5 — 1Unir 3 4 Giessen 8 1 + 0 I, Vollständiges Handbuch V. 5 praktischen d er Naätional⸗Oekonomie für Staatsmänner, Grund⸗Besiher, Gelehrte, Capi⸗ talisten, Landwirthe, Manufakturisten, Handels-— leute, und überhaupt für jeden denkenden Bürger. Von Johann Baptist Say, Verfasser der Darstellung und des Catechismus der National— Oekonomie ꝛe. I I. N * N MN WX ö 4 n — Aus dem Franzöosischen übersetzt ——.—— v o n— 0 ᷓ V· v. Th. + I.—— 5. RUNI. A XII I Erster Ban d. WES Os Stutt gavt, in der J. B. Metzler'schen Buchhandlung. 2 9 Der gründliche Denker will zuerst wissen, wie es sich mit den Dingen verhält, auf denen das menschliche Daseyn eigentlich beruht. Diese kommen selbst bei den wichtigsten Angelegenheiten in Betracht. Fenelon. Ignhalt des ersten Bandes. Allgemeine Betrachtungen 2½ 3 S. 1 Erster TLheil. Von der Erzeugung der Reichthümer. Erster Abschnitt. Von der Natur der Reichthümer. Cap. 1. Von unsern Bedürfnissen und unsern Gütern 98 — 2. Von dem Werthe der Dinge 20 — 3. Von dem Grunde des Werthes oder der Nüblichteit 120 Zweiter Abschnitt. Von den die Produktion bedingenden Operationen. Cap. 4. Was unter der Erzeugung der Reichthümer zu ver⸗ stehen ist 125 — 5. Von den immateriellen Produkten 155 — 6. Worin die Arbeiten der Industrie bestehen 358 —. Unterschied der Industrie-Zweige. 155 — 8. Von den Werkzeugen der Industrie im Alhemeinein und von den Produktiv⸗Fonds 102 — 9. Von dem Austausch der Produktions-Kosten gegen Produkte und von den Fortschritten der Industrie 156 — 10. Von der Natur und der Verwendung der Capitale 194 — 11. Eintheilung der Capitale 216 — 13. Von den unproduktiven Capitalen225 — —— V Inhalt. W Cap. 13. Von der Bildung der Capitale.* S. 229 — 14. Von der Verschleuderung der Capitale„244 — 15. Von der Theilung der Arbeit 5 — 16. Ursprung der Theilung der Arbeit und Greme derselben 202 + — 1). Von den Nachtheilen, die mit einer allzustarken ä 99. 00 Theilung der Arbeit verbunden sind /8 — 138. Von der Nützlichkeit der Maschinen bei den Künsten 285 — 1g. Ueber die Revolution welche die Baumwollen⸗Spinn⸗ Iktisc maschinen in dem Handel bewirkt haben 303 —— Al geget De polit sagt, die Nat. Wamie del un, die wy! We det wens⸗ dum des me Dhnlichtunger logie W. st Arpers und Balblonomie 5 NIe Die Spiels res Lehe durch w Grobe Syrete * 282——.— ————— Snn————— Vollständiges Handbuch der praktischen National-Oekonomie. Allgemeine Betrachtungen. Gegenstand der politischen Oekonomie. Die politische Oekonomie, oder wie man gewöhnlich sagt, die National-Oekonomie ist nichts Anderes, als die Oekonomie der Gesellschaft 5). Die politischen Gesellschaf— ten, die wir Nationen nennen, sind lebende Organismen, wie der menschliche Leib. Gleichwie nun aus dem Stu— dium des menschlichen Körpers und seiner organischen Verrichtungen eine besondere Wissenschaft, die Physio— logie*, so ist aus dem Studium des gesellschaftlichen Körpers und seiner verschiedenen Bestandtheile die Natio— nalökonomie entstanden. *) Nog, civitas, Stadt, Gesellschaft bedeuten dasselbe. *˙½)„Die Physlologie des Menschen ist die Darstellung des Spiels unserer Organe und folglich des Mechanismus unse⸗ res Lebens. Jedem denkenden Wesen liegt daran, zu wissen, durch welches Kunststück es lebt, wie es von der Wiege zum Grabe geht, und wie seine Handlungen zu Stande kommen. Say pratt National⸗Oekonomie I. 1 2 Allgemeine Betrachtungen. Das Leben des gesellschaftlichen Körpers ist nicht das Werk der Kunst. Dugald Stewart hat in den Anfangsgründen sein Philosophie sehr richtig bemerkt, daß man zu lange ge— glaubt habe, die gesellschaftliche Ordnung sey einzig das Werk der Kunst, und die derselben etwa noch Mkleben— den Mängel hätten ihren Grund in einem Versehen des Gesetzgebers, oder in einem Versäumniß der mit der Lei— tung dieser verwickelten Maschine beauftragten obrigkeit— lichen Personen. Daher sind jene idealen Gesellschafts— plane, wie z. B. Plato's Republik, die Utopie von Mo— 16, die Oceana von Harrington ꝛc. entstanden. Jeder glaubte, an die Stelle einer mangelhaften Einrichtung eine bessere setzen zu können, ohne zu bedenken, daß es in den Gesellschaften eine Natur der Dinge giebt, die durchaus nicht von dem Willen des Menschen abhängt, und die wir nicht willkührlich regeln können. Damit will man aber nicht sagen, daß der mensch— liche Wille keinen Einfluß auf die Einrichtung der Ge— sellschaft habe. Die Meinung ist nur, daß ihre Bestand— theile, ihre Fortdauer nicht die Wirkung ihrer künstlichen Organisation, sondern ihres natürlichen Baues sind. Der Gärtner kann den Baum zurichten, ihm eine beliebige Gestalt geben, allein der Baum lebt und trägt Früchte zufolge der Gesetze des Pflanzenlebens, über die der Gärtner nichts vermag. Eben so sind die Staatsgesell— schaften lebende mit Organen versehene Körper, denen das Thun der Gesetzgeber, der Staatsmänner, der Krie— ger, der Eroberer, oder selbst die Wirkung zufälliger Um— stände schädlich oder heilsam werden, das Leben selbst aber nicht geben kann. Letzteres ist so wenig das Werk einer künstlichen Organisation, daß gerade da, wo diese sich am wenigsten zeigt, und man sich einzig darauf be— ——— Allgemeine Betrachtungen. 3 schränkt, den gesellschaftlichen Körper vor hemmenden und störenden Zufällen zu bewahren, die Bevölkerung und die Wohlfahrt der Staaten die raschesten Fortschritte macht. Die künstliche Organisation der Staaten wechselt mit den Zeiten und den Orten; die natürlichen Gesetze dagegen, kraft welcher sie bestehen, sind in allen Ländern und zu allen Zeiten stets dieselben. Sie waren bei den Alten, was sie jetzt sind; nur kennt man sie heutzutage besser; das Blut in den Adern eines Türken bewegt sich nach denselben Gesetzen, wie dasienige in den Adern ei— nes Canadiers; es kreiste in den Adern der Babylonier, wie in den unsrigen, aber erst seit Harvey's Zeiten kennt man seinen Kreislauf und die Funktion des Herzens. Die Capitale förderten die Industrie der Phönizier eben so, wie sie die der Engländer fördern; allein nur seit ei⸗ nigen Jahren kennt man die Natur der Capitale, erst seit kurzem weiß man, wie sie die Wirkungen hervor— bringen, die wir beobachten, und die die Alten, wie wir, sahen, sich aber nicht erklären konnten. Die Natur ist alt, die Wissenschaft neu. Die Kenntniß dieser natürli— chen und unveränderlichen Gesetze, ohne welche die mensch— lichen Gesellschaften nicht bestehen könnten, bildet nun diejenige neue Wissenschaft, die man National-Oekono— mie nennt. Sie ist eine Wissenschaft, weil sie nicht aus erdachten Systemen, aus willkührlichen Organisations— Planen, aus grundlosen Hypothesen, sondern aus der Erkenntniß dessen, das da ist, und aus der Erkenntniß der Thatsachen, deren Wirklichkeit sich nachweisen läßt, erwächst. Die National⸗Oekonomie ist eine neue Wissenschaft. Dugald Stewart folgert, wie ich glaube, aus einer sehr richtigen Bemerkung nicht Alles, was sich daraus 1 V 4 Allgemeine Betrachtungen. folgern läßt. Man verschmäht jetzt, sagt er, die Ver— besserungsprojekte, weil sie bei den Urhebern die Absicht errathen, sich über die Weisheit der Jahrhunderte erhe— ben zu wollen. Sollte man nicht vielmehr sagen, weil; sie, statt etwas Neues zu entdecken und zu beschreiben, nur neue Plane gegeben haben. Die sogenannte Weis— heit der Jahrhunderte ist kaum etwas Anderes, als die Unwissenheit derselben. Die Erfahrung unserer Vorgän⸗ ger enthält noch viele mangelhafte und schlecht angestellte Beobachtungen, und hergebrachte Verfahrungsweisen, die man angenommen hat, ehe man die Wirkungen auf ihre wahren Ursachen zurückführen konnte. Ihre Institutio— nen oder Anstalten sind nur zu oft durch abgeschmackte Vorurtheile entstellt. Wenn einige dieser Einrichtungen den Beifall der Vernunft verdienen, so gebührt die Ehre davon nicht der Weisheit, die von dem Wissen unzer— trennlich ist, sondern einigen überwiegenden Interessen, die über die materiellen Kräfte der Gesellschaft ver— fügten und zufalligerweise den Interessen der Mehrzahl nicht entgegenstanden. Dieß gilt z. B. von den zur Er⸗ haltung des Friedens und des Eigenthums bestimmten Anstalten, die begreiflicherweise den Machthabern und dem Volke zugleich angenehm waren. Es ist auch nicht zu läugnen, daß selbst in den Zei— ten der Unwissenheit zweckmäßige Maßregeln, das Ergeb— niß des gesunden Menschenverstandes seyn konnten, der in einigen wenigen Fällen hinreicht, einigermaßen die Nachtheile oder die Vortheile zu zeigen, die die Gesell⸗ schaft zu fürchten oder zu hoffen hat. Allein es ist nicht minder gewiß, daß die Menschen heutzutag eben so viel natürlichen Verstand besitzen, als ihre Vorgänger; dazu kommt aber noch eine Erfahrung, die Jenen abgieng, und ein Schatz von positiven Kenntnissen, der mit jedem Tage zunimmt. Oie Erke und I Qelo ande ersid sells mat nen der wig bern zu d nen, hat nur das Ven die geme perst pfer, habet selsei sund tigkei Dise Allgemeine Betrachtungen. 5 Die National⸗-Oekonomie umfaßt das ganze gesell⸗ schaftliche System. ů Die National-Oekonomie scheint sich bis jetzt auf die Erkenntniß der Gesetze über die Bildung, Vertheilung und Verwendung der Reichthümer beschränkt zu haben. Ich selbst habe sie in meiner Darstellung der National— Oekonomie, die im Jahr 1805 erstnials erschien, nicht anders betrachtet. Indessen ist aus diesem Werke schon ersichtlich, daß diese Wissenschaft sich mit der ganzen Ge— sellschaft befasse. Seitdem nachgewiesen ist, daß die im⸗ materiellen Güter, nämlich die Talente und die erworbe— nen persönlichen Fähigkeiten einen integrirenden Theil der gesellschaftlichen Reichthümer bilden, und daß die wichtigsten Verrichtungen mit den gemeinsten Arbeiten verwandt sind; seitdem die Verhältnisse des Einzelnen zu der Gesellschaft und der Gesellschaft zu dem Einzel⸗ nen, so wie das Intresse von beiden in's Licht gesetzt sind, hat es sich gezeigt, daß die National-Oekonomie, die sich nur mit den materiellen Gütern zu beschäftigen schien, das ganze gesellschaftliche System umfasse. Und in der That, wenn man von den gegenseitigen Verhältnissen der Glieder einer und derselben Familie, die zusammen ein einziges Individuum bilden, weil sie gemeinsame Interessen haben, und ferner von den rein persönlichen Verhältnissen des Menschen zu seinem Schö pfer, welche die Gesellschaft nicht betreffen, absieht; so haben alle auf die Gesellschaft bezügliche Fragen, wech— selseitige, der Schätzung fähige Interessen zum Gegen— stand; und weiter bedarf es nichts, um die hohe Wich— tigkeit zu rechtfertigen, die man dem Studium dieser Wissenschaft täglich mehr beilegt. 6 Allgemeine Betrachtungen. Sphäre, auf welche sich die National-Oekonomie beschränkt. Um uns aber nicht in einem unermeßlichen Felde zu verlieren, müssen wir den Gegenstand unserer For⸗ schungen etwas enger beschränken. Wir wollen den ge— sellschaftlichen Körper, die Natur und die Verrichtungen der verschiedenen Organe, woraus er besteht, kennen ler— nen; allein das Studium des inneren Baues eines jeden derselben würde eine endlose Arbeit seyn. So verdankt z. B. die Gesellschaft der Industrie ihrer Mitglieder ei— nen beträchtlichen Theil der Gegenstände, mittelst wel—⸗ cher sie ihre Bedürfnisse befriedigt; diese Industrie aber besteht aus einer Menge von Künsten, wovon jede ihr eigeues, sehr verwickeltes Verfahren hat, und die ihren Mann ganz in An spruch nimmt. So können wir, um den Nutzen, den die Gesellschaft aus dem auswärtigen Handel zieht, zu würdigen, immerhin den Zweck des Handels, sein allgemeines Verfahren und das Ergebniß desselben studiren; wir müssen aber denen, die den Handel zu ihrem Berufe machen, alles, was die Beschaffenheit der Waaren, womit sie speculiren, den Ankauf, die Fortschaf—⸗ fung und den Absatz derselben betrifft, als den Kreis ih— rer Thätigkeit überlassen. Um einzusehen, welchen Nutzen die Handwerke der Gesellschaft gewähren, brauchen wir nicht zu wissen, wie das Eisen oder ein anderer Stoff bereitet wird. Mit diesem Detail muß sich die Techno— logie beschäftigen. Indem die National-Oekonomie uns die Organe des gesellschaftlichen Körpers kennen lehrt, setzt sie uns in den Stand, von den Wirkungen auf die Ursachen oder von den Ursachen auf die Wirkungen zu schließen; sie überläßt es aber der Geschichte und der Statistik, in ih— ren Jahrbüchern die Resultate aufzuzeichnen, deren in— nere Verbindung sie nur zu oft nicht enthüllen können, Allgemeine Betrachtungen. 7 obgleich dieselbe für den mit der National-Oekonomie Vertrauten begreiflich genug ist. Die spekulative Politik zeigt uns die Verkettung und Wechselwirkung der politischen Begebenheiten, aber sie hat keine so feste Grundlagen, als die National-Oekono-⸗ mie, weil die Ereignisse hier viel weniger von der Macht der Dinge und viel mehr von Zufällen und der Willkühr des Menschen, die sich hinwiederum nach vorübergehen— den Umständen richtet, abhängen. Gleichwohl haben auch die politischen Erscheinungen ihre Ursachen, und in dem weiten Gebiete der Politik bewirkt das Zusammen-⸗ treffen ähnlicher Umstände auch ähnliche Resultate. Die National-Oekonomie zeigt den Einfluß mehrerer dieser Ursachen; da es aber viele andere giebt, die außer ihrem Bereich liegen, so betrachtet sie die politischen Verhältnisse eines Landes oder einer Zeit nur als etwas Gegebenes, dessen Folgen ihr zwar nicht entgehen, das aber, wie das Clima und der Boden sich der Wirkung jener Ursa⸗ chen entzieht, die der Gegenstand ihrer Forschungen sind. So betrachtet sie z. B. die politische Verfassung eines Landes als etwas, das auf die Existenz oder das Wohl— seyn des gesellschaftlichen Körpers einen guten oder schlech⸗ ten Einfluß übt, das aber wieder das Resultat eines ih—⸗ ren Untersuchungen fremden geschichtlichen Ereignisses oder National-Vorurtheils ist. Sie beweist, daß keine große Gesellschaft Fortschritte machen kann, ohne aus— schließendes Eigenthum, überläßt es aber dem Gesetzge— ber, die Mittel zur Sicherung dieses Eigenthums ausfin— dig zu machen, ohne daß die Bürger deswegen zu sehr in Anspruch genommen werden. Dieß sind die verschiedenen Gesichtspunkte, unter de⸗ nen die National-Oekonomie und die spekulative Politik den gesellschaftlichen Körper betrachten. Dieselbe Sache kann der Gegenstand verschiedener Studien werden. Wird 8 Allgemeine Betrachtungen. nicht der Mensch selbst, dieses erste Element der Gesell⸗ schaften, von den Physiologen und den National-Oeko⸗ nomen auf verschiedene Weise ins Auge gefaßt? Diesem letzteren muß es daher auch erlaubt seyn, die Erschei⸗ nungen nur unter dem Gesichtspunkte zu studiren, der auf seine Wissenschaft Licht werfen kann. In einem be— trügerischen Gewinn wird er aber nur eine Versetzung des Reichthums; der Moralist dagegen eine Ungerechtig— keit erblicken. Beide werden eine Beraubung für etwas Verderbliches halten; der Oekonomist, weil eine solche Versetzung der wahren Produktion nachtheilig ist; der Moralist, weil dadurch die Tugend, ohne welche kein dauerhaftes Glück und selbst keine Gesellschaft möglich ist, verletzt wird. Das Studium der National-Oekono— mie und der Moral reichen sich, wie man sieht, ihrer Selbstständigkeit unbeschadet, gegenseitig die Hände. Dieß wird in der Folge noch durch viele Beispiele er— läutert werden. Alle Wissenschaften würden nur eine einzige ausmachen, wenn man nicht einen Zweig des Wissens ohne alle andern, die sich demselben anschließen, bearbeiten könnte; welcher Geist würde aber wohl alle umfassen können! Auf diese Weise muß man, wie ich glaube, das wis⸗ senschaftliche Gebiet der National-Oekonomie beschränken. Verhältniß der National⸗Oekonomie zu der Privat⸗Oekonomie. Die National-Oekonomie steht mit der Privat-Oeko—⸗ nomie zuwoilen in einem so innigen Verhältnisse, daß man nicht selten die eine mit der andern verwechselt und der ersten nur wegen der Dienste, die sie den Privat⸗-In⸗ teressen leisten konnte, eine gemäße Wichtigkeit beigelegt hat. Es ist indeß nothwendig, sie zu unterscheiden. Hesjeße 0 f. Allgemeine Betrachtungen. 9 Indem die National-Oekonomie uns die Mittel lehrt, durch welche die zum Bestehen der Gesellschaft erforder⸗ lichen Güter erzeugt werden, belehrt sie die Einzelnen und die Familien, wie sie die Güter, deren sie zu ihrer Existenz bedürfen, vermehren können; indem sie zeigt, wie die in der Gesellschaft und durch sie erzeugten Reich-⸗ thümer sich unter den Gliedern derselben vertheilen, macht sie diese darauf aufmerksam, welche Arbeit sie, nach der ihnen gewordenen Erziehung, dem Lande, das sie bewoh⸗ nen, den Mitteln, worüber sie verfügen, treiben sollen; indem sie die Wirkung der Consumtionen darstellt, setzt sie die Einzelnen in den Stand, von ihren erworbenen Gütern den besten Gebrauch zu machen; weiter befaßt sie sich aber mit den individuellen Interessen nicht, denn die Privat-Reichthümer lassen sich nicht durch allgemeine Gesetze regeln. Ein Diebstahl, ein Verlust im Spiele und andere Zufälle bringen einen Theil des Reichthums aus der einen Hand in die andere, ohne daß dadurch die Gesellschaft im Ganzen reicher oder ärmer wird. Ein großer Aufkauf, ein Monopol bereichert eine Classe von Bürgern auf Kosten einer oder mehrerer anderer Clas⸗ sen; dem Privat-Vermögen geschieht dadurch großer Ein⸗ trag; die einen gehen zu Grund, die andern werden reich. Die Erbschaften, die testamentarischen Verfügun— gen, die Schenkungen unter Lebendigen bringen große Veränderungen in das Vermögen der Einzelnen; dieß erfolgt aber nach keinem allgemeinen und nothwendigen Gesetze. In manchen Fällen ist das Privat-Interesse sogar dem Interesse der Gesellschaft geradezu entgegen— gesetzt. Dem Erfinder eines zweckmäßigen Verfahrens in irgend einer Kunst liegt daran, dasselbe geheim zu hal⸗ ten, um den daraus entspringenden Gewinn allein zu genießen; der Gesellschaft dagegen muß daran liegen, daß solches bekannt werde, um durch die Concurrenz den 10 Allgemeine Betrachtungen. Preis des Produkts, von dem es sich handelt, herabzu— drücken. Dasselbe gilt von jedem anderen weit weniger zu rechtfertigenden Gewinn, der auf Kosten des Publi— kums gemacht wird. Diese Ereignisse haben ohne Zwei⸗ fel ihre Ursachen; allein diese Ursachen gehoren ebenso gut in das Gebiet der Moral, der Gesetzgebung und vielleicht der spekulativen Politik, als in das der Natio— nal⸗Oekonomie. Das, was einem Gliede des gesellschaft— lichen Körpers Schaden oder Nutzen bringt, darf der Gesellschaft nicht gleichgültig seyn; allein es ist es doch aus Ursachen, die sich mit anderen, die unserem Gegen— stande fremd sind, verwickeln. Von der Grundlage unseres ökonomischen Wissens. Fragt man, warum die dkonomischen Kenntnisse nicht früher entstanden seyen, so dient zur Antwort: weil die Kunst, zu beobachten, sich gleich den anderen Künsten immer mehr ausbildet, je älter die Welt wird. Unter⸗ richtet seyn, heißt: die Wahrheit in Beziehung auf die Dinge, von denen es sich handelt, erkennen; es heißt: sich von den Dingen einen der Wirklichkeit entsprechen⸗ den Begriff machen. Die Grundlage aller Wahrheit ist also die Wirklichkeit der Dinge, und der Anfang alles Wissens besteht darin, daß man sich von dieser Wirklichkeit durch alle von der Natur uns verliehene Mittel überzeuge. Früher hielt man das, was Aristoteles gesagt hat, für weit gewißer als das, was man mit eigenen Augen sah, was man mit seinen Händen berühte oder was der schllchte Menschenverstand als wirklich darstellte). Der Die Alten, d. h. die Schüler in der Civilisation übertreffen die neueren nur etwa in den schönen Künsten, wo der Ge— schmack und eine oberflächliche Beobachtung genügen, um etwas Vollkommenes zu leisten. In den Wissenschaften, die eine genaue Erfahrung und vollständige Untersuchung Allgemeine Betrachtungen. 11 große Baco mußte erst die Menschen auf die Mittel auf— merksam machen, durch die sie sich von der Wahrheit überzeugen können; diese Mittel sind die Versuche, falls man die Thatsachen, die man nach Gefallen wie— derholen kann, erforschen will, und die Beobachtung, falls die zu untersuchenden Thatsachen durch den Gang der Natur herbeigeführt werden. Auf diese Weise zeigen uns die chemischen Versuche, was aus der Mischung zweier Substanzen entsteht, während uns die astronomischen Beobachtungen über den Lauf der Gestirne belehren. Es vergieng fast ein ganzes Jahrhundert, ehe man den von Baco gegebenen Rath für gut fand; so lange wehren sich die Menschen gegen die Vernunft, ehe sie sich ihr unterwerfen! Doch trug endlich das Genie Baco's, von Galilei, Descartes, Newton und mehreren anderen unterstüzt, über die Grundsätze der Schule und die will—⸗ kührlichen Systeme, die bis dahin geherrscht hatten, den Sieg davon. Durch sie wurden die Wissenschaften hoch gehoben, denn die erfahrungsmäßige Methode hat das Gute, daß sie die Irrthümer, zu denen sie verleitet hat, selbst wieder verbessert: ein mit mehr Sorgfalt angestell— ter Versuch und zu verschiedenen Zeiten durch Menschen aus verschiedenen Ländern wiederholt, verbessert einen unvollkommenen Versuch und wirft um so gewißer eine erfordern, kommt ihnen keine Autorität zu. Ihnen schien die Wissenschaft, nicht die Kenntniß dessen, was ist, sondern die Kenntniß dessen zu seyn, was geglaubt oder vorausgesezt wurde. Plinius sagt nur: Man erzählt: aber niemals: ich habe es unter sucht. Er beschreibt in vollem Ernst einen Fisch, der sich im Meere in der Gestalt eines Baumes erhebt, dessen Zweige so ausgebreitet sind, daß er niemals durch die Meerenge von Gibraltar hat schwimmen können. Er glaubt an das Daseyn der Nereiden und der Tritonen.(Plinius 9. Buch, Cap. 4 und 5.) 4 12 Allgemeine Betrachtungen. Hypothese, die sich nicht mit einer positiven Thatsache verträgt, über den Haufen. Die Wissenschaft ist alsdann nicht mehr die Kenntniß von dem, was diese oder jene sich eingebildet haben; der Lehrer erwirbt sich unsere Achtung, wenn er uns die Wahrheit erforschen hilft; allein sein Verdienst beruht lediglich auf dieser Wahrheit selbst; seine Versicherung genügt nicht, man will Beweise von ihm haben und alle seine Beweise müssen auf Ver— suche oder Beobachtung, d. h. auf die Wirklichkeit ge— gründet seyn. Die physischen und mathematischen Wissenschaften erhalten früher als die moralischen und politi— schen ihre Ausbildung. Die physischen und mathematischen Wissenschaften mußten durch die Erfahrungsmethode zuerst gehoben wer— den; die Thatsachen, worauf sie beruhen, fallen unmit— telbar in die Sinne*), sie sind schwerer zu bestreiten; durch die Erforschung derselben wird kein Interesse ver⸗ letzt; man kann in den östreichischen Staaten die Physik studiren, ohne die Fürsten, die Großen oder die Geistlich— keit in Furcht zu setzen. Mit den moralischen und po— litischen Wissenschaften verhält es sich dagegen anders. Das Studium derselben ist in allen nur im Interesse der Min— derzahl regierten Ländern verboten und Napoleon ver⸗ bannte sie, sobald er allmächtig geworden, aus allen französischen Instituten**). Die Mathematik selbst ist nur in sofern eine abstrakte Wis⸗ senschaft, als sie sich, absehend von den Körpern, bloß mit den Formen und den Größen derselben beschäftigt; allein die Formen und die Großen der Körper offenbaren sich den Sinnen. Der Calcul der nicht betastbaren Kräfte sogar handelt von den Wirkungen, die sich an den Körpern zeigen. ) Die Classe der moralischen und politischen Wissenschaften Iis iit bent abe 82 Allgemeine Betrachtungen. 13 Eitle Bemühungen! Wenn die moralischen und po⸗ litischen Wissenschaften gleich den andern auf Wirklich— keiten beruhen, so haben sie auch Theil an den Fort— schritten, die der menschliche Geist den auf Erfahrung beruhenden Methoden verdanken wird; gründen sie sich aber auch in der That auf Wirklichkeiten? Ob die moralischen und politischen Wissenschaften auf Wirklichkeiten beruhen. Wenn man die Erfahrungen und die wiederholten Beobachtungen zu Rathe zieht, so können viele morali— sche Thatsachen eben so außer Zweifel gesetzt werden, wie die physischen. Man sieht sie; sie erneuern sich tau— sendmal; man untersucht sie; man kennt ihre Natur, ihre Bildung, ihre Resultate und ihre Wirklichkeit läßt sich nicht länger bezweifeln. Nachdem man das Gold und Eisen zu wjederholten Malen gegen einander abge— wogen hat, kam man zu der Ueberzeugung, daß Gold schwerer ist, als Eisen; dieß ist eine ausgemachte That— sache, allein eben so wahr ist, daß das Eisen einen ge— ringeren Werth hat, als Gold, und doch ist der Werth eine rein metaphysische Eigenschaft, die von dem vor— übergehenden und wandelbaren Willen der Menschen ab— zuhängen scheint. Dieß ist noch nicht Alles: der Anblick der Natur zeigt uns eine Reihe von Erscheinungen, die miteinander innig verbunden sind: es giebt keine Thatsache, die nicht eine oder mehrere Ursachen zugleich hätte. Unter glei— chen Umständen bringt dieselbe Ursache nicht zwei ver— schiedene Wirkungen hervor; ein Getreidekorn, das ich in die Erde lege, erzeugt nicht bald eine Distel, bald ward in dem französischen National-Institute und der Vor— trag dieser Wissenschaften, selbst der der neueren Geschichte in allen Schulen unterdrückt. 14 Allgemeine Betrachtungen. eine Aehre; es erzeugt stets Getreide. Wenn die Erde angebaut, durch den Dünger fruchtbar gemacht worden ist, so bringt dasselbe Feld in einer gleich günstigen Jahrszeit mehr hervor, als wenn der Boden diese Zurichtung nicht erhalten hätte; das sind Ursachen, die stets dieselben Wirkungen haben. Nun wird man aber auch sogleich einsehen, daß in der National-Oekonomie dasselbe statt findet. Eine Thatsache ist stets die Folge einer oder mehrerer vorausgegangener Thatsachen, die die Ursache davon sind. Die Ereignisse von heute sind durch die gestrigen veran— laßt und werden auf die morgenden Einfluß haben; alle waren Wirkungen und werden hinwiederum zu Ursachen; gleichwie das Getreidekorn, das ein Erzeugniß des letz⸗ ten Jahres war, in diesem Jahre eine Aehre hervorbrin— gen wird. Die Meinung, irgend ein Ereigniß in der physischen und moralischen Welt erfolge ohne Ursache, heißt so viel, als glauben, ein Halm schieße ohne Saa— men aus der Erde hervor, was nur durch ein Wunder geschehen könnte. Daher der gemeine Ausdruck: Die Kette der Ereignisse, der uns zeigt, daß wir die Ereignisse als Ringe betrachten, die sämmtlich mit ein— ander verbunden sind. Allein, welche Gewißheit haben wir, daß eine vor— ausgegangene Thatsache die Ursache einer folgenden sey und daß eine Reihe festverbundener Zwischenringe diese beiden Hauptringe mit einander verbindet? Wir schrei— ben ein Ereigniß, das wir sehen, einem gewissen vorher— gegangenen Umstande zu; irren uns aber vielleicht; der dem Ereigniß vorausgegängene Fall ist vielleicht nicht die Ursache desselben. Aus Unkenntniß der wahren Ur— sachen der Ereignisse sieht der unruhige Geist des Men— schen sich nach übernatürlichen um, und nimmt zu jenen abergläubischen Gebräuchen und zu jenen Zaubermitteln seine Zuflucht, die in den Zeiten der Unwissenheit so sehr — Allgemeine Betrachtungen. 15 im Schwange, immer nnnüz und zuweilen schädlich sind und stets die schlimme Folge haben, daß sie den Men— schen von den einfachen Wegen abführen, auf denen er sein Ziel erreichen könnte)). Eine Wissenschaft ist in Beziehung auf eine gewiße Classe von Dingen um so vollständiger, je mehr es uns gelingt, das Band, das alle vereinigt und die wahren Ursachen der Wirkungen aufzufinden. Worin die analytische Methode bestehe. Diesen Zweck erreicht man durch das sorgfältige Stu— dium der Natur aller derjenigen Dinge, die in der zu erklärenden Erscheinung irgend eine Rolle spielen: die Na⸗ tur der Dinge enthüllt uns die Art, wie sie wirken und die auf sie gerichteten Wirkungen annehmen; sie zeigt uns die Verhältnisse und den Zusammenhang der That— sachen unter sich. Das beste Mittel aber, die Natur ei— ner jeden Sache kennen zu lernen, besteht darin, daß man sie analysirt, d. h. daß man Alles, was in ihr liegt, aber auch nur dieses zur Anschauung bringe. Lange hat man die Ebbe und Fluth auf dem Meere beobachtet, ohne sie zu verstehen oder ohne sie auf eine genügende Weise erklären zu können. Um den wahren Grund dieser Erscheinung angeben zu können, mußte man die Kugelgestalt der Erde, die Verbindung, die zwischen den großen Wassermassen besteht und die allgemeine Schwerkraft als ausgemachte Thatsachen erkannt haben; *) Ein rechtgläubiger Muselmann sagt:„Warum sollte ich diese Vorsicht gebrauchen? Wenn Gott will, daß etwas geschehe, so wird es geschehen; wenn er es nicht will, wa— rum sollte ich mir vergebliche Mühe machen?“ Er weiß nichts von jener anderen Marime, die so viel werth ist, als Alles, was im Alcoran steht: Helfe dir, so wird der Himmel dir helfen. 16 Allgemeine Betrachtungen. von da an war die Wirkung des Mondes und der Sonne auf das Meer außer Zweifel gesetzt, und die Ursache sei— ner täglichen Bewegung aufgefunden. Nachdem, um diese Vergleichung fortzusetzen, die Analysis eben so die Natur jener, gewissen Dingen bei— wohnenden Eigenschaft, die wir ihren Werth genannt haben, enthüllt und uns gelehrt hat, worin die Produk— tionskosten und ihr Einfluß auf den Werth der Dinge bestehen, ist man zur Einsicht gelangt, warum das Gold kostbarer sey, als das Eisen. Der Zusammenhang dieser Erscheinung mit ihren Ursachen ist so klar geworden, als diese Erscheinung unveränderlich ist. „Nachdem unter der Regierung Ludwigs XI., sagt ein Geschichtschreiber, Hunger und Pest Frankreich nach einander verheert hatten, wußte man kein anderes Mittel gegen dieses Unheil, als die Anordnung von Gebeten und Processionen*).“ Es ist klar, daß, seitdem man die Natur dieser Uebel besser kennt, man sich dagegen zu schützen weiß, da die Pest unter den aufgeklärten Natio— nen nicht mehr wüthet, und nie eine wahre Hungersnoth entsteht, obgleich die Bevölkerung in Europa fast überall auf das Doppelte gestiegen ist. Die Gesellschaft hat dadurch gewonnen, daß man den Zusammenhang der Wirkungen mit ihren Ursachen besser erkannt hat. Die Natur der Dinge zeigt uns nicht nur das Band, das eine Ursache mit ihren Wirkungen verbin— det, sondern auch die Unmöglichkeit eines Verhältnisses zwischen zwei Thatsachen, die auf einander folgen, nicht aber in einander greifen. Man liest in Fabrizius Reise nach Norwegen, daß, als die Fische im Jahr 1778 an den Küsten sehr abnahmen, die Einwohner, die sich ein⸗ ) Siehe das gegenwartige Werk, Th. 2. Cap. 3. ) Chastellur von der öffentlichen Glückseligkeit, Bd. 2. pag, bꝛ. ——3 ——— ——— 10 fung m L Aurch ur S Irth Vebi detun beidet daff uber nich hät gen beid geft Mit strei Do wiss daß herbin punkt eignis haben nur, sih 9e dern m zusamn mehrer ue E —— Allgemeine Betrachtungen. 17 zig vom Fischfang nähren, dieses Unglück der Einim— pfung der Blattern zuschrieben, die man damals in die— sem Lande einführte. Sie meinten, sie hätten sich da— durch versündigt, und würden nun vom Himmel dafür zur Strafe gezogen. Was aber diese Meinung zu einem Irrthum oder Vorurtheil stempelt, ist der Mangel an Verbindung zwischen der Einimpfung und der Vermin— derung der Bewohner des Meeres, wenn gleich diese beiden Thatsachen nach einander erfolgt sind. Dieses in dem so eben angeführten Beispiele so auffallend falsche Urtheil findet häufig bei den Fragen über die National-Oekonomie statt. Wie oft hat man nicht gesagt, die Fortschritte des Reichthums in Europa hätten ihren Grund in dem von den meisten Regierun-⸗ gen angenommenen Prohibitivsystem! Man hat diese beiden Thatsachen als einen unwiderlegbaren Beweis an— geführt, blos weil sie auf einander folgten, und die Natur der Dinge nicht ergründet, wornach diese unbe— streitbare Thatsache das Resultat anderer eben so gewißer Thatsachen und keineswegs derjenigen ist, der die Un— wissenheit sie zuschreiben will. Es ist nicht zu läugnen, daß die Kette, welche die Ursachen mit ihren Wirkungen verbindet, sich zuweilen auf unserem jeweiligen Stand⸗ punkt unseren Forschungen entzieht. Die Kette der Er— eignisse zieht bisweilen durch Wolken, die wir noch nicht haben zerstreuen können. In manchen Fällen wissen wir nur, daß dieselbe nicht unterbrochen ist, daß ihre Ringe sich gegenseitig halten und gewöhnlich der eine den an— dern mit sich fortzieht, ohne daß wir das Band, das sie zusammenhält, angeben könnten. Die Kette ist da, allein mehrere Ringe bleiben so lange verborgen, bis sie durch neue Entdeckungen in's Licht gesetzt werden. So weiß man, um ein Beispiel aus der Physiologie des menschlichen Körpers zu entlehnen, lediglich aus Say pratt. National⸗Oekonomie 1. 2 + 18 Allgemeine Betrachtungen. Erfahrung, daß die Kuhpocken wenigstens in den mei— sten Fällen vor den Blattern bewahren, ohne daß man weiß, wie dieses zugehe. Man kann wenigstens in die— ser Hinsicht nur Hypothesen aufstellen und ist außer Stand, etwas mehr, als die Thatsache selbst zu bewei— sen. Immerhin ist es aber ein Vortheil, aus der Er— fahrung zu wissen oder wenigstens glauben zu dürfen, daß die eine Thatsache die andere herbeiführe. Es ist selbst von Nutzen, zeigen zu können, daß sie nicht noth— wendigerweise auf einander folgen. Wenn wir auch noch über einen Punkt im Dunkeln sind, so haben wir doch über viele andere einige Gewißheit erlängt und es ge— hört zur Wissenschaft, daß man die Grenzen derselben kennt. Ist aber einmal eine Thatsache genau beobachtet, hat die Analyse uns Alles und nicht mehr, was an der— selben ist, kennen gelernt und haben wir das Band, das sie mit allen andern verbindet, erkannt, so können wir ein all— gemeines Gesetz daraus ableiten, das nur der Ausdruck dessen ist, was in allen ähnlichen Fällen statt findet. Von der Autorität der Principien. Ein allgemeines, bewährtes Gesetz wird zu einem Princip, wenn man sich darauf, als auf einen Be— weis beruft, oder irgend ein Verfahren darauf gründet. Man muß nur nicht zu viele Folgerungen daraus ziehen, ohne diese aufs Neue durch die Erfahrung zu prüfen. Außer dem, daß sich in eine lange Reihe von Schlüssen fehlerhafte oder übel passende Glieder einschieben können, die der Kraft des Ganzen Eintrag thun, kann das Re— sultat der Thatsachen von dem des Calculs sehr abwei— chen, weil es uns unmöglich ist, auf alle bisweilen kaum bemerkbaren Umstände, die auf das End-Resultat ein— wirken, Rücksicht zu nehmen. Man muß also, so oft man kann, untersuchen, ob das Resultat, worauf uns t 6 Allgemeine Betrachtungen. 19 das Nachdenken geführt, durch die Wirklichkeit bestätigt wird. So machen es die Seeleute. Durch Schätzung suchen sie den Punkt auf der Charte, wo sie sich befin— den und berichtigen ihren Lauf, so oft sie eine Küste be⸗ rühren, deren Lage siesaus anderen Beobachtungen kennen). Diese Methode, welche zeigt, nicht nur, was wir wissen, sondern auch, was wir nicht wissen; diese Me— thode, welche nothwendig jede Charlatanerie ausschließt (denn die Charlatanerie will glauben machen, man wisse das, was man nicht weiß), diese Methode, sage ich, wo— durch die Wissenschaften so weit gebracht wurden, hat, einmal auf die National-Oekonomie angewendet, dieselbe aus der Region der Hypothesen, der systematischen nur auf Vermuthungen gegründeten Doktrinen gezogen und sie zu einer positiven Wissenschaft erhoben. Da die Ge— setze derselben nicht mehr eingebildete Systeme, sondern Wahrheiten sind, die sich auf Thatsachen, wovon sich Jeder überzeugen kann, gründen; so war es möglich, die⸗ selben zusammenzustellen und sie in einer Ordnung zu entwickeln, in welcher das eine das andere ins Licht setzt; und so konnte man ein vollständiges Lehrsystem daraus bilden, welches das Studium derselben erleichtert hat und es bald allgemein machen wird“**). *) Man setzt zuweilen die erperimentale oder analytische Me— thode, die sich auf Beobachtungen gründet, und das, was ist, nämlich Wahrheiten kennen lehrt, derjenigen Methode entgegen, die man die doktrinäre nennen kann, die auf Ar— gumentationen beruht und sich mit Aufstellung von Syste— men beschäftigt. Die Erperimental-Methode ist wissenschaft— licher, denn die Wissenschaften bestehen aus Wahrheiten und nicht aus Meinungen. **) Herr Senior, Professor der National-Oekonomie auf der Universität zu Oxford, hat in seiner Antrittsrede im Jahr 1826 sehr scharfsinnig bemerkt, daß die Erfahrung in der National-Oekonomie nun nicht mehr vorzugsweise den soge-⸗ 2* — X...* ——. — — 2. W. MN . 4 174696 ne x RN 4 AN 7— 3 U 8 N 5 +5 V . 4 I. 4 H 10 4I. A 14 10 I .. — 2 ——— —— — 2 20 Allgemeine Betrachtungen. Man hat also Unrecht, wenn man sagt, die Natio— I nal⸗Oekonomie sey eine auf Hypothesen und nicht auf el die Erfahrung gegründete Wissenschaft: sie beruht im wuf e Gegentheil einzig auf der Erfahrung; allein sie fordert, viede daß man bei seinen Urtheilen eben sowohl auf die Na— ugä tur der beobachteten Dinge, als auf die Erfahrungen den Rücksicht nehme, um die Gewißheit zu erhalten, daß die nicht beobachtete Erscheinung auch wirklich das Resultat der— jenigen Ursache sey, der sie zugeschrieben wird. sunde Welchen Gebrauch man von den Hypothesen an machen kann. chen Indessen können auch Hypothesen zu Beleuchtung Vot eines Grundsatzes mit Vortheil gebraucht werden. Wenn man den Fall setzt, es werde an den Produktionskosten eines Gegenstandes eine Ersparniß bewirkt, nur um ge— ö Von legenheitlich zu erklären, wie durch eine solche Erspar— ö Gm ö niß der laufende Preiß eines Produkts herabgedrückt werde, so will man dadurch weiter nichts behaupten, als 1 daß, wenn ein solcher Fall eintreten sollte, dieß die Fol— 1 gen davon seyn würden. Es ist dieß nur eine andere 120 Weise, ein allgemeines Gesetz auszusprechen, das unab— 11 hängig von dem gegebenen Beispiel für sich besteht; das 10 Beispiel soll nicht als Beweis dienen, sondern als Er— 15 nannten praktischen Menschen zugeschrieben werden könne. Vora Es giebt Niemand, wer es auch sey, der nicht in der Wo— tur d che 20 Tausche macht, und die Erfahrung, die ihm das im E Schauspiel der Gesellschaft täglich darbietet, mit dem, was er aus Büchern lernt, bereichern kann. Herr Senior be— waker merkt sogar, daß der Praktiker, derjenige, der sich der Aus— dern! übung eines besonderen Gewerbs widmet, beschränktere und der 9 unvollständigere Ideen haben müsse, als derjenige, der That— Im b sachen aller Art beobachtet und dessen Urtheil nicht durch die beschränkten Interessen und Formen seines Berufs ge—, blendet wird. demn mog Allgemeine Betrachtungen. 21 läuterung einer durch die Natur der Dinge schon erklär— baren Whiung Nur muß sich der angenommene Fall auf eine mögliche oder noch besser anf eine bekannte oft wiederkehrende, der Beobächtung der Zuhörer und Leser zugängliche Thatsache gründen. Alsdann können diese den unterstellten Fall nicht für einen solchen halten, der nicht eintreten, folglich auch keine Wirkung haben kann. Eine Hypothese kann demnach nicht als Beweis, sondern nur als Mittel gebraucht werden, eine auf an— deren Grundlagen beruhende Wahrheit begreiflich zu ma— chen. Gute Schriftsteller bauen nie ein System darauf. Von dem Gebrauch der Systeme in der National⸗ Oekonomie. Ehe wir weiter gehen, müssen wir uns über das Wort System, das bald in gutem, bald in schlimmem Sinne gebraucht wird, verständigen. In dem ursprünglichen und guten Sinne dieses Ausdrucks ist ein System ein Ganzes von zusammen— hängenden und sich gegenseitig unterstützenden Wahrhei— ten; allein diese Wahrheiten müssen ihren Grund anders— wo als in dem System selbst haben, weil dieses sonst nur ein Ganzes von mehr oder weniger scharfsinnig erdach— ten, mehr oder weniger geschickt an einander gereihten Voraussetzungen seyn würde, die sehr leicht mit der Na— tur der Dinge, mit der Wirklichkeit der Thatsachen nicht im Einklang stehen könnten. Die Cartesianischen Wirbel waren nichts als eine nicht nur unwahrscheinliche, son— dern unmögliche Hypothese, um damit die Bewegungen der Planeten zu erklären. Wenn auch diese Wirbel nach den bewährten Gesetzen der Physik möglich gewesen wä— ren, so hätte erst ihr Daseyn bewiesen seyn müssen; denn etwas ist darum noch nicht wirklich, weil es möglich ist. Dagegen ist Newtons allgemeine Schwer—⸗ 22 Allgemeine Betrachtungen. kraft ein durch alle Erfahrungen bestätigtes Naturgesetz; auch lehren alle Beobachtungen, daß die Planeten, selbst diejenigen, die erst seit Newton entdeckt worden, diesem Gesetze unterworfen sind. Die Schwerkraft ist demnach eine Thatsache und kein System. Die Systeme sind deßwegen um so gefährlicher, weil sie nicht immer die Ergebnisse der. Thorheit oder einer schwärmerischen Einbildungskraft sind. Die größten Geister, die ausgezeichnetsten Schriftsteller, haben Sy⸗ steme aufgestellt, sie mit vielsagenden Gründen unter— stützgt und-wollen dieselben sogar zuweilen aus Beobach— tungen abgeleitet haben“), allein diese Beobachtungen waren unvollständig, die Thatsachen nicht auf ihre wah— ren Ursachen zurückgeführt oder wohl auch durch andere Thatsachen widerlegt. Was geschieht alsdann? Der Irrthum zeigt sich in dem Maas, als die Kunst, die Natur zu befragen, sich vervollkommnet; und daher wird die Erfahrungs-Methode, auf die in der Gesellschaft vor⸗ kommenden Erscheinungen angewendet, nicht weniger rei— che Früchte bringen, als die Erforschung der eigentlichen Naturphänomene. In allen Fächern und zu allen Zeiten hat es an fal⸗ schen Systemen nie gefehlt, worüber sich eben nicht zu verwundern ist: die Erklärung irgend einer Erscheinung ist bälder ersonnen, als aus der Natur der Dinge und vielen hundert Beobachtungen abgeleitet. Dieß hat wahrschein— lich das Wort System so sehr in Verruf gebracht, daß, wenn es sich davon handelt, ein Ganzes von Kenntnis— sen zu bezeichnen, man ihm lieber den unverfänglichen Namen einer Doktrin beilegt. Die ungereimtesten Meinungen sind aus einigen unbestreitba— ren Beobachtungen entstanden und die gröbsten Irrthümer das Resultat von einigen anerkannten Wahrheiten, die man Keun Nen sagt: Eo i nut nut Rai von Lerk seh lig 30 aine stan Unn glei N nie der ————— 2 Allgemeine Betrachtungen. 25 V Von der Autorität der Thatsachen. Der Mißbräuch der Systeme hat zu anderen Ver⸗ irrungen geführt. Die im Denken nur wenig geübten Menschen haben alles Raisonnement verachtet und ge⸗ sagt: wir wollen nur Thatsachen und Zahlen. Es ist ihnen entgangen, daß die Thatsachen und Zahlen nur dann von Werth sind, wenn sie etwas beweisen, was nur mittelst des Raisonnements geschehen kann. Das Raisonnement allein kann zeigen, wie sie die Resultate von etwas Gegebenem sind oder eine bestimmte Wirkung verkünden. Der Zinsfuß steht zu einer gewissen Zeit sehr niedrig; man hat 100 zu einer bestimmten Zeit fäl⸗ lige Millionen zu 5 Procent diskontirt; dieß ist eine Zahl; allein was beweist sie? Der Eine wird sagen: einen Ueberfluß an Kapitalien und einen allgemeinen Wohl⸗ stand: der andere: eine Stockung der Geschäfte und die Unmöglichkeit, seine Fonds vortheilhaft und sicher zu⸗ gleich anzulegen und es kann auch in der That beides zugleich statt finden. An sich beweist also diese Zahl nichts; man muß die genaue Kenntniß der Natur und der Wirkung jeder Sache damit verbinden. Dieß allein ist wahrhaftes Wissen. Man fertigt unermeßliche Tabellen über die Aus⸗ und Einfuhr eines Landes. Wenn sie auch vollkommen richtig sind; was beweisen sie? Etwa, daß das Land reicher geworden ist? Keineswegs; sie beweisen nichts, als daß die Ausfuhr größer ist als die Einfuhr oder um⸗ gekehrt; sie zeigen aber nicht, welches von beiden dem Lande vortheilhafter ist. Man sagt: die Ausfuhr; ich dagegen habe Grund zu glauben, daß es die Einfuhr sey*). Es genügt nicht, zu sagen, daß bei dieser Aus⸗ zu weit ausdehnt oder— anwendet.(Cabanis Revol, de la Médecine pag. 261. 0 ) S. den zn Theil dieses Werks, Cap. 6. 24 Allgemeine Betrachtungen. und Einfuhr die Wohlfahrt des Landes geblüht habe, mi dieser Wohlstand kann auch durch andere Ursachen her— 50 beigeführt worden seyn. Jeder von uns ist also abermals. im Fall, seinen Satz beweisen zu müssen. Durch die Som Zahlen ist noch nichts entschieden. Die richtige Kennt⸗ RNin niß von der Natur der Dinge, d. h. in diesem Falle von der Natur der Reichthümer und der Entstehung derselben kann diesen Gegenstand allein ins Licht setzen. Auch ist die Frage über die Handelsbalance nur dann erst beur— theilt worden, nachdem man die Natur der Reichthümer dage und ihre Entstehung genau zergliedert und vollständig er⸗ wen kannt hatte. auff Ein Engländer, der D. Clarke, hat im Jahr 1801 b acht behauptet, es sey der brittischen Nation jetzt leichter, ö ins jedes Jahr 56 Millionen Pfund Sterling an Abgaben schäl zu bezahlen, als 5 Millionen zur Zeit, als das Haus ö pfen von Hannover zur Regierung kam. Es ist unmd glich, fügt er hinzu, ein en überzeugen deren Beweis ö Lebe zu finden, daß richtig vertheilte Auflagen and die Kräfte der Nationen vermehren. Allein mer der Umstand, daß die 56 Millionen von den Steuer— Ce pflichtigen leicht bezahlt werden, beweist, wenn es an— hat, ders Grund hat, noch keineswegs, daß solches das Re— ö diese sultat der Abgaben sey. Es ist im Gegentheil klar, daß aber die englische Nation diese Zahlungsfähigkeit den bewun— ö schod derungswürdigen Fortschritten ihrer Industrie verdankt; die) und der Beweis davon beruht auf etwas ganz anderem, jolf als auf Zahlen. Diese zeigen uns nur eine Thatsache, w nicht aber ihre Ursache und ihre Folgen. Auf die letz⸗ ö herve teren, die für uns eine mehr oder weniger glückliche oder unglückliche Lage sind, kommt aber alles an. Ich wie— die. derhole es: es liegt in der Natur der Dinge, daß sie ö gegenseitig auf einander einwirken und aus dieser Ein⸗ d wirkung entsteht Alles, was in der Welt vorgeht. Wenn ö und g reee Allgemeine Betrachtungen. 25 wir die Umstände, die bei diesen Ereignissen eine Rolle spielen und die Natur derselben geuau kennten, so wären wir im Stande, Alles, was eintreten muß, gleich den Sonnenfinsternissen, die so sehr über den Horizont des Menschen erhaben schienen, vorherzusagen. Wichtigkeit der National⸗Oekonomie. Wer den Gesetzen der Natur zuwider handelt, wird nur Schaden davon haben; die vernünftigen Menschen dagegen ziehen großen Nutzen aus der Kenntniß und An— wendung derselben. Ein Baumeister, der seine Gewölbe aufführte, ohne die Gesetze des Gleichgewichts zu be— achten, würde sie zusammen stürzen sehen. Wer Wachs ins Feuer werfen wollte, um es zu härten, würde be— schämt werden. Gegen die Gesetze der Natur anzukäm— pfen, heißt: dieselben gegen sich kehren. Wir haben uns bereits überzeugen können, daß das Leben des gesellschaftlichen Körpers nicht weniger positiven und gebiererischen Gesetzen unterliegt, als das Leben des menschlichen Körpers; Gesetzen, die aus der Natur der Gesellschaften hervorgehen, die der Mensch nicht gegeben hat, und auch nicht aufheben kann. Wir können diese Gesetze zu unserem Besten benützen; wenn wir sie aber verkennen, so werden sie uns, statt zu nützen, nur schaden. So verhält es sich mit den Gesetzen, welche die National-Oekonomie ausfindig machen und darstellen soll. Um aber einigen Vortheil davon zu haben, müssen wir einen Augenblick bei einer wichtigen Unterscheidung verweilen. Die Reichthümer im Interesse des Einzelnen und der Gesellschaft betrachtet. Die Güter, die das Leben der Menschen erhalten und angenehm machen, können im Interesse der Gesell⸗ ———————..——— 26 Allgemeine Betrachtungen. schaft im Allgemeinen und im Interesse der Individuen insbesondere betrachtet werden. Dem Interesse des In— dividuums, worunter wir auch das seiner Familie ver— stehen, ist es sowohl nach seiner eigenen als nach der ganzen Welt Meinung angemessen, daß er über viele Güter, woher ihm diese auch kommen mögen, verfügen könne. Ob die Güter, die er erwirbt, sein eigen Werk sind, oder ob dadurch dem Vermögen anderer Menschen eben so viel entzogen wird, daran liegt wenig, wenn er sie nur erwirbt, ohne die Moral oder die bestehenden Ge— setze zu verletzen. Dieß ist für die meisten Menschen das nächste Interesse, das übrige dünkt ihnen entweder nicht wichtig genug oder zu weit außer ihren Bereich gestellt. Nur die persönlichen Güter sind wichtig, alles Uebrige dagegen halten sie für eitle Spekulation. Betrachten wir andererseits die Reichthümer im In— teresse der Gesellschaft, so werden wir mit Recht die in— dividuellen Reichthümer beachten müssen, da sie das Wohlseyn des Einzelnen, welche Theile der Gesell— schaft sind, begründen; allein wir können die von einem Einzelnen erworbenen Güter nur in sofern für einen Ge— winn halten, als daraus nichr ein gleicher Verlust für andere Individuen entsteht. Die Gesellschaft hat durch— aus nichts erworben, sobald, was der Eine gewinnt, der andere verliert. Die Einzelnen mögen immerhin mei— nen, die Hauptsache sey, Reichthümer zu erwerben, ohne sich um das Wie viel zu bekümmern. Dieser eng— herzige Calcul aber genügt weder dem ächten Staats— mann noch irgend einem Menschen von einiger Seelen— größe. Beide wollen die Quelle der Reichthümer kennen lernen, die unaufhörlich hervorgebracht werden müssen, weil sie bestimmt sind, stets wiederkehrende Bedürfnisse zu befriedigen. in⸗ l⸗ Rem He⸗ flij ich⸗ nt, nei⸗ hne Allgemeine Betrachtungen. 27 Indem uns also die National-Oekonomie die Gesetze, nach welchen die Güter erzeugt, vertheilt und verwendet werden, kennen lehrt, trägt sie wesentlich zu der Erhal— tung und dem Wohlseyn nicht nur der Einzelnen, son— dern auch der Gesellschaft bei, die im anderen Falle nur ein Schauplatz der Verwirrung und Plünderung seyn würde. Ob die Gesellschaften den Zweck, den sie sich setzen V müssen, erreicht haben. Die Gesellschaften, sagt man zuweilen, sind fortge— schritten, ohne etwas von der National-Oekonomie zu wissen; hat man sie so lange entbehren können, so kann man sie auch immer entbehren.— Das Menschenge— schlecht ist allerdings in der Unwissenheit aufgewachsen. Der gesellschaftliche Körper hat wie der menschliche Leib eine Lebenskraft, welche die verderblichen Wirkungen der Barbarei und der Leidenschaften überwältigt. Das per— sönliche Interesse des Einen hat zu allen Zeiten das per⸗ sönliche Interesse des Andern in Schranken gehalten, und man ist genöthigt worden, Reichthümer zu erzeugen, sobald man dieselben nicht mehr rauben konnte. Allein wer sieht nicht, daß ein solches System gegenseitiger Gewaltthätigkeit nur ein verlängerter Zustand der Bar— barei ist, der die Einzelnen, folglich die Nationen in un⸗ aufhörlicher Eifersucht hält, Haß und Zwietracht nährt, und einen Krieg sowohl zwischen den Einzelnen als zwi⸗ schen den Völkern entzündet, gegen welchen verwickelte Gesetze, Verträge, die nur eben so viele Waffenstillstände sind, und die erkünstelten Systeme eines politischen Gleichgewichts nur schwache Hülfsmittel sind. Jedes Volk war, wie die Mannschaft eines Raubschiffes, nur auf Beute bedacht, die sich die Einzelnen wiederum strei— tig machten, und hierauf, um neue Bedürfnisse zu befrie— digen, zu neuen Gewaltthätigkeiten schritten. ———— ͤ3.ñ—— E EE— CE::?: I 28 Allgemeine Betrachtungen. 0 Welch trauriges Schauspiel bietet uns die Geschichte dar! sie zeigt uns Nationen ohne Industrie, die allen Man— 2 gel leiden, durch die Noth in den Krieg getrieben werden und sich gegenseitig erwürgen, um ihr Leben zu fristen; Andere, die ein wenig weiter vorgerückt, von denjenigen 108 unterdrückt werden, die sich nur zu schlagen wissen; die bn Welt beständig in den Händen der Gewalt, und die Ge— 300 walt hinwiederum sich selbst zerstörend; die Einsicht und is den Verstand ohne gebührenden Einfluß; die Häupter deß 60 Staats, die geachtetsten Weisen ohne bessere Begriffe von ö. dem Wohl des Staats und der Menschlichkeit, als sie albe die Menge auch hat; einen Lykurgus, der den Diebstahl duldet und den Müßiggang befiehlt; einen Cato, der sich ö m nicht schämt, den Sklavenhandel zu treiben, und einen M Trajan, der Feste giebt, wo 10,000 Gladiatoren und ober 11,000 Thiere getödtet werden). ö se In diesem Zustande war die Gesellschaft bei den inter Alten; und als die Völker, nachdem sie sich zerfleischt nem hatten, zufälligerweise einige Ruhe genoßen, mußte die de Civilisation jedesmal auf's Neue beginnen und sich nur win mit langsamen unsicheren Schritten verbreiten. mar Wenn sich auch, um gleichsam über den Gang der 7 Geschichte zu trösten, hier und da einige Augenblicke der Wohlfahrt zeigen; so wissen wir nicht, um welchen Preis ö sie erkauft worden sind, und wir überzeugen uns nur zu bald, daß man dieselben nicht festzuhalten wußte, und wenn 65 wir nur einige Blätter wenden, so finden wir lange Jahr— ö hunderte des Verfalls, der Leiden und der Noth, unter denen Männer, Weiber und Kinder erlagen. Man be— hauptet, die Nationen könnten wohl leiden, aber nicht sterben; ich dagegen glaube, daß sie sterben; die Völker von Tyrus, Athen und Rom sind in einem langsamen ) Diodor XLVIII.§. 15. 6 Allgemeine Betrachtungen. 29 Todeskampfe zu Grunde gegangen; andere Völker haben unter denselben oder unter neuen Namen die Wohnorte dieser Nationen bezogen ½. Ich spreche nicht von der Barbarei des Mittelalters, von der Feudalanarchie, von den Religionskriegen, von jener allgemeinen Wildheit, die den Besiegten stets elend und doch den Sieger nicht glücklich machte; allein was finden wir selbst in den Zeiten, wo man sich für civili— sirter hielt? Regierungen und Völker, die beide ihr wah— res Interesse nicht kannten, sich wegen unbedeutender, alberner Lehrmeinungen verfolgten, sich aus Eifersucht und in der Ueberzeugung bekriegten, daß das Wohl ei— nes Nebenbuhlers ihrem eigenen Wohl im Wege stehe. Man führte Krieg, erst um eine Stadt, eine Provinz oder einen Handelszweig an sich zu reißen; dann, um sich Colonieen streitig zu machen, zuletzt um dieselben unter dem Joch zu halten*). Der Accent lag mit Ei— nem Wort ganz auf dem Kriege...... während doch die Nationen durch freundschaftlichen Verkehr nur ge— winnen können, und ein erzwungenes Uebetgewicht Nie— mand, selbst denen nicht, die es ausüben, Nutzen bringt, ) Vaterlandsliebe und Edelmuth waren bei den Alten gewöhn— liche Tugenden; allein die wahre Menschenliebe, die Liebe zum Guten und zur allgemeinen Ordnung war den vergan— genen Jahrhunderten völlig fremd.(Chastellux von der öf— fentl. Glückseligkeit Cap. IX.) *τ) Man wird in dem Verlauf dieses Werkes sehen, daß es kei⸗ neswegs dem Interesse der Nationen angemessen ist, wenn ihre Regierungen Colonieen oder auch nur zu weit entlegene Provinzen besitzen. Ein afrikanischer Fürst, der einen be— nachbarten Stamm bekriegt, und ein Machthaber, der in Eu— ropa Truppen aushebt, um eine Insel in Amerika zu er⸗ obern, begehen Beide eine große Thorheit. Sie lassen einen Theil ihrer Unterthanen vertilgen, um den übrigen nichts Gutes zu thun. Der Afrikaner indessen, als der schwächere, richtet weniger Unheil an. ö 30 Allgemeine Betrachtungen. und die Zwietracht nichts als Unheil erzeugt, ohne ir— gend eine Entschädigung als den eitlen Ruhm und ei— J0 0 nige Beute, die in Vergleichung mit den rechtmäßigen ö Ehn Früchten, die ein Volk seinem Fleiß verdankt, sehr arm— wüt selig ist. Dies war der Zustand und das Treiben der 8 Menschen. ö 6 Vortheile, die aus der Erkenntniß der Gesetze über 0 die National-Oekonomie entstehen.— Von dem Augenblick jedoch, wo man zu der Ueber— b zeugung gelangt, daß ein Staat, auch ohne auf Kosten Ki eines andern, wachsen und gedeihen könne, und daß die ö hiezu nöthigen Mittel sich ganz und gar herbeischaffen 50 lassen; von dem Augenblick, wo man die Möglichkeit da— 1 von zeigen, und beweisen kann, daß die Fortschritte eines ö w Volks die Fortschritte eines andern Volks nicht nur nicht r. hemmen, sondern fördern, von diesem Augenblick an ist ö das Bestehen der Nationen in jeder Hinsicht auf das Vollkommenste gesichert, und jeder einzelne Bürger nimmt möte Theil an den Fortschritten des Ganzen, statt unter dem Ird Drucke einer allgemeinen Noth zu erliegen. eine So viel läßt sich von einer mehr verbreiteten Kennt— Heid niß der Vortheile der Civilisation erwarten). Statt Ind das allgemeine Beste auf rohe Gewalt zu gründen, giebt Rbed die National-Oekonomie demselben das wohlverstandene schtit Interesse der Menschen zur Grundlage. Diese suchen um d dann das Glück nicht mehr da⸗ wo es nicht ist, sondern figlch da, wo man es zuverläßig findet. ihin ) Der Reisende, der in den civilisirtesten europäischen Ländern Illen 3 in den Städten so manche verkehrte Einrichtungen und auf harei, dem platten Lande so viele armselige Hätten antrifft, die hhsen s eher für wilde als für gestttete Menschen taugen, und durch Nemihh diesen Anblick überrascht wird, ist freilich nicht geneigt, zu glauben, daß sich die Regierunzen und die meisten Indibi— um st duen auf die Vortheile der Civilisation verstehen. Ieee Allgemeine Betrachtungen. 31 Schon seit mehren Jahren hat Europa angefangen, sich seiner Barbarei zu schämen. In dem Maße, als man seine Begriffe berichtigt und sich nützlichen Arbeiten gewidmet hat, sind die Beispiele von Rohheit seltener geworden; der Krieg wird nicht mehr mit so nutzloser Grausamkeit geführt und ist weniger zerstörend; die Tor— tur ist bei den civilisirten Völkern abgeschafft, die Cri— minaljustiz weniger willkührlich und weniger grausam. Es ist wahr, daß man diese glücklichen Erscheinungen mehr den allgemeinen Fortschritten der Aufklärung, als einer vollständigeren Kenntniß der National-Oekonomie zu verdanken hat. Letztere ist nicht selten auch den schön— sten Geistern fremd geblieben. Es sind deswegen auch viele wünschenswerthe Reformen ganz neu, und viele an— dere noch immer nicht in's Leben gerufen. Diese Gesetze sind noch zu wenig gekannt. Wenn die Nationen nicht immer noch durch die Chi— märe der Handelsbalance berückt und in dem unseligen Irrthum befangen wären, daß ein Volk nur auf Kosten eines andern gedeihen könne, so hätte man während der beiden letzten Jahrhunderte 50 Kriegsjahre vermieden, und die Völker wären jetzt nicht durch Heere von Poli— zeibedienten gleichsam eingepfercht, wie wenn der ein— sichtsvolle, thätige und friedfertige Theil der Bevölkerung unr die Absicht hätte, Unheil zu stiften. Wir sind noch täglich die Opfer früherer Vorurtheile; es scheint, wir müßten gemahnt werden, daß wir noch mit jener trau— rigen Zeit in Berührung stehen, und daß, wenn die Bar— barei, die uns auf dem Nacken sitzt, uns endlich fahren lassen soll, wir nicht glauben dürfen, es könne dies ohne Bemühungen von unserer Seite geschehen. Je mehr man studirt, desto mehr überzeugt man sich, daß alle unsere Kenntnisse nur von gestern sind, und daß es viel— DIDI‚I‚s‚‚eeeeeeee———— — 38858 V A 1 90 1 AU 43 IN 20 R2 V N I RN 164 V ᷓ́I I V N. . 7 N. R 17 . 61 +* 14 I N N 7 V III 4 — ——. —— —. 2—*—— ————— SSISISIII— SFSPSꝗFꝗSSPPIIIIITITTTITI ———.——— — — 32 Allgemeine Betrachtungen. leicht deren weit mehr giebt, die sich von morgen her— schreiben werden. Der Unterricht ist es also, der uns mangelt, und insbesondere der Unterricht in der Kunst des Zusammen— lebens. Wenn das Studium der National-Oekonomie schon so sicher und so leicht wäre, daß man solches in jeden Erziehungsplan aufnehmen könnte, wenn man da— mit schon vor demjenigen Alter, wo man sich einem Be— rufe widmet, fertig wäre, so würden die so gebildeten Menschen, sey es in öffentlichen Aemtern oder im Pri— vatleben, sehr günstigen und bedeutenden Einfluß auf das Schicksal ihres Landes ausüben können. Eine Na- tion ist eben noch nicht weit vorgerückt, wenn sie die Uebel, die sie erduldet, als etwas Unvermeidliches an— sieht, dem man sich, wie dem Hagel und den Stürmen, unterwerfen muß. Ein Theil unserer Uebel hat aller— dings in unserer und in der Natur der Dinge seinen Grund; die meisten aber sind unser Werk; im Ganzen genommen, bereitet sich der Mensch seine Lage selbst. Fehlerhafte Einrichtungen erfordern Lerstandige Abhülfe. Wenn unsere Einrichtungen ganz neu und unsere Gesellschaften nach weisen Planen gehildet wären, so würde es leicht seyn, sie in gutem Stande zu erhalten; in Ermanglung der Einsichten könnte die Klugheit ge⸗ nügen; allein unsere Einrichtungen haben sich, wie un— sere Sprachen, durch Zufall nach den Interessen und nur zu oft nach den Leidenschaften des Augenblicks gebildet; daher jene Krankheiten, jene Verwirrungen in dem poli⸗ tischen Körper, gegen welche man sich schützen und die man heilen muß. Ein gesunder Mensch kann lediglich den Eingebungen des schlichten Verstandes folgen; ein schwacher, tausend Krankheiten ausgesetzter Greis dage— — —— π⏑'ͤ——9————— Dl klär Fe.... Allgemeine Betrachtungen. 33 gen kann sich ohne die Hülfe der Kunst nicht erhalten; und was ist die Kunst ohne die Wissenschaft? nichts als Charlatanerie? Um nicht von Charlatanen betrogen, um nicht das Opfer von Privatinteressen zu werden, muß das Publi⸗ kum seine eigenen Interessen kennen. Die einmal aufge⸗ klärte öffentliche Meinung muß von der Regierung geach⸗ tet werden, denn sie ist von so großem Gewicht, daß auch die mächtigste Regierung ein Gesetz nicht aufrecht erhal— ten kann, wenn es der Meinung eines aufgeklärten Vol⸗ kes zuwider ist. Man sieht, daß, wenn die Nationen bisher bestan— den haben, ohne etwas von dem Bau der Gesellschaften zu verstehen, dies für vernünftige Menschen kein Grund ist, das Studium desselben für immer bei Seite zu le⸗ gen. Unsere Aufgabe ist nicht blos, die heilbaren Uebel zu heilen, sondern auch die neuen Güter kennen zu ler⸗ nen, die man sich verschaffen kann, und wovon man in den frühern Zeiten der Gesellschaften gar keinen Begriff hatte. Bis zu Anfang des 17ten Jahrhunderts waren die Straßen von Paris nicht gepflastert: hätte man aber wohl aus diesem Grunde für immer auf diese dem Ver— kehr so dienliche und der Gesundheit so zuträgliche Pflaste⸗ rung verzichten sollen)2 ) Paris hat bis zur Regierung Ludwigs XIII. ohne die neue Brücke(Pont-neuf) bestanden; Melon fragt, ob dies ein Grund gewesen wäre, sie nicht zu erbauen. Dieser Einwurf ist, wie man sieht, um ein Jahrhundert zurück. Und wie viele Verbesserungen sind seit einem Jahrhundert zu Stande gekommen! Viele andere werden noch gemacht werden, bis ein neues Jahrhundert verflossen ist, und noch wird man Anhänger der alten Irrthümer finden, die abermals wieder⸗ holen werden, daß es thöricht 25 zum Bessern schreiten zu wollen. Say prakt. Nationa⸗Oekonomie I. 3 34 Allgemeine Betrachtungen. Ob es hinreicht, wenn nur die Großen ö unterrichtet sind. Glaubt man etwa, daß es zum Glück der Völker genüge, wenn nur ihre Beherrscher aufgeklärt sind? Kön— nen aber diese es seyn, wenn die Nation es nicht ist? Diese Bemerkung ist bereits gemacht worden). Die zur Herrschaft Geborenen sind selten deren würdig. Nur zu vielen Menschen liegt daran, ihnen von Kindheit an falsche Ansichten beizubringen. Diejenigen, die sich der Gewalt bemächtigen, sind kaum besser. Nicht die Ein— sicht verhilft zur Gewalt, und der, dem diese geworden ist, setzt geringen Werth darauf; man hat zu wenig Zeit, um zu studiren; man ist schon zu alt, um sich zu unterrichten; die Gewalt verschlechtert fast unvermeidlich ihre Träger; die Grundsätze haben etwas zu Unbeugsames, als daß sie der Gewalt behagen sollten; sie giebt dem, was ihr schmeichelt, den Vorzug; sie benutzt die Laster und Vor— urtheile des Volks, statt sie zu verbessern. Angenom— men, Cäsar und Bonaparte seyen ihrem Jahrhundert vorangeeilt(was ich 6. nicht zugebe), was haben sie als Vermächtniß hinterlassen? Wäre in Rom und in Frankreich die Aufklärung allgemeiner gewesen, so würden sie, statt sich auf die Habsucht einer kleinen An— zahl von Staatsbeamten**) und auf die Kriegslust des Volks zu stützen, ihre Institutionen auf das wohlverstan— dene Interesse der Mehrzahl gegründet und damit die Wohlfahrt des Landes auf lange Zeit gesichert haben. Einfluß der National⸗Oekonomie auf die morali⸗ schen Eigenschaften der Menschen. Der Einfluß der National-Oekonomie auf die mora— lischen Eigenschaften der Individuen ist eben so auffal— ) Darstellung der Nat.⸗Oek. 5e Ausg. Bd. I. S. 94. **) Klein gegenüber von der Nation, aber viel zu groß in Ver⸗ gleichung mit den Bedürfnissen eines Volks. F..————————— Allgemeine Betrachtungen. 35 lend, als ihr Einfluß auf die öffentlichen Anstalten. Die Civilisation vervielfältigt allerdings unsere Bedürfnisse, ler verschafft uns aber zu gleicher Zeit die Mittel, dieselben 0 65 zu befriedigen, und ein Beweis, daß die Güter, die sie t uns liefert, verhältnißmäßig bedeutender sind, als dieje— 1 die nigen, die irgend eine andere Lebensart gewähren kann, I lur liegt darin, daß bei den civilisirten, aufgeklärten und U an industriösen Völkern nicht nur eine weit größere Anzahl i der von Menschen ihr Auskommen, sondern auch jeder ein KI Ein⸗ reichlicheres Auskommen hat, als in irgend einem an— 5 uis, dern Zustande*). um Ohne zu untersuchen, in wie weit die Civilisation II tten; und die Aufklärung, die sie in ihrem Gefolge hat, den* x get; Sitten günstig sind, will ich nur bemerken, daß die durch I daß die National-Oekonomie zur regelmäßigen und stufenwei— 449 iht sen Befriedigung unserer Bedürfnisse angegebenen Mittel, 6 Hor⸗ sämmtlich dazu beitragen, der Kraft, der Thätigkeit und 414 om⸗ der Intelligenz der Menschen eine heilsame Richtung zu ö et geben; sie zeigt, daß unter diesen Existenzmitteln nur 49 aben diejenigen wirksam, fruchtbar und dauerhaft sind, durch und die etwas Neues geschaffen wird, daß der Raub, der V 10 Betrug und die Gewaltthätigkelt nur vorübergehende und x‚ ln⸗ schändliche Vortheile verschaffen, die durch die Uebel, die des sie mit sich führen, überwogen werden; daß keine Ge—* 0 Man wird dieser Behauptung einzelne Beispiele von schreck— de lichem Elend, das gebildete Völker trifft, entgegensetzen. V„ Allein man vergleiche sie mit dem, was man bei weniger* li⸗ vorgerückten Völkern findet; welcher civilisirte Staat sieht. in Zeiten der Theurung die Hälfte seiner Bevölkerung vor Hunger und Elend umkommen, wie man dies bei barbari— ra⸗ schen Völkern gesehen hat? Es müssen also dort, im All— al⸗ ö gemeinen genommen, mehr Hülfsquellen vorhanden seyn. Ungeheure Landstrecken in Amerika sind aus Mangel an Ci⸗ vilisation wüst, werden aber sehr volkreich, so wie die Civi⸗ Be⸗ lisation dahin dringt. I 46 3* 36 Allgemeine Betrachtungen. sellschaft bestehen könnte, wenn das Verbrechen zum ge⸗ meinen Recht, und das Laster die Moral der Mehrzahl des Volkes würde. Indem sie die Macht jener besonne— nen Arbeit, die man Industrie nennt, beweist, bringt sie dieselbe zu Ehren, und drückt dagegen jedem unnützen oder schädlichen Thun das Brandmal der Schande auf. Die Industrie bringt ihrerseits die Menschen einander näher; sie lehrt dieselben, sich gegenseitig zu unterstützen, statt sich zu Grunde zu richten, wie es in dem Zustande der Wildheit, den man thörichterweise den Naturzustand genannt hat, der Fall ist; sie verfeinert die Sitten, in⸗ dem sie den Wohlstand befördert; indem sie endlich den Menschen zeigt, was sie gewinnen können, wenn sie sich an einander anschließen, ist sie das Bindungsmittel der Gesellschaft. Man muß sich jedoch nicht einbilden, daß, wenn man die Menschen über ihre wahren Interessen aufklärt, man sie von allen den Uebeln befreit, die in ihrer Natur und dem Wesen der Gesellschaft liegen; ich schmeichle mir nicht mit der Hoffnung, daß man sie jemals von jener allgemeinen Schwäche, von der persönlichen oder nationalen Eitelkeit erlosen könne, die seit der Belage— rung von Troja bis zum russischen Feldzug der Habsucht die traurige Ehre, das meiste Blut zu vergießen und die meisten Thränen hervor zu rufen, streitig gemacht haben. Indessen ist doch zu glauben, daß eines Tags die Fort— schritte der moralischen und politischen Wissenschaften überhaupt und die dadurch bedingte Verbesserung der gesellschaftlichen Einrichtungen einer gefährlichen Nei— gung eine weniger verderbliche Richtung geben, und eine strafbare Eifersucht in heilsamen Wetteifer verwandeln werden. Immer bleibt es wahr, daß jede wohlwollende Nei⸗ gung, die sich bei den Menschen findet, durch die Auf⸗ * Allgemeine Betrachtungen. 37 12 klärung welche die National-Oekonomie verbreitet, be— fördert wird. igt Der Zweck der National⸗Oekonomie ist nicht, den jen Regierungen Rath zu ertheilen. uf. Indessen muß man, wie ich glaube, bei allen den der guten Wirkungen, die man von der Ausbreitung der , Grundsätze der National-Oekonomie erwarten darf, die nde Meinung einer großen Zahl Oekonomisten nicht theilen- and die in dieser Wissenschaft nur die Kunst zu regieren oder Fin⸗ die Regierung zu Beförderung des öffentlichen Wohls zu den veranlassen, sehen. Ich glaube, man hat ihren Zweck sich nicht recht erkannt. Sie ist ohne Zweifel sehr geeignet, der das Thun der Menschen zu leiten; allein sie ist eigent⸗ lich keine Kunst, sondern eine Wissenschaft; sie lehrt, Eul was die Dinge sind, woraus der gesellschaftliche Körper ätt, besteht, und was aus ihrer Wechselwirkung entspringt. uut Gewiß ist diese Kenntniß denjenigen sehr nützlich, die chle berufen sind, im Großen Gebrauch davon zu machen; von dies geschieht aber ganz auf die Weise, in welcher die 106 Gesetze der Physik, der Chemie und der Mathematik be— 90 nutzt werden. Wenn die genannten Wissenschaften nun ch Nutzen gewähren, kann man darum sagen wollen, daß sie guten Rath ertheilen. Die Natur der Dinge, die 50 eben so stolz und ablehnend in den moralischen und po— get⸗ litischen Wissenschaften, als in den Naturwissenschaften fin ist, offenbart demjenigen, der sie mit Beharrlichkeit und .. Redlichkeit studirt, zwar ihre Geheimnisse, geht aber dar— Nei⸗ um nicht minder ihren Gang fort, unbekümmert um das, eine was man sagen oder thun mag. Diejenigen, die sich mit bn ihr vertraut gemacht haben, können allerdings den thäti⸗ gen Theil der Bevölkerung einige Wahrheiten, die sie Me gefunden, anwenden lehren; allein vorausgesetzt selbst, i daß sie richtig gesehen und richtig geschlossen haben, kon⸗ A 38 Allgemeine Betrachtungen. nen sie die unzähligen und mannichfaltigen Verhältnisse nicht alle durchschauen, die die Lage jedes Individuums und selbst jeder Nation zu etwas Besonderem machen, das nicht durchaus dem Andern gleicht. Jedermann ist nach der Lage, worin er sich befindet, berufen, die Wis— senschaft zu Rath zu ziehen; Keinem steht ausschließend das Recht zu, die Richtung zu geben. Eine Wissenschaft ist nur die in ein System gebrachte Erfahrung, oder wenn man will, ein Haufe von geordneten und durch— forschten Erfahrungen, deren Ursachen und Wirkungen man erkannt hat. Die daraus von den Lehrern gezögene Folgerungen können nur als Beispiele gelten, die man blos in ganz gleichen Umständen streng befolgen könnte, nach den Verhältnissen eines Jeden aber modificirt wer— den müssen. Wenn der Mensch mit der Natur der Dinge auch ganz vertraut ist, so vermag er doch nicht die zahl⸗ losen Combinationen, die in dem Weltganzen unaufhör— lich entstehen, vorauszusehen. Von den Oekonomisten, die sich herausnehmen, die Staaten regieren zu wollen. Diese Betrachtung ist den Oekonomisten des 18ten Jahrhunderts, die sich berufen gläubten, Staaten zu re⸗ gieren*) und unglücklicherweise auch neueren Oekonomi-— ) Die Kaiserin von Rußland, Catharina II., begierig, das Sy— stem der Schüler von Quesnay genau kennen zu lernen, lud Herrn Mercier de la Riviere, einen mit dieser Lehre ver— trauten Mann, im Jahr 1755 ein, zu ihr nach Moskau zu kommen, wohin sie der Akt ihrer Krönung rief. Er eilte und miethete gleich Anfangs in der Meinung, er werde die Gesetzgebung Rußlands umändern, drei neben einander ste— hende Häuser, äͤnderte die ganze innere Einrichtung derselben, und schrieb auf die Thüren der zahlreichen Gemächer, hier: Departement des Innern, da: Departement der Justiz/ dort: Departement der Finanzen ꝛc. Er lud die Menschen, die man ihm als fähig bezeichnete, ein, ihm ihre Ansprüche —:.— Allgemeine Betrachtungen. 39 sten entgangen, die, wie ich glaube, wenigstens in die ser Beziehung den Zweck und die Würde dieser Wis⸗ senschaft nicht begriffen haben. Man könnte glauben, daß Wahrheiten, die auf genauer Beobachtung und ei— ner strengen Analyse beruhen, auch wenn sie durch Bei⸗ spiele ausführlich erläutert sind, doch nicht so viel tau⸗ gen, als unmittelbar gegebene Rathschläge, die über den Gang, den eine Regierung befolgen soll, keinen Zwei⸗ fel übrig lassen; allein die Autorität der Dinge steht über der Autorität der Menschen, so hoch gestellt man diese sich auch denken mag. Sie bringt die Eigenliebe der Reichen und Mächtigen weniger gegen sich auf; un⸗ geachtet sie weit strenger ist. Die Gelehrten kön⸗ nen Schmeichler seyn, sagt einer unserer neueren Schriftsteller“), die Wissenschaften aber schmei⸗ cheln Niemanden. Man unterwirft sich ihren Be⸗ schlüssen, weil man sich gegen eine höhere Macht nicht sträuben kann. Man kann das Joch eines Despoten zuweilen abschütteln; niemals aber lehnt man sich un⸗ gestraft gegen die Natur der Dinge auf. auf die Stelle, die er ihnen zugedacht habe, mitzutheilen. Er handelte ganz nach den Grundsätzen seiner Sekte, die sich für berufen hielt, die Principien in Anwendung zu brin⸗ gen. Allein angenommen, die Maximen von Quesnay seyen auf die Natur der Dinge gegründet gewesen, so konnte doch ein ehemaliger Intendant von Martinique Rußland nicht schulmeistern, indem er auf sein Clima, seinen Boden, seine Gebräuche und seine Gesetze, die er nicht kannte, keine Rück⸗ sicht nahm. Die Kaiserin gestand Herrn von Segur, da— mals französischer Gesandter in Rußland(S. seine Memoiren zr Bd. S. 38.), daß sie aus dem Umgang mit Hrn. v. Ri⸗ viere Nutzen gezogen und seine Gefalligkeit großmüthig au⸗— erkannt habe, schrieb aber zu gleicher Zeit an Voltaire: Er gläubte, wir giengen auf vier Füßen, und gab sich ganz höf⸗ llich die Mühe, uns auf den Hinterfüßen gehen zu lernen. *) M. Charles Comte. 4⁰ Allgemeine Betrachtungen. Es ist freilich nicht zu läugnen, daß, während die Menschen das Rechte erkennen, sie durch ihre Vorurtheile, ihre Laster und Leidenschaften zum Schlechten hingerissen werden. Allein dieses Unglück entspringt nicht aus der Art, wie ein Rath gegeben wird; die unmittelbarste An⸗ leitung wird aus denselben Gründen nicht selten ver⸗ schmäht, und vermag zuweilen nicht einmal so viel, als ein auf Umwegen gegebener Wink, sobald dieser für uns überzeugender ist. Die Wahrheit feiert aber zuletzt ganz gewiß ihren Triumph. Sie findet Gehör, und jede Re⸗ gierung wird entweder freiwillig oder gezwungen einen guten Weg einschlagen, wenn es erwiesen ist, daß sie ei⸗ nen falschen betreten hat. ö Ich berufe mich gern auf die Ansicht des eben so scharfsinni⸗ gen als besonnenen Mannes, den ich so eben angeführt habe. „Die analytische Methode, sagt er, verfährt in den morali⸗ schen Wissenschaften ganz wie in den andern. Sie ertheilt weder Vorschriften noch Rath; sie legt weder Pflichten noch Verbindlichkeiten auf; sie beschränkt sich darauf, die Natur, die Ursachen und die Folgen jedes Verfahrens darzustellen. Sie besitzt keine andere Macht, als diejenige, welche der Wahrheit beiwohnt.“ Man glaube aber ja nicht, daß sie darum ganz unmächtig sey; ihre Wirkung ist um so unwi⸗ derstehlicher, weil sie durch Ueberzeugung gebietet. Nachdem die Gelehrten die Kraft gewisser Maschinen, die Wirksam— keit gewisser Mittel entdeckt hatten, war es, um sie in Gang zu bringen, nicht mehr nothwendig, von Pflichten zu spre⸗ chen oder Gewalt zu brauchen, es genügte, die Wirkungen davon zu zeigen. Ebenso besteht in der Moral und in der Gesetzgebung das beste Mittel, einem zweckmäßigen Verfah⸗ ren Eingang zu verschaffen und ein schlechtes zu verdrän— gen, darin, daß man die Ursachen und Wirkungen beider. klar nachweist. Wenn wir von einigen bösen Gewohnheiten befreit worden und einige schlechte Gesetze verschwunden sind, so ist dies lediglich der Anwendung dieses Mittels zu ver⸗ danken.(Comte, Abhandlung über die Gesetzgebung 1 Bd. 2. Cap.) 71 ö —1— ů Allgemeine Betrachtungen. 41 Den Despoten liegt daran, die Grundsätze der National⸗Oekonomie kennen zu lernen. Auch den unumschränktesten Regierungen muß es daran gelegen seyn, die Natur der Dinge in Beziehung auf die National-Oekonomie kennen zu lernen. Sie kön⸗ nen allerdings eine glückliche Entdeckung eher zum Vor⸗ theil der herrschenden Classe als zum Vortheil des Publikums benutzen. Die Völker haben indeß doch den Vortheil, daß ihre Dränger die Früchte, welche die rechte National-Oekono⸗ mie bringt, nicht ernten können, ohne daß sie ihre Un⸗ terthanen zuvor gekostet hätten. Ein Machthaber kann keine bedeutende Steuern erheben, wenn nicht seine Un— terthanen, die Landbauer, Fabrikanten und Handelsleute große Einkünfte beziehen, und die Leute, die sich der In⸗ dustrie widmen, könnten kein reichliches Einkommen ha— ben, wenn sie von der Obrigkeit nicht gut behandelt würden und in ihrem Privatleben nicht vollkommene Sicher— heit und einen hinreichenden Grad von Freiheit genößen). Heinrich IV. war nicht weniger Despot als die übrigen ) Ein Despot z. B. der die Industrie in seinen Staaten he⸗ ben will, muß Jedem gestatten, mit den geringsten Kosten und Förmlichkeiten da- oder dorthin zu gehen oder zu kom⸗ men. Oestreich wird wegen seiner Polizei und seiner Staats⸗ gefängnisse niemals einen hohen Grad von National-Wohl— stand erreichen. Toskana dagegen gedeiht; weil es zwar despotisch, aber doch im Interesse der Nation, das mit dem des Fürsten Eins ist, regiert wird. Ein neuerer Reisender sagt hierüber folgendes:„Zu Radicovani, dem höchsten Punkte von Toskana, angekommen, verweilten wir in einem vortrefflichen Gasthof.... In den fruchtbaren römischen Staaten und in dem Konigreich Neapel wäre eine an ei⸗ nem solchen Ort gelegene Herberge schmutzig und armselig, ja sogar eine Mördergrube gewesen.... Mitten in die⸗ ser traurigen Natur stößt man wenigstens doch nicht auf Missethäter, die gehängt sind, oder gehangt werden sollen, 32 Allgemeine Betrachtungen. französischen Könige, und doch gedieh Frankreich unter seiner Regierung, weil man die Leute nicht plagte. Wir sehen dagegen, wie Mehemet-Ali, Pascha von Aegypten das fruchtbarste Land der Erde zu Grunde richtet, wäh— rend er doch von allen Seiten die Industrie herbeiruft. Allein er opfert das Interesse der Einzelnen dem auf, was er für sein eigenes Interesse hält. Ein Bewunderer von Bonaparte, mengt er sich in Alles; und doch geht unge— achtet seiner nicht geringen Talente Alles unter seinen Händen zu Grunde; er selbst wird noch in der allgemei— nen Noth seines Landes den Untergang finden. Man sagt, die Völker könnten nur unter dem Schutze der Freiheit gedeihen; und die politische Freiheit ist auch ohne Zweifel der Entwicklung einer Nation am förder— lichsten; allein warum sollen wir die Völker, die sich de— ren nicht erfreuen, ganz entmuthigen und sie glauben ma— chen, daß sie nicht nur Unterwürflinge, sondern zugleich auch elend seyn müßten. Sie sollen im Gegentheil wis⸗ sen, daß, wenn die national⸗ökonomischen Kenntnisse ein⸗ mal selbst in die Paläste der Könige dringen, letztere das Schicksal ihrer Völker erleichtern werden, weil es ihnen alsdann klarer seyn wird, worin ihre wahren Interessen, von denen sie gewöhnlich einen so falschen Begriff haben, bestehen. nicht auf diese gräßlichen, zwischen Neapel und Rom so häu— figen Trophäen der Criminal-Justiz.... Die Leute, die uns begegneten, schienen besser genährt und heiterer; und doch besitzt diese in der Mitte von Italien gelegene morali— sche Oase, Toskana genannt, keine liberalere Regierung als der übrige Theil; der Fürst ist da eben so unumschränkt, wie die benachbarten Fürsten, deren Unterthanen indeß nicht halb so botmäßig sind. Warum versuchen diese nicht die toskanische Methode, indem es doch nicht auf Kosten dieser absoluten Gewalt seyn würde, die ihnen so lieb ist.“ (Simond, Reise nach Italien, 1828. Tom. 2. S. 555.) — et x —...eeeeeeeeeeeee:eettrtetet:et:-⸗t..·· Allgemeine Betrachtungen. 45 Noch mehr den Nationen unter einer repräsentati⸗ ven Regierung. Man muß sich indeß nicht einbilden, daß selbst der auf⸗ geklärteste Despotismus die Nationen so weit fördern könne, als ein Regierungssystem, wo man vor Allem das allgemeine Interesse ins Auge faßt. Eine Nation kann, wie ein Fürst, unwissend und schlecht erzogen wor— den seyn, sie kann sich durch Leidenschaften beherrschen lassen, sie will aber doch stets aufrichtig das allgemeine Beste. Es liegt ihr am meisten daran, nur aufgeklärte, würdige Männer in wichtigen Aemtern zu sehen, wäh— rend dagegen ein Despot geneigt seyn kann, gewandte und schamlose Intrikanten anzustellen, um eine von der Vernunft nicht immer gebilligte Autorität und ver⸗ werfliche Vorurtheile oder Leidenschaften, in Kraft zu er— halten. Wenn es Kasten oder privilegirte Körperschaften giebt, so bedarf es nicht des Verdienstes, um emporzu⸗ kommen; schon die Classe, in der man sich befindet, ge— nügt hierzu. Unter der Herrschaft der Gleichheit dage— gen wird man nach andern Regeln beurtheilt. Da wer— den die Menschen nach ihrem Verdienst geordnet, und wenn ihnen dieß abgeht, nicht vortheilhaft gestellt. Gefahren, welche die politischen Charlatans herbeiführen. Alsdann kommen die Gesetzgeber, die Verwalter des Staats, die von den Grundsätzen der National-Oekonomie nichts wissen, in die Gefahr, in die Reihe jener Quacksalber gestellt zu werden, die ohne Kenntniß von dem Bau des menschlichen Körpers Heilungen und Operationen unter— nehmen, wodurch die Kranken aus der Welt geschafft oder Uebeln gusgesetzt werden, die noch schlimmer sind, als der Tod selbst. Der unwissende Staatsmann ist noch mehr zu verachten als ein solcher Quacksalber, wenn man —————. —* * “...— — 2—22727252525255 1 9 MNVV. Ni N. 74 * V * 7 90 RN + ** , V V 0 490 oa—— 14 Allgemeine Betrachtungen. die Größe des Unheils vergleicht, das er durch seine Un— erfahrenheit anstiftet. Dieß ist noch nicht Alles: Bei der Behandlung des menschlichen Körpers folgt die Wirkung unmittelbar auf die Ursache, und dieß geschieht alle Tage. Ohne die Na⸗ tur der China oder des Fiebers zu kennen, wissen wir, daß dieses Mittel diese Krankheit heilt, weil der Versuch tausend⸗ mal wiederholt worden ist, weil man die Wirkung eines Spe⸗ cificums von der Wirkung aller anderen Mittel unterscheiden und auf diese Art hat wissen können, welchem die Heilung zu verdanken sey. In der National-Oekonomie aber kann man nicht ohne Gefahr von der empirischen Methode Gebrauch machen; denn es steht nicht in unserer Macht, die Versuche zu wiederholen und sie von den zufälligen Umständen zu trennen, die zuweilen von solchem Ein— flusse sind, daß ein ganz anderes Resultat herauskommt. So hat man den seit 35 Jahrhunderten wachsenden Wohl-⸗ stand Europas aus Unwissenheit den dem Handel aufge⸗ legten Fesseln zugeschrieben, während die aufgeklärten Staatsmänner wissen, daß die Fortschritte des menschli— chen Geistes und der Industrie der Völker die Ursache davon sind. Diese Wahrheit kann nicht empirisch bewie— sen werden, sondern nur aus der Natur der Dinge und einer genauen Analyse hervorgehen: man muß demnach diese Natur der Dinge kennen und es läßt sich behaup— ten, daß in keinem Fache die Erfahrung so sehr der Wis⸗ senschaft bedürfe. Die wahren Staatsmänner müssen die Fortschritte der National⸗Oekonomie stets beachten. Aus diesem Grunde ist leicht vorauszusehen, daß die Staatsmänner, die die neueren Fortschritte der National-⸗ Oekonomie nicht beachten wollten, eben so in der öffent⸗ lichen Meinung fallen würden, wie diejenigen, die diese Allgemeine Betrachtungen. 45 Wissenschaft hintansetzen. Jeder Schriftsteller, dessen Arbeiten Belehrung des Publikums zum Zweck haben, übt eine Art von obrigkeitlicher Gewalt aus, die im Ver⸗ hältnisse zu seinen Kenntnissen und seinen Talenten steht. Welches Zutrauen kann ein Staatsmann ansprechen, der den Gegenstand nicht kennt, über den er raisonnirt, näm⸗ lich den lebenden gesellschaftlichen Körper? Man darf glauben, daß es bald eine Schande seyn wird, die Grund⸗ sätze der National-Dekonomie nicht zu kennen und von Erscheinungen, die sie darbietet, zu sprechen, ohne im Stande zu seyn, sie auf ihre wahren Ursachen zurück⸗ zuführen. „Die Gesetze, die den Lauf der Gestirne regeln, sagt Sir Macculloch*), sind der Gegenstand eines mit Recht geehrten Studiums; ob wir gleich nicht den ge⸗ ringsten Einfluß auf den Gang der Planeten ausüben köönnen und derselbe nur sehr schwach und mittelbar auf unser Wohlseyn einwirkt.“ Allein die Gesetze, die den Gang der Gesellschaft bestimmen, die ein Volk seinem Glück entgegenführen oder es in die Barbarei zurückwer⸗ fen, betreffen uns unmittelbar und müssen uns, indem sie uns über die Mittel, unsere Lage zu verbessern, be— lehren, weit lebhafter interessiren. „Das Gedeihen einer Nation hängt nicht so sehr von einer günstigen Lage, einem gesunden Clima, von der Fruchtbarkeit des Bodens, als von dem Erfindungs⸗ geiste, von der Beharrlichkeit und der Industrie der Be⸗ wohner, folglich von den Maßregeln ab, welche die Entwicklung dieser Eigenschaften befördern. Ein gutes dkonomisches System wiegt eine Menge von Nachtheilen auf; durch sie erhalten die unwirthsamsten Gegenden eine zahlreiche, mit allen Annehmlichkeiten des Lebens *) A Discourse on the science of political Economy. —::tqĩp7.... 46 Allgemeine Betrachtungen. versehene, und in Sitten und Geschmack fein gebildete Be— völkerung; allein ohne eine gute Verwaltung dienen auch die kostbarsten Gaben der Natur zu nichts; auf dem frucht— barsten Boden und in dem schönsten Clima kann ein Volk doch in Unwissenheit, Elend und Barbarei schmachten. Schnelligkeit dieser Fortschritte. Wir dürfen uns übrigens zu den reißenden Fortschrit⸗ ten Glück wünschen, die die Wissenschaft des gesellschaftli— chen Lebens während des Laufs einer einzigen Generation gemacht hat. Sie wird noch viele andere machen: die erfahrensten Männer aller Nationen gehen gleich jenen Pionniers von Nord-Amerika voran: auf sie folgt die Arbeit, die den Boden urbar macht und die Wilden ver— drängt, deren Macht mit jedem Tage abnimmt. Einige alte und majestätische Bäume werden durch diesen Gang der Nationen ausgerottet, ihre Stellen aber durch wohlthätige Pflanzungen ersetzt. Die Organisation der Gesellschaft wird sich um so gewisser ausbilden, als in den neueren Staaten eine zahlreichere Bevölkerung, größere Bedürfnisse, verwickel— tere Interessen und die daraus entstehende Theilung der Arbeit erfordern, daß die Sorge für die allgemeinen In— teressen zu einer besonderen Beschäftigung werde. Die repräsentative Regierung kann allein dem Bedürfnisse der Gesellschaften entsprechen und ist selbst, indem sie uns nothwendige Bürgschaften gewährt, uns den Weg zu wünschenswerthen Verbesserungen dffnet, ein mächtiges Beförderungsmittel des öffentlichen Wohls; sie wird end— lich überall eingeführt werden und diejenigen Nationen, die aus Mangel an Bildung das Bedürfniß derselben noch nicht fühlen sollten, müssen weit hinter allen andern zurückbleiben, gleich einem trägen oder ungeschickten Sol—⸗ den nic nal mit cchl wie ren Nel ut 9et nel wal Ta spn Re den Ha Fäl die Gor der 90 Allgemeine Betrachtungen. 47 daten, der in einer fortschreitenden Colonne hinkt und von allen überfangen und gedrängt wird. Nützlichkeit der National⸗Oekonomie für die Rechtsgelehrten.— Die Grundsätze der National-Oekonomie sind der Ver— waltung der Rechtspflege nicht weniger zuträglich, als den anderen Zweigen der Staats-Administration. Ist nicht die Gesellschaft sammt den Gütern, durch welche sie besteht, die Materie, womit sich die Civil- und Crimi⸗ nal⸗Gesetzgebung beschäftigt. Ohne die Kenntniß der ge⸗ sellschaftlichen Interessen würden die obrigkeitlichen Per— sonen gleich den Polizeidienern nur die blinden Werk— zeuge der willkührlichen Gewalt seyn; man müßte sie mit jenen Geschoßen vergleichen, die aus einem Feuer— schlunde fahren, um, wie der Zufall es fügt, den Guten wie den Schlechten zu tödten. ö Die National-Oekonomie allein kann uns die wah— ren Verhältnisse kennen lernen, die das Band der Ge⸗ sellschaft ausmachen; wenn sie die schlechten Einrich— tungen um ihr Ansehen bringt, so verleiht sie dage— gen den guten Gesetzen und einer guten Rechtspflege neue Kräfte. Sie giebt den Eigenthumsrechten ihre wahre Grundlage, und verschafft den Rechten, die das Talent, die Clientschaft und die neuen Erfindungen an— sprechen können, die gleiche Achtung. Sie zeigt die Rechtsgrundsätze, die in Beziehung auf das Geldinteresse, den Ertrag der Ländereien, der Manufacturen und des Handels in Anwendung kommen; sie zeigt, in welchen Fällen ein Kauf gesetzlich ist, d. h. in welchen Fällen die Bedingungen des Kaufs der Preis einer wirklichen Concession sind oder nicht. Sie mißt die Wichtigkeit der Künste, und giebt die zu Ausübung derselben nöthi⸗ gen Gesetze. Ist nicht die Lythographie in unsere Ge— ———„— 48 Allgemeine Betrachtungen. setzgebung aufgenommen worden? und wenn wir es da⸗ hin brächten, uns durch die Lüfte nach Gefallen zu be— wegen, müßte man nicht in Beziehung auf die Hem— mungen, die Pässe und die Zolllinien andere Gesetze ma— chen, als diejenigen, die dermalen bestehen? Wie nützlich das Studium derselben für die Individuen ist. Durch die obigen Betrachtungen ist der glückliche Einfluß eines hinlänglich verbreiteten Studiums der National-Oekonomie auf die Institutionen eines Volks außer Zweifel gestellt; der vortheilhafte Einfluß dersel— ben auf das Schicksal der Individuen und Familien ist nicht minder klar. Wenn ein Land gedeiht, so bemerkt man mehr Wohlstand in den Familien, die Kinder wer— den leichter erzogen, bälder versorgt und finden auf ihrer Laufbahn weniger Hindernisse. Allein man muß gestehen, der große Haufe weiß nur wenig von dem Verhältnisse, das zwischen dem allgemeinen Besten und dem Wohl der Einzelnen statt findet. Wenn man die Provinzen ge— wisser Länder durchreist, muß man sich oft wundern, wie die Einwohner ihr örtliches Interesse oder das In— teresse der Classe, zu der sie gehören, mit Wärme ver⸗ fechten und zugleich, sobald nur ihr Nationalstolz ge— schont wird, gegen das Wohl ihrer Nation oder der Menschheit gleichgültig bleiben. Das allgemeine Interesse ist für sie eine Abstraktion, ein fremdes Interesse, gleich demjenigen, das man an einem Schauspiel, an einem Romane nimmt. Ein Mensch, der sich um das Wohl seiner Familie und seiner Gemeinde nicht bekümmern würde, wäre ge⸗ wiß sehr strafbar; ich glaube sogar, daß das Bestehen der Gesellschaft durch die Sorgfalt, die man jenen wid— met, bedingt ist; allein diese Sorgfalt muß sich mit den abhs I sne + simm das a hreite ganze Man seyn, W abh jen Fall theue niger darf! die! cher Unn nur Folge nen 8 der d leicht Gewi wenig gussic 0 wi uenig lifti ih ——— Allgemeine Betrachtungen. 49 allgemeinen Interessen vertragen, und es bedarf eines gewissen Grades von Einsicht, um zu wissen, in wie ferne dies geschehen kann. Wenn man dies einmal weiß, so kann man, indem man ein Recht für sich in Anspruch nimmt, auch nachweisen, wie wichtig dasselbe auch für das allgemeine Interesse sey; dadurch erhält dasselbe die breiteste Grundlage; man gewinnt die Mehrzahl und das gänze Land, selbst die Bewohner aller Länder für sich. Man ist dann fähig, in seiner eigenen Sache Richter zu seyn, denn eine Forderung, die dem allgemeinen Interesse zuwider läuft, ist ungerecht. ö Die Kenntniß der National-Oekonomie gewährt, un— abhängig von ihren Beziehungen auf das Publikum, den⸗ jenigen, die sie besitzen, großen Nutzen. In manchen Fällen ersetzt sie die Erfahrung, jene Erfahrung, die so theuer zu stehen kommt, und die man oft erst in demje⸗ nigen Lebensalter erwirbt, wo man deren nicht mehr be⸗ darf! für alle diejenigen, die die Natur der Dinge und die Art des Zusammenhangs der Ereignisse im menschli— chen Leben erforscht haben, sind die in den Augen der Unwissenden ganz außerordentlichen Erscheinungen einzig nur die Resultate vorausgegangener Begebenheiten. Die Folgen der Umstände, worin wir leben, Folgen, von de— nen der große Haufen keine Ahnung hat, kann derjenige, der die Wirkungen auf ihre Ursachen zurückzuführen weiß, leicht voraussehen. Wie unermeßlich ist aber nicht der Gewinn, den man in jedem Berufe aus der mehr oder weniger vollkommenen, mehr oder weniger sicheren Vor⸗ aussicht der Zukunft ziehen kann. Bin ich Kaufmann, so wird mein Gewinn oder Verlust von der mehr oder weniger richtigen Meinung, die ich mir von dem künftigen Werthe der Dinge mache, abhängen. Bin ich Fabrikant, so ist es für mich sehr wichtig, die Say prakt. National⸗Oekonomie J. 4 Ic.. 5⁰ Allgemeine Betrachtungen. Wirkungen der Concurrenz der Produzenten, der Entfer— nung der Orte, woher ich meine rohen Stoffe beziehe, und derjenigen, wo ich meine Fabrikate niederlege, den Einfluß der Communikationsmittel und das Verfahren bei der Produktion zu kennen? Aus dem Studium der National-Oekonomie ergiebt sich allerdings, daß es zweckmäßig sey, die Menschen in den meisten Fällen sich selbst zu überlassen, weil sich als— dann ihre Fähigkeiten am besten entwickeln; daraus folgt jedoch nicht, daß sie aus der Kenntniß der Gesetze, wor— nach diese Entwicklung geschieht, nicht großen Vortheil ziehen konnen. Wenn mau die Einrichtung eines Bie— nenstocks kennen muß, um Nutzen davon zu haben, wie wird es sich mit der National-Oekonomie verhalten, die alle unsere Bedürfnisse, unsere Neigungen, unser Glück und unsere Existenz zum Gegenstand hat? Welchem Menschen liegt nicht daran, die Stärke oder Schwäche seiner gesellschaftlichen Stellung, die ihm das Schicksal angewiesen hat, ausfindig zu machen, oder für sich selbst oder seine Kinder das geeignetste Gewerbe wählen, oder das Gewerbe derjenigen, mit denen er in freundschaftli— chen oder Geschäfts-Verbindungen steht, richtig beurthei— len zu können? Wenn man bedenkt, wie viele sogar höchst fleißige, gewandte und verständige Menschen zu Grunde gehen, so wird man einsehen, daß sie in vielen Beziehungen die Natur der Dinge und das, was daraus für ihre persönlichen Angelegenheiten folgt, durchaus nicht kenneu müßen. Muß dem Capitalisten, dem Grund— eigenthümer nicht daran liegen, die Quelle seines Ein— kommens kennen zu lernen? Kann ihnen eine Verände— rung mit dem Gelde oder jede andere Regierungsmaß— regel gleichgültig bleiben? Müßen sie nicht wünschen, in den Versammlungen, an denen sie, sey es als Ver— Allgemeine Betrachtungen. 54 walter, als Aktionäre oder als Rathgeber Theil nehmen, eine richtige Meinung zu haben. Man kann sich eine mit den Wahrheiten der Natio⸗ nal-Oekonomie unbekannte Nation wie ein Volk denken, das in einen ungeheuren, unterirdischen Raum gebannt ist, wo gleichwohl alle zur Erhaltung des Lebens noth⸗ wendigen Dinge vorhanden sind; die Finsterniß allein hindert, daß man dieselben finde. Jeder sucht, durch die Noth getrieben, das, was er bedarf, übersieht den Ge⸗ genstand, den er am meisten wünscht, tritt ihn wohl gar mit Füßen, ohne ihn zu bemerken. Man sucht sich, man ruft sich, ohne aufeinander treffen zu können; man kann sich nicht über die Dinge verständigen, die Jeder braucht. Man macht sich dieselben streitig, reißt sie in Stücke, man zerfleischt sich wohl gegenseitig. Ueberall herrscht Unordnung, Gewalthätigkeit, Verheerung...... Wenn nun plötzlich ein Lichtstrahl in die Dunkelheit dringt, so schämt man sich des Uebels, das man sich zugefügt hat; es zeigt sich, daß Jeder erhalten kann, was er wünscht; man erkennt, daß diese Güter sich um so mehr verviel⸗ fältigen, je mehr man sich einander beisteht. Tausend Grunde, sich zu lieben, tausend Mittel des Genusses zei⸗ gen sich von allen Seiten, und dies hat ein einziger Licht⸗ strahl bewirkt. Dies ist das Bild eines aus der Barba— V rei sich erhebenden Volkes. Die Fortschritte der nützlichen Künste genügen nicht, um das Glück der Nationen zu begründen. Es sind nicht die Wissenschaften, hat man zuweilen gesagt, sondern die nützlichen Künste, die zum Wohlstand führen; die Allgemeinheiten dienen zu nichts; was uns noth thut, sind die Besonderheiten.— Jeder Mensch muß allerdings die besondern Renntnisse besitzen, die sein Beruf erfordert; allein diese besonderen Kenntnisse genü⸗ 4* ———— 52 Allgemeine Betrachtungen. gen nicht; sie sind nur eine blinde Rontine, wenn man sie nicht mit dem Zweck, den man sich vorsetzt und den Mitteln, worüber man verfügen kann, zu verbinden weiß; wir sind nicht berufen, unsere Künste in einer Wüste auszuüben, wir üben sie vielmehr in der Ge sellschaft und zum Nutzen der Menschen; wir müßen also die Oekono— mie derjenigen Gesellschaft studiren, in die wir gleichsam geworfen sind, und wovon stets unser Schicksal abhängt. In dem gesellschaftlichen Zustande entstehen Interessen, die zusammenstimmen, und andere, die sich durchkreuzen; gleichwie es in der Chemie Substanzen giebt, die sich vermischen, und andere, die sich neutralisiren. Wenn wir das Spiel derselben genau kennen lernen und uns vollständig unterrichten wollen, so müßen wir sämmtliche Elemente, woraus die Gesellschaft besteht und das, was aus der Verbindung derselben entspringt, erforscht haben. Man rühmt die Industrie gewisser Nationen und glaubt, das von denselben in dieser Hensicht erlängte Ue— bergewicht beruhe einzig auf einem bessern praktischen Verfahren. Letzteres ist ohne Zweifel von Wichtigkeit; allein die größten Fortschritte der Industrie und die da— durch bewirkte Wohlfahrt sind dem Verständniß der in— dustriellen Oekonomie, die nur die Anordnung der Natio— nal⸗Oekonomie auf die Gegenstände der Industrie ist, zu verdanken. Unter diesem Gesichtspunkt zeichnet sich die kunstfleißigere Nation vor einer andern durch ein größe⸗ res Berechnungstalent, ein richtigeres Urtheil, durch eine bessere Wahl ihrer Unternehmungen und der dazu erfor— derlichen Mittel, überhaupt durch eine praktische Ge— wandtheit aus, die wesentlich zum Gelingen beiträgt; woraus bei ihr eine größere Sicherheit und Beharrlich— keit in den Unternehmungen entsteht, weil es unmöglich ist, einen schlecht entworfenen und schlecht geleiteten Plan Allgemeine Betrachtungen. 55 auszuführen) Man wird leicht durch die Wunderwerke der Industrie geblendet. Wir haben den Menschen sich in die Lüfte erheben und in die Tiefe tauchen sehen; er hat den Ocean ohne Segel und ohne Ruder durchschifft; Fuhrwerke bewegen sich ohne Pferde; Dampfmaschinen scheinen Zeichen von Intelligenz zu geben; damit aber Alles dies den Nationen und Individuen Nutzen bringe, müßen diese zahlreichen und erstaunlichen Mittel durch die Fackel der National-Oekonomie geleitet werden; ohne sie, ohne ihren aufgekkärten Rath können die glänzend— sten Versuche, die scharfsinnigsten Verfahrungsarten nur zu gefährlichen Lockungen werden. Die Gelehrten suchen zwar das wohlfeilste Verfah— ren ausfindig zu machen, sie ermangeln nicht, dasjenige zu bezeichnen, wodurch am meisten Kraft und Stoff er— spart wird, und das am schnellsten und mit den wenig— sten Anstrengungen das größte Resultat gewährt. Al— lein für sie ist das Resultat eben nur die produzirte Sa— che, die nicht immer auch ein produzirter Reichthum ist; die Aufgabe ist nicht nur, auf die wohlfeilste Weise zu produziren, sondern zu wissen, ob eine Sache, auch wenn sie mit den geringsten Kosten produzirt ist, die Produk— tionskosten bezahlt 0. ö *) Die National-Oekonomie lehrt nicht den Calcul; allein sie giebt Daten an, worauf der Calcul beruhen muß; insbeson— dere bildet sie die Beurtheilungskraft aus, was eine andere Art von Calcul ist, der sich mit Quantitäten beschäftigt, die man unmöglich genau bestimmen, deren Daseyn man aber nicht bestreiten kann. *1) Man wird an mehreren Stellen dieses Werkes finden, daß die National-Oekonomie die Handelscrisen, die Frankreich und England zu verschiedenen Zeiten getroffen, und jene Stockungen in dem Absatz der Waaren, wodurch die Fabri⸗ kantes so stark gelitten haben, sehr gut zu erklären weiß. Man kann demzach die Wiederkehr dieser mißlichen Umstände 8——————— 54 Allgemeine Betrachtungen. Man muß wissen, ob das beste Mittel, dasselbe zu erhalten, darin besteht, es unmittelbar zu erzeugen, oder ob es nicht besser ist, solches auf dem Wege des Tau— sches und mittelst Erzeugung anderer ganz verschiedener Produkte sich zu verschaffen? Hier trennt sich die wis— senschaftliche Frage von derjenigen, die sich auf das Ver— fahren der Kunst bezieht. Eine gute Leitung vermag noch mehr als das zweck⸗ mäßigste Verfahren der Kunst. Die Leitung der Privat-Unternehmungen hat mehr Einfluß auf ihren Erfolg, als selbst das Kunst-Verfah— ren. Man sieht Unternehmer zu Grunde gehen, bei dem— selben Verfahren, an demselben Orte und mit denselben Mitteln, wodurch Andere das größte Glück machen. Die Industrie besteht vielleicht weniger in dem technischen Verfahren, als in einer gewissen Besonnenheit(esprit de conduite), einer Eigenschaft, die bei allen Fabrikations— Zweigen, bei dem Landbau, bei dem Handel eben so gut, als in den Manufakturen von der größten Bedeutung ist. Man wird sogar sehen, daß sie bei den freien Künsten, bei offentlichen Aemtern und selbst bei rein intellektuellen und moralischen Verrichtungen in Anwendung kommt. Diese Besonnenheit aber entsteht aus einer gewissen Festig⸗ keit des Charakters, die mit einer richtigen Schätzung der Dinge, der Frucht der ökonomischen Studien verbunden ist. Diese Studien lehren nicht, aus einer schlechten Stellung Nutzen zu ziehen, sie zeigen aber die Schwie— rigkeiten, selbst die Unmöglichkeit einer Sache, und sind in dieser Hinsicht noch immer sehr nützlich, weil sie von vergeblichen Versuchen abhalten. Es ist gut, die Um— stände zu kennen, wovon man nur geringe Resultate er— ———— bis auf einen gewissen Grad voraussehen, und die nachthei⸗ ligen Wirkungen derselben vermindern. w heson Dium deb lich! ren was fahr gro 50 nio 9 die leser mitt deß sen. no⸗ nuh ime weit Ma ber und habe werd Men werd De W auf I—— Allgemeine Betrachtungen. 55 warten kann, um denselben nicht mehr Wichtigkeit bei⸗ zulegen, als sie verdienen. Dieß sind in Beziehung auf das allgemeine und das besondere Interesse die Früchte, die man aus dem Stu⸗ dium der National-Oekonomie ziehen kann. Dieser Zweig des menschlichen Wissens läßt sich, wie jeder Andere, frei⸗ lich durch eine langjährige Erfahrung lernen; allein es wa⸗ ren 4000 Jahre nothwendig, um auf diesem Wege das, was wir heutzutage wissen, zu erlernen. Durch die Er⸗ fahrung lernt man nur außerordentlich langsam und mit großen Kosten; denn jeden Fehler muß man theuer be— zahlen. Ich bin überzeugt, daß das Studium der Na⸗ gional-Oekonomie bald die nothwendige Ergänzung jeder guten Erziehung bilden werde; man wird sich nicht in die nachtheilige Lage derjenigen setzen wollen, die nicht lesen können, unter Menschen, die sich dieses Belehrungs— mittels erfreuen. In so wenigen Worten lassen sich in⸗ deß alle die Vortheile, die aus diesem Studium erwach⸗ sen, nicht darstellen, sie werden sich aus diesem Werke noch weiter ergeben. Für junge Leute besonders ist dieses Studium sehr nützlich. Mögen diese bedenken, daß sie bestimmt sind, in einem Jahrhundert zu leben und zu streben, wo man weiter vorgerückt seyn wird, als es ihre Väter waren. Man kommt auf Alles, un diejenigen unter ihnen, die über ihre persönliche Lage, über die Natur ihrer Geschäte und über den Grad von Wichtigkeit, den sie in der Welt haben und nicht haben können, noch im Dunkeln sind, werden von Andern, die sich richtigere Begriffe von 2 tenschen und den Dingen gemacht haben, bald überflügelt werden. Alle Kenntnisse hängen mit einander zusammen. Die Fortschritte der National-Oekonomie hat man der Anwendung der analytischen und erperimentalen Methode auf die moralischen und politischen Wissense haften zu — 56 Allgemeine Betrachtungen. verdanken und so werden hinwiederum die genaueren Be— griffe über andere Punkte von den Fortschritten der Na— tional⸗Oekonomie abhängen, Sie ist einmal in das Ge— biet des menschlichen Geistes aufgenommen und wird mit diesem fortschreiten. Nachdem wir auf die außerordentliche Wichtigkeit der national⸗ökonomischen Kenntnisse und die großen Vor— theile, die den Völkern aus der größeren Verbreitung derselben erwachsen, aufmerksam gemacht haben, müssen wir auch von den Hindernissen sprechen, die ihren Fort⸗ schritten im Wege stehen. Von dem Uebel, das die Vorurtheile in der Natio⸗ nal⸗Oekonomie anrichten. Bei jeder Gelegenheit dringen sich die irrigen Be— griffe, die man mit der Muttermilch eingesogen, die man tausendmal hat wiederholen hören, die man in einer Menge von Büchern findet, die falschen Bedeutungen, die der gewöhnliche Sprachgebrauch gewißen Worten beilegt, wie sehr man sich auch wehren mag, dem Geiste des Menschen auf*). Sie werfen ihn in das Dunkel und in die Zweifel zurück, aus denen ihn ein lichtvoller Beweis gezogen hatte. Ich habe während des Studiums der National⸗Oekonomie oft selbst erfahren, daß alte, von meiner Kindheit an mir beigebrachte Vorstellungen mir den Weg sperrten; und so mußte ich wieder auf dieselben Beobachtungen und Schlüsse, wodurch diese Irrthümer schon mehreremale widerlegt worden waren, zurückgehen, was die Mühe dieses Studiums verdoppelte und verdrei— fachte. Es hält schwerer, das Falsche zu vergessen, das man gelernt, als das Wahre, das man entdeckt hat, sich einzuprägen ½). Das Wort: Geld⸗Interesse: z. B. giebt einen falschen Be— griff von dem, was man damit bezeichnet. Es veranlaßt zu dem Glauben, Geld und Capitale seyen eins und dasselbe. *) Die zum Studium der National-Dekonomie geeignetste Zeit Allgemeine Betrachtungen. 57 So fest aber auch die Grundlagen sind, worauf un— sere ökönomischen Kenntnisse beruhen, so hat man doch zuweilen ihre Wirklichkeit und Nützlichkeit in Zweifel ge— zogen. Ich kann darum einige gegen sie erhobene Ein— würfe nicht mit Stillschweigen übergehen, werde aber mehrere frivole Ausstellungen, die von selbst fallen, un— berührt lassen und mich nur mit denjenigen beschäftigen, die einigen Eindruck auf gewisse Menschen machen könn— ten, denen es zwar nicht an Einsichten fehlt, die aber zu träg sind, eine Wissenschaft zu studiren, ehe sie dar— über urtheilen. Ob die National-Oekonomie nur auf flüchtigen Erscheinungen beruhe. Man hat gesagt, die Thatsachen, womit sich die National-Oekonomie befasse, könnten kein beständiges Resultat gewähren und kein wissenschaftliches Ganzes bilden, weil sie von dem Willen und den Leidenschaften der Menschen, d. h. von dem, was am inkonsequentesten und wandelbarsten in der Welt ist, abhängen. Dieser wan—⸗ delbare Wille und diese Leidenschaften hindern indeß nicht, daß den Dingen, womit sich die National-Okonomie be— schäftigt, eine Natur beiwohne, die ihnen eigen ist und bei ähnlichen Fällen auch auf dieselbe Weise wirkt. Der menschliche Wille ist dann nur ein Zufall, der die Wech— selwirkung der Dinge modificirt, ohne sie aufzuheben. Auf diese Weise verrichten die Organe des menschlichen Leibes, das Herz, die Nerven, der Magen ihr Geschäft, das der Gegenstand einer positiven Wissenschaft ist, ob— gleich die Unmäßigkeit und die Leidenschaften Störun— gen in dasselbe bringen. Es kommt nur darauf an, den ist die Jugend, wo der Verstand völlig entwickelt ist, ohne noch durch die in alten Büchern und in der Welt verbrei⸗ teten Vorurtheile verwirrt zu seyn. 58 Allgemeine Betrachtungen. Einfluß der zufälligen Umstände gehörig zu würdigen. Dieß ist, im Vorbeigehen gesagt, der Grund, warum man die Grundsätze zuweilen den Umständen unterordnen muß, denn diese haben in manchen Fällen einen größeren Ein— fluß als die ursprünglichen Ursachen selbst. Die Regeln der Heilkunst würden in gewissen Fällen eine Aderläße vorschreiben; wenn sich aber der Kranke in einer solchen Lage befindet, daß die Aderläße gefährlicher ist, als die Krankheit selbst, so wäre es thöricht, jene anzuordnen. Die eifrigsten Vertheidiger der Freiheit des Handels ha— ben niemals gerathen, unklugerweise Schranken niederzu— reissen, die sie gleichwohl für sehr nachtheilig halten. Es verräth also eben keine große Einsicht, wenn man die Grundsätze einer Wissenschaft aus dem Grunde ver— wirft, weil es Gefahr bringen kann, sie zur unrechten Zeit anzuwenden. Die Wissenschaft selbst lehrt die Fälle bestimmen, wo die Grunosätze anwendbar sind oder nicht. Ob in der National⸗Oekonomie unauflösliche Fragen vorkommen. Man hat gesagt, die National-Oekonomie enthalte unauflösliche Fragen; so ist z. B. diejenige, welche die Nützlichkeit des Luxus betrifft, noch nicht entschieden 5). Sie ist es in der That noch nicht; aber nur für diejeni— gen, die sich die obersten Grundsätze der Wissenschaft noch nicht zu eigen gemächt haben. Wer sich einen vollstän— digen Begriff von dem Phänomen der Produktion ge— macht, wer die Wirkungen der verschiedenen Consumtions— Arten im Einzelnen gewürdigt hat, weiß sehr gut, was Siehe allgemeine Tabellen: heste Lieferung und meh⸗ rere andere kritische Werke. Die Verfasser derselben wollen Alle die guten Schriftsteller gelesen haben: allein die Art, wie sie davon sprechen, zeigt, daß sie dieselben nur unvoll⸗ ständig kennen. . 1—*—c...—ν::.ss:..:.:.:.“....—-——9—.—.———...—ccc 2 —.—.———————.—..——...:—: Allgemeine Betrachtungen. 59 er von dem Luxus zu halten habe.„Das Verlangen, mit einem Sprung auf die letzten Resultate und prakti— schen Schlüsse der National-Oekrnomie zu kommen, sagt Herr Macculloch?), ist der gewöhnliche Fehler derer, die in diesem Studium nicht weit genug vorgerückt sind.“ Wenn demnach die Wissenschaft noch Manches ungewiße enthält, so ist es nicht die Schuld derer, die sie studiren, sondern derer, die sie nicht studiren, und das schlimmste ist noch, daß gerade die letzteren am liebsten über die Fragen absprechen, und die Phänomene, die, wie sie sa— gen, nicht richtig erklärt werden, auf die lächerlichste Weise auslegen. Diejenigen, die den Aerzten vorwerfen, sie seyen außer Stand, die Ursachen einer Krankheit ge— nau anzugeben, nehmen keinen Anstand, dieselben den Säften oder den Nerven zuzuschreiben, ohne zu wissen, was denn die Säfte sind; ohne sagen zu können, wel⸗ ches die Funktionen des Nervensystems sind; kurz sie wissen nichts. Wenn aber auch wirklich einige dkonomische Erschei— nungen noch nicht genügend erklärt wären, ist dieß wohl ein Grund, die gewissen Wahrheiten zu verwerfen, die man bereits entdeckt hat? Wo ist die Wissenschaft, die über alles Bescheid weiß? Manche Erscheinungen der phy— sischen Welt entziehen sich den Forschungen der Gelehr— ten, gerade wie die der politischen Welt. Gegen das Ende des letzten Jahrhunderts überraschte uns eine sehr auf— fallende Erscheinung: Steine von ganz besonderer Art fielen vom Himmel; allein alle Bemühungen der Gelehr— ten haben bis jetzt nichts als die Thatsache erweisen, die Sache selbst aber nicht erklären können. Wenn nun irgend Jemand keck genug wäre, den Schluß daraus zu ziehen, die Experimental.Physik sey eine unnütze Wissen⸗ *) A Discourse on political Economy. Pag. 77. 6⁰ Allgemeine Betrachtungen. schaft, so würde man ihm alsbald die Entdeckung der Natur des Blitzes und der Mittel, ihn nach Gefallen zu leiten, entgegenhalten. Soll man deßwegen, weil man etwas noch nicht weiß, auch eine andere Sache, die sich wissen läßt, zu wissen verschmähen? Wenn uns eine Wissenschaft in gewissen Fällen im Dunkeln läßt, sollten wir auf den nützlichen Rath verzichten, den sie uns in anderen Fällen ertheilen kann? Würden wir wohl, weil die Physik die vom Himmel gefällenen Steine nicht er⸗ klärt, auf den Gebrauch der Blitz-Ableiter, deren Theorie ganz erwiesen ist, Verzicht leisten? Einwurf, den man aus der Verschiedenheit der Meinungen hernimmt. ö Man hat sich auf die vielen falschen oder wahren, von den National⸗Oekonomen geäußerten Meinungen be— rufen, um dieselben sammt und sonders zu verwerfen. Man hat gesagt, kein Theil sey im Stande, seine Sätze zu beweisen, weil sie von einem andern Theile bestritten würden. Allein, welche auf Erfahrungen und Beobach— tungen gegründete Wissenschaft hat nicht ähnliche Strei— tigkeiten veranlaßt? Noch nie ist eine Wahrheit ausge— sprochen worden, ohne daß sie sofort auch bestritten wor— den wäre. Nachdem Harvey die Cirkulation des Bluts bewiesen hatte, ward 50 Jahre lang gestritten, ehe man sie gelten ließ. Das Copernikänsche System hat noch seine Gegner. Die mathematischen Wahrheiten selbst sind ein Gegenstand des Streits gewesen und wir haben ei— nen Mann“*), dem es weder an Talent noch an Kennt— nissen fehlte, ganze Bände schreiben sehen, um uns zu beweisen, daß der Erdball an den Polen aufgewölbt sey, wobei er sich auf die Erfahrungen und selbst die Mes⸗ sungen, wodurch seine Applattung bewiesen ward, berief. —— ) Bernardia de Saint-Pierre. MI loch h/ Schr nach ganz ten wvnn nüg ten, kon ** Allgemeine Betrachtungen. 61 Nachdem es erwiesen war, daß die Ebbe und Fluth das nothwendige Resultat der allgemeinen Anziehungskraft sey, behauptete derselbe Schriftsteller, man müsse sie dem Schmelzen des Polareises zuschreiben. Eben so hat man nach den schönen Demonstrationen von Adam Smith ganze Bücher geschrieben, um zu zeigen, daß die Staa— ten sich durch die Handelsbalanz bereichern. Wenn die wunderlichen Einfälle irgend eines Unsinnigen schon ge— nügen sollten, uns von irgend eiuem Srudium abzuhal— ten, welchem würden wir uns alsdann noch widmen können)? ö *) Ein neuerer Schriftsteller wiederholt in allen seinen Wer— ken, daß England dem Prohibitiv-System seine Ueberlegen— heit im Handel und zur See zu verdanken habe, und daß die Gründe von Adam Smith in Beziehung auf diesen Punkt vor den Thatsachen weichen müßten; allein dieser Schriftsteller ist nicht im Stande, zu beweisen, daß diese Ueberlegenheit das nothwendige Resultät des Pro⸗ hibitiv-Systems sey und sie in keiner anderen Ursache ihren Grund habe. Er spricht über Adam Smith nur vom Hö— rensagen und weiß nicht, daß dieser Schriftsteller, nachdem er bewiesen hat, daß der Wohlstand Großbritanniens nicht in dem Prohibitiv-System seinen Grund ha⸗ ben könne, die wahren Ursachen davon angiebt, die er in der Sicherheit, welche die Industrie in Engländ genießt; in der unparteiischen Rechtspflege; in der Sparsamkeit der Bewohner, wodurch ihre Kapitale vermehrt werden; in dem Unternehmungsgeiste, der sich gewöhnlich bei ihnen mit der Beurtheilungskraft, der Klugheit und der Be— rechnung vereinigt und endlich in einer persönlichen Frei— heit findet, die im Gänzen genommen größer ist, als in ir— gend einem anderen Lande. Smith würde jetzt hinzufügen; mit Ausnahme der vereinigten Staaten, wo die Frerbeit größer, der Staatsaufwand geringer, die Rechtspflege weni— ger kostipielig, die Fortschritte folglich rascher sind. Der— selbe Schriftsteller verwechselt unanfhörlich das Geld eines Landes mit seinen Kapitalen, während der Unterschied die⸗ E— 1 ———.——.————— ——— R—— 2—— ——— 62 Allgemeine Betrachtungen. Warum der schlechten Bücher im Fach der Natio⸗ nal⸗Oekonomie so viele sind. Der größte Theil der Thatsachen, auf denen die Leh— ren der National-Oekonomie beruhen, erneuert sich täg— lich und wird von Jedermann beobachtet. Jedermann hält sich daher auch für berechtigt, sie zu beurtheilen und Folgerungen daraus zu ziehen. Selbst die am wenigsten unterrichteten Leute sagen: Da wir die Thatsachen sehen, wie die Inhaber der Wissenschaft und wir sie eben so gut beurtheilen können als sie, warum sollten wir nicht gleich ihnen all⸗ gemeine Grundsätze daraus folgern? Und so geschieht es, daß Jeder sich für berechtigt hält, die Wis— senschaft nach seiner Weise zu gestalten. Andere, die ein Buch über die National-Oekonomie gelesen haben, bilden sich ein, die Wissenschaft sey für jedermann, wie sie es vor Kurzem noch für sie gewesen, etwas Unbekanntes; eine neue Gedankenreihe hat sich ih— ren Augen enthüllt; sie glauben, die ihnen bloß mitge— theilten Begriffe selbst gebildet zu haben und be— eilen sich, das kaum Erlernte zu verkünden. Diese neue Nahrung haben sie jedoch nicht gehörig verdaut. Aus Mangel einer allseitigen Betrachtung der Sache konnten sie nicht alle Verhältnisse derselben auffassen; es entgehen ihnen wichtige Betrachtungen, entscheidende Einwürfe; sie fallen in Widersprüche, in Irrthümer, die sie sofort durch Sophismen zu vertheidigen suchen, sie treten mit Thatsachen auf, die als falsch anerkannt und mit Beweisen, die schon hundertmal verworfen sind; sie führen einen wahren Chikanenkrieg und verwickeln durch langweilige Commentare die Fragen, die sie ins Licht setzen zu wollen sich rühmen. ser beiden Dinge eine der wichtigsten Demonstrationen ist, die man der neueren National-Oekonomie zu verdanken hat. ———————— 66 Iu lich nn die Veitere nisse, g im stet fahrun Hrdßte lichen Von die L darüb besteh inool sacher fugt, germ bewei ist, andere nicht seyn nicht! 2 Allgemeine Betrachtungen. 6⁵ Es hat sogar Schriftsteller gegeben, die ihre Ansich— ten nicht bloß mittelst der Ueberzeugung verbreiten, son— dern dieselben sogar aus Vertrauen in ihre Einsichten ohne Weiteres angenommen wissen wollten; als ob die Kennt⸗ nisse, gesetzt auch, sie hätten sich diese angeeignet, nicht im steten Fortschreiten begriffen wären, als ob die Er— fahrung von morgen nicht die heutige bereichern und die größte Scharfsicht alle künftigen Ereignisse und alle mög⸗ lichen Einflüsse voraussehen könnte). Von den Bedingungen, die man erfüllen muß, um das Recht zu haben, über Thatsachen zu entscheiden. Allein, man würde sehr unrecht haben, wenn man die Wissenschaft für die Irrthümer aller derjenigen, die darüber schwazen, verantwortlich machen wollte. Sie besteht in einer genauen Darstellung der Thatsachen; die unvollständig beobachteten oder unrichtig erklärten That— sachen sind aber nicht die Wissenschaft. Niemand ist be— fugt, aus einer einzelnen Thatsache eine allgemeine Fol— gerung zu ziehen, wenn er nicht durch strenge Analysen beweisen kann, daß die Folge durch die Thatsache bedingt ist, und wenn er nicht nachweisen kann, daß sie keine andere Ursache haben könne. Wie kann man, wenn man nicht alle die Umstände kennt, die von einigem Einfluß seyn können, behaupten, daß ein gegebenes Resultat nicht von einer ganz anderen Thatsache, als der angege— *) Dieß verlangten die Auhänger von Qnesnay und des phy⸗ slokratischen Systems; allein, ob sie gleich in der National⸗ Oekonomie weiter gekommen waren, als ihre Zeitgenossen und sie dieser Wissenschaft große Dienste geleistet haben, wie würden wir daran seyn, wenn man alle Angelegenheiten des Landes nach den Lehren von Dupont de Nemours ge— geordnet und den Handel, so wie die Manufakturen als nutlose Beschäftigungen hetrachtet hätte. ——— 6⁴ Allgemeine Betrachtungen. benen, abhänge? Es giebt kein Studium wobei man so sehr auf Zufälle, die sämmtlich nach ihrer Art und in verschiedenen Graden auf das End-Resultat einwirken, Rücksicht nehmen muß. Wie oft hat man nicht in Journalen, Brochüren und Büchern behauptet, daß das Monopol Englands gegen— über von seinen Colonien seinen Wohlstand begründet habe? da doch im Gegentheil der Handel Englands mit denselben Staaten, nachdem sie unabhängig geworden, einen weit größeren Gewinn abwirft als früher. Es wird vielleicht nicht an Gesetzgebern fehlen, die sich anheischig machen, zu beweisen, daß der Ruin Spa— niens in dem Verluste seiner amerikanischen Besitzungen seinen Grund habe, während jeder, der die Ursachen des Verderbens und der Entvölkerung der Staaten kennt, aus den inneren Einrichtungen Spaniens seinen gegen— wärtigen Verfall mehr als genügend erklären kann; die— ses Land, zwischen zwei, jedem Verkehre günstigen, Mee— ren gelegen und im Besitze eines trefflichen Bodens und eines zu allen Produktionen günstigen Climas, könnte ohne überseeische Provinzen eines der bevölkertsten und reichsten Länder Europas seyn. Während der republikanischen Periode Frankreichs hoffte Sir Francis Duvernois durch seine Flugschriften der englischen Regierung zu beweisen, wie die Finanzen und der Wohlstand Frankreichs so sehr in Verfall geriethen, daß es außer Stand seyn werde, den Krieg gegen England fortzuführen. Die Wahrheit ist, daß während dieser gan— zen Zeit die Bevölkerung Frankreichs stets zugenommen hat, was ein Beweis von wachsendem Wohlstand ist. Duvernois begriff nicht, daß die innere Industrie den Wohlstand einer Nation am meisten befördert und daß die Fesseln, die früher den Gewerbfleiß der Franzosen lähmten, während der Revolution gelöst worden seyen. ———9———.—.— Allgemeine Betrachtungen. 65⁵ Wenn Frankreich später unterlag, so geschah es deßwe— gen, weil man die meisten der früheren Fesseln wieder auflegte und der Ehrgeiz eines einzigen Mannes die schönsten Hülfsquellen erschöpft hat, die einer Regierung jemals zu Gebot standen. Ich wiederhole es; Niemand steht es zu, sich über die Autorität der Thatsachen wegzusetzen, wenn er nicht im Stande ist, die wahren Ursachen davon anzugeben und ihren Zusammenhang mit den Folgen, die man ih— nen zuschreibt, nachzuweisen. Wenn ihr diese nothwendige ö Bedingung nicht erfüllt, wenn ihr nicht die andern Thatsa⸗ , chen kennt, die man den ersteren entgegensetzen kann, wenn ihr den Einfluß derselben nicht abwägt, was liegt dem *** U Publikum an euren Meinungen? Es fehlt ihnen die ö‚ rechte Grundlage. Schon Montesquieu klagte über die Doktrinen, die keine andere Grundlage haben, als die Fertigkeit, zu reden, und die Unfähigkeit, zu ö prüfen). Die Beweise, worauf man sie stützt, haben ungefähr denselben Gehalt, wie diejenigen, über die sich Casti in seinem berühmten Gedicht„Die redenden Thiere“ lustig machte“*). Ich will übrigens nicht behaupten, daß man nicht · über die National-Oekonomie schreiben könne, ohne alle die Grundsätze, worauf sie beruht, von neuem abzuhan— *) Esprit des loix. 25. Buch, 11. Cap. „*+1) Wo er sagt, es sey ein höchst glücklicher Vorzug der monar⸗ chischen Regierung, daß der Fürst, so bald er an der Spitze der Geschäfte steht, so unwissend und einfältig er auch bis daher gewesen seyn möge, alsbald ein Muster der Weisheit und des Wissens werde. Alle Talente und alle Tugenden werden ihm sogleich von dem Himmel verliehen und als Be⸗ n weis davon führt er das Zeuguiß der Höflinge an:„Sind aß sie nicht, sagt der Satyriker, wirklich diejenigen, die den sen Fürsten besser, als jeder andere kennen müssen, weil sie ihm am nächsten sind.“ en. 5 Say prakt. National⸗Oekonomie J. 66 Allgemeine Betrachtungen. deln. Eine Frage kann besprochen, eine Maßregel an— gegriffen oder vertheidigt werden, ohne daß man nöthig hat, alle bereits bewiesenen Wahrheiten zu Hülfe zu ru— fen; allein man muß diese doch kennen und ihre Bedeut— samkeit zu würdigen verstehen. Wenn ihr auch nur eine einzige nicht ganz ergründet hättet, so kann es ge⸗ rade diese seyn, die die Frage entscheidet. Ihr stellt ei— nen Grundsatz auf; wenn er aber nicht vor Allem fest steht, wenn er sich nicht an alle übrigen anschließt, so kann er euch nicht zur Stütze dienen; es ist alsdann nur ein willkührlicher, ein zufälliger Satz, dem keine Autori— tät zukommt. Doktrinen, die aus persönlichen Ansichten entstehen. Es ist nicht schwer einzusehen, wie sehr diejenigen Schriftsteller, die nicht aus Liebe zur Wahrheit schreiben, der National-Oekonomie schaden. Wenn man auch ohue alle Schuld dem Fortschreiten der Aufklärung hinderlich seyn kann, was wird erst geschehen, wenn man geflissentlich ihr entgegen wirkt, wenn man seine Talente und in Ermang⸗ lung derselben seine Tinte, sein Papier und seine Lun— gen mißbraucht, um Gründe aufzustellen, wodurch per⸗ sönliche Ansichten begünstigt und die ihnen entgegenge— setzten Lehren in Verruf gebracht werden? Glücklicher— weise ist die Zeit vorüber, wo die Sachwalter des Un— verstands auf dauerndes Glück rechnen konnten; allein durch ihre Beweise wird oft der schlichte Menschenver— stand in Verlegenheit gesetzt. Sie bringen zwar die Wahrheit nicht ums Leben, stellen sie aber in Schatten. Sie können nicht hindern, daß das, was wahr ist, wahr sey; aber sie machen die Weltleute und alle diejenigen, die die Mühe der Prüfung fürchten, glauben, daß über⸗ Ie urn:......::.::———...—.WRDSDSDSTCTCTCTCTLTLTLFTTCTÜłæꝘCêACTrTcsccEAAA Allgemeine Betrachtungen. 67 J an: all nichts bewiesen sey, was insbesondere denjenigen ge— hig fällt, die gute Gründe haben, die Wahrheit zu scheuen. Lu⸗ Dieß ist der Schaden, der der National-Oekonomie ut⸗ durch schlechte Schriften zugefügt wird; und dieser Scha— ine den wird noch durch die Wichtigkeit vergrößert, die das Pub— ge⸗ likum solchen Gegenständen mit Recht beilegt. Daher die eiz Compilationen, die Wiederholungen, die eine Menge von est ö Behauptungeu und Sophismen hervorrufen, wodurch nur die Wissenschaft unzugänglicher wird. Man erweist ihr. ur in der That einen schlechten Dienst mit der Wiederho— li⸗ lung der zählreichen Meinungen, die durch kein Nachden⸗ ken zur Reife gebracht, zuweilen ganz falsch, sogar albern sind und lieber der Vergessenheit übergeben werden soll— ten. Sie erfordern, ohne dem Publikum Nutzen zu ge— währen, eine Zeit, eine Aufmerksamkeit und einen Auf⸗ gen wand, die man zu Erwerbung nützlicher Kenntnisse an⸗ jen, wenden könnte). Das Publikum, sagt man, läßt schlech⸗ hue ten Schriften ihr Recht wiederfahren; ich gebe dieß zu, seyn dieß geschieht aber erst, nachdem es sich selbst gehdrig Hihr belehrt hat; d.h. nach vielem Zeitaufwand; und die ung⸗ Masse schlechter Artikel, schlechter Brochüren und schlech— Lun⸗ ter Bücher hindert einstweilen die Leser an einem Stu⸗ per⸗ dium, das sie abschreckt und das, so wie es ihnen ange— 9—. ͤboten wird, kein Resultat verspricht. Allein die Wissen⸗ cher⸗ schaft ist nicht an dem Uebel schuld, das ihr ihre Ver— In⸗ ächter und ihre falschen Freunde zufügen. In ihrer Ein⸗ lein fachheit dargestellt, wird sie gewiß gefallen und als nütz⸗ het⸗ lich anerkannt werden. 11„) Nichts ist der Wahrheit schädlicher und setzt sie so sehr der en. Gefahr aus, verkannt zu werden, als das Bündniß oder die ahr Nachbarschaft des Irrthums.(d'Alembert, Discours préli- gen, minaire de IEncyclopaedic.) ber⸗ 5* 68 Allgemeine Betrachtungen. Von den Abstraktionen in der National⸗ Oekonomie. Man schadet aber gleichfalls den Fortschritten der National-Oekonomie, wenn man ihre Grundsätze auf zu abstrakte Raisonnements stützt. Dieser Mißbrauch hält das Publikum von dem Studium dieser Wissenschaft ab, und dieses Fehlers machen sich nicht nur ganz unfähige Schriftsteller, an deren Werken nichts gelegen ist, son— dern auch die Vertheidiger der besseren Lehren und jene Schriftsteller schuldig, denen man genaue Beobachtungen und scharfsinnige Entwicklungen verdankt. Es ist sreilich nicht möglich, die Abstraktionen aus den Erfahrungswissenschaften ganz zu verbannen. Er— forscht nicht die Physik selbst die Gesetze der Schwere, ohne auf irgend einen schweren Körper Rücksicht zu nehmen? Die Gesetze der Bewegung ohne Rücksicht auf irgend ei— nen geworfenen Körper? Ebenso müssen wir die Eigen⸗ schaften des Werthes, die Entstehung der Nützlichkeit studi— ren, ohne diese Eigenschaften stets anf abschätzbare oder nützliche Dinge anzuwenden. Das Eigenthumsrecht, die Arbeit sind jedesmal Abstraktionen, so oft man nicht die Dinge bezeichnet, auf die man das Eigenthumsrecht oder den Akt der Arbeit bezieht; allein ich glaube, daß diese Abstraktionen nicht die Stelle der Erfahrung und der Beobachtung vertreten dürfen, und daß sie zu nichts die— nen, wenn sie dieser widersprechen. Die theoretische oder abstrakte Mechanik, die von den Gesetzen der Bewegung handelt, reicht fast nie aus zur Erklärung der in den mechanischen Künsten vorkom— menden Bewegungen, weil sie nicht auf die Reibungen, die verlorenen Kräfte und auf jene zahllosen Zufälle, de⸗ nen auch die vollkommenste Maschine stets unterworfen ist, Rücksicht nehmen kann. Dasselbe gilt von den stren— gen Formeln, durch die man ein allgemeines Gesetz aus— chen mit a man so y die menn kann ner; gen; menid daß At d gerein Allgemeine Betrachtungen. 69 drückt, selbst wenn dieses auf einer unbestreitbaren That— sache beruht, und man mlit aller Vorsicht der Logik dabei zu Werke geht, oder sich gar mathemätischer Gleichungen bedient, die nichts anderes sind, als Raisonnements, wo— bei man statt der Worte abgekürzte Zeichen gebraucht. Die Algebra und die Logik richtig gebraucht, können auch in Wahrheit ein unbestreitbares Resultat liefern; jedoch nur in dem Falle, wenn sie in Beziehung auf das Gegebene, worauf ihre Berechnungen beruhen, sich nicht täuschen, wenn dieselben Worte, dieselben Zeichen auch stets dieselben Dinge vorstellen: im entgegengesetzten Falle sind Irrthümer unvermeidlich. Gefährlichkeit der Syllogismen. Gleichwie der algebraische Calcul sich nur mit Zei— chen befaßt, so sind die Syllogismen Schlüsse, die sich mit anderen Zeichen, nämlich mit Worten abgeben. Wenn man die Dinge nicht beachtet und die Worte mißbraucht, so werden die Erörterungen zu bloßen Gedankenspielen, die nichts mehr beweisen, wie man aus dem Raisonne— ment eines Sophisten des alten Griechenlands sehen kann: Epimenides hat gesagt, alle Cretenser seyen Lüg⸗ ner; nun war er selbst ein Cretenser; also hat er gelo— gen; also sind die Cretenser keine Lügner; also hat Epi— menides, der Cretenser, nicht gelogen, wenn er sagte, daß die Cretenser Lügner seyen. Man kann auf diese Art die einfachsten Fragen verwirren und so zu den un— gereimtesten Folgerungen kommen 5). Die Schüler von Quesnay glaubten, es lasse sich durchaus nichts gegen das Princip ihres Systems ein— *) Zufolge eines Mißbranchs der Worte geschah es, daß ein General, der sich anheischig gemacht hatte, die Hälfte der genommenen Schiffe zurückzugeben, sie in der Mitte durch⸗ sägen ließ und so von jedem die Hälfte zurückgab— 7⁰ Allgemeine Betrachtungen. wenden, daß, da der Grund und Boden allein etwas hervorbringen könne, nur der Reinertrag desselben, d. h. der Rohertrag nach Abzug der Produktionskosten ein wah— res Einkommen gewähren; sie schloßen daraus, daß jede Abgabe, die nicht dieses Einkommen treffe, in erhöhtem Maße darauf zurückfallen und daß man folglich sämmt— liche Steuern auf den Grund und Boden legen müsse. Die Oekonomisten von Quesnay führten das Wort: pro— duziren stets im Munde, hatten aber keinen richtigen und genauen Begriff von der Produktion*). In unsern Tagen hat man, wie es scheint, das Ge— genprincip von Quesnay aufstellen wollen, durch die Behauptung, daß es in unsern Reichthümern durchaus nichts gebe, das aus der Erde stamme, daß sie sämmt⸗ lich die Frucht unserer Arbeit seyen; und aus diesem Grundsatze hat man Folgerungen gezogen, die schon durch den schlichten Menschenverstand verworfen werden. Man sieht, daß man sich vor Allem über den Begriff des Worts: Reichthümer verständigen mußte. Eine durchaus unverwerfliche und von anerkannten Grundsätzen ausgehende Logik känn selbst ihren Urheber irre führen, wenn er in seinen Schlüssen zu weit geht und sie nicht mit den Resultaten vergleicht, die uns der Anblick der wirklichen Welt darbietet. Es ist ein aner— kannter Grundsatz, daß jeder, der über sein Capital frei verfügen kann, solches auf die gewinnbringendste Weise anlegt; allein David Ricardo und seine Schüler ziehen ) Diese Irrthümer der Schüler von Quesnay waren übri— gens von Nutzen, indem sie zu Untersuchungen anspornten, woraus richtigere Begriffe von der Natur der Dinge hervor— giengen. Eine schlechte Beobachtung führt zu einer besseren; das größte Uebel ist nur, daß man hieran nicht denkt; wie es bei den durch Aberglauben und Despotismus herabge— würdigten Völkern der Fall ist. Sd Sie X se fiage herar salle Wele Geun Sät nich lan reic ben Jal und Hauf nen si Ler des bei 170 Allgemeine Betrachtungen. 71 Schlüsse daraus, die mit der Erfahrung nicht bestehen. Sie bringen lediglich nur diejenigen Produktionskosten in Rechnung, die aus der Arbeit des Menschen bestehen; sie verkennen den Einfluß des Angebots und der Nach— frage und betrachten die übrigen Ursachen, die den Preis verändern, als Ausnahmen; nun sind aber die Ausnahms-⸗ sälle zahlreicher als diejenigen, die regelmäßig eintreten. Welche nützliche Folgen lassen sich alsdann aus ihren Grundsätzen ziehen? Ich kann den a priori abgeleiteten Sätzen jenes schätzbaren und talentvollen Schriftstellers) nicht beistimmen, der auf die Frage des englischen Par— laments, ob der niedere Preis der Handarbeit in Frank— reich den französischen Fabrikanten nicht erlaube, diesel⸗ ben Waaren zu einem niedereren Preise als die brittischen Fabrikanten zu liefern, vor einer Prüfungs-Kommission und gegen die Erfahrung sämmtlicher Fabrikanten be⸗ hauptete, der Arbeitslohn habe durchaus kei⸗ nen Einfluß auf den Preis der Waaren. Hätten sich die Oekonomisten nicht hüten sollen, jenem Arzte Mo⸗ liere's zu gleichen,„der auf die Nachricht von dem Tode des Kutschers behauptet, er könne nicht todt seyn,“ weil bei solchen Fiebern, wie er es gehabt, der Kranke erst am 14ten oder ꝛrsten Tage sterbe*). *) M. Macculloch. Siehe die durch die Kammer der Gemeinen hinsichtlich der Auswanderung der englischen Arbeiter im Jahr 24 angestellte Untersuchung. Man kann die in Eng⸗ land bestehende Sitte der parlamentarischen Untersuchungen nicht genug loben. Dieß ist das einzige dem Gesetzgeber zu Gebot stehende Mittel, mit Sachkenntniß zu entscheiden. Solche Untersuchungen sind indessen eher geeignet, Thatsa⸗ chen zu bewähren, als Grundsätze aufzustellen. *½) Einer unserer Schriftsteller(Ch. Comte in seiner Abhand⸗ lung über die Gesetzgebung) vergleicht auf eine sehr scharf⸗ sinnige Weise die sogenannten allgemeinen Grundsätze, wenn sie durch die Erfahrung widerlegt werden, mit falichen ———— 72 Allgemeine Betrachtungen. David Ricardo, ein wegen seines Charakters und der vielen in seinen Schriften liegenden Wahrheiten übrigens sehr schätzbarer Mann, behauptet in Gemäßheit zu un— bedingter Principien, die Vermehrung der Auflagen könne der Produktion und Consumtion eines Landes keinen Schaden zufügen). Die Erfahrung zeigt aber gerade das Gegentheil, wenn anders nicht Umstände eintreten, die der Produktion noch günstiger sind, als ihr das Auf⸗ lagensystem nachtheilig ist. Welche weitläufige Debatten haben nicht in Eng⸗ land über den Ertrag des Grund und Bodens(rent of land) statt gefunden. Man sollte zuweilen glauben, die National⸗Oekonomisten führten nur einzig in der Absicht die Feder, um sich zu bekehren oder um sich gegenseitig zu beweisen, daß sie unrecht haben. Andere Schriftstel⸗ ler streiten mit Niemand, sie begnügen sich, der Welt ihre Doktrinen zu offenbaren; aber ohne die geringste Anwendung, und in einer so verworrenen Schreibart, daß man, um ihre Aussprüche zu begreifen, sie in schlichte Worte übersetzen muß; ist dieß geschehen, so sieht man ein, daß der Gedanke nicht die Mühe lohnte, niederge⸗ schrieben zu werden. Alles dieses führt zu der Meinung, daß die Bücher, die sich mit den wichtigsten Interessen der Gesellschaft beschäftigen, nothwendig langweilig seyn müssen. Diese Schriftsteller verwenden ihre Zeit und oftmals ausgezeich— nete Fähigkeiten auf Dinge, die im Grunde weit weni— ger Wichtigkeit haben, als sie ihnen beilegen, und ver— nachläßigen dagegen die nützlichsten Lehren der Nätional— Oekonomie; sie geben den gebornen Feinden jeder Ver— Warnungstafeln, die man auf den Straßen aufstellt, und die, weit entfernt, den Reisenden zurecht zuweisen, ihn nur irre führen mützten. Principles of political Economy and Taxation, 5e Asg. S.275. 0 W Im Ung sen men Hielt die ken Bef Fir W. not snd man derer kauf den Bef bel habe Land 3zu sc noch stell sal d die E etbal tonal⸗ Hericht Es Allgemeine Betrachtungen. 73 vollkommnung Anlaß zu der Behauptung, daß man zu den unbestimmten Lehren, worüber man nicht ins Reine komme, kein Zutrauen haben könne. Es wäre ein großes Unglück, wenn die gewöhnlichen und wichtigen Wahrhei— ten dieser Wissenschaft nur durch ein Gerüste von Argu— menten bewährt werden könnten. Uebrigens werden ungeachtet der noch immer über viele Punkte bestehenden Meinungs-Verschiedenheit, die Verächter der National-Oekonomie doch in den Wer— ken der besser unterrichteten Schriftsteller, immer den Beweis finden, daß die Sicherheit des Eigenthums, die Freiheit der Industrie, die Leichtigkeit des Verkehrs den Wohlstand der Staaten befördern; daß die Capitale ein nothwendiges Mittel zur Erzeugung der Reichthümer sind; daß diese nicht wesentlich im Gelde bestehen, daß man im Grunde nicht mit Gold und Silber die Dinge, deren man bedarf, sondern auch mit andern Produkten kauft; daß die schlecht gewählten Consumtionen, diejeni⸗ gen nämlich, die weder zur Wiedererzeugung noch zur Befriedigung eines wahren Bedürfnisses dienen, ein Ue— bel sind; daß die National-Reichthümer dieselbe Natur haben, wie die individuellen. Daß der Wohlstand eines Landes, weit entfernt, dem Wohlstand anderer Länder zu schaden, denselben vielmehr fördere; dazu kommen noch andere Wahrheiten, die bereits außer Zweifel ge— stellt, schon einen bedeutenden Einfluß auf das Schick— sal der Nationen und der Einzelnen äußern, und durch die Erfahrung täglich aufs Neue sanktionirt werden. Es bleibt uns noch übrig, andere Einwürfe, die nicht etwa bloß gegen die eine oder die andere Lehre der Na— tional⸗Oekonomie, sondern gegen die ganze Wissenschaft gerichtet sind, nach ihrem wahren Gehalt zu würdigen. Es giebt nur zu viele Menschen, die dieselbe zufolge 7⁴ Allgemeine Betrachtungen. schlichter Andeutungen ohne weiteres verwerfen, ohne die Lehren derselben vorher gehörig zu prüfen. Bei den Einwürfen, die der Fanatismus oder die politischen Leidenschaften gegen sie vorbringen, will ich mich nicht aufhalten; diesen muß alles Licht gehässig und jedes Mittel zur Herrschaft willkommen seyn. Man lasse ihre Diatriben in den der Unwissenheit und dem Unver— stand gewidmeten Flugschriften zur Welt kommen und sterben; beruhige dagegen einige wohldenkende Menschen, die da meinen, diese Wissenschaft ziehe die Geister allzu— sehr von einer, ich weiß nicht welchen, idealen und my— stischen Vollkommenheit ab, um sie für irdische und ge— meine Interessen zu gewinnen. Von dem Vorwurfe, welcher der National⸗Oekono⸗ mie gemacht wird, daß sie sich nur mit materiellen Interessen beschäftige. Daß die National-Oekonomie sich nur mit den In— teressen dieses Lebens befasse, ist klar und anerkannt. Jede Wissenschaft beschäftigt sich mit einem ihr eigenen Gegenstande; der Gegenstand dieser Wissenschaft ist die Erforschung der gesellschaftlichen Oekonomie in dieser Welt, so wie sie durch die Natur der Dinge und des Menschen bedingt ist. Was außer dieser Welt befindlich ist, gehört nicht in das Gebiet der National-Oekonomie, sondern der Theologie. Man darf von ihr so wenig über das, was in einer besseren Welt vorgeht, Aufklärung verlangen, als man die Physiologie fragen darf, wie die Engel verdauen mögen; allein man hat Unrecht, wenn man von ihr sagt, daß sie, das Haupt zur Erde ge— kehrt, nur diejenigen Güter schätze, die diese verleiht, und die Werthe, die durch die In⸗ dustrie dazu kommen. Sie schätzt alle diejenigen Güter, deren Genuß dem Menschen gestattet ist; sie be— 110 ns⸗ schr sch; Rje einen gene nahr diest schd Tut Oel Oeko shij schm. Ver Reni selb tern tel; steht der. Gren sen, Von Homit N 5 serd Allgemeine Betrachtungen. 75 trachtet die Gesundheit, die Seelenruhe, die Zuneigung unserer Mitmenschen, die Achtung unserer Freunde als sehr kostbare Güter, und billigt die Mühe, die man sich giebt, dieselben zu erwerben; aber sie unterwirft nur diejenigen Güter einer wissenschaftlichen Würdigung, die einen Tauschwerth haben, weil sie die einzigen sind, wel— che die Menschen Reichthümer, im eigentlichen Sinn des Worts, nennen; die einzigen, wovon sich die Quantität genau angeben läßt, und deren Vermehrung oder Ab— nahme von bestimmten Gesetzen abhängt. Allein unter diesen genau abschäzbaren Gütern selbst befinden sich die schönsten Anstalten der Gesellschaft selbst, die edelsten Tugenden und die seltensten Talente. Die National—⸗ Oekonomie macht auf ihren Werth aufmerksam. Man würde mit Unrecht behaupten, die National— Oekonomie, welche die Mittel entdeckt, wodurch die ab— schäzbaren Güter für alle Menschen erzeugt werden, ver⸗ schmähe darum diejenigen, die nur einen persönlichen Werth haben, wie das Talent, die Gesundheit, die man genießt ꝛc. Macht man wohl der Civilgesetzgebung den— selben Vorwurf, weil sie sich blos mit den zeitlichen Gü— tern und Interessen beschäftigt? Eines der großen Mit⸗ tel zur Vervollkommnung der menschlichen Kenntnisse be— steht darin, daß man sich innerhalb der von der Natur der Dinge jedem Zweige des Wissens vorgeschriebenen Grenzen halte; nur dann kann man hoffen, alles zu wis— sen, was gewußt werden kann. Von dem der National⸗Oekonomie gemachten Vor⸗ wurf, daß sie die Habsucht wecke. ä Ein ähnlicher Vorwurf, welcher der National-Oeko— nomie gemacht wird, ist der, daß sie in den Menschen die Habsucht wecke. Wir werden sogleich sehen, ob die— ser Tadel gegründet sey? Läßt sich aber nicht etwa vor⸗ 5 Allgemeine Betrachtungen. erst bezweifeln, ob das Streben nach Reichthümern, wenn es sich innerhalb der von der Vernunft und den Gesetzen vorgeschriebenen Grenzen hält, für die Moral und die Gesellschaft etwas so mißliches sey? Eine der stärksten Bürgschaften für das gute Betragen der Men— schen liegt in ihrem Bedürfniß, von ihres Gleichen geach— tet zu werden. Diese Achtung verschafft ihnen zum Theil eine vergnügte und glückliche Existenz. Wer diese Ach⸗ tung entbehrt, von Jedermann gemieden wird, kann seine Zeit und seine Fähigkeiten nicht benutzen, und genießt keinen der Vortheile des gesellschaftlichen Lebens. Unter den Mitteln, die uns Ansehen verschäffen, ist das Ver— mögen eines der mächtigsten. Schlecht erworbene Güter erzeugen allerdings Verachtung, während wohl erworbene Reichthümer eine Quelle der Achtung und des Genusses sind. Die Menschen lieben diejenigen, die ihnen nützlich werden können; sie schmeicheln ihnen, sie suchen sie auf; wenn sich nun die Einzelnen durch ihre Fähigkeiten nütz— lich machen können, so können sie es auch durch ihre Reichthümer; das Verlangen, reich zu seyn, verträgt sich daher mit den ehrenwerthesten Gesinnungen. ) Diese Betrachtung ist einem englischen, als Moralist und als Oekonomist, gleich empfehlungswerthen Schriftsteller nicht entgangen. Die Armuth, sagt er, hat die traurige Wirkung, daß sie eine Abneigung gegen sich erregt, ungefähr wie die, die ein schlechtes Betragen erzeugt; sie macht den Armen nur zu oft gleichgültig gegen die Achtung, die man ihm verwesgert. Dann verlieren aber die Achtung gegen die Ge— setze, das Bedürfniß, von den Menschen geliebt und geach⸗ tet, die Furcht, von ihnen verachtet zu werden, der Antheil, den jedes menschliche Wesen an dem Unglück und dem Wohl— ergehen Anderer zu nehmen fähig ist, ihren Einfluß auf den Geist und das Betragen desjenigen, der in der Armuth schmachtet, während die lasterhaften Neigungen an Inten⸗ sität gewinnen.(James Mill, History of british India 68 Buch 6s Kap.) 0 Ghte s he Hi 0 arn in Eu Bewo Die dur Rei wol ist. binet die! sch: Herse ande den förd der len! Ubei Indu uns g mehr gerech nicht die nt M f. mi u Allgemeine Betrachtungen.*7 Hiezu kommt noch, daß das öffentliche oder das Staatswohl nur durch die Erhöhung des Privatwohlstan— des befördert wird, und daß, wenn die Einzelnen in die— ser Hinsicht gar keinen Ehrgeiz besäßen, der Staat eben so arm bleiben würde, wie die Bürger. Wir finden selbst in Europa Länder, die nur durch die Stumpfheit ihrer Bewohner herabgekommen sind. ö Die National⸗Oekonomie flößt den Wunsch ein, nur durch rechtliche Mittel Reichthümer zu erwerben. Uebrigens kann, wie mich dünkt, das Verlangen, Reichthümer auf eine rechtliche Weise zu erwerben, nicht wohl mit dem Namen Habsucht bezeichnet werden; diese ist das Verlangen, auf irgend eine Weise in den Genuß eines fremden Vermögens zu kommen; nun macht aber die National-Oekonomie keineswegs den Wunsch rege, sich Reichthümer anders, als auf erlaubten Wegen zu verschaffen), also durch Mittel, die den Genüssen der andern Menschen nicht nur keinen Eintrag thun, sondern denselben sehr günstig und dem Wohlstande der Nationen förderlich sind. Indem sie uns Geschmack an den von der Vernunft, dem Recht und dem Interesse der Fami— lien gebilligten Genüssen einflößt, spornt sie die Liebe zur Arbeit, und befördert die Entwicklung aller Talente. Die Industrie, die wohlverstandene Industrie, weit entfernt, uns gegen Andere feindlich gesinnt zu machen, zeigt viel— mehr denjenigen, die sie ausüben, die Nothwendigkeit, gerecht zu seyn; indem sie uns lehrt, daß unser Gewinn nicht nothwendig, ja nicht einmal häufig ein Verlust für e Andern ist, besänftigt sie den Haß und die Eifersucht; *) Mau erwirbt rechtmäßig, wenn man für das, was man em— pfangt, eben so viel giebt; nun lehrt die National-Oekono⸗ mie, woraus die Equivalente bestehen, die man empfangen kann, und welches die Mittel sind, sie anbieten zu können. V * 897 78 Allgemeine Betrachtungen. indem sie uns endlich auf die Vortheile aufmerksam macht, die wir von gegenseitigem Wohlwollen und der Friedfer— tigkeit zu erwarten haben, hat sie einen ganz geselligen Charakter. Sie schärft die Pflicht ein, das Eigenthum der andern zu achten, besonders derjenigen Volksclassen, die, was die Güter dieser Welt betrifft, die unglücklich— sten sind. Jeder Arbeiter, auch der ärmste, begreift, so— bald er einigen Begriff von dem Gegenstand und den Mitteln der Industrie hat, daß in Ermanglung eines großen in einzelnen Händen aufgehäuften Reichthums Niemand die zu jeder Produktion erforderlichen Auslagen machen könnte, und daß die Armen, die die Reichen be— rauben möchten, dem augenblicklichen Vortheil einer straf— baren Beute, den weit sichereren Vortheil, ihre Arbeit stets verkaufen und ein fortdauerndes Einkommen daraus ziehen zu können, aufopfern würden. Was ist denn der Lohn des Arbeiters? Er ist sein Antheil an der Produk— tion, zu der er beiträgt; und wie sollte er nicht einsehen, daß ihm sein Brodherr diesen Lohn nicht reichen kann, wenn der Unfug an die Stelle der Arbeit tritt, wenn die Capitale, die zum Betrieb eines Geschafts dienen, geraubt und vergeudet werden, und kein Produkt zu Stande kommt? Dieß ist es, was die unteren Classen der Gesellschaft mit noch vielen anderen nützlichen Dingen lernen wür— den, wenn sie Muße genug hätten, aus der Quelle zu schöpfen; was ihnen aber durch einen unmittelbaren Un— terricht niewals beigebracht werden kann, darüber können sie sich durch ihre Verbindungen mit den Mittelclassen belehren, die am meisten in der Lage sind, von Allem Kenntniß zu erhalten ) Siehe in der Einleitung zu meiner Darstellung der Natio— nal-Oekonomie(5e Ausg. ir Bd. S. 94.), warum in den Mittelelassen mehr als in irgend einer andern die Aufklä⸗ rung entsteht und fortschreitet. Allgemeine Betrachtungen. 59 Widerlegung eines von J. J. Rousseau aufgestellten Satzes. Es ist zu bedauern, daß Rousseau seine Beredtsam— keit dazu verwendet hat, die Künste der Civilisation in Verruf zu bringen. Ich achte das Talent und die Ab— sichten des Schriftstellers; aber die Wahrheit hat auch ihre Rechte:„Die Industrie ist es, sagt er, die uns um jene Kraft und Gewandtheit bringt, die der Wilde durch die Noth erwirbt. Wenn er ein Beil gehabt hätte, würde er wohl mit der Faust so starke Aeste abreißen können? Hätte er eine Schleuder gehabt, würde wohl seine Hand einen Stein in so große Weite werfen? Hatte er eine Leiter gehabt, würde er so leicht einen Baum er— klettern? Wenn er ein Pferd gehabt hätte, würde er so schnell laufen können? Laßt dem civilisirten Menschen die Zeit, alle seine Maschinen zusammen zu bringen, dann wird er allerdings den Wilden leicht überwälti— gen; wollt ihr aber einen noch ungleichern Kampf se— hen, so stellt sie nakt und unbewaffnet einander gegen— über, und so werdet ihr euch bald überzeugen, welch ein Vortheil es ist, stets über alle seine Kräfte verfügen zu können, immer auf Alles gefaßt zu seyn, und gleichsam Alles mit sich zu tragen*).“ Dieß ist allerdings eine treffliche Stelle, und ohne Zweifel eine von denjenigen, die Voltaire zu der Bemer— kung veranlaßten, man fühle sich, wenn man sie gelesen habe, versucht, auf allen Vieren zu gehen und in die Wälder zu fliehen. Unglücklicher⸗ oder glücklicherweise sind die Thatsachen, worauf sich Rousseau bernft, nicht ganz richtig; wenn sie es aber auch wären, so könnte man, wie mir's scheint, die Folgen nicht zugeben, die er dar⸗ aus zieht. ) Abhandlung über den Ursprung der Ungleichheit. —.—. —.. 80 Allgemeine Betrachtungen. In den Fällen, wo der civilisirte Mensch mit dem Wilden handgemein geworden ist, hat dieser nicht immer gesiegt. Die französischen Reisenden, die mit Peron die Küsten von Neuholland besuchten, haben mittelst eines Dynamometers(Kräftemessers) ihre physischen Kräfte mit denen der Eingebornen dieses Landes verglichen, und die ihrigen stets größer gefunden, als die der Wil— den. Zwanzig Jahre später hat ein anderer Reisender, der Capitain Freycinet, dieselben Versuche mit demselben Erfolg wiederholt. Ich weiß, daß das Bedürfniß der Wilden, ihre Sinne zu üben, um ihr Leben nicht steten Gefahren aus— zusetzen, ihr Gesicht und ihr Gehör zuweilen gar sehr ausbildet. Allein, wenn sie auch in den Fähigkeiten, welche sie in steter Uebung erhalten müßen, einige Ueber— legenheit haben sollten, folgt denn daraus, daß sie uns, überhaupt genommen, überlegen sind? Wenn Rousseau den mit allen seinen Vortheilen ausgerüsteten Wilden mit dem civilisirten Menschen vergleicht, der aller der seini— gen beraubt ist, so ist das eine fehlerhafte Vergleichung. Um Beweiskraft zu haben, müßte sie zwischen Menschen angestellt werden, die mit allen aus der Entwicklung ih— rer Anlagen entspringenden Vortheilen versehen sind; die Vortheile, die der civilisirte Mensch vor den Widden und allen Thieren voraus hat, entstehen aber aus der Ausbil— dung von Fähigkeiten, die in eine ganz andere Classe ge⸗ hören. Es ist ein nur zu oft vorkommender Irrthum, wenn man denjenigen, der von seiner Intelligenz keinen Ge— brauch zu machen gelernt hat, einen Naturmenschen nennen will. Unsere Intelligenz gehört eben so gut zu unserer Natur, als ein kräftiger Arm. Ein Mensch, der, weil er keine Leiter zu verfertigen wußte, einen Baum erklettert, hat seine Gliedmaßen auf Kosten seines Gei— —— Allgemeine Betrachtungen. 81 stes, d. h. ein rohes Vermögen, das er mit den Thieren gemein hat, auf Kosten eines edleren Vermögens ent— wickelt, das, unermeßlich in seinen Resultaten, nur ihm angehört, und ihn an die Spitze der Schöpfung stellt. Der wahre Naturzustand für alle Wesen ist der höchste Punkt der Vollkommenheit, den sie erreichen kön— nen. Ein verkrüppelter Baum, der durch die Schuld des Bodens oder des Himmelstrichs nicht diejenige Höhe erreicht, die er erreichen könnte, steht der Natur nicht näher, als der Baum, der unter glücklicheren Umständen sich vollkommen entwickelt hat, und unseren Augen, mit Blüthen und Früchten beladen, erscheint. Die Natur hat den Thieren ein Fell gegeben, das sie gegen die Kälte schützt; dem Menschen aber zu demselben Zwecke die Fä— higkeit verliehen, sich eine Kleidung zu verfertigen und Häuser zu bauen. Der gekleidete und durch eine Woh— nung geschützte Mensch befindet sich also in dem Natur— zustande, weil er in demjenigen Zustande ist, in welchen ihn die Natur hat stellen wollen, und worin seine Fä⸗ higkeiten vollkommen ausgebildet sind. Wenn die Bienen und die Biber in ihrem naturgemäßen Zustande sind, sobald sie Gesellschaften bilden, so ist es auch der Natur des Menschen gemäß, in Gesellschaft zu leben; er ist zu beklagen, und wird nicht das, was er werden kann, wenn er auf eine andere Weise lebt. Die Künste verderben uns, fährt der trübsinnige Phi— losoph fort. Die Reisenden stimmen indeß darin über— ein, daß dieselben Laster, dieselben Verbrechen, die in unseren Gesellschaften nur zu oft vorkommen, sich auch bei den barbarischen Horden finden, und wenn man ihre schwache Volkszahl mit der Bevölkerung der civilisirten Länder vergleicht, so sind bei uns verhältnißmäßig die Verbrechen viel seltener als bei ihnen, und wir können noch hinzufügen, daß diese Verbrechen, im Ganzen ge⸗ Say prakt. Nationa⸗Oekonomie J. 6 82 Allgemeine Betrachtungen. nommen, bei uns den Charakter der ersten Wildheit ver— lieren, der durch die Civilisation stets etwas gezügelt und gemildert wird.; Die Künste haben das Gute, daß sie der Thätigkeit und der natürlichen Unruhe des Menschen eine heilsame Richtung geben. Der müßige Mensch thut eher Uebels, als daß er nichts thut; gleich dem Kinde, das so lange Alles durch einander wirft, bis es etwas aufzubauen ver— steht. Daraus läßt sich schließen, daß die Industrie und die Künste, indem sie das Vermögen und die Fähigkeiten des Menschen in's Unendliche vermehren, dahin streben, ihnen eine glückliche Richtung zu geben, und wir dürfen versichert seyn, daß, wenn wir auf diesen Zweck hinar— beiten, wir der Moral einen großen Dienst erweisen. Ob die Künste deswegen schädlich sind, weil sie unsere Bedürfnisse vermehren. Durch Vermehrung unserer Bedürfnisse, sagt man, vervielfältigt die Civilisation auch unsere Entbehrungen, wenn jene nicht befriedigt werden können. Allein ist es nicht besser, seine Bedürfnisse befriedigen zu lernen, als deren keine zu haben. Wenn es gut wäre, unsere Em— pfindungen zu beschränken, aus Furcht, uns Bedürfnisse zu geben, so würden wir um so weiser seyn, je mher wir solche beschränkten; denn jedes kann uns irgend ei⸗ nem Mangel aussetzen. Unsere Aufgabe würde alsdann seyn, allmählig auf alle zu verzichten, um alle Entbeh— rungen zu vermeiden, und solchergestalt aus Furcht, ein Bedürfniß zu fühlen, uns in das Nichts zu flüchten. Die Erfahrung lehrt dagegen, daß das Glück des Menschen an das Gefühl seines Daseyns und an die Entwicklung seiner Fähigkeiten geknüpft ist; nun ist aber sein Daseyn um so vollständiger, seine Fähigkeiten werden um so mehr geübt, je mehr er producirt und consumirt. tiot den hirt. Allgemeine Betrachtungen. 8³3 Man übersieht, daß, wenn man die Wünsche des Menschen zu beschränken sucht, man ihn, ohne es zu wollen, dem Thiere näher bringt. Das Thier genießt in der That die Güter, die der Himmel ihm verleiht, und entbehrt ohne Murren diejenigen, die er ihm versagt. Der Schö— pfer hat aber für den Menschen mehr gethan: er hat ihn in den Stand gesetzt, die ihm nothwendigen oder auch nur angenehmen Dinge zu vervielfältigen. Es ent— spricht also dem Zwecke unseres Daseyns, daß wir eher unsere Produkte verdielfältigen, als unsere Wünsche be— schränken*) Die Vervollkommnung der Künste verdient um so mehr Aufmunterung, als sie zugleich zur Entwicklung der geistigen Fähigkeiten des Menschen dient. Wenn wir die ganze Erde bereisen und die Himmel messen, wenn wir unsere Gedanken den Menschen in den entferntesten Gegenden mittheilen können; wenn die schönen Künste uns Meisterwerke darbieten; wenn die Dichtkunst und das Schauspiel uns angenehme Unterhaltung gewährt,‚ so verdanken wir der blühenden Industrie alle diese An⸗ nehmlichkeiten und die Ausbildung unsres ganzen We— sens. Ob die National⸗Oekonomie die Menschen überklug und unbotmäßig mache. Unter der Herrschaft Napoleons gab man der Na— tional-Oekonomie Schuld, daß sie die Menschen uberklug Ich habe über die Einführung des Kaffee's, der Chocolade und tausend anderer überflüssiger Dinge, die unsere Väter gut entbehrten, klagen hören. Sie trugen auch keine Hem— den. Der Gebrauch der Leinwand ward erst im 14ten Jahr⸗ hundert allgemein. Erst unter der Regierung Heinrichs III. hat man in Frankreich angefangen, sich der Gabeln zu be— dienen; Amerika war schon entdeckt, als wir noch keine 6* 84⁴ Allgemeine Betrachtungen. und unbotmäßig mache. Jede Regierung, welche die öf— fentlichen Angelegenheiten nicht im Interesse des Volks, sondern in dem Interesse eines oder weniger Menschen leiten will, muß ihr einen ähnlichen Vorwurf machen; die Wahrheit ist ihr lästig; diejenigen, die die menschliche Gattung nur für ihre Zwecke gebrauchen wollen, verfol— gen die Wahrheit, weil sie dieselbe nicht vernichten kön— nen. Wenn dagegen die Regierung sich das allgemeine Beste als Ziel vorsetzt(und dies möchte, im Ganzen ge— nommen, für sie wohl die ehrenvollste und sicherste Rolle seyn), so kann sie durch das Anerkenntniß der Wahrheit nur gewinnen. Sie wird dadurch vor Selbsttäuschungen und dem daraus entspringenden öffentlichen Haß und allen seinen verderblichen Folgen bewahrt. Wenn der Tadel, den sie erfährt, gegründet ist, so wird er eine nütz⸗ liche Lehre; ist er dagegen ungerecht, so wird eine ge— naue Darstellung der Natur der Dinge die Weisheit der Regierung nur in desto schönerem Glanze zeigen, und ihr den Beifall des aufgeklärten Publikums zur Stütze ge— ben. Wenn ihr dieser zu Theil wird, so kann sie sich züber das eigennützige Gekläffe ruhig hinwegsetzen. Wenn durch die Doktrinen und Streitigkeiten, die sich zuweilen erheben, nützliche Währheiten an den Tag kommen, so gewinnt dadurch die Regierung eben so viel,‚ als das Publikum. Sind sie gehaltlos, so vergißt man sie. In keinem Fall hat man sie zu fürchten. Die Völ— ker erheben sich nur dann, wenn sie alle Mittel, auf eine erträgliche Weise zu leben, erschöpft haben. Sie ertra— gen selbst den Despotismus, wenn er nicht zu drückend ist, und sich mit dem allgemeinen Wohl beschäftigt. Man sehe Friedrich II., König von Preußen, und Leopold von Glasscheiben an unsern Fenstern hatten! Ist es nicht besser, uns alle diese Dinge zum Bedürfnisse gemacht zu haben, als das Verdienst zu besitzen, dieselben entbehren zu können? Allgemeine Betrachtungen. 85 Toskana, die aus ihren Völkern machten, was sie woll— ten, und noch obendrein den höchsten Ruhm ernteten*). Als die National-Oekonomie noch den Staat regie— ren wollte, konnte sie der Staatsgewalt allerdings ver— dächtig werden; allein diese Gefahr ist jetzt verschwunden, da sie sich darauf beschränkt, die Art, wie die Dinge in der Oekonomie der Gesellschaft sich zutragen, darzustellen. Beweggründe des Verfassers zu Bekanntmachung dieses Werks. Berufen, zu verschiedenen Zeiten und in verschiede— nen Kreisen die National-Oekonomie zu lehren und dar— zustellen, worin die neuen und ungeheuern Fortschritte dieser Wissenschaft bestehen, glaubte ich mich auf ver— schiedene Standpunkte stellen zu müssen, von wo aus ich sie in ihrem ganzen Umfange übersehen konnte. Ich habe mich auch alsbald überzeugt, daß sie die ganze Gesell— schaft umfasse. Denn worin bestehen wohl alle gesell— schaftlichen Verhältnisse? in einem Austausch von nützli⸗ chen Diensten, denn ein Haufen von Menschen, die sich verrathen und bekämpfen würden, bildet noch keine Ge— sellschaft. Die Geschichte dieser Verhältnisse ist also die Geschichte der Gesellschaft selbst. Die National-Oekono— mie würdigt sogar die Wichtigkeit der Verhältnisse, die zwischen den Häuptern eines Staats und dem gesellschaft⸗ lichen Körper, zwischen der Nation selbst und den frem— den Völkern bestehen. Dieß suchte ich in dem gewählten Titel anzudeuten. Man wird also hier keine Grundsätze finden, die von den in meinen frühern Werken aufgestell⸗ Unter den guten römischen Kaisern war der Aufruhr weit seltener, als unter den bösen. Titus und Mare Aurel star⸗ ben ganz ruhig, während Caligula, Nero, Domitian, Com⸗ modus und viele Andere elend umkamen. 860 Allgemeine Betrachtungen. ten abweichen), man wird darin diese Grundsätze nur mehr entwickelt, durch eine Menge von Beispielen erläu— tert, wie ich hoffe, bis zur Evidenz erwiesen, und auf eine erschöpfende Weise durchgeführt finden. Ich habe 40 Jahre auf das Studium der National-Oekonomie ver—⸗ wandt; und welche Jahre! Sie sind vier Jahrhunderte werth wegen der Betrachtungen, zu deuen sie Veranlas— sung gaben. Hundert mehr oder weniger wichtige Werke haben dazu beigetragen, die Begriffe des Publikums zur Reife zu bringen; allein Letzteres hat auf die Schrift— steller selbst noch weit stärker zurückgewirkt; die Schrif— ten derjenigen von ihnen, die dieses große Schauspiel am besten beobachtet und benutzt haben, werden zur Beleh— rung unserer Nachkommen bleiben, die anderen dagegen in Vergessenheit fallen. ö Alle Wissenschaften und alle Künste stehen mit der National⸗Oekonomie in der innigsten Verbindung. Allein die Darstellung ihres besonderen Verfahrens kann nur in besonderen Werken geschehen, wo alle die Einzelnheiten vorkommen, in die ich nicht eingehen durfte. Die Land— wirthschaft z. B., ihre Fortschritte, ihr gegenwärtiger Standpunkt, so wie das, was sie werden kann, geben zu höchst interessanten Betrachtungen, in Beziehung auf den Zustand der Völker, Anlaß. Wenn aber der Verfasser einer allgemeinen Oekonomie die Fortschritte dieser Kunst von den frühesten Zeiten an bis auf die unsrige entwickeln, wenn er das in verschiedenen Ländern übliche landwirth— schaftliche Verfähren, dessen Mängel und die Verbesse— rungen, deren es fähig ist, beschreiben, wenn er die *) Darstellung der National-Oekonomie, oder Unterricht über die Art und Weise, wie die Reichrhümer entstehen, vertheilt und benutzt werden. se Ausg. 5 Bde. in 8. Catechismus der National⸗-Oekonomie ze Ausg. ir Bd. in 12. Briefe an Malthus Bd. in 8. Allgemeine Betrachtungen. 87 30 neuen Eroberungen im Pflanzenreiche, wodurch jedes uin⸗ Land, ohne den andern zu schaden, gewonnen hat, er— auf zählen, wenn er mit Einem Worte alle die wichtigen Be⸗ 7 swbe trachtungen anstellen wollte, die sich auf die Landwirth— h schaft beziehen, so würde dieser Verfasser ein unermeßliches dort Werk zu Tage fördern, das, wenn es gelungen wäre, eine Wg Menge falscher Ansichten beseitigen und eine sehr große Wait Anzahl nützlicher Kenntnisse verbreiten würde, wobei aber 10 znn der Leser das Band, das die Fortschritte der Landwirth— chlit schaft an das Gedeihen der menschlichen Gesellschaften Schf⸗ knüpft, völlig aus dem Gesichte verlieren würde. jel am Ein großer Theil des öffentlichen Reichthums beruht Mlah⸗ auf den mechanischen Künsten; der Wagner trägt durch igehen Verfertigung seiner Räder zum Wohlstand seines Landes bei; der Oekonomist muß sagen, warum? er ist aber del ö eben nicht verbunden, zu lehren, wie man zu Werke ge— Mlih hen müsse, um ein gutes Rad zu verfertigen; er muß in allgemeine Anleitungen geben, um dadurch das Gedeihen halen jedes Zweigs der Industrie zu sichern; allein die Techno⸗ layb⸗ logie ist es vorzüglich, welche die besseren Verfahrungs— + arten zu zeigen hat. Ich habe bereits diese Bemerkung ge⸗ * macht, und mußte mich in Gemäßheit derselben benehmen. n Was unter einem vollständigen Handbuch zu verstehen ist. 0 Nichts ist so unnütz, als ein Buch, das man nicht liest, und ein Buch über die National-Oekonomie ⸗ würde von Wenigen gelesen werden, wenn es das Maß . der Zeit und der Kosten überstiege, welche die meisten Leser auf das Studium der gesellschaftlichen Verhältnisse r verwenden können. Ein vollständiges Handbuch ilt enthält also nicht Alles, was sich über eine Wissenschaft us sagen läßt; dieß wäre ein vermessenes und unaus führba⸗ i res Unternehmen. Ich verstehe unter einem vollständis 88 Allgemeine Betrachtungen. gen Handbuch dasjenige, das keine der Erscheinungen, die sich auf dem gegenwärtigen Standpunkt unseres Wis⸗ sens erklären lassen, unerklärt läßt. Diese Erklärung muß entweder schlechthin oder auf eine mittelbare Weise gegeben werden oder sich aus den entwie elten Grund—⸗ sätzen leicht ableiten lassen. Ein Schriftsteller, ein Leh— rer, der ein solches Handbuch gebraucht, muß darin bei hinreichender Aufmerksamkeit alle die Ausführungen, de⸗ ren er zu irgend einer Arbeit bedarf, finden können. Es liegt dem Oekonomisten nicht ob, die Geschichte der ver— schiedenen Institutionen, die aufeinander gefolgt sind, zu schreiben. Diese sind für ihn nur Zufälle, aus denen er über die Natur der Dinge und ihre Wirkungen sich be— lehren kann; allein die ganze Masse der Ereignisse, und insbesondere die hypothetische Darstellung der Ereignisse, so wie sie haben eintreten müssen, wäre in einer Darstellung natürlicher und unbestreitbarer Gesetze, nur ein überflüssiges Machwerk. Den Oekonomisten ge⸗ nügt es, sich auf Thatsachen zu berufen, die irgend et⸗ was beweisen. Gleichwie der Naturforscher, der die Ge— setze der physischen Welt entwickelt und sich aller Ver— muthungen über die Bildung und den Ursprung der Na— turwesen, enthebt, entwickelt auch er die Gesetze, denen die Gesellschaft unterworfen ist, er unterläßt es aber, dasjenige zu ergründen, was sich unserer Kenntniß ent⸗ zieht. In wie ferne dieses Handbuch praktischer Art ist? Ich hatte also nicht zu untersuchen, ob die Menschen Hirten gewesen seyn mußten, ehe sie Landbauer, oder Jä⸗ ger, ehe sie Hirten wurden. Es verhält sich mit diesen Forschungen, wie mit der Frage, ob die Wissenschaften ursprünglich aus der Hochebene der Tartarei herstam— Cibil füt Allgemeine Betrachtungen. 89 men; oder welche Ueberschwemmungen die Oberfläche un— serer Erde mehrmals verändert haben mögen. Diese Fra⸗ gen sind anziehend und haben mehr als einmal meine Neugierde beschäftigt; allein das, woran uns anderen Armen, durch eigene Schuld, so unglücklichen Sterblichen am meisten gelegen seyn muß, ist, zu wissen, in wie fern wir unser Schicksal selbst bestimmen oder unsern Zustand, wie er auch sey, entweder vollkommener oder weniger traurig machen können. Darum hat dieses Handbuch ei— nen ganz praktischen Charakter. Ich erörtere darin die Lehrgegenstände nur in so weit es nothwendig ist, um die Anwendung derselben zu zeigen und die thatsächlichen Wahrheiten mit einander zu verbinden. Deßwegen mußte die Gesellschaft in jenem mehr oder weniger vorge— rückten Stande der Civilisation betrachtet werden, wo der Ackerbau, die Industrie, der Handel und die Künste zusammenwirken, um uns Genüsse zu verschaffen, uns zu⸗ weilen aber auch Gefahren auszusetzen, die man verhü— ten muß. Die Gesellschaft mußte in jenem Mittelzu⸗ stande zwischen der Barbarei und der vollkommenen Ci— vilisation beobachtet werden, wo wir zwar die Früchte der Erfahrung benützen können, aber noch nicht so weit sind, daß wir keine Fortschritte mehr hoffen dürften. Dies ist ungefähr der Zustand desjenigen Theils muserer Erde, den man civilisirt nennt. Ich weiß wohl, daß mein zu diesem Zweck geschrie— benes Buch den Kalmücken oder Irokesen zu nicht viel dienen wird; ich kann mich aber darüber mit dem Ge— danken trösten, daß selbst, wenn es auch für sie geschrie— ben wäre, es ihnen doch zu nicht viel gedient haben würde, und daß es, so wie es ist, den zahlreichsten und bildungsfähigsten Nationen, die am Ende die ganze Welt civilisiren werden, nützlich seyn kann. Und dies genügt für meinen Ehrgeiz. S.T 9⁰ Allgemeine Betrachtungen. Ob es zweckmäßig ist, ganz einleuchtende Wahr⸗ heiten mit Stillschweigen zu übergehen. Zufolge meines Bestrebens, in allen Klassen der Ge— sellschaft Kenntnisse zu verbreiten, die ich für gemeinnü— tzig halte, habe ich mich auch der Klarheit, so viel wie möglich beflissen. Man möge es deswegen nicht übel nehmen, wenn ich hier einige Wahrheiten vortrage, die so einleuchtend sind, daß sie sich von selbst verstehen. Oft erscheinen dergleichen Sätze nur deswegen so einleuchtend, weil sie in kein wissenschaftliches Gewand gekleidet und auf ihren kürzesten Ausdruck zurückgeführt sind. Allein ich könnte, wenn es sich der Mühe lohnte, nachweisen, daß auch die klarsten und einleuchtendsten Sätze sämmt— lich bestritten worden sind. Ich habe ferner gar oft Gelegenheit gehabt, zu bemerken, daß dieselben Menschen, die, wenn von ganz gemeinen Wahrheiten die Rede ist, mit vornehmer Miene sagen, das sind Dinge, die jeder⸗ mann weiß, sich doch auf eine Weise benehmen, als ob sie nichts davon wüßten. Der wesentliche Punkt einer Frage entgeht ihnen und der Satz, der die Lösung derselben ausspricht, dünkt ihnen gemein. Gesetzt aber auch, sie seyen wirklich so scharfsinnig, als sie seyn wollen, sollen wir darum für schwächere Geister nichts thun? Es ist nicht jedermanns Sache, alles, was aus einem Princip folgt, zu übersehen, oder aus den Folgen den Grundsatz herzustellen.„Es gehört viel Philosophie dazu, sagt Rousseau mit Recht, um das, was man täglich sieht, einmal recht zu beobachten.“ Ein in seinem Lichte strah— lender oder wohlbegründeter Satz kann den überzeugten Lesern überflüssig scheinen, dient aber dazu, hundert Ein— würfe abzuschneiden. Er antwortet im Voraus jenen unberufenen oder schlecht gesinnten Staatsmännern, die es sich zum Geschäft machen, die Fragen schlecht zu stel— Allgemeine Betrachtungen. 91 valt len, damit sie das Publikum in seinem schlichten Ver— stand nicht auflösen kann. 0. Die Hauptsache ist doch wohl, daß das Publikum ini⸗ richtige Begriffe habe und die alltägliche Beobachtung ie gehört eben so gut in die Wissenschaft, als eine seltenere. bl Wird nicht die Belehrung dadurch befördert, daß man „die jeder Wahrheit die ihr gebührende Stelle anweist? Wird It man in einem Lehrbuche der Physik in Beziehung auf stend, Wärme z. B. nicht auch Wahrheiten und Thatsachen nd finden, die auch unseren Köchinnen bekannt sindꝰ Man Mun weiß von Kindheit an, Manches, ohne zu wissen, woher hisin es kommt und was daraus folgt. Ist es für den Leser inmt nicht einiger Vortheil, die Wahrheiten ordnen zu können, oft ist es für ihn nicht gut, wenn er sagen kann, warum er chen, diese Ansicht habe? d'Alembert sagt mit Recht,„das mit Wahre, das sich von allen Seiten den Men schen zu zei⸗ dek⸗ gen scheint, fällt ihnen nicht auf, wenn nian sie nicht cbse darauf aufmerksam macht*). Uebrigens ist die Wahr— Nage heit, die an dem einen Orte straßenkundig ist, in einiger sehen Entfernung unbekannt. s Die ersten und einfachsten Grundprineipisen sind shn gerade die wichtigsten. + Ich kann nachweisen, daß die größten Irrthümer, 55 in der National-Oekonomie seit dem Anfange des 17ten m Jahrhunderts bis zu unsern Tagen von Schriftstellern sht ausgesprochen worden sind, die gerade die einfachsten , Grundsätze dieser Wissenschaft nicht gekannt haben. So⸗— nach wird man es mir nicht zum Vorwurf maichen, wenn 5 ich auf dieselben einigen Aecent lege; ich kann denjeni⸗ + 0 gen, die mit diesen Elementarbegriffen vertraut sind, ver⸗% 0 prechen, daß sie in diesem Studium keine groß e Schwie⸗ rigkeit mehr finden werden, und sich bis zum Verständ⸗ 10 el⸗——— ö Ernleitung zur Encyelopädie. —— —— 2 II „ 1 6 V 0 . I —.—— 92 Allgemeine Betrachtungen. niß die reichhaltigsten Beweise werden erheben können. Die Fragen werden nur für diejenigen schwierig, welche die Fundamental-Principien nicht begriffen oder die Gründe, auf denen solche beruhen, vergessen haben und deßwegen wieder in ihre alten Meinungen verfallen sind. Nothwendigkeit und Schwierigkeit einer klaren Darstellung. Oft werden die Grundsätze von dem Leser deßwegen nicht eifaßt, weil dieser den Ausdrücken nicht den ihnen von dem Verfasser gegebenen Sinn beilegen will. Die Schriftsteller kommen in dieser Hinsicht in außerordentliche Verlegenheit. Wenn sie, um verstanden zu werden, be— kannte Worte gebrauchen, so sind diese Worte entweder zu Bezeichnung neuer Begriffe nicht ganz geeignet oder sie bringen dem Leser falsche Begriffe bei); wollen sie dagegen neue Ideen mit besonders dazu gebildeten Wor— ten ausdrücken, so beschuldigt man sie der Neuerungs-— sucht und so rücken sie weiter zwischen der Furcht, schlecht oder gar nicht verstanden zu werden. Damit man im Stande sey, so oft es nöthig ist, die wahre Bedeutung jedes in der National-Oekonomie üblichen Kunstworts zu finden, habe ich meiner Darstellung*) ein Verzeich— niß beigefügt, worin sie in alphabetischer Ordnung kurz erklärt sind; ein Verzeichniß, das man mit Nutzen ge— brauchen kann, wenn man diese Wissenschaft, die ich jezt ausführlicher abhandle, studiren will. *) Nachdem z. B. bewiesen worden ist, daß ein Capital noch aus vielen andern Dingen als aus einer Summe Geldes be— steht, können diejenigen, die sich unter einem Capital nur eine Summe Geldes denken, nicht begreifen, worin die Ver— mehrung der Capitale bestehe, die in einem Lande zu der— selben Zeit eintreten kann, wo das Geld seltener wird.(S. d. in Thl. dieses Werks, Kap. 10, 11, 12 u. 15.) *½) S. d. Darstellung der Nat.⸗Oek. 5 Bde in 8. Ir Bd. S. 255. Paris, Rapilly. — vulf, mmist licht! hedeut Judes gange haupt sophi die 9 deutt muß enth tiht Spiet aber auf e aufm zu u wenn beige Nathn sekt, und einen schteib dieses chen n Opiel dese llun 16 zu Vch⸗ Allgemeine Betrachtungen. 9³ Neue Ansicht, die Definitionen betreffend. Dieses Verzeichniß beantwortet zugleich den Vor— wurf, den mir einige sehr ausgezeichnete englische Oeko— nomisten gemacht haben, daß nämlich meine Definitionen nicht vollständig seyen; ich glaube nicht, daß irgend ein bedeutendes Merkmal in diesem Verzeichniß vergessen ist. IJudessen muß ich hier für die Zukunft und für die Ver— gangenheit erklären, was ich von den Definitionen über— haupt halte. Die Definitionen sind in der alten Philo— sophie, d. h. in derjenigen, die ihre Beweise mehr auf die Worte als auf die Dinge gründet, von großer Be— deutung. Zufolge der von ihr gewählten Beweisführung muß das ganze Raisonnement schon in den Prämissen enthalten seyn; wenn dieß nicht der Fall ist, so bezüch— tigt sie euch, daß ihr zum Behuf des Beweises ein Spiel mit euren Definitionen treibt. Man erlanbt sich aber keine Veränderung in der Difinition, wenn man auf ein neues Merkmal, so bald sich ein solches zeigt, aufmerksam macht und der Leser im Stande ist, dasselbe zu unterscheiden und zu begreifen. Genügt es denn nicht, wenn das früher ängegebene Merkmal durch die später beigefügten Zusätze nicht aufgehoben wird? Wenn ein Naturforscher von einer Biene sagt, sie sey das In— sekt, das auf den Blumen den Stoff zum Wachs und Honig sammle, so giebt er von ihr allerdings einen unvollständigen Begriff, der aber die nähere Be— schreibung nicht ausschließt, wodurch die Naturgeschichte dieses Insekts und der Begriff, den man sich davon ma— chen muß, ergänzt wird. Man wird die Natur und das Spiel seiner Organe um besser begreifen, je mehr man diese in ihrer Thätigkeit sehen wird, während die trockene und wissenschaftliche Deinnthn derselben Organe, wenn sie auch ganz genau wäre, nur einen verworrenen Begriff von einer Biene gegeben haben würde. —.—. 5 —— +7 —.— —————— 9⁴ Allgemeine Betrachtungen. Aus demselben Grunde wird, wenn ich, von dem Werthe der Dinge sprechend, in die genaue Definition dieser Eigenschaft alle ihm eigenthümlichen Merkmale aufnehme, der Leser ungeachtet der Ausführlichkeit dieser Erklärung, aus Mangel von Anwendungen, die ihm noch nicht gezeigt worden sind, sich doch nur einen dunklen Begriff von den Eigenschaften des Werthes bilden; wenn ich dagegen gleich anfangs von dem Werth nur so viel sage, als nothwendig ist, um die wichtigsten Thatsachen zu begreifen und ich die Merkmale desselben nur in dem Maße hervortreten lasse, in welchem der Leser fähig ist, sie zu würdigen, so wird dieser zuletzt eine aus so vie— len andern zusammengesetzte Eigenschaft vollständig be— greifen. Ich würde nur in dem Falle zu tadeln seyn, wo ein neues Merkmal sich nicht mit einem der früher angepebenen vertrüge, denn alsdann müßte eines von beiden schlecht beobachtet worden seyn. Ich könnte hinwiederum mehrere englische Oekono— misten tadeln, wegen ihren weitläufigen Definitionen, die, wenn man sich in die Lage eines Lesers versetzt, der die Sache nicht zum Voraus weiß, den Gegenstand, der gemeint ist, eher verdunkeln als in's Licht setzen. Wenn man meinen Werken über die National-Oekonomie das Verdienst der Klarheit zuerkannt hat, wenn man sie in Europa, in Nord- und Süd-Amerika vorzüglich zur Grundlage bei dem Unterricht in dieser Wissenschaft zu nehmen scheint, so habe ich vielleicht diese Ehre derselben Methode zu verdanken, die man getadelt hat. d *) Ich spreche nicht von den wenig begründeten Kritiken und noch weniger von den Ausfällen, die mir meine Werke zu— weilen zugezogen haben. Eine Grobheit, eine willkührliche Beschuldigung, eine aus der Unwissenheit entspringende Be-⸗ hauptung fallen von selbst in dem Maas, als die positiven Kenntnisse sich verbreiten. Man muß die Zeit, die so noth⸗ wer zust ben meif the steh den. Allgemeine Betrachtungen. 95⁵ den Correction der Abstraktionen. r⸗ ö Bei dem redlichsten Streben, die Abstraktionen zu ver⸗ Re meiden und in der wirklichen Welt zu bleiben, ist man oft ö genöthigt, allgemeine Ideen in Betrachtung zu ziehen, ehe roch man sie auf die Umstände des Lebens anwendet. Die Worte iln Arbeit, Werth, Eigenthum, Consumtion sind main abstrakte Ausdrücke. Ich habe mir nicht verhehlt, wie l* schwer es ist, diese Abstraktionen Jedermann begreiflich sahe zu machen. Ich glaubte, dies durch Anführung von vie— un len Beispielen thun zu können, deren die Denker aller— dings nicht bedürfen, aber aus Rücksicht für die Schwä—⸗ 30 cheren mir zu gut halten werden. b. Die Beispiele ersparen dem Leser die Mühe, die An— wendungen, die der Verfasser im Sinne hat, selbst auf— ilher zusuchen. Dieser handelt indeß durch Anführung dersel— bon ben eben nicht im Interesse seiner Eitelkeit, denn die meisten Leser haben die größte Meinung von dem Wer— hae: the eines Schriftstellers, den man Mühe hat, zu ver— wen, stehen. kseht, stand, Ueber die in diesem Werke gewählte Art der chen, Darstellung. omie Da die meisten Kapitel, woraus dieses Werk besieht, si den Inhalt von Vorlesungen*) gebildet haben, so habe 0 wendig ist, um fortzuschreiten und die Nationen weiter zu bringen, nicht mit Raufereien vergeuden. Ich befasse mich en nur in so weit mit der Polemik, als daraus etwas Beleh— rendes hervorgehen, und dadurch mehr als mittelst eines ein— fachen Satzes, die Natur der Dinge ins Licht gesetzt wer— Ind den kann. u⸗*) Die Vorlesungen, die ich auf dem Conserdatorium der Künste liche und Handwerke zu Paris halte, sind eine Auswahl von Leh— Be⸗ ren über die National-Oekonomie, die mir durchaus nothwendig tiven scheinen, um den Industrie-Unternehmungen einen guten hoth⸗ Erfolg zu sichern, zugleich den jungen Leuten zur Wahl eines x ö ö ö ů 96 Allgemeine Betrachtungen. ö ich mich darin zuweilen einer populären Sprache bedient, bei ö die in vielen Fällen mehr als die wissenschaftliche geeig— be net ist, dem Zuhörer oder Leser deutliche Begriffe beizu— flt bringen. Die Zahlen, die ich anführe, sind im Allgemei— at; ö ö nen in runden Summen ausgedrückt, weil diese allein den shen ů Zuhörern eines mündlichen Vortrags einen deutlichen Be— ů hat, griff geben. Runde Zahlen sind genau genug, um als nitt Beispiele zu dienen, und diejenigen, die sich aus den die Forschungen der Statistik ergeben, sind selten so genau, ö sen daß man sich mit ihnen nicht dieselbe Freiheit erlauben den kͤͤnnte. Ich zweifle, ob nach selbst vollständigeren Zäh— ö do . lungen, als diejenigen, die wir haben, Jemand auf eine ö we Million Seelen hin angeben kann, wie groß zu einer ge— ö ͤbl wissen Zeit die Bevölkerung Frankreichs war. Glücklicher Weise braucht man es nicht genauer zu wissen, um in ö Ubel ö Beziehung auf die Bevölkerung sehr feste und nützliche ö Enn Grundsätze aufzustellen. ö auf Am Ende dieses Werks werde ich mehrere Gegen— tere stände abhandeln, die mit der National-Oekonomie innig ö und ö verbunden sind, weil man diese verstehen muß, wenn man und die damit verwandten Kenntnisse sich aneignen will. Die erle statistischen Daten lassen sich nur dann gehörig benutzen, ö mir wenn man mit der Oekonomie des gesellschaftlichen Kör— nite pers vertraut ist. Denn nur unter dieser Bedingung dipit läßt sich die Zuverläßigkeit derselben beurtheilen und das ges blos Merkwürdige von dem wahrhaft nützlichen, das, se z was eine Beweiskraft hat, von dem Nichtsbeweisenden nen unterscheiden. ö So verhält es sich auch mit der Geschichte der Na— tional⸗Oekonomie. Die Geschichte einer Wissenschaft zeigt uns die Epochen, in denen man die vornehmsten Wahr— ihrer Fonds Anleitung zu geben. + ö Allgemeine Betrachtungen. 97 , heiten, woraus sie besteht, aufgefunden hat und die Art, wie man auf dieselben gekommen ist. Dies ist aber nur u⸗ für denjenigen interessant, der diese Wahrheiten erkannt ei⸗ hat; denn nur dieser kann über das Verdienst der Men— en schen und der Arbeiten, denen man jene zu verdanken ⸗ hat, urtheilen. Die geschichtlichen Notizen, die ich hier 8 mittheile, geben mir noch überdieß eine Veranlassung, n ö die Grundsätze, die in dem Laufe dieses Werkes bewie— u, sen worden sind, summarisch zu wiederholen. Dies setzt en den Zuhörer oder den Leser in den Stand, die wahren h⸗ Fortschritte, so wie die falschen Richtungen, die man zu— ine weilen eingeschlagen hat, und die daraus entsprungenen e⸗ üblen Folgen gehörig zu würdigen. her Die Mühe, die man sich in der civilisirten Welt i0 überall gegeben, dit Grundsätze der National-Oekonomie WR„ kennen zu lernen, selbst die falschen Schritte, die man auf dieser Bahn versucht hat, beweisen das lebhafte In— ⸗ teresse, welches das Studium dieser Wissenschaft einflößt Wig und die Wichtigkeit, die man ihm beilegt. Je mehr es aun uns gelingen wird, solches zu vereinfachen und zu De eerleichtern, desto allgemeiner wird es werden. Bald uhes, wird von der National-Oekonomie gelten, was Vol— Hlt⸗ taire zu Anfang des letzten Jahrhunderts von den Prin— Ig cipien Newtons sagte:„Man wird sie wohl eines Ta— W ges lehren müssen, wenn es keine Ehre mehr seyn wird, 0. sie zu kennen, sondern blos eine Schande, nichts von ih⸗ e nen zu wissen.“ M⸗ E— Nigt ö hr⸗ ddung Say prakt. National⸗Oetonomie I. 7 Erster Theil. Von der Produktion der Reichthümer. Erster Abschnitt. Von der Natur der Reichthümer. Erstes Kapitel. Von unsern Bedürfnissen und unsern Gütern. Andeutung unserer Bedürfnisse. Die Bedürfnisse des Menschen sind von seiner Na⸗ tur, seiner physischen und geistigen Organisation abhän⸗ gig, und je nach der Stellung, in der er sich befindet, verschieden. Auf ein blos thierisches Daseyn beschränkt, braucht er nicht viel mehr als seine Nahrung. Der ci⸗ vilisirte Mensch dagegen hat zahlreiche und mannigfal— tige Bedürfnisse. Welches aber auch die Lebensweise des Menschen seyn mag, so kann er dieselbe nicht fortsetzen, wenn nicht die Bedürfnisse, die diese mit sich bringt, be⸗ friedigt werden. Das Gefühl unserer Bedürfnisse ist immer mit Un⸗ lust, die Befriedigung derselben immer mit Lust verbun⸗ den. Die Ausdrücke: unsere Bedürfnisse befrie⸗ digen, unsere Genüsse vervielfältigen, bezeich⸗ nen M holl gung wend Rei von Not die! sern wir u thu wie hil ge, Zufa frohe ander unser man Pbli Kur habin — sparn Von unsern Bedürfnissen ꝛc. 99 nen daher denselben Gegenstand, nur auf verschiedenen Abstufungen. Nach dieser kurzen Andeutung unserer Bedürfnisse wollen wir die Mittel betrachten, die zu deren gung dienen. Befriedigung derselben. Diese Mittel bestehen in dem Gebräuch, in der Ver⸗ wendung verschiedener Dinge, die wir Güter oder auch Reicht hümer nennen. Man unterscheidet zwei Arten von Reichthümern: Natürliche Reichthümer. Die Reichthümex der ersten Art werden uns von der Natur umsonst und im Ueberfluß gegeben, wie die Luft, die wir einathmen, das Tageslicht, das Wasser, das un⸗ sern Durst stillt, und noch viele andere Dinge, an die wir so gewöhnt sind, daß wir sie genießen, ohne darauf zu achten. Man kann sie füglich natürliche Reich— thümer nennen; sie gehören jedermann an, dem Armen wie dem Reichen, und werden nur in einem höhern oder philosophischen Sinne Reichthümer genannt. Als solche sind noch zu bemerken gewisse persönliche Vor⸗ züge, die wir nur der Güte der Natur oder glücklichen Zufällen verdanken, wie z. B. eine feste Gesundheit, ein froher Sinn, die Zuneigung unserer Mitmenschen und andere moralische Vorzüge, die wir zwar nicht ganz ohne unser Zuthun besitzen, die aber keinen Werth haben, den man genau angeben könnte, wie z. B. die Achtung des Publikums, das Vertrauen das man einflößt. Künstliche und gesellschaftliche Reicht hümer. Die Güter der zweiten Art sind nicht umsonst zu haben. Wir müssen dieselben durch Arbeit, durch Er⸗ sparnisse, durch Entbehrungen, mit Einem Wort, durch 7 100 Von unsern Bedürfnissen wahre Opfer so zu sagen erkaufen. Unsere Nahrungs-— mittel, unsere Kleider, unsere Wohnhäuser müssen erzeugt, verfertigt, gebaut werden. Um diese Güter zu genießen, muß man dieselben geschaffen, oder durch einen Tausch erworben haben, in welchem wir den Schöpfern derselben, Güter von derselben Art verabfolgen. Der Begriff dieser Güter schließt den Begriff des Eigenthums in sich. Sie würden gar nicht vorhanden seyn, wenn nicht der ausschließende Besitz derselben dem— jenigen versichert wäre, der solche entweder durch einen Akt der Schöpfung oder aber durch den Tausch erwor— ben hat. Wie könnte er sich aber zu einer solchen mit Opfern verbundenen Erwerbung verstehen, wenn er nicht über das Erworbene nach Gefallen verfügen dürfte? Auf der andern Seite setzt das Eigenthum eine Ge— sellschaft), Verträge und Gesetze voraus, darum kön— nen die solchergestalt erworbenen Reichthümer gesell— schaftliche Reichthümer genannt werden. Man findet dieselben auch nur in dem gesellschaftli— chen Zustande. Sie beruhen auf dem Rechte des Be— sitzes, einem von der Gesellschaft, von der Gemeinde an—⸗ erkannten und verbürgten Rechte; sie lassen sich nur mit— telst des Tausches abschätzen; der Tausch ist es, der ih— ren Werth bestimmt, der Tausch aber setzt einen Zustand der Geselligkeit voraus, denn der isolirte Mensch kann keinen Kauf abschließen. Nur von diesen Reichthümern kann es endlich eine Wissenschaft geben, denn sie allein sind einer genauen Die Gesellschaft ist die Gesammtheit der Individuen und Fa⸗ milien, die durch ein gemeinschaftliches Interesse, durch aus⸗ drückliche oder stillschweigende Verträge mit einander zu ei— nem Ganzen verbunden sind. Die große menschliche Gesell⸗ schaft zerfällt wieder in mehrere besondere Gesellschaften, die man Nationen nennt, von denen jede ihre eigene Spra⸗ che spricht und eine Central⸗Regierung anerkennt. und unsern Gütern. 101 Schätzung fähig; die Bildung, die Vertheilung, die Con— sumtion derselben erfolgt nach unveränderlichen Gesetzen, die derselben Wirkung dieselbe Ursache und umgekehrt derselben Ursache, dieselbe Wirkung anweisen. Der ausschließende Besitz, dem zufolge man in einem zahlreichen Menschenverein das Eigenthum des einen ge— nau von dem des andern unterscheidet, macht, daß man nur die Güter der zweiten Art Reichthümer nennt. In das Inventar, oder in das Güterverzeichniß eines Men— schen kommen nicht die natürlichen Güter, die als solche ein Gemeingut der Menschheit sind, sondern nur diejeni— gen gesellschaftlichen Güter, die ihm persönlich angehö— ren, die er durch seine Arbeit erworben, oder ererbt, oder auch zum Geschenk erhalten hat, also Dinge, die entwe— der unmittelbar zur Befriedigung der mannigfaltigen Bedürfnisse des Menschen, oder doch, wie das Geld zur Anschaffung solcher Dinge dienen. Die Ländereien sind gleichfalls gesellschaftliche Reichthümer geworden. Die des Anbaus fähigen Ländereien sollten, wie es scheint, auch zu den natürlichen Reichthümern gezählt werden, weil sie nicht das Werk des Menschen, sondern ein Geschenk der Natur sind. Da wir aber das feste Land mehr in unserer Gewalt haben, als die Atmosphäre oder das Meer; da ein Feld unverrückbar ist, und sich genau abgrenzen läßt, auch von einigen Menschen mit Einwilligung der andern in Besitz genommen werden kann, so ist der Boden aus einem Gemeingut, ein ge— sellschaftliches Gut geworden, dessen Gebrauch bezahlt werden muß. Von diesem Gemeingut kann freilich den Einen nichts gegeben werden, was nicht den Andern genommen wird, allein es geschieht dadurch doch Niemanden Unrecht, denn 102 Von unsern Bedürfnissen es wird sich in der Folge zeigen, daß der zum Eigen— thum gewordene Boden demjenigen, der nichts davon er⸗ hält, mehr Unterhaltsmittel versichert, als der freie von niemand in Besitz genommene Boden. Das Wasser ist wie der Boden auch ein Gemeingut, sobald aber ein Bach, der eine Mühle treibt, zur Sache eines Eigenthümers geworden ist, der davon einen aus-⸗ schließlichen Gebrauch macht, so hat der Bach aufgehört, ein Gemeingut zu seyn; es kann kein andorer mehr dar⸗ über verfügen; aber in dieser Form eines gesellschaftlichen Gutes wird der Bach den Nichtbesitzern vielleicht größern Nutzen gewähren, als wenn er ein Gemeingut geblieben wäre. Der Fall des Niagara in den vereinigten Staa⸗ ten, vielleicht der schönste in der Welt, ist das Eigen⸗ thum von Niemanden und nützt auch Niemand. Ein klei⸗ ner Bach zu Louviers dagegen, der das Eigenthum eines Fabrikanten ist, verhilft vielen hundert Arbeitern zu ih⸗ rem Brod. Die National⸗Oekonomie befaßt sich nur mit den gesellschaftlichen Reichthümern. Wenn es auch in der Macht der Menschen stünde, natürliche Reichthümer hervorzubringen, so hätten sie doch keinen Grund, Solches zu thun. Die Bereitung verschie⸗ dener Luftarten ist ein cehemisches Kunststück. Wenn wir aber athembare Luft zu unserem eigenen Gebrauch berei⸗ ten wollten, so müßten wir bezahlen, was uns die Na⸗ tur umsonst giebt; auf der andern Seite sind die natür⸗ lichen Reichthümer unerschöpflich, denn sonst könnten wir sie nicht unentgeldlich haben. Weil sie sich nun weder ver— mehren noch aufzehren lassen, so gehören sie auch nicht in das Gebiet der National-Oekonomie; deßwegen sind in diesem Werke unter dem Ausdruck; Reichthümer: wenn er schlechthin gebraucht wird, jederzeit die gesell— schaftlichen Reichthümer verstanden. igen: n er⸗ bon zut, sche us⸗ it, dar⸗ chen Wern leben Sina: Egen⸗ lla⸗ lies I ih⸗ it den stlnde, sie doch Hschie enn wit bekei⸗ die M⸗ nntit⸗ iten wir dder bek⸗ ch nicht I sind thümet: gesel und unsern Gütern. 105 Durch den Ausdruck Reichthum wird nichts von der Größe derselben ausgesagt. Gewöhnlich nennt man nur diejenigen reich, welche Güter im Ueberfluß besitzen. Diese Redensart ist für uns nicht bestimmt genug; die Vorstellung eines größe⸗ ren oder kleineren Ueberflusses ist in dem Begriff des Reichthums nicht nothwendig enthalten. Reichthum ist Reichthum, derselbe mag nun größer oder kleiner seyn; ist doch das einzelne Waizenkorn so gut Waizen als ein Scheffel Waizen. Der Werth ist das Maas der gesellschaftlichen Reichthümer. Ich habe von größerem oder kleinerem Reichthum gesprochen; wie wird aber der Reichthum gemessen? Wo⸗ nach urtheilen wir, daß ein gewisser Reichthum größer oder kleiner sey, als ein anderer. Wollen wir wissen, wie der Reichthum vermehrt oder vermindert werde, so müssen wir denselben vor allen Dingen messen können. Der Reichthum wird nicht durch den Umfang oder das Gewicht der Dinge bestimmt, die man besitzt. In einem gemeinen Hausgeräthe z. B. in einem Schrank, der tausendmal größer oder schwerer ist, als eine goldene Dose steckt kein tausendmal größerer Reichthum als in der letzteren. Welches ist nun die Eigenschaft, die das Verhältniß der in diesen beiden Gegenständen enthaltenen Reichthümer bestimmt? Es ist der Werth dieser Ge⸗ genstände— wird Jedermann sogleich sagen.— Wenn ein Inventar gefertigt, eine Erbschaft vertheilt werden soll, wird man die genannten Gegenstände nicht gegen einander abwägen; man wird sie abschätzen, ihren Werth berechnen und nach Verhältniß ihres Werthes in das Inventar eintragen. V X 104 Von dem Werthe Der Reichthum ist nicht durch die physische Beschaf— fenheit der Dinge, die man besitzt, sondern durch eine unsinnliche Eigenschaft derselben, die man ihren Werth nennt, bedingt. Nur der Werth macht eine Sache zu einem Reichthum in dem Sinne, in welchem dieses Wort mit Gut und Eigenthum gleichbedeutend ist. Der Reichthum, der in irgend einer Sache, in einem Grund— stück, in einem Hausgeräthe, einem Pferd oder einem Wechselbriefe enthalten ist, verhält sich wie der Werth dieser Dinge. Wenn wir gewiße Dinge als Reichthümer bezeichnen, so sehen wir von allen ihren übrigen Eigen— schaften ab und fassen einzig ihren Werth ins Auge. Wir sind demnach ermächtigt, zu sagen, daß die gesell⸗ schaftlichen Reichthümer, d. h. diejenigen Reichthümer, die ein Eigenthum geworden sind, in dem Werthe alles dessen bestehen, was man besitzt. Zweites Kapitel. Von dem Werthe der Dinge. Welchen Werth wir einen Reichthum nennen. Wir würden von der Natur und der Größe der Reich— thümer nur einen unvollkommenen Begriff haben, wenn wir über die wahre Bedeutung des Worts Werth noch im Dunkeln wären. Sind wir denn schon reich, wenn wir die Güter, die wir besitzen, hoch anschlagen? Wenn ich mir ein Haus gebaut habe, das mir sehr gefällt und das ich zu 100, 00 Franken anschlage, habe ich wegen dieses Hauses wirklich 100, boo Franken im Vermögen? Wir bekommen von einer uns theuren Person ein Ge— schenk, das in unseren Augen einen unschätzbaren Werth hat; und wir sind deswegen doch nicht unermeßlich reich. Damit ein Werth auch ein Reichthum sey, muß er ein nicht nur von dem Besitzer, sondern von Jedermann anerkannter Werth seyn. N ges lih mir Fra wie nid Ver dere Wer lion. wer der die Rei Va — der Dinge. 105 Der sichere Beweis aber, daß der Werth einer Sache, die ich besitze, von den anderen Menschen anerkannt und geschätzt sey, liegt darin, daß man mir, um dieselbe zu erhalten, einen anderen Werth dafür geben will. Wenn mir für mein Haus Niemand mehr als 30,000 Stück Franken anbietet, so ist dieß ein Beweis, daß es, wie wie ich dasselbe auch habe anschlagen mögen, wirklich nicht mehr werth ist, und daß es nur einen halb so gro⸗ ßen Reichthum bildet, als ein anderes Haus oder irgend ein anderer Gegenstand, wofür man 60,0o0o Franken ge— ben will. Ich hälte mich ungerne bei solchen gemeinen Be— trachtungen auf; man wird aber später einsehen, wie nothwendig diese Vorkenntnisse sind und wie sehr sie das Verständniß der höhereu Wahrheiten der National-Oeko— nomie erleichtern. Manche haben vielleicht schon viele Werke über die Natur und die Erzeugung der Reichthü— mer gelesen, deren sonst verdienstvolle Verfasser sich un— tereinander und zuweilen auch sich selbst nicht verstehen, bloß weil sie die einfachsten Elemente der Wissenschaft nicht recht begriffen haben. Von dem Tauschwerth. Die Nothwendigkeit, den Werth der Dinge durch ei⸗ nen Tausch oder wenigstens durch die Moglichkeit der Vertauschung desselben gegen eine gewisse Quantität an— derer Dinge zu bestimmen, hat dem gesellschaftlichen Werthe, den sie haben, dem einzigen, wovon in der Na— tional⸗-Oekonomie die Rede seyn kann, den Namen Tau sch—⸗ werth verschafft. So versteht ihn auch Adam Smith, der berühmte Verfasser der Untersuchungen über die Natur und die Ursachen des National— Reichthums; und da das Wort Tausch bei allen Werthen, von denen in der National-Oekonomie die Rede 106 Von dem Werthe ist, in Anwendung kommt, so ist es unnütz, dasselbe bei jeder Gelegenheit zu wiederholen; es wird immer mit verstanden. Der Nützlichkeitswerth wird besser natürlicher Reichthum genannt. Jedermann sieht ein, daß der Nützlichkeitswerth der Dinge von ihrem Tauschwerth zuweilen sehr verschieden ist; so hat z. B. das gemeine Wasser, ob es gleich sehr noth— wendig ist, fast gar keinen Werth, während ein Diamant, ob er gleich wenig nützt, einen sehr beträchlichen Tausch— werth besitzt. Allein es leuchtet ein, daß der Werth des Wassers ein Theil unserer natürlichen Reichthümer ist, die nicht in das Gebiet der National-Oekonomie gehören, und daß der Werth des Diamants zu unseren gesellschaft⸗ lichen Reichthümern gehört, womit sich jene Wissenschaft allein beschäftigt). Es giebt sogar Dinge die beide Werthe und zwar in sehr verschiedenen Verhältnissen *) Nur diejenigen Güter, die einen Tauschwerth haben, wer— den Reichthümer genannt, weil sie nur allein dem Inhaber den Besitz aller derjenigen Dinge verschaffen können, die zur Befriedigung seiner Bedürfnisse oder seiner Liebhabereien dienen. Nur sie sind es auch, die man genau schätzen kann. Herr Ludwig Say von Nantes hat eine andere Schätzungs— Methode angegeben; er will die Größe eines Guts nach dem Nachtheil, der aus seiner Entbehrung entstehen würde, bemessen wissen). Wie soll aber die Größe dieses Nachtheils ausgemittelt werden? Ueber diesen Punkt kann Jeder eine andere Meinung haben. Gewiße Leute verzichten auf eine gute Mahlzeit, um ein schönes Kleid zu haben; andere verzichten auf das letztere, um gut essen zu können. Eine willkührliche Schätzung kann keinen Maßstab ab geben, und wenn man zum Maßstabe des genannten Nachtheils diejenige Sache wählt, die sich die Menschen entziehen, um dafür etwas anderes zu erhal— ) Darstellung des individuellen und des National⸗Reichthums. S. 29. bei nit der Dinge. 107 enthalten. Um sich davon zu überzeugen, darf man nur den Werth des Goldes mit dem des Eisens vergleichen. Das Gold ist gewiß nicht so nützlich, als das Eisen und doch weit mehr werth. Der Grund davon ist der, weil in dem Golde eine bedeutende Quantität von gesellschaft⸗ lichem oder tauschbarem Reichthum liegt, während in dem Eisen aus Gründen, die später erhellen werden, nur eine geringe Gabe von gesellschaftlichem Reichthum, dagegen ein großer natürlicher Werth enthalten ist: der nicht zu den gesellschaftlichen Reichthümern gehört. In Beziehung auf den Tauschwerth muß ich auf zwei Umstände aufmerksam machen, die sich später der Betrachtung von selbst aufdringen würden und alsdann gewisse Beweise entkräften könnten. Es ist besser, diesem zuvorzukommen; es ist besser, den Gegenstand, den man studirt, gleich Anfangs in jeder Hinsicht kennen zu lernen, damit wir ihn, wenn er später in einer etwas veränder⸗ ten Gestalt erscheint, noch immer als denselben erkennen mögen. Müssen wir nicht überdieß alle die verschiedenen Eigenschaften der Dinge kennen, um zu wissen, wie si auf die Erscheinungen einwirken? Der Werth ist etwas sehr wandelbares. Der Werth einer Sache ist eine bestimmte Größe, jedoch nur für einen gegebenen Augenblick. Er ist we—⸗ sentlich veränderlich und in verschiedenen Zeiten und Or— ten verschieden. Nichts kann ihn unveränderlich ma— chen, weil er, wie wir später sehen werden, durch Be— dürfnisse und durch Produktionsmittel bedingt ist, die sich in jedem Augenblicke verändern. Durch diese Wandelbar⸗ ten, was ihnen lieber ist, so kommt man wieder auf den Tauschwerth zurück; denn was ist der Tausch anders, als die Verzichtleistung auf eine Sache, die man abtreten will, um dafür das zu erhalten, was man wünsecht. —.—...‚‚.‚..t:.. c 108 Von dem Werthe keit werden die Erscheinungen verwickelt, die Beobach— tung und die Erklärung derselben sehr erschwert. Dem ist aber nicht abzuhelfen; es steht nicht in unserer Macht, die Natur der Dinge zu verändern. Man muß sie neh— men, wie sie sind. Geben wir wohl das Studium der Physik deswegen auf, weil wir sehen, daß die Elektrici— tät sich je nach der Beschaffenheit der Körper und ihrer Stellung anders verhält? Nein, wir verfolgen dieselbe in allen ihren Gestalten. Eben so wollen wir den Werth studiren; wir werden denselben vielleicht nicht viel flüch⸗ tiger finden, als die Elektricität. Der Werth ist stets etwas relatives. Das Zweite, was in Beziehung auf den Werth der Dinge zu bemerken ist, ist die Unmöglichkeit, die abso— lute Größe desselben zu schätzen. Er ist stets nur etwas relatives. Wenn ich von einem Haus sage, sey 50,000 Franken werth, so heißt das weiter nichts, als der Werth dieses Hauses ist so groß, als der Werth ei— ner Summe von 50,000 Franken; was ist aber der Werth dieser Summe? Es ist kein selbstständiger, unbedingter Werth. Der Werth von 1 Franke, von 5 Franken, von 50,000 Franken besteht aus allen den Dingen, die man für diese verschiedenen Summen erhalten kann. Wenn man dafür eine größere Quantität Getreide, Zucker ꝛc. haben kann, so sind sie in Beziehung auf diese Nah— rungsmittel mehr werth oder weniger, wenn der umge⸗ kehrte Fall statt findet; denn der Werth einer Summe Geldes ist wie alle übrigen Werthe, nach der Quantität der Dinge, die man dafür eintauschen kann, zu bemessen. Es verhält sich mit dem Begriff des Werthes wie mit dem Begriff der Entfernung. Wir können nicht von der Entfernung eines Gegenstandes sprechen, ohne einen andern Gieegenstand zu erwähnen, von dem jener mehr 4 * der Dinge. 109 oder weniger entfernt ist. Eben so setzt die Idee des Werthes einer Sache immer ein gewisses Verhältniß zu dem Werthe einer anderen Sache voraus. Soll uns nun diese neue Schwierigkeit von dem Studium der Werthe abhalten? Hierauf ist die Antwort schon gegeben. Wenn man gründlich studiren will, muß man die Dinge mit allen ihren Eigenschaften kennen ler— nen und das Wahre von dem Unwahren absondern; die Schwierigkeit oder vielleicht gar die Unmöglichkeit, zu gewissen Kenntnissen zu gelängen, darf uns nicht abhal— ten, diejenigen zu erwerben, die wir erwerben können. Der gewöhnliche Thermometer zeigt, ob die Luft oder das Wasser, worein es getaucht wird, mehr oder weniger warm ist, als sie in einem anderen Augenblick waren; er zeigt(was übrigens noch zweifelhaft ist) das Verhält— niß zwischen der Wärme zweier verschiedener Körper, keineswegs aber die absolute Quantität der Wärme, die in dem einen oder dem anderen dieser Körper vorhanden ist. Wir haben auch in Wahrheit auf dem gegenwärti— gen Standpunkt unserer Kenntnisse kein Mittel, die ab— solute Quantität der Wärme, die sich in einem Körper findet, zu erfahren: wir wissen in dieser Hinsicht nur von Verhältnissen. Gleichwohl studiren wir die Phä— nomene der Wärme und erklären sie größtentheils; wir sehen die Resultate davon voraus und bringen das, was wir über diesen Punkt wissen, in den Künsten häufig zur Anwendung. Warum sollten wir nicht eben so aus dem, was wir über den Werth der Dinge, ungeachtet solcher nur etwas relatives und nichts absolutes ist, wissen, gro— ßen Nutzen ziehen können? Aller Reichthum ist wandelbar und etwas relatives. Wenn jeder Werth etwas wandelbares und relatives ist, so ist klar, daß es zu nichts dient, zweierlei Reich— 110 Von dem Werthe thümer mit einander zu vergleichen, wenn sie nicht in derselben Zeit und in demselben Orte sich befinden. Nichts bürgt mir dafür, daß eine in meiner Kasse befindliche Sum—⸗ me von 1000 Franken derselbe Reichthum sey, als dieselbe Summe von 1000 Franken, die ich ein Jahr früher hatte. Wenn ich mir in diesem Jahre mehr Dinge dafür ver—⸗ schaffen kann, als in dem vorhergehenden, so ist mein Reichthum in diesem Stücke größer, während er dagegen kleiner ist, wenn ich mir weniger dafür verschaffen kann. Eben so verändert sich, wenn ich von einem Ort zum andern gehe, ohne daß ich gerade das Land selbst verlasse, der Werth des Geldes in meinem Beutel in dem Maß, als ich weiter komme; denn die Lebensmittel, die Wohnung, kurz Alles, was ich bräuche, verändern ihren Werth in Beziehung auf meine Börse. Wenn ich von einem Orte, wo Alles oder fast Alles theurer ist, in einen andern Ort gehe, wo man fast Alles wohlfeiler haben kann, z. B. von Paris in das Departement der Vogesen oder der untern Loire, so werde ich reicher, ja sogar viel reicher, ohne auch nur einen Thaler mehr zu besitzen. Noch mehr verändert sich mein Reichthum, wenn ich von einem Lande in das andere gehe. Das Clima, die Sitten, die Abgaben haben stets großen Einfluß auf den Werth aller Dinge, selbst auf den Werth der Münze oder des zum Einkauf bestimmten Geldes, so daß, wenn ich in das Ausland reise, mein Reichthum nicht nur durch die Verwandlung meines Geldes in das Ausländi⸗ sche, sondern auch durch den Preis aller Dinge, deren ich bedarf, sich verändert. Dieß ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen der Nationen der Grund, warum wir ärmer werden, wenn wir nach England reisen, die Engländer dagegen reicher, wenn sie nach Frankreich kommen. Gleichwohl kann man nicht sagen, daß dieß in allen Beziehungen statt finde; der Dinge. 111 ——.———.—.——.see.·:..————..—...—. denn wenn es Dinge giebt, die in Frankreich theurer sind, als in England, wie z. B. gewisse Quincaillerie-Waaren, so werden die Engländer, die nach Frankreich reisen, in Beziehung auf diese Dinge ärmer. ‚ Unstatthäftigkeit einer Vergleichung des Reich⸗ thums zweier Nationen, Fährt man in der Anwendung dieser Grundsätze fort, so wird man sehen, daß es ganz unmöglich ist, die Reich— thümer zweier Nationen mit einander zu vergleichen, weil diese beiden Nationen wohl zu derselben Zeit, aber nicht in demselben Raume bestehen können. Wenn an dem— selben Orte und zu derselben Zeit eine Sache 5 Franken und eine andere 10 Franken werth ist, so kann ich mit Gewißheit sagen, daß letztere doppelt so viel werth ist, als die erste und sich gegen das Zweifache der ersten oder gegen das Zweifache von dem, was man mittelst der er— sten erhalten kann, eintauschen läßt; man bringe aber eine von beiden nach England, so wird nicht mehr das⸗ selbe Verhältniß des Werthes zwischen beiden statt fin— den, weil sie getrennt und die Umstände nicht mehr die— selben sind. Wenn ich sie beide dahin bringe, so wird ein neues Verhältniß zwischen ihnen entstehen, das von dem ersteren wahrscheinlich sehr verschieden seyn wird, weil die Umstände in beiden Ländern wahrscheinlich nicht auf dieselbe Weise auf die beiden Gegenstände einge— wirkt haben werden. In Friedenszeiten führt man von Frankreich Gemüße und Obst nach England. Man bringe einen Korb Obst im Werth von b6 Franken und zu der nämlichen Zeit eine Unze Silbers, die in Frankreich ge— nau denselben Werth hat, dahin, so wird sich der Werth dieses Obsts und dieses Silbers in England in umgekehr— tem Verhältniß geändert haben; für dieses Obst wird man mehr Silber und für dieses Silber weniger Obst v ö 74 112 Von dem Werthe bekommen; ihr gegenseitiges Verhältniß also anders ge— worden seyn. Was die QAnadratur des Cirkels in der National⸗ Oekonomie ist. Dasselbe findet mit dem Golde und allen übrigen Metallen statt. Wenn man daher zum Behuf einer Ver— gleichung die Capitale oder die Einkünfte Englands und eben so die von Frankreich in Unzen Goldes oder Sil— bers berechnet, so vergleicht man zwei Dinge, die zwar denselben Namen und dieselben physischen Eigenschaften haben, aber nicht in gleichem Grade diejenige Eigenschaft besitzen, wodurch diese Dinge Reichthümer werden; die Eigenschaft nämlich, eine Sache erwerben oder kaufen zu können. Man kann unmoglich den Reichthum von zwei verschiedenen Zeiten und Ländern mit einander verglei— chen, weil es keinen gemeinschaftlichen Maßstab für sie giebt. Dieß ist die Quadratur des Cirkels in der Natio⸗ nal-Oekonomie. Die Schriftsteller, welche diese gefunden zu haben glauben, haben nichts gefunden. Mochten die von ihnen eingesammelten Notizen auch noch so zuverläßig seyn, so würden sie doch immer noch nichts beweisen. Es ist vergebens, daß man sich deshalb so viel Mühe giebt und so viel Papier und Druckerschwärze verschwendet. Man verkauft nur, um wieder einzukaufen. Vom Tausche und dem Werthe sprechend, habe ich den einen Tauschwerth durch eine Geldsumme bezeichnet; ich muß indeß bemerken, daß die Käufe und Verkäufe, wobei das baare Geld gebraucht wird, nicht der vor— zügliche Gegenstand der gesellschaftlichen Geschäfte sind. Wenn wir eine Sache, die einen Werth hat, verkaufen, zu welchem Zweck erwerben wir jene Gold⸗ oder Silber— stücke, die man uns dafür giebt? Geschieht es, um sie als Zierrathen einzufädeln, was in gewissen Ländern der ö ——————— der Dinge. 140 —————....———. ge⸗ Fall seyn soll? Wahrscheinlich nicht; wir wollen irgend eine andere Sache, ein anderes Gut damit erkaufen. Wenn wir diese Summe in die Hände eines anderen Menschen geben, so wird dieser sie statt uns verwenden, Allein zu was? Allemal um irgend etwas damit zu kau— fen. Selbst wenn wir diese Summe in die Erde ver— 0 grüben, so geschähe es immer nur des wegen, um dieselbe später zum Ankauf irgend einer Sache zu gebrauchen. Und wenn wir auch noch vorher stürben, so würden un— 10 sere Erben oder diejenigen, die diesen Schatz zufälliger— ů — weise fänden, denselben auf die nämliche Weise verwen— ft den; die Verwendung wäre also nur aufgeschoben. Geld V de kann, so lang es Geld ist, zu nichts Anderem dienen, . und wenn man es einschmelzt, so hat man eigentlich 12 mit seinem Gelde eine Gold- oder Silberbarre gekauft.* ll⸗ Dasselbe gilt vom Kaufmann in seinem Laden, vom Päch⸗ bi. ter auf dem Markte; sie verkaufen nur, um wieder zu ho⸗ kaufen, aus dem einfachen Grunde, weil sie das Geld wen nicht in Natur consumiren köͤnnen, und weil damit nichts W. Anderes anzufangen ist, als daß man damit kauft. rläßi bi Ein Verkauf ist nur die Hälfte eines Taufches. Mühe Was folgt daraus? Daß ein Verkauf nur die Hälfte endet. eines Tausches, nur eine unvollendete Operation ist. Nur der Verkauf und der Einkauf bilden eine vollständige be ih Operation; was ist nun aber Kaufen und Verkaufen an— 10 ders, als das, was man verkauft, eintauschen gegen das⸗ ichuet; jenige, was man kauft? cläufe, Da die Güter oder Reichthümer nur auf eine tem⸗ poräre Weise die Form einer Geldsumme annehmen, da sid. man zufolge jeder vollständigen Operation immer gewisse kufe nutzbare Dinge gegen andere gleichfalls nutzbare Dinge Siber⸗ ausgetauscht hat, so werden die Werthe aller dieser Ge— um si genstände zusammen gegen einander ausgeglichen; das detn D. Say prakt. National⸗Oekonomie I. 8 114 Von dem Werthe Gold und Silber dient nur zur Vermittlung dieser Aus⸗ gleichung. Gesetzt, ich wäre ein Landwirth und wollte ein Pfund Kaffee für zwei Franken kaufen, so müßte ich, um die zwei Franken zu erhalten, 20 Pfund Waizen zu dem Preise von zwei Sous verkaufen; mit meinen 20 Pfund Waizen verschaffe ich mir also ein Pfund Kaffee, und damit ist der Tausch beendigt. Der relative Werth der Produkte kommt bei den Tauschen wesentlich in Betracht. Man sieht wohl, daß hier der relative Werth des Waizens und des Kaffee's, nicht aber das Verhältniß der einen oder der andern dieser Waaren zum Geld in Betracht kommt. Wenn das Geld in Menge vorhanden und also wohlfeil ist, so kann ich auch für mein Getreide mehr Geld haben, muß aber auch für den Kaffee, den ich mir verschaffen will, mehr bezahlen; wenn dagegen der Werth des Waizens in Bezihung auf den Kaffee steigt, oder der Werth des letzteren in Beziehung ljauf den ersteren ällt, so werde ich mir mit meinem Waizen eine größere Quan⸗ titat Kaffee verschaffen können. Wenn man in Amerika nicht reiche Minen gefunden hätte, so würde das Gold und Silber bei uns viel seltener seyn. Ich würde viel⸗ leicht nur einen halben Sous für ein Pfund Getreide von 16 Unzen lösen, allein auch der Kaffee würde statt 2 Franken nur einen halben Franken kosten, ich könnte demnach mit meinen 20 Pfund Waizen immer noch ein Pfund Kaffee erhalten. Die Reichthümer, die Werthe würden, obgleich in geringeren Zahlen ausgedrückt, doch dieselben seyn, gleichwie das Vermögen eines Menschen, der 1000 Pfd. Sterling Einkünfte hat, nicht viel kleiner ist, als das Vermögen desjenigen, der jährlich 25,000 Franken ein⸗ nimmt, obgleich 25,oo eine weit größere Zahl ist, als 1000. det Ret jült, Mah⸗ Meriln Gulb hille en ranken ch mit Kaffe Hgeih schh, M.· bas ein⸗ ls 7 der Dinge. 115 Diese Sätze sind so einfach, daß es kaum der Mühe werth scheint, sie auszusprechen; sie werden aber in der Folge sich als höchst wichtig erweisen, wenn man sehen wird, welche falsche Operationen gemacht, welche schlechte Maßregeln in allen Theilen von Europa und der Welt ergriffen, welche Blutströme vergossen worden sind, um die kostbaren Metalle in diesem oder jenem Lande aufzu— häufen, was, wenn es auch gelungen wäre,(außer eini— gen unbedeutenden Resultaten, von denen ich später spre— chen werde) nichts bewirkt haben würde, als eine Ver— mehrung von Zahlen in unseren Inventaren. Der Werth des Goldes und Silbers ist nur nach ihrer Kaufkraft zu bemessen. Es erhellt aus denselben Grundsätzen, daß das Gold, das Silber, die Münze nicht um ihrer selbst willen ge⸗ sucht werden, und nur so viel werth sind, als man da⸗ mit einkaufen kann, denn da man sie nicht sucht, um sie zu consumiren, sondern nur, um damit zu kaufen, so hat man beim Abschluß eines Handels, wie wenn man z. B. 50,000 Franken für ein Haus verlangt, in der That nur diejenigen Gegenstände im Auge, die man sich für diese 50,000 Franken verschaffen kann; wenn das Geld dop— pelt so viel werth wäre, als es werth ist, und man sich folglich für 25,000 Franken Alles verschaffen könnte, was man jetzt mit 50,000 Franken bezählt, so würde man sich auch nicht bedenken, das Haus um 25,000 Franken ab— zugeben. Eben so will der Kaufmann, der 40 Franken für eine Elle Tuch verlangt, in der That alles dasjenige haben, was für 40 Franken zu haben ist. Demnach sind alle *) Ich habe mir alle mögliche Mühe gegeben, meine Sätze zu vereinfachen, bin aber jetzt im Fall, um Entschuldigung bit⸗ ten zu müßen, daß sie so einfach ausgefallen sind. 8* 116 Von dem Werthe die Dinge, die 40 Franken werth sind, das Maß des Reichthums, der in diesem Augenblick in einer Elle Tuch besteht. Warum man die Reichthümer in Geld berechnet. Woher kommt es nun, daß man den Reichthum stets in einer gewissen Summe von Geldstücken ausdrückt? Weil wir zufolge des häufigen Gebrauchs, den wir von dem Gelde zu Vermittlung unserer Tausche machen, den Werth desselben eher kennen, als den Werth irgend einer anderen Waare. Wenn ich z. B. sage, ich habe so eben ein Pferd von 600 Franken im Werthe ge⸗ sehen, so versteht Jedermann leichter, wie viel dieses Thier werth ist, als wenn ich sagte, ich habe ein Pferd gesehen, das 50 Hektoliters Waizen wertheist, obgleich bei den gegenwärtigen Preisen bei⸗ des dasselbe bedeutet. Das Geld ist nur der gemeinschaftliche Nenner von mehreren Bruchgrößen. Wenn man mehrere verschiedenartige Dinge schätzen will, wie z. B. ein Haus, in welchem sich außer dem Geräthe, zwei Pferde, 12,000 Pfund Zucker und eine Rolle von 25 Goldstücken befinden, so genügt es mir nicht, zu wissen, daß ich eine Menge anderer Dinge für ein solchergestalt ausgestattetes Haus erhalten könnte. Ich hätte von dem Betrag aller dieser Werthe einen weit dunkleren Begriff, als in dem Fall, wenn sie sammt und sonders in einer und derselben Waare enthalten wären. Um den Totalwerth zu erfahren, schätze ich also die Quan⸗ tität einer gewissen Waare, die jedes dieser Dinge ins⸗ besondere werth seyn mag; ich bringe sie gleichsam un⸗ ter einen gemeinschaftlichen Nenner, und da der Nen⸗ ner, dessen Werth ich am besten kenne, eine Waare ist, die man Geld nennt, so sage ich: dei der Dinge. 117 das Haus ist werth. 25,000 Frkn. das Geräthe R. 5,000— die zwei Pferde. 800— die 12,000 Pfd. Zucker n 12,000— endlich die 25 Goldstücke 500— zusammen 45,300 Fren. Das Haus und das, was es enthält, sind Theile von Reichthümern, die zusammen eben so viel werth sind, als eine Summe von 45,500 Franken in Thalern, und ob ich gleich mit eben so viel Grund und derselben Ge— nauigkeit dieses auf 2165 Hektoliters Waizen anschlagen könnte, so habe ich doch einen deutlicheren Begriff von dem Werthe des Hauses, wenn ich weiß, wie viel es in Thalern werth ist, blos, weil wir gewöhnt sind, dasje— nige, was ein fünf Franken Thaler, was 1000 Franken, und was 43,000 Franken sind, zu überschlagen. Die Größe des Reichthums ist von der Geldsumme, durch die sie ausgedrückt wird, unabhängig. Aus allen diesen Betrachtungen soll sich ergeben, daß das, was den Reichthum ausmacht, von der Natur der Waare, deren man sich zur Schätzung desselben be— dient, durchaus unabhängig ist. Ein Haus ist ein Reich— thum, ein Gut, nicht weil es dem Besitzer eine gewisse Summe von Thalern, sondern alles das verschaffen kann, was mit Thalern zu bekommen ist. Die Thaler selbst sind nur in so fern ein Reichthum, als man dadurch an— dere Dinge erwerben kann; denn wie ich bereits bemerkt habe, wenn man mit Thalern nichts kaufen könnte, so würden sie selbst nichts werth seyn. Die Kaufkraft der Dinge ist es also, welche sie zu Reichthümern macht; diese Kraft aber, diese Eigenschaft, die man ihren Werth nennt, ist in dem Gegenstande, den man 4.... I‚——‚— 118 Von dem Werthe abschätzt, unabhängig von dem Gegenstande, dessen man sich zu dieser Schätzung bedient. Es ist also wohl zu merken, daß, so oft wir von einem Gute, einem Vermögen, einem Capital, einem Einkommen, einer Abgabe, von 10,000, von 100,00 Franken sprechen werden, wir darunter nicht eine Sum— me von Thalern, sondern eine Summe von Werthen verstehen, die, unter verschiedenen Formen, demjenigen Werthe gleich kommen, den eine Summe Thaler von 10 üder 100,00 Franken haben würde. Die Thaler die— nen hier nur zur Schätzung, und diese Schätzung könnte eben so gut auch mittelst des Waizens angestellt werden; es hätte dieß nur den Nachtheil, daß man nicht so schnell und nicht so deutlich die Größe des Werthes, wovon die Frage ist, angeben könnte. Nur, wenn man diese Wahrheit recht erfaßt hat, kann man von Capitalen, von Einkünften, von der Pro⸗ duktion, der Consumtion, der Ausfuhr, von den Steuern, von den Ausgaben des Staats und der Einzelnen, kurz von Allem, was auf die National-Oekonomie Bezug hat, gründlich sprechen. Man bedenke nur, zu welchen Unge— reimtheiten es führen würde, wenn man die Geldsäcke ausschließlich Reichthum nennen wollte. Ein Mensch, der für 100,000 Franken an guten Waaren in seinen Magazinen hätte, würde hiernach nichts besitzen, man müßte consequenterweise sagen, er gewinne, selbst wenn er seine Waaren mit Verlust gegen Thaler eintausche, 100,000 Franken, denn bis jetzt hatte er noch keinen ein⸗ zigen von diesen 10060 Franken-Säcken besessen, und jetzt hat er 100 dergleichen. Ich habe mich bemüht, mich ausführlich über die Bedeutung des Worts Werth auszusprechen; man muß sich diese ausführliche Erklärung merken, denn gerade in der Fähigkeit, sich alle die Begriffe und Bedeutungen, die⸗ ante en; Rel die der Dinge. 119 die mit jedem Ausdruck gemeint sind, in's Gedächtniß zu rufen, besteht die Wissenschaft. Man versteht die Na— tional-Oekonomie, wenn die Worte: Werth, Produk— tion, Capitale, Einkünfte und die übrigen in dem Geist die Vorstellung von allen den Begriffen und Ver— hältnissen, die dadurch bezeichnet werden, wecken. Jedes Wort ist gleichsam ein Vorrath von zusammengedräng— ten Begriffen, die man, so oft es nöthig ist, entwickeln kann, gleich jenen concentrirten Essenzen, die man in klei⸗ nen Flaschen mit sich herumträgt, die aber zufolge ihrer Flüchtigkeit und Elasticität die größten Räume mit Wohl— gerüchen erfüllen. Was unter dem Wort Ding zu verstehen ist. Ich habe von dem Werth der Dinge und der Sachen gesprochen; allein das Wort Ding erscheint als sehr unbestimmt und muß es auch seyn, weil es von einer Menge verschiedener Gegenstände und überhaupt von Allem gebraucht wird, sobald es nur einen Werth hat und geschätzt werden kann. Unter diesem Wort kann ein Landgut, ein Haus, ein Kleid, ein Stück Geld, eine Flinte verstanden werden, weil diese Gegenstände einen Werth, und zwar einen größeren oder geringeren Werth haben können. Die Arbeit eines Taglöhners ist aber auch ein Ding, das einen Werth hat, dasselbe gilt von dem Rath eines Arztes, einem Schäuspiel; es giebt sogar noch unstätere Dinge, die doch einen Werth haben, wie die Clientschaft oder das Arbeitszimmer eines Advokaten, die Kundschaft eines Ladens ꝛc. Ein Beweis ihres Werthes liegt darin, daß man es sich etwas kosten läßt, um sie an sich zu bringen, und man, um sie zu erhalten, Thaler oder an— dere sehr substantielle Werthe dafür hingiebt. Wenn ich also fortan schlechthin von dem Werthe der Dinge rede, so sind die Dinge gemeint; wovon ich N —n 9————— 120 Von dem Grunde des Werthes, gesprochen, und alle diejenigen, von denen dasselbe gilt; dieses nämlich, daß sie erworben und der Stoff oder Ge— genstand eines Tausches werden können. Drittes Kapit el. Von dem Grunde des Werthes, oder der Nützlichkeit. Wir haben aus der einfachsten Beobachtung der Thatsachen ersehen, daß der Reichthum in dem Werth der Dinge besteht, die man besitzt, und mit diesem Wer— the gemessen wird; wir haben bemerkt, daß der Werth eines Dings oder einer Sache in ihr selbst liegt, unab— hängig von dem, was ein Käufer dafür anbietet, die Quantität Thaler oder Getreide oder jeder anderen Waare, die Jemand für ein Haus giebt, ist das Maß seines Werthes, allein nicht wegen dieses Anerbietens hat das Haus einen Werth, sondern zufolge einer ihm beiwoh— nenden Eigenschaft, die durch die Quantität der dafür gebotenen abschätzbaren Dinge angezeigt und gemessen wird. * Die Nützlichkeit ist der Grund des Werthes. Es ist aber klar, daß diejenige Eigenschaft, die einer Sache Werth verleiht, ihre Nützlichkeit ist. Die Men⸗ schen legen nur auf solche Dinge einen Werth, die sie gebrauchen können; nur wegen dieser Eigenschaft bringen sie ein Opfer, um jene zu erwerben, denn man giebt nichts, um dafür Etwas zu erhalten, was zu nichts dient *) Man wird später, wenn ich von den Gesetzen sprechen werde, nach welchen sich die Preise reguliren, sehen, wie zufolge der durch die erschwerte Produktion gesteigerten Preise die Zahl der Nachfragenden auf diejenige beschränkt werde, die durch ihr Vermögen in den Stand gesetzt sind, Gebrauch von ge⸗ wissen Nützlichkeiten zu machen. Hierdurch wird die Erzeu⸗ zilt, Ge⸗ it. der erth Ver⸗ derth mab⸗ die u ge⸗ tzeu⸗ oder der Nühlichkeit. 121 Reichthum kann erzeugt werden. Dieß ist eine reichhaltige Bemerkung; denn wenn sich darthun läßt, daß man einer Sache eine Rützlichkeit geben kann, die sie für sich selbst nicht gehabt hätte; wenn diese Nützlichkeit ihr Werth giebt, und dieser Werth Reichthum ist, so unterliegt keinem Zweifel mehr daß wir Reichthümer erzeugen können. Wir wollen also demnächst untersuchen, worin diese Nützlichkeit bestehe und dann sehen, wie sie den Dingen mitgetheilt werden könne. Verschiedenheit unserer Bedürfnisse. Unsere Bedürfnisse machen Alles, wodurch sie befrie⸗ digt werden, für uns nützlich. Diese Bedürfnisse hän⸗ gen, wie bereits bemerkt worden ist, von der physischen und geistigen Natur des Menschen und von den Umstän⸗ den ab, worin er sich befindet. Ueberall bedarf er der Nahrungsmittel; in kalten Gegenden muß er eine Be— deckung, ein Obdach haben; in civilisirten Ländern muß ihm die Kleidung nicht nur zur Bedeckung, sondern auch zur Zierde dienen, und ihm ein gewisses Ansehen, das auch ein Bedürfniß ist, verschaffen; ist man in der Civi⸗ lisation noch weiter, so kommen zu den Bedürfnissen des Körpers auch noch die des Geistes; der Mensch sieht sich alsdann nach Büchern, nach Bildnissen und andern un⸗ terhaltenden und belehrenden Gegenständen um. Die Bedürfnisse ändern sich mit den Sitten und den Gebräuchen der Völker; auch mit dem Alter, dem Ge⸗ schmack, den Leidenschaften und selbst mit den Launen gung aller der Nützlichkeiten, die einen gewissen Preis über⸗ steigen, in Stockung gebracht; allein diese Bemerkung, die meinen hier aufgestellten Satz nicht entkräftet, ist zur Ver⸗ ständniß des Verfahrens der Produktion nicht nothwendig, weshalb ich erst später dasselbe auseinandersetzen werde. ...— öE—“ 23— mer 2.—.—7 0———— ——— — ——— ꝗDꝗSIITP‚‚ ——— ö ö 122 Von dem Grunde des Werthes, der Individuen. In China ist der Gensing eine wegen seiner medizinischen Eigenschaften geschätzte Wurzel. Ein Pfund davon soll dort mit 48 Unzen Silbers, ungefähr 300 Franken nach unserem Gelde bezahlt werden; wäh— rend in Paris Jemand, der ein Pfund Gensing besäße, denselben wahrscheinlich gar nicht an den Mann bringen könnte. Die Markassiten hatten früher in Frankreich Werth, weil man sie zur Zierde brauchte; sie gelten aber jetzt nichts mehr, weil diese Art von Schmuck gänzlich aus der Mode gekommen ist. Im ‚öten Jahrhundert bedurfte man in England und Frankreich der Rosenkrän— ze; heutzutage weiß man in diesen Ländern nicht einmal mehr, was ein Rosenkranz ist, und zu was man ihn ge— brauchen kann. In den Augen des Moralisten können künstliche Blumen und Fingerringe als völlig überflüssige Dinge erscheinen; dem Oekonomisten dagegen haben sie eine Bedeutung, sobald die Menschen so viel Gefallen daran finden, daß sie irgend etwas dafür geben. Die Eitelkeit ist für den Menschen zuweilen ein eben so ge— bieterisches Bedürfniß als der Hunger. Er allein ent⸗ scheidet über die Wichtigkeit, die die Dinge für ihn ha— ben, und in wie ferne sie Bedürfnisse für ihn sind Es ist nicht die natürliche, sondern die einer Sache gegebene Nützlichkeit, die hier abgehandelt wird. Die so verstandene Nützlichkeit ist es, die allen Din— gen einen Werth giebt; daraus folgt aber nicht, daß ihr Werth sich gerade wie ihre Nützlichkeit verhalte; derselbe verhält sich nur wie die von den Menschen den Dingen gegebene Nützlichkeit. Der Ueberschuß dieser Nützlichkeit ) An diesen Bemerkungen wird es hier in diesem Theile des Handbuchs, wo nur von der Produktionsweise die Rede ist, genügen. Später wird man sehen, was die Menschen ei⸗ gentlich consumiren sollen. oder der Nühlichkeit. 125 0 ist ein natüllicher Reichthum, für den nichts bezahlt sühr wird. Man würde vielleicht gerne zwanzig Sous für ih⸗ ein Pfund Salz geben, wenn man es im Verhältniß zu * dem Nutzen, das uns dasselbe gewährt, bezahlen müßte; allein glücklicherweise kostet es nicht mehr, als die Pro— Ien duktionskosten desselben betragen; so zwar, daß falls es bih euch beliebt, den Genuß, den euch diese Würze gewährt, r zu 20 Sous p. Pfund anzuschlagen, während es nur ein N Sous kostet, sich in einem Pfund Salz ein natürlicher dn Reichthum von zwanzig Sous im Werthe und ein ge— sellschaftlicher Reichthum von einem Sous im Werthe be— umal findet, welch letzterer demjenigen, der das Salz gewon⸗ g· nen hat, bezahlt wird, während der erstere ein freiwilli— 6 ges Geschenk der Natur ist. Ussge sie Die gegebene Nützlichkeit kann durch Zwangsmittel glen weit über ihren wahren Werth gesteigert werden. De Der Besitzer einer Sache kann in gewissen Fällen, g und durch Zwangsmittel den Werth derselben weit über ent⸗ ihren natürlichen Werth erheben. Derjenige, der in eine g Stadt oder in ein Dorf einen Vorrath von Salz ge— 0 bracht hat, kann mir vielleicht jedes Mittel benehmen, mich damit zu versehen, und mir alsdann seine Waare ache um den ihm beliebigen Preis verkaufen*). Dies be— ird weist noch nicht, daß der Werth des Salzes wirklich ge— Din⸗ stiegen ist; es zeigt blos, daß dieser Mensch meine Lage iht mißbraucht, und mich das Salz über seinen Werth be— selbe zählen läßt. Dies ist eine Beraubung. ö ngen Wenn ein Räuber mich auf der Landstraße nöthigt, hleit ihm ein gutes Pferd gegen ein schlechtes abzutreten, so des In dieser Unterstellung liegt das, was unter der alten fran⸗ de ist zösischen Herrschaft statt fand, wo es einem armen am Ufer en ei⸗ des Meeres wohnenden Baueru verboten war, einen Krug Wasser zu schöpfen, um damit seine Speisen zu salzen. 124 Von dem Grunde des Werthes ꝛc. folgt daraus noch nicht, daß dieses so viel werth ist, als jenes; es folgt nur, daß man mir mit Gewalt einen Theil meines Eigenthums nimmt. Die natürlichen Reichthümer genügen nicht zur Befriedigung der Bedürfnisse des in Gesellschaft lebenden Menschen. Man kann nicht sagen, daß die uns von der Natur angebotenen Reichthümer zu Befriedigung unserer wesent⸗ lichen Bedürfnisse hinreichen, und daß die künstlichen und gesellschaftlichen Güter nur die Befriedigung selbst ge—⸗ schaffener, durch die Civilisation entstandener Bedürfnisse zum Zweck haben. Die Natur sorgt allerdings für einige ganz unentbehrliche Bedürfnisse; sie bereitet z. B. durch die Mischung verschiedener elastischer Flüssigkeiten, die athembare Luft, deren unsere Lungen nicht entbehren können, in solcher Fülle, daß, wenn auch die ganze Erde mit Bewohnern bedeckt wäre, sie doch niemals die At— mosphäre erschöpfen könnten; allein dieselbe Natur sorgt, wenn sie sich selbst überlassen ist, nur auf eine sehr un⸗ genügende Weise für andere nicht weniger wesentliche Be— dürfnisse, wie z. B. für die Nahrung einer etwas zahl— reichen Menschengesellschaft. Die Nahrungsmittel, die sie den Menschen freiwillig darbietet, sind nicht sehr man— nigfaltig, nicht sehr gesund, und bei weitem nicht in ge— höriger Menge vorhanden. Wenn vor drei Jahrhunder— ten zwanzig Menschen durch Sturm an die Küsten, wo sich jetzt die vereinigten Staaten befinden, verschlagen worden wären, so würden sie wahrscheinlich Hungers ge— storben seyn, und zwar an denselben Küsten, wo jetzt mehrere Millionen Menschen sich nicht nur reichlich näh— ren, sondern auch viele Annehmlichkeiten des Lebens ge— nießen. inige durch die hren Erde At⸗ orgt, un⸗ e Be⸗ zahl⸗ die man⸗ u ge⸗ nder⸗ „wo lagen 5 ge⸗ jetzt näh⸗ ge⸗ Was unter der Erzeugung ꝛc. 125 Erster Theil. Zweiter Abschnitt. Von den die Produktion bedingenden Operationen. Viertes Kapitel. Was unter der Erzeugung der Reichthümer zu verstehen ist. Jetzt, wo wir richtige Begriffe von dem haben, was die Worte: Reichthümer, Werth,‚, Nützlich⸗ keit bedeuten, wird es uns leicht seyn, zu verstehen, wie die Reichthümer produzirt werden. Wodurch eine Sache ein Produkt wird. Man hat bereits gesehen, daß, wenn man den Din⸗ gen eine Nützlichkeit giebt oder die ihnen schon beiwoh— nende Nützlichkeit vermehrt, auch ihren Werth vermehre und hiedurch Reichthum erzeuge. Es ist nicht der Ur— stoff der Sache, den man erschafft oder erzeugt. Es steht nicht in unserer Macht, auch nur ein Atom aus dem Nichts zu erschaffen oder zu vernichten; wohl aber können wir Eigenschaften hervorrufen, die den frü⸗ her werthlosen Dingen einen Werth geben und solche zu Reichthümern machen. Hierin besteht in der Natio⸗ nal-Oekonomie die sogenannte Produktion; diese ist ein Wunderwerk der menschlichen Industrie; die Dinge, denen sie auf diese Weise einen Werth gegeben hat, hei— ßen Produkte. Wenn man bei diesen vorzüglich die ihnen mitge— theilte Fähigkeit, mittelst des Tausches andere Gegen— ——————.——......... W — 126 Was unter der Erzeugung stände erwerben zu können, ins Auge faßt, so nennt man sie Werthe*) Worin das Thun der Industrie besteht. Da wir nicht den Urstoff der Produkte erschaffen können, so ist die Thätigkeit der Industrie bei Erzeugung von Produkten nothwendig darauf beschränkt, die Ele— mente, woraus sie bestehen, zu trennen, zu versetzen, zu vereinigen und umzuwandeln. Sie verändert den Zustand der Körper; dies ist Alles und hierdurch macht sie die— selben für uns brauchbar. Man blicke nur umzsich und überall wird man Produkte der Industrie und Beispiele ihrer Operationen bemerken. Der Sand ist eine fast werthlose Sache. Ein Glaser nimmt davon, vermischt ihn mit Soda, setzt diese Mischung ei— nem heftigen Feuer aus, bewirkt dadurch eine Verschmel— zung der Theile und bildet so eine gleichartige teigigte Masse, die man mittelst eiserner Röhren zu großen Ku— geln blast. Man spaltet diese, streckt sie aus, läßt sie allmählig erkalten, schneidet sie dann in größere oder klei⸗ nere Platten; und so entsteht dann jenes durchsichtige, verflächte Produkt, das von dem Tageslicht durchdrun— gen wird und vor der Kälte und dem Regen schützt. Was hat nun dieser Handwerker in Beziehung auf den Reichthum eigentlich gethan? Er hat Sand und andere Stoffe von geringem Werth in ein Produkt verwandelt, das nun einen größeren Werth hat. Und warum erhält dieses Produkt einen Preis? Weil es uns nützlich ist, weil wir es zu Fenstern gebrauchen können. Die Geschäftsleute bebienen sich dieses Worts auch in einem weiteren Sinne; sie nenuen Werthe solche Urkunden, die das Versprechen enthalten, wirkliche Werthe zu geben; dies giebt den genannten Urkunden einen stellvertretenden Werth und macht, daß man sie in gewissen Fällen zum Ankauf von Dingen verwenden kann, die einen inneren Werth haben. man mmt ei nel⸗ igte Ku⸗ si klei⸗ ͤtige, run⸗ Iht. den dete delt, chäͤlt is, einem , die dies Werth guf von ben. der Reichthümer zu verstehen ist. 127 Man sehe einen italienischen Strohhut: ich glaube nicht, daß der Urstoff eines dieser Hüte mehr als einige Sous werth ist. Eine geschickte Industrie weiß aber dieses Stroh mit so viel Kunst zu flechten, daß daraus einer der schönsten Putzartikel für unsere Frauen wird, dessen Werth zuweilen auf mehrere hundert Franken steigt. Ein Landwirth nimmt Saamenkörner und Dünger, legt sie in eine Art von Schmelztiegel, den wir ein Feld, ein Grundstück nennen und findet nach gewissen Ope⸗ rationen, die ihn die Erfahrung gelehrt hat, daß die in der Erde und dem Dünger enthaltenen Säfte, verbunden mit denjenigen, die aus der Atmosphäre kommen, sich in Vegetabilien und Futter verwandeln. Sofort wird derselbe Landwirth mittelst eines Instruments, das ich ein Lamm oder ein Schaaf nennen will, den Theilchen woraus sein Kraut besteht, eine andere Gestalt geben, und Wolle daraus machen. Der neue Grad von Nützlichkeit und Brauchbarkeit, den die Stoffe bei jeder neuen Operation erlangen, ver⸗ mehrt ihren Werth und entschädigt den Landwirth für seinen Aufwand und seine Bemühungen. Ein Tuchsabrikant kauft von diesem Landwirth die Wolle, fettet sie aus, kartätscht und spinnt sie und macht daraus ein Gewebe, das, nachdem es gewalkt, gefärbt und geschoren ist, zu unserer Bekleidung dient. Andere Leute haben dem Tuchfabrikanten einen Färbe— stoff, den Indigo z. B. verschafft, den sie in Ostindien oder auf den Antillen bezogen haben; diese Leute, die wir Kaufleute nennen wollen, haben mit dem Indigo eine Operation vorgenommen,(die wir eine Verstättung [Transport] nennen wollen) wodurch derselbe in die Hände des Fabrikanten gekommen ist. Der Handels-⸗ mann hat, wie man sieht, die Stellung des Stoffes, den man Indigo nennt, verändert und seine Industrie ist ihm 128 Was unter der Erzeugung durch den neuen Werth, den diese Waare hierdurch er⸗ halten hat, belohnt worden. Der Industrie aller dieser Leute haben wir es zu verdanken, daß wir ein Kleid von blauem Tuch tragen konnen und so mannigfaltig ihre Operationen sind, so haben sie doch dieses mit einander gemein, daß diese In⸗ dustrie⸗Männer, wie wir sie nennen wollen, alle ihre ro⸗ hen Stoffe in einem gewissen Zustande bezogen haben, um sie in einen anderen Zustand zu bringen, in welchem dieselben einen Grad von Nützlichkeit, folglich einen Werth erlangt haben, den sie früher nicht hatten. Die Verrichtungen dieser Männer haben sogar in manchen Stücken viele Aehnlichkeit. Wenn ein Färber Wasser, Alaun, Indigo und andere Stoffe in einem Kes⸗ sel unter einander mengt, verfährt er nicht ungefähr wie der Landwirth, der nach den Regeln seiner Kunst Was⸗ ser, Dünger und Säfte, die ihm die Erde und die Luft liefern, mit einander vermischt? Der Färber bewirkt seine Combinationen mittelst der Wärme des Ofens; der Landwirth dagegen bedient sich der Wärme der Sonne. Der Färber übergiebt seinen Stoff einem Kessel, wie der Landwirth seine Sämereien dem Felde. Beide erzeugen aber durch ihre Operationen Stoffe, die mehr ůZ 8 2 sind, als in ihrem früheren Zustande. Unter welchen verschiedenen Gesichtspunkten die Technologie und die National⸗Oekonomie die nützlichen Künste betrachten. Die Technologie oder die Beschreibung der Künste und Handwerke betrachtet die Kunst an sich selbst, un⸗ tersucht ihre Mittel und verbessert das Verfahren dersel— ben; die National-Oekonomie betrachtet die Industrie in ihrer Beziehung auf die Interessen der Industrie⸗ der Reichthümer zu verstehen ist. 129 er Männer und der Gesellschaft; sie zeigt uns die wahre Quelle der Reichthümer. zu Durch Vermittlung der Industrie wird aus zwei agen Pfund Wolle, die vier Franken werth sind, eine Elle so Tuch, die vierzig Franken kostet, verfertigt. Man be— In⸗ rechne, wenn man kann, die Werthe, welche die Indu— lo⸗ strie in einem großen, gut cultivirten Lande in der Form ben, von Schiffen, von Kanälen und Straßen; in seinen hem Werkstätten, den Kaufläden, in dem Inneren seiner Häu⸗ inen ser und selbst in den Dachkammern geschaffen hat. Wir wollen unsere Rechenkunst des Beispiels wegen W in nur an einem einzigen Gegenstande üben und so weit es jütber sich thun läßt, den Werth berechnen, den ein einziges Kes⸗ Handwerk und zwar eines der gemeinsten, dasjenige, wie nämlich, das sich mit unserer Fußbekleidung ausschließ— Las⸗ lich beschäftigt, hervorbringt. Werth, der allein durch die Schuster in Frankreich 4—0 erzeugt wird. onne. Man glaubt, daß Frankreich gegenwärtig 32 Mil—⸗ je det lionen Einwohner zähle. Nehmen wir an, es trage der Hugen vierte Theil derselben niemals Schuhe, was in Bezie— sind, hung auf unsere nördlichen Provinzen, wo man die Holz⸗ schuhe nicht kennt und niemals baärfuß geht, als sehr viel erscheinen wird; so bleiben 24 Millionen große oder die kleine, männliche oder weibliche Einwohner übrig, die die Schuhe tragen. Nehmen wir ferner an, es gebrauche jeder im Durchschnitt jährlich vier Paar. Wenn dies für ge⸗ Inste meine Leute, deren Schuhe dicht mit Nägeln beschlagen un⸗ sind, zu viel ist, so ist es dagegen für diejenigen, die leich— ersel⸗ tere Schuhe tragen und monatlich einige Paar consumiren, ustrie sehr wenig. Es kommen demnach 96 Millionen Paar ustrie⸗ Schuhe heraus, die Frankreich jährlich producirt, denn Say prakt. National⸗Oekonomie I. 9 13⁰0 Was unter der Erzeugung ich glaube nicht, daß es irgend eine erhebliche Quanti⸗ tät vom Auslande bezieht. Dies ist noch nicht genug. Frankreich versieht die Fremden mit Schuhen, die sich da aufhalten; es schickt auch dergleichen nach England, und besonders Frauen— zimmer-Schuhe beinahe nach allen Colonieen, nach den vereinigten Staäten und bis nach Ostindien. Wenn wir hierzu noch die Stiefel und alle Arten von Fußbe— kleidungen, selbst die seidenen Schuhe, welche die schwar— zen Damen in Hayti erhalten, rechnen, so steigt die Zahl der Fußbekleidungen, die jährlich in Frankreich gefer— tigt werden, auf 100 Millionen Paare. Es ist, wie ich glaube, keine Uebertreibung, wenn ich annehme, daß der Schuhmacher bei jedem Paare den Werth seines Leders und seines Zeugs um drei Franken vermehre und diese Berechnung begründet sich, wie folgt: Man muß ein geschickter Arbeiter seyn, um in zwei Ta⸗ gen ein Paar zu machen, und ein solcher Arbeiter ver— dient selbst in unseren entfernteren Provinzen täglich nicht weniger als dreißig Sous. An vielen Orten und besonders in den Städten verdient er weit mehr. Es giebt aber auch Fußbekleidungen, wo der Macherlohn nur wenig beträgt und so muß man das eine in das andere rechnen. Hundert Millionen Paar zu drei Franken machen 300 Millionen Franken; also ein Werth, der so groß ist, als derjenige, der in 300 Millionen unserer Franken oder in einer Million 250,000 Kilogramme Silbers enthalten ist, und dieser Werth wird in Frankreich nur durch die Schuhmacher jährlich erzeugt und verbreitet; denn es ist noch keine Rede gewesen von den Werthen, die die Weiß- und Rothgerber, die Bandfabrikanten ꝛc. die auch für die Schuhmacher arbeiten, erzeugt haben. ——..—.—.——.— der Reichthümer zu verstehen ist. 13¹ Wantt Werth der edlen Metalle, die in ganz Amerika zu Tage gefördert werden. ht die Wie viel wird nun an Gold und Silber in ganz schickt Amerika zu Tage gefördert? Nach dem Zeugniß des guen⸗ Schriftstellers, dem man über diesen Gegenstand das den meiste Vertrauen schenkt, lieferte die neue Welt zu An⸗ wir fang dieses Jahrhunderts jährlich ußhe⸗ 17,000 Kilogramme in Gold war⸗ und 800, ooo— in Silber“) Zahl was in runder Sümme einen Werth von 234 Millionen gefer⸗ ausmacht, während die Schuhmacher in Frankreich allein jährlich 300 Millionen Franken produciren! Wenn man nn ich diese Summe für übertrieben findet, so mag man sie nach den Gefallen vermindern; was übrig bleibt, giebt immer noch anken eine sehr große Meinung von dem, was die tausend Ge⸗ gt: werbe, die in der Gesellschaft getrieben werden, hervor⸗ Ta⸗ bringen. Es heißt die Industrie des alten Europa her— ger⸗ absetzen, wenn man sie mit den Bergwerken von Peru ͤglich vergleicht. ö uund Alle Werthe von gleichem Betrage sind gleich ö Es schaätzbar. Man glaube nicht, daß der Werth der Metalle, die n nut ö 1 aus den Bergwerken kommen, wichtiger sey, als derje— dere„ ö‚—— B nige, der in der Fußbekleidung steckt. Der Eine wie der Andere ist eben gerade nur so viel werth, als man mit achen—. E. i demselben kaufen kann; wären acht Franken in Silber a mehr werth, als acht Franken in Schuhen, würde man 0 778 N2—„ aheh wohl amerikanische Käufer finden, die acht Franken in H Metall für acht Franken Waaren anbdten? 1311— ö Viele meinen, acht Franken in Metall seyen mehr, 10 als acht Franken in Waaren, weil der Werth von jenem 7——— 1 9 dauerhafter ist und zu einer Menge von Tauschen dienen r di kann; allein ein Werth vermehrt sich, wenn er in andere ) Humboldt, polit. Versuch üher Neuspanien Bd. 4. S. 218. 45² Was unter der Erzeuguyg Hände kommt, eben so wenig, als eine Quantität Kaffee von 10,000 Franken 100,000 Franken werth wird, wenn sie zehnmal verkauft worden ist. Das Silber aus den Bergwerken wird gleich den Schuhen nur Einmal erzeugt; es verschafft denjenigen, die es zu Tage gefördert haben, nur Einmal einen Gewinn; allein von dem Augenblick der ersten Erzeugung an, gewährt es keinen neuen Ge— winn und setzt keinen neuen Werth in Umlauf. Man kann es sich nur dadurch verschaffen, daß man neue Pro⸗ dukte dafür eintauscht; erst durch diese entsteht wieder ein neuer Gewinn, nicht aber durch das Metall, das man durch sie erwirbt. Ich wiederhole es, und es wird in der Folge noch mehr erhellen, daß die reichhaltigste Mine in Mexiko die 30 Millionen, die sie dieses Jahr liefert, eben nur einmal liefert; und wenn die Ausbeute im nächsten Jahr wieder 30 Millionen beträgt, so ist diese ein neuer Werth, der mit dem des vorigen Jahrs nichts gemein hat. Bedeutung des Worts„Nützlichkeit.“ Wenn ich sage, es sey die Nützlichkeit, die den Produk⸗ ten ihren Werth gebe, so gebräuche ich dieses Wort in seiner weitesten Bedeutung. Wenn man sagte, der Krapp, der Alaun, der Indigo, die so, wie sie sind, keines un— serer Bedürfnisse befriedigen, indem wir sie weder als Nahrung, noch als Zierde gebrauchen könnten, hätten doch einen Werth; so würde ich antworten, diese Pro—⸗ dukte seyen dem Färber nützlich; er bediene sich derselben, um die Stoffe zu färben, aus denen wir unsere Kleidun⸗ gen bereiten und ihre Nätzlichkeit, obgleich solche mit der Nützlichkeit der Stoffe verbunden werden musse, sey dar⸗ um nicht weniger wirklich. Das Heu, die Futterkräuter können wir nicht un⸗ mittelbar gebrauchen; sie dienen aber 1 Ernährung der Thiere, die uns nützlich sind. der Reichthümer zu verstehen ist. 133 faffe ö wenn Diese indirekte und mittelbare Nützlichkeit ist es, die* den den Handelseffekten, den Rentenscheinen, die an sich selbst 0 igt; zu nichts dienen, die aber uns zu dem, was nützlich ist, ben, verhelfen, einen Werth giebt. Dasselbe gilt von dem ur⸗ I hlich baren Boden, der uns unmittelbar zu nichts dient, durch He⸗ den wir uns aber das so unentbehrliche Getreide ver⸗ n schaffen können. Wro⸗ Was unter rohen Stoffen zu verstehen ist. ider Daher kommt auch der Werth aller rohen Stoffe, das worunter wir nicht nur die ganz rohen Grundstoffe, son— wild dern schon sehr ausgearbeitete Produkte zu verstehen haben, 4 igst die man nur kauft, um neue Veränderungen mit ihnen lahr vorzunehmen. Die Baumwolle ist ein roher Stoff für den ¹ Spinner, ob sie gleich das Produkt zweier auf einander st folgender Arbeiten ist; nämlich des Pflanzers in Ame⸗ X rika und des Kaufmanns in Europa, der sie über die See herkommen läßt. Der Baumwollenfaden ist hin⸗ wiederum ein roher Stoff für den Zeugfabrikanten, und uk⸗ Baumwollenzeug ist ein roher Stoff für denjenigen, der in solchen mit Farben bedruckt; der gedruckte Zeug ist der ö , rohe Stoff für den Kattunhändler, und sehr oft ist der 11⸗ Kattun nur ein roher Stoff für die Näherin, die Roben N ls daraus macht, und für den Tapezier, der Meubles da⸗ ten mit überzieht. ö‚* lo⸗ ö Fünftes Kapitel. n⸗ Von den immateriellen Produkten. de Bezeichnung der Produkte, die man immateriell l⸗ nennen kann. + Die Nützlichkeit, unter welcher Form sie sich auch zeigen mag, ist, wie wir gesehen haben, der Grund des der Werthes, der den Dingen beiwohnt. Diese Nützlichkeit aber läßt sich erzeugen; sie kann einen Werth haben und 134 Von den immateriellen Produkten. der Gegenstand eines Tausches werden, ohne auf irgend einem matexiellen Gegenstande zu haften. Ein Glasfabri— kant giebt dem Sande, ein Tuchfabrikant der Wolle ei— nen Werth; ein Arzt dagegen verkauft uns die Rützlich— keit seiner Kunst, ohne daß sie irgend einer andern Ma⸗ terie einverleibt worden ist. Diese Nützlichkeit ist ganz gewiß die Frucht seiner Studien, seiner Arbeiten, seiner Vorschüsse; wir kaufen sie, indem wir seinen Rath kau— fen; wir consumiren sie, indem wir seine Anordnungen befolgen, und doch ist diese Nützlichkeit, die ihren Werth hat, die dem Arzt bezahlt wird, nie in anschaulicher Ge— stalt erschienen; sie ist ein wirkliches aber immaterielles Produkt, denn wenn der Arzt eine Arznei verschreibt, so ist diese ein anderes Produkt, die Frucht der Industrie des Apothekers, der Gegenstand eines anderen und frühe— ren Tausches. Die immateriellen Produkte haben mit den übrigen Aehnlichkeit. Um die zwischen den immateriellen und materiellen Produkten bestehende Aehnlichkeit klar zu machen, muß ich bemerken, daß sich die materiellen Produkte hinsichtlich ihrer Form, ihrer Ausdehnung und ihrer Dauer durch unmerkliche Uebergänge von einander unterscheiden. Wir wollen fürs Erste nur die Dauer in Betracht ziehen. Ein Haus, Silbergeschirr, solide Meubles sind sehr dauerhafte Produkte; weniger dauerhaft sind die verschie— denen Gewebe; noch weniger sind es Gemüße, Früchte ꝛc. Diese Verschiedenheit in der Dauer ändert aber ihre Ei— genschaft als Produkte durchaus nicht: sie sind sammt und sonders ein verhältnißmäßiger Theil des Reichthums. Ein Landbauer im Thale von Montmorency löst jährlich aus seinen Kirschen eben so gut eine wirkliche Geldsum— irgend fabri⸗ E ei⸗ Na⸗ genz einer —* Von den immateriellen Produkten. 155 me, als der Besitzer eines Waldstücks in Montmoreney ar seinem Holzschlage. Nur in der Größe ein Unterschied, und wenn die Kirschen mehr gelten, als das Holz, so sind die Kirschen der größere Reichthum. Gleich⸗ wohl liegt zwischen dem Augenblick der Reife dieser Frucht und dem Augenblick, wo sie consumirt werden muß, kein großer Zeitraum; während das Holz, das zu Aufführung von Zimmerwerken dient, ein langdauernder Reichthum ist. Allein die Dauerhaftigkeit geht blos den Consumenten an; er muß wissen, ob er einen Genuß von kurzer Dauer einem anderen vorziehen soll, der, ohne ihn weiter zu kosten, von längerer Dauer seyn wird. In Beziehun auf die Den kann die Größe des erzeugten Nutz nur durch den Preis, den die Menschen darauf setzen, e — bestimmt werde n. Dieser Preis ist es, wornach d —„Wo III der Summe liegt theil e wird, den der Produzent daraus zieht Da in Beziehung auf die Produktion die Dauer des Düdunts gar nicht in Detrracht kommt, wenn dasselbe — nur einen Werth hat, so wollen wir von den Produkten, die nothwendigerweise in der kürzesten Zeit nach ihrer Erzeugung consumirt werden, zu denen übergehen, die V schon im Augenblicke ihres Entstehens consumirt werden und so zeigt es sich, daß eine Darstellung auf der Bühne z. B. ein Produkt ist, das zwar im Punkte der Dauer⸗ haftigkeit den Erzeugnissen des Bodens weit nachsteht, indem es seinen Werth nur im Augenblicke der Darstel⸗ lung selbst behauptet, dem ungeachtet aber mit jenen die sonstigen wesentlichen Eigenschaften eines Produkts ge— mein habe; die Eigenschaft nämlich, eines unserer Be⸗ dürfnisse, eine unserer Liebhabereien zu befriedigen, einer Schätzung fähig und verkäuflich zu seyn. Schauspieler treten zusammen, um uns das dahenen ihrer Arbeit und ihrer Talente zu zeigen; wir finden uns als Zuschauer ein, um ihnen fü diese 5 angenehme snrin eine Sum⸗ 2. +* EEeeee * 136 Vou den immateriellen Produkten. me zu geben, die selbst wieder aus Produktionen, an de⸗ nen wir oder die Unsrigen Theil genommen haben, ent— standen ist. Dieß ist ein Tausch gleich allen andern. Ob die Arbeit, der man die immateriellen Produkte verdankt, produktiv ist. Adam Smith und seine Schüler haben den immate— riellen Erzeugnissen und der Arbeit, durch die sie entste— hen, die produktive Eigenschaft streitig gemacht; sie be— rufen sich auf den Umstand, daß diese Produkte, die con— sumirt werden müßten, folglich keine Dauer haben, auch nicht aufgespart werden, demnach die Capitale der Ge— sellschaft nicht vermehren können. Dieser letztere Grund beruht auf einem Irrthum, wie sich später zeigen wird, wenn ich von der Bil 5991 unserer Capitale sprechen werde 4), Sind übrigens die Produkte, die sich nicht aufbe— wahren lassen, wie z. B. die Baumfrüchte, die man Meich⸗ wohl Produkte nennt, leichter aufzusparen? Ist endlich ein Werth, weil er consumirt werden, deswegen kein produzirter? Werden nicht die meisten der in Einem Jahre erzeugten Produkte in demselben Jahre wieder consumirt? Sagt man von einem Menschen, der von seinem Einkommen gelebt hat; er habe keines ge⸗ habt, weil ihm nichts davon geblieben ist? Es ist demnach klar, daß man nicht sagen kann, die producirten, verkauften und consumirten Dinge seyen, weil nichts mehr davon da ist, keine Produkte. ) Sind nicht die Wissenschaft und das Talent eines Arztes, eines Chirurgen, eines Professors erworbene Capitale, die ein Einkommen gewähren? Der mündliche Unterricht, den diese erhalten haben, stand auch mit keinem anderen mate— teriellen Produkte in Verbindung. Von den immateriellen Produkten. 137 Rulte was der Gesellschaft Nutzen gewährt, ist produktiv. Wenn man der Lehre von Adam Smith in diesem Punkte folgt, so ist man außer Stand, die Erscheinung der Produktion ganz zu umfassen. Diese Lehre setzt eine Menge Menschen, die für den Lohn, den sie erhalten, wirkliche Dienste leisten, in die Classe der unproduktiven Arbeiter, und betrachtet sie als eine Last für die Gesell— schaft. Der Soldat, der bereit ist, einen fremden An— griff zurückzuschlagen, und ihn auch wirklich mit eigener Lebensgefahr abwendet; der Staatsbeamte, der seine Zeit und seine Einsichten der Erhaltung des öffentlichen Ei⸗ genthums widmet; der Richter, der unpartheiische Be— schützer der Unschuld und des Rechts; der Lehrer, der seine mähevoll gesammelten Kenntnisse verbreitet, hundert andere Gewerbe, wozu die vornehmsten, die achtbarsten und rechtlichsten Menschen gehören, sind der Gesellschaft nicht minder nützlich, und befriedigen Bedürfnisse, die für die Nation eben so gebieterisch sind, als die Kleidung und das Obdach für den Einzelnen. Wenn einige von diesen Leistungen wegen zu gerin— ger Concurrenz über ihren wahren Werth bezählt wer— den, so sind dieß Mißbräuche, womit wir uns hier nicht befassen. Es giebt allerdings unproduktive Arbeiten; al⸗ lein diejenigen, zu deren Bezahlung man sich freiwillig versteht, und die den darauf gesetzten Preis selbst daun werth wären, wenn man ihn verweigern könnte, sind produktive Arbeiten, so kurz auch die Dauer ihrer Pro— dukte seyn mag. Nach den Ansichten derjenigen Schriftsteller, die keine immateriellen Produkte anerkennen wollen, sind die Künst— ler,‚, die ein Feuerwerk zubereiten, produktive Arbeiter, während die Schauspieler, die ein schönes Stück einstu⸗ diren, unproduktive Arbeiter sind. Wenn wir den in 138 Worin die Arbeiten beiden Fällen produzirten und consumirten Reichthum anders, als nach dem freiwillig dafür bezahlten Preise beurtheilen könnten, so müßten wir die Schauspieler, we⸗ gen des Talents, das ihre Kunst erfordert, der Dauer der Darstellung und der langen Erinnerung, die sie in uns zurückläßt, wegen der erhabenen und schönen Ideen, die sie in uns weckt, weit mehr als Produzenten anse⸗ hen, als die Künstler, die die Feuergarben, die Raketen und die Feuerräder gefertigt haben, die in Rauch aufge⸗ gangen sind. Wenn ich bei diesem Punkte verweilt habe, so ge⸗ schah es deßwegen, weil verdienst- und geistvolle Män⸗ ner, wie Herr Ricardo in England und Herr Sismondi in Frankreich die Ansichten von Adam Smith getheilt haben, und dadurch, wie ich glaube, verhindert worden sind, das Phänomen der Produktion und der Vertheilung der Reichthümer in der Gesellschaft richtig zu durch⸗ schauen und darzustellen. Alle Prinzipien bedingen und unterstützen sich gegenseitig. Man darf also nicht die Zeit und die Aufmerksamkeit bereuen, die man Betrach⸗ tungen widmet, die sehr einfach sind, und denjenigen, welche die darin enthaltenen Wahrheiten nicht ahnen, sogar überflüssig erscheinen möchten. Wir haben gesehen, was Produkte sind, kennen aber noch nicht die Mittel, wodurch dieselben hergestellt wer⸗ den. Davon soll in dem nächsten Kapitel die Rede seyn. Sech 5tes R udinl. Worin die Arbeiten der Industrie bestehen. Arbeit eines Industrie⸗Unternehmers. Um die Dinge, wie sie auch beschaffen seyn mögen, zur Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse geeignet zu machen, muß man die Absicht dazu haben, den Plan der Industrie bestehen. 1359 390 dazu entwerfen, und sofort an die Ausführung desselben „Pe denken. Wenn ich urtheile, daß ein auf ane gewisse ger Weise, aus gewissen Stoffen bearbeitetes Stück Zeug * zur Bekleidung von Männern oder Frauen werde dienen W, können, daß man den etins! Zeug zufolge seiner Nütz⸗ ust lichkeit eines Preises für würdig finden werde wenn Rn dieser Preis nach meiner Berechnung hinreichend ist, um s mich für meine Unkosten und Bemühungen zu entschädi⸗ gen, so versehe ich mich mit Allem, was zu dieser Pro⸗ i duktion nöthig ist, und schreite sofort zum Werke. Auf M. diese Weise kommt ein Industrie-Unternehmen zu Stande. H Leistung der Gelehrten. bchil Die Ausführung derselben erfordert das Zusammen— WI wirken mehrerer Leute und mehrerer Talente. Der Un⸗ Ilg ternehmer muß das Verfahren der Kunst, die er ausüben uhe will, studiren; und dieses Verfahren beruht auf wissen⸗ schaftlichen, höchst seltenen Kenntnissen. Soll Seide, 0 U. Wolle oder Baumwolle, aus der ein Zeug werden soll, Dnah die hierzu nöthige Zurichtung erhalten, so muß es Leute Ige, geben, die durch Erfahrungen und Studien erforscht ha— Iunh, ben, wie sich diese Stoffe verhalten, wenn man sie spinnt, webt oder färbt; es muß Jemand in der Mechanik so II bewandert gewesen seyn, daß er die Maschinen erfinden lt Het konnte, mittelst welcher man diese verschiedenen Arbeiten , verrichtet; der Gebrauch der Färbestoffe, der Beizen und Alles, was zum Färben und Zurichten der Zeuge dient, setzt Kenntnisse in der Chemie voraus. Diese Operatio— nen mögen nun einfach oder verwickelt seyn, so begreift 0 man, daß die Kunst auf Kenntnissen beruhe; diese Kenntnisse nenne ich eine Wissenschaft, so lange man sie h, an und für sich selbst betrachtet; eine praktische Wissen⸗ n schaft aber, sobald man zeigt oder lernt, welcher Ge⸗ un brauch davon zum Nutzen der Menschen zu machen ist. 140 Worin die Arbeiten Man wird sagen, all dies lernt man durch die Rou⸗ tine: ein Arbeiter oder selbst der Vorsteher einer Werk⸗ stätte brauchen keine Chemiker oder Mathematiker zu seyn, um einen Zeug zu verfertigen. Ich gebe dieß zu; allein wenn diese Kenntnisse nicht von irgend Jemand aufgefunden, oder in den Büchern der Gelehrten nieder⸗ gelegt worden wären, so hätten die Fabrikanten niemals davon Gebrauch machen können. Sie mögen immerhin nur denjenigen Theil der Wissenschaften inne haben, des⸗ sen sie durchaus bedürfen; so ist dieser Theil darum nicht weniger eine wissenschaftliche Kenntniß, und dieser Theil ist oft nur darum so weit ausgebildet, weil Chemiker, Physiker und Mathematiker das ganze System dieser Kenntnisse studirt, und die Verhältnisse jedes natürlichen Gesetzes zu den übrigen aufgefaßt haben. Die Wissenschaft, welche die Operationen der In⸗ dustrie leitet, ist also ein wesentlicher Theil der zur In— dustrie erforderlichen Fähigkeiten. Darum wird auch bei denjenigen Nationen, wo die Wissenschaften hintangesetzt sind, wenig Industrie wahrgenommen. Die Arbeiten der Gelehrten sind stets nothwendig. Es ist sogar wahrscheinlich, daß die Industrie da, wo die wissenschaftlichen Studien nicht länger blühen würden, bald in Verfall kommen müßte. Wir wollen einen Augenblick annehmen, die Gelehrten und die wis— senschaftlichen Bücher, die wir besitzen, würden plötzlich vernichtet, so würden sich zwar die Künste in den Werk— stätten durch ihre eigene Lebenskraft noch eine Zeitlang erhalten, allein bald in eine blinde Routine ausarten. In Ermanglung von gründlichen Theorieen würde man nach und nach die Gesetze der Natur verkennen; die Er— klärung der einfachsten Fälle aus dem Gedächtniß ver— lieren, ohne irgend ein Mittel, sie wieder zu finden; die der Industrie bestehen. 141 guten Methoden würden allmählig in den Händen der Unwissenheit ausarten, weil sie durch die wissenschaftli— chen Prinzipien, die ihnen zur Basis dienen, nicht mehr berichtigt würden. Von den Verfahrungsarten, die sich verloren haben. Dieß ist keine willkührliche Unterstellung. Gewisse Verfahrungsarten sind während der Barbarei des Mit— telalters verloren gegangen, und mußten von Neuem er⸗ funden werden. Es giebt sogar noch einige Ueberreste der alten Kunst, die jetzt noch bestehen, und von denen wir nicht wissen, wie man sie hat zu Stande bringen können; unvergänglicher Kitt, gewisse Frescomalereien, die man zu Theben in Egypten wieder gefunden hat, ohne daß sie in 3000 Jahren ihre frische Farbe verloren hätten; ungeheure Obelisken, aus Einem Stücke gehauen, transportirt und aufgerichtet, ohne daß man errathen konnte, wie dieß möglich war. Es würde uns jetzt nicht mehr gelingen, die feindlichen Schiffe mittelst eines Feuers, das unter dem Wasser brennt, zu verbrennen, wie man dieses mittelst des griechischen Feuers thun konnte; und ich zweifle sehr, ob es einer unserer Inge— nieure unternehmen möchte, eine Flotte, die den Hafen von Marseille oder Havre blockiren wollte, mit Spiegeln in Brand zu stecken, wie es Archimedes zu Syrakus ge⸗ than hat. Ich gebe zu, daß unsere wissenschaftlichen Entdeckun— gen so bedeutend, die Fortschritte unserer anderweitigen Künste so rasch gewesen sind, daß wir, ungeachtet eini— ger Verluste die Industrie der Alten sehr schnell und bei weitem übertroffen haben. Wenn die Erleuchtetsten unter diesen Alten, wenn ein Archimedes oder Plinius in einer unserer neueren Städte spazieren giengen, so würden sie sich von Wunderwerken umgeben glauben. Die Menge ——— 142 Worin die Arbeiten unserer Crystalle, die Größe und Manchfaltigkeit unse—⸗ rer Spiegel, unsere öffentlichen Uhren, die Verschieden⸗ heit unserer Zeuge, unsere eisernen Brücken, unsere Kriegs-⸗ Maschinen, unsere Seeschiffe, unser leuchtender Gas, kurz alle Dinge, wovon sie keine Idee haben konnten, müßten sie in Erstaunen setzen. Sie würden es gar nicht begreifen können, wie dergleichen möglich geworden ist, und wenn sie unsere Werkstätten beträten, so würde eine Menge von Kunstgriffen ihre Bewunderung in Anspruch nehmen. Mit dem Verfall der Wissenschaften müßte aber auch alles Uebrige in Verfall gerathen. Bald wür— den dieselben Bedürfnisse nicht mehr um denselben Preis befriedigt werden können. So manches Genußmittel würde allmählig bald der einen bald der andern Bürger— classe entzogen; eine Menge von Nützlichkeiten, durch de— ren gegenseitige Vertauschung das Leben des gesellschaft— lichen Körpers bedingt wird, würde nach und nach ver— schwinden, und die frühere Barbarei zurückkehren. Ansichten von Baco über die Nützlichkeit der Wissenschaften. Diese Wahrheit ist einem Baco, der sich rühmen kann, sie fast alle geahnet zu haben, nicht entgangen. Folgende Stelle aus dem novum organum scientiarum ist schön, und verdient hier angeführt zu werden. Es ist mir lieb, mich auf ein so pregnantes Zeugniß in Be— ziehung auf eine Meinung berufen zu können, die kei— ner von denen, welche sich mit der National-Oekonomie beschäftigt haben, vor mir ausgesprochen hat. Alle ha— ben die Gelehrten für unproduktive Arbeiter gehalten. „Es giebt, sagt Baco, dreierlei Arten und dreierlei Stufen des Ehrgeizes. Auf der ersten stehen diejenigen Menschen, die allein etwas gelten wollen. Dieß ist der gemeinste und der elendeste Ehrgeiz. Der zweite ist der der Industrie bestehen. 145 Ehrgeiz derjenigen Menschen, die ihrem Vaterlande die Herrschaft über das Menschengeschlecht verschaffen wol— len; dieser ist ohne Zweifel erhabener, allein nicht weni— ger ungerecht. Endlich ist derjenige, der die Herrschaft des Menschen über die Natur zu erweitern strebt(wenn dies anders ein Ehrgeiz ist), der vernünftigste und erha— benste von allen. Die Herrschaft des Menschen über die Dinge beruht aber einzig auf den Künsten und Wissen⸗ schaften, denn nur dadurch, daß man die Gesetze der Natur studirt, kann man Herr über die selbe werden.“ Auf diese Weise sind die Wissenschaften als die Grund— lage der industriellen Künste und der Reichthümer zu be— trachten. Die Geschichte zeigt uns kein unwissendes Volk, das reich und mit Allem gehörig versehen gewesen wäre. Hierzu ist zwar noch etwas Anderes, als Wissenschaft erforderlich, wie sich dieses sogleich zeigen wird, allein die Wissenschaft ist nothwendig und eine unerläßliche Be— dingung der Produktion der Reichthümer. Ein dunkles Gefühl sagt dieses einem jeden auch nur halb unterrich— teten Menschen; daher die Aufmunterung und der Schutz, die den Wissenschaften in jedem civilisirten Lande zu Theil werden; was aber nur gleichsam geahnet wurde, wird durch die Analyse vollständig bewiesen. Die Wissenschaft muß aber eine angewandte seyn. Die wissenschaftlichen Kenntnisse, sagte ich, genügen nicht. Die Nützlichkeit der Dinge entspringt auch in Wahrheit nicht einzig und allein aus den durch die Wis⸗ senschaften uns enthüllten Thatsachen und Gesetzen. In allen Vorträgen über Chemie und Physik macht man mit dem Sauerstoff, dem Magnetismus, der Elektricität, eine Menge sonderbarer Versuche, die aber für keinen Sous an Reichthum erzeugen. Es kann nur in so fern eine Nützlichkeit daraus erwachsen, wenn man zugleich ————T — ——— —+ 93 144 Worin die Arbeiten die Bedürfnisse des Menschen kennt, und diesen oder je⸗ nen Versuch, der bis dahin nur etwas Bemerkenswerthes war, zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse anzuwen⸗ den weiß. Als ein italienischer Naturforscher, Herr Volta, die nach ihm genannte merkwürdige Säule ent— deckte und erklärte, so war dieß eben nur ein interessan⸗ ter Versuch. Von Herrn Davy bei der Belegung der Schiffe in Anwendung gebracht, ist dieser höchst nützlich geworden, als ein Mittel zu Erhaltung der Kupferplat⸗ ten, womit man die Schiffe belegt. Man sieht, daß die Produktion nicht nur durch die Wissenschaft oder die Kenntnisse, sondern auch durch die Anwendung derselben auf die Bedürfnisse des Menschen bedingt ist. Ich weiß, daß man dem Eisen durch das Feuer und den Hammer jede beliebige Gestalt geben kann; dieß ist die Wissen⸗ schaft; welchen Nutzen kann ich aus diesen Kenntnissen ziehen, um ein Produkt zu erzeugen, dessen Nützlichkeit so groß ist, daß der Preis desselben hinreicht, mich für meine Auslagen und Bemühungen zu entschädigen? Dieß ist es, was die Kunst der Anwendung lehrt. 7 Die Anwendung ist das Geschäft des Unternehmers. Diese Anwendung erfordert einen gewissen Combina— tionsgeist; denn die Aufgabe ist, nicht nur die physischen Bedürfnisse des Menschen, sondern auch seine moralische Beschaffenheit, d. h. seine Sitten, seinen Geschmack, seine Gewohnheiten, die Stufe der Civilisation, auf der er steht, die Religion, zu der er sich bekennt, zu würdigen; denn alle diese Dinge haben Einfluß auf seine Bedürfnisse und folglich auf die Größes des Opfers, das er zu Befriedi⸗ gung derselben zu bringen bereit ist. Diese Kunst der Anwendung aber, durch welche die Produktion so wesentlich bedingt wird, ist das Geschäft einer Classe von Menschen, die wir Industrie-Unter⸗ ——— der Industrie bestehen. 145 4 nehmer nennen. Ein Uhrmacher ist ein Industrie-Un⸗ ithes ternehmer, der eingesehen hat, daß die Menschen zufolge W⸗ unserer bürgerlichen Lebensart, wo die Arbeit, das Essen, Hetr das Vergnügen nach der Tageszeit eingetheilt wird, in t unserem Clima und unserem Lande der Uhren bedür⸗ an⸗ fen, oder daß die etwa schon vorhandenen doch nicht det mehr hinreichen, weil die Bevölkerung zahlreicher oder h wohlhabender geworden ist; er hat sich die zu Ausübung lat seiner Kunst nothwendigen Kenntnisse verschafft, alle Mit— die tel zur Ausführung zusammengebracht, und die nützlichen die Produkte, die wir Uhren nennen, gemacht oder machen elhen lassen. beiß, Die Ausführung ist die Aufgabe der arbeitenden mer Classe. 0 Ein Industrie-Unternehmer kann nicht allein alle die feit Operationen einer zuweilen sehr verwickelten Kunst in fü Ausführung bringen, die häufig den Beistand vieler Hände und einer praktischen nur durch langjährige Ue⸗ bung zu erwerbenden Fertigkeit erfordert. Dieß ist die Aufgabe des schlichten Arbeiters. Der Unternehmer macht jert. sich die erhabensten und gemeinsten Fähigkeiten der Men⸗ n schen zu Nutzen, er Zieht die Gelehrten zu Rath, und 16 unterweist hiernach die Arbeiter. sche Man unterscheidet zwei Classen von Arbeitern. seine Die Geschäfte des Arbeiters bestehen entweder in dem ieht, einfachen Gebrauche seiner Muskelkräfte oder in jener denn Kraftänstrengung, die durch Intelligenz und durch Fer⸗ und tigkeit, die eine Folge der Uebung ist, geleitet und seine ledl⸗ Geschicklichkeit oder sein Talent genannt wird. Dieses Talent zeigt sich aber nicht bei den Verrichtungen des e die gewöhnlichen Arbeiters, der zu seinen Leistungen nur der chäft Kraft bedarf, der z. B. eine Kurbel zu drehen, oder den utet⸗ Schubkarren zu führen hat, es zeigt sich nur bei denje— Say prakt. National⸗Oekonomie I. 10 T, IIIIss‚‚‚‚e.— ————.— —. —————* — —= ———— *— V 146 Worin die Arbeiten nigen Arbeiten, die einige Berechnungen erfordern, wie z. B. die des Maurers und Schreiners; in einigen Kün⸗ sten, wo eine vollendete Gewandtheit und sogar Vorstu— dien nöthig sind, wie z. B. bei der Kunst des Bildners — und Druckers*), spielt das Talent eine sehr große Rolle. Indessen ist das Geschäft, auch des verständigsten Hand— arbeiters, sehr wesentlich von dem des Gelehrten und dem des Unternehmers verschieden. Der intelligente Ar— beiter erhebt sich, der Gelehrte läßt sich zuweilen zu den Verrichtungen des Unternehmers herab; sie verbinden dann mit ihrer gewöhnlichen Beschäftigung praktische Zwecke, die von ihren früheren Combinationen verschie— den sind. Es* mögen indeß die Industrie-Operationen durch denselben Menschen ausgeführt werden, oder unter mehreren Individuen vertheilt seyn, so kann man drei Classen derselben unterscheiden: die Forschungen des Gelehrten, die Anwendung des Unternehmers, die Ausführung des Handarbeiters. Es giebt kein Produkt, in welchem sich nicht die Spuren dieser drei Arten von Arbeiten nachweisen lassen. Es giebt kein Produkt, worin sich nicht die Spuren dieser drei Leistungsarten nachweisen lassen. Irgend eine Frucht scheint einzig das Erzeugniß des Bodens zu seyn; allein eine gewisse Schönheit, ein gewisser Geschmack wird ihr nur durch die Sorgfalt des Landwirths zu Theil, und in dieser Sorgfalt finden sich die Spuren der drei Operationen, von denen die Rede ist. Ein Landbau-Un⸗ ternehmer hat gewisse Combinationen vornehmen müßen, * Der Buchdrucker muß wenigstens die Anfangsgründe der Grammatik wissen, und die Eintheilung der Seiten erfordert gewisse Combinationen, deren nicht Jeder fähig ist. der Industrie bestehen. 147 wie um die zu Hervorbringung irgend eines Produkts noth⸗ Run⸗ wendigen Mittel herbeizuschaffen, er mußte den Preis st⸗ dieser Mittel mit dem Vortheil, den er aus dem Pro— lers dukt ziehen konnte, vergleichen; ferner von dem land—⸗ lle. wirthschaftlichen Verfahren Kenntniß nehmen, mittelst nd⸗ dessen er seinen Zweck erreichen kann, und endlich mußte Ind er zur Ausführung schreiten. Dieß sind die drei Opera— N: tionen, worin die Industrie besteht. den Ein Faß Kaffee war das Ergebniß einer Industrie— den Unternehmung in dem Lande, wo diese Pflanze gebaut wird, ssche und noch ferner das Ergebniß einer anderen oder vielleicht hik⸗ mehrerer anderer Industrie-Unternehmungen, um nach Nen Europa gebracht zu werden. Denn der Handelsmann, der nter sie in Arabien oder auf den Antillen einkaufen ließ, mußte Ri Kenntnisse in der Geographie und dem Handel besitzen; eben so können die Rheder und die Schiffbauer, endlich die Matrosen, die Gehülfen, die Lastträger, die bei die⸗ sen verschiedenen Unternehmungen mitgewirkt haben, als die Arbeiter betrachtet werden, durch deren Zusammen-⸗ wirkung das Unternehmen ausgeführt worden ist. die sen Dieselben Operationen finden bei allen Graden der Civilisation statt. en In den verschiedenen Culturgraden der Gesellschaft ine wird man dieselben Operationen nur in gröberer Form u; und auf andere Bedürfnisse gerichtet, wieder finden. Be⸗ ack sitzt nicht der nomadische Tartar, der mit seinem Zelt und zl, seinen Heerden herumzieht, hinreichende Kenntnisse in rei der Thierarzneikunst, nach denen er seine Kameele, seine n⸗ Pferde und seine Schaafe zu behandeln weiß? Er hat , selbst einige naturhistorische Kenntnisse, da er die Be⸗ schaffenheit der Waidplätze und ihre Lage angeben kann. der Er hat sogar geographische und astronomische Kenntnisse, dat die ihm auf seinen Wanderungen zum Leitstern dienen. 10* RWSR——— 148 Worin die Arbeiten Alle diese Kenntnisse benutzt er, um seinen Stamm zu führen und seinen Reichthum zu vermehren. Er ist sogar Fabrikant, weil er den Stoff zu seinen Zelten, sei— ner Kleidung und seinen Fuhrwerken, das Geschirr sei— ner Last- und Zugthiere, selbst Käse und gegohrne Ge— tränke macht oder machen läßt. Sind endlich seine Dienstboten und Gehülfen nicht eben so viele Handarbeiter, die das, was das Oberhaupt des Stammes angiebt, der nach der Sitte des Landes einen Industrie-Unternehmer vorstellt, unter seiner Lei— tung, so gut sie es verstehen, verrichten. Selbst unter den Wilden giebt es einige Künste, welche dieselben Operationen erfordern. Sie haben Waf— fen, Netze zum Fischfangen, Zierrathen, die einige Kennt— nisse von den Eigenschaften der Körper und den Gesetzen der Physik voraussetzen. Sie mußten diese Kenntnisse auf ihre Bedürfnisse anwenden und sie zeigen dabei eine praktische Gewandtheit, welche die Reisenden oftmals in Verwunderung setzt. In der Verfolgung ihrer Beute verrathen sie zuweilen eine außerordentliche Intelligenz. Büffon hätte von ihnen über den Instinkt der Thiere Manches lernen können. Sie machen sich lustig über die Europäer, die in dichten Wäldern oder bei trübem Wetter zuweilen weder die Tagesstunde noch die Lage der vier Weltgegenden wissen. Der Anblick eines Baum— stammes und der darauf befindlichen Flechten zeigt ihnen sogleich die Lage von Süden oder Osten, und dient ihnen zum Wegweiser. Im Punkt der wissenschaftlichen Kenntnisse begrün— det nur das Mehr oder Weniger unter den Menschen eine Verschiedenheit. Der Unwissendste ist weniger ge— lehrt, als ein Anderer, und wenn wir das, was uns in fast allen Fächern zu lernen übrig bleibt, in Erwägung ziehen, so müssen wir gestehen, daß der Gelehrteste unter der Industrie bestehen. 149 uns eben nur der am wenigsten unwissende ist. Es giebt wohl kein Mitglied der Akademie der Wissenschaften, das nicht von einem ungebildeten Hirten irgend etwas Nütz— liches lernen könnte. Mittelst dieser Zergliederung der Industrie-Verrich— tungen begreifen wir besser, was diesem oder jenem Volke, diesem oder jenem Individuum noch abgeht, um Meister in der Industrie zu seyn. Das Wort Arbeit genügt nicht, um alle Ope ratio⸗ nen der Industrie auszudrücken. Adam Smith begreift unter dem Namen vou Arbeit alle diejenigen Operationen, woraus die Industrie be— steht, von denen einige rein geistiger und ganz erhabener Art sind; dieses Wort dürfte aber nicht hinreichen, um so verschiedene Verrichtungen zu bezeichnen, und ich be—⸗ bemerke dieß nur zum Vortheil derjenigen, die diesen Schriftsteller studiren möchten. Sie sollen wissen, daß er ohne Unterschied das Wort Arbeit gebraucht, wenn er von den so eben auseinander gesetzten Operationen spricht. Was uns betrifft, so werden wir, um eine größere Klar⸗ heit über den fraglichen Gegenstand zu verbreiten, und um den Sinn jedes Worts genau zu bestimmen, den Namen Arbeit auf eine zu demselben Zweck fortge— setzte Bewegung beschränken. Eine und dieselbe Person kann verschiedene Indu⸗ strie-Operationen ausführen. Wenn ich die Operationen der Industrie gewisser⸗ maßen zerlege und die verschiedenen Classen der Gesell⸗ schaft, die sich damit beschäftigen, bezeichne, so will ich nicht behaupten, daß sie nothwendig durch verschiedene Personen ausgeführt werden müssen. Ein Mensch kann zu verschiedenen Classen gehören. Wenn ein Landbauer Versuche mit der Einpfropfung der Bäume macht, um .———— ———.—.— * 4 V ö 4 —— — 150 Worin die Arbeiten bessere Früchte zu erzielen, so stellt er Untersuchungen an, wodurch er seine Kenntnisse, seine Wissenschaft bereichern wird; er sucht dieselben für die Menschen nützlich zu machen und führt dann seine eigenen Gedanken selbst aus. Er ist in Beziehung auf dieses besondere Produkt ein Gelehrter, ein Unternehmer und ein Handarbeiter. Dasselbe gilt von einem Färber, der ehemische Ver— suche macht, oder die schon erworbenen Kenntnisse benutzt, um durch Mischungen lebhaftere und dauerhaftere Far— ben zu erhalten oder der seinen Brennstoff auf eine sin— nige Weise verwendet, um Wärme zu ersparen. An dem Leser ist es, die bezeichneten produktiven Operationen in jedem besonderen Falle ausfindig zu ma— chen. Das wesentlichste ist, zu wissen, worin die Indu— strie⸗Arbeiten bestehen, d. h. diejenigen Verrichtungen, wo sich Verbesserungen anbringen lassen. Der Unternehmer spielt die Hauptrolle bei der Produktion. Ich muß bemerken, daß der Industrie-Unternehmer die Hauptrolle bei der Produktion spielt. Die änderen Operationen sind zu Erzeugung der Produkte allerdings unentbehrlich; der Unternehmer ist es aber, der dieselben einleitet, ihnen die rechte Richtung giebt und Werthe daraus erzielt. Er ist es, der die Bedürfnisse und vor— züglich die zu Befriedigung derselben dienlichen Mittel beurtheilt und den Zweck mit diesen Mitteln vergleicht. Ein richtiges Urtheil ist daher bei ihm die Hauptsache. Er für seine Person kann der Wissenschaft entbehren, in— dem er von den Kenntnissen der übrigen einen verstän— digen Gebrauch macht; er braucht nicht selbst Hand ans Werk zu legen, indem er sich der Hände Anderer bedient; allein ein richtiges Urtheil darf ihm nicht fehlen, sonst könnte er mit großen Kosten etwas zu Tage fördern, was der Industrie bestehen. 151 gar keinen Werth hätte. Dieser Mißbrauch ist es, der den Einzelnen unausbleiblich zu Grunde richtet und dem Wohlstand des Landes Eintrag thut. Die Urtheilskraft ist die nützlichste Eigenschaft. Auch wird durch Alles, was dazu dient, das Urtheil zu berichtigen und wahre Begriffe von jeder Sache zu geben, die Produkcion der Reichthümer befördert; wäh— rend dagegen Alles, was die Begriffe verfälscht, das Ur— theil besticht und diese oder jene Wirkungen Ursachen zu— schreiben lehrt, die nicht die ächten sind, der Produktion hinderlich, folglich dem Wohlstand der Nationen nach— theilig ist. Das richtige Urtheil ist das Ergebniß eines verbrei⸗ teten Wissens. Dies lehrt uns, was unter den Vortheilen des Wis⸗— sens zu verstehen sey. Das Wissen eines Volks ist nicht das Wissen einer Akademie. In allen Ländern ist die Mehrzahl der Menschen dazu bestimmt, von vielen Din— gen nichts zu wissen; und dies ist auch kein Unglück, denn wenn man auch nur das, was gelernt zu werden ver⸗ dient, sich ins Gedächtniß prägen wollte, so müßte man sein ganzes Daseyn darauf verwenden und es würde uns weder die Zeit noch die Kraft zu jenem thätigen Leben bleiben, das so noth thut, wenn man seine Bedürfnisse befriedi⸗ gen will. Was der Eine nicht weiß, weiß der Andere. Man kann die eigenen Kenntnisse durch die der anderen ergänzen; allein das Wissen, das durch nichts zu ersetzen ist, wornach wir trachten müssen, und das sich auch Je⸗ dermann erwerben kann, besteht darin, daß man richtige Begriffe von denjenigen Dingen habe, womit man sich zu beschäftigen hat. Falsche Begriffe sind ein wahres Uebel, weil sie zu falschen Maßregeln verleiten. Oft . 0 j—ͤ... ——— ——— 152 Worin die Arbeiten führt man auf dem Lande kranke Thiere vor die Kirch⸗ thüren, wenn Messe gelesen wird; dadurch wird das Ue— bel nur vergrößert werden. Man würde besser daran thun, die Grundsätze der Thier-Arzneikunst zu studiren. Man zieht einen Zauberkalender zu Rath, um zu erfah— ren, ob man sich zur Ader lassen soll; es wäre weit bes⸗ ser, mäßiger zu leben, und sich Gesundheitsregeln nach richtigen Beobachtungen zu bilden. Ich habe einmal einen Backofen im Abstreich auf— führen lassen. Kaum war er fertig, so brach er ein; der Ofenbauer glaubte, an diesem Unfalle sey die Unterlas⸗ sung gewisser abergläubischer Gebräuche schuld. Er be— gann sein Werk von Neuem, ohne diese Ceremonien da— bei zu vergessen. Kaum war der Ofen fertig, so fiel er wieder zusammen und der Maurer war im Verlust; er würde weit besser gethan haben, wenn er die Fehler in seiner Bauart verbessert hätte. Ich habe schon in meiner Darstellung der National— Oekonomie bemerkt, daß die wissenschaftlichen Kenntnisse leichter von einem Lande in das andere gelangen, als die Eigenschaften, die einen guten Unternehmer bilden. Diese Eigenschaften sind gleichsam mehr persönlicher Art und gehen weniger leicht von einem Individuum auf das an— dere über. Ein Mensch von gesundem Urtheil würde dieses einem andern, der daran Mangel leidet, nicht ge⸗ ben können, während sich das Wissen allerdings mitthei— len läßt. Die Unternehmer halten gerne ihre Verfah— rungs⸗Arten geheim; die Gelehrten sind freisinniger und theilen das, was sie wissen, gerne mit; die Einsichten, die sie durch ihre Vorlesungen und ihre Bücher verbrei— ten, verhelfen ihnen zum Reichthume und zum Ruhme; so pflanzen sich die wissenschaftlichen Kenntnisse von ei— nem Lande in das andere fort; allein anders verhält es sich mit den Talenten des Industrie-Unternehmers. der Industrie bestehen. 15³3 Kuc Das Industrie-Vermögen ist je nach den Menschen ue⸗ und den Orten verschieden. nran Je weniger die Menschen unterrichtet sind, desto lien. mehr hängen sie an hergebrachten Verfahrungsarten, so fah⸗ albern diese auch seyn mögen. Ein Grundbesitzer, der be⸗ die Wechselwirthschaft versteht, bringt seine Pächter nicht rach leicht dahin, die Brache aufzuheben und ihren Viehstand zu vermehren. In jedem Lande, selbst in jeder Provinz auf⸗ giebt es National-Vorurtheile, die den Fortschritten der der Industrie zuweilen förderlich, zuweilen hinderlich sind. Alas⸗ Die Bewohner des einen Orts sind arbeitsscheu und be: träg; anderswo sind sie lebhaft und thätig. Ein deut⸗ ds⸗ scher oder englischer Arbeiter lebt ganz seinem Geschäfte; Her nichts kann ihn davon abwendig machen, er leidet es kr nicht, daß der Gegenstand, den er bearbeitet, in einem in unvollkommenen Zustande aus seinen Händen komme. In Frankreich dagegen ist er nur zu oft leichtsinnig und hal⸗ bekümmert sich wenig um die Vollkommenheit; er liebt nisse die Zerstreuung, er lacht, er singt; allein die Munterkeit die ist noch nicht Glückseligkeit, noch weniger Wohlstand. se Es giebt andere Länder, wo eine unheilbare Faulheit den und Fortschritten der Industrie sehr hinderlich ist. Ein spa⸗ an⸗ nischer Handwerker geht lieber schlecht gekleidet und lei— irde det eher Hunger, als daß er sich zu irgend einer Arbeit ge⸗ bequeme. hei⸗ ah⸗ Obiges Talent läßt sich erwerben. und Die Erfahrung der Jahrhunderte lehrt uns indeß, a, daß eine Nation die zur Industrie erforderlichen Eigen— li⸗ schaften, freilich nur langsam, erwerben und verlieren kann. he; Die alten Gallier und die alten Germanen waren in der ei Industrie weit zurück; ihre Nachfolger, die Franzosen hält und die Deutschen haben dagegen große Fortschritte darin gemacht. Die Engländer, die noch weiter vorgerückt 154 Worin die Arbeiten. sind, wußten fast von keiner Kunst und bezogen noch vor Ee weniger als drei Jahrhunderten alle ihre Zeuge und sch Stahlwaaren aus der Fremde. Dies kann die Nationen, die in den Künsten noch weit zurück sind zu Hoffnungen bll berechtigen. Dieselben Operationen finden auch bei den imma⸗ teriellen Produktionen statt. In obigem haben wir alle diejenigen Operationen aufgeführt, die bei der Erzeugung der materiellen Pro— dukte vorkommen. Ganz ähnliche Operationen finden wir auch bei der Erzeugung der immateriellen Produkte. Ein Arzt, der sich die nöthigen Kenntnisse in der Ana⸗ f tomie, der Physiologie und der Pathologie erworben hat, ö glaubt, die Besorgung der Kranken werde ihn für seine be Ausgaben und seine Bemühungen entschädigen. Er macht 0 sich daher zum Unternehmer von Heilungen. Hiebei ist 0 eine Arbeit, wie die der Handwerker nur wenig bemerk— lich; wenn indeß der Arzt einen Verband, die Anlegung von Blutegeln oder andere Mittel verordnet, wozu nur eine gewisse Handfertigkeit gehört, so verrichten diejeni— gen, die sich diesem Geschäft unterziehen, eine Arbeit, b6 die der Arbeit der Handwerker entspricht. Wenn man durch die Kenntniß der Gesetze und des Di gesetzlichen Verfahrens denjenigen Individuen nützlich werden zu können glaubt, welche Interessen zu verfechten bat aber selbst nicht die Einsichten, die Muße oder die nö— the thige Erfahrung haben, um sie mit Erfolg vertheidigen Int zu koenen; so studirt man das Recht, man wird Sach— 1 walter, und wendet sofort diesen Zweig der Wissenschaft; auf die Bedürfnisse der übrigen Menschen an; die Dienste die man leistet, sind ein immaterielles Produkt, das sei— 0 nen Preis hat und der Gegenstand eines Tausches wird. hat den der Industrie bestehen. 155 00 en Es ist stets eine Anwendung der Kenntnisse des Men— und schen auf dessen Bedürfnisse. lanen, Das bis jetzt Gesagte findet seine Anwendung auf ungen alle Zweige der Industrie und es bleibt uns jetzt nur noch übrig, diese kennen zu lernen. um a⸗ n Siebentes Kapitel. Pro⸗ Unterscheidung der Industrie-Zweige. fhder Wir haben gesehen, daß die Erzielung der materiel— dult, len Produkte darin besteht, daß man die Stoffe, wie Me⸗ sie uns die Natur in einem gewissen Zustand darbietet, hat, in einen andern Zustand versetzt, wo dieselben einen grö seine ßeren Werth haben, was durch Vermittlung der Industrie saht geschieht. Es giebt also nur eine einzige Industrie, wenn man ei ist ihren Zweck und ihre Resultate im Allgemeinen betrachtet: metk⸗ es giebt aber täusend verschiedene Industriearten, wenn egung man die Verschiedenheit ihres Verfahrens und der zu miꝛ bearbeitenden Stoffe ins Auge faßt. Mit andern Wor— ejeniz ten: es giebt nur eine einzige Industrie, aber eine Menge cheit, verschiedener Künste. des Die Industrie-Arbeiten zerfallen in drei Klassen. lhlich Um die Industrie-Thätigkeit desto besser zu studiren, ichten hat man die Operationen derselben in gewisse Klassen ge— ud⸗ theilt, und alle diejenigen, die irgend eine Aehnlichkeit digen unter sich haben, zu einer Gruppe vereinigt. So hat Zach⸗ man diejenige Industrie, die ihre Produkte der Natur chaft abgewinnt, man mag nun durch die Bestellung der Erde jenste Antheil an der Erzeugung derselben genommen haben, 5 sii⸗ oder nicht, Landbau-Industrie genannt; dagegen I hat diejenige Industrie, die ihre Produkte aus den Hän⸗ den des ersten Erzeugers bezieht und irgend eine Ver— * ö2W——— 156 Unterscheidung der Industrie-Zweige. wandlung, sey es durch ein chemisches oder mechanisches Verfahren mit denselben vornimmt, den Namen Fabrik⸗ oder Manufaktur-Industrie erhalten; endlich ist man übereingekommen, diejenige, die die Pro— dukte an dem einen Ort einkauft, um sie an einen an— deren Ort zu schaffen, wo sie einen höheren Werth ha— ben, Handels-Industrie oder schlechthin Handel zu nennen. Unsere Eintheilungen sind willkührlich. Man wird sehen, daß durch diese Eintheilung das Zurückgehen auf die Ursachen, so wie die Voraussicht der Resultate erleichtert wird; man darf jedoch nicht verges— sen, daß sie willkührlich und blos um unserer Bequem— lichkeit willen, eingeführt sey. Wenn man die Dinge, die Thatsachen und die Gesetze sowohl der moralischen, als der physischen Welt studirt, so bemerkt man, daß sie es eher darauf angelegt habe, die Klassenunterschiede zu verwischen als stark auszudrücken. In der National— Oekonomie ordnen wir die Dinge nach ihrer Natur, ihren Verrichtungen und ihren Eigenschaften; wir ersetzen zu— weilen eine weniger gute Eintheilung durch eine bessere, gleich den Naturforschern, die, nachdem sie lange Zeit die Thiere nach der Zahl ihrer Füße eingetheilt haben, es viel bequemer fanden, das Daseyn oder den Mangel von Wirbelbeinen als Kennzeichen der Klasse zu gebrau— chen. Sie haben die Zahl der Thiere, welche die Natur hervorbringt, nicht vermehrt; sondern dieselben nur besser geordnet und besser studirt. Eben so ist es Naturgesetz, daß die politischen Vereine aus verschiedenen Organen bestehen, viele Bedürfnisse haben und über gewisse Mit— tel zu deren Befriedigung verfügen; unsere Aufgabe ist es nun, alle diese Dinge zu studiren und zu diesem Be— huf solche Stück für Stück in die beste Ordnung zu stel⸗ U we alle mit 3u nen Bod des tigen des um ihm Unterscheidung der Industrie-Zweige. 1 57 Hisches len, ohne zu vergessen, daß die Natur der Dinge, die briE mit unsern Studien ihr Spiel treibt, alles durch einan— udlich der zu werfen scheint; die verschiedenen Weisen, wie die Pro⸗ Dinge modifizirt und für unseren Gebrauch zugerichtet wer— an⸗ den können, verschmelzen sich durch unmerkliche Schat⸗ ha— tirungen in einander. Der Landbauer ist Fabrikant, ndel wenn er seine Trauben preßt, um Wein daraus zu be— reiten; der Gärtner ist Handelsmann, wenn er seinen Salat auf den Markt trägt. Jede Haushaltung hat ein Grundstück an ihrem Gemüsland und eine Werkstätte an doö ihrer Küche, weil in dem einen Gemüse gepflanzt in dem ht der andern zubereitet wird. Hundert Büreaux der Statistik Hges wären nicht im Stande, das Detail aller der Verwand—⸗ uem⸗ lungen aufzuzeichnen, die in einem Lande wie Frankreich sig vorgehen und keine Tabelle wird je alle die Werthver— hen, größerungen fassen, die aus diesen Verwandlungen ent— se stehen. de zu Arbeiten, die zur Landbau⸗Industrie gezählt ional⸗ werden. hnn Ist man über diesen Punkt im Reinen, so ist noch 1700 weiter zu bemerken, daß man zu der Landbau— ⸗Industrie str alle die Arbeiten zählt, die zum Zweck haben, ohne Ver— art mittlung aus den Händen der Natur sämmtliche Stoffe ben, zu ziehen, die zu Befriedigung unserer Bedürfnisse die, angel nen können, selbst diejenigen, die ohne einen Anbau des au⸗ Bodens gewonnen werden; daher gehören die Arbeiten ur des Jägers, des Fischers, welche sich der Thiere bemäch⸗ eser tigen, an deren Zucht sie keinen Autheil haben; ferner eseh, des Bergmanns der in den Eingeweiden der Erde gräbt, anen um Mineralien zu Tage zu fördern, die sich lange vor Mit⸗ ihm daselbst befanden. ist M⸗ stel —— —... ———⸗—— ——— ——————— —— — ——— ——— 158 Unterscheidung der Industrie-Zweige. Arbeiten, die zu der Manufaktur-Industrie gezählt werden. Eben so kann man zu der Manufaktur-Indu— strie alle die Arbeiten zählen, die sich mit einem gekauf— ten Stoffe beschäftigen, selbst wenn man ihn zu seiner eigenen Consumtion oder derjenigen seiner Familie ver— arbeitet. Eine Hausfrau, die Wolle spinnt, und für sich oder ihre Kinder Strümpfe strickt, treibt eine Manufa k— tur⸗Industrie. Alle weiblichen Geschäfte, die in dem Innern der Haushaltungen verrichtet werden, sind Ma— nufaktur-Arbeiten. Noch mehr sind es diejenigen, die in den Buden, und zum Zweck des Verkaufs statt finden. Ein Schneider ist ein Manufakturist, weil dieselben Stof— fe, wenn sie zugeschnitten und zu Kleidungsstücken zu⸗ sammengenäht sind, einen etwas größeren Werth haben, als früher. Ein Schlosser, ein Buchbinder sind Manu— fakturisten, ein Bäcker, ein Pastetenmacher, ein Gast— wirth, sind es ebenfalls, weil sie Nahrungsstoffe einkau— fen, sie durch irgend eine Zubereitung für uns brauchbar machen, und hiedurch ihren Werth vermehren. In einer etwas gewerbsamen Stadt werden in jedem Stocke eines jeden Hauses Manufakturarbeiten verrich— tet. Hier macht man Knöpfe, dort Dosen; an dem ei—⸗ nen Ort macht man Gelenke zu der inneren Kette der Uhren; an einem andern näht man Handschuhe oder faßt Schuhe ein. Bei einem Parfümeur blättert man Rosen ab, bei einem Apotheker stoßt man Arzneien, bei einem Optikus schleift man Augengläser. Alle diese Ar— beiten gehören in dieselbe Klasse; sie mögen nun im Großen in einer geräumigen Werkstätte, wo zwei- oder dreihundert Arbeiter angestellt sind, oder im Kleinen an einem Feuerheerde getrieben werden. trie Indu⸗ hekauf⸗ seinet ie ver⸗ h sich nufa E dem ; Ma⸗ die in finden. Stof— n zu⸗ aben, Lanu⸗ Gast⸗ nkau⸗ uchbar jedem errich⸗ m ei⸗ te der oder man „bei e M⸗ nim oder n an Unterscheidung der Industrie⸗Zweige. 159 Arbeiten, die in der Handels-Industrie begriffen sind. Wir werden endlich zu der Handels-In dustrie alle diejenigen Arbeiten zählen, die den Wieder⸗Verkauf des Eingekauften zum Zweck haben, ohne daß mit der Waare irgend eine wesentliche Veränderung vorgenommen worden ist, außer der Verstättung und Zerlegung dersel— ben, damit der Consument so viel er deren bedarf, an dem für ihn bequemsten Orte sich verschaffen kann. Also nicht blos der Handelsherr, der durch seine Schiffe Kaf— fee aus Amerika bringen läßt, auch der Spezereihändler, der ihn pfundweise verkauft, treibt Handel. Dieser fin⸗ det in großen Comptoirs und in kleinen Buden statt. Alle diejenigen, welche die Fabrik-Produkte im Großen einkaufen, um sie wieder im Kleinen zu verkaufen, trei⸗ ben Handel. Dasselbe gilt von der Obsthändlerin, die von den Landleuten Butter oder Gemüse kauft, und wie— der verkauft; von den Wasserträgern oder von den Leuten, die auf der Straße Reißigbüschel ausrufen. Man verachte keinen dieser verschiedenen Industriezweige; denn ich sage noch einmal, es herrscht die größte Aehnlichkeit unter ihnen, und nur darum, weil man diese Aehnlich⸗ keit nicht zugeben will, bekommt man so irrige Begriffe von der Industrie der Völker. Man meint, eine Nation habe keine Manufaktur— Industrie, wenn beif ihr keine unermeßlichen Werkstätten zu sehen sind; man glaubt, sie treiben keinen Handel, wenn sie nicht mit ihren Schiffen das Meer bedeckt. Man wird sich aber im Gegentheil überzeugen können, daß auch bei den industridͤsesten Völkern die großen Werk— stätten und zahlreiche Schiffe nur den geringsten Theil ihrer Manufakturen und ihres Handels bilden. 160 Unterscheidung der Industrie⸗Zweige. Von den nicht vollendeten Produkten. Ich habe schon bemerkt, daß eine Sache ein Pro— dukt ist, noch ehe sie alle Eigenschaften, die sie consumti— bel machen, besitzt. Die Eisenstangen, die ein Hammer— werk liefert, ob sie gleich in diesem Zustande noch kein Bedürfniß befriedigen können, sind Produkte, denn sie werden von vielen Handwerkern bei ihrem Gewerbe ge— braucht. Die Werkzeuge, deren sich die Handwerker be— dienen, sind Produkte, durch die hinwiederum andere ge— macht werden. Das Getreide selbst, ein in unsern Län— dern so wichtiges Produkt, hat nur eine noch nicht vol— lendete Nützlichkeit, weil, wenn es zu unserer Nahrung vollkommen tauglich werden soll, noch zwei Operationen damit vorgenommen werden müssen(nemlich die des Müllers und die des Bäckers). Sonach ist eine Sache, wenn sie auch noch nicht in dem Grade bearbeitet ist, daß sie zu Befriedigung der Bedürfnisse oder der Liebhabereien der Menschen dient, gleichwohl ein Produkt, zufolge der Veränderungen, die bereits mit ihr vorgenommen worden sind. Ob einige Industrie-Zweige einen Vorzug vor den andern haben. Man hat viel über die Vorzüglichkeit der verschie— denen Industrie-Zweige, in so fern sie Produktionsmittel sind, gestritten. So lang man nur Gold und Silber für Reichthümer hielt, haben nur die Bergwerke, aus denen die edlen Metalle gewonnen werden, als Quellen der Reichthümer gegolten. In diesem Sinne hat man von Amerika gesagt, es habe die Reichthümer der Welt um das Zehnfache vermehrt. Von dieser Zeit an suchten die Länder, die selbst kein Bergwerk hatten, den Ertrag der Bergwerke größtentheils an sich zu ziehen, indem sie so viel wie möglich von ihren Produkten an andere Na— F——————— Deee——=:22 Unterscheidung der Industrie-⸗Zweige. 161 ö tionen verkauften, dagegen so wenig wie möglich von Hro⸗ ihnen einkauften. Nach den Anhängern dieses Systems, nti⸗ das man das ausschließende System oder das Sy⸗ ler⸗ stem der Handelsbalanze nennt, kann nur der ein Handel und zwar nur der Händel mit dem Ausland sie den Reichthum eines Landes, das keine Bergwerke hat, ge⸗ vermehren. 11½ 56 be⸗ Wir sind über die Natur der Reichthümer und die ge⸗ ö Erzeugung der Werthe schon genugsam im Reinen, um die al⸗ Unhaltbarkeit dieses Systems einzusehen. Wir wissen, hol⸗ daß der Werth, der außer den edlen Metallen noch gar ung vielen Dingen beiwohnt, sich ganz wie derjenige verhält, onen der in dem Gold und Silber liegt, weil man durch ihn des mittelst des Tausches alle die Dinge erwerben kann, die sich mittelst der edlen Metalle erwerben lassen; wir wis⸗ icht sen ferner, daß dieser Werth, worin unser Eigenthum, der unser Reichthum besteht, das Resultat der Operationen nt, der Landbau-Manufaktur- und Handels-Industrie seyn die kann. α9t Da wo von dem Verfahren der verschiedenen Indu⸗ strieF-Arten die Rede seyn wird, werden wir sehen, wel⸗ den che Systeme man zu verschiedenen Zeiten aufgestellt hat, um zu beweisen, bald, daß das Gold und Silber, bald hie⸗ die Erzeugnisse des Bodens die einzigen Reichthümer ittel seyen. Die Einen haben behauptet, der Handel bestehe lber nur in dem Austausch der erzeugten Reichthümer und aus producire an sich selbst nichts; die Anderen dagegen Hlen meinten, die Nationen könnten nur durch den Handel nan reich werden. Alle diese Systeme werden allmählig und Lelt zwar in dem Maß zusammenfallen, in welchen wir die hen verschiedenen Theile der National-Dekonomie im Einzel⸗ trag nen untersuchen werden. 5 u sie M⸗ Say prakt. National⸗Oekonomie I. 11 — 2 162 Von den Werkz. der Indust. im Allgem. Achtes Kapitel. Von den Werkzeugen der Industrie im Allgemeinen und von den Produktiv⸗Fonds. Bis jetzt haben wir zu erforschen gesucht, was die Produkte der Industrie eigentlich sind und wie diese zu Standen kommen. Um in dieser Beziehung weiter zu schreiten, müssen wir uns mit den Werkzeugen, welche die Industrie anwenden muß, bekannt machen. Von den Werkzeugen der In dustrie im Allgemeinen. Die einfachste Industrie, die des Wilden kann der Werkzeuge nicht entbehren; der Wilde besitzt doch einige Waffen, um die Thiere, die er verzehrt, zu erlegen; er hat Netze, um Fische zu fangen, Werkzeuge, um eine Hütte aufzurichten oder die Stoffe zu bereiten, womit er einige Theile seines Körpers bedeckt. In dem Stande der Civilisation, wo das Eigenthum gesichert und die Produktion unermeßlich ist, sind die Werkzeuge der In— dustrie weit zählreicher und mannigfaltiger. Von den Werkzeugen, die eine Gabe der Natur sind. Von diesen Werkzeugen sind die einen Schätze, wel— che die Natur zur Verfügung des Menschen gestellt hat, ohne daß er für den Nutzen, den er daraus zieht, etwas geben muß. Sie ist es, die ihm Wasserstraßen auf dem Ocean dffnet und Winde zuführt, die seine Schiffe trei— ben. Sie ist es, die ihm die Sonnenhitze giebt, wodurch seine Pflanzungen zur Reife gelangen. Sie ist es, die für ihn jene Schwerkraft bereitet hat, welche auf die meisten Körper und selbst auf die Atmosphäre drückt, und ihm dadurch ein mächtiges Agens zum Behuf der 2—— ‚meinen was die diese zu eitet zu welche Meinei. ann det einse gen; er im eine mit er Stande and die der In⸗ Natur e, wel⸗ llt hat, etwas uf dem fe trei⸗ podurch 6, die uf die drückt, huf der und von den Produktiv⸗Fonds. 163 Künste giebt, dasjenige nemlich, das auf den e der Dampfmaschine wirkt.*) Der Mensch ist allerdings genöthigt, kunstliche Mit⸗ tel, Maschinen zu verfertigen, mittelst deren er diese na⸗ türlichen Werkzeuge benutzt; allein die künstlichen Mittel reichen für die Arbeit nicht aus, und der Dienst, den die natürlichen Werkzeuge leisten, ist es, den der Mensch zu seinem Nutzen verwendet. Der Blasebalg eines Ham— merwerks, er mag nun durch die Hand oder durch eine künstliche Maschine in Bewegung gesetzt werden, ist kein geschenktes Werkzeug; allein die Luft, die er aus der Atmosphäre schöpft und auf das Feuer ausgießt, ist ein geschenkter Brennstoff. Die Macht der Naturkräfte äu⸗ ßert sich auch in der Gährung der Flüssigkeiten, in der Bleichung der Leinwand, wobei die Industrie zum Theil auf einer gegebenen Naturwirkung beruht. Da die Naturkräfte Jedem, der dieselben benutzen will, zu Gebot stehen, da der Gebrauch, den ein Mensch davon macht, einen andern Menschen nicht hindert, auch davon Gebrauch zu machen, und sie kein ausschließendes Eigenthum sind, so wollen wir sie natürliche nicht ange⸗ eignete Werkzeuge, das heißt solche nennen, die kein Ei⸗ genthum geworden sind. ö Von den natürlichen aber angeeigneten Werk⸗ zeugen. Dies sind übrigens nicht die einzigen Werkzeuge, die die Natur dem gewerbfleißigen Menschen umsonst giebt. Sie giebt ihm auch die Produktivkraft des anbaufähigen Bodens; sie giebt ihm Bergwerke, die Metalle, Mar⸗ mor, gemeine oder edle Steine, und unermeßliche Vor- ) Die natürlichen Werkzeuge stehen eben so gut zur Verfü⸗ gung des Wilden als des eivilisirten Menschen; allein der erstere weiß dieselben nicht zu gebrauchen. 11 164 Von den Werkz. der Indust. im Allgem. räthe von Steinkohlen enthalten. Allein diese gleich den vorhergehenden von der Natur gegebenen Werkzeugen, konnten ein Eigenthum werden. Gewisse Menschen ha— ben sich derselben mit Ausschluß aller übrigen bemäch— tigt, und dieses Eigenthum ist von allen anerkannt wor— den. Ohne hier zu untersuchen, mit welchem Rechte diese natürlichen Werkzeuge Eigenthum geworden sind, wollen wir dieselben natürliche aber angeeignete Werk— zeuge nennen und blos bemerken, daß, wenn alle von der Natur verliehenen Werkzeuge sämmtlich Eigenthum geworden wären, dieselben nicht unbezahlt benutzt werden könnten. Derjenige, der Herr über die Winde wäre, würde uns den Gebrauch derselben nur gegen Bezahlung gestatten; die Seefahrten würden kostspieliger, die Pro⸗ dukte folglich theurer werden. Ich habe auch bereits andererseits bemerkt, daß wenn die natürlichen Werkzeuge, die ein Eigenthum wer— den können, wie z. B. die Grundstücke, ein solches nicht geworden waren, niemand wagen würde, dieselben zu be⸗ nutzen, aus Furcht, für seine Arbeit nicht belohnt zu werden. Wir würden um keinen Preis die Produkte er— halten, die auf den Grundstücken erzielt werden, was einer außerordentlichen Theurung gleich käme. So ist, obgleich der Ertrag eines Feldes durch den Pachtzins, der dem Eigenthümer bezahlt werden muß, vertheuert wird, dieser Ertrag doch weniger theuer, als wenn das Feld kein Eigenthum wäre. Von den Capitalen. Andere Werkzeuge sind dagegen nicht das Werk der ö Natur, sie sind die Frucht einer vorausgegangenen Indu-— strie; sie sind Pro dukte gleich dem Getreide des Land— wirths, wie die Färbestoffe, die Baumwolle, die uns der Handel liefert, wie die Handwerkszeuge, die Maschinen — — 9 gem, Heich deh ctzeugen, hen ha⸗ hemach⸗ ut wot⸗ t dite wollen Verk⸗ Me bon enthum Werden wänn, Nahlung eMo⸗ daß ber⸗ nicht u be- nt zu se er⸗ was o sst zins, euett Feld k der indu⸗ and⸗ 5 der hihen und von den Produktiv⸗Fonds. 165 und die Gebäude, die erbaut, und die Thiere, die durch die Sorgfalt des Menschen erzogen worden sind. Wir wollen diese Werkzeuge, oder wenigstens diejenigen, die zu einer Industrie-Unternehmung dienen, ein Capital, und den ganzen Werth, den sie haben können, Capital— werth nennen. Wir bemerken, daß diese Capitalwerthe ein Eigen— thum sind; denn man besitzt sie nur in sofern, als man sie mittelst seiner Industrie erschafft oder andere Werthe erzeugt hat, mittelst derer man sie hat kaufen können. Es ist aber auch wieder ein großer Vortheil, daß ein Capital ein ausschließendes Eigenthum ist; denn sonst würde sich niemand die Mühe geben, Capitale aufzuhäu⸗ fen, und dieses für die Industrie so nothwendige Werk⸗ zeug würde fehlen. Wenn auch ein Industrie-Unterneh⸗ mer demjenigen, der ihm ein Capital leiht, einen Zins bezahlt, und der Consument diesen Vorschuß ersetzen muß, so kommt das von dem Unternehmer erzielte Produkt doch nicht so theuer zu stehen, als wenn das Capital nicht das ausschließende Eigenthum von irgend jemand wäre; denn in dem entgegengesetzten Fall würde, da man das Werk— zeug nicht gehabt hätte, die Produktion nicht stattgefun— den haben; und ich wiederhole, kein Produkt ist theurer, als dasjenige, das um keinen Preis zu haben ist. Nichts zeigt besser den Vortheil der Ordnung und der Gesetze so wie den Unsinn aller der Systeme, die entweder auf einer das Eigenthum nicht achtenden Ge— walt oder auf einer das Eigenthum nicht achtenden Gü— ter-Gemeinschaft beruhen. Von den Ländereien. Unter den natürlichen und angeeigneten Werkzeugen ist der anbaufähige Boden das Wichtigste; unter einer größern oder kleinern Menge von Eig enthümern vertheilt, * ᷣDEIIHAHMHGIiii 166 Von den Werkz. der Indust. im Allgem. bildet er die sogenannten Ländereien oder das Grund-Eigen⸗ thum. Wenn sich auf einem Grundstücke Gebäude, Scheu— nen, Stallungen, Verzäunungen, mit Einem Wort Me— liorationen befinden, so sind diese durch die Industrie er— zeugte Dinge mit dem natürlichen angeeigneten Fonds in Verbindung gebracht, bilden aber zugleich einen Ca— pitalfonds. Beide Fonds, obgleich verschiedenen Ur— sprungs, gehören in der Regel demselben Eigenthümer, der hierdurch zugleich Grund-Eigenthümer und Ca⸗ pitalist ist. Was das Geschirr, das Ackergeräthe, das Vieh und andere bewegliche Gegenstände betrifft, die zu einem Landbau-Unternehmen dienen, so ist dieser Theil des Ca-⸗ pitals zuweilen das Eigenthum des Grundbesitzers, zu— weilen ein Theil des Capitals des Unternehmers, d. h. des Pächters. ö Manche, in dem Vorurtheil befangen) daß nur eine Summe Geldes ein Capital sey, werden nicht begreifen, warum ich diesen Namen von den Gebäuden, Maschin en, rohen Stoffen und dem zum Betrieb nöthigen Vieh ge— brauche. Ich behalte mir vor, ihnen dieß in einem eigenen Kapitel, wo von der Natur und der Verwendung der Capitale die Rede seyn wird, begreiflich zu machen; allein schon jetzt können sie einsehen, daß ein Werth, welche Verwandlung man auch mittelst des Tausches mit ihm vornehmen mag, doch derselbe bleiben kann, daß folglich ein Capitalwerth, der gestern in 20 Säcken Sil—⸗ bers bestand, heute in einem Hause, in Geräthschaften, in Waaren bestehen kann. Dieß ist der Grund, warum ich einen solchen Werth, sobald er in Dingen bestelt, die zu einer produktiven Operation dienen, ein Capital nen⸗ ne; diese Dinge mögen seyn, welche sie wollen. ———— emm und von den Produktiv-Fonds. 167 deEhef; Wie sich die Industrie und ihre Werkzeuge mitein⸗ ander vereinigen. Scheu⸗ Die Industrie vermag nichts ohne ihre Werkzeuge; At Me⸗ und diese würden hinwiederum zu nichts dienen, wenn staie er⸗ sie nicht durch die Industrie in Wirksamkeit gesetzt wür— Fonds den. Verlieren nun diese beiden Produktionsmittel ihre nen Ca⸗ ganze Kraft, wenn der Zufall sie 3 in denselben Hän⸗ enen Ur⸗ den vereinigt? athümer, Mit nichten: ein Eidde Eigenttamer, er mag nun und Ca⸗ Greis, Weib oder ein Kind seyn oder sein Gut nicht selbst bauen, verpachtet dasselbe. Vih und Der Besitzer eines Capitals, dem es an Talent, zu ehen Thätigkeit, mit Einem Wort, an Industrie fehlt, leiht es aus. des Cg⸗ Ein Mensch aber, der nichts hat, als seine Indu⸗ kis, z⸗ strie, pachtet ein Stück Land oder entlehnt ein Capital 5, U. und so geschieht es, daß die Werkzeuge, deren die Industrie zu ihrem Zwecke bedarf, in die Hände von dieser kommen. Ein Mensch, der gleich dem schlichten Handarbeiter l eihe ö ö nicht die volle Fähigkeit zu Erzeugung eines Produkts 90c hat, stelt solche zur Verfügung eines anderen Menschen, 1 der die Fähigkeit besitzt, diese verschiedenen Produktions— in mittel zu vereinigen und als Pächter, Landwirth, Manu⸗ 111 fakturist, Handelsmann sie zu einem gemeinschaftlichen 11 Zweck, zu Erzeugung dieses oder jenes Produkts zu ver⸗ chen; wenden; immer lassen sich die Produktionsmittel vereini⸗ detth, gen, wenn auch die Besitzer derselben einander nichts usche⸗ angehen. +E Dem Grund⸗ Eigenthümer, der sein Gut nicht selbst bauen will, kommt gleichwohl die dem Boden innwoh— asten⸗ nende Produktivkraft zu statten, mittelst des Pachtzin⸗ Wn, ses, den er daraus zieht; I Der Besitzer eines Capitals(den man darum einen Capitalisten nennen kann) leiht sein Capital aus und zieht daraus einen Zins; 168 Von den Werkz. der Indust. im Allgem. Der Arbeiter, der seine persönlichen Fähigkeiten ver— miethet, zieht daraus einen Lohn. Wenn sich auf einer kleinen Bodenfläche viele Capitalwerthe befinden(wie in dem Fall, wenn ein unbewegliches Eigenthum vorzüglich in Häusern, Werkstätten, Magazinen und nicht in an⸗ baufähigem Boden besteht,) so heißt der Miethzins nicht mehr Pachtzins, sondern schlechthin Miethzins. Der Unternehmer bringt die Arbeiten mit den Werkzeugen in Verbin dung. Indessen ist die Erzeugung irgend eines Produkts ein einziger Gedanke, nach welchem sich zahlreiche Mit— tel zu einem einzigen Zwecke vereinigen. Dieser Gedanke entsteht auch gewöhnlich nur in einem einzigen Kopfe, nämlich dem des Unternehmers und er ist es, der die erforderlichen Mittel herbeischafft; er macht sogar den Willen des Menschen seinem Zwecke dienstbar, d. h. den Willen der Arbeiter, die er anstellt, den Willen der Dar⸗ leiher, die ihm ihr Geld anvertrauen; und obgleich diese Leute den Plan des Unternehmens nicht entworfen ha⸗ ben, und es auch nicht leiten, so ist ihre Mitwirkung darum nicht. weniger unentbehrlich. Der Unternehmer ist gendthigt, solche anzusprechen und zu bezahlen; der Arbeiter, der Capitalist bringen Opfer, um zu der Pro⸗ duktion beizutragen und auf diesen Grund hin nehmen sie an dem produzirten Werthe Theil. Der Besitzer von Industrie⸗Fähigkeiten bringt seine Zeit und seine Arbeit zum Opfer; der Grund⸗ Eigenthümer könnte aus seinem Boden einen. Lustpark machen, er widmet ihn aber der Cultur; eben so überläßt der Capitalist, der, wenn er wollte, sein Vermögen verschwenden könnte, dasselbe zu einem nützlichen Zwecke. —————— — .ee·:·· oM. 4 und von den Produktiv⸗Fonds. 169 V 5 en gen Alle Arbeiter und alle Eigenthümer von Werkzeu⸗ luf einer gen sind Produzenten. Wie ö n Zufolge dieser Einwilligung verdienen alle Besitzer 61 von Produktivfonds den Namen, Produzenten; der Ei— 115 genthümer einer Länderei produzirt mittelbär durch Hülfe der Produktiv-Eigenschaft seines Bodens; der Besitzer eines Capitals produzirt mittelst seines Capitals und ebenso der Unternehmer mittelst seiner Industrie-Fähig— it den keiten. Man wird sich also nicht wundern, wenn ich die Grund-Eigenthümer und Capitalisten in die Classe der bdultz Produzenten stelle. Ich suche bei dieser Gelegenheit wie e Mi⸗ immer mich mit Bestimmtheit auszudrücken, um nicht mißverstanden zu werden. „ 210 Wenn ich aber den Besitzer, eines zur Produktion 90 verwendeten Grundstücks einen Produzenten nenne, so 810 verweigere ich diesen Namen dem Besitzer eines nicht u angebäuten Bodens; der Besitzer eines zur Produktion Ou verwendeten Capitals ist für mich ein Produzent, 0 selbst dann, wenn er letzteres nicht selbst umtreibt; nicht 11 so der Besitzer eines müßigen Capitals ½. Ickung Ein und derselbe Mensch⸗ kann in verschiedener hmer ů Hinsicht produziren. der Ob wir gleich, um unsere Begriffe zu entwirren und Pro⸗ festzustellen, den Grund-Eigenthümer von den Capitali⸗ hmen sten und den anderen Industrie-Männern unterschieden von—— Ibeit 10 Jedem steht es frei, den Eigenthümer eines Grundstücks nem oder eines Capitals Pr oduzent zu nennen oder nicht; da man sie aber von den Besitzern eines nicht angebauten der Bodens oder eines todten Capitals unterscheiden muß, so i er wolle der Leser einen Ausdruck genehmigen, der, wie man steht, wohl begründet ist. Wer den hier dem Wort Pro⸗ duzent beigelegten Sinn nicht gehörig erfaßt hat, wird mehrere in diesem Werke vorkommende Erklärungen nicht verstehen. ——————————————77 2.—— 170 Von den Werkz. der Indust. im Allgem. haben, so begreift man doch leicht, daß dieselben Perso— nen diese verschiedenen Charaktere in sich vereinigen kön⸗ nen. Nichts hindert, daß ein Capitalist ein Gewerbe treibe, daß ein Gewerbsmann zugleich Capitale und Län⸗ dereien habe, die er vermiethet, und daß endlich derselbe Mensch diese verschiedenen Charaktere in sich vereinige, deren einer schon ihn zum Produzenten macht. Der Eigenthümer eines Küchengartens, den er selbst bebaut, besitzt das Grundstück, das Capital und die In⸗ dustrie⸗Fähigkeiten und benützt alle diese Fonds zugleich. Er ist Produzent auf verschiedene Weise. Der Scheerenschleifer, der ein Gewerbe treibt, wozu kein Grundstück erforderlich ist, ist zugleich ein Unterneh— mer, weil er auf eigene Rechnung arbeitet; Capitalist, weil sein Schubkarren und sein Schleifstein ihm gehören und Handarbeiter weil er die Arbeiten, die sein Ge— werbe mit sich bringt, selbst verrichtet. Der Unternehmer ist beinahe immer Capitalist. Ein Unternehmer ist selten so arm, daß nicht wenig— stens ein Theil seines Capitals sein Eigenthum ist. Der Handwerker selbst, der in der Regel nur einen sehr ge— ringen Antheil an der Produktion nimmt, liefert einen Theil des dazu erforderlichen Capitals. Ein Maurerge— selle hat immer seine Kelle; ein Schneidergeselle seine Nadel und seinen Fingerhut. Alle sind mehr oder we— niger gut gekleidet. Ihr Lohn muß zwar zu Unterhal— tung ihrer Kleidung hinreichen; allein die erste Anschaf— fung derselben ist nicht weniger ein Kapital, das sie vor— schießen. Von der Produktion, wobei die Industrie und das ö Capital hinreichen. Wenn der Grundstock das Eigenthum von Nieman— den ist, wie die Meere, wo die Industrie Fische, Perlen, ——————— m. und von den Produktib⸗Fonds. 171¹ Perso⸗ 1.— Corallen ꝛc. zu gewinnen sucht, da sind die Industrie sewerbe und Capitale hinreichend, um Produkte zu erhalten. Whan⸗ Derselbe Fall tritt ein, wenn die Industrie mit den slbe Produkten eines sremden Grundstocks, die man durch une Capitale sich verschaffen kann, betrieben wird, wie z. B. bei der Bereitung der Baumwollenzeuge und vieler an— derer Dinge. So liefert jeder Manufakturzweig Pro⸗ de Ir dukte, wenn nur Industrie und Capitale vorhanden 14- sind; Grund und Boden ist nicht durchaus nothwendig, uuglig. wenn man anders nicht diesen Namen dem Platze geben will, worauf sich die Werkstätten befinden, was aller— 5 dings strenggenommen richtig ist. Wenn man aber den 2 Platz, wo die Industrie getrieben wird, ein Grundstück 10 nennt, so wird man wenigstens zugeben, daß man auf 930 einer sehr kleinen Fläche, eine sehr bedeutende Industrie treiben kann, wenn man nur ein großes Capital hat. talif. Die Industrie einer Nation ist eben nicht so be⸗ unnh⸗ schränkt, wie ihr Gebiet. st. De Man hat hieraus den Schluß gezogen, daß die In— scht ge dustrie einer Nation nicht durch den Umfang ihres Ge— I eien biets, sondern durch die Größe ihrer Capitale beschränkt sey. ameg Ein Strumpf-Fabrikant kann z. B. mit einem Capi⸗ le see tal von 10,000 Franken zehn Arbeiter unaufhörlich mit dder ve⸗ Fertigung von Strümpfen beschäftigen. Beträgt sein Uunihh 40j900 Franken, so kann er 20 Werkstühle in Jusha Thätigkeit setzen; d. h. er kann 10 Werkstühle weiter an⸗ s hu⸗ schaffen, 1269 doppelten Miethlohn geben, die doppel⸗ te Quantität Seide oder Baumwolle zur Verarbeitung aufbringen und die Vorschüsse machen, die der Unterhalt dae einer doppelt so großen Zahl von Arbeitern erfordert ꝛe. Derjenige Theil der Landbau-Industrle aber, der sich lieman⸗ mit der Cultur des Bodens beschäftigt, ist nothwendig Helen durch die Ausdehnung des Gebiets beschränkt. Die In⸗ ———————————————————ff———: ↄ———*— 172 Von den Werkz. der Judust. im Allgem. dividuen und Nationen können ihr Gebiet weder größer noch fruchtbarer machen, als die Natur gewollt hat; allein sie können unaufhörlich ihre Capitale vermehren, folglich ihre Manufaktur- und Handels-Industrie fast bis in's Unendliche ausdehnen und hierdurch Produkte, die ebenfalls Reichthümer sind, vervielfältigen. Es giebt Völker, deren Boden nicht den zehnten Theil der nothwendigen Nahrungsmittel hervorbringt und die dessen ungeachtet im Ueberfluß leben. So ist es mit den Bewohnern von Genf. In den unfruchtba— ren Thälern des Jura, in der Nähe von Neuschatel, ist großer Wohlstand, weil man daselbst mehrere mechanische Künste treibt. Im 15. Jahrhundert wurde die Republik Venedig, die noch keinen Fußbreit Landes in Italien hatte, durch ihren Handel reich genug, um Dalmatien, die meisten griechischen Inseln und Constantinopel er— obern zu können. Der Umfang und die Fruchtbarkeit des Gebiets einer Nation sind durch eine günstige Lage, ihre Industrie und ihre Capitale dagegen durch die Art ihres Benehmens bedingt, was ich zu beweisen mich an— heischig mache. Es steht immer in ihrer Macht, die eine auszubilden, die anderen zu vermehren. Von den Fonds und dem Einkommen einer Nation. Ich habe so eben die Fonds, d. h. die Stammgüter bezeichnet, aus denen alle die Produkte, wovon die Ge— sellschaft lebt, hervorgehen. Diese Güter sind unter den verschiedenen Individuen, die zusammen eine Nation bilden, sehr ungleich vertheilt. In denselben besteht das Vermögen der Einzelnen, und alle Privatgüter zusammen genommen, bilden das National-Vermögen oder den Na— tional-Reichthum. Die Produkte, die aus diesen Gütern entspringen, —— ——— . und von den Produktiv⸗Fonds. 173 1— bilden das Einkommen der Einzelnen, und alle diese Ein— hat, kommen zusammen das National-Einkommen. nehrrn, Als Hauptsätze bitte ich zu merken, daß der allge— fie fus meine Fonds, woraus alle Reichthümer einer Nation wlukte, entspringen, in den Fonds der Industrie-Fähigkeiten Ichuten und Hbuigt in den Fonds der Industrie-Werkzeuge Eo is zerfällt. fuchtha⸗ Der Fonds der Industrie⸗Fähigkeiten, den wir kurz hatel, s den Industrie-Fonds nennen wollen, umfaßt die In⸗ chanisch dustrie-Fähigkeiten oder die Geschicklichkeit, Produkte zu Nepiblt erzeugen. Jene finden sich 181 Inlien in den Gelehrten oder den Inhabern nützlicher natien, Kenntnisse; ll er⸗ in den Industrie-Unternehmern, die sich mit harkeit der Anwendung der Produktionsmittel auf die Befriedi— Nge, gung der menschlichen Bedürfnisse beschäftigen; Ne Mit und in den Handarbeitern und anderen Gehül⸗ uch an⸗ fen, die unter der Leitung der Unternehmer von ihren , de Industrie⸗Fähigkeiten Gebrauch machen. Der Fonds der Industrie-Werkzeuge zerfällt in nicht angeeignete Werkzeuge und in angeeignete Werkzeuge, die sich hinwiederum in ation, natüͤrliche angeeignete Werkzeuge igüte und in Capitale Ge⸗ theilen. dn Alle diese Fonds oder Stammgüter verdienen produk— dation tid genannt zu werden, weil sie zur Erzeugung von Pro— das dukten beitragen. Alle machen einen Theil des Vermö— nmen gens ihrer Inhaber; nur die natürlichen nicht angeeig— M⸗ neten Werkzeuge sind kein Eigenthum; allein die Pro— dukte, die daraus entspringen oder wenigstens diejenigen ingen, von ihnen, die man ihrer Mitwirkung zu verdanken hat, —— —— —————— S —————— ———— . 174 Von den Werkz. der Indust. im Allgem. bilden, wie wir später sehen werden, einen Theil des gesellschaftlichen Reichthums*). Alle übrigen Produktiv⸗Fonds sind ein Eigenthum. Die Industrie⸗Fähigkeiten gehören dem Individuum, das damit ausgestattet ist; nur der Zustand der Sklave— rei, wo man nicht Herr über seine Kräfte und seine Ta⸗ lente ist, macht hievon eine Ausnahme. Die natürlichen, angeeigneten Werkzeuge, wie die Ländereien, die Gewässer sind ein Eigenthum derjenigen, die durch die Gesetze und durch die allgemeine Beistim-⸗ mung als Eigenthümer derselben anerkannt sind. Endlich sind die Capitale, als das Werk einer frühe— ren Industrie, das Eigenthum der ersten Erwerber oder desjenigen, der sie von diesen wieder erworben hat. Wir sind reich an Stammgütern, je werthvoller die⸗ jenigen sind, die wir besitzen, je mehr wir Capitalwerthe, Ländereien oder Industrie-Fähigkeiten haben. Die Ca— pitale, die Ländereien können nach dem Preise, den man im Fall des Verkaufs daraus lösen würde, geschätzt wer⸗ den. Was die unveräußerlichen Industrie-Fähigkeiten betrifft, so können sie keinen laufenden Preis haben, sie lassen sich aber nach dem Miethlohn, den sie abwerfen, *) Da die natürlichen, nicht angeeigneten Werkzeuge, wie die Sonnenhitze, die Kraft des Windes nicht bezahlt werden, folglich auch keinem Besitzer ein Einkommen gewähren, so haben die meisten Oekonomisten dieselben nicht als produktiv betrach— tet. Sie haben ohne Zweifel übersehen, daß der Consument um Alles das reicher ist, was er weniger für den Genuß eines Produkts bezahlt und daß das, was man nicht auf die Erzeugung eines Produkts verwenden darf, was folglich der Consument nicht zu ersetzen hat, ein Gewinn für ihn, d. h. für die Gesellschaft ist, die aus S und nur durch die Consumtion besteht. m. Heil des i idaum, Sklove⸗ ine Do⸗ wie die snigen, Beistim⸗ frühe⸗ er oder el die⸗ ekthe, Ca⸗ en man 61 wel⸗ gkeiten I, sie berfen, wie die werden, so haben betrach⸗ nsument Genuß icht auf folglich für ihn, und nur und von den Produktib⸗-Fonds. 175 und dem Einkommen, das man daraus ziehen kann, sch ätzen. Tafel zur Uebersicht der Elemente des National⸗ Reichthums. Diese Benennung ist von Wichtigkeit und giebt uns den Schlüssel zur Erklärung vieler dkonomischer Erschei— nungen; darum habe ich eine Tafel gefertigt, wo jeder Ausdruck genau bestimmt ist. Aus dieser Tafel kann man sich über die eigentliche Bedeutung jedes wissen— schaftlichen Ausdrucks belehren, wenn man dieselbe in den folgenden weitläufigen Erörterungen aus dem Ge— dächtniß verlieren sollte). Ich habe bemerkt, daß der endlose Streit, der bisweilen über Gegenstände der Na— tional-Oekonomie, z. B. über die Natur der Werthe ent— steht, stets daher rührt, daß man über die einfachsten Begriffe nicht im Reinen ist. Diesem Uebelstand wird durch diese Tabelle abgeholfen werden. Ich habe die Nothwendigkeit einer solchen Tafel zufolge sehr langer Erörterungen gefühlt, die zwischen David Ricardo und mir theils mündlich theils schriftlich statt fanden, nach— dem er in seinem Werke von der National-Oekono⸗-⸗ mie und den Auflagen eine Definition getadelt hat, die ich dem Wort Werth gab. Dieselben Erörterungen, die mich nöthigten, die ersten Grundsätze von Neuem zu be⸗ arbeiten, haben mich in den Stand gesetzt, dieselben mit mehr Klarheit darzustellen, als es vielleicht jemals gesche⸗ hen ist. ——— *————.—.———————*———————— 176 Von den Werkz. der Indust. im Allgem. ꝛc. Tafel zur Uebersicht der Stamm güter oder der Produk⸗ tiv-Fonds einer Nation. Der Indu⸗/Gelehrten oder Inhaber der striefonds, nützlichen Kenntnisse, bestehend in Industrie⸗-Unternehmer, den Indust.⸗) nemlich Landbauer, Manufak— Fähigkeiten turisten oder Handelsleute, od. wenn man/ Handarbeiter oder andern will d. Fähig⸗ Gehülfen. keit der wie das Meer, die Atmosphäre, die Sonnenhitze, sämmtl. Naturge⸗ setze, die den Men⸗ schen zu Gebot stehen. geeigne⸗ te Werk⸗ zeuge, * * terscheiden der Indu⸗ striewerk⸗/ zeuge, wel⸗Werkzeu⸗ cher zerfällt ge u. zwar: Angeeig⸗natürl. Werk⸗ Uzeu ge, die ein Eigenthum sind wie die anbaufä⸗ hige Erde, die Ge⸗ wässer, die Minen. In dem Grund-Vermögen der Industrie ist zu un⸗ Capitale, die in Produkten, den Früchten einer frü⸗ heren Industrie be— stehen. Neuntes Rapit el. Von dem Austausch der Produktionskosten gegen Produkte und von den Fortschritten der Industrie. Von den Produktiv⸗Diensten. Die Produktiv-Fonds tragen auf eine ihnen eigen— thümliche Weise zu der Erzielung von Produkten bei. em.—— 6 Von d. Aust. d. Produktionsk. geg. Prod. ꝛ7c. 177 Der Industrie-Fonds, der, wie wir wissen, aus den ——* EEE —.EE//—— Hrodtn persönlichen Fähigkeiten der Arbeiter besteht, tritt in die Erscheinung, wird thätig, sobald der gewerbfleißige ö haber der Mensch arbeitet. Alsdann werden seine Kräfte, seine 7 ehnet, Talente in Thätigkeit gesetzt und bringen ein Produkt Nanuft zu Stande.* leut, Anlangend die Wirkung, die Arbeit der Industrie⸗ 36 Werkzeuge, so ist sie, obgleich weniger auffallend, darum ö nicht weniger vorhanden. Man läßt ein Capital arbei⸗ eer, die ten, wenn man es zu produktiven Operationen verwen⸗ r di det; und wenn es nicht arbeitet, wenn es müßig bleibt, Range so trägt es nichts zur Produktion bei; es producirt nichts. den Men⸗ Gilt nicht genau dasselbe von einem Länderei-Fonds? Gebot Wenn man ihn arbeiten läßt, so producirt er; wenn er müßig bleibt, so producirt er nicht; er ist ein Brachfeld. etk Es giebt also bei der Produktion einen durch die e ein Industrie geleisteten Dienst: die Arbeit des Menschen; im sind einen durch das Capital geleisteten Dienst: die Ar⸗ anc beit, die man diesem Werkzeug auflegt; I endlich einen durch den Länderei-Fonds geleisteten ö Dienst: die Arbeit des Bodens. die in Wir wollen diese Leistungen Produktiv-Dienste 19—— nennen, weil man es ihnen zu danken hat, daß aus ei—⸗ stribe⸗ nem Produktiv-Fonds ein Produkt hervorgeht und sie in Industrie-Dienste, Capital-Dienste und Boden-Dienste 0 eintheilen. losn Von dem Verkauf und dem Kauf der Produktiv⸗ Wtzn Dienste. Ich habe gesagt, daß die Produktiv-Fonds sich er⸗ borgen lassen. Man wird einsehen, daß einen Produk— an eigte⸗ tio⸗Fonds in die Miethe geben oder den Dienst eines bi. Produktiv⸗Fonds verkäufen, dasselbe ist. Say prakt. National⸗Oekonomie I. 12 178 Von d. Aust. d. Produktionsk. geg. Produkte Wenn ich ein Landgut in Pacht gebe, so verkaufe ich den Produktib-Dienst, den dieses Gut während der ganzen Pachtzeit leisten kann, an einen Pächter. Wenn ich einen Taglöhner anstelle, so verkauft er mir nicht den Fonds seiner Industrie⸗Fähigkeiten; er verkauft mir nur die Dienste, die seine Geschicklichkeit während einer Ta— geszeit leisten kann.) Dieß ist unter dem Kauf und dem Verkauf der Pro-⸗ duktiv⸗Dienste zu verstehen. Gewöhnlich ist es ein In— dustrie-Unternehmer, der Produktiv-Dienste kauft, er kauft Dienste, wie er rohe Stoffe kauft,*) er bringt alles dies mit einander in Berührung und in Fluß, wenn ich so sagen darf; und aus dieser Operation gehen Pro⸗ dukte hervor, die man hernach an die Consumenten ver— kauft. Dies hindert aber nicht, daß in vielen Fällen die Consumenten Dienste kaufen, und sie unmittelbar zu ih— rem Gebrauch consumiren. Derjenige, der sich den Bart abnehmen läßt, kauft den Dienst des Bartscheerers und consumirt solchen an dem Ort selbst und in dem Augen— blick, wo er ihn kauft. Wir werden in dem Maß als wir weiter kommen, sehen, daß es kein Gewerbe in der Gesellschaft giebt, das nicht in dem großen Gebiete der National-Oekonomie seine Stelle findet. „ Selbst derjenige, der einen Sklaven kauft, kauft nicht den ganzen Fonds der Industrie⸗Fähigkeiten des Sklaven, denn er muß außer dem Kaufpreis seinen Unterhalt bestreiten, den man als eine Art von Miethzins oder Lohn betrachten kann. Von dem Unternehmer, der rohe Stoffe kaust, kann man sa⸗ gen, er kause die Dienste, wodurch diese Stoffe zu Stande gekommen sind. Ein Tuchfabrikaut kauft, indem er Wolle einhandelt, die Dienste des Pächters, des Hirten, des Bo—⸗ dens, des Capitals, die diese Wolle erzeugt haben. Der Pächter hat alle diese Dienste vorgeschossen, und man ersetzt ihm diese wieder, indem man ihm sein Produkt abkauft. ———— Produl so verkn vährend dr . Venn ic nicht den ift mir nut deiner Ta⸗ auf det ro⸗ eo ein In⸗ kauft, er bung fluß, weny gehen Mr⸗ menten vet⸗ Fallen de lbat zu ih⸗ den Vart heererd und em Augen⸗ dem Maß Gewerbe in hen Gebiete Ift nicht den laben, denn lt bestreiter hn betrachten kann man sr se zu Stald em er Wl iten, des. haben. A. 1d man ert kiabtauf. und von den Fortschritten der Industrie. 179 Von den Produktionskosten. Da die Produktiv-Dienste, sich, wie wir eben ge⸗ sehen haben, vertauschen lassen, so haben sie gleich allen käuflichen oder verkäuflichen Dingen einen laufenden Preis, der sich auf dieselbe Weise, wie der laufende Preis von andern Dingen feststellt. Der laufende Preis aller zur Fertigung eines Produkts nothwendigen Pro— duktiv⸗-Dienste ist nun die Summe der e duktions-⸗-Kosten. Die Arbeit des Unternehmers gehört auch zu den Pro duktions⸗Kosten. Die Leistung des Unternehmers bei der produktiven Operation ist eine nothwendige Leistung, ohne welche das Produkt nicht zu Stande kommen würde. Wenn auch alle Elemente einer Papier-Fabrik vorhanden wä⸗ ren, und der Fabrikant fehlte, so würden diese getrennten Elemente noch kein Papier zuwege bringen. Alléinkein Unternehmer würde sich die Mühe geben, diese getrennten Elemente zu vereinigen, und auf die Gefahr eines Ver⸗ lustes zur Fabrikation schreiten, wenn er nicht zum Vor⸗ aus wüßte, daß das daraus hervorgehende Produkt ihm nicht nur seine Vorschüsse ersetzen, sondern ihm noch au⸗ ßerdem einen Gewinn bringen würde, wodurch er für seine Zeit, seine Talente und seine Bemühungen belohut wird. Wenn er später sieht, daß er sich getäuscht hat,/ so giebt er die Unternehmung auf. Ist die Leistung des Unter— nehmers unentbehrlich; wird dieselbe durch jede Unter— nehmung, die sich behauptet, nothwendig bezahlt, so muß man seinen Gewinn als einen Theil der Unternehmungs⸗ Kosten, als eine zu Erzeugung eines Produkts unent⸗ behrliche Ausgabe betrachten. Man wolle sich also ein- für allemal merken, daß wenn ich von den Erzeugungskosten irgend eines Pro⸗ 12* 180 Von d. Aust. d. Produktionsk. geg. Prodnkte dukts spreche, ich eben so gut den Gewinn des Unterneh— mers, wie den seiner Arbeiter; leben so gut das In⸗ teresse eines Capitals, als den Pachtzins aus der Boden⸗ fläche, wenn er zum Behuf seines Unternehmens eine solche miethen muß, darunter verstehe. 9 Die Pro'duktion ist nur ein großer Tausch. Jetzt kann ich weiter gehen und den Satz aufstellen, daß die Produktion als ein großer Tausch betrachtet wer— den müsse, in welchem die Producenten(die in unsern Augen sämmtlich durch den Industrie-Unterneh⸗ mer vertreten werden), ihre Produktiv-Dienste herge— ben(für die man füglich die von dem Unternehmer be— zahlten Produktions⸗Kosten setzen kann,) und dafür die Produkte d. h. irgend einen Theil der producirten Nützlichkeit zurückerhalten. Man merke auf den Sinn dieser Worte: bei jeder Produktion giebt der Unternehmer einen Werth. Wie viel beträgt dieser? Die ganze Summe der Produktions⸗ Kosten. Was haben wir Produktions-Kosten ge⸗ nannt? den laufenden Preis der Prodaktiv-Dienste. ) Der Leser wird mir diese strenge Analyse verzeihen; es wird sich in der Folge zeigen, wie sehr dadurch die Lösung der verwickeltsten Aufgaben erleichtert wird. Man darf die ver— schiedenen Theile, aus denen die Dinge zusammengesetzt sind, nur dann unter einander werfen, wenn man im Stande ist, solche im Nothfall wieder sogleich zu finden. Um einen Tanz einzustudiren, muß man die verschiedenen Theile, aus denen er besteht, einen nach dem andern einüben, und erst wenn man jeden einzelnen gehörig auszuführen vermag, darf man zur Ausführung des Gänzen d. h. eines raschen und gefäl— ligen Tanzes schreiten. Wer von der National-Oekonomie spricht oder darüber schreibt, hat eben nicht nöthig, die ge— dachten Analysen zu wiederholen; er muß aber zeigen, daß sie ihm bekannt sind. ——..:—..————— — — —2—038 =———3—5 ———— SEF — —. . Orobgkz Unternh t das Iu. der Boden⸗ mens eine ausch. aufstelen, achtet wer⸗ in unsern uterneh⸗ uste hergt nehmer be⸗ Ind dafür Roducixten hei jeder ith. Wie oduktlons⸗ osten ge⸗ enste. j es wird Lsung der arf die ver⸗ gesetzt sind, Stande is, einen Tunz „aus deni id erst wenn 0, darf un 3 und geft⸗ I=Oekononit siz/ die l⸗ zeigen, 5 und von den Fortschritten der Industrie. 181 Der Produktiv⸗Fonds ist von den Prloduktiv⸗ Diensten durchaus verschieden. Es handelt sich hier, wie man sieht, nicht von dem Werthe der Produktiv-Fonds, die zur Produktion beige— tragen haben. Sie werden durch das Werk der Produk— tion nicht nothwendig verändert. Ist eine wahre Pro⸗ duktion zu Stande gekommen, so ist der Eigenthümer des Länderei-Fonds noch im Besitze seines Bodens, der Eigen— thümer des Capitals ist noch im Besitze desselben Capi⸗ tal⸗Werths; den Arbeitern endlich, sind ihre Kräfte und ihre Talente geblieben. In diesem großen Tausche, wor— in die Produktion besteht, ist zuletzt nichts consumirt und vernichtet worden, als die durch die verschiedenen Produktiv-Fonds geleisteten Dienste. Ich sage ver⸗ nichtet, weil die zur Erzeugung eines Produkts verwen— deten Dienste, nicht ein Zweitesmal verwendet werden können. Derselbe Fonds kann nochmals dienen; allein die Dienste, die schon einer Produktion gewidmet wor— den sind, können zu keiner andern mehr beitragen. Das Feld, das dem Pächter in diesem Jahre eine reiche Ernte geliefert hat, wird ihm das nächste Jahr eine andere ge— ben; aber nur mittelst eines neuen Dienstes. Der Ar— beiter, der mir heute seine Arbeit verkauft, wird mir die— selbe morgen auch wieder verkaufen können; allein seine heutige Arbeit kann er mir nicht zum Zweitenmal ver— kaufen. Jeder Industrie-Unternehmer kauft und consumirt also Produktiv-Dienste); damit aber der Tausch wirk— ) Der Unternehmer braucht die Dienste, wovon der Fonds ihm gehört, nicht zu kaufen; ein Grundbesitzer, der sein Gut selbst bebaut, kauft nicht mittelst eines Pachtzinses den Dienst seines Feldes; allein er bezahlt gleichwohl diesen Dienst, in⸗ dem er auf den Pachtzins verzichtet, den er aus dem Felde, wenn er es nicht selbst bebaut hätte, gezogen haben würde. 182 Von d. Aust. der Produktionsk. geg. Produkte lich statt finde, muß der Werth aller verrichteten Dienste durch den Werth der producirten Sache auf⸗ gewogen werden. Ist diese Bedingung nicht erfüllt, so war der Tausch ungleich; der Producent hat mehr ge— geben, als empfangen. Sobald aber der Werth des Produkts den Werth der Produktiv-Dienste erreicht hat, sind die Producenten vollkommen entschädigt; sie haben eben so viel erhalten, als gegeben. Und wenn man sie sich sämmtlich in der Person des Industrie-Unternehmers denkt, so kann man sagen, sein Produkt habe alle Produktions-Kosten bezahlt, selbst die Entschädigung, die ihm für seine Mühe ge— bührt, da diese, wie wir gesehen haben, ebenfalls einen Theil der Produktions-Kosten ausmacht. Jedes Produkt ist, allgemein genommen, so viel werth, als seine Produktions' Kosten betragen. Hier ist nun der Fall vorhanden, den ich, so oft ich von Produktion und Produkten gesprochen, im Auge ge— habt habe; ich habe nemlich immer vorausgesetzt, der Werth des Produkts komme den Produktions-Kosten gleich. Dies ist auch in der That der einfachste und am häufigsten vorkommende Fall, denn wenn ein Unterneh— men mehr einbringt, als es gekostet hat*) und größeren Gewinn gewährt, als denjenigen, den man bei anderen Unternehmungen derselben Art machen kann, so werfen sich die Producenten in Menge auf diesen Zweig; das daraus entstehende Produkt wird in größerer Menge zu Kauf geberacht und der Preis desselben stellt sich dann gewöhnlich wieder mit den Produktions-Kosten ins Dasselbe gilt von den Diensten des Capitals und den Dien⸗ sten der Menschen. *) Der Gewinn des Unternehmers ist nemlich gleich bedeutend mit seinem Lohn, und dieser macht einen Theil der Produk⸗ tions⸗Kosten aus. Hrobuktz ten Dienft ache auf⸗ lfüllt„so t neht ge⸗ den Verth roducenten elcerhalten, tlich in der kann man ien bezahs, Mhe ge— falls einen „so viel ttagen. so oft ich WMge ge⸗ gesetzt, de no⸗Kosten se und am Unterneh⸗ grbßeren ei andeten so werfen peig; das Menge zu sich dann dosten ins Neen Dien⸗ ich bedenter dn Mool und von den Fortschritten der Industrie. 185 Gleichgewicht. Man kann also sagen, daß der Preis ei⸗ ner Elle Tuch in der Regel die Produktions-Kosten von einer Elle Tuch bezahle. Wenn der Werth der producirten Sache die darauf verwendeten Kosten nicht deckt, so bleibt ein Theil der Produktiv-Dienste unbelohnt; der Unternehmer wird für seine Mühe und für die Anwendung seines Talents 5) nicht vollkommen entschädigt, oder es erhält irgend ein Arbeiter keinen Lohn, oder das Capital erträgt keinen Gewinn; kurz das eine oder das andere Produktions⸗ mittel hat nichts hervorgebracht. Dies ist gewöhnlich die Schuld des Unternehmers, der den Plan zu der Pro⸗ duktion entworfen hat. Sein Streben muß seyn, Alles, was er sowohl an Arbeit, als an Vorschüssen gegeben hat, zurückzuerhalten. Worin die Fortschritte der Industrie bestehen. Diese Ansicht, nach welcher die Produktion nur ein großer Tausch ist, setzt uns in den Staud, die Fort— schritte eines Volkes in der Industrie mit Leichtigkeit zu beurtheilen. Wir können von einer Nation füglich sagen, sie tausche jährlich alle die Produktions-Kosten, die sie aufwendet, gegen die Produkte, die sie erhält, aus. Da aber ein Tausch um so vortheilhafter ist, je weni— ger man hingiebt und je mehr man erhält; so sind wir zu dem Schluß berechtigt, daß ihre Industrie im Fort— schreiten ist, wenn sie für dieselben Kosten mehr Nütz— lichkeit oder für weniger Kosten dieselbe Nützlichkeit erhält. In beiden Fällen macht sie einen besseren Kauf, ein besseres Geschäft. Wem diese Fortschritte frommen. Wie, wird man fragen, offenbart sich dieser Vor⸗ theil? Wem kommt er zu gut? Vorerst dem Erfinder Vielleicht hat es ihm aber gerade an dem zu diesem Ge⸗ schäft erforderlichen Talente gefehlt. Seeeeee ———— ..—— .—— ————.— . — —... ——+.—— ———— 164 Von d. Aust. d. Produktionsk. geg. Produkte des Produkts, wo eine Vervollkommnung statt gefunden hat; indem er eine größere Quantität von einem im Preise nicht gefallenen Produkt erzeugt, hat er dieselben Auslagen und erhält dafür einen größeren Werth; sobald aber das zweckmäßigere Verfahren bekannt und durch die Concurrenz der Preis des Produkts bis auf die Produk⸗ tions-Kosten herabgebracht ist, so besteht derselbe Vor— theil; wird aber dem Consumenten, d. h. dem Publikum zu Theil; dieses erhält eine größere Menge von Pro— dukten, eine größere Quantität von producirter Nützlich— keit mit denselben Opfern. ö Was die Quantität der Nützlichkeit ist. Der Ausdruck: eine größere Quantität pro⸗ ducirter Nützlichkeit, bedarf einer Erläuterung. Er bezeichnet nach Gefallen entweder Produkte in größerer Menge oder Produkte von besserer Beschaffenheit. Wenn ich z. B. mit einem Produktions-Aufwand von 6 Fran⸗ ken statt einem Paar Strümpfe zwei Paar von derselben Qualität haben kann, so erhalte ich eine doppelte Quan— tität von producirter Nützlichkeit. Wenn ich mit densel— ben Kosten statt einem Paar groben und wenig dauerhaften Strümpfen, ein Paar doppelt so dauerhafte und doppelt so schöne erhalte, so erwerbe ich eine doppelte Quantität von Nützlichkeit, die ich ceonsumiren kann, denn in beiden Fäl— len verfüge ich über eine doppelte Summe von Genüssen. Der Nutzen, den die Dinge für uns haben, ist ver— schiedenartig. Gewisse Strümpfe sind uns nützlich, weil sie warm, andere weil sie weich sind, und wieder andere, weil sie mehr oder weniger unserer Eitelkeit schmei— cheln. Die Quantität der Nützlichkeit ist vielleicht in dieser oder jener Beziehung nicht, in andern Beziehun— gen aber vermehrt worden; unter der. Quantität ——3—939——3————9———————— r0 ö— hutt und von den Fortschritten der Industrie. 185 Hfndn der Nützlichkeit ist aber stets die Fähigkeit verstan— 8 4 den, in irgend einer Beziehung gebraucht wer— dleselben den zu können. Die aus diesen oder jenen Produk— 3 scbab tib⸗Diensten gezogene Nützlichkeit ist verdoppelt worden, durh die wenn durch Vermittlung dieser Dienste entweder die Paduk⸗ Quantität der dadurch erzielten Produkte noch einmal so uahhn groß oder noch einmal so gut geworden ist. ublikum von Mo; Ein geringerer Preis kommt einer größeren, Milch⸗ Nützlichkeit gleich. Ein ganz ähnlicher Fortschritt findet statt, wenn man mit weniger Produktib-Diensten dieselbe Quantität ist. von Nützlichkeit erhätt. Wenn ich mit Produktiv-Dien-— It pro⸗ sten, die drei Franken betragen, ein Paar Strümpfe er— ing. Er halte, die früher nur um sechs Franken producirt werden gröͤßerer konnten, so ist dies gerade so viel, als wenn ich mit . Wem Produktiv-Diensten von sechs Franken im Werthe zwei Fun⸗ Paar Strümpfe statt einem Paar erhielte. Veselbe Ich hoffe, die Vortheile, die den Consumenten, d. h. leLum⸗ der Gesellschaft überhaupt aus den Fortschritten der In— dustrie erwachsen, ganz ins Licht gesetzt zu haben. Die— it densel⸗— ů jenigen, die nicht begreifen wollen, daß eine erzeugte 0 Nutzlichkeit, sobald sie einen Werth hat, ein erzeugter Ttät vn Reichthum und daß ein neuer Reichthum ein Vortheil den dil sey, der der Gesellschaft, ohne daß es irgend Jemand et⸗ jenüssen. was kostet, zu gut kommen kann, sind der Meinung, die 115 Producenten müßten in diesem Falle das verlieren, was welst die Consumenten gewinnen. Dies ist wie gesagt, ein andlr⸗ Irrthum. Der ausführliche Beweis davon wird folgen. schmei⸗ Wie die Gesellschaft gewinnen kann, ohne daß die leicht in Producenten verlieren. ezlehun⸗ Einstweilen will ich mich auf die Bemerkung be— utität schränken, daß wenn ein Industrie-Unternehmer(die Ein⸗ 186 Von d. Aust. d. Produktionsk. geg. Produkte heit aller zur Produktion beitragenden Personen) mehr Produkte für dieselben Produktions-Kosten er⸗ zielt hat, ohne daß er den geringsten Schaden erleidet, das Produkt um denselben Preis, um den er es erhalten hat, geben kann(es versteht sich, daß sein eigener Ge— winn zu den Produktions-Kosten gerechnet werden muß). Ein Producent, der es dahin gebracht hat, ein Paar Strümpfe, die früher sechs Franken kosteten, mit einem Aufwand von drei Franken zu fertigen, kann sie auch um drei Franken geben, d. h. für jedes andere Produkt, dessen Produktionskosten drei Franken betragen. Es ist klar, daß die Strumpf-Consumenten, mit welcher Pro⸗ duktion sie sich auch beschäftigen mögen, um Strümpfe zu erhalten, die Hälfte weniger von ihren Produktiv— Diensten zu geben haben werden. Wenn diese Consu— menten, die einen Zeug z. B. zu drei Franken die Elle frabriziren, früher, um ein Paar Strümpfe zu erhalten, zwei Ellen ihres Fabrikats geben mußten, jetzt für eine Elle ein Paar Strümpfe erhalten, so erwerben sie mit dem halben Aufwand von Produktiv-Diensten ihren Be— darf an Strümpfen; wenn nun dasselbe in Beziehung auf alle anderen Produkte statt fände, so würde Jeder— mann alle Produkte für die Hälfte der Kosten haben kön⸗ nen; oder gesetzt, man wollte auf die Produktion dieselbe Arbeit oder denselben Capitalbetrag verwenden, so würde doppelt so viel Nützlichkeit erzeugt und Jedermann für dieselben Kosten noch einmal so gut ausgestattet. Hier— aus erhellt der Vortheil, der für eine Nation dadurch entsteht, daß sie ihre Produkte ohne Vermehrung des Aufwandes vervielfältigt oder was einerlei ist, daß sie den Produktions-Aufwand vermindert ohne ihre Produkte oder die Quantität der erzeugten Nützlichkeit zu ver— mindern. Dies beweist, daß eine Verminderung der dukte mehr ten er⸗ uleidet, halten het Ge⸗ muß). in Mar it einem sie auch Produk, Es ist her Mo⸗ Rümpft dulfi⸗ Consu⸗ ie Ele halten, je eine sie mit ten Be⸗ Jehung Ilder⸗ n kön⸗ dieselbe würde un für Hier⸗ adurch ig des daß sie rodukte zu vel⸗ ung den r=:::——— und von den Fortschritten der Industrie. 187 Produktions-Kosten ein wahrhafter Fortschritt in der In— dustrie, ein Gewinn für eine Nation ist*½). Auf welche Weise sich die Produktions⸗Kosten vermindern lassen. Wie fangen wir es aber an, um die Produktions-— Kosten unbeschadet der Größe der Produktion zu vermin— dern? Dieß kann nur dadurch geschehen, daß man ent— weder die angeeigneten, folglich zu bezahlenden Produk-— tiv⸗Dienste, besser benutzt, oder daß man Dienste, die et— was kosten, durch die unentgeldlichen Dienste der natür— lichen nicht angeeigneten Werkzeuge ersetzt. Beispiele aus dem gemeinen Leben werden uns Alles dieses begreifli— cher machen. Die Produktiv-Dienste eines Landguts kosten den Pächter jährlich, ich will sagen, 1o0o00 Thaler, die er dem Eigenthümer bezahlen muß. Wenn in dem Lande die Brache eingeführt ist und man den Boden stets das ganze vierte Jahr völlig ruhen läßt, so benützt der Pächter während dieses Ruhejahrs das Gut nicht. Er will wäh— rend dieser Zeit die Vegetationskraft sich erneuern lassen. Wenn man aber zu der Einsicht gelangt, daß der Boden sich erholt, wenn mit den Pflanzen so gewechselt wird, daß der Boden, der dieses Jahr Getreide getragen hat, Dieser Beweis verhilft uns zur Lösung der sonst so schwie— rigen Frage: Wenn der Werth der Produkte, wel⸗ che eine Nation besitzt, den Reichthum dieser Nation ausmacht, wie kann diese Nation rei⸗ cher werden, falls der Werth ihrer Produkte sinkt? Man wird später sehen, daß der National-Reich— thum aus dem Werth der Fonds, die eine Nation besitzt, be— stehe, und daß, da jeder Werth etwas relatives ist und die Fonds der Werth sind, womit man die Produkte kauft, eben diese Fonds um so mehr werth sind, je mehr die Pro— dukte im Preise sinken. Doch wir wollen uns keine Anti— cipation erläuben. ———————— 188 Von d. Aust. d. Produktionsk. geg. Produkte im nächsten Jahre mit Futterkräutern angepflanzt wird, alsdann läßt sich ohne Nachtheil für die Getreide-Pro⸗ duktion während der Zeit, wo man den Boden früher unnöthigerweise ruhen ließ, derselbe benutzen. Wenn man die Brache aufgiebt, kann man Vieh erziehen, welches Dünger liefert, der die Felder ergiebiger macht*). Den Dienst des Bodens und der Capitale müssen selbst die Eigenthümer derselben bezahlen. Es ist nicht nöthig, zu bemerken, daß, wenn der Eigenthümer seinen Boden selbst bebaut, ihm der Pro-⸗ duktiv⸗Dienst desselben, wenn er gleich keinen Pachtzins bezahlt, doch etwas kostet. Der Grundbesitzer, der 1000 Thaler aus seinen Ländereien ziehen könnte, der aber diese, um sie selbst zu bebauen, nicht verpachtet, verzich— tet auf 1000 Thaler, die ihm dieselben jährlich einbrin—⸗ gen könnten. Wenn er in der nämlichen Zeit mehr Pro⸗ dukte gewinnt, so spart er an den Produktionskosten ge— rade, wie es der Pächter auch gethan haben würde. Ebenso kann man, ohne einen höhern Zins zu bezahlen, aus einem Capital einen größern Gewinn ziehen, wenn man es nie müßig liegen läßt, wenn man Gebäude und Maschinen, in denen der Werth des Capitals steckt, mehr be— nutzt. Dieß ist der Grund, warum man in Hüttenwerken, in die man vieles Geld gesteckt hat, zuweilen die Zahl der Arbeiter verdoppelt, wovon der eine Theil bei Tag, der ) Diejenigen, die von der Landwirthschaft etwas verstehen, wissen, daß man ein Gut während der Brachzeit niemals ganz ruhen läßt. Man theilt das Ackerfeld in vier Theile, von denen man jedes Jahr einen ruhen läßt. Wird aber die Brache aufgehoben, so pflanzt man auf den Boden, der Getreide erzeugt hat, Rüben, Erdäpfel ꝛc., womit man einen größeren Viehstand nährt, als früher, dessen Dünger als— dann die zum Getreidebau bestimmten Felder fruchtbarer macht. —— AAAAAFIe..tts:s⸗s⸗-,.v.;6g g c—ee —————————— dukte und von den Fortschritten der Industrie. 18g t wird, andere bei Nacht arbeitet; so daß dieser Theil des Ca— ⸗Pmö⸗ pitals, der in Gebäuden und Maschinen besteht, nie— fiͤher mals ruht ½). na man Welche Folgen eine Verminderung der Hand⸗ wehes arbeit hat. ö Bei der Handarbeit findet eine vortheilhaftere Ver— müssen tauschung der persönlichen Dienste statt, wenn man für V denselben Aufwand an Handarbeit mehr Produkte oder, enn der was genau dasselbe ist, mit einem geringeren Aufwand er M⸗ an Handarbeit gleich viele Produkte erhält. Dieß hat achtintz sich gezeigt, bei Einführung des sogenannten fliegenden er 1000 Schiffs, zum Behuf des Webens. Früher mußte man, aber um sehr breite Zeuge zu verfertigen, zwei Arbeiter, den Wezih einen auf der linken, den andern auf der rechten Seite uben⸗ des Webestuhls, anstellen, um sich gegenseitig das Schiff: Mr⸗ zuzuwerfen. Allein mittelst des fliegenden Schiffs wird n ge der Weber, der in der Mitte des Stuhls sitzt, der Mühe Wüthe enthoben, die Arme nach 5— beiden Seiten desselben usle, auszustrecken. Ein schlichter Bindfaden an ein Heft be— 605 festigt, das er in der Hand hält, macht, daß er das 1701 Schiff nach beiden Seiten werfen kann. Ohne größere 55 Mühe und ohne größeren Lohn verrichtet ein einziger Hed⸗ Mensch die Arbeit von zwei; derselbe Werth an Indu⸗ n strie-Diensten gewährt also mehr Produkte. ihld ö 120) Da wo die Zahl der kirchlichen Feiertage größer ist, als zur stehen, Erholung des Menschen nöthig ist, verliert man nicht nur e den Gewinn, den die Industrie während dieser Feiertage n gewährt haben würde, sondern auch den Gewinn aus den 9 Capitalen, die müßig bleiben. Man zieht aus diesem Pro— and duktiv⸗Fonds nicht allen den Nutzen, den man daraus zie⸗ 1515 hen könnte. Dieß erklärt zum Theil, warum die katholi— 5 schen Länder in der Regel ärmer sind, als die protestanti⸗ schen. ichtharet 190 Von d. Aust. d Produktionsk. geg. Produkte Das Sinken der Preise hat nicht das Sinken der Produktiv⸗Dienste zur Folge. Hier stößt man auf eine Frage, die ich schon früher beantwortet habe. Wenn der Unternehmer dieselbe Quan— tität von Produkten mit einem geringeren Aufwand an Produktiv⸗Diensten erhält, werden nicht diejenigen, die mit Produktiv⸗Diensten handeln, die den Dienst ihres Bo⸗ dens, ihrer Capitale oder ihrer Arbeit verkaufen, alles das verlieren, was der Unternehmer oder der Consument gewinnen? keineswegs; wenn die Industrie Fortschritte macht, so liefert die Arbeit, oder die Capitale, oder die Ländereien eine größere Quantität von Nützlichkeit, ohne daß ihr Gewinn geschmälert wird. Wenn ich Pächter bin, und rothe Rüben oder andere Futterkräuter in einem Brachland pflanze, so gewinne ich mehr, während der Eigenthümer des Guts nicht weniger gewinnt. Ich zahle ihm nicht weniger pünktlich seinen Pachtzins; vielmehr ist es das Gegentheil. Es sind dieß keine Eroberungen, die ein Produzent hier auf Kosten eines Anderen macht, sondern Vortheile, die man der Natur abgewinnt, die stets wohlthätig ist, die man aber zu Wohlthaten zwin⸗ gen muß. Es entsteht ein Zuwachs von Produktion, der Niemand etwas kostet; weder den Produzenten noch den Consumenten. Eben so, wenn ich Mittel und Wege finde, im Han⸗ del mein Capital vortheilhafter zu verwenden, wenn die⸗ ses niemals feiert, wenn meine Werthe ohne Aufenthalt alle Perioden der Produktion durchlaufen und ihre Be— stimmung möglichst schnell erfüllen; dann wird mein Ca⸗ pital weniger lang durch eine einzige Operation festge⸗ halten, kann folglich zu einer größeren Anzahl von Ope— rationen dienen. Ich entrichte davon stets denselben Zins und dem Eigenthümer bleibt dasselbe Einkommen; den— IRX. ö RNDD 45 und von den Fortschritten der Industrie. 191 Ii noch kostet mich jede produktive Operation weniger Zinse, weil sie schneller zu Stande kommt. fiüher Dasselbe gilt von der Handarbeit. Van⸗ Wenn ein Verfahren entdeckt wird, wodurch für die Hand an Zurichtung die Hälfte der Zeit erspart wird, so bezahlt gen, die man zwar nicht weniger für die Industrie-Dienste, erhält Hles Do⸗ aber aus diesen mehr Produkte. Früher waren zwei Ar— I, Alle beiter angestellt, um ein Weberschiff zu schieben und auch ausumem jetzt bezahlt man noch zwei; allein sie arbeiten an zwei Drlschrite Stühlen und schieben zwei Schiffe. Wenn der Arbeiter „der di auf eigene Rechnung sein Geschäft treibt, so drückt ihm lit, ohye die Concurrenz den Preis seiner Produkte herab, er ver— 9Mter fertigt aber deren mehr ohne sich anzustrengen. Man i einem giebt ihm nur halb so viel für eine Elle Zeug, er macht sram der aber deren täglich acht, statt vier. 70 Verwendung der nicht angeeigneten Produktiv⸗ hielmehr Fonds. rungen, ö u Wacht, Dieß ist der Vortheil, der aus einer besseren Ver— nut, die wendung der angeeigneten Produktiv-Fonds entspringt. n zuil⸗ Da die Dienste derselben bezählt werden müssen, so ge— HDutioh, winnt man den Werth alles dessen, was man hieran en nch spart. Dieß sind aber noch nicht die größten der Indu⸗ strie zugedachten Eroberungen. Die Natur öffnet uns im Han⸗ einen unerschöpflichen Schatz von Stoffen und Kräften, nh He⸗ die, da sie Niemand ausschließlich gehören, Jedermann Henthal zu Gebot stehen. Die Industrie muß nur lernen, davon hie Bi⸗ Gebrauch zu machen. 45 nein Ca⸗ Der Mensch hat das Wehen der Winde lange Zeit verspürt, ehe er daran dachte, davon Gebrauch zu ma— , chen; sobald er aber einmal auf den Gedanken gekom— 4 men ist, den Wind in seinen Segeln aufzufangen, hat On er aus einer blinden, früher ganz verloren gegangenen ny 192 Von d. Aust. d. Produktionsk. geg. Produkte Naturkraft Nutzen gezogen und sich derselben bedient, um seine eigene Person und seine Waaren über das Meer zu bringen. Als mau mittelst der Dampfmaschine die Expansiv⸗ Kraft des verdämpften Wassers zur Bewegung eines un⸗ geheuren Stempels benutzte; als man sofort darauf kam, diesen Dampf zu verdichten, und als man endlich nach Er— zeugung eines luftleeren Raums unter demselben Stempel sich des Gewichts der Atmosphäre bedient hat, um ihn nie⸗ derzudrücken, ward dadurch eine Kraft erschaffen, die derjenigen von 20, 30, 40 und mehr Pferden gleich kommt, eine Kraft, die man Naturgesetzen, welche so alt als die Welt sind, verdankt, die aber bis dahin zu Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse nicht das mindeste beitrugen. Unterwirft man die Fortschritte der Industrie einer Analyse, so zeigt sich, daß sie sich alle auf eine bessere Benutzung der angeeigneten Produktiv-Fonds oder eine neue Anwendung der natürlichen nicht angeeigneten Werk— zeuge, d. h. der Kräfte und der Dinge, welche die Natur den Menschen überläßt, zurückführen lassen*). *) Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß eine Nation durch die Fortschritte in der Industrie zu größerer Macht gelan⸗ ge, falls jedoch Einige sie zu gering anschlagen möchten, so würde ich sie einladen, das jenige zu lesen, was der brittische Minister, Herr Huskisson, in einer Versammlung gesagt hat, wo man sich über die würdige Feier des Andenkens von Herrn Watt berieth, dem man bedeutende Vervollkommnungen der Dampf⸗ maschinen verdankt:„Wenn wir,“ sagt er,„den Kampf, den wir ein Vierteljahrhundert lang bestehen mußten, ruhmvoll beendigt haben, so verdanken wir dieß den Hülfsquellen, die uns Herr Watt durch die Verbesserung der Dampfmaschinen bereitet hat; ohne die mechanischen und physischen Verbesse— rungen, die die Industrie und den Wohlstand des Landes so allmählig und so sicher gehoben haben, wären wir genöthigt gewesen, noch ehe der Sieg unsere Waffen gekrönt hatte, einen schimpflichen Frieden zu schließen.“ ůF robnkte bedsent, dos Merr Erpansi⸗ eines un⸗ raufkam, nach Er: Stempel m ihn nie⸗ affen, die ich kömmt, alt als die friedigung litrugen. strie einet ue bessere oder eine ten Werk⸗ die Mtut mon dutch acht gelan⸗ möchten, brittische agt hat, wo ermm Walt er Damf⸗ ampf, den ruhwool uellen, di simaschinen Verbesse⸗ Landes so 12 gevöthigt kröht hatt, und von den Fortschritten der Industrie. 195 Der laufende Preis der Produktiv⸗Dienste und der Produkte muß nothwendig geschätzt werden. Man wird zugleich einsehen, daß die Schätzung der Produktions-Kosten und der Produkte nothwendig statt finden muß, wenn man ihre gegenseitigen Verhältnisse, folglich die Fortschritte der Industrie, beurtheilen will*). Alle Schriftsteller, die dkonomische Systeme aufstellen wollten, ohne dieselben auf den Tauschwerth der Dinge zu gründen, sind in's Bodenlose gefallen. Daher habe ich mich gleich anfangs bestrebt, unsere Begriffe über den Werth festzustellen. Es bedarf eines Capitals, um die Natur zu einem Geschenke zu nöthigen. Man wird bald sehen, daß, um von den Geschenken der Natur Nutzen zu ziehen, Capitale nothwendig sind, deren Dienst bezahlt werden muß. Die Produktion ist das Ergebniß der Anwendung dieser beiden Mittel in Verbindung mit der Industrie, die auch nichts unent— geldliches ist. Wenn man aber den Dienst eines Ca⸗ pitals und einer Industrie-Arbeit bezahlen muß, um sich z. B. der Produkte einer Dampfmaschine zu erfreuen, so liefert diese Maschine weit mehr Nützlichkeit, als das— selbe Capital und dieselbe Arbeit ohne sie hätten liefern können und dieser Ueberschuß ist es, den man dem unent⸗ geldlichen Dienste der Naturkraft zu verdanken hat. Der Gewinn, der auf diese Weise entsteht, bleibt, wenn auch das Produkt im Preise sinkt. Ich bitte zu bemerken, daß wenn auch der Preis des Produkts, von dem die Rede ist, bis auf die Pro⸗ *) Siehe die zweite Note am Ende des Catechismus über die National-Oekonomie. zte Ausgabe. Say pract. National-Oekonomie I. 13 —— —— S-—— — 194 Von der Natur duktions-Kosten herabsinkt, so daß der Produzent nichts weiteres gewinnt, doch der Gewinn für den Menschen nicht weniger vorhanden ist; nur mit dem Unterschied, daß er dem Consumenten statt dem Produzenten zu gut kommt. Diese Grund-Prinzipien sind von der größten Wich-⸗ tigkeit. Sie beruhen nicht auf metaphysischen Erörterun— gen, sondern auf Thatsachen. Man kann vielleicht die Art der Darstellung tadeln, ihre Wirklichkeit aber nicht in Zweifel ziehen. Es lassen sich unzählige Anwendun⸗ gen davon machen. Es werden sich in Beziehung auf den auswärtigen Handel die lichtvollsten Schlüsse daraus ergeben; denn die Tausche, die eine Nation mit dem Fremden eingeht, sind nur Mittel, sich Consumtions— Artikel mit den möglichst geringen Kosten zu verschaffen; d. h. fremde Produkte zu erhalten und dafür andere Pro⸗ dukte zu geben, die uns weniger zu produziren kosten, als diejenigen, die wir mittelbar durch den Handel be— ziehen. Hierin besteht wesentlich der Vortheil, den die⸗ ser uns gewährt. Dieselben Grundsätze aber werden sich erst da aus— führlich vortragen lassen, wo von dem Preise, den Ein— schreitungen der Obrigkeit die Rede seyn wird; denn die ganze Oekonomie der Gesellschaft soll vor unseren Augen entwickelt werden. Zehntes Kapite l. Von der Natur und der Verwendung der Capitale. Ich habe die Capitale bisher, so zu sagen, nur ge— nannt, und bemerkt, daß sie in Gemeinschaft mit der Industrie zur Erzielung der Produkte beitragen; es ent— steht aber jetzt die Frage, wie dieß geschehe. sell doß Leh kir zent nicht Nenschen nterschied, en zu gut ten Dich⸗ Erdrterun— ielleicht de aber nich Anwendun⸗ iehung auf Ise darntz mit den ssumtionẽ⸗ Ischafen; dere Pro⸗ kosten, andel be⸗ „den die⸗ t da au⸗ den Ein⸗ denn die n Augen gpitale. hur ge⸗ mit der es ell⸗ und der Verwendung der Capitale. 195 Jedermann, oder doch beinahe jedermann besitzt mehr oder weniger Capitale. Mancher treibt solche sehr vor— theilhaft um, ohne jedoch zu wissen, auf welche Art die— ser Umtrieb die vorliegenden Resultate liefert. So treibt das Herz in jedem Menschen das Blut nach den Extre—⸗ mitäten des Körpers, und doch wissen nur wenige wie dieses zugeht und was daraus erfolgt. So alt die Na⸗ tur ist, so neu ist die Kenntniß ihrer Erscheinungen; und doch kann uns einzig und allein diese Kenntniß zu weiteren Fortschritten die Bahn eröffnen. Um die Natur der Capitale und die Functionen, die sie in dem Geschäfte der Produktion verrichten, gehdrig zu begreifen, muß man vorerst den Sinn von zwei Aus⸗ drücken, deren ich mich noch öfters werde bedienen müs⸗ sen, recht verstehen: ich meine nämlich die Ausdrücke Vorschuß und Consumtion. Bedeutung des Wortes Vorschuß. Wenn ich eine Sache von Werth oder irgend eine Summe ausgebe, so thue ich es entweder, um meine ei— genen, oder um die Bedürfnisse meiner Familie zu befrie— digen, oder auch um andern Personen ein Geschenk zu machen. Sind diese Bedürfnisse einmal befriedigt, so ist die Sache oder die Summe für mich unwiederbringlich verloren. Ich kann mich aber auch eines Werthes nur auf eine Zeitlang begeben, wenn ich solchen dergestalt verwen— de, daß er sich später wieder ersetzt; oder ich kann den⸗ selben einem andern anvertrauen, der ihn so verwendet, daß er sich wieder ersetzt, und demzufolge auch mir wie— der erstattet werden kann; dieß ist alsdann kein verlo— rener, sondern nur ein vertauschter Werth, der jedoch wie— der in meine Hände zurückkommt, und das heiße ich einen Vorschuß. 15* ——.—..— WIIJ‚-ĩ-—-————-:-:-—⸗-⸗e.—...— —————.——e—— — 4 196 Von der Natur Bedeutung des Wortes Consumtion. Was das Wort Consumtion betrifft, so soll zwar der Gang und das Ergebniß der Comsumtion erst in der Folge abgehandelt werden; da man aber nicht produzi⸗ ren kann, ohne daß eine Consumtion statt finde, so kann ich nicht umhin, den Leser schon gegenwärtig darauf auf— merksam zu machen, daß, gleichwie man unter dem Worte produziren nicht die Hervorbringung eines Stoffs, sondern die eines Werthes versteht, aus demsel⸗ ben Grunde durch das Wort consumiren nicht die Verzehrung eines Stoffs, sondern die eines Werthes ge— meint sey. Es ist leicht einzusehen, daß der Werth eben— sowenig im Stande ist, auch nur ein Atom von Materie zu vernichten, als ein solches aus Nichts zu schaffen. Dagegen steht es in unserer Macht, die Eigenschaft eines Stoffes, die ihm seinen Werth giebt, die ihn zum Reich— thume macht, ganz oder theilweise zu vernichten; diese Eigenschaft ist, wie wir wissen, seine Nützlichkeit, seine Tauglichkeit, unsern Zwecken zu dienen. Mit der Nützlich— keit eines Stoffes vernichten oder consumiren wir seinen Werth. Wenn wir Lebensmittel oder auch Kleider con— sumiren, so nehmen wir ihnen die Eigenschaft, die sie hatten, den Menschen zu nähren und zu kleiden, aber die Theilchen aus denen sie bestehen, vernichten oder zer— stören wir keineswegs. Wie Capitale mittelst der Industrie consumirt werden. Beobachten wir das Verfahren eines Industrie-Un— ternehmers, der ein Produkt erzielen will, so finden wir, daß solches in der Consumtion der zu verarbeitenden Ge— genstände, in der Consumtion der hiezu dienlichen Werk— zeuge, endlich in der Consumtion des Lohnes bestehe, der den Arbeitern bezahlt wird. Wir bemerken ferner, daß und der Verwendung der Capitale. 197 . soll an alle diese Consumtionen nur Vorschüsse sind, die durch . den Werth des zu erzielenden Produktes wieder ersetzt inn werden. Daß der Gegenstand, der der Bearbeitung unterliegt, „Lim consumirt werde, liegt am Tage. So sind, wenn ich ein rauf auf Ackerfeld ansäe, die hiezu erforderlichen Saamenkörner allerdings ein Produkt, das ich consumire, dessen Werth ne ich vernichte, und ich würde auch, wenn ich einige Tage demsel darauf die ausgestreuten Saamenkörner wieder ausgra— liht di ben und verkaufen wollte, keinen Heller daraus lösen. athes ge Ebenso habe ich dem Pflugknecht seine Dienste abgekauft, aubcbnr und solche consumirt, denn dieser Mensch konnte während Mait der Dauer meiner Saatzeit seine Arbeitsfähigkeit keinem shouffen. andern Zwecke widmen. Auf eine gleiche Weise habe ich st eines auch einen Theil von dem Werthe meines Pfluges und Reich⸗ meiner übrigen Geräthschaften consumirt. ö diese In der Manufaktur-Industrie werden auf gleiche „ eine Weise die erforderlichen Stoffe, Geräthschaften und Ar— Mtlich⸗ beiten consumirt. Der Zuckersieder consumirt außer dem seinen rohen Zucker, den er in seinen Kesseln verschmelzen läßt, der con⸗ eben so gut diese Kessel selbst, und das Resultat dieser die sie consumirten Werthe ist sodann ein neuer dritter Werth, „aber nämlich der, der in seinen Zuckerhüten liegt. der zer⸗ Wir können der Analogie zufolge auch in der Han-⸗ dels⸗-Industrie die Waaren, welche wir einkaufen, als den rohen Stoff betrachten, womit sich unsere Industrie zu⸗ umirt nächst befaßt; wir consumiren dabei die Arbeit unserer Ge— hülfen, und wenn wir Waaren verschicken, um dagegen je⸗Un⸗ andere zu erhalten, so sind die verschickten Waaren eben en wit, so gut consumirte Gegenstände, als die Saamenkorner, den Ge⸗ die wir der Erde anvertrauen; die Rückfracht aber ist Werk⸗ das Resultat dieser Consumtionen, und ein neues Pro— he, dei dükt, durch welches uns unsere Vorschüsse ersetzt werden. „ 198 Von der Natur Diese Consumtion ist eigentlich bloser Vorschuß. Das Capital nun ist bestimmt, diese Vorschüsse zu leisten. Es soll sich mehreremal hintereinander consumi— ren lassen, um stets wieder in einer neuen Gestalt zu er— stehen, und so soll es, wenn anders der sich immer gleich bleibende Werth des Capitals so geschickt angewendet wird, daß er immer wieder ganz herauskommt, und von Neuem zur Produktion verwendet werden kann, in's Unendliche fortgehen. Das Capital ist, um es kürzer auszudrücken, eine Summe von Werthen, welche zu Vor— schüssen für die Produktion bestimmt sind. Wenn ein solcher Werth nach seiner Consumtion nicht wieder ganz herauskommt, so ist ein Theil des Capitals verloren ge— gangen, und man sagt sodann, das Capital sey ange— griffen. Wenn dagegen der neuentstandene Werth den vorgeschossenen Werth übersteigt, so ist das Capital an— gewachsen. Der Unternehmer ist es, der eigentlich das Capital consumirt. Die reproduktive Consumtion eines Capitals muß nicht gerade immer durch seinen Eigenthümer, aber noth— wendigerweise jederzeit durch den Unternehmer geschehen; denn nur aus einem Industrie-Unternehmen kann ein neuer Werth erwachsen. Der Unternehmer ist es, der das Capital, es mag nun sein Eigenthum oder bloses Anlehen seyn, consumirt und reproducirt. Die Opera— tion(die in dem letztern Falle von dem Anlehner be— werkstelligt wird) ist nichts desto weniger ein zu Gunsten der Produktion gemachter und durch das Produkt wieder ersetzter Vorschuß. schuß. use zu nsumi⸗ zu er⸗ gleich ewendet und von u, ins kurht zu Vhi⸗ zenn ein der ganj oren ge⸗ ange⸗ th den tal au⸗ apital lE muß noth⸗ hehen; un ein 6, der bloses Opera⸗ ner he⸗ Gunsten wieder und der Verwendung der Capitale. 199 Ein Capital besteht nicht gerade in einer Summe Geldes. Damit eine Summe von Werthen ein Capital sey, ist es gar nicht nothig, daß sie aus Geldstücken bestehe. Man berechnet ein Capital in Geld, wie jeden andern Gegenstand, von dessen Werthe man sich einen Begriff machen will. Capitale sind jedoch schön alle diejenigen Werthe, die zu Vorschüssen für die Produktion bestimmt sind, und zu beliebiger Verfügung bereit liegen, d. h. solche Werthe, die sich ohne Verlust in Gegenstände um— schaffen lassen, deren man zu einer bestimmten Industrie— Unternehmung bedarf. Wenn z. B. ein Kaufmann sagt, er könne ein Capital von 100,000 Franken zu einem ge— wissen Unternehmen verwenden, so will dieß nicht allemal heißen, daß er 100,000 Franken in Geld besitze. Dieser Ausdruck soll blos den Betrag von der Totalsumme der Capitalwerthe, die er dem Unternehmen widmen kann, angeben; diese Capitalwerthe aber können nun in Renten⸗ scheinen, in Handels-Effekten, in Vorräthen von Kaffee oder in jeder andern Handelswaare bestehen, die man, so weit es zur Deckung der nöthigen Vorschüsse erforder— lich ist, zu Geld machen kann. Will man sodann den Betrag der in Umtrieb ge— brachten Capitale berechnen, so darf man nur die ver— schiedenen Artikel, in die es zu Betreibung des Unterneh— mens umgesetzt worden ist, anschlagen. Man sagt z. B. von einer Fabrik, so und so viel von ihren Capitalen be— steht in Gebäuden, so viel in Geräthschaften, so viel in rohen Stoffen, so viel in abgereichtem Arbeitslohn; ein weiterer Theil in fertigen noch unverkauften Fabrikaten, und endlich so und so viel in baarem Geld. Der Ge— sammtwerth aller dieser Sachen macht das Capital die— ser Fabrik aus. 200 Von der Natur Die Nützlichkeit derjenigen Dinge, aus denen das Capital besteht, wird wirklich consumirt. Man muß wohl bemerken, daß, obgleich der Werth des Capitals bleibt, die Produkte, aus denen es besteht, dennoch im strengsten Sinne des Wortes consumirt wer— den, da die zuvor in ihnen vorhanden gewesene Nützlich— keit vernichtet wird. Wenn das färbende Prinzip des Indigo in das blaue Tuch übergegängen ist, so ist der Indigo als Färbestoff, der einen Werth hat, in der That consumirt worden, da ihm durchaus kein Tauschwerth mehr geblieben ist. Nach diesen allgemeinen Betrachtungen über die Na— tur und den Dienst der Capitale wollen wir die Spuren der Capitalwerthe in den drei großen Industrie-Zweigen verfolgen, und sehen, wie dieser Werth sich selbst erhal— ten kann, während der Gegenstand, woran er eine Zeit— lang haftete, consumirt wird. Wir nehmen zuerst ein Beispiel aus der Landbau-Industrie. Wie sich der Capitalwerth in einem Landbau⸗ Unternehmen erhält. Ein Pächter besitzt ein Capital, womit er ein Landgut zu bebauen im Stande ist; einen Theil desselben verwen— det er auf Pferde, Kühe, Schafe, Ackergeräthschaften und Saatfrüchte. Die erkauften Gegenstände haben ihren voll⸗ kommenen Werth, er hat sie nach ihrem laufenden Preise bezahlt, und würde, wenn er sie im Augenblick wieder verkaufen wollte, nichts daran verlieren. Der Werth des Capitals hat also durch diesen Ankauf durchaus keine Veränderung erlitten; er hat sein Capital vorgeschossen, und dieser Vorschuß ist ihm in der Gestalt von Vieh, Saatfrüchten u. s. w. wieder hereingekommen. In dieser letzten Gestalt setzt er sein Capital in Thä— tigkeit; d. h. er spannt seine Pferde an, er läßt seine Hen daf . Verth heteht, ͤt wer⸗ Hip des Rist der r That schwenth die M⸗ Spuren weigen erhal⸗ ·Zeit⸗ kst ein hah⸗ andgut erwen⸗ ten und n voll⸗ Preise wieder Werth 5 keine hossen, Vieh, in Tha⸗ bt seile und der Verwendung der Capitale. 201 Schafe weiden, belegen, scheeren u. s. w. So kommt es, daß zwar allerdings ein gewisser Theil von dem al— ten Capitalstoffe, wie die alten Pferde und alten Schafe, am Ende des Jahres nicht mehr das werth sind, was sie zu Anfang desselben werth waren; aber wenn auch das Capital einerseits einen Abgang erlitten hat, so hat es dagegen andererseits wieder Zuwachs erhalten; die Heerde hat ihm neue Schafe geliefert; die Pferde haben mit ihrer Arbeit und ihrem Dünger das Wachsthum des Getreides befördert, und mit einem Theil von dem letz— tern ist gerade dieser Theil des Capitals selbst wieder ergänzt worden. Man ersieht hieraus, daß die Verwen⸗ dung des Capitals ein bloser Vorschuß gewesen ist, d. h. daß der Vorschuß in der wirklichen Consumtion, und das Wiedereinkommen in der Reproduktion des Werthes be— standen ist. Dasselbe gilt von den Ackergeräthschaften, von den Pflügen, Karren, Eggen und Walzen. Der Theil von diesen Werthen, der durch den Gebrauch Schaden gelit— ten hat, ist durch einen Theil von dem Werthe der Pro— dukte unterhalten worden, und wenn der Pachthof zweck— mäßig behandelt wurde, so darf sich am Ende des Jah— res an diesem Theile des Capitals keine Einbuße vor— finden. Die Abnutzung der Geräthschaften ist also eben— falls weiter nichts als ein gemachter Vorschuß. Einen ferneren Theil seines Capitals hat der Päch— ter zu Bezahlung seiner Taglöhner und zum Unterhalt seiner Familie verwendet; die Arbeit dieser Leute aber hat den Werth hervorgebracht, der in den Produkten liegt, und durch einen Theil von diesem Werthe ist auch jener Vorschuß wieder ersetzt worden. Bauten gehören ebenfalls zum Capitalwerthe. In dem hier gewählten Beispiele giebt es einen Theil des Capitals der noch langsamer consumirt wird, 202 Von der Natur als Ackergeräthschaften, der jedoch in den meisten Fällen nicht dem Pächter selbst gehört, sondern einen Theil von dem Capital des Eigenthümers ausmacht. Ich meine nämlich Verzäunungen, Kanäle zum wässern, Gebäude u. s. w. Ich behaupte, daß hier abermals ein Theil von dem Capital, und nicht von dem Grundstücke zur Produktion mitwirkt; denn diese Dinge sind nicht, wie die Felder, natürliche Werkzeuge, sondern Produkte, die sich der Eigenthümer zuvor durch den Austausch eines Capitalwerthes gegen Materialien, gegen Arbeit von Maurern und Zimmerleuten u. s. w. erworben hat. Aus diesem Austausche sind sodann Ställe, Scheunen, mit Einem Worte, Produkte, und zwar consumtible Produkte entstanden; ich sage, consumtible Produkte, denn gesetzt, man verwendete nichts auf ihre Unterhaltung, so würden nach Verfluß einiger Jahre oder doch nach einem Jahr— hundert alle diese Sachen keinen Werth mehr haben, und der Grund, auf dem sie stehen, würde nicht weiter werth seyn, als er schon vor Herstellung derselben werth war. Er wäre weiter nichts als ein Brachland, worauf man, um es ertragsfähig zu machen, wieder frische Capitale verwenden müßte. ö Ein Theil derselben wird jährlich consumirt. Von diesem Capitalwerthe wird alle Jahre nur ein geringer Theil consumirt. Ohne den Schaden, den er durch Abnutzung erleidet, würde er zu Ende des Jahres so beträchtlich seyn, als zu Anfang desselben. Aber ge— rade diese Verwendung vervielfacht auch die Produkte, und liefert die Mittel zu Bestreitung der Ausbesserun—⸗ gen, wodurch das stehende Capital des Pachtgutes im— mer bei seinem vollständigen Werthe erhalten wird*). ) Da derjenige Theil eines zu einem Landbau-Unternehmen verwendeten Capitals der in Gebänden u. s. w. besteht, in N gallen heil von meine Rbäude u Heil icke zur ht, wie ikte, die eines eit ven at. Aus en, mit Modukte geseht wurden Jhr⸗ u, und werth th war. f man, Wpital ki. ur ein den el Jahres her ge⸗ odukte, oserun⸗ es im⸗ ud H. ernehmnen esteht /K und der Verwendung der Capitale. 205 Es erhellt hieraus wiederum, daß der consumirte Theil nur ein Vorschuß ist, der durch den Werth der Produkte wieder ersetzt wird. Das Bisherige soll nur beweisen, daß, wer ein Ca— pital in einem Landbau-Unternehmen anlegt, hiedurch ei⸗ nen gewissen Werth zu einem Vorschuß verwendet, der sich im Verlauf der produktiven Operation zwar consu⸗ mirt, jedoch durch das Produkt eben 221 Operation wieder zurückbezahlt. Wie 4—00 ein Capitalwerth in dem Betrieb einer Fabrik erhält. Betrachten wir das Verfahren eines Fabrikanten bei Verwendung seines Capitals, so werden wir ähnliche Er— scheinungen wahrnehmen. Um eine Baumwollen-Spinnerei zu betreiben, muß man Gebäude und hydräulische Werke aufführen. Man vertauscht den Capitalwerth gegen diese Bauwerke, wel— che Produkte des menschlichen Kunstfleißes sind; die zähr— liche Consumtion von diesem Theile des Capitals kommt der Verringerung und dem Verluste gleich, den der Werth dieser Bauwerke alle Jahre erleidet. Dadurch, daß man— die jährlichen Ausbesserungen mit den jährlichen Produk— ten bestreitet, wird das, was von dem Capital auf diese Art consumirt wurde, wieder ergänzt. Ein anderer Theil des Capitals wird auf Maschi— nen zum Zubereiten und Spinnen der Baumwolle ver— wendet, und im Verlaufe des Jahres ebenfalls theilweise der Regel dem Grundeigenthümer gehört, so hat auch dieser für die Unterhaltung dieses Capitalwerthes durch jährliche Ausbesserung zu sorgen. Da jedoch die Gebäude u. s. w die jährlichen Produktionen des Pächters vermehren, und seinen Pachtzins erhöhen helfen, so sind es immer die jähr— lichen Produktionen, welche diesen Theil des Capitals un— terhalten. ——— IIIIFeFe??:T.T:T:T:'C!CłRITF T—ꝓVC— 204 Von der Natur consumirt; dieser consumirte Theil muß sich(wenn an⸗ ders das Capital keinen Schaden leiden, d. h. nicht ge— schwächt werden soll,) durch einen Theil des produzirten Werthes ersetzen. Also auch in diesem Falle wird ein Werth consumirt und reproduzirt, vorgeschossen und wie— der ersetzt. Der Fabrikant kauft seine Baumwolle roh; durch die Bearbeitung consumirt er sie, d. h. wenn er im Verlaufe der verschiedenen Vorarbeitungen, die er mit ihr vor⸗ nimmt, auch nicht gerade ihr ganzes Wesen ändert,‚ so versetzt er sie wenigstens in. einen Zustand, in welchem sie nicht mehr Handelsartikel, oder nicht mehr verkäuflich ist; aber gleich dem Waizen, der zur Saat verwendet wurde, erscheint diese Baumwolle kurz darauf wieder als Garn, und jetzt ist sie wieder eine Waare, ein Produkt, das einen laufenden Preis hat, und den auf seine Pro— duktion verwendeten Capitalwerth wieder ersetzen kann. Die Mühe der Arbeiter, der Meistergesellen, der Commis des Fabrikanten werden, wie oben die Produk— iv⸗Dienste der Pächtersknechte consumirt, und diese Vor⸗ schüsse müssen sich mit einem Theile von dem Werth der geschaffenen Produkte wieder bezahlen. Man sieht also, die Verwendung des Capitals ist immer der Ankauf ei— nes zu consumirenden Werthes, der uns durch sein Pro— dukt wieder ersetzt wird. Wenn das Produkt zu Heimbezählung aller Vor— schüsse nicht hinreicht, so ist dieß ein Beweis, daß ein Theil des Capitals, statt auf eine produktive, auf eine unproduktive Weise consumirt worden ist. So müssen sich die Capitale in den Händen der In⸗ dustrie sowohl bei größern als bei kleinern Unternehmun⸗ gen auf tausendfache Weise umgestalten und herumwer— fen lassen. Hievon finden wir zunächst um uns her Bei— spiele genug. * und der Verwendung der Capitale. 205 benn ah⸗ Capital eines Gastgebers. nicht ge Ich sehe einen Gastgeber mit einer Ladung von Ge— duziten müße, Butter und Fischen von dem Marktplatze herkom-⸗ dind ein men. Er hat einen Theil seines Capitals in alle diese ind wie⸗ Produkte umgesetzt, und ist im Begriff, diese wieder in alle möglichen Arten von Gerüchten zu verwandeln; einen durch die andern Theil seines Capitals verwendet er auf die Be— Verlaufe zahlung seiner Köche, die Arbeiter in seiner Fabrik. Durch ihr hor⸗ Vertauschung dieser Gerüchte gegen das Geld seiner Kun— dert, s den kommen ihm diese verschiedenen Theile seines Capi⸗ welchem tals wieder mit Gewinn zurück. Diesen Erlös aber ver— mkuusich wandelt er den andern Tag abermals in Mundvorrath— ewendet und so geht es an Einem fort. oder alẽ Verwendung eines Capitals zu einer Handels⸗ robukt, Unternehmung. Iu⸗ Werfen wir unsere Blicke weiter in die Ferne, so se— unn. hen wir die Capitale unter tausend Gestalten die Welt , N. durchlaufen; als Modewaaren, als Kleiderstoffe, als Bü— hrdit cher kommen sie nach Amerika, und von da als roher I Zucker wieder zu uns zurück; als Zuckerhüte schicken wir ih de sie sodann in die Schweiz, von wo sie als Käse und alse Uhrwerke abermals nach Frankreich kommen. uf e⸗ Die in's Ausland verschickten Waaren können wir als II reproduktiv consumirt, und die Rückfracht als neue Pro—⸗ * 0 2— 2 dukte betrachten, die uns unsern Vorschuß wieder er— setzt haben. Der Werth des Capitals ist immer noch h derselbe, und wir können ihn auf's Neue entweder auf . u eine ähnliche oder auf eine andere Weise, z. B. auf Ur-⸗ 2377 barmachung von Grund und Boden, oder auf Erbauung e von Häusern u. s. w. verwenden. m Ein Capital ist wohl an eine Person, nicht aber an ein Land gebunden. miin Man ersieht aus dem Bisherigen, daß ein Capital, her Bel das einem Franzosen angehört, in der ganzen Welt her— 206 Von der Natur umkommen kann, ohne deshalb aufzuhdren, ein französisches Capital zu seyn. Selbst wenn es sich für längere Zeit im Auslande befindet, ist es, so lange sein Eigenthümer Frankreich angehört, nichts desto weniger immer noch ein französisches Capital. Denn warum sollte man nicht an— nehmen können, ein Handelsmann, der Verschickungen nach Amerika gemacht hat, lasse seine Rückfracht nach London adressiren, und sein dortiger Correspondent sey beauf— tragt, ihren Betrag in den englischen Fonds anzulegen. Dieser Reichthum wird in diesem Fall noch kein Theil des englischen Reichthums; er bleibt nach wie vor ein französisches Capital, ein Capital, von dem Frankreich ein Interesse bezieht, und dessen Hauptsumme der Eigen— thümer nach Belieben wieder an sich ziehen kann. Warum nur eine Geldsumme als ein Capital gilt. Wie kommt es aber, daß man trotz der verschiede— nen Gestalten, welche die Capitale annehmen, trotz der Wanderungen, denen sie ausgesetzt sind, die Gewohnheit nicht aufgeben will, nur eine Geldsumme für ein Capi— tal, und nur das Geld, das ein Land besitzt, als seine Capitale anzusehen? Der Grund hievon liegt ohne Zwei— fel darin, daß ein jeder, der eine Spekulation unterneh— men will, mittelst einer Art von Tausch, die man im gemeinen Leben Verkauf nennt, seine disponible Ca-— pitalwerthe zuvor in Geld umzusetzen pflegt, weil man mit einem solchen Capital in barem Geld, die weitere Verwandlungen, oder, wenn man will, Ankäufe, die zu dem Unternehmen gehören, am leichtesten bewerkstelli— gen kann. Dieß beweist, daß man einem zur Verwendung be— stimmten Capitalwerthe jedesmal zuvor diejenige Gestalt gibt, die zu Erreichung eines vorgesetzten Zweckes die dienlichste ist. Will man Ankäufe machen, so verwan— und der Verwendung der Capitale. 207 n delt man sein Capital in klingende Münze; hat man ö Tin Spekulationen oder Verschickungen vor, so setzt man es 60 uthüner in Handelswaaren, in Ausfuhrartikel um. Will man doch ein eine Fabrik errichten, so macht man Gebäude daraus. iiht an⸗ Das Capital bleibt unter allen diesen verschiedenen For— Hen uach men nicht mehr und nicht weniger Capital; der Werth Vyden aller dieser Sachen ist es, der, wenn er anders nicht zu beanf einer fruchtlosen Consumtion bestimmt ist, das Capital dhulehn, ausmacht. Die Gestalt, unter welcher der Capitalwerth in Del erscheint, thut, vorausgesetzt daß dieser selbst sich fort— 17 bor ei während gleich bleibt, nichts zur Sache. tankreich Eihen Unterschied zwischen dem Capital und dem Gelde eines Landes. Die Capitale eines Landes bestehen also nicht allein . U gilt. in der darin befindlichen Summe Geldes. Nur diejeni— schide⸗ gen Summen gehören zu den Capitalen eines Landes, uoh det die zum Ankaufe von Dingen aufgehoben werden, welche vohsheit zu reproduktiven Consumtionen bestimmt sind, denn in n Cipi diesem Falle kann der Werth des Geldes nicht verschwin— 15 seil den, sondern bloß eine verschiedene Gestalt annehmen. Zvei⸗ Diejenigen Summen aber, welche wir als Gewinn oder lemeh⸗ als Einkommen beziehen, und zu Befriedigung der Be— un i dürfnisse unserer Familien bestimmen, können durchaus ble Ei⸗ nicht zu einem Capital gerechnet werden. Wenn in Frank— reich zwei Milliarden in baarem Gelde vorhanden sind, il man ö—0 17 weitete und die Hälfte davon gewöhnlich auf Unterhaltung der de Familen verwendet wird„so gehört von dem baaren Gelde alselk in Frankreich nur eine Milliarde zu seinen Capitalen. Schwierigkeit der Schätzung der Capitale. 50 0 Frankreich besitzt aber außer dem Capitale, die in noch Wit ganz andern Werthen als den seines baaren Geldes be— Hes d stehen. Um zu erfähren wie hoch sich solche belaufen, verwas⸗ —22—————.—— EFEEeEE?E-——————— 208 Von der Natur müßte man alle diejenigen, welche sich mit Industrie⸗ Unternehmungen befassen, von dem Rheder, der mit sei— nen Schiffen die See befährt, abwärts bis zu dem klein⸗ sten Nadelfabrikanten befragen, um sich von einem jeden den Betrag des Capitals, womit er seine Unternehmung betreibt, angeben zu lassen. Wenn man alle diese Summen zusammenzählt, so würde das Faeit die Summe der französischen Capitale enthalten. Ich muß jedoch gestehen, daß ich bis jetzt noch kein statistisches Werk gefunden habe, in welchem die Capitalsumme eines Landes auf eine auch nur approxi⸗ mative Weise angegeben wäre. Es entstehen alle Jahre neue Werthe neben der ö Wiedererzeugung der Capitale. Man kann hier einwenden: wenn die Produktion, die Erzeugung neuer Werthe bloß dazu dient, den durch die Verwendung eines Capitals gemachten Vorschuß wie— der zu ersetzen, so sollte man meinen, daß es nie eine neue Produktion gebe. Der Capitalwerth war schon vor dem Beginnen einer Industrie-Operation vorhanden. Da die Operation in der Vernichtung und Wiederherstellung desselben besteht, so läßt sie eigentlich Alles in dem Zu⸗ stande, in dem es vorher war. Sie ersetzt einen Werth durch einen andern, ohne einen Ueberschuß von Werth unter die Gesellschaft zu bringen. Diese Schwierigkeit hat nicht wenige Oekonomisten in Verlegenheit gesetzt, weil solche nicht genugsam be— merkt haben, daß im Verlaufe des Jahres, worin ein Industrie-Unternehmer sein Capital wieder so hoch ge— bracht hat, als es im Anfang des Jahres stand, alle die Personen, welche zu der Produktion mitgewirkt, auch ih— ren Lebensunterhalt gefunden haben. Sie haben also außer dem Capitalwerth, noch den Werth von Allem hers wis⸗ stet, der dur beit drüͤ wirt Entt Font Cop erhal von der! nahm — S6 und der Verwendung der Capitale. 209 — dem, was sie zu ihrer Unterhaltung consumirt haben, lle hute e ů ö ö ö png Eine strenge Analyse zeigt, daß nicht die Prodnktio⸗ Hünt Fonds, sondern einzig die Dienste, die sie leisten, zum Behuf der Produktion consumirt werden. Es ist klar, daß ein Grundstück selbst nicht consumirt wird, denn ein Feld Sun hat zu Ende des Jähres denselben Werth wie zu Anfang 1 desselben. Ebensowenig consumirt sich der Industrie⸗Fonds, b 10 denn ein Arbeiter hat nach Vollendung einer Arbeit noch lbendi dieselbe Arbeitsfähigkeit wie beim Beginnen derselben*). Ippinn Der Capitalfonds selbst hat sich ebenfalls erhalten; denn wir haben gesehen, daß der Capitalwerth bei allen Ver⸗ dey or wandlungen die er durchgeht, fortwährend derselbe bleibt. Was in Wahrheit consumirt wird, ist der durch diese ö verschiedenen Fonds geleistete Dienst. Denn man muß dulio zwischen dem Fonds selbst, und den Diensten die er lei— duch stet, genau unterscheiden. Der Dienst des Länderei-Fonds, uh uit⸗ der durch den Pachtzins, der Dienst eines Capitals, der me ent durch den Zins aus diesem Capital, und endlich den Ar⸗ schen vn beit der Handwerker, die durch ihren Arbeitslohn ausge— den, Di drückt wird, ist es, was bei der Produktion consumirt Istellurg wird. Doch sind diese verschiedenen Dienste nicht ohne dem Zu⸗ Entgeltung consumirt worden. Der Eigenthüumer eines Verth Fonds hat für den Dienst, den seine Grundstücke, seine u Wait Capitale, oder seine Arme geleistet haben, einen Werth erhalten. Dieset Werth ist neu producirt, und wieder uomisin von den Producenten consumirt worden. Nur der Werth sam h der Produktiv⸗Dienste wird wirklich consumirt, mit Aus⸗ vorin ei nahme desjenigen Theils, der zu den Capitalen der Ge— — 60*) Zu Vereinfachung der Sache, stelle ich die Abnahme der 6 Kräfte, welche eine Folge des Alters ist, außer Frage. Man auch muß annehmen, man verkaufe seine Arbeit um eine Leib— hben at rente, die uns für die stufenweise Kräftenabnahme ent⸗ on Mlen schädigt. Say prakt. National⸗Oekonomie I. 14 —— 963 ä9SSDSDPꝗFꝗ.——ß—X— 8888 22 — 210 Von der Natur sellschaft geschlagen wird. Die Gesellschaft verkauft alle Jahre den Dienst ihrer Produktiv-Fonds, und lebt von dem Einkommen, das sie daraus bezieht. Wenn sie au⸗ ßer dem Ertrage der Fonds, noch einen Theil von den Fonds selbst, aufgehen läßt, so wird sie ärmer; wenn sie aber im Gegentheile diesen vermehrt, so wird sie reicher. Wenn ein Unternehmer statt unmittelbarer Dienste rohe Stoffe so viel erkauft, so ist dieß gerade als ob er sich die Produktiv-Dienste, die Arbeiten erkaufte, deren Resultat der Werth der rohen Stoffe ist. Die reproduk⸗ tive Verwendung eines Capitals mag nun bestehen wo⸗ rin sie will, es werden dadurch immer zum Behuf einer Produktion entweder alte oder neue Produktiv-Dienste erkauft. Auf diese Weise kann die Erstattung des Capitals und die Bezahlung sämmtlicher Producenten für ihre Dienste zu gleicher Zeit statt finden“). Die fingirten Capitale können nicht zur Produktion mitwirken. Unter die wichtigen Wahrheiten, die aus der Natur der Capitale und ihrer Verrichtungen sich ergeben, gehört auch diese, daß die Produktiv-Capitale nicht in fingirten und Conventions-Werthen, sondern bloß in reellen und inneren Werthen bestehen, die von den Besitzern zur Pro— duktion bestimmt werden. Produktiv-Dienste lassen sich in der That nur mit materiellen Gegenständen, die einen inneren Werth haben, erkaufen; und nur solche Werthe, *) Die Analyse, welche die verschiedenen Produktiv⸗Fonds von einander, und ferner den Werth eines jeden Fonds von dem Werth, den er leisten kann, genau unterscheidet, scheint mir in der National-Oekonomie eine höchst wichtige Be— deutung zu haben; ohne dieselbe stoßt man auf viele unauf⸗ lösbare Probleme. DMer...—j 2 kkauft y d lebt n enn sse gr il von du enn f. sie niche er Dienst Sobersth te, derey reproduk stehen wy ehuf einn tib⸗Dienst Gapitals für ihre oduktinn der Naint en, gehht fingirten ellen und 1 zur Prr⸗ laswen sic „die eing Wenss, Nktib⸗Foth. Fonds u eͤdtt, shhh vichtize v ditle unas und der Verwendung der Capitale. 211 welche materiellen Gegenständen einverleibt sind, lassen sich als Capitale aufsammeln und an eine dritte Person übermachen*). Wenn man z. B. ein Capital ausleiht, oder Pro— duktiv-Dienste mit Wechseln bezahlt, so sind diese Wech— sel das stellvertretende Zeichen, von materiellen Gegen— ständen, welche dem Ausleiher angehören. Er tritt mit diesen Wechseln zugleich auch sein Recht auf den Besitz dieser materiellen Gegenstände ab. So sieht man Leute mit Tratten und Papieren, die gar kein Eigenthum vorstellen, Geschäfte machen, indem sie dieselben bei Annäherung der Verfallzeit von neuem ausstellen. Jemand muß jedoch diese Effekten diskonti⸗ ren, und dieß ist alsdann der Capitalist, der die effekti— ven Werthe vorschießt, welche in Geld oder in Handels— waaren bestehen können. Der Fabrikant, welcher rohe Stoffe auf Credit aus⸗ nimmt, entlehnt von seinem Verkäufer den Werth dieser Waaren für die ganze Zeit, die ihm jener creditirt, und diesen geliehenen Werth erhält er in Handelswaaren, die in materiellen Werthen bestehen. Die Capitale werden durch den Credit nicht ver⸗ vielfältigt. Wenn nun zu Ausleihung oder Aufborgung eines Capitals immer effektive und materielle Werthe gehdren, was soll alsdann aus der Maxime werden, daß der Cre— dit die Capitale vervielfache? Ich kann zwar mittelst meines Credits einen bei einem Capitalisten niedergelegten *) Es gibt Capitale die an keiner materiellen Substanz haften, wie z. Bs die Klientschaft eines Notars oder eines Handels— Unternehmers; aber dieses Capital ist ein sehr reeller Werth, und nicht ein bloßes Zeichen, das, wie Einige behaupten, wirkliche Capitale ersetzen kann. 7. 14* 212 Von der Natur materiellen Werth zu meiner Verfügung stellen, übrigens muß der Capitalist, sobald er mir solchen leiht, sich selbst desselben berauben, denn derselbe Werth kann in dersel⸗ ben Zeit nur Einmal dienen. Derjenige, der diesen Werth verwendet, der ihn zum Behuf einer Produktiv-Operation consumirt, verhindert jeden andern Unternehmer, solchen auf die seinige zu verwenden. Die Industrie⸗Fähigkeiten sind Capitale. Die Industrie-Fähigkeiten, die erworbenen Talente, die man als Capitale betrachten kann, aus denen man durch Benützung seines Talentes die Interessen bezieht, sind, insofern sie zu einer sichtbaren Person gehören, an materielle Wesen gebunden; aber man kann, weil man seine Person nicht verkaufen und desinitiv abtreten kann, solche auf keinen andern übertragen; man kann seine Person bloß herleihen; sie bildet also denjenigen Fonds, den ich den Fonds der Industrie-Fähigkeiten genannt habe, der ein Einkommen gewährt, jedoch un— veräußerlich ist. Klientschaften sind Capitale. Die einzigen immateriellen Capitale, die ich kenne, sind die Klientschaften oder die Kundschaft eines Ma— gazins, eines Lesekabinets oder eines Journals; ein Ca— pital der Art läßt sich auf längere Zeit veräußern, ja sogar verkaufen. Derjenige, der es jedoch verkäuft oder ausleiht, kann es ebenfalls nicht an mehrere Per— sonen zumal verkaufen oder verleihen. Ein Capital kann also auf keinen Fall mehreren Personen zumal dienen; sobald Einer davon Gebrauch macht, so kann dieß zu gleicher Zeit kein anderer mehr thun. Man kann es dem Einen nur mit Ausschluß aller Uebrigen leihen; es folgt hieraus, daß der Credit, die Möglichkeit zu leihen und zu entlehnen, die Capitale nicht vervielfältigen kann. X XX———::—u—:— und der Verwendung der Capitale. 215 brigen 400 Von den Vortheilen des Credits. auen Aber welche Vortheile gewährt nun der Credit? Fol⸗ in Wen gende.— Er macht, daß derjenige, der selbst kein Capi⸗ Suntn tal besitzt, über die Capitale desjenigen, der solche nicht „ Iuhn in eigener Person umtreiben kann oder will, verfügen ö kann, und die Capitalwerthe nicht unbenützt liegen blei— ben. Wenn z. B. ein Tuchfabrikant einem Tuchhändler itale seine Tücher nicht auf Credit verkaufte, so würden seine NAala, Waaren in der Fabrik liegen bleiben. Das dem Kauf⸗ denen no mann geschenkte Zutrauen bringt dieselben um so bälder en begth in die Hände der Consumenten. Wenn ein Materialist dem Färber keine Waaren auf Credit gäbe, und der Fär⸗ chͤren, zy ö ber auch nicht auf Credit für den Zeugfabrikanten fär⸗ 40 a0 ben wollte, so müßte dieser aus Mangel an Vorschüssen uum seine seine Fabrik vielleicht so lange stille stehen lassen, bis er n zunds, seine ersten Fabrikate an den Mann gebracht hätte; die gkriten Folge hievon wäre, daß derjenige Theil seines Capitals, Rah mr der in halbfertigen Waaren, in Werkstühlen und Werk— stätten besteht, entweder ganz oder doch zum Theil feiern müßte. Der Credit verhindert also in diesem Falle den Zeitverlust; indessen sieht man, daß er hier in einem ich kenne, Vorschusse von Stoffen besteht, die bis auf den Augen—⸗ ines Ma⸗ blick, wo sie sich durch Geld wieder bezahlen, mate— Rein Ca⸗ riell bleiben. Es ist also hier keine Vervielfältigung der heräußer Capitale, sondern blos eine unausgesetzte Verwendung verkauf der schon vorhandenen Capitale. hrere N. Die besten Geschäfte machen sich bei baarer pital kan Bezahlung. al dienen Nur unter dieser Beziehung kann man sagen, daß un dieß/ die allgemeine Verbreitung des Credits für die Gesell⸗ kann 46 schaft eine wünschenswerthe Sache, ein Glück seye. In⸗ leihen;“ dessen gibt es noch einen günstigeren Stand der Dinge, zu loln nämlich denjenigen, wo Niemand des Credits bedarf, wo ligen k Jedermann in seinem Gewerb so viel Capitale gesam— 214 Von der Natur melt hat, daß er die zu demselben erforderlichen Vor— schüsse, ohne zu borgen, bestreiten kann. Ich sage darum, daß dieser Stand der Dinge im Allgemeinen der beste sey, weil die Nothwendigkeit Anlehen zu machen, und sich einen Termin setzen zu lassen, für diejenigen, welche hiezu ihre Zuflucht nehmen müssen, immer etwas mißli— sches ist; weil sie bei der Industrie zwar die Geschäfte, nicht aber zugleich die Produkte vermehrt; weil sie Opfer erfordert, welche auch die Produktions-Kosten vermehren, indem sie die Capitalisten unverdienten Verlusten aussetzen, und den Zinsfuß in die Höhe treiben. So setzt uns eine genaue Darstellung der Natur der Dinge in den Stand, die grundlosen Meinungen des gro— ßen Haufens zu beurtheilen, und sowohl diejenigen Vor— theile, auf welche man Anspruch machen kann, als auch diejenigen, auf welche man sich keine Rechnung machen darf, gehörig zu würdigen. Dasselbe Capital kann zu mehreren aufeinander folgenden Operationen dienen. Die zum Behuf einer Produktion gemachten Vor— schüsse lassen sich, sobald sie durch den Verkauf des dar⸗ aus entstandenen Produktes wieder ersetzt sind, aufs Neue verwenden, so daß ein und dasselbe Capital öfters in einem Jahre zu mehreren Produktionen dient. Ein Bäcker kann z. B. das Mehl, woraus er sein Brod backt, und das Holz, womit er seinen Backofen heizt, eben so gut Tag für Tag einkaufen, als er Tag für Tag sein Brod verkauft. Er hat also diesen Theil seines Capi— tals 365mal vorgeschossen, und eben so oft ist ihm das— selbe wieder ersetzt worden. Der Zuckersieder braucht, um seinen rohen Zucker in Zuckerhüte zu verwandeln, ungefähr zwei Monate. Er muß also zu Ergänzung sei— ner produktiven Operation seine rohen Stoffe und übri⸗ + chen an ge darmm, der best chen, u n, Mlche das mißl. Heschift, lsie fr bermehreh, aussetzy Miur du udes gro⸗ 9en Vor⸗ als auch machen igander V ten Vol⸗ des dal⸗ d, aufs al örters nt. Ein od backt, „eben si Tag sei es Cabi ihm das⸗ braucht, wandeh, ung fl und ihl und der Verweudung der Capitale. 215 gen Kosten wenigstens auf zwei Monate vorschießen; kann er seinen Zucker erst einen Monat darauf verkau⸗ fen, oder wenigstens erst dann das Geld dafür erhalten, so wird sein Kapital von jeder Operation drei Monate lang in Anspruch genommen, und er kann solche also mit dem nämlichen Capitale jährlich viermal vornehmen. Ich will hiemit nicht sagen, daß er jährlich nur vier solche Operationen machen könne. Er braucht, wenn er Capitale, Werkstätten, Geräthschaften und Arbeiter genug hat, um eine neue Operation zu beginnen, die Beendi⸗ gung einer vorher angefangenen nicht abzuwarten. Er kann alle Tage eine neue beginnen, welche auf vier Monate berechnet ist. Ich sage blos so viel, daß er mit demselben Kapitale jährlich nicht weiter als viere vor⸗ nehmen könne, daß er um deren acht vorzunehmen, einen doppelten, zu zwölf einen dreifachen, und zu noch meh— reren einen in diesem Verhältnisse steigenden Capital— werth besitzen müsse. Es giebt Produktiv-Operationen, wie z. B. die Ger⸗ berei, die das umlaufende Capital über ein Jahr fest halten. Eben so verhält es sich mit mehreren Handels— Spekulationen, namentlich mit solchen, welche auf ent— fernte Länder berechnet sind. Was man realisiren heißt. Wenn ein Capitalist seine Fonds, nachdem er solche unter allen nur möglichen Gestalten zur Produktion ver— wendet hat, am Ende durch Verkäufe in Geld verwan— delt, so heißt das realisiren, als ob ein in baarem Gelde bestehender Werth mehr reell wäre, als ein ande⸗ rer, der in irgend einer gangbaren und leicht verkäufli⸗ chen Waare besteht, und als ob derselbe Capitalist, soll⸗ ten ihm diese Fonds auch gar keinen Ertrag mehr ab⸗ —————— —*—— 2—2—— E:se.:..——.— 216 Eintheilung der Capitale. werfen, nicht selbst wünschen müßte, dieselben von Neuem wieder in Gewinn bringende Dinge zu verwandeln. Eiiksire s Kapite l. Eintheilung der Capitale. Obgleich die verschiedenen Formen, die ein Capital in Beziehung auf die Produktion annehmen kann, viele Aehalichkeit mit einander haben, so will ich solche den— noch in drei Klassen eintheilen. Ich muß indessen noch— mals wiederholen, daß die Natur selbst keine Klassen macht, sondern, daß nur wir zum Behuf unserer Stu— dien dergleichen machen. Man wird jedoch in der Folge sehen, wie sehr eine Unterscheidung der Capitale in Be-⸗ zug auf ihre Verwendung zu Erklärung des mehr oder minder beträchtlichen Gewinns, welchen solche abwerfen, behülflich ist. Die Capitale lassen sich also in Bezug auf ihre Ver— wendung in stehende und in umlaufende Capitale, und ferner in solche, die eine Nützlichkeit oder eine An— nehmlichkeit er zeugen, abtheilen. Was unter stehenden Capitalen zu verstehen ist. Ein stehendes Capital ist ein solches, dessen Werth in den Werkzeugen liegt, die stets unter derselben Gestalt zur Produktion verwendet werden. Ich erkläre mich fol— gendermaßen: Ein Gebäude, das zu einer Werkstätte dient, hilft zu der Produktion fortwährend unter der Gestalt einer Werk— stätte. Ebenso befördert eine Maschine dieselbe immer ——— Eintheilung der Capitale. 217 Knt auf gleiche Weise und unter derselben Gestalt. Ein Ge— bäude sowohl als eine Maschine werden ausgebessert; man erneuert solche um sie bei ihrem Werthe zu erhal— ten, indessen bleiben ihre Funktionen dieselben. Dies nenne ich ein stehendes oder gebundenes Capital. Ich Karee sage ein gebundenes, weil man es nicht wohl, ohne es Eapin großen Theils einzubüßen, auf eine andere Weise ver— wenden kann. Es muß, wenn es auch einem andern zu 10 Theil wird, immer zu derselben Produktionsart dienen. en noch⸗ ne Klasen Verringerung dieses Capitals. seter Eth⸗ Gebäude, Geräthschaften und Maschinen sind, wenn det Folge man sie auch im besten Stand erhält, selbst wenn man le in Be⸗ sie gar nicht gebraucht, nach Ablauf von einigen Jah— neht oder ren nicht mehr das werth, was sie gekostet haben. Eine bwerfen, Maschine hat für niemand denselben Werth als für den— ö jenigen, der sie verfertigen ließ. Die Kosten, die man ihie Vet⸗ verwendet hat, um sie an Ort und Stelle zu bringen, gehen, wenn man sie verkaufen muß, immer verloren. Gebundene Capitale müssen also nothwendigerweise im— mer abnehmen, und man soll deßwegen in einem Inven— tar Maschinen und Werkzeuge gleich allen andern Haus— geräthschaften niemals so hoch anschlagen, als man sie ine An⸗ neu bezahlt hat. Ich kenne Fabriken, wo man bei der jährlichen Inventur das stehende Capital blos um vier Fünftel von dem anschlägt, was es im Jahre zuvor werth chet is gewesen, so daß man es als eine Einbuse ansieht, wenn G Weil der Ertrag nicht alle Jahre neben den übrigen Produk— GGesal tions⸗Kosten ein Fünftel des auf die Maschinen verwen— nih fel deten Werthes ersetzt, indem man annimmt, daß dieses Fünftel bei den jährlichen Operationen consumirt, einge— büßt worden sey. Diese Einbuße mag etwas zu hoch llft ö ö ö ö inn angeschlagen seyn, und namentlich bei gewissen Unter— th nehmungen, wo das gebundene Capital nur wenig ver— eimm —.———...:————.. 218 Eintheilung der Capitale. liert, und seiner Bestimmung niemals entzogen werden kann. Allein ein Inventar ist nur eine fingirte Abrech— nung, mittelst welcher ein Kaufmann sich über den. Stand seiner Geschäfte belehren will, und es ist dann, im Fall einer wirklichen Abrechnung doch besser, sich über seine Erwartung reich zu finden, als wenn man sich über seine Erwartung arm findet. Eine veränderte Bestimmung wird den stehenden Capitalen nachtheilig. Weit größeren Schaden erleidet ein Capital durch eine Veränderung seiner ursprünglichen Bestimmung. Wenn man aus einer Oehlmühle eine Mehlmühle machen will, so gehen bei dieser Veränderung Materialien zu Grunde, oder es wird wenigstens der Erlös aus densel— ben weder ihrem Ankaufspreise, noch den Diensten, die sie früher leisten konnten, gleich kommen; es geht Arbeit verloren, diejenige nehmlich, die nöthig ist, um diese Ver— änderung zu bewerkstelligen. So wurde unter Bonaparte, als man die Baumwollenspinner zwingen wollte, ihre Maschinen zum Leinegarnspinnen zuzurichten, das in diesen Maschinen angelegte Capital vielleicht auf die Hälfte seines Werthes herabgesetzt. Sie verwendeten zwar zu den neuen Werkstühlen die Materialien von den alten, ersparten jedoch hiemit vielleicht kaum die Hälfte von dem, was ihnen ganz neue gekostet haben würden. Es entstanden bei dieser Veranlassung noch andere Verluste, und zwar aus der Veränderung alter Gewohnheiten, aus der Unfähig— keit der Arbeiter zu dem neuen Geschäft, aus der Schwie— rigkeit, neue Absatzwege zu finden ꝛc. ) Ein Ort kann für eine Baumwollenspinnerei sehr gut ge— wählt seyn, ohne sich deßhalb für eine Leinegarnspinnerei zu eignen; indessen bekümmert sich eine willkührliche und lei— denschaftliche Regierung wenig um dergleichen ökonomische Betrachtungen. gen werdy ite Abuz denSin u, im gl ber sine ber sihe tehendn bital durh estimmun ihle mache riallen z us densel nsten, die eht Abeit diese Ver⸗ onaparte, ollte, ihte as in diesen lte seinel den neuen rten sedoch as ihnen anden bei zwar au' Schwie⸗ sehr gut ge⸗ spinnerei 6 iche und leh ökdnomie Eiutheilung der Capitale. 219 Stehende Capitale, welche zu dem sichersten Besitz⸗ thum eines Landes gehören. Der Werth der Meliorationen, der Bauten und der Umzäunungen auf einem Grundstücke ist auch ein gebun— denes Capital. Ein solches gehört zu dem sichersten Be— sitzthum eines Landes. Ein Handelsmann kann sein Ca— pital mit leichter Mühe mit sich ins Ausland nehmen; er braucht zu diesem Zwecke blos Waaren einzukaufen und mitzunehmen, deren Ausfuhr nicht verboten ist. Aber in dem Urbarmachen, in der Entwässerung eines größeren oder kleineren Feldes, liegt ein bleibender Werth. Von dem Glanze so mancher ehemals reichen Handelsstadt ist auch keine Spur geblieben, während die Lombardei und Fländern, so oft und lange sie auch zu Kriegsschauplätzen dienen mußten, noch heutzutage zu den fruchtbarsten und volkreichsten Gegenden Europa's gehören. Was ein umlaufendes Capital ist. Ein umlaufendes Capital nennt man ein sol— ches, das zufolge der Produktion nothwendig seine Ge— stalt verändert, dessen Form im Verlaufe der produktiven Operationen vergeht und wieder ersteht; ein Capital, das abwechselnd vorgeschossen und wieder erstattet wird. Dieß ist beinahe bei allen Capitalen des Handelsmannes der Fall. Kaum ist diesem ein Theil seiner Fonds wieder eingegangen, so setzt er ihn sofort wieder in Waaren um; diese Waaren verschickt er, und verkauft sie, kauft wieder andere dafür, diese verkauft er wieder, und so fängt er immer wieder von Neuem an. Sein Capital ist in ei— nem steten Umlaufe begriffen, und geht immer von einem Stoffe in einen andern über. Bei den Fabriken besteht das umlaufende Capital in demjenigen Theile des Capitals, womit man die rohen Stoffe ankauft; diese werden sofort in Produkte verwan— delt, deren Ertrag man auf's Neue zu Erkaufung von 220 Eintheilung der Capitale. Rohstoffen verwendet, welche sich abermals in Produkte verwandeln, und so geht es an einem fort. Die Vorschüsse, die ein Fabrikant zu Bezahlung sei⸗ ner Arbeiter macht, gehören auch zu seinem umlaufenden Capitale. Er erkauft sich hiemit Produktiv-Dienste, und dieß ist die erste Verwandlung. Diese Dienste verwan— delt er in einen Werth, der sich seinen Fabrikaten ein⸗ verleibt, und dieß ist eine abermalige Verwandlung. Seine Fabrikate aber verkauft er, und verwandelt somit sein Capital zum drittenmal. Mit dem Erlds kauft er sich wieder Produktib-Dienste, und verfährt sofort wieder auf ebenbemerkte Weise. Capitale die eine Nützlichkeit oder Annehmlichkeit erzeugen. Zum Beschlusse meiner Eintheilung noch ein Wort von denjenigen Capitalen, welche auf eine unmittelbare Weise eine Nützlichkeit oder Annehmlichkeit pro⸗ duciren. Diese Capitale liefern blos immaterielle Pro-⸗ dukte, die an keiner materiellen Substanz haften. Wenn sich jemand ein Wohnhaus baut, so erwächst aus diesem Hause kein Produkt, das man zum Verkauf aussetzen kann, wohl aber in jedem Augenblick eine Nütz⸗ lichkeit, die allerdings ihren Werth hat, weil der Eigen⸗ thümer dieselbe, so bald er will, erkaufen kann;(dies ist der Fall, wenn er einen Hauszins bezieht); oder er kann diesen Nutzen consumiren.(Dieß ist der Fall, wenn er, anstatt sein Haus zu vermiethen, es für sich selbst zur Wohnung benützt.) Dieser Theil seines Capitals ist also, obgleich er kein materielles Produkt liefert, dennoch kei⸗ neswegs unproduktiv. ö Auch Talente sind Capitale. Eine erworbene Fertigkeit, ein Talent ist gleichfalls als ein Capital zu betrachten, woraus eine Nützlichkeit —p.;:ttss——ͤ——— Eintheilung der Capitale. 221 N oder Annehmlichkeit entsteht. Ein solches Capital kommt dem Aufwande gleich, den man gemacht hat, um sich zu ahlung f gewissen Leistungen zu befähigen. So muß ein Arzt, mlaufthn um guten Rath ertheilen zu können, manchmal beträcht⸗ ienst, mn liche Auslagen machen, aus denen nur ein immateriel— 6 beruhy les Produkt, eine in demselben Augenblick erzeugte und ikaten ej consumirte Nützlichkeit entsteht. Eben so verhält es sich ung. Gein mit einem Tonkünstler, der sich in den Stand gesetzt hat, somit si ein Concert zu geben. Sein Talent ist ein Capital, das uft er st er auf Leibrenten gesetzt hat. Das verkäufliche Produkt wiedet au desselben consumirt sich in dem Augenblicke, wo es zum Vorschein kommt durch die Zuhörer, welche seinem Con— certe anwohnen. mlhfei Man bemerke, daß sich die Sache selbst, so verschie— den man solche auch ausdrücken mag, als eine Thatsache, ein Vat die wir täglich vor Augen haben, durchaus nicht bestrei— nittlbate ten läßt. Die Namen lassen sich verändern, aber die keit po⸗ Sache ist unverkennbar. Hiele Pro⸗ . Das Mobiliar⸗-Vermögen macht einen Theil von erbücht diesem Capital aus. Wetauf Alle Mobilien, deren sich eine Familie bedient, gehö— ise Nut⸗ ren zu den Capitalen, welche eine Nützlichkeit oder An— Ehgn⸗ nehmlichkeit gewähren. Die Nützlichkeit, die aus ihnen (dies i entsteht, wird täglich von der Familie consumirt. Wenn er kann man dieses Capital Schaden leiden läßt, und solches wenn er, nicht fortwährend bei seinem Werthe erhält, so cönsumirt sbst x die Familie mit der täglich erzeugten Nützlichkeit zugleich ist alh einen Theil des Capitals selbst. Dies ist der Fall, wenn moch K ein Eigenthümer sein Wohnhaus verfallen läßt. Wenn dieses Haus 40,000 Franken gekostet hat, so consumirt er durch Bewohnung desselben die Dienste dieses Capitals, welche durch die Werthe, die er daraus beziehen könnte glichfth und nicht bezieht, ausgedrückt sind, und die man immer utlich — 2————.———.—.sxet:·. ——..—..qC————; eeeetr......——..—— ———; 222 Eintheilung der Capitale. so hoch anschlagen kann, als die Interessen von 40,000 Franken. Kann er aber noch überdies nach Verlauf ei— ner gewissen Anzahl von Jahren, aus dem Hause nur noch 30,000 Franken lösen, so hat der Eigenthümer nicht nur die Dienste von 40,000 Franken, sondern noch außer— dem 10,000 Franken von dem Capital-Fonds selbst con— sumirt. Was von diesem Capitale dem Publikum angehört. Ein Theil von diesem Capitale gehört dem Publi— kum, wie z. B. die öffentlichen Gebäude, Brücken und Landstraßen. Das Publikum consumirt alle Tage das materielle Produkt dieser Capitalwerthe, d. h. den Nutzen und die Annehmlichkeiten, welche dieselben gewähren. Ich sage, es consumire das immaterielle Produkt desselben, obgleich ein dffentliches Gebäude oder eine Brücke rein materielle Produkte sind. Diese Produkte sind jedoch zu Capitalen geworden, die, wenn man sie immer bei ihrem Werthe erhält, nicht selbst consumirt werden. Man consumirt blos ihre Dienste, deren Werth durch das Interesse der auf ihre Errichtung verwendeten Capitale ausgedrückt sind. Wie sich das Capital eines Landes schätzen läßt. Dieß ist die Uebersicht sämmtlicher Produktiv-Capi— tale. Ihre Gesammtheit bildet das Capital einer Na— tion. Wenn man das Capital eines oder des andern Landes auf 10 bis 20 Milliarden schätzt, so will man da— mit nicht sagen, daß es 10 bis 20 Milliarden Geld be— sitze. Eine solche Summe findet sich bei keiner Nation. Es soll dieß blos so viel heißen, daß, wenn man alle einzelnen Theile des National-Capitals nach einander in Geld anschlagen würde, der Gesammtbetrag dieser An— schläge sich so hoch als der Werth von 10 bis 20 Mil— Hon 40,n derlauf et Hause nu imer nicht och außet: selbst cor angehött. em Publi lückn un Vge dae den Nuhen Ihren. Modukt oder eine Podukte man sie consumitt ren Werth Awendeten emläßt. ib⸗Capi⸗ einer M⸗ 5 anderh man da⸗ Geld be⸗ Miion. man ale mander in dieser M. 3 20 MI- Eintheilung der Capitale. 223 liarden belaufen würde. Uebrigens würde man von der Summe dieser Werthe erst noch keinen richtigen Begriff haben, wenn man nicht zugleich die Epoche und den Ort der Schätzung sorgfältig bemerkte, denn das Geld kann in einer Epoche und an einem gewissen Orte mehr werth seyn, als zu einer andern Zeit und an einem Orte. Schwierigkeit bei der Schätzung eines National⸗ Capitals. Es ist ungeheuer schwer, das Capital einer Nation nicht etwa approximativ, sondern auch nur oberflächlich anzuschlagen. Um sich einen Begriff von der Schwierig— keit der Sache zu machen, braucht man nur in Gedanken eine wohlbekannte Straße zu durchlaufen, und im Vor— beigehen vor den Häusern das Produktiv-Capital eines jeden einzelnen Bewohners derselben zu schätzen versu— chen. Wir kommen vor die Wohnung eines Spezerei— und Materialien-Händlers. Wie hoch belaufen sich wohl die Waaren die er in seinem Magazine hat? wie hoch diejenigen, die er auf Credit verkauft hat? Wie hoch diejenigen, die zwar ihm angehören, die sich jedoch noch in den Seehäfen oder unterwegs befinden? Wie viel kann sein Hausgeräthe, seine übrige Haushaltung werth seyn? Wie viel ist er auf das Ganze schuldig? Denn seine Schulden machen einen Theil von dem Capitale seiner Gläubiger aus. ů In demselben Hause wohnt ein Arzt, dem zwar seine Kundschaft ein gutes Einkommen verschafft, der aber nir— gends keine Fonds angelegt hat. Sein ganzes Capital besteht in seinem Talent. Wer ist wohl im Stande, die— ses abzuschätzen? Ueber dem Arzte wohnt ein Kleinhändler mit Bi— jouteriewaaren; er besitzt zwar einige Fonds, womit er sein Geschäfte umtreibt, aber wie hoch belaufen sich diese Fonds? 224 Eintheilung der Capitale. In dem nächsten Hause wohnt ein Grundbesitzer. Bringen wir seine Grundstücke, die einen Theil nicht der Capitale, sondern des Bodens des Landes ausmachen, nicht mit in Rechnung; berechnen wir blos die Bauten und anderwärtigen Verbesserungen, die auf seinem Gute an⸗ gebracht sind. Wie hoch belauft sich ihr Werth? der Eigenthümer weiß es selbst nicht. Er weiß wohl, was das Gut, sammt Allem was darauf haftet, werth ist, aber er würde in große Verlegenheit kommen, wenn er, abgesehen von dem Boden, den reinen Werth der Ver⸗ besserungen angeben sollte. Was die Abschätzung eines National-Capitals noch schwieriger macht, ist der Umstand, daß man dabei Ein— heiten von ungleichen Größen zusammenzählen muß; denn die Franken oder Unzen Silbers von zwei Provinzen oder zwei verschiedenen Ländern, sind keine Einheiten von gleichem Werthe. Wie hoch das National⸗Capital von Frankreich angeschlagen wird. Ich habe die bisherigen Aufzählungen blos deßhalb gemacht, um die Nichtigkeit der Abschätzungen dieser Art recht fühlbar zu machen. Auch möchte ich, obgleich ich in einem Werke des Herrn Ganilh gelesen habe, daß die Totalsumme der französischen Capitale sich im Jahre 1789 auf 47 Milliarden, 105,729 Franken belaufen habe, zufolge einer genauen Untersuchung der Angaben, auf welche er sich dabei gestützt hat, nicht dafür stehen, daß dieselben Capitale nicht das Doppelte oder gar nur die Hälfte der angegebenen Summe betragen. Wie hoch das englische angeschlagen ist? Dasselbe gilt von dem Anschlage, welchen ein gewis— ser englischer Schriftsteller, Namens Beeke, von den eng— 2———..—— —5——.—.—.. undbeshg nicht de then, nigt auten und Gute an: erth? det öhl, wz werth if wenn er, der Mr pitals not dabei Ei⸗ nuh; dem oder zwei gleichem ukrtich deßhalh dieset Mt gleich ich habe, e sich im belaufen Angabens, ir stehe gar nut st ein gemj den ehh⸗ Eintheilung der Capitale. 225 lischen Capitalen gemacht hat, nach welchem sich diesel⸗ ben, mit Inbegriff derjenigen, welche die Engländer im Auslande besitzen, auf zwei Milliarden 300 Millionen Pfund Sterling belaufen sollen, was nach unserem Gelde im Ganzen 5) Milliarden und 600 Millionen ausmachte. Es steht zwar Jedermann frei, nach den Angaben, die man für die sichersten hält, dergleichen Abschätzungen vorzuehmen. Indessen muß man dabei immer gewärtig seyn, in bedeutende Irrthümer zu verfallen, ohne daß man aus der Sache großen praktischen 9571 ziehen könnte. Zwölftes Kapitel. Von den unproduktiven Capitalen. Wir haben gesehen, was produktive Capitale sind, wie sie gewöhnlich verwendet werden, und wie sie sich am besten eintheilen lassen. Es möchte vielleicht nicht unzweckmäßig seyn, auch auf diejenigen aufmerksam zu machen, welche die Produktion auf keine Weise befördern. In welchem Falle die Capitale unproduktiv sind? In dem Ausdruck unproduktive Capitale scheint ein Widerspruch zu liegen. Das eine Wort sollte, inso— ferne unproduktive Werthe keine Capitale sind, das an— dere ausschließen. Auch bezeichnet man mit diesem Aus— druck blos solche Werthe, die man, wenn sie nicht wirk— lich produciren, doch der Produktion schon früher hätte widmen können, oder noch gegenwärtig widmen könnte. Sie sind wenigstens nicht zu einer unfruchtbaren Consum— tion, d. h. zur Aufzehrung, sondern sogar in manchen Fällen zu einer späteren Produktion bestimmt, und deß— wegen kann man sie auch Capitale heißen. So, wenn Jemand über seine sämmtlichen Geschäfte oder über eines derselben einen Rechnungsabschluß ge— Say prakt. National⸗Oekonomie IJ. 15 .———.— ·Dꝗ·ꝗ.‚ꝑiiꝑDe.. RhtNtg:. SPiiii‚i‚‚eeRRe————— 226 Von den unproduktiven Capitalen. macht, wenn er alle seine Summen bereit liegen hat, um damit ein neues Geschäft zu beginnen, oder sie einer dritten Person anzuvertrauen, die solche nützlich anzule⸗ gen weiß, so bleiben diese Summen bis zu dem Augen— blick ihrer Verwendung müßig liegen; sie sind in dieser Zwischenzeit ein unproduktives Capital. Ebenso sind die Summen, die in der Kasse des Kauf— manns einstweilen liegen, bis man sie zu vorhergesehenen oder unvorhergesehenen Zahlungen verwendet, wenigstens diese Zeit über unproduktiv. Indessen kommt diese Be— nennung nicht allein den Geldwerthen zu, sie paßt im Gegentheil für jeden Werth, an welcher Substanz derselbe auch haften mag, der als ein noch nicht fertiges Produkt eine andere Gestalt erhalten soll, oder als ein schon fer— tiges zur Consumtion bestimmt ist. Wenn also aus Mangel an Färbestoffen oder an Ar— beitern, oder wegen des Ausbleibens eines Fonds die zum Färben bestimmten Zeuge entweder ungefärbt liegen blei— ben, oder falls sie auch fertig sind, in dem Magazine auf einen Käufer warten müssen, so sind solche für die— sen Augenblick ein müßiges unproduktives Capital. Stehende Capitale werden öfters unproduktiv. Derselbe Fall tritt bei Werkstühlen und Maschinen ein, wenn solche aus Mangel an Beschäftigung, wegen vorzunehmender Ausbesserungen, oder endlich, weil die Waare nicht gesucht ist, feiern. Diesem Unglücke sind die stehenden Capitale häufig ausgesetzt, weil, da sich solche nur zu Einer Art von Produktion eignen, im Fall letztere durch irgend einen Zufall in's Stocken geräth oder mit Verlust verbunden ist, jedes derartige Capital sofort noth— wendiger Weise müßig liegen bleibt. Diese Bemerkung muß die Unternehmer, wenn es darauf ankommt, ihren Capitalen eine bleibende Bestimmung zu geben, höchst — ·-Ü.⸗rüi⸗d_tt ,7c—————.22—.——..2...— len. Von den unproduktiven Capitalen. 227 iegen hu— ö ü 18 vorsichtig machen. In der Handelsindustrie, wo der ste— Ri*—„ utlich henden Capitale nur wenige sind, bleibt eine Waare, u dem wenn sie auch nicht immer vortheilhaft zu verkaufen ist, he doch immerhin verkäuflich, und sollte man auch einmal daran verlieren. Hat man diesen Verlust Einmal erlit— ten, so kann man sich vor einem zweiten hüten; aber mit rastwn einer Maschine oder irgend einem Werke, das blos zur 9* Produktion einer einzigen Handelswaare eingerichtet ist, et, wenttn läßt sich, wenn diese keinen Abgang findet, ausserdem umm def nichts anderes fabriciren. Das Capital muß also müßig „ sie pnt e bleiben, und was eben so mißlich ist, der Meister muß ubfarzdan mit seinen Arbeitern ebenfalls feiern. Für Menschen und aries Puhe Capitale geht also die Zeit verloren. ein schon ft Dieses Unglück kommt am häufigsten da vor, wo Sicherheit, Freiheit und Wohlstand nicht zu Hause sind. oder an M dds di zur Der Mangel an Sicherheit veranlaßt die Unth ä⸗ Hmn dl tigkeit der Capitale. EI Der Mangel an Sicherheit und Zutrauen macht, daß ihe für d⸗ ein mancher Capitalist seine disponiblen Capitale, aus wirl. Furcht sie aufs Spiel zu setzen, unbenützt liegen läßt. Er will lieber das Interesse verlieren, als die Haupt— Oduktii, summe aufs Spiel setzen. So hat die französische Maschinen Bank sehr häufig beträchtliche Summen in Verwahrung, üg, wegn ohne daß sie dieselben verzinste. Sie verwahrt das Geld „ weil de so wie sie es empfangen hat, und man läßt ihr dasselbe Ee sind dN. aus dem ganz einfachen Grunde, weil man es in ihren schh sabh Händen am sichersten aufgehoben glaubt. Man weiß al lehtn zum Voraus, daß sie keinen Gebrauch davon macht, und ih oder u daß es keineswegs in ihrem Plane liegt, sich mit irgend sofort noth einer Industrie-Operation zu befassen, weil man außer— Bemerkun dem, daß die Leitung derselben manchmal in ungeschickte umt, i Hände kommt, bei keinem Unternehmen des gewünschten ben, Hi Erfolges versichert ist. 15* ———————— ————— — —.:.. — —.— 228 Von den unproduktiven Capitalen. Es ist für reiche Leute gut, wenn sie etwas von der Industrie verstehen. Die Capitalisten haben allerdigs manchmal Ursache, entweder in ihre eigenen Fähigkeiten oder in die Fähig— keiten derjenigen, welche ihre Fonds umtreiben sollen, Mißtrauen zu setzen. Weniger Gefahr laufen sie, wenn sie Fähigkeiten und Kenntnisse in der Industrie besitzen; sie wissen besser was sie thun, und vermögen auch das Treiben derjenigen, denen sie ihre Fonds anvertrauen, richtig zu beurtheilen. Män darf daher kecklich behaupten, daß der Sinn für Industrie dem Reichen noch zuträgli— cher ist als dem Armen. Zu den Zeiten des Ritter- und Feudal-Wesens, wo die öffentliche Sicherheit nicht so groß war, als in unsern Tagen, gab es der unthätigen Capitale zwar nicht mehr, denn es waren im Ganzen deren weniger vorhanden, aber im Verhältniß zu den vorhandenen mehr unbeschäftigte als heutzutage, weil es überhaupt weniger Beschäftigung, weniger Industrie gab. Da aber zu gleicher Zeit auch die Sicherheit geringer war, so pflegte man die gesam— melten Werthe in Silber oder Gold zu verwandeln und seinen Schatz geheim zu halten oder gar zu vergraben. Ehemals wurden mehr Schätze gefunden. Adam Smith bemerkt, daß dieses Verfahren bei den damaligen Räubereien und Erpressungen sehr allgemein gewesen seyn müsse, weil die Fürsten die Entdeckung von Schätzen als einen Zweig ihres Einkommens betrachteten, und dieselben Ansprüche darauf machten, wie auf ent— deckte Gold oder Silberminen. Solche Schätze gehörten weder dem Finder noch dem Eigenthümer des Bodens, auf dem sie gefunden wurden, sondern dem Fürsten. Nur in dem Falle konnte der Grundeigenthümer dieselben an— len. ö Von den unproduktiven Capiralen. 229 as von h sprechen, wenn ihm ihr Besitz in dem Kaufbriefe durch uul unst eine besondere Klausel zugesichert war. Die Auffindung solcher Schätze hat in den nächstfol⸗ hish gaenden Epochen zu vielen Romanen und Komddien Stoff iben sln, gegeben, so wenig auch unsere Schriftsteller der großen 0 si un Unwahrscheinlichkeit solcher Thatsachen halber, hievon nie befzn Gebrauch machen Ikönnen. Bei der allgemeineren Ver— en auch du breitung der Industrie und dem höhern Schutze, den ihr anbettrnun, die Regierungen angedeihen lassen, kann das Vergraben behaupte, von Schätzen nur höchst selten und für kurze Zeit vor— och zuttägl⸗ kommen, und es ist kein unerheblicher Beweis des Vor— zugs, der unsern Zeiten vor den frühern gebührt, wenn Desens, w trotz der Bürgerkriege und der fremden Invasionen, die 5 in unsen über uns ergangen sind, dieses Vergraben nur auf eine licht meht, vorübergehende Weise statt gefunden hat. Aber wie nden, aber kommt dies? weil sowohl die Fürsten als die einzelnen eschättigte Individuen überzeugt sind, daß der Mangel an öffentli— häftigung, cher Sicherheit den Regenten und dem Volke gleich ver— Zeit auh derblich ist, und daß da, wo der Unterthan nichts ge— die gesam⸗ winnt, der Regent nur wenig gewinnen kann. Jeder⸗ Rdeln und mann, zu welcher Nation er auch gehörte, zu welchem Hraben. politischen Banner er auch geschworen, hat, sobald sich der Sturm wieder gelegt hatte, in neuerer Zeit zu Wie— den. derherstellung des Vertrauens und der Ordnung mitge— 1 bei den wirkt. Bei so großen Fortschritten können nur anhaltende alggemen und organisirte Plündereien den Bürger dahin bringen, kung von seine Capitalwerthe zum Verderben der Produktion flüch— rachteten, tig oder gar unsichtbar zu machen. auf ent⸗ I gehötten Dreizehntes Kapitel. 16. W Von der Bildung der Kapitale. slben a Nachdem wir die Funktionen der Capitale in den Produktiv-Operationen beobachtet, oder vielmehr gesehen EEEE 250 Von der Bildung haben, daß ohne Capitale keine Produktion möglich ist, daß sie ein unentbehrliches Werkzeugeder Industrie sind, so wollen wir untersuchen, wie die Capitale erworben und wie sie gebildet werden. Ursprung eines Capitals. Die Capitale gehen zwar von den Vätern auf die Kinder, von einem Unternehmer auf den andern über, indessen haben sie uranfänglich nur dadurch entstehen können, daß man ein neues Produkt auf eine produktive Weise verwendet hat. Doch ich will mich deutlicher er— klären. Man wird sich noch erinnern, daß die Consumtion die Vernichtung eines in einem Produkte vorhandenen Werthes ist. Diese Vernichtung ist, da ein jedes Pro— dukt von Anfang an, einzig und allein für die Consum— tion bestimmt ist, und nur in so fern einen Werth hat, als es zu einem Gebräuche dienen kann, wodurch dieser Werth selbst aufgeht, unvermeidlich. Es erscheint sonach unmöglich, den Werth eines Produkts zu erhalten, den⸗ selben aufzuhäufen, und ihn zu einem Capital, das man bereits besitzt, hinzuzufügen. Und in der That, wenn wir ein Produkt nur um des Genusses willen, den es uns verschafft, consumiren, so kann von Anhäufung oder Aufsparung eines Werthes nicht die Rede seyn. Ein Werth ist geschaffen und zur Befriedigung unserer Be— dürfnisse wieder vernichtet worden. Die Gesammtmasse der Reichthümer ist nicht größer und nicht kleiner, als vorher. Die Capitalwerthe werden durch die Art ihrer Ver⸗ wendung als solche bezeichnet. Man kann auch eines Produktes zu einem andern Zwecke als dem des wirklichen Genusses bedürfen. Wir der Capitale. 231 möglt können uns dasselbe wünschen, es kaufen und consumiren,‚ stri si um ein neues Gut dadurch zu erzielen, das uns nicht rworhen un nur unsere Vorschüsse ersetzen, sondern auch einen Ge⸗ winn bringen wird, der mit der zur Operation verwen⸗ deten Zeit, mit unserer gehabten Mühe, und mit der bei der Leitung dieser Operation entwickelten Intelligenz itern auf N in einem angemessenen Verhältnisse stehen wird. So con— andern üe, sumirt der Färber seinen Indigo, oder seine Cochenillen ch entsehe keineswegs zu seinem Vergnügen oder Genusse, sondern se pudultie um seine Zeuge zu färben. Wenn er sie auch verbraucht, detlicher tr so trägt er dadurch ihren Werth auf ein anderes Pro⸗ dukt, nämlich auf einen Zeug, über, er giebt dem con— Consamti sumirten Werthe eine größere oder kleinere Dauer, so Orhandenen daß diese Consumtion eigentlich ein bloßer Vorschuß ist. sedes Mio⸗ So wird ein solcher Werth zu einem Capital. Es ist eConsum— also klar, daß, sobald ein neues Produkt oder der Fonds Oerth hat, davon auf diese Weise zum Capital geworden, ein Capi— urch dieser tal weiter auf der Welt vorhanden ist. eint sanah Wenn ich auf die gewöhnliche, schon früher ausein— alten, der andergesetzte Weise einen Scheffel Korn produzire, so „das mun habe ich damit einen Werth von etwa 20 Franken pro- duzirt. Consumire ich dieses Korn dadurch, daß ich es at, wonn den es für mich und meine Familie zur Nahrung verwende, so fung dder vernichte ich damit einen zuvorgeschaffenen Werth von n. Eit 20 Franken, und mein Capital bleibt somit dasselbe. userer Be⸗ Wenn ich dagegen diesen Scheffel auf eine reproduktive mmtmase Weise consumire und damit Knechte ernähre, die für mich pflügen, oder Maurer, welche für mich bauen, so verpflanze ich diesen Werth in mein Landgut, oder in ein Gebäude, und mein Capital hat sich um 20 Franken hret Ver vermehrt. Der Werth dieses Kornes war im Augenblick seines Entstehens ein neuer Werth für die Gesellschaft, der, ungeachtet er consumirt worden, sich erhalten hat, weil er in andere ebenfalls consumtionsfähige Gegen⸗ leiner, ale em anden sen. M. 232 Von der Bildung stände übergegangen ist. Dieser Werth wird sich durch wiederholte reproduktive Consumtion immer auf's Neue fortpflanzen; er war einmal vorhanden, und kann deß— halb ewig fortdauern. Es ist dieß ein neues Capital, das meine eigenen Capital-Fonds und somit die Capitale der Gesellschaft, von der ich einen Theil ausmache, ver— mehrt. Es giebt Ausgaben, welche Ersparnisse sind. Es wird hierdurch begreiflich, daß das Geldausge— ben in gewissen Fällen so gut sparen heißt, als das Geld— aufhäufen, vorausgesetzt, daß die Auslage als ein Vor— schuß und zu einer Consumtion verwendet werde, die sich durch ihre Produkte wieder ersetzt. Nicht die Form eines ersparten Werthes, sondern die Art der Verwendung die— ses Werthes ist es, was die Ersparniß ausmacht. So— bald man ihn zu neuen Vorschüssen für die Produktion verwendet, so bildet man auch ein neues Capital, wobei es auf den Namen der Sache, in welcher der ersparte Werth vorhanden ist, durchaus nicht ankommt. * Die Werthe lassen sich unter verschiedenen For⸗ men anhäufen. Leute, welche ihren Antheil an erzeugten Produkten in Geld erhalten, wie die Grund-Eigenthümer, welche ihren Pachtzins, die Capitalisten, welche ihre Interessen beziehen, Commis denen man einen Gehalt, und Arbei— ter, denen man einen Wochenlohn bezahlt, heben, wenn sie etwas ersparen wollen, gewöhnlich ihren ersparten Werth eine Zeitlang auf, und zwar unter der Gestalt von Geld, weil ihnen diese die bequemste ist, bis die Summe nach und nach so stark angewachsen ist, daß sie dieselbe füglicherweise anlegen können. . 233———9.—— sch duth aufs Mr konn de es Copiin, ie Cpitgk nache, Hek⸗ se sinz Geldautg⸗ das Geh⸗ 5ein Vot⸗ de, die sih orm einez dung die— ht. So⸗ lwodukton al, wobei ersparte en Fot— lodukten welche iteressen Vbei⸗ „wenn ksparten Gestalt bis die daß sie der Capitale. 235 Ein jegliches Land besitzt eine Menge solcher kleinen Capitale, die man zwar nicht im Augenblick verwenden kann, deren Totalsumme jedoch bei einem zahlreichen thä—⸗ tigen und sparsamen Volke ein sehr beträchtliches unpro— duktives Capital ausmacht. Sparkassen. Die Sparkassen gewähren, als ein Mittel, die klei— nen Ersparnisse zu einem Ganzen zu vereinigen, das man irgendwo anlegen kann, wenn sie anders sicher und gut verwaltet werden, den Vortheil, den Umtrieb der Capitale zu beschleunigen. Ein Arbeiter kann aus den vierzig Sous, die er sich wöchentlich erspart, kein Interesse be— ziehen, und muß damit so lange warten, bis er seine Er— ö sparnisse von mehreren Wochen, oder Jahren beisammen hat. Giebt es aber eine Sparkasse, auf welche er sich verlassen darf, so kann er seine 40 Sous in dieser Kasse niederlegen. Da noch hundert andere Arbeiter ein Glei— ches thun, so kann diese Kasse schon an Einem Tage zweihundert Franken anlegen, und jeder Arbeiter bezieht von diesem Tage an das Interesse aus seinen 40 Sous*). ) Ich kann nicht umhin, bei dieser Gelegenheit den Pariser Banquiers und Capitalisten, welche in der französischen Bank zu Paris unentgeldlich eine Sparkasse verwalten, worin man alle Sonntage die kleinsten Ersparnisse aufnimmt, und damit Montags auf der Börse Staats-Renten erkauft, ein gebührendes Lob zu geben. Der Eigenthümer hat weder Commisslons- noch Verwaltungs-Gebühren zu entrichten. Der Wechsel-Agent selbst, der die Reutenscheine kauft, nimmt ebenfalls keine Gebühr, und die Kasse bezahlt dem Anleiher entweder sein gebührendes Interesse, oder sie schlägt, wenn er es verlangt, sein Anleihen zu ihrem Haupteapital. Es ist dieß in Wahrheit eine höchst philantropische Anstalt, die eben so sicher steht, als die große Staatsschuld. 2—— 234 Von der Bildung Grundbesitzer und Capitalisten, denen ihre Pacht— zinse und die Interessen aus ihren Capitalen alle Jahre auf Einen oder zwei Termine eingehen, haben zwar schon bessere Gelegenheit ihre Ersparnisse anzulegen, und zur Produktion zu verwenden, indessen wissen auch diese ihr Geld nicht jederzeit beliebig unterzubringen. Industrie-Unternehmer können ihre Ersparnisse am leichtesten unterbringen. Dagegen fällt es niemand so leicht Geld anzulegen, als den Industrie-Unternehmern, von welchem Fache sie auch seyn mögen. Sie sind es, die sich ganz eigentlich damit beschäftigen, Capitale in Thätigkeit zu setzen. Sie können auch ihre geringsten Ersparnisse sofort zur Ver— mehrung der Roh-Stoffe verwenden, mit deren Bearbei— tung sich ihre Industrie beschäftigt. Ein Zuckersieder z. B. kann mit seinem jedesmaligen Gewinn, sollte er auch nur 20 Sous betragen, zwei Pfuud rohen Zuckers weiter kaufen. Der Theil seines Capitals, welcher in Roh-Stoffen besteht, erhält hier⸗ durch einen Zuwachs von 20 Sous, und diese 20 Sous tragen von dem Augenblicke an ihr Interesse, denn sie erhöhen seinen Gewinn um so viel, als ihm bei jeder Siederei zwei Pfunde eintragen. Erspart er sich hundert Thaler, so kann er sich damit einen neuen kupfernen Kes— sel anschaffen, wodurch derjenige Theil seines Capitals, der in den Geräthschaften besteht, ebenfalls um 100 Tha— ler vermehrt wird. Landwirthe können ihre Ersparnisse ebenfalls leicht unterbringen. Aehnliches kann in allen Zweigen der Industrie ge— schehen. Ein Landwirth kann von seinem Gewinn eben— falls Ersparnisse anlegen, ohne daß er etwas zu verkaufen ——(—¼— ⏑Æ—— der Capitale. 255 hre achtz alle oder zu kaufen oder seine Ersparniß auch nur für einen zwar sch Augenblick in Geld zu verwandeln brauchte. Er zieht und zu mehr Vieh, er legt Verzäunungen an, oder läßt einen dihe 6 Canal graben, um einen Theil seines Feldes, dem es an Wasser gebricht, wässern zu können. Er stellt Arbeiter an, die er mit Getreide ernährt und bezahlt. Somit arriss verwandelt er seine Frucht in einen Canal, wodurch der Werth seines Grundstückes erhöht; dasselbe ergiebiger ge— macht, und so seine Ersparniß verzinslich angelegt, und n seine Industrie, wenn sie anders richtig gedacht war, — belohnt wird. eigentlich chen, Si Desgleichen die Kaufleute. zur Ver⸗ Eben so verhält es sich in der Handels-Industrie. Benrhei Ein Spezereihändler verwändelt seine Ersparnisse wieder in Waaren(was die Roh-Stoffe seiner Industrie sind); amaligen jetzt da er einen stärkeren Werth umtreibt, muß er auch en, zwei einen stärkern Gewinn beziehen, und in diesem Gewinne eil seines liegen die Interessen von seiner Ersparniß. Verkauft er hält hie⸗ nicht auf eigene Rechnung, so kann er mit den Erspar— 20 Soub nissen, die er von seinem Gewinne macht, seinen Corre— denn sie spondenten auf Rechnung der Verkänfe, die er übernimmt, hei jrder um so stärkere Vorschüsse machen. Die Correspondenten hundert verwenden den Betrag dieser Vorschüsse wieder auf ihre nen Kes⸗ Handelsartikel, und so wird dieses Capital, nachdem es apitals, der eine erspart hat, in den Händen eines andern, der 100 Tha⸗ ein Interesse dafür bezahlt, produktiv. Nützlichkeit der Inventare. eufalls Ein Unternehmer weiß nur dann, wie hoch sein Ca— pital durch seine Ersparnisse in einem Jahre angewachsen ustrie ge⸗ ist, wenn er, wie dieß gewöhnlich der Fall ist, alle Jähre un eben⸗ ein Inventar von demselben aufnimmt; außerdem kann Herkaufn er nicht wissen, ob sein Capital durch die gemachten Er— ———jj.——eet.:tt.....————:?:?.—— FS—...— 256 Von der Bildung sparnisse mehr gewonnen, als durch die Abnutzung ver— loren hat. Die Ersparnisse übersteigen die Einbuße, wenn sich seine sämmtlichen Geräthschaften, seine Roh— Stoffe, seine Schuldbriefe z. B. zu 102, 105, oder 110 tausend Franken anschlagen lassen, während sie sich im Jahr zuvor nur auf 100,00 Franken beliefen. Unter Anhäufen versteht man etwas anderes als Schätze sammeln. So kommen Leute, die auf Ordnung halten, zu pro— duktiven Capitalen. Sie machen Ersparnisse von ihrem Gewinn, nicht um solche in den Schatz zu legen, sondern um sie als Vorschüsse auszugeben, und zwar so, daß der Werth der Auslage wieder hereinkommt. Capitale anhäufen heißt also nicht das gesammelte Geld auf einen Haufen legen, sondern solches, anstatt auf seine persön— lichen Bedürfnisse, auf die Produktion verwenden. Dem— zufolge kann derjenige, der die wenigsten Bedürfnisse hat, am leichtesten und schnellsten Capitale sammeln. So haben die Holländer ihre ungeheuren Capitale einerseits dem großen Gewinn, wozu ihnen ihre Thäͤtigkeit verhol— fen, andererseits ihrer Mäßigkeit, vermöge welcher sie einen größern Theil des Gewinns auf reproduktive als auf unproduktive Weise verwendet haben, zu verdanken. Wenn man Gewinnste, neu erzeugte Werthe auf dauerhafte Geräthschaften, auf Tafelgeschirr, auf Bücher, auf die Verschönerung seiner Wohnung verwendet, so kann man, da sich bei einer guten Unterhaltung dieser Dinge der Werth derselben nicht consumirt, dieß eine Ersparniß, ein gesammeltes Capital nennen, wovon man weiter nichts als die Renten verzehrt. Auch durch Erweiterung seiner produktiven Fähig⸗ keiten sammelt man sich Capitale. Eine weitere Art von Ersparniß besteht darin, daß man sich Fertigkeiten verschafft, seinen Kindern eine gute „7—....— der Capitale. 237 lutzung g, 11 Erziehung giebt u. s. w. Sind diese Fertigkeiten einträg⸗ semne gu, lich, so stellen sie ein Capital vor, dessen Zins in dem „ dherm Gewinne liegt, den sie gewähren. Sind es bloß Fertig⸗ se schi keiten der Annehmlichkeit, von denen man keinen Gewinn ů erwärtet, so stellen sie ebenfalls ein Capital vor, dessen Interessen in dem Genusse, in dem Vergnügen bestehen, detes i das sie ihrem Besitzer verschaffen. Selbst eine gemeine en, Rhr Taglöhner⸗Familie, die ein Kind bis in sein Mannes⸗ Rer Alter zu erziehen vermochte, hat, wenn sie Zuch nicht im sahn Stande war, demselben irgend eine Kunst beizubringen, nichtsdestoweniger in ihrem Sohne ein Capital gesam-— so, melt, denn sie hat durch Entbehrungen und Ersparungen Cpil an andern Gegenständen einen Mann daraus gemacht, auf einen der sich jetzt auf eine oder die andere Weise etwas ver— petson⸗ dienen kann; was er verdient, ist das Interesse von Dem⸗ einem Capital, welches er selbst ist. nise hat, lIu. So Ein erwachsener Mensch ist ein aufgesammeltes einerseits Capital. it berhob Denn ein erwachsener Mensch ist, er sey nun wer er sie einen wolle, ein gesammeltes Capital; dieses aber ist, als auf im Fall er schlechterdings zu nichts täugt, gleich den en. schlecht ersonnenen Maschinen, deren Verfertigung zwar the auf einen großen Fleiß- und Geld-Aufwand erfordert hat, Vücher, die man jedoch ihrer Unbräuchbarkeit halber in den Ma⸗ det, so gazinen zu Grunde gehen läßt, unproduktiv. dieser Die Größe des Werthes ist es, die den Betrag . n eines Capitals bestimmt. on man Bisher, wo wir die Capitale in den Produktiv⸗ a Operationen betrachteten, konnten wir von ihren substan— Zähis tiellen Formen, von dem Stoffe, worin sich ihre Werthe u. d befinden, nicht abstrahiren, denn die Eigenschaften der W Materie, worin der Capitalwerth liegt, sind es, die den⸗ —— —ę ö 2 ——— 258 Von der Bildung selben produktionsfähig machen. Bei den Ersparnissen aber, deren Verwendungsart noch nicht bestimmt ist, kommt die bloße Größe ihres Werthes in Betracht. Mag nun das, was man einer unproduktiven Consumtion(wo— durch es unwiederbringlich verloren ginge) entzieht, um solches für eine reproduktive Consumtion, die seinem Werthe eine Fortdauer zusichert, zu bestimmen, Koru, Holz oder Geld heißen, das thut nichts zur Sache; man kann mit dem einen so gut als mit dem andern ein ge— wisses Capital bilden. Die Summe des Capitals ist nicht von seiner materiellen Gestalt, sondern von seinem Werthe abhängig 5). Die Capitale verwandeln sich nach Maßgabe der Unternehmungen. Wenn nun ein Industrie-Unternehmer die Capitale, welche er durch Ersparnisse gewonnen hat, auf irgend ein Unternehmen verwenden will, so sucht er das ersparte Produkt gegen ein solches umzutauschen, das ihm zu die— sem Zwecke dienlich ist. Es entsteht alsdann eine Nachfrage nach solchen Produkten, und diese Nachfrage ist für die Produktion ebenso vortheilhaft, und giebt der Industrie im Allgemeinen einen eben so kräftigen Schwung, als dieß eine Nachfrage nach einem Artikel für die unpro— *) Diese Betrachtung liefert einen weitern Beweis von der Nothwendigkeit, den Werth der Dinge als die Grundlage des Reichthums zu betrachten. Wenn man den Reichthum nur in der wirklichen Nützlichkeit der Dinge und nicht in ihrem Werthe finden wollte, so könnte man den Betrag eines Capitals nie gehörig schätzen. Denn nicht mit der reel—⸗ len Nützlichkeit, sondern mit dem Tauschwerthe der Dinge worin das Capital liegt, es mäg nun in Geld oder in Waä— ren bestehen, kann man die zur Industrte erforderlichen Ge— räthschaften und Roh-Stosse kaufen. sparnisse immt ist ht. Mag ition(wo— jeht, um ie seinem n, Konh, ache; man un ein ge— Ipitnte f bon seinen fgabe det Capitale, irgend ein ersparte m zu die⸗ Nachfrage st für di Industrie ing, als e unpro⸗ bon der Hrundlage Reichthum d nicht in n Berrah it der rel der Dinhe in Wal⸗ lichen He der Capitale. 239 duktive Consumtion thun würde. Dinge, die sich auf eine reproduktive Weise consumiren lassen, sind eben so gut Produkte der menschlichen Industrie, als Dinge, welche zu Verschönerung eines Festes dienen. Roh-Stoffe sind Produkte; ebenso die Geräthschaften, und mit dem Lohne, den man dem Arbeiter bezahlt, erkauft sich dieser Kleider und Nahrungsmittel, die abermals Produkte sind. Im Allgemeinen wird ein Volk durch seine Stellung und sein Genie, durch die Beschaffenheit seines Bodens, das Clima, die geographische Lage des Landes bestimmt, sich dieser oder jener Art von Produktion zu widmen, und demzu— folge den Werthen die es sammelt, diese oder jene Ge— stalt zu geben; denn man muß letztere immer in solche Gegenstände verwändeln, die sich für die Produktion des Landes eignen. An den Ufern des ⸗Ohio, wo sich Fami— lien ansäßig machen, welche neue Höfe, neue Dörfer, Städ⸗ te und neue Staaten bilden, zeigen sich die täglich ersparten Werthe in frisch bebauten Ländereien, in neuen Umzäu— nungen, in Gebäuden, welche zum Landbaue gehören u. s. w., oder sie kommen, wenn ein Theil dieser Ersparnisse zu ge⸗ meinnützigen Zwecken verwendet wird, in der Gestalt von neuen Straßen, Kirchen und Schulen zum Vorschein. Die Ersparnisse, welche man in den Seestädten macht, veranlassen den Bau von neuen Schiffen, Magazinen und einer Fülle von Waaren. In den Fabriken zu Lyon wird der neue Gewinn in Werkstätten, Werkstühle, in Roh-Stoffe u. s. w. ver— wandelt. Wo jede Industrie blüht, läßt sich ein Erwerb nach und nach in allen Unternehmungen und Anstalten des Landes anlegen, gleichwie er daselbst auch auf Dinge verwendet wird, die weiter nichts als Genuß gewähren, wie z. B. geräumigere und bequemere Wohnungen, Land— häuser, Verschönerungen und neue Geräthschaften. 24⁰0 Von der Bildung Durch das Aufsparen von Capitalen werden die Ausgaben nicht vermindert. Man ersieht hieraus, daß der Ausgaben in einer gewerbsamen Stadt, wo viel erspart wird, nicht weniger sind, als in einer königlichen Residenz, wo enorme Ver— schwendungen statt finden; nur sind die erstern Ausgaben von den letztern verschieden. Ein kunstfleißiges und spar— sames Volk giebt zwar sein ganzes Einkommen wieder aus, aber es widmet dasselbe anderen Gegenständen, als derjenige, der sein ganzes Einkommen verzehrt; und da die gesuchtesten Artikel diejenigen sind, welche am besten bezahlt werden, und die Produktiv-Dienste am reichlich— sten belohnen, so wird sich die Produktion mit solchen Produkten befassen, welche zur reproduktiven Comsum— tion geeignet sind. Auch kann ein aufmerksamer Beob— achter in einer jeden Gegend, die er bereist, aus den Produkten, mit deren Erzeugung er die Leute beschäftigt sieht, schließen, ob eine Nation haushälterisch oder verschwenderisch ist, ob das Land reicher oder ärmer wer— de. Es giebt freilich viele Produkte, die sich ohne Unter— schied sowohl zur produktiven, als zur unproduktiven Con— sumtion verwenden lassen, wie z. B, Brod, Wein, Fleisch Bier, Schuhe, Fensterglas u. s. w. Indessen giebt es auch manche, die sich blos zur unproduktiven Consum— tion eignen, wie z. B. die meisten Luxus-Artikel, und eben⸗ sowohl wieder andere, die nur zur reproduktiven Consum— tion tauglich sind, wie die Produkte des Gießers, des Ger— bers, des Mechanikers, des Zeugschmiedes, des Soda- und des Alaun-Fabrikanten u. s. w. Wenn also diese und andere ähnliche Gewerbe stark besetzt und sehr beschäftigt sind, wie dieß in den vereinigten Staaten der Fall ist, so kann man daraus schließen, daß große Ersparnisse gemacht werden, und daß sowohl die Beoölkerung, als der Wohl— stand des Landes im Steigen begriffen ist. +.— „55&SE —— M&Æe köen die in einer weniger rme Ver⸗ Uusgaben und spar⸗ en wieder uden, alz ; und d am beste geichlich it solchen Comsum- er Beob⸗ aus den schäftigt isch oder mer wet⸗ he Unter⸗ hen Con⸗ „Fleisch giebt es Lonsum⸗ nd eben⸗ Lonsum- es Gel⸗ da; und danden gt sind so kan gemach Wohb der Capitale. 241 Was unter der alten französischen Regierung die Vermehrung des National-Capitals wesentlich hinderte, war die dumme Eitelkeit reichgewordener Bürger, welche sich den Adel erkauften, und hiedurch ihre Ersparnisse in den Verschwendungen des Hofes aufgehen ließen. Wo die Regierung einigen Sinn für das öffentliche Wohl hat, wird sie einen Theil von dem Einkommen des Fiscus auf öffentliche Anstalten, auf Straßen, Markt— plätze, Brunnen und Verschönerungen verwenden. Diese Capitalwerthe gereichen einem Lande in den Augen der Reisenden zur Ehre, und ertragen eine Rente in den Genüssen, die dem Bürger auf diese Weise bereitet werden. Ursachen, welche das Ersparen erschweren. Das Ersparen ist für die meisten Produzenten eine schwere Sache, denn ein Produzent kann von seinem Gewinne nur so viel ersparen als ihm hievon übrig bleibt, wenn er seine eigenen und die Bedürfnisse seiner Familie ihrer Gewohnheit und den Sitten des Landes gemäß befriedigt hat. Wenn auch irgend ein Zweig der Industrie so vortheilhaft und ergiebig ist, daß man da— bei einen Theil von dem Gewinn ersparen kann, so kommt er durch die starke Concurrenz gleich wieder zum Fallen. Geheim gehaltene Verfahrungsarten, Monopole und be⸗ sonders vortheilhafte Stellungen machen eine Ausnahme. ) Wenn die Emporkömmlinge es an Geld und Niederträchtig— keiten nicht fehlen lassen, um sich Titel und Auszeichnungen zu verschaffen, so ist ihre Eitelkeit nicht einzig schuld daran. Ohne den knechtischen Sinn des großen Haufens, würden sie auf dergleichen nicht so viel Werth legen. Dieß berechtigt uns zu dem Schlusse, daß man einer Nation, welche unter den Gunstbezeugungen eines üppigen und verschwenderischen Hofes leiden muß, nur ihr Recht wiederfahren läßt. Say prakt. National⸗Oekonomie I. 16 242 Von der Bildung Wenn also der gewerbfleißige Theil einer Nation auch et— was Bedeutendes aufspart, so besteht dieses eher in einer Menge geringer als in einer kleinen Anzahl bedeutender Ersparnisse. ö Ein anderes ist es bei Capitalisten und Grundbe— sitzern. Leute, welche große Capitale oder beträchtlichere Ländereien besitzen, können bei mäßigen Bedürfnissen alle Jahre große Summen zurücklegen. Doch solcher Capi— talisten gibt es nur wenige, und bei dem größern Theile der Nation geht das Sammeln immer nur langsam und schwer von statten. Es gehören dazu Jahre; diese tra⸗ gen übrigens bei einer thätigen und sparsamen Nation sichere Früchte. Was nun diejenigen Capitale anbelangt, die auf widerrechtlichem Wege von Lieferanten und Steuerpäch⸗ tern oder durch Faulstellen(sinecures) und Geldbewilli— gungen auf Kosten des Volkes gesammelt worden sind, so sind sie nicht besser als andere durch Raub erworbene Güter. Es werden in diesem Falle keine Capitale durch jährliche Gewinnste aufgesammelt, sondern ein Theil von dem Gewinn der wirklichen Producenten wird an Leute verschenkt, die gar kein Recht darauf haben; indessen kann ein solches Capital eben so gut aufgespart werden, als ein anderes, das die Frucht der Industrie oder der Produktiv-Fonds eines Unternehmens ist. Thiere sammeln nicht auf. Den Thieren ist die Fähigkeit, Capitale aufzusam— meln, nicht gegeben. Sie gehört zu den Vorzügen des Menschen. Jedes Capital ist ein Werkzeug der Produk— tion. Das was die Bienen, was die Ameisen sammeln, sind zwar Vorräthe aber keine Werkzeuge. Wenn sie in der günstigen Jahrszeit Magazine anlegen, so consumiren sie dieselben wieder in der schlechten. Es ist also bloße der Capitale. 245 bn Wirkung des Instinktes nicht aber der Ueberlegung, und utende diese aufgehäuften Vorräthe dienen ihnen nicht zu Mitteln für einen weiteren Erwerb, wie dieß bei den Menschen der Imdö⸗ Fall ist. Der Mensch findet in einer fortwährenden Ver⸗ mehrung seiner Capitale das Mittel, auch seine Kräfte Hlcher in's unendliche zu vervielfältigen. Darin so wie in unserer lissen alle Ea 23——0— he Eul Fähigkeit, Tausche zu treffen, liegt die vornehmste Ursache a 210 unserer Ueberlegenheit über die übrigen Geschöpfe. Zu an u der Behauptung: Daß die ueberlese beil des Menschen in seiner Intelligenz begründet sey, Rit 10 kann uns eine ganz oberflächliche Ansicht bestimmen. In Mn diesem Sprüchworte liegt nicht viel Belehrung; man muß die Mittel kennen, wodurch sich die Intelligenz diese Ue— de berlegenheit zu verschaffen weiß. Wenn uns unsere In⸗ letpach⸗ telligenz nichts weiter lehrte, als den Thieren auf eine öbewillz geschickte Art Fallen zu legen, um solche zu unserer en sind Nahrung zu gebrauchen oder uns gegen ihre Angriffe worbene sicher zu stellen, so würden wir mit derselben gegen die dle durch Thiere wahrscheinlich öfters den Kürzern ziehen. Aber Theil von Werkzeuge zum Behuf der Produktion zusammenzubrin-— an Leute gen, Lohn gegen Arbeit zu vertauschen, von irgend einem indesen Produkte ein größeres Quantum zu produciren, als wir werden, zu consumiren im Stande sind, und den Ueberschuß ge— oder der gen anderweitige Bedürfnisse einzutauschen, das sind Fä⸗ higkeiten, die wir vor den Thieren voraus haben. Ich muß noch bemerken, daß diejenigen Volker, wel⸗ che von dieser Fähigkeit keinen Gebrauch machen, d. h. fzusam⸗ mehrere Horden in Nordamerika, in den Südsee-Inseln gen des und in Neu-Holland sich freiwillig mehr zu den niedri⸗ Produk— geren Gattungen der Schöpßing hinneigen, und nach mmeln, und nach von der Oberfläche der Erde verschwinden sie in werden. sumiten Mit andern Worten, sie werden entweder civilisirt so blohe oder aufgerieben werden. Der Civilisation und der Macht 16* rr E 244 Von der Verschleuderung der Industrie kann nichts widerstehen. Es werden zuletzt nur solche Thiergattungen übrig bleiben, deren Fortpflan⸗ zung die Industrie selbst befördert. Der Biber führt zwar auch Dämme und Gebäude auf, diese sind jedoch, obgleich sie für das Eigenthum dieser oder jener Gesellschaft von Bibern, die sich gemein— schaftlich damit beschäftigt hat, gelten können, ihrer Na— tur nach von den Capitalen sehr verschieden. Es sind für sie bloße Mittel, sich zu erhalten, und sich mittelst Ueberschwemmungen gegen die Angriffe ihrer Feinde sicher zu stellen, aber eben so wenig Werkzeuge der Prodnk— tion, als es ihre Vorräthe sind. Uebrigens mache ich diese Bemerkung bloß deswegen, um dem Leser einen recht deut— lichen Begriff von der Natur der produktiven Capitale zu geben, und ihn darauf aufmerksam zu machen, daß ihre Consumtion nicht die Befriedigung der Bedürfnisse, sondern die Reproduktion neuer Werthe zum Zweck habe. Vierzehentes Kapitel. Von der Verschleuderung der Capitale. Worin die Verschleuderung der Capitale besteht. Die Verschleuderung, welche die Capitale aufzehrt, ist das Gegentheil der Ersparniß, welche dieselben ver— mehrt. Ein Mensch verschleudert ein Capital, wenn er Werthe, die früher zu Vorschüssen für Produktib-Opera— tionen verwendet wurden, der Befriedigung seiner Bedürf— nisse widmet. Gleichwie ein Capital durch den Werth der ersparten Dinge, diese mögen nun beschaffen seyn, wie sie wollen, einen Zuwachs erhält, so kommt auch bei dessen Verschleuderung einzig der Werth der cousumirten Dinge und nicht ihre Beschaffenheit in Betracht. daeen zult sottysan chüde Ehnthum ih gmnn⸗ ihter M: „ Ei ssr sch nittl iade seht der Mogst ihe ih diß fleht den⸗ apale I, 5 Wnnise, eck habe. . stale. hesteht. aufzeht, elben bet⸗ wenn e ib⸗Opetz Bedüͤlf Herth det u, Wie si i dessn Iaen Ding der Capitale. 245 Dieß ist so wahr, und wird selbst von den unwissendsten Leuten so richtig eingesehen, daß man von einem Verschwen— der sehr häufig sagt: er hat sein Landgut aufgezehrt, obgleich sich offenbar ein Landgut durchaus nicht aufzehren läßt. Aber was thut der Verschwender? Er tauscht mit— telst Verkaufs seine Ländereien gegen Luxus-Pferde, gegen prächtige Meubles, gegen Feste oder Gastmahle aus, und verzehrt dieselben unter diesen verschiedenen zur Consum— tion geeigneten Formen. Ebenso tauscht er ein Capital, das ihm seine Familie hinterlassen hat, an Gegenstände aus, deren Consumtion ihm irgend einen Genuß verschaf— fen kann, und consumirt auf diese Weise das Capital. Gesetzt nun dieses Capital sey in einem Hüttenwerk be— standen, und der neue Besitzer habe seine substantielle Form auch beibehalten, so ist das Capital nichts desto weniger zu Grunde gegangen, und die in der Gesellschaft zuvor vorhanden gewesene Summe von Capitalwerthen um diesen Betrag geschwächt worden. Um dieses recht klar zu machen, bemerken wir fol— gendes. Ehe der Verschwender diesen Schritt that, gab s in der Gesellschaft zwei Capitalwerthe, wovon jeder ich will sagen 100,000 Franken betrug. Der eine davon hieß ein Hüttenwerk und gehörte dem Verschwender; der andere, wir wollen ihn Zucker und Kaffee nennen, gehörte einem Handelsmann. Das Hüttenwerk wird von dem Verschwender zum Verkauf ausgesetzt, und von dem Handelsmann erkauft. Der letztere muß zum Behufe dieses Ankaufs, von dem Capitale, das er in seinem Handel stecken hat, 100,ο0ο Franken zurückziehen. Er kann diese Summe nicht wieder verwenden, und keine Co- lonial-Waaren mehr damit einkaufen. Die Handels-Indu— strie hat also 100, ooo Franken verloren, die in den Händen des Verschwenders, der sie als den Erlös für sein Hüt⸗ tenwerk erhalten hat, in Consumtions-Artikel verwandelt 246 Von der Verschleuderung werden, und unwiederbringlich verloren gehen. Von den zweimal im Lande vorhanden gewesenen Capital-Fonds, bleibt also nur noch der eine, nämlich das Hüttenwerk, übrig, das der vormalige Handelsmann erworben hat. Der Werth des Hüttenwerkes ist also, wie man sieht, consumirt und vernichtet worden, obgleich dieses Hütten— werk, oder, wenn man will, dieses Grundstück eine mate— rielle Substanz ist, und nicht consumirt werden kann. Capitale, welche aus Unerfahrenheit ver⸗ schleudert werden. Zur Verschleuderung von Capitalen gibt nicht alle— mal Liebe zur Pracht und sinnlichen Vergnügungen die Veranlassung. Manche Capitale gehen aus Unerfahren— heit von Industrie-Unternehmern verloren. Ein Werth, den man auf eine reproduktive Weise zu consumiren ge— denkt, der sich aber durch die Operation entweder gar nicht, oder nur theilweise wieder ersetzt, ist so gut ein verlorener Capitalwerth, als derjenige, der von ei— nem Weltmanne verschleudert wurde; und derjenige der sich unvorsichtigerweise in ein Unternehmen einläßt, und die Kosten und Produkte desselben nicht gehörig berech— net, ist auf seine Weise ebenfalls ein Verschwender. Es werden mehr Capitale gesammelt als ver⸗ schleudert. Adam Smith untersucht in seinem Werke: über den National-⸗Reichthum, die Beweggründe die den Menschen im Allgemeinen zur Sparsamkeit bestimmen. Der Reiz zu gleichbaldigen Genüssen wirkt nur gelegen— heitlich, ist aber nicht anhaltend, während das Verlan— gen, seine Lage zu verbessern, beinahe in jedem Menschen fortwährend rege ist. Nun gibt es hiezu kein wirksame— res Mittel als die Vermehrung seines Besitzthums. Die— ses beharrliche unvertilgbare Verlangen ist nach Smith mehr als hinreichend, um sowohl die Genußsucht, so leb— V ——.———.—— Von den al⸗Fonds, itenwerk, tben hat. nan sieht, Hätten⸗ ine mate: kann. t her— nicht all⸗ ungen die lerfhten— Werth, lien ge⸗ der gar so gut von ei⸗ enige der aßt, und 0 berech⸗ der. Is her— : über e die den stimmen. gelegen⸗ Verlan⸗ Nenschen virksame⸗ mo. Die⸗ Smüth , so ll⸗ Sien—..—.— ————————— der Capitale. 247 haft dieselbe zuweilen auch seyn mag, als den Verlust, der aus tollen Privat-Unternehmungen oder aus Mißgrif— fen der Regierungen entsteht, aufzuwägen. Die allmählige Vermehrung der Reichthümer bei al— len Nationen der Erde, die sich keineswegs bestreiten läßt, berechtigt uns, dem Urtheile Smiths beizustimmen. Bei dem Verfall des römischen Reichs ging sin der That durch die auf die Civilisation folgenden allgemeinen und länge fortwährenden Räubereien ein ungeheurer Theil des aufgehäuften Reichthums zu Grunde. In der lan— gen Nacht, die sich nach dem gewaltsamen Eindringen der Ignoranz und des Abergläubens auf die Länder la— gerte, wurde beinahe alle Industrie, mit Ausnahme einer nur wenig ausgebildeten Landwirthschaft vernichtet. Kaum wurden noch einige der gemeinsten Künste getrieben. Menschen, durch Sclaverei herabgewürdigt, ohne alle Kenntnisse, ohne allen Wetteifer, hatten, da sie weder auf ihre persönliche Sicherheit noch auf den Schutz der Gesetze rechnen konnten, wenig Lust zum Sparen, oder betrachteten wenigstens ihre Ersparnisse nicht als Mittel zur Reproduktion. Das Sparen war bei ihnen eine bloße Vorsichtsmaßregel gegen die Schläge des Schick— sals. Da es keine Industrie, und dem zufolge auch keine Mittel gab, seine Ersparnisse anzulegen, so ließen sich ersparte Werthe nicht als Quellen eines fortwähren— den Einkommens, das man auf eine ewig fortgehende Erneuerung der Consumtion verwenden konnte, betrach— ten. Man sah in jeder Ersparniß bloß eine Entbehrung, die man sich für den Augenblick auferlegte, um sich für die Zukunft, und zwar bloß für Einmal einen Genuß zu sichern, der vielleicht diese freiwillige Entbehrung nicht einmal werth war; und wenn jemand ein bleibendes Einkommen hatte, das er entweder aus einem Grundstücke oder aus einem Amte bezog, so mußte das Vorhaben, sich auf Ko— 248 Von der Verschleuderung sten der Gegenwart in einer entfernten und ungewissen Zukunft Genüsse zu bereiten, als eine übertriebene Vor⸗ sicht, gewissermaßen als ein Akt des Wahnsinns erschei— nen. Daher kam auch die damalige große Abneigung ge— gen die Geizigen. Das Aufsammeln von Capitalen ist eine preis⸗ würdige Handlung. Als aber die Künste der Industrie sich überall mehr—⸗ ten, als die Regierungen, über ihr eigenes Interesse bes⸗ ser aufgeklärt, die gewerbfleißigen Bürger und die Früchte ihrer Arbeit in Schutz nahmen, da nahm die Sparsam— keit einen ganz andern Charakter an. Sie ließ sich jetzt in den Augen der Vernunft nicht allein rechtfertigen, sondern sie erschien sogar als Weisheit, als Tugend. Als Weisheit, weil man durch Ersparnisse jetzt nicht mehr bloß auf Kosten eines gegenwärtigen Genusses ei— nen zukünftigen erzielte, sondern dadurch eine neue Quelle des Einkommens und des Wohlstandes eröffnete. Denn wer ein Capital gesammelt hat, der hat gleichsam ein Feld geschaffen, und zwar ein Feld, das sogleich Früchte trägt. Als Tugend, insofern dadurch arbeitsame Leute Beschäftigung finden. Der Schöpfer eines Capitals, das die Bedeutung eines Feldes hat, ladet alle diejenigen, die er zu Bebauung dieses Feldes aufruft, auch zur Theilnahme an den Produkten desselben ein. Es ist ein Produktiv-Fonds, der einem andern Fonds, d. h. den In⸗ dustriefähigkeiten derjenigen, die außer diesen nichts besi— tzen, einen Werth verleiht. ö Ein anderer, der zwar ein Capital gesammelt, aber die Mittel nicht hat, solches selbst umzutreiben, leiht sol⸗ ches einem Unternehmer, der es anzulegen weiß, und den Gewinn, den er daraus bezieht, mit ihm theilen muß. Der Einfluß auf die Industrie bleibt in diesem Falle derselbe. E Hebissey Vor⸗ kls⸗ chei⸗ 0 ge⸗ Vreis⸗ neht⸗ sse bes⸗ Fucht horsam⸗ h jeht Ithen, send nicht Hei⸗ Mle Denn m ein lüchte Leute das gen, ur ein v hesi⸗ der Capitale. 249 Da aber jede Produktiv-Arbeit den Vorschuß, den man zu ihrem Behufe gemacht hat, wieder ersetzt, so wird dasselbe Capital im Jahre darauf wieder aufs Neue verwendet, und bringt alsdann den Arbeitern auch wie— der neuen Gewinn, und so geht es von Jahr zu Jahr. Ein ersparter Werth ist also ein Werth, der sich nicht nur Einmal, sondern alle Jahre aufs Neue consumirt, während ein zur Verschleuderung bestimmter nur einer einzigen Consumtion unterliegt. Strafpredigt von Smith gegen die Verschleu⸗ ö derung. „Ein sparsamer Mensch, sagt Adam Smith, gleicht dem Gründer einer öffentlichen Werkstätte. Er stiftet gewissermaßen einen Fonds zu fortwährender Unterhal— tung geschäftiger Arbeitsleute. Zwar ist die Verschleu— derung dieses Fonds nicht urkundlich bedungen, dieselbe ist jedoch durch das Interesse des jedesmaligen Besitzers des Fonds hinlänglich verbürgt, da dieser den Fonds nicht verschleudern kann, ohne zugleich sein Einkommen zu schmälern. Das letztere thut jedoch der Verschwender, der seine Ausgaben nicht nach seinem Einkommen zu richten weiß, und sein Capital angreift. Einen Fonds, den die Spar— samkeit seiner Väter zu Unterhaltung der Industrie be— stimmt hat, und der in ihren Händen immer aufs Neue wieder erstand, vertheilt er unter Müßiggänger, unter deren Händen er auf ewig verloren geht. Das Vermö— gen einer frommen Stiftung verwendet er zu unheiligen Zwecken. Er vermindert den Gewinn, welchen zweckmä⸗ sige Arbeiten jährlich einbrachten. Wenn sich das, was der Eine verschleudert, nicht durch die Sparsamkeit eines Andern wieder ersetzte, so müßte das Landeseinkommen geschwächt werden, das Land selbst müßte verarmen. 250 Von der Verschleuderung Kurz, jeder Verschwender ist ein Feind des Gemeinwohls, sowie jeder Sparsame als ein Wohlthäter der Gesellschaft zu betrachten ist.“ So kräftig drückt sich der Vater der National-Oeko— nomie über diesen Gegenstand aus. Nur ächte Menschen— liebe und die genaue Kenntniß dessen, was den Men— schen frommt, haben ihm diese Sprache in den Mund gelegt. Die Streitfrage über die Nützlichkeit des Luxus ist hiemit zum voraus entschieden. Man bemerke, wie sehr uns die von ihm eingeführte und von andern noch mehr ausgebildete Methode, die Thatsachen, wie sie in der Natur statt finden, genau zu beobachten und zu beschreiben, die Lösung so mancher für schwer gehaltenen Frage erleichtert hat. Wie viel ist nicht für und wider den Luxus geschrieben worden! Wie haben sich nicht die Feinde desselben in moralischen De— klamationen erschöpft! welche Sophismen sind nicht hin⸗ wiederum von andern vorgebracht worden, um uns zu beweisen, daß, wenn die Reichen sparen, die Armen Hun— gers sterben müssen! Es kann hierüber nur dann ein Streit entstehen, wenn man nicht weiß, wovon eigentlich die Rede ist. In der That läßt sich, sobald man einmal weiß, daß ersparte Werthe eben so gut ausgegeben und consu— mirt werden, als Werthe, welche man verschleudert, in der Verschwendung der Reichen durchaus kein Vortheil mehr für die arbeitsame Volksclasse finden. Der Luxus beschäftigt eine gewisse Classe von Arbeitern; die Spar— samkeit beschäftigt eine andere. Mit dem Gelde, das man seiner Phantasie und seinen Vergnügungen nicht zum Opfer bringt, kann man Bauwerke herstellen lassen, welche den Arbeitern Beschäftigung geben, Geräthschaf— ten, Maschinen und Rohstoffe anschaffen, die den Arbei— der Capitale. 251 tern zu thun geben. Es ist hiebei kein anderer Unter— schied, als der, daß man im letzten Falle, statt solcher Arbeiter, die sich mit unnützen Dingen abgeben, solche braucht, die sich mit der Reproduktion, d. h. mit Ver— fertigung nützlicher Gegenstände beschäftigen. Ich glaube nicht, daß irgend ein Vertheidiger des Luxus einen Grund anzugeben wüßte, warum die Industrie eines Diamanten— Einfassers uns mehr interessiren sollte, als die eines sol— chen, der sich mit der Schaafzucht abgiebt, welcher Ei— senblech fabrizirt, Backsteine verfertigt, und für andere Producenten Geräthschaften, Nahrungsmittel und Klei— dungsstücke liefert. Consumirt der Arbeiter und der Com— mis in der Fabrik nicht ebenfalls? Beschäftigt die Be— kleidung derselben die Industrie nicht so gut, als der Prunkanzug eines Lakaien? Ist nicht der ganze Vortheil auf Seiten der reproduktiven Consumtion, wenn man mit dem, was die Borten auf dem Kleide eines Lakaien kosten, drei bis vier Arbeiter kleiden kann; wenn am Ende des Jahres die für den Arbeiter gemachte Auslage durch den Ertrag seiner Arbeit wieder ersetzt wird, und zu neuen für die Industrie eben so vortheilhaften Ankäu— fen verwendet werden kann? Und was wird dagegen aus einer Antichambre, dieser Wiege der Faulheit, hervor— gehen? Was dort consumirt wird, ist auf ewig verlo— ren. Kann man sich daher noch wundern, daß in den Ländern, wo viele Werkstätten sind, die Bevölkerung zu— nimmt, während solche Länder, wo viele Antichambres sind, in Verfall kommen? Der Geizige ist dem Gemeinwesen nützlicher, als der Verschwender. Es liegt sogar in dem Interesse der Gesellschaft, den Geizhals, der mit schmutziger Sorge Thaler auf Thaler häuft, dem Verschwender, der solche im Ueberflusse aus— ————————————s,;— H— I——— 252 Von der Verschleuderung giebt, vorzuziehen. Der Werth, den dieser ausgiebt, kann nicht noch einmal ausgegeben werden, während der Schatz des Geizigen über kurz oder lang in Hände gera⸗ then muß, die geschickt genug sind, denselben anzulegen oder umzutreiben. Dieses Geld kann alsdann, statt daß es ein einzigesmal zu Bezahlung von Luxus-Arbei— tern gedient hätte, zu einer unabsehlichen Reihe von im⸗ mer wiederkehrenden Consumtionen verwendet werden. Der National-⸗Reichthum besteht in Capitalen. Dieß wären also die Wirkungen der Ersparnisse. In ihnen, d. h. in der Summe der ersparten und zum Ca— pitale angehäuften Werthe liegt der Unterschied zwischen einer reichen und einer armen Nation. Die Ausdehnung und die Bevölkerung eines Landes sind allerdings auch ein Element des National-Reichthums. Die Ausdehnung, ich meine das Gebiet, hat aber nur in Betracht der dar— auf ruhenden Capitale einen Werth. Was sodann die Bevölkerung betrifft, so ist diese nur da ein Reichthum, wo Jedermann wenigstens sein Brod verdienen kann. Nun ist aber eine solche Bevölkerung als das Resultat von Vorschüssen, wodurch sie nach und nach auf diesen Standpunkt gehoben wurde, an und für sich ebenfalls ein gesammeltes Capital; folglich besteht der ganze Reich— thum einer Nation in ihren Capitalen, und diese werden einzig und allein durch Sparsamkeit erworben. Ihr al— lein haben Holland und England ihren Reichthum, ihr allein haben auch wir den unsrigen zu verdanken, der, wie ich hoffe, durch dasselbe Mittel gewiß noch weit hö— her gebracht werden wird. Die immaterielle Produktion kann ebenfalls Capitale bilden. Die irrige Meinung, daß sich nur aus 9t. r Produkten ein bleibendes Capital aufsparen lasse, hat —ñññ 7+7728.————....—. RERRRRNRRR e;;:s....···· der Capitale. 255 He, Adam Smith und andere englische Schriftsteller abgehal— der ten, diejenigen Arbeiten, welche keinen Werth in irgend gera⸗ eine Materie bringen, wie die eines Lehrers, eines Ad— egen vokaten, eines Arztes, als produktiv zu betrachten. Es satt ist diesen Schrifstellern entgangen, daß dergleichen Ar— liz beiten, obgleich sie in einem und ebendemselben Augen⸗ in⸗ blicke ausgeführt und consumirt werden, sich demungeach— n. tet auf eine reproduktive Weise consumiren lassen, so daß . der Werth, den sie haben, die Dauer eines Capitals er— . 0 hält. Das Capital eines Künstlers besteht in seiner 100 Kunst/ diese aber ist eine Frucht des ihm gewordenen En Unterrichts. Dieser Unterricht ẽst zwar consumirt wor⸗ 100 den, allein aus dieser Consumtion ist ein Gegenwerth 35 hervorgegangen, der in dem Kopfe des Zöglings aufbe— wahrt und zum produktiven Capital geworden ist. Eine 0, Nation, wo man es in den schönen oder in den nützli⸗ h chen Künsten weit gebracht hat, ist ohne Zweifel weit rei— die cher als eine andere Nation, wo dieses der Fall nicht ist. 26 Dieses Uebergewicht von Talenten verschafft ihr alle Jahre r größeren Gewinn, und ein beträchtlicheres Einkommen. ultat sesen als Fünfzehntes Kapitel. 3 Voun der Theil un g der Ar beit. den 4* Wir haben gesehen, daß man die Produktion als ei— i nen Tausch betrachten kann, bei welchem die Produzen— ten ihre Produktiv-Dienste hergeben, um dagegen Produkte zu erhalten). Wir haben ferner gesehen, daß dieser hö⸗ ö Tausch um so vortheilhafter ist, je mehr man Produkte erhält, oder je größer die Masse von Nützlichkeit ist, die Ein Unternehmer, der die Dienste seiner Gehülfen erkauft hat, giebt diese erkaufte Dienste hin, und erhält dafür die elen Produkte, die das Resultat seines Unternehmens sind. hat ———— 254 Von der Theilung aus derselben Quantität oder aus demselben Werthe von Produktiv-Diensten entsteht. Ich habe endlich auch dar— auf aufmerksam gemacht, daß durch eine verständige und wohlberechnete Anwendung der Produktiv-Dienste das Pro— duktions-Vermogen derselben bedeutend gesteigert wird. Wir haben ein bekanntes Beispiel, das diese Wahr— heit auf eine auffallende Weise bestätigt, ich meine näm— lich die Wirkungen von der Theilung der Arbeit. Man versteht unter diesem Ausdrucke die Vertheilung der ge— sellschaftlichen Beschäftigungen, nach welcher sich ein je— der Mensch für seine Person immer mit ein und ebender— selben Operation, oder wenigstens immer mit derselben kleinen Anzahl von Operationen befaßt, und solche im⸗ mer wieder von Neuem beginnt. Was die Theilung der Arbeit vermag. Adam Smith hat die scharfsinnige Bemerkung ge— macht, daß die von ihm zuerst sogenannte Theilung der Arbeit die Produktions-Kraft derselben ungeheuer vermehre. Er meint sogar, daß einzig⸗ und allein dieser Ursache die Ueberlegenheit der civilisirten Völker zuzu— schreiben sey? Wir haben gesehen, daß die Ursache die— ser Ueberlegenheit offenbar in derjenigen Fähigkeit des Menschen zu suchen ist, die ihn sowohl seine Capitale, als auch die Hülfe der Natur zu Erzeugung von Pro— dukten in Anspruch nehmen lehrt. Die Absonderung der Gewerbe ist ein bloses Mittel, sich der Werkzeuge der Produktion, denen wir im Grunde alle Produkte, welche unsern Reichthum ausmachen, zu verdanken haben, auf eine geschickte und vortheilhafte Weise zu bedienen. Nach dieser Darstellung ihrer ei— gentlichen Natur dürfte jedoch eine Würdigung ihres Gesammteinflusses nicht ohne Nutzen seyn, und ich halte es für das Zweckmässigste, mich in dieser Hinsicht an he ben dar⸗ e und Mo⸗ d. dahr⸗ nim⸗ Man 2 ge: in ender⸗ selben e im⸗ ge⸗ ung heuet dieser zuhu⸗ die⸗ t des itale, Pro⸗ ittel, runde „ zu hafte eiꝛ ihtes halle ht MR — ͤò·ipduUpyg;⸗;⸗s:s:::: ⸗sss⸗::::.:.e.ñ“'ꝰm:— der Arbeit. 255 Adam Smith zu halten, der denselben mit einem bewun— dernswürdigen Scharfsinne untersucht, und seine entfern— testen Resultate beobachtet hat. 0 Beispiel aus der Verfertigung von Spielkarten. Statt aber, wie er, die Theilung der Arbeit bei der Fabrikation der Stecknadeln zu betrachten, wollen wir ein anderes Gewerbe, wo dieselbe vielleicht noch weiter getrieben ist, die Fabrikation der Spielkarten in's Auge fassen. Weder das Papier, woraus die Karten verfer— tigt, noch die Farben, womit sie bemalt sind, werden von denselben Arbeitern zubereitet, und wir finden, wenn wir weiter nichts als die Verwendung dieser Stoffe auf— merksam beobachten, daß ein Kartenspiel das Resultat mehrerer Operationen ist, deren jede einzelne eine beson— dere Reihe von Arbeitern oder Arbeiterinnen erfordert, die sich immer mit derselben Operation befassen. Es sind besondere und immer die nämlichen Personen dazu bestimmt, die Unreinigkeiten und Erhöhungen aus dem Papiere auszukratzen, die dasselbe ungleich dick machen; wieder Andere, welche immer die drei Blättchen Papier zusammenleimen, woraus die Karte besteht, und solche unter die Presse bringen; wieder Andere färben die Rück— seiten der Karten; Andere tragen die Umrisse der Bilder in schwarzer Farbe auf, Andere geben denselben ihre Farbe; wieder Andere trocknen die Karten, wenn sie ge— färbt sind, an der Kohlpfanne; Andere müssen solche oben und unten rändern. Es ist ferner ein besonderes Geschäft, sie gleich groß zu schneiden, wieder ein ande— res, sie zu abgesonderten Spielen zusammen zu lesen. Wieder ein anderes ist es, den Druck auf die Umschläge zu machen, und endlich ein anderes, solche einzupacken. Hiebei sind die Funktionen derjenigen Personen, welche mit den nöthigen Käufen und Verkäufen, mit der Be— RAIAIAIIIR-— 256 Von der Theilung zahlung der Arbeit und mit der Buchhaltung beauftragt sind, noch gar nicht gezählt. Kurz, wenn man sachver⸗ ständigen Leuten hierüber glauben darf, so werden mit einer jeden Karte, d. h. mit einem Stückchen Karten— papier von der Größe einer Hand, ehe sie zum Verkaufe fertig ist, nicht weniger als 70 verschiedene Operationen vorgenommen, von denen jede der Gegenstand einer be— sondern Arbeit seyn könnte. Und wenn es nicht in je— der Kartenfabrik 70 Klassen von Arbeitern giebt, so kommt dieß daher, weil die Abtheilung nicht so weit getrie— ben ist, als sie es seyn könnte, und derselbe Arbeiter zwei, drei bis vier verschiedene Operationen zu versehen hat. Die Wirkung dieser Theilung ist ungeheuer. Ich habe eine Spielkartenfabrik gesehen, wo 30 Arbeiter täg— lich 15,500 Karten verfertigten, also ein jeder Arbeiter über 500 Stücke; man kann aber annehmen, daß, wenn jeder Arbeiter für sich allein diese Operation hätte ver— richten müssen, derselbe, wenn er in seiner Kunst noch so fertig wäre, in einem Tage vielleicht nicht zwei Karten zu Stande brächte, so daß die 30 Arbeiter anstatt 15,500 Karten, deren nur b60o liefern würden. Warum die Theilung der Arbeit so viel vermag. Smith giebt für diese ungeheure Vervielfältigung desselben Produktes mittelst der Theilung der Arbeit drei Gründe an. Er sagt zuerst und zwar mit Recht, daß der Körper und Geist in einfachen und oft wiederholten Operationen eine außerordentliche Fertigkeit erlangen. Es giebt Fa— briken, wo die Schnelligkeit in der Ausführung gewisser Operationen alle Begriffe, die man sich von der Geschick— lichkeit eines Menschen machen kann, übersteigt H. ) Um sich von der Macht der Gewohnheit zu überzeugen, ver— suche man es mit der linken Hand, einen Knoten zu ma⸗ uftrag achhen⸗ en mit arten= aufe Monen het he⸗ in ⸗ t, so getrie: zwei, hat J lig⸗ heiter venn ver⸗ ch so urten 15,500 6. gung diei lörpet ionen t Fa⸗ wisser chick⸗ 0, hel⸗ MI der Arbeit. 257 Zweiter Grund. Der Zeitverlust, den der Ueber— gang von einer Beschäftigung zur andern, das Wechseln des Platzes, der Stellung und des Handwerkszeugs ver— ursacht, fällt weg. Die immer träge Aufmerksamkeit ist der Mühe, die es kostet, von einem Gegenstande auf den andern überzugehen, enthoben. Dritter Grund. Durch die Absonderung der Be— schäftigungen ist man auf die geschwindeste Verfahrungs— art gekommen; sie hat natürlich eine jede Operation zu einer sehr einfachen immer zu wiederholenden Arbeit ge— macht; dergleichen Arbeiten aber werden am besten mit Hülfe von Werkzeugen und Maschinen verrichtet. Was Smith zur Erklärung des dritten Grundes sagt, veranlaßt mich zu der Bemerkung, daß er der Thei— lung der Arbeit einen Theil derjenigen Vortheile zu— schreibt, die wir blos den uns von der Natur unentgeld— lich verliehenen Werkzeugen zu verdanken haben. Durch diese Theilung ist man auf ein sehr sinnrei⸗ ches Verfahren gekommen. Dieser Theilung der Arbeit zufolge kann jeder Ein— zelne einem ganz einfachen Gegenstande seine unausge— setzte Aufmerksamkeit widmen. Es läßt sich daher er— warten, daß der Eine oder der Andere, wenn es anders möglich ist, bald das Mittel auffinden werde, sein beson— deres Geschäft abzukürzen oder zu erleichtern. Der größte Theil derjenigen Maschinen, deren man sich bei denjeni— gen Gewerben bedient, wo die Arbeit am meisten getheilt ist, sind ursprünglich von gemeinen Arbeitern erfunden worden, deren Gedanken einzig auf Erleichterung ihres besonderen Geschäftes gerichtet war. Es ist wohl Jeder, der ͤofters Fabriken besucht, schon auf irgend eine sinn— chen, oder mit dieser Hand Papier oder andere Stoffe zu schneiden. Say prakt. National⸗Oekonomie I. 17 — 4— ——...-‚)eee?e?e?ese?“t*t?:e:e/·....—— 258 Von der Theilung reiche Maschine aufmerksam gemacht worden, zu welcher dieser oder jener arme Arbeiter, dem es darum zu thun war, sich sein Geschäft zu erleichtern, die erste Idee an— gegeben hatte. Bei den ersten Dampfmaschinen war ge⸗ wöhnlich ein kleiner Knabe aufgestellt, der nichts zu thun hatte, als zur gehörigen Zeit den Hahn zu dffnen, durch welchen das kalte Wasser in den Dampf geleitet wurde. Einen dieser Knaben brachte die Begierde, zu seinen Ka— meraden auf den Spielplatz zu gehen, auf den Gedan— ken, daß sich der Hahn mittelst einer an einem Ende an den Arm, an dem andern an den Hebel des Hahns be— festigten Schnur ohne sein Zuthun von selbst öffnen und schließen, und er sodann nach Belieben seinem Spiele nachgehen können werde. So haben wir also eine der sinnreichsten Vervollkommnungen dieser Maschine der Spiel⸗ lust eines Kindes zu verdanken. Smitheverkennt die Macht der Naturkräfte. Dieß sind die eigenen Worte von Adam Smith. Mir scheint es, er verwechsle in dem angeführten Bei— spiele die Entdeckung, die man allerdings der Theilung der Arbeit zuschreiben kann, mit der wirklichen Nützlich— keit, die das Erzeugniß der stets wiederholten Wirkung eines natürlichen Werkzeuges ist; in diesem Werkzeuge, in dem in Dampf aufgeldsten Wasser liegt die Kraft, die den Hebel, der dem Hahn entspricht, in Bewegung setzt. Diese Kraft ist es, welche die früher von dem Knaben angewandte ersetzt; indessen hat der erste Er— finder, so scharfsinnig seine Erfindung auch seyn mag, die vielen Kräfte, zu deren späterer Anwendung er die Idee gegeben hat, deshalb noch nicht selbst erschaffen. Wenn derjenige, welcher zuerst auf die Anwendung einer natürlichen Kraft verfallen ist, der Schöpfer von den Produkten dieser Kraft wäre, so hätte der Erfinder der ——————— der Arbeit. 259 wc Dampfmaschine selbst das Verdienst, alle Produkte, die thun man diesen Maschinen verdankt, und noch künftig ver⸗ be an⸗ danken wird, geschaffen zu haben. Derjenige, der zuerst r ge⸗ die Bebauung eines Feldes bestellen lehrte, wäre der thun Schöpfer des ganzen zukünftigen Ertrags dieses Feldes; duh und derjenige, der zuerst Feuer anzünden lehrte, wäre der bude. Verfertiger aller Gußwerke, und der Urheber aller Zube— l reitungen, welche mittelst der Hitze vorgenommen werden. Fedan⸗ Solche Behauptungen sind aber denn doch unhaltbar. ide an Wir wollen fortfahren, die Vortheile zu würdigen, us ber die wir der Theilung der Arbeit in Wahrheit zu verdan— en md ken haben. Spiet iM de Die Theilung der Arbeit bewirkt eine Absonderung 0 der Gewerbe. Nicht allein in den Fabriken und in den Werkstät⸗ ten, sondern unter der ganzen Menschheit, überall kön⸗ . nen wir ihre Wirkungen bewundern. Selbst die der Ent— h wicklung der Industrie so nöthigen Wissenschaften werden M nur dann mit Erfolg betrieben und bedeutend vervoll— Felomz kommnet, wenn sich mit den unzähligen Untersuchungen, hlch⸗ in welchen das Wesen derselben besteht, verschiedene irkung Männer befassen. Der Physiker, der Chemiker, der Bo⸗ uge, taniker, der Mineraloge, der Astronome, und viele an— uff, dere Klassen von Gelehrten theilen sich in das Studium aung der Natur. en Ist von dem angewandten Theile der Handels-In-— Er dustrie die Rede, so sieht wohl Jeder ein, daß dieselbe noh⸗ dadurch gewinnen muß, wenn einige Handelsleute aus-— di schließend den Handel im Großen, andere im Kleinen afen. treiben, wenn der Eine diese oder jene Provinz, der An⸗ 11 dere die Levante, ein Dritter Ost- oder West⸗Indien, ein du Vierter die vereinigten Staaten zu seinem Handelsge— d biete macht. Könnten wohl unsere verschiedenen Klei— 17* 260 Von der Theilung dungsstücke so passend seyn, wenn nicht jedes einzelne Stück, Hut, Kleid, Strümpfe und Schuhe von einem andern Handwerker verfertigt würden? Wie viel ver— schiedene Handwerker beschäftigten sich nur mit einem Kleide! Der Schaafhalter, der Wollenwäscher, der Tuch⸗ fabrikant, der 10 oder 12 Gewerbe vereinigt, der Schnei— der, die Spinnerinnen, welche das Garn gesponnen ha⸗ ben, der Knopfmacher, und viele Andere, welche die übrige Zugehör producirt, und noch Andere, welche für diese Producenten die Geräthschaften verfertigt haben. Wie viele Jahre, wie viele Jahrhunderte vielleicht wür— den zu Verfertigung eines Kleides nöthig seyn, wenn ein einziger Mensch, so geschickt wir ihn uns auch den— ken mögen, und so unwahrscheinlich es ist, daß sich so viele verschiedene Fertigkeiten in einem einzigen Indivi— duum vereinigt finden, wenn, sage ich, ein einziger Mensch alle die Operationen vornehmen sollte, welche der Vollen— dung eines Kleides vorausgehen? Es ist nicht gut, die verschiedenen Leistungen der Industrie zu vereinigen. Man sieht hieraus, wie sehr sich derjenige verrech⸗ nen würde, der in der Hoffnung eines größern Gewinns die verschiedenen Leistungen der Industrie allein auf sich nehmen wollte. Niemand kann bei irgend einer Pro-⸗ duktion seine Rechnung besser finden, als derjenige, der sich ausschließlich damit beschäftigt. So würde ein Schneider, der sich neben seinen Kleidern auch noch seine Schuhe selbst verfertigen wollte, sich unfehlbar zu Grunde richten. Er thut weit besser, wenn er sich ausschließlich mit der Erzeugung eines solchen Produktes befaßt, das ihm einen sichern Gewinn bringt, und einen Theil von dem Ertrage seiner Produktion gegen solche Produkte vertauscht, an welchen der Schuster seinerseits ebenfalls ———————.— einzeln neinem el her⸗ einem Tuch; Schnei⸗ nen ha⸗ sche de che für haben. t wůͤr⸗ „ Wenn uch dei⸗ sch s Imihi⸗ Mesch Wlen⸗ el der herrech⸗ winns uf sich t Mo⸗ e, der de ein h seine Grunde „ das eil von heodulte enfall der Arbeit. 261 gewinnen kann. Der Schuster ist, obgleich er an seinen Schuhen etwas gewinnen will, dennoch im Stande, dem Schneider solche wohlfeiler zu liefern, als diesen, wenn er auch dazu fähig wäre, die Verfertigung derselben zu stehen kommen würde. Dieselben Gründe finden auch in vielen andern Fäl— len ihre Anwendung, wo die Verrechnung, wenn auch weniger lächerlich, doch eben so offenbar wäre. Man sucht insbesondere die Form, welche die Handels-Indu⸗ strie den Produkten giebt, auf irgend eine Weise zu er⸗ setzen. Da nun diese Industrie, im Ganzen genommen, nichts thut, als daß sie die Verstättung(Transport) der Produkte, und die Theilung derselben, um solche in den Bereich der Consumenten zu bringen, besorgt, so glaubt ein Jeder, wenn er auch kein Kaufmann vom Fache ist, die Waaren eben so gut behandeln zu können, wie der Kaufmann es thut. Bald verschreibt man sich die Waa⸗ ren von dem Orte selbst, wo sie einheimisch sind, bald kauft man sie von einem Großhändler, um den Gewinn, den der Kleinhändler daran hat, sich zuzueignen. Eine etwas genaue Berechnung zeigt aber, daß dergleichen Ope⸗ rationen uns höchst selten den erwarteten Vortheil bringen. Man soll auch dem Handelsstand seinen Gewinn nicht miß gönnen. Für's erste wird derjenige, der ein Gewerbe anfängt, das er nicht versteht, aus Mangel an Erfahrung Fehler machen und dafür büßen. Er muß gewärtig seyn, nicht allein in der Qualität betrogen zu werden, sondern noch überdieß durch Haverei zu verlieren. Wenn einem eine Waare auch nicht ganz anständig ist, so muß er sie nichts desto weniger behalten, während der Handelsmann meh— rere Mittel hat, eine Waare, die ein Mancher nicht kau— fen will, bei gewissen Kunden dennoch unterzubringen. . ——— + π— 262 Ursprung der Theilung der Arbeit Ferner müssen Waaren, welche man im Vorrath gekauft hat, und blos mit der Zeit consumiren kann, aufgehoben werden, und dazu gehört ein Local. Dieses Local erhöht den Miethzins, und die Bezahlung des Kaufspreises er— heischt das Opfer von Geldzinsen, wodurch dieser Preis gesteigert wird. Oefters consumirt man von einer vor— räthigen Waare etwas weiter, als man gethan haben würde, wenn man solche immer nur im Nothfalle einge⸗ kauft hätte. Auch bringt man bei einem solchen Kaufe das Briefporto, die Nebenkosten und das Risiko nicht in An— schlag, lauter Dinge, die, weil man sie nicht gehörig beach⸗ tet hat, die Sache, die man sich wolfeiler verschaffen wollte, vrrtheuern. Und worin besteht am Ende die Ersparniß? In den meisten Fällen darin, daß man einem Handels⸗ manne einen Gewinn entzieht, der, genau genommen, der schlichte Lohn für seine Produktiv-Arbeit ist, und den man am Ende dennoch entrichten mußte, nur mit dem Unterschiede, daß er den Einkäufer noch weit höher zu stehen gekommen ist. Die Aufmerksamkeit und Sorgfalt, die man auf sein Hauptgeschäft verwendet, sind es, die sich im Allgemeinen am besten belohnen, weil man das— selbe am besten versteht, und diesem, mittelst der Erfah— rung, die man sich im Fache erworben hat, am besten vorstehen kann. Wer mehrere Gewinnste zumal erhaschen will, lauft Gefahr, daß ihm alle entgehen. Sechzehentes Kapitel. Ursprung der Theilung der Arbeit— und Grenzen derselben. „Man muß nicht glauben, sagt Smith, daß diese Theilung der Arbeit, die für uns so vortheilhaft ist, das Resultat einer Berechnung seye, welche den dadurch be— wirkten allgemeinen Wohlstand im Auge hatte.“ Sie hat öů ů ö lit Hekauft gehoben erhöͤht 6 el⸗ Preis et vor⸗ haben einge⸗ ufe das in M: Hach⸗ wollt, Nrniß? ndelẽ⸗ Imen, den dem ihfal, 5, die n das⸗ Erfah⸗ hesten aschen enzen 6 dese st dal uch he⸗ Sie sa und Grenzen derselben. 265 sich eigentlich von selbst gemacht; jedoch lassen sich die Gründe nachweisen, welche dieselbe veranlaßt haben. Der Tausch hat die erste Veranlassung zur Thei⸗ lung der Arbeit gegeben. Wenn sich der Mensch nicht durch die Natur seiner Bedürfnisse und seiner Fähigkeiten, besonders durch die Gabe der Sprache veranlaßt fühlte, entbehrliche Dinge gegen solche auszutauschen, die einen Gegenstand seines Wunsches ausmachen, so könnte er sich unmöglich mit Einer Produktionsart ausschließlich beschäftigen. Wenn er mit einem seiner Produkte ein augenblickliches Be⸗ dürfniß befriedigt hätte, was sollte er mit dem Ueberreste davon anfangen, wenn er solche nicht vertauschen könnte? Ein Thier sammelt sich so viel, als es consumiren zu können glaubt, aber auch nichts darüber, denn was sollte es auch damit thun? Man hat noch nie gesehen, daß Thiere mit einander gehandelt und die Produkte ihrer Arbeit gegenseitig vertauscht hätten. Jedes Thier, als ein Producent betrachtet, befaßt sich mit keinen andern Produkten, als denjenigen, die es mit seinen Jungen ver⸗ zehren kann. Der Mensch allein verfertigt von Einer Sache weit mehr, als er davon zu Befriedigung seines Bedürfnisses nöthig hat, weil er das Ueberflüssige gegen andere ihm gleich nothwendige Dinge austauschen kann. Einem jeden Individuum macht es sein Interesse zum Gesetz, sich eine besondere Beschäftigung zu wählen, und dabei zu verbleiben, denn so kann der Einzelne eine weit größere Summe von Nützlichkeiten produziren, als auf jede andere Weise, und hat also deren auch mehr zu ver⸗ kaufen, als wenn er bald dieses bald ein anderes Ge⸗ schäft vornähme. Und wenn ihn je seine Unbeständigkeit oder seine falsche Berechnung zur Abwechslung in seinen Arbeiten veranlassen sollten, so würden ihn solche Arbei⸗ 264 Ursprung der Theilung der Arbeit ten höher zu stehen kommen, als die übrigen Producen⸗ ten, und er müßte bei der Concurrenz weit hinter die— sen zurückbleiben. So kommt es, daß sich in einer zahl— reichen und civilisirten Gesellschaft die menschlichen Be— schäftigungen auf eine ganz natürliche Weise in Klassen eintheilen, welche, je nach dem Grade der Civilisation, noch weitere Unterabtheilungen haben. Die Theilung der Arbeiten setzt gesellschaftliche Institutionen voraus. Wir haben gesehen, daß die Theilung der Arbeiten zunächst auf der Möglichkeit des Tausches beruht. Diese Möglichkeit setzt aber gesellschaftliche Institutionen nnd Anerkennung des Eigenthumsrechts voraus. Es liegt hierin eine der Ursachen unserer Ueberle— genheit über die Thiere, und ein weiterer Beweis dafür, daß jedes moralische und politische System, welches das Eigenthum nicht anerkennen wollte, nothwendigerweise eine Auflösung der Gesellschaft, eine Barbarei herbeifüh— ren würde. Wo es kein ausschließliches Privat-Eigen-⸗ thum giebt, ist auch kein Tausch möglich, und ohne die— sen kann keine Theilung der Arbeit statt finden, und wo dieß der Fall ist, muß man auch auf den Ueberfluß, auf die Vervollkommnung der Produkte verzichten). Das * Es giebt politische Vereine, wie z. B. die Brüdergemei⸗ nen, die cooperativen Gesellschaften, die man in England und Nordamerika findet, wo die Gewerbe getheilt und die Produkte Gemeingut sind. Diese Gesellschaften exi— stiren jedoch nur in eivilisirten Ländern, wo das Eigenthum gesichert ist. Fürs Zweite sind ihren Mitgliedern gewisse ge— genseitige Tausche gestattet; und endlich ist es noch nicht erwiesen, ob diese Vereine in Ermanglung jenes Reizmittels, das in dem Rechte des Menschen auf den ausschließlichen Besitz und Genuß der durch seine persönlichen Mittel her— vorgebrachten Produkte gelegen ist, von Bestand seyn werden. Ooucen: der die⸗ zahl⸗ n Be⸗ lassen sation, tliche cheiten I Dese mn herle⸗ afür, Ns Weise ifüh⸗ Eigen⸗ le de 18 wo „ auf Das emei⸗ nan in ktheilt exi⸗ Ithum se ge⸗ licht ittels, zlichen her⸗ derden. und Grenzen derselben. 265 Studium der Natur, der Moral und der Politik führt uns immer auf die Nothwendigkeit der Ordnung und Gesetze zurück. Aber es lehrt uns nicht allein die Nütz⸗ lichkeit der guten Gesetze einsehen, sondern es macht uns auch besser, als jedes andere Studium, die Schädlichkeit der schlechten Gesetze fühlbar. Deßhalb kann man auch sagen, daß durch kein anderes Studium so anhaltend auf die Verbesserung der gesellschaftlichen Institutionen hin⸗ gewirkt werde. Bedeutung des Wortes em Umstand, daß die Thei —. — ⁰ 2 2— 2c 28 2 +—— 1 der Möglichkeit des Tausches beruht, läß sich de der Schluß *—* N5 M-afros ziehen, daß die Theilung durch den Umfang des Marktes — 2 5——— beschränkt seye. Die Sache ist leicht zu erweisen, nur +. muß ich vorher bemerken, was man in der Nationa — lich bedeutet dieses Wort einen be„üünmten 3 Platz, wo die Leute aus der Umgegend versammeln, u die Waare, die sie producirt haben, z andere, die sie consumiren wollen, einzukauf —9.—— von den einzelnen Indi 8N — 8** + fem. Gewöhn⸗ sren. Be 2— 127 87* Nioso E yiduen diese b D eute welche in ei⸗ ner„Marlt stadt zusammen kommen, benützen diese Gele⸗ genheit sowohl zum Verkaufen als zum Einkaufen. Sie treffen also anstatt eines halben Tausches, in dem jeder besondere Verkauf oder Einkauf besteht, an diesem Tage einen vollständi gern Tausch. Sie tauschen ihren Ueber⸗ 5 von Produkten gegen Consumtions⸗Gegenstände aus, ihnen abgehen. + 7 Sinn rolr** Worte Im weitern Sinne verstehr man unter diesem Wo e elche — ufren Waaren ab Ustren Waar 4 266 Ursprung der Theilung der Arbeit Zucker aus Indien, für die Baumwolle aus Egypten, und ebenso nennt man Indien selbst einen Markt für die Stahlwaaren und Baumwollenfabrikate von England. Früher war die ganze Erde ein Markt für die molukki-⸗ schen Spezereiwaaren, aber jetzt treten Guyana und ei— nige andere Länder aus der heißen Zone mit den moluk— kischen Inseln auf diesem Markte in Concurrenz. Diese weitere Bedeutung haben wir dem Worte nach dem Bei— spiele der Engländer gegeben. Es ist begreiflich, daß in Folge dieser weitern Be⸗ deutung des Wortes, unter den Ausdrücken: Umfang des Markres, großer Markt, nicht den physischen Umfang des Verkaufsplatzes, sondern den großen Umfang und die Wichtigkeit der Verkaufsmittel, welche sich auf einem Markte darbieten, verstanden sind. So sagt man also von einem stark bevölkerten Lande, es sey für alle daselbst verkäufliche Produkte ein ausgebreiteterer Markt, als ein anderes armes, entvölkertes Land. Europa ist ein Markt, auf welchem dermalen weit mehr Waaren aus dem Orient consumirt werden, als in dem Mittel— alter. Wenn die neuen amerikanischen Freistaaten eine dauerhafte Organisation erhalten, wenn das Eigenthum daselbst sicher gestellt ist, wenn die dort möglichen Pro⸗ duktionen, unter dem Schutze einer allgemeinen Sicher— heit, die Freiheit des Verkehrs und alle Industriezweige vermehren, so werden sie für Europa ein weit besserer Markt werden, als sie es gegenwärtig sind. Die Theilung der Arbeit ist durch den Umfang des Marktes beschränkt. Erst wenn man sich über die Bedeutung dieser Aus— drücke gehörig verständigt hat, kann man zum Beweise des Satzes übergehen: daß die Theilung der Ar— beit durch den Umfang des Marktes beschränkt sey. Hen, ud für di gland. olukk⸗ und ei⸗ wlak⸗ Dese m M en Ve⸗ mfang Hschen Umfang sch auf man alle Rarkt, ist Waten Mittel⸗ en eine nthum Mo⸗ zicher⸗ wwelge hesserer fang Aus⸗ eweise Ar⸗ räͤnkt und Grenzen derselben. 267 Allerdings können zwanzig Arbeiter, welche sich in ihr Geschäft theilen, in Einem Tage 15,500 Karten fer⸗ tigen, dieß kann jedoch nur da der Fall seyn, wo man täglich eine solche Anzahl von Karten absetzen kann, denn um die Arbeit in diesem Maße zu theilen, muß ein ein⸗ ziger Arbeiter unausgesetzt mit dem Auftragen der schwar— zen oder rothen Farben, ein Anderer mit dem Rändern des Kartenpapiers, ein Anderer mit dem Zuschneiden der Karten u. s. w. beschäftigt seyn. Wenn das Land an seine eigenen Bewohner oder an das Ausland täglich blos 5000 Karten verschließen könnte, so müßte der eine von den Arbeitern, z. B. derjenige, welcher die Spiele zusam⸗ menlegt, da ihn diese Beschäftigung nicht den ganzen Tag hindurch in Anspruch nähme, wenn er nicht eine Zeit lang müßig gehen wollte, noch ein anderes Geschäft treiben, und die Arbeit wäre jetzt schon nicht mehr so getheilt, weil das Wesen dieser Theilung hauptsächlich darin besteht, ein und dieselbe Person unausgesetzt mit der nehmlichen Operation zu beschäftigen. Die Arbeiten können also nur dann gehdrig getheilt werden, wenn ein Produkt an einem Orte fabricirt wird, wo entweder eine starke Consumtion desselben Statt findet, oder wo solches ins Ausland verschickt, und in den Bereich einer großen Anzahl von Consumenten gebracht werden kann; mit andern Worten, die Theilung der Arbeit läßt sich nur in einer großen Stadt, oder nur dann bis auf einen gewissen Punkt treiben, wenn sie bei Gegenständen die einen kleinen Raum einnehmen, und die durch den Transport nicht sehr vertheuert werden, angewendet wird. In welchem Falle ein Mensch mehrere Gewerbe zumal treibt. Dieß ist der Grund, warum an schlecht bevölkerten Orten mehrere Arten von Arbeiten, welche unmittelbar nach ihrer Produktion consumirt werden müssen, von einer — S 268 Urfsprung der Theilung der Arbeit und derselben Person verrichtet werden. In einem Land— städtchen, in einem Dorfe könnte das Bartabnehmen ei⸗ nen Barbier nicht den ganzen Tag hindurch beschäftigen, und die Produkte seiner Arbeit lassen sich auch nicht auf— bewahren oder verschicken und anderwärts verkaufen. Da⸗ her kommt es, daß an solchen Orten ein und ebenderselbe Mann, neben dem Geschäfte eines Barbiers noch die Funk— tionen eines Chirurgen, eines Arztes und Apothekers ver— sieht, während in einer großen Stadt diese Geschäfte nicht allein verschiedenen Personen zugetheilt sind, sondern zum Theil noch in Unterabtheilungen zerfallen, wie dieß bei der des Chirurgen der Fall ist. Deßhalb sind auch nur in großen Städten Zahnärzte, Augenärzte und Geburtshel— fer zu finden, und diese werden, da sie sich mit einer vielumfassenden Kunst nur theilweise befassen, in ihrem Fache auch weit geschickter, als dieß außerdem möglich wäre. Auch sehen wir, daß die Künste sich in den Städten am meisten vervollkommnen; im Allgemeinen sind es die Städte, von wo aus sich sinnreiche Verfahren, Entdeckungen und Vervollkommnungen über das ganze Land verbreiten. Dasselbe gilt von der Handelsindustrie. Man sehe einen Spezereihändler in einem Dorfe. Die beschränkte Consumtion seiner Waaren veranlaßt ihn zu gleicher Zeit mit Kleinwaaren und mit Papier zu handeln, und dane— ben den Schenkwirth und wer weiß was noch weiter, vielleicht den offentlichen Schreiber zu machen. Er ver— schließt an seine Kunden nicht so viel Waaren, daß die— ser Handel seine ganze Zeit, seine ganze Intelligenz und seine Capitale in Anspruch nehmen, und ihm die Befrie— digung seiner Bedürfnisse sichern könnte. Wenn er blos Zucker, Kaffee, Oehl, Pfeffer, mit Einem Worte blos Spezereiwaaren verkaufte, so wären seine Gesammtge— schäfte so beschränkt, daß er von seinem Einkommen nicht —.. T2.‚Ä ö m Land men es⸗ üftigen, ct auf⸗ U. Da⸗ derselbe ie funk⸗ ers her⸗ te nicht an zum dieß bei Nur in Irtshel⸗ t eißer shtem oglich den heigen ahren, ganze sche unkte Zeit dane⸗ beiter, ber⸗ die⸗ und efrie⸗ blos blos untge⸗ nich und Grenzen derselben. 269 leben könnte, wenn er anders seine Waaren nicht so hoch ansetzte, daß er ihre Consumtion noch weit mehr erschwe— ren oder gar seine Kundschaft ganz verlieren würde. Gerade umgekehrt kann man in sehr großen Städten nicht nur aus dem Verkaufe bloßer Spezereiwaaren, son— dern selbst aus dem Verkaufe eines einzigen Materials ein eigenes Geschärft machen. In Amsterdam, in Lon— don, in Paris gibt es Buden, wo man weiter nichts als Thee oder verschiedene Sorten von Oehl oder Essig ver— kauft; und da sich ein Gewerbe um so mehr ausbildet, je mehr die Beschäftigungen bei demselben getheilt sind, so lernt ein jeder solcher Kaufmann seine Waaren, ihre verschiedenen Eigenschaften, den verschiedenen Gebräuch den man davon machen, so wie die Gegenden, aus denen man sie beziehen kann, weit besser kennen, und seine Bude ist mit Allem, was zu dieser Waare gehört, viel zweck— mäßiger versehen, als es solche Buden seyn können, wo man hunderterlei Artikel antrifft, die fast gar keine Aehn⸗ lichkeit mit einander haben. Ursprung der Handelsmessen. Die geringe Consumtion in den Flecken und Dör— fern entzieht ihren Bewohnern den Genuß der Vortheile, welche die Theilung der Arbeit mit sich bringt, zum Theil noch dadurch, daß sie nicht allein die Kaufleute nöthigt, sich mit mehreren Geschäften zu befassen, son— dern auch den Verkauf gewisser Produkte ins Stocken bringt. Daher kommen die Messen und Märkte. In der Vorzeit, wo Europa nicht so stark bevölkert, und die ge— ringe Volkszahl nicht so reich war, waren die Märkte ein Bedürfniß. Ein Handelsmann mußte, wenn er so viel Tuch oder Juwelen verkäuft hatte, als sich in einer Städt und in ihren Umgebungen absetzen ließen, weitere Abnehmer in irgend einer andern Provinz aufsuchen. 270 Ursprung der Theilung der Arbeit Diese warteten ihrerseits aus demselben Grunde zu ihrem Einkaufen die Jahrmärkte ab. Auf diesen konnte man nicht nur eine bessere Auswahl treffen, sondern auch noch aus der Concurrenz der Kaufleute Vortheil ziehen. Es ist bekannt, daß die Pariser Studenten sich auf der Landi— Messe ihren Federn- und Papierbedarf für das ganze Jahr anzuschaffen pflegten. Seitdem jedoch die Consum⸗ tion dieser Artikel so stark geworden ist, daß der Papier⸗ handel seinen Mann zu nähren vermag, so haben sich die Papierhändler bleibende Aufenthaltsorte gewählt, und ihre Waaren sind, da sich jeder Consument solche nach Bequemlichkeit und Bedürfniß verschaffen kann, gleich vielen andern von den Märkten verschwunden. Unsere großen Städte sind, da man in ihnen zu jeder Zeit jede Sorte von Waaren finden kann, fortwährende Märkte. In Holland, sagt Turgot, giebt es keine Märkte, aber der Staat bildet seinem ganzen Umfange nach, und das ganze Jahr hindurch, so zu sagen, einen immerwährenden Markt, weil der Handel daselbst immer und überall gleich blühend ist. Ursachen ihres Verfalls. Es läßt sich daher behaupten, daß die Märkte nur in solche Staaten gehören, wo der öffentliche Wohlstand noch nicht weit gediehen ist, und diejenigen, welche sich über den Verfall der Messen von Beaucaire, von Gui— bray und von Frankfurt beklagen, und darin eine Vor— bedeutung für den Verfall des Handels sehen wollen, wissen die eigentlichen Ursachen der Wirkungen nicht auf— zufinden. Auch darf man nicht vergessen, daß die Un— ordnungen in der Civil-Verwaltung die Kaufleute ehedem nöthigten, truppweise zu reisen und die Gelegenheiten abzuwarten, wo man ihnen mehr Sicherheit anbot und Abgaben erließ, die in den meisten Fällen eine Sache der Willkühr und eine Plage für sie waren; daß jedoch dieser ————— ⏑— zu ihten nte man uuch noch hen. Ez er Londi⸗ 5 ganze Cohsum⸗ Phpiet⸗ ů sich di hlt, und lche nach „ gliic Unsete it jede Manste. ober 1 das hrenden glech kkte mur ohlstand che sich V Gul⸗ e Vor⸗ wollen, cht auf⸗ die Un⸗ ehedem nheiten ot und ache det ch diest und Grenzen derselben. 271 Beweggrund heutzutage wegfällt, da die Polizei immer besser wird, da die Person so wie das Vermögen des Ein— zelnen mehr gesichert ist, und das Repräsentatib-System, das einem jeden die Erhebung von willkührlichen Contri— butionen verbietet, immer mehr Festigkeit und Ausdeh— nung gewinnt. Wesentlicher Unterschied zwischen Messen und Märkten. Die Märkte sind von den Messen wesentlich unter— schieden, und dürfen nicht so, wie diese, eingehen. Der Landmann kann nicht für beständig in der Stadt woh—⸗ nen. Für ihn ist es bequem, einen bestimmten Ort zu haben, wo er seine Produkte hinbringen und feilbieten kann. Eben so bequem ist es für den Käufer, dieselben in großer Menge bei einander und in ihrer ersten Frische anzutreffen. Der Korn- und Fischmarkt gewähren, so wie alle die Märkte, auf denen man Produkte verkauft, deren Preise einem wesentlichen Wechsel unterworfen sind, den weiteren Vortheil, daß sie als Sammelplätze für alle diejenigen, welche irgend eine Waare zu verkaufen haben, so wie für diejenigen, welche solche zu kaufen suchen, dazu dienen, einen laufenden Preis für dieselbe festzu— setzen. Die Folge davon ist, daß man bei Einkäufen, welche man anderwärts abschließt, nicht Gefahr läuft, eine solche Waare weit über ihren Werth zu bezahlen, oder weit unter demselben zu verkaufen. Diese Vortheile aber sind, auf welcher Stufe sich die Gesellschaft befinden mag, sehr annehmlich. Bei kostbaren Arbeiten findet keine große Theilung Statt. Aus dem Umstand, daß nur bei einer bedeutenderen Consumtion die Absonderung der Arbeiten so weit als möglich getrieben werden kann, ergibt sich, daß dieselbe 2—.— 272 Ursprung der Theilung der Arbeit bei Fabrikation von Produkten, die ihres hohen Preises halber nur wenige Käufer finden, nicht Statt finden kann. Bei der feinen Bijouterie fällt sie beinahe ganz weg. Da sie aber, wie wir gesehen haben, eine der Ursachen von der Entdeckung und Anwendung der sinnreichsten Ver— fahrungsarten ist, so folgt hieraus, daß diese gerade bei Gewerben, welche die ausgesuchtesten Produkte liefern, am seltensten vorkommen. Wenn Jemand ein aus Haaren bereitetes Halsband sieht, so denkt er mit oder ohne Grund, daß diese Haare von einem Arbeiter mit einer großen Geschicklichkeit gedreht und geflochten worden seyen; wenn er dagegen ein Kreuzernestel sieht, wird er wohl schwerlich muthmaßen, daß es mit Hülfe eines blin— den Pferdes verfertigt worden sey, und daß der Werk— stuhl, aus dem es hervorgeht, eines der schwierigsten me— chanischen Probleme gelöst habe). Man ersieht hieraus daß man, um zu wissen, bei welchen Gewerben sich die Theilung der Arbeit mit Er— folg einführen läoßt, vor allen Dingen die Ursachen ken⸗ nen muß, welche eine Beschränkung oder eine Ausdehnung des Marktes oder des Absatzes herbeiführen. Ein Produkt, dessen Transport schwierig und kost— spielig ist(schwierig und kostspielig ist in der National— Oekonomie ein Pleonasmus; beide Wörter haben dieselbe Bedeutung, und wenn ich solche nebeneinander setze, so will ich damit blos zeigen, daß man die dadurch ausge— drückten Begriffe nicht trennen darf), kann blos in der Nachbarschaft seines Produktions-Ortes Consumenten fin— den. Töpferwaaren, namentlich gemeine Töpferwaaren, S»„xæ—,vn *) In den Werkstühlen, auf welchen die Nestel verfertigt wer— den, wirkt die bewegende Kraft auf Spulen, welche sich höchst regelmäßig umdrehen, ohne auf irgend eine Art mit dem Hauptsystem der Maschine in Verbindung zu stehen, wie ein Ball der von zwei Spielern gestoßen wird. lit und Grenzen derselben. 275 15 n sind im Verhältniß zu ihrem Werthe schwer, und werden Icg. r deßhalb zu Lande niemals weit berschickt; darum hat ahen voy auch in 1 Regel jede Provinz ihre eigenthümlichen, 210 sen Der meinen Töpferwaaren. Wenn Ber ein Land seine Flüsse nde di schiffbar macht, und Kanäle für die Schiffahrt anlegt, Rn so verschafft es sich dadurch die Mittel, seine Waaren auf 27 eine wohlfeile Art zu verschicken, und ist dann auch eher im Stande, die Vortheile zu genießen, welche mit der 60 Theilung der Arbeiten verbunden sind. U mni In den Küstenländern kommt die Theilung der „widdeer Arbeit leichter zu Stande. ines hli— Am wohlfeilsten lassen sich Waaren auf der See r Weit⸗ verschicken, auch kommen sie auf diesem Wege am wei— ssun me⸗ testen. Man darf sich daher nicht wundern, daß die Kü⸗ stenländer nicht allein den Handel, sondern auch die übri— u, di gen Künste der Industrie zuerst mit Erfolg getrieben ha⸗ mi Et⸗ ben. Diesen war es ein Leichtes, ihrem Markre eine cen ken⸗ Ausdehnung zu geben, wobei sie sich die Theilung der ehunn Arbeit zu Nutzen machen konnten. Wir finden deßhalb die ersten großen Beispiele von bit Industrie und Civilisation bei denjenigen Nationen, an welche die Küsten des mittelländischen Meeres bewohn⸗ desth ten, eines Meeres, das zu den ersten Versuchen in der großen Kunst der Schiffahrt deßhalb vorzüglich geeignet sch, ist, weil es unter einem schönen Klima liegt, und so be— 2*—7 schränkt ist, daß man zu einer Zeit, wo die Magnetnadel n 7 noch nicht bekannt war, auf demselben lange Fahrten rnen fi⸗ vornehmen konnte, ohne die Küsten aus dem Auge zu Woaann, verlieren. rtigt ver⸗ Der Compaß begünstigt die Theilung der Arbeit. rae s Nach Erfindung des Compasses konnten weit meh— 90965 rere Länder ihre Schiffahrt vervollkommnen, und ihren Markt erweitern. Auf den zahlreichen Flüssen, und den Say prakt. National⸗Oekonomie I. 18 274 Ursprung der Theilung der Arbeit durchschnittenen Küsten von England und Holland, ließen sich Produkte aus dem Innern des Landes einschiffen. Durch die schiffbaren Kanäle wurden endlich die inneren Theile der Länder mit den Seehäfen, und dem zu Folge mit allen Küsten der Erde in Verbindung gesetzt. Die Industrie und die Bevölkerung der Stadt Manchester hat sich, seitdem dieselbe durch die Kanäle des Herzogs von Bridgewater mit dem Hafen von Liverpool verbunden ist, verdreifacht. Aehnliche Beobachtungen sind in andern Städten im Innern von England, zu Birmingham, Leeds u. s. w. gemacht worden. Nie hätte man in diesen Städ— ten die Theilung der Arbeit, und folglich auch die Pro— duktion so weit treiben können, wenn nicht die schiffbaren Kanäle ihren Markt bis in die Seehäfen und durch diese bis in die entferntesten Gegenden der Welt ausgedehnt hätten. Warum sie in den Zeugfabriken anwendbar i st. In den Zeugfabriken sind der Unterabtheilungen in dem Geschäfte außerordentlich viele. Es ist ein eigenes Handwerk, die Baumwolle zu spinnen, ein anderes, solche zu weben, wieder ein anderes, den Zeug zuzurichten, und ein anderes, denselben zu färben. Hier sieht man also Arbeiten, die nicht nur unter die verschiedenen Bewohner einer Stadt vertheilt sind, und von diesen auf eigene Rechnung betrieben werden, obgleich solche alle zu Erzeu— gung desselben Produktes, nehmlich eines Baumwollen— Zeuges mitwirken; wir finden noch außerdem bei Betrach—- tung jedes einzelnen dieser Handwerke, das nur einen Theil zu diesem Produkte liefert, die Arbeiten wieder un— ter mehrere Klassen von Arbeitern vertheilt, welche immer dieselbe Beschäftigung haben. Es ist in einer Baum— wollenspinnerei eine eigene Beschäftigung, die Baumwolle zu kardätschen, eine andere, dieselbe grob, und wieder eine andere, sie fein zu spinnen. Die Weiber, welche 2³l--.......-. heit land, Ießn einschiffz e innern 50 Folg seht. Die scheser hat elzogs von hunder is, in andern am, Lerdz isen Sti; 9 de Pn⸗ schiffbarn durch diese nthatten. ar ist. ungen in n eigenes kes, solche chten, und man also Bewohner Uf eigene zu Etzen⸗ imwollen⸗ 1 Mtrach⸗ nur einen ieder un⸗ che immer +Baum⸗ aumwole ind wiedt / Wllt und Grenzen derselben. 275 solche in Stränge bilden, haben den ganzen Tag hindurch nichts zu thun, als zu haspeln. Dieser großen Unterab— theilung in den Arbeiten, welche die Fabrikation von Zeugen zum Gegenstande haben, liegt hauptsächlich die Leichtigkeit ihrer Verschickung, und theilweise auch der Umstand zum Grunde, daß diese Zeuge unter einem sehr geringen Umfang einen ziemlich großen Werth enthalten, Und da die Consumtion unserer Kleidungsstücke immer mehr oder minder langsam von Statten geht‚, so kann der Zeug, aus welchem sie verfertigt sind, in einem ziem⸗ lich hohen Preise stehen, ohne daß er deßhalb für die Consumenten zu theuer würde. Deßwegen können auch die unten Volksklassen auf den amerikanischen Inseln, und selbst die Neger, die man so wohlfeil als möglich zu kleiden sucht, Kleider von Baumwollenzeugen tragen, welche 2000 Stunden von ihrer Heimath in Manchester und in Rouen verfertigt werden. Man sieht hieraus, welch ein ungeheurer Markt den Fäbriken dieser beiden Städte offen steht, und wie weit deßhalb die Absonde— rung der Beschäftigungen in denselben getrieben werden kann. Die Zeuge lassen sich um so weiter verschicken, als sie unterwegs der Haverei nicht ausgesetzt sind. Sie können nicht zertrümmert werden. Sie lassen sich im Allgemeinen sehr enge und bequem auf alle mögliche Weise packen. Der feine Taffet, der zu einem Weiber— rocke nöthig ist, läßt sich in ein Päckchen einwickeln, das nicht viel mehr Raum einnimmt, als drei Kartenspiele. Ein Theil von den Baumwollenzeugen, welche die Eng— länder auf die Antillen verschicken, wird in die Fässer eingepackt, welche dazu bestimmt sind, in Jamaika Rum einzunehmen. Das Packbehältniß kostet also hier nur sehr wenig, es kostet gar nichts. Was sage ich? Es bringt im Gegentheil noch Gewinn, da es 22.— ein Ge⸗ 18* ———:: 276 Ursprung der Theilung der Arbeit genstand des Handels ist. Diese Proben von Industrie lehren uns die Mittel kennen, durch welche ein Volk den Markt für seine Produkte erweitern kann. Der Landbau läßt keine große Theilüng der Arbeit zu. Von den drei Industrie-Zweigen läßt die Landbau⸗ Industrie die Theilung der Arbeit am wenigsten zu. Die Hauptsache bei der Theilung der Arbeit besteht darin, daß ein jeder Arbeiter fortwährend dasselbe Geschäft ver— sehe. Hierin liegt das Mittel, am besten und am schnell— sten zu arbeiten. Dieß ist aber wegen der Behandlung des Bodens und wegen des Wechsels der Jahreszeiten unmöglich. Denn wie könnte sich ein Mensch das ganze Jahr hindurch mit Säen, und ein anderer immerfort mit Erntem beschäftigen? Man kann nicht einmal alle Jahre zur nehmlichen Zeit wieder dieselbe Arbeit vornehmen; man kann, wenn man anders den Boden nicht erschöpfen will, mit den Culturarten wechseln. Kurz, ein großes Pachtgut(was ein großes Landbau-Unternehmen ist) be⸗ schäftigt weniger Arbeiter, als eine kleine Stecknadel-Fa⸗ brik. Die Erntezeit ausgenommen, wo man außerordent— liche Arbeiter anstellt, beschäftigt es nicht einmal zehn Arbeiter, obgleich dabei gegen fünfzig verschiedene Ge— schäfte vorkommen. Es muß also Ein Arbeiter deren mehrere auf sich nehmen. Bei schönem Wetter muß Je⸗ dermann im Felde arbeiten, bei Regenwetter müssen sämmtliche Pächtersknechte dreschen, oder irgend eine Ar— beit im Trockenen verrichten. Die Theilung der Arbeit ist durch die Größe der Capitale bedingt. Die Theilung der Arbeit setzt die Anstellung vieler Leute voraus, und dazu gehört ein großes Capital. Der Unternehmer muß in diesem Falle ein geräumiges Lokal, .——. ⁰C———— 2—.—.2—2 lit und Grenzen derselben. 277 Wolk den einen bedeutenden Vorrath von Roh-Stoffen, mehrere und künstliche Maschinen haben; die Unterhaltung einer Uber großen Anzahl von Arbeitern erfordert stärkere Vorschüsse. Ehemals, wo man die Baumwolle noch am Spinnrädchen audbu spann, brauchte sich eine Spinnerin 2* einmal bloß u dr bis 2 Pfund Baumwolle und ein paar Handkardätschen h dun anzuschaffen; das Rädchen war sehr einfach, und so wie 2ü der Haspel deßwegen auch sehr wohlfeil. Jetzt wo eine Wän einzige Spinnerei mehrere hundert Arbeiter beschäftigt, ö ů muß man zum Spinnen weitläufige Gebäude haben. chandg Man muß sich 20 bis 50 Ballen rohe Wolle zumal kau— hreszeiten sen, und zu gleicher Zeit noch ein bedeutendes Quantum gang von Waare unter der Arbeit haben; man muß sich Maschi— fart mt nen anschaffen, die mehrere 1000 Franken kosten, und Jhre der Besitzer eines kleinen Capitals, ein Dorfbewohner, hmren; der nur so viel Geld zu seiner Verfügung hätte, als man schöpfen früher auf diesen Industriezweig zu verwenden pflegte, Rfes wäre nicht im Stande, es mit Fabriken aufzunehmen, isty de wo die Baumwolle von mehreren Leuten zerzaust, kar— delehn⸗ dätscht, gestrichen, in Würste aufgerollt, und in dieser krordent⸗ Gestalt in Fäden gezogen und gehaspelt wird. Der Dorf— nal zehn bewohner könnte es, auch wenn keine Naturkraft ange— ene Ge⸗ wendet würde, eine solche Concurrenz nicht aushalten. T deren ö nuß N⸗ Dieses ist nur dann nicht der Fall, wenn die Ar⸗ müssen beiten zu verschiedenen Unternehmungen eine M⸗ 9 Indessen läßt sich die Theilung der Arbeit in vielen Fällen einführen, ohne daß dazu beträchtliche Capitale 13 nöthig wären, sey es nun, daß die Roh-Stoffe von ge⸗ ö ringem Werthe sind und mit wenig kostspieligen Werk— viele zeugen bearbeitet werden konnen; oder daß die Arbeiten ů0 selbst nicht zu einer gemeinschaftlichen Unternehmung ver— olgh, einigt sind. Die Arbeit ist z. B. bei Verfertigung von 278 Von den Nachtheilen einer einem paar Handschuhen schon ziemlich getheilt. Der Vieh— halter, der Weißgerber, der Lederbereiter, der Zuschnei— der, die Näherin sind lauter verschiedene Personen, von denen eine jede ihr Werk mit einem eigenen Capitale treibt, das gerade nicht so beträchtlich seyn muß. Wahr— scheinlich würden diese verschiedenen Operationen, falls man sie in einer großen Unternehmung vereinigen wollte, selbst wenn dazu verschiedene Arbeiter verwendet würden, sich nicht so wohlfeil ausführen lassen. Siebzehntes Kapitel. Von den Nachtheilen, welche mit einer allzu⸗ st arken Theilung der Arbeit verbunden sind. Ein französischer Schriftsteller, Namens Lemontey, hat in seinem Werke: über den moralischen Ein— flüß der Theilung der Arbeit, untersucht, welche Folgen dieselbe in Bezug auf die einzelnen Arbeiter selbst, und auf die ganze Nation haben müßte. Mehrere seiner Be— merkungen verdienen eine genauere Betrachtung, denn es ist von Nutzen, sich mit den Folgen beobachteter Thatsa— chen bekannt zu machen, mit dem Vorbehalte, die nach— theiligen durch die vortheilhaften zu vergüten. Einwürfe von Lemontey. Je mehr man die Theilung der Arbeit ausbildet und den Gebrauch der Maschinen ausdehnt, sagt Lemontey, desto mehr muß die Intelligenz des Arbeiters verküm— mert werden. Eine Minute, eineSekunde erschöpfen sein ganzes Wissen, und in der nächsten Minute oder Se— kunde fängt er wieder sein altes Geschäft an. Der Eine ist bestimmt, sein ganzes Leben hindurch die Dienste eines Hebels, ein Anderer die eines Nagels und ein Dritter die einer Kurbe zu versehen. Man sieht wohl, daß bei einem solchen Werkzeuge die menschliche Natur überflüssig ist, Der Vieh Zuschne⸗ men, hon Capitale . Vahr⸗ zen, falls en wolle, t wicdn, er allztr n sinb, Rmontey, Ein⸗ „welche bet sabf, Reiner Be⸗ „ denn es Dhatsa⸗ die nach⸗ ildet und emontey, berküm⸗ pfen stin oder Se⸗ Der Eine uste eines YNntter di hei einen slst s, allzustarken Theilung der Arbeit. 279 und daß der Mechaniker nur auf den Augenblick wartet, wo es ihm gelingen wird, dasselbe durch irgend eine Fe⸗ der zu ersetzen.....„Der Wilde, der mit den Ele— menten um sein Leben kämpfen und von dem Ertrage des Fischfangs und der Jagd leben muß, ist eine Zusam⸗ mensetzung von Kraft und List, voll Sinn und Einbil— dungskraft. Der Landmann, der die Verschiedenheit der Jahreszeiten, des Bodens, der Cultur-Arten und der Werthe zu immer neuen Combinationen veranlaßt, bleibt ein denkendes Wesen u. s. w.“ „Wenn der Mensch solchergestalt seinen Verstand durch Betreibung eines verwickelten Geschäfts ausbildet, so darf man von demjenigen, der bei einer getheilten Ar— beit als blinde Triebkraft mitwirkt, eines entgegengesetz— ten Erfolgs gewärtig seyn. Der erste, der ein ganzes Handwerk in seinen Armen vereinigt, fühlt seine Kraft und seine Unabhängigkeit; der zweite hat mit den Ma— schinen Aehnlichkeit, in deren Mitte er sein Leben zubringt. Er kann sich's nicht verhehlen, daß er von diesen nur ein Anhängsel ist, und getrennt von ihnen weder Fähig— keit noch Mittel zum Lebensunterhalte besitzt. Es ist traurig, wenn man sich das Zeugniß geben muß, sein ganzes Leben mit dem Oeffnen von Pumpenklappen zu-⸗ gebracht, und nie weiter als den achtzehnten Theil einer Stecknadel verfertigt zu haben. „Da seine Arbeit höchst einfach ist, und er deßhalb durch den nächsten besten ersetzt werden kann; da er selbst, wenn er seinen Platz verloren hätte, ohne einen unver— hofften Zufall anderwärts keinen gleichen finden würde, so lebt er dem Meister der Werkstätte gegenüber in einer ebenso unbedingten als entmuthigenden Abhängigkeit. Der Lohn für seine Arbeit wird, da man solchen ebenso⸗ wohl für einen Gnadensold, als für einen verdienten Ar- beitslohn ansieht, mit jener kalten und harten Sparsam⸗ — 280 Von den Nachtheilen einer keit berechnet werden, welche allen Fabrik-Einrichtungen zu Grunde liegt.“ ö* Dieß sind die wichtigsten Betrachtungen, die Lemon— tey in der gedachten Schrift über den Einfluß der Thei— lung der Arbeit auf das Schicksal der Arbeiter angestellt hat. Obgleich er in vielen Stücken Recht hat, so wünschte ich doch nicht, daß seine Beweisgründe auf die Leser ei— nen so starken Eindruck machen möchten, daß er eine Sache, die, genauer untersucht, als ein Fortschritt und eine wirkliche Wohlthat der Gesellschaft erscheinen muß, für ein Unglück zu halten geneigt wäre. Beantwortung derselben. Der Verfasser vermengt für's erste den Einfluß der Absonderung der Beschäftigungen mit dem Einfluß der Maschinen. Diese beiden Dinge sind jedoch wesentlich verschieden. Die Arbeit der Maschinen macht zwar viele Arbeiter überflüssig, ohne jedoch die Arbeit derjenigen, welche mit denselben beschäftigt sind, zu vereinfachen. Mittelst der Maschine zum Tuchscheeren können zwei Arbeiter eben so viel Arbeit liefern als vorher 15 bis 20 Mann; aber die beiden Arbeiter, die dabei verwendet werden, müssen zum wenigsten eben so viel Geschicklich— keit und Beurtheilungskraft besitzen, als jeder gewöhnli— che Tuchscheerer. Da diese Streitfrage über die Ma— schine, als Ersatzmittel für die Arbeiten des Menschen, von Wichtigkeit ist, so wollen wir dieselben einer sorg— fältigen Untersuchung unterwerfen, und vor der Hand nur die Wirkung von der Theilung der Arbeit, nicht aber die von den Ersatzmitteln für dieselben betrachten. Diese Theilung ist selbst bei solchen Künsten üblich, wo die Maschinen nur wenig in Anwendung kommen; wir ha— ben sie so eben bei den Handwerkern gefunden, welche das Leder bearbeiten, wo weniger Maschinen angewendet * Itichtungn die Lemon, der Thei— angestellt o wünschte e Heser ei⸗ iß er eine schritt und inen muß, influß der uflaß ber lesentlich var biele Renigen, einfachen. men zuei 15 bis 20 herwendet eschicklich— gewöhnli die Ma⸗ Renschen, iner sorg⸗ er Hand licht abet u. Diese wo die wir ha⸗ „ Welche ngewende allzustarken Theilung der Arbeit. 8¹ 9 werden, als bei manchem andern Handwerke. Das ein— zige Band, das diese beiden Ideen mit einander verknüpft, ist der Umstand, daß die Theilung der Arbeit die Ent— deckung von Maschinen befördert. Durch sie wird jede besondere Operation vereinfacht, und diese Vereinfachung des Geschäfts macht es möglich, solches durch eine blinde Kraft verrichten zu lassen. Aber gerade dieß ist der Würde des Menschen gewissermaßen zuträglich; denn sobald ein Mensch nur noch die Stelle eines Nagels oder einer Kurbe zu versehen hat, so wird er dieser rein me— chanischen Funktion enthoben, und durch eine blinde Kraft ersetzt. Die Theilung der Arbeit dient also mehr zur Hebung als zu Verstärkung dieses Nachtheils. Durch die Theilung der Arbeit wird der Arbeiter von dem Unternehmer abhängig. Von größerer Bedeutung ist der Nachtheil, daß durch diese Theilung jeder einzelne Arbeiter zu sehr von seinen Mitbrüdern und den Industrie-Unternehmern abhängig wird. Die Abhängigkeit von seinen Mitbrüdern macht seine Existenz unsicher. Ein Mensch, welcher Holzschuhe zu verfertigen weiß, kann deren überall verfertigen; aber derjenige, der nichts anderes als Zifferblätter zu Uhren machen kann, findet, wenn ihn das Schicksal in eine Gegend wirft, wo es keine auf einen großen Fuß einge— richtete Uhrenfabrik gibt, gar keine Beschäftigung; denn was sollte man auch da mit Zifferblättern machen, wo man die übrigen Theile einer Uhr nicht zu verfertigen wüßte? Die Abhängigkeit von den Industrie-Unterneh— mern ist in sofern nachtheilig, als ein Arbeiter, der von einem Produkte nur einen Theil verfertigen kann, der Concurrenten, die seiner Dienste bedürfen, nur so viele findet, als es Unternehmer gibt; während er, wenn er ein ganzes Produkt verfertigen könnte, sich die Concur— renz der Consumenten zu Nutzen machen konnte. 282 Von den Nachtheilen einer Sie bringt der Intelligenz keinen wesentlichen Schaden. Ohne Zweifel müssen die Fähigkeiten eines Menschen, dessen ganze Aufmerksamkeit und Sorgfalt auf eine ewig wiederholte untergeordnete Operation gerichtet ist, ein wenig ausarten. Indessen darf man deswegen ja nicht glauben, daß eine derartige Operation eine nothwendige Geistesabstumpfung zur Folge habe. Zuvörderst sind diejenigen, die sich in den Künsten zu ganz maschinenmäßigen Verrichtungen hergeben, auch in der Regel nicht die fähigsten Köpfe. So gibt sich ein Maurer, der zu einem tüchtigen Werkmeister Anlage hat, nicht lange mit dem Steinsägen ab. Dieses Handwerk kann also nur diejenigen abstumpfen, die sich ihrem Ver— stande oder ihrer Geschicklichkeit uach zu höheren Be— schäftigungen nicht wohl eignen würden; aber wenn ei— ner auch ein Steinsäger ist, so bringt er deswegen noch nicht sein ganzes Leben mit diesem Geschäfte zu. Er widmet natürlich auch einen Theil seiner Zeit seinen Freun— den, seiner Frau und seinen Kindern und hier kommt er in Berührungen, wo seine Intelligenz und seine Gefühle einige Nahrung erhalten). Eben so wenig die Moralität. Endlich will sich auch, wenn wir die Arbeiter auf dem Lande mit denen in der Stadt vergleichen, kein intellektueller oder moralischer Vorzug nachweisen lassen, den jene vor diesen hätten, obgleich auf dem Lande die Theilung der Arbeiten nicht so weit getrieben werden kann, als in den Städten. Ich berufe mich hiebei auf *) Man weiß, daß einer der beliebtesten dramatischen Dichter des vorigen Jahrhunderts, ich meine Sedaine, zuerst ein Steinsäger gewesen ist. Es scheint aber nicht, daß diese ma— schinenmäßige Beschäftigung seinen Geist abgestumpft habe. —[[—ꝛ-wL,daeee⸗e- ECC*CC——— allzustarken Theilung der Arbeit. 285 li 0 alle diejenigen, welche sowohl mit den einen als mit den nschen andern umzugehen Gelegenheit hatten. Hat jemand an evig dem Arbeiter vom Lande einen offeneren Verstand wahrge⸗ „ nommen 2WArbeitet derselbe mit größerer Besonnenheit? nht Hält er sich weniger an den alten Schlendrian? Läßt er Wadi sich seltener von Betrügern oder Marktschreiern unter hun⸗ dert Gestälten bethören? uunsen Lemontey schreibt der Theilung der Arbeit, nachdem E. er sich über ihren traurigen Einfluß auf die Arbeiter shch selbst vielleicht allzusehr beklagt hat, einen nicht minder 9 hu mißlichen Einfluß auf die ganze Gesellschaft zu; insoferne ann durch dieselbe zu viele Arbeiter verdrängt werden. Da aber dieser Vorwurf die Maschinen ebenfalls trifft, so 2 werde ich denselben erst dann, wenn von diesen die Rede 10 ist, näher beleuchten. uo Achtzehntes Capitel. Feun⸗ Von der Nützbichkeit der Maschinen bei umt er den Künsten. efühle Gutgestellte Fragen sind schon halb gelöst. Die Fragen, die in der National-Oekonomie vor— kommen, müssen zum Behuf ihrer Lösung gleich andern auf gut gestellt werden. Dazu gehört jedoch eine genaue kein Kenntniß von der Natur der Dinge, wovon die Rede ist, lasen, und von ihren Verhältnissen zu allen übrigen Dingen. de die Wir wollen also sehen, welchen Dienst die Maschinen bei verden den Künsten leisten; sind wir einmal mit diesem be⸗ ei auf kannt, so können wir auch beurtheilen, was der Gebrauch der Maschinen für gute oder für schlimme Folgen nach Mah sich ziehe. . Der Mensch besitzt weniger natürliche Mittel, die hahe Gegenstände, die sich ihm darbieten, nach seinen Bedürf⸗ 284 Von der Nühlichkeit der Maschinen nissen zuzurichten, als ein manches Thier. Sich selbst überlassen würde er, wenn er es auch truppweise versu— chen wollte, nie wie der Biber große Bäume fällen, Dämme und Häuser aufmauern können. Nie würde er wie die Biene jene unzählige Menge durchaus gleich und rein geometrisch geformter Wachszellen zu Stände bringen; ein Gebäude, das gleich, zierlich, dauerhaft und leicht ist, und das wir nur zu bewundern nicht aber zu erklären vermögen. Aber wenn die Natur dem Menschen gewisse Mittel verweigert hat, numittelbar auf den Kör⸗ per zu wirken, so hat sie ihm in der Intelligenz einen reichlichen Ersatz dafür gegeben. Diese ist es, die ihm weit wirksamere künstliche Hülfsmittel gewährt, und ihn in den Stand setzt, die Produkte der Natur nach seiner Willkühr zu gestalten, und dem Erdball, den er bewohnt, so zu sagen ein ganz anderes Aus sehen zu geben. ö Nützlichkeit der Handwerkszeuge und Maschinen. Die Instrumente, womit er seiner schwächeren Wirk— kraft auf materielle Gegenstände zu Hülfe kommt, sind die Handwerkszeuge und Maschinen. Ich habe diese bei— den Begriffe deswegen nicht getrennt, weil Maschinen und Handwerkszeuge in der Hauptsache verwändte In— strumente sind. Die einen wie die andern sind bloß Mittel, die Naturkräfte unseren Zwecken dienstbar zu ma— chen. Wenn wir mit einem Hammer auf einen Nagel schlagen, so bedienen wir uns eines Instruments, mit— telst dessen wir uns die aus einem physischen Gesetze sich ergebende Kraft, nämlich die Stoßkraft der Körper zu Nuzen machen. Wenn wir uns zu Bewegung jener un— geheuren Eisenhämmer, welche eine Eisenstange entweder verflächen oder verlängern, eines Mühlrades bedienen, so gebrauchen wir ein Werkzeug, das es uns möglich macht aus einer ebenfalls natürlichen Kraft Vortheil zu zie⸗ ———— bei den Künsten. 285 0 ch hen. Der einzige Unterschied, den man zwischen diesen bersu⸗ beiden Werkzeugen machen kann, ist der, daß man den 4 fillen, Namen Handwerkszeug gewöhnlich einer ganz einfa⸗ ö ö pürde chen Maschine gibt, während die Benennung Maschine ö glich einem künstlicheren Werkzeuge zukommt. Im übrigen Endde sind sich beide vollkommen gleich. aft und Die Maschinen erzeugen keine Kraft. aber zu Wir müssen bemerken, daß weder in dem einen noch nschen in dem andern Falle ein Werkzeug selbst eine Kraft er— zeugt. Das Werkzeug ist der bloße Vermittler zwischen z einen einer ihm selbst nicht beiwohnenden Kraft und dem Kör— die ihn per, auf welchen diese Kraft wirken soll*). Wenn der ind ihn Arm einen Schlag mit dem Hammer gibt, so liegt die seiner bewegende Kraft in den Muskeln des Armes, und wenn bohnt, der Fall einer Wassermasse einen Schmiedehammer in die Höhe hebt, so liegt sie in dem Gewicht des auf das Mühlrad fallenden Wassers. Eine Maschine, mittelst welcher ů 910 man irgend eine Kraft auffaßt, nennt man zuweilen die Wi⸗ Triebkraft; der Impuls selbst kommt jedoch nicht von „ s0 ihr, sondern er wird bloß durch sie übertragen. In der Hi Dampfmaschine ist die eigentliche Triebkraft die Elasti⸗ ihen citöt des Dampfes und das Gewicht der Atmosphäre. ⸗ Durch die Maschine werden diese Krätte uns dienstbar bloß gemacht. r Sie modificiren nur die Wirkungskraft derselben. Lin Die Maschinen dienen uns noch in anderer Hinsicht; sth sie modificiren, sie verändern die Wirkungsart der Kraft und Bewegung. Mit unsern bloßen Händen ist es uns ver zu 47.537 ö 0 unmöglich, auch den leichtesten Gegenstand recht schnell zu weder bewegen, so wenig als man mit einem Haare einen Qua— 0*‚q.‚. henen,) Eine Maschine erfinden wollen, in der die bewegende Kraft äglich selbst liegt, ist das Hirngespenst des sogenannten Perpetuum 1— Mobile. Wn⸗ 286 Von der Nühlichkeit der Maschinen derstein von der Stelle schaffen kann, während wir mit Hülfe einer Maschine, einer Spindel eine solche Schnel— ligkeit beibringen, daß ihre Bewegung sogar dem Auge entgeht, und mittelst einer Wende ungeheure Lasten in die Höhe heben. Im ersten Fälle verwandeln wir Kraft in Schnelligkeit, im letztern Schnelligkeit in Kraft. In einer Stuben- oder Taschenuhr ist die Beweg— kraft die Hand, welche solche aufzieht; diese Kraft sam— melt sich in der Maschine und theilt sich sodann ganz langsam den Zeigern mit, so daß es oft mehrere Tage, ja sogar Wochen dauert, bis sich dieselbe entwickelt hat. Ferner können wir mittelst einer Maschine auch die Richtung der Kräfte modificiren, wie solches der Fall ist, wenn wir eine ungleiche Bewegung in eine stätige, eine schwankende und unsichere in eine genaue und regelmä— ßige verwandeln. Es wäre zwar streng genommen nicht unmoglich, die Muster auf unseren Zizen mit dem Pinsel ebenfalls zu fertigen, mittelst eines gravirten Cylinders aber geschieht dieß so regelmäßig und schnell, daß der durch die Zeichnung weit vollkommener, und der Zeug weit wohlfeiler wird. Die Maschinen liefern in allen diesen Beziehungen die Mittel, mit geringeren Kosten eine größere Summe von Nützlichkeiten zu erhalten, und je besser die Beweg— kraft gewählt, und je vollkommener die Maschine ist, desto größere Vortheile wird dieselbe auch gewähren. Wie eine vollkommene Maschine beschaffen seyn muß. Die vollkommenste Maschine ist diejenige, welche ih— ren Zweck auf die einfachste und kürzeste Weise mit der geringsten Reibung und mit dem geringsten Kräfteverlust erreicht; die aus dem dauerhaftesten und wohlfeilsten Zeuge u Hnr: h 9⸗= ä—.—————.......T.T—.. bei den Künsten. 287 il*—— 0—0 verfertigt ist, am wenigsten Gefahr lauft, aus ihrem Gange mi zu kommen, und am leichtesten wieder herzustellen ist. Mge Wenn ich den einfachsten und schnellsten Verfah— sien in rungsarten den Vorzug gebe, so will ich damit die er— Haft verwickelten Maschinen keineswegs verwerfen. Man kann manchmal einen Zweck nicht anders als durch schwierige Wuuig⸗ Mittel erreichen. Nur das sage ich, daß wenn zu Er— st san⸗ reichung irgend eines Zweckes ein schneller wirkendes in ganz und einfacheres Mittel vorhanden ist, als das vorgeschla— 1 gene, letzteres nicht das beste sey. i Von der Wahl der Bewegkräfte. Fal is, Die Wahl der Bewegkraft und der Maschinen, die „ ele zu Uebertragung derselben taugen, gibt zu Betrachtungen Hmi⸗ Anlaß, welche für die Natlonal-Oekonomie von Wichtig-— uht keit sind. Es ist nicht meine Sache, das Vermögen der⸗ IMl selben in naturwissenschaftlicher Hinsicht, folglich ihre Inderz Ursachen, ihre Innigkeit und ihre Dauer zu studiren; ich uh M betrachte dieselde bloß in Beziehung auf die Oekonomie, 90 wo von ihrer Nützlichkeit und ihrem Einfluß auf die Ge— sellschaft die Rede ist. Hungen Die Alten hatten nur schwerfällige Maschinen. Summe Ich bemerke zuvörderst, daß die Anwendung der wil— Beweg⸗ lenlosen Kräfte zum Dienste des Menschen ebenso neu ine ist, ist, als die Wissenschaften, ja noch neuer als der größte en. Theil derselben; denn zuerst mußte man in den Wissen— schaften selbst Fortschritte machen, ehe man dieselben an— 17 wenden konnte. Bei den Völkern des Alterthums ver— ö schwendete man manchmal die Kräfte der Menschen, zu— scht i⸗ weilen auch die der Thiere. Zum Mahlen der Früchte nit der wurde weder das Wasser noch der Wind benutzt. Die everhot Schiffe wurden allerdings durch die Winde getrieben; N Zeuge die Schiffe der Alten waren jedoch nur höchst plumpe und in Vergleichung mit den unsrigen höchst unvollkom— ———— DS—— RRDS *——— I — v SSDSIee..— 2868 Von der Nühlichkeit der Maschinen mene Maschinen. Man hatte sehr sinnreich gedachte Kriegsmaschinen. Mit der Baliste schleuderte man Ge— schoße; aber nur durch die Gesammtkraft von mehreren Menschen, die sich zu Drehung von zwei Säulen, oder zu Erhebung eines Gegengewichts vereinigten, wurde der Stoß gegeben. Man muß von dem Nutzen, welchen dem Menschen der Gebrauch von Handwerkszeugen und Maschinen ver— schafft, die Summe, welche ihn die Anschaffung derselben gekostet, abziehen. Obgleich dieser Rutzen weit mehr einträgt, so können wir doch nur den— nach Abzug der Auslagen übrig bleibenden Mehrbetrag als einen Gewinn betrachten. 9 Die Maschinen ersparen einen Theil der Hand⸗ arbeiter. Die Maschinen, sey's nun, daß sie die Arbeit des Menschen durch Naturkräfte ersetzen, oder daß sie eine zweckmäßigere Anwendung der menschlichen Kraft ver— mitteln, machen es möglich, mit einer geringern Anzahl von Arbeitern eine gleiche Quantität von Produkten zu erhalten. Gerade hierin besteht ihr vorzüglichster Nutzen; aber eben dieser gilt in den Augen eines Manchen für etwas Nachtheiliges. Sie halten das Unglück, den Ar— men unbeschäftigt zu lassen, für größer, als die Unan⸗ nehmlichkeit, ein Produkt theurer zu bezahlen. Und sind deßhalb der Gesellschaft um so nützlicher. Ich habe weiter oben(Thl. J. Kap. g9.) bewiesen, daß das, was diese Leute für eine bloße Unannehmlich— keit halten, das größte von den Hindernissen ist, welche den Fortschritten der Gesellschaft im Wege stehen. Der *) Die Wahl der Bewegkräfte und die Art, wie solche ange— bracht und von den Unternehmern mit Vortheil angewen— det werden können, wird man in dem zweiten Bande dieses Werkes weiter entwickelt finden. Hedachtt Ian Ge⸗ ehteren „ oder dde der kaschen en ver⸗ lselben meht zug der Hewinn and⸗ t des eine Hr⸗ Iunhl ren zu lutzen; en für N⸗ Unan⸗ licher. viesen, ulich⸗ welche „ Der he duge: ugewen⸗ de diest bei den Künsten. 289 Mensch tauscht, wenn er sich Dinge anschafft, welche zu Befriedigung seiner Bedürfniss gehören, seine Arbeiten gegen Produkte aus; ein Tausch ist demnach um so vor— theilhafter, je weniger er Arbeit gilt, von wem auch diese verrichtet werden mag. Wenn die Produkte gar kein Opfer erheischten, so könnte man sie umsonst haben; die Arbeiter fänden zwar keine Beschäftigung mehr, aber sie brauchten auch nicht mehr zu arbeiten. Nun ist aber jede Ersparniß von Arbeit, wenn sie auch diesen Zweck nicht ganz erreicht, doch ein Schritt zur Annäherung zu demselben. Wir wollen dieß durch ein Beispiel anschaulich machen. Schlagen wir einmal an, was die Gesellschaft durch die gewöhnlichen Wassermühlen erspart, wenn wir die Mahl-⸗ kosten dabei mit denjenigen vergleichen, welche das Mah⸗ len des Kornes auf die Weise der Alten, nämlich mit— telst der Handmühlen erfordern würde. Die Ersparniß der Kräfte läßt sich in diesem Falle in Geld anschlagen, und ich behaupte, daß die Gesellschaft dadurch gewinnt; denn zu Folge der Concurrenz können die Müller die Be— zahlung einer Auslage, welche sie nicht gemacht haben, auch nicht fordern. Später wollen wir sodann auch den augenblicklichen Nachtheil würdigen, der für diejenige Klasse der Gesellschaft, welche ihre Handarbeit verkauft, aus der Einführung der viel leistenden Maschinen er— wächst. Wie viel Arbeit durch eine gewöhnliche Mühle erspart wird. Eine gewöhnliche Wassermühle kann täglich 36 Mal— ter Getreide mahlen; man hat berechnet, daß um eine gleiche Quantität von Getreide in einer gleichen Zeit mittelst der Handmühlen in Mehl zu verwandeln 168 Menschen erforderlich wären. Wir wollen jedoch, um die Auslagen nicht allzuhoch anzuschlagen, die Zahl der Ar— Say prakt. National⸗Oekonomie I. 19 290 Von der Nühlichkeit der Maschinen beiter nur auf 15o festsetzen. Ihr Taglohn, der in der Gegend von Paris 2 Franken beträgt, würde sich täglich auf nicht weniger als 300 Franken belaufen. In dersel— ben Gegend kann der Pacht eines fließenden Wassers jährlich 3000 Franken kosten*). Den Hauszins schlage ich nicht an, denn man hat bei den Handmühlen, um die Leute, welche dieselben treiben, im Trockenen unterzu⸗ bringen, ebenso gut ein Haus nöthig. Eben so wenig rechne ich die Auslagen, welche der Bau der Maschine gekostet hat, da die Verfertigung von Handmühlen eben— falls mit Kosten verbunden ist. Diese letzteren Maschi— nen sind zwar nicht so verwickelt, als die Wassermühlen, indessen müßte man deren, um eine gleich große Quan⸗ tität von Getreide zu mahlen, auch mehrere haben. Wir dürfen also einzig und allein die Kosten des Wasserge— fälls mit dem Taglohn der Arbeiter vergleichen. Nun kommen, wenn man die 3000 Franken Pachtzins auf 300 Tage vertheilt, auf den Tag, statt einer Auslage von 500 Franken, welche die Unterhaltung der Arbeiter erfordert hätte, blos 10 Franken. Die häufigen Unterbrechungen, welche in Folge der Ermüdung oder des bösen Willens der Arbeiter statt gefunden hätte, die schändlichen Reiz— mittel, die man bekanntlich anwenden muß, um eine sol— che Arbeit im Gange zu erhalten, bringe ich gar nicht in Anschlag.) *) Aus einer Mühle bezahlt man in der Umgegend von Paris jährlich über 5000 Franken Miethe; unter dieser ist jedoch das Interesse aus dem in dem Hause, den Mahlgängen und Maschinen steckenden Capitale begriffen. *) Wir ersehen aus mehreren Stellen der alten Schriftsteller, daß das Treiben einer Handmühle für eine außerordentlich harte Arbeit gehalten wurde. Homer schildert in dem zosten Buche seiner Odyssee die Verzweiflung einer unglücklichen Sclavin, welche mit dem Kornmahlen beschäftigt ist. Sie verwünscht die Gastmahle, welche ihre mühsame Arbeit ver⸗ — Hen der in dy ch taglich In dersel Vasers Hlgge ich um die unterzu⸗ so weig Machine len ehen⸗ Machi⸗ rmühlen, e Qunn⸗ hen. Dir Lasserge⸗ „Nun auf 300 90n 500 efordeit echungen, Willens en Reiz⸗ eine sol nicht in don Pnit ist jeroc fingen und hrif sstellet, Roldentlich dem ꝛoster Bxlücklichen is. G Mhast n bei den Künsten. 291 Verwendung der ersparten Arbeit. Der Erfindung der Mühlen, durch die wir zum Mah— len des Getreides die Kraft des Wassers verwenden kön— nen, haben wir also bei je 36 Maltern Getreides, die wir in Mehl verwandeln, eine Ersparniß von 290 Franken zu verdanken. Dieß ist gerade der halbe Käufpreis von dem Getreide selbst. Die Auslage für das Brod einer Haushaltung ist also heutzutage um ein Drittel geringer, als bei den Alten. Man wird zwar diese Ersparniß nicht in Abrede ziehen, aber daneben behaupten, daß sie auf Kosten der Handmühlentreiber gemacht worden sey, deren Ver— dienst um so viel geschmälert werde. Man wird behaup— ten, daß dadurch der Reichthum der Gesellschaft nicht vermehrt worden, sondern nur an andere Besitzer gekom— men sey. Es kann jedoch dem Leser ebenso wenig entgehen, daß die Handmühlentreiber zwar einerseits 290 Fran— ken weniger einnehmen, andererseits dagegen über ihre Zeit und ihre Arbeit nach Belieben verfügen und solche sofort zur Erzeugung von neuen Produkten verwenden können. Wer soll aber diese neuen Produkte kaufen? wird man mir einwerfen.— Dieselben Consumenten, welche an dem Ankauf des Mehls 290 Franken erspart haben, da ihr Einkommen durch diese Veränderung nicht mehrt haben, und beklagt sich, daß sie erschöpft sey, und nur noch einem Schatten gleiche. Die Alten verwendeten zu die— ser, wenn ihnen der Krieg nicht Gefangene, d. h. Sclaven dazu lieferte, Weiber. Die rauhen Sitten der ersten Pe— rioden der Civilisation kommen in mancher Hinsicht denen der wilden Völker nahe. Heutzutage sind bei allen wahrhaft civilisirten Völkern die Weiber, von welchem Stande sie auch seyn mögen, aller Arbeiten, welche die Kräfte allzusehr anstrengen, überhoben. 19* 292 Von der Nützlichkeit der Maschinen geschmälert worden ist. Sie hatten deßwegen alle Jahre noch über dieselben Summen zu verfügen, mochten sie nun diese auf Genüsse oder auf Reproduktiv-Consumtion verwenden. ½) Es stand demnach sofort in ihrer Gewalt, und es lag sogar in ihrem Interesse, sich nach andern Arbeiten umzusehen, und so wurden die Menschen, deren Arbeit durch die Einführung der Maschinen entbehrlich geworden, von Neuem beschäftigt. Diese Menschen kön— nen sich ebensogut und noch leichter durchbringen, als vorher; denn außerdem, daß dieselbe Quantität von Mehl, wie vorher erzeugt wird, kann man dasselbe um ein Drittel wohlfeiler kaufen als früher. So werden durch solche Verbesserungen viele Leute in den Stand ge⸗ setzt, sich mit der Produktion jener zahlreichen Gegen⸗ stände zu befassen, in deren allgemeiner Verbreitung das Wesen einer vorgerücktern Civilisation liegt. Man sieht zwar heutzutage weniger Handmühlentreiber, dagegen aber eine größere Anzahl von Handelsleuten und Fabri— kanten, die sich, von zahlreichen Gehülfen unterstützt, aus allen Gegenden der Welt Produkte kommen lassen, welche sie mit den Produkten unserer Industrie bezahlen. Durch die Maschinen werden die intellectuellen Produkte vervielfacht. Ich habe dieß schon anderswo**) bemerkt und ge— sagt: der Pflug, die Egge und andere Maschinen, de— ren Ursprung sich in dem Dunkel der Vorzeit verliert, haben ungemein viel dazu beigetragen, dem Menschen ) Wir wollen nicht übersehen, daß die Summien, die wir er— sparen und anlegen, eben so gut ausgegeben werden, als diejenigen, die zu unsern Genüssen dienen, und die Produk— tion so gut wie diese in Anspruch nehmen. Der einzige Un— terschied besteht darin, daß sie für die reproduktive Cousum— tion ausgegeben werden. *½) Darstellung der Nat.⸗Oek.; 5e Ausg. ir Bd. 7s Kap. 1 lle Jhy chten sie sumtion Hewalt, andern „deren hhrich en küy⸗ R, als it von lbe um werden and 9e⸗ Gegen⸗ 9 ö0 sieht gegen Fbri⸗ t, aus welche ellen d ge⸗ en, de⸗ erliet, enschen vir er⸗ u, als Hroduk⸗ ige Un⸗ Cousun⸗ ap. bei den Künsten. 293 einen großen Theil nicht blos der Lebensbedürfnisse son— dern auch des Ueberflußes zu verschaffen, den er heutzu— tage besitzt, an den sie wahrscheinlich gar nie gedacht haben würden. Wenn sich jedoch die verschiedenen Arbeiten des Feldbaus nur mit der Hacke und dem Spaten und an⸗ dern ebensowenig fördernden Werkzeugen verrichten lie— ßen, wenn wir zu dieser Arbeit nicht auch die Thiere verwenden könnten, die in der National-Oekonomie als eine Art von Maschinen zu betrachten sind, so müßte man zu Erzeugung der Lebensmittel, deren die gegenwär— tige Bevölkerung bedarf, wahrscheinlich alle die Arme verwenden, die sich gegenwärtig mit den Künsten der In⸗ dustrie beschäftigen. Der Pflug hat es also möglich ge— macht, daß sich eine gewisse Anzahl von Menschen den Künsten, selbst der geringfügigsten, und was noch mehr werth ist, der Ausbildung der Geisteskräfte widmen kann. Trotz so entscheidender Thatsachen haben sich doch manche Schriftsteller durch die Nachtheile, die zuweilen mit der Einführung neuer Maschinen verbunden sind, zu der Meinung verleiten lassen, daß es in manchen Fällen zweckmäßig seyn möchte, diese Einführung nicht zu ge— statten, und diese Meinung suchten sie mit den Grund— sätzen der National-Oekonomie selbst zu rechtfertigen. Ich meines Theils halte dafür, daß sie in dieser Hin— sicht ganz Unrecht haben, ich werde mich aber mit der Widerlegung ihrer Argumente hier nicht befassen, weil sie mich zu weit führen würde, und weil ich überzeugt bin, daß meine über die Fortschritte der Industrie aufge— stellten Grundsätze zu Widerlegung derselben schon ge⸗ nügen. Bestreitung einer Meinung von Sismondi. Nur auf einige Einwürfe von Sismondi muß ich Rücksicht nehmen, weil dieser einsichtsvolle, scharfsinnige ——8 — ... —— V 294 Von der Nühlichkeit der Maschinen und beredte Schriftsteller, den kein persönliches Interesse zum Sprechen bestimmt, aus reiner Philantropie falsche Ansichten beglaubigen konnte. „In der Regel, sagt er, ist, so oft die Nachfrage nach gewissen Consumtions-Gegenständen die Mittel zu deren Produktion übersteigt, jede neue Entdeckung in der Mechanik oder in den Kunsten, in so fern sie die Befrie— digung vorhandener Bedürfnisse ermöglicht, eine Wohl— that füt die Gesellschaft. So lange hingegen die Nach— frage durch die Produktion hinlänglich gedeckt ist, muß eine solche Entdeckung als ein Unglück angesehen wer— den, weil die Consumenten dadurch nichts gewinnen, als daß sie ihre Genüsse wohlfeiler befriedigen können, wäh— rend die Producenten darüber sogar ihre Existenz verlie— ren. Es wäre etwas Gehässiges, den Vortheil der Wohl— feilheit gegen den der Existenz abwägen zu wollen. Die Bedürfnisse einer Nation sind keine feststehen⸗ den Größen. Der Verfasser geht, wie wir sehen, von der Voraus— setzung aus, daß die Bedürfnisse der Nationen eine bestimmte Größe seyen, die sich ein für allemal angeben lasse, was je—⸗ doch unrichtig ist. Wenn wir uns 400 Jahre weiter zurück versetzen könnten, so würden wir finden, daß unsere Väter gar Vieles entbehrten, was wir für höchst nothwendig halten. Unsere Voreltern trugen weder Strümpfe noch Hemder, und wir dürften weiter nichts als ungefähr 100 Jahre zurückgehen, um das Landvolk ohne Gabeln essen und höchst grob gearbeitete hölzerne Löffel als einen Lu— rus betrachten zu sehen. Ich habe in Dörfern gewohnt, wo mich alte Leute versichert haben, daß dies in ihrer Jugend der Fall gewesen sey, und wo bei dem Anblick von Eierbechern, deren man sich bedient, um die ECier *) Neue Grundsätze der Nat. Oek.; ir Bd. S. 317. 6 Interese ie falsch luhfrage Mitel zu ein der e Biftie: Vohlz⸗ ie Nah⸗ st, muß hen wet⸗ nen, als wah⸗ hellie⸗ Vohl⸗ len. 5) stehen⸗ Horaue⸗ stimmte was je⸗ zurůck Väter wendig fe noch ahr 100 n esen en Au⸗ wohnt, uihrer Aublick die Eie bei den Künsten. 295 ans der Schaale zu essen, ohne sich die Finger zu ver— brennen, Niemand wußte, wozu ein solches Gefäß be⸗ stimmt sey. Man glaubte, es solle Branntwein daraus geschlürft werden. Ohne Zweifel werden unsere Nach⸗ kommen sich noch anderer Produkte bedienen, von denen wir jetzt noch gar keinen Begriff haben. Die Bevölke⸗ rung würde nicht steigen(was doch sehr wahrscheinlich ist), ohne daß zugleich auch die Masse der Produkte an— wüchse, wenn man anders nicht wieder in die Barbarei zurücksinken sollte. Die vorhandenen Bedürfnisse wie sie Sismondi nennt, sind also keine bestimmten Grö⸗ ßen. Sie werden von der zunehmenden Produktion über⸗ fangen. Und was ebenso bemerkenswerth ist, und was ich bei Gelegenheit der Tausche unwiderlegbar beweisen werde, ist das, daß die Erwerbsmittel um so mehr zuneh⸗ men, je mehr sich die Produkte vervielfältigen. Der Producent erwirbt sich durch seine eigene Produkte die Mittel, sich die Produkte eines Andern zu verschaffen, und der eine wie der andere ist zufolge dieser doppelten Produktion besser daran. Wenn auf einer Seite zuviel geschieht, so geschieht auf der andern zu wenig. Es gibt in der That Bedürfnisse, welche nothwen— dig ihre Grenze haben. Man braucht in einem Lande nicht mehr Hüte als es Köpfe gibt; aber durch die Ver— mehrung anderwärtiger Produkte vermehren sich auch die Köpfe. Den Fortschritten der Industrie ist es zu ver— danken, daß Frankreich gegenwärtig noch einmal so viele Einwohner zählt, als zur Zeit Ludwigs XIV. Hätte man damals so viele Hüte verfertigt als heutzutage, so wäre dieses Produkt im Ueberfluß vorhanden gewesen. Heutzutage sind dieselben Hüte nicht mehr überzählig; und warum? Weil Frankreich überhaupt mehr produ— cirt, als zur Zeit Ludwigs XIV. — EEE.—— — — —— 8— 0 5 + 0 — 296 Von der Nühlichkeit der Maschinen Die Consumtion kannsteigen, auch wenn die Be⸗ völkerung zunimmt. Wenn auch die Bevölkerung nicht zunehmen sollte, so kann sie gleichwohl mehr consumiren. Sie kann mit dem Ueberfluß der Produkte, welchen die Maschinen lie— fern, neue Produkte kaufen, um so besser leben, und den durch die Maschinen müßig gewordenen Armen neue Be— schäftigung geben. Wenn sich Sismondi darüber beklagt, daß eine mechanische Erfindung keine andere Vortheile gewähre, als die Consumenten mit wohlfeileren Waaren zu versehen, so läßt er außer Acht, daß Wohlfeilheit und großer Ueberfluß vollkommen gleichbedeutende Ausdrücke sind. Es ist, als klagte er darüber, daß die Gesellschaft ohne weniger Arme zu beschäftigen, und ohne geringeres Einkommen zu haben, reichlicher mit Allem versehen werde. Was mittelst einer vielleistenden Maschine mehr producirt wird, ist eine Zugabe zu der frühern Produk⸗ tion der Gesellschaft, und diese Zugabe zerfällt in ver— schiedene Dinge, die unser Wohlbefinden erhöhen. Und wenn man behaupten wollte, daß man schon mit Allem, was der Sinnlichkeit des Menschen schmeicheln und selbst den feinsten Geschmack befriedigen kann, versehen sey, so beweist gerade diese Behauptung, daß es an gewissen Produkten noch fehlt. Wie Manches findet man nicht in einem reichen Hause, was in einer armen Haushal— tung zwar gewünscht, aber nicht angetroffen wird? Ge— rade dieses sollte man der letztern ebenfalls verschaf— fen, so gut man ihr Weißzeug und Fensterscheiben ver— schafft hat. ö Die Zahl der Bürger wird durch die Maschinen nicht vermindert. Sismondi behauptet, es sey besser, daß ein Land mit Bürgern als mit Dampfmaschinen bevölkert sey. Dieser Hieb ist scharf, aber er trifft doch nicht; denn da die Dampfmaschinen der Quantität der Produkte, ie Be⸗ sollte, un mit Ieh lie⸗ ud den u Be⸗ bellag, Ortheile Daaten eit und lͤdtücke Hcaft ligeres Hsehen mehr duk: Oel⸗ Ulem, selbst ———ßr——————— * bei den Künsten. 297 wovon sich die Bürger nähren, keinen Abbruch thun, so vermindern sie auch die Anzahl der letztern nicht; sie muntern dieselben blos auf, sich mittelst ihrer Industrie und ihrer Capitale mit denjenigen Produkten zu verse— hen, welche bei den durchgängig eivilisirten Nationen consumirt werden. Nur die Beschäftigung derselben wird dadurch verändert. Wahr ist es, daß, wenn ein Produkt in größerer Quantität vorhanden ist, als man davon bedarf, man sich der Produktion eines andern zu widmen verstehen muß; auch weiß ich, daß eine Veränderung in der Be— schäftigung nicht ohne Nachtheile bewerkstelligt wird. Ein neuer Industriezweig gedeiht nur in dem Fall, wenn sich die Consumenten nach neuen Produkten umsehen, was nur allmählig geschieht. Ein neuer Industriezweig setzt eine neue Geschicklichkeit, tüchtige Unternehmer und Ca— pitale zu Bestreitung der Auslagen voraus, lauter Din— ge, die sich auf einmal zusammenfinden. Soll man sich aber andererseits durch Nachtheile, die nothwendigerweise nur vorübergehend sind, in den Fortschritten, wodurch die Nationen dem Zustände der Barbarei entrissen werden, und nach und nach zum Wohlstande, zur Civilisation und zum Ueberflusse gelangen, hemmen lassen? Und könnte man wohl, wenn man dieß auch für zuträglich hielte, die Industrie in ihrem Gänge hemmen, ohne bei diesem Versuche in noch weit größere Nachtheile zu verfallen? Durch Verwerfung der Maschinen können andere Nachtheile nicht verhütet werden. Gesetzt man hätte die Einführung der Baumwollen— Spinnmaschinen in Frankreich verhindert, was wäre wohl daraus entstanden? Man hätte in unsern Fabriken nichts als geschmacklose, grobe und höchst theure Baumwollen— ..—. —————.— — — —8 7* . 2.. 5* ——‚PPI‚I ‚‚‚!—...———ͤ— 298 Von der Nühlichkeit der Maschinen zeuge verfertigen können. Im Auslande hätte man um einen wöhlfeilern Preis bessere fabrizirt, deren Einfuhr verboten worden wäre. Daraus wäre ein ungeheures Mißverhältniß zwischen den Preisen im Aus- und im Innlande entstanden; und da in einem Mißverhältniß von 25 bis 30 Prozent ein Reiz liegt, dem der Schleich— händler nicht wiederstehen kann, so hätte Frankreich zu— letzt seinen ganzen Bedarf von Baumwollenzeugen von der Industrie des Auslands bezogen. Unsere Fabriken hätten sich nicht mehr halten können, und demzufolge auch kein Handgarn mehr gekauft. Die arbeitende Classe wäre von Tag zu Tag unglücklicher geworden, und am Ende hätte man auf diese Produktionsart, so wie auf die Hoff— nung, auch nur einen einzigen Arbeiter mit derselben be— schäftigen zu können, verzichten müssen, und so wäre ein bleibendes Uebel gegen ein nur vorübergehendes einge— tauscht worden. Also nicht um nur über den Gebrauch oder die Ver⸗ werfung der Maschinen zu entscheiden, müssen dergleichen Fragen in's Licht gesetzt werden. Ein vernünftiger Mensch wird sich nicht lange besinnen, ob man einen Strom ge— gen seine Quelle zurückleiten könne oder nicht; aber er wird es für höchst nothwendig halten, im Voraus zu erwägen, was derselbe für Verheerungen anrichten könne, den Ausbrüchen desselben eine bestimmte Richtung zu geben, und vorzüglich sich der Vortheile, die das Wasser gewährt, zu versichern. Umstände, welche die vorübergehenden Nachtheile einer neuen Erfindung mildern. Es giebt Umstände, wodurch das Uebel, das für den Augenblick aus der Erfindung der Maschinen für die arbeitende Classe entsteht, gemildert wird. nan um Einfuhr heuxes Iu im Mtniß Shlechz rich zt gen vun Fahliken osgeauch ase vir in Ende V Hofß ben he⸗ kin einge⸗ Ve⸗ gleiche Masch tomm ge⸗ gber er aus zu konne, ung zu Waser bei den Künsten. 299 Wenn man die Leistung eines Menschen durch eine willenlose Bewegkraft ersetzt, so ist die Maschine, deren man sich bedienen muß, mehr oder minder verwickelt. Selbst der einfältigste Mensch ist eine so künstliche Ma— schine, daß zu Verrichtung der zusammengesetzten Bewe— gungen, deren er fähig ist, einfache Mittel nicht hinrei— chen. Er drischt mit einem einfachen Dreschflegel, wäh— rend eine Dreschmaschine schon beträchtliche Zurüstungen erfordert. Die Tuchscheerer, welche aus freier Hand scheeren, brauchen weiter nichts, als eine große soge— nannte Stock-Scheere, während eine Scheer-Maschine nicht weniger als 10 bis 12,000 Franken kostet. Eine gewöhnliche Dampfmaschine kostet noch weit mehr. Der— gleichen vielleistende Mittel taugen also nur für diejeni— gen, denen ein großes Capital zu Gebot steht. Da sie zu Bearbeitung eines größeren Quantums von Roh— Stoffen dienen, so muß man außer der Maschine noch andere Vorschüsse zu machen im Stande seyn. Wenn diese Schwierigkeit der Anwendung solcher Mittel auch nicht geradezu im Wege steht, so verzögert sie wenig— stens dieselbe. Der Geist der Routine, die Furcht vor Neuerungen und Geldverlusten machen, daß viele Unternehmer lange zögern und die Bestätigung der Erfolge abwarten, bevor sie irgend eine neue Verfahrungsart annehmen. Durch diese Umstände, welche die allgemeine Einführung eines vielleistenden Verfahrens verzögern, und den Uebergang auf dasselbe nur stufenweise herbeiführen, wird beinahe allen Ungelegenheiten, die aus demselben entstehen könn— ten, vorgebeugt. Es wird mit jedem Tage schwieriger, neue Maschi⸗ nen zu erfinden. Man kann ferner behaupten, daß die Einführung von neuen Beschleunigungsmitteln um so schwieriger wird, 500 Von der Nütlichkeit der Maschinen je mehr sich die Maschinen vervielfältigen, und je mehr sich die Gesellschaft vervolllommnet. Es giebt Künsie, bei denen man die Arbeit, wie es scheint, überall, wo es nur möglich ist, durch bewußtlose Kräfte ersetzen ö läßt, und wo den Menschen nur noch diejenigen Verrichtungen obliegen, zu denen menschliche Beurthei— lungskraft und Intelligenz unerläßlich nothwendig sind. Je mehr sich die verschiedenen Künste diesem Punkte nähern, desto schwieriger wird es, die Leistungen des Menschen durch andere minder kostspielige zu ersetzen. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, wäre die Vervollkommnung der Industrie bei einer solchen Gesell— schaft am höchsten getrieben, wo die Menschen, ohne deßhalb weniger zahlreich zu seyn, alle zu solchen Ge— schäften verwendet würden, zu denen eine gewisse Gabe von Intelligenz unumgänglich nothwendig ist, und wo jede rein maschinenmäßige Verrichtung durch Thiere oder Maschinen geschieht. Eine solche Nation würde alle mög— lichen Produkte besitzen und jeglichen Nutzen genießen, den man sich nur immer verschaffen könnte. Die Arbeitslosigkeit ist nirgends eine mißlichere Sache, als da, wo es keine Maschinen giebt. In Städten, wo es große Fabriken giebt, klagt man zuweilen darüber, daß eine Menge von Arbeitern zeiten— weis keine Beschäftigung haben, oder so schlecht bezahlt sind, daß sie nicht ordentlich leben können. Dieses Unglück kommt jedoch nicht von den Maschi— nen. Da wo die Maschinen eingeführt sind, giebt es verhältnißmäßig nicht mehr brodlose Arbeiter, als da, wo sie es nicht sind. Zur Zeit der Königin Elisabeth sah man in England wenige Maschinen, und doch hielt man es gerade unter ihrer Regierung für nothwendig, die bekannte Armentaxe einzuführen, die übrigens nur bei den Künsten. 301 je neht dazu gedient hat, die Zahl der Armen noch zu ver⸗ Runsi, mehren. dl, wo Gegenwärtig sind die arbeitenden Classen nirgends lsctzen übler daran, als in Ländern, wo man, wie z. B. in Po⸗ henlgen len, noch keine Maschinen eingeführt hat. In China, kunhei⸗ wo fast alles Geschäft mit der Hand gearbeitet wird, i) sin. müssen die Arbeiter beinahe Hungers sterben. Nicht der Punkte Ersatz der Handarbeiter, sondern der Mangel an Indu— en des strie und an Thätigkeit, die Dürftigkeit der Capitale und etsetzn. eine schlechte Verwaltung, so wie eine Menge anderer ar ds Ursachen, die nur derjenige, welcher die National— Oeko⸗ Hesele nomie versteht, anzugeben weiß, sind an dem Nothstande ohne eines Volkes schuldig. Ge⸗ Manufaktur-⸗Arbeiten müssen von Zeit zu Zeit Gabe nothwendig in's Stocken gerathen. wo Es kommen in allen Ländern, wo die Fabrik-Indu⸗ oder strie schon weit gekommen ist, Zeiten vor, wo die Arbeit ög in's Stocken geräth und die ganze arbeitende Clässe noth— feßen, leiden muß. Der Grund von diesem Unglück ist ebenfalls keineswegs in dem Gebrauch der Maschinen, sondern in der Natur der Fabrikate zu suchen, da die Nachfrage ichen⸗ nach diesen, im Allgemeinen, großen Veränderungen un— terliegt. Solche Veränderungen kommen übrigens vor, man die bei der Fabrikation übliche Verfahrungsart sey nun, kiten⸗ welche sie wolle, und sie richten sogar da, wo die Ma— ezahlt schinen eingeführt sind, weit weniger Schaden an; denn wenn die Arbeit da, wo Alles durch Menschenhände ge— aschi⸗ schieht, ausgeht, so werden viele Leute brodlos, während, bt es wenn eine Maschine feiert, ihr Eigenthümer nur das da, Interesse von dem in derselben steckenden Capitale verliert. abeth Die Maschinen vermehren mit der Zeit die Anzahl hielt der Arbeiter. endig, Wenn ich bisher bewiesen habe, daß durch die Ein— E führung der Maschinen, wie z. B. der Mahlmühlen, die 302 Von der Nühlichkeit der Maschinen Mittel zum Lebens-Unterhalte der arbeitenden Classe nicht geschmälert werden, sondern, was allerdings kein unbe— deutender Nachtheil ist, nur die Beschäftigung derselben verändert wird, so habe ich den Maschinen noch nicht volle Gerechtigkeit wiederfahren lassen. Die Wahrheit ist die, daß dieselben in den meisten Fällen die Arbeiter x selbst, denen sie ihre Beschäftigung zu entziehen scheinen, noch begünstigen. Jede beschleunigende Verfährungsart bringt durch Herabsetzung der Produktions-Kosten, die Produkte selbst in den Bereich einer größern Anzahl von Consumenten. Die Erfahrung lehrt sogar, daß die An— zahl der Consumenten verhältnißmäßig weit schneller steigt, als die Preise fallen. Wenn der Preis nur um ein Viertel fällt, so wird die Consumtion zuweilen bis auf's doppelte gesteigert. Noch auffallender äußert sich diese Wirkung, wenn die beschleunigende Verfahrungs— weise nicht nur wohlfeilere, sondern auch bessere Produkte liefert. Ein merkwürdiges Beispiel hievon geben uns die Drucker-Pressen. Die gedruckten Bücher sind weit zierlicher und reinlicher, als früher die Manuscripte wa— ren, und daneben doch weit wohlfeiler. Und wenn gleich mit Hülfe dieser Maschine ein Mann so viel Arbeit lie— fern kann, als sonst zweihundert, so werden durch die Vermehrung der Bücherzahl, und der von denselben ab— hängigen Künste, wie das Patrizen-Stechen, die Schrift— gießerei, die Papier-Fabrikation, die Schriftstellerei, das Corrigiren und Binden der Bücher und endlich durch den Buchhandel vielleicht hundertmal so viel Arbeiter beschäf— tigt, als es früher der Fall war ½). Doch die auffallendste Erfahrung, die in den Annalen der Industrie vorliegen mag, ist wohl diejenige, welche Man sehe über diese Berechnung meine Darstellung der Na⸗ tional-Oekonomie; Ste Aufl. ites Buch, Cap. 7. —77.2722—— ö ů ö bei den Künsten. 305 nen die Wirkung betrifft, die die Maschinen auf die Fabrika— Usehe tion der Baumwollenzeuge geäußert haben. Es giebt keine sprechenderen Beweise, als Thatsachen, von denen —— die Ursachen wohl bekannt und sämmtliche Umstände in faßlich erklät sind. Eine kurze Erzählung von dem was 537% der Handel mit Baumwollen-Zeugen ehmals war, und heng, was er geworden ist, seit dem man diese Produkte mit mhan Maschinen verfertigt, dürfte daher in diesem Handbuch n, de um so weniger am unrechten Orte seyn, als dieses Bei— chlun spiel zu mannigfaltigen Betrachtungen über die in der M Industrie und Oekonomie der Nationen eingetretenen Re— chheln volutionen Veranlassung giebt. nut um llen bis sth Neunzehntes Kapitel. n Ueber die Revolution, welche die Baumwol⸗ r len-Spinnmaschinen in dem Handel bewirkt haben. Wit te wi⸗—— gliich Alter des Baumwollenhandels. eit lie Es scheint nach den Untersuchungen der Gelehrten, ich die daß alle heißen Länder, namentlich in der Nachbarschaft mab⸗ des Meeres, eine bei ihnen einheimische Art von Baum— chrift⸗ wolle erzeugen. Man hat sie seit undenklichen Zeiten in 1„ dis Hindostan, China, Persien, Aegypten, auf den Inseln ch den Candia und Sicilien gepflanzt. Auch in dem mittäglichen eschͤ Italien und Spanien ist sie schon sehr lange zu Hause, und die Eingebornen von Südamerika pflanzten schon zur nalen Zeit der Entdeckung dieses Welttheils, mehrere Arten welche von Baumwollenstäuden. Es giebt daher von dieser Pflanze auch so viele Varietäten, daß noch kein Natur— ur M focscher alle zu beschreiben im Stande war, und daß kein Handelsmann, kein Pflanzer und kein Mäkler eine voll— 304. Revol., welche die Baumw.-Spinnmaschinen ständige Kenntniß derselben hat. Durch ihre Vermischung und Verpflanzung, werden die Varietäten derselben täg⸗ lich noch vermehrt. Für wen die Baumwollen-Fabrikate ein Handels⸗ Artikel geworden sind. Da der Flaum, der an der Baumwollenstaude wächst, sich leicht einsammeln und bearbeiten läßt, so konnten sich zwar die Bewohner der Länder, wo dieselbe wächst, je nach dem Zustande ihrer Civilisation, mehr oder min— der zierliche und bequeme Kleidungsstücke und Verzierungen daraus verfertigen, aber ein eigentlicher Handelsartikel ist die Baumwolle nur bei jenen gewerbfleißigen Völkern geworden, die aus derselben Gewebe zu verfertigen wuß— ten, die wegen ihrer Schönheit, Dauerhaftigkeit und ihres mäßigen Preises nothwendig Absatz finden mußten. Deßhalb ist auch der Handel mit verarbeiteter Baumwolle von den Persern, den Hindus und den Chinesen von der frühesten Vorzeit an, bis auf unsere Tage vorzüglich, oder eigentlich einzig und allein getrieben worden, gleich wie die Chinesen auch das einzige Volk waren, das mit Seiden-Stoffen handelte, bis diese Industrie auch zu den Griechen des abendländischen Reiches, und von da im 15ten Jahrhundert, als Griechenland von den Tür⸗ ken erobert wurde, auch nach Italien gelangte. Bekannt— lich wurde sie zu Anfang des uyten Jahrhunderts in Frankreich eingeführt, von wo aus sie in Folge der Wie— derrufung des Edikts von Nantes auch nach England und Deutschland gebracht wurde. Handel auf dem schwarzen Meer. In den ältesten Zeiten, deren die Geschichte gedenkt, hat Europa Mousseline und andere Baumwollenzeuge über das schwarze Meer her, aus Indien bezogen. Assyrische hine in dem Handel bewirkt haben. 505 mischun Kaufleute brachten dieselben mit den chinesischen Seiden— len tig⸗ waaren, mit den persischen Teppichen und den Spezereien aus dem Orient nach Colchis und Trebizunt, Häfen in dem Pontus-Euxinus, die später dem Reiche des Mithri— dates einverleibt wurden. Andere Kaufleute brachten sie von da in solche Gegenden von Europa, wo sich einige aldels⸗ wͤchet Civilisation blicken ließ. Dieß war genug, um den Städ⸗ konnte ten, welche bei diesem Handel zur Niederlage dienten, wächet, große Reichthümer zu verschaffen. Die Griechen, die r min: sich damals zuerst auf die nützlichen Künste und die ferungen Schiffahrt legten, wollten an diesen Reichthümern Theil Lönrtikel nehmen, und unternahmen deßhalb ihre erste Fahrt nach Mlkem Colchis, um daselbst Produkte des Orients einzunehmen. N wuß⸗ Daher kommt die in eine Fabel eingekleidete Geschichte t und von den Argonauten und der Eroberung des goldenen ußten. Vließes. wwolle Diese Produkte aus Indien und China waren, wie un det die Consumenten derselben, in Europa sehr selten. Dieß Rglch, läßt sich am besten aus den ungeheuren Preisen beur⸗ „ glech theilen, in welchen die Seidenwaären in Rom zur Zeit ns mit der Kaiser standen, wo sie mit Gold aufgewogen wur— uch zu den; man legte die Waaren in die eine, und eine gleich hon da schwere Menge Goldes in die andere Wagschaale. Das uTür⸗ Gold aber war im Verhältniß zum Getreide sechsmal ekannt⸗ so viel werth als heutzutage). Die Baumwollengewebe erts in waren zwar nicht so theuer, als die Seidenwaaren, kamen et Wie⸗ jedoch den Consumenten immer sehr hoch zu stehen. Nur ngland sehr reiche Leute konnten sich solche Zeuge kaufen, und nichts würde wohl eine griechische Dame, welche von einem zweitausendjährigen Schlafe erwachte, mehr in Er— ) Man sehe, was in diesem Handbuche anderswo von der mit hedenk, den Werthen der Münzen vorgegangenen Veränderung ge⸗ ge übe sagt wird. shisch Say prakt. National⸗Oekonomie I. 20 ————„— 306 Revol., welche die Baumw.-Spinnmaschinen staunen setzen, als eine unserer gemeinsten Handwerkers— frauen mit einer schwarzen Taffetschürze, einem kattune—⸗ nen Rocke und einem mousselinenen Halstuche gekleidet, zu sehen. Handel von Tyrn. Etwas später eröffnete sich ein etwas kürzerer Weg zwischen Asien und Europa. Die Phönizier ließen die indischen Produkte nach Aelana, einen weit rückwärts im rothen Meere gelegenen Seehafen, kommen, von wo sie über eine kleine Strecke Landes nach Rhinocolura, am mittelländischen Mee— re, gebracht, und dort auf's Neue nach Tyrus, ihrer vor— züglichen Niederlage eingeschifft wurden. Von Tyrus ließen sich dieselben ganz leicht auf allen Küsten des mit— telländischen Meeres, d. h. in dem ganzen schon sehr blühenden und civilisirten Griechenland absetzen, so wie auch in den griechischen Colonien auf Sicilien und in dem südlichen Italien, ferner bei den noch ungebildeten und unmächtigen Römern, in Hetrurien, dem heutigen Tos— cana, in Carthago und allen unter seiner Botmäßigkeit stehenden Ländern; in Marseille, einer griechischen Stadt, holten die Gallier, unsere rauhen Vorfahren, wahrscheinlich die wenigen Seiden- und Baumwollenzeuge, so wie die Spe— zereiwaaren, deren sie bedurften, ungefähr auf dieselbe Weise, wie man heutzutage die eingebornen Nordameri— kaner ihre Biberfelle und anderes Pelzwerk in den Städ— ten der nordamerikanischen Freistaaten, gegen Decken, Waffen, Schießpulver und Branntwein, vertauschen sieht. »Man weiß, wie sehr sich die Phönizier durch ihren Handel bereichert haben. Die Geschichte des jüdischen Volkes ist voll von der Größe und dem Reichthum der Städte Tyrus und Sidon und ihres Gebietes, und die Stadt Tyrus allein vermochte, was damals Darius und die Gesammtmacht des persischen Reiches nicht im Stande ge— laschiten ndwerkerz kattune Releidet, irr deindishe Ithen Moer r eiheklee dichen Me. „ iher o I Uin Ien dmt⸗ shon sht „ so me ud indem IWaen und ligen Vi⸗ Umaßgkt shen endt, Hrsheinlih Höte Ehe⸗ uf Msehe Wudamer⸗ den Si N Dickth schen sih uch ihlen slischen thum det und di und N Sinde in dem Handel bewirkt haben. 307 wesen war, einige Jahre lang Alexandern auf seiner Sie— gesbahn aufzuhalten. Handel von Alerandrien. Dieser übermüthige Eroberer rächte sich dafür auf eine grausame und bleibende Weise, indem er die Stadt Alexandrien in Aegypten gründete, wodurch der Handel des Orients eine andere Richtung bekam. Der Hafen von Alexandrien, der später von den Ptolemäern erweitert, durch die Griechen, als sie in Ae— gypten geboten, mit dem rothen Meere in Verbindung gesetzt wurde, hat selbst unter der Herrschaft der Römer und Araber, Europa bis zu dem Augenblick, wo Vasco de Gama bewies, daß man das Vorgebirge der guten Hoff— nung umsegeln könne, mit den asiatischen Produkten ver— sehen. Des Vorgebirgs der guten Hoffnung. Aber jetzt entrissen zuerst die Portugiesen und nach ihnen die Holländer und Engländer diesen Handel dem mittelländischen Meere, und versahen Europa mit jenen Produkten weit wohlfeiler und reichlicher, als es bis da— her der Fall gewesen. Auf diesem Wege erhielten wir den Nankin aus China, für den wir noch heutzutage nur sehr unvollkommene Ersatzmittel haben, jene indianischen Kattune, deren Name schon ihren Ursprung verbürgt; jene groben färbigen Zeuge, womit man auf der afrika⸗ nischen Küste die unglücklichen Neger einhandelte; jene leichten nebelartigen Mousseline, diese Meisterstücke der menschlichen Geschicklichkeit und Geduld, und namentlich jene weißen Baum wollenzeuge, die unter dem Namen Calicot und Percal bekannt sind, und die, entweder weiß oder auf die mannigfaltigste Weise mit Farben he— druckt, überall zur Bekleidung und zum Putz dienen. 20* —— —— — — —— — 308 Revol., welche die Baumw.⸗Spinnmaschinen Erfindung der Baumwollen⸗Spinnmaschine. So stand es um den Baumwollenhandel im Großen als um das Jahr 1769 ein englischer Barbier, Namens Arkwright*), an sich selbst die Frage stellte, warum man, anstatt sich eines Rädchens zu bedienen, das blos Einen Baumwollenfaden zumal spinnt, und mittelst dessen eine Person in 24 Stunden höchstens eine oder zwei Unzen Baumwollegarn erhält, nicht denselben Stoff auf großen Rädern spinne, welche mehrere hundert Fäden zumal lie— fern könnten, und mittelst welcher eine einzige Person täg⸗ lich mehrere Pfund Garn erhalten würde? Die Schwie— rigkeit bestand darin, die Leistung von zwei Händen, wie sie in einer kleinen Entfernung von einander wurstför— mige Locken Baumwolle kneipen und in die Länge ziehen, für mehrere hunderte von Fäden zumal zu veranstalten. Zugleich mußte man auch die Bewegung der Spindel, *) Im Jahre 1765 hatte ein Engländer, Namens Hargraves, Spinnstühle, die man Jennys nannte, verfertigt, welche meh— rere Fäden zumal spannen. Die aus Handkartätschen be— reiteten Würste wurden durch die rückwärtsgehende Bewe— gung eines Karrens verlängert. Doch diese unvollkommene Verfahrungsweise wurde gleich nach der Erfindung von Ark-— wright wieder aufgegeben. Indessen läßt sich nicht bezwei— feln, daß diesem die Erfindung von Hargraves, so unzurei— chend dieselbe auch war, auf die Bahn geholfen hat, etwas Besseres zu leisten. Hargraves verfertigte zuerst die fortlau⸗ fenden Spinnstühle, und ließ sich im Jahre 1769 ein Erfin⸗ dungspatent geben. Ein anderes erhielt er im Jahre 1785 für eine neue Verbesserung. Er ließ sich sodann das Recht, solche Maschinen zu verfertigen und zu gebrauchen, von den Liebhabern je für eine Spindel mit einer Guinee bezählen, und erwarb sich dadurch ein Vermögen, das man auf 24 Millionen Franken anschlägt. Die Mulejenny-Maschine mit ausgekehlten Cylindern und einem beweglichen Karren wurde im Jahre 1775 von Samuel Crompton erfunden, der dafür im Jahre 1812 eine Prämie von 5000 Pfd. Sterl.(125,00 Franken) erhielt. ashinen schine. u Großen, „Namens Mium man, bboz Einen desen eine wei lupen auf graßen zumal sie⸗ Reson tiz ie Cchwie⸗ nden, wi uuwrstför⸗ he zjehen, sqalten. Spindel, Negravet, velche neh: Aischen he⸗ ude Bepe: ollkommene bon Akk⸗ ht bezwei⸗ unzurei⸗ at, etwas ie fortlau⸗ ein Erft⸗ zahte 1705 das Reht, „bon den bezahlen, u auf 24 schine mit ren wurde der daült .(45%00 in dem Handel bewirkt haben. 509 welche die gespönnenen Fäden in dem Augenblick, wo sie die gehörige Feinheit erhalten haben, festdreht, nachah— men. Was that dieser scharfsinnige Mann, um mit der Baumwolle die erste Verwandlung(die Verlängerung der Wurst) zu bewerkstelligen? Er ahmte das Kneipen der Finger dadurch nach, daß er eine solche Wurst zwischen zwei kleinen Cylindern durchgehen ließ, wovon der eine von Eisen und seiner Länge nach gehohlkehlt, der andere, ebenfalls von Eisen, mit Tuch und Leder überzogen war. Aber die Wurst wäre aus dieser Art von Plättmaschine ebenso dick und ebenso gehaltvoll herausgekommen, als sie beim Hineinstecken war. Er ließ sie daher beim Ausgang aus dem ersten Cylinder-Paar noch durch ein zweites in einer Entfernung von nur einigen Linien an— gebrachtes durchgehen. Dieses zweite Cylinder-Paar aber(dieß ist als die Grundidee der Erfindung wohl zu beachten), wodurch die Wurst, wenn sie durch das erste hindurch war, ebenfalls gekneipt wurde, drehte sich mit— telst gehörig angebrächter gezähnter Räder geschwinder als das erste. Das Resultat dieser Einrichtung läßt sich vorausse— hen. Das zweite Paar mußte, da es sich schneller drehte, als das erste, die Wurst schneller an sich ziehen, als die— ses solche loslassen konnte, und jetzt mußte diese, da sie von einer Seite gehalten und von der andern gezogen wurde, sich gerade so verlängern, als ob sie zwischen dem Daumen und Zeigfinger jeglicher Hand gehalten, und durch das Entfernen der einen Hand von der andern in die Länge gezogen worden wäre. Die doppelten Cylinder konnten sogar noch mehr lei— sten, als die beiden Hände der Spinnerin, da solche ver— moge ihrer drehenden Bewegung unausgesetzt arbeitete, während die beiden Hände immer wieder ausholen muß— ten, was einen Bewegungs- und Zeitverlust, so wie eine 510 Revol., welche die Baumw.⸗Spinumaschinen Ungleichheit in dem Faden verursachte). Man begreift sodann, daß man mittelst einer Walzenspindel die durch den Cylinder gehörig verdünnte Wurst zum Faden dre— hen konnte. Auf dieser kleinen mechanischen Vorrichtung beruht die Baumwollenspinnerei im Großen. Alles Uebrige ist nur die weitere Ausführung der Uriden. Man bemerke jedoch, was für wichtige Folgen ein anscheinend höchst einfacher Gedanke haben kann. Da jetzt eine einzige Person mittelst dieser Maschine 200 Fäden zumal spin— nen könnte, so wurde es möglich, das Garn und demzu⸗ folge auch die Gewebe von Baumwolle wohlfeiler zu ver— fertigen, als in Indien, wo doch der Arbeitslohn so ge— ring ist. Man hat es zu einer Gleichheit und einer Re— gelmäßigkeit in der Ausführung gebracht, welche die Hand eines Hindus, so geübt sie auch seyn mag, niemals er— reichen kann. Man ist im Stande, dem Faden eine be— liebige genau berechnete Dicke zu geben, und daher kommt es, daß man so unzählige Arten von Geweben für alle Klassen der Gesellschaft, für den Stallknecht, der sich in einen starken Manchester kleidet, sowohl, als für das süße Dämchen, das seine Reize, mit einem feinen Tüll erhöht, verfertigen kann. ) Die Baumwollenspinnerei verlangert ihre Wurst während des Drehens der Spindel dadurch, daß sie ihre Hand von der Spitze derselben immer weiter entfernt. Die Leingarn⸗ spinnerin zieht ihren Flachs dadurch in die Länge, daß sie dieselben mit zwei Fingern der linken Hand auf eine, und mit zwei Fingern der rechten Hand auf der andern Seite faßt, und die eine Hand von der andern entfernt. Die lau— fende Spindel dreht sodann die dünnen Fasern zu einem Fa⸗ den zusammen. ashinen in hegef die duch den die ih hetuht lchige is hinerke end höchs ie eimpge mal spi⸗ 10 demn zu ha⸗ hn so ge ner Me⸗ Hchalo als er⸗ iue be Lommt für alt sich in für daa 1en Tül wähtend Hand voy Leingarr⸗ „daß sie ine, Ind rn Seitt Die lau⸗ inen Fa⸗ in dem Handel bewirkt haben. 311 Wie die Fabrikaꝛtion der Baumwollenwaaren von Indien nach Europa verpflanzt worden ist. Aber namentlich jenes einfache Gewebe, das unge— färbt Calicot oder Percal, mit Farben bedruckt, Kattun heißt, dieses Gewebe, womit die englisch-ostindische Com— pagnie die europäischen Kattunfabriken, so zu sagen, überschwemmt hat, ist seit dem Anfang des ugten Jahr⸗ hunderts durch die Produkte der seitdem in England, Frankreich, Belgien, Deutschland, der Schweiz, Italien, Portugal und andern Ländern entstandenen Manufaktu— ren, vollkommen ersetzt. Diese beziehen ihren Bedarf von Rohstoffen aus Brasilien, von den Antillen, aus den vereinigten Staaten, Spanien, Neapel, Griechenland, und seit einigen Jahren auch in großen Quantitäten aus Aegypten). Zu Ende des 18ten Jahrhunderts wurde in Europa auch nicht ein einziges Stück Baumollenzeug consumirt, das nicht aus Hindostan gekommen wäre, und in den 25 Jahren, welche seitdem noch nicht einmal ganz verflossen sind, ist auch nicht ein einziges Stück Baum— wollenzeug aus demjenigen Lande consumirt worden, wo— her sie früher alle gekommen sind. Noch mehr, die eng— lischen Handelsleute fangen an, dergleichen selbst mit ) Die Einfuhr der ägyptischen Baumwolle belief sich im Jahre 1825 auf 105,400 Ballen, die freilich nicht sehr groß sind, da eine Balle gewöhnlich nicht über 150 Pfund wiegt. Der Pascha von Aegypten hat das Monopol von der Baumollen— pflanzung und des Baumwollenhandels, gleichwie fast alle andern Industriezweige, an sich gerissen, ein Umstand, der allerdings für das Land sehr mißlich ist, jedoch noch weit nicht so verderblich, als die eben so willkührliche, aber noch weit zerstörendere Herrschaft der Mameluken. Wenn dieses Land einmal Institutionen und Gewährschaften für die Si— cherheit der Person und des Eigenthums erhält, dann wird es von den Künsten, welche der Pascha daselbst gegenwärtig mit Gewalt einführt, einigen Nutzen haben. ——— 312 Revol., welche die Baumw.⸗Spinnmaschinen Vortheil nach Indien zu verschicken. Das heißt in der That einen Fluß gegen seine eigene Quelle zurückleiten). Im Jahre 1788 wußte sich die französische Regie⸗ rung einige Modelle von Baumwollen-Spinnmaschinen zu verschaffen. Sie wurden im Schlosse la Muette am äQußersten Ende von Passy aufgestellt. Einige Handels— leute machten solche in Verbindung mit Mechanikern, und unterstützt von Capitalisten, nach, und errichteten in der Normandie, in Orleans und in der Umgegend von Paris Baumwollenspinnereien. Der Krieg, der den Ver— kehr des Festlandes mit England und Hindostan erschwer— te, begünstigte diese Anstalten, und sie vermehrten sich dergestalt, daß Chaptal in seinem Werke über die Indu⸗ strie die Zahl der Baumwollenspinnereien in Frankreich zu 220 berechnet, von denen 60 sehr bedeutend sind, in⸗ dem sie über 900, 0oo Spindeln in Bewegung setzen. Derselbe Schriftsteller zählt gegen 60, ooo Werkstühle zum Weben und 75,00o zum Stricken der Baumwolle. In England ist die Anzahl dieser Maschinen noch weit beträchtlicher. Die Zahl derjenigen, welche sich in den übrigen Theilen von Europa und Amerika befinden, ) Diese Wirkung ist das Werk eines durch eine bewußtlose Kraft in Bewegung gesetzten Webstuhls; und da eine Ver— vollkommnung in der Industrie immer eine andere nach sich zieht, so hat man auch in der Verfertigung der Wollenzeuge solche Fortschritte gemacht, daß die Wollenfabrikanten den Baumwolleufabrikanten, so zu sagen, in die Fußstapfen tre⸗ ten. Ternaux, einer der ersten Beförderer unserer Industrie, macht in einer sehr interessanten Schrift folgende Bemer⸗ kung in Betreff der Casimir-⸗Gewebe.„Was die Gleichheit und Feinheit der Arbeit und die Mäßigkeit der Preise an— belangt, so müssen die indianischen Fabrikate den unsrigen heutzutage nachstehen, da die Castmir-Gewebe für Frankreich einer der besten Ausfuhr-Artikel nach Kalkuta sind.“ Be— merkungenüber die Verbesserung der Schaafs⸗ zucht in Frankreich pag. 60. chinen tein de leiten /) ö Regie: uschinen Rtte gm Haddle⸗ hunilm, hteten in end von den Ver⸗ uschwet⸗ llen sich e Inꝛ⸗ anlreich o, jn. schen. zun unoch sch i sinden, vußtlose e Ver⸗ ach sch enzeuge ten den fen tte⸗ dastrie, Bemer⸗ eichhei ise an⸗ hsrigen kreich Be⸗ haafs⸗ in dem Handel bewirkt haben. 313 ist noch nicht bekannt. Wie dem auch seyn mag, so kann man annehmen, daß in einigen Jahren in Europa die indianischen Zeuge nur noch in dem Gedächtnisse der Menschen, und als eine Seltenheit in den Kabinetten existiren werden. Und diese Revolution in dem Welt— handel, die der durch die Umschiffung des Vorgebirgs der guten Hoffnung bewirkten an Bedeutenheit wenig nach— steht, ist dem Einfall zu verdanken, den man in einer kleinen englischen Landstadt gehabt hat, zwei kleine Wal— zen übereinander zu legen. Durch die Einführung der Maschinen ist die Hand— arbeit noch vermehrt worden. Man könnte versucht werden, zu glauben, daß durch dergleichen vielleistende und so vollkommene Maschinen in England der größte Theil der Arbeiter und Arbeiterin— nen, die sich vorher mit dem Baumwollenspinnen nähr— ten, außer Thätigkeit gesetzt worden seye. Allein es ist gerade das Gegentheil geschehen. Die Zahl derjenigen, die sich mit der Bearbeitung dieses Flaumes befassen, hat sich bedeutend vermehrt. Ich weiß von einem Han— delsmann, der den Baumwollenhandel und die Fabrika⸗ tion der Baumwollenzeuge 50 Jahre lang getrieben hat, daß man vor Erfindung der Maschinen in Großbritan— nien nicht weiter als 5200 Baumwollenspinnerinnen und 2700 Baumwollenweber, also im Ganzen... 7900 Arbeiter gezählt hat, wäh— rend man im Jahre 178), also nur 10 Jahre nach Ein— führung der Maschinen, in demselben Lande 105,000 sowohl alte als junge Leute, die sich mit dem Spinnen, und 247,000 desgleichen, die sich mit dem Weben des Baumwollengarns abgegeben, also im Ganzen anstatt 7900, 3552,000 Arbeiter zählte. 514 Revol., welche die Baumw.⸗Spinnmaschinen Außerdem ist durch die Maschineu der Lohn der Ar-— beiter nicht nur nicht herabgesetzt, sondern im Gegentheil erhöht worden. In der zuerst angeführten Epoche ver— diente eine Arbeiterin täglich 20 französische Sous, in der letztgenannten dagegen 50. Ein Arbeiter, der zuvor 40 Sous verdiente, ließ sich nach Einführung der Ma— schinen 5 Franken bezahlen, ein Beweis, daß man mehr Arbeiter suchte, als sich deren anboten, was sich nur daraus erklären läßt, daß die Consumtion der Baumwol— lenzeuge, sobald dieselben wohlfeiler waren, stärker wurde, und daß man demzufolge auch eine größere Anzahl von Webern beschäftigen konnte. Ich weiß, daß der Arbeits— lohn seitdem abgenommen hat, und zwar zufolge der durch die Einführung der Maschinen beförderten Volks-— vermehrung. Der Arbeitslohn ist in neuerer Zeit aus andern nicht hieher gehörigen Gründen noch tiefer gefal— len, wie z. B. durch den Andrang der irländischen Ar— beiter; aber es ist nichts desto weniger eine interessante Beobachtung, daß den Arbeitern in den 10 ersten Jah— ren nach Einführung der Maschinen, die so viel leisten, und die Handarbeit so ungemein abkürzen, der Lohn nicht nur nicht verkürzt, sondern vielmehr auf das Dop— pelte erhöht worden ist. Uebrigens läßt sich annehmen, daß sich die Zahl der Arbeiter in den Baumwollenzeug-Fabriken seit dem Jahre 1787 noch bedeutend vermehrt habe. Wenn wir die An— zahl derselben nach den Pfunden der verarbeiteten Baum— wolle festsetzen wollen, so finde ich aus den— dem Par— lamente vorgelegten Berechnungen, daß vom Jahre 1786 bis 1790 jährlich im Durchschnitt 26 Millionen und vom Jahre 1821— 1825 jährlich 165 Millionen Pfunde, von welch' letzteren wieder 10 Millionen als Ausfuhr abge— hen, in Großbritannien eingeführt worden sind. Demzu— folge sind in den englischen Spinnereien vom Jahre schinen der M⸗ egenthel sche bek⸗ Wus, in de zubot der Ma⸗ san meht sch uir aumwol⸗ et wurde, ahl von Abeits⸗ lhe der Vollo⸗ It dus gefal⸗ en Ar⸗ Messante ch M⸗ Leisten, er Lhn Dop⸗ ahl der uJahte die An⸗ VBaum⸗ m Pot⸗ re 1700 ud vom e, von abge Demzu⸗ Jhie in dem Handel bewirkt haben. 315 1821— 1825 jährlich 155 Millionen Pfunde Baumwolle consumirt worden. Wenn nun 26 Millionen Pfund 352,000 Arbeiter beschäftigen, so müssen bei 155 Mil—-⸗ lionen Pfund über 2 Millionen Arbeit finden, was für eine Insel, die außer ihren bewußtlosen Bewegkräften nur 15 Millionen Einwohner zählt, eine erstaunliche Anzahl ist, Gesetzt aber auch, die englischen Statistiker hätten ihre Angaben übertrieben, so läßt sich doch nicht verkennen, daß die menschliche Arbeit, die durch die Maschine ersetzt werden sollte, noch bedeutend vermehrt worden ist. Zu— dem sind unter der hier angeführten Arbeiterzahl, weder die Matrosen noch die Fuhrleute, welche bei dem Baum— wollenhandel Beschäftigung finden, noch sonstige Ge— werbsfleißige aller Art, wie die Handelsleute selbst, die Commis, die Mäckler, die Kattunfabrikanten, Färber, Mechaniker, noch die Detail-Händler u. s. w., von de⸗ nen sich ein Jeder auf seine Weise mit diesem Handel befaßt, mit inbegriffen. Wenn über die Quantität der in Frankreich vor Ein— führung der Maschinen verarbeiteten Pfunde von Baumwolle Documente vorhanden wären, wornach man diese Pfunde mit denen, welche nach dieser Einführung verarbeitet wür— den, vergleichen könnte, so würden sich wahrscheinlich ähnliche Resultate ergeben. In den Mauthregistern vom Jahre 1825 ist die Einfuhr der Baumwolle in diesem Jahre nach Abzug der Wiederausfuhr auf 24,667,512 Ki⸗ logramme angegeben, worunter jedoch die eingeschwärzte Baumwolle oder der Mehrbetrag der unvollständigen An— gabe nicht begriffen ist, Nach denselben Basen, von denen wir bei Schä— tzung der in England in den Baumwollenzeug-Fabriken be schäftigten Arbeiter ausgegangen sind, würde dieser Quantität von Kilogrammen in Frankreich eine Zahl von 728,000 Arbeitern entsprechen. Ich glaube nicht, 3516 Revol., welche die Baumw.-⸗Spinnmaschinen daß deren so viele sind; wenn wir aber auch diese Sum— me auf die Hälfte herabsetzen wollten, so würde sie wahr— scheinlich doch noch zwanzigmal stärker seyn, als die An-⸗ zahl derjenigen Arbeiter, welche bei derselben Industrie früher verwendet wurden. Man darf also kühn behaupten, daß die Baum— wollen-Spinnmaschinen, statt die arbeitende Classe um einen Theil ihres Verdienstes zu bringen, derselben im Gegentheil weit mehr Arbeit verschafft haben. Ostindien leidet wahrscheinlich darunter keinen Schaden. Möglich ist es, daß dieß zum Theil auf Kosten ei— nes andern Landes geschehen ist, und ich möchte nicht dafür stehen, daß die Einstellung aller Nachfragen nach indianischen Geweben von Seiten Europä's in Bengalen nicht einen Theil der Fabrikanten, oder wenigstens ihren Arbeitern Schäden gebracht habe. Indessen habe ich von keinem Reisenden gehört, daß sich das Loos der Manu— fakturisten in Indien verschlimmert habe. So bedeutend auch in Europa die Consumtion der Baumwollenzeuge bis zu Anfang des 1g9. Jahrhunderts gewesen ist, so kann man doch nicht läugnen, daß sie in Vergleichung mit der Consumtion in Indien selbst nur eine Kleinig⸗ keit war. Die 40 Millionen englische Unterthanen und 40 andere Millionen Menschen, die über diese weitläufigen und volkreichen Gegenden ausgegossen sind, kleiden sich sämmtlich, Männer wie Weiber und Kinder, von der Familie des Nabobs abwärts bis zu der des Paria, in Baumwolle, während die Männer in Europa nur wenige und die Frauen nicht das ganze Jahr hindurch Baum— wollenzeuge tragen. Auch muß man bedenken, daß In— diens Handel mit Europa, wenn er jetzt auch andere Waaren zum Gegenstände hat, deßhalb noch ebenso be— thing Sum: ie M⸗ dustrie Bum⸗ se un hen in einen En ei⸗ nicht nach jalen ihten bl W⸗ dutend Ruge sst, so chung einig⸗ und ifiger n sich n der ia, in henige aum⸗ 2 andere sso de in dem Handel bewirkt haben. 317 trächtlich ist, als zuvor. Wenn man an den Ufern des Ganges jetzt auch weniger Calicot- und Percal-Zeuge für uns verfertigt, so wird dagegen dort Indigo und Zucker für uns bereitet, und von diesem letzten Artikel ist zuvor auch nicht ein Fäßchen über das Vorgebirge der guten Hoffnung hinausverschickt worden. Man mußte dort für Europa Baumwolle pflanzen, und England be— zieht gegenwärtig unter dieser Gestält ein weit größeres Quantum von diesen Waaren, als es früher von den— selben in der Gestalt von Zeugen bezogen hat. 9 Nebenbeschäftigungen, welche mit der Baumwollen⸗ Industrie in Verbindung stehen. Dieser erstaunliche Mehrbedarf von Baumwollen— Zeugen, der in England allein in weniger als 50 Jahren von 5 Millionen jährlich auf 155 Millionen Pfund ge— stiegen ist, hat die Zahl der Baumwollen-Arbeiter nicht allein in England selbst, sondern aller Orten, wo sich die Baumwollen-Pflanzungen erweitert haben, vermehrt. Die europäischen Baumwollen-Fabriken beschäftigen ge— genwärtig eine Menge von Leuten in Brasilien, in der Republik Haiti,, auf der ganzen Küste von Cumana, in den vereinigten Staaten, in Griechenland, Aegypten und in allen denjenigen Ländern, aus denen wir rohe Baum— wolle beziehen, und die uns vor Erfindung der Maschi— nen nichts oder doch nur wenig lieferten. Doch das ist noch nicht Alles. Die Wirkung der Baumwollen-Spinnmaschinen hat sich nicht darauf be— schränkt, blos die Anzahl derjenigen Gewerbsleute zu vermehren, die sich mit dieser Waare ausschließlich be— schäftigen. Aus Gründen, die ich später anführen werde, *) Im Jahr 1825 hat England, nach den Einfuhrlisten aus Hin⸗ dostan, 59,550 Ballen, je zu dem gewöhnlichen Gewicht von 540 Pfunden bezogen. 318 Revol., welche die Baumw.⸗Spinnmaschinen mußten die Ländereien, die Capitale und die Industrie von Europa, um sich den Mehrbetrag von Baumwolle, den die gegenwärtige Consumtion erfordert, zu verschaffen, auch andere Produkte und andere Werthe erzeugen; denn die Gewerbsklassen in Europa, die sich gegenwärtig mit Verarbeitung der Baumwolle befassen, geben ihre Pro— dukte nicht umsonst; sie tauschen dieselben gegen jene zählreichen Produkte aus, die man anderwärts, um sich jene Baumwollenzeuge zu verschaffen, hervorbringen mußte. So kann ein einziger Industriezweig auf die ganze National-Oekonomie Einfluß gewinnen. Zur Erwerbung von Reichthümern giebt es kein anderes Mittel, als die Produktion. Bisher habe ich nur von der Produktion der Reich— thümer gesprochen. Man hat gesehen, welche Rolle die Industrie des Menschen, von seinen Werkzeugen unter— stützt, bei diesem großen Werke spielt. Man könnte je— doch glauben, es gebe noch andere Produktions-Mittel, da es Leute in der Welt giebt, die sich Reichthümer er— werben, und sogar sehr wohlhabend werden, ohne auch irgend einer Sache die geringste Nützlichkeit beizubringen. Allerdings kann sich der Einzelne dadurch, daß er die Ueberlegenheit seiner Kraft, oder die Unwissenheit seines Nebenmenschen zu dessen Beraubung mißbraucht, auch ohne etwas zu produziren, Reichthümer erwerben; aber die Güter, die er sich auf eine solche Art zueignet, sind nichtsdestoweniger von irgend Jemand erzeugt worden, und bei einer anhaltenden Betrachtung dieses Gegenstan— des wird man wahrnehmen, daß diese Güter auf keine andere, als auf die von mir angegebene Weise producirt werden konnten. Die Gesammtmasse der Gesell— schaft kann sich einzig und allein durch die Produktion bereichern; denn durch das, womit sich hinen dustre wolle, affen, denn mit J⸗ ithe scch iugen die kein sh⸗ die Het⸗ : ittel, el⸗ auch gen. die ines auch aber sind den, tan⸗ eine Ueitt selb die sch 7 in dem Handel bewirkt haben. 319 der Einzelne auf Kosten eines Andern bereichert, erhält der Reichthum der Gesammtmasse keinen Zuwachs 2). Der Gewinn, der das Einkommen der Capitalisten und der Grund-Eigenthümer ausmacht, ist kein Raub, denn diese Mitglieder der Gesellschaft tragen durch ihre eigenen Personen dazu bei, den Dingen theilweise die Nützlichkeit mitzutheilen, die denselben einen Werth giebt, und man kann nicht sagen, daß ihr Gewinn auf Kosten der Consumenten gemacht werde, weil man, wenn es weder Capitalisten noch Grund-Eigenthümer gäbe, die Produkte theurer bezahlen müßte, als gegenwärtig. Was die Aneignung der Ideen ist. Nachdem wir die Macht der Industrie beobachtet, die Verfahrungsarten derselben analisirt und uns mit der Natur ihrer Werkzeuge bekannt gemacht haben, wollen wir derselben in ihren verschiedenen Aeußerungen folgen. Indessen muß man ja nicht glauben, daß der Lehrer Alles allein vermöge. Er kann das Werk nur zur Hälfte fertigen, der Leser muß es vollenden. Jegliches Studium erfordert, wenn es von Nutzen seyn soll, die Ideen-An— eignung. Die Aneignung? wird man mich fragen: was ver— steht man darunter? Ich erkläre mich: Die Nahrungsmittel, wodurch wir unser Leben fri⸗ sten, sind nicht unser Selbst; sie vereinigen sich ) Diesen Versetzungen des Reichthums sollte, da sie der wahr— haften Vermehrung der Reichthümer und dem Wohlseyn der Gesellschaft, so wie der Gerechtigkeit gleich zuwider lau⸗ fen, durch die Gesetze stets vorgebeugt, oder doch Einhalt gethan werden. Es geschieht dieß zwar in manchen Fällen, jedoch giebt es nur wenige Länder, wo es in allen geschieht. **) Man sehe Seite 165. dieses Bandes. Dieselbe Wahrheit wird sich in den folgenden Bänden sehr auffallend hewähren. 3520 Revol., welche die Baumw.⸗Spinnmaschinen ꝛc. jedoch mit diesem, wenn sie nach ihrem Uebergan— ge in das Blut und von da in die Muskeln, zuletzt einen Theil von unserem Körper ausmachen. Ebenso bleiben die Ideen eines Schriftstellers oder eines Red— ners, den jemand liest oder hört, ohne sich das Gute, das derselbe sagt, zu eigen zu machen, fortwährend ihr Eigenthum, ohne ein Theil von dem des Lesers oder Zu— hörers zu seyn. Aber sobald man sich durch die Refle— xion einen klaren Begriff von der vorliegenden Idee ge— macht hat, wenn man so zu sagen, mit dem Lehrer um einen Gegenstand ringsherumgegangen ist, solchen von allen Seiten besichtigt und sich das Charakteristische des— selben gemerkt hat, dann ist die aufgefaßte Idee nicht mehr das ausschließliche Eigenthum des Lehrers; sie ge— hört dem Schüler so gut, als diesem; die Aneignung ist zu Stande gekommen. Register zum ersten Bande. Aberglaube, besticht das Urtheil 152. Abstraktionen, Schaden, den sie in der National-Oekonomie anrichten 68. Dürfen nie der Erfahrung entgegen seyn 68. Wie sie anschaulich werden 95. Adel, gekaufter und verkaufter, ist dem National-Reichthum schädlich 241. Advokat, der, worin seine Industrie besteht 154. Algebra, dient in der National-Oekonomie zu nichts 6g. Alten, die, glaubten mehr an das Wort des Meisters, als an die Erfahrung 10. Waren Schüler in der Civilisation 10(Note). Wie groß ihr Erstaunen seyn würde, wenn sie unsere Künste sähen 142. Aneignung der Ideen, was sie ist 319. 7 Arbeit, worin die eines Unternehmers besteht 138. Und die eines Gelehrten 159. Dieses Wort genügt nicht, um sämmt⸗ liche Operationen der Industrie zu bezeichnen 149. Wirkungen der Theilung derselben 254. Wird zum Theil durch Maschinen ersetzt 286. Wenn man auch dabei spart, beschäftigt man doch nicht weniger Arbeiter 291.292. S. Theilung der Arbeit. Arbeiter, Gründe, die sie haben, das Eigenthum zu achten 78. Wie sie zum Wissen gelangen 78. Welches ihr Geschäft bei der Produktion ist 145. Zerfallen in zwei Klassen 145. Ihre Ar⸗ beiten erfordern zuweilen Talente und Kenntnisse 146. Eigen⸗ schaften und Fehler derjenigen von Deutschland 155. Frank⸗ reich und England 155. Welchen Einfluß die Einführung der Maschinen auf sie hat 288. 297. 300. 515. Wie viele durch die Baumwolle in England beschäftigt werden 312. Und in Frank⸗ reich 315. Argonauten,(Fabel von den) ist durch den Verkehr von Eu⸗ ropa mit Asien entstanden 305. Arkwright, Engländer, erfinder die Baumwollen-Spinuma⸗ schinen 5308. Aufsparen, ist nicht anhäufen 236. 259. 248. Uebersteigt die Intelligenz der Thiere 242. Beweggründe zur Aufsparung 246. Ist ein Akt der Weisheit und der Tugend 248. S. E rsparniß. Ausfuhr und Einfuhr beweisen nichts 25. Say prakt. National⸗Oekonomie I. 21 — Y ö 322 Register. Auslage oder Vorschuß, Bedeutung dieses Worts 195. Die reproduktive Consumtion ist nur ein Vor schuß 198. Arzt, der, verkauft ein immaterielles Produkt 134. Analyse seiner Industrie-Operationen 154½. ö Baco, ist der Gründer der wahren Wissenschaft 11. Ist zuerst darauf gekommen, die Wissenschaften auf die Künste anzu— wenden 142. Baumwolle, wie alt die Industrie ist, wozu dieses Produkt Veranlassung gibt 305. Handels-Revolution, durch die Baum— wollen⸗Spinnmaschinen bewirkt 307. Wesentliche Eigenschaft dieser Maschinen 308. 509. Wird neuerer Zeit aus Egypten bezogen 311. Und von Hindostan 316. Baumwollenzeuge oder Gewebe von Baumwolle, in der Fa⸗ brikation derselben ist Asien durch Europa verdrängt worden 511. Der Indianer scheint dadurch nicht zu leiden 3516. Andere Ar— beiten, die dieser Handel hervorgerufen hat 315. Beamte, öffentliche, ihre Habsucht ist eine schlechte Stütze für die Regierung 34. Bedürfnisse des Menschen, hängen von seiner Organisa— tion und der Stufe der Civilisation, worauf er gelangt ist, ab 98. Sind sehr verschieden 121. Verändern sich mit dem Fortschreiten der Gesellschaften 121. Die Natur allein sorgt nicht für die Befriedigung der einfachsten derselben 124. Stel— len keine bestimmte Größe dor 294. Vermehren sich mit der Bevölkerung, und selbst ohne diese 296. Beobachtung(die), oder die Erfahrung ist die Grundlage al— ler Wissenschaft 11. Liefert unbestreitbare Resultate in den moralischen und politischen Wissenschaften 15. Ist immer noth— wendig zu Bestätigung von Grundsätzen 18. Bergmann, Aehnlichkeit seiner Arbeiten mit denen des Land— bauers 15). Besonderheiten, genügen nicht ohne allgemeine Kenntnisse 51. Besonnenheit(esprit de conduite), was sie ist 54. Bewegkräfte, sind von den Maschinen verschieden 285. 28). Braachen, verrathen einen schlechten Zustand der Landwirth— schaft 187. x Bücher über die National⸗Oekonomie, warum so viele schlechte entstehen 62. 66. 72. Cachemire(Gewebe von), werden jetzt in Frankreich für Aslen bereitet 513. Capital, umlaufendes, worin es besteht 219. Register. 325 Capital, stehendes oder gebnndenes, was es ist 216. Verliert Mah an Werth, wenn es nicht unterhalten wird 21). Und wenn man mit der Anwendung desselben wechselt 218. Ist für ein Land nützlicher, als irgend ein anderer Erwerb 219. — Unn Capital, das Nützlichkeit oder Behaglichkeit erzeugt, was es 0 ist 220. Kann an Werth verlieren 221. Ist zuweilen ein Ge— VDui meingut 222. ö 1 u Capitale, Eigenschaften dieses Werkzeugs 164. Sind stets ein 6 00 Eigenthum 165. Vertheuern nicht die Produkte 165. Wie sie 0168 durch einen Industrie-Unternehmer vereinigt werden 16). Nur Ehpit die Größe derselben bestimmt die Industrie 171. Wie sie ge⸗ winnbringender verwendet werden 190. Darstellung ihrer Na— in r N. tur und ihrer Dienste 194. Werden durch die Thätigkeit der votden 5n Industrie consumirt 196. Bestehen nicht in dem Werthe, nach lahere M dem sie geschätzt werden 199. Werden in Wahrheit consu— mirt ꝛ200. Ihr Werth dagegen bleibt 200. Gebrauch, den die pte Stißt Landbau-Industrie 200, die Manufaktur-Industrie 205, und die Handels-Industrie davon macht 205. Gehören in das Land, Othanisa⸗ wo der Besitzer derselben sich befindet 205. Bestehen nicht in langt ist baarem Gelde 206. Die Summe derselben läßt sich nicht mit dem schätzen 20). Ihr Dienst allein wird in den produktiven Ope— lein sotgt rationen eigentlich consumirt ꝛog. Dienen nicht zur Produk⸗ . Stll⸗ tion, wenn sie blos fingirt sind 210. Werden in verschiedenen ch Mit det Gestalten eutlehnt 211. Können nicht mehreren Personen zu— gleich dienen 212. Wohl aber zu mehreren, auf einander fol— ulage al⸗ genden Operationen 214. Werden zuweilen über ein Jahr lang e in den zu einer einzigen Operation verwendet 215. Was unter der ner noth⸗ Realisirung derselben zu verstehen ist 215. Eintheilung dersel— selben 216. Bestandtheile des National-Capitals 222. Sind es Lund⸗ schwer zu schätzen 225. Unzuverläßige Schätzung der Capitale von England und Frankreich 224. Was unproduktive Capitale tuise ds sind 225. Wie sie entstehen 230. Was aufsparen heißt 232. Ihr Werth bestimmt ihre Wichtigkeit 237. Nehmen die Gestalt . 107. an, die für die Unternehmungen paßt 238. Sind eine der vor— ndwitth⸗ nehmsten Ursachen der Ueberlegenheit des Menschen über die Thiere 245. Wie sie verschwendet werden 244. Werden es zu⸗ vitl weilen aus Unwissenheit 246. Wurden vernichtet in den Jahr⸗ hunderten der Barbarei 247. Sind der Maßstab des Reich⸗ sir M thums der Nationen 252. Können durch immaterielle Produk⸗ tionen gebildet werden 252. 324 Register. Capitale, unproduktive, was sie sind 225. Bestehen eben so gut in Produkten als in Geldsummen 226. Werden durch den Mangel an Sicherheit vermehrt 227. So wie durch die Unwissenheit der Besitzer 228. Capitalisten(für die), ist es von Werth, die National-Oeko⸗ nomie kennen zu lernen 50. Tragen mittelst ihres Werkzeugs zur Produktion bei 169. Müssen nothwendig die Industrie kennen, wenn sie sie auch nicht selbst ausüben 228. Gehören zu den Producenten 519. Capitalzins, das Sinken desselben als einzeln dastehende That— sache beweist nichts 25. Das Wort: Geldinteresse, gibt davon einen falschen Begriff 56 Note). Ca sten, privilegirte, verhelfen verdienstlosen Menschen zur Macht 45. Casti, dessen Gedicht„die redenden Thiere“ 65(Note). Catharine II. zieht die französ. Oekonomisten zu Rath 38 MNote). Charlatanerie, verschwindet vor der analytischen Methode 19. Es ist die Kunst ehne Wissenschaft 55. Ist gefährlicher in der Politik, als in der Heilkunst 43. Chastellur, angeführt 16. 29(Note). Civilisation, warum sie stets von neuem begonnen werden muß 28. Beweise, wie wenig sie zum Theil in Europa fort⸗— geschritten ist 50(Note). Vervielfäͤltigt unsere Bedürfnisse und die Mittel, diese zu befriedigen 55. Befördert das Wohlseyn der Nationen 56. Rasche Fortschritte derselben 46. Entwickelt intellektuelle Fähigkeiten, die edler sind als die des Körpers 8o. Ob man ihr vorwerfen kann, daß sie anch unsere Entbehrungen vervielfältige 82. Colonien, Thorheit sich um ihres Besitzes willen zu bekriegen 29. Comte(Charles), angeführt 39. Seine scharfsinnige, mit den falschen Prinzipien angestellte Vergleichung 71 Vote). Consumenten, in welchem Fall sie gewinnen, ohne daß die Producenten verlieren 185. Ziehen aus den Fortschritten der Industrie Nutzen 189. 190. Consumtion, was sie ist 196. Consumtion, reproduktive, ist stets das Werk eines Un⸗ ternehmers 198. ö Credit, vervielfältigt nicht die Capitale 172. Worin dessen Vortheile bestehen 215. Es ist besser, denselben entbehren zu können 214. Register. 325 sichen dn Critiken der Doktrinen des Verfassers werden von ihm Tden durc unbeachtet gelassen, wenn sie nicht dazu dienen, einen Grundsatz durch die ins Licht zu setzen 94 Mote). Wul D'uAlembert angeführt 6⸗(Note) u. 91. 5 kti⸗ Davy, englischer Chemiker, entdeckt eine Nützlichkeit der Volta'⸗ ekheugs schen Säule 144. dafrie Definitionen, was sie seyn sollten 92. Wie man sie gibt, „Gcumn taugen sie nur für die alte Philosophie 95. Fehler, die den Definitionen einiger englischen Oekonomisten zur Last gelegt helhe dst werden 94. giht dun Descartes, warum seine Wirbel nur ein System sind 21. Despoten, können keine bedeutende Steuern erheben, wenn euschen zu ihre Völker nicht wohlhabend sind 4 Ding, muß nothwendig ein unbestimmter Ausdruck seyn 119. 0 Der Werth der Dinge ist unabhängig von der Summe, die man 30 Mate giebt, um sich dieselben zu verschaffen 120. In welchem Fall ethode ij sie Produkte werden 125. het in ber Druckerpressen haben die Zahl derjenigen, die mit der Ver— fertigung von Büchern beschäftigt sind, vermehrt 302. Dugald Stewart, ein schottischer Schriftsteller, hat gezeigt, A Werden daß die Gesetze, nach denen sich der gesellschaftliche Körper be— lopa fot⸗ wegt, nicht das Werk der Kunst sind 2. Schließt aus dieser rinise und Wahrheit nicht Alles, was sich daraus schließen läßt 3. Vohlsenn Dyvernois verkündigte den Untergang Frankreichs zu derselben Entwicktt Zeit, als es in der Blüthe stand 64. brpers do, Egypten, gegenwärtige Industrie dieses Landes 311 MNote). behrungen Eigenthumsrecht, ist unentbehrlich, wenn eine Theilung der Arbeit Statt finden soll 264. tgen 1. Eintheilung der Industrie 155. Ist mehr um unserer Be⸗ mit den quemlichkeit willen eingeführt, als von der Natur gewollt 156. ö England, verdankt seine Reichthümer nicht seinen Colonien 64. ge daß die Schätzung seiner Capitale 224. Seine Aibeiter werden durch Hritten de die Baumwollen-Spinnmaschinen unterstützt 313. Engländer, werden reicher, wenn sie nach Frankreich reisen 110. Erfaäahrung, warum sie für die Verwalter des Staats nicht eines U genügt 44. Kommt theuer zu stehen und wird durch die Na⸗ tional⸗-Oekonomie ergänzt 49 u. 55. Nutzen, den man daraus Rin deset ziehen kann 50. thehnen Erfinder, sind nicht die Urheber aller der Kräfte, die sich zu Folge ihrer Erfindungen verwenden lassen 258. Ersparniß, ist eine reproduktive und keine unfruchtbare Aus⸗ 326 Register. gabe 152. Welchen Nutzen Sparkassen gewähren 255. Warum die Ersparnisse nur langsam und schwer zu Stande kommen 241. Ertrag des Grund und Bodens, oder Ländereigewinn, hat zu lebhaften Erörterungen Veranlassung gegeben 52. Erziehung, ist nicht vollständig, die nicht die ökonomischen Kenntnisse in sich begreift 55. Europa, fängt erst an, sich seiner Barbarei zu schämen 51. Was es bei einem mehr verbreiteten Unterricht werden könnte 32. Hat seine Fortschritte nicht den Fesseln zu verdanken, die man ihm aufgelegt hat 44. Feiertage, Nachtheil derselben 18g. Fischer, seine Arbeit gleicht der des Landbauers 157. Fragen, unauflösliche, dürfen uns nicht abhalten, die gelösten zu benützen 60. Oft werden sie schlecht gestellt, damit sie der schlichte Verstand nicht lösen kann 90. Werden sie gut gestellt, so sind sie schon halb gelöst 285. Frankreich ist durch die Revolution emporgekommen 64. Die Schuhmacher allein erzeugen daselbst mehr Reichthümer, als die Gold- und Silberbergwerke in Amerika 151. Schätzung seiner Capitale ist unzuverläßig 224. Freiheit, politische, ist nicht durchaus nothwendig zur öffentli— chen Glückseligkeit 41. Befördert sie aber 42. Da wo sie fehlt, gibt es mehr unproduktive Capitale 227. Friederich II., König von Preußen, ein patriotischer Despot 84. Gabeln, wann sie in Frankreich eingeführt worden sind 85(Rote). Gebräuche, abergläubische, woher sie stammen 14. In wie fern sie den Fortschritten der Industrie hinderlich sind 151. Geizige, der, ist der Industrie nützlicher als der Ver— schwender 251. Geld, ist das Mittel, nicht der Zweck eines Tausches 112. Sein Werth kommt bei den Tauschen nicht in Betracht 114. Warum man sich desselben bedient, um die Dinge zu schätzen 116. Ist ein gemeinschaftlicher Nenner 116. Geld⸗Anlagen, für wen sie schwierig sind 252. Sind leicht für jeden Industrie-Unternehmer 254. 255. Gelehrte, sind zuweilen Schmeichler, die Wissenschaften selbst nie 59. Was ihren ökonomischen Caleuls mangelt 55. In wel— cher Hinsicht ihre Arbeiten der Industrie nützen 139. Sind von dem edelsten Ehrgeiz beseelt 1442. Sind nur weniger unwissend als andere Menschen 146. Theilen ihre Kenntnisse gerne mit 153. Register. 327 5. W 08 Geschichte(die), ihre Verhaltnisse zu der National⸗Oekono⸗ wimn mie 6. Bietet uns ein sehr trauriges Schauspiel dar 28. 2* Gesellschaft(die), oder das Publikum; die Interessen dersel⸗ Wnisch ben stimmen nicht immer mit denen der Einzelnen überein 9. Was sie bei den Alten war 29. Die meisten Uebel, unter de⸗ 10. Wa nen sie leidet, sind heilbar 352. Das einzige Mittel, das ihr zu Bm Gebot steht, um nicht von Charlatanen hintergangen zu wer⸗ 3** den 55. Erhält sich durch einen Austausch nützlicher Dienste 85. an Wirkt auf die Schriftsteller, die sie belehren, zurück 86. Gesellschaften oder Nationen, sind lebende Organismen 1. Bestehen nach Gesetzen, die ihnen eigen sind 2. Einfluß des menschlichen Willens auf die Gestaltung derselben 2. Gedeihen gelotter um so besser, je weniger ihre künstliche Organisation fühlbar nit se de ist 5. Warum sie zuweilen gute Einrichtungen in den Zeiten it gestelt, der Unwissenheit gehabt haben 4. Sind Gesetzen unterworfen, denen man sich nicht entziehen kann 25. Wie sie bestanden ha— 64. Dit ben, als man von den Naturgesetzen, worauf sie beruhen, nichts ner, als wußte 27. In welchem Zustand sie sich bis jetzt befunden ha— Hisung ben 28. Die von Europa sind zum Theil noch nicht sehr weit in der Civilisation vorgerückt 30. Besonders in dem Fall, wenn üfetli⸗ sie ihre Uebel als die Wirkung einer höheren Macht betrach— se fehlt ten 52. Müssen ihre Lage zu verbessern suchen 55. Sind ei⸗ gentlich der Gegenstand des Studiums der Staatsmänner 45. spot d Ihre Fortschritte während der letzten vierzig Jahre 86. In 5Ga welcher Stellung man sie betrachten muß 8g. Erklärung dieses I wie Worts 100(Note). 10 Getreidemühle, Berechnung, die den Vortheil zeigt, den die W Anwendung dieser Maschine gewährt 289. Gewalt, warum die Träger derselben ihrer so oft nicht würdig 3. Sein sind 54.—— Uumm Gewerbe, sind natürlicherweise in der Gesellschaft getrennt 259. 16. N Warum sie in den Dörfern in wenige Hände zusammengedrängt . 0 sind 267. 268. iitt Glasfenster, wann dieselben eingeführt wurden 85 Vote). W Grundeigenthümer, es muß ihnen daran liegen, die Grund⸗ —— sätze der National-Oekonomie kennen zu lernen 50. Tragen mit⸗ 4 sels telst ihres Werkzeugs zur Produktion bei 169. l Grundstücke, sind ein Theil der gesellschaftlichen Reichthü— dudden mer 101. Sind eine Art Schmelztiegel 127. Haben nur einen mistn mittelbaren Nutzen 135. e Am Güter, s. Reicht hümer. 328 Register. Gütergemeinschaft, abgeschmacktes System 165. Würde uns um die Vortheile bringen, die man aus der Theilung der Arbeit ziehen kann 264. Habsucht, wird durch die National-Oekonomie nicht geweckt 76. Handarbeit, wie sie mit größerem Nutzen angewendet wird 191. Wird durch die Maschinen ersetzt 288. Und doch durch diesel— ben vermehrt 301. 315. Handbuch, vollständiges; Bedeutung dieses Ausdrucks 87. Ei⸗ genschaften desselben 88. 89. Handel, s. Handels-Industrie. Handel, auswärtiger; worin hauptsaächlich der Vortheil desselben besteht 194. Der von Asien mit Europa ward anfangs über das schwarze Meer getrieben 304. Später über Tyrus 506. Alsdann über Alexandrien 30). Und endlich über das Vorge— birg der guten Hoffnung 307. Hat eine neue Revolution durch die Erfindung der Baumwollen-Spinnmaschinen erlitten 311. Wirkungen dieser Revolution 515. Arbeiten, die dieser Handel hervor gerufen hat 317. Handels⸗Balanz, hält uns in einem Zustand der Barbarei zurück 31. Wird in verschiedenen Werken, ungeachtet der De⸗ monstrationen von Adam Smith noch immer vorgebracht 61. Handels-Industrie, Gegenstand ihrer Arbeiten 156. Ge⸗ schäfte, die sie in sich begreift 15h9. Ihre Versendungen können als eine Consumtion von rohen Stoffen, und ihre Rückfrachten als erzeugte Produkte betrachtet werden 197. Man irrt, wenn man glaubt, dieselbe mit Nutzen treiben zu können, wenn man sie auch nicht zu seinem Berufe macht 261. Ihre Arbei— ten sind da, wo wenig consumirt wird, nicht sehr getheilt 268. Alter des Baumwollenhandels 305. Wird durch die Baumwol—⸗ len-Spinnmaschinen begünstigt 514. 517. Handelsmann, wie nützlich für ihn die National-Oekonomie ist 49. Hemdter, wann sie in Frankreich eingeführt wurden 85(Note). Homer, angeführt, wo von den Mühlen der Alten die Rede ist 290. Huskisson, brittischer Minister, schreibt der Industrie das Waffenglück seines Landes zu 192(Note). Hypothesen, welchen Gebrauch man davon machen kann zd. Konnen nicht als Beweise dienen 21. Individuen, ihre Interessen stimmen zuweilen nicht mit denen des Publikums zusammen 9. Bekümmern sich nicht um das allgemeine Interesse, wenn sie unwissend sind 48. Register. 329 . 950 In dustrie, die, was sie ist 56. In wie fern ste der Moral förderlich ist 36. Bedarf der ökonomischen Kenntnisse 52. Zieht mehr Nutzen aus einer gewissen Besonnenheit(esprit de con- satlt 5. duite), als aus dem technischen Kunstverfahren 54. Weckt ge— 0n. rechte und wohlthätige Gesinnungen 77. Gibt der menschlichen lah iese⸗ Thätigkeit eine vortheilhafte Richtung 82. Ob man von ihr ů sagen kann, sie vervielfältige unsere Entbehrungen 82. Worauf 6 0j Ei⸗ ö sich das Thun derselben beschränkt 126. Aehnlichkeit ihrer ver— schiedenen Operationen 126. Zergliederung ihrer Arbeiten 159. Würden in Verfall kommen, wenn die Wissenschaften nicht Methei länger blühten 140. Einige ihrer Verfahrungsarten haben sich Dahfangs verloren 141. Ihre neuen Eutdeckungen sind bewunderungs— Hrus ö0b. würdig 141. Zeigt stets die Spuren von drei Operationen, 0 Vorhe⸗ woraus sie besteht 146. Selbst bei den unkultivirten Völ— tion durch kern 148. Derselbe Mensch führt oftmals alle diese Operationen itten zn, aus 149. Die Talente, die sie erfordert, sind nach den Men— et Handil schen und den Orten verschieden 155. Worin die Industrie eines Arztes, eines Advokaten besteht 154. Welcher Werkzeuge Barhakei sie sich bedient 662. Ist nur durch die Größe der Capitale be— der De⸗ schränkt 171. Worin ihre Fortschritte bestehen 185. Wem ihre t 61. Fortschritte frommen 185. Es sind Wohlthaten, die man der 50. Ge⸗ Natur abgewonnen hat 190. Sie gewähren der Gesellschaft en können ö Nutzen 195. Ist selbst für diejenigen Menschen, die sie nicht icrachte ausüben wollen, nothwendig 228. Wie sie sich durch Einfüh— krt, wenn rung zweckmäßiger Maschinen verbreitet 292. 296. In wie fern u, vemn sie durch Erfindung der Baumwollen⸗Spinnmaschinen befördert re Arbei⸗ wird 5177. Helt 2 Industrie-Fonds, worin er besteht 1553. Wie derselbe, da Numwol⸗ er nicht veräußerlich ist, geschätzt werden kann 174. Ist ein materielles Capital 212. Oekohont Industrie-Männer, Bedeutung dieses Worts 128. Industrie⸗-Unternehmer, seine Verrichtungen 138. Combi⸗ 3 Gtth. nationen, die er vornehmen muß 144. Spielt die Hauptrolle de ist 00, bei der Produktion 250. Seine wesentlichste Eigenfchaft ist die uste du Urtheilskraft 150. Er ist es, der auf die Produktion bedacht ist 1668. Besitzt wenigstens einen Theil seines Capitals als Ei— unn eu genthum 150. Seine Arbeit macht nothwendig einen Theil der Produktionskosten aus 179. Bezahlt selbst diejenigen Dienste, deren Fonds ihm gehöort 181(Note), u. 188. Kann seine ge⸗ it 2 machten Ersparnisse immer leicht anlegen 234. t M 330 Register. In dustrie⸗-Unternehmungen, gedeihen eher bei einer gu— ten Leitung, als durch das zweckmäßige Kunstverfahren 54. Industrie⸗Werkzeuge, wie die Industrie dieselben zu ver⸗ einigen weiß 167. Produciren statt ihrer Besitzer 169. Ana⸗ lyse derselben 175. Sie besser zu benutzen, ist ein Fort— schritt 185. 186. S. Grundstücke, Capitale. Institutionen oder Einrichtungen, warum es auch in den Zeiten der Unwissenheit gute gegeben hat 4. Und warum so viele schlechte 27. Wie die ökonomischen Kenntnisse zu ährer Verbesserung beitragen 30. Je schlechter sie sind, desto noth— wendiger ist das Wissen 32. Interesse, allgemeines, in welchen Föllen es dem Privat⸗ Interesse entgegen ist 2ĩ5. Wird durch das Wachsthum des Vermögens der Einzelnen befördert 77. Interesse der Einzelnen oder Privatinteresse; unter wel— chem Gesichtspunkt es die Reichthümer betrachtet 25. Gewinnt durch die Erkenntniß des allgemeinen Interesse 26. Darf nicht autzer Acht gelassen werden 26. Die Doktrinen, die aus dem⸗ selben hervorgehen, verdienen keinen Glauben 66. Inventar, das einzige Mittel, zu erfahren, welche Capitale man besitzt 235. Irrthümer in der National-Oekonomie rühren stets von Nichtachtung der ersten und einfachsten Grundsätze her 91. Kaiser, römische, die schlechten waren immer größeren Ge— fahren ausgesetzt, als die guten 85(Note). Kauf,(ein), ist nur die Hälfte eines Tausches 115. Kaufmann, worin seine Industrie besteht 127. Wie er seine Ersparnisse benutzt 255. ů Kenntnisse, menschliche, schreiben sich nur von gestern her 31. Sind dem Fanatismus und allen politischen Vorurtheilen ver— haßt 54. Kette der Ereignisse(die), ist nicht immer unterbrochen, wenn gleich einige Glieder derselben sich unsern Blicken ent— ziehen 17. Körper, gesellschaftlicher. S. Gesellschaft. Krieg, Naturzustand der Menschen, so lange ihnen die Natio— nal-Oekonomie fremd ist ꝛ2ꝛg. Kuhpocken, man weiß nicht, warum sie vor den Blattern schützen 15. ö Künste, nützliche, die Kenntniß derselben begründet noch nicht den Wohlstand einer Nation 51. Oekonomische Betrachtungen, ————sää— —— bei eiter gj heen 5. aben zu het⸗ . Mnr⸗ shen Fott⸗ auch u den 1d wanun 0 sse zu ier deso nah⸗ dem Pribat⸗ Hothum des unter wel⸗ 5. Gewinnt Durf niht aus dem⸗ e Gpitale ühren stets sihe her gi. töͤßeren Ge⸗ Die er seine lern her di. heilen ver⸗ stetbrochen, Hlicken ent⸗ d Moil⸗ Blattern t noch nigt achtungen Register. 33¹ die ihnen zu hoch sind 54. Sind nicht verderblich 81. Die Entwick— lung derselben hat auch die Entwicklung des Geistes zur Folge 85. Verhältnisse derselben zur National-Oekonomie 86. Beruhen auf wissenschaftlichen Kenntnissen 139. S. Industrie. Landbauer, worin seine Industrie besteht 127. Wie er ein Capi⸗ tal arbeiten läßt 200. Kann seine Ersparnisse leicht anlegen 234. Landbau⸗Industrie, mit was sie sich beschäftigt 155 und 157. Ist durch die Größe der Capitale und des Gebiets be— schränkt 71½. Wie sie ein Capital consumirt 197. Läßt nur wenig eine Theilung der Arbeit zu 276. dandwirthschaft, Nützlichkeit einer ausführlichen Abhandlung derselben 86. Was bei derselben das stehende Capital sey 21g. S. Landbau⸗Industrie. Lemonttey, dessen Einwürfe gegen die Theilung der Arbeit 278. Leopold, Großherzog von Toskana, ein patriotischer Despot 8½. Leute, junge, sind bestimmt, in einem aufgeklärteren Jahrhundert zu leben 55. Luxus, man streitet mit Unrecht über dessen Nützlichkeit 58 Diese Frage ist durch die aufgestellten Grundsätze entschieden 250. Lykurg, dessen Gesetze sind der gesellschaftlichen Oekonomie zu— wider 28. Maccullach angeführt 45. 59. Zieht Schlüsse, die der Erfah⸗ rung zuwider sind 71. Manufakturen, siehe Manufaktur-Industrie. Manufakturist(der), wie nützlich für ihn die National-Oe— konomie ist 49. Worin seine Industrie besteht 126 u. 127. Manufaktur-⸗In dustrie, womit sie sich beschäftigt 155. 158. Wie sie ihre Capitale consumirt 196. Worin ihr stehendes oder gebundenes Capital besteht 216. Und ihr umlaufendes Capi— tal 219. Geräth zuweilen in Stockung 301. Markt, Bedeutung dieses Worts in der National-Oekonomie 265. Wird durch die Schiffarth erweitert 275. Märkte, öffentliche, haben den Vortheil, daß sie den laufenden Preis der Lebensmittel bestimmen 271. Maschinen, welchen Dienst sie bei den Künsten leisten 284. Sind nichts anderes als complicirte Werkzeuge 285. Erzeugen keine Kraft 285. Verändern nur die Wirkungsart dersel— ben 285. Beschaffenheit derselben, wenn sie allen Forderungen genügen sollen 286. Waren bei den Alten mangelhaft 28. Ersetzen die Handarbeit 288. In wie fern sie der Gesellschaft nützen 269. Ziehen die Nationen aus dem Zustand der Bar— barei 293. 296. Nöthigen die Arbeiter, ein anderes Geschäft zu * 332 Register. treiben 297. Lassen sich ohne Gefahr nicht verwerfen 297. Um⸗ stände, die die vorübergehenden Nachtheile derselben vermin— dern 298. Es wird jeden Tag schwerer, deren neue zu erfin— den 299. Machen den Mangel an Arbeit weniger verderb— lich 500. Vermehren im Allgemeinen die Beschäftigungen der Menschen 301. Bewirken eine Revolution in dem Baumwol— lenhandel 305. 3511. Kurze Beschreibung derjenigen, worauf man die Baumwolle im Großen spinnt 308. Verbesserungen, die sle von den Engländern Hargraves und Crompton erhalten 308. Wann und wie sie in Frankreich eingeführt worden sind 512. Haben die Zahl und den Lohn der Arbeiter vermehrt 313. Wa— ren allen andern Industriezweigen förderlich 517. Mehl, der Preis desselben ward durch die Erfindung der Müh— len um ein Drittel vermindert 291. Meliorationen, man predigt täglich gegen dieselben und doch werden täglich dergleichen vorgenommen 55. Menschen,(die), welchen Einfluß ihr freier Wille auf die An-⸗ ordnungen der Gesellschaft ausübt 2. Ihre Uebel sind meistens ihr Werk 32. Sind glücklich durch das Gefühl ihres Da— seyns 82. Was vor Allem ihre Aufmerksamkeit fesseln muß 8g. Werden von der Wahrheit nur dann ergriffen, wenn sie darauf aufmerksam gemacht werden 91. Sind aufgesparte Capitale 257. Besitzen weniger natürliche Mittel, als die meisten Thiere 285. Messen, ihre Abnahme ist ein Zeichen der Blüthe des Han— dels 270. In wie fern sie von andern öffentlichen Märkten verschieden sind 271. Mehemet Ali, Pascha von Aegypten, richtet sein Land zu Grund, während er zugleich zu Gunsten der Industrie große Opfer bringt 42. Meinungen, Verschiedenheit derselben giebt keinen Einwand gegen die Wahrheit 60. Mercier de la Rivière wird von der Kaiserin Catharina II. zu Rath gezogen 58. Metalle, edle, für wie viel Amerika deren jährlich produ— cirt 1351. Der Werth derselben hat vor jedem andern Werthe nichts voraus 1351. Er wird durch den Tausch nicht verviel-⸗ fältigt 132. Methode, analitische, was sie ist 15. Verträgt sich nicht mit der Charlatanerie 19. Wirft die eingebildeten Systeme über den Haufen 22. Ist nothwendig zu E der Ursa⸗ chen und Wirkungen 44. Register. 333 Meubles, nützliche oder angenehme, in welche Klasse von Capitalen sie gehören 221. Mill, James, englischer Oekonomist und Moralist, angeführt 76. Waafn z. ly dWseher herni eren gulezy klft ueniht herdert Rschun mäi Mibbrauch der Worte, in Beispielen nachgewiesen 6g. 15.8 Montesquien, angeführt 65. Weh unl Moral, die, betrachtet die Handlungen unter einem anderen waafnnn Gesichtspunkt, als die National-Oekonomie 8. serungen, Iy se erhalten Io orden sand zu. lehrt 313. Ml „ Napoleon, seine Bemühungen, den Unterricht in den mo— ralischen und politischen Wissenschaften zu unterdrücken 12. Hätte besser geendet, wenn sein Jahrhundert aufgeklärter ge— wesen wäre und ihn nicht so viele Fehler hätte begehen las— len 34. Vorwurf, den er der National-Oekonomie machte 35. ung der Mih National⸗Eitelkeit hat eben so schlimme Wirkungen als die persönliche Eitelkeit 56. Ilben und doch National⸗Oekonomie, ist nichts anderes als die Physio⸗ logie der Gesellschaft. Ist dieselbe in allen Ländern und zu alf de M⸗ allen Zeiten 3. Warum sie eine Wissenschaft und eine neue 0 masstes Wissenschaft ist 3. Umfaßt das ganze gesellschaftliche System 5. chtes Da⸗ Die Wichtigkeit, die man ihr täglich mehr beilegt, ist gerecht— Iu muß 5g. fertigt 5. Ihre Verhaltnisse zu den Künsten der Industrie 6. e uf Zu der Statistik, der Geschichte, der spekulativen Politik 5. Wpitale ꝛ. Zu der Moral, der Privat-Oekonomie 8. Ihr Einfluß auf die Diiere w. Reichthümer der Individuen 9. Warum sie nicht früher ihre he des Hu⸗ Ausbildung erhalten hat 10. Man täuscht sich in ihr über den en Markten Zusammenhang der Thatsachen 16. Wie ste aus der Region ö der Hypothesen gezogen worden ist 19. Enthält Gesetze, die in Land zu der Mensch nicht ändern kann 25. Ist dem Privat-Interesse Mfie große und dem allgemeinen Juteresse förderlich 26. Ist den ausge⸗ zeichnetsten Geistern fast ganz fremd gewesen 31. Uebt einen n Einwand glücklichen Einfluß auf die moralischen Eigenschaften 35. Ist das Bindungsmittel der Gesellschaft 56. Darf nicht unmittel— atharina ll. bare Rathschläge ertheilen 57. Ihre Andeutungen werden da— durch nur um so wirksamer 40. Ist die Wissenschaft der Staats— lich herdu⸗ männer 45. Vergleichung derselben mit der Astronomie 45. rn Wenhe Schnelligkeit ihrer Fortschritte 46. Ist nothwendig zu einer it berdil⸗ guten Verwaltung der Civil- und Criminal-Justiz 47. Ihr ö Einfluß auf das Schicksal der Einzelnen 48. Ergänzt die Er— sch nich fahrung 49. Welchen Menschen besonders daran liegen muß, u Sistene sie kennen zu lernen 50. Liefert die wahren Daten zu nüßli⸗ 3 dn U chen Berechnungen 53(Note). Erklärt die Handels⸗Crisen 55 (Note), Ist nützlich, indem sie die Schwierigkeiten und die Un⸗ Say yrgkt, National⸗Hekonomie J. 23 35⁴ Register. möglichkeiten zeigt 54. Wird von jungen Leuten am besten begriffen 56(Note). Wird mit dem menschlichen Geiste fort⸗ schreiten 56. Die veralteten Begriffe sind ihren Fortschritten hinderlich 56. Welches das beste Alter ist, sie zu erlernen 56 (Note). Den Willen und die Launen der Menschen betrachtet sie nur als Zufälle 57. Ob es wahr ist, daß in ihr unauflös— liche Fragen vorkommen 58. Giebt zu vielen schlechten Schrif⸗ ten Veranlassung 62. Wird von Leuten verkündet, die unbe⸗ dingten Glauben verlangen 65. Bücher, durch die sie in Ver⸗ ruf gebracht wird 67. Enthält mehreres, worüber alle ver— nünftigen Leute einig sind 75. Auf welche Gründe hin sie im Ganzen angegriffen wird 75. Beschäftigt sich nicht mit dem an⸗ dern Leben 74. Ob es wahr ist, daß sie die Habsucht wecke 75. Flößt Gerechtigkeit und Wohlwollen ein 77. Ob es wahr ist, daß sie die Menschen unbotmaßig und überklug mache 85. Ver—⸗ hütet politische Katastrophen 84. Ist ganz mit der Gesellschaft verwebt 35. Ward sehr vervollkommnet durch die Ereignisse der letzten 40 Jahre 86. Die Bücher, die man über diesen Gegen⸗ stand nicht füglich lesen kann, sind nicht nützlich 87. Die ein— fachsten Grundsätze derselben sind die wesentlichsten 9r. Ihre Grundsäatze sind in dem der Darstellung der National-Oekono⸗ mie beigefügten Register kurz angegeben 92. Ist unentbehrlich für den, der aus den Daten der Statistik einigen Nutzen zie⸗ hen will 96. Ihre Geschichte darf der Darstellung ihrer Dok— trinen nicht vorausgehen, sondern muß ihr folgen 97. Wichtig— keit, die man in unsern Tagen dem Studium derselben beilegt 97. Welche Reichthümer der Gegenstand ihrer Forschungen sind 102. Wodurch sie von der Technologie verschieden ist 128. National⸗Oekonomisten(die) halten sich nur an die That⸗ sachen, die etwas beweisen 88. Nationen, sind nicht unsterblich 28. Noch barbarisch in den neueren Zeiten 29. Können durch freundschaftlichen Verkehr nur gewinnen 29. Eben so durch die Kenntniß der Grundsätze der National⸗Oekonomie 30. Werden gerade so regiert, als ob es ihrem Interesse gemäß wäre, Böses zu thun 51. Die Civili— sation befördert ihre Glückseligkeit 55. Gedeihen selbst unter einer unumschränkten Regierung, wenn diese aufgeklärt ist 41. Wie die politische Freiheit das Gedeihen derselben befördert 42. Können unwissend seyn, wollen aber stets das allegemeine Be—⸗ ste 45. Es bedarf mehr als der Praxis, um sie gut zu regie— ren 44. Können auch in üblen Lagen blühend werden 45. am heser Heist snt hurschritr lullenen 36 hu hiachtt hr mulös⸗ chten Shrif⸗ t, die ube⸗ sie in Vr⸗ r alle her e hin sse in nit dem an⸗ ht veke/ es waßr is, e 05. Ver⸗ Gesellchaft eignisse et sen Gegen⸗ Ofe ein⸗ u. Ihre Oekdvo⸗ entbehrlich Magen zie⸗ ihret Dok⸗ „Wichtig⸗ r beilegt gy. en sind i0ꝛ. die That⸗ isch in den zerkeht nur undsähe det als ob ts Die Cbili elbst unttt lärt ist H. ördert meine Be⸗ t zu rigit⸗ werden v Register. 35⁵ Wenn sie unwissend sind, bekümmern sie sich nur um örtliche Angelegenheiten 48. Wodurch sich die gewerbfleißigen Natio— nen auszeichnen 54. Sind dem Naturzustand näher, wenn sie civilisirt sind§cI. Was sie zur Empörung bringt 84. Wel— che Nationen von einem Buch wie dieses am meisten Nutzen ziehen können 39. Können die Eigenschaften erwerben, die ihnen abgehen 155. Sind reich oder arm, je nachdem sie mehr oder weniger Capitale aufgespart haben 252. Können ihre Reich— thümer nur mittelst der Produktion vermehren 318. Naturzustand(der) für den Menschen ist die Civilisation 81. Natur der Dinge(die) nicht der freie Wille des Menschen giebt der Gesellschaft Gesetze 2. Wird durch die analytische Me— thode entdeckt 15. Zeigt, welche Thatsachen keine Verbindung mit einander haben 16 und 44. Man muß sie erkannt haben, um etwas mit Zahlen beweisen zu können 23. Läßt die Zukunft voraussehen 24. Ist stolz und ablehnend 357). Man lehnt sich nicht ungestraft gegen sie auf 39. Sucht die Classen-Unter⸗ schiede zu verwischen 156. Nestel,(Werkstuhl zu Verfertigung der) ist die Auflösung eines sehr schweren mechanischen Problems 272. Newton, Warum die von ihm entdeckte allgemeine Schwerkraft nicht ein System, sondern ein Gesetz ist 21. Nützlichkeit, Grund des Werthes der Dinge 120. Aber nur in dem Fall, wo sle von dem Menschen mitgetheilt worden ist 422. Darf nicht bezählt werden, wenn sie ein Geschenk der Natur ist 125. Wenn es anders nicht mit Gewalt geschieht 123. Erstreckt sich auch auf die Dinge, die nur mittelbar Nutzen ge⸗ währen 152. Was unter einer Quantität von Nützlichkeit zu verstehen ist 148. Oekonomie, industrielle, was sie ist 52. Oekonomie, gesellschaftliche, Siehe National-Oeko⸗ nomie. Oekonomisten des 18. Jahrhunderts, haben die ökono— mische Wissenschaft mit der Verwaltungskunst verwechselt 38. Verlangten, man solle ihre Grundsätze aus Zutrauen in ihre Einslchten annehmen 65. Ihre Irthümer ber uhen auf dem Mißbrauch der Worte 69. In wie fern diese Nutzen gewährt haben 70. ö Oestreich, Hinderniß, das seinem Gedeihen entgegensteht 41 Note). 356 Register. Pachtzins oder Miethzins aus einem Grundstück 168. Pächter, Unternehmer einer landwirthschaftlichen Industrie 167. Gebrauch, den er von seinem Capital macht 200. Physiologie des Menschen zeigt uns, was die der Gesell— schaft ist 1. Beide beschäftigen sich mit dem Menschen, nur unter verschiedenen Gesichtspunkten 8. Plato, Irthum derjenigen, die, wie er, Plane zu chimärischen Republiken entworfen haben 2. Politik, spekulative, in wie fern sie von der National⸗ Oekonomie verschieden ist 7. Prinzipien oder Grundsätze, was sie sind 18. Man darf ihnen nicht unbedingt vertrauen 188. Wann sie den Umständen untergeordnet werden müssen 58. Man muß sie kennen, selbst wenn man sie nicht anführt 66. Wenn sie falsch sind, gleichen sie trügerischen Aufschriften 71 Note). Produktiv⸗Dienste, was sie sind 17). Man kauft sie, in⸗ dem man den Fonds, woraus sie entstehen, miethet 1778. Wer⸗— den zuweilen von Unternehmern, zuweilen von Consumenten gekauft 178. Haben einen laufenden Preis 179. Werden bei der Produktion consumirt 181. Eine Ersparung derselben ist eine Verbesserung, die die Producenten nichts kostet 185. Selbst der Besitzer des Fonds derselben muß sie bezahlen 181. Sie allein werden bei der Produktion eigentlich consumirt zog. Produktiv⸗Fonds bilden den National-Reichthum 172. Wo⸗ rin sie bestehen 171. Wie ihr Werth erkannt werden kann 174. Einen Fonds miethen heißt, die Dienste kaufen, die er leisten kann 177. Wie man sie mit größerem Nutzen verwendet 187. Werden durch die produktiven Operationen nicht consumirt 208. Produktionskosten bestehen in dem laufenden Preise der Pro— duktiv-Dienste 1779. Die Arbeit des Unternehmers ist ein Theil derselben 179. Es genügt, wenn sie durch das Produkt bezahlt werden 182. Können sinken, ohne daß Jemand dabei ver— liert 185. Ihr wirkliches Sinken macht eine Nation reicher 187. Woher dieses Sinken kommen kann 187. Produkte, welche Dinge so genannt werden können 125. Wenn sie auch nicht mehr existiren, so waren sie doch nicht weniger ein Produkt 156. Zeigen sämmtlich die Spuren von drei Opera— tionen, woraus die Industrie besteht 146. Haben nicht immer alle die Zurichtung erhalten, die sie erhalten können 160. Ob noch außer ihrem Werth irgend ein Vorzug unter ihnen statt findet 160. Welches diejenigen sind, wo der Grund und Bo⸗ 4 4 1 ö Register. 357 0. EII, den ni ig i e die Produßt woustteii, zahlen, ie id dn Pündenen altudter 5. Di 4. ö—2 ö en entschädigt 182. Die Fort— Gesl⸗ schritte der Industrie bestehen darin, daß man für dieselben Ko⸗ uu uny sten mehr erhält 167. Werden nothwendig consumirt 250. Es taugt nicht, verschiedene Gattungen derselb Uüihn gen 260, 265. Die dur e üden⸗ Kactsche Mitt„265. Die durch Maschinen gefertigten verschaffen die Prod 0r. durch Menschenhände gefertigten zu kaufen 291. Muil⸗ 6.— Withalen u 98 9 We 218 r 5. 2 Aehnlichkeit ö 5 134. erden im Augenblik der N Launt 30. rne 155. Werden von Adam Smith ver— Whfinn Eisdidenn diestl* zuweilen über ihren Werth bezahlt 137. unn, 46 454. Kr en berationen, wie die materiellen Produk— I, ehg Prpolttt öͤnnen zur Bildung von Capitalen dienen 252. Erten v e was sie ist 125. Ist unermeßlich in einem civili— ulst, d noch—* 161 Bo außer der Größe des erzeugten Werthes d. Wu. Arten urt erer Vorzug unter den verschiedenen Produktions⸗ 0.—*5 1. dautens in Ist das Resultat eines einzigen Ge⸗ 0 Ienen dir ain h Austausch der Produktions⸗Kosten allat hicht aur 5. 2i gleich 180. Zehrt die Produktiv-Fonds 5. Saht indem st. Wie sie einträglicher wird 185. Wie durch sie, dl. St neuer Werth—97 en 1— ö erth in der Gesellschaft erzeugt wird ꝛ0g. Beschäftigt sich natürlicherweise vorzüglich mit denjeni M. deren man am meisten bedarf 240 In welch Jalt u den In welchem F Baan 10. Punkt erreicht haben würde 300. t et lsse roducent, wer diesen? di ö aundn h, in verschsen esen Namen verdient 169. Man kann es Iatn al schudenen Beziehangen zugleich seyn 169. In welchen unsunitn. Fällen er das, was die Consum inne ö rese EUu liert 185, 105, sumenten gewinnen, nicht ver— eH MI Publikum(das). Siehe Gesellschaft. 11—0 Rechtepile Bedeutung dieses Worts 215 echtspflege könnte in Erm natiehalt teihe d Kenntnisse nicht mit Sichhrnt eseher. n Regierungen, ob es genü x ö gt, wenn nur 3 en Dürfen nur mittelbar von der Aauret: Lenun n 7905 niht venhe erhalten 57. Schlagen einen besseren Weg ei tan eer. wiesen ist, daß sie einen falschen betreten haben 2. Douon ut inme die Erfahrung für sie nicht genügt 16—51 35 Im ibo. V früher das Eigenthum und I adasteie——90 uen fit Regi 32— nir gierungen, repräsentative, müssen das National⸗— 358 Rezister. Interesse stets beachten 43. Werden nothwendig durch die Fort—⸗ schritte der Civilisation 46. Regierungen, unumschränkte, auch ihnen liegt daran, die Grundsätze der National-Oekonomie kennen zu leruen 41. Warum sie geflissentlich Intrikanten anstellen 45. Reichthum, ein bis jetzt schlecht definirtes Wort 7o. Kann in Geld geschätzt werden, ohne daß gerade Geld vorhanden ist 117. Reichthümer, können in Beziehung auf das Interesse der Ein⸗ zelnen und des Allgemeinen betrachtet werden 25. Die Frage, ihren Ursprung betreffend, ist sehr wesentlich ꝛp. Das Verlan— gen, auf rechtmäßige Art dergleichen zu erwerben, verträgt sich sehr gut mit der Moral 76. In wie fern sie rechtmäßig er— worben sind 77(Note). Befriedigen unsere Bedürfnisse 99. Die Größe derselben ist nicht durch ihre Natur bedingt 105. Wer— den nach dem Werthe der Dinge, die man besitzt, gemessen 105. Wie sie erzeugt werden 121. Werden nur durch die Produk⸗ tion vermehrt 318. Reichthümer der Einzelnen nnterliegen keinen allgemeinen Gesetzen 9. In welchen Fällen sie dem allgemeinen Interesse zusagen oder entgegengesetzt sind 26 und 518. Reichthümer, natürliche, was sie sind go. Können weder vermehrt noch erschöpft werden roz. Werden von einigen Schriftstellern Nützlichkeitswerih genannt rob. Reichthümer, gesellschaftliche, was sie sind 99. Setzen das Eigenthumsrecht voraus 100. Sind die einzigen, mit denen sich die National-Oekonomie beschäftigt 10o0. Begreifen den anbaufähigen Boden in sich 101. Man kann zwei Theile von Reichthümern nur dann mit einander vergleichen, wenn sie sich an demselben Orte befindeu 1o09. Werden mit dem Wechsel des Orts größer oder kleiner 11o. Die Reichthümer von zwei Na⸗ tionen lassen sich nicht miteinander vergleichen 111. Sind un⸗ abhangig von der Beschaffenheit der Substanzen, an denen sie haften 117. Bestehen in den Produktiv-Fonds einer Nation 172. Tabelle in der alle gesellschaftlichen Reichthümer aufgezählt sind 176. Republiken, chimärische, Fehler derjenigen, die derglei— chen ersinnen 2. Ricardo, David, zieht Schlüsse, welche die Erfahrung nicht immer bestätigt 70. Behauptet, die Auflagen seien der Pro— duktion nicht nachtheilig 72. Läßt keine immateriellen Produkte — die Jut ht datty, ktlen Il, 9. Hann hufhanden der Ein⸗ ie rug Vellan⸗ trägt sich näͤßig er⸗ 00. Die . Mer⸗ sen 10d, Moduk⸗ neinen Itetese wodet eiligen Sehen sit denen fen den eile bon sie sh hlel des vei M⸗ ind un⸗ enen se on 17. shezühlt derglei⸗ 0 nicht er Mr⸗ Hrodukt Register. 359 gelten 158. Dessen Erörterungen mit dem Verfasser über das Wort: Werth 155. Rousseau, J. J. Widerlegung seiner gegen die Industrie ge— machten Ausfälle 79. Salz, der Werth desselben wird durch Zwangsmittel erhöht 125. Say, Louis, von Nantes, hat einen Maßstab für die Reichthü— mer gesucht 106(Note). Dieser Maßstab ist nur der Tauschwerth 107. Schaaf, ein, ist in den Augen der National-Oekonomie nur ein Werkzeug 127. Schätze, gefundene, warum sie früher häufiger vorgekom⸗ men sind 228. Schätzung, die zur See, muß stets durch Beobachtung berich— tigt werden 19. Schuhe, für welche Summe in Frankreich davon fabricirt wer⸗ den 130. Schuster, Werth, der durch sie erzeugt wird und größer ist als der, der aus sämmtlichen Minen der neuen Welt hervorgeht 12g9. Segur(Graf von) angeführt in der Note 59. Seidewaaren, Ursachen ihres außerordentlichen hohen Preises in dem alten Rom 305. Silber, Sein Werth ist bei den Tauschen von keinem Be⸗ lang 114. Steht nur im Verhältniß mit dem, was man dafür kaufen kann 115. Siehe Geld, edle Metalle. Simond, seine Reise nach Italien, angeführt in der Note 41. Sismondi, läßt die immateriellen Produkte nicht gelten 158. Widerlegung seiner Einwürfe gegen die Arbeit mit Maschi⸗ nen 295 und 296. Smith, Adam, wird noch täglich angegriffen 61. Bezeichnet den Tauschwerth der Dinge als die Grundlage des Reichthums 105. Hat die immateriellen Produkte verkannt 136. Bedient sich nur des Worts Arbeit um alle Operationen der Industrie zu be— zeichnen 149. Seine Strafpredigt gegen die Verschwendung 25g. Hat auf die Wichtigkeit der Theilung der Arbeit aufmerksam gemacht 254. Schreibt ihr mit Unrecht die Wirkung der Natur⸗ kräfte zu 257. Spanien, an seinem Verfall hat der Verlust seiner Colonien keinen Antheil 64. Sperrungen oder Verbote, haben nicht zum Reichthum von Europa beigetragen 17. Spielkarten, sind das Erzeugniß von 70 Operationen 256. Statistik, ihre Verhällnisse zu der National-Oekonomie 6. 34⁰0 Register. Man kann von ihren Angaben nicht wohl Gebrauch machen, wenn man die National-Oekonomie nicht kennt 96. Staatsmänner oder Publicisten müssen die National-Oekono— mie verstehen 41. Laufen Gefahr, in der öffentlichen Meinung zu sinken 44. Wer diesen Namen verdient 4. Stoffe, rohe, oder Roh-Stoffe, was sie sind 155. Indem man sie kauft, bezahlt man die Produktiv-Dienste, mittelst deren sie zu Stande kommen 178 Vote). Syllogismen, Schädlichkeit derselben in den moralischen und politischen Wissenschaften 6g. System, Bedeutung dieses Worts im guten und im schlechten Sinne 21. Ist zuweilen nur der Mißbrauch unvollständiger Beobachtungen 22. Taglöhner, ihre Verrichtungen erfordern kein Combinations⸗ Vermögen 145. Talente, sind ein materielles unveräußerliches Capital 212. 220. Tau sch(der), besteht in einem Verkauf und einem Kauf 115. Technologie, ihre Verhältnisse zu der National-Oekono⸗ mie 6. 128. Ternaur, angeführt in Beziehung auf die Cachemir-Gewebe, die Frankreich gegenwartig nach Asien liefert 512. Thatsachen, moralische, können eben so außer Zweifel ge⸗ setzt werden, wie die physischen 15. Haben stets ihre Ursachen 15. Wie man auf ihre Ursachen zurückgehen kann 14. Worin ihre Verbindung besteht 15. Wie man darauf kommt, daß keine vor— handen ist 16. Wann es möglich geworden ist, sie in ein wissen schaftliches System zu bringen 19. Ohne das Raisonnement be⸗ weisen sie nichts 25. Ohne die Kenntniß von der Natur der Dinge dienen sie nicht zur Belehrung 44. Dienen vielen Irrthümern zur Grundlage 62. Von wem sie als Beweise ge⸗ braucht werden können 65. 65. Theilung der Arbeit, vermehrt die Macht der Arbeit 254. Zeigt sich bei der Fabrikation der Spielkarten 255. Und in der Trennung der Gewerbe 259. Muß ursprünglich der Fähig⸗ keit, Tausche einzugehen, zugeschrieben werden 265. Sodann aber auch den gesellschaftlichen Einrichtungen 264. Ist durch die Ausdehnung des Marktes beschränkt 266. Kann sich nicht auf ausgesuchte Arbeiten erstrecken 271. Die Küstenländer und die schiffbaren Canäle befördern dieselbe 275. Eben so die Fa— brikation verschiedener Zeuge 274. Kann beim Landbau nicht eingeführt werden 276. Ist durch das den Unternehmern zu Register. 341 lauch nachn Gebot stehende Capital beschränkt 276. Ausgenommen, wenn . ö die Arbeiten zwischen mehreren Unternehmungen getheilt sind 277. dlintlHekoyh⸗ Nachtheile einer zu großen Theilung 278. Macht den Arbeiter ichr Runum abhängig von seinen Mitgenossen und den Unternehmern 281. Stumpft den Verstand nicht ab 282. Auch die Moralität 155. Ien nicht 282. ö enst, mins To Noten a gedeiht auch unter einer unumschränkten Regierung 41. (Note). rnisher Turgot, angeführt bei Gelegenheit der Messen 270. Unterstellung, willkührliche, was sie ist 20. im schlchtn Ursachen, wie man sie kennen lernen kann 15. Die Erfah⸗ molstindigt rung reicht dazu nicht aus 44. Urtheilskraft(die), was sie ist 55(Note). Ist die wesentliche mbintihge Eigenschaft eines Industrie-Unternehmers 151. Und eines gan⸗ zen Volkes 151. Wird durch den Aberglauben verschlech— ul in. 0. tert 152.— 3 Kulf u. Utopien, worin der Irrthum derjenigen besteht, die dergleichen hal⸗Oekoyh⸗ ersonnen haben 2. Verfassung, politische, ist in den Augen der Natioual-⸗ ⸗Gewebe, Oekonomie nur etwas zufälliges 7. Verkauf, ist uur die erste Hälfte eines Tausches 115. aweiftl g Verschwendung, verschleudert die durch die Sparsamkeit ge⸗ Ursachen u. sammelten Capitale 244. Vermindert das National-Capital 245. Vorin iht Wird von Adam Smith sehr getädelt ꝛ4g. uß keine hot⸗ Verstättung, macht das Wesen der Handels-Industrie aus 127. in ein wisen Volta, italienischer Gelehrter; seine Säule, die Aufangs nur semeneut d ein Versuch war, ist zur Anwendung gebracht worden 144. r Mur de Völker von Tyrus, Athen und Rom sind ganz zu Grunde ge— Dinen men gangen 28. Ob sie Jäger und Hirten gewesen sind, ehe sie Hedisteg Landbauer wurden 38. Haben eine gewisse Industrie, selbst in dem Zustande der Barbarei 147. Udbett w. Vorschuß. Siehe Auslage. 15. WW Vorstellung, theatralische, immaterielles Produkt, vor⸗ ih derhis züglicher als viele andere materielle Produkte 138. ö 2955. Sodols Wahrheit, die, worauf sie eigentlich beruht 10. 12. Wie die . N uut schlechten Schriftsteller sie gefunden zu haben glauben 62. Wel— unn ssh nith chen Schaden ihr die Privat-Interessen zufügen 66. Der Irr⸗ Iinlinder u thum ist für sie eine gefährliche Nachharschaft 67 Note). Fällt o dit gi den Menschen nur dann in die Augen, wenn sie darauf auf⸗ ambau ot merksam gemacht werden gr unehmein N 23 3542 Register. Wahrheiten, man muß diejenigen nicht verschmähen, die zu einleuchtend scheinen o. Man benimmt sich, als ob man von ihnen nichts wüßte 9o. Man erweist der Wissenschaft einen Dienst, wunn man selbst den gemeinsten Wahrheiten die ihnen gebührende Stelle anweist 91. Die einfachsten sind sämmtlich verkannt worden 91. Wasserfälle sind ein Theil der gesellschaftlichen Reichthü⸗ mer 102. Der von Niagara, der schönste in der bekannten Welt liefert kein Produkt 102. Weberschiff, fliegendes, worin diese Vervollkommnung bei der Zeugweberei besteht 189. Werth der Dinge überhaupt; die Ursachen desselben konn— te man nicht kennen, ehe andere Thatsachen erwiesen waren 16. Dient zum Maßstab der Reichthümer 105. Zu diesem Zweck muß er durch die Möglichkeit des Tansches anerkannt und be— währt seyn 104. Viele Dinge enthälten einen natürlichen und einen Tauschwerth 106. Ist nothwendig wandelbar 107. Ist stets nur etwas relatives 108. Warum er in einer Summe Geldes ausgedrückt wird 116. Ist unabhängig von dem, was man giebt, um eine Sache zu erwerben 120. Ist nothwendig, um die Produktions-Kosten mit dem Produkte zu vergleichen 195. Und um den Betrag der Capitale kennen zu leruen 258 Vote). Werth des Goldes ist eine eben so unbestreitbare Eigenschaft als die Schwere desselben 15. Analyse die man davon machen kann 105. Ist nicht unveränderlich 111. Ist von keiner Wich— tigkeit bei den Tauschen 114. Steht im Verhältniß zu dem, was man damit kaufen kann 115. Werthe, ein Name, der den Dingen gegeben ist, die einen Werth haben oder das stellvertretende Zeichen desselben sind 126. Werkzeuge sind nichts als sehr einfache Maschinen 285. Werkzeuge, natürliche nicht angeeignete, was sie sind 162. Sind ein Theil des öffentlichen Reichthums 154. In der Anwendung derselben bestehen die größten Eroberungen der Industrie 191. Die Capitale sind nothwendig, um Nutzen aus denselben zu ziehen 195. Weisheit der Jahrhunderte, Lächerlichkeit dieses Aus— drucks 4. Wilde sind schwächer, als civilisirte Menschen 80. Auch ver— derbter 81. Man findet bei ihnen die Spuren der drei Opera— tionen, worin die Industrie besteht 148. Müssen zuletzt von der Erde verschwinden 245. Register. 345 U an Wissen, was das Wissen eines ganzen Volks seyn soll 151. uft mi Wissenschaften sind die Grundlage der Industrie 159. Sie h sind ihr fortwährend nothwendig 140. Sind der Gegenstand —5 des edelsten Ehrgeizes 142. Worin ihre Anwendung besteht 135. anmtiih Die wissenschaftlichen Begriffe sind weniger, selten, als ein rich— Wigl. tiges Urtheil 152. Werden durch die Theilung der Arbeit keh befördert 259. inin Wissenschäften, moralische und politische, worauf ůH— ihre Zuverlässigkeit beruht 153. Die Classe derselben ist mit Un— nuung recht in dem National-Institut von Frankreich aufgehoben wor— den 15(Note). Worin ihre Fortschritte bestehen 13. In wie fern en konn. sie von der Verwaltungskunst verschieden sind 355). Sind nur Nten 15. die in ein System gebrachte Erfahrung 38. Können nur durch u Zpect die Praxis ergänzt werden 44. und he⸗ Wissenschaften, physische und mathematische, wa⸗ chen und rum sie sich vor den moralischen und politischen Wissenschaften 07. N ausbilden 12. Summe Wohl, öffentliches, die Elemente desselben kannten die Al— „ Ds ten nicht 28. Es gewährt die sicherste Stütze 49. hendig Worte, genau bestimmt, sind zusammengedrängte Gedauken-⸗ en 100. Vorräthe 119. GWito, Zahlen beweisen nichts, wenn das Raisonnement fehlt 23. ruschaft Zahlen, runde, sind zur Erläuterung der national-ökonomi— nachen schen Grundsätze hinreichend 96. Vich⸗ Zeuge, haben einen ausgedehnten Markt und gestatten die u dem, Theilung der Arbeit in hohem Grade 2½ Wie diejenigen ver— 4 packt werden, die nach Jamaika gehen 275. ie einen Ind iꝛb. was sie u6 174 erungen Nuhen 3Mẽ⸗ sch bel⸗— Opera⸗ eht Hoh Nachrichet An die Herrn Häauset dieses Werks. * Say's vollständiges Handbuch der praktischen National-Oekonomie wird sechs Bände umfassen, je vom Umfange des gegegenwärtigen ersten Bandes. Der zweite Band wird im Januar, der dritte im März 1829 erscheinen, und bis zum Schlusse des Jahres 1829 wird das Werk vollständig ausgegeben seyn. Der Ladenpreis dieses ersten Bandes ist 2 fl. 45 kr. rheinisch, oder Rthlr. 16 Gr. sächsisch, wofür derselbe durch alle gute Buchhandlungen Deutschlands und der Schweiz zu erhalten ist. ö ö Zu noch weit billigern Bedingungen jedoch können diejenigen dieses Werk sich anschaffen, welche zu pränumeriren vorziehen. Bis zu diesem Termine findet nämlich ein Pränumerationspreis statt von 12 fl. rhein. od. Rthlr. sächs. für das ganze Werk, aus 6 Bänden, vom Umfange des vorliegenden ersten Bandes bestehend. Den Herrn Sammlern von Pränumeranten wird überdieß als Entschädigung für ihre Bemühung auf sechs bestellte Exemplare noch ein siebentes unentgeldlich als Frei— Exemplar bewilligt. Alle solide Buchhandlungen Deutsch— lands und der Schweiz sind von uns in Stand gesetzt, dieses Werk zum vorbemerkten Pränumerationspreis ohne Anrechnung von Porto oder andern Unkosten zu liefern, ebenso den Herrn Pränumeranten-Sammlern die ange— führten Frei⸗Exemplare zu geben. Mit dem 30. April 1829 hört der Pränumerations⸗ preis unwiderruflich auf, und vom 1. Mai 1829 an, wer⸗ den nur noch zum Ladenpreise Exemplare abgegeben. Stuttgart, Dezember 1828. J. B. Metzler'sche Buchhandlung. 65 kr. etſelbe id der edoch de zu ndet gein. den, hend. rdieß ſtellte Frei⸗ ttſch⸗ ſetzt, ohne efern, ange⸗ jons⸗ wer⸗ . lung. 9 ——— — e 3—. — —— 3 ——=— Colour& Grey Control Chart Blue Cyan Green Vellow Hed Magenta Wnite Srey l Gtey. Gr8y 3 Grey 4 Black ——....⅓