d V — — 2 — 3 — 5 ₰ Giessen 25 — Erfahrungen Gebiete der Landwirthschaft gesammelt von Frie drich Schmalz. IC XDVNI F. DS LINDBN 8 IWOLGLA& Leipzig, 1814. dei Johann Friedrich Gleditsch. —2——.———— ——————— 0 t or e de. Mehrere Männer, die ich innig hochachte, und wovon einige in großem Ansehen beim landwirth— schaftlichen Publikum stehen, hatten eine viel zu gunstige Meinung von mir, als sie mich dazu auf⸗ forderten, mehr als bis jetzt geschehen sey, meine gemachten Erfahrungen als Landwirth und be— sonders die Resultate der vielen mannigfaltigen Versuche, die ich während einer Reihe von Jah ren in landwirthschaftlicher Hinsicht unternahm, zum Besten andrer, dffentlich mitzutheilen. Immer ha⸗ be ich befurchtet, daß meine gemachten Erfahrungen gegen die, welche von andern gelehrtern Landwir⸗ then offentlich dargelegt wurden, viel zu gering⸗ — W. fügig seyn möͤchten, und viele durchaus kein In⸗ teresse fͤr andre haben könnten. Doch, man machte mir, was ich vielleicht blos dem gegen mich gehegten Wohlwollen zuzuschreiben habe, von neuem Muth. Da ich nun seit dem Abgange von Ponitz, der politischen Ereignisse halber, in eine ungewünschte Ruhe versetzt worden bin, so be— nutzte ich diese Zeit und schrieb diese Erfahrungen nieder. Wenn auch vieles in diesem Werke für die meisten praktischen Landwirthe nichts weniger als neu seyn wird, so schmeichle ich mir doch mit der Hoffnung, daß doch jeder Leser etwas finden wird, was für ihn neu ist, und woraus er eini— gen Nutzen ziehen kann. Ob ich gleich offen ge⸗ stehe, daß ich aus den Schriften anderer so man⸗ che Kenntnisse sammelte, so brauchte ich doch beim Niederschreiben dieses Werkes kein Buch, sondern ich nahm nichts auf, was nicht meine eigne Er⸗ fahrung war. Findet daher der Leser zuweilen et⸗ was, was er schon in einem andern Werke las, „,t V so wird es ihm lieb seyn, daß er das früher Gelesene durch die gemachte Erfahrung eines praktischen Landwirths als wahr bestätigt findet. Findet der Leser eine selbst gemachte Erfahrung als eine auch von mir gemachte wieder, so muß er sich allerdings hierüber auch freuen, weil die seinige doch wohl dadurch einen größern Werth erhält. Mein Plan ist, meine gemachten Erfahrun⸗ gen über alle Gegenstände der Landwirthschaft auf diese Art mitzutheilen, wodurch freilich ein nicht gar kleines Werk heranwachsen wird; denn schon die Mittheilung der mannigfaltigen Versuche und deren Resultate werden viele Seiten fülen. Da ich aber die Hoffnung habe, daß ich bald aus die⸗ ser fatalen Ruhe, worinnen ich mich jetzt befinde, gerissen werde, und doch das Niedergeschriebene dem Leser nicht zu lange vorenthalten will, so gebe ich es jetzt, so weit ich komme, als erstes Bänd⸗ chen in die Welt. Es wird dann auf dessen Auf⸗ nahme ankommen, ob ein zweites folgen kann. Ob mir gleich der neue Wirkungskreis, der mir von Sr. Majestät dem Könige von Preußen aus besonderm gnädigen Zutrauen angewiesen ist, sehr viel Geschäfte darbietet, so hoffe ich doch, daß im Winter mir zuweilen ein Stündchen übrig bleibt, wo ich mit dem Nieder— schreiben meiner Erfahrungen fortfahren kann. Im zweiten Bande würde ich die von mir gemach⸗ ten Erfahrungen über Viehzucht, über Getreide⸗ bau und über die Benutzung des Getreides mit⸗ theilen. Es scheint arrogant von mir, daß ich mit meiner Biographie den Anfang mache; aber bei genauerer Prüfung wird der Leser hoffentlich meine gute Absicht, die ich bei der Mittheilung die⸗ ser Biographie habe, nicht verkennen. Das, was ich über Veranschlagung der Landgüther sage, be— ruht, so wie alles in diesem Werke sich Befindli⸗ che auf eignen Erfahrungen; doch gestehe ich, daß ich früherhin aus Thaers rationellen Grundsä — vII a tzen, aus Sturms Kameralpraxis und aus an⸗ dern Schriften einiges hierher gehörige lernte, prüfte, zu meinen früher gemachten Erfahrungen, Berechnungen und Beobachtungen anschloß, neue Erfahrungen darüber machte, und das dadurch als wahr bestätigte hier mit aufnahm. Immer war ich gewohnt, alle neu gemachten Erfahrungen und Beobachtungen mit wenig Worten niederzuschreiben, was besonders dann geschah, wenn es Zahlen mit betraf, die so leicht sich vergessen. So bin ich im Stande, in einer kurzen Zeit viel wieder zu geben. Da mich die Ausübung der Landwirthschaft zu sehr beschäftigt, so kann ich bei schriftstelleri⸗ schen Arbeiten nicht viel Zeit und Fleiß auf die Sprache wenden, man verzeihe mir deshalb, wenn sich Fehler in dieser Hinsicht finden sollten. Man sehe auf die Materie und nicht auf die Form. Ge⸗ nug ist mir es, wenn man mich überall versteht. Man ist ja in dieser und in andrer Hinsicht immer — vnr— nachsichtig gegen mich gewesen, und immer sind meine kleinen schriftstellerischen Arbeiten gütig auf⸗ genommen worden. Dies giebt mir die Hoffnnng, daß auch vorliegende Arbeit mit gütiger Nachsicht aufgenommen werden wird. Gößnitz bei Ponitz. Der Verfasser. sind auf⸗ Amnnug, Shsht Seite Erster Abscachnitt. Ueber das Studium der Landwirthschaft. Des Verfassers Bildung zum Landwirthhh h:h:..„ 3 Was ist besser, daß das Erlernen des Praktischen dem Studium des Theoretischen vorausgeht, oder jenes diesem folgt? Plan zur Bildung eines Landwirths. 20 ** 24 Zweiter Abschnitt. Wahl, Veranschlagung und Uebernehmung eines Landguths. Ueber den Werth der Jrohuwuur. 33 Nicht zum besten betriebene Landwirthschaften übernahm der Verfasser am liebsten. R 35 Ein Landguth was mehrere Zweige der Landwirthschaft be— sitzt, ist mehr werth als das, was nur Feldbau allein enthält. 44 Veranschlagung eines 44—.——„ 4³ Bei Uebernahme eines Landguths ist große Vorsicht 9nrn 70 Ueber Taration des Inventariums. * 4*— 0 Seite Dritter Abschnitt. Ueber die Einrichtung der Wirthschaft gleich nach der Uebernahme. Es ist nicht gut, zu voreilig mit Entwerfung des Wirth⸗ schaftsplans eines neu übernommenen Landguths zu seyn: q„72 Rathsam ist es, die projectirte Veränderung des Feldbe⸗ stellungssystems nicht schnell einzuführen, sondern meh— rere Jahre hierzu zu bestimmen. 7 Das neue Feldsystem muß, ohne daß das Ganze in Un— ordnung kommt, eine partielle Umänderung nach den Konjuncturen der Zeit erleiden können. 88 Eine freie Bewirthschaftung der Felder ist das BesserG. 81 Vierter Abschnitt. ueber den Umgang des Landwirths mit sei⸗ nen Arbeitern. Ueber die Wichtigkeit einer zweckmäßigen Behandlung der Arbeiter. 8 Folgen, wenn der Wirthschaftsdirector die Arbeiter in ihrer Arbeit nicht beurtheilen kannn. 84 Wenig Lohn, und wenig und schlechtes Essen bringt Scha— •½½½ fffTTT Des Verfassers Art, seine Untergebenen zu behandeln und die Folgen dieser Behandlung.. 809 Auch Güte kann Menschen aus der dienenden Klasse ver⸗ derben, Beispiel. ö Des Verfässers Verfahren bei Einführung von etwas Neuem. 94 Seite 7⁷ 8⁰ 8¹ 80 91 94 Seite Fünfter Abschnitt. Ueber den umgang der Guthsbesitzer mit ihren Pächtern und Verwaltern. leber das in Sachsen übliche Verpachten an die Meistbie⸗ tenden.„.; 96 Unwissende, aus andern Ständen hergekommene Pächter waren vielen Verpächtern die liebsten. 08 Reiche Pächter sind nicht alle Mal gute Landwirthe. 99 Folgen der Verpachtung an die Meistbietenden sowohl für die einzelnen Güther als auch für den Staat. 100 Wie der Verfasser ein Guth verpachten würde. 107 Ueber die Behandlung der Verwalter. i Sehr oft erntet ein schlechter Verwalter da, wo ein recht⸗ lich gesinnter und geschickter Mann säete.. I6 Ueber die Wahl eines Verwalters.„ 118 Ueber die zweckmäßige Behandlung und Deehu eines Verwalters.. e. 119 Sechster Abschnitt. üeber den Fulrer b a n. Viehzucht nur allein ist die Basis der vollkommenen Land⸗ wirthschaft. 8* 122 a) Ueber den Kleebau. 9——* 122 b) Ueber den Luzernebau..„133 c) Ueber den Erbsenbau...„. 292157 d) Ueber den Wickenbau.„I40 e) Ueber den Kartoffelbau. · 2 142 1) Ueber den Kohlrübenhau.. 135 8) Ueber den Anban der Runkelrüben. 155 Seite bh) Ueber den Anbau des Krautes.* 159 i) Ueber den Anbau der weißen Rübe. 101 k) ueber den Möhrenbau. 163 1) ueber den Spörgelbaln. 106 m) Einiges über Wiesenkultur.— 107 Ueber den Werth einer guten Wiese.—— 1067 Schlechte, trocken gelegene Wiesen sind meistens höher als Feld zu nutzen... 168 Eine Wechselwirthschaft kann unter ewisen Verhältnissen vörtheilhaft seyn.„ 169 Anlegung einer neuen Wiese 5„171 Wiesenverbesserung durch Ueberfahren humusreicher Erde„ 174 Verbesserung der moosigen Wiesen durch EZgenrn. 176 Düngungsmittel für Wiesfsen.. 4 177 Berieselung der Wiesen 180 Ueberdüngung der Wiesen mit Misser. 185 Das Behorden der Wiesen. FFE1 Das Bestauen der Wiesen. 1580 Die Maulwurfshaufen.* 37 Das Wegschasson der verraseten Wuthn 188 Das Entwässern. 1389 n) Die Verbesserung der privativen Weiden und Triften.. EF————— 5 „80 Ustcl.. 190 Erfahrungen i m Gebiete der Landwirthschaft 3e a mn m gt. — Erster Abschnitt. Ueber das Studium der Landwirthschaft. 5. X. Da die Landwirthschaft nur seit einigen Jahren wissen⸗ schaftlich betrieben worden ist, so sind bis jetzt noch keine befriedigenden Regeln über das Studium derselben gege⸗ ben worden; es tappen deshalb sowohl die Eltern der jungen Leute, die Landwirthschaft studieren wollen, als auch diese jungen Leute selbst gar sehr im Finstern, keiner weiß recht, wie er es anfangen soll. Es soll mir nicht ein⸗ fallen, unumstößliche Regeln hierüber zu ertheilen, sondern ich will nur die Erfahrungen, die ich theils an mir selbst, theils an Andern, am meisten an den jungen Leuten, die mir anvertraut wurden, gemacht habe, mittheilen. . 2. Mein Vater war Pachter einiger Rittergüter, ich hatte demnach sehr früh Gelegenheit, das Practische der Landwirthschaft mit anzusehen, und da sehr bald meine Neigung zu diesem Gewerbe sich zeigte, so wurde ich auch wirklich sehr früh angehalten, diese Gelegenheit zu be— nutzen; wozu es keines Zwanges bedurfte, da bald ich die Landwirthschäft mit Leidenschaft liebte. Mein Vater galt zu seiner Zeit für einen sehr guten Landwirth, und Schubart von Kleefeld, dessen Nachbar er war, mußte A e —— 4— ihn hochachten; ich hätte demnach viel bei ihm lernen konnen, wenn er nicht viel zu früh für mich gestorben wäre, ich war nicht längst 7 Jahr gewesen, als der Tod ihn von uns riß. Der Leser wird sagen, daß ein Knabe von 7 Jahren wohl noch wenig die sich ihm darbietende Ge— legenheit habe benutzen können; aber es war doch so. So gab mir mein Vater im größern Gärten ein kleines Gärt— chen, in welchem ich, so oft es nöthig war, außer den Schulstunden, wo uns ein Hauslehrer unterrichtete, unter Leitung meines Vaters arbeitete. Wurde das Getreide von der Scheune aufgehoben, so wurde ich auf den Ge— treideboden gestellt, um dort das aufzuhebende Getreide von den Dreschern in Empfang zu nehmen und mit Stri— chen in meiner kleinen Schreibtafel zu berechnen. Mein Vater wußte mir sehr früh Geschmack an Schnitzeleien bei— zubringen; oft war ich bei dem, auf dem erpachteten Gu— te meines Vaters arbeitenden Wagner, erhielt von dem, auf heimliche Veranlassung meines Vaters, Handwerkszeug und Anweisung verschiedene Kleinigkeiten zu verfertigen; bald wurde eine kleine Leiter, bald eine kleine Pflugschleife, bald ein Stiel in meiner kleinen Schaufel fertig. Nach dem Tode meines guten Vaters wurde die Wirthschaft von meinen beiden ältern Brüdern und meiner guten Mutter fortgesetzt. Fehlte mir auch hier die freundliche Zurecht— weisung meines verständigen Vaters, so that die Mutter das Ihrige, und meine Brüder ließen mich doch oft dies und jenes Geschäft verrichten. 9. 3. Bald wurde der Hauslehrer abgedankt, und ein einige Jahr älterer Bruder und ich, die wir beide den Unterricht R 5 f des Hauslehrers genossen hatten, wurden auf das Gym⸗ nasium nach Gera verpflanzt. Aber leider! sind die Jahre, die ich auf dieser Schule verlebt, doch wenigstens zur Hälfte für mich verloren gegangen; denn nach der Einrich— tung, die dazumal dort herrschte, war wenige und oft zweck— widrige Anregung zum Fleiß vorhänden: lernte der Schüler etwas, so war es gut, lernte es nichts, so glaubte man von Seiten der Lehrer das Seinige gethan zu haben, wenn man mit Scheltworten den Schüler mehrere Male zum Fleiß angeregt hatte. Die mehreste Zeit wurde mit dem Auswendiglernen und Hersagen verschiedener Dinge hingebracht, was durchaus nicht geeignet war, einen jungen Menschen, der einen lebhaften Geist besaß, Liebe zu den Wissenschaften beizubringen. Die Zeit verstrich, und ich hatte wenig mehr Kenntnisse, als ich von meinem Hofmeister mit auf die geraische Schule gebracht hatte. Da ich meine Liebe zur Landwirthschaft nicht verloren hatte, vielmehr dieselbe, so oft ich auf das Land kam, immer mehr und mehr erhöht wurde; so glaubte man nun, daß man kein Geld wegen mir weiter zu verschwenden brauche, indem der Landwirth nicht viel Schulkenntnisse nöthig habe; ich wurde also von der Schule auf ein neu erpach— tetes Rittergut mittler Größe genommen, und damit ich doch schreiben und rechnen könnte, wurde ich einem elen⸗ den Dorfschulmeister in dieser Hinsicht übergeben. Dieser gute Mann war ein Schneidermeister, und da er von Ju— gend auf zum Schneider bestimmt war, so hatte er ge— glaubt, daß er zum Zuschnitt eines Kleides nicht mehr als die 5 Species der benannten Zahlen nöthig habe, hatte auch daher sich nur bis zu diesen empor gehoben. Brüche, l—v 6 e Regel de Tri waren ihm fremde Dörfer, und die Algebra fremde weit entlegene Länder, auf die er gar nicht zuzu⸗ kommen wagte. 9. 4. Der würdige Prediger desselben Ortes, der jetzige Herr Superintendent Thomerus in Glaucha, wurde hier mein zweiter Vater; es dauerte ihn, daß mein lebhafter Geist un⸗ ter solchen Umständen versauern sollte, er nahm sich meiner sehr thätig an, aus eignem Antriebe übernahm er einige Unterrichtsstunden, in welchen er mich die Naturgeschichte, Religion, Geographie u. dergl. lehrte. Die übrige Zeit, denn ich verlebte fast zwei Jahre alle Stunden bei ihm, brachte er mir einen Begriff von Physik und von Mathema— tik bei; er liebte den Gartenbau und vorzüglich die Pomo⸗ logie, und wurde auch hierin mein Lehrer. 9. 5. Schon während dem, ich war kaum 13 Jahr, wurde ich in der Wirthschaft zu allem gebraucht, ich mußte alle Handarbeit anhaltend mitmachen, was mir nichts schadete, vielmehr viel nützte; im 14. Jahr war ich dirigirender Gärtner im Blumen⸗, Obst⸗ und Küchengarten, durfte dies aber nur als Nebensache betreiben, und mußte den Feldbau, Brauerei und Branntweinbrennerei zur Haupt— sache machen. In dieser Zeit machte ich schon gern Ver— suche, so bauete ich z. B. schon dort(1794) Kartoffeln aus Samen. Damit ich doch auch eine andere Wirthschaft kennen lernen sollte, wurde ich zu einem Onkel, welcher Administrator eines bedeutenden Gutes war, gethan. Hier hatte ich wirklich Gelegenheit, viel zu profitiren, weil gebta lun⸗ e Hert mein st un seiner inige ichte, Zeit, ihm, ema⸗ omo⸗ 7,C 7 uiα¹ in dieser ausgedehnten Wirthschaft alle Branchen vereint waren, und alle in großem Umfange betrieben wurden, aber leider blieb mir nicht viel Zeit übrig, alles so zu be— nutzen, wie ich es hätte benutzen sollen. Die mehreste Zeit mußte ich die Specialaufsicht über 12 Drescherweiber füh⸗ ren, welche täglich auf dem Gute arbeiteten; bald Flachs jäteten, bald Kraut hackten, Erdäpfel legten, bald Flachs rauften, rüffelten, breiteten u. dergl. Arbeit mehr verrich⸗ teten. Wie langweilig dies für einen jungen Menschen von 15 Jahren, dem die ganze Welt zu enge war, seyn mußte, läßt sich leicht denken; das, was ich noch hätte benutzen können, ließ ich unbenutzt, weil mich niemand anleitete. Froh war ich, als mein Bruder mich in der Wirthschaft zu Hause vermißt hatte, und mich, da ich nur ein halbes Jahr bei meinem Onkel war, wieder zur Hülfe nach Hause rufte. Hier bekam ich alle Hände voll zu thun, ich be— sorgte wieder den Garten, ich war fast alleiniger Brau⸗ meister, da der eigentliche Braumeister mehrere Stunden entfernt wohnte, und nur zuweilen herzu kam; nur leider verstand dieser gute Mann selbst nicht viel von der Braue⸗ rei, konnte mich also wenig davon lehren; doch ich lernte doch so viel, als er selbst wußte. Dasselbe galt von der Branntweinbrennerei, bei welcher man ganz empirisch verfuhr. 36 deine Neigung zur Schnitzelei hatte sich nicht verloren, ich hatte ihr immer nachgelebt; ich wagte mich nun oft an große Dinge, und arbeitete z. B. recht leidlich ein Paar Wagenleitern aus. Oft verrichtete ich freiwillig alle Handarbeiten anhältend, und lernte ziemlich alle bis zu ——————— ur 8;,c; einer gewissen Vollkommenheit. Während dieser Zeit war mein ehemaliger würdiger Lehrer, der Herr Prediger Tho— merus, immer so gütig, mich oft bei sich zu haben, und mir durch seine Lehren zu nützen. Diesem Mann habe ich in Hinsicht der Bildung meines Geistes am meisten zu danken; er machte mich auf vieles aufmerksam, worauf ich durchaus ohne ihn nicht gedacht hätte, und von vie— lem brachte er mir doch einen deutlichen Begriff bei. Nach seiner und meines, um einige Jahr ältern Bruders, der dort Mediein studierte, Anleitung betrieb ich sehr emsig das Studium der Botanik. F. 7. Meine gute Mutter war schon dem Vater gefolgt, als ich kaum 13 Jahre alt war; dies war die Veranlassung, daß einige Jahre später der Pacht aufgegeben, und unsere Habe in 5 Theile getheilt wurde. Ich mußte mich also um ein Unterkommen bemühen: einer meiner Verwandten, Herr Inspector Agner, pachtete in der Nͤähe von Meißen, und nahm mich zu seinem Gehülfen an. Herr Agner ist als ein sehr denkender Landwirth bekannt, ich profitirte demnach viel von ihm; vorzüglich gewann ich dadurch viel, daß er mir die Ausführung der gemeinschaftlich entwor— fenen Plane meistens ganz überließ, und er sich überhaupt scheinbar wenig um die Wirthschaft bekümmerte. Hierdurch bekam ich das Directionsgeschäft ziemlich vollkommen in— ne, ich lernte nachdenken und selbstständig wirthschaften. Hatte ich einmal gefehlt, oder vielmehr war ich im Begriff zu fehlen, so wies mich Agner mit vieler Güte zurecht. Die Wirthschaft Herrn Agners galt weit und breit für eine Musterwirthschaft, und sie verdiente dies; besonders tWar Tho⸗ und be ich en zu orauf bie⸗ bei. ders, sehr Hals sung, insere also dten, eißen, er ist fitirte bel, wor⸗ aupt urch in⸗ ften. griff echt. fur aders hoch empor war die Basis aller Landwirthschaft, die Viehzucht, getrieben. So brachte, was wirklich eine Sel— tenheit ist, hier die Rindviehzucht einen sehr hohen unmit⸗ telbaren Gewinn; was der Madame Agner das Prädi⸗ kat: große Landwirthin, mit Recht brachte. Wäh— rend dieser Dienstzeit, als Agner schon sich einen andern Gehülfen angezogen hatte, wurde mir eine Interimsadmi— nistration eines nicht unbedeutenden Gutes wieder in einer andern Gegend übertragen, ich ging aber von da wieder auf eine kurze Zeit zu Herrn Agner zurück. 5. 8. Bei Herrn Ag ner fühlte ich, wie viel mir noch an den Hülfswissenschaften fehlte, um durch sie ein tüchtiger Landwirth werden zu können. Hauptsächlich war es das Studium der Mathematik, auf welches ich mein nächstes Augenmerk gerichtet hatte; ich fand bald Gelegenheit, in dieser Hinsicht meinen Wunsch und Sehnsucht zu befriedi— gen; in Meißen lebte bei der königl. sächsischen Artillerie ein Mann, Herr Lieutenant Rühlemann, der ganz zum Lehrer geschaffen war. Bei diesem nahm ich Unter— richtsstunden, die ich mit Genehmigung meines gütigen Principals besuchen durfte. Nur Schade, daß ich die vortrefflichen Lehren dieses geschickten Mannes nur 2 Jahr benutzen konnte. 5. 9. In Batzdorf, bei Herrn Agner, fing ich an, ein Tagebuch zu halten, und habe hiervon unsäglichen Nutzen gehabt, aber noch viel größern Nutzen würde ich gehabt haben, wenn ich dies Tagebuch Herrn Agner zur Lrdlr 10 vruα Durchsicht gegeben, und ihn um Berichtigungen gebeten hätte. Auch las ich hier die landwirthschaftlichen Bü⸗ cher, z. B. den sächsischen Landwirth, die Schriften des Pastor Meiers, des Herrn von Schönfeld und an⸗ dere mehr. Dies alles gab mir einen gewissen Schwung, ich lernte das landwirthschaftliche Gewerbe von einer an— dern Seite betrachten. Nebenher betrieb ich ganz im Stillen landwirthschaftliche Baukunde, las darüber und zeichnete für mich. Dies war die Veranlassung, daß mich der Herr von Berlepsch auf sein Gut Proschwitz berief, um dort die Aufsicht über das Bauen einiger land— wirthschaftlichen Gebäude zu führen, wozu ich freilich noch nicht tüchtig genug war, doch mir alle Mühe gab, es gut zu machen. Es nützte mir diese Stelle sehr viel, erstens lernte ich wirklich die practische Baukunst, und dann sah ich hier ein, was mir alles noch fehlte. 5. I0o. In Proschwitz hatte ich auch Gelegenheit in an⸗ dern Dingen practische Kenntnisse zu sammeln. Es ge— hörte nämlich zu diesem Gute eine beträchtliche Menge Laubwaldungen, die alle sehr nahe lagen, und sämmtlich als Spazierpartien benutzt wurden. Im Spazierengehen klagte der Herr von Berlepsch oft, daß das Holz in diesem guten Boden immer verkrüpele, und die Partien immer verderbt würden. Alles dieses kam auf die Rech— nung der Schafe. Es wurden nämlich nur etwas über 200 Stück Schafe meistens deshalb nur gehalten, um die Trift über die Unterthängrundstücke der Prosch— witzer Flur zu benutzen, welche aber so ganz klein war, ki ge⸗ enge tlich chen in tien ech⸗ über um osch⸗ Wal, daß diese kleine Heerde nicht darauf erhalten werden konnte, darum mußten ihr die Waldungen, wenn nur das junge Holz wenige Jahre alt war, eingeräumt werden. Die armen Unterthanen seufzten, daß sie nicht ihre Felder nach Willkühr benutzen konnten. Die Klagen des Herrn von Berlepsch mit den Klagen der Unterthanen zusammen, veranlaßten mich, Berechnungen anzustellen, und die Sa— chen genau zu untersuchen. Ich fand, daß der Schaden der Schafe den Nutzen, den sie brachten, sehr überwog, be⸗ sonders deshalb, da ein eigener Schäfer auf diese kleine Heerde gehalten werden mußte. Der Gutsbesitzer und die Gemeinde zusammen besaßen noch eine Lehde, die erste⸗ rer durch seine Schafe, aber letztere gar nicht benutzte. Diese Lehde paßte sehr in meinen Plan, den ich dem Hrn. von Berlepsch vorlegte, und der von diesem mit Bei— fall aufgenommen wurde. Es kam nun dahin, daß die Schafe ab- und Kühe dafür angeschafft wurden. Die Lehde erhielt größtentheils der Besitzer des Ritterguts zur Entschädigung für das Triftrecht. Nun bekam ich Gele— genheit, auch die Forstwissenschaft ein wenig practisch zu treiben. Es sollte nun in die Laubwaldungen mehr Ord— nung gebracht, und auch zugleich die Spazierpartien ver— bessert werden. Der Besitzer wohnte in Dresden, und übergab mir die Aufsicht. Auf die Lehde wurden Obstbäu⸗ me gepflanzt. Auch von Proschwitz aus besuchte ich die mathematischen Lehrstunden, und trieb vorzüglich prae⸗ tische Geometrie. 5. XI. Im Herbst unternahm der Herr don Berlepsch eine Reise auf die königlichen Schlösser, welche unter seiner Oberaufsicht standen, und war so gütig, mich mit zu nehmen. Wir reisten weiter über Wörliz, Dessau, Berlin, Potsdam u. s. w. Auf dieser Reise war mein Geschäft, auf Gartenanlagen genau Acht zu geben, auch auf schöne Gebäude, Zimmerverzierungen u. dergl. und flüchtige Zeichnungen zu entwerfen, und weil es der Wunsch des Herrn von Berlepsch war, daß künftigen Sommer manches unter meiner Leitung in diesen Gegen⸗ ständen ausgeführt werden sollte. Mir nützte dies sehr, ich verfeinerte sehr meinen Geschmack. Leider aber war das Landwirthschaftliche auf dieser Reise nur Nebensache. Es fehlte mir an Zeit, viele Bemerkungen in dieser Hinsicht zu sammeln. Den Winter darauf lebte ich mehrentheils in Dresden, und benutzte hier, was ich glaubte, benutzen zu müssen, aber leider hatte ich keine Anleitung, und ließ daher vieles unbenutzt. Ueber die landwirthschaftliche Baukunst nahm ich Stunde beim Architect Hrn. Speck. F. 12. Ich hatte Gelegenheit, eine Menge Bücher zu lesen, woraus ich Nutzen schöpfte; doch würde ich mehr geschöpft haben, wenn ein Sachkenner zur Seite stand, und mich belehrte. Ich las viel und verdauete nicht alles. 9. 13. eeine Geschäfte in Proschwitz waren beendigt, in Dresden wurde mir es zu enge, weil ich keine Geschäfte, die mit der Ländwirthschaft in Verbindung standen, treiben konnte. Ich sehnte mich wieder aufs Land in die land— wirthschaftlichen Geschäfte hinein. Der Plan des Hrn. v. Berlepsch war freilich, daß ich in seinen Diensten mich it Desau, ar main geben, . dergl. es der nstigen Hegen⸗ sehr, rwar sache. nsicht ils in zen zu id liß Iftliche deck. lssen, chopft mich „ in ͤfte, eiben land⸗ Hun. ensten I 13 ẽ'?»o, bleiben sollte; er wollte, daß ich ihm sein neu erkauftes Haus einrichten helfen, Proschwitz verschönern, und nebenher zuweilen seine sämmtlichen Güter bereisen, revi— diren und Pläne entwerfen sollte. Dann hatte er Hoff— nung, daß der königliche große Garten einigermaßen verändert und verbessert werden würde, und hierzu wollte er mich auch benutzen, und mir vielleicht eine königliche Stelle verschaffen. Aber alles dies stimmte nicht mit mei— ner Lieblingsneigung überein, die wirkliche Ausübung der Landwirthschaft war es, was mich anzog. Zur Revision der Güter und zum Planmachen fühlte ich mich zu jung und unerfahren, ich war erst 20 Jahr. Deshalb nahm ich recht gern eine ganz kleine Stelle bei Leipzig an, ohn⸗ erachtet ich schon vorher wußte, daß dort eine erbärmliche Wirthschaft geführt wurde; ich ward nämlich der Verwal⸗ ter des Pachters des RG. Br. Hn. Amtmanns B. Bis jetzt hatte ich immer in gut geführten Wirthschaften gelebt, nun sollte ich auch eine recht erbärmlich geführte kennen lernen. Auch dies brachte mir Nutzen, besonders da ich nur ein halbes Jahr, von Ostern bis Michael 1801, dort blieb, folglich in dieser kurzen Zeit nicht verwöhnt werden konnte. 5. I4. Run erhielt ich auf Empfehlung des Herrn von Berlepsch den Ruf zu Sr. Excellenz dem Herrn Grafen Marcolini, welchen ich auch annahm, ohnerachtet mir zu gleicher Zeit eine für den Augenblick mehr lohnende Stelle beim Herrn von Miltitz, dem das von Herrn Agner erpachtete Rittergut Batzdorf, und mehrere Güter bei Meißen gehörten, angetragen wurde. Ich bewirthschaftete beim Herrn Grafen Marcolini nicht allein ein Vorwerk in Friedrichsstadt, sondern legte ihm auch ein Vorwerk vor dem schwarzen Thore bei Dresden⸗Neustadt an. Hier hatte ich viel Gelegen⸗ heit, meine practischen Kenntnisse zu bereichern. In Friedrichsstadt hatte ich Schweitzerkühe, und einen fruchtbaren, halb aus Thon und halb aus sehr feinem Sand bestehenden Boden, vor dem schwarzen Thor ost— friesländische Kühe und einen leichten aus 80 pCt. Sand und 20 pCt. Thon bestehenden Boden zu bewirthschaften. Keine Kosten wurden gespart, und folglich mäncher sehr interessante Versuch angestellt. Jetzt besuchte ich die Thierarzneischule, pflog Umgang mit Künstlern, und be— nutzte abermals die königliche Bibliothek, indem sich der Oberbibliothekar immer gütig gegen mich bewies. Ich studierte Thaer's Einleitung zur Kenntniß der englischen kandwirthschaft, was Veranlassung gab, daß ich vorzüg⸗ lich die aus dem Englischen übersetzten Schriften über Landwirthschaft begierig las. 9. 15. Gern wäre ich länger an dieser Stelle geblieben, doch zweierlei trieb mich fort. Mein Gehalt war ziemlich ge— ring, und, ob ich gleich, trotz meiner Jugend von 21 Jahren, sehr das Geld zusammen nahm, so mußte ich doch vom eigenen Vermögen, was sehr, meist durch die Bezah— lung der Unterrichtsstunden geschmolzen war, zusetzen. Da der Herr Graf von einer Gehaltszulage nichts wissen wollte, so nahm ich eine mir angebotene Stelle als Admi— nistrator eines bedeutenden Gutes im Erzgebirge an, und nicht lagte re bei legen⸗ N einen einem Rost⸗ Sand ften. sehr dit be⸗ der Ic9 schen rzůg⸗ ber doch — — 15— ging vor Ostern 1803 von Dresden ab, unternahm auf einige Wochen eine kleine Reise durch Sachsen, und übernahm zu Walpurgis meine neue Stelle. Hier fand ich ein weites Feld, worauf ich mich herumtummeln konnte; es war ein Gut, welches herrliche Resourcen besaß, die aber fast alle nicht benutzt worden waren, und deshalb einigen Aufwand nöthig machten, wenn sie gehörig benutzt werden sollten. Der Besitzer versprach mir, daß er mich nach eigner Willkühr wolle wirthschaften lassen; aber leider gehörte er zu denjenigen Gutsbesitzern, die in den näch⸗ sten 4 Wochen jedes aufgewandte Kapital mit 100 Procent nicht allein zurückwünschen, sondern auch zurückfordern; als er aus den Rechnungsauszügen sah, daß ich auf diese Art keine Wunder that, so schien er unzufrieden zu seyn, und beklägte sich darüber, daß ich zu viel Geld auf Ent⸗ wässerungs⸗ und Bewässerungsgraben der Wiesen gewen— det hätte; ohnerachtet er, wenn er es verstanden hätte, leicht sehen konnte, daß schon die erste Heuernde den Auf— wand zur Hälfte wieder bezahlte. Dies und der Umstand, daß ich die Zahlungen für einen splenditen Wohnhausbau nebenbei hatte, und mir immer hierzu das Geld fehlte, war Veranlassung zu öftern Verdrießlichkeiten, und machte den Wunsch, hier weg zu kommen, in mir rege. Als der Besitzer vollends gar einen der dümmsten Landwirthe der Gegend, welcher durch besondere Glücksumstände zu eini— gem Vermögen gekommen war, was ihm bei dem Nicht— landwirth in einiges Ansehen gebracht hatte, meine Wirth— schaft revidiren ließ, dann verlor ich vollends alle Lust, länger hier zu bleiben, und es war mir wirklich ein Ekel wider alles Administratorenleben auf diese Art beigebracht. eeeeeeeeee Ich sehnte mich nach Selbstständigkeit; aber leider hierzu besaß ich nicht das nöthige Vermögen. 5. 6. Doch, da mehrere gute Freunde mir Unterstützung an— boten, wagte ich es, die mir angebotene Pachtung des Ritterguts Zangenberg bei Zeitz mit einem geringen eignen Vermögen zu übernehmen. Bei Unternehmung die— ses Wagstücks ward festgesetzt, daß nicht meine Freunde, sondern nur ich und höchstens der Besitzer des Gutes, letzterer aber nur wenig, verlieren sollte, im Fall Unglücks— fälle mich träfen. Der Himmel begünstigte mein Unter— nehmen, die erste Ernte war leidlich, die zweite sehr schön, ich gewann durch die Stärkenfabrik und durch die eastung ein ansehnliches; die Getreidepreise waren ziem— lich hoch. Das Gut wurde verkauft. Da der neue Be— sitzer viel mehr Pacht haben wollte, als ich jetzt gab, ich gab für 219 sächsische Acker Feld, für 30 Acker Wiese, für eine Mühle, wofür ich 400 Rthlr. Pacht erhielt, für die Brauerei, die mir 400 Rthlr. angeschlagen war, und für die Stärkenfabrik, die früher einen jährlichen Gewinn von 300 Rthlr. gebracht hatte, zusammen 4200 Rthlr. Pacht, und da ich ohne großes Risico nicht mehr verwilligen konnte, so mußte ich mit dem Zten Jahre abgehen, und erhielt das, was ich ins Gut gewendet hatte, durch ein Abtrittsquantum vergütet. 5. 17/. Dreist gemacht, pachtete ich mit einem mehr gefüllten Beutel das Rittergut Pönitz, was ich in sehr zerrütte— ten Umständen zu Johanni 1806 übernahm, als gerade πα 17 die Getreidepreise zu fallen anfingen. Hier mußte ich mich sehr zusammen nehmen; ich bräuchte ohnedieß ein bedeu⸗ tendes Betriebs und Meliorationskapital; aber noch mehr Geld war deshalb erforderlich, weil die erste Ernte ganz erbärmlich war, die sämmtliche Viehzucht einen ganz schlechten Gewinn abwarf, die Brauerei niedergesunken, und gar keine Branntweinbrennerei vorhanden war, und dem allen ohnerachtet ich die Pachtsumme an 4600 Rthlr. pünktlich entrichten sollte und mußte. Auf diese Art lernte ich eigentlich wirthschaften. Trotz aller Schwierigkeiten, die sich mir entgegenstemmten, brachte ich alle Branchen binnen 5 Jahren möglichst empor. Der erpachtete Flächen⸗ inhalt betrug nur circa 280 altenburgische Acker, oder 700 magdeburger Morgen an Feldern, Wiesen und dergl. Die Brauerei war, als ich das Gut übernahm, für 200 Rthlr. für sich verpachtet; die Schäferei war im Winter 450 Stück stark. Im Sten Jahr brachte die Brauerei mir einen reinen Gewinn von mehr als 1200 Rthlr. Im õten Jahr brachte ich 960 Stück erwachsenes Vieh zur Schur und schor 125 Stein sehr feine Wolle, und besaß 350 sehr schöne Lämmer. Die Branntwein— brennerei, die ich mir selbst errichten mußte, brachte mir im 6ten Jahre über 500 Rthlr. reinen Gewinn. Der Feldbau mußte sich heben, und trotz der ungemein trock— nen Witterung erbäuete ich 1811 immer noch schönes Ge⸗ treide, aber freilich über 7oo Dresdner Scheffel weniger als 1810. Die Rindviehzucht hob sich gewaltig; ich habe einen herrlichen Stamm Vieh meinem Nachfolger überlassen. ) Aber dem ohnerachtet babe ich in Ponstz nichts gewonnen, vielmehr verloren; in den ersten Jahren hatte ich wenig V §. 18. In Ponitz vertraueten sich mehrere junge Leute, die sich der Landwirthschaft widmeten, meiner Leitung an. Dieses und das Lesen mehrerer neuern Schriften ließ mich fühlen, wie unentbehrlich das Studium der Chemie dem Landwirth sey. Früher hatte ich zwar nur wenige Wochen den Unterricht des Herrn Professor Göttling genossen, wovon ich zwar wenig wegbrachte, der mir jedoch so viel half, daß ich dadurch veranlasset wurde, vermittelst zweckmäßiger Schriften, Chemie für mich zu studieren, aber leider brachte ich es nicht weit. Lieb war mir es daher, wie alle meine Schüler geneigt waren Chemie zu hören, und mehrere benachbarte Landwirthe sich zu diesem Zwecke mit uns ver— banden. Die beste Gelegenheit, wodurch unser gemein— schaftlicher Wunsch erfüllt werden konnte, bot sich uns dar. In Altenburg lebte der sehr geschickte Chemiker, Herr Apotheker Gleitsmann, diesen bat ich, daß er uns wöchentlich einen Tag einen Winter hindurch schenken möchte; Herr Gleitsmann zeigte sich geneigt hierzu, da er sich in wissenschaftlicher Hinsicht einmal aussprechen und ausexperimentiren konnte. Dieser vortreffliche Mann that alles mögliche, und vielen Dank bin ich ihm schuldig; Einnahme, aber desto mehr Ansgabe, da ich einige noth— wendige Meliorationen unternehmen mußte; in den letz⸗ ten Jahren ging die Sache sehr gut, und ich würde, hätte ich alle 9 Pachtjahre ausgesessen, gewonnen haben; so aber ging ich einer andern Bestimmung entgegen, gab den Pacht auf, und verlor viel am Verkauf meines Viehes und dergl. da die Zeitereignisse wohlfeile Preise herbeiführten. Be— deutende Summen hatte ich an die Gebäude gewendet, die mir nicht vergütet wurden. cute, an. mich dem ochen ossen, half, ßiger achte neine hrere ver⸗ mein· 9 unds Herr Kuns henken hierzu, rochen Nann ldig; noth⸗ leh⸗ hätte Naber Pacht dergl Be⸗ , die S 19 S diese Vorlesungen und der fortgesetzte Umgang mit ihm, haben mir mehr genützt, als wenn ich mehrere Cursus der Chemie auf einer Universität gehört hätte. 9. 19. Dies ist der Weg, auf dem ich gebildet wurde, dem ich aber nicht jedem jungen Mann, der sich der Landwirth⸗ schaft widmen will, zum Muster vorlegen kann noch will. Es giebt einen bessern und kürzern, auf dem man schneller und besser zum Ziele gelangen kann. Doch möchte ich um keinen Preis, daß einmal etwas anders gegangen wäre, als es wirklich ging. Freilich würde mir alles leichter geworden seyn, wenn ich früher mit mehrern Hülfswissen⸗ schaften vertraueter war, weiter würde ich gekommen seyn, wenn ich ohngefähr in meinem aosten Lebensjahre eine Aka⸗ demie auf einige Jahre hätte besuchen können aber dafür hatte ich Gelegenheit, recht früh es in den mechanischen Handgriffen zu einer gewissen Vollkommenheit zu bringen; sehr bald hatte ich mir einen gewissen Takt im Directions⸗ geschäft zu eigen gemacht; dann fand sich immer eine pas⸗ sende Gelegenheit, mir nach und nach in den Hülfswissen⸗ schaften gerade zu der Zeit, wo ich das Bedürfniß jeder einzelnen Wissenschaft am meisten fühlte, und die Sehn⸗ sucht danach am höchsten gestiegen war, Kenntnisse zu ver— schaffen; ferner machte es sich immer von selbst, daß ich in den verschiedensten Gegenden Sachsens, und in den man— nichfaltigsten Verhältnissen, das landwirthschaftliche Ge— werbe erlernte und betrieb. So wurde alle Einseitigkeit möglichst vermieden, wozu auch noch das Lesen so mancher Schriften das Seinige beitrug. B 2 §. 20. An den sungen Leuten, die sich mir anvertraueten, habe ich es recht deutlich gesehen, welches besser ifi, ob das Erlernen des Practischen dem Studium des Theoreti— schen, oder jenes diesem folgte, indem ich zu gleicher Zeit beides zu beobachten Gelegenheit hatte. Der junge Mann, welcher auf der Schule und Universität sich Kenntnisse aller Hülfswissenschaften erholen konnte, der auf letzterer landwirthschaftliche Vorlesungen im ganzen Umfange hörte, wird erst sehr spät, nach vielen Jahren den passenden Takt in der Direction einer Landwirthschaft erlangen; er wird nie im Stande seyn, einen Arbeiter gründlich zu ta⸗ deln; er wird in große Verlegenheit kommen, wenn ein Arbeiter, den er tadelte, ihm das Instrument, womit gear⸗ beitet wird, hinwirft, und ihn zum Bessermachen auffor⸗ dert, was zuweilen geschieht, denn gar leicht haben die Arbeiter ihren Director weg.— Nur bis zu einem niedri— gen Grade der Fertigkeit der mechanischen landwirthschaft— lichen Arbeiten wird es ein junger Mann von 20 und meh— rern Jahren, der das akademische Leben schon genau kennt, trotz aller angewandten Mühe, nicht bringen. Mancher Arbeit wird er sich schämen, bei mancher wird er gläuben, er schade seiner Gesundheit, bei einer dritten würde er den unvermeidlichen Schmutz fürchten, bei allen wird eine gewisse Ungelenkheit schaden. Wehe solch einem Mann, wenn er sich es einfallen läßt, in seiner Wirthschaft irgend ein in der Gegend, wo er wirthschaftet, unbekanntes Instrument, Maschine oder Geräthe einzuführen. Er ist selbst nicht im Stande damit umzugehen, er kann dem— nach seine Leute nicht gründlich darüber belehren, er wird — Ueten, i, ob eoretis er Zit Mann, intnisse etzterer hörte, ssenden en; er zu ta⸗ enn ein iit geat⸗ auffot⸗ aben die n niedr⸗ thschaft⸗ ind meh⸗ au kennt/ Mancher glauben, vürde er vird eine Mann, ft irgend bekanntes ren. E ann dem⸗ er wi überall auf Hindernisse stoßen, die er vorher nicht ahnete, weil er das einzuführende Instrument in einer andern Wirthschaft mit Leichtigkeit anwenden und prächtig arbei⸗ ten sah. Oft wird er von seinen Leuten und kurzsichtigen Nachbarn hören müssen, daß dies Instrument für seine Gegend nicht passe und bei den Statt findenden Lokalverhält⸗ nissen durchaus nicht einzuführen sey. Er wird dies endlich glauben müssen, da er selbst sieht, es geht nicht, und er durchaus auch nicht im Stande ist, selbst Hand ans Werk zu legen. Will er es ja durchaus durchsetzen, so wird man freilich gehorchen, weil es der Herr befiehlt; aber Gewinn wird er nicht davon haben, oft aber desto mehr Schaden. Denn erstens ist niemand da, der die Arbeiter gründlich belehrt, sie werden, wenigstens eine lange Zeit, nur Pfuscher bleiben und manches verderben; sie werden, da es ihnen ohne genaue Kenntniß sauer wird, darüber verdrießlich arbeiten, deshalb auch schlechter, und ruini⸗ ren wohl obendrein noch das Instrument, die Maschine oder das Geräth, und— der Wirthschaftsdirector ist doch am Ende noch genöthigt davon abzugehen. Dies ist von sehr schlimmen Folgen, er verliert sehr an dem Credit, in dem er als Landwirth stand, macht sich vielleicht gar lächer— lich, und er mag nun anfangen, was er will, so wird es allemal heißen:„es wird gehen, wie es mit jener Neue— rung ging, wenn er es doch beim Alten ließ.“ Es wird auch wirklich abermals so gehen, er wird endlich selbst verdrießlich. Die Landwirthschaft, die er anfänglich lei⸗ denschaftlich liebte, wird ihm endlich ekelhaft werden. Er wird bitter über den bösen Willen, über die Ungeschickt— heit und Dummheit seiner Leute klagen. Diese Unzufrie⸗ denheit wird auf seinen ganzen Charakter einen sehr schäb— lichen Einfluß haben, er wird unwillkührlich hart gegen seine Leute werden; er wird andere Zerstreuung suchen, und dies wird ihm in allerlei Hinsicht vielen Schaden zufügen. §. 2. Es ist zwar nicht zu läugnen, daß, wie der Herr St. R. Thaer sagt, wir der Beispiele sehr viele haben, daß, bei einer der landwirthschaftlichen ganz entgegengesetzten Erziehung und vormaligen Beschäftigung, sich Männer von entschiedenem Talent und Neigung, vermöge eines ganz wissenschaftlichen Unterrichts zu großen Landwir— then gebildet, und sogar vor ältern einsichtsvollen Land— wirthen in kurzer Zeit den Vorsprung gewonnen haben. Die Wissenschaft eröffnete ihnen Ansichten, welche die moutine übersah, und schärfte ihre Augen, dasjenige klar und bestimmt zu erkennen, wobei sich lange Uebung mit dunklerem Gefühle begnügt hatte. Aber nur sehr wenige hiervon werden wahrhaft große practische Landwirthe werden, diese wenigen werden nur durch sehr vielen Schaden zu dieser Größe ge— langen, sie werden überall und nicht blos im Anfange Fehler begehen und schrecklich vieles Lehrgeld zahlen müssen. Bildeten sie sich in Hinsicht des Practischen nur an einem Orte, so wird es, trotz aller wissenschaftlichen Bildung, nicht an Einseitigkeit fehlen. Sie werden sich in einige Schriftsteller verlieben, und vieles sich von diesen ganz zu eigen machen. Stimmt das, was diese Lieblings— schriftsteller sagten, mit ihren eigenen Erfahrungen zufällig — häd⸗ Rgen ichen, haden St. daß, etzten inner ines Wit⸗ d⸗ haben. he die jenige ebung schaft gen ge⸗ ange ahlen nur lichen ich in diesen Iings⸗ ufallig ve- 23 alre uberein, denn wehe dem, welcher dies Gesagte nicht für unumstößlich wahr anerkennen will. Als Schriftsteller und Lehrer in der landwirthschaft⸗ lichen Theorie werden solche Männer sich bald als sehr große gelehrte Landwirthe zeigen, und ungemein vieles Gute stiften können. Sie werden den blos empirischen Landwirth zum Nachdenken veranlassen, fie werden ihn fühlend machen, wie viel ihm noch fehlt, ehe er ein tüchti— ger Landwirth zu nennen ist, ihm zeigen, auf welchem Wege er seine Wirthschaft um vieles höher nutzen könne. Aber ob sie ihre eigene Wirthschaft nicht um ein Großes höher nutzen würden, wenn sie die Direction einem andern denkenden, mit vielseitigen practischen Kenntnis⸗ sen begabten Landwirth übergäben, dies ist erst noch zu untersuchen. Und sollte sichs wirklich finden, daß ein An⸗ derer ihre Wirthschaft höher brächte, dann können sie auch noch nicht Ansprüche auf das Prädikat: wahrhaft großer practischer Landwirth machen. Sie find nur als Lehrer der Landwirthschaft groß, und sie sind im Stande, Männer, die schon vielseitige practische Kenntnisse besitzen, zu wahrhaft großen Landwirthen zu bilden. Bildeten sich aber solche Männer, die mit vielen Kennt— nissen in vielen Hülfswissenschaften ausgerüstet sind, wenn auch erst spät, durch genaue Ansichten verschiedener Wirthschaften; machten sie sich vielleicht in aller Stille eine Menge mechanischer Handgriffe zu eigen, führten sie selbst das Directorium verschiedener Landwirthschaften in verschiedenen Gegenden und unter verschiedenen Lokalver— hältnissen, machten sie mehrere Reisen zu ihrer Belehrung; gingen sie mit tüchtigen practischen Landwirthen viel um, prüfen sie alles und nehmen sie nur das Beste an: so werden sie sich auch gegen die Einseitigkeit zu schützen su— chen, und nach Verlauf einiger Jahre wahrhaft große Landwirthe, sowohl in präctischer als theoreti— scher Hinsicht zuu nennen seyn. Aber diese Männer werden selten seyn, und nur immer als Ausnähmen der Regeln gelten. Daß wirklich Männer dahin kommen können, da— von konnen wir uns gerade jetzt recht lebhaft überzeugen. 5. 22. Nach meinen Erfahrungen und Beobachtungen, die ich theils an mir, theils an Andern machte, würde folgen— der Weg, nach Verhältniß der natürlichen Kräfte eines jeden Individuums, am besten zum Ziele führen. Ich setze voraus, daß der junge Mann schon als Knabe so gebildet wurde, daß er späterhin jedes Studium, jedes Gewerbe wählen kann, z. B. daß er Religion, meh— rere Sprachen, Naturgeschichte, Naturlehre, Geographie, Geschichte, Zeichenkunst, und vorzüglich Mathematik be— trieben hat. Ich verlänge nicht, daß er es in allen diesen Dingen zu einer großen Fertigkeit gebracht, sondern ich bin zufrieden, wenn er von den meisten nur einen guten Grund gelegt hat. Im 12, I3ten Jahre wird er schon seine Reigung(der nie merklich entgegen gearbeitet werden darf) blicken lassen; ist diese für die Landwirthschaft entschieden, so muß nun auch die Bildung nach dieser hingerichtet werden. Man lasse den jungen Mann jene genannten Wissenschaften forttreiben, am weitesten lasse man ihn aber Naturgeschichte, Naturlehre und Mathematik ausdeh— nen, und gebe ihm hierin Lehrer, die etwas leisten kön⸗ nen. In diesen Jahren kann der junge Mann den Grund um gar vieles befestigen, vorzüglich ist es nothig, daß er anschauliche Begriffe von allem erhält, damit sich ihm alles um so fester imprimire. Vorzüglich treibe er Bota⸗ nik, diese stärkt die Memorie, und er kann sie immerfort, ohne weitere Hülfe und Zeitversaumniß studieren. Man gebe ihm einen geschickten Geometer zum Lehrer, der ihn Flächen, aber auch Körper auszumessen lehrt; kann ihn dieser auch die Mechanik lehren, desto besser. Man gebe ihm einen Lehrer in der Buchhaltung, damit er auch hier einen Grund legt. Dann lasse man ihn aber auch wö⸗ chenilich einige Stunden bei einem geschickten Tischler oder Wagner arbeiten, damit er eine gewisse Fertigkeit im Be⸗ arbeiten des Holzes erlange. Ein geschickter Wagner, der landwirthschaftliche Geräthe bauet, ist zwar zu diesem Behuf am besten; doch wissen diese Leute selten den Hobel zu gebrauchen, und darum kann ein Tischler, der sich mit dem jungen Manne einzurichten weiß, viel nützen; später⸗ hin mag der Wagner fortbauen. §. 23. Im 15, 16ten Jahre gehe nun der junge Mann zu einem tüchtigen practischen Landwirth auf ein Gut, was nicht zu klein, aber auch wo möglich nicht zu groß ist. Auf dem kleinen ist die Wirthschaft vielleicht nicht vollstän— dig genug, es fehlen mehrere Zweige vielleicht ganz, der junge Mann lernt demnach nur wenig; auf dem großen geht vielleicht alles zu groß zu, und der junge Mann kann da leicht verwöhnt werden. Ist der Director dieser Wirth— schaft auch kein wissenschaftlich gebildeter Mann, sondern hat er nur die Gabe, seinem Schüler die Kenntnisse, die er besitzt, mitzutheilen, und weiß er nur die jungen Leute auf alles, und zur rechten Zeit aufmerksam zu machen, dann ist es schon genug, und der junge Lernende wird seinen Zweck sehr gut erreichen. Ist aber dessen Lehrer auch im Stande, ihn auf die Ursachen der Wirkungen auf⸗ merksam zu machen, und ihn gründlich darüber zu beleh— ren, so wird dies ihm um so mehr Nutzen bringen; nur sind solche Männer jetzt noch selten zu finden. 9. 24. ö Ich ließ meine Schüler ein genau geführtes Tage⸗ buch halten, worin sie nicht allein alles Geschehene auf⸗ zeichnen mußten, sondern auch ihre gemachten Beobachtun— gen, ihre Ansichten von diesem und jenem, und ihre hier und da rege gewordenen Zweifel beifügen mußten. Das Ta— gebuch war entweder gebrochen, und der Schüler beschrieb nur die eine Hälfte des Blattes, oder er beschrieb nur ein Blatt um das andere. Oft, wenigstens wöchentlich ein— mal, brachte mir nun jeder Schüler sein Tagebuch zur Durchsicht; ich schrieb nun auf das leer gebliebene Papier meine Zurechtweisungen, Berichtigungen, Gründe, Ursa— chen und Antworten, und fügte auch wohl mündliche Er⸗ läuterungen hinzu. §. 25. Daß mit solch einem Tagebuche ungemein viel Gutes gestiftet werden kann, wird wohl niemand bezweifeln. Die jungen Leute werden hierdurch gezwungen, auf mehr Acht zu haben, als vielleicht außerdem geschähe, weil sie — 27— sich schämen müssen, wenn sie nichts oder nicht viel aufge⸗ zeichnet haben. Sie sind genöthigt, über alles nachzuden⸗ ken, weil auch hier das Ehrgefühl rege gemacht wird. Sie haben Gelegenheit, Aufschlüsse über die ihnen zweifel— haften Fälle zu erhalten, da doch nicht immer ihr Lehrer neben ihnen steht, oder oft sich es auch nicht thun läßt, daß sie bei jedem einzelnen Fall ihren Lehrer fragen können; so aber notiren sie sich flüchtig den Fall in ihr Ta— schenbuch und tragen es dann in ihr Journal ein. Ihr Styl wird geübt, weil doch auch der Lehrer darauf sehen wird, daß sie alles in einem möglichst bündigen, leicht faßlichen Tone niederschreiben. Durch das Niederschreiben selbst prägt sich vieles tiefer in ihr Gedächtniß ein, und am Ende ist dies Tagebuch ein Repertorium alles dessen, was sie Interessantes sahen und höreten, bei späterm Durchlesen wird alles wieder vor ihrer Seele vorübergehen, sie wer⸗ den Vergleichungen über das, was sie späterhin kennen lernten, anstellen, und so sich großen Nutzen stiften. Dies Tagebuch ist gewissermaßen das, aber noch viel mehr, als die nachgeschriebenen Hefte eines Kollegiums sind. 5. 26. Dann habe ich auch mit meinen Schülern kleine Rei— sen zu näherer Ansicht andrer Wirthschaften unternommen; dadurch sind sie veranlasset worden, Vergleichungen anzu⸗ stellen; ich habe sie dann nach meinen Kräften über das Warum zu belehren gesucht. Ich habe im Winter täglich einige Stunden mit meinen Schülern die besten neuen landwirthschaftlichen Schriften laut durchgelesen, und meine Erläuterungen, Bemerkungen und Meinungen da⸗ zwischen zum Besten gegeben. So habe ich frühzeitig nach meinen Kräften gegen Einseitigkeit zu schützen ge— sucht. Jeden Schüler habe ich angehalten, daß er alle mechanischen Handgriffe aller landwirthschaftlichen Arbei— ten sich zu eigen zu machen suchen soll; was freilich bei den schon erwachsenen, welche schon die akademischen Ver⸗ hältnisse kennen gelernt hatten, schwer hielt. Jedem Schü⸗ ler ward ein Zweig der Wirthschaft zur besondern Aufsicht übergeben, worüber er genaue Rechnung führen mußte. Es versteht sich, daß er darüber nicht das Ganze vernach— lässigen durfte, und daß dieser Zweig auch von mir, in specieller Hinsicht, dirigirt wurde. Mit der speciellen Aufsicht der verschiedenen Zweige wurde gewechselt, so daß dieser jetzt die Brennerei, und jener die Schäferei, und im nächsten Falle oder ganzen Jahre dieser die Schäfe— rei, und jener die Brennerei unter sich hatte. Ich glaube nicht, daß ich nöthig habe, über den Nutzen, den ich mit dieser Einrichtung bezweckte, etwas zu sagen, da er so sehr deutlich vor Angen liegt. So geleitet und behandelt, wird, meiner Ansicht ge— mäß, jeder junge Mann, der Lust zur Erlernung der Land— wirthschaft hat, in einigen Jahren viel lernen. L. 27. Hat der Lernende zwei, höchstens drei Jahre bei einem tüchtigen practischen Landwirth mit Nutzen zugebracht, so geht er in eine entfernte Gegend wieder zu einem tüchti— gen präctischen Landwirth. Hier wird er wieder ganz anders wirthschaften sehen, denn erstens hat jede Gegend ihr Eigenthümliches, dann hat aber auch jeder einzelne — 29— Landwirth seine eigenen Ansichten, nach denen er seine Wirthschaft dirigirt. Des jungen Mannes Sache sey es nun, hier zu lernen, was er nur lernen kann, und immer sein Journal fortzuführen und Vergleichungen anzustellen. Vorausgesetzt, daß sein jetziger Lehrer ein möglichst vor⸗ urtheilsfreier und nicht von sich eingenommener Mann ist, so wird er seine Schüler gern darüber belehren, warum dies und jenes hier anders betrieben wird als dort, wo der junge Mann zuerst lebte. Hier braucht er nur ein Jahr zu leben, da er jetzt viel schneller das Ganze kennen lernen wird, denn vieles ist ihm schon länger genau be⸗ kannt, darum braucht er nur sein Hauptaugenmerk auf das wenige für ihn Neue zu richten. Nun könnte es gut seyn, wenn er eines der landwirthschaftlichen Institute auf ein Jahr besuchte. Er wird nun im 18— 19ten Jahre, wo er schon 4 Jahre lang die practische Landwirthschaft stu— dierte, alles genau prüfen und das eigentlich Wissenschaft⸗ liche gehörig verdauen können. §. 28. Will ein junger Mann noch weiter gehen, so muß er von einem solchen Institute aus eine Akademie besuchen, um hier das, was auf jenem Institute nicht gelehrt wurde, nachzuholen. Er kann hier Baukunst, Technologie, Ma— thematik, Kameralwissenschaft, Forstwissenschaft, Botanik, Mineralogie, Mathematik, Zoologie, Staatswirthschaft und dergl. mehr hören. Binnen zwei Jahren kann er in diesen Dingen viel thun, da er ja in den meisten schon einen guten Grund gelegt hat. Geht er ab, so ist es gut, wenn er zuvor, ehe er selbstständig zu wirthschaften an— 2.— 30 fängt, zu einem tüchtigen Landwirth als Gehülfe geht; 1) um hier wieder in Routine zu kommen, aus der er die letzten 3 Jahre gekommen ist; 2) um sich hier wieder ein wenig abzukühlen, denn leicht könnte es seyn, daß er in den letzten zwei, drei Jahren ein wenig zu viel mit Idea⸗ len zu thun gehabt hätte, die leicht der Wirthschäftskasse einen gewaltigen Schäden zufügen könnten. §. 29. Im 22. Jahre wird ein auf diese Art gebildeter Mann, der die nöthigen Fähigkeiten besaß, nicht nur jede Wirthschaft zweckmäßig dirigiren, sondern auch dem Staate, im Finanz-Departement angestellt, wesentliche Vortheile bringen können. Der, welcher es nicht so weit treiben und blos practischer Landwirth seyn will, braucht die Akademie nicht zu besuchen, da auf den Instituten ja jetzt alles Nothwendige gelehrt wird. Besser wird es so— gar für diesen seyn, wenn er mehrere Jahre als Gehülfe zu einem practischen Landwirth geht. Er kann schon auf einen nicht kleinen Gehalt sichere Rechnung machen, und kommt doch dann gewiß vollkommen wieder in Routine, haupt⸗ sächlich im eigentlichen Directionsgeschäft. . 39. Es versteht sich, daß alles, was der junge Mann früher, ehe er zu einem practischen Landwirth kam, er⸗ lernte, immer nebenbei geübt werden muß. Zeit bleibt hierzu allemal übrig, es kann Sonntags einige Stunden hierauf verwendet, hierin aber das Meiste im Winter, zumal des Abends, geschehen. Aber sehr nöthig ists, 2 —.—.N.. ——— 31 daß entweder der Lehrer zu solchen Uebungen veranlasset, oder die Aeltern des jungen Männes auf eine andere Art dafür sorgen. Vielleicht nimmt der Prediger des Orts, wo der junge Mann lebt, einen Theil auf sich, und übernimmt in einigen Fächern die Stelle eines Repetenten. 9. 31. Besitzt ein junger Landwirth Vermögen genug, und hat er Lust zum Reisen, so wird ihm dies gewiß ungemein viel Vortheil gewähren; am besten wird es seyn, wenn er vom Institut weg ein bis zwei Jahr hier— auf verwendet, vorausgesetzt, daß er diese Zeit nicht auf einer Akademie zubringen will. F. 32. Fest bin ich überzeugt, daß nichts mehr den nach— denkenden Landwirth in practischer Hinsicht bilden kann, als zweckmäßiges Reisen. Jede Provinz hat ihr Eigenthümliches, und sogar jeder aufgeklärte einzelne Landwirth behandelt die Landwirthschaft nach einer eige— nen Manier. Ueberall wird der aufmerksame Reisende etwas Neues finden, wenn es äuch nur in einer schein— baren Kleinigkeit bestehen sollte. Stellt er zweckmäßige Vergleichungen an, fragt er sich und Andere immer über das Warum, und sucht er überall möglichst tief einzudringen, so muß dies das Meiste zu seiner eütäem⸗ menen Ausbildung beitragen. Meine kleinen, in verschiedenen Jahren unternom— menen Reisen durch Sachsen und einen Theil Preußens, Mögelin mit eingeschlossen, haben mir ungemein viel genütztt. Denn schon in Sachsen wird die Landwirth— schaft in den einzelnen Provinzen ganz verschieden betrie— ben; und Sachsen hat sehr viele ausgezeichnete Land⸗ wirthe, die wenig bekannt sind, bei welchen aber ein reisender Landwirth ungemein viel lernen kann. Die Landwirthschaft Sachsens ist ohne vieles Geschrei zu einer hohen Stufe gelangt. +...ssgeegee neth⸗ ettte⸗ Lund⸗ et ein Die rei zu Zweyter Abschmitt. Veranschlagung und Uebernehmung eines Land⸗ guths. 9. 33. Da ich einige Güther für mich selbst veranschlagt und übernommen habe, auch immer schmeichelhafte Aufforderun— gen von Andern zu diesen Geschäften an mich ergingen, so habe ich wirklich Gelegenheit gehabt, einige Erfahrun— gen in dieser Hinsicht zu sammeln, die ich hier mittheilen will. Zuerst etwas über die Wahl eines Landwirths bei Erkaufung oder Erpachtung eines Landguths. §. 34. Als Verwalter schon hatte ich gesehen, daß Ackerfrohne im Allgemeinen höchst schädlich für ein Guth seyn kann, und gewöhnlich auch ist. Der geringe Vortheil den sie bringen, wird gar sehr vom Nachtheil, den sie nach sich ziehen, aufgehoben. Am allermeisten sind sie für den Landwirth, der nicht nach dem gewöhnlichen Schlendrian wirthschaften will, nachtheilig und überall hinderlich. §. 35. Die Freunde der Ackerfrohne sagen:„Es ist doch ganz herrlich, daß ich die beste Zeit der Ackerbereitung und Saat wählen und benutzen kann; ich bestelle meine Fröh—⸗ ner und binnen wenig Tagen ist mir eine Menge Arbeit vollendet.“ E Dies ist recht gut auf der einen Seite, doch, so wie vieles, hat auch dies mancherlei Seiten, von denen wir es beträchten müssen, ehe wir ein bestimmtes Urtheil darüber fällen können. Weil in einem Jahre die späte Saat Vor— theile vor der zeitigen hat, im zweiten Jahre gerade der umgekehrte Fall Statt findet, so ist es für die ganze Wirthschaft eines Guthes allemal äußerst riskant, wenn alles Wintergetreide und dann wieder aller Hafer und alle Gerste zu einerlei Zeiten gesäet wird. Es kann ge— rade treffen, daß ich mit den Fröhnern alles früh gesäet habe, weil ich die Witterung während der Saat für pas— send hielt, ich kann mich aber betrogen haben, die früh— zeitige Saat kann gerade diesmal durchgängig schlecht, die spätere aber durchaus gut gerathen; wird da nicht oft der Wunsch in mir aufsteigen: ach, wenn ich doch nur etwas später gesäet hätte, damit ich doch einigerma— ßen eine gute Ernte machte! Leicht kann nun der Landwirth, dem diesmal die frühe Saat nicht gerieth, auf den Gedanken kommen, im Jahre darauf alles spät zu säen, und geräde kann er diesmal wieder falsch gehandelt haben. In den frühern Jahren meines selbstständigen Handelns habe ich leider solche Erfährungen gemacht, und dort und späterhin von andern Landwirthen dergleichen machen gesehen. 5. 30. Dann ist es gewöhnlich Observanz, daß die Ackerfröh⸗ ner, besonders die, welche weit herzu kommen, den gan— zen Tag, wenn sie einmal gekommen sind, als gethan annehmen, auch wenn die Witterung durchaus nicht zur VEer dxs55— wie wit es arübet Vor⸗, de der ganze wenn und ge⸗ gesaet pas⸗ früͤh⸗ lecht, nicht doch exma⸗ die Iu, in nn er uhern lleider von sroh⸗ gan⸗ ethan t jur Bearbeitung des Ackers passend ist. Meistentheils sehen sie es gern, wenn sie auf einen Tag bestellt werden, wo am Morgen die Witterung zweifelhaft aussieht; denn dann haben sie die Hoffnung, daß sie einen Tag Frohne los werden, an dem sie zu Hause einmal nichts arbeiten könnten. Der Nutznießer dieser Fröhner mag nun han⸗ deln wie er will, so thut er sich Schaden. Läßt er, trotz allen Regens, fortpflügen und ist sein Ackerboden nur ei— nigermaßen thonigt, so kann solch ein Feld auf mehrere Jahre hin an einem einzigen Tage verdorben werden. Oft habe ich dies mit angesehen, und erfahren, daß gei⸗ zige Landwirthe, die den Fröhnern nichts schenken wollten, hiervon den größten Schaden hatten. §. 3/. Werden die Fröhner, ohne daß sie gearbeitet haben, wieder nach Hause geschickt, so kann auch dies einen un— ermeßlichen Schäden verursachen. Waren es vielleicht 60 bis 80 Paar Pferde, so konnten diese eine sehr große Fläche umarbeiten. Es war bestimmt auf sie gerechnet, es ist ihretwegen vielleicht gar keine oder doch nur äußerst wenig eigne Anspannung auf dem Guthe; die Arbeit, welche für die Fröhner bestimmt war, wird nun entweder nur halb, oder zur Unzeit, oder mit vieler Auf⸗ opferung gemacht. §. 38. Die Freunde der Ackerfröhner sagen ferner:„stehen mir Fröhner zu Befehl, so bräuche ich erstens nicht zu viel Pferde zu halten, ich habe demnach weniger Ristko, C 2 8 36— ch brauche auch weniger Geschirr, folglich ein kleineres Erund- und auch ein kleineres Betriebskapital; ich brauche nicht den Winter durch so viele Knechte und Pferde um— sonst zu belohnen, zu beköstigen und zu füttern. Ich brauche im Ganzen weniger Kost, weniger Futter, ich kann mehr verkaufen und mehr ins Nutzvieh verwenden.“ Alles scheinbar recht gut, aber nach meinen gemachten Erfahrungen wirklich nur s cheinbar gut. 9. 39. Ein guter Landwirth darf nur selten seine Geschirre unbenutzt im Stalle stehen lassen. Den Winter durch kann so manches Gute für die Wirthschaft mit der Anspan— nung gestiftet werden, woran der, welcher wenig eignes Gespann hat und das Meiste mit Fröhnern bestellt, gar nicht denkt, noch denken darf. Es kann mit dem Zugvieh Schlamm, gute Erde und dergleichen Dinge mehr auf das Feld gefahren werden. Es können mit dem Zug⸗ vieh Komposthaufen angelegt und die schon früher ange— legten an den Ort ihrer Bestimmung gebracht werden. Es kann von entfernten Orten her Gips, Asche, vielleicht Mist mit Vortheil angefahren werden, was sonst unter⸗ blieb und die Felder und Wiesen entbehren müßten. Es kann Brennmaterial zu Brauerei und Brennerei ange— fahren werden, wozu entweder Lohnfuhre oder ein blos dazu bestimmtes Geschirr gehalten würde. Es kann viel⸗ leicht eine Ziegelei angelegt und bei dieser im Winter al— les Zugvieh benutzt werden. Der aus diesem allen ent— stehende Vortheil überwiegt schon bei weitem allen den Rachtheil, den uns die Freunde der Ackerfrohne vom eres auche um⸗ V ich den. chten hirre lann Han⸗ HUnes gar ich auf Zug⸗ Mge⸗ dden. icht Iiter⸗ 1Es Iage⸗ los ubiel⸗ ir al⸗ Vent⸗ Iden Halten des eignen Zugviehes vorrechnen. Nehmen wir nun noch Rücksicht auf den Unterschied, der zwischen der Bearbeitung mit eignem Geschirr und der Bearbeitung durch Fröhner Statt findet, so muß es wohl einem jeden Unbefangenen völlig einleuchten, daß die Fröhner keinen reellen Vortheil gewähren. Man sehe die Felder an, die von Fröhnern bewirthschaftet werden, und nur äußerst selten wird sich's treffen, daß man die Bestellung loben kann, daß sie nicht von Quecken und anderm Unkraut voll sind. 9. 40. Will der Landwirth Klee säen, so sprechen seine Fröh⸗ ner, wir pflügen blos reine Brache und keinen Klee. Wohl oder übel, will er keinen Prozeß, bei dem er Ge— fahr läuft, daß er ihn verliert, anfangen, so muß er mit eignem Geschirr die Kleestoppel pflügen. Hat er viel Klee gesäet, was von großem Vortheil seyn kann, so ist er vielleicht genöthigt, mehrere Paar Pferde blos des Klee⸗ baues halber zu halten. Er darf vielleicht nur noch wenig mehr Zugvieh halten, und er könnte bestehen ohne die Fröhner, er könnte dann seine Felder besser und zweck— mäßiger bestellen, wodurch er mehr Getreide, mehr Fut— ter gewinnt. Er wird von diesem mehr geernteten Ge⸗ traide und Futter nicht allein die zu haltenden Knechte und Pferde ernähren, er wird auch noch einen beträcht⸗ lichen reinen Gewinn davon haben. Müssen vollends, wie es auf den sächsischen Rittergüthern der Fall ist, die Ackerfröhner Kost für sich und Futter für die Pferde erhalten, dann bedarfs nur einer kleinen Berechnung⸗ und man wird finden, daß man mit dieser Kost und Fut— ter recht füglich so viel Knechte und Zugvieh, als nöthig ist, um die Arbeit zu verrichten, die von den Fröhnern verrichtet wird, ernähren kann. 5. 41. Zum Beweis des hier Gesagten, kann ich die Er— fährung anführen, die ich zu Ponitz machte. Wenige Jahre früher, als ich diese Pachtung übernahm, waren so viel Fröhner da, daß auf das eigentliche Ritterguths⸗ feld kein eignes Geschirr zu halten nöthig war, wenn an— ders alles nach der alten Weise betrieben werden sollte; und nur zu dem zum Ritterguthe gehörigen Bauerfelde waren etwä vier Pferde nöthig, es wurden aber dem ohnerachtet acht Pferde gehalten, weil verschiedenes die Frööhner nicht gut genug oder vielleicht gar nicht mach— ten. Dabei waren dennoch die Felder so verqueckt, daß ich mehrere Jahre hindurch sehr mit Quecken zu kämpfen hatte, und mehrere 100 Fuder dieses Unkrauts von ei— nem Stücke fahren mußte. Ich hielt späterhin acht Pferde und vier tüchtige Ochsen und bestellte mein Feld ungleich besser, als es vormals geschah, wie noch nicht die Frohnen verkauft waren; ich habe die Brauerei höher gehoben, und damit die Fuhren vermehrt; ich habe sehr vielen Klee und Wiesenheu erbauet, und hierzu war mehr Fuhre nöthig; ich habe über noch einmal so viel Mist auf die Felder gefahren, als sonst geschehen konnte; ich habe jährlich 6 bis 8000 Karren Erde gefahren, Gips herbeigeholt: alles dieses geschah sonst nicht, und dem ohnerachtet war ich immer mit meinen Nachbarn, welche Jut thiz hyern Er⸗ enige aren iths⸗ an⸗ te; felde dem 8 die mach⸗ „daß mpfen N ei— acht Feld nicht her seht mehr Mist ich Gips dem welche — 8989— noch ihre Fröhner benutzten, zu gleicher Zeit fertig und meine Felder wurden möglichst rein. Auch fand sich's nach einer angestellten Berechnung, daß ich mit dem Es— sen und dem Futter, was die Fröhner ehemals bekamen, sehr reichlich das ganze Jahr hindurch zwey Knechte und vier Pferde ernähren konnte. Ich hielt vier Ochsen und zwey Knechte mehr, folglich hatte ich auch noch in die— ser Hinsicht Vortheil, da mich die Ochsen bei weitem nicht so hoch zu stehen kamen, als Pferde. §. 42. Aus diesem Allen geht hervor, daß diejenigen Rit— tergüther, welche Ackerfrohne haben, deshalb nicht allein keinen höhern Werth haben als solche, bei denen keine Ak— kerfrohne ist, sondern letztere müssen sogar dem aufge— klärten Landwirth lieber seyn. Ich habe bei meinen Pachtungen allemal hauptsächlich darauf gesehen, daß ich keine Ackerfrohne mit erhielt. §. 43. Ferner find mir Güther, deren Wirthschaft zeither nicht zum Besten betrieben wurde, immer die liebsten gewesen, weil hier Hoffnung war, daß ich den Ertrag bald um ein Bedeutendes, durch eine verbessernde Wirth⸗ schaft, erhöhen würde, und doch eigentlich vorausgesetzt werden konnte, daß die Pachtsumme dem Ertrag, der zur Zeit der Verpachtung Statt fand, angemessen war. Aber leider traf dies in Sachsen seit mehreren Jahren nicht mehr zu. Die Rittergüther wurden an die Meistbietenden ver— pachtet, und auf einem Licitationstermine fänd man im⸗ mer einige und 20 Pachtlustige, die einander nach Her⸗ zenslust hinaufboten, bis zu einer Summe, die gemeinig— lich dem gleichzeitigen Ertrag des Guthes übertraf. Es blieb dem neuen Pachter zweierlei zu thun übrig, entwe— der das Guth tüchtig auszusaugen, und die Ausgabe möglichst einzuschränken, oder das Guth möglichst schnell zu verbessern, um hierdurch bald einen höhern Ertrag zu erzielen. Das Aussaugesystem ist aber leider das herrschendste geworden, weil es zum Ganzen am mehre— sten passend und am leichtesten zu erlernen ist. Weil viele gar seichte Köpfe ohne ihr Verdienst und Würdig⸗ keit als Pächter reiche Lente geworden waren, so zog dies mehrere Männer aus allen Ständen zu den Licita⸗ tionsterminen, und gerade solche, die eigentlich nicht zur Pachtergilde gehörten, boten am meisten, weil sie keinen richtigen Anschlag zu machen verstanden; kam ein solcher in den Pacht, so mußte er natürlich das Aussauge— system sich zu eigen zu machen suchen, denn um eine verbessernde Landwirthschaft zu erlernen, brauchte er meh⸗ rere Zeit und während der wäre er zum armen Manne geworden. Solch einem Pachter war es auch ziemlich einerlei, ob er nach verflossener Pachtzeit länger seinen Pacht behielt oder nicht, er hatte das Fett abgeschöpft, und sah sich nach einer andern Pachtung um, worauf er noch etwas mehr Fett als er ließ, schwimmen sah. In der zweiten Pachtung ging es noch besser, denn er war geübter im Abschöpfen geworden. §. 44. Aber auch der bessere, der kenntnißreiche Pachter war oft gezwungen, das Aussaugesystem anzunehmen, ——58 823 hter neh,/ — 41— denn, weil er nichts besseres zu ergreifen wußte, womit er sich und seine Familie, ohne sein Vermögen zu ver— ringern, ernähren konnte, so mußte er auch mit bieten und eine hohe Pachtsumme verwilligen; um diese zu erschwingen, konnte er an keine Verbesserungen denken, weil mehrentheils in drey, höchstens sechs Jahren die Pachtzeit um war, und er darauf rechnen konnte, daß er nach verflossener Pachtzeit durch ein höheres Pacht— gebot aus dem Pacht gedrängt wurde. Es blieb dem— nach ihm auch nichts übrig als herauszuziehen, was herauszuziehen war. Aus eigner Erfahrung weiß ich es, daß von den Besitzern selten Dank zu verdienen ist, wenn die Pächter ihre Güther verbessern. Därum thun die letzteren am besten, sie bleiben so lange beym Aussauge— system, so lange die Besitzer auf ein möglichst hohes Pachtgeld bestehen, so lange sie nicht ihre Güter wenig— stens auf 12 Jahre verpachten, und auf den Verkaufs— fall ein im richtigen Verhältniß stehendes Abtrittsquan⸗ tum dem Pachter verwilligen. Welche Folgen dies Aussaugen der Güther im Ein— zelnen und im Allgemeinen nach sich zieht, ist kaum zu be— rechnen. Es ist kein Wunder, wenn die Behauptung Mehrerer, daß nämlich in Sachsen jetzt weniger Getreide erbauet wird, wie vor 30 Jahren, wahr ist; denn auf den Güthern, wo das Aussaugesystem eingeführt ist, muß sich die Kraft des Bodens nach und nach verringern, da der Bau solcher Früchte, die dem Felde nichts, nicht einmal das Stroh wieder geben, auf solchen Güthern durchaus nicht im richtigen Verhältniß mit der Dünger— production steht. Dahin, wo z. B. Sommerrübsen kom— men soll, wird fast aller Dünger gefahren, während dem die andern Felder mit halber Düngung zufrieden seyn müs⸗ sen, u. s. w. Die Herren Verpachter suchen im Kontrac— te dies zwar möglichst zu verbieten, aber gewöhnlich blei— ben dem Pachter genug Auswege übrig. 9. 45. Dann acquirirte ich auch gern immer ein Guth, was mehrere Zweige der Landwirthschaft und nicht etwa nur Feldbau allein besaß; denn bei solchen Güthern ist immer am wenigsten Risiko. Fällt ein Unglück bei dem einen Zweige vor, so bringt vielleicht ein anderer desto mehr ein. Oder sind die erzielten Producte des einen Zweigs wohlfeil, so sind vielleicht die Producte des andern Zweigs um so theurer. Auch können mehrentheils die verschie— denen Zweige unter sich einander besser aufhelfen, als es ein einzelner für sich im Stande ist; oft können die Pro— ducte des einen Zweigs mit großem Vortheil an den an— dern abgegeben und dort zu einem höhern Ertrag verar— beitet werden. So bringt vielleicht, wenn der Feldertrag durch Mißwachs oder Wetterschlag verringert ist, die Schafzucht oder die Fischerei desto mehr ein. So kann ich vielleicht bei wohlfeilen Getreidepreisen, aus dem Getreide mit mehrerm Vortheil Branntwein ziehen, joder in das Vieh, besonders in die Schafe verfüttern, wenn vielleicht der Branntwein und die Wolle in gutem Preise stehen. Durch die Brauerei, Brennerei, Schafzucht und dergleichen, kann dem Feldbau viel leichter und schneller aufgeholfen werden, als es ohne diese möglich war. Bei der Brauerei, Brennerei, Ziegelei und dergleichen, in die uis⸗ Rtrac⸗ 0 bli— was nur Imer Hinen nehr Heigs toeigs schie⸗ Is es Pro⸗ Rah⸗ hetar⸗ Artrag die Hann dem noder wenn eise und eller war. richen, —.— 475 hA kann im Winter vieles Zugvieh mit Vortheil beschäftigt und folglich auch im Sommer mehreres Zugvieh ohne großen Nachtheil gehalten, und so mehreres zur höhern Kultur der Felder gethan werden. Dies sind so die wesentlichsten Forderungen, welche ich an ein Guth, was ich bewirthschaften soll, mache, doch sahe ich auch sehr darauf, daß es in Hinsicht des Absatzes der erzielten Producte nicht schlecht lag; fer— ner, daß der Boden nicht zu schlecht war. Die Quanti— tät der Grundstücke kann die fehlende Qualität nicht ersetzen. Auf eine große Fläche muß ich mehr Arbeit, mehr Dünger, überhaupt mehr Kraft verwenden, als auf eine kleinere; ist nun die große von geringerer Quali— tät als die kleinere, so giebt mir vielleicht die letztere derselben eine höhere Ernte wie die größere Fläche. Der reine Ertrag muß demnach von der kleinern um ein Merkliches höher ausfallen. §. 46. Die richtige Werthschätzung eines Guthes ist das schwerste Geschäft, welches von einem Landwirth nur ge— fordert werden kann, und wobei oft die größten Land— wirthe gar gewaltige Fehler begehen. Es ist hierbei gar zu viel zu berücksichtigen und genau zu untersuchen. Zuerst muß ich die Güte des Bodens genan und vom ganzen Terrain des Guthes untersuchen; 2) die Lage der einzelnen Grundstücke in Hinsicht auf die Himmels— gegend genau prüfen; 3) nach der Form der Grund— stücke sehen, ob sie bergigt oder eben, hoch oder niedrig, trocken oder feucht liegen; 4) genau nachsehen, ob und — 44— welche Mittel zur Verbesserung der Grundstücke in der Nähe liegen; 5) untersuchen, in welchem Kulturzustand sämmtliche Grundstücke stehen; 6) auch prüfen, ob auf die angebrachten Verbesserungen wirklich ein hoher Werth zu legen ist; 7) mich genau erkundigen, ob und wie viel auswärtige Trift vorhanden ist; 8) die Güte dieser Trift genau prüfen; 9) muß ich genau untersuchen, ob und welcher Zwang bei der Bewirthschaftung des Gu— thes und dessen Einzelheiten Statt findet; 10) mich er— kundigen, welche Zweige der Landwirthschaft außer dem Feldbau noch vorhanden sind; 11) die Lokalverhältnisse, welche von außen her Einfluß auf die höhere oder min— dere Benutzung aller Zweige haben, genau prüfen; 12) den Flächeninhalt möglichst genau zu erfahren su— chen; 13) der Größe eines jeden einzelnen Zweigs nach— spüren und 14 die sämmtlichen Gebäude genau prüfen. Erst dann, wenn ich über alle diese Punkte möglichst im Reinen bin, kann ich einen möglichst genauen Anschlag eines Guthes entwerfen. Ich bin immer folgendermaßen zu Werke gegangen. Den Boden habe ich zuerst durch das Gefühl zwischen den Fingern untersucht. Den, welcher hiernach über die Hälfte an Thongehalt und circa ein Drittheil feinen Sand verrieth, nahm ich immer als einen Boden an, der zum Erbau aller Früchte ge— schickt ist oder durch zweckmäßige Bearbeitung und Dün— gerauffuhren leicht geschickt gemacht werden kann. Zeigt er durch Aufgießen einer Säure ein wenig Aufbrausen, was einen geringen Kalkgehalt verräth, so habe ich sol— chen Boden für den besten mit erklärt. Für noch frucht— barer muß man ihn annehmen, wenn seine Farbe ins — 7—— dek sand Hauf Derth biel Mieset b, ob u⸗ u er⸗ Wdem lHjss, Miun⸗ ia; su⸗ lach⸗ Ifth. im Ihlag ufen Surch her otca ner Iige⸗ An⸗ igt gen, sol⸗ Iins Schwärzliche oder gar Schwarze fällt, und diese schwärze Farbe nicht von Eisen⸗ oder Braunstein herrührt. Hier— über gelangt, man schnell zur Gewißheit, wenn man ein wenig Erde in irgend einem Gefäß glüht: wird die Er— de weißer, so rührt die schwarze Farbe vom Humus her, der sie fruchtbar macht; wird sie aber sehr roth, so war es Eisen, was sie schwarz färbte. Enthält der zu untersuchende Boden dem Gefühl und äußern Ansehen nach, gegen 80 und mehrere Procent Thon und nur wenig Sand, und ist dieser Sand auch noch meistens grobkörnig, so ist dies ein schwerer Boden, der oft miß— lich zu bestellen ist, und in nassen Jahren gemeiniglich keine reichen Ernten hervorbringt. Er ist, wenn ihm genug Dünger und zweckmäßige Bearbeitung gegeben wird, zum Waizenbau am besten geschickt. Wird seine Strenge durch beigemischten Kälk oder Humus gemildert, so ist dies ein sehr fruchtbarer Boden, welcher sich aber auch dann gleich sehr mild anfühlt. Ist der Sand über— wiegend, so zeigt sich dies augenblicklich durch's Gefühl; enthält der Boden nicht viel über die Hälfte an Sand, so kann man diesen Boden durchaus noch nicht schlecht nennen. Der beigemischte Humus, gute zweckmäßige Bearbeitung und Düngung kann ihn zu einem sehr gu— ten Boden machen. Je mehr er über 70 Procent Sand enthält, desto leichter und unfruchtbarer wird er; beson— ders schlecht tragend ist solcher Boden in trocknen Jah— ren. Diesemnach kann eine sehr große Verschiedenheit der Bodenarten Statt finden, je nachdem das Verhält— niß seiner Mischung verschieden ist. Ein systematisches Verzeichniß der verschiedenen Bodenarten bin ich nicht — 46— zu geben willens, da dies in mehrern Schriften, vor— züglich im Zten Theil der Grundsätze des rationellen Ackerbaues von A. Thaer, so gut zu finden ist, als es nur dargestellt werden kann. Späterhin bin ich auch nicht mit dem bloßen Gefühl zufrieden gewesen, ich ha— be eine genaue chemische Untersuchung angestellt. Anwei— sungen zu solchen Untersuchungen findet man in mehrern Schriften, in Hermbstädts Agrikulturchemie, in Ein— hofs Grundriß der Chemie für Landwirthe, in den An— nalen des Ackerbaues, wo Crome sehr wichtige Beob— achtungen über diesen Gegenstand mittheilt. Das genaue Verfahren setzt aber immer einige chemische Kenntnisse voraus, und hier, so wie in mehrerer Hinsicht, wird es sichtbar, wie nützlich die Chemie dem Landwirth ist. Viel läßt sich auch von den darauf stehenden Un— kräutern von der Güte des Bodens beurtheilen. Die eine Art Unkraut liebt diesen, die andere jenen Boden, hier findet man dieses, dort jenes Unkraut häufiger. Zuverlässige Erfahrungen habe ich hierüber nicht gemacht, ich verweise demnach auf ein neulich erschienenes Werk des Professor Crome: Der Boden und sein Ver— hältniß zu den darauf stehenden Pflanzen, in welchem jeder Landwirth viel Vortreffliches finden wird. 9. 47. Am richtigsten kann man den Werth der Felder be— stimmen, wenn man das Getreide kurz vor der Ernte oder die Stoppeln desselben darauf stehen sieht; nur trifft es nicht oft, daß zu der Zeit, wo diese Prüfung möglich ist, die Werthschätzung eines Guthes aufgegeben worden ein d jed R bole sonelen ald es h auch ich ha. Unwei⸗ ehrern Ein⸗ Mn⸗ Beob⸗ naue tnisse ides . an Un. Die Boden, lfiget. Macht, Vetk Vet⸗ en, vitd. be⸗ Ernte ttifft (öglech Vorden ist. Doch auch zu einer andern Jahreszeit läßt der Stand des Getreides auf den Werth der Felder schlie— ßen. Nur bin ich nicht zufrieden gewesen, daß ich bei dieser Untersuchung bloß Rücksicht auf die Felder des Guthes, dessen Werth ich prüfen sollte, nahm, sondern ich untersuchte immer die ganze Flur, auch die angren— zenden Felder der Bauern und andern Landwirthe. §. 48. So wenig wie im Gäͤnzen auf die Resultate der eingezogenen Erkundigungen zu rechnen ist, so verwerfe ich sie doch nicht ganz, sondern erkundige mich eifrig, wie viel man in mittlern Jahren vom Scheffel Aussaat in jeder Getreideart erntet. Ich frage hierin nicht bloß einen, und nicht solche Leute, die einigermaßen beim Ver— kauf oder Verpachtung des Guthes interessirt sind, son— dern möglichst fremde Personen, die in der Nähe Felder bewirthschaften. Vielleicht wohnt in der Nähe ein Be— kannter, auf dessen Rechtschaffenheit ich rechnen kann, und dann ist mir um Vieles geholfen. Oft habe ich zu solchen Nachforschungen andere zuverlässige Personen ge⸗ braucht, die bey denen, wo sie nachforschten, als unbes fangene Personen erscheinen mußten. §. 49. Daß ein Unterschied im Ertrag und ganzen Werth eines Feldes ist, wenn dasselbe entweder nach Mittag oder nach Mitternacht zu abhängig ist, dies wird wohl jeder genaue Beobachter erfahren haben. Die Lage ge⸗ gen Mittag ist ohnstreitig die vortheilhafteste; hier kön— nen nicht nur die Sonneustrahlen, welche so mächtig auf die Vegetation wirken, gerade einfallen, und um desto mehr ihre Wirkung äußern, sondern solch ein Feld, wenn 2s vielen Thon enthält, trocknet um so geschwinder nach einem Regen ab, und kann also um so besser bearbeitet werden; auch geht im Frühjahr der Schnee eher weg, wogegen er oft auf den gegen Mitternacht gelegenen Feldern zum großen Schaden der Saat sehr länge lie— gen bleibt. Nur freilich der Sandboden verliert, wenn das Feld gegen Mittag abhängt auch um so schneller seine Feuchtigkeit ganz, und die Früchte leiden dann um so mehr; darum ist hierauf sehr Rücksicht zu nehmen, denn, wirkt auch das besser einströmende Licht ebenfalls vortheilhaft auf den Sandboden, so möchte doch ein gegen Mitternacht gelegenes Sandfeld im Durchschnitt mehr werth seyn, als ein gegen Mittag gelegenes. Auf— richtig gestehe ich, daß ich in Hinsicht des Sandbodens keine zuverlässige Erfahrung gemacht habe; denn obwohl ich sehr leichte Sandfelder bewirthschaftete, so lagen diese doch alle nach einerlei Richtung. Da ich aber in dieser Hinsicht sehr entscheidende Er— fahrungen beim Lehmboden gemacht habe, so interessirt mich natürlich die Lage der Felder gar sehr, und finde ich, daß die mehresten lehmigten Felder eines Guthes nach Mitternacht zu liegen, so schlage ich ihren Werth schon etwas geringer an, als wenn der umgekehrte Fall Statt fände. §. 50. Ganz ebene Felder können nur, wenn sie vielen Sand enthalten, einen höhern Werth als die etwas ab⸗ ü 2 auf Desio wenn Ar nach Acheitt we U genen lie⸗ Mvenn Meller ι um Mnen, J falls 4 en AIchnitt Uf⸗ dens ywohl 2 diese Er⸗ messit winde Dthes erth Fal — Hielen ab⸗ hängigen haben; habe ich es aber mit Lehmboden zu thun, so ist mir ein etwas abhängiges Feld ohnstreitig lieber, als ein ganz ebenes. Denn ist auch der Unter— grund durchlassend, so ist es doch oft nöthig, daß auch etwas Wasser ablaufen kann, besonders im Frühjahre, wenn bei vielem Schnee Thauwetter einfällt. Doch gar zu abhängig oder gar steil liegende Felder haben wieder einen viel geringern Werth, indem hier gar zu oft alle fruchtbaren Theile der Oberfläche in die Tiefe geschwemmt und den Früchten entzogen werden. Dann findet auch ein gar großer Unterschied Statt, ob die Felder in einer Aue oder auf einer Höhe liegen; so geben die Auenfelder ge⸗ meiniglich vieles Stroh und wenig Körner, die Berg⸗ felder hingegen mehrere und bessere Körner, aber weni— ger Stroh. So muß ich auch nachsehen, ob die Fel⸗ der und überhaupt alle Grundstücke den Ueberschwem— mungen ausgesetzt sind, wo ihre Benutzung mit sehr vie— lem Risiko verbunden ist. Auch ein großer Unterschied findet im Werthe der Wiesen statt, ob sie in einer Aue oder auf trocknen Anhöhen liegen. Bewiesen ist's, daß die Auenwiesen gemeiniglich mehr Graswuchs als hoch liegende Wiesen haben. Dann wird auch der Werth der Felder und Wiesen gar sehr geschmälert, wenn dieselben zwischen hohen Waldungen eingeschlossen sind, so daß hierdurch ihnen viel Luft und Licht entzogen wird. Darum interessirt mich die Form und Lage der Grundstücke eines Guthes, das ich veranschlagen soll, gar sehr. L. 51. Jeder vernünftige Landwirth denkt darauf, daß er die acquirirten Grundstücke verbessern will; es muß ihm D —.— 50 E demnach daran gelegen seyn, daß er Gelegenheit findet, zweckmäßige Verbesserungen anzubringen. Fehlen zum Beispiel dem Ackerboden die Kalktheile, oder enthält er„ nur sehr wenig Kalk, so kann es sehr vielen Vortheil bringen, wenn eine zweckmäßige Kalk- oder Mergeldün— gung unternommen wird; es fragt sich nun, besitzt das Guth selbst Kalk- oder Mergelbrüche, oder sind doch we— nigstens dergleichen in der Nähe, wo man fürs Geld diese Düngung haben kann? Es ist bekannt, daß Gips oder Düngesalz auf den Klee- und Graswuchs auf Fel— dern und Wiesen gute Wirkung thut, es ist demnach gut, 0 wenn man eins oder das andere nicht gar zu weit zu holen braucht. Liegt das Guth nahe bei einer Stadt, 30 so kann ich vielleicht mit großem Vortheil wenigstens in den ersten Jahren Mist ankaufen und auf die Felder fahren. So ist ferner das Bewässern der Wiesen eine gar herrliche Sache, und die Wiesen, wo ich eine zweck— mäßige Bewässerung anbringen kann, haben einen viel höhern Werth als die, wo mir die Gelegenheit zum 5 Bewässern ganz fehlt. Dergleichen Verbesserungsgelegen— 55 heiten giebt es mehrere, und der, welcher ein Guth acqui— 3 riren will, muß hierauf sehr Rücksicht nehmen.. sch! V 9. 52. Hac Der Augenschein lehrt es gleich, ob sich die Grund— un stücken in einem hohen oder niedrigen Kulturzustande be— finden. Findet sich auf den Feldern viel perennirendes 10 Unkraut, z. B. Quecken, so ist dies ein Zeichen der schlech— m tin Kultur. Doch das Auffinden vieler Samenunkräu— 0 V ndet, àjum hilt er orthei geldün⸗ bt das ch w⸗ Geld Gips f Fel⸗ gut, eit zu Ietadt, Hens in Feber Iun eie Vweck⸗ en biel it zum Nelcger⸗ ahui⸗ Yrund⸗ de be⸗ Rendes chlech⸗ Mrau⸗ ter kann ein Beweis seyn, daß die Felder sehr reich an Dünger sind, besonders zeigt das häufige Daseyn eini— ger es an., daß vieler Dünger im Boden ist, besonders dann, wenn sie sehr üppig dastehen. So ist immer das Daseyn vieler und fett stehender Melden(Atriplea patula), Ackerwinde(Convolvulus arvensis), runde Euphorbia (Euphorcia peplus) und mehrerer andern Pflanzen ein Zeichen, daß Dünger im Felde sich befindet. Gemeinig- lich zeigen es aber auch alle einzelne Theile der gesamm⸗ ten Wirthschaft, in welchem Kulturzustande sich die Grund— stücken befinden. Der Landwirth, welcher weiß, was zu einer gut eingerichteten Landwirthschaft gehört, wird leicht alles in dieser Hinsicht prüfen können. 9. 53. Oft werden vom Verkäufer oder Verpachter meh⸗ rere angebrachte Verbesserungen sehr herausgehoben und hoch veranschlagt. Hier ist es nun die Sache desjeni⸗ gen, der den Werth des Guthes schätzen will, daß er diese Verbesserungen prüft, und untersucht, ob auch wirk— lich der Werth, den man darauf legt, mit Recht darauf zu legen ist. Oft ist nur der Sache durch eine ange— brachte Kleinigkeit ein guter Anstrich gegeben, wodurch schon viele geblendet worden sind. Da oft eine große Heerde Schafvieh nur allein auf den Grundstücken der Unterthanen ernährt werden kann, so ist etwas sehr Wichtiges, die Quantität und Qualität dieser Trift genau zu untersuchen, damit ich berechnen kann, wie viel ich Schafpieh darauf wirklich D 2 — 652 2 gut und richtig ernähren kann, und weiß, ob die Trift auch gesund für die Schafe ist d. Es wird einem denkenden Landwirth viel daran lie⸗ gen, daß er die Grundstücke, die er bewirthschaften will, auch frei, das heißt ganz nach Willkühr, bewirthschaften kann. Oft ist es gesetzlich, daß um der Schaftrift wil— len die Ritterguthsfelder ganz so bestellt werden müssen, wie gesetzlich die Unterthanen die ihrigen gezwungen sind zu bestellen. Dann hüten oft gemeinschaftlich die Unterthanen ihr Vieh mit dem des Ritterguths, und hier ist der Bewirthschafter des letztern gar sehr genirt. Oft liegen auch die Grundstücken in kleinen Theilen zerstreut unter den Grundstücken anderer Landwirthe, sie sind des⸗ halb weniger nach Willkühr zu bewirthschaften, als wenn sie zusammen für sich allein lägen. Dann legen auch gern die Herren Verpachter ihren Pachtern Zwang in Hinsicht der Feldbestellung auf, und glauben nun, daß sie dadurch etwas sehr Gutes gethan haben, sie beden⸗ ten aber nicht, daß sie durch solchen Zwang den Pach— tern oft die schwersten Fesseln anlegen, die sie gewaltig, auch bei dem besten Willen, vom Verbessern abhalten. §9. 54. Wie ich schon weiter oben bewiesen habe, so ist es sehr gut, wenn ein Guth außer dem Feldbau noch meh— rere Branchen besitzt; ich muß demnach bei einer Ver— anschlagung diese Branchen genan kennen zu lernen su— chen, und nachforschen, wie hoch jede zu treiben ist, *) Ueber das Vonitirungsgeschäft werde ich vielleicht künftis mehr sprechen. V Aift kan le. wil, schaften st wil⸗ müsen, zungen ich die d hier Oft rstreut des⸗ Wenn an auch ang n n, dah bdde⸗ Rac Nebalig, len. t s h meh⸗ * Ve⸗ gen su⸗ ben ist und welchen Einfluß jede einzelne auf das Ganze hat. So bringt eine auswärtige Schaftrift nicht allein un⸗ mittelbar durch den Ertrag, welchen ich aus dem Ver⸗ kauf der Wolle und des übrigen Viehes ziehe, gar vie— len Vortheil, sondern sie bringt auch durch die Dün— gung, die von ihr durch die Schafe auf die Ritter— guthsfelder gebracht wird, beim Feldbau vielen Gewinn. Dasselbe gilt von der Brauerei und Brennerei. d. 55. Auch muß ich eine genaue Prüfung anstellen, wel⸗ che Lage das Guth in merkantilischer Hinsicht hat, ob ich auch die erzielten Producte mit Vortheil ins Geld setzen kann. Dieser Punkt ist besonders wichtig und macht einen großen Unterschied im Werthe der Güther. Liegt das Guth an einem schiffbaren Fluß, so verschafft dieser immer einen leidlichen und oft einen sehr guten Absatz aller Produkte. So ist auch die Nähe eines Landes, in welchem der Ackerbau nicht hoch betrieben wird und betrieben werden kann, oft sehr vortheilhaft für ein Landguth; so sind die Güther am Fuße des sächsi⸗ schen Erzgebirges in dieser Hinsicht viel mehr werth, als die, welche in Thüringen liegen. Die Nähe einer volk— reichen Stadt bringt einem Guthe großen Vortheil in verschiedener Hinsicht. Die Nähe frequenter Landstra⸗ ßen bringt der Brauerei und Brennerei einen guten Absatz. Gute Wege bringen in aller Hinsicht Vortheil und verschaffen einen bequemern Absatz, der gewöhnlich bei einer gut gelegenen Ziegelei sehr sichtbar wird. §. 56. Ist das ganze Guth genau vermessen, so läßt sich der Anschlag schon um vieles leichter verfertigen. Aber wenn dies nicht der Fall ist, so ist es schwerer, und es ist gut, wenn hier der Veranschlager einen geübten Blick hat und den Flächeninhalt der einzelnen Stücke ziemlich genau durch ein bloßes Ueberschauen finden kann. Feh— len wird er immer, aber wenn er, Vergleichungen mit dem vielleicht erhaltenen Aussaatregister und mit den Aussagen der abgehörten Säeleute und Drescher an— stellt, so kann er mehrentheils ein richtiges Resultat an— nehmen; besser ist es allemal für den Kauf⸗ oder Pacht⸗ lustigen, wenn er eher zu wenig als zu viel berechnet. So ist es auch gut, wenn man zu erfahren sucht, wie hoch bisher jede einzelne Branche benutzt worden ist; dies erfährt man freilich selten richtig, doch ein Sachkenner wird aus dem Ganzen und Einzelnen es schließen, in wie weit den Angaben zu trauen ist. 9. S5ꝰ/. Gute, zweckmäßig eingerichtete Gebäude erleichtern die Bewirthschaftung eines Guthes gar sehr, also müssen auch diese berücksichtiget werden; der Kauflustige hat auch noch sehr darauf zu sehen, ob die Gebäude sehr baufällig sind oder nicht. §. 58. Dann ist auch noch die Landesverfassung zu berück— sichtigen, sie kann das Bewirthschaften der Landgüther gar sehr erleichtern, aber auch sehr erschweren. So sind —— t sich Mier d es Vlich nlich Feh⸗ VDmit den Wan⸗ Wan⸗ Ict· bt. Rucht, den I 65 — Mtern Asen Wuch Dlig Hüc⸗ 4 thet s Hccs 55 2— vielleicht sehr drückende Abgaben auf die einzelnen Bran⸗ chen gelegt, welche verursachen, daß sie entweder gar nicht, oder doch nur mit wenigem Vortheil zu betreiben sind. Auch die Polizeieinrichtung hat sehr vielen Einfluß auf Landbau. Ist keine strenge Aufsicht in Hinsicht des schlechten Gesindels, so kann dieses manchen Schaden verursachen. Werden die Felddiebe, die Baumverderber und dergleichen Verbrecher nicht hart bestraft und unter gehöriger Aufsicht erhalten; so bringen diese Menschen gar vieles Unheil auf die Landwirthschaft des Landes. Sind aber die Regierungen auf alle diese Dinge aufmerk— sam, werden zweckmäßige Anstalten getroffen und wird überhaupt von oben herab die Landwirthschast begünstigt, so bekommen dadurch die Güther einen desto höhern Werth und Reiz zu deren Acquisition. Dem denkenden Landwirth kann es nicht einerlei seyn, wenn er in einem Lande lebt, dessen Regent thätig an dem Wohl seiner Unterthanen lebt, oder ob er in einem Lande lebt, wo der Regent nur auf das Aussaugen seiner Unterthanen bedacht ist. Freuen muß es den Landwirth, wenn von ihm angebrachte gute Vorschläge angehört und gehörig geprüft werden. War ich mit den angestellten Prüfrungen im Reinen, so bin ich zur Veranschlagung selbst übergegangen; ich habe zuerst berechnet, wie viel Sommer- und wie viel Winterfütterung erzielt wird; wie viel Vieh auf der Trift ernährt werden kann, habe ich schon vorher aus— gemittelt. Bin ich auch hiermit im Reinen, so spüre ich nach, wie viel von jeder Gattung Vieh ich den Win— ter und den Sommer hindurch von dem erzielten Futter gehörig ernähren kann; ich berechne zu meiner Erleich⸗ terung alles Sommerfutter zu grünem Klee und alles Winterfutter zu Heu. Nach meinen Erfahrungen ist lb. Kohl⸗ und Rübenblätter in der Fütterung so gut, wie 2 lb. grüner Klee, lb. Trebern sind ohngefähr so gut als 5 lb. grüner Klee, alb. Wicken- und Haferge— menge so gut wie lb. grüner Klee. Gutes Wiesenheu hat meiner Ansicht gemäß denselben Werth als gut ge⸗ trocknetes Kleeheu. 2 lb. Kartoffeln, . lb. Rüben, 4 lb. Krautstrünke, 2 lb. Erbsstroh, 4 lb. Gerst⸗ und Haferstroh. 93 lb. Spreu, Ilb. Ueberkehr und 14 lb. Trebern sind so gut als 1 lb. gutes Wiesenheu. 9. 59. Run braucht jedes Pferd jährlich, außer dem Hafer und Heckerling, 7o Centner Heu. Jede Kuh braucht jähr— lich 32 Centner Heu und anderes Futter, alles zu Heu berechnet; ein Bulle braucht so viel als eine Kuh; ein Stück junges Rind braucht im Durchschnitt halb so viel als eine Kuh; ein Schwein braucht neben der Milch⸗, Molken⸗ und etwas Getreidefütterung noch 10 Centner Futter zu Heu berechnet; ein Schaf braucht im Winter 24 lb. Heu oder anderes Futter zu demselben Werth berechnet. Jedes Lamm braucht im Frühjahr, ehe es ausgetrieben wird Centner Heu oder Grummet. llich⸗ ales n it gut, iht so ferge⸗ nheu ges jhr⸗ Heu Stück eine und Heu oder Ndis birdb Hafr §. 60. Im Sommer braucht eine Kuh, im Stalle oder Hof gefüttert, 164 Centner, und ein Stück junges Rind im Durchschnitt 82 Centner grünen Klee oder andres Futter zu demselben Werth berechnet. Ein Schwein braucht, wenn es ausgetrieben wird und noch nebenbei Milch und Molken erhält, ohngefähr 50 Centner grünen Klee oder anderes Futter zu demselben Werth berechnet. . 61. Die übrigen Lokalverhältnisse müssen bestimmen, welche Eintheilung in Hinsicht der Quäntität einer jeden Sorte Vieh zu machen ist, ob nämlich lauter Kühe und einige Schweine und gar keine Schafe, oder ob wenig Kühe und viel Schafe u. s. w. gehalten werden können. §. 62. Die nöthige Zahl des Zugviehes muß ich natürlich auch berechnen, denn nach dem, was auf dem Guthe so eben da ist, kann ich mich nicht richten. Entweder es kann bis jetzt eine schlechte Einrichtung gewesen und mehr Zug— vieh ohne Grund gehalten worden seyn, als zur zweck— mäßigen Bestellung nöthig war, oder es können auch an— dere Arbeiten, die nicht zur Bewirthschaftung des Gutes gehörten, mit dem vorhandenen Zugvieh betrieben worden seyn, und eine vermehrte Anzahl nöthig machen. Der Besitzer des Guthes hatte vielleicht Baue ausgeführt, die Fuhren verursachten u. s. w. Es kann aber auch die Einrichtung bis jetzt schlecht gewesan und zu wenig Vieh gehalten worden seyn. Denn, wurde die Wirthschaft im Ganzen schlecht betrieben, so glaubte man vielleicht, das Feld könne auch bei weniger Bearbeitung Früchte tragen. Schlechte Viehzucht macht weniger Futter⸗Fuhren und weniger Düngerausfuhren nöthig. Wurde Brauerei, Brennerei und Ziegelei schlecht betrieben, so war's nicht nöthig, daß vieles Brennmaterial angefahren wurde, u. dergl. m. 5. 63. Bei einer Berechnung, wodurch man erfahren will, wie viel Zugvieh zu halten ist, kann man keinen allgemein gültigen Maßstab annehmen. Es findet dabei so man— cherlei Statt, was eine Veränderung des Maßstabes nöthig macht; es ist die Verschiedenheit des Ackerbodens, die Entfernung der Grundstücke und so manche andre Local⸗ verhältnisse zu berücksichtigen. So macht eine bergigte Lage in mehrerlei Hinsicht mehr Zugvieh nöthig als eine ebene. Eine recht energisch betriebene Wirthschaft braucht auch mehr Zugvieh als eine nach dem Schlendrian be— triebene, denn schon die vermehrten Düngerfuhren, welche allemal die Folge einer energischen Wirthschaft sind, machen mehr Zugvieh nöthig; und dasselbe gilt auch von den übrigen Branchen. Wir nehmen hier an, daß 40 sächsische Acker Feld recht sehr gut und tüchtig mit zwei Pferden bearbeitet werden können, und daß sie auch noch Zeit übrig behalten, das erbaute Getreide und Futter von diesen Feldern, den nöthigen Dünger auf diese Felder, das Futter von ohngefähr 8 bis 10 Ackern Wiese und das übri— ge Getreide in die nächste Marktstadt fahren, auch oben— drein wenigstens noch 600 Karren Erde, aufs Feld brin⸗ gen können. Einige Militär⸗ und dergleichen Fuhren müs— sen auch noch verrichtet werden. NB. wird hier voraus— gesetzt, daß von einer energisch betriebenen Wirthschaft die Re te Rede ist; in einer nach dem Schlendrian betriebenen kön nen 2 Pferde sehr leicht 50 Dresdner Acker Feld bearbei— ten und alle übrige Arbeit verrichten. 9. 64. Habe ich es gefunden, wie viel Kühe, Schafe und Schweine auf dem Guthe, welches ich veranschlagen will, gehalten werden können, so berechne ich nun, wie viel jedes dieses Viehes unmittelbaren Nutzen bringen wird. §. 65. Nach meinen Erfahrungen giebt eine Kuh von Voigt— ländischer Race, welche das oben bestimmte Futter wirk— lich erhält und übrigens gut abgewartet wird, jährlich im Durchschnitt wenigstens 2500 Dresdner Kannen Milch. Eine einzelne Kuh aus einer großen Heerde kann recht gut über 4000 Kannen Milch geben, aber eine andere wieder nicht viel über rooo Kannen jährlich; genug, mir gab im Durch—⸗ schnitt eine Kuh etwas über 2500 Dresdner Kannen Milch. F. 66. Nun fragt es sich, ob die Milch sogleich als Milch ver⸗ kauft werden kann, oder ob aus ihr die Butter gezogen werden muß. Das erstere ist allerdings vortheilhafter, und macht auch nur eine kurze Berechnung nöthig. Es braucht nämlich die Milch, welche theils als Milch, But— ter und Käse in die Wirthschaft gebraucht wird, abgezogen, und die übrig bleibende zu dem gangbaren Preis veran-— schlagt werden. Kann aber keine Milch verkauft, sondern muß aus ihr die Butter gezogen werden, so ist erst von dem ganzen Milchgewinn der Hausbedarf an guter Milch, höch⸗ stens der zoste Theil, abzuziehen, dann zu berechnen, wie viel aus der übrigen Milch Rahm gewonnen wird; 7 Kan⸗ — 60— nen Milch geben etwas mehr als eine Kanne guten dicken Rahm; von dem Rahm muß wieder der Hausbedarf, höchstens der Zoste Theil, abgezogen werden; dann wird berechnet, wie viel Butter der übrige Rahm giebt; eine Kanne guter Rahm gab 22 Loth Butter. Von der gewon— nen Butter wird abermals der Hausbedarf, höchstens der gte Theil, abgezogen, und die übrige zu dem gangbaren Mittelpreis veranschlagt. Die abgelassene Milch geht theils als Milch, theils als Käse in die Wirthschaft, theils als Fütterung für die Schweine auf, und es kann ge— wöhnlich nicht unmittelbar Geld aus ihr gelöset werden. Es versteht sich, daß der Hausbedarf sich, nach der Zahl der Menschen, welche die Wirthschaft zu ernähren hat, rich— ten muß; ich hatte hier eine energisch betriebene Sächsische Wirthschaft vor Augen. F. 67. Von einer alten Sau nimmt man gewöhnlich an, daß sie 15 bis 16 Stück Junge in einem Jahre, auf zweimal Werfen, aufbringt. Hiervon ist eine zur Mastung fürs Haus aufzuziehen, und dann rechnet man auf 4 Stück alte Sauen eine junge zur Zuzucht, so, daß immer von 4 Sauen jährlich eine ausgemerzt und durch eine junge er— setzt wird. Die ausgemerzte Alte wird zur Mastung fürs Haus bestimmt. Die übrigen Jungen werden zu einem Mittelpreis veranschlagt. §. 68. Von einer gut gehaltenen Schäferei, die gesunde Weide zu begehen hat, und das vorn bestimmte Futter erhält, kann man nur den 75sten Theil als Abgang der eingewin— terten Heerde annehmen. 8 Stück Hammel, Schafe und acken öaff, witd eine won⸗ Nder Ruren dHheht Hils Iuge⸗ Men. odder Rah⸗ Ische Odbaß al Türs ick 14 uet⸗ Wirs Iem ede dalt, Sbill⸗ und Jährlinge geben gewöhnlich im Durchschnitt 1 Stein Wolle, welcher nach seinem Werth, welcher sehr verschie⸗ den seyn kann, veranschlagt wird. Hierzu kommt noch das gelöste Geld für die Lammwolle, für das Märzvieh und die Felle. 30 Stück Lämmer geben gemeiniglich Stein ungeschwemmte Wolle, der gewöhnlich halb so viel als ein Stein Wolle von den Alten kostet. Eine eingewin⸗ terte Heerde von 500 Stück besteht gemeiniglich aus 175 Stück Hammeln, 175 Stück Schafen, 5 Zuchtböcken und 145 Stück Jährlingen; von 175 Stück Mutterschafen kön⸗ nen 150 bis 160 Stück allemal gezogen und dafür gegen 140 Stück alte Thiere ausgemerzt werden. Von der gan⸗ zen Einnahme ist der Schäfer⸗ und Knechtelohn sogleich abzuziehen; ist die Einrichtung so getroffen, daß die dabei angestellten Personen eine Quantieme vom Ganzen erhalten, so muß auch zugleich ein Theil des Futters nach festgesetz— ten Bedingungen von der Einnahme abgezogen werden. Dann habe ich berechnet, wie viel Dünger sämmtli⸗ ches Vieh, bei der vorn bestimmten Fütterung, liefert. Nach meinen Erfahrungen gab ein Paar Pferde, das immer in Arbeit ist, höchstens 6 Fuder Mist, ich nahm aber in den Anschlägen nur 5 Fuder zu 2000 Pfund an, was auch mit der Angabe mehrerer Schriftsteller überein⸗ trifft. Eine gut gefütterte Voigtländer Kuh gab immer 10 Fuder Mist; eben so viel ein Bulle, halb so viel ein junges Rind von 1 bis 3 Jahren im Durchschnitt. Zwei Schafe geben den Winter durch ein Fuder Mist, und 36 Stück Schafe bepferchen den Sommer hindurch sehr gut einen Sächsischen Acker Feld. Ein Schwein, das mehrentheils im Stalle steht, giebt 14 Fuder Mist u. s. w. — 62— §. 69. Diesen Dünger theile ich nun im Anschlage auf die Felder ein, und dann giebt die Qualität des Ackerbodens und die Quantität des aufzufahrenden Mistes mir den Ertrag des Feldes an, welcher sehr verschieden, vom aten bis zum 15ten Korne, seyn kann. Für eine gute Dün— gung halte ich es, wenn auf einem Sächsischen Acker, zu Kartoffeln bestellt, 32 zweispännige Fuder, auf einen Acker mit Erbsen bestellt, 22 zweispännige Fuder, auf einen Acker mit Winterraps bestellt, 36 Fuder; mit Sommer⸗ rübsen bestellt, 32 Fuder gefahren wurden; wenn Klee— stoppel zu Weitzen gedüngt, mit 12 Fudern; reine Brache zu Korn mit 20 Fudern gedüngt wurde. Hat man es mit einem gutartigen Lehmboden zu thun, d. h. einem solchen, der 50 bis einige 60 pCt. Thon, einige 30 bis einige 40 pCt. feinen Sand, und 46 pCt. Humus enthält, so kann man wohl rechnen, daß im Roggen das gte Korn erbauet wird, wenn ihm vorstehende Düngung gege— ben wird. Hat er noch 1 bis 4 pCt. Kalk bei sich, so kann man bei jener Düngung und zweckmäßiger Behandlung das 12te, ja das uate Korn im Roggen bauen, doch darf man nie mehr als das rote im Anschlage annehmen, da binnen 6 Jahren eine schlechte Ernte, wo auf dem besten Acker kaum das 4te Korn erbauet wird, recht gutt Statt finden kann. Bei der Ertragsberechnung des Feldbaues ist vom wirklichen Erbau der etwännige Zehendschnitterlohn, der Pfarrzehend, der Druschlohn, Deputate, Samen, Brod sür die Famlie des Bewirthschafters, deren Gehülfen, und für das Gesinde, das Viehfutter, das Fröhnergetreide und — 63— dergleichen mehr abzuziehen, und was übrig bleibt, kann als verkauft angenommen und mit einem Mittelpreis in Ansatz gebracht werden. 8. 70. Bei der Ertragsberechnung der Braueri muß man sich meist auf eingezogenene Nachrichten über den Betrieb der Brauerei verlassen, und diese immer eher zu klein als zu groß annehmen. Denn nicht nur allein, daß ein stärkerer Betrieb angegeben wird, als wirklich Statt findet, son— dern ein kleiner Umstand kann der Brauerei eines Guthes gewaltigen Abbruch thun; z. B. es wird mit bedeutenden Aufopferungen in der Nähe eine Brauerei stark betrieben; oder es kommt ein nahe liegender Ort, wo etwan viele Biertrinker herkamen, in Nahrungsverfall, oder ein oder mehrere Gastwirthe taugen als solche nichts u. dergl. m. 5. JI. Bei Veranschlagung der Brauerei habe ich auch im— mer berücksichtigt, ob viel Doppelbier oder nur einfaches vertrieben wird. Von 7 Dresdner Scheffeln Gerste habe ich gewöhnlich I1 Viertel einfaches Bier gebrauet. Beim Doppelbier ists verschieden, weil man sich hier nach dem Publikum richten muß. 4 Viertel von 7 Dresdner Scheffeln gebrauet, giebt ein sehr gutes Doppelbier, und überdies gewinnt man noch 3 Viertel einfaches von derselben Gerste. Zu dem Geldertrag vom Biere kommt noch der von den verkauften Hefen und Kofent. Bei den Hefen kommt es vorzüglich auf die Lage an; man kann gemeiniglich vom E Gebräude für 1 Thlr. Hefen und für 12 Gr. Kofent an⸗ nehmen. ö Von dieser Ertragssumme muß nun das Brau- und Mälzerlohn, der Betrag der Gerste, des Hopfens, des Peches, des Brennmaterials und des Böttcherlohns, etwas für Geleuchte, für Abgang und Abnutz der Gefäße, die landesherrlichen Abgaben, Schrotgeld und dergleichen abgezogen werden. Es ist gewöhnlich, daß man dem Brauer 4 Gr. für den Dresdner Scheffel Gerste für das Malzen und Brauen giebt, und ihn überdies beköstigt. In einem Gebräude von 7 Dresdner Scheffel brauche ich zum Darren und Brauen eine halbe Klafter fichtene Scheit, und 7 bis 8 Pfund guten Böhmischen Hopfen. Der Braugehülfe erhielt für das Gebräude 12 Gr. und keine Beköstigung. Aufs Gebräude habe ich immer 3 bis 4 Thlr. Böttcherlohn, für Abgang und Abnutz der Gefäße und für Pech rechnen kön⸗ nen. Wird die Brauerei stärk betrieben, so sind zwei Braugehülfen nöthig. §. 272. Von der Brennerei läßt sich sehr schwer ein richtiger Nutzungsanschlag fertigen, weil es hierbei noch mehr als bei der Brauerei auf Local- und Zeitumstände an⸗ kommt; hauptsächlich auf letztere. Es ist eigentlich am rich⸗ tigsten, wenn man blos im Anschlag bringt die Interessen von dem Kapital, welches der Werth vom Gebäude, von dem Geräthe und von dem Recht, Branntwein zu brennen, ausmacht. Der Werth des letztern ist aber auch sehr schwer zu bestimmen. I 10 an⸗ „ des dohns, dfaßt Nichen für uen Nude Mund 8 Rhickht Mufs fiür beh⸗ Ri ger piht an⸗ lich⸗ messen Eiude, In zu 1 auch 65⁵ 9. 73. Soll ein Nutzungsanschlag von der Brennerei aber wirklich gemacht werden, so kann man folgende gemachte Erfahrungen zur Norm annehmen: Ein Dresdner Schef— fel gutes Korn giebt bei zweckmäßigem Verfahren 40 Dresdner Maß guten Branntwein, der 35 pCt. Alkohol nach Richterschem Alkoholometer enthäht. Ein Scheffel Kartoffeln, mit 23 Scheffel Malzschrot vermischt, giebt bei zweckmäßiger Behandlung 10 bis 12 Kannen Branntwein, je nachdem die Sorte Kartoffeln gut oder schlecht ist, und ob sie auf sandigem oder schwerem Boden erwachsen sind, der ebenfalls 35 pCt. Alkohol enthält, und an Reinheit und Wohlgeschmack den Kornbranntwein noch übertrifft. In der Blase, wo 1 Scheffel Korn auf einmal gebrannt wird, können 3 bis 32 Scheffel Kartoffeln gebrannt werden. Bei zweckmäßig angebrachter Feuerung habe ich 4 bis 5 Eimer Branntwein von einer Klafter fichtener Scheit,& langes Holz, gut gebrannt. Dem Brenn— knecht gab ich in meiner Kartoffelbranntweinbrennerei, wo es mehr Arbeit nöthig macht, als in einer Kornbrannt⸗— weinbrennerei, 1 Thlr. 4 Gr. wöchentlich und Beköstigung. Für Abnutz der Gefäße kann man immer auf den Eimer Branntwein 6 Gr. rechnen. 9. 74. Bei Berechnung des Ziegeleiertrags hat man die Einnahme vom Verkäuf der Mauerziegel, der Dachziegel und des Kalkes anzusetzen, hiervon aber das, was die rohen Kalksteine kosten, den Lohn für das Lehmengräben, E —.— 66 für Verfertigung der Ziegel, für das Einsetzen; die Aus— gabe für das Brennmaterial, den Lohn für das Spalten des Holzes, und etwas für Unterhaltung der Geräthschaf— ten, abzuziehen. Der Ziegeler erhält gewöhnlich für das 100 Stück Ziegel 4 Thl. 18 Gr. Lohn, um den Lehmen dafür zu graben und Ziegel zu verfertigen und einzusetzen; für einen Scheffel Kalk einzusetzen 2 Gr. Das Brecher— lohn der Steine ist verschieden; vielleicht muß auch Bruch— zins bezahlt werden, wenn kein Kalkbruch beim Gute selbst befindlich ist. Um 100 Scheffel Kalk, 8000 Stück Mauer⸗ ziegel, 20000 Stück Dachziegel, und 100 Stück Forstzie— gel zu brennen, sind ohngefähr 12 Klaftern Stockscheit, und 20 Klaftern glatte weiche Scheite erforderlich. Für das Spalten einiges von diesem Holz erhält der Ziegler 2 Thl., und für Unterhaltung der Geräthe kann man 5 Thl. annehmen. Der Ziegler erhält übrigens Deputate. 9. 75. Ueber die Fischereinutzung habe ich einige Jahre da— her keine bedeutenden Erfahrungen machen können, und da ich nur meine eigenen Erfahrungen darbringen will, so lasse ich deren Veranschlagung ganz aus. Viel Be— lehrung findet man in dieser Hinsicht in Teichmann's Werk über Teichfischerei. 9. 76. Von einer Stärkenfabrik kann nur 5 pCt. Interesse vom Kapital, welches der Werth des Gebäudes und Geräthes aus macht, im Nutzungsanschlag angesetzt wer— den, weil die Fabrikation der Stärke jetzt keinen Ge— winn mehr giebt. Doch könnte es kommen, daß die 8 and U Nut Aus⸗ Dalten Sschaf Ir dos iehmen lhn; Necher⸗ WPruch⸗ Wiselbst Euer, W stzie⸗ Hahheit, c Für Jagler 1 man Qitate do⸗ 40 und 2 wil, . s Eress 9% Und 19 Wal⸗ N — 67.— Stärkenfabriken wieder empor kommen, wenn die Zucker⸗ bereitung aus Stärke mehr um sich greift; doch werden sich auf diesen Fall diese Fabriken auf die Fabrikation der Kartoffelstärke einrichten müssen. 9. 77. Ich habe immer gefunden, daß man den sächsischen Acker, welcher gut mit den für ihn passenden tragbaren Obstbäumen beflanzt ist, mit 15 Thl. jährlichen Ertrag veranschlagen kann. Der Grasgewinn von den Obstgär⸗ ten wird bei der Futterberechnung berücksichtigt. 9. 76. Zuletzt habe ich noch dieꝗ Einnahme an Zinsen und andern Abgaben der Unterthanen an das Guth ängesetzt, worüber das Erbregister oder andere Urkunden richtige Auskunft geben müssen. 9. 79. Dann habe ich sämmtliche Summen der Einkünfte zusammengestellt, und von der Hauptsumme noch fol⸗ gende Ausgaben abgezogen. Zuerst die Besoldung des Wirthschaftsdirectors und seiner Gehülfen, wozu auch des⸗ sen Frau gerechnet ist. Ein Arbeiter ist seines Lohnes werth; soll die Wirthschaft mit Energie betrieben werden, so ist 400 Thl. Gehalt für den Director und dessen Frau bei einem Gute, was 4 bis 5000 Thl. Revenü giebt, nicht zu viel. Seine Gehülfen sind nach dem Umfange der Wirthschaft und deren mehrerer oder minderer Weit— läuftigkeit gemäß zu besolden. Auch wenn es einen Pacht⸗ anschlag betrifft, so muß dem Pachter ein Gehalt aus— gesetzt seyn. E 2 — 66— §. 80. Das Gesindelohn ist in jeder Gegend verschieden. Ich habe einem guten Großknecht, der mehrere Jahre bei mir war, 40 Thl. jährlich gegeben. Ein Kleinknecht bekam daneben vielleicht nur 15 bis 20 Thl. Eine gute Großmagd erhielt 22 bis 24 Thl. Mit Nebendingen, als Leinwand und dergl., habe ich mich nie gern einge— lassen. ö§. 81. Des Herrn Professor Sturm's*) Angabe in Hinsicht des Abnutzes der Pferde und des Geschirres habe ich immer für möglichst richtig befunden. Ich ver— weise demnach, um nicht wiederzukäuen, auf diesen Schrift— steller hin. 5. 382. Auf jeden Acker der nutzbaren Fläche an Feld, Gär— ten und Wiesen, kann man immer jährlich 1 Thl. Tage— lohn rechnen, für welches Gräben gehoben, Erde gefah— ren, gesäet, die Wasserfurchen unterhalten, die behackten Früchte mit der Pferdehacke und Exstirpator bearbeitet, das auf dem Felde gebäuete Futter gepflanzt und geerntet, Tauben und Sperlinge gehütet, Zäune unter— halten, Bäume ausgeputzt und rekrutirt, und dergleichen mehr geleistet werden kann. 9. 63. Das Getreide wird meistentheils auf den Rittergü— tern von Zehendschnittern und Fröhnern abgeerntet, eben so das Wiesenfutter. Der hierbei nöthige Aufwand ist S. dessen Kameralpraxis. uschieden. ele Ihn— klenknecht Eine gut endingen un einge⸗ gabe in heschirres Ih ver⸗ (chtit, belh, Gil⸗ hl. Whe⸗ Rfh Hchatn Whenthekt. ht und i unter⸗ gleichen Mittetgl⸗ sttt, chi fwand 0 daher so verschieden, daß man hier keine Norm an— nehmen kann. Für jede Person, die auf dem Gute beköstigt wird, nehme ich immer 1 Thl. zu Salz, Gewürze und dgl. Zur Fleischkost muß bei der Viehnutzung etwas Vieh ausgesetzt, und alles Federvieh dahin gerechnet werden. §. 84. Dann wird 2 Thl. für jede Person zur Unterhal— tung des Haus⸗ und Küchengeräthes hinreichen. Ferner ist auch zu dieser sämmtlichen Ausgabe noch⸗ etwas für Gips, Asche oder Kalk zur Düngung der Klee— felder und Wiesen anzusetzen, was sich nach den Lokal— umständen richtet. §. 85. Zuletzt ist es nöthig, noch eine Summe für unge— nannte Dinge anzusetzen, weil kein Landwirth auf ein zwei Mal besehen alles genau kennen lernen kann, und nichts leichter unbemerkt bleibt als verschiedene kleine Aus— gaben. Auf die Einnahme wird man wohl eher als auf die Ausgaben aufmerksam gemacht. Y. 86 In Hinsicht der Forstbewirthschaftung habe ich neuer— dings nicht Gelegenheit gehabt, Erfahrungen zu sammeln, ich habe daher diesen Gegenstand in der Mittheilung der Art und Weise, wie ich meine Guthsanschläge verfertige, nicht erwähnt. 5. 7. Vielleicht theile ich, im Fall meine Art, Anschläge zu machen, einigen Beifall finden sollte, späterhin zur bessern Verständigung einen Anschlag als Beispiel mit. Laal 70— §. 88. Die Uebernehmung eines Landguthes erfordert im— mer eine nicht geringe Aufmerksamkeit; besonders wenn es eine Pachtübernahme ist, es ist gleich, diese kann an den Besitzer oder an einen neuen Pachter erfolgen. Fast jeder Pachter übernahm das Inventarium in einem schlechten Zustande, und er hält sich für berech⸗ tigt, es eben so schlecht wieder zu übergeben. Aber auch oft suchen die Pachter, die das Inventarium gut über— nahmen, alles mögliche hervor, dasselbe in einem mög⸗ lichst schlechten Zustande zurückzulassen. Keiner ist ganz zu entschuldigen, doch der erste mehr, denn wehe thut es wohl, wenn man etwas schlecht übernahm, vielleicht so schlecht übernahm, daß es gar nicht zu benutzen ist, und soll es hinterher in einem guten Zustande wieder abgeben. Dem sey wie ihm wolle, aber jeder Ueberneh— mende hat sich vorzusehen, daß er das Inventarium nicht gar zu schlecht erhalte. In Hinsicht des Viehes suche der Uebernehmende bei Zeiten vorzubeugen, daß er nicht lauter ganz altes, vielleicht auch sogar von schlech— ter Race erhälte; oft schon ist es da gewesen, daß Kühe und Schafe ein Viertel- oder halbes Jahr vor der Ueber— gabe ausgetauscht wurden. Vielleicht läßt sich durch eine gütliche frühzeitige Uebereinkunft der Sache am besten vorbeugen. Der abgehende Pachter schaffte vielleicht mit großem Aufwand eine bessere Race des Rind- und Schaf— viehes an, wofür ihm der Besitzer nichts vergüten wollte. Dies Vieh mag er nicht gern übergeben, er sucht es entweder an Bekannte umzutauschen, oder er nimmt es auf sein neues Etablissement. Geht aber derjenige, der miiber⸗ mnog⸗ ganz Hathut 4sicht IIU ss xů chiedr EUrneh⸗ darum Dlehes Taß er RAhlech⸗ Hihe eber— eine mhesten 12 mit cschaf⸗ 2 güten suht t es von diesem Mann übernehmen will, früh zu ihm, und vergleicht sich über den Werth des sämmtlichen Viehes, mit der Bedingung, daß das eben da stehende Vieh auch da bleibt, und sieht man dabei eine vielleicht in Verhältniß des Objects kleine Summe nicht als etwas zu Großes an, so machte sich dies vielleicht recht sehr gut. Es ist trau— rig genug, daß ich sagen muß, viele abgehende Pachter wenden die kleinlichsten Mittel an, um die Mängel der Inventarienstücke zu verstecken. So werden lahme Wagen, die während der Pachtzeit in einer Rumpelkammer lagen, mehrere Tage zuvor ins Wasser gefahren, damit alles aufquillt, fester steht, und ein neues Ansehen erhält; den letzten Zweck um so besser zu erreichen, wird ein großer Theil des daran befindlichen Eisens heiß gemacht und mit Pech überzogen. Deshalb hat sich der Uebernehmende sehr vorzusehen. 9. 89. Der größte Unfug wird bei dem Taxiren der Inven— tarienstücke getrieben. Zeither wurden oft Menschen zu Taxatoren gewählt, deren Gewissen so unempfindlich ge— worden sind, daß sie, trotz dem geleisteten Eid, auf die schändlichste Weise taxiren. So habe ich es erlebt, daß die eine Part Taxatoren eine Kalbe auf 30 Thl., die zweite dasselbe Thier auf 3 Thl. taxirten. Beide Theile hatten hier unrecht, es wollte nur jeder nicht, daß der, welcher sie gedingt hatte, durch die Schändlichkeit des andern Theils verlieren sollte, denn die Kalbe war etwan 16 Thl. werth. Wurden jene Taxen nun zusammen addirt, und die Summe mit 2 dividirt, so kam 164 Thl, als Mit⸗ eltaxe heraus. 5. 90. Zu solchen Taxationen sollten schlechterdings nur prac⸗ tische Landwirthe, die in gegründetem Rufe als sehr recht⸗ liche Männer stehen, gewählt werden. Am besten bleibt es aber, der Angehende und der Abgehende vereinigen sich ohne Taxatoren, und jeder zieht einen sachkundigen guten Freund zu Rathe. §. 91. Traurig ist es auch, daß noch kein gesetzlich anerkann⸗ ter Maßstab, nach dem bei Pachtübergaben zu taxiren wäre, vorhanden ist. Diesen Gegenstand habe ich schon einmal in der landwirthschaftlichen Zeitung Jahrg. 1808 Seite 251 zur Sprache gebracht. In dem St ur mschen Jahrbuch der Landwirthschaft hat Hr. Teichmann eben⸗ falls diesen Gegenstand bearbeitet, aber leider blieb es beim Alten. §. 22. Gemeiniglich heißt es, die Gegenstände sollen nach dem wirthschaftlichen Werth taxirt werden. Was ist aber der wirthschaftliche Werth? In einigen Gegenden wird er zu 4 oder zu oder zu des Marktwerths angenom— men. Ich behäupte aber noch einmal, daß der wirth— schaftliche Werth gemeiniglich höher als der Marktwerth ist, es sey denn, daß letzterer durch die Zeitumstände eine un⸗ gewöhnliche Höhe erreicht habe. Deun so bekommt erst dann z. B. eine Kuh einen hohen Werth, wenn sie von mir als ein würdiges Glied meiner Wirthschaft anerkannt wor— den ist. Sobald ich sie verkaufe, muß sie übrig seyn, sie verlor durch dies Uebrigseyn ein Großes von ihrem Werth. Habe ich sie selbst aufgezogen, so kommt sie mich um vieles höher zu stehen, als ich sie würde kaufen können; p schon um deshalb hat eine Kuh in wirthschaftlicher Hin— Eucht. sicht einen höhern Werth als ihr auf dem Markte zuerkannt leibt wird. Hr ssh§. 93. guln Aber demohnerachtet fällt mir nicht ein, daß bei Pachtübergaben, sobald es im Kontrakt bestimmt war, nach wirthschäftlichem Werth zu taxiren, nach dem wah— kann. ren, folglich höhern wirthschaftlichen Werth taxirt werden wiren soll; nur will ich zu beweisen suchen, daß aus diesem, fast schon in jedem Pachtkontrakt befindlichen Punkt leicht ein Gegen⸗ 11803 stand des Prozesses werden kann. uschen§. 94. olcben⸗ Ein Ungenannter sagt in einer Anmerkung im Sturm— Aleb ts schen Jahrbuch der, Landwirthschaft, Zten Bandes rstes Heft, S. 137.„Wie hoch würde aber da eine Kuh kom— men? z. B. wenn die Nutzung auf 12— 16— 20 Thl. nch gerechnet wird.“ Dieser Ungenannte wird wohl nicht im Istabt Stande seyn, mir eine Heerde Kühe zu zeigen, wovon eine wid. einzelne 12— 16— 20 Thl. reinen Nutzen brächte. Wlon⸗ Nan ziehe von der Einnahme alles Futter nach dem Preis, witth⸗ für den es wirklich verkauft werden kann, alle Mühe, welche th sst mit der Direction der Rindviehwirthschaft verbunden ist, em⸗ alles Gesindelohn, den Theil der landesherrlichen Abga— t ust ben, der auf diesen Zweig gerechnet werden muß, die In— In mir teressen des Kapitals, welches die Erbauung des Kuhstal— u⸗ les kostete, die Reparaturen desselben; die Interessen des uu, se Kapitals, welches die Anschaffung des Viehes selbst und Vatt, der bei der Rindviehwirthschaft nöthigen Geräthe und Ge— en fäße kostete, und die Kosten der Unterhaltung dieser Dinge, ů und dergleichen mehr ab, und man wird finden, daß der reine Gewinn unbedeutend erscheint. Was in der Nähe großer Städte möglich ist, kann nicht zur Norm dienen. Genug, dies führt nicht zum Zwecke. d. 95. Herr Teich mann schlägt vor, daß jeder Theil zwei Taxatoren wählen solle; diese vereinigen sich nicht, son— dern jeder giebt seine Angaben zum Protokoll einzeln, ohne vorher mit dem andern gesprochen zu haben. Ist das Taxiren beendiget, so werden zwei Loose mit dem Na— men des abgehenden, und zwei Loose mit dem Namen des angehenden Pachters, oder mit dem Namen des Ei— genthümers, wenn selbiger übernimmt, beschrieben. Nun loosen die 4 Taxatoren vor dem sämmtlichen, zur Ueber— gabe gehörigen Personale, und dadurch wird erst bestimmt, für welchen Theil die von jedem gemachten Angaben gelten müssen. Aus den Angaben wird dann der mittelste Preis herausgenommen. Zu was soll dies helfen? Hierdurch möchte wohl nichts gebessert, sondern viel geschlimmert seyn. Die beiden Taxatoren, welche vom abgehenden Pachter gedungen sind, werden trotz dem, doch eine hohe Taxe und die andern eine sehr niedrige ansagen; denn da von allen die Mitteltaxe herausgenommen wird, so können sie doch zum Nutzen ihres, sie bezahlenden Freundes ihre Taxe einrichten, wenn sie auch, durch das Loos veranlasset, der Gegenparthei im Uebergabeprotokoll zugeeignet sind. Sonach ist nur die Form, nicht die Sache verändert. Herr Teichmann will haben, daß jeder Tapator seine Gründe, warum er gerade so taxirt, — 7⁰⁵ Acß der angebe. Diese Gründe wird jeder leicht finden; denn so wie vieles zwei Seiten hat, so hat es auch dieser Ge— hnn genstand, und jeder wird ein scheinbares Recht für seine zun Gründe haben. §. 6. Besser ists noch im mer, wenn jeder Theil zwei Taxa⸗ e toren wählt, und von jedem Theil Einer sich mit Einem son⸗ des andern Theils verbindet und gemeinschaftlich taxirt; Mohne so daß zwei sogenannte unparteiische Schurze gebildet wer— bas den. Jeder Schurz giebt seine Tare zum Protokoll und von beiden Schurzen wird die Mitteltaxe zur wirklichen a⸗ ö uun Taxe genommen. So kann win Schurz sehr gegen die 5. Wahrheit reden, weil jeder einzelne durch den, mit dem x‚ er sich vereinigen soll, im Zaum gehalten wird. Nur fast 3 immer entsteht Streit zwischen den beiden, die sich vereini— n gen sollen, der eine besteht auf eine hohe, der andere auf aim⸗ eine niedrige Taxe, diese Streitigkeiten halten oft das 0 Geschäft gewaltig auf. Whres Nuch ö ö 3 Recht ungerecht ist es, wenn von drei verschiedenen Theilen Taxatoren gewählt werden, nämlich von den Ge— „si richten, vom abgehenden und vom angehenden Pach— 14* ter. Hier sollen freilich die Taxatoren, welche die Gerich— = ten wählten, in der Mitte stehen, aber dies ist leider nur wid, selten der Fall. bien Diese Taxatoren lassen sich entweder von einem Theil, das nämlich vom abgehenden oder angehenden Pachter, beste— * hen, oder sie haben schon an und für sich eine größere An— 1 hänglichkeit zu dem einen, oder sie erwarten vielleicht, „ dba 5•0½ wenn sie zumal, wie gewöhnlich, aus dem Gerichtsspren⸗ Warn, gel deselben Guthes gewählt sind, daß sie sich für die Zu⸗ kunft einen guten Freund durch ihr jetziges Benehmen gewinnen können. Es stehen dann folglich immer, wenn jeder Theil zwei wählte, vier gegen zwei, und der eine Theil muß dem andern, stärker besetzten unterliegen. 95. 96, Dies ist es, was ich, aus eigenen Erfahrungen herge— leitet, zu sagen weiß. Ich mag vor der Hand keine an— dern Vorschläge thun, als, wie schon gesagt, es ist eine möglichst freundschaftliche Uebereinkunft ohne eigentliche Taxation, sondern blos mit Zuziehung gegenseitiger Freun⸗ de, am besten; kein Theil hängt dann von den Gesinnungen der Taxatoren ab, und bei beiden Theilen setzt man genug Sachkenntnisse voraus. Sollte ein Besitzer von einem Pachter übernehmen, der vielleicht nichts von der Landwirthschaft versteht, so setze ich voraus, daß er an dem künftigen Verwalter des zu übernehmenden Gu⸗ thes eine gute Wahl traf, und gewiß auch einen sach— kundigen guten Freund, der ihm beisteht, besitzt. 5 die du⸗ Rehmen „wenn Her eine herge⸗ e an⸗ t eine itliche eun⸗ Vangen man et von hon der daß er en Gu⸗ n suchj⸗ — Dritter Abschnitt. Ueber die Einrichtungs der Wirthschaft gleich nach deren Uebernahme. 9. 99. Auch der mit vielen Kenntnissen ausgerüstete, sehr geübte Landwirth ist nicht im Stande, sogleich, nach einigen Mal Sehen, alle Lokalverhältnisse einer Landwirthschaft genau kennen zu lernen. Mächer bildete sich ein, noch vor der Uebernahme oder doch kurze Zeit nach derselben, daß Ganze ziemlich genau zu kennen; dies veranlaßte ihn, sehr schnell einen Plan, vielleicht zur völligen Um— wälzung des Ganzen, zu entwerfen, und auch sogleich Hand zur Ausführung dieses Plans anzulegen. Ehe er sichs versah, stieß er auf Hindernisse, die das Lokal ent— gegen stellte, und die er vorher gar nicht ahnete. Hier— durch hatte er nicht nur manche Summe ganz ohne Nutzen weggeworfen, sondern er hatte vielleicht sogar vielen Schaden von einer Handlung, die er anfänglich für gut durchdacht hielt. Wehe ihm, wenn er nun viel— leicht findet, daß er den ganzen, zu früh entworfenen Plan völlig verwerfen, und einen ganz neuen entwerfen muß. Dies muß ihm nicht allein vielen Schaden in seiner Kasse verursachen, sondern er giebt sich Blösen gegen seine Leute, und gegen alle Menschen der Gegend, in der er lebt, was ihm auf jeden Fall unangenehm seyn muß. §. 100. Ich handelte bei diesem Gegenstande so: So schnell wie möglich suchte ich mit dem ganzen Lokal so genau wie möglich bekannt zu werden; aber ehe ich es zu einer vollkommen genauen Kenntniß brachte, verging gewöhnlich ein Jahr. Zuerst nahm ich mit nichts eine Hauptveränderung vor, sondern suchte nur so schnell als thunlich war, die gefundenen ganz auffallenden Fehler zu verbessern. Mein Hauptaugenmerk richtete ich zuerst mit auf Vermehrung des Viehfutters aller Art, vorzüglich auf den Kleebau; da ich die Viehzucht, als die Basis jeder Landwirthschaft ansehe. Uebernahm ich eine Schä— ferei mit, so ließ sich hierbei wohl schnell beurtheilen, ob sich damit etwas unternehmen ließ, war dieses der Fall, so suchte ich möglichst schnell auf ihre Veredelung hinzu— wirken; ich kaufte von bekannten Schäfereien Mutterschafe und Böcke. So wie ich in den Lokalkenntnissen weiter kam, schritt ich auch mit den Verbesserungen vorwärts. Ich hütete mich sehr, im Anfange eine Neuerung, von deren gutem Erfolg ich nicht hinreichend überzeugt war, zu unternehmen. Denn, gelingt das erste, vielleicht das zweite nicht, so kann man darauf rechnen, das nun auch mehreres nicht völlig gelingen wird, weil die Arbeiter das Vertrauen verloren haben, und nun schlecht arbeiten, um in Zukunft alle Neuerungen zu verbannen. An einen Hauptplan dachte ich aber erst nach Verlauf eines Jah— res. Leider ist mir es als Verwalter und als Pachter noch nicht so wohl geworden, einen entworfenen Plan zu vollen— den; ich übergab ihn immer, kaum angefängen, einem Nachfolger, der ein intimer Freund des Herrn Schlendrians war, und daher alles, was ich bauete, mit ungeschickter Hand wieder einriß, und sich nur freuete, einen so großen Haufen Dünger zu finden, aber nicht bedachte, daß die— ser gerade durch die getroffene Einrichtung erzielt worden war. 5. 0t. Meinem Dafürhalten gemäß darf man es kaum wa— gen, nach einem Jahre schon eine Rotation der Feld⸗ früchte fest zu stellen, es seyz denn, daß man das Guth und die Gegend, in der es liegt, schon vorher. genau kennt. Denn eine Fruchtfolge sollte man nicht eher fest bestimmen, als bis man weiß, welche Früchte vorzüglich gut auf den Feldern, mit denen man es zu thun hat, nach einander ge— deihen, und welche Früchte man, den übrigen Lokalverhält— nissen nach, bauen muß, um den möglich höchsten Vor— theil aus dem Guthe zu ziehen. O. O=. Einen vorläufigen Plan kann man wohl schon nach Verlauf eines Jahres entwerfen, und auch wohl einige Vorbereitung zur Ausführung desselben unternehmen, nur noch nicht zur Ausführung selbst schreiten. Dann kann es wohl nie vortheilhaft seyn, eine Hauptveränderung der Feldbewirthschaftung schnell, folglich gewaltsam einzufüh— ren, auch wenn die Kasse dies erlauben sollte; denn bei einer schnellen Umänderung müssen Felder zum Erbau einer Frucht bestimmt werden, zu der sie sich im Augenblick nicht qualificiren, und wo folglich ein Rückschlag erfolgen muß, der, besonders wenn er den Strohertrag betrifft, am empfindlichsten ist. Nach meinen Erfahrungen ist es am vortheilhaftesten, nur jährlich mit einem Schlag(Art) die einzuführende Rotation zu vermehren. So habe ich Zeit, alle Jahre neue Vörkehrungen für das künftige Jahr zu treffen, und nirdends kann ein bedeutender Rückschlag Statt finden. Am besten wird es seyn, wenn alle Jahre das neue Feldsystem mit dem behackten Früchten(Kartof⸗ feln, Kraut, Rüben, Tabak und dergl.) um einen Schlag vermehrt wird; bei diesen braucht man nicht Rücksicht auf die Vorfrucht zu nehmen, weil sie meist im frischen Dün⸗ ger und bei vieler Bearbeitung erbauet werden, und nach einigen Früchten, z. B. nach Klee, oder nach frisch ge— düngter Winterfrucht ohne Dünger gedeihen, und sie oft der Nachfrucht halber zu düngen sind. In den ersten Jahren ist nur darauf zu sehen, daß die behackten Früchte nicht da⸗ hin kommen, wo strohgebendes Getreide nach der alten Ro⸗ tation stehen sollte; ist dieses nicht zu vermeiden, so muß der dadurch bewirkte Strohrückschlag auf eine andere Art ersetzt werden. Auf diese Weise kommt man freilich erst nach 6,9 bis 12 Jahren, je, nachdem der projecirte Tournus dau— ert, aber auch um so sichrer an das Ziel. Es kostet eine solche allmähliche Veränderung nicht zu viel Kapital und andern Kraftaufwand als eine schneller betriebene, und obendrein kann man auch während dem eine kleine Um— änderung des entworfenen Plans ohne Schwierigkeiten vornehmen, wenn ich vielleicht nach genauerer Lokalkennt— niß eine solche Umänderung für vortheilhafter halte. §. 103. Dann ists auch sehr nöthig, daß die Fruchtfolge so gestellt wird, daß sie eine partielle Veränderung ohne S=. — — — àrt) abe ich Ichr Aschlag eJhre Kartof— Schlag icht auf Dün⸗ dnach sch ge⸗ ft der Mahren cht da⸗ ten Ro⸗ so muß ere Nt 9 6/ us dau⸗ siet eine tal und e, und e Um⸗ Iigkeiten ukennt⸗ ictfolge ng ohne 5 61 ι Schaden des Ganzen erleiden kann, damit man den Kon— suncturen der Zeit angemessene verschiedene Arten der Früchte erbauen kann. 9. 104. Am allerzweckmäßigsten halte ich die Einführung einer freien Wirthschaft, bei der ich die Fruchtfolge alle Jahre neu bestimmen muß. Aber eben dieserhalb ist eine freie Wirthschaft am schwersten zu dirigiren. Stets muß der Director die Fruchtfolge so zu stellen wissen, daß sie den Zeitjuncturen und dem augenblicklichen Zustand der Wirth⸗ schaft am angemessensten ist. Habe ich vorm Jahr vielleicht sehr viel Stroh er⸗ bauet, und habe einen bedeutenden Vorrath mit in das jetzige Jahr gebracht, so kann ich diesmal einen Theil einer strohgebenden Frucht weniger, und eine andere, die gerade dies Jahr mehrern Vortheil bringt, in größerer Quantität aussäen. Eben dasselbe gilt vom Futterbau. Habe ich in einem Jahre mehr Futter erbauet, als ich fůr die gewöhnliche Zahl Vieh nöthig habe, so muß ich wissen, ob ich mehr Gewinn habe, wenn ich für dies Jahr mehr Vieh halte, oder wenn ich das übrige Futter für das nächste Jahr aufhebe, und da die Einrichtung auf weni— ger Futtererbau treffe. Habe ich in einem Jahre wider Erwarten einen Rückschlag beim Futtergewinn, so mußt ich wissen, ob ich besser thue, wenn ich andere erbauete Frucht zum Futter bestimme, oder wenn ich etwas Vieh weniger halte. Ja, die Einrichtung muß sogar so getrof— fen seyn, daß ich in dem einen Jahr mehr Schafe, in dem andern mehrere Kühe, in dem einen mehrere Pferde, in c . 82——— dem andern mehrere achene ů.— kann, je, nachdem ö rößern Vortheil ersehe. e einer solchen freien Wirthschaft nicht allein ein tüchtiger, der Sache ganz gewachsener Landwirth, sondern auch ein Dn seyn. Er muß als letzterer in Verdindung—00. Handelshäusern stehen, durch die er immer erfährt, welche isten gehen wird. Wi 90 solche Wirthsehat nicht eingeführt, noch weniger vollkommen seyn, weil E e— bedeutender Vorrath von Dünger bearhanden 20— x um jede, auch noch so viel Dünger ünnnde Fru erbauen zu können. Schlechterdings d dazu, daß immer mehrere, zweckmäßig angelegte e vorräthig liegen, um auf den Fall, Weun eine 26. konsumirende Frucht in Quantität S 90 den soll, einen Zuschuß an zu haben. Ich 3 nun abbrechen; mehr hierüber läßt sich bei einer andern Gelegenheit sprechen. H Wett Es beh mo her bal hat, oder bst Der Herr 5 (ber! (bei Heltet lchr Ausd ichdem t muß ichsener ufmann nehrern welcht cführt, 98 ein muß, Frucht „ daß ihaufen Dünger et wer⸗ jch will andern Vierter Abschnitt. Ueber den Umgang des Landwirths mit seinen Arbeitern. §. 105. Es ist durchaus nichts leichtes für einen Landwirth, mit seinem Gesinde, mit seinen Fröhnern, Tagelöhnern, Hand⸗ werkern u. dergl. auf eine zweckmäßige Weise umzugehen. Es gehört ein eignes Studium dazu, diese Leute so zu behandeln, daß wir durch sie und von ihrer Arbeit den möglich höchsten Gewinn ziehen, und dabei doch nicht vergessen, daß sie unsere Mitmenschen sind.— §. 106. Ein Geübter kann es augenblicklich beurtheilen, so bäld er nur einigermaßen eine Wirthschaft durchgesehen hat, ob ihr Director seine Leute zweckmäßig behändelt oder nicht. Man sieht es dem Gang der Menschen an, ob sie despotisch oder menschenfreundlich behandelt werden. Der despotisch behandelte fährt zusammen, wenn der Herr sich blicken läßt, und thut, als wenn er augenblick— lich die ihm aufgegebene Arbeit vollenden wollte; hat sich aber der Herr entfernt, so läßt er augenblicklich nach, und arbeitet im Ganzen halb so viel als ein zweckmäßig behan⸗ delter. Die Herren, bei denen dies vorfällt, können natür— lich nicht beurtheilen, wie viel ein Mensch, wenn er mit Ausdauer arbeiten will, täglich vollbringen kann; denn 2 sonst würden sie augenblicklich wissen, daß, wenn der Arbeiter so fort arbeitet, wie er in Gegenwart seiner Obern es thut, er viel mehr vollbringen würde, als es wirklich der Fall ist; sie würden aber auch wissen, daß kein Mensch im Stande ist, anhaltend und mit Ausdauer so zu arbeiten. Hier wird wieder der große Nutzen sicht— bar, den es hat, wenn der junge angehende Landwirth alle Arbeiten genau durch eignes Handangreifen unter— sucht, und jede eine Zeit lang anhaltend betreibt. Scheint es auch, als erhielt er hierdurch keinen ganz genauen Naßstab, wonach er die Kräfte seiner Leute messen kann, weil ihn, trotz der Uebung, das Arbeiten doch saurer, als jenen werden wird; so wird doch dies die Veranlas— sung seyn, daß er nunmehr die verschiedenen Arbeiter be— obachtet und zusieht, wie viel dieser oder jener leistet. F. 10½. Die Herren, welche nicht im Stande sind, die Kräfte ihrer Leute zu beurtheilen, handeln gewöhnlich parteiisch, denn diejenigen ihrer Leute, die es weg haben, wie viel ihr Herr versteht, suchen ihn auf alle mögliche Art zu täu⸗ schen, sprechen bei des Herrn Gegenwart viel davon, wie sauer sie sich es haben werden lassen, ehe sie so weit gekommen als sie sind. Diese Menschen suchen auch noch obendrein ihre Mitarbeiter gegen ihren Herrn zu verläumden, der Herr trauet diesen Verläumdungen, weil er der Mei— nung ist, die Verläumder sind fleißig, und gute Arbeiter, und sagen nur die Fehler der andern aus lauter Liebe und Anhänglichkeit, die sie gegen ihren Herrn hegen. Für diese Liebe müssen sie belohnt werden, sie werden also un der seiner als es „ daß Isdauer u siht⸗ idwirth unter⸗ Scheint enauen kann, saurer, eranlas⸗ eiter be⸗ istet. ie Käfte patteiisch e vicl iht zu tau⸗ holl, wie so weit uch noch äumden, der Mei⸗ Aubeiter, ter Nebs n hegen. arden als vorgezogen, dadurch aber auch immer frecher im Lügen und auch immer fauler im Arbeiten. Unter den Uebrigen können vorher noch gute ehrliche Arbeiter gewesen seyn, da sie aber sehen, daß der, welcher sie verläumdet, und gerade selbst schlecht arbeitet, sich besser steht, sie aber für ihren Fleiß schlecht belohnt werden, so werden sie verdrieß— lich und selbst schlechte Arbeiter. §. 106. Auch einen großen Nachtheil bringt es, wenn der Wirthschaftsdirector die Arbeiten nicht beurtheilen kann, und es darauf ankommt, daß die Arbeiten und Arbeiter richtig und ganz zweckmäßig vertheilt werden sollen. Werden zu viel Arbeiter an einen Ort gestellt, so sind diese sich oft selbst im Wege, und gewöhnlich suchen sie es doch einzurichten, daß sie gerade fertig sind, wenn der halbe oder ganze Tag beendigt ist. War einer, vielleicht mehrere Arbeiter weniger, so wäre wahrscheinlich die Arbeit in derselben Zeit auch vollendet gewesen, der Director hätte nicht allein das Lohn für die Arbeiter, die zu viel waren, erspart, sondern diese hätten an einer andern Ar— beit, die vielleicht gerade recht nothwendig war, arbeiten konnen, wodurch oft großer Nutzen gestiftet worden wäre. Am meisten sind diese Fehler in der Ernte wichtig, wo oft auf die zweckmäßige Benutzung einer Stunde viel an— kommt. Eben solchen Nachtheil bringt es, wenn zu we— nig Arbeiter an eine Arbeit gestellt werden, bei der es viel— leicht viel darauf ankommt, daß sie schnell vollendet wird; es bleibt ein Theil davon unvollbracht, und die Witte— rung, welche darauf einfällt, kann einen bedeutenden — 30— Schaden verursachen. Betrifft dies alles Arbeiten mit dem Zugvieh, so ist der Schade noch größer. Man darf sich nicht wundern, wenn manche Landwirthe durchaus nicht zur rechten Zeit mit dem Bestellen und Ernten der Früchte fertig werden können, trotzt dem, daß sie sich in eigner Person sehr plagen, und sich mit gewaltiger Unruhe in ihrer Wirthschaft umhertreiben. Untersucht man es ge— nauer, so wird man finden, daß sie nicht verstehen ihre Leute zu behandeln, und nicht verstehen eine gehörige Ein— theilung der Arbeiter und Arbeit zu treffen, denn auch das bringt Schäden und Zeitverlust, wenn der Landwirth ge— rade zu einer Zeit eine Arbeit unternimmt, wenn eine andere hätte mit denselben Arbeitern unternommen werden sollen. Doch letzteres geschieht seltener, weil dies eine Unwissenheit im Ganzen voraussetzt, die nur bei Neulin⸗ gen zu finden ist. 56. 109. Der größte Fehler wird auch begangen, wenn den Arbeitern zu wenig Lohn gegeben wird. Es können ge⸗ rade die Lokalverhältnisse es möglich machen, daß man Arbeiter für einen ganz geringen Lohn bekommen kann, für den sie aber dennoch nicht leben können; und aus letz⸗ terer Hinsicht ist es unbillig, hart und sogar unklug, wenn ich ihnen wirklich einen zu geringen Lohn gebe. Unbillig und hart ist es, weil ich so die armen Menschen elend mache, und sie so drücke, daß sie das Elend, in dem sie leben, zu schlechten Handlungen veranlaßt und zwingt, und also ihre Verschlechterung in Hinsicht der Moralität auf mein Gewissen lade. Unklug ist es, weil ich so die bessern meiner Arbeiter zum Aufsuchen mehr lohnender dem f sich nicht ruchte eigner lhe in 5 ge⸗ ihre Ein⸗ das ge⸗ ene erden eine Lulin⸗ n den en ge⸗ man kann, 8 leh⸗ wenn billig elend m sie vingt, alität so die ender Arbeit veranlasse; sie gehen entweder nur auf Arbeit aus, und bleiben im Orte wohnen, oder sie ziehen mit Sack und Pack weg. Mir bleibt demnach nur der schlechtere Theil übrig, der faul ist und seine Kräfte zum Stehlen aufspart. Natürlich wird er mich zuerst bestehlen, weil er dies für weniger strafbar hält; denn er sagt für sich: „Mein Herr könnte mich besser belohnen, so brauchte ich nicht zu stehlen; ernähren muß er mich doch, giebt er mir nicht genug mit gutem Willen, so muß er das Fehlende auf eine andere Art geben.“ §. II0. Eben so unbillig, hart und unklug ist es, wenn ich meinem Gesinde zu wenig oder zu schlechtes Essen gebe; ich mache dadurch alle verdrießlich, sie arbeiten nun mit Verdruß und folglich schlecht. Gutes Gesinde werde ich auch selten bekommen, weil das schlechte Essen jeden ab— schreckt zu mir zu ziehen; weit in der Gegend umher wird mein Geiz bekannt werden. Hat sich doch zufällig einmal ein guter Knecht zu mir verlaufen, so wird er entweder bei mir auch schlecht wie die andern werden, oder bald wieder von mir gehen. Auch werde ich mein Gesinde, wenn es nur einigermaßen Gelegenheit hat, zum Stehlen veranlassen, sobald ich ihm wenig und schlechtes Essen gebe; denn satt essen will es sich doch, folglich wird die Gelegenheit, wo⸗ durch dies Sattessen zu bewerkstelligen ist, gesucht. Die Mägde stehlen Milch, Eier, Mehl, Butter und derglei— chen, auch Kartoffeln, Obst und andres Gemüse. Die Knechte liefern, so viel ihnen möglich ist, auch ihren Bei— trag, und jeder wird unter den Mägden eine Geliebte su— chen, dir ihm etwas zusteckt. Das Gestohlne wird entwe⸗ — 8— der des Nachts auf dem Guthe selbst zubereitet, und so nicht nur Holz verschwendet, sondern auch die Menschen von der Ruhe abgehalten. Die Feuersgefahr, die so herbei⸗ geführt wird, ist noch obendrein zu berücksichtigen; denn diese Menschen, welche immer in der Gefahr sind, ertappt zu wer— den, haben keine Zeit, das Feuer zu verwahren. Oder das Gestohlne wird im Dorfe bei den Aeltern irgend eines Ge— sindes zubereitet, so werden eben auch die Leute von der Ruhe abgehalten, weil es auch gewöhnlich des Nachts ge— schieht; oder geschieht es am Tage, so wird viel Zeit ver— laufen, in der etwas besseres zu arbeiten wäre; dann muß auch um so mehr gestohlen werden, weil auch etwas für den Hehler und dessen Familie übrig bleiben muß, damit er seine Belohnung für die gemachten Aufopferungen er— hält. Kurz, es entsteht eine Menge Unheil aus solcher unzeitigen Sparsamkeit, und der Rachtheil möchte wohl bei weitem das wirklich Ersparte überwiegen. Ehe hundert Thaler bei einer Anzahl von zehn Gesinde jährlich erspart wird, muß es hart hergehen. Wenn z. B. täglich ein halbes Pfund Butter mehr als Gemächte für die Gesinde⸗ speisen genommen würde, so würde oft das Ganze um so wohlschmeckender werden, und dies beträgt fürs ganze Jahr kaum 36 Thaler, und mit diesem Stückchen Butter täg— lich mehr dem Gesinde gegeben, kann ich auf allen Fall mehrere hundert Thäler durch mehrere Arbeit und treuere Anhänglichkeit gewinnen. Eben das gilt von einigen Pfunden Fleisch wöchentlich und von einigen Kannen gu— ter Milch. Entsetzlich wehe thut mir es jedesmal, wenn ich von einer Wirthschaft höre, wo das Gesinde nicht al— lein nicht recht genug, sondern auch meistentheils als Ge— V. — 2— —— für mmit ne⸗ lcher wohl ndert spart ein inde⸗ m so Jahr täg⸗ Fall euere nigen gu⸗ wenn ht al⸗ 8 Ge⸗ — 89— mächte stinkendes Fett und statt Fleisch elendeqKnochen und Haut bekommt; hier dauert mich nicht allein das Gesinde, sondern auch die Herrschaft, denn diese versteht ihren Vortheil durchaus nicht. S. IXII. Aus eigner Erfahrung weiß ich, wie viel man durch gute Behandlung im Ganzen beim Gesinde gewinnt. Ich habe diejenigen, welche sich einmal als gute treu Men— schen gezeigt haben, immer zu behalten gesucht, und habe ihnen in jedem Jahr zu ihrem an und für sich nicht schlechten Lohne eine Kleinigkeit zugelegt; so habe ich nach und nach fast lauter gute Leute erhalten. Dann habe ich strenge darauf gehalten, daß mein Gesinde gute, in der Gegend gewöhnliche Speisen, in hinläng li— chem Maße erhielt. Zuweilen wurde allen eine Freude durch eine Speise oder durch ein Getränk, was nicht zur Re— gel gehörte, gemacht, wofür sie immer sehr dankbar, und nun zu jeder Zeit willig zur Arbeit waren. Immer bin ich freundlich gegen meine Leute, ich suche auf jede Weise mir Anhänglichkeit von ihnen zu verschaffen, und ihr Gefühl, was diese Klasse Menschen gewiß meistens besitzt, rege zu machen. Ich unterhalte mich zuweilen, ohne sie von der Arbeit abzu— halten, von ihren eignen Angelegenheiten mit ihnen, und er⸗ theile ihnen, nach Kräften guten Rath und Hülfe. Oft sage ich ihnen die Ursache, warum ich gerade diese Arbeit so, und nicht wie in der Gegend gewöhnlich, verrichten lasse; durch letzteres bewirke ich, daß sie nunmehro um so lieber arbeiten, ihre eignen Geisteskräfte aufwenden, um alles recht gut zu machen, theils weil sie es begriffen ha— ben, daß so mehr Vortheil ist, theils aus Neugierde, um durch die bessere Arbeit um so sichrer den Erfolg zu sehen. War mir schon vorher manches Neue gelungen, so konnte ich um so mehr auf ein gutes Arbeiten bei einer andern Neuerung rechnen. Denn die Arbeiter freuten sich nun, auch das Ihrige zur Gelingung derselben beizutragen, und war etwas gut gelungen, so erzählten sie es jedem, bei allen passenden Gelegenheiten, daß sie die Arbeit dabei verrichtet hätten. Oft machte ich meine Knechte drauf auf— merksam, daß dieser oder jener unsrer Nachbarn weiter in der oder jener Feldarbeit sey als wir, und daß dies uns keine Ehre bringe. Nun konnte ich darauf rechnen, daß alle das Ihrige dazu beitrugen, um dem Nachbar zuvor— zukommen, was gewöhnlich geschah, sobald ich wirklich Vortheil bei dergleichen Vorsprung sah. Beging einer einen Fehler, so suchte ich ihn das er— stemal allein zu bekommen, rückte ihm da seinen Fehler in Güte vor und drohete ihm, daß, wenn es wieder vorfiel, ich schlimmer für ihn handeln würde; fiel der Fehler noch ein Mal vor, so wurde der Fehlende vor den übrigen ausgespottet und gesagt, daß er das erste Mal im Stillen schon seinen Theil bekommen hätte. War der Fehler eini— germäßen erheblich, so wurde ihm mit dem Fortjagen ge— droht; und fiel es zum dritten Male vor, so jagte ich ihn wirklich aus meinem Dienst. Da sich die Leute in meinem Dienste wohlbefinden, so vermied jeder das Fortjagen, und ich habe es nur wenige Mal ausüben müssen. . 112. Auf diese Weise habe ich nicht nur das Ehrgefühl meiner Leute sehr rege gemacht, sondern ich habe auch viel Anhänglichkeit und Liebe zu mir und den Meinigen geweckt, und bei den schlechtern auch Furcht erzeugt. So habe ich nicht allein zu jeder Zeit ihre Thätigkeit in An— spruch nehmen können, sondern sie sind oft gekommen und haben, wenn es mir Vortheil bringen konnte, zur unge— wöhnlichen Zeit ihre Arbeit mir angeboten. So z. B. wenn ich vieles Getreide, vielleicht viele Erbsen, draußen in Mandeln stehen hatte, und die Witterung drohte mit Verderben, so haben sie sich oft ohne Aufforderung zum Einfahren des Nachts erboten, und so sind mir manche hundert Schock Getreide vom Verderben gerettet worden. Natürlich war ich dafür dankbar, das wußten sie; aber auch einige der bessern nahmen auf diese Dankbärkeit nicht Rücksicht, sondern meinten, diese Kleinigkeit hätte ich schon längst um sie verdient. §. 1I13. Die Anhänglichkeit meiner Leute an mich geht so weit, daß die mehrsten zum Mitgehen in jede Himmels-⸗ gegend bereit sind, und den andern es wehe thut, sich von mir trennen zu müssen, weil kindliche Liebe und andere Familienverhältnisse sie nicht an das Mitgehen denken las⸗ sen. Dies thut mir naturlich wohl, und ich kann allen Landwirthen nicht genug rathen, daß sie ja ihre Leute wohl— wollend, doch zweckmäßig, behandeln. Eine kleine Auf⸗ opferung, zur rechten Zeit angebrächt, trägt hundert Pro⸗ cent Gewinn. 9. 144. Einige aus der dienenden Klasse sind freilich auch leicht durch Güte zu verderben; dies habe ich leider vor 2 9²2— einigen Jahren durch eigne Erfahrung für wahr gefunden. Ich hatte einen Knecht, der als Feldarbeiter unverbesser— lich war, und ohne specielle Aufforderung immer mein Be— stes suchte. Er war zugleich mein Kutscher und stand als solcher neben dem Großknecht und über die andern, die er immmer zur guten Arbeit anhielt. Auf Reisen konnte ich ihn herrlich brauchen. Diese guten Eigenschaften waren die Veranlassung, daß ich ihm wohl zuweilen unwillkühr— lich einen Vorzug vor den andern gestattete. Dies und das Gefühl seines Werths machte diesen Menschen so über— müthig, daß er gegen alle im Hause grob war und nur gegen mich allein sich noch etwas zusammen nahm, und zuweilen etwas vorlaut sich zeigte. Ich hatte ihn als ei— nen dummen Jungen erhalten, durch meine Anleitung war er ein geschickter Kutscher und geschickter Ackersmann ge— worden. Späterhin war es ihm fatal, wenn ich ihm etwas sagte, das wie ein Verweis aussah. Ich hielt ihm oft sein dummes Betragen in aller Güte vor, wobei er alle Nal meinte, es wäre nicht so schlimm als es aussähe und als es die Leute machten. Seine Superklugheit ging so weit, daß er nun das, was er vor wenig Jahren noch gar nicht kannte, ohne Weiteres für das bessere von alle dem, was in dieser Art in der Welt existire, hielt. So gab ich ihm vor 6 Jahren einen andern Pflug, als der gewöhnliche war, dieser gefiel ihm so, daß er behauptete, es gäbe keinen bessern. Als ich einen andern Pflug versu— chen wollte, so mußte ich einen andern Knecht zu diesem Versuche wählen, weil mein superkluger Kutscher selbigen schon im voraus ganz verwarf. Schon dort war er dem! Abschied nahe, doch ich behielt ihn. Dies schien ihn aber immer frecher zu machen, bis er endlich alles aus den Augen setzte und gegen mich äußerst grob war, als ich ihm in Beiseyn andrer einen ganz kleinen, anfänglich sanf⸗ ten Verweis gab; diese Grobheit ging so weit, daß er mir die Zügel der Pferde vor die Füsse warf und mir so den Dienst aufkündigte, welches ich ihm auch sogleich verwil— ligte. Das Gefühl seines Werths ging so weit, daß er dann, als er schon seinen Abschied erhalten hatte, immer noch gegen andere behauptete, ich würde ihn schon wieder nehmen, denn ich könnte ihn nicht entbehren; dabei aber sich immer grob gegen mich und die Meinigen zeigte, und alles Dankgefühl, was er eigentlich gegen mich hegen mußte, da er durch mich zu etwas geworden war, sich Geld gesammelt hatte, und wir um seinetwillen auch sei— ner Familie alles thaten, unterdrückte. Ich habe diesen Fall erzählt, um hierdurch zu bewel— sen, daß es auch Fälle giebt, wo man durch zu viel Wohl— wollen sich und seinem Gesinde schaden kann. Hätte ich jenem Knecht anfänglich zuweilen recht ordentlich fühlen lassen, daß er entbehrlich sey, daß auch Andere leicht das werden könnten, was er jetzt sey, und einige seiner Mit⸗ knechte jetzt schon so viel Werth hätten, als er, so würde er nie so eingebildet und so grob geworden seyn. Doch die Hauptveränlassung zu diesem Grobseyn darf ich nicht verschweigen, weil es auch zur Warnung für Andere dient. Weil ich wirklich mit diesem Knecht sehr zufrieden war, so hatte ich ihn auch gegen Landwirthe gelobt, und sehr — 4— herausgestrichen. Ein Nachbar von mir, der immer sich öffentlich für meinen Freund erklärte, suchte seine Anhäng— lichkeit gegen mich dadurch zu beweisen, daß er heimlich diesen Knecht mir auszumiethen suchte, ihm sehr viel Lohn bot und mit Versprechungen überhäufte. Diesen Lockspei— sen folgte der Knecht zwar nicht, weil er sich bei mir auch gut befand, und dort erst das Beste erwarten mußte, doch ließ er mir dies Anerbieten zuweilen wissen und der Kamm wuchs ihm seit dieser Zeit gewaltig. Hieraus ist die Lehre zu ziehen, daß wir nicht gegen unsere Nachbarn einzelne unserer Leute zu sehr loben dürfen, weil uns entweder eben diese Leute entzogen oder verdorben werden können. 5. 115. Habe ich etwas Neues einführen wollen, so habe ich mir natürlich zuvor die genaueste Kenntniß von dieser neuen Sache zu verschaffen gesucht, und dann gleich selbst Hand ans Werk gelegt, und sogleich die Zweifel meiner Leute zu beseitigen gesucht, wodurch schon viel gewonnen war. Während dessen, daß ich selbst Hand ans Werk legte, suchte ich mir die nöthigen Handgriffe, die ich vorher noch nicht kannte, zu eigen zu machen, wonach ich dann leicht der Lehrmeister meiner Leute seyn konnte. Stemmte sich ein kleines Hinderniß entgegen, so gab ich mir alle Mühe, dies so schnell wie möglich aus dem Wege zu räumen und blieb so lange wie möglich standhaft dabei stehen. Selten bin ich ganz abgegangen, weil ich vorher immer möglichst genau alles prüfte, und folglich immer auf vieles gefaßt war; war ich meiner Sache nicht gewiß, so war es also völlig als Versuch anzusehen, und ich bereitete schon meine Leute auf das mögliche Mißlingen vor, suchte ihnen aber den Vortheil, der zu erwarten war, wenn der Versuch ge— lang, möglichst anschaulich zu machen. So bewirkte ich, daß jeder sich anstrengte, um nach seinen Kräften das Ge— lingen herbei zu führen. Fünfter Abschnitt. ueber den Umgang der Guthsbesitzer mit ihren Pachtern und Verwaltern. H. 116. Der leidige Egoismus, welcher dem jetzt herrschenden Zeitgeist sehr eigen ist, ist Ursache, daß die Herren Ritter⸗ guthsbesitzer nur allein darauf hinarbeiten, ihre Güther für den Augenblick zum möglich höchsten Ertrag zu bringen. An die Zukunft denkt selten einer, und es ist ihm egal, wie das Guth späterhin, nach seinem Tode rentirt; jeder gläubt nur an sich denken zu müssen. Der Zeitgeist ver— langt es, daß setzt mehr aufgehen muß, wie früherhin, und die Pflicht fordert es, daß die Herren Guthsbesitzer um ihrer Kinder willen die Anständigkeit nicht verletzen, sondern den Aufwand in ihrem Hause zu vermehren su— chen. Um diesen vermehrten Aufwand bestreiten zu kön— nen, müssen sie die Einkünfte ihrer Gͤüther zu vermehren su⸗ chen; durch deren zweckmäßige Verbesserung würde freilich der Zweck am besten und nachhaltigsten erreicht, aber er— stens kosten diese Verbesserungen ansehnliche Kapitalien, diese aufzuwenden ist riskant; dann, weil sie selbst nichts verstehen, müßten sie alles fremden Menschen überlassen, zu denen sie ohnmöglich Zutrauen haben können, folglich bleibt ihnen nichts als das Verpachten übrig, hierbei erreichen sie ihren Zweck, und haben am wenigstens Risiko. Pachter ten »nden itter⸗ r füͤr ngen. „wie feder N ber⸗ hethin, Hesttze letzen, en su⸗ kon⸗ ren su⸗ freilich er er— talien, nichts lassen, oglich reichen Hachttt — 7— gab es zeither wie Sand am Meer, sie durften nur einen leisen Wink geben, und wurden so überlaufen, daß sie, ihrer Meinung gemäß, schlechterdings gezwungen waren, ihre Güther an die Meistbietenden zu verpachten. Sie schlos⸗ sen, daß der, welcher viel bot, es doch verstehen müsse, daß man wirklich so viel geben könne, hätte er sich verrechnet, so wäre dies im Uebrigen gar nicht ihre Sorge. Um sicher zu gehen, mußten die Pächter viele Caution stellen, und die Pächterinnen auf ihr Eingebrachtes renonciren. Mochte nun der Pachter banquerott werden, so konnte doch der Besitzer nichts verlieren. Zu aller Welt Verwun— rung hielten sich zeither die mehrsten Pächter, so sehr man auch, des gar zu hohen Pachtgelds halber, bei man— chen daran gezweifelt hatte. Dies machte den Pächtern neuen Muth/ und die Verpächter dachten an ein noch hö heres Steigern der Pachtsummen. Wirklich wurden ihre kühnsten Wünsche, welche sie in dieser Hinsicht hegen konnten, erfüllt, sie erhielten wirklich noch mehr Pacht. Nun hieß es:„es ist ehemals nur nicht recht gemacht wor— den, diese Pachtsummen sind noch gar nicht die höchsten, sie müssen noch höher steigen; der Industriegeist der Päch— ter muß nur auf solche Art geweckt werden, sie werden die Güther immer besser benutzen lernen, und folglich immer ein höheres Pachtgeld geben können. Demnach stifteten die Guthsbesitzer nicht allein durch diese Art zu verpachten sich selbst Nutzen, sondern sie beförderten dadurch auch das allgemeine Wohl, weil sie so mehrere Geisteskräfte der Pächter weckten und so veranläßten, daß dem Boden mehr abgenommen wird als ehemals geschah.“ Diese Meinung veranlaßte viele, wirklich unbarmherzig mit den Pächtern umzugehen, es wurde nicht allein alles hervor— gesucht, was die Pachtlustigen zu einem hohen Gebot ver— anlassen mußte, sondern sie drückten auch den wirklich Auserwählten gar jämmerlich durch harte Rebenbedingun— gen. Um ihrer Sicherheit willen schmälerten sie durch eine unverhältnißmäßig hohe Caution das Vermögen des Pachters. Weil sie immer fürchteten, daß der Pachter doch, trotz der erhöheten Pachtsumme, sich noch zu wohl befinden würde, und hofften, daß sie nach einigen Jahren noch mehr Pacht erhalten würden, so wurde nur äußerst selten ein Guth über 6 Jahre lang verpachtet. In den meisten Pachtkontrakten sieht es nicht mehr aus, als wenn die Pächter unter die freien Menschen gehörten, sondern sie sind vermittelst dieses Kontrakts gleichsam die Leibeignen der Guthsherrn geworden. An Verbesserungen dürfen sie durchaus nicht denken, die Hände sind ihnen überall gebunden. 5. 117 Ein großer Theil der Pächter kam aus andern Ständen herüber, da die Verpächter nicht nach den Kenntnissen, sondern nur nach dem Geldbeutel und nach einem höhen Pachtgebote fragten. Je unwissender der Pachter ist, desto lieber muß man ihn haben, denn desto leichter geht er die härtesten Pachtbedingungen ein; wirth— schaftet er schlecht, so ist es ja des Pachters und nicht des Verpachters Schäden; sein Vermögen reicht, so lange der Pacht dauert, zu, hinterher wird doch noch ein höhe— res Pachtgeld geboten, denn augenscheinlich war es ja, daß der abgehende Pachter es gar nicht recht anzufangen wußte. Die an und für sich klugen Pächter, auch wenn —— sie chl un h Rac in fat hiebor⸗ bot vet⸗ wirklch edingun⸗ se durch gen des Pachter zu wohl Jahren außerst In den 5„ als chörten, sam die serungen d ihnen andern nach den ind nach nder der un desto wirth⸗ 1d nicht so lange in höhe⸗ res ja, zufangen ich wenn * sie keine landwirthschaftlichen Kenntnisse besaßen, wußten sich zu helfen; sie baueten größtentheils nur solche Früchte, die schnell bedeutende Summen einbrachten, ohne danach iu fragen, ob durch deren Bau die Felder gewannen oder verloren. Dahin, wo andere verbessernde Landwir— the Klee bauten, säen sie Sommerrübsen, pflanzen Tabak, Kümmel, Fenchel und dergl. Sie bereden wohl noch obendrein den Verpachter und andere, daß der Kleebau den Feldern schädlich seyF. Gemeiniglich haben sie auf 6 Jahre gepachtet, und so fangen sie im ten Jahre schon an, das schönste, jüngste Vieh aus den Ställen zu ver— kaufen, und dann ist's ihnen sehr lieb, wenn sie Racen finden, die gesucht werden und hohen Preis haben. So weiß ich, daß Pächter große Heerden Zeitschafe von feiner wolliger Race verkauften, und 2 bis 3 Louisd'or für das Stück bekamen. So wurden 2 Jahr vor dem Abgange junge Kühe und Kalben für 40 bis 60 Thlr. das Stück verkauft. Der wenige Dünger, der in solchen Wirth— schaften erzielt werden kann, wird auf die nächsten, besten Felder gefahren und zu Handelsfrüchten benutzt, die wei— ten Felder bekommen entweder nichts, oder höchstens einen leichten Hordenschlag, wobei die Nacht fortge— schlagen wird. Die Felder, wo dergleichen Pächter noch etwas Kraft vermuthen, bekommen gar keinen Mist, höchstens einige Mal Kalkdüngung, und müssen demohn⸗ erachtet Früchte tragen, die den meisten Geldgewinn bringen. §. 118. Kommen solchen Pächtern die hohen Preise noch zu statten, so werden sie reiche Leute, und gelten nun auch G 2 — 100— für sehr kenntnißreiche Landwirthe, ohnerachtet sie mei— stentheils nicht im Stande sind, viel mehr als ihren Na— men zu schreiben. Sie werden bei neuer Verpachtung mehrentheils vorgezogen, denn in Hinsicht ihres Vermö— gens riskiren die Verpächter nichts, sondern letztere leben auch in guter Hoffnung, daß solche Pächter die besten sind, weil sie durch die Vermehrung ihres Vermögens bewiesen haben, daß sie gute Wirthe sind. §. I19. Hätten aber die Herren Verpächter Zeit und Kennt⸗ nisse genug, um diejenigen, an welche sie ihre Güther verpachten wollen, gehörig prüfen zu können, so würden sie oft sinden, daß der Schein trügt, und daß die reich gewordenen Pächter oft nicht die geringsten Kenntnisse von einer bessern Landwirthschaft besitzen, soudern entweder nur durch die Lokal⸗ und Zeitumstände reich wurden, oder nur einzig und allein des Aussaugungssystem studierten und ausübten. §. 120. Wie viel die einzelnen Güther und ein ganzer Staat, bei der Verpachtung an Meistbietende, verlieren, dies ist kaum zu berechnen, ob gleich das vor noch kurzer Zeit wenige Guthsbesitzer glauben wollten. Die so an blos aussaugende Pächter verpachteten Güther müssen an ihrem wirklichen Werth verlieren, und die natürliche Kraft der verpachteten Grundstücke abnehmen, wenn auch dies nicht sogleich merklich geschieht. Es können die Felder eines Guthes in so hoher Kraft stehen, daß sie 10 und mehrere Jahre lang ausgesaugt werden können, ohne daß üWW ** Hen, 5 Dr er! bil b Reu Yre Dü sie mei ren Na⸗ dachtung Vemo⸗ dre liben ten sind, bewiesen Kennt⸗ Güther würden die reich nisse von entweder Nen, odet iudierten E Staat, dies ist tzer Zit an blos ssen an he Kraft uch dies e Feldet 10 und Hne daß — v 101—— es dem, der keine ganz genaue Untersuchung anstellt, in die Augen fällt; aber endlich wird es doch fühlbar genug; und wer verliert nun am meisten? doch wohl der Besitzer, er sey Landesherr oder Vasall. Z. B. will ich einen wahren Fall erzählen. Eine landesherrliche Domaine, deren Revision mir übertragen wurde, war eine lange Zeit für eine nicht hohe Pachtsumme an eine und dieselbe Familie verpachtet. Obgleich diese Pächter als keine großen Lichter unter den Landwirthen der Gegend leuchte— ten, so wurde doch ihre Wirthschaft mehr als leidlich be— trieben. Der niedrige Pacht, die Zeitumstände waren Ur— sache, daß sie ein bedeutendes Vermögen zusammen brach— ten, es war ihnen daher ein Leichtes, auf diejenigen Bran— chen ihrer Wirthschaft, welche ihnen, den Zeitumstän— den gemäß, am meisten Gewinn brachten, bedeutende Sum— men zu verwenden, und sie so empor zu heben. So exi— stirte früher in der Nähe dieser Domäne keine Brauerei, welche sich eines hohen Absatzes zu erfreuen hatte, und selbst in der nahe gelegenen Stadt wurde kein gutes Bier gebrauet. Die Brauerei, wenn sie nur einigermaßen gu— tes Bier lieferte, mußte vielen unmittelbaren Gewinn brin— gen, es wurde daher viel Betriebskapital auf sie gewendet, gute Brauer gut besoldet, sie hob sich zu einer der ersten Brauereien in Hinsicht ihres Debits— mehrere Meilen in der Runde. Auch die Branntweinbrennerei brachte früher viel ein, und wurde ziemlich stark betrieben. Durch diese beiden Branchen wurde natürlich die Kraft der Felder uu— gemein vermehrt. Die Oelgesäme kamen in einen hohen Preis, es wurde daher Sommerrübsen gesäet, der bei dieser Düngervermehrung nicht allein gut gerieth und vielen Gewinn brachte, sondern auch den nachfolgenden Früchten noch Kraft genug zum guten Gedeihen übrig ließ. Hier— durch dreist gemacht, wurde der Sommerrübsenbau noch viel stärker getrieben, und so große Summen durch Em— porbringung der Brauerei und Brennerei gewonnen, und die Felder auf mehrere Jahre kraftvoll gemacht. Doch beide Branchen, die Brauerei und die Brennerei, fielen erstens, weil in der Nähe mehrere Brand- und Brauhäu— ser zu wetteifern anfingen, zweitens die Stadt kein auswär⸗ tiges Bier mehr nehmen durfte, und drittens die Wirth— schaft im Ganzen wohl mit weniger Energie wie ehemals betrieben wurde. Aber man bauete vielen und schönen Sommerrübsen und vieles Getreide fort. Die Pachtzeit ging zu Ende, es wurde nach dem einmal angenommenen Grundsatz an den Meistbietenden verpachtet. Der Reich— thum des abgehenden Pachters, welcher auf sein eignes Ritterguth zog, der schöne Sommerrübsen, das viele er— bauete Getreide zog viele Pachtlustige herbei; es wurde im Licitationstermine fürchterlich geboten, und der neue Pachter gab, kaum gläublich, fast 3 Mal mehr als der abgehende gegeben hatte. Der versprochene Pacht mußte gegeben werden, um ihn zu erschwingen, wurde der Som— merrübsenbau noch verstärket, aber auf dessen Quellen— nämlich auf die Brauerei und Brennerei, nichts gewendet, beide Branchen kamen gänzlich in Verfall. Die Kraft der Felder hielt aber noch nach, man bauete anfänglich noch sehr schöne, späterhin leidliche Früchte. Die Pachtzeit war wieder um, es fanden sich zum Termin wieder eine Menge Pachtlustige, denn das Guth hatte sonst gut ren— tirt, und gab es auch in den letzten Jahren nicht den + hur Crst nals Ware chem betfe was O dürch Vach der) e se ich v nehm flls! dem e Noöhe uicht mir diese Rauut nenen Reich⸗ eignes le er⸗ vurde neue 8 det nußte Som⸗ ellen. det, t der noch htzeit eine ren⸗ deh großen Gewinn mehr wie ehemals, so lag dies wohl an der schlechten Bewirthschaftung, denn der Pachter hatte mehrere Güther im Pacht, und wohnte viele Meilen von diesem; es wurde demnach derselbe Pacht verwilligt. Der nunmehrige Pachter hatte keine genaue Untersu— chung angestellt, sondern geurtheilt, wie viele andre und war auf dem Termin mit der Menge fortgerissen worden. Er säete Sommerrübsen, und erntete wenig, die Ernte der übrigen Früchte war schlecht, die Kräfte, welche ehe— mals die hoch betriebene Brauerei den Feldern gegeben, waren ausgesogen. Hierzu kam noch, daß alle übrigen, ehemals angebrachten Verbesserungen, z. B. Abzuggräben, verfallen und eingegangen waren. Der Mann that alles, was er thun konnte, er schaffte eine veredelte Schäferei an, verbesserte den Rindviehstamm, und wendete sein schon durch die Caution geschwächtes Vermögen alles in seinen Pacht. Aber die schlechten Ernten, wozu sich das Sinken der Preise aller erzeugten Prodükte gesellte, machten, daß er seinen Pacht nicht mehr zählen konnte. Hier wurde ich veranlaßt, eine Revision der Wirthschaft zu unter— nehmen, und zu untersuchen, was die Ursache des Ver— falls des Pachters sey. Jetzt ist er dem Bankerott nahe, dem er nicht entgehen kann, so bald ihn nicht das lan— desherrliche Kollegium zu retten sucht. Dies Beispiel ist nicht das einzige, was ich anführen könnte, noch viele, mir genau bekannte Fälle könnte ich erzählen, die alle diesem mehr oder weniger ähneln. Dieser eine sey genug. 104 9. 121. Wer verliert hier nun am meisten? Muß nicht der Besitzer, bei eben erzähltem Fall, der König, das Meiste verlieren? er verliert im Moment, er mag den jetzi— gen Pachter bankerott werden lassen oder ihm durchhelfen, am Pachtgelde bedeutende Summen. Aber dies ist nicht genug, das Guth kommt durch solch einen Fall in Mißkredit auf lange Zeit, es finden sich wenige Pachtlustige dazu, und es muß daher um vieles wohlfeiler verpachtet werden. Aber nicht allein der Guthsbesitzer, sondern auch das All— gemeine, und der jetzige arme Pachter verliert. Denn es wird nun nicht mehr dieselbe Quantität Früchte er— bauet, die sonst erbauet wurde, und noch mehr erbauet werden könnte, was merklich ist; da, wie schon gesagt, diese Fälle jetzt sehr höufig Statt finden. Der Staat ver— liert auch dadurch, daß nun mehrere Landwirthe, die mit ihrem Vermögen hätten vieles Gute stiften können, dies Vermögen verlieren, und manche vielleicht künftig dem Staate zur Last fallen. §. 122. Da die Pachtlust vor mehrern Jahren gar zu arg wurde, so waren auch rechtlich gesinnte, mit Kenntniß be— gabte Pächter gezwungen, hohe Pachtsummen zu verwilli⸗ gen. Es war wider ihre Grundsätze, das Aussaugesy— stem zu ergreifen, sie wollten lieber zu reellen Verbesserun⸗ gen schreiten. Da aber die meisten landwirthschaftlichen Ver⸗ besserungen den meisten Gewinn erst nach mehrern Jahren geben, und ihre Wirkungen progressiv fort steigen, so sind die meisten nicht Sache der Pächter, sondern eigentlich der — der Leiste stzi lfen, nicht redit dazu, den. Al⸗ ,enn er⸗ auet dsagt, t ver⸗ je mit dies dem arg be⸗ willi⸗ gesy⸗ erun⸗ Ver⸗ ahren sind ch der . — 105— Guthsbesitzer; darum gehen rechtlich gesinnte Pächter ihre Verpächter an, die Hände zu reellen Verbesserungen zu reichen; aber selten wird dem Guthe das Glück zu Theil; höchstens macht der Besitzer, wenn er sieht, daß sein Pachter Ehrgefühl besitzt, demselben die schmeichelhaf⸗ testen Komplimente über seine Kenntnisse, über seine ge— troffenen Einrichtungen; er läßt auch wohl zuweilen ein Wort fallen, daß am Ende der Pachtzeit wohl nach Um— ständen eine Vergütung dieser und jener Auslagen Statt finden könne. Der Pachter, entzückt über seines Ver— pachters gnädige Gesinnungen, verbesserte und bauete nun darauf los, verwendete sein Vermögen und machte Schul⸗ den, denn er dachte, wenn auch an keine Vergütung zu denken ist, so kann es dir bei solch gnädigen Gesinnungen deines Verpachters nicht fehlen; du erhältst nach verflossener Pachtzeit den Pacht nicht allein um dieselbe Summe wieder, sondern es werden dir auch noch bessere Bedingungen eingegangen. Rückt aber das Ende der Pachtzeit näher und fragt der Pachter seinen Verpachter der Zukunft halber, so wird ihm in den gnädigsten Worten von der Welt gesagt, daß man seiner anerkannten Verdienste halber recht sehr wünsche, länger mit ihm in Verbindung zu stehen, daß man es aber recht herzlich bedaure, mehr Pachtgeld als zeither für die Zukunft fordern zu müssen. Denn die Zeit— umstände, die Vermehrung der Familie und dergl. mach—⸗ ten eine stärkere Ausgabe nöthig; diese Forderungen wären ihnen um so weniger zu verdenken, da sie wüßten, daß ihr Guth füglich mehr Pacht geben könne, denn es hätten bereits mehrere Pachtlustige sich gemeldet, die alle eine höhere Pachtsumme, als zeither gegeben worden — 1056 RE sey, verwilligen wollten. Der arme Pachter mag nun sagen was er will, er mag es seinem Verpachter auch noch so deutlich vorlegen, daß das höhere Pachtgeld nur des— halb geboten werden könne, weil er sein Vermögen an so viele Verbesserungen des Guths gewendet habe, so geht der Besitzer doch nicht von seinen Forderungen ab. Es wurde zugegeben, daß das Guth sehr bei dem jetzigen Pachter gewonnen hätte, und er verdiene sehr den Namen eines geschickten Landwirths, doch könne er nicht mehr Gewinn von den angebrachten Verbesserungen verlangen, da er ja während der verflossenen Pachtzeit schon Gewinn genug gezogen hätte. Der Pachter, als ein kluger Mann, würde gewiß auch nicht die geringste Summe weggegeben haben, bei der er nicht vollig überzeugt gewesen wäre, daß sie während seiner Pachtzeit ihm wieder zu Theil würde. Der Pachter mag noch so hoch betheuern, daß er viel auf die gnädigen Gesinnungen seines Verpachters wie von der Zukunft erwartet, und er wirklich nicht nur keinen Lohn für seine vielen Anstrengungen, sondern sogar auch nicht einmal sein früher besessenes auf das Guth verwendete Vermögen alles wieder heraus habe. Hierzu wird gelä— Helt, obgleich wohl der Verpachter in seinem Innern vie— les zugeben muß. Am Ende sagt er:„damit Sie sehen, daß ich Ihnen wohl will, und Ihre Verdienste zu schätzen weiß, so wollen wir ganz offen zu Werke gehen; ich ver— stehe nicht, was mein Guth Pacht geben kann, aber ver— denken können Sie mir es nicht, da ich für eine Familie zu sorgen habe, daß ich den Pacht fordere, den es wirk— lich geben kann; um hierüber ins Reine zu kommen, will ich einen Licitationstermin anberaumen, hier werden doch D 107 N!ðx mehrere Sachkenner bieten, und so werde ich am besten erfahren, was mein Guth unter den vorgelegten Bedingun— gen Pacht geben kann. Damit Sie aber gewiß von meinem Wohlwollen, welches ich gegen Sie hege, überzeugt wer— den, und damit Sie noch mehr Früchte ihres Fleißes ein— ernten können, sollen Sie mein Guth um 50(oder bei großen Güthern 100 oder 200) Thlr. wohlfeiler in Pacht bekommen, als das höchste Gebot auf dem Termin seyn wird.“ Wie gnädig! Wenn ich dies auch nicht alles an mir selbst erfuhr, so erfuhren dies doch mehrere meiner Freunde und Bekannten, und gewiß werden mehrere Päch— ter, die dies lesen, dieselben Erfährungen gemacht haben. Kann hieraus etwas Gutes entstehen? Muß nicht auch der bestgesinnte Pachter endlich auf andere Gedanken kommen? Wird er nicht endlich das Verbessern satt be— kommen, da er sieht, daß er nur Undank einerntet, und statt sein Vermögen zu vergrößern, es verringert? Wird er nicht zum Aussaugen der erpachteten Felder gezwungen? Wenn werden doch die Guthsbesitzer ihren Vortheil er— kennen? 9. 123. Ich, meiner Seits, würde, hätte ich ein Guth zu ver— pachten, mich nach einigen rechtlichen Landwirthen, welche Kenntniß mit Thätigkeit verbinden, umsehen; hätte ich einen gefunden, so würde ich in höchsteigner Person zu ihm reisen, seine Wirthschaft besehen, und verständ' ich selbst gar nichts von Landwirthschaft, so glaube ich doch, ich würde es dem Mann und seiner Wirthschaft ansehen, ob er für mich paßt oder nicht. Vielleicht besitze ich auch einen Freund, welcher reelle landwirthschaftliche Kenutnisse DSDFDSDSDSDSDSDSDSISI/DiD‚e‚eq.ꝗʒ‚e‚. .— bet 108 W besitzt, den bitte ich zur Mitreise. Fände ich alles so, wie ich wünsche, so würde ich diesem Landwirthe sagen, daß ich mein Guth gern an einen geschickten und rechtlichen Mann verpachten wollte, ich hätte mein Zutrauen zu ihm gefaßt, am liebsten wäre mir es, wenn er selbst mein Pach— ter werden wollte; im Fall dies nicht seyn könnte, so bäte ich, mir einen andern Mann vorzuschlagen, oder mir Aus⸗ kunft über diese oder jene zu geben. Denn es ist zu er— warten, daß ein geschickter, redlicher Mann auch mit an— dern geschickten redlichen Männern Umgang hat, vielleicht selbst solche anzog. Hätte ich meinen Mann gefunden, so würde ich zu seiner Prüfung von ihm verlangen, daß er mir einen möglichst detaillirten Nutzungsanschlag von mei— nem Guthe auf dem Guthe selbst verfertigte, und diesem Anschlage gemäß mir sagte, welche Summe er mir unter den und jenen Bedingungen geben wolle und könne. Es versteht sich, daß ich mir zuvor selbst einen Anschlag meines Guthes verschafft, entweder, verstehe ich's, selbst gemacht habe, oder durch einen Sachkenner mir habe machen las— sen; jedoch würde ich den selbst verfertigten Anschlag einem unparteiischen Sachkenner zur genauen Durchsicht geben, weil ich leicht verblendet seyn könnte. Habe ich ein Guth selbst mehrere Jahre lang bewirthschaftet, so ist's mir natürlich leicht, einen richtigen Anschlag darüber zu verfertigen, nur muß ich dem Pachter etwas für seine Arbeit und für das Risiko, das er übernimmt, lassen und gönnen. Hat er seinen Anschlag verfertigt, so werde ich leicht beurtheilen, wes Geistes Kind er ist. Er zeigt mir durch seinen Anschlag sogleich, wie er gedenkt die ge— botene Pachtsumme herauszubringen. Es versteht sich, V 1 09—.—— daß solch ein Anschlag in Hinsicht der Form nicht na h allen Regeln der Kunst zu seyn braucht; denn es kann einer ein sehr guter praktischer Landwirth und braver Mann seyn, und dem ohnerächtet keine Uebung im An- schlagmachen besitzen. Vielleicht versteht er es nicht, einen zierlichen Anschlag für Fremde zu verfertigen; aber jeder, der ein Guth pachten will, muß, meiner Ansicht gemäß, auch es verstehen, wenigstens für sich einen Anschlag zu ver— fertigen, denn nach welcher Norm will er denn die Pacht— summe, die er verwilligen will, bestimmen? Es ist dies freilich keine gründliche Prüfßung, denn es giebt Leute, welche einen zierlichen Anschlag mit allem möglichen Wort— gepränge verfertigen, und dem ohnerachtet möchte ich ihnen kein Guth in Pacht geben; doch läßt es sich leicht unter— scheiden, ob der Mann blos Theorie, oder auch Praxis im Kopfe hat. Hält er auch diese Prüfung aus, und bin ich ver— sichert, daß ich ihn nun wirklich kenne— denn ich setze voraus, daß ich meinen Mann schon wenigstens ein Jahr vorher, ehe ich das Guth verpachten will, kennen zu ler⸗ nen suche und ihn so viel als sich's thun läßt, beobachte— finde ich, daß er der Mann ist, dem ich mein Guth anver⸗ trauen kann, und bietet er mir nicht eine zu geringe Summe, die durchaus nicht im richtigen Verhältniß mit Quant⸗ und Qualität der Wirthschaft steht, was aber wohl ein rechtlicher Landwirth nie thun wird, so würde ich mich in Allem, in der Pachtsumme, u. s. w. auf 6 Jahre zu vereinigen suchen, ihm aber zugleich sagen, daß ich den Kontrakt wenigstens auf 18 Jahre feststellen wollte; nur müsse er mir von 6 Jahren zu E Jahren — 110— ein höheres Pachtgeld schon heute verwilligen. Doch wollte ich dagegen bei nachhaltigen vorgeschlagenen und gehörig geprüften Verbesserungen meine Hand bieten. Wäre ich 3. B. überzeugt, daß mein Guth 2200 Thlr. Pacht recht gut geben könnte, so würde ich es einem ausgesuchten Pachter in den ersten 6 Jahren für 2000 Thlr. jährli— chen Pacht lassen, aber festsetzen, daß 200 Thlr. auf nachhaltige Verbesserungen jährlich verwendet, und mir dieselben angezeigt werden müßten. Wollte der Pachter eine Veränderung an den Gebäuden, welche eine nicht unbedeutende Summe kostet, oder wohl gar ein neues Gebäude aufgeführt haben; so würde ich hier festsetzen, daß mir mein Pachter 8 bis pCt. Zinsen von dem hier— auf verwendeten Kapital, während seiner ganzen Zeit jährlich außer der gewöͤhnlichen Pachtsumme zahlen müsse. Dasselbe gilt auch von andern großen Meliorationen. Immer würde ich die Ausführung meinem Pachter über— lassen, denn dieser würde gewiß die Kosten möglichst zu sparen suchen, da mit vermehrtem Kapital sich auch die Interessen, welche er zu leisten hat, mehren. Die ꝛten 6 Jahre kann mir mein Pachter außer jenen Interessen nun schon einige hundert Thaler mehr jährlichen Pacht geben, vielleicht 400 Thlr., und immer kann er noch angehalten werden, 200 Thlr. auf nach— haltige Verbesserungen zu wenden. Er wird dies gern alles verwilligen und leisten, wenn er gleich zu Anfange bestimmt weiß, daß er 18 Jahre im Pacht bleibt, und sein Herr Meliorationen begünstigt. Auch auf die letz— ten 6 Jahre wird der Pachter gern noch etwas mehr, vielleicht nun gern und willig 3000 Thlr. jährlichen Pacht geben. Zu Ende der 12 Jahre wird schon fest— gesetzt, ob der Pacht noch länger als 18 Jahre dauere, und im Fall er länger währt, was nach Verfluß von Pacht mit Verlauf der 18 Jahre auf, so höret auch die Wirkung der Festsetzung in Hinsicht der Verwendung der 200 Thlr. zu Verbesserungen auf, und diese 200 Thlr. müssen nun eigentlich dem Verpachter zu Gute gehen, denn auch bei dem besten Charakter ist's nicht zu erwar— ten, daß nun der Pachter mit demselben Eifer auf nach— haltige Verbesserungen hinarbeitet, wie ehemals, da er weiß, daß er nicht lange mehr den Gewinn davon zieht. Allenfalls könnte sie noch die ersten 3 Jahre der letzten 6 Jahre gültig seyn. Soll der Pacht länger als 18 Jahre dauern, so wird auch der Pachter für jene Jahre noch ein mehreres Pachtgeld, wenn auch nicht so viel mehr als früher verwilligen, denn immer bleibt für den mit Kenntnissen begabten thätigen Mann etwas zu ver— bessern übrig. Würde ich auf diese Art nicht weit besser fahren, als wenn ich gleich anfänglich mein Guth an den Meist— bietenden, den ich vielleicht gar nicht kenne, der viel— leicht nicht einmal Landwirth ist, vielleicht für 2500 Thlr. nur auf 6 Jahre verpachte? Der, welcher gleich 2500 Thlr. giebt, und nur so wenige Jahre pachtet, kann und darf nicht auf Verbesserungen des Guthes denken, er muß nur nachsinnen, wie er im Stande ist, die hohe Pachtsumme zu erschwingen; aber nicht allein dies will er, er trachtet auch nach Gewinn, ohne hierbei zu fra— gen, gewinnt oder verliert das erpachtete Guth dabei. F 112 ie, Stehen die Preise der landwirthschaftlichen Produkte gut, so wird sich vielleicht nach Verlauf der 6 Jahre wieder ein Pach⸗ ter finden, der noch etwas mehr giebt, denn man sahe viel— leicht, daß der abgehende Pachter sich bei den 2500 Thlr. noch wohl befand, und daß doch noch etwas Fett abzu⸗ schöpfen ist. Sind aber nun wieder 6 Jahre verflossen, so wird man es dem Guthe gar gewaltig ansehen, in wes⸗ sen Händen es war. Stehen die Preise der Produkte nicht recht hoch, so wird sich nun schwerlich ein Pachter finden, der das alte Pachtgeld verwilligt; findet sich ja einer, und hat dieser nicht ein im Verhältniß zur Größe des Guthes bedeutendes Vermögen, so steht ihm sicherlich der Ban— kerott bevor, und ich verliere nicht allein im Moment durch die nicht bezahlten Pachtgelder, sondern ich bin nun gezwungen, ein ganz niedergebrachtes Guth zu über— nehmen. Verpachte ich aber auf weiter oben erwähnte Art, so weiß ich gewiß, mein Pachter kann bestehen; ich bin einer fortwährenden Erhöhung der Pachtsumme auf viele Jahre gewiß; ich habe die Freude, nach und nach mein Guth auf eine hohe Stufe der Vollkommenheit kommen zu sehen. Diese Freude wird noch dadurch erhöht, daß ich einen Mann nicht allein mit seiner Familie in Wohlstand brin— ge— es versteht sich, daß der Pachter auch Lohn für seine Thätigkeit einerntet, was ihm jeder gute Mensch gönnen wird— sondern ihn auch dadurch glücklich mache, daß ich ihm Gelegenheit gebe, seine geistigen Fähig— keiten zu üben und zu benutzen. Während der Pachtzeit würde ich meinen Pachter ganz als meinen Freund betrachten, und ihn als Freund lag ut,so hac viel⸗ Thlt. abzu⸗ fossen, wes⸗ nicht nden, und ithes Ban⸗ ment uun über. 1, so einer Jnhre ih auf schen. einen brin⸗ füt ensch cklich hig⸗ achter Rreund Wi 193 behandeln. Denn ich setze voraus, daß ich ihn meiner Freundschaft für werth halte, sobald ich ihn zu meinem Guthspachter erwähle. Auf diese Weise können wir beide unendlich viel Gutes bewirken; nicht allein uns über die Verbesserungen des Guthes berathschlagen und gemein— schaftlich die entworfenen Pläne ausführen, sondern auch gemeinschaftlich auf das Wohl der zum Guthe gehörigen Unterthanen hinarbeiten. Der gutgesinnte Pachter wird das geschenkte Zutrauen erkennen, und gewiß dankbar dafür seyn. Was will ich mehr? ich bin in Hinsicht der Einkünfte meines Guthes gesichert, ohne nöthig zu haben, mich um das Detail der Wirthschaft zu bekümmern, jch kann nun andere Geschäfte, die mir vielleicht der Dienst, den ich vorstehe, oder andere Verhältnisse, in denen ich lebe, aufle— gen, ohne Sorgen betreiben, und, was das beglückendsie ist, ich sehe glückliche Menschen um mich. §. 124. Auf diese Weise ein Guth verpachtet, ist gewiß bes— ser als jede Administration durch einen Fremden, denn der Pachter, der so gepachtet hat, kann ganz frei handeln, er ist durch nichts gebunden, und hat die Aussicht, das er den Lohn seiner Arbeit einerntet. Er wird mit mehr Eifer arbeiten, da er ja für sich und die Seinigen arbeitet, was beim Verwalter nicht Statt findet. Ein auf be— stimmtes Lohn gesetzter Verwälter wird endlich in seinem Eifer erkalten, und wenn dieser Eifer auch noch so groß ist, und wenn der Charakter auch noch so gut ist. Dies liegt nun einmal in der Natur der Sache. Ist auch der ⁷ιι 114 a Besitzer des Guths noch so edel gesinnt, und noch so ein— sichtsvoll, und behändelt er seinen Verwalter auch noch so gut, so werden sich immer Menschen finden, die dem Verwalter das Leben verbittern, den sie um der Gnäde des Besitzets willen beneiden. Sie werden ihnt auf alle mög— liche Weise zu schaden suchen, und er wird ermüden. Aber gewöhnlich werden die Verwalter von ihren Herren so schlecht behandelt, daß sie dadurch noch viel früher er— müden, die Wirthschaft vernächlässigen, und viele sogar auf diese Weise zu Schlechtigkeiten verleitet werden. Viele der Herren Guthsbesitzer setzen ihre Verwälter ziemlich in eine Klasse mit ihren Domestiken, und glauben, es schicke sich gar nicht anders, man dürfe sie höchstens nur als den ersten Kammerdiener behandeln. Sie bedenken nicht, daß sie besser fahren würden, da sie ihrem Verwalter den größ— ten Theil ihres Vermögens anverträuet haben, wenn sie ihn gut, vielleicht freundschaftlich behandelten. Solche Herren trauen ihren Verwaltern gar kein feines Gefühl zu, und darum sind sie auch mißtrauisch gegen sie, und halten sie jeden Betrugs fähig. Deshalb wird auch jedem Klätscher Gehör gegeben. Mancher klatscht blos deshalb, um sich zu insinuiren, weil er weiß, sein Herr hört so etwas gern; ein Anderer verläumdet den Verwalter aus Neid, weil er doch vielleicht einen bessern Tisch führt als der Verläumder; ein Anderer sucht dem Verwalter zu scha— den, weil er die Hoffnung hegt, an dessen Stelle zu kom— men; ein Vierter klatscht blos aus Angewohnheit. Am meisten schaden aber die Nachbarn und andre Guthsbe— sitzer, welche ihre Güther selbst ein halbes Jahr bewirth— schaftet, vorher aber nie Landwirthschaft getrieben haben so en⸗ ich noch die dem lade des lle mo⸗ tmüden. Herren üher er— e sogar Viele lich in schicke als den cht, daß den groß⸗ wenn sit Colhe Gefuhl sse, und uch jidem deshall hert so Iter aus ührt als zu scha⸗ zu kom⸗ t. M Zuthsbt⸗ bewirth⸗ ea haben — 115— Diese unwissenden Herrchen glauben, schon in so kurzer Zeit alle landwirthschaftliche Kenntnisse gesammelt zu ha⸗ ben, da sie alle neue Schriften gelesen und schon so lange die Sache praetisch betrieben haben. Gemeinig— lich haben sie viel verschluckt, und noch wenig verdauet. Sie besuchen ihre Nachbarn, revidiren unaufgefordert deren Wirthschaften, und finden eine große Menge Tadel, die sie dem Besitzer, als ihrem besten Freund, blos aus Freundschaft vorlegen; dieser hört diese Leutchen sprechen wie ein Buch, glaubt manches selbst einzusehen, und nun hat der Verwalter allen Kredit vollends verloren. Jener Nachbar erzählt, auf welche Art er der Betrügerei seines Verwalters vorbeugt, dieser meint, hier und da wäre es wohl auch nicht recht richtig mit der Ehrlichkeit des Ver— walters seines Freundes, er wolle ihn nur darauf aur. merksam machen, denn es könne doch wohl nicht von rechten Dingen zugehen, daß der Verwalter solch feines Tuch(wovon etwa die Elle 2 Thlr. höchstens kostet) zum Rock tragen könne. Auch hätte der Herr Verwalter doch wohl zu Häuse genug zu thun, und brauche nicht Gesell⸗ schaften zu suchen, er habe aber verwichenen Sonntag den Verwalter seines Herzensfreundes in N.s Garten angetrof— fen, wo er sehr vergnügt gewesen wäre. Sonntags sollte der Verwalter am ersten zu Hause bleiben, da zu diesem Ta— ge ja alles Gesinde aus dem Hofe lief, und passire etwas, niemand da sey, der das Vorgefallene ins Gleiche brin— gen könne; Arbeit und Zeitvertreib fände der Verwalter gewiß in seinen Rechnungen. So geht es nun auf man— cherlei Weise fort, der bringt jenes, der dieses; so wird doch endlich auch der vernünftig seyn wollende mißtrauisch, 9 2 S22 146— und ist so unklug, sein Mißtrauen dem Verwalter merken zu lassen. Nun fährt er ganz schlecht. Hat er es mit einem redlich gesinnten Verwalter zu thun, der seinen Werth fühlt, der bekommt es bald satt, und sucht je eher je lieber aus dem Dienste zu kommen; es ist demnach ein guter Verwal— ter, der vielleicht viel Gutes an seiner Stelle würde gethan haben, wenn er gut behandelt worden wäre, verloren, an dessen Statt sich vielleicht ein erbärmlicher Mensch findet. 9. 125. ö Sieht es mit dem Herzen des Verwalters nicht richtig aus, der wird die Behandlung seines Herrn geduldig er— tragen, aber fleißig nachsinnen, wie er zu seinem Vor— theil seinen Herrn für die schlechte Behändlung bestrafen kann. Mittel und Wege finden sich, trotz der Ausführung der guten Rathschläge des Herrn Nachbars, doch. Ist übrigens dieser Verwalter geschickt im Schmeicheln, so ist sein Glück gemacht, besonders wenn er und die Seinigen nicht den geringsten Aufwand in den Kleidern u. dgl. macht, immer in einem abgeschabten Oberrock vom gröbsten Tuch einher geht und hübsch zu Häuse bleibt. Dieser Mann wird gelobt und sich des Glücks gesreuet, welches man durch dessen Acquisition gemacht hat. Der vorige Verwalter, besser gesinnt, wandte gleich anfangs einige Summen auf Verbesserung der ganzen Wirthschaft, schaff— te ein vollständiges Inventarium an und handelte so, wie ein rechtlich gesinnter Landwirth handeln muß. Er fand vielleicht die Wirthschaft in sehr schlechten Umständen, nahm daher wenig ein und gab desto mehr zur Verbesse— rung des Ganzen aus; er war demnach nicht im Stande, leken zu t einem thfühlt, ber aus Verwal— gethan ren, an indet. richtig dig er⸗ àVor⸗ sttafen führung h. N „so ist Zanigen u. dol. gröbien Diser welches vorige Reinige schaf so, wie r fand stͤnden, gerbess⸗ Stande/ dem Besitzer große Summen baaren Geldes einzuhändigeu. Kommt nun die Zeit, wo die angebrachten Verbesserungen zu lohnen anfangen, so geht er, weil er sich zu gut für diese Behandlung fühlt, aus der Stelle. Der Nachfolger ern— tet, nun was jener säete; die Einnahme mehrt sich und die Ausgabe mindert sich, weil der jetzige Verwalter nichts auf Verbesseungen wendet, da er jetzt blos darauf bedacht ist, sich so schnell wie möglich die Gunst seines Herrn zu verschaffen und das, was sein Vorgänger that, weit hin— aus reicht. Vielleicht besitzt er auch nicht die Kenntnisse, die zur Anbringung wirklicher Verbesserungen gehören; oder ist klug genug es einzusehen, daß er sich, so wie sein Vorgänger, keinen Ruhm sondern Undank erwirbt, wenn er auf Verbesserungen denkt; er läßt alles beim Alten, schafft dem Besitzer mehr Geld als der vorige, steigt da— durch in der Gunst, und spickt nebenbei, so in aller Stille seine eigne Kasse so lange, bis er gläubt, daß er genug hat, oder bis sein Herr so dankbar ist, ihm das oder ein andres Guth in Pacht zu geben. So geht es meistentheils, und so habe ich es häufig ge— hen sehen. So müssen natürlich die guten Verwalter dünn gesäet seyn; denn der, welcher von den guten es nur einigermaßen machen kann, sagt sich vom Dienen als Ver— walter los, und sucht ein selbstständigeres dankbareres Le— ben. Mancher, der erst sehr reell dachte, strauchelt wohl am Ende, da er sieht, er kommt mit der Ehrlichkeit nicht fort, er wird ein Schmeichler und— ein Betrüger. Ich kenne Besitzer, die scheel sehen, daß ihr Verwalter Kinder bekommt, die sie ernähren müssen, und lassen den Unwil— len, den sie darüber hegen, wohl gar laut werden. Muß Lauluud 118— dies aber nicht den Verwalter, wenn er nur einigermaßen Gefühl hat, sehr kränken und schmerzen? Mehrere Guths— besitzer machen ihre Bedienten oder dergleichen Leute zu Verwaltern ihrer Güther, um sie für ihre Treue zu beloh— nen. Hierbei haben sie aber weiter keinen Gewinn als den, daß sie ihre Verwalter behandeln können, wie es ihnen nur beliebt; denn dieser fühlt sich glücklich, wenn er nur Herr Verwälter genannt wird. Wie aber das Guth bei einem unwissenden, vielleicht auch noch schlecht— denkenden Verwalter sich befindet, dies wird nie unter— sucht, die immer höher gestiegenen Preise der landwirth— schaftlichen Produkte haben die Einnahme in Etwas erhö⸗ het, und man ist zufrieden. §. 126. Nie würde ich mein Guth eher einem Verwalter an— vertrauen, bis ich einen Mann gefunden hätte, den ich ganz genau als einen redlichen Menschen und geschickten Landwirth kennen gelernt hätte; ich setze voraus, daß ich auch hier vorher Sorge trage, damit ich schon weiß, wo— hin, wenn ich wirklich ihn brauche. Ich habe gewiß un— ter meinen Bekannten einen, der ein wirklich geschickter Landwirth und guter Mensch ist, der wird auch gewiß mehrere Männer kennen, die er mir zu Verwaltern vor— schlagen kann und darf. Hätte ich meinen Mann gefun⸗ den, so würde ich ihn unter folgenden Bedingungen anneh— men: ich würde ihm einen guten fixen Gehalt gewähren, der sich nach dem Umfange der Wirthschaft richtet, der aber nie ärmlich seyn würde, denn ein Arbeiter ist seines Lohns werth. Dann würde ich mich mit ihm über eine —2 —— 1..—.———————————...... rmaßen Guths⸗ Hutt zu blloh— inn als wie es enn er r das hlecht— unter⸗ virth⸗ erho⸗ ltet an⸗ din ich schickten daß ich iß, wo⸗ wiß un⸗ schkte gebiß rn bor⸗ gefün⸗ annch'⸗ wähten, et, det st stines iber eihe Summe vereinigen, die durch einen richtigen Anschlag des Guths bestimmt wird; was er über diese Summe mehr reinen Gewinn vom Guthe berechnete, davon würde ihm ein Viertheil als Tantieme zugesichert. Doch müßte hierbei schlechterdings eine Reihe Jahre festgesetzt werden, wie länge dieser Kontrakt dauern soll. Diese Zeit muß der Besitzer sowohl, als auch der Administrator aushalten. Denn der Verwalter muß gesichert seyn, daß, wenn er jetzt verbessert und vielleicht in den ersten Jahren kaum die bestimmte Summe berechnet, er doch am Ende den Lohn seiner Arbeiten einerntet. Der Besitzer hingegen muß auch versichert seyn, daß der Verwalter nicht vielleicht strau— chelt, das Aussaugesystem so gut wie ein gewöhnlicher Pachter ann mmt, und so lange im Dienste bleibt, so lange noch das Guth etwas hergiebt. Damit allenfalls der Be— sitzer nicht gar zu fest an den Verwalter gebunden ist, so kann etwas für den Abgang bestimmt werden, im Fall der Besitzer einen frühern Abgang des Verwalters wünschte. UL. 127. Uebrigens würde ich meinen Verwalter behandeln, so wie es jeder gebildete Mann verdient, und so wie der Mann, von dem die Vermehrung oder Verminderung meines Ver— mögens abhängt, behandelt werden muß. Je freundschaft— licher, je zutrauungsvoller ein braver Verwalter von sei— nem Herrn behandelt wird, desto mehr wird er sich bestre— ben dieses Zutrauen und diese freundschaftliche Behandlung zu verdienen; der Eifer, seines Herren Bestes zu suchen, wird erhöht werden. Das Guth wird bald eine Muster⸗ wirthschaft aufzuweisen haben, meine Kasse wird sich wohl 120 3 äbei befinden, und ich werde Freude an allem, was die Wirthschaft betrifft, haben. Nur darf es mir freilich nie einfallen, meinem Verwalter es zu mißgönnen, wenn seine Tantieme sich am Ende hoch hinauf läuft, und er wohlha— bend dabei wird. Immer muß ich daran denken, daß die— ser Mann es ist, der meine Wirthschaft so weit brachte, und daß es diese Tantieme ist, durch die er gereizt wurde, die Wirthschaft so hoch empor zu bringen; und daß, hätte ich diesen Mann nicht, und ihm nicht diese Tantieme zugesichert, ich mich auch nicht der Dreiviertel des vermehrten Ertrags, was mein gehört, erfreuen könnte. 56. 128. Freilich bin ich bei solch einem Kontrakt schlimmer dran, als hätte ich mein Guth an einen reellen Mann verpachtet, denn mir bleibt das ganze Risiko; ich muß die Meliora— tionen allein bestreiten und bin so nicht Herr meiner Wirth⸗ schaft, als wenn ich solche verpachtet hätte, denn natür— lich wird der Verwalter freie Hand im Spiel verlangen, was er mit Recht thun kann. Aber ich weiß auch keinen andern Rath als Verpachten an einen edelgesinnten, kennt— nißreichen Mann, der sich gewiß leicht finden wird, wenn man sich nur die Mühe des Suchens nicht verdrießen läßt. Ich kenne deren genug, mir sollte es nicht schwer werden, für mehrere Güther, hätte ich nur deren viele, gute Päch⸗ ter zu finden. §. 129. Doch derjenige Gutsbesitzer, welchem der große Wurf gelungen, einen tüchtigen und redlich gesinnten Verwalter gefunden zu haben, was ebenfalls nicht schwer ist, der 7+—— SFX„.—5„—K die 9 nie seine hlha⸗ ö fdi Und „die ich hert, ags, drah, ichttt, lota⸗ Inth⸗ uutir. ngen, keinen kennt · wenn lät. rden, läc Wurf walter „ der suche ihn fest zu halten er behandle ihn, wie er es verdient, jutrauungsvoll; leihe sein Ohr keinem Verläumder, sondern prüfe, doch ohne Mißtrauen zu äußern, mit eignen Au⸗ gen; versteht er auch die Landwirthschaft, so läßt sich doch bald an dem ganzen Betragen der redliche Mann vom Be— trüger unterscheiden. Sechster Abschnitt. u e b er, den Fulrterr via u. a) Ueber den rothen Kleebau. ꝗ. 130. Ich halte nur allein die Viehzucht als die Basis der vollkommnen Landwirthschaft, denn den thierischen Dünger können wir nicht entbehren, wir mögen Dreifelder⸗‚ Wech— sel⸗, Koppel-oder freie Wirthschaft einführen. Je mehr in einer Wirthschaft thierischer Dünger producirt wird, auf eine desto höhere Stufe der Vollkommenheit kann, wenn dieser Dünger zweckmäßig angewendet wird, die Wirth— schaft gebracht werden. Deshalb war mein erstes Haupt— augenmerk auf die Vermehrung des Futters aller Art ge— richtet, hauptsächlich trieb ich den Kleebau möglichst hoch und suchte die Wiesen zu verbessern. Den Klee säete ich NB. bei der verbesserten Dreifelderwirthschft unter Gerste, welche nach Roggen folgte, die in gedüngte, mit weißem Klee besäete Lämmerweide gesäet war, und fuhr allemal sehr gut dabei; unter den Hafer gesäet, wollte mir es nie so glücken. Nie hat es mir gefallen, den Kleesamen mit sammt den Kappen zu säen, wie Manche thun; es kann bei dieser Methode nie die Kleesaat so egal stehen als mög— lich ist, wenn der Same rein gemacht ist. So liegen z. B. die reifsten ausgefallenen Körner, weil sie schwerer sind, Ihi—oÓl1ö 123— immer im Sack und im Säctuch unten zu Boden; geht es zur Neige, so kann es nicht fehlen, daß die Stellen, wo sich dies trifft, dichter besäet werden, als das übrige Feld. So kann ich bei der Kappensaat nie genau bestimmen, wie dick der Klee gesäet werden soll, da ich nicht genau weiß, wie viel Samen die Kappen enthalten; auch hindert der Wind beim Säen mit Kappen, mehr als bei der reinen Saat, das egale Säen, auch der geringste Wind treibt die leichten Kappen und den darin befindlichen Samen immer— während nach einer Gegend. Säe ich reinen Samen, so ist dieser an und für sich schwerer, und ich kann auch den⸗ selben mehr untenhin säen. 5. 131. Viele Landwirthe in Sachsen säen den Kleesamen dann erst unter die Gerste, wenn diese seit einiger Zeit auf— gegangen ist, und walzen sodann gleich hinterher. Ich habe dies auch zuweilen gethan, doch gefällt mirs nicht recht. Der Kleesame soll bei dieser Methode nicht allein sehr schnell aufgehen, weil die Gerste ihm Schatten macht und das völlige Austrocken des Bodens verhindern soll; so soll auch der aufgegangene Kleesame auf diese Weise mehr gegen die Erdflöhe schützen, da diese Insekten den Schatten nicht lieben, und die schon dastehende Gerste den Klee beschatten soll. Einigemal ist mir die Ausübung die— ser Methode schlecht bekommen. Gemeiniglich fällt im Mai und Anfangs Juni viel trockne Witterung ein, so, daß oft die Walze keine Wirkung thut; immer hofft man auf Regen, aber diese Hoffnung schlägt fehl, und die Oberfläche trocknet immer mehr aus. Endlich kann man nicht länger mit dem Kleesäen warten, man ist froh, wenn nur wenige Tropfen Regen gefallen sind. Die Walze hüpft auf den harten Erdenklößen herum und kommt selten oder nie auf den Grund. Der ausgestreuete Kleesame wird folglich nicht einmal angedrückt, geschweige denn, daß er eine geringe Bedeckung erhielt, was sonst wohl der Fall seyn kann, wenn die Erdenklöße sich zerdrücken lassen. Es kann demnach nur weniger Kleesame aufgehen; der we— nige geht auch wohl sehr spät, erst nach einem zu lange ausgebliebenen Regen auf. Bei der sehr späten Kleesaat trifft sichs auch oft, daß die vielleicht nach einem Regen üppig wachsende Gerste den jungen Klee zum Theil erstickt, oder doch wenigstens ihn vom Wachsthum abhält. Hier— durch kommt er nicht allein sehr dünn zu stehen, sondern er kann sich auch nicht bestauden und so dem Winter trotzen. Obendrein fehlt ihm auch die Zeit zum Bestauden, beson— ders wenn der junge Klee zu zeitig im Herbste mit dem Vieh beweidet wird. §. 132. Seitdem ich diese Erfahrungen gemacht habe, habe ich lieber den Kleesamen dann säen lassen, wenn die eben gesäete Gerste einmal in die Quere eingeegt war. Hier war die Ackerkrume schon eben und klar geegt und es war nicht zu fürchten, daß das kleine Samenkorn zu tief hin—⸗ unter kam und mit zu viel Erde bedeckt wurde. In dem frisch gepflügten Ackerboden war auch genug Feuchtigkeit auf der Oberfläche noch vorhanden, als zum schnellen Kei⸗ men des Kleesamens, der seiner Kleinheit halber nicht tief hinunter darf, nöthig war. Der junge Klee konnte nun auch mit der Gerste gleichen Schritt im Wachsen halten und es war von dieser kein Unterdrücken zu fürchten. Der Klee hatte Zeit sich zu bestauden und tüchtige Wurzeln zu bilden, und so konnte er dem Winter Trotz bieten. Auf diese Weise bin ich immer gut gefahren, und nie hat mir der Klee versagt. Immer habe ich dichtbestandenen Klee ge— habt, der kein Unkraut aufkommen ließ, oft im Herbste noch gemäht werden konnte und dann jedem Winter Trotz bot. 9. 188. Ein sehr großer Fehler wird begangen, wenn man den jungen Klee im Herbste mit großem Viehe, besonders mit Rindvieh, beweiden läßt. Die schweren Ochsen oder Kühe treten nicht allein viele Kleestöcke ganz in die Tiefe, sondern sie treten mit ihren spitzigen Füßen auch die Kleestocke um ihre Fustapfen herum, welche sie nicht unmittelbar nie⸗ dertreten, erdenlos. Oefters sieht man eine Menge Klee— stocke rund um bis auf eine beträchtliche Tiefe von aller Erde entblößt, sie hängen nur noch mit den untern Spitzen der Wurzeln an. Solchem Klee muß natürlich der Winter gewaltig schaden. Es versteht sich, daß dieß um so mehr im lehmichten Boden bei feuchter Herbstwitterung vorfallt. Die Besitzer solcher Kleestücken wundern sich dann, warum sie im Frühjahre, besonders auf den mehr feuchten Stel— len, keinen Klee mehr haben. Ich habe meinen Klee nie mit großem Vieh beweiden lassen, und nie ist mir Klee aus— gewintert, während dem die benachbarten Kleestücken, die mit Kühen im Herbste beweidet worden, vom Klee fast ganz entbiößt waren. Man schob es dann auf mancherlei Ursachen. Auch die Schäfe können bei nasser Herbstwit⸗ m 126— terung auf dem jungen Klee einigen Schaden verursachen, aber doch keinen so bedeutenden als das schwerere Rind— vieh. Doch habe ich immer darauf gesehen, daß bei zu nasser Witterung der Klee von den Schafen verschont blieb; bei trockner Witterung haben mir diese Thiere nie Scha— den auf meinem jungen Klee verursacht, wohl eher Nutzen gestiftet, da sie den Ackerboden noch etwas derb und an die Kleewurzeln andrückten und so den Klee selbst noch mehr gegen das Auswintern schützten. Letzteres wurde auch von vielen benachbarten aufgeklärten Bauern behauptet; und ich wurde von ihnen im Herbste ersucht, doch meine Schafe auf ihrem Klee weiden zu lassen, wozu ich eigent— lich kein Recht hatte, aber sehr gern ihre Bitten erfüllte. §. 134. Im Frühjahr, wenn die Vegetation eingetreten ist, habe ich den jungen Klee mit möglichst fein gemahlnem Gips bestreuet, auf den Acker ohngefahr 14 Dresdner Scheffel, und Wunder hat diese Düngung bewirkt. Mehrere ent— scheidende Versuche habe ich in Hinsicht der frühern Dün— gung, sowohl im Herbste als auch im zeitigen Frühjahr unternommen, und immer habe ich gefunden, daß die spätere Ueberstreuung wirksamer war als die frühere. Aber keinesweges kann ich deshalb noch zugeben, daß der Gips am mehrsten wirke, wenn er auf den Blättern des jungen Klees liegen bleibt. Viele wollen behaupten, der Gips äußere seine meiste Wirkung von oben herein durch die Blätter. Zugeben will ich das letzte, nur nicht, daß der Gips deshalb auf den Blättern liegen bleiben müsse, und noch weniger, daß der Gips selbst unmittelbar als Nah— — 7„— chen, Nind⸗ hei zu blich Scha⸗ utzen d an nehr auch eme Kut⸗ iEH 127 IR rung diene. Aber es scheint mir doch, als wenn er dem Klee am meisten nutze, wenn er auf der Oberfläche des Ackers liegen bleibt; und ich vermuthe, daß eben deshalb die zeitige Bedüngung damit nicht gut thue, weil die Win— ter⸗ und zeitige Frühjahrs⸗Witterung ihn zu sehr auflo— sen und aufgelöset in die Tiefe führen. Freilich wird diese Vermuthung dadurch geschwächt, daß auf Wiesen der Gips gestreuet, mehrere Jahre lang seine Wirkung vor— theilhaft äußert. 8. 135. ö Ich habe eine Wiese mit Gips bestreuen lassen, wor— auf die erste Maht um nicht viel sich vor der jährigen aus— zeichnete, die zweite Herbsimäht war schon merklich reich— licher, die dritte, im zweiten Jahr nach der Gipsdüngung, gab noch einmal so viel Futter als sonst, und auffallend war es, daß es meistens aus rothem Klee bestand; die vierte und fünfte Maht waren der dritten gleich; weiterhin kenne ich die Wirkung dieser Gipsdüngung nicht, weil ich die Wirthschaft einem Andern übergab. Dieß beweist doch deutlich, daß der Gips nicht auf den Blättern zu liegen brauche, um gute Wirkung zu äu⸗ ßern. Auch wird er, da er schon zwei Winter und zwei Sommer lag, nicht mehr auf der Oberfläche geblieben, sondern durch das Regen- und Schneewasser mit in die Tiefe genommen worden seyn. 5. 36. Daß bei der Gipsdüngung die Schwefelsäure das meisie wirkt, davon glaube ich überzeugt zu seyn. Ich wendete einmal Glaubersalz als Düngung an, um durch lsF 1 28 b,cä diesen Versuch einem Freund, welcher eine Salmiakfabrik besitzt, zu nützen, und dieses Salz äußerte, in geringer Quantität angewendet, vortreffliche Dienste. Glauber— salz besteht aus Natron und Schwefelsäure, so wie der Gips aus Kalk und Schwefelsäure. Die große Wirkung, welche die Oppelsdorfer Braun— oder Schwefelkohle als Düngung äußert, beweist auch, daß Schwefelsäure günstig auf die Vegetation wirkt, in⸗ dem eine andere Braunkohle, die wenig Schwefelsäure ent⸗ hält, fast keine Wirkung auf die Vegetation äußert. Höch— stens wirkt sie auf sehr schweren lehmigten Boden mecha— nisch, und nur nach Verfluß längerer Zeit kann sie chemisch wirken. Da ich nun glaube, daß die Schwefelsäure bei der Gipsdüngung am meisten wirkt, so sollten wirklich die Landwirthe solcher Gegenden, wo sich kein Gips vorfindet, mehr nach schwefelhaltiger Braunkohle oder Torf nachsu— chen, denn gemeiniglich, wenigstens oft, findet sich der Torf und die Braunkohle, wo es an Kalk, Gips und der⸗ gleichen fehlt. §. 137. Sehr wundere ich mich, daß die Asche der Braun— kohle und des Torfs weniger als Dünger benutzt wird. Hier ist der Gips wirklich da schon drinnen enthalten. Ih habe die Braunkohlenasche mit großem Vortheil als Klee— und Wiesendüngung angewendet; nur muß sie in weit grö⸗ ßerer Quantität als Gips aufgestreuet werden. Es kommt wohl hier viel auf die Asche an, welche sehr verschieden ist; die darin enthaltene Quantität Gips muß wohl bestim— men, Kle kfabriͤ eringer laubet⸗ ie dir 'taun⸗ auch, „ in. ent⸗ hoch echa⸗ misch i dei ch de findet, achsu⸗ ch der der⸗ raun⸗ wird. JI Klee⸗ 6-ro⸗ ommt en ist. stiu⸗ poo 129— men, wie dick sie gestreuet werden soll. Drei bis viermal dicker als Gips aufgestreuet, wird gut seyn. 9. 138. In Ponitz habe ich den Kleebau auf die höchste Stufe der Vollkommenheit gebracht; jedermann, der meinen Klee sah, staunte. Der Boden schien ihm besonders gün⸗ stig zu seyn, die Felder waren in reichem Düngerzustande, und die Gipsdüngung that, nebst anderer zweckmäßiger Behandlung, das Ihrige. §. 139. Zur grünen Fütterung habe ich im Frühjahr den jun— gen Klee so zeitig, erst mit der Sichel, später mit der Sense, mähen lassen, als es nur möglich war. Kaum ist er 5 Zoll hoch gewesen. Hierdurch habe ich zweierlei be— zweckt: erstens bekam so das Rindvieh sehr zeitig etwas Grünes, und dann wuchs dieser frühzeitig gemähete Klee auch zeitig wieder nach, und war wieder mähbar, ehe der erste Schnitt zu alt war. Es versteht sich, daß der junge Klee mit Vorsicht gefüttert werden muß. Doch hat dies nie Schwierigkeiten verursacht, der junge Klee wurde sorg⸗ fältig entweder unter gutes Grummet oder unter Ueber⸗ kehr gemengt, und so den Kühen vorgelegt. So konn— ten sie nicht zu gierig fressen, und gewöhnten sich nach und nach ans grüne Futter. Auf den Milchertrag hat diese Methode einen sehr günstigen Einfluß. §. 140. Den Kleebau habe ich nicht allein um der Sommer⸗ fütterung willen betrieben, sondern ich habe auch viel Klee trocken zu Winterfütterung gemacht. Beim Trock— 7 J nen bin ich folgender Gestalt verfahren: Ich ließ nie zu viel auf einmal mähen, um nicht zu viel Arbeit auf einmal zu bekommen, besönders um bei schlechter Witterung, wo die Arbeit vermehrt wird, nicht zu viel Menschen nöthig zu haben, und ist die Witterung gar zu ungünstig, damit nicht zu viel verderbe. Ich habe immer nur den 4ten, sten oder éten Theil von dem, was zum Trocknen be— stimmt war, auf einmal mähen lassen; ist der erste bald trocken genug, so wird eine zweite Parthie gemähet, und so geht es fort, bis alles gemähet ist. Nach dem Mähen lasse ich den Klee einen ganzen Tag, auch wohl zwei, wenn die Sonne und der Wind nicht recht günstig wirken, ruhig in Schwaden liegen, dann wird derselbe mit dem Rechenstiel umgewendet; nun bleibt es wieder einen Tag liegen, sodann wird er trocken auf kleine recht schmale Haufen gebrächt, und sehr darauf gesehen, daß kein Klee unaufgelockert unter diesen Hau— fen liegen bleibt. Dies Häufeln ließ ich entweder Abends oder früh verrichten, damit nicht, wenn es in den heißen Stunden geschähe, die Blätter abfallen; in den Morgen— und Abendstunden ist der Klee feucht, und es ist kein Ab— fallen zu befürchten. Es versteht sich, daß es nicht zu früh geschehen darf, weil sonst der Klee ganz naß seyn kann, und keine lockern Haufen gesetzt werden können. Hat der Klee so wieder ein bis zwei Tage gestanden, so wird er Händevoll auf eine andere Stelle wieder in lo— ckere spitzige Haufen gebracht, so, daß das Unterste oben, und das Oberste unten kommt. Nun bleibt er stehen, bis alle Blätter trocken sind; um die Stengel habe ich mich nicht bekümmert, diese werden spät erst trocken, wo un⸗ tetd dert Jud dert rung Il und u schel Eunde Ias n la gen he und e und w hiltj lwis⸗ don Regen halte, hithe hunn rünnn, bf G bch lagt, D lracht Emoil Heinmal / oo üthig damit Nten, nen be⸗ bald Hind so hanzen Wind Megen, u nun rocken arauf Hau⸗ Ybends Cheißen jorgen⸗ siin M⸗ cht zu 5 sehn Wieh. ginden, hin lo⸗ oben, in, bis Hnch vo M⸗ a 131 aarer terdessen alle Blätter fest sind. Die blos welken Stengel derderben nicht, wenigstens ist mir unter vielen hundert Fudern so getrockneten Klees auch nicht ein einziges ver dorben. §. IAI. Dies beschriebene Verfahren ist das bei guter Witte⸗ rung. Aber bei anhaltend schlechter Witterung muß mehr Arbeit darauf verwendet werden, wenn es nicht verderben, und un brauchbar als Fütterung werden soll. In der Haupt⸗ sache bleibt die Arbeit dieselbe, nur habe ich jedes Paar Stunden, wo es nicht regnete, und vielleicht die Luft etwas ging, benutzt, und den Klee wenden und auflok⸗ kern lassen, er mag noch in Schwaden oder Häufchen gele— gen haben. So konnte er nie warm über einander werden, und es ist mir auch nicht ein einziges Fuder verdorben, und wenn auch das Regenwetter 14 Tage und drüber an— hielt; gute Tage sind bei jedem anhältenden Regenwetter dazwischen, und diese müssen nur nicht versäumt werden. Von schlechterer Qualität ist er allemal, sobald er viel Regen aushalten mußte, als wenn er immer gutes Wetter hatte, doch gänzlich verderben darf er nie. Geitzige kand— wirthe spären den Lohn der Arbeiter, und lassen in den guten Tagen zwischen dem Regenwetter nichts thun, sie meinen, trocken wird er in so kurzer Zeit doch nicht, und was hilft es, wenn man die nasse Seite hinunter wendet. Sie bedenken aber nicht, daß der untere, wenn er lange liegt, warm und schimmlicht wird. 5. 162. Das Kleetrocknen ist immer bei mir sehr leicht voll⸗ dracht worden. Der meiste Klee wurde immer zu Anfange 2 der Wiesenheuernte getrocknet, und hier wurden limmer die Stunden zum Wenden des Klees verwendet, die zum Wiesenheumachen nicht passend waren. Es versteht sich, daß die Häufchen immer reihen⸗ weise und so gesetzt wurden, daß zwischen 2 Reihen ein Wagen fahren konnte, wodurch das Aufladen zu beiden Seiten sehr bequem anging. Das Einfahren geschieht ebenfalls immer früh, wo die Blätter etwas feucht sind, damit auch beim Aufladen keine Blätter verloren gehen. Den trocknen Klee habe ich zur Vorsorge auf die Empor— scheunen und über die Durchfahrten, welche durch Ge— bäude gingen, oder über Wagenschuppen legen lassen, wo er immerwährend dem Luftzug von unten ausgesetzt war. Doch seitdem die dastehenden Gebäude nicht mehr zurei⸗ chen wollten, habe ich mich einer nach Triestscher Angabe gebaueten Scheune bedient. Triest hat ein eignes Werk⸗ chen über diese Art Scheunen herausgegeben, was von je⸗ dem Landwirth, der Scheunen zu errichten hat, gelesen zu werden verdient. Triest empfiehlt sie dort blos zur Aufde— wahrung des Getreides. Doch ich finde sie fast noch zweck⸗ mäßiger zur Aufbewahrung des Klee⸗ und Wiesenheus. Zu diesem Behuf habe ich nur eine einfache, ohne Dreschtenne, erbauen lassen. Diese Scheune blieb ganz offen, und wurde weder ausgesetzt noch mit etwas beschlagen, noch behangen, blos von unten her ließ ich 6 Fuß lange Rei⸗ sigbunde anlehnen und befestigen, so war das Heu gegen Beschädigungen des Viehes gesichert, und weder Regen noch Schnee konnnten ihm schaden. Das überragende Dach schützte es von oben, und das Holz von unten. den immer t/ di zun ser keihg Reihen ei zu beidin geschicht ucht sind m gehen. e Empor⸗ urch Ge⸗ assen, wo sesetzt war., nehr zure⸗ her Myabe nes Bal vas von se⸗ gllosen zur Juft⸗ noch zvek⸗ sahtus. 3u Dreschtennt, ofin, und agen, noc lange Nen Hauu geglh eder Nehl agende dus . — 133— 9. I43. Das Kleeheu hat mir im Winter vortreffliche Dienste geleistet; alles Vieh frißt es gern. Die Kühe melken bei hinlänglichem Saufen vorzüglich gut darnach, und die Nilch ist von sehr guter Qualität und sehr schmackhaft. Aber besonders gedeihlich ist es den Mutterschafen, sie bekom⸗ men viele Milch, und die Wolle wächst sehr darnach. Schon die Lämmer im Mutterleibe gewinnen durch die Kleeheu— fütterung, sie sind immer groß, stark und gesund. Durch das Kleeheu war ich im Stande, in Ponitz meine Schä⸗ ferei von 450 Stück bis auf 900 Stück zu verstärken, und nur 8 Stück im Durchschnitt, von Alt: und Jung, hrauchte ich zu einem kleinen Stein Wolle. §. 144. b) Ueber den Luzernebau. Der Werth der Luzerne ist sehr groß: sie ist erstlich das erste grüne Futter im Frühjahr, und schon dies al⸗ lein giebt ihr einen hohen Werth; dann passen die künf— tigen Schnitte, die man den Sommer hindurch von einem Luzernefelde nehmen kann, immer in die Zwischenzeit, wo ein Schnitt rother Klee zu Ende ist. Besonders beim er— sten Schnitt ist es ein sehr erheblicher Vortheil, wenn man ein Luzernefeld hat, weil da immer der erste Schnitt rother Klee zu alt, und der junge noch nicht zum Mähen groß ge— nug ist. Ferner erhält die Luzerne großen Werth dadurch, daß sie so oft, vielmal smal in einem Sommer, gehauen werden kann; und dann ist sie, wenn das Luzernefeld ein⸗ mal in gutem Stande ist, ein sehr wohlfeiles Futter, in— dem sie 10 und mehrere Jahre ausdauert, und folglich während dieser Zeit keine Beackerung, keinen Samen, son⸗ dern nur einige Mal Düngung verlangt. 9. 145. Dies Alles ist genug, um einen Landwirth zur Anle⸗ gung eines Luzernefeldes zu veranlassen, und ihn zu be⸗ wegen, seine Aufmerksamkeit auf die zweckmäßige Anlegung dieses Luzernefeldes zu richten. Es ist etwas nicht gar leichtes, ein gut bestandenes Luzernefeld herzustellen. Sel⸗ ten habe ich ein von Unkraut reines Luzernestück gesehen, immer hatten die Quecken und anderes Unkraut die Ober⸗ hand. Aber möglich ists, ein beinahe völlig reines Luzer⸗ nefeld zu schaffen, nur muß es im Anfange gleich sehr in Acht genommen werden. §. 146. Die beste Methode, die ich kenne, ist folgende: Es wird ein Stück Feld, so groß als es für die Wirthschaft passend ist, in möglichster Nͤähe am Hofe ausgesucht. Doch, hat man die Wahl, so ist ein Feld zu wählen, was wenigstens 50 pCt. Thon enthält; ein mehr sandiger Acker— boden ist der Luzerne nicht günstig. Dieses Stück Feld wird im Herbst oder Frühjahr sehr stark mit Rindvieh⸗ dünger befahren, und nach gehöriger tüchtiger Bearbei— tung Weißkohl(Kopfkohl, Kraut, Kumist) hineinge— pflanzt. Dieser Weißkohl wird nun so oft mit der Hand⸗ hacke behackt, als nur Unkraut sich zeigt. So wird das Land für die Luzerne vorbereitet, das Kraut läßt noch Dünger zurück, damit die Luzerne für die ersten Jahre Nahrung hat, und durch fleißiges Behacken wird das Unkraut, was — scho fam sch beg dir! schb d gcbr uitt h und; unter ate zigl U wel; sons wenn 0 u dann zur Mnle n zu h Inlegung icht gar 1. GSel⸗ zesehe u, Ober⸗ Luzer⸗ scht in nde: Es thschaft Sgesucht. len, was jer Acker⸗ lück eb indvieh Bearbei⸗ mneinge⸗ Hand⸗ as Land Dünget Rahrung ut, was schon im Felde war, und was durch den Dünger hinein— kam, vertilgt. 5. 14/. Will man noch weiter gehen, und der Luzerne recht sicher aufhelfen, so wird das Feld, sobald das Kraut weggenommen ist, stark mit den Schafen behordet, und der Pferch noch im Herbste untergepflügt. Nur lasse man sichs ja nicht einfallen, Mist noch einmal aufzufahren, durch den Mist wird eine Menge Unkraut wieder ins Feld gebracht. Im Frühjahr drauf ist es gut, wenn das so vorbe— reitete Feld noch einmal, ohne die Saatfurche, etwas tief gepflügt wird. Anfangs May wird zur Saat gepflügt, und zuerst Hafer, doch etwas dünn aufgesäet; dann wird unter die bestimmte Quantität Luzernesamen noch der Ate Theil so viel rother Kleesame gemischt, und beides zugleich auf das schon einmal geegte Feld gesäet. Eine Hauptregel ist es, daß man die Luzerne nicht zu dünn säe, weil gemeiniglich der Same, den man kauft, zu alt, oder sonst ein Theil verdorben ist. Am sichersten geht man, wenn man den Samen in einem Blumenasche probirt, um so zu erfahren, wie viel Körner ausbleiben; hiernach kann dann der Maßstab genommen werden. §. 148. Der Hafer dient Anfangs der jungen Luzerne zum Schutz; er wird, wenn er schädlich werden will, zur Füt⸗ terung abgehauen. Reif darf man ihn nicht werden las⸗ sen, weil er dann zu viel Kraft aus dem Felde zieht, und leicht auch durch seinen üppigen Stand die junge Luzerne — 136 W ersticken kann. Da die Luzerne sich nach und nach bestau— det, und Anfangs nur ein einzelnes Stengelchen bildet, so nimmt der untergesäete Klee in dem sten und 2ten Jahre die Stelle ein, der nachher der sich vergrößernde Luzerne— stock braucht. Ist der Klee nicht da, so wird an seiner Statt das Unkraut die lleeren Stellen einnehmen. Oben— drein hat man durch den Klee noch den Vortheil, daß man schon in der ersten Zeit eine Menge gutes Futter gewinnt. §. 149. Ein auf diese Weise behandeltes Luzernefeld wird bald seinem Besitzer Freude gewähren. Es wird rein von Unkraut seyn, und da das Feld Düngerkraft in sich hat, so wird die Luzerne sich schnell bestauden, und dem Unkraut das Wuchern verwehren. Der Klee wird nach und nach, so wie die Luzerne sich mehr und mehr ibestaudet, auswin⸗ tern und Platz machen. Im 2ten oder Zten Jahre thut man wohl, wenn man sein Luzernefeld mit Gips, oder in dessen Ermängelung, mit Holz- oder Torfasche bedüngt, es ist dies sehr belohnend. Im 5ten oder éten Jahre ist es nöthig, daß das Luzernefeld einmal tüchtig im Herbst behordet wird. Wer nicht behorden kann, kann auch Mist auffahren, doch ist hier Risiko, daß Unkraut mit ins Feld kommt. Es wird nun fortgefahren, alle 2 bis 3 Jahre das Luzernefeld abwechselnd mit Gips und Pferch zu düngen, wodurch es vielleicht 15 Jahre in gutem Stande erhalten werden kann. Zu lange darf es aber auch nicht beibehalten werden, denn sobald die Luzerne nach und nach ausgeht, tritt Unkraut, besonders die Quecken, an ihre Stelle, und verunreinigt das Feld so, daß es nur SSE 86 befa n blde, en Ihe luzerne⸗ m seiner Oben⸗ aß man ewinnt. wird in von ch hat, Unkraut d nach, uuswin⸗ hre thut 5„ oder edüͤngt, Nahre ist Herbi ich Mst 8 Feld 3 Ahte rch ju Stande ch nicht ach und cken, an ll ——————— A 137 E durch viele Kosten und Arbeit gereinigt werden kann. Wo hingegen ein Luzernefeld, das rein vom Unkraut ist, hin— terher noch vielen Gewinn giebt; es können 2 bis 3 Früchte ohne Dünger aus einem umgerissenen reinen Luzernefeld gezogen werden, und alle werden reichlich lohnen, beson⸗ ders die Kartoffeln. ö§. 130. Die Bemerkung wurde in meiner Wirthschaft gemacht, daß Luzerne nicht die Quantität Milch gebe, als bei der rothen Kleefütterung Statt fand, auch war die Milch nicht von so guter Qualität und von so reinem Geschmack. Doch ist der Unterschied in allem nicht sehr groß, und dieser Fehler ist als ein Nichts gegen die vielen Vortheile anzu— sehen, die ein gut beständenes Luzernefeld gewährt, und die ich vorn aufgeführet habe. ö c) Ueber den Erbsenbau. §. 151. Die Erbsen habe ich immer um des Futters willen ge⸗ bauet, und darum theile ich auch meine im Erbsenbau gemachten Erfahrungen hier mit. ö Immer habe ich die Erbsen im sogenannten Brach— schlag, meist im frischen Dünger gebauet; doch oft habe ich in kraftvollerm Boden schönere Erbsen in ungedüngtem Felde gebauet; aber wenn es möglich war, so wurde zu den Erbsen gedüngt, damit dies im Herbste, bei nothwen⸗ digerer Zeit, nicht zu thun nöthig war, indem doch zu dem, nach den Erbsen folgenden Roggen gedüngt wurde. —.— 136 uul. d. 1552. Die schönsien Erbsen habe ich erbauet, wenn ich im Herbste die Gerst⸗ oder Haferstoppel gut pflügen, dies in rauher Furche bis zum Frühjahr liegen, und nun, sobald die Witterung es erlaubte, ohne weiteres Pflügen, die Erbsen säen ließ. Der Ertrag war sich ziemlich gleich, ob im Herbste zugleich Dünger untergepflügt war oder nicht. Es versteht sich, daß dieses im Herbst gepflügte Feld et— was mehr Egen erforderte, als wenn es im Frühjahr gepflügt worden war. Daß auf diese Weise die Erbsen gut geriethen, war wohl die zusammen gehaltene Feuchtigkeit die Ursache. Denn natürlich konnte ein im Herbst gepflüg— tes Land nicht so austrocknen, als ein im Frühjahr frisch gepflügtes. Die Erbsen gingen im feuchten Acker schnel— ler auf, und wuchsen schneller empor. §. 153. Eine eigne Bemerkung habe ich beim Erbsenbau noch gemacht. Ich glaubte dieser Frucht eine große Wohlthat zu erzeigen, wenn ich das dazu bestimmte Feld im Herbste noch einmal, und im Frühjahr zur Saat noch einmal pflü⸗ gen ließ. Um zu sehen, wie groß der Vortheil dieser Be⸗ handlung sey, wurde nur ein Theil des Feldes 2 Mal ge⸗ pflügt, das andere Theil aber nur im Frühjahr; zu meinem größten Erstaunen standen die, auf dem einmal gepflügten Stück schon anfänglich viel besser als jene, und gaben auch am Ende mehr Ertrag. Um hierin ins Reine zu kom⸗ men, stellte ich noch 2 Jahr hinter einander Versuche des⸗ halb an, und die Resultate blieben sich gleich. beun ih n u, des„ n, sobah igen, de gleich d der nicht Feld et⸗ rühjahr hsen gut ctigkeit gepfüg⸗ he flisch schnel⸗ bau noch Vohlthat Hethsi mal yft⸗ listt e⸗ Nal ge⸗ minem pfligten Raben u iom⸗ che des⸗ Auch hier muß das mehrere Austrocknen des mehr lockern Feldes die Ursache des Schlechterstehens seyn, we— nigstens kann ich mir es nicht anders erklären. 9. 1534. Weil ich die Erbsen hauptsächlich mit um des Stro— hes als Schaffutter säete, so wählte ich eine Sorte, die sowohl Stroh als schöne Körner gab, und nie ließ ich sie völlig reif werden. So gab mir das Stroh, besonders wenn die Witterung bei der Ernte recht günstig war, ein herrliches Schaffutter, welches dem Heu von mittler Qualität an die Seite zu setzen war; und immer habe ich noch das te bis 8te Korn in Erbsen erbauet. 5. 455. Der Gips wirkt sehr wohlthätig auf das Wachs⸗ thum der Erbsen, und erhöht besonders den Stroher⸗ trag gar sehr, doch auch auf den Körnerertrag hat er vortheilhaften Einfluß. Und nicht allein dieser Frucht nützt er, sondern auch dem künftigen Roggen, der in gegipstem Erbsenlande jedesmal besser steht, als in ungegipsetem; was auch beim gegipseten Klee statt findet. §. 156. Der Vollständigkeit wegen muß ich auch noch eine von mir gemachte Bemerkung, die wohl jeder Landwirth gemacht haben wird, aufführen. Nämlich, daß es eine ausgemachte Sache ist, daß auf einem Felde, worauf die Erbsen schlecht standen, hinterher auch schlechterer Roggen wuchs; daß im Gegentheil, wenn die Erbsen recht üppig standen, auch sichere Hoffnung zu einer gu⸗ — 140— ten Roggenernte auf diesem Stücke war. Hier liegt wohl zweierlei zum Grunde: erstens nimmt gemeiniglich auf einem schlecht bestandenen Erbsenlande das Unkraut sehr überhand, und das Unkraut mag wohl das Feld mehr entkräften als die Erbsen. Zweitens ist es aus⸗ gemacht, daß ein gut bestandenes Erbsenfeld den Acker⸗ boden mehr verbessert als entnimmt; man besehe und befühle nur den Boden unter den Erbsen, und man »wird finden, daß er vorzüglich locker ist, und humusrei⸗ cher zu seyn scheint. Die dicht bestandenen Erbsen mö⸗ gen verhindern, daß die Luft weniger auf den Boden kann, das aufgelaufene Unkraut muß verderben und bil⸗ det Humus; die dicht bestandenen Erbsen verhindern auch die Ausdünstung des Ackerbodens, es bleiben zur Ve— getation der künftigen Frucht günstig wirkende Gasar⸗ ten zurück. Der Ackerboden wird gleichsam durch gut bestandene Erbsen bebrütet. 9. 157. Doch habe ich bemerkt, daß es vielen Vortheil für die nachfolgende Frucht bringt, wenn man das Erbfenfeld so schuell als möglich nach dem Abernten der Erbsen um⸗ pflügt; besonders vortheilhaft scheint mir dies auf Lehm⸗ boden zu seyn. Das Feld bleibt so schön locker und der Roggen schien besser zu gedeihen. d) Ueber den Wickenbav. §. 158. Die Wicke paßt sehr gut zum Grünabmähen, doch zum Reifwerden ziehe ich die Erbse vor. Erstens habe ich HE mech II das gih t es aul⸗ n Ackk⸗ sche und nd man musrei⸗ sen mö⸗ Boden ud bil⸗ un auch zur De⸗ Gadar⸗ uch güt kthel flt eferfeh hsen um⸗ uf Eehn⸗ und der he die Bemerkung gemacht, daß diese Frucht mehr zehrt als die Erbse, und daß der darauf folgende Roggen allemal weniger Ausbeute gab, als der nach Erbsen folgende. Dann giebt die Wicke doch weder an Stroh noch an Kör⸗ nern den Gewinn, den die Erbse giebt, auch ziehe ich das Erbsenstroh dem Wickenstroh vor und die Erbsen selbst sind doch auch zu Mehrerm besser zu gebrauchen als die Wik⸗ ken. Daher habe ich immer nur so viel reifen lassen, als ich zum Samen brauchte, weil ich immer Wicken zum Grünmähen säete. §. 139. Aber zum Grünfüttern ist die Wicke der Erbse vorzu— ziehen, sie giebt mehr und solideres Futter als die grüne Erbse, weil aber die grüne Erbse dem Vieh angenehmer ist, so habe ich immer etwas Erbsen untergemengt, auch habe ich etwas Hafer untergemischt, dieser gewährt grün auch ein gutes Futter, und gewährt noch den Vortheil, daß die Wicke und Erbse nicht so leicht lagern, sondern sich an den Hafer anlehnen. Ich nahm immer 1 Scheffel Wik— ten, 1 Scheffel Erbsen und 4 Scheffel Hafer. Auch 1 Scheffel Wicken, 4 Scheffel Erbsen und 4 Scheffel Hafer. 5. 160. Am besten ist es, wenn man wenig Wickfutter auf einmal, aber desto öfterer säet, so wird keines zu alt, und immer hat man frisches; am besten ist es, Wickfutter ge⸗ säet, sobald man im Frühjahr ins Feld kann, und damit alle vierzehn Tage bis Anfang August fortgefahren. Auf diese Weise kann man den Klee ersetzen, wenn etwa dieser — 142— ausgewintert, oder auf andere Art mißrathen seyn sollte. e) Ueber den Kar toffelbau. 9. 161. Die Kartoffel ist eins der vorzüglichsten Gewächse, das wir bauen; sie ist auf so mancherlei Art zu benutzen, daß wohl keine andere Frucht damit zu vergleichen ist. Was können nur für mannigfaltige Speisen für den Menschen aus der Kartoffel bereitet werden! Sie giebt den schön— sten Branntwein, den lieblichsten Likör, den wohlschmek— kendsten Arak, Rum und Essig. In neuern Zeiten hat man sogar Zucker aus der Kartoffel gewonnen. Sie giebt bei zweckmäßiger Behandlung das schönste Brod. Es ist beinahe möglich, daß der Mensch einzig und allein von der Kartoffel leben kann, auch wenn sein Gaumen etwas ver— wöhnt seyn sollte. 9. 162. Am allerwichtigsten macht sich aber die Kartoffel als Viehfutter. Jedes Vieh frißt sie, besonders gekocht, gern. Ihr Anblau bleibt demnach einer der wichtigsten Gegen— stände der Landwirthschaft Ich werde mein Verfahren hier ganz offen mittheilen; ich erkenne es nicht für das beste, doch habe ich Ursache, damit zufrieden zu seyn, ich habe darauf sehr reichliche Ernten gethan. Ich ließ im Spätherbst auf die Haferstoppel guten Kuhdünger in reichlichem Maße auffahren, es kamen im— mer 30 Fuder, a 20 Centner auf den sächsischen Acker; dieser Mist wurde sogleich gut untergepflügt. Im Frühjahr wurde das zu Kartoffeln bestimmte Land, sobald es ge⸗ —— Hör geh V unt Wol gert Fun din 0 Artn hllth her N solchen anel andty der toffel in di gen l um si len ð und n genng hed dann weis the sch chs. das n, daß Was enschen schon⸗ chmek⸗ n hat giebt Ed ist hon der as bel⸗ ffil i getn. Gegen⸗ fahren hest, habe guten 1 in⸗ Icet; Haht 0 ge⸗ hörig abgetrocknet war, mit dem Ruhrhaken quer über gehakt, und so blieb es liegen, bis junges Unkraut sich zeigte, dann wurde es tüchtig geegt. Im May wurde zum Legen der Kartoffeln geschritten, was auf folgende Weise geschah: ich nahm zwei der besten von meinen Pflü— gern, diese mußten hinter einander herpflügen und derbe Furchen gegen 7 Zoll halten. Zu diesen 2 Pflügen wur— den nun 8 Weiber zum Einlegen der Kartoffeln genommen und der Länge nach auf dem Kartoffelfelde eingetheilt; die Kartoffeln waren schon in Säcken ebenfalls auf dem Felde vertheilt. Hinter dem letzten Pflüger legten nun die Wei— ber die Kartoffeln in die offne Furche, doch durften sie solche nicht sogleich hinwerfen, sondern sie mußten jeden einzeln auf die umgewendete Furche, ziemlich flach herauf andrücken. Sehr drauf zu sehen ist, daß der erste Pflug, der die Kartoffeln bedeckt, sehr gut streicht, damit die Kar— toffeln alle gut bedeckt werden. Ich habe die Kartoffeln in der Furche gemeiniglich circa 18 Zoll aus einander le— gen lassen, so hat jeder Kartoffelstock hinlänglichen Platz, um sich auszubreiten. Das Feld wird in sehr breite Beete gepflügt, die vie— len Beetfurchen hintern beim Legen und beim Bearbeiten; und nöthig sind sie nicht, weil durchs Behäufeln Furchen genug werden. 9. 163. Sind die Kartoffeln gelegt, so bleibt das Feld in rau— her Furche liegen, bis die Kartoffeln aufgegangen sind; dann wird es aber geegt, entweder mit einspännigen oder zweispännigen Egen, je nachdem das Feld locker oder — 144— nicht zu locker ist. Durch dies Egen wird das junge Gras zerstört, was mit den Kartoffeln zugleich aufgegan— gen ist. Den Kartoffeln schadet dies Egen nicht, sie sind zu fest angewurzelt; sollte auch einmal ein Stock abbre— chen, so treibt an dessen Stelle gemeiniglich ein neuer Zweig empor. §. 164. Sind die Kartoffeln etwas weiter heraus und ist wie— der Unkraut aufgelaufen, so wird mit dem kleinen dreischa⸗ rigen Exstirpator zwischen den Reihen der Kartoffeln hinge— arbeitet. Dieses Instrument, wovor ein Pferd oder ein Ochs gespannt wird, thut herrliche Dienste, es schält das Unkraut so hübsch ab, daß das Feld einige Tage nach der Bearbeitung, wenn das abgeschnittene Unkraut verdorrt ist, sehr rein aussieht; es wird vielen meiner Leser bekannt seyn, ich brauche es demnach nicht näher zu beschreiben. Diejenigen, welche es nicht kennen, finden es abgebildet und beschrieben in Thaers Abbildung und Beschreibung der neuesten Ackerwerkzeuge. Es bleibt freilich das Unkraut, was in der Kartoffel— reihe steht, von dem kleinen Exstirpator unangetastet, doch ist es nicht gar zu häufig vorhanden, so schädet es den Kartoffeln wenig oder nichts, und ist es gar zu arg, so bleibt nichts übrig, als man nimmt einige Weiber und läßt die Reihen mit der Handhacke bearbeiten. Dies ver— ursacht wenig Kosten, da diese Behacker nur ganz schmale Streifen za bearbeiten haben; indem der Exstirpator bis knapp an die Kartoffelreihe gestellt werden kann. wied nich Kar ich! schf vhn on j Ettet Acht! offes weni U anle n daß d it Zeit so g Haken as sne aufggn c/ sesth Stoc abhn, Heuet e ud ist wie dreischa⸗ ela hinge⸗ odtt ein schält das e gach der it berdortt ser bekantt beschteiben. abgthlbet keibung det Kortoffl hustt, doc det es den uath/ so Aber und Dies ver⸗ j schmal Patot ds 9. 165. Sind die Kartoffeln noch größer geworden und ist wieder neues Unkraut ausgelaufen, auch wenn letzteres nicht häufig da ist, so ließ ich das Kartoffelfeld mit dem Kartoffelhaken behäufeln. Meinen Kartoffelhaken habe ich mir aus dem gewöhnlichen sächsischen Ruhrhaken ge⸗ schaffen. In der Hauptsache gleicht er dem in Sachsen ge⸗ wöhnlichen Kartoffelpflug; doch ist der meinige auch sehr von jenem unterschieden. Er hat geschwungene bewegliche Streichbreter, diese lasse ich beim ersten Male Behäufeln nicht zu weit stellen, damit sie nicht die noch kleinen Kar— toffelstöcke zustreichen und mit Erde völlig bedecken. 9. 166. Acht bis vierzehn Tage später wird der Haken zum zweitenmal angewendet; er macht die Furchen etwas tie— fer und die Streichbreter werden weiter gestellt, damit sie die Dämme recht hoch treiben und das Unkraut in der Reihe zwischen den Kartoffeln mit Erde bedecken. 5. I0½7. Ist die zweite Behäufelung vorbei, so habe ich einige wenige Weiber hingeschickt, welche am Ende des Stücks die Furchen und Dämme etwas zusammen putzen, denn im Einlenken wird mancher Damm unansehnlich, unvollkom— men und vielleicht ein kleines Stück schlecht bearbeitet, so daß das Unkraut bald wieder hervorbrechen würde. Auch ist zuweilen bei regnerischem Wetter, wo nicht zur rechten Zeit das Kartoffelfeld bearbeitet werden konnte, das Unkraut so groß geworden, daß es in den Reihen vom Kartoffel⸗ haken nicht bedeckt werden, folglich nicht ersticken konnte, K — 146— es ist daher nöthig, daß Weiber zum Ausraufen dieses Un⸗ krauts angestellt werden; doch dieses häbe ich nur einmal zu thun nöthig gehabt. §. 168. Kommt nun die Zeit der Ernte heran, so wird von dem Kartoffelhaken(Pferdehake) das einzelne Rad und die Streichbreter weggemacht, statt der letztern zwei Spieße in die Sohle befestigt und selbiges auf ein Vordergestell ge— legt, woran zwei Pferde gespannt werden. Der Haken ist natürlich gleich beim Bau desselben auf diese Veränderun— gen eingerichtet. Mit diesem umgeänderten Haken wird nun zuerst ein Damm um den andern auf dem Kartoffel⸗ felde aufgepflügt, wo die Kartoffeln zu beiden Seiten fast völlig entblößt herausfallen. Nun sind so viel Weiber und etwas erwachsene Kinder da, als man nur auftreiben kann. Hat der Pflüger, welcher etwas früher auf dem Felde war, eine Partie aufgepflügt, so nimmt jeder Leser einen Kartoffeldamm und liest die Kartoffeln in einen Handkorb oder Wasserkanne und schüttet sie, wenn dies Gefäß voll ist, in den parat und in der Nähe stehenden Kastenwagen oder Sack. Auf diese Weise geht die Ernte sehr geschwind von statten. Habe ich viel Leser bekommen können, so ha— ben zwei Pflüger Kartoffeln ausgepflügt. §. 169. Der Haken, der nun förmlicher Ruhrhaken ist, bringt die Kartoffeln sehr gut heraus, die beiden schräg in der Sohle aufrecht stehenden Spieße rühren die vom Schar gehobene und von der Krengelsäule zu beiden Sei— ten geschobene Erde aus einander, so daß die Kartoffeln sehr iu dits dy Mur e 1 bon dan 0 und de wei Spießt gestell ge⸗ Halen ist ränderun⸗ aken wird Hattoffl⸗ Seiten fa Veiber ind reiben fann. fdem gee Lst enen en Hudlorh Gefiß vol Kastenwagen g.shwid inez. so a haken iß, schrig u N die voh heden E flst — 147— gut von der Erde entblößt werden. Daß zuerst nur ein Damm um den andern ausgepflügt wird, geschieht des⸗ halb, weil außerdem die aufgeworfene Erde die Kartoffeln des nächsten Dammes zudecken würde. Ist eine Fläche aufgelesen, so werden die andern Dämme nachgeholet. §. 170. Wenn so das Kartoffelfeld überlesen ist, so wird es mit einer zweispännigen Ege quer über überegt, wo noch manche Kartoffel, die die schlechten Leser, besonders die Kinder, liegen ließen, zum Vorschein kommt, nun noch aufgelesen wird, indem sich die Leser in eine Linie stellen und jedes seinen Streifen übernimmt, den es rein lesen muß. Ich habe gewöhnlich Roggen nach Kartoffeln gesäet, folglich sogleich nach der Kartoffelernte zur Saat pflügen lassen; hierbei habe ich hinter jedem Pflug noch eine Frau gehen lassen, die noch Kartoffeln fanden und auflasen. Je— doch war die Quantität derselben sehr unbedeutend, sobald achtsame Pflüger die Kartoffeldämme gepflügt hatten. 5. 171. War es möglich, daß ein Wagen zu einem aus dem Keller gehenden Fenster oder Luftloche geschoben werden konnte, so wurden die Kartoffeln, so viel wie möglich, alle in Kastenwägen geschüttet, und diese rückwärts an das Kellerloch geschoben. Das hintere Bret am Kasten ging herauszunehmen, wurde am Kellerloch herausgenommen, und die Kartoffeln mit einer Schaufel nach dem Kellerloche zu geschoben. K 2 War das Kellerloch nicht bequem genug, so wurde ein weiter hölzerner Trichter aufgesetzt. Im Keller war es gemeiniglich nöthig, daß ein Mann die Kartoffeln wei— ter, besonders in die Winkel schaufelte. Auf diese Weise erspart man die Säcke, über die es ganz entsetzlich geht, und die Arbeit geht auch schnell von statten. 1) Ueber den Kohlrübenbau. 9. 172. Die Kohlrübe ist zunächst der Kartoffel ein herrliches Gewächs, besonders als Viehfutter angewendet. Sie giebt viele, butterreiche und wohlschmeckende Milch und wird vom Rindvieh ungemein gern gefressen. Den Spät— sommer hindurch liefert sie schon durch ihre Blätter, die zwei bis viermal abgeblattet werden können, ein herrliches Futter. Noch hat sie das Gute, daß sie leicht aufbewah— ret werden kann, was weiterhin bewiesen werden soll. 9j. 175 Ueber ihren Anbau werde ich wenig sagen können, weil ich da nicht anders zu händeln wußte, als alle An— dere handeln. Ich säete nämlich, sobald es im Frühjahr nur anging, den Kohlrübensamen im Garten auf Beete, welche im Herbste gut umgegraben und rauh liegen ge— blieben waren. Daß Herbstumgraben, und das ohne wei— teres Graben gleich Säen, ist vielleicht nicht allgemein üb— lich, aber ich habe es sehr vortheilhaft gefunden; erstens nimmit das Unkraut nicht sogleich überhand, weil der Un— krautsame im Herbst tief untergegraben wurde, und im Frühjahr nicht wieder herauf geholt wird. Dies kann -ÄÄ—y to, fan daß De uet lass beht hoch lich soll Her sahr get! ftau h de geh ber kth 3j h Kllen utoffln j. dist is schlch ch hertliches 1. Lie Nlch und Cpͤt⸗ lättet, di hertlches aufhewah⸗ 1 sol. en lünneh, alle M⸗ Hgrhaht auf Beet gen ge— ohne wei⸗ mein ib⸗ j Astens eil der lu⸗ ind in Dis ang 288——.— sreilich auch bewirkt werden, wenn im Herbste gar nicht' und nur im Frühjahr, unmittelbar vor der Saat gegraben wird; doch gräbt man es im Herbste gern, weil erstens das dastehende Unkraut, im Winter untergegraben, leichter ver fault und der künftigen Frucht nützt; zweitens bleibt es wohl eine ausgemachte Wahrheit, daß der Winter vortheilhaf— ter auf ein lockeres Land wirkt, als auf ein unaufgelocker— tes, folglich hat das Herbsigraben ohnstreitig Nutzen. 9. 174. Daß ich im Frühjahr nicht mehr zu den Kohlrüben— pflanzen graben ließ, brachte mir auch noch die Vortheile, daß ich erstens zeitiger säen konnte, weil das Land auf der Oberfläche, soweit ich den Samen einege, eher abtrock— net, als in der Tiefe; ich daher öfters nicht hätte graben lassen können, wenn ich schon egen konnte. Zweitens behielt das Land mehr Feuchtigkeit bei sich, als wenn es noch einmal aufgelockert wurde, es kann daher der Same leicht aufgehen und sortwachsen. Das Feld, worauf die Kohlrüben gepflanzt werden sollten, wurde unterdessen vorbereitet. Es war schon im Herbste einmal gepflügt; dann wurde entweder im Früh— jahr Mist dazu gefahren oder stark behordet, dieser Dün— ger untergepflügt, und späterhin, wenn besonders viel Un— kraut ausgelaufen war, vielleicht noch einmal mit dem Ruhr— haken geruhrt. Doch war dies selten nöthig. Waren nun die Kohlrübenpflanzen zum Verpflanzen groß genug, was gewöhnlich zu Anfange Juni statt fand, so wurde das vor⸗ bereitete Feld gut gepflügt und sogleich gewalzt, damit die etwannigen Erdenklöße klar gedrückt und das Feld hübsch Ln 150 eben wurde. Sodann wurden mit einem Marqueur quer über Linien gezogen, worauf nun Weiber die Pflanzen mit einen Steckholz pflanzten. Die Linien, welche der Mar⸗ queur zeichnete, waren zwei Fuß aus einander; die Pflanzen ließ ich in den Reihen immer 144 Fuß aus einander pflanzen. §9. I175. Wenige Wochen drauf ließ ich meine jungen Kohlrü— ben hacken, aber ohne zu häufeln; ich ließ nur das aus⸗ gelaufene Unkraut durch die Hacke vertilgen. Wieder et— wa zwei Wochen später waren die Kohlrüben so groß, daß sie sehr gut behäufelt werden konnten, was denn auch nun geschah. 9§. 176. Im August und September wurden diese Kohlrüben so oft abgeblattet, als sich gelbe Blätter zeigten. Im Ok— tober wurden die Rüben mit Mistgabeln herausgehoben, gleich auf dem Felde das Kraut abgeschnitten und beides einzeln herein, das Kraut in die Nähe des Kuhstalls, meist in die Futterkammer, und die Rüben in die Nähe des Kü⸗ chengartens gefahren. Das Abschneiden auf dem Felde ist durchaus nöthig, wenn man das Kraut gut benutzen will, denn anders kann es nicht rein bleiben. Bleibt das Kraut an den Rüben, und wird beides zusammen auf den Wa— gen geladen, so wird das Kraut so voll Schmutz, daß es nöthig ist, es zu waschen. Immer hatte ich Fröhner, die umsonst Kraut und Rüben behacken mußten, und drum habe ich meist die Handhacke anwenden lassen. Doch habe ich auch ein Guth bewirthschaftet, wo keine Fröhner zu dieser Arbeit da wa— ren. Lang chen Wen schet eina H Chit hnu hurde Hrbes Harto Word ten h RN went ichn linen diö; laset lben das. Mi u u Pfanzerj e der M. diePfangg der pfanje Kohllü— das aus⸗ Oieder et— Rroß, daß auch vun Kohltüben n. Mdl⸗ ausgehobe, und hadts salbs nies che des H m gibe cuuben wil, s Kaut S.l Va⸗ h/ duß es Kraut d h wist d uch enE Ichet ren. Dort ließ ich die Rübenpflanzen auf die Furchen der Länge nach in Reihen pflanzen; entweder, waren die Fur— chen breit gehalten, auf eine Furche um die andere, oder wenn sie schmal gehalten, so blieben zwei Furchen dazwi— schen, immer so, daß die Reihen ohngefähr zwei Fuß von einander entfernt waren. War nun Unkraut ausgelaufen, so wurde der kleine dreischarige Exstirpator angewendet. Späterhin wurde der Kartoffelhaken zum Behäufeln ge— braucht. Blieb etwas Unkraut in den Reihen selbst, so wurde dieß, so wie bei den Kartoffeln, durch einige Weiber verbessert. Ich habe auf diese Weise eben so schöne große Hartoffeln erbauet, als wenn die Handhacke angewendet worden wäre. Das Bearbeiten mit den Pferdeinstrumen—⸗ ten hat neben der Wohlfeilheit noch den großen Vortheil, daß ich immer zur besten Zeit die Arbeit verrichten kann, wenn Witterung und alles günstig ist, denn immer brauche ich nur dazu ein Zugvieh und, wenn das gut abgerichtet ist, einen einzigen Mann, höchstens einen Jungen zum Führer des Zugviehs. Muß ich aber mit der Handhacke bearbeiten lassen, so fällt diese Arbeit immer in die Zeit, wo andere eben so nothwendige Arbeit verrichtet werden muß; z. B. das Kartoffelhacken fällt immer in die Heuernte, und das Rüben- und Krauthacken in die Getreideernte. Fehlt es nun an Menschen, so kann vielleicht nicht, wenigstens nicht alles, zur rechten Zeit, wenn die Witterung günstig ist, bearbeitet werden; fällt nun einige Tage Regenwet⸗ ter ein, so nimmt das Unkraut so überhand, daß man oft gar nicht sieht, was das Feld eigentlich enthalten soll. Wo hingegen das Bearbeiten mit Pferden oder Ochsen oft in einem halben, höchstens in zwei Tagen vollendet ist. — 5. TIR. Nun bleibt mir noch zu sagen übrig, wie ich immer die Kohlrüben aufbewahret habe: Der Gartenknecht gräbt auf dem Quartier, wo vielleicht die Gurken standen, zwei— mal quer über und wirft die gegrabene Erde so hoch wie möglich auf. Eine andere Person hat unterdessen mit der Handkarre Kohlrüben herzugefahren, die nun in der Fur— che, die durchs Graben gebildet wurde, an die lockere Erde angelegt werden. Anfänglich, wenn die gegrabene Erde noch nicht recht hoch empor getrieben ist, kann nur eine Reihe Rüben eingelegt werden, späterhin aber, wenn die lockere Erde immer höher getrieben ist, wozu auch die eingelegten Rüben helfen; können zwei, drei bis vier Kohl— rüben über einander gelegt werden. Sind die Rüben ein— gelegt, so gräbt der Gartenknecht wieder zweimal durch. Beide Male wirft er die Erde oben auf, über die Rüben, so, daß aber auch die Kohlrüben von vorn mit etwas Erde bedeckt werden, damit die darauf folgende Lage Rüben nicht unmittelbar die vorhergehende berühre, sondern Erde dazwischen ist. Ueber den Rüben braucht ohngefähr fünf Zoll Erde zu liegen. So wird fortgearbeitet, bis entweder das Quartier voll Rüben ist, oder bis die Rüben alle sind. Im ersten Fall wird es auf einem andern Quartiere eben so gehalten wie auf diesem. §. 178. Die auf diese Art gut eingeschlagenen Kohlrüben ha— ben sich jederzeit herrlich den Winter durch geh alten. Es ist diese Aufbewahrung nicht meine Erfindung, sondern mein Vater bewahrte seine Kohlrüben auf diese Art auf, und — 22.—..—.2— 9— EA Johlt! vann ten w. dabei vach! dem g Erde langer hufih folhl. che st als ru walche sit de ftt ich iunn echt gril dden, guet o hoch di in nit de der Fur⸗ e lockere Kgrabene hann nur „ wenn auch die giet Kohl⸗ zͤben eit⸗ mal dutch ie Nbeh, twas Orde e Mübn ddern Etde faht fiuf enttvebe ale snd. Hile then lben ha⸗ n. Esd is ern men auf, 10 * — ——* xxx/.— ——— E 153„ nicht ein einzig Mal weiß ich ein Erfrieren. Freilich kön— nen diese eingeschlagenen Rüben nicht mitten im Winter, wenn die Erde gefroren ist, gut verfüttert werden, aber den Winter durch wurden in meiner Wirthschaft immer die sich im Keller gut haltenden Runkelrüben, und im Früh⸗ jahr die Kohlrüben gefüttert. So kam die viel und besse— re Milch gebende Kohlrübe immer zur Fütterung, wenn viele Kühe neumelkend sind. Im Keller wollen sich die Kohlrüben selten gut halten, immer faulten sie mir da, wenn ich ja einige drinnen aufbewahret hatte. 9. 179. Es giebt verschiedene Sorten Kohlrüben; einige Sor— ten wachsen selten zu einer beträchtlichen Größe und haben dabei kein zartes, sondern ein holziges Fleisch. Manche wachsen mehr über als unter der Erde, diese Sorten wer— den gemeiniglich größer als diejenigen, welche mehr in der Erde wachsen. Manche haben einen kurzen, manche einen langen Strunk; letztere Sorte ist der erstern deshalb vor⸗ zuziehen, weil sie an dem langen Strunk mehr Blätter, folglich mehr Fütterung im Spätsommer liefern. Man— che sind mehr rund als lang, manche wieder mehr lang als rund. Dann gehört hierher die schwedische Kohlrübe, welche unter den Namen Rutabaga bekannt ist. Ferner ist die spanische Kohlrübe, welche ein sehr gelbes Fleisch besitzt; gekocht sehen sie fast aus wie Moorrüben. §. 180. Ich besitze eine Sorte Kohlrüben, mit welcher ich acht Jahre sehr zufrieden gewesen bin, und alle andre Sorten, mit deren Anbau ich Versuche machte, hielten keinen Ver— gleich mit meiner Sorte aus. Sie ist mehr rund als lang, hat einen langen Hals(Strunk), sehr zartes Fleisch, wächst immer, bei zweckmäßiger Vehandlug des Feldes, zu einer sehr beträchtlichen Größe, und liefert ungemein viele und große Blätter. Es fragt sich freilich, ob diese Sorte Kohlrüben in anderm, z. B. in mehr sandigem Ackerboden, auch sich so vortheilhaft gegen andere auszeichnet. Der Boden, auf dem ich sie so mit Vortheil gebauet habe, war sich ziemlich gleich, er enthielt einige 6o pro Cent eisenhal— tigen Thon, einige und 30 pr. Cent meist sehr feinen Sand, 4pro Cent Humus und bis mpro Cent Kalk. Doch ich zweifle nicht, daß diese Sorte Kohlrüben auch auf anderm Boden sich vortheilhaft gegen andre auszeichnet, da sie sich in Hinsicht ihrer vielen Wurzeln auch gegen andere unter— scheidet, und durch diese vielleicht im Stande ist, sich mehr Nahrung als andere herbei zu holen. §9. 181. Am allerwenigsten wollte mir der Anbau der Ruta⸗ baga gelingen, besonders blieben sie sehr in Hinsicht ih— rer Größe gegen meine alte Sorte zurück, ohnerachtet sie einerlei Pflege genossen hatten. Aber auch in Hinsicht der Blätterernte war mir meine alte Sorte um sehr vieles lieber. In Hinsicht des Fleisches verhielt sie sich so wie meine alte Sorte, es war zart, und schmeckte, wie diese, süß. §. 182. Eben so ging mir es mit dem Anbau der gelben Kohl⸗ rübe; auch diese blieb im Wachsen sehr zurück und gab weniger Blätter wie meine alte Sorte. Ihr Fleisch war gut, und zeichnete sich gekocht durch seine schöne Farbe vortl süt! Hohh im st h o wuf he Euanna e habel en Harl Mült benn als Ind! ein llichs shh Sohh da 8 Flisc) Fldeh su emnein giek lise Coit kerboden, t. Dir abe, war tisenhal⸗ uSand, Doch ich anderm sie sich NHe unter⸗ sch nahr der Rula⸗ ischt h⸗ herachet Hisscht hr Mles h so wie , siß hen Hoh und 9b lesch wi du * — 155— vortheilhaft aus. Sie wird demnach vorzüglich als Speise für Menschen anzubauen seyn. g) Ueber den Anbau der Runkelrüben. §. 183. Diese Rüben habe ich auf die nämliche Art wie die Kohlrüben angebauet; nur habe ich alles mögliche gethan, um sie recht bald ins Feld zu bringen, weil 14 Tage frü⸗ her oder später gepflanzt, einen sehr merklichen Einfluß auf ihre Größe hat. Ich habe deshalb mehrere Male den Samen im Herbste, wenn ich das Einwintern bald erwar— tete, gesäet; ein Paar Mal ist mir dies gelungen, und ich habe so die Pflanzen mehrere Wochen eher verpflänzen las— sen können; einige Mal ist aber auch so wenig von dem im Herbste gesäeten Samen aufgegangen, daß sichs nicht der Mühe verlohnte, das Beet deshalb leer liegen zu lassen. Aber immer habe ich den Runkelrübensamen so bald gesäet als es nur immer möglich war, wenn auch noch Schnee und Frost zu befürchten war; ich wählte deshalb immer ein Quartier, was seiner Lage und Boden halber sehr leicht, wenigstens auf der Oberfläche, austrocknete, es ver⸗ steht sich, daß das Land im Herbste vorher, wie bei den Kohlrüben, gut umgegraben war. 9§. 184. Noch eine Bemerkung muß ich mittheilen, die beim Runkelrübenbau nicht unwichtig ist: Um alle Samenkörner zum Aufgehen zu bringen, und um gut das Runkelquar⸗ tier im Frühjahr vom Unkraut reinigen zu können, säete. ich meinen Runkelrübensamen immer in mit der Garten— — 156— hacke gemachte Furchen, und deckte die ausgeworfene Erde wieder drauf. Aber immer erhielt ich so wenig Pflanzen, denn sie standen jedesmal sehr dünn in den Reihen; ich schob die Ursache hiervon auf die Schlechtigkeit des Sa— mens, der entweder nicht reif, oder alt, oder sonst ver⸗ dorben gewesen seyn konnte. Endlich wurde ich in einem Frühjahr durch zweierlei eines andern belehrt. Ich hatte in meinem Garten Samenrunkelrüben stehen, wovon der Same zu reif wurde, und einiger Same ausfiel; es war dies aber nicht so arg, und einigen konnte ich wieder aufnehmen. Im Frühjahr drauf standen auf dem Ort, wo dieser Same gestanden hatte, und der ungegraben liegen geblieben war, eine so große Menge Runkelrüben— pflanzen, daß ich ein ziemlich großes Stück damit bepflan⸗ zen konnte. Von demselben Samen säete ich nun auf meine gewöhnliche Methode im zeitigen Frühjahr aus, und hier gingen die Pflanzen äußerst dünn auf, so daß ich gezwun— gen war, noch einmal zu säen; ich sätte den Samen eben wieder in Furchen, wurde aber von dieser Arbeit wegge— rufen, ehe ich das ganze hierzu bestimmte Stück besäet hatte; ich gab demnach meinem Gartenburschen Hacke und Samen, und befahl ihm, das übrige vollends zu säen. Häufige Geschäfte waren Schuld, daß ich einige Zeit nicht zu meinen Runkelbeeten kam; wie sehr erstaunte ich, als ich nun doch sehen wollte, ob und wie die Runkelrüben aufgegangen wären, daß da, wo der Gartenbursche ge⸗ säet hatte, sie viel dicker als da, wo ich gesöet hatte, auf— gegangen waren. Bei näherer Untersuchung sah ich, daß der Gartenknecht, wahrscheinlich aus Faulheit, entweder gar keine Furchen, oder doch sehr flache gemacht haben 38 1 —W— fihe Eih Ianye, ihen, des Ci⸗ sonst bet in einem ch hatt bon der ; es wieder uOtt, graben leüben⸗ bepfan⸗ f meine ind hier geztun⸗ Ien chen Wegge⸗ k hesit acke und sien. t nicht 9„als lrüben H auf. tweder t hibe mochte, denn die Samenkörner lägen ziemlich alle auf der Oberfläche, und wenige waren dünn mit Erde bedeckt. Ihre kleinen Würzelchen waren in die Erde geschoben, und der Blattkeim war ungestört empor geschoben. Aus die— sen zwei Thatsachen sahe ich nun deutlich, daß der Run⸗ kelrübensame schlechterdings nicht mit vieler Erde bedeckt seyn will, sondern daß es ihm lieber ist, wenn er gar nicht bedeckt ist. Ich grub da, wo ich gesäet hatte, nach, und fand eine Menge Körner, die etwa 2 Zoll mit Erde be— deckt waren, halb verdorben. Doch mehrere hiervon, die ich näher zu Tage brachte, gingen noch auf. 9. 1685. Seitdem ich diese Bemerkung gemacht habe, säe ich meinen Runkelrübensamen nicht mehr in Furchen, son— dern breitwürfig, und ege nur ganz leicht ihn mit dem Rechen unter, und es kümmert mich nicht, wenn meh— rere Körner gar nicht bedeckt sind; auf diese Weise habe ich allemal viel Runkelrübenpflanzen gezogen, sie standen jedesmal vollkommen dick genug. 9. 186. Manche Landwirthe säen den Runkelrübensamen so— gleich auf das Feld, wo sie stehen bleiben sollen. Wenn das Feld frisch gepflügt und gewalzt ist, werden zu jenem Behuf mit dem Marqueur Linien quer über gezogen, und auf diesen Linien werden nun die Samenkörner ein we⸗ nig in die Erde gedrückt. Gewöhnlich werden sie etwas dicker gesäet, als sie zu Erziehung der Rüben eigent⸗ lich siehen sollten. Sind die jungen Rüben so groß, daß sie verpflanzt werden können, so werden die überflüssigen ———— —..——...—— EBN I ——————.e.esee reeen...· ————————— V I,N• AIN + N IA ö 49 I IN IRNI 0 + NN VN * II. * EIWV* 1—1 N + ö —— ausgezogen, und entweder dahin verpflanzt, wo etwan eine fehlt, oder ist dies nicht der Fall, auf ein anderes Horbereitetes Stück Feld verpflänzt, oder verkauft. §. 187. Diese Methode gefällt mir nicht, ohnerachtet ich es einige Mal selbst versucht habe. Wohl habe ich längere, aber lange nicht so starke Rüben geerntet, als wo sie verpflanzt waren, was natürlich zuging. Erstens konnte ich den Samen viel früher auf einen ausgesuchten Fleck im Garten säen, als ich dies auf dem Felde im Stande war, ich konnte beinahe meine im Garten ge— zognen Runkelrüben verpflanzen, wenn ich erst den Sa— men auf dem Felde aussäen konnte. Zweitens braucht die junge Pflanze in ihrer ersten Periode sehr viel Nah— rung, die dem Felde entgeht, wenn dir Rübe diese Pe— ridde sogleich dort verlebt. Drittens habe ich gewöhnlich noch so viel Zeit bis zum Verpflanzen, um das zum Rübenbau bestimmte Feld noch einmal zu pflügen; am mehrsten Vortheil thut hierzu der Ruhrhaken. Hier— durch wird nicht allein das Feld lockerer, sondern auch der Dünger wird mehr mit dem Ackerboden vermengt, und kann mehr wirken. Viertens nimmt auf dem Felde, wo frühzeitig der Same gesäet wurde, gewöhnlich das Unkraut so überhand, daß es wenigstens ein Mal mehr gehackt werden muß, als das Stück, worauf die Run⸗ kelrübenpflanzen gepflanzt wurden. Hierdurch werden nicht allein die Bearbeitungskosten vermehrt, sondern das Feld wird auch derb getreten, denn die Hacke geht nur höchstens 2 Zoll tief, und tiefer hin wird es fest getre⸗ *. —7 sog ich tz lingett wo si fonnte uchten de im u ge⸗ àSa⸗ braucht Rah⸗ se H⸗ öhnlh fum ah Hit auch hengt, Febe, das mehr Run⸗ erden das t uut gel⸗ ten, was um so mehr Schaden verursacht, je feuchter der Boden noch war, als er gepflügt wurde. Um doch zeitig mit dem Samen ins Feld zu kommen, wird ge— wöhnlich das Feld hierzu gepftügt, wenn es auch noch nicht vollkommen trocken ist. §. 188. Viele Landwirthe geben ihren Pflanzen aller Art ein Stück im Garten ein, was unter dem Namen Pflanzenbeet bezeichnet ist, und dorthin kommen sie alle Jahr, ohne daß es irgend einmal einen andern Dünger sah, als etwa ein wenig Asche, welche der Erdflöhe halber aufgestreuet war. Beim Kraut- und Kohlrübenpflanzen mag dies noch angehen, diese sollen hierdurch, wenn sie mager er— wachsen, fester werden, und hernach desto besser wachsen. Die Runkelrüben nehmen aber gern einen kraftvollen Bo— den an, und wachsen in solchem schneller, so daß sie frü⸗ her zu verpflanzen sind. Immer wählte ich ein Stück Land, was vorher nie Frucht getragen hatte, wozu sehr stark ge— düngt worden war; hier ist noch Kraft genug vorhanden, und das Unkraut, was durch den Dünger hineinkam, ist schon vertilgt. 5. 189. Auch das Runkelrübenfeld habe ich mit Pferdeinstru⸗ menten mit Vortheil bearbeiten lassen. b) Ueber den Anbau des Krautes(Weiß⸗ kohl, Kopfkohl, Kummst.) 5. 190. Auch hier ist keine Abweichung vom Rübenbau; der sogenannte Kappsame wird auf die im Herbste gut ge⸗ 160 V grabenen Beete gesäet, wenn sie die gehörige Größe er⸗ längt haben, auf das gut gedüngte, gut vorbereitete Feld nach dem Marqueur verpflänzt, behackt und behäufeit. Zeigen sich gelbe Blätter, so wird geblattet, im Oktober werden die Häupter ausgeschnitten, und späterhin der Strunk knapp an der Erde abgehauen. §. 191. Um die Krautstrünke mit den Blättern, welche noch dran sind, lange aufzubewahren, werden sie immer in kleine spitzige Haufen so gesetzt, daß das Wurzelende nach innen, und das Blättende nach außen kommt, und eine Schicht gewissermaßen einen Stern bildet. So haben wir schönes Kraut bis Weihnachten gehabt, kleiner Frost scha⸗ det ihm nichts, und faulen thut es, auf Häufchen gesetzt, auch nicht. Die Strünke, von ihren Blättern befreit, las⸗ sen sich, an einem nicht zu kalten Orte, noch länger aufbe— wahren. §. 192. Es giebt auch mehrere Sorten Kraut; die eine Sorte hat mehr runde, die zweite mehr lange Häupter; manches hat starke Strünke, mänches schwache; andres hat lange Strünke, andres kurze; die eine Sorte ist blau, die zweite grün von Farbe. Die beste Sorte für die Landwirthschaft hat lange starke Strünke, viele große Blätter, und längliche, große derbe Häupter. Diese Sorte besitze ich, und bin sehr da— mit zufrieden, sie giebt mir alles, was ich nur verlangen kann. 5 K nem R terschtr pflanzt dere m ) Heb D gahit ein Stẽ Fen te Kohhal tit nn Hach der Qu bii. I Cie bes deshalb V. aultt u inm u ben oft ber witd. Graße g⸗ ilte geh ehäfl. Ottobee thin di e noch ner in e nach deine an Wir stschs⸗ gesetz, eit, liß⸗ aufbe⸗ Coltt anches lanhe weie lange große e da⸗ langen 5. 193. Kohlrüben, Runkelrüben und Kraut habe ich, bei ei— nem Rindviehstande von einigen und 40 Stück und 10 Mut— terschweinen, immer gegen 1o magdeburger Morgen be— pflanzt, ohngefähr 3 bis 4 Morgen Kraut, und das an⸗ dere mit Rüben. i) Ueber den Anbau der weißen Rübe(Was⸗ serrübe, Turnips). 5. 194. Diese Rübe habe ich früherhin gebauet, bin aber da— von abgekommen, weil sie mich nicht befriedigt hat; ohn⸗ erachtet ich sie zu einer beträchtlichen Größe zog, so gab ein Stück Feld, mit diesen Rüben besäet, doch keinen gro— ßen reellen Gewinn, wenigstens den nicht, den ein mit Kohlrüben bepflanztes gab. In Hinsicht der Quanti— tät kamen die Kohlrüben den weißen Rüben nicht allein gleich, sondern übertrafen sie gewöhnlich. Aber in Hinsicht der Qualität kam die weiße noch länge nicht der Kohlrübe bei. Die weiße Rübe giebt wenig und butterarme Milch. Sie besitzt mehr wäßrige Theile als die Kohlrübe, und wird deshalb auch Wasserrübe genannt. 9. 1735. Wenn sie in Korustoppel, wo das Korn zeitig abge— erntet wurde, gesäet wird, und der Herbst günstig ist, kann die weiße Rübe einigen Vortheil als Herbstfutter ge— ben; aber selten wächst sie da zu einer beträchtlichen Größe, oft verlohnt sichs kaum der Mühe, daß sie ausgezogen wird. §. 196. Eigentlich wird sie aber in Brachschlag gesäet, wo Korn hinterher folgt. Hier wird das dazu bestimmte Feld so früh als möglich stark gedüngt, am besten, wenn es schon im Herbste vorher geschieht. Diese Düngung kann nun in Küh- oder Schafmist, oder Pferch bestehen. Ist Pferch die Düngung, dann ist es nicht allzu nöthig, daß sehr zei⸗ tig dazu gedüngt wird. Das Feld ist im Herbst vorher schon ein Mal, und wird noch zwei Mal im Frühjahr ge⸗ pflügt. Nach Johanni wird das letzte Mal zur Saat, folglich zusammen vier Mal gepflügt, und der Same sehr dünn ausgesäet, so daß höchstens aller 9 Zoll eine Rübe aufgehet. Dies Säen ist nicht leicht, und erfordert einen sehr geübten Sämmann, da der Same auch sehr egal gesäet werden muß. 5. 197. Sind die Rüben zu einer gewissen Größe gelangt, und ist viel Unkraut mit aufgelaufen, so müssen sie gegätet wer⸗ den. Hierbei werden zugleich die überflüssigen Rüben mit herausgezogen. §. 198. Es giebt auch einige Sorten weiße Rüben. Diejenige, welche weit über der Erde heraus steht und einen rothen Kopf, auch röthliches Kraut hat, ist für die Landwirthschaft die beste. Die kleine teltauer Rübe gehört auch hieher, paßt aber nicht als Viehfutter, sondern wird nur als Speise für Menschen gebauet. mi. 6 hesit, nte dths m eo shon hann nun n Nhfih scht s/ bst vorh hjahr gt⸗ ur Saat, ame sehr ine Rübe dett eien scht cl ath, und cgitt ver Nuben mi Oshentge tothen lthschaft her, haft Cpis §. 199. Die Engländer lieben diese Rüben sehr, und säen große Flächen mit an, die sie mit dem Vieh, besonders mit Schafen behüthen, und sogleich die Rüben auf dem Felde vom Vieh verzehren lassen. Ich habe über dieses Verfahren keine Erfahrungen, mag also auch kein Urtheil darüber fällen. §. 200. Einmal habe ich die weiße Rübe zur Düngung auf sandigen Boden gesäet, und bin gut dabei gefahren. Das Feld war mit Teichschlamm überfahren, und seitdem zwei Mal gepflügt, nämlich ein Mal mit gewöhnlichen säch⸗ sischen Pflügen, das zweite Mal mit dem Ruhrhäken. Zu Johanni säete ich nicht ganz dünn weiße Rüben auf dies Feld, welche zur mittlern Größe wuchsen. Im November ließ ich das Feld mit sammt den Rüben umpflüͤgen und in rauher Furche liegen. Die Herbstwitterung war gün— stig, ich ließ zu Ende Dezember das Feld noch ein Mal mit dem Pfluge pflügen. So blieb es in rauher Furche bis zum Frühjahr liegen, und nun säete ich Gerste hinein, welches die beste wurde, welche ich jenes Jahr aufzuwei— sen hatte. *k) Ueber den Anbau der Möhre(Moorrübe). 5. 401. Die Möhre ist ein ganz vorzügliches Viehfutter, be— sonders für melkende Kühe. Sie giebt nicht allein sehr viel, sondern auch sehr butterreiche Milch. Sie giebt der Butter eine sehr angenehme Farbe und einen guten Ge— schmack. ö L2 Die Schweine werden leicht fett davon, und das Fleisch bekommt einen angenehmen Geschmack. Dasselbe gilt bei den Gänsen. Die Pferde flessen die Möhre gern, und sie ist ihrer Gesundheit sehr zuträglich. §. 202. Sie verlangt einen etwas lehmigten Boden, und tiefe Bearbeitung. Sie gedeiht aber ohne Düngung, wenn nur das Feld nicht ganz kraftlos ist. Am besten isis, wenn das dazu bestimmte Feld gegraben wird, da das zu tiefe Pflügen sehr umständlich, oft sehr kostspielig ist. Ich halte folgende Methode, die mehrere sächsische Landwirthe ausüben, für die beste: In Sachsen giebt es in jedem Dorfe, besonders wo ein Ritterguth oder Domaine sich befindet, eine Menge Hausbesitzer, die entweder Hand— werker oder Tagelöhner sind. Diese besitzen außer einem kleinen Gärtchen kein Land, mästen sich aber ein Schwein und einige Gänse. Zu dieser Mastung bauen sie mehren— theils Kartoffeln in ihrem Miste auf dem Ritterguths— oder Bauerfelde. Jemehr sie aber Futter bekommen, desto angenehmer ists ihnen. Zu diesen Leuten sage ich nun:„ich will euch hier ein Stück Feld eingeben, hiervon grabe je— der ein Stück um, so groß er will, und so er kann. Dies gegrabene Stück besäe jeder mit Möhren, halte diese rein vom Unkraut, grabe sie aus, und gebe mir die Hälfte davon. Wollt ihr eure Möhren mit Gauche oder Asche bedüngen, so würdet ihr eine desto größere Ausbeute er— halten.“ Dies Anerbieten nehmen diese Leute sehr gern an, und oft sahe ich auf solche Weise besäete Möhrenfel— der, welche 6 bis 8 magdeburger Morgen enthielten. und das dassh i htr und tiit Wenn en ists das zu Ich wirthe Ydem ine sich Hand⸗ einen Schheil nahten⸗ Rguths⸗ 1 desto R ch rube fe Dies tein Hälst Ache te et⸗ r geln renfll — 165—— So erbaue ich ohne alle Kosten und Schwierigkeiten eine Menge Möhren, die den Winter hindurch ein herrli— ches Futter für die Milchkühe abgeben. Es scheint nicht, als wenn sie das Feld sehr aussaugten; oder wird das von den Möhren Entnommene durch das sorgfältige Gra— ben und Reinhalten des Feldes wieder ersetzt? Gewöhn— lich steht der unmittelbar darnach gesäete Roggen schlecht, was daher kommt, weil das Feld tiefer heraus gearbeitet worden ist, und daher sogenannter täuber Boden in die Höhe gekommen ist. Schönen Roggen bauet man aber, wenn das Feld, was vorher Möhren trug, obenauf ge⸗ düngt wird, es sey dies mit Mist oder mit Pferch. Man darf nicht fürchten, daß die Schafe den Roggen verderben. Es versteht sich, daß die Witterung trocken ist, so darf man nur die Horden gleich, sobald das Korn eingeegt ist, aufschlagen, und rasch nach einander das Möhrenfeld be⸗ horden. Wenn die Heerde nicht ganz klein ist, so ist ja in wenig Nächten das gänze Stück behordet. Dieser obenauf liegende Dünger zieht schnell an, und bringt herrliches Korn. Hinterher wird gerade das Stück, seiner tiefern und bessern Bearbeitung halber, besser als die andern. 8. 203. Manche geben auch ein Stück zwei Mal hinter einander zu Möhren her, damit im aten Jahre die im Jahre zuvor hinunter gegrabene gute Erde wieder heraufkomme, und säen bei der Dreifelderwirthschaft dann Gerste hinein, damit es wieder in die Art komme. Ich habe es nie versucht, aber es läßt sich hören, nur daß eine Korn⸗-und Stroh⸗ frucht eingebüßt wird, indem statt des Roggens Möhren —ĩ— 166 ump dastehen. Doch dies ist, indem das Möhrenfeld nie so gar groß seyn wird, von keinem gar zu großen Belange, und vielleicht auf andere Art zu ersetzen. §. 204. Die erbaueten Möhren werden mit dem Messer von ihrem Kraut befreiet, und in einem guten Keller auf hohe Haufen geschüttet. §. 205. Es giebt auch einige Sorten, besonders zeichnet sich eine durch ihre rothe Farbe sehr aus. Mir scheint die gelbe zum Viehfutter die bessere zu seyn; die rothe habe ich selten von beträchtlicher Größe gesehen. Dann giebt es noch eine fast ganz weiße, diese hat kein so zartes Fleisch wie die andern, folglich behalten jene den Vorzug. i) Ueber den Spörgelbau. §. 206. Nur ein einziges Mal habe ich den Anbau dieses Fut⸗ terkrauts versucht, bin aber mit dem Resultat nicht zufrieden. Ob gleich der Spörgel gegen 13 Zoll lang war, so gab es doch wenig in den Korb; es gehört zu einem kleinen Fuder ein bedeutender Fleck. Meine Mägde waren dies nicht ge— wohnt, und lobten sich die nebenstehenden Erbsen. 9. 207. Ich habe nämlich den Spörgel in die früh umgepflügte Roggenstoppel ziemlich dicht gesäet, und gut unterge— pflügt; habe aber nicht Lust, es noch ein Mal zu thun, lie⸗ ber säe ich Erbsen ebenfalls in die früh umgebrochene Rog⸗ 9e veil ale sch 1 W f Bllanz, ssst von uf hohe ktt ssch nt die 2 habe u giebt Ilisch pfügte itetge⸗ un, li Roh⸗ genstoppel, und erziele so ein gutes milchgebendes Spät⸗ herbstfutter, was mehr als der Spörgel in den Korb giebt. m) Einiges über Wiesenkultur. 5. 208. Eine Fläche Wiese, welche in möglichst vollkommenem Zustande sich befindet, ist auf jeden Fall mehr werth, als eine gleiche Fläche des besten Feldes, und sie wird auch in Sachsen um ein merkliches theurer bezahlt. Kann sie vollends mit gutem Wasser berieselt werden, so steigt ihr Werth aufs Doppelte des Ackerpreises. §. 209. Eine gute Wiese ist erstens viel sicherer als ein Acker, auf der guten Wiese wird nur selten, bei ganz ungünstiger Witterung nur die Hälfte des eigentlichen Ertrags geerntet, dahingegen die Feldfrüchte oft unvollkommen, und zuwei— len ganz mißrathen. Dann ist es doch eine ausgemachte Wahrheit, daß eine Wiese sehr wenig Kulturkosten verur— sacht. Höchstens kostet sie einmal eine bedeutende Summe, um sie zu melioriren, ist sie aber ein Mal im guten Stande, so braucht sie weder gepflügt, noch gesäet, noch geegt, noch gewalzt zu werden. Die Erntekosten sind die einzige Aus— gabe. Kann sie nicht gewässert werden, so ist freilich zu— weilen eine Düngung nothwendig; diese braucht aber nur alle 5 bis 8 Jahre angewendet zu werden. §. 210. Eine gute Wiese gewährt in Sachsen auch im Durch— schnitt mehrerer Jahre einen höhern Ertrag, wie eine Fläche des besten Ackers. Der sächsische Acker gute Wiese auu. 166 ⁴ giebt im Durchschnitt mehrerer Jahre, jährlich 7o Centner gutes süßes Futter auf zwei oder drei Schnitte. Schlage ich nur den Centner mit 12 ggr. an, so hoch der Centner süßtes Heu in den meisten guten Landwirthschaften genutzt wird(ich weiß es, daß der Centner Heu von mittler Sorte mit nrthlr. und drüber, von Rittergüthern zur Fütterung der Schafe gekauft worden ist), so ist die Einnahme 3örthlir. Die Erntekosten betragen gewöhnlich nicht viel, und es wird bei einer großen Wiesenfläche auf den säch⸗ sischen Acker kaum 5rthlr. kommen; folglich bleiben 30R rthlr. reiner Ertrag; nur selten wird jemand einen Acker Feld, im Durchnitt mehrerer Jahre, auf 30 Thlr. reinen Gewinn bringen; höchstens kann dies nur bei sehr gutem Boden und in der Nähe einer nicht unbedeutenden Stadt statt finden. Aber unter diesen Bedingungen bringt auch eine Wiese einen viel höhern reinen Ertrag; denn dann kann ich, eben so wie es beim Felde möglich, auch die Wiese wohlfeil stark düngen, und so die Ernte vergrö— ßern; in der Näht einer Stadt bringt die Viehzucht mehr ein, ich kann daher auch das Heu zu einem höhern Preis, vielleicht den Centner 16 Gr. bis zu einem Thaler nutzen. Wenn ich vollens das Heu in der Nähe einer großen Stadt unmittelbar, vielleicht oft den Centner mit 14 Thlr. ver— kaufe, so steigt der reine Ertrag noch um vieles höher. Es findet dann dasselbe statt, als wenn ich das Stroh un⸗ mittelbar verkaufe und dafür Stadtmist einkaufe. 9. 2I. Schlechte, trocken gelegene Wiesen sind dagegen meh⸗ rentheils als Feld viel höher zu nutzen; und mich haben —*————— se oEnthe Guhar Cemet gnuth ler Cott utnrun nnahne cht bill säch⸗ leiben inen Thlt. be sehe Menden bringt ) denn „ auc begts⸗ cht nehe Rres, nutzen. nEtodt ll. bet⸗ hohet. oh M⸗ gen mh⸗ ich Habeh —..— .— 169 dergleichen Wiesen oft gedauert, daß sie nicht mit Roggen oder Hafer bestellt waren. Oft können sie, wenn nur einiger⸗ mäßen trockne Witterung statt fand, nur ein Mal gehauen werden, und selten liefert der sächsische Acker mehr als 25 bis 30 Centner Futter. §F. 212. Oft kann es von großem Nutzen seyn, wenn Wiesen, die so liegen, daß sie auch als Feld benutzt werden können, abwechselnd, nämlich einige Jahre zu Feld und dann wie— der mehrere Jahre als Wiesen benutzt werden. Die Ge— treideernten auf einer umgebrochenen Wiese sind oft unge⸗ mein reichlich, und gewöhnlich können einige Ernten ohne frischen Dünger gezogen werden. Es kann daher solch eine Wiese, die vielleicht voller Moos war und wenig Ge— winn als Wiese brachte, sehr oft einer Landwirthschaft, der es an Stroh fehlt, aufhelfen. Das entbehrte wenige Wiesenfutter kann reichlich auf dem übrigen Felde ersetzt werden. 9. 213. Ist alles Gras und Moos in einigen Jahren verfault und in Humus verwandelt, so kann das Feld wieder in eine fruchtbare Wiese verwandelt werden. Es kann eine große Fläche Wiese in gewisse Schläge eingetheilt, und nach einer bestimmten Rotation bewirthschaftet und viel— leicht so eingerichtet werden, daß immer die Hälfte Feld und die zweite Hälfte Wiese ist. 9. 214. Viele, die ihre Wiese dadurch verbessern wollen, daß sie solche einige Jahre als Feld benutzen, machen einen ——— ———— 17 gewaltigen Fehler dabei. Gewöhnlich werden sie durch die sehr guten Ernten verleitet, die Wiese länger als Feld zu benutzen, als sie sich anfänglich vornahmen; oft neh⸗ men sie vier bis sechs Früchte ohne Dünger heraus, und lassen es dann, immer ohne Dünger, endlich zur Wiese lie⸗ gen. Hier ist nun der Boden fast oder ganz erschöpft, die Wiesenpflanzen finden wenig oder keine Nahrung mehr, und die Wiese list dann gewöhnlich schlechter als sie vor dem Umpflügen war. §. 215. Es kann wohl einmal Vortheil bringend seyn, wenn vier, auch mehrere Ernten von einer umgebrochenen Wiese ge⸗ nommen werden, aber dann muß auch schlechterdings dem Boden durchs Auffahren einer starken Mistdüngung etwas wiedergegeben werden, wenn er als Wiese gute Ernten lie⸗ fern soll. Damit der Mist gut mit dem Boden melirt wird, kann in diesem frischen Dünger noch eine Frucht gezogen werden, bevor das Stück als Wiese eingerichtet wird, da⸗ mit der Mist mehrere Male gut umgepflügt und geegt wird; doch auf diesen Fall muß um so stärker gedüngt seyn; die vorherigen guten Ernten machen eine starke Dün⸗ gung möglich. §. 216. Am besten ist es, wenn in den frischen Dünger Wik⸗ ken zur grünen Fütterung gesäet oder Kraut hineingepflänzt wird. Nur rathe ich nicht zu Rüben, weil diese dem Bo⸗ den mehr Kraft entwenden. Beim Kraute findet noch der Vortheil statt, daß durch das öftere Bearbeiten das Sa— menunkraut, was durch den frischen Mist hinkam, vertilgt Raadot 3 Ods nan sen. Worag r st So w. ahschr he Durchl Uge Cunde wesan W folgli 9 durch als J oft nih „ u hese le. pft, de mehs/ sie bor wenn e ge⸗ dem was nen li⸗ tt vit hapgen 1,da⸗ gegt aehüngt Din⸗ H pfaanit m Bo⸗ loch dit Ea⸗ hertgt wird; bleibt dieses darin, so nimmt es den Wiesenpflan⸗ zen anfänglich Nahrung und Platz. 5. 212. Soll das Stück nun zur Wiese wieder eingerichtet werden, so rathe ich durchaus nicht dazu, daß sie mit ge⸗ wöhnlichem sogenannten Heusamen, so wie man ihn auf dem Heuboden findet, besäet wird. Hiernach sieht man meistentheils nur sehr wenige Sorten Gewächse, und dies sind gemeiniglich noch sehr schlechte. Das sogenannte Wegebreit findet sich gewöhnlich am meisten, und dies ist gerade eines der schlechtesten Wiesenpflanzen. §. 216. Am vortheilhaftesten ist es immer, man fäet mehrere Geschlechter Pflanzen zusammen, wobei man weiß; was man säet. Diesen Samen zu kaufen, verursacht viele Ko⸗ sten. Ich habe deshalb ein Stück auf einer der Wiesen, worauf ich viele gute Futterkräuter fand, etwas län⸗ ger stehen lassen, als das darum herumstehende Terrain. So wie eine Sorte reif wurde, ließ ich den Samen sorgfältig ahschneiden und in Tüchern, welche die Arbeiter angehan⸗ gen hatten, einernten. Damit durch das ofte und viele Durchgehen nichts vertreten wurde, so ließ ich so schmale Wege durchmähen, als nur die Sense zu machen im Stande war, zwischen jedem Wege blieb so viel zum Sa— mensammeln stehen, daß zwei Arbeiter von einem Weg zum andern einander mit den Händen erreichen und folglich allen Samen erlangen konnten. Hierbei findet noch der Vortheil statt, daß nur solche — 172— Pflanzen gewählt werden, die in der Gegend und auf die— sem Boden gedeihen. 5. 219. Ich habe nicht nur Gräser(gramina) gewählt, son— dern auch andere Pflanzen, die ich als ein gutes Futter kannte, hierzu genommen, diese aber apart gesammelt und apart gesäet, weil der leichte Grassame nicht dazu paßte. Ich ließ verschiedene Kleearten, Wickenarten und dergleichen sammeln, und säete sie unter den Grassamen auf meine neuzuschaffende Wiese. §. 220. Das Stück, was Wiese werden soll, wird zu diesem Behuf so zeitig im Frühjahr gut umgepflügt, als nur möglich ist, doch darf es auch nicht mehr zu sehr naß seyn, daß der Pflug Bänke schneidet, und so große Erden— klöße entstehen; sondern der Boden muß leicht zerfallen und sich klar und locker bearbeiten lassen. Dann, wenig Wochen nach dem Pflügen, wird es ein Mal quer überegt, damit schon etwas die Furchen eingeebnet werden. Gleich drauf wird es mit dem Ruhrhaken quer oder schräg über gehakt, womit die Furchen größtentheils eingeebnet wer— den. Nun wird Hafer ganz dünn aufgesäet und dieser ein Mal gut untergeegt, damit der Gras- und Kleesame nicht zu tief hinunter fällt. Habe ich wilde Wicken mit zu säen gehabt, so sind diese nach dem Hafer noch auf die rauhe Furche gesäet worden. Der Grassame muß be— hutsam, nicht bei Winde gesäet werden, da er sehr leicht ist, und deshalb sehr schwer egal zu säen ist. mit! lich. aus Kle: Kled gul 110 1 Manz o Ind 1n) ich hae bisser dern armlg übert berschg Renltde, alder, hen, Nal U det 0 Iema uohl v der 0 Vise hl„ saß⸗ Futtir sammelt t dazn en und Ssamen ditsen als nur scht naß .Etden⸗ Ittfalen u„ Weig belegt, . Ellich ig ber net wel⸗ 1d dit Klesame mit zu auf die wuß be⸗ scht lict §. 221I. Gut ist es, wenn man auch etwas rothen Kleesamen mit untersäet, da auch hier, wie bei der Luzerne, anfäng⸗ lich leere Plätze so lange sind, bis sich die Wiesenpflanzen ausgebreitet haben. Auch etwas Samen vom weißen Klee mit untergesäet, bringt Vortheil; wächst auch dieser Klee zu keiner beträchtlichen Höhe, so liefert er doch ein gutes Dürrfutter; er gehört dann auf der Wiese zum gu⸗ ten Untergrase. Je mannigfaltiger die guten Futter— pflanzen auf einer Wiese sind, desto mehr ist sie werth, und um desto sicherer scheint mir ihr Ertrag zu seyn, denn ich habe bemerkt, daß in einem Jahr diese Wiesenpflanze besser gedeiht und mehr Futter darbietet, als in einem an— dern Jahr, wenn eine nebenstehende in demselben Jahr ärmlich dastehet, die vielleicht im Jahr drauf wieder jene übertrifft. Es ist dies wahrscheinlich eben so, wie bei den verschiedenen Feldfrüchten zu erklären. 9. 222. Ist alles gesäet und einige Mal gut geegt, so kann entweder sogleich die neue Wiese zwei Mal hinter ein— ander gewälzt werden, oder es kann dies auch erst gesche⸗ hen, wenn der Hafer aufgegangen ist; es kann auch ein eal gleich nach der Saat, und das zweite Mal, wenn der Hafer aufgegangen ist, gewalzt werden. Daß das zweimalige Walzen über das Kreuz geschieht, versteht sich wohl von selbst. Dies Walzen hat zweierlei Vortheile, der Hauptvortheil ist das Ebenen, damit sich die neue Wiese gut mähen läßt; aber durch das Walzen werden Eẽ;?,r,vð́ 174 auch die Samenkörner und jungen Pflänzchen an das Erdreich angedrückt und können so besser gedeihen. §. 223. Sobald der Hafer Rispen zeigt, wird er zur grünen Fütterung oder zum Dürrmachen gemähet; man darf ihn ja nicht zu lange stehen lassen, damit die jungen Wiesen⸗ pflanzen Luft bekommen und der Hafer auch nicht zu viel Kraft dem Boden entzieht. Im zweiten Jahre liefert solch eine Wiese schon hüb⸗ sches Futter, doch erst im dritten Jahre, wohl auch erst im vierten, ist sie zur wirklichen, aber guten Wiese gewor⸗ den. §. 224. Will man aber sich nicht zum Umpflügen einer trock⸗ nen moosigen Wiese bequemen, sie aber doch recht merklich verbessern, so bleibt nichts übrig, als die Methode der Altenburger zu ergreifen, nämlich humusreiche Erde auf⸗ zufahren und gut auszubreiten. Das Moos wird mit dieser Erde bedeckt, und muß ersticken; die bessern Pflan⸗ zen erhalten durch die Erde Nahrung, und durch das Ver⸗ faulen des Mooses erhalten sie auch Platz sich zu be⸗ stauden. ö ä§. 225. Mit Vortheil bin ich auf folgende Art zu Werke ge— gangen: ich habe im Winter meine zu verbessernden Wie⸗ sen mit humusreicher Erde, 3. B. mit gutem Teichschlamm überfahren lassen. Im Frühjahr wurde diese Erde sorg⸗ fältig gestreuet. Sie muß so dick aufgefahren seyn, daß sie, gut gestreuet, circa 14 bis 2 Zoll hoch zu liegen —— III u Rinn darf in Vesen— t iu dil on hůb⸗ uch erst ewr⸗ nit ttod⸗ uckilch thode det Etde uf⸗ witd Mit un Man das Du⸗ 5ub. Dake ge⸗ den Wie⸗ Rln aidt sorz sehn, j V 0 kommt. Ist sie alle gestreuet, so habe ich Samen von guten Wiesenpflanzen aufgesäet, aber nicht so ganz dick, als bei Anlegung einer neuen Wiese, drauf habe ich die Wiese einige Mal übers Kreuz egen und endlich walzen lassen. ö§. 226. Die so behandelte Wiese hat sich im Sommer drauf gar nicht mehr ähnlich gesehen; das Moos war weg und es standen nichts als gute Wiesenkräuter drauf. Solch eine Wiese wird aber auch erst im zweiten dritten Jahre vollkommen. Dann ist das Moos verfäult, und dient be— sonders den jungen Pflanzen zur Nahrung; ferner haben sich dann erst die ausgesäeten jungen Pflanzen bestaudet. Das eigentliche Gras(gramina) erstickt nicht unter der aufgestreueten Erde, sondern es schiebt hindurch und zieht Nahrung daraus, wächst also um so besser, und giebt mehr und besseres Futter. §. 227. Moosige Wiesen lassen sich auch verbessern, wenn man im Frühjahr sie mit leichten eisernen Egen mehrere Male tüchtig überegen läßt, das Moos eget sich größten⸗ theils heraus, und kann dann zusammen gerecht und als Streu zur Mistvermehrung angewendet werden. 9§. 228. Nach dem Egen habe ich Ruß, Kalk, Gips odert Asche aufstreuen lassen, auch Gauche habe ich auffahren lassen. Diese Düngungsmittel haben auf das bessere Wachsen der guten Wiesenpflanzen gewirkt, diese konnten * d.⁊.—..—.ä——— 7 nun sich besser ausbreiten, und die Stelle des Mooses ein⸗ nehmen. Wurde diese Wiese fernerhin mit Dünger unter⸗ stützt, so behielten die guten Wiesenpflanzen immer die Oberhänd und das Moos konnte nicht mehr aufkommen. 9. 229. Ein großer Theil des Mooses mußte aber durch die Ege zerstört werden, wenn anders die Düngung wirken sollte; ich habe die Vortheile des Egens recht augenschein— lich vor mir gehabt, indem ich ein Stück moosige Wiese egen, und dieses und ein nebenliegendes, ebenfalls mosiges Stück, mit Kalk und Asche bedüngen ließ. Auf dem ge— egten Stück ward die Düngung durch das mehrere und bessere Gras sichtbar, während auf dem nicht geegten Stück nichts besseres zu sehen war. Nur muß dies Egen von einem starken, geschickten und achtsamen Mann ver— richtet werden, denn er muß, wenn die Ege hängt, sie fleißig heben, aber auch sie nicht lange tragen, damit nichts ungeegt bleibt. 9. 230. Der Ofenruß steht in dem Rufe als bester und erster Moosvertilger. Das Moos vertilgt er wohl nicht un— mittelbar, aber er ist das kräftigste Düngungsmittel für mehrere Pflanzengeschlechter; diese wachsen nach der Ruß— düngung so kräftig vorwärts, daß sie den lästigen Nach— bar, das Moos, nicht scheuen, sondern ihn verdrängen. Nur Schade, daß der Ruß selten in großen Quantitäten zu haben ist. Er sollte in großen Städten gesammelt und an die Landwirthe in der Nachbarschaft abgelassen werden. Die Ländwirthe nahe bei Städten sollten sich an die ——— oosts, Her unter immer di Lommah. durch di wirken nschein⸗ Vese nosiges em ge⸗ e und Regten &n amn oet⸗ lat, se Itnchts ud etsit icht ul⸗ iul fit Nuß Nah⸗ ängen. attäten lt und werden. n N Schornsteinfeger wenden, für welche das Rußsammeln ein Nebenverdienst werden könnte; die mehrsten Hausbesitzer würden froh seyn, wenn der Essenkehrer sie vom lästigen Ruß befreiete, da die Köchinnen sich nicht gern damit die zarten Finger beschwärzen. §. 231. Nach dem Ruß ist ohnstreitig der Gips das kräftigste Düngungsmittel für Wiesen; ich darf hier nichts mehr über dessen Wirkung sagen, indem ich meine Erfahrung üͤber diesen Gegenstand schon im Artikel vom Kleebau nie⸗ dergeschrieben habe. F. 232. ö Die Mistgauche(Urin vom Vieh) ist auch ein sehr kräf⸗ tiges Düngungsmittel für Wiesen, doch habe ich mehr Vor⸗ theil davon gehabt, wenn ich sie auf das Feld zur Wintersaat habe fahren und dort einige Mal mit pflügen lassen. Aber dem ohnerachtet verachte ich die Gauche durchaus nicht als Wiesendüngung, und ich habe viele Wirkung davon gese— hen, nur muß sie, wenn sie wirklich nutzen soll, in einem Behälter gefault haben, sonst ist sie entweder bei günstiger Witterung angewendet, ganz unnütz, oder bei ungünstiger, d. h. bei heißer Witterung angewendet, sogar schädlich, indem sie die ganze Grasnarbe verbrennt. Es ist daher nöthig, daß an jedem Stalle zwei verhältnißmäßig große Gauchenbehälter befindlich sind; ist der eine voll, so muß eine bewegliche Rinne, welche die Gauche aus dem Stalle ins Gauchenloch leitet, in das zweite Loch gelegt werden können. Ehe das zweite Loch voll ist, muß das erste völ⸗ lig gegohren haben und zur Anwendung als Düngung ge⸗ M schickt seyn. In der Schweitz, wo die Mistgauche in gro⸗ ßem Werth gehalten wird, mögen sehr zweckmäßige Vor— richtungen in dieser Hinsicht anzutreffen seyn. Jammer— schade ist es, daß bei den mehrsten Landwirthen die Mist⸗ gauche ungenutzt im Dorfe herum oder in Bäche läuft. Mehr über ihre Anwendung werde ich sagen, wenn ich meine Erfahrungen über Düngung im Allgemeinen mitthei⸗ len werde. . 233. Nach Mistgauche mag wohl die Holz⸗, die Braun— kohlen⸗ und die Torfasche kommen. Doch ist die Holz⸗ asche in den mehrsten Gegenden eine zu kostbare Düngung nnd lohnt nicht auf allen Wiesen gleich gut. Auf trocknen Wiesen mit sandigem Boden spürt man in manchen Jah—⸗ ren kaum einige Wirkung nach der Holzaschendüngung. Ich habe in Ponitz in einem Jahre, ohne die selbst erzielte, für mehrere hundert Thaler Holzasche gekauft und auf Wiesen angewendet, kaum habe ich danach so viel Futter mehr geerntet, daß dies, zu einem billigen Preise ange— schlagen, die Asche bezahlte, demnach war es gerade so gut, als kaufte ich das Heu. Auf Wiesen mit lehmigem und moorigem Boden habe ich wieder viel Wirkung nach Aschendüngung gesehn; auf letzterm zumal, denn in moorigem Boden ist gewöhnlich sau⸗ rer Humus enthälten, der unauflöslich ist, aber durch das Kali der Holzasche auflöslich gemacht wird. §. 234. Die Braunkohlen- und Torfasche hingegen thut, nicht in zu geringer Menge angewendet, auf den Wiesen vor⸗ —— tteff der imm Thor lahte Torf t6 m wow unde D H stt her 2 nußtt Dang ielb bahac he in gy⸗ 0 Nur. Nnn die Mis he luft wenn ich mntthe⸗ Braun⸗ Holh⸗ ingung ocnen en Nh⸗ ünzung. i thjelt, uud auf Aguttt se Agt⸗ luade so n hab „ auf sch sul⸗ hurch , uiht sen hot⸗ n 179 i treffliche Wirkung. Wahrscheinlich wirkt in dieser Asche der in ihr enthaltene Gips das mehrste, denn sie enthält immer kohlenstoffsauren Kalk, phosphorsauren Kall, Thonerde, Kieselerde, Eisenoxyd, Küchensalz und Gips, und letztern nicht in geringer Menge. Da ich die Wirkung der Torfasche als Klee-und Wiesendüngung kenne, so dauert es mich recht herzlich, daß ich so viele derselben ungenutzt wegwerfen sehe. So wird z. B. in meinem neuen Vater— lande alle Torf- und viele Holzasche auf das Dorf vor die Thore geworfen und damit die Straßen durch die Dör⸗ fer verschlimmert. Bei der Landwirthschaft sollte fast gar nichts unge— nutzt weggeworfen werden; denn die meisten Abfälle geben Dünger, und Dünger kann nie ein guter Landwirth zu vielbekommen, immer muß er auf dessen Vermehrung bedacht seyn. 5. 235. Auch wird mehrentheils der Hühner⸗ und Tauben⸗ mist als Wiesendüngung angewendet, aber ich habe nie Vortheile davon gehabt. Die Wiesen, wo ich diese Dün⸗ gung anwendete, hatten alle einen etwas sandigen Boden und lagen ziemlich trocken. Kaum daß ich bemerkte, daß etwas aufgestreuet war, so wenig zeichnete sich die mit Hühner- und Taubenmist gedüngte Wiese in Hinsicht ihres Ertrags aus. §. 236. Kalk oder Mergel ist auch eine gute Düngung für Wiesen, besonders für moorigte; denn er ist auch geschickt, den sonst unauflöslichen Humus auflöslich zu machen. M 2 II ö V —— l VAI — 160— Dahingegen habe ich auf trocknen Wiesen, die einen san⸗ digen Boden hatten, nur wenig Wirkung gespürt. 9. 23/. Auch der schwefelhaltige Torf oder auch die schwefel⸗ haltige Braunkohle, geben beide einen guten Dünger für Wiesen ab, doch möchten beide nicht für moorige, sondern wohl am besten für lehmigte Wiesen passen. Diese Dün⸗ gungsmittel müssen aber eine lange Zeit zuvor, ehe sie an⸗ gewendet werden können, in schmalen spitzigen Haufen der Luft ausgesetzt seyn, denn diese nur scheint die meiste Wir⸗ kung als Dünger zu thun. 9. 238· Der Werth einer Wiese wird um das Doppelte ver— mehrt, wenn eine Berieselungsanstalt auf ihr angebracht werden kann; noch höher steigt der Werth, wenn auch das Wasser, mit dem berieselt wird, der Vegetation besonders günstig ist. Daß viel auf die Beschaffenheit des Wassers ankommt, ist durchaus keinem Zweifel unterworfen. So habe ich geglaubt Wunder zu sehen, wenn ich die Wirkung des Wassers auf den Grundstücken eines Guthes, was im Erzgebirge liegt und von mir kurze Zeit verwaltet wurde, sahe.) Wenn oft nur eine Fläche einige Stunden be— rieselt worden war, so sahe man zwei Tage darauf die auffallendste Wirkung in der lebhaftern Vegetation des Wiesengrases. Dies Quellwasser mochte Bestandtiheile bei sich haben, welche als Düngung, oder auch nur als Reizmittel wirkten; mehr glaube ich, daß das erste statt *) Siehe H. 15. sude⸗ aber! Nahl wuss in d! Wist n um Es ffik m kn dlsluhbe ich dald Mituff biih vekhaß g 0 Unters: uhten IH: dieh pwasseh schr v sachunt Sel he schwefl Dünher fit e, sonden Nse Din. he sie an— aufen der Iste Vr⸗ ppelte ger⸗ angebract fauch das hsondetb 3 Muset Rfü. Eo Ie Dikunz 6„ Was in lttt wurdt, unden be⸗ af die Hon des undihel uur dl siste sat —— 181 Lds. findet, denn wo sollte auf Wiesen, die immer berieselt, aber nie mit etwas anderm bedüngt werden, endlich die Nahrung herkommen? Fast vermuthe ich, daß dies Quell⸗ wasser viel Gips enthalten mag, den es auf der beriesel— ten Wiese absetzt. Es wirkt daher doppelt, es theilt der Wiese Düngung nnd Feuchtigkeit mit. Meine Leser wer⸗ den aber staunen, wenn ich versichere, daß auf erwähn⸗ tem Guthe, was herrliche und viele Wiesen besitzt, wovon fast jeder Hügel mit solch herrlichem Wasser berieselt wer⸗ den kann, alle diese Quellen vor wenig Jahren noch nicht benutzt worden. Bei meiner dortigen kurzen Existenz fing ich das Berieselungsgeschäft mit Eifer an, weil ich es als Mittel ansah, die Viehzucht, besonders die Schäferei, empor zu bringen, aber ich kam nicht weit, da der Besitzer die verhältnißmäßig wenigen Kosten scheuete Was seit eini— gen Jahren geschehen ist, weiß ich nicht. Es dauert mich sehr, daß jenes Wasser nicht chemisch untersucht worden ist; ich konnte, als ich dort lebte, dies nicht thun, denn mir fehlte noch eine Menge Kenntnisse. Ich werde den Herrn Professor Lampadius in Freiberg, der dies Guth in seiner Nähe hat, bitten, daß er dies Quell— wasser einer genauen Prüfung unterwirft, was gewiß eine sehr verdienstliche Arbeit ist, da das Resultat dieser Unter⸗ suchung dann als Norm bei Prüfung anderer Wässer, die zur Berieselung angewendet werden sollen, dienen kann. §. 239. Auch das Wasser solcher Bäche, welche durch ein oder mehrere Dörfer geflossen sind, ist vorzüglich zur Berie— selung geschickt, denn sie haben auf ihrer Laufbahn eine — 182 daha Menge düngungfähiger Dinge, z. B. viele Mistgauche, Seifenwasser u. dgl. aufgenommen, welche der Vegetation günstig sind. §. 240. Daß das Wasser, welches zur Verieselung der Wie⸗ sen angewendet wird, die der Vegetation günstigen Be⸗ standtheile absetzt, davon habe ich in Ponitz den augen⸗ scheinlichen Beweis gesehen. Ein kleiner Bach, welcher durch ein benachbartes Dorf läuft, wurde unterhalb die— ses Dorfes von mehrern Bauern zur Bewässerung der Wie— sen angewendet. Dieser Bach war so klein, daß immer jeder so ziemlich das ganze Wasser nehmen mußte. Nach⸗ dem dieses Wasser diese Bauernwiesen berieselt hatte, wollte ich dasselbe auf einer Ponitzer Guthswiese zur Be⸗ rieselung anwenden, aber die Wirkung war erbärmlich schlecht. Nur in trocknen Tagen sahe man einigen Nutzen; hier wirkte es aber augenscheinlich nur als Löschungsmit⸗ tel des Durstes der Pflanzen. Sah man hingegen die Bauerwiesen, welche zuvor mit diesem Wasser berieselt worden waren, nach der Berieselung, so mußte man über den üppigen Graswuchs erstaunen. Jedes Plätzchen, wo man kein Wasser hatte hinbringen können, zeichnete sich durch seinen mindern Graswuchs aus. Es ist nur sehr Schade, daß selten die Wiesen so lie⸗ gen, daß sie bequem berieselt werden können. Entweder haben sie gar kein laufendes Wasser, oder dieß kann nicht genug in die Höhe gebracht werden. lung V von chen 606 Feun Jgen en hliekzu — aige duf e der d fuh. nich Te Isgeuch Natan der Die. gen de⸗ augen⸗ welcher llb die⸗ e Wie⸗ immer Nah⸗ t hatt, zur Vl⸗ hirmlch Ruhel; natnit⸗ then di hetitset un über h, wo Hele sch o le⸗ tweder n icht §. 241. Ich glaube wohl, daß jeder meiner Leser die Beriese— lungsanstalten kennen wird, ich daher keine Beschreibung zu geben nöthig habe. Wer sich einen deutlichen Begriff von den Berieselungsanstalten und deren Wirkungen ma— chen will, muß nach Thambach(einem Dorfe ohnweit Gotha) reisen, wo, nach der Aussage eines sachkundigen Freundes, der Augenzeuge davon war, die Einwohner un⸗ gemein vieles und schönes Futter auf ihren Wiesen und in ihren Gärten durch zweckmäßige Berieselung erzielen, und hierzu vortreffliche Anstalten besitzen. F. 242. Ueber die beste Zeit, wenn die Berieselungsanstalten in Activität gesetzt werden müssen, bleibt mir noch einiges zu sagen übrig. Im Frühjahr wird das erste Mal berie— selt, nur muß man sich nicht übereilen, und zu früh Wasser auf die Wiesen lassen, es giebt doch Stellen, wo das Was⸗ ser etwas stehen bleibt, kommen nun starke Nachtfröste, so irfriert da, wo Wasser stehet, aber doch nicht hoch steht, sehr oft das Gras und man hat Verlust an Futter. §. 243. Dann habe ich es vortheilhaft gefunden, wenn ich einige Tage nur, vielleicht drei Tage lang, die Wiesen auf ein Mal berieseln ließ, und hernach das Wasser wie— der drei Tage wegnahm und so zwei bis drei Wochen fort⸗ fuhr. Manche berieseln nur des Nachts, und am Tage nicht; ich habe auch wieder Landwirthe gesehen, die am Dige wässerten und am Abend das Wasser wegnahmen. Jene sagen:„die Nacht über ist das Wasser am wärmsten, und thut deshälb die mehrste Wirkung;“ die Zweiten sa— gen:„wenn am Tage die Wiese bewässert worden ist, so kann es des Nachts, wo es gewöhnlich am meisten wächst, desto besser wachsen. Wer hat Recht? §. 244. Ich, für meinen Theil, bin nicht für das Berieseln in so kurzen abgebrochenen Saötzen. Auf großen Wiesen, wo das Wasser einen langen Weg nehmen muß, so ist das⸗ selbe kaum bis an das Ende der Wiese gekommen, so wird es schon wieder weggenommen. In so kurzer Zeit kann überhaupt nicht so viel Wasser über die Wiese laufen, daß es durchdringt und im Erdreich zu spüren ist; nämlich ange— nommen, daß das Wasser auch als bloßes Wasser nützt, und daß ich zweckmäßig, d. h. mit äußerst wenig Wasser auf ein Mal beriesele; das Wasser darf kaum bemerkbar seyn, so dünn muß es auf der Oberfläche hinlaufen. Dann ha— ben auch oft die Berieselungsanstalten so angelegt werden müssen, daß nur mit vielen Umständen und Schwierigkei⸗ ten dieselben in Activität und außer Activität zu setzen sind, und dann ist auch öfters die Wiese sehr entfernt vom Gu— the, und mir scheint es nicht, als wenn der Vortheil, den das Berieseln in so kurzen Sätzen bringt, jener Schwie— rigkeiten werth ist. §. 245. Nur bin ich auch nicht dafür, daß man eine Wiese mehrere Wochen lang ununterbrochen fork. berieseln läßt. Es sind doch Stellen, worauf das Wasser stehen bleibt, —— urns, Mii s u st, s ruigs ericseln Desen, t dast wild kann „ daß Hange⸗ bt, nd ser auf Ir shh, anm hi⸗ verden brigke⸗ sind, m Gu⸗ den chwi⸗ Diese liß llebt, —— n 185— unterbricht man die Wässerung nicht, so verdirbt auf sol⸗ chen Stellen das gute Wiesengras und kommt an dessen Statt sogenanntes saures empor. Dann ists doch auch wider die Natur der guten Wiesenpflanzen, wenn sie un⸗ unterbrochen unter Wasser stehen; es muß ihnen auch Zeit gelassen werden, das Empfangene zu benutzen. Die Natur weist uns in dieser Hinsicht selbst an, denn, wenn es auch mehrere Wochen Regenwetter ist, so regnet es doch nie ohne Unterbrechung fort, sondern es vergehen mehrere halbe oft ganze Tage, an denen es nicht einen Tropfen regnet. Drum glaube ich, wenn man von drei Tagen zu drei Tagen wechselt, so ists zweckmößig, wenig⸗ stens bin ich gut dabei gefahren. §. 246. Wenn es nicht an Miste fehlt, kann man trocken gele⸗ gene Wiesen sehr verbessern, wenn man im Herbste Mist auffahren und diesen gut streuen läßt. Schnee und Re— gen läugen diesen Mist aus und führen die bessern Theile den Wiesenpflanzen zu. Im Frühjahr wird das zu lange Stroh abgerecht und zu Streu benutzt. Wenn der Mist gut war und nicht gespart wurde, so wächst einige Jahre ein großer Theil Futter mehr als vor der Mistdüngung. §. 24. Auch durch den Hordenschlag kann man eine Gras⸗ vermehrung auf trocken gelegenen Wiesen bewirken; doch ist die Wirkung nicht lange anhaltend; manchmal sieht man sie nur höchstens zwei Schnitte. Das Behorden geschieht gewöhnlich auch im Herbst, wenn die Wintersaat vorbei 186 da ist, also hierzu nichts mehr zu horden ist. Meiner Ueber⸗ zeugung gemäß, benutzt man aber diesen Herbstpferch hö⸗ her, wenn man das fürs künftige Jahr bestimmte Kraut— feld hordet und da den Pferch unterpflügen läßt. §. 248. Ueber das Bestauen der Wiesen habe ich selbst keine Erfahrung gemacht, kann daher nicht viel darüber sagen; doch gestehe ich aufrichtig, daß mich das, was ich davon sahe, nicht zur Nachahmung reizt. Durch das Bestauen gewinne ich an der Quantität, aber verliere entsetzlich viel an der Qualität des Futters. Es ist ganz natürlich, daß auf einer Wiese, welche mehrere Monate lang im Früh— jahr förmlich in einen Teich verwandelt wird, und das Wasser oft und auf vielen Flecken 6 Fuß und drüber steht, alle die Wiesenpflanzen, welche ihrer Natur gemäß nicht unter Wasser gedeihen können, vergehen, und die Stöcke davon verfaulen müssen. Diese Pflanzenarten sind gerade die besten und süßesten, welche vom Viehe am liebsten ge— fressen werden, und ihm am besten gedeihen. Statt die— ser bessern Wiesenpflanzen gedeihen um so mehr alle die, welche das Wasser im vorzüglichen Grade lieben, sie wach⸗ sen zu einer beträchtlichen Höhe, und bieten dem Auge etwas dar. Die Heuböden und Scheunen werden von solch einer Wiese gefüllt, und der Besitzer dünkt sich reich an Futter. Aber man untersuche die Qualität dieses Fut⸗ ters genau, und man findet, daß wenig an der vermehr⸗ ten Menge gewonnen wurde. Erstens wird dieses Futter nur äußerst ungern vom Vieh gefressen. Die Schafe und das Rindvieh fressen es nur, wenn sie großer Hunger da⸗ Ube c H. Kaut⸗ femne agen; abon auen dbiel daß 187 ι zu zwingt; am ersten wird es noch von den Pferden ge⸗ fressen, aber leider giebt es diesen nur sehr wenig Kräste, sie müssen entweder viel uud gute Körner nebenbei bekommen, oder es darf ihnen keine starke Arbeit zugemuthet werden. In Sachsen, wo keine Pferdezucht, aber desto eifriger die Schaf- und Rindviehzucht betrieben werden, taugen Wie— sen mit sogenanntem sauern Futter nicht viel, und hierun— ter gehören die meisten Bestauunswiesen. Ich gebe es zu, daß ich mich irren kann, daß die Be⸗ slauungswiesen, bei zweckmäßiger Behandlung, nicht al— lein vieles, sondern auch gutes Futter liefern können. Doch ziehe ich da, wo das Lokal das Bewässern(Berie— seln) zuläßt, die berieselten Wiesen jenen gar sehr vor. . 249. Die Maulwürfe richten auf trocken gelegenen Wiesen oft scheinbar sehr großen Schaden an; ich sage:„schein— bar,“ weil ich überzeugt zu seyn glaube, daß die Maul— würfe, wenn sie nicht gar zu häufig auf einer Wiese hau— sen, derselben mehr nützen als schaden. Wenn die auf— gestoßenen Haufen oft gestreuet werden, damit keiner be⸗ rasen und so das Mähen hindern kann, so wird dadurch die Wiese wie versüngt. Die ausgestreuete Erde bedeckt und erstickt das Moos, und befördert das Wachsthum der übrigen Pflanzen, zumal wenn Kalktheile unter der durch die Maulwürfe von unten heraufgebrachten Erde be— findlich sind. Ich habe nie eine Wiese gesehen, die der darauf befindlich gewesenen vielen Maulwurfshaufen hal— ber, wenn diese ordentlich gestreuet waren, weniger und — 1366— schlechter gab, als vorher, wo nicht so viele oder gar keine Haufen darauf waren. 9§. 250. Deshalb ziehe ich, wenn ich Leute bekommen kann, das Streuen dieser Haufen durch die Hände mit Schau— feln oder Rechen, dem Ebenen mit der sogenannten Wie⸗ senschleppe vor; auf erstere Weise wird die Erde wirklich ausgebreitet, und kommt durch gute Arbeiter an keinen Ort zu dick; da hingegen die Wiesenschleppe die Haufen nur ein wenig vor sich herschiebt und die Erde meist sogleich niederdrückt und so zwar recht gut die Wiesen ebnet und zum Abmähen geschickt macht, aber die aufgeworfene Er⸗ de ungleich vertheilt; da, wo sie dick und fest aufliegt, ver⸗ derben viele Grasstöcke. Im Frühjahr sind doch wohl an den meisten Orten Weiber zu haben, die die Maulwurfs⸗ haufen zerstreuen können, sie können in einem Tage viel streuen, und so ist die Ausgabe nicht beträchtlich und be— zahlt sich recht gut. Noch obendrein haben die Pferde zu der Zeit, wo die Wiesen geschleppt werden sollen, nothwen⸗ dige Arbeit auf den Saatfeldern, worauf man ungern zwei, noch weniger vier Pferde misset. 9. 28. Eine der ersten Verbesserungen einer Wiese sollte das Wegschaffen der verraseten Haufen, in welchen gewöhn— lich Ameisenkolonien ihre Sitze genommen haben, seyn, wenn anders der Vorgänger dergleichen hat aufkommen las⸗ sen. Man glaubt nicht, welchen Verlust diese Haufen brin⸗ gen; erstens wächst darauf gewöhnlich nichts gutes und ge⸗ 1 gyr hamn, Schau⸗ Wee⸗ rllich inen ufen Rech und E⸗ bet⸗ ohlan vutfs⸗ el HA Rde i hel⸗ Ngemn bas ohn⸗ sey/ as⸗ bril⸗ ge⸗ — 169— wöhnlich nicht so viel, daß es gemäht werden kann, also schon hierdurch entsteht viel Verlust; zweitens kann nun auch das Futter, welches zwischen den Haufen gewachsen ist, nicht gut herausgemähet werden, es bleibt demnach vieles davon stehen; drittens ist solch eine Wiese schlecht zu mähen, die Arbeiter bringen länger damit zu, sie kostet demnach mehr Arbeitslohn als eine ebene von gleicher Fläche. Diese abgestochenen Haufen werden zusammen auf große Haufen gekarrt, und bleiben hier ein bis zwei Jahr liegen, bis Rasen und alles verrottet ist. Dann wird diese verrottete, vielen Humus enthaltende Erde wieder auf die Wiese ausgebreitet und dünn gestreuet, wo sie vielen Nutzen stiftet. §6. 252. Auf sumpfigen Wiesen ist das Entwässern die zuerst vorzunehmende Verbesserung; das Lokal muß es selbst an— geben, wohin und wie die Entwässerungsgräben änzule— gen sind. Wenn die Wiese sehr sumpfig ist, so muß sie nach Zie⸗ hung der Entwässerungsgräben wenigstens ein Jahr liegen, ehe weiter etwas daran zu thun ist, höchstens sind die Ver⸗ tiefungen zu ebenen. Kann eine solche entwässerte Wiese berieselt werden, so wird sie bald reichen Gewinn geben, zumal wenn im Frühjahr oder im Sommer nach starkem Regen trübes Wasser darauf gelassen werden kann. Ist kein Berieseln möglich, so muß zu andern Dingen Zuflucht genommen werden. Aufgefahrne Erde thut schon viel. Selbst Sand aufgefahren, verbessert moorige, vorher sumpfig gewesene Wiesen gar sehr. Gut ist es, wenn auf einmal, sowohl die Erde als auch der Sand, nicht zu dick aufgestreuet, sondern lieber mehrere Jahre damit fortgefahren wird. So bildet sich eine neue Oberfläche und die bessern Futterkräu⸗ ter verdrängen die sogenannten sauern. Dann können auch Kalk, Mergel, Gips, Torfasche, Holzasche, Ruß und dergleichen, als Düngung angewen— det werden, wovon ich schon weiter vorn, in den. 23⁰0 bis 237, ein Mehreres gesagt habe. Die Verbesserung der privativen Weiden und Triften. 9. 253. Es kann dem Landwirth nicht gleichgültig seyn, ob da, wo er sein Vieh hintreibt, damit sichs dort satt weidet, wenig oder viel wächst; sein Bestreben muß daher darauf gerichtet seyn, diese Weideplätze nach Möglichkeit zu ver⸗ bessern, damit auf ihnen viel und gutes Futter wächst; sein Vieh gedeihet dann nicht allein besser und giebt ihm mehr Gewinn, sondern er kann auch vielleicht eine größere Quantität Vieh auf derselben Fäche ernähren. Bei der reinen Dreifelderwirthschaft wird ein ganzes Drittheil als Weide benutzt, worauf selten viele und gute Futterkräuter wachsen, wenn nicht dergleichen angesaäͤet wurden; meistentheils sind die Brachen von Unkräutern überzogen, die von wenig Vieh gern gefressen werden, es kann deshalb äuf einer bedeutenden Fläche immer nur we⸗ nig Vieh vollkommen gut ernährt werden. 4 gebesen sowohl Nstrett, td. S lirktau⸗ fascht, eweh, .230 den u, oh vbe, durauf su bir⸗ seh uaht sißert uhes gule esätt uarn X Ve⸗ If᷑Bðk⁵ 191 e §. 254. Um diesen Mängeln abzuhelfen und um meine Schaf⸗ heerde vermehren und diese größere Heerde vollkommen er— nähren zu können, säete ich unter den Theil Gersten⸗ oder Haferland, was im künftigen Jahre zur Weide liegen blei⸗ ben sollte, weißblühenden Klee(Trifolium repeus). Die— ser überlief in dem nächstfolgenden Jahre das Feld vollkom— men und gewährte eine herrliche Weide für meine Lämmer und Böͤcke. + 9. 255. Einmal fehlte mir es an Samen von weißem Klee, dagegen besaß ich einen bedeutenden Vorrath von Samen des rothen Klee's, ich ließ dieserhalb letztern unter den Hafer, doch etwas dünner als wenn er zum Mähen be— stimmt wäre, zur künftigen Weide ansäen. Auch dies gab eine herrliche Weide, und ich glaube mehr mit diesem ro— then Klee als mit dem weißen gewonnen zu haben. Im— mer bemerkte ich, daß die Heerden, besonders die Läm— mer, den weißen Klee nicht gern fraßen und ihn immer zum Blühen kommen ließen. Dagegen fraßen sie den ro⸗ then rein ab, sobald er nämlich nicht zu alt und seine Stengel nicht zu hart waren. 9§. 256. Um den besten Vortheil von solch einer Weide zu ha— ben, gab ich der Heerde immer nur einen nicht zu großen, der Größe der Heerde angemessenen Strich, auf ein Mal ein; hatte sie diesen abgefressen, so wurde ihr ein andrer neben dem ersten angewiesen. So dauerte es immer einige Wochen, ehe sie ein Stück ganz beweidet hatten. Unter⸗ esb 192 πππìe bessen war der Klee auf dem ersten Strich wieder herange⸗ wachsen und es wurde wieder von vorn angefangen. Dieses Verfahren ist durchaus nothwendig, denn das Schaf frißt nicht gern lange auf einem Platze, sobald als dieser vom Pferch verunreinigt ist, eilet es gern weiter; bei obigem Verfahren verflüchtet sich der üble Geruch wäh— rend der Zeit als der erste Strich nicht beweidet wird, und der Regen löst auch den Pferch auf und führt selbigen in die Tiefe. 5. 257. Durch dieses Ansäen der Weidebrache mit Klee ver⸗ schaffte ich nicht allein meinen Lämmern eine nahrhafte Wei⸗ de, sondern ich hatte auch noch den Vortheil, daß der Klee keine andern Unkräuter aufkommen ließ, meine Felder wur⸗ den dadurch immer reiner. Die bessere Nahrung veran⸗ lassete mehrern Pferch der Thiere, und die Weidebrache erhielt dadurch schon fast eine Vierteldüngung, die noch durch die verrotteten Kleestöcke vermehrt wurde. Der Acker wurde bei der Bestellung milder, als wenn kein Klee hin⸗ ein gesäet war. Steht der Weideklee dicht, und hat er das Unkraut fast gänzlich unterdrückt, so könnte man dreist, so gut wie beim Mähekleefeld, mit einem Mal Pflügen wegkommen und würde auf eine gute Ernte eher sichre Rechnung machen können, wie nach einer mit Unkraut überzogenen Brache, die drei Mal zur Wintersaat gepflügt würde. 9. 258. Bei der Koppelwirthschaft, wo ein Theil des Feldes mehrere Jahre nach einander zur Weide liegen bleibt, ist en hang fugg herdg, kn Hah, schih Sgem witg; Geuch vih⸗ weidet vit, fiühtt slbige it Klee ber⸗ Hhaste Wei⸗ daß der Kle Febet xur⸗ Rung beral⸗ Woobrache 7 N „Dallätt in Hee hi und hat er eMan dllis, Nal Hflihe cher scht nit Mmalt gypfigt dis rbis llebt, us4n 193— das Ansäen des Klee's zur Verbesserung der Weide noch vortheilhafter. Hier ist aber der weiße Klee deshalb besser, weil er mehrere Jahre ausdauert als der rothe und sich immer mehr und mehr bestocket; gut ist es, wenn hier etwas rother untergesäet wird, er macht für die ersten Jahre die Weide besser und angenehmer. 9. 259. Privative Weideplätze, welche für immer zur Weide bestimmt sind, sind mehrentheils gar vieler Verbesserun⸗ gen fähig, aber leider sind sie sich selbst überlassen, und gewähren für das weidende Vieh eine sehr kümmerliche Nahrung. Gewöhnlich sind sie voller verraseter Haufen, die keine Nahrung darbieten, und zwischen diesen Haufen stehen Pflanzen, die kein Vieh genießen kann. Die erste Verbesserung sey daher die, daß sämmtliche Haufen abgesto⸗ chen und auf Rodehaufen gekarrt werden. Diese Haufen können, wenn der Rasen verrodet ist, eben so, wie auf der Wiese, wieder vertheilt und gestreuet werden. Die auf die privativen Weideplätze gestreueten Dün⸗ gemittel belohnen eben so gut, als wie auf den Wie— sen, wer daher welche anwenden kann, wird großen Vor— theil haben; nur ist es nöthig, daß der Platz nur theil⸗ weise bedüngt und der gedüngte Theil einige Zeit nicht be— hüthet wird, weil das Vieh nicht gern drauf fressen und einige Düngemittel sogar der Gesundheit des Viehes scha⸗ den würden. ö 9§. 260. Noch mehrern Gewinn würde man von den privativen Weideplätzen haben, wenn man, wo das Lokal es verstat⸗ 2 A 194 tet, sie wechselsweise einige Jahre als Feld, und dann wieder mehrere Jahre als Weide benutzte. In der umgebrochenen Weide(Dreesch) würden sehr schöne Früchte wachsen, und durch die Bearbeitung wird die alte Grasnarbe vertilgt, die zuletzt durch Ansäung des weißen Klee's durch eine bessere ersetzt wird. Auf diese Weise behandelt, wird gewiß ein Acker eben so viel Nahrung darbieten, als zwei Acker der Weide, welche, sich selbst überlassen, voller Haufen, Di⸗ steln und dergleichen ist. Aber es wird auch kein Schade seyn, wenn zu dieser Wechselbenutzung etwas weit vom Gebäude entfernt liegendes Feld genommen wird. 9. 261. Auch die zur Weide der Schafe des Guthes oder der Domäne bestimmten Felder der Unterthanen, lassen sich in mehrern Gegenden durch die Besitzer verbessern, nur muß der Wirthschaftsdirektor des Ritterguths oder der Domä⸗ ne mit den Unterthanen gut umgehen und sie zu behandeln wissen. Mehrere Bauern, auf deren Feldern ich die Schafhuthung ausüben konnte, bedauerten, daß sie mir nicht in Hinsicht des Kleeheumachens nachahmen konnten, indem der Klee, den sie den Gesetzen gemaß säen durften, kaum zur grünen Fütterung hinreichte. Auf diese Klage that ich ihnen den Vorschlag, daß sie etwas mehr Klee säen, und diesen wie den andern; mit Gips oder Dünge⸗ salz bestreuen sollten; Anfangs Juni möchten sie diesen Klee mähen und dürre machen, nachher sollten sie mir aber dies Feld zur Schafweide einräumen, und etwas länger als die gewöhnliche reine Brache ungepflügt liegen lassen. Mehrere nahmen meinen Vorschlag an, sie hatten Gewinn, sie aun wicder btochenen ichsen, und ettilgt, de ine besere gewiß ein At der en, Di⸗ Schade It bom oder det u sich in nur uu Doni⸗ behmdeh ich N uß sie ni V sonnten, durften, dicee Kahe meht Kl V+ Dulge⸗ disen Hee aber dies Wet 018 dit 6. Mehtti Gewian, e ernteten einige Fuder Kleeheu, was sie sonst nicht konnten; ihr Feld wurde reiner, da der Klee kein Unkraut im Früh⸗ jahr aufkommen ließ; ihr Feld wurde auch durch die Klee⸗ stoppel milder und zur Winterscat geschickter. Ich gewann ebenfalls; während der Zeit, da der Klee auf diesen Fel⸗ dern stand, reichte die Hüthung immer zu, da bis zum Juni selten Mangel ist. War das Feld gereinigt, so er— hielt ich eine desio bessere Weide und es fehlte mir nicht so sehr wie gewöhnlich in den Monaten Juni und Juli, welches immer die magersten Monate für die sächsischen Schäfereien sind, indem zu Johanni der Bauer seine Bra⸗ che umbricht. ————————————————————————————8——9.—kö—..——..— Schmalz Erfahtungen ——— — 5— —————— ——— —— nn 5 — — —————— Colour& Grey Control Chart Blue Cyan Green Vellow Hed Magenta — danos Siẽ White Grey!. Grey 2 Grey 3 Grey 4 Black