 1 0 daß für die Zukunft andre und bestimmte l 0 U 0 Grundsätze in Absicht der Penstonen festgesetzt bi A werden; und die Vorschläge dazu erwartet l 4 9 1000 C der König von der versammelten Nation. fön 0 e 5 n ne——— 1000 gen l. 0 Das Bishergesagte ist kürzlich der In— g bevie 10 1 halt des Theils der Neckerschen Rede, der wish 100 von dem Destzit bei den feststehenden Ein— enn 1004 9 nahmen handelt, um die bis itzt feststehenden aber! A 1 Ausgaben zu bestreiten. Unsre Absicht erfor— sbläug 0 0 dert, etliche allgemeine Anmerkungen beizufü— jung i 11 gen, um die Übersicht des Ganzen zu erleich— legt u 0„ tern. 90 1 1) Es scheint mir nach allem was Necker Da 1 ö 9 anführt, noch nicht so ausgemacht zu seyn, ist; f 0 0 daß er das wahre Defizit angegeben hat. fit; C 4 9 Ich kann darüber keinen vollständigen Beweis 0 Die a 1 1 1 6 führen, weil ich die Französ. Finanzen nicht gaz 10 genau genug kenne um über das Resultat al— Ein 1 ler Einnahme- und Ausgabeartikel ein gegrün— stim 4 141 detes Urtheil zu fällen, und um zu bestimmen ju 0 von Frankreich 178g. 421 1 hflicher. 5 8. eb nicht in dem Ausgabeetat verschiedne Ar⸗ * E, theils N tikel ausgelassen sind. Wenn ich aber beden⸗ A berliereg ke, daß Necker in seiner ersten Finanzberech— At hill.. 5 ö 8 4 ili nung vom J. 1781 einen Überschuß von 10 ti M. 2 2 F Mill. anzeigte, welcher sich hernach durch die rstgeset 2. 5. 5 1 sgeseßt Erfahrung in ein Defizit von etlichen und 40 ung 8 5 4 A watt Mill. verwandelte; so erregt das bei mir al, chon ein gewisses Vorurtheil, ob er sich nicht 0 9 0 5 itzt auch so geirrt habe. Zwar hat er sich we⸗ gen dieses Rechnungsfehlers vertheidigt, und A Ju bewiesen daß er an diesem großen Unterschied 1 zwischen Berechnung und Erfahrung nicht / Ein⸗ Schuld sei. Ich will dies auch zugeben; da e nden aber doch Necker diesen Unterschied selbst nicht for: abläugnet, so könnte doch wohl seine Berech— Mi nung itzt wieder durch die Erfahrung wider— Aich legt werden. Hauptsächlich aber glaube ich, daß das dobedel Defizit größer als es Necker angegeben hat, 1 fen, ist: weil er alle unvorhergesehene Ausgaben 0b hol mit funf Millionen(S. 387) bestreiten will. Stets Wie in aller Welt kann ein Mann der so t light große Kenntnisse und Erfahrung hat, dies im ö 25 ll Ernst behaupten? Bei einer erweislich be— ö egen stimmten feststehenden Ausgabe von 531 Mill. d un zu allen unvorhergesehenen Ausgaben mit 3 —— 2. 0 8....... p«— 2 — ——————— —— 42 Finanzzustand Mill. auskommen zu wollen: scheint mir ge— gen allen praktischen Verstand zu seyn. Es müssen ja mit diesen 5 Mill. eines Theils alle doch immer mögliche Ausfälle bei der Ein— nahme übertragen werden; und wer unter den Sterblichen ist andern Theils im Stande, die Ausgaben einer Haushaltung, sie sei so klein oder so groß sie wolle, bis auf Eins vom Hundert zu bestim men? Wo ist der Wirth, der bei einem feststehenden Ausgabeetat von 300 Thl. behaupten könne, daß 5 Thl. mehr ihm zureichten, um alle außerordentliche Ko— sten zu bestreiten? Es sei ferne von mir, daß ich mit Beweisen aus der Regula de Tri ge— gen einen Finanzminister streiten wollte; weil diese Regel vielleicht nirgend unrichtiger ange— wandt und gebraucht wird, als in der Finanz— wissenschaft. Allein, wer nur einige Erfah— rung in Absicht der Staatsausgaben hat, wird mir gewiß zugeben, daß Eins vom Hun— dert schlechterdings nicht hinreicht um die aus— fallenden Einnahmen zu decken, und die nicht vorhergesehenen Ausgaben zu bestreiten. Mithin glaube ich, daß kein Finanzmini— ster in Frankreich nach Neckers Überschlag aus— kommen wird, wenn ihm auch 56 Mill. zuge— schla sogl ——— B ů ů ¶ů¶ VFC von Frankreich 1789. 425 i e 5 8 2. 10 geben werden. Man wird sagen, daß Necker . doch auch die Überschüsse nicht rechnet, die sich 1. bei verschiednen Artikeln der Einnahme gewiß . en zeigen werden. Das gebe ich zu; wenn ich 10 aber mit diesen Überschüssen die Ausfälle ver— . gleiche die sich bei andern Artikeln der Ein⸗ A ken nahme ergeben werden: so bleiben mir noch bon immer die unvorhergesehenen Ausgaben übrig, irh, die ich wenigstens in Frankreich mit 5. Mill. a eon nicht übertragen mögte.— Ist das bisher cht geführte Räsonnement richtig, so entdeckt also I Ko. Necker den versammelten Ständen nicht die 1 bb klare Wahrheit; er offenbart ihnen nicht die W ge⸗ wahre Größe des Finanzübels; er schmeichelt Mrpell der Nation mit Bildern von besserm Zustand W ge⸗ als wirklich Statt hat. Wie ist dies aber mit N all den schönen moralischen Gesinnungen zu öh reimen, die er so oft mit allem Pomp des Ah at, blumenreichsten Stils ertönen läßt? 1g hun. 2) Ich glaube nicht, daß Neckers Vor— I dus: schläge hinreichen, um das bisherige Defizit G night sogleich zu decken. Sein Räsonnement in Ab⸗ 8 5 sicht dieses Punktes ist folgendes:»Ich habe in bei der Untersuchung der Kontrakte mit den 5 15 Generalpächtern und andern Finar zgesellschaf— 150 ten gefunden, daß sie bei einer andern Ein— 2 .— 8 ——..... 7 ˖ p. 5 10 424 Finanzzustand f I N 0 9 0 richtung mit der Zeit 24 Mill. jährlich für an, 10 ee den Tresor abwerfen können. Ich habe etliche i 1 0 0 Vorschläge zu thun, welche die Einnahme der vun N 9 100 Schatzkammer um 20 bis 30 Mill. vermehren ben K 1 00 werden. Übernehmen Adel und n ö 0 11 1 0 die Auflagen die bisher bloß von den Bürger— ö ind 100 lichen getragen sind, so giebt das wieder eine den 0 Einnahme von 10 bis 12 Millionen. Ich ö fung kann ferner voraussetzen, daß bei gewissenhaf— f oh ter Haushaltung sich noch verschiedene Ver— ö ß f mehrungen der Einnahme und Ersparungen gehn! in der Ausgabe zeigen werden, die ich pflicht— ten si mäßig benutzen will. Und zuletzt bin ich über— r git zeugt, daß in dem ganzen Einanzsystem we— uf di sentliche und vortheilhafte Veränderungen zu te, teil machen sind; worüber ich aber die Vorschläge dune von den Ständen erwarte, und sie nur ersu— ag che, bei diesen Vorschlägen itzt noch nichts uh h von zu plötzlicher Verminderung in der Ein— 10 nahme der Finanzbedienten, von Herabsetzung sonnt, der Zinsen, und von Einziehung der Pensio— fab nen zu berühren.« Untersuchen wir das Rä— Ein f sonnement in Absicht auf die daraus für die nig Finanzen zu erwartenden Wirkungen, so Cine scheint mit ganz unläugbar zu seyn: a) Daß 100 die ersten 24 Mill. erst alsdann erfolgen kön— * — von Frankreich 1789. 425 f 0 4 f it nen, wenn die Abänderungen in den Kontrak— fie ten mit den Generalpächtern und andern Fi— ee nanzgesellschaften gemacht sind. b) Daß die ach hernach berührte Vermehrung von 20 bis 30 Niet Mill. noch manche Schwierigkeit haben wird Web- und vielleicht am Ende nicht mehr als etwa Wr eine die Hälfte davon einkommen dürfte. Wenn 90 man die oben(S. 395) angezeigten 16 Arti— Mhaf—* kel nachsieht, wird man mir gleich zugeben, 1 Len f daß wenigstens eine Reihe von Jahren hin— Mugen gehn wird, ehe die volle Wirkung zu erwar— i ssche ten steht. e) Daß die 10 bis 12 Mill. von nber der gleichförmigen Vertheilung der Auflagen i we⸗ auf den Adel und die Geistlichkeit eine wah— n u re, reelle und gleich zu erhaltende Einnahme ige 0 ausmachen; d) daß aber die übrigen Vor— u, schläge Zeit erfordern, zumal da Necker alle shychts Machtsprüche verwirft. 8 Mich dünkt also, er hat durch dieses Rä— ung sonnement zwar die Möglichkeit bewiesen, daß 30 sio⸗ selbst bei der itzigen Finanzverfassung eine 11 Nä⸗ Einrichtung getroffen werden könne, wobei eit die ö mit der Jeit ein richtiges Verhältniß zwischen „ Einnahme und Ausgabe Statt haben würde 1 Och allein seine Vorschläge selbst reichen nicht bin, b das Defizit anitzt sogleich zu decken. Es sind .——— ̃..—. ̃...——. ̃ ⅛—[—. ̃7—————— ——— 426 Finanzzustand aber zwei ganz verschiedene Fragen: Ist es überhaupt möglich, das Defizit der Französ Finanzen zu decken? und: Wodurch kann das bisher Statt habende Defizit sogleich gehoben verden? Die Exörterung der letzten Frage ward eigentlich von Neckern verlangt; und wenn er sie zu geben nicht im Stande war, so mußte er dies sagen, und den Ständen da— bei zu ihrem Troste eine entfernte Hofnung zeigen, dure h gute Ordnung dies Destizit aus dem Wege zu räumen. Necker scheint mir in diesem ganzen Theil seiner Rede als Privatgelehrter und Schrift— steller zu sprechen, der gute Kenntnisse von den Französischen Finanzen hat, der das Übel das diese Finanzen drückt, kennt, und aus seiner Studierstube allerhand Vorschläge thut wie demselben abzuhelfen seyn mögte. In dieser Rücksicht hat auch dieser Theil der Nek— . 25 kerschen Rede einen ungezweifelten Werth. Allein dies war ja nicht die Rolle, in welcher er auftreten sollte. Er mußte als Fi nanzminister erscheinen; und da mußte, mei— ner Meinung nach, seine Rede eine ganz andre Wendung bekommen. Ein Staatsmann, der in einer Versammlung von Ständen auftreten 1 8—.——— g Fi-eich g 4 von Frankreich 1789. 427 i ez— 1 5 und von Staatssachen sprechen soll, muß nicht asi 1... 5 b nur seinen ganzen Plan ausgearbeitet haben, a das b ihn auch sogleich ganz deu lich sagen. 1 Whoben 7 e Erfahrung aller Zeiten und Länder lehrt, Sag 155 alle Berathschlagungen von zahlreichen 5 und Versammlungen auf unnützes Räsonniren und enn pat, auf höchst nachtheilige Zänkereien hinauslau— ie ba- sen, sobald man von diesen Versammlungen urg Verbesserungsvorschläge erwartet. Wenn Kauf— G dus leute aus allen Provinzen eines großen Reichs zusammenberufen werden, um Plane zur Ver— MThel besserung und Erweiterung des Handels zu . önhlist thun, so wette ich Tausend gegen Eins, daß 5 Nu bon durch alle Deliberationen derselben kein zusam— llbel f menpassendes Ganze entstehn wird. Große aus Versammlungen können von einem Staats— hut manne nur so genutzt werden, daß er seinen n ganzen Plan deutlich vorlegt, und zuletzt dar— Ick: über stimmen läßt, ob er angenommen wer— , den soll oder verworfen wird. Necker mußte in also ungefähr folgendergestalt sprechen, wenn 0 0 er als Minister vortragen, und von den Be— 1 ndl rathschlagungen der Stände Vortheil haben audit wollte.»Sie wissen, M. H., daß unsre Ein⸗ 1 dr nahme nicht zureicht die Ausgaben zu bestrei— n ten; und nach einer muthmaßlichen Schätzung —— 2 8—— a —.— ̃—́————————— v * —— Plan entweder gebilligt oder verworfen wäre— 4 Di 216. 428 Finanzzustand fehlen uns jährlich wenigstens 86 Millionen. Das Defizit kann gehoben werden, wenn wir folgende Maaßregeln ergreifen, die ich Ihnen hiemit ganz bestimmt vorschlage. Billigen Sie diese Vorschläge, so werden wir sogleich in Ordnung kommen. Verwerfen Sie dieselben, so müssen wir eine längere Reihe von Jahren nehmen um zu unserm Zweck zu gelangen. Bei dieser letzten Methode, werden wir das Defizit noch so und so viel Jahre fühlen; * nach dem Plan aber den ich darüber ausge— arbeitet habe, wird dasselbe von Jahr zu Jahr kleiner werden, hierauf ganz verschwinden, und endlich in Überschuß verwandelt seyn.« Hiedurch hätten die Stände bestimmte Sätze erhalten, worüber sie berathschlagen und beschließen konnten. Necker sprach dann als der Geschäftsmann, der seine Sache voll— kommen inne und seinen Plan vollständig durchdacht hatte. Und es ließ sich voraussehn, duß wenn die Stände eine Zeitlang sich über den vorgeschlaguen Plan unterhalten und den— selben von allen Seiten beurtheilt hätten, endlich ein Entschluß durch die Mehrheit der Stimmen würde getroffen seyn, wodurch der gen N a0 en. auch eilen 5 von Frankreich 178g. 429 Je„ . Aber so wie itzt Neckers e Absicht kn auf das Defizit abgefaßt ist, läßt sich einge 1 mit Gewißheit vorhersehn, daß die 9 ö 9 angestellten Berathschlagungen auf leere Zan— 101 kereien hinauslaufen werden. Te, Es ist zu vermuthen, daß er in den fol— hn genden Verhandlungen des Reichstags einen Mugen andern Ton annehmen, und bestimmter spre— A bas chen wird. Ich hätte aber gewünscht, daß er Ihen auch gleich in der ersten Anrede nicht wie uche Necker, sondern wie ein Geschäftsmann der . Jist seiner Sache gewiß ist, gesprochen hätte. 0 und Den 2 Juli. 0 ume 5 r gen Denjenigen Theil der Neckerschen Rede nn der von dem besondern Defizit des itzigen Woll Jahres handelt, und die Mittel darstellt wie 0 adig diesem geholfen werden soll, werde ich näch— 0 sehn, stens analysiren. Damit aber die Leser durch iber meine Bemerkungen im e der 1 ben: Geschichte des Französischen Reichstags blei— Iten, ben, insofern auf emen etwas in Absicht t der Finanzen beschlossen wird; will ich hier 10 den noch kürzlich anzeigen, was bis itzt in Bezug 15 auf dieselben vorgefallen ist. c — — — ä 7. 77 430 Einanzzustand Daß zwischen den deei Ständen Frank— 0 * reichs sogleich Streit entstanden; daß diese Streitigkeiten noch nicht geendigt sind; und daß die Deputirten des Bürgerstandes den Entschluß gefaßt haben, sich, weil ihre Kom— mittenten s von der ganzen Nation aus— machen, als die wahre Nationalversammlung anzusehn und zu erklären: ist den Lesern aus den Zeitungen bekannt. Der Bürgerstand hat zwar den beiden übrigen das Recht zugestan— den, jeden Tag dieser Nationalversammlung beizutreten, hält sich aber doch auch ohne die— sen Beitritt berechtigt, Nationalbeschlüsse zu machen, und glaubt daß diese für das ganze Reich verbindlich sind. f Ob der Bürgerstand(oder die Kammer der Gemeinen, wie sich dieser Stand anitzt nennt) zu diesem Schritt berechtigt gewesen, brauchen wir nach unsrer Absicht nicht zu er— örtern. Was für Folgen daraus für den Kö— nig und die politische Konstitution Frankreichs entstehn werden, wollen wir abwarten. Da aber der erste feierliche Entschluß dieser Na— tionalversammlung die Finanzen des Reichs wesentlich berührt, so müssen wir denselben hier anzeigen. Sie hat festgesetzt: blk — tua 0 N Wa ang s aulign; g 83 unge eit Nele la * 5 von Frankreich 178g. 431 ick 1) Daß alle bisherige Abgaben unrecht— ch de mäßig erhoben sind, weil sie nicht mit Bewil— dz und ligung der Stände aufgelegt worden; Ves den i 2) Daß sie jedoch sämmtlich nach wie vor lie fon bis zum Schluß des Reichstags erhoben wer— n aus: den sollen; Aenmlung 3) Daß nach diesem Schluß, er geschehe in aus aus noch so verschiednen Ursachen und Mo— p d hat tiven, keine Abgaben weiter in allen Provin— Wesean⸗ f zen des Reichs erhoben werden dürfen, die Wlan nicht namentlich förmlich und freiwillig von 9 die di⸗ der Nationalversammlung bewilligt sind; pf zu 4) Daß die Gläubiger des Staats schon Hape itzt unter den Schutz der Nation genommen b werden. In In diesen Beschlüssen ist nichts Tumul— it tuarisches; und das läßt viel Gutes für die Ie, Finanzen von einer solchen Versammlung er— 1 warten. Indeß zeigen sie auch Gesinnungen 9185 an, die auf festen Grundsätzen beruhen, und ace auf Grundsätzen die gegen alle willkürliche Ge— 5 0 walt des Königs und seiner Minister gerichtet 10 sind. Will nun der König seine Gewalt weg- 11 geben, die er und seine Vorfahren bis itzt aus— 15 geübt haben; wollen die Minister sich gefallen . lassen, von ihren Handlungen und Staats— ö ö 1 1 —.———..——UU.—FK—UUUCrUFULL ccc—— 8 — ä—— ä— verrichtungen der versammelten Nation Re— chenschaft zu geben: so kann alles gut gehen. Aber, wo werden die Anforderungen der Na— tionalbversammlung, wo kann das Nachgeben des Königs aufhören? Welche Verwirrung ist also nicht in Frankreich für die ersten Jahre vorauszusehn? Den 4 Juli. Es war vorherzusehn, daß der unter vo— rigem Datum angezeigte Schritt des Bürger— standes großes Aufsehn am Hofe Ludwigs XVI erregen mußte. Im Geheimen Rath wa— ren die Meinungen getheilt. Von der einen Seite ward dieser Schritt als eine offenbare Empörung angesehn, und man folgerte dar— aus Umsturz der Monarchie, Herabwürdigung des königl. Ansehns, und Vermischung aller bisherigen abgesonderten Stände des Reichs. Von der andern Seite mußte man wohl zu⸗ geben, daß der Bürgerstand in der Form ge— fehlt hatte; man entschuldigte ihn aber mit der bisher so deutlich gezeigten Abneigung des Adels und der Geistlichkeit gegen wahre Ein— tracht; und man rieth aus Klugheit zu sanf— ten 5 7 n 5—.—.——. 1 Frankreich 178 33 von Frankreich 1789. 453 Ion 5 G 8 5 Hare 5 n ten gemäßigten Maaßregeln, weil scharfe 5 l gehe 5„ bewirke N hen Mittel eine allgemeine Verwirrung bewirken I her d 3 f. e der n würden. Necker war auf der letzten Seite.— 5H achgthen Indeß ward beschlossen, daß der König die rug if Stände zusammenberufen und ihnen seine 5 Willensmeinung eröfnen solle. Diese Maaß— regel ward von beiden Parteien für nöthig gehalten, und der König ließ sie den Stän⸗ den bekannt machen, ohne selbst noch bestimmt zu haben welcher! g er beitreten würde. artei des Adels und der 190tet bo; 0 Endlich behielt die 4 Ad 6 Jürget⸗ Geistlichkeit das Übergewicht; und der König 8 Aoldnigs sprach in der Sitzung vom 23 Juni als Su— north pa⸗ verän, der das Recht hätte alle bisher zwi— nd einen schen den Ständen vorgefallne Streitigkeiten Au nbare aus eigner Macht zu entscheiden. fal dar⸗ Um seine guten Gesinnungen zu beweisen, und um dem Volk zu zeigen daß er freiwillit 0 3 gung serschiedne Aufopferungen zum Besten d 0 let verschiedne Aufopferungen zum Oesten des C machen würde, erklär oe E nig ferner: daß keine neue Auflage gemacht, 1 ei lte über Termin hinausgesetz 100 ge⸗ noch eine alte über den Termin N werden solle, wenn nicht die Stände ihre!“ bin⸗ hr willigung dazu geben; daß keine Anleihe ohne Zustimmung der Stände eröfnet werde, wo— 0 sal⸗ ö bei sich doch der König das Recht vorbehielt, 5004 fh g a 5 II. Ee len 5—— 5 5 2— 5— i ..— 3 37 Tina nenn 43. Finanzzustand bei Kriegszeiten und bei außerordentlicher Ge— 7 11 fahr hundert Millionen borgen zu können; daß die Stände das Necht haben, die Finan- zen zu untersuchen; daß alle Jahre eine Nach— weisung der Einkünfte und Ausgaben dem 7 1 Volk gegeben werde; daß für jedes Departe— ment eine gewisse Summe festgesetzt werde; daß das Interesse der Staatsgläubiger in Sicherheit gebracht werde; daß die Kopfsteuer in eine andre Abgabe verwandelt werde; daß die Stände die Mittel angeben, wodurch die persönliche Freiheit der Unterthanen verstchert würde; u. s. w.— Am Ende der Sitzung besahl der König, daß die Stände sich tren— nen, und den andern Tag J gungen Ständeweise fortsetzen sollten. Der Adel und die Geistlichkeit gehorch— ten; der Bürgerstand aber, der sich für die Nationalversammlung ausgegeben hatte, und durch den Beitritt einiger Glieder des Geist— lichen Standes verstärkt wurden, war damit nicht zustieden. Hierüber entstand nun eine rt von allgemeinem Aufruhr in Paris und Bersailles. Necker ward zum König und zur Döniginn gerufen; und da derselbe die großen Nachtheile vorstellte, die gewiß erfolgen wür— Ihre„0. I 77 begebe 19 bunch halten g I. 90 bg gung! fiona ng es ge Fönig geg, 0 welch maß gg Gun N — 2. 2—. Dre 5 ö; 35 von Frankreich 1789. 435 010 0 el Ho-„5„ . den wenn man jene Machtsprüche durchsetzen konnen; 5 5 1 7 „ wolle: so beschloß der König, der Geistlich— nan 3 5 47 5 „ keit und dem Adel sagen zu lassen, daß Er e Nach 8 1* 4* 31 8 aus Liebe für das Wohl seines Volks sie er— 2 ell den 0 2— 1 9 2 0 l suche, sich ohne Aufschub mit dem Bürgerstand 305 f Arte: 5 5 5 N e zu vereinigen, und daß diejenigen die durch P pedde d 8 8. f 5 ihre Vollmachten gebunden wären, sich dahin her; 5 2 5 0 begeben mögten ohne zu stimmen, bis sie + . Isteh,. ef 2 5 durch ihre Vorstellung neue Vollmachten er— 1 daß 8 1 halten hätten. 1 lich die mrschen Dieser Nath Neckers hat den glücklichsten 1* Sizung Erfolg gehabt. Den 27 Juni ist die Verei— J güne 7.— en nigung aller drei Stände erfolgt; und nun Pac, werden wir ja sehn, wie es weiter gehen wird. eld 1 * ö Neckers Rath war gewiß gut, um die Worch⸗ itzt entstandenen innerlichen Unruhen in der r die 0 Geburt zu ersticken. Es war gegen die Form, 0 1——— 1.—* 0( und ö daß der Bürgerstand allein sich für die Na— 3 heist tionalversammlung erklärte; und eben so war d Want 0 es gegen die Form des Reichstags, daß der a eine 1 König zu den Versammelten Ständen als Ge— 0 9 C und setzgeber sprechen wollte. Durch den Rath b zur welchen Necker gab, ward die Form einiger— 3 ßen maßen hergestellt.— Wenn aber dieser ir ö Grundsatz fernerhin befolgt wird, jede Ver— 0 9 7 N * ——Ä—U——— e————̃ç—˖—r·ůĩ ĩů˖. ⁵˙ A r K ˙————— eee eee eee 7 1— 2 2 2 — . 1 2 1 r 2 2 S 8 28 E D— 2 2 N —— 85 85 0 W S 8 5 50 8 2— 7 2 50 1—— 923 N e 2 8 — d 2 2 S 2 885 — 3 2 5„ 1 85 8 2 2— S e 8 8 8 7. 8= 2 35 2 2 8 2 2 5 5 9 5 .*—*— 2 S2 2 2. — 2 28 E 2 8 8 2 82(070 + 3 5 5 5 5 18 4* 8— A— 2 155 85 2 2 K 2 **— 3—*— 1 808 8 5 — E 15 2 8 233 O 50 2 — 1 N —— 9—= 1 2 2— 7 225 S— 8 S N— l 55 F 2 — 5 2 E h 8 E 2 —— 2 2 — 8 8 ——— — S——— „n— 22— ———— Solour& Grey Control Chart Blue Cyan Green Vellow Hed Magenta Wnite Grey Grey 2 Grey 3 Grey 4 Black