.—— — Univ.-Bibl. SGiessen ů* Practische Anleitung zur Erzeugung der veredelten und der keinsten Schafwolle. Eine gemeinfaßliche Darstellung ihrer Natur und Entwickelung, ihrer Veredlung, der besten Schaf— wäschen, der Schur, der Sortirung und Vor⸗ bereitung zur Fabrikation, so wie der höchstmög⸗ lichsten Steigerung ihres Werthes und ihres vortheilhaftesten Verkaufs ꝛc. von den drei gemeinschaftlichen Besitzern der berühmten Naz⸗Heerden, dem Vicomte Perrault de Jotemps, vormal. Marine-⸗Offiziere, Correspondenten des Ackerbau⸗Conseils, Mitgliede mehrerer okonomischer Gesellschaften, S. Sabry, vormal. Unterpräfekten, Mitgliede mehrerer dkonom. Gesellschaften, und S. Gir o d, Offiziere im königl. franz. Generalstaabe, Mitgl. d. Ehrenlegion u. s. w. VL. BVIOTHEK 2 D. KONICLICHENV Gedruckt und verlegt bei Bernh. Friedr. Voꝛ Vorwort. ————— Die Fragen, welche die Erzeugung und Be⸗ handlung der Wolle betreffen, sind jetzt für den Ackerbau und für die Industrie Frankreichs weit wichtiger, als jemals. Wir werden sie in unserer Schrift umständlich behandeln, vor⸗ her aber sei es uns erlaubt, dieselbe dem Ver⸗ trauen unserer Leser zu empfehlen. Die Merinos-Heerde von Naz, im Ar⸗ rondissement von Gex und Departement Ain, welche vor ungefähr sechs und zwanzig Jahren in Spanien aus den besten Arten ausgele⸗ sen, und durch eine gewisse Anzahl Schafe aus der Zucht Gilberts vermehrt worden ist, hat sich durch die einsichtigen Bemühungen des Hrn. Girod de Lepeneux und später durch die der Familie, welche er mit sich verbunden hat, zu einem hohen Grade der Veredlung erhoben. Auf einander sich stützende Bemühungen und zahlreiche Erfahrungen waren der Erhal⸗ tung und Erhöhung des Vorzugs dieser Heerde *X —— gewidmet, und die Eigenthümer haben keine Ursache gehabt, es zu bereuen. Die Berath⸗ schlagungskammern der Künste und Manufaktu⸗ ren von Sedan und Rethel haben durch schrift⸗ liche Berichte bezeuget, daß die Wolle von Naz an Schönheit die schönste von Frankreich über⸗ trifft, und daß sie der schönsten aus Sachsen wenigstens gleich kommt. Dieses Urtheil wurde durch die Geschworenen der letztern Ausstellung zu Louvre feierlich bestätget. Die Wolle von Naz ward des Preises der goldenen Medaille würdig geachtet, und die Herren Cunin Gri⸗ daine, von Sedan, und Frederik Jourdain, von Louviers, erhielten für das davon verfertigte Tuch ebenfalls goldene Medaillen. Schon im Jahre 1821 beschloß die Ackerbaugesellschaft des Ain-Departements für die Verbindung von Naz einen großen Aufmunterungspreis. Durch so ehrenvolle Zeugnisse in der Mei⸗ nung, die wir uns von unseren Mitteln der Veredlung haben bilden müssen, bestärkt, glau⸗ ben wir, daß es Nutzen schaffen werde, wenn wir sie, nebst den Resultaten unserer Untersu⸗ chungen und unserer Praxis, bekannt machen. Wir legen sie also hier dem Publikum dar, und werden uns glücklich schätzen, wenn unser Vaterland einigen Nutzen daraus wird schöpfen können.* Der Herr Vicomte Perrault de Jotemps, welchem die Gesellschaft der Aufmunterung zur National-Industrie den im letztern Jahre von Hrn. Ternaur für die beste Abhandlung über die Merinos bestimmten Preis zugesprochen hat, hat an der Redaktion dieses Werks vor— züglichen Theil. Als Direktor der Etablisse⸗ ments von Naz konnte er besonders einer lan— gen Reihe von Versuchen und Beobachtungen sich widmen, was seine Mitarbeiter zu erwäh⸗ nen, für Schuldigkeit erachten. Vorwort un ben. Diese Schrift ist zwar von ihren Verfassern ausschlüßlich für die Eigenthümer der Merinos⸗ heerden ihrer Nation bestimmt, um sie über die Natur und Entstehung der Wolle zu belehren, ihnen die Fehler zu zeigen, welche sie in der Hervorbringung derselben begehen, und sie auf den richtigen Weg der Veredlung ihrer Wolle zu leiten. Die deutschen, vornehmlich die sächsischen Eigenthümer feiner Heerden, deren Erzeugnissen die Verfasser selbst den Vorzug zugestehen, sind freilich von solchen Fehlern frei: allein wie leicht ist es möglich, daß aus einer falschen Ansicht dieser und jener darein verfallen kann? Trifft dann der Schaden gleich nicht Alle, so trifft er doch diese, welche Theile des Ganzen ausmachen. Die Praxis der Deutschen scheinet zwar auf Erfahrungen fest gegründet zu seyn: allein es ist gar nicht zu zweifeln, daß sie nicht durch die hier mitge— theilten Untersuchungen, Beobachtungen und Er— fahrungen erweitert, berichtiget, bestätiget und vervollständiget werden sollte. Vor Allem wird die genauere Kenntniß der Wolle und ihrer Ei⸗ genschaften nicht allein den Erzeugern und Kauf⸗ leuten, sondern auch den Fabrikanten von sehr großem Nutzen seyn. Für manchen kleinen Staat in Deutschland, der eine gute Lage dazu hat, wäre vielleicht eine Anstalt zur Veredlung der Wolle vortheil— haft, in welche mehrere Eigenthümer von Heer— den sich vereinigten, um nach ihren gesammelten und einander mitgetheilten Kenntnissen und Er— fahrungen und mit gemeinschaftlicher Berathung dieses Geschäft zu betreiben. Aus dem Grunde habe ich den von den Verfassern entworfenen Plan zu einer solchen Anstalt vollständig mit⸗ getheilt. Eben so bin ich auch mit den Nachrichten über den Zustand des Wollhandels in Frank⸗ reich und England und mit der Ausfuhr der fabrizirten Waaren verfahren; um vornehmlich dem in die Ferne sehenden Kaufmann und Fa⸗ brikanten Stoff zu seinen Spekulationen zu geben. Manche von mehreren Verfassern herrüh⸗ rende Schriften haben das Schicksal, daß sie vor dem Druck nicht nochmals durchgängig von denselben insgesammt durchgegangen werden. Dieß ist auch der Fall mit dieser. Daraus entstehen Mängel, in welche der Unkundige sich nicht finden, noch sie ergänzen kann. Dergleichen befinden sich im französischen Original in der — V— Beschreibung des Waschkastens und dann in dessen Anwendung. Ich habe Beide auf die einfachste Weise, der Natur der Sache gemäß, ergänzt, und glaube, daß man diese Ergänzun⸗ gen richtig finden wird. Da die Verfasser selbst Theorien liefern zu können wünschen, so ist dieses ein Beweis, daß sie als Praktiker den Nutzen derselben an⸗ erkennen. Derjenige Theil unserer reflektirenden Zeitgenossen, der bei seinen Geschäften unbe⸗ dingten Vortheil verlangt, oder gewohnt ist, achtet zwar darauf nicht, derjenige aber, dessen Vortheil aus der genauen Führung derselben entstehet, fühlet, daß er derselben nicht entbeh⸗ ren kann. Ich habe daher über alle Erschei⸗ nungen und Veränderungen, welche sich mit der Wolle zutragen, möglich vollständige Theorien aufgestellt, und hoffe, dadurch nicht nur den Wunsch der Verfasser erfüllt, sondern auch dem denkenden Erzieher, Kaufleuten und Fabrikanten, die Angaben der Verfasser bestimmter, klarer und sicherer gemacht zu haben. Uebrigens werde ich mich freuen, wenn diese meine Arbeit zu noch größerer Vervollkommnung der Merinos⸗ Industrie in Deutschland beiträgt. Erfurt, im August 1824. Samuel Rönner. Inhaltsverzeichniß. Einreitung.— Erstes Kapitel. Allgemeine Betrachtungen über die Wolle. Erster Abschnitt. Von dem Haar der Wolle, seiner Natur und Entwickelung Von dem Haar der Wolle und seiner Natur Von der Entwickelung des Haares Zweiter Abschnitt. Angabe und Beschreibung der Eigenschaften der Wolle ů Von der Form—— Von der Länge Von der Geschmeidigkeit Von der Festigkeit 5 Von der Elastizität Die Weichheit Von dem Vermögen, auszudünsten und einzusaugen, sich zusammen zu ziehen und sich zu erweitern Von den Farben Seite XIII — Dritter Abschnitt. Von den Verhältnissen der Eigenschaften der Wolle zu einander Das Verhältniß der Feinheit des Haares zu der Form desselben Das Verhältniß der Feinheit zu der Geschmeidigkeit Das Verhältniß der Feinheit zu der Festigkeit Das Verhältniß der Feinheit zu der Weichheit Das Verhältniß der Feinheit zu der Länge Das Verhältniß der Feinheit zu der Elastizität Das Verhältniß der Länge zu der om Das Verhältniß der Lange zu der Geschmeidigkeit, der Weichheit und der Festigkeit Das Verhältniß der Länge zur Elastizität und zu dem Vermögen, auszudünsten, einzusaugen, sich zu erweitern und zu verengern Das Verhältniß der Geschmeidigkeit und der Form zu einander Das Verhältniß der Weichheit und der Form zu einander Von den Verhältnissen der Vermögen, auszudüͤnsten und einzusaugen, sich zu erweitern und zu veren⸗ gern, und zu andern Eigenschaften Vierter Abschnitt. Von den Verhältnissen der Dee nnun der Wolle zu der Beschaffenheit der Haut und des Körpers der Schafe Fünfter Abschnitt. Von dem Einfluß äußerer Umstände auf die Eigenschaften der Wolle Sechster Abschnitt. Von den Verhältnissen der Eigenschaften der Wolle zu—27 W8 Anwendung in der Fabrikation Von der Wolle in Bezug auf die Suche Festigkeit des Tuchs Die Undurchdringlichkeit— Die Feinheit Die Leichtigkeit 19 28 36 37 42 42 43 43 — XI— Die Weichheit und die Stärke Von der Wolle in Bezug auf die glatten Zeuche Von der Wolle zur** Zeuche. Zweites Kapitel. Von den verschiedenen Sor⸗ ten der Wolle und ihrer Untersuchung Erster Abschnitt. Von der gemeinen Wolle Zweiter Abschnitt. Von der Bastardwolle Dritter Abschnitt. Von der Wolle der Merinos Drittes Kapitel. Von dem Pelze der Merinos, während er auf der Haut sich befindet Erster Abschnitt. Von dem 65 der senen Merinos Von der Beschaffenheit der Wolle an den verschiede⸗ nen Theilen des Körpers und von dem Aussehen des Pelzes überhaupt Von dem Grade der Gleichheit, der in den verschie⸗ denen Theilen des Pelzes zu erreichen ist Von dem Wiederwachsen der Wolle nach der Schur Von dem Gewicht des Pelzes und seinem Ertrage Zweiter Abschnitt. Von dem Pelze des Lammes Dritter Abschnitt. Von der Schur Viertes Kapitel. Von der feinen und ganz feinen Wolle nach der Schur. Erster Abschnitt. Von dem Lesen und der Ein⸗ theilung der Pelze im Schweiß Z3weiter Abschnitt. Von dem Waschen Von der Wäsche am Schafe Von der Kaufmannswäsche. — II— Von der stärksten Befreiung vom Fett Von der kalten Wäsche nach der Schur Dritter Abschnitt. Von dem verschiedenen Werthe der Theile eines Pelzes, eines Pelzes selbst und den verschiedenen Arten der Pelze im Verhältniß der Beschaffenheit Vierter Abschnitt. Vom Verkauf der Wolle der Merinos* Von dem Marktpreis der Wolle„ Von der Beschaffenheit„ Von der Leichtigkeit, die Waare von einem Orte an den anderen zu schaffen— Von dem Maaß der Hervorbringung 8 Von dem Maaß des Bedarffs Elinn lei tauin g. Es haben bereits viele Schriften von den Meri⸗ nos⸗Schafen gehandelt, und mehrere, welche wir ausgezeichneten Ackerbauverständigen verdanken, und die zu verschiedenen Zeiten erschienen sind, enthalten über die Erziehung derselben die interessantesten und nützlichsten Begriffe. Wir halten es für unnöthig, ein Verzeichniß von diesen Werken zu liefern. Sie sind bekannt genug, und die Namen ihrer Verfasser werden mit Erkenntlichkeit von allen denen genannt, welchen der Wohlstand des Landbaues und der Manufakturen Frankreichs an den Herzen liegt. Es würde von unserer Seite eingebildet schei⸗ nen, nach Schriftstellern, welche mit so vielem Recht geachtet werden, die Feder zu ergreifen, wenn nicht veränderte Umstände den Gegenständen, mit welchen sie sich beschäftiget haben, eine neue An-— sicht gegeben hätten, und wenn nicht, wie in jedem anderen Erwerb, so auch in dem durch die Zucht der Merinos, auf dem Wege zur Vollkommenheit täglich fortgeschritten würde. Es stellet sich jetzt dieser Erwerb in einem Lichte dar, welches von dem, worin er seit der ersten Einführung der spanischen Schafe in Frankreich und selbst noch vor einigen Jahren erschien, ganz ver⸗ schieden ist. IV— Lange Zeit hindurch mußtenalle Bemühungen die Einführung und Vermehrung der Merinos zum Zweck haben, und, um diesen Zweck zu erreichen, welche Schwierigkeiten mußten überstiegen, welche Hindernisse, welche Vorurtheile, welche eingealterte Gewohnheiten, nicht nur bei den Erzeugern, son— dern auch bei den Fabrikanten überwunden werden! Ehre sei den Männern, deren Eifer durch kein Hin⸗ derniß sich abschrecken ließ, und deren Bemühungen unser Land mit einem so schätzbaren Gute bereichert haben! Wenn aber der erste Zeitraum des Erwerbs der Zucht der Merinos fast ausschlüßlich der Ein⸗ führung und Vermehrung dieser schönen Art Schafe gewidmet war, so muß nunmehr der thätige Zeit⸗ raum desselben ihre Veredlung seyn. Denn die Er⸗ zeugung der feinen Wolle und der Bastardwolle hat, vornehmlich in den auswärtigen Ländern, so sehr über Hand genommen, daß sie auf allen Märk⸗ ten zusammen strömet, und daß die Heruntersetzung ihres Werthes den Muth der Erzeuger niederschlägt. Wir glauben daher, daß der Zeitpunkt gekom⸗ men sei, wo die Aufmerksamkeit, welche zu lange Zeit von der Begierde, so viele Pelze als möglich von Merinos oder Bastarden zu erzeugen, und das Gewicht derselben zu verdoppeln, gefesselt gehalten wurde, auf die Verbesserung der Wolle müsse ge⸗ richtet werden, und daß es heutiges Tages mehr auf die Beschaffenheit der Erzeugnisse, als auf die Menge derselben ankomme. Wir wollen nicht in das Einzelne der Umstände eingehen, welche die einsichtsvollsten Oekonomen, fast wider ihren Willen, darauf gebracht und nach ihrem Beispiel die größte Anzahl der Eigenthümer von Heerden vermocht haben, in der Vergrößerung des Körpers und in der Vermehrung der Wolle die ——⏑—— Veredlung der Merinos zu suchen. Die Annahme des Systems, nach welchem große Körper und schwerfällige Pelze erzeugt werden, war dazu ver⸗ mögend genug. Ohne uns aber mit dem, was in der Erzie⸗ hung feiner Heerden geschehen ist, oder bisher hätte geschehen sollen, zu befassen, werfen wir einen flüch⸗ tigen Blick auf den Zustand, in welchem dieser so wichtige Zweig des Landbaues und des Erwerbes sich heutiges Tages befindet. Es fällt uns für's Erste der niedrige Preis auf, auf welchen unsere feine Wolle und unsere Bastard⸗ wolle herabgesunken ist, während unsere Manufak⸗ turen vom ersten Range genöthiget sind, die Mate⸗ rialien zu ihren ausgezeichnetesten Produkten, die ih⸗ nen ihren Vorrang und gerechten Ruhm aller Or⸗ ten sichern, aus dem Auslande um sehr hohe Preise zu ziehen. Unter andern, gebricht es uns an einer Sorte Wolle zum Kämmen, welche durch die Ver⸗ fertigung glatter Stoffe unseren Nebenbuhlern in Großbritannien so großen Gewinn verschafft. Ein solcher, den Eigenthüͤmern von Heerden so nachtheiliger Zustand der Dinge, mußte längst ihre Klagen wecken. Diese verbreiteten sich in die Kammer der Deputirten: aber, anstatt zur wahren Quelle des Uebels hinauf zu steigen, begnügte man sich, bei der Regierung um eine Vermehrung der Auflage auf fremde Wolle anzutragen. Die Auf⸗ lage wurde vierfach verstärkt, u. gleichwohl schlug ein neues Fallen des Preises der inländischen feinen Wolle den Muth vollends zu Boden, und rechtfer⸗ tigte die Furcht, die wir selbst über die Wirksam⸗ keit dieses Mittels geäußert hatten. Wir glauben fest, daß man dem Erwerb durch die Erziehung der Merinos schleunigst zu Hülfe kommen müsse. Sonst werden wir viel eher, als — XVI— wir es werden denken können, Zeugen seines gänz⸗ lichen Verfalls seyn. Wir beschränken uns aber nicht darauf, daß wir zu seiner Hülfe die Zollge⸗ setze oder die Maäßregeln der Verwaltung anrufen. So weise diese entworfen und ausgeübt sie auch werden möchten, so würden sie doch immer unmäch⸗ tig seyn, wenn sich nicht die Eigenthümer einen richtigen Begriff von ihrer Lage und von dem ei⸗ gentlichen Zwecke machten, auf welchen sie ihre Be⸗ mühungen zu richten haben. Man hat bisher die Untersuchung der Wolle zu sehr vernachlässiget. Der größte Theil der Er⸗ zieher hat sich mehr mit der Gestalt und der Länge des Körpers seiner Schafe, mit dem Umfange und dem Gewicht ihrer Pelze, als mit den Eigenschaf⸗ ten beschäftiget, welche die Wolle mehr oder weni⸗ er zur Fabrikation tauglich zu machen. Auch ha⸗ den eine lange Zeit über viele Fabrikanten in Anse⸗ hung dieses Gegenstandes eine gewisse Gleichgültig⸗ keit gezeigt, und die Gewohnheit und die Vorur⸗ theile, welche ihre alleinigen Führer zu seyn schie⸗ nen, sich den Fortschritten dieser Untersuchung auf eine ärgerliche Weise widersetzt. Man erinnere sich nur der Verachtung, mit welcher die französischen Manufakturen die ersten Erzeugnisse der eingeführ⸗ ten Heerden behandelten. Sie zogen sich damals Vorwürfe zu, welche sie gar wohl verdienten. Denn ohne die Beharrlichkeit der Männer, von welchen wir geredet haben, hät⸗ ten diese Vorurtheile einen so schätzbaren Erwerb in seinem Keime ersticken können. Dieselben Manufakturen aber, weit entfernt, auf dem Wege zur Vervollkommnung still zu stehen, machten darin jedes Jahr neue Fortschritte, und in dem Maaße, in welchem sie in ihrer Kunst geschickter wurden, erlangten sie von den Eigenschaften des S——2— 2„..c— 225 — Erstes Kapitel. Allgemeine Betrachtungen über die Wolle. Erster Abschnitt. Von dem Haar der Wolle, seiner Natur und Entwickelung. Die Chemie, durch deren Bemühungen in unseren Tagen mehrere Zweige des nationalen Erwerbfleißes so große Fortschritte machten, scheinet noch nicht ge⸗ nug mit der Wolle sich beschäftigt zu haben. Zwar hat sie selbige so, wie andere verschiedene Arten von Haaren, der Untersuchung unterworfen, und die Sub⸗ stanzen, aus welchen sie besteht, angegeben: aber nicht in der Absicht, den Nutzen ihres Gebrauchs zu vergrößern. Gleichwohl hoffen die Oekonomen und die Manufakturisten, von dieser Wissenschaft Belehrungen zu erhalten, die ihnen sehr schätzbar seyn würden. Ihr liegt es ob; die Entstehung des Haares der Wolle bis zu seiner völligen Entwicke— lung zu verfolgen; die Natur desselben, nachdem es von der Haut des Schafes ist getrennt worden, und den Einfluß, welchen gewisse äußere Umstände und Ereignisse und die verschiedenen Zubereitungen, denen es vor der Verarbeitung zu den verschiedenen 1 ⁰ Stoffen unterworfen wird, auf seine Beschaffenheit haben, zu untersuchen, damit aus diesen Untersu⸗ chungen Folgerungen können gezogen werden, wel⸗ che geeignet sind, den Erwerbfleiß in der Wahl des besten Verfahrens in der Erziehung der Schafe und in der Reinigung und Verarbeitung der Wolle zu leiten. Da wir in dem Verlauf vieler Jahre durch eigene Erfahrung, Beobachtung, Versuche und Nach⸗ denken ein gewisses Maaß von Kenntnissen dieser Gegenstände uns erworben haben, so halten wir uns, als Bürger des Staats, für verbunden, sol⸗ che zum Vortheil des Landes unseren Mitbürgern mitzutheilen. Von dem Haar der Wolle und seiner Natur. Das Haar der Wolle ist ein Faden von einer festen Substanz, einer Art von verhärtetem Mukus, oder thierischem Schleim, mit welcher eine seifige Materie verbunden ist. Der feste Bestandtheil stellet sich als eine po⸗ röse Röhre dar, und ist weder in kaltem, noch in heißem Wasser auflösbar: durch ätzende Bäder aber kann seine Auflösung bewirkt werden. Der seifige Bestandtheil befindet sich in der Höhlung und in den Poren des Haares. Im Inneren bildet er das Mark oder den Saft, im Aeußeren das, was man den Schweiß nennt. Der Schweiß bestehet aus zwei Substanzen, wovon die eine in kaltem, die andere nur in heißem Wasser sich auflöset, wenn sie mit andern Substan⸗ zen, vornehmlich mit der erstern, vermischt ist. Das Mark hat mit dem Schweiße große Aehnlichkeit, und widerstehet wahrscheinlich nur durch seine Einwickelung den Mitteln, welche die Auflö⸗ sung des letztern bewirken. — XVII— Materials, welches sie anwendeten, immer richtigere Kenntnisse. Auch fällt es uns nicht ein, in dem Vorzuge, welchen sie gewissen Sorten ausländischer Wolle vor denen, die in's Gemein Frankreich liefert, beilegen, einen Grund zur Anklage gegen sie zu su— chen. Dieser Vorzug gehet nicht aus Gewohnhei— ten und Vorurtheilen, sondern aus einer durch zu— verlässige Erfahrungen aufgeklärten Praxis hervor. Der Eigenthümer der Heerden darf in der ihm unerläßlichen Untersuchung der Eigenschaften der Wolle nicht zurück bleiben. Sie allein— wir sind fest davon uberzeugt— kann ihn in eine bessere Lage versetzen. Er muß ausdrücklich Verzicht darauf thun, ohne Berechnung und, so zu sagen, ohne Unter⸗ schied eine Wolle zu erzeugen, die durch ihren Ue⸗ berfluß auf allen Märkten Europens jedes Jahr eine neue Heruntersetzung ihres Preises erfährt. Hierbei muß man hauptsächlich erwägen, daß, im Vergleich gegen Frankreich, in mehreren Gegenden eine Oekonomie Statt findet, welche die Hälfte auch wohl drei Viertheile des zur Erzeugung gemachten Aufwandes trägt, und daß das daraus entstehende Zusammentreffen die Thore der Ausfuhr für uns verschließt, wenn wir nicht unsere Mittel zum Ver⸗ trieb auf die vorzüglichste Güte unserer Erzeugnisse ründen. Niemand wird mehr in Zweifel ziehen, daß man durch die Vergrößerung des Körpers der Schafe und durch die Vermehrung des Gewichts ihres Pel— zes an der Schönheit der Wolle verloren, und die ursprüngliche Gestalt der Art der Merinos verändert hat. Das System der großen Körper und der schwer⸗ fäligen Pelze entstand in der früheren Zeit nach der Einführung der Merinos, und wurde vornehm⸗ lich durch drei Umstände begünstiget. 1) Eine lange Zeit hindurch wurde die Wolle der Merinos start * gesucht, und die verschiedenen Grade der Feinheit machten in dem Preise fast gar keinen Unterschied. 2) Der Gewinn, welchen die Erzeugung derselben verschaffte, war so beträchtlich, daß man wenig auf den vergrößerten Aufwand des Futters achtete, um die Körper der Schafe zu vergrößern. 3). Und in den Städten wurde, wie noch jetzt, die Steuer von den Schafen nach der Anzahl der Köpfe entrichtet. Dieses System muß einem zweckmäßigeren, dessen Anwendung zur gebietenden Nothwendigkeit gewor— den ist, Platz machen. Da bei Ergreifung der Feder unsere Absicht war, den Erwerb durch die Erziehung der Merinos unter dem neuen Gesichtspunkte zu betrachten, un⸗ ter welchen er heutiges Tages gestellt ist, so muß⸗ ten wir uns selbst einer genauen Untersuchung der Wolle widmen, und, je weiter wir diese Untersu⸗ chung fortsetzten, desto mehr wurden wir von der äußersten Wichtigkeit derselben überzeugt. Wir hal⸗ ten es daher für rathsam, fürerst alle Fragen, wel⸗ che dieselben betreffen, abzuhandeln, ehe wir die Resultate unserer Beobachtungen und Erfahrungen über die Sorgfalt, mit welcher die Heerden verwal⸗ tet werden müssen, und über die bessere Art ihrer Erziehung mittheilen. Wir werden uns glücklich schätzen, wenn es uns gelingt, die Muthlosigkeit, die vieler Eigenthümer sich bemächtiget hat, zu min⸗ dern, und wenn wir dazu beitragen, ihren Bemühungen eine nützlichere und einträglichere Richtung zu geben. Das erste Kapitel muß natürlich gewisser Maa⸗ ßen abstrakt seyn, es erfordert daher eine vorzügli⸗ che Aufmerksamkeit, welche wir unsere Leser ihm zu widmen bitten. Bei unseren Untersuchungen aber haben wir übrigens keine Theorie zum Grunde ge⸗ legt, von deren Wahrheit und Nutzlichkeit uns nicht die Erfahrung überzeugt hätte. In dem Marke hat die Unmöglichkeit ihren Grund, die Wolle gänzlich vom Fette zu befreien. Wenn man sie in dieser Absicht auch noch so oft behandelt: so kommt nach einiger Zeit immer wie— der Fett, das sich aus demselben ausgeschieden hat, zum Vorschein. Diese Eigenschaft ist jedoch die Ur⸗ sache von der Weichheit der Stoffe, welche von der Wolle verfertiget werden. Denn, wenn es möglich wäre, das Haar gänzlich des Fettes zu entledigen: so würde es seine Biegsamkeit verlieren, und die ausgetrocknete Substanz dem Horn gleich werden. Von der Entwickelung des Haares. Aus den Umständen, die bei der Entstehung und Entwickelung des Haares der Wolle mit ein⸗ ander vereiniget sind, gehen viele nützliche Fol⸗ gerungen hervor. Wir befassen uns nur mit de— nen, über welche die Naturforscher übereinstimmen, und die mit dem Zwecke unseres Werks in der nach⸗ sten Beziehung stehen. Das Haar erhält seine Entstehung in dem Zell⸗ gewebe, das unter der Haut sich befindet. Dieses nimmt gewisse, aus den Säften sich ausscheidende, Substanzen von verschiedener Natur in sich auf, die sich darin verdicken. Aus denselben entstehen die Zwiebeln, welche entweder rund, oder eiförmig, und aus zwei Häutchen, einem äußeren u. einem inneren, zusammen gesetzt sind, und ihre Wurzeln in dem Zellgewebe verbreiten. Das innere Häutchen schlie⸗ ßet den Keim des Haares in sich, und der Raum zwischen beiden wird durch den Umlauf der Säfte mit einer klebrigen Materie angefüllt, die der Zwie⸗ bel zur Nahrung dienet. Die Haut der Schafe besteht aus drei ver— schiedenen über einander liegenden Theilen; aus ei— nem festen und dicken Gewebe, das auf dem Zell⸗ 1* gewebe aufliegt, aus einem schleimigen, und aus einem ebenfalls festen, aber dünnen, welches das Oberhäutchen genannt wird. Durch die im Zellgewebe verbreiteten Wurzeln ziehet die Zwiebel die zur Bildung und Entwicke⸗ lung des Haares nöthigen Säfte in sich, und be⸗ reitet daraus den Keim desselben. Dieser verlängert sich, und dringet aus derselben hervor, mit seiner Spitze an die untere Lage der Haut an, und durch selbige durch. Dann gehet die Röhre durch die darüber liegende schleimige bis an die obere dünne u. feste Lage, u. bieget sich, da sie solche nicht sogleich mit ihrer Spitze durchdringen kann. Daselbst bleibt sie entweder mit ihrer Spitze stehen, und drückt sich, in⸗ dem sie immer länger wird, schraubenförmig zusam⸗ men, oder bieget sich um, und gehet wieder zurück und mehrere Mal hin und wieder. Bei dem Zu⸗ sammendrücken so wohl, als bei dem Hin- und Wiedergange treibet sie die schleimige Substanz, woraus die mittlere Lage bestehet, aus der Stelle, und verdichtet sie zunächst um sich. Dadurch bildet sich ein Kanal, welcher nachher dem fortwachsenden Haare zum Modell dienet. Indem die Zirkel oder die Bogen der Röhre sich immer mehr anhäufen, hebet sie die obere Lage empor, dehnet sie aus, und sticht endlich mit ihrer Spitze durch dieselbe durch. So kommt denn das Haar auf der Oberfläche der Haut zum Vorschein. Nun ist die Haut an den verschiedenen Scha— fen und an den verschiedenen Stellen ihres Körpers von verschiedener Beschaffenheit: folglich muß auch die Wolle, die aus derselben hervor gehet, verschie⸗ den seyn. Wir werden von diesem Gegenstande umständlicher handeln: wenn wir auf das Verhält⸗ niß kommen, in welchem die Eigenschaften der Wolle mit der Beschaffenheit der Haut und des Körpers stehen. Das Haar der Wolle bestehet, wie wir bereits gesagt haben, in einer Röhre, welche an dem äu⸗ ßersten Ende verschlossen, in ihrem Umfange aber mit Poren versehen ist. Im Inneren derselben stei⸗ gen die zu seinem Wachsen nöthigen Säfte empor, füllen es an, und erweitern es. Die Poren dün⸗ sten nicht nur die überflüssigen Säfte aus, deren der Körper sich entlediget; sondern saugen auch aus der Luft Flüssigkeiten und Dünste ein, die zur Nah⸗ rung und Stärkung des Haares beitragen. Daß der letztere Umstand für den Erzieher der Schafe von besonderer Wichtigkeit ist, wird einleuchten, wann wir von den Wirkungen der Feuchtigkeit auf die Beschaffenheit der Wolle reden werden. Zweiter Abschnitt. Angabe und Beschreibung der Eigenschaften der Wolle. Wir würden die Grenzen überschreiten, die wir uns gesetzt haben, wenn wir in der Wolle alle Ei⸗ genschaften untersuchten, welche die Augen des Beob⸗ achters darin finden können. Da die Kenntniß von mehreren so wohl dem Erzieher der Schafe, als dem Verarbeiter der Wolle keinen, oder nur einen ganz geringen Nutzen schaffet: so übergehen wir solche, und befassen uns nur mit denen, deren Kennt⸗ niß beiden nützlich ist. Wir geben die Eigenschaften des einzelnen Haa⸗ res nach der Reihe an, bestimmen dann eine jede genau, indem wir den Begriff, den wir mit den verschiedenen Benennungen verbinden, fest setzen, und begleiten diese Bestimmung mit den eine jede derselben betreffenden Bemerkungen. Die Eigenschaften des einzelnen Haares, auf welche wir unsere Aufmerksamkeit zu richten haben, sind 1) die Form, die Feinheit, 3) die Länge, 4) die Geschmeidigkeit, 5) die Fe⸗ stigkeit, 6) die verschiedene Elastizität, 7) die Weichheit, 8) das Vermögen, sich zu verengen und zu erweitern, 9) das Ver⸗ mögen, auszu dünsten und einzusaugen, und 10) die Farben. Diese Eigenschaften des einzelnen Haares fin⸗ den wir in den Flocken beisammen. In dieser Ver⸗ bindung aber ist eine jede nur in der Hälfte ihrer Stärke anzunehmen. Von der Form. Die Haare der Wolle haben verschiedene For⸗ men, die ihnen verschiedene Eigenschaften ertheilen. Das eine stellet sich in Bogen des halben Zirkels dar, die mehr oder weniger regelmäßig sind, und wird gewelletes, oder wellenförmiges; ein anderes in schräg laufenden an einander hangenden Zirkeln, und wird gewundenes, oder geschlän⸗ geltes, oder schlangenförmiges; wieder ein anderes in mehreren oder wenigeren, mehr oder minder regelmäßigen Bogen, und wird krausesz noch ein anderes in einer mehr oder weniger gera⸗ den Linie, und wird gerades, oder gewöhnlich plattes Haar genannt. Das letztere hat die gewoöhnliche Benennung nicht darum, weil die Röhre desselben platt wäre— was nur durch Zufall und nur an einigen Theilen desselben Statt findet— sondern darum, weil meh⸗ rere solcher Haare, neben einander gelegt, eine Flä⸗ che bilden. Von der Feinheit. Der Grad der Feinheit des Haares bestehet in der Länge seines Durchmessers, welche unmöglich genau bestimmt werden kann. Die Röhre desselben ist zwar rund; aber kein vollkommner Cylinder, des⸗ sen Durchmesser in seiner ganzen Länge gleich wäre. Diese vollkommene Gleichheit findet man fast nie⸗ mals; gewöhnlich ist das Haar nach der Haut zu feiner, als an dem oberen Ende, ausgenommen an der Wolle, welche das Lamm aus Mutterleibe mit bringt, deren Haar spitzig zuläuft. Die Neigung des Haares, nach dem äußeren Ende zu sich zu verdicken, läßt sich auf folgende Weise erklären. Das Haar empfängt von der flüssigen Sub⸗ stanz, die in der Zwiebel, aus der es hervor ging, enthalten ist, reichlichen Nahrungssaft; einen Theil davon nimmt es zu seiner Entwickelung unter seine Bestandtheile auf; den Ueberfluß dünstet es aus. In der ersten Wolle des Lammes, von welcher noch nichts ist abgeschnitten worden, und die in einer Spitze sich endiget, findet diese Ausdünstung nur durch die Poren der Röhre Statt. Hat aber die Scheere dieselbe einmal geöffnet: so gibt diese Oeff— nung dem Ueberfluß einen leichteren Ausgang, und die Substanz dringet immer reichlicher nach dem aufgeschnittenen Ende. Die Poren der Röhre, die nun des Geschäfts der Ausdünstung mehr oder we— niger entlediget sind, saugen nun aus der Luft näh⸗ rende und stärkende Säfte in sich, und das desto reich— licher, je mehr sie mit derselben in Berührung sind, was natürlich mehr gegen daß Ende des Haares, als in der Nähe der Haut gesnehen kann. In manchem Betracht düürfte wohl eine voll⸗ kommene Gleichheit der Dicke des Haares zu wün⸗ schen seyn: allein die Weisheit Gottes, welche durch die Erschaffung des Wollenträgers für die Bedeckung — 8— des nackten Menschen sorgte, übersahe den mannich⸗ faltigen Gebrauch, den dieser von dem Geschenk seiner Güte machen würde, und bereitete durch diese Un⸗ gleichheit die mögliche Dauer seiner Gewebe vor. Haare von gleicher Dicke würden im Spinnen, We⸗ ben und Walken nicht so fest sich in einander schließen, wie es bei ihrer Ungleichheit geschieht. Gemeiniglich beurtheilet man die Feinheit einer Wolle durch die Vergleichung mit einer anderen, und die Fertigkeit darin kann ein mehr oder weniger richtiges Urtheil gewähren. Es gibt aber Werkzeu⸗ ge, die besonders zur Messung derselben bestimmt sind, von welchen wir zu reden späterhin Gelegen⸗ heit haben werden. Von der Länge. Die Länge des Haares ist entweder schein⸗ bar, oder wirklich. Die erste stellet sich in der natürlichen Form desselben dar, in welcher es diese oder jene Bogen hat. Die zweite ist die, welche dasselbe erlangt, wenn es ohne Dehnung ausge— zogen, gestreckt wird. An dem ganz geraden Haar fällt diese sogleich in die Augen. An einem andern Orte werden wir sagen, wie die verschiedenen Arten von Wolle in der Länge sich von einander unterscheiden, und welche in die⸗ sem Betracht zu diesem oder jenem Fabrikat die schicklichsten scheinen. Von der Geschmeidigkeit. Die Geschmeidigkeit des Haares ist nicht, wie oft geschiehet, zu verwechseln mit der Weichheit, von welcher sie eine Bedingung ist. Sie ist im Allgemeinen die Eigenschaft, vermöge welcher die Form einer Substanz ohne Trennung ihrer Theile verändert verlängert oder verkurzt, wer⸗ — 0— den kann. Je leichter das Haar der geringsten Ge⸗ walt, welche die Richtung der Bogen oder Zirkel in demselben, durch Biegen oder Ziehen, zu verän— dern strebt, ohne zu brechen, nachgiebt: desto bieg⸗ samer ist es. Die Länge des Haares durch Ziehen in die Quer zu verkürzen, wird Niemandem einfallen. Von der Festigkeit. Die Festigkeit des Haares ist der Wider⸗ stand, den es der Wirkung, welche es zu zerreißen strebt, entgegen setzt, und sie bestehet in dem stär⸗ keren oder schwächeren Zufammenhange seiner Be⸗ standtheile. Von der Elastizität. Die Elastizität einer festen Substanz ist die Eigenschaft, vermöge welcher sie sich wieder in die Form und in den Umfang begibt, aus welchen sie durch eine äußere Wirkung gebracht worden ist. Diese Eigenschaft zeigt sich an dem Haar der Wolle, nach der verschiedenen Art, wie eine Gewalt auf dasselbe wirkt, auf verschiedene Weise, woraus für die Anwendung derselben in der Fabrikation gewisse Folgerungen hervor gehen. 1) Das wellenförmige, das geschlän— gelte und das krause Haar ziehet sich, wann eine Kraft, die es in die gerade Linie streckte, es darin zu halten, aufhört, in seine erste Form zurück. Dies nennen wir die Elastizität der Form. Die Haare von jeder Form nehmen, wann sie gebogen worden sind, und die Biegung nachläßt, die in ihrer Form liegende Richtung wieder an. Dies kann die Elastizität der Richtung heißen. 3) Die Haare von jeder Form und genug⸗ — 10— samer Festigkeit, wann sie über ihre wirkliche Länge ausgedehnt worden sind, ziehen sich, wenn sie frei werden, wieder in dieselbe zurück, was wir die Elastizität der Dehnung nennen. 4) Die Haare von jeder Form, wann sie in dem Grade ausgedehnt werden, daß sie entzwei rei⸗ ßen, verändern dieselbe an beiden Enden des Ris⸗ ses; das gerade krümmt sich; das krause, das wel⸗ lenförmige und das geschlängelte ziehet seine Bogen enger zusammen. Ist die Elastizität des letztern stark: so bildet es an beiden einen Knopf. Dies nennen wir die Elastizität des Risses. 5) Diese vier verschiedenen Aeußerungen der Elastizität finden in einer größeren oder geringeren Quantität Wolle Statt, wenn eine stärkere oder schwächere Gewalt, die sie zusammendrückte, lang⸗ sam oder schnell nachläßt; am meisten die erste, we⸗ niger die zweite, selten die dritte, und äußerst sel⸗ ten die vierte. Diese vereinigten Aeußerungen der Elastizität können die Elastizität des Umfangs genannt werden. Die Weichheit. Die Weichheit der Wolle wird durch das Anfühlen geprüft. Das Haar ist um so weicher, alss ihre Oberfläche gleicher, voller, von Rauhigkeit freier und biegsamer ist. Diese Eigenschaft hängt we sentlich 1) von der Form und D von der Ge⸗ schmeidigkeit desselben ab. Den Nutzen, welcher aus der Unterscheidung beider Ursachen hervorgehet, wer⸗ den wir in der Folge zeigen. ö Von dem Vermögen, auszudunsten und einzu⸗ saugen, sich zu sammen zu ziehen und sich zu erweitern. Der porösen Röhre des Haares können die 14— Vermögen, einen Theil der Flüssigkeiten, die in ihr aufsteigen, auszudünsten, andere von Außem einzu⸗ saugen, und bei den verschiedenen Wirkungen der Luft, welchen sie ausgesetzt ist, sich zusammen zu ziehen und sich zu erweitern, nicht abgesprochen wer⸗ den. Aus den Aeußerungen derselben gehen Erschei— nungen hervor, welche, wie wir späterhin sehen wer— den, über die Behandlung der Wolle, so wohl vor, als nach der Schur, sehr belehrend sind. Von den Farben. Die Wolle hat von Natur verschiedene Farben. Die meiste ist weiß, andere grau, gelb, roth, braun, oder schwarz. Die weiße hat vor der Reinigung vom Fett beinahe alle Stufen von Licht, das aber durch diese Behandlung gemeiniglich auf eine höhere gleiche Stufe gebracht wird. Sie nimmt alle Farben gleichmäßig an, und wird deswegen am meisten geachtet. Die farbige Wolle widerstehet der Wirkung der Bäder, welche zu ihrer Reinigung und Befreiung vom Fett angewendet werden, je dunkler sie ist, desto stärker, und stehet darum in einem geringeren Preise. ö Dritter Abschnitt. Von den Verhaltnissen der Eigenschaften der Wolle zu einander. Wenn eine Sache mehrere Eigenschaften in sich vereiniget: so müssen sie nothwendig in gewissen Verhaltnissen zu einander stehen, nach welchen sie auf einander wirken, und die Wirkung der einen die Wirkung der andern abändert. Die Kenntniß der Verhältnisse, welche unter den Eigenschästen der — 12— Wolle Statt haben, ist nicht erst für die Anwen⸗ dung derselben in der Fabrikation wichtig; sondern schon die Untersuchung ihrer Beschaffenheit wird da— durch gefördert und sicherer, indem das Daseyn ei⸗ niger Eigenschaften das Daseyn anderer anzeigt. Das Verhaltniß der Feinheit des Haares zu der Form desselben. Die Feinheit des Haares ist, der Erfahrung zu Folge, mit der Form desselben vereiniget. Hat ein geschlängeltes Haar viele und einander gleiche Zirkel, und ein wellenförmiges viele und regelmä⸗ ßige Bogen: so sind sie gewöhnlich fein. Man trifft zwar Arten von Wolle an, deren Haar fast gerade und dennoch fein ist: dies ist aber eine Sel⸗ tenheit. Sonst haben wir jederzeit das wellen— förmige und das geschlängelte Haar als das feinste befunden. Einige Beobachter in Deutschland und Eng⸗ land haben die Untersuchung der wellenförmigen Wolle, welche am häufigsten vorkommt, in Anse⸗ hung dieses Verhältnisses so weit getrieben, daß sie ein System darüber geschaffen haben, nach welchem die Feinheit des Haares mit der Anzahl und der Krümmung seiner Bogen im geraden Verhältniß stehet. Sie haben gefunden: 1) daß die Anzahl der Bogen, welche die Wel— lenform bilden, in der Länge eines Zolls verschieden ist, nach der Feinheit und Gleichheit derselben in allen Theilen des Haares, von achten bis zu sechs und dreißigen und darüber: 2) daß bei einer gleichen Anzahl dieser Bogen und Zirkel, bei einer angenommenen Länge des Haares, dasjenige das feinere ist, an welchem die⸗ selben kleiner und regelmäßiger sind, und in einer geraden Linie mit einander stehen, und 3) daß dasjenige Haar, dessen Bogen von dem einen Ende bis an das andere sich in aller zu ver⸗ langenden Regelmäßigkeit befinden, in seiner Länge die gleichmäßigste Feinheit hat. Wir erkennen diese Beobachtungen für sehr wichtig, da wir selbst über diesen Gegenstand die genauesten Untersuchungen angestellt, und zwar Aus— nahmen, welche diesen Grundsätzen widersprechen, aber so wenige gefunden haben, daß sie nicht vermö⸗ gend sind, an der Richtigkeit derselben Zweifel zu erzeugen. Das Verhältniß der Feinheit zu der Geschmei⸗ digkeit. Die Feinheit des Haares stehet im geraden Verhältniß mit der Geschmeidigkeit. Dies leuch⸗ tet so offenbar in die Augen, wie das, daß ein Zwirnfaden geschmeidiger ist, als ein Bindfaden. Doch können von diesem allgemeinen Grundsatze Ausnahmen Statt finden, welche in der weiteren oder engeren Höhlung, oder in der größeren oder geringeren Weichheit oder Härte der Röhre ihren Grund haben; so wie von zwei Federposen von gleicher Trockenheit und äußerem Umfang die eine biegsamer seyn kann, als die andere, und ein Rohr, von Holz schwerer zu krümmen ist, als ein Rohr von Horn. Das Verhältniß der Feinheit zu der Festigkeit. Das Verhältniß der Feinheit des Haares zu seiner Festigkeit ist schwer anzugeben, aber die Wirklichkeit desselben nicht zu leugnen. Nach dem Gesetz der Physik stehet zwar die Festigkeit mit der Feinheit im umgekehrten Verhältniß, wenn man alle anderen Bedingungen als gleich annehmen kann: dies kann aber bei dem Haare der Wolle nicht Statt sinden. * 14 Einige erklären es daher für mißlich, sich zu sehr an die Feinheit zu binden, weil die sehr feine Wolle, je feiner sie ist, desto weniger Festig⸗ keit hat. Diese Maxime ist aber ganz irrig. Denn, ohne die beträchtlichen Vörtheile, welche die Fein⸗ heit unter allen andern Verhältnissen gewährt, in Anschlag zu bringen, kann man sich leicht überzeu⸗ gen, daß dieser Unterschied der Festigkeit des ein⸗ zelnen Haares im Krämpeln und Spinnen ver⸗ schwindet, und daß selbst von zwei Fäden, die ei⸗ nen gleichen Durchmesser haben, derjenige, welcher aus Haaren von der feinsten Wolle besteht, der Ge⸗ walt der Dehnung den stärksten Widerstand leistet, was durch die Form, welche die einzelnen Haare mit einander verkettet, durch die Geschmeidigkeit, die wir mit der Feinheit in genaue Verbindung gesetzt haben, und durch die Clastizität, die auf verschie⸗ dene Weise wirket, zu erklären ist. Man kann also für gewiß annehmen, daß eine Substanz, deren ein⸗ zelne Bestandtheile keine Festigkeit haben, durch den Zusammenhang derselben unter einander Festigkeit besitzt. Ist die Stärke des Zusammenhanges einmal uberwunden: so trennet sich die Substanz. Ist aber außer dem Zusammenhange ein jeder Bestandtheil geschmeidig— das heißt verschiedener Richtung und Ausdehnung fähig—: so hat die Gewalt, die sie zu trennen strebt, nicht allein die Stärke ih— res Zusammenhanges zu überwinden, sondern zu⸗ gleich ihre Fähigkeit, sich zu biegen und auszudeh⸗ nen, zu erschöpfen. Das Verhältniß der Feinheit zu der Weichheit. Die Feinheit stehet im geraden Verhältniß mit der Weich heit; die feinste Wolle ist gewöhnlich die weichste. Um aber die Weichheit richtig zu beur⸗ theilen, muß man die Wolle gewaschen, und vom Fette befreit haben: denn es ist leicht zu begreifen, daß das Fett, welches das Haar umgibt, fremde Substanzen enthalten, und dadurch ihre Form, wie ihren Glanz, verändern kann. Das Verhältniß der Feinheit zu der Länge. Der äußerste Grad der Feinheit scheinet am gewöhnlichsten mit der mittelmäßigen scheinbaren Länge des Haares, die einen und einen halben Zoll bis zwei und ein Viertel beträgt, verbunden zu seyn. ö Das Verhältniß der Feinheit zu der Elasti⸗ zität. Die Feinheit stehet endlich zu der Elasti⸗ zität in genauem Verhältniß;— 1) zu der Elastizität der Form— Je regelmäßiger und zahlreicher an dem wellen— förmigen und geschlängelten Haar die Bogen und Zirkel sind, desto vollkommener ist die Elastizität desselben— das heißt— desto vollkommener nimint es, nachdem es aus seiner Form gezogen, und wieder frei gelassen worden, dieselbe wieder ein. Denn wir haben gesehen, daß die Feinheit des Haa⸗ res mit der Anzahl und Regelmäßigkeit seiner Bo⸗ gen oder Zirkel im geraden Verhältniß stehet.— Dzu der Elastizität der Richtung— Daß diese mit der Feinheit im umgekehrten Verhältniß stehet, ist augenscheinlich. Je dicker und folglich unbiegsamer das Haar ist: desto schneller und vollkommener zieht es sich, nach Aufhebung der biegenden Gewalt, in seine vorige Richtung zu⸗ rück.— 3) zu der Elastizität der Dehnung— Es ist gewiß, je biegsamer das Haar ist, desto mehr läßt es sich ausdehnen: denn diese Verlänge⸗ rung ist eine von den Bedingungen der Geschmei⸗ digkeit, und zugleich eine Bedingung der Feinheit, weil beide Eigenschaften mit einander verbunden sind. Es scheint zwar, als sey dasselbe, je dicker es ist, desto fähiger, nach aufgehobener Dehnung sich mehr in seine vorige Länge zurück zu ziehen, allein dieses Zurückziehen geschiehet nur geschwinder, ohne daß es vollkommener ist. In der Flocke der Wolle beruhet in diesem Falle die Wirkung der Elastizität nicht allein auf der Feinheit, sondern zugleich auf der Lage der ein⸗ zelnen Haare. Je feiner sie und je regelmäßiger ihre Feinheit ist; je regelmäßiger ihre Haare neben einander sich befinden, und je mehr sie sich folglich durch das Ausdehnen verlängern läßt: desto mehr und desto regelmäßiger wird sie sich ihrer ersten Länge wieder nahen.— 4) zu der Elastizität des Risses— Die Elastizität des Risses stehet mit der Ge⸗ schmeidigkeit und folglich auch mit der Feinheit in einem sehr gleichen Verhältniß. Wenn man zwei Haare von gleicher Feinheit und Biegsamkeit, von welchen das eine mehr gerade, das andere mehr wellenförmig oder geschlängelt ist, entzwei reißt: so werden die Enden des letztern ihre Bogen oder Zir⸗ kel dichter zusammen ziehen, als die des erstern. Ist ein Haar sehr dick und sehr hart: so werden, wenn es in zwei Theile zerrissen worden ist, beide Enden gerade bleiben. Ist es dagegen sehr fein und biegsam: so werden sie, so bald es zerrissen worden ist, in ihrer ganzen Länge sich dicht zusammen ziehen, und ein Knötchen oder Knöpfchen darstellen.— 5) zu der Elastizität der Wolle im Um⸗ nge— Se seiner und biegsamer die Haare der Wolle — 17„ sind, die in einem gewissen Umfange sich bei einan— der befinden: desto mehr läßt sich derselbe durch Zu— sammendrücken verkleinern. Wenn aber der Druck nachläßt; so erhält er nicht leicht seine vorige Größe wieder. Im Gegentheil, je dicker die Haare sind: mit desto größerer Gewalt sucht eine zusammengedrückte Flocke nach aufgehobenem Druck ihren vorigen Um⸗ fang wieder einzunehmen. Hier wirket die Elastizi⸗ tät der Richtung. Wenn man die Haare einer zusammengedrück⸗ ten Flocke von einander sondert, so fällt dieses um desto schwerer, je feiner und biegsamer sie sind; desto leichter aber und vollkommener geschiehet die Rückkehr in ihre erste Form, weil die wellenförmige und die geschlängelte Wolle sich filzt, die einzelnen aus ihrer Form gezogenen Haare aber dieselbe leicht wieder annehmen. Das Verhältniß der Lange zu der Form. Die Länge des Haares wirket auf seine Form. Eine größere Länge vermehrt das Gewicht, und die— ses ziehet die Bogen und Zirkel immer mehr aus einander. Vornehmlich bleibt eine lange Wolle im Aeußeren des Felles nicht lange wellenförmig oder geschlängelt, sondern wird mehr zottig, und dadurch wird die schädliche Wirkung äußerer Ursachen ver— stärkt, welche die ursprüngliche Form ihres Haares zum Theil vernichten. Außer diesem veranlaßt eine übermaäßige Länge noch mancherlei Schaden, der schwer zu bestimmen ist. Uebrigens ist es für den nachdenkenden Erzieher hinreichend, wenn er auf diesen Umstand aufmerksam gemacht worden ist. Das Verhaltniß der Länge zu der Geschmeidig⸗ keit, der Weichheit und der Festigkeit. Die Länge stehet mit der Geschmeidigkeit, der + 2 Wn Weichheit und der Festigkeit ebenfalls in einem sehr entfernten Verhältniß. Das Verhältniß der Länge zur Elastizität und zu dem Vermögen, auszudünsten, einzusaugen, sich zu erweitern und zu verengern. Zu diesen Eigenschaften stehet natürlich die Länge des Haares im umgekehrten Verhältniß, welches aber selbst bei einer beträchtlichen Verschiedenheit derselben an zwei Haaren schwerlich wahr zu neh— men ist. Indessen hat man bei den Versuchen der ver⸗ schiedenen Aeußerungen der Elastizität die Länge in Anschlag zu bringen. Wenn man zum Beispiel die Clastizität der Dehnung zweier Haare vergleichen will: so ist es eine nothwendige Bedingung, daß man den Versuch mit zwei gleichen Längen anstellt. Das Verhältniß der Geschmeidigkeit und der Form zu einander. Im Allgemeinen ist die Geschmeidigkeit um so größer, je zahlreicher/ kleiner und einander gleicher die Bogen oder Zirkel des Haares in einer gewissen Länge sind, und je gerader die Linie ist, in welcher die ersteren sich an einander befinden. Das Verhältniß der Weichheit und der Form zu einander. Da die Weichheit, wie unsere Leser sich erin⸗ nern werden, zwei verschiedene Ursachen hat, die Geschmeidigkeit des Haares und die Beschaffenheit der Oberfläche seiner Röhre: so ist sie an der Wolle auf zweierlei Art zu untersuchen. Die eine bestehet in dem Anfühlen, durch welches man erfährt, ob die Oberfläche des Haares gleichförmig, oder in etwas rauh ist; die andere darin, daß man mit ei⸗ — 19— ner Flocke, oder mit mehreren, in Form einer Bürste verbundenen, Haaren auf der Haut hinstreicht, wo— durch man gewahr wird, wie sanft oder streng der Druck ist, welchem sie nachgiebt. Eine regelmäßig wellenförmige oder geschlän⸗ gelte Form, wie man sie an der ganz feinen Wolle findet, ist offenbar ein Zeichen der Weichheit. In Ansehung der Gleichheit scheinet die gerade Wolle vor der wellenförmigen und geschlängelten den Vor— zug zu haben: aber dieser Vorzug verschwindet, so— bald die letztere durch das Waschen von verdickten Theilen des Schweißes und fremden Substanzen, mit welchen sie sich schon vermöge ihrer Form mehr beladet, gereiniget worden ist. Von den Verhältnissen der Vermögen, aus zu⸗ dünsten und einzusaugen, sich zu erweitern und zu verengern, und zu andern Eigenschaften. Diese Vermögen sind mehr dem lebendigen, als dem abgeschorenen Haare eigen. Ihre Verhältnisse zu andern Eigenschaften werden aus dem erhellen, was wir von den Verhältnissen der Eigenschaften der Wolle zu den äußeren Wirkungen sagen werden. Vierter Abschnitt. Von den Verhältnissen der Eigenschaften der Wolle zu der Beschaffenheit der Haut und des Körpers der Schafe. Da die entfernten Ursachen, welche auf die Ei⸗ genschaften der Substanzen Einfluß haben, meisten⸗ theils verborgen und nicht zu entdecken sind; so muß man mit der Aufsuchung der näheren sich be⸗ gnügen. Wenn ich mich zum Beispiel über den 2* 20— dünnen Faden wundere, welchen der Golddrahtzie⸗ her hervorbringt: so werde ich natürlich die Ursache seiner Dünnheit und Gleichheit der Einrichtung des Zieheisens, durch das er gegangen ist, zuschreiben, und mein Urtheil wird gegründet seyn, wenn ich auch die ersten Ursachen, die Dehnbarkeit des Me⸗ talls, das zu einem Faden gezogen worden ist, und die Härte desjenigen, welches zu der Ausdehnung gedienet hat, nicht kenne. Diese Vorstellung wol— len wir auf die Untersuchung der Wolle anwenden, und die Verhältnisse anzugeben versuchen, in wel⸗ chen ihre Eigenschaften mit der Beschaffenheit der Haut und des Körpers der Schafe stehen. Wenn entweder die Zwiebel sehr groß, oder die obere Lage der Haut sehr dünn und locker ist, daß sie der andringenden Spitze keinen langen Wi⸗ derstand leistet: so dringt sie bald durch dieselbe durch, und dann kommt ein gerades Haar hervor. Ist die Zwiebel nicht zu groß, und die obere Lage der Haut verhältnißmäßig dick oder fest, daß sie der Spitze nicht sogleich den Durchgang gestat⸗ tet, sondern sie zu wiederholtem Umkehren, oder zum Stillstehen nöthiget: so erscheint entweder ein krauses, oder ein wellenförmiges, oder ein geschlängeltes Haar. Wenn die Spitze des Keimes in schräger Rich⸗ tung durch die untere Lage der Haut dringet, so durch die mittlere gehet, und an die obere stößt: so biegt sie sich um, und gehet mehrere Male in der mittleren hin und wieder. Ist die wachsende Röhre von gleichmäßiger Festigkeit, so krümmt sie sich in regelmäßige, ist sie es nicht, in unregelmä⸗ ßige Bogen. So entstehet denn im ersten Falle ein wellenförmiges, im zweiten ein krauses Haar. Ein geschlängeltes Haar erscheint: wenn die Spitze des Keimes in gerader Richtung durch —2. 21— die untere Lage der Haut dringet, so durch die mitt⸗ lere gehet, und an die obere stößt, und auf dem— selben Punkte stehen bleibt, da denn die fortwach— sende Röhre sich innerhalb der mittleren Lage in Zirkel krümmen muß. Zahlreich werden die Bogen: wenn die mittlere Lage dick, und die obere verhältnißmäßig fest ist. Groß werden sie: wenn die Substanz der mittleren mehr flüssig, als fest, und die Röhre dick und stark elastisch ist. Zahlreich werden ebenfalls die Zirkel: wenn die mittlere Lage dick, und die obere fest ist. Klein werden sie: wenn die Substanz der mittleren weni— ger flüssig, und die Röhre dünn ist. Die Grobheit und Feinheit des Haares von jeder Form hat ihren Grund hauptsächlich in der Beschaffenheit der unteren Lage der Haut. Ist diese dick und fest: so kann die Spitze des entste⸗ henden Haares sie schwerer durchdringen. Unterdes— sen häufen sich die Säfte in der Zwiebel an, bis der Keim Kraft erhält, den Widerstand zu überwin⸗ den, und dann entstehet ein dickes, oder grobes Haar. Anders ist es bei dem entgegengesetzten Zu— stande. Andere Eigenschaften, als die Geschmeidigkeit, die Weichheit, die Elastizität, die Länge, und den Mangel derselben, wie auch die Farben, kann man keinen anderen Ursachen beimessen, als den Säften, von welchen das Haar entstehet und genährt wird, und den Feuchtigkeiten, die es einsauget. ů Da wir nun die Entstehung und das Wachsen des Haares und die Bildung seiner verschiedenen Form, der Natur seiner Bestandtheile und der Haut gemäß, dargestellt, und die Verhältnisse, in welchen die verschiedenen Eigenschaften desselben zu einander stehen, angegeben haben; so wollen wir das, was wir darüber vorgetragen haben, durch die Erfah—⸗ rung zu bestätigen und zu erläutern suchen. Von zwei Lämmern gleicher Art, welche einer⸗ lei Wolle trugen, wurde dem einen überflüssiges Futter gegeben, das sein Fleisch zu einer außeror⸗ dentlichen Quantität sich vermehrte, dem andern aber nur so viel gereicht, als die Erhaltung seines Lebens forderte. Gleich nach der ersten Schur be— merkte man an dem ersteren, daß seine Wolle an⸗ fing, grob und lang zu werden, ihre ursprüngliche Form, ihre Geschmeidigkeit, folglich auch zum Theil ihre Weichheit und ihre Elastizität, die mit der Ge— schmeidigkeit verbunden ist, zu verlieren, und bei der zweiten und dritten Schur wurde diese Verän⸗ derung immer augenscheinlicher. Die Wolle des an⸗ dern Lammes hingegen behielt alle ihre ursprünglichen Eigenschaften. Nachdem man mehrere der folgenden Genera— tionen des ersten Lammes eben so reichlich gefüttert hatte, war es fast unmöglich, eine Aehnlichkeit ih⸗ rer Wolle mit der ursprünglichen Wolle desselben zu finden. Diese Veränderung, welche wir bei der Er⸗ ziehung der Schafe täglich wahrnehmen, ist auf folgende Weise zu erklären. Der Ueberfluß der Säfte, welcher das Fleisch vermehrt, vergrößert den Umfang des Körpers, und dehnet folglich auch die Haut, die ihn einschließt, aus, und erweitert sie. Alle Poren derselben wer⸗ den größer; auch die Oeffnungen und der Kanal, durch welchen das Haar gehet. Die Zwiebel, wel⸗ che vermittelst ihrer Wurzeln in dem fetten Zellge⸗ webe sich nähret, nimmt eine größere Quantikät Säste in sich auf, und liefert davon dem Haare ei⸗ nen Ueberfluß, von welchem seine Röhre sich ver— dicket, die nun durch den erweiterten Kanal durch⸗ gehet. Auf diese Weise wird das Haar grob. Der Ueberfluß von Säften, den die Zwiebel dem Haare mittheilet, verdicket nicht nur, sondern verlängert auch durch Verstärkung des Wachsens die Röhre. Dadurch verlängert sich das Haar. Die in dem Körper angehäuften Säfte vergrö⸗ ßern nicht nur den Umfang, sondern zugleich die Dicke der Haut. Dies widerfähret vornehmlich der mittleren Lage derselben, die den Kanal enthält, welcher dem Haar zum Modell dienet. Dieser wird dadurch länger und breiter, und folglich die Bogen oder Zirkel in demselben größer. Dieses verur— sachet schon in der Haut die Veränderung der Form des Haares, und noch mehr wird dasselbe, nachdem es auf die Oberfläche hervor ge⸗ treten ist, durch die Schwere, die es bei seiner grö— ßeren Länge erhält, aus einander gezogen. Endlich ist leicht zu begreifen, daß, wenn das Haar grob wird, seine Geschmeidigkeit und alle die Eigenschaften sich vermindern, die von ihr abhan— gen, oder im Verhältniß zu ihr stehen. Die vorgetragenen Schlüsse betreffen nicht le— diglleh die zwei Lämmer, die auf verschiedene Weise gefüttert wurden, sondern erstrecken sich auf das Schafvieh von jeder Art, dem die Kunst oder die Natur einen großen Körper und viel Fleisch gege⸗ ben hat. Ein Schaf hingegen, welches bei kärglichem Futter das Fleisch verloren hat, und mager gewor— den ist, zeigt bei der Untersuchung seiner Wolle Wirkungen, welche denen, die wir jetzt angegeben ha— ben, entgegengesetzt sind. Die Wolle scheint sich zwar zu verfeinern: sie ist aber mürbe, und hat nicht ihre natüͤrliche Länge. Sie wird weiß und trocken; verliert ihre Geschmeidigkeit und ihre anderen Eigenschaften, und wenn sie nicht von selbst abfällt, so wird man in ihrer Länge eine ungleiche Festigkeit gewahr, die bei ihrer Anwendung großen Schaden verursacht. Ueberhaupt vermindert jede Magerkeit, außer der, welche bei einem gesunden Körper Statt hat, die dem Zellgewebe nöthige Quantität von Fett. Dadurch entbehret die Zwiebel eines Theils der Säfte, welche sie zur Bildung und hinlänglichen Ernährung des Haares bedarf. Man hat sich daher nicht zu wundern, wenn die Wolle kärglich gefütterter Schafe kurz und schwach bleibt. Bei dem wenigen Futter nimmt natürlich auch die Ausdünstung durch die Poren der Haut und die Erzeugung des Schweißes ab. Dadurch wird die Wolle weißer und trocken, und verändert sich in andern damit verbundenen Eigenschaften. Die Haut, welche den Körper umschließt, verengert sich in dem Grade, in welchem der Umfang desselben sich ver—⸗ kleinert, und dabei ziehen sich die Poren und der Kanal des Haares in der mittleren Lage der Haut in seiner Länge, Breite und Weite zusammen. Wenn die Umstände, welche dem Haar die Nahrung entziehen, sich nicht verbessern: so wird es durch die Verengerung des Kanals, durch den es gehet, und durch die stete Verminderung seiner Säfte so mürbe, daß es von der Berührung bricht, oder durch seine eigene Schwere von der Haut abfällt. Geschiehet eine Verbesserung, ehe das Haar von der Haut sich trennet; so kann es zwar wieder Stärke und Kraft erhalten: dann aber bestehet es aus zwei Theilen, von welchen der eine nur schwach mit dem andern verbunden ist, und hat eine un— gleiche Festigkeit, die bei der Anwendung der Wolle Nachtheil bringt. Dieses bemerkt man häufig an der Wolle von Schafen, welche Krankheiten bestanden haben, oder durch Mangel an Futier mager geworden sind, oder auch wohl von solchen, die aus einem guten Futter in ein schlech— tes, oder aus einem kärglichen in ein reichliches oder überflüssiges gebracht worden sind. Wir gehen nun zu einer andern Betrachtung über. Die Feinheit des Haares stehet im umgekehrten Verhältniß zu der Dicke der Haut. Dies ist ein wichtiger Umstand, welchen man nicht nur an den Schafen von einer oder von verschiedenen Arten, sondern selbst an dem einzelnen Schafe nach den verschiedenen Theilen des Körpers wahrnimmt. Wenn wir den Weißgerber fragen, welche Theile der Schafhaut am dicksten sind: so wird er antworten„die Kniee, die Stirn, der Schwanz, das Kreuz, der obete Theil des Halses, auch wenn eine Wamme da ist, der untere Theil, die Schenkel und der Rük— ken.“ Fragen wir dann den Erzieher der Schafe, welche Theile des Pelzes am schwersten zu verfei⸗ nern sind: so wird er dieselben namhaft machen. Aber nicht allein auf der größeren oder gerin⸗ geren Dicke der Haut, sondern auch auf der größe⸗ ren oder geringeren Festigkeit derselben und zugleich auf der Quantität der Säfte und des Fettes, be⸗ ruhet die Grobheit oder die Feinheit des Haares, und zugleich die Weichheit und die Härte desselben. Die untere Lage der Haut an dem Bauche ist zwar dick, aber locker: daher kann die Spitze des Haares, die aus einer kleinen Zwiebel heraus gehet, sie leicht durchdringen. Dies ist der Grund, daß sich an diesem Theile jederzeit sehr feine, aber in Ansehung anderer Eigenschaften nicht die beste Wolle befindet. Bei den jungen Lämmern sind die Kniee und die Stirn oft mit Wolle bedeckt: die Haut an den Knieen aber wird bald hart durch den Druck, den sie jedes Mal erleidet, wenn die Schafe, um sich 23— zu legen, niederknieen, und die an der Stirn ver⸗ härtet sich dadurch, daß sie immer die Köpfe an einander drängen, und bei den Widdern vornehm⸗ lich durch ihre häufigen Kämpfe. Auch ist es ein seltener Fall, daß die Kniee eines alten Schafes etwas anderes, als eigentliche Haare tragen, und daß. Wolle an der Stirn der Widder nicht haa⸗ rig ist. Auf den Narben, welche nichts anderes, als Verhärtungen sind, treten Haare an die Stelle der Wolle, und in dieser Verwandlung der Wolle in eigentliche Haare bemerkt man, daß nicht nur die Röhre dick wird, sondern auch die Form sich gänz⸗ lich verliert. Diese Veränderung ist auf folgende Weise zu erklären. In der hart gewordenen Haut findet die aus der Zwiebel sich heraus drängende Röhre ihren Ka⸗ nal verengt, und muß sich durch denselben durch⸗ zwängen. Dieser Zwang dränget von ihren Be⸗ standtheilen die flüssigern nach der Zwiebel zurück. Dadurch wird sie hart und beim Fortwachsen immer dicker, und kommt dann als ein eigentliches Haar zum Vorschein. Etwas ganz Aehnliches geschiehet, wenn man einen nassen Zwirnfaden zwischen zwei an einander gedrückten Fingern durchziehet. Die Feuchtigkeit wird durch die Verengerung seines Um— fangs heraus getrieben, und der Faden wird härter, als da er naß war. Eine noch größere Härte muß die Röhre an⸗ nehmen, wenn durch eine Wunde ihr Kanal zerstört worden ist, um sich durch die Narbe hindurch einen neuen zu bohren. Daher sind die auf einer Narbe stehenden Haare gemeiniglich viel härter, als die, welche auf harter Haut sich befinden. Je dicker und fester nun die Haut ist, welche — 2— das Haar bei seiner Entstehung und bei seinem Wachsen zu durchdringen hat: desto stärker ist der Widerstand, den es überwinden muß. Dies kann es nur dann: wenn es durch die in der Zwiebel sich sammelnden Säfte die dazu nöthige Dicke und Festigkeit erhalten hat. Es begnügt sich daher ein Haar, welches eine feine Haut vor sich findet, mit wenig Nahrung, während ein anderes, das eine dicke und seste Haut durchdringen muß, nicht eher aus seiner Zwiebel herausgehet, bis seine Kraft durch die nährenden Säfte über das Hinderniß, das ihm entgegen stehet, die Uebermacht erhalten hat. Es tritt dann um so dicker und härter auf die Ober— fläche hervor, je größer der überwundene Widerstand war. Muᷣßte es durch eine dicke und harte, oder durch zufällige Wirkungen verhärtete Haut sich Platz machen: so ist seine Röhre dick und hart; so ist es eigentliches Haar oder Biber. War dagegen die Haut dünn und in einem gewissen Grade fest: so ist es fein und elastisch. War sie dick und lok— ker: so ist es grob und hat wenig Festigkeit. Wenn man daher nach der Schur die Haut eines Schafes untersucht: so kann man durch das Gefühl beurtheilen, wie seine Wolle beschaffen ist. Ist die Haut dick und fest, so bringt sie eine grobe und starre; ist sie dick und locker, eine grobe ohne Festigkeit und Elastizität; ist sie dünn und dabei im angemessenen Grade fest, eine feine, biegsame und elastische Wolle hervor. Aus diesen Bemerkungen gehet hervor: daß, wenn die Haut dunn und dabei im ange⸗ messenen Verhältniß fest wird, nach der groben wenig elastischen Wolle feine ela— stische; wenn sie dick und locker wird, nach der feinen elastischen grobe und wenig ela— 28.᷑— stische, und wenn sie hart wird, nach der Wolle eigentliche Haare folgen. Wäre man nun im Stande, den Schafen eine feine, im angemessenen Grade feste und auf allen Theilen des Körpers gleiche Haut zu geben: so hätte man in der Kunst, die Wolle zu veredlen, den höchsten Gipfel erreicht. Allein der Mensch muß sich begnügen mit der Einrichtung, welche der Schöp⸗ fer seinen Werken gegeben hat, und darf sich seiner Gewalt über die Thiere nicht anmaßend überheben. Er muß bedenken, daß sie nicht lediglich um seinet— willen vorhanden sind, sondern daß ein jedes, au— ßer dem Nutzen, den es ihm verschaffen soll, zu einem Leben für sich selbst bestimmt ist. Die Haut des Schafes, wie anderer Thiere, muß an den verschiedenen Theilen des Körpers die seiner Bestim— mung angemessene Beschaffenheit haben: sonst kann das Schaf als Schaf nicht leben. Fünfter Abschnitt. Von dem Einfluß äußerer Umstände auf die Eigenschaften der Wolle. Nachdem wir gezeigt haben, wie die verschie— denen Eigenschaften der Wolle sich zu einander ver— halten, und wie sehr sie von der Beschaffenheit des Körpers und der Haut abhangen: so wird man na— türlich zu wissen verlangen, ob äußere Umstände auf dieselbe einen Einfluß haben. Wir wollen daher diejenigen angeben, welche am öftersten diese und jene ihrer Eigenschaften verändern, und dadurch ih— nen insgesammt schaden. Dabei aber wollen wir uns nicht über die ver— schiedenen Behandlungen verbreiten, welche sie un— ter den Händen des Wäschers und des Fabrikanten erfährt, sondern lediglich diejenigen Veränderungen betrachten, welchen sie in ihrem Entstehen und Wach— sen unterworfen ist, als dem Zustande, welchen man am sichersten beurtheilen kann. Alle eigenthümliche Merkmale stellen sich dann sogleich dar, nach wel— chen man den wesentlichen Werth dieses Materials mit Sicherheit beurtheilen kann. Die äußeren Umstände, welche der Wolle in ihrem Entstehen und Wachsen schaden, sind 1) die Feuchtigkeit, Y die Sonnenhitze, 3) das An hängen fremder Substanzen und 4) die Reibungen, welchen sie ausgesetzt ist. Die Feuchtigkeit ist derselben, ihrer Natur und dem Grade der Wärme nach, mit welchem sie verbunden ist, mehr oder weniger schädlich. Die heißen und feuchten Winde, der Nebel, der Reif, der Regen, der Schnee, das zufällige Ein⸗ tauchen des Schafes ins Wasser, der Harn und die Excremente sind es, welche den Pelz am häu⸗ figsten den schädlichen Wirkungen der Feuchtigkeit unterwerfen. Die seifige Substanz, die wir den Schweiß nennen, welche das Haar der Wolle umgiebt, schei— net mehr bestimmt zu seyn, sie bei ihrer Aufbewah— rung vor dem Verderben, als bei ihrem Wachsen gänzlich vor dem Einflusse der Feuchtigkeit zu sichern: denn wir wissen, daß das reine kalte Wasser diese Substanz in einem gewissen Grade auflöset, und, wie wir sogleich sehen werden, schützt er das Haar nicht gegen die starken Angriffe des Harnes und des Mistes. Das Wasser erweitert die Röhre des Haares, und macht es grob. Es vermehrt zwar anfangs seine Geschmeidigkeit und . 0— Dehnbarkeit, zerstört aber nachher seine Form. Diese Wirkungen werden jedem Beobachter ein— leuchten. Aller Wahrscheinlichkeit nach bestehet die Ursache, daß das Haar vom Wasser grob wird, in seinem Einsaugungsvermögen, vermöge dessen die Poren seiner Röhre mehr oder weniger feuchte Theile in sich ziehen, wodurch sich dieselbe erweitert. Ue⸗ berhaupt hat eine jede Art von Haar eine große Fähigkeit, Feuchtigkeit einzusaugen, und sich davon zu erweitern. So verhält sich, zum Beispiel, der Umfang eines trocknen Menschenhaares gegen den eines feuchten wie fünf zu fünf und dreißig. Der erste Grund dieser besondern Eigenschaft ist in nichts anderem zu suchen, als in einem alkali⸗ schen Bestandtheile des Schweißes und des Markes. Dieser hat zu dem Wasser eine starke Verwandt⸗ schaft, und ziehet folglich die Feuchtigkeit in sich. Beide Substanzen schwellen davon auf, werden in verschiedenen Graden flüssiger und dehnen die Röhre aus. Das Haar wird nicht nur schwerer, sondern auch geschmeidiger. Wenn auch die Schwere nicht in Wirksamkeit kommt: so wird schon durch die vermehrte Geschmeidigkeit die Form desselben verän⸗ dert. Wenn man einige Haare an einander gelegt, angefeuchtet, und mit Vorsicht, sie nicht zu ver⸗ schieben, getrocknet hat: so ist zwar diese Verände⸗ rung nicht sehr zu bemerken. Sie fällt aber in dem Falle, wo diese Vorsicht nicht Statt gefunden hat, stark in die Augen. Ist an der Haut des Scha⸗ fes die Schwere des Haares zugleich wirksam: so geschiehet, vornehmlich, wenn eine Flocke noch mit Mist beladen ist, zugleich eine Ausdehnung, und die Form wird dadurch noch mehr verändert. Daß die starke Einsaugung der Feuchtigkeit ihren Grund in einem alkalischen Bestandtheile des 36— Schweißes und des Markes habe, davon kann man sich durch eine ähnliche Erscheinung leicht überzeu⸗ gen. Wenn man harte Seife, die aus Talg und Natrum bestehet, an einen feuchten Ort legt: so schwillet sie auf, weil das Alkali, welches in nähe⸗ rer Verwandtschaft zu dem Wasser, als zu dem Fette stehet, die Feuchtigkeit an sich ziehet. Wird nun diese Seife wieder trocken: so ist sie gewisser Maßen verdorben, und nicht mehr gut zu gebräuchen. Das Natrum hat sich nach der Ober— fläche zu von dem Talge geschieden, und zusammen⸗ gezogen, und dadurch die Verbindung beider Be— standtheile aufgehoben, und die Masse ist bröcklich geworden. Man sollte freilich meinen, die naß gewordene Wolle, die an dem Schafe als eine lebende Sub⸗ stanz anzusehen ist, werde sich nach ihrem völligen Trocknen anders verhalten, als die leblose Masse der Seife: allein die Spuren, welche die Feuchtig⸗ keit in dem Wachsen derselben zurückläßt, sind eben so augenscheinlich, als sie schädlich sind. So wie das Wasser, welches die Röhre des Haares erweitert hat, verdunstet, treten die nährenden Säfte in dieselbe ein, und füllen die größere Leere in derselben aus, und dann bleibt dasselbe gröber, als es vorher war. Da die Flocke von der Feuchtigkeit am äußeren Ende schwer, und das Haar geschmeidiger gewor⸗ den ist: so hat die Schwere eine Dehnung verur⸗ sacht, seine Geschmeidigkeit übermäßig angestrengt, und es aus seiner Form gezogen. Nothwendig hat es dadurch die Kraft und die Elastizität seiner Bo⸗ gen oder Zirkel verloren, welche, wie wir späterhin sehen werden, ihm zum Filzen unentbehrlich ist. Endlich, da das Wasser den Schweiß, welcher das Haar umkleidet, zum Theil aufgelöst hatte: so sind von der austrocknenden Sonnenhitze seine Bogen oder Zirkel mehr zusammengezogen worden, und seine Weichheit und Geschmeidigkeit hat um so mehr abgenommen, je öfterer es naß und wieder trocken geworden ist. Wann die Wolle von dem Körper des Scha— fes getrennt ist: so kann ihr die Feuchtigkeit nicht so viel schaden. Das Wasser erweitert zwar die Röhre, und macht das Haar dick: da aber bei dem Verdunsten desselben aus der Haut keine Säfte in den leeren Raum eintreten; so ziehet sich dieselbe im Trocknen wieder zusammen, und die Wolle erhält beinahe ihre vorige Feinheit wieder. Wenn man sie aber mehrmals wäscht, wenn es auch mit kaltem Wasser geschiehet: so wird die seifige Substanz des Schweißes, auch wohl des Markes, angegriffen, ein Theil ihres Alkali's aufgelöst, und in Verbin— dung mit der vertrocknenden Feuchtigkeit ausgeschie⸗ den. Das zurrückbleibende Fett ziehet sich dann theilweise zusammen, und es entstehen an und in der Röhre seifenlose Stellen, welche dann hart und brüchig werden. Weit schädlicher, als die angegebenen unmit— telbaren Wirkungen der Feuchtigkeit auf das Haar der Wolle sind die mittelbaren Wirkungen dersel⸗ ben, indem sie erst die Haut, und dann die Ge⸗ sundheit des Schafes angreifen. Es ist nicht zu zweifeln, daß die Haut eine beträchtliche Quantität Feuchtigkeit in sich ziehet, welche nicht nur ihr Ge⸗ webe aufschwellet und schlaff macht, sondern auch die Ursache vieler Krankheiten ist. Die Feuchtigkeit, die man in vielen Schäfereien antrifft, verursacht oft den Verlust ganzer Heerden, und gemeiniglich entstehet die verheerende Fäulniß aus keiner an⸗ deren Ursache, als aus dieser. Die Sonnenhitze wirket ebenfalls, wie die Feuch— tigkeit, eine Zersetzung der seifigen Substanz des Schweißes und des Markes: indem sie den einen Bestandtheil derselben, das Fett, zum Theil schmelzt. Dieses tritt dann auf die Oberfläche, und vereini— get sich nicht wieder mit dem andern Bestandtheile, dem Alkali, zur Seife; sondern verbindet sich mit der Säure der Luft, vermengt sich mit dem feinen Staube, mit welchem dieselbe jederzeit mehr oder minder angefüllt ist, und verhindert die Ausdün— stung und Einsaugung nicht nur des Haares, son⸗ dern auch der Haut, was der Gesundheit des Scha— fes höchst schädlich ist. Besonders verderblich für die Wolle und zu⸗ gleich für das Thier ist die abwechselnde Wirkung der Sonnenhitze und der Feuchtigkeit. Hat sich das erhitzte Fett auf die Oberfläche gezogen: so wird das Alkali, welches nun weniger gebunden ist, und eine stärkere Verwandtschaft mit dem Wasser hat, von der Feuchtigkeit leichter und reichlicher aufgelöst, ohne daß eine Wiedervereinigung beider Bestandtheile Statt findet, indem dasselbe durch seine Ver— bindung mit der Säure der Luft seine ätzende Kraft verliert. Ist das Fell vorher naß geworden, und wird dann der Sonnenhitze ausgesetzt: so ziehet sich eine größere Quantität Fett auf die Oberfläche, die sich mit dem von der Luft gesäuerten Alkali nicht vereiniget, sondern sich mit demselben und mit dem feinen Staube der Luft zu einer Masse verbindet, welche die Ausdünstung und Einsaugung des Haa— res noch mehr hinder. Daß die angegebenen Wir— kungen der Feuchtigkeit und der Sonnenhitze um so schädlicher sind, je mehr sie wiederholet werden, ist keinem Zweifel unterworfen. Dieselben Wirkungen erfährt auch die von der Haut des Schafes getrennte Wolle, wiewohl in einem weit geringeren Grade. Es ist daher nicht 3 rathsam, sie viel Mal zu waschen; viel weniger, sie im Sonnenschein zu trocknen. Die fremden Substanzen, die am häufigsten dem Pelze des Schafes schaden, sind 1) der Harn und der Mist in dem Stalle, Yeder Sand, die Erde und der Staub, 3) der Mangel an Futter und an Lagerstroh. Der Harn und der Mist schaden dem Haare nicht nur durch das Wasser, woraus der erste größ⸗ tentheils bestehet; sondern noch mehr durch ihre ätzenden Bestandtheile und durch den Käsestoff, der in dem zweiten enthalten ist. Die ätzenden Sub-⸗ stanzen zersetzen den Schweiß, indem sie das Fett desselben auflösen, und greifen auch wohl, wenn ihre Wirkung durch Mangel an Streu und Unter⸗ lassung des Ausmistens unterhalten wird, auf die⸗ selbe Weise das Mark an. Sie verändern die Farbe des Haares, indem sie erst gelblich, dann gelb, her⸗ nach bräunlich, endlich braun und beinahe schwarz färben. An dieser stufenweisen Veränderung der Farbe erkennt man die fortschreitende Verschlechte— rung des Haares. Der Käsestoff des Mistes kittet die Enden der Flocken an einander, und vergrößert die Schwere derselben, wodurch die Haare aus ihrer Form gezogen werden. Dies sind die von der Feuchtigkeit unabhängi⸗ gen Wirkungen des Harns und des Mistes, welche man jederzeit an dem Pelze der Schafe wahrnimmt, deren Streu schlecht unterhalten, und deren Stall selten gereiniget wird. Die Wolle an dem Bauche, an den Schenkeln und Beinen ist gelb, grob, trok⸗ ken und mürbe. An dem Bauche und an andern Theilen hängt an jeder Flocke feuchter Mist, in des⸗ sen Mitte man die Enden der Haare ohne Form, ohne Feinheit, ohne Festigkeit und fast verwest findet. — 35— Der leichte Sand, welcher fast allein den Bo— den der Meeresufer ausmacht, und von dem Winde empor gehoben, und von allen Seiten häufig und gewaltsam umher geführt wird, wirft sich in die Pelze der Schafe, und hängt sich um so mehr ein, je feiner und gemodelter die Haare sind, und je mehr Schweiß sie haben. Die Quantität, mit der sie beladen werden, ist zuweilen so beträchtlich, daß, wenn man die Flocken von einander sondert, kaum die Haut zu erkennen ist. Der Sand bedeckt nicht nur die Poren der Haut, durch welche der Körper der überflüssigen Säfte sich entlediget, sondern auch der Röhre des Haares, aus welchen der Schweiß, der zur Erhaltung seiner Geschmeidigkeit dienet, hervor tritt. Er widersetzt sich der natürlichen Verbindung der Haare in jeder Flocke, durch welche die Regelmäßigkeit der Form erhalten wird, und vergrößert die Schwere der mit Mist belasteten Flocken, wodurch die Haare noch mehr aus ihrer Form gedehnet werden. Ueberdies verhindert er das natüͤrliche Spiel der Luft und des Lichtes im Inneren des Pelzes so wohl, als auf der Haut, dessen Einfluß zur Entwickelung und zur Gesundheit des ganzen Körpers nothwendig ist. Daß dieses gegründet ist, beweist die Wolle der Heerde von Perpignan, die in der Nähe der Mee⸗ resküste dem angegebenen Ungemach ausgesetzt ist. Die Erde und der Staub bringen ähnliche Wir— kungen, wie der Sand hervor. Sie legen sich eben⸗ falls in die Pelze, und man erkennt an der ro⸗ then und gelben, oder weißen Farbe, ob die Schafe auf einem okerhaltigen oder auf einem kreidehaltigen Boden weiden. Die Ueberbleibsel von Gewächsen, die zur Füt⸗ terung dienen, und die kleinen Theile von dem Stroh, das zur Streu gebraucht wird, hängen sich 3* 36— in den Pelz ein, und verursachen ein Dehnen und Spannen in der Wolle, und dadurch ein Jucken in der Haut. Dies nöthiget die Schafe, sich zu rei⸗ ben und zu kratzen, wodurch die Wolle verwirrt, und gezerret wird. Haben sich dergleichen Dinge einmal in den Pelz eingehangen: so hat man viele Mͤͤhe, sie nachher durch Waschen, Schlagen und Lesen aus der Wolle heraus zu bringen, wel—⸗ che Beschwerde ihren Werth verringert. ö Das Reiben, welches die Wolle an dem Kör⸗ per des Schafes erfährt, bringt eine merkliche Ver⸗ änderung nicht nur in der Form hervor, sondern schwächt auch die Clastizität und alle mit derselben verbundene Eigenschaften. Wenn die Wolle oft ge⸗ drüct und gedehnt wird: so wird die Kraft dersel— ben immer mehr erschöpft, wie die Kraft eines Bo⸗ gens, sich nach seiner Spannung wieder schnell zu⸗ rück zu ziehen, durch oft wiederholten Gebrauch ab⸗ nimmt. Von den durch die Praxis angezeigten Mitteln, diesen Uebeln zuvor zu kommen, werden wir reden, wann wir von der Sorgfalt handeln werden, die man auf die Heerden zu wenden hat. Sechster Abschnitt. Von den Verhältnissen der Eigenschaften der Wolle zu ihrer Anwendung in der Fabrikation. Da es der Hauptzweck des Erziehers der Schafe ist, die Erzeugung einer Wolle zu bewirken, welche ganz zur Fabrikation geeignet ist: so wird er die Resultate unserer Versuche nicht ohne Interesse le⸗ sen. Eben so hoffen wir, den Beifall des Manu⸗ sakturisten zu erhalten, welcher in unsern Bemühun⸗ gen das Bestreben, die zum Wohlstande der Fabri⸗ ken nothwendigen Kenntnisse zu verbreiten, nicht verkennen wird. Unser Vorhaben ist nicht, in allen einzelnen Theilen der Fabrikation die verschiedenen Folgen der Eigen⸗ schaften, welche wir an der Wolle gefunden haben, anzugeben: sondern wir schränken uns darauf ein, zu zeigen, welche von denselben in den Arbeiten derselben die wichtigsten sind, und ihre vorzüglichsten Verhältnisse zu diesen zu untersuchen. Diese Untersuchung führt uns natürlich auf un⸗ sern Zweck, den Erziehern der Schafe die Eigen⸗ schaften anzuzeigen, welche sie an der Wolle am meisten zu bewirken, und welche Fehler sie an der⸗ selben am sorgfältigsten zu verhüten haben. Wir theilen die zahlreichen Arten von Gewe— ben, welche von der Wolle verfertiget werden, in zwei Hauptklassen; in Gewebe, welche gewalkt werden, und in solche, welche nicht gewalkt werden. Die erstern wollen wir Tuch er, die letz⸗ tern glatte Zeuche nennen. Die Tücher werden alle von kardätschter, die glatten Zeuche von ge⸗ kämmter gewebt. Diese Eintheilung führet auf die Unterscheidung der Wolle in kardätschte und gekämmte. Von der Wolle in Bezug auf die Tücher. Die erste erforderliche Eigenschaft der Wolle, von welcher Tuch verfertiget werden soll, ist die Fähigkeit ihrer Haare, sich in einander zu schließen: ohne diese ist die Fabrikation desselben nicht möglich. Die zu Tuch bestimmte Wolle wird, nachdem sie vom Schweiße befreiet, und, wie man es nennt, geschmelzt worden ist, kardatschet oder gekräm⸗ pelt. Durch diese Behandlung werden die Haare aus einander gezogen, kurz gerissen, und in ver— —. 36— schiedene Richtungen gebracht. Dabei wirket haupt⸗ sächlich die Elastizität des Risses, wodurch die Form derselben gewisser Maaßen sich verändert, indem sie sich mehr ins Kurze zusammen drängt. Wird die Wolle dann gesponnen: so werden die Haare wieder stärker oder schwächer aus der an⸗ genommenen Form in die Länge gezogen, und der Faden wird um so haltbarer, je nachdem sie sich ins Kurze gezogen hat, ohne daß er stark gedrehet wird. Eine stärkere Aeußerung der Eigenschaft der Haare, sich in einander zu schließen, ist das Fil⸗ zen, welches durch das Walken bewirkt wird. Das Filzen bestehet darin, daß die Haare von gewissen Thieren, oder die Fasern von gewissen Pflanzen sich immer mehr mit einander verbinden, je mehr der Stoff, in welchem sie vereiniget sind, gedrückt und gerieben wird. Alle Arten von Wolle sind dazu mehr oder weniger geeignet. Um es zu bewirken, wird das Tuch oder ein anderer Stoff zwischen zwei mit Rinnen versehene Flächen gebracht, von welchen die eine auf der andern sich hin und her bewegt. Diese Maschine nennt man die Walke. Ein bei dem Walken unentbehrliches Hülfs⸗ mittel ist das Wasser, welches in das Gewebe u. in die Fäden desselben eindringt, und die Räume zwischen den Haaren erweitert, daß sis, je nachdem sie locke⸗ rer oder fester gesponnen sind, ihre vorige Form mehr oder weniger wieder annehmen können. Die Walke nun treibet durch die Reibung, welche in ei⸗ nem fortgehenden Drucke bestehet, das Wasser aus den Zwischenräumen wieder heraus, und strecket, dehnet und zerreißt zum Theil die Haare, indem sie sie in die Rinnen hinein zwängt. Durch diese Wirkungen wird in der Wolle die Elastizi⸗ — 39— tät der Form, der Richtung, der Dehnung und des Bruchs in Thätigkeit gesetzt. Die im Inneren eines jeden Fadens befindli— chen Theile der Haare, welche durch den Druck aus der Form und Länge, die ihnen von ihrer ursprüng⸗ lichen Form und Länge nach dem Spinnen übrig geblieben ist, und aus der Richtung, die sie dadurch erhalten haben, gebracht worden sind, streben, so oft die Streckung und Dehnung nachläßt, sich wie⸗ der in dieselbe zurück zu ziehen, was sie aber, weil einer dem andern in den Weg kommt, nicht völlig erreichen können. Dadurch schließen und klemmen sich, je mehr sie gerieben werden und je mehr sie elastisch sind, die Bogen oder Zirkel ihrer Form in einänder, und der Fäden wird immer kürzer und dicker. Die auf der Oberfläche jedes Fadens hangen⸗— den Theile verhalten sich bei denselben Wirkungen, die sie erfahren, auf dieselbe Weise, und verbinden sich nicht nur mit einander, sondern hängen sich zu⸗ gleich an die, welche auf der Oberfläche der näch— sten Fäden hervor ragen. Außerdem werden mehe rere derselben durch die Dehnung zerrissen. Di— abgerissenen Enden gehen in das Wasser, und flie⸗ ßen mit demselben ab. Die an den Fäden bleiben⸗ den Enden springen, rollen sich, vermöge der Ela— stizität des Risses, zusammen, und verschlingen sich um so inniger mit einander und mit anderen Thei⸗ len, je elastischer sie sind. In der Erweiterung des Gewebes durch das Wasser, in der Dehnung der Fäden durch den Druck, und in den Gegenwirkungen der Ela— stizität der Wolle bestehet also das Walken, wodurch das Filzen bewirkt wird. Die Beschreibung, die wir von dem Walken gegeben haben, wird zu einem vollständigen Begriffe 0— desselben zureichend seyn und begreiflich machen, daß ein Stück Tuch, welches dünn von dem Webe⸗ stuhle kommt, durch das Filzen eine beträchtliche Dicke erhalten kann, indem es in seiner Länge und Breite einläuft. Um aber zu zeigen, welche Eigen⸗ schaften die Wolle haben muß, wenn sie sich gehö⸗ rig filzen soll, wird es nöthig seyn, daß wir auf die ersten Gründe des Walkens zurück gehen. Wir haben bemerkt, daß die Elastizität in ih⸗ ren verschiedenen Wirkungen die alleinige Ursache des Filzens ist. Warum filzen sich nun die wolle⸗ nen Stoffe leichter oder schwerer? Weil die Wolle das Vermögen der Elastizität in einem stärkeren oder schwächeren Grade besitzt, und, weil das ver— schiedene Verfahren bei den Zubereitungen, dem Weben und Walken die Thätigkeit desselben mehr oder weniger begünstiget. Warum läßt sich ein Gewebe von Hanf oder Lein durch die Walke eher in einen Teig verwandeln, als es sich filzt? Weil die Fa⸗ sern, aus welchen die Fäden desselben bestehen, der Elastizität, die das Filzen bewirkt, fast gänzlich er⸗ mangeln. Wenn wir eine Hanffaser untersuchen: so finden wir sie gerade, ohne Bogen und Zirkel. Die einzige Elastizität, die sie hat, ist die, daß sie, wenn sie, so weit sie es aushält, in die Länge ge⸗ dehnt wird, sich wieder kurz ziehet, und diese ist zum Filzen nicht hinreichend. Dieselbe Bewandt— niß hat es mit der groben Wolle, welche nach dem Ausdehnen sich besser wieder einziehet, aber nicht so bald sich filzt, als die feine Wolle. Die Ausdeh⸗ nung der Hanffaser ist kaum bemerkbar, die des groben Haares der Wolle sehr gering; je feiner aber die Wolle ist, desto ausdehnbarer ist sie. Da nun die feine Wolle sich besser filzt: so folgt dar⸗ aus, daß die Ausdehnbarkeit eine von den Bedin⸗ gungen ist, unter welchen das Filzen Statt findet. 41.— Endlich wenn man eine Hanffaser entzwei reißt: so bleiben beide getrennte Enden gerade, ohne alles Bestreben, sich zusammen zu rollen oder zu kräuseln. Folglich bestehet in dem Grade der Ela— stizität des Risses die wirksamste Ursache des Fil⸗ zens. Es filzt sich auch die ganz feine Wolle, wel— che diese Eigenschaft im höchsten Grade besitzt, am meisten. Ganz anders verhält sich eine grobe und harte Wolle. Aus dem, was wir über diesen wichtigen Ge— genstand gesagt haben, folget: 1) daß die vorzüglichste Ursache des Vermö⸗ gens der Wolle, sich zu filzen, in den verschiedenen Wirkungen der Elastizität ihrer Haare bestehet, wel— ches mit dem Vermögen, sich auszudehnen, das eine von den Bedingungen der Geschmeidigkeit ist, im geraden Verhältniß sich befindet; 2) daß die Elastizität des Risses, welche im geraden Verhältniß zu der Biegsamkeit stehet, das Meiste zum Filzen beiträgt, u. nach dieser die Elasti⸗ zität der Form, welche eine von den, mit der Feinheit gemeiniglich verbundenen, Eigen⸗ schaften ist; 3) daß also die Feinheit und die Geschmei— digkeit die Eigenschaften sind, welche das Filzen vorzüglich begünstigen. Es fragt sich nun, welche die nützlichsten und am meisten geachteten Eigenschaften des Tuchs sind, und welche Eigenschaften der Wolle diese hervor⸗ bringen. Die vorzüglichsten Eigenschaften eines Tuches sind Festigkeit, oder Haltbarkeit, Undurchdring-— lichkeit, Feinheit, Leichtigkeit, Weichheit und Stärke. 42.— Festigkeit des Tuchs. Im dritten Abschnitte dieses Kapitels haben wir gezeigt, daß ein Faden von Wolle, der aus feinen und geschmeidigen Haaren besteht, eine grö— ßere Festigkeit besitzt, als ein anderer von gleichem Durchmesser aus groben und harten Haaren, und jetzt haben wir gesehen, daß, vermöge der Fein⸗ heit, der Geschmeidigkeit und der wellen— förmigen oder geschlängelten Form, die Haare sich im Spinnen und Walken genau mit einänder verbinden. Hat das Haar außerdem noch die Eigenschaft, daß, wenn es entzwei gerissen wird, seine Enden sich stark zusammenrollen: so braucht der von solchen Haaren gesponnene Faden nicht mit scharfen Spitzen rauh gemacht zu werden, um sich zu filzen; auch kann man ihn, damit er mehr Festigkeit erhält, stärker drehen. Aus diesen Be⸗ trachtungen folgt, daß das festeste Tuch, wenn an⸗ dere Bedingungen gleich sind, dasjenige ist, wel⸗ ches von der feinsten Wolle, die gemeiniglich in ih— rer Länge regelmäßige Bogen oder Zirkel hat, in jeder Richtung biegsam und ausdehnbar ist, und die Elastizität des Risses in einem hohen Grade besitzt, verfertiget worden ist. Ein solches widerste⸗ het am meisten dem Reiben, Ziehen und Dehnen, und der Wirkung des Wetters. Die Undurchdringlichkeit. Die Undurchdringlichkeit des Tuchs hat ihren Grund in dem Grade der Verbindung der Fäden und der Haare unter einander. Diese Eigenschaft ist im Betreff des Widerstan⸗ des, welchen sie der Wirkung der Luft und der Feuchtigkeit entgegen setzt, sehr wichtig; und hängt wesentlich von dem Grade der Filzung ab. Die Wolle also, die am meisten geneigt ist, — 15— sich zu filzen, ist die, von welcher man das un— durchdringlichste Tuch verfertigen kann, und in An— sehung dessen hat ebenfalls die feinste und ge— schmeidigste Wolle den Vorzug. Schon im Weben trägt die Feinheit und Geschmeidigkeit des Fädens zur Undurchdringlichkeit bei, weil das Tuch um so mehr geschlossen und verwahrt wird, als die Fäden der Kette, indem sie sich mit denen des Ein— schlags kreuzen, weniger Leere in dem Gewebe lassen. Die Feinheit. Es ist offenbar, daß die Feinheit des Tuchs in der Feinheit des Fadens bestehet, welcher nur von feinen Haaren gesponnen werden kann. Die Leicht igreit. Auch die Leichtigkeit des Tuchs hängt man der Feinheit der Haare ab: denn von einer Quantität Wolle, die weniger Gewicht hat, und sich gut filzt, kann man ein eben so festes und auch warm hal— tendes Tuch verfertigen, als von einer, die mehr wiegt, und die Eigenschaft, sich zu filzen, weniger besitzt. Dies ist ohne weitere Auseinandersetzung zu begreifen. Die Weichheit und die Stärke. Die Weichheit des Tuchs bestehet darin, daß die auf der Oberfläche hervorstehenden Theile der Haare, wenn man darauf fühlet, sich sogleich nie— der biegen, und die Stärke darin, daß diese Theile häufig sind, und dicht neben einander stehen. Beide Eigenschaften des Tuchs, welche seine Brauchbarkeit, seine Schönheit und seinen Werth vollständig machen, kann man keiner andern Ursache, als der Feinheit —44— und Geschmeidigkeit des Haares der Wolle zu⸗ schreiben. n 4 Wir haben nun die Haupteigenschaften des Tuches, welche ihm seinen Werth geben, durchge— gangen, und eingesehen, daß sie ihren Grund in dem höchsten Grade der Feinheit und Geschmeidig⸗ keit des Haares haben. Mit der Feinheit ist zu— gleich die Gleichheit, nicht allein in Ansehung der Länge, sondern auch aller anderer Eigenschaften, verbunden. Der Durchmesser des Haares ist zwar, wie wir im vierten Abschnittt dieses Kapitels gesagt haben, in der Gegend der Wurzel geringer, als am äußersten Ende: diese Ungleichheit aber gehet in der feinen Wolle allmählig und ohne Stufen, und die— net— was auf den ersten Blick nicht einleuchtet— nicht nur zu mehrerer Festigkeit des Fadens und des Filzes, sondern auch zu stärkerer Abhaltung der Kälte. Sie bewirkt eine stärkere Klemmung der Haare in einander, und die Erfahrung macht jeden Winter fühlbar, daß ein Kleid mit raucher Ober— fläche gegen die Kälte schützt, wenn ein anderes mit glatter sie durchläßt. Die Ungleichheit des Haares erkennet man daran, wenn seine Bogen oder Zirkel von der Ge— gend der Wurzel an bis zu einer gewissen Länge zahlreich und gleichförmig sind, dann anfangen, grö⸗ ßer und weniger zu werden, und nach dem äußer⸗ sten Ende zu keine vorhanden sind. Diese Ungleich— heit, welche das Abschneiden des äußeren Endes der Flocken nothwendig macht, ist zwar selbst der äu— ßerst feinen Wolle von einigen sächsischen Heerden gemein, ihr aber nicht natürlich; sondern rühret wahrscheinlich von dem in den Pelz eingehangenen Miste her, der die Haare gedehnt und geätzt hat. Die erwiesene Wahrheit, daß alle Eigenschaf— ten des guten Tuchs in den vereinigten Eigenschaf⸗ ten der äußerst feinen Wolle vereiniget sind, ver— dienet die ganze Aufmerksamkeit nicht nur der Fa— brikanten, sondern selbst der Erzieher der Schafe. Ein großer Theil der letztern kann sich nicht erklä⸗ ren, aus welchem Grunde die äußerst feine Wolle in einem doppelt so hohen Preise stehet, wie die von guter Feinheit, die man oft auf den ersten An— blick kaum für geringer erkennet. Der Fabrikant aber weiß aus der Erfahrung, daß nur die feinste und am regelmäßigsten gemodelte Wolle das beste Tuch giebt. Da diese zugleich die geschmeidigste, die weicheste, die gleicheste, die dehnbarste, die am mei— sten elastische ist: so muß sich nothwendig auch ein Tuch von derselben verfertigen lassen, das alle zu verlangende Vollkommenheiten besitzt, nicht allein im geraden Verhältniß des höchsten Grades der Feinheit, sondern auch in den zusammengesetzten Ver⸗ hältnissen der Eigenschaften, welche diese begleiten. Da nun alle Eigenschaften des Haares mit einander in Verbindung stehen, und eine jede der— selben an sich allein zu mehreren schätzbaren Eigen⸗ schaften des Tuchs nothwendig ist: so ist leicht zu begreifen, wie die Verstärkung oder Vermin de— rung einer einzelnen der Fabrikation förderlich oder hinderlich ist. Von der Wolle in Bezug auf die glatten Zeuche. Die Behandlung der Wolle zur Fabrikation glatter Zeuche ist der Verfertigung des Tuchs ge— rade entgegengesetzt, und davon ganz verschieden. Wie der Werth des letztern zum Theil in einem dichten Filzen des Gewebes bestehet: so hat der Werth der erstern seinen Grund in einem gleichen Faden, der ihnen Glanz und Weichheit giebt, wel— — 460— che Eigenschaften in der Abwesenheit aller Rauh⸗ heiten bestehen. Die Bedingungen, einen geraden Faden, der sich sanft anfühlen läßt zu erhalten, sind: 1) daß die Wolle vor dem Spinnen so zube— reitet wird, daß alle Haare eine Richtung erhal— ten, und parallel neben einander zu liegen kommen, was durch das Kämmen geschiehet; 2) daß die Haare so lang, wie möglich, sind, damit in einer gewissen Länge des Fadens nur we⸗ nig Enden von denselben hervor springen und seinen Glanz nur wenig verdunkeln, und 3) daß die Haare eine gleiche Form haben, damit sie sich so gerade, wie möglich, aus einan⸗ der ziehen, und sich leichter und mit wenigerem Ab⸗ fall kämmen lassen. Ihre Oberfläche ist dann um so weicher, je ebener sie ist. Diese Bedingungen fordern, daß die Haare der zum Kämmen bestimmten Wolle Feinheit, Ge⸗ schmeidigkeit und eine gleiche Form so wohl in ihrer Länge, als auch mit einander haben. Es würde unnütz seyn, uns über diesen Ge⸗ genstand weiter zu verbreiten; nur bemerken wir noch, daß Frankreich keine Wolle besitzt, welche mit allen zum Kämmen erforderlichen Eigenschaften ver⸗ sehen ist. Einige Sorten, wie die längsten von den Merinos, sind weder lang, noch in der Form flach genug; andere, wie mehrere von den inländischen Schafen haben zwar die erforderliche Länge und Flachheit der Form, es fehlet ihnen aber an Fein⸗ heit, Gleichheit und Geschmeidigkeit. In⸗ zwischen ist zu diesem Behuf durch zweckmäßige Vermischung der Schafe und durch Einführung solcher von beständiger Art noch Vieles zu bewirken. Von den Mitteln zur Veredlung werden wir spä⸗ terhin handeln. Von der Wolle zur Verfertigung halbgewalk⸗ ter Zeuche. Zu denjenigen Zeuchen, welche eine mehr oder minder leichte Walke erhalten, muß die Wolle, je nachdem sie mehr oder weniger filzen soll, mehr die Eigenschaften der Wolle zu dem Tuche, oder der zu den glatten Zeuchen haben. Zweites Kapitel. Von den verschiedenen Sorten der Wolle und ihrer Untersuchung. Die Naturforscher würden dem Erwerbfleiße einen wichtigen Dienst leisten, wenn sie die Natur aller Arten der Schafe in der Absicht genau un⸗ tersuchten, um von den verschiedenen Eigenschaften ihrer Produkte Kenntniß zu ertheilen, und den Landbebauern in den Versuchen, ihre Heerden mit solchen Schafen, die Wolle von vorzüglichen Ei— genschaften hervorbringen, zu vermischen, und den Manufakturisten in der fabrikmäßigen Anwendung der erhaltenen Erzeugnisse hinlängliche Anleitung zu geben. So weit man jetzt die Wolle überhaupt kennt: kann man sie nach ihrer natürlichen Beschaffenheit in drei Hauptklassen eintheilen, in die gemeine Wolle, in die Bastardwolle und in die Meri— noswolle. Sehr viele Verschiedenheiten findet man in der gemeinen Wolle und noch mehrere in der Bastard⸗ wolle. Von den zahlreichen Proben, welche wir uns verschafft, und auf unseren Reisen, wo wir 18— viele Schäfereien besuchten, erhalten haben, konnten wir nur einen geringen Theil untersuchen: wir kön⸗ nen daher wenig von diesen Sorten sagen. Mehr aber werden wir uns mit der Wolle der Merinos von der reinen Art beschäftigen, welche leichter in Klassen zu bringen ist, und deren Kenntniß für den Erwerbfleiß der Viehzucht und der Manufakturen wichtiger ist. In England, Dänemark, Sardinien und meh⸗ reren Ländern giebt es Schafe, deren Wolle sich durch besondere Eigenschaften auszeichnet. Vor— nehmlich besitzt England mehrere Arten, welche be⸗ sonders schickliche Wolle zu glatten Zeuchen liefern. Wenn man sich von derselben Proben verschaffte, und nach deren Befinden solche Schafe einführte, um die inländische Art durch eine von den Merinos verschiedene zu veredeln: so könnte dies für den Er⸗ zieher sowohl, als für den Manufakturisten von großem Nutzen seyn. Erster Abschnitt. Von der gemeinen Wolle. Die gemeine Wolle hat, wie die anderen Sor⸗ ten, sehr bemerkbare Abänderungen der Form. Man findet sie mehr oder weniger geschlängelt oder wellenförmig, am häufigsten aber ist sie gerade oder kraus. Zu bemerken ist, daß unter den verschiedenen Sorten derselben diejenigen, die sich am meisten der geschlängelten oder welligen Form nahen, und deren Zirkel oder Bogen am regelmäßigsten sind, mehr Feinheit, Geschmeidigkeit und Weichheit haben, wovon nur seltene Ausnahmen 5— vorkommen. Man kann sich hiervon leicht überzeu⸗ gen, wenn man einige Sorten aus der Normandie, der Pikardie und andern Gegenden Frankreichs ei— ner genauen Untersuchung unterwirft, vornehmlich die von Berry und Roussillon, die wir als die feinste von allen befunden haben. Die geschlängelten und wellenförmigen Sorten sind gemeiniglich kurz; die längsten halten in ihrer wahren Länge nicht mehr, als vier und einen halben Zoll, die kürzesten haben nicht weniger, als drei Zoll. Was sie besonders auszeichnet, ist die Ausdehnbarkeit, mit der sie in einem vorzüglichen Grade versehen sind. Von allen gemeinen Arten der Schafe sind die, welche diese Wolle hervor brin— gen, durch Merinosböcke am besten zu veredlen. Die platten oder geraden Sorten der ge⸗ meinen Wolle sind insgesammt grob und der ver⸗ schiedenen Wirkungen der Elastizitäe, welche das Filzen befördern, wenig fähig; sie besitzen aber die Art von Weichheit, welche ihren Grund in der Glätte des Haares hat. Ihre Flocken sind sehr gleich, und haben einen sehr regelmäßigen Wuchs. Ihre Länge ist verschieden von drei bis zehn Zoll. Die Sorten von Rio de la Plata, die ebenfalls zehn Zoll lang sind, und deren man sich in einigen Manufakturen zu Anschroten bedient, sind nicht nur die längsten, sondern zugleich die gröbsten von allen, und gleichen in ihrer Dicke den Pferdehaaren. Die kürzesten von den geraden Sorten, die uns bekannt sind, ist die in Schwaben. Sie ist nicht länger, als drei Zoll, und sehr grob und trocken. Merkwürdig ist die Wolle eines Schafes aus Nubien, welches wir in dem Park des Königs von Würtemberg gesehen haben. Nachdem dasselbe in dem vorhergegangenen Frühling war geschoren wor— 2. — den, hatte sie schon in den ersten Tagen des Ja⸗ nuars einen Wuchs von vier und einen halben Zoll, und erreicht wahrscheinlich die Länge von sieben bis acht Zoll. Sie unterscheidet sich von allen Sorten gemeiner gerader Wolle durch einen sehr merk⸗ lichen verhältnißmäßigen Grad von Feinheit, und durch die Gleichheit der Haare unter einander in demselben Verhältniß der Feinheit. Ihr Wuchs ist regelmäßig. Die Haare der Flocken sind von glei⸗ cher Länge und Form, und verwickeln sich nicht in einander. Das Ende der Flocke vereinigt sie alle, indem es in der Länge eines Zolles zwei oder drei Bogen bildet. Außer dem haben wir in dieser eine starke Ausdehnbarkeit und viel Weichheit gefunden. Wurde die Art, zu welcher dieses Schaf gehört, zu uns gebracht: so könnte man sie mit den Merinos vermischen, um eine Wolle zu erhalten, welche zu glatten Zeuchen gut zu gebrauchen seyn würde. Die gemeinen Sorten, deren Form kraus ist, haben gemeiniglich einen sehr verworrenen Wuchs, sehr ungleiche Haare unter einander, wenig Weich⸗ heit und nur ein wenig mehr Geschmeidigkeit, als die geraden Sorten. Wir haben eine Probe krau⸗ ser Wolle aus Afrika unter den Augen gehabt, de⸗ ren wahre Länge zehn Zoll betrug, die längste, wel⸗ che wir kennen. Ihr Wuchs ist von der Gegend der Haut an bis auf zwei Drittheile der Flocke sehr verworren. Die krause Form, die in dieser Gegend sehr bestimmt ist, vermindert sich in der Lange immer mehr, und die Flocke endigt sich im letzten Drittheil ihrer Länge gerade und zugespitzt. Der krause Theil des Haares zeigt keine Elastizi⸗ tät des Risses, sondern läßt sich zerreißen, ohne die Form zu ändern. Die Haare sind nicht nur unter einander selbst, sondern auch in Ansehung der Fein⸗ heit sehr ungleich, und am Ende der Flocke viel gröber, als im Anfange. Auf einigen Merinos von einer Art, deren Reinheit wirklich verdächtig ist, findet man eine Art Wolle, die grob und kraus ist, und über den übri⸗ gen Pelz heraus hängt. Diese Wolle, die man bald die Scheinheilige, bald den Geißbart, bald den Hasenbart nennt, hat Aehnlichkeit mit der gemeinen krausen Wolle, und ist ein Merkmal, daß das Schaf, welches sie trägt, von einer weni— ger feinen Art ist. Den Biber, welcher eigentlich keine Wolle, sondern vielmehr eine Art Haar ist, übergehen wir hier; wir werden später Gelegenheit haben, von ihm zu reden. Zweiter Abschnitt. Von der Bastardwolle. Unter Bastarden versteht man die Abkömm-⸗ linge von Schafen gemeiner Art und Merinosbök⸗ ken. Bei der unzähligen Verschiedenheit ihrer Wolle ist eine Eintheilung derselben in Klassen offenbar unmöglich. Wir können uns daher nur sehr wenig mit diesen Sorten befassen, welche in ihrer Natur blos Abänderungen der andern zeigen. Uebrigens werden wir im zweiten Theile dieses Werks, wel⸗ cher die Schafe selbst zum Gegenstande haben wird, von den Grundsätzen reden, welche bei der Erzeu⸗ gung der Bastarde zu beobachten sind, und einige Ansichten aufstellen, die wir für nützlich halten. Indessen erkennen wir den vollkommen guten Erfolg an, welchen die Erzeugung der Bastarde an mehreren Orten gehabt hat, da es, vorzüglich in 4 52 Sachsen, Sorten von Bastardwolle gibt, deren Vollkommenheit keine Unterscheidung von der Me⸗ rinoswolle zuläßt, selbst von der äußersten Feinheit. Auf sie wird Alles, was wir von der letztern zu sagen haben, anwendbar seyn. Diejenigen Sorten, welche diese Vollkommenheit nicht erreicht haben, kann man an der ungleichen Feinheit ihrer Haare dem an ihrem unregelmäßigen Wuchse leicht er⸗ ennen. Dritter Abschnitt. Von der Wolle der Merinos. Nachdem wir uns einer langen und aufmerk⸗ samen Untersuchung dieser Wolle gewidmet haben, um sie nach ihren Verschiedenheiten auf eine für die Praxis nützliche Art in Klassen zu bringen: so theilen wir sie in folgende ein. 1) Die ganz feine, ½ die von guter Feinheit, 3) die von mittler Feinheit und 4) die von geringerer, Feinheit. Wir würden dieser Eintheilung die Resultate der Ausmessung zum Grunde gelegt haben, wenn die zu diesem Behuf erfundenen Instrumente mehr bekannt, und die Anwendung derselben ihrer Ein⸗ richtung zu Folge nicht zu schwierig und zu fein wäre, um nicht nachtheilige Irrungen und Miß⸗ riffe in der Praxis zu veranlassen. Ob wir aber gleich dieses Mittel zur Eintheilung verwerfen: so werden unsere Leser doch den Durchmesser des Haares zu kennen wünschen, welchen wir einer jeden Sorte dieser Wolle zueignen. Iee— Der Durchmesser des Haares der ersten Klasse beträgt 1 bis 14 der zweiten 5 bis der dritten bis der vierten 25 bis 7 Linie. Leichtere Unterscheidungszeichen, die mehr dem Augenmaaße des Beobachters, und weniger dem Irr— thum unterworfen sind, finden wir 1) in der Form der Flocke, ½ in der Form der Haare, aus wel— cher sie bestehet, und 3) in gewissen Verhältnissen derselben unter einander. Um uns verständlich zu machen, wollen wir erst Einiges über den Wuchs der Wolle und über die Bildung der Flocken in dem Pelze sagen. Wann die Haare aus der Haut hervorkom-⸗ men: so scheinen die einen die anderen zu suchen, und sie vereinigen sich auf verschiedene Weise und in verschiedener Quantität, je nachdem sie diese oder jene Form und diesen oder jenen Grad der Feinheit haben. Sie legen sich entweder über ein⸗ ander und wachsen in gleicher Richtung, mehr oder weniger genau in kleine Haufen vereiniget, wie man an der ganz feinen Wolle wahr nimmt; oder sie laufen quer durch einander, und filzen sich mehr oder weniger, wie in den Sorten von mittlerer und geringerer Feinheit; oder sie verfolgen alle eine Rich— tung, ohne sich zu sehr an einander zu drängen, sich zu verwickeln und zu filzen, wie in den gemeinen geraden Sorten. Haben sich diese verschiedenen Haufen oder Flocken einmal gebildet, so unterschei⸗ den sie sich mehr oder weniger von den um sie her stehenden, und endigen sich in verschiedener Gestalt auf der Oberfläche des Pelzes. Der Wuchs der Wolle ist daher entweder re— gelmäßig und parallel, oder unregelmäßig und verworren; die Flocke kann klein, dick, E OH O Of 7 7 7 EA — — 4— viereckig, spitzig, platt oder anders seyn. Der Nutzen dieser Bemerkungen wird sich ergeben aus dem, was wir später sagen werden. Wir schreiten zur Untersuchung der vier aufge⸗ stellten Klassen der Merinoswolle, wobei wir die Aufmerksamkeit unserer Leser in Ansehung der klei— nen Umstände in Anspruch nehmen, welche wir als charakteristischeUnterscheidungszeichen anzugeben haben. Zuvor aber haben wir noch Folgendes zu bemerken. Wenn man die Wolle eines Schafes untersu— chen will: so darf man nicht eine Flocke aus dem Pelze herausrupfen; denn durch die Gewalt, die man dabei anwendet, wird sie gedehnt, und die Haare werden aus ihrer Form gezogen, wodurch ein unrichtiges Urtheil über die Beschaffenheit derselben entstehet— sondern man muß eine Fläche unge⸗ fähr von der Größe eines Laubthalers abscheeren, und die Wolle behutsam herunter nehmen. Wenn wir von Flocken reden: so darf man nicht aus den Augen verlieren, was wir von der Bildung derselben gesagt haben, und nicht mit die⸗ sem Worte den gemeinen Begriff verbinden, da man unter einer Flocke einen größeren und kleine⸗ ren Theil von Wolle verstehet, den man von der Haut des Schafes abgerissen hat, oder in einen Haufen zusammen faßt. Die erste Klasse. Wenn man die von der Haut eines Merinos, das die allerfeinste Wolle hervor bringt, abgescho— rene Probe betrachtet: so bemerkt man, daß sie aus größeren und kleineren Verbindungen von Haaren besteht, von welchen die letzteren in den ersteren enthalten, und ungefähr so dick, wie eine Steckna⸗ del sind. Trennet man diese, und ziehet die Haare aus einander: so findet man, daß die dünnsten funfzehn bis zwanzig, und die dicksten dreißig bis fuünf und dreißig Haare enthalten. Diese Haare sind in ihrer parallelen Lage unter einander so gleich, und ihre Bogen so gleichförmig einer in den andern gefaßt, daß sie einen in seiner ganzen Länge bestimmt und regelmäßig gewelleten Faden auszu⸗ machen scheinen. Diese Regelmäßigkeit der Bogen zeiget die gleiche Feinheit in der ganzen Länge des Haares an. Die Feinheit selbst stehet, mit wenigen Ausnahmen, von denen wir im dritten Abschnitt des ersten Kapitels geredet haben, im geraden Verhältniß zu der Kleinheit, Anzahl und Gleichför— migkeit der Bogen. Die kleinen Verbindungen von Haaren oder die Flöckchen erstrecken sich, abgesondert, bis in die Oberfläche des Pelzes, wenn nicht Zufälle, zum Beisviel Reibungen, die er erfährt, ihre Symmetrie in der Nähe der Oberfläche zerrutten, und wenn nicht der Mist oder andere fremde Dinge ihre En— den an einander hängen. Wie dem auch sey: die Probe der Wolle, mit welcher wir uns beschäftigen, hat einen fast gleichen Umfang in allen Punkten ihrer Länge, was ein Beweis der größten Regel—⸗ mäßigkeit und parallelen Lage des Wuchses ist, und endiget sich nicht in einer Spitze, welches der Fall in den Klassen ist, die wir bald beschreiben werden. Wenn man an einem Haar, oder, um mehrerer Leichtigkeit willen, an einem Flöckchen dieser Wolle die Bogen, die in einem Zoll seiner Länge enthal— ten sind, zählet: so findet man deren acht und zwanzig bis acht und dreißig, zuweilen auch meh— rere. Acht und zwanzig aber ist die geringste An⸗ zahl, welche wir für die Wolle der ersten Klasse gelten lassen. — 50— Bei dieser Zählung hat man die Vorsicht zu beobachten, daß man das Haar oder das Flöckchen nicht über seine natürliche Länge im Pelze ausdeh⸗ nehnet. Auch hat man von den beiden Reihen, in welchen die Bogen sich darstellen nur eine, ent⸗ weder die untere, oder die obere, zu zählen*). Die mittlere Länge des Flöckchens der ganz feinen Wolle beträgt ungefähr zwei Zoll; das ein⸗ zelne darin eingeschlossene Haar aber, wenn es ohne Dehnung ausgestreckt wird, drei, drei und ein Vier⸗ tel, bis drei und einen halben Zoll. Dieses Haar hat, wie wir gesehen haben, in seiner ganzen Länge die möglichst gleiche Feinheit; es ist geschmeidig und im äußersten Grade ausdehnbar, auch mit der Ela— stizität der Form und des Risses versehen. Die Geschmeidigkeit kann man beurthei⸗ len, wenn man ein Haar mit dem Haar einer an⸗ deren Sorte vergleicht. Man faßt beide, abgeson⸗ dert von einander, an ihren Enden zwischen den Daum und den Zeigefinger beider Hände, und bläst gelinde darauf. Dadurch wird das feinere Haar in ein stärkeres Zittern versetzt, als das andere, das sich wohl gar nicht bewegte. Auf dieselbe Weise fasset man das Haar mit einem von einer anderen Sorte, und dehnet beide zugleich, wenn man seine Aus dehnbarkeit prü⸗ fen will. Je mehr es sich nach dem Zerreißen des andern noch ausdehnen läßt, desto ausdehnbarer ist es. Wer ein feines Augenmaaß hat, kann auch ein jedes einzeln prüfen. Dabei aber muß man darauf sehen, daß nicht bei dem Ausdehnen des einen die Haut der Finger feuchter ist, als bei dem des an⸗ — 57— deren, und daß man das eine nicht länger in den Händen hat, als das andere. Verschiedenheit in beiden Fällen verursacht einen merklichen Unter— chied. i Die Elastizität der Form erkennt man daran, wenn das in eine gerade Linie gezogene Haar schnell und vollkommen seine Form wieder annimmt. Die Elastizität des Risses zeigt die Stärke des Zusammenrollens beider Enden des entzwei ge⸗ rissenen Haares. Alle die Beobachtungen und Untersuchungen müssen angestellt werden, wann die Wolle noch ih— ren Schweiß hat, wo ihre Eigenschaften noch un— verändert sind. Will man aber ihre Elastizütät des Umfangs prüfen: so muß sie von demselben entledigt seyn. Denn durch denselben würden die zusammen gedrückten Haare mehr oder weniger an einander kleben. Man kann zwar von der ganz feinen Wolle Sorten antreffen, welche nicht alle von uns ange⸗ gebene charakteristische Kennzeichen haben, weil durch zufällige Umstände einige ihrer Eigenschaften sich veränderten, dessenungeachtet aber in die erste Klasse gesetzt zu werden verdienen: deshalb aber stehet unser Grundsatz nicht weniger fest, und wir können mit Ueberzeugung versichern, daß eine jede Sorte, welche die charakteristischen Zeichen vereini— get, in keine andere, als in die erste Klasse gehört. Der zufälligen Umstände, welche die Wolle verändern, und in dem vorhergehenden Kapitel ange⸗ zeigt worden sind, können sehr viele eintreten. Achtet man nicht auf sie: so läuft man Gefahr, über die Wolle, die man untersucht, ein unrichtiges Urtheil zu fällen, und dann ein noch unrichtigeres über den Werth des Schafes, das sie hervorgebracht hat. So kann ein solches, das ganz feine Wolle trägt, ungünstig beurtheilt werden: 1) wenn man die Wolle seiner ersten Schur untersucht; 2) wenn es im Laufe des Jahres krank gewesen ist; 3) wenn es nicht zureichendes Futter gehabt, oder wenn es durch überflüssiges zu viel Fleisch angelegt hat; 4) wenn es während des Jahres der Feuchtigkeit, der Sonnenhitze und anderen äußeren Wirkungen aus⸗ gesetzt gewesen ist. Die zweite Klasse. In der vom Körper des Schafes abgenomme⸗ nen Probe der Sorte, welche wir die Wolle von guter Feinheit genannt haben, trifft man eben⸗ falls die kleinen Flöckchen von Haaren an, aus welchen die ganz feine Wolle bestehet: niemals aber ist sie gänzlich von denselben gebildet, sondern ein Theil der Haare ist einzeln gewachsen, und hat sich nicht mit den umstehenden verbunden. Die Flöck chen selbst sind alle dicker, oder wenigstens platter, und der größte Theil derselben ist von verschiedenen Fäden zusammen gesetzt, da hingegen in der ganz feinen Wolle alle diese Fäden, bei der großen Ein⸗ sörmigkeit ihrer Bogen, oft nur ein Ganzes auszu⸗ machen scheinen. Uebrigens sind sie mehr geneigt, sich vom Grund an mit einander zu verbinden, und stellen dadurch größere, breite und platte Verbin⸗ dungen von Haaren dar, deren Bogen man in den horizontalen Rinnen, welche sich zeigen, zählen kann. Die Probe hat ebenfalls an ihrem unteren und oberen Ende einen gleichen Umfang: die kleinen Spitzen aber, in welchen sie sich endiget, sind schon dicker, weil sich mehrere Verbindungen von Haaren in ihnen vereinigen. Ihre Länge ist fast in demselben Verhältniß, wie an der ganz feinen Wolle, ver⸗ schieden. Ein Zoll derselben enthält vier und zwan—⸗ zig bis sieben und zwanzig Bogen, welche eben so regelmäßig, natürlich aber größer, als die ber ganz feinen Wolle sind. Die dritte Klasse. In der Wolle der dritten Klasse siehet man auch Verbindungen von Haaren, aber sie sind seltener, und vom Schweiß zusammen geleimt, so, daß sie blos das Uebermaaß desselben gebildet zu haben scheint. Außer diesen Verbindungen ist der Wuchs der Wolle augenscheinlich unregelmäßig, hier verfolgen die Haare eine parallele Richtung, dort werfen sie sich durch einander. Daraus folgt natürlich, daß sie nicht einerlei scheinbare Länge erreichen, sondern daß die, welche nach der Oberfläche zu den längsten Um⸗ weg machen, zurück bleiben, und daß die Flocken dieses Pelzes, anstatt, wie in der Wolle der ersten und zweiten, viereckig oder cylindrisch zu seyn, eine mehr oder weniger spitzige Form annehmen. Einer der charakteristischen Züge der Wolle von mittlerer Feinheit ist also, daß sie sich in deutliche Flocken formet, die unten mehr oder weniger dick, oben aber um vieles spitziger sind. Die Haare dieser Wolle sind in Ansehung der Form unter einander schon ziemlich ungleich, und ein geübtes Auge siehet die Verschiedenheit, die dar— aus entstehet. Die einen, besonders die, welche in paralleler Richtung gewachsen, und die in den vor— handenen wenigen Verbindungen enthalten sind, ha— ben sehr regelmäßige und in ihrer ganzen Länge fortlaufende Bogen; man zählet deren in einem Zoll bis auf zwei und zwanzig und wohl vier und zwan⸗ zig. Als das Mittel zwischen beiden nehmen wir — 60— achtzehn bis drei und zwanzig an. Die Bogen der Haare, welche außer den Verbindungen sich befin⸗ den, verfolgen keine gerade Linie mehr, und ihre Form ist nicht mehr so regelmäßig. Die einen sind groß und hoch, die anderen klein und niedrig. In einigen gehen sie nicht bis an das obere Ende, oder sind wenigstens seltener, und da, wo sie einander nahe sind, flächer. Daher ist überhaupt dieser Theil des Haares nicht so fein, wie die andern. Die Länge der mittelfeinen Wolle ist viel mehr verschieden, als die der ganz feinen und der gutfei⸗ nen. Wenn wir in jenen Flocken von ungefähr zwei Zoll antreffen: so finden wir in dieser Flocken von drei und einem halben Zoll. Die wahre Länge des Haares aber erreicht kaum vier und sehr selten vier und einen halben Zoll. Die vierte Klasse. In der Wolle der vierten Klasse ist die Flocke noch spitziger, als in der mittelfeinen, weil ihr Wuchs mehr verworren ist. Man siehet in dersel⸗ ben fast gar keine kleine Verbindungen von Haaren, und die Haare in ihr haben eine sehr ungleiche Feinheit, so wohl unter einander, als an sich. In ihrem Aussehen gleichet sie den Flocken der besseren gemeinen Wolle, zuweilen auch einer Flocke von gehecheltem Hanf. Uebrigens trifft man in ihr auf einen Zoll funfzehn Bogen an. In der Länge ist sie eben so sehr verschieden, wie die mittelfeine Wolle. +* * Wir schließen hier unsere Beschreibung der auf—⸗ gestellten Klassen der Wolle der Merinos, und hoffen, daß unsere Leser in den einzelnen Theilen unserer Bemerkungen uns folgen werden, und wer⸗ den uns glücklich schätzen, wenn wir zu einer leich⸗ teren und sicheren Beurtheilung der Wolle überhaupt beigetragen haben. Die Untersuchung derselben ist von solcher Wichtigkeit, daß wir sie nicht genug empfehlen können. So fest wir übrigens von der Richtigkeit der Gründe, auf die wir fußen, über⸗ zeugt sind: so wiederholen wir nochmals, daß einige Ausnahmen Statt finden können. Drittes Kapitel. Vom dem Pelze der Merinos, während er auf der Haut sich befindet. Wir setzen unsere Betrachtungen über die Wolle der Merinos fort, in welche wir alle andere Sor-⸗ ten von feiner und ganz feiner Wolle mit einschlie⸗ ßen. Wenn von den Eigenschaften, die wir bemer⸗ ken werden, und von den Folgen, die aus densel⸗ ben fließen, einige der Wolle anderer Arten von Schafen gemein sind: so überlassen wir die Anwen— dung unseren Lesern. Der Inhalt dieses Kapitels wird das, was wir vorläufig von dem Wachsen der Wolle gesagt haben, näher bestimmen und ver⸗ vollständigen. Erster Abschnitt. Von dem Pelze des erwachsenen Merinos. Die Untersuchung des Pelzes des erwachsenen Merinos faßt mehrere wichtige Betrachtungen in 62— sich, 1) der Beschaffenheit der Wolle an den ver⸗ schiedenen Theilen des Körpers und des Ansehens desselben überhaupt, Y) des Grades der Gleichheit, welcher an allen diesen Theilen zu erreichen mög⸗ lich ist, 3) des Urtheils, welches man nach der Schur über die wahrscheinliche Beschaffenheit einer Wolle nach der Ansicht ihres Wachsens fällen kann, und 4) des Gewichts des Pelzes und seines Er—⸗ trags. Von der Beschaffenheit der Wolle an den ver⸗ schiedenen Theilen des Körpers und von dem Aussehen des Pelzes überhaupt. Wenn wir einen Bock oder ein Schaf von den Merinos, dessen Pelz nicht so gleich ist; wie er seyn könnte, untersuchen: so finden wir allgemein, daß der mittlere und der untere Theil der Seiten, die Schultern und die Weiche die beste Wolle liefern, so wohl in Ansehung der Fein⸗ heit, als auch der Gleichheit der Haare. Da aber diese Theile mit der Streu in Berührung kommen: so haben sie selten die Sauberkeit und die Farbe, welche man auf dem Rucken u. auf demoberen Theile des Halses u. des Kreuzes bemerkt. An dem unteren Rande der Schultern und der Seiten findet man gewöhnlich die Wolle durch das Niederlegen des Schafes gefilzt, und sie scheinet da etwas kürzer zu seyn, doch sind die Flocken nicht, wie unter dem Bauche in ihrem Wuchse platt ge— drückt oder in Unordnung gebracht. Die Wolle auf dem Rückgrat unterscheidet sich oft durch eine größere Feinheit von der an den Lenden: an beiden Theilen aber ist sie geringer, als die auf den Schultern und die an der Weiche. Um sie den letzteren bei dem Auslesen beifügen zu kön⸗ nen, muß sie ihnen durch die Veredlungen an Güte gleich gemacht werden, oder das Schaf aus einer so geringen Klasse seyn, daß man unter allen ho— hen Theilen des Pelzes keinen Unterschied zu ma— chen hat. Die Wolle des Rückgrats und der Lenden verringert sich gewöhnlich von dem Buge an bis an das Kreuz. Die, welche das letztere bedeckt, ist noch um einen Grad geringer, und wird immer schlechter, so wie man dem Schwanze sich nähert, welcher einer von den Theilen ist, die der Veredlung am meisten widerstehen. Bei der vorhergehenden Untersuchung haben wir keine Veränderung der Form in der Wolle an— getroffen, außer der, die gewöhnlich die Verminde— rung der Feinheit begleitet; wenn wir aber von dem Kreuz heräbgehen auf die Fläche der Schen— kel und auf ihren äußeren Rand, welche Theile man gemeiniglich unter dem Namen Hosen begreift; so finden wir auf dem Obertheil dieser Fläche, weil das Schaf gewöhnlich darauf liegt, eine platte Wolle, welche länger ist, als die in an⸗ deren Stellen des Pelzes. Unmittelbar an dem unteren Theile der Spitze des Hüftbeines ist augenscheinlich die Wolle am größten, sie ver— bessert sich aber, wenn sie die Mitte des Schen— kels erreicht. Der hintere Rand der Schen— kel ist nicht der schlechteste Theil, ob gleich viele ihn dafür halten. Gemeiniglich ist daselbst die Wolle von dem Harne gelblich, sie hat sich aber besser in ihrer Form erhalten, als die am unteren Theile des Bauches. An diesem letzteren Theile ist sie ganz zusammengedrückt, die Flocken unter— scheiden sich nicht, und die Haare sind mehr oder weniger gefilzt. Ueberdies hat die Feuchtigkeit des Harnes und der Exkremente die Farbe verän⸗ dert, und zuweilen selbst die Substanz verdorben, von welcher Wirkung wir oben geredet haben. — 64— Wenn man von dem Bauche auf die Brust ge⸗ het, so kommt man von der kurzesten Wolle auf die längste, welche in Ansehung der Feinheit der auf dem Kreuze gleich ist. Die Wolle an dem unteren Theile des Halses ist ein wenig feiner, als die an der Bru st und der an den Lenden fast gleich. Die Flocke ist nicht so lang, wie an der Brust, wenn keine Wamme da ist. Ist aber eine vorhanden, so ist sie anfangs länger und gröber, dann, wann dieselbe deutlich in die Augen fällt, wird sie kürzer, und das Haar noch gröber, und endlich nichts mehr, als ganz gemeine Wolle. Das Nehmliche haben wir von der Wolle zu sagen, die man auf den Runzeln wachsen siehet, welche ein seltsamer, den richtigen Grundsätzen der Veredlung widerstrebender Eigensinn in der Absicht hervorgebracht zu haben scheint, um die Merinos herab zu würdigen. Die Runzeln entstehen durch das Futter, und in einigen Schäfereien hat man es vornehmlich durch die Äuswahl der fettesten Böcke zum Bespringen dahin gebracht, daß man den Heer⸗ den die Anlage dazu ertheilte. Zuerst zeigen sie sich im Nacken und an dem oberen Theile des Halses, und nach einigen Geschlechtern verbreiten sie sich über den ganzen Körper. Es ist kaum zu glauben, daß man auf den Gedanken kommen kann, solchen Thieren, deren Kreuz, Seiten und Hals mit einem schwimmenden, dicken, harten Fell bedeckt sind, und die mehr dem Rhinozeros, als den Scha⸗ fen gleichen, einen Vorzug beizulegen. Vom unteren Theile des Halses bis an den Nacken findet man eine Wolle, die der an den Lenden gleich ist, und die, so wie sie dem Nacken sich nahet, immer länger und platter wird. Die Wolle, die diesen letzteren Theil bedeckt, — —„— ——— —————........— —— — S. e—„— 2 7— unterscheidet sich gewöhnlich durch ihre Weiße und durch den wenigen Schweiß, der sie umgibt. Die Wolle an den Backen, der Stirn und den Beinen wird gemeiniglich bei dem Lesen aus⸗ geworfen, doch kann die von den Backen zuweilen mit zu der genommen werden, welche um den Schwanz herum wächst. Im Vorbeigehen bemer⸗ ken wir, daß die ganz feinen Schafe gewöhnlich an diesen Theilen wenig Wolle tragen, außer in ihrem ersten und zweiten Jahre. Einige Stellen an dem Körper des Schafes sind besonders geneigt, Bib erhaare und Hosen⸗ haare hervor zu bringen. Mit, Ausnahme der Stirn, wo durch die Kämpfe der Böcke die Haut hart gestoßen ist, findet man selten Biberhaare dar⸗ in eingepflanzt, doch zuweilen bemerkt man solche an dem hinteren Rande der Schenkel. An diesem Theile haben wir sie, selbst bei vorzüglichen Scha⸗ fen, in einer geraden, einen bis zwei Zoll langen Linie angetroffen, unter anderen bei einem sächsischen Bocke von der besten Art in der Schäferei des wür⸗ tembergischen Instituts für den Ackerbau zu Hohen⸗ heim, ohne daß übrigens der Pelz dieses Schafes eine große Anzahl dieser hervor stehenden Haare enthielt, die man sonst in einem ganz feinen Pelze nicht findet. Die Anzahl der Biberhaare vermindert sich sehr merklich im Verhältniß der fortschreitenden Ver⸗ edlung, aber der Wunsch, daß sie gänzlich verschwin— den sollen, ist vergebens, und die Theile, von wel⸗ chen sie am schwersten weichen, sind jederzeit die ge⸗ ringeren des Pelzes, der Nacken ausgenommen, der gewöhnlich nicht die gröbste Wolle liefert. Die Hosenhaare zeigen jederzeit, um so mehr, als sie über verschiedene Theile des Körpers sich verbreiten, einen niedrigen Grad— Veredlung * 66— enz ost verrathen sie Unreinigkeit des Blutes. Die Veredlung vertreibt sie zuerst von dem Rumpfe, und dann selbst von den Hosen des Pelzes, von welchen sie den Namen haben, zuweilen gelingt es sehr leicht, sie ganzlich zu vertilgen. Außer densel⸗ ben zeigen sich manchmal in dem Nacken der Me⸗ rinos, selbst der von ganz feiner Art, gewisse lange und mehr durchsichtige Haare, die zwischen ihnen und den Biberhaaren das Mittel halten; diese hat man nicht als Hosenhaare zu betrachten. Wir kommen nun auf das Aussehen des Pel⸗ es. Viele glauben, in demselben zureichende Merk⸗ male zu finden um über den Werth eines Schafes zu urtheilen. Wir leugnen zwar nicht, daß geübte Augen einige entdecken können, aber sie sind oft⸗ mals täuschend. Wir halten es daher für nützlich, die Irrthümer zu zeigen, in die man durch zu große Zuversicht verfallen kann. Der Pelz stellet auf seiner Oberfläche entweder platte, oder platte und knotige, oder spitzige Flocken dar. Im ersten Falle nennen wir ihn rund und eben, im zweiten knotig, im dritten unregelmäßig oder spitziggeflockt. Der runde und ebene Pelz ist der, dessen Flocken sich alle in derselben Höhe halten, und äu⸗ ßerlich eine ebene und dichte Oberfläche darstellen, welche sich nur öffnet, wann das Schaf gehet oder sich wendet. Diese Art don Pelz anennen die Deut⸗ schen den geschlossenen Pelz, und die Schafe, welche ihn haben, werden bei ihnen sehr gesucht. Wir konnen eber keinen großen Werth darauf sez⸗ zen. Die runde und ebene Oberfläche scheint freilich in einer großen Regelmäßigkeit des Wuchses der Flocke, in der Länge und Gleichheit der Haare, aus welchen sie bestehet, und in der parallelen Rich⸗ tung derselben ihren Grund zu haben, und sie ist — ........ D- — — tb..‚‚‚. —. ⏑—— ᷑&Æe—+ 2— — ⏑—— — 07— in diesem Betracht ein Anzeichen natürlicher Eigen— schaften, sie kann aber auch in einem noch merkli— cheren Grade von der Grobheit und Steifheit der Haare in einem sehr vollen Pelze von geringer Beschaffenheit herrühren, und wir haben nur selten und als Ausnahme in den runden und ebenen Pel⸗ zen die größte Feinheit angetroffen. Ein ganz fei— ner Pelz ist unstreitig der vollkommenste, wenn er auswendig diese ebene Oberfläche zeigt, welche, wie wir so eben gesagt haben, ein Zeichen des regelmäßig⸗ sten Wuchses ist: aber in keinem anderen Falle, als nur bei gleicher Güte, darf man von zwei Scha⸗ fen das vorziehen, welches den geschlossenen Pelz hat, und man muß sich hüten, blos nach diesem Anschein ohne weiteres Bedenken über den Werth einer Wolle zu entscheiden. Außer dem kann man bis auf ei⸗ nen gewissen Punkt von dem Grade der Feinheit eines runden und ebenen Pelzes im Voraus daraus urtheilen, daß er nicht so leicht und auf eine nicht so bemerkbare Weise sich öffnet, wenn er ganz fein, als wenn er grob und voll ist. Der feine Pelz setzt auch der Hand, die ihn nieder zu drücken sucht, weniger Widerstand, als der grobe, entgegen. Der knotige Pelz ist der, dessen Flocken an ihrem Ende kleine Knoten zeigen, die zuweilen so zusammengezogen und unauflösbar sind, daß das Waschen und Schlagen zu ihrer Auflösung nicht zureicht. Diese Beschaffenheit der Flocke ist fast nirgends, als auf den sehr feinen Schafen und in den Schäfereien anzutreffen, wo am sorgfältigsten auf die Sauberkeit der Pelze gehalten wird. Es ist leicht zu begreifen, daß so zarte und mit einem hohen Grade von Elastizität versehene Haare bei der abwechselnden Temperatur und der Bewegung der Luft sich nothwendig wirren müssen, wenn nicht der Zufall ihre Enden mit Koth umschlossen hat, 5* — 68— der sie in ihrer Richtung erhält; wie man denn diese Knoten an den oberen Theilen des Körpers, welche am wenigsten mit dem Mist der Streu in Berührung kommen, am häufigsten findet. Die Knoten am Ende der Flocken zeigen sich in zwei verschiedenen Gestalten. Es liegen entweder nach der Oberfläche zu mehrere der äußeren Haare der Flocke theils schräg über den anderen, theils haben sie sich, vermöge ihrer Bogen, ihrer Geschmei⸗ digkeit und ihrer Elastizität mit einander verwickelt; oder die Enden der kleineren Verbindungen, aus welchen die Flocke bestehet, haben sich schneckenför⸗ mig zusammengedrehet. In der ersteren Gestalt ist der Knoten wenig geschlossen, und das Haar selten in seinen Theilen ungleich, in der letzteren ist er zuweilen fester, und oft zeigt sich auch Ungleichheit des Haares. Die knotige Form des Pelzes kann an einem und demselben Schafe in dem einen Jahre vorhanden, und in dem anderen verschwunden seyn. Wir halten sie nur in so fern für erblich, als sie die gewöhnliche Begleiterin der äußersten Feinheit ist, und als diese, welche die Lämmet erben, ihren Pelz zu diesem Fehler geneigt macht. Dies scheinet die Erfahrung zu beweisen, daß die Nachkommen, welche bekanntlich in der Feinheit hinter ihren Ver⸗ fahren zurüͤck bleiben, davon frei sind. Die Knoten am Ende der Flocken sind in Ab⸗ sicht der Anwendung der Wolle wirklich ein Fehler, dessen Verhütung der Erzieher wohl wünschen, aber darum nicht bewirken kann, weil das Haar ein zar⸗ tes Schafhaar, die Oberfläche des Körpers rund, die Sonne eine Sonne, und die Luft Luft ist; das Vorurtheil aber, von welchem Viele dagegen einge⸗ nommen sind, ist ubertrieben. Die Juden, welche in Deutschland zwischen den Eigenthümern der FDr* * E — 69— Heerden und den Fabrikanten gemeiniglich die Un⸗ terhändler machen, bemühen sich bei jeder Gelegen⸗ heit, diesen Fehler in den Augen derselben zu ver— größern, damit sie einen Grund zur Herabsetzung dieser Sorte vor sich haben, und sie dann durch anderweitige Kanäle mit größerem Gewinn verkau⸗ fen können, aber nur selten werden dadurch dem Fortgange der Fabrikation Hindernisse in den Weg gelegt; sie wird dessenungeachtet ihrer schätzbaren Ei⸗ genschaften wegen gekauft, und man legt nicht mehr ein so großes Gewicht auf diesen Fehler, von dem man die Wolle, wenn es nöthig ist, vor ihrer Ver⸗ arbeitung mit leichter Mühe befreien kann. Der Pelz mit spitziger Flocke hat große Aehnlichkeit mit dem Pelze des Lammes von acht— zehn Monaten, das im ersten Jahre nicht geschoren worden. Die Flocken sind zwar in der Länge ein⸗ ander sehr gleich, am Ende aber von einander sehr verschieden, und hangen nicht an einander. Das Aussehen dieses Pelzes kann viel weniger, als das der beiden vorhergehenden, als ein Merkmal dienen, nach welchem man, auf den ersten Blick, ein Urtheil über den Werth eines Merinos fällen könnte. Wir halten uns daher nicht länger dabei auf. Diesäußere Farbe des Pekzes scheinet noch in den Augen einiger Beobachter ein Anzeichen sei⸗ ner Beschaffenheit abzugeben, und erfahrene Acker— bauverständige haben sogar geschrieben, daß sie, je dunkler sie sey, desto mehr Feinheit anzeige. Hierin müssen wir ihnen aber widersprechen. Die verschie— dene Farbe des Pelzes rühret, unserer Untersuchung zu Folge, von nichts Anderem her, als von dem verschiedenen Grade der Unsauberkeit und des Ue— berflusses von Schweiß, welcher die Haare umgibt. Sie zeigt sich gewöhnlich um so dunkler, als die Schafe mehr Schweiß haben, als ihre Streu selte— 20— ner erneuert wird, als der Raum, welchen sie in der Schäferei einnehmen, nach Verhältniß ihrer An⸗ zahl kleiner, und als der Boden feuchter ist. Alle diese Umstände können bei den weniger feinen und bei den ganz feinen Schafen vereiniget seyn, und außer dem haben diese nicht immer den meisten Schweiß. Im Innern des Pelzes hat die Wolle eine mehr oder weniger helle gelbe Farbe, oder sie ist ganz weiß. Dieses hängt ohne Zweifel von der Farbe ihres Schweißes ab. Wir haben zu entdek⸗ ken gesucht, ob Verhältnisse zwischen diesen verschie⸗ denen Farben Statt haben, aber keines auffinden können. Es scheinet übrigens gewiß genug zu seyn, daß jedes Schaf, selbst das von der reinsten und beständigsten Art, die Anlage zu einem weißen, oder zu einem gelben Schweiße mit auf die Welt bringt, und daß sich diese Anlage bei demselben selten ver⸗ andert. Uebrigens haben alle die verschiedenen Sor⸗ ten der Merinoswolle die eine oder die andere die⸗ ser Farben, und, wenn Mehrere in den anderen Ei⸗ genschaften einander gleich sind, so können wir nicht entscheiden, welche den Vorzug verdienet, weil die Reinigung von Fett sie alle auf denselben Grad der Weiße zurück bringt. Uebrigens haben wir bereits anderwärts gesagt, daß man die gelbe Farbe nicht zu fürchten hat, wenn sie nicht durch den Harn und durch den Koth erzeugt worden ist. Die hängende Wamme und der Ueberfluß der Wolle auf den Backen und bis herunter auf die Beine sind in Frankreich lange Zeit von der Ge⸗ wohnheit empfohlene und von dem größten Theil der Erzieher gesuchte äußere Merkmale der Güte ei⸗ nes Schafes gewesen; man siehet auch wohl noch heutiges Tages Eigenthümer, die mit Zufriedenheit den Erfolg der Bemühungen zeigen, welche sie an⸗ gewendet haben, um diese Eigenschaften in ihren Heerden fort zu pflanzen: wahrscheinlich aber wer⸗ den sie bald von ihrem Irrthum abkommen, und diese Abzeichen wie alle die, welche den hohen Wuchs und die Fülle des Fleisches begleiten, werden bald allgemein fur ziemlich sichere Anzeichen einer mittle⸗ ren Feinheit gelten. Ehe wir unsere Bemerkungen über das äußere Aussehen des Pelzes schließen, haben wir noch Et⸗ was über den Begriff der Fülle desselben zu sagen. Wir verstehen unter der Fülle eine großere Anzahl von Haaren, die auf einer Fläche von einer bestimmten Große gewachsen sind. Dieser Bestimmung gemäß können wir ver⸗ sichern, daß ein ganz feiner Pelz voller ist, als ein mittelfeiner, weil auf einer Fläche von bestimm⸗ ter Größe eine größere Anzahl feiner Haare, als grober, wächst, was ganz klar in die Augen leuchtet. Verstehet man aber unter Fülle die Festig⸗ keit und den größeren Umfang des Pelzes, so müssen wir zugeben, daß die ganz feine Wolle die Fuüͤlle ausschließt. Denn nie ist ein ganz feiner Pelz so fest und von einem so großen Umfange, wie einer von geringerer Wolle. Verwechselt man nun nicht die wesentliche Fülle mit der scheinbaren: so ist die letztere fast jederzeit fur ein Anzeichen mittlerer Feinheit zu halten, da die erstere nur auf ganz feinen Schafen anzutreffen ist. Von dem Grade der Gleichheit, der in den verschiedenen Theilen des Pelzes zu erreichen ist. „Die in einem ganz feinen Pelze so seltene und wünschenswerthe Gleichheit findet man sehr gewöhn— ——2— lich in einem Pelze von geringer Güte, wo sie von minderer Wichtigkeit ist. Je gröber das Schaf, desto gleicher ist natürlich sein Pelz, sein ganzes Fell nahet sich mehr der geringsten Art, in welcher * Theile fast eine und dieselbe Beschaffenheit aben. In einem geringen Pelze sind die Verschieden⸗ heiten, die man unter den besten und schlechte⸗ sten Theilen antrifft, nicht von so großem Belang, weil der ganze Pelz weniger Werth hat. In dem ganz feinen dagegen ist der Vortheil, den die Gleich⸗ heit verschafft, um so beträchtlicher, als der Ertrag der Prime, den sie dem Eigenthümer zusichert, grö⸗ 955 ist, als diese im Handel einen höheren Preis indet. Da unser Zweck ist, den Grad der Gleichheit anzugeben, dessen Erreichung der Praxis verstattet ist, so enthalten wir uns, die sehr seltenen Beispiele einer beinahe vollständigen Gleichheit anzuführen. Indessen glauben wir nicht, daß wir die Grenzen der Veredlung zu weit zurück setzen, wenn wir sie nach folgenden Bedingungen bestimmen. Ein ganz feines Schaf— vornehmlich, wenn es auf den Backen und dem unteren Theile der Schenkel beinahe von Wolle entblößt ist— ist nicht für genugsam veredekt zu achten, wenn nicht 1) ei⸗ nige Flocken gegen die Spitze des Hüft⸗ beins, gegen die Wurzel und auf der Rübe des Schwanzes, und 3) einige an⸗ dere, auf dem Nacken und auf der Stirn ausgenommen, sein ganzer übriger Pelz, wegen seiner gleichen Feinheit und Güte, unter die Wolle von den Schultern, den Seiten und der Weiche ge⸗ nommen zu werden verdient. Selbst der Bauch muß an Güte dem übrigen Pelze gleich seyn. Ihn abzusondern ist nur dann erlaubt, wann die Wolle ——23— zu kurz ist, wie sie zuweilen gegen die Mitte des⸗ selben vorkommt; oder auch, wenn die schlechte Unter⸗ haltung der Streu ihre Farbe und andere wesent⸗ liche Eigenschaften zu sehr verändert hat. Selbst wenn man die Auswerfung des ganzen Bauches annimmt, und an das strengste Auslesen sich bindet, so muß das Schaf vier Fünftheile des Ge— wichts seines Pelzes Prime von der besten Beschaffen⸗ heit geben, und das übrige Fünftheil muß wenig⸗ stens aus sieben Achttheilen guter und einem Acht— theil schlechter Wolle bestehen. Dies sind keine zu strengen Bedingungen. Denn, wenn man nicht annehmen kann, daß eine ganze zahlreiche Heerde ein so wünschenswer— thes Ganzes darstellen kann, so darf wenigstens, wenn man die Schafe in drei Klassen von ungefähr gleicher Anzahl theilet, keines der ersten Klasse un—⸗ ter diesem Grade der Gleichheit zurückstehen. Von dem Wiederwachsen der Wolle nach der Schur. Wir haben bereits gesagt, daß das Haar, nach⸗ dem sein erster Wuchs mit der Scheere abgeschnit— ten worden ist, für immer seine äußere Spitze verloren hat, und daß es, wenn es von seiner Zwiebel aus sich verlängert, anstatt zur Verfeine— rung geneigt zu seyn, eine sehr bemerkbare Anlage, gröber zu werden, zeigt. Auch haben wir diese Veränderung, die an gewissen Sorten Wolle sehr in die Augen fällt, theoretisch zu erklären gesucht. Der Theil des Haares, welcher nach der Schur auf der Haut zurückbleibt, ist natürlich der feinste. Wenn man aber sogleich nach der Schur behaup— tete, daß dieser Theil den Grad der Feinheit und Gleichheit anzeige, welchen die Wolle, nachdem sie zur Reife gelangt ist, haben müsse, so würde man 74— sich irren, und sich einen zu gunstigen Begriff da⸗ von machen. Einige Zeit nach der Schur, wenn es wieder zu wachsen anfängt, wird es merklich gröber, und dann kann man sehr ungünstig davon urtheilen. Allein, wenn die Vergröberung einen gewissen Grad, der ungefähr die Hälfte seines Durchmessers beträgt, erreicht hat, wird es wieder, so, wie es sich seiner Reife nahet, das, was es seyn soll, indem seine Röhre sich wieder verengert. Diese Verengerung der Röhre des Haares kann auf keine andere Weise, als dadurch geschehen, daß ihre Substanz, die anfangs in einem gewissen Grade weich ist, nach und nach austrocknet, und ihren be⸗ stimmten Umfang und Festigkeit erhält. Es wird unseren Lesern nicht unwichtig scheinen, daß wir auf diese Veränderung aufmerksam gemacht haben, in⸗ dem sie dadurch gesichert werden, in vorkommenden Fällen über den Werth eines Schafes im Voraus ein unrichtiges Urtheil zu fällen. Von dem Gewicht des Pelzes und seinem Ertrage. Es ist durchaus unmöglich, das wahre Gewicht der Pelze dieser und jener Heerde in Vergleichung gegen einander zu bestimmen; man kann nur von dem Gewicht reden, welches sie haben, wann sie noch nicht gewaschen, sondern im Schweiße sind. Der Erzieher, zum Beispiel, der sich rühmt, Pelze von zehn Pfunden von seinen Schafen zu erhalten, glaubt einen großen Vortheil vor dem zu haben, welcher auf jedes Fell nur funf Pfunde rech⸗ net. Wenn aber der Pelz von zehn Pfunden, der mit Sand und Koth beladen ist, nach der Reini— gung nicht mehr, als zwanzig, der von fünf Pfun⸗ den dagegen bis vierzig Procent trägt— welches — 6— Letztere bei den feinen und gut gehaltenen Heerden der Fall ist— so ist dieser Vortheil verschwunden, und der, welcher Pelze von fünf Pfunden gezeugt hat, besitzt in der Beschaffenheit der Wolle, die nicht durch eine große Menge fremder Substanzen verdorben worden ist, ein wirkliches Capital. Wir beschränken uns hier auf diese einzige Be— merkung, die wir ungefähr in den äußersten Gren⸗ zen des Ertrags nach der letzten Reinigung aufge— faßt haben. Sie zeigt genugsam, daß es ganz un⸗ nütz ist, das Gewicht eines Pelzes im Schweiß an⸗ zunehmen, um darnach sein wahres Gewicht zu be— stimmen, wenn man nicht zugleich den Verlust der Schwere angeben kann, den er erfährt, wann er gereiniget wird. Zweiter Abschnitt. Von dem Pelze des Lammes. Es ist ohne Zweifel äußerst wichtig, die Ver⸗ hältnisse zu kennen, welche zwischen der Wolle des Lammes und des erwachsenen Schafes Statt haben, um die Beschaffenheit der Letzteren im Voraus zu sehen, und nach derselben die Eintheilung der Läm— mer zur Auswahl der Fortpflanzungsschafe und den Preis derer, die man verkaufen will, zu be— stimmen. Es darf daher Nichts unterlassen werden, um dieses schätzbare Resultat zu erhalten. Unsere Meinung über diesen Gegenstand ist aber nech schwänkend und fast nur Muthmaaßung: doch wer— den vielleicht neue in das Einzelne gehende Unter— tersuchungen, welchen wir uns widmen, Licht über denselben verbreiten, und uns dann in den Stand — 70— setzen, unsere Theorieen auf gewisse und beweisende Wirklichkeiten zu gruünden. Doch halten wir es der Aufmerksamkeit unse⸗ rer Leser nicht für unwürdig, ihnen die Resultate einiger Versuche vorzulegen, welche wir mit Sorg⸗ falt nach einem ziemlich großen Maaßstabe angestellt haben. Es schließen zwar diese Resultate Schwie⸗ rigkeiten nicht aus: doch können sie den hellsehenden Praktiker auf den Weg zu wichtigen Entdeckungen leiten. Vorerst beschäftigen wir uns mit dem Aus⸗ sehen der Wolle in dem Pelze des Lammes und mit der Eintheilung, welche daraus hervor gehet. Die erste Wolle des Lammes zeichnet sich durch die spitzige Form der Enden ihrer Haare aus. Es ist merkwürdig, daß der Pelz von der Geburt des⸗ selben an bis zur ersten Schur aus mehreren oder wenigeren kleinen Locken bestehet, welche von den Enden der Haare gebildet und von verschiedener Dichtigkeit sind; ferner, daß in dem Maaße, in wel⸗ chem das Lamm an Alter zunimmt, diese Locken nach und nach verschwinden, und daß die Haare, so gerollt sie auch waren, an der Spitze gerade, und die von ihnen gebildeten Flocken platt werden. Diese Abplattung scheint eine weise Vorsicht des Schöpfers zu seyn, der dadurch, bei der noch gerin⸗ gen Dichtigkeit des Schweißes, den Ablauf des Wassers vom Regen und Schnee befördern, und auf diese Weise das Innere des Pelzes und die Haut, die er bedeckt, schͤtzen wollte. Außer diesen kleinen Locken, welche das Lamm mit auf die Welt bringt, ist sein Pelz oft mit einer oder auch mit zwei Arten von Flaum überzogen. Die erste Art würde bei dem Glanze der Haare, aus welchen sie bestehet, wenn diese, anstatt daß sie sehr fein und mehr oder weniger krause sind, grob, gerade, steif und in ihrer Länge nur ein Mal gekrümmt wären, nicht uneben dem Biber gleichen. Zuweilen gehen diese Härchen über die Locken des Pelzes hinweg, zuweilen zeigen sie sich sehr deutlich auf seiner Oberfläche. Die zweite Art Flaum bestehet aus Haaren, welche länger, als die ersten, weniger durchsichtig und in ihrer Länge, Feinheit und Weichheit verschieden sind. Diese verschiedenen Härchen verschwinden einige Zeit nach der Geburt des Lammes. Dies ist der Grund, warum wir sie als Flaum betrachten, und sie von anderen, dem Anschein nach gleichen unter— scheiden, welche die Lämmer der gemeinen Bastard⸗ art und selbst einiger wenig ausgezeichneter Arten von Merinos mit aus Mutterleibe bringen, und nicht ablegen. Wir nehmen daher zwei Klassen der Lämmer der Merinos an, und nennen die, welche von die⸗ sen zwei Arten von Flaum gänzlich rein sind, oder nur sehr wenige solche Härchen haben, die nicht über die Oberfläche des Pelzes herausreichen, glatte Lämmer, und die, auf welchen man diese Flau⸗ men findet, es sey im Ueberfluß oder in geringer Quantität, haarige Lämmer. Ueberhaupt trifft man in den Heerden der Me⸗ rinos von geringer Feinheit die meisten haarigen Lämmer an, wenige nur in denen von der äußer⸗ sten Feinheit. Wir schreiten jetzt zu den Betrachtungen, von welchen wir im Anfange dieses Abschnitts geredet haben. Wir hatten einen Theil Schafe, den wir aus einer Heerde von sehr reiner Art ausgesucht, und nach der Feinheit der Mutterschafe in drei Klassen getheilt hatten, einem Versuch unterworfen, und erhielten folgende Lämmer. Mehr oder we⸗ Sehr niger haariges glatte Lämmer Lämmer. Die Schafe der ersten Klasse geben unter Hunderten 6² 38 Die Schafe der zweiten Klasse geben unter Hunderten 72 28 Die Schafe der dritten Klasse geben unter Hunderten 10⁰— Wieil unsere Register die Beschaffenheit des Pelzes der Lämmer bei ihrer Geburt nicht enthielten: so konnten wir nicht angeben, ob die Mutterschafe haarig oder nicht haarig zur Welt gekommen wa⸗ ren. Die Böcke aber erkennen wir für glatt an. weil wir seit langer Zeit eine Abtheilung der Läm⸗ mer dieser Art gemacht, um daraus unsere Zeu⸗ gungsböcke zu ziehen. In die dritte Klasse konnten wir nur neue Schase bringen, und bedauern, daß diese Anzahl zu schwach ist, um annehmen zu können, daß sich darunter glatte Lämmer befunden. Nun wollen wir sehen, was aus den zur Welt gekommenen Lämmern in Ansehung der Güte ihres Pelzes geworden ist. — 30— Von der Von der[Von der ersten zweiten dritten Feinheit[Feinheit Feinheit EGlatteLammer nach 8Eder Geburt unter S Hunderten 78 2²2— 53 Haarige Lämmer nach der Geburt unter Hunderten 6⁰ 40— EGlattedämmer nach = der Geburt unter E Hunderten* 67⁷ 33 S 5 Haarige Lämmer He nach der Geburt unter Hunderten 13 25⁵ 6² SS ·* ES—— Haarige Lämmer 5 nach der derten — unter Hunderten 34 ̃W 66 Wenn wir die Schafe aller dieser Klassen zu⸗ sammen nehmen, so finden wir, daß sie unter Hun⸗ derten ihrer ganzen Anzahl zwei und dreißig sehr glatte, und acht und sechzig mehr oder weniger haarige Lämmer gegeben haben, und daß unter hundert glatten acht und funfzig von der äußersten, vier und dreißig von der zweiten, und acht von der drit⸗ ten Feinheit, und unter hundert haarigen zwei und vierzig von der ersten, ein und dreißig von der zweiten und sieben und funfzig von der dritten Feinheit waren. Diese Resultate, die einander theils zu wider⸗ sprechen, theils zu unterstützen scheinen, sind im Ganzen den glatten Lämmern günstig, indessen kön⸗ — 380— nen wir nicht zu oft wiederholen, daß man bei den Folgerungen, die man daraus herleitet, viele Vor⸗ sicht nöthig hat. Denn, wenn wir in das Einzelne dieser Versuche eingehen, so stoßen wir wieder auf Umstände, welche uns in der Anwendung derselben bedenklich machen. Unsere Angaben beweisen, daß man bei dem Begriffe, den man sich von der künftigen Beschaf⸗ fenheit des Lammes bilden will, die Beschaffenheit der Mutter sehr zu Rathe zu ziehen hat. Ein Mutterschaf von der größten Schönheit brachte 1821 ein ganz glattes Lämmchen zur Welt, und 1822 gebar dasselbe Schaf, ohne daß die Böcke, welche dieser Abtheilung gedienet hatten, gewechselt worden waren, ein Lamm, welches so haarig war, als wir nie eines gesehen hatten. Es war mit lan⸗ gen Haaren bedeckt. Die an dem Bauche, dem Halse und dem Kopfe glichen den Ziegenhaaren— Unter denselben sahe man dicke gekräuselte Flocken. Mit denselben Haaren war die Fläche der Schenkel besetzt. Die Kehle zeichnete sich durch eine Reihe dieser Haare aus, die buschiger waren, als an an⸗ deren Stellen, und durch ihre Durchkreuzung den unter ihnen befindlichen Flocken der Wolle keine be⸗ stimmte Form gestatteten. Vermuthlich waren diese Haare nichts Anderes, als ein Auswurf der Natur. Durch unreine Säfte hatten sich in der Schleim⸗ haut dicke Zwiebeln gebildet, deren Keim sich in eine dicke, feste und gerade Röhre verlängerte, die mit Gewalt die Lagen der Haut durchdrang. Da diese Zwiebeln keine ihnen angemessenen Säfte aus der Blutmasse erhielten, so starben sie ab, die Haare fielen aus, und es erzeugten sich in der Schleimhaut neue ächte Zwiebeln, deren Keim in guten gemodelten Haaren sich entwickelte. Im Januar dieses Jahres S„ 3n—-]h — 51— ist das Lamm eben so schön geworden, wie seine Mutter, und der junge Bock wird ihr an Schön⸗ heit nicht nachstehen. Wir setzen unsere Versuche über die Lämmer mit Sorgfalt und Aufmerksamkeit fort. Wenn wir standhafte Verhältnisse zwischen den gegenwärtigen und den künftigen Eigenschaften ihrer Pelze finden werden, so wird unsere Mühe nicht ohne Nutzen angewendet seyn. Denn, ohne diese Verhältnisse sämmtlich zu kennen, ist es. icht möglich, nach der Beschaffenheit der Wolle des Lammes die Beschaf⸗ fenheit der des Schases richtig zu bestimmen. In dieser Absicht haben wir dieses Jahr unsere Auf⸗ merksamkeit auf die kleinsten Umstände gerichtet, und nnter anderen auf die Anzahl der kleinen Locken der Flocke in einem gewissen Raume, und auf den Zeitpunkt, wo die verschiedenen Haare abfallen. Nach der Zählung der Locken, welche wir vorge⸗ nommen haben, befinden sich auf der Fläche eines Quadratzolls sechs und dreißig bis sechs und sieben⸗ zig. Diese Bemerkung kann wichtig seyn, um den künftigen Grad der Feinheit des Pelzes zu erkennen. Dritter Abschnitt. Von der Schur. Unser Zweck ist nicht, die Schur in allen ih⸗ ren Theilen abzuhandeln, was in einer großen An⸗ zahl Schriften bereits geschehen ist. Von den An⸗ schlägen, welche diese ertheilen, hat bereits jeder Besitzer einer Heerde mehr oder weniger Gebrauch gemacht, und in seiner Praxis ein eigenes Verfah⸗ ren eingeführt. Wir beschränken uns daher auf Be⸗ 0 — 82— merkungen, die uns von größerer Wichtigkeit zu seyn scheinen. Ohne alles Bedenken ertheilen wir den Rath, die Lämmer vom ersten Jahre an zu scheeren. Un⸗ ser vornehmster Grund ist, daß das Lamm besser gedeihet, wenn es geschoren worden ist, als wenn 25 die Last seines Pelzes behalten hat. Diese Er⸗ fahrung, von der wir in dem zweiten Theile dieses Werkes umständlicher redon werden haben wir in unserer Praris mehrr. ch gmacht. Außer dem wird durch die frühzeitige Scher das Ungeziefer leichter vertrieben, als wenn es sich achtzehn Monate lang darin aufhält. Nach Verhältniß der Zeit des Lam⸗ mes können die größten Lämmer im Frühling und die später zur Welt gekommenen im Monat Julius und August geschoren werden. In dieser letzteren Zeit aber müssen alle Pelze, selbst die, deren Wolle wegen ihrer Kürze nicht zu gebrauchen ist, abge— nommen werden. Nicht allein die Gesundheit und das Gedeihen der Lämmer, sondern auch der Vortheil des Besiz⸗ zers in Ansehung des Werthes der Wolle erfordert diese baldige Schur. Wir geben zu, daß die Wolle von achtzehn Monaten ein Gewicht gibt, welches dem Gewicht des Pelzes eines Lammes von einem Jahre und dem eines Schafes von zwei Jahren gleich ist. Allein hier muß man das Gewicht der Wolle im Schweiße von ihrem reinen Gewicht, wenn sie ge— reiniget worden ist, unterscheiden. Die Wolle von achtzehn Monaten hat natürlich weit mehr Schweiß, als andere. Weil das obere Ende der Haare län⸗ gere Zeit geschlossen war, so konnte aus der Röhre nicht eine so große Quantität der überflüssigen Säfte in die Luft⸗ausdunsten; sie drangen daher durch die Poren im Umfang derselben, und vermehrten den Schweiß, der im Inneren des Pelzes die Haare umgibt. Und, wenn ein solcher Pelz wirklich ein so großes Gewicht hätte, so hätte er darum mit den bei— den anderen Pelzen doch nicht gleichen Werth. Denn eines Theils ist die Lammwolle ein sehr schätzbarer Stoff zu gewissen Geweben, und ihr Preis gegen den Preis anderer Wolle, und der geringe Abgang von derselben beim Waschen geben ihr alle Mal ei— nen Werth, welcher den der besten Wolle übersteigt, was im folgenden Kapitel, klar einleuchten wird. Anderen Theils ist die Wolle von achtzehn Monaten jederzeit von geringerer Beschaffenheit, als alle nach— folgende von demselben Schafe, weil ihr Haar na— tülich viel ungleicher und weniger elastisch ist, und weil sie, längere Zeit den Wirkungen äußerer Ur— sachen ausgesetzt, um so mehr gelitten hat. Indes⸗ sen, wenn man eine solche Wolle zum Kämmen an— wendete, so könnie man den Werth, den sie durch ihre geringe Beschaffenheit für die Krämpel verloren hat, in ihrer Länge gewisser Maaßen wieder finden. Die Eigenthümer vermeiden sorgfältig, daß ihre Heerden vor der Schur dem Regen ausgesetzt werden, weil sie wissen, daß ein starker Regen von jedem ihrer Pelze bis auf ein Pfund und noch mehr hinweg nehmen kann, und weil sie gemeiniglich auf dieses Gewicht viel halten. Wir sind weit entfernt, sie von der Vorsicht, welche sie gegen den Regen gebrauchen, abzuwenden, aber nicht wegen der Ver— minderung des Gewichts. Denn wir werden bald zeigen, daß der Pelz, je sauberer er ist, desto mehr als brauchbar und zu Gunsten des Erziehers ver— kauft werden kann. Der Regen erschweret aber die Schur, wenn die Wolle, wann man anfängt zu scheeren, noch davon durchdrungen ist, und diese Feuchtigkeit kann die Pelze, wenn sie zusammenge— 6* — 84— schlagen und in Haufen gelegt sind, gar bald er⸗ hitzen und verderben. Das in Spanien eingeführte Verfahren, die Schafe, ehe sie geschoren werden, in einen engen Raum zusammen zu drängen, und dadurch zum Schwitzen zu bringen, hat nicht, wie man gemei⸗ niglich glaubt, den Zweck, das Gewicht des Pelzes zu vermehren, sondern man findet darin den Vor⸗ theil, daß dadurch die Schur erleichtert wird, indem der aus dem Körper hervorgetriebene Schweiß die Pelze in einem gewissen Grade erweichet. Es ist gewiß, daß eine hinlängliche Quantität Schweiß die Schur beträchtlich erleichtert; das Ver⸗ fahren der Spanier aber ist in Ansehung der Ge⸗ fahr, welcher dabei die Gesundheit der Schafe aus⸗ gesetzt wird, nicht zu billigen, sondern zu ver— werfen. Es ist nicht gleichgültig, ob alle Haare der Wolle in derselben Höhe abgeschnitten werden, oder nicht. Wird hierin Gleichheit beobachtet, so kommt der neue Wuchs geschwinder hervor, die Flocken werden gleicher und der Pelz in seiner Oberfläche ebener, was nicht unwichtig ist. In Deutschland hatte man die Gewohnheit, die inländischen Schafe jährlich zweimal zu scheeren, auf die Bastarde übergetragen, und bei einer ziemlich gro— ßen Anzahl Heerden eingeführt, jetzt aber wird sie weniger befolgt. Diese AÄrt kann sich zwar gewöh— nen, diese Behandlung auszuhalten: unter gewissen Himmelsstrichen aber würde es gewiß die verderb— lichsten Folgen haben, wenn man sie einführen wollte. Denn das Schaf, das am liebsten aroma⸗ tische Kräuter zu sich nimmt, und eine stete, sehr starke Ausdünstung hat, ist gar nicht geeignet, die rauhen Lüfte und die Feuchtigkeit, denen es nach der zweiten Schur ausgesetzt seyn würde, zu ertragen. 8*e: T———— Für diejenigen Pelze, deren Haare in ihrer Länge in der Feinheit ungleich, an ihrem äußersten Ende merklich gröber, als an dem unteren sind, würde es ein beträchtlicher Vortheil seyn, wenn sie alle sechs Monate geschoren würden. Denn ob gleich das Haar in dem ersten halben Jahre etwas weniger fein, als nach seiner Reife seyn würde, so würde es doch viel gleicher u. folglich weicher seyn, u. die Wolle würde einen höheren Preis haben, weil der Fehler der Ungleichheit alle anderen Vorzüge auf⸗ hebt. Eine sehr lange Merinos-Wolle, wenn man sie für die Krämpel bestimmte, würde in dieser Hin⸗ sicht ebenfalls gewinnen, wenn jährlich zweimal ge— schoren würde. Großen Schaden aber würde man haben, wenn man die Schafe, deren Wolle sehr gleich ist, zweimal schöre, weil man, ohne allen Ersatz, einen Theil der Feinheit, der Festigkeit und der Elastizität aufopfern würde. Uebrigens möchte wohl durch das zweimalige Scheeren die Festigkeit und Elastizität der Wolle von jeder Art in einem gewissen Grade geschwächt werden. Denn, es ist naturlich, daß ein noch un⸗ reifes Haar den Grad der Festigkeit und folglich auch Elastizität nicht haben kann, welche ein reifes Haar besitzt. Dies kann man von dem spanischen Rohr, das in seiner Reife weit fester und elastischer ist, als wenn es diese nicht erreicht hat, leicht ab⸗ nehmen. Wahrscheinlich hat man auch in Deutsch— land nicht allein wegen der Gefährlichkeit für die Schafe, sondern zugleich deshalb die zweimalige Schur der feinen Heerden unterlassen, weil bei der Anwendung der Wolle die Verminderung dieser bei⸗ den Eigenschaften bemerkt wurde. Wir wollen uns nicht weiter über dieses Ver— fahren ausbreiten, weil wir nicht glauben, daß es in den äußerst feinen Heerden aus den von uns — 36— angefuhrten Gründen und seiner Gefährlichkeit we⸗ gen kann angenommen werden, ungeachtet der ent⸗ gegengesetzten Meinung, der man seit einiger Zeit Glauben zu verschaffen sucht. Indessen sind wir, gleichsam ohne unseren Willen, auf diesen Gegen⸗ stand und auf die Betrachtungen geführt worden, deren Werth unsere Leser ohne Zweifel schätzen werden. Das falsche System der Erziehung der Meri⸗ nos, welches wir in der Einleitung dieses Werks beschrieben, und dessen unselige Folgen den Eigen⸗ thümern der Heerden den Muth genommen haben, findet noch immer seine Vertheidiger, welche ein⸗ leuchtende Wahrheiten, welchen sie nachzugeben ge⸗ nöthiget sind, entstellen, und in Täuschungen gegen das Uebel ein Mittel suchen, welches man lediglich von zweckmäßigen und wohlgeordneten Anstalten er⸗ warten darf. Wenn sie nicht mehr auf ihrer Behauptung bestehen, daß es keine feinere Wolle gebe, als die von gewissen Heerden, welche man als Muster der Schönheit der Merinos zu betrachten pflegt; so schreiben sie diese äußerste Feinheit der Kränklichkeit des Schafes zu, und verbreiten das Gerücht, daß diese Wolle einen Theil ihres Werthes für die Fa⸗ brikation verloren habe. Wenn sie indessen, trotz eines solchen Urtheils, durch die Fabrikanten zu ho⸗ hen Preisen erhoben wird; so geben sie vor, daß, da die letztern plötzlich durch die Mode und den Eigensinn seien genothiget worden, die kurze Wolle vorzuziehen, nichts Anderes, um sie zu befriedigen, zu thun sey, als jährlich zweimal zu scheeren. Offenbar würde man diese so seltsamen Irthü⸗ mer vermeiden, wenn man sich ohne Vorurtheil ei⸗ ner aufrichtigen Untersuchung der Wolle widmete. — 587— Dann würde man sich bald überzeugen, daß, wenn die Fabrikanten gewisse Sorten von Wolle suchen, diese ihrer Eigenschaften wegen wirklich verdienen, gesucht zu werden, und daß hier wenig von der größten oder geringeren Länge des Haares die Frage ist, in Ansehung deren man sich täuscht, wenn man annimmt, daß die ganz feine Wolle wirklich viel kürzer sey, als die anderen Sorten. Man findet in der ganz feinen Wolle Flocken, deren scheinbare Länge von einem und drei Viertheil Zoll bis zu zwei und einen Viertheil Zoll verschieden ist, und deren Haare in der wahren Länge einander gleich, oder wo die erstern länger, als die letzteren sind. Wir können daher ohne Bedenken versichern, daß die doppelte Schur, ob sie gleich, in einem warmen Klima, in gewissen Fällen einigen Vortheil gewäh⸗ ren könnte, jederzeit unvermögend seyn wird, das wahre Uebel zu heben. Sie wird nie aus einer mittelfeinen Wolle eine ganz feine machen, die mit allen Eigenschaften, welche die Fabrikation fordert, versehen ist. Viertes Kapitel. Von der feinen und ganz feinen Wolle nach der Schur. Wir sind nun dahin gekommen, wo wir dem Eigenthümer Rath ertheilen wollen, wie er von seinen Erzeugnissen den möglich größten Nutzen zie⸗ hen kann. Wir werden uns glücklich schätzen, wenn ihm die vorhergegangenen Kapitel in der ihm un⸗ umgänglich nothwendigen Untersuchung der Wolle — 88— Dienste geleistet haben. Denn die genaue Kenntniß der Eigenschaften dieses schätzbaren Stoffes allein konnte ihn über die Sorgfalt aufklären, welche in der wichtigsten Beziehung die gute Verwaltung sei⸗ ner Heerde erfordert, und diese Kenntniß ist für ihn das erste Bedürfniß, wenn er für seine Bemü⸗ hungen eine angemessene Entschädigung erhalten will. Es ist eine Wahrheit, die sich uns bewiesen hat, und die wir nicht zu oft wiederholen können, daß die Eigenthümer der Heerden fur ihre Wolle niemals den Preis erhalten, der ihrem Werthe angemessen ist, wann sie sie im Schweiße verkäufen, vornehmlich, wenn sie sie nicht vorher lesen, oder wenigstens die Pelze unter einander sortiren. Man wird dieses nicht im Mindesten bezweifeln, wenn man bedenkt, daß der Kaufer einen bestimmten Begriff von dem wahren Werthe der Wolle haben muß, um den Preis, den er dafür geben kann, zu bestimmen, daß die größere oder geringere Sauberkeit des Pelzes, die mehreren oder wenigeren Eigenschaften, welche er hat, und die Natur derselben ihm einen verschiedenen Werth geben können, der, wie wir später sehen werden, bis auf achtzig Prozent steigen kann. Es können zuweilen zwänzig Pfund ganz feine Wolle im Pelz und Schweiß eben so viel gelten, wie hundert Pfund geringere Wolle. Wird sich nicht der Käufer, der ohnehin über eine Waare, deren Preis veränderlich ist, gleichsam würfeln muß, bei solchen Schwierigkeiten, den Werth zu bestimmen, durch seine Gebote vor allem Verluste sichern? Daraus muß nothwendig folgen, daß der Erzieher einen Theil seines Gewinns ver⸗ lieret, denn es ist nicht zu vermuthen, daß bei der Ungewißheit über den wahren Werth seines Erzeug⸗ nisses, worin er so wohl, als der Käufer sich be— findet, Etwas zu gewinnen sey. Wir reden hier von rechtlichen Käufern, nicht von unredlichen Krämern, welche sehr oft diese Un— gewißheit der Eigenthümer sich zu Nutz machen, um die Wolle derselben tief herab zu setzen. Außer dieser Beschwerde ist der Verkauf der Wolle im Schweiß noch mit einer anderen verbunden, de— ren Folgen eben so schädlich sind. Er verschlingt den größten Theil der Zinsen, die der Eigenthümer, um sich im Wohlstande zu erhalten, von seiner Heerde ziehen muß. Im Vergleich mit dem Preise, den er erhält, siehet er nur auf die Schwere der Summe seiner Pelze. Dann ist es seine einzige Angelegenheit, das Gewicht derselben zu vermehren, was jederzeit der Güte der Wolle nachtheilig ist. In dieser Absicht gibt er seinen Schafen viel Futter, wählet zum Bespringen die dicksten Böcke, vernach— läsiget wohl sogar die Reinlichkeit der Pelze, und legt durch dieses Verfahren dem Käufer Schlingen, was von seltenem und für die Zukunft von wenig vortheilhaftem Erfolge ist. Er weiß nicht, was Jedes seiner Schafe einträgt, nur das weiß er, daß ein Solches den Aufwand seines Futters und seiner Un⸗ terhaltung doppelt, und ein Anderes mit drei Vier— theilen bezahlt. Unter solchen Umständen verschwin— det der Begriff einer wahren Veredlung gänzlich. Welches sind nun die Mittel, wodurch dieser schlechte Zustand der Schafzucht zu verbessern ist? Wir werden uns bemühen, sie in den verschiedenen Abschnitten dieses Kapitels anzugeben, und unseren Lesern die Resultate unserer Versuche und Erfah— rungen über die beste Zubereitung der Wolle, ehe man sie zu Markte führet, mitzutheilen. Aber, um von denselben Anwendung zu machen, muß man sich vor allem, wir wiederholen es nochmals, von — 50— derselben Kenntniß verschaffen, sonst kann man sich verrechnen, und in schädliche Irrthümer fallen. Bei Ermangelung derselben ist es besser, daß man auf der gangbaren Straße bleibt, und das angenom⸗ mene Verfahren beibehält, als daß man einen neuen Weg einschlägt. Wir theilen dieses Kapitel in vier Abschnitte. Im ersten werden wir von dem Lesen und der Eintheilung der Pelze im Schweiße reden. Im zweiten werden wir uns mit dem verschie⸗ denen Verfahren beschäftigen, die Wolle zu reini⸗ gen und zu waschen, und dasjenige angeben, wel⸗ ches uns mit dem gemeinschaftlichen Nutzen des Er⸗ ziehers und des Fabrikanten überein zu kommen scheinet. Der dritte wird von dem Werthe der Wolle handeln. Im vierten endlich werden wir versuchen, von einigen Handelsverhältnissen, welche diesen wichtigen Stoff betreffen, uns Rechenschaft zu geben. Erster Abschnitt. Von dem Lesen und der Eintheilung der Pelze im Schweiß. Um eine Heerde gehörig zu verwalten, muß man alle Böcke und Schafe numeriren und in ein Verzeichniß eintragen. Dies ist das einzige Mittel, die Abstammung zu bestimmen, und in der Vered⸗ lung seiner Heerden mit Ordnung sortzuschreiten. Das Numeriren geschiehet bei unseren Heerden seit mehreren Jahren dadurch, daß wir jedem Bocke seine Nummer auf Eines seiner Hörner einbrennen, und jedem Schafe ein Band von verzinntem Eisen⸗ — 91— blech um den Hals legen, worauf seine Nummer eingepreßt ist. Dies sind leichte und wohlfeile Mit⸗ tel. Ein solches Halsband kostet nicht mehr, als ei⸗ nen Groschen, und dauert länger, als fünf Jahre. Böcke und Schafe theilet man nach der Güte ihrer Wolle und vornehmlich nach der Gleichheit dieser Güte im Pelze in Klassen ein. Eine solche Eintheilung, wenn sie gehörig gemacht wird, hilft dem Eigenthü⸗ mer viel, sich einen genaueren Begriff von dem, der Wirklichkeit sich nähernden, Werthe seiner Erzeugnisse zu machen, und diesen dem Käufer mitzutheilen, und dienet zu einer anderen Eintheilung, welche vor der Schur hergehet, und das Lesen erleichtert. Bei dieser letzten Eintheilung bringt man die Schafe, auf welchen man die feinste, die gleicheste und die weicheste Wolle findet, so gering sie auch in jedem Pelze seyn mag, in die erste Abthei⸗ lung, und die weniger ausgezeichneten nach den verschiedenen Graden der Güte ihrer Wolle in die anderen Abtheilungen. Es ist zwar nothwendig, daß man in dem Ur⸗ theil, welches man über die verschiedenen Grade der Güte fällt, streng verfährt: man muß aber darin ein gewisses Maaß beobachten. Ob es gleich der Zweck eines guten Lesens ist, daß man Sorten zu⸗ sammenbringt, die einander so gleich, als möglich sind, so kann man doch eine vollkommene Gleich— heit nicht verlangen; sonst müßte man in vielen Heerden eben so viele Klassen machen, als man Schafe hat. Man muß sich daher bei unbedeuten-— den Verschiedenheiten, wie, zum Beispiel, der Länge des Haares, oder der Farbe des Schweißes, nicht aufhalten. Es gibt wenig Heerden, so ungleich sie auch seyn mögen, wo man unter den erwachsenen Scha⸗ fen mehr, als fünf Klassen zu machen hat, denn 92— die letzte derselben begreift alle, die in Ansehung der Feinheit und anderer Eigenschaften offenbar ge—⸗ ringer sind. In dieser ist alles gleich, weil alles schlecht ist. Hat man aber noch die üble Gewohn—⸗ heit, die Lämmer nicht im ersten Jahre zu scheeren, so ist man oft genöthiget, die Pelze von achtzehn Monaten in eine besondere Klasse zu bringen. In diese fünf Klassen schließen wir die brüchige Wolle nicht mit ein, welche durch das Alter der Schafe, durch Krankheit, oder durch Mangel an Futter erst in ihrem Haar dünn geworden, und, nachdem sie bei einem besseren Zustande wieder ge⸗ wachsen ist, aus zwei mit einander schwach verbun⸗ denen Theilen bestehet. Diese Wolle, so fein sie auch seyn mag, muß unter die Wolle der Schafe geworfen werden, welche an Krankheiten gestor⸗ ben sind. Wenn man mit der Eintheilung der erwachsenen Schafe zu Stande ist, so nimmt man die Einthei⸗ lung der Lämmer vor, welche man eben so, nach der gleichen Feinheit und Weichheit der Pelze, in zwei, oder höchstens in drei Klassen bringt. Diese Eintheilung der Heerde, auf welche der Erzieher seine Aufmerksamkeit vorzüglich zu richten hat, muß der Schur voran gehen, weil sie den Zweck hat, das Lesen der abgenommenen Pelze zu erleichtern, wovon wir sogleich reden werden. Wenn man Zeit gewinnen, und Hände erspa⸗ ren will, so richtet man alles so ein, daß das Le— sen unmittelbar auf die Schur folgen kann, und der abgenommene Pelz von dem Tische des Schee— rers sogleich auf den Tisch des Lesers übergehet. Denn, wenn die Pelze vor dem Lesen zusammen gelegt, gewickelt und gebunden worden sind, so werden sie zerrissen und einer hängt sich an den an⸗ — 93— dern an, so daß sie zuweilen nur mit vielen Schwie— rigkeiten aus einander genommen werden können. Wenn man dieses Verfahren, welches wir als das beste und leichteste angeben, beobachtet; so muß man, vor dem Anfange der Schur, zum Lesen Al— les vorbereiten. Zuerst bestimmt man die Anzahl der Leser und ihrer Gehülfen nach der der Scheerer, deren Anzahl man nach der Stärke der Heerde und nach der Zeit abmißt, welche man zu der Arbeit anwen— den will. Die Geschwindigkeit des Lesers hängt von der Gleichheit des Pelzes ab. Ganz feine Pelze, die eine fast durchgängige Gleichheit haben, und Pelze von ganz geringer Feinheit, die fast gänzlich zur letzten Sorte kommen, nehmen viel weniger Zeit weg, als die Pelze von mittlerer Feinheit. Auch lassen sich die Pelze der Schafe schneller lesen, als die der Böcke. So gehet auch dem Scheerer seine Arbeit bei den Schafen geschwinder von Statten, als bei den Böcken, theils wegen des größeren Wuchses, der mehreren mit Wolle bedeckten Theile des Körpers und der wenigeren Folgsamkeit, theils weil er über dem Scheeren des mit Hörnern bewaffneten Kopfes Zeit verliert. Es ist daher das Verhältniß in der Anzahl der zum Scheeren und der zum Lesen anzustellenden Arbeiter nicht genau zu bestimmen, ohne vorher die Geschicklichkeit derselben und die mannichfaltige Be— schaffenheit der Heerde zu kennen. Indessen glau— ben wir, daß zwei geübte Leser, welchen zwei Frauen, die die Pelze auf den Lesetisch bringen und ausbrei— ten, beigegeben sind, je nachdem die Schur beträcht⸗ lich ist, wenigstens zwölf Scheerern in der Arbeit gleich kommen. — 4— Des Vortheils ungeachtet, den die, anstatt der Tische, zum Lesen gebrauchten Flechten darbieten, in⸗ dem ein Theil des Kothes und anderer Unreinigkei⸗ ten, die sich während der Behandlung von dem Pelze trennen, leicht durch sie durchfällt, sind doch die Tische vorzuziehen, weil der Pelz besser darauf hingleitet, und keine Flocke auf die Erde fällt, und vertreten wird. Diese Tische müssen groß genug seyn, damit der Pelz darauf ganz ausgebreitet wer⸗ den kann; aber nicht zu groß, dämit die beiden Le⸗ ser, die an einem Pelze arbeiten, ihn leicht überse⸗ hen und untersuchen können. Vorzüglich muß man darauf bedacht seyn, diese Tische an einen Ort zu stellen, wo das helle Ta— geslicht darauf fällt. Dieser Umstand ist wichtig, weil das Lesen einer Wolle und folglich das Urtheil, wel— ches man darüber fället, nach den verschiedenen Wir⸗ kungen des Lichts auf dieselbe und auf die Augen verschieden seyn kann. Alle, die dieses kennen, vermeiden die Oerter, wo die Sonnenstrahlen ge— rade auf den Tisch fallen, und wählen einen hellen Ort, welchen die Sonne nicht bescheinet. Wenn man übrigens erfahrene Leser hat, so kann man ihnen die Wahl des Ortes überlassen. Sie werden gewiß die Tische dahin stellen, wo ihnen die Arbeit leicht ällt. ö ä Im Voraus versiehet man sich mit Körben, um die verschiedenen Sorten Wolle zu fassen. Wenn man zwei Leser an einem, oder vier Leser an zwei Tischen beschästiget, welche einander ganz nahe ste⸗ hen müssen, damit sie die Wolle in dieselben Körbe werfen können, so braucht man deren so viele, als man Sorten macht; bei drei Klassen Schafe fünf, bei vier Klassen sechs und bei fünf Klassen sieben. Das Behältniß, welches die gelesene Wolle aufnimmt, muß sich an einem Orte befinden, der gegen alle Feuchtigkeit geschützt ist. Es muß Ab— theilungen für die verschiedenen Sorten enthalten, und man darf sie, so trocken und sauber er auch seyn mag, nicht auf den Boden legen. In der Nähe der Lesetische hat man eine Wage aufzurichten, um die angefüllten Körbe, ehe sie in die Fächer des Magazins ausgeleeret werden, zu wiegen, und nach ÄAbzug des Gewichts der Körbe, das Gewicht der Wolle zu erfahren. Hierbei müssen wir die Eigenthümer besonders aufmerksam machen, wie wichtig es ist, das Ge— wicht der einzelnen Pelze im Schweiß und der ver— schiedenen Sorten Wolle, welche sie einzeln oder im Ganzen liefern, genau zu bemerken. Das Lesen der Wolle von einer Heerde, deren Schafe alle nu— merirt und in ein Register eingetragen sind, ist eine sehr günstige Gelegenheit zur Veredlung der Wolle, wenn es mit der Sorgfalt geschiehet, welche wir angegeben haben. Die aufbewahrten Bemer— kungen geben nach der Wäsche und nach dem Ver— kauf dem Erzieher einen richtigen Begriff von dem verhältnißmäßigen Werthe seiner Pelze, und leiten ihn folglich in der Wahl der Fortpflanzungsschafe und in der vortheilhaftesten Verwaltung seiner Heerde. Er wird oft über die große Verschiedenheit zweier, in ihrer Beschaffenheit ungleicher, Pelze stau— nen, und Nichts wird ihn mehr zur Veredlung sei⸗ ner Wolle aufmuntern, als solche Bemerkungen. Ueber die Ordnung, in welcher das Lesen ge— schehen muß, haben wir wenig zu sagen, weil sie von der, welche man bei der Eintheilung vor der Schur zu beobachten hat, nicht verschieden ist. Dem Scheerer muß anbefohlen werden, die ganz schlechten und biberhaarigen Theile des Pelzes, welche er längs der Beine, auf der Stirn, um den Hörnern herum, auf den Backen und an anderen — 96— Stellen abscheeren kann, nicht wegzuwerfen. Diese Abfälle verunreinigen die Wolle, indem ein Theil ihrer Haare herausfällt, und sich an den Pelz hängt. Sie müssen sämmtlich sogleich in einen für sie be⸗ stimmten Korb geworfen werden, wenn man sie nicht aufhebt, um das vollständige Gewicht des Pelzes vor dem Lesen zu erfahren. In diesem Falle legt sie der Scheerer auf eine Ecke seines Tisches. Die Schur und das Lesen fängt man mit den Schafen der ersten Klasse an, und gehet nach und nach auf die anderen über, damit man die verschie— denen Sorten Wolle, welche die letzteren geben, zu denen werfen kann, welche man schon erhalten hat, zum Beispiel die erste Sorte von der zweiten Klasse zu der zweiten von der ersten Klasse. Man darf nie aus den Augen verlieren, daß die Gleichartigkeit in Ansehung der Feinheit, der Gleichheit und der Weichheit der Grund eines guten Lesens ist. Die Länge und die Farbe der Haare sind weniger wichtig: doch muß man sich in Acht nehmen, daß man nicht die Farbe des Schwei— ßes mit der verwechselt, welche der Harn dem Haare unvertilgbar eingeätzt hat. So findet man Bäuche oder Theile derselben, welche sehr gut mit zu den anderen Sorten, selbst zu den vorzuglicheren können geworfen werden, und andere, welche sich zu keiner derselben schicken und zu der gelben Wolle gelegt werden müssen. In Ansehung der Lämmer, die wir in zwei oder drei Klassen getheilt haben, empfehlen wir den Scheerern ebenfalls, daß sie die schlechten und biber⸗ haarigen Theile, die man bei diesen jungen Thieren gemeiniglich in größerer Quantität antrifft, als bei den erwachsenen, sorgfältig absondern. Sie dürfen dieses um so weniger unterlassen, als die an sich so reinen Pelze wahrscheinlich ganz in eine Sorte ge⸗ — 971— bracht werden, ohne daß sie die Leser noch ein Mal durch zu sehen haben, wenigstens die von der letzten Klasse. Uebrigens verweisen wir unsere Leser auf die verschiedenen Schriften, welche von dem Lesen der Wolle handeln, und sagen überhaupt, daß diese Arbeit, wenn man die Wolle kennet, leicht und sicher, im entgegengesetzten Falle aber schwierig ist, und zu Irrthümern führen kann. Zweiter Abschnitt. Von d em Wa sch e n. Der Manufakturist kann die Wolle nicht verar⸗ beiten, wenn sie nicht vorher gehörig gereiniget wor— den ist, was allemal in der Fabrik selbst geschiehet. Zuvor aber mußte sie, entweder bei dem Erzeuger, oder bei dem Kaufmann verschiedenen Wäschen, durch welche sie dazu vorbereitet wird, unterworfen werden. In manchen Gegenden wäscht der Erzeuger seine Pelze auf den Schafen mit kaltem Wasser, in den mehresten aber überliefert er sie dem Handel mit dem Schweiße. Der Kaufmann, welcher der Mittler ist zwischen ihm und dem Fabrikanten, empfängt die Wolle entweder mit dem Schweiße, oder bereits am Schafe gewaschen, läßt sie lesen und sortiren, und dann warm waschen, was man die Kaufmanns⸗- wäsche nennt. Dann bietet er dem Fabrikanten die verschiedenen Sorten an, welche derselbe zu dieser oder jener Art von Fabrikat sucht. Das Verfahren bei den verschiedenen Wäschen ist zu bekannt, als daß man hier eine Beschreibung des⸗ selben erwarten sollte. Wir untersuchen kürzlich die 7 — 935— Folgen desselben im Vergleich gegen einander, und befassen uns mit demjenigen, welches uns in An⸗ sehung des Nutzens sowohl für den Landwirth als für den Kaufmann vor allen anderen den Vorzug zu verdienen scheint. Wenn wir die Vortheile des— selben werden angezeigt haben, wird es gewiß zur Annahme empfohlen seyn. Dann werden wir die Anwendung desselben in seinen einzelnen Theilen ab— handeln, deren genaue Beobachtung seinen Erfolg sichert. Von der Wasche am Schafe. Die Wäsche am Schafe ist in den meisten Ge— genden Deutschlands u. in mehreren Provinzen Frank⸗ reichs üblich. Bei den Heerden der Merinos aber ist sie eine Neuerung, denn diese werden ihr in Spanien, woher wir sie bezogen haben, nicht un— terworfen, und sie hat sich durch die Erzeugung der Bastarde in den Ländern verbreitet, wo man die Pelze der einheimischen Schafe auf diese Weise zu waschen pflegt. Wir können nicht glauben, daß dieses Verfah— ren der Gesundheit der Schafe zuträglich sey, denn es ist nichts Seltenes, daß man Schafe daran ster⸗ ben, oder nachher in gefährliche Krankheiten fallen siehet. Dies ereignet sich besonders in der Nähe hoher Gebirge, die einem plötzlichen Wechsel der Temperatur ausgesetzt sind. Man wird vielleicht sagen, diese Art Schafe sey fähig, an diese Wäsche sich zu gewöhnen, so, daß bei Wiederholung dersel⸗ ben die widrigen Zufälle nach und nach seltener würden, und endlich gar nicht Statt fänden. Allein, ob wir gleich die Macht der Gewohn⸗ heit anerkennen, so findet ihre Wirkung in diesem Falle gar nicht Statt. Denn zwischen der Temperatur einer mit Wolle bedeckten Haut ———— eπ — 95— und zwischen der des kalten Wassers ist ein zu gro⸗ ßer Unterschied. Eine jede Gewöhnung an Etwas muß allmälig geschehen, und oft wiederholt wer—⸗ den. Selbst in der nördlichen Gegend Deutschlands siehet man die einheimischen Schafe, die von Natur fester und unter dem kälteren Himmelsstriche durch Regen, Schnee und rauhe Winde gegen die Kälte abgehärtet sind, wann sie aus dem Bade herausge⸗ bracht werden, wie ohnmächtig zu Boden fallen. Ein großer Unterschied ist nun zwischen der Natur dieser Schafe und der Natur der Merinos. Folg⸗ lich ist die Wäsche am Schafe bei feinen Heerden durchaus zu verwerfen. Neben der Gefahr, die mit dieser Wäsche ver—⸗ bunden ist, gewähret sie jedoch einige Vortheile, welche wir zeigen wollen. Wir haben bereits gesehen, daß Nichts schwan— kender ist, als die Schätzung der Wolle im Schweiße wegen ihrer verschiedenen Sauberkeit und ihres ver— schiedenen Gewichtsverlustes bei der Reinigung. Gleichwohl muß der Erzeuger bei dem Verkauf seine Forderung und der Kaufmann, der sie kauft, sein Gebot darauf gründen. Der eine, wie der andere, kann sich darin sehr irren. Der Kaufmann aber wird sich wohl gegen den Verlust, worein ihn eine unrichtige Schätzung bringen kann, sicher stellen, und dem Erzeuger einen Preis bieten, der niedriger ist, als der geringste Ertrag, während dieser, wel— cher am öftersten den wahren Werth seiner Wolle nicht weiß, sich fast jederzeit genöthiget sehen wird, es auf die Schätzung jenes ankommen zu lassen. Der Erzeuger wird daher einen großen Vorsprung haben, wenn er die Angaben, nach welchen der Handel geschlossen wird, einfacher gemacht hat. Dies ist der Zweck der Wäsche am Schafe, welche die Wolle einer Quantität ihres Schweißes und 7* — 100— des Schmuzes entlediget, womit sie in der Schäfe⸗ rei beladen worden ist, damit sie dann mehr wahren Gehalt hat. Die Erfahrung lehret, daß bei der Wolle im Schweiß der Verlust am Gewicht sechzig bis achtzig Prozent beträgt. Es ist mehr, als zu wahr, daß manche Sor⸗ ten Wolle im Schweiß nach ihrer gehörigen Reini— gung nicht mehr, als zwanzig, andere dagegen, die sauberer sind, vierzig Prozent, also doppelt so viel, geben, der Verlust aber, welchen die schon am Schafe gewaschene Wolle durch die nachherige Rei— nigung erfährt, erstreckt sich nicht weiter, als von fünf und zwanzig bis vierzig Prozent, daß also ei⸗ nige Sorten fünf und siebenzig, andere sechzig Pro⸗ zent geben. Aus diesem Unterschiede siehet man schon, daß der Käufer nicht Gefahr laufen kann, in der Schäz⸗ zung der am Schafe gewaschenen Wolle, zu seinem Nachtheil, einen so großen Fehler zu begehen, als in der Schätzung derselben im Schweiß, und folg⸗ lich dem Erzeuger vortheilhaftere Gebote thun kann. Dies ist aber noch nicht genug, sondern die Anga⸗ ben, welche der Schätzung zum Grunde dienen müs⸗ sen, können, wie wir bald zeigen werden, noch sicherer werden. Durch die Wäsche am Schafe aber ist dieses nicht zu erreichen. Erstlich ist es sehr schwer, durch diese Art des Waschens den Pelz gänzlich sei⸗ nes Schmuzes zu entledigen, und zweitens ist man genöthiget, nach dieser Wäsche die Wolle einige Zeit trocknen zu lassen, ehe sie abgeschoren wird. Wäh⸗ rend dieser Frist tritt der Schweiß wieder in größe⸗ rer oder geringerer Quantität hervor, und der Pelz kann sich, so wohl vor, als während der Schur, von Neuem mit Schmuz beladen. Noch müssen wir bemerken, daß die franzö⸗ sischen Eigenthümer, bei welchen die Wäsche am — 101— Schafe üblich ist, nicht so viele Mühe anwenden, um ihre Wolle zum Verkauf zuzubereiten, wie die Deutschen. Diese, um sich von dem Werthe ihrer Erzeugnisse einen Begriff zu verschaffen, der der Wahrheit so nahe, wie möglich kommt, und den Werth derselben mit mehrerem Vortheil erhandeln zu können, sind nicht mit der bloßen Wäsche zufrieden; sondern sie bringen ihre Pelze so viel, wie möglich, in Sorten, und durchgängig nicht in den Handel, ohne vorher alle ganz schlechte Theile davon abge— sondert zu haben. Von der Kaufmannswäsche. Die warme Wäsche, welche unter dem Namen der Kaufmannswäsche bekannt ist, hat zwar nicht den Zweck, die Wolle vollkommen zu reinigen, doch ist sie bestimmt, nicht allein den Koth und an— deren Schmuz, den sie bei sich führt, sondern auch allen flüssigen und zugleich einen Theil des festeren Schweißes hinweg zu nehmen. Man läßt ihr ge⸗ wöhnlich nur eine Quantität Fett, die von sieben bis funfzehn Prozent verschieden ist. In Spanien, wo eine ähnliche Wäsche im Ge— brauch ist, läßt man gewöhnlich funfzehn bis zwan⸗ zig Prozent Fett in der Wolle, das Wenigste aber ist, wie in Frankreich, sieben und das Meiste zwan⸗ zig Prozent. Die warme Wäsche ist folglich der Wäsche am Schafe in so fern vorzuziehen, als sie die An⸗ gaben der Schätzung noch einfacher macht, welches noch mehr durch das Lesen und Sortiren, was derselben vorhergeht, befördert wird. Man begreift übrigens, daß der Fabrikant, welcher eine schon ge⸗ lesene und sortirte Wolle kauft, wenig in Gefahr ist, in dem Anschlage, nach welchem er den Han⸗ del abschließt, sich zu täuschen. — 102— Diese Vortheile aber, welche ein anderes Ver⸗ fahren eben so wohl gewähren kann, halten denen von der Kaufmannswäsche unabtrennlichen Schwierigkeiten nicht das Gleichgewicht. Wir ha⸗ ben anderwärts behauptet, daß äußere Ursachen, als das Anhängen fremder Substanzen, Reibungen, oder Ausdehnungen, welchen der Pelz vor der Schur ausgesetzt seyn kann, die wesentlichen Ei— genschaften der Wolle verändern, wir haben aber noch nicht von den zuweilen unvermeidlichen und oft sehr schädlichen Wirkungen geredet, welche die Behandlungen hervorbringen, die sie bis zu ihrer Anwendung in den Fabriken erfahren muß. Unter diesen ist die, des Eintauchens in heiße Bä⸗ der, die man zur Befreiung vom Fett gebrauchet, ohne Zweifel eine der schlimmsten. Diese heißen Bäder machen die Wolle dergestalt hart, daß sie einen Grad ihrer Weichheit und Geschmeidigkeit verlieret, und es höchst wünschenswert ist, sie gänzlich vermeiden zu können. Dies kann aber nicht geschehen, denn die möglichste Befreiung vom Fett macht sie nothwen⸗ dig. Allein, obgleich diese letzte heiße Wäsche un⸗ erläßlich ist: so ist es doch nicht die, welche man die Kaufmannswäsche nennt. Würde sie un⸗ terlassen, so würde ein Theil der Ursachen, welche die Wolle hart machen, wegfallen und sie folglich — was sehr zu wünschen wäre— mehr von ihrer natürlichen Güte behalten. Von der stärksten Befreiung vom Fett. Wir haben vorhin gesagt, daß die stärkste Be⸗ freiung vom Fett in den Fabriken vorgenommen wird, was anderwärts schwerlich geschehen kann. Es ist bekannt, daß in der Wolle, so gut sie auch vom Fette gereiniget worden ist, wieder ein wenig Fett zum Vorschein kommt, wenn sie einige Zeit in Säcken oder Haufen liegen bleibt. Dies ist auf keine andere, als auf folgende Weise zu erklären. Das heiße Wasser löset den Theil der festeren al⸗ kalischen Substanz, welcher das Haar umgibt, auf und nimmt ihn in sich, den in der Röhre desselben befindlichen aber erweichet es blos. Während der Auflösung dringet das frei gewordene Fett in die Röhre hinein, und verbindet sich mit dem Letzteren zu einer flüssigeren Seife, die sich, weil sie eingeschlos⸗ sen ist, von dem Wasser auflösen läßt. Wenn nun, nach dem Trocknen, das Haar durch langes Liegen, noch mehr zusammen trocknet, so scheidet sich das⸗ selbe wieder aus, und kommt auf der Oberfläche zum Vorschein. Dieses hervortretende Fett, des⸗ sen Quantität als ein neuer Verlust am Gewicht der Wolle unbedeutend ist, verursachet wirkliche Hindernisse, wenn die letzte Reinigung vom Fett lange Zeit vorher geschehen ist. Diese Reinigung von Fett ist demnach nicht allein unerläßlich nothwendig, sondern sie darf auch nicht eher, als unmittelbar vor der Verarbeitung der Wolle vorgenommen werden. Folglich können die Erzieher eben so wenig, wie die Kaufleute, sie anwenden, und es würde vergebens seyn, von dem Nutzen zu reden, welchen sie haben könnte, um die Angaben zur Schätzung des wahren Werthes dieses Materials für beide einfacher zu machen. Wir gehen nun zu demjenigen Verfahren über, welches wir als das vorzüglichste vor allen in dem gegenseitigen Interesse der Landwirthschaft und des Handels angekündiget haben, und versuchen, die Vortheile desselben zu zeigen. Von der kalten Wäsche nach der Schur. Wenn man den Mitteln nachforscht, durch wel⸗ che aus der Wolle der möglich größte Gewinn zu — 104— ziehen ist, so darf man nicht aus den Augen ver⸗ lieren, daß man dem Landwirth die Kenntniß des Werthes seiner Wolle so viel, wie möglich, erleich⸗ tern, und den Ertrag desselben zeigen, ferner daß man ihn bewegen muß, auf die Sauberkeit seiner Pelze zu halten, indem man ihm zeigt, daß ihm ein Theil der Vortheile, die diese verschafft, zufließt; daß man ihn in den Stand setzt, sich durch seine eigene Praxis von dem beträchtlichen Gewinn zu überzeugen, welche jede Verbesserung bringt, deren die Erziehung der Merinos fähig ist, besonders in Ansehung der Quantität der Prime, die ein veredel⸗ ter Pelz liefern kann; daß man ihn die Nothwen⸗ digkeit einer genauen Untersuchung der verschiedenen Kennzeichen der Wolle fühlen läßt, damit er weiß, welche Eigenschaften am meisten zu schätzen sind, u. auf welche er in der Wahl der Springböcke vorzüglich zu sehen hat, und daß man ihn durch die Aussicht des sicheren Erfolgs auf dem Wege der Veredlung zum Fortschreiten ermuntert. Diesen Forderungen kann die kalte Wäsche nach der Schur, und das derselben vorangehende Lesen und Sortiren Ge— nüge leisten. Unsere Behauptung, die schon durch das zum Theil bestätiget ist, was vorher gehet, wird durch das, was nachfolgt, völlig bestätiget werden. Wir hoffen, daß unsere Leser die allge—⸗ meinen Folgen, welche aus dem Verfahren, das wir empfehlen, abfließen, ihrer Aufmerksamkeit werth halten, und selbige in ihrem ganzen Umfange wür— digen werden. Wir wissen bereits, daß das kalte Wasser hinreicht, um von der Wolle die flüssigere seifige Substanz des Schweißes, welche die Haare umgibt, und allen Schmuz, der ihr beigemischt ist, weg zu nehmen, so, daß nur die weniger flüssige Substanz, das Mark in der Röhre des Haares, zurück bleibt, weil diese nur das heiße Bad auflösen kann. Es gibt also einen Punkt, über welchen hinaus das kalte Wasser der Wolle nichts mehr entziehen kann, so viele und so lange Bäder auch nach einander angewendet werden. Dies ist ein merkwürdiger Umstand, bei welchem wir verwei— len müssen. Wiederholte Versuche, welche wir mit der größten Genauigkeit anstellten, haben uns da⸗ von überzeugt, und nichts ist leichter zu erklären. Eine Wolle, welche man nur unvollkommen in kal⸗ tem Wasser ein oder zwei Mal gewaschen hat, wird nothwendig bei dem dritten Mal noch etwas am Gewicht verlieren. Hat man sie aber eine hinläng⸗ liche Zeit darin weichen lassen, um sie so viel als möglich zur Wäsche vorzubereiten, so muß sie in dieser ersten Wäsche alles das verlieren, was ihr das kalte Wasser zu nehmen vermag, und dann müssen die Versuche, ihr durch neue kalte Bäder noch mehr zu entziehen, vergebens seyn. Der Gewichtsverlust, den sie durch die Befreiung vom Fett erleidet, trifft nur den minder flüssigen Bestandtheil des Schwei— ßes. Die Quantität desselben ist zwar nach den verschiedenen Arten der Wolle verschieden, und un— sere Versuche haben uns noch nicht gelehrt, ob diese Verschiedenheit mit dem Gewicht oder mit der Fein⸗ heit oder mit einer anderen Eigenschaft des Pelzes im Verhältniß stehet; wir sind jedoch versichert, daß sie in sehr enge Grenzen eingeschlossen ist, weil sie nur zwischen zwei und zwanzig und neun und zwan⸗ zig Prozent schwanket, welche Zahlen das Minimum und das Maximum des Verlustes ausdrücken, wel— chen die vollständig im kalten Wasser gewa⸗ schene Wolle nach der stärksten Befreiung vom Fett erleidet. Um die Angaben bei dem Verkauf einfa⸗ cher zu machen, wollen wir die Resultate der ver⸗ schiedenen Verfahrungsarten, die wir geprüft haben, — 106— mit einander vergleichen. Die nachfolgende Tabelle wird die Vergleichung erleichtern. Verlust[Ertrag Unterschied Maximum des Irr⸗ nach der nach der zwischen demsthums in dem nach stärksten stärksten Maximum und einer falschen Schäz⸗ Befreiung[Befreiungdem Minimumszung vorausgesetzten vom Fett.vom Fett.] des Ertrags. wahrscheinlichen Ge⸗ halt der Wolle. Wolle im Schweiß, 60 bis 8040 bis 2020 Prozent. Die Hälfte des Ge⸗ Prozent.Prozent. halts. AmSchafe gewasche⸗ ne Wolle, 25 bis 4075 bis 6015 Prozent. Der Ste Theil des Prozent. Prozent. Gehalts. Heißgewa⸗ schene Wolle, 5 7 bis 2093 bis 80 18 Prozent.] Ungefähr der 7te Prozent. Prozent. Theil des Gehalts. Nach der Schur kalt gewasche⸗ ne Wolle, 22 bis 2978 bis 7107 Prozent. Ungefähr der Ilte Prozent.] Prozent. Theil des Gehalts. Hat man auf einen Ertrag von vierzig Pro— zent gerechnet, und erhält nur zwanzig Prozent, so hat man sich um zwanzig Prozent, also um die Hälfte des Gehalts, geirret. Hat man auf einen Ertrag von fünf und siebenzig Prozent gerechnet, und erhält nur sechzig Prozent, so hat man sich um funfzehn Prozent, also um den fünften Theil von funf und siebenzig, geirret. So ist es auch in den übrigen Fällen. Wenn man die Resultate der berschiedenen Reini— gungsarten mit einander vergleicht, so siehet man, daß die kalte Wäsche nach der Schur in den Angaben des Verkaufs das geringste Schwanken gibt, und daß der Fabrikant, ohne jede andere Rücksicht, die auf diese Weise gewaschene Wolle wird vorziehen müssen, weil der größte Irrthum, der in Ansehung des wahrscheinlichen Verlustes Statt fin⸗ den kann, nur ungefähr den eilften Theil ihres Ge— halts beträgt, da hingegen der Irrthum bei Sorten, welche durch andere Wäschen gegangen sind, sich bis auf die Hälfte des Gehalts erstrecken kann. Man siehet auch, daß die kalte Wäsche nach der Schur so vollständig ist, als eine kalte Wäsche seyn kann, und darum vor der am Schafe den Vorzug verdienet, bei welcher oft die Pelze, vor— nehmlich die Enden der Flocken noch sehr schmuzig bleiben, in der, zwischen der Wäsche und der Schur, zum Trocknen nothwendigen Frist der Schweiß wie— der hervor tritt, und sich die Pelze während dieser Zeit wieder mit Koth und fremden Substanzen be— laden können. Dies ist aber nicht Alles, und ehe wir, wie wir verbunden sind, die Beschreibung des zweckmä⸗ ßigsten Verfahrens, um den Erfolg der kalten Wä⸗ sche nach der Schur zu sichern, unternehmen, müssen wir noch andere Vortheile, welche dieselbe in der Praxis gewähret, kürzlich anführen. 1) Bei einer Wäsche nach der Schur können die Gefahren nicht Statt finden, welche bei der Wäsche am Schafe für die Gesundheit des Thieres vorhanden sind. D Den Eigenthümern der Heerden kann das Lesen und Sortiren, welches vor der kalten Wäsche vorher — 108— gehen muß, sehr nützlich seyn, sich von dem Ge— halt ihrer Produkte eine Kenntniß zu verschaffen, welche der Wahrheit so nahe, als möglich kommt, um die Eigenschaften der Wolle zu untersuchen, und in dem besseren Gange, den sie zur Erreichung des wünschenswerthen Grades der Veredlung zu befol— gen haben, sich zu befestigen. Es wird ihnen nicht einfallen, auf das Gewicht zu rechnen, welches der Ueberfluß an Schweiß und Koth ihren Pelzen gab; sie werden daher mehr auf die Beschaffenheit, als auf die Schwere derselben sehen. 3) Die ge— lesene, sortirte und kalt gewaschene Wolle bräucht nur in der Fabrik, ehe sie verarbeitet wird, heiß gewaschen zu werden, ohne daß sie der heißen Wä⸗ sche bedarf, welcher sie die Kaufleute unterwerfen, und die wir als unnütz und schädlich befunden ha— ben. 4) Endlich hat man bemerkt, daß die Be— freiung vom Fett an einer Wolle, die noch keine heiße Wäsche erfahren hat, viel leichter und voll—⸗ kommener zu bewirken ist. Wir nehmen an, daß die Schur, das Lesen und das Sortiren beendiget ist, und schreiten zur Wäsche. Wenn die Wolle eine hinlängliche Zeit geweicht hat, wird sie gewaschen, hernach zum Abtropfen und dann zum Trocknen gebracht, alsdann geschla— gen, und endlich zum Versenden in Ballen gepackt. Dazu sind gewisse Anstalten erforderlich, mit wel— chen wir uns vorerst beschäftigen wollen. Die Art von Bütten, wie man sich deren zur Lauge bedienet, sind zum Erweichen der Wolle sehr schicklich. Die Anzahl und Größe derselben muß der Anzahl und Größe der Kasten, die zum Wa⸗ schen bestimmt sind, angemessen seyn, so, daß sie den Wäschern alle Mal so viel Wolle liefern kön⸗ nen, als sie verlangen. Um dieses Verhältniß zu — 109— bestimmen, kann man täglich auf jeden Kasten hun⸗ dert Psund vor dem Erweichen im Schweiße ge— wogene Wolle rechnen. Die Kübel dürfen nicht, wenn man es so einrichten kann, in dem Gemach stehen, wo sich die Wolle befindet, weil sie Feuch— tigkeit darin verbreiten würden, aber auch nicht zu weit davon entfernt seyn. Man stellet sie auf ei— nen Dreifuß, oder auf irgend ein Gerüst, daß so weit über den Boden reicht, daß eine hölzerne Rinne angebracht werden kann, welche das mit Schweiß und Schmuz angefüllte Wasser von unten ableitet. Die Wolle wird in Kasten gewaschen, welche an Gestalt und Größe verschieden seyn können. Nach mehreren Versuchen haben wir, nach der ver— schiedenen Gelegenheit des Wassers, folgende zwei Arten, die wenig von einander verschieden sind, als vollkommen zweckmäßig befunden und eingeführet. Sie sind viereckig, vier und einen halben Fuß lang, zwei und einen halben Fuß breit, und zwei Fuß hoch. Der Boden bestehet aus starken, fest zusammen gefügten Bohlen u. raget unter den langen Seiten des Kastens acht Zoll lang hervor. In der Länge durch, sechs Zoll von den langen Seiten ent— fernt, gehen zwei Falzen, die von vier darauf be⸗ festigten Leisten gebildet sind. Die langen Seiten bestehen entweder beide, oder nur eine, aus vierkan— tigen aufrecht stehenden Stäben, die mit den Kan⸗ ten gegen einander gerichtet, einen Zoll Zwischen— raum haben, und mit ihren unteren Enden in den Boden, mit den oberen in eine stärkere Latte einge⸗ lassen sind. Ist nur eine dieser Seiten von solchen Stäben gebildet, so bestehet die andere aus starker Bohle. Die kurzen Seiten bestehen ebenfalls aus starker Bohle, und an jeder derselben sind inwendig zwei aufrecht stehende Latten befestiget, welche mit einem Falz versehen, und auf die auf dem Boden * 0— befindlichen Leisten so aufgesetzt sind, daß beide Falze an einander passen. Zu jedem Kasten gehö⸗ ren zwei Rahme von hartem Holz, auf welche grobe Leinwand genagelt ist, und die so groß und stark sind, daß sie in die im Inneren des Kastens be⸗ findlichen Falze, in welche sie bei dem Gebrauch eingeschoben werden, hinein passen. Zu jedem Waschkasten gehöret ein Dreizack von ganz glattem harten Holze, dessen Spitzen drei Zoll von einander abstehen, zu sechs oder achten ein Korb zum Tragen und Austreten der Wolle und ein Schiebekarren, um sie an den Ort zu bringen, wo sie abtropft. Es läßt sich oft nicht thun, daß man die Wolle an demselben Tage, wo sie gewaschen worden ist, zum Trocknen auslegt, weil entweder der Ertrag der Arbeit in den vorhergegangenen Tagen alle Körbe angefüllt hat, oder weil es viele Beschwer— den machen würde, die am Abend aus den Wasch— kasten kommende Wolle auszubreiten. Man muß da— her einen Platz haben, wohin man die nasse Wolle legt. Dies kann ein glatter mit Löchern und Rin— nen versehener Tisch, oder ein anderes dem ähnli— ches Geräthe seyn. Zum Trocknen bedienet man sich weiter Körbe mit drei oder vier Füßen und von beliebiger Größe, welche man auf Pfähle stellet, die in gehörigem Abstand von einander in die Erde eingeschlagen sind. Die Ruthen, von welchen diese Körbe ge— flochten sind, müssen ganz glatt geschabt, und so dicht, wie möglich, mit einander verbunden seyn. Fäden, auf Rahme gezogen, sind diesen Körben vor⸗ zuziehen, weil die Wolle sich nicht in das Gitter derselben einhängt, die Luft mehr durchspielen kann, u. das Trocknen schneller von Statten gehet. Diese Körbe oder Rahmen darf man aber nicht auf die 111.— Pfähle nageln, damit man sie leicht wegnehmen kann, wenn man von einem Sturm oder Regen überrascht wird. Hat man eine sehr große Quan— tität Wolle auf ein Mal zu trocknen, so kann man auch seine Zuflucht zu Bretern, oder, wenn es Noth thut, zu dem Rasen nehmen, worauf man sie aus— breitet. Aber sie trocknet nicht nur langsamer; son— dern man setzt sich auch der Gefahr aus, daß sie beschmuzt wird. Diejenigen Eigenthümer, welche die Wolle nach dem Trocknen schlagen, bedienen sich dazu glat— ter hölzerner Stöcke, und es geschiehet auf den Kör— ben, worin sie getrocknet worden ist. In großen Anstalten hat man sehr bequeme Maschinen, die es schneller und vollkommner verrichten, deren Be— schreibung wir aber nicht für nöthig halten. Von den Pressen, welche in großen Wäschen zum Einpacken der Wolle im Gebrauch sind, haben wir Nichts, und von anderen dazu erforderlichen An⸗ stalten nur Etwas zu sagen. Säcke von vier bis fünf Fuß Länge und zwei bis drei Fuß Breite, un— ten mit runden Böden versehen, scheinen uns vor— züglich nützlich zu seyn. Sind alle diese Anstalten getroffen, so schreitet man zu der Wäsche. Das Wasser, dessen man sich zum Einweichen der Wolle bedienet, muß rein, helle und weich seyn, ein solches, welches die Seife leicht auflöset, wie man es zur Bereitung der Laugen gebrauchet, die man zum Bleichen der Leinwand anwendet. Je nachdem die Wolle mehr oder weniger Schmuz enthält, läßt man sie eine längere oder kürzere Zeit in den Bütten weichen. Ist sie sehr mit Staub und Mist beladen, so zapft man nach einigen Stunden, wann der erstere sich abgesondert und auf den Boden gesetzt, und der letztere sich auf⸗ — 112— gelöset hat, das Wasser ab, und gießt frisches dar— auf. Denn ein mit Unreinigkeiten ängefülltes Was⸗ ser kann nur wenig oder nichts mehr in sich neh— men. Dies ist besonders darum nothwendig, weil sonst, wenn die Wolle eine längere Zeit weichen muß, das Wasser in die faule Gährung übergehen und dadurch mehreren Eigenschaften der Wolle nachthei⸗ lig seyn würde. In reinem Wasser aber kann sie ohne alle Gefahr drei bis vier Tage lang weichen. Doch ist eine weit kürzere Zeit, ungefähr vier und zwänzig Stunden, zureichend. Der Schweiß, welcher das Haar der Wolle umgibt, bestehet, wie wir im ersten Abschnitt des ersten Kapitels gesagt haben, aus zwei Substanzen, wovon die eine in kaltem, die andere nur in hei— ßem Wasser auflöslich ist. Beide sind von einem alkalischen Stoffe und von Fett zusammengesetzt, und darin von einander verschieden, daß das Fett in der einen weniger, in der anderen mehr flüssig, folglich die eine gewisser Maaßen fester ist, als die andere. Das Wasser, welches eine starke Verwändt— schaft zu dem alkalischen Stoffe hat, löset denselben in dem weniger festen Bestandtheile des Schweißes auf, und nimmt ihn sammt dem damit verbundenen Fett in sich. Dadurch entstehet eine Seife. Kommt nun die Wolle aus der Weichbütte in den Waschkasten, so spület das reine Wasser das ent⸗ standene Seifenwasser von der Wolle los, und wäscht sie sauber. Das durch die Auflösung des Schweißes ent— standene Seifenwasser ist mehr, als das reine Was⸗ ser, geschickt, den Schweiß anderer Wolle aufzulösen. Der Bestandtheil desselben, das Fett, verbindet sich vermöge der gleichen Natur, mit dem in dem Schweiße enthaltenen Fette, und macht dadurch ei⸗ nen Theil des anderen Bestandtheiles desselben, des — 113— alkalischen Stoffes, frei, der dann leicht in den dritten Bestandtheil, in das Wasser, übergehet, und es in den Stand setzt, den zweiten Bestandtheil des Schweißes seinen alkalischen Stoff, vollends aufzu— lösen. Hat aber das Wasser schon eine große Quan— tität Schweiß aufgelöst und in sich genommen, so kann es auf den an dem Haar der Wolle befindli— chen nur noch wenig oder gar nicht mehr wirken. Man muß folglich reines Wasser dazu anwenden, oder das Schweißwasser damit verdünnen. In derselben Zeit, wo man die Wolle in die Bütten einweicht, bringt man die Waschkasten an ein fließendes Wasser. Hat man Kasten, deren vordere und hintere Seite aus Stäben bestehet, so stellet man sie quer in die Mitte des Flusses oder Baches. Je schneller das Wasser fließt, und im Kasten sich erneuert, desto geschwinder gehet die Ar— beit von Statten. Doch ist diese Einrichtung mit einiger Schwierigkeit verbunden. Gehet auch das Wasser durch die erste Leinwand leicht durch, so stockt es vor der zweiten, weil die durch das Schla— gen der Wolle von den Haaren losgegangenen Fäs— chen, vom Wasser getrieben, sich an die innere Seite derselben anlegen, sie überziehen, und dadurch den Ausfluß sperren. Der Wäscher muß deshalb, au— ßer seinem Dreizack, noch mit einer Art von Kamm versehen seyn, womit er die Fäschen wegnehmen kann, sonst stämmt sich das Wasser vor der ersten Leinwand, und fließet auf beiden Seiten durch die Stäbe wieder zurück. Bestehet aber die vordere Seite der Kasten aus Bohle, so leitet man das Wasser von oben vermit— teltst einer Rinne in das Wasserfach. Ist ein na— türlicher oder künstlicher Wasserfall vorhanden, zum Beispiel ein Wehr, so leget man unter demselben eine Hauptrinne an, und leitet 25 Nebenrinnen — 114— in jeden Kasten die zureichende Quantität Wasser. Ist dieses aber nicht der Fall, so muß es in die Hauptrinne; oder wenn der Platz diese Anstalt nicht gestattet, in die Rinne jedes Kastens besonders ge⸗ schöpft werden. Die sämmtlichen Waschkasten werden so nahe, als möglich einer neben den anderen gestellt, damit die Aufsicht nicht beschwerlich ist. Ein Arbeiter reicht zu, um zwei Kasten zu bedienen. Er schöpft so viel Wasser in die Rinnen, daß beide Wasser⸗ fächer nie leer davon werden, leget die Wolle in die Waschfächer, treibt sie mit seinem Dreizack dar⸗ in hin und her, hebt sie, wenn sie genugsam gewa⸗ schen ist, mit demselben heraus, und legt sie dem Gehülfen auf den Korb. Je nachdem nun die Anstalt getroffen ist, so sind mehrere oder wenigere Arbeiter zum Waschen erforderlich. Fließt das Wasser von selbst durch eine Hauptrinne und durch Nebenrinnen in die Ka⸗ sten, so sind auf acht Kasten ein Aufseher, sechs Wäscher und ein Gehülfe nöthig, welcher die Wolle im Korbe herbeiträgt, auf den Schiebkarren legt, und auf den Platz fährt, wo sie abtropft. Wird aber das Wasser in die Hauptrinne, oder in die einzelnen Rinnen geschöpft, so sind nach Maaßgabe dieser Umstände mehrere Arbeiter anzustellen. Wann die Wolle eine hinlängliche Zeit in den Bütten geweicht hat: so wird sie herbei getragen, und mit der gehörigen Vorsicht neben die Kasten gesetzt. Der Wäscher nimmt eine der Größe seines Kastens angemessene Quantität, die er ohne Beschwerde mit seinem Dreizack von einem Ende an das andere trei⸗ ben kann. Die dazu nöthige Geschicklichkeit, bei der er nicht zu viel und nicht zu wenig thut, er⸗ langt er bald. Er faßt sie in kleinen Thei⸗ len, treibet sie hurtig in jeder Richtung im Wa sch⸗ — 115— fache hin und her, und sucht sie so viel, als mög⸗ lich zu lösen. Sie darf aber nicht auf den Boden aufstreichen, sondern muß sechs bis acht Zoll Was— ser unter sich haben, was er am besten mit der Hand untersuchen kann. Ist diese Behandlung ei— nige Minuten fortgesetzt worden, so ist die Wolle gewaschen. Ob sie es vollkommen ist, darüber ent— scheidet der Aufseher. Man kann sich davon über— zeugen, wenn man einige Hände voll heraus nimmt, sie ausdrückt, und siehet, ob das Wasser helle da— von abläuft. Das Einweichen ist zuweilen nicht hinreichend gewesen, um an manchen Flocken den Koth gänzlich aufzulösen. Solche Flocken legt man, um keine Zeit zu verlieren, auf die Seite und wäscht sie besonders. Dasselbe thut man auch mit den gelben Flocken, die im Lesen sind übersehen worden. Die gewaschene Wolle wird aus dem Kasten herausgenommen, in einen Korb gelegt, wenn sie etwas abgetropft ist, von dem Wäscher, der seine Schuhe ausziehet und seine Füße wäscht, getreten, daß sie noch mehr Wasser verliert, und dann in den Schiebkarren gelegt. Wenn der Wäscher während des Waschens Flocken und Haare, die durch einen falschen Schnitt des Scheerers zerschnitten sind, oder fremde Sub— stanzen in der Wolle findet, so wirft er die letztern weg, die erstern aber in das Wasserfach. Da hält sie die Gewalt des Wassers an die erste Leinwand angedrückt, wo sie im Waschen nicht hindern. Ha— ben sie sich daselbst angehäuft, so werden sie her— aus genommen und mit dem anderen Abfall ver— mischt, was einigen Gewinn gibt. Nach dem Waschen wird die Wolle, die nicht unmittelbar auf die Körbe oder den mit Fäden be—⸗ zogenen Rahmen zum Trocknen, ausgebreitet wer⸗— 8* — 116— den kann, auf den Tisch oder auf das Geräth zum völligen Abtropfen gebracht. Wenn man die Wolle im Schatten trocknet, so gewinnt sie in ihren Eigenschaften unstreitig mehr, als wenn es an der Sonne geschiehet. Das Trock— nen gehet aber zu langsam vor sich, und darum ist dieses Verfahren bei einer beträchtlichen Quantität nicht anwendbar. Zu dem Trocknen können Frauen gebraucht werden. Nachdem diese die Wolle auf die Körbe, oder auf die mit Fäden bespannten Rahmen, so dick als möglich ausgebreitet haben, gehen sie auf und nieder, 1) um sie mit aller Vorsicht, daß sie sie nicht zerreißen oder dehnen, zu öffnen, 2) um jede fremde Substanz, als Stückchen Stroh, welche sich zuweilen darin befinden, und andere Unreinig⸗ keiten die hineingekommen sind, heraus zu lesen, 3) um gelbe und schmuzige Flocken, die der Auf⸗ merksamkeit des Wäschers entgangen sind, daraus abzusondern, und 4) um sie, so wie sie trocknet um⸗ zuwenden. Die zu einem gehörigen Trocknen erforderliche Geschicklichkeit ist bald erlangt, man darf sich aber darin nicht täuschen. Denn wenn man die Wolle zu bald in Ballen bringt, so kann dadurch großer Schaden entstehen. Ist sie noch feucht, so erhitzt sie sich, und es entstehet in dem Sacke eine Gährung. Dann ist es nicht genug, den Sack der Sonne aus⸗ zusetzen, sondern man muß ihn auf das Geschwin⸗ deste leeren, seinen Inhalt auf die Trockenkörbe aus⸗ breiten, und die Sonne darauf wirken lassen. Wenn man bei dem Waschen und trocknen die Sorgfalt, die wir empfohlen haben, angewendet hat, so hat sich die Wolle nicht zusammen gedrehet; man braucht sie also nicht zu öffnen, und das Schlagen ist folglich unnöthig. Indessen gibt ihr diese Behandlung ein geschmeidiges Aussehen, und vollendet das Trocknen, daß wir kein Bedenken tra— en, es zu empfehlen. Nur muß es blos einige ugenblicke, und mit ganz glatten Stöcken ge⸗ schehen. Wenn die Wolle alle Behandlungen erfahren hat, so muß sie sogleich in die Säcke eingepackt werden, damit sie nicht durch Zufälle, die in dem Magazin sich ereignen können, wieder verunreini⸗ get wird. Man drückt sie mit dem Sacke mit aller Sorg⸗ falt so fest zusammen, daß nicht der mindeste leere Raum bleibt. Dieses Zusammenpressen ist sehr nütz⸗ lich, weil sie dadurch außer Stand gesetzt wird, die Feuchtigkeit der Luft und des Regens, welcher sie vornehmlich auf dem Frachtwagen ausgesetzt wird, leicht anzunehmen. Der Sack wird an seinem oberen Rande rund herum verloren umnähet, und mit starkem Bindfa⸗— den an die Decke so aufgehangen, daß er auf den Dielen aufrecht stehet. Ein Seil, das ebenfalls an die Decke befestiget ist, setzt den Einpacker, der seine Schuhe ausgezogen hat, in den Stand, in den Sack zu steigen, und sich darin zu erhalten. So wie ihm die Wolle zugeworfen wird, bedienet er sich seiner Füße, um sie einzutreten, und in die Winkel und andere Theile des Sackes fest hinein zu schie— ben. Liegt nun die Wolle fest geschlossen, und ist der Sack voll, so ziehet man den ersten Bindfaden, womit man den Sack umnähete, heraus, und nähet ihn mit einem anderen zu. Auf den Sack wird eine Zahl gesetzt, und auch die Sorte von Wolle, die er enthält, angemerkt. Hat man nun im Lesen und Sortiren die gehörige Aufmerksamkeit und Sorgfalt angewendet, und die Sorten nicht unter einander — 116— gemengt, so kann man jeder Zeit des Gehaltes eines jeden Sackes versichert seyn. Nun werden die Säcke in die Niederlage ge⸗ bracht, und da bleiben sie bis zur Versendung. Die Niederlage muß, wie wir schon gesagt ha— ben, ein ganz trocknes Gemach seyn, damit die sorg⸗ fältig eingepackte Wolle eine sehr lange Zeit darin, ohne zu verderben, aufbewahrt werden kann. Denn ist sie nicht genugsam vom Schweiße gereiniget, so dringen gewisse Insekten, die sich in feuchten Oertern aufhalten, durch die Säcke, und zernagen dieselbe, oder hat sie noch feuchten Koth an sich, so ist ihr die⸗ ser eben so schädlich, als wenn sie sich noch im Schweiße befindet. Durch die umständliche Beschreibung aller ange⸗ gebenen Behandlungen kann man sich überzeugen, daß es nichts Einfacheres und leichter Auszuführendes gibt, als die kalte Wäsche nach der Schur, und wir hoffen, daß die Vortheile derselben einleuchten. Die einzige Schwierigkeit dabei bestehet in dem Lesen und Sortiren, welche eine genaue Kenntniß der Wolle und richtige Anwendung derselben nothwendig machen. Dritter Abschnitt. Von dem verschiedenen Werthe der Theile ei⸗ nes Pelzes, eines Pelzes selbst und den ver⸗ schiedenen Arten der Pelze im Verhältniß der Beschaffenheit. Im vorhergehenden Abschnitte haben wir gesehen, daß eine große Verschiedenheit des wahren Gehalts dieses und jenes Merinos-Pelzes durch die Größe des Abgangs sich ergibt, wenn sie von Schmuz und Schweiß gewaschen worden sind. Dies betrifft aber — 119— nicht lediglich den Ertrag, durch welchen der Werth verschiedentlich abgeändert wird, sondern noch weit mehr die Beschaffenheit. In einer Heerde, die in Ansehung der Pelze sehr sauber gehalten wird, und übrigens aus Scha— fen von ungleicher Schönheit bestehet, geschiehet es, wie wir bereits im Anfange dieses Kapitels bemerkt haben, daß die einen dem Eigenthümer jährlich ei nen ansehnlichen Vortheil verschaffen, die anderen dagegen nicht den Aufwand ihres Futters ersetzen. Dieser Eigenthümer wird natürlich seinen Gewinn durch die Vermehrung der ersteren, und durch die möglichst größte Verminderuug der letztern zu vergrö— ßern suchen. Um zu diesem Zwecke zu gelangen: untersuchet er jährlich den Ertrag eines jeden ein— zelnen Schafes. Das Lesen und Sortiren, welches der kalten Wäsche nach der Schur vorhergehen muß, geben, wie wir schon gesehen haben, außer an⸗ deren Vortheilen, Gelegenheit zur Untersuchung des eigenthümlichen Gehaltes eines jeden seiner Pelze und ihrer verschiedenen Theile unter einander. Nichts kann, nach unserer Einsicht, von dem Nutzen der Veredlung mehr überzeugen, als die Re⸗ sultate, deren Untersuchung wir auf diesen Zweck hinführen wollen. Aus den Umständen und Berechnungen, welche wir unseren Lesern vor die Augen legen werden, wird die Wichtigkeit dieser Untersuchung immer mehr und mehr einleuchten, und die Zweifel derer, welche noch auf schwerfällige Pelze halten, und die Menge der Güte vorziehen, werden verschwinden. Die Benennungen Prime, Sekunde und so fort, gebraucht man gewöhnlich, um die ver— schiedene Beschaffenheit der Wolle zu unterscheiden, sie können aber nicht immer in einem bestimmten Sinn genommen werden, weil die Prime von — mancher Heerde die Sekunde von einer anderen, oder wohl auch die Terzie an Feinheit nicht über⸗ trifft, sondern ihr gleich stehet, so wird man denn, anstatt von einer Heerde vier oder fünf Sorten Wolle, welche durch das Lesen hervorgehen können, eine größere Anzahl anzunehmen genöthiget seyn, wenn man alle Wolle durchgängig in Sorten brin⸗ gen will. Einer jeden, der vollkommen kalt gewaschenen Sorte legen wir einen Preis bei, der nicht blos angenommen ist, sondern sich so viel, als möglich, dem Mittelpreise des vorhergegangenen Jahres, 1823, nahet. Für die Prime von der seltendsten Güte und folglich für die theuerste, bleiben wir bei dem wah⸗ ren Preise stehen, den wir nicht höher, als das Pfund, kalt gewaschen, auf 21 Franken) an⸗ schlagen. Die Primesorten von Naz von 1828, kalt ge⸗ waschen, sind im Monat Oktober das Kilogram-— me“**) zu 21 Franken verkauft worden, ohne Nach- trag und Abzug zahlbar drei Monate nach der Ue⸗ bersendung an die Häuser Cunin, Gridanne und Jean Baptist Bernhard von Sedan, wobei die Käufer alle Kosten des Transports übernahmen. Die deutschen Sorten Wolle werden zu Sedan und Louviers mit Abzug von 13 Prozent und mit Wechseln von 6 Monaten Sicht bezahlt. Was die geringeren Sorten anlangt, so kann ihr Preis noch vermindert werden. Wenigstens muß man annehmen, daß sie in langer Zeit nicht werden in Aufhiahme kommen. Dieses zu zeigen, ist hier der Ort nicht, und um ihnen nicht einen allzu niedri⸗ ) Ein Franken beträgt ungefähr sechs Groschen. ) Ein Kilogramme halt etwas mehr als ein Pfund. — 121— gen Preis beizulegen, nehmen wir an, daß das Ki⸗ logramme, vollkommen kalt gewaschen, nicht unter drei Franken sei verkauft worden, ausgenommen überall die schlechten und biberhaärigen Theile, die man Kahidas nennt, und deren Werth wir nicht höher anschlagen, als das Kilogramme zu 1 Franken. Wenn wir zwischen diesen Grenzen neun mitt⸗ lere Sorten annehmen, um ihren Preis verhältniß⸗ mäßig zu bestimmen: so erhalten wir ziemlich genau den Marktpreis der verschiedenen Sorten Merinos-— wolle im Jahre 1823, wie folgende Tabelle ihn darstellet. 1 Sorte 1 Kilogramme kalt gewaschen, 21 Franken 19 — 17 1 15 2 SSOHα Ekiiannn Jetzt haben wir das Resultat des Lesens eines auf den höchsten Grad der Veredlung gebrachten Pelzes mit dem des Lesens eines aus der geringsten Sorte ausgesuchten Pelzes zu vergleichen. Man findet ganz feine Pelze, die in ihrer Schönheit so gleich sind, daß sie in ihren verschie— denen Theilen folgendes Verhältniß der Sorten geben. Prime 25⸗ Sekunde od/ und Kahidas 158. — 122— So übertrieben dieses Beispiel zu seyn scheint: so ist es doch nicht aus der Luft gegriffen. Die Schafe, welche dergleichen Pelze tragen, sind freilich nicht gemein, aber wirklich vorhanden, und ihr Daseyn beweiset unsere Schäferei als Wahrheit. Was die Merinospelze der geringsten Sorte anlängt, welche den zweiten Punkt unserer Verglei⸗ chung ausmachen, so geben einige derselben durch das Lesen folgende Resultate: Von der neunten Güte 160 7 Von der zehnten Güte/ und Kahidas 0 Der Werth des erstern diefer zwei kalt gewa⸗ schenen Pelze kann also unter dieser Formel darge⸗ stellt werden (92 421) +(6 19) +(2 100, was der Zahl 20,48 gleichkommt, und der Werth des zweiten unter der Formel (12 45) +(80& 3) +(S& 100, welches die Zahl 3,08 gibt. Daraus folgt, daß der Werth der ersteren sechs Theile und der der zweiten ein Drittheil seyn wird. Wir haben in dieser Vergleichung das Gewicht eines jeden Pelzes nach der kalten Wäsche voraus gesetzt. Es tritt zuweilen wirklich der Fall ein, daß, wegen der verschiedenen Sauberkeit, der Unter— schied der Schwere im Schweiß nach der Wäsche verschwindet; am öftersten ist jedoch der Pelz von geringerer Güte durch ein größeres Schaf hervorge— bracht worden und wirklich schwerfälliger, als der andere, obgleich eben so sauber. Dieses Ueberge⸗ — 128— wicht ist von sehr geringem Belang. Denn wenn er, bei gleicher Sauberkeit die geringe Güte ersetzen soll, so muß 1) die Hervorbringung des schwerfäl⸗ ligsten Pelzes dem Erzieher nicht mehr, als die des leichtesten gekostet haben. 2) Das Gewicht des er— steren bestehet in sechs Theilen und das des letzteren in einem Drittheil, das heißt, wenn der ganz feine Pelz ein Gewicht von fünf Pfund und nach der kalten Wäsche zwei und drei Viertelpfund zurückgibt, so folgt, daß ein geringerer Pelz im Schweiß un⸗ gefähr 33 Pfund wiegt, und nach der kalten Wä⸗ sche 18 und mehrere Pfunde gewaschene Wolle wie⸗ der gibt. Allein es ist nicht genug, in diesen äußersten Fällen, welche man, wenn man streng verfahren will, für Ausnahmen nehmen kann, richtig gerechnet zu ha— ben, wir müssen auch untersuchen, was in zahlrei⸗ chen und aus Schafen von verschiedenen Graden der Feinheit bestehenden Herrden sich am häufigsten ereignet. Um jede Art von Irrthum zu vermeiden, su— chen wir unsere Beispiele in unserer eigenen Erfah— rung auf. Indem wir unsere Register öffnen, sehen wir: daß in einer Schäferei veredelter Schafe 452 Pelze bei dem Lesen in die erste Klasse, und in ei⸗ ner anderen Schäferei weniger veredelter Schafe, wiewohl von reiner Art, 73 Pelze in die letzte Klasse*) sind gebracht worden. Wir wählen diese „ Wir wiederholen hier, daß diese Eintheilung die⸗ selbe ist, welche zum Behuf der Veredlung der Heerde ist gemacht worden, denn in dieser enthält die erste Klasse nur Schafe von der ersten Feinheit und von der ersten Gleichheit, während es zureicht, ein Schaf bei dem Lesen in die erste Klasse zu setzen, welches eine Quantität Wolle von der ersten Feinheit trägt. — 124— beiden Beispiele darum, weil sie einen genugsam bestimmten Begriff von dem Werthe der Pelze von der ersten und der mittleren Feinheit gegen einander eben. Nun haben die 452 Pelze im Schweiße 1085 Kilogrammen gegeben, und nach den verschiedenen Behandlungen des Lesens und der kalten Wäsche folgende Sorten Wolle geliefert, von der ersten Güte 375 Kilogrammen von der zweiten Güee 54—— von der fünften Güte 22—— von der sechsten Güte 15—— und an Abfall 17 in allem 589 Kilogrammen. Wenden wir die vorhin angenommenen Preise auf diese verschiedenen Sorten an: so haben wir die Tabelle auf folgende Weise zu vervollständigen. 1 Güte 375 Kilogr., kalt gewaschen, zu 21 Fr., 7,875 Fr. 2— 54—— A 1,020— 5— 28————— 13— 3064— rr 1135—————— 1.205 Abfall 17————— 1— 17— Im Ganzen 10,547 Fr. Daraus folgt, 1) daß das mittlere Gewicht des Pelzes im Schweiß 27595 Kilogrammen enthält, 2) daß dasselbe nach der kalten Wäsche in 1700 Kilogramm besteht, 3) daß der mittlere Preis des Kilogrammes im Schweiß 9— 72 Franken beträgt, ö 4) daß der mittlere Preis des Kilogrammes, kalt gewaschen, in 17— 90 Franken besteht, und 3) daß der mittlere Werth eines jeden Pelzes sich auf 23— 38 Franken erstreckt. — Die 73 Pelze der geringsten Klasse wogen im Schweiß 205 Kilogrammen, und gaben nach dem Lesen und der kalten Wäsche von der fünften Güte 5 Kilogrammen von der siebenten— 25—— von der neunten— 65—— und an Abfall— 5—— zusammen 100 Kilogrammen. Wenn wir die angenommenen Preise mit die— sen Sorten verbinden, so erhalten wir von der fünften Güte 5 Kilogr. zu 13 Fr. 65 Fr. —— siebenten— 25—— 9— 225— —— neunten— 665—— 5— 325— an Abfall 5—— 1— 5— in allem 100 Kilogr. zu 620 Fr. Daraus geht hervor, 1) daß das mittlere Gewicht des Pelzes im Schweiß 2 9 Kilogr. 2) und nach der kalten Wäsche 1 Kilogr. beträgt, 3) daß der mittlere Preis des Kilogrammes im Schweiß in 3— 20 Franken besteht, und 4) daß der mittlere Werth eines jeden ganzen Pelzes sich auf 8—49 Franken erstreckt. Wir haben gesehen, daß der Verlust an Ge— wicht, welchen die völlig kaltgewaschene Wolle durch die stärkste Befreiung vom Fett erleidet, sich auf 22 bis 29 Prozent erstreckt. Diesen Verlust kann man auf die Mitte von 25 Prozent setzen, diese bei al— len Berechnungen darüber anwenden, und darnach das mittlere Gewicht und den mittleren Preis einer jeden in diesen zwei verschiedenen Pelze enthaltenen Sorte Wolle nach der Befreiung vom Fett bestimmen. Es gibt also Pelze, die im Schweiße nicht — 126— mehr, als 44 Pfund wiegen, und 23 Franken und 50 Centimes*) kosten, während andere Pelze auf 53 Pfund wiegen und nicht mehr als 8 Franken 50 Centimes kosten. Die Erzeugung der letztern hat indessen eben so viel und mehr, als die der ersteren gekostet, denn die Vermehrung ihres Gewichts rührt zum Theil von dem größeren Körper der Schafe her, die sie übertragen, und der Unterschied im Preise der Fütterung stehet mit dieser Größe im Verhältniß. Man siehet also, daß ein Theil des Gewinns, welchen die vorzüglichsten Schafe brin— gen, dem Oekonomen zur Entschädigung für den Verlust oder für den Nichtertrag dienet, der für ihn durch den Unterhalt von Thieren von geringer Be⸗ schaffenheit entstehet. In Hinsicht auf das, was wir anderwärts und in diesem Abschnitt über den Werth der verschie— denen Pelze gegen einander gesagt haben, müssen wir wiederholen, daß das Gewicht eines Merinospelzes im Schweiß auf keine Weise der Schätzung dessel⸗ ben zum Grunde dienen kann, und wenn ein Ei⸗ genthümer mit diesem Gewicht sich rühmet, so fra— gen wir ihn, 1) welches der mittlere Ertrag seiner Pelze ist, nachdem sie kalt völlig gewaschen worden sind, 2) wie viel Sorten Wolle das Le— sen derselben gibt, 3) in welchem Verhältniß sie diese verschiedenen Sorten liefern, u. welchen Grad von Schönheit diese Sorten gegen einander erreichen. Hat er diese Fragen beantwortet, so kann man über seine Erzeugnisse ein sicheres Urtheil fällen. Indessen stellen wir ihm folgende Anzeigen dar, die aus unserer eigenen Erfahrung hervorgegangen sind, und in der Praxis zu einer allgemeinen Regel die⸗ nen können. ) Ein Gentimen ist ohngefähr 2 Pfennig. — 127— 1) Wenn die kalte Wäsche von dem Gewicht im Schweiß nicht 55 Prozent gegeben hat, so kann man auf zwei Umstände schließen, entweder daß die Wolle schmuziger war, als sie seyn sollte, oder daß die Wäsche nicht gehörig ist ver— richtet worden. 2) Wenn nach der gehörig verrichteten kalten Wäsche das mittlere Gewicht eines einzelnen Pelzes 2 709 Pfund(1 5900 Kilogr.) merklich übersteigt, so ist eine starke Vermuthung— ich will nicht sagen, ein fast gewisses Anzeichen— vorhanden, daß sie von Schafen grober Art herrühren, und keine ganz feinen Sorten Wolle enthalten. Denn es ist äußerst selten und eine Ausnahme, daß man die äußerste Fein⸗ heit auf Schafen von großem Körperbau findet. 22 Pfund in kaltem Wasser gut gewaschene Wolle ist das zureichende mittlere Gewicht für den Pelz eines Schafes von mittlerer Größe. Ehe wir diesen Abschnitt schließen, müssen wir einige Worte über den Werth der Lammwolle sagen. Die Lammwolle wird oft, wie wir bereits an⸗ derwärts bemerkt haben, zur Verfertigung gewisser Zeuche stark gesucht, und im Allgemeinen muß ihr innerer Werth den der besten Wolle ͤͤbersteigen. Einer Seits behauptet wirklich die Prime der Lamm-— wolle im Handel einen gleichen Preis mit der Pri— me der äußerst feinen Wolle, und anderer Seits ist ihr Ertrag, da sie wenig Schweiß enthält, viel vortheilhafter. Das Verhältniß des Ertrags ist die⸗ ses. Wenn die beste Wolle bei der größten Sauberkeit nach der kalten Wäsche 55 Prozent gibt, so gibt die Lammwolle 65, und wenn 100 Pfunde der be— sten vom Schweiß befreiten Wolle nach der Be⸗ freiung von Fett ungefähr 96 Pfund halten, so halten 100 Pfund Lammwolle 80 Pfund. — 128— Vierter Abschnitt. Vom Verkauf der Wolle der Merinos. Der Verkauf einer Waare ist um so leichter, und ihr Ertrag um so sicherer, als ihr Preis weni— ger veränderlich, und ihr wahrer Werth in Bezie— hung auf denselben leichter zu berechnen ist. Das Gold, zum Beispiel, ist eine Waare, deren Preis der festeste und deren innerer Werth der bekannteste ist. Der Verkauf dieses Metals ist daher nie mit Schwie⸗ rigkeit verbunden, und sein Preis immer derselbe, wenn die Forderungen des Gewinns von Seiten des Verkäufers oder des Käufers ein eben so or⸗ dentliches Maaß haben, wie das Gewicht und der Gehalt der Materie, welche der Gegenstand ihres Handels ist. ö Wir haben gesehen, daß die Wolle dieser schätz⸗ baren Vortheile ermangelt, denn eben so und viel— leicht mehr, als andere Waaren der Veränderlichkeit des Preises unterworfen, stellt sie sich dem Käufer oft in einem Zustande dar, welcher die Berechnung ihres wahren Werthes unmöglich macht. Daher ist die Schätzung ihres Werthes bloße Muthmaßung, welche selbst die Ehrlichkeit selten zum Vortheil des Erzeugers wendet, und daher entstehen auch die wenig rechtlichen Spekulationen, welche auf die Un⸗ wissenheit der Eigenthümer und auf die Schwierig⸗ keit ihrer besonderen Lage sich gründen. Der größte Theil der Schwierigkeiten, welche ge⸗ wöhnlich den Verkauf der Wolle begleiten, sind kei⸗ nesweges so beschaffen, daß sie durch weise Maaß⸗ regeln einer Regierung gehoben werden könnten; wir glauben, einige nützliche Ansichten dieses Ge⸗ genstandes hier aufstellen zu können. Wir theilen diesen Abschnitt in zwei Theile. In dem ersten werden wir uns mit den Mitteln — 412— zu dem vortheilhaftesten Verkauf der Wolle, die Veränderlichkeit des Preises ausgenommen, beschäf⸗ tigen. In dem zweiten werden wir die Ursachen dieser Veränderlichkeit und die Hauptumstände im Handel, die diese betreffen, aufsuchen, und Foige— rungen daraus herleiten, welche den Gang des Er— zeugers für die Zukunft aufklären können. Wir glauben, sattsam bewiesen zu haben, daß es unmöglich ist, den wahren Preis der Wolle zu erhalten, wenn man sie im Schweiße wiegt, und daß die kalte Wäsche nach der Schur, welcher ein gutes Lesen voraus ging, die beste Vorbereitung dazu ist. Diese Wäsche liefert wirklich, wie wir gesehen haben, eine Schätzung, welche ihrem wah— ren Werthe am nächsten kommt. Sie läßt zugleich dem Haar mehr Weichheit, und erleichtert die letzte Befreiung von Fett, und die Aufbewahrung der Wolle. Eben so müssen wir aber auch zugeben, daß, wenn eine solche Wäsche, wie die, welche wir em— pfehlen, leicht zu verrichten, und von jedermann zu bewerkstelligen ist, das Lesen der Wolle eine Kennt— niß ihrer Eigenschaften erfordert, welche zum Un— glück noch sehr selten ist; von einer anderen Seite können wir nicht verhehlen, daß der Verkauf selbst mit Schwierigkeiten verbunden ist. Diese Schwierigkeiten finden wir zuerst in dem Mangel der unmittelbaren Verbindung des Erzeu— gers mit dem Fabrikanten, und in der Nothwen— digkeit, in welcher der erstere sich befindet, sich an den dritten Mann zu wenden, um seine Erzeugnisse zu verkaufen. Wir haben keinesweges die Absicht, als Ankläger der Wollhändler aufzutreten, wir müs⸗ sen aber gestehen, daß einige unter ihnen ihre Er— fahrung in den Umständen des Handels und die Vortheile sich zum Nutzen machen, welchen diese ihnen über die Eigenthümer, die darin unkundig 9 sind, geben, um Preise zu erhalten, welche mit dem eben Statt habenden käuflichen Werthe in gar kei⸗ nem Verhältnisse stehen. Andere Kaufleute, anstatt den Erzieher über die bessere Verwaltung, die er seiner Heerde geben könnte, aufzuklären, führen ihn oft in Irrthümer, indem sie zur Unzeit den Erfolg seiner Bemühung herabwürdigen. So haben wir Reisediener gesehen, welche das, was sie in einer Schäferei rühmten, in der anderen als Fehler tadel⸗ ten, welche über die Eigenschaften der Wolle, nach deren Kenntniß man streben muß, eine beständige Ungewißheit unterhielten, mit einem Worte, welche alle Begriffe verwirrten, um durch die Unwissenheit, die sie absichtlich verbreiteten, desto mehr zu ge— winnen. Indem wir aber dergleichen niedrige für den Staat äußerst verderbliche Kunstgriffe anzeigen, so müssen wir zugleich anderen Kaufleuten, welche ein entgegengesetztes Verhalten angenommen, und den Eifer der schätzbaren Männer, welchen Frankreich diesen vortrefflichen Zweig des Erwerbs verdankt, mächtig unterstützt haben, unsere AÄchtung bezeigen. Sie mußten zwar, indem sie ihr Interesse zwischen das des Erzeugers und das des Fabrikanten setzten, das Erzeugniß des einen vermindern, oder den Auf⸗ wand des anderen vermehren, ihr Gewinn aber war auf rechtliche Weise erhalten, u. ohne sie wären gewisse Vorurtheile gegen die französische Merinoswolle nicht so bald besiegt worden, und ganze von den Fabrik⸗ orten entfernte Provinzen wären der Vortheile be— raubt gewesen, welche ihnen die Erziehung der fei⸗ nen Heerden darbietet. Indessen können wir uns des Wunsches nicht erwehren, daß an die Stelle dieses Zwischenhandels ein Kommissionshandel treten möchte, auf welchen die Kaufleute sich beschränkten, indem sie auf den Kauf und Verkauf auf eigene Rechnung Verzicht thäten, wenigstens so weit als es sich thun ließ. Denn wir können nicht hoffen, daß dieser, welcher(über⸗ dies) ein gänzliches Vertrauen auf die Ehrlichkeit des Kommissionärs erfordert, allgemeine Anwendung finden könne. Die unmittelbaren Verbindungen der Eigenthü— mer mit den Fabriken sind auch zuweilen äußerst schwer zu errichten. Wenn auch der Fabrikant die von seiner Manufaktur entfernten Schäfereien be⸗ reist und sich Proben vorlegen läßt; so kann der Erzeuger die Kosten des Transports doch nicht wa— gen, weil er nicht gewiß ist, daß jener dieselbe Wolle wieder erkennen und annehmen wird. Wenn daher das Ansehen einfacher Proben von den zu liefernden Sorten, die eingesandt und mit Vertrauen angenommen werden, zur Schließung des Kaufs nicht zureicht, so wird er fast unmöglich Statt fin⸗ den können, vornehmlich bei beträchtlichen Quanti— täten, weil eines Theils der Fabrikant die ieferung nicht bei dem Erzeuger in Empfang nehmen, und anderen Theils dieser letztere dem Zufall nicht wird trauen können. Außerdem kann nicht jede Manufaktur eine jede Art von Wolle gebrauchen, und der Erzeuger wird oft durch Gebote, welche ihm unbescheiden dünken, ohne es wirklich zu seyn, abgewiesen wer— den. Wenn er ganz feine Wolle einem Fabrikan⸗ ten vorlegt, der nur geringe wohlfeile Tücher ver— fertiget, so wird man ihm einen Preis bieten, der mit dem der Wolle, deren der Fabrikant sich zu be⸗ dienen pflegt, überein kommt. Neue Schwierigkeiten wird er endlich erfahren, wenn er seinen ganzen Vorrath an eine u. dieselbe Fabrik verkaufen will. Denn in den verschiedenen Sorten desselben werden sich welche befinden, die 9* diese Fabrik nicht gebrauchen kann, und deren sie sich zu entledigen genöthiget seyn wird. Sie muß also in dem Preise des Ganzen eine Entschädigung für den Verlust finden, welchen dieser Wiederver⸗ kauf verursacht. Wie nun aber diese Hindernisse und andere, welche wir nicht angegeben haben, übersteigen? Das einzige Mittel, welches wir kennen, ist ein ernstes Bestreben, die Wolle in allen ihren Eigenschaften kennen zu lernen. Wir kommen hier abermals auf unsere Lieblingsfolgerung zurück, und sagen den Ei⸗ genthümern:„Lernet den Werth eurer Pelze richtig schätzen, so werdet ihr in ihre Zubereitung und in ihren Verkauf eine Erfahrung bringen, die auch ge⸗ gen die Versuche der Unehrlichkeit oder der Habsucht sichern wird; ihr werdet die Umstände eurer Lage besser beurtheilen, ihr werdet mit mehr Unterschei⸗ dung den Käuser wählen, der eurem Interesse am günstigsten ist, ihr werdet endlich selbst diesen Käu— fer von dem wahren Werthe eurer Wolle unterrich— ten, und mit ihm auf weniger ungewissen Gründen einen Kauf schließen, welcher alle Mal mit gegen⸗ seitiger Rechtlichkeit verbunden seyn muß.“ Allein, ehe ein jeder Eigenthümer diese so noth⸗ wendige Kenntniß der Wolle sich verschafft hat, kann die Muthlosigkeit, welche seit einigen Jahren diesen Erwerb störet, noch mehr zunehmen, und für diesen wichtigen Zweig die traurigsten Folgen haben. Denn das bloße Lesen einer Abhandlung über die Wolle kann die Erzeuger nicht aufklären, sie müs⸗ sen noch durch praktische Beispiele in ihren Bemü⸗ hungen geleitet werden. Mehrere derselben befünden sich, durch die Natur ihrer Beschäftigungen in der Unmöglichkeit, der steten Sorgfalt, welche die gute Verwaltung einer Heerde erfordert, sich zu widmen. Endlich gibt es Hindernisse in der Beschaffenheit — 155— der Gegend oder ihrer Lage, denen sie nicht auswei— chen können. Durch die Umstände bewogen, hat die Acker— baugesellschaft von Naz die Idee einer Anstalt auf— gefaßt, deren Zweck und Nutzen wir hier anzeigen. In der Nähe der Hauptstädt, des natürlichen Mittelpunktes aller Industrie, wird diese Gesellschaft eine Heerde Merinos halten, welche durch die Ver— edlung zur äußersten Feinheit und anderen zu ver— langenden Eigenschaften der Wolle gebracht worden ist. Die Schäferei wird allen Eigenthümern oder ihren Beauftragten offen stehen. Ihr Vorsteher wird besonders die Verbindlichkeit haben, über alle, auch die kleinsten Umstände Belehrung und Weisung zu ertheilen, die gleiche oder verschiedene Beschaffen— heit unter den Proben, die man ihm von feinen Heerden vorlegen wird, mit den nöthigen Erklärun gen, zu zeigen, und endlich alle Fragen, welche an ihn können gethan werden, zu beantworten. Neben dieser Schäferei veredelter Schafe wird man eine andere sehen, ebenfalls von reiner Art, aber weniger Feinheit, welche von ausgezeichneten Böcken bedienet wird, und daselbst wird man den Gang und die Fortschritte der Veredlung verfolgen können. Wenn die Hoffnungen der Gesellschaft nicht täuschen, so wird sie außerdem einige Schafe von besonderer Art halten, die Wolle zum Kämmen her— vorbringen; dann wird man bemerken können, was man zu thun hat, um durch die Vermischung ver— schiedener Arten Schafe eine Sorte Wolle zu erhal— ten, deren unsere Fabriken glatter Zeuche bisher noch ermangeln. Die Besitzer von Merinos, welche diesen Zweig der Industrie lieben, werden zum Briefwechsel mit der Anstalt eingeladen. Die Nachrichten, welche sie — 134— ihr über die Resultate ihrer Praxis werden geben wollen, werden mit Erkenntlichkeit aufgenommen, und ihre Fragen mit Aufrichtigkeit beantwortet wer⸗ den. Aus diesem Briefwechsel und den gegenseiti— en Mittheilungen, so wie aus den Erfahrungen über verschiedene Punkte und in verschiedenen Orts— beschaffenheiten, werden Begriffe und Auseinander— setzungen hervorgehen, deren öffentliche Bekanntma⸗ chung sehr interessant seyn wird. In der Nähe der Schäferei wird die Wäsche sich befinden. Die Wolle der Anstalt, verbunden mit alter Wolle von Naz, wird daselbst gelesen, und auf die von uns angegebene und bereits ange⸗ wandte Weise kalt gewaschen werden. Diejenigen von den Eigenthümern im Lande, welche zu dieser Wäsche keine Gelegenheit haben, oder die, welche sie eingeführt, aber Schwierigkeiten im Verkauf ih— rer Wolle erfahren, werden selbige der Anstalt an-⸗ vertrauen können. Sie wird angenommen, gelesen, gewaschen und für ihre Rechnung verkauft werden, ohne daß die Anstalt, welche die unveränderlichen Gesetze, welche sie sich gegeben hat, nie überschrei— ten wird, sie selbst an sich kauft. Die Entschädi⸗ gung für ihre Bemühungen, auf welche sie ein Recht haben wird, wird dem Zweck und dem Be— streben ihrer Stifter zu Folge so mäßig, als mög⸗ lich, unveränderlich und für alle Erzeuger gleich seyn. Man wird von dem Lesen im Schweiß für das Produkt einer jeden Heerde eine genaue Rech⸗ nung halten, und selbst ein besonderes Lesen der verschiedenen Sorten von Pelzen anstellen, damit der Eigenthümer den verschiedenen Werth derselben wird beurtheilen können. Jede einzelne Sorte eines jeden Eigenthümers wird nicht besonders gewaschen werden, man wird sie aber mit denjenigen verbinden, — 135— welche dieselbe Beschaffenheit haben, und von Heer⸗ den kommen, die ihnen in der Sauberkeit gleich sind. Die Mitte des Resultats der Wäsche der sämmtlichen Sorten wird dem Eigenthümer in einer Note bekannt gemacht werden, durch welche er un⸗ terrichtet wird 1) von der Anzahl der gemachten Sorten; 2) von der Eintheilung seiner Heerde im Schweiß, in Rücksicht auf die Anzahl dieser Sorten; 3) von dem besonderen Ertrag einer jeden Klasse der Pelze, von welchen er eine besondere Berechnung wird gewünscht haben, und 4) von dem Gewichtsverlust einer jeden Sorte Wolle durch die Wäsche. Nachdem die Wolle gewaschen, getrocknet und eingepackt worden ist, wird der Verkauf angekün⸗ digt und eröffnet werden. Dieser wird für die Rechnung des Eigenthümers, unmittelbar zwischen den Fabriken und der Anstalt Statt haben, welche letztere für die Bezahlung stehen, und, um sie zu ihrer Bestimmung zu befördern, die sichersten und kürzesten Wege, einschlagen wird. So werden die Eigenthümer Nichts wagen, und mit vielen Schwie⸗ rigkeiten verschont seyn. Wenn indessen einige von ihnen gesonnen wä⸗ ren, ihre Wolle selbst zu verkaufen, sie besonders verkaufen zu lassen, oder zurück zu nehmen, so würde es ihnen frei stehen. Sie müßten aber die Anstalt vorher bei der Einsendung ihrer Pelze da— von benachrichtigen, damit sie besonders gelesen und. gewaschen würden. Diese Vereinbarung sortirter Wolle und ihr wahrer Werth in Beziehung auf den Marktpreis, der vermittelst der kalten Wäsche leicht zu schätzen ist, wird einleuchtende Vortheile, so wohl dem Ei⸗ genthümer, als den Fabriken verschaffen. Eine — 199 jede der Letzteren wird die Sorten, welche sie nö⸗ thig hat, beisammen finden, und der Eigenthümer wird für eine jede seiner Sorten den vollen Werth erhalten, weil, in beträchtlichere Quantitäten verei⸗ niget, sie nicht die Heruntersetzung erfahren, welche sie bei geringer Quantität treffen würde. Wenn aber der Vortheil des bessern Verkaufs für die Eigenthümer, und vornehmlich für die, wel⸗ che sich mit der Veredlung der Wolle beschäftigen, schon etwas sehr Wünschenswerthes ist, so sind als noch wichtiger die glücklichen Folgen zu betrachten, welche die entworfene Anstalt auf die künftige Veredlung der französischen Heerden haben kann. Schon von dem ersten Jahre an werden sorg— fältige Eigenthümer, die ihre Pelze, wie sie in der Schönheit auf einander folgen, in verschiedene Klas⸗ sen eingetheilt, und die Vorsicht gebraucht haben, die Schafe, denen sie angehörten, zu zeichnen, im Stande seyn, die Verschiedenheit des reinen Pro⸗ dukts einer jeden dieser Klassen zu beurtheilen. Sie werden sich von den auffallenden Verschiedenheiten, welche wir ihnen angegeben haben, selbst überzeu⸗ gen, und ihr Interesse wird sie antreiben, ihre Heerden auf den Grad der Feinheit und Gleichheit zu bringen, der allein einen angemessenen Gewinn verschaffen kann. Kein Bedenken wird sie mehr auf dem Wege der Veredlung zurück halten, weil sie be⸗ kannte und einleuchtende Resultate gegen einander werden zu vergleichen haben. Wenn sie indessen in dem Mangel einer zureichenden Kenntniß der Wolle noch Hindernisse finden, um ihre Schafe in Klassen einzutheilen, und die Fortpflanzungsschafe zu wäh— len, so wird die Anstalt nach ihrem bezeigten Wun⸗ sche, um ihnen in diesen wichtigen Geschäften bei⸗ zustehen, immer einen erfahrenen Schäfer oder einen anderen unterrichteten Mann halten, und ihnen den⸗ — 137— selben im Laufe des Jahres, zusenden, ohne an⸗ dere als die wegen der Entfernung nothwendigen Kosten, welche übrigens sehr gering seyn werden, weil eine gewisse Anzahl Eigenthümer derselben Pro⸗ vinz zugleich einen solchen Antrag gethan ha— ben wird. Was wir bereits vorgetragen haben, kann un⸗ sern Lesern einen zureichenden Begriff von dem Zwecke geben, welchen die Ackerbaugesellschaft von Naz sich vorgesetzt hat. Wir glauben, daß bei dem wirklichen Zustande der Merinos-Industrie in Frank— reich, eine solche Anstalt wesentliche Dienste leisten wird. Sie wird eigentlich nichts Underes seyn, als ein großer Verein von Eigenthümern, welche ein— ander mit den Resultaten ihrer Praxis und Erfah— rung dienen, und in dieser Gemeinschaft die Vor— theile finden, welche der Einzelne entbehren muß. Auch werden die Fabriken diese Anstalt mit Vergnü⸗ gen in die Wirklichkeit treten sehen. Denn wir sind weit entfernt, den ungerechten Wahn zu thei— len, welchen viele Eigenthümer gegen sie nähren, die sie, wegen des Vorzugs, den sie zu ihren schö⸗ nern Fabrikaten der fremden Wolle einräumen, der Unwissenheit, des Eigensinnes, oder des Bestrebens beschuldigen, die französischen Erzeugnisse verächtlich zu machen. Unsere persönliche Verbindung mit ei⸗ nigen der empfehlungswürdigsten Fabrikanten des Reichs hat uns überzeugt, daß die Manufakturen von der Feindschaft gegen die Eigenthümer entfernt sind, und daß im Gegentheil ihre Wünsche dahin gehen, sich von dem Tribut zu befreien, welchen sie an Deutschland entrichten müssen. Das Interesse der Fabrikanten und das der Erzeuger sind zu genau mit einander verbunden, als daß die einen lange Zeit leiden könnten, ohne daß die andern es zugleich empfänden, und sie haben gleichen Vortheil, die — 188— Verbindung anzunehmen, welche dem beiderseitigen Wohlstande so günstig ist. Endlich haben wir die Hoffnung, daß, wäh⸗ rend die von uns entworfene Anstalt des allgemei⸗ nen Vertrauens sich würdig zu machen suchen wird, sie auch den Schutz der Regierung verdienen werde, deren Sorge jetzt besonders auf die unglückliche Lage gerichtet ist, in welcher die größte Anzahl der Ei⸗ genthümer von Heerden sich befindet. Wir gehen nun auf den zweiten Theil dieses Abschnittes über, und handeln von einigen Gegen⸗ ständen, welche die allgemeinen Umstäde des Wollhandels betreffen. Von dem Marktpreis der Wolle. Es wurde ohne Zweifel eine vergebliche Be⸗ mühung seyn, die Ursachen alle angeben zu wollen, welche auf den jedesmaligen Marktpreis oder käuf⸗ lichen Werth irgend eines Gegenstandes des Han⸗ dels wirken. Dieser Preis ist so vielen zufälligen Einflüssen unterworfen, und seine Veränderlichkeit hängt von Ursachen ab, die oft so entfernt, so un⸗ stät, und so unbemerkbar sind, daß es Vorwitz seyn würde, darüber eine feste Regel geben zu wol⸗ len. Jedoch gibt es allgemeine Ursachen, deren Ge⸗ genwart sich jederzeit spüren läßt, und die zuweilen an sich mächtig genug sind, die Wirkung anderer zu lähmen. ö So steigert die Konkurrenz des Kaufs und der Mangel der Konkurrenz des Verkaufs den Markt⸗ preis, und die entgegengesetzten Umstände erniedrigen ihn. Dies ist ein allgemeiner Grundsatz des Han⸗ dels, der noch durch kein Ereigniß widerlegt wor⸗ den ist. Auf diese Konkurrenz oder auf den Mangel derselben wirken vornehmlich vier Ursachen: 1) die mehr oder weniger veränderliche Be⸗ schaffenheit der Waare, 2) die größere oder geringere Leichtigkeit, sie von einem Ort an den anderen zu schaffen, 3) das Maaß ihrer Hervorbringung, und 4) das Maaß ihrer Anwendung. Von der Beschaffenheit. Je weniger ein Gegenstand des Handels in seiner Beschaffenheit veränderlich ist, desto beständi⸗ ger ist im Allgemeinen sein Preis. Wenn man ein vollkommnes Gleichgewicht zwischen der erzeugten Quantität und dem Bedarf annimmt, so ist gewiß, daß, wenn die Beschaffenheit dieselbe ist, die Kon— kurrenz des Verkaufs und die des Kaufs in einem vollkommnen Gleichgewicht bleiben werden, weil sie sich gleichmäßig und auf dieselbe Weise über alle Theile der erzeugten Masse erstrecken, während daß, wenn die Theile von verschiedener Beschaffenheit sind, die Wirkung dieser Konkurrenz sich ausschlüß⸗ lich bald auf den einen, bald auf den anderen die— ser Theile richten kann, und dann ist das Gleichge— wicht aufgehoben, der Preis des gesuchten Theiles steigt, und der des nicht geachteten fällt. Diese Verschiedenheit des Preises bleibt dann auch nicht in den Grenzen des wahren Werthes der Beschaf— fenheit. Beispiele machen die Sache deutlicher. Zehn Holzhändler bieten, ein jeder eine Klafter Buchen— holz zum Verkauf aus, und zehen Käufer kommen, deren jeder eine kaufen will. Es befindet sich ohne Zweifel einige Verschiedenheit in der Beschaffenheit dieses Materials, im Allgemeinen aber ist sie von geringer Bedeutung, so daß sie die zehn Käufer oder die meisten derselben nicht bewegen kann, auf eine und dieselbe Klafter ausschlüßlich zu bestehen. Ein — 140— Jeber wird nun natürlich mit seinem Verkäufer be⸗ sonders um den Preis handeln, und in diesem Falle wird das Gleichgewicht der Konkurrenz erhalten, und in dem Preise keine Ungleichheit hervorgebracht werden. Betrifft aber der Handel nicht zehn Klaftern Holz, sondern zehn Scheffel Weizen, von welchen der eine vermöge der Gute der Körner, drei Vier⸗ tel Scheffel weißes Mehl, die andern aber dessen we⸗ niger geben können, so werden gewiß die zehn Käu⸗ fer, die sich dazu melden, eine Konkurrenz zum Kauf des besseren machen, und unter den Eigenthü⸗ mern des schlechteren wird eine Konkurrenz zum Verkauf entstehen. Diese beiden Umstände, außer⸗ dem, daß sie den Preis des guten Weizens steigern und den des schlechtern erniedrigen, werden noch die Wirkung haben, daß sie den hohen und den niedrigen Preis nicht in dem richtigen Verhältniß zu dem wahren Werth der Waare erhalten, so, daß der Scheffel guter Weizen, der, seinem Gehalt nach, auf 16 Franken kann geschätzt werden, für 18 Fran⸗ ken verkauft wird, und der Scherffel geringerer, der 12 Franken gelten könnte, auf 10 Franken herab ällt. Von der Leichtigkeit, die Waare von einem Ort an den anderen zu schaffen. Die Leichtigkeit einer Waare, sie von einem Ort an den anderen zu schaffen, ist offenbar einer von den Umständen, welche am meisten zur Kon⸗ kurrenz reizen, sie muß folglich auf die Veränderlich⸗ keit ihres Preises Einfluß haben. Eine untranspor⸗ table Waare ist oft dem beschränkten Zustande des Orts unterworfen, während die, welche auf vielen verschiedenen, in beträchtlichen Entfernungen befind⸗ — 141— lichen Märkten ausgestellt werden kann, die Verän⸗ derung des Preises eines jeden dieser Märkte erfährt. Von dem Maaß der Hervorbring ung. Wenn das Maaß der Hervorbringung eines Gegenstandes des Handels dem Bedarf nicht gleich kommt, so steigt natürlich sein Preis, weil eine Konkurrenz zum Kauf desselben entstehet. Dann ist auch die Verschiedenheit des Preises in Hinsicht auf seine Beschaffenheit geringer, als wenn der Käufer unter einer überflüssigen Quantität die Wahl hat, denn in dem ersten Falle muß er mit dem, was er kaufen kann, zufrieden seyn, und in dem zweiten kauft er nur das, was ihm gefällt. Der letztere Umstand ist der guten Beschaffenheit der Waare sehr günstig. Von dem Maaß des Bedarfs. Was wir von dem Maaße der Hervorbringung gesagt haben, läßt sich umgekehrt auf das Maaß des Bedarfs anwenden. Wenden wir nun das, was wir im Vorher⸗ gehenden gesagt haben, auf die Wolle der Merinos an, und betrachten sie unter den vorzüglichsten Ver⸗ hältnissen, welche wir angegeben haben, so finden wir sie wesentlich in den angegebenen vier Ursachen der Veränderlichkeit des Preises unterworfen. 1) Die Beschaffenheit der Merinoswolle ist verschieden, man findet in derselben viele Sorten. Diese Verschiedenheit trifft man nicht allein in den verschiedenen Heerden, sondern auch unter den Scha— sen einer und derselben Schäferei, und selbst in ei⸗ nem und demselben Pelze. 2) Ihr Transport ist leicht, und ihrer Güte nicht nachtheilig, die Kosten sind, nach dem Ver— hältniß der Waare gering. — 142— 3) Das Maaß ihrer Hervorbringung ist nicht beschränkt. Spanien hat seit langer Zeit aufgehört, sie ausschlüßlich zu liefern, sie wird in größerer oder geringerer Menge und mit verschiedener Oekonomie fast in allen Staaten Europens gezeugt, und die neue Welt bringt schon beträchtliche Quantitäten derselben hervor. 4) Eben so ist auch das Maaß des Bedarfs dieses vortrefflichen Materials nicht zu berechnen. Auf den ersten Anblick scheinet er dem der Hervor— bringung, welche sich täglich vermehrt, schwerlich j'mals gleich zu kommen, indessen kann man ihm keine richtigen Grenzen anweisen, wenn man er— wägt, daß, wenn die Preise der geringeren Sorten nur noch ein wenig fallen, diese Sorten sehr stark angewendet werden dürften, und die gemeine Wolle zu allen Gegenständen ersetzen werden, zu welchen diese letzteren nicht unumgänglich nothwendig sind, und außerdem, daß glückliche Umstände ferner den Luxus begünstigen, alle Klassen in Wohlstand ge⸗ langen, und Millionen Individuen ihre groben Kleider gegen andere von weniger grobem Tuch ver⸗ tauschen, und dadurch ein jährlicher Verbrauch von Merinoswolle, der der erzeugten Quantität dersel— ben angemessen ist, nothwendig wird. Jedoch ehe wir auf diese noch ungewissen Aussichten einige Vermuthungen in Ansehung des künftigen Preises der Merinoswolle zu gründen wagen, wird es, wie wir glauben, nicht ohne Interesse seyn, kürzlich zu untersuchen: 1) Welches das der Wirklichkeit sich nahende Verhältniß unserer Erzeugung zu dem wirklichen Bedarf für unsern inneren Verbrauch und für un⸗ sere Ausfuhr der Wolle, des Tuchs und der Zeu⸗ che ist. 2) Wie hoch unsere Einfuhr sich beläuft, und wie sie mit den Umständen unserer Erzeugung und unserer Ausfuhr zu vereinigen ist. Wir glauben nicht, daß bei dem Minister des Inneren sich ein neueres Verzeichniß der Schafe be— findet, als das, woraus Hr. Chaptal die Grün de der Berechnungen geschöpft hat, welche sein wichtti⸗ ges Werk über die französische Industrie enthält. Das Verzeichniß, welches wir vor uns haben, gehet bis 1812. Nach Hr. Chaptal besaß Frankreich im Jahre 1818 766,310 Merinos, 3,578,748 Bastarde und 30,843,852 gemeine Schafe überh. 35,188,910 Stück, und zeugte Merinoswolle im Schweiße 790,175 Kilogr. Bastardwolle—— 3,901,881— Gemeine Wolle—— 33,236,487— zusammen 37,928,543— Es ist anzunehmen, daß dies letztere Verzeich⸗ niß nicht bis auf denselben Zeitpunkt gehet, wie das Verzeichniß der Schafe, denn es ist zwischen beiden ein offenbares Mißverhältniß. Das mittlere Gewicht der Merinospelze würde nicht mehr, als 1436 Kilo⸗ grammen betragen, das der Bastardpelze 115/ und das der gemeinen Pelze 1755, da man einen Me— rinos- und einen feinen Bastardpelz nicht unter 225 Kilogramm und einen gemeinen Pelz nicht unter 14 Kilogramm schätzen kann. Im Jahre 1809 rechnete schon Hr. Tessier vier hundert Tausend Merinos. Diese Anzahl ist nach— her sehr vermehrt worden, indessen tragen wir Be— denken, an eine so beträchtliche Vermehrung zu glauben, wie die aus der Berechnung des Hrn. Chaptal hervorgeht, und wir wissen nicht, auf — 144— wülche Angaben dieser gelehrte Minister das Ver⸗ zeichniß von 1812 abgeändert hat, um auf den Zustand von 1818 zu kommen. Wir haben selbst über diesen Gegenstand viele Nachforschungen angestellt, haben alle davon han⸗ delnde Schriften gelesen, und sind glücklich genug gewesen, auf mehreren Reisen in verschiedene Ge⸗ genden des Reichs uns interessante Nachrichten zu verschaffen. Jedoch halten wir es für sehr wichtig, daß bei dieser Untersuchung die Verwaltung dazwischen tritt, und eine neue allgemeine Zählung der Schafe veranstaltet. Ohne diese können alle Berechnungen nicht anders, als äußerst ungewiß, und es würde unklug seyn, sich zu sehr an die Folgen zu halten, die aus denselben herfließen. Wir geben daher un⸗ sere eigene Meinung über die Erzeugung mit wah⸗ rer Furchtsamkeit hier an, und wagen einige Fra⸗ gen, die dieselbe betreffen. Nach unserer Berechnung werden in Frankreich 4/400,000 Kilogrammen Merinoswolle, 6,500,000—— Bastardwolle und 58,500,000— gemeine Wolle— zusamm. 46,400,000—— gezeugt. Wenn wir nun fragen, welches der der Wahr⸗ heit am nächsten kommende Verbrauch dieses Mate⸗ rials seyn kann, so stoßen wir auf noch größere Schwierigkeiten, sie richtig zu lösen. In einer interessanten Denkschrift, welche Hr. de Gasparin an die Gesellschaft zur Aufmunterung der National-Industrie gerichtet, und nachher dem Druck übergeben hat, glaubt derselbe, man konne im Durchschnitt den Verbrauch eines jeden Indivi⸗ duums in Frankreich zu Elle Tuch anschlagen, und diese halbe Elle erfordere wenigstens 1 Kilo⸗ gramm und 45 Centimen Wolle im Schweiß. — 145— Da nun die Bevölkerung 13 Millionen beträgt, so würde der Bedarf 43 Millionen 6 Mal hundert Tausend Kilogrammen seyn. Die Basis, deren Hr. de Gasparin sich bedient hat, scheinet uns sehr gut ausgedacht zu seyn, sie gibt aber Resultate, welche geringer sind, als die, welche wir auf verschiedenen Reisen erlangt haben. Nach unseren Berechnungen erstreckt sich der innere Verbrauch auf ein und funfzig Millionen fünf hun— dert Tausend Kilogrammen an allen Sorten Wolle, und in dieser ganzen Masse beträgt die feine Wolle oder die Bastardwolle acht Millionen Kilogrammen, anstatt sechs Millionen, auf welche Hr. de Gaspa⸗ rin sie beschränkt. Die Verzeichnisse der Zölle haben genaue Be⸗ richte über die Ausfuhr gegeben. Wir haben in dem Auszuge, den wir daraus gemacht haben, den Ge— wichtsverlust der Wolle bei den verschiedenen Wä⸗ schen, welchen sie unterlegen hat, so annahend, als möglich, geschätzt, sie auf diese Weise ganz in den Zustand des Schweißes zurück geführt, und gefun⸗ den, daß ausgeführt worden ist im Jahre 1820 an feiner Wolle 673,000 Kilogr. und an gemeiner Wolle 157,000 im Jahre 1821 an feiner Wolle 532,000 Kilogr. und an gemeiner Wolle 192,000 im Jahre 1822 an feiner Wolle 521,000 Kilogr. und an gemeiner Wolle 205,000 Kilogrammen. Die mittlere Ausfuhr dieser drei Jahre ist 675,000 Kilogrammen feine Wolle und 185,000—— gemeine Wolle. Mit derselben Genauigkeit haben wir die Quan⸗ titäten der feinen und gemeinen Wolle, die in un⸗ sere Fabriken gekommen und als Gewebe ausge— 10 — 146— führt worden sind, geschätzt, wozu uns die Anga⸗ ben der Natur der Stoffe in den Verzeichnissen der Zölle in den Stand setzten. Ausfuhr an Geweben im Jahre 1820 feine Wolle 2,400,000 Kilogramm. gemeine Wolle 1,600,000 Kilogr. im Jahre 1821 feine Wolle 1,800,000 Kilogramm. gemeine Wolle 1,700,000 Kilogr. im Jahre 1822 feine Wolle 1,900,000 Kilogramm. gemeine Wolle 1,300,000 Kilogr. Die mittlere Ausfuhr dieser drei Jahre beträgt an feiner Wolle 2,033,000 Kilogrammen, an gemeiner Wolle 1,533,000 Kilogrammen. Wenn wir diese verschiedenen Angaben wieder⸗ holen, so finden wir: Daß unsere jährlichen Bedürfnisse zum inneren Verbrauch in 8,000,000 feiner u. 48,500,020 gem. Wolle bestehen, unsere Ausfuhr in Natur in 575,000—— 185,000— Die Ausfuhr an Geweben, nach der Wolle u. imSchweiße geschätr, in 2088,000—— 1583000— unser ganzer Bedarf also in. 10,608,000—— 45,218,020— Nun zeugen wir 7,900,000 feine u. 38,500,000— Es gehet uns also ab 2,708,000—— 6,718,000— — 147— Wir kommen nun auf unsere Einfuhr. Den Gewichtsverlust in Anschlag gebracht, wel— chen die verschiedenen Sorten der eingeführten Wolle, zu Folge der, in den Ländern, aus welchen sie nach der Angabe der Zollämter kommen, üblichen Wä— schen, erleiden müssen, finden wir, daß wir eingeführt haben i. J. 1820 976,000 feine u. 4,677,000 gem. Wolle, i. J. 1821 1,400,000—— 8,164,000—— i. J. 1822 4,020,000—— 8,857,000—— Die mittlere Einfuhr der drei Jahre beträgt 2,132,000 Kilogrammen feine und 7,233,000—— gemeine Wolle. Aus dem, was wir dargelegt haben, folgt, daß unsere Erzeugung feiner Wolle für unseren Ver⸗ brauch nicht zureicht, und daß wir zu un— serer Ausfuhr noch eine Quantität anzuwen⸗ den haben, welche dem dritten Theile derselben gleich kommt, und gleichwohl ist diese Wolle im Preise so herunter gesetzt, daß unsere Erzeuger sich genöthiget gesehen haben, sie in Magazinen anzu⸗ sammlen, oder für ein niedriges Geld zu verkaufen. Dadurch ist der größte Theil derselben muthlos ge— worden, was auf unseren Landbau und auf unsere Fabriken sehr traurige Wirkungen haben kann. Woher kommt nun dieser Zustand? Wir finden. zwei vorzügliche Ursachen desselben. Erstlich zeuget Frankreich eine zu kleine Quantität ganz feine, zur Verfertigung seiner sehr schönen Tücher anwendbare, Wolle, so daß die Einfuhr derselben aus dem Aus— lande eine unumgängliche Nothwendigkeit ist, wenn man nicht den hohen Ruf, in welchem unsere vor— züglichen Manufakturen stehen, will sinken und da⸗ 10* — 148— durch überhaupt die französischen Fabriken in Ver⸗ fall gerathen sehen. Zweitens können wir es in der Erzeugung der feinen Wolle anderen Ländern Europens und der neuen Welt nicht gleich thun, wo sie bei einer Oekonomie hervor gebracht wird, welche alle Konkurrenz für uns vernichtet. In manchen Ländern bestehet nehmlich der Gewinn des Oekonomen in der Hälfte, auch wohl in drei Vier⸗ theilen der aufgewandten Kosten, in einigen in noch Mehrerem. Herr Pictet de Lancy gibt den Ertrag seiner Niederlassungen in Odessa auf acht Neun⸗ theile an. Um über den Einfluß, welchen die ausländische feine Wolle auf den Preis unserer französischen fei⸗ nen Wolle hat, richtig zu urtheilen, darf man sich nicht bei der Einfuhr der letzteren Jahre aufhalten, deren Resultat wir unseren Lesern vor die Augen gelegt haben. Es ist einleuchtend, daß eine weit größere Quantität, als die letztere, trotz des neuen Zolls, der darauf gelegt worden ist, hätte eingefuhrt werden können, wenn die französischen Erzeugnisse nicht so außerordentlich wären herunter gesetzt wor⸗ den. Es ist mehr der Zusammenfluß dieser aus⸗ ländischen Wolle auf allen Märkten Europens, als ihre wirkliche Einfuhr, was die unsere herunter ge— setzt hat, und wir glauben, daß, wenn der Ein⸗ gangszoll nicht so sehr erhöhet würde, daß er einem Verbot gleich käme, wir nicht dahin gelangen wer— den, daß wir den Wirkungen ihrer Konkurrenz ent⸗ ehen. geh Wurde aber nicht eine solche Erhöhung auf ei⸗ ner anderen Seite große Unannehmlichkeiten erzeu⸗ gen? Würde sie nicht dem Fortgange unserer Fabri⸗ ken nachtheilig seyn? und hängt nicht von ihrem Fortgange die Erzeugung ab? Könnte man in den Prämien der Ausfuhr, so beträchtlich sie auch seyn — 149— möchten, Entschädigungen finden, welche den Vor— theilen gleich kämen, die der niedrige Preis dieses Materials den auswärtigen Manufakturen zu ge⸗ nießen gibt, und wenn diese Prämien, die außer⸗ dem nur dem Schatze zur Last fielen, nicht zureich— ten, in welche Gefahr würden unsere Fabriken ge— rathen? Denn, wenn ihre Handelsverbindungen auf— gelöset sind, so lassen sie sich nicht so leicht wieder herstellen. Der alte Ruhm, den sie sich immer im Glanze zu erhalten bestrebten, nützet ihnen nicht mehr, und die Engländer, die Niederländer, die Sachsen und die Preußen würden sich bald diese neuen Umstände zu Nutzen gemacht haben. Noch mehr. Wir würden vielleicht Fabriken sich erheben und gedeihen sehen in Ländern, welche bisher unse⸗ rer Industrie zinsbar waren. Allein es ist nicht genug, daß wir die Augen auf unsere und auf die Lage anderer Länder rich⸗ ten; es ist nicht genug, daß wir die Wirklichkeit des Uebels beweisen, wir müssen auch ein Mittel gegen dasselbe finden. Wir glauben, daß die größten Schwierigkeiten sich darstellen, wenn man dieses Mittel in Nebensa— chen sucht, und nicht dem Uebel selbst auf die Wur— zel dringet. Wir würden uns in großer Verlegen⸗ heit befinden, wenn wir unsere Meinung sagen soll⸗ ten, ob ein neuer Zolltarif in Ansehung der Ein— fuhr der fremden Sorten feiner Wolle mehr oder minder nothwendig oder nützlich sei; eben so wenig wagen wir es, über den gegenwärtigen zu urthei— len, denn wir können die Zollverwaltung in der Angelegenheit der Industrie der französischen Wolle nicht anders, als unmächtig betrachten, und sie da— her auch nicht, wie einige Eigenthümer gethan ha— ben, der Vernachlässigung des Interesses dieser In⸗ dustrie beschuldigen. — 150— Nach unserer Meinung kommt die ganze Sache einzig auf die Beschaffenheit der Wolle an; folglich ist die Veredlung unserer Erzeugnisse das alleinige Mittel, das Uebel zu heilen, an welchem wir lei⸗ den. In der Einleitung unseres Werks haben wir die Umstände, in welchen sich die Eigenthümer der Heerden gegenwärtig befinden, angegeben, und hof⸗ fen, daß sie dieselben überdenken, und einsehen wer⸗ den, daß sie einzig durch ihre eigenen Bemühungen in eine bessere Lage sich erheben können. Wir kehren auf den Hauptgegenstand, auf den künftigen Preis der Wolle zurück, da der gegenwär⸗ tige Abschnitt allen dem gewidmet ist, was dem Verkauf dieses Materials betrifft. Die Muthma⸗ ßungen, welche wir über denselben mitzutheilen wa⸗ gen, sind eine Art von Wiederholung der Ausein⸗ andersetzungen, in welche wir eingegangen sind. So glauben wir, 1) daß die weniger feinen Sorten Wolle durch den Ueberfluß ihrer Hervorbringung im Preise sinken werden— wenn auch nicht in Frankreich selbst, doch wenigstens im Auslande, und daß dadurch, wenigstens auf so lange, als sich diese nicht vermindert, eine Konkurrenz für den Verkauf entstehen wird. Y Daß die schönsten Sor⸗ ten sich noch lange Zeit in hohen Preisen erhalten werden, weil man sie nicht im Ueberfluß her— vorbringt, und weil sich die Konkurrenz auf die vorzüglichen Sorten wirft, und die geringeren Sorten im Ueberfluß vorhan— den sind. Wir wollen uns also ernstlich und ohne Zögern mit der Veredlung unserer Wolle beschäftigen. Um aber dahin zu gelangen, müssen wir ohne Beden⸗ ken allen fehlerhaften Systemen der Erziehung, die ihr entgegen sind, entsagen. Die ersten Fortschritte werden dem Oekonom schon durch den Vorzug be⸗ — 151— zahlt werden, welchen unsere Fabriken seinen Er⸗ zeugnissen vor der ausländischen feinen Wolle ge— ben werden, deren Preis sie jederzeit verleiten wird, so lange unsere Sorten nicht besser seyn werden. So wie der Erfolg unserer Bemühungen immer be⸗ merkbarer wird, so werden sie uns immer feinere, und dann jene ganz feine Wolle liefern, welche, bei der allgemeinen Heruntersetzung, in einem so hohen Preise stehen geblieben ist. Wenn die Bedürfnisse unserer Fabriken werden befriediget seyn, so werden wir vortheilhaften Absatz nach England, in die ver⸗ einigten Staaten und in mehrere Länder finden, und vor den Erzeugern in Sachsen den Vorzug er⸗ halten. Denn Frankreich hat eine bessere Lage, als diese, durch welche wir starken Vertrieb gewinnen können. Endlich, wenn man uns in allem nach⸗ ahmt, wenn die zahlreichen auswärtigen Heerden mit der Zeit sich ebenfalls veredeln, so wird die ganz feine Wolle ohne Zweifel im Preise sinken, wir werden aber jederzeit den Vorzug genießen, den Weg der Veredlung zuerst betreten zu haben, und die vorzüglichen Fabriken in der Welt mit dem besseren Material versehen zu können. Wenn wir dagegen die Ausländer allein auf diesem Wege fortschreiten lassen, so müssen wir in unserer Oekonomie auf die Erzeugung der feinen Wolle Verzicht thun, weil sie dann verderblich für selbige seyn würde. Auf den Einwurf, die ganz feine Wolle sei ausschlüßlich nur zu gewissen Anwendungen geeig⸗ net, und ihre zu große Erzeugung könne mit der Zeit beschwerlich werden, glauben wir nicht erst antworten zu dürfen. Um unseren Lesern durch Thatsachen von der Wichtigkeit der Wolle als Material, einen vollstän⸗ digen und von den Wirkungen der darauf gelegten Zolle einen richtigen Begriff zu geben, theilen wir — 152— ihnen aus dem Edimburger Review, vom Oktober 1823, folgende Bemerkungen mit. Obgleich in England die Fabrikation baumwol— lener Waaren die Fabrikation wollener Waaren übertrifft, so ist doch die letztere eben so wohl eine der Hauptquellen des Reichthums und der Macht. Sir F. M. Eden schätzet den Werth der Produkte der Wollenmanufakturen, die jährlich in diesem Lande verbraucht werden, auf eilf Millionen Sterling. Fügt man zu diesen eine Ausfuhr von ungefähr sieben Millionen hinzu, so erhält man ungefähr achtzehn Millionen Sterling. Der Werth der Wolle wird im Allgemeinen auf den dritten Theil der Manufakten geschätzt. Die Fa— brikanten haben den achtzehnten Theil Gewinn, von welchem sie ihre Werke unterhalten; das Uebrige dienet zur Bezahlung der Arbeiter, die eine Anzahl von beinahe einer halben Million und hundert Tau— send, den dreizehnten Theil der Bevölkerung Groß— britanniens, ausmachen. Die Eigenthümer der Heerden trieben die Mi⸗ nister, die ausländische Wolle mit einem Eingangs— zoll zu belegen. M. Vansittard, welcher ihrer Stimme bedurfte, um andere Taxen bei dem Par— lament durchzusetzen, bewilligte ihnen im Jahre 1819 die Erhöhung des alten Zolls auf die eingeführte fremde Wolle von drei Viertheilen Denier auf das Pfund bis auf sechs Denier. Die jährlich erzeugte Quantität der inländischen Wolle wird auf beinahe hundert und vier und vierzig Millionen Pfund geschätzt. Angenommen, diese Schätzung sey übertrieben, und sie bestehe nur in hundert Millionen, so erhielten dadurch die Eigenthümer eine starke Aufmunterung, wenn sie sich nicht, wie wir sogleich sehen werden, getäuscht hatten. Kaum war der Zoll eingeführt, so nöthigten sie durch ihre PPPP wiederholten Klagen M. Vansittard, die neue Zolltaxé zu widerrufen, welche besonders sie selbst drückte. Nachher hat der Handel mit ausländischer Wolle in England außerordentlich abgenommen. Die besseren englischen Oekonomen geben zu, daß die Manufakturen Frankreichs, Sachsens und Preußens Produkte liefern, welche die der engli— schen Fabriken an Güte übertreffen, oder wenn nicht wohlfeiler, doch eben so gut sind, daß diese Produkte im Norden und in der Levante die engli— schen drücken, und in den beiden Amerika's und in China, nicht nur in Ansehung feiner, sondern auch gröberer Gewebe mit ihnen zu wetteifern an⸗ fangen. Man spüret, daß der Eingangszoll den englischen Manufakturen Nichts geholfen hat, die Konkurrenz zu behaupten, weil der Preis der ge— meinen ausländischen Wolle auf fast zwanzig Prozent, und der Preis der feinen, den Fabriken unentbehrlichen, auf zehn Prozent, stieg, von welcher letzteren in den verflossenen Jahren von 1809 bis 1819, jährlich im Durchschnitt eine Quan— tität von eilf Millionen Pfunden ist eingeführt worden, ein Drittheil um den Preis von zwei Schillingen und sechs Deniers, die übrige für fünf Schillinge. Auch während die Ausfuhr von inländischer langer Wolle, die nie mit Zoll be— laden war, nach 1819 sich mehr vermehrte, als ab— nahm, hat die der Fabrikate von kurzer, oder ge— mischter Wolle sich äußerst vermindert, was fol— gende Verzeichnisse beweisen. — 154— Verzeichniß der Fabrikate von kurzer Wolle, welche die Wirkungen des Zolls vorzüglich erfahren. Im Jahre 1816 für 7,388,479 Sterling, 1817— 65,872,191* — 1818— 6,498,250 159 879,7— 1820— 4,501,354— — 1821— 3,742,0590— — 16822— 4,432,072— Verzeichniß der Ausfuhr der Fabrikate, von gemischter Wolle, die nur zum Theil vom Zoll getroffen werden. Im Jahre 1816 für 664,543 Sterling, —— 1817— 462,724- —— 1818— 506,062 2— —— 1819— 614,532——8 —— 1820— 391,978—— —— 1821— 328,180* — 8,9433.— Verzeichniß der Ausfuhr der Fabri— kate, von langer Wolle, auf welchen kein Zoll liegt. Im Jahre 1816 für 2,167,944 Stauns, —— 1817— 2.069, 612 *— 1818— 1,954,915— —— 1819— 2,603,354— —— 1820— 2,46,381 —— 1821— 2/„208,925— —— 1822— 2,480,521—— WieEl 2—.—— — 155— Nehmen wir diese drei Verzeichnisse zusammen, so haben wir den ganzen Betrag der Ausfuhr der Fabrikate von allen Sorten englischer Wolle. Hier— bei ist der Einfluß, welchen die politischen Ereig— nisse von 1815 auf die Ausfuhr von 1816 hatten, in Anschlag zu bringen. Hieraus gehen die Wirkungen eines Zolls her— vor, der nicht mehr, als vier hundert Tausend Ster— ling eingebracht hat. Auf einer anderen Seite fanden die Eigenthü⸗ mer, daß sie sich sehr verrechnet hatten, indem die Manufakturen weit weniger gearbeitet, folglich die englische Wolle weit weniger verlangt hatten, und dadurch der Preis derselben, anstatt zu steigen, gefallen war. Die Fabrikanten hielten mehrere Unterredungen mit den Ministern. Nach langen Rathschlägen sagte ihnen zuletzt Lord Liverpool:„Die Minister wür⸗ den die Taxe widerrufen, wenn die Fabrikanten in die freie Ausfuhr der englischen, oder langen Wolle einwilligten.“ Ein lächerlicher Vorschlag! da die, welche die kurze Wolle anwenden, die Taxe allein tragen, während die, welche der lan— gen sich bedienen, es sehr vortheilhaft für sich fin— den, das Verbot der Ausfuhr derselben zu erhal— ten. Allein ein Engländer trägt kein Bedenken, durch eine Lächerlichkeit, sich aus einer Verlegenheit zu ziehen, und die Fabrikanten werden gewiß nicht darüber gelacht, sondern den Sinn derselben voll-⸗ kommen begriffen haben,„daß die Regierung Geld brauche, und daß man ihnen deshalb nicht willfah— ren könne.“ Ein Grund der Unveränderlichkeit so mancher Auflage!— Da das Wohl unseres Vaterlandes und das Glück unserer Mitbürger der einzige Grund der Ab— fassung dieser Schrift ist, so muß es nothwendig unser innigster Wunsch seyn, daß sie in ihrem gan⸗ zen Inhalte nach aller Möglichkeit wirke. Hat man ein Buch nur ein Mal gelesen, so fällt sein Inhalt, unter dem Drang anderer Geschäfte, in kürzerer oder längerer Zeit in einen Haufen dunkler Ideen zusammen, die immer unwirksamer, und selbst durch Anlaß nicht geweckt werden. Das nächste und beste Mittel gegen diese Vergessenheit ist eine kurze Wiederholung der vorgetragenen Hauptsätze. Dadurch werden sie nicht nur dem Geist in ihrer Ordnung vorgestellt, sondern auch Alles, was bei denselben gesagt worden ist, wird in das Gedächtniß zurückgerufen, mit einander vereiniget, und bestimmter und klarer. Nach einer zweiten Lesung der Schrift und der kurzen Wiederholung ihrer Hauptsätze sie— het dann der Leser den ganzen Inhalt im Zusam— menhang und in voller Klarheit, und er darf nur anfangen, sie zum dritten Mal zu lesen, so findet er, daß Alles, was er lieset, bereits in seinem Ge⸗ dächtniß befindlich ist. Die Untersuchung der Wolle ist ein eben so nützliches, als nothwendiges Geschäft. Die wesentlichen Eigenschaften der Wolle sind die Feinheit, die Weichheit, die Festigkeit und die elastischen Eigenschaften. Die gewöhnliche Form der ganz feinen Wolle bestehet in den regelmäßigen Bogen ihres Haares und in deren Gleichheit in der ganzen Länge des⸗ selben. Man kann, bis auf einen gewissen Punkt, nach der Anzahl und Regelmäßigkeit der Bogen, die es in seinem Schweiße darstellt, die Feinheit des Haares beurtheilen. Die Eigenschaften der Wolle stehen untereinan⸗ der und mit dem Zustande der Haut in genauen Verbindungen. Eine große Fleischigkeit, ein hoher Wuchs, dicke Gestalten und Falten in der Haut schließen die äu— ßerste Feinheit aus. Einen noch schlimmeren Einfluß haben Krank— heiten, Spärlichkeit an Futter und andere ähnliche Umstände auf die Eigenschaften der Wolle. Die Wolle ist um so feiner, als die Haut, die sie hervorgebracht hat, weniger dick ist. Die Feuchtigkeit, die Hitze der Sonne, die fremden Substanzen, die sich an den Pelz hängen, und die Reibungen und Ausdehnungen, welchen sie oft ausgesetzt ist, sind die vorzüglichsten Unstände, welche der Wolle im Zustande ihres Wachsens schaden. In Ansehung ihrer Anwendung in den Fabri⸗ ken, muß die Wolle in zwei hesondere Klassen ein— getheilt werden, nehmlich in Krämpelwolle und in Kammwolle. Ueber den Werth der Krämpelwolle gibt die Theorie des Walkens die besten Belehrungen, indem die vorzügliche Eigenschaft dieser Wolle in der Ver⸗ bindung aller der elastischen Kräfte hestehet, die ein gutes Filzen bewirken. Die Wolle von der äußerstem Feinheit filzet am stärksten. Die Tücher, welche von der allerfeinsten Wolle verfertiget sind, vereinigen im höchsten Grade alle — 158— erforderliche Eigenschaften, sie sind fest, dauerhaft, undurchdringlich, fein, leicht und kernig. Eigentliche Kammwolle mangelt in Frankreich, die Einführung von Schafarten, die sie hervorbrin— gen, würde für die Industrie höchst nützlich seyn. Die Anzeichen, welche man von dem äußeren Aussehen der Merinospelze zur Beurtheilung ihres Werthes, abnehmen kann, sind oft täuschend. Die eigentliche Dichtigkeit darf man nicht mit der anscheinenden Dichtigkeit verwechseln. Die er— stere kommt nur auf ganz feinen Schafen vor, die letztere auf denen von mittlerer Feinheit. Der Vortheil, welcher aus der gleichen Feinheit eines und desselben Pelzes hervorgehet, ist jederzeit sehr wichtig, vornehmlich bei ganz feinen Pelzen. Man kann ein Schaf nicht als genugsam ver—⸗ edelt betrachten, wenn es nicht wenigstens vier Fünftheile des Gewichts seines Pelzes Prime von der ersten Güte gibt, und nicht der übrige fünfte Theil aus sieben Achttheilen guter Wolle und einem Achttheil schlechter oder Abgang bestehet. Es ist unmöglich, daß wahre Gewicht zweier Pelze gegen einander zu beurtheilen, wenn man sie in ihrem Schweiße wiegt, weil man den Gewichts-⸗ verlust nicht genau bestimmen kann, den sie durch die Wäsche erfahren. Der Gebrauch der zweimaligen Schur, welche man in Ansehen bringen zu wollen scheinet, un— ter dem Vorwand, daß sich das Mittel darbietet, die Fabrikanten, welche kurze Wolle bedürfen, da⸗ mit zu versehen, kann bei feinen Heerden nicht ohne Nachtheil eingeführt werden. Man täuscht sich gänzlich, wenn man durch selbige die Wolle zu veredeln gedenkt, denn nimmermehr wird sie eine Mittelwolle zu einer ganz feinen machen, die mit allen Eigenschaften, welche die feine Fabrikation erfordert, versehen ist. Der Erzeuger kann nie den Preis erhalten, welcher dem wahren Werthe seiner Wolle gemäß ist, wenn er sie im Schweiß verkauft, und über— haupt, wenn er sie nicht vorher lieset, oder we— nigstens die verschiedenen Pelze von einander sondert. Die Eintheilung der Heerde muß der Schur vorangehen, und unmittelbar darauf das Lesen folgen. Die Wäsche am Schafe und die heiße, oder die Kaufmannswäsche, sind mit vielem Unge— mach verbunden. Die kalte Wäsche nach der Schur vereiniget alle Vortheile, welche man verlangen kann. Der Grad der Sauberkeit, der Betrag der verschiedenen Sorten, welche aus dem Lesen her— vorgehen, der Grad der Schönheit einer jeden derselben können in dem Werthe zweier Pelze Ver— schiedenheiten hervorbringen, wodurch der eine weit mehr werth ist, als der andere. Da das wahre Interesse des Erzeugers in der Vermehrung der Schafe, die ihm Nutzen brin— gen, und in der Verminderung derer bestehet, die ihm zur Last sind, so muß er über den Ertrag der⸗ selben in Betreff jedes Einzelnen Rechnung führen, damit er die einen von den anderen unterscheiden, und über ihren Werth urtheilen kann. Die Wäsche, welche wir empfohlen haben, wird dem Eigenthümer den Verkauf seiner Erzeug⸗ nisse sehr erleichtern. — 160— Der Preis der Wolle ist natürlich großen Ver⸗ änderungen unterworfen, die Umstände aber begün⸗ stigen jederzeit die besten Sorten, oft sogar in ei— nem Verhältniß, welches ihren wahren Werth übersteigt. 221 0 ö Alle Bemühungen müssen daher auf die Ver⸗ edlung der französischen Wolle gerichtet seyn, und diese Veredlung allein kann die niederschlagende Lage, in welcher der größte Theil der Eigenthümer der Heerden sich befindet, in eine erfreuliche verwandeln. *—.———— lͥᷓ́ᷓA—ö 84 8