Univ.-Bibl. Giessen in Briefen von K ur t OSyrenung el, Professor der Botanik in Halle. X ö Erste Sammlung. WOEEETV — Von dem Bau der Gewächse und der Bestim mung ihrer Theile.— Mit vier Kupfertafern. Hallie bey Karl August Küummel 1802. 7 1. ——— Der tesier en d en Koöͤniginn von Preußen Majestaät in füh er EShrfurch t ge widmet von dem Verfasser. 4 * E + 1 —* ö 7 1 ö 7 1 ö 7 1 ö* ö ö I ö 5 ö ö 5 ; ö Vorrede. So wenig sich der Verfasser dieses Bu⸗ ches ein Urtheil über die Rothwendigkeit des⸗ selben überhaupt anmaßen mag; so sehr glaubt er doch die Stimme des gebildeten Publicums für sich zu haben, wenn er einen faßlichen Unterricht über den Bau und die Bestimmung der Theile der Gewächse als sehr wichtig und nützlich ansieht. Man hat bisher einen zu hohen Werth auf die botanische Kunstsprache gelegt; man hat diese für den wesentlichsten Theil der wissenschaftlichen Botanik angesehn; und in⸗ dem man die Erlernung dieser Kunstsprache unnöthiger Weise erschwerte und die Zer— gliederung der Gewachse selbst vernachlässig— 2 te, schreckte man dadurch die gebildetern Per⸗ sonen, besonders des weiblichen Geschlechts, von der ernstlichern Beschäfftigung mit die— sem äußerst nützlichen und angenehmen Fa— che menschlicher Kenntnise ab. Man schien die Botanik bloß zum Gegenstande des ge⸗ lehrten Unterrichts auf höhern Schulen ma— chen zu wollen. Der Verfasser dieser Briefe ist anderer Meinung: er glaubt, daß das Studium der Natur eben so wenig auf die akademischen Hörsäle eingeschränkt, als zu einer bloßen Wortklauberey herab dürfe. Die Vortheile gewürdigt werden eines liberalen Na— tur ⸗Studiums für das Gemüth eine den gebildeten Menschen, besonders des weiblichen Geschlechts, glaubt er im ersten Briefe hinreichend aus einander gesetzt zu 5 je⸗ haben. Ein solches Studium der Botanik muß mit der Zergliederung und der Be— trachtung des Baues der Gewächse anfan—⸗ gen. Dies sind daher auch die Gegenstän— de, mit denen sich der Verfasser im ersten Theile dieses Buches beschäfftigt. Er bereitete sich zur Ausarbeitung die— ses Werkes durch mündlichen Unterricht vor, den er jungen Mädchen von guter Erzie? hung in der Kenntniß der Gewächse gab. Er wählte in diesem Buche die Briefform, weil er glaubte, auf diese Art am sichersten den schicklichsten Ton zu treffen, und sich dergestalt gleich weit von niedriger Popu⸗ larität, wie von dem strengen wissenschaft— lichen Vortrag zu entfernen. Vielleicht ist es nicht über düssig, zu bemerken, daß die Personen, an welche diese Briefe gerichtet sind, sie großentheils in der Handschrift ge⸗ lesen und daß sie wenigstens dem Verfasser über die Art des Vortrages ihre Zufrieden⸗ heit bezeugt haben. Ungemein große Freude würde es dem Verfasser gewähren, wenn er erführe, daß sein Buch recht vielen Lesern und Leserin— Ren Unterhaltung verschafft und zur Erwei⸗ terung ihrer Kenntnisse beygetragen habe. 7— Botanischer Garten bey Halle. 5 1802. im Februar. + Dritte Pfsa Dietten Iwisch Fünfter Rerali Cechsten nen Fe Olebentt wächss derfaser Ifrieden⸗ es dem hre, daß Leserin⸗ r Erwel⸗ habe. ʒx Inhalt. Sester Brief. Nutzen des botanischen Studiums für Geist und Herz, besonders des weidlichen Geschlechts. S. 3— 15. Zweyter Brief. Erklärung der Botant nach ihrem physiologischen und historischen Theile. Ob die Lehre von der Fortpflanzung das weibliche Zartgefühl belei— dige. Literatur der PflanzenPhysiologie. Botanischer Apparat. S. 1s— 26. Dritter Brief. Literatur der historischen Botanik. Wie Pflanzen Sammlungen angelegt werden. S. 26— 35. Vierter Brief. Allgemeine Erklärung des Unterschiedes zwischen Pflanzen und Thieren. S. 36— 52. Fuünfter Brief. Unterschied zwischen Pflanzen und Mi— neralien. S. 53— 60. Sechster Brief. Allgemeine Uebersicht der verschiede— nen Formen der Gewächse. S. 60— 69. Siebenter Brief. Klimatischer Unterschied der Ge wächie. S. 69— 8. PIIIIIIFFF—ł——— ꝗ959.S‚‚‚‚‚————. Achter Brief. Zellgewebe ist die Geundlage aller Orga⸗ nisation. Entstehung des Zelgewebes und Ausbreitung desselben. S. 84— 96. Neunter Brief. Schrauben- und Treppengänge. Wi⸗ derlegung der Mirbel'schen und Hedwig'schen Meinung. S. 97— 116. Zehnter Vrief. Zergliederung der Oberhaut. Schei⸗ dewande des Zellgewebes und spaltförmige Oeffnungen in der Oberhaut. Nutzen der Oberhaut. S. 116— 128. Elfter Brief. Zergliederung und Nutzen der Haare. S. 129— 137. Zwölfter Brief. Zergliederung und Nutzen der Drü⸗ sen. S. 137— 140. Dreyzehnter Brief. Zergliederung und Nutzen der Dornen und Stacheln. S. 141— 142. Vierzehnter Brief. Einfache Grundstoffe der Ge? wächse. S. 147— 164. Funfiehnter Brief. Nähere chemische Untersuchung der Pflanzensäfte. S. 164— 174. Sechzehnter Brief. Bewegung der Pflanzensäfte. Rückgängige Bewegung in der Rinde. Zergliederung der Rinde und des Bastes. S. 174— 192. 66. 3⁵ 3¹ at u Siebzehnter Brief. Zergliederung des Splints und Holzes. Bewegung der Säfte in denselben. S. 193— 205. Achtzehnter Brief. Zergliederung des Markes. Be— wegung der Säste in demselben. S. 206— 219. Nennzehnter Brief. Ursachen der Bewegung der Säfte in den Pflanzen, besonders des Aufsteigens. Ge— setze der Erregbarkeit. S. 219— 236. Zwanzigster Brief. Erklärung der Knospen. unter⸗ schiede derselben von den Sgamen. Zergliederung der Baumknospen. S. 236— 249. Ein und zwanzigster Brief. Zergliederung der Zwiebeln, so wohl der ächten als auch der festen, und der Knollen. S. 249— 257. Zwey und zwanzigster Brief. Zergliederung der Blätter. Ausschlagen und Abfallen derselben. S. 283— 276. Drey und zwanzigster Vrief. Entstehung der grü⸗ nen Farbe der Blätter. Verbesserung der Luft durch dieselben. S. 277— 295. Vier und swanzigster Brief. Ausdünstung der Pflanzen. Temperatur- derselben. S. 296— 383. Funf und zwanzigster Vrief. Schlaf der Pflanzen, Reizbarkeit der Blätter. S. 303— 312. Sechs und zwanzigster Brief. Erklärung der Blu⸗ men und ihrer Theile. Zergliederung derselben. Ge⸗ ruch und Farbe. Saftmäler. mutzen der Blumen. S. 313— 331. Sieben und zwanzigster Brief. Befruchtungs⸗ Werkzeuge. Staubfäden; Antheren; Pollen. Narbe; Pistill; Fruchtknoten. S. 331— 349. Acht undzwanzigsler Rrief. Nectarien; Safthal⸗ ter; Saftdecken. Befruchtung durch Insecten. Ver⸗ zeichniß der Nektar-suchenden Insecten und Vögel. Andere Arten der Befruchtung. S. 349— 370. Neun und zwanzigster Brief. Befruchtung selbst. Erzengung der Bastarde. Veranderungen, die nach der BVefruchtung vorgehn. Reifen der Saamen. S. 374— 387. Dreyßigster Brief. Zergliederung der Saamen. S. 387— 398. Ein und dreyßigster Brief. Bedingungen des Kei— mens der Saamen. S. 399— 442. 3wey und dreyßigster Brief. Fernere Bedingungen und Theorie des Keimens. S. 413— 421. Kei⸗ gen i Erste Sammlung. *V V La des arbres Pampeux et des fleurs odorantes viennent vous étaler leurs races diftérentes. 8 Quel nouvel intérèt 1ʃ5 donnent à vos champs! 5 Oblervez leurs couléurs, leurs lormes; leur pen- Di Cans.— ů KI 7* d** Comment dans les canaux, où la courle- achève, .30 30 74 M ddans ses balancemens monte et descend la seve; 8 comment le sue, ensin, de la mème Iqueur korme le bois, la fcuille et le fruit et Ja fleur.. * Delille. drü * dies⸗ ů tekt: Nahr eben ö Sc9 Mun le V M/ 7 I. An meine Schwester. D— Iun bist sehr gütig, meine theure Friederike, daß Du Dich noch des Unterrichts erinnerst, den ich als Knabe Dir, einem Kinde von acht bis neun Jahren, in der Kenntniß der Gewächse gab. Mit herzlichem Dank erkenne ich es, daß Du meine kindische Hand— schrift, die eine Einleitung in das Linné'sche Sy⸗ stem und eine Erklärung der botanischen Kunst-Aus-⸗ drücke enthielt, noch aufbewahrst. Seit jener Zeit haben sich meine Kenntnisse in diesem Theile der Naturgeschichte allerdings erwei— tert: ich habe die Geheimnisse der Natur etwas mehr errathen gelernt: aber noch hänge ich mit eben dem frohen, offenen, einfachen Sinn an der Schönheit der Formen, noch ist mein Gefühl für die Wunder der Schöpfung eben so rege: noch ist mei—⸗ ne Freude über eine neue Pflanze eben so lebhaft. Ja, ich darf sagen: das Interesse hat sich um vieles ** 1 4 verstärkt, erhöht und veredelt. Den Bau der Ge⸗ vächse, die Bestimmung ihrer Theile glaube ich itzt Ipan besser zu verstehn: überall sehe ich me! or Beziehung, Paun ö mehr Zusammenhang, mehr Uebereinstimmung zu Helic einem Zweck. ö Mese Als wir zuerst die mehlichte Prüme, die Mo⸗ uuteft notropa, die Lathräñ fanden, da waren es doch nur hil usere Sinne, die durch die angenehmen oder sel⸗ teuen Formen dieser Gewachse gerührt wurden. WMos Wei höher und veredelter aber ist die Freude, die ö die di durch Phantasie gehoben, durch 2 Vernunft und Kennt⸗ hädi niß geläutert wird. chen, Die itzt immer mehr verbreitete Neigung für Keim. die Pflanzenk enniniß ist in der That sehr gerecht I. und sehr 22 tlich. Wenn die Gewäch se durch die Fuch Schönheit ihrer Formen, durch die Annehmlichkeit du He ihrer Gerüche, durch die Lie blichkeit ihrer Früchte lut g allen unsern Sinnen schmeicheln; so setzt das eigent⸗ chnric liche Studium der Pflanzen, oder die Etforschung wahth ihres Baues und die genaue Unt terscheidung der Ar⸗— ten, alle Kräfte des Geistes in Bewegung und ge⸗ ö Latis währt einen so leichten Ueberblick des Spiels unse— Imn rer Thätigkeit, daß dadurch das lebhafteste und rein⸗ äan, ste Vergnügen entsteht. Mit We * 5 Dieses Vergnügen kann der Botaniker un Pflanzen ⸗Liebhaber in jeder Jahreszeit genießen. Wenn die Natur im Herbste uns den Anblick ihrer ii Gehd auf Fluren, in Wäldern, auf Wiesen und Gebirgen entzieht; dann fangen ihre zartesten Kinder an die Geheimnisse ihres Baues zu enthüllen: dann nimmt das geübte und bewafnete Auge des Beobachters die verborgene Pracht der Moose wahr. Die höchst angenehme Beschäffti igung, die diese Untersuchung gewährt, wird nur durch den heftigen Frost und durch die Schneehülle unterbro⸗ chen, womit sich die Erde bedeckt, um die zarten Keime und Wurzeln vor dem Untergange zu schüt⸗ zen. Aber selbst alsdann, wenn weder Garten noch Fluren dem Auge des Beobachters einen Gegenstand der Beschäfftigung aubieten, wird ihn seine Samm⸗ lung getrockneter Pflanzen aufs angenehmste und lehrreichste unterhalten. Dies ist die Zeit des Brief⸗ wechsels und der gegenseitigen Mittheilung der im Sommer gesammelten Schätze. Ein rühmlicher Wetteifer beseelt alle Botaniker, sich durch Austausch ihrer getrockneten Vorräthe wechselseitig zu berei— chern, und dadurch ihre Kenntnisse zu vermehren. Mit welchem freudigen Herzklopfen wird jedes Päck⸗ 6 chen geöffnet, das uns der entfernte Freund als Beytrag zu unserer Sammlung mittheilt! W Sie gern sendet man dagegen, was man entbehren kann, und denkt sich schon im Voraus die Freude, die auch unser Freund bey Erblickung der ihm neuen Pflan⸗ zen empfinden wird! Und kommt nun der Frühling mit seiner milden Himmelsluft, mit seinen schwel— lenden Knospen, mit allen seinen Blumen und Blů⸗ then, wer empfindet da, wie der Botaniker, die fro⸗ he Auferstehung der Natur! Wer ahnt da, wie er, die Unsterblichkeit, zu der wir berufen sind! Du, meine Jugendfreundinn, kennst die Reize dieser lieblichen Wissenschaft: Du wirst gestehn, daß sie, weit entfernt, bloß auf die Sinne zu wirken, sehr würdig sind, unsern nach immer höhern Kenntnissen dürstenden Geist anzuziehn. Die Vortheile, die der gebildete Mensch aus * der Kenntniß der Pflanzen für die Bedürfnisse seines Körpers, seines Geistes und Herzens zieht, sind so be⸗ trächtlich, daß sie kaum leise angedeutet werden dür—⸗ fen. Ehemals nahm man zu einseitig bloß auf die Vortheile Rücksicht, die die Pflanzen als Nahrungs⸗ und Arzneymittel g gewähren: indem man die Botanik bloß dem Arzte überließ, schränkte man sie auf die d ald gern und auch slau⸗ hling Reize daß aus iues ugs; tanik f die 7 2 Kenntniß weniger in der Küche und Apotheke gebräuch⸗ licher Gewächse ein, und vernachlässigte darüber die vielseitige Erforschung der Natur im ganzen Umfange des Pflanzenreiches. So nützlich und unentbehrlich auch der H 5 dem Oekonomen, dem Avo-⸗ theker und Arzte die Kenntniß der nutzbaren/ heilsamen und Lanae oder gi iftigen Gewächse ist, so zeigt es doch wahre Eingeschränktheit der Bec an, wenn man bey jeder Pflanze die Frage aufwirft: Wozu nutzt sie? Weiß der Pflanzenkenner diese Frage nicht gleich zu beantworten; so wirft man wohl gar ei⸗ nen verächtlichen Seitenblick auf diese dem Anschein nach unnütze Beschässtigung. Daran thut man sehr Unrecht. In dem unendlichen Reiche der Natur ist nichts umsonst, nichts ohne Nutzen da. Alles greift in einander: jedes ist um des andern willen da: in der großen Kette der Wesen, die nur der Ewige übersieht, ist jedes Glied mit dem andern unauslös⸗ lich verbunden. Wenige Glieder dieser unendlichen Kette kennt das spähende Auge des Naturforschers, und sein Geschäfft, sein Beruf ist es, aus dem Bau der Geschöpfe ihre Verhältnisse zu einander zu erra⸗ then, ohne daß er alles auf die körperlichen Be— dürfnisse des Menschen und der Hausthiere zu be⸗ ziehen braucht. 8 Dies lebhafte Grün der Wiesen und Wälder, dies bunte und ergötzende Farbenspiel auf gluren und Gebirgen ist nicht bloß da, um unser Ange zu erquicken und den Kummer des trauernden Ge⸗ müths zu verscheuchen. Diese liebliche Schattirun— gen erkennt der Naturforscher als Folgen einer An-⸗ stalt, wodurch die dem Menschen und den vollkom⸗ menen Thieren unentbehrliche Lebensluft bereitet, und das Verhältniß der Bestandtheile des Luftkrei⸗ ses erhalten und wieder hergestellt wird. Jener rei⸗ che Teppich von Moy osen, der die rahlen Wände der Felsen überzieht, ernährt sich vom Thar des Him⸗ mels, der an der Nordseite der Gebirge und Felsen niedergeschlagen wird: er giebt wieder den Quellen der Gebirge ihren Ursprung. Ohne diesen dichten Moosteppich wurden die kryställenen Bäche nicht von unsern Bergen und Felsen— herab— rieseln; öhne ihn würden die Gebirgsthäler n icht so fruchtbar seyn. Und jenes imi Kleid von vielfarbigen Flechten, womit sich die nacktesten Felswände zieren, es ist der erste Anflug der Vege⸗ tation, der, ohne fruchtbarer Dammerde zu be⸗ dürfen, bloß von der Luftfeuchtigkeit lebt, aber durch sein Verwittern jene schwarze, fette Erde erzeugt, — —. ——— 9 die wir, als das Produet von Jahrhunderten, auf der Oberfläche der meisten Urgebirge bemerken. In der großen Haushaltung der Natur sind also die Gewächse unentbehrlich. Außer ihrem an⸗ gegebenen Nutzen dienen sie zur Erhaltung des Thier⸗ 4. 7— 2 reichs. Die unansehnliche Flechte, die die dürren Haiden bey uns in zahlloser Menge überzieht, die wir täglich bey unsern Spaziergängen mit Füßen treten; sie ist in Lappland die Lieblingsnahrung der Rennthiere, die dem armen Lappländer einen so vielfachen Nutzen gewähren. Ganze Kolonien der mannigfaltigsten Insecten finden ihren Aufenthalt und ihre Nahrung in dem Ueberzuge von Flechten und Moosen, der uns beym ersten Anblick als un⸗ nuütz erscheint. Mit mütterlicher Sorgfalt spendete die Natur ihre Gaben aus: keines ihrer Geschöpfe ist einsam und verlassen: jedes ist Mittel und Zweck zugleich: der Tod des einen gebiert das Leben des andern: so rauscht der ewige, unendliche Strom fort, indeß sich von seinen Millionen Wellen immer eine in die andere verliert. Wenn solche Betrachtungen nicht wohlthätig auf Geist und Herz wirken; so weiß ich nicht, wodurch die geistige und moralische Bildung des Menschen 10 noch stürker befördert werden kann. Das Studium der Pflanzen übt die Sinne und das Gedächtniß. Der Scharfsinn, der Witz und der Verstand werden in Thätigkeit gesetzt, um die Merkmahle gehörig unterscheiden, die Uebereinstimmungen bemerken und sich deutliche Vorstellungen von den verborgenen Zu⸗ iin des Baues und der Verrichtungen GEi der Theile machen zu können. Die Einbildungskraft geht bey diesem wohlthätigen Einsluß des Stu⸗ diums der Natur auf den Geist zwar nicht leer aus; aber sie wird gemäßigter in ihren n und lernt sich der Veruunft eher unterwerfen. An dieser harmonischen Anonme nuß das Zemüth allemahl Theil nehmen. +0 Je weniger die Phantasie ausschweift, desto gemäßigter werden die Leidenschaften, desto mehr wird das Gemüth zur Sanftheit gestimmt. Je mehr man die Schriftzüge in dem großen Buche der Natur entziffern lernt, desto mehr lerut man die Mängel unserer Kennt⸗ nisse einsehn, desto mehr wird die Bescheidenheit, diese Krone aller Tugenden, ausgebildet. Gewohnt, unaufhörlich die ursachlichen Ve erhältnisse der Ge schöpfe zu einander zu erforschen, lernt man die Ab⸗ sichten des Urhebers der Natur immer besser ahnen: Isall Mih ahden W A seh dium tniß. rden öriz und Ju⸗ ugen Raft Iùs; und II üͤberall sieht man Spuren seiner unendlichen Macht, Weisheit und Güte: alles zeugt von seiner allwal⸗ tenden Vorsehung: alles nöthigt uns zur Verehrung und Anbetung dessen, der uns diese Fähigkeiten ver⸗ lieh, ihn in seiner Schöpfung zu erkennen. So ent⸗ steht wahre Religiosität, deren kein ächter Natur⸗ forscher jemals entbehrt hat. Und gewiß werden alle, die im Gewühle von Gesellschaften diese Ge⸗ sinnungen verläugnen, in einsamer Betrachtung der Natur genöthigt, sich zu gestehn, daß es der Thor⸗ heiten größte ist, den Aussprüchen der Vern unft und des Herzeus sich zu widersetzen, und sich seiner edel— sten Gefühle zu schämen, bloß um den Sxöltereyen elender Witzlinge zu entgehen. Und diese treffliche Wissenschaft, meine Ethelte Friederike, sollte zur Bildung des weiblichen Ge— schlechts nicht nützlich, nicht nothwendig seyn? Sie sollte überflüssige Kenntnisse mittheilen und von der wahren Bestimmung des Weibes abführen? Nein, Du bist gewiß mit mir vom Gegentheil überzeugt. Wenn ein Mädchen aus höhern Ständen ihrer ehr— wurdigen Bestimmung, Gefährtinn eines gebildeten Mannes, und Erzieherinn ihrer Kinder zu seyn, ent⸗ gegen geführt werden soll: wenn ihr Körper und Geist einer festen Gesundheit genießen sollen: was für ein besseres Mittel giebt es zu diesem Zwecke, als das Studium der Natur 2 Alle schöne! unstfertigkeiten, die sich das Mäd⸗ chen gerade in den kritischen Jahren ihres Z. erwerben muß, untergraben ihre Gesundhe it, scht chen ihre Augen und legen schon ü zu dem Trübsinn, wodurch ost auch die bech Wei⸗ 5 Leben verbittern. Und wel⸗ chen Gewinn häben sie datür? Allein den* den Besatz eines Kleides, ein Tuch, eine Weste zier⸗ lich sticken oder irgend eine andere Arbeit verrichten können, die sie füͤr eine Kleinigkeit gemacht e rhalten würden, ohne ihre köstliche Zeit dabey verschwenden zu dürfen. Wenn Mädchen gerade in diesem Zeit⸗ punkt für die Natur erzogen würden; wenn sie ge⸗ wöhnt würden, so es die 6 erlaubt, VWoV 71 NWI18** auf Bergen und in Wäldern Gewächse zu f zu 7 an olhgn AnAn 16 ihren Garten selbst zu bearbeiten: so würden dem Genuß der freyen Luft zugleich Gesundheit er⸗ langen: ihre Sinne würden geübter, ihr Ged ächt⸗ niß besser, ihre Einbildungskraft gemäßigter werden, und man würde nicht mehr so viele unglüͤckliche Gl HRicht Haens sihtt der Hiet de — — R Sl Hlichg Dühn Ma sch ss eh u Geschöpfe sehen, die durch das Lesen geschmackloser Bücher eine romantische Verzerrung ihres ganzen Wesens erlitten haben. Das Studium der Natur führt zur Einfachheit des Charakters: aus dem Rei⸗ che der Träume kehrt man leichter wieder ins Ge⸗ biet der Wirklichkeit zurück. Nur im Schooße der Natur heilen die Wunden, die durch Verirrungen der Vernunft und des Herzens entstanden sind. Endlich weißt Du, mene geliebte Freundinn, am besten aus eigner Erfahrung, wie nothwendig und wie angenehm der Unterricht in Naturkennt⸗ nissen bey der Bildung des zartesten kindlichen Ver⸗ standes ist. Wer ander s als die Mutter hat die Pflicht auf sich, dem Kinde die rsten Begriffe bey⸗ zubrinzen? Wie lönute also eine künstige Mutter gleichgültig gegen Naturkenutnisse seyn, wenn sie nicht ganz ihre Bestimmung verkennen will? Alle diese Gründe scheinen mir wichtig genug zu seyn, um Beherzigung zu ver 10 MWSHIV zeugen, wie mich dünkt, von der Nothwendigkeit, Deinem Geschlechte Kenntnisse mitzutheilen, die ge⸗ meinnütziger und wenigern Mißbräuchen unterwor—⸗ fen sind, als so viele andere gepriesene Wissenschaf⸗ ten und Sprachen, womit die Weiber nur zu glan 14 zen suchen, ohne sich um einen Schritt ihrer wahren Bestimmung zu nähern. II. An Frau von G. Sie geben mir, gnädige Frau, in Ihrem letz— ten Briefe sehr angenehme Nachrichten von dem glücklichen Gedeihen Ihrer Pflanzungen, zu deren Bereicherung ich mich freue etwas beygetragen zu haben: zugleich fühle ich mich durch Ihr Zutrauen geehrt, indem Sie von mir eine Anleitung zum ei⸗ genen Studium der Botanik verlangen. Sie haben Recht, wenn Sie sagen, daß der Besitzer eines Gar⸗ tens oder eines Parks das Vergnügen nur halb ge⸗ nieße, in so fern er nicht selbst Kenntniß von den Ge⸗ wächsen besitze. Erlauben Sie mir noch hinzu zu setzen, daß man auch nur zu oft in Gefahr ist, betro⸗ gen zu werden, wenn man nicht die Abarten und Arten gehörig unterscheiden kann. Um Ihnen meine Gedanken über das Studium er Katheder-Gelehrten, damit anfangen, meinen +— Begriff von Botanik zu erläutern. Meines Crach⸗ 100 H uiche Mele M He e L Rahler heh, i W rahren let dem deren n zu ralen und ium Art „ch I — 15 teus umfaßt diese Wiss uschaft alle die Keuntnisse/ welche sich auf den Bau und die Bestimmung der Theile der Gewächse beziehn: sie schließt aber auch die Kenntnisse in sich, wodurch wir geschickt werden, eine Menge von Gewächsen an bestimmten Merk⸗. mahlen zu erkennen, diese Merkmahle deutlich anzu⸗ geben, die Gattungen und Arten zu unterscheiden und ihnen ihren Platz der Ordnung der Natur ge⸗ mäß, anzuweisen. Sie sagten mir schon vor einem Jahre, als ich das Glück hatte, Sie zufällig in L... zu sehen, Ihr Arzt aus MW.. habe Sie zu sehr von die⸗ sem lieblichen Studium abgeschreckt durch die Vorstel— lung, man musse der lateinischen ia selbst der grie⸗ chischen Sprache mächtig seyn, um Pflanzen kennen zu lernen: man müsse besonders einige hundert Kunst⸗ Ausdrucke und ihre Bedeutung auswendig lernen, und in der Anwendung dieser Kunstwörter auf die Beschreibung der Pflanzen bestehe die Wissenschaft der Botanik. Der gute Mann, der Ihnen dies sagte, gnã⸗ dige Frau, mag sich noch wohl mit Verdruß der un⸗ säglichen Mühe erinnern, die es ihm kostete, eine Menge barbarisch klingender Namen auswendig zu 16. lernen und die Bedeutungen der zahllosen Kunstwör⸗ + ter seinem Gedächtniß einzuprägen: und weil er kei— 10 0 nen andern Begriff von der Botanik hat, so ist der Ernst leicht zu erklären, womit er Sie von der tlih Qual dieses Studiums zu befreyen suchte. Um Ihnen eine wahrere und angenehmere Idee 393 von der Botanik mitzutheilen, wiederhole ich, was e ich anfangs sagte: die Botanik umfaßt die Kennt⸗ nisse, die sich auf den Bau und die Bestimmung der ö Theile der Gewächse beziehn. Diese Kenntnisse wur⸗ ö ist den leider sonst auf hohen Schulen gar nicht gelehrt: man fing mit der ermüdendsten Aufzählung der Kunst⸗ de Ausdrücke an, und hörte mit der trockensten De— I monstration einiger Blumen auf. M Wenn man hingegen mit dem Studium des Hu Baues und der Bestimmung der Theile anfängt', so il bekommt man gleich anfangs würdigere Begriffe von ö der Botanik: man lernt sehr bald Anwendungen von aiu'! diesen Kenntnissen auf den Gartenbau, die Forst— AIicit wirthschaft und den Ackerbau machen. Das In⸗ E N teresse verstärkt sich, je weitere Fortschritte man tir ö macht. Nie geahnte Wunder bemerkt man bey Zer—⸗ 1118 4 gliederungen der feinsten Theile: ganz neue Resul— öC tate ergeben sich aus der genauern Ansicht derer Eist A. — I ä nstwör⸗ er kei⸗ ist der on der eIdee „was Kennt⸗ ung der se wur⸗ gelehrt: Kunst⸗ en De⸗ n des igt/ so ffe von en von Forst⸗ 18 In- e man ey Zer⸗ Resul⸗ t derer 17 Dinge, die man sonst täglich ohne Aufmerksamkeit und ohne Interesse sah. Sie haben zum Beyspiel oft die schönen Farben Ihrer afrikanischen Kranich-⸗ schnäbel, die man sonst Geranien nannte, bewun⸗ dert: wie viel lebhafter und interessanter würde erst Ihre Bewunderung seyn, wenn Sie den Bau der Blumen, die Einrichtung der Saft-Werkzeuge, die Uebereinstimmung aller Theile zu einem Zweck, der Fortpflanzung, einsehn sollten! Sie haben Sich oft mit mir über die wunderbare Einrichtung der Knollen und Zwiebeln unterhalten: in diesem Theile der Botanik wird der Bau derselben erklärt und ihr Zusammenhang mit dem Blüthenstände entwickelt. Wie angenehm und wichtig wird Ihnen erst dies Studium werden, wenn Sie die Harmonie der Na— tur in der Anlockung der Insecten zu den Blumen, in der Ernährung unzähliger Thierchen dieser Art durch den Blüthen⸗Nektar und in der eben dadurch bewirkten Fortpflanzung der Gewächse selbst, wenn Sie den Schläf der Pflanzen, die wunderbaren und höchst regelmäßigen Bewegungen einzeler Theile be— merken sollten! Man hat Ihnen gesagt, gnädige Frau, däß die Fortpflanzung der Gewächse und die dämit verbun⸗ Erste Sammlung. 2 ———— SEM 18 denen und vorher gehenden Veränderungen der Thei— le nicht erklärt werden könnten, ohne jung Ohren zu beleidigen und auf den Wangen des Mäd⸗ chens eine Schaamröthe hervor zu locken. Und es ist wahr, wenn man nur die unter gelehrten Vota— nikern üblichen Kunst-Ausdrücke, wenn man nur die Namen mancher Klassen, wie sie Linné, sinnreich genug, erfunden hat, übersetzen wollte; so würde dies nicht geschehen können, ohne durch Schlüpfrig-⸗ V keit und Unanständigkeit des Ausdrucks höchst an⸗ stößig zu werden. Dies hat schon ein braver Natur- und Alter— thumsforscher zu Calcutta in Bengalen, Wilh. Jo-⸗ nes, vor mehrern Jahren bemerkt, und deßwegen vorgeschlagen, die Klassen des Systems bloß mit Zahlen zu bezeichnen. Diesem sehr gegründeten Vorschlage bin ich auch bey dem Unterrichte gefolgt, den ich mehrern Mädchen von guter Erziehung wäh—⸗ rend dieses Sommers in der Botanik gab, und ich darf mich dreist auf das Zeugniß einer Jeden berufen, ob durch meinen Vortrag jemals ihr Zartgefühl ist beleidigt worden. „Die Schicklichkeit umgiebt mit einer Mauer „Dies zarte, leicht verletzliche Geschlecht. „Wo Sittlichkeit regiert, regieren sie.““ Thei- juliche Mäd⸗ Ind es Bota⸗ ur die iureich wüͤrde pfrig⸗ i an⸗ Alter⸗ „Jo- hegen mit deten folgt, wäh⸗ d ich rufen/ hl ist 10 Wer mit reinem Sinn die Geheimnisse der Natur betrachtet, wird sie auch in reiner Sprache enthül⸗ len können. Aber, werden Sie sagen, wie erwirbt man sich diese Kenntnisse von dem Bau und der Bestimmung der Theile? Welche Bücher sind darüber geschrie— ben, die unser Geschlecht lesen kann? Diese Fra⸗ ge, meine verehrte Freundinn, kann ich Ihnen noch nicht befriedigend beantworten. Die großen Werke Malpighi's, Grew's, du Hamel's, Mu⸗ stel's und Senebier's sind zu weitläuftig, und erfordern zu viel Aufwand von Zeit: auch sind sie für den eigentlichen Gelehrten geschrieben und ent— halten manche Unrichtigkeiten. Dazu kommt, daß Malpighi lateinisch schrieb. Grew's Werk ist zwar englisch, und die Sprache würde also für Sie kein Anstoß seyn, aber es ist fast gar nicht iehr zu haben. Du Hamel, Mustel und Senebier aber haben französisch geschrieben, und können zum Nachschlagen über einzele Materien allerdings sehr empfohlen werden. Hier sind die Titel dieser drey Bücher: Henri Louis d Hamel du Monceau dé la phy- sique des arbres, de Tanatomie des plantes et 5 2* — 20 de l' oeconomie végétale. Paris. 1758. Zwey Bände in Quart. Mustel essais lur la véëgéëtation. Rouen. 1778. Vier Bände in Octav. Jean Senehier physiologie végétale, contenant une delcription des organes des plantes et une exposition des phénomènes produits par leur organilation. Genève. 1800. Fünf Bände in Oetav. Vergleicht man diese drey Werke mit einander, so erhält das erstere den Vorzug in Rücksicht der Zergliederung, das zweyte in Rücksicht der Anwen⸗ dung auf Garten- und Ackerbau, und das dritte ist nur schätzbar in Absicht der Menge interessanter Ver⸗ suche, die die Veränderungen der Mischung in den Gewächsen betreffen. Das letztere enthält übrigens zu viele Irrthümer, willkührliche Sätze und Be⸗ weise mangelhaster Untersuchungen, als daß man es für klassisch halten könnte. Unter den Deutschen ist dieser Theil der Bota⸗ nik bloß fragmentarisch bearbeitet worden. Ueber die Befruchtung der Pflanzen ist meines Onkels, Chri— stian Konrad Sprengel's, entdecktes Geheimniß der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen, Berlin, 1793, in Quart, mit 25 Kupser⸗ 1 die! jota- die Thri⸗ imniß g der Upser⸗ 21 tafeln, sehr empfehlungswerth/ obgleich unzählige Lücken in dieser Materie noch auszufüllen sind. Unsers edeln Freundes, Alexanders von Hu m⸗ boldt, Aphorismen sind trefflich, beziehen sich aber mehr auf die Mischung der Bestandtheile als auf den Bau der Gewächse. Unsers verewigten Hed— wig's zerstreute Aufsätze in seiner Sammlung bo⸗ tanischer Abhandlungen betreffen den Bau einzeler Theile, und sind sehr lesenswerth, enthalten aber doch manche Irrthümer in Rücksicht der Gefäße und der Einrichtung der Oberhaut. Rühmliche Erwäh— nung verdienen auch Rasn's Pflanze e'n⸗Physiologie, deren Eigenthümlichkeit aber hauptsächlich in der Zusammenstellung des Bekannten über die Mischung der Theile besteht, ferner J. von Uslar Fragmen⸗ te aus der Pflanzenkunde und Adrian Diel's in⸗ teressante Schrift über die Anlegung der Obst⸗Oran⸗ gerie in Scherben, worin Sie u nugemein viele treff⸗ liche Winke zur Erklärung der Bestimmung der Theile finden verden. Im Ganzen, meine Frau, ist diese Lehre von dem Bau und der Verrichtung der Theile noch in ihrer Kindheit. Die meisten Nat urforscher scheuen die Mühe und die Kosten, die die se Untersuchungen 22 erfordern: oder sie begnügen sich, Versuche anzustel⸗ V len, die die Mischung der Pflanzensäfte einigerma⸗ 1 ßen erläutern können, ohne sich auf Zergliederungen a selbst einzulassen. i Da Sie, meine verehrte Freundinn, Sich schwer— Huf lich mit chemischen Versuchen selbst beschäfftigen huseh werden; so müssen Sie Sich freylich mit Zerglie⸗ Hget derungen begnügen, und zu diesen erlanben Sie mir Ihnen hier eine kleine Anleitung zu geben. Das Va Auge muß bewaffnet seyn, wenn man den Bau der feinen Theile gewahr werden will: auch müssen Sie V Sich eigener Werkzeuge bedienen, die ich Ihnen e hier in einem kleinen Besteck übersende. In demsel—⸗ ben finden Sie zuvörderst zwey Lanzetten, deren Klinge kaum einen Zoll lang, zweyschneidig und ö Hehh in der Mitte etwa eine halbe Linie dick ist. Der Griff ist zwey bis vier Zoll lang, und hat zwey sehr u schmale und zwey breite Flächen, um das We rkzeug. t gehörig regieren zu können. Das botanische Besteck Hel enthält ferner zwey stählerne Pineetten, deren Spit⸗ Meh! zent sehr genau auf einander passen, ohne inwendig 0 gerifeelt zu seyn, welches beym Anfaffen zarter Pflan⸗ n zentheile eher schädlich als nützlich seyn würde. 0 Die Vincetten selbst sind mit Kuöpfchen versehen, 0 Hustel, germa⸗ ungen hwer⸗ stigen rglie⸗ eämit Das der Sie Ihnen msel⸗ deren und Der endig Pflan⸗ wüͤrde. ssehen, 23 welche man hin und her schieben kann, um die Ar⸗ me der Pincette bequem öffnen und schließen zu können. Sie finden ferner zwey stählerne Nadeln darin, die anderthalb Zoll lang, mit einem breiten Griff und einer sehr langen und äußerst feinen Spitze versehen sind: dann eine feine und etwas krumm ge⸗ bogene Scheere, die Sie aber nicht oft brauchen werden: und endlich eine doppelte Hand⸗Loupe zur Vergrößerung der Theile, die Sie betrachten wollen. Es wird oft nothwendig seyn, daß Sie unter der Loupe selbst die Zergliederung der Theile vor⸗ nehmen, und dazu wird ein eigener Handgriff er⸗ fordert, den ich Ihnen hier vorläufig beschreiben will, und den Sie sehr leicht nachmachen werden, wenn ich nur einmahl die Ehre gehabt habe, Ihnen denselben zu zeigen. Sie fassen nämlich den Gegen⸗ stand, den Sie unter der Loupe zergliedern wollen, mit den Spitzen der Pineette, schieben die Knöpf⸗ chen vorwärts, damit der Gegenstand fest liege, neh— men nun die Pineette dergestalt mit dem Daumen und Zeigefinger der linken Hand, daß sie den un⸗ tern Theil der Louve mit dem Ballen des Daumens und mit den drey übrigen Fingern derselben Hand fest halten können. Sie nähern und entfernen nun —4 die Pincette mit dem zu betrachtenden Gegenstande, hl nachdem es Ihr Auge erfordert. Haben Sie die nö— thige Entfernung gefunden, so können Sie nun mit Dat der Lanzette oder der Nadel, die Sie mit den Fin⸗ Ri gern der rechten Hand fassen, die Entwickelung und 9 V Zergliederung des Gegenstandes sicher vornehmen. In Das Scharnier der Loupe muß zu diesem Ende fiust sehr gut gearbeitet seyn, damit es durch den öftern I Gebrauch nicht wankend werde. Die englischen Lou— In ven, wovon ich Ihnen eine beylege, verdienen in ich dieser Rücksicht den Vorzug vor den deutschen, ob⸗ ue die berlinischen weit schärfer sind und stärke⸗ Vergrößerungen geben. Ial * Beym Gebrauch der stählernen Werk zeuge, be⸗ + sonders der Lanzetten, bitte ich Sie als Regel an⸗ Inh zunehmen, daß sie allemahl nach dem Gebrauch ab—⸗ Ieh gewischt und nie rostig werden dü fen. Auch wer⸗ Deutl * den Sie wohl thun, wenn Sie diesel ben von Zeit zu Zeit wieder abziehn lassen, weil nichts ver rdrieß⸗ Huh. licher ist, als mit Instrumenten zu arbeiten, die 1. * nicht vollkommen schärf sind. Ni Die Vergrößerung der Loupe wird sehr oft nicht ö Ka hinreichen, um besonders den innern Bau der Thei— ölh le gewahr zu werden. Sie werden Sich also wohl Runt *2— entschließen, einige Louisd'or an ein gutes Mikro⸗ skoy zu wenden. Als die besten, die man in Deutschland haben kann; empfehle ich Ihnen die, welche der Mechanicus Weikert in Leipzig, für 50 Thlr. das Stück, arbeitet. Die Helligkeit und Deutlichkeit der Gegenstände, die besonders die fünfte Linse darstellt, ist außerordentlich groß, und die Bequemlichkeit der Einrichtung sehr angenehm. Um die Größe der Gegenstände zu messen, würde ich Ihnen auf Verlangen ein treffliches Mikrometer aus London, von Ramsden gearbeitet, kommen lassen, dessen man sich, wie Sie bey mir bemerkt haben werden, mit großer Bequemlichkeit bedienen kann. Wohlfeilere Mikroskove kann man in der braunschweigischen Scönt⸗ Saobtnos häben, de— nen dennoch, bey oft stärkerer Vergrößerung, die Deutlichkeit und Dauerhaftigkeit mangeln. Um Ihre Augen zu schonen, werden Sie wohl thun, diese Untersuchungen nur an hellen Tagen und in den Vormittagsstunden vorzunehmen. Auch ra⸗ the ich 5 nie die Sonnenstrahlen auf den Ge⸗ genstand selbst fallen zu lassen, den Sie betrachten wollen, sondern einen Schirm von feinem weißen Papier vor das Mikroskop zu stellen, um dadurch das Licht zu mildern. 26 Auf diese Art werden Ihnen dergleichen Unter⸗ suchungen unglaubliches Vergnügen andanen und viele wichtige Aufschlüsse veranlassen. Allein darin besteht nicht allein die Beschäfftigung des Botani⸗ kers, sondern vorzüglich auch in der Erforschung der aubern Merkmahle der Gewächse, und der Kenneniß der Ordnung, worin ihre Gattungen und Arten auf einander folgen, und in der Fertizkeit, sie gehörig unterscheiden zu können. Dies können wir als den ten, als den hi storij schen Theil der Votanik be⸗ Wchirh, III. An eben dieselbe. WDer historische Theil der Botanik, meine theure Freundinn, ist lange Zeit, aber mit Unrecht, als der einzige angesehen worden, der den Namen: Bota⸗ nik, verdiene. Und es giebt noch Leute, die sich für Botaniker halten, wenn sie einige hundert oder tau⸗ send Arten mit Ramen zu nennen und von einander zu unterscheiden wissen, ohne daß sie einen Begriff von dem Bau der Gewächse haben. sisch H WI Rund U M jander Begrif 22 In der That beschäfftigt dieser Theil der Bota⸗ nik mehr die Sinne und das Gedächtniß: doch übt er auch die Urtheilskraft und den Verstand. Zur Erlernung desselben gehört allerdings die Kenntniß der Kunstsprache. Aber diese Kunstsprache ist bey weitem nicht so schwer zu erlernen, als es Ihnen le Ihr Arzt vorgespiegelt hat. Es kommt hiebey auf eine schickliche Methode, auf Interesse an der Wis⸗ senschaft und auf ein mäßiges Ged jene Schwierigkeiten bald zu überwinden. Latei-⸗ nisch brauchen Sie dabey nicht zu lernen: ich wer— de die Ehre haben, Ihnen in Zukunft einige Er⸗ läuterungen der wichtigsten Kunstwörter zu geben, die Sie gewiß in den Stand setzen werden, die mei⸗— sten deutschen botanischen Schriften zu verstehn. Unter den vollständigern Anleitungen zur bota⸗ nischen Kunstsprache, wie zur Kenntniß des Systems, kann ich Ihnen vorzüglich Willdenow's Grund⸗ riß der Kräuterkunde, auch Suckow's Anfangs⸗ gründe der theoretischen und angewandten Botanik empfehlen. Batsch'ens Botanik für Frauenzim—⸗ mer werden Sie mit großem Nutzen und nicht ohne Interesse lesen, wenn Sie erst mehrere Fortschritte in der Wissenschaft gemacht haben, und wenn Ihnen ein Botaniker die nöthigen Erläuterungen über vie— le dunkle Stellen giebt. Es war immer ein zweck— mäßiges Unternehmen von Bourgoing, dieses Buch ins Französische zu übersetzen. Die Ueberset⸗ —— zung ist unter dem Titel: Botanique pour les fem- mes et les amateurs des plantes. Strasbourg. 1799. heraus gekommen. Ein höchst mittelmäßiges Slementar⸗Buch gab eine Engländerinn, Priseilla Wakefield, 1798 un⸗ ter dem Titel heraus: An introduction to botany⸗ in à leries of familiar letters, With illustrative en⸗ 45 nn An oan grayings. Diese Küpfer sind ebeͤn 1⁰ schlecht, als die Briefe der Felieia an 1 worin sie ihr das System erklärt, ermüdend trocken sind. Wahrscheinlich ist es eine Uebersetzung dieses Buches, die ich kürzlich als eine botanische Neuig— keit in einem französischen Journale angezeigt fand: Floreé des jeunes perlonnes, ou lettres élémentaires lur Ila botanique,(crites par une Anglaise à lon amie, et 6. de l'anglais par Octave Segur. Paris. An IX. in Duodez, mit— Kupfern. Zwey ahi Engländer, Darwin und Broke Boothby, uer auch vor ein Paar Jahren populäre Gespräche über die Botanik für Dct G hitel bekeite 100 Hid W seht er Ein sch if, Mih h vi hdhee Hilt sh Hetroceh k bie⸗ zweck⸗ dieses erset⸗ lem- nh⸗ gab S un⸗ owrany, en- 29 Frauenzimmer heraus gegeben, in welchen aber bloß das System erklärt wird. Der Titel ist: Botanical dialogues beiween Hortensia and her kfour chil- dren, Charles, Harriet, Juliet and Henry, deligned kor che use of[chools. By a Lady. Lond. 1799. in Oetav, mit 15 Kupfern. Eudlich werden Sie Sich ein wichtiges Hülfs⸗ mittel zur Vermehrung Ihrer botanischen Kenntniß bereiten, wenn Sie eine Sammlung von getrockne⸗ ten Pflanzen anlegen. Dieses Geschäfft wird Ihnen anfangs sehr mühsam vorkommen; aber, wenn Sie nur das erste Tausend gesammelt haben, so werden Sie gewiß finden, daß sich die Mühe außerordent⸗ lich belohnt. Die Nothwendigkeit einer solchen Sammlung sieht heut zu Tage jeder Botaniker ein, weil es der Eiabildungskraft und dem Gedächtniß unmög⸗ lich ist, eine große Menge Pflanzen nach allen ihren Merkmahlen sich immer zu vergegenwärtigen, und weil, wie Linn é schon bemerkt, keine Abbildung eine so anschanliche Kenntniß gewährt, als das ge— trocknete Exemplar selbst. Eine solche Sammlung hält sich auch, wenn die Pflanzen gehörig gesammelt, getrocknet und aufbewahrt werden, mehrere Menschen⸗ 30 alter hindurch. In Paris und London finden Sie 6 noch manche Pflanzen-Sammlungen aus der Mit⸗——᷑ te und selbst aus dem Arfange des siebzehuten Jahr— 1 hunderts. Gunt Erlauben Sie mir, Ihnen einige Vortheile be⸗ H merklich zu machen, die die Anlegung einer hüti n Sammlung erleichtern, und die eine zwanzigjährige nm Erfahrung mich kennen gelehrt hat. lat Zuvörderst werden Sie wohl thun, die Pflan⸗ b zen, wo möglich, trocken einzusammeln. Gewächso, W die vom Regen und Thau feucht eingelegt werden, Ir verderben, werden schwarz und schimmeln. Das Ab⸗ U schneiden muß ferner in der Vormittagsstunden ge⸗ ber schehn: besonders muß man die starke Mittagshitze Nit bey 260 Sonnenschein vermeiden: die Blätter und Blüthen der alsdann abgeschnittenen Pflanzen uichtet werden oft augenblicklich welk, und vergebens ist slber nachher alle Mühe, sie wieder zu entfalten. Doch sile gelingt das letztere bey manchen, die nicht zu zärt⸗ suchet lich sind, nachdem man sie in ein Glas mit X Wasser Han gesetzt hat. üh Che Sie die Pflanzen abschneiden, sehn Sie ja Hen sorgfältig darnach, daß die Blüthe zwar vollkommen cher aufgeschlossen, aber doch nicht dem Abfallen nahe schen! Sie Mi e: Jahr⸗ e be⸗ Ichen sttet nzen ist Doch zrt⸗ asser ie 10 mien nahe 31 ist. Bey den Tulpen z. B., bey den Hibiseus-Ar⸗ ten und andern Blumen werden Sie das Abfallen der Kronenblätter nicht verhüten können, wenn die Blume schon seit einigen Tagen aufgeschlossen ist. Es ist ferner nothwendig, daß alle Theile, von wel—⸗ chen man Merkmähle der Gattung oder der Art her⸗ nimmt, mit eingelegt und getrocknet werden. Er⸗ kennt man die Pflanze hauptsächlich an den Wur⸗ zelblättern, an den Knollen in der Erde, an den Ausläufern, welche die kriechende Wurzel macht, so müssen diese Theile mit eingelegt werden. Die Knabenkräuter z. B. werden allezeit mit der Knolle, der kriechende Waizen oder das Queckengras allezeit“ mit der kriechenden Wurzel eingelegt. Die Art des Trocknens selbst ist verschieden, und richtet sich nach dein Vau der Pflanzen, die man aufbewahren will. Zarte Gewächse, Gräser, Moose, feine Blüthen werden am besien in Büchern ge⸗ trockuet, die entweder mit Krampen, nach Lert der alten Postillen, versehn sind, oder die mau in den Bü⸗ cherschrank enge zusamimen stellt. Pflanzen von ei⸗ nem dickern Bau kann man zwar auch in alte Bü⸗ cher legen, aber noch besser wird es seyn, sie zwi— schen mehrern Bogen feinen Löschpäpiers zu trocknen. * 32 —* Zwanzig oder dreyßig solche Lagen von Löschpapier werden auf ein glattes Brett gelegt, mit einem ähn—⸗ lichen glatten Brette bedeckt und mit Gewichten oder einigen Feldsteinen belastet. Man hat zwar auch eigene Pflanzenpressen, die wie die Serviet— ten-⸗Pressen eingerichtet sind; allein man kann bey denselben den Druck nicht so mäßigen und einschrän⸗ ken, als es geschieht, wenn die Last der Steine an— fangs weniger und in der Folge stärker die Pflanzen zusammen drückt. Zu viele Pflanzen in ein Buch zu legen, oder zu viele Lagen Löschpapier mit Kräutern auf einan— der zu häufen, will ich Ihnen nicht rathen, weil die Feuchtigkeit dann nicht abgehalten werden kann und die Gewächse desto eher schimmeln. Die Bücher oder die Lagen Löschpapier, worin Sie die Pflanzen trocknen, müssen an einen luftigen, sonnigen Ort gestellt werden. Bey feuchtem, naßkalten Wetter und im Hetbste werden Sie sehr viele Müͤhe ha⸗ ben, Ihre Kräuter gut zu erhalten. Das Umlegen der Pflanzen oder das Wechseln der Papierlagen ist nur bey stärkern oder saftigern Gewächsen nöthig. Gräser und andere tröckene Pflanzen bedürfen es gar nicht. Dies Umlegen c u 6 Hbei dusuh dun 6. N6 VU fimt Hebi t. Wden j Dhhet! Mahi der Ku Ciste papier mähn⸗ ichten zwat kbiet⸗ nbey hrän⸗ e an⸗ lanzen „oder einan⸗ eil die uund ücher lanzen uOrt stigem trockene Imlegen 33 muß etwa alle vier oder fünf Tage, und zwar mit großer Vorsicht geschehn, damit die Theile alle in ihrer natürlichen Lage bleiben. Man nimmt, wo mög⸗ lich, zu den neuen Lagen lauter frisches, trockenes, noch ungebrauchtes Löschpapier. Sind die Gewächse sehr saftig, so pflege ich sie bisweilen zu platten, indem ich ein heißes Plattei⸗ sen auf eine Lage Löschpapier von etwa drey Bogen, worunter die Pflanze ausgebreitet liegt, setze, und dann sanft hin und her fahre, bis die Pflanze trocken ist. Ist das Eisen nicht gerade glühend, aber auch nicht schon zu sehr abgekühlt; so ist die Pflanze oft schon in fünf Minuten getrocknet. Auf diese Art können Sie die afrikänischen Zaserblumen in Ihrem Gewächshause behandeln. Doch läugne ich nicht, daß diese Methode, so bequem sie ist, einige Nachtheile hat. Die Färbe geht nämlich leicht verloren: auch werden die feinern Blüthentheile oft zu stark gepreßt, als daß man sie in der Folge wieder erkennen könnte. Daher pflegt man diese saftige Gewächse auch biswei⸗ len erst in heißen Sand oder in heißes Wasser zu ste⸗ cken, ehe man sie zwischen Löschpapier legt. Diese Methode ist wirklich vorzüglicher. Mit den Knollen der Knabenkräuter aber, deren Sie in Ihren Wal⸗ Erste Sammlung. 3 34 dungen und auf Ihren Bergwiesen so manche schöne Arten haben, brauchen Sie diese Umstände nicht zu machen: diese trocknen sich in einem alten Buche oder zwischen Löschpapier ganz vortrefflich. Manche Blumen verlieren nur zu leicht ihre Far⸗ be: es geschieht dies weniger, weun man sie vollkom— men trocken einlegt; aber bey einigen, z. B. bey den Glockenblumen, hilst auch dies nicht. Ein Engländer, Stackhouse, hat neuerlich ein Mittel vorgeschla⸗ gen, welches durchaus die vergänglichen Farben sicher erhalten soll. Dies besteht in einer starken Alaun— Auflösung, die man mit einem Pinsel auf das Lösch⸗ papier aufträzt, zwischen welchem man die Pflanze trocknen will. Sind die Pflanzen vollkommen trocken, so wer— den sie, jede einzeln, in einen Bogen weißen Papiers gelegt, ohne sie aufzukleben. Die letztere Sitte ist ganz außer Gebrauch gekommen, und zwar mit Recht, weil man eine aufgeklebte Pflanze nicht von allen Seiten beträchten und gehörig untersuchen kann. Moose nehmen sich aufgeklebt zwar sehr schön gus; aber der angegebene Nachtheil findet doch hier vorzüglich statt, zumahl da man Moose, wenn sie untersucht werden sollen, fast allemahl erst aufweichen cr var les le 006 N Iun Mane Muue Hhiig schöge ht zu oder Far⸗ kom⸗ den ider, chla⸗ scher aun⸗ Lsch⸗ lanzʒe ber⸗ iers ist mit 35 muß. Auf den Bogen weißen Papiers schreibt man nun den Namen der Gattung und Art, und ordnet die Pflanzen nachher nach dem System, indem man immer 100 oder 150 Arten zwischen Pappe fest mit einem Bande zusammen bindet. Dies letztere ist noth⸗ wendig, weil manche Pflanzen, besonders Farrenkräu⸗ ter, sobald sie nicht beständig mäßig gedrückt liegen, schrumpfen und unkenntlich werden. Jeder Besitzer einer Pflanzensammlung weiß, daß Käfer und Motten die gefährlichsten Feinde der— selben sind. Man hat Kamfer und andere Mittel vorgeschlagen, um diese Inseeten abzuhalten; allein diese Mittel werden oft fruchtlos angewandt. Ich kenne ein Mittel, welches ich seit zwanzig Jahren als das bewährteste gegen alle dergleichen Feinde be⸗ funden habe, und das ist der öftere Gebrauch der Pflanzensammlung, wozu ein jeder Botaniker und Pflanzen⸗-Liebhaber schon gußerdem verpflichtet und geneigt ist. 36 IV. An Iphigenia S.. Si. haben bey meinem Unterricht in der Botanik eine so ausdauernde Aufmerksamkeit und einen so rühmlichen Fleiß bewiesen, daß ich mir schmeichle, Ihnen durch schriftliche Erläuterungen über einige Gegenstände meines Unterrichts einen angenehmen Dienst leisten zu können. Manches, was Ihrem Ge— dächtniß entfallen seyn mag, werde ich in dasselbe wieder zurück zu rufen; manches, was ich im münd⸗ lichen Vortrage, wegen Kürze der Zeit, nur andeu—⸗ ten konnte, werde ich hier weiter auszuführen suchen. Auf diese Art hoffe ich Sie vertrauter mit der Na— tur der Gewächse zu machen und Sie in die Ge⸗ heimnisse einer Wissenschaft einzuweihen, deren An— fangsgründe Ihnen schon so viel Vergnügen gemacht haben. Ohne Zweifel erinnern Sie Sich noch, daß ich in der ersten Stunde meines Unterrichts, statt zu erklären, was Pflanze sey, Ihnen einen allgemeinen Ueberblick über die mancherley Formen der Gewächse zu verschaffen und die Gegenden des Gewächsreiches zu bezeichnen suchte, wo sich dasselbe allmählig in das Thier- und Mineralreich verliert. 57 Ich that dies nach reiflicher Ueberlegung und mit allem Vorbedacht: denn jede bestimmte Erklä⸗ rung, die wir von einer Pflanze geben könnten, wür⸗ Wni de nur auf einen großen Theil von Gewächsen pas— ren so sen, würde die Natur in Gränzen einschränken, die seichle, sie verschmäht, da diese Gränzel nur willkührlich einige und Folgen unserer mangelhaften Uebersicht der Na⸗ jehmen turreiche sind. i Ge⸗ Die gewöhnlichen Pflanzen, Bäume und Sträu⸗ usulbe cher, die uns umgeben, entstehen aus Saamen, oder Wüad⸗ aus Keimen, schlagen Wurzeln in die Erde, breiten aldej sich in Aeste und Blätter aus, treiben farbige Blü⸗ suchen. then, in welchen die Werkzeuge der Fortpflanzung Na⸗ befindlich sind, und in denen sich die Saamen des Ge⸗ künftigen Gewächses bilden, worauf alsdann die Au⸗ Werkzeuge der Fortpflanzung wieder abfallen, da sie nacht ihre Geschäffte verrichtet haben. Bey den meisten Gewächsen, die wir kennen, bemerken wir nichts, iß ich was auf Empfindung schließen ließe; auch nehmen att u wir keine Bewegung, keine Veränderung des Ortes neinen wahr. Wir finden ferner, daß die gewöhnlichen wäche Pflanzen aus der Erde und aus der Luft durch eiches Wurzel und Oberfläche die Stoffe einsaugen, durch Hlig il die sie sich ernähren, und daß sie fast durchgehends— 38 wieder solche Stoffe aushauchen, wodurch die Luft verbessert und das Leben der Thiere erhalten wird. Endlich findet man, daß jeder Theil einer Pflanze gleichsam für sich besteht, daß jedes Reis eines Baums, woran nur Augen sitzen, der Erde anver⸗ traut, für sich fortwächst, Wurzeln schlägt und Aeste, Blätter und Blüthen treibt. Dies alles hat man für Merkmahle angesehn, wodurch man Pflanzen von Thieren unterscheiden könne. Man hat noch hinzu gesetzt, daß bey Pflanzen kein Herz, keine Gefähe und kein Kreislauf wie bey den Thieren statt finden. Und es ist wahr, die mei— sten vollkommenern Thiere, die uns umgeben, unter⸗ scheiden sich von den Gewächsen durch die bestimmte— sten Kennzeichen. Sie handeln nach Willkühr: sie empfinden: sie bewegen sich von einem Orte zum an⸗ dern: sie behalten die Werkzeuge ihrer Fortpflanzung, so lange sie leben: sie können nicht von der Luft und aus den Feuchtigkeiten der Erde ihre Nahrung erhal— ten, sondern sie nähren sich von Vegetabilien und an⸗ dern Thieren: sie dünsten und hauchen Luftarten aus, wodurch der Luftkreis verdorben wird. Die meisten von ihnen haben Theile, welche nicht vom ganzen Körper getrennt werden dürfen, ohne sogleich zu ver—⸗ derben und in Fäulniß überzugehn. Luft vird. anze ines ber⸗ este⸗ nan von Nzen bey nei⸗ 39 Ob diese Merkmahle hinreichen, um die beiden großen Naturreiche von einander zu trennen, ob da— durch wirklich feste Gränzen bestimmt werden, dar— über werden wir nur entscheiden können, wenn wir diese Merkmahle einzeln durchgehn und sie bey allen Pflanzen- und Thierklassen aufsuchen. I.„Pflanzen haben Wurzeln und verändern ih⸗ „ren Ort nicht. Thiere aber sind nicht an den Bo-— „den gefesselt, sondern bewegen sich fort.“ Das ist das erste Unterscheidungszeichen, welches wirklich ziem— lich allgemeine Gültigkeit hat. Wurzeln finden wir bey den allermeisten Gewächsen, aber doch nicht bey allen. Im südlichen Afrika, auf den dürren Karro-⸗ Feldern, nordwestlich vom Kap, kommt auf den Wur⸗ zeln einer kahlen Euphorbie oder Wolfsmilch ein Ge— wächs vor, welches wie ein Ball gestaltet ist, inwen⸗ dig eine Menge feiner Saamen in einem schmackhaf—⸗ ten Fleische sitzen hat, und oben mit einem dreythei— ligen Knopfe versehen ist, den man für eine Bläthe hält. Dies Gewächs, welches man Hydnora nennt, vertritt in Afrika die Stelle der Trüffeln und hat gar keine Wurzeln. Viele unserer Flechten, Wasser— fäden und Gallertgewächse haben gar keine Wurzeln. So ist auch noch die Frage, ob manche unserer 4⁰ Schmarotzer⸗Pflanzen wirkliche Wurzeln haben. Diese setzen sich wie die Flechten auf Bäume, ver⸗ wachsen mit der Rinde derselben, und zeigen oft gar keinen Theil, der Wurzel genannt werden könnte. Wenn ein Gewächs durch keine Wurzeln an den Boden gefesselt ist; so kann es, bey den übrigen erforderlichen Krästen, seinen Ort verändern. Von manchen Pflanzen, z. B. von der Wacholder-Galler- te und den so genannten Sternschnuppen, oder der Nostok-Gallerte, will man etwas Aehnliches bemerkt haben. Allein ich möchte dies nicht gern als unbe— zweifelt wahr annehmen. Verändern aber wirklich alle Thiere ihren Ort? Oder sind nicht auch einige in ihren Standort gleich⸗ sam eingewurzelt? Allerdings! Häben Sie wohl, liebe Jphigenia, auf unsern Pomeranzen-⸗ und Zitro-⸗ nen⸗Bäumen kleine breite Flecken an den Zweigen und Blattstielen bemerkt, die sich wenig von der Oberfläche der Stiele selbst unterscheiden? Das sind Inseeten, weibliche Schildläuse, die ihren Ort nicht verändern und die für die Orangerie äußerst nach⸗ theilig sind. Viele Schaalenthiere, die Austern, die Bohrmuscheln, die Meertulpen, die Wallfisch⸗ pocken, sitzen unbeweglich ihr Leben lang auf Felsen, ö 41 Schiffskielen, Korallenriffen und auf andern Thie-⸗ ren. Endlich sind alle Korallen⸗Thiere, die See⸗ tannen, Seefeigen, die Federbusch⸗Polypen, einge⸗ wurzelt in den Boden: viele überziehn einen kalk— artigen Kern, andere umgeben ein Seegewächs mit einer thierischen Rinde, und können sich also gar nicht bewegen. 2.„In Pflanzen bemerkt man weder ein Herz, „noch eigene Blutgefäße, noch einen Kreislauf der „Säfte.“ Dies ist sehr richtig und wird in der Folge noch näher aus einander gesetzt werden. Aber man muß diesen Mangel des Herzens, der Gefäße und des Kreislaufes nur nicht als Merkmahl be— trachten, wodurch sich die Pflanzen von den Thieren unterscheiden lassen. Denn Herz und Kreislauf des Bluts fehlen schon vielen kahlen Würmern, vorzüglich aber den Federbusch⸗Polypen und andern fest gewurzelten Thie⸗ ren. Bey diesen schwitzt der Nahrungssaft aus den Speisen durch den Speisekanal ohne in besondere Gefäße aufgenommen zu werden/ ins Zellgewebe über, vertheilt sich in demselben und bedarf dann keiner eigenen Werkzenge der Absonderung. Ich werde Ihnen noch in der Folge die Aehnlichkeit des 4² Baues mancher Würmer und der Gewächse näher aus einander setzen. In der That ist der innere Bau vieler Würmer von der Einrichtung mancher Pflan⸗ zen weniger unterschieden, als er von dem Bau der Tische oder Amphibien verschieden ist. 3.„Pflanzen empfinden nicht, weil sie weder „„Gehirn noch Nerven haben, auch üben sie keine ei— „genthümliche Bewegungen aus, wie die Thiere.“ Bey diesem Unterschiede bemerke ich zuvörderst, daß das Daseyn des Gehirns und der Nerven, we⸗ nigstens so wie wir sie in vollkommenern Thieren be— merken, nicht nothwendig zu Empfindungen erfordert zu werden scheint. Manche Theile unseres Körpers, 3. B. die Sehnen und Bänder, schmerzen oft heftig genug, ohne daß man Nerven in ihnen zeigen kann. Auch giebt es Thiere, wie die Seefedern, ArmPo— lypen und andere Polypen, die weder Gehirn noch Nerven haben, und denen man dennoch die Empfn⸗ dung nicht absprechen kann. Dann muß ich gestehn, daß es bey einigen Ge—⸗ schöpfen sehr zweifelhaft seyn kann, ob man ihnen Empfindungsfähigkeit beylegen darf oder nicht. Wir schließen auf das Daseyn dieses Vermögens doch nur aus seinen Wirkungen. Vom Federbusch⸗Poly⸗ —— U ss ehe E IMlick 45 pen sagen wir: er fühlt, wenn er bey mi rung eines Gegenstandes sich plotzlich zusamme zieht. Man könnte dasselbe von der Sinnyflanze sa⸗ gen, die Sie so oft in unsern Treibhäusern sahen; denn auch sie zieht sich bey der Berührung vlötz— lich zusammen. Wie der Federbusch-Polyp und die Seefeder ihre Arme im Wasser ausbreiten, um ihre Nahrung anzuziehn: so drehn sich die Gewächse der Sonne zu, richten ihre Blätter in die Höhe, um das Licht der Sonne und den Thau des Himmels zu trinken, und treiben ihre Wurzeln nach denen Stel— len hin, wo sie mehr Feuchtigkeit einsaugen. Ich will nicht sagen, daß dies Beweise von Empfindung sind: ich will nur die Uebergänge andeuten, die auch hiebey vom Thierreiche zum Pflanzeureiche statt sin⸗ den. In der Folge wollen wir noch einmahl darauf zurück kommen. Was die eigenthümlichen Vewegungen betrifft, die den Unterschied zwischen Thieren und Pflanzen ausmachen sollen; so sind diese bey Thieren entweder eben jene Aeußerungen des Gefühls, oder es sind Folgen eines innern Antriebes der Säfte, wodurch Muskeln in Bewegung gesetzt werden, und nun ver⸗ änderte Richtungen der Gliedmaßen hervor bringen. 2 V2 IN ——— —— den. schö sch zusammen. den. kleidet ist. je unvollkommener die Thiere werden. öfnet und schließt ihre Schaale: darin besteht ihre Der so genannte Seekork oder die Seefeige, die Sie in meiner Sammlung gesehn haben, erweitern und verengen ihre Wärzchen. Der Polyp breitet seine Arme aus, und zieht sie wieder Eben so nimmt der Anschein des musku⸗ lösen Baues ab, je unvollkommener die Thiere wer— In dem Körper der Raupe hat man mit be⸗ wundernswürdiger Kunst ein Gewebe von tausend und aber tausend Muskeln beschrieben und gezeichnet, durch welche die Bewegungen des Thiers bewirkt wer— Aber in den Blutigeln und in den Würmern der Eingeweide anderer Thiere kann man kaum noch Ihre ganze Haut stellt ei— nen einzigen dicken fleischigen Sack dar, der inwen— dig mit einem sehr dichten und festen Zellgewebe be⸗ Und in den Polypen kann man vollends nichts als Zellgewebe unterscheiden. ganze Bewegung. Muskeln unterscheiden. 4⁴ Diese Bewegungen werden immer weniger bemerklich, Die Auster Bey Pflanzen kommen allerdings eigenthümliche Bewegungen vor. Erinnern Sie Sich wohl noch des önen Schauspiels, welches sich Ihnen darbot, als Sie bey Untersuchung des Glaskrauts mit einer Na— U + 0 ull i tulu hen um + m den hal lele Mo W Nech ti RManz uu ab Mlich, Auster t ihre oder esehn Der ieder usku⸗ wer⸗ t be⸗ usend chnet, Mer⸗ nern 4⁵ del in die Blüthe stachen? Wie da die Staubfäden hervor sprangen, und die Antheren ihren Staub von sich sprühten? Erinnern Sie Sich, daß ich Sie da⸗ mals auf den gegliederten und aus Kreisfasern be⸗ stehenden Bau der Staubfäden aufmerksam machte, wodurch diese Bewegungen möglich werden? Gewiß haben Sie auch den bengalischen Süßklee(Hedyla- rum gyrans) in unsern Treibhäusern gesehn, dessen Seitenblätter sich beständig und ohne äußere Ursache um sich selbst drehn. Der Grund davon muß in dem Bau der Blattstiele gesucht werden: diese ent—⸗ halten nämlich starke Bündel von Schraubengängen, welche meines Erachtens auch hier die Stelle der Muskeln vertreten. Wir können also allerdings in den Pflanzen eigenthümliche Bewegungen und das Daseyn der Muskelfasern annehmen, und finden dar⸗ in wieder eine Uebereinstimmung des Thier- und Pflanzenreichs, die uns verhindert, die Gränzen ge— nau abstecken zu wollen. 4.„Pflanzen werfen die Werkzeuge der Befruch⸗ „tung nach vollendetem Geschäffte ab: Thiere be⸗ »halten sie lebenslang.“ Dieser Unterschied wurde, seitdem ihn einer un—⸗ serer trefflichsten Naturforscher, der verstorbene Hed⸗ 46 wig in Leipzig„ zuerst vortrug, als der wichtigste, fast allgemein angenommen. Man scheint zu glau⸗ ben, daß er zuverlässiger ist, als irgend ein anderer. Und in der That lehrt eine nicht ganz genaue Beob⸗ achtung der gewöhnlichen Pflanzen und Thiere, daß bey jenen die Werkzeuge der Befruchtung bald nach vollendetem Geschäffte abfallen, daß sie bey 85 aber, nach wie vor, stehn bleiben. dimnit man indessen die Sache genauer, so las— sen sich manche Ausnahmen von dieser Regel auf⸗ sellen. Bey den Levkojen, beym Senf und Kohl bleibt die Narbe sitzen, wenn auch die Schote schon gute Saamen enthält. Auf den Mohnköpfen bleibt sie sitzen. In den Moosblüthen bemerkt man öft Pistille, Narhen, Saftfäden und andere Werkzeuge der Befruchtung, wenn diese längst geschehen ist. Und sollte unter den Thieren keines seyn, wel—⸗ ches diesem angegebenen Unterschiede widerspräche? Bey verschiedenen nackten Würmern, bey den Poly⸗ pen können wir gar keine Werkzeuge der Befruch⸗ tung unterscheiden: sie pflanzen sich, wie viele Ge— wächse, durch Keime fort, die anfangs einen Theil ausmachen, nachher abfallen und für sich selbst fort⸗ leben. Der Kalmar, ein seltsamer Seewurm, der RN sht! nit h liat: ut V hligst glau⸗ berer. Beob⸗ daß nach Mesen las⸗ auf⸗ Lohl schot llult oft euge 4² zur Gattung der Dintenfische gehört, hat in eben dem Sack, worin sein schwarzer Saft ist, zwey Röhren, deren jede am Ende dreylappig ist. In die⸗ sen Röhren steckt eine sehr künstliche Schraube, die unten mit einem Stempel und einem länglichen Sacke zusammen häungt. So wie man Wasser auf die Röhre bringt, so springt die Schraube hervor und zieht den Stempel sammt dem länglichen Schlauch mit hervor. Diese Werkzeuge der Befruchtung ver— liert auf diese Art der Kalmar, und sie werden ihm nicht wieder ersetzt. Sehr gute Bemerkungen hier⸗ uber und Abbildungen dieser Werkzeuge finden Sie in Needham's nouvelles découvertes faites avee le microscope. Leide. 1747. 8. Sie sehn also, dab auch dieser Unterschied keine allgemeine Gültigkeit und Zuverlässigkeit hat. 5.„Pflanzen leben von Luft- und Erdfeuchtig⸗ „keit, oder von rohen Naturstossen, die sie durch „die Wurzeln und durch die Oberfläche einsaugen. „Thiere aber bedürfen schon zubereiteter Stoffe oder „solcher zu ihrer Nahrung, die in Gewächsen und „andern Thieren enthalten sind: diese Nahrung neh— „men sie nicht durch die Oberflache, sondern durch „eine eigene Mundöffnung auf.“ 4 Gegen diesen Unterschied habe ich folgendes ein⸗ zuwenden: Der Unterschied zwischen rohen und zubereiteten Naturstoffen fällt weg, wenn wir bedenken, daß die eigentliche Nahrung der Thiere so wohl als der Pflan—⸗ zen meistens einfache Stoffe sind, die die Thiere aus den Nahrungsmitteln zubereiten. Nicht das Fleisch, nicht das Brod, das wir genießen, ernährt uns, sondern die einfachen Stoffe, die unsere Verdauungs-⸗ Werkzeuge herausziehn: diese lassen sich am Ende auf dieselben zurück bringen, die die Gewächse zu ihrer Nahrung verwenden. ö Ueberdies könnte man sehr leicht zeigen, daß auch die Pflanzen schon zubereiteter Stoffe zu ihrer Ernährung bedürfen. Die Dammerde, worin sie sich fest wurzeln, was ist sie anders als ein Haufen verwitterter Pflanzentheile? Der Dünger, der un-⸗ sere Küchengewächse und unser Getraide so fröh— lich gedeihen läßt, was ist er anders, als der Aus⸗ wurf von Thieren oder verwesete thierische Theile selbst? Wirklich wachsen mehrere unvollkommene Pflanzen auf Thieren. Schimmel sieht man auf faulem Fleische. Gewisse Keulenschwämme kommen nur auf Insecten Puppen vor, mehrere andere I Hlbn h g Fel Mile hen Ruidhe RM K bon ij Diierch elhei %0 bett I Gt Ei de i U 6 V Vle 1 lgte Hehsch Esste bes ein, iteten aß die Mlan⸗ te aus leisch, uns, ungs⸗ Ende hse zu daß ihter in sie aufen un⸗ fröh⸗ Aus⸗ Theile nmene au auf mmen auden 40 Schwämme wachsen nur auf dem Auswurfe des Viehes. Sollte es ferner nicht Thiere geben, die wie die Pflanzen von den so genannten rohen Naturstof⸗ fen leben? Sie haben wohl Dattel- und Bohrmu⸗ scheln gesehn: diese bilden sich Gänge in den härte⸗ sten Felsen, und scheinen bloß von den aufgelös'ten Theilen des Marmors, des Granits und Porphyrs zu leben. Selbst nackte Würmer, die so genannten Tritonen und Terebellen, findet man in Quaderstei⸗ nen, von denen sie sich wirklich nähren, und die man von ihnen bisweilen ganz durchlöchert findet. Diese Thierchen sind nur einige Linien lang, haben vier kreuzweise liegende schwarze Kiefer die sie bestän⸗ dig bewegen: der Unterkiefer hat eine Spitze, die dem Stachel einer Biene ähnlich ist: an jeder Seite des Körpers haben sie drey Füße, mit deuen sie aus ihrem Munde Fäden ziehn, die sie mit jener Spitze zu einem weichen Gehäuse ordnen, welches sie in dem härtesten Felsen anlegen. Wie oft sieht man nicht in alten Gemäuern den festesten Kalkmörtel von Thierchen zernagt, deren Gestalt man nur durchs Vergrößerungsglas gewahr werden kann! Was der menschlichen Kunst oft nicht gelingt, die festesten Erste Sammlung, 46 50 Mauern alter Gebäude zu zerstören, das vermögen am Ende diese weiche, zarte Würmer, wenn sie Jahrhunderte lang genagt und gebohrt haben. 6.„Pflanzen verbessern, Thiere verderben die »Luft durch ihre Ausdünstung.“ Im Ganzen genommen wahr! Aber genauer betrachtet, nicht durchaus richtig. Zuvörderst ver⸗ bessern nicht alle Theile der Pflanzen die Luft: dies thut nur die grüne Oberfläche. So angenehm die Blüthen oft riechen, so wird durch ihre Dünste doch die Luft verdorben. Nicht zu allen Zeiten wird die Luft durch die Gewächse verbessert: dies ge⸗ schieht nur im Sonnenschein. Auch giebt es wirk— lich Pflanzen, wie die Flechten und Schwämme, die die Luft allezeit verderben. Was die Ausdünstung der Thiere betrifft; so wissen wir freylich, daß so wohl durch das Athmen us durch die Haut⸗Ausdämpfung der meisten Thie⸗ re die Luft verdorben wird. Allein man kann sehr daran zweifeln, daß dies auch bey unvollkommenern Thieren, bey Würmern und Polypen, der Fall ist. Sogar Insecten, wie die Blattläuse, machen hiebon schon, nach neuern Erfahrungen, eine Ausnahme: sie geben keine schädliche Luftarten, sondern man M „eh LI „Hi 2 Mäsh Ma Hulg Hen, subere femen, Mden h her Ium di s j fl dihe V such, schhitte Voltom rmögen aun sie en die nauer i ver⸗ mern list. iebon ihme: Mas. 51 kaun aus ihnen, wie aus den Pflanzen, auf denen sie leben, gute Lebensluft gewinnen. 7.„Von Thieren darf man keinen Theil, kein „Glied trennen, ohne daß es in Fäulniß übergeht. „Jeder Theil lebt nur durch die Verbindung mit „dem Ganzen. Aber bey Pflanzen ist das Vermö⸗ „gen, verlorne Theile wieder zu erzeugen, unge— „mein groß.“ Auch dieser Unterschied verdient eine nähere Prüfung. Es ist keinesweges ein Charakter des Thierreichs, daß jeder Theil nur durch die Vereini⸗ gung mit dem Ganzen lebe. Bey den meisten Wür⸗ mern, vorzüglich bey denen, die in den Eingeweiden anderer Thiere leben, noch mehr aber bey den See— sternen, Meernesseln, Wasser-Schlängelchen oder Naiden, bey unsern gemeinen Wegeschnecken und bey der großen Familie von Polypen, bemerken wir darin die größte Uebereinstimmung mit den Gewäch— sen, daß abgeschnittene Theile bald wieder wachsen; daß selbst mitten von einander geschnittene Thiere dieser Art wieder zu ganzen Thieren erwachsen; daß auch, wenn man das Thier in mehrere Stücke zer⸗ schnitten hat, jedes dieser Stücke wieder zu einem vollkommenen Thiere heran wächst. Das letztere 4* 3² Schauspiel zeigen uns freylich am meisten nur die grüͤnen Arm-Polypen; aber die Wiedererzeugung verlorner Theile finden Sie bey allen jenen Thieren, und die Meernessel oder SeeZ-Auemone(Actinia) wächst zu zwey ganzen Thieren, wenn man sie mit⸗ ten durchgespelten hat. Bey den Pflanzen sind dies Vermögen der Wie⸗ dererzeugung und das für sich bestehende Leben jedes einzelen Theils auch mehrern Einschränkungen un⸗ terworfen. Abgeschnittene Blätter leben nicht fort. Sommergewächse, an der Wurzel abgeschnitten, schlagen nicht wieder aus. Nur diejenigen Theile haben ihr eigenes Leben, die mit Knospen oder Kei— men versehen sind: diese verhalten sich eben so wie die Naiden-Gelenke, die gleichsam Kuospen darstel⸗ len, sich abtrennen und zu ganzen Wasser⸗Schlän⸗ gelchen erwachsen. ä Aus diesem allen können Sie, mein gutes Kind, den Schluß ziehn, daß Pflanzen und Thiere eigent⸗ lich nur ein großes Naturreich ausmachen und durch allmählige Abstufungen in einänder übergehn. Sie können daraus beurtheilen, wie wenig hinreichende Erklärungen man von dem geben kaun, was eigent⸗ lich Pflanze ist. 6 I aitehe H eh, Rl! M i sich fl s W Hucht Cie W Imma 01 M Eöhän gh fimm schrts Ktyfan nut die Hieugung Thieren, Letinia 0 sie mit⸗ Wie⸗ n jedes en un⸗ ht fort. hnitten, Theile Kei⸗ o wie arstel⸗ hlän⸗ Lind, gent⸗ durch Sie hende igent⸗ 33 V. An eben dieselbe. Iu meinem vorigen Briefe, liebe Iphigenia, ent— wickelte ich Ihnen den vorgeblichen Unterschied zwi—⸗ schen Pflanzen und Thieren, und zeigte bey einem jeden, daß er unzulänglich sey, daß sich wenigstens viele Ausnahmen davon augeben lassen. Jetzt aber müssen wir auch die Gränzen zwischen Mineral- und Pflanzeureich zu bestimmen und die Unterschiede der Naturkörper in beiden anzugeben suchen. Wie, sagen Sie, sollte darüber noch ein Zwei⸗ fel seyn, daß sich Gewächse von Erden, Steinen und Metallen himmelweit unterscheiden? Was braucht es dazu noch einer weitern Erörterung?... Sie werden aber von Ihrer Verwunderung zurück kommen, wenn ich Sie daran erinnere, daß man⸗ che Bürger des Pflanzenreiches, besonders einige Schwämme, die als bloße Kugeln oder kleine Stern⸗ chen, oder als Punkte auf Blättern und alten Baum⸗ stämmen vorkommen, sich dem äußern Ansehn nach sehr wenig von den regelmäßigen Bildungen der Salz⸗ Krystalle und der metallischen Krystallisationen unter⸗ scheiden. Das äußere Ansehn mancher salzigen oder. metallischen Bildungen trügt gar sehr, indem es oft mit den Formen der Pflanzen die sprechendste Aehn— lichkeit hat. Wenn man Silber in Salpetersäure oder Scheidewasser auflös't, mit Wasser verdünnt, und viel lebendiges Quecksilber hinzu thut; so ent—⸗ steht eine Menge Bäumchen, die ein sehr schönes Ansehn haben und unter dem Namen des Dianen-⸗ Baumes bekannt sind. Erinnern Sie Sich des Laubwerkes an den Fenstern, wenn im Winter der Frost sehr heftig und etwas Zugluft im Zimmer is?. Eine Menge Steine hat baumartige Zeichnungen, die besonders schön auf einer Art Chal— cedon und Karneol gefunden werden, und die daher diesen Steinen den Namen der Baum? Chaleedone oder Landschaft-Achate erworben haben. Auch im Jaspis und Feuerstein sieht man schwarze Zeichnun— gen von Bäumchen und Sträuchern; dieselben kom-⸗ men auch im Thonschiefer und in der Siegelerde wie im Flußspat vor. Da nun oft auch auf Schie— ferxplatten und Feuersteinen wirkliche Abdrücke von Pflanzen, besonders von Farrenkräutern und Tang⸗ arten, gesehen werden; so lassen sich diese beym ober⸗ llächlichen Anblick nur sehr schwer von jenen einge⸗ gen odet. es oft e Aehn⸗ tersäure kdünnt, so ent⸗ schönes ianen⸗ h des ter der Zimmer nattige Chal⸗ daher edone im nun⸗ kom⸗ lerde chie⸗ bon Lang⸗ obet⸗ isge⸗ 55 sprengten Zeichnungen unterscheiden. Indessen liegen die baumähnlichen Zeichnungen immer in der Sub⸗ stanz des Steins selbst, und werden auch beym Schleifen und Poliren des Feuersteins sichtbar; wo⸗ gegen die Abdrücke nur Vertiefungen in der Ober⸗ fläche bilden und beym Schleifen verloren gehn. Sie sehen also, meine Liebe, daß man allerdings im Mineral-⸗Reiche Bildungen findet, die sehr regel⸗ mäßig sind, und die man für vegetabilische Formen halten könnte, daß also eine genaue Unterscheidung der mineralischen und Pflanzen⸗Bildungen sehr zweck⸗ mäßig ist. Ueberdies werden Sie zugeben, daß zur gründ⸗ lichen Kenntniß eines Gegenstandes das deutliche Bewußtseyn seiner Merkmahle und das Vermögen gehört, diese Merkmahle klar auszudrücken. Gesetzt also, die Pflanzen unterschieden sich von minerali⸗ schen Bildungen sehr bestimmt; so müßten wir Na⸗ turforscher doch deutlich uns dieser Unterschiede be— wußt seyn und sie gehörig ausdrücken können. Man pflegt zuvörderst als einen Hauptgrund des Unterschiedes zwischen Mineralien und Pflanzen an⸗ zugeben, daß Salze, Metalle und Steine bloß durch das Ansetzen der Theile von außen wachsen, daß 56 aber Pflanzen durch eine innere Bewegung der Säf⸗ te, die Folge einer ihnen beywohnenden Kraft, ernährt werden. Allein diese Idee setzt etwas voraus, was nicht erwiesen ist. Die Salz-Krystalle, die metalli⸗ schen Bildungen entstehn nicht bloß durch das Anset— zen von außen: sie setzen eben so gut eine innere Ver⸗ änderung voraus, als die Bildung der Vegetabilien. Und, was die Kraft betrifft, die wir in Yflanzenkör⸗ pern als eigenthümlich annehmen, so ist diese doch ein bloßes Hülfsmittel unserer Unfähigkeit, die wun—⸗ derbaren Bildungen anders zu erklären. Wir sagen, die Kanäle des Baums, die Schraubengänge der Pflanze haben eine eigenthümliche Kraft, die Säfte zu bewegen, weil wir das Aufsteigen der letztern uns nicht näher erklären können. Auf ähnliche Art könn⸗ ten wir bey der Bildung der Krystalle uns mit der Annahme einer Kraft begnügen, die von innen heraus die Spießchen und regelmäßigen Ecken der Salze und Metalle hervor bringt. Weit zuverlässiger scheint mir der Unterschied zu seyn, den man vom ursprüͤnglichen Bau der Ge⸗ wächse und Mineralien selbst hernimmt. Durch das ganze Reich der Gewächse sinden Sie, wie ich Ih⸗ nen oft gezeigt habe, das zellige Gewebe allgemein V Ht 2 E Iin D del: en Kan ihre +Säß⸗ rnahrt bilien. enkör⸗ doch wun⸗ sagen, je der doste uns un⸗ der und hied 32 verbreitet: selbst in den Schwämmten kann man, zwar nicht überall, aber doch meistentheils diesen zelligen Bau darthun, nur daß er sich hier allmählig zu ver⸗ lieren anfängt. In keinem mineralischen Gebilde kön—⸗ nen Sie aber diesen Bau entdecken. Die innern und feinsten Theile eines Salzes, einer Steinart, eines Metalls zeigen gar keine regelmäßige Form, oder man kann sie höchstens in Blättchen und Fasern zerlegen, zwischen denen sich aber keine Säste bewegen. Wenn also gleich der äußere Anschein der baumartigen Zeichnungen auf Jaspis und Achat, auf Schiefer und Feuersteinen für den vegetabilischen Ursprung sprechen könnte; so widerlegt sich die Idee durch eine genaue—⸗ re Untersuchung des innern Vaues am besten. Dann muß ich noch eines Umstandes erwähnen, der einen wichtigen Unterschied zwischen Pflanzen und Mineralien auszumachen scheint. Der innere Bau der mineralischen Gebilde zeigt keine so mannigfaltige Zusammensetzung, keine so vielfache Mischung der Bestandtheile, als wir in Pflanzen und Thieren bemer— ken: daher bleiben die mineralischen Bildungen in ih⸗ rem Zustande, bis die Anziehung gegen einen außern Körper stärker wird, als der innere Zusammenhang ihrer Bestandtheile, Dann werden sie zersetzt, zer⸗ 58 fließen und bilden andere Gestalten. Das Kochsalz macht seine regelmäßige Würfel, wenn die beiden ein⸗ zigen Theile zusammen treten, woraus es besteht. Es behält dieselben, bis zu viel Wasser darauf wirkt; dann lösen sich die Kryställe in dem Wasser auf, und die regelmäßige Gestalt geht verloren, oder bis man Pottasche zugesetzt hat, welche die Säure des Kochsal⸗ zes stärker anzieht. Dann entsteht ein anderes Gebil⸗ de, welches aus fünf- oder sechsseitigen Spießen zu⸗ sammen gesetzt ist. Pflanzen dagegen haben eine vie“ mannigfaltigere Mischung ihrer Bestandtheile, und sind daher äu⸗ ßerst leicht zur Zerstörung geneigt. Dies ungeachtet erfolgt diese nicht; sie widerstehn den äußern Dingen, die ihre Mischung zerstören köunten, bis die letztern überwiegend auf sie einwirken. Hitze und Kälte, Feuchtigkeit und Dürre schaden nur dann dem Ge⸗ wächse, wenn sie zu heftig wirken. Alle Arten von Bestandtheilen der Luft- und Erdfeuchtigkeit, die es anzieht, verwandelt es in seine Natur und bildet sei⸗ ne eigenthümliche Säfte daraus. Dies Vermögen der Gewächse, ihre Mischung zu erhalten, die verschie— denartigsten Dinge in diese Säfte zu verwandeln und den äußein schädlichen Ursachen zu widerstehn, zeich⸗ ochsalz N ein⸗ t. Es virkt; und mah Hsal⸗ zebil⸗ N zu⸗ tigere fy⸗ chtet 5⁰ net sie vor den Mineralien sehr aus. Der Grund dieses Vermögens liegt in ihrem Bau, der sie fähig macht, alles Ueberflüssige und Schädliche ayszuschei— den und sich das Fremdartige anzueignen. Und hierin besteht größtentheils das Leben der Pflanzen. Sie werden aber auch in dieser Rücksicht meh— rere Gewächse bemerken, wo Uebergänge in das Reich der todten Natur sich entdecken lassen. Die Pilze und der Schimmel schießen an dumpfigen, feuchten Orten auf, und kaum haben sie ihre Form erhalten, so zerfließen sie wieder in stinkende Feuchtigkeit oder werden von Maden zerstört. Diese Geschöpfe scheinen wenig innere Kraft zu haben, wodurch sie der Einwir— kung äußerer schädlicher Dinge widerstehn können: die Mischung ihrer Säfte wird äußerst leicht zersetzt. Endlich ist die Fähigkeit der Gewächse, sich auf eine eigenthümliche Weise durch Knospen und Saa⸗ men fortzupflanzen, eine Auszeichnung, wodurch sie sich von den Mineralien unterscheiden. Bey diesen bemerken wir nichts Aehnliches. Pflanzen hingegen haben besondere Werkzeuge der Befruchtung: sie er— zeugen Saamen, aus welchen sich die künftige Pflan— ze entwickelt. Aber gerade diese Eigenschaft der Ge⸗ wächse ist wieder nicht allgemein: es giebt mehrere ö EE MBAEe 6⁰ Familien, wie Flechten, Seegewachse und Pilze, in welchen man bis dahin keine Werkzeuge der Be-⸗ fruchtung mit Sicherheit entdeckt hat. Diese pflan⸗ zen sich also eutweder durch Keime und durch Ver— längerung fort; oder ihre Saamen entstehn auf eine für uns noch unbegreifliche Weise. Meines Erachtens ist unter diesen angegebenen Merkmahlen der zellige Bau, wie ihn die Zergliede⸗ rung darlegt, das einzige, dem man einige Zuverläs⸗ sigkeit und Allgemeinheit beylegen kann; denn die übrigen leiden manche Einschränkungen und Aus⸗ nahmen. VI. An Antonie R.. Sie haben mir erlaubt, meine verehrteste Freun⸗ dinn, mich mit Ihnen über Pflanzen und Blumen schriftlich unterhalten zu dürfen, und ich danke Ihnen herzlich für diese gegebene Erlaubniß: denn was könn⸗ te mir größeres Vergnügen gewähren, als eine schrift⸗ liche Unterredung mit Ihnen, einer so herzlichen und gefühlvollen Freundinn der Natur? Was könnte mir erwünschter seyn, als eine Gelegenheit, wobey ich Hihhe, Be⸗ oflan⸗ Ver⸗ eine henen liede⸗ kläs⸗ die Aus⸗ 61 mich der schönen Stunden erinnere, deren unzählige ich mit Ihnen im Genuß der Natur verlebt habe? Und, wenn ich auch in diesen Briefen bisweilen in den trockenen lehrenden Ton verfallen sollte, so fürch⸗ te ich doch am wenigsten, daß dies von Ihnen gemiß—⸗ deutet werde, da Sie zu gütig gegen mich gesinnt sind, und da ich hoffen darf, daß mancher Aufschluß über Gegenstände des Pflanzenreichs Sie für die Tro⸗ ckeuheit des Vortrages schadlos halten werde. Sie wissen, wie unendlich groß das Gebiet der Pflanzenwelt ist, und wie mannigfaltig die Formen sind, unter welchen uns die Gewächse erscheinen. Von der königlichen Eiche, von der luftigen Palme bis zum Moose, bis zur Flechte an den Felswänden: welch ein Abstand! Welch ein Unterschied besauhenn Ansehens zwischen einem Apfelbaum und einer Wai— zenpflanze! Und dennoch gehört diese wie jener, das Moos wie die Eiche und Palme, zum Gebiete der Flora. Die Bürger dieses großen Reiches lassen sich nun in gewisse Stämme und Familien absondern, wenn wir nämlich die Aehnlichkeit gewisser äußerer Verhält⸗ nisse und Formen zusammen fassen. Diese Familien nach ihren Verwandtschaften und Abweichungen ken⸗ 6² — nen zu lernen, das gewährt uns einen interessanten Ueberblick über das Pflanzeureich selbst, dessen Grän⸗ zen wir freylich nicht kennen, von dessen Umfange wir aber itzt schon weit mehr begreifen, als ehemals. Lassen Sie uns erst jene Propinzen und ihre Bewohner betrachten, von denen es zweifelhaft ist, ob sie von Fauna oder Flora beherrscht werden. Ich meine die Thierpflanzen, deren Sie eine klei⸗ ne Sammlung bey mir gesehen haben. Diese wun⸗ derbare Geschöpfe haben neben einigen thierischen Eigenschaften viele von denen, welche wir gewöhn⸗ lich an Pflanzen bementen. Fest sitzen der Stauden⸗ Korall und der Seekork in den Boden des Meers und in Klippen zeingewurzelt: den kalkartigen Kern umgiebt ein thierischer Ueberzug von lockerem Zell⸗ gewebe, ohne Gefäße, ohne Nerven, ohne Muskeln, ohne Gliedmaßen, mit bloßen sternförmigen Wärz⸗ chen besetzt, die geöffnet die Nahrung anziehn und sich wieder schließen. Andere Pflanzenthiere verdienen noch mehr die—⸗ sen Namen, weil sie, wie ein Gewächs gestaltet, wirklich auch eine Pflanze als Kern enthalten. Vie-⸗ le Arten von Seetang und andern Meergewächsen überziehn sich mit einer thierischen Hülle, die unter sli luch shin W sichn Wch essanten Grän⸗ mfange emals. d ihre ist ist, wun⸗ lischen wöhn⸗ Men⸗ Neers Kern Zell⸗ eln, arz⸗ und die⸗ tet, Vie⸗ ichsen Unter 6³ den Namen der Seetannen, Flustren und Gorgonien bekannt sind. Ich besitze drey Arten von Flustren, an welchen Sie den äußerst zarten feinlöcherigen oder haarigen Bau bewundern mussen. Auch werden Sie Sich des prächtigen Feder⸗ busch⸗Polypen erinnern, von dem ich Ihnen eine schöne Abbildung in einem englischen Werke zeigte, da die Nachricht von seinem wunderbären Zurück⸗ ziehn bey der geringsten Annäherung vor einiger Zeit in unsern Zeitungen seltsam entstellt war. Auch die⸗ 1. ser gehört zu den Thierpflanzen. Die Schwämme machen, in manchen Formen, den Uebergang zum todten Naturreiche: denn von den Krystallisationen der Salze und Metalle zu den vegetabilischen Bildungen auf kranken Blättern, an alten Baumstämmen und auf feuchter Erde, ist nur ein einziger Schritt. Der ganze Unterschied liegt darin, daß jene Salze keinen zelligen Bau haben und sich nicht so fortpflanzen, wie wir es bey diesen rohen vegetabilischen Anflugen bemerken. Man hat gemuthmaßt, ja wohl gar mit Sicher⸗ heit behaupten wollen, die Pilze seyn keine Pflan⸗ zen, sondern ähnliche thierische Produete, als es der Bädeschwamm und die Korallen sind. Zum Theil 64 hat man dies daraus schließen wollen, weil viele Blätterschwämme in ein weißes Pulver zerfallen, aus welchem man sich Maden oder Insecten⸗Lar⸗ ven entwickeln sah. Allein es ist bekannt, daß viele Käser ihre Eyer in Pilze legen; und wenn sich aus diesen Eyern in der Folge Käferpuppen entwickeln, so ist das kein Wunder, und kann eben so wenig sfür einen Beweis des thierischen Ursprunges der Schwämme selbst gelten, als man die Rinde einer Fichte von Käfern erzeugt glauben kann, wenn sich der Borkenkäfer darin findet. Andere Gründe für den thierischen Ursprung der Pilze sind zu unwich— tig, als daß sie einer Widerlegung bedurften. Die Formen dieser zahlreichen Familie sind au⸗ berordentlich verschieden. Bald sieht man sie mit einer hutförmigen Ausbreitung, und diese ist dann an der Unterfläche entweder blätterig, oder löcherig, oder stachelig, oder warzig, oder ganz glatt. Bald sind sie keulenföͤrmig verdickt, bald aufgeblasen und glatt, bald gegittert, bald oben ausgehöhlt und mit Keimen oder linsenförmigen Körpern angefüllt. Bald stellen sie Kügelchen, mit glatter oder borsti⸗ ger Oberfläche, Becherchen, Röhrchen und Fäden dar, die sich wieder auf mannigfaltige Art öffnen und ihren Saamen von sich geben. eil viele zerfallen, ken⸗Lar⸗ aß viele sich aus twickeln, owenig ges der de einer enn sich nde für unwich⸗ ind au⸗ ie mit t dann cherig, Bald und nd mit gefüllt. borsti⸗ Hden Ifhe 6⁵ Das Studium der Schwämme ist der schwie⸗ rigste Theil der Botanik. Die unendlich abweichen—⸗ den Formen setzen dem Naturforscher Hindernisse entgegen, die bis itzt zum Theil unüberwindlich sind. Von den Befruchtungs-Werkzeugen entdecken wir in den Schwämmen nichts: sie zeigen uns bloß eine zellige Struetur, die oft auch faserig und mit einer Menge saamenähnlicher Kügelchen angefüllt ist. Bey einer Gattung, die man Achtsaame nennt, liegen diese Saamen allezeit zu achten in einer eigenen Röhre. Flechten und Seegewächse machen wie— der eine eigene Familie aus. Man begreift unter dieser Benennung zuvörderst alle die baumförmigen, strauchartigen oder fadenförmigen Gewächse, die im Meere, zum Theil auch in unsern süßen Wassern, unter dem Namen: Tang, Watte und Wasserfaden, vorkommen. Bey diesen bemerkt man Bläschen oder Kügelchen, die entweder in der Substanz der Pflan⸗ ze selbst/ oder unter, oder auch über der Oberhaut sitzen, und die man eben so gut für Keime als für Saamen halten kann. Dann versteht man unter eigentlichen Flechten die läubförmigen, straucharti⸗ gen oder schorfähnlichen Ueberzüge der Felsen und Erste Sammlung. 6⁰ Bäume. An diesen hat man bis itzt auch nicht mit Sicherheit Befruchtungs-Werkzeuge entdecken köu— nen. Sie tragen bloß Knäuel, Kügelchen, Schild⸗ chen oder Värzchen, in welchen man manchmahl Saamen deutlich bemerken kann. An den Rändern des Laubwerkes sieht man oft, besonders im Früh—⸗ ling und mehlichte Anflüge, die man sür Vefruchtungs⸗Werkzeuge gehalten hat, die aber wahr⸗ scheinlich nichts anders als Ausätze ju inger Triebe sind, in die sich das Laub der Flechte verlängert. Ganz zellig ist der Bau dieser Gewächse eben so wenig als der Bau der Schwämme. Ihre Sub⸗ stanz ist oft mehr faserig und scheint sich so wohl hierin als in dem Mangel der Beseuchtungs⸗Werk⸗ ilungen zu näähein. Auch giebt es mehrere dieser Geschöpre, deren Mi⸗ schung so genau mit den Bestaudtheilen der Rin⸗ den und Felßen überein kommt, auf welchen sie sitzen, daß man auch därin einel Uebergang zu dem tod— ten Naturreiche finden kann. ö ESine andere Familie unvollkommener Gewächse machen die Farrenkränter aus. Man nennt solche Pflanzen Farrenkrauter, die ihre Saamen in eigenen Kapseln äuf der Rückseite der Blätter oder Herhe dlel y icht mit ken fot⸗ GOchild⸗ ihmahl lindern Früͤh⸗ an sü wäht⸗ Niebe ert. e eben Gub⸗ bohl Lerk⸗ Hherk. Mi⸗ Rin⸗ then, tod⸗ zchse Heunt i ct 67 auf eigenen Stielen tragen. Ihre Befruchtungs⸗ Werkzeuge glaube ich eben itzt entdeckt zu haben. Die ganze Pflanze besteht gewöhnlich aus einem ge⸗ stielten, mehrentheils gefiederten Blatte, welches in sich selbst gewunden aus der Wurzel aufschlägt und auf seiner Rückseite in eigenen Pünktchen eine Menge Kapseln trägt, die mehrentheils mit einem gegliederten Ringe umgeben sind und die Saamen enthalten. Werden die Saamen reif, so verdünnt sich die Kapsel immer mehr, der federharte Ring platzt und die Saamen sprühen heraus. Einige Wassergewächse rechnet man auch zu die⸗ ser Familie, die auch spiralförmig aufgehen und deutliche BVefruchtungs⸗Werkzeuge in eigenen Kap⸗ seln tragen, die an den Wurzeln fitzen. Noch deutlicher, obgleich nur durch starke Ver⸗ größerungen wahrzunehmen, sind die Werkzeuge der Befruchtung bey den Moosen. Dies sind ästige, blätterreiche Gewächse, deren Werkzeuge der Befruch⸗ tung mit besondern Saftfäden untermischt sind und die Saamenkapseln tragen. Man theilt die Moose ein in Laubmoose und Le⸗ bermoose. Jeue haben Kapseln, welche, mit einein De⸗ ckel versehn, oben sich öfnen, und deren Mündung ot 5 =q́=ä—¼k VI 68 mit Zähnen besetzt ist. Die Kayseln der Lebermoo⸗ se springen von einander und verstreuen so ihre Saamen. „Wir unterscheiden ferner die Familie der Gra⸗ ser; Gewächse, die mit langen schmalen Blättern versehn sind, farbenlose Blüthen tragen und mehren⸗ theils auf zwey bis drey Befruchtungs Werkzeuge in jeder Blüthe eingeschränkt sind. Die herrlichen Palmen, wovon Sie fünf Gattungen in unsern Treibhäusern sehen können, machen auch eine eigene Familie aus. Ihr baum— artiger Stamm theilt sich nicht in Aeste, sondern treibt unmittelbar die mehrentheils gefiederten Blät⸗ ter hervor. Die Blumen sitzen an einem Kolben, der aus einer eigenen Scheide hervor kommt. Die Familie der Dolden⸗Pflanzen zeichnet sich durch mehrentheils gefiederte Blätter, durch ei⸗ nen krautartigen Stengel, und dadurch aus, daß die Blumen auf einzelen Stielen sitzen, welche strah— lenförmig und fast in gleicher Länge aus einem ge⸗ meinschaftlichen Mittelpunkte kommen. Dies sollen, meine theure Freundinn, bloß Bey⸗ spiele seyn von den mannigfachen außern Formen, welche wir im Gewächsreiche antreffen. Man hat I ce le 66 Iun Me 0 Lehernyh, she nehren⸗ eekzeuge 2 fünf ömen, Hun⸗ undem RNlt ben, ichhet H.ei⸗ daß siah⸗ N gei DMh Iumeh, Hit 69 5 versucht, nach diesen äußern Formen alle Pflanzeu unter gewisse Stämme und' Familien zu bringen, und hat diese Ordnung vorzugsweise für die natür⸗ liche ausgegeben: allein es ist fast nicht möglich, hierin jemals zu dem Zwecke, einer überall genug— thuenden Anordnung der Pflanzen, zu gelangen; es ist, als ob die Absicht der Natur dahin ginge, alle Anmaßungen des Menschen zu Schanden zu machen, indem sie uns überall so viele Ausnahmen zeigt, daß jeder Versuch, ein so genanntes natürliches Sy⸗ stem gründen zu wollen, daran scheitern muß. VII. ö An Wilhelmine S. 37 Ich habe mich gefreut, mein liebes Minchen, wenn ich Ihnen und Ihren Freundinnen das Vaterland fremder Pflanzen nannte, daß Sie Sich vorzüglich leicht des Klima's und der Lage desselben erinnern konnten. Sie scheinen also von den großen geogra⸗ phischen Kenntnissen Ihres Vaters manchen Vor⸗ theil gezogen zu haben: Sie scheinen es einzusehn, wie wichtig es für einen jeden gebildeten Menschen ist, die Erde und ihre Bewohner zu kennen. 1 70 Vorzüglich nütlich it bem Botaniker, den Pflanzen⸗Liebhaber, dem Auffeher über Gärten und Plantagen eine genaue Uebersicht der verschiedenen 0 Klimate, deren fremde Pflanzen in ihrem Vater⸗ 10 lande genießen, weil man sonst ihre Pflege nicht ge— hörig einrichten kann. Unter physischen Klima versteht man die Be⸗ 10 schaffenheit der Luft und der Witterung, welche Fol-⸗ 5 ge der Entfernung einer Gegend vom Aequator und von den Polen, Folge der Höhe eines Ortes über 0 der Meeresfläche, Folge der Beschaffenheit des Bo—⸗ dens und der Umgebungen eines Landes, Folge end⸗ lich der hiedurch bewirkten regelmäßigen oder unre? 50 gelmäßigen Winde, der besondern Wirkung der Son⸗ 5 nenstrahlen, der öftern oder seltenern Regen u. s. f. Mx ist. Zaum physischen Klima trägt also hauptsächlich in die Eatfernung der Gegend vom Aequator oder die N Breite des Ortes bey. Viele Gewächse sind z. B. c bloß auf die Länder zwischen den Wendekreisen ein⸗ 8 geschräkt; andere kommen nur in den Polar: Ge⸗ Wf genden vor: noch andere, aber wenige, giebt es, die, wie der Mensch und die Hausthiere, jedem Klima hin trotzen und überall fortkommen. Der gemeine Nacht= 95 schatten, der Sellerie, die gemeine Kohldistel, der a ** /den ken uhd eheneß Mter⸗ st g⸗ keine Nachrichten, — Hühnerdarm, das Knauelgras scheinen zu diesen Ge⸗ wächsen zu gehören: man findet sie unter dem Ae⸗ quator, auf den Südsee⸗Inseln, in Afrika, in Grön⸗ land und Island. Die Erdbeere wächst durch ganz Europa bis in die schwedischen Lappmarken, in Asien bis Hautrre in Afrika unter dem Aequator: sie kommt in Brasilien, in Peru, in Cayenne, wie in China und Japan fort. Dagegen sind andere Gewächse wieder auf eine haben wir einzele Gegend eing geschränkt wenigstens daß 1 sie andetsid wild wo chsen. So hat das Feuerla land seine ne Flor, und jene Ge⸗ wächse, die Ihr verewigter i dort fand, sind bis itzt in keinem andern Erdstriche gesun Nur auf Island und auf Stromde, einer der Faer⸗ der, wächst die Königig: nur auf der höch⸗ sten Alpen am See Baikal kommt d e Schne fort, wovon ich neulich der Gräun S... in P. hrer Fa ein Exemplar schickte, der Freundinn Ihr weil sie dies Mittel gegen die Gicht brauchen wollte. Allein manche Gewächse 9—3 ehemals als eigen⸗ thümlich in einem einzelen Lande angesehen worden, die man, bey genauerer und adenwre Forschung, auch in andern Gegenden angetroffen hat. Ein schwe— 2² discher Naturforscher Osbek fand auf der unwirth⸗ baren Ascensions⸗Insel, westlich von Afrika, ein Gras, Aristida, welches man eine Zeit lang dieser Jusel ei⸗ genthümlich glaubte; allein itzt weiß man, daß es auch auf Jamaika häufig ist und selbst in Arabien vorkommt. Eine Art Rauke(Silymbrium) hat man nach der Insel Mona bey England benannt, weil man glaubte, daß sie hier nur allein zu fnden sey; aber man hat sie seit Kurzem auch in Ungarn an— getroffen. So hielt man bisher eine merkwürdige Art Lebermoos, Targionia, dem Plauer Grunde bey Dresden für eigenthümlich; allein ich habe sie auch auf unsern Kröllwitzer Felsen ziemlich häufig ge⸗ funden. Es ist durchaus nothwendig, daß man mit der Eutfernung einer Gegend vom Aequator oder mit seiner geographischen Breite zugleich seine Höhe üͤber der Meeresfläche vergleiche, weil sich darnach die Demperatur und die Beschaffenheit der Luft richten. Es giebt mehrere Gegenden zwischen den Wendekrei⸗ sen, und selbst unter dem Aequator, die sehr hoch liegen und voll Gebirge sind, und deren Gewächse eben deßwegen in unsern nordlichen Breiten recht wohl fortkommen. Die Pflanzen aus Peru und ‚‚‚‚‚‚ 73³ mü Chili wollen größtentheils nur gegen die strenge⸗ sten Fröste Schutz in unsern Gewächshäusern haben; Nel aj⸗ den ganzen Sommer hindurch dauern sie im Freyen aus. Peru liegt zwar unter dem Aequator, aber Ain die höchsten Gebirge in der Welt, die Cordilleras, man die fast zur Hälfte mit ewigem Schnee bedeckt sind, , heil gehen der Länge nach durch dies Land hin. n sh; Auf der Insel Bourbon, östlich von Madaga⸗ arn al scar, also noch innerhalb der Wendekreise, erhebt sich ninine eine Gebirgsfläche bis über die Wolken, die man u die Kafferfläche nennt. Sie ist mit einer Menge se auh thurmhoher Kegel besetzt, die einander vollkommen ssy g ähnlich und den französischen Einwohnern der Insel uuunter dem Namen: Pitons, bekannt sind. Diese ke⸗ it det gelförmige Felsen sind mit einem beständigen dicken nit Nebel umgeben, der sehr oft zu Reif wird, und in über dieser Höhe gedeihen die Pflanzen vortrefflich. Un⸗ die ter andern wächst hier eine Dombeya, deren die In⸗ hten. sel allein zehn Arten fast ausschließlich besitzt, zu ei⸗ q ner beträchtlichen Höhe. II Warum vertragen viele ostindische Pflanzen un⸗ Mähe ser Klima sehr gut? Weil der nordliche Theil voaon uch ö Ostindien zwar nicht weit über den Wendekreis des 9„ Krebses hinaus geht, aber voll hoher Gebirge und 7 * 4 die Kälte in dieser hohen Gegend so groß ist, daß un schon Alexander auf seinem Feldzuge die Folgen da⸗ von empfand, und Bernier, der im vorigen Jahr— Hl hundert den großen Mogul auf einer Reise nach I. Kaschmire begleikete, vor Frost umkommen zu müs⸗ Rl sen glaubte. W Die eigentlichen Alpen oder Felsgebirge, die fe aus ursprünglichen Steinarten bestehn und sich zum Ih Theil in die Wolken erheben, sind durchgehends sehr X reich an Gewächsen, und diese Gewächse sind solchen 0 Gegenden eigenthümlich. Die Alpen⸗Gegenden sind 0 sehr reich an Pflanzen, theils weil sie beständig mit einem dunstigen Luftkreise umgeben sind, theils weil ö der Boden sumpfig und voll Quellen ist/ die durch 538 Niederschläge aus den Wolken entstehn und in den 1 dichten Mooslagen, die die Felsen bedecken, unver⸗ 0 siegbar bleiben. Eigenthümlich sind den Alpen diese Pflanzen, weil sie nirgends diese Atmosphäre und diesen Boden sinden. Doch kommen sie bey einiger 4 Aehnlichkeit des Bodens und der Luft bisweilen auch 4 in andern Gegenden fort. Auf unsern Bergen bey x Schmon, südlich von Querfurt, habe ich mehrere Flechten gefunden, die man sonst nur den helveti— schen Alpen und den Harzgebirgen zuschrieb. Die 7 15 nördlichen Polar-Länder haben viele unserer Alpen⸗ Pflanzen. Die Zwergbirke wächst bey uns auf der Spitze des Bröckens und der Achtermannshöhe, mit der Rauschbeere, der Sumpf-⸗Heidelbeere, dem Wolfsfuß und der Alpen-Anemone. Diese Pflan⸗ zen findet man in Lappland auf ebenem Boden. Am Fuße des Berges Ararat fand Tournefort die ge⸗ wöhnlichen armenischen Pftanzen; höher hinauf eini⸗ ge, die in Schweden vorkommen; und auf der höch⸗ sten Spitze verschiedene Arten von Steinbrech und Habichtskraut, die den nördlichen Polar⸗Ländern ei⸗ genthümlich scheinen. ö Alpen in gemäßigten Erdstrichen, z. B. die hel⸗ vetischen, bringen, wie Haller bemerkte, Pflanzen der verschiedensten Klimate hervor, weil die Tem⸗ peratur und der Boden von den heißen Thälern bis zu der Schnee-Region alle mögliche Abstufun⸗ gen darbieten. Im Walliser Lande kann man in einem Bezirke von sechs ü Meilen eine Me ge Pflanzen, die vom 40sten bis zum 7osten Grade Norder Breite wachsen. Dalele Bemerkung machte Saunders in Thibet. Auf den europäischen Alpen, auf den Pyrenäen, wie auf den Tauern im Salzburgischen und Oest, 7 reichischen, hört die Vegetation bey einer Höhe von 120⁰0 Klaftern auf. Je nüher man der Region des ewigen Schnees kommt, desto kleiner und verkrüp⸗ pelter werden die Gewächse: am Ende findet man nur noch Moose und Flechten, und endlich verlieren sich auch diese, um dem alten Chaos Platz zu machen. Auf den Cordilleras in Südamerika hingegen er— streckt sich die Vegetation bis zu einer Höhe von 2300 Klaftern. Sträucher findet man dort erst wieder, wenn man 450 Klafter unter die Schnee⸗ Region herunter gestiegen ist. Davon kommen frey⸗ lich manche Ausnahmen vor: Saussure fand auf dem Montblane in einer Höhe von 1780 Klaftern noch die Seidelbast-Staude; la Billardière auf dem Pie von Tenueriffa, über der Wolken⸗Re⸗ gion, noch einen Pfriemen⸗Busch. Viele Alpen⸗Pflanzen kann man in Gärten ziehn, wenn man ihnen eine reine, fette Heide-Er⸗ de giebt, sie mit Steinen und Felsstucken umgiebt, sie in Schatten säet und beständig feucht hält. Auf solche Art habe ich schon manche schöne Alpen-⸗ Pflanze gezogen. Einige aber, die Alp⸗Balsame, die Steinbrech-Arten, widerstehn oft aller Kunst, und lässen sich weder aus Saamen ziehen, noch auch ver⸗ pflanzen. ů Ih Irt U1 uh tet he hon n des tktůͤp⸗ i nur sich chen. mer⸗ von erst nee⸗ stey⸗ auf tern 7⁷ Insel-Länder und solche, die überall vom Meer umgeben sind, pflegen die meisten und schönsten Pflanzen zu tragen; auch gedeihen andere Gewächse auf Inseln am besten. Liegen die Inseln überdies noch in gemäßigten oder warmen Erdstrichen, eut—⸗ halten sie Gebirge, so bieten sie das Schauspiel der üppigsten Vegetation und der größten Fruchtbarkeit dar. Die reichste und schönste Flor findet man un⸗ streitig auf der Insel Madagasear, ww bis 5000 Arten wachsen sollen; dann auf den Sechelles und Masca⸗ renhas; ferner auf den Antillen, besonders auf St. Domingo und Jamaika; auf den Molucken, auf den Südsee⸗Inseln und auf den Inseln des ägäi⸗ schen Meers. England ist seiner überaus schönen Vegetation, des köstlich grünenden Teppichs seiner Wiesen wegen berühmt: aber es wird auch über⸗ all vom Meer umschlossen, und das Klima ist viel milder als auf dem festen Lande unter gleicher Breite. Welche reiche Mannigfaltigkeit der herr— lichsten Früchte, der kräftigsten Gewürze liefern uns die moluckischen Inseln; und was kommt der Frucht⸗ barkeit der Soeietäts⸗ und freundschaftlichen Inseln bey, wie sie Ihr Großvater uns zu schildern yflegte! Der Weinstock, der Feigenbaum, die Olive, der 75 * Kastanienbaum und unsere Getraide⸗Arten gedeihen auf den Inseln des ägäischen und mittelländischen Meers am besten. Dagegen kominen aber auch Ju⸗ seln vor, die, weil sie einen sehr unfruchtbaren Bo⸗ den haben oder unter einem zu kalten Himmels- striche liegen, die dürftigste Flor darbieten. Auf Spitsbergen hat man mit allen Flechten nur sechs und dreyßig, auf der Beerings⸗Insel, östlich von Kamt⸗ schatka, gar nur zwölf, auf Kerguelens Land einige funfzig/ auf der Ascensions⸗Insel überall uur vier Pflanzen gefunden. Die Ascensions⸗Insel ist freylich nur ein nackter Felsen; aber mehr Pflanzen hat sie gewiß, wenn man Moose und Flechten mit rechnet. Je entfernter hingegen eine Gegend vom Ufer des Meers ist, je weniger Flüsse sie durchkreuzen, und je weniger Gebirge sich darin erheben: desto är⸗ mer ist sie an Pflanzen. Die eigentlichen sibirischen Steppen, die großen Karro-Felder im Innern von Afrika, die öden Sierren in Spanien, die unüber⸗ sehbaren Llanos in Neu⸗Grenada haben eine ver— hältuißweise dürftige Flor. Aber gerade in solchen öden Gegenden kommen die saftigsten Pflanzen, die helaubtesten Bäume vor. Unsere Aloen, Fackeldi— stela, Zaserblumen und Stapelien kommen aus den mi Oisn rihe iheh Mx 0 U ö Mohl ihl sht! lue RNf i N 10j6 Füch H eheihen hischen *. 0 und amt⸗ inige vier 79 7 dürresten Karro⸗Feldern; und welcher Reichthum an Säften, welcher üppige Wuchs zeichnet diese Ge⸗ wächse aus, die sich bloß vom Thaue des Himmels nähren! Selbst die sibirischen Pflanzen sind zum Theil sehr fett und saftig, ob sie gleich auf den öde⸗ sten Ebenen fortkommen. In Habessinien findet man den Sykomorus, eine Feigenart, die mehrere Jahrhunderte alt wird und fast gar keines Regens zu ihrem Fortkommen bedarf. Es scheint die Ab⸗ sicht der Natur gewesen zu seyn, in diesen unwirth⸗ baren Gegenden Mittel hervor zu bringen, wodarch der Durst, in Ermangelung alles Trinkwassers, ge⸗ löscht werden könnte. Dazu dienen wenigstens die Zaserblumen, die man im südlichen Afeika Kan⸗ na⸗Sträucher nennt. Dazu dienen in Amerika die Früchte der Fackeldisteln, die man Prickel⸗ oder Erdbeeren⸗Virnen nennt. Es ist bekannt, daß viele Pflanzen, aus einem Lande in das andere und aus einem Welttheile in der andern versetzt, sich oft an das Klima dergestalt ge⸗ wöhnen, daß sie in der Folge fast als einheimisch be⸗ trachtet werden. Der Reiß ist eigentlich in Ostindien zu Hause: zu Ende des vorigen Jahrhunderts brachte man ihn nach Italien, und man baut ihn dort bis 80 in Ober⸗Italien hinein. Die Nachtkerze oder Ra⸗ pontika ist in Virginien einheimisch, allein itzt wächst sie fast durch ganz Europa ohne alle Cultur. Das kanadische Erigeron ist seit Jahrhunderten schon ein allgemeines Unkraut in Europa. Den Stechapfel sollen die Zigeuner aus dem Oriente zu uns gebracht haben, und wie gemein ist er itzt nicht! Und unsere Kartoffel, welch eine Wohlthat der Vorsehung, daß sie sich an unser Klima gewöhnt hat, ungeachtet sie aus Peru zu uns gebracht ist! Ganz hat sie sich frey⸗ lich nicht der mildern Luft in ihrem Vaterlande ent⸗ wöhnt, aber sie ist doch viel härter geworden als ehemals. Man macht oft mit glücklichem Erfolge mehre⸗ re Versuche, schöne und nutzbare Gewächse an unser Klima zu gewöhnen, und es gehört diese Kunst zu den nützlichsten Theilen der Gärtnerey. Die schöne Fuchsia von den Falklands⸗Inseln kann man sehr wohl im Freyen ziehen: der virginische Schneebaum, die südliche Cereis halten sehr gut bey uns im Freyen aus. Die letztere wächst zwar im nördlichen Afrika, in der Nähe des Wendekreises, aber auf den höchsten Gebirgen des Atlas, und Sie können täg⸗ lich sehen, wie gut sie bey uns gedeiht. Freylich oder R/ ht wichs 1. Das chon ein vchapfel hebracht unsere 0% daß htet sie ch frey⸗ üde ent⸗ den al mehre⸗ unser unst zu schöne an sehr eebaum, und im ddliche auf den heh tiz⸗ Fuhhi 81 aber werden diese Versuche mit tropischen Gewäch⸗ sen nie gelingen. Man wird den Kaffebaum und das Zuckerrohr zwar an die Luft in unsern Wohn-⸗ zimmern gewöhnen können, aber nie an unsere freye Atmosphäre. So gelingen auch gewiß die Versuche nicht, Pflanzen aus sehr kalten Gegenden an warme Klimate zu gewöhnen. Ich bin gewiß, daß wir kei⸗ ne isländische Königia, keine lappländische Diapen⸗ sia bey uns ziehen können. Eben so wenig wird es gelingen, unsern Weinstock in Westindien oder auf den Molucken mit Erfolg zu eultiviren. Er wächst nur außer den Wendekreisen bis zum sssten Grade der Breite. Gewisse Familien von Pflanzen scheinen eben— falls an gewisse Länder gebunden zu seyn, oder sie scheinen wenigstens, wegen klimatischer Verhältnisse, gewisse Länder zu lieben. Moose und Flechten kom⸗ men weniger in warmen als in kälten Klimaten vor. Schweden, Schottland, Helvetien und unser lieber Harz sind bis itzt die Schatzkammern der eu⸗ ropäischen Moose und Flechten. So ist es auch auf der südlichen Halbkugel. In Patagonien, an der Ma⸗ gellanischen Meerenge und auf dem Feuerlände ist alles mit Mopsen bedeckt. Ja, dort nehmen, wie in Erste Sammlung. 6 8 Lappland und Island, wegen der Kälte des Klima's die meisten übrigen Pflanzen ein moosartiges Ansehn an. Die Winterana war fast der einzige eigentliche Baum, den Ihr Großvater auf der Küste des Feuer— landes bey Kap Noir fand; alle übrige, die antarkti— sche Birke und Buche, die Arbutus-Arten, die Do-⸗ natia, waren durchaus zwergartig. Moose und Flechten kommen aber doch in war— men Ländern, selbst zwischen den Wendekreisen vor, wenn das Land sehr gebirgig ist. Auf Jamaika fand der schwedische Naturforscher Olaus Swartz eine reiche Aernte der schönsten Moose, wovon ich Ih— nen viele zeigen kann, die er mir mit der freund—⸗ lichsten Bereitwilligkeit mitgetheilt hat. Was mö— gen auf den Cordilleras, auf den Smaragden-Ge— birgen in Habessinien, auf den Alpen im Königreich Tombuktu, auf den Bergen, die die Kaffern den Weltrucken nennen, noch für Tausende von Moosen seyn, die ganz neue Gattungen und Arten darstellen! Denn, daß Afrika nicht auttioßt von Moosen ist, hat Desfontaines bewiesen, der vom Atlas ei⸗ ne beträchtliche Menge mitbrachte. Und sollten die gaurischen Gebirge, sollten der alte Imaus und Kau-⸗ kasus, sollten das gebirgige Thibet, China und die Flimpz Dusthn Htliche Feuer⸗ arkti⸗ Do⸗ thar⸗ vor, fand eihe „N- culd⸗ na⸗ Ge⸗ eich den osen len! ist, 8 eis udie Kau⸗ .Re 83 Mongoley nicht noch unzählige neue Arten aus die— ser Familie aufzuweisen haben? Auch Neu-Holland wird noch einen sehr wichtigen Beytrag liefern, da Dampier schon eine betrachtliche Menge Moose von dort mitgebracht hat. ö Farrenkräuter sind am häufigsten in den Ländern zwischen den Wendekreisen. Fast drey Viertheile der uns bekannten Arten dieser Familie sind in Westindien, auf den Inseln der Südsee und auf den Molucken zu Hause. Deutschland besitzt von den 300 bekannten Ar⸗ ten dieser Familie kaum 60. Bey uns sind sie kraut⸗ artige Pflanzen: in Westindien aber, besonders auf Martinique, und auf einigen Molucken, giebt es Far⸗ ren⸗Bäume, die bis 16 Schuh hoch wachsen und mit den Palmen die größte Aehnlichkeit haben. Ei— nige Farrenkräuter finden sich öͤberall, wie das Pil⸗ lenkraut, die Marsilea und Salvinia. Palmen gedeihen nur zwischen den Wendekreisen: höchstens trifft man im südlichen Spanien die Fü⸗ cherpalme. Knabenkräuter oder Orchiden glauben wir auf den Bergwiesen unsers Harzes in reichlicher Anzahl zu finden; aber sie halten keine Vergleichung aus mit der zahllosen Menge der prachtigsten und seltensten Orchiden auf den Molucken, auf den Süd⸗ 6* 84 see-Inseln und in Südamerika. Ruiz und Pa⸗ von, zwey spanische Naturforscher, die sich viele Jahre in Peru aufhielten, versichern, daß die Zahl der Orchiden in jenem Wunderlände sich bis auf tausend belaufe. Die Gebirgsgegenden an der südlichen Spitze von Afrika prangen mit mehr als hundert Arten Za— serblume/ mit eben so viel Arten Heidekraut, mit funfzig Arten Stapelien, mit sechzig Arten der köst⸗ lichen Silberfichte, die sich nirgends weiter finden. VIII. An Frau von G. Si. haben ganz Recht, gnädige Frau, wenn Sie meinen, ohne vorher gegangenen Unterricht über das, was man zu untersuchen habe, könne man schwerlich eigene Untersuchungen des Baues der Gewächse an⸗ stellen. Ihr sehr gutes Mikroskop, das Sie Sich nach meinem Rath angeschafft haben, wird Ihnen in einzelen Theilen der Gewächse, die Sie unter⸗ suchen, ein verworrenes Gewebe, eine Menge wun⸗ derlich gestalteter Kanäle, Röhren und Körperchen zeigen, deren Verhültnisse Ihnen dunkel bleiben, de⸗ u Pa— ch viele ie Zahl is auf Syitze en Za⸗ t/ mit köst Iden. Sit das, erlich se an⸗ Sich Ihnen Ulter⸗ wun/ Nachin / V 85 ren Entstehung und Bestimmung Sie nicht einsehn werden, wenn Sie nicht vorher darüber belehrt sind. In der That getraue ich mir zu behaupten, daß jede Naturforschung erst dann interessant und wahrhaft nützlich wird, wenn man weiß, worauf es ankommt und was man zu suchen hat. Nur muß man sich davor hüten, daß man nicht mit vorgefaßter Mei— nung die Forschung der Natur anfange. Man muß niemals darauf es anlegen, irgend eine Theorie oder eine Meinung durch Versuche bestätigen zu wollen; denn sonst wird. man, geblendet von dieser Lieb⸗ lingsmeinung, leicht alles sehen, was man will. Ganz vorzüglich wichtig ist diese Regel bey mikro— skopischen Untersuchungen, wo das Auge weit leichter getäuscht werden, wo man den Gegenstand nicht von allen Seiten betrachten kann, und wo also die Ein— bildungskraft oft das ersetzt, was die Sinne nicht mehr erreichen. Man hat von je her in der Naturlehre der Ge— wächse den Hauptfehler begangen, eine Aehnlichkeit im Bau und in den Verrichtungen der vollkomme—⸗ nern Thiere und der Gewächse voraus zu setzen, die durch die unbefangene Forschung durchgehends wi— derlegt wird. Die ältesten Naturforscher eigneten 56 den Pflanzen Seelen zu, verglichen die Wurzeln mit dem Magen, die Blätter mit den Haaren der Thie— 6 re, und wurden durch diese willkührlich voraus gesetz⸗ 6 te Aehnlichkeit unfähig, die Wahrheit zu erkennen. So giebt es auch viele neuere Schriftsteller, die von u zu⸗ und zurück führenden Gefäßen, sogar von Appe— ů titen, Willensfähigkeiten und Empfindungen der N Pflanzen sprechen, um nur jene Idee von der Aehn-⸗ 6 lichkeit der vollkomnienern Thiere und der Pflanzen E „„ auszuführen. ö So unrechtmäßig diese Schlüsse sind; so wich⸗ tig scheint mir für den Naturforscher des Pflanzen⸗ reichs die Untersuchung der unvollkommenern Thiere, besonders der Thierpflanzen, zu seyn, weil hier die Uebergänge von dem einen Reiche in das andere of⸗ 6 fenbar sind. Die Zergliederung nackter Würmer, vorzüglich der Polypen, zeigt uns allerdings einen Bau, der mit dem Ban vieler Gewächse einige Aehnlichkeit hat. Allein diese, wie ich glaube, sehr wichtige Idee hat noch Niemand verfolgt, noch Nie⸗ mand ausgeführt. ö ö Die mikroskopischen Untersuchunzen des Baues der Gewächse haben ihre große Schwietigkeiten, die ů man nie übersehen muß, damit man nicht, durch Heln nit er Thie⸗/ geseh⸗ kkennen. die von Appe⸗ u der Aehn- lanzen uich⸗ lanzen⸗ Hiere/ die Eof⸗ mer, linen ilige seht Nien Bales di Dunch 87 den Aublick getäuscht, statt der Göttiun der Wahr⸗ heit, eine Wolke umarme. Wer auch, mit den be⸗ sten Werkzeugen versehen, die selben noch so geschickt zu gebrauchen versteht, wird doch beständig finden, daß die feinsten Theile sich nicht ganz dem Blicke enthüllen. Man muß also immer den Verstand und die Einbildungskraft zu Hülfe nehmen, um Schlüs⸗ se aus dem Beobachteten zu ziehen, und in diesen Schlüssen kann man sich nur gar zu leicht irren. Deßwegen aber die mikroskopischen Untersuchun⸗ gen als trüglich zu verwerfen, oder gar, wie ein neue⸗ rer Schriftsteller gethan hat, alles fur Täuschung zu erklären, das würde heißen, aller Naturforschung ein Ziel setzen, wenigstens ihr eines der besten Mittel rau⸗ ben, wodurch sie ihrem Zwecke näher gebracht wird. Vielfältige Untersuchungen und beständiges Nach⸗ denken über den Bau der zartern Theile der Gewäch⸗ se werden noch nöthig seyn, ehe wir nur mit einiger Gewißheit die Verhültnisse diefer Theile zu einan⸗ der und ihre Verrichtungen erklären können. Vor der Hand müssen wir uns mit Vermuthungen be—⸗ helfen, die schon sehr viel gewonnen haben, wenn man sie nur zu einiger Wahrscheinlichkeit bringen kann. 88 Die erste und wichtigste Frage, die aber auch am schwersten zu beantworten ist, wird immer die seyn: Worauf, auf welche Form führt uns alle Zer⸗ gliederung der Gewächse zurück? Was ist das erste/ woraus sich die Theile des Gewächses bilden, und was das letzte, was uns die Zergliederung als Grän-⸗ ze der vegetabilischen Bildung zeigt? So viel ich bis itzt weiß, meine Gnädige, scheint sich die Natur bey Pflanzen wie bey Thieren in der Bildung eines Gewebes zu gefallen, welches wir am besten mit den Bienenzellen vergleichen und, um kurz zu seyn, Zellgewebe nennen können. Die— ses Zellgewebe besteht aus Höhlen von sehr verschie— dener Gestalt, bald mehr oder weniger gestreckt, bald locker; bald vier-oder sechseckig, bald rund oder von unregelmäßiger Form. Es haben diese Höhlen mit einander Gemeinschaft: denn einige Scheidewände sind durchbrochen, andere fehlen völ⸗ lig. Und da dies Gewebe überall durch das ganze Gewächs verbreitet ist; so wird vermittelst desselben eine allgemeine Verbreitung der Säfte nach allen Seiten und zu allen Theilen des Gewächses mög⸗ lich. So können die Feuchtigkeiten von der Wur-⸗ zel in den Stamm, in alle Zweige, Blätter und ler auch mer die le Zer⸗ enste, und Orän⸗ scheint in der wit vm Die⸗ Ischie⸗ eck„ rund diefe nige vöͤl⸗ anze Aben allen mög⸗ Wur⸗ und 89 Blüthen gelangen; so können die durch die Blätter angezogenen Säfte wieder zurück in den Stamm und selbst in die Wurzel kommen; so gehn sie von dem Mittelpunkte des Stammes in die Oberfläche, und umgekehrt. Die allgemeine Verbreitung des Zellgewebes, die endliche Auflösung aller Pflanzentheile in dassel⸗ be, und die Entstehung jedes Gewächses aus Zellge— webe getraue ich mir Ihnen sehr wahrscheinlich zu machen. Ich fange mit der letztern an: Betrachten Sie eine Bohne, ehe sie keimt; so werden Sie in dem mehlichten Theile derselben kein eigentliches Gebilde, keinen regelmäßigen Bau bemer— ken: ein Korn liegt am andern; die Trockenheit der zusammen gehäuften Theile verhindert die unterschei⸗ dung. Itzt aber keimt die Bohne: die beiden Lappen, (Fig. 6 a,) zwischen welchen das künftige Pflänzchen (b, c) eingeschlossen ist, schwellen an: die Haut löset fich. Nehmen Sie nun einen sehr feinen, fast durch— sichtigen Schnitt von jenen Lappen weg; so werden Sie einen Haufen kleiner Blasen mit untermischten Feuch—⸗ tigkeiten(Fig. 1) gewahr werden, die, meines Erach⸗ tens; die wahren Anfangsgründe des zelligen Baues ge⸗ nannt werden können. Je mehr die Pflanze treibt, desto 50 regelmäßiger, den Zellen ähnlicher und zusammen hängender wird dies Gewebe. Sie sehen es dann, wie Fig. 2. Die feinern Bläschen, die noch in der Feuchtigkeit der Zellen schwimmen, scheinen eine An⸗ lage zu künftigen Zellen zu haben, und/ vielleicht in der Folge, in sie übergehn zu wollen. Auf ähnliche Art werden Sie die Entstehung aller übrigen Ge— wächse aus Saamen bemerken. Das regellose, un— gebildete Chaos des trockenen Saamens wird zum regelmäßigen Gebilde, indem durch Anziehung der Feuchtigkeiten sich Blasen eutwickeln, die, gedrängt und ausgedehnt von innern und äußern Säften und von neu sich ansetzenden Blasen beschränkt, eine be— stimmte eckige Form annehmen, Oeffnungen bekom- men und so eine allgemeine Gemeinschaft und Mit— theilung der Säfte erzeugen. Das Ende aller Bildung in den Pflanzen ist das feste Holz. Nehmen Sie das allerfesteste Ei⸗ chenholz, wenn es noch frisch ist: spalten Sie es in so feine Stückchen, als Sie nur können, bringen Sie ein solches durchsichtiges Blättchen auf die Glasplat⸗ te Ihres Mikroskops; und Sie werden durchweg ein zelliges Gewebe, von gestreckten Kanälen, die noch feine Löcherchen haben, wahrnehmen.(Fig. 14.) Hsammen dann, in der ne An⸗ icht in hhliche uGe⸗ Us⸗ zum g der Mäygt n und le be⸗ om⸗ Nit⸗ — Einige snd freylich verwachsen, aber andere sind of⸗ fenbar voll Feuchtigkeit, und gewähren Ihnen den Anblick einer durch sich selbst bestehenden, in sich vollkommenen Bildung. „Aber,“ werden Sie sagen,„wenn man alles auf „einfache Theile zurück führen muß, so begreife ich „nicht, wie wir bey dem doch wirklich sehr zusam— „men gesetzten Zellgewebe stehen bleiben können. Man „sagt mir, die Zergliederung der thierischen Körper, „wie der Pflanzen, führe am Ende auf Fasern, aus „denen Häute gebildet werden, zuruck. Eine solche „Faser sey als eine Linie ohne Breite anzunehmen. „Ja, man hat mir von einem berühmten Professor erzählt, der die völlig einfache Faser seines Kör— „pers sich aus der Wade ausgeschnitten habe und „sie durch eine starke Vergrößerung wirklich seinen „Zuhörern und den Fremden vorzeige.“ Was die berüchtigte einfache Faser des berühm—⸗ ten Professors betrifft, so habe ich das Wunderding vor vier Jahren auf einer Durchreise mit meinen leiblichen Augen gesehn, und ich bekenne gern, daß der Besitzer dieses Schatzes, der sich selbst immer den Einzigen zu nennen pflegt, mir wie ein einziger Spaßmacher vorgekommen ist. 9² Die allerzarteste Faser, gnädige Frau, die wir nur aus dem thierischen oder Pflanzenkörper darstel⸗ len können, ist nicht so einfach, daß man nicht, bey gehöriger Behandlung und durch starke Vergröße⸗ rungen, einen zelligen Bau darin gewahr werden sollte. Sie wissen, daß die zarteste Faser des Flach⸗ ses und Hanfes sich immer noch in feinere spalten läßt: die feinsten unter diesen Fasern können Sie mit bloßen Augen nicht mehr gewahr werden; sie sind so zart, daß 300 bis 600 dicht neben einander erst einen Zoll oder einen Daumen breit ausmachen. In der jungen Pflanze sind sie stärker: da gehen 300 bis 400 auf diesen Raum. Diese Berechnung habe ich mehrmals, vermittelst meines Ramsden'schen Mi— krometers, angestellt. Ich kann sie für genau ausge⸗ ben: wenigstens kommt sie der Wahrheit näher, als die übertriebene Behauptung des berühmten mikrosko—⸗ pischen Beobachters, Leeuwenhoek, daß nämlich der feinste sichtbare Flachsfaden aus 20000 andern bestehe. Ueberhaupt könnte ich Ihnen höchst seltsa⸗ me Dinge von Leeuwenhoek's Sehergabe erzäh⸗ len, die gewiß bey einem Jeden, der mikroskopische Beobachtungen anzustellen gewohnt ist, gerechtes Mißtrauen erregen. Seine nur zu lebhafte Phanta⸗ die tjt barstel⸗ cht/ bey Ntöße⸗ werden Flach⸗ spalten Sie sie nander nacher. n 30⁰⁰ Habe Ri⸗ usge⸗ als osko⸗ mlich dern seltsa⸗ erzͤh⸗ Hische rachte hahti⸗ E sie ersetzte, was er mit seinen Werkzeugen nicht er⸗ reichen konnte. Wenn wir indessen auch nichts übertreiben, so ist es doch erstaunenswerth genug, daß der feinste Flachsfaden, den wir mit bloßen Augen sehen kön—⸗ nen, noch aus 20, 30, 40 andern besteht. Und von diesen feinsten Fäden kann man bestimmt be⸗ haupten, daß sie im frischen Zustande Schrauben— gänge darstellen, die höchst wahrscheinlich aus Zel— len entstanden sind, und bey zunehmender Festigkeit der Fasern als Treppengänge erscheinen, die wieder die Natur der gestreckten Zellen annehmen. Doch ich werde die Ehre haben, Ihnen dies alles in der Folge noch umständlicher darzulegen. Hier begnü⸗ ge ich mich, Sie zu versichern, daß man auch in den feinsten Fäben des Flachses, Hanfes und gn-⸗ derer Gewächse die zellige Natur gar nicht verkennen kann. Fur den ursprünglich zelligen Bau sprechen ferner auch die Aehnlichkeit und der allmählige Uebergang des Thierreichs in das Pflanzenreich. Je vollkom- mener das Thier ist, desto deutlicher nimmt man Gefäße wahr, die aus einer gemeinschaftlichen Quelle, aus dem Herzen, kommen und überall undurchdring⸗ 94 liche Wände haben. In nackten Würmern und noch mehr in Polypen fängt schon die Idee von Gefäßen an sich zu verlieren; das ganze Thier scheint nur aus Zellgewebe zusammen gesetzt zu seyn. Die Nah⸗ rung des Wurms dringt durch die Seiteuwände sei— ner Speiseröhre in das umgebende Zellwebe und setzt sich darin ab. Auf ähuliche Weise erfolgt es in Gewächsen. Aus der Wurzel ziehn die Schrauben⸗ gänge die Feuchtigkeit an sich; sie schwitzt durch die Swischenräume der Schrauben in das umgeben⸗ de Zellgewebe und setzt sich darin ab. Die Luft— seuchtigkeit nimmt das Gewächs durch die Blätter ein und vertheilt sie sogleich in das Zellgewebe. Wie sehr leicht von allen Seiten die Feuchtigkei⸗ ten vom Zellgewebe angezogen und durch dasselbe vertheilt werden, können Sie schon aus der alltäg⸗ lichen Beobachtung schließen, daß, wenn Sie ein langes Stück Binsenmark, das man zu Nachtlam⸗ pen gewöhnlich braucht, mit dem einen Ende in Oehl legen, dieses sich sehr bald hinauf zieht und bis ans andere Ende dringt, auch dann, wenn man die Binse aufrecht gestellt hat. Auch kann man die Blätter an einem abgeschnittenen Aste frisch erhal⸗ ten, wenn man nicht bloß das untere Ende, sondern lld goch Hefihen ut nur Nah⸗ de sei⸗ setzt es in uben⸗ durch Reben⸗ Ust⸗ gkei⸗ selbe täg⸗ ein lam⸗ e in und man die Rchal⸗ Iden 9³ auch, wenn man die Spitze bes Astes in Wasser taucht. ö In der grünen Rinde der Bäume finden Sie das Zellgewebe am reinsten und unvermischtesten. Es ist aber hier desto gedrängter und die Fächer⸗ chen nähern sich desio mehr der Form der eigentli⸗ chen Schrauben⸗-und Treppengänge, je mehr sie nach innen liegen. In der fünsten Figur(a sehen Sie eine solche Darstellung des Zellgewebes der Rinde des so genannten Hickory„Wallnußbaums aus Nord—⸗ amerika, den Sie ja auch in Ihren Pflanzungen haben. ö Im Marke der Bäume und in den Blättern saftreicher Pflanzen ist es sehr locker und hat äußerst zarte Zwischenwände. Auf derselben Figur(b) ist das Mark jenes Wallnußbaums dargestellt, und Fig. 3 a und buist Mark aus Hollunder und aus dem Faulbaum. An der Oberfläche der Blätter nimmt das Zell⸗ gewebe einen gar eigenen Bau an. Seine Zwischen— wände werden oft wellenförmig gebogen: sie dehnen und strecken sich und erhalten in der Mitte der Zel⸗ len Oeffnungen zur Einsaugung der Luftfeuchtigkei⸗ ten, wie Sie dies Fig. 7 und s8 deutlich sehen kön⸗ 06 nen. Von diesen Oeffnungen werde ich Sie zu ei— ner andern Zeit unterhalten. Im Holze, in den Blumen, in den Befruch—⸗ tungs-Werkzeugen und in den Früchten selbst finden Sie dies Zellgewebe nach einer gehörigen Aufwei⸗ chung der Theile sehr deutlich, aber immer von einer verschiedenen Form. Doch scheint die Natur die sechseckige Form am meisten zu lieben; diese finden Sie wenigstens nicht allein in sehr saftreichen, son—⸗ dern auch in andern Gewächsen, z. B. in der Reseda, wovon Ihnen Fig. 9 einen Durchschnitt darstellt. Hier sind die Sechsecke nicht allein in dem Marke, sondern auch in der Rinde wahrzunehmen. Unstreitig liegt es in der sechseckigen Form selbst, warum die Natur sie überall da anbringt, wo Raum erspart wer⸗ den soll, und doch gewisse bestimmte Geschäffte ver⸗ richtet werden sollen. Darum bauen auch die Bienen aus einem sehr bedeutungsvollen Instinet ihre Zellen in Sechsecken. Doch ich werde die Ehre haben, Sie noch um— ständlicher über den ursprünglichen Bau der Gewäch⸗ se zu unterhalten, wenn Sie mir erst von Ihren eige— nen Untersuchungen über das Zellgewebe Nachricht gegeben haben. Eie zu ej Bestuch⸗ bs fnden Aufwei⸗ bon einer atur die se jinden en, son⸗ Reseda, dorstellt. nMure/ Unstteitiz rum die unt wer⸗ fte ver⸗ Bienen te gellen ch un Gewich⸗ hren eiz Mosich 9⁷ IX. An eben dieselbe. Si. hahen also, meine verehrte Freundinn, alles so gefunden, wie ich es in meinem letztern Briefe angab? Das freut mich ungemein. Zwar zweifle ich weder au der Wahrheit meiner Behauptungen, noch an der Treue meiner Zeichnungen nur einen Augenblick: aber, daß Sie, gnädige Frau, alles durch eigene Untersuchungen bestätigt fanden, zeigt doch nicht ge— meine Geschicklichkeit im Behandeln so zarter Gegen⸗ stande an, und ich freue mich, Ihnen prophezeihen zu Tönnen„daß Sie beträchtliche Fortschritte machen und sich eine Menge sehr vergnügter Stunden bey Ihrem Mikroskope bereiten werden. Sie fragen mich nach den nähern Umständen, die die Entwickelung des Zellgewebes aus bloßen Feuch⸗ tigkeiten veraulassen. Diese Begierde, nicht bloß bey dem stehen zu bleiben, was die Beobachtung lehrt, sondern auch über die Ursachen der Erscheinungen nachzudenkeu, ist sehr rühmlich und charakterisirt den Lächten Naturforscher. Aber, meine theure Freun⸗ dinn, unzählige Mahl bleibt diese Begierde unbefrie⸗ digt, weil das Spiel von Kräften, wodurch die Er⸗ Erste Sammlung. 7 9⁵ scheinungen wirklich werden, sich unsern Sinnen ent⸗ zieht, weil uns oft auch jede Wahrnehmung mangelt, worauf wir gewagte Schlüsse bauen könuten. Ueber die Eutstehung des Zellgewebes aus Flüs⸗ sigkeiten lehrt uns die Beobachtung nur so viel: In der Feuchtigkeit des Gewächses, wie sie in den Kanä⸗ len und Zellen enthalten ist und von ihnen fortgetrieben wird, ist ein Vermögen, regelmäßige Bildungen anzu⸗ nehmen. Oft ist diese Bildung scheinbarer Weise nur Folge einer Krystallisation: die Säfte enthalten Sal⸗ ze; diese werden überschüssig und schlagen sich aus der Feuchtigkeit nieder, wie Sie in der beyliegenden Figur 10 die spießigen Krystalle in dem Safte der vir⸗ ginischen Tradeseantia sehen können. Nicht bloße Krystallisation, sondern eine Bil— dung, die die Naturforscher organische nennen und die ich Ihnen bey einer andern Gelegenheit zu erklä⸗ ren die Ehre haden werde, eine organische Bildung ist es/ wenn sich fast überall in den Säften der Gewäch⸗ se Kügelchen und Bläschen zeigen, die, je mehr sie an einander treten, desto mehr die eigentliche Form des Zellgewebes annimmt. Solche Bläschen finden Sie also in den Saamenlappen(Fig. 1) und den Höh⸗ leu des schon gebildeten Zellgewebes,(Fig. 2) besou⸗ Mlen eht nangelt, Flüͤß⸗ ahzu⸗ ise nur Sal⸗ 0 us Iegenden der ujf eMl⸗ und eikl Hung wach⸗ ht se Ionm iinden Hih⸗ hesol/ 90 ö ders in Wasserpflanzen, deren Theile fast bloß aus einfach gebildeten Zellen zusammen gesetzt sind. (Jig. 4.0 Ein neuerer französischer Naturforscher, Mirbel, im Journal de physique, an IX, hält diese Bläschen für die Poren, für die Löcher der Zellen, wodurch sie Gemeinschaft mit einander haben. Allein, daß er sich darin irrt, sehen Sie aus der beyliegenden Zeichnung eines feinen Schnittes aus dem Stengel einer Pfef⸗ ferart.(Fig. 11.) Hier schwimmen die Bläschen im lockern Zellgewebe fast einzeln umher, und können also auf keine Weise die Poren der Zeilen seyn. Aber eine viel wichtigere Frage habe ich Ihnen zu beantworten, und diese betrifft die Schraubengänge, welche die zweyte ursprüͤngliche Form des Baues der Gewächse ausmachen. Ich erwähnte derselben nur bevläufig in meinem vorigen Briefe, und erregte da⸗ durch in Ihnen das Verlangen, diese wunderbare Theile selbst zu untersuchen. Itzt will ich Ihnen An⸗ leitung geben, wie Sie diese Gänge am besten auf⸗ finden können. Vorher aber muß ich bemerken, daß die Methode, welche einige Schriftsteller dazu vor⸗ schlagen, mir bis itzt noch nicht gelungen ist. Man soll nämlich eine Pflanze mit durchsichtigem Stengel * 4 10⁰ in gefärbte Flüssigkeiten setzen: man empfiehlt zum Beyspiele eine schwache Abkochung von Campecheholz. Dann soll die gefärbte Flüssigkeit sich bloß in die Schraubengänge ziehn und diese so färben, daß sie sich gleich von dem übrigen Zellgewebe uuterscheiden lassen. Ich habe diesen Versuch wenigstens zwölfmahl mit allen möglichen Vorsichtsregeln wiederholt: er ist mir aber nie gelungen, und ich zweifle itzt nicht al⸗ lein daran, daß er mir je gelingen wird, sondern ich gläube auch zu errathen, wodurch sich manche Na⸗ turforscher haben irre führen lassen, wenn sie diesen Versuch anempfehlen. Sie wählten nämlich Balsa⸗ minen zu diesem Behuf, und bey dieser Pflanze ist überhaupt die rothe Farbe in den Gelenken und Kno⸗ ten des Stengels, so wie in den Schraubengängen, nichts ungewöhnliches. Dieselbe Röthe nimmt man auch in dem Stengel einer Pfefferart, der milden (Piper blandum), wahr, aber sie verschwindet, wenn man einen feinen Schnitt unter das Mikroskop bringt. Sie hängt also den ganzen Bündeln von Schrauben⸗ gängen an, aber auf keine Weise kann man sie in einzelen Theilen beobachten. Sie scheint durch Ein⸗ tauchen der Pflanze in eine Abkochung von Campe⸗ cheholz verstärkt zu werden: man wird mit bloßen lt am cheholt in die siesih lassen. H mit er ist ht al⸗ n ich 2N Diesen Balsa⸗ ne ist Kno⸗ ingen, man nilden wenn ringt. aubeu⸗ sie in ch Cil⸗ Lamper Hloseh 101 Augen hier und da Flecken und Streifen von rother Farbe gewahr; aber unter dem Mikroskop verschwin⸗ det jede Spur von Röthe und die Schraubengänge haben ihre natürliche Farbe. Ehrlich bekennt auch Senebier in seinem großen Werke, daß es ihm nicht habe gelingen wollen, die Schraubengänge zu fürben. Gegen die Versuche eines neuern Italieners (Comparetti), der mit Dinte, worein er Pflan⸗ zen setzte, die Färbung der Schraubengänge bis in die Blume und die Befruchtungs-Werkzeuge wollte hervor gebracht haben, bin ich so mißtrauisch, daß ich sicher glaube, sie glücken niemals, weil die Dinte so zufammen ziehend ist, daß sie wohl schwerlich von den zarten Kanälen der Gewächse aufgenommen werden kann. Es giebt eine viel sicherere Methode, diese Schraubengänge zu finden, und diese besteht in der gehörigen Anwendung des Messers. Zu dem Ende nehmen Sie ein Stück von einer Kürbis- oder Me⸗ lonen⸗Ranke, auf deren Qnerschnitt Sie fünf oder mehrere festere Punkte von dem übrigen Zellgewebe unterscheiden können. Der Richtung dieser Punkte folgen Sie, und nehmen von der äußern Sub sianz 10² der Ranke so viel weg, daß Sie die meisten Strän⸗ ge, deren abgeschnittene Enden jene Punkte sind, klar vor sich liegen sehen. Dann schneiden Sie nach der ö Länge mit der Lanzette einen so feinen Strich von jenen Strängen weg, als Sie nur konnen. Diesen bringen Sie in einem Tropfen Wasser auf die Glasplatte Ih⸗ res Mikroskops, und Sie werden die Schraubengänge so schön und deutlich sehn, als Sie es nur wünschen können. Fig. 12 zeigt sie Ihnen, wie sie in den Kür⸗ bis⸗Ranken erscheinen. In den Balsaminen, in den Pfefferarten und in allen schnell wachsenden, etwas durchsichtigen, jungen Gewächsen können Sie mit der gleichen Vorsicht diese Gänge ebenfalls deutlich bemerken. Am größten und schönsten zeigen sie sich immer in jungen Pflanzen: in ältern werden sie kleiner, gedrängter und verändern ihr Ansehn, wie ich noch in der Folge zu zeigen die Ehre haben werde. Beuy unsern gewohnlichen Gewüchsen dürken Sie diese Schraubengänge weder unmittelbar unter der Rinde, noch in der Mitte des Stengels suchen, son⸗ dern sie umgeben das Mark entweder in zusammen huängenden Kreisen, oder in abgesonderten Bündeln. Davon könuen Sie Sich eine Vorstellung durch die Gtran⸗ / klar ich der Hienen ningen e Ih/ Hange ischen Küͤr⸗ in den Rias uit eltlich e ssch sie bie aben Cie der son⸗ umen delh. di 103 gte Figur machen, wo der dichtere Kreis, der das Mark des Reseda-⸗Stengels umgiebt, aus lauter Schraubengängen zusammen gesetzt ist. Diese Stellung der Schraubengänge in kreisför⸗ migen Bündeln um das Mark her sindet sich bey al⸗ len Pflanzen, die mit zwey, auch bey vielen, die mit einem Saamenlappen aufgehen; und dies sind die al⸗ lermeisten: wogegen viele Gewächse von denen, die nur mit Einem Saamenlappen aufgehen, wie einige Palmen, die Schraubengänge entweder in der Mitte des Stengels oder in abgesonderten durch den Stamm zerstreuten Bündeln tragen. In den Farrenkräutern sind diese Bündel von Schraubengängen gewöhulich noch mit einer braunen Zellhaut umgeben.(Fig. 13.) Bey jedem Querschnitt des Steugels eines Farren⸗ krauts werden Sie die Enden dieser Bündel mit einer zarten braunen Haut umgeben finden. Auch in den Stengeln der Moose und in den Rippen ihrer Blätter sind Bündel von zarten Schrau⸗ bengängen. Ja, selbst Seegewächse und Tangar⸗ ten sind nicht entblößt von diesen Theilen: in den Rippen ihres Laubes finden Sie eine Menge von Schraubengängen, die man ihnen abgeläugnet hat, bis sie Velley unwiderleglich darthat. —— * * 104 Aber weder in den Flechten noch in den Schwäm⸗ men habe ich bis itzt diese Schraubengage entde—⸗ cken können. Auch in der grünen Rinde, in dem Marke, in dem Zellgewebe der Blätter dürfen Sie keine Schraubengänge suchen. Im Holze werden Sie sie nur mit Mühe und in veränderter Gestalt finden können. Selten glückt es, sie so deutlich im Eichenholze zu sehen, als Sie es Fig. 14 dargestellt finden. Hier sind die Schraubengänge nur da zu suchen, wo das junge Holz an die grüne Rinde gränzt,(a;) tiefer hinein haben sie schon ihre Ge⸗ stalt verändert und sind zu Treppengängen ge⸗ worden,(bb.) ö Diese Treppengänge unterscheiden sich dadurch von den Schraubengängen, daß sie nur Kanäle mit Queröffnungen bilden, welche Sie in jedem Holze bemerken können, wenn es schon die wirkliche Ver⸗ holzung erlitten hat. Am schönsten habe ich sie in dem Alpen ⸗Wolfsfuß bemerkt, wo die aus ihnen bestehenden Bündel die Mitkte des Stengels einneh⸗ men.(Fig. 15.) Auch in Fig. 11 sehen Sie ganz deutlich, wie Schraubengänge sich in⸗ Werbunügt verlieren. —— Echhin, HNe ehfhe⸗ in hen imm eie herden Hescalt lllch im uhestelt M Nide de E LI uil nit Huge 9e Ver⸗ shin 16 ihne Veilnch⸗ gl ungingt 105 Ein neuerer französischer Naturforscher behauptet gerade das Gegentheil. Er meint, aus Treppengän⸗ gen, die er sehr unrichtig kaulles trachées nennt, entstehen erst Schraubeugänge, so wie sich jene aus durchlöcherten Zellen bilden. Die Unrichtigkeit die⸗ ser Meinung erhellt daraus am deutlichsten, daß man die Treppengänge nirgends auders als im Holze, nicht in jungern Pflanzen beobachtet, wogegen die eigentlichen Schraubengänge im Holze nur da be—⸗ merkt werden, wo die jüngsten Fasern desselben sich angesetzt haben. Und daß die so genannten Löcher im Zellgewebe keine Löcher sind, habe ich schon die Ehre gehabt, Ihnen zu beweisen. Wie entstehen aber die Schraubengänge? Wel⸗ ches ist ihre Verbindung mit den übrigen Theilen? Wie verändern sie sich, und wie gehen sie in die oben angeführten Treppengänge über?... Das sind Fra⸗ gen, meine Gnädige, die einem jeden Wißbegierigen einfallen müssen, der das überlegt hat, was ich vor— her von diesen Gängen angeführt habe. Diese Fra⸗ gen könnte ich leicht durch allerley Vermuthungen beantworten, die vielleicht nicht ohne Wahrschein— lichkeit wären, die aber doch immer Vermuthungen bleiben wurden, da uns bis itzt sichere Beobachtun⸗ 10⁰ gen fehlen, um Erfahrungen über diese schwierige Naterie zu machen. Dies gilt besonders von der Entstehung der Schraubengänge. Aus Zellgewebe müssen sie entste⸗ hen: deun ehe sich in dem keimenden Würzelchen des Saamenkorus noch eine Spur von Schraubengängen entdecken läßt, hat sich schon das Zellgewebe gebildet. Aber wie die Blasen und Zellen jenes Gewebes die Form annehmen können, daß sie Kanäle darstellen welche von Fäden schraubenförmig umwunden un das ist das Geheimniß der Natur, welches zu ent⸗ hüllen ich zur Zeit nicht im Stande bin. Ein berli— nischer Gelehrter behauptete vor einigen Jahren: diese Schraubengänge bildeten sich aus gestreckten und ge⸗ raden Fasern, wenn sie, zerschnitten, der Einwirkung der Sonnenstrahlen ausgesetzt würden. Allein diese Meinung kann Niemand annehmen, wer da weiß, wie iunig diese Schraubengänge mit den Zellen ver⸗ bunden ünd, wie wenig sie sich also ungehindert kräuseln können. Auch sieht man in durchsichtigen Pflanzeutheilen die innern Schraubengänge, noch eingeschlossen in ihre zellige Hülle, von eben der Ge⸗ stalt, wie die oberflächlichen. Ueberdies wird man sie, auch ohne alle Einwirkung der Sonnenstrahlen, bey trübem Wetter bemerken können. dienig ug det ellste⸗ n des gängen bildet. s die selle, sud; Ain⸗ bells Mst ge⸗ tlunz dite Heiß/ het⸗ iudett htigeh Rloch He Huhleh 4— Mustel, der Verfasser eines sehr guten Bu⸗ ches über den Bau der Pflanzen, gläubt, daß diese Schraubengänge von der gedrängten Beschaffenheit der Fasern herruhren, daß die Verlängereugen der Gewächse sich in ihnen gleichsam eoneentriren, und daß sie nur da zu finden seyn, wo die Fasern der Pßanzen einen sdärkern und längern Teieb machen werden. In der That ist es auch wahr, daß sich die— se Gänge am stärksten in den Knoten der Gewächse, in der Zertheilung der Aeste und unter den Blättern zu finden pflegen. Allein dieser Meinung steht entgegen, daß man bis in die Blumen, bis in die Befruchtungs-Werk⸗ zeuge und bis in die Rippen der Blätter die Schrau⸗ bengänge verfolgen kann. In diesen Theilen ist der Trieb vollendet: es sollen keine neue Theile mehr hervor schießen: es bedarf also auch gar keines Zu⸗ sammendrängens der Fasern, die sich in der Folge entwickeln werden. Sie werden, meine theure Freun⸗ dinn, in den Staubfäden Ihrer Kranichschnabel, Ih⸗ rer Malvenrosen so deutlich die Schraubengänge be⸗ merken, als in den Stengeln der jährigen Pflanzen. Ein anderer französischer Näturforscher, Mir-⸗ bel, behauptet, die Schraubengänge bildeten sich 2—— — ——.. . 108 2 aus Treppengängen, und diese wieder aus durchlö⸗ cherten Zellen. Allein ich habe schon vorher Gründe angeführt, die diese Meinung vernichten. Es wäre auch gar nicht denkbar, wie bloße Queröffnungen in den Treppengängen im Stande sind, die Form der regelmäßigen Schraubengänge anzunehmen. Mir scheint es viel vernünftiger zu seyn, wenn man eine ähnliche ursprüͤngliche Bildung derselben annimmt, wie man dieselbe bey der sechseckigen Form der Zel— len annehmen muß. Ich finde in dem Blumenschaft einer Hyaein— the, wenn sie noch in der Zwiebel eingeschlossen ist, abgesonderte Schraubengänge ohne Anfang und En-⸗ de, die zwischen den Zellen liegen, ohne mit ihnen innig verbunden zu seyn. Sie scheinen hier wirklich ursprünglich gebildete Springfedern zu seyn, die sich erst in der Folge mit dem Zellgewebe verbinden. Nun aber, was sind eigentlich diese Schrauben⸗ gänge? Hängen die gewundenen Fasern, die sie bil⸗ den, an einer innern Haut? Sind diese gewundene Fasern selbst hohl, und bilden sie also Gefäße?... Diese Fragen sind nicht überflussig: denn man hat wirklich behauptet, daß die Fasern sich um die Wand eines Kanals herum winden, und daß also dieser Ka⸗ lurhl Gründe Es wäte lgen in Am der Nir in eile immt, Zeh YM Wsez is, 0 El, 1 RMllch 1 sch h. Uben⸗ ie bib undene 1.. un hit Dn gt K 109 nal rings herum verschlossen sey; man hat behauptet, daß jene Fasern hohl seyn und Gerfäße darstellten. Beides halte ich für falsch. Auf die Treue der Zeichnungen Fig. 11,44, 14 können Sie Sich ver⸗ lassen. Hier erscheint der Kanal, den die gewunde⸗ nen Fasern bilden, von allen Seiten zugangbar. Die Säfte, welche der Kanal anzieht, können also nach allen Seiten durchschwitzen und in das umgebende Zellgewebe übergehen. Die gewundenen Fasern selbst scheinen mir nicht hohl zu seyn. Zwar bemerkt man durch die stärkste Vergrößerung, wie Fig. 16 zeigt, bisweilen einen Durchmesser, eine, obgleich geringe, Dicke dieser Fa⸗ sern: aber dieser Durchmesser bleibt sich doch überall gleich, welches nicht seyn könnte, wenn sich Säfte darin bewegten; auch ist es mir niemals gelungen, durch gefärbte Flüssigkeiten, in die ich durchsichtige Pflan⸗ zen setzte, diese Fasern zu färben. Es sind also mei⸗ nes Erachtens bloße Fasern, von einem äußerst ge⸗ ringen Durchmesser. Die Stärke dieses Durchmessers habe ich mit meinem Ramsden'schen Mikrometer dergestalt berech⸗ net, daß 2000 bis 3000 dieser Fasern auf einen Zoll oder auf die Breite eines Daumens gehen. Es ver⸗ — ————— * 110 fteht sich) daß dieser Durchmesser bisweilen beträcht⸗ licher, bisweilen aber noch geringer ist. Die ganzen Kanäle, welche dadurch gebildet werden, haben na—⸗ türlich einen viel stärkern Dar hmesser: nach meiner Berechnung gehen ihrer 300 bis 400, bisweilen aber 500 bis 600, auf den Raum, den ein Daumen ein⸗ nimmt. Den unbewaffneten Augen können sie also nicht sichtbar werden, und kaum kaun man sie mit einer dreyfachen englischen Loupe erkennen. Eine merkwürdige Verschiedenheit dieser Schrau— bengänge werden Sie darin wahrnehmen, daß bis— weilen nur Eine, oft aber auch zwey Fasern neben einander sich winden und den Kanal ausmachen. Von dem letztern finden Sie Fig. 16 eine Darstellung aus eiuer Kürbis⸗-Ranke. Natürlich bildet die doppelte Windung eine dichtere Wand, und bisweilen liegen solche Fasern so gedrängt an einander, daß die Wand fast für ein Ganzes genommen werden kann. Der italienische Naturforscher SComparetti hat sich alle Mühe gegeben, den Zusammenhang die—⸗ ser Schraubengänge durch ihre Wände mit den Zel—⸗ len darzuthun. Dieser Mühe kaun man überhoben seyn, wenn man weiß, daß diese Gänge keine innere Wand haben, sondern daß ihre Wände durch die ge⸗ bellcht Ie gmet ben na⸗ nneiner Ien abet hen ein⸗ sie also se nit Shtu/ d bs auh nihen bu. V I dppele liegen Vund tetti ug de⸗ eN Zeb⸗ rhoben inner diege 111 wundenen Fasern selbst gebildet werden und also über⸗ all die enthaltenen Feuchtigkeiten in das umgebende Zellgewebe durchschwitzen lassen. Ueber die Bestimmung und den Rutzen dieser Schraubengänge hat man sehr verschiedene Meinun— gen vorgetragen. Die ersten Naturforscher, welche sie sahen, verglichen sie mit der der Thie-⸗ re und hielten sie für Luftgefäße. Die französischen Schriftsteller nennen sie daher 110 immer ohne Be⸗ denken rrachées. Selbst unser verewigte Hedwig führte für diese Idee einen Versuch an, den er als entscheidend angab. Den sehr feinen Querschnitt ei⸗ nes Stengels brachte er schnell in einem Tropfen Wasser unter das Mikroskop: er sah Luftblaschen, die sich sogleich aus den zerschnittenen Oeffnungen der Schraubengänge entwickelten. Allein dieser Ver—⸗ such beweiset keinesweges, was er beweisen soll; denn auch aus dem feinen Schnitte der grünen Rinde, welche keine Schraubengänge enthält, ent⸗ wickelt sich Luft. Ja, jeder todte Theil, ins Wasser gethan und unter die Linse des Mikroskops gebracht, giebt Luftbläschen, die sich theils aus dem Wasser selbst, theils aus den Zwischenräumen des Körpers entbinden. 112 Es ist überdies sehr unwahrscheinlich, daß die Schraubengänge atmosphärische Luft führen sollten, da sie aus den Wurzeln aufseigen, da die Wurzel schwerlich Luft aufnehmen und durch das Zellgewebe zu den in der Mitte liegenden Schraubengängen hinleiten kann. Auch steht dieser Meinung entgegen, daß man diese Gänge keinesweges leer, sondern ge⸗ wöhnlich voll Flüssigkeiten, oft auch einzele Tropfen darin findet, die immer nach einer Richtung gedrängt werden. Diese Erscheinung besteht nicht mit der Idee von Luftgefäßen. ö Ueberhaupt dürfen wir den Begriff won Gefäßen, wie wir ihn von den gewöhnlichen thierischen Körpern entlehnen, nicht auf die Gewächse anwenden. Sol⸗ che Gefäße sind unsere Schraubengänge nicht: sie ha⸗ ben keine zusammen hängende Wände; sie entstehn aus keiner gemeinschaftlichen Quelle; sie theilen sich nicht in Aeste. Den letztern Umstand bemerkt man ganz bestimmt bey der Theilung des Stammes der Gewächse in Zweige: hier theilen sich die Schrauben—⸗ gänge keinesweges, sondern es entstehn neue, die, ohne unmittelbare Verbindung mit den vorigen, sich dicht an sie anlegen, aus den Zellen selbst entstehn und sich mannigfaltig biegen und krümmen, bis sie in dem Zweige eine gerade Richtung annehmen. 6 N lsti niml shel 0 f OD Mife len u f 3 I Dulh helse Rgb sid. het se sisen Er „ dij di en salleh, ie Wunel Rgevebe hengängen lthegen, lern ge⸗ e Dupsen Nringt. Rer u Sesißes hen Ranm N. Eul⸗ i sse ha⸗ Ruussehn eilen sch rkt man nhes der chraubes⸗ dey ohne ssch dibt sh se in 113 Man bemerkt noch eine Erscheinung an den Schraubengängen, die eben auch einen Beweis abge⸗ ben kann, daß so wohl tropfbare Flüssigkeiten als Luft in diesen Kanälen befindlich sind. Man sieht nämlich im Frühling, besonders in den Wurzeln schnell wachsender Pflanzen, diese Schranbengänge an einzelen Stellen verengt, an andern erweitert. Dadurch entsteht die Form von Schläuchen, mit Reifen umgeben.(Fig. 17 Mir scheint diese schlauch⸗ förmige Gestalt eine Folge der Wirkung jener ge— wundenen Fasern zu seyn. Diese ziehn sich lebhaft zusammen, ünd an einigen Stellen ist offenbar diese Zusammenziehung stärker, weil die Flüssigkeit in Dunsttropfen eine Erweiterung in andern Stellen veranlaßt, oder weil das umgebende Zellgewebe hier stärker widersteht als dort. Diese schläuchartige Form hat zu den verschie⸗ densten und sonderbärsten Meinungen Gelegenheit gegeben. Man hat in den stärker zusammen gezoge⸗ nen Stellen Klappen gesucht, die wirklich nicht da find. Man hat dieser Schläuchform eine Allgemein⸗ heit gegeben, welche ihr auch nicht zukommt, indem sie weder in den Zellen der Rinde, noch in den Holz⸗ fasern zu suchen ist. ö Erste Sammlung. 8 Es ist daß alle Theile, die aus Schraubengängen zusammen gesetzt sind, weit mehr der Fäulniß und der Maeeration widerstehn als das bloße Zellgewebe. In den Blättern und Blumen lö⸗ set sich das letztere beym Skelettiren vollkommen auf, und das zarteste Gewebe von netzförmigen Ribb⸗ chen bleibt übrig, welche aus lauter Schraubengän⸗ gen zusammen gesetzt sind. — Mir scheinen die Schraubengänge ein mechani⸗ sches Hülfsmittel zur Beförderung des Triebes der Säfte und des Wachsthums der Pflanzen zu seyn. Sie dienen,„aleichsat uwie Springfedern, zur Be⸗ schleunigung bes Triebes; sie können die in ihnen be⸗ findlichen Säfte mit einer gewissen Schnellkraft hin⸗ auf treiben; sie scheinen auch die Mischung und Zu⸗ bereitung der Säfte dadurch zu befördern, daß sie von den enthaltenen Sͤften etwas durch die Zwi⸗ * schenräume der gewundenen Fasern durchlassen und 2* nielleicht auch wieder auf eben diesem Wege anziehn. Die Weisheit der Natur erscheint in diese Einrichtung bewundernswerth. Den vollkommenern — Thieten gab sie einen zusammen gesetztern Bau. Mehrere Arten von Gefäben, Schlagadern, Blut⸗ adern und Saugädern führen das Blut und die %5 die gat heit neht chn als das Dumnen Io⸗ hollkommen igen Ribb⸗ nubengän⸗ nechali⸗ Tuebes der V schn. „ jut M Vihyen le rast hu⸗ und Zu⸗ daß si die Ztui⸗ ossen und eagziechn. in diest ymmenen ten Vul Iy Dl V M A 115 Säfte in die wmr. Theile und wieder zurück zu einer gemeinschaftlichen Quelle. Mehrere Anstalten sind getroffen zur Beförderung der Bewegung: die Schlagadern ziehn sich zusammen und erweitern sich regelmäßig im Pulse; die Blutadern und Saugadern haben Klappen, durch welche der Rückgang der Säs⸗ te besördert wird. Die Kraft des Herzens, die Thä⸗ tigkeit der Muskeln, die Wärme des Körpers, die Bewegung d der Lungen; alles das sind mächtige Triebsedern zur Befoörderung des Umlaufs, die bey unvolllommenen Thieren e An der Gränze des Thierreichs, in der Dintensischen und noch mehr in Insecten und nackten Wäeere fangen die Springsedern und Schraubengäuge schon au, sich zu zeigen. In den Dintensischen hat N Needham sehr schön die Wirkung der Syringfedern bey den Befruch⸗ tungs⸗Werkzeugen dargethan. Und in vielen Inseeten bestehn die Luftröhren aus schraubenförmig gewunde⸗ nen Fasern, durch deren Zwischenräume ungushorlich die Luftstoffe in das nahe 3 Zellgewebe ausschwitzen und sich dergestalt zur Ernährung des Thiers vertheilen.) *) Am besten kann man diese Schraubengänge in den Larven der Bienen und der Raubfliegen A„elus cra- 3 116 Diese Betrachtungen werden Sie, meine verehr— te Freundinn, in den Stand setzen, die Meinung de⸗ rer zu beurtheilen, welche in den Gewächsen vierer— ley Gefäße, zuführende, zurück führende, Lustgefäße und lymphatische, annehmen und diese noch vom Zell— gewebe unterscheiden. Wenn man den Vorgängern nicht immer nur nachgeschrieben, sondern ohne Vor⸗ urtheil selbst untersucht hätte, so würde man diese Eintheilung gewiß nicht angenommen haben. . An eben dieselbe. Eines der schönsten Schauspiele, gnädige Frau, können Sie Sich und Ihren Freundinnen durch Ihr Mikroskop bereiten, wenn Sie das Oberhäutchen der Gewächse betrachten. In einer bloßen Haut, die dem unbewaffueten Auge als unbedeutend erscheint, bronikormis) bemerken, wo sie Swammerdam vortrefflich gezeichnet hat.(Bybel der Natuuren, Pp. 412. 662. tab. XXIV. fig. I. ee. f. und tab. XL. lig. II. a. b.) Man vergl. auch Vonnet théologié des talteres⸗ tom. II. p. 92. sine dnrht leinung he⸗ sen hierer⸗ lustgefaße vom Zell⸗ hne Vor— man diese N. 92 Frah, Hurch Ihr Uchen der alt/ die erscheiht, umerden 117 erwartet man keine regelmäßig gebildete Theile. Desto mehr erstaunt man, die schönste und bestimm-⸗ teste Organisation in diesem Oberhäutchen zu finden. Um diese Oberhaut recht gut abzulösen, bedarf es nur eines leichten Kunstgriffs, der Ihnen bey den Farrenkräutern, bey den amerikanischen Aloen und bey andern saftigen Pflanzen am ehesten glü⸗ cken wird. Von der Unterfläche der Blätter, oder von dem Blumenschäfte der Hyaeinthen, Tulpen, Nar—⸗ eissen, Fritillarien lösen Sie vermittelst Ihrer Lan⸗ zette, mit der Sie einen sehr flachen Einschnitt ma— chen, etwas vom Oberhäutchen, fassen dann dies Stückchen mit der Pineette, und ziehn es abwärts, bis es reißt. Je weniger von dem untern grünen Zellgewebe daran hängt, desto durchsichtiger ist das Oberhäutchen, und desto besser läßt es sich betrach⸗ ten. Itzt legen Sie dies durchsichtige Häutchen unter einem klaren Tropfen Wasser auf Ihre Glas- platte, und betrachten Sie es durch No. 5 Ihres Mi- kroskops, so werden Sie Sich an dem Anblick der mannigfaltigsten und schönsten Bildung dieses Häut⸗ chens ergötzen. Diesen so leichten Handgriff scheinen manche Naturforscher gar nicht lernen zu können: denn 113 woher kuäme es sonst, daß Genebier, der kürzlich fünf Bände über den Bau und die Verrichtungen einzeler Theile der Gewächse geschrieben hat, an mehrern Orten seines Werkes versichert, ihm habe die Darstellung der Oberhaut, selbst mit dem besten Sonnen-Mikroskop, nicht gelingen wollen? Sie werden gewiß nicht über diese Schwierigkeit zu klagen haben: aber wohl werden Sie begierig seyn, zu wissen, was das für ein Gewebe ist, wel— ches Sie im Oberhäutchen gewähr werden. Ich will suchen, es Ihnen aufs deutlichste zu erklären. Gesetzt, Sie haben das Oberhäutchen von der Unterfläche der Blätter Ihrer grüner Christwurz Helleborus viridis) gewählt; so werden Sie(Fig. eine Menge wellenförmig oder schlangenartig geboge—⸗ ner und gekrümmter Fasern bemerken, die in einan⸗ der laufen und zwischen sich Ansätze von neuen Fa⸗ sern zeigen, welche letztere sich mit den Hauptfasern noch nicht vereinigt haben. Hier und da sehen Sie nun längliche Oeffnungen, mit einem dunkleren Krei⸗ se umgeben, die bisweilen mit jenen schlängelnden Fasern zufammen hängen, oft aber auch mitten in den Flächen liegen, welche durch iene Fasern einge⸗ schlossen werden. So werden Sie, wenn Sie vom fumsch ichtungey at, an M habe besten ierigkeit begierig / el⸗ H läreh. Non der Histrut J8.H tihan⸗ HFa⸗ sasern Sie Kei⸗ Nloden tten il eilge⸗ e Wll 119 Stengel des kleinen rothen Gauchheils(Anagallis arvensis, slore phoeniceo), der in Ihrem Küchengar⸗ ten so häufig wild wächst, das Oberhäutchen lösen, diese Oeffnungen mit einem dunkleren Kreise umg ben in der Mitte der Näume sinden, welche von jenen Fasern gebildet werden. Nun fragt sich, was jene Fasern sind, die sich so mannigfaltig und wunderbar gestalten. Es sind Zwischen wände des Zellgewebes. Daß sie dies sind, werden Sie am besten daraus erkennen, wenn Sie wissen, daß in den Aloden und andern saf⸗ tigen Gewächsen die Zellen des Gewebes gewöhnlich sechseckig sind; und eben so sechseckig finden Sie die Räume, welche von diesen Fasern im Oberhäutchen derselben Pflanzen umgeben werden. Noch deutlicher werden Sie dies einsehen, wenn Sie ein Blättchen der Oberhaut dieser Pflanzen, Sie anfangs unter Wasser auf der Glasplatte liegen hatten, nun, nach Verdunstung des m trocknen lassen. Dann erscheint die unten abgerissene Wand des Zell⸗ gewebes noch viel deutlicher. Nehmen Sie z. B. das Oberhäutchen von der Unterfläche der Blätter der violetblättrigen Tradeseantia, die Sie in Ihrem Treibhause haben, und lassen Sie es auf die ange⸗ 120 gebene Art auf der Glasplatte trockuen; so werden Sie(Fig. 18) sehen, daß der untere Theil der ab⸗ gerissenen Scheidewände des Zellgewebes schief un—⸗ ter dem obern erscheint, daß auch hier die sechsecki⸗ ge Form bleibt, und daß jene längliche Seffnungen in der Mitte der von den Scheidewänden umgebe-⸗ nen Räume liegen. Wir können also ganz sicher jene Fasern mit dem Namen: Scheidewände des Zellgewebes, belegen. Man hat aber diese Scheidewände des Zellge⸗ webes für Gefäße gehalten; man giebt sie zum Theil noch für lymphatische Gefäße der Oberhaut aus; ja, man hat jene Oeffnungen für Mündungen dieser Ge— säße gehalten. Dies sind lauter Irrthümer, die durch mangelhafte Beobachtung entstanden. Der Durchmesser, den diese Fasern in verschiedenen Zeich— nungen, namentlich in Willdenow's Grundriß Tab. IX. Fig. 279— 28ʃ, haben, ist offenbar durch einen optischen Betrug entstanden, indem man den untern Theil der abgerissenen Scheidewand nicht ge⸗ hörig betrachtete und verfolgte, sondern den Zwischen⸗ raum zwischen dem obern und untern Theil der Scheidewand geradezu für ein Gefäh nahm. Es ist auch ganz unwahrscheinlich, wenigstens ohne Bey⸗ so hetden oer ah⸗ cief un⸗ schsecki⸗ fnungen umgebe⸗ het jene de des 3Age⸗ um Theil aus; jn, lset G.⸗ , die undriß durch u den ht ge⸗ ischen⸗ eil de Es iß BDah⸗ 121 spiel, daß in dem Oberhäutchen, zu einem Zwecke, den man nicht errathen kann, Gefäße in so bestimm—⸗ ten Formen sich durchkreuzen sollten, daß sie jedes Mahl ein Sechseck, ein geschobenes Viereck oder ir— gend eine andere Figur den in ihrer Mitte gelege⸗ nen Flächen mittheilen sollten. Es ist gar nicht abzusehen, woher diese Gefäße kommen, wo sie sich endigen: und am allerunwahrscheinlichsten ist es, daß jene Oeffnungen die Mündungen der so genann— ten lymphatischen Gefäße seyn sollten. Welches Verhältniß zwischen den letztern, die fast gar keinen Durchmesser haben, und den beträchtlichen Oeffnun⸗ gen! Und wie können diese Mündungen der sie um⸗ gebenden und mit ihnen selten oder gar nicht zusam⸗ men hängenden Fasern seyn? Was diese spaltförmige Oeffnungen betrifft, so findet man sie größten Theils von ovaler, länglicher Form. In den Aloen, in der Pueca und in ver— wandten Gattungen sind sie fast allein viereckig. (Fig. 19.) Der Ring, der sie umgiebt, ist fast im⸗ mer von etwas dunklerer Farbe, bey den Farren— kräutern gewöhnlich gelb; er scheint schwammig, körnig oder drüsicht zu feyn. 12 * 2 Auch werden Sie sehr deutlich eine Erweite⸗ rung und Zusammenziehung jener Spalten bemerken. Offen und fast kreisfönmig werden Sie die Mün⸗ dung beobachten, wenn Sie des Morgens Ihre Beob⸗ achtungen anstellen. Gegen Abend sind aber die Spalten gewöhulich mehr zusammen gezogen oder ganz geschlossen, indem sie da bloße Striche dar estelle en. Mauchmahl ziehn sich auch diese Spalten, während man sie beobachtet, zusammen. Es sind also gewiß keine unnütze, sondern sehr thätige Werkzeuge. Sie werden außerdem biswellen drüsenartige Erhabenheiten im Oberhäutchen, Sie werden Haare auf demselben beobachten. Von diesen mich mit Ihnen zu unterhalten, werde ich aber ein anderes Mahl schicklichere Gelegenheit finden. Itzt wollen wir untersuchen, ob sich dieser künst⸗ liche Bau des Oberhäutchens, mit den regelmäßigen Zwischenwänden des Zellgewebes und mit den schö⸗ nen Spalten, überall auf der Sach der Gewüch⸗ se findet. Wenn zuvörderst von den einzelen Thei⸗ len der Pflanzen die Rede ist, so sinden Sie diesen Vau des Oberhäutchens überall, wo die Pflanze ei⸗ nen grunen Ueberzug hat oder bekommen wird, oder wo die Theile zur Hülle anderer bestimmt sind. In Erweit beluerken. en oder Ilstellen. wähtend gewiß He. Isenartige I Hagte nich mit anderes künst⸗ Häßigen schö⸗ Kewäch⸗ Thei⸗ dieseh ahze el 7 ddet Ib. 123 dem zartesten Keim des Saamens werden Sie überall gn dem jungen Pflänzchen, so wie es sich entwickelt, selbst am äußern Umfange der er Saamenlappen, diesen Bau des Oberhäutchens gewahr. Es zeigt sich das Oberhäutchen, noch ehe die Luft darauf wirken konn⸗ te: auch an den Blättern der Zwiebeln, die noch in den Schuppen der Zwiebel eingeschlossen sind, können Sie die regelmäßige Gestalt dieses Oberhäutchens bemer⸗ ken, und doch hatte auch hier die äußere Luft kei⸗ nen Zugang. Das Oberhäutchen eutsteht also nicht durch Berührung der Luft, sondern es ist Folge einer ursprünglichen Bildung. An dem ganzen Stengel der Pflanzen, so lange derselbe grün ist, an den jungen Zweigen der Bäume, so lange sie grün sind, ist dieser Bau des Oberhäut⸗ chens bemerkbar: aber wenn die Oberhaut aufängt grau zu werden, wenn sie bey ältern Aesten und am Stamme wohl gar Risse bekommt, dann verliert sich der eigenthumliche Bau; dann findet sich in der verdickten, fast nicht mehr organifirten, Oberhaut ein Stoff von eigener Art, den Bouillon La⸗ grange Korkstoff nennt, und der bey genauerer Un⸗ tersuchung eine eigenthümliche Säure liefert. 124 Am schönsten bemerkt man allemahl den künst⸗ lichen Bau des Oberhäutchens an der Unterfläche der Blätter, besonders saftiger Pflanzen. Die Oberfläche der Blätter zeigt die Spaltöffnungen nur selten. Unter den Theilen, die die Blume ausmachen, findet sich dies Oberhüutchen mit den Spalten nur an den äußern Hüllen, an dem so genannten Kelch, an der äußern Fläche der Blumenkrone, aber nie— mals an den innern zarten Theilen. Bey der Pas⸗ sionsblume werden Sie die Spalten an dem grünen Kelche so wohl als an den weißen Kronenblättern bemerken; aber der innere schöne Fadenkranz, der die Befruchtungs-Werkzeuge umgiebt und zu dem Honigbehältniß hinführt, ist davon entblößt. Was die Krouenblätter für eine Oberhaut haben, werde ich noch in der Folge die Ehre haben, anzugeben. Auch die Wurzel ist, selbst in ihrem zartesten Zu⸗ stande, nicht mit dem Oberhäutchen von jenem künst⸗ lichen Ban bekleidet. Statt dessen haben die zarten Wurzeln Saugewärzchen, auf die ich Sie bey einer andern Gelegenheit aufmerksam machen werde. Ich sagte vorher: die zarte Oberhaut der Sten— gel gehe bey zunehmendem Alter in die graue Rinde fünst, lelfläche Die jen nut achen, nur Kelch, nie⸗ Pas⸗ Rügen llittein / det dem Was werde Nunde 7 über, und es verliere sich dann der eigenthüm liche Bau der Oberhaut. Dieser künstliche Bau des Ober⸗ häutchens stellt sich auch nicht wieder her, wenn man sie abgezogen hat, oder wenn sie auf andere Art zerstört ist. Die Haut, die sich wieder erzeugt und die Wunden der Blätter und Stengel bedeckt, scheint nicht organisirt, wenigstens nicht mit den Spaltöffnungen und den Zwischenwänden des Zell⸗ gewebes versehen zu seyn, als die, deren Stelle sie ersetzt. Die graue oder weiße Haut hingegen, welche die grüne Rinde der Bäume bekleidet, löset sich bey manchen Bäumen, z. B. bey den Virken und Pla⸗ tanen, regelmäßig ab, und wird durch eine andere, die ihr vollkommen ähnlich ist, ersetzt. Diese Wie⸗ dererzeugung hat ihren Grund theils in dem Wachs⸗ thum und der Vermehrung der grünen Rinde und des Holzes, theils aber in der Brüchigkeit und dem Mangel an Organisation dieser grauen Oberhaut. Bliebe jener künstliche Bau der Oberhaut, mit al⸗ len Spaltöffnungen, so würde kein Riß entstehen, weil diese äußerst nachgebend ist. Auch wachsen junge — Zweige im Verhältnisse weit mehr in die Dicke, als alte Bäume. Daher müßten in der Oberhaut jener 25 jungen Zweige weit eher Risse entstehen, wenn die n hme der Dicke der Rinde und des Holzes allein Ursache derselben wäre. Die Bestimmung der organisiten Oberhaut scheint vorzüglich zu sern, daß ein Zugang zum Zell⸗ gewebe eröffnet und die Gemeinschaft des letztern mit der äußern Luft befötdert werde Jene regel⸗ mäßig gebildete Oeffuungen scheinen hauptsächlich zur Einsaugung der Luftstoffe bestimmt zu se Dies schließe ich zuvörderst daraus, weil sie mehr an der untern als an der obern Fläche der Blätter vorkommen. Und wir werden in der H — S — — — — * — — — — + — eniger einsaugt: doch giebt es Pflanzen, deren Blätter auf der Erde liegen, und diese 320 daun jene Spaltoffnungen nur an der obern, nicht an der untern Fläche der Ble tler, weil die Kcberrr⸗ da se die Erde berührt, nichts aus der Luft einzusaugen fähig ist.—9̊ Beyspiele und bey einigen Art —.— — 225 — — 27⁰ — — (Arabis) finde ich die her nur auf der obern Fläche der Blätter. Dann kann man auch, daß diese. zur Eiufaugung bestimmt sud, aus folgender That⸗ eun die erhaut Zell⸗ ehtern chlich sehn. Ingen Thgt⸗ 127 sache darthun. Sie finden sich nämlich auch auf den panachirten oder gesleckten Stellen der Blät⸗ ter, auf der gelben Sinfassung der amerikanischen weiß aber, daß diese gefleckte Stellen nicht die gewöhnliche Ausdunstung gebeu. Daram ist es wahrscheinlich, daß hier wenigstens die Ein⸗ saugung durch diese Oeffnungen ersolgt. Ferner scheint mir auch darin ein Grund für die einsaugende Eigenschaft der Spaltöffnungen zu liegen, daß man immer desto weniger Spaltöffnungen sindet, je mehr Haare ein Theil hat; und umgekehrt, je mehr Spaltöffuungen, desto weniger Haare findet man. Ich werde aber bey einer andern Gelegenheit die Ehre haben, zu zeigen, daß die Haare vorzüglich zur Ausdünstung bestimmt sind. Endlich sinde ich auch darin einen Beweis für die einsaugende Eigenschaft dieser Spalten, daß sie des rgens mehr geöffnet sind als des Abends. Des Morgeuns ist aber bey Thieten, wie bey Pflanzen, die So sehr alle diese Gründe sür die einsaugende Eigenschast dieser Oeffnungen sprechen, so weiß ich doch nicht, ob sie nicht unter gewissen Umständen, bey gänzlichem Mangel der Haare, zur Ausdünstung bey⸗ 128 tragen können: denn daß derselbe Kanal in den Ge⸗ wächsen die Säfte zu⸗ und zurück führt, glaube ich beweisen zu können. Der dunklere, größten Theils gelbe Ring, welcher die Spaltöffnungen, die wir auch einsaugende Mün⸗ dungen nennen können, umgiebt, scheint mir den Zweck zu haben, daß die Oeffnung und Verschließung der Spalte, vermittelst desselben, wie durch einen Schließ- Muskel, geschehen können. Auch werden wahrschein⸗ lich die angezogenen Luftstoffe durch die drüsichte Substanz dieses Ringes schon verändert und der Mi⸗ schung der Pflanzeusäfte ähnlich gemacht. Doch das ist eine bloße Vermuthung. Ein vorzüglicher Nutzen der Oberhaut ist aber gewiß der, daß die zarten Theile des Zellgewebes H selbst vor dem nachtheiligen Einfluß der äußern Dinge geschützt werden. Daher mußte von der ersten Entwi⸗ ckelung an das Pflänzchen mit seiner eigenen Ober⸗ haut umgeben seyn, weil jede Veränderung der äu⸗ ßern Luft sonst sehr leicht nachtheilige Folgen für das Wachsthum haben könnte. Je zarter auch das Pflänz⸗ chen ist, desto weniger ertrugt es die Wegnahme des * Oberhäutchens. den ube ich welcher e Mün⸗ Zweck ung der Schließ⸗ hrschein⸗ drllsichte der Mi⸗ ch düs rutwi⸗ Ober⸗ er äu⸗ ür das Pfän⸗ me des 4257 129 XI. An eben dieselbe. 2 denen festen und einfachen Werkzeugen der Ge⸗ wächse, welche am allgemeinsten verbreitet sind und sich fast an allen Theilen der Pflanzen finden, ge⸗ hören vorzüglich die Haare. Sie werden, meine verehrte Freundinn, durch Ihre Loupe, noch mehr aber durch Ihr Mikroskop die größte Mannigfaltig⸗ keit der Formen in den Pflanzen⸗Haaren bemerken. Dennoch aber möchte wohl folgender Begriff von ei⸗ nem Haar der richtigste seyn und sich auf alle ver⸗ schiedene Formen anwenden lassen. Haar nennen wir nämlich jede feine, weiche, in eine Spitze auslaufende, mehrentheils durchsich⸗ tige Verlängerung der Oberhaut. Mit der letztern sind die meisten Haare allein verbunden und lassen sich mit ihr abziehen. Auch selbst da, wo sich keine so künstlich gebildete Oberhaut findet, wie in den Blumen und an den Befruchtungs-Werkzeugen, ver⸗ längert sich die Oberfläche sehr häufig in Haare. Auf den Blättern, am Stengel und am Kelche sind diese Haare dennoch oft etwas tiefer gewurzelt: sie sitzen bisweilen auf einer kleinen Zwiebel fest, wel⸗ Erste Sammlung. 9 130 che sich zwar gewöhnlich über die Oberhaut erhebt, aber nicht tief ins Zellgewebe dringt. Die meisten Haare sind wie ein hohler Kegel anzusehen, und man kann sehr deutlich den Zugang zu dieser Höhle beobachten, wenn man sie dicht am 2 2— — ellgewebe quer durchschneidet. Dies kann man vor⸗ züglich an etwas steifen Haaren sehen, die man Bor⸗ sten zu nennen pflegt. Die Formen, welche die Haare annehmen, sind von einer so großen Mannigfaltigkeit, daßz man sie schwerlich ganz übersehen kann. Einige sind sehr fein, liegen dicht auf, und ge⸗ ben der Oberfläche ein glänzendes Ansehn: diese nennt man Seide. Andere liegen so dicht und so verflochten auf der Oberfläche, daß man sie nicht einzeln unterscheiden kann: diese machen den Filz aus. Noch andere sind weich, lang und gekräuselt: diese neunt man Wolle. Wieder andere sind weich, lang und gerade: man nennt sie Zotten. Auch iebt es welche, die sternförmig oder büschelförmig aus einem Punkte kommen: sie machen den so ge⸗ nannten Bart aus. Diese Verschiedenheiten wer— den bey den Kunst⸗Ausdrücken noch genauer erklärt. It ethei, Hegel Zugang icht am san vor⸗ in Bor⸗ „ sind Ran sie 0 0 1 diese d so nicht Hilz juselt: eich, Auch Hörmig so gl⸗ we⸗ allilt 131 Der Bau der Haare selbst gewährt eine eben so verschiedene Ansicht. Es giebt Haare, die mit feinen Seitenhärchen oder Zähnen versehen sind. Andere theilen sich an der Spitze in einen oder mehrere Ae⸗ ste: man kann sie Gabelhgare nennen. Noch an⸗ dere sind auf mannigfaltige Art zertheilt. Z. B. bey der gewöhnlichen Sommer-Levkoje finden Sie auf den Blättern einen Ueberzug, den Sie Filz nen⸗ nen können, weil die feinen Haare dicht anliegen, und so verworren durch einander sind, daß man sie einzeln nicht unterscheiden kann. Nehmen Sie aber ein feines Blättchen von der Oberhaut ab, und bringen es unter eine starke Vergröberung; so wer— den Sie erstaunen, eine Menge wunderbar gestalte⸗ ter, zusammen gesetzter Haare zu finden, die man gefiedert nennen kann.(Fig. 20.) Viele Haare bestehn aus schnurförmig an einander gereiheten Ab- satzen: man neunnt sie gegliedert. So werden Sie sie an den Staubfäden der virginischen Trade— seantia finden.(Fig. 21.) Auch sieht man sie ost durch scheinbare Zwischenwände getheilt, in welchem Falle man sie dann Zwischenwand⸗Haare zu nennen pflegt.(Fig. 22.) Endlich sind viele Gewächse mit Haaren versehen, deren jedes auf seiner Spitze ö 9* 132 einen Tropfen von der eigenthümlichen Flüsfigkeit des Sewächses sitzen hat. Diese nennt man 5 aardrüͤ— sen. Dergleichen werden Sie auf einigen Arten 6 I von Hibiscus, des Habichtskrauts und auf manchen. N ö‚ Kranichschnäbeln finden. ö Es giebt keinen Theil der Pflanzen, der ganz 6 von Haaren entblößt wäre, oder an welchem sich 0 nicht Haare finden könnten. Selbst die Wurzeln 0 sind wenigstens bey ihrem ersten Keimen mit äu⸗ 0 berst feinen Härchen besetzt, die anfangs wie kleine ö* Wärzchen erscheinen, und so zart sind, daß sie, so 3 bald man sie eine Minute nur an der Luft hat lie— ö gen lassen, zusammen fallen und sehr feine Bänder⸗ chen darstellen.(Fig. 23.) Der Stengel und die 0 Aeste pflegen da die meisten Haare zu haben, wo ih sie sich theilen, in den so genannten Blattachseln. 2 Die Blätter sind auf der Unterfläche am haärigsten, R und besonders pflegen die Ribben oder Nerven des W Blattes mit den meisten Haaren besetzt zu seyn. Der Blumenkelch, die Blumenkrone, die Staubfäden, 0 die Antheren, die Pistille, selbst die Narbe des Pi⸗ N. stills, sind oft mit Haaren besetzt. Von der Narbe 0 des Croeus habe ich Ihnen eine Zeichnung beygelegt, wo Sie die Haare sehr bestimmt bemerken werden. + eit dei 0 tü Mten uichen gan; sch zeln t sli sleine e so it lie⸗ inde⸗ die tbo seln. sten, des eyn. iden, N Natle dlh, deh. 133 (Fig. 24.) Daß selbst die Früchte oft behaart sind, ist eine so gemeine Erfahrung, daß ich nur an die Federkrone des Löwenzahns und anderer ähnlicher Pflanzen zu erinnern brauche. Die Haare verändern sich bey derselben Pflanze auf mannigfaltige Art. Im Ganzen genommen ha— ben junge Pflanzen immer die meisten Haare. Auch in den Knospen werden Sie den schönen wolligen Ueberzug oder die mit feinen Haaren ausgestopfte Wiege bemerken, worin die künftigen Blumen und Früchte vor allen äußern Verletzungen, vorzüglich vor der Winterkälte, geschützt liegen. Fig. 24 zeigt Ihnen das Innere einer Knospe von der Roßkastanie. Diese wollige, filzige, haarige Oberfläche verliert sich aber, wie Sie wissen, nach der Entwickelung der Triebe so völlig, daß an den Aesten, Blättern und Blüthen der Roßkastanie wenig mehr davon zu ent⸗ decken ist. Gerade so werden Sie es beym Aus- schlagen mehrerer Bäume, z. B. der Syringe, oder des spanischen Flieders, bemerken. Die ganz jungen Blätter sind noch haarig, aber je weiter sie sich entwickeln, desto mehr verlieren sich die Haare, de⸗ sto glatter wird die Oberfläche. 13⁴ — Bey manchen Pflanzen verändert sich der häa⸗ rige Ueberzug mit der Veränderung des Wohnorts oder des Klima's. Gewächse, die sonst auf Alpen, Bergen und dürren Gegenden haarig waren, verlie— ren die Haare, wenn man sie in fruchtbare Gegen-⸗ den oder in Gärten verpflanzt. Ueberhaupt will man bemerkt haben, daß die meisten Alpen⸗Gewächse sich von verwandten Arten im platten Lande durch die haarige Oberfläche unterscheiden. Daß auch Haare bisweilen in Dornen übergehn, werden Sie vorzüglich an einigen Fackeldisteln(Ca⸗ ctus Peirescia) sehr gut bemerken können. An den jun⸗ gen Zweigen der Peirescia und in den Blattachseln zei⸗ gen sich Haare büschelförmig, die mit der Zeit immer stärker werden, mehr einzeln stehn, und die Natur der Vorsten und endlich der Dornen annehmen. Das Gleiche werden Sie bey den Acacien finden. — Ihbt euntsteht die Frage: Was sind die Haare ei⸗ gentlich, und welchen Nutzen haben sie sür die Oe⸗ konomie der Gewächse? Sie scheinen offenbar Ver⸗ längerungen der aufsteigenden Kanäle, der Schrau—⸗ bengänge oder der Zellfaser zu seyn, und diese Ver⸗ längerungen werden wahrscheinlich durch den Trieb der Säfte veraulaßt: denn je stärker der Trieb der hah⸗ huorts Ilpex, eklie⸗ egen⸗ man e sich die Ichn. 0— Mun⸗ Nzei⸗ nmer Allt Das ecu ö Oe⸗ Vel⸗ Hiau⸗ Vel⸗ drih H.dit 135 Eafte, desto haariger ist die Fläche, und bey jun⸗ gen Pflanzen finden sich immer die meisten Haare. Ich glaube selbst einmahl die Fortsetzung eines Schraubenganges in ein Haar bemerkt zu haben: doch will ich dieser Beobachtung kein großes Gewicht beylegen, da ich sie nicht habe bestätigen können. Wenn nun die Haare durch den stärkern Trieb der Säfte. getrieben werden, wenn sie vorzi üg⸗ lich da am häufigsten sind, wo der Trieb der Säfte . A 7 usdün⸗ am stärksten 1 so scheinen sie ossenbar zur 2 stung zu dienen. Dies wird noch dadurch bestaätigt, daß man sehr oft auf ihrer Spitze ein Tröpfchen von dem eigenthümlichen Safte des Gewächses berbach⸗ tet. Welche schmierige, häßlich riechende Feuchtig⸗ keit überzieht nicht die Tobakspstanze! Untersucht man es genauer, so findet man, daß überall Haare zugegen sind, deren Spitze mit einem Tro öpfchen je⸗ ner schmierigen Feuchtigkeit versehen ist. Die letzte⸗ re schwitzt offenbar aus dem Gewächse selbst aus. Auch bemerkt man, daß, wenn Erdbeer⸗Stauden oder Melonen-⸗Nanken unter Glasglocken gestanden ha⸗ ben, die Haare an der Oberfläche nach einiger Zeit mit Wassertropfen besetzt sind. Diese hat man bey einigen Gewächsen chemisch untersucht, und man hat 136 dieselben Bestandtheile wie in den Säften der Ge⸗ wächse selbst gefunden. Diesen Nutzen der Haare bestätigt auch die Aehnlichkeit ihrer Bestimmung am thierischen Körper. Offenbar sind sie an solchen Stellen unsers Körpers vorhanden, wohin ein starker Trieb der Säfte statt findet und wo die Ausdünstung beträchtlich ist. Aber sollten die Haare, wenigsteus an manchen Pflanzentheilen, nicht eine andere Bestimmung ha— ben? sollten sie nicht auch zur Einsaugung dienen? Wenn man die Bestimmung der Narbe des Pistills kennt, die befruchtende Substanz aufzunehmen und sie zu dem Fruchtknoten zu leiten; so kann man nicht umhin, zu vermuthen, daß die Haare an der Oberfläche der Narbe diese Verrichtung ausüben. Wenn man weiß, daß die Wurzel zur Aufnahme der Erdfeuchtigkeit bestimmt ist; so muß man nothwen⸗ dig den Sangwarzen, womit die zarte Wurzel an⸗ fangs besetzt ist, und die bald in Haare übergehn, dieses Geschälft zuschreiben. Die zarten Haare der Wurzel dienen also offenbar zur Einsaugung der Erd— feuchtigkeit. Warum sollte auch nicht ein und das⸗ selbe Gefäß entgegen gesetzte Verrichtungen ausüben können? +——— 132 Ein neuerer trefflicher Botanist) sucht durch sehr gelehrte und selbst mathematische Beweise zu erhuärten: die Haare der Gewächse seyn lediglich zur Einsaugung, und nicht zur Ausdünstung bestimmt: allein die Beweise sind nicht aus Erfahrung, son— dern bloß aus Begriffen entlehnt, und haben also in einer Erfahrungs-Wissenschaft, wie die Botanik ist, keine Kraft. XII. An eben dieselbe. Sie werden, meine Gnädige, bey Untersuchungen der Oberhaut und des Zellgewebes oft besondere Körperchen gewahr werden, die von rundlicher Form, bisweilen mehr gefärbt als das übrige Zellgewebe, von körnigem oder gleichsam fleischigem Gewebe sind, und ganz einzeln in dem Zellgewebe liegen oder über die Oberhaut, aber noch von ihr bedeckt, hervor ra— gen. Diese Körperchen nennt man Druüsen, weil man zuen schen ihnen und den Drusen des thierischen Körper eine gewisse Aehnlichkeit bemerkt. Franz von Paula Schrank. 138 Solche Drüsen sinden Sie z. B. an den unter- sten Zähnen der Blätter der Octoberkirsche(Prunus lemperllorens), an der Unterfläche der Blätter der Lor⸗ beerkirsche Prunus Laurocerasus), am Blattstiel des Faulbaums(Prunus Padus). Hier kann man sie mit bloßen Augen sehen. Aber bey mikroskopischen Unter⸗ suchungen werden Sie drüsige Körper unter der Ober⸗ haut der Blätter des weißen Maulbeerbaums,(Fig. 27,) in der Oberhaut der zarten Blätter der schönen Amaryllis,(Fig. 28,) wenn die Blätter noch in der Zwiebel eingeschlossen sind, bemerken. Die Drüsen sind oft weniger durchsichtig, und scheinen also von einem dichtern Gewebe zu seyn, als die übrige Substanz des Theils, worin sie sich finden. Auch pflegen alsdann die Zellen der sie be⸗ deckenden Oberhaut gedrängter und kleiner zu seyn, wie Sie dies am Maulbeerblatte(Fig. 27) sehen können. Aber oft haben auch die Stellen, wo sich Drüsen finden, weit mehr Durchsichtigkeit als die andern, wahrscheinlich weil der Bau der Drüse ein⸗ sörmiger ist, als der Bau der übrigen Theile. So sieht man in den Blättern der Zitronen, Pomeran— zen, des Johanniskrauts, der Amorpha u. s. w. durch⸗ sichtige Punkte, welches Drüsen sind, Ultet⸗ Tuu ker⸗ des mit ster⸗ ber⸗ Ralh⸗ Uch 139 Ihre Formen sind übrigens auch sehr verschie⸗ den. Oft stehn sie auf besondern Stielen, wo sie daun solide Haardrüsen bilden, deren man am Kel⸗ che der Moosrose eine so große Menge findet, oder sie sind becherförmig oder warzenförmig, u. s. f. Ich habe zwar nicht die Schraubengänge be⸗ stimmt bis in die Drüsen verfolgen können; aber daß sie in die letztern übergehn, erhellt schon daraus, daß man die Ribben der Blätter bey einigen Pflau⸗ men- und Weidenarten in die am Rande sitzenden Drüsen üͤbergehen sieht. Verfolgt man diese Ribben genauer, so fieht man wohl, daß sie mit den Drü⸗ sen zusammen hängen; aber, wenn sie bis in die Mitte derselben gekommen sind, so biegen sie sich wieder um und gehn am Rande des Blattes weiter sort. Wenn nun die Blattribben aus Schraubengän⸗ gen bestehn, wie ich dies darzuthun mir getraue, so kann man eine unmittelbare Verbindung der Schrau⸗ bengänge mit den Drüsen auf keine Weise läugnen. Andere Drüsen scheinen in keiner Verbindung mit den Schraubeugängen zu stehen. Sie liegen in der Mitte einer Zelle, oder die Zellen umgeben sie, und lassen einen Raum, den der drüsige Körper er⸗ füllt. In diesem Falle scheinen die letztern bloß die⸗ +* N 140 ienigen Säfte einzusaugen, welche sich im Zellgewe⸗ be aufhalten, und diese zu verarbeiten. Ueberhaupt aber kann man von der Bestimmung der Drüsen so viel sagen, daß sie die eigenthumli— chen Säfte der Gewächse zuzubereiten scheinen. Dies erhellt vorzüglich daraus, daß man beym Zer— schneiden der Zitronen-und Pomeranzen-Bläͤtter und der Rinde ihrer Früchte selbst das wesentliche Hehl tropfenweise aus den drusigen Stellen hervor quellen sieht. Im thierischen Körper ist dies auch die Bestimmung einzeler Arten von Drüsen: aber da wird diese Zubereitung vorzüglich durch die Säug⸗- adern befördert, welche mit den Drüsen in Ver⸗ bindung stehn und in den mannigfaltigsten Ver⸗ flechtungen sie durchkreuzen. Pflanzen haben keine besondere Saugadern. Die Art, wie ihre Drusen die Zubereitung eigenthümlicher Säfte bewirken, ist also nicht ganz klar. Indessen halten sich offenbar die Säfte läuger in diesen Körvern auf, und werden eben dadurch eoncentrirter und zur bessern B⸗ tung geschickter. W. Iu W 11 M Hachtt Il. sand b Ilset uset 100 ul Hale mt ge Bubad lgett; muhg umsi— inen. Zer⸗/ jtter iche or uch aber aug⸗ Ver⸗ 141 15 XIII. An eben dieselbe. Wien hat die Natur wohl den Gewächsen Dor—⸗ nen und Stacheln gegeben? Warum haben wilde Obstbäume Dornen und verlieren sie durch Cultur und Veredlung? Diese Fragen legten Sie, meine verehrte Freundinn, mir neulich in einer Gesellschaft vor. Ich beantwortete sie, so gut ich konnte; ge⸗ stand aber, daß sie zum Theil unbeantwortet blei⸗ ben müssen, weil so sehr widersprechende Thatsachen unser Urtheil über diesen Gegenstand verwirren. Sie äußerten darauf den Wunsch, etwas möglich Bestimm⸗ tes über die Entstehung und die Bestimmung dieser Theile zu lesen, und ich befolge mit Vergnügen den mir gegebenen Wink, Ihnen die Resultate meiner Beobachtungen, Versuche und meines Nachdenkens hierüber vorzulegen. Zuvörderst aber muß ich bitten, Dornen und Stacheln wohl zu unterscheiden. Jenes sind har⸗ te Spitzen, die aus dem Zellgewebe und bey Bäu⸗ men aus dem Holze selbst hervor kommen: Sta— cheln hingegen sind harte Spitzen, die an der Oberhaut fest hängen und mit ihr leicht abgezögen 4 142 werden können, oft auch selbst von der Oberhaut sich trennen, wenn man sie von der Seite umbiegt. Die Rose, Berberitze und Acaeie haben Stacheln; aber der Weißdorn, der wilde Pflaumenbaum, der Schlehenstrauch haben Dornen. Viele Stacheln giebt es, die sich dadurch von den Dornen unterscheiden, daß sie nach unten, nach der Wurzel zu, gebogen sind, wie man dies deutlich an den Rosen sehen kann. Ein großer Naturfor⸗ scher hielt sogar dies für ein unterscheidendes Merk—⸗ mahl der Dornen und Stacheln, daß jene nach oben, diese nach unten gerichtet seyn: allein dies Merk⸗ mahl trifft nicht durchgehends ein; es giebt viele Dornen, die nach unten, und viele Stacheln, die Uach oben gerichtet sind. Wenn man dem Eutstehen der Stacheln nach—⸗ spürt, so findet man, daß sie entweder im Anfange Haare oder weiche Erhabenheiten über der Rinde bildeten, oder sie sind als Ueberreste eines Blattes oder kleinen Zweiges anzusehen, die an der Stelle abgefallen sind. Ganz weiche Erhabenheiten, die haarförmig über die Oberhaut hervor ragen, waren ursprünglich die Stacheln bey den Rosen. Diese be⸗ standen aus Zellgewebe, welches, im Anfange locker, schi chl d lodatg W geh, ciht Huht Rhehl. e W Hite Ed juge shhint Ent Ii Catn N.8& E ost a Hoc Hethtut mbiegt acheln; n, der ch von /nach eutlich turfort Nerk⸗ Hohet, Metl⸗ t viele „ die nach⸗ fange Rinde zattes Gtill u, die waten ise he lockt/ 14³ sich immer mehr verdichtete und verhärtete, bis end⸗ lich bey der Vertrocknung und Verholzung des Gan⸗ zen die Form des Stachels sich zeigte. Diese Ver⸗ trocknung wird durch die umgebende Luft bewirkt, die von allen Seiten das Zellgewebe des Stachels um⸗ giebt, und verhindert, daß es nicht so fortdauernd ernährt wird, als das Zellgewebe der Rinde. Daher kommts nun auch, daß der Stachel endlich gar nicht mehr mit der Rinde innig zusammen hüngt: er wird zu einem todten, unnützen Theile und fällt ab. Dicke und alte Zweige und Stämme der Rosen und Berbe⸗ ritzen verlieren ihre Stacheln völiig. Bey den Aeacien und Berderitzen eutstehn die Stacheln an den Stellen, wo vorher Blätter oder junge Zweige gesessen haben. Der Zuschuß der Säfte scheint noch, aber in geringerm Grade, fortzudauern. Statt eines neuen Blattes oder Zweiges treibt bloß eine weiche Faser hervor, die, der Luft nach allen Seiten ausgesetzt, endlich verhärtet und in die Natur des Stachels übergeht. Die Dornen unterscheiden sich auch dadurch von den Stacheln, daß sie meistens in den Blattachseln, oft aus besondern Augen oder Knospen hervor kommen; doch finden sich guch Dornen über den Blättern oder 144 in einiger Entfernung von den Blattwinkeln. Viele Blätter haben Dornen, wie die Disteln; auch die Kelche der Blüthen, bey einigen Arten von Kornblu⸗ men und Disteln; selbst die Früchte, wie der Stech—⸗ apfel: aber die Blumenkronen scheinen niemals mit Dornen oder Stacheln besetzt seyn zu können. Forscht man nach dem Ursprunge der Dornen, so findet man bey unsern Pflaumenbäumen, wie bey der Gleditschia und dem Weißdorn, daß sie aus dem Holze selbst hervor treiben, und daß man beym Ent⸗ stehen derselben nicht unterscheiden kann, ob es wirk⸗ liche Zweige oder Dornen werden. Auch giebt es in der That an unsern Pflaumenbäumen Zweige, die sich in scharfe, trockene Spitzen endigen und übri⸗ gens mit Blättern besetzt sind. Diese halten also die Mitte zwischen eigentlichen Zweigen und nackten Dornen. Die Zergliederung des Dorns bestätigt diese Ver⸗ muthung. Er ist ein vertrockneter Zweig, und, wie ein solcher, ist er mit Oberhaut und Rinde überzo⸗ gen besteht aus Splintlagen, Holzlagen und ver⸗ härtetem Mark. Diese Theile gehn aber in alten Dornen so in einander über, daß man sie kaum noch yon einander unter scheiden kaun. So lange der V 3e Dun tal„ shh, Hiche venn Rium Much ve Heit ufi lin Iun i H. Mle auch di Konblu⸗ er Stech⸗ mals mit rnen, so ie bey. det aus den heym Est ves ninl⸗ ieht es in eige/ die ind übri— asso die nackten iese er⸗ and, wie üͤberzo⸗ und her⸗ in alten. aum noc uge d 145 Zweig, woran er sitzt, noch jung ist, wächst auch der Dorn: hat der Zweig seine völlige Ausbildung erhal⸗ ten, so behält der Dorn seine Größe und verändert sich nun gar nicht mehr. Sollte also der Dorn wohl ein verkrüppelter Zweig seyn, dem es zu der völligen Ausbildung nur an hin⸗ reichendem Nahrungssafte fehlt? So scheint es fast, wenn man auf unsere wilde Obstbäume Rücksicht nimmt, die in schlechtem Boden dornig sind, aber durch Cultur, Veredlung und guten Boden ihre Dor⸗ nen verlieren. Wollte man diesem Satze Allgemein⸗ heit geben, so wäre die Entstehung der Dornen bloß zufäligen Ursachen zuzuschreiben: allein, daß dieo ein sehr voreiliger Schluß seyn würde, lehren viele Gewächse, zu deren Charakter die Dornen wesentlich gehören, und die dieselben nie verlieren, sie mögen nun in magerm oder fettem Erdreich stehen, sie mö⸗ gen behandelt werden, wie sie wollen. Ja, man hat ganz widersprechende Erfahrungen, die zu beweisen scheinen, daß die Gewächse vielmehr dornig werden, als die Doraen verlieren, wenn sie in gutes Erdreich kommen. Die Alpenrose hat keine Dornen, ungeach— tet sie auf viel dürrerem Boden wächst als unsere übrige Rosen. Man erzählt sogar, daß ein Rosen⸗ Erste Sammlung. 10 146 stock seine Dornen verlohr, da man ihn in sandiges Erdreich brachte und auf diese Art seine Nahrung verminderte. Ein sehr glaubwürdiger und berühmter Naturforscher, Pallas, versichert, daß in einer der fruchtbarsten Gegenden des Erdbodens, in der persi⸗ schen Propinz Ghilan, fast alle Waldbäume voll Dor⸗ nen sind. Dem sey nun, wie ihm wolle, so sind Dornen und Stacheln ursprünglich gewiß keine überflüssige oder unnütze Theile der Gewächse. Nicht bloß in ih⸗ rem Entstehen, sondern noch späterhin, und ehe sie ganz verhärtet sind, dienen sie zum Aufenthalt der Säste, besonders aber zur Ausdünstung. Daß sie die letztere Bestimmung haben, kann man auch daraus abnehmen, weil blattlose saftige Gewächse, wie die Euphorbien und Fackeldisteln, mit Dornen besetzt sind, und weil man die Dornen vorzüͤglich an solchen Stel— len hervor kommen sieht, wohin der stärkste Trieb der Säfte statt findet. Daraus könnte man schließen, daß ein Wildling deßwegen die Dornen bey der Vered— lung verliert, weil die Ausdünstung nicht mehr so stark ist, sondern die Säfte mehr eoncentrirt und zur Bildung feinerer Früchte verwandt werden. Doch will ich darüber nicht absprechen, da es Anmaßung sahdigtz Nohtunz berüͤhnttet einer de der herso voll Dor⸗ thalt der ß sie de ch darauz vie die esat sub/ Hen Sttl Tiieb dei jeßen/ d et Dedd mahtij ind ul „ Doh maßung 147 seyn wurde, über einen Gegenstand etwas mit Ge⸗ wißheit behaupten zu wollen, den die Natur unter so XIV. An die Grafinn B. Vargessen konnte ich Ihren Auftrag, gnädige Grä⸗ sinn, auf keinen Fall; dazu war er für mich zu wich⸗ tig und zu ehrenvoll. Aber der Drang der Berufs⸗ geschäffte und die Schwierigkeiten, die sich mir bey der Erfüllung dieses Auftrags zeigten, konnten mich auf eine Zeit lang an der Ausführung desselben hin⸗ dern. Itzt, da Sie mich von neuem auf eine sehr schmeichelhafte Art dazu auffordern, werde ich mich bemühen, diesen Gegenstand Ihnen so klar darzule⸗ gen, als es in meinen Krüften steht. Als ich nämlich im vorigen Junius das Glück hatte, Ihnen und Ihrer Frau Mutter unsere Pflan⸗ zungen und übrige Anlagen zu zeigen, waren Sie so gnädig, sich mit mir über den Schadeno der Nut⸗ zen, den die Ausdünstungen der Pflanzen fur die Gesundheit der Menschen haben könnten, in ein Ge⸗ * 148 spräch einzulassen. Ihre sehr scharfsinnige Fragen veranlaßten eine tiefere Entwickelung der Oekonomie der Gewächse, ihrer Crnährung und der Mischung ihrer Saöfte, als ich anfangs vermuthet hatte. Durch einen Zufall ward diese Unterhaltung abge— brochen, und Sie hatten die Gnade, den Wunsch zu äußern, daß ich einige Punkte, die Ihnen dunkel ge⸗ blieben seyn/ bey Gelegenheit umständlicher entwi— ckeln möchte. Erlauben Sie mir also itzt, die Lehre von den Bestandtheilen der Pflanzen, und besonders der Säfte derselben, Ihnen so zu entwickeln, wie sie uns die neuern Fortschritte der Naturforscher und Scheide— kůnstler darstellen. Zu dem Ende muß ich erstlich bemerken, daß die Chemie eine Menge einfacher Stoffe als Grundlage aller Naturkörper aunimmt, auf die sie endlich bey der Zerlegung stößt, die sie weder sinnlich darstellen noch weiter zerlegen kann, eben weil sie einfach sind. Unter diesen einfachen Stoffen finden sich gewöhnlich nur fünf in dem Ge— wächsreiche: nämlich Wärmestoff, Sauerstoff, Stick—⸗ stoff, Kohlenstoff und Wasserstoff. Diese einfache Körver spielen bey der Ernährung, dem Wachsthum und allen Veränderungen der Pflanzen, so wie bey Ihtem Ei se sht v gusthsten e nau w Oetet Enfen i Nauldetun lulg ist se Rbunde b. Ed Nacht el heu er Iigfeit ihte Bas ie die C. Ar; Ihngen N„ Munt, we le Flsi sit Nim dua uin Hul Im Kärgn Filtg ms Fragn ekononie Nischung t hatte 9abge⸗ unsch zu ikel ge⸗ entwi⸗ en den r Caste uns die Scheide⸗ eustlich eifache uunimmit, wdie si jen kahn, einfachen dem Ge⸗ f/ Stic einsch. ichsthun uie bih 149 ihrem Einfluß auf die übrige irdische Schöpfung, eine sehr wichtige Rolle, und es müssen also die Ei— genschaften dieser Stoffe vorher angegeben werden, ehe man weiter gehen kann. ö Der thätigste und einflußreichste unter diesen Stoffen ist der Wärmestoff: ohne ihn geschieht keine Veränderung in der ganzen Natur. Seine Entwi— ckelung ist der Grund der empfindbaren Wärme; sei⸗ de gebundene Beschaffenheit ist die Ursache der Käl⸗ te. Er durchdringt alle Körper; die festen Theile macht er lockerer, die Flüssigkeiten dünner; und wenn er in zu großer Menge und mit zu vieler Hef⸗ tigkeit die Körper durchdringt, so verfluchtigt er ihre Bestandtheile und macht daraus eine Luftart, die die Chemiker Gas nennen. Der zweyte Grundstoff der Pflanzen, wie aller ubrigen Naturkörper, ist der Sauerstoff; so ge⸗ nannt, weil er den Grund des sauren Geschmacks aller Flüssigkeiten enthält. Dieser ist am häufigsten, mit Wärmestoff verschmolzen, in unserm Lustkreise, deren vierten Theil er ausmacht. Er ist allein der Grund, warum sich die Luft athmen läßt, und war⸗ um Körper in der Luft verbrennen: denn in beiden Fällen tritt der Sauerstoff aus der Luft entweder 15⁰ zum Blute des athmenden Thiers oder zu dem ver⸗ brennenden HKörper. Er wirkt auf Thiere wie auf Pflanzen als ein mächtiger belebender Reiz: doch scheinen seiner die Thiere fast noch mehr zur Fort⸗ dauer des Lebens zu bedürfen, als die Pflanzen, die eine beträchtliche Menge desselben in den Luftkreis aushäuchen. Der Kohlenstoff ist der dritte Grundstoff der Pflanzen, wie aller übrigen Naturköryper. Er heißt so, weil er das Brennbare in der Kohle aus- macht, aber eben in unserer Holzkohle ist er schon mit etwas Sauerstoff gebunden. Man findet ihn in andern Körvern meistens mit mehrern Stoffen vermischt. Statt daß der Wärmestoff alle Bestandtheile ver⸗ flüchtigt und luftförmig macht, so verdichtet und vereinigt der Kohlenstoff alle übrige Grundstoffe. Der Wärmestoff kann ihn nur alsdann luftformig ma⸗ chen, wenn Sauerstoff hinzu tritt. In dieser Ge— stalt ist er in dem Thau und Regen, im Quell⸗ und Flußwasser mehr oder weniger reichlich vorhanden; in dieser Gestalt, in der man ihn kohlensaures Gas zu nennen pflegt, entwickelt er sich aus allen gährenden Dingen, aus dem Moste, wie aus dem Champagner und Selteser Wasser. Für Pflanzen 1nd Ahat iunnil ud Ihne Bef sch die gan De 2 lichtest in chesten 8 iht Suersaf In und Rigiens len ibel uun Sump Mirlt. Aus sufgns durt de Min der Eheschost, Re M nus Simpien Id Cunn sinden in Mitel/ sch fuunten d dem lele wie duf liß: N lur gut Mzeh, dse lastktei Nruldsof hek. Et ohle aus⸗ schon nit inandem ermischt. ile ber⸗ t und Der 9 ma⸗ + Ge⸗ ü⸗ und anden; autes u3 Ollen 10 dent Iflattien 151 und Thiere ist der Kohlenstoff der eigentliche Be⸗ standtheil ihrer Nahrüngsmittel. Auf seine Anzie⸗ hung und die durch ihn bewirkte Verdichtung der übrigen Bestandtheile der Pflanzen und Thiere läß sich die ganze Ernährung zuruck bringen. Der Wasserstoff ist unter diesen Stoffen der leichteste, daher er mit dem Wärmestoe auch am ehesten luftförmig wird. Er heißt so, weil man bis itzt glaubte; das Wasser werde aus ihm und Sauerstoff zusammen gesetzt. Neuere Wahrnehmun⸗ gen und Versuche scheinen aber diese Meinung we⸗ nigstens sehr einzuschränken. Der Wasserstoff hat einen übeln Geruch, den man besonders in der Nähe von Sümpfen zum Nachtheil der Gesundheit oft be⸗ merkt. Aus Sümpfen nömlich entbindet sich Wasser⸗ stoffgas durch die Zersetzung der Pflanzen und Thiere, die darin verwesen. Er hat feruer die merkwürdige Eigenschaft, sich bey Berührung der Luft zu entzün⸗ den, und aus dieser Entzündung des Wasserstoffgas in Sümpfen und in der Luft kann man die Irrwische und Sternschnuppen herleiten. Die Montgolster's fanden in der Anwendung des Wasserstoffgas ein Mittel, sich über die Erde zu erheben und dein er⸗ staunten Zeitalter das Schauspiel der Lust⸗Schiff— 15² fahrt zu geben, deren Möglichkeit man bis dahin immer bezweifelte. Eben so wenig rein wird man den fünften Stoff der Pflanzenwelt und der übrigen Naturkörper, den Stickstoff, darstellen können. Er heißt so, weil er sehr nachtheilig auf das Athmen der Thiere wirkt; doch thun dies der Kohlen ⸗ und Wasserstoff auch. Dieser Stoff ist gasförmig in dem Lustkreife vorhan⸗ den, und zwar macht er einen sehr beträchtlichen An—⸗ theil an der Mischung der Atmosphäre aus. Es klingt sehr sonderbar, und ist nichts desto weniger vollkomimen richtig, daß der Stickstoff bey weitem mehr als die Hälfte der besten atmosphärischen Luft ausmacht. Die Pflanzenwelt enthält des Stickstoffs weniger, als das Thierreich, indessen findet er sich doch in manchen Pflanzen in größerer Menge. Diese Stoffe sind es, aus denen alle Gewächse zusammen gesetzt sind durch die sie wachsen, und aus welchen man jede Veränderung derselben zu er⸗ klären sucht. Ich glaube zwar nicht, daß die Annah⸗ me dieser Stosse alles erschöpft und daß sich auf den Kreis derselben jede Erklärung der Natur Er⸗ scheinungen beschränkt; schon itzt kennen wir außer ihnen manche andere Stoffe, die fur einfach gehal⸗ n Hedel Iuneich fid Hit woc Abin bor d sin eftch anmeu Ett nod weil si dah sl, nie D Ode dieje Rem gem eihenthün Nauaunl/ Beschafehh 1. Muf pel d er ist a hiit iis nit deze Ge Ge, idin theit xr urCmjn Eistn soh 1. Si dugen de lit dahin ten Suf Iper, den heil et wirkt; fauch. borhan⸗ jen An/ 3. Ed weniger weitem en Lust iclstofs et sich wächse und zu er⸗ Aunnah ich auf tut/Et⸗ 4 außtt gehal ten werden und die zum Theil sich selbst im Pflan⸗ zeureich finden; auch ist zu erwarten, daß wir mit der Zeit noch mehrere Stoffe kennen lernen werden: allein vor der Hand begnügen wir uns mit jenen fünf ein fachen Körpern, weil die übrigen schon be— Laditen Stoffe eine zu unbedeutende Rolle spielen, und weil sich von dem, was erst künftig entdeckt wer⸗ den soll, nichts sagen läßt. Die Gewächse ziehn nun aus der Luft und der Erde diese Stoffe, nie rein, sondern immer mit an⸗ dern gemischt, an, und bereiten daraus durch ihre eigenthümliche Kraft eigene Säuren, Laugensalze, Neutral-Salze, Säfte von schleimichter und öhlichter Beschaffenheit, Harze, Balsame, und alle feste Thei⸗ le. Auf welche Weise dies geschieht, wissen wir nicht, ind es ist auch gar nicht zu hoffen, daß wir jemals so weit ins Innere der Natur dringen werden, daß wir diese Geheimnisse enthüllen könnten. Erlauben Sie, gnädige Gräfinn, Ihnen die einfachern Bestand—⸗ theile der Pflanzen zu nennen, die aus jenen Elemen⸗ tar⸗Stoffen zusammen gesetzt sind, ehe ich zu den Säften selbst komme. 1. Säuren nennt man die einfachen Verbin⸗ dungen des Sauerstoffs mit andern Stoffen, die den 154 Veilche usaft und andere blaue Pflanzensüfte roth särben und die mit dem Laugensalze auflösliche Sal⸗ ze darstellen. Im Pflanzenreiche finden sich folgende Säuren, gewöhnlich aber nicht rein, sondern mit Lau⸗ gensalzen oder mit Pflanz ensäften, innig verbunden: a. Kohlensäure besteht aus einem Drittel Kohlenstoff und zwey Dritteln Sauerstoff. Sie ist in der ganzen Atmosphare verbreitet. Vorzüglich hängt sie den wässerigen Dünsten an und wird mit diesen durch die Sonnenwärme niedergeschlagen. Sie entwickelt siich aus alen gährenden Stosfen, be⸗ sonders aus dem Dünger, durch das Ausathmen de meisten Thiere, aus der durch die Sonnenstrahlen erwärmten Dammerde, aus vielen Gebi irgsmassen, sobald sie vom Thau befeuchtet siad. Sie wird von den Pflanzen am begierigsten angezogen, und der Thau des Himmels, wie die Onellen der Erde, rei⸗ chen ihnen den nöthigen Vorrath davon. Die Pflan⸗ zen zersotzen die n wieder in ihre Be⸗ standtheile; in Kohlenstoff, den sie sich als Nahrung aneignen, und in Sanerd off, der als Reiz für die Bewegung der sesten Theile dient, und dessen Ueber⸗ schuß wieder durch die grüne Oberfläche aus agehaucht wird. O r st ile u Uichtet Imasiut Chedeluns Iumn einant aldete Hicdt ez ein nit Sclei chelen ve heit nit tit: wua oder dutch schifeter Ilter Nmensast uiert 5. Re 6 5 nun f dltt si i scht hiuft nmen ii Rräͤte Mu eine Rt Hurden, iste us iche Sah solgeude mit Hy⸗ Unden: Orittel Sie ist Züglich d mit chlagen. sfen, be— men det strahlig masse⸗ 2D v0 dder „kei⸗ Pflan⸗ e Be⸗ ihrung fur die Da die Gewächse aus Kohlensäure und aus Was⸗ ser fast alle ihre Vestandtheile bilden, so dürfen wir uns nicht wundern, wenn sich die meisten übrigen Pflanzensäuren in Köhlensäure und Wasser durch die Scheidekunst verwandeln lassen, und wenn sie auch unter einander sich so ähnlich sind, daß die eine in die andere übergehen kann. Unter diesen Säuren giebt es einige, die gewöhnlich als Säuren, vögleich mit Schleim, mit Starkmehl und andern Bestand⸗ theilen verbunden, existiren. Andere findet man al⸗ lezeit mit Pottasche oder andern Laugensalzen gesät⸗ tizgt: noch andere entwickeln sich nur durch Cährung, oder durchs Fauer, oder endlich bey der Anwendung schärferer Mineral⸗Säuren. Unter denen Säuren, die als solche in den Panzensäften wirklich vorhanden sind, nenne ich zu⸗ vörderst b. die Galläpfelsäure. Der Name lehrt, daß man sie vorzüglich aus Galläpfeln gewinnt; aber sie ist viel allgemeiner verbreitet und sindet sich sehr häufig in solchen Pflanzenstoffen, die einen zu⸗ sammen ziehenden Geschmack haben. Sie enthält die größte Menge Kohlenstoff, und man könnte sie für eine Art Kohlensäure, mit vielem Wasserstosf ver⸗ bunden, halten. 15⁵ e. Benzoesäure, am meisten im Benzoe. einem wohlriechenden Harz aus Ostindien, aber auch in der Vanille, im Zimmt und in den meisten Bal⸗ samen. Sie schießt immer in nadelförmigen Krystal— len an, entzündet sich sehr leicht und scheint also sehr viel Wasserstoff zu enthalten. Die Laugensalze zieht sie außerordentlich stark an. d. Aepfelfäure, nicht bloß in Aepfeln, son- dern auch in Birnen, Pflaumen, Kirschen, Erdbee— ren, Stachelbeeren, Himbeeren und Johannisbeeren. Man erhält ste fast immer als eine schmierige Flüͤs⸗ sigkeit oder als einen Syrup, und sie verwandelt sich/ mit Scheidewasser behandelt, in Sauerkleesäure. e. Zitronensäure, nicht bloß in diesen Früch⸗ ten, sondern auch, mit Aepfelsäure gemischt, in Erd⸗ beeren, Kirschen, Berberitzen und andern Früchten. Im Wasser ist diese Säure sehr auflöslich und wi⸗ dersteht dem Feuer am längsten. Zweyerley Säuren enthalten die Pflanzenfäfte fast immer so mit Laugensalzen verbunden, daß sie nur vor den letztern vorwalten: man kann sie däher Säuerlinge nennen. Solche Säuerlinge sind k. die Weinstein säure und Sauerkleesäure. Die erstere bildet in ihrem gewöhnlichen Zustande nit aleht asthilt Rl er auch O il dem shuinhemit lof und 3 die Ne it gew at man si (Cccer alie t lißt siuln, E Vlaltchen Durch Hehrere G Rumn erifin uh/ veil si I Sishnn duh Meie . Dr Rschlamg vetden. d nie Rhn. Bennt. ber auch en Bal/ Kryftal⸗ int also ensalze u, son- Erdbee⸗ deeren. delt sich, iure. Früch⸗ eufäte daß si e daher sild eesuunt. xstande 157⁷ mit einem Drittel Pottasche vierseitige Nadeln, enthält viel Kohlen-und Wasserstoff und giebt da⸗ her auch Oehl. Rein ist die Weinsteinsäure vielleicht nur in dem Tamarinden⸗Mark, einem beliebten Ab⸗ führungsmittel. Sie läßt sich durch Zusatz von Koh⸗ lenstoff und Verminderung des Sauerstoffs in g. die Sauerkleesaure vermandelu. Auch diese ist gewöhnlich mit Pottasche verbunden. Rein hat man sie fast allein aus den Haaren der Kicher (Cicer ariétivum) erhalten; aber mit Scheidewas⸗ ser läßt sie sich aus jedem Pflanzenschleim entwi⸗ ckeln. Sie schießt in vierseitigen Säulchen oder in Blättchen an. Durchs Feuer werden aus den Pflanzentheilen mehrere Säuren hervor gelockt, die als solche nicht darin existiren. Man nennt sie brenzliche Sän⸗ ren, weil sie sich durch einen eigenthümlichen schar— sen Geschmack auszeichnen. Wir kennen bis itzt nur drey dieser Art, nämlich: RAl Brenzliche Schleim säure aus Pflan⸗ zenschleimen, wenn sie mit Kalch im Feuer behandelt werden. Diese Säure ist immer flussig und riecht wie Rüben. 158 + enzliche Weinsteinsäure aus dein Weinstein. k. Brenzliche Holzsäure aus dem Holze. Durch Anwendung scharfer Mineral- Säuren, der Schwefel⸗ und Salpetersäure, erhält man 1. Schleimsäure aus den Pflanzeuschleimen, die vielen Antheil an Kohlenstoff hat. Die Erzeu⸗ gung derselben geht der Erzeugung der Aepfel- und Sauerkleesäure voraus, welche nur durch die ver— stärkte Wirkung der Salpetersäure aus dem Schleim entwickelt werden. m. Kamfer⸗ und n. Korksäure hat man bis itzt nur aus den Substänzen, von welchen sie den Namen haben, er— halten. Durch die Gährung zuckerhaltiger Stoffe oder schleimiger Säfte der Pflanzen erhält man endlich o. Essigsäure, indem der Ueberfluß des Was⸗ serstoffes, dee Ursache der geistigen Eigenschaft der Biere und Weine, verflüchtigt und Sauerstoff 435 der Luft angezogen wird. Außer diesen Säuren enthalten die Gewächse reyerley Laugensalze. So nennt man Stoffe, die im Wasser auflöslich sind, einen unangenehmen sammen gesz Hlgenhhel 9uun fithe Viser f u se die! Hiche liefer „ Not: V 00 M le auch i shießt i m sürit ei deit s b. GI sch von nijgere Mn laschaldet, dihz hlumicht Mamfanzen, chjlt uun di * Inn schr uen much, ma lich d le hält es mu! nahrscheigin gus den em Holle Sänren, nan Hleimen, eEtzeu⸗ sel⸗ und die ver⸗ Schleim aus deh aben, er⸗ fe bder udlich es Vas⸗ haft det stoff aus dewächs GStoff/ jenehmeß 150 laugenhaften Geschmack haben, blaue Pflanzensäste grün färben und wahrscheinlich aus Stickstoff und Wasserstoff zusammen gesetzt sind. Mit Säuren bil⸗ den sie die so genannden Neutral⸗Salze. Die Ge⸗ wächse liefern uns a. Pottasche, ein festes Laugensalz, welches aus der Asche verbrannter Vegetabilien ausgelaugt, aber auch in dem Mineral-Reich gefunden wird. Es schießt in vierseitigen Säulchen oder Blättchen an und fließt sehr leicht an der Luft. Die Säuren zieht es weit stärker an, als das folgende: d. Sodeé, auch ein festes Laugensalz, welches sich von der Pottasche hauptsächlich nur durch die ge⸗ ringere Anziehung gegen die Sauren und dadurch un⸗ terscheidet, daß es an der 5 nicht fließt, sondern eine blumichte, verwitterte Oberftäche beiommt. Aus M eerpflat nzen besonders aus der so genannten Soda, erhalt man dies Salz am häufigsten. c. Ammoniak, ein flüchtiges Laugensalz, von sehr scharfem Geschmack und durchdringendem Ge— ruch, im englischen Riechsalz gebräuchlich, ist schwer— lich als solches in Gewächsen vorhanden. Man er— hält es nur bey sehr verstärktem Feuer, und es wird wahrscheinlich aus Stickstoff und Wasserstoff erst zu⸗ sammen gesetzt, wenn man Pflanzenfäste destillirt. 160 Daß außer diesen salzigen Bestandtheilen die Ge— wächse auch Erde enthalten, würde man schön dar⸗ aus vermuthen, daß sie meistens aus der Erde ihre Nahrung anziehn: indessen durch bloße Anziehung der Erde, worin sie stehn, bildet sich gewiß der erdige Be⸗ standtheil in ihnen nicht allein, sondern wahrschein— lich bereiten sie diesen selbst aus den Urstoffen, die sie anziehn; denn diesen erdigen Bestandtheil findet man auch in solchen Gewächsen, die nicht aus der Erde ihre Nahrung ziehn, sondern die man in Moos, in Schwamm oder in alten Büchern auferzogen hatte. Diese Versuche stellte der berühmte Genfer Natur⸗ forscher Bonnet an: man hat sie ihm nachge⸗ macht, und in solchen Gewächsen eben so viel erdi— gen Bestandtheil gefunden als in andern. Auch enthalten Sommergewächse und Kräuter überhaupt mehr Erde, als Bäume und holzige Pflanzen. Die Vegetation geht in den erstern viel schneller von Statten als in den letztern: sie vereinigen also auch mehr und schneller die Urstoffe zu festen Materien, als es die holzigen Pflanzen, wegen ihres verhält⸗ nißmäßig langsamern Wuchses, thun. Gewöhnlich aber richtet sich der Erdgehalt der Gewächse nach dem Boden, worauf sie stehn. Desaussure fand, haß Mii nahr Hes um Boden gllgen an Untert! äle der 4 d Kalke Dell det: mucht wo vmlich de Rehchy d en werd. farke M sie nut n fuiten si Heltliche? Ruh 1f um e Diiz Dobeß un lbß a föunen, y nilt kne len die Hů⸗ schon der Erde ihre jehung der erdige Be⸗ bahrschein⸗ fen, die si findet man bet Eide Noos in Wgen hattz fer Natty zm nachg⸗ heel erdi n. Auch berhaupt zen. Die ieller von also guch Materiex/ es verhält Gewohnlih vächse n sute fu 161 daß Pflanzen, die auf bloßem Quarz wachsen, weit mehr Kieselerde euthalten, als wenn sie auf plat— tem Boden fortkommen, wogegen Gewächse auf Kalk—⸗ gebirgen auch mehr Kalkerde geben. Unter mehrern Erdarten, die man als Bestand⸗ theile der Pflanzen ansehen kann, verdient vorzüglich die Kalkerde genannt zu werden. Diese ist zum Theil der Dammerde beygemischt, zum Theil ge— braucht man sie als Düngungsmittel. Sie zieht nämlich den Kohlenstoff an und macht ihn so auf⸗ löslich, daß er wahres Nahrungsmittel für die Pflan⸗ zen werden kann. Die Pflanzensäuren haben eine so starke Anziehungskraft für die Kalkerde, daß man sie nur mit Mühe davon trennen kann, und fie fixiren sie in dem Gewächse auf eine völlig unzer⸗ trennliche Art. Auch Thonerde findet sich in Gewächsen: sie ist zum Theil schon im Mergel befindlich, den man, als Düngungsmittel, zur Befestigung des zu lockern Bodens anwendet; zum Theil bereiten sie die Gewäch⸗ se selbst auf eine Art, die wir noch nicht erklären können, weil wir die Zusammensetzung dieser Erde nicht kennen. Erste Sammlung. 11 102 ů Bittererde, ein Bestandtheil des englischen Salzes, ist die dritte Erdart, die die Gewächse lie⸗ fern. Sie löset sich im Wasser auf, vorzüglich wenn es Kohlensäure enthält, und dadurch kann sie den festen Gehalt der Vegetabilien befördern. Selbst die Kieselerde läßt sich im Wasser auflösen, wenn es nur hinreichend kohlensauer ist oder Laugensalze enthält. Die Pflanzen nehmen die Kieselerde aus dem Erdreiche, worin sie gewurzelt haben; und da das Wasser, womit sie in die Wur⸗ zeln eindringt, zugleich kohlensauer ist, so kann diese Erde leicht in das Gewächs übergehen. Alle diese Erden können nur in so fern etwas zur Vegetation beytragen, als sie Kohlensäure in die Gewächse bringen: denn man kennt Versuche von einem Giobert, der Saamen in völlig reine oder gebrannte Thon⸗, Kalk-⸗, Kiesel- und Bittererde ausstreute, und die Erde gehörig befeuchtete; die Saamen gingen zwar auf, allein die Pflänzchen ver⸗ welkten bald, weil es ihuen an eigentlicher Nahrung, am Kohlenstoff, fehlte. Daß auch Phosphor zu den Bestandtheilen der Gewächse gehöͤre, kann man daraus schließen, weil verwesendes Weidenholz im Finstern leuchtet, buch wl sen Hhet Hit En uun tuch u Riiß, daß lacht erhal mulbirdig Diit f Hlhe wo üwüt. dere/ Ne simmense Ansin ge et s i Ceu shwack paß sit eiterey H went ele, s vug dem gj Ce beyhe n audentr git laht, ise uglische ichse li ch venn sie den Wasser lwuer ist men die wutzelt e Bu⸗ aun diese u ettbas siure iU iche von e oder tererde ; die en ver⸗ ahrung⸗ dtheilen cliebeh, leuchteh 16³3 auch weil mehlhaltige Körner, wenn sie einer gro—⸗ ßen Hitze ausgesetzt werden, Phosphor liefern. Man hält den Phosphor für eine einfache Substanz, weil man noch nicht im Stande ist, ihn zu zerlegen; man weiß, daß gebrannte Kalkerde ihn liefert, und viel⸗ leicht erhalten die Pflanzen aus dieser Erde jenen merkwürdigen Bestandtheil. Dies sind entfernte Stoffe der Gewächse, auf welche man bey der chemischen Zerlegung zuletzt kommit. Indessen gehören zu diesen noch manche an—⸗ dere, die zusammen gesetzt seyn mögen, deren Zu⸗ sammensetzung uns aber zur Zeit noch unbekannt istG Dahin gehört: der scharfe Stoff der Pflanzeu, den man im Senf und Meerrettig durch Geruch und Ge—⸗ schmack wahrnimmt. Man hat denselben lange Zeit für einerley mit dem Ammoniak gehalten; aber er ist so wenig hiermit als mit irgend einer Säure einerley, sondern ein Stoff von ganz eigener Art, von dem wir bloß seine flüchtige Natur kennen. Eben so wenig genau kennen wir das betau— bende Prineip des Mohnsafts, der Belladonna und anderer giftiger Gewächse. Vielleicht, aber nur viel⸗ leicht, ist es Kohlenstoff mit Wasserstoff verbunden. 41 164 Auch den Gerbestoff, den man erst kürzlich entdeckt hat, kennen wir nach seinen Bestandtheilen noch nicht. Wir wissen bloß, daß er sich in sehr vielen Gewächsen befindet, die einen zusammen ziehen—⸗ den Geschmack haben. Diese zusammen ziehende Wir—⸗ kung ist eben so oft in ihm als in der Galläpfelsäure gegründet. Wir wissen, daß er die thierischen Thei— le verdichtet und verhärtet, indem er den thierischen Leim stark anzieht. Sehen Sie da, gnädigste Grüfinn, einen kurzen Entwurf aller Bestandtheile der Gewächse, die man bis itzt kennt. Erlauben Sie mir, Ihnen nächstens die Verbindungen dieser Stoffe in den Säften der Pflanzen genauer anzugeben. . V* An eben dieselbe. 1 Eulsso soll ich sortfahren, Ihnen, meine gnädige Grä⸗ finn, die Chemie des Gewächsreiches zu entwickeln? Sie äußern sich nur zu gnädig über die Erklärung, die ich in meinem vorigen Briefe von den entfern⸗ ten Bestandtheilen der Gewächse gegeben habe. Un⸗ geachtet aller Kürze, deren ich mich befleißigen muß⸗ 10flbe h th r Hege hzehande dh Mi „If „dab i „Eie „die, „den W. 7/— il mrin Fren icht se VDadlügen Re gh Ace Reuthünhh Leusapteg Mündmng Aefich künllich dtheilen in sehr ziehen⸗ de Wir- selsäuxe Thei⸗ erischen Vurzen die mat nächstens ften det ge Grã⸗ vickeln klärung, eutfer He. Ml⸗ en moß⸗ 165 te, sind Sie zufrieden, uber manche Gegenstände Auf⸗ schluß erhälten zu haben, die von Gelehrten in Ih— rer Gegenwart oder in Zeitschriften, die Sie lesen, abgehandelt werden. Sie sagen sehr schön mit der edeln Prinzessinn Eleonore in Göthens Tasso: „Ich freue mich, wenn kluge Männer sprechen, „daß ich verstehen kann, wie sie es meinen. „Es sey von einer Wissenschaft die Rede, die, durch Erfahrung weiter ausgebreitet, „dem Menschen nutzt, indem sie ihn erhebt. „Wohin sich das Gespräch der Edlen lenkt, „ich solge gern, denn mir wird leicht zu solgen.“ Ich darf also nicht fürchten, daß mein Vortrag Ihn en zu trocken oder dunkel werden möchte. Soll⸗ te Ihnen ja etwas uyverständlich bleiben, so wird mein Freund, der treffliche Physiker P... wenn er nicht schon seine Reise angetreten hat, sich ein Vergnügen daraus machen, Ihnen weitere Erklärun⸗ gen zu geben. Kohlensaures Wasser ziehn die Gewächse als ei— genthümliche Nahrung durch die Wurzeln an: koh— lensaures Wasser athmen sie durch die einsaugenden Mündungen an den Blättern und an der grünen Oberfläche ein. Aus kohlensaurem Wasser berei— 166 ten sie alle ihre Säfte: dadurch ernähren sie sich; und wenn sie auch Stickstoff anziehn, so ist dieser doch nicht so nothwendig zur Bildung ihrer nähern Bestandtheile, als Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff, die im kohlensauren Wasser vorhanden sind. Das erste Produet, welches die Gewächse hier⸗ aus bilden, ist der aufsteigende Saft 0 seve). Diesen kann man am reichlichsten im Früͤhling durch Anbohren der Birken erhalten. Sie wissen, daß am Harze dieser Birkensaft ein sehr beliebtes, dem Cham⸗ pagner im Geschmack nahe kommendes, Getränk ist. In den Ländern zwischen den Wendekreisen bereitet man aus dem aufsteigenden Safte der Kokospalme den Palmenwein. Dieser Saft ist fäst durchgehends eine klare, farbenlose Flüssigkeit, die wie reines Was⸗ ser aussieht, selten geschmacklos ist, sondern bisweilen süß, mehreutheils aber säuerlich schmeckt. Zum Gähren ist diese Flüssigkeit gar sehr ge⸗ neigt. Sie brauset, auf Flaschen gezogen, so stark auf, daß die Stöpsel mit Gewalt fortgeschleudert werden. Man sollte beinahe schließen, daß sie beym Aufsteigen in den Bäumen selbst eine ahnliche Gäh⸗ rung erlitte: denn wenn man beym Anbohren ei⸗ nir Mie Gummes el odetee Gi kann i auc das m durchb Hihrünge! hith so asiit aufseig lundes Fohleis hulden; ü Schle disset Bef Vuschieden a; Ne sine, 3 Rii dusst W Aalkede schliimij se si ist disse nähern Hf und thanden hier⸗ leve), durch daß om Cham⸗ Hink is. hereitt palmne Was⸗ Heilen Rr ge— Hstatk leudert beym Gih/ un eiß 167 ner Birke im Frühling das Ohr an' das Loch des Stammes hült; so hört man sehr deutlich ein Brau⸗ sen oder ein Geräusch, wie von gährendem Moste. Es kann indessen auch seyn, daß dies Geräusch nur durch das gewaltsame Heraussahren des Safts aus den durchbohrten Kanälen veranlaßt wird. Hat die Gährung des auf Flaschen gezogenen Saftes aufge⸗ hört, so wird er sehr sauer, röthet die blauen Pflan⸗ zensäfte, und wird allmählig trübe. Diese hervor stechende Säure, die sich erst durch Oährung entwickelt, ist Essigsäure, welche aber im aufsteigenden Safte mit Pottasche und Kalkerde ver⸗ bunden ist. Dazu enthält diese Flüssigkeit noch viel Kohlensäure, theils frey, theils mit Kalkerde ver⸗ bunden; ferner: Gerbestoff, Galläpfelsäure, Zucker und Schleim. Es versteht sich, daß das Verhältniß dieser Bestandtheile in verschiedenen Pflanzen sehr verschieden ist und daß manche Stoffe bisweilen feh⸗ len; dennoch werden Essigsäure, Kalkerde, Kohlen⸗ säure, Zucker und Schleim allemahl den Gehalt des aufsteigenden Saftes ausmachen. Von dem üͤberschüssigen Gehalt der essigsauren Kalkerde leite ich es her, warum man in vielen schleimigen Pflänzensäften nadel-⸗ oder spießförmige 166 Krostalle sieht, wie Sie(Fig. 10) in dem Safte der virginischen Tradeseantia finden können. Galläpfelsäure und Gerbestoff scheinen sich nur allein in den Säften der Bäume und holzigen Ge⸗ wächse zu finden. Kräutersäste dagegen, die man im Frühjahr frisch auspreßt, enthalten nichts davon, aber desto mehr essigsaure oder apfelsaure Pottasche, und den so genannten Extraetiv⸗Stoff, von dem ich sogleich weiter haundeln werde. Die guten Wirkun-⸗ gen dieser Kräutersäfte auf den menschlichen Körper kann man hauptsächlich von diesen Bestandtheilen herleiten. Was den Eytraetiv⸗Stoff betrifft, der sich so wohl im rohen, aufsteigenden, als in andern Pflan⸗ zensäften findet, so ist dieser ein übersäuerter Stoff, der freye Essigsäure, essigsaure Pottasche, essigsaure Kalkerde und essigsaures Ammoniak enthält. Er hat dabey einen beträchtlichen Vorrath von Wasserstoff, und löset sich zum Theil im Weingeist, zum Theil im Wasser auf. In der Wärme entzieht er sogleich der Luft ihren Sauerstoff und färbt sich braun. Je weniger die Pflanzensäfte sauer sind, desto weni⸗ ger Extractiv⸗, desto mehr SEyweiß⸗Stof enthal⸗ ten sie. Dies ist eine Substanz, die gleichsam den Ue— ergunt tu in Ea huh ihre! Hihe uud ghhucht/ d Infensf chandel a Stietsof ind macht end. Der aum reinf der Ath Hummi, lsse Eubs Rechnfenh Il echalter Suatle⸗ IM guin ehichtich W det Man nihtz a theil an em Sdte sich nut gen Ge⸗ die man davon, ttasche/ em ich Ditkun⸗ KArver theilen der sih Pflau⸗ Etof/ Igsaute hat erstof, Theil ogleich . oeni⸗ enthaß den lle⸗ — 169 bergang vom Gewächs⸗ zum Thierreiche macht: denn im Eyweiß sindet sie sich vorzüglich. Sie zeichnet sich durch ihre zähe und klebrige Eigenschaft aus: durch Hitze und durch Sauerstoff wird sie zur Gerinnung gebracht, durch Ammoniak aufgelöset. Die blauer Pflanzensöfte fürbt stie grün, und mit Salvetersäu⸗ re behandelt, liefert sie Stickgas. Durch den Gehalt an Stickstoff wird diese Substanz vorzüglich nährend und macht die nahrhafte Eigenschaft unserer Gemü⸗ se aus. Der eigentliche Pflanzenschleim, den man am reinsten und häufigsten in den Malven und in der Althäa findet, und der, verhärtet, den Namen: Gummi, bekommt, ist eine geschmack- und geruch⸗ lose Substanz, von weißer Farbe und durchsichtiger Beschaffenheit. Man kann aus ihm fünferley Säu⸗ ren erhalten, nämlich: Schleim⸗„Essig⸗, Aepfel⸗, Sauerklee⸗ und brenzliche Schleimsäure. Er besteht also großentheils aus Sauerstoff, und liefert einen beträchtlichen Antheil von Extraetiv⸗Stoff. In einem noch mehr gesäuerten Zustande wird der Pflanzenschleim zu Zuckerstoff, der wirklich nichts anderes als Pflanzenschleim mit geringerm An⸗ theil an Kohlen- und einer größern Portion Sauer⸗ 17⁰ stoff ist: denn man kaun aus Pflanzenschleim Zu⸗ cker machen, wenn man den erstern nur mit Säuren übersüttigt. Schleimsäure giebt er nicht, wie der Schleim, weil jene Säure zu viel Kohlenstoff ent⸗ hält, sondern bloß Aepfel⸗ und Sauerkleesäure. Die⸗ ser Zuckerstoff ist der Grund jedes süßen Geschmacks in Früchten und andern Theilen der Gewächse, und scheint besonders in dem Nektar der Blüthen durch eine einfache Säuerung sich aus dem reinen Pflan⸗ zenschleime zu entwickeln. Der Zuckerstoff nährt den thierischen Körper, aber in geringerm Grade als der reine Pflanzenschleim und der Eyweißstoff: er ist aber mit diesen gewöhnlich verbunden, und macht da— durch manche Getraidearten und andere Nahrungs- mittel nicht allein angenehm für den Geschmack, son-⸗ dern auch leichter verdaulich, als es der fade Pflan⸗ zenschieim an sich seyn würde. In Getraidearten ist der Zuckerstoff noch mit der Gallerte oder dem Hleber verbunden, der nichts anderes als Eyweißstoff ist. Und außerdem gehört noch das S tärkmehl zu den Bestandthei⸗ len der Getraidekörner. Dies ist eine Art trockenen Pflanzenschleims, von demselben dadurch unterschie— den, daß es auch keine Schleimsäure, sondern nur Huulle sch lur inl 3 den siu fner in Mys Rne tige. ANn u Gese; Oauch/ u I Wrl Ie u in nie in d Gchitse u betehn alt Mfiehung Hatzen, Dachs, Hrund ded In Gechng thilt Mech te Hatz det Grwac es glz y Hleim z/ t Siumn wie der stoff eut⸗ re. Die schmacks se/ uld dulch Pflau⸗ ihrt den e als de et if nacht dx ahtungs⸗ lack/ son⸗ e Hfan⸗ ch mit u, der Ißerdem andthei⸗ rockehen terschis rn nur 17¹ Sauerklee- und brenzliche Schleimsäure liefert, auch sich nur in kochendem Wasser auflöset. Zu den nähern Bestandtheilen der Gewächse ge⸗ hören ferner die Oehle, oder Flüssigkeiten, die sich im Wasser nicht auflösen und im Feuer brennen. Man unterscheidet zweyerley Arten: fixe und f lüch— tige. Jene sind milde und machen mit Laugensal⸗ zen Seifen; diese sind scharf von Geschmack und Geruch, und im Fenuer flüchtig. Fixe Oehle finden sich vorzüglich in neilchichten Saamen: flüchtige Oeh⸗ le nur in den Hüllen oder Schaalen der Saamen, nie in den Saamen selbst, denen sie durch ihre Schärse nachtheilig seyn würden. Beide Substanzen bestehn allein aus Kohlen- und Wasserstoff. Durch Anziehung des Sauerstoffs werden flüchtige Oehle zu Harzen, fire Oehle werden dadurch ranzig oder zu Wachs. Flüchtige Oehle sind meistens der Grund des angenehmen Geruchs und des gewürzhaf⸗ ten Geschmacks der Fruchte und anderer Pflanzen⸗ theile, und man hat nicht nöthig, einen eigenen Riech-⸗ oder Gewürzstoff anzunehmen. Härze machen zum Theil den Extraetiv⸗Stoff der Gewächse aus. Sie sind, wie gesagt, nichts ande⸗ res als durch Sauerstoff verhärtete füchtige Oehle. 17² Sie lösen sich daher nicht im Wasser, sondern nur im Weingeist auf. In etwas flüssigerer Gestalt heißen sie Balsame, da sie denn noch besonders Ben-⸗ zoesäure zu enthalten pflegen. Wachs, welches man am hänfigsten in dem befruchtenden Staube der Aniheren sindet, unter⸗ scheidet sich von den firen Oehlen, wie die Harze von den flüchtigen, bloß durch die größere Festigkeit und wahrscheinlich durch einen größern Antheil an Sauerstoff. Endlich ist noch ein näherer Bestandtheil zu be⸗ trachten übrig, der äußerst mannigfaltig und von verschiedener Natur ist. Dies ist der Färbestoff, auf dessen Bildung das Licht und der Sauerstoff der Luft einen wichtigen Einfluß zu haben scheinen. Es giebt Farben, die man Extractiv- oder Wasser⸗Farben nennen kann, weil sie durch Wasser sich ausziehen lassen, und an den Zeugen nicht anders fest hängen, als wenn man mehr Sauerstoff durch Metallkalche oder Alaun zugesetzt hat. Solche Farben liefern die Färberröthe und das Blauholz. Andere Farben sind schon an sich gesäuert, und die Zeuge nehmen sie an, ohne daß man eine Säu⸗ re zuzusetzen braucht. unt gehören Eichenrinde und Hilläpfl. Iud Athalte nit duu⸗ Nnit f iN Vryppiel il Vaserf uiht in De Halsef duich schägt ds n hur durc Sauerstof Hchtung ber die 0 herde ich, Gllehenheit Cie vn Resen du e hestht d nihftttge eh, ndr ern nur i talt heißn ders Behy u in den Ullter⸗ Ne Harze eil zu he und voh bestof, stoff der len. Cö Farben Iziehen hängen, lkalche fern die It/ M Gau⸗ de 173 Galläpfel. Noch andere Farben sind mehr gekohlt, und enthalten zu wenig Wasserstoff, daher man sie⸗ erst mit Laugensalzen behandeln muß, ehe man Zeu⸗ ge damit färben kann. Der Indigo liefert hievon ein Beyspiel. Und endlich giebt es Farben, die sehr viel Wasserstoff enthalten und als harzig sich gar nicht im Wasser auflösen. Diesen pflegt man Koh⸗ lenstoff durch Oehle n.n Von der letztern Art scheint das grüne Wesen der Blät ter zu seyn, wel⸗ ches ursprünglich gelb in den Ke men erscheint, und nur durch die Anziehung des Lichts gegen den Sauerstof die grüne Farbe annimmt. Diese Be⸗ trachtung über die grüne Farbe der Gewächse und uber die herrlichen Schattirungen der Blüthenkronen werde ich, mit Ihrer Erlaubniß, bey einer andern Gelegenheit fortsetzen. Sie werden, meine gnädige Gräfinn, aus allem diesem den Schluß ziehen können, daß bis itzt die Grundstoöffe der Gewächse sich alle auf die fünfe zu⸗ rück bringen lassen, die ich gleich anfangs genannt habe. Das Geschäfft der Pflanzen 63 Wachsthum besteht darin, daß diese Grundstoffe auf die man⸗ nigfaltigste Art verbunden und wieder getrennt wer⸗ den, und das Verhältniß dieser Slemente in der gan⸗ 174 zen Schöpfung wird vorzüglich durch die Pflaunzen erhalten. XVI. An Hrn. Landrath von.7 S8„„ Un Ihnen, mein würdiger Freund, meine Gedan⸗ ken und das Resultat meiner Untersuchungen über die Bewegung der Säfte in den Gewächsen deutlich zu entwickeln, wird es nothig seyn, eine kurze Ana⸗ tomie der Wurzeln undades Stammes voraus zu schi⸗ cken, weil man ohne genaue Keuntniß des Baues dieser Theile nicht im Stande ist, über die verschie⸗ denen und oft sich entgegen laufenden Vewegungen der Säfte gehörig zu urtheilen. Ich dürste sie zwar nur an Ihren Mustel, du Hamel oder Ro⸗ zier verweisen; aber ich glaube durch geuauere Zer⸗ gliederungen der Wahrheit näher gekonmen zu seyn, als diese Schriftsteller, und Sie werden daher fin⸗ den, daß ich in sehr vielen Punkten gänzlich von ih⸗ nen abweiche. Bey jedem Andern würde ich über⸗ dies nöthig finden, eine kurze Uebersicht der chemi⸗ schen Verschiedenheiten der Pflanzensäfte voraus zu schicken; allein bey Ihnen mwürde dies überflüssig ht/ NE lge his 00 U0 shen Relue bit d sit Mfem! ͤlh in d rurzel u cheh winde Wavgeiu abet dder Hagrfütmi luten. Ide! shet diesed ssan wesen h Shan hinlich /sol Relden Sual Liemal au ben die git Matzen Lerlängenz sehn Seg Mauheh en über deutlich e Aug⸗ Szu schi⸗ Baus berschie⸗ heguugen sie Ilbat r Ro-⸗ re Zer⸗ seyn, her fin⸗ uon ih⸗ uber⸗ chemm Aus zu Hasii 17⁵ ö seyn, da Sie Sich mit rühmlichem Eifer so vielsei⸗ tige chemische Kenntuisse erworben haben. Ich eröffue diese Abhandlung mit der anatomi— schen Betrachtung der Wurzeln. Bekanntlich be⸗ legen wir den unter der Erde verlängerten Stamm mit diesem Namen, wenn er sich ästig ausbreitet und endlich in Fasern endigt. Wir unterscheiden Pfahl— wurzel und Wurzelzasern oder Würzel⸗ chen, indem wir unter jener Benennung die bloße Verlängerung des Stammes verstehn: Faserwurzeln aber oder Wurzelzasern nennen wir die feinen, oft haarförmigen Ausbreitungen und Endigungen der erstern. Jede Wurzel ist mit einer Oberhaut umgeben; aber diese Oberhaut unterscheidet sich in den Wurzel⸗ zasern wesentlich von der Oberhaut der grünen Ae— ste des Stammes über der Erde: die letztern sind nämlich, so lange sie grün sind, überall mit einsau⸗ genden Spaltöffnungen besäet; diese aber finden sich niemals an den Wurzeln, sondern statt derselben ha⸗ ben die zarten Wurzelfasern im Anfange feine Sauge⸗ warzen, die sich in der Folge in haarförmige Fäden verlängern. In der beyliegenden Zeichnung(Fig. 23) sehn Sie eine junge Wurzel vom Rieinus, um und ö 12⁵ um mit haarförmigen Fasern umgeben. Bringen ———* Sie ein Stück davon unter eine starke Vergrößerung, so werden Sie nicht allein diese Haare als hohle Röh⸗ ren, sondern zwischen ihnen Saugewarzen bemerken, welche in der Folge auch wieder solche Haare werden. Man muß aber schnell bey der Bereitung und Be⸗ trachtung dieser Theile zu Werke gehen, weil die sehr zarten Haare sehr bald zusammen fallen und dann die Gestalt gefalteter Bänder aunehmen. Diese Haare scheinen mir hauptsächlich zur Einsaugung de Erd⸗ feuchtigkeit bessimmt zu seyn. In diesem Geschäfft weichen sie aber von der Be⸗ stimmung der Haare an den übrigen Theilen der Ge⸗ wächse ab, welche wahrscheinlich meistentheils die Ausdämpfung bewirken. Indessen, sollten nicht die Wurzelhaäre ebenfalls die Ausscheidung überflüssiger Stoffe bewirken können? Sie erinnern Sich wahr— scheinlich, wenn auch nur aus Humboldt's Phy⸗ sislogie, der von Brugmans vorzüͤglich vertheidig⸗ ten Meinung, datß durch die Zasern der Wurzeln viele üͤberflüssige Stoffe weggehn, und daß währscheinlich darum manches Unkraut dem Getraide so nachtheilig ist weil zu viel von den eigenthümlichen Säften der Gewachse aus den Enden der Wurzeln ausschwitzt. In — —.— de N suchen l sihleit. uet Gew Fuchtke aIs aus N. sut Bart ind Euhe Cidwittt W nöho dunch D sesiste vegulg Emmm ablch au h heil! da lhler R ehe lch d schbißel den B giebt d Erste e Bigey gröfnmn, hohle dih bewerkeh, re werden. und Be⸗ il die seht dann die se Haate der Erd⸗ on det B⸗ en der He⸗ itheils di nicht die erfüssiget ch wahr⸗ Phy⸗ utheidig⸗ zela viele scheinlch achtheiiz sten det Hhwitt. I 177 der That erhält diese Meinung durch folgende That—⸗ sachen einen nicht geringen Grad von Wahrschein⸗ lichkeit. Man bemerkt nämlich, daß die Wurzeln derer Gewächse, die in dürrem Sande stehn, mit Feuchtigkeit umgeben sind, die wohl nirgends anders als aus den Wurzeln selbst kommen kann. Daher sagt Barrow sehr richtig von den Kanna-Pflanzen und Euphorbien in den dürren Karro-Feldern von Südafrika: sie nähren sich von ihrem eigenen Safte und ziehn den Ueberfluß desselben wieder ein, den sie durch die Wurzeln ausschwitzen. Wenn es überdies erwiesen ist, daß die Pflan⸗ zensäfte allerdings zum Theil eine rückgängige Be⸗ wegung von den Aesten in den Stamm und von dem Stamm in die Wurzeln erleiden, so müssen sie ja endlich aus den Enden der Wurzeln wieder ausschwit⸗ zen, weil nichk alles zur Ernährung und Verstärkung der letztern verwandt werden kann. Jene Haare an den Enden der Wurzeln üben also sehr wahrschein— lich das doppelte Geschäfft des Einsaugens und Aus⸗ schwitzens, und der unsterbliche Malpighi, der den Bau der Pflanzen meisterhaft entwickelt hat, giebt dies schon nicht undeutlich zu verstehen. Erste Sammlung. 12 178 An stärkern und ältern Aesten, so wie am Stam⸗ me der Wurzeln, fehlen die Haare: die Oberhaut ist dicht und scheint mit der Oberhaut der ältern Zwei⸗ ge und Stämme holziger Pflanzen überein zu kom⸗ men. Sie enthält vielleicht eben den Korkstoff, den wir in der stärkern und ältern Oberhaut der Bäume bemerken. Die übrigen Theile der stärkern Aeste und des Stammes der Wurzeln sind den Theilen des Stammes über der Erde und seiner Zweige fast völ⸗ lig gleich, und es kommt also darauf an, daß wir diese zuerst genau darstellen. An den meisten Bäumen und Pflanzen, die mit zwey Saamenlappen aufgehn, werden wir bey einem Zirkelschnitt durch den Stamm und durch die Aeste gewahr, daß sich außer der Oberhaut drey Haupttheile unterscheiden lassen: 1. das äußere Zell⸗ gewebe,(Fig. 9, 4;) 2. ein Kreis von Schrauben— gängen und Treppengängen,(Fig. 9, b;) 3. das in⸗ nere Zellgewebe,(Fig. 9,.) Das erstere ist allezeit dichter und dunkler von Farbe, als das letztere, wel⸗ ches gewöhnlich weiß und locker ist. Wir nennen je⸗ nes Rinde, dieses Mark, und der Kreis von Schraubengangen, der beide trennt, wird bey holzi⸗ gen Pflanzen, wenn sie älter werden, zu den eigentli— chen Holzringen. Hl s / de Oet iufe ut hoe Rihe da suthei se N 1 f Wi2 se u uter Narme susaft Hher H gelche Dhabe De i MN V Mah i tal mit schist ktoften hir If am Stul⸗ berhaut i tern Zus⸗ u zu fon⸗ lstoff, de er Bäune ern Aeste eilen des fast völ⸗ daß wit nzen, de mit leh durch die Aut drey here Zell⸗ hrauben⸗ das in- t allezeit tere/ wel lennen js reis vn bey hol eigintl⸗ 179 Die Rinde wollen wir zuerst untersuchen. Sie theilt sich bey unsern meisten Bäumen in zwey Stü⸗ cke, die wieder eoneentrisch um einander her liegen. Der äußere Kreis, welcher unmittelbar von der Ober⸗ haut bedeckt wird, zeichnet sich meistens durch seine grüne Farbe und durch die deutlich zellige Beschaf⸗ fenheit seines Gewebes aus. Sie sehen hier Fig. 5, a, die Rindenzellen aus dem Hickory⸗-Wallnußbaum, und Fig. 14, e, aus unserer Eiche. Gedrängt sind diese Zellen allemahl in holzigen Pflanzen; oft sind sie mit Körnern, mit Spießchen, mit Sternchen untermengt. Dieses halte ich für die verschiedenen Formen von Krystallisation der eigenthumlichen Pflan⸗ zensäfte. In einigen Pflanzen, deren Rinde viel Oehl oder Harz giebt, glaube ich ganz deutlich die Oehl— kügelchen oder die Harzkörner in der Rinde gesehen zu haben. Aber niemals werden Sie Schrauben— oder Treppengänge in der grünen Rinde bemerken; diese finden sich allein in den Holzlagen. Bey einem Querschnitt durch einen Ast bemerkt man sehr bestimmt, daß die Zellen der Rinde horizon-⸗ tal mit einander verbunden sind, und eine Gemein-⸗ schaft von außen nach innen und von innen nach außen eröffnen, welche zur Vertheilung und Verarbeitung der Pflanzensäfte nothwendig ist. 180 Je weiter nach innen oder nach den eigentli⸗ chen Holzlagen hin, desto dichter gedrängter und gestreckter werden die Rindenzellen: sie ziehn sich end⸗ lich so sehr in die Länge, daß man ihre ursprüngli— che Form fast nicht mehr erkennt: zugleich wird ihr Durchmesser verengt, und sie selbst werden dichter, als man nach ihrer ursprunglichen Lockerheit in der grünen Rinde vermuthen sollte. Es verliert sich zu— gleich gewöhnlich die grüne Farbe und geht in die gelbe oder weiße über. Diese innere Rindenlagen erhalten nun den Namen: Bast. Wir unter⸗ scheiden den Bast hauptsächlich durch seine Zähig⸗ keit, Biegsamkeit und Theilbärkeit. Er besteht durch⸗ gehends aus geraden Fasern, die ursprünglich ge— streckte Zellen waren und endlich völlig verdichtet sind. Diese liegen ganz einfach auf und neben ein— ander, und lassen sich also sehr bequem der Länge nach spalten. Verbunden sind diese Fasern aber durch Querfasern, die man bey einem sehr feinen Schnitt des gewöhnlichen Bastes, welcher zu Hüten und zum Einpacken gebraucht wird, mit bloßen Au— gen entdecken kann. Diese Querfasern waren ur— sprünglich horizontale Verbindungen der Rindenzel⸗ len, wodurch die Gemeinschaft der äußern Theile des Smt Harnn se sch urdi siler der Uiter I Siel ge Nun sshis Hai HM N M dassel Jasen funn d e M Rmerkr De it ue D del Häumen opulibo die Ni selbse Renen! en ehynt ängter un hu sich erz ursprüͤnglz ch wird iht en dichter eit in de sich 3u⸗ ht in die udenlagen dir unter ne Zähij⸗ leht duch iglich ge herdichtet ben ein⸗ *Lange in aber r feinen Hüten Fen Au⸗ ren l⸗ ildensel heile des 181 Stammes mit den innern bewirkt wurde: vielleicht waren sie auch nur Nahrungssäfte, die allmählig sich verdickten und dann fest mit den gestreckten Ka⸗ nälen verwuchsen. Untersuchen Sie den Bast mikroskopisch, so fin⸗ den Sie weder regelmäßige Zellen, noch Schrauben- oder Treppengänge darin. Alles scheint ein unförm⸗ liches Gewebe zu seyn, welches aus Fasern besteht, die bloß in der Länge neben und auf einander liegen. Hat man aber frischen Bast genommen, und betrach⸗ tet man einen sehr feinen und durchsichtigen Schnitt desselben unter Wasser: so sieht man wohl, daß diese Fasern hohle Röhren oder Kanäle darstellen; ja, man kann die Uebergänge von den lockern Zellen der grü⸗ nen Rinde zu diesen gestreckten Zellen sehr deutlich bemerken. Die Rinde und der Bast leiden bey Bäumen mit zunehmendem Alter merkwürdige Veränderungen. Bey den meisten Obst⸗, selbst bey mehrern Wald⸗ bäumen, ja, sogar bey manchen Stauden(Sενπαε opulikolia), lößet sich die Oberhaut mit der Zeit ab; die Rinde springt auf und schält sich. Dieses non selbst erfolgende Absterben der Rinde zieht einen nenen Ansatz von Rindenlagen nach sich, und es 182 scheint für mauche Obstbäume seht vortheilhaft zu seyn, selbst wenn die Kunst zu Hülfe kommt und die eingerissene Rinde losschält. Die Bäume wach— sen bisweilen freudiger darnach. Man muß aber bey diesen Einschnitten in die Rinde sehr vorsichtig seyn, daß die tiefern Lagen derselben, vorzüglich der Bast/ auf keine Weise verletzt werden, weil sonst der Baum selbst abzusterben anfängt. Merkwürdig ist, daß dies Absterhen der Rinde von außen nach innen erfolgt, indem immer erst die äußern Schichten derselben anfangen schwarz zu wer⸗ den, ehe die innern verderben. Dagegen pflegen die Verderbnisfe des Holzes von innen nach außen zu er⸗ folgen, und man sieht daher oft nach harten Wintern oder wenn die Bäume schlechten Boden haben, daß die erste Spur des Verderbnisses sich in der Mitte des Stammes zeigt, und das ganze Holz zerstört, noch ehe die Rinde angegriffen ist. Ja, es giebt Fälle an Birken und Weiden, wo das Holz sammt dem Marke schon gänzlich zerstört ist, und dennoch bleiben die Rinde und der Bast nicht allein unverletzt, sondern sie wachsen auch ununterbrochen, bisweilen selbst stär⸗ ker fort, als vorher. Alte Birken, deren Holz schon zu modern anfängt, liesern öfters die schönsten und dickesten Rinden zu Juchten und andern Arbeiten. D Ehlß! niht ale n hu ruh un l ih 9uz ad Mt is deh W Ginge RMd; siht herde nd st banze Hahen, W A Iahnnn eilhat x mmt up Me wach⸗ aber bey ̃tiz seh, der Bas, er Baum t Rinde erst die au wer⸗ flegen die en zu er⸗ Winten en, daß itte des „ hoch ule au Marke ben die sondern bst siiß H schg Ieu und iten. 183 Daraus, dünkt mich, kann man mit Recht den Schluß ziehen, daß die Rindenlagen und der Bast nicht allein eine von dem Holze verschiedene Organi⸗ sation haben, sondern daß die Ninde und der Bast auch unabhängig vom Holze wachsen, weil die Säf⸗ te in ihnen eine ganz andere Bewegung und eine ganz andere Mischung haben, als im Holze. In der That ist keine andere Verbindung zwischen den Rin⸗ den⸗ und Holzlagen als die durch die hörizontalen Gänge, wodurch allerdings vom Umfange des Stam⸗ mes zur Mitte desselben und umgekehrt die Säfte ge⸗ führt werden. Beym Aufkeimen der Pflanzen und Bäume werden freylich die Rindenzellen mit empor gezogen, und sie wachsen daher im Anfange von unten nach oben; aber wenn sich schon die Blätter ausgebildet haben, so bewegen sich die Säfte in den Rindenla⸗ gen zugleich von oben nach unten. Dies letztere können Sie aus folgenden Wahr⸗ nehmungen schließen: I. Ziehn Sie mit einem scharfen Messer einen Theil der grüͤnen Rinde von einem Obsthaum ab; so werden Sie nach einiger Zeit finden, daß die Wunde sich nicht von unten nach oben, sondern 184 von oben nach unten vernarbt. Die ersten Anlagen der neuen Rindenzellen finden sich an dem obern, nicht an dem untern Theile der Wunde. 2. Legen Sie um eine Weymouths-Kiefer oder um einen andern Baum mit weicher Rinde im Ju⸗ lius oder August ein Band so stark an, daß die Rin—⸗ de davon eingeschnürt wird; so werden Sie nach einem Monate eine Geschwulst über, nicht unter dem Bande finden. 3. Schneiden Sie in einen Mohnstengel oder in den Stengel der Laktuke flach ein, so quillt der weiße Saft vielmehr aus dem obern als aus dem untern Theile des Schnitts; wenigstens tröpfelt der Saft viel länger aus jenem als aus diesem. Woher die Rinde diese Säfte nimmt, das wird Ihnen nicht dunkel bleiben, wenn Sie die Spaltöff⸗ nungen an den Blä Blättern und blattartigen Ueberzü⸗ gen kennen, die zur Einsaugung der Luftfeuchtigkeit dienen und durch das Zellgewebe der Rinde die Säf⸗ te zuführen. In der Rinde sind die eigenthümlichen Säfte der Gewächse, zwar nicht ausschließlich, aber doch vorzüglich befindlich. Der härzige Saft der Bäume quillt vielmehr aus der Rinde als aus dem Holze. der M Mahel, hlellieht Sdttube licheu. Iahereb bis S Ut aeu det zun! mde Nge D ei in Hihenth hemiekt uuch un Rultte Moanie gehande E den Y Enumn Anlizen em ghen, Riefer x de in du⸗ die Ril⸗ Sie nach iter denn oder in uillt der aus den Helt du 4s mird haltöf⸗ eberzüͤ⸗ tigkeit eSöf⸗ Siste er doch Bäume Halte. 185 Der Milchsaft des Mohns, der Laktuke und anderer Pflanzen, der gelbe Saft des Schöllkrauts fließen vielmehr aus der Rinde als aus dem Kreise von Schraubengängen, die zwischen Rinde und Mark liegen. Diese eigenthümliche Säfte bereitet das Zellgewebe der Blätter und der Rinde der Aeste und des Stammes. Den ersten Stoff zu denselben geben die Luftfeuchtigkeiten, welche von den Spaltöffnun⸗ gen der Blatter eingesogen werden: diese, umgeben von einem drüsigen Ringe,(Fig. 8,) bewirken schon zum Theil eine Umwandlung der rohen Luftstoffe und eine Vermischung derselben mit den Sästen des Zellgewebes. Die eigenthümliche Organisation des Zellgewe— bes in Blättern und Rinde ist uun die Ursache der eigenthümlichen Mischung der Säfte: denn man bemerkt bey Gewächsen, deren Säfte denselben Ge— ruch und Geschmack haben, auch immer dieselbe Or— ganisation ihres Zellgewebes. Die milchgebenden Pflanzen haben dieselbe Form der Zellen; die harz⸗ gebenden Pflanzen gleichfalls. Es ist begreiflich, daß auf diesem Wege von den Blättern zu der Rinde des Zweiges und des Stammes die Säfte viel länger zubringen, daß sie 18⁵ also auch eoneentrirter werden müssen, und gera⸗ de dadurch unterscheiden sich die eigenthümlichen Pflanzensäfte von den aus der Wurzel aufsteigenden, die eine mehr einförmige Mischung haben. Die eigenthümlichen Pflanzensäfte gelangen der⸗ gestalt auch in die Blüͤthen und Früchte: denn man bemerkt, daß die Blüthenknospen vorzüglich aus der Rinde entstehn, wogegen die Holzaugen da—⸗ her ihren Namen haben, weil sie aus den Holzlagen hervor kommen. Die Blüthe und Frucht enthalten am meisten die eigenthümlichen Pflanzensäfte: und wenn auch zum Hervortreiben derselben die im Hol— ze befindlichen Schraubengänge erfordert werden; so sind doch zur Zeitigung der Frucht der Zutritt der Luft und die abwärts gehende Bewegung der eigen⸗ thümlichen Säfte durchaus nothwendig. Daß der Zutritt der Luft die Zeitigung der Früchte am meisten bewirke, können Sie daraus schlie— ßen, weil keine Frucht geräth, wenn man ihr die freye Luft nimmt, man mag dem Baum auch noch so viel Wärme und Feuchtigkeit geben. Werden die Pfirsich⸗, Kirsch- oder Pflaumenbäume, von denen man durch die Kunst zeitige Früchte gewinnen will, zu früh, ehr sie Knospen angesetzt haben, ins Treib⸗ ane gl they/ veh sest tugt Heihhl ihitt/ de 1 G eertt v Enoh e gndhe 8 geth bilbun funme schheih Im dus Ehlit Raus lt Nfii sey der N 2 und gu⸗ ithümlichg fseigenday angen det; hte: denn vorzüglich augen da⸗ Holtlagen euthalten säste: und ie im Hol⸗ verden; 6 zutritt de der eigen/ gung der ĩ schlie⸗ ihr die auch noch derden de In deneh muen nil, 10 Ra 187 haus gebracht; so pflegen die Früchte nicht zu gera⸗ then, wenigstens nicht schmackhaft zu seyn. Und ge⸗ setzt, das Fleisch der Früchte wäre auch schmackhast, so taugt doch der Kern nichts, und auf diesen ist gleichwohl eigentlich die Hauptabsicht der Natur ge— richtet, denn das wohlschmeckende Fleisch ist nur Hül⸗ le des Saamens. Selbst bey unsern Spalierbäumen bemerkt man, daß, wenn sie zu früh und zu dicht mit Stroh eingebunden werden, die Früchte nicht gut gerathen, weil die Luft keinen Zugang findet. Daß die rückwärts gehende Bewegung der ei— genthümlichen Pflanzensäfte in der Rinde zur Aus⸗ bildung und Zeitigung der Frucht nothwendig ist, kann man durch folgenden Versuch beweisen: Man schneide an einem Kirschzweige die Rinde rund her— um aus, so findet man in der Folge unter dem Schnitte am Zweige keine Früchte, aber wohl über demselben. Auch die gemeine Erfahrung, daß ein entblätterter Baum selten gute Früchte trägt, spricht dafür. Diese Betrachtungen führen uns auf den gro— ßen Nutzen der Rinde zur Erreichung der Absichten der Natur. Aber es ist bey weitem nicht der einzi— ge Vortheil, welcher, der Pflanze. durch die Rinde 188 erwachst. Die Wurzel wird zwar hervor getrieben durch die Schraubengänge, die, vom Zellgewebe der Rinde umgeben, diese mit sich fortnehmen: allein verstärkt, befestigt, eonsolidirt wird die Wurzel durch die absteigende Bewegung der eigenthümlichen Pflan⸗ zensäfte. Woher nähme wohl sonst die Wurzel die eigenthümlichen Säfte, die wir so wohl in ihr als in andern Theilen der Rinde bemerken? Ja, viele Gewächse geben aus der Wurzelrinde weit coneentrir— tere Söfte, als aus der Rinde des Stammes über der Erde. Die Asandpflanze z. B. liefert die Asa förida nur allein aus der Rinde der Wurzel, in welche man flache Querschnitte macht. Wie wäre die Erzeugung dieser kräftigen Bestandtheile in der Wurzelrinde begreiflich, wenn die Wurzel sie nicht von oben her durch den Stamm erhielte? Die Rindenlagen der Wurzeln unterscheiden sich weiter nicht von den Rindenlagen des Stammes, als daß sie gedrängtere Zellen haben. Und davon liegt der Grund osfenbar in dem Drucke, welchen sie von allen Seiten in- der Erde erleiden. Die Wurzelrin⸗ den haben nicht einmahl Spaltöffnungen, durch wel— che sie die Einsaugung verrichten könnten, und bloß ihre Euden sind mit Haaren und Saugewärzchen ver⸗ siheh/ Ecmol guuz der uge Es Nuc Vabreito IN Si wenn ni Mteh d R öt ren d Mser l Mn! Miel eig Mu das! dern, or gettichg lgewebe y nen: allen uriel dutch chen Yfuu⸗ Wutzel die ihr als N, viele eoneenteif/ umes über It die M Jurzel, ij Vie nir le in det se nicht iden sich mes, als von liegt sie von Jurzeltin⸗ uuch ub⸗ und blo jchen du⸗ 189 sehen, die aber nur rohe Erdfeuchtigkeit in die Schraubengänge bringen und keinesweges zur Erzeu⸗ gung der kräftigen eigenthümlichen Pftanzensäfte bey⸗ tragen können. Auch sind das Wachsthum der Wurzeln und ihre Verbreitung, trotz der härtesten Widerstände, die ih⸗ nen Steine und Felsen entgegen stellen, unerklärbar, wenn wir nicht diesen mächtigen Trieb von oben nach unten annehmen. Je belaubter die Bäume sind, de⸗ sto stärkere und tiefere Wurzeln treiben sie. Sie ken⸗ nen die treffliche Stelle in Virgil's Landbau, die unser Voß so schön übersetzt: „Tiefer hinad wird der Baum in der Erd' Abgründe geheftet: „Jupiters Eiche zumahl: die, so weit ihr Haupt zu des Aethers ö „Lüften sich hebt, so weit in den Tartarus dehnt sie die Wurzel.“ Man hat sogar bemerkt, daß ein Verhältniß zwischen Aesten und Wurzeln statt findet, indem allezeit an der⸗ jenigen Seite die Wurzeln am stärksten sind, wo der Baum die belaubtesten Zweige treibt. Auch kann man das Anwurzeln der Bäume durch nichts weniger beför— dern, als wenn man sie beym Verpflanzen zu sehr stutzt 190 und ihnen alles Laub nimmt. Geschickte Gärtner wissen das recht gut: sie nehmen daher dem zu versetzenden Baume nur wenig Aeste, um den Trieb nach oben nicht zu stark werden zu lassen, aber doch nur so viel, daß die übrigen mit ihrem Laube das Geschäfft des Einsaugens verrichten können. Diese rckgängige Bewegung der Säfte erfolgt nun am meisten im Schatten, zur Nachtzeit und im Spätjahre; wogegen die aufsteigende Bewegung am stärksten im Sonnenschein, bey Tage und im Frühlin⸗ ge ist. Daß im Schatten die rückgängige Bewegung am besten erfolgt, lernen wir aus der Behandlung der Stecklinge und der zärtern verpflanzten Gewächse. Wir decken die Fenster der Mistbeete, worin die Stecklinge stehn, mit Matten, wenigstens mit Rei⸗ sern zu, damit die Sonne die Pflanzen nicht tref⸗ fe. Daß im Spätjähre und den Winter hindurch der eigenthümliche Saft der Pflanzen rückwärts geht und zur Verstärkung und Befestigung der Wurzeln bey⸗ trägt, beweisen unsere Baumpflanzungen, die wir im Herbste und in gelinden Wintern am sichersten vor— nehmen. Wenigstens gilt die Regel allgemein, die Bäume zu versetzen, ehe sie zu treiben anfangen: denn wenn der Saft einmahl nach oben zu gehen uufhct 14h. El schlahen t hird er K Haber/ st MN Rr rckg Ihn aur uge mi Mum ndi Stan gige! vach ö lgs; Rit i In fin Rch iss v Wasd ache somt I lärtner nijn versetzadg 0 nach aln uur sp vis Geshift d iste errolg heit und int vegung am in Frühlis Benegn Behardluz N Gemachs. worin di mit Rei nicht ttej— durch der geht und tzeln bey⸗ die wit in ersten votz mein/ N. anfangqz i gehe 191 anfängt, so kann die Wurzel nicht viel Stärke gewin⸗ nen. Ein dergestalt versetzter Baum kann zwar aus—⸗ schlagen und selbst Früchte tragen; aber dauerhaft wird er nicht, weil seine Wurzeln nicht Zeit gehabt haben, sich zu verlängern und gehörig zu besestigen. Man könnte das Oculiren selbst für einen Beweis der rückgängigen Bewegung des Baumsaftes im Spät⸗ jahre annehmen, da man bey demselben das Frucht⸗ auge mit der daran hängenden Rinde eines veredelten Baumes im Spätjahre, gewöhnlich zu Ende Julius und im Aygust, heraus nimmt und in einen wilden Stamm einäugelt. Gewiß wirkt auch jene rückgän⸗ gige Bewegung vorzüglich mit darauf, um die Ver⸗ wachsung der edeln Knospe mit der Rinde des Wild— lings zu bewirken. Denn warum sollte man, wenn dies nicht wäre, nicht eben so gut im Frühlinge veuli— ren können? Warum müßte man allemahl damit bis nach Johannis warten?... So richtig dies an sich ist, so muß man doch beym Erfolge des Oeulirens et— was auf den zweyten Trieb des aufsteigenden Saftes rechnen, der bey den meisten unserer Bäume im Spät⸗ sommer erfolgt und der gewiß zum Bekleiben der Fruchtaugen viel beyträgt. 192 Bey der Veredlung der Obstarten durch Pfropfen und Oculiren wollen Einige bemerkt haben, daß selbst der Wildling edler, wenigstens gesunder wurde. Ich habe diese Bemerkung zwar nicht bestätigt gefunden, ungeachtet ich die beste Gelegenheit habe, Beobach—- tungen über diese Gegenstände anzustellen: aber ich habe doch keine Gründe, jene Bemerkung zu läugnen. Unter andern erzählt ein Engländer, Lawrenee, daß man durch das Impfen des Jasmins mit panachirten Blättern auf den gewöhnlichen staudenartigen Jas⸗ min die Blätter des letztern gänzlich verändern könne, und daß dazu gar nicht einmahl die Fortdauer des ge⸗ impften Auges nothwendig sey. Doch genug von der Rinde und der Bewegung der Säfte in derselben. Ueber den Bau und die Ver— richtungen des Holzes werde ich Sie nächstens unter⸗ halten. * H l uht; miha Da Bahe W MW au selb nac Dil gehe Vur D 3⁰ eil ub n0 dls Ifn daß selz urde. I hefundej Babbachz aber ich Hiugnen. ce/ daß vachitten H Möi er körn ler des ge dewegung die Vet j uuter⸗ 193 XVII. An eben denselben. n meinem letztern Briefe habe ich zu beweisen ge⸗ sucht, daß die Rinde und der Bast von dem Holze unabhängig seyn; daß die erstern einen ganz andern Bau haben, auf andere Art wachsen; und daß die Bewegung und die Mischung der Säfte in densel⸗ ben gänzlich verschieden von der Bewegung und der Mischung der Säfte im Holze seyn. Ich muß nun auch den Bau und das Wachsthum des. Holzes selbst entwickeln. Spüͤren wir den ersten Anfängen der Holzfäfern nach, so finden wir, daß sie ursprünglich nichts als Bündel von Schraubengängen waren, die, durch Zell⸗ gewebe verbunden, das Aufsteigen der Säfte von der Wurzel in die Aeste bewirken. Daran ist gar kein Zweifel, wenn man die jungen Triebe irgend eines Baumes genau untersucht. Ein Schnitt von einem Zweige des Hickory- Wallnußbaums(Fig. 5) und ein anderer von einem Aste der Sommereiche(Fig. 149 überzeugen jeden Unbefangenen davon, daß das, was man gewöhnlich Holzfasern nennt, nichts anderes ist, als Bündel von Schraubengängen. Erste Sammlung. 13 194 In den meisten Gewächsen setzen sich diese Bün⸗ del, woraus nachher die Holzringe werden, kreisför—⸗ mig um die Mitte des Stammes, und lassen ent; weder eine hohle Röhre in der Mitte, oder es bleibt lockeres Zellgewebe übrig, welches man Mark nennt. Der berühmte Desfontaines behauptet, daß die— se kreisförmige Bildung der Schraubengänge und der Holzringe nur bey denen Pflanzen vorkomme, welche mit zwey Saamenlappen aufgehn, daß dage— gen die Gewächse, welche nur Einen Saamenlappen beym Aufgehen haben, weder Holzringe noch ho-⸗ rizontale Strahlengänge zeigen, die eine Gemein—⸗ schaft zwischen Mark und Rinde eröffnen. Er führt als Beyspiele die Palmen, die Farrenkräuter, die Gräser und verschiedene andere Gewächse an. Ich kann seiner Behauptung in so fern beytreten, als ich in Palmen, Gräsern und Farrenkräutern keine concentrische Ringe von Schraubengängen, sondern einzele Bündel derselben um die Markhöhle her, auch keine Strahlengänge vom Marke zur Peripherie bemerkt habe. Allein der Unterschied der Pflanzen, nachdem sie mit Einem oder zwey Saamenlappen aufgehn, scheint mir nicht richtig zu seyn und je⸗ ne abweichende Form der Holzringe nicht hinreichen— Nel U sina 200 siseu, lilg Hegi Me sei 0 uer lentt Nie Heile R - U ahn I Ri dieꝛ Ruj kteksiy lasen ht⸗ es blaht atk nent. daß din inge un otkommo⸗ aß dage⸗ exlapyen noch ho⸗ Gemeij Er sist uter, N 10. 0 ten Al tern keint sonden öhle 9. Prriphile Mfanzes, enlarpe und e⸗ ureichen 195 de Allgemeinheit zu haben. In den Halmen der Gräser nämlich bemerkt man bald abgesonderte, bald so nahe zusammen stehende Bündel von Schrauben— gängen, daß coneentrische Ringe daraus entstehn. Bey den Orchiden, Hydrochariden, Lilien, När— eissen, Spargeln und Binsen glaube ich noch weniger eine abgesonderte Lage jener Bündel von Schrau— bengängen bemerkt zu haben. Indessen verdient diese Sache noch nähere Untersuchung. Das Holz bietet uns verschiedene Formen, nach seinem verschiedenen Alter, dar. Junges, unreifes Holz heißt Splint, und von diesem muß also zuerst die Rede seyn. Der Splint(l' aubier) liegt gewöhnlich in eon— centrischen Ringen um das reife Holz, und zwischen diesem und dem Baste. Mit dem Baste ist er bis— weilen mehr, bisweilen weniger verbunden. Beym Pfropfen und Oeuliren kommt viel darauf an, daß die Rinde sich leicht vom Holze löse. Dies thut sie meistentheils zeitig im Frühling, wenn der Saft aufsteigt, und im Sfätsommer, wenn der zweyte Trieb erfolgt. Zu andern Zeiten sind Holz und Rinde, oder vielmehr Bast und Splint, so genau verbunden, daß es schwer hält, das Fruchtauge zwi— * 13* 196 schen beide einzubringen, oder es auch nur mit der daran hängenden Rinde zu lösen. Untersucht man Bast und Splint genauer, so zei⸗ gen sie dem bewaffueten Auge keine sonderliche Unter— schiede, da beide bloß aus länglichen Fasern zu beste⸗ hen scheinen. Aber beym Spalten des Splints wird man bald finden, daß er sich nicht so leicht, noch so sein zertheilen läßt, wie der Bast, daß er auch nicht so biegsam und zähe ist. Er ist aber immer noch spalt⸗ barer und nachgiebiger als das reife Holz selbst. Das bewaßnete Auge bemerkt in einem seinen Stück vom Syplint fast lauter Schrauben- und Trep⸗ pengange dicht neben einander, die nur hier und da durch Querfasern verbunden und durch fein punktirte Stellen unterhrochen werden. Diese Punkte, die zum Theil Fig 12 Ihnen darstellt, werden von Mirbel im Journal de phylique fur Poren der Zellen gehal⸗ ten, aus denen nachher seine so genannte kaulles rra- cuées, und aus diesen endlich die Schraubengänge selbst eutstehn. Allein mir scheinen diese Punkte viel⸗ mehr Krystallisationen oder Ansätze der festen Theile aus den Sästen zu seyn; denn sie schwimmen oft in der Flüssigkeit herum, und man kann sie mit den Bläs chen vergleichen, die in und außer den Zellen sich hin und her bewegen.(Fig. 4, 11.) lur mit der luer, so nů liche lunn⸗ m zu hesz Bliuts witd t, noch so auch nicht noch spalt dbsi. wem seineh und Turz⸗ hier ud di in nuuleitt te/ die I Mitrbel len gehab ausles Ud- ubengäng unkte vith sten Thele men ost f t den Bli⸗ lafsch iu 19² Der Ban des Splints ist also vom Baue des Bastes gänzlich unterschieden. In diesem finden Sie keine Schrauben-oder Treppengänge, die jenen bey⸗ nahe ganz ausmachen: der Bast dagegen enthält bloß gestreckte Rindenzellen⸗ die sich von oben nach unten verlängern, da im Sylinte das Wachsthum von unten nach oben geschieht. Dies Wachsthum ersolgt im Sylinte viel schueller als im Baste, weil der aufsteigende Saft eine viel lebhaftere Bewegung hat, als der absteigende. Auch setzen sich neue Splintlagen in der ersten Hälfte des Jahres um die vorigen mit viel größerer Geschwindigkeit an, als die Rindenlagen anwachsen. In den Splintlagen steigt ein mehr roher Saft auf, der, wegen eines beträchtlichen Antheils an Zuckerstoff, Pflanzen⸗ schleim und essigsauren Salzen, zur Gährung sehr geneigt ist. Aus dieser wenig eoneentrirten Beschaffenheit der Säfte im Splinte, so wie aus der größern Zart⸗ heit der im Splinte befindlichen Holzfasern selbst, sind die Unbrauchbarkeit des Splints zum Zimmer⸗ und Tischlerholz und seine geringere Dauerhaftigkeit her— zuleiten. Die Schwellen, Fensterrahmen und andere Dinge, zu denen man zu junges Holz, das heißt: 193 Splint, genommen hat, werden leicht schwammig, faulen und verderben; ja, manche Bäume liefern deß⸗ halb gar kein brauchbares Zimmerholz, weil sie we⸗ gen ihres schnellen Wuchses lauter Splint, und kein reifes Holz ansetzen. Die Pappeln und Weiden z. B. bestehn fast bloß aus Splint, Rinde und Mark, und der erstere erhält gar keine gehörige Reife. Es giebt Fälle, wo Bäume, die auch sonst ge⸗ nug reifes Holz liefern, wegen übermäßiger Nah⸗ rung oder anderer Ursachen, mit einem Mahl anfan⸗ gen, lauter Splintlagen anzusetzen. Dadusch werden nicht allein Waldbäume sehr verschlechtert, sondern selbst die Obstbäume leiden durch eine zu häufige Ansetzung der Splintlagen. Einen Hauptgrund des letztern Fehlers suche ich darin, daß der Saft bey uns nicht bloß im Frühlinge aufsteigt, sondern daß er auch nach Johannis zum zweyten Mahl stärker aufzusteigen anfängt. Dieser zweyte Trieb des Saf⸗ tes ist wirklich nicht bloß zufällige Folge der Wit⸗ terung, sondern in einer Eigenthümlichkeit der Or⸗ ganisation unserer Bäume gegrundet: denn man beobachtet diesen zweyten Trieb auch bey Bäumen, die aus unserm Klima in ganz andere, z. B. bey Obstbäumen, die aus Holland nach dem Kap ver⸗ schwamm, liesem d veil sie uy it, und kiiz deiden z. d. Marf, ud e. ich sonft gy jßiger Naß Nahl aufun⸗ urch verder tt, sonden zu häufhe tarund des Gaft hey Adern daß Asitker des Saf⸗ der Vit⸗ it der Y⸗ denn mo Mumay . B. 0 LI 1909 setzt werden. Ist dieser zweyte Trieb des Saftes, wegen sehr seuchter Witterung, zu stark und anhal⸗ tend, so müssen natürlich zu viele Splintlagen ange⸗ setzt, es muß die Zeitigung des Holzes verhindert werden. Sie sehen, mein würdiger Freund, nun auch leicht ein, wie wenig diejenigen Schriftsteller Gla ben verdienen, welche einen Uebergang des Splints in Bast, oder umgekehrt, annehmen. Gewiß wach⸗ sen die 5080 und Splintlagen auf eigenthümliche Art, die durchaus verschieden von dem Wachsthum der Würdenlaaan 1 Die letztern legen sich viel lang⸗ samer an, als die erstern, und man fieht daher oft eine Menge von e in Bäumen, deren Rinde und Bast nur sehr geringe Dicke haben, z. B. in lontdischen Pappeln. Wie ist nun die Zeitigung des Holzes zu erklä⸗ ren? Wie geht der Splint in eigen utliches reifes Holz über? Diese Fragen werde ich zum Theil auf a huli⸗ liche Weise beantworten, als die, welche man über e Umänderung der Rinde in Bast aufwerfen kaun. Die kreisförmigen Buündel von Schraubengängen nämlich„ ringsum gedrängt von den festen Theilen, die schon da sind, verwachsen mit einander: die ge⸗ 20⁰ wundenen Fasern, woraus sie bestehn, wachsen an den Seiten und endlich uberall zusammen. So stellen sie nun Kanäle dar, die zwar noch hohl sind, aber übrigens mit den gestreckten Zellen des Ba— stes überein kommen. Sie waren aber mit Querfa— sern verbunden: diese verwachsen ebenfalls; werden stärker, breiter; und stellen in der Folge eigentliche Querbänder dar, die man Strahlenbänder nennen kann, weil sie überall von dem Mittelpunkt des Stammes wie Strahlen auslaufen. Diese Strahlenbänder machen den eigentlichen Charakter der Reife des Holzes aus: man findet sie am deut⸗ lichsten im Eichen- und Büchenholze, und die Werk— leute pfslegen sie Spiegelfasern zu nennen. Aber, wenn nun eine völlige Verwachsung der aufsteigenden Schraubengänge und eine völlige Ver⸗ härtung der horizontalen Strahlenkanäle statt gefun⸗ den haben, hört da nicht das Leben des Holzes auf? Keinesweges! Zwischenräume bleiben noch immer, so wohl längliche als quer laufende, die man als lei⸗ tende Kanale ansehen kann, in welchen, freylich lang⸗ sam und unterbrochen, sich die Säfte fortbewegen. Aber vorzüglich hängt die Fortdauer des Lebens im Holze von der Erzeugung neuer Bündel von Schrau⸗ it Quersi wverden ihentliche bander ittelhunkt Diese Charaktz am deut⸗ die Vasß hung der lige Vel⸗ tt gefuu⸗ jes auf! immer⸗ als le⸗ ich lang bewepel. bens in Schrah, 201 bengängen ab, die sich in coneentrischen Kreisen um die alten anzulegen pflegen und in der Folge gleich⸗ falls die Natur der Hölzlagen annehmen. Die Anlegung des Splints und die Zeitigung des Holzes halten bey unsern Bäumen eine gewisse Periode. Das erstere Geschäfft fängt an, ie Sonne vom Weundekreise des E Renbocks zurück kehrt, d. h.: gewöhnlich schon im Januar, und dauert, — — bis die Sonne den Wendekreis des Krebses erreicht hat. Darauf folgt noch ein zweyter Trieb bis zur Herbst-Nachtgleiche; und nun hört das Ansetzen neuer Splintlagen völlig auf, um dem Ceschäffte der Zeitigung des Holzes Platz zu machen. Diese Zeitigung des Holzes erfolgt wegen langsamerer Bewegung der Säfte, wegen Absatzes concentrirterer Bestandtheile aus dem aufsteigenden Safte, und zum Theil auch wegen d des Ueberganges der eigen⸗ thümlichen Säfte aus der Rinde durch die herizon⸗ talen Strahlenkanäle in die Holzlagen. Das letz⸗ tere kann nach der Herbst⸗Nachtgleiche um so eher geschehen, da wir wissen, daß der Rückfluß der Säf⸗ te in der Rinde hauptsächlich um diese Zeit und den Winter hindurch statt sindet. Vermuthlich geht selbst bey der Zeitigung des Holzes ein chemischer Pro⸗ 20² +. zeß vor. Vielleicht schlägt sich, wie Chaptal nicht mit Unrecht vermuthet, aus dem Pflanzenschleim das Stärkmehl durch den Sauerstoff nieder. Vielleicht sind jene Punkte in den Holzfasern nichts anderes als Körnchen Stärkmehl, von deren Anhäufung zum Theil die Festigkeit des Holzes abhängt. Aus dieser, wie ich glaube, sehr wahrscheinli⸗ chen Theorie kann man unter andern auch die Fol⸗ gerung herleiten, warum frühe Fröste im Herbste so nachtheilig, warum ein weicher Vorwinter gewöhn⸗ lich so ersprießlich für das Wachsthum der Garten-⸗ und Waldbäume ist. Der junge Sylint namlich, noch gar nicht eonsolidirt, muß durch frühe Froste sehr beschädigt und zur Verderbniß geneigt werden; wogegen das Holz sehr gut reif wird, wenn die jungen Splintlagen, besonders vom Johannis⸗DTriebe, Zeit habeu, reif zu werden und sich zu consolidiren. Ein wichtiger Punkt bleibt mir hier noch zu er⸗ örtern übrig. Das sind die Jahrringe des Hol⸗ zes. Ich brauche Ihnen nicht zu erklären, daß man die coneentrischen Kreise der Holzlagen mit diesem Namen belegt. Doch weiß ich nicht, ob Sie solche Jahrringe im frischen Zustande wohl genauer unter⸗ sucht haben. Ich finde die innern Theile dieser ptalssht schlein n Dil liht anderes alz ufung zun . Ahrscheinlz die Fol⸗ Herbste so *geröhj er Gatta. it hämlih, — Hlise gt werden; die julget liebe/Zit hirch. uch zu e⸗ des Hh daß mat nit diesn Sie solch Her untih le Nist 203 Jahrringe allezeit viel lockerer, weißer und dicker als die äußern, die gewöhnlich dichter, dunkler von Far⸗ be und feiner sind. Die Beschaffenheit der erstern rührt von dem schnellern Antriebe häufigerer und ro⸗ herer Säste im Frühlinge und bis zum Sommer⸗ Stillstande der Sonne; die Beschaffenheit der letztern von dem langsamern Antriebe eoneenteirterer Säfte in geringerer Menge während der letzten Sommer⸗ monate her, wo die Sonne sich schon wieder dem Aeguator nähert und die Nächte länger und kühler werden. Daher sind im Fichtenholze die außern Schichten jedes Jahrringes auch kiehniger als die innern. Auch werden Sie bey Waldbäumen bemerken, daß die Jahrringe an der Nord- und Ostseite des Baumes viel dichter und härter sind, als an der Süd⸗ und Westseite. Hier nämlich ist offenbar der Trieb stärker und dauert länger als dort. Ja, man kann bisweilen nur Hal oder halbe Ringe von Holz⸗ lagen bemerken, die bloß an der Sonnenseite des Stammes liegen, und auf der Nordseite sich gar nicht sinden oder mit andern zusammen laufen. Dies habe ich wenigstens re bemerkt/ und 22 zu erfahren, ob Sie oder Ihr Freund, der Hr. Ober⸗ 20⁴ Forstmeister von H... zu Th.. diese Bemer⸗ kung jestätigt finden. Dieser treffliche Forstmann möge auch beurthei—⸗ len, ob ich Recht habe, wenn ich die Schätzung des Alters eines Baumes nach der Zahl der Jahrringe für nicht ganz zuverlässig halte. Ich glaube die Gründe dazu in der Ungleichheit der Vertheilung des Triebes der Säste um den Stamm her und in der Ungleichheit der Umstände, welche die Zeitigung des Holzes veranlassen, zu finden. Gesetzt z. B., ein ziemlich starker Baunm, dessen Nordseite be— ständig im Schatten steht, setzt nur an der Son⸗ nenseite neue Splintlagen an, die mit den vorjäh⸗ rigen Splintlagen auf der Nordseite zusammen fließen, so wird man sich in der Schätzung des Al⸗ ters irren, wenn man die Jahrringe nur an der Nord—⸗ seite zählt. Oder gesetzt, es wird die Zeitigung des Holzes aufgehalten und durch einen sehr harten und frühen Winter gehindert, so wird man ebenfalls nach der Zahl der Jahrringe nur mit Unrecht die Schät⸗ zung des Alters annehmen können. Die Festigkeit des Holzes beruht demnach auf der Zahl und Dichtheit der senkrechten und Strah⸗ len⸗Fäsern, und mit dieser Festigkeit steht gewöhnlich die Untet 15 E aber es ichen sila/ auch t e d Rähl cher Cben Herde nsere Frfig Rh se Bany beurthei⸗ itzung dez Jahtrinze aube die etheilung und in etigung Ay B., seite he⸗ der Eul vocheh zusammsg des M Nond gung des uten und fulls uach 2 Elsih uch auf Strah Röhnlch 205 die Schwere des Holzes in geradem Verhältniß. Unter unsern einheimischen Hölzern hat unstreitig das Eichenholz die größte Festigkeit und Schwere; aber es giebt ausländische Hölzer, welche darin das Eichenholz weit übertreffen. Das Holz der Kasua⸗ rina, wo von unser verewigter Weltumsegler Ihnen auch wohl eine merkwürdige Keule gezeigt hat, hat eine außerordentliche Festigkeit und Schwere. Man erzählt sogar von einem Holze in Südamerika, wo⸗ mit die Straßen gepflastert verden, und welchesͤ ein so festes Pflaster giebt, daß man sogar keine Wagen⸗ geleise darauf sehen soll. Auch das Guajakholz hat eine erstaunliche Festigkeit. Nächst dem Eichenholze aber verdient das Holz des Buchsbaums, dann das Ebenholz, das rhodische und Sandelholz genannt zu werden. Dann folgen das Buchenholz und das Holz unserer Obstbäume; und so geht die Stufenleiter der Festigkeit des Holzes zu den Linden, Eschen, Tan⸗ nen, Ulmen, Weiden und Pappeln fort. An eben denselben. Es: bleibt mir nun noch übrig, Sie von dem Mark der Bäume zu unterhalten, über dessen Bestimmung die seltsamsten Meinungen vorgetragen sind, weil manu es bald mit dem Marke der Knochen, bald mit em Gehirne der Thiere verglich, ohne vorher sei⸗ nen Ursorung und Bau genau untersucht zu haben. So hat man bald die Entstehung der Fruchte aus demselben hergeleitet, bald es für die Quelle des vegetabilischen Lebensgeistes ausgegeben. Diese Mei⸗ nungen werden sich sogleich widerlegen, wenn wir uns nur darüber verständigt haben, was wir Mark zu nennen pflegen. Es heißt nämlich das Zellgewebe so, welches in der Mitte des Stammes von den Bündeln der Schraubengänge oder den nachmali⸗ gen Holzf asern eingeschlossen wird. Es ist alss das Mark nichts als Zellgewebe, und von der Rinde bloß durch mehrere Lockerheit des Baues und dadurch uterschieden, daß seine Farbe niemals grün, son⸗ dern mehrentheils weiß, bisweilen auch wohl gelb ist. Tig. 3, b. zeigt Ihnen das Mark aus dem Hi⸗ — ckory⸗Wallnupßbaume; Fib. 9, c, aus der Reseda, 106 d lnen. 66 5³ N Hlig; sbnhe. Nt se stimmmng ind, wel bald mit rher sei⸗ u/ haben. Uchte auß Welle de Dieso Mol, Olese Mei⸗ Wenn nit wvir Mik ellgewebe von den inde bloz daduuch a, sl⸗ vohl geb deun H/ — Aesch, wo Sie die Uebereinstimmung der Form' der Zellen in der Rinde und dem Marke sehr deutlich sehen können. Schon daraus läßt sich abnehmen, wie wenig das Mark eine eigenthümliche Thätigkeit haben, wie wenig es der Sitz einer besondern Lebenskraft seyn könne. Aber dies erhellt noch Lekimter aus der Art seiner Entstehung und aus seinen mannigfachen Formen in verschiedenen Pflanzen. ‚ Wenn nämlich die junge Pflanze steigt der Saft mit thätigem Triebe in dem Kre von Schraubengängen, der das Mark ment, in In keinem andern Theile ist diese Thuä⸗ die Höhe. J tigkeit als in 14 gleichsam aus Springfedern ge— bauten Kanälen. ie Schraubengänge ziehn die sie umgebenden mai mit in die Höhe: es verlängern sich 1 die Rindenzellen, es werden auch die Markzellen verlängert; aber beide nicht auf gleiche Art. An dem äußern Umfange sind die Schrauben⸗ ige thätiger, hier setzen sich immer neue an: die Rindenzellen werden also auch viel schneller verlän⸗ gert und wachsen immer mit fort. Dagegen sind die V Schraubenguänge an dem innern Umkreise weit weni⸗ ig: sie wachsen zwar mit fort, aber durch 208 . ihre engere Zwischenräume auillt nicht so viel Feuch⸗ tigkeit heraus; daher werden hier die anhängenden Markzellen viel mehr in die Länge gezogen, viel lo⸗ ckerer, und die Zwischenwände derselben zarter. Nimmt man dazu noch den Einfluß des Lichtes auf * die Concentration der Säfte in der Rinde, wo⸗ durch die grüne Farbe der letztern bewirkt wird, so ist begreiflich, warum die Säste des Markes, auf welche das Licht nicht wirken kaun, viel roher und unbearbeiteter bleiben müssen, als die Säfte Rinde. . schneller eine Pflanze wächst, desto slärker ist die Gewalt, womit das innere Zellgewebe oder das Mark empor gerissen wird. Es eutstehen daher bis⸗ weilen leere Räume, weil die Zellen hier nicht so nachwachsen können: die losgerissene zellige Substanz hängt hier und da noch an den Schraubengängen, besonders bleibt sie an den Knoten der Stengel, im e Schierling, in der Sonnenrose und an⸗ dern schnell wachsenden Pfllanzen hängen. Die übri⸗ e M 97010 ist leer, oder die Markzellen bilden hier und da Querwände der leeren Höhlen, und sind als⸗ dann bisweilen für Klappen gendmmen worden, die den Nückgang der aufgestiegenen Säste verhindern sollten. Alein auf! Dust 1 N Hchtl iage W . Ei 3 Ml duh⸗ Inhängerhe Nu, viellj Iben zartz. Vahtes aj Rinde, u Ilt vind/ urkes, auj Kmher und e Cafte N sto sätun be Ider di daher liß jer Nicht s Gubshanz hengängen, engel/ in 2 und al⸗ Die ulis hilden Hie d sind ash en, die Rl soll L 209 Allein in der Markhöhle selbst steigen keine Säste auf: und diese vermeintliche Klappen würden ihren Dienst sehr übel versehen, da sie aus bloßem locke—⸗ ren, überall durchdringlichen Zellgewebe bestehn. Pflanzen, die sehr langsam wachsen, haben we— nig Mark. Ihr Mark unterscheidet sich nicht be⸗ trächtlich von den übrigen Theilen des Stammes: denn da die Schraubengänge sich nur langsam ver⸗ längern, da sie in regelmäßigen Perioden sich verhol⸗ zen, so werden von ihnen die Markzellen so gedrängt und so regelmäßig mit fortgezogen, daß theils die Säfte der letztern eoneentrirter werden, theils die Zellen selbst gestreckter und den Bastzellen ähnlicher werden müssen; endlich werden sie selbst von Holz⸗ fasern mit durchzogen, weil diese immer mehr von außen nach innen gedrängt werden und den anfangs vorhandenen Mark-Kanal verengen müssen. Derge⸗ stalt finden wir das Mark in der Eiche, der Buche und andern harten, langsam wachsenden Bäumen. Das Mark steht mit der Rinde in Verbindung. Wir haben nämlich in der Rinde so wohl als im Baste Querfasern bemerkt, die eine Gemeinschaft zwischen den äußern und innern Theilen des Stam-⸗ mes eröffnen. Auch im Holze fanden wir Strahlen⸗ Erste Sammlung. 14 210 — bänder, die aus Zwergkanälen entstanden sind und ebenfalls zur Vereinigung der aufsteigenden Fasern und Kanäle dienen. Diese setzen sich bis ins Mark fort: das letztere besteht großentheils aus Querfa⸗ sern, die am deutlichsten in leeren Markhöhlen schnell wachsender Pflanzen zu sehen sind, wo sie oft allein an dem innern Umfange der Markhöhle sitzen blei⸗ ben, und zum Beweise dienen, daß die Holzkreise mit dem Marke in einer unmittelbaren Verbindung stehn. Da, wo sich der Stamm und die Aeste theilen, oder wo Knoten sich im Stamme erzeugen, häufen sich die Querfasern des Markes noch mehr an, ver⸗ dichten sich, und bilden Scheidewände, die bisweilen so dicht werden, daß man sie wenigstens mit dem Baste vergleichen kann. Dies rührt, wie leicht zu begreifen ist, von der Anhäufung und Concentration der Sufte her, die an diesen Stellen einen längern Aufenthalt haben. Ich werde noch einmahl auf diese Scheidewände zurück kommen, wenn ich von der Vertheilung des Stammes in Aeste und von der Eutstehung der Knospen rede. Wie sich in langsam wachsenden Bäumen das Mark verhält so verhält es sich in dem Stamm Nsnd up den Fasen ins Nnf 8 Quern Hlen schnel ost allein stzen blei⸗ Holzkreise erbindung ste theit / habfn hr au/ vet e bisweilg mit dem eleicht u ceutration langern mahl au u ich van und va jumen das Stamsh 21II und den größern Aesten der Wurzel. Die Holzfa⸗ sern der Wurzeln verlängern sich nicht mit der Ge—⸗ schwindigkeit wie die Holzfasern des Stammes üͤber der Srde: von allen Seiten umgiebt und drängt sie die feste widerstehende Erde zusammen. Das Zellge⸗ webe in der Mitte der Wurzel kann sich also nicht so locker ausbreiten und so schnell mit fortgerissen werden, als das Zellgewebe in der Mitte des Stam-⸗ mes über der Erde. Daher wird es fester, dichter, und mehr von Holzfasern durchzogen. Sobald hin⸗ gegen die Wurzel bloß liegt, so entwickelt sich die Mark⸗Substanz deutlicher, und es wird nun aus der Wurzel ein Ast. Dagegen kann wieder aus einem Zweige eine Wurzel werden, wenn derselbe in frucht⸗ bare Erde gelegt wird: es verliert sich dann das Mark, und statt der Blätter treibt der Zweig nun Wurzelzasern. Ein berühmter neuerer Schriftsteller(Medi⸗ gus) hat den Wurzeln überhaupt alles Mark ab⸗ geläugnet. Dies ist nicht ganz richtig. Das Mark der Wurzeln ist nur gedrängter, dichter und weniger von der übrigen Substanz zu unterscheiden. Auch giebt es mehrere sehr markige Wurzeln, wie z. B. die Wüurzel eines Farrenkrauts in Neuseeland(Poly⸗ 14 212 podiuin medullare), welche die Einwohner, wegen des reichen Vorraths an schmackhaftem Mark, oft statt aller Nahrung genießen. In der That ist der Unterschied der Wurzeln vom Stamme und von den Aesten gar nicht in dem in⸗ nern Baue der Theile, sondern bloß in dem zufäl⸗ ligen Umstande gegrundet, daß die Wurzeln, von Erde und deren Feuchtigkeit umgeben, die letztere einsau⸗ gen müssen, wogegen die Aeste Blätter, Blüthen und Früchte treiben. Wie leicht die Verwandlung ei⸗ nes Astes in eine Wurzel möglich ist, sehn Sie an den gewöhnlichen Künsten des Ablegens, an den Erschei— nungen bey den Stecklingen und Spalttöpfen. Die letztern werden, mit Erde gefüllt, mitten um einen etwas eingeschnittenen Zweig angelegt: nach einiger Zeit findet man die Erde im Topfe voll Wurzeln, über und unter demselben aber treibt der Zweig Blätter, nach wie vor. Ich kehre zur Betrachtung des Markes zurück. Ist dasselbe ein überflüssiger Theil, oder nicht? Und wenn das letztere, welches ist seine Bestimmung?. Auf diese Fragen glaube ich auf folgende Art ant⸗ worten zu können: Das 2 Nark ist, als Zellgewebe, dazu bestimmt, in jungen Gewächsen und in jüͤn⸗ ler, Wehen Mark lst Dryreh in dem ij⸗ dem zufil⸗ von Erde le einsau⸗ Blüthu Wolung ei Sie au den en Erscht, pfen. Y àum ein uach eiiga I VDuneh, der Zoeß tles gurit nicht? I mungL eMt gh deleench, d ih su 213 gern Trieben und Zweigen der Bäume den Sästen mehr Aufenthalt zu geben und dadurch ihre bessere Verarbeitung zu befördern. In ältern Aesten ist es kein so nothwendiger Theil, da die in Holzfasern übergegangenen Schraubenkanäle nicht mehr mit der Schnellkraft die rohern Säfte auftreiben. Erlau— ben Sie mir, dies etwas umständlicher zu erörtern. Das Mark in jüngern Trieben der Bäume zeich⸗ net sich schon durch seine grünlichere Farbe, durch sein saftiges Wesen, durch seinen innigern Zusam— menhang mit den Holzringen, als ein thätiger, we⸗ nigstens nicht träger und unnützer Theil aus. Die Scheidewände, die hier und dort die Markhöhle un⸗ terbrechen, verursachen einen längern Aufenthalt de⸗ rer Säste, die dem Mark durch die Strahlenkanä⸗ le zugeführt werden. Je mehr aber die Schrauben⸗ gänge in Treppengänge übergehn, desto mehr wird die Gemeinschaft zwischen denselben und den Mark⸗ zellen unterbrochen. Die Säste des Markes fangen an zu trocknen: die Farbe des Markes verändert sich in die weiße oder in eine andere, die eben so sehr von der Farbe der übrigen Theile abweicht; oder es wird von allen Seiten durch die Hoizringe so ge— drängt und von ihnen so durchzogen, daß es eben— 2⁴4 falls seine ursyrüngliche Beschaffenheit verliert und mit zu dem Holze zu gehören scheint. Itzt ist das Mark deßwegen nicht mehr nothwendig, weil die Säfte in den Treppengängen der Holzfasern sich an sich schon langsamer bewegen und länger darin ver⸗ ä weilen, als in den ursprünglichen Schraubengängen. Endlich bekommt es in harten und langsam wach— senden Bäumen Quersprünge, die sich strahlenförmig vom Mittelpunkte ausbreiten, wie man dies in al—⸗ ten Eichenstämmen deutlich sieht; oder es geht durch Stockung seiner Säfte, die keine Gemein-⸗ schaft mehr mit den übrigen Säften haben, in Zer— störung uber. Diese kündigt sich durch die schwarze Farbe des Markes an, und sehr oft wird, unbescha— det dem Fortleben des Holzes und der Rinde, die ganze Markhöhle leer, und füllt sich, indem durch Zutritt der Luft alle Theile verwittern, mit der schönsten Dammerde, die man besonders in alten Weiden von vorzüglicher Güte findet. Nicht selten wird, vorzüglich in Weiden, von der Zerstörung des Markes auch ein großer Theil des Holzes an-⸗ gegriffen, und so sieht man oft Ulmen und Weiden mit hohlem Stamme, an dem fast nichts als die Rinde übrig geblieben ist. Dech behalten bey sol⸗ liett un ht ist du weil die un sich gs darin her⸗ engängen umm wach⸗ lenfömig ih al⸗ 0 ght Gemein⸗ u, in dt/ e schmy unbeschy Ninde/ de dem dunh „nit det 3 in alten icht sela Zerstiuung Holhes Au d Wedeh als de bey suh 215 chen hohlen Stämmen die Wurzeln immer nöch ihr Vermögen, die Säfte aufzutreiben, und es setzen sich, so lange die Lebenskraft fortdauert, neue Splintla⸗ gen an, von denen das alljährliche Ausschlagen eines solchen Baumes abhängt. Auf diese Art, mein würdiger Freund, habe ich Ihnen den Bau und die Bestimmung der einzelen Theile des Stammes angegeben, und meine Meinung über die Bewegung der Säfte in den Gewächsen er⸗ klärt. Sie werden nun ohne mein Erinnern einsehen, was man von dem sonst angenommenen Kreislaufe in den Gewächsen zu halten hat. Es ist eine aufstei⸗ gende und absteigende Bewegung vorhanden; aber diese erfolgt weder in deuselben Theilen, noch sind es dieselben Säfte, die, aufgetrieben, wieder herunter steigen. Erdfeuchtigkeit, mit luftförmigen Stossen verbunden, wird, von den Wurzeln aufgenommen, durch die Schraubengänge in die Höhe getrieben; die luftförmigen Stoffe entbinden sich durch die Wär⸗ me‚, und treten durch die Zwischenräume der Schrau⸗ beugänge in das umgebende Zellgewebe aus. Der Kohlenstoff fixirt die übrigen Bestandtheile der Säfte: diese werden, mit den schon vorhandenen eigenthümli⸗ chen Säften der Pflanze vermischt auf mannigfache 216 Art verändert und machen die Nahrung aller Theile auft aus. Der Ueberschuß der flüchtigern Stoffe geht durch unmn die Ausdünstung fort. Dieses Geschäfft geht haupt— krlih sächlich im Frühlinge und bey Tage vor sich, weil 0 lln Licht und Wärme, als die thätigsten Reize/ alsdann Wc am wirksamsten sind. uch N Dagegen werden durch die Spaltöffnungen der ö Blätter und der blattartigen Ueberzüge die Luftstoffe heteitt eingesogen, mit den eigenthümlichen Säften des Zell⸗ gewebes gleichfalls gemischt, in die Rinde gebracht, mu und von derselben hinunter bis in die Wurzel geleitet. uir! Vielleicht wird von der letztern wieder ein beträchtli⸗ Mis cher Theil dieser Säste und luftförmigen Stoffe aus⸗ Lett geschieden. Und dies Geschäfft geht hauptsächlich zur tet fi Nachtzeit, im Herbste und im Winter vor sich. Mihe In gewisser Rücksicht kann man sagen, daß die nit de Säfte der Gewächse sich nach allen Seiten bewegen, Haz weil sie aus den aufsteigenden Kanälen durch die Zwi⸗ ö uikt. schenräume der gewundenen Fasern, welche die Wän—⸗ e de der Schraubengänge ausmachen, in das umgebende. Zgewebe durchschwitzen, und weil auch das Zellge— Birh webe eine allseitige Gemeinschaft eröffnet. Um diese Bewegung der Säfte nach allen Seiten zu beweisen, ö blg braucht man nicht mit Camus seine Zuflucht zu ei— lings oller dicl, segeht Ruh Reht hunh sch/ nil dHe/ Hledang fuunnu da die Luftsofe n des Zell de gebrach, Mzel gelelt. in beträcht Stosse uu⸗ sächlich ur sch. , daß die bepegen, die Zui⸗ die Wil/ umgebende das Zelhe⸗ Um diese bewessen, ucht zu 217 nem seltsamen Erveriment zu nehmen, wovon ich nicht einmähl glaube, daß es jemals angestellt worden ist. Er ließ, erzählt man, auf einen dicken Block gesun⸗ den Ulmenholzes eine Wassersäule von 300 Schuh Hö⸗ he(bedenken Sie!) drücken, und das Wasser drang durch diesen Block, wie durch ein Sieb, durch. Angeachtet dieser allseitigen Bewegung der Säfte bereitet dennoch jeder Theil des Gewächses sich sei⸗ ne eigenthümliche Flüssigkeiten, und deßwegen kann man keinen Kreislauf in dem Sinne annehmen, wie wir ihn in vollkommenern Thieren fin den. Das edle Reis, auf einen Wildling geimpft, nimmt aus dem letztern keinesweges die Säste auf, sondern es berei⸗ tet sie selbst aus den Stoffen, die ihm der Wildling niittheilt. Die Organisation des Wildlings muß aber mit der Organisation des edeln Reises überein kom⸗ men; sonst schlägt es nicht an, oder es bekommt nicht. Diese Uebereinstimmung der Organisation fin⸗ det sich nur bey Arten, die zu Einer Gattung gehören: z. B. werden Aprikosen auf Pflaumen/ Aepfel und Birnen auf Quitten, Azarole auf Weißdorn geimpft. Bisweilen scheint aber doch beym Veredeln etwas von der Natur des Wildlings in die Säfte des Impf⸗ lings überzugehen. So erzählt Olivier in seiner 2138 kürzlich erschieneuen Reise durch das vömanische Reich: ein Türke habe den Versuch' gemacht, Reiser vom Ma-⸗ stirbaum auf den verwandten Terpenthinbaum zu im⸗ pfen; er habe darauf aus der Rinde des Impfliugs zwar Mastir erhalten, aber dieser sey so flüssig wie Terpenthin gewesen. Das Mastixreis nahm also zwar den Stoff zu seinen Säften aus dem Terpenthin-⸗ baum, aber es bereitete seine eigenthüͤmliche Säfte selbst, indem es aus der Luft die dazu erforderlichen Stoffe einsog und sie gehörig verarbeitete. Unsere feinere Obstarten werden, wie die Erfah⸗ rung lehrt, auf keine Weise verschlechtert, wenn man sie auf wilde Stämme derselben Art oder Gattung impft: aber sie können zur Verbesserung der Säfte des Wildlings beytragen, wie ich schon in einem mei⸗ ner vorigen Briefe bemerkt habe. Gegen den Kreislauf der Säfte in den Gewäch⸗ sen und für die eigenthümliche Bewegung der Säfte in jedem einzelen Theile derselben sprechen ferner die Versuche, die gewiß auch Ihr Gärtner jeden Winter mit Weinstöcken macht, wenn er sie durch die Fenster des Treibhauses hinein leitet, um zeitige Früchte zu gewinnen. Während der Theil des Stammes außer dem Hause von Frost leidet, grünen, blühen und ragen d iodlichf Nanken Eiaf u Ede sir ih i Ce elste l 6 d Gie Harrscheh d Nm lhig un euf v N. C ld eih: Gesohe die Ki hen Juffei Hischekuß: iservun gy Rum zuin Junfligz fissa ut nahm ash Lerpenthin liche Säst forderlicher e die Ci Rhenn un er Gattung Rder Sist einein may uGewäch der Süst fernet de hen Wiutt die Felstt Früchte n mes auftt Iuhen unb 219 tragen die Ranken Früchte, welche im Treibhause be⸗ findlich sind. Kann es anders seyn, als daß diese Ranken ihr eigenes Leben haben, daß sie bloß den ro⸗ hen Stoff zu ihrer Nahrung durch den Stamm aus der Erde erhalten, aber ihre eigenthümliche Säfte für sich selbst bereiten? XIX. An eben denselben. Sie wünschen nun auch meine Meinung über die erste UFrsache der Bewegung der Säste in den Gewäch⸗ sen zu erfahren, da hierüͤber bey den Schriftstellern, die Sie gelesen haben, so widersprechende Meinungen herrschen. Man kann die verschiedenen Theorieen von der Bewegung der Säfte, von der Absonderung der⸗ selben und von den uübrigen Verrichtungen der Gewäch⸗ se auf drey allgemeine Vorstellungsarten zurück brin⸗ gen. Entweder nämlich betrachtet man die Pflanze als ein Sauge- und Druckwerk, in welchem alles aus Gesetzen der Mechanik und Hydraulik zu erklären ist; die Kanäle sieht man als Haarröhrchen an, in wel— chen die Säfte eben so wie in einem Badeschwamm gufsteigen: oder man nimmt auf die Nischung der 220 Säfte, auf die Einwikkung ihrer Stoffe auf einander Rücksicht, und erklärt die Bewegung der Säfte und ihre Absonderungen aus Gährung oder überhaupt aus chemischen Veränderungen: oder endlich, man be— hilft sich mit der Annahme einer geistigen Ursache; man eignet den Pflanzen ein Begehrungsvermögen, Apetite und Willenskräfte zu, um daher die Aus⸗ wahl zu erklären, die sie in ihren Nahrungsmitteln treffen. Lassen Sie uns jede dieser Vorstellungsar⸗ ten durch Erfahrung prufen. ö Für die erste oder mechanische Theorie spricht die Aehnlichkeit der Saftröhren mit Haarröhrchen; es scheinen dafür die schraubenförmigen Windun⸗ gen zu sprechen, welche, gleich den Springfedern, das Aufsteigen der Säste befördern müssen. Es scheint die Wärme durch Ausdehnung der Fasern und der Säfte die letztern nach oben zu ziehen, und ganz mechanisch scheinen in zartere Kanäle feinere Säfte einzudringen, ganz mechanisch scheint im lo—⸗ ckern Zellgewebe durch den längern Aufenthalt und durch die Einwirkung der eigenthümlich organisirten Zellen die eigenthümliche Beschaffenheit der Säf— te hervor gebracht zu werden. Nimmt man, wie Senebier, noch dazu, daß die Fasern, wenn sie aumahl penh si feuch Rihen/ hubtren en Sist Daur Asstie nifen lscß u Hale im D wich C. 60 elzihlt 1 die Hesesigt 3 E W wolit is den gleich duth tliche e auf bimt der Siste ur überhaunt u6 lich, um h sigen Miichz ungsvermöge, lher die Auh rungsmitteh Orstellungsg Heorie syrigt aarröhrchg, gen Windu Syringsederz müssen. E der Fasen ziehen, M näle feinen heint im ly enthalt und organistten t der Eif man/ uit X 221 einmahl benetzt ünd, wie Hygroskoye wirken, sich, wenn sie trocken werden, zusammen ziehn und, wenn sie feucht werden, wieder aufrollen; so sollle man meinen, es sey nichts weiter nöthig/ um die wun⸗ derbaren Bewegungen zu erläutern, welche wir in den Säften der Pflanzen bemerken. Wenn wir indessen ganz unbefangen die mit dem Aufsteigen des Sastes verbundenen Erscheinungen prüfen, so entstehen allerley Zweifel gegen diese bloß mechanische Erklärung. Zuvörderst bitte ich, Hales Versuche über die Kraft, womit der Saft im Weinstocke aufsteigt, in seiner Statik der Ge⸗ wächse nachzulesen. In der 36sten Erfahrung, S. 66 und 67 der deutschen Ausgabe, Halle 1748, erzühlt er, daß das Quecksilber in einer Probir-Röh— re, die er an die Ranke eines Weiustocks im Ayril befestigte, bis auf 38 Zoll gestiegen sey. Diese Hö— he des Quecksilbers kommt mit einer Wassersäule von 43 Fuß 33 Zoll Höhe überein. Die Kraft also, womit der Saft im Weinstocke in die Höhe steigt, ist dem Druck einer Wassersäule von 43 Fuß 33 Zoll gleich; oder bis zu einer solchen Höhe wird der Saft durch die Kraft der festen Theile des Weinstocks ge⸗ trieben. Diese Kraft, sagt Hales, ist ungefähr 22² füufmahl größer, als die Gewalt, womit das Blut sich durch die große Schienbein-Arterie eines Pfer⸗ des bewegt; sie ist siebenmahl größer, als die Kraft des Bluts in eben dieser Arterie bey einem Hunde. Nun muß wohl jeder gestehen, daß diese Kraft bey weitem größer ist, als daß man sie bloß von me⸗ chanischen Hülfsmittelu, vom Aufsteigen in Haar⸗ röhrchen, vom Aufrollen hygroskopischer Fasern in der Flüssiskeit herleiten könnte. Auch macht Sene—⸗ bier, indem er diese Erfahrung mit seiner mecha⸗ nischen Erklärungsart reimen will, nichts als Aus-— flüchte, und beschuldigt den trefflichen Experimenta⸗ tor Hales sogar eines Versehens beym Experimen-⸗ tiren, welches doch gewiß nicht zu beweisen ist. Daun ist immer nicht einzusehen, wie Fasern, die beständig von Feuchtigkeit umgeben sind, sich ab⸗ wechselnd, nachdem sie trockener oder feuchter wer— den, zusammen ziehen und aufrollen sollen. Es ist nicht möglich, in Wasserpflanzen, die beständig von Wasser umgeben sind, eine solche hygroskopische Wirkung anzunehmen. Ueberdies weiß man, daß Haarröhrchen, die einmahl das Wasser angezogen haben, es mit großer Gewalt behalten: man hat ge⸗ ehn, daß das einmahl von den Haarröhrchen ein— gesogehe Vee iß Hliten! si umnuch u Har Itoeks ugesie IeL Marur bengade eiher L 7 0l nesser i Rahn hͤs nie uehm sbigze I Rih Ne fuß der ches dn Zusaum herpur! nit di dit ee nün als die Eint unem Hunde j diese Emn bloß von mi⸗ en in Hant⸗ r Fasern in cht Sene— wer mecha⸗ t3 als Aue⸗ Experimenta⸗ Experinar eisen is. hie Fajan sh sch abe Huchter wet⸗ 100 E N eständig vo ygtosterishe man, dij 4 angesen Han hat ge⸗ hichen el, 223 gesogene Wasser acht Monate darin stehen blieb. Wie ist denn dabey die Bewegung der Säste zu er⸗ klären?... Ferner steht das Gesetz der Anziehung der Flüssigkeiten in Haarröhrchen in offenbarem Wi⸗ derspruch mit der Höhe der Säfte in den Kanälen der Pflanzen. Sie wissen, daß, nach Musschen— broeks Berechnung, die Höhe des in Haarröhrchen 5147 aufgestiegenen Wassers in umgekehrtem Verhältnisse zu den Durchmessern der Röhren stehr. Martin van Märum hat darnach berechnet, daß die Schrau— bengänge, deren Durchmesser er zu dem 200sten Theil einer Linie annimmt, wenn sie bloß als Haarröhr⸗ chen wirkten, die Säfte der Pflanzen nur bis auf 72 Zoll in die Höhe treiben würden. Dieser Durch— messer ist viel zu geringe angeschlagen; denn man kann höchstens bis 60 Schraubengänge auf eine Li⸗ nie nehmen: folglich würde die Höhe der durch die— selben, als Haarröhrchen, angezogenen Säfte noch viel geringer seyn. Rechnen Sie endlich dazu den mächtigen Ein-⸗ fluß der äußern Reize, besonders des Lichts, wel— ches doch gewiß keine mechanische oder unmittelbare Zusammenziehung oder Erweiterung der Sasftgänge hervor bringt, und durch dessen Einfluß gleichwohl 224 der Saft fast noch einmahl so hoch steigt, so müssen Sie nothwendig mißtrauisch gegen die mechanischen Erklärungsarten werden. Coulon und Brug- mans fanden, daß der Zweig einer Erle, bey glei⸗ cher Temperatur der Luft, 12 Feuchtigkeit auzog, wenn er im Lichte stand, wogegen nur 2 angezo⸗ gen wurden, wenn alles Licht entfernt wurde. Wenn also der Mechanismus der Theile nicht hinreicht, um das Aufsteigen der Säfte zu erklären, so ist der Grund vielleicht in chemischen Verände⸗ rungen zu suchen. Man weiß, welche erstaunliche Wirkungen durch Entbindung der Gasarten erfol⸗ gen; sollten nicht Zersetzung und Wiedervereinigung der Grundstoffe der angezogenen Feuchtigkeit zur Er⸗ klärung der Bewegung der Säfte hinreichen?... Diese Idee aber widerlegt sich bey geringem Nach⸗ denken von selbst. Die chemischen Veränderungen sind Wirkungen der Bewegung und nicht Ursachen; denn die Bewegung ist früher als die Zersetzung: und überdies ist von keiner chemischen Veränderung die Wirkung so regelmäßig, wie wir es bey der Be⸗ wegung der Säfte der Pflanzen bemerken. In kei⸗ nem organischen Körper dürfen wir, um die Erschei⸗ nungen desselben zu erklären, die Gesetze der Che⸗ miie v uhleth Mh in E El 9 in Gllo geh, 00 ibler! Rst die) MI geh, einer sonttr bet gu aun de Whie dr Ie uoh Mii il Enh ati. so niss mechaisg und Brug— Hle, hey gaz tigkeit aung * augep wurde. Theile nict zu erkläten, Netände⸗ astunliche nöarten er rveteini gkeit In d eichnhh, ugem Nach lünderuugen ht Hsachin Zujepu Verändenug 50 v u. di Ea de e 225 mie vernachlässigen; aber wir müssen sie allezeit als untergeordnet betrachten, weil wir sonst unaufhörlich Wirkung mit Urfache verwechseln und einen Zirkel im Erklären machen. Ein geistiges Prineip als Ursache der Bewegun⸗ gen in Pflanzen anzunehmen, oder denselben eine Seele, Willenskraft, Begehrungsvermögen beyzule⸗ gen, das ist ein Mißbrauch der Sprache, der, aus übler Anwendung der Analogie entstanden, zu den größten Verwirrungen Gelegenheit giebt. Man sagt, die Pflanzen bewegen ihre Säste vermöge besonderer Willensthätigkeit, oder vermöge eigener Empfindun⸗ gen/ weil man findet, daß sie ihre Wurzeln bis zu einer Quelle oder zu einem andern fruchtharen Orte forttreiben. Allein diese Erscheinung wäre viel leich— ter aus dem Anziehen der Feuchtigkeiten, die sich von der Quelle in die die Wurzeln umgebende Erde verbreiten, zu erklären; so wie man die Neigung der Gewächse gegen das Licht, und das Aufrichten der Blätter, wenn Regen oder Thau fällt, vielmehr von einer bloß physischen Ursache, von der durch den Reiz des Lichts und den Ein fluß der Feuchtigkeit be⸗ wirkten Richtung der Fasern, als von einer gewissen Empfindung herleiten kann. Erste Sammlung. 15 22⁵ „Gegen die Empfindungsfähigkeit der Pllanzen ö U scheint auch zu streiten, daß sie, nach den von M/ Humboldt angestellten Versuchen, gar keine Em⸗ pfänglichkeit für den Galvanismus zu haben scheinen. Achel Bisher schien nämlich der Galvanismus bloß auf Oih solche Theile zu wirken, die mit Nerven versehen sochen und empfindlich sind. Indessen kommt es darauf an, R1 L. ob Volta's elektrische Säule, besonders nach van N fe Marum's neuester Verstärkung, nicht einigen Ein⸗ fit L stluß auf die Vegetabilien zeigen wird, und ob über⸗ she haupt noch itzt Humboldt's Behauptung über die telst ausschließliche Wirkung des Galvanismus auf die Hian empfindlichen Theile Beyfall verdient. zugel Bey unserm gegenwärtigen Maaße von Kennt⸗ Hutt nissen von den Gewächsen dürfen wir uns weder mit utter dem Mechanismus noch mit der chemischen Mischung ahl der Theile begnügen, um die Erscheinungen an Pflan⸗ ülbern zen, besonders um die Bewegung ihrer Säfte zu er⸗ sth klären; sondern wir ünd genothigt, ihren Fasern ein W Vermögen zuzuschreiben, von äußern Stoffen eben Eist so in Thätigkeit gesetzt zu werden, als man es bey thierischen Fasern bemerkt. Dies Vermögen belegen An wir, um allen Mißdeutungen auszuweichen, mit dem welt Namen: Erregdarkeit, da man es sonst Reiz⸗ Re E Me ch den un keihe E den schiizer 10 bloß j n gerjehe darauf au, nach van nizen Ein⸗ d oh üder⸗ ug uber de s auf I von Klu à pede ui en Mischu en aMan⸗ Aiste mer Fasun ei tofsan ebe nan es eu Helg Mit den III 227 barkeit nannte, wo es aber sich mehr auf die den Muskelfasern beywohnende Kraft bezieht. Wir glau⸗ ben nicht, daß diese Erregbarkeit ein in den orga—⸗ nischen Fasern wirklich besindliches und reelles Prin⸗ eip ist, wie es die Elementar⸗Stoffe der Körper sind; sondern es soll dieser Ausdruck bloß eine Vorstellung des Verstandes bezeichnen, vermittelst deren wir uns die Form denken, unter welcher uns die Wirksam— keit der organischen Theile erscheint. Diese organi— sche Kraft, die Erregbarkeit, halten wir für ganz un⸗ terschieden von den materiellen Krästen des Mecha⸗ nismus und der chemischen Mischung, ungeachtet wir zugeben, daß sie unauflöslich mit einer bestimmten Form und Mischung der Theile verbunden ist. Wir unterscheiden sie von den materiellen Kräften so wohl durch die eigenthümliche Beschaffenheit der Ver⸗ änderungen, die sie bewirkt, als auch durch die Ge⸗ setze, nach welchen sie thätig wird. Erlauben Sie, daß ich dies auf die Theorie der Bewegung der Säfte in Pflanzen anwende. Sind die Pflanzenfasern mit der or— 22 — E 7⁰ — —. wenn sie thätig werden, wenn Außendinge oder auch die Säfte selbst auf sie wirken, eine Veränderung, 15 228 die keine Aehnlichkeit mit den Zusammenziehungen und Erweiterungen eines nicht- organischen Theils hat. Der letztere zieht sich bloß zusammen, wenn er gedehnt worden; er dehnt sich aus, wenn er gedrückt worden. Aber die Reize, welche die Pflanzenfasern in Thäligkeit setzen, scheinen, so viel wir wenigstens izt einsehen, keine solche mechanische Veränderung zu bewirken. Ich weiß wohl, daß man gesagt hat, die Wärme dehne die obern Theile der Saftkanäle der Pflanzen aus; dadurch eutstehe eine Neigung, sich zusammen zu ziehen; diese pflanze sich fort auf die untern Theile, und dergestalt sey das Aufsteigen der Säfte zu erklären: allein man hat nicht bedacht, daß viele Pflanzen bey gar keiner beträchtlichen Wär⸗ me wachsen; daß oft bey srenger Kälte unsere Ha⸗ selstauden und Birken blühen; daß in unsern Treib— häusern die Wärme sich immer gleich bleibt, und dennoch die Pflanzen treiben, blühen und absterben, ihr Laub verlieren und neues bekommen. Man hat nicht bedacht, daß die Wärme zwar ein mächtiger, aber bey weitem nicht der einzige Reiz für die Pflan⸗ zen ist, und daß man von den übrigen Reizen, dem Licht, dem Wasser, dem Sauerstoff, dem Stickstoff u. s. f., nicht sagen kann, sie dehnen oder drücken die U fun H e galhi suht! en sof geht f d iN di⸗ Rhiehhrgg en Thelz X r brüch Miehfusen wenigstet rinderung sagt hat, astkanäle Hun f ut auf de steigen y t bedut, ichen Mi⸗ unsere v In Tüb⸗ eibt, abstetbe, Ma it mächtat die h en/ den Etichtuf icken e 220 Faser zusammen. Eben weil man dies nicht sagen kann, so begnügt man sich, die Zusammenziehung und jede Bewegung der Pflanzenfaser eine organi⸗ sche Wirkung zu nennen, deren Ursache in der ei— genthümlichen Erregbarkeit der Pflanzensasern ge⸗ sucht wird. Damit ist nun aber keinesweges dem Mechanis⸗ mus der Theile aller Einfluß auf die Bewegungen abgesprochen. Im Gegentheil sehen wir den Bau und die Mischung der Theile als nothwendige Mit⸗ tel zur Erreichung des Zweckes der Natur an. Wä⸗ ren die Kanäle, welche die Flüssiskeiten mit Luft⸗ stoffen vermischt führen, nicht ans schraubenförmig gewundenen Fasern zusammmen gesetzt, so würden sie die Säste bey weitem nicht mit der Schuellkraft in die Höhe treiben, die sie itzt/ vermöge der Spring⸗ federn ihrer Wände, ausüben. Aber wir mussen auch auf die Gesetze achten, nach welchen die Erregbarkeit wirkt, um daraus auf die Nothwendigkeit, sie in den Pflanzen anzuneh⸗ men, schließen zu können. Durch das ganze Thierreich bemerken wir zuvör derst solgendes algemeine Gesetz für die Erregbar⸗ keit: Wenn die Reize anhaltend und stark auf die 230 eeregbaren Theile wirken; so wird endlich dadurch die Erregbarkeit erschöyft, das heißt: sie fordert im— mer stärkere Reize, um in Thätigkeit gesetzt zu wer⸗ den, und endlich gehorcht sie gar keinen Reizen mehr. Ich darf Sie nur an die L Wirkung starker Geträͤnke erinnern, um die Wahrheit dieses Gesetzes zu erkennen. Gerade so verhält es sich auch mit den Pflanzen. Wird eine Pflanze zu stark getrieben; erhält sie zu viel und anhaltende Wärme und Feuch⸗ tigkeit; ist sie zu lange dem Lichte ausgesetzt; über⸗ reizt man sie mit Sauerstoff oder andern ihr frem⸗ den Reizen: so wird sie endlich erschoyft; sie verträgt nun gar nicht mehr den Mangel jener Reize; sie will immer mehr Hitze, immer mehr Feuchtigkeit haben, bis sie endlich erschöpft wird und ausgeht. Es ist eine Hauptregel in der Gärtnerey, gerade im Vor-⸗ winter den Treibhaus— Pflanzen nicht zu viel Wärme zu geben, und sie nicht zu stark und oft zu begießen, weil sie in dieser Jahreszeit Ruhe von der Anstren-⸗ gung im Sommer haben wollen. Kehrt die Sonne wieder zum Aequator, so kaun man allmählig vom Januar an die Heizung verstärken, ein neues wär⸗ meres Lohbeet machen, den Gewächsen mehr Feuch⸗ tigkeit geben, um sie so zu der neuen Periode ihres Wachsthums vorzubereiten. 1 sordent ij⸗ t au nu⸗ en Meiget ug sirfe Oesehtz auch mit ettieben; daeuch⸗ htʒ übe⸗ ihr sten⸗ veitrigt sel eit Mh Ei i im Von Wirme egießeh, Ahstret Soule Hig Hun ufl⸗ Ruch⸗ de ihtez 231 Ein anderes Gesetz der Srregbarkeit ist: Weun eine Zeit lang äußere Reize gefehlt haben; so wirkt nachher, bey der Anbringung schwacher Reize, die Erregbarkeit desto lebhafter. Aber eine zu lange Entziehung der gewohnten Reize schwächt sie g gleich⸗ falls, und macht sie endlich unfähig in Thätigkeit gesetzt zu werden. Um ein Beyspiel aus dem alltäg⸗ lichen menschlichen Leben anzufuhren: so wissen wir alle, wie stark der Wein auf uns wirkt, wenn wir lange keinen genossen; wie lebhaft unser Appetit wird, wenn wir der Speisen eine Zeit lang entbehrt haben. Gerade so verhält es sich mit den Gewäͤchsen. Wie lebhaft wird der Trieb einer Pflanze, die eine Zeit lang des Regens entbehrt hat, nach einem fruchtba⸗ ren Gewitter⸗Regen! Wie erauickt sühlt sich gleich⸗ sam ein Gewächs, dem man eine Zeit lang Wärme und Licht entzogen hatte, wenn man ihm diese noth⸗ wendige Reize wieder zukommen läßt! Auch ist es eine sehr gute Regel der Gartenkunst, Topfgewächse nicht eher zu begießen, als bis die Erde, worin sie stehn, etwas ausgetrocknet ist, damit sie darnach de⸗ sio fröhlicher gedeihen. Entzieht man aber einem Gewächse zu lange Licht, Wärme und Feuchtigkeit, so kann es nicht fehlen, es muß seine Erregbarkeit erschöyft werden. 232 Ich glaube selbst, daß dieses Gesetz auf die Er⸗ klärung des wohlthätigen Einflusses der Dunkelheit der Nächte und der mäßigen Kälte des Winters sich anwenden läßt. Unsere Winter ers setzen die Erreg⸗ barkeit, die durch die mächtigen R Leize des Lichts und der Wärme des Sommers der nr na⸗ he war. Die Entziehung des Lichts zur Nachtzei hat den gleichen Vortheil für die Gewä chse warmer Himmelsstriche, die sonst sehr bald erschöpft werden würden, wenn nicht die immer gleiche Länge der Nächte und die trübe Regenzeit,(der Winter tro⸗ pischer Gegenden,) zur Ersetzung des Verlustes der Erregbarkeit der Pflanzen beytrügen. V. Endlich bemerkt man auch das Gesetz der thie⸗ rischen Erregbarkeit bey Pflanzen, daß die anhalten— de Wirkung derselben Reize die erregbaren Theile weit eher erschöpft, als der gehörig geregelte Wech—⸗ sel verschiedener Reize. Wir wissen, daß wir, ermü—⸗ det von Austrengungen des Geistes, wieder erzuickt werden, wenn wir die sanften Töne der Musik hö⸗ ren. Manche Leute erholen sich von der Erschöpfung, die das Studiren bewirkt hat, durch das oft noch mehr anstrengende Schachspiel. Und sind sie auch dadurch erschöpft, so erquickt sie eine neue Anstren⸗ II R Ms fut n Einnd glelt Mih Iu schee ene Juff Ereg firden f di 6 Dunkehet interé sh ie Eikex/ des Licht vfung un⸗ Nachtzgal warmer t werden ange dn uter t⸗ lustes det det hil anhaltah en Theil te Vech⸗ 1„ umi/ eselitt usk hi⸗ boyfunh Ist uoch e‚ au Iustrel⸗ 233 gung, die nämlich, welche der Wein bewirkt. Auch die Gewächse lieben diesen Wechsel der Reize. Das Versetzen der Pflanzen in ein anderes, oft gar nicht fruchtbareres, Erdreich befördert ihre Vegetation un⸗ gemein. In der Treibhaus-Wirthschaft hat man im⸗ mer dahin zu sehen, daß die Pflanzen nicht denselben Stand behalten, sondern bald hiehin, bald dorthin gestellt werden. ö Die Empfänglichkeit der Gewächfe für gewisse Reize beweiset den Grad von Erregbarkeit in ihren Fasern. Der Wärmestoff ist für die ganze organi⸗ sche Welt ein mächtiges Reizmittel: durch ihn wer— den auch die Pflanzen belebt; durch ihn wird das Aufsteigen der Säfte, nicht mechanisch, sondern durch Erregung der Thätigkeit der erregbaren Fasern be— fördert. Ein zweyter sehr kräftiger und allgemeiner Reiz ist der Sauerstoff. Man kann, nach Humboldt's Vorschlag, das Keimen der Saamen durch über— gesäuerte Kochsalzsäure vorzüglich befördern. Auch ist das Wasser den Gewächsen desto vortheilhafter, je mehr Sauerstoff es enthält, indem es kehlen⸗ sauer ist. 234 Sehr mächtig wirkt das Licht auf die ganze organische Schöpfung: die Gewächse erhalten durch den Einfluß des Lichts ihre lebhäfte grüne Farbe und ihre Fähigkeit, die Luft durch Aushauchung des Sauerstoffgas zu verbessern. Die Elektrizität hat einen sehr bedentenden Ein⸗ fluß auf die Vegetation. Dies sehen wir nicht al—⸗ lein nach einem Gewitter⸗-Regen, der die Fruchtbarkeit bey weitem mehr befördert als jeder andere, sou⸗ dern auch aus der üppigen Vegetation auf den Al—⸗ pen, wo die Elektrizität sehr beträchtlich ist. Alle Länder, die Vulcane haben und Erdbeben ausgesetzt sind, zeichuen sich durch ihre Fruchtharkeit aus: Sicilien, Calabrien, die Philippinen, Pern und Neu⸗ Kaledonien dienen als Beyspiele. Auch sind alle Pflanzen, je saftreicher und jünger sie sind, desto bes⸗ sere Leiter der Elektrizität. Unter gewissen Umständen scheint sogar der Stick⸗ stoff als Erregungsmittel auf die Pflanzen zu wir⸗ ken; denn das Atnmoniak belebt nicht allein ver⸗ bleichende Pflanzen wieder mit ihrem lebhaften Grün; sondern Humboldt bemerkte auch, daß in Gru⸗ ben, wo Stickgas vorhanden war, sich die Gewächse viel länger grüͤn erhielten. ‚ 3 Cubi die gup alten durh üie gut uchung elden Eiy nicht a uchthaitn ere, suy f den A Nist. M. ausgeseg keit auz und Nu⸗ sind alle Jdesto h det Siih u llein hu⸗ un Hrül; in Hil Hewiche 235 Wenn also diese und ähnliche Reize die Pflan⸗ zenfafern in Thätigkeit setzen, so geschieht dies durch Einwirkung auf ihre organische Kraft oder auf ihre Erregbarkeit. und Coulon suchten die Er— regbarkeit der Gewächse aus Versuchen darzuthun, die sie mit irinm vornahmen. Sie fanden, daß das Ausfließen des Milchsästes aus einer Wunde des Stengels schnell aufhörte, wenn man die Wun⸗ de mit zusammen ziehenden Dingen, mit Alaun und Vitriol-Auflösung, befeuchtete. Daraus schlossen sie, daß die Zusammenziehung durch die Einwirkung auf die Reizbarkeit der Pflanze bewirkt werde. Um in⸗ dessen aufrichtig zu seyn, muß ich gestehen, daß die⸗ ser Beweis nicht viel Kraft für mich zu haben scheint: denn jene zusammen ziehende Mittel bewirken auch in todten Theilen, z. B. im Leder, eben dieselbe Zu— sammenziehung, mahrscheinlich durch Mittheilung des Sauerstoffs, und, wenn wir also keine andere Beweise dafur hätten, so würde hiedurch allein die Erregbarkeit der Gewüchse, als Ursache der Bewe— gung der Safte, noch nicht über allen Zweifel erha⸗ hen seyn. 236 Daß auch andere Erscheinungen an den Pflan⸗ zen aus der Erregbarkeit ihrer Theile allein herzu— leiten sind, werde ich noch bey andern Gelegenheiten zeigen. So viel, glaube ich, ist aus dem Gesagten einleuchtend, daß die Bewegung der Säfte weder „ die Folge des bloßen Mechanismus der Fasern, noch der Mischung der Säfte allein, sondern daß sie eine Wirkung der organischen Kraft ist, die den Fasern eigenthümlich ist. XX. An Frau von G. Ich habe Ihnen, meine verehrte Freundinn, ver⸗ sprochen, die Bildung der Zwiebeln und Knospen aus einander zu setzen, und ich werde itzt mein Verspre⸗ chen zu erfüllen suchen, da Sie mit dem Bau der Wurzeln und des Stammes, so wie mit der verschie— denen Bewegung der Säfte in Gewächsen, hinrei⸗ chend bekannt sind. Zuvörderst aber muß ich mich darüber rechtfer⸗ tigen, daß ich die Zwiebeln zu den Knospen rechne. In der That sind sie nichts anderes; und am wenig⸗ sten darf man die Zwiebeln zu den Wurzeln zählen: henn 907 fistt II III xllar un i II n Mi ein hery egenheün Oesage ste neda serh, noch ; sie ein Hasern inn, u ospen a Venste Bau da ersche⸗ hitle echtfen RWehih 2 Aeh: ahlel: 23⁷ denn sie enthalten die Keime zu der künftigen Pflan⸗ ze, so gut, wie die Baumknospe die Keime des künftigen Zweiges und der an demselben befindli⸗ chen Blüthen und Früchte enthält. Erlauben Sie aber, zuerst mich über den Begriff von einer Knospe im Allgemeinen zu erklären, da es bey einigen un⸗ vollkommenern Pflanzen allerdings zweifelhaft seyn kann, ob man ein Körperchen, durch welches das Gewächs sich fortyflanzt, Knospe oder Saamen nen⸗ nen soll. Knosoen nennen wir Entwürfe der künftigen Pflanze, oder eines einzelen Zweiges, die durchge⸗ hends ohne gemeinschaftliche Wirkung verschieden gebildeter Befru chtungo⸗ ⸗Werkzeuge entstehen, woge⸗ gen Saamen allezeit die Aüsennenwans dieser Organe erfordern. Dies kann man freylich in man⸗ chen unvollkommenern Pflanzen nicht bestimmt un⸗ terscheiden, bey denen die Werkzeuge der Befruch⸗ tung noch nicht entdeckt sind: es ist also bey diesen auch zweifelhaft, ob man die vorhandenen saamen— ähnlichen Körper für wirkliche Saamen oder für Kno— spen halten soll. Bey Flechten und Schwämmen we⸗ nigstens ist es vor der Hand völlig ungewiß, ob sie sich auch durch Saamen oder bloß durch Knospen erzeugen. 25⁸ Ein Hauptunterschied der Knospen und Saamen liegt darin, daß jene aus einer gleichartigen Masse, wenigstens anfangs, bestehn, die einen Theil der Mut⸗ terpflanze ausmacht. Aber in allen Saamen finden wir den eigentlichen Keim von andern unterschiede⸗ nen Theilen umgeben: in einigen vom Eyweiß, in andern vom Eydotter, in allen aber von den Saa⸗ menlappen; und diese Theile sind, mie der Keim selbst, von der Mutterpflanze genau unterschieden. Dage⸗ gen kann man bey Knospen bloß Blätterhüllen er⸗ kennen, die den Entwurf der künftigen Pflanze oder des künftigen Keims umgeben und als Fortsetzun⸗ gen oder Verlängerungen der Mutterpflanze selbst zu betrachten sind. Dann liegt auch ein wichtiger Unterschied der Knospen und der Saamen darin, daß, wenn diese keimen, sie meistens zuerst ein oder zwey Blätter trei⸗ beu, die man Saamenlappen nennt, und die gewöhn⸗ lich bald abfallen, ehe die Pflanze selbst heran wächst. Davon bemerkt man beym Keimen der Knospen kei⸗ ne Spur. Endlich wissen Sie, gnädige Frau, daß alle Ge⸗ wachse, die durch Knospen und Zwiebeln, durch Ab⸗ leger, Stecklinge und Impfreiser gezogen werden, den M aß al siht vu Ii blß sihe Gumeh uschaf du Mtt tite d ziehen nie B. letten hen o nd ste %/ det . Eiz Maupn falgen beh d Halli 6 zuhg Hebrge Eiuhn der Nuh men firdg uterschiede Hheiß, i den Ehv deim sehhß u. Daht chücen 85 un Frisehu alhze fiht schied de Wenn diet litter tti gehͤl U wichf. uspen ku⸗ lle G uch Al wedden, den Mutterpflanzen vollkömmen gleich bleiben, und daß auch selbst ihre zufällige Eigenschaften, die Far⸗ be der Blüthen, der Geschmack der Früchte u. s. f.; nicht verändert werden, weil man die jungen Pflan⸗ zen bloß als Verlängerungen der Mutterpflanzen an⸗ sehen kann. Alle Gewächse hingegen, die man aus Saamen erzieht, ändern sich in ihren zufälligen Ei⸗ genschaften, obgleich die wesentlichen Bestimmungen der Art dieselben bleiben. Kann man wohl irgend eine edle Obstsorte mit Sicherheit aus Saamen ziehen? Apfelkerne geben zwar immer Apfel⸗, und nie Birnbäume; aber daß gerade die Kerne von Rei—⸗ netten, Calovillen und Pepins dieselben Sorten ge—⸗ ben sollten, ist wohl noch nicht bemerkt worden, und steht auch schwer zu glauben. Da nun die Far⸗ be, der Geschmack und die Größe des Apfels zufäl⸗ lige Eigenschaften sind; so folgt daraus, daß die Pflanzen, aus Saamen gezogen, leicht in ihren zu⸗ fälligen Eigenschasten verändert werden, welches bey denen, die aus Knospen gezogen sind, nicht der Fall ist. Ein merkwürdiger Umstand bey dieser Fortpflan⸗ zung durch Knospen ist der, daß die dadurch hervor gebrachten Gewächse auch die Krankheiten der Mut⸗ 24⁰ terpflanze haben, und daß durch die fortdauernde Ver⸗ vielfältigung der Sprossen endlich eine allmählige Schwächung und Ausartung der Pflanze veranlaßt werden können. Jenes, daß Krankheiten der Gewächse sich auf diese Art fortpflanzen, ist sehr begreiflich, in—⸗ dem alle zufällige Eigenschaften der Mutterpflanze sich auch bey dem Sprößling finden, und die Erfahrung be⸗ stätigt dies bey Obstbäumen, wie bey Kartoffeln. Die letztern ziehn wir gewöhnlich aus Knollen, und diese sind nichts anderes als Knospen. Daß auch durch eine immer fortgesetzte Vervielfältigung durch Knospen die Gewächse selbst immer schwächer werden und endlich ausarten, erhellt daraus, weil alle diese Sprößlinge doch nur Verlängerungen desselben Urstammes sind, dessen Lebenskraft durch diese häusige Vervielfältigung endlich abnehmen muß. Eine bloße Idee ist dies nicht, sondern die Erfahrung hat es bey den Kartof⸗ feln bestätigt; die letztern hat man dadurch wieder veredelt, daß man sie von neuem aus Saamen gezo— gen hat. Nach diesen allgemeinen Betrachtungen wenden wir uns zu den eigentlich so genannten Knosben oder Augen der Bäume und holzigen Pflanzen. Nur bey baumartigen und holzigen Gewächsen kommen Kno⸗ Wuendedn, e Hlwihhh begreiflich kterpfae sh Erfahrugt irtoffch. A. en/ nd dih uch durch sn Knospah n und est se Enpfh iammes sih Wdiellälttun ee is x LIXLL durch M amen noen vaa ubshen dle 1. Nu nmsen H —— 241 spen vor. Und auch bey diesen ändert sich ihre Form so sehr ab, daß sie bald sehr hervor ragen und sich ausbilden, wenn noch das vorige Blatt oder der alte Zweig grüͤnt; bald zeigen sie sich erst über der Ober⸗ flaäche, wenn der Zweig oder das Blatt zu wachsen aufhört; bald brechen sie erst durch, nachdem die Blätter oder die Triebe abgefallen sind; bald end⸗ lich scheinen die Blätter, Blüthen und Triebe aus gar keinem Auge hervor zu kommen. Man hat ehemals allen den Bäumen und Stau⸗ den die Knospen abgesprochen, welche vor dem Ab⸗ fallen der ältern Theile keine neue Augen zeigen. Es haben sogar einige ältere Botaniker(Ray und Pontedera) geglaubt, daß man darnach die Bäu⸗ me überhaupt eintheilen könne, ob sie Knospen hät⸗ ten, oder nicht. Selbst der große Vater der Bota⸗ nik, Linn é, behauptete, daß alle Pflanzen aus hei⸗ ßen Himmelsstrichen keine Augen änsetzten, weil der Nutzen der Knospen, die jungen Triebe vor dem nachtheiligen Einsluß der Winterkälte zu schützen, bey ienen Gewächsen wegfalle. Indessen wird man diese Meinung bald als ir⸗ rig, wenigstens als zu voreilig erkennen, wenn man vedenkt, daß unzählige Bänme aus heißen Him? Erste Sammlung. 16 Ausbildung der Knospen beyzutragen. Selten 01 melsstrichen wirkliche Aug en haben, die nur so lan⸗ ge in der Rinde verborgen bleiben, bis die ältern Blätter adrriihen sind. Die genaue Beobachtung vieler holziger Treibhaus-Pflanzen kann dies täglich lehren. Nur einige wenige, die Palmen zum Bey⸗ spiele, haben wirklich keine Augen, da sie bloße Blät⸗ ter und keine Aeste treiben. Auch bey den Bäumen und Sträuchern unsers Vaterlandes bemerken wir, daß bey einigen bloß die Blätter, bey andern nur die Blüthen aus Knospen hervor kommen. Die Erle treibt nur Blätter aus ihren Augen; die Blüthen kommen ohne diese her⸗ vor. Die Birfe dagegen und die Haselstande treiben die Blätter und die Griffelblüthen aus euospen; die Kätzchen aber erscheinen ohne sie. Der Ort, wo die Knospen bey den meisten un⸗ serer Bäume erscheinen, ist der Blattwinkel. Nach dem Sommer⸗Stillstande der Sonne zeigen sie sich ge⸗ en an der obern Seite des Blattstiels, und erden oft von diesem so eingeschlossen, daß man sie anfangs kaum gewahr wird. Der Blattstiel ist d ausgehöhlt, Wo die Knospen auf ihm Uegen, und diese Aushöhlung scheint selbst zum Schutze und zur nut su u/ die ath Beohräfunz dies tigich zum Baj lohe Yit ern unserz bloz die Kuospen Dlätter aut e diese her ude thiht uiospen; meiften un slel, M6 sie sich iels daß mun lattficli liegeu/ I 66 und n e fd 243 die Fälle, wo man am Stamme oder an den grö⸗ ßern Aesten den Ausbruch der Knospen gewahr wird. Dies geschieht bisweilen bey unsern Fruchtbäumen und ist ein Zeichen eines unregelmäßigen Wachs-⸗ thums, weßhalb die Gärtner dergleichen Augen weg⸗ zuschneiden pflegen. Auf den Molucken, auf den Süd⸗ see-Inseln und in Ostindien giebt es aber mehrere Bäume(Aoerrloa Bilimbi, Moelistaurum ramiflo- rum und Gnometra caulilora)/ die ihre Blüthen⸗ knospen aus den dickesten Sweigen treiben. Jedes Auge besteht aus einer Menge von Hül⸗ len, die regelmäßig in einander eingreifen oder in einander gefaltet snd, und in deren Mitte der künf⸗ tige Zweig oder die künftige Blüthe eingeschlossen ist. Ich habe Ihnen eine Zeichnung von der Knospe der Roßkastanie beygelegt, wo Sie die in derselben befindlichen Theile durch die dreyfache englische Lou— pe vergrößert dargestellt fsinden. Fig. 25 4. ist der senkrechte Schnitt der Kuospe. Hier bemerken Sie funf bis sechs Hullen über einander,(von a bis b.) von deuen die äußerste braun, die innern grünlich sind, aber immer weißer werden, je weiter sie nach innen stehn. Noch deutlicher sehn Sie diese Hül⸗ len Fig. 25, b, wo sie aus einander gefaltet sind 160 244 Diese Hullen sind gewöhnlich mit einem harzigen Wesen überzogen, vermöge dessen sie auch zusam⸗ men kleben; diese härzige Feuchtigkeit hat einen star⸗ ken Geruch, und in den meisten Pappeln ist der Ge⸗ ruch der Rhabarber ähnlich. Innerhalb dieser Hül⸗ len bemerken Sie(Fig. 25, a, d.) die Blätter selbst, so gesingert und geriffelt, als sie in der Folge er— scheinen, wie Sie es auch in 25, 6, sehen können. Diese Blätter kommen(c) aus einem verdickten Blattstiel hervor. Sie sind ringsum mit einer dich⸗ ten, weißen Wolle umgeben,(t.) die Sie auch 25, b und/&, bemerken. In der letztern Figur ist eine Stelle des Blattes von der Wolle entblößt, um die Bildung des Blattes zu erkennen. Innerhalb aller dieser Bedeckungen liegt nun der Schützling der Na⸗ tur, in der Wolle, wie in einer Wiege eingehullt: ich meine, die Blüthentraube(e) mit allen einzelen Blüthen, von denen Sie eine Fig. 25,&, bemer⸗ ken werden. Ich habe deßwegen die Kuospe dieses Baumes gewählt, weil man hier die einzelen Thei⸗ le welche eine Knospe ausmachen, am deutlichsten und schönsten sehen kann. Uebrigens ist die Bildung der Knospen bey andern Bäumen allerdings abwei⸗ chend; doch fehlen die Hllen, welche auswendig harsan uch zuun eilen sun is de ge⸗ dieser Hij litter sobz Folge g en können verdickta einer digz ie guch 3 hur is ein It/ um N. Ahalh al ing dir Y eingehült. len eitzelt d, bein ushe ist zelen Lhe deutlichsu ie ldug 105 Abnel guwendi 245 braun und derb, inwendig aber weißlich und zart sind; es fehlen die Wolle und die eingewickelte Be—⸗ schaffenheit der Blätter niemals. Der Nutzen dieser umhüllenden Schuppen fur den Keim, den sie einschließen, ist sehr groß. Sie bewahren die zarten Blätter und Blüthen vor dem schädlichen Einfluß aller äußern Dinge, indem sie die erstern so dicht einschließen, daß weder Luft noch Feuchtigkeit eindringen kann. In der That hat man Wochen lang Knospen von der Roßkastanie in Was⸗ ser gelegt, und sie sind nicht feuchter geworden, wenn man den Schnitt des Stiels nur verfiegelte. Auch verhindern die Schuppen die schnelle Verdunstung des Keims und das Austrocknen desselben. Indessen scheinen sie alle doch nicht so unumgänglich noth— wendig zu seyn, daß man nicht einige der äußersten sollte wegnehmen können, ohne daß der Keim davon litte. Senebier bemerkte, daß nach Wegnahme der äußersten Schuppen die innern bald auch an— fingen sich braun zu färben und nun die Stelle der äußern vertraten. Bey unsern Obst⸗ und Waldbänmen unterschei⸗ det man die Frucht⸗ von den Holzaugen da⸗ durch, daß die erstern dicker und kolbiger sind und die Keime der künstigen Blüthen enthalten, wogegen die letztern nur Blätter enthalten und sich durch ihre dünne und spitzige Beschaffenheit auszeichnen. Die Holzaugen entstehn durch den aufsteigenden Trieb der Säfte und hängen auch mit den Holzfasern zufammen. Die Fruchtaugen hingegen werden durch die absteigenden Säfte gebildet, und entstehn aus der Rinde. Erlauben Sie, meine theure Freundinn, daß ich dies genauer aus einander setze, da wichti— ge Folgerungen aus diesem verschiedenen Ursprunge der Holz⸗ und Fruchtaugen hergeleitet werden kön⸗ nen. Dle Fruchtaugen so wohl als die Holzaugen zeigen sich da, wo eine Anhäufung von Säften statt findet. In den Stämmen der meisten Bäume und anderer Gewächse hat die Markhöhle Scheidewände, in welche sich selbst Holzfasern hinein ziehn, und diese Scheidewände gehn auch quer durch die Holz— lagen und durch die Rinde durch. Aus diesen Schei⸗ dewänden eutstehn die Knospen: denn durch diesel⸗ ben mussen der Aufenthalt und ihre Verarbeitung, es muß dadurch der Seitentrieb der Säfte vorzüglich befördert werden. Die Fruchtaugen entstehn überdies noch aus einem besondern Wulste in der Rinde, der Hulistsen erden hurh Itstehn aut Freundint, da wichth Ursptuse werhen Hůy e Halhagn Sästen ii Baume in heideninh, ziehn i die H jesen Echt urch destb ebeituntz botzüglh u übetdis Ride/ x 247 die Anhäufung der Säfte an dieser Stelle und ihre Reigung zum Seitentriebe anzeigt. ö Je lebhafter die Bewegung der aufsteigenden Säste ist, desto reichlicher zeigen sich Holz⸗, aber keine Fruchtaugen: je regelmäßiger die Bewegung der Säste in der Ninde ist und je mehr die letztern zubereitet sind, desto eher zeigen sich Fruchtaugen. Manu findet daher, daß junge Bäume selten blüͤhn und Früchte tragen, weil sie noch nicht gehörig ge— wurzelt haben, weil also die absteigende Bewegung in der Rinde noch nicht regelmäßig genug ist. In unsern Treibhäusern können wir die ausländischen Bäume selten zur Blüthe und zum Fruchttragen bringen, weil sie in den kleinen Kübeln nicht genug sich bewurzeln können, weil auch die Luft, die ihre Blätter einziehn, nie so voll nährender Theile ist, als wenn sie in ihrem Vaterlande der freyen Atmo⸗ sphäre geniesen. Dagegen ist man im Stande, manche Bäume, die nichis als Holzaugen ansetzen, zum Fruchttragen zu nöthigen, wenn man sie ver⸗ schneidet, das heißt: weun man den zu starken Trieb der aufsteigenden Säfte mäßigt und den Seitentrieb nach der Rinde befördert, indem man ihnen die so genannten Wasserreiser wegnimmt. Auch pflegt man 248 Einschnitte in die Rinde zu machen, welches einige Gärtner Schröpfen nennen. Dadurch werden die Säfte der Rinde im Absteigen aufgehalten und ge⸗ nöthigt, sich anzuhaufen und einen Wulst zu bilden, durch den der Seitentrieb befördert wird. Buffon unterband die Rinde eines Obstbaums, und zwang ihn dadurch, ebenfalls Früchte anzusetzen. Einige wollen auch dergestalt ihren Zweck erreicht haben, daß sie Spalier⸗Bäume niederbanden, die dann weit eher Fruchtaugen ansetzten, als wenn sie senkrecht ge⸗ zogen wurden. Wahrscheinlich bewirkt in dem letz⸗ tern Falle die gezwungene Stellung der Aeste einen lebhaftern Seitentrieb und das Hervorkommen der Wülste. ů So lange der gewöhnliche Trieb der Säfte in den Bäumen ist, bleiben die Knospen wie sie sind: aber wenn die Wärme als ein mächtiger Reiz die Pflanzenfasern in mehrere Thätigkeit setzt, dann schwellen die Wülste, worauf die Fruchtaugen sitzen, mehr an, und die Schraubengänge, aus denen die Holzaugen entspringen, führen den letztern mehr Säf⸗ te zu. Je mehr der Wulst und die Scheidewand der Markhöhle anschwellen, desto weniger können die Schuppen der Knospen geschlossen bleiben; sie klaf⸗ —p lches aunt wverden di hn und in Buffu und zrug ell. Eilig icht habe e dann wat senfrecht gy in dem Ii Aeste eing ommen da Sist i ie sie suh Reiz N tt/ dun igen sshen denen de maht Eij ewand du Iunen de II ö 2249 fen endlich oben von einander, und die Blüthe oder der junge Trieb tritt hervor. Nun sind auch die Schuppen nicht mehr nöthig; sie fallen, wenn der Trieb zum Theil sich entwickelt hat, als unnütz ab. Dies ist, meine theureste Freundinn, kürzlich der Bau der Knospen und die Oekonomie der Natur in denselben. Von den Zwiebeln und den übrigen Knospen unter der Erde werde ich die Ehre haben, Sie in meinem nächsten Briefe zu unterhalten. XVI. An eben dieselbe. Warum ich die Zwiebeln zu den Knospeu rechne, davon liegen die Gründe in dem überein stimmeyden Sau und in der ähnlichen Bestimmung beider. Die Zwiebel ist mit eigenthümlichen Hüllen oder Schup⸗ pen umgeben, wie die Knospe: unter diesen sind die Blätter befindlich, die sie hervor treibt; und in der Mitte aller dieser Umgebungen ist die künftige Pflan⸗ ze, welche, geschützt durch alle diese Hüllen, hervor treibt, wenn die Zwiebel von ihrem Mutterkörper ge⸗ trennt ist. Was der Wulst bey Knospen ist, das ist der feste Grundkörper bey Zwiebeln; und so wie Psssssssssssst. v . ö * * 25⁰ die Knospe nur Wurzel schlagt, wenn sie, von der Mutterpflanze getrennt, der Erde anvertraut wird, so treibt auch die Zwiebel nur Wurzeln, wenn sie sich von der Mutterzwiebel abgerissen hat. Doch ich will genauer über das Alles ins Einzele gehen. Sie sehn hier,(Jig. 26,) gnädige Frau, den senktechten Schnitt einer Hyacinthen-Zwiebel, die nicht wächst, sondern in Ruhe ist. Sie unterschei⸗ den an derselden folgende Theile:— a eine feste runde Scheibe, die Grundlage der ganzen Zwiebel und das wesentlichste Stück dersel⸗ ben, welches zuerst entsteht, und ohne das man keine Zwiebel denken kann.* d Eine Menge Schuppen von weißer Farbe mit einem klebrigen und scharfen Safte durchzogen, die alle aus der runden Scheibe entspringen, und zwischen denen Sie hier und da— cdie Ansätze zu den eigentlichen grunen Blät⸗ tern bemerken. In der Mitte aller jener einhüllen⸗ den Schuppen und Blätter sehn Sie e den künftigen Blüthenschaft mit dem Ansatz zu der ganzen Blumentraube; und endlich seitwärts an der runden Scheibe kommen in b die Ansätze ber Brutzwiebeln hervor. ö 3uie haß Rht Ruß ust 1 ile I M sievuß dy eittaut ich Iu, Hoh sj hat. Dih nzele gehez e Fiau/ d wiebel, N e unterschn rundlage h Stück dͤsch as man lune weißer Inie e dutchzugeh uingen, Rrine li, ehüle⸗ deti M ch seituith Nste d 251 Dies sind die wesentlichen Theile einer jeden Zwiebel, und merkwürdig ist dabey der Umstand, daß die junge Brut nie anders als in horizontaler Richtung aus der runden Scheibe hervor kommt. Bloß seitwärts, ich wiederhole es, nie über oder un⸗ ter sich, erfolgt die Förtpflanzung der Zwiebeln. Jun⸗ ge Brut setzt eine jede Zwiebel an, wenn sie erst hinreichend ausgewachsen ist und genugsame Nah⸗ rung hat; auch wird sie durch diese Seiten⸗Fort⸗ pflanzung keinesweges erschöpfst. Die junge Brut bleibt an der Zwiebel hängen, bis sie selbst Wurzel geschlagen hat, dann trenat sie sich von dem Mut⸗ terkörper und lebt ihr eigenes Leben fort. Ich habe dem ersten Entstehen der Zwiebel und ihrer ursprünglichen Bildung nachgespürt: aber es ist mir hiebey so Manches entgangen, was ich gern näher aufgeklärt wünschte, daß ich mir nicht getraue, etwas Befriedigendes darüber vorzutragen. Die runde Scheibe, welche die Grundlage jeder ächten Zwiebel ausmacht, besteht, so viel ich habe untersuchen können, bloß aus dichtem, gedrängtem Zellgewebe. Nur an dem obern Theile, wo der Blumenschaft hervor treiben soll, finden sich Schrau⸗ bengänge, wie sie sich überall zeigen, wo ein Trieb 25² nach oben zu erwarten ist. Aber merkwürdig sind die Schärfe und Klebrigkeit der Säfte, die die Zwischen⸗ räume der Zwiebelschuppen ausfüllen und die auch in dem dichten Zellgewebe der runden Scheibe befindlich find. Sie zeigen einen beträchtlichen Grad von Con⸗ ceutration und einen reichen Gehalt solcher Stoffe an, wodurch das ganze Gewächs und die Seitenspros⸗ sen der jungen Brut ernährt werden sollen. Die jüngste Zwiebelbrut, die ich untersucht habe, bestand bloß aus der Substanz des festen Körpers, welcher die Grundlage der ganzen Zwiebel ausmacht. Die Spuren der eigenthümlichen Zwiebelschuppen zei— gen sich erst, wenn die Brut schon aus dem Mutter⸗ körper heraus getreten ist und nur noch durch einen Kanal, durch eine Art von Wurzel, mit der Mutter zusammen hängt. Die Zwiebelschuppen, wahre Verlängerungen des sesten Körpers oder der runden Scheibe, sind in der frühen Jugend der Brutzwiebel völlig geschlossen; noch bemerkt man keinen Ansatz zum Blumenschaft in ihrer Mitte: sie verlängern sich, je mehr der feste Körper wächst und anschwillt, desto eher in die eigent⸗ lichen Zwiebelblätter, wenn nämlich vorher die Wur—⸗ zeln sich aus dem untern Theile des festen Körpers Die Hugen liune. 3n Di n dn N f. M d ih fun Ipich h) falon l ld er hanelt Eh uuun sisend imm 6 Lunh. usin aliht vindiz in die Zuithe Ild die auchz Heibe befihhh rad oun dy solchet Kiß e Geitensen len. uersucht hih esten Kötttz ebel auenntt elschutye/ dem Multh h durch ein it der Nun Hgetunget l e/ sind in e geschloset Bluenshat iehr det fie Ndie eihet die Nu sen Kmet 25³3 in die Erde gesenkt haben. Bey manchen Zwiebeln, die weuiger Schuppen haben als die Hyaeinthe, ver⸗ längern sich die letztern nie in Blätter; sondern nach längerer Zeit bilden sich die Ansätze zu den eigentli⸗ chen Blättern zwischen den Zwiebelschuppen, und wer⸗ den dergestalt von dem anschwellenden festen Körper in die Höhe getrieben. Nur, menn die Zwiebel ihr gehöriges Alter und ihr fester Hörper hinlängliche Festigkeit, Aus⸗ dehunung und Kraft erlangt, wenn auch zugleich die Zwiehel eine beträchtliche Menge Blätter getrieben hat, fängt der Blumenschaft an dem obern Theil des festen Körpers und in der Mitte jeuer Hüllen sich zu bilden an. Die runde Scheibe treibt ihn hervor, und er hinterläht auch, nachdem er abgeblüht hat und verwelkt ist, eine verwesete Stelle am obern Theile der Scheibe, und diese Spur der Verwesung muß, wenn mehrere solcher Blumenschäfte aus demselben festen Körper hervor getrieben sind, endlich die Zer⸗ störung des letztern herbey führen. Sobald nach dem Verwelken der Blumen der Trieb der Säfte des sesten Zwiebelkörpers nach vben aufhört, fängt der Seitentried von neuem an: die ab geblühten Hyacinthen setzen neue Brut an, und man ö E darf sie in diesem Geschäfft durchaus nicht stören, in⸗ ö dem man sie etwa stark begiezt. Dies Begleßen wür⸗ aun de den Trieb nach oben zur Unzeit befördern: der fe⸗ ö uuru ste Körper und die ganze Zwiebel müßten faulen. Die stille verborgene Thätigkeit der Natur in Beförderung f des Seitentriebes der Zwiebeln und des Ausetzens jun⸗ 44 ger Brut bedarf keiner andern Beyhülfe der Kunst, Wn als daß die Zwiebel hinreichendes und gutes Erdreich 13 habe. ö Iichel Merkwürdig ist das gegenseitige Verhältniß, wor⸗ and in dieser Seitentrieb und das von demselben abhän, gende Ansetzen junger Brut zu dem Hervortreiben der 1u Blüthen steht. Viele Zwiebeln blũhu, ohne frucht⸗ fn baren Saamen anzusetzen, weil nämlich der Seiten⸗ Hin trieb immer stärker als der Trieb nach oben ist. Rur sen alte Zwiebeln, oder sehr kräftige, volle und gedrängte, pflegen guten Saamen zu geben: jene, weil der Sei⸗ hfu entrieb erschöpft ist; und diese, weil sie Kräfte genug haben, um auch außer dem Seitentriebe nach oben udün gehdrig wirken zu köunen. Man pflegt sogar, um gu⸗ schi ten Saamen von einer Zwiebelblume zu erhalten, ihr h die Brut zu nehmen, oder die Zwiebel in einen en⸗ l gern Topf zu stellen, wo sie verhindert wird, sich durch den Seitentrieb fortzupflanzen. cht füg y Bigleßen uth Urdem: dn 0 u frulen. d in Brptdett Ausetzens u lse der Kuß gutes Etdunh hältuiß, uin njelben ahů ebortreiher h. ohne suuch ich der Ett oberx is. W und gekrietz Veil der e Kräste yin ehe nach k sogat/ A XIII i Aitt ritd/ ü 25⁵. Dies ist kürzlich die Einrichtung der Zwiebeln. Lassen Sie uns auch noch andere Formen der Kuospen unter der Erde betrachten. Es giebt nämlich außer den itzt beschriebenen ächten Zwiebeln auch noch unächte oder feste Zwiebeln, die sich dadurch von den er⸗ stern unterscheiden, daß sie keine Schuppen bilden, und daß die junge Brut nicht wagerecht, sondern über der Mutterzwiebel hervor treibt. Der Name: seste Zwiebel, lehrt schon, daß man hier keinen ähnli⸗ chen Bau als bey der ächten Zwiebel annehmen darf. In der That besteht die feste Zwiebel aus einem fe⸗ sten Körper, der auch ihre Grundlage wie bey der ächten Zwiebel ausmacht: mitten durch diesen festen Körper geht die Anlage zum Stamm durch und treibt — nten Wurzein und oben Blätter. Umgeben wird d feste Körper von einem lockern Zellgewebe, welches die Erdfeuchtigkeit aufzunehmen und sie dem sesten Kör⸗ per zuzuführen scheint. Durch dieses lockere Zellgewe⸗ be dringen zuerst die Wurzeln des Stammes, ehe sie sich in die Erde senken. Es hat dies Zellgewebe aus⸗ wendig mehrere freye Häute, die sich, wie die Zwie⸗ belschuppen, in Blatter verlängern. Solche feste Zwiebeln können Sie am besten bey der Zeit 16 — — 2 2 2 —* — — — suchen, die auf allen unsern Wiesen steht und die schönste Herbstzierde derselben ist. 256 Dann gehören noch zu den Knospen unter der Er⸗ de die Knollen, wie wir sie bey der Kartoffel ge⸗ wahr werden. Sie bestehn auch aus einem festen Körper und einem ihn umgebenden Zellgewebe, aber beide Theile sind nicht immer zu unterscheiden. Be⸗ sonders kann man dies nicht, wenn sie vollkommen ausgewachsen sind. Untersuchen Sie aber eine Kar⸗ toffel, wenn sie erst anfängt zu treiben; so werden Sie dicht unter der Haut einen fleischigen Rand bemerken, der in seiner Mitte einen festern Kern hat, welcher mit dem festen Körper der achten Zwiebeln überein kommt. Wenn die ächten Zwiebeln nur zur Seite, die festen Zwiebeln nur nach oben die junge Brut trei⸗ beu, so setzen die Knollen ihre Brut nach allen Seiten au, so daß man sie bey der Kartoffel und bey der Gly⸗ eint wie Rosenkränze ausgebreitet sindet. Die Brut⸗ knollen bleiben auch mit dem Mutterkörper durch wur⸗ zelartige Verlängerungen beständig in Verbindung, und trennen sich nicht von ihm, bis er selbst verweset ist, statt daß ächte und feste Zwiebeln der Verbindung mit der Mutter nach einiger Ausbildung nicht mehr zu bedürfen scheinen. Bey den ächten und festen Zwie⸗ beln treibt immer nur der untere Theil des festen Kör⸗ pers die Wurzeln; aber die Kuolle s chlagt nach allen sst 30 I0 Enneh! Rseh hnch I Heg Su N NI el uter dat antusl/ eiuen fit lgewebe, al ischeden. V. se volkunmz aber eiue dy so werdend Lund bemerlg u hat, alcz riebehn iatt nur zur Es junge Buth ach allen Eiih uud bey uud et. Di d wet dunth uu in Vetbindun stlbt vmst der Virbalo ing uht x und fe De feßengi ligt unc al 25⁷ Seiten Wurzeln. Bey der ichten Zwiebel erfolgt die Verwesung zuerst an dem Theile, wo der Blumen⸗ schaft geseisen hat, und breitet sich von da weiter aus; die Knollen aber gehn ihr auf eine weit mannig⸗ sach're Art entgegen, indem sich von allen Seiten Spuren derselben vom äußern Rande bis in den Kern erstrecken und allmählig weitere Fortschritte machen. Die Zwiebeln so wohl als die Knollen treiben ihre Brut nicht immer unter der Erde, sondern oft auch über der Erde, und bisweilen ist der ganze Stamm in den Blattwinkeln mit kleinen festen Zwie⸗ beln und Brutknollen besetzt. Bisweilen findet man auch zwischen den Blumen selbst die Brutzwiebeln. Sie kennen die Rockenbollen oder den Schlangen-⸗ Knoblauch, und wissen, wie reichlich dieser oben an den gekrümmten Schäften Brutzwiebeln trägt; in⸗ dessen sind die letztern nicht immer genau der Mut⸗ terzwiebel oder Knolle ähnlich. Die Blumenzwie⸗ beln der Röckenbolle können zwar wieder gesteckt werden, aber sie tragen nur im andern Jahre ihre Saamen-⸗-Zwiebelchen, wogegen die Zwiebelbrut un⸗ ter der Erde sie alle Jahre bringt. Dies ist, gnädige Frau, das Wichtigste über den Bau und die Einrichtung der Zwiebeln und Knollen. Erste Sammlung. 17 25⁸ XXAII. An eben dieselbe. Die Lehre vom Bau, von der Einrichtung und vom Nutzen der Blätter ist eine der wichtigsten in der gan⸗ zen Botanik, da die Natur auf diese Theile die größ⸗ te Sorgfalt verwandt zu haben scheint, und auch nur wenige Gewächse derselben entbehren. Ich werde mich bemühen, Ihnen, gnädige Frau, Alles, was ich über diese wichtige Werkzeuge der Pflanzen weiß, mit möglichster Bestimmtheit und Klarheit darzule⸗ gen. Sie werden alsdann einsehen, daß die Blätter nicht bloß durch die Schönheit und vielfache Abände⸗ rung ihres lieblichen Gruns unser Auge ergötzen, son—⸗ dern auch in der großen Haushaltung der Natur den mannigfaltigsten Nutzen hervor bringen. ö Wir wissen alle, was wir Blätter nennen: doch möchte es wohl nicht unnütz seyn, eine kurze Bestim⸗ mung derselben zu geben, da bey manchen Pflanzen Zweifel entßehen könnten, was Blatt genannt wer—⸗ den soll. Jede grüne, mehrentheils breite und dünne Fläche eines Gewächses nennen wir nämlich Blatt. Grun sind die Blätter fast durchgehends; und wenn enige grau oder weiß erscheinen, so ist dies Folge e fch. seilz Mh H AI Rld Iu ine da HA 259 des wolligen oder haarigen Ueberzuges, unter wel⸗ ö chem man dennoch die grüne Fläche gewahr wird. Betrachten Sie z. B. ein graues Levkojen⸗Blatt ge— tung und nn nauer, so werden Sie, nach Wegnahme der wunder— n in det gu⸗ ö in bar gestalteten Haare, dennoch eine grüne Oberfläche heile die gi bemerken. Durch Krankheit und vervielsfältigte Cul- und auch in ö tur verändert sich die grüne Farbe ebenfalls: wir ha⸗ Ich vah Alles, g Pflanzen uh arheit danut ben rothen und blauen Kohl; die Blätter des Buchs⸗ baums, des Ahorns, der amerikanischen Aloe werden oft mit gelben oder weißen Rändern besetzt, die sie im natürlichen Zustande niemals haben. Doch giebt aj ve din es einige wenige Gewächse, deren Blätter beständig siche Wi gelb oder röthlich sind, z. B. einige Sedum-⸗Ar—⸗ agöte in ten... Breit und düͤnn sind die Blätter mehren⸗ det Nuun theils, aber nicht immer: es giebt allerdings viele runde, dreyeckige, fadenförmige Blätter. Auch findet nennen: x man, daß manche Gewächse aus blattähnlichen Glie⸗ lurze Büt dern bestehn, die aber deßwegen keine Blätter sind, ichen Mam weil das ganze Gewächs aus ihnen zusammen gesetzt genaunt Re ist und sie die Stelle des Stammes vertreten. Er— ite und Ane innern Sie Sich nur an die indianische Feige, oder ulich Blatt den Cactus, dessen blattartige Glieder sich wie ein— 33 u v zele Gewächse fortpflanzen. i dies gll 17* 260 Wenigen Gewächsen fehlen die Blätter. Bey eini⸗ geu saftigen Pflanzen der heißen Himmelsstriche und dürrer Gegenden vertritt der ganz grüne, blattartige Ueberzug des Gewächses die Stelle der eigentlichen Blätter. Die afrikanischen Cuphorbien, die Caetus- Arten, die sibirischen Kalisträucher, unsere Orobanchen, unsere Lathrän, Monotropa haben keine Blätter, aber entweder sind sie ringsum mit grünen blattartigen Ue— berzügen bedeckt, oder sie haben doch gefärbte Schup⸗ pen, welche die Stelle der Blätter vertreten. Manche unvollkommene Gewächse aber haben gar keinen Er⸗ satz für den Mangel der Blätter, 3. B. die Flechten und Schwämme. Ueber die mannigfaltigen Formen der Blätter kann ich mich hier nicht erklären, da hier nur die Re⸗ de von dem Bau und der Oekonomie der Blätter seyn kann. Das erste, was man bey Untersuchungen des Baues der Blätter bemerkt, ist ihre Oberhaut, von der ich Sie zu einer andern Zeit unterhalten habe. Sie ist auf der untern Fläche der Blätter gewöhnlich etwas anders organisirt, als auf der obern. Dort ist sie nämlich mit einsaugenden Spaltöffnungen ver⸗ sehn, die sich seltener in der Oberhaut der obern ——.—.—— ba. Duy a lelsfrich u je/ Hattutiz er eigeutin 7 die Caeut, de duhndg Vläney iu lattattigeu l⸗ jefärbte Eiz leten. Mutt gar keine d B. die Flahn u der Vltt iet uur di d 1 der iinn tsuchunge Oberhgut/ R Herhalten gat tet geöhle m. Duli nungen ul zut der d 261 Blattfläche finden. Die letztere zeigt uns meistens nur das Zellgewebe mit regelmäßigen Zwischenwän⸗ den versehn. ö Der innere Bau der Blätter ist aus einem wunderbar gestalteten und verflochtenen Netze von Schraubengängen und aus ziemlich lockerem und re⸗ gelmäßig gebildetem Zellgewebe zusammen gesetzt. Jenes Netz von Schraubengängen nimmt seinen Ur⸗ sprung entweder aus dem Blattstiele, oder, wo die⸗ ser fehlt, aus den Holzfasern des Astes oder Zweiges. Pon der Grundfläche des Blattes erstrecken sich einige oder mehrere Rippen fächerförmig nach allen Sei— ten des Blattes, und diese Rippen bestehn aus zusam⸗ men gedrängten Bandeln von Schraubengängen: sie geben allen üͤbrigen feinern Rippchen ihren Ursorung, die sich nach allen Seiten zertheilen, sich wieder mit einander verbinden und mehreutheils in zwey oder drey Lagen über einander gefunden werden. Wegen des letztern Umstandes nimmt man gewöhnlich ein prles Gefäßhnetz in den Blättern au: ein oberes unb ein unteres. Allein oft findet man auch, besön⸗ ders in dichtern Blättern unserer Orangerie- und Lorbeer⸗ Bäume, ein drey- und vierfaches Netz; oft ist dies Netz in sehr zarten und dünnen Blättern nur V* ——— 26² einfach. Bis an den Rand des Blattes läuft dies Netz fort, und bildet hier die Zähne oder die gesäg⸗ te Beschaffenheit, oder, indem die feinen Schrauben⸗ gänge sich selbst über den Rand hinaus ziehn, die Haäre, Franzen und Stacheln, womit der Rand of besetzt ist. Da dieses Netz aus lauter Schraubengangen besteht, und diese weit mehr der Zerstͤͤrung wider⸗ stehn, als das lockere Zellgewebe, so stellt sich dieses Netz sehr schön dar, wenn man BVlätter einweicht, oder wenn sie im Herbste abfallen und lange Zeit der Feuchtigkeit des Bodens ausgesetzt, oder auch, wenn sie durch Insecten zerfressen werden. Sie ha⸗ ben, meine gnädige Frau, bey mir unvergleichliche Blätter⸗Skelette gesehn, die ich von unbekannter Hand geschenkt erhalten und unter Glas habe fas— sen lassen: Sie werden Sich des unbeschreiblich schö— nen Gewebes von Fasern erinnern, woraus diese mit bewundernswürdiger Kunst verseitigte Skelette be⸗ stehn. Ich machte Sie damals aufmerksam darauf, wie wenig man überall ein doppeltes Fasern⸗ Netz in den Blittern annehmen könne, da einige dieser Skelette offenbar nur ein einfaches, andere ein drey⸗ oder vierfaches Netz zeigen. 20³ lies Hust yj oder die Hsi⸗ nen Sttuinj Aber sehlt nicht manchen Blättern dieses Netz** don Schraubengängen? Man sollte meinen, wo kei⸗ . ne sichtbare Rippen in den Blättern seyn, da kön⸗ ne sich auch kein sölches Netz finden: allein ich n kann Ihnen Skelette von mehrern rippenlosen Blät⸗ tern zeigen, ig denen gleichwohl ein sehr schönes Fa⸗ Wrailai sern⸗Netz erscheint. Es bedarf aber auch in der rfituug ut That keiner gröbern sichtbaren Mittelrippe, damit, stelt sch Rig die Holzfasern sich in die Substanz des Blattes ver⸗ itler eimah langern und dergestalt das sehöne Netz von Schrau⸗ und ngt bengängen bilden. Doch kenne ich in der That man⸗ bt/ cder ath che Moose, deren Blätter nichts als eine zellige Flä⸗ Rden. Gi hy che zu seyn scheinen, in denen man wenigstens nicht unvergleihh die mindeste Spur von Schraubenguängen entdecken au wubckunt kann. Nas habt i Dies ist der einfache, sich immer gleich bleiben⸗ schtribucs de Bau der Blätter. Lassen Sie ans nun die Ge⸗ schichte dieser merkwürdigen Werkzeuge der Gewäch⸗ se, ihr Entstehen und ihr Abfallen betrachten. Erst aus biese t Eklete hy Ismm ul nach dieser Betrachtung werden wir besser im Stau⸗ gisen/ N de seyn, über die Verrichtungen und den Zweck der Blätter zu urtheilen. Bey unsern Garten und Waldbäumen liegen die Blätter den Winter hindurch in den Knospen ein⸗ einige Niit N ein dnn⸗ 204 gehüllt. Ihre nachherige Gestalt, mit allen Abwei⸗ chungen, findet sich schon in der Knospe. Wenn nun durch die zunehmende Wärme das Aufsteigen der Säfte zunimmt und der Wulst der Knofspe stärker anschwillt: so können die Knospen⸗-Schuppen, die ihren Ursprung aus jenem Wulste nehmen, nicht län⸗ ger geschlossen bleiben; sie klaßsen von einander; der zudrängende Trieb der Säste löset den Blättern ihre Fesseln. Vorher waren sie mannigfaltig zusammen gerollt oder gefaltet: von dem wohlthätigen Einfluß des Lichts, der Luft und des Thaues überall umge⸗ ben, entfalten sie sich und nehmen nun ihre bleiben⸗ de Gestalt an. ö Dieses Ausschlagen der Bäume erfordert einen gewissen Grad von Wärme, der in unserm Klima gewöhnlich 55 Grad des Fahrenheit'schen Thermo— meters ist. Aber nicht bloß dieser Grad der Tem— veratur, sondern noch mehr andere Umstände, die auf die Oekonomie der Bäume einen nähern Bezug haben, begünstigen oder verspäten das Ausschlagen. Wir wissen, daß, wenn der Winter sehr strenge ge⸗ wesen, der Grad der Wärme im Frühlinge mehrere Tage lang viel größer seyn kann; und dennoch schla— ben die Bäume nicht eher aus, als bis sie sich vol⸗ — ö 20⁵ t alen Wx N. Wauin Aufsigen AKuvipe ding Schunp lig erholt, d. h.: bis sie so viel Kraft gesammelt ha⸗ ben, daß der Trieb der Säfte regelmäßig erfolgen kann. Dann erst kann man mit dem alten mantua⸗ nischen Sänger des Landbaues sagen: —————„Der Zephyre lauem Gesäusel men, nidt hx„öffnen die Felder den Schooß: es berauscht sich alles einundyr 0 in Wachs thum. Bilättern Iu„Sicher auch wagen nunmehr der verjungeten Sonne die Utig zuiung ö W „sich zu vertraun: nicht scheut aufsteigende Süde das Weinlaub, hitign Eint übenllunn 20„noch vor gewaltigem Nord' ansausende Güsse des Re-⸗ in ihte llal gens: „Ringsum drangt es die Keim', und grünt mit ent— erfordert gen* fatteten Blättern.“ unsern Am Aber, ist der Winter gelinde gewesen, ist also schen Tany die Lebenskraft der Pflanzen, durch lange Entziehung rad da L der Wärme, nicht so sehr erschöyft worden; so be— Imstände/ N. dürfen die Bäume auch nur wenige Tage Frühlings⸗ nähemm. Bah luft, um sich sogleich mit Laub zu bekleiden. Schon Ausschlgt, daraus sieht man, daß die äußere Wärme nicht die 2 frne einzige oder hinreichende Ursache des Ausschlagens Inge mehiet der Bäume ist, sondern daß es dabey haupksächlich och l auf die Gesetze ihrer Lebenskraft oder, wie itzt die si sch di⸗ Gelehrten sprechen, ihrer Erregbarkeit ankommt. 26⁰ Die Lebenskraft der Gewächse ist dufs unzer⸗ krenulichste mit ihrem Bau, mit ihrer ganzen Orga, uisation verbunden: daher muß man auch auf die⸗ se Rucksicht nehmen, um daraus die bestimmte Zeit herzuleiten, in der gewisse Stauden und Bäume auszu⸗ schlagen pflegen. In unsern Pflanzungen pflegen die Lonieeren, die Stachelbeer-Büsche, die Spiräen und der Hollunder immer zuerst, zuletzt aber die Eschen, die Eichen und Buchen, die Acaeien, die Ahorn- und Weißdorn⸗Busche auszuschlagen. Den Grund dieser Verschiedenheit müssen wir ohne Zweifel in dem eitenthümlichen Bau und der damit innig ver⸗ bundenen eigenthümlichen Erregbarkeit der Gewuch⸗ se suchen, die zu ihrer Thätigkeit einer längern oder kürzern Wirkung der nothwendigen Reize bedarf. Merkwüürdig ist der Umstand, daß bey den mei⸗ sten Gewüchsen das Ausschlagen der Blätter mit dem Hervorbrechen der Blüthen in einem bestimm⸗ ten Verhältnisse steht. Die Haselstaude, die Birke, die Pappel, der Huslattig blühen erst, ehe sie Blät⸗ ter treiben. Unsere Obstbäume treiben Blüthen und Blätter zugleich. Andere wersen ihre Blätter ab, wenn sie blühn, und erhalten sie nachher wieder. Die schöne gefüllte chineische Kamille unserer Ge⸗ 267 i uint uy L gauzen V auch aus y wächshäuser(KAahemis artemislaefolia), unsere herr⸗ liche neuseeländische Sophora, der Theestrauch, und viele andere, sehen kränklich aus und verlieren oft besimntz völlig ihr Laub, wenn sie blühen wollen, erhalten GDiuneau es aber bald nachher desto reichlicher wieder. Mich ien ofeget dünkt, dies zeigt an, daß nicht dieselbe Thätigkeit ie Spithit ith Blüthen und Blätter hervor bringt, sondern daß die aber die eshez eine durch die andere aufgehalten wird. dit Mun Auch das Abfallen der Blätter im Herb⸗ . Del hun ste, diese merkwürdige Erscheinung, die jeden fein Hue Zoeis sühlenden Menschen mit moralischen Gesinnungen mit inriz rj erfüllt, verdient in mehr als Einer Rücksicht eine it der Heoich genauere Untersuchung. et lungen ai ů Man hat das Abfallen der Blätter gewöhnlich Reize kau loß durch den Einfluß änßerer Ursachen zu erklären 15 bey da un gesucht, ohne zu bedenken, daß auch diese Theile des i MMnr ut Gewächses ihre eigene Lebens⸗Perioden durchgehn, tiben Him nach deren Ablauf sie absterben, auch wenn keine be⸗ dde/ di Bil trächtliche Einwirkung äußerer Umstünde zu beschuldi⸗ „ chest 0 gen ist. Ein sehr berühmter Schriststeller erklött die Bihan Abfallen aus der im Herbste verminderten Ausbün⸗ Bliltr h stung der Blatter und dem dadurch bewirkten Au⸗ uchherihn schwellen und Platzen der Blattstiele. Er sucht dies un b noch mehr daraus zur beweisen daß auch, wenn im 268 Sommer die Sewächse zu stark begossen werden, sie anfangen sich gelb zu färben und endlich ihre Vlät⸗ ter verlieren. Allein es frägt sich immer, woher die⸗ se verminderte Ausdünstung im Herbste komme: es fräght sich, ob man das Anschwellen der Blattstiele von zu vielen Feuchtigkeiten im Herbste beweisen kann. So sehr ich hieran zweifle, so wenig kaun man das Abfallen der Blätter vom zu starken Be⸗ ießen als einen Beweisgrund für jene Meinung an⸗ weuden: denn mit eben dem Rechte könnte mau das Vertrockuen der Blattstiele, als die einzige ur⸗ sache des Abfalleus der Blätter, dadurch erweisen, weil Gewächse, denen man alle Nahrung entzogen hat, ebenfalls gelbe Blätter zu bekommen und sie adlich abzuwerfen pflegen. Ueberdies verlieren un— sere Topfpflanzen, als: Granat- und andere Bäume, ihr Laub im Herbste, wenn sie gleich ganz trocken stehn: so wie auch andere Bäume im Freyen zu be⸗ stimmten Zeiten ihr Laub verlieren, wenn die Wit— terung des Herbstes auch noch so trocken ist. Noch eine Erklärung von der Ursache des Ab⸗ fallens der Blätter ist eben so wenig haltbar, un⸗ geachtet sie beym ersten Anblick ziemlich viel Schein für sich hat. Man sagt nämlich: Während des Spät⸗ V osen dl alich ihre umer, uthe j üose kymmer 6 en det Metsih Herbse Hunsg Vsh nang zu siurg Y hene Mauut chte kitte u0 die ggeh) dadurch thesh Nahtung atz kommen ul ius Heliug x. dandete Bim lich Rj nih im Fe ve HM ocken i. Eisache d hllbar/ Ich nEte hrend RreI 269 jahrs entwickeln sich die Knospen in den Blattach⸗ seln und ziehn die Nahrung an sich, die der vorige Blattstiel sammt seinem Blatte sonst erhielt. Zugleich wird durch die anschwellenden Knospen der Blatt⸗ stiel gedrückt und auf solche Art unfähig zu seiner fernern Verrichtung gemacht. Diese Erklärung wür⸗ de viel mehr Gewicht haben, wenn wirklich bey allen Gewächsen, die ihre Blätter verlieren, die Knospen vorher sich in den Blattachseln zeigten: allein es giebt eine Menge Bäume, wo die Knospen so lange noch unter der Oberhaut verborgen bleiben, als die Blätter noch nicht abgefallen sind. Ich gebe indes⸗ sen zu, daß bey unsern Obstbäumen wirklich das Schwellen der Knospen etwas zur Lösung des Blatt⸗ stiels beyträgt: denn man kann deutlich wahrneh⸗ nen daß der letztere sich zuerst am obern Theile trennt, wo die Kunospe auf ihm aufliegt, und daß oft der untere Theil noch ziemlich fest sitzt, wenn der obere längst sich gelöset hat. Indessen, spürt man auch bey diesen Bäumen der Ursache des Ausbre—⸗ chens der Knospen nach, so findet man sie doch nur in der eigenthümlichen Lebenskraft der Gewächse ge— gründet, von deren Erlöschen in den ausgebildeten Vlättern ich in der Folge das Abfallen der Blatter 27⁰0 herleiten werde, und von deren verschledener Nich⸗ tung das Hervorkommen der Knospen abhüngt. Ich muß noch einer andern, erst neuerlich be— kannt gemachten Erklärung des Abfallens der Blaäͤt⸗ ter gedenken, die ein sehr verdienstvoller französischer Naturforscher, Vaucher, gegeben hat. Er meink nämlich: der Blattstiel komme nicht unmittelbar aus den Holzfasern, sondern aus einem Wulste, den die oben beschriebene Scheidewand der Markhöhle bil—⸗ det: wenn nun die Verholzung im Zweige gegen den Herbst zunehme, so könne der weiche Blatt⸗ stiel nicht mehr in der gewohnten Verbindung mit dem Zweige bleiben; er müsse sich desto eher lösen, je schneller und stärker die Verholzung zugenommen häbe. In Rücksicht dieser Erklärung bemerke ich, daß es zwar mit dem nicht unmittelbaren Ursprunge des Blattstiels aus den Holzfasern seine Rit chtigkeit ha⸗ be, wie ich selbst dies in meinem vorigen Briefe über die Knospen bemerkte; allein daß gegen den Herbst die Verholzung im Zweige so zunehme, daß dadurch die weichern Blattstiele sich von dem holzigen Zwei⸗ ge zu trennen gezwungen würden, ist ganz unrichtig. Gewöhulich hört nämlich das Ansotzen neuer Splint⸗ 271 Hiedterer M lagen im zideyten oder Johannis⸗Triebe erst gegen abhängt. den Herbst hin auf. Geht auch itzt die eigentliche Wlelch h Verholzung schon an; so erstreckt sie sieh, der Ord⸗ Wess de Nih nung der Natur gemäß; viel mehr guf die innern lla fiehfshu als auf die äußern Lagen. Die letztern, die sich erst hat. Ermih angesetzt haben, sind bloße Bündel von Schrauben⸗ Unmittehht gängen, die vielmehr mit der Substanz des Blatt⸗ Dalle, Eu R stiels überein kommen, als daß ße ihn wegdrängen Narhüht 6 und zum Abfallen nöthigen sollten. + Alles dies sind mechanisch klärungen, die keinesweges zur ersten und vorzüglich wirkenden Ur⸗ sache zurück fͤhren. Diese müssen wir in der ge⸗ Sheige dur veiche dah Nröiubung ni gen den Herbst ersolgenden und in dem zarten Baue der Blätter selbst gegründeten, allmähligen, oft aber durch äußere Ursachen beschleunigten, Erschöpfung der eigenthümlichen Lebenskraft des Blatles selbst esto eher t, ee Hrerke ich) dj MümnW suchen. Wnuge 5 Wh 0 4 Diese zart gebildete Flächen, die wir Blätter nennen, sind so gut, wie jeder Ucrnr Theil des n Btlest ibr Gewächses, mit ihrer eigenthümlichen Lebenskraft begabt, die eine bestimmte Periode hindurch sehr lebhaft wirkt, die Ausdünstung und Einsaugung be⸗ wirkt, aber dann durch die Lebhastigkeit selbst, womit diese Wirkungen erfolgen, und durch die fortdauern⸗ en den Hahl „ dih nh Whigen V.. nit unnichth Helet Elit⸗ 2²2 de Einwirkung äußerer Reize, des Lichts, der Wär⸗ me und der Luftstoffe, erschöpft wird, und so ein Ab⸗ sterben des Theils auf ähnliche Art veranlassen muß, als die Blüthe abfällt, wenn die Bestimmung der⸗ selben ersüllt ist. Wie die Blume früher abfällt, wenn zu starkes Licht, zu viel Wärme, eine zu gro⸗ ße Menge anderer Reize auf sie wirken: so fallen die Blätter früher ab, wenn der Herbst sehr trocken, sehr feucht ist, oder wenn Reize anderer Art zu mächtig und anhaltend auf die Gewächse wirken. Wir kennen eine Menge Bäume, die entweder immer grün bleiben, oder die doch wenigstens nicht in der gewöhnlichen Zeit des Herbstes ihr Laub ver— lieren. Dies sind durchgehends langsam wachsende Bäume, und ihre Blätter meistens derb, fest, leder⸗ artig, deren Kraft nicht leicht erschöpft wird. Die Nadelhölzer haben überdies faden- oder pfriemför⸗ mige Blätter, die dem Licht und der Luft keine brei⸗ te Oberfläche darbieten, folglich nicht so leicht ge⸗ schwächt werden. Die Citronenbäume, die Magno⸗ lien, der Feuerdorn(Melpilus Pyracantha), die Oli— ve, der Lorbeer, alle diese immer grüne Bäume ha⸗ ben feste, lederartige Blätter von einem viel minder zarten Bau als andere Pflanzen, und die Erreg⸗ ichty, du N und so ein j Helarlassg nz Besinmun l6 ne früͤhin us ane, eine nrgy hirken: sy slg erbsi sht mh albeter uu wöchse inn me, de aund 9 wenigset u stes iht Luch y Rosam nacih derb/ sesh Ho böpft vid A. Idet Iiu Lust Liut nicht so Kttz une/ Nẽ N cantha/ HN H tüne Buhe nem viel m 1ud die Eye 78 7 3 barkeit derselben kann also nicht so leicht erschöpft werden. Gegen den Herbst hin hören bey den Gewäachsen, die ihr Laub verlieren, allmählig alle Verrichtungen der Blätter auf, oder werden viel schwächer als vor⸗ her. Sie dunsten viel weniger aus; sie saugen viel weniger ein; sie geben viel weniger Lebensluft: ihre Erregbarkeit ist also offenbar erschöpft, und man kann weder von der zu sehr verstärkten, noch von der zu geringen Ausdünstung der Blätter ihr Abfallen herlei⸗ ten, sondern man muß so wohl den Mangel jener Verrichtung als auch diese Erscheinung aus einer ge⸗ meinschaftlichen Ursache erklären. Darum verlieren auch kranke Gewächse ihr Laub. Jüngere Blätter pflegen zuletzt abzufallen; die ältern und zuerst ausgeschlagenen fallen auch zuerst ab. Eine Kornelkirschen⸗Hecke, die ich im August beschneiden ließ, machte im September neue Blätten: die letztern stehn zum Theil noch itzt, da ich dies schreibe,(am laten December,) grün da; alles ande⸗ re Laub ist seit vier Wochen abgefallen. Wahrschein-⸗ lich halten sich jüngere Blätter deßwegen länger, weil noch nicht so viele Reize auf sie gewirkt häben, um ihre Erregbärkeit zu erschöpfen. Müßten sie nicht, Erste Sammlung. 12 274 nach den zuerst vorgetragenen Tbeorieen, am frühe— sten abfallen? Auch pflegen die Bäume, deren Laub am spätsten ausschlägt, z. B. die Acarien und Win⸗ ter⸗Eichen, dasselbe am längsten zu behalten. Die obere Seite des Blattes und die äußersten Spitzen desselben werden zuerst mißfärbig, wenn das Blatt abfallen will. Gelb wird das Laub der Pappeln und Linden und der meisten übrigen Bäume; roth wird es am Essigbaum(Rhus typhinum) und am Johannis-⸗ beer Strauch; bräunschwarz an Wallnußbäumen. Zugleich pflegt sich immer das Blatt so nach oben zu wölben, daß die Oberfläche erhaben ist, und der ö Blattstiel nimmt eine hängende Lage gegen den Zweig au. Alle diese Erscheinungen können auf keine Wei⸗ se anders als aus den Gesetzen der Erregbarkeit er—⸗ klärt werden. Die obere Fläche des Blattes ist den Reizen des Lichts und der Luft am meisten ausge⸗ setzt: sie wird also am ehesten erschöpft, zumahl da sie das Geschäfft der Ausdünstung vorzugsweise ver⸗ richtet. Die Veränderung der Farben ist eine Fol⸗ ge der unterbrochenen Geschäffte des Blattes 3 dem das gesunde Grün des Laubes ist, wie ich in einem andern Briefe beweisen werde, mit der regelmäßigen Aushauchung der Lebensluft unzertrennlich verbunden. r am filhe 167 denn du tich und Ni bchalta. D die iußasg tbig teun aub det Pnth ume; xih ih dam Ichint Walhushünn, 1 66 nch dii Rn ist/ und N gegen den I auf kite V Emegbarst Blutee& Meisten dutn yst, Anahn Hugenst u ist eine fl Mattes z N ie ich in al gelniimn Ic Retelder 275 Eben so kann die veränderte Richtung des Blatt⸗ stiels nur aus der Erschlaffung seiner Fasern herge⸗ leitet werden, da wir dieselbe Richtung auch bey der Einwirkung anderer schwächender Ursachen wahr— nehmen: denn auch bey starkem Sonnenschein, bey Mangel an Regen, bey größer Hitze lassen die Ge—⸗ wächse ihre Blätter hängen. Man hat umständlich untersucht, ob das Blatt oder der Blattstiel zuerst abstirbt. Ich glaube, das Blatt muß nothwendig zuerst erschöpft werden, da der Bau desselben viel zärter ist und auf seine brei⸗ tere Fläche viel mehrere Reize wirken können, als auf den dichtern Blattstiel. Auch sehen wir nicht al⸗ lein in gewöhulichen Fällen, daß die ersten Spuren der Entfärbung und des Absterbens sich im Blatte zeigen; sondern bey gefiederten Blättern, 3 B. der Acgeie, bemerken wir ausdrücklich, daß die einzelen Blätter schon abgefallen sind, wenn der gemeinschaft⸗ liche Blattstiel noch fest sitzt. Viele Blätter entfärben sich zwar gegen den Herbst, aber sie bleiben den Winter hindurch an den Zweigen sitzen, und erst, wenn im Frühling das jun⸗ ge Laub ausschlägt, fallen sie ab. Dies sehen wir täglich an unsern Eichen und Hagebuchen. Offenbar 193 * 276 ist hier die Erregbarkeit des Blattes selbst schon im Herbste erschöpft; aber der Blattstiel bleibt we⸗ gen seiner größern Hestigkeit noch mit dem Zweige vereinigt, bis er durch den neuen Trieb des jungen Laubes weggedrängt wird. Werden unsere Bäume in ein anderes Klima verpflanzt, so verlieren sie ihr Laub dennoch zu der gewöhnlichen Zeit, wenn gleich unsere Herbstwitte⸗ rung in jenen Klimaten entweder gar nicht oder zu ganz andern Zeiten eintritt. Nehmen Sie, meine gnädige Frau, alle diese Thatsachen zusammen; so werden Sie keine Erkla— rung des Abfallens der Blätter zureichender finden, als die von mir vorgetragene. Es ist nämlich noth—⸗ wendige Folge der durch den eigenthümlichen Bau der Gewächse bewirkten Endigung ihrer Lebens⸗Pe⸗ riode, eine Folge der Erschöpfung ihrer Lebenskraft. Aeußere zufällige Ursachen können zwar diese Er— schöpfung beschleunigen, aber sie sind nicht als un⸗ mittelbare Ursachen des Abfallens selbst zu beschul— digen. Rarl uitd Wil 10 4 dan tet/ chen, etse 50 g tes selbs sih dtliel blaht pz nit dem IMi dieb die an Randered Kum o dewpech zu u sere Helbiuth zur nicht aur Fan, ale u Eie keige E Heichendet jng ist nämlich uih thümliche I ihret KMeht ihret Lebdsht. zwar dist& d nicht ab elbst iu Hshll 27⁷ III.. An eben dieselbe. Ic komme nun zu der merkwurdigsten, angenehm⸗ sten und wohlthätigsten Eigenschaft der Blätter: zu ihrer grünen Farbe. Sie ist die merkwürdigste; denn sie hängt mit den wesentlichen Verrichtungen des Blattes und mit seiner Lebenskraft unmittelbar zusammen. Sie ist die angenehmste Eigenschaft; denn wie erquickt und gestärkt wird das Auge durch den Anblick des lebhaften und mannigfaltigen Grüns der Wiesen und Wälder!.. Die grüne Farbe ist endlich die wohlthätigste Eigenschaft der Blätter; denn sie ist mit einer Verrichtung der Oberfläche derselben verbunden, wodurch die Luft verbessert wird und derjenige Bestandtheil derselben sich ent⸗ wickelt, welcher die Luft athemfähig macht. Ich werde, meine Gnädige, die Umstände, un⸗ ter welchen die grüne Farbe entsteht und verschwin⸗ det, zu entwickeln und die Verrichtungen der Blät⸗ ter, mit denen sie zusammen hängt, zu erläutern su⸗ chen: aber ich muß im Voraus bitten, mich zu entschuldigen, wenn ich keine hinreichende Erklärung zu geben im Stande bin; könnte ich dies, so müß⸗ WS 278 1——— + te ich die Natur des Lichts und der Farben genauer und grundlicher kennen, als es zur Zeit möglich ist. Das Wesen des Lichts ist uns unbekannt: wir wis⸗ sen nur, daß die Sonne und die Firsterne die vor⸗ züglichsten Quellen desselben sind, daß es sich beym Verbrennen und bey ähnlichen chemischen Verände⸗ rungen entwickelt, daß es mit unbegreiflicher Schnel⸗ ligkeit die unendlichen Himmelsräume durchdringt, und daß es auf alle organische Körver einen äuberst mächtigen Reiz macht. Da es aber gar nicht ins Gewicht fällt, und da die Verbindungen, die es mit den Urstoffen der Körper eingeht, nicht durch che— mische Mittel untersucht werden können; so bleibt uns seine eigentliche Natur verborgen. Ob es von den leuchtenden Körpern selbst ausfließt; oder ob eine feine Substanz, die wir Aether nennen, bloß durch die leuchtenden Körper in Bewegung gesetzt wird: ob die Wirkung des Lichts bloß mechanisch ist und durch Erschütterung feinerer Theile erklärt werden muß; oder ob sie chemisch ist und also eine Anziehung des Lichts gegen die Urstoffe der Körper statt findet: diese und mehrere andere Fragen beant⸗ worten zu wollen, dürfen wir uns vor der Hand nicht anmaßen. 406 Rach 1 s 1N nu lct: - W Heg hud de eins 5 hurben gutg it mägi mut: pe rfherne di y aß es sch ht ischen Vulde lislicht Eaut me durchdrieh r ehen Eih gur nicht i Reu/ die&E M nicht duth cv imen; l eu. Ob fießt; w t Hennet/ N Newezuhg N bloß ehtl Theile in st und ale —. g det KüM. 'offe det K 279 2* Wir wissen aber, daß, wenn das Licht durch ein Glas fällt, welches nicht aus vollig gleichartigen Theilen besteht, oder wenn es in eine Wolke fällt, wo es von den Dunstkügelchen in den verschiedensten Richtungen aufgenommen wird, daß es sich alsdann in sieben Farben theilt. Die oberste und stärkste die⸗ ser Regenbogen ⸗-Farben ist die rothe, dann folgt Orauge, dann Gelb, Grün, Blau, Indigo und Vio— let: die letztere iß die schwächsee und wird durch die stärkste Brechung des Lichts erzeugt. Ganz weiß sind die Körper, wenn sie gar keine Anziehung gegen das Licht haben, sondern alles Licht wieder zu⸗ rück werfen: dunkel oder schwarz sind sie, wenn sie die stärkste Anziehung gegen das Licht beweisen und keins wieder zurück werfen. Die Farben todter Körper, Gemählde u. s. fe/ bleichen aus, wenn sie zu lange dem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Auch werden Blätter, die man vom Stamm gerissen hat und an der Sonne trocknet, gelb, statt daß sie, im Schatten getrocknet, grüͤn bleiben. Sie sind, vom Stamm gerissen, als todte Theile zu betrachten. Die Farben lebender Körper hingegen werden desto dunkler, je mehr das Licht auf sie wirkt. Alle Nationen, die in heißen Ländern wohnen/ ha⸗ 250 ben eine dunkle Hautfarbe: die Sonne verdirbt den feinen weißen Teint, und es schutzen oft die Flor⸗ kappen gar nicht davor. Viele Thiere bekommen im Winter weiße Haare, wenn sie im Sommer dun—⸗ kel oder schwarz waren. In den Volar-⸗Gegenden giebt es weiße Füchse und Bären. Eben so bemer—⸗ ken wir ein dunkleres Grün bey Gewächsen aus hei— ßen Klimaten: unsere Pflanzen werden bleicher, wenn wir sie dem Sonnenlicht entziehn. In Lappland fand Linn é viele Alpen-Pflanzen, die eigentlich blau oder purpurroth sind, von weißer Farbe. Wir blei— chen die Endivien, durch Zusammenbinden und durch Bretter, womit wir sie beschweren, damit ihre Blät⸗ ter desto weißer und zarter werden. Wie kräftigZ wird das Grün unserer Gewächshaus⸗ Pflanzen, wenn wir sie an die Luft stellen und ihnen das volle Ta⸗ geslicht geben können! Diese Erfahrungen führen uns zu einer nähern Betrachtung der grünen Farbe. Unter den Regen⸗ bogen⸗Farben steht sie in der Mitte zwischen Gelb und Blau. Die gelbe Farbe setzt eine schwächere, die blaue eine stärkere Brechung der Lichtstrahlen voraus. Auch sehn wir, daß grüne Blätter gelb wer⸗ den, wenn sie, wegen Krankheit oder Entziehung des MI H W Hesht hace Mia glb He Heh! Gite be dem also it il W des uue verdufthy ost die gh Met bekeng m Eonny u 1 Eben so h wächtn anj on bleichey xan I LMha e eigennich gu Iube. Mi hinden und dut damit ihn di . Vie kiit Pflanzen am das vole Iu einn nisn ter den N zwishen di ine schmihlh er Lichtfrnhu iiter gelb re uthiehuig 281 Lichts, weniger Lichtstrahlen anziehn und sie also schwächer verändern und brechen. Sehr viele saftige Pflanzen mit krästigen Blättern, wie die Aloen, Za⸗ serblumen u. s. f., spielen auch etwas ins Bläuliche, wenn sie im üppigsten Wuchse dem vollen Licht aus⸗ gesetzt sind. Die Kunst kann diese Veränderung der Farben ebenfalls bewirken. Wenn man Zeug mit Indigo färbt, so sieht es grün aus, wenn es aus dem Kessel kommt; an der Luft aber und beym Einfluß des vollen Lichts wird es blau: behandelt man es mit sehr scharfen Säuren, so kann es wieder gelb werden, aber an der Luft endlich wieder die blaue Farbe annehmen. Wir sehn die keimenden Pflanzen anfangs weiß⸗ gelblich; dies scheint die ursprüngliche Farbe des Gewachsreiches zu seyn: nur wenn sich das Pflänz⸗ chen mehr entwickelt hat und das Licht von allen Seiten mehr darauf wirkt, nimmt es die grüne Far⸗ be an. Es wird wieder gelb, wenn es kränklich oder dem Lichte entzogen wird. Die grüne Farbe scheint also die Folge der durch den Einfluß des Lichts be⸗ wirkten regelmäßigen Absonderung des eigentlichen Färbestoffs im Zellgewebe des Blattes zu seyn, die durch Entziehung des Lichts und durch Kränklichkeit des Blattes gestört wird. 282 Das Gelbwerden des Laubes, oder das Stiole⸗ ment, ist allezeit mit größerer Schwäche der Blät⸗ ter und der jungen Triebe verbunden. Die gelbwei⸗ ßen jungen Köhlsprossen, die Salatköpfe, die gebleich⸗ ten Endivien sind bekanntlich viel zarter von Ge⸗ schmack, als wenn sie durch Sinwirkung des Lichts grun gewForden ünd. Bey genauerer Untersuchung findet man, daß gebleichte Küchenkräuter ein viel lockereres Zellgewebe, sparsamere Haare haben, und weniger ausdünsten; daß sie im Wasser untersinken, wenn vollkommen grüne Blätter darauf schwimmen; daß sie die Luft nicht mehr zu verbessern im Stan⸗ de sind. Auch fand Senebier bey einer chemi— schen Untersuchung gelb gewordener oder gebleichter Blätter, daß sie mehr Wasser und Kohlenfäure, aber weit weniger harzige, öhlige und salzige Bestaudthei⸗ le lieferten, als grune Blätter. Ihre Bestandtheile sind also weniger solide und wässeriger, weil das Licht nicht die Zersetzung der Kohlensäure, der ei⸗ gentlichen Nahrung der Vegetabilien, bewirkt hat. Je mehr Kohlenfäure etiolirte Blätter enthalten, desto weniger Kohlenstoff findet man in ihnen: der Kohlenstoff ist aber das vorzüglichste Mittel, wodurch die Bindung oder die Fixation und kräftige Beschaf⸗ seh Dar . Mi sfllle 0 ud/ Rnne 2 ie EI seh, Helt gaht. Eit galch RMl t den lind sein lich sof der des Eith wiche der I . Die gelgt ut Neglt 11111 itkung de Rer lutasuin uktun en Nate hibey 0 zusser uuttrsiy mauf schninmh hessen in Eiu beh eitet Gen oder geblätg rohlenfiute, zige Besaunlhe te Mandthil iger, w I nsaure, d „ beitt l ittet auhgli IN ihle Hitteh, Wnt Itige Wcf 283 fenheit der Bestandtheile der Gewächse bewirkt werden. Darum ziehn sich auch die jungen Triebe etiolirter Pflanzen so sehr in die Länge: Wasser und Kohlen⸗ säure sind in hinreichender Menge vorhanden; aber das Ansetzen festerer Theile, welches durch den aus der Kohlensäure entbundenen Kohlenstoff bewirkt wird, geht nicht von Statten. Was Wunder, wenn dünne, zarte Triebe statt der kräftigen, festen Zwei⸗ ge solcher Pflanzen entstehn, die das volle Licht ge⸗ nießen? Um die Erklärung der grünen Farbe und des Etiolements mit wenig Worten zusammen zu faf⸗ sen, bemerken wir Folgendes: Kohlensäure ziehn die Gewächse mit der Luft- und Erdfeuchtigkeit als ei⸗ gentliche Nahrung an: Kohlensäure steigt mit den Sästen des Gewächtes in das ursprünglich gelbe Zell⸗ gewebe der Blätter und der blattartigen Ueberzüge: hier wirkt das Licht auf die mit Kohlensäure über⸗ ladenen Feuchtigkeiten: es entbindet die Säure oder den Sauerstoff: der Kohlenstoff bleibt zurück und bindet die übrigen Bestandtheile des Gewächses, daß seine Fasern fester und dauerhafter werden. Vorzüg⸗ lich wird der Wasserstoff gebunden, mit dem Kohlen⸗ stoff vereinigt, und bildet nicht allein harzige und / 284 öhlige Theile, sondern auch den eigenthümlichen grünen Färbestoff, der, nach neulern Untersuchungen, aus Kohlen- und Wasserstoff zusammen gesetzt und den Harzen sehr ähnlich ist. 22941 Wird das Verhͤltuit dieser Bestandtheile geän— dert, so verändert sich die grüne Farbe. Sie wird gelb, wenn der Sauerstoff nicht von der Kohleusäure entbunden wird, sondern zurück bleibt: sie wird weiß und das Blätt selbst drr, wenn gar keine Kohlen— säure mehr hinein kommt und alle Ernährung des Blattes aufhört: sie wird braun oder schwarz, wenn zu viel Kohlen- oder Wasserstoff beym Verwesen der Blätter entbunden wird, wie wir es bey abfallenden Wallnußblättern bemerken. Der starke, betäubende Geruch dieser Blätter zeigt an, daß sie viel gekohl⸗ ten Wasserstoff enthalten; dieser wird, wenn das Blatt nicht mehr ernährt wird, in zu großer Menge entbunden, und auf solche Art entsteht die schwarze Farbe. Aber, ist denn das Sonnenlicht das einzige Mit—⸗ tel, wodurch die Kohlensäure der Pflanzen zersetzt und aus der grüͤnen Oberfläche Sauerstoff hervor ge⸗ zogen wird?... Es ist allerdings das gewöhnlich⸗ ste, bey unsern frey wachsenden Pflanzen nothwendi— K2 haß Iuth H unht K fern. vlettk Sahe uindt Vel ter t sh fung Rilf N u Run nebi hen g eienthünfz, Uuteruchehg mmnen gestt un hetandtheie gtj Fabe, Ei der aahenfan ibt: nd i gar keine Khley le Emihurg der schuaty uu eyn Danese behy abfaladj arke, belithah sie nil R wird, ten Iu gtrßtt Au sieht die shan das eilzige M. Pfantzen Rt rfof herwt g d4e Rewihnl hen nothoen 285 ge Mittel. Aber Senebier hat überdies bemerkt, daß unter den Farben, in die sich das Sonnenlicht zertheilt, die violette die meiste Wirkung zur Ver⸗ hütung des Verbleichens der grünen Farbe beweiset. Er glaubt, daß die violetten Strahlen der Sonne mehr Anziehung gegen den Sauerstoff als andere äu⸗ ßern. Dies sucht er daraus darzuthun, weil durch violette Lichtstrahlen dem salzsauren Quecksilber der Sauerstoff stärker als durch anders gefärbte Strahlen ntzogen und dies metallische Salz dadurch schwarz wird. Auch das Licht des Mondes soll, nach einigen Versuchen böhmischer Naturforscher, gebleichte Blät⸗ ter wieder grun machen können: aber es wirkt natür⸗ lich so schwach, daß es in acht Tagen nur die Wir⸗ kung erzeugt, die das schwächste Sonnenlicht schon in zwolf Stunden hervor bringt. Auch sollen der Stick⸗ und Wasserstoff in Gru⸗ ben und Bergwerken, wohin kein Tageslicht dringt, dazu beytragen, die Pstanzen grün zu erhalten. Se⸗ nebier und Hum boldt brachten grünende Pflau⸗ zen aller Art in Gruben, worin Wasserstoffgas war, oder in gläserne Gefäße, die mit dieser Luftart an⸗ gefüllt waren, und sie blieben beständig grün. Ja, man hat verblichenen Blättern ihre grüne Farbe durch Ammoniak wiedergegeben, wie alle blaue Psflan⸗ zensäfte durch dies flüchtige Laugensalz grün gefärbt werden. Das Ammoniak besteht aber aus Stick⸗ und Wasserstoff. Es giebt also außer dem Lichte noch andere Stosse in der Natur, die den Pflanzen ihren überflüssigen Sauerstoff entziehn und dadurch die grüne Farbe des Zellgewebes der Blätter erhalten können. Wenn demnach Pflanzen dem Licht ent zo⸗ gen werden, und sie grün bleiben sollen, so muß die Luft in der Dunkelheit nur verdorben seyn. Ist es denn aber ausgemacht, daß die grüne Oberfläche der Gewächse bey der Berührung des Lichts eine Luftart aushaucht, wodurch die uns um⸗ gebende Luft verbessert und zum Athmen fähiger ge⸗ macht wird? Geben die Blätter im Sonnenschein, so lange sie frisch und grün sind, wirklich Sauer⸗ stoffgas, und wie verhält es sich mit der Aushau⸗ chung der Blätter in der Dunkelheits. Diese Fragen sind itzt durch die trefflichen Versuche von Priestley, Ingenhouß und Senebier am das bestimmteste und üͤberzeugendste entschieden. Wenn man nämlich frische, grune Blätter, be⸗ sonders von saftigen Pflanzen, von Aloe, Pucea und Agave, in eine flache Schale BI %0 h D Nse Aft 005 9 Rerz hn d sicht h he ler Klen Rll sher 9 287 ie Une W Brunnenwassers legt und in den Sonnenschein stellt; salr grün asth so bedeckt sich bald die Fläche des Blattes mit Bläs⸗ Naud Cii/ n chen, die eine eigene Luftart enthalten. Gemeine at— n d mosphärische Luft ist es nicht; denn es bilden sich u Minmün: diese Bläschen ebenfalls, wenn man gleich mit der und didunc N Luftpumpe alle gemeine Luft aus den Blättern her⸗ Blitter ahchn aus gezogen hat: auch wird diese Luft durch Sal-⸗ den Udt auß petergas verschluckt, indem der Stickstoff des letz⸗ solen, suuj x tern den Sauerstoff der Luft aus den Bläschen an⸗ dben sen zieht: und kleinere Thiere, die man in eine aus grü⸗ 1, dij de u nen Blättern im Sonnenschein gezogene Luft bringt, danh leben in derselben viel länger und sind viel lebhaf— dutch Ratd ter darin als in gemeiner Luft. Es ist also offenbar imen fiuny Lebensluft oder Sauerstoffgas, was durch das Son— in Enmaln nenlicht aus dem grünen Zellgewebe gesunder, fri⸗ „virlih Ein scher Pflanzen ausgezogen wird. nit di Luh Diese Lustart erhält man aus den Blättern in It viel größerer Menge, als die in denselben befindli⸗ che gemeine Luft an Umfang beträgt. Senebier sand, daß, wenn eine gewisse Anzahl Erdbeer⸗Blät⸗ ter unter der Glocke der Luftpumpe 108 Gran ge⸗ meine Luft giebt, dieselbe 1664 Gran Sauerstoffgas entwickelt. Ceuehiteg ektschiche ane Bhitter Aloe/ H 10 N HHHρH1H ssisch Küh 288 Es frägt sich, woher diese Menge Sauerstoffgas Kommt?.. Aus den grünen Blüttern offenbar; denn bloßes Wasser giebt im Sonnenschein theils nie diese Menge, theils niemals so reines Sauer⸗ stoffgas, auch selbst alsdann nicht, wenn man das Wasser mit Kohlensäure gesättigt hat. Dies scheint daher zu kommen, weil im bloßen Wasser nichts ist, womit sich der Kohlenstoff der Kohlensäure verbinden könnte, damit der andere Beständtheil, der Sauer⸗ stoff, vom Licht ausgezogen werde. In den Blättern der Pflanzen aber sind mehrere Bestandtheile, mit welchen sich der Kohlenstoff vereinigt: das Alkali, der Zasserstoff, der Stickstoff verbinden sich mit demsel⸗ ben, und auf diese Art wird der Sauerstoff der Koh⸗ leusͤare frey und vom Licht ausgezogen. ö Es scheint sonach, daß das Wasser, worin die Blätter Lebensluft geben sollen, nothwendig Kohlen⸗ säure enthalten muß, um jene Luftart entbinden zu können. Wirklich fand auch Senebier, daß die Blätter keine oder nur äußerst wenig Lebensluft ge⸗ ben, wenn man sie unter destillirtem oder gekochtem Wasser dem Sonnenlicht aussetzt, oder wenn man Kalchwasser damit verbindet. Durch das Kochen und Destilliren wird nämlich die Kohlensäure ausgetrie⸗ ge Cauniis Littan ofesh Rrenschein ghz so minte 2 Rheun un hat. Diat siht Dasur i j lenjäuue unhih theil/ du Eun V den dahn restandthe, It: daß Muhn en sich nit xai Sauersos xM. ogen. Dasser /At N thwendgdche ftart etbadu Rebiet, M nig Lcena m ider Rl oder Hehhh Ul 1 Isunte auigel 289 ben, und das Kalchwasser verschluckt die Kohlensäure, weil es einen Ueberschuß an Sauerstoff hat. Brun⸗ nen⸗ oder Quellwasser und frisches Regenwasser ent⸗ halten sehr viel Kohlensäure: daher sind jene Arten von Wasser am besten zur Entwickelung des Sauer⸗ stoffgas aus den Blättern zu benutzen— Es muß aber das gehörige Verhältniß der Men⸗ ge der Kohlensäure im Wasser seyn. Zu viel schadet den Pflanzen eben so sehr, als wenn das Wasser zu wenig enthält, weil die Pflaazen dadurch überreizt werden. Die Versuche von Desaussure lehren, daß man bisweilen gar keine Lebensluft erhuält, wenn man zu viel Kohlensäure mit dem Wasser gemischt hat. Aber, werden Sie sagen, dies thut die Kunst: geschieht denn in der Natur dasselbe? Ist das Wasser⸗ welches die Pflanzen einziehn, mit Kohlensäure ge⸗ sättigt und läßt sich daraus erklären, daß ihre grü ne Oberflächen Lebensluft geben?... Allerdings sind die Erd- und Luftfeuchtigkeit, die die Gewächse anziehn, mit Kohleusture gesättigt; denn die Pflanzen wachsen immer am fröhlichsten, wenn recht viel Koh⸗ lensäure sich aus der Atmosphüre im Regen nieder⸗ schläht. Auf den Alpen ist die üppigste Vegetation, Erste Sammilung. 19 29⁰ da die Wolken sich dort unaufhörlich anlegen, und die nacktesten Felsen werden mit der Zeit fähig, Ge⸗ wächse hervor zu bringen, wenn sie beständig von koh⸗ lensauren Dünsten der Must häre befeuchtet werden. Ganz reines, destillirtes Wasser darf man nie zum Begießen nehmen, und der Dünger, der die Frucht⸗ barkeit so sehr befördert, thut dies vermöge des rei⸗ chen Vorraths an Kohlensäure, den er enthält. Wenn also die Pflanzen Kohlensäure aus Erde und Luft anziehn, so wird sie in ihnen durch den Ein— fluß des Lichts zersetzt. Das Licht zieht den Sauer— stoff an, dessen die Kohlensäure fast zwey Drittheile enthält, und der Kohlenstoff wird von den Bestand⸗ theilen der Pflanzen angezogen und vereinigt sich mit denselben zu festen Stoffen. Diese Vereinigung ge⸗ schieht hauptsächlich im Zellgewebe, weniger in den aufsteigenden Kanälen und Schraubengängen. Im Zellgewebe der Blätter sind die eigenthümlichen Pflan⸗ zensäfte enthalten: sie sind viel eoncentrirter, harzi⸗ ger und öhliger, als andere, und der Kohlen- und Wasserstoff, die in Oehlen und Harzen am meisten hervor stechen, sind also in den eigenthümlichen Säf⸗ ten des Zellgewebes am reichlichsten gebunden. Da⸗ mit hängt nun die grüne Farbe des Zellgewebes zu⸗ + H Rl I shte II W U 9 H glbl Sen laht W f et 9 gat gelh Ana behz alegen, Ait fihiy gz sindig uu 0 defeuchtet paßg Arf man gie I1 dun die guch vermuge d et enthäl. lensäur eh uen duuch dn e zieht de Eun t wey Iurt von den Hi veteinigt ss Veneiuipug y nenige i N benginu thümlihhnio enttittg/M der Kohlehy zen an nii hünlichn Ei Rcbulbet, S. S.lRe N 291 sammen: sie entsteht entweder durch jenen Proeeß im Zellgewebe, wo Sauerstoff entbunden und Hohlenstoff fixirt wird, oder sie ist mit demselben die gemein⸗ schaftliche Wirkung einer dritten Ursache. Auch schei⸗ nen die Luftbläschen aus den Nerven oder Bͤͤndeln von Schraubengängen sich fast gar nicht zu entwickeln. Unter den beiden Flächen der Blätter scheint die untere hauptsächlich die Entwickelung der Lebensluft zu bewirken; wenigstens giebt die obere Fläche viel weniger Luftbläschen. Daß die grüne Farbe der Blätter mit der Ent⸗ wickelung des Sauerstossgas aufs innigste zusammen hüngt, folgt hauptsächlich daraus, weil junge Blätter und solche, die kränklich sind, überhaupt alle, die eine gelbliche Farbe haben, fast gar keine Lebensluft geben. Senebier hat dies bey Salat- und Kohlköpfen recht deutlich bemerkt. Nur die äußern grünen Blät⸗ ter geben Lebensluft; die innern weißen oder gelbli⸗ chen niemals. Im Herbste, wenn die Blätter anfan—⸗ gen gelb zu werden, erhält man aus ihnen wenig oder gar kein Sauerstosfgas. Auch diel Panachuren oder gelben Flecken auf den amerikanischen Aloen, auf den Ananas-⸗Blättern u. s. w. geben fast gar keine Le⸗ bensluft. 19* 202 Das Licht ist das Hauptmittel, wodurch den Pflan⸗ zen Sauerstoff entzogen und der Kohlenstoff in ihrem Zellgewebe fixirt wird. Wenn bey Entbindung der Le⸗ bensluft aus den Blättern nur eine Wolke vor der Sonne vorbey zieht, so wird sögleich eine geringere Menge dieser Luftart entwickelt. In der Finsterniß geben die grünen Blätter, so lange sie frisch und ge⸗ sund sind, gar keine Luft, weder Sauerstoffgas noch. irgend eine andere Gasart. Dies haben Priestley und Senebier durch überzeugende Versuche auf das einleuchtendste bewiesen. Da indessen, bey längerer Entziehung des Lichts, der Kohlenstoff nicht mehr so leicht finirt werden kann; so entweicht in der Finsterniß nach und nach die Koh— lensäure unzersetzt und in Gasgestalt, wodurch sie dem Athmen der Thiere nachtheilig wird. Ja, es können in abgerissenen Blättern, wenn sie vollends in einge— schlossener Luft liegen, sich auch der Wasser ⸗ und Stickstoff entbinden und die Luft noch mehr verderben. Daher kommt es, daß Ingenhouß und Andere be⸗ hauptet haben, die Pflänzen häuchten im Schatten und zur Nachtzeit jedes Mahl verdorbene Luftarten aus. Daher leiten manche zu ängstliche Diätetiker die Regel, daß man im Dunkeln die Atmosphäre der durchdenhfn eustof in hun Itbindunz derty e Vulle vn k eile gahns u der Fusin sie fissh un z auerstofatt n vaben Miesi Dersuche dy Thung des Li rirt wurden lun ind nach del „wodurch seh N/ Aln vollend ah E Visar meht dudela und Mdan beu in E grbehe Lufttt e Distetite l Atmophin N 293 Pflanzen vermeiden müsse. Ja, ich habe wohl behaup⸗ ten gehört, jeder Spatziergang im Garten an schönen Sommerabenden und in Mondnächten sey aus diesem Grunde der Gesundheit nachtheilig. In gewisser Rücksicht kann auch diese Regel vertheidigt werden. Wenn nämlich viele Pflanzen und Bäume in der Blü⸗ the stehn und die Abendluft sehr still und schwül ist; so können die Ausdünstungen der Blumen, nicht aber der grünen Blätter, bey großer Zartheit und Schwä— che der Nerven, nachtheilig seyn, zumahl wenn die Luft nicht durch Winde erneuert wird. Aber hier ist nur die Rede von den Ausdünstungen der grunen Blätter, und diese findet eigentlich bey gesunden Pflanzen im Dunkeln und zur Nachtzeit gar nicht statt. Dann saugen die Blätter den Than des Him⸗ mels ein, aber sie verderben nicht die Luft; es müß— te denn seyn, daß sie schon krank wären oder daß im Herbste die Vegetation nicht mehr mit gehöriger Leb⸗ haftigkeit erfolgte. In diesem Falle zersetzen sich al⸗ lerdings die Bestandtheile der Pflanzensäfte im Zell—⸗ gewebe/ werden als kohlensaures Gas, Wasserstoff⸗ und Stickgas entbunden und verderben die Luft. Sollte unser eigenes Gefühl nicht hiebey mehr entscheiden, als alle künstliche Versuche und alle ge⸗ 20⁴ lehrte Beweise? Fühlen wir jemals unsern Athem beklemmt, wenn wir des Abends in einen Garten tre⸗ ten, oder in einem Walde gehn?... Gewiß aber ö möchte eine Beängstigung entstehen, wenn die grünen⸗ den Gewächse zur Nachtzeit die Luft in dem Grade verderbten, wie es die Blüthen thun, von deren Ge— ruch man sehr oft betäubt wird und Beklemmung auf nt der Brust fühlt. Sie können also, meine gnädige Frau, ganz sicher Ihrem Gefühl mehr trauen, als den St ö Besorgnissen der Gelehrten. Die Abend-Spatzier⸗ sc gänge in Ihren Pflanzungen und Gärten werden Ih⸗ 5 nen deßwegen gewiß nicht schaden, weil die grü⸗ nen Blätter die Luft verderben, wenn nicht andere 0 Ursachen schädlich werden. ö H Da die grüne Oberfläche der Gewächse beym Ien Einfluß des Sonnenlichts Lebensluft liefert; so schei⸗ et, nen die Pflanzen auch die vorzüglichsten Mittel in den U Händen der Natur zu seyn, wodurch das gehörige Verhältniß der Bestandtheile der Atmosphäre wieder hergestellt wird. Pflanzenleere Sandwüsten sind deß— wegen nicht bewohnbar. Der Winter würde eine un⸗ gesundere Jahreszeit seyn, wenn durch die Kälte nicht die Entbindung schädlicher Luftarten gehindert wurde. Auch liefern einen großen Theil unsers Winters hin⸗ uustern Ahz eien Harnn tn Oetijun wenn die xint st in vn gih lu, von dern g Beklnmm „ mein gist hr tuuen&x Abend⸗Ei Räuten vadn en, wil Ma wenn nicht uun Gewicht t liefer; sten Mitliu urch dis gt tmosrhi wi düsten sdN r Wurde eineu ch die Kälenh gehindatt hih In Vintnt V 295 durch die grün bleibenden Wiesen, die moosigen Plätze und die immer grünen Fichtenwälder einen nicht un⸗ beträchtlichen Vorrath an reiner Luft. Den übrigen Theil des Winters ersetzt der Schnee durch Entwi⸗ ckelung des Sauerstoffgas den Abgang reiner Luft. Man hat diese Anhäufung des Sauerstoffgas mit dem Athmen der Thiere verglichen: man hat deßwegen von den Blättern gesagt, sie vertreten die Stelle der Lungen. Dies gebe ich in gewisser Rück⸗ sicht zu: nur, glaube ich, müssen wir darein einen Hauptunterschied zwischen dem Geschäffte der Lun⸗ gen und der Blätter setzen, daß die letztern nicht, wie die Lungen, Luft, sondern Feuchtigkeit ein— saugen und diese Feuchtigkeit in ihre Bestandtheile zerlegen. Doch diese doppelte Verrichtung der Blät— ter, das Einsaugen und Ausdünsten, werde ich näch⸗ stens umständlicher aus einander setzen. 206 XXVV. An eben dieselbe. Das die Blätter hauptsächlich zur Einsaugung der die Pflanzen ernährenden Feuchtigkeit aus der Atmo⸗ sphäre dienen, wird Ihnen, meine verehrte Freun⸗ dinn, schon daraus einleuchten, weil Sie wissen, wel— che bestimmte Werkzeuge in der Oberhaut der Blüt⸗ ter sich befinden, die vermuthlich größtentheils zu diesem Geschäffte bestimmt sind. Eine Menge an⸗ derer Erfahrungen beweiset noch stärker diese einsau⸗ gende Kraft der Blätter. Wie erquickt und neu belebt erheben sch die Gewächse nach einem fruchtbaren Regen! Wie wohl bekommt ihnen, in Ermangelung des Regens, das Besprengen mit Quellwasser! Oft hilft alles Begie⸗ ben der Wurzel nicht so viel, als ein einmahliges Besprengen mit Wasser: am wenigsten aber ist das Begießen mit den wohlthätigen Wirkungen des Re⸗ gens zu vergleichen. Auf den dürresten Felsen wach⸗ sen die saftigsten Pflanzen; unser Hauslaub auf Dä⸗ chern scheint aus der Atmosphäre die meiste Nah⸗ rung anzuziehen. In feuchten Kellern erhalten sich abgeschnittene Zweige oft Tage lang frisch. Bon⸗ be. N Linsam eit auu A e verehne dum Sie niser x berhaut du Aih gtöstuthite Eine Nape irker digt anio t erheben sih R Negen! Di des Rt/ hilft aue dut Rein unu gsten abet it Tkungen de sen Fesn uil auelaab f di die Meise M im ethalte%0 sisch. doh 297 net steckte einen Zweig, der mehrere Blätter hatte, nur mit Einem Blatte ins Wasser, und er sah, daß alle übrige Blatter des Zweiges dadurch ernährt wurden. Er bemerkte ferner, daß die Einsaugung vorzüglich duech das Zellgewebe der untern Fläche der Blätter erfolgt, und daß weder die Ribben des Blattes, die, als Bündel von Schraubengängen, vielmehr den Saft aus der Wurzel hinauf führen, noch die obere Fläche des Blattes diese Einsaugung bewirkt. Wie die Pflanzen die Kohlensäure mit Wasser verbunden einsaugen so hauchen sie Sauerstoff gro⸗ ßentheils in Dampfgestalt aus. Diese Aus dünstung ist sehr beträchtlich. Hales, Duhamel und Se—⸗ nebier fanden, daß eine Sonnenrose von drey Schuh Höhe in zwölf Stunden ein Pfund und vier⸗ zehn Unzen durch die Ausdunstung verlohr, wenn der Tag sehr trocken und heiß war. Ein engländischer Naturforscher, Woodward, berechnete, daß eine Pflanze, die eine Viertel⸗-Unze wog, jeden Tag fast eine halbe Unze Wasser anzog, und nach zwev Mona⸗ ten hatte dessen ungeachtet ihr Gewicht nur um ei⸗ ne Viertel-Unze zugenommen. Es war also über hundertmahl mehr durch die Ausdünstung fortgegan⸗ 298 gen, als die Pflanze zu ihrer Nahrung verwandt hat⸗ te. Man hat sogar eine ziemlich wahrscheinliche Be⸗ rechnung, daß ein Baumblatt manchen Tag bis zehn Gran Wasser ausdampft. Daraus kann man sehr leicht erklären, woher die außerordentlich dichten Nebel kommen, womit die Waldgegenden an heißen Tagen oft bedeckt sind. Ich beobachtete im vorigen Frühling von der Spitze des Brockens die Erzeugung der Gewitter in den Thälern des Harzes. Anfangs lag auf den Wäl⸗ dern ein schwacher grauer Duft, der sich aber bald zu einer dicken Nebelsäule bildete, die senkrecht viele hundert Schuh in die Höhe stieg und von einem Wirbelwinde herum getrieben wurde, bis sie sich mit einer andern Nebelsäule verband. Daraus bil— dete sich nach wenigen Minuten eine dichte Wolke, aus der anfangs schwache, dann immer stärkere Blitze heraus fuhren. Jede so gebildete Wolke zog in feyerlicher Stille gegen die höhern Berge an, und an der Achtermannshöhe, die südlich vom hohen Brocken liegt, brachen sich fast alle diese Wolken, um nachher zertheilt das flache Land zu bedecken und sich in Regen zu ergießen. erwardleh, dscheinlihtd Dd H ecklitet, dmmen, vun ost bddict ij 3 pau du Ete Zewitter n y auf de M. er sch ie je senkreat un und gon en / bss fffh d. Dariut li e dichte A, immet sinh loete Vule Betge ayy M ich van seg dise M 0 i l 2909 Daß die Ausdünstung der Gewächse zu verschie⸗ denen Zeiten verschieden ist, versteht sich von selbst. Das Maaß derselben richtet sich nach der Trocken— heit der Atmosphäre, nach der Wärme der Luft, nach dem Einfluß des Sonnenlichts und nach dem Alter der Pflanze. An trockenen, warmen und hel— len Tagen, so wie in den Vormittagsstunden und im Frühlinge, dünsten die Pflanzen viel stärker aus, als an trüben Tagen, des Nachmittags und im Herbste. Zur Nachtzeit verlieren sie fast gar nichts durch die Ausdünstung. Auch Gewächshaus-⸗Pflan⸗ zen pflegen im Winter sehr wen ig oder gar nicht aus⸗ zudünsten. Je mehr ferner ein Gewächs zu seiner Nahrung verwendet, desto weniger verliert es durch die Ausdämpfung. Saftreiche Pflanzen, wie die Aloen, dünsten wenig aus. Je mehr die Pflanzen ausdünsten, desto mehr verlieren sie von den Bestandtheilen ihrer aufsteigen— den Säfte; denn von diesen geht allerdings eine beträchtliche Menge durch die Ausdünstung fort. Senebier fand bey einer chemischen Prufung des durch die Ausdünstung der Pflanzen entstandenen Wassers, daß es mehrere Salz⸗ und Ertraetiv⸗Stof⸗ se enthielt. Wenn diese Stöffe durch die Ausdün⸗ 300 stung fortgehn, so müssen nicht allein die Pflanzen weniger ernährt werden, sondern ihre Reizbarkeit muß selbst desto mehr abnehmen, je skärker sie aus⸗ gedünstet haben. Daher lassen sie an heißen und trockenen Tagen die Blätter hängen und alle ihre Fasern werden welker. Daß die Pflanzen durch die Ausdünstung viel von ihren wirksamen Bestandtheilen verlieren, erhellt schon daraus, weil die Blätter oft mit zuckerartiger, öͤhliger oder schmieriger Feuchtigkeit überzogen sind, die sich besonders an der Spitze der Haare oder in einzelen Punkten, bisweilen selbst als Harz oder Kamfer, zeigt. Ja, die Kichern liefern sogar reine Sauerkleesäure aus ihren Haaren, die sich sonst nicht rein und unvermischt im Gewächsreiche zeigt. Die Ausdünstung der Pflanzen ist ein vorzügli⸗ ches Mittel, ihre Temperatur immer gleich zu er⸗ hälten. Wenigstens wird dadurch verhindert, daß sie bey großer Hitze, Cam Senegal z. B., wo die Hitze der Atmosphäre oft bis über 110 Grad nach Fahren⸗ heit steigt,) nicht verderben. Sie wissen, gnädige Frau, daß die Gärtuer das Leben eines Baumes, auch wenn er keine Blätter hat, zum Theil aus der Glätte seiner Rinde, größtentheils aber daraus beur⸗ heuh Enpf Rast WI see n * 301 7 Lin die Nu ihre Ruut firler su theilen, wenn sich der Stamm und die Zweige kühl anfühlen lassen. Ja, es ist uns allen eine sehr an⸗ genehme Erfahrung als Beweis jener Wahrheit be— au heißen u kannt. Wir fühlen nämlich die frische Kühlung e und all j im Schatten eines schönen Baumes sehr behaglich, wenn die Luft auch noch so drückend heiß ist. Diese Autdinlur, Empfindung zeugt offenbar von der durch die Aus— terlenn hh dünstung des Baumes verminderten Wärme der ihn mit ulamiin umgebenden Luft. Darum widerstehn auch Gewäch⸗ it ubenggu i se einer Hitze, die, wenn sie nicht ausdünsteten, sie et Haute Iuj zerstören müßte. So fand Forster auf der Jusel als Hi Tanna unter den neuen Hebriden mehrere Pflanzen liefem soanr nn an einem Vulean, wo das unterirdische Feuer die die sch inn Luft bis auf 210 Grad nach Fährenheit erhitzt hatte. liche kit. Man hat auch den Gewächsen ein eigenthümli⸗ is eh W ches Vermögen, der Kälte zu widerstehen, zuge— ver glath u schrieben, welches man eben so sehr auf Rechnung Vil üi ihrer Lebenskraft schrieb, als bey Thieren die sich gleich bleibende Wärme ihres Körpers Folge ihrer gleichmäßigen Thätigkeit ist. Ein solcher gleichmä—⸗ biger Grad von Wärme kann aber in den Gewäch— sen nicht angenommen werden, weil sonst das Ther⸗ mometer im Winter steigen müßte, weun man es in ein Loch steckte, welches in den Stamm eines Baumes 3./%½ N-NN d nuch Rhth isen/ gllg lines Bunl Dheil au daraus H 0² — gebohrt worden ist. Allein das Thermometer steigt niemals, auch wenn es noch so lange in einen Baum befestigt worden ist. Auch müßte der Schnee an den Wurzeln der Bäume eher schmelzen, als etwa an Gebäuden oder Spalieren. Da auch dies nicht geschieht, so müssen wir die Art, wie die Gewächse der strengen Winterkälte widerstehen, anders zu er⸗ klären suchen. Sie läßt sich aber einiger Maßen erklären, wenn wir bedenken, daß die Wurzeln, die eigentli⸗ chen Leiter der Nahrung, meisteus so tief unter der Erde stehn, daß der Fröst nicht durchdringen kann, daß ferner die wohlthätige Schneehülle ebenfalls das Eindringen des Frostes verhindert. Denn wie woll—⸗ te sonst in Grönland die Birke einer Kälte wider⸗ stehen, die oft so groß ist, daß das Thermometer bis 30 Grad unter dem Gefrierpunkte steht? Auch muß man bedenken, daß die dicke Rinde der Bäume, daß der Mangel an Ausdünstung im Winter und die sehr langsame Bewegung der Säfte überhaupt Mittel ge⸗ gen das Erfrieren sind. Dazu kommt, daß die Pflan⸗ zensäfte nicht reines Wasser sind, und Blagden hat sehr schöne Versuche bekannt gemacht, nach wel⸗ chen gemischte Säfte viel weniger gefrieren als rei⸗ nes Wasser. nunett Ein einet Bun der Echner lzen, alz cg guch dis neh e die Herihz Randes zu Naßen allie, Iu, die ehanth fief umn chdringen, le chetfals be Deun wui dil r Hllte nůn, Hermmnm h MII er Munt/ u +d de ht ut Miigy daß die Mi H Blagdet ht/ nach rch ren n 30⁰3 So läßt sich großentheils die vorgebliche Kraft der Gewächse, der Hitze und Kälte zu widerstehen und eine immer gleiche Temperatur zu erhalten, erz klären. XXV. ö An eben dieselbe. Eise sehr merkwürdige Erscheinung an den Blättern müssen wir noch zu erläutern suchen. Das ist der so gaanute Schlaf der Pflanzen, der sich vorzüglich in den Blättern zu erkennen giebt und wirklich mit dem Schläfe der Thiere in mehrern Punkten über— ein stimmt. Man sagt aber von den Blättern, sie schlafen, wenn sie gegen Abend ihre Stellung verändern, ent—⸗ weder herab hängen, oder sich weniger ausbreiten, sich umbiegen, sich mit ihren Spitzen berühren oder sich an den Stamm anlegen. So mannigfaltig diese veränderte Richtungen sind; so ist es doch am ge— wöhnlichsten, daß die Blätter, die am Tage ausge⸗ breitet waren und die obere Fläche dem Himmel, die untere der Erde zukehrten, gegen Abend senkrecht her—⸗ ab hängen. Diese hängende Lage nehmen besonders 304 zusammen gesetzte und gefiederte Blätter an, wie Sie dies an den Acaeien und Lupinen sehr deutlich sehen konnen. Viele gesiederte Vläͤtter hängen zwar nicht, aber sie falten sich gegen Abend, indem ihre obere Fläche oder ihre Ränder sich berühren. Bey den Mimosen, Cassien, Cäsalyinien, Crotalarien und bey der Tamarinde in unsern Treibhäusern finden Sie diese Lage. Andere Blätter, die nicht gefiedert sind, drücken sich dicht an den Stamm, oder sie drehn sich schief: einige wenige hängen auch herab. Doch ist die gegen Abend veränderte Richtung bey nicht⸗ gesiederten Blättern überhaupt seltener, und die meisten unter diesen haben dieselbe Stellung zur Nachtzeit als am Tage. Gemeiniglich nehmen die Blätter schlafender Pflanzen eine solche Richtung an, wodurch die zarte Blüthe und Frucht vor den schädlichen Einflüssen der rauhern Nachtluft geschützt werden: sie falten sich um die Blüͤthe zusammen)/ oder sie drucken sich so un den Stamm, daß sie dadurch zur Hülle für die Blüthe werden. Das sieht man am deutlichsten bey einer Art der Coronille(Coronilla Securidaca) und bey mehrern Lotus⸗Arten, die man oft nicht wieder etkennt, wenn man sie des Abends gegen Sonnen Uutergang betrachtei. tr au,. u. sehr deunt hna g d, indan n bekühren. du Ctotalarin ibhlufer jnn ie uicht Rfag tamm/ at Ngen auch hul. ne Nichtug i selince/ lbe Stillagg/ ttet shln wodunt Nynt lichg Gist erden: fitn se kucrtih t Hule fi 6 delllihwn ecuridate) I ost nicht Hitha gehen Eill⸗ 305 Bey geringem Nachdenken über die ursache die⸗ ser veränderten Richtung der Blätter muß man auf die Vermuthung kommen, daß der Mangel des Lichts den Schlaf veranlaßt, weil der letztere sich gewöhn— lich nur gegen Abend einfindet. Allein, daß das Licht wenigstens nicht der einzige Grund des Wie— deraufrichtens der Blätter, und die Dunkelheit nicht die einzige Ursache ihres so genannten Schlafes ist, können wir aus folgenden Thatsachen schließen: In den längsten Sommertagen ist es um sie— ben Uhr Abends und um sechs uhr Morgens oft so hell wie am Mittag: dennoch schlafen die Cassien, Mimosen und die Tamarinde in unsern Treibhäusern schon Abends um sechs Uhr, und richten erst gegen sieben Uhr früh ihre Blätter auf. Oft habe ich ge⸗ sehn, daß, wenn die Laden der Treibhäuser bis um acht Uhr Morgens geschlossen blieben, die Pflanzen mit gefiedertem Laube längst erwacht waren, ehe sie das Licht der Sonne genossen. Auch wenn man, et— wa wegen eines Schloßenwetters, die Häuser schon des Nachmittags zudeckt, bleiben die Blätter der Gewächshaus-Pflanzen doch noch in ihrer gewöhn— lichen Richtung, bis ihre bestimmte Zeit, zu schlafen, kommt. ö Erste Sammlung. 20 30 Die Fähigkeit, zu schlafen, vermindert sich ge⸗ gen den Herbst und hört im Winter fast ganz auf. Unsere Tamarinden und Cassien, die den Winter hindurch grun bleiben, verändern die Richtung ihrer Blätter im Winter nur wenig. Auch bemerkte Bon⸗ net, daß man die Blätter der Acacie den ganzen Tag über, auch wenn es noch so heller Sonneuschein ist, zum Schlafen zwingen kann, wenn man nasse Schwäm⸗ me unter sie befestigt5 und daß sie dagegen die gan⸗ ze Nacht wachen, wenn man ein glühendes Eisen in ihre Nähe hält. Endlich habe ich oft bemerkt, daß an heißen Tagen die Pflanzen mit gefiederten Blättern auch ihren Mittagsschlaf halten, und sich erst dann wie— der aufrichten, wenn die größte Hitze vorüber ist. Alle diese Erfahrungen lehren, wie mich dünkt. daß das Schlafen der Blätter mehr von der Ver⸗ änderung in der Richtung ihrer reizbaren Fasern her⸗ rührt, als daß man von irgend einer äußern Ursache allein diese Wirkung ableiten könnte. Ich will mich bestimmter erklären. Die veränderte Richtung des Blättes ist offenbar Folge der veränderten Richtung der Fasern des Blattstiels. Diese Fasern bestehn aus Schraubengängen, welche die Säfte dem Blatte zu⸗ dart f schg ast guhz u den Uin lichtung iit Merkte oy gahheh L Myenscheij i NsseE GHah⸗ Regen N gup⸗ —* hendez a a hehn Dlättem ah aist dunn ni oariber. enih Ait⸗ am VN drsan u Ußan lntt h willu sichtung in Richut hessch du Hltte u 307 führeu. Die Schraubengänge sind aus reizbaxen; gewundenen Fasern zusammen gesetzt: durch den Andrang der Säfte werden diese reizbare Fasern in Thätigkeit gebracht; sie verkürzen sich und nehmen eine bestimmte Richtung an, so lange der Reiz der Säfte dauert und so lange dadurch ihre Reizbarkeit nicht erschöpft wird. Diese Kraft wird aber zu ei— ner bestimmten Zeit erschöpft, um sich periodisch wie—⸗ der herzustellen. Das ist ein Naturgesetz, welches auf alle organische Körper paßt. Bey erschöpfter Reizbarkeit müssen die Fasern der Schraubengäuge erschlaffen, der Blattstiel muß verlängert werden und das Blatt die schlafende Stellung annehmen. Das Licht ist ein mächtiger, aber nicht der ein⸗ zige Reiz für die organische Welt. Dauert in den Pflanzen der innere Trieb der Säfte noch fort, ist die Reizbarkeit der Fasern noch nicht erschöͤpft; so werden die Blätter fortfahren, zu wachen, weun gleich alles Licht entfernt ist. Auch die Wärme gehört zu den mächtigsten Reizen für die Pflanzen, wie für alle organische Körper. Durch zu starke Hitze wird die Reizbarkeit der Pflanzen erschöpft; daher hän⸗ gen die Blätter in der starken Sonnenhitze. Durch zu viele Feuchtigkeit erschlaffen die Fasern; deßwer 20* 308 gen konnte Bonnet das Schlafen der Blätter durch untergelegte Schwämme auch am Tage unterhalten. Im Winter hört der starke Trieb der Säfte auf, keit der Fasern erregt wird. Gefiederte Blätter schlafen häufiger als einfache, weil jene wegen ihrer größern Ausbreitung von zarterm Bau sind, und weil also ihre Erregbarkeit eher erschößft werden muß. Auf diese Art kann man also diese Erscheinung aus dem allgemeinen Naturgesetz der Erregbarkeit orga⸗ nischer Körper erklären. Für die Wahrheit und Anwendbarkeit dieses Na⸗ turgesetzes auf die Blätter sprechen noch viele andere Erscheinungen. Vorzüglich dient als Beweis dersel⸗ ben die Eigenschaft mehrerer, meistens gefiederter, Blätter, sich zu falten oder zusammen zu fallen, wenn sie berüͤhrt werden. Ein virginisches Farren⸗ kraut, Onoclea lenlibilis, zeigt diese Eigenschaft in einem besonders starken Grade. Es erträgt näm⸗ lich gar keine Berührung einer menschlichen Hand, ohne zusammen zu fallen und sogleich zu verwelken. Auch bey unsern Mimosen, besonders bey der scham-⸗ haften und empfindlichen, kennen wir eine ähnliche Eigenschaft. Das gefiederte Blatt fällt ganz zusam⸗ wodurch, als durch einen innern Reiz, die Thütig“ — —— — — —ũ— 300 Witer duh men, wenn man irgend wo den Blattstiel berührt, untithun und richtet sich nur erst nach einer geraumen Zeit Eist aj wieder auf, ohne daß deßwegen der Pflanze Scha⸗ die Diit den zugefuügt wird, wenn man nicht zu oft diesen dute Muun Versuch anstellt. e wegen ihn Die Blätter eines ostindischen Baumes, Aver— sid oa Carambola, zeigen eine ähnliche Erscheinung, werdu nni die aber mit merkwürdigen Nebenumständen verbun⸗ dscheinun eu den ist. Berührt man nämlich den gemeinschaftli— Ibarkat a chen Stiel des gefiederten Blattes; so ziehn sich die Blättchen zu beiden Seiten nicht zugleich zusammen, it Mid sondern erst immer die äußern, und dann die innern. 0 vilh Auch erfolgt diese Bewegung nicht sogleich, wie bey Brreis Unt den Mimosen, sondern erst einige Minuten nach der Berührung. 15 gjfehnth In den Blättern mancher anderer Pflanzen be⸗ en fe, rinn merkt man die Wirkungen der Erregbarkeit auf eine Gunthan noch seltsamere Weise. Auf den Blättern des Son⸗ ahibnn nenthaues, der in unsern Sümpfen nicht selten ist, Hlichen H werden Sie eine Menge schöner rother Haardrüsen ihn bemerken, die, wenn die Pflanze in vollem Wachs⸗ auhn thum ist, nur leise berührt werden dürfen, um sich Jus ihn einander zu nähern und dergestalt ein Zusammenrol⸗ n len des Blattes hervor zu bringen. Sie werden auch IA ‚ 0 ——— —— p‚‚‚‚eie‚eeeieseeeeeeeee ¶ qqSS— —— 310 diese Blätter oft mit Ameisen und kleinen Inseeten bedeckt finden, die durch das Zusammenrollen des Blattes erdrückt sind. In den Sümpfen von Südkarolina wächst ein seltsames Gewächs, Dionaa. Die Blätter dessel⸗ ben sind gegliedert, und das obere Glied besteht aus zwey Lappen, deren Ränder mit steifen Borsten, die Oberfläche aber mit röthen Drüsen besetzt ist. In der Mitte jedes Lappens stehn drey steife Stacheln aufrecht. Sobald sich ein Insect auf das Blatt setzt, klappen die beiden Lappen zusammen und die Sta-⸗ cheln durchbohren das Inseet. Jeder andere Gegen-⸗ stand, ein Strohhalm, ein Stückchen Papier und der— gleichen, wird auf ähnliche Art von den Blattlappen fest gehalten. Noch wundervoller sind die Bewegungen des dre—⸗ henden Süßklees aus Bengalen Héedylarum gyrans). Eine große Freundinn der Botanik, Lady Monson, fand dieses Gewachs schon vor dreyßig Jahren in den bengalischen Sümpfen. Ich habe es alljährlich aus Saamen gezogen, den ich aus Trankenbar er⸗ hielt. Die größte Merkwürdigkeit ist das unaufhör— liche Drehen der kleinern Blättchen, die zu beiden Seiten an dem Stiele der großen Blätter sitzen. Juseeth Rrollen y wächt en ktir desch esteht auz orsten, die t ist. I Stachel Matt sißz die Sitz ere Gega⸗ er und dw Blattlarna ugyrans/ Nonsot, Nahren in Aljährich Henbat et⸗ unaufhis zu babeh llet shl. 311 Das große Blatt richtet sich bloß auf und schläft periodisch, wie viele andere zusammen gesetzte und gefiederte Blätter; aber die Seitenblättchen drehn sich auf ihren Stielchen Tag und Nacht in einer krummen Linie. Gesetzt, sie hängen itzt ganz her⸗ ab, so fahren sie bald ruckweise, aber doch ziemlich langsam, in die Höhe, bis sie fast ganz senkrecht stehn. In dieser Stellung beharren sie einige Se⸗ eunden, auch wohl eine halbe Minute, dann senken sie sich eben so ruckweise wieder, bis sie ganz herab häugen; und so dauert diese Bewegung un⸗— aufhörlich fort. Doch muß die Pflanze schon et⸗ was heran gewachsen seyn und recht stark treiben, wenn man diese Bewegung am lebhaftesten bemer⸗ ken will. Im Herbst hört sie bey uns allemahl auf. Auch gehört etwas Geduld dazu, wenn man dies Drehen genau beobachten will, da die Blättchen bis⸗ weilen füͤnf bis zehn Minuten brauchen, um ihren Kreis zu vollenden. Offenbar liegt der Grund dieser Bewegung in der Kraft der Fasern, die den Blattstiel ausmachen. Diese müssen schon eine gewisse Stärke erlangt haben, wenn sie diese Bewegung hervor bringen sollen. Die Schraubengänge, woraus die Fasern bestehn, sind 312 schon vermöge ihres Baues mit besonderer Feder⸗ kraft versehn: sie werden durch den Andrang der Säfte in Thätigkeit gesetzt, und verkürzen oder ver⸗ längern sich so stark und so regelmäßig, daß sie dem ganzen Blatte eine beständig veränderte Richtung geben. Da das Aufsteigen der Säfte im besten Wachsthum der Pflanze unaufhörlich fortdauert, und nur am Tage stärker, zur Nachtzeit schwächer wird; so ist begreiflich, warum jene Bewegung der Blät⸗ ter des Hedylarum ununterbrochen fortwährt, so lange das Wachsthum dauert, wenn sie gleich zur Nachtzeit schwächer als am Tage ist. deren dag, Wdr u oder yyj doß u att Rütu sie in Ko rtdaueg hwicher anj uug der Hih filtuiht sie gaah y 313 XXVI. An meine Schwester. „Sieh, im wärmeren Strahle der rückwärts kehren⸗ den Sonne „freut sich die Blumengöttinn bey ihrer Kinder Ent⸗ wicklung, 7. öͤffnet die Kelche der Blüthen, und schmückt die bräutliche Tellns! „Nun blüht jedes Gefild und jeglicher Baum von Er— zeugung: „nun ist laubig der Wald, nun prangt die Schöne des Jahres.“ Las uns nun auch, meine theure Auguste, der Blumengöttinn ein fröhliches Opfer bringen! Laß uns die Wunder der Schöpfung in der Bildung der Blumen betrachten! Andere Schönheiten reizen uns nicht mehr bey genauerer Untersuchung: aber die Pracht der Blumen gewinnt bey jeder Zergliederung; sie gewinnt am meisten bey der Entdeckung der Be— ziehungen, die sie auf die große Haushaltung der Natur hat. In der That, meine liebste Schwester, fühle ich es immer mehr, daß wir nie die Natur begrei— fen werden, weil wir sonst an der Unendlichkeit des 31¹4 höchsten Verstandes Theil nehmen und die erste Ur⸗ sache jeder Naturerscheinung erkennen müßten. Aber verstehen lernen können und sollen wir die Natur. Wir sollen und lönnen die Gesetze übersehen⸗ nach denen sie wirkt; wir sollen Einheit in der Mannig⸗ faltigkeit ihrer Wirkungen aufsuchen: dann verstehn wir sie und dann genießen wir das reinste Vergnü⸗ gen; ein Vergnügen, wolches ich mit dem trefflichen Salzmann für einen Vorschmack des Himmels, für den Himmel auf Erden halte. Wir wollen also das reizende Schauspiel, wel⸗ ches uns die Kinder der Flora in der Entwickelung ihrer Bluüthen liefern, auch in diesem Sinne und in dieser Absicht betrachten, um die Nätur darin verste⸗ hen, um die Beziehungen dieser schön gebildeten Theile zu der ganzen Oekonomie der Natur einsehen zu lernen. Dann werden wir in den alltäglichsten Erscheinungen Wunder entdecken. Wir werden mit Lessing's Nathan sagen können: ———. i„ Der Wunder höches ist, „daß uns die wahren, ächten Wunder so „alitäglich werden können.“ Ehe ich Dich aber in die Geheimnisse der Natur selbst einweihe, muß ich erst einige Kunst ⸗Aus⸗ ů bed Rfst sesch I Ihel hen, hd uh N W die erst ARten, Ma die Nuth schen, nih der Nunni ann versieht sie Vergnl trefflichg Himna uspiel, gy⸗ Eutwickelug inue und i din va⸗ gebien atur eitihn alligichin petder n 3 is, unst, Mls 315 drücke erklären, deren man sich bey den Blumen zu bedienen pflegt. Wir nennen nämlich Blume einen jeden Theil des Gewächses, der die Werkzeuge der Befcuchtung in sich schließt. So berichtigt der wis⸗ senschaftliche Sprachgebrauch den gemeinen. Im ge⸗ meinen Leben versteht man unter Blume immer far⸗ bige Hüllen oder Blätter. Allein es giebt viele Blu⸗ men, die nicht farbig sind, und doch diesen Namen verdienen. Die meisten Gräser und Getraide-Ar⸗ ten, die Melde, der Gänsefuß und unzählige andere Pflanzen haben ungefärbte Hullen der Befruchtungs⸗ Werkzeuge, die aber dennoch den Namen der Blu⸗ men verdienen. Eine andere Berichtigung des gemeinen Sprach— gebrauchs betrifft den Ausdruck: Kelch, den man gewöhnlich für den innern, anders gefärbten Theil der Blume, z. B. bey der Nareisse für das Saft⸗ maal oder die Saftdecke, zu gebrauchen pflegt. Wir nennen dagegen Kelch jede Blumenhülle, die als Fortsetzung der Oberhaut des Blüthenstiels zu be— trachten und daher gewöhnlich grun ist. Blumen⸗ krone aber nennen wir die innere Blumenhülle, die als Fortsetzung der innern Theile des Blüthenstiels anzusehen und mehrentheils gefärbt ist. Bey der 316 Aurikel, der Nelke, der Rose kann kein Zweifel dar⸗ über seyn, welchen Theil wir Kelch, und welchen wir Blumenkrone zu nennen haben. Aber, wo nun keine doppelte Hülle, sondern nur eine einfache, und diese entweder gefärbt oder grün ist, da giebt es kein anderes Mittel, um dieser Hül⸗ le den rechten Namen zu geben, als nachzusehen, ob da, wo die scheinbare Blumenkrone auf dem Steugel sitzt, ein Absatz ist, oder ob die äußere Haut der Krone sich zugleich mit der Oberhaut des Stengels abziehen läßt. Ist das erstere, so hat die Pflanze keinen Kelch, sondern nur eine Blumenkro⸗ ne. Hängt aber die Oberhaut des Stengels mit der äußern Haut der einzigen Blumenhülle zusam⸗ men, so kommt es darauf an, ob die letztere gefärbt ist oder nicht. Ist sie gefärbt, so werden wir doch gewöhnlich, wie bey den Blüthen der Tulpenbäume, grüne Streifen an der äußern Seite der Blume be—⸗ merken, und wir müssen alsdann annehmen, daß Kelch und Krone verwachsen sind. Ist die Blumen⸗ hülle nicht gefärbt und hängt sie mit der Oberhaut des Stengels fest zufammen, so ist sie Kelch zu uen⸗ nen; doch auch dieser hat oft an der innern Seite eine zarte Haut, die als Ansatz der Blumenkrone be⸗ v und nach le sinden iult dn gh um diese H e nachtuschg Rone auf du ILIII Olethan Iete, so Iie Mumalh Slangeh u Kuhüle gie laztee ghit Herden ui u Thadun der Muele mmehmeh/ die Bunmn der Olahiu Kelch Iu Imnem El melkite/ 317 trachtet werden kann. Das letztere bemerken wir un— ter andern bey der Melde und dem Gänsefuß. Will man noch genauer seyn, so untersuche man den Bau der Blumenhülle mikroskopisch. Hat sie an der äußern Seite die einsaugenden Spaltöffnun⸗ gen der Oberhaut, so ist diese Blumenhülle kelchar⸗ tig; fehlen ihr aber die Oeffnungen, und besteht sie dagegen aus einem Gewebe von Schraubengän⸗ gen, so können wir sie eher Blumenkrone nennen.“ Durch diese Unterscheidung sind wir im Stande, manche Irrthümer zu berichtigen, welche die be— rühmtesten Botaniker zum Theil noch begehn. Sie nennen die Blumenhälge der Gräser und der Getrai⸗ de⸗Arten Blumenkronen, die doch nichts anderes als Kelche sind. Die gewöhnlich so genannten Kelche der Grasarten sind gemeinschaftliche Hullen der Aeh⸗ re oder der Rispe. Die eigentliche Blumenkrone der Gräser ist außerst fein, den bloßen Augen oft kaum sichtbar: man hat sie fälschlich Honig-Werkzeug ge— nannt, da doch kein Gras desseiben bedarf, wie ich in der Folge zeigen werde. Bey der gewöhnlichen Passions⸗-Blume ist die so genannte Blumenkrone kelchartig, und die eigentliche Krone ist der innere schön gefärbte Fadenkranz, der zugleich als Saftmaal dient. 318 Ich will Dich mit der Widerlegung abweicheu⸗ der Erklärungen vicht ermüden. Das siehst Du so⸗ gleich ein, daß die Farbe allein uns nicht bestimmen kann, den Kelch von der Blumenkroue zu unterschei⸗ den. Aber auch der Umstand kann nicht entscheiden, daß die Blumenkrove meistens sehr vergänglich ist, der Kelch aber stehen bleibt und oft die Frucht umgiebt. Wenn er das zwar oft thut, und z. B. die Haselnuß umgiebt; so kommen auch eben so viele Kelche vor, die früher abfallen, als die Blumenkrone, wie wir an den Feld⸗-Ranunkeln täglich sehn. Ja, manche Blumenkronen bleiben auch sitzen und schliehen die Frucht ein, wovon uns einige Arten Sauerampfer Beyspiele liefern. Der angegebene Unterschied zwischeu Blumenkro⸗ ne und Kelch hat uns schon unvermerkt auf den Bau dieser Theile geführt. Der Kelch ist mit der Ober⸗ haut der ganzen Pflanze bedeckt, und besteht aus mehr oder weniger festem Zellgewebe, mit sparsamen Schraubengängen durchflochten. Die Blumenkrone dagegen besteht aus dem zartesten Zellgewebe, mit einem äußerst feinen Netze von Schraubengängen reichlich versehn. Ihre Oberhaut weicht, vorzüglich an der innern Seite, von der Oberhant aller äbri⸗ Haue eine Mus ug abueät schi Dy uaht Kfumg I iht mirnn Ranglich int Frucht With rone, uie v N/ u 0 schiehn Caletu her Bunn It uHO mit xr Ne/ 10 Heächt a mit sorriinn EIIII sHhe U Rnubetti t/ is N 50 PII 319 gen Theile ab. Sie ist nicht mit Spaltöffnungen durchbohrt, sondern sie erhebt sich in lockern Wärz⸗ chen, die meistens mit Tröpfchen Flüssigkeit bedeckt sind. Dadurch bekommen manche Blumen, wenn man sie gegen die Sonne hält, ein schillerndes An⸗ sehn, als wenn sie mit Goldpunkten besäet wären. Am schönsten wirst Du dies Schillern bey der Ama⸗ ryllis und bey den Blüthen einiger Kranichschnäbel bemerken. Ich lege Dir die mikroskopische Zeichnung eines Stückchens von der Oberhaut der Blume eines ro— then Kranichschnabels(Pelargonium hybridum) bey. Du siehst in Fig. 29 die warzenförmige Oberfläche, und in a ein einzeles Wärzchen mit einem Tröpf⸗ chen Feuchtigkeit bedeckt. Diese Form der Oberhaut macht die Blumen⸗ krone fähig, sehr stark auszudünsten und die Be⸗ standtheile der eigenthümlichen Pflänzensäfte auszu⸗ hauchen. Der Geruch der Blume lehrt es auch, daß eine Menge eigenthümlicher Pflanzenstoffe durch ihre Ausdünstung fortgeht, und die Beklemmung, welche wir fühlen, wenn eine Menge stark riechender Blu⸗ men in verschlossenen und engen Zimmern steht, die Beängstigung und Nerven⸗Zufälle, welche schwächli⸗ 320 che Leute oft von dem Geruche der Tuberosen, Lilien u. s. w. erleiden, bestätigen es, daß die Luft durch die Ausdünstungen der Blumen wenigstens nicht verbessert wird. Aus den Blumen der Capueiner-Kresse(Tropaeo- lum maius) und des Diptams entwickelt sich Wasser⸗ stoff in beträchtlicher Menge und entzündet sich bis— weilen an der Atmosphäre. Auf einem Beete mit Capueiner-Kresse berflanzt sieht man an schwülen Sommerabenden nicht selten Irrwische wie auf sum— pfigen Gegenden hin und her schweben. Und die Luft, die der weiße Diptam aushaucht, kann man 35 ei⸗ nem brennenden Licht anzunden. Auch Kohlenstoff wird von den Blumen, mit Wasserstoff verbunden, in beträchtlicher Menge aus⸗ gehaucht, wodurch die Luft auch verderbt wird. Der betäubende Geruch verschiedener Blumen, der Bella⸗ donna, des Hammerstrauchs(Celtrum), der Houig blume(Melianthus) und der Cassien läßt vermuthen, daß viel gekohlter Wasserstoff aus ihnen ausgehaucht wird. Und wie schrecklich ist der Gestank mancher Bluthen, der Stapelien, der stinkenden Iris, nicht! Die Blumen der Stapelien locken sogar Fliegen an, estandtheile und es mussen aus ihnen also ähnliche B berchen, n Lust durg vicht vakesn drese Tupmn elt sch Asz Hundet i. inem Ven u Ran an shrig che hie dus r I. Und Reth un man müt Vlumeh /v. cher Nun derht Rh. Da läst uth en autgehu esank nut en Irih N r Fligel 4 ÄVsasdtyl 321 als aus verwesenden thierischen Theilen entwickelt werden. ů ů Aber gerade der starke Geruch vieler Blumen ist ein wichtiges Mittel in den Händen der Natur, um ihren grohen Zweck, die Fortpflanzung, zu befördern. Blumen, die keine helle Farben haben und den In⸗ seeten nicht von weitem in die Augen leuchten, duf⸗ ten, besonders zur Nachtzeit, ungemein stark, und lo⸗ cken dadurch die Inseeten an, die, wie ich in der Fol—⸗ ge erweisen werde, zur Befruchtung vieler Pflanzen unentbehrlich sind. —————„Die Nachtviole laßt immer „die stolzeren Blumen den Duft verhauchen: sie schließet bedächtig „ihn ein und hoffet am Abend den ganzen Tag zu beschämen.. „Ein Bildniß großer Gemüther, die nicht, wie die ö furchtsamen Helden, „ein Kreis von Bewunderern spornt; die tugendhaft wegen der Tugend, „im stillen Schatten verborgen, Gerüche der Gätigkeit ausstreun.“ Die Betrachtung des Reichthums an Farben, den die Natur in der Blumenkrone fast verschwendet hat, ist ungemein interessant; aber, sie auf die ersten Erste Sammlung. 21 322 Ursachen zurück zu führen, daran müssen wir beynahe verzweifeln, weil wir die Theorie der Farben nicht ken⸗ nen. Wir wollen indessen erst Thatsachen zusammen stellen, die unser Urtheil über die wahrscheinliche Ent— stehung der Farbenpracht in den Blumen leiten können. Unter allen sieben Regenbogen⸗Farben, welche die Blumen liefern, ist vielleicht die grüne die seltenste. Indessen trifft man grüne Aurikeln, grünliche Blu⸗ men der Lachenalien und anderer Gemüchse nicht sel⸗ ten. Weiß, Blau, Gelb und Roth sind die gewöhn⸗ lichsten Farben. In kalten Gegenden und auf der Höhe der Alpen sind die Blumen mehrentheils weiß; doch sinden wir auch in manchen Alpen⸗Pflanzen, be⸗ sonders in den Enziauen, ein herrliches Blau. Jae⸗ guin fand diese Bläue bey einer Art Enzian so be⸗ wundernswürdig, daß er sagt, es sey ein überbimm⸗ isthes Blau. Und Haller sang von den gelben und blauen Enzianen der Alpen: „Dort ragt das hohe Haupt vom edlen Enziane „weit üÜbern niedern Chor der Pöbelkrauter hin. „Ein ganzes Blumenvolk dient unter seiner Fahne: „ein blauer Bruder selbst bückt sich und ehret ihn. „Der Blumen helles Gold, in Strahlen umgebogen, „thürmt sich am Stengel auf, und krönt sein grau Ge-⸗ wand. r bennh ben iat sen usinnn scheillihret lite Unn Leu wihe he d sitn Rrinlich d Ichse nihtst 0 die znin ind auf reuthei vij XI E CMin ein iehat den g N Emiiane Itet hin. ner dahot: ehttt ihn, umoebegtj ein glal E. . 323 „Der glätter glattes Weiß, mit tiefem Grün durchzogen, „strahlt von dem bunten Blitz, vom feuchten Diamant. „Gerechtestes Gesetz, daß Kraft sich Zier vermähle: „In einem schönen Leib wohnt eine schön're Seele!“ Auch in sehr kalten, selbst in Polar-Gegenden, finden sich helle, sogar breunende Farben der Blumen. Ich will nichts von der herrlichen Kardinals-Blume in Kanada, nichts von der lieblichen Fuchsia in Pata— gonien und auf den Falklands-Inseln sagen, die sich durch ihre brennende Röthe auszeichnen. Die magere spitzbergische Flor hat doch die rosenrothe Wasser-Til— läa, den purpurrothen oder blaueh paarblätterigen Steinbrech(Saxikraga oppolitifolia), die dunkelgelbe Sibbaldia, den rosenrothen Gletscher-Ranunkel. Auf der entsetzlich kalten und an Blumen armen Be— riugs⸗Jusel wächst unsere dunkelgelbe Arniea und un⸗ ser Reinfarrn; auf Unalaschka, fast der nördlichster der Fuchs⸗Inseln, die kamtschatkische Lilie mit pur⸗ purrothen Streifen. Es ist also kein allgemeines Ge⸗ setz, daß heiße Länder die schönsten Blumen haben, und daß die breunenden Farben der letztern sich in tro⸗ pischen Gegenden am häufigsten finden; denn auch die weiße Farbe kommt bey vielen Blumen zwischen den Wendekreisen vor. 32⁴ Im Ganzen genommen ist das schöne Spiel von Farben in den Blüthen Folge ihrer zarten Organi— sation. Die Blätter haben überall denselben Bau und es setzt sich derselbe feste Färbestof in ihnen ab, der durch Berührung des Lichts die grüne Farbe erzeugt. Aber die Blumen haben ein viel mannig—⸗ facheres, zarteres Gewebe, welches in jeder Pflan⸗ zenart von eigenthümlicher Beschaffenheit auch ei⸗ genthümliche Farben bey der Berührung des Lichts giebt. Die Zartheit des Gewebes in der Blume ist die Ursache, warum sich die Farben vieler Blumen sehr schnell ändern. Eine Art von Süßklee(Hedyfa- rum maculatum) hat des Morgens violette, des Mit-— tags grüne Blumen. Die gelben Blumen des Schne— ckenklees Ledicage prostrata) werden am folgenden Tage violet. Eine Art Hibiseus hat des Morgens weiße Blumen; gegen Mittag werden sie inearnat und gegen Abend rosenroth. Auch unsere Nachtker⸗ zen, die weiß blühn, bekommen nach einigen Stun—⸗ den violette Blumen. Das merkwürdigste Beyspiel eines solchen Farbenwechsels liefert eine Art von Schwertlilie(Sladiolus versicolor), deren Blume ein wahrer Chamaleon ist. Des Morzens ist sie braun, 325 6 Ei durchläuft am Tage alle mögliche Schattirungen, und len Jum des Abends wird sie blau. So bleibt sie die Nacht hseshen Iu durch; am folgenden Morgen nimmt sie wieder ihre fiihnenh braune Farbe an und wiederholt dasselbe Farbenspiel Ruüxe dnz wie gestern. Viel nuny Je veränderlicher die Farben der Blume sind, jitdet du desto zarter und vergänglicher ist der Bau der Blu⸗ Uheit auch menkrone. Bey vielen Pflanzen ist wirklich die Far—⸗ Ing deß Vh be der Blumenkrone etwas sehr zufälliges: vorzüglich in dem„Hygeinthen-Prunk und der eitlen Tulpen⸗ Blde„Aesthetik, des batavischen Krämers Erfindung.“ Relet Blonn Aber gewiß thut man Unrecht, in der Botanik das Sllee At Gesetz zu geben, daß bey Bestimmung der Arten nicht auf die Farbe gesehn werden müsse. Wer mag die Aster⸗Arten gehörig unterscheiden ohne die Farbe des Strahls und der Scheibe der Blumen zu Ra⸗ the zu ziehen, die gewiß bey dieser Gattung sehr wesentlich ist? Bey manchen Gattungen, wie bey der Goldruthe, den Phlox und Glockenblumen, kommt immer nur dieselbe Farbe vor, und man könnte sie so⸗ ette/ des M des Schl mm fulgend e Morgah sie incarl re Nachllh Iigen Gih gar zum Gattungs⸗Charakter rechneu. ile Vüht ö—.—— 1990 6 Gewisse Theile der Blume sind immer anders ine Mi M— 7— B gefärbt: mehrentheils sind dies die tiefer liegenden ⸗/ e Muhie die zu den Saftmaschinen oder Honig-Werkzeugen ist se ha 26 den Inseeten den Weg weisen. Man nennt sie da— her Saftmäler. Die meisten unserer Iris⸗Arten haben einen anders gefärbten Bart auf den außern Kronenblättern: beym Löwenmaul(Antirrbinun) führt der schöne Fleck auf der Unterlippe auch auf die innern Theile der Krone, wo der Saft verbor— gen ist. Bey unserm Rittersporn sehn diese Saft— mäler wie die griechischen Buchstaben AIA 5) oder, wenn man die Vlume anders kehrt, wie vyV aus. Die Alten lasen bald Ajas, bald Hyaeinthus in dieser Blume, und fabelten, daß sie aus dem Blu⸗ te zweyer Königssöhne, des schönen Hyaeinthus aus Sparta, und des Ajas, Telamons Sohn, aus Sala— mis, erwachsen sey. Daher singt Menalkas beym Virgil: „Sage mir, wo zu Lande, mit Königs-Namen be— zeichner, „Frühlingsblumen entblühn; und allein ersreue dich Phyllis!“ Der vorzüglichste Nutzen, den die Farben der Blumenkrone für die Oekonomie des Gewächses selbst „ Die altesten Grlechen schrieben das ohne Ouersirich. ) Wist 9. die und se 327 * neut se hervor bringen, ist also die Aulockung der Inseeten, Un durch die, wie ich nachher noch umständlicher zeigen difiln werde, die Befruchtung befördert wird. Damit hüngt — auch die Bestimmung zusammen, daß durch Aushau⸗ iMpe ug chung verschiedener Urstoffe, besonders des Wasser⸗ Oast tal und Kohlenstoffs, die Bereitung der zur Fortpflan⸗ idiese Eih zung nöthigen Säfte und Substanzen, des Wachses IH h in den Autheren, des Oehls auf der Narbe, und des Re vy Honigs in den Saft-Werkzeugen, begünstigt werde. Id Hyrthg Wahrscheinlich hätte diese Entwickelung bestimmter aus dunde Urstösse nicht erfolgen köunen, wenn die Blume ein Mahthugt solches Gewebe hätte, wie es die grünen Blätter be⸗ ,E sitzen. Nagolkt hn Ofsfenbar dient ferner die Blumenkrone dazu, die zarten Werkzeuge der Befruchtung einzuhüllen und sie vor den schädlichen Einslüssen äußerer Dinge zu schützen. Die Werkzeuge der Befruchtung sind nige/Mun 0 Lein easuut der vorzüglichste Gegenstand der mütterlichen Sorg⸗ ‚ falt der Natur: unter den noch geschloffenen Blu⸗ ie Ribn ö menhüllen stärken sie sich und bereiten sich, durch iu⸗ Ködss nige Verarbeitung ihrer Bestandtheile, vor, das Licht der Sonne zu sehen und den Wink der Natur zu befolgen. Erst, wenn sie im Stande sind, ihre Be— yne drasih ö— stimmung zu erfüllen, entfaltet sich die Blumenkro⸗ 323 ne, schließt sich aber wieder zu einer Zeü, in wel⸗ cher äußere Dinge den zarten Befruchtungs⸗Werk⸗ zeugen nachtheilig werden könnten. Viele Blumen können nur die stärkende Mor⸗ genluft und die ersten Strahlen der Sonne ertragen; den ganzen Tag über bleiben sie geschlossen. An den Convolvulus⸗Arten, Ipomöen und den Arten des Bocksbarts bemerkt man dies vorzüglich. Wir finden sie meistens nur Vormittags bis um elf Uhr offen. Andere entfalten sich nur des Abends und blühn die Nacht hindurch, wahrscheinlich, weil sie von Nacht⸗Inseeten besucht werden und weil ihre zarte Theile von der Sonne gleich zerstort werden würden. Die Nachtkerzen, die Gaura, die Mirabilis- Arten dienen zum Beyspiele. Diese haben dann zugleich entweder sehr helle oder sehr wohlriechende Blumen, um auf beiderley Art die Insecten anzulocken. Man bemerkt bey vielen Pflanzen aus der neun⸗ zehnten Klasse, daß ihre Strahlblümchen zur Nacht— zeit herab hängen, wenn nämlich die Scheibenblu— men in einem Kegel aufgethürmt stehn, und daß dadurch das Abfließen des Regens und des Thaues erleichtert wird, wovon sonst die zarten Werkzeuge NU, Nl htungs; Nu stärketz un Soure auum eschasa Y Iud dan u Hügich M bit un NM ends uud Hit 5Rweil se u weil ihte gtt werden tinn. Rimabils Au duit nlt Hende Muug zulocka. aus dit u zur Rih Schabue Iu/ ret D Daalh 329 der Befruchtung leiden würden. Zum Beyspiele kann die Kamille dieunen. Bey andern Pflanzen aus dieser Klasse zieht sich aber der Strahl um die Scheibe zu⸗ sammen, wenn es regnen will oder wenn der Abend heran naht, wie bey den Ringelblumen. Ja, bey vie⸗ len Blumen bemerkt man das Oeffnen und Schließen zu so bestimmten Zeiten, daß man auf die Idee ei⸗ ner Blumenuhr gefallen ist. Um eine solche zu er— richten, schlug Linné vor, dergleichen Blumen so neben einander zu pflanzen, daß sie in der Reihe folgten, wie sie sich entfalteten: die braunrothe Tag⸗ blume Hemerocallis fulva), der Bocksobart, der Lö⸗ wenzahn, die Crepis, der Sonchus, der Rheinkohl, die Cichorie und einige Convolvulus-Arten schon früh um funf Uhr; die Habichtskränter und die Hy⸗ pochöris⸗Arten um sechs Uhr; gegen sieben die La⸗ etuke, die Wasserlilie, der Gauchheil und der Mohn; um acht Uhr die Ringelblumen, in Treibhäusern die Zaserblumen; um neun Uhr einige Nelken; um zehn die Malven und der Portulak; u. s. f. Man wird indessen bey der Anlegung einer sol⸗ chen Blumenuhr bald bemerken, daß sie sehr unrich—⸗ tig geht. Die Temperatur, die Trockenheit und Feuchtigkeit der Luft äußern einen so starken Einfluß 330 auf das frühere oder spätere Oeffnen der Blumen, daß man z. B. an trüben, nebligen Tagen den Con⸗ volvulus noch den Nachmittag offen finden wird, wenn er sich bey trockener Witterung schon um elf Uhr schließt. Daß aber die Blumen vorzüglich zur Beschüt— zung der zartern Werkzeuge der Befruchtung be— stimmt sind, sieht man sehr deutlich auch daraus, weil in solchen Blumen, deren Staubfäden eine be⸗ sondere Federkraft haben, diese so lange in Hüllen oder Blättern der Blumenkrone eingeschlossen zu seyn pflegen, bis sie zu ihrer Bestimmung reif sind. Bey allen Arten des Schneckenklees wirst Du finden, daß die Staubfäden in dem Schiffchen so lange ein— geschlössen sind, bis ein äußerer Druck, ein Windstoß, oder ein Inseet darauf wirkt: dann springt das Schißschen mit großer Schnellkraft zurück und die Befruchtungs-Werkzeuge werden bloß. Ich lege Dir die Zeichnung der mexikanischen Lopezia bey,(Fig. 30,) wo Du(a, 2) die einzige Anthere mit ihrem Pistill noch eingeschlossen in einem eigenen Kronenblatte siehst. Sobald man dies be—⸗ rührt, springt es zurück: die Anthere steht bloß und hät hinter sich das noch unentwickelte Pistill(d). 331 1 4 Späterhin legt sich die Anthere vorn über, und die Lagen dengy— EN sn m 125 des Pistills entwickelt sich deutlicher, und wird haarig(o). schnn uu ö XXVII. ich ut Wüit Beuäng! An eben dieselbe. ich auc duth J3 meinem letztern Briefe zeigte ich, daß die Blu⸗ iobside eit men um der Werkzeuge der Befruchtung willen da lange ij Hiln sind. Wir wollen nun den ganzen Apparat und die eingeschlsn g merkwürdigen Veranstaltungen der Natur zur Errei⸗ umung nij jl chung ihres Zweckes, der Fortpflanzung der Arten, witst Du f genauer untersuchen. Vor hundert Jahren war man en so lungey über diesen äußerst wichtigen Gegenstand noch ganz , ein Dulith im Dunkel. Zwar wußte man im Alterthume schon, aun srut. daß die Terebinthe und die Palme nicht Frucht tra⸗ suict u N gen, wenn man ihre Blüthen nicht mit dem be— . ö fruchtenden Staube anderer Bäume von derselben aiui Art bestreut; der gemeine Mann weiß noch, daß 2) N At man beym Hanfbau die unfruchtbaren, bloß Authe⸗ hsen iun ren tragenden Pflanzen nicht eher heraus reihen Ih darf, bis die andern fruchttragenden angesetzt ha⸗ Icht lů u ben: aber, daß bey jeder Pflanze das Zusammen⸗ MU wirken zwiefach gebildeter Theile erfordert werde, 332 wenn die Befruchtung erfolgen soll, das ahnten erst im siebzehnten Jahrhundert einige wenige Naturfor⸗ scher, bis Blair, Moreland und Linné durch Versuche und geuauere Beobachtungen die Allgemein⸗ heit dieses Naturgesetzes entschieden. Aber, was es eigentlich mit dem Einfluß der Insecten auf die Be⸗ fruchtung für eine Bewandniß habe, das lehrte erst vor zehn Jahren unser Onkel aufs einleuchtendste. Du mußt, meine geliebte Schwester, Dir erst überhaupt merken, daß bey allen Gewächsen, deren BefruchtungsWerkzeuge wir kennen, diese zwie—⸗ fach gebildet sind: die einen sondern eine befruch— tende Substanz ab; die andern nehmen diese auf, enthalten die Keime der künftigen Saamen und bil—⸗ den in sich dieselben, nach geschehener Befruchtung, aus. Die erste Art von Werkzeugen können wir die befruchtenden nennen. Man faßt sie am besten mit dem griechischen Worte: Antheren, zusam⸗ men. Authere nennen wir also im ganzen Pflanzen⸗ reiche das Werkzeug, worin die befruchtende Masse enthalten ist. Gewöhnlich stehn diese auf besondern Stlützen die man Staubfäden nennt; oft aber fehlen auch die letztern, und die Antheren sitzen dann the yund efin sit WI — 33 ö 8 dut ahmng auer d entweder auf der Vlumenkrone, oder auf dem Frucht⸗ ehige Muupz boden, oder am Pistille selbst. dkinnitnh ů. ö Die zweyte Art von Werkzeugen können wir die V die U U zan zu befruchtenden oder befruchteten nennen. Gewöhnlich stehn sie in der Mitte der befruchtenden, und unterscheiden sich gemeiniglich von den letztern dadurch, daß sie unten dicker als oben sind, statt daß die befruchtenden Werkzeuge oben einen dickern, abge⸗ 111 cie us h 1 einlechhul, Uester; Din ie ei Wuft B. sonderten Körper, die eigentliche Anthere, auf einem anlesn, un dünnen Faden sitzen haben. Bey den zu befruchtenden u dist w Werkzeugen unterscheiden wir den Fruchtknoten, in ein lift das Pistill und die Narbe. Der Fruchtknoten Hleu Ret ist der unterste dickere Theil, der die Keime der künf⸗ amen und tigen Saamen enthält: das Pistill steht auf diesem r Bfstullu und endigt sich in die Narbe, die zur Aufnahme der befruchtenden Substanz bestimmt und mehrentheils onnen dit N. mit einer schmierigen Feuchtigkeit überzogen oder sie in Hn mit Haaren besetzt ist. Alle diese Theile wollen wir eten, ss itzt genauer durchgehen. Men Nung Was zuvörderst die Staubfäden betrifft, so be— ichtede Mus stehn sie aus gestreckten Zellen und dichten Vündeln auf Htu von Schraubengängen, und kommen entweder aus ut: N Al dem obersten verdickten Theile des Blüthenstiels, h N oder aus den Kronenblättern, oder bisweilen selbst 334 aus dem Pistill hervor. In manchen Blumen sind sie äußerst kurz, z. B. beym Heliotropium und dem Vergißmeinnicht; bey andern ungemein lang, z. B. bey der Mirabilis. Bey einer zahlreichen Klasse von Blumen ist ihre Länge verschieden: zwey sind länger, zwey kürzer, z. B. bey der Lavendel; oder vier sind länger und zwey kürzer, wie bey dem Kohl und Rettich. In vielen Blumen sind sie entweder ganz verwachsen, wie in den Malven, oder es bleibt ein Staubfaden frey und die übrigen sind verwach⸗ sen, wie in Erbsen, Böͤhnen und Wicken. Viele Staubfäden haben einen gegliederten Bau und scheinen aus lauter kleinen Gelenken zu beste⸗ hen. Vermöge dieses Baues springen sie mit großer Schnellkraft in die Höhe, wenn sie berührt werden, und die auf ihnen sitzende Anthere sprüht die be⸗ fruchtende Substanz von sich. In den Blumen der Berberitzen und des Glaskrauts(Parietaria offieinalis) kannst Du ganz deutlich diese Sinrichtung bemerken. Bey manchen Staubfäden bedarf es bloß des An⸗ hauchens, um sie in Bewegung zu setzen. Das sieht man an dem Cistus, der bey uns auf Bergen wächst. Eine Art Fackeldistel hat eine große Menge Staub⸗ fuäden, die auf jeden Reiz sich nach der entgegen ge⸗ setzten Richtung bewegen. 6 oere/ 0 Ihig sloct m E h A V DI BDun sünf der lo ben Ind d N Immi h hicht! heh 0 —* Röhn 335 Vum Wpium ud in Ing Es giebt Staubfäden, die mit Ansätzen versehn, andere, die ästig sind. Ansätze sieht man in der Sal⸗ bey: ästig sind sie in einer herrlichen Blume des süd⸗ ihlicher gah lichen Amerika, der Carolinea. Mit Haaren besetzt den: zy j findet man sie sehr häusig, z. B. in der gemeinen Kö— een nigskerze(Verbalcum Thaplus) und in der virgini⸗ iie da dn l schen Tradeseantia,(Fig. 21.) snd stang Die Zahl der Staubfäden steht gewöhnlich mit Ider al der Zahl der Kronenblätter oder der Einschnitte der sud wang Blumenkrone in Verhältniß. Hat die Blumenkrone hidei. fünf Blätter oder Einschnitte, so pflegen auch fünf Hehlchntt d dder zehn Staubfäden da zu seyn. Doch findet sich Henken davon manche Ausnahme. Mehrere Scabiosen ha— s iten ben fünf Einschnitte in den einzelen Blumenkronen, huuhit 60 und doch nur vier Staubfäden. Nicht alle Staubfäden haben Antheren: die Kranichschnäbel haben zehn Staubfäden, unter wel⸗ süht x u Buuma x chen drey, selten fünf, keine Antheren tragen. So giebt es auch Autheren ohne Staubfäden, wie z. B. bey den Knabenkräutern. karid cHHh tunz bennta blaj d Ich komme zu den Antheren selbst. Dies sind ge⸗ wöhnlich fächerige Körver, von ovaler oder pfeilför⸗ miger Gestalt, in welchen die befruchtende Substauz, wie kleine Kügelchen oder eckige Körperchen, enthal⸗ * Bergen sihs otgegel g * — 4. 33⁰ ten ist. Wir uennen die letztern mit dem lateinischen Namen Pollen. Die Anthere ist ganz damit ange⸗ füllt, und besteht übrigens aus einem zelligen Gewe—⸗ be, welches anfangs sehr derb, dann aber immer lo⸗ ckerer wird, bis endlich die äußere Haut reißt, und der Behälter selbst eine einzige Höhle, oder zwey oder vier Fächer darstellt. Bisweilen sind auch die Authe⸗ ren mit Haaren besetzt, wie bey der Lavendel. Bey einer Wasserpflanze, der Zostera, bemerkte Caulini einen gegliederten Ring um die Authere, der das Auf⸗ springen derselben befördert. Die Körverchen, die den Pollen ausmachen, sind entweder vollkommene Kugeln, oder ovale Köruchen, uder von eckiger Gestalt. Selten sind sie ganz glatt; gewöhnlich findet man sie um und um mit feinen Sta⸗ chelchen oder Härchen besetzt, die man freylich nur durch eine sehr starke Vergrößerung gewahr werden kann. Du siehst hier(Fig. 31) die Zeichnung des Pollens aus der großen Rosen-Malve und(Fig. 32) aus einer Art von Senecio. Die ovalen Pollen⸗Kör⸗ verchen pfiegen einen länglichen Einschnitt zu haben, der als ein dunkler Strich erscheint. Vom eckigen Pollen siehst Du Fig. 33 ein Beyspiel aus der gewöhn⸗ lichen Naehtkerze wo er dreyeckig ist und durch zarte sit den sthürh umttr⸗ luem Rlliga y aun aberinng ue Halliis, hly/ Ra ugfh sindeut Ruiz der Luadl z bemali Gi uthete/ dRxMI en aubumi der pylle Kat sind je gunt um mit senne wman sigsh Ig gewaht m die Zrichuui Albe nd K Ralen ll sschnitt u R . M ll 0 bn Rri und dusc i 337 Fäden zusammen hängt. Eben so bemerke ich Fig. 34 in dem Pollen der Fuchsia eiige Körper, die durch zarte Fäden verbunden sind. Selten ist die haarför⸗ mige Gestalt des Polleus, die Caulini bey der Zo⸗ stera bemerkte. Eben so merkwürdig ist die blasen⸗ förmige Gestalt des Pollens bey einigen Orchiden, da er bey andern aus fast dreyeckigen Körperchen be⸗ steht, die an einem sehr elastischen Faden gereiht sind, und sich in sich selbst zusammen rollen, so lange sie noch in ihren Behältern eingeschlossen sind, aber, auf das Neetarium gebracht, sich lang aus einänder ziehn. Bey einigen Arten der Knabenkräuter fand Swartz die Theile des Pollens durch kettenförmige Fäden verbunden. Merkwürdig ist, daß fast durchgehends der Pol⸗ len dieselbe Gestalt bey 4ͥ derselben Gat— tung, oft auch bey verwandten Gattungen hat. Ge⸗ rade die dreyeckigen Formen, die der Pollen der Nachtkerze zeigt, finden sich auch in dem Pollen der Gaura und des Weidenrösleins. Fast alle malven⸗ artige Pflanzen haben denselben Pollen, wie die gro⸗ ße Rosen⸗Malve. Die Substanz, die diese Körperchen enthalten, ist wachsartig, ohne doch das Wachs selbst zu seyn, Erste Sammlung. 22 — 222 338 welches wir in den Bienenstöcken bemerken. Das letztere unterscheidet sich aber von dem Pollen der Antheren bloß durch Beymischung von etwas thieri⸗ scher Flüssigkeit. Die Bienen nämlich, welche die Blumen mehrentheils des Morgens und Abends be⸗ suchen, wenn der Pollen feuchter ist und besser häu⸗ gen bleibt, beladen sich damit, und ihr haariger Kör⸗ per ist oft davon ganz wie bepudert. Dann aber streichen sie diesen Pollen mit den Füßen ab, ballen ihn zu kleinen Kügelchen und bringen diese mit den mittlern Füßen in eine besondere Grube am Hinter⸗ schenkel. Hierauf fliegen sie zu ihren Stöcken, legen die Kügelchen in die Zellen, tröpfeln etwas Feuchtig⸗ keit darauf und kneten es durch einander. Diese durchknetete Substanz ist nun erst Wachsmehl: sie wird von den Bienen verzehrt und erst in ihrem Leibe in eigentliches Wachzverwandelt. Das Wachs-⸗ mehl geht nämlich durch den ersten oder so genann⸗ ten Honigmagen in den zweyten Magen, wo die Speisen verdauet werden, und von da ia die Einge⸗ weide. Ein Theil des Wachsmehls wird wahrschein⸗ lich zur Nahrung verwandt; ein anderer Theil aber schwitzt durch die sechs Ringe am Hinterleibe hervor, und setzt sich da in Gestalt zarter Blätchen an, welche 339 bemafen. V den Wug von etwa tzig hlich, nuhe und Uazz j die Bienen mit den Hinterfüßen abnehmen. Dies ist das wahre Wachs, woraus die Bienen nun ihre Zellen bauen. 28—— So wohl das letztere als auch der Pollen, wor⸗ aus es entsteht, hat sehr einfache Vestandtheile: ge— gen acht Theile Kohlen⸗, und zwey Theile Wasser— stoff. Der Sauerstoff der Pflanzensäfte scheint näm⸗ lich theils durch die Ausdünstung der grünen Blätter, theils durch die Absonderung des Honigsaftes sehr beträchtlich vermindert zu seyn, ehe die Pflanzensäfte in die Staubfäden und in die Antheren gelangen. tud iht Hunur i hert. Im l Füja h, Hlz Igen diet rit y Gtube an u Eiitn Hier also können die übrigen Urstoffe desto mehr her⸗ in etüdt Pdh vor stechen. Rumm, Alles Wachs ist als ein festes Oehl aazusehen; Dinchl denn es unterscheidet sich bloß vom Oehle durch ei— nd ei nen geringern Vorrath an Wasserstoff, und vielleicht elt. Ma auch durch etwas mehr aus der Luft angezogenen Moder s gun Sauerstoff: daher löset sich das Wachs auch in Magah, u. x Oehlen auf, und gerade durch diesen Umstand wird da in Meein die Befruchtung zum Theil erklärt. yund chishet Bringt man den Pollen, noch ehe er vollkom-⸗ Dertt Zhyal un men reif geworden ist, in einem Wassertropfen un—⸗ Intenlabe Hut, ter das Mikroskop, so bemerkt man bisweilen ein mn uu, Aufplatzen und Heraussprühen einer wahren Staub⸗ 22* 2⁴ 340 wolke, wodurch das Wasser getrübt wird. Man hat daraus geschlossen, daß in der Natur etwas Aehnliches vorgehe, daß also die wachsartige Substanz in Form einer elastischen Wolke hervor sprühe und dergestalt die Befruchtung bewirke. Andere haben diese Mei⸗ nung aus dem Grunde gänzlich verworfen, weil das Wasser so wenig ein natürliches Auflösungsmittel der befruchtenden Substanz sey, daß man vielmehr da— durch alle Befruchtung hindern könne. Man führt, um dies zu erweisen, die gewöhnlichen Beobachtun— gen vom Schäden des Regens in der Baumblüthe und vom Aufsteigen der Wasserpflanzen, wenn sie blühn, an. Darnach scheint also die Trockenheit zur Befruchtung erfordert zu werden. ö Die letztere Behauptung darf aber nicht für all⸗ gemein gültig angenommen werden. Anhaltende Dürre ist der Baumblüthe eben so nachtheilig, als zu heftiger und langer Regen. Die Erfahrung lehrt, daß ein saufter Regen dem Ansetzen der Baumfrüch— te nicht allein nicht hinderlich, sondern vielmehr! vor⸗ theilhaft ist. Auch kommen nicht alle Wasserpflan⸗ zen in der Blüthe über die Oberfläche des Wassers herbor. Caulini hat von der Zostera, der Ruppia und einigen andern Wassergewächsen erwiesen, baß 341 Id. Mas zu————— A sie sich unter dem Wasser befruchten. Die Salvinia aschh trägt die Antheren und die Pistille in abgesonderten bfanz Kapseln unter dem Wasser, und es geht doch die nd dupnn Befruchtung vor sich. Und, wie sollte die Nässe al⸗ Wen diet 990 ler Befruchtung hinderlich seyn, da die Moosblüthen n nil oft in beständiger Feuchtigkeit schwimmen, und den⸗ sungemtly noch sehr gut Frucht ansetzen? an vilit Allein jene Idee von dem Heraussprühen der e. Nau ihz befruchtenden Substanz aus den Pollen⸗ Kugelchen n Mobabtu ist aus dem Grunde nicht anzunehmen, weil der et Mumsij Pollen, wenn er auf die Narbe gelangt, dort nicht Hen, nup Wasser, sondern Oehl, als das natürlichste Auflö—⸗ Aodahit x sungsmittel des Wachses, antrifft. Bringt man nun Pollen⸗Körperchen in Oehl unter das Mikroskop, nicht s so bemerkt man, wenn der Pollen aus Kügelchen be— Nhüh steht, die mit Haaren besetzt sind, ein sehr langsames thelt) Ausschwitzen der Substanz. Anfangs namlich bildet Hellh/ N ahnmt El sich um die Kügelchen ein Kreis, und dann erschei⸗ + Bunfit nen Strahlen nach allen Richtungen, die aus den E* Haaren sanft hervor strömen, bis endlich das Kü—⸗ hielnetht iu Visenid gelchen allen seinen Gehalt verliert und als leere Wassenn des Vussa Hant da liegt. Offenbar sind also die Härchen Aus⸗ ö führungsgänge, durch welche das Sinnm der det Nun ů— befruchtenden Substanz geschieht. Ein solcher Pol⸗ Resu 34² len aber, der aus ganz glatten Körverchen besteht, scheint auch im Oehl aufzupflatzen, und besonders ist dies von demjenigen wahrscheinlich, der mit einer Queröffnung versehn ist. Es ist doch in der That sehr merkwüͤrdig, daß sich in den Antheren diese regelmäßige Körperchen bilden, durch ein allmähliges Verdunnen und Locker⸗ werden des Zellgewebes der Anthere zur Aus führung geschickt werden, und dergestalt endlich auf die Nar⸗ be gelangen, um sich in dem Oehle derselben aufzu⸗ lösen. Aber eben so merkwürdig ist, daß bey meh⸗ rern Gewächsen sich kein eigentlicher Pollen findet, sondern die ganze Anthere den Behälter für die be⸗ fruchtende Substanz darstellt: sie macht gleichsam ei⸗ nen einzigen Pollen aus. So finden wir in der Sei⸗ denpflanze je zwey und zwey Kölbchen, an einem schwarzen Hälchen befestigt, unter den Falten, welche die Narbe umgeben. Es frägt sich nun, ob man bey allen Pflanzen Antheren entdeckt hat, und wie verschieden ihre For⸗ men bey unvollkommenen Pflanzen sind. Es giebt, meine theure Schwester, eine zahlreiche Klasse von Gewächsen, deren Befruchtungs⸗Werkzeuge vor dem unbewaffneten Auge verborgen sind, und wo man die UU O bh I 9 Hme 10 60 Rchh Rell ne⸗ Bal l˙ has heken 343 nm die Antheren nur mit Mühe oder gar Wüt entde⸗ Ranih cken kann. Bey den Moosen kann man sie noch am ehesten, selbst vermittelst einer guten Loupe, entdecken. Bey den Farrenkräutern hat man bald 190— den gegliederten Ring der Saamenkapsel, bald die Kinnth Haardrüsen der jungen Triebe, bald sogar die ein— nen at saugenden Spaltöffnungen der Oberhaut für Anthe⸗ itdn ren gehalten. Ich glaube sie zwischen den jungen, fW noch auf Stielen sitzenden Fruchtknoten als kleine Fa⸗ dersehena ‚ denkolben gesehn zu haben. Bey Flechten, Schwäm⸗ uñ ianh men und einfachen Wassergewächsen ist bis itzt alle Juln shz Bemühung, diese Theile aufzufinden, vergebens ge— tet fir x wesen. jt glihu: Auch die zu befruchtenden Theile, die Narbe, it in u das Pistill und der Fruchtknoten, verdienen eine nä⸗ eh A here Untersuchung. Ich fange mit der Narbe an. Iah che So nennt man einen mehrentheils schmierigen oder haarigen Theil, der auf irgend eine Art mit alln Mu dem Fruchtknoten zusammen hängt, zur Aufnahme den ihttz der befruchtenden Substanz bestimmt ist, und da⸗ P. Eogh her sein Ansehn gemeiniglich verändert, wenn die e Kse n Beftuchtung geschehn ist. In der Zeichnung von cugt ur der Lopezia(Fig. 30) siehst Du in b und d das Pi⸗ 0 0 still noch mit unmerklicher Narbe, aber in« hat sie 344 sich schon entwickelt, und auf ihrer Svitze finden sich die Haare, welche höchst wahrscheiulich zur Ausschei⸗ dung des Oehles und zur Aufnahme des Pollens be⸗ stimmt sind. Auch Fig. 29 zeigt Dir die Gestalt der Narbe am Herbst⸗Crocus, die überall mit anders gefärbten Haaren besetzt ist. Gewöhnlich bietet die Narbe vermittelst ihres haärigen Ueberzuges eine beträchtliche Fläche dar, von welcher der Pollen leicht aufgenommen werden kann. Oft breitet sie sich, wie bey den Gräsern, pin⸗ selförmig aus. Bey den Moosen stellt sie eine Flasche mit weitem Halse dar, welcher noch dazu einen ge⸗ franzten Rand zu haben pflegt. Bey vielen Gewäch⸗ sen, namentlich beym Weidenröslein, Pfriemenkraut und bey der Passions-Blume, beugen sich die Nar⸗ ben zur Zeit der Befeuchtung zu den Antheren hin, da⸗ mit sie desto leichter befruchtet werden. Meistentheils, aber nicht immer, muß man die Narbe an der Spitze des Pistills suchen. Selten fin⸗ det sie sich auch an der Seite: z. B. bey unsern Iris⸗ Arten findet sie sich auf der untern Fläche der kronen—⸗ blattartigen Ausbreitung des Pistills, in Gestalt ei⸗ ner porösen, schwammichten Falte. die x kyctel Runig 7 3 Iad eigen es g kuot. fuch Irud Hih 345 fni Die öhlige Feuchtizkeit, womit die Narbe be⸗ Wur deckt ist, löset nun den Pollen auf, und so wird der— v6 Dih selbe durch das Zellgewebe des Pistills wahrscheinlich di Gnit y in den Fruchtknoten gebracht. Man hat geglaubt, ral nt aug daß jedes andere Oehl dieselben Dienste thue, und deßwegen die ihrer eigenthümlichen Feuchtigkeit be— rntt ij raubten Narben mit Baumöhl bestrichen. Indessen, che Rich dy wenn dabey Befruchtung erfolgte, so konnte man doch LII nicht verhindern, daß die Narbe immerfort ihre ei⸗ VOtiseu genthumliche Feuchtigkeit absonderte und dergestalt seein sit die Befruchtung bewirkte. Ueberdies ist doch ein gro⸗ IIII ßer Unterschied zwischen ausgepreßtem und wohl gar hiela Heht gekochtem Oehl und der zarten öhligen Feuchtigkeit, Ihiennhe die von der Narbe abgesondert wird. sch NNu Das Pistill vereinigt die Narbe mit dem Frucht⸗ Ithern x knoten. Bey einigen Pflanzen scheint es zu fehlen, wenigstens ist es von einer unverhältnißmäßigen Kür⸗ ze, wie z. B. im Mohn. Mehrentheils stellt es ein L Eih rundes oder eckiges Säulchen dar, welches aus dem Aulnd eigentlichen Fruchtbehältniß hervor kommt: doch giebt am es auch Pistille, die bloß seitwärts mit dem Frucht— 6106 knoten verbunden sind, übrigens aber aus der Grund⸗ flöche der Blume oder aus dem gemeinschaftlichen Fruchtboden hervor kommen, wie bey den meisten Hülsenfrüchten. 346 Man findet das Pistill oft in vielfacher Zahl, wo es entweder mit einem einfächerigen Fruchtbehältniß zusammen hängt; oder es stimmt die Zahl der Fächer des letztern mit der Zahl der Pistille überein, wie bey den Aepfeln und Birnen, wo fünf Pistille und füuf Cächer der Frucht gefunden werben. Man muß aber in dem letztern Falle nicht glauben, daß jedes Pistill mit dem überein timmenden Fache der Frucht allein und ausschließlich verbunden ist; denn man kann meh⸗ rere Pistille wegschneiden, und es wird dennoch jedes Fach befruchtet. ö Um der befruchtenden Substanz den Weg von der Narbe zum Fruchtknoten zu erleichtern, hat man be⸗ sondere Gänge im Pistill angenommen, die man sogar mit bloßen Augen in den Tulpen, Lilien und im Cro⸗ cus bemerken wollte. Allein diese Höhlungen sind nichts weniger, als besondere Gänge, die zur Ablei— tung des in Oehl aufgelös'ten Pollens bestimmt sind. Von dem letztern findet man in ihnen keine Spur. Das Zellgewebe im Pistill ist für sich fähig, dies Ge⸗ schäfft zu verrichten, und man bemerkt bey einer mi— kroskopischen Untersuchung des Pistills gar keinen von den übrigen Theilen abweichenden Ban, sondern bloß Schraubenguänge mit Zellgewebe umgeben. duul und/ . Sumt RuE wänt sche dush Nreh the merz Ouh len tungg ne — +II ů teyu witte wänd Heh, erston Nan ache üs Nuchtihhj Iahl da sith iberni th Mifile upfhf Men uh daj sebe xj da tucht Un unn nn HII den Wer x M, hatuh „ de unsy iet und in dt Hlhann sih / NurMl sunt st, uin Kin Ein flhig/ Rih thtrh gur fim in ssbunh V 34²⁷ Ich komme zu dem Fruchtknoten selbst, dessen Bau ich hier bloß so darstellen will, wie er sich vor und kurz nach der Befruchtung zeigt, bis die Blüthe abgefallen ist; denn die eigentliche Zergliederung der Saamen und Früchte gehört nicht hieher. Der Frucht⸗ knoten stellt vor der Befruchtung einen Körper von dichtem zelligen Bau dar, in welchem sich Körnchen an⸗ setzen, welche die Anfänge der künftigen Saamen sind. Du siehst Fig. 32 den Fruchtknoten eines Kürbisse durchschnitten, noch ehe sich die darüber stehende Blü⸗ the aufgeschlossen hat. Auf der einen Seite(a) be⸗ merkt man bloße Querstreifen, welche die anfangende Organisation bezeichnen; auf der andern(b) aber ha⸗ ben sich schon Körnchen gebildet, die der Vefruch⸗ tung erst bedürfen, ehe sie sich zu eigentlichen Saa⸗ men entwickeln können. Diese einsache Beobachtung läßt sich auf die Bil⸗ dung der Uranfänge der Saamen in allen Fruchteno⸗ ten anwenden. Sobald der Fruchtknoten sich zu ent⸗ wickeln anfängt, quellen aus seinen zelligen Seiten⸗ wänden flüssige Tropfen hervor, die, indem sie gerin— nen, die Gestalt der Kügelchen annehmen, und so die ersten Aufänge der künftigen Saamen ausmachen. Man sieht also daraus, wie wenig die befruchtende 348 Substanz der Antheren selbst zur ersten Bildung der Saamen beyträͤgt: sie giebt ihnen bloß Organisation und Leben; denn ehe die Befruchtung geschehn ist, bemerkt man in den Eyerchen des Fruchtknotens nichts als Flüfligkeit oder eine breyartige Masse. Erst nach der Befruchtung kann man einzele Theile darin unterscheiden. ö ö Der große Linné, der das alte Vorurtheil von der Wichtigkeit des Markes in der Oekonomie der Gewächse augenommen hatte, leitete den Ursprung des Fruchtknötens und der künftigen Frucht selbst aus dem Marke her, so wie er die Staubfäden und An⸗ theren aus den Holzlagen, die Blumenkrone aus den Splintlagen, und den Kelch aus der Rinde hervor gehen ließ. Wie sehr er sich darin geirrt habe, er— hellt aus folgenden alltäglichen Bemerkungen. Es giebt Früchte von so steinichter Härte, daß man sie unmöglich aus dem lockern und nicht zusammen hän⸗ genden Gewebe des Markes herleiten kann. Bey der Ringelblume, der Aleina und vielen andern Gewäch⸗ sen mit zusammen gesetzten Blumen stehn die Saa⸗ men nicht in der Mitte, sondern im Umfange, und hängen also mehr mit der Rinde als mit dem Marke zusammen. Auch enthält das Pistill offenbar Schrau⸗ il c/ lh, Rone * Wä znnehs Miti :sn;'üù H„ sucths 11 tersuch ligeit. der N. beh de die T Von d · 349 un Naimy I Dnh ng gach 6 des Futhut bengänge, die man vergebens im Marke sucht. Und daß die Staubfäden einen andern Ursprung haben sollten, als die Blumenkrone, wird dadurch widerlegt, weil wir oft die Kronenblätter verdoppelt finden, epani ö VIs wenn, bey den Nelken z. B., die Staubfäden sich Han Di 1H in Kronenblätter verändert Wbn Ich glaube dem⸗ nach, daß wir besser thun, einen geineinschaftlichen V I I + lte uuthln Ursprung der Blumenkrone und der Befruchtungs⸗ r D Werkzeuge aus Schraubengängen und Zellgewebe an⸗ de UHN 3 6 31 7. 7. dullstm zunehmen, als einen Unterschied fest zu setzen, den die Rucht sii Natur nicht anerkennt. tubsidm nd menkione au/ XXVII. det Rud hz 3 An eben dieselbe. Reirrt u/ ——*—— V emarlunm G Itt, da wir die eigentlichen Werkzeuge der Ve⸗ kte/ V e seuchtung kennen, müssen wir auch die Hülfs-Werk— t nra%zeuge dieses großen Geschäffstes der Natur näher un⸗ Ium. d tersuchen, um so die Geheimnisse der Schöpfung völ⸗ auden dmit lig enthüllen zu können. Zu diesen Hülfs⸗Werkzeugen uDN E der Befruchtung gehören bey sehr vielen, wo nicht Imsaup/ bey den meisten, Pflanzen die Necetarien, oder nit dn Mah die Theile, worin der Honigsaft abgesondert wird. sobnehn Von diesen Absonderungs⸗Werkzeugen sind in vielen — 35⁰ Blumen noch andere Theile unterschieden, worin dieser Saft, die Lorkspeise der Insecten, aufbewahrt, (Safthalter;) ferner die Theile, wodurch er vor dem Wegspülen durch Regen geschützt wird,(Saft⸗ hülle;) und endlich die, welche den Inserten den Weg zeigen, auf welchem sie zu den Nectarien oder zu den Saftbehältern gelangen können,(Saftmaal.) Nectarien selbst müssen wir nur allein die Werk⸗ zeuge der Absonderung des Honigsaftes neunen. Bey der Nareisse heißt der im gemeinen Leben so genann⸗ te Kelch fälschlich Nectarium: er ist nichts als die Safthülle, oder der Theil) wodurch das Eindringen des Regens und das Wegspülen durch ihn verhindert wird. Die wahren Neetarien liegen unten am Frucht⸗ knoten selbst. In der Passions⸗Blume heißt der schöne Fadenkranz(Fig. 35, 4, b) mit Unrecht Nectarium: er ist nur das Saftmaal, oder der Theil, wodurch die Inseeten zu dem eigentlichen Nectarium hinge⸗ leitet werden. Das letztere liegt hier in d am Grun⸗ de des Fruchtknotens und ist von der Safthulle o, einem aufrecht stehenden, besonders gebauten Faden⸗ kranze, bedeckt. Das Nectarium d hat hier ober— wärts in e eine schiefe Oeffnung, in welche/ wegen der darüber stehenden Safthülle o, kein Tropfen Re⸗ geh schr! erl 1an Uum Wn umerd uh ii Dodh G5 dann r n hn Ianun se 0 Juch. schtei aus lar z 351 sliaui an gen hinein dringen kann, aber die Inseeten können cten, Austhgh sehr gut ihren Russel hinein stecken, um den Sast hodud heraus zu holen. In den Veilchen ist der Sporn nur r,E Sasthalter, nicht Neetarium: dieses sind zwey gestiel⸗ den Juüttuh te Drüsen, die an den Antheren hängen und in den Meimie Sporn hinein gehn. In der Lopezia(Fig. 30) ist 1„(Saftrith das Nectarium ein sleischiger Körper*auf den zwey allin u ⸗ vordersten Kronenblättern e. Von da fließt der Ho⸗ stes nema. nigsaft in den Grund der Blumenkrone, und steht lchen Egue darin wie ein klarer Tropfen d. Hier ist also der it nihtt ll Boden der Blumenkrone zugleich Safthalter. Das Rl Eismn Saftmaal ist der dunkelrothe Fleck auf den vor—⸗ nah in ist dern Kronenblättern e. Eine Safthülle ist bey die— ser Blume nicht vorhanden. Die eigentlichen Honig-Werkzeuge oder Neeta— rien sind meistens drüsige, fleischige, saftige oder schwammichte Stellen, deren Eigenschaft, als Werk— zeuge zur Absonderung des Honigs, man am besten daraus erkennt, wenn man sieht und schmeckt, daß sie eine süße Feuchtigkeit absondern. Darum stehe ich auch nicht an, den Knabenkräutern Nectarien zuzu⸗ schreiben, die man ihnen abgeläugnet hat, weil ich aus dem drüsigen Theile in der Blumenkrone offen— bar den Ahfluß des Hönigs in das Horn oder den en am Fun He el IIII Irttht Wunut 4I d Nectrrun hi XI der Eifhb⸗ geb Haaten g l tt Hir belche/ N0 dunsn 35² Sporn der Blumenkrone bemerkt, und diesen Safthal⸗ ter oft voll Honigsaft gefunden habe. Diese Honig-Werkzeuge sinden sich sast durchge⸗ so gestellt, daß die Säfte, die zu den Befruchtungs⸗ Werkzeugen andringen, erst in ihnen verändert und ihres Sauerstoffs entladen werden, damit der Kohlen- und Waßerstoff desto mehr in dem Pollen der Anthe⸗ ren und in dem Dehle der Narbe hervor stechen, und damit die angelockten Insecten, indem sie den Honig heraus ziehn/ zugleich den Pollen von den Antheren abstreifen oder ihn auf die Narbe der Blumen brin⸗ gen können. Honig ist nichts anderes als gesäuerter Pflanzenschleim; in ihm stechen die Pflanzensäuren, besonders die Schleim⸗,„ Sauerklee⸗ und Aepfelsäure, hervor: indem also dieser Saft abgesondert wird, werden den Pflanzensäften offenbar die überflüssigen Sauren entzogen, und Kohlen⸗ und Wasserstoff kön⸗ nen mehr hervor stechen. x Die bewunderuswürdige Einrichtung, daß die Inseeten, indem sie bloß ihre Lieblingsnahrung aussu⸗ chen, zugleich die großen Absichten der Natur, nüm⸗ lich die Fortpflanzung der Gewächse, befördern müssen, können wir besonders bey denen Pflanzen bemerken, hends in der Nähe der Befruchtungstheile. Sie sind suchh 005 ö A uf 10 sch! hej Mit: E 353 Wnesh deren Antheren sich gerade nach den Nectarien oder Safthaltern hin öffnen. Die Lopezia liefert uns da⸗ sh iw von ein Beyspiel. Ihre einzige Anthere öffnet sich Hhelt. Euih nicht nach der Narbe zu, sondern auf der entgegen Buuchtu gesetzten Seite, nach den Neetarien hin,(Fig. 30, b.) I vrithen Besucht also ein Inseet die Blume, so muß es, in⸗ damit kre dem es den Honigsaft aufsucht, auch den Pollen von Pollen xr der Anthere abstreifen und ihn auf die Narbe einer etvbt sehehys andern Blame bringen. Eben dies siehst Du an der Am si du ö Passions⸗Blume,(Fig. 35.) Die Antheren(E H öff⸗ 9on den Müh nen sich nicht nach den Narben(83g) hin, sondern der Bumg K nach den Honig-Werkzeugen. Auch senken sie sich, IEeh U wenn die Blüthe eine Zeit lang gestanden hat, im— ie Mahlnsün ILLIII abae* HA mer mehr nach unten, und die Narben kommen eben⸗ fall Is näher den Honig-Werkzeugen zu stehen. Be— suchen also die Insecten die Blume, und ziehn sie Nileflsan aus dem Nectarium(e d) den Honigsaft, so müssen I sie von den Autheren den Pollen abstreifen und ihn auf andere Blumen bringen. Bey den Kranichschnäbeln finden wir die Ho-— Gmgt M nigdrüse im Boden des Kelches: von ihr erstreckt lhrtz u ni⸗ sich eine schmale lange Höhle bis in die Blumenkro— + Mult/ Iu 0 Wrniß ne; dies ist der Safthalter. Die Kronenblätter sind efötdeth wos⸗ III mit stärker gefärbten Streifen geziert, die den In⸗ Austh Helem 4 Erste Sammlung. 23 35⁴ seeten den Weg zum Safthalter zeigen und die Staubfäden, von denen drey unfruchtbar sind, ver⸗ sperren dem Regen den Eintritt in die Höhle. In manchen Blumen haben die Honig-Werk⸗ zeuge ganz besondere Formen. In der Lorbeer⸗Blür the sitzen sie als Drüsen an den Staubfäden selbst. In dem blauen Sturmhut stellen sie gewundene Ma⸗ schinen dar, die an einem Ende mit einer fleischigen Drüse versehn sind, und deren auderes Eude sich in eine Tute öffnet. In der Wasserlilie oder Nym-⸗ rhäa sind es die kleinern Kronenblätter, welche den Honigsaft absondern. In der Parnassia sind es fünf Bündel von Haardrüsen im Boden der Blumenkro⸗ ne. In der Capuziner⸗Kresse und dem Rittersporn ist es der unterste fleischige Theil des Horns oder des Sporno. ö Wo aber die Form des Neetäriums nicht so ausgezeichnet ist, da sind es mehrentheils bloße Drü sen auf dem Fruchtboden, neben dem Fruchtknoten, oder an der Basis der Kronenblätter. Solche Drü⸗ sen haben der Kohl, der Senf, der Rettig und ähu⸗ liche Pflanzen. Indessen giebt es allerdings auch ei⸗ ne Menge von Pflanzen, deren Blumen gar kein Ho⸗ nig⸗Werkzeug haben, und deren Befruchtung also — 355 1 ohne Zuthun der Inseeten geschieht, wie ich noch that s, 0 in der Folge zeigen werde. So wird man bey den Gräsern, namentlich bey den Riedgräsern, vergebens ein Neetarium suchen: was man bey den letztern fast noch allgemein dafür annimmt, das ist die lo⸗ de Hähl. H mulshu ckere Saamenhaut. 111 Was den Sasthalter betrifft, so ist dieser oft t eiic sitin mit dem Nertarium selbst Eins, wie Du an der ii Eunh Passions ⸗Blume siehst. Gewöhnlich stellt er eine llie dn Grube, eine Rinne, einen Sporn dar; oder der Bo⸗ itet/ uld v den der Blumenkrone vertritt die Stelle des Saft⸗ Issia sid A halters. der Mullch Ganz besondere Sorgfalt hat die Natur auf dem Mitain die Beschützung des Honigsaftes vor dem Zugang des HNIII Regeus gewandt. Oft müssen dazu andere Theile der Blumen dienen. Die Staubfäden haben z. B. ütt uit f Ansätze, wie bey der Salbey und dem Steinkraut thab Hieduj(Alyslura), oder sie stehn auf besondern Gewölben fuahan und Stielen, wie bey der Glockenblume, der Gom⸗ . eleN phrena. Oft sind es auch die Kronenblötter, welche un un die Stelle der Saftdecken vertreten. Beym Löweu⸗ Wt ul maul schließt sich die Oberlippe dicht an die aufge⸗ I schwollene Unterlippe und verdeckt den innern Theil Rubt der Blumenkrone völlig. Bey den Schmetterlings⸗ 23 356 blumen ist die ganze Form darauf eingerichtet, daß die Juseeten beguem zu dem Honigsafte gelangen können, daß aber doch dem Regen der Zutritt ver⸗ wehrt wird. Sehr oft sind auch besonders gebildete Theile als Schutzmittel Sturmhut sind es die mönchskappensörmigen Kro-⸗ des Honigsaftes da. Beym blauen nenblätter, unter denen die Saftmaschinen verborgen sind. In unsern Storchschnäbeln sind es Haure am Boden der Kronenblätter, auf denen die Regentrop⸗ fen hängen bleiben, und durch die sie nicht durch⸗ fallen idbanen. In dem Schwarzkümmel oder der Braut in Haaren sind es besondere Deckel auf den röhrenförmigen schwarzen Safthaltern. In der Pas⸗ fions⸗Blume ist es ein eigener schief aufrecht ste⸗ hender Fadenkranz,(Fig. 35, 6.) Dies sind, nebst den Saftmälern, die ich schon oben betrachtet habe, die Werkzeuge, welche zur Ab⸗ sonderung und Aufbewahrung des Honigsaftes bestimmt sind. Daß nun wirklich die Aufsuchung und Einsamm⸗ lung des Honigsaftes durch Jusecten ein Hauptmittel zur Befruchtung ist, können wir zum Theil schon dar⸗ aus schließen, weil manche Antheren, wie ich vorher bemerkte, sostehn, daß, wenn sie sich öffnen, der Pol⸗ lel 100 ll M. Gt Et. UUU M Ruur such Kil Fli die, ock Hhatte Ithen S H sl Dylt Mlt Nöh cheh Aith fann 35⁷ ugbtt, iguste Rn d Zuntt) len von ihnen schwerlich zur Narbe gelangen kann, wo nicht ein lebendiges Wesen dazu tritt. Nicht bloß bey der Lopezia und der Passions⸗Blume, son⸗ . dern auch bey unsern Iris-Arten öffnen sich die gaum i Staubfäden nach der den Narben entgegen gesetzten . wuul Seite. Ja, bey der Seidenpflanze stecken die An⸗ theren⸗Kölbchen unter eigenen Falten rings um die din mnun Narbe her, und können schlechthin nicht auf dieselbe ind es Hun u kommen, wenn nicht ein Insect, welches Nahrung u die Raum sucht, mit den Füßen in die Falten geräth und die se niht u Kölbchen mit heraus zieht. Wie oft habe ich ummi d Fliegen auf der Blume der Seidenpflanze gesehn, De u die, wahrscheinlich durch den starken Geruch ange⸗ . MIUH lockt, in den Höhlen der Blume Höonigsaft gesucht Hief Afuh hatten, aber mit den Füßen zwischen die Falten ge⸗ rathen waren, und nun an ihren Füßen die Kölb⸗ / M ih ln chen hängen hatten, die sie auf der breiten Narbe % vahem M. sitzen ließen! Eben so augenscheinlich geschieht die higfith Rinn Befruchtung der Osterluzey durch Inserten. Die ns Blume besteht aus einer einzigen trichterförmigen zin Hm Röhre, die vor der Befruchtung inwendig mit Hör Ail shr u chen besetzt ist, welche alle nach unten stehn. Die nie ich dust Antheren sitzen unten an dem Fruchtknoten, und es II nie auf die Nark I, del kann von selbst nichts von ihnen auf die Narbe ge⸗ I———————.—...:.———————**D·· 358 langen. Sobald die Blume aufgeblüͤht ist, kriechen kleine Schnaken mit gefiederten Fühlhörnern(Tipu⸗ Ia pennicornis) hinein, können aber nicht wieder heraus, weil die einwärts stehenden Haare ihnen den Ausweg versperren. Sie schwärmen in dem bauchi⸗ gen Theil der Blumenröhre herum, streifen mit ih⸗ ren gefiederten Fühlhörnern den Pollen von den An⸗ theren ab, und sind, wenn man die Blume bey Zei⸗ ten aufschneidet, oft gan mit diesem Puder beladen. Endlich, wenn der Trieb der Säfte aufhöet, vertrock⸗ nen die Haare, werden schwarz und fallen ab. Die Schnakfen sind aus ihrem Gefängniß erlöset; und die Befruchtung ist geschehn. Wie bewundernswür⸗ dig sind die Einrichtungen der Natur! Wie greift bey ihren Werken alles in einander! Wie ist alles Mittel und Zweck zugleich! Ein sehr sicherer Beweis für die Wichtigkeit der Inseeten bey dem Geschäffte der Befruchtung ist für mich auch immer der Umstand, daß Blumen, die in verschlossenen Häusern stehn, wohin kein In—⸗ seet dringen kann, selten gzuten Saamen tragen. Dazu trägt freylich auch der Mangel an frischer Luft viel bey, durch deren Einsaugen die Pflanzensäste concenteirter und fähiger zum Ansetzen der Frucht sh/ W lch chel Il stuch Alhe WM M seh Jil 0d die die 359 üht is, unz, ö ih lur werden. Auch glaube ich, daß manche ausländische hömem ü Pflanzen deßwegen so selten bey uns Saamen tra⸗ f e gen, weil ihnen hier die eigenthümlichen Insecten Lannh fehlen, die in ihrem Vaterlande die Bluthe durch— di h suchen. Die Feigen tragen bey ung nie guten Saa⸗ Din vi men, weil uns hier die Gallwespe(Cynips Plenes) olan fehlt, die auf den Inseln des Archipelagus sich durch 11 die Fleischfrucht zu den Befruchtungs-Werkzeugen n Puderhuhn durchgräbt und die Befruchtung befördert. Auf ahn⸗ aufsort. vnnt liche Art erkläre ich mir die Unfruchtbarkeit man⸗ fuler ul. N cher anderer Pflanzen aus fremden Himmelsstrichen. niß lhitz u Einen der stürksten Beweise für die Befruchtung bepundernegh durch Insecten liefert die Bemerkung, daß in un⸗ tur! Ve giß ähligen Blumen die Antheren und Narben nicht D i Al zugleich ihre Reife und Empfänglichkeit zur Be⸗ fruchtung erlangen. Entweder werden nämlich die OHt Antheren früher sich ihres Pollens entledigen, als die Narbe fähig ist denselben aufzunehmen; oder die Narbe wird früͤher eutwickelt, als die Antheren der⸗ selben Blume ihr Pollen geben köunen. In beiden Fällen sieht man die Nothwendigkeit ein, daß von andern Blumen derselben Pflanze der Pollen auf die Narbe gebracht werde, und dies thun doch nur die Insecten, die, indem sie Honig aufsuchen, von Belutü dij Vonh nohit in Suumen hn anschel Mimenit ber Rul 3⁵⁰ Blume zu Blume schwärmen und die Befruchtungs⸗ Werkzeuge vielfältig berühren, wenn sie ihre Lieh—⸗ lingsnahrung erhalten wollen. Bey der Lopezia (Fig. 30) ist es ganz offenbar, daß die Anthere frü⸗ her ihren Pollen verstreut, als die Narbe derselben Blume sich entwickelt hat. In ba und d ist die An⸗ there in ihrer vollen Kraft: das dahinter stehende Pistill hat fast noch gar keine Narbe. In der Folge legt sich die Anthere, wie Du in ç siehst, nach vorn herüber, um desto näher den Honig-Werkzeugen zu seyn, und nun hat sich die Narbe völlig entfaltet; aber von dieser Anthere kann von selbst gewiß nichts auf die Narbe kommen. Eben so verhält es sich mit dem Eisenhut, Rittersporn und der Capuziner⸗Kresse. In der letztern kommen die Antheren erst nach und nach zur Blüthe, und stehn alsdann so, daß die In-⸗ secten, wenn sie in den Sporn hinein wollen, wel—⸗ cher Honig enthält, nothwendig den Pollen der An-⸗ theren abstreifen und ihn auf ältere Blumen, deren Narbe sich endlich entfaltet hat, bringen können. Bey der Wolfsmilch oder den Euphorbien ist es gerade umgekehrt. Die Narben der Blumen kommen eher zur Reife, als die Antheren. Daher muß der Pollen älterer Blumen auf die Narbe jün⸗ ei eist/ M II ‚l Hoht: 0 Nl ung mss die! bar! zu U Voh; her mel/ bey Meif ter 361 Bistuhtuh gerer gebracht werden. Und man sieht nun leicht seihn b ein, daß in diesem Falle die ersten Blumen keinen gedeihlichen Saamen tragen können, weil keine älte— ie M fů re Blumen da sind, von deren Antheren der Pollen üü auf die entwickelten Narben der ersten Blumen ge⸗ Nauy bracht werden köͤnnte, und wenn die Antheren die— dahittt hah ser Blumen hervor kommen, dann sind ihre Narben 2. ln sit längst unfähig zur Befruchtung geworden. Dagegen schf/ su in müssen bey Pflanzen, deren Antheren sich früher als Veteung die Narben entwickeln, die letzten Blumen unfrucht⸗ vliz afft bar bleiben, weil, wenn sich die Narben derselben Sñehnf zu bilden anfangen, längst keine Authere mehr da ist, iteihn von welcher der Pollen benutzt werden könnte. Da⸗ muzatt aus her kommt es, daß bey Dolden-Pflanzen, dem Küm⸗ XII mel, der Mohrrübe, dem Fenchel, dem Liebstöckel ½ hn v u. s. f., die mittlern Blumen, die auch die spätsten In iu seyn pflegen, keinen gedeihlichen Saamen an⸗ III setzen. ü Ich will Dir nun die Inseeten nennen, welche saen fin bey uns dazu bestimmt sind, die Vefruchtung der 2un ö meisten Blumen zu befördern. Es sind e I. die Bienen. Diese sammeln unstreitig un⸗ Hlun dun ter allen Inseeten die größte Menge von Honig. thenen ö In Auch sind sie wegen ihres haarigen Leibes sehr gut hie Nu 36² im Stande, den Pollen von den Antheren abzustrei⸗ fez, und ihre Größe mächt sie fähig, auch wenn die Honig-Werkzeuge etwas weiter von den Befruch⸗ tungstheilen entfernt sind, dennoch die Bestuchtung zu besördern, indem sie nur Nahrung für sich zu su⸗ chen glauben. Die Bienen zeigen unter allen In⸗ seeten den meisten Verstand in dem Bau ihrer Woh⸗ nungen und in der Einrichtung ihres Staats. Eben dieselbe Klugheit beweisen sie beym Besuch der Blu⸗ men. Mit ungemeiner Gewandtheit wissen sie die Saftdecken zu heben oder auf die Seite zu bringen und in den Safthalter zu dringen. 2. Die Hummeln sind bey weitem nicht so * klug wie die Bienen: sie besuchen viele Blumen, aber sie wissen oft den Safthalter nicht zu finden; daher treten sie auf großen Blumen oft lange um⸗ her und tappev mit ihrem Saugerüssel bald hie⸗, bald dahin, bis sie endlich den Safthalter gefunden haben. Desto eher befördern sie aber die Absichten der Natur, indem sie den Pollen abstreifen, der au 0 auf ihrem haarigen Leibe fast noch besser sitzen bleibt, als auf dem Leibe der Bienen. 3. Alle Arten von Schmetterlingen, Tag⸗, Abend⸗ und Nachtvögel. Ihr spixalförmig gewunde⸗ Mah Hae Unse Hca N Jh. Cal gel el I Auh; aub. siudi Süd Aabt suche un lhar/ auc vun D Wh d drlitz fir s hih uter dln: r Vau ihii R im Ei dud udb it nisa iv ele hn wäiten miit; nile Buna, nicht iidt bit isi sud:hien, dhchd Ründda t He Müätt uisth N sse fhel l Igey Rerul 363 ner Rüssol setzt sie in den Stand, in die dünnesten Vlumenröhrchen und Safthalter einzudringen, und auf ihrem behaärten Körper haftet der Pollen sehr gut. Ihr kurzes ätherisches Leben fristen sie fast allein vom Nektar der Blüthen, und man sieht sie daher bey uns außerordentlich häufig an blühenden Pflanzen hüngen. Unter den Tagvögeln oder eigentlichen Papillons lieben viele Arten einzele Blüthen ausschließlich. Unsere Rübsaat wird vom Buttervogel(Papilio Bral⸗ Hicae), der Wiesenklee vom Bretspiel(P. Galatea), die Distel-Arten vom Distelvogel(P. Cardui), die Johannis- und Stachelbeer-Büsche vom C-Vogel(P. Calbum), die Veilchen vom großen Perlmutter-Vo⸗ gel(P. Aglaja), die Rosen⸗Malve vom Pappelvo-⸗ gel(P. Malvac%h, die Knabenkräuter im südlichen Eu⸗ ropa vom rothen Augenspiegel(P. Apollo) besucht. Auch die Abendvögel suchen sich ihre eigene Pflanzen aus. Den seltenen Todtenkopf(Sphinx Atropos) findet man auf Kartoffelblüthen, den Taubenschwanz (Sph. stellatarum) auf der Färberröthe und dem Labkraut. Die Nachtvogel oder Phalänen insonderheit be⸗ suchen die Blumen, die sich nur zur Nachtzeit auf⸗ 304 schließen und entweder durch ihre helle Farbe oder durch ihren starken Geruch auffallen. 4. Der Blasenfuß(Thrips Physapus) kommt fast am häufigsten unter den übrigen Inseeten in Blumen vor. Er lebt in ganzen Familien in den zusammen gesetzten Blüthen des Löwenzahns, der Scorzonere und unzahliger anderer Pflanzen. Er ist ein kleines schwarzes Insect, mit blauen Flugel⸗ decken und ziemlich langen Fühlhörnern. An seinen Füßen hat er besondere Blasen sitzen, mit denen er an den glattesten Körvern fest klebt. Die Larve des Thiers richtet im Waizen oft große Verheerungen an, indem sie die Fruchtknoten der Blüthe zerstört, aber das vollkommene Inseet nährt sich bloß vom Nektar. „Verschiedene Raupentödter, besonders 305 0 gemeine(Sphex labulola*)) und die Siebbiene Sphex cribraria) mit gelben Querstreifen am schwar⸗ zen Leibe, besuchen auch mehrere Blumen. 6. Auch die Ameisen können mit zu der Zahl derer Inseeten gerechnet werden, die viele Blumen ) Ammophila vulgaris Kirby in Transact. Linu. Ioc. vol. IV. p. 202. best Mit Elh ö BW isteh 0 N shldi sthen Gu then e Fch MIapuj nn gen Mha Muiln in tn den I it Dun ghhc etu. M siig 5 it hung Die dunu se Vohienmn Mutt Refii t sch lj ue tet/ Hdn H Eihlice eijn mnbatz umle. nit u Hiele Bumlt Rosct. Iiu 35⁵ besuchen. Von Ameisen werden besonders einige Jris“ Arten(Iris halophila und I. Güldenftädtii) und Euphorbien(Euphorbia cotylophera ihιi) in der Blüthe wie besäet gefunden. Die letztere hat auf ihren Kronenblättern ein eigenes Neetarium, wie ein Näpfchen gestaltet, sitzen, das in der Blüthe be⸗ ständig voll Honig ist. Die Vefruchtungs⸗ Werkzeuge sitzen so nahe, daß die Ameise sehr leicht den Pol⸗ len abstreifen und ihn auf die Narbe anderer Blü⸗ then bringen kann. 7. Die Blattkäfer(Chrylomela) finden sich erstaunlich häufig an den Blumen der Lilien, der Schaafgarbe und unzähliger anderer Pflanzen. 3. Verschiedene Fliegen, besonders die Garten⸗ fliege Mulca metéorica). 9. Die braune Cantharis findet sich meistens auf Dolden⸗Blumen. 10. Die Schlupfwespen(ehneumon) be⸗ suchen mehrere Knabenkräuter, besonders die schone Ophrys, die man im Deutschen Zweyblatt nennt. Indem sie ihren Kopf der Saftdruse nähern, so bleiben ihnen die klebrigen Antheren auf dem Kopf hängen, welches unser Onkel vortrefflich beschrie⸗ ben hat. 366 II. Die Schirmblumen-Küfer(Trichlus) haben daher ihren Namen, weil sie auf allen Dol⸗ den⸗Blumen, besonders auf dem Kümmel, den Mohr⸗ rüben, sehr gemein sind. Unter ihnen hät der ban— dirte(Tr. lalciatus) den ganzen Leib mit gelber Wolle und Haaren besetzt, und dadurch kann er den Pollen von den Antheren sehr beguem abstreifen. 12. Der goldgrüne Metallkäfer(Cetonia aurata) ist fast ohne Unterschied auf Baumblüthen und auf einigen andern Blumen. 13. Der geräucherte Speckkäfer Dermelies kumatus) von gelbbrauner Farbe, über und über mit kurzen Haaren bedeckt, findet sich auch auf vielen Blumen. ö 14. Der Knollkäfer Byrrhus(crolulariach, nicht allein in der Blume der Braunwu 3, sondern auch in vielen Baumblüͤthen. Er ist ganz mit kur⸗ zen staubartigen Haaren bedeckt. 15. Der goldgrüne Fall käfer(Cexptocephalus sericeus) findet sich auf den zusammen gesetzten Blu⸗ men aus der neunzehnten Klasse, besonders auf dem Bocksbart.* 16. Den veränderlichen Listkäfer(OCallidinm variabile) fand H. von Laicharting auf Wiesen⸗ blumen sehr häufig, so wie auch H0 ö l WA si Esf Mteh W siud Hiel! del W sich a 0 ahhift Ipö kothe sck i Blun hes Flüg sinde 36² iern 17. den Widderkäfer(Clytus arietis). Bei⸗ 1 1 de haben behaarte Flügeldecken. ane, wyg 18. Ein Schmalbockkäfer(Leptura quacdxi⸗ ö ö uen di xr maculata) ist auf Dolden⸗Blumen und auf den Blu⸗ ö EUERRNR men aus der neunzehnten Klasse sehr gemein. Sein durch un e Brustschild ist ganz mit grauer Wolle überzogen. Iem alftijn. Eben so lieben guch die Dolden⸗Blumen noch mehrere käser Cam Arten dieses Käfers.(Leptura umbellatarum, Sco- auf Nunbiüh poliana, limbata, collaris.) 19. Sämmtliche Sonnenkäfer(Coccionella) 4 ö set Dench sind ungemein häufig auf Blumen, und tragen gewiß Iber uuh HxK viel zur Befruchtungbey: besonders der siebenpunktige, Rach uf der ein gerühmtes Mittel wider den Zahnschmerz ist, und der verwirrte(C. conglomerata). Letzterer findet irn sich auf der gemeinen Nessel, zur Zeit ihrer Blüthe. wuunn/ Lun Zu denen Inseeten, die man seltener in Bluthen 06 antrifft, rechne ich noch folgende: den Schildkäfer, 12 so wohl den grünen(OCallida viridis), als den schwarz⸗ HOebbi rothen(C. Marraes)/ wovon sich jener auf Disteln, die⸗ In Rehn ser in den Blumen des Alants zu finden pflegt; den vsordet usto Blumen⸗Laubkäfer Mlelolonha llonicola), ein klei— nes Thier von schwarzer Farbe und mit lichtbraunen Flügeldecken, den man wohl auf Dolden⸗Blumen zu i finden pflegt; den übersilberten Laubkafer AIel. ar⸗ W 308 gentea, den Seopoli auf den Blüthen der Sumpf⸗ Spiräg(Spiraea Ulmaria) fand; die Mutille(Mus rilla Ephippium); den Schässerschen Maywurm(Ce- rocoma Schäfferi Fabr.) auf den Blüthen der Wu⸗ cherblume; und die oben genannte Schnake(Tipula pennicornis) in den Blüthen der Osterluzey. JIu Anterika befördert der Kolibri, der kleinste und prachtvolleste unter allen Vögeln, den Zweck der Natur in der Fortpflanzung der Gewächse, in⸗ dem er mit seinem düunen röhrenförmigen Schnabel den Nektar aus den Blüthen saugt und wahrschein⸗ lich auch den Pollen mit sich fortführt. So sindet sich am Kap eine Art Baumläufer(Cerchia), den man fälschlich für einen Kolibri gehalten hat, der auch, nach Barrow's Bericht, um die größern Blumen herum schwärmt und den Honig aus⸗ saugt. Ich muß indessen beym Schluß dieses Verzeich⸗ nisses der Nektar suchenden Insecten und Vögel be— merken, daß ja nicht alle Inseeten, die man auf Blü⸗ then findet, für Nektar⸗Sucher gehalten werden müs⸗ sen. Den Todtengräber(Silpha Velpillo) fand H. von Laicharting oft auf Grasähren, ohne daß er sich dort Nahrung suchte. Es scheint dieser Käfer deß. schl 3 II ů 6il Rsen + Guise w ö 0 tels hl the be des ö Iu sc 369 hendaeihy deßwegen die Spitzen der Gräser zu erklettern, um ie Müle sich beauemer umschauen zu können. uNunum Der Insecten bedient sich also die Natur, um Dlithn dr in solchen Blumen die Befruchtung zu bewirken, wo EUI sie für sich selbst nicht wohl geschehen konnte. In-⸗ Osalug dessen ist dies keinesweges ein allgemeines Mittel, Hun, Mi sondern viele Pflanzen befruchten sich auf völlig me⸗ Nih, d chanische Art, ohne daß etwas anderes dazu mitzu— de Hericst wirken braucht. samizn ehe Zu diesen letztern Gewächsen, die weder ein N 7**˙ 1*+* 2 u ochtt Honig-Werkzeug haben noch von Inseeten befruch⸗ Hühtt sl ser Cebi tet werden, gehören vorzüglich die Gräser. Welche große Antheren im Verhältniß gegen die kleine Blü⸗ ahn üh the! Wie pinselartig arsgebreitet ist nicht die Nar⸗ In be des Pistills! Wie fähig, die verstreuten Körnchen 0 0 des Pollens aufzunehmen! Wie merkwürdig ist die ö an schwachen Fäden hängende Lage der Antheren, wodurch das bey jeder Berührung, bey jedem Hau⸗ che der Luft erfolgende Ausschütteln der befruchten— ten m 40 den Substanz begünstigt werden muß! In der That „eanu sehe ich nicht ein, wozu die Inseeten nöthig wären, Hean um die Befruchtung der Gräser zu bewirken. Auch ehilo 0 ist nichts den Honig⸗Werkzeugen Aehnliches in den y W Grläsern. Die zarten durchsichtigen Blättchen im It dast Mi Erste Sammlunß. ö 2⁴4 3²⁰ Grunde der Blume haben nichts, was uns berechti⸗ gen könnte, sie für HonigWerkzeuge zu halten: sie sind wahre kleine Blumenkronen. Eben so, glaube ich, werden auch die Fichte und Tanne, die Eiche und Haselstaude bloß auf mecha⸗ nische Art befruchtet. Welch eine unendliche Menge Pollen die Fichten geben, davon kann sich Jeder über⸗ zeugen, wer nur im Junius durch unsere Nadelwäl⸗ der geht. Der ganze Boden ist mit gelbem Blüthen⸗ staube bedeckt: und man hat nicht ohne Grund vor⸗ geschlagen, um der Theurung des Waizenmehls vor⸗ zubauen, statt des Puders aus Stärke sich dieses Blüthenstaubes zu bedienen. Sehr oft nimmt ein Sturmwind aus großen Nadelwäldern eine Menge die⸗ ses Blüthenstaubes mit sich fort, und dieser schlägt sich in andern Gegenden mit dem Negen nieder/ wo⸗ durch die Idee von einem Schwefelregen entstanden ist. Daß bey der Haselstaude die Befruchtung auf mechanische Art geschieht, folgt auch daraus, daß die Kützchen, woran die Antheren hängen, sich frü⸗ her entwickeln, als die Blätter ausschlagen, damit desto weniger Hindernisse dem Pollen entgegen stehn auf die Narbe zu gelangen, R teh sudt dehte dul Nd ö ct. 0 fen MI GEt Aalet! U M De D Rs ihn 37¹ àu latch ö Wuf Bey diesen Gewächsen ist die Natur in der An⸗ W schafung des Vorraths an Pollen sast verschwende⸗ 14 risch verfahren. In größerm Ueberfluß schuf sie die HMchen Mittel zur Fortpflanzung, damit desto sicherer ihr Zweck erreicht würde. Man kann rechnen, daß in einer einzigen Autheren-Traube der Fichte mehr als blaß aij wüt Rendlr naz 10 Ma l hundert tausend Pollen⸗Körner sich befinden, von ia Nurl denen vielleicht nur funfzig bis sechzig zur Erreichung bahen dünn der Absicht der Natur beytragen und wirklich auf chue dumm die Narbe gelangen. Dnhemhlin Aber bey andern Pflanzen, wo auch die Inse⸗ lit ih M eten weniger zur Befruchtung wirken, scheint die Na⸗ rast inni a tur noch besondere Anstalten zur Befruchtung getrof⸗ ahe Mage fen zu haben. In den Vlumen unserer Kreuzraute 0 M· ftig wirst Du bemerken, daß von den acht bis zehn 3 H un Staubfäden sich immer einer nach dem andern, in Huun Aus einer gewissen Ordnung, so daß allezeit einer über— Ring sprungen wird, in die Höhe richtet und sich auf die Narbe legt, wo denn auf ganz mechanische Art die sugnt/ ih iů Befruchtung geschieht. Der Grund dieser besondern geh, xu Ordnung im Aufrichten der Staubfäden muß, mei⸗ g hn fin nes Erachtens, in der eigenthümlichen Erregbarkeit ihrer Schraubengänge gesucht werden. 243* 37⁷² So sind bey den Knabenkräutern noch ganz be—⸗ sondere Anstalten getroffen, um, auch ohne Zuthun der Inseeten, die Befruchtung zu bewirken, die ge—⸗ wiß nicht geschehen könnte, da bey manchen Arten derselben, z. B. bey dem Vogelnest(Ophrys Nidus àvis) zwischen der Zwillings-Anthere und der Nar⸗ be ein absonderndes Blättchen ist, welches das Zu— sammenkommen beider Theile für sich hindert, aber auch durch eine bewundernswürdige Einrichtung be— fördert. Bey dem Vogelnest hat nämlich kürzlich Wächter in Klausthal bemerkt, daß die gepaarte Authere, wenn sie reif ist, aus ihren Behältern her⸗ aus und auf ein unter ihr stehendes feines Saft— blättchen fällt. Dies giebt sogleich, bey der Verüh⸗ rung der Anthere, einen klebrigen Saft von sich, mit welchem nun die Anthere, wenn sich das Blättchen gesenkt hat, auf das Nectarium herab sinkt. So-— bald dies geschehn ist, steigt das Blättchen wieder in die Höhe, und nun kann entweder die Anthere für sich die nahe weibliche Narbe befruchten, oder Inseeten, die das Nectarium der Blume bedecken, bringen die Anthere dahin. Eine völlig ähnliche An- stalt hat schon Schkuhr bey dem Stendel(Saty⸗ rium repens) bemerkt, wo auch ein eigenes, oben 373³ uu; ö halbmondförmig ausgeschnittenes Blättchen die Zwil⸗ lings⸗Anthere erst auf das Nectarium leitet, indem aus diesem Blättchen ein Tropfen klarer klebriger Rczhn uitleu, di z Dmandn Ang Flüssigkeit ausschwitzt, an welcher die Anthere fest (Ochem Nas hängt und so mit diesem Tropfen herunter auf das ud i y Neetarium fällt. withs ui Wahrscheinlich muß also bey diesen Pflanzen die sch hiudett, d befruchtende Masse des Pollens erst durch Vermi⸗ ö e Einidtun schung mit einem klebrigen Safte zur Erfullung ih— ninlih finj res Zweckes geschickter gemacht werden. Wahrschein⸗ di di gun lich ist es be diesen Blumen, die, ungeachtet ihres Schn Necetariums, oft so wenig Honig absondern, daß Dig siit Ei man in manchen Arten(Orchis latikolia und Morio) I bisweilen gar keinen gefunden hat, wahrscheinlich ist ust iu i m es hier oft dem Zufall überlassen, ob die Anthere diu auf die Narbe gelangen wird oder nicht. Und aus hemntsmn. E diesem Grunde tragen die Knabenkrauter ne Mhita uüht genommen selten gedeihlichen Shamen. cder d Un Bey einer Wasserpflanze, der Vallisneria, die im großen Kanal von Languedok in so ungläublicher Menge wächst, daß die Schifffahrt in diesem Ka⸗ nal dadurch erschwert wird, bemerkt man spiralför⸗ mig gewundene, äußerst lange Blumenstiele, vermit⸗ telst deren sich so wohl die Autheren-als die Frucht⸗ hefnhta/ Bum daeln Ifihnlice Enmel Giy aheget/ Al 324 tragenden Blumen über das Wasser erheben. Die Antheren-⸗tragenden lösen sich dann öfters ab, und schwimmen nach den Frucht⸗tragenden hin, um sie zu befruchten. ö Doch ich breche hier ab, da ohnehin dieser Brief Dich durch seine Länge etwas ermüdet haben wird, um ein anderes Mahl mehr von der Befruchtung, dem wichtigsten Gegenstande der 5 zu sagen. XXIX. An eben diesetbe. Io habe Dir bis itzt alle merkwürdige Einrich— tungen geschildert, wodurch die Fortpflanzung der Gewächse befördert wird. Laß uns nun wieder zur Befruchtung zurück kehren, und genauer die Verän⸗ derungen untersuchen, die während der Einwirkung der befruchtenden Substanz des Pollens und nach derselben in den Eyerchen des Fruchtknotens vor⸗ gehn. Daß diese Eyerchen vor der Beunchtuh da find; daß sie durch eine organische Gerinnung des Saftes im Fruchtknoten, der aus den Wänden des letztern ausschwitzt, gebildet werden: das habe ich eahehnn d hu, m f schin kirdit Det haba 0 der Bfuhenz huui l sih, be. würdige Eit utrimung. un n z muuer W del Lirit olli d Uchtimnt uu⸗ Nfuthun u Genuun v i Dütden d. us hile i6 375 schon vorher bewiesen und durch die Zeichnung des durchschnittenen Kürbisses vor dem Aufschließen der Blüthe erläutert. Dies kann man noch bestimmter daraus erhärten, daß man in Pflanzen, wo die Au⸗ theren auf andern Individuen derselben Art vor⸗ kommen und wo diese Antheren⸗tragende Pflanzen von den Frucht⸗tragenden entfernt werden, dennoch einen Ansatz zu diesen Eyerchen, ja, die wirkliche Bildung derselben, beobachtet, ohne daß sich diese Eyerchen zu förmlichen, Saamen entwickeln. Dies kann man bey den Kürbissen deutlich bemerken, de⸗ nen man alle Antheren⸗tragende Blüthen wegge⸗ schnitten hat. Die Eyerchen sind da im Kürbiß, aber zu gedeihlichen Saamen entwickeln sie sich nicht. Hieraus lassen sich folgende de Vahrbeiten als zu⸗ verlässig herleiten: 1. Die Saamen, als Saamen, bilden sich nicht von selbst in den Fruchtknoten und sind nicht vor der Befruchtung vorhanden. Wäre dies, so müßte die Mitwirkung der befruchtenden Vollen⸗Masse nicht so unentbehrlich seyn, als die Erfahrung sie darthut In der That hat man einige neuere Versuche von Spallanzani, welche beweisen sollen daß sich 376 allerdings gedeihliche Saamen, ohne alles Zuthun der Antheren, in den Fruchtknoten verschiedener Ge—⸗ wächse bilden können. Mit dem Hanfe, Svinat und den Kürbissen machte er seine Versuche: er ent— fernte alle Blüthen, welche Antheren trugen; ließ die Frucht- tragenden Blüthen und Pflanzen selbst un— ter Glasglocken wachsen; und behauptet, daß sich dessen ungeachtet vollkommene Saamen, die gut auf— gingen, gebildet haben. Diese Versuche würden un— sere ganze Vorstellungsart von der Befruchtung der Gewächse umzustoßen im Stande seyn, wenn ihnen nicht durch unzählige Versuche, von denen ich meh⸗ rere selbst mit denselben Gewächsen angestellt habe, widersprochen würde. Wirklich glaube ich nicht zu rasch oder absprechend zu urtheilen, wenn ich Spal⸗ lanzani's Versuche für trüglich und seine daraus gezogene Schlüsse für grundfalsch erkläre. Unsere Hanfbauern in Thüringen glaubten, ich wolle sie zum Besten haben, da ich ihnen einst versicherte, die tragbaren Hanfpflanzen bedürften nicht der Be— fruchtung durch die Antheren⸗-tragenden,(die sie Hanfinn nennen,) und diese könnten früher ausge⸗ rissen werden, als die Befruchtung geschehn sey. Ich wünschte, daß Spallanzani dabey gewesen ul/ 6 ul HHe rich f ose nit: IVM Zeih müctn/ 0 v Ne NRi V nien u Hauden f dus den lichlit Nie vl bh f I Wgilt ö g 0e In Kam ast auc 37² 65 Zuhu wäre, als ein sehr unterrichteter Bauer an der Un⸗ diden de strut mir bey dieser Gelegenheit die sehr nachdrück— En liche Lehre gab, nicht alles zu glauben, was in Bü⸗ ueru chern steyt, sondern die Natur selbst zu fragen. Er ih h de erzählte mir zugleich, daß manche unerfahrne Leute, sihi w zie den Zeitpunkt der Befruchtung nicht zu erkennen let/ df it vermöchten, bisweilen zu früh die Hänfinn ausrissen, V*i du aber daß sie es sich selbst zuzuschreiben hätten, wenn he ninm die Hanfkörner nicht aufgingen. ö eftuchtun N 2. Eben so wenig, als die schon gebildeten Saa— tenm iin men vor der Befruchtung in dem Fruchtkuoten vor— enen ich u handen sind, eben so wenig kann man ihren Ursprung Meselt t⸗ aus dem Pollen herleiten. Dieser hat gar keine Aehn⸗ Rich kittz lichkeit mit den Saamen: auch wird er im Oehle der iich Euh ö Narbe völlig aufgeloöͤs't und kann nicht, als Pollen, siut Ml in den Fruchtknoten gelangen. llin. Müte 3. Unbefruchtete Eyer sind von befruchteten Saa— ich le f men gänzlich verschieden. Jene sind zwar die organi— I trsthuth sirten Keime der letztern; allein es fehlt ihnen ganz ů liht da an den gebildeten Theilen, die wir in diesen entdecken. 0/ O Sie enthalten bloß eine Flüssigkeit oder einen Brey, ilhe statt daß die befruchteten Saamen eigene Lappen, den sshehn il Keim des künftigen Pflänzchens und Würzelchens, W oft auch noch besondere Häute, oder auch Eyweiß 37 und Eydotter enthalten: Theile, die ich nachher noch betrachten werde. Auch die Lage der Cyer ist von der Lage der Saamen in der Frucht gänzlich verschie⸗ den. Jene sitzen gewöhnlich dicht im Zellgewebe ein⸗ gehüllt: diese aber haben eigene Gefäße, die ihnen die ernährenden Säfte zuführen; und so nehmen sie oft eine ganz verschiedene Richtung von der an, die sie als Eyerchen hatten. Auch in der Zahl weichen die Eyerchen von den befruchteten Saamen ab. Der letztern sind gewöhn⸗ lich weniger als der erstern, weil nicht alle Eyerchen an der Befruchtung Theil nehmen. g. Osft wird die Ausbildung der Eyerchen zu ge⸗ deihlichen Saamen durch mancherley Ursachen gehin⸗ dert. Nicht die geringere Zahl der Pollen⸗Körper⸗ chen oder der Autheren ist ein Hinderniß der Befruch⸗ tung: denn bey manchen Orchiden, z. B. bey der Vanille, werden bis acht tausend Eyerchen in der Saa⸗ menkapsel durch eine einzige Zwillings⸗Authere be⸗ fruchtet; dagegen reichen oft sechs bis acht tausend Pollen⸗Kügelchen in der Rosen Malve kaum hin, um wenig Eyerchen im Fruchtknoten zur Entwicke⸗ lung zu bringen. Die Hindernisse der Befruchtung liegen vielmehr in der überflüffigen Feuchtigkeit in DM UU Rihn gulth Vl un N vic Mut Dau Ihse Pole linge ud de Nah, RHe —379 mil dem zu üppigen Triebe des Gewächses, wodurch die 20 m Concentration der Söte verhindert und so die Ent— lih astz wickelung der zum guten Pollen erforderlichen Stoffe Hlgencke eu, gestört wird, weßhalb junge Pflanzen und solche, die zu viel Nahrung haben, selten vollkommene Saa⸗ unn men trägen. HI Auch, wenn der Trieb der Säfte anders wohin, bey Obstbäumen in die Wasserreiser, bey Zwiebelge— dchen un wächsen in die Zwiebeln, zur Ansetzung der jungen ind geuß Brut, geht, können sich die Saamen nicht entwickeln. ale Chacht Dann aber kommt es vorzüglich auf den Mangel an Inseeten, oder auf andere Hindernisse an, die dem erche u Pollen entgegen stehn, daß er nicht durch die Narbe suchen g ö eingesogen werden kann. lea/Kiu In diesem Falle werden die Eyerchen zwar größer Ruifulh und dehnen sich aus, aber aus der Flüssigkeit oder dem I t Brey, den sie enthalten, bilden sich keine unterschiede⸗ TüdrSl ne Theile. Der Gehalt der Eyerchen wird eingesogen uhh le und sie selbst werden taub. t ufch 5. Die Antheren, welche die Befruchtung bewir— fun si ken sollen, dürfen nicht immer von derselben Pflanze, Enmiih nicht einmahl von derselben Art, aber sie müssen al—⸗ Nc lemahl von derselben Gattung herkommen. Weiße bu u Aurikeln lassen sich durch den Pollen der rothen oder 380 braunen Aurikeln, sie lassen sich selbst durch die An⸗ theren der Primeln befruchten; aber niemals wird man die Befruchtung einer Aurikel durch die Anthe— ren einer Nelke oder einer Lilie bewirken können. Wenn Pflanzen derselben Gattung, z. B. Sommer- und Winterwaizen, oder Bartgerste und zweizeilige Gerste, zu nahe zusammen stehn, so kann leicht eine Vermischung der Arten durch Uebertragung des Pol-⸗ lens der einen auf die Narben der andern Art erfol⸗ gen. Daher ist es ein zweydeutiger Vorzug botani⸗ scher Gärten, daß die Arten einer Gattung alle zu⸗ sammen gepflanzt sind. Ich habe manche unange⸗ nehme Erfahrungen davon gemacht. Ein trefflicher Naturforscher, Kölreuter, stell⸗ te über die Erzeugung dieser Bastard-Pflanzen viel⸗ fache sehr lehrreiche Versuche an, aus denen sich er⸗ giebt, daß die Bastard-Pflanzen die Eigenschaften beider Arten, von denen sie erzeugt sind, an sich tra⸗ gen, aber für sich selbst taube Saamen tragen, bis man sie mit dem Pollen der einen oder der andern Art, durch die sie erzeugt wurden, befruchtet. Im letztern Falle werden die aus diesem Saamen entstan⸗ denen Pflanzen der einen oder der andern ursprüngli⸗ chen Art ähnlicher, und gehn durch fortgesetzte künst⸗ liche Besruchtung endlich in sie über. 7 Nyl iit al n helch l W 4405 Hit del 381 duuch di zy Miemals i ich WNe Ich will Dir dies deutlicher machen. Wenn eine Primel und eine Aurikel,(beide Arten Einer Gattung,) mit einander eine Bastard-Pflanze erzeugen sollen; so nimmt man aus einer Blume der Aurikel alle An⸗ theren weg, noch ehe sie zur Ausbildung gekommen hitlu kinng V. Enng und nisig sind. Die Narbe dieser Blume aber bestreut man kam liht i mit dem reifen Pollen der Primel. Aus den Saa— A3uut H men, die sich hierdurch erzeugen, werden Pflan— udemn In aif zen entstehen, die weder Aurikel noch Primel sind, Vanus lunn aber von beiden etwas an sich haben. Sie werden Ittunz ule z. B. runzlige, rauhe Blätter, wie die Primel, aber lunche Wuiz eine Blüthe, vollkommen wie die Aurikel, tragen; oder sie haben glatte, dicke Blätter, wie die Aurikel, teutet, l aber die Blumen der Primel. Diese Primel-Au⸗ Rfuupe rikel wird für sich keinen gedeihlichen Saamen an⸗ Dy sch el setzen; alle ihre Saamen werden kaub seyn. Aber Fonchrtn bringst Du auf die Narbe einer ihrer Blumen den Vushtu Pollen der Primel, so setzt sie guten Saamen an. / N Die Pflanzen, die hieraus aufgehn, sehn nun der Pri-⸗ huraidn mel viel ähnlicher als die erste Bastard⸗-Pflanze, aber suhtl sie sind noch keine vollkommene Primeln; man sieht amen eni ihnen noch die Abkunft von der Aurikel an: befruch⸗ umih tet man sie aber von neuem mit dem Pollen einer snt ll Primel, so werden die daraus entstehenden Pflanzen endlich wieder zu völligen Primeln. 382 Was gehn nun mit den Eyerchen für Verände⸗ rungen vor, wenn sie besruchtet werden und nachdem sie befruchtet sind?... Das ist die wichtige Fra⸗ ge, zu derer Beantwortung ich mich itzt anschicke. Auf die Entwickelung der ersten Ursache, wodurch diese Veränderungen bewirkt werden, lasse ich mich nicht ein; denn das sind Geheimnisse der Natur, die sie jedem Sterblichen verhüllt hat. Wir sehn: der Pol⸗ len ber Antheren, aufgelös't im Oehl der Narbe, ist die außete Ursache; aber wie und warum dieses Wachs, in Oehl aufgelöß't, die sonderbaren Verän⸗ derungen enalidt⸗ wodurch die Eyerchen zu Saa⸗ men werden, sage mir das, der du dich anmaßest, die Natur zu begreifen, sage mir das, ———„Iund du bist mein großer Apollo! 4 Sobald die Befruchtung geschehn ist, bilden sich aus dem Brey des Eychens feine lockere Zellen. Diese Veränderung ist nicht mehr bloße Folge des Wachsthums, denn nubefruchtete Ey und am Ende leer. Bald darnach zieht sich ein Ka⸗ nal durch dies Zellgewebe, der sich am Ende in ei⸗ nen Beutel oder in einen Sack erweitert, welcher voll klarer Feuchtigeeit ist. Diese neunt man Keim⸗ Feuchtigkeit, und in ihr schwimmt als ein WI ziht. hihj. 0 U nidt i n i Rehie Wit Kan und diel leifet wird Mab schn fn Hlbt cher 303 süt Moshh, Pünktchen der Keim der künftigen Pflanze! Der Keim und mihn zieht aus dieser klaren Flüssigkeit seine Nahrung, wictye seh wächst immer mehr an, und so wohl das umgeben⸗ usci J de Zellgewebe als auch die Keim⸗Feuchtigkeit wird uiu di am Ende verzehrt. Oft aber schwimmt der Keim ich nich ih nicht in dieser Feuchtigkeit, sondern befindet sich an Natu/ Rej dem einen Ende des Sackes, zieht aber nichts desto schn: d R. weniger seine Nahrung aus der Flüssigkeit. So det Mi reift nach und nach der Saame: je stärker der Wtun R Keim wird, desto mehr schwindet das Zellgewebe, dhaten Iul und geht entweder in die Natur einer Haut über, er flE die man Lederhaut nennt und welche die meisten reifen Saamen noch zu umgeben yflegt; oder es wird der Gehalt dieses Zellgewebes zum Theil zur Ausbildung der Keim-Feuchtigkeit verwandt, die uumaßei /x Auolo!l „in sich am Ende auch mehr und mehr verzehrt, je stär⸗ e Rlh. ker der Keim auwächst. In den meisten Saamen u bleibt; wenn sie reif sind, nichts als der Keim, mit anr einer schwachen Srur von der Haut der Keim⸗ 0 Feuchtigkeit und mit der Lederhaut umgeben, übrig. . Doch dies Alles muß durch Zeichnungen erläu⸗ 49 tert werden. Du siehst(Fig. 36, a) einen vergrößer⸗ ün ten Apfelkern, etwa vierzehn Tage nach der Befruch⸗ 74660 tung. 1 ist das Zellgewebe, welches zur Bildung 1 15 384 der Keim⸗Feuchtigkeit verwandt wird, großentheils aber durch Verdichtung die Lederhaut erzeugt: 2 ist der Sack der Keim⸗-Feuchtigkeit, mit seinem zufüh⸗ renden Kanal 4: 3 ist die erste Spur des Keims an der Spitze dieses Sackes. Fig. 36, b, zeigt, wie all⸗ mählig der Sack anschwillt; 36, c, wie dadurch das Zellgewebe 1 zur Lederhaut wird; und 36/ d, wie am Ende nur noch eine Spur von dem verdickten Sacke der Keim-⸗ Feuchtigkeit 2 unter dem angeschwol— lenen Keime 3, und rings umher die Lederhaut 1 noch übrig ist. Auf eine andere Art verbält es sich in Erbsen. Du weißt, wie zart junge Erbsen sind; wie sie fast in bloße suße Feuchtigkeit zerfließen, wenn man sie aufschneidet. Dies ist die Keim⸗Feuchtigkeit, mit lockerm Zellgewebe umgeben, und in ihr schwimmt der Keim der künftigen Pflanze. Fig. 37, a, zeigt den Sack der Keim⸗ Feuchtigkeit, als ein dunkles Pünktchen in der Mitte des lockern Zellgewebes. In Fig. 37/ b, ist dieser Sack schon mehr angeschwol⸗ len, aber noch bemerkt man keine Spur von Keim; diese findet sich erst in 32) wo das umgebende Zellgewebe schon sehr vermindert ist. In Fig. 37/ d. ieigt sich schon der Keim mit seinen beiden Saa⸗ mellt hadit 0 f H Richot H K it x alm⸗ Kimn. Rhientheg Rgugt: ꝛi senen uij dei Rin Ri dieal⸗ die Mug diz 0., M dem vadite Nem augesü die Ledethiul sch in Eis d; nie se wvenn l Uctighei/ u iht san 4.˙⁷ ht huil E UUtnb un Kh 1 In W Heder El 385 menlappen deutlicher; die Keim⸗Feuchtigkeit ist mehr verdickt; und die Lederhaut fängt an sich zu bilden. In Fig. 37/ e, ist der Sack der Keim-⸗Feuchtigkeit schon mehr geschwunden, der Keim aber stärker an⸗ geschwollen; und Fig. V f, zeigt uns den Keim bloß noch mit dem Sack der Keim⸗Feuchtigkeit und mit der Lederhaut umgeben. Die Erbse ist reif. Dies sind Beyspiele von befruchteten Saamen, wo die Keim-Feuchtigkeit in einem eigenen Sack, entweder mit dem Keime zugleich, oder abgesondett von demselben, eingeschlossen ist. Es giebt aber auch Fälle/ wo sie in einem zelligen Gewebe sich findet, welches mit dem Keime zusammen hängt. So ist es z. B. in dem Kürbiß. Das Reifen der Saamen besteht also in einer allmähligen Verdickung des Zellgewebes und der Keim⸗Feuchtigkeit, ö in der verstärkten Einsaugung und Ernährung des Keims, und in der Verdichtung der Häute, die den Keim umgehen. Die Keim-⸗ Feuchtigkeit ist es zunächst, die dem Keime die erste Nahrung giebt, und sie erhält wieder ihren Zuschuß aus dem zuführenden Kanal, den wir Keim⸗Gang nennen wollen, und von dem man noch in reifen Saamen immer eine Spur sieht, bis endlich die ganze Erste Sammlung. 25 ⁴ Frucht vertrockuet und der Keim? Gang gar keiuen Zufluß mehr erhält. Zum Theil saugt der Sack der Keim⸗Feuchtigkeit auch aus dem umgebenden Zell⸗ gewebe die Säfte ein, die er dem Keime zuführt. Die Keim⸗Feuchtigkste ist sehr milde: sie be⸗ steht fast bloß aus Pflanzenschleim mit wässerigen Säften und etwas Kleber vermischt. Sie enthült also eine innige Mischung des Kohlen⸗, Wasser⸗ und Sauerstoffs, und vielleicht auch des Stick⸗ stoffs. Weder wesentliche Oehle, noch harzige Thei⸗ le, noch andere scharfe Pflanzenstoffe darf man in ihr suchen, durch die auch die Ernährung gehindert wer⸗ den würde. Da der reifende und reife Saame theils mit dem Sacke der Keim⸗Feuchtigkeit, theils mit der Lederhaut umgeben sind, und sich von diesen Häu⸗ ten im unbefruchteten Eychen keine Spur sindet; so sieht man, daß diese mehrfache Saamenhüllen ei⸗ nen wichtigen Unterschied zwischen dem Ey und dem Saamen ausmachen müssen. Aber noch auffallender ist der Unterschied, den man von denn Daseyn des Keims selbst hernimmt, der niemals in einem unbe⸗ fruchteten Ey zugegen ist. Der Keim selbst kommt unmer am Ende des Keim⸗Ganges entwoder in dem Ght sulbege Iuj M sch d slaszal Malker Neft t sich Caam. Woüze En Betrae 0.E INe H shs⸗ 38²2 Sack der Keim-Feuchtigkeit oder an der Spitze des⸗ de Sak selben zum Vorschein. Seine erste Erscheinung kön⸗ Rbender Al nen wir nicht bemerken, aber mit bloßen Augen läßt ime ühr. ö er sich als ein weißes Pünktchen, von festerer Con—⸗ iber y sistenz als die Keim-Feuchtigkeit, in Erbsen und Me-⸗ nit wisenht lonenkernen acht und zehn Tage nach der vollende— I ten Befruchtung, bemerken. In der Folge entwickelt Iu I er sich mehr und mehr, und zeigt alsdann seine „ des Eil Saamenlappen, das künstige Pflänzchen mit dem hanidy/ Würzelchen und den ersten Blättchen. uuf man gchmdat XXX. An eben dieselbe. ne theit v E meis u ö ndlich, meine geliebte Schwester, sind wir zur 00 M Betrachtung der reifen Frucht oder des ausgebilde⸗ gun jilt; ten Saamens gekommen/ zu dessen Erzeugung so LILII viele bewundernswerthe Anstalten getroffen wurden. h Die meisten Saamen sind in einer Hülle einge— Kasslan schlossen, die wir uberhaupt die Fruchthülle nen⸗ nen. Diese ist entweder häutig oder fest und springt in Fächer auf, wo sie Kapsel heißt, und diese ist Dasenn XI 1 hun bisweilen noch, wie bey Aepfeln und Birnen, mit V——. 2* v einer fleischigen Hülle umgeben; oder es ist eine har⸗ der 388 te, nicht aufspringende Schale, die man Nuß nennt, und die bisweilen noch mit einer fleischigen Sub— stanz umgeben ist, wie bey Pflaumen und Kirschen: oder die Hülle der Saamen ist saftig und enthält die nackten Saamen; dann nennt man sie Beere. Diese Hüllen entstehn großentheils aus dem verdickten obern Ende des Fruchtstiels, oder dem so genannten Fruchtboden, wie wir an Aepfeln und Bir⸗ nen sehr deutlich sehen. Auch der Fruchtknoten selbst wird durch Anschwellen und Verdichten seiner Häute zur Fruchthülle. Sehr oft ist es auch der Kelch, der die Kapsel oder die Fruchthülle bildet, z. B. bey den Getraide⸗Arten: selten wird die Blumen⸗ krone so dauerhaft, daß sie die Stelle der Frucht⸗ hulle vertritt, wie dies unter andern beym Sauer⸗ ampfer der Fall ist. Mit diesen Hüllen ist der Saame, so lange er noch nicht vollkommen reif ist, bisweilen auch noch, nachdem er seine völlige Reife erlangt hat, vermit⸗ telst des Keim⸗Ganges verbunden, den Du am besten in Hülsenfrüchten, z. B. beym Aushülsen der Erbsen und Bohnen, bemerken kannst. Dieser Keim-Gang hinterläßt an dem Saamen, da, wo er hinein geht, eine Grube, die ich Keim⸗Gru⸗ He Rböhl 95 O 0 u 05 u0 RW nit d man eine iiht f 0 fe uun des Mel I WI uhin be nenne. Diese, einer Narbe gleiche Stelle hat sunn eh gewöhnlich eine andere Farbe, als die übrige Haut 10 Ruhn. des Saamens: bey den Erbsen ist sie von hellerer, Wa bey einigen audern Früchten von dunklerer Farbe. hi. Die ägyptische Paternoster⸗Bohne sieht rosenroth cli un aus und hat eine schwarze Keim⸗Grube., Oft ist I dieser Theil noch mit einem besondern Kamm oder Ru mit einer rauhen Erhabenheit umgeben; oft bemerkt HahnI man an demselben keine Vertiefung; bisweilen selbst stun Hin eine Erhabenheit: aber der Name: Grube, rechtfer⸗ uch dA tigt sich weun man die äußern Häute abgezogen hat, bibot, ö wo sich mehrentheils iuwendig eine Vertiefung zeigt. die Bunnn Unter der eigentlichen Saamenhaut bemerkt man 14 der gtuth nun zuvörderst das Eyweiß, einen zur Ernährung He E des Keims sehr wichtigen Theil. Man nennt diesen Theil so, weil er wirklich bey den keimenden Pflänz⸗ IÄRü chen die Stelle des Eyweißes im Hühnerey vertritt. Ruch vuch, Um sogleich eine anschauliche Idee von diesem Thei⸗ vunit le zu bekommen, so nimm ein Buchweizen⸗Korn, ö N ö(Fig. 38) löse die äußere Schale ab, und schneide es quer durch. Das ganze dreyeckige Korn(a) be⸗ steht aus Eyweiß: schief durch zieht sich aber ein anderer Theil in einer krummen Linie; das ist der Keim des künftigen Pflänzchens(5). Auch bey dem Wohst Mũ Dii „/ I Iu/Htu * 390 Waizen(Fig. 39, a) besteht fast das ganze Korn aus Eyweiß, und nur vorn ist ein Schildchen“ vor dem Pflänzchen, als ein besonderer Theil anzu-⸗ sehen. So deutlich und beträchtlich im Waizen und Buchwaizen das Eyweiß ist; so giebt es doch viele Saamen, denen es gänzlich fehlt, oder wo es wenig⸗ stens in sehr geringer Menge vorhanden ist. Die Apfel- und Birnkerne und die Bohnen(Fig. 6) ha— ben z. B. nur eine schwache Spur von Eyweiß rings⸗ um unter der Saamenhaut. Dieser Unterschied hängt vom Ursprunge des Eyweißes ab. Es entsteht nämlich aus der verdickten Keim-Feuchtigkeit, die bey man— chen Saamen, wie ich es in meinem letztern Briefe beschrieb, größtentheils aufgezehrt wird und nichts als den eigenen Sack zurück läßt: andere Saamen aber zehren im Reifen diese Feuchtigkeit nicht so wohl auf, als daß sie eine Verdickung derselben veranlassen, und so ist es bey denen, wo sich das Eyweiß in der völligen Reife zeigt. Da die Keim⸗Feuchtigkeit aus Pflanzenschleim und Kleber besteht, so haben wir dieselben Bestand⸗ theile auch im Eyweiß; nur daß sie hier in coneen⸗ trirter Mischung vorhanden sind. Keimt nun der Sag⸗ M Habol clt ½l. hundt Ohiß I hit ahun Eywe weil! her H rs uU nahr: Kein vi wm W M H. M ar Rin ildchg“ 10 Hal aup Dhn dij den ss. J6. OM Eyreßßnit terhied hit üticht vinth He hey nu lettert dntz und nibtt a Gumal abt t whl Aumase rei il Rl Imasin Hen Hefthd in cotez HE 39¹ meß so geht in dem Eyweiß eine Veränderung vor, wodurch die Bestandtheile des Schleims und Klebers, nämlich Kohlen⸗„ Sauer⸗„ Wasser- und Stickstoff, in den Keim übergehn und zu seiner Nahrung ver⸗ wandt werden. Die sehr trockene Beschaffenheit des Eyweißes macht das Stärkmehl aus, und dieses fin⸗ den wir im Eyweiß aller Getraide⸗Arten mit Kleber verbunden. Etwas schärfere Stoffe können zwar im Eyweiß vorkommen, als in der Keim⸗Feuchtigkeit, weil dort alles eoneentrirter ist; indessen sind doch der Geruch und Geschmack des Kümmels, des Pfef⸗ fers und anderer gewürzhafter und scharfer Saamen mehr in der Saamenhülle als im Eyweib zu suchen. Die Lage und das Verhältniß des Eyweißes zum Keim sind verschieden; immer aber läßt sich dieser oh⸗ ne viele Mühe davon trennen, und beide hängen also niemals ganz genau zusammen. Sehr oft schließt es den Keim in sich, wie beym Buchwaizen; oft steht dieser zur Seite oder er liegt vorn und das Eyweiß hinten. In einigen seltenern Fällen, wie bey der Mi⸗ rabilis, hüllt der Keim das Eyweiß ein. Außer dem Eyweiß haben nun noch mehrere Saa⸗ men einen andern Theil, den man Dotter nennt, weil er eine ähnliche Bestimmung beym Keimen die⸗ 39²2 ser Saamen, als der Eydotter bey der Eutwickelung der Küchlein zu haben scheint. Du kannst Dir von diesem Dotter einen sehr deutlichen Begriff machen, wenn Du ein Gersten⸗oder Waizenkorn betrachtest. Hier liegt er(Fig. 39, a und b) vor dem Eyweiß, in Gestalt eines dunkler gefärbten Schildchens, wel-⸗ ches genau mit dem Keime selbst zusammen hängt, wie Du beym Keimen(Fig. 39, b) deutlich sehen kannst. Ungeachtet dieser Theil allezeit aufs genaueste mit dem Keime zusammen hängt und mit dem letz—⸗ tern leicht vom Eyweiß getrennt werden kann; so kommt er doch nie mit dem keimenden Pflänzchen aus der Erde hervor, und ist also kein eigentlicher Theil. des letztern, wie es die Saamenlappen sind, sondern er wird beym Keimen, wie das Eyweiß, völlig verzehrt und zur Nahrung des Pflänzchens verwandt. Am deutlichsten findet sich der Dotter bey Grä— sern und Getraide⸗Arten, in Form eines Schildchens: andere Pflanzen haben ihn entweder gar nicht, oder er hat eine ganz andere Gestalt und ist sehr schwer zu unterscheiden. So behauptet Gärtner, daß die Saa⸗ men der Farrenkräuter und Moose ganz aus Dotter bestehn. Ich bedaure übrigens, daß ich uber die Ver⸗ hältnisse der Grundstoffe in dem Dotter nichts Be⸗ 1 ö fuwgts al fl lopoh/ amslih Ischen E Iun. Wie htheiß nit wulh saht/ u Rehlah die wenig ne behn Sauen Bohhen Rahe, Ehbe uiht o Msen. gelhto lhtt, a D 9.— 393. W stimmtes sagen kann. Indessen vermuthe ich, daß er ö— viel reinen Kohlenstoff, allenfalls mit Wasserstoff ver⸗ 0 uin bunden, enthält, weil das Pflänzchen durch ihn sich Witti vorzüglich ernährt, und die öhlige Mischung des thie⸗ aa rischen Eydotters scheint diese Vermuthung zu bestä⸗ ihda u tigen. unmn in Wie der Dotter mit dem Keime genauer als das dalit i Eyweiß zusammen hängt: so giebt es andere Theile, u Ru mit welchen der Keim in noch genauerer Verbindung mit den steht, uls mit dem Dotter. Dies sind die Saa⸗ i Huun; menlappen oder Kotyledonen. In denen Saamen, iucheru die wenig Eyweiß haben, oder in denen sich das letz⸗ Itliche Zin tere beym Reifwerden großentheils berzehrt sind die iih, sudn Saamenlappen am deutlichsten, wie Fig. Ebey den lig tunllt Bohnen, wo sie(a a) fast den ganzen Saamen aus⸗ WW machen. In andern Saamen, die entweder viel Hn Eyweiß oder Dotter haben, sind die Sagmenlappen hcnn: nicht so deutlich, z. B. bey Farrenkrüutern und iiht/ We Moofen. Diesen hat man daher die Kotyledonen Ve l abgesprochen; aber genauere Beobachtungen haben ML ö gelehrt, daß allerdings auch diese Saamen derglei⸗ un schen Theile besitzen.). Bey einigen Saamen zei⸗ di Von nichts W.) Die Kotyledonen der Farrenkräuter hat Lindsay 0⁰ gen sich die Saamenlappen nicht mit; wenn das Pflänzchen aufgeht„ sondern sie bleiben, wie bey den Erbsen und Wicken, in der Erde. Bey den Gräsern scheint wirklich der Dotter die Stelle des Saamen⸗ lappens zu vertreten, und auch dieser bleibt bey ihnen in der Erde. Die meisten Botanisten pflegen das er⸗ ste scheidenartige Blatt(Fig. 30, a, b. I) für den ein⸗ zigen Saamenlappen der Gräser zu halten; allein ich glaube, man thut daran Unrecht. Ihren Ursprung nehmen die Saamenlappen aus dem Keime selbst. Sie sind im Anfange, wenn der Saame reift, bloß kleine, mikroskopische Knöt⸗ chen, die aus feinen Ritzen zu beiden Seiten des Pflänzchens hervor kommen: oder sie stellen Beu⸗ kelchen vor, die der feinen Spitze des Keims, welche in der Folge das Würzelchen wird, entgegen stehn, (Fig. 36, 3.) Oft behalten sie diese Beutel⸗ oder Knotenform, auch selbst, wenn sich das Pflänzchen entwickelt. Beym Keimen der Dattel 3. B. bemerkt (Transact. of the Linn. lociet. vol. II. p. 95- kab. 18.) und die Kotyledonen der Moose Hedwis (Theor. geneéral. Plant. cryptog. ed. ⁰ν tab. 16.) beobachtet und abgebildet. 70 I Im A Kein dhle, Vlllef ssch de. ley ald 0 hat, Casift Hlbs Mit v loch in f If Wen z Reh et U . vi⸗ e de 90 v Wole U ů 393 We ule la h man an der Außenseite des Nflänzchens eine zwie⸗ Hn belartige Knolle, aus welcher die eigentlichen Blätter hervor kommen. Gewöhnlich aber breiten sie sich beym Reifwerden des Saamens durch Aufzehren der Keim⸗Feuchtigkeit aus; nehmen, wie in der Bohne,(Fig. 6,) die Gestalt der Lappen, oder gar der Blätter, wie im Buchwaizen,(Fig. 38,) an; und thei⸗ des Sum Heibt k ie pflegep W e ) fir duty lten; aleng—9090 2 len sich dann mehrentheils in zwey abgefonderte Stü—⸗ cke. Da man diese Theilung der Saamenlappen bey andern, z. B. bey den Gräsern, nicht bemerkt, so hat man diesen Umstand als einen Grund der Classification angesehn und auf diesen Unterschied selbst ein natürliches System zu errichten versucht. Mit welchem Recht dies geschehn sey, werde ich noch in der Folge untersuchen; hier bemerke ich nur, daß Pflanzen, deren Saamen für sich keine Kotyle⸗ donen zu haben scheinen, doch dergleichen beym Kei— menlapper eu lufange, vm shorische Ki d Gaten tr se sil S Heimt Nich uthe fihj d 0Rfu men entwickeln, und daß diejenigen, deren Kotyledo⸗ V nen anfangs einfach sind, in der Folge sich theilen und vielfach werden. Dies beobachtet man besonders ID ö bey den Moosen. Diese Theilung der Kotyledonen oe Hhedhi gab dazu Gelegenheit, daß man auch Pflanzen mit 2056lab, IH vielen Kotyledonen annahm, zu denen man unter andern die Fichte und die Kresse gerechnet hat: al— 396 lein die Natur scheint die Zahl dieser Theile wirk⸗ Uch nicht zu vervielfachen, sondern sie überall unr auf Einen oder zwey eingeschränkt zu haben. So, beträchtlich groß die Saamenlappen der Boh⸗ nen sind, so überaus klein erscheinen sie in andern Saamen, z. B. in den Körnern der Stechpalme. Sonst unterscheiden sie sich, wenn sie beym Keimen mit aufgehn, von den übrigen und eigentlichen Blät⸗ tern durch ihre Dicke, durch ihre verschiedene Form und durch ihr abweichendes Gewebe. Gew öhnlich sind sie angeschwollen, dick und schwammicht. Wie fleischig und schmackhaft sind nicht die Saamenlap⸗ pen der Wallnüsse; denn diese genießen wir doch nur. Fast allein die malvenartigen Pflanzen und die Linde haben sehr dünne Kotyledonen. Was ihre Form betrifft, so sind sie vval bey der Bohne, de⸗ ren eigentliche Blätter fast herzförmig sind; linien⸗ förmig bey Dolden-Gewachsen; keilförmig und ge⸗ theilt bey der Linde. Was den Bau der Saamenlappen betrifft; so kommen sie darin mit den eigentlichen Blättern über⸗ ein, daß sie eine Oberhaut haben, die mit Spaltöff⸗ nungen versehn ist; vermöge deren sie das wichtige HGeschäfft des Einsaugens verrichten. Uebrigens aber bh 110 U shet In Mft Ose ge Im MA Cie sau nd füh sigleich: Kien Da u den n Vehn 2 uß⸗de udee fd Veelt iz e ihual un haben auper he feinan X behn Hunz Feltlichm B schicden zn . Oeköhud Wuniicht. B ie mae/ hien ne Mfanzen un Iu. Mur I MM,. ish Al uiz W Khst 6 litan il LI Hlth hrunt al 397 bestehn sie fast durchaus aus mehr oder weniger dich—⸗ ten Zellen, die sich beym Keimen des Saamens erst aus der breyartigen Masse der Kotyledonen entwickeln, (Fig. I.) Schraubengänge habe ich entdeckt, ob sie gleich durch gestreckte Kanäle mit dem Pflänzchen in der genauesten Verbindung stehn. Diese genaue Verbindung der Saamenlappen mit dem Pflänzchen bestimmt uns auch ihren Nutzen. Sie saugen nämlich zuerst die Erdfeuchtigkeit ein, und führen sie dem keimenden Saamen zu, wie ich sogleich umständlicher zeigen werde, wenn ich das Keimen abhandle. nicht in ihnen Der Keim der künftigen Pflanze felbü macht in den meisten Saamen nur den kleinsten Theil aus. Wenn Du einen Apfel⸗, oder W Wallnu 6=, oder Hasel⸗ nuß⸗Kern in die Länge durchschneidest, so findest D an der Spitze ein dichtes weißes Pünktchen: dies ist der eigentliche Keim. Größer schon und deutli— cher findest Du ihn in der Bohne, hier besteht er ganz offenbar aus zwey Theilen: dem Pflänzchen(b) und Sch näbelchen. (Fig. 6,) und dem Würzelchen(e). Jenes nennt man auch Federchen, und dieses, 398 Nicht alle Keime haben beide Theile so deutlich entwickelt. Bey manchen, Gräsern zumahl, ist das Pflänzchen verborgen; aber das Würzelchen pflegt nie zu fehlen,) und es macht allemahl die feinste Spitze des ganzen Keims aus. Wenn das Pflänz⸗ an fe chen deutlich zu sehen ist, so kann man auch schon e die Blättchen unterscheiden, wie hier dey der Bohne, an l (Fig. 6) In der Wallnuß und in der Wicke lie⸗ uug/ l gen diese Blättchen eben so gesiedert zusammen, als die vic sie sich nachher zeigen. Einige Naturforscher haben ithand sogar behauptet, daß sie die ganze künftige Pflanze und den in dem Keime vermittelst starker Vergrößerungen 60 beyr unterscheiden könnten. Daran zweifle ich gar sehr, nicht lin besonders wenn der Saame noch nicht zu keimen an⸗ Geimen gefangen hat. stehenel Maicht Fast allein in der Wassernuß fehlt das Würzelchen, wie G ein sehr gründlicher Naturforscher in den ökonomisch⸗ 1˙ 70 phyfikalischen Abhandlungen, Th. 1. S. 144. f., zuerst 1 / vor funfzig Jahren bemerkt hat. Willdenow hat 9 es diese Beobachtungen nur bestätigt,(teris Anna- gchehy len der Botanik, St. XVII. S. 19.) keinesweges * aber zuerst angestellt. Watedd Hashe 0d Herli jr 39⁰ dle i wuf 30 XXXI. ö anall it w ö Wilha ng An eben dieselbe. nihl x itt NI6 dieser Zergliederung der Saamen laß uns I d Rine nun, meine geliebte Auguste, die höchst merkwürdi⸗ man auc h gen Erscheinungen des Keimens untersuchen, und Du 5er de dih wirst sehen, daß man daraus auf die ganze Haushal⸗ de Mii s tung, besonders auf die Ernährung der Gewächse zusanmen die wichtigsten Schlüsse herleiten kann. Wenn aber Ursirchet M irgend wo der Unterschied zwischen dem Begreifen fiustge Nu und dem Verstehen der Natur auffallend ist, so ist ö Daxoßeuum es bey diesem interessanten Processe. Wir können L ich g sh nicht läugnen, daß wir die Gesetze, nach welchen das t fein u Keimen der Saamen erfolgt, itzt immer besser ver⸗ stehen lernen, als ehemals: aber wir müssen darauf Verzicht thun, die erste Ursache und den hinreichen⸗ v den Grund dieser Veränderungen begreifen zu wol⸗ hwah⸗ len. Ich werde also auch hier nur die Erscheinun— 15⁷1 gen des Keimens beschreiben; die Bedingungen an⸗ Acemn geben/ unter welchen es erfolgt; die Verhältnisse der 10% Kneng Außendinge zu dem keimenden Saamen, und die Gesetze, nach welchen sie wirken, angeben; und dar⸗ aus eine Erklärung der verschiedenen Veränderungen herleiten, welche vor der Hand befriedigend seyn muß, bis wir tiefer ins Innere der Natur gedrungen sind. 4⁰⁰ — Es ist für mich immer ein Gegenstand der Be⸗ wunderung der Allmacht, wenn ich das feine Keim chen einer Wallnuß oder einer Eichel betrachte; wenn ich durch die stärksten Vergroßerungen kein re⸗ gelmäßiges Gewebe, sondern nur einen Haufen meh⸗ lichter undurchsichtiger Substanz darin unterscheide; und wenn ich nun bedenke, daß aus diesem kleinen Häufchen scheinbar roher Masse ein Baum erwächst, dessen Bau ungemein schön organisirt und dessen Dauer vielleicht auf Jahrhunderte berechnet ist. Wie diese allmählige Entwickelung der scheinbar rohen Masse zu der schönsten und vollkommensten Organi⸗ sation erfolgt:: das ist uns kurzsichtigen Sterblichen eben so unbegreiflich, als die Schöyfung ganzer Weltordnungen und Sonnen-Systeme aus dem re⸗ gellosen Chaos es ist. Wir wollen zuvörderst auf die merkwürdigsten Sichemden beym Keimen Nücksicht nehmen. Du weißt, was mit der Gerste und dem Waizen vorgeht, wenn sle auf den Maischbottich gebracht und mit Wasser aufgegossen werden, um Malz dgraus zu ma⸗ chen. Die HKörner quellen und keimen, und während dessen entwickelt sich ein süßlicher Geschmack im Auf⸗ guß. Dieser verbreitet guch einen ganz eigenen Ge⸗ luh/ nel sulln Oonm he E • Dot se shei Ran de Dutte ganze Hauch gebeñ/ Juilt indem Heil sluchti Mllapt hlbet; n r M t e RN Wstapd zr 6g sine gu Aa Entht Imm fih n Hu h nin uutundeh 6 hieehn V Mum enih istt ud echhet it. N. scheinbat un mensten Onw ihen Steiblit Opfung gaht Me Aus dn Mloltbita hnel. Hu WWha urch Imät uod Aaptus 3 l. in nihro ack in h 9 9⁰¹ ruch den wir selbst dann wahrnehmen, wenn wir diese Getraidekörner in einen Topf säen. Unter⸗ sucht man nun das Korn genauer, so findet man das Eyweiß weicher, schwammichter und in eine milch— artige Substanz aufgelöset. Das Schildchen oder der Dotter schwillt ebenfalls an. Wenn nun das er⸗ ste scheidenartige Blatt hervor kommt, so unterbricht man das Keimen dadurch, daß die Körner auf die Darre gebracht werden, und nun ist das Eyweiß ganz milchartig und süß geworden. ö Um genauer diese Veränderungen zu beobachten, braucht man nur auf eine Schminkbohne Acht zu geben, wenn man sie der Erde anvertraut hat. Sie quillt oft schon nach vier und zwanzig Stunden auf, indem sie hauptsächlich durch die Keim-Grube, zum Theil aber auch durch die ganze Oberfläche die Erd—⸗ feuchtigkeit anzieht. Es quellen aber zuerst die Saa⸗ menlappen; die mehlartige Substanz, die sie enthalten, bildet sich in zelliges Gewebe aus; und das Pflänz⸗ chen tritt aus den klaffenden Kotyledonen hervor, um die Rinde von Erde zu durchbrechen, die es bis da⸗ hin verhinderte, der Luft und des Lichts zu genießen. Unter den Bedingungen des Keimens ist eine der wesentlichsten, daß der Saame die gehörige Em— erste Sammlung.„20 4⁰² pfänglichkeit habe. Diese Einpfäuglichkeit beruht. theils auf dem Daseyn aller Theile, und also dar— auf, daß der Saame nicht taub sey; theils auf dem erforderlichen Alter. Die Taubheit des Saamens erkennt man vorzüglich daran, daß er eine Höhle hat, daß er nicht die ganze Schale ausfüllt, nnd daß er auch viel leichter ist. Indessen muß man be—⸗ denken, daß es wirklich vollkommene Saamen giebt, zu deren Wesen eine Höhle geydet, und die an sich sehr leicht sind. Wenigstens kann das Schwimmen oder Sinken der Saamen im Wasser kein sicheres Zeichen der Heim-⸗Fähigkeit derselben seyn. Seine gehörige Reife muß der Saame erlangt haben, wenn er keimen soll; denn sonst sind seine Theile und Säfte nicht alle so roneentrirt, daß sich aus ihnen die neue Pflanze entwickeln könnte. Doch giebt es Fälle, wo ein sehr junger Saame wieder keimt, selbst wenn er noch an der Mutterpflanze hängt. Ich habe oft am rothen Convolvulus keimen—⸗ de Saamen hängen gesehn. So erzählt auch Du⸗ hamel, daß er den Saamen einer Esche keimen gesehn habe, da er noch am Baume hing. Meines Erachtens sind diese Ausnahmen von der Regel durch den starken Trieb der Säfte in der Pflanze, die RNah gllltes Kil ste He h Aucht Siet W neht dete bal Etd gel nac her sen; at! uld al 9 6 ich 30 ichei I — 2 2 2 4 0 s diesen keimenden Saamen trägt, einige Maßen zu 1* erklären. Es ist aber auch nothwendig, daß Saamen, wel—⸗ che keimen sollen, nicht zu alt seyn, weil sie sonst ihre Keim⸗Fähigkeit verlieren. Man kann, wie ich glaube, diesen Verlust der Keim⸗Fähigkeit mit zunehmendem Alter weder aus der Zunahme der cheit auf vn Eungz i Hihs cleftht, py ni nniy 00 Steifigkeit, noch aus andern mechanischen Ursachen u. 0 10 erklären, sondern man muß die Thatsache selbst an⸗ En nehmen. Eicheln, Kaffebohnen und verschiedene an⸗ ⁰ 4 dere Saamen verlieren ihre Keim-Fähigkeit sehr I bald, und müssen daher, wo möglich, sogleich der Eun em Erde anvertraut werden, wenn sie reif sind. Dage— sons sud sin gen pflegen die Saamen der Hülsenfrüchte oft noch nach einigen zwanzig Jahren aufzugehen. Die Gärt⸗ ner sagen, die öhligen Saamen halten sich am läng⸗ Arirt/ dij si Imnte. Eum duur sten; und dies gilt zum Theil auch von der Rüb⸗ Rumi saat und den Senfarten: aber Bohnen, Linsen, Wi— Whlul fena⸗ cken und dergleichen Früchte enthalten doch kein Oehl, iht u/ sondern es scheint die mehlichte Beschaffenheit ihrer ehe Kinn Kotyledonen die Hauptursache ihrer länger dauern⸗ Hüng. Maih den Keim⸗Fähigkeit zu seyn. Bey andern liegt M gewiß der Grund ihrer vieliährigen Lebensfähigkeit Rlatz/ N in dem beträchtlichen Vorrath an Eyweiß, welches, 26* 4⁰⁴ wegen seiner festern Beschaffenheit, sich mehrere Jah⸗ re lang unversehrt erhalten kann. Je mehr Vorrath von Eyweiß vorhanden, oder je reicher der Gehalt der Saamenlaypen ist, desto mehr Nahrung findet das keimende Pflänzchen, desto üppiger wächst es ins Laub; aber desto meniger vflegt es auch geneigt zu seyn, Blumen und Früchte anzu⸗ setzen. Dies ist der Grund, warum man die Melo⸗ nenkerne gern etwas alt werden läßt, weil sie dann am besten gerathen, da der reiche Vorrath von Nah⸗ rungsstoffen in den Kotyledonen sich unterdessen auf⸗ zehrt und die Pflanze nicht so sehr ins Laub treibt. Eine Hauptbedingung heym Keimen der Saa⸗ men ist ein angemessener Standort der letztern. Sie müssen in eine Substanz gebracht werden, deren Theile sich nicht vollkommen im Wasser auflösen, und von denen dennoch so viel aufgenommen wird, daß der Saame hinreichende Nahrung erhalten kann. Diese Substanz muß ferner Licht, Wärme, Luft und die Bestandtheile der letztern, als die großen und noth⸗ wendigen Hülfsmittel des Wachsthums, einsaugen und dem Saamen mittheilen können: kurz, alle übri⸗ ge Beförderungsmittel des Keimens müssen durch diese Substanz leichten und freyen Zutritt zum Saa⸗ men erhalten. 1õ E 9ih n E Gmdot NWbiete N He Oaum M lishe enth lich Siu geh rotht jen Caam W shhel RMises Heme M ae Hh Ruf 4⁰0⁵ Eine solche Substanz ist nun die Erde, die, we⸗ usun, 0 gen n Lockerheit und Wen ihrer maäichun ge⸗ ö * gen die aürtiufe den gemeinsten 40 schicklichsten RI 5 für die A der uen Pflanzen ö darbietet. Indessen begunstigen nicht alle Erdarten Wi das Keimen der Gewächse auf gleiche Weise. Die h Dämmerde oder Gartenerde ist den meisten Saa⸗ süts men am günstigsten. Sie ist durch Verwesung thie— ilhn rischer und vegetabilischer Theile entstanden und muh un du enthält sehr viel Kohlenstoff; auch ist ihr gewöhn⸗ auabisteh lich Kalkerde beygemischt, und daher brauset sie mit kabgul Säuren auf und hat eine starke Anziehungskraft ge⸗ W gen den Sauerstoff. Da der letztere nun einen u hur lehun nothwendigen und allgemeinen Reiz für die Pflan⸗ t udey, dun zen hergiebt, so muß deßwegen die Dammerde den ust alin Saamen einen ausgezeichnet guten Standort gewäh⸗ unmn ahy ren. Ihre schwarze Farbe macht sie ferner zur Ver— ahllan kad schluckung des Lichts vorzüglich fähig, und so kann Huft dieses mächtige Reizmittel besser auf die zartern ahen und Kah⸗ Keime wirken: daher kommt es zum Theil, daß 16, eus die Saamen, welche zu tief gesäet sind, nicht gut / alt in aufgehn. Mit Wasser vermischt sie sich leicht, und risiu dut hält dasselbe ziemlich lange, ohne deßwegen davon un Eun aufgelöset zu werden: der Kohleustoff in dieser Erd⸗ 40 art verbindet sich leicht mit dem Sauerstoff, den die Dammerde stark anzieht, und so wird durch Zutritt des Wassers tropfbare Kohlensäure gebildet, die als Nahrung von den Wurzeln aufgenommen werden kann. Andere Erdarten sind viel weniger schicklich: doch können sie bisweilen, gemischt mit der Garten— erde, diese entweder lockerer oder noch bindender ma⸗ chen. Sand enthält wenig Kohlenstoff, hat eine sehr geringe Anziehung gegen das Licht und den Sauerstoff und läßt das Wasser ungemein bald fahren. Aber durch ihn wird die Gartenerde sehr locker, die Wurzeln können sich dann besser ausbrei⸗ ten, und das Wasser kann nicht so leicht in sol⸗ cher Erde, die mit Sand gemischt ist, stocken. Da⸗ her gedeihen manche Pflanzen in Sanderde oft am besten. Ganz anders verhält es sich mit der Thonerde, deren Theile sehr fest zusammen hängen und die eine stark bindende Eigenschaft hat, vermöge deren sie das Wasser lange anhält. Manche Saamen lieben die auhaltende Feuchtigkeit: daher muß man sie in Ziegel- oder Thonerde einwickeln und sie so der Gar⸗ tenerde anvertrauen. Doch müssen in den meisten hila si Kuflse Guhen giest si ns d V. VR T Keimn Dane sische RMahe sendet Bucht diese an Hane i M 4⁰⁷ hestuf, W ö i Fällen diese Erdarten nicht rein, fondern gemischt W — seyn, weil das Wasser desto weniger von der Erde geblbey A g unmn znn auflösen 5 je reiner diese ist. Legt man also Saamen in reine Kiesel⸗ oder Thonedde, und be⸗ üt uun giebt sie mit destillirtem Wasser, so wird schwerlich 11˙ etwas aufgehen. 1 Vorzüglich empfänglich macht man die eide/ dem Wasser auflösbare Theile zu geben und das MHof, hrn Keimen zu befördern, wenn man sie düngt. Der litt uun Dünger besteht aus verwesenden und verweseten thie⸗ lugemein ischen, auch wohl vegetabilischen Theilen: denn Sumnahe ih man düngt nicht bloß mit dem Abgange der Thiere, lasa dudmj sendern an vielen Orten säet man Platterbsen oder lacht in s Buchwaizen und Wicken auf den Acker, und sobald „ focen du diese Pflanzen etwas heran gewachsen sind, pflügt ndane t N Man sie unter und dungt damit den Acker, in den man nun erst das eigentliche Getraide säet. Dies Huhede, ist die so genannte grü ne Düngung. HDir Bey allen verschiedenen Düngungsarten vermehrt ie Nu man keinesweges den Gehalt an Oehl und Sals, aamen ithe wie ehedem geglaubt wurde, sondern nur den Vor⸗ uun see rath an Kohleustoff, der die eig utliche Nahrung den Gewüchsen giebt. Die gepriesenen Düngesalze sind da Mishl für wenige Arten des Bodens brauchbar, und weit 408 besser ist es, auf die Beschaffenheit und das Alter des thierischen und vegetabilischen Düngers Nücksicht zu nehmen und diese der Natur des jedesmaligen Bodens und der Saamen anzupassen. Frischer Dün⸗ ger ist auf jeden Fall besser, als alter: denn der letz— tere hat schon die Veränderung erlitten, bey welcher sich Kohlenstoff entbinden kann; er hat ausgegohren. Gährt aber der Dünger zu sehr, so entwickelt sich zugleich zu viel Wärmestoff: es enthinden sich auch wohl andere Stoffe, welche die keimenden Saamen zu stark reizen. Daher pflegt man den zu hitzigen Dün⸗ ger mit Stroh zu vermischen. An vielen Orten plag⸗ get man den Stopypelacker ab, und bringt diese Plag⸗ gen mit dem Dünger in so genannte Mieten, oder man vermischt Heidekraut und Laub mit dem Dün—⸗ ger, damit er sich länger halte und damit zugleich die thierischen Theile mit vegetäbilischen vermischt werden. Der gewöhnliche Dünger befördert die Frucht— barkeit des Bodens durch die Gährung und Fäulniß, welche er erleidet, und wobey sich Kohlenstoff, die eigentliche Nahrung aller orgänischer Körper, entwi— ckelt. Auch andere Düngungsmittel wirken auf ähn⸗ liche Art. Wir wissen, daß die Asche düngt, weil 22———24 et KIl Rummtt Feinen sufe in lasoft! Ian ab Moüdt uen d hen. Kohlet ser uud Wfhhtt D ruhen zum T rf bett I3 häh Iud we itd d 19 U e muruh bap i iel —— 4⁰ n 5 0 W der Kohlenstoff in derselben reichlich vorhanden ist. Rm Nimmt man aber reine Asche, und legt Saamen zum des Thnalgg Keimen hinein, so wird nichts aufgehen, weil das Was— 6 ser, das man zum Begießen auwendet, alle Salz⸗ stoffe in der Asche auflös't, und dadurch den Koh—⸗ leustoff hindert, in die Keime einzudringen. Laugt hat ausuuin . dishr Din 1 dun 10 man aber vorher die Asche aus, und nimmt zum emiüi Begießen derselben Regen- oder Flußwasser, so kön— thinden sh ut nen allerding? in solcher Asche die Saamen aufge— nden Sunng hen.... Gebrannter Kalk düngt, weil er, seiner Iu hitiym. Kohlensäure beraubt, dieselbe mächtig aus dem Was⸗ ielen Suen n ser und der Luft anzieht, und sie so den Keimen Riugt disell/ zuführt. Miren, un Der Boden wird auch verbesfert, wenn man ihn nit dun iy ruhen oder brach liegen läßt. Es bekommt der Acker m Mla zum Theil einen natürlichen Dünger von dem dar— ishn nmistt auf verwesenden Unkraut; theils wird der Vorrath an nährendem Kohlenstoff nicht so leicht verzehrt; t NRugt und wenn man bey Zeiten die VBrache umackert, so uu süüh wird der Boden lockerer und den Einflüssen des Lichts Alsaf/ W und der Luft mehr ausgesetzt. Er bebarf alsdann fast keines andern Düngers. Dies ist der Grund, warum Rodeland oder riolirtes Erdreich so frucht— Kumey A Irlel aufils ö bar ist. Der römische Sänger des Laudbaues giebt hierüber schön vortreffliche Regeln: Hungt/ ul 41¹⁰ —————„Istdem Gefsilde Z der Grund; dann gleich von den frühesten Monden des Jahres „kehr' er es um mit Stieren voll Kraft, daß die liegen⸗ den Schollen „ganz der staubige Sommer mit reifen durch⸗ koche. „Gieb im Wechsel der Jahr' ouch Frist den geschorenen Brachen, „daß die ermüdete Flur durch Ausruhn Härte gewinne. „Viel auch nutzet der Flur, wer die säumigen Klöße mit Karsten „malmt, und weidene Flechten umher schleift: nicht ö unbelohnend „schaut die blonde Ceres auf ihn vom bohen Olympus. „Auch, wer des Brachgesildes empor geworfene Rücken „wiederum in die Breite durchwühlt mit gewendetem Pfluge, ö „häusig die Erd' aufregt, und mit Zwang den Flüren gebietet.“ Die Erde ist nicht der einzige und nothwendige Standort der Saamen, die keimen sollen. Wir ha⸗ ben, als Kinder, oft Kresse auf wollene Lappen aus⸗ gesäet: und wie schön ging sie nicht auf, wenn sie nur gehörig feucht erhalten wurde! In gepulvertem Strahlgyps erzog schon Suck ow Klee und Getrai⸗ Rtet. uh gebt H.sgtt d Resel 5 Metl Keime Die hestiumt Hufchren dalich v Wese e Puder, Kine! sthen Cume Higem Rne K 414 ldt de⸗Arten. Herr von Uslar säete Reseda⸗Saa⸗ fllhein Rn 3 men in gepuchten Quarz und erhielt schöne Pflanzen; hrez a wi ja, sogar das wohlriechende Heliotropium erzog er W Re liehn ö Ma auf diese Art; und Herr von Humboldt fand, daß Metallkalche, worein Saamen gesäet worden, das Keimen trefflich beförderten. isen Eonna Mai iin gihen Die genauesten Versuche über das Keimen der Sdamen in verschiedenen Substanzen, außer der Er— NHt geu. de, hat neuerlich Lefebure angestellt. Er fand, funigen glißen daß alle solche Körver, aus denen das Wasser eine ä bestinmmte Menge Stoffe auflösen und den Keimen her shlisi t zuführen kann, dem Keimen auf keine Weise hin— nend derlich waren: aber, sobald das Wasser zu viel von iesen Substanzen auflöß'te oder verschluckte, z. B. ä m hohen Olouhe, di Puder, Zucker, Salze und dergleichen; so könnten die gewotsin Wn t mit gibenonen.** Keime nicht mehr die nöthige Nahrung aus einem rIMN E Hlute solchen Wasser erhalten. Eben so wenig keimten die Saamen, wenn sich gar nichts von den verschiedenen Körpern in Wasser auflös'te und das Wasser auch keine Kohlensäure enthielt. Sehr artig sind die Versuche, die Bonnet an⸗ 1 ichwei Hlel. W I. Lumpen en. 161— siellte, um in bloßem Moose, ohne die geringste Er⸗ auf/ elt x 0—7 ö in de, Faselbohnen, Wicken, Haser und Erbsen zu zie⸗ glulet 5986 hen. Die Pflanzen geriethen sehr gut, weil ihre Oel 941² Würzeln immer in dem feuchten Moose fortkrochen und den Einflüssen des Lichts, der Luft und der näh⸗ renden Stoffe des Wassers ausgesetzt waren. Auch in Wolle, Baumwolle und andern lockern Materien Ane zog er schöne Gewächse. Endlich pflanzte er einen Iwad Johannisbeer Strauch in ein großes Buch, und der I se 0 Strauch trug sehr wohlschmeckende Beeren. Auf Wheils! diese Art ward eine neue Methode entdeckt, manchem ihe Melg unnützen Bache Früchte abzugewinnen, an die ge⸗ yn inn lu wiß der Verfasser des Buches nicht gedacht, haben Hfutden, mochte. siiley wo In meinem folgenden Briefe werde ich die übri— i gekein gen Bedingungen des Keimens und die Veränderun— Hartoffeh gen, welche der Saame dabey erleidet, angeben. te die at eindring uur der maschli der hich Vhindet rung de In t f ö ilsn Wn SSSDNDDRNRDRNRNN 4¹3 se suthz ö XXXII. d dr gij, ö Im 0 An eben dieselbe. dr Mtenn Wenn Saamen keimen sollen, so fordern sie, als m n nothwendige Bedingung, den Zutritt der Luft. Lie— Du u gen sie zu tief in der Erde, so entbehren sie dieses datu. V Vortheils und gehn deßwegen nicht auf. Man hat dechy mmnz eine Menge Versuche über das Keimen der Saa— VN men im luftleeren Raume angestellt, aber allemahl Hdacht hiz gefunden, daß es fehl schlug. Zwar weiß man Bey⸗ spiele, wo im menschlichen Körper Erbsen und Boh⸗ ith Rein nen gekeimt haben; Lefebure ließ Saamen, in Nanndan Kartoffeln eingeschlossen, keimen: allein theils konn— uhehes te die atmosphärische Luft allerdings in solche Oerter eindringen, wo die Saamen lagen, theils bedarf es nur der Luftstoffe, die auch in der Kartoffel wie im menschlichen Körper vorhanden sind. Auf der Spitze der höchsten Berge muß das Keimen der Saamen gehindert werden, theils wegen zu großer Verdün— nung der Luft, theils wegen Mangels an Luftstoffen. Unter den Urstoffen, welche die Atmosphäre ent— hält, scheint der Sauerstoff das mächtigste Reizmit⸗ tel fur alle organische Körper und eine Hauptbedin— gung zum Keimen der Saamen zu seyn: denn in 4¹⁴4 reinem Sauerstoffgas keimen die Saamen ungemein schnell, und man kann alte verlegene Saamen, wenn noch die geringste Keim⸗Fähigkeit in ihnen ist, da⸗ durch am besten zum Keimen bringen, wenn man sie in Wasser legt, das mit übergesäuerter Kochsalz⸗ säure vermischt ist, oder worin man kochsalzsaure Pottasche aufgelös't hat. Jene Säure und dies Salz lasen nämlich den Ueberschuß von Sauerstoff leicht fahren, und die organische Faser zieht denselben an und wird durch ihn zur lebhaftesten Thätigkeit und zur Entwickelung gereizt. Ich habe diese Versuche unzählige Mahl, und jederzeit mit sehr glücklichem Erfolge angestellt, wenn nämlich die Menge des Sauerstofses nur nicht zu groß oder in dem Saa⸗ men schön alle Keim⸗Fähigkeit erloschen war. Nimmt man nämlich zu viel Salzsäure, so kann leicht eine Ueberreizung erfolgen; und wenn gleich die Saamen anfangen zu keimen, so werden die Keime doch bald verwelken und ausgehen. Gewöhn⸗ lich habe ich daher zu einem Loth übergesäuerter Kochsalzsäure ein halbes Pfund reinen Brunnenwas⸗ sers genommen, und die Saamen darin vier und zwanzig Stundeu liegen lassen, ehe ich sie aussaete. Mha yier/ u n Rhille: S her u In/ so Halde so. Wseusof ihen 1 Iu Keime M schne un in de sshe Lui se Sou hilt M Euamen Rn sie: ht. / do m st MMeei M 4¹⁵5 Neh unhgh Andere Luftstoffe hindern das Keimen mehr oder Suhey den weniger, wenn die Saamen, ohne begossen zu werden, un if, N in ihnen liegen. Das Stickgas schwärzt die Saa—⸗ vn un menhülle: und wenn gleich das Pflänzchen selbst mit uun dhtl seinen Saamenlappen nicht verdirbt und nachher hastut wieder zu keimen fähig ist; so erfolgt doch kein Kei— II men, so lange der Saame in dieser Luftart liegt. Muastr Gerade so verhält es sich mit dem kohlensauren und Mfha Wasserstoffgas: ohne die Keim-⸗Fähigkeit zu zer⸗ Rähtüh stören, hindern sie dennoch so lange die Eutwickelung uur Dett der Keime, als die Saamen ihnen ausgesetzt sind, gütlen und schwärzen die Saamenhullen. Daraus scheint nun in der That hervor zu gehen, daß die atmosphä⸗ Nase N ö rische Luft nur darum das Keimen befördert, weil h E ö— ᷓ N sie Sauerstoff in einem bestimmten Verhältniß ent⸗ Rbschn ait 1 hält. jur/ Ian ö 2— ö 10 Anders verhält es sich mit dem Keimen der g ge Saamen in den nicht-athemfähigen Luftarten, wenn man sie begießt. Einige keimen alsdann, andere aber nicht. Jene scheinen so wenig Kohlenstoff zu enthal—⸗ tdeh Re U. Hihs Weteiiunth—— ii ten, daß der Sauerstoff aus dem Wasser hinreicht, Bulgelni 14 um sich mit dem Kohlenstoff zu verbinden und den VWet ö ö 63 Proceß des Keimens zu bewirken; denn dies scheint ausie die wahre Aetion des Sauerstoffs zu seyn, daß durch 41¹⁶ ihn Kohlensäure gebildet wird. Die aber, welche nicht keimen, scheinen zu viel Kohlenstoff zu enthal— ten, als daß die geringe Quantität Sauerstoff im Wasser dazu hinreicht, mit demselben Kohlensäure zu bilden. Daß die Saamen begossen werden müssen, wenn sie aufgehen sollen, weiß ein Jeder. Die Wir⸗ kung des Wassers ist aber theils mechanisch, theils chemisch. Es führt nämlich den Keimen die Stoffe zu, bewirkt die Ausdehnung der Theile durch sein Eindringen und durch seine Elasticität: dann aber zersetzt es sich auch in seine Bestandtheile, in Was⸗ ser und Sauerstoff. Jener wird zum Theil aus den keimenden Saamen wieder entbunden, zum Theil wird er mit den Säften des keimenden Pflänzchens vereinigt. Der Sauerstoff wirkt theils als Reiz auf die Faser, theils geht er bey der Berührung des Lichts durch die grüne Oberfläche als Lehensluft wie⸗ der davon. Nach seiner mehrern oder mindern Reinheit hat das Wasser auch mehr oder weniger Einfluß auf die Be⸗ förderung des Keimens. In destillirtem Wasser kei— men nur diejenigen Saamen, die sehr wenig Kohlen⸗ stoff enthalten, wie ich vorher bemeikt habe, Die niie a lige U habe I if aihi Hosn nel Koh euthil, Gumen gutes Fl Deile 0 hen eind O feter 3 mns. hefig sen d ase 0 der E ehe n odet: Wir zung 6 4¹7 bet, Mu u meisten aber keimen und gedeihen desto besser, je re⸗ gelmäßiger das Verhältniß der Kohlensäure im Was⸗ ser ist. Wasser, worin sich Infusions-Thierchen er— zeugt haben, pflegt weit mehr Nahrung zu geben, als ganz reines, weil jenes schon weit mehr Kohleu— stoff enthält. Auf der andern Seite kann auch das Wasser zu nährend und reizend werden, wenn es zu viel Kohlenstoff aus verweseten thierischen Theilen enthält. Daher ist die Mistjauche zum Begießen der Saamen und jungen Pflänzchen nicht so gut, als gutes Flußwasser, zumahl da sie zu viele fremdartige Hal U Theile gemischt enthält, als daß diese in die Saa—⸗ Eluttff y Aleme u dedg nisen, dda. di iz echwist imen E Rir heile duch I tit: Auun nalchun men eindringen könnten. % in M Ein gewisses Maaß von freyer Wärme gehört Minte ferner zu den vorzüͤglichsten Bedingungen des Kei— mens. Ist die Wärme zu geringe, so keimen sie eben Duisen d so wenig, als wenn sie zu groß ist. Darnach müs⸗ t v sen die Mist⸗ und Lohbeete eingerichtet werden: die erste Hitze, die durch die Gährung des Düngers oder Reakeit der Sichenrinde entsteht, muß erst verflogen seyn, ufNeb ehe man Saamen ins Beet säet; sonst verbrennen m Vasa v6 oder verfäulen die Saamen. Ein mäßiger Grad von enif At Wärme begünstigt aber die Verbindung und Zerset—⸗ hahe, N. zung der Stoffe, die sich beym Keimen entwickeln, Erste Sammlung. 22 418 Wenn die nordlichen Pflanzen eines geringern Gra⸗ des von Wärme bedürfen; so muß man solchen Saa⸗ men, die aus tropischen Gegenden kommen, desto mehr Wärme geben. Man sucht den Abgang der natüͤrlichen Wärme in unserm Klima durch künstli⸗ che Hitze zu ersetzen, allein die Erfahrung lehrt, daß damit nicht viel gewonnen wird. Und es ist daher gar nicht rathsam, die Mistbeete zu früh anzulegen, ehe die Sonne die nöthige natürliche Wärme in der Atmosphäre bewirkt hat. Auch das Licht ist ein Beförderungsmittel des Keimens. Aber es gehött ein sehr gemäßigter Grad seiner Wirkung dazu, um wenigstens nicht in dem Aufange des Keimens eine Ueberreizung hervor zu bringen. Die meisten Saamen keimen am ehesten im Schatten und in der Dämmerung. Die Alpen⸗ Pflanzen, die Aurikeln und andere feine Saamen müssen durchgehends so ausgestreut werden, daß die volle Sonne sie nicht trifft. Man stellt die Saa⸗ mentöpfe deßwegen gegen Norden, oder man bedeckt die Saamen mit Moos, welches noch außerdem den Rutzen hat, daß die Saamen immer feucht bleiben. Das zu starke Licht scheint den keimenden Saamen den Sauerstoff zu rauben, dessen sie so sehr bedürfen, 0 lt hieheh K Ol IN ahn Rhe Rhen Humen m MI Ies 0u M Rue WM W 2—..——— 4¹9 Wun dy und welchen das Pflänzchen, so bald es nur hervor flew getrieben ist, ohne allen Nachtheil in ziemlicher Men⸗ un,h ge aus der grünen Oberfläche von sich geben kaun. de Beym Keimen der Saamen scheint in der That huh un eine ähnliche Veränderung wie beym Gähren der uu lt u. Pflanzensäfte vorzugehen. Die Saamenlappen ent— Ind ed i H halten Pflanzenschleim und Zuckerstoff, die durch ftüh muan Wärme⸗, Wasser- und Sauerstoff, die sie aus Luft Vimee und Wasser anziehn, in Gährung gerathen und koh⸗ lensaures und Wasserstoffgas entwickeln. Daher rie⸗ InenituM. chen und schmecken keimende Saamen viel auffallen⸗ Rhißigtt h der und schärfer als vorher. Darum kann man aus 6 uht M keimenden Getraidekörnern Getränke machen, die un hun I kohlensaures Gas entwickeln und durch den Vorrath an Wasserstoff berauschen. deWn In den Saamenlappen geht hauptsächlich dieser Ein Proceß vor; daher sind diese in der That sehr noth— Ia WR wendig, wenn sich der Keim entwickeln soll. Man iilt d E hat indessen Versuche angestellt, um zu sehen, ob uuuns. das Wegschneiden der Saamenlappen nachtheilige ushd Folgen für das Keimen habe. Man hat gefunden, such daß dies nur dann der Fall sey, wenn man denjeni⸗ un Samn gen Theil der Wurzel verletzt, mit welchem die Saa— Run menlappen in Verbindung stehn. Bleibt nur dieser sthrReumn ͤWSSFꝗFFFFF—— 4²⁰ Theil verschönt, so kann immer noch die ernährende Feuchtigkeit in die Wurzel eindringen, und durch sie wird das Pflänzchen ernährt. Dies Alles sind nur Erläuterungen der merkwüt⸗ digen Naturerscheinung, die als gar keine hinreichen-⸗ de Erklärung angesehn werden können. Die Gäh⸗ rung bewirkt in keinem andern Körper als nur in dem keimenden Saamen die Entwickelung der Theile. Es müssen also noch höhere Kräste da seyn, denen diese Veränderung der Mischung bloß als Hülfsmittel dient. Die Lebenskraft des Keims, innig gebunden an den organischen Vau, ist es, zu der wir unsere Zuflucht nehmen, bey der wir stehen bleiben müssen, wenn wir uns nicht in ewige Widersprüche verwickeln wollen. Das keimende Korn, meine geliebte Schwester, und die werdende Sonne, der Bau des feinsten Mooses und das unendliche Gebäude des Weltalls überzeugen uns gleich lebhaft, daß wir Erdbürger die Allmacht des Schöpfers nicht begreifen werden, so lange wir an diesen Staub gefesselt sind. Sollte aber der; welcher uns mit diesem Durste nach Er⸗ kenntniß erschuf, dieses unendliche Verlangen nicht einst zu stillen wissen?... ö 0 17 die Ruihtefz dutch ff n haktä⸗ kehe Rimicht I. Di dih; un i ut it Hunge Tyäl. de seyn, dun lls Hilfsniut Iunig gebur der wit un Hleen nsn. Ruche vernich ubte Cchvoh 900 Fifen 0 W if 31— Rareien bh ll sid, Eil une uic I 421 „Vielleicht schafft Gott Erkenntniß in mir, „die meine Kraft, und was sie entflammt, „wie viel es auch ist und wie groß, „die ganze Schöpfung mir nicht geben kann. Du, mein künftiges Seyn, wie jauchd' ich dir ent gegen! „Wie fühl' ich es in mir, wie klein ich bin „Aber, wie fühl ich es auch, „wie groß ich werde seyn!“ ————— Eer Erklärung deer KA u à f e zur ersten Sammlung. Erste Tafel. Fig. 1. 2. Entstehung des Zellgewebes als Grundform der Organisation aus unorganischer Mas— se.(S. 389. 90. 93. 397.) Fig. 3. ab Form des Zellgewebes im Marke der Bäume.(S. 95.) Fig. 4. Zellgewebe und organische Bläschen aus einer Wasserpflanze(Myriophyllum[picatum). (S. 99.) Fig. 5. Zellgewebe der grünen Rinde(a) und des Markes(b) aus dem Hickory-Baum(Iuglans cinerea). Zwischen beiden die Schraubengänge.(S. 95. 179. 193. 206.) Fig. 6. Eine indische Bohne ODolichos lesqui- pedalis), mit ihren Saamenlappen,(aa,) dem künf⸗ tigen Pflänzchen,(b.) und dem Würzelchen,(c.) (S. 89. 303. 397.) Fig. 7. Zellgewebe an der Oberfläche der Blät⸗ ter, mit einsaugenden Spaltöffnungen, von der Nie— sewurz(Helleborus viridis).(S. 97. 118) Fig. 8. Gestreckte Zellen aus der Oberfläche der Blätter, mit einsaugenden Spaltöffnungen, von einer SDSDSDSDSDSDSRSSSSSSSII— Art Gauchheil(Anagallis arvenks).(S. 97. 119. 185.9 Fig. 9. Durchschnitt eines Stengels der wohl⸗ riechenden Reseda(Releda odorara). Zellgewebe der Rinde,(a.) Coneentrische Bündel von Schrauben-⸗ gängen,(b.) Zellgewebe des Markes,(c.) Sechs— eckige Form der Zellen.(S. 96. 102. 178. 206.) Zweyte Tafel. Fig. 10. Syvießige Krystalle aus den Säften der virginischen Tradeseantia.(S. 98. 167. 168. Fig. 11. Schraubengänge, die in Treppengän⸗ ge übergehn. Organische Bläschen im Zellgewebe, aus einer Pfeffer-Art(Piper blandum).(S. 99. 104.0 Fig. 12. Schraubengänge aus einer Kurbis⸗ Ranke.(S. 102.) Das Zellgewebe mit Punkten. (S. 196.) Fig. 13. Bündel von Schraubengängen, aus dem gemeinen Tüpfelfarrn(Polypodium Filix mas)/ mit brauner Haut umgeben.(S. 103. Fig. 14. Durchschnitt eines Eichen-Zweiges. à Schraubengänge im jungen Splint neben der grůͤ⸗ nen Rinde,(e.) Treppengänge, aus Schraubengan⸗ gen entstanden,(b b.)(S. 90. 104. 179. 193.) Fig. 15. Bündel von Treppengängen, aus dem Alpen⸗Wolfsfuß(Lycopodium alpinum).(S. 103.) Fig. 16. Schraubengänge deren Fasern einen * del (. b uhj daadilr ehnn, 1⁰0) Sc MN. W) be Eitn I in Tumen in ZJelgenih, un),( eun Kiniih nit Ma Miun/ e HAI huuiit Iaben da gi rin V. 103. 95 / uus d „(8, D sem ein Durchmesser zu haben scheinen, aus einer Kürbis⸗ Ranke.(S. 109. 110.) Fig. 17. Schraubengänge mit Schlauchform, aus der Wurzel der Balsamine(Impariens Balla⸗ mina).(S. 113.) Fig. 18. Zellgewebe an der Obersläche der Blätter der Tradelcantia discolor, mit schief stehen⸗ den Scheidewänden und dazwischen liegenden ein—- saugenden Spaltöffnungen.(S. 120.) Fig. 19. Zellgewebe an der Oberfläche der Aga— ve, mit viereckigen Spaltöffnungen.(S. 121.) Fig. 20. Gefiederte Haare von der Oberfläche der Blätter der Winter-Levkoje(Cheiranthus inca- nus).(S. 131.) Dritte Tafel. Fig. 21. Gegliederte Haare an den Staubfä⸗ den der virginischen Tradeseantia.(S. 131. 335.) Fig. 22. Zwischenwand-Haare.(S. 131.) Fig. 23. a keimende Wurzeln mit Haaren be— setzt.— b diese Haare vergrößert.(S. 132. 175. 176. Fig. 24. Narbe des Crocus, mit kurzen Haa— ren besetzt.— b diese Haare vergrößert.(S. 132. 133. 344. Fig. 25. Knospe der Roßkastanie(Aesculus Rippocastanum).(S. 133. 243.)— a senkrech⸗ ter Schnitt durch dieselbe. ab Hüllen der Knospe. e Wulst, woraus die Blätter kommen. d Blätter selbst. e Blüthenstengel. f wolliges Wesen, welches alle Theile ein hͤllt.— b Knospenhüllen, etwas ent⸗ faltet.—« Blätter mit Wolle umgeben, in der Mitte der künftige Blumenstrauß,(e.)— d künf⸗ tige Blüthe mit sieben Antheren. Fig. 26. Durchschnitt einer Hyaeinthen-Zwie⸗ bel.(S. 250) 2 der feste Körper. b Ansätze zur jungen Brut.„Ansätze zu den grünen Blättern. d Hüllen der Zwiebeln. e künftiger Blumenschaft. Fig. 27. Zellgewebe an der Oberfläche der Blätter des weißen Maulbeerbaums(Morus alba), mit dazwischen liegenden Hautdrüsen.(S. 138.) Fig. 28. Zellgewebe an der Oberfläche der Blätter der schönsten Amaryllis(Amaryllis formo- sillma), mit dazwischen liegenden, einsaugenden Spaltöffnungen und Hautdrüsen.(S. 138.0 Vierte Tafel. Fig. 29. Oberhaut der Blumenkrone von einem Kranichschnabel(Pelargonium hybridum)/ mit Wärzchen besetzt, auf deren jedem ein Tröpfchen Flüssigkeit(4) sitzt.(S. 319.) Fig. 30. Blume der mexikanischen Lopezia. (S. 330. 343 351J. 353. 360.)— a eine jüngere Blume: daran sind: die Kelchblätter,(4/,4, 43 die fünf Kronenblätter,(17 17 2 3 3,)) von de⸗ nen eines(2) die Anthere anfangs einhüllt, zwey (979 I autha Herot geshlh e Dis übet! ssch. e W 0 (4 Do Mitta Wiw, lh Wsetwas et⸗ e in dy Hithn/Ix bMx inen Mun Blumad. Oberfah W. (Norus abi) (E. W) Onrfläche i Hsaugentg ) m t t 1 un)/ U U Dluscht sshe Lahn e ng 00½%½ 0 ½ uhllt/ U1 (I/,1) aber auf dem Knie die Honigdrüse und vor— wärts einen dunkler schattirten Fleck, das Saftmaal, enthalten.— b Die Authere ist aus ihrer Hülle hervor gesprungen; das Kronenblatt hat sich zurück geschlagen; das Pistill ist noch nicht empfänglich.— C Die Anthere ist unbrauchbar, und hat sich vorn uber gelegt; die Narbe des Pistills ist nun empfäng⸗ lich.— deetwas jüngere Blume, in deren Boden der Honigsaft schwebt.— e eines der Kronen-⸗ blätter,(1,) welche“ die Hönigdrüse und das Saftmaal enthalten. 0 Fig. 31. Pollen aus der großen Rosen-Malve (Althaea rolea).(S. 336.) Fig. 32. Pollen aus einer Art Senecio(8. Doria).(S. 336.) Fig. 32*. Fruchtknoten eines Kürbisses(Cucur- bita amara) vor der Befruchtung. a anfangende Organisation in demselben. b erste Spuren der Eyerchen. Fig. 33. Pollen aus der gewöhnlichen Nacht— kerze(Oenothera biennis).(S. 336.9 Fig. 34. Pollen aus der Fuchsia(Fuchlia coc- cinea).(S. 337.) Tig. 35. Durchschnitt einer Passionsblume Pal⸗ siflora ooeruléea).(S. 350. 353. 350.) ab die Blu⸗ menkrone, oder der Fadenkranz, der als Saftmaal dient. e die Saftdecke oder Safthulle. d das ei⸗ gentliche Honig-Werkzeug. e der Eingang zu dem-⸗ —— SSSSI..—.I. selben. k die Antheren, die sich nach dem Honig-⸗ Werkzeuge hin öffnen. 838 die Narben des Pistills. Fig. 36. Ein vergrößerter Apfelkern.— a vier⸗ zehn Tage nach der Befruchtung.(S. 383. 394 1 das Zellgewebe, woraus die Lederhaut euntsteht. 2der Sack der Keim-⸗Feuchtigkeit. 3 die erste Spur des Keims.— b Fortgang des Reifens. 2 angeschwollener Sack der Keim ⸗Feuchtigkeit. 3 der Keim.—« fernerer Fortgang. IX schon gebildete Lederhaut. 2 Sack der Keim⸗Feuchtigkeit. 3 angewachsener Keim mit seinen Saamenlappen.— d fast reifer Kern. 1 Lederhaut. 2 Spur von dem Sacke der Keim⸗Feuchtigkeit. 3 Heim selbst. Fig. 37. Zergliederte junge Erbse.(S. 384.) Sack der Keim-Seuchtigkeit, als ein dunkler Punkt.— b derselbe mehr angeschwollen.—„ fer⸗ nerer Fortgang: erste Spur des Keims.— dmeh-⸗ rere Ausbilduug, wo schon die Saamenlappen des Keims deutlich sind.— e noch weitere Ausbil⸗ dung.— k völlige Reife. Fig. 38. Buchwaizen⸗Korn, fast aus Eyweiß (a) bestiehend, mit dem krumm gewundenen Keime des künftigen Pflänzchens,(b.)(S. 389. 395.0 Fig. 39. Keimendes Waizenkorn.— a das Eyweiß.— b und der schildförmige Dotter. 1das erste scheidenartige Blatt.(S. 390. 392. 394. —.—— nig⸗ tills, ier⸗ 4ẽ cht. ————— 2 4 +* 21* 4 0 W. —— — —.—— *. . rengel. Horanur gex 2. ele. A. + Cer4ard —.—— ö—3.———9.———— . I„ 4—— He ö ö ů——— — 7 ———.— 2 1—— N + llE Wel 11˙½½ 4*— 5 N O ILMMREAHNH I n SNN . W5 5% i 22 + H gele 2. + C + e ö e= 2 4 Ijren ele., NVe. Tac —————— —.— , N WP 0 V NV. 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