2 1 2 1 . & L N DX D — 42 ——j 8 1 1 A 3 — gedruc —.————— 3—— .— S * 7 V F,. Johann Ingen⸗Housz K. K. Hofraths und Leibarztes, der Königl. Gesellschaft der Wissenschaften zu London, der Batavischen Gesellschaft der Expe⸗ rimentalphilosophie zu Rotterdam ꝛc. ꝛc. Mitglieds Vermischte chriften physisch⸗ medicinischen Inhalts. Uibersetzt und herausgegeben v on Nicolaus Carl Molitor. Zweyte, verbesserte und mit ganz neuen Abhändlungen vermehrte Auflage. Mit Kupfertafeln. 5 r 305 r* aen d. 0 OEOI ö WJ EN, gedruckt und verlegt bey Christian Friderich Wappler⸗ Lurmu. 17 8§ 4. ————————— Si quid novisti rectius istis, Landidus imperti; si non, his utere mecum. HoRATIUSs. Diem Hoch würdigsten Fürsten uen d Herrn Herrn Friderich Carl Joseph, dee 5 Heiligen Stuhls zu Maynz Erzbischofe, des Heiligen Römischen Reichs durch Germanien Erzkanzler und Churfürsten, Fürst⸗ Bischofe zu Worms, ꝛc. ꝛc., meinem Gnädigsten Churfürsten uen d Landesherrn. Hochwürdigster Erzbischof, Gnädigster Churfürst und Herr Herr. Won ich noch vor dem Antritte des mir gnädigst übergetragenen Lehramtes der Chymie, Pharmacie und Materia medica an der von Ew. Churfürstlichen Gnaden wiederhergestellten Universität zu Maynz die Herausgabe dieses Werkes zu bewerk⸗ stelligen suchte, so geschahe es vorzüglich in der Absicht, um einigermaßen Rechen⸗ schaft zu geben, wie ich mich zu einem so wichtigen Amte vorbereitet habe. Ich wa— ge es daher in tiefester Ehrfurcht, diesen schwachen Versuch zu den Füßen Ew. Chur⸗ fürstlichen Gnaden unterthänigst-gehor⸗ *3 samst samst niederzulegen. Das Ziel meiner Wün⸗ sche würde erreicht seyn, wenn er so glück⸗ lich seyn sollte, Höchstdero erleuchtetesten Beyfall zu erhalten, und durch die gänzli⸗ che, rastloseste Verwendung meiner Kräfte zum Dienste meines Vaterlandes werde ich mich ferner jener Hulden würdig zu ma⸗ chen bestreben, zu welchen ich mich in tie⸗ fester Unterthänigkeit erlasse ht Ew. Churfürstlichen Gnaden, 105 meines gnädigsten Churfürsten und Herrn sh H l ge unterthanigst gehorsamster Knecht N. C. Molitor. 4— S. 55— 4 * Dih tetud e⸗ 5 Congen⸗Houszens Anfangsgründe der Elek⸗ rtricität vom April 1781 und seine ver⸗ mischten Schriften vom März 1782 hatten ei⸗ nen Absath, den Schriften eines bloßen phy⸗ sischen Inhalts nur selten erleben, und zu mei⸗ nem nicht geringeren Erstaunen als Vergnuüͤ⸗ gen gieng mich der Verleger schon zu Anfang des Jahres 1783 um die Erlaubniß an, er⸗ *4 stere VIII vorrede. stere neu auflegen zu dürfen, und gegen das Ende desselben Jahres geschahe das nämliche der vermischten Schriften wegen. Die dar in behandelten Gegenstände waren alle noch zu neu und von der Beschaffenheit, daß sie sich täglich unter der Hand vermehrten und ver⸗ bollkommneten, und selbst zu ganz neuen Ab⸗ handlungen Anlaß gaben; ich nahm daher um so weniger Anstand, diese zweyte Auflage zu veranstalten, als ich den persönlichen Umgang des Herrn Verfassers nur noch auf kurze Zeit zu genießen hatte. In dem ersten Bände befindet sich alles, was mit der Elektricität in Beziehung stehet, beysammen, und der zweyte Band enthält vor⸗ züglich Gegenstände der Luftlehre, und ganz sicher wichtige Beyträge darzu. Die Abhand— lung über die dephlogistizirte Luft ist fast ganz umgeschmolzen, und das mit Recht sogenannte In⸗ Vorrede. IX Ingen⸗Housz'sche System, der Einfluß des Lichts und Schattens, oder des Tages und der Nacht, auf die Pflanzen(O, die schön⸗ ste und wichtigste Entdeckung unseres Jahr⸗ hunderts, erscheinet hier mit Bestättigungen, die auch den stärksten Zweifler bis zur gänzli⸗ chen Uiberzeugung bringen sollen. —.5 Von (0 Die ersten Grundpfeiler dieses Systemes, bie Herr Ingen-⸗Housz in seinem Werke über die Pflan⸗ zen legte, hat man seither theils aus vorgefaßter Meinung, theils aus Mangel der nöthigen Kennt⸗ nisse zu untergraben gesucht. Allein Herr Ingen⸗ Houßz bemühte sich, es immer mehr und mehr zu befestigen, und ich glaube es wird nun gegen jeden Anfall unerschüttert stehen, und ewig wahr bleiben: nur sind die Beweisgründe und Be⸗ stät⸗ X Vorrede. Von den vier Kupferplatten, die sich bey der ersten Ausgabe befanden, mußten we⸗ gen den vielen Verbesserungen der Werkzeu⸗ ge drey von neuen gestochen werden. Hierzu kommt noch eine fünfte, welche die Untersu⸗ chungen des Herrn Verfassers über die Na⸗ tur und den Ursprung der Priestley'schen grünen Materie beleuchten soll. Der Le⸗ ser wird ihm für die unendliche Mühe von bey⸗ stättigungen desselben noch zu sehr zerstreuet, und auch zum Thecle gar nicht bekannt. Wenn ich daher Zeit und Gesundheit erhalte, so will ich es mit ehesten, und, um es gemeinnütziger zu machen, in lateinischer Sprache, unter dem Titel: Systema Ingen-Housazianum lucis& umbræ, sive Influxus vegetabilium duplex, diurnus&& nocturnus, in aerem atmosphæricum, adeoque in regnum animale, im Zusammenhange und vollstän⸗ dig ausgeführt, herausgeben. Vorrede. XI beynahe vier Jahren, um die Natur die— ses wahrhaft wunderbaren Wesens zu ent⸗ schleyern, Dank wissen. Als Augenzeuge dieser, mit einem nicht gemeinen Muthe und einer eisernen Geduld ausgedauerten Arbeit, habe ich zu meiner größten Befrie— digung gesehen, und der Leser wird mir, wie ich glaube, hierin leicht recht geben, daß er alle diese Aufmerksamkeit nicht vergeblich berwandt hat. Um sich von der Wahrheit dieser meiner Aussage zu überzeugen, darf man nur das, was Herr Priestley, und nach ihm Herr Senebier, davon geschrieben ha— ben, mit dem Resultate der Untersuchungen unseres Verfassers vergleichen. Alle Frem⸗ de, welchen der Herr Verfasser seine Beob— achtungen hierüber sammt ihren Thatsachen zeigte, bekannten sich zwar von der Wirk— lichkeit derselben eben so überzeugt, als ich es war, so tief auch bey einigen vorgefaßte Mei⸗ XII Vorred e. Meinungen Wurzel geschlagen hatten; nichts desto weniger sehe ich doch vor, daß so neue, von den allgemein herrschenden Ideen so ent⸗ fernte Kenntnisse, die in dieser Schrift vor⸗ kommen, nicht leicht Eingang finden werdeu. Dieß erschweret noch die Verschiedenheit der Umstände, unter welchen die grüne Materie ihre Verwandlungen untergehet; die Schwie⸗ rigkeit, selbe nach Belieben und mit Gewißheit erborbringen zu können, als bis man sich lan⸗ ge geübt, und durch eine Geduld, deren we⸗ nige Naturkundige fähig sind, eine Fertigkeit in dieser Art von Arbeit erlanget hat; und endlich die unumgängliche Nothwendigkeit, die⸗ se Sache in ihrem ganzen Zusammenhange ge⸗ sehen zu haben. Ich hätte die Vorrede zur französischen Originalausgabe zu Paris gerne beygefüget. Allein diese Auflage siehet bis jetzt, wo ich die⸗ ses Vorrede. XIII ses schreibe, das Tagslicht noch nicht, unge⸗ achtet sie schon seit drey Jahren angefangen ist, und der Verleger sie sogleich zu Ende zu bringen bersprochen hatte. Eine so unerwar⸗ tete, als von Seite des Verfassers unverdien⸗ te Treulosigkeit war Ursache, daß er weder sein Manuscript vom zweyten Bande üͤber die Pflanzen, noch vom zweyten Bande dieser vermischten Schriften dahin überschickt hat. Die Furcht, sich von Buchdruckern so miß⸗ handelt zu sehen, hielt ihn zurück bis er sichere Mittel wird gefunden haben, ähnli⸗ che Unannehmlichkeiten nicht mehr befahren zu dürfen. Da Herr van Breda eine holländische Uibersetzung dieses Werkes bewerkstelliget, die fast schon zu Ende ist, so habe ich hier und dort von seiner Uibersetzung und seinen An— merkungen Gebräuch gemacht. Der letzte Ar⸗ tikel —.....—3s:‚.....:.—. XIV Vorrede. tikel zu Ende des zweyten Bandes dieses Wer⸗ kes kommt ganz von ihm. Der Leser wird dar⸗ in mit Zufriedenheit sehen, daß er dem größ⸗ ten Theile der Schwierigkeit abgeholfen hat, die beym Gebrauche des Luftgütemessers noch zu übersteigen war, und daß, wenn man sei⸗ nem Rathe gemäß die eudiometrische Röhre mit destillirtem Wasser füllet, man bey den Luftgüteprüfungen eines jeden Landes gleich⸗ förmige Resultate haben werde, und selbe mit einander vergleichen könne, ohne Furcht, Fol⸗ gerungen daraus zu ziehen, die irrig seyn möch⸗ ten, falls man ohne Unterschied das Wasser nimmt, so wie man es an den Orten antrifft, wo man diese Beobachtungen machen wollte. Es leuchtet von selbst ein, daß es zur Ver⸗ gleichung der Luftgüteprüfungen unter ber⸗ schiedenen Himmelsstrichen allerdings noth⸗ wendig ist, sich derselben Werkzeuge und der⸗ selben Verfahrungsart zu bedienen. Es lässet sich Vorre d e. XV sich hoffen, Fontana's Luftgütemesser sammt der von Herrn Ingen⸗Housz bekanntgemach⸗ ten Behandlungsart desselben mit der Zeit all⸗ gemein eingeführt zu sehen, weil es nicht wohl möglich scheinet, den Bau dieses Werkzeuges und die Art sich desselben zu bedienen, noch einfacher zu machen. Wer einen ausführli⸗ chen Beweis hiervon und die Gegeneinander⸗ stelung der so verschiedentlich vorgetragenen Meinungen zu lesen wünscht, kann sich an die Luftgüteprüfungslehre des Doctor Scherer's wenden: eine eritisch bearbeitete Abhandlung, welche vor kurzen die Presse berlassen hat. Der große Nutzen einer allgemeinen Art, die at⸗ mosphärische Luft zu prüfen, für das Wohl der Menschheit ist zu handgreiflich, als daß ich den Leser damit lang aufhalten sollte. Beobach⸗ tungen von etlichen Jahren sind vielleicht das schicklichste Mittel, die Orte mit Gewißheit bestimmen zu können, wo man die reinste Luft ath⸗ XVI Vorre d e. athmet, und folglich, wo Lungensüchtige und alle diejenigen, derer Gesundheit durch eine unmerklich verschlimmerte Luft erschüttert wird, die Genesung oder eine Linderung ihres Uibels finden können. Als der Abdruck dieses Werkes zu Ende gieng, erhielt Herr Ingen-Hous einen Brief von Herrn Senebier, dessen Inhalt ihn nö⸗ thigte, einige Anmerkungen darüber zu ma⸗ chen. Sie sind dem zweyten Bande als ein Anhang, und zwar in der Originalsprache, beygefüget worden. Wien, den 1 August 1784. Der Herausgeber. Zu. il Ele Iy V I R XVI eine vid. heli Anfangsgründe der Elektricität, hauptsächlich in Beziehung auf den Elektrophor. Seite 1 Ende Einleitung. 3 Hritf Erster Abschnitt. Kurzer Begriff von dem Frank⸗ ö lin'schen Systeme über die Elektricität. 3 Iweyter Abschnitt. Rede, worin die Erschei⸗ Ra⸗ nungen des Elektrophors nach dem 5 ein Franklin' schen Systeme der positiven und negativen Elektricität erkläret werden. 78 ache Dritter Abschnitt. Theorie der Erscheinungen des Elektrophors, nach den Grundsäz⸗ zen des Franklin'schen Systems abge⸗ faßt. 2 Vierter Abschnitt. Anwendung der im vorherge— henden Abschnitte zergliederten Gesetze auf die vornehmsten Erscheinungen der Elektricität, und vorzüglich des Elek⸗ trophors.. 654 Fünfter Abschnitt. Anhang zu der Theorie des Elektrophors.—— 2 J. verm. Schrift. IB.— 2 II. XVIII Hn5 4 r. II. Betrachtungen über die Frage: ob die spitzigen Blitzableiter den stumpfen vorzuziehen sind? S. 93 Erster Abschnitt. Eine nähere Beurtheilung der Frage. 4 7 Iweyter Abschnitt. Betrachtungen über die erste und zweyte Frage. 1 Dritter Absehnitt. Betrachtungen über die drit— te und vierte Frage.„ 12˙4 Vierter Abschnitt. Betrachtungen, die von der Wirkung der Blitzableiter selbst abgezo— gen sind.. 132 III. Beschreibung einer neuen elektrischen Maschine, die nicht so leicht zerbrochen werden kann, und vortrefflich ist, um sich zu jeder Zeit Licht zu — 143 IV. Beschreibung einer kleinen elektrischen Sack— maschine, um eine Brennluftpistole damit loszuschiehen.. V. Uiber die Scheibenmaschinen.. 5 VI. Eine neue Art, ein Licht mit einem sehr klei⸗ AHYFNRA verschaffen. nen geladenen Fläschchen anzuzünden. 95 VII. Eine neue Art, durch die dephlogistizirte Luft das prächtigste, blendenste Licht hervorzu— Anaen—7 bringen. 0— 283 VIII. ————— In halt. XIX VIII. Beschreibung einer Brennluftlampe zum häus⸗ lichen Gebrauche.— S. Erinnerungen über den Gebrauch dieser Lampe. IX. Eine neue Art der brennbaren Luft, welche in einem Augenblicke und ohne einige Vorrichtung bereitet wird, und zum Schießen so geschickt ist, als ein jedes andere hierzu gebräuchliche brennbare Gaß; nebst einer neuen Knallluft. Erster Abschnitt. Die neue Art der Brennluft. 211 Zweyter Abschnitt. Die neue Knallluft. 255 Dritter Abschnitt. Ein sehr leichtes und wohl— feiles Mittel, sich eine Knallluft zu verschaf⸗ fen, und die außerordentliche Gewalt, der im Vorhergehenden abgehandelten Knallluft. X. Beschreibung einer Knallli luftpistole, die man in einer Minute mehrmals abschießen kann. XI. Anhang. Eine leichte Art, der brennbaren Luft sumpficher 2 Vässer habhaft zu werden. XII. Versuch einer neuen Theorie über das Schieß⸗ pulver. Erster Abschnitt. Vorläufige Betrachtungen. Iweyter Abschnitt. Die Meinungen einiger Ge⸗ lehrten über die Natur des Schießpulvers. 300 312 Dritter Abschnitt. Die Erklärung des Herrn Ver⸗ fassers über das Schießpulber. 223 XIII. Erklärung des Knallpulvers. 533 XXV Inhalt. XIV. Erklärung des Knallgoldes. 3E. XV. Einige Bemerkungen über die Oekonomie der Pflanzen. XVI. Eine neue Art die Magnetnadel aufzuhängen. XVII. Von der magnetischen Kraft und den künst⸗ lichen Magneten. XVIII. Uiber die magnetische Kraft der Platina und die von Graf von Sickingen unlängst ent⸗ deckte Art, sie dehnbar zu machen. XIX. Versuch einer neuen Art, einen leeren Raum hervorzubringen. Wie man diese Maschine gebrauchen soll. Einnerung über diese Maschine. 4¹⁷ 43¹ 44¹ 44⁵ Anfangs⸗ ————— angs⸗ Anfangsgründe deeer Elektrieität, hauptsächlich in Beziehung auf den Elektrophor. J. verm. Schrift. I. B. A Felix, qui potuit rerum cognoscere causas. Vixo. Georg. II. Einleitung. Deitdem das eitle Wortgepränge, welches alles zusammen dem Geiste nicht eine einzige Kennt— niß beybrachte, aus der Physik verbannt ist, und man den Argumenten, oder vielmehr den Sophismen, Un— tersuchungen der Werke der Natur entgegengehalten hat, sind die Wissenschaften auf einen Grad gestiegen, wel— chen man nicht vermuthete, daß sie ihn erreichen könn— ten; und nachdem endlich die Wuth, Systeme zu schmie— den, der allgemein empfundenen Nothwendigkeit, heutiges Tages alles unser Wissen auf sicherem Grun— A 2 de 4 Erklärung de, durch Erfährungen, zu befestigen, gewichen ist, ist man nun überzeugt, daß der Gebrauch unseres Geistes, wofern er nicht durch das Licht geleitet wird, welches Thatsachen und ächte Beobachtungen anstecken, oft zu nichts diene, als uns in Irrthum zu stürzen. Der reissende Fortgang, den die neueren Naturkündiger fast in allen Theilen der Physik gemacht haben, ist der Be⸗ weis von dem, was ich so eben behauptet habe. Unter allen Theilen der Physik hat die Lehre der Luft und Elektricität die Aufmerksamkeit philosophischer Beobachter in diesen letzteren Jahren am meisten rege gemacht, und in der That ist auch keiner, welcher die Untersuchungen der Gelehrten mehr verdienet. Man bedenke nur, daß die Luft das allgemeine Element und die Stütze des Lebens ist, so wird man nicht in Abre⸗ de stellen, daß eine tiefe Kenntniß dieses unsichtbaren flüssigen Wesens von der größten Erheblichkeit für die Menschheit ist. Erwäget man, daß das elektrische Flüs⸗ sige allenthalben vorhanden ist, und an einer großen Menge der Naturerscheinungen Antheil nimmt, und daß es sogar einige der wichtigsten und fürchterlichsten einzig und allein hervorbringt, so werden wir leicht ein— gestehen, daß uns die Kenntniß der Gesetze, welchen der Urheber der Natur die Bewegung dieses flüssigen Wesens unterworfen hat, unendlich interessant sey. Die Elek⸗ des Elektrophors. 5 Elektricität hat noch überdies vor allen Zweigen der na⸗ türlichen Kenntnisse darin einen wesentlichen Vorzug, daß die meisten Erscheinungen, welche sie hervorbringt, jenes wollüstige Gefühl, die Bewunderung, in uns erweckt, welches um so grösser ist, da sie besondere, und von anderen Naturgesetzen durchaus unterschiede— ne Gesetze zu haben scheinet, und deren Wirkungen wir in den gewöhnlichsten und bekanntesten Erscheinungen wahrnehmen. Die Natur des Menschen bringt es mit sich, daß ihm Erscheinungen, die außerordentlich sind, auffal— len, und seine Einbildungskraft um so mehr in Er— staunung setzen, je weniger sie die Ursachen, welche sie erzeugen, einsiehet. In der That schauen wir den größten Theil mechanischer, hydraulischer, hydrostatischer Versuche mit einem ruhigeren Gemüthe an, als diejenigen, wel— che durch die Elektricität entstehen, indem wir die Ur⸗ sachen der ersteren bald fassen, und ohne Mühe entdek—⸗ ken, daß die Wirkung mit ihrer Ursache in einem Ver⸗ hältnisse stehe; die elektrischen Erscheinungen aber müs⸗ sen natürlicherweise die entzückendste Bewunderung in uns erregen, weil sie beym ersten Anblicke die Grund⸗ gesetze der Natur, deren Wirkungen wir durchgängig A; ken⸗ 6 Erklärung kennen, umzustürzen scheinen. Hier siehet man die größ⸗ ten nund fürchterlichsten Wirkungen durch die unerheb— lichsten Ursachen hervorgebracht; durch Ursachen, die mit ihren Wirkungen keine Verbindung oder Beziehung zu haben scheinen. Wahrhaftig, wer könnte ohne Er⸗ staunen einen Körper in die Luft erheben, und wider die Gesetze der allgemeinen Schwere schwebend darin er— halten sehen, ohne durch irgend etwas unterstützet zu seyn? Daß ein Körper von einem anderen angezogen, und sogleich wieder von demselben zurückgestoßen wer⸗ de? Daß ein kaltes Metall, und sogar ein Stück Eis, eine lebhafte, verbrennliche Körper zu entzünden fähige Flamme von sich abschieße? Wer ist es, der es ohne Erstaunen sehen könnte, daß eine gemeine Flasche nach einer kleinen Zurichtung, und ohne merklich verändert zu seyn, das Vermögen erlangt habe, eine so heftige und ungewöhnliche Empfindung zu erwecken, die keine andere Ursache in der Natur nachahmen kann, und daß sie sogar in einem Nu das Leben eines Thieres zu zer— nichten vermag? Daß diese Empfindung oder Erschüt⸗ terung mit einem Knalle, dem Donner ähnlich, und mit einem Blitze, wie jener des Wetterstrahls, be— gleitet sey? Hätte ———— des Elektrophors. 7 Hätte man es vor einem Jahrhunderte glauben sollen, daß die Naturforscher unsrer Tage den Wetter⸗ strahl nachahmen, dieses zerstörende Feuer aus den Wolken rauben, und dessen Lauf dahin weisen, wo sie wollen, daß sie sich sogar in völliger Sicherheit damit belustigen könnten? Künftige Jahrhunderte werden die⸗ ses, worin wir leben, bewundern, und immer eingeste⸗ hen, daß keines der verflossenen an großen und nützli⸗ chen Entdeckungen so fruchtbar gewesen sey. Niemand hat zur Beleuchtung vorliegender Mate⸗ rie mehr beygetragen, als das große Genie, Benjamin Franklin, der die Welt mit einer so scharfsinnigen Theo⸗ rie über die Elektricität bereichert hat, daß sie kaum bekannt wurde, als sie schon fast allgemein angenom⸗ men war. A 4 Erster 8 Erklärung Erster Abschnitt. Kurzer Begriff von dem Franklin'schen Systeme über die Elektricität. R49 dem Systeme dieses Gelehrten ist ein höchst fei⸗ nes und elastisches Wesen durch alle Körper verbreitet, welches man einhellig das elektrische Flüssige, oder das elektrische Feuer genannt hat. Dieses, unseren Vorel—⸗ tern durchaus unbekannte Flüssige hat ohne allen Zwei— fel einen eben so ausgedehnten Gebrauch, als allge—⸗ mein es verbreitet ist, und spielet, wiewohl meistens auf eine unsren Sinnen unmerkliche Art, eine sehr wichtige Rolle in dem Weltalle. Alle Körper, von was für elner Natur sie auch immer sind, besitzen von diesem Flüssigen einen gewis⸗ sen Antheil, der ihnen eigen ist; und so lange ein jeder Körper gerade soviel davon besitzet, als ihm nach seiner Natur zukommt, so verbleibet dieses Flüssige in einem Zustande der Ruhe und Unthätigkeit, wenigstens nach allem Anscheine, und gibt kein Anzeigen seines Daseyns, oder vielmehr keine Erscheinung, die man der Elektri— eität zueignen könnte. Allein sobald das Gleichgetoicht die⸗ — V des Elektrophors. dieses Flüssigen zwischen verschiedenen benachbarten Körpern gehoben wird, oder sobald einer derselben durch was immer für eine Ursache von diesem elektrischen Flüssigen mehr erlangt, als ihm in seinem natürlichen Zustande eigen ist, so gibt dieser Körper offenbare An⸗ zeigen der Elektricität. Eben so gibt ein Körper also— gleich sichtbare Zeichen der Elektricität, sobald er einen Theil dieser seiner natürlichen Gabe des elektrischen Flüs⸗ sigen verloren hat. Im ersten Falle sagt man, er sey mehr oder positiv elektrisirt; im zweyten Falle heißt er weniger oder negativ elektrisirt. Das Gleichgewicht dieses Flüssigen könnte nie⸗ mals in Unordnung gerathen, wenn es frey durch alle Körper gehen könnte. Allein es gibt sehr viele Sub— stanzen, durch welche es schlechterdings nicht gehen kann; dergleichen sind Glas, Seide, Schwefel, har—⸗ zige Körver, gemeines Wachs, Sigellak, sehr trocke— nes Holz, und überhaupt die meisten Körper, die we— der Metall noch Feuchtigkeit in sich enthalten. Alle die⸗ se Körper nennet man Michtleiter. Es gibt wieder an⸗ dere Körper von einer entgegengesetzten Natur, welche diesem Flüssigen sowohl durch ihre Substanz, als längst ihrer Oberfläche hin, einen freyen Durchgang verstat— ten; dergleichen sind die Metalle überhaupt, und man nennet sie Leiter. Unter diese letztere gehöret auch das A 5 Was⸗ 10 Erklärung Wasser. Die Säfte der Thiere, sie seyn lebendig oder todt, sind bessere Leiter, als das Wasser. Die Kohlen einiger Holzarten sind Leiter, die in dieser Eigenschaft den Metallen selbst nichts nachgeben. Es gibt Körper einer mitteln Natur, welche das elektrische Flüssige zwar durch ihre Substanz durchlassen, aber langsam; wie z. B. das Holz, welches weder feucht, noch allerdings trocken ist, so wie es gemeiniglich befunden wird, wenn es ist bearbeitet worden. Ein Körper, der mit nichts in Berührung stehet, als mit Nichtleitern, heißt gein⸗ selt, isolirt. Wenn es sich also ereignet, daß ein Körper beym Empfange eines Zusatzes des elektrischen Flüssigen sich nur mit Nichtleitern in Berührung befindet, so muß er nothwendigerweise mit diesem Flüssigen so lange über⸗ laden, oder in einem positiven Stande bleiben, bis ein anderer Körper, der im Stande ist, diese überflüssige Men⸗ ge aufzunehmen, mit ihm in Berührung, oder so nahe kommt, daß er sie ihm abnehmen kann; und im Gegentheile, wenn ein Körper einen Theil seiner natürlichen Gabe des elektrischen Flüssigen verloren hat, und mit Substanzen umgeben ist, die diesem Flüssigen keinen Durchzug ver⸗ statten, so muß er in diesem Stande der Entleerung verbleiben, indem die benachbarten Körper nicht zulassen, daß dieses Flüssige dahin gelange. Das ———— des Elektrophors. 11 Das Gleichgewich: dieses Flüssigen kann auf ver⸗ schiedene Arten unterbrochen werden, wovon einige sehr schwer zu bezeichnen sind. Das gemeinste Mittel, diese Wirkung nach Belieben hervorzubringen, ist die Reibung. Es ereignet sich durchgängig, daß, wenn zwey Körper einander reiben, derjenige, dessen Oberfläche am rauhesten ist, einen Theil seines elektrischen Flüssigen fahren läßt, welcher in den Körper, dessen Oberfläche glätter ist, ein⸗ dringt, oder auf der Oberfläche desselben schwimmen blei⸗ bet. Sind die Körper, zwischen welchen die Reibung Statt hat, alle beyde Leiter, so kann dadurch keine elek—⸗ trische Erscheinung entstehen; denn das elektrische Flüssige, welches von dem minder glatten Körper zu demjenigen übergehet, der es mehr ist, kehret in dem nämlichen Augen⸗ blicke wieder in seine Stelle zurück, und das Gleichgewicht ist demnach sogleich wieder hergestellet, wenn man es unterbrochen hat. Wenn diese Körper alle beyde zu den Nichtleitern gehören, so wird die Folge diese seyn, daß derjenige, dessen Oberfläche am glättesten ist, dem anderen, dessen Oberfläche raucher ist, eine Portion des elektrischen Flüssigen geraubet hat; der erstere wird sich also in einem positiven Stände befinden, indeß der andere negativ elektrisirt ist. Wenn man ein weißes seidenes Band an ein schwarzes reibet, so wird das weiße Band positiv elektrisirt, da das schwarze in ei⸗ nen negativen Stand verfallen ist; denn die ätzenden Be⸗ 7 à2 Erklärung Bestandtheile, welche die schwarze Farbe bilden, machen ganz natürlich die Oberfläche dieses Körper mehr oder weniger rauh. Ein harter harziger Körper, oder Sie— gellak, gerieben mit einem Hasenbalge, oder mit einem anderen, wird negativ elektrisirt. Wenn einer der geriebenen Körper ein Nichtleiter ist, und der andere ist es nicht, aber isolirt, so wird der nämliche Erfolg Statt haben, als wenn alle zwey Nicht- leiter wären; das ist, derjenige mit der glättesten Ober— fläche wird sich in einem positiven Stande befinden, da der andere eine negative Elektricität erlangt hat. Ein isolirtes und mit einem seidenen Bande, oder mit einem Balge, geriebenes Stück Metall elektrisirt sich aus dem nämlichen Grunde negativ. Ein metalli— scher Körper aber, z. B. lebendiges Quecksilber, wird durch die Reibung eines Stück Glases, das man unter ge⸗ wissen Umständen hineintauchet, positiv elektrisiret, da das Glas negativ wird(a). Hat (a) Diese Eigeuschaft des Quecksilbers werde ich weiter un— ten zergliedern, und die Ursache von der Unbeständig⸗ keit des Erfolges, die in diesem Versuche Statt hat, angeben. 1* * des Elektrophors. 13 Hat aber einer dieser Körper, nämlich der Leiter, mit dem allgemeinen Behältnisse, mit der Erde, eine Gemeinschaft, oder ist er nicht isolirt, so kann nur der Nichtleiter elektrisirt werden, indem der andere das elek— trische Flüssige wider in dem Maße aus dem allgemei⸗ nen Behältnisse zurückerhält, als er es auf den Nicht⸗ leiter fahren läßt, oder indem er das elektrische Flüssi⸗ ge, welches er dem Nichtleiter geraubet hat, in die Erde überschickt. Eine der merkwürdigsten Eigenschaften des elek⸗ trischen Flüssigen ist, daß die spitzigen Leiter es auf ei⸗ ne beträchtliche Entfernung von Körpern, die damit üͤberladen sind, einsaugen, oder daß sie es sehr leicht aus⸗ ströhmen lassen, wenn sich ein mit Elektricität überla⸗ dener Körper in eine Spitze endiget. So wird der Leiter einer elektrischen Maschine, an dem man eine gezogene Spitze, z. B. eine Nähenadel, angehängt hat, nie stark zu läden seyn, so mächtig auch die elektrische Maschine selbst ist, weil das elektrische Flüssige durch die Spitze davongehet, und sich in dem Maße in die Luft verlieret, als es auf den Leiter getrieben wird. Sobald man diese Nadel vom Leiter abnimmt, so la— det er sich volllommen. Richtet man die Spitze dieser Nadel gegen den Leiter, und hält sie mit den Fingern, so wird man diesen Leiter um nichts mehr laden können; denn 14 Erklärung denn die in einer gewissen Entfernung gehaltene Spitze entziehet dem Leiter das elektrische Slͤssige in dem Mas⸗ ui se, als er es empfängt. 0 Ein mit einer Spitze versehener Leiter wird sich eben so wenig mit einer sonderlich starken negativen 1 Elektricität beladen können; denn die Spitze sauget 0 das elektrische Flüssige entweder aus der Luft, oder von den benachbarten Körpern wieder so ein, als es ihm die Maschine entziehet. ö ö Stellet man diesen Versuch im Dunkeln an, so ö vird man auf der Spitze ein Licht sehen. Allein dieses Licht wird in den zwey angeführten Fällen sehr ver—⸗ schieden erscheinen, und aus der besonderen Gestalt des⸗ ö selben wird man leicht urtheilen können, ob der Leiter, gegen welchen man die Spitze richtet, positiv oder negativ elektrisirt sey. Eine Spitze, die das elek— trische Flüssige empfängt, ist mit einem runden, wie ein kleiner Stern gebildeten Lichte bedecket. Die Spi— tze, welche das elektrische Flüssige auswirft, ist mit lich⸗ ten Strahlen unter der Gestalt eines Pinsels umgeben.. Das Geräusche, welches das elektrische Flüssige beym 10 Ausströhmen macht, ist gleichfalls von demjenigen sehr s6 verschieden, welches es erweckt, wenn es in die Spitze eingehet: das letztere gleichet elnigermaßen einem Ge— ss zische, des Elektrophors. 15 zische, das andere pfleget ein unterbrochenes Knistern hören zu lassen, welches daher kommet, daß das elek⸗ trische Flüssige viel ungleicher von einer Spitze abzu⸗ springen scheinet, als es hineingehet. Diese Ungleich— heit der Bewegung machet, daß die Lichtstrahlen ihre Gestalt und Richtung beständig verändern, welches ein Zeichen ist, daß das elektrische Flüssige gleichsam stoß⸗ weise herausgehet, oder abgeprellt wird. Die Ursache, warum die gespitzten Körper das elektrische Flüssige weit abprellen, oder auf eine große Entfernung anziehen, ist noch nicht hinlänglich bekannt. Da aber die Thatsache außer allem Zweifel ist, so hat man aus dieser bewunderungswürdigen Eigenschaft des elektrischen Flüssigen Folgerungen gezogen, die zu meh⸗ reren höchst überraschenden Versuchen Anlaß gegeben haben, in deren Zergliederung ich mich jedoch nicht ein⸗ lasse, indem ich keine vollkommene Abhandlung der Elektricität zu schreiben gedenke. Nichts hat es besser bewiesen, daß Blitz und elek⸗ trisches Feuer das eine und dasselbe sind, als die Spiz⸗ zen; denn sie sind das Mittel, durch welches wir die— ses wunderbare Feuer selbst aus den Wolken herabziehen. Eine metallische, an ihrem oberen Ende scharf zugespitzte, isolirte und auf ein Gebäude gesetzte Stange gibt zur Zeit 16 Erklärung Zeit eines Gewitters sehr lebhafte Funken; und ist die Stange sehr hoch aufgerichtet, und gut isoliret, so wird sie diese Funken öfters geben, und besonders im Som-⸗ mer, wenn eine kleine Wolke über die Spitze hinziehet. Vermittelst einer solchen Stange kann man Flaschen la— den, und alle Versuche anstellen, die man mit einer ge⸗ wöhnlichen Elektrisirmaschine machet. Derjenige, der sich, ohne Gefahr seines Lebens zu laufen, mit der Wolkenelektricität belustigen will, muß mit den Versuchen dieser Art erst gut bekannt seyn, und vor allem einen genauen Begriff von Franklins Systeme haben. Hauptsächlich muß er Acht geben, daß er die metallische Gemeinschaft zwischen der Spitze und der feuchten Erde, wo sich der untere Theil der Stange endigen muß, nicht über einen oder zwey Zolle unterbreche, und es wird allezeit klug seyn, zur Zeit eines starken Gewitters keine Funken mit der Hand zu ziehen, und besonders wenn sie zu geschwinde auf ein— einander folgen. Das Beyspiel des Prof. Richmanns, der das Opfer dieses Versuches geworden ist, muß uns auf unsere Hut setzen(b). ö Diese (b) Herr Richmann wurde zu Petersburg, den sten August 1753 durch einen Dönnerschlag, der auf die eiserne Stange fiel, ———— die vird Om- het. ins des Elektrophors. 17 Diese sonderbare Eigenschaft der Spitzen ist es, welche die Naturforscher dahin bewogen hat, das obere Ende der Metallstängen zu spitzen, womit man die Ge— bäude besetzet, um einer Entladung, oder einem Stroh⸗— me dieses zerstörenden Feuers, falls er auf das Haus gerichtet wäre, einen freyen Uibergang in das gemeine Behältniß, die Erde, zu geben. Es ist zwar wahr, daß die Leiter, oder Ableiter, wie sie einige zu nennen belieben, deren Ende stumpf, oder mit einer großen metallischen Kugel besetzt ist, nicht minder wirksam sind, um den Blitz in die Erde zu führen, und die Gefahr abzuwenden, worin das Gebäude wäre, beschädiget zu werden; wenn sie nur aus einer hinlänglich mass ven Netallstange gemacht sind, um dem größten Donner— schlage einen Uibergang zu verschaffen, ohne selbst zer⸗ nichtet zu werden, und daß das Metall ohne die gering⸗ ste Unterbrechung bis in die Erde tief genug fortge⸗ setzet sey, damit sich dessen unterstes Ende immer in einer feuchten Lage befinde; allein der grössern Sicher⸗ heit fiel, getödtet. Die Ursache seines Todes war, daß er es vernachläsiget hatte, dem Blitze einen freyen Durchzug bis in die feuchte Erde zu eröffnen, indem die in der Luft errichtete Stange nicht über das Zimmer, wo der Professor dieses fürchterliche Phänomen beobachtete, fors gesetzet war. J, verm. Schrift. I. B. B 18 Erklärung heit hälben ist es besser, sie in einem benachbarten Brun⸗ nen enden zu lassen. Allein da die stumpfen Leiter das Vermögen nicht haben, das elektrische Feuer von weitem und im Stil— len einzusaugen, und folglich der herannähernden und drohenden Wolke ihre Ladung zu rauben, so müssen sie natürlicherweise, wenn sie getroffen werden, ausgesez⸗— zet seyn, die ganze Eutladung der Wolke zu empfan—⸗ gen, und viel öfters getroffen zu werden, als wenn gar kein Leiter auf dem Gebäude gewesen wäre. Eine scharf gezogene, und über den höchsten Theil eines Ge⸗ bäudes weit erhobene Spitze fängt schon an, auf die herannahende Wolke zu wirken, und verdoppelt ihre Wirkung, ihr das elektrische Feuer zu entziehen, in dem Maße, als sie sich nähert, und als sich die Spitze in den Wirkungskreise der Wolke versenkt befindet. Die Wol— ke, die schon einen großen Theil ihres elektrischen Feuers verloren hat, eh sie noch dem Gebäude nahe genug ist, um es zu treffen, wird solchergestalt zu sehr erschöpfet seyn, als daß sie einen Blitz schleudern könnte, der sei⸗ ne ganze Stärke hätte; oder sie wird so gar das Ge— bäude vorübergehen, ohne in dasselbe zu schlagen. Hier— aus folget also, daß die Spitze entweder die Stärke der Entladung vermindert, oder daß sie den Ausbruch in den meisten Fällen gänzlich verhindert. Es ist nicht in ihrer 8——— H⸗ des Elektrophors. 19 ihrer Gewalt, daß sie ihn allezeit abwenden könnte; denn es könnte sich ereignen, daß eine Wolke, die nicht genug elektrisches Feuer hat, in demselben Augenblicke, als sie über der Spitze schwimmet, eine Entladung von einer benachbarten Wolke empfange; in diesem Falle wird die Spitze, die keine Zeit hat, diese Wolke zu erschöpfen, davon getroffen werden. Aber eben hier ist es, daß der Leiter den Zweck, wozu er bestimmet ist, erfüllen wird; er wird die Entladung aufnehmen, sie in die Erde führen, ohne daß das Gebäude dadurch ei⸗ nen Schäden bekomme— So vortreflich dieses auch mit Franklins Theorie übereinkommt, so gleichförmig ist es sowohl mit den Versuchen, die wir in unseren immern machen, und mit der Nachahmung dessen, was in der Natur selbst vor⸗ gehet, als mit wirklichen und unläugbaren Beobachtun— gen. Die Kirche des St Michaels zu Charkestown, im mittägigen Carolina, wurde seit ihrer Erbauung alle zwey oder drey Jahre getroffen; und man fand es daher rathsam, ihr einen spitzigen Leiter aufzusetzen; und es hat in vierzehn Jahren nicht mehr ins Gebäude eingeschlagen(Philosoph. Transact. B. LXIV, S. 1399. Wir haben keine Nachricht, ob es nach dieser Zeit noch eingeschlagen habe. Bꝛ Man Man muß sich gut merken, daß der Vortheil, den man sich bey Errichtung der Leiter verspricht, darin bestehe, das Gebäude vor Schaden zu bewahren, den es durch einen Donnerschlag bekommen könnte, und kei⸗ neswegs zu verhindern, daß der Leiter selbst dieses himm— lische Feuer nicht durch seine Substanz übersetze, es sey nun unmerklich, oder auf einmahl, durch eine Entladung oder einen Donnerschlag. Da aber die Ausdehnung des Wirkungskreises einer metallischen Spitze ziemlich be— schränkt, und in Ansehung der großen Entfernung des Kör⸗ pers einer Gewitterwolke sehr klein ist, so ist einer der großen Vortheile, den man von einem solchen Leiter erwar⸗ ten kann, das elektrische Feuer einer Wolke, die durch ihre Annäherung in das Gebäude zu schlagen drohet, unvermerkt zu rauben. Die Wolken sind oft mit klei⸗ nen Wolkenstücken oder Wolkenflocken umgeben, die den großen als Leiter dienen, und manchsmahl sehr nahe bis auf die Oberfläche der Erde herunter hängen. Die Spitze, indem sie diesen Wolkenstücken ihr elektrisches Feuer raubet, beuget der Entladung, welche im Begrif— fe war, ihren Uibergang durch die Substanz dieser Flok— ken zu nehmen, vor; weil, durch die Zurückstoßung dieser Flocken von der Spitze, di ie Entfernung zwischen der Spitze und dem Körper der Wolke zu groß geworden ist, als daß eine Entlädung Statt haben könnte, wenigstens in den meisten Fällen. Es geschiehet auch manchmahl, daß De ** ————— — „0 —————5 EIRn — 5rs 21 R die Entladung einer Wolke durch eine Regensäule zum Gebäude geführet wird. Man beobachtet oft, daß die⸗ se Säulen nur sehr wenig im Durchschnitte haben. Eine solche Regensäule, wenn sie schief auf das eine Ende eines dessen Mitte mit einem guten Leiter versehen wäre, gerichtet ist, könnte das Haus ungeach— tet des Leiters treffen, und beschädigen. Däher ist es 33 mehrere Leiter auf ein Gebäude von einer gewissen Grösse zu setzen, alle diese Leiter durch Eisen— stangen oder Bleyplatten, die längst dem erhobensten Theile des Daches, wie auch längst den Winkeln des⸗ selben bis zu den Mauern des Gebäudes angebracht sind, mit einander zu verbinden. Da hier der eigentliche Ort nicht ist, die Vor⸗ theile der spitzigen Leiter von Leitern, deren Ende mit ei⸗ ner Kugel geendiget ist, ausführlich vorzulegen, so ha— be ich diese Materie nur berühren wollen, um denjeni— gen, welche diesen Gegenstand nicht besonders bearbei⸗ tet haben, einen Begriff davon beyzubringen.——— Frage ist im LXVIII Bande der philosophif schen Trar B5 atctio⸗ (e) Ich befand mich in London 3. als 1779 das Artilleriecorps durch einen der ein Gebäude Trotz seines spitzigen Leiters, unweit von den Warssen Pul⸗ 888 vek⸗ 22 Erklärung actionen der königlichen Gesellschaft zu London(e), und vom Lord Mahon in einem sehr gelehrten, und 1780 zu London in 4to herausgegebenen Werke, voll⸗ kommen aufgelöset worden. Das vermagazinen zu Purfleet getroffen, und einen Stein ge—⸗ spalten hatte, in Gährung gerieth. Herr Wilson, Mit⸗ glied der königlichen Gesellschast zu London, erweckte die— sen Lärmen, und war Ursache, daß die Regierung der kö⸗ niglichen Gesellschaft auftrug, den Gegenstand der Leiter in ferneren Betracht zu ziehen. Se Brittische Maje stät sa⸗ hen die Versuche, die Herr Wilson in dieser Rücksicht in dem prächtigen Sale des Panthäbus ans n mit an: da Dieselben aber sich nicht würdigten, auch die Versuche anderer Physiker zu sehen, so war es min„ daß sich dieser Prinz durch die Versuche des Herrn Wilsus dahin reissen ließ. Er ließ daher den auf seinem Pallaste im Parke zu St James errichteten Leitern die Spitzen abneh— men, und ihnen Kugeln unterschieben. Die Nation, überzeu— get, daß man der Beste der Könige seyn könne, und doch kein gleich guter Elektriker, ließ sich indessen durch sein reissen. Da ich mich mitten in dieser Art des Zwistes zu London befand, so glaubte ich, es wäre meine Schuldig— keit, diese Hauptstädt nicht zu verlassen, ohne das Ende dieses Streites abzuwarten, und mit einem unpartheyschet Auge zu beobachten, was man von der einen und der an— dern Seite aufbrächte, um die getheilten Meinungen gel⸗ tend zu machen, und dießz zwar um so mehr, da mir Seine Majestät, der Kaiser, die wichtige und ehreuvolle Sorge anvertrauten, alle Pulvermagazine seiner Staaten, wie auch noch viele andere erhebliche Gebände gegen den Blitz Beyspiel eben so wenig, als das Artilleriecorys, dahin des Elektrophors. 23 Das, was ich über die Natur des elektrischen Flüssigen, von der Wirkung der Reibung und dem Ver⸗ mögen der Spitzen gesagt habe, wird genug seyn, um die Natur einer gemeinen elektrischen Maschine, z. B. mit einer Kugel oder einer Walze(d), zu begreifen. Das B Kü Blitz zu sichern. Der Streit endigte sich mit dem Vor⸗ zuge, den man den spitzigen Leitern zuerkannte. Ich hat⸗ te also das Vergnügen, gutgeheißen zu sehen, was ich in dem Gebiethe des Oesterreichischen Hauses ausgeführet hat— te. Der Ausschuß der königlichen Gesellschaft war noch üäberdieß der Meinung, daß es rathsam wäre, mehrere weitere Klugheitsregeln zu ergreifen, die sast die nämli⸗ chen waren, welche ich zur Sicherheit der Magazine Sr. Kaiserlichen Majestät ergriffen hatte. (d) Seitdem ich vor siebentehn oder achtzehn Jahren die Glasplatten oder Glasscheiben den Kugeln und Walzen zu unterschieben angefangen habe, so wie man es aus einer neiner Denkschriften hierüber in dem zweyten Theile des LXIX Bändes der philosophischen Trausgetionen ersehen kann, hat man sie den Kugeln und Walzen vorgezogen; vornehmlich auf dem festen Lande, weil man durch sie eine weit grössere Stärke der Elektrieität erwecken kann, besonders seitdem Herr Cuthbertson, der so geschickte Ränstler in physischen Instrumenten zu Amsterdam, eine sehr einfache Art ausgedacht hat, um zu verhindern, daß sich dꝛs auf den inneren Oberflächen der zwey Glasscheiben, die auf der nämlichen Axe zwey Zoll weit von einander ab— stehen, erweckte elektrische Feuer nicht auf dieser Are ver⸗ liere. Diese Art bestehet darin, daß man die Aye zwischen den zwey Scheiben mit einem hinlänglich weiten gläser— nen 24 Erklärung Küssen, welches zur Relbung der Kugel oder Walze zur Zeit, als män sie umdrehet, dienet, und dessen Oberfläche minder glatt, oder poliert ist, als die Oberfläche des Glases, lässet eine Menge seines elektrischen Flͤͤssigen fahren. Dieses elektrische Flüssige bleibet auf der Oberfläche des Glases als eine Menge, welche dem Antheile, der dieser Substanz eigen ist, zugesetzet wird. Diese überflüssige Menge wird auf dem metallischen, iso⸗ lirten, und dem Küssen gegenaöbergesetzten Leiter zu ge— hen gezwungen. Das Küssen, welches solchergestalt sein eigenes elektrisches Flüssige verlieret, würde bald er⸗ schöpfet seyn, wenn es nicht beständig mit einer neuen Menge dieses Flüssigen, welches ihm aus dem allge⸗ meinen Behältnisse, der Erde, zufließt, versehen wür⸗ de. Ist das Küssen selbst isolirt, das ist, bestehet das Untergestell des Küssens aus einer nichtleitenden Sub— stanz, so wird sich das Küssen wirklich in einem Stan—⸗ de der Erschöpfung, oder in einer negativen Elektricität befinden, und wird dem Leiter nichts mehr vom elektri— schen Flüssigen vorschießen können. nen Ringe umgebe, dessen Höhle mit einer Harzsubstanz vollkommen ausgefüllet ist, welche die Elektrieität von der metallischen Axe abhält. Setzet man also einen Leiter an die Kugel, und einen andern an das Küssen, im Falle, daß dieses iso⸗ lirt ist, so werden sie sich alle beyde nnit befinden aber auf eine verschiedene Art. Sehr lebhafte Funken werden beständig von dem einen Leiter auf den andern schlagen, wenn sie nahe genug an einander stehen; denn der Leiter, der das elektrische Feuer von der Kugel empfängt, welches diese von dem Küssen empfangen hat, vird es dem an das Küssen gestellten Leiter Überlassen, und dieser wird es wieder vom neuen dem Küssen zu⸗ rückgeben. Auf diese Art kann ein beständiger Strohm des elektrischen Feuers unterhälten werden, obgleich die ganze Maschine 1400 ist, indem das elektrische Flüs⸗ sige nichts thut, vom Küssen auf die Glaskugel, und von dieser auf die zwey Leiter zu gehen, und wie— der vom neuen auf das Küssen zurückzukehren. Die Lei⸗ ter elektrischer Maschinen sind beständig mit Spitzen ver⸗ sehen, die gegen die Kugel oder die Walze gerichtet sind. Diese Spitzen dienen, um dieses Flüssige von der Oberfläche des Glases anzuziehen, welches sie, wie ich schon erinnert habe, sogar in einer gewissen Entfer⸗ nung von der Kugel zu thun im Stande sind. Hier wäre nun der Ort, die Anziehungs⸗und Zurückstoßungskraft des elektrischen Flüssigen, den elek⸗ trischen Funken, die Ladung und Entladung der Leidner — 55 Sla⸗ Gfsgynn 26 Erklärung Flasche, und mehrere andere Erscheinungen, vorzüglich dlejenigen, welche durch den Elektrophor hervorgebracht werden, zu erklären, wenn ich es mir nicht vorbehal⸗ ten hätte, in der folgenden Rede über die Theorie des Elektrophors davon zu handeln. Ich wiederhöhle es noch einmahl, daß diese Schrift nicht zum Gegenstande hat, die Lehre der Elektricität in ihrem Umfange zu entwerfen, sondern bloß einen Begriff bon Franklins Systeme zu geben, und dar⸗ zuthun, daß die Erscheinungen des Elektrophors, Statt dessen Grundsätze zu widersprechen, vielmehr deren Fe— stigkeit auf die augenscheinlichste Art bestättigen. Wer ein ausführliches System, begleitet von einer Zerglie— derung der angenehmsten sowohl, als interessantesten Ver— suche, und mit Figuren erläutert, verlangt, kann sich unter anderen zu dem Buche wenden, betittelt: A com— plete Freatise of Electrieity in theory and practice with original experiments; by Tiberius Cavallo. London. MDCCLXXVII. In dvo; wie auch zum folgenden: Précis de I'Electricité, ou Expérimental et théorétique des Phénoménes électriques, par l'Abbé Jacquet, Cha- Roine de St. J. A. V. A Vienne. 1775, bey J. Tho⸗ W des Elektrophors. 27 Eh ich die Theorie des Elektrophors anfange, kann ich mich nicht enthalten, noch etwas über die Aus⸗ dehnung des Einflusses des elektrischen Flüssigen fast auf die ganze Natur auszuschweifen; und sollte es nur geschehen, um uns die großen Anwendungen einleuch⸗ tend zu machen, welche die Nachwelt wahrscheinlicher⸗ weise von einem in der Welt so ausgebreiteten Wir⸗ kungsmittel zum Besten der Menschheit machen kann, wenn man tiefer in die Kenntnisse der Natur dieses Flüssigen, seiner Bewegungen, und seines Einsus⸗ ses auf die thierische Haushaltung wird gedrungen seyn. In der That können wir uns nicht erwehren, zu glauben, daß dieses Flüssige eine große Rolle in dem meisten Theile der Raturerscheinungen, von den fürch⸗ terlichsten bis zu den geringfügigsten, spiele, wenn wir erwägen, daß die Gewitter gänzlich davon abhängen; daß wir das Wachsthum der Pflanzen mittelst desselben befördern, einen lebenden Körper durch seine Wirkung leichter machen, dessen Ausdünstung vermehren können; daß wir durch dasselbe in einem Thiere, wo wir nur wollen, einen Schmerzen erwecken, die Lebenswärme vermehren, Krämpfungen erregen, den Krelslauf der Säfte beschleunigen, das Leben in Unordnung bringen, und sogar in einem Nu ausloschen können. Wir wer⸗ den vielleicht noch mehr geneigt werden, zu muthmas⸗ V6 n 30 Erklärung 28 Serelnruang sen, daß der Einfluß dieses Flüssigen in der Haushal⸗ tung unseres Körpers Statt habe, wenn wir zu den er— wähnten Bemerkungen noch beyfügen, daß in einer Lahmheit weder das Anstrengen des Willens, noch eini— ges bekanntes Reizungsmittel vermögend sey, die Mus-— keln wieder zum Zusammenziehen zu bringen, und daß das elektrische Flüssige oft allein fähig ist, diese Wir— kung hervorzubringen. Scheint es nicht einige Wahr— scheinlichkeit zu haben, daß das elektrische Flüssige, wenigstens auf einen Augenblick, das herstellen könne‚ was den Muskeln mangelt, um sich zusammenziehen zu können(e), weil es das einzige Mittel ist, eben diese 0 Muskeln wieder in ihre Wirkung zu setzen Wir (e) Ein vom Körper eines lebendigen Thieres abgesonderter Muskel kann, gereizet, sich noch lange zusammenkräm⸗ pfen; wenn aber endlich jedes Reizungsmittel, um eine Bewegung zu erwecken, stumpf geworden ist, so können wir durch die Elektrieität allein diese Kraft des Lebens wieder zurückrufen. Doetor Pickel, Professor der Chymie zu Würzburg, hat viele höchst interessante Versuche dieser Art gemacht, wovon einige in seiner Abhandlung stehen, betittelt: Experimenta physico- medica de electricitate & calore animali. Würzburg, 1778. Diese Inaugural— dissertation ist eine von denjenigen, welche der Vernach—⸗ läsigung und Vergessenheit entrissen zu werden verdienen, wozu solche flüchtige Werkchen gemeiniglich verdammt sindz in der That aber auch selten eines Blickes würdig. des Elektrophors. 29 Wir haben unläugbare Beweise, daß einige Thie⸗ re eine elektrische Kraft besitzen, und daß sie sogar das zu erstaunende Vermögen besitzen, dieses Flüssige auf eine beträchtliche Weite von ihrem Körper abzuschleudern, und sich desselben zu bedienen, um, gleich einem wah⸗ ren Blitzschlage, die Thiere zu treffen, die sie zur Beute machen wollen. Der Zitterfisch(Raja Torpedo), ein Plattfisch, der das mittelländische Meer und den Ocean bewohnet, und schon den Alten bekannt war, ist einer derselben. Herr Walsh, Mitglied der königlichen Ge⸗ sellschaft zu London, und ein Brittisches Parliamensglied üst es, der es außer ri gesetzt hat, daß das Vermögen, die Arme desjenigen, die ihn berühren, es sey nun mit den bloßen Handen„ oder mittelst eines be⸗ feuchteten Stockes, einer Metallstange, oder was im⸗ mer für eines Leiters des elektrischen Flüssigen, zu schla⸗ gen und zu betäuben, ein wahrhaft elektrischer Erfolg ist(f). ö 23 Jenner che, die ich hierüber in Toscana Wahr⸗ ersu i 1773 anstellte, Abersührteh mich gänzlich von der heit, die Herr Walsh schon bis zum Beweise erhoben te. Meine Versuche über den Zittersisch stehen im ersten Theile des LXV Bandes der philosophischen Trans⸗ aetionen. Die Beyspiele dieses und des folgenden Thieres lassen mich glauben, daß sie nicht die einzigen lebenden Wesen 1%9 Erklärung 2³ 0 In unseren Zeiten hat man einen anderen Fisch, einen Bewohner America's, zwischen den Wendezir— keln, entdecket, der die elektrische Kraft in einem viel höhern Grade besitzet, als der Zitterfisch. Anfangs hat man diesen Fisch im Flusse Surinam gefunden, und man hat ihn mit dem Nahmen Gymnotus electra⸗ cus beleget. Die Einwohner von Surinam haben i hn Zitteraal, im Holländischen Beef-aal, Zidder- aal, genannt, obschon er nicht zum Geschlechte der Aale ge⸗ höret. Eben der Herr Walsh, beselet von dem rühm— lichsten Eifer für die Erweiterung der menschlichen Kenntnisse, hat auf seine eigene Unkosten einen Men⸗ schen nach Surinam geschickt, in der einzigen Absicht, einige aufzusuchen, und sie nach London zu bringen. Er hat eine sehr sinnreiche Vorrichtung ausgedacht, um mit der äußersten Gewißheit darzuthun, daß dieser Fisch einen Schläg, oder eine elektrische Erschütterung, sehr weit von seinem Körper abschleudere, wodurch er die andern Fische, die in seine Nachbarschaft kommen, trifft, wenn er sie zur Beute machen will. Herr Walsh hat sogar bewiesen, daß dieser Ausbruch mit einer so sicht⸗ —*—5———— sind, denen die Natur ein Vermögen, das elektrische Fener zu schleudern, gegeben hat. Ich verzweifle nicht, daß wir nicht bald andere Thiere finden werden, welche eben die— ses Vermögen besitzen. des Elektrophors. 31 sichtbaten Flamme begleitet ist, als der Ausbruch oder die Entladung einer Leidner Flasche. Ich war von diesen interessanten Versuchen selbst Augenzeuge(g). Das Beyspiel dieser zwey Thiere, verbunden mit dem, was ich schon oben gesagt habe, wird den Gedan⸗ ken minder ausschweifend machen, daß vielleicht in allen Thieren ein elektrisches Vermögen, wovon die thierische Haushaltung zum Theile abhängt, und dessen Sitz, Werkzeug oder Behällniß man eines Tages noch entdek— ken (g) Diefer Fisch hat ein Gefühl, wovon wir keinen Begriff haben, weil es von der Natur desfenigen, womit wir be— gabt sind, sehr verschieden ist; er weiß es vollkommen, ob zwischen seinem Kopfe und Schweife, oder zwischen dem Theile nahe an seinem Kopfe und dem entgegengesetz— ten Theile, ein vollständiger Kreis von Leitern„ wodurch der elektrische Schlag gehen kann, errichtet sey. Wenn sich 3. B. fünf Personen die Hand geben, und die erste derselben setzet den Finger ins Wasser nahe an dem Kopfe des Thiers, und andere fünf Personen reichen sich gleichfalls die Hände, davon die erste auch den Finger ins Wasser stecket, aber na—⸗ he am Schwanze des Zitteraals; wenn nun die leüteren die⸗ ser zwey Reihen von Personen sich nicht auschließen, son— dern getrennet bleiben, so bemerket der Fisch diese Tren— nung, ob er gleich diese Personen schlechterdings nicht sehen kann. Sobald aber diese zwey Gesellschaften den sogenannten elektrischen Kreis ergänzen, indem sie die Hände vereinigen, so wird das Thier auf der Stelle dieses Umstandes gewahr, und schleudert den elektrischen Schlag durch die ganze Gefell—⸗ schaft. Herr Walsh hat diese sonderbare Eigenschaft dieses Fisches bemerket. 32 Erkläarung ken wird, verbörgen liege. Ich werde es nicht sonder⸗ bar finden, wenn man eines Tages darthun wird, daß die Wirkung unseres Gehirnes sehr viele Aehnlichkeit mit der elektrischen Kraft habe; daß dieses Eingeweide, da— von wir noch nichts kennen, eine Art eines elektrischen Behältnisses, oder einer elektrischen Maschine, sey; daz die Nerven die Leiter dieses Flüssigen, und die Musleln die Werkzeuge sind, um es durch ihren Einfluß in Bewe⸗ gung zu setzen. Einige Phystologen von Ansehen hahen schon zu verstehen gegeben, daß sie nicht abgeneigt sind, das elektrische Flüssige unter die Wirkungsmittel der thierischen Haushaltung aufzunehmen. Es ist zwar wahr, daß man diese Lehre noch auf keine unmittelbare Be⸗ weise stützen kann; man könnte wenigstens durch die Ana⸗ tomie dieser zwey Fische(die Anatomie des Zitterfisches habe ich im Jenner 1773 gemacht. Sieh philosoph Trans⸗ act. a. a. O.), die uns gelehrt haben, daß ihre elektri— schen Organe mit einer erstaunlichen Menge Nerven ver— sehen sind, einigen Schein der Wahrscheinlichkeit auf eine solche Hypothese werfen. Wir wissen anderswoher, daß die Nerven eines lebendigen oder toödten Thieres von allen Theilen des Körpers die besten Leiter des elektrischen Flüssigen sind. ——— des Elektrophors. 33 —————————42——— Zweyter Abschnitt. Rede, worin die Erscheinungen des Elektro⸗ phors nach dem Franklin'schen Systeme der positiven und negativben Elektricität erklä⸗ ret werden. Gelesen vor der königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu London, den 4ten Junius, 1778. Geschichte des Elektrophors, * VBan dem Präsidenten und Rathe der königlichen Ge⸗ sellschaft bestimmt, die von unserem würdigen Mitglie— de, dem seligen Baker, eingeführte jährliche Abhand—⸗ lung über einen philosophischen Vorwurf zu lesen, ha⸗ be ich mich bemühet, einige elektrische Versuche zu ver⸗ folgen, und zu erklären, wie weit der beständige Elek⸗ tricitätsträger, Electrophorus perpetuus, durch die fast allgemein angenommene Franklin'sche Theorie der posi⸗ tiven und negativen Elektricität könne erkläret werden. Dieses elektrische Werkzeug bestehet aus zwey verschiedenen Stücken; nämlich J. verm. Schrift. I. B. C 19 34 Erklärung 1) Aus einem metallischen Körper in der Gestalt einer Platte, oder einer anderen angemessenen Figur, mit einer isolirenden Handhabe, um zum Aufheben dessel— ben zu dienen; und 2) Aus einer flachen nichtleitenden Substanz, als Glas, Harz, oder einer anderen nichtleitenden Materie, wor— auf obbemeldte metallische Platte gesetzet wird(h). Diese — (h) Die flache nichtleitende Substanz wird gemeiniglich auf eine Metallplatte aufgeleget. Ich habe mit gutem Erfol—⸗ ge geschmolzenen Schwefel gebrauchet, weil er die Feuch— tigkeit nicht anziehet. Die Mischung aus sechs Theilen Geigenharz und einem Theile Wachs, aufgesotten, bis alle Feuchtigkeit verdünstet ist, welches ohngefähr in einer hal— ben Stunde geschiehet, soll sehr gut seyn. Vorzüglich aber zeichnet sich an Durchsichtigkeit, Här— te und Wirkung folgende Harzmasse aus, derer Verferti— gung Herr Professor Pickel selbst zu seinem Gebrauche erfunden hat; nämlich fünf Theile reiner Gummilack(in tabulis), drey Theile reiner Mastix, zwey Theile Vene— tiauischer Terpentin, in einer Leinwand und in einem irdenen glasirten Geschirre bey einem gelinden Koöhlfeuer geschmolzen, und durch die Leinwand durchgepreßt. Die solchergestalt gereinigte Masse kann entweder noch flüssig auf die heiße Metallplatte des Elektrophors aufgetragen, oder, schon erkaltet, pulverisirt auf die heiße Platte auf— gestreuet und geschmolzen werden. ä———.— eiher mit essel⸗ auf xsol⸗ euch⸗ eilen alle hal⸗ Här⸗ ferti⸗ auche E(in Vene⸗ inem feuer Die lusi gen, guf⸗ des Elektrophors. 35 Diese von Herrn Volta, einem gelehrten Edel— manne zu Como, erfundene Maschine ist ein wichtiger Beytrag zum elektrischen Geräthe. Einmahl erweckt, ist se eine lange Deit geschickt, für alle Versuche, die kei— ne grotze Stäͤrke erfordern, Elektricität genug vorzu— schießen, und sie hat den Vortheil, daß das feuchte Wetter keinen so großen Einfluß auf sie hat, als auf die gewöhnlichen Maschinen mit gläsernen Kugeln, Wal⸗ zen, Scheiben, u. s. w. Es ist sehr leicht, sie in Thätigkeit zu versetzen: nämlich, durch ein flüchtiges Reiben mit einer trockenen Hand, mit einem Stück Le— der, mit einem rauhen Balge eines Hasens, einer Kaz⸗ ze, oder eines anderen Thieres. Eben so leicht ist es, mit dieser Maschine sowohl eine negative, als posttive Elektricität zu erwecken. Sie hat den Vorzug, daß sie zu allen Zeiten geschickt ist, eine solche Stärke der Elektricität hervorzubringen, als man brauchet, und zu einem solchen Grade, daß sie nicht länger mehr fä— hig ist, alles das ihr mitgetheilte elektrische Flüssge zu enthalten, sondern daß sie es entweder auf das Metall, worauf der Harzkuchen befestiget ist, oder in die Luft ausstößt. Die Vermehrung der elektrischen Kraft wird durch die leichtesten Mittel bewirket, indem man 5. eine belegte Flasche mit dem Elektrophore lädet, und dann mit derselben auf dem Harzkuchen herumfähret; oder sie auf die Metallplatte, die auf dem Harzkuchen C2 lie⸗ 36 Erklärung lieget, setzt, im welchen Falle die Metallplatte viel kleiner im Umkreise seyn muß, als der Harzkuchen, und keine metallische Gemeinschaft zwischen der oberen Me— tallplatte und der Platte unter dem Harzkuchen zu— gegen seyn darf. Wird nun die so aufgesetzte Flasche beym Knopfe angefaßt und weggenommen, so wird de Stärke des Elektrophors merklich vergrössert befun— den(i). Ein angenehmer Weg aber, die elektrische Kraft dieses Werkzeuges zu verstärken, ist das wechselweise Uibertra— gen der Platte von dem einen Harzkuchen auf den anderen, und das jedesmahlige Berühren derselben, wenn sie auf einem Kuchen niedergesetzet ist. Auf diese Art erlangen beyde Kuchen immer mehr und mehr Elektrieität, so daß die Metallplatte bey dieser wechselweisen Uibertra— gung bald von jedem Kuchen ganz überladen zurück— kommt; und die Leidner Flaschen können solchergestalt sehr gewaltig geladen werden, und zwar so, daß sie zerbrechen. Besonders merkwürdig ist es, das hierbey die Metallplatte von dem einen Kuchen in einem posi— tiben (i) Diese Methode aber ist nicht so wirksam, als die erste besonders wenn die Metallplatte beynahe von dem nämli— chen Umfange ist, als der Härzkuchen. des Elektrophors. 37 tiven Stande, und von dem anderen in einem negativen Stande zurückkehret. Dese Verstärkungsart der Elektricität wurde von meinem gelehrten Freunde, dem D. Klinkosch, Professor auf der Universität zu Prag, bald darauf entdecket, als ich ihm von diesem neuen Werkzeuge, das ich von Seiner Königlichen Hoheit, dem Erzherzoge Ferdinand, sehr kurz nach seiner Erfindung vom Herrn Volta em—⸗ pfieng, eine Beschreibung mitgetheilet hatte. Es ist nicht zu läugnen, daß Pater Beccaria schon seit Langem eine beynahe beständige Elektricität durch zwey auf einander gelegte Glasscheiben erwecket hatte, deren jede nur eine metallische Belegung hatte und zwar so angebracht, daß sich kein Metall zwischen den zwey Gläsern befand. Diese zwey Gläser, wenn sie an den Leiter einer elektrischen Maschine gebracht werden, so daß sie auf die nämliche Art eine Ladung erhalten, als man ein auf beyden Seiten belegtes Glas zu laden pfleget, geben, nachdem diese zwey Gläser durch Errich⸗ tung einer Gemelnschaft zwischen beyden Belegungen auf dem gewöhnlichen Wege entladen sind, von beyden Be⸗ egungen unzählige Funken. C; Um 38 Erklärung Um diese Funken hervorzubringen, müͤssen die zwey Gläser von einänder entfeenet werden, und zwar so, daß man in dem Augenblicke der Trennung das Berühren der Belegungen vermeide. Die eine dieser Belegungen wird einen Funken geben, welcher wiederhohlet werden kann, nachdem man die zwey Gläser wieder auf einander gele— get hat. Sind sie also wieder vereiniget, und nach der Vereinigung berühret worden, so erhält man nach der Trennung wieder von beyden einen neuen Funken; und diese Funken können solchergestalt so oft wiederhohlt werden, als man will, so daß zwey solche Gläser, ein-⸗ mahl erwecket, eine unerschöpfliche Quelle elektrischer Fun— ken zu seyn scheinen. Pater Beccaria nennet diesen Ver⸗ such Electricitas vindex. Ob diese Benennung geschickt sey, von dem, was darunter verstanden wird, einen Be— griff beyzubringen, wage ich nicht zu bestimmen. Eben dieser Pater Beccaria hat auch entdeckt, daß die Belegung eines entladenen Glases im Stande sey; neue Zeichen der Elektrieität zu geben, wenn sie vermit—⸗ telst seidener Schnüre aufgehoben wird. Einige andere Versuche, die eine große Aehnlich— keit mit dem Elektrophore haben, sind seit etlichen Jah— ren her vom Herrn Cigna zu Turin, und von noch eini— gen anderen Elektrikern angestellet worden. Da ————— des Elektrophors. 35 Da aber die Erfinder dieser Versuche sie nicht auf eine elektrische Maschine anwandten, so vermindern sie, meiner Meinung nach, keineswegs die Ehre, die Herr Volta verdient, das elektrische Geräthe mit einer sehr einfachen Handmaschine bereichert zu haben, welche be⸗ ständig bereit stehet, eine so starke Elektricität zu erwek⸗ ken, als zu den gewöhnlichsten Absichten erforder⸗ lich ist. Die Neuheit und Einfalt dieser Maschine kann nicht anders, als jeden Freund der Elektricität verbin⸗ den. Ich vermag es nicht auszudrücken, wie sehr der erste Anblick derselben mich entzückte, und mit welcher Begierde ich mich bestrebte, ihre Natur zu ergründen. Ich zergliederte sie auf verschiedene Wege; ich verglich sie mit Pater Beccaria's Electricitas vindex; mit einem gemeinen belegten Glase; und mit belegten elektrisirten harzigen Körpern. Einige Elektriker, durch die seltsamen Erscheinun⸗ gen, die sie hervorbringt, verwirret, dachten, sie stür⸗ ze die fast allgemein angenommene Theorie des Herrn Franklins gänzlich darnieder, und könne nicht anders, als durch Einführung neuer Grundsätze begriffen werden Ci Nach⸗ 4⁰ Erklärung Nachdem ich die Sache reiflich erwogen hatte, dah- te ich, daß diese, obgleich dem ersten Anscheine nach außerordentlichen Erscheinungen dennoch durch eben die— se Grundsätze, die schon beynahe von jedem Naturkun—⸗ digen angenommen sind, zu erklären wären. Eh ich aber zu der mir borgenommenen Auseinan⸗ dersetzung der meisteus vorkommenden Erscheinungen des Elektrophors weiter fortschreite, muß ich um die Er⸗ laubniß bitten, einige beständege Gesetze, die die Natur in den mannichfaltigen Bewegungen des elektrischen Flüs⸗ sigen beobachtet, und worauf die Elektriker nicht auf⸗ merksam genug gewesen zu seyn scheinen, festzusetzen. Drit, .——83— 7 des Elektrophors. 41 Dritter Abschnitt. Theorie der Erscheinungen des Elektrophors, nach den Grundsätzen des Franklin'schen Sy⸗ 2218 abgefaßt. Angabe mehrerer Gesetze, welche die Natur in den verschied enen Bewegungen des elektrischen Flüssigen beständig zu beobachten scheinet, und deren Kenntniß nothwendig ist, um die Erscheinungen des Elek⸗— E trophors zu verstehen. I, Das elektrische Flüssige ist in allen Körpern in ei⸗ ner gewissen Gabe oder Menge, die ihnen eigen und natürlich ist, vorhanden. II. Das elektrische Flüssige stößt sich selbst ab; das ist, ein jedes Theilchen dieses Flüssigen trachtet sich von jedem andern so weit zu entfernen, als es kann(k). Cy III. ck) Diese Eigenschaft hat auch bey einigen anderen Flussig⸗ keiten, als beym Feuer und bey der Luft, Statt; solche Flüssigkeiten sind vermöge ibrer Federkraft im Stande, große Wirkungen hervorzubringen. 4² Erklärung II. Der Stand der Elektricität eines Körpers ist der⸗ jenige, in welchem er von dem elektrischen Flüssigen mehr erlanget hat, als die benachbarten Körper, oder auch, in welchem er von dem elektrischen Flüs⸗ sigen weniger hat, als seine Nachbarn. IV. Wenn ein Körper von dem elektrischen Flüssigen mehr hat, als seine Nachbarn, so suchet sich dasjenige, welches er enthät, durch die nächsten Körper, die ver⸗ möge ihrer Natur zu dessen Aufnahme am geneigte— sten sind, zu verbreiten. Wenn im Gegentheile ein Körper von dem elektrischen Flüssigen weniger hat, als die benachbarten Körper, so stürzet sich von die— sen letztern das elektrische Flüssige, als welches sich gleichfalls zu verbreiten trachtet, indem es von Seite eines Körpers, der weniger davon hat, als sie, oder der, wie man zu sagen pfleget, negativ elektrisirt ist, auf diesen Körper, sucht sich durch die Substanz oder über die Oberfläche desselben zu verbreiten, und sich solchergestalt mit ihm ins Gleichgewicht zu setzen. V. Die Ursache, warum das elektrische Flüssige, wel—⸗ ches allenthalben zugegen ist, im natürlichen Zustan⸗ de der Dinge unthätig zu seyn scheinet, ist, daß bey dem gewöhnlichen und natürlichen Antheile, den alle andere Hörper von diesem Flüssigen haben, unter allen Thei⸗ des Elektrophors. 43 Theilen des elektrischen Flüssigen durchaus ein gleicher Druck Statt hat, welcher es in seiner Stelle er— hält. Gesetzt also, daß alle Körper, die auf der Erde sind, von diesem elektrischen Flüssigen mehr oder weniger erlangt haben, dieses aber zu gleicher Zeit und in einem gleichen Verhältnisse, so würden von einem solchen Zustande keine elektrische Erschei— nungen zum Vorscheine kommen, weil sich bey dem durchaus gleichen Drucke die zurückstoßende Kraft aller elettrishen Theilchen allenthalben im Gleichge— wichte befände. Solchergestalt geben zwey entweder positio, oder negatib elektrisirte Körper nicht einen einzigen Funken gegen einander; sie entfernen sich von einander, weil die umgebenden Körper nicht in eben demselbigen Zustande sind, als sie(). Diese Be⸗ (0 Es hält gar nicht schwer, die zurückstoßende Kraft zwi— schen zwey positiv elektrisirten Körpern zu begreifen, weil bey dem elektrischen Dunstkreise, womit feder Köryver um— geben ist, diese zwey Körper sich selbst abstoßen müssen, indem die zwey Dunstkreise einander vermöge ihrer Natur abstoßen, wie es das II Gesetz ausweiset. Die Ursache aber, warum sich gleichfalls zwey negativ elektrisirte Kör— per zurückstoßen, ist nicht so aufallend. Es ist wahrschein⸗ lich, daß die Zurückstoßung zwischen zwey negativ elektri— sirten Körpern keine eigentlich sogenannte Zurückstoßung unter einander ist, sondern daß sich diese Körper von ein—⸗ ander trennen, weil sie alle andere benachbarte Körper, die 4⁴ Erklärung Behauptung scheinet durch den elektrischen Brunnen des Pater Beccaria bestättiget zu werden, der ein elek⸗ die mehr elektrisches Flüssiges haben, als die zwey nega— tiv elektrisirten Körper, anziehen. Diese Körper, angezo— gen von allen andern benachbarten Körpern, müssen sich demnach von einander trennen, wenn gleich ihnen selbst wirklich keine Ursache eingepräget ist, die sie zwinget, sich zurückzustoßen. Es gibt Physiker, Anhänger des Frank— lin'schen Systems, welche glauben, daß die Zurückstoßung zwischen zwey negativ elektrisirten Körpern daher komme, weil in diesem Falle das elektrische Flüssige genöthiget wird, aus der Substanz dieser Körper heraus zu treten, und wie eine Art eines Dunstkreises um sie herumzuschwim— men. In dieser Voraussetzung also hienge die Zurückstos⸗ sung zwis ischen zwey negativ elektrisirten Körpern von der nämlichen Ursache ab, als die Zurückstoßung zwischen zwey positiv elektrisirten Körpern. Der Unterschied zwischen beyden Fällen wäre also, daß 2 Rr ei⸗ nes positib elektrisinten Körpers, als ein fremdes darauf angehäuftes elektrisches Flüssige, sehr geneigt ist, auf alle benachbarte Körper, die ihm nahe genug kommen„ um es zu empfangen, überzuspringen; und daß im Falle einer negativen Elektrieität das elektrische Flüssige des Körpers selbst gezwungen wird, aus der Substanz des Körpers herauszutreten, sich um ihn herumzusetzen, und genöthi⸗ get ist, a. zu verbleiben, bis ein anderer Körper, der seine natürliche Menge des elektrischen Flüssigen besitzet, oder eine maesehte Menge desselben erlangt hat, sich hin⸗ es nähert, um diesen Dunstkreis zu zwingen, daß er wieder in das Innere des Körpers hineintrete; denn das aus seiner Stelle vertriebene elektrische n so, pis eine gleiche Kraft es in seine Stelle wieder zurück⸗ Ryii prin, —————— nnen nega⸗ gezo: sich selbst sich rank⸗ sung me/ ird, und vim- kstos⸗ der chen hied ei⸗ rauf alle nes einer rpers rpets löthi der stzet, hin⸗ KHnare des Elektrophors. 45 — elektrisirtes Gefäß von Metall ist, worin zwey Kork⸗ ügelchen an Seidenfäden aufgehänget sind. Die Kü⸗ gelchen äußern, so lange sie sich in der Höhle dieses Gefäßes befinden, kein Zeichen der Elektrieität, weil sie das elektrische Flüssige von allen Seiten gleich— stark drücket. ṼI. Alle nichtleitende Körper können eben so gut, als die leitenden Körper, auf jedem Theile ihrer Substanz mehr oder weniger vom elektrischen Flüssigen anneh⸗ men; zwar nicht in der nämlichen Stärke, aber doch wenigstens bis zu einem gewissen Verhältnisse. Die nichtleitenden Körper lassen das elektrische Flüssige nicht durch ihre Substanz gehen, noch sich auf ih— rer Oberfläche so sehr anhäufen. Es hängt ungleich darauf an, Statt dessen es sich sogleich durch die ganze Ausdehnung der leitenden Körper gleichförmig verbreitet, wenn ihm anders nichts im Wege stehet. VII. Alle und jede Körper sind ohne Unterschied der po— sitiven und negätiven Elektricität empfänglich, man mäg sie durch die Reibung oder auf was immer für eine bringet. Ich gestehe aber, daß diese letztere Erklärung die Klarheit nicht hat, die man verlangen könnte. 46 Erklärung I eine Art erwecken, oder man mag sie in den Wir— l kungskreis eines schön elektrisirten Körpers tragen, Iu W„ VN so daß so gar die Metalle, welche die besten Leiter sind, 0 eben so leicht, zum vorausgesetzt, daß sie isolirt sind, 0 durchs Reiben erwecket oder elektrisirt werden können, 30 MNN als das Glas oder Siegellack(m). Der einzige wich—. lige E ln (m) Wiewohl es wahr ist, daß die isolirten Metalle durch 10 die Reibung der meisten Reibzeuge eine negative Elektri— WA cität erlangen, so ist es doch nicht minder wahr, daß es metallische Substanzen gebe, welche durch die Reibung 0 eine positive Elektrieität bekommen. Hier ist ein Versuch, der mich davon überzeuget hat, und der wegen seiner Son—⸗ 6 derbarkeit den Liebhabern der Elektrieität nicht anders, als angenehm seyn muß. Ich füllte ein recht getrocknetes V Glas mit dem reinsten Quecksilber an, tauchte ein Stück l trockenes Glas langsam hinein, und es kam fast immer in einem Stande der positiven Elektricität heraus, wo— U bey sich das Quecksilber in einem negativen Stande be— fand. Den nämlichen Erfolg hatte ich mit einem Stück Campher, Gummilack, Siegellack, und Caoutchouck, oder Federharz; allein da ich eben diese Körper sehr jähe in* das Quecksilber eintauchte, so erhielt ich die entaegengesetzte ö Wirkung: diese Körper kamen in einem negativen Stande aus dem Quecksilber, und das Quecksfilber befand sich in 40 einem recht augenscheinlichen positiven Stande. War die ö sli Bewegung dieser Körper ins Quecksilber weder schnell, noch an langsam, so empfiengen eben diese Körper gar keinen Stand 1 der Elektrieitäc. Da also der Stand der Elektrieität die— Ersg ser der Reibung des Quecksilbers ausgesetzten Hörper ven R. s der Geschwindigkeit der Bewegung dieser Körper in das metal⸗ ö ——————7 Vir⸗ gen, sind, sind, nen,‚ vich— e urch ktri⸗ es hung such, Son⸗ ders/ Uetes Stück mmer bob⸗ esetzte tande ch in Ir die noch tand t die⸗ ven Ndas al⸗ des Elektrophors. 47 tige Unterschied, der zwischen leitenden und nicht— leitenden Substanzen obwaltet, scheint darin zu lie— gen, daß sich die Elektricität nicht von selbsten so leicht und schnell in das Innere oder über die Ober— fläche der Körper, die Nichtleiter sind, verbreitet, als durch diejenigen, welche Leiter sind. Ein elektrischer, und auf die Oberfläche eines isolirten Stück Metalls, so lang es auch immer seyn mag, getragener Funken verbreitet sich durch dessen Masse ganz gleichförmig, wenn dieses Metall außer—⸗ halb des Wirkungskreises eines jeden anderen mit Elektricität geladenen Körpers gehalten wird. Alle die durch diesen Funken ertheilte Elektricität ist auf einmahl entladen, indem man was immer für einen Theil des Metalles berühret. Im Gegentheile schei⸗ net die Elektricität vielmehr demjenigen Theile eines nicht⸗ metallische Flüssigs abzuhängen scheinet, so härte es sich ereignen können, daß der Leser, falls er bey diesem Ver— süche eine entgegengesetzte Wirkung erhalten hätte, als er erwartete, mich als einen schlechten Beobachter beschuldi— get hätte, wenn ich die Ursache der Ungewißheit in dem Erfolge dieses Versuches nicht beygefüget hätte. Es gieng mir sehr hart, bis ich die Ursache dieser Ungewißheit aus. findig machte. 48 Erklärung nichtleitenden Körpers anzukleben, welchem sie ist mitgetheilet worden; sie breitet sich nur langsam und ungleich auf dessen Oberfläche aus, wovon man sie nur grädweise wieder wegnehmen kann, indem man die Theile berühret, denen die Elektricität mitgethei— let wurde. Es gibt einige Körper, die zwischen den zwey Arten, nach welcher sich die Leiter und Nicht— leiter mit dem erhaltenen elektrischen Flüssigen bewei— sen, das Mittel zu halten scheinen. Das elektrische Flüssige pflanzet sich in den Körpern dieser dritten Classe fort, und verbreitet sich, wie in guten Lei— tern, aber langsam, so wie es dem gemeinen Holze, der feuchten Luft, und mehreren anderen Körpern widerfährt. Es hat das Ansehen, daß sich die Elek⸗ tricität in diesen Körpern beynahe so verbreite, wie Zucker und Salz von selbst ins Wasser dringen, in⸗ dem sie diese Flüssigkeit immer mehr und mehr an⸗ schwängern und sättigen. VIII. Alle Körper, die Richtleiter sind, scheinen den Stand einer Elektricität nicht anders, als mit Wi— derwillen anzunehmen; und nachdem sie ihn angenom⸗ men haben, halten sie ihn stärker zurück, und thei— Ien ihn schwerer mit, als die leitenden Körper. Eine einzige Berührung benimmt einem metallischen Kör— per alle Electricität; sie ist aber nicht zureichend, um des Elektrophors. 40 um ein Stück Glas, oder einen andern nichtleiten⸗ den Körper, als das Siegellack, den Agtstein, u. s. w., aller Elektricität zu berauben. Die Metallplatte ei— nes Elektrophors nimmt fast keine Elektricität vom Harzkuchen an, wenn man sie aufhebet, ohne sie be— rühret zu haben, so länge sie auf dem Kuchen war n). XI. — en) Die Schriftsteller über die Elektrieität scheinen den Un— terschied zwischen leitenden und nichtleitenden Körpern nicht aufmerksam genug und in diesem Gesichtspunete be— trachtet zu haben. Man begnügte sich gemeiniglich zu sa⸗ gen, daß leitende Körper diejenigen sind, welche dem elektrischen Flüssigen einen freyen Durchgang durch ihre Zwischenräumchen, oder längst ihrer Oberfläche hin geben, und daß nichtleitende Körper diejenigen sind, welche den Lauf oder den Durchgang dieses Flüssgen durch ihre Zwischenräumchen oder über ihre Oberfläche hin verhin— dern. Siehet man diese zwey Substanzen bloß auf diese Weise an, so wird man eine große Dunkelheit in der Anwendung dieser, obgleich an sich sehr richtigen Grund— sätze auf die Theorie des Elektrophörs antreffen; denn die auf den elektrisirten Harzkuchen gesetzte Metallplatte, wel— che dem Durchgange des elektrischen Flüssgen nichts in Wege leget, müfte an dem Stande der Elektricität, womit dieser Kuchen getränket ist, Theil nehmen, und das Metall müßte daher Merkmahle einer positiven Elek— trieität zeigen, falls der Harzkuchen diese Elektrieität be⸗ saß; und es müßte sich in einer negativen Elektrieität befinden, im Falle der Kuchen mit dieser Clektrieität ge— J. verm. Schrift. I. B. D tränkt 1⁰ Erklärung — IX. Alle harzige Körper, die Seide, und viele andere Nichleiter, behalten ihren elektrischen Stand hartnäk— kiger, als das Glas, wenn es auch trocken ist(o). So wird ein erwecktes Stück Glas durch einen lei⸗ tenden tränkt war. Allein es ergibt sich gerade das Gegentheil, nachdem man die Metallplate, während dem sie auf dem Harzkuchen lag, berühret hat; welches hart zu begreifen wäre, wenn man die harzigen Körper nicht auf obbesagte Art betrachtet. Weiter unten wird über diesen Artikel noch mehr Licht geworfen werden. (o) Die Elektriker waren nicht aufmerksam genug auf die— sen wichtigen Unterschied, der zwischen den verschiedenen nichtleitenden Substanzen Statt hat. Indeß wird man ohne diese Betrachtung nicht leicht begreifen, warum ein bloß aus einer Glasscheibe gemachter Elektrophor nicht so gut ist, als es diejenigen sind, welche man aus harzigen Materien verfertiget, besonders wenn das Glas nicht mit einem Firnisse, der die Feuchtigkeit abhält, überzögen ist. Herr Cuypers zu Delft hat in einem hierüber bekanntge— machten Werkchen sehr richtig bemerket, daß es Gläser gibt, die zu Elektrophoren gar nicht zu gebrauchen sind, weil das Laugensalz, welches zu ihrer Verfertigung kommt, nicht hinlänglich verglaset ist. Solche Gläser ziehen sehr gerne die Feuchtigkeit an, welches dieses Salz seiner Na— tur gemäß verursachet, die ihnen die mitgetheilte Elektri— eität bald zernichten muß. Herr Dollond zeigte mir zu London einen großen Hohlspiegel, dessen Güte wegen die— sem Fehler nicht die beste war. Es gibt noch in Lothrin⸗ gen Glashütten, deren Glas dergestalt mit Laugensalz überschwängert ist, daß es die Säuren anfressen, und daß das 7 des Elektrophors. 51 Wer tenden Körper, den man daran rühren lässet, bey⸗ mät⸗ nahe seiner Elektricilät gänzlich entblößt; aber ein (0. härziger Körper, der berühret wird, behält noch ei⸗ lei⸗ nen großen Theil seiner Elektricität. n 141 X. Ein isolirter leitender Körper, den man in den Wir⸗ kungskreis eines elektrisirten oder erweckten Nichtlei⸗ z ters, oder mit einem solchen Körper in eine un—⸗ kisen mittelbare Berührung bringet, erlanget zu gleicher — Zeit zwey entgegengesetzte Elektricitäten; das heißt, der Theil, welcher mit dem elektrisirten Nichtleiter in Berührung, oder ihm sehr nahe ist, erlanget ein. m dem nichtleitenden Körper widrige Elektricität, mitt⸗ man lerweile das andere, oder entferntere Ende dieselbige n Elektricität besitzet, die der Nichtleiter hat. 230 ö mit XI. Ein isolirter leitender Körper erlanget in Berüh⸗ mist. rung eines anderen elektrisirten leitenden Körpers die⸗ 305 selbe Elektricität in seiner ganzen Ausdehnung, oder uud, theilet, falls ihre Oberflächen gleich sind, mit dem il, elektrisirten Leiter die Elektricität zu gleichen Theilen. 10 l D* ir in— n die⸗ das Salz sichtbar zum Vorscheine kommt, wenn man es hhan⸗ nahe zum Feuer setzet. Solche Gläser verlieren, erhitzet, ensch ihre Durchsichtigkeit. d daß MW 52 Erklärung XII. Befindet sich aber der isolirte Leiter nur in dem Wirkungskreise eines andern elektrisirten Leiters, lo erlanget er, wie in dem Nro X zergliederten Bey— spiele, zwey verschiedene Elektricitäten zu gleicher Zeitz das heißt, der Theil desselben, welcher dem elektrisir⸗ ten Körper am nächsten ist, erlanget eine Elektrici— tät, welche der Elektricität dieses elektrisirenden Kör— pers entgegengesetzet ist: an dem anderen von dem elektrisirenden Körper entferntesten Theile aber erlan— get er dieselbe Elektricität, die der elektrisirte Kör⸗ per hat(p). Ohne (p) Dieses Gesetz gibt mit Nro X die Auflösung einer Er— scheinung, welche anders sehr schwer wäre; nämlich die Metallplatte eines Elektrophors empfängt schön Elektrici⸗ tät in einer gewissen Entfernung vom Harzkuchen, und behält dieselbe, wenn man sie berühret hat, während dem sie in der Nachbarschaft des Harzkuchens war, ohne jedoch mit ihm in Berührung gewesen zu seyn. Pater Beeearia, Herr Canton, und mehrere andere, haben schon diesen doppelten Stand der Elektrieität be— merket, den Körper in dem Wirkungskreise eines elektri— sirten Körpers zu gleicher Zeit empfangen. Lord Mahon hat diese zwey entgegengesetzten Elektrieitäten, die auf einem Körper unter besagten Umständen zu gleicher Zeit Statt haben, mit ber gewissenhaftesten Aufmerksamkeit bo— trachtet. Er bemerkte auch zwischen diesen zwey widrigen Elek⸗ des Elektrophors. 73 Ohne eine ganz besondere Aufmerksamkeit auf das, was hier in Betreff der Gesetze, die das elektrische Flüsä— sige in seinen Bewegungen oder in seinem Laufe beobach⸗ tet, gesagt worden ist, wird es unmöglich seyn, das zu begreifen, was noch zu sagen ist, um sie auf die Theorie des Elektrophors, und selbst der Leidner Fla⸗ sche, anzuwenden. D 3 Vier⸗ Elektricitäten einen Mittelstand, einen Stand der Unent⸗ schiedenheit, der Neutralitat, der natürlicherweise an dem— jenigen Orte Statt haben muß, welcher sich zwischen dem positiv elektrisirten Ende und dem entgegengesetzten, und zu gleicher Zeit negativ elektrisirten Ende befindet. Dieser Ort der Neutralität wechselt nach den verschiedenen Um-⸗ ständen, der von der Gestalt und der Länge des Körpers, von der Stärke der Elektrieität des elektrisirten Körpers, von der Entfernung zweyer Körper, u. s. w., abhängt. Dieser Gegenstand ist von dem erlauchten und gelehrten Verfasser in einem über die Elektrieität 1780 zu London herausgegebenen Werke in ato behandelt 74 Erklärung Vierter Abschnitt. Anwendung der im vorhergehenden Abschnitte zergliederten Gesetze auf die vornehmsten Er— scheinungen der Elektrieität, und vorzüglich des Elektrophors. W. haben schon gesagt, daß der Stand der Elektri⸗ eität eines Körpers derjenige ist, in welchem das Gleich⸗ gewicht zwischen seinem elektrischen Flüssigen und jenem des benachbarten Körpers unterbrochen ist, oder in welchem er von diesem Flüssigen mehr oder weniger, als die benachbarten Körper, erlanget hat. Es scheinet ein Gesetz der Natur zu seyn, daß das elektrische Flüssige, welches auf einem Körper an— gehäuft ist, und eine Hinderniß antrifft, sich den an⸗ dern umgebenden Körpern leicht mitzutheilen, indem sich zwischen beyden ein nichtleitender Körper, z. B. trok- kene Luft, Glas, u. d. gl., befindet; so scheinet es, sage ich, daß dieses angehäufte Flüssige durch seine zu⸗ rückstoßende Kraft das in allen Körpern natürlich ent⸗ halte⸗ des Elektrophors. 7 haltene elektrische Flüssige zwinget, sich auf die entfern⸗ teste Seite des benachbarten Körpers zurückzuziehen, so daß es auf der nächsten Seite, oder auf dem nächsten Ende eine Art eines Abganges, oder eines leeren Rau— mes des elektrischen Flüssigen hervorbringt, bis sich end— lich das elektrische Flüssige auf dem elektrifürten Kör⸗ per in einer so großen Menge angehäuft siehet, daß es den Widerstand der darzwischenstehenden nichtleitenden Substanz überwindet, sich mit Gewalt einen Weg bah⸗ net, und in Gestalt eines Funkens auf den benachbar⸗ ten Körper stürzet. ö Wird das elektrische Flüssige auf die Oberfläche einer gläsernen Platte getragen, derer beyden Ober— flächen mit einer metallischen Substanz, z. B. mit ei⸗ nem Stanniolblatte, überzogen oder versehen sind, und es findet in seinem Uibergange durch eben diese Platte ei⸗ nen Widerstand, so häufet es sich auf derjenigen Ober⸗ fläche, die es empfangen hat, an, und zwinget vermö⸗ ge seiner zurückstoßenden Kraft das elektrische Flüssige auf der anderen Oberfläche, daß es, wenn sich allenfalls ein Körper, der dieses Flüssige weiter tragen kann, nahe bey ihr, oder in eluer Berührung mit ihr befin⸗ det, dieselbe verläßt. Eine Oberfläche also, auf welche man das elektrische Flüssige richtet, ladet immer mehr und mehr auf, bis sich das elektrische Flüssige auf die⸗ D4 set 76 Erklärung ser Oberfläche in einer genugsamen Menge angehäuft befindet, um den Widerstand des Glases zu überwälti⸗ gen, sich einen freyen Durchgang durch dasselbe zu machen, und endlich sich selbst auf der andern Ober— fläche, wo es eine Art eines leeren Raumes erzeuget hat, auszubreiten. Das solchergestält gesprungene Glas ist nicht mehr im Stande, geladen zu werden. Nachdem aber das elektrische Flüssige eines Lel— ters auf die nämliche Art eine Lufplatte, oder eine Luft— schichte, die bis zu einem gewissen Grade seinen freyen Uibergang vom Leiter zu dem nachsten Körper verhin— dert, durchbrochen hat, indem es ihr einen Funken gibt, so kann der nämliche Funken aufs neue so oft gezogen werden, als man will, weil die durch den Funken in der Luftplatte gebildete Oefnung unmittelbar dar— auf, den Eigenschaften der Flüssigkeiten gemäß, wieder geschlossen wird(). Wird (⁴) Oer Funken kommt also aus dem Leiter, wenn die Luftschichte zwischen dem Leiter und dem Körper, der sich ihm nähert, dem zu stark gewordenen Drucke dieses Flüssigen nicht mehr widerstehen kann, und wenn dieses auf dem Leiter angehäufte Flüsige das dem herannahen—⸗ den Körper zugehörige elektrische Flüssige gezwungen hat, .... des Elektrophors. 57 Wird ein isolirter leitender Körper so, wie oben ge— sagt worden ist, gestellt, daß er auf seinen verschiedenen D5 Enden sich in das Inunere dieses Körpers zurückzuziehen, und wenn es folglich eine Art eines leeren Raumes auf dem Theile dieses Körpers, der dem Leiter am nächsten ist, erzeuget hat. Das elektrische Flüssige, welches die Substanz einet Glases nicht durchsetzen kann, ohne es zu zerbrechen, ge— het ziemlich leicht durch die Substanz einer feuchten Luft. Die tröckene Luft ist in einem gewissen Gräde ein nicht— leitender Körper. Eine mittelmäßige Menge dieses Flüs⸗ sigen scheinet die Luft einsaugen zu können, und wird solchergestalt selbst elektrisirt; und sie scheinet es beynahe so einzusaugen, wie ein Schwamm das Wasser. Stöoßt aber eine große Menge des elektrischen Flüssigen auf ein— mahl auf eine Luftschichte, so findet sie an ihr eine Hin derniß in seinem Laufe; das elektrische Flüssige überwin— det sie sodann, zertrümmert sie, und stürzet sich unter der Gestalt eines Funkens durch die Luft, wenn sich ein Hör— per darstellet, der es aufnehmen kann, oder, wenn ihm keiner dieser Körper nahe genug ist, so zerstreuet es sich durch die Luft in Gestalt der Büscheln. Wenn sich das elektrische Flüssige durch die Luft ver— breitet, so verräth es sich durch einen besondern Geruch, welcher dem Geruche des Kunkel'schen Phosphors gleichet. Als ich auf den Leiter einer starken Elektrisirmaschine ein hinlänglich großes Stück Campher legte, und den Leiter erweckte, kam mir vor, als trinke die Luft die Elektri— eität viel williger ein, und noch weit reissender, wenn ich den Campher anzündete. Durch dieses Mittel kann man die Erklärung Enden eine entgegengesetzte Elektrieität besitzet, so thei— let er jedem andern Körper, der mit ihm in Berüh— rung die ganze Luft eines Zimmers elektrisch machen, so daß zwey an Zwirnsfäden aufgehängte Kork-oder Hollunder—⸗ märkkögelchen von einander bleiben, man mag sie an einen Ort des Zimmers tragen, an welchen man will. Auf diese Art habe ich mehr als einmahl die eine Hälfte mei— nes Zimmers positiv elektrisirt, und die andere Hälfte zur nämlichen Zeit negativ. Ich griff es folgendermaßen an. Ich stellte von Entfernung zu Entfernung vom Lei— ter an bis ans Ende des Zimmers ein Par an Zwirus— fäden aufgehängte Korkkügelchen. Den Leiter elektrisürte ich positiv, während dem das daraufgelegte Stück Cam— pher brannte, und die Kügelchen giengen von einander, die einen nach den andern. Als die Kügelchen durch ihr Auseinanderspreitzen andeuteten, daß das Zimmer allent— halben elektrisiret wäre, so legte ich den brennenden Cam— pher auf einen Leiter nahe bey dem isolirten Küssen der elektrischen Maschine, um ihn negativ zu elektrisiren. Sobald man die Maschine drehete, schlossen sich die zwey Kügelchen, die diesem Leiter die nächsten waren, und er— öfneten sich unmittelbar darauf wieder; und die andern Kugelchen folgten so nach und nach. Als die Kügelchen mitten im Zimmer anzeigten, daß sie von dieser neuen Elektrieität angegriffen wurden, ließ ich die Maschine still— halten, und löschte den Campher aus. Da ich sodann alle Kügelchen prüfte, fand ich, daß alle diejenigen, wel— che der elektrischen Maschine am nächsten standen, auf eine den andern widrige Art elektrisirt waren. Es folget hieraus, daß die eine Hälfte der Luft im Zimmer positiv/ die andere Hälfte negatib elektrisirt war. Ich zweifle nicht, daß sich der nämliche Fall im Dunstkreise zur Zeit eines so daß lunder⸗ einen Auf mei⸗ Halste naßen Lei⸗ irns⸗ isirte Cam⸗ der, ihr lent⸗ Lam⸗ der iren. zoeh der: ndern elchen neuen still⸗ daln ö wel⸗ „auf folget sttib, heifle Zeit es des Elektrophors. 59 rung ist, oder in einer Entfernung, daß er ihn errei⸗ chen kann, einen Theil derjenigen Elektricität mit, die er auf seinem entferntesten Ende erlanget hat. Der er— ste Körper, das ist der isolirte leitende Körper, hat bey einer solchen Berührung denjenigen Theil des elektri— schen Flüssigen, welches auf seinem berührten Ende an— gehäuft war, wahrhaft verloren. Wenn er daher aus dem Wirkungskreise eines erweckten, oder elektrisiren— den Körpers, z. B. eines Leiters, genommen wird, nach— dem er solchergestalt einen Theil des auf diesem Ende ange— häuften elektrischen Flüssigen verloren hat, so findet man, daß er eine negative Elektricität besitzet, wenn der elektrisirte Körper eine positive hatte, und daß er eine positive erlangt hat, wenn der elektrifirte Körper eine negative hatte. So sehen wir, ob wir glauben dürfen, was man gemeiniglich als eine Thatsache versichert, daß ein in dem Dunstkreise eines elektrisirten Körpers versenkter Körper einen Stand der Elektricität erlange, welcher dem Gewitters oft zutrage. Die Abwechslungen in dem Stan— de der Elektrieität, welche man zur Zeit eines Gewitters an den auf Häusern errichteten und isolirten Leitern bemerket, zeugen klar genug davou. 6⁰ Erklärung dem Stande des elektrisirten Körpers entgegengesetzt ist. Hat der in dem Dunstkreise eines elektrisirten Körpers versenkte Körper eine kleine Ausdehnung, so trifft man auf ihm allem Anscheine nach die nämliche Elektricität in dieser ganzen Ausdehnung an, weil die zwey Enden eines kleinen Körpers nicht anders, als von einander abgesondert, geprüft werden können; da im Gegenthei— le ein Körper von einer gewissen Ausdehnung auf eine sehr sinnliche Art zwey unterschiedene Elektricitäten dar— stellet. Die Ursache dieser seltsamen Thatsache muß durch die oben angenommenen Grundsätze einleuchtend ge— macht werden, und man kann sie ohne sonderliche Auf— merksamkeit begreifen, wenn man voraussetzet, daß der elektrisirende Körper in einem positiven Stande ist; denn in diesem Falle zwinget der Dunstkreis des elektri— schen Flüssigen, welches den elektrisirenden Körper um— gibt, durch seine zurückstoßende Kraft das elektrische Flüssige des benachbarten Körpers, sich zurück, oder auf das entfernteste Ende dieses Körpers zu begeben, und sich solchergestalt auf diesem Ende anzuhäufen, von welchem Ende es also geneigt ist, sich auf einen anderen Körper, der es, wenn er nahe genug ist, auf⸗ nehmen kann, zu werfen, oder überzuspringen. Wenn ist. pers man itat iden nder thei⸗ eine dar⸗ muß I des Elektrophors. 61 Wenn ein elektrisirender Körper in dem Stande einer negativen Elektricität ist, so ist die Erklärung nicht so leicht zu fassen, als im ersten Falle; es gehö— ret hierzu etwas mehr Aufmerksamkeit, um zu begreifen, was vorgehet. Der erweckte Körper, eines Theiles seiner natürlichen Portion des elektrischen Flüssigen ver— lustiget, befindet sich, wenn man sich so ausdrücken darf, in Ansehung des elektrischen Flüssigen in einer Art eines Mangels, oder eines leeren Raumes. Das elek— trische Flüssige eines jeden andern Körpers, das in sei—⸗ nem natürlichen Zustande ist, und folglich in einer Art einer Unthätigkeit, so wie es durch das elektrische Flüs⸗ sige aller anderen umringenden Körper in seinen Gren⸗— zen gehalten wird, siehet sich frey, zu wirken, indem es durch nichts abgewogen wird; es setzet seine natürli⸗ che zurückstoßende Eigenschaft gegen diesen Körper, worauf sich keine ähnliche Menge des elektrischen Flüs⸗ sigen befindet, welche dessen Federkraft, oder dessen ela⸗ stischer und zurückstoßender Eigenschaft widerstände, in Wirkung; es stürzet sich also in diese Art des leeren Raumes, der auf dem negativ elektrisirten Körper zugegen ist. Solchergestalt bringet das elek⸗ trische Flüssige dieses Körpers, indem es seinen na— türlichen Stand des Gleichgewichtes verlieret, und sich von selbst gegen diesen leeren Raum anhäuft, eine wahre positive Elektricität hervor, zur nämlichen Zeit, als 65² Erklärung 7 als sein eigenes entgegengesetztes Ende eine negati⸗ ve hat. Eh ich in dieser Theorie weiter schreite, wird es nicht unschicklich seyn, etwas mehr von dieser besonde—⸗ ren Eigenschaft der nichtleitenden Körper zu reden, ver⸗ möge welcher sie mit einer Art eines Widerstandes den einen und den andern Stand der Elektricität annehmenz und nachdem sie einen angenommen haben, denselben mit eben so viel Schwierigkeit mitzutheilen, und mit einer Art einer Halsstärrigkeit zurückzuhalten scheinen, wie es das VIII und IX Gesetz zu Tage leget. Diese, obschon so offenbare Eigenschaft scheinet von den Elek— trikern nicht bemerket worden zu seyn, wenigstens, wenn sie sie bemerket haben, gewinnt es das Ansehen, daß sie daraus keine Folgerungen für die Erklärung der Erscheinungen der Elektricität gezogen haben. Mehrere meiner Freunde, obgleich mit der Elektricität sehr ver— trauet, schienen von der Neuheit dieser Bemerkung be— troffen zu seyn, da ich ihnen diese Rede vorlas, noch eh ich es vor der königlichen Gesellschaft zu London ge— than hatte; und einige faßten nicht einmahl gleich anfangs ihre Wichtigkeit und Anwendung auf die Theorie des Elektrophors, wiewohl sie bald darin überein kamen, daß diese Eigenschaft den Knoten der Schwierigkeit ent— zweyschnitte. Da 0 V Gll Da elekt stj gati⸗ des Elektrophors. 63 Da diese Eigenschaft der nichtleitenden Körper die Grundlage der Theorie ist, so will ich ihr wirkliches Däseyn durch Thatsachen darthun. Der erste Theil dieser den nichtleitenden Körpern eingeprägten Eigenschaft, den Stand der Elektkieität mit mehr Schwierigkeit anzunehmen, als die leitenden Körper, erweiset sich leicht aus folgendem Versuche. Ein trockenes Stück Glas, nahe an einem Lei— ter gehalten, wird in der nämlichen Entfernung, wo ein isolirtes Stück Metall, oder eine andere isolir— te leitende Substanz, einen beträchtlichen Grad der Elektricität, ja sogar einen starken Funken empfan⸗ gen hätte, keine oder fast keine Elektricität an⸗ nehmen. Der zweyte Theil dieser den nichtleitenden Kör⸗ pern eingeprägten Eigenschaft, nämlich die angenom⸗ mene Elektricität hart zu verlieren, beweiset sich fol⸗ gendergestalt. Ein Stück eines isolirten Metalles, z. B. die Metallplatte eines Elektrophors, wird auf einem stark elektrisirten Harzkuchen, falls die harzige Platte dick ist, und keine Sprünge oder Spalten hat, gar kei⸗ ne, 64 Erklärung ne, oder nur eine schwache Elektricität empfangen; welches man ersiehet, wenn man sie vom Kuchen aufhebet, ohne sie berühret zu haben, als sie mit dem Kuchen in Berührung, oder in seinem Wir— kungskreise war, obschon sie während der ganzen Zeit, als sie auf dem Harzkuchen lag, wahrhaft in dem Stände einer wirklichen Elektricität gewesen war. Theilte nun der Harzkuchen seine Elektricität so leicht mit, als die Metallplatte, so hätte der Kuchen seine Elektricität mit der Metallplatte gethei— let, und es bliebe dem zu Folge eine ansehnliche Men— ge der Elektricität auf dieser Metallplatte, und die— ses zwar um so mehr, da, wie man weiß, das Me— tall gar keinen Anstand nimmt, die Elektricität zu empfangen. Ob es gleich sehr schwer hielte, eine fernere Er⸗ klärung dieser den nichtleltenden Körpern eingeprägten Eigenschaft, wovon die Rede ist, aufzufinden, so wird es jedoch nicht schwer seyn, sie durch ein Beyspiel, durch eine andere, jeder Materie eingeprägte Eigen— schaft zu beleuchten. Diese Eigenschaft ist diejenige, welche der berühmte Newton die Kraft der Trägheit, vis inertiæ, eine eingeprägte Eigenschaft, vis insita, nennet, vermöge welcher jeder Körper, wenn er in der Ruhe ist, der Bewegung widerstehet, und wenn er 8————— des Clektrophors. 67 er in Bewegung gesetzt ist, eine gleiche Kraft erfordert, um dieser Bewegung Einhält zu thun(r). 7 Unter⸗ ——— (r) Die dem gehärteten Eisen, oder dem Stahle mitgetheil— te magnetische Kraft scheinet mit der Kraft der Trägheit des Ritters Newton und mit der besonderen Eigenschaft der nichtleitenden Körper, wovon wir so eben geredet ha⸗ ben, einige Aehnlichkeit zu haben. Eine Stänge weiches Eisen wird in der Nachbarschaft eines Magnets auf der Stelle auch zum Magnete, so lange sie in dieser Lage verbleibet; das heißt, sie gibt die offenbarsten Kennzei⸗ cheu, daß sie alle die dem Maguete eigenthümlichen Eigesischaften eingetrunken habe; sobald sie aber wieder gus dem Wirkungskreise des Magnets genommen wird, höyet sie auf, einige Zeichen des eingetrunkenen Magne⸗ tismus zu Tage zu legen; eben so, wie ein isolirter, und in den Wirkungekreis des⸗ erwecktei Leiters. gesetzter lei— tender Kärper untrügliche Zeichen darleget, daß er elek⸗ trisiret. sey, und daß er zugleich auf seinen zwey Enden den Stand einer entgegengesetzten, Clektricität erlanget habe; so bald man ihn aber aus dem Wirkungskreise des Leiters herausnimmt, verlieret er allen Anschein der Elektrieität(wobey man jedesmahl e daß dieser Körper mit keiner Spitze versehen sey), indem der Dunst⸗ kreis des Leiters nichts gethan hat, als das in diesem Körper natürlich enthaltene elektrische Flüss ge aus seiner „Stelle zu, verdrängen, und zu zwingen, daß es sich auf dem vom Leiter entferntesten Ende dieses Körpers auf⸗ häufen mußte. Wird also dieser Köryer aus dem Wir⸗ küungskreise des Leiters herausgehoben, und von dem Orucke befreyet, den die zurückstoßende Kraft des elektrischen Dunst— kreises des Leiters auf sein elektristhes Flüssge ausübte, J. verm. Schrift. I. B. E so E *— + —. — 2 —— — —— — Untersuchen wir nun mit Aufmerksamk Stand eines Körpers, der, wie ich oben gesagt habe, . so kann er keine Zeichen der Elektrieität mehr geben, iweil sein e lektrisches Flüssige welches nur verdränget war, 8365 und weder vermehret, noch vet emindert wur de, sich auf allen Theilen dieses Körpers nieder ins Cleichgettiht t zurücksetzt Eine Stange von Stahl/ oder vom gehärteten Eisen, verhält sich gegen einen Magnet beunghe so, wie die nicht⸗ leitenden Körber. gegen jeden anderen elektristtten Kör⸗ pen; dehu ein solcher Körper, 3. B. ein Stück Glas, gibt güseischeinliche Zeichen der Ele ektrieität) so lange er in dem Wüee igskreise eines jedweden erweckten oder elet⸗ trisirten Körper 8 stehet; aber er behält diesen Ständ der Elek ttititat nicht/ wenn man ihne nicht gleichsam nöthi⸗ ö get/ depsetben anz zunjehmen, oder whenn man ihn nicht, ——— in sigen gezibungen hat, sich mit dem elektrischen Fluf sigen zu tränken? Eine Stauge vyn Stahl, oder vom 190⁷ Rehärteten Cisen/ beträgt sich beynahe auf bie nämliche 325. Mit 1 gegen einen Maguet; denn eine solche Stänge gibt *in! dem Wirkuntgskreise eines Magnetes während dieser geten Zeit üutrügliche Heich en des Magnetis mus, den sieꝛ allerdings oder fast 9 uz beilieret, so bald man sie aus dem W Wirkungekreise des Mhnets heraulsnin mint. Eine solche Statige nimmt eine beständige magnetische Kraft, wenihstens bis zu einer geihisfen Stärke, nicht anders, Hals mit einen Art einer Schwierigkeit, an; es ist eine 1 5 Bertähi ung erfhrderlich eine Reibung mit Eeiner geübickten Hand, um ihr den Magnetizmus mitzu⸗ —— cheilen. Hat Aber diese Stange den Magnetismus einmahl angeltzmmen, halt sie ihn mit einer Widerspänstigkeit zuruck, man muß ste in einer en tgegengesetzten Richtung rei⸗ 83⁴ des Elektrophors. 67 * t den—— 990 in den Wirkungskreis eines erweckten elektrischen Kör— habe 4— pers, z. B. eines Harzkuchens, einer Glasscheibe, oder in 962 935 geben, r ö t war, reiben, und sich eben so viele Mühe geben, ihr denselben allen zu rauben, als man brauchte, um ihr denselben mit⸗ iksezt zutheilen. ö ö—122 Eisen Diese an henende Aehnlichkeit mit der magnetischen uucht⸗ und elektrischen Kraft könnte Anlaß geben, diese zwey Kör⸗ Mächte der Natur, den Magnetismus und die Elektriei⸗ Glas tät, anzusehen/ als hiengen sie von der nämlichen Ursa⸗ che ab, als würden sie von einem Flüssigen Wesen derselben ag⸗ Natur erzeuget. Es gibt noch mehrere andere Ebsthei⸗ mn nungen/ die beym ersten Aublicke eine große Verwandi— 775 schaft zwischen dem Magnetismu 5und der Elektrieität din rgwöhnen ließzen. Allein ein wenig Zu rückdenken wird ů— diesen Anschein verschwinden lassen, wird machen, daß ischen man den Betrug erkennet, und sie von aller Wahrschein— ben lichkeit entblößet findet. Es ist hier der Ort nicht, die lliche Thatsachen zu zergliedern, welche es beweisen, das diese gibt Mächte der Natur mit einander nüchts gem ein haben. Der dieser selige Canton erdachte eine sehr sinureiche Vorrichtunn, den welche fähig ist, jeden Begriff einer Verbindung zwischen 0 der Ursache der Elektrieität und des Magnetismus umzu⸗ Eine stürzen. Er hängte zwey Nähenadeln an Zwirnsfa den ne— kraft, ben einander auf, und in die Spitze dieser Nadeln steck ders, te er ein Korkkügelchen. Er berührte die Spitze dieser Fene iwey Nadeln mit einer magnetischen Stauge; und die t wey Nadeln sammt den daran gesteckten Kügelchen trenn— mitzu ten sich, weil die zwey Ende dieser Nadeln den Einfluß mhl ö desselben Pyles, folglich auch alle zwey denselben Pol igket selbst emrfangen haben, und sich solchergestalt natürlich htung zurückstoßen müsen. Hicrauf elektrisürte er das Holz, an rei⸗ wel⸗ 68 Erklärung was immer für einer nichtleitenden Substanz, gesetzt ist; oder in anderen Worten, betrachten wir den Stand der auf den Harzkuchen eines Elektrophors gesetzten Me— tallplatte, in der Voraussetzung, daß dieser Kuchen mit einer positiven Elektricität beladen sey; eine Elek— tricität, die er leicht erhält/ wenn man den Knopf einer nach gewöhnlicher Art geladenen Leidner Flasche auf seiner Oberfläche weggleiten lässet, oder indem man den Kuchen auf was immer für eine andere Art positiv elektrisiret. Die zurückstoßende Kraft des überflüssigen elektrischen Flüssigen auf dem Harzkuchen stoßt das elek⸗ trische Flüssige der Metallplatte auf ihr entferntestes Ende hin, und bewirket alldort eine Anhäufung dieses Flüssigen; oder in anderen Worten, sie bringet alldert eine —* 7 7 50 welchem die zwey Nadeln herabhiengen, und welches auf einem Gläse lag, oder isoliret war. Die durch die mag⸗ netische Zurückstoßung schon getrennten Kügelchen trennten sich jetzt noch mehr, als man auch die Elektrieität zusetzte. Die Zurückstoßung war also zum Theile magnetisch, und zum Theile elektrisch. Es war jedoch leicht, die magne— tische Zurückstoßung wegzunehmen, und diejenige zu lassen, welche von der Elektrieität abhieng; man durfte nur eine der Nadeln mit einem entgegengesetzten Pole einer auf Siegellack befestigten Magnetstange flüchtig berühren. Und iudem man mit einem Finger das Holz, an welchem die Nadeln hiengen, berührte, benahm man ihnen die Elek trieitäb, ohne den Magnetismus zu nehmen. gesett Stand Me⸗ uchen Elek⸗ Kenopf lasche man ositio sigen elek⸗ testes dleses Aldort U ne hes auf emag⸗ rennten zusezte. Und mague⸗ laseh, ur eint her auf u. Und em die Elck⸗ des Clektrophors. 69 eine positive Elektricität hervor, indeß sie auf der Oberflͤche, die mit dem Kuchen in Berührung ist, nach dem X Gesetze eine negative Elektricität hervor— bringet. Wenn in diesem Stande ein leitender Körper mit der Metallplatte in Berührung kommt, oder in einer Entfernung gehalten wird, wo sie ihn treffen kann, so empfängt er einen Funken. Dieser Funken ist das elektrische Flüssige der Metallplatte, welches sich durch die zurückstoßende Kraft der Elektricität oder des elektri— schen Flüssigen, das auf dem Kuchen überflüssig war, auf der äußeren, oder entferntesten Oberfläche des Metal— les angehäuft hatte; das heißt, der Funken, den man aus der Metallplatte ziehet, indem man sie während ihres Aufenthaltes auf dem Harzkuchen, den man hier positiv elektrisirt annimmt, berühret, ist das elektrische Flüssige der Platte selbst, welches nach dem X Gesetze gezwungen war, sich auf dem vom Kuchen entferntesten Orte dieses Metalles anzuhäufen. Berühret man die Metallplatte an dem Orte, wo sie wirklich in einem negativen Stande ist, so wird sie doch nichts destoweniger einen Theil ihrer angehäuf— ten positiven Elektricität hingeben; weil die zurückstos⸗ sende Kraft des Dunstkreises des Kuchens das ange— E; häuf 7⁰0 Erklärung häufte elektrische Flüssge zwinget, aus dem Metalle zu treten, es sey auf einer Seite, auf welcher es im— mer wolle, indem das elektrische Flüssige die Metalle sehr frey durchläuft. Die solchergestalt des auf ihr angehäuft gewese— nen elektrischen Flüssigen beraubte Metallplatte wird nun negativ elektrisirt; allein die zurückstoßende Kraft des elektrischen Flüssigen des Kuchens, die auf die Me⸗ tallplatte zu wirken fortfähret, schicket, treibet das, was derselben noch vom elektrischen Flüssigen geblieben ist, auf ihre entfernteste Seite zurück, so daß sie die Metallplatte beynahe in den nämlichen Zustand versez—⸗ zet, worin sie war, noch eh sie auf den Kuchen gesetzt wurde, wenigstens allem Anscheine nach. Der negati—⸗ ve Stand, worin sich diese Platte wirklich befindet, kann also nicht eher zum Vorscheine kommen, als bis sie aus dem Wirkungskreise des Kuchens heraus— genommen ist; daher die Metallplatte, wenn man sie sodann mittelst eines isolirenden Körpers aufhebet, offenbare Zeichen gibt, daß sie einen Theil ihrer na— türlichen Portion des elektrischen Flüssigen verloren habe; oder in anderen Worten, sie gibt augenschein— liche Zeichen einer negativen Elektricität„ indem der Harzkuchen mehr Kraft hat, den einmahl erlangten Stand der Elektricität zu behalten, als die Me⸗ tall⸗ etalle Sim⸗ ketalle ewese⸗ wird Kraft e Me⸗ ie die versez⸗ gesetzt negati⸗ findet, ls bis eraus— man fhebet, er na⸗ erloren ischein— em der angten Me⸗ tall SISs Glherr KHnt8 des Slertrophors.——— tallplatte, so wie es dem Vlll und IX Gesetze ge— mäß ist. ö Ist der Harzkuchen in dem Stande der negati⸗ ven Elektricität, den er durch die Reibung erlangt, es sey nun mit der trockenen Hand, oder mit einem Stück Tuch, oder mit einem rauhen Balge, oder indem man den negativen Theil einer geladenen Flasche über seine Oberfläche hingleiten lässet, oder durch was immer für eine andere Verfahrungsart, so wird sich von den vor— hergehenden Erscheinungen das Gegentheil ergeben; das heißt, das elektrische Flüssige der Metallplatte, welches eine Art eines leeren Raumes auf dem Harzkuchen an⸗ rifft, stürzet sich darauf, oder häufet sich auf der dem Harzkuchen nächsten Seite der Metallplatte an, und lässet solchergestalt ihre entgegengesetzte Seite, oder die— jenige, welche die entfernteste vom Kuchen ist, in ei⸗ nem negativen Stande, mittlerweile ihre Seite, welche mit dem Kuchen in Berührung ist, sich in einem posi— tiven Stande siehet(Sieh das X Gesetz). Ein leiten— der Körper, der seine natürliche Menge oder Portion des elektrischen Flüssigen hat, und nahe an die Metall⸗ platte gebracht wird, welche, den Ort ausgenommen, wo sie mit dem Kuchen in Berührung ist, allenthalben in einem negativen Stande ist, gibt einen Funken, den die Platte als einen Zusatz zu ihrer natürlichen E Men⸗ 72 Erklärung Menge zurückbehält. Diese Platte also ist in einen wirk— lich positiven Stand gekommen, ob sie gleich, so länge sie in dem Wirkungskreise des Kuchens ist, keine offenbare Zeichen dieses Standes zu Tage legen kann, weil die Art des leeren Raumes, der auf dem Kuchen vorwal— tet, und auf das elektrische Flüssige der Metallplatte zu wirken fortfährt, den größten Theil desselben gegen seine Oberfläche hin angedrängt zurückhätt; und alles Uibrige der Platte scheinet in einem beynahe natürli— chen Stande zu seyn. Wird hieräuf die Metallplatte vom Harzkuchen mittelst eines seidenen Bandes, oder eines anderen nichtleitenden Körpers getrennet, so be⸗ hält sie die zugesetzte Menge, welche sie von dem Kör— ber, der sich ihr näherte, empfangen hat, weil der Harzkuchen, welcher nach dem VIIl und IX Gesetze ver⸗ möge seiner Natur geschickter und stärker, als das Me⸗ tall, ist, um den erlangten Stand der Elektrikität zu— rückzuhalten, beynahe in dem nämlichen Stande ver—⸗ bleibet, worin er war, noch eh das Metall auf ihn ge⸗ setzt wurde. Die Metallplatte aber, die in der Zeit, als sie auf dem Kuchen lag, eine zugesetzte Menge erlangt hat, und diese hinzugefügte Menge oder Portion mit 1650 davonträgt, muß diesem zu Folge in einem positiben Stande seyn, wenn man sie von dem Harzkuchen auf— hebet. ö Dieses des Elektrophors. 73 witk—.— ö wirk⸗ Dieses bestättiget das, was hier oben gesägt wor— hüt den ist, daß in dem ersten Falle der Harzkuchen sich 5 H,* bare des elektrischen Flüssigen, welches er erlangt hat, nicht die entledige; und in dem zweyten Falle, daß der Kuchen rwal⸗ das elektrische Flüssige, welches er bey seinem Uiber— dlatte gange in einen negativen Stand verloren hat, der gegen Metallplatte nicht entziehe(8). alles tüͤrli⸗ E ỹ Das, latte oder—.——55 (s) Dies ist eine Anwendung des VIII und IX Gesetzes, be⸗ und ohne eine besondere Aufmerksamkeit hierauf wird es Kor⸗ schwer seyn, deutlich zu begreifen, warum die Metall— t platte vom Harzkuchen mit einem Stande der Elektri— eität zurückkommt, welche der Elektrieitäs des Kuchens ber⸗ selbst zuwider ist; denn wenn der Harzkuchen die erlangte Elektricität nicht standhafter zurückhielte, als die Metall— platte, so müßte diese einen Theil der Elektrieität des t zu⸗ Kuchens entführen. Hier ist noch ein Versuch, welcher zu einem ferneren Beyspiele dieser Eigenschaft) der nicht— 2 leitenden Körper, vorzüglich derjenigen, welche von einer n ge⸗ harzigen Natur sind, dienen kann. Setzet auf dem Harz⸗ 16 ste kuchen, noch eb er erweckt ist, die Metallplatte, zum vorausgesetzet, daß sie keinen scharfen Rand, keine Ecke,“ hat, noch Spitzen habe, und berühret sie mit dem Knopfe ö sih einer geladenen Flasche; die Metallplatte wird posttiv — elektrisirt seyn, wenn es der Knopf der Flasche war, und alloen sie wird es um so stärker seyn, wenn der Harzkuchen Aulf⸗ dick und ohne Sprünge ist, oder auf einem Körper stehet, der ihn isolirt. Berühret sodann die Platte, und ihr wer— det solchergestalt alle Elektrieität herausgezogen haben. Nehmet die Metallplatte vom Kuchen, und ihr werdet inden, ses 280 74 Erklärung Das, was der auf den Harzkuchen gesetzten Me⸗ tallplatte begegnet, begegnet auch der Metallplatte, woräuf der harzkuchen gewöhnlich befestiget ist. Aber hier muß die entgegengesetzte, oder umgekehrte Wirkung, Statt sinden, daß der Kuchen gar keine, oder nur sehr wenige Elektrieität von derselben angenommen habe; die Ursache bavon ist, daß das der Metallplatte mitgetheilte elektri— sche Flüssige ganz auf diesem metallischen Körper geblieben ist, ohne in den Kuchen zu dringen, weil es ihm nicht stark genug beygebracht wurbe, um seine Substan; zu durch-⸗ dringen, oder um sich an seiner Oberfläche anzuhängen, indem der Kuchen einen Stand der Elektrieität nicht au⸗ ders, ls mit einem Widerstande annimmt. Setzet man aber die Metallylatte so, daß sie nur mit einer Seite auf dem Kuchen aufstehet, und berühret man sie in dieser Stellung mit dem Kaopfe einer geladenen Flasche, so wird man finden, daß der Kuchen an dem Orte, wo die Platte Vmit dem Rande aufgestützet war, eine beträchtliche Menge Elektricität angenommen habe, weil das elektrische Flüs— sige mit mehr Stärke aus den Körpern gehet, die eine scharfe oder spitzige Gestalt haben, um sich auf den Kuchen zu legen, und ihm ankleben zu bleiben. Bringet man eine Spitze, z. B. eine Nadel, unten an der Metallplatte an, und hält diese so über die Oberfläche des Kuchens, daß sie die Spitze berühret, oder sehr wenig von ihr ent— fernet ist; wenn man alsdenn die Metallplatte mit dem Knopfe einer geladenen Flasche berühret, so— man den Kuchen stark elektrisirt finden, weil das elektrische Flüssige, so wie wir oben gesagt haben, mit einer nider ordentlichen Gewalt aus den spitzigen Körpern heraus⸗ str ohmet. nige sache Etri⸗ chen licht ilch- gen, aul⸗ man Seite ieser itd tte nge lüß eine hen nan atte a/ ent⸗ dem nan sche her⸗ us⸗ des Elektrophors. 75 Statt haben; das heißt, wenn die obere Platte bey ihrer Abnehmung vom Kuchen sich in einem posttiven Stande befindet, welches sich ergibt, wenn die Ober— fläche des Kuchens, die mit dem Metalle in Berührung gewesen ist, in einem negativen Stande war, so wird sich die Metallplatte unter dem Harze in einem negati— ven Stande befinden, wenn man sie auf die nämliche Art vom Kuchen trennt(t). an wird vielleicht fragen, was für ein Unter— schied zwischen einem Elektrophore und einer deidner Flasche, oder einer auf beyden Seiten bewaffneten Glas⸗ platte sey? Ich antworte, daß wirklich gar kein Unter⸗ schied zugegen sey, wenn beyde metallische Bewaffnungen, oder auch nur eine, durch seidene Schnüre, durch ein Stück Siegellack, oder durch einen anderen, zum Iso— liren geschickten Körper abgenommen werden können. Jetzt (t) Wiewohl diese Platte, vom Kuchen getreunnt, Anzeichen gibt, daß sie in einem negativen Stände ist, so muß man doch nicht aus dem Gesichte verlieren, daß sie wäh⸗ rend der ganzen Zeit, als sie mit dem Kuchen in Berüh— rung bleibet, wirklich zwey Stände widriger Elektrieitä⸗ ten besitzet(Sieh das X Gesetz), ganz so, wie die beweg⸗ liche Metallplatte, welche man oben auf den Kuchen setzet. 76 ö Erklärung . Jetzt sehe ich mich im Stande, den Elektrikern, die die angenommene Theorie gründlich verstehen, die Natur eines Elektrophors auf eine bekanntere Art zu erklären, indem ich anstatt eines gewöhnlichen Ele tro— phors ein Stück Glas nehme, welches wie das Zauber— bild zubereitet ist, mit dem einzigen Unterschiede, daß die zwey Belegungen mittelst daran befestigter sei— dener Schnüre, oder einer anderen isolirenden Substanz aufgehoben werden können. Machdem eine freye Gemein—-⸗ schaft zwischen dem allgemeinen Behältnisse, der Erde, und der unteren Belegung errichtet ist, so berühre man mit der oberen Belegung den Leiter einer elektrischen Maschine, und das Glas wird nach der zgewöhnlichen Art geladen seyn. Der Leiter hat eine überflüssige Menge des elek— trischen Flüssigen gezwungen, durch die obere Belegung zu gehen, und sich auf der mit dieser Belegung in Be— rührung gebrachten Oberfläche des Glases anzuhäufen; und eben soviel elektrisches Flüssige ist genöthiget wor— den, die entgegengesetzte Oberfläche des Glases zu ver— lassen, und durch die untere Belegung in das allge⸗ meine Behältniß überzugehen. Eröffnet man nun, oder vielmehr, errichtet man zwischen den zwey Bewaffnun⸗ gen oder Belegungen eine metallische Gemeinschaft, so wird das Glas, so wie man zu sagen pfleget, den gon Augen⸗ daß sei⸗ stanz mein-⸗ elet⸗ egung Be⸗ iufen; wor⸗ ber⸗ allge⸗ odel fnun⸗ , 0 „den (R⸗ des Elektrophors. 77 Augenblick entladen seyn. Wenn wir aber mit mehr lufmerksamkeit untersuchen, was vorgegangen ist, so werden wir finden, daß die obere Oberfläche des Gla⸗ ses den größten Theil des elektrischen Flüssigen, welches der Miter auf ihr anhäufte, verloren oder verlässen habe, und daß die mit dieser Oberfläche vereinigte Belegung zu gleicher Zeit nebst der ganzen Menge des elektrischen Flüssigen, die der Leiter darauf getrieben hat, auch noch denjenigen Theil ihres eigenen elektrischen Flüssi⸗ gen hintangegeben habe, welchen die zurückstoßende Kraft des überflüssigen elektrischen Flüssigen auf dieser oberen Oberfläche des Glases, das gegenwärtig mit einem bleiben⸗ den Stande der positsven Elektricität begabt, ist, genö⸗ chiget hatte, sich auf dem von der Oherfläche des Glases utferntesten Theile dieser Belegung anzuhaufen. II 255 unnr enn c 4 ein„ 0‚50 Die Untere Oberfläche des Glases endlich hat den meisten Theil des elektrischen Flüss gen wieder zuxück⸗ erhalten, welcher durch die mit dieser Oberfläche in Ver⸗ bindung gestandene Belegung in das allgemeine Behält⸗ niß übergangen war; und eben diese Belegung hat mit— telst des Metalls, welches zwischen den beyden Oberflä⸗ chen die Gemeinschaft herstellte, einen zugesetzten Theil des elektrischen Flüssigen, den sie begierig verschlang, erhalten, indem ihr eigenes und natürliches elek⸗ trisches Flüssige, welches sich auf dem, mit dem Glase in 8 Erklärung in Berührung gesetzten Theile dieser Belegung angehänit hat, auf dem vom Glase entferntesten Theile derselben Belegung eine Art eines leeren Raumes hinterlassen hatte, und nachdem durch die Entladung dieser leere Naum ausgefülletzworden ist, höret diese Belegung so lange auf, einige Zeichen der Elektricität zu geben, als sie mit dem Glase vereiniget bleibet. Sobald man sie aber vom Glase absondert, muß sie Zeichen der positi⸗ den Elektricitaäͤt geben, weil sie nach dem VIII und IX. Gesetze die zugesetzte Porkion mit wegträgt, welche sie zur Zeit' der Entladung, oder durch die zwischen ihr und der oberen Bewaffnung errichteten Gemeinschaft empfen⸗ gen hat. Es lieget also vffenbar zu Tage, daß das Glas nach geschehener Entlädung den Stand der Elek⸗ tricität⸗ den es erlanget hatte, keineswegs vevloren habe, eben so wenig, als der Harz ükuchen seinen Stand der Elektkieität verlieretwenn man die zwey Metall⸗ platten, däs ist die Metallplatte; worauf der Kuchen gewöhnlich befestiget ist, und diejenige) welche man obentufseher/—.———01 Silt 19 NNVC EBRI Weil 17 7** 1* CW** u) Diese Zergliederung istt eine Fortsetzung von derje nigen, welche der berühmte Franklin von der Leidner Flasche gemacht hat; eine Zergliederung, welche die Grundf feste dieser erlauchten Theorie ist, die für immer die Bewun—⸗ derung der Physiker seyn wird, und den Schlüssel herge— geben hat, um in die verborgensten Geheimnisse der Natur ein⸗ gehäuet rselben erlassen leere uunt eR, als lan sie Positi⸗ nd X che sse K und f das Elek⸗ loreh Stond Netall⸗ ucheh man nigen, lasche dfeste wun⸗ erge⸗ tuk des Elektrophors. 79 Weil also das Glas und alle nichtleitende Sub— stantzen was immer für einen Stand der Elektricität mit einzudringen, von welchen man glaubte, daß sie weit über die menschliche Verständeskräfte erhoben sind. Nicht nur Leser, sondern auch übrigens gute Elek— triker glaubten seither, einen richtigen Begriff von dieser Thedrie zu haben, indeß sie diesen wahren Knoten der Schwierigkeit allerdings mißverstanden, indem sie gemei⸗ niglich wähnten, das elektrische Flüssige, welches der oberen Fläche natürlich zugehöret, und dessen sie bey der Entlädung beräubt wird, gehe nicht zu der unteren Ober— mäche Uber sondernoin die Glassubstanz z ein Irrthum, in den sie, nicht, verfa llen wären, wenn sie sich von den Er; sche eittüngen der unteren Belegung hätten äufmerksam ma⸗ chen lassen. Diese und ähnliche Verdolmetschungen stiefen Wir. unter Wderen i Iglich, im, outnal de Hhysigue 7777.3 568 8 dar MI'Abbé Rofier, Tom'*—— Part II, Aout 17 30, Pag. 1 wie? Janch an bréeis hiftotique et experimen tal des hενοεmenes Elec echrignenparnhir Sig 4— 13 Fond., Frofefleur de Phy sigue xberimentale. 7 Paris, 1781, pag. 7⁰⁷ und in noch einer andelen hol— landischen bersetzung mufUmihier! zurechtju kommen muß man an dem Zauberbilde sechs Flöchen katrachten; die obere und untere des Glases, die obere und untere ber obersten Belegung, und eben soviele Flächen bey der untersten Belegung. Wird die obere Glaofäche positiz geladen, so ist die untere Fläche der oberen Bele ung hiegatir„und ihre obere“ Flache positiv; die untere Glas, fläche hingegen ist negativ, die obere Fläche der un ern Belegun; pofitiv, und ihre untere Fläche negativ. Oder an dem Elektrophore zwey Flächen des Hartkuchens, zwey Flächen 8⁰ Exklärung mit einer gewissen Abneigung annehmen und verlassen, und ihn mit viel mehr Widerwillen, wenn ich mich so ausdrücken darf, anderen Körpern mittheilen, als die leitenden Körper, so muß daraus foigen, daß, wenn die zwey Belegungen vom Glase getrennt werden, so daß sié sich nicht in der Lage befinden, mittelst anderer in ihre Rachbarschaft versetzter leitender Körper das elektri⸗ sche Flüssige weder einzusaugen, noch zu verlieren, so folget daraus, sage ich, daß die obere Belegung, wel⸗ che positiv war, da man das Glas geladen hat, und beynahe in einem natürlichen Zustande, da sie nach der Entladung mit dem Glase vereiniget, oder in Berüh⸗ rung blieb, daß diese obere Belegung, getrennet, als⸗ denn Zeichen einer negatt ven Elektricität geben müsse, weil sie in dem Augenblicke der Entladung, so wie wir es erkläret haben, eine Portion ihres eigenen natuürli⸗ chen elektrischen Flüssigen verloren hat. Die untere Belegung, die in einem negativen Stande war, da das Glas geladen wurde⸗ und, gleich der anderen Belegung, bonahe. in einem nauirlichn Stande, als sie nach der ** gesche⸗ 2 Flachen der oberen Metallplatte, und zwey der untern Platte, worauf der Kuchen lieget, welche. Flächen. sich eben so, wie die sechs Flächen des Zauberbildes, ver⸗ halten. ö lit y lche — lassen, nich so ls die nn die o daß rer in lektri⸗ en, so „el⸗ „und h der üͤh⸗ als⸗ nüse, ie wit llrli⸗ intere a das gung, ch der he⸗ intern sch vel⸗ des Elektrophors. 82 geschehenen Entladung mit dem Glase vereiniget blieb; diese untere Belegung, sage ich, muß alsdenn, wenn sie dom Glase getrennet und entfernt wird, sich in einem positiven Stande befinden, weil sie nach der erklärten Art eine Menge des elektrischen Flüssigen verschlungen hat; welche verschlungene Menge des elektrischen Flüs⸗ sigen sie im Augenblicke ihrer Trennung vom Glase mit sich wegführen muß, weil das Glas nach dem VIII und IX Gesetze nicht geneigt ist, seinen erlangten Stand der Elektricität so leicht zu verändern, und das Metall so läßt, als es war, ohne ihm etwas von dieser Menge des elektrischen Flüssigen, welche dasselbe eingesogen hat, abzunehmen. Werden diese zwey, vom Glase getrennten Bele⸗ gungen einander genähert, so ziehen sie einander an, und es erfolget ein Funken, weil die Belegung, welche einen Uiberfluß des elektrischen Flüssigen erlangte, denselben der anderen Belegung, die eben so viel verlo⸗ ren hat, mittheilet; durch diese Ulberschickung siehet sich das Gleichgewicht zwischen ihnen wieder hergestellet. Wenn diese zwey Belegungen, nachdem sie sich wechselweise berühret, und solchergestalt ihre Elektriet— tät verloren haben, wieder, wie zuvor, auf das näm⸗ liche Glas geleget werden, so wird man aus der unte⸗ J. verm. Schrift. I. B. 5 ren 82 Erklärung ren Belegung einen Funken der negativen Elektricität ziehen; das ist, diese Belegung wird unter der Gestalt eines Funkens eine Portion des elektrischen Flüssigen von dem Körper, der sich ihr nähert, oder sie berühret, einsaugen; und von der oberen Belegung wird man einen positiven Funken ziehen: das heißt, diese Belegung läs— set auf einen Körper, der ihr nahe kommt, oder sie berühret, eine Portion ihres eigenen Flüssigen, die nach dem X Gesetze auf ihrer Oberfläche angehäuft war, fahren. Trennet man sie hierauf wieder aufs neue, wie im ersteren Falle, vom Glase, so wird die obere Bele— gung einen negativen, und die untere Belegung ei— nen positiven Funken geben; diese Funken können so wechselweise während einer langen Zeit herausgezogen werden. Diese Theorie beweiset, 1) daß der Elektrophor in der That eine Leidner Flasche unter einer besonderen Ge— stalt ist, oder eine Art des Zauberbildes, dessen Belegungen, oder wenigstens eine derselben, man mittelst einer Hand— habe, die aus einem nichtleitenden Körper, z. B. aus einer Siegellackstange bestehet, nach Belieben aufheben kann. 2) Daß der Elektrophor, noch eh die auf den Ku— chen gesetzte Metallplatte berühret worden ist, in der That eine Art einer gelädenen Leidner Flasche, oder eines ricität Hestalt issigen ͤhret, einen 0 läs⸗ er sie e nach war, , wie Bele⸗ ig ei⸗ en so ezogen or in Ge⸗ ngen, hand⸗ einer kann. Ku⸗ der oder es des Elektrophors. 83 eines geladenen Zauberbildes ist, und daß eben dieser Elektrophor, nachdem die Metallplatte berühret worden ist, ein entladenes Zauberbild, oder eine entladene Leid— ner Flasche darstellet. 3) Daß der Funken, welchen man aus der Me— tallplatte ziehet, nachdem sie von dem Harzkuchen mit— telst eines nichtleitenden Körpers aufgehoben ist, der selbe ist, den die Belegung einer Leidner Flasche gibt, nachdem sie nach der Entladung der Flasche mittelst eines isolirten Körpers aufgehoben worden ist, wie auch der nämliche, welchen die Belegung eines Zauberbildes gibt, nachdem sie mittelst einer Siegellackstange, oder eines je⸗ den anderen nichtleitenden Körpers, nach der, wie ge— wöhnlich, geschehenen Entlädnng des Zauberbildes, vom Gläse getrennet worden ist. ö Aus dieser Theorie erhellet also, daß eine Leidner Flasche durch die Entladung, oder durch den Ausbruch, nur dem Anscheine nach, alle ihre elektrische Kraft ver— liere, sondern daß diese Flasche, oder das Zauberbild, einmahl geladen, eine unendliche Zahl Funken geben könne, wenn man die innere Bewaffnung einer Leidner Flasche, oder die obere eines Zauberbildes vermittelst seidener Schnüre oder eines andern isolirenden Körpers wegnimmt; nur muß man diese Bewaffnungen berüh—⸗ F ren, 84 Erklärung ren, und zwar noch eh man sie mit dem Glase, wo—⸗ don man sie trennte, vereiniget, und hierauf noch eh man sie aufs neue von diesen Gläsern aufhebet, nach— dem man sie wieder an ihre Stelle gesetzet hat. Sol— chergestalt kann man diese Funken wechselweise so oft hervorlocken, als man will. Ich erachte es für unnö— thig, zu erinnern, daß, wenn man auf die nämliche Art die äußere Bewaffnung der Leidner Flasche, oder die untere des Zauberbildes abnimmt, man den nämli—⸗ chen Erfolg erhalten werde. Eine zu diesem Versuche geschickte Leidner Flasche muß eine walzenförmige Ge— stalt haben, oder, was noch besser ist, eine kegelför— mige, so wie ein Stengelglas. Nachdem ich ein Stan— niolplatt inwendig an einem solchen kegelförmigen Be— cher angeleget hatte, füllte ich die ganze Höhle dieses Glases mit geschmolzenem Wachse aus, befestigte in des⸗ sen Mitte eine Siegellackstange, oder eine Glasstange, um zum Isoliren zu dienen, wenn man diese Be— legung sammt dem Wachse aus dem Glase heraus— nimmt. ö Die Theorie des Elektrophors, die ich so eben zergliederte, kann auch auf die Versuche des seligen Cantons, eines Mitgliedes der königlichen Gesellschaft zu London, angewandt werden, die er mit einem Pare aus Hollundermark verfertigter, und mittelst Zwirnsfä den des Elektrophors. 2 den an einer hölzernen Büchse, oder eines anderen lei— tenden Körpers aufgehängter Kügelchen anstellte. Diese auf ein Glas gesetzte Büchse, um sie zu isoliren, wird positiv elektrisiret, wenn man sie, oder die Kügelchen, mit einem positiv erweckten oder elektrisirten Glase be— rühret, und sie wird durch dasselbe Glas negativ elek— trisirt werden, wenn man, anstatt die Büchse zu berüh⸗ ren, das erweckte Glas bloß nahe genug bringet, um die Kügelchen aus einander zu treiben, und während dem die Kügelchen noch von einander abstehen, das dem Gla— se entgegengesetzte Ende der Büchse mit dem Finger be— rühret, und hierauf den Finger und das erweckte Glas zur nämlichen Zeit zurückziehet. Das überflüssige elek⸗ trische Flüssige des Glases, oder der elektrische Dunst—⸗ kreis desselben, indem dieser vermöge seiner zurückstos— senden Kraft das natürliche elektrische Flüssige der Büch⸗ se gezwungen hat, sich auf dem dem Glase entgegen— gesetzten Ende der Büchse anzuhäufen, hatte auf diesem Ende einen Stand der positiven Elektricität erwecket, mittlerweile das dem Glase nächste Ende aus der näm⸗ lichen Ursache in einem negativen Stande war. Indem man das positive Ende mit dem Finger berühret, so entführet man das darauf angehäufte elektrische Flüs⸗ sige; ziehet man also genau in dem nämlichen Zeit— puncte, als man das erweckte Glas zurückziehet, auch den Finger zurück so setzet sich das elektrische Flüssige, Tʒ dat 86 Erklärung das in der Büchse noch übrig ist, wieder nach dem gan⸗ zen Umfange derselben ins Gleichgewicht; da aber die Büchfe durch die Berührung eines Theiles ihres elek— trischen Flüss gen, welches durch den Druck des elektri— schen Dunstkreises des Glases auf ihrem Ende zusam— mengedrängt war, verlustiget gieng, so muß sie sich natürlicherweise um diesen Theile zu kurz, und folglich in einem negativen Stande befinden. Wer die anderen sehr interessanten Versuche, welche Herr Canton mit eben diesen Kork-oder Hol— lundermarkkügelchen ausgedacht hat, kennen lernen will, kann seine sehr ausführliche, und in dem Wer— ke des Herrn Franklins eingerückte Denkschrift vom ten December 1753, vorzüglich aber die Denkschrift, welche letzterer als eine Fortsetzung oberwähnter Denk— schrift der königlichen Gesellschaft zu London den sten December 1755 überreichte, zu Rathe ziehen(x). Diese Denkschriften des Herrn Cantons und des Herrn —— (0 Experiments and observations on electricity made at Fhiladelphia in America, by Benj. Franklin +I. D. and F. R. S. to Which are added letters and Pa- pers on philosophical Subjects. London„MDCCLXIX. P. 143— 160. des Elektrophors. 87 Herrn Franklins befinden sich alle beyde in dem Wer⸗ ke des Letzteren. Herr Franklin bediente sich an⸗ statt der zwey Korkkügelchen, einer Quaste von fünf⸗ zehn bis zwanzig drey Zoll langer Fäden, die an ei⸗ nem Knopfe eines blechernen, und in seidenen Schnü⸗ ren schwebenden Leiters hieng. Fünfter Abschnitt. Anuhang zu der Theorie des Elektrophors. D. dieser Vorwurf vielleicht am schweresten zu be— handeln, und der verwickeltste ist, so kann man da— bey ohne eine besondere Aufmerksamkeit nicht ins Klare kommen; und die Verlegenheit, in der ich mich befand, um Ausdrücke und Wendungen zu wählen, die diese Theorie klar und fäßlich vorstellen, ließ mich gar nicht befremden, daß mehrere in der Wis— senschaft der Elektricität sehr bewanderte Männer über die Gründlichkelit der Franklin'schen Theorie, derer Grundsätze sie durch die Erscheinungen des Elektro— phors umgestürzet zu seyn glaubten, Zweifel erregt haben. Gegenwärtige Denkschrift erschien kaum in den philosophischen Transactionen, als sie schon in mehreren Sprachen übersetzet war; da ich aber we— nige dieser Uibersetzungen getreu kgenug befunden ha— be, daß ich darin nicht Dunkelheiten bemerket haäͤt— te, die einen ohnehin schon verwickelten Vorwurf noch berwirrter machten, so glaubte ich, die Elektriker zu ver⸗ des Elektrophors. 89 verbinden, wenn ich dieses Stück selbst ins Franzö⸗ sische übersetzte, und die Stellen, deren Sinn nicht jeder Uibersetzer nach meinem Wunsch getroffen hatte, erörterte, so viel ich vermochte. Von allen diesen Uiber— setzungen, wenigstens von allen denjenigen, die mir zu Gesicht gekommen sind, muß ich die Uibersetzung ausnehmen, die Herr Molitor aus den philosophischen Transactionen ins Deutsche übersetzt, und zu Wien 1781 herausgegeben hat, und die nun hier zum zwey— tenmahl erscheinet, da sich die erste Auflage schon seit einer geraumen Zeit vergriffen hat. Und der Auszug, den Herr Beck, Professor der Physik zu Salzburg, in dem zweyten Bande seiner vortrefflichen Institutio— nen der Physik 1783(y) geliefert hat, ist der einzige welcher das Wesentliche dieser meiner Theorie am deut— lichsten darstellet. 8 5 Ob⸗ (y) P. Dominici Beck, Imperialis Monasteri! Ochfenhu- siani Capitularis, AA. LL. et Philos, Doct.—— In Oniversitate Salzburgensi Mathescos et Physicæ experiment. Professoris.... Institutiones Physicë, prælectionibus publicis destinatæ. Editio secunda plu- rimum aucta et emendata. Salzburgi, sumptibus Joan. Jos. Mayr. 1783 9⁰ Erklärung Obschon ich, um diese Theorie so klar, als mög⸗ lich, zu machen, die schicklichsten Wendungen gebraucht zu haben glaubte, so ließ ich dennoch das Manuscript mehreren guten Elektrikern lesen; und überall, wo ich bemerkte, daß sie nicht sogleich die Schwierigkeit höhen, veränderte ich die Ordnung der Wörter so oft, als ihnen noch einige Dunkelheit vorkam. Es sey mir also erlaubt, die Aufmerksamkeit des Lesers noch einmahl auf zwey Artikeln zu heften, wo man den Knoten der Frage nicht genug gefaßt zu haben scheinet. Die erste Schwierigkeit betrifft den Stand der Metallplatte, wenn sie noch auf dem Harzkuchen lie⸗ get. Diese Platte befindet sich in einem Zustande,‚ der sehr verschieden ist, noch ehe man sie in dieser Lage berühret hat, als nachdem sie berühret worden ist. Sie besitzet, nach dem X Gesetze, vor ihrer Be— rührung zwey verschiedene Stände der Elektricität: das überflüssige elektrische Flüssige des Harzkuchens, den ich hier so, wie Seite 68, positiv elektrisirt vor— aussetze, zwinget vermöge seiner zurückstoßenden Kraft das elektrische Flüssige der Metallplatte, sich auf dem vom Harzkuche entferntesten Theile derselben anzuhäu⸗ fen, mittlerweile der Theil eben dieser Platte, der sich auf dem Harzkuchen stützet, in einen negativen Stan⸗ des Elektrophors. 91 Stande versetzet ist. Berühret man nun in diesem Stande die Metallplatte, so ziehet man einen Funken heraus, welcher das elektrische Flüssige des Harzku— chens nicht ist, sondern das elektrische Flüssige der Me⸗ tallplatte selbst, welches auf die Oberfläche, oder auf den Theil dieser Platte, der am weitesten vom Harz⸗ kuchen entfernet ist, verdränget war. Wenn man dieß, was ich hier sage, nach der 2 Zeile der 71 Seite lie— set, so wird man den am angezeigten Orte behandelten Gegenstand viel deutlicher finden. Die andere Schwierigkeit, die man gleichfalls nicht recht begriffen hatte, betrifft die Vergleichung des Elektrophors mit dem Zauberbilde, oder viel— mehr die Theorie der Ladung und Entlädung des Zauberbildes selbst, die man auf der 76 bis 82 Seite findet. Ich will hier das Hauptsächlichste auf den bezeichneten Sei⸗ ten wiederhohlen, etliche wenige Wörter verändern, und in ihrer Anordnung eine kleine Versetzung treffen, um mehr Klarheit darüber zu verbreiten. Und wenn auch gleich diese kleine Wiederhohlung zur grösseren Klarheit nichts beytrüge, so wird sie vielleicht doch darin einigen Nutzen stiften, daß sie die Liebhaber der Elektricität auf eine der verflochtensten Schwierigkei⸗ ten aufmerksamer machet. Rach 5 Erklärung Nach Errichtung einer freyen Gemeinschaft zwi⸗ schen dem allgemeinen Behältnisse und der unteren Belegung des Zauberbildes lasse man die obere Bele— gung an den Leiter einer elektrischen Maschine rüh— ren, und die Glasscheibe wird nach der gewöhnlichen Art geladen seyn. In diesem Falle hat der Leiter der elektrischen Maschine eine überflüssige Menge des elek⸗ trischen Flüssigen genöthiget, durch die obere Bele— gung zu gehen, und sich auf derjenigen Glasfäche, mit welcher diese Belegung vereiniget ist, so wie auf der Belegung selbst, anzuhäufen; und eine gleich gros⸗ se Menge des elektrischen Flüssigen wurde gezwungen, die entgegengesetzte Glasfläche zu verlassen, und durch die daran befestigte Belegung in das allgemeine Be⸗ hältniß überzugehen. Jetzt errichte man zwischen den zwey Belegun⸗ gen eine metallische Gemeinschaft, und das Glas wird den Augenblick entladen seyn; und allem Anscheine nach geschiehet dieß auch in der That. Wenn wir aber mit mehr Aufmerksamkeit untersuchen, was vor⸗ gegangen ist, so werden wir finden, daß die obere Glasfläche einen großen Theil desjenigen elektrischen Flüssigen verloren habe, welches der Leiter auf ihr an— häufte, und daß zugleich die mit dieser Oberfläche verhundene metallische Belegung durch die Entladung nicht Rm Rd e N W sse g Halhen 0 f fi Rich des Elektrophors. 93 nicht nur alles das elektrische Flüssige, welches sie von dem Leiter erhielt, verloren habe, sondern auch noch über dieß diejenige Portion ihres eigenen elektri— schen Flüssigen, welches die zurücküußende Kraft des elektrischen Flüssigen, das auf dieser oberen Glas-⸗ fläche, die durch die Ladung einen bleibenden Stand der positiven Elektricität erlanget hat, überflüssig vor⸗ händen ist, nach dem X Gesetze auf den obersten, oder auf den von der Glasfläche entferntesten Theile dieser Belegung hingetrieben hatte. Desgleichen wer—⸗ den wir finden, daß die untere Glasfläche einen guten Theil des elektrischen Flüssigen zurückempfangen habe, welches sie verlassen, oder bey ihrer Versetzung in einen negativen Stand, durch ihre Belegung in das allgemeine Behältniß überzugehen gezwungen hatte; wir werden finden, daß eben diese Belegung jene gan— ze Portion ihres eigenen elektrischen Flüssigen zurück— genommen habe, die sie bey ihrer Versetzung in einen negativen Stand verloren hatte; und daß sie noch eine Portion darzu bekommen habe, welche ihr von der unteren Glasfläche, das ist, von der, dem X Ge⸗ setze gemäß, mit einem bleibenden Stande der ne— gattven Elektricität begabten, und eine Art ei— nes leeren Raum darstellenden, oder erschöpften Glas⸗ fläche entferntester Theil mittelst des Metalls selbst, welches bey der Entlädung die Gemeinschaft zwi⸗ schen 9⁴ Erklärung schen den zwey Belegungen errichtete, eingesogen hatte. ö Man wird Les also einsehen, daß das Glas bey der Entladung jenen Stand der Elektricität, welchen es durch die Gewalt der lädenden Maschi—⸗ ne erhielt, keineswegs ganz verloren oder aufgege⸗ ben habe⸗ Be⸗ sogen Glas ituät aschi⸗ gege⸗ 56 Betrachtungen die Frage: spitzigen Blitzableiter den stumpfen vorzuziehen sind? 4 patet omnibus veritas, nondum est oecupata: multum ex illa etiam futuris relictum— Multum adhuc restat operis, multumque restabit: nec ulli nato post mille secula præ- cludetur occasio, aliquid adhue adjiciendi. L. ANNAEI SENEC. Epist. 33 64. Erster Abschnitt. Eine nähere Beurtheilung der Frage. Sa der berühmte Benj. Franklin gezeigt hat, daß Blitz und elektrisches Feuer das eine und dasselbe sind; seitdem man auf sein Anrathen in America sowohl, als in mehreren Gegenden Europens spitzige metallische Blitzableiter auf Gebäuden, welche durch ihre Höhe, oder besondere und isolirte Lage die—⸗ sem fürchterlichen Meteore vorzüglich ausgesetzt sind, errichtet hat; seitdem uns eine lange Erfahtung über⸗ J. verm. Schrift. I. B. zeugt 98 Ob die spitzigen Blitzableiter zeugt hat, daß wohlbestellte Ableiter diese Gebände vor der Gefahr, durch das Einschlagen des Donners beschädiget zu werden, wirklich sicheren, hat man dieses Verwahrungsmittel ferner auszuschreyen aufgehört. Es sind gegenwärtig wenige Naturforscher, die noch vor— geben, daß die spitzigen Blitzableiter, geschickt, das elek— trische Feuer der Wolken von ferne anzuziehen, den Donnerstreich, Statt ihn abzuhalten, vielmehr einla— den, und man trifft nur hier und da noch auf einen unwissenden schwärmerischen Andächtler, der die größ— ten Erscheinnngen der Natur als Kennzeichen eines aufgebrachten Gottes, vor welchem sich schützen zu wol—⸗ len, Vermessenheit wäre, ausdeutet, gerade, als wenn er in dem Schöpfer nichts, als ein ohne Aufhören gegen Sterbliche, die seinen Willen zu übertreten un— glücklich genug sind, von Zorn und Rachgier entflamm⸗ tes Wesen erblickte(a). Um letztere zurechtzuweisen, darf (a) Hier ist die schöne Stelle des Luerez, wo er diese Gat⸗ tung von Menschen schildert. Cui non animus formidine Divüm Contrahitur? cui non conrepunt membra pavore, Fulminis horribili cum plaga torrida tellus ö Contremit, et magnum percurrunt murmura cœlum Non populi gentesque tremunt? Regesque superbi Cor- san diest Hatt. G Ich tar⸗ Nd ack l, den r aill e groß⸗ assh vl II van Rhln eten ils affamn/ hüeise, f M den stumpfen vorzuziehen sind. darf man sie nur überzeugen, daß die Gewitter ninn nungen sind, die von natürlichen, 13 n chen Gesetzen wirkenden Ursachen 0 leicht ist es nicht, selbst Physiker ihres Irrthums z überführen, als würden die spitzigen Blitzableiter 0 Anziehung dieses Feuerstrohms, 8 uen durch e 3 dieses Mittel abzuhalten suchte, gefährlich. Es is u der menschlichen Natur anklebende Wu. 30 Widerständ, den man empfindet, eine einmahl 85 lich verfochtene Meinung wieder zu verwerfen und ab⸗ zulegen, man mag sie von Kindheit auf mit dem Un⸗ terrichte seiner Lehrer eingesogen, oder 3—85 eigener hiteriesun angenommen, oder aus Wur Er fah⸗ rungen abgezogen haben. Es wäre zu wünschen, daß alle Naturforscher, durch neue r 227 der Falschheit der einmahl gefaßten Meinung in Großmuth genug besäßen, um selbe zu verlässen. se Freymüthigkeit, die man an Franklin jederzeit 0 wundert hat, ist nur Selen eines höhern Ranges ei— gen. Eine der nachtheiligsten Folgen, welche aus den irrigen Meinungen in Betreff der Naturforschung ent— G 2 sprin⸗ r; Corripiunt Divùm perculsi membra timore, Ne quod ob admissum fœde, dictumve superbe FPœnarum grave sit solvendi tempus adactum? v. V. V. 121/. 100 Ob die spitzigen Blitzableiter springen, ist, daß diejenigen, welchen man ausgezeich⸗ nete Kenntnisse einer Wissenschaft, die der Hauptgegen— stand ihrer Bemühungen ist, nicht absprechen kann, alle, die in diesem Fache nicht hinlänglich bewandert sind, und die Ursache, welche andere Naturforscher an⸗ ders zu denken verleitet, zu untersuchen sich die Mühe nicht geben, in ihr System leicht mit hineinziehen. Da— her kam es, daß es die englische Nation-nicht befrem— dete, daß ihr König, durch Herrn Wilsons Versuche und Schlüsse eingenommen, die Spitzen der über seinem Pallaste errichteten metallischen Blitzableiter in Kugeln verwändeln ließ. Dieser Prinz, wenn er sich geneigt gefunden hätte, auch die Versuche des Herrn Nairne und anderer Naturforscher zu sehen, wäre vielleicht da— hin gebracht worden, die gegenseitige Meinung zu um⸗ fassen, so wie sie von allen, von der königlichen Ge— sellschaft hierzu ernannten Beordneten einmüthig ange— nommen wurde. Indeß muß man doch eingestehen, daß ein wenig Vorliebe für seine eigenen Meinungen manchsmahl viel Gutes stiftet; denn die Naturforscher, durch ihre Miß— helligkeiten angespornt, untersuchen den Grund ihres Lehrgebäudes um so gewissenhafter, welches selten ohne den Nutzen abläuft, daß sie sich nicht, um zur Wahr— heit zu gelangen, neue Pfade gebahnt hätten. Der Streit lem⸗ und inem igeln neigt irne t da⸗ wentg diel Miß⸗ ihres ohne Lahr= Der kit den stumpfen vorzuziehen sind. 101 Streit über den Vorzug zwischen den spitzigen und stum— pfen Blitzableitern war beynahe vergessen, und das Un⸗ glück, welches einem Gebäude zu Purfleet durch einen Wetterstrahl, der den Eckstein einer Mauer sprengte, im Jahre 1777 zustieß, machte die Aufmerksamkeit der Naturforscher rege, und gab Anlaß, um von der einen und der andern Seite neue und sehr unterrichtende Ver— suche auszudenken, wovon der LXVIII. Band der philosophischen Transactionen eine vorzügliche Zerglie— derung liefert. Allein die einmüthige Entscheidung der acht von der königlichen Gesellschaft hierzu Beordneten ist nur der Erfolg von Versuchen, die mit Elektrisirmaschinen⸗ angestellt worden sind, folglich könnte, und besonders in dem Geiste derjenigen, welche mit der Wissenschaft der Elektricität nicht so vertraut sind, über die Aecht— heit dieses auf die Erscheinungen jener fürchterlichen Elektrisirmaschinen, der Gewitterwolken, angewandten Schlusses noch einiger Zweifel übrigbleiben. Daß die elektrischen Wirkungen, die die Natur im Großen her⸗ vorbringt, ganz wunderbar mit den künstlichen und im Kleinen übereinstimmen; daß man ohne Anstand, ohne Furcht, zu irren, keck von den einen auf die an⸗ deren schlleßen könne, hiervon sind zwar tiefe Kenner der Elektricität hinlänglich überzeugt, welches aber bey G den — 102 Ob die spitzigen Blitzableiter den meisten Personen deren Gutdünken, ohne sich se mit der Elektricität besonders abgegeben zu haben, in der Ausführung zum Gesetze wird, lange nicht so sehr Statt hat. Es ist also für das Wohl der Gesellschaft von der äußersten Wichtigkeit, daß man letztere durch Thatsachen im Großen, durch die Naturbegebenheiten selbsten überzeuge; Begebenheiten, welche selbst für Kenner der Elektricität nicht minder bündig, und von nicht geringerem Ausschlage seyn müssen. Die einzige Schwierigkeit hierbey ist nur, daß man nicht genug natürliche Begebenheiten, aus welchen sich eine gegründete Folgerung ziehen ließ, sammeln kann, weil es nicht so leicht gehet, die Natur im Gros⸗ sen wirken zu lassen, als man sie im Kleinen und nach seinem Wohlgefallen nachzuahmen weiß, wiewohl man auch hierin die nöthigen Beobachtungen in kurzer Zeit machen könnte; man dürfte nur wechselweise spitzige und stumpfe Wetterstangen auf die dem Blitze sehr aus⸗ gesetzten Gebäude aufrichten. Vor ungefähr sieben oder acht Jahren erboth ich mich Sr Majestät, dem Kaiser, einen metallischen Blitzableiter auf dem St Stephansthurme zu Wien aufrichten zu lassen. Meine Absicht war, für ein oder zwey Jahre einen spitzigen darauf zu setzen, und diesen so⸗ ——— V ———— Wtz u, ba, h 160 Ixv Hlj l uh urighh N st ss 7½ , u s, 0 UUan , e WIuu uHn h at 5, Venthl un nn lh t Nosiocht th IudR hes EI Rll Mnethune K I 1 6 1 den stumpfen vorzuziehen sind. 103 sodann mit einer Kugel zu bedecken, um zu sehen, wel⸗ cher von beyden vom Wetterstrahle am öftersten getrof— fen würde. Allein ich ließ diesen Gegenstand aus ge— wissen besonderen Ursachen außer Acht; ich hoffe aber, ein anderer Physiker, der sich gleichermaßen für eine ahnliche Erfahrung gewachsen fühlt, werde diesen Ge⸗ danken verfolgen. Dieß ist meines Erachtens das schlck⸗ lichste Mittel, um zu entscheiden, ob ein spitziger Blitz⸗ ableiter mehr ausgesetzt sey, den Ausbruch des Don⸗ ners zu empfangen, als einer, dessen Ende in eine Ku⸗ gel ausgehet. Es gibt wenige Thürme in Europa, die mehr Gefahr laufen, bom Blitze erreichet zu wer— den, als dieser, von welchem ich spreche, vermuthlich wegen seiner Höhe, die so beträchtlich ist, und viel⸗ leicht auch wegen anderen besonderen Umständen, so⸗ wohl in Rücksicht seiner Lage unweit der Donau, als seiner Bauart, befestiget durch eine unermeßliche Men⸗ ge eiserner Stangen, welche, falls sie von der Spitze bis in die Erde ununterbrochen zusammenhiengen, zu gleicher Zeit als Blitzableiter den Thurm vor aller Be⸗ schädigung schützten(b). Ob ich gleich an diesem Ge⸗ G 4 bäu⸗ (d) Dieser Thurm ist 434 Wienerschuhe hoch. Die Spitze, welche beynahe die Hälfte seiner Höhe ausmacht, ist ein durchbrochen gebauter Kegel aus gehauenen Steinen von einer 104 Ob die spitzigen Blitzableiter bäude die Probe so, wie ich sie entworfen hätte, nicht ins Werk setzte, so kann inzwischen dennoch die Son⸗ der⸗ einer außerodentlichen Härte, aber so dünn, daß man sich erstaunen muß, wie dieses Gehäude seit vier Jahrhunder⸗ ten den Unbilden der Zeit, den Erdbeben, den öfteren Wetterstrählen habe widerstehen können. In diesem Jahr— hunderte hatte man die weise Vorsicht, ihn mit mehre— ren Reihen starker, in dem Mittelpunete des Kegels sich kreuzender Eisenstangen zu befestigen, und die Steinsäulen selbst, woraus diese Thurmspitze bestehet, sind durch eiserne, mit Bley in die Steine eingeschmolzene Nägel mit ein ander vereiniget. Diese eisernen Nägel dienen dem Blitze als Ableiter, die aber in der Mitte eines jeden Steines nach dessen Höhe mehr oder weniger unterbrochen sind. In dem oberen und mittleren Theile der Thurmspitze be⸗ sindet sich eine dicke, sieben Klafter lange, durch Quer⸗ stangen gut befestigte eiserne Stange, welche der Spitze nicht nur ihre Festigkeit gibt, sondern auch noch das dop— pelte Kreuz und den doppelten Adlee, beyde aus vergol⸗ detem Metalle, und die den Gipfel dieses prächtigen Ge— bäudes zieren, unterstützet. Dieser Thurm ist von seiner Errichtung an von dem Wetterstrahle fast alle Jahre ge— troffen, und sehr oft beschädigt worden, vorzüglich aber in der Gegend des Kegels unterhalb der großen eentralen Eisenstange. Dort hat der Donner mehr als hundert. mahl eingeschlagen, aber gemeiniglich keinen auderen Scha— den angerichtet, als hier und da einen Stein des Kegels gespalten und zersprengt, und zwar aus Ursache, weil nur an diesem Orte die Metalle nicht ununterbrochen fortlau⸗ fen; denn von dem Aufsatze an bis auf den ebenen Erd— boden trifft der Blitz in den metallischen Röhren, Eisen— drathen und anderen metallischen Verbindungen mehr, als einen den stumpfen vorzuziehen sind. 105 derbarkeit des Falles, so wie er ist, über den hier zu behandelnden Gegenstand viel Aufklärung an die Hand geben. 65 Eh einen Leiter an. In dem Theile des Kegels, wo das Metall fast allenthalben unterbrochen ist, stöft man auf so viele Ausbesserungen der Steine, daß es scheinet, we— nige derselben seyn von diesen Unglücksfällen verschönt ge— blieben, und es ist gar kein Zweifel, daß die Festigkeit des Gebäudes dadurch verloren habe, und daß es die höch⸗ ste Zeit ist, mittelst eines guten Blitzableiters fernerhin vorzubeugen. Seit deu letzteren eilf Jahren hat es in die— sen Thurm wenigstens siebenmahl eingeschlagen. Im Jah— re 1776 wurde er den z2r Julins in einer Viertelstunde zweymahl gewaltig getroffen. Im Jahre 1772 wurde ein Stein aus der Thurmspitze herausgeschlagen, und der Thurm war in Gefahr, in Brand zu gerathen; denn der Blitz traf einen Thurmwächter bey der Uhr, und zündete, ohne ihn jedoch zu tödten, seine Kleider an: dieser be— hielt soviel Gegenwart des Geistes, daß er, um sich zu Ischen, auf der Stelle in ein nahes Wasserbehältniß sich ttürzte. Im Jahre 1782 wurde er den ꝛꝛten December an einem Sonntage um ur Uhr Morgens bey dem dich— testen Schuee, welcher bey einem sehr heftigen Winde, der zwey Tage vorher ununterbrochen fort stürmte, auf ein— mahl fiel, von einem Vlitzschlage aufs neue getroffen; der Thurm aber litt hierbey keinen Schaden. Während die— ses Schnees waren nicht mehr, als zwey Schläge, welche, nach dem lebhaften Lichte des Blitzes zu urtheilen, sehr stark gewesen zu seyn schienen; der Knall aber, der sie begleitete, Wweytraf kaum einen Flintenschuß, und sie wa; ren 10 Ob die spitzigen Blitzableiter Ehe wir aus dieser, so wie aus anderen Thatsa⸗ chen, einige Schlußfolgen ziehen, wollen wir den Zu— stand der Frage, die noch manchem mit Schwierigkei—⸗ ten verbunden zu seyn scheinet, etwas näher betrachten, und ich denke, daß durch Beantwortung der vier folgen⸗ den Fragen jedem Einwurfe, den der Streit über den Vorzug zwischen den spitzigen und stumpfen Blitzablei— tern erheben könnte, begegnet werde. J. Ein mit einem spitzigen, und übrigens wohlbestellten Ablelter versehenes Gebäude, ist es sicherer vor der Gefahr, beschädiget zu werden, als wenn es mit ei— nem, in eine Kugel auslaufenden, übrigens aber wohlbestellten Ableiter versehen wäre? II. Ein spitziger Ableiter, ist er für sich selbst mehr ausgesetzt, vom Blitze getroffen zu werden, als ein Ableiter, der sich in eine Kugel endiget? Diese Frage setzt zum Voraus, daß beyde Ableiter dem Gebäude gleichgut für jeden wirklichen Schaden stehen. III. — ren ohne allen Wiederhall, der gewöhnlich dabey zu seyn pfleget, wenigstens auf dem Lande; denn auf der vollen See machen sie das erschröckliche Getöse nicht, was sie auf dem Lande thun. den stumpfen vorzuziehen sind. 107½ 0 III. Ein aufgerichteter spitziger Ableiter, ist er mehr 10 ausgesetzt, vom Strahle gerührt zu werden, als es ger das Gebäude selbst gewesen wäre, wenn es gar kei⸗ 6 nen Ableiter gehabt hätte? gen— den IV. Ein aufgerichteter stumpfer Ableiter ist er mehr leis ausgesetzt, vom Strahle gerührt zu werden, als das Gebäude selbst, wenn es gar keinen Ableiter gehabt hätte? len der Die ersten zwey Fragen waren der Vorwurf des ei⸗ Streites, der sich wegen dem Unglücke zu Purfleet er⸗ ber hoben hatte(c). Dieser Vorwurf scheinet mir von der einen tehe 03 ö ein(e) Dieses Unglück begegnete den raten May 1777 einem zu age den großen Pulvermagazinen gehörigen Hause, welches von ö diesen Niederlagen gar nicht weit entferut war. Dieses ude viereckicht gebauete Haus hatte auf seinem Gipfel einen spitzigen im Jahre 1772 errichteten Blitzableiter. Der Strahl fiel auf eine eiserne Klammer, bestimmt, einen Quaderstein zu binden, welcher das Eck der um das ganze Dach herum als eine Brustwehre erhobenen Mauer gegen Nordwest ausmachte, von welcher Klammer er durch den +* Quaderstein zu einer darunterliegenden, und mit dem spi— tzigen Blitzableiter verbundenen bleyernen Traufe hingieng. eyn—— len Der Onaderstein wurde zerschmettert, und einige Backstei— se ne zur Seite etwas aus ihrer Lage verrückt. Die Ent— sernung der Klammer von der bleyernen Traufe betrug 7 Zol, 108 Ob die sritzigen Blitzableiter einen und der andern Seite so erschöpft zu seyn, daß aller Zweifel über den Vorzug, den die spitzigen Blitz⸗ ableiter allerdings verdienen, gänzlich wegfallen muß. Der Leser, welcher in dieser Hinsicht seine Neugierde zu befriedigen verlanget, kann sich vorzüglich an den LXVIII Band der philosophischen Transactionen wen— den, wo er eine umständliche Zergliederung der Ver— suche finden wird, welche Herr Wilson und Nairne, Mit⸗— glieder der königlichen Gesellschaft, angestellet haben. Ich würde einen ganzen Band anfüllen, wenn ich alle die veyschiedenen Versuche, wozu dieser Streit Anlaß gege⸗ Zoll, und die Entfernung derselben Klammer von der Spitze des Blitzableiters J6 Schuyh. Man konnte keine Spur entdecken, daß seine Spitze vom Strahle gleichfalls märe gerührt worden, welcher, ohne dem Gebäude einen weiteren Schaden von außen zu thun, von der erreichten bleyernen Dachtraufe dem Metalle bis in den feuchten Erdboden nachlief. Im Vorbeygehen sey es gesagt, daß es mich sehr befremdet, wie eine so aufgeklärte Nation, als die brittische ist, eine so unerhörte Unvorsichtigkeit hat begehen können, fünf Pulvermagazine, deren jedes vielleicht das größte, das in Europa vorhanden seyn kann, übertrifft, so nahe an einander zu setzen, so daß, wenn eines von den fünfen springt, alle audere unvermeidlich das nämliche Schicksal untergehen; und was mir noch un— begreiflicher scheinet, ist, daß man eine so schreyende Ge— fahr noch länger verwalten lässet, welche auch dem Wohl der Nation selbst sehr nachtheilig seyn könnte, wenn der Verlust dieser Magazine, zur Kriegszeit Statt hätte. 8* den stumpfen vorzuziehen sind. ro⸗ gegeben, und die Schlußfolgen, die man daraus gezo— gen hat, einzeln darstellen wollte. Ich werde mich also nur damit begnügen, daß ich hier etliche fernere Be— merkungen, abgezogen von wirklichen Thatsachen, das ist, von solchen, die von Gewittern selbst hervorgehracht worden sind, vorlege; Thatsachen, die am besten uber⸗ zeugen, vornehmlich diejenigen, welche die Grundsatze der Elektricität nicht inne haben. Die zwey letzteren Fragen sind meines Wissens bis jetzt noch niemahls der Gegenstand ernster Unter⸗ suchungen der Naturkundigen gewesen; denn man hatte diese erstaunende Entdeckung des berühmten America⸗ ners kaum vernommen, als man nicht mehr auf das wenig zufürchtende Getös eines Donnerschlages achtete, und sich überredete, daß mittelst der Ableiter, deren vornehmster und vielleicht einziger Endzweck ist, die Ge— fahr verdrüßlicher Vorfälle zu entfernen, die Gebäude vor allen Schaden, von dem sie in dergleichen Umstän⸗ den bedrohet werden, gesichert wären. Ich gebe gerne zu, daß, sobald man sich wider die Verwüstungen, die dieses Luftfeuer so oft an— richtet, in Sicherheit glaubet, man aus dem bloßen Lärmen eines Donnerstreiches nicht viel Wesens machen wird, allein ich bin nicht weniger überzeugt, daß die In⸗ 110 Ob die spitzigen Blitzableiter Inwohner eines Hauses, das mit einer Wetterstange versehen ist, allerdings ein ganz besonderes Vergnügen genießen müssen, wenn sie es gewiß sind, daß dieses Verwahrungsmittel nebst der Sicherheit, die es dem Gebäude gewährt, ihnen auch noch zu gleicher Zeit den Schröcken ersparet, den ein Donnerschlag, gestürzt auf die Wetterstange selbsten, jederzeit, auch dem unerschrot⸗ kensten Manne, so gewiß er übrigens immer seyn mag, daß ihm kein Uibel daraus erwachse, unausbleiblich einjagen muß. zwey⸗ —.. ⏑WMWMœM. den stumpfen vorzuziehen sind. 111 Zweyter Abschnitt. Betrachtungen über die erste und zweyte Frage. Ac⸗ Elektriker sind über diesen Punct eins, daß die spitzigen Ableiter das elektrische Flüssige den damit überladenen Körpern sogar in einer gewissen Entfernung zu rauben vermögend sind; und eben diese übelverstan⸗ dene Eigenschaft ist es, welche vorzüglich Anlaß gege⸗ ben hat, daß sie von einigen als Feinde, die den Blitz anziehen, betrachtet wurden. Indem man sich so er— klärt, hat man nicht Acht genug auf den großen Un— terschied, der zwischen: das elektrische Feuer anziehen, womit eine Wolke überschwängert, in dem Maße, als sie heranziehet, ihre ganze Ladung herunterzuschleubern drohet, und zwischen: den Ausbruch des Blitzes selbst anziehen, vorwaltet; denn während dem ein spitziger Blitzableiter das elektrische Feuer einer Wolke von wei⸗ tem anziehet, und in die Erde führt, raubet er ihr un— vermerkt einen Theil dieses ihres Feuers, schwächet sie, und macht sie solchergestalt weniger gefährlich, und dann selbst 112 Ob die spitzigen Blitzableiter selbst in dem Falle, wo der Donner losbräche, könnte weder das Gebäude, noch der Ableiter davon so gewal⸗ tig getroffen werden. Nähert man dem Hauptleiter ei⸗ ner Elektrisirmaschine die Spttze eines sehr dünne ge⸗ zogenen Metalles, so bemerkt man, daß die Ladung des Leiters allmählich, so wie die Spitze näher kommt, schwächer wird, dergestält daß der Leiter, so geladen er auch war, sich alles Vermögens, um einen starken Fun⸗ ken auf die dicht an ihn gekommene Splitze zu schleudern, verlustiget sieht. Richtet man hingegen ein stumpfes Metall gegen denselben geladenen Leiter, so raubet ihm das Metall bey seiner Näherung wenig, oder gar kein elektrisches Feuer, und dicht zu ihm gebracht, empfängt es einen Funken, oder die ganze Ladung(d). Diese Er⸗ ι (d) Herr Bärbier de Tinan, ein gelehrter und in der Re— publik der Wissenschaften vortheilhaft bekannter Natur— forscher zergliedert einige seiner eigenen Erfahrungen, woraus erhellet, daß eine Spitze die Entladung einer Ver— stärkungsflasche nicht einmahl halb so weit aufnimmt, als sie dieselbe übetträgt, zum vorausgesetzt, daß jedesmahl die Fläsche voll und gleichstark geladen sey, dessen sich Herr Barbier de Tinan durch den Elektrometer des Herrn Henley versicherte. Die Spitzen stoßen also das elektri— sche Feuer auf eine weitere Entfernung aus, als sie das⸗ selbe empfangen. Diese Thatsache scheintmir neu, und für das Lehrgebäude der Elektrieität, sehr interessant zu seyn. Man kann die Zergliederung dieser Erfahrungen in: Con- side- 0 h, lun f gn lhtlaitrg Rumme 90 + üum, Hlann t ickeß gu hlz funptes Hubetthm Nur kin mpiing Dust . det R M Hrhgel, cuer Dun umt/ dl Ieenghl x.s h Ht s H Wft den stumpfen vorzuziehen sind. X13 Erfahrung ist in der Elektricität eine der gemeinsten, und zugleich eine der einleuchtendsten, und sollte allein hinlänglich seyn, zu beweisen, daß in jedem Falle, wo ein metallischer sehr zugespitzter, und übrigens wohlbe— stellter Blitzableiter auf die heranziehende, und durch ihre Nähe das Gebäude oder den Ableiter zu treffen drohende Wolke zu wirken Zeit hat, diese ganz natür— lich eines großen Theiles ihrer elektrischen Ladung be— räubet, folglich mit um so mehr Kraft, als sie näher tommt, unvermerkt erschöpft und entwaffnet werden muß. Und eben diese Erfahrung sollte jeden klarsehen⸗ den und unbefangenen Mann überzeugen, daß ein stum⸗ pfer, oder mit einer Kugel aufgesetzter Ableiter eine gänz entgegengesetzte Wirkung haben muß; das ist, daß er, sobald er sich in jener Entfernung einer gewitter— schwängeren Wolke befindet, in welcher sie ein spitziger Ableiter unvermerkt entwaffnet hätte, die ganze Ladung derselben auf einmahl zu empfangen vorzugsweise aus— gesetzt ist, und daß ein solcher abgestumpfter Ableiter den Ausbruch anziehen, und gleichsam einladen muß, weil siderations sur les conducteurs en general, die Herr Barbier de Tinan am Ende seiner französischen Uibersez⸗ zung der verschiedenen Abhandlungen des Abts Toaldo in Strasburg 1779, Seite 216, herausgegeben hat, nachsehen. J. verm. Schrift. I. B. 9 114 Ob die spitzigen Blitzableiter weill er einen natürlichen Weg öffnet, den dieser Feuer— strohm zu erreichen sucht, um sich in die Erde stürzen und ergießen zu können, als wohin sein einziges und alleiniges Bestreben gehet. Ein Wetterstrahl rührt ein Gebäude, weil er da⸗ durch einen Uibergang in den Erdboden findet, und er richtet daran nicht eher eine Verwüstung an, als wenn er in diesem seinen Uibergange Körper antrifft, welche als unvollkommene Leiter seinen Lauf hemmen, und wel— che dieses reissende Feuer nicht anders durchsetzen kann, als es zerbricht oder entzündet sie. Wenn daher dieses Feuer einen gebahnten Weg, frey von allen Hindernis— sen, antrifft, so ist es natürlich, daß es ihn vorzugs— weise einschlägt und verfolget. Herr Wilson hat zwar Versuche ausgedacht, bey welchen ein spitziger Ableiter wirklich von einem elektri— schen Schlage in einer Entfernung getroffen wird, in der es ein stumpfer nicht ist. Allein die Spitze besand sich damahls in einem Falle, worin die auf den Gebäu⸗ den errichteten und wohlbestellten Wetterstangen sich niemahls, oder gar selten befinden; als wenn zum Beyspiele die Spitze nicht Zeit hat, auf den geladenen Leiter zu wirken, weil entweder die Spitze und der ge— ladene Leiter sich so jähling beyegnen, daß die Spitze Ail⸗ Feler⸗ stürzen 5 und er da⸗ nd er wenn velche wel⸗ ann, dieses ernis⸗ ugs⸗ den stumpfen vorzuziehen sind. 115 unmöglich eher auf den Leiter, als bis sie ihm nahe genug ist, wirken kann; oder Weil der Leiter, gegen welchen die Spitze gerichtet ist, auf einmahl eine volle Ladung eines anderen geladenen Leiters empfängt; oder weil der Leiter unvollkommen, oder an einem oder mehreren Orten unterbrochen ist; oder wegen einer andern Ursa⸗ che, die in den gewöhnlichen Umständen der auf den Gebäuden errichteten Wetterstangen nicht Statt hat. Die Versuche, die Herr Nairne vor allen, die sie zu sehen verlangten, gemacht hat, beweisen es deutlich, daß in allen jenen Fällen, wo ein spitziger und stum— pfer Leiter von einer künstlichen Wolke getroffen wurde, der stumpfe in einer viel grösseren Entfernung getroffen wurde, als der spitzige. Ich war bey diesen Er— fährungen, deren ausführliche Beschreibung man in dem LXVIII Bande der philosophischen Transactionen nach⸗ sehen kann, mehr als einmahl Augenzeuge. Abt Nol— let hatte schon bemerkt, daß ein spitziges in einer of— fenen Glasröhre verstecktes Metall einen Funken, oder eine elektrische Entladung, in einer viel beträchtlicheren Entfernung empfängt, als ein stumpfes und freyes. Allein dieser Fall kann bey den Wetterstangen, die man auf die Gebäude setzt, niemahls Statt haben. Es schien sehr sonderbar, daß man nach dem zu Purfleet geschehenen Vorfalle behäupten wollke, die spiz⸗ 2 2 zigen 116 Ob die spitzigen Blitzableiter zigen Blitzableiter setzten den übrigen Theil des Gebäu⸗ des der Gefahr aus, vom Strahle gerührt und beschä—⸗ diget zu werden; gerade als wenn sie die Kraft besäß⸗ sen, den einmahl auf sie gefallenen Donner wieder zu— rückzutreiben, damit er, eh er seinen schon gefundenen, und zum Theile durchgelaufenen Weg weiters verfolgte, auf einen anderen Theil des Gebäudes sich stürzen könnte(e). So wollte man den Zufall von Purfleet erklären, und man sagte es öffentlich, daß dieses be— weise, wie sehr die königliche Familie dem nämlichen Unglücke, welches allererst dem Quadersteine dieses Ge⸗ bäudes zugestoßen wäre, ausgesetzet sey(f). Wenn die (e) Herr Nairne hat es klar genug bewiesen, daß kein Sei— tenschlag bey dem Vorfalle zu Purfleet Statt haben konn— te(S. die philosoph. Transget. am angef. Ort). Und es ist keineswegs erwiesen, daß das, was man einen Sei— tenschlag neunt, vorfallen könue, wenn der Blitzableiter wohlbestellt, und ununterbrochen bis ins Wasser verlän⸗ gert ist. (f) Bey dem Vorgange zu Purfleet wurde der Quaderstein zerschmettert, und einige Backziegel zur Seite verrückt, und dieß zwar aus keiner auderen Ursache, als weil das vom Donner getroffene Metall mit dem Blitzableiter in keiner Verbindung stand. Es wollte verschiedenen Natur-⸗ kundigen vorkommen, als hätte man gleichsam durch die Verwandlung der spitzigen Blitzableiter, die sich auf dem königlichen Pallaste in dem Varke zu St. James(maa nennt +. den stumpfen vorzuziehen sind. 117 dchin⸗ die spitzigen Blitzableiter den Donner wirklich anziehen, beschi⸗ so werden sie ihn natürlicherweise auf sich selbst ziehen, besis⸗ 29 und er zu⸗ denen, nennt ihn gemeiniglich den Pallast der Königinn, oder mit dem alten Nahmen das Buckinghamshaus) schon seit türzen vielen Jahren befanden, in Kugeln die Lage des Orts, welches an dem Gebäude von Purfleet getroffen wurde, lgte, rfle fleet nachzuahmen getrachtet. Denn so wie der Quaderstein den s be⸗ Blitzableiter des erwähnten Gebäudes verbarg, versteckten lichen sich die metallischen Kugeln hinter den Mauern der 4 Schornsteine, als welche die hervorragendsten Theile des Pallastes sind. In dem Falle also, wo ein Wetterstrahl denn auf den Pallast des Königs geschleudert würde, und die je Kugeln den Dienst, wozu man sie bestimmt hat, nämlich die Entladung aufzufangen, und in den Erdboden zu füh— — ren, verrichteten, könnte es sich ergeben, daß der Don— ner, eh er die Kugeln selbst erreichte, seinen Uibergang Ol⸗ durch jenen Theil des Schornsteins, der über die Kugeln un erhoben ist, und sie gleichsam versteckt, nehme; wenn, ind sage ich, ein solcher Fall sich ereignete, hätte man nicht dei⸗ Ursache, zu fürchten, die königliche Familie möchte durch — den Schutt eines zusammengeschmissenen Schornsteines in Hin: einiger Gefahr schweben? Befänden sich noch oben drein auf dem Gipfel dieser Schornsteine Klammern, um die Steine, die zu oberst liegen, zusammenzubinden, so wie 6 man viele Schornsteine damit beleget, um sie fester zu 6n machen, so wäre die Gleichheit vollkommen. Allein gesetzt 335 auch, es sind keine Klammern daran, so ist doch der 10 Schornstein keineswegs außer Gefahr, durch einen Don⸗ —— nerschlag beschädiget zu werden; indem ähnliche Ereigniffe 40 gar nicht selten sind. Die durch den Regen augefeuchteten die Steine verstatten diesem Feuer oft einen Durchgans: ni allein sis werden dabey keine so gute Ableiter, so daß se ma⸗ da⸗ 118 Ob die spitzigen Blitzableiter und durch dieses Anziehen auf ihren eigenen Kopf, ent— fernen sie ihn gerade von jedem andern Gegenstande, und verschaffen solchergestalt sowohl dem Gebäude selbst, als den benachbarten um so mehr Sicherheit. Eine schlimme Sache konnte nicht anders, als durch unzu— sammenhängende Schlüsse vertheidiget werden. Meines Erachtens ist nichts leichters, als die Ursache anzugeben, wie das Eck dieses Gebäudes von dem Donner habe können getroffen werden, ohne daß der in der Mitte desselben Gebäudes errichtete, und von dem davon nicht sollten beschädiget werden. Deswegen sind viele Physiker eines ausgezeichneten Verdienstes der Mei— nung, daß man bey Abnehmung der über die Schorn— steine weit hervorragenden Spitzen, um an ihrer Statt Kugeln aufzusetzen, die aber viel niedriger sind, als die Schornsteine, in der That eine wirkliche Gefahr her vor⸗ gebracht habe, die zuvor nicht war, eine Gefahr, die viel grösser ist, als wenn kein Blisableiter vorhanden wäre; denn die Blitzableiter, die anjetzt da sind, scheinen dem Donner einen freyen Durchgang anzubiethen, und den Schlag gleichsam einzuladen; da aber dieser Schlag ge— genwärtig die Ableiter nicht anders erreichen kann, als er gehe durch die Schornsteine, oder streiche neben ihnen her, so scheinet es sehr wahrscheinlich, daß er zuerst seinen Durchgang durch die Substanz des Schornsteines selbst, als einen bessern Leiter dieses elektrischen Feuers, als die Luft ist, nehmen werde. den stumpfen borzuziehen sind. 119 dem getroffenen Orte sechs und vierzig Schuhe entfern⸗ te Blitzableiter gerührt wurde(9). Ich glaube, diß man überhaupt den Wirkungskreis eines spitzigen Blig— ableiters viel ausgedehnter annehme, als er wirklich ist. Da eine höchst fein gezogene Spitze einem Leiter sei⸗ ne Ladung in der Entfernung von dreyßig Schuhen kaum rauben kann, so sehe ich nicht ein, warum eine in allem ähnliche, in offener Luft aufgestellte Spitze eine Wolke ihres elektrischen Feuers in einer unendlich grösseren Entfernung berauben könnte. Der Wirkungs, kreis einer Gewitterwolke erstreckt sich zwar bis auf die Erde selbst, wenn auch der Körper dieser Wolke etliche tausend Schuhe hoch schwebet; allein das elek— trische Feuer, welches man aus einem isolirten, und einem solchen Wirkungskreise ausgesetzten Körper, zum Beyspiel, aus einem spitzigen, in der Luft errich— teten und isolirten Blitzableiter ziehen kann, muß 54 nicht (9) Hätte man das Metall, das mit dem spitzigen Blitz⸗ ableiter in Verbindung war, mit der getroffenen eisernen Klammer vereiniget, so hätte der Donner, um zu dem Blitzableiter zu gelangen, den Stein nicht zersprengt, und der Schaden, von dem Werthe einiger Kreuzer, wovon man soviel Wesen machte, wäre nicht erfolgt; und man hätte wahrscheinlicherweise nicht einmahl gewußt, ob es die Syitze selbst, oder ein anderer Theil diertet Blitzableiters gewesen sey, der getroffen wurde. 120 Ob die spitzigen Blitzableiter nicht allezeit betrachtet werden, als wenn es ein von dieser Wolke herabgestiegenes Feuer wäre; denn der unermeßliche elektrische Dunstkreis einer Wolke verdrängt durch seine zurückstoßende Kraft das natürliche elektri⸗ sche Flüssige der Luft sowohl als aller anderer, seinem Einflusse ausgesetzter Körper, und folglich ist in vielen Fällen das elektrische Feuer eines Blitzableiters, wel— ches wir aus ihm ziehen, vielmehr ein in Bewegung gesetztes oder verdrängtes Feuer, das ihm natür— lich eigen ist, als ein elektrisches Feuer der Wolke selbst(h). Obschon also ein Blitzableiter offenbare Zei— chen (h) Ein isolirter leitender Körper gibt offenbare Kennzeichen, daß er elektrisirt ist, wenn er gleich von einem elektrisürten Körrer soweit entfernt steht, daß ihm der elektrisirte Körper keinen Theil seines eigenen elektrischen Feuers überschicken kann; denn ziehet man den elektrisirten Kör⸗ per zurück, so höret der leitende Körper wieder auf, Zei— chen der Elektrieität zu geben. Die Ursache dieser Er— scheinung ist, daß die elektrische Atmosphäre des erweckten Körpers nichts gethan hat, als das elektrische Flüssige, welches dem leitenden Körper natürlich eigen ist, ver— drängt, indem sie es vermöge ihrer zurückstoßenden Kraft zurückzuweichen, und sich auf dem von dem elektrisirten Körper entferntesten Ende anuzuhäufen gezwungen hatte. Wenn man also aus dem Ende dieses isolirten leitenden Körpers, gegen welches das elektrische Flüssige eben dieses Körpers durch den Druck des andern elektrisirten Körpers sich angehäuft hat, einen Funken zieht, und in demsel—⸗ ben ——I..— den stumpfen vorzuziehen sind. 121 chen gibt, daß er elektrisirt sey, so hat er dennoch eben dieses Feuer, das wir aus ihm ziehen, nicht allezeit 95 von ben Augenblicke den elektrisirten Körper entfernt, so wird man diesen leitenden Körper in einem Stande der Elek⸗ trieität finden, welche der Elektrieität des erweckten Kör⸗ pers entgegengesetzt ist. Dieser Versuch entspricht allezeit, wenn der isolirte leitende Hörper von einer Substanz ist, die das elektrische Flüssige nicht anders, als langsam, durch sich gehen läßt, dergleichen zum Beyspiele das Holz ist. Aus dieser Erfahrung erhellet es klar, daß der von einem solchergestalt isplirten Körper gezogene Funken kein Theil des elektrischen Flüssigen des erweckten Körpers war; denn theilte der erweckte Körper einen Theil seines elek— trischen Flüssigen dem isolirten leitenden Körper wirklich mit, so würde ihn dieser, von dem erweckten Körper ent⸗ fernt, behalten. Wenn also ein auf einem Gebäude er—⸗ richteter Blitzableiter durch eine herannahende, oder über ihm schwebende Wolke sich elektrisirt befindet, so ist es nicht allezeit sicher, daß die Elektrieität dieses Blitzablei⸗ ters ein von der Wolke selbst abstammendes elektrisches Flüssige sey. Indessen bleibt es immer wahr, daß ein sehr fein gespitzter Blitzableiter das elektrische Feuer von der Wolke selbst in einer Entfernung anziehet, in welcher ein stumpfer durch den Druck oder die zurückstoßende Kraft der Atmosphäre der Wolke kaum oder gar nicht merklich gerührt wird. Ich habe diese Theorie in meiner Denkschrift über die Erscheinungen des Elektrieitätsträgers, eingerückt in den LXVIII Band der philosophischen Trausactionen, weitläuflger erklärt. Sie stehet zu Anfang dieser Samm⸗ lung. 122 Ob die spitzigen Blitzableiter der Wolke geraubt; und dem zu Folge kann in diesem Falle die Wolke, soviel elektrisches Feuer wir auch aus einem solchen Blitzableiter ziehen, doch ihre ganze Ladung behalten haben. Wenn aber die Wolke selbst nahe genug zu der Spitze des Blitzäbleiters kommt, oder wenn einzelne Bruchstücke derselben, die mit dem Körper der großen Wolke eine Gemeinschaft unterhal— ten, nähe genug um eine solche Spitze herumschwim— men, und solchergestalt die ganze elektrische Ladung der Wolke auf selbe zu stürzen drohen, alsdann ist es, wo der Wolke die mitten in ihren Dunstkreis einge⸗ tauchte Spitze das elektrische Feuer wirklich rauben, und sie allein so erschöpfen könnte, daß sie sich außer Stand siehet, auf den Blitzableiter in Gestalt eines Wetterstrahls loszuschlagen. Der Hauptkörper einer Gewitterwolke ist gemei⸗ niglich von der Erde zu entfernt, als daß sie ihre elek— trische Ladung auf sie losbrechen lassen könnte, ohne daß der Strohm dieses Feuers einen Weg dahin ge—⸗ bahnt fände, es sey nun durch die so oft in einer sehr kleinen Entfernung über der Erde schwebenden Bruch— stücke der großen Wolke, oder durch eine dicke Regen⸗ säule. Geschiehet es nun;, daß eine solche Regen⸗ säule, oder eine lange Reihe solcher Bruchstücke, die dem Blitze als Ableiter dienen, durch den Wind an einen den stumpfen vorzuziehen sind. 123 einen Theil des Gebäudes, der in einiger Entfernung von der Spitze des Ableiters ist, angetrieben wird, so wird dieser Theil geschlagen werden, wenn dieser Feuerstrohm alldorten nicht einen Ableiter antrifft, der ihn aufnimmt und weiter in die feuchte Erde übersetzet. Und daß sich von Zeit zu Zeit ähnliche Fälle ereignen, scheinet sehr natürlich zu seyn(i). (i) Dieses zeugt von der Nothwendigkeit, daß, wenn ein Gebäude von einem beträchtlichen Umfänge ist, man dar— auf bedacht sey, die Spitzen von Entfernung zu Entfer— nug aufzusetzen, zum Beyspiele, von füufzig zu fünfzig Schuhen, oder bey dergleichen, so wie es die Figur des Gebäudes erfordert. Aus dem nämlichen Grunde begreift man, wie nothwendig es sey, alle diese Blitzableiter mit— telst einer metallischen Gemeinschaft unter einander zu ver— binden, und diese Gemeinschaftsstangen längst des oberen Theiles und um alle Ecken des Daches herumzuziehen. Es wäre zu wünschen, daß die Dächer aller jener zur Auf—⸗ bewahrung kostbarer oder gefährlicher Niederlagen bestimm-⸗ ter Gebäude, als der öffentlichen Archive, der Bibliothe— ken, der Pulvermagazine, mit Bley oder Kupfer gedeckt wären. Zöge man alsdenn von den Ecken der metallischen Dächer dieser Gebäude eiserne Stangen, oder Bleyplatten bis in die feuchte Erde herunter, so könnte man sicher seyn, daß sie vor allem Schaden, den ein Donnerschlag anzurichten im Stande wäre, geschützt sind, sie möchten übri⸗ — 124 Ob die spitzigen Blitzablei — ter 1 DIIENNNEEE Dritter Abschnitt. Betrachtungen über die dritte und vierte Frage. Sooohr die jedem Naturforscher bekannten Erfah— rungen, als auch die von der Natur selbst abgezogenen Beobachtungen haben uns schon Licht genug gegeben, um übrigens mit einer Metallspitze versehen seyn, oder nicht. Denn wenn es nur blos allein darum zu thun ist, das Gebäude vor allen Schaden zu bewähren, so liegt wenig daran, ob das Metall, welches zu diesem Endzwecke dient, gespitzt oder gestumpft ist. Es hat deswegen einigen Per⸗ sonen nicht wenig befremdet, daß man in England über diesen Gegenstand mit einer Hitze gestritten hat, die so— gar eine gewisse Erbitterung blicken ließ. Abt Toaldo ver— muthet im Anhange zu seinen Denkschriften über die Blitz— ableiter, daß die Abneigung, die die Hofseite in der da— mahligen Lage der politischen Geschäfte in Rücksicht des großen Aufstandes in America natürlicherweise gegen Franklin hegen mußte, einigen Einfluß auf den Geist et⸗ licher, die in dem letzten Streite über die Blitzableiter mit verwickelt waren, könnte gehabt haben. Es ist wahr, daß es Leute gab(und selbst einige öfentliche Blätter lie den stumpfen vorzuziehen sind. 125 + entscheiden zu können, das jedwedes Gebäude, verse— hen mit einer in eine Kugel geendigten Wetterstange, besonders wenn sie über dem höchsten Theile des Ge⸗ bäudes hervorragt, und übrigens bis in die feuchte Er⸗ te de ununterbrochen fortläuft, viel mehr ausgesetzt ist, von dem Donner getroffen zu werden, als wenn gar keine Wetterstange darauf gewesen ware(k). Es bleibt zwar ih⸗ er—— n , ließen sich laut heraus), die der Meinung waren, gewiso se Personen hätten einiges Vergnügen, einen kleinen Trost dabey empfinden, und einige andere ein gewisses Interesse, einen gewissen patriotischen und verdienstvollen — Eifer zum Augenmerk haben können, daß ste sich so sehr bemühten, den berühmten Erfinder der Blitzäbleiter zu de⸗ . müthigen, wenigstens, so viel in ihrer Macht stand. 0 Was mich betrifft, so könnte ich nie einen solchen Gedan—⸗ ig ken hegen. it, ö r(k) Es ist in jedem Betrachte hart zu begreifen, warum er einige Gönner der stumpfen Blitzableiter haben für gut so⸗ befinden können, sie niedriger zu setzen, als der erhoben— r ste Theil des Gebäudes ist. Man möchte denken, als ih: wären sie selbst überzeugt gewesen, daß solche Blitzableiter da⸗ den Donne schlag wirklich einladen, und daß sie, aus * Furcht, dieselben möchten zu oft erreichet werden, ihnen gleichsam eine Art von Schild zum Schutze vorsetzen wollten. 15 Jene, welche die stumpfen Blitzableiter mit offner Stirne 0 auf dem erhobensten Theile des Gebäudes aufpflanzen, , scheinen wenigstens ein volles Vertrauen auf dieses Ver— wahrungsmittel zu haben; die sie aber hinter den Schorn— stei⸗ 126 Ob die spitzigen Blitzableiter zwar immer wahr, daß dem Gebäude selbst daraus kein Schäden erwächst, indem der Ableiter den Schlag auffängt, und bis in die feuchte Erde führt, und es solchergestalt vor aller Gefahr sichert. Das elek— rische Feurer, geschäftig, um von der Wolke in die Erde, oder von der Erde in die Wolke zu ge⸗ langen, wählt sich zu diesem Uibergange Körper, welche vermöge ihrer Natur seinen Läuf nicht hem⸗ men können, dergleichen die Metalle sind, wenn es solche zu erreichen im Stande ist. Es scheint also außer Zweifel gesetzt zu seyn, daß, jemehr ein Gebäu—⸗ de der Natur eines vollkommenen Blitzableiters sich nähert, desto mehr es in Gefahrt seyn wird, vom Donner getroffen zu werden. Der Kirchthurm auf dem sogenannten Luscia⸗ riberg(wovon ich hier unten weitläuftiger handeln werde) wurde, seitdem er im Jahre 1730 mit Blech be⸗ steinen, oder Mauern verstecken, scheinen selöst auf diese Blitzableiter ein Mißtrauen zu setzen, indem sie selbe hin— ter einer Brustwehre verkriechen lassen, gleichsam als wollten sie sie vor den Anfällen eines Feindes schützen, den sie doch stehendes Fußes kühn und mit offener Brust zu erwarten bestimmt sind, daraus Schlaz Und elck⸗ ke in u ge⸗ rper, hem⸗ den stumpfen vorzuziehen sind. 127 bedeckt ist, viel öfter vom Blitze gerührt; ja von dieser Zeit an vergieng nicht ein Jahr, daß er nicht mehrmahls getroffen, und sehr oft beschädiget worden wäre. Die Ursache davon ist sehr klar. Dieses Ge⸗ bäude, zu einem viel vollkommneren Blitzableiter, als es zuvor war, umgeschaffen, both, seitdem es mit die— sem Metalle bedeckt ist, dem Donner einen um so freyeren Durchgang an. Wir sehen, daß sehr erho— bene und isolirte Gebäude von dem Wetterstrahle biel öfter erreicht werden, als andere. Ihre Hö— he trüge übeigens nichts darzu bey, wenn ihre Sub⸗ stanz kein besserer Ableiter, oder wenigstens geschick⸗ ter wäre, dem elektrischen Feuer einen mehr oder we—⸗ niger günstigen Uibergang zwischen den Wolken und dem Erdboden zu eröffnen. Der selige Beccaria war, wenigstens, wie er mir schrieb, in den letzten Tagen seines Lebens, der Meinung, daß es vorsichtig wäre, bey dem Baue eines Pulvermagäzins durchaus kein Metall anzubrin⸗ gen; er glaubte, daß einzig von Holz aufgeführte Gebäude dem elektrischen Feuer so schlechte Ableiter abgäben, daß der Donner niemahls einen Durchgang bey ihnen suchen würde, und daß man also der Mü— he überhoben wäre, sie durch metallische Blitzablei— ter zu bewahren. Dieser Gedanke wäre vielleicht gut ge⸗ 128 Ob die spitzigen Blitzableiter genug, wenn man zugleich von dem Dache den Re— gen abwenden könnte; denn ein naßgewordenes Holz wird eben dadurch ein Blitzableiter. Ferner ist das Bauholz niemahls so vollkommen ein Nichtleiter, als daß es dem elektrischen Feuer allerdings jeden Durch⸗ gang verschlöße. Der Blitz durchsetzet es sogar oft, aber mit so viel Schwierigkeit, daß er es unter Wegs bricht und entzündet. Es scheint also sowohl durch die Erfahrung, als durch die gesunde Vernunft hinlänglich erwiesen zu seyn, daß metallische Blitzab⸗ leiter mit aufgesetzten Kugeln durch Darbiethung eines offenen ungehinderten Durchzugs den Donner in der That einladen und anziehen. Die Erfahrung vereiniget sich vortreflich mit der Theorie, um anzuzeigen, daß sehr erhobene, laug zugespitzte, und übrigens wohlbestellte Blitzableiter das Gebäude nicht nur vor allen wesentlichen Beschädi— gungen, die der Wetterstrahl anrichten könnte, si— chert, sondern daß sie auch den Schlag, der das Ge— bäude ohne Ableiter unvermeidlich getroffen hätte, sehr oft abzuwenden im Stande sind. Eine fein gezoge— ne, sehr erhobene, und in ihrer Wirkung durch kei— nen andern benachbarten Gegenstand gehinderte me⸗ tallische Spitze raubet einer Wolke, die durch ihre Annäherung ihre ganze schwere Ladung auf sie zu schleu⸗ den Re⸗ Hes Halh ist du iter, glz Ourch⸗ zar ost, S unter sowchl ernunst Blthab⸗ g eines in der den stumpfen vorzuziehen sind. 129 sblendern drohet, unvermerkt einen guten Theil des elektrischen Feuers, folglich kann ein solcher Blitzab⸗ leiter nur höchst selten von einem wirklichen— bruche des Wetterstrahls getroffen werden,— nur in dem Falle, wo eine Wolke, die sehr nahe aer der Spitze vorbeyziehet, vom elektrischen Feuer dergestalt überladen wäre, daß die Spitze nicht alles geschwind genug einsaugen könnte; oder wo die Wolke, welche über der Spitze schwebt, und sehr nahe an sie hinstreicht, in eben diesem Augenblicke von einer benachbarten Wolke eine volle Ladung em— pfienge. In diesem Falle, sage ich, würde der Blitz ableiter getroffen werden; der Schlag aber wird min— der heftig seyn, weil die Spitze unterdessen schon ei— nen Theil der Ladung geraubt hat, und in jedem Falle wird das Gebäude bewahrt bleiben; und dann hätte der Blitzableiter immer den haupsiichlichsten Dienst, wozu er bestimmt war, geleistet. Allein ob⸗ schon die Vernunft uns zu scheint, daß diese Fälle höchst selten Statt haben können, so müs⸗ sen wir dennoch die Natur selbst fragen, und sehen, was uns die mit den Wolken gemachte Erfährung in dieser Hinsicht beweise, welches der Vorwurf des fol⸗ genden Abschnittes seyn wird. J. verm. Schrift. I. B. J So 130 Ob die spitzigen Blitableiter So schön auch die Vernunftgründe von der Er— fahrung unterstützt werden, wenn sie uns sagen, daß, überhaupt genommen, die spitzigen Blitzableiter nicht so unterworfen sind, von dem Donner geschlagen zu werden, als die Gebäude selbst, die dieses Verwah— rungsmittels entblößet sind; so kommt es mir nichts destoweniger vor, daß diese Regel ihre Ausnahmen haben müsse. Setzen wir, ein Haus liege auf einem erhobenen sehr trockenen Erdreiche, so daß keine Quel⸗— le oder kein feuchter Grund anzutreffen sey, als in einer großen Tiefe, oder in einer großen Entfernung. Ein solches Haus muß vermöge seiner Natur wenig Gefahr läufen, geschlagen zu werden, weil der Blitz daran keinen leichten Uibergang in die feuchte Erde fin⸗ det, besonders im Anfange eines Gewitters, wo der Regen die Erde noch nicht befeuchtet hat, oder wo wenig oder gar kein Regen fällt. Richtet man auf ein solches Gebäude einen spitzigen Blitzableiter, dessen Ende in einen feuchten Grund geleitet wird, so wür— de man dem Donner einen Weg öffnen, der vorher nicht vorhanden war, und folglich könnte es sich er— geben, daß dieser Ableiter, wenn er sich nicht im Stande befände, die Ladung einer drohenden Wolke unvermerkt einzusaugen, davon geschlagen würde, ob—⸗ schon es vielleicht das Gebäude selbst nicht gewesen wäre, wenn es gar keinen Blitzableiter gehabt hätte. Al⸗ det E⸗ „ daß, nicht zu lwah⸗ nichts ahmen einem Quel⸗ 8 il uung. wenig dat de si⸗ 0 der wo auf ssen wůñ orher ch el⸗ 1 in Woll⸗ „oh⸗ wesen hilte M⸗ den stumpfen vorzuziehen sind. 131 Allein da es niemahls sicher ist, ob die Umstände, die ich hier annehme, in der That zusammentreffen, so gewinnen die Bewohner eines solchen Hauses, wenn es mit einem spitzigen Blitzableiter versehen ist, doch immer die Gewißheit, daß sie vor Unglück be⸗ wahret sind. J32 Vier⸗ 13⁴ Ob die spitzigen Blitzableiter I Vierter Abschnitt. Betrachtungen, die von der Wirkung der Blitz⸗ ableiter selbst abgezögen sind. — Gast in ganz Nordamerica herrschen viel mehr Ge— witter, als in dem größten Theile Europens, und die Unglücke stehen mit ihnen im Verhältnisse. Die beynahe täglichen Beyspiele von Verwüstungen, die diese Lufterscheinung dorten anrichtete, machten die Einwohner um so geneigter, den Gebrauch der spitzigen Blitzableiter anzunehmen, sobald sie die Nachricht die— ses Verwahrungsmittels vernommen hatten. Man sieht deren auf den meisten Lusthäusern, und fast durch die ganze Stadt Philadelphia, wie nicht weniger in andern Städten. Seitdem man von diesem Verwahrungsmit— tel Gebräuch gemacht hat, sind die Wetterschäden un— endlich seltner geworden: kein damit versehenes Ge— bäude wurde wesentlich beschädiget, obschon noch vieles fehlt, daß diese Blitzableiter durchgängig so vollkommen wären, als män sie machen könnte. — den stumpfen vorzuziehen sind. 133 Herr Franklin hat näch vielem Nachforschen nicht entdecken können, daß unter einer sehr beträchtlichen An⸗ zahl dieser Blitzableiter mehr, als füuf, sind, die der Wetterstrahl gerührt hätte([b). Durch diese unwider⸗ sprechliche Thatsache allein sollte man überzeugt werden, daß dieses Verwahrungsmittel, fähig, das Gebäude vor seiner Zerstörung zu schützen, weit entfernt ist, den Donnerschlag einzuladen. Eine Kirche bey Charlestown in Südcarolina wur— de gewöhnlich alle zwey bis drey Jahre vom Donner geschlagen und beschädiget; allein seitdem man einen spiz⸗ J3 ö zi⸗ I Es ist sehr wahrscheinlich, daß etliche dieser Blitzableiter einzig und allein getroffen wurden, weil sie, nicht ties genng in den Erdboden eingesenkt, nicht bis zum Wasser reichten. Der Blitzableiter über dem Hause des Herrn West zu Philadelphia scheint diesen Fehler gehabt zu haben. Die— ser Blitzäbleiter war nicht tiefer, als 4 bis 5 Schuh ein- gegraben. Zur Zeit, als es in ihm einschlug, sah man das elektrische Feuer auf der Oberfläche der Erde sich ausbreiten; ein Beweis, daß es in seinem ferneren Laufe eine Hin— derniß gefunden habe. Der Blitzableiter auf dem Hause des Herrn Waine in Südearolina scheint auch den nämlichen Fehler gehabt zu haben. Denn da er nur auf 3 Schuh in dem Erdboden stack, so wurden bey dessen Erreichung vom Blitze die Grundpfeiler des Hauses beschäbiget. Diese Fälle sind in Franklins Schriften weitläuftig ausgeführt. 134 Ob die spitzigen Blitzableiter zigen Blitzableiter darauf aufgepflanzt hat, ist sie seit vierzehn Jahren nicht ein einzigesmahl getroffen worden, und es ist mir nicht bekannt, daß es, seitdem man diese eachricht eingezogen hat, geschehen ist. S. d. LXIV Band der phil. Transact. S. 139. Auf dem Gute von Tarvis in Kärnthen, Se Excellenz, dem Grafen Franz Orsini von Rosenberg, Obersten Kämmerer Sr Majestät, des Kaisers, zuge— hörig, ist ein Berg von einer beträchtlichen Höhe, Lus⸗ ciariberg genannt, gemeiniglich auch der heilige Berg, wegen dem großen Zulaufe des Volkes, welches Wall— fahrten dahin anstellt, um in der auf der Spitze ste— henden Kirche seine Andacht zu verrichten. Die Gewit— ter sind auf diesem Berge häufig, und der fünfundacht⸗ zig Schuh hohe Kirchenthum wurde nach vielfältigen Wetterstreichen im Jahre 1730. davon ganz zernichtet, oder zerstöret. Er wurde wieder aufgeführt, und mit Blech gedeckt. Seit dieser Zeit vergieng nicht ein Jahr, daß er zum wenigsten nicht fünf bis sechsmahl getroffen wurde. Vor etlichen Jahren geschah es ihm während eines einzigen Gewitters über zehnmahl. Im Jahre 1778 wurde er, ohne sonderlich beschädiget zu werden, viermahl vom Blitze erreicht; allein ein fünfter Schlag mishandelte ihn dergestalt, daß man ihn, auf dem Puncte, in seinen Schutt zusammenstürzen, wieder auf⸗ zu⸗ seestt worden, an diese Ilx u„, Se uberh, zlge⸗ Lus⸗ Veg, Vall⸗ he ste⸗ Gawit sbacht⸗ ltihen chlet, dmit Jht, ttofen ähtend Nhre hecden, 300 If den uf ⸗ den stumpfen vorzuziehen sind. I35 zubauen genöthiget war. Da von denjenigen, welche während des Gewitters in der Kirche sich befanden, oft einige todt blieben, ließ man während den gefähr⸗ lichen Zeitpuncten schon von Langem her keinen Men⸗ schen mehr darin verbleiben, und das Volk, durch wie⸗ derhohlte Unglücksfälle abgeschreckt, besuchte diesen Ort der Andacht nicht eher, als gegen das Ende des Som⸗ mers, und da die Gewitter nicht mehr zu befürchten waren. Als der Thurm wieder erbauet war, ließ' ihn der Graf von Rosenberg mit einem wohlbestellten Blitzablei⸗ ter versehen. Die Hauptstange hat anderthalb Zoll im Durchmesser: der obere Theil hält sich an ein metalli⸗ sches Kreuz an, dessen drey Arme in lang gezogene und stark vergoldete Spitzen auslaufen. Von dem unteren Theile dieses Ableiters führte man eine andere Stange, von einem halben Zoll im Durchmesser, bis in einen Bach fort, der den Abfluß von dem Hirchendache und den anderen umliegenden Anhöhen aufnimmt. Dieser zu Anfang des Jahrs 178 errichtete Blitz⸗ ableiter bewies sich von einem so großen Rutzen, daß es seit seiner Errichtung bis zu Ende des Sommers 1781 nicht mehr als ein einziges Mahl in den Thurm einge⸗ schlagen hat, obschon es in diesen zwey Jahrszeiten se J4 vie⸗ 136 Ob die spitzigen Blitzableiter viele Gewitter, als gewöhnlich, gegeben hatte. Indem aber der Blitzäbleiter den Ausbruch des Donners auf— fieng, litt der Thurm dabey keinen Schaden. Es schei— net sogar, daß der Schlag schwach gewesen ist, well man sie bey einer genauen Untersuchung weder abgestumpft noch geschmolzen fand. Es ist daher wahrscheinlich, daß die Spitzen, für dießmahl zwar außer Stand, die ganze Lädung der drohenden Wolke unvermerkt und ver— stohlnerweise einzusaugen, indessen doch ihre Gewalt um vieles vermindert habe. Se Excellenz der Graf von Rosenberg empfieng einen anderen Bericht vom ꝛzten August 1782, worin die da— sige Geistlichkeit erzählet, daß in diesem Sommer bis den ꝛzten August sechs große Gewitter mit vielem Blitze gewesen seyn, aber kein Schlag habe weder den Thurm, noch die Kirche, nicht einmahl die Häuser des Dorfes getroffen, und eine Viertelstunde davon seyn drey Schafe vom Blitze getödtet worden. Der Herr Graf erhielt noch einen Bericht vom 7ten Julius 1783„ daß den 21 Junius um zwey Uhr Näch⸗ mittags unter einem erschrecklichen Gewitter der Blitz die Spitze gestreift habe, und dem Leiter gefolget sey, ohne den mindesten Schaden dem Gebäude zuzufügen. Dieser Leiter ist vom Abt Kirchschlager, Professor der den stumpfen vorzuziehen sind. 137 dden der Experimentalphysik zu Klagenfurt, errichtet wor⸗ auf den(m). cei⸗ 33 Der man— upft(m) Dieser Leiter hat einen dreyfachen Vortheil hervorgebracht; ich, denn erstens wurde das Gebäude von diesem Meteore seltener, als vormahls, erreichet; und wenn es geschah, so hat er wahrscheinlicherweise die Stärke des Ausbruches vermindert, ver⸗ indem seine Spitze niemahls geschmolzen wurde, und in jedem Falle den Schlag in die Erde geführet hatte. Er hat die dalt zu gleicher Zeit das Gebäude und das Dorf gerettet. Ein stumpfer Leiter mit einer Kugel hätte allem Anscheine nach dieses himmlische Feuer gleichfalls in die Erde gewiesen, und solchergestalt das Gebände gerettet; allein da der Thurm Hen ein vollkommener Leiter des elektrischen Feuers geworden da⸗ ᷓ wäre, als er es vormahls war, so hätte es auch öfters in ö ö ihn eingeschlagen, und der stumpfe Leiter hätte gewiß die bis volle Ladung empfangen, indem er den Donnerstreich so zu ihe sagen eingeladen hätte, und zwar ohne einiges Vermögen, das elektrische Feuer einer herannähernden Wolke im Stillen ö zu entwenden, und solchergestalt die Ladung zu verringern, V oder zu schwächen. Wenn das entsetzliche Getöse, welches einen großen Donnerschlag begleitet, einen überzeugten Physi— ie ker, daß ihm nichts Uibels daraus entspringen kann, nicht beunruhiget, so verhält es sich doch nicht so mit dem gemei— nen Haufen der Menschen, da kaum der kühneste Mann einen heftigen Donnerschlag hören kann, ohne dädurch erschrecket ten zu werden, so wenig er sich auch übrigens fürchten mag, ich daß er davon getroffen werde. h Von allen den Leitern, die man auf den Pulvermagazinen ey, und auf mehreren anderen öffentlichen Gebäuden in dem Ge— biethe Sr k. k. Majestät, des Kaisers, unter meiner Auf⸗ sicht errichtet hat, ist nicht mehr als ein einziger, der bis jetzt sor vom Blitze gerühret wurde, und es ist dem Gebäude nicht das Min⸗ 138 Ob die spitzigen Blitzableiter Der Herr Graf von Rosenberg ist es selbst, der mir diese Rachricht verschafte. Dieser Herr gab sich die Mühe, in Mindeste daraus erwachsen. Es wäre zu wünschen, daß Per⸗ onen, die in diesem schönen und wichtigen Zweige der Phy⸗ sik, in der Elektrieität, zu wenig unterrichtet sind, die Sor— ge, Leiter zu errichten, nicht auf sich nähmen; denn aus Ab—⸗ gang der nöthigen Keuntnisse hat man deren sogar in En— gelland errichtet, die nicht tief genug in die Erde versenkt waren, um mit dem Wasser zu jeder Zeit in Berührung zu seyn. Es ist unendlich besser, ein Gebäude sich selbst zu über⸗ lassen, als es mit einem übelbestellten Leiter zu besetzen. Diejenigen sind noch zu entschuldigen, welche sie auf ihren ei— genen Häusern errichten, ohne in den Grundsätzen der Elek— tricität hinlänglich eingeweihet zu seyn; aber solche Perso— nen können nicht ohne den höchsten Tadel den Auftrag, öf—⸗ fentliche Gebände, hauptsächlich Pulvermagazine, gegen die Gefahr der Ungewitter zu bewahren, übernehmen. Sie sollten entweder einen so häcklichen Auftrag von sich ablehnen, oder, wenn sie ihn von Seite der Regierung annehmen, so sollten sie so ehrlich und recht schaffen seyn, diejenigen zu Rathe zu ziehen, welche sich die Lehre der Elektrieität zu ihrem besonderen Studium gemacht haben. Dergleichen Unvor— sichtigkeiten können nicht ermangeln, daß sie nicht frühe oder späth den doppelten Nachtheil hervorbringen, ersteus den Zweck zu verfehlen, den man sich durch dieses Verwahrungs— mittel vorsetzet, und, was noch ärger ist, die Leiter um das Zutrauen zu bringen, welches sie sich mit so vielem Nechte erworben haben; denn diejenigen, welche die oberste Gewalt in Händen haben, und auch selten die Zeit, um sich mit die⸗ sem verwickelten Zweige der Physik ernstlich abzugeben, könn⸗ ten vielleicht bey dem ersten verdrüßlichen Zufalle die Leiter verdammen, da es vielmehr die Unwissenheit derjenigen, welchen man die Sorge, sie zu errichten, aufgetragen hatte, derdiente. r mix Nähe, in — Ver⸗ Mhy⸗ Sor⸗ Ab- En⸗ senkt ig zu Uber⸗ hen. nei⸗ lek⸗ erso⸗ of⸗ n die Sit uan, so sthe rem vor⸗ oder den mgs⸗ das echts walt die⸗ Inn⸗ titer gen, attt/ den stumpfen borzuziehen sind. 130 in eigener Person an diesen Ort zu reisen, um alle jene aus⸗ zufragen, denen er die Sorge, über alles, was dabey vor— gehen würde, zu wachen, aufgetragen hatte, und selbst alle Erkundigungen einzuziehen, deren ich benöthigt seyn könnte. Das Publicum wird ihm nicht weniger Dank wissen, als ich, daß er in einer Gegend, wo die Neuig— keiten in Betreff der Wissenschaften noch etwas langsam eindringen, ein Beyspiel gegeben hat, das würdig ist, allenthalben nachgeahmt zu werden. Die Einwohner der Gegend rings herum, einfältige Leute, betroffen von dem glücklichen Erfolge dieses Verwahrungsmittels, wurden dergestalt aufgemuntert, daß sie in dem Jahre 1781 wieder häufenweise kamen, im Monath Majus und Ju⸗ nius ihre Andacht zu verrichten, zu einer Zeit, in der sie in den verflossenen Jahren sich der Gefahr der Ge⸗ witter auszusetzen nicht getrauet hatten. Diese Thatsache scheint mir auf eine entscheidende Art den Nutzen der spitzigen Blitzableiter zu beweisen, dsie nicht nur die Gebäude vor Schaden sichern, sondern zugleich auch die Donnerschläge abwenden. Das Kreuz und der doppelte Adler von vergolde⸗ tem Metalle, alles zusammen von einem ungeheuren Ge— wichte, die den Wipfel des St Stephansthurms zu Wien rönen, muß man, der lange gezogenen und fein auslau⸗ fenden 140 Ob die spitzigen Blitzableiter fenden Spitzen beraubt, als einen stumpfen Blitzableiter betrachten, gut genug, um dem Wetterstrahle einen Uiber— gang in die Erde anzuweisen, und ohne allen Zweifel un⸗ gleich besser, als die gemeine Luft. Dieser Ableiter, der in seinem gegenwärtigen unvollkommenen Zustande so oft getroffen wird, lässet er einen Zweifel übrig, daß er, bis ins Wasser ununterbrochen fortgesetzt, nicht noch öfters sollte getroffen werden? Seitdem der Thurm auf dem Lusciariberg durch das blecherne Dach für den Wetterstrahl ein ziemlich guter Ableiter geworden war, schlug es schier bey jedem Gewitter darin ein. Seitdem er mit einem spitzigen und wohlbestellten Blitzableiter, der sich im Wasser endigte, versehen ist, schlug es in ihm seltner ein. Aus dieser Thatsache kann man, däucht mir, durch die Aehnlichkeit schließen, daß, wenn der Thurm zu Wien gleichergestalt mit einem gut zugespitzten Blitzableiter versehen würde, er sich gegen die Gefahren in Zukunft in Sicherheit be⸗ fände, und diese Spitze, Rücksicht genommen auf die ansehnliche Höhe dieses Gebäudes, würde noch darzu im Stande seyn, die mit Blitz überladenen Wolken sehr oft zu entwaffnen, und so in vielen Fällen den übrigen Theil der Stadt und die umliegenden Gegenden vor den Verwüstungen, die der Donner alldort oft anrich⸗ tet, zu bewahren. Der öbletter lüber⸗ fel un⸗ der in o oft 6 er, noch durch lich jedem uund digte, dieser hkeit estalt rde, it be⸗ f die darzu u seht hrigen bot hrich⸗ W den stumpfen borzuziehen sind. 141 Der Leuchtthurm bey dem Hafen von Genua, gemei— niglich Lanterna genannt, entging dem Wettersträhle nie— mahls über zwey Jahre, bevor er mit einem spitzigen Blitzableiter versehen war. Run ist er es seit etlichen Jah⸗ ren, und der Blitz ist nicht mehr darauf gefallen. Da die Kirche von Carignano zu Genug vom Don⸗ uer sehr oft erreicht wurde, fand man es für gut, einen spitzigen Blitzableiter drauf zu setzen, und seit dieser Zeit bis jetzt, den Jenner 1782, ist weder das Gebäude, noch der Blitzableiter davon getroffen worden. Ich habe diese Nachricht von der verehrungswürdigsten Hand. Der Glockenthurm von St Marcus zu Venedig, der 320 Pariser Schuh hoch ist, wurde von 1388 bis 1762 neunmahl getroffen, und meistens sehr beschädiget. Er wurde im Jahre 1776 unter der Aufsicht des Abts Toaldo mit einem Blitzableiter versehen, wobey dieser Gelehrte sich begnügte, nur eine metallische, von dem Inneren des kupfernen Engels, womit dieser Thurm geziert ist, bis ins Wasser genau ununterbrochen fortge— sehte Gemeinschaft zu errichten. Da jedoch, nach Herrn Toaldo selbsten, die verschiedenen eckigen Theile der Krone und die Flügel dieser Bildsäule als eben soviele Spitzen angesehen werden können, so ist es schwer zu entscheiden, ob dieser Blitzableiter für einen spitzigen oder 142 Ob die sritzigen Blitzableiter oder stumpfen gelten soll. Herr Barbier de Tinan be— merkt in Betreff dieses Blitzableiters, daß diese Arten von Spitzen, in die er ausläuft, da sie wahrscheinli⸗ cher Weise nicht sonderlich scharf sind, sich in dem Fal— le befinden, eine unmittelbare Entladung einer Gewit— terwolke von weitem zu empfangen(n), obschon dieser Blitzableiter, unter der Aufsicht eines Phystkers der ersten Classe mit aller möglichen Sorgfalt errichtet, die— sen Thurm in Zukunft vor jeder Gefahr zu bewahren, sehr wohl im Stande seyn wird. Be⸗ (n) Dieses schon anderswo angesührte Werk hat zum Titel: Mémoires fur les conducteurs pour préserver les édi- fices de la foudre par Mr l'Abbé Joseph Toaldo, Pre- vöt de la St. Trinité&c. Traduits de LItalien avec des notes& des additions par Mr Barbier de Tinan de'Academie des Sciences, Arts& Belles Lettres de Dijon, avec des planches, a Strasbourg, MDCCLXXIX pag. 125. Zu Ende dieses Buches findet man sehr sinn⸗ reiche Betrachtungen über die Blitzableiter überhaupt von Herrn Barbier de Tinan selbst, wo man auch unter an⸗ deren sehr nützlichen Bemerkungen einen Auszug der Ver⸗ suche, die Herr Wilson im Sahle des Pantäons zu Lon⸗ don sowohl, als die Herr Nairne gemacht hat, antrifft. an be⸗ Arten heinli⸗ Fal- ewit⸗ dieser 8 der „die⸗ hren, Beschreibung einer neuen dcktriscen Maschie, nicht so leicht zerbrochen werden kann, und vortreflich ist, um sich zu jeder Zeit Licht zu verschaffen. * perfieiunt. FR. BACO DE VERULANM. ima opn ENULAI, o wie man das elektrische Feuer zum täglichen Gebrauche der Haushaltung sowohl, als der Heilkunde anwenden lernet, und folglich so wie dieser wichtige Zweig der Naturlehre für die Gesellschaft im— mer mehr ein Gegenstand der Nutzbarkeit wird, so wird man auch mit um so grösserer Sorgfalt auf die besten und leichtesten Mittel, um dieses verborgene Feuer zu aller Zeit und an jedem Orte zum Vorschein zu bringen, bedacht seyn. Die elektrischen Maschinen mit Kugeln, Walzen oder Scheiben(a) sind jedermann hinlänglich bekannt, und (a) Es ist schon lange, daß ich den Kugeln und Walzen Glasscheiben unterschoben habe, die sich sehr stark bewei— J. verm. Schrift. I. B. K sen, 146 Eine neue und vielleicht die geschicktesten, die man finden kann, um zu jeder Zeit eine große elektrische Stärke zu er⸗ wecken. Da aber diese Maschinen viel Raum einneh— men, und durch die geringste Unachtsamkeit gebrochen sind, so ist es ein wesentlicher Vortheil, eine elektri— sche Maschine zu besitzen, die kleiner ist, folglich weniger ungeschickt und plump, und nicht so leicht verunglückt. Die elektrische Maschine des Herrn Vol— ta, die er den beständigen Elektricitätsträger genannt hat, ist für die Elektriker ein kostbares Geschenk, weil man mittelst derselben sowohl zu jeder Zeit zur Anstellung der gewöhnlichen Versuche elektrisches Feuer genug erwecken kann, als auch weil diese Werkzeuge indem sie leicht von einem Orte zu dem andern über— tragen werden können, bey weitem nicht so sehr, als die sen, besonders wenn man in derselben Maschine Statt einer Scheibe zwey anbringt. Seit dem aber habe ich die glä—⸗ sernen Scheiben wieder mit anderen vertäuscht, nömlich mit Pappendeckeln, die mit Oehlfirniß getränkt sind. Die Stärke einer einzigen dieser Scheiben von vier Schuhen im Durchmesser war so groß, daß ich aus der Scheibe selbst, auf beyden Seiten von zwey mit einem Katzen oder Hasenbalge überzogenen Küssen gerieben, zwey Schuh länge Funken herauszog. Man findet die Beschreibung dieses Werkzeuges in dem LXIX Bande der philosophischen Trans aetionen, und sie wird hier nächst folgen. kann, U er⸗ inneh⸗ ochen ektri⸗ lglich leicht Vol⸗ iannt einer ola⸗ mlich . Die chuhen scheibe 5ubder Schüh Abung Ischen elektrische Maschine. 147 die anderen, einer Beschädigung unterworfen sind— Allein da es nöthig ist, daß man so oft, als man einen Funken haben will, die Trommel auf den Harz— kuchen niedersetzt, braucht man, um eine Flasche von einer gewissen Grösse zu laden, eine zu beträchtli⸗ che Zeit, und wenn man mittelst eines solchen Werk— zeuges eine ansehnliche Stärke erlangeu will, so ist es nöthig, daß es auch in demselben Verhältnisse grös⸗ ser, und folglich ungeschickter werde. Seit langer Zeit habe ich verschiedene Mittel ausge— dacht, um mir durch Werkzeuge von verschiedenem Baue, die wohlfeil und nicht so zerbrechlich sind, eine zureichen— de Stärke des elektrischen Feuers zu verschaffen. Ich ließ sie vor ungefähr achtzehn Jahren dem berühmten Benj. Franklin sehen, der sie sehr gut hieß, und mich, dergleichen Gegenstände zu verfolgen, aufmun— terte. Einige, die ich beschrieben habe, sind in dem erwähnten Bande der philosophischen Transactionen eingerückt. Da aber mein Vorhaben nicht ist, diese verschiedenen Werkzeuge, oder vielmehr, diese ver—⸗ schiedenen Mittel, um das elektrische Feuer hervorzu— bringen, hier zu zergliedern, so will ich mich bloß auf eine ziemlich einfache, von mir im Jahre 1780 erfundene Maschine einschränken, die wenig zerbrech— lich, und, trocken, allezeit im Stande ist, so viel Elek— K 2 trici⸗ 148 Eine neue tricität zu geben, als man braucht, um ein Licht ge⸗ schwind anzuzünden. Da diese Maschine selbst, wenn sie gut gemacht wird, so zu sagen, vor Unglücksfällen gesichert ist, so hat man nichts zu thun, als die einzige Verstär⸗ kungsflasche davor zu bewahren, eine Flasche, die, bestimmt, um die elektrische Kraft zu sammeln, zugleich eine Büchse ist, welche alle die zum Lichtanzünden erforderliche Geräthschaft enthält, nämlich eine Wachs— kerze, Baumwolle, einen metallischen Drath, eine sil⸗ berne oder goldene Bortenschnur, und Geigenharz, pulver⸗ Die Oberfläche, auf welcher das elektrische Feuer durch das Reiben erweckt wird, ist ein starkes Stück Seidenzeug, oder 5 bis 6 neben einander angereihte Bänder von dem nämlichen Zeuge. Der Reiber ist eine doppelte Kupferplätte, überzogen mit einer gut gearbeiteten Hirschhaut, oder mit einem Katzenbalge, oder auch mit allen beyden zugleich, eines über das andere. Da die Seide sich gerne beschmutzt, so ist es gut sie zu firnissen, wozu Leinöhl, so wie man es zum Mahlen braucht, allein hinlänglich seyn kann. Die meinige häbe ich mit einer Siegellackauflösung im Wein— geiste überzogen, und, um die getrocknete Materie ein wenig 1 9e⸗ Macht i, rstät⸗ die, igleich unden achs⸗ e sil⸗ hart, Feuer tuck eihte er ist gut alge, dis ist es in es „Die Vein⸗ le ein hig elektrische Maschine. 149 wenig biegsam zu erhalten, etwas Peruvianischen Bal— sam beygemischt. Bedienet man sich eines Stücks Seidenzeugs, so muß man es nicht nach der Länge nehmen, wenn es auch sehr schmahl seyn sollte. Es ist besser, man nimmt daßselbe nach der Breite, und nähet die Ränder zusammen, doch so, daß die Naht, um die Be⸗ wegung und die Reibung nicht zu hindern, nicht zu aufgeworfen wird. Die Seidenzeuge zerreissen durch die Bank sehr leicht, so bald man sie in der ersteren Richtung ein wenig anspannt, welches aber in der Richtung nach der Breite bey weitem nicht so geschwind Statt hat. Und da man einzig und allein Gefahr läͤuft, ein solches Stück Seidenzeug durch das Rei⸗ ben dieser Maschine zu zerreissen, wenn man bey der Bearbeitung derselben die Leidner Flasche nicht gerade oder parallel mit ihrer Länge hält, und mit der Schär⸗ fe der Spalte 66 Fig. I Taf. J wider den Zeug an⸗ stößt, so ist es klar, daß man den Zeug nach der Breite nehmen, und zwey oder drey Stücke an einander nähen muß. Der gewichste Taffet, wenn er stark ge⸗ nug wäre, vendiente vor allen Zeugen den Vorzug; da dieß aber nicht ist, so ist es besser, ein Stück der stär⸗ kern Seidenzeuge: als Grosdetour, oder dicke Bän⸗ der, zu wählen. K 3 Die⸗ 150 Eine neue Diese Maschine macht in einem Zimmer keine Hinderniß; denn man hängt sie an einem Häcken der Wand auf, wo sie sogar verbleibet, wenn man sie in Gang bringt. ö Bey Erklärung der Art, wie man sich, um ein Licht anzuzünden, dieser Maschine bedienen soll, will ich zugleich auch ihre verschiedenen Theile zerlegen und vor⸗ zeigen: sie selbst ist in der ITafel vorgestellt. Die erste Figur stellet die Maschine im Ganzen vor, wie auch die Art, sich ihrer zu bedienen. AA, ein Stück eines starken Seidenzeuges, 9 bis 9 Zoll breit, und dritthalb bis drey Schuh lang, angehalten und eingezwängt, und zwar oben und unten in zwey mes⸗ singenen Stangen, deren Ende durch eine in die mes⸗ singenen Kugeln BB angebrachte Schraube befestiget sind. Die Spalte, welche die zwey zusammengefügten Stan— gen aus Messing zwischen sich lassen, um den Sei— denzeug anzufassen, darf nicht länger seyn, als der Seidenzeug breit ist. CC sind zwey Platten von Messing, ungefähr anderthalb Zoll breit, und mit einem Balge überzogen. Diese zwey Platten müssen wenigstens noch einmahl so lang seyn, als der Seidenzeug breit ist, damit die Sei⸗ kelne en der an sie m ein will ich nd vor⸗ zanzen A, ein bteit, und nes⸗ mes⸗ sind. Stan⸗ Sel⸗ 8 der gefähr ogen. mahl it dle Li⸗ elelktrische Maschine. 151 Seide, falls man beym Gange der Maschine die Be— wegung auf und ab nicht gerade nach derdänge dersel⸗ ben verrichtete, durch das Anstoßen an das Metall nicht zerrissen werde. OD sind Schrauben, mittelst welcher die zwey messingenen Platten nach Gefallen einander näher gebracht werden können, um sie an das Stück Seidenzeug stärker anzudrücken, und ihm solchergestalt die gehörige Reibung zu verschaffen. Die zwey Platten CC sind, um ihre wahre Gestalt sehen zu lassen, ganz nakt vorgestellt; sie müssen aber mit einem weichen Fel⸗ le, z. B. eines Hirsches, eingewickelt werden, und will man eine noch thätigere Elektricität haben, so wickelt man noch einen Hasenbalg darüber um, oder, welches noch besser ist, einen wilden Katzenbalg. Mann könnte auch diesen Häuten, wenn man anstatt einer mit Firniß überzogenen Seide ein Stück eines weißen Seidenzeuges oder weiße Bänder nimmt, Küssen, mit einer schwarzen Seide bedeckt, unterschle⸗ ben. Der Reiber könnte auch Sammet seyn. EE sind zwey gläserne Stangen oder hölzerne Stöl⸗ ke, die aber, um Nichtleiter zu werden, im Leinöhle gesotten, und im Ofen getrocknet seyn mässen. Die Glasstangen haben den Vorzug. Sie sind mit Siegel⸗ lack in zwey Zapfen aus Messing eingesetzt, wovon der K An⸗ — 152 Eine neue untere in eine auf der obern Platte C befindliche Schrau⸗ be FF eingreift. Die oberen Zapfen der zwey Stöcke EE laufen platt aus, und stecken in einem in die zwey messingenen Stangen 66 eingebohrten Loche, welches man in der VII Fig. 4A halb siehet. 66, zwey messingene Stangen, die durch die, wie die Kugeln H gebildeten Schrauben mit einander ver— einigt, zwischen sich einen Raum lassen, wodurch das Stück Seidenzeug leicht durchglitschen kann. Die Wän⸗ de dieses Zwischenraumes oder dieser Spalte müssen, um zu verhindern, daß die Seide durch ein zu grobes Reiben sich nicht abnütze, sehr glatt seyn. Diese zwey Stangen vertreten bey dieser Maschine die Stelle des Leiters. Die Kugeln BBBB haben alle ein hinlänglich wei— tes Loch, damit der starke seidene Strick IIII leicht durchgehen kann, welcher, wenn er angespannt wird, die ganze Maschine in einer unbeweglichen Lage zu hal— ten bestimmt ist; dann noch ein anderes Loch, wodurch wieder ein Strick oder ein gleich starkes Band KKKK gehet, welches den oberen Theil der Maschine an ei— nem Hacken aufzuhängen, und den unteren, um die ganze Borrichtung anzuspannen, in der linken Hand zu halten dienet. ., elektrische Maschine. 153 L., eine Leidner Flasche in Gestalt eines Cylin⸗ ders. Ich werde sie bey der Erklärung der II und III Figur beschreiben. MM, zwey in die Kugeln Hl eingegrabene Lö⸗ cher, welche nur gelegenheitlich dienen, nämlich wenn man die Elektricität aus dem Inneren der Leidner Fla— sche auf einen anderen Körper, zum Beyspiele, auf ei⸗ nen Leiter, oder auf eine isolirte Person, ꝛc., überge⸗ hen lassen will; zu welchem Ende man an eine der Kugeln Ull eine Kette, oder einen Metalldrath, oder eine Schnur von Borten, welche mit dem Leiter, oder mit der isolirten Person, die elektrisirt werden soll, eine Gemeinschaft errichtet, anhängt. Allein dann ist es besser, man bedienet sich gar keiner Verstärkungs⸗ flasche. ö Will man diese Vorrichtung in Gang bringen, so spannet man die Maschine, so wie es in der Fi— gur gezeigt wird, mit der linken Hand an. Mit der rechten Hand setzt man die Leidner Flasche auf, so daß ihr oberer Theil, der den Knopf der gewöhnlichen Leid— ner Fläschen vorstellt, an dem Leiter 66 mittelst eines auf der vorderen Stange des Leiters sitzenden Stifts anhält, und die äußere Belegung dieser Flasche auf der vorderen Platte C gut aufsitzt, welches mittelst eines K 7 auf 154 Eine neue auf dieser Belegung befestigten Schwalbenschweifes, der in die Falze eines Stück Messings, das auf die— ser Platte angelöthet oder aufgeschraubt ist, eingreift, bewerkstelligt wird. Man drehet die zwey Schrauben D' so lange, bis der Seidenzeug zwischen den zwey mit Häuten umwundenen Reibern stark genug gepreßt ist. Alsdann stößt man die Flasche sammt der gänzen Vorrichtung, mit welcher sie zusammenhängt, in die Höhe, ziehet alles sogleich wieder an sich, und setzt diese Reibung so fort, bis die Flasche geladen ist. Durch diese Bewegung wird der Seidenzeug zwischen den zwey Platten CC durch die Häute, die diese Platten umwickeln, in der Figur aber nicht vorge⸗ stellt werden, gerieben. Das elektrische Feuer, wel⸗ ches die Häute auf der Oberfläche des Seidenzeuges hinter sich lassen, wird von dem Leiter 66 einge— sogen, und in die Leidner Flasche zu gehen gezwun— gen, welche solchergestalt, falls der Seldenzeug gut getrocknet ist, in einer sehr kurzen Zeit geladen wird. Die auf diesem Seidenzeuge erweckte Elektrici⸗ tät verlieret sich zwar wieder, wenn man die Flasche in die Höhe der Verrichtung schiebet, weil sie von nichts aufgenommen wird; allein jene Elektricität, welche durch die zurückgehende Bewegung der Flasche erweckt wird, gehet in sie hinein, und ladet sie, weil sie dehtg, luf di⸗ reift, auben weh ehreßt hanzen in die seht it. ischen diese vorge⸗ „wel⸗ Auges linge⸗ wun⸗ gut dd. ltriei⸗ hashe vohh litit, lasche weil f elektrische Maschine. 155 sie nirgendswo entwischen kann. Es wäre ein leichtes, auch das elektrische Feuer, welches sich bey der Be— wegung in die Höhe erzeuget, aufzufangen; allein man machte durch einen solchen Zusatz die Maschine zu ver—⸗ wickelt, die ungeachtet dieses Abganges zu der Absicht, wozu sie bestimmt ist, stark genug ist, weswegen ich sie so, wie man sie hier abgezeichnet siehet, habe ge—⸗ brauchen wollen. ö Wenn die Flasche geladen ist, welches, wenn al⸗ les recht trocken ist, in einer halben Minute, oder auch in noch weniger Zeit geschiehet, so löset man sie durch eine zirkelförmige Bewegung gegen die rechte Hand, von welcher Bewegung der Stift des Leiters A Fig. VIIIder Mittelpunct ist, von der Maschine ab; die geladene Flasche nimmt man alsdenn in die linke Hand, und legt an ihre äußere Belegung das eine Ende einer goldenen oder silbernen Schnur(Fig. IV) an, derer anderes Ende an den Metalldrath(Fig. Wangedrückt wird. Die Spitze dieses Metalldrathes ist von einem mit feinem Geigenharze überstreuten Büschel Baumwol— le umgeben, den man an den Knopf der Leidner Fla⸗ sche schnell anschlägt. Das Geigenharzpulver fängt Feuer, entzündet die Baumwolle, und alle beyde bren⸗ nen lang genug, um ein Licht anzünden zu können. Zig. 156 Eine neue Fig. II, die Leidner Flasche von der Seite vor⸗ gestellt, wo man sie an die Maschine anheftet. Man sieht darauf in dem Deckel, der Statt eines Knopfes dient, das Loch A(welches man auch in B, Fig. I, im Durchschnitte sieht), das den auf den Leiter aufrecht stehenden Stift A(Fig. VIII) aufnimmt, und auf der äußeren Belegung erblickt man den Schwalbenschweif B, der in die zirkelförmige auf der messingenen Platte C(Fig. I) angebrachte Furche, derer Gestalt man in A(Fig. X) besser siehet, ein⸗ vasset. Die III Figur zeiget die Leidner Flasche senk— recht durchgeschnitten. Diese Flasche ist ein cylindri⸗ sches Glas, beyläufig 7 bis 8 Zoll lang, und 2 bis 24 Zoll breit, inwendig mit einem an seine ganze Ober— fläche genau anliegenden Zinnblate überzogen. Aus⸗ wendig ist es gleichfalls mit einem solchen Blatte bedeckt, aber nur zwey Drittel hoch; daß heißt, daß von dem obern Rande des Glases bis zur äußeren Be⸗ legung ungefähr ein Drittel von der äußeren Oberflä⸗ che isolirt bleibe. Ist diese Flasche von außen und in, nen mit einem an das Glas gut angekütteten Zinn⸗ blatte versehen, so schiebt man eine starke und inwen—⸗ dig in die Flasche genau passende Büchse von Messing hinein, die man darin mittelst des Siegellacks oder einer elektrische Maschine. 157 einer andern Kütte gut befestiget; wobey man beson⸗ ders darauf Acht haben muß, daß das Metall dieser Büchse allenthalben unmittelbar mit der ganzen Zinn—- belegung der inneren Wand in Berührung komme. An der Mündung dieser Büchse ist eine Schraubenmutter, be⸗ stimmt, um den Deckel A einzunehmen, dessen Theil, der in die messingene Flasche einschließt, mit einer Schrau— be versehen ist. Der Deckel A vertritt die Stelle des Knopfes an den gemeinen Verstärkungsflaschen, und dient auch zugleich als eine Büchse für das zum feinen Pulver zerstoßene Geigenharz(b), um damit den um die Spitze eines kleinen Drathes(Fig. V) gerollten Flocken Baumwolle einzustreuen, wenn man Licht ha— ben will. Die große in dem cylindrischen Glase stek⸗ kende Büchse enthält einen Vorrath von Baumwolle, etliche metallische Dräthe, die stark sind, und, mit Baum⸗ wolle umgeben, anstatt eines Dachtes dienen, ein Stück einer goldenen oder silbernen Schnur(Fig. IV) und ei— ne Wachskerze. B, eine 4 bis 5 Linien tiefe Röhre, um, wenn man von der Maschine Gebrauch machen will, den (b) Man kann sich auch des Bät lappsstaubes, der wirkliche Same des Lycopodium clavatum Linnæi, bedienen. Ich ziehe aber das Geigenhar; vor, weil es die Flamme leichter fängt, und viel länger brennt. 153 Eine neue den Stift des Leiters A(Fig. VIII) aufzunehmen. , der Schwalbenschweif, welcher in die Falze 4 (Fig. X) eingeschoben wird, wobey er einen kleinen Ausschnitt eines Hreises, dessen Mittelpunct die Röh⸗ re Bist, beschreibt. D, ein Uiberzug von Messing, stark genug, um den Schwalbeuschweif C darauf zu löthen, oder anzuschrauben. Dieser Uiberzug kann 3 von der Höhe der Flasche einnehmen, aber nicht mehr, weil er die Höhe der Belegung an der außern Glas— fläche nicht übersteigen darf. Die messingene Büchse, welche das Inwendige der cylindrischen Flasche überzieht, wie auch der mes— singene Uiberschlag, auf welchem der Schwalbenschweif befestigt ist, könnten zwar zu gleicher Zeit schon für metallische Belegungen gelten, wenn man sie an das Glas genau genug anzukleistern im Stande wäre; da dieß aber sehr hart hält, so wollte ich das Glas für sich besonders von innen und außen mit einem Zinn— blatte nach der gewöhnlichen Art versehen, weil es noth— wendig ist, daß die Belegung einer Verstärkungsflasche mit der Glassubstanz auf das engste verbunden sey. Fig. IV, eine silberne oder goldene Bortenschnur, oder, wenn man lieber will, ein Stück breite Borte, die man an den Kleideern trägt. Mit ihrer Biegsamkeit ist funchne Fahge Ien fleing die Roh, Mosup, Nrauf zu nn 3 ictt Meht, Glas Wendige der wes⸗ hhscheif Hon sir an das re; da 08 füt Zun⸗ d hoth⸗ Sfasche sey. sshnle, Bonte, ankei is elektrische Maschine. 155 ist sie sehr geschickt, in dem Augenblicke, als man, um einem Büchsel Baumwolle zu entzünden, die Flasche entladet, zwischen ihrer inneren und äußeren Belegung eine metallische Gemeinschaft aufzurichten. Das eine Ende dieser Sehnur hält man mit der linken Hand an die äußere Belegung der Flasche angelegt, das andere dirückt man an den mit Baumwolle versehenen Drath, den man in der rechten Hand hat, und so schlägt man die Baumwolle schnell an den oberen Theil der Flasche an, wobey sich dann die Baumwolle den Augenblick entzündet. Fig. Y, ein metallischer Drath von Kupfer oder eine große Nadel, derer Spitze man abgestumpft hat, und welche die Stelle eines Zündstockes verteitt. Man umwickelt ihre Spitze mit einem Flocken Baum-⸗ wolle, die aber ein wenig, wie man es in der Figur sieht, zerzauset seyn muß. Diese angesteckte Baumwölle wälzet man, um sie mit Geigenharzpulver zu bedecken, in der Büchse A(Fig. III) herum. Big. VI, stellet die zwey messingenen Stangen vor, zwischen welchen die beyden Ende des Seiden⸗ zeuges, so wie man in der J Figur sehen kann, eingezwängt sind. Sie liegen hier so, daß die Spal⸗ te, die sie zwischen sich haben, in das Auge fällt. Die⸗ 160 Eine neue Diese Spalte darf nicht länger seyn, als der Seiden⸗ zeug breit ist. Fig. VII, der Leiter oder die zwey messingenen Stangen 66 Fig. I, getrennt vorgestellt, und von den zwey messingenen Kugeln CC abgeschraubt. AA ist die hintere Stange, so gedrehet, daß man den Ausschnitt siehet, in welchem der Seidenzeug gehet; man siehet auch die Hälfte der zwey Kammern(die andere Hälfte dersel⸗ ben ist in dem gegenüberstehenden Theile der Stange BB, der in dieser Figur nicht zum Vorschein kommt, einge⸗ graben), welche den Kopf der zwey Säulen aus trok⸗ kenem Holze oder aus Glase EE,(Fig. I) aufnehmen. EB ist die vordere Stange, in derer Mitte man den Stift siehet, an welchem man die Leidner Flasche an⸗ steckt. CC sind die zwey Kugeln, die, an die zusam— mengelegten Ende der Stangen angeschraubt, den Leiter befestigen, und mit den zwey Platten CC(Fig. I), die das Amt der Küssen oder der Reiber verrichten, stark zusammen halten. Fig. VIII stellet den Leiter, vereinigt mit den messingenen Platten, die das Reibeküssen machen, vor. Auf beyden Seiten siehet man den Gang oder Ring B, wodurch die seidene Schnur IIII,(Fig. I) frey durchgehet. Fig. eiden⸗ ngenen on deg ist die schnitt et auch der sel⸗ ig9e Bh, einge⸗ trok⸗ sehmen. an den sche al⸗ zusam⸗ 1 Heitt ig. I); lichten, nit den , bot. Ring steh sig. elektrische Maschine. 16 Fig. stellet die zwey isolirten Stöcke oder Säulen vor, die durch ihre Unterstützung des Lei— ters zu gleicher Zeit verhindern, daß die auf dem Seidenzeuge erweckte Elektricität nicht wieder zum Reiber zurückkehre, und folglich dazu dienen, daß das elektrische Flüssige in die Flasche zu gehen ge— zwungen wird. Man siehet an ihrem untern Ende eine Schraube, welche sie an den Reiber anschraubt, und an ihrem obern Ende einen Hals mit einem plat— ten Kopfe, mit welchem diese zwey Säulen fest an den Leiter anhängen. Die zwey platt abgerundeten Köpfe werden von den in den beyden Enden A4(Fig. VII) der messingenen Stange, als des Leiters, ausgegrabe⸗ nen Höhlen aufgenommen. Fig. X, die vordere Platte des Reibers, allein vorgestellt, damit man die AÄnordnung der verschiedenen Theile, woraus sie bestehet, besser sehe. Man erblickt hier die halbzirkelförmige Furche oder Falze A, die den Schwalbenschweif, dessen Durchschnitt man in C(Fig. III) siehet, aufnimmt. Hieran bemerket man, daß diese Falze zur Rechten offen stehet, und zur Linken durch ei— ne Schraube geschlossen ist, um zu verhindern, daß die eingeschobene Leidner Flasche von der senkrechten Richtung der Maschine nicht abweiche. J. verm. Schrift. I. B. L Fig. 16² Eine neue Fig. XI stellet die zwey Platten des Reibers, jede insbesondere, vor. 4 ist die hintere Platte, wovon in der J Figur nichts als der äußere Rand zum Vorschein kommt. Auf beyden Seiten siehet man zwey Zapfen, die von eben so vielen in die Plat— te 3B eingegrabenen Löchern aufgenommen werden, und dazu dienen, daß die zwey Platten fest und si— cher beysammen bleiben. Die großen Löcher, wovon man eines an jedem Ende der Platte B zwischen den zwey kleineren köchern siehet, vertreten die Stel— le einer Schraubenmutter, und nehmen die Schrau— ben DD(Fig. I) auf. Diese Löcher dienen also, um die zwey Platten des Reibers einander zu nähern, und das Stück Seidenzeug mehr oder weniger zu klem— men, damit man die Reibung nach Gefällen vermeh— ren oder vermindern kann. Uibrigens sind auf der Platte B weder die Schräubenmütter, die die isoliren— den Stöcke aufnehmen, ausgedrückt, noch die Ringe, durch welche der seidene Strick gehet. Diese Auslas⸗ sung ist ein Fehler des Zeichners; man siehet sie aber in der X Figur gut vorgestellt. Fig. XII, das äußerste Ende der zwey messin⸗ genen Platten, die für das auf ihrem Rande stehen⸗ de Reibküssen dasind, um einen vollkommenen Begriff zu geben, wie die zwey auf der Platte 4(Fig. XI) vor⸗ ibers, latle, Rand siehet Mlat⸗ den, d si⸗ vobon schen Stel⸗ rau⸗ also, hern, klem⸗ rmch— fder liren⸗ inge, lIolas⸗ aber elektrische Maschine. 163 vorgestellten Zapfen von der Platte B derselben Figur aufgenommen werden, und um die Schrauben 50 (Fig. I) im Ganzen zu zeigen. 164 Eine elektrische Beschreibung einer kleinen elektrischen Sackmaschine, um eine Brennluftpistole damit loszuschießen. Die meisten meiner Freunde, welche diese kleine Maschine, die ich beschreiben will, sahen, haben so— viel Geschmack daran gefunden, daß sie sich selbe unverweilt anschafften; daher es kommt, daß ich mir schmeichle, durch die Mittheilung ihrer Zergliederung den einen und den anderen Leser zu verbinden. Ich belege von innen und außen eine bey— läufig 6 Zoll lange und 3 Einien breite, an dem einen Ende hermetisch geschlossene Glasröhre mit ei⸗ nem Zinnblatte. Die äußere Oberfläche lasse ich oben von der Mündung an auf einen halben Zoll nakt oder isolirt, um sie eben so, wie eine gewöhn⸗ liche Verstärkungsflasche, laden zu können; so wie auch ö in Um Sackmaschine. 165 in der That eine solche bewaffnete Röhre im Grun— de nichts anders ist, als eine Verstärkungsflasche oder Leidner Flasche. Auf die offene Mündung dieser Röh⸗ re befestige ich mit Siegellack eine Kugel von Mes⸗ sing, wobey ich sorge, daß sie mit der inwendigen Bewaffnung dieser kleinen Verstärkungsflasche in einer metallischen Gemeinschaft stehe. Den isolirten Theil dieser Röhre uberziehe ich mit Siegellack. Dieser isolirte Ort darf sich, wie schon gesagt worden ist, nicht über einen halben Zoll erstrecken; denn wenn der Abstand der inneren Bewaffnung von der duße— ren zu groß ist, so pflegt diese Verstärkungsflasche beym Uiberladen gerne zu zerbrechen. Da diese Sack⸗ maschine übrigens zu keinen anderen, als sehr kleinen Entladungen bestimmt ist, so hat man nicht nöthig, sie auf mehr, als einen halben Zoll zu isoliren. In weniger, als einer halben Minute ist die— se kleine Flasche schon geladen, welches ich folgender⸗ gestalt anstelle: Ich lege sie hinter dem Zeigefinger und dem kleinen, und vor den zwey mittlern Fin⸗ gern der rechten Hand, so daß der Knopf oder die kleine Kugel von Messing ein oder zwey Zoll weit von dem Zeigefinger absteht. Ist diese Röhre solcher⸗ gestalt zwischen den Fingern wohl befestiget, so stek⸗ L3 ke 166 Eine elektrische ke ich den Zeigefinger und den Daumen derselben Hand, einen jeden, in einen ledernen Finger, um⸗ geben mit einem Stücke Balg von einer wilden Kaz—⸗ ze. Zwey solche Finger sind gleich fertig; man darf nur von einem gewöhnlichen Handschuhe den Dau⸗ men und den Zeigefinger abschneiden, so daß sie mit dem darzwischen liegenden Leder zusammenhängen, da man sie denn mit einem Stücke Balg von einer wil— den Katze überzieht. Nun reibe ich zwischen dem solchergestalt bedeckten Daumen und Zeigefinger ein seidenes Band, das mit einer Siegellackauflösung im Weingeiste eingetränkt, und wieder gut getrocknet worden ist. Der Katzenbalg erwecket durch die Rei— bung eine sehr starke Elektricität auf dem Bande, die unmittelbar in das kleine Verstärkungsfläschchen, dessen Knopf durch die Haltung der zwey Mittelfin⸗ ger an das Band angedrückt wird, zu gehen ge⸗ zwungen ist. Mit einem solchen Bande von zwey Schuh in der Länge lade ich eine bewaffnete Röhre in wenigen Augenblicken. Indem ich solchergestalt das Band ein ⸗oder zweymahl durch die Finger gehen lasse, so siehet sich die Röhre im Stande, eine mit einer entzündbaren Luft, die aus den Metallen durch die Salz⸗ oder Vitriol⸗ rselben um⸗ Kaz⸗ datf Dau⸗ je mit u, da wil⸗ dem ein g im cknet Rei⸗ ande, chen, elfin⸗ ge⸗ ztvey re in odet l sih baten oder ol⸗ Sackmaschine. 167 Bitriolsäure erhalten wird, geladene Pistole loszubren⸗ nen, weil diese Luft durch den mindesten elektrischen Funken Feuer fängt. Wenn man aber die Pistole mit dem Dunste des Aethers oder der Hoffmannischen Tropfen geladen hat, so muß man das Reiben so lange fortsetzen, bis dieses kleine Verst rkungsfläschchen beynahe vollkommen geladen ist, indem dieser Dunst, um Flamme zu fassen, eine etwas beträͤchtlichere elek⸗ trische Stärke erfordert. Diese ganze Vorrichtung, in einem Futterale ein⸗ geschlossen, nimmt sehr wenig Raum ein, und ist ohne Vergleich bequemer, um im Sacke getragen zu wer— den, als der kleinste Elektricitätsträger. Ich bediente mich dieses bewaffneten Röhrchens und eines kleinen mit Pferdehaaren ausgestopften Bal—⸗ lens, den ein Stück gewichster, mit einem zu etwas Fett und Kreide gemischten Amalgama abgeriebener Taffet überzog, auch oft folgendermaßen. Ich legte dieses Röhrchen zwischen die Finger ungefähr so, wie ich es beschrieben habe, hielt den Ballen mit dem Daumen und Zeigefinger, und rieb daran ein Glas— viereck, oder das erste beste Glas, das mir unter die Hände kam, wobey der Knopf des bewaffneten Röhr⸗ 84 chens 168 Eine elektrische Sackmaschine. chens so gerichtet war, daß er dem Ballen auf einem halben Zolle folgte. Auf diese Art wurde alle Elektri⸗ eität, die der Ball auf dem Glase hinterließ, auf der Stelle eingesogen, und die Röhre war bald so ge— laden, daß sie mit der in der Pistole enthaltenen entzünd⸗ baren Luft einen Knall zu bewirken im Stande war. Uiber einem leltrt⸗ „auf so ge⸗ zůͤnd⸗ . her Scheibenmaschinen. Gelesen vor der königlichen Gesellschaft zu London, den zten Junius, 779. VIRG. Georg. 0. V, 133. 7⁴ V — — —— 5 —.4 E We — — 2— ⁴ 2—— — — 2— 250 — S 13— 2 — —— S — Paulatim.—— 7* 8 sind allbereits funfzehen Jahre, daß ich mich zur Erweckung der Elektricität anstatt der Ku⸗ geln und Walzen der Glasscheiben zu bedienen ange— fangen habe. Als ich fand, daß eine grössere Menge der Elektricität auf einem flachen Stücke Glas erwek⸗ ket werden könnte, wenn es auf beyden Seiten gerie— ben würde, als wenn es nur von der einen Seite der Reibung ausgesetzet ist, hielt ich es für vortheilhafter, einer Kugel oder Walze eine runde Platte oder Schei— be zu unterschieben. Ferner glaubte ich, von einer Glasscheibe einen anderen wesentlichen Vortheil ziehen zu können, da ihre Form an verschiedenen Theilen Rei⸗ beküssen anbringen lässet, und die durch diese Reibeküs⸗ sen erweckte Elektricität in den Zwischenräumen dersel⸗ hen aufnimmt, welches mit Kugeln oder Walzeu nicht wohl 172 Uiber die wohl thunlich ist. Die einzige Unbequemlichkeit, die ich anfänglich dabey befürchtete, war, daß die Axe, worauf die Platte befestiget und gedrehet wurde, den Reibeküssen, wofern diese nicht sehr kurz wären, oder die Platte eine beträchtliche Oberfläche hätte, zu nahe zu stehen käme, und daß solchergestalt diese Reibeküssen alle auf der Glasfläche gesammelte Elektricität eben auf diese Axe werfen möchten. Um dieser Schwierig⸗ keit zu begegnen, nahm ich mir vor, diese Axe gleich⸗ falls vom Glase oder einer andern nichtleitenden Sub— stänz, z. B. vom gebackenen Holze, zu verfertigen. Ich machte zuerst von einem der gläsernen Gestel— le, welche man Credenzteller nennet, und die einen in einem rechten Winkel an ihren Mittelpuncte befestigten Fuß haben, Gebrauch. Ich drehte einen solchen Cre— denzteller herum, so gut ich konnte, indem ich ihn zu— weilen an einer Seite, zuweilen auch an beyden rieb. In diesem unvollkommenen Zustande zeigte ich densel— ben dem Doctor Franklin, der diesen Vorschlag sehr guthieß, und mich ermahnte, ihn zu verfolgen. Ich theilte ihn hierauf einigen anderen von meiner Bekannt— schaft mit, und in kurzer Zeit fand ich dergleichen Ma— schinen bey Herrn Ramsden und bey noch anderen In— strumentmachern fertig. Seit diesem kamen diese elek⸗ lrischen Scheibenmaschinen in einen großen Gebrauch ö durch Scheibenmaschinen. 173 durch Europa, indem sie viel wirksamer in einem klei⸗ nen Umfange befunden wurden, als die Maschinen mit Kugeln oder Walzen. Auf meinen Reisen durch verschiedene Länder traf ich hier und da ansehnliche damit angestellte Versuche an— Abt Fontana verfertigte eine für das Cabinet des Groß⸗ herzogs von Toscana, welche aus zwey Scheiben beste— het, die achtzehn Zoll im Durchmesser haben, auf der nämlichen Axe befestiget sind, und derer jede auf beyden Seiten an zwey entgegengesetzten Oertern gerieben wird. Das auf diesen vereinigten Scheiben erweckte elektrische Feuer wurde auf einen in zwey Arme getheilten Leiter getrieben, und war überaus stark, so daß es der Leiter, unfähig, es alles zu enthalten, auf die metallische Axe zurückwarf, von welcher es durch die Hand des Arbei— ters gieng, und ihm einen sehr unangenehmen Stoß gab. Herr Cuthbertson, ein sinnreicher Künstler in Ver— fertigung mathematischer Instrumente zu Amsterdam, stellte ein Geräthe mit einer doppelten Platte her, bey welcher alles von acht Reibeküssen gesammelte elektrische Feuer auf den Leiter getrieben wurde, ohne wieder auf die, obgleich kupferne Axe, zurückschlagen zu können. Sei⸗ ne Erfindung bestehet darin, daß er zwischen die Glas— scheiben einen starken gläsernen Ring von zwey Zoll im Durch⸗ 174 Uiber die Durchschnitte setzte, so daß die kupferne Are mitten durch denselben gehet. Dieser Ring schloß sich durch Siegellack, oder einer anderen nichtleitenden Kütte, an die Platten an, und der Raum zwischen der Axe und dem Ringe war sorgfältig mit derselben nichtleitenden Substanz ausgefüllet. Der Leiter hatte zwey Arme, derer jeder zwischen den zwey Gläsern gestellet wurde, und nahe an den Glasring hinreichte. Auf diese Art war alle, oder fast alle Elektricität, die die acht Reibe⸗ küssen erweckten, gezwungen, auf den Leiter zu gehen, indem sich hier kein Weg vorfand, um auf die kupfer⸗ ne Axe wegzuschleichen, zwischen welcher und dem Leiter durch obgedachten, mit einer nichtleitenden Kütte aus⸗ gefüllten Glasring alle Gemeinschaft abgeschnitten war. Die Gewalt einer solchen Maschine, ungeachtei die Mar⸗ ten nicht über fünfzehn Zoll im Durchmesser hatten, war zum Erstaunen. Mit dieser Verbesserong sa ich eine Maschine zu London, derer Glasplatten achte Zoll im Durchmesser hatten, und mit welcher eine be⸗ waffnete Flasche von zwey Maß in weniger, als fünf Secunden, völlig geladen wurde(a). Herr (a) Folgende Nachricht von der Scheibenmaschine meines Freundes, des Freyherrn von Kienmayers, K. K. N. Oe. Appellationsrathes, kann zum Beweise dienen, wie weit die — Scheibenmaschinen. 175 nitten ö Herr Cuypers, ein einsichtvoller Elektriker zu ducch Delft, trug zur Verbesserung dieser Maschinen nicht we⸗ e, an nig und enden rme die Wirkung dieser Maschinen gehen kann. Die Scheibe me, 2—0 1 1 hmesser dieser Maschine hat zwey Wiener Schuh im Durchmesser, urde, und bestehet in einem Spiegelglase aus der k. k. Fahra— Art selder Spiegelfabrik. Sowohl die Ma schine, als der ganze —2— zahlreiche Apparat ist hier verfertiget worden, und gibt an ö 3 Reinigkeit und Schönheit der Arbeit der Ausländer nichts hen, nach. Der äußerlichen Form nach siehet sie sammt dem er⸗ Tische, auf welchem sie befestiget ist, der Maschine des Herrn Sigaud de la Fond gleich, derer Abbildung in NV Liter seinem Traité sur I'Electricité beygefüget ist; ihrer in— aus⸗ nerlichen Einrichtung nach ist sie aber davon ganz unter⸗ schieden. Denn sie stehet auf vier Glassäulen, durch welche man auch, ohne den Apparat zu ändern, die negative Elektrici—⸗ Mlat⸗ tät erhalten kann. Die Polster sind von Bolz, mit Leder und Flanell überzogen, und jeder wird durch zwey Spiralfedern war. klen, aus Stahldrath an die Scheibe angedrückt. Von den Polstern ich gehen zwey zirkelförmige Streifen von Wachstaffet fast bis 20 en den Leiter. Sie ist ungemein stark, und ich will nur 19% einige Beweise davon anführen. Auf den ersten Umschlag e be⸗ der Scheibe, die mit einer einfachen Kurbel gedrehet wird, fiuf schlagen feurige Ströhme des elektrischen Flüssigen von einem Polster auf den anderen mit lautem Knistern. Wird der Leiter von der Scheibe entfernt und fähret man mit r dem Umdrehen fort, so zeigen sie sich inm Dunkeln an der Glasscheibe unter der Gestalt coneentrischer Feuerkreise, die das Zimmer erleuchten. Aus dem Leiter, der sammt —5 den Armen drey Schuh lang ist, und vier Zoll im Durch-⸗ messer hat, ziehet man sieben, acht, auch neun Zoll lange meines Funken, die, wie der Blitz schlängelnd, durch die Luft N. Oe. brechen, und am hellen Taze sichtbar sind. In der Ent— bveit fer⸗ 170 Uiber die nig bey, indem er machte, daß sie der Feuchtigkeit we⸗ niger unterworfen wären. Als dieser Herr bedachte, daß fernung eines, bis anderthalb Zoll stürzet ein so mächtiger Feuerstrohm aus dem Leiter, daß derselbe mit einer mes⸗ singenen Kugel aufgefangen, den Laut erreget, den sonst nur die Entladung einer ziemlich großen Flasche hervor— bringet; mit bloßer Hand ist Niemand im Stande, ohne den zempfindlichsten Schmerz, und ohne daß es ihm Blattern aufziehe, nur wenige Funken aufzufangen. Die Wirkung dieser Maschine ist bey jeder Witterung, mit An— wendung der nöthigen Reinlichkeit, gleich. Bey dieser Maschine befinden sich zwey Batterien, derer jede zwey⸗ unddreyßig Quadratschuh belegte Glasfläche enthält; zu— sammen haben sie also vierundsechszig Quadratschuhe, wel— ches sie zu einer der größten von ganz Europa machet. Da der Eigenthümer derselben bisher seine Versuche nur mit einer Batterie gemacht, und die zweyte erst jüngst darzu verfertiget hat, so will ich auch die Wirkungen einer eiu⸗ zigen beschreiben, wovon ich mit mehreren anderen öfters Augenzeuge war. Es bestehet jede Batterie aus fünfund⸗ zwauzig cylindrischen Gläseru, welche siebenzehn Zoll hoch sind, vier Zoll im Durchmesser haben, und bis auf drey Zoll vom Rande mit Zinufolie belegt sind; der unbelegte Theil aber ist mit rothem, im Weingeiste aufgelöseten Sie⸗ gellacke überzogen. Auf zehn Umschläge der Scheibe wird eine dieser Flaschen vollkommen, und bis zum Uiberschla— geu geladen, und die ganze Batterie mit zweyhundert fünf⸗ zig Umschlägen. Zu einem Umschlage brauchet man ungefodr eine Secunde, mithin wird diese ganze beträchtliche Batterie in der unglaublichkurzen Zeit von vier Minuten und zehn Seeunden, höchstens in fünf Minuten, vollkommen geladen, ja öfters sogar zur Selbstentladung gebracht. In diesem letzte⸗ Scheibenmaschinen. 177 0. daß nicht alle Gläser zur Elektricität gleich geschickt 10 sind, und daß J. H. Wartz, und nach ihm Professor Mu⸗ ——. ichtiger letzteren Falle bleibet auf dem unbelegten, mit Siegellack rmes⸗ überzogenen Theile jenes Batterieglases, in welchem die en sonst Entladung geschiehet, ein blitzförmig geschängelter, eine Li— herber⸗ nie breiter schwarzer Streif zurück, der den Weg des Feuer⸗ e/ ohne strohmes anzeiget. Was für eine Kraft erfördert werde, ihm eine solche Batterie zur freywilligen Auslädung zu bringen, ODie lässet sich schon daraus ermessen, daß der elektrische Strohm, lit An⸗ um von der inneren Glasfläche zur äußeren zu gelangen, dieser einen Weg von sechs Zoll nehmen müsse: nämlich über zwey⸗ drey Zoll unbelegtes Glas auf der äußeren, und drey Zoll 5 à auf der inneren Fläche des eylindrischen Batterieglases. „ wetz ů Die Wirkungen dieser geladenen Batterie sind schrecklich. et. Da Der Schall ihrer Selbstentladung ist einem starken Peit-— ur mit schenknalle in einem geschlossenen Zimmer ähnlich. Wird t datzu ihre Entlädung durch einen Stahldrath, so wie er hier ůer eiu⸗ sowohl, als in Nürnberg auf Spuhlen aufgewunden, unter östers Nro 11 verkäuflich ist, geleitet, so schmelzet der Schlag infund⸗ in freyer Luft zwey Schuh davon; an jenem hingegen [Rhoch unter Nro 12 drey Schuh. Diese Schmelzung des Stahl⸗ f drey drathes in freyer Luft ist ein herrliches Schauspiel; denn lbelegte der ganze Drath erscheinet nach dem Schlage während en Sie: einer bis zweyer Seeunden durchaus glühend, und dann he witd ierfällt er zu kleinen Kügelchen, welche rund, und zur Herschla— Schlacke gebrannt sind. Es ist gar kein Zweifel, daß ein kt fünf⸗ ähnlicher Schlag, durch einen thierischen Körper geleitet, Ugefthe auch das größte tödten würde. Wenn man die Wirkun— zatttrie gen dieser Maschine mit den Wirkungen der übrigen be— nd schn kannten vergleichet, so ist gar kein Anstand zu nehmen, gelaben daß die Scheibenmaschinen den Vorzug vor den Walzen Nissm und Kugeln behaupten; denn außer dem, daß die Reibung eztt⸗ J. verm. Schrift. I. B. M bey 178 Uiber die Muschenbroek, der Meinung gewesen sind, daß ein Glas, in dessen Zusammensetzung ein großer Theil Laugensalz käme, sehr geneigt sey, die Feuchtigkeit aus der Luft anzuziehen, und folglich weniger tauglich für die Elek⸗ tricität, welchen Fehler sie verbessern zu können glaub⸗ ten, wenn sie dasselbe einer heftigen und anhaltenden Hitze bey den Glastafeln viel gleicher, und daher die Erregung der Elektrieität um so leichter und grösser ist, nehmen sis guch weniger Raum ein, und sind bey ihrem Zerspringen den Physikern nie gefährlich. Bey Wälzen und Kugeln ist meistens ein großes Rad zum Umdrehen angebracht, welches unendliche bekannte Unbequemlichkeiten hat, und wenn man einen genauen Vergleich zwischen dieser von mir beschriebenen Scheibenmäschine und den anderen ge— wöhnlichen anstellen will, so muß man die Geschwindigkeit des Umdrehens abschlagen; wird man nun Statt des großen Rades eine einfache Kurbel an eine solche Walze anstecken, und sie so langsam, als die Scheibe gedrehet wird, umdrehen, so wird man über den ungleich grösseren Unterschied der Wirkung erstaunen, und den entschiedenen Vorzug der Scheibeumaschinen praetisch erkennen. Auch die Batterie hat den Vorzug, daß die Gläser nicht, wie die übrigen bisher bekannten so hoch, als gewöhnlich, nämlich bis auf einen oder anderthalb Zoll vom Rande mit Stanniole bewaffnet sind, sondern einen unbewaffne— ten Raum von drey Zoll haben. Dadurch geschiehet es, daß! sie viel stärker, als die bisherigen, geladen werden kann, weil bey einer höheren Bewaffnung die Gläser überschlagen, noch eh sie ganz, ja oft nicht einmahl bit zur Hälste, geladen sind. 1Glae, igensalz r Luft eElek⸗ glal b⸗ lenden hite E regung men sis ringen Kugeln hracht, t, und ser bon ren ge⸗ Idigkeit itt des Walze rehet össeren edenen Auch t, wie hnlich, Rande wafne⸗ et es/ werden Gläser ahl his Scheibenmaschinen. 175 Hitze aussetzten, so zog er aus dieser Kenntniß einen besonderen Vortheil zur Vervollkommnung der Glasschei— benmaschinen. Er fand, daß Gläser, die etliche Jahre hindurch der warmen Luft eines Zimmers ausgesetzet bleiben, z. B. alte Fensterscheiben, durch dieses Mittel härter werden, und der Gewalt einer Feile besser wi— derstehen, und also für elektrische Maschinen viel bes⸗ ser sind; und daß solche Gläser noch ohne Vergleich bes— ser werden, wenn man sie einem beträchtlichen Grade der Hitze einige Monathe lang aussetzet, indem die Hiz⸗ ze aus dem Glase, oder wenigstens aus dessen Oberflä⸗ che, das unverglaste Laugensalz, welches sich darauf befindet, und durch den Geschmack erkannt werden kann, heraustreibet. Im December 1777 sah ich bey Herrn Cuyper eine solche doppelte Scheibenmaschine, und fand sie un—⸗ vergleichlich gut, obschon zu selbiger Zeit das Wetter sehr feucht war, und die Maschine in einem Zimmer stand, worin niemahls geheitzet wurde, und obschon die Reibeküssen kein Amalgama hatten. Diese Reibeküs⸗ sen waren aus gelbem türkischen Leder gemacht, wel⸗ ches er mit feinen, und, um ihnen eine gleiche glatte Oberfläche zu geben, gepreßten Korkspähnen ausgefut⸗ tert hatte⸗ M Eben 180 Uiber die Eben dieser Herr fand, daß die solchergestalt zu⸗ bereiteten Gläser dem gewöhnlichen Harzkuchen des Elektricitätsträgers an Stärke weit überlegen sind. Die⸗ se seine Verfahrungsart machte er in einem Werkchen unter dem Titel: Exposé d'une Methede, par la quelle on rend les Disques de verre destinés à ͤdes Machines electriques capables d'exciter I'Electricité dans une air humide, suivi d'une maniere de faire de tréês bont aoussins pour frotter les verres des Machines élec- triques, et de la Deseription d'un Electrophore perpe- tuel plus parfait que ceux dont on Vest servi jusquꝰiei. A la Haye, 1777, bekannt. Diejenigen, welche von diesen platten Maschinen Gebrauch machen wollen, müssen sich sorgfältig hü⸗ ten, dieses Geräth, um es zu tröcknen oder zu erwär⸗ men, nahe an das Feuer zu setzen, weil die jählinge Ausdehnung des Glases durch die Hitze nicht so ge— schwind durch dessen ganzen Umfang feortschreiten kann; denn da die Axe gewöhnlich zwischen zwey plat— ten Kupferstücken mit einem Leder zwischen dem Metalle und dem Glase gedrückt ist, so wird sie keinen ähnli— chen Grad der Hitze zur nämlichen Zeit, als das Uibri— ge, erlangen, und sich so leicht ausdehnen können, daher die Platte große Gefahr läuft, zu zerbrechen. Sollte aus einem solchen Versehen ein Sprung entste⸗ hen, talt zu⸗ en des d. Die/ erkchen quelle achines ne ur bont Eler. perpe- „ Hdel. sschinen g hü⸗ erwar⸗ hlinge so ge⸗ reiten plat⸗ Netalle ahnli— libri⸗ önnen, llecheh. entste⸗ ell, Scheibenmaschinen. 181 ben, so kann seinem Fortgange durch ein eingebohrtes Loch an dem Ende desselben Einhalt gethan werden. Die⸗ se Glasscheiben können ganz sicher mit einem trockenen warmen Tuche gerieben werden. Da die Menge der auf einem Glase erweck⸗ ten Elektricität mit der geriebenen Oberfläche genau im Verhältnisse stehet, und da Gläser von einer beson⸗ deren Grösse sehr kostbar, und Zufällen unterworfen sind, so glaubte ich, man könne einer Glasscheibe einen nit Copal„oder Bernsteinfirnisse durch und durch ge⸗ tränkten Pappendeckel unterschieben. Um zu versuchen, wie dieses entspreche, lien ich mir vor sieben Jahren drey Pappendeckel von vier Schuh im Durchmesser machen, derer Substanz auf sechs Zoll von der Axe viel dicker war, als das Uibri— ge, um dem Ganzen die gehörige Unterstüzung beym Umdrehen zu geben. Als diese Scheiben getrocknet und erwärmet waren, schüttete ich einen Firniß aus Bernstein, im Leinöhle aufgelöset, darauf. Rachdem sie vom Firnisse soviel eingetrunken hatten, als sie konnten, »bedeckte ich sie mit einer dicken Rinde von demselben Firnisse, und trocknete sie sodann bey einem deue⸗ schen Ofen. M; Wenn 182 Uiber die Als der Firniß recht hart war, so fand ich, daß auch eine flüchtige Reibung mit einem Katzen⸗ oder Hasenbalge eine stärke Elektricität darauf er⸗ weckte. ö Ich machte sodann ein Gestell, um sie hin⸗ einzusetzen, und darin zu drehen; welches Gestell so eingerichtet war, daß es bey zwölf solcher Scheiben enthalten, und sie alle um eine und dieselbe Axe dre— hen konnte. Es bestand aus zwey viereckichten, un— gefähr fünf Schuh hohen, und drey Zoll dicken Holz⸗ pfosten, welche oben und unten mittelst eines Quer⸗ balkens mit einander verbunden waren. In der Mit— te dieser Pfosten war ein Loch von anderthalb Zoll im Durchmeser, um eine hölzerne Axe einzunehmen, welche nach Belieben hinein ⸗und herausgethan wer⸗ den konnte. Auf dieser Axe waren die Pappendeckel befestiget, und zwischen einem jeden dieser Pappendek⸗ kel befand sich ein flaches, drey Zoll breites, und mit einem Flanelle sammt einem Hasenbalge bedecktes Brett. Die zwey viereckichten Pfosten waren gleichfalls zuerst mit Flanell, und über diesem mit einem Hasen⸗ balge beschlagen. Eio fand ch, m Kaßen⸗ darauf er⸗ sie hin⸗ Gestell 0 SGcheiben e Axe die⸗ chten, un⸗ icken Holi⸗ ines Quer⸗ der Mit ethalb 30. Hzunehmen, ethan wer⸗ appendeckt Happendek⸗ ites, und bedecktes gleichfals n Haseh⸗ Scheibenmaschinen. 183 Ein jedes der zwischen den Pappendeckelschei⸗ ben angebrachten Bretter hatte in seinem Mittelpunc— te einen Ausschnitt, um der Axe einen freyen Raum zum Umdrehen zu lassen. Diese Bretter konnten oben und unten durch zwey hölzerne Schrauben, die von einem Pfosten zum anderen reichten, nach Erforderniß an einander gebracht werden. Diese zwey Schrau— ben giengen durch ein auf dem oberen und unteren Ende der Bretter ausgeschnittenes Loch, damit diese beständig in ihrer senkrechten Lage gehalten würden. Eine Schraubenmutter, welche sich um diese wagerech— ten Schrauben drehete, saß oben und unten zwischen einem jeden dieser Bretter, und half eine jede Schei⸗ be mit ihrem Hasenbalge so nahe zusammenzwängen, als zur gehörigen Reibung erforderlich war. Die drey Pappendeckel wurden in dem Gestel— le befestiget, und herumgedrehet. Die erweckte Elek— tricität war so stark, daß ich bey Näherung eines gebogenen Fingers von der vorderen Oberfläche der ersten Scheibe Funken auf einen bis auf zwey Schuh weit zog. Ich brachte sodann einen blechernen Lel— ter an, der beyläufig sechs Schuh lang, und sechs Zoll dick, und in zwey Arme getheilet war, derer enden Statt der Spitzen mit dicken silbernen Fran— zen versehen waren. Die Funken dieses Leiters wa⸗ M4 ren 184 Uiber die ren ungefähr vier bis fünf Zoll lang, schienen sehr dick, und waren äußerst prachtig und so stark, daß ich mich nicht entschließen konnte, etliche davon zu empfangen; noch hatten diejenigen, welche diese Ma⸗ schine zu sehen kamen, Lust, mehr, als einen anzu⸗ ziehen. Da diese Funken einander sehr geschwind folg⸗ ten, so gläube ich, daß sie viel wetter geschlagen hät⸗ ten, wenn alles hierzu eingerichtet gewesen wäre, so wie ich es hernach bey Herrn Naiene gesehen ha—⸗ be, der sich bemühete, von einer großen Glaswal⸗ ze Funken von zwanzig Zoll, und darüber, zu er⸗ halten. Ich sah diese Pappendeckelmäschine vielmehr als einen rohen Entwurf einer Vorrichtung, von welcher ich eine elektrische Kraft eines meistens erfor— derlichen Grades zu erhalten hofte, als für eine voll—⸗ ständige Maschine an. Meine Absicht war nur, ein Werkzeug zu erfinden, durch welches eine große Men⸗ ge des elektrischen Feuers ohne große Unkosten und ohne Gefahr des Zerbrechens könnte gesammelt wer— den; welche zwey Puncte unbermeidlich sind, wenn man von ungewöhnlich großen Glaswalzen oder Glas⸗ scheiben Gebrauch mächet. Ich hen schr E„, daß bon ese Ma⸗ anzu⸗ d folg⸗ gen hät⸗ ͤre, so hen ha— laswal⸗ zu er⸗ bielmeht , bon erfor⸗ ne voll⸗ r, ein e Men⸗ en und lt wer⸗ „wenn Glas⸗ 30 Scheibenmaschinen. 185 Ich habe vor zwey Jahren beym Herzoge von Chaulnes zu Paris eine Vorrichtung mit einer Glas⸗ scheibe von fünf Fuß im Durchmesser gesehen. Diese kostete ihm allein achthundert Livres. Da ich den blechernen Leiter nicht so ange⸗ bracht hatte, um die Elektricität von den drey Schei—⸗ ben zu empfangen, sondern nur von der ersten al⸗ lein, so kann ih nicht sagen, ob die elektrische Kraft verhältnißmäßig stärker gewesen wäre, wenn ich zwi⸗ schen einer jeden Scheibe eine metallische Gemeinschaft errichtet hätte. ö Ich fand, daß diese Vorrichtung, so wie sie verfertiget war, nicht leicht mehr, als drey solcher breiten Scheiben fassen konnte; denn die zwölf der Reibung ausgesetzten Oberflächen, derer jede andert— halb Fuß lang, und beyläufig drey Zoll breit war, machten bey dem Gänge der Maschine einen solchen Widerstand, daß ein starker Arm darzu erfordert wurde. Zufrieden, gefunden zu haben, daß man bey diesem oder einem ähnlichen Kunstgriffe eine grösse⸗ re Kraft erwecken kann, als bey dem gewöhnli— chen Geräthe von Glas, so wollte ich mir nicht M 5 mehr 186 Uiber die * mehr Mühe oder Unkosten machen, um dle Gewalt dieses Gestelles, oder die Zahl der Scheiben zu ver— mehren. Ich muß noch anmerken, daß eine solche Ma⸗ schine in einem geheitzten Zimmer in einem guten Zustande zu erhalten ist; daß sie sich aber ihrer Kraft in Ländern, wo man nicht, wie in Deutschland, zu heitzen pfleget, bald verlustiget sehen wird. Mei—⸗ ne Pappendeckelscheiben erhielten sich sehr gut durch alle die Zeit, als ich sie in einem beständig ge⸗ wärmten Zimmer ließ, welches bey zwey Monathe lang geschah; als sie aber in ein kaltes Zimmer ver— setzet wurden, verloren sie sogleich ihre Kraft, indem sie wahrscheinlicherweise die Feuchtigkeit aus der Luft angezogen hatten. Ich bin auch nicht versichert, ob der Firniß, den ich hierzu gebrauchte, von der besten Art war; ich habe Ursache, das Gegentheil zu ver⸗ muthen, und ich glaube daher, daß bessere zu London zu haben sind. Solche Pappendeckel können zweifelsohn vor der Feuchtigkeit verwahret werden, wenn man sie in ei⸗— nem hierzu verfertigten, und mit Zinnfolie gefüt— terten Futterale verschlossen hält. Die Feuchtigkeit kann auch wieder ausgetrieben werden, wenn man sie Gewal⸗ zi her⸗ e Ma⸗ guten Kraft hland;, Nel⸗ k durch dig ge⸗ Ronathe Mer ber⸗ „ inden der Luft ert, ob er besten zu ber⸗ Londor bor der in ei⸗ gefit⸗ ctigkeit n mah ft Scheibenmaschinen. 187 sie eine Zeit lang in ein warmes Zimmer, oder in einen Backofen leget. Nebstdem ist es auch nicht unwahrscheinlich, daß man eine Art Pappendeckel machen kann, wenn man durchaus getröcknete Papierblätter, anstatt des gemei⸗ nen Pappes, der, ohne seine zusammenklebende Eigen— schaft zu verlieren, nie alles seines Wassers beraubet werden darf, mit gutem Oehlfirnisse zusammenfüget. Auf gleiche Weise kann man auch eine gute Art Pap⸗ pendeckel machen, wenn man Statt des Papiers Sei⸗ denzeuge guf einander klebet. Ich verfertigte eine flache Maschine, deren Schei⸗ be aus gebackenem Holze und im Leinöhle gesotten war; allein sie entsprach nicht so gut, als die Pap⸗ pendeckelscheibe. Ich fand die Pappendeckelscheiben nicht viel we— niger der Elektricität empfänglich, wenn ich sie nicht überfirnißte, als wenn ich es gethan hatte; sie verlo—⸗ ren aber ihre Kraft wieder in wenigen Minuten, und sie erlangten dieselbe nicht eher wieder, als bio ich sie aufs neue getröcknet und erwärmt hatte. Es 68 Uiber die Es ist wohl bekannt, daß Schreibpapler und braunes Packpapler, erwärmet, eine beträchtliche elek⸗ trische Stärke erlangen können, wenn sie mit einem Hasenbalge mit einem Stücke Holz und Elfenbein ge— rieben werden, ja selbst, wie ich es aus der Ersahrung habe, mit metallischen Körpern. Da es ein allgemeines Gesetz der Natur zu seyn scheinet, daß alle harzigen Körper, sie mögen mit einer positiven oder negativen Elektricität erwek— ket werden, dieselbe hartnäckiger behalten, oder mit mehr Widerwillen fahren lassen, als das Glas, wel— ches ich schon im verwichenen Jahre in einer vor der königlichen Gesellschaft gelesenen Schrift dargethan ha— be; so ist es rathsam, daß der Leiter einer solchen Papiermaschine mit keinen Metallspitzen besetzet werde, die nothwendigerweise in einer Entfernung gehalten werden, worin sie nicht alle Elektricität abnehmen; sondern daß eine biegsame mit dem Leiter in Gemein⸗ schaft stehende leitende Substanz, als silberne, oder kupferne Franzen, mit der erweckten Oberfläche dicht in Berührung kommen. um e elek⸗ einem eln ge⸗ hrung ue zu nögen rwe⸗ rmit wel⸗ or det n ha⸗ solchen werde, chalten hmen; mein⸗ „oder Scheibenmaschinen. 185 Da wollene Tücher, oder Machester, und an⸗ dere dergleichen Substanzen, einen guten Theil der Elektrieltat auf trockenem Papiere, oder harzigen Kör⸗ pern erwecken, und nicht sobald ermüden, als Hasen⸗ bälge, so könnte es vielleicht besser seyn, wenn man sie diesen Bälgen unterschöbe. Endlich erweckte ich auch eine sehr ansehnliche elektrische Kraft auf einem starken Seidensammet, den ich auf zwey hölzernen Scheiben, die zwey Schuh im Durchmesser hatten, und auf einer hölzernen Axe befestiget, ungefähr drey Schuh von einander abstun⸗ den, aufgespannt hatte. Der Sämmet war von ei⸗ nem stärken unterlegten Seidenzeuge unterstützet, um ihm mehr Stärke und Festigkeit zu geben. Diese Ma⸗ schine hatte das Ansehen einer Trommel, und wurde gedrehet, wie es mit gläsernen Walzen zu geschehen pfleget. Der Reiber war ein mit einem Hasenbalge überzogenes Küssen. Da die Seidenzeuge, und besonders Wachstaf⸗ fet, gar leicht eine starke Elektricität annehmen, so zweifle ich nicht, daß man nicht einen guten Gebrauch davon machen könnte, wenn man eine große Obet— fläche derselben, die so breit seyn kann, als man will, der Reibung aussetzet. Ich habe mehr als ei— nen Eine habe ich diesen Gegenstannd nicht genug verfolget, und ich halte mich daher nicht befugt, sie ohne hin⸗ fertigen; da ich sie aber nur im Kleinen versuchte, längliche Erfahrung zu berühren. * — — — — —— —2 2 — — — — —— S — — — 2— — 6 ——. 2= *—— — —— S 8⁴ — — * 19⁰ so zu bet⸗ suchte, folget, ie hin⸗ Eine neue Art, ein Licht mit einem sehr kleinen geladenen Fläschchen anzuzünden. Gelesen vor der königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu London, den dten Julius, 1778. Eine Eᷓ ——— HoORAT. Epist. Lib. II. Si das hoc, parvis quoque rebus magna juvari. uvari. . II. H ist schon lange bekannt, daß das elektrische „Feuer mehrere verbrennliche Körper, und vor— züglich brennbare Geister anzünden könne. Ein flüch— tiger elektrischer Funken reichet zu, um den Weingeist, wenn er ein wenig erwärmet ist, zu entzünden. Fro—⸗ bens ätherischer Geist, oder Vitrioläther fängt auch kalt‚ und zwar durch ein sehr flüchtiges Fünkchen, Feuer. Obschon es also keinen Liebhaber der Elektricität gibt, der diesen Versuch nicht wüßte, so habe ich jedoch noch Niemand gefunden, der ihn darauf zu verwenden ge— sucht hätte, um sich nach Belieben ein Licht zu verschaf— fen. Die Ursache davon lieget sicher darin, daß dieser Versuch, so leicht er auch ist, dennoch eine vorgängige Vorbereitung erfordert, um des Erfolges gewiß zu J. verm. Schrift. I. B. N seyn. 194 Eine neue Art seyn. Es ist zwar wahr, daß der Aether, so wie ich so eben gesagt habe, viel leichter Feuer fängt, als der Weingeist 3 allein nebst dem, daß dieser Saft sehr härt zu haben ist, verdünstet er sich in der freyen Luft so geschwinde, daß das Vergnügen, sein Licht durch den— selben anzuzünden, in Betracht der Unkosten zu hoch stande. Ich pflege seit einiger Zeit meine Kerze auf fol— gende Art anzuzünden, welche mir nicht nur zur philo— sophischen Belustigung dienet, sondern auch zugleich mir viel geschwinder ein Licht verschafft, als ein Feuerzeug. Da ich in meinem Zimmer immer eine elektrische Ma— schine bereit stehen habe, so lade ich, wenn ich ein Licht haben will, ein kleines elektrisches Fläschchen im In— halte von neun bis zehn Kubikzoll, und wohl auch noch drunter, dessen metallischer Knopf etwas seitwärts gebogen ist, um so leichter von einem an der äuße— ren Bewaffnung des Fläschchens angelegten Messing⸗ drathe erreicht werden zu können(a)y. Ein wenig um das (a) Ich habe mich nach diesem einer dünnen Gold- oder Silberbortenschnur bedienet, die ich mit der linken Hand an der äußeren Bewaffnung der Flasche anlege, mittler— weile ich mit der rechten Hand den mit dem änderen Ende dieser metallischen Schnur vereinigten Messingsdrath hal⸗ e ich so ls der hr hart uft so 9den⸗ hoch f fol⸗ philo— h mir eug. Ma⸗ u Liht n J⸗ Hauch wärts auße⸗ essing⸗ ig um das —— bder Hand mittlet⸗ anderen ödrath hal⸗ Licht anzuzünden. 195 das Ende dieses Messing⸗oder Eisendrathes gewickelte, und hierauf in gestoßenem Geigenharze umgewälzte Baumwolle dienet Statt der Lunte. Ich habe immer einen Vorrath solcher völlig zubereiteter und an ihren Enden mit Baumwolle versehener Metalldräthe in ei⸗ ner Büchse des feinsten Geigenharzpulvers. Wenn ich das eine Ende dieser Metalldräthe an die äußere Bele— gung der geladenen Flasche anlege, und mit dem ande— ren in Baumwolle verhüllten Ende schnell an den Knopf der Flasche fahre, so erfolget der Ausbruch, der durch den Baumwollenflocken gehet, und einige Geigenharz— theilchen, die Feuer fangen, theilen die Flamme den übrigen, ünd solchergestalt der Baumwolle mit; welche Flamme lang genug dauert, um eine Kerze anstecken zu können. Da dieses Verfahren kaum eine halbe Minuté Zeit braucht, so behauptet sie vor jedem andern Mittel den Vorzug(b). N 2 Ich halte. In diesem Falle braucht der Knopf der Flasche nicht gekrümmt zu seyn, indem die Biegsamkeit der me— talischen Schnur die Metallstange schnell an den Knopf anlegen lässet. Diese Art erlernte ich vom Herrn Cavallo— (b) Die vom Herrn Fürstenberger, einem Bürger zu Basel, und sehr einsichtsvollen Physiker erfundenen, und hierauf durch 196 Eine neue Art Ich habe bemerket, daß das gelbe und durch⸗ sichtige Geigenharz sich sicherer entzündet, als das braune. Der Bärlappssaamen, den die Staubbeuteln des Lycopodium clavatum liefern, kann auch Statt des Geigenharzpulvers dienen; er ist aber nicht so gut, indem er eine viel stärkere elektrische Entladuug er— fordert, nicht so lange brennet, und folglich seine Lun— te oft eher verlöschen lässet, als daß man Zeit hätte, die Kerze anzustecken. Tunket man diese Baumwollenflocke in Terpen— tinöhl, so erhält man die nämliche Wirkung. Die— ses Oehl, oder dieser Geist, fängt durch eine elektri— sche Entladung sehr leicht Feuer, besonders wenn man die durch mehrere andere verbesserten Lampen mit brennbarer Luft entzünden sich in dem Augenblicke, als man den klei— nen Eleitrophor vom Harzkuchen aufhebet. Diese sehr nützlichen und ökonomischen Lampen sind in einem oben angeführten Werkchen beschrieben. Zu diesen Lampen ist die Sumpfluft nicht dienlich, als welche durch den schwa— chen Funken eines Elektröphors kein Feuer fängt; man muß eine brenubare mittelst der Vitriol-oder Salisäure aus Eisen, oder Zink, u. s. w., ziehen. dutch 8 das u des lt des Hut, ug er⸗ eLun⸗ hätte, erpen⸗ Die⸗ elektti⸗ n man die inbarer en klei⸗ ese scht m oben ven ist schwa man alhsuure Licht anzuzünden. 197 die mit diesem Oehle getränkte Flocke mit etwas we— nigem des feinsten Messingfeilstaubes, den man aus den Nadelfabricken erhalten kann, bestreuet; man brauchet jedoch eine grössere Flasche, um dieses Oehl zu entzünden, als das Geigenharz. Die Hauptursa⸗ che äber, warum ich mich dieses Oehls nicht bedie— ne, ist, weil es, entzündet, einen viel dickeren Rauch verbreitet, als das Geigenharz, und durch die Gewalt des elektrischen Ausbruches von allen Sei⸗ ten ausspritzet. ö Diese Art, sich ein Licht zu verschaffen, kann zu jerer Zeit, sogar auch bey Nacht, in Gebrauch gesetzt werden. In diesem Falle muß man aber im⸗ mer einige geladene Flaschen in Bereitschaft haben. Die Flaschen, welche sich hier am tauglichsten bewei⸗ sen, sind diejenigen, welche mit einer Glasröhre ver⸗ sehen sind, die von der Mündung bis auf den Grund reichet. Diese Röhre muß, um vor der Feuchtigkeit bewahret zu seyn, und solchergestalt um so besser zu iso⸗ liren, von innen und außen mit einer Harzmaterie überzogen, und im Halse der Flasche mittelst einer isolirenden Materle, z. B. des Siegellacks, befestiget werden, so daß schlechterdings keine Elektricität durch diese Substanz entwischen kann. Diese Glasröhre die⸗ net vortrefflich, um die innere Bewaffnung von der N3 äuße⸗ 1938 Eine neue Art äußeren entfernt zu halten, indem sich die Gemeinschaft dieser zwey Bewaffnungen nicht anders, als durch die— se Röhre, herstellen kann. Um eine solche Flasche zu laden, steckt man in die Glasröhre einen Metalldrath von der Länge der Röhre selbst, welcher mit einem metallischen Knopfe, oder einer solchen Kugel versehen ist, und auf der Mün⸗ dung dieser Röhre aufsitzet. Dieser Knopf muß an einer Glas-oder Siegellackstange, oder an jedem anderen iso⸗ lirenden Körper befestiget seyn, der lang genug ist, um die metallische Gemeinschaft, oder den Me⸗ tälldrath, nachdem man mittelst desselben die Flasche geladen hat, aus der Glasröhre nehmen, und den⸗ selben, wenn man die Flasche entladen will, wieder in dieselbe Glasröhre bringen zu können, ohne daß man Gefahr laufe, den Schlag in die Hand zu be— kommen. Hat man eine solche Flasche geladen, so ziehet man den metallischen Gemeinschaftsdrath heraus indem man ihn bey dem isolirenden, und auf dem Knopfe befestigten Ende angreift, worauf man die Flasche ohne Furcht, daß sie sich entlade, behandeln kann; man kann sie sogar eine lange Zeit hindurch in dem Sacke herumtragen, und sie nach obgesagter Art zum Anzünden eines Lichtes gebrauchen. Herr Cavallo ist der Erfinder dieser sinnreichen Art, eine gela⸗ Licht anzuzünden. 199 geladene Flasche zu bewahren, und ohne Gefahr zu behandeln. Er hat mich selbst versichert, daß er eine solche Flasche einen Monath lang im Sacke herumge—⸗ tragen habe, ohne daß sich die Ladung dadurch ver⸗ loren hätte(c). N 4 An⸗ (e) Da es sehr schwer ist, an den inneren Wänden einer Flasche, deren Mündung enge ist, ein Stanniolplatt an— zulegen, so habe ich mich schon vor zwölf Jahren, Statt des Stannioles, eines feinen Messingstaubes bedienet. Ich gieße was immer für einen Firniß in die Flasche, und lasse das, was sich nicht anhängt, wieder auslaufen, und wenn sich die Firnißschichte, die das Innere der Flasche über— ziehet, zu tröcknen anfängt, so werfe ich einen sehr fei⸗ nen Messingfeilstaub, den man in den Nädelfabriken vor— findet, hinein. Schüttelt man nun die Flasche, so wird sie von innen mit einer Lage dieses Feilstaubes überdecket werden. Um den Firniß gut zu tröcknen, lässet man die Flasche einige Tage hindurch offen stehen. Hat man sich hierzu eines Weingeistfirnisses bedienet, so muß man es sich wihl merken, daß es sehr nothwendig ist, den Firniß, ehe man die Flasche ganz endiget, vollkommen trocknen und ausdünsten zu lassen. Die Ursache ist, daß der Wein—⸗ oder Terpentingeist durch seine Ausdünstung das Innere der Flasche noch mit brenubaren Dünsten anfüllen könnte, welche die in der Flasche enthaltene Luft zur Knallluft machten, und geschickt, durch die elektrische Entladung Feuer zu fangen, welcher durch die Zerplatzung der Fla⸗ sche ein Unglück aurichten kbante; diesen Fall habe ich ge⸗ sehen. Meine Freunde haben schon ven Langem her diese Bewaffnungsart der Gläser nachgeahmet. 20⁰ Eine neue Art Anstatt mehrere kleine Fläschchen hierzu zum vorhinein zu laden, habe ich oft eine große nach ob— besagter Art mit einer Glasröhre versehene Flasche ge⸗ laden. Diese Flasche diente mir als ein Magazin des elettrischen Feuers, woraus ich soviel nehmen konnte, als ich brauchte, um sowohl eine Kerze anzustecken, als auch eine Luftpistole abzuschießen. In dieser Ab— sicht setzte ich die metallische Gemeinschaftsstange in die Glasröhre dieser Flasche, und berührte ihre Ku— gel mit dem Knopfe einer kleinen Flasche, die ich la⸗ den wollte. Da diese Flasche nicht mehr nehmen konn— te, als eine der Ausdehnung ihrer metallischen Be⸗ waffnung angemessene Ladung, so ließ sie den größten Theil der Elektricität im Magazine, dessen noch übri⸗ ger Vorrath solchergestalt die kleine Flasche noch mehr— mahlen laden konnte. In die Röhre der grossen Fla⸗ sche, die hinlänglich weit ist, kann man auch die Metallstange eines bewaffneten Fäschchens selbst einsen⸗ ken, wenn es nur darum zu thun ist, um ein Licht anzuzünden, welches sich nicht minder mit einer an dem einen Ende hermetisch geschlossenen, und an dem anderen offenen, übrigens aber, wee eine gemeine Leid⸗ ner Flasche, mit Stanniol und einem metallischen Kno⸗ pfe versehenen Röhre thun lässet. Ein solches, wie eine Schreibfeder dickes Röhrchen, dessen Länge nur auf einen oder zwey Zoll von innen und außen mit einem. Licht anzuzünden. 201 Daun einem Stanniolblatte versehen ist, kann eine hinläng⸗ Aüj liche Lädung enthalten, um eine Luftpistolle loszubren— che g⸗ nen, sogar, wenn sie mit einem Ttropfen Aether, I. hin des oder mit einem der Hoffmannischen Tropfen(d) gela— onnte, den ist. Diese Röhrchen belege ich von innen mit ei— lecken, nem Stanniolblatte nach ihrer ganzen Länge, und mit ser Ab⸗ dem nämlichen Metalle von außen, nur lasse ich da nge in einen Raum von beyläufig einem Zolle ohne Bewaff—⸗ e Ku⸗ R nung, ch la⸗ fonn⸗ Ves⸗(d) Die Dünste des Aethers oder der Hoffmannischen Tro— pfen theilen der gemeinen Luft eine große Knallkraft mit; roßten man braucht aber, um sie ins Feuer zu setzen, einen hin— übrj⸗ länglich starken elektrischen Funken, oder, welches besser ist, den Schlag einer bewaffneten Flasche, so klein sie nchr⸗ auch ist. Ich bediene mich gemeiniglich einer schreibfeder— uFla⸗ dicken Glasröhre von sechs bis sieben Zoll in der Länge, die deren eines, und hermetisch geschlossenes Ende von innen ch und außen zwey Zoll hoch mit einem Staniolblatte beleget einsen⸗ iist; den Kuoof dieser geladenen Röhre, oder Leidner Flasche Licht senkt man in die Glasröhre der großen, und nach Herrn Cavallo bewaffneten und geladenen Flasche hinein. Um den er an Knopf dieser bewaffneten Röhre bis auf den Boden der u dem Glasröhre, selbst bey großen Flaschen, einsenken zu kön— nen, pflege ich den Knopf an eine Metallstange von einigen e eh⸗ Zollen in der Länge, der in der Mündung der bewa fneten Kno⸗ Nöhre durch ein Loch eines Korkstöpsels befestiget ist, au— zuschrauben. Diese Metallstange endiget sich, so wie ich wie gesagt habe, an ihrem oberen Ende in eine Kugel, und je nut an ihrem unteren Ende wird sie dicker, um beym Verlän, R gern nicht aus der Röhre gezogen zu werden. eiz 202 Eine neue Art Licht anzuzünden. nung, oder isolirt. Machet man diesen isolirten Theil zu groß, so läuft man Gefahr, das Röhrchen durch die Gewalt der Ladung, die sie alsdenn empfangen kann, zerbrochen zu sehen; denn wenn die Pistole mit einer mittelst der Vitriol-oder Salzsäure aus den Me— tallen gezogenen brennbaren Luft geladen ist, so wied sie der flüchtigste elektrische Funken entzünden. Hier⸗ zu reichet der kleinste Elektricitätsträger zu⸗ Eine ken Theil n durch pfangen ole nit den Me⸗ Eeine Ar, durch die dephlogistizirte Luft da s präctigste„blendendste Licht hervor⸗ zubringen. Eige MirroN, Paradiise last. 4*— 8 — — „4. — — —.— 0 0 2 — O — — 80 — % — — * Or of th' Eternal coëternal beam! born! M. Mter den Naturbeobachtern, die sich die so ange⸗ nehmen als nützlichen Entdeckungen der Lüfte, sie mö— gen natürliche oder künstliche seyn, zum vorzüglichsten Augenmerke gemacht häben, ist es nun hinlänglich be—⸗ kannt, daß bey Eintauchung einer angezündeten Kerze in eine mit dephlogistizirter Luft angefüllte Flasche die Flamme mit einem hellblendenden Glanze auflodert, und einen großen Umfang einnimmt, mittlerweile die Kerze sich sehr geschwind verzehrt, und in gleichem Maße die in der Flasche enthaltene dephlogistizirte Luft zernichtet. ä Ich brannte in dieser Luft verschiedene Körper; unter allen den Substanzen aber, die ich so versuchte, gibt es keine, die dem Auge ein so prächtiges Schau⸗ spiel 206 Ein blendendes Licht spiel wären, als Campher, Kunkels Phosphor, und verschiedene Metalle, besonders Eisen, oder Stahl. Leget man ein Stück Campher, groß wie eine klei— ne Erbse, in die Höhle des kleinen Löffels A, der an einen metallischen Drath angelöthet, in der MIFigur, Taf. II vorgestellt wird, und senkt man ihn in eine Flasche von einem recht weißen Glase, das 20 bis 38 Kubikzoll dephlogistizirte Luft von einer auserlesenen Gü— te enthält, so bricht die Flamme in einen Schimmer aus, der dem Auge ungewöhnlich ist, und einem fun—⸗ kelnden Sterne gleicht, der allein einen großen Raum zu beleuchten im Stande wäre. Die Flamme, wenn man den Campher in dem kleinen Löffelchen vor dem Anzünden einzudrücken sucht, greift während dem schön⸗ sten Zeitpunete des Schauspiels in keinen so weiten Raum um, und das Schauspiel selbst hält eine viel beträchtlichere Zeit lang an; was noch dazu beyträgt, ist, daß der Stöpsel den Hals der Flasche nicht genau schließe, um der durch die Flamme ausgedehnten Luft einen Ausgang zu lassen, und auch selbst, sobald das Schauspiel zu Ende gehet, den Drath leicht herausneb— men zu können, aus Furcht, wenn die Flamme im Um— fange sich zu sehr ausbreitet, das Glas zu zerspringen— So Hhor, uiz Sichl. line klet der an Uöigur, in eine 0 his zo senen G⸗ Ichinmet nem fun⸗ en Mom Me, wemn boör den dem schin so Wiun eink vil behttägt, nicht gengt Inten kuft sobald d herausnth mne im un⸗ W 2 in der dephlogistizirten Luft. ² So schön auch das Schauspiel ist, welches der Campher in der dephlogistizirten Luft hervorbringt, so wird es doch meines Erachtens von jenem unendlich weit übertroffen, welches ein kleines Stückchen Kun— kelischer Phosphor erzeuget. Damit dieser Versuch, den ich, seit ich ihn im Jahre 1780 zum erstenmahl mach— te, niemahls ohne das größte Entzücken änstelle, besser entspreche, muß man vorsichtiger zu Werke gehen, als mit dem Campfer, den man ohne Furcht behandeln kann, welches sich mit dem Phosphor ganz anders ver— hält. Zu einer Flasche von 30 bis 40 Kubikzoll dephlo⸗ gistizirter Luft schneidet man unter Wasser ein Stück Phosphor ungefähr wie der vierte Theil einer Erbse ab. Dieses abgeschnittene Stück nimmt man nicht eher unter dem Wasser hervor, als in dem Augenblicke, da man Gebräuch davon machen will. Man leget ihn erst, um ihn von der Feuchtigkeit zu befreyen, auf ein Fließpapier, ohne ihn zu reiben, weil er sich sonst von selbst entzünden möchte. Alsdenn legt man dieses Stück mittelst eines Kornzängelchens auf denselben kleinen Löf— fel, dessen ich mich bediene, um ein Stück Campher anzuzünden. Da die Dunkelheit der Schönheit dieses wahrhaft auffallenden Schauspieles sehr günstig ist, so lässet man in dem Zimmer nicht mehr als ein einzi⸗ ges Licht, um den Phosphor anzůͤnden zu können. Man setzt sehr nahe an der Flasche voll dephlogistizirter Luft 208 Ein blendendes Licht Luft das Feuer daran, und senkt den Löffel auf der Stelle bis in die Mitte der Fläsche ein. Man darf den Dräth nicht auslassen, damit man ihn wieder her⸗ ausziehen kann, sobald der schöne Glanz aufhört, und um solchergestalt das Zerspringen des Glases zu verhüten. Nimmt man mehr, 3. B. soviel, als eine Erbse beträgt, so wird die Flamme beym Einsenken in die dephlogistizirte Luft gleich zu groß und zu heftig, so daß sie das Glas zersprengt, und alle Schönheit des Versuches verderbt, als welche hauptsächlich darin be— stehet, daß, wenn die gehörige Portion getroffen ist, die Flamme, oder vielmehr der helle Dampf nach und nach zunimmt, und endlich dem Auge unerträglich wird; in einem so ungewöhnlichen Glanze bricht er aus. Um dlesem Schauspiele allen möglichen Reiz zu geben, ist es gut einige Minuten lang alle Lichter aus dem Zimmer zu schaffen, und endlich ein sehr kleines Wachslichtchen erst in dem Augenblicke, als man den Phosphor anzünden will, hineinzubringen, und dassel⸗ be, sobald der brennende Phosphor in das Gefäß ein⸗ gesenkt ist, wieder auszulöschen. Damit dieser Ver— such den höchsten Grad der Vollkommenheit erreiche, muß man eine der vortrefflichsten Feuerlüfte wählen, ö eine U auf der in datf der het⸗ ufhött, ses zu e Erbse in die 19, so it des in be⸗ n ist, ach und wird Reiz zu ter aus kleines an den dasseh ihem Mi⸗ eiche, ahlen, else in der dephlogistizirten Luft. 209 eine Luft, deren Güte, nach der in der Abhandlung über die dephlogistizirte Luft zergliederten Prüfungs⸗ art der Lüfte bestimmt, wenigstens auf 400 Grad stei— get. Man hat bey diesem Versuche gar nichts vor ei— nem Zerplatzen zu fürchten, wovon man die Ursache in der Abhandlung über die Brennbarkeit der Metalle er— sehen wird. Der entzündete Phosphor blinkt bey seinem Eintritte in die dephlogistizirte Luft dergestalt, daß es kein Auge lange ertragen kann; was aber das uner— warteteste ist, ist, daß die Flasche bald mit einem dik— ken Dampfe angefüllt wird, der die Flamme selbst völ⸗ lig umhüllt, und daß dieser Dampf, wenn man ihn so nennen kann, den Schimmer der Flamme selbst zu übertreffen scheinet, so daß, wenn man die Augen un⸗ verwandt auf dieses Schauspiel zu heften sich zwingt, man eine Zeit läng geblendet bleibet. Was also den Pracht und die Schönheit dieses Versuches am meisten erhebet, ist, daß die Klarheit dieses Dampfes bestän⸗ dig mehr und mehr zunimmt, und endlich schlechterdings blendend wird. Ich habe nicht nöthig, anzumerken, daß man unendlich veeliere, wenn man diesen Versuch zu einer jeden andern Zeit, als nach Untergang der Sonne, J. verm. Schrift. I. B. O an⸗ 210 Ein blendendes Licht ꝛc. anstellt; den während des Tages sind unsre Augen an die große Klarheit zu sehr gewöhnt, als daß sie bey diesem so eben beschriebenen Schauspiele so angenehm überrascht werden könnten. Von der Art, die Metalle mittelst der dephlogisti— zirten Luf zu brennen, werde ich unten in einem beson— deren Absatze über die Brennbarkeit der Metalle reden. Beschreibung einert Brennluftlampe u m häuslichen Gebrauche— Usus et impigræ simul experientia mentis —— LUcRERTIUS. banlatim docuit pedetentim progredientes. War II ffs sss Wd IEII — 2.0 1 III 0 70 135 WL sulnk ö‚ Walne WI 8 ie Physik erlanget immer eine Empfehlung mehr, wenn man sie zum Gebrauche des häuslichen Lebens anwendet, so daß selbst Unwissende, welche, wenn sie nicht gleich einen unmittelbaren und augen⸗ scheinlichen Nutzen erblicken, dieselbe als eine Gattung von Taschenspielerey anzusehen, und wenig zu achten pflegen, den Maschinen, die ich hier beschreiben werde, ihren Beyfall nicht versagen können. Ich erkenne es, daß ich weder in der ursprüng⸗ lichen Erfindung dieser Lampe, noch an ihrer Verbes⸗ serung einiges Berdienst habe, und die einzige Uesache, warum ich eine Figur davon stechen ließ, sind die Ju⸗ säte, derer Neuheit eine solche Bekanntmachung in je⸗ dem Betrachte verdienet. O 3 Die⸗ 214 ö Beschreibung Diese Brennluftlampen, von Herrn Fürstenber— ger, einem Bürger zu Basel, ausgedacht, erhielten in den Händen verschiedener Liebhaber Verbesserungen und Zusätze, die ihren Werth um vieles erhoben. Bey mei⸗ ner Durchreise durch Strasburg im Jahre 1780 sah ich zum erstenmahl eine dieser Lampen beym Herrn Barbier de Tinan, einem vortrefflichen, und in der gelehrten Re⸗ publit sehr ausgezeichneten Naturforscher. Es ist die nämliche, die durch die III und IV Figur der zweyten Kupfertafel vorgestellt wird, welche si ch bey dem Werk⸗ chen unter dem Titel: Deliprion& usage de quelques lampes à air inflammable par F. L. Ehrmann, Licen. tié es Loix& Démonstrateur de Physique oxperiinen. tale 3 Strashourg, avec une planche. A Strasbourg chen J. H. Heitz. 1780, hefindet. Ich verschaffte mir eine allda, deren Einrichtung man in der VI Figur der zu dem erwähnten Werkchen gehörigen Kupfertafel ersiehet. Ich halte sie für die einfacheste unter allen, und für eine, die niemahls versagt, die Kerze in dem Augenblicke anzuzünden, als man den Hahnen umdrehet, und den Elektrophor aufhebt. Sie ist gleich⸗ falls geschickt, den Zusatz anzunehmen, den ich hier unten, nach einer gegebenen vorläufigen Beschreibung derjenigen, die ich zu Wien habe verfertigen lassen, und die man in der IX Figur auf der II Tafel fin⸗ det kstenber elten in gen und ey neh sah ich Barbiet ten Re⸗ sst di weyten Verk⸗ lelques Licen. rimen. boung fle mit Figur Frrgfel allen, tze in Hahnen gleich⸗ ch hier relbung lassnn, l fise R0l einer Brennluftlampe. 2175 det(a), zergliedern werde. Sie ist von der III und IV Figur der Ehrmanns Werkchen angehängten Tafel hergenommen, und Herr von Gabriel ist ihr Erfinder. Diese Lampe bestehet aus zwey auf einander ge— setzten und durch eine messingene Einfassung befestigten gläsernen Gefäßen A und B, zwischen welchen sich der Hahn C, durchbohrt von zwey mit einander gleichlau— fenden, und mit der Axe der Gefäße senkrechten Lö⸗ chern, vorfindet. Diese zwey Löcher gehen in zwey verschiedene Röhren P und E, jedes in seine eigene, wovon die erstere in dem Grunde der messingenen Ein⸗ fassung des Gefäßes B fest eingeschraubt und ein⸗ gesetzet ist. Diese Röhre entspricht nicht nur einem der zwey Löcher des Hahnens, sondern auch noch einem anderen, das in dem Grunde der messingenen Einfas⸗ sung des unteren Gefäßes angebracht ist, so daß diese Röhre Fmit dem eben erwähnten Gefäße A, welches die entzündbare Luft enthält, Gemeinschaft hat, ohne im geringsten mit dem Wassergefäße B in Verbin⸗ dung zu stehen. Diese nämliche Röhre F gehet mitten O 4 durch (a) Diese Lampe wird von Laurenz Ampichl, Drechsler⸗ meister bey St Stephan Nio 383 zu Wien recht vortrer⸗ lich hergestellt. 216 Beschreibung durch den messingenen Deckel, der auf der Lampe sitzet, und die Vorrichtung zum Lichtanzünden trägt, durch, und greift in das Stück Messing, welches mit dem Hahnen Mund dem Röhrchen D versehen ist. Dieses Rohrchen D läuft in ein sehr feines Löchelchen aus, um der Luftsäule, die aus dem Gefäße A in die Röh⸗ re F aufzusteigen gezwungen wird, einen Ausgang zu gehen, mittlerweile die in dem Grunde der messingenen Einfassung des Gefäßes A eingeschraubte Röhre E das Wasser aus dem oberen Gefäße E in das untere Gefäß A leitet, welches vermöge der Gemeinschaft geschiehet die diese Röhre E mittelst eines der zwey Löcher im Hahnen mit dem Wassergefäße B unterhält, so daß das Wasser des Gefäßes B durch die Röhre E in das Gefäß A zur nämlichen Zeit herunterfällt, als die entzündbare Luft durch die Röhre P ausgetrie⸗ ben wird. Der Grund des Gefäßes A ist an einem mes⸗ singenen Boden in Gestalt eines Trichters, dessen Mündung ein in dem Grunde dieses Gefäßes ausge⸗ schnittenes Loch ist, angeküttet. Die Oeffnung dieses Trichters verstopft ein Korkstöpsel P, der, wenn man dieses Gefäß mit entzündbarer Luft anfüllen will, her⸗ ausgenommen wird. Die den elektrischen Funken zu leiten bestimmte Vorrichtung ist bey dieser Lampe von der he sihe durch, nit den Dieses aus, e Röh⸗ ang zu ingenen I das Gefäh liehet, er im aß das u dad als die getrie⸗ mes⸗ dessen ausge⸗ dieses man her⸗ en zu boh der einer Brennluftlampe. 217 der in der III Figur zu Ehrmanns Werkchen vorge— stellten etwas unterschieden. Hier an dieser Lampe sie— het man eine von zwey isolirenden Stützen NO gehalte— ne metallische Stange 6, welche den elektrischen Fun— ken auf die Spitze des metallischen Häkens H zu über— tragen dienet. Dieser Funken fährt bey seinem Uiber— gange durch die aus der Röhre D aufsteigende Säule der brennbaren Luft, setzet sie in Feuer, und entzün⸗ det den Docht der Wachskerze l. ö Um endlich sicher zu seyn, daß der elektrische Fun— ken die zwey metallischen Spitzen überspringe, um die Luftsäule, welche in dem Augenblicke dieses Uibergan⸗ ges aus der Mündung der Röhre D heraussteiget, zu entzünden, ist es nothwendig, daß das elektrische Flüs⸗ sige von dem Metallstücke Hin die gemeine Masse übergehen könne. Man muß also den Boden des gros⸗ sen Behältnisses A, so wie man es in der Figur vor⸗ gestellet siehet, mit einem metallischen Trichter versehen, dessen Oeffnung in das am Boden dieses gläsernen Ge⸗ fäßes eingebohrte Loch gehet; solchergestalt wird der elektrische Funken durch die Substanz der Röhre P und E, durch das Wasser und den Boden, oder den metal— lischen Trichter in die gemeine Masse übergehen. Ist der Boden des Gefäßes& hinlänglich trichterförmig ge⸗ bildet, so kann man sich des metallischen Trichters ent— 5 schlas 218 Beschreibung schlagen; in diesem Falle aber ist es nothwendig, an den Stöpsel, der die Oeffnung P schließt, eine Kette zu hän⸗ gen, welche eine metallische Gemeinschaft zwischen der Röhre E, oder wenigstens zwischen dem bis an diese Röhre reichenden Wasser und dem Tische, worauf die Lampe stehet, sder der Metallplatte des Elektrophors, auf welcher der Harzkuchen lieget, errichtet. Das Loch, welches in das Gefäß B sich öffnet, dienet, um dieses Behältniß mit Wasser anzufüllen. Um mittelst dieser Lampe die Wachskerze anzu-⸗ zünden, öffnet man den Hahnen C, damit die in dem Gefäße A eingeschlossene brennbare Luft, gedrückt von dem Wasser, das zu gleicher Zeit aus dem Behältnisse B durch die Röhre E in das Behältniß A herabsteigt, durch die Röhre FPD herauszugehen gezwungen wird. Indessen nun die brennbare Luftsäule austritt, hebet man bey der von Ehrmann beschriebenen Lampe den Elektrophor auf, und der Funken, dem jeder anderer Weg, als von der Stange 6 zu dem metallischen Ha⸗ ken H, verwehrt ist, fährt nothwendigerweise durch die brennbare Luftsäule, und entzündet sie, welche, solcherge⸗ stalt in Flammen gesetzt, die darüber aufgesteckte Wachs⸗ kerze auf der Stelle in Brand stecket. Herr 0 Jan den lle zu hin⸗ Aschen du an dist orauf die lrophors, ch öfnet, lllen. N anzu⸗ e in dem rückt von Beholtnist rabstigt, gen witd. itt, hebit impe del andertt chen He⸗ dulch di solchetge Vachhs hetr einer Brennluftlampe. 219 Herr Professor Pickel ist es, der diese Lampe, so wie man es in der Figur siehet, ins Einfache ge— bracht hat, indem er die auf dem Elektrophor herab⸗ hängende Kette über das Rad oder die Rolle K ge⸗ hen ließ, und die seidene Schnur L, bestimmt, den mit ihr zusammengeknüpften Theil der Kette zu isoli— ren, an das Rad C, welches mit dem Hahnen herum⸗ gedrehet wird, anband. Auf diese Art hebet sich beym Umdrehen dieses Hähnens, um die Gemeinschaft zwi⸗ schen den Gefäßen C und A zu öffnen, der Elektro—⸗ phor zu gleicher Zeit auf, und der Funken springt ei⸗ nen Augenblick darnach, als die brennbare Luftsäule in Bewegung zu seyn angefangen hat, von der Stan⸗ ge auf den Haken H. Hierbey hat man also, um sogleich und zu jeder Zeit Licht zu haben, nicht mehr, als eine Hand nöthig; daß heißt, man hat, wenn man die metallische Platte des Elektrophors, oder auch nur die Kette, berühret hat, nichts zu thun, als dem Hahe nen C eine Viertelswendung zu geben. Der Hahn M uist ein kleiner Zusatz, der für den Erfolg bey der ersten Viertelswendung, die man dem Hahnen C gibt, stehet; denn noch ehe dieser Hahn angebracht war, mußte ich, bis die brennbare Luft⸗ säule Feuer fieng, mit dem Hahnen C die Viertels⸗ wendung mehrmählen wiederhohlen. Die Ursache da⸗ von 22⁰ Beschreibung von war, daß ohne diesen Hahnen N die entzündbare Luft, die in der Röhre E geblieben ist, durch die Oeff⸗ nung D entwischte, als welche ohne diesen Hahnen Nʃ immer offen stand, und da dem zu Folge die erste Luft, die herauskam, nicht entzündbar war, mußte man warten, bis sie von der aus dem Behältnisse Aaufsteigenden brenn⸗ baren Luft ausgestoßen wurde. Die brennbare Luft der stehenden Wässer kann zu dieser Lampe nicht dienen. Diese Luft fängt durch einen kleinen elektrischen Funken nicht so leicht Feuer, und wenn auch eine aufsteigende Säule derselben Feuer ge⸗ fangen hat, so verlöscht es wieder. Es ist keine ande⸗ re brennbare Luft, welche hierzu gut ist, als die man mittelst der Salz⸗oder Vitriolsäure aus den Metallen zie⸗ (b) Wenn man diese Lampe eine gewisse Zeit lang nicht in Gang gebracht hat, so muß man dem Hahnen O etliche Augenblicke hindurch öffnen, um etwas Wasser hinunter in das Behältniß 4 fallen zu lassen, damit die brennbare Luft in einen Stand eines Druckes versetzt werde. Nach diesem bringt man den Hähuen O wieder in seine alte Stellung, damit die Platte des Elektröphors wieder auf den Harzkuchen zu liegen komme. Man berührt diese Plat⸗ te, öfnet den Hahnen M, und dann ist man bey Eröff— nung des Hahnens Csicher, daß bey dem ersten oder zweytes elektrischen Funken die Wachskerze brennen wird itzundbare die Heff ahnen rste daft warten, ubtenn⸗ kann zu ch einen , und wuer ge⸗ ne ande⸗ die man Metalla zie⸗ nicht in C etliche hinuntet hrennbare e. Nach tine alte sebet auf ise Mat. Erft Ihehtes einer Brennluftlampe. 221 ziehet. Wenigstens hat es mir mit der Luft sumpfiger Wässer noch nicht gelungen. Will man die brennbare Luft in diese Lampe brin⸗ gen, so nimmt man den Stöpsel P, bestimmt, das in dem Grunde des Behältnisses Aangebrachte Loch zu verschlies⸗ sen, ab. Ferner nimmt man auch das Ende der Röhre D, dessen Oeffnung so enge seyn muß, als es möglich isi, ab, um der Luft, die aus dem Behältnisse A durch die Röh⸗ re F herausgehen soll, einen um so schnelleren Ausgang zu verstatten, damit solchergestalt dieses Behältniß un⸗ verweilt mit Wasser gefüllt werden kann. Alsdenn dre— het man den Hahnen C um, damit der Uibergang von dem Gefäße A in die Röhre F, wodurch die Luft beym Eintritte des Wassers aus dem Gefäße Aentweichen muß, offen stehe. Man täucht nun die Lampe in eine Wasser⸗ bütte bis an den Hahnen unter Wasser. Das Wasser in der Bütte dringet durch den Eingang P geschwind ein, und jaget die Luft durch die Röhre P hinaus, und, so⸗ bald das ganze Gefäß bis an den Hahnen C voll ist, schließt man diesen Hahnen zu, und stellet die Lampe auf ein Bret(c), wobey man sie nicht ganz aus dem Was⸗ (e) Dieses Bret muß beyläufig auf vierthalb Zoll von dem Rande der Wasserbütte befestiget seyn, und das Wasser derselben muß ungefähr anderthalb bis zwey Zoll über die— sem Vrete stehen. 222 Beschreibung Wasser ziehen darf, damit die gemeine Luft nicht von unten durch die Oeffnung Phineinkommen kann. Man füllt eine Flasche, die ungefähr 5 bis 6 Zoll enthalt, bis auf die Hälfte mit Eisenfeil an, und setzet ein mit dem vierten oder fünften Theile Vitriolöhl(und wenn dieß sehr stark ist, kann man noch weniger nehmen) vermischtes Wasser zu. Man schließt sie sogleich mit ei⸗ nem Stöpsel zu, durch welchen eine gebogene Glas— röhre gehet. Diese Flasche setzt man nun auf daß Bret der Wasserbütte, so daß die Oeffnung dieser Glasröhre unter dem Boden des Behältnisses A gehe, wenn man sicher ist, daß die Hahnen N und C genau schließen. Die aus der Eisenfeile entbundene brennbare Luft wird in das Gefäß A der Lampe übergehen, da zu gleicher Zeit das Wasser heraustritt. Ist dieses Gefäß gefüllt, so steckt man den Stöpsel in das Loch P des Lampen⸗ grundes wieder ein; und, nachdem auch das Behältniß B durch das Loch O. in dem kupfernen Deckel der Lampe mit Wasser gefüllt worden, ist sie nun fertig, in Gang gebracht zu werden. Das Wasser wird von oben mit— telst eines Trichters eingegossen, oder was noch besser ist, mittelst eines bloß aus einer umgebogenen Glas⸗ röhre verfertigten Hebers. Indeß rathe ich allen Besitzern einer Lampe mit entzündbarer Luft, diese Luft niemahls in dieselbe un⸗ mit⸗ nicht toh n. Mun ethal, t ein mit ind wenn nehmen) ich mit ei⸗ ne Glat⸗ daß Bret Nastöhre enn man schließen. Aft wid uu gleiche iß grfl, Lampen⸗ Behalmniß der Lampe in Gang oben mit— och bess en Glas ampe mit sselbe ul⸗ mil⸗ einer Brennluftlampe. 223 mittelbar aufsteigen zu lassen, sondern sie vorher in was immer für einer Glocke oder Flasche zu sammeln, und dann auf einmahl in das Behältniß A der Lampe zu bringen. Die Ursache hiervon ist, daß man niemahls völlig sicher ist, ob nicht zu der nämlichen Zeit, da die brennbare Luft aufsteiget, gemeine Luft durch die Hah— nen C und Mmit einschleiche. Ist man jedoch aller— dings versichert, daß diese zwey Hahnen durchaus keine Luft durchlassen, so kann man ohne die geringste Furcht die umgebogene Röhre des Fläschchens, worin die brenn⸗ bare Luft entwickelt wird, unter die Lampe selbst setzen; obschon ich selbst aus Vorsicht die brennbare Luft lieber vorher in einem anderen Glase auffange; die besten hier⸗ zu sind die gewöhnlichen Luftpumpenglocken. Er⸗ 224 Beschreibung Eerr ENNEEN 5 SSSISSSSSI Erinnerungen über den Gebrauch dieser Lampe. Wenn das Glas A, das Behältniß der brennbaren Luft, ungefähr 100 Kubikzoll enthält, so kann man die Wachskerze mehr als hundertmahl anzünden, bis diese ganze Luftmasse verzehret wird; folglich, wenn man sich ihrer nur in den Fällen bedienet, wo man ein Licht nöthig hat, so würde diese Menge Luft, falls sie durch die Berührung des Wassers sich zu verderben nicht unter— worfen wäre, auf eine länge Zeit zureichen. Allein da die— se Luft die zu diesem Entzwecke erforderliche Güte nicht länger als zwey bis dreyz Wochen(in der großen Som⸗ merhitze von 1781 war sie schon in acht bis zehn Ta— gen völlig unbrauchbar) erhält(d), so ist es nöthig, sie (e) Die brennbare Luft erhält ihre erste Stärke kaum einen einzigen Tag; da es aber nicht nöthig ist, daß sie zum Gebräuche dieser Lampe von der ersten Güte ist, so liegt wenig daran, wie stark sie sey, wenn sie nur die Wachs-⸗ kerze anzündet. Es ist mehr daran gelegen, diese Luft in ihrer ganzen Stärke zu haben, wenn man sie zu der Vol—⸗ tai⸗ Anbaken man die 6 diese an sich in Laht ie dülch unter⸗ ndadie⸗ le nicht GCom⸗ hn Ta⸗ nöthig, sie ——— meihen sie zum so liegt Vochs⸗ Luft in der Vol⸗ ni⸗ einer Brennluftlampe. 225 sie von Zeit zu Zeit zu erneuern, welches, wie wir schon gesehen haben, gar leicht ist. Es ist allezeit besser, beym Luftfüllen alle alte Luft davon gehen zu lassen, damit man keine Mischung von guter und schlechter Luft be— komme. Ich habe jedoch Lampen gesehen, die ihre Luft mehrere Monathe hindurch bey der größten Sommer— hitze gut erhielten. Alle die, welche die Luftlehre bearbeiten, wis— sen, daß die brennbare Luft sehr stark entzündbar oder knallend wird, wenn sie zu einer gewissen Menge gemeiner Luft gemischt wird; diese also braucht man nicht zu warnen, daß sie Acht haben, daß ja keine atmosphä⸗ rische Luft in das Gefäß, welches zum Behältniß der brenn—⸗ baren Luft bestimmt ist, sich mit einschleiche, weil, wenn eine solche Mischung Feuer fieng, das Gefäß mit einem entsetzlichen Knalle zerplatzen köunte, welches nicht ohne Unglück ablaufen würde. Diejenigen also, welche sich dieser Gattung von Lampen bedienen wollten, ohne daß sie in diesem schönen Zweige der Physik etwas bewan— dert wären, müssen auf ihrer Hut seyn. Vor allem darf man nicht zulassen, daß in den Kunstgriffen, ein ö sol⸗ —— taischen Luftpistole nehmen will. In diesem Falle muß sie frisch verfertigt seyn, besonders bey einer Mischung der brennbaren und dephlogistizirten Luft. J. verm. Schrift. I. B. P 226 Beschreibung solches Werkzeug zu behandeln, wenig unterrichtete Leu— te, z. B. Bediente, sich drein mischen, aus Furcht eines Unfalles. Nicht weniger muß man verhindern, daß Kin— der mit diesem Werkzeuge umgehen. Inzwischen könnte die Unvorsichtigkeit mit den an— deren Arten von Luftlampen ein solches Zerplatzen eher verursachen, als mit dieser. Ich weiß, daß solche Zu— fälle sich schon ereignet haben, aber ans bloßer Unauf— merksamkeit; denn wenn man die Natur dieser Lampen genau kennt, und sie allezeit selbst zurichtet, so ist nichts zu besorgen— Die hier beschriebene Lampe aber scheinet mir ei— nem solchen Unglücke, falls man auch eine Unvorsich⸗ tigkeit dieser Art begangen hätte, wenig oder gar nicht unterworfen zu seyn, wofür uns der lange Weg, den die Flamme von der engen Oeffnung D(e) die ganze Röh⸗ (e) In Ansehung der Möglichkeit einer solchen Begegniß, die jedoch, um möglich zu werden, das gröbste Versehen zum Grunde haben müßte, begreift man leicht, daß die Oeffnung der kleinen Röhre D nicht zu enge seyn kann; sie muß also eine Haarröhre seyn. Aus dem nämlichen Ge— sichtspunete begreift man, daß der innere Durchmesser der Röhte Fnicht weiter seyn darf, als nöthig ist, um der entzündbaren Luft einen Durchgang zu verstatten: da hin— gegen die Röhre E weiter seyn kann, um in kurzer Zeit einer lichtete heu— urcht eintz daß Kül⸗ it den au⸗ azen eher solche Zus Unauf⸗ Lampen ist nichts et mit ei⸗ Unporsich⸗ gar nicht eg, den die ganze Begegniß Versehen „daß die eyn kann lichen He⸗ mesi det „um det ö hih⸗ Her Zeit einer einer Brennluftlampe. 227 Röhre F hindurch bis in das Behältniß A durchzubre— chen hat, Bürge stehet, Sie würde erstickt werden, ehe sie die Oeffnung D erreichte. Um jedoch allerdings ver— sichert zu seyn, daß kein Unfall dieser Art zustoßen kön⸗ ne, wenn auch jemand die Unvorsichtigkeit begienge, oder Bosheit genug hätte, die in dem Behältnisse A ent⸗ haltene brennbare Luft mit gemeinet, oder gar mit de—⸗ phlogistizirter Luft, deren Ausbruch unendlich mehr zu fürchten wäre, zu mischen, versetzte ich diese Arten von Knalllüften mehrmählen genau in denselben Fall, in welchem ein solches gefährliches Gemengsel in dem Be— hältnisse A sich befände, ohne daß ich sie jemahls durch dieselbe Röhre PD Fig. IX, Taf. II, noch durch eine Glasröhre desselben Durchmessers, und die viel kürzer war, anzustecken im Stande gewesen wäre, ja nicht eln⸗ mahl da, wo ich diese unterschiedenen Mischungen von Knalllüften entzündete, als ich sie in der Gestalt einer Säule durch die Oeffnung des kleinen Röhrchens Dauf die nämliche Art heraustrieb, als die brennbare Luft aus diesem Löchelchen aufsteiget, wenn sie die Wachs⸗ kerze anzündet. P2 Es 4* einer hinlänglichen Menge Wasser den Weg zu bahnen, damit die entzündbare Luft zusammengedrückt, und mit Ungestümme dnech die Röhre FO herauszugehen gezwungen werde. Beschreibung Es ist nöthig in dem Behältnisse E das Wasser allezeit beyläufig in der Höhe zu erhalten, als man in der Figur ersieht, damit sein Fall durch die Röhre E in das Behältniß AGewalt genug habe, um die brenn— bare Luft in die Höhe zu treiben, und solchergestalt durch die Röhre FD herauszustoßen. Diese Lampen(f) sind jenen vorzüglich von großem Nutzen, die sich aus bloßer Vorsicht eine Nachtlampe zu (f) Wer aber weder die Brennluftlampe, noch den oben be— schriebenen elektrischen Apparat, ein Licht anzuzünden, be— sitzet, oder, wie Frauenzimmer, nicht damit umzugehen weiß, kann sich mit den sogenannten Phosphorlichtchen be— helfen. Da schon so vielerley Vorschriften davon im Drucke erschienen sind, die aber theils zu theuer kommen, und zu mühsam zu machen sind, und doch bey allen dem meh— rentheils fehlschlagen, und einen abscheulichen Gestank im Zimmer verbreiten, oder wohl gar, wenn man mit dem Reiben zwischen den Fingern nachhelfen will, Finger und Kleider schändlich besprützen, und bis auf die Knochen durchbreunen, so glaube ich auch meine Art, sie zu ver— fertigen, bekaunt machen zu dürfen, nach welcher mir ver— wichenen ganzen kalten Winter kein einziges versagte, folg— lich keinen üblen Geruch verursachte, noch viel weniger, da sie keiner Reibung zwischen den Fingern zu ihrer Ent— zündung bedürfen, einen Schäden anrichtete, und welche in Ansehung des Werthes an den darzu verbrauchten Ma— terialien kaum einen Pfenning kosten. Die Glasröhrchen, welche man in ganzen Stängen kaufen, mit einer feinen, aber trockenen Feile zerschneiden, und an einem Ende zu⸗ big⸗ einer Brennluftlampe. 222 zu halten pflegen, damit sie im Falle der Noth, wo sie 0 Vaser mun i ein Licht brauchen, sich auf der Stelle eines anzünden die brenn⸗ saltdurh blasen muß, haben im Durchmesser eine halbe, bis eine ganze Linie, und in der Länge acht bis zehn Linien. Man kann sie jedoch auch weiter und grösser nehmen; sie sind aber ungeschickt, und brauchen zu viel Phosphor. Die n großem Wachskerzchen, die nach dem verschiedenen Durchmesser der achtlampe Röhrchen dicker und dünner seyn müssen, sind bey dritthalb Zoll lang. Nach dieser Länge leget man den reinsten Baum-⸗ U wollenfaden fingerdick zusammen, hält einen solchen Klum— pen an dem einen Ende zwischen den Fingern, und tränkt ihn im weißen Wachse, und das beym Durchziehen zwi, ohen be schen den Fingern gehaltene wachsfreye Ende dienet zum zünden, he⸗ Dochte. Hierbey hat man den doppelten Vortheil, daß umzugehen man auf einmahl viele Wolle tunkt, und hernach eine dem ichtchen he⸗ Durchmesser der Röhrchen anpassende Menge Fäden weg⸗ im Orucke nehmen kann. Die zu polirende Fädenzahl steigt von drey, imen, und vier bis neun, zwölf Fäden, und die Politur selbst ge⸗ dem meh⸗ schiehet zwischen zwey starken Gläsern, oder wenigstens Hestank im jwischen einem Glase und einem harten glatten Bretchen. mit dem Man muß sie besonders gegen dem Dochte zu, so weit sie nämlich in das Glasröhrchen eingeschoben werden, fleißis und dicht glätten, damit durch die allenfalsigen gebliebe⸗ nen Ritze und Unebenheiten keine Luft eindringen, und den eingelegten Phosphor verzehren könne. Zum Ver⸗ schließen der Gläschen nimmt man ein weißes Wachs, mit etwas Terpentin versetzt, oder auch einen gemeinen bieg— ‚ samen gelben Wachsstock, der die gehörige Härte hat, und doch dem Glase ankleben bleibet, und macht an dem achen M Orte des Kerzchens, bis wohin es in das Röhrchen ein— gedrückt werden soll, einen kegelförmigen Wulst, so daß Mohrchen ö ö ö er ftint, das Kerichen allda etwas dicker wird, als die Oeffnung des Ende ́⸗ hls inger und e Kuochen sie zu hel⸗ er mir bet⸗ agte, fulg⸗ beniger, ihrer Ent⸗ und welche 230 Beschreibung können; denn nebst der Ersparniß der Unkosten, die ein beständiges Nachtlicht verursacht, hat man die Annehm⸗ lic * des Glasröhrchens weit ist, den man zwischen den Fingern so stark und lange wälzet, bis er mit dem Kerichen vollẽ kommen und fest zusammenhängt. Diesen Wulst muß man nicht unnöthigerweise zu dick mas chen indem er viel härter anusetzen, und beym Einstecken ins Rö hrchen hinderlich ist. Hat man, wie es gemeiniglich geschiehet, Glasröhr⸗ chen unter einander, die im Durchmesser und in der Län⸗ ge verschieden sind, so leget man das Kerzchen sammt dem Wulste von außen an ein Glasröhrchen„ worein es dem Anscheine nach passet, au, schneidet den überflüssigen Docht ab, und steckt indessen das Kerzchen umgekehrt in das Röhrchen damit sie nicht verwechselt werden. Hat man mehrere solcher vorbereiteter Kerz chen sammt ih⸗ ren Röhrchen beysammen, so tunket man den Docht in ein Wachsöhl, welches aus einem reinen gelben Wach— se bereitet seyn muß, und nicht, wie es sich in vielen Apotheken, die es meistens nicht selbst machen„ sondern von den Materialisten kaufen, vorfindet, aus dem soge⸗ nannten wilden Wachse, welches größten Theils mit Ter⸗ pentin versetzet ist; eine schmutzige Gewinnsucht bey einem so wohlfeilen Präparate, welche schon so manchem Liebha⸗ ber zu diesen Kerzchen die Lust benommen hat, weil er glaubte, es liege in seiner Ungeschicklichkeit, daß sie ihm nicht zͤndeten: er beschuldigte den Phosphor, die Baum: wolle, die Art, das Röhrchen zu verstopfen, den Phosphor zu schmelzen, alles, nur das Oehl nicht, weil so wenig darzu kommt, wovon man es sich nicht versiehet, daß es den Phosphor schwächen, und, so zu sagen, tödten sollte. Es macht den Phosphor fett, und benimmt ihm seine rrockene ßeste Consistenz In der Hirschapotheke am Gra⸗ ben/ einer Brennluftlampe. 231 1„ dlen lichkeit, in dem Augenblicke, als es nöthig ist, ein Licht Munchn⸗ zu bekommen, ohne daß die Luft des Zimmers durch den lch⸗ P a brenn⸗ — Hingen ben, wo man jedes Medicament so sorgfältig und gewis⸗ chen voll senhaft bereitet erhält, wo das immer gegenwärtige Aug muß man des Eigenthümers über alles wachet, und Orduung und iel härtet ö Reinlichkeit handhabet, findet man dieses Wachsöhl ächt, hinderlich und für gegenwärtigen Gebrauch so gut, als es immer Vlasröht; ö seyn kann. Das verfälschte erkennet man an dem hervor⸗ der Lä⸗ stehenden Terpentingeruch und der Zäheflüssigkeit beym umt dem Eintunken des Dochtes. es dem gen Docht Jetzt stellet man sich ein brennendes Licht, Schwe— et in das fel und Phosphor zur Hand, nimmt ein Kerzchen aus eu. Hat seinem Röhrchen heraus, leget es auf ein Fließpapier, sammt ih⸗ damit das überfüssige Oehl an dem Dochte eingesogen den Docht werde. Sodann schneidet man ein Stückchen Phosphor den Vach⸗ so groß, wie ein Stecknadelkopf, ab, leget ihn gleichfalls Iin veelen auf das Fließpapier, um ihn zu trocknen, zu welchem „sndenn Ende man ihn unter dem Finger gelinde herumwälzet, em soge⸗ thut denselben in das Glasröhrchen, und bestreuet ihn mit Ter⸗ nur mit etlichen nachgetragenen Körnchen Schwefel; hier— aheh auf ergreifet man das wohl getrocknete Kerzchen mit der ——— rechten Hand, spitzet den ohnehin vom Oehle zufummen u Liebha⸗ Ke i Ni ö ele hängenden Docht mit den Fingern der linken Hand wor. 75 in man das Röhrchen hält, und schiebet denselben hinein. 0 s0 165 Wenn man das Kerzchen bis zum Wulste eingeschoben 1Sn hat, so fasset man diesen mit den Fingern, und drück: Moiphor ihn unter einem beständigen Umdrehen des Röhrchens so ven längsam und gleich ein. Man muß Acht geben, daß man diß ez den Druck immer nur auf den Wulst richte, und nicht ben sle das Kerzchen packe, und solchergestalt den Wulst wieder m salt abreisse, ohne ihn eingekeilet zu haben. Jetzt löset man in Gra⸗ 2 ö das ben/ 232 Beschreibung brennbaren Grundstoff einer beständig brennenden Flam⸗ me verdorben wäre, und ohne daß man von der Helle des das am Glasrande abgeschnittene, und von außen an den Wänden des Röhrchens angedrückte Wachs des Wulstes ab, nähert das Röhrchen langsam, damit es nicht ab— springe, der Lichtflamme, lässet es so heiß werden„daß man es nicht wohl mit den Fingern angreifen mag, und beobachtet es in der finstern hohlen Hand, ob der Phos, phor nicht mehr leuchte; thut er dieß noch, so ist es ein Zeichen, daß er noch nicht genug geschmolzen ist. Man nähert ihn sodann der Flamme noch einmahl, und zwär so oft, bis er völlig todt ist. Beym Zurückziehen von der Flamme muß man sich hüten, daß man den erhitzten Theil des Röhrchens nicht jähe mit kalten Fingern berühre, sonst springt der Knopf ab, und der mit Gewalt aus- sprühende Phosphor verletzet Finger und Kleider. Es ist daher vorsichtig, daß man beym Schmelzen des Phosphors den Kuopf des Röhrchens gegen eine solche Seite richte, wo im Falle des Abspringens der herausgetriebene Phos- phor nichts in Brand stecken könne. Je weiter die Röhr— chen sind, desto lieber springen sie ab, besonders wenn man sie mit einer nassen Feile geschnitten hat. Werden sie jedoch vorsichtig erwärmt, so geschiehet es höchst sel⸗ ten, und da wird das Knöpfchen nicht abgestoßen, son— der es bekommt nur einen Sprung, den man gleich wahrnimmt; wo man sodann das fernere Schmelzen ein— stellt, und das Kerzchen zum ersten besten Gebrauche an einen sicheren Ort leget. Hat man das Schmelzen bis zum Ersticken des Phosphorescirens gebracht, so untersuchet man noch ein— mahl, ob das Gläschen gut verstopfet ist, reiniget es an den einer Brennluftlampe. 233 iin des Lichtes, die manchen Personen die Nachtruhe be— — nimmt, geblendet wird. Nebst dem sind sie eine wahre des P 5 ö Zier⸗ — en an den den Seitenwänden vom Wachse, und hebet es vorsichtig Wulses ö auf. Diese Kerzchen ziehet man ohne Anstand, und ohne nicht ab⸗ sie vorher in der Hand und im Munde zu erwärmen, den, diß heraus, hält sie wagerecht in der vom Gesichte entfernten mag, und hohlen Haud, um sie gegen die Zugluft zu schützen, und ber Ihos, auch, wenn es sehr kalt ist, durch ein gelindes, aber ent— ist es ein ferntes Hineinhauchen in eine wärmere Atmosfhäre zu is. Man versetzen. Sollte sich eines wegen einem bey seiner Berei— und zwar tung etwan vorgegangenen Versehen nicht gleich ent zün⸗ von der ö den, so muß man es ja nicht wegwerfen, weil es oft un— ten Theil versehens in Flamme ausbricht, und Unglück anstellen berühte, könnte. In einem drey Zoll langen und acht Linien wei— walt aus= ten Büchschen trage ich oft bey vier zig solcher Lichtchen „Es ist bey mir, und sie hielten bey der größten Sommerhitze die Vhosphors beschwerlichste Reise des Herrn Doetor Scherers nach der te richte, Schweitz aus. Es ist besser, daß man sie verkehrt ins ne Hos; Büchschen stecke, so kann man auch im Finstern eines her— die Röhr— ausnehmen, ohne daß ein anderes an den Zingern antle— 1 wenn be, herabfalle, und ein Unglück befürchten lasse. V —4• Nach den anderen Vorschriften, die ich bisher oe⸗ en, sor sehen habe, bläset man diese Phosphorlichtchen an beyden m glith Seiten zu. Allein wie unbequem dieses doppelte Zublasen elzen eis⸗ ist/ besonders wenn das Röhrchen schon gefüllt ist, wird auche an jedermann eiugesehen haben, der es versuchte; nicht zu gedenken, daß hierzu ein Glasröhrchen von wenigstens dre⸗ Zoll gehöret, und nicht mehr gebraucht werden kann, wel Igen de ö che drey Unbequemlichkeiten bey gegenwärtiger Verfah rungsart nicht Statt haben. Hat man einmahl einen ge— 100 wissen Vorrath von Glasröhrchen beysammen, so darf man sie den 234 Beschreibung einer Brennluftlampe. Zierde eines Zimmers, und es findet sich nicht leicht ein physisches Instrument, welches eine so allgemeine Be— wunderung auf sich zöge. Von diesem ihren physisch⸗schö⸗ nen Ansehen verlieren sie gewiß vieles, wenn man ihnen, wie ich Versuche gesehen habe, die Gläser nimmt, und sie ganz in Metall herstellt. Die vielfältigen Künsteleyen, die zugleich dahey angebracht waren, machen sie um nichts bequemer, sondern nur verwickelter, und mehre Len Zufällen ausgesetzt. — I. Elne sie nach ihrem Gebrauche nur wieder am Rande von dem etwa anklebenden Pickwachse reinigen, so kann man sie wieder neuerdings füllen, und solchergestalt ewig nützen. Ich wüßte keinen Fall so geringfügig, wo ich ein Licht brauchte, daß ich nicht ein solches Lichtchen, von dem Wer⸗ the eines Pfeunings, darauf setzte. Der erste Erfinder dieser Phosphorlichtchen it Hert Peibla zu Turin. Anm. d. Uibers. — he. leicht ein eine Bei schshoö⸗ n ihnen, nt, und steleyen, Ei NE NE u b. A 4 sie um nehre breunbaren Luft welche in einem Augenblicke und ohne einige Vorrichtung bereitet wird, und zum Schies⸗ fen so geschickt ist, als ein jedes andere hier⸗ zu gebräuchliche brennbare Gaß; nebst einer Eln neuen Knallluft. aun dah Helesen vor der königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu 050 London, den ayten Märti, 1779. dis Mge ein Liht dem M, ii H Sic unum quicquid paulatim protrahit ætas In medium, ratioque in luminis oras. 4* L. LCRETr. Car. 282—.2..3 B V Erster Abschnitt. Die neue Art der Brennluft. sie wichtigsten Entdeckungen der verschiedenen Luftarten haben ein neues Feld der angenehm— sten und interessantesten Scenen, die jemahls der Be⸗ trachtung der Naturforcher vorgestellet waren, eröffnet, und sie können daher nicht anders, als in jedem Lieb— haber natürlicher Kenntnisse die entscheidendste Wißbegier— de erwecken, solche auffallende Neuigkeiten verfolget zu sehen, und in Manchem eine beynahe unwiderstehliche Versuchung, sie selbst nachzuahmen, und auf dem durch Doctor Priestley, Abt Fontana, Herrn Lavoisier, ö und 238 Eine neue Art und so viele andere gelehrte und einsichtsvoll⸗ Männer so schön gebahnten Wege weiter zu wandeln. Wirklich, wet kann unter manchen anderen Ge⸗ genständen der Verwunderung die Entdeckung jener neuen luftartigen Flüssigkeit, welche an Reinigkeit und Tauglichkeit zum Einathmen die beste atmosphärische Luft so weit übertrifft, daß ein Thier über fünfmahl länger darin lebet, als in der gemeinen Luft von der besten Eigenschaft, anschauen, ohne die höchste Zufrie⸗ denheit darüber zu empfinden? Doctor Priestley, der dieses wunderbare Flüssige zuerst entdeckt hat, zog es aus Körpern, welche viel⸗ mehr im Verdachte standen, daß sie schädliche Aus- dünstungen enthalten. Er fand es hierauf noch in vie⸗ len anderen Körpern vor, bey welchen auch der ge— naueste Beobachter niemahls etwas Aehnliches wahr— genommen hatte. Wenn ich die unermeßliche Menge dieser reinen luftartigen, und von Doctor Priestley so eigentlich de⸗ phlogistizirte, brennstofflere, Luft genannten Flüssigkeit, welche im Salpeter, in Metallkalken, und in einigen anderen der gemeinsten Substanzen, in einem festen Zu⸗ stande vorhanden ist, betrachte, so kann ich, als Arzt, die Nünm f ren Ce⸗ 9 sener keit und härisch Unfnahl von det Zusrie⸗ Flüsige he viel⸗ he Aus⸗ in die— der ge⸗ wahr⸗ reinen lich de⸗ sigkeit, einigen sen du⸗ Mit, die der Brennluft. 23⁵ die Grösse meiner Erwartung von einer so wichtigen Entdeckung nicht ausdrücken. Ich schmeichle mir mit der Hoffnung, daß man über kurz eine leichte und wohl— feile Methode erfinden werde, diese wohlthätige Luft in einer solchen Menge zu erlangen, daß sie zur Heilung verschiedener Krankheiten, die der Kraft aller anderer Hilfsmitteln widerstehen, dienen, und solchergestalt das menschliche Leben verlängern könne. Wir können uns mit einigem Gräde der Zuverlässigkeit versprechen, daß, wenn diests neue Element zum Einathmen sollte ge⸗ braucht werden, es sich geschickter, als die beste ge⸗ meine Luft, beweisen werde, um unseren Körper von jener Menge des Phlogistons, des brennbaren Grund—⸗ stoffes, zu befreyen, welcher manchsmahl in einem zu großen Uibermaße in unserem Blute borhanden ist, oder welcher, bisweilen zu überflüssig entwickelt, viel— leicht Fieber und andere Symptomen hervorbringet, de— rer Ursache bis jetzt von den besten Schriftstellern der Arzneykunde noch nicht aufgekläret ist. Diese dephlogistizirte Luft, frey bon allen brenn⸗ baren Theilchen, wovon die beste gemeine Luft jederzeit berunreiniget ist, witd wahrscheinlicherweise für taug⸗ lich befunden werden, eine gröͤssere Menge der phlogi— stischen Theilchen zu verschlingen, mit welchen man die aus unserer Lunge kommende Luft immer angeschwän⸗ gert 240 Eine neue Art gert siehet, und solchergestalt unsere Blutmasse besser von dem auszulüften, wovon sie das bestandige Bestre— ben des Athemhohlens nicht allezeit hinlänglich zu be— freyen vermag. Diese wichtigen Versuche haben Doctor Prlestley zu der Entdeckung einer der Wohlthaten, und vielleicht zu der vornehmsten, geführet, welche wir vom Athem— hohlen ziehen; von einer Verrichtung der thierischen Haushaltung, die so wichtig ist, daß ein einmahl ge— bornes Thier ohne ihrem beständigen Einfluß nicht über einige Augenblicke sein Leben fristet. Das Prüfungsmittel des Grades der Güte einer athmenbaren Luft durch die Menge, welche durch den Zusatz der Salpetersäureluft verschlungen oder zernichtet wird, ist eine jener nützlichen Entdeckungen des Docter Priestleys, woraus die Menschen sonder Zweifel in Zu— kunft eine ansehnliche Wohlthat schöpfen werden. Die Entdeckung, daß verschiedene Arten entzünd— barer Lüfte durch die Beymischung einer hinlänglichen Menge gemeiner Luft schrecklich knallend werden, ist ein Schritt in der Noturlehre, welcher zugleich zu verschie— nen unterhaltendlichen und interessanten Versuchen An⸗ laß gibt, und ein neues Licht über einige mächtige Wir⸗ W leh Ian H 0 0 shod kung un hasse biser dige Disie⸗ lich zu be⸗ Vrͤaslez dovielleicht im Mhem⸗ thiertschen mahl ge⸗ nicht uber Hüte einn durch den zernichtet 8 Docter fel in Zu⸗ h. entzünd⸗ länglichen R, istein berschie ichen M⸗ machihe Wir⸗ der Brennluft. 241 Wirkungsmittel wirft, derer Gewalt wir zwar kann⸗ ten, derer Natur aber noch im tiefen Dunkel vergra⸗ ben lag. Da diese brennbaren Lüfte diese letzteren Jahre her eine der vorzüglichsten physicalischen Belustigungen sind, so will ich der königlichen Gesellschaft eine leichte Me⸗ thode, ohne einige Bemühung oder besondere Vorrich⸗ tung eine solche Menge einer brennbaren Luft hervorzu⸗ bringen, als man verlanget, vorlegen. Als ich mich im November 1777 zu Amsterdam befand, waren die Herrn Aened und Cuthberthson zwey sinnreiche Physiker dieser Stadt, so gütig, mir einige sonderbare Versuche mit verschiedenen knallenden und brennbaren Lüften zu zeigen. Sie brachten eine brennbare Luft hervor, indem sie Vitriolöhl und Wein—⸗ geist zu gleichen Theilen vermischten, und der Phiole, die die Mischung enthielt, Feuer unterlegten. Es wur⸗ de eine große Menge weißer Dünste entwickelt, welche in eine mit Wasser gefüllte und umgestürzte Vorlage übergiengen, sich oben auf sammelten, und, gleich an⸗ deren Lüften, das Wasser niederdrückten. Diese Luft wurde sogleich klar, indem das Wasser die weihen Däm⸗ pfe verschlang. Sie war in einem offenen walzenför⸗ migen Glase leicht zu entzünden, und brannte so hell, J. verm. Schrift. I. B. Q ars 24² Eine neue Art als ein Licht, wobey die Flamme stuffenweise immer tiefer und tiefer hinunterstieg, bis sie den Boden erreich⸗ te. Eine geringe Menge, z. B. der vierzehnte oder zehnte Theil dieser Luft, vermischt mit gemeiner oder dephlogistizirter Luft, und durch einen elektrischen Fun— ken entzündet, knallte sehr laut, und zersprengte, falls sie keinen Ausweg fand, das Glas zu Stücken. Sie hatten hierzu eine Art einer Pistole erfun⸗ den, welche aus einer starken cylindrischen Glasröhre mit einem angebrachten Stempel bestand. An dem En⸗ de dieser Röhre war, wie an einer gemeinen Pistole, ein metallischer Lauf befestiget, worein eine Kugel, aber nicht fest, eingeschoben wurde, und man mußte die Pistole, um die Kugel zu verhindern, daß sie nicht her— aus rollte, etwas aufwärts halten. Der Lauf wurde auf ein acht bis zehn Fuß entferntes Eichenbret gerich⸗ tet, und nachdem mittelst des Stempels die gehörige Menge gemeiner und einer nach obbesagter Art bereite— ten brennbaren Luft in die Glasröhre gezogen war, wurde sie durch einen elektrischen Schlag abgefeuert. Der Knall war sehr stark, die Kugel traf das Bret mit einer solchen Kraft, daß sie einen beträchtlichen Eindruck machte, und so gewaltig zurückprellte, daß sie die Wand hinter uns erreichte, und uns einigermaßen in Gefahr setzte, durch ihre zurückprellende Kraft beschädiget zu werden. Eben ise iumet Metreich⸗ hnte dder inet oder hen Fun⸗ gle, falls N. Ae erfun⸗ lasröhre dem En⸗ Pistole, ugel, aber nußte die nicht ha⸗ uf wurde et gerich⸗ gehörige rt hereite gen war, uert. De mit einet ck nacht, hinter uns le, durh el, Cben der Brennluft. 243 Eben diese Herren sagten mir, daß diese entzündbare duft in gewissem Betrachte den Vorzug vor den mittelst der Vitriol⸗ oder Salzsäure aus Metallen gezogenen, und auch vor den aus Sümpfen und Morästen erhal⸗ tenen brennbaren Lüften habe, weil diese Luft wegen ihrer grösseren Schwere, die sie vor jeder der obberühr⸗ ten Lüfte, und auch vor der gemeinen Luft besitzet, aus einem offenen Gefäße nicht so leicht verloren gehet; und daß, wenn sie auch in die offene Luft entwischt, das Zimmer mit dem Wohlgeruche des süßen Vitriolgeistes, oder des Aethers, angenehm beräuchere; da hingegen die anderen brennbaren Lüfte, die vermöge ihrer eigen— thümlichen geringeren Schwere sich leicht in die gemei⸗ ne Luft verlieren, einen widerwärtigen unangenehmen Gestänk verbreiten. Herr Aeneä, der die eigenthümliche Schwere der verschiedenen brennbaren Lüfte mit der gemeinen Luft derglichen hatte, beehrte mich mit dem nachstehenden Erfolge seiner Untersuchungen. Ein Gefäß, welches an gemeiner Luft 138 Gran enthalten hat, enthielt 25 Gran brennbarer Luft aus Eisen mittelst der Vitriolsäure, 92 Gran brennbarer Luft aus Schlamm und Morästen, und 5e Gran der von der Mi⸗ schung des Vitriolöhles und Weringeistes erhaltenen Luft. 2 Ober⸗ ů44 Eine neue Art Oberwähnte Versuche gefielen mir überaus wohl, und ich dachte sogleich, daß das Verfahren, diese brennbare Luft zu erzeugen, unterlassen werden könnte, wenn man den Vitrioläther anwändte, als welcher in dem durch die Hitze aus dem Vitriolöhle und Weingei⸗ ste herausgetriebenen Dunste wirklich enthalten ist, indem dieser bey dem Destilliren verdicket, den Aether dar⸗ stellet. Allein ich entschloß mich, diesen Versuch zu ver— schieben, bis ich zu London angelanget wäre, wo ich mich auf einige Zeit aufzuhalten gesonnen war, um meine alten Freunde zu sehen, und so viele Kenntniß in der Arzneykunde und Naturlehre zu erndten, als ich konnte. Als ich zu Anfang des Jenners 1778 in dieset Hauptstadt anlängte, verlor ich keine Zeit, um mei⸗ nen Gedanken zu verfolgen. In dieser Absicht tropfte ich etwas Aether in eine starke Glasröhre, und richte— te eine elektrische Entladung einer Leidner Flasche durch dieselbe; allein zu meinem Mißvergnügen sah ich kei— nen Knall erfolgen. Ich steckte daher ein Stück einer in Aether getunkten Baumwolle in diese Röhre, und es wollte wieder kein Feuer fangen. Ich war zu sehr überzeuget, daß es auf dem einen oder anderen Wege gelingen mässe, als daß ich den Muth niedergeleget hätte. Ich versuchte es auf mancherley Arten, und ge⸗ us wohl, n, diese köntte, lcher in Geingel⸗ len ist, uher dal⸗ h zu ber⸗ „wo ich ar, um Lenntniß en, als in diese um mel ̃t tropfte d richte⸗ he durch ich kei⸗ uck einer re, und zu seht en Vahe dergelegtt u, und 96 der Brennluft. 245 gegen das Ende des Jenners gelang es mir, etliche⸗ mahl einen lauten Knall hervorzubringen, indem ich ein mit Aether getränktes Stückchen Papier in die Röhre legte. Da aber dieser Versuch oft versagte, wo⸗ von ich keine Ursache anzugeben wußte, so wagte ich es nicht, ihn meinen Freunden zu zeigen, als bis ich auf eine Verfahrungsart verfallen wäre, deren Gewiß⸗ heit mich der Beschämung nicht aussetzte, einen Versuch vorgelegt zu haben, der so oft fehlzuschlagen pflege. In⸗ zwischen sagte ich Herrn Pringle, Nairne und Plunt, und einigen anderen meiner Freunde, im eintretenden Frühlinge, daß ich eine Methode gefunden hätte, eine Pistole mit brennbarer Luft abzufeuern, ohne die Un⸗ gelegenheit, erst eine brennbare Luft auf dem gewöhn⸗ lichen Wege zu machen, indem ich sie in einem Augen⸗ blicke, ohne Mühe und Vorrichtung nach Gefallen er⸗ zeugte, und daß ich ihnen diesen Versuch zeigen würde, sobald ich von dessen beständigem Erfolge versichert wä⸗ re. Mittlerweile fuhr ich fort, vor meiner Bekannt— schaft diese Luft auf dem nämlichen Wege, als ich es zu Amsterdam gesehen hatte, hervorzubringen. Als ich aber bald hierauf auf eine bessere und sichere Methode gerieth, fieng ich an, sie denjenigen zu zeigen, welche mich besuchten, und mit dem angehenden Sommer nahm ich keinen Anstand, dieselbe jedermann bekannt zu machen. 23 Für 24⁴6 Eine neue Art Für die Ursache, warum mir dieser Versuch nicht gleich Anfangs glückte, fand ich, daß ich entweder eine zu große Menge Aether hierzu verbräuchte, oder daß diese Luft, oder dieser Dunst des Aethers, mit der übrigen Luft nicht hinlänglich einverleibet war; denn eben so viel in die Pistole getropfter Aether, welcher keinen Knall erwecken wollte, da die Pistole nicht geschüttelt wurde, machte einen sehr lauten, als ich es heftig that. Als die sicherste Art des Erfolges finde ich fol⸗ gende: Ich tauche ein schmahles, an beyden Enden offenes Glasröhrchen von einer Linie im Durchmesser in ein Fläschchen voll Aether, und wenn zwey oder drey Tropfen desselben hineingegangen sind, so lege ich den Finger auf sein oberes Ende, damit der Saft darin hängen bleibe. Ich nehme sodann das Röhrchen aus dem Fläschchen heraus, und stecke es unmittelbar in eine kleine Federharzflasche, worauf ich den Finger von der Röhre aufhebe, und sie aus dem Caoutchouck her— ausnehme. Der wenige in dem einen Ende hängende Aether tropfet solchergestalt in den Caoutchouck, des⸗ sen Hals sogleich in die Luftpistole umgestürzet, und nach einem sanßten Drucke wieder herausgenommen wird. Jetzt wird eine Kugel, oder ein Korkstöpsel, in die Mündung der Pistole gesteckt, und diese kann so⸗ dann uch niht eutweder le, oder mit drr denn welcher le nicht als ich ich fol— Enden chmesser der drey ich den t dakin en aus in eine on der k her⸗ ugende „ des⸗ und ymmen sel, in in so⸗ H der Brennluft. 2⁴4⁷ dann abgefeuert werden. Dieser ganze Handgriff ist in fünf bis sechs Secunden vorbey. Die ansehnliche Stärke des Schusses und der laute Knall der gewöhnlichen brennbaren Lüfte ließ Herrn Volta glauben, diese Lüfte möchten vielleicht einstens dem Schießpulver untergeschoben werden. Wäre diese Erwartung gegründet, so möchte meines Erachtens die größte Forderung diese seyn, den Weg zu finden, wor⸗ auf man eine solche Luft zu gleicher Zeit ohne Mühe hervorbringen könne, und zwar in einem so geringen Umfange, als möglich ist; welche zwey Bedingungen beynahe erfüllet sind, indem alle zur Ladung einer Vol⸗ taischen Pistole erforderliche brennbare Luft in der Grös⸗ se eines einzigen Tropfen Aethers enthalten ist, welcher Tropfen in die Pistole selbst geworfen, hinlänglich zu⸗ reichet, um einen gewaltigen Schuß hervorzubringen. Diese brennbare Luft, oder eigentlicher, wegen ihrer Verschlingbarkeit im Wasser, dieser Dunst, besiz— zet die hauptsächlichsten Eigenschaften anderer brenn⸗ barer Lüfte; nämlich sie entzündet sich nicht anders, als in Berührung mit gemeiner, oder dephlogistizirter Luft, und fängt daher nur in dem oberen Theile eines Gefäßes, welches sie enthält, Feuer, wobey die Flam⸗— me, falls dieses Gefäß walzen förmig und sehr geräu⸗ 2 4 mig 24 Eine neue Art mig ist, stuffenweise abwärts gehet, bis die Luft gänzlich verzehret ist. Wird sie mit gemeiner Luft verdünnet, aber nicht hinlänglich, so wird sie, gleich anderen brenn— baren Lüften, ohne zu knallen, abbrennen; ist sie es aber hinlänglich, und vorzüglich mit dephlogistizirter Luft, so knallet sie mit einem großen Getöse und mit einer beträchtlichen Stärke. In die Enge gebracht, ist sie zum Einathmen untauglich, und für ein in sie ver⸗ senktes Thier so tödtlich, als es eine andere der brenn⸗ baren Lüfte seyn mag; in einem verdünnten Zustande scheinet sie jedoch den Organen des Athemhohlens viel⸗ mehr angenehm zu seyn. Sie unterscheidet sich einigermaßen von den ge⸗ meinen brennbaren Lüften; sie ist zum Beyspiele, wie schon angemerket worden, viel schwerer, als eine ande⸗ re der brennbaren Lüfte, und auch, als die gemeine Luft. Sie entzündet sich, oder knallet durch keinen so schwachen Funken des elektrischen Feuers, als die an⸗ deren Brennlüfte, und erfordert die Entladung einer Leidner Flasche, um mit Gewißheit zu schießen; in⸗ deß ist doch ein einziger Zoll einer Belegung hierzu hinreichend, so daß man eine Leidner Flasche von zwölf bis vierzehn Quadratzoll der Belegung eine mit dieser Luftart geladene Pistole vielmahls abschießen kann, wenn die Ladung durch ein Glasröhrchen theil— wei⸗ ftginzc erdünnct, en btenn⸗ ist sie eh zistizitter und mit dacht, ist n sie ber⸗ brenn⸗ Zustande ns hiel⸗ den ge⸗ iele, wi eine ande⸗ gemeine keinen s die al⸗ ng einet Hen; il⸗ 9 hierzo on zölf ne Mi. hschießen thell⸗ hei⸗ der Brennluft. 249 weise herausgenommen wird, welches so zugerichtet ist, wie ich in einer Schrift, die ich der köͤniglichen Ge⸗ sellschaft voriges Jahr vorzulegen die Ehre hatte, und die in dem II Theile des LXVIII Bandes der philosophischen Transactionen eingerücket stehet, und eine Art, durch einen elektrischen Funken ein Licht anzuzünden, enthält, beschrieben habe. Diese Luft wird in Berührung mit Wasser in wenigen Tagen ver⸗ schlungen, obgleich das Wasser nicht geschüttelt wird; und sie verlieret durch die Berührung des Wassers ihre Brennbarkeit zweit eher, als die anderen brennbaren Lüfte. Indeß fand ich doch, daß diese Luft in einer solchen Lage alle ihre Knallkraft in sechs Tagen noch nicht verloren hatte, obschon das Wasser, worin das cylindrische, zehn Zoll hohes, und einen Zoll breites Glas mit fünf bis sechs Trophen Aether umgekehrt stand, allmählig so weit aufgestiegen war, daß es den dritten Tag die Hälfte seiner Höhe erreichet hatte; so daß es scheinet, als haben diese Aethertropfen bey ihrer Verbreitung unter der Gestalt einer Luft die Hälf⸗ te der im Glase enthaltenen gemeinen Luft ausgestoßen, an deren Stelle hierauf das Wasser in dem Maße getreten ist, als diese durch den Aether erzeugte Luft, oder dieser Dunst, wieder vom Wasser verschlungen wurde. 25 Daß 25⁰ Eine neue Art Daß diese Luft eigenthümlich schwerer ist, als gemeine Luft, und daß sie sich derselben nicht willig einverleibet, wird durch folgenden Versuch leicht dar⸗ gethan. Ich warf fünf bis sechs Tropfen Aether in ein cylindrisches, zehn Zoll langes und einen Zoll breites Glas; als der Aether schon verrauchet war, schlug ich meine Hand auf die Mündung des Glases, und stürzte es um, um die vom Aether erzeugte Luft mit der ge⸗ meinen Luft einzuverleiben, worauf ich das Glas eine halbe Stunde lang offen stehen ließ, da ich ein Stück Wachskerzen auf einem gekrümmten Drathe hinein⸗ tauchte. Sobald das Wachslicht den Rand des Gla⸗ ses berührte, brach eine Flamme mit einem schwa⸗ chen Knalle heraus. Nach einer halben Stunde brach— te ich die Wachskerze wieder in den Cylinder, und die Flamme entstand nicht eher, als bis die Wachskerze so tief eingedrungen war, wo die erste Flamme erstickte, Dieser zweyte Ausbruch setzte nicht alles bis auf den Boden des Glases in Feuer. Ich wartete noch eine Viertelstunde, und senkte den Wachsstock abermahls in das Glas, wobey der Rest dieses brennbaren Gaßes, der bis dahin noch auf dem Boden gesessen war, her⸗ ausknallte(a). Ich (a) Es ist merkwürdig, daß der Aether, als der flüchtigste dekännte Saft, und so bereit, sich selhst bey einer nur ö geliu⸗ R e uf stcl I der Brennluft. 251 it, als Ich fand, daß ein Aether, worin so viel Urin— ht wilg phosphor aufgelöset war, daß er im Finstern leuch⸗ icht dur⸗ tend wurde, wenn man einige Tropfen davon ins er in ein Wasser fallen ließ, sehr lebhaft Feuer fängt, wenn er breites zu einer Knallluftpistole gebraucht wird; daß aber hlug ich dieser Versuch bey seiner Wiederhohlung zu versagen stürzte anfängt, weil die Phosphorsäure, welche in der Pi⸗ der ge⸗ stole zurückbleibet, und vermöge ihrer Natur die Feuch⸗ as eine ligkeit aus der Atmosphäre anziehet, die inwendige Stuüͤck ö Sei⸗ hinein⸗ es Gla⸗ W ö 3 schwa— den Abdünstung durch die Luft zu verbreiten, so daß ein 5. Hach⸗ Tropfen eines recht feinen Aethers, der einige Schuhe hoch ö fällt, ganz verdünstet ist, ehe er den Boden erreichet, und und die daß kein Glasstöpsel im Stande ist, seine Verdünstung zu ketze so verhindern; so ist es merkwürdig, sage ich, daß diese Luft, oder dieser Dunst, worein er sich bey seiner Ver⸗ erstickt, dünstung verwandelt, ungeachtet seiner äußersten Flüch⸗ guf den tigkeit, dennoch so entfernt ist, von eben dieser Flüchtig⸗ ——4. keit Theil zu nehmen, daß er, ohne auszuräuchen, oder ch eine sich mit der gemeinen Luft zu vermischen, oder seine ahls in Brennbarkeit zu verlieren, zu Stunden lang in einem Gaßts offenen eylindrischen Glase kann aufbehalteu werden; so ahes/ daß diese Substanz eine jählinge Metamorphose zu unter⸗ r, hele gehen scheinet, und sich in einem Augenblicke aus dem leichtesten aller Säste in eine der schwersten Luftähulichen Flüssigkeiten verwandelt; nur ist es wahrscheinlich, daß I die feste Luft, als welche nach den Versuchen des Herrn — Cavendish um die Hälfte schwerer ist, als gemeine Luft, ühtuit viel schwerer sey, als die Aetherluft. Her nut geliu⸗ 252 Eine neue Art Seite der Pistole bald mit Feuchtigkeit überziehet, und solchergestalt den elektrischen Funken verhindert, die⸗ se brennbare Luft zu entzünden. Es kam mir vor, daß ein wenig im Aether aufgelöster Campher dessen Knallkraft verstärke, und ihn zum Fehlschlagen minder geneigt mache. Da diese brennbare Luft schwerer ist, als ge— meine Luft, so ist es klar, daß die Mündung der Luftpistole bey dem Laden mit derselben aufwärts ge⸗ halten werden müsse; da es im Gegentheile besser ist, die Pistole mit der Mündung nach unten zu keh⸗ ren, wenn die gewöhnlichen brennbaren Lüfte dazu ge⸗ nommen werden, als welche, eigenthümlich leichter, als gemeine Luft, sich von selbsten in die Pistole erheben, wenn ihre Mündung auf die Oeffnung desjenigen Ge⸗ fäßes, welches dieselben enthält, umgekehrt aufgesez⸗ zet wird. ö Der Druck eines auf die Pistole gesetzten Feder⸗ harzfläschchens treibet zwar etwas vom brennbaren Gaß heraus, welches in die gemeine Luft verloren gehet; allein ungeachtet dieses Verlustes reichet die brennbare Luft, welche in der Pistole zurückbleibet, zu, um ei— nen lauten Knall hervorzubringen, und sonst wird nichts üb echichet, indert, du, im Aethn warke, und , als g⸗ noung det wätts ge⸗ lile besset en zu keh⸗ ste dazu ge 9 leichttt, le erhehen, migen G.⸗ t aufgish ten Hdit Haren Gah ren gehet; blennbate „um ch onst witd lichts der Brennluft. 253 nichts gefordert. Man könnte auch nur einen einzigen Tropfen Aether aus dem Glasröhrchen unmittelbar in die Pistole fallen lassen, ohne daß man von dem Fe⸗ derharzfläschchen Gebrauch machte; allein ein solcher Tropfen hinterläßt bey seinem Uibergange in eine ela⸗ stische Luft viele Feuchtigkeit, die entweder im Aether selbst hieng, oder aus der Atmosphäre angezogen wird. Diese Feuchtigkeit bleibet auf dem Wege, als ich die Pistole lade, in dem Federharzfläschchen zurück, welches daher äuch immer feucht befunden wird, wenn man den Versuch öfters wiederhohlet. Es war schon länge bekannt, daß der Aether und die anderen flüchtigen brennbaren Säfte bey ih— rer Verdünstung brennbare Düfte in die umgebende Luft verbreiten, besonders wenn sie erhitzet werden, und daß diese Düfte manchsmahl durch ein unvorsichtiges Nähern eines Lichtes Feuer fassen, und die Entzündung bis zum Safte selbst fortpflanzen; ich habe aber, ehe ich diesen Versuch meinen Freunden mittheilte, nie— mahls gehört, daß jemand diese Säfte anstatt einer gewöhnlichen brennbaren Luft gebrauchet, und solcher— gestalt der gemeinen Luft eine knallende Eigenschaft beygebracht, oder eine Knallluftpistole damit abge⸗ feuert habe. Da 254 Eine neue Art der Brennluft. Da es meines Erachtens sehr wahrscheinlich ist, daß man von der Stärke einer brennbaren Luft nicht viel mehr, als eine angenehme Belustigung erwarten darf, so kann die leichte Bereitung einer solchen brenn⸗ baren Luft, die zu jeder Zeit bey der Hand ist, wenn man einen Schuß vorhat, Naturforschern, derer Zeit sparsam ausgemessen ist, von einigem Nutzen seyn. Zwey⸗ nlich st, uft nich erwarten Nbrenn⸗ „wenn ker Zeit zyn. Eine neue Knallluft. 255 Zweyter Abschnitt. Die neue Knallluft. ( lange ich die Wirkung einer sehr reinen dephloz gistizirten Luft in Verbindung mit derjenigen brennbaren Luft, worein sich nach meiner Beobachtung der Vitrioläther den Augenblick verwandelt, noch nicht untersuchet hatte, und da ich bey einer Vergleichung der Knallkraft des Schießpulvers und einer brennbaren Knällluft fand, daß letztere der Knallkraft des Schieß⸗ pulvers sehr weit nachstehe, hatte ich gar keine gegrün⸗ dete Hoffnung, daß dieselbe dem Schießpulver könnte untergeschoben werden, und ich muß bekennen, daß ich von der Kraft der zwey ersteren Lüfte ganz schwache Erwartungen hatte; denn da ich jederzeit betrachtete, daß der mit gemeiner Luft verbundene Aether nicht so munter Feuer fängt, weder so gewaltig losbricht, als eine durch Vitriol-oder Salzsäure erhaltene brennbare Luft, so gläubte ich, dieselbe Aetherluft werde auch in Verbindung mit einer höchst reinen dephlogistizirten Luft minder gewaltig seyn, als eine gemeine brennbare Luft aus 256 Eine neue aus Metallen. Allein wie sehr die Erfahrteng dieser theoretischen Analogie widerspreche, wird man aus fol— genden Zeilen ersehen. Abt Fontana hatte die Güte mir in diesen Unter⸗ suchungen beyzustehen. Nachdem wir einen guten Vor— rath einer reinen dephlogistizirten Luft aus dem rothen Quecksilberniederschlage durch die Hitze entwickelt hat⸗ ten, füllten wir Anfangs eine starke Phiole von zwey Unzen im Inhalte, deren Mündung so weit war, daß sie kaum mit dem Daumen bedeckt werden konnte, und folglich beynahe walzenförmig aussah, auf die gewöhn— liche Art, indem wir sie zuerst mit Wasser füllten, mit der Oeffnung nach unten kehrten, und diese Luft in sie aufsteigen ließen, worauf wir einen Tropfen Aether, der etwas Campher aufgelöset enthielt, hinein warfen, und sie sogleich mit dem Daumen schlossen. Nach etli— chen Schwenkungen wurde ihre Mündung an eine Licht⸗ flamme gebracht, und, als sie derselben nahe genug war, der Daumen weggethan; diese Lust fieng augen⸗ blicklich Feuer, und brach mit einem solchen starken Knalle los, daß die Phiole, wäre sie nicht so haltbar gewesen, ungeachtet ihrer weiten Oeffnung, wahrschein— licherweise in Stücke zersprungen wäre. Wir wieder— hohlten diesen Versuch mit demselben Erfolge. Ich 0 V1 1 U n mui sch llis mit ung diisr aus fil sen tez zuten Vot⸗ em rethen ickelt hah von zrray var, daß inte, und gewöhn⸗ lten, mit uft in ss en Mihet, n warfen, Nach ell⸗ eine Lhl⸗ ahe gaig ng augel⸗ en starke o hallbe ahrschin⸗ i wiedet⸗ X. Knallluft. 257 Ich war in Ansehung der weiten Oeffnung dieser Phiole bey diesem ungewöhnlichen lauten Knalle höchst erstaunt, weil ich bey meinen öfteren Versuchen mit der Aetherluft, die ich auf die nämliche Art mit der gemei⸗ nen Luft vermischte, niemahls gefunden hatte, daß sie in einem sonderlichen Gräde der Stärke losbräche, und mich, um einen lauten Knall zu bewirken, genöthiget sah, sie mit einem durch die Pistole geleiteten elek— trischen Funken anzuzünden, wobey ihre Oeffnung mit einem Korkstöpsel verstobfet wurde, dessen Wider⸗ stand als die haupfächlichste Ursache dieses Krachens anzusehen war. Dieser wunderbate Erfolg konnte nichts anders, als eine große Erwartung einer sehr gewaltigen Wir-⸗ kung in mir erregen, wenn diese Luftmischung in einer Knallluftpistole, in deren Oeffnung ein Korkstöpsel steckt, eingeschlossen würde. Da wir sie nun schon zweymahl an der Lichtflamme angezündet hatten, so wollten wir das nämliche auch in einer Knallluftpistole thun. Zu diesem Ende bohrten wir in die Seite der Pistole, die von Zinn war, und beyläufig neun Kubikzoll am In⸗ halte hatte, ein kleines Loch durch Wit füllten sie mit der dephlogistizirten Luft gleichfalls so, wie wir mit der Phiolt zu Werke gegangen waren, mittelst des Wassers, und nach einem hinein geworfenen Aethertro— J. verm. Schrift. I. B. R vfen 258 Eine neue pfen, so wie es oben mit einem Glasröhrchen gezeigt wurde, schlossen wir ihre Mündung mit einem einge— drückten Korkstöpsel, und hielten den Finger auf das an der Seite eingebohrte Loch. Um nichts zu besahren, falls die Pistole springen sollte, hielten wir es für vor⸗ sichtig, den Korkstöpsel nur sehr gelinde in die Oeffnung zu drücken, so daß der Widerstand sehr mäßig wäre. Sicherheit halber schlug Abt Fontana noch ein Hand— tuch um die Pistole, und ließ bloß das Zündloch unbe— deckt. Als er dieses an die Flamme eines Wachsstok⸗ kes brachte, fieng diese Luft augenblicklich Feuer, und brach mit einem so heftigen Knalle los, daß sein Ge— hör sowohl, als das meinige, wahrhaft betäubt war. Der Stöpsel, der sehr gesund war, flog in Stücken an die Wand, und Abt Fontana bekam einen so beträcht— lichen Stoß in seine Hand, daß er es nicht für sicher hielt, diesen Versuch zu wiederhohlen, ehe wir uns eine stärkere Pistole verschafft hätten. Von diesem ungewöhnlichen und unerwarteten Er⸗ folge aufgemuntert, gieng ich sogleich zu Herrn Nairne, um mich zu erkundigen, ob er die, verwichenen Som— mer nach meiner Angabe verfertigte starke messingene Luftpistole noch besäße? Ich war so glücklich, sie zu finden, und sie hutte nichts, als ein Zündloch an ih⸗ rer linken Seite nöthig, um sie bey einer Flamme zu ent⸗ dchen gusg einem chge er auf d Vubeschnn ir es fur uj N Defiu näziz vit och ein Hah lndloc unhe à Vachostol Feuer, und daß sein G. betaubt wat in Sticken u en so beträch ücht fit scht e wir und es rwarttke E Hern Muin vichenen Ei xte Maiagge icklh, sten Indloch an l + Flamne 10 Knallluft. 258 entzünden. Dieses Zündloch wurde, wenn sie durch einen elektrischen Funken abgebrennet werden sollte, mit einer genau hinein passenden messingenen Schrau⸗ he verschlossen. Die Luftkammer dieser Pistole war ein vier Zoll langer, und zwey Zoll breiter Cylinder. Der vordere Theil der Luftkammer war mit dem Laufe für eine Bley⸗ kugel oder einen Korkstöpsel durch sechs messingene Schräuben, die bey keinem der vorhergegangenen Schüs⸗ se losgeworden waren, vereiniget. Eine mit Leder um⸗ gebene Bleykugel wurde mit Gewalt in den Lauf bis zu den Schrauben, die denselben mit der Luftkammer vet⸗ einigten, eingetrieben. Diese Pistole wurde mit einer reinen dephlogistizirten Luft gefüllet, welche mittelst des Stempels aus einem Federharzfläschchen eingezogen wur—⸗ de, und nach einem hinein geworfenen Tropfen Aether wurde sie mit einem durch sie geleiteten elektrischen Fun— ken entzündet. Die Luft fieng Feuer, und es krachte, wie ein gemeiner Flintenschuß, und die Gewalt war so groß, daß der ganze vordere Theil der Luftkammer sammt dem Laufe davon flog, alle sechs Schrauben zerbrachen, und das starke und zähe Metall, woraus sie verfertiget war, zerriß. Drey starke messingene Schrauben, wodurch der Grund der Luftkammer an die höllerne Handhabe befestiget war, wurden los, und die R2 gan⸗ 260 Eine neue ganze Gestalt det Pistole war zerrüttet. Die Substanz des Luftbehältnisses war da, wo sie zerrissen wurde, von der Dicke eines Thalers. Da ich jetzt überzeugt war, daß, obschon eine brennbare Luft aus Metallen mit dephlogistizirter, oder gemeiner Luft weit unter der Gewalt des Schieß⸗ pulvers ist, doch die Knallkraft der Mischung aus dephlogistizirter Luft und Aetherluft derselben viel nä⸗ her komme, so hielt ich es der Mühe werth, die Pistole wieder so herzustellen, daß sie außer aller Ge⸗ fahr des Zerplatzens wäre. Zu diesem Ende ersuchte ich den Herrn Nairne, an dem vorderen Theile der Luftkammer einen hohlen Kegel von Messing, dessen Ende in den Lauf ausgienge, anzulöthen. Da der Stempel nicht bis zu dem Ende der ke⸗ gelförmigen Höhle kommen konnte, welche demnach im⸗ mer mit gemeiner Luft angefüllet bleiben mußte, so verlangte ich, er möchte an dem Stempel einen elfen⸗ beinernen Kegel anmachen, wodurch zwey Dräthe liefen, und auf seiner Oberfläche einander gegenüber⸗ ständen, so daß sie einen Zwischenraum von beyläufig einer Linie zwischen sich ließen, durch welchen der elel⸗ trische Funken springen, und Feuer in die Luft sez⸗ zen könnte. Da nun dieser elfenbeinerne Kegel in die ubstant wurde, eine b„ oder Schieß⸗ ng aus iel nä⸗ ih, die ler Ge⸗ ersuchte heile der 3, dessen de det ke⸗ mnach im⸗ nußte, so nen elfeg⸗ Dräthe agenübet behlauft der elel⸗ Luft si⸗ Hgl die Knallluft. 261 die ganze Höhle der Luftkammer genau schloß, so konnte keine andere Luft hinein kommen, als welche der Stempel einzog. Eine solche Pistole entspricht ihrer Be⸗ stimmung ziemlich gut. Der Kegel kann auch aus einem dichten Glase verfertiget werden, welches ein besserer Richtleiter ist, als Elfenbein. Die Kanäle in dem Elfenbeine, durch welche die zwey Dräthe laufen, können auch weit ge—⸗ nug seyn, um eine Glasröhre zu fassen, wodurch die Dräthe gehen; oder um mit einer nichtleitenden Kütte, z. B. mit Siegellacke, zu diesem Entzwecke ausgefüllet zu werden. Dieser Kegel darf auch aus Messing, oder einem anderen Metalle, bestehen, in welchem Falle aber zwey Glasröhren darin liegen müssen, um die zwey durchlaufenden Metalldräthe zu beschützen. Ich zünde diese Pistole zuweilen mit einem klei⸗— nen in feuchtes Schießpulver eingetauchten, und hier— auf getrockneten Stückchen baumwollenen Dochte an, welches ich in das Zündloch stecke; oder mit einem Stückchen von jenem Zündpapier, welches die Chine— sen zu kleinen Racketen gebrauchen, die unter dem Nah⸗ men der Indischen Schwärmer vorkommen. Zuweilen schieße ich sie los, indem ich die Flamme eines Lichtes, oder eines brennenden Papiers auf das Zündloch hal— R 3 te. 26² Eine neue te. In diesem Falle ist zu bemerken, daß das Zünd⸗ loch aufwärts gerichtet werden muß, wenn die Pistole mit brennbarer Luft aus Metallen geladen ist; weil diese Luft, leichter, als die gemeine, aus der Höhle sich erheben, und die Flamme erreichen wird. Das Gegentheil hat Statt, wenn die Aetherluft angewandt wird, welche vermöge ihrer grösseren Schwere, als sie die gemeine Luft besitzet, hinuntersteiget, und solcher⸗ gestalt auf die untergehaltene Flamme fällt, Um diese Pistote mit einer Luft zu füllen, fül⸗ le ich gewöhnlich damit ein Federharzfläschchen, def— sen Mündung genau so groß ist, daß sie jenen Theil des Laufes, der mit der Luftkammer vereiniget ist, aufnehmen kann; indem ich also das Federharzfläsch⸗ chen zwischen meinen Füßen zusammendrücke, ziehe ich zu gleicher Zeit den Stempel zurück, und folglich die Luft ein. Eine Blase ist demnach hierzu sehr geschickt, und hat noch den Vortheil vor einem Federharzfläsch⸗ chen, daß sie, um die Luft herauszutreiben, nicht nö⸗ thig hat, zusammengedrückt zu werden. Eine brennbare Metallluft steigt von sich selbst in die Pistole, wenn ihre Mündung auf das Fläschchen, wel⸗ ches sie enthält, gesetzet wird. Zünd⸗ histole weil Höhle Das handt ls sse lcher⸗ Knallluft. 26³ Ist die Pistole bestimmt, allezeit, so wie ich es beschrieben habe, mit der Flamme eines Lichtes oder einer Lunte entzündet zu werden, so wird es besser seyn, gar keinen Stempel zu haben, indem sie alsdann mittelst des Wassers gefüllet werden kann; und die Knallkraft ist um so grösser, da etwas Flamme sich einen Weg über dem Leder des Stempels machet, und rückwäcts durch⸗ schlieft, welches, wie ich gefunden habe, oft Statt hat, wenn die Kugel etwas zu knapp in den Lauf ein⸗ ö gezwänget ist. Es wird vielleicht kein so leichtes Unternehmen seyn, eine befriedigende Ursache anzugeben, warum ein Tropfen Aether der dephlogistizirten Luft eine viel stär⸗ kere Knallkraft mittheile, als eine gemeine brennbare Metallluft. Könnte man nicht sagen, eine gemeine brennbare Metallluft, deren eigenthümliche Schwere beyläufig nur der fünfte Theil von der Schwere der dephlogistizirten Luft ist, durchdringe letztere nicht so geschwind und so innig, als es mit der Mischung der dephlogistizirten Luft und Aetherluft geschiehet, welche beyde beynahe dieselbe eigenthümliche Schwere haben, indem eine jede etwas schwerer ist, als die gemeine Luft. Denn es scheinet nicht unwahrscheinlich, daß die Behendigkeit, mit welcher sich die Flamme durch die Masse dieser Luftzusammensetzung fortpflanzdet, zum R4 Thei⸗ 264 Eine neue Theile von der innigen Mischung des Brennstoffes mit der dephlogistizirten Luft abhänge. Könnte diese Er— scheinung nicht der grösseren Säule der brennbaren Me—⸗ tallluft in Vergleichung des engen Umfanges, den ein einziger Tropfen Aether einnimmt, zugeschrieben wer— den, welcher letztere Mischtheil, wenn er rein ist, eine Essenz des brennbaren Grundstoffes aus dem Weingei⸗ ste, ein reines concentrirtes Phlogiston unter der Ge⸗ stalt eines Saftes zu seyn scheinet? In der That scheinet die brennbare Luft aus den Metallen vielmehr eine Zusammensetzung aus Brennstoff und einer Art ei— ner elastischen beständigen Flüssigkeit, als ein reines brennbares flüssiges Wesen, zu seyn; denn diese Luft erhält sich, nachdem sie alle ihre Brennbarkeit verloren hat, noch lange über dem Wasser, nimmt einen be⸗ trachtlichen Raum ein, und ist sodann eine phlogistizir— re Luft; das heißt, eine solche Luft, welche sich mit der Salpetersäureluft nicht mehr vermindert, noch zu ent⸗ zünden ist. Ob ich gleich keine Ursache habe, meine bormah⸗ lige Behauptung zu ändern, daß die Kraft des Schieß⸗ pulvers mit der jählingen Entwicklung der großen Men— ge des in dem Augenblicke der Entzündung erzeug— ven elastischen Flüssigen, und zugleich mit der Aus⸗ dehnung dieses Flüssigen durch die in dem Augen-⸗ bli⸗ S...—: fes mit ese Et, en Me⸗ den ein nwer⸗ t, eine deingei⸗ der Ge⸗ That ielmehr Art ei⸗ keines ese Luft verloren inen be⸗ ogistizit⸗ mit der zu ehl⸗ bormah⸗ Gchies⸗ en Men⸗ etzeug⸗ er Mus⸗ Augeh⸗ bli⸗ Knallluft. 255 blicke seiner Entbindung mitgetheilten Hitze, im Ver— hältnisse stehe, und daß die Kraft einer brennbaren Knallluft aber bloß nach der jählingen Ausdehnung durch die Hitze in dem Augenblicke der Entzündung müsse berechnet werden, indem hier keine neue Entwick⸗ lung Statt findet; so war ich doch in der Schätzung dieser Geschwindigkeit der Ausdehnung nicht aufmerk— sam genug, welche einen beträchtlichen Unterschied in dem Ausbruche machen kann. Und oberwähnte Ver— suche scheinen wirklich darzuthun, daß die Entzündung dieser Zusammensetzung aus reiner dephlogistizirter Luft und Aetherluft sich mit einer solchen Schnellig—⸗ keit durch die ganze Masse verbreite, daß sie fast augenblicklich ist. Es ist wohl bekannt, daß eine mechanische Kraft hauptsächlich von der Geschwindigkeit abhänge mit welcher ein Körper in dem Augenblicke seiner Bewe⸗ gung begabt wird; oder daß die Kraft eines Körpers durch das Vielfache der Menge der Materie in die Geschwindigkeit, womit er sich beweget, müsse berech⸗ net werden. Wenn sich nun diese neue Zusammensez⸗ zung einer dephlogistizirten Luft und einer Aether⸗— luft mit einer zehnmahl grösseren Geschwindigkeit aus— dehnet, als eine jede andere brennbare Knallluft, R 5 so 266 Eine neue so wird auch ihre Kraft beyläufig zehnmahl grös⸗ ser seyn.— Da es aus dem, was allbereits gesagt worden ist, wahrscheinlich zu seyn scheinet, daß die Zusammensez— zung einer Knallluft zu etwas mehr, als zu einem be— lustigenden Versuche gebrauchet werden möchte, so achte ich es für Männer, die sich mit diesem Zweige der Naturkunde abgeben, der Mühe werth, sich nach einer Methode umzuschauen, die erforderliche Menge dephlo— gistizirter Luft nach Gefallen hervorzubringen. Im Be— trachte des reissenden Fortganges, den man in diesem wichtigen Gegenstande der Luft täglich macht, darf ich mir schmeicheln, daß diese große Entdeckung nicht mehr ferne sey. Die Wohlthat, welche aus einer solchen Eutdeckung für das thierische Leben entspringen muß, sollte einen jeden Naturforscher anspornen, diesen Ge— genstand zu verfolgen. In der That, wenn wir erwä— gen, daß der Salpeter dieses wunderbare luftähnliche Flüssige in einem höchst concentrirten Stande enthält, und daß die Salpetersäure nichts anders zu seyn scheinet, als dieses wohlthätige Flüssige, mit Phlogiston verbunden, welches von dem Gewächslaugensalze einge— sogen zu werden scheinet, wenn die Säure durch die Hitze unter der Gestalt dieser Luft ausgetrieben wird; daß also dieses wohlthätige luftähnliche Flüssige höchst con⸗ Lgraß den ist, mensez⸗ em be⸗ so achtt heige dir ach einer e debhlo⸗ Im Di u diesen datf ich icht Neht solchen n nuß, lesen Ge⸗ hit eth⸗ tahllich euthil, zu sehn hlogisten je einge⸗ urch di 1 wild; hcht coll⸗ Knallluft. 267 concentriret in Körpern, die sich überall vorfinden, als in Metallkalken, vorzüglich im Eisenkalke, zugegen ist; daß gemeines Wasser dasselbe in einem großen Uiber— flusse enthalte, so daß es Licht und Wärme der Sonne nach Priestley's Bemerkung bis auf den fünfzehnten Theil aus einer Wassersäule herausziehe; wie auch, daß die Masse unseres Dunstkreises schier nichts, als diese mit Unreinigkeiten besudelte Luft ist; und endlich, daß sie bey Tage in einer erstaunlichen Menge aus den Blättern herausgehe; wenn wir alles dieß, sage ich, erwägen, ist es nicht vernünftig, zu hoffen, daß wir nahe an dem wichtigen Zeitpuncte sind, dieses heilsame luftähnliche Flüssige zu manchem nützlichen Vorhaben in einer hinlänglichen Menge herbey zu schaffen: entweder durch die Entdeckung eines bequemen Weges, diese Luft aus Körpern zu erlösen, die sie eingekerkert halten, oder durch die Durchseihung und Reinigung der gemei— nen Luft von ihren fremdartigen Theilchen? ODrit⸗ Dritter Abschnitt. Ein sehr leichtes und wohlfeiles Mittel, sich eine Knallluft zu verschaffen, und die außer⸗ ordentliche Gewalt der im Vorhergehenden ab⸗ gehandelten Knallluft. In einen Brief an Herrn van Breda, der Arzneygelahrtheit Doetor und Regierungsrath der Städt Delft, eingekleidet. Wien den raten April, 1781. Da Sie ein Vergnügen über meine literarischen Pro⸗ ducte haben, und dieselben sogar für würdig halten, sie zum Gebräuche unserer Landesleute ins Holländische zu übersetzen, so wird es Ihnen meines Erachtens nicht unangenehm seyn, eine minder kostbare Art zu erfahren, wie man sich eine entzündbare Knallluft verschaffen könne, welche zu einer physischen Belustigung, eine Voltaische Pistole der brennbaren Luft loßzuschießen, dienlich ist. Phy⸗ . el, sich außer⸗ oden ab⸗ öelahrtheit eingekleidtt. lischen Hro⸗ ig halte, ollardisht htens nich letfahter, verschafen ung, ell hushießel, Knallluft. 1569 Physische Versuche fallen manchsmahl nur angenehm in den einen oder den anderen unserer Sinne; oft scheinen sie kein anderes Verdienst zu haben, als uns zu überraschen und in Erstaunung zu setzen, indem sie nicht allezeit gleich einen unmittelbaren Nutzen für das öffentliche Beste blicken lassen; nichts desto weniger ver nachlässigen sie ächte Naturforscher keineswegs, über⸗ zeugt, daß alle Erscheinungen, die uns die Natur dar— biethet, unserer Aufmerksamkeit würdig sind, sie mögen sich entweder von selbst, oder wie von ungefähr zu Tage legen, oder die Natur mag uns damit wie mit einer Art einer Belohnung für die Bemühuugen, die wir uns geben, um ihre verborgensten Gesetze auszuforschen, zu beschenken scheinen. Wie oft haben wir es nicht gesehen, daß die ein⸗ fältigsten Versuche, die in den Augen der Unwissenden für Kinderspiele gelten mußten, als könnten sie zu kei⸗ nem Zwecke von Erheblichkeit führen, dennoch den Weg zu den wichtigsten und nützlichsten Entdeckungen öffne⸗ ten? Das Reiben des Bernsteines, wodurch er das Vermögen bekommt, Stückchen Stroh und andere leich— te Körper anzuziehen, und wieder abzustoßen, hat die heutigen Physiker in die innerste Kenntniß der fürchter— lichsten Lufterscheinung der Natur, des Ungewitters und des Blitzes, hineingeführet, so daß wir sogar ihren Ver⸗ 27⁰0 Eine neue Verwüstungen Einhalt thun, und sie nachahmen kön⸗ nen; da man vor Zeiten glaubte, dieses schreckliche Phä— nomen sey über die beschränkten Kräfte des menschlichen Verstandes. Selbst einige, durchdrungen von dem Zit— tern und Zagen, welches ihnen sein entsetzliches Getöse einjagte, hielten es für ein Schreckbild des Himmels, für eine Anzeige des ergrimmten Gottes über die Fre— velthaten der Menschen. Diese konnten den Sterblichen, der sich unterfangen hätte, dieses schaudernde Phäno⸗ men nachzumachen, gewiß für nichts anders ansehen, als für einen Verwegenen, für einen zweyten Salmo⸗ neus, der Zevs Donnerkeile nachzuahmen trachtete, solchergestalt den Zorn dieses Gottes des Donners er— weckte, und von ihm mit diesem Elemente, womit er die Menschen zu täuschen, und zu erschrecken die Ver— messenheit hatte, zerschmettert wurde. Sehen Sie Vir— gils schöne Stelle nach, wo er die traurige Folge der Dreistigkeit dieses unsinnigen Prinzens lebhaft schil— der(a). ö Die (a) Vidi Uet crudeles dantem Salmonea pœnas, Dum flammas Jovis et sonitus imitatur Olympi. Guatuor hic invectus équis et lampada quassans per Grajüm populos mediæque per Elidis urbem Ibat ovans, Divümque fibi poscebat honorem. Demens! qui nimbos et non imitabile fulmen Tre ten kön⸗ he Phä⸗ schlichen em Zit⸗ Gelose mmels, ue Fre⸗ cblichen, Phäno⸗ nsehen, Salmo⸗ achtete, ners er⸗ omit et die Vur⸗ Sie Dif⸗/ olge der ft schil Die Knallluft⸗ 271 Die Zusammensetzung aus Salpeter, Kohlen und Schwefel, derer sedes, für sich genommen, nichts ver⸗ räth, welches uns zurückscheuchte, bringet das fürchter— liche Mittel hervor, dessen Gebrauch seit einigen Jahr⸗ hunderten das Schicksal der Nationen entschieden hat. Wir haben noch andere Beyspiele, daß die wich— tigsten Folgerungen die Früchte von Beobachtungen solcher Erscheinungen gewesen sind, welche in den Augen jener unwissenden und müssigen Leute unbedeutend schie⸗ nen, derer Daseyn zu nichts tauget, als unseren Erd— ball zu erschweren, und die Anzahl jener unnützen In— dividuen zu vermehren, die Horaz sagen lässet: Nos numenus sumus et fruges consumere nati. Leute, die beym ersten Anblicke eines physischen Versu⸗ ches, dessen Ziel zu erreichen sie zu kurzsichtig sind, sogleich zu fragen pflegen: Worzu soll's? diese Geschö— pfe, beynahe den Thieren ähnlich, von denen sie sich bloß durch die außerliche Gestalt unterscheiden, keines ö höhe⸗ Ere et cornipedum cursu simularat equorum. At pater omnipotens densa inter nubila telum Contorsit(non ille faces, nec fumea tædis Lumina), præcipitemque immani turbine adegit. IEen, VI. v. 585— 56. 27² Eine neue höheren relnen Vergnügens des Geistes bewußt, in dis Befriedigung der Bedürfnisse der Natur, und in die Lü⸗ ste, die sie mit dem Viehe gemein haben, ihre ganze ein⸗ zige Glückseligkeit setzen— Personen, die, wie Sie, mein Herr, eine Erzie⸗ hung empfangen haben, lieben die Ausbildung der Se⸗ lenkräfte, derer Keim der Urheber der Natur in den Menschen allein geleget hat, finden immer etwas, um ihren Geist rühmlich zu beschäftigen, blicken keine Na⸗ turerscheinung mit Verachtung oder Gleichgültigkeit an; sondern suchen ihre größte Glückseligkeit in dem Nach⸗ spühren der Weisheit und der Wissenschaften, und füh⸗ len sich von der Laugeweile, der unerträglichen Last nichts zu thun zu haben, nie unterdrücket. In diesem Bettachte schmeichle ich mir, daß Sie es, mein Herr, ihrer Aufmerksamkeit nicht unwürdig achten, daß sich die physische Belustigung, eine Knall⸗ luftpistole abzuschießen, mit weniger Mühe, und um einen mäßigeren Preis erkaufen lasse, als ich vor dem glaubte⸗ Sie wissen, daß ich vor etlichen Jahren ein Mit⸗ tel gefunden habe, mich jeder, sowohl aus Sümpfen, als aus Eisen und anderen Metallen mittelst der Vi⸗ triol⸗ „in die die Lu⸗ nze ein⸗ e Etgtt⸗ der Ge⸗ in det 6, um ie Na⸗ eit an; Nach⸗ d füͤh⸗ n Last, daß Gil Rwütdiz e Knal⸗ und um ich bot in Mit⸗ Umpfen, der Vi⸗ riol⸗ Knallluft. 273 triol⸗ und Salzsäure erhaltenen Brennluft zu entschla— gen, und an deren Statt einen Tropfen Vitrioläther nehme, welcher, in Dünste verwandelt, im Stande ist, eine Luftmasse von neun bis zehn Kubikzoll stark knallend zu machen, so daß man sie in der Höhle einer Knallluftpistole mittelst der Elektrieität entzünden kann(b).— ö Seitdem ich gefunden habe, daß ein in Dünste aufgelöster Tropfen Aelher(Spiritus ethereus Frobenii, Naphtha Vitrioli) neun bis zehn Kubikzoll athmosphä⸗ rischer Luft sehr knallend mache, blieb ich dabey, und bedionte mich dieses Süftes immerfort, der nicht nußz kostbar, sondern auch selbst in goßen Städten hart zu bekommen ist. Uiberzeugt, daß die Knallkraft der brenn⸗ baren Luft, sie mag aus Sümpfen, oder mittelst der Vitriol-oder Salzsäure aus Metallen gezogen, und mit gemeiner Luft vermischt seyn, nicht Stärke genug besitze, um eine Bleykugel mit der gehörigen Gewalt hinauszutreiben, daß man erwarten dürfte, der Ge⸗ brauch (ü) Wie man eine solche Pistole am leichtesten laden kann, ist schon zum Theile im Vorhergehenden vorgekommen, und wird in folgender Abhandlung noch besser gezeigt werden. J. verm. Schrift. 1. B. S 274 Eine neue brauch dieser Lüfte könnte einstens dem Schießpulvee untergeschoben werden; überzeugt, sage ich, daß diese Lüfte zu nichts taugten, als um damit physische Be⸗ lustigungen im Zimmer anzustellen, zog ich den Ge⸗ brauch eines Aethertropfens vor, abs welchen man ohne eine vorläufige Vorbereitung haben kann, und der Statt des Gestankes anderer Lüfte einen angenehmen Geruch verbreitet. Vor nicht langer Zeit mit meinem Freunde, dem Doctor Pickel, beschäftiget, um Versuche dieser Art anzustellen, probierten wir, was die Hofmanni⸗ schen Tropfen für sich allein, noch eh sener ätherische Geist davon abgesondert wäre, machen würde, und es zeigte sich wirklich, daß es wenig fehlte, daß sie nicht eine eben so schleunige und starke Wirkung hervorbräch⸗ ten, als der Aether selbst. Ein Tropfen des Hoffmannischen Geistes(e) nach der Wiener Pharmacopee, und ich habe Ursache, zu glau⸗ (e) Um versichert zu seyn, daß die Hofmannischen Tropfen gut sind, muß man zum wenigsten zwey Theile reines Vitrisslöhl zu drey Theilen Alkohol setzen. Diese Tropfen werden noch geistreicher seyn, wenn man sie so bereitet, wie man Aether daraus erhalten will, wenn man näm⸗ lich Vitriolöhl und Alkohol zu gleichen Theilen im Ge— wichte mit einänder vermischt. Das, was bey der De⸗ stillation zuerst übergehet, ist die Naphtha, oder gant reinet ppulher dlese e Be n Ge⸗ iohne Statt Geruch teunde, dieser nanni⸗ erische und es e nicht bräch⸗ 0 noch che, u glau⸗ Tropsen keines Trbpfen lreitet, n nän⸗ im 60 α De⸗ r gash sinet Knallluft. 277 glauben, daß eine jede andere Bereitung desselben bey— nahe das nämliche leisten werde, in eine Knallluftpi⸗ stole gethan, machet die darin enthaltene gemeine Luft sehr knallend, indem er sie mit seinem in einem hohen Gräde entzündbaren Dunste anschwängert, so daß eine Pistole von neun bis zehn Kubikzoll Luft ihres Inhal⸗ tes mittelst dieses Tropfens einen ungemein starken Knall gab(d). Man entzündet sie durch die Entla⸗ dung eines kleinen Leidner Fläschchens, dessen Bewaff⸗ nung drey bis vier Quadratzoll beträgt. Wird etwas Campher darin aufgelöset, so—— sich die Entzünd⸗ barkeit zu vermehren. Dortor Pickel, durch diesen glücklichen Erfolg ermuntert, fand sogleich das Mittel, um mit diesem Geiste die nämliche Pistole öfters abzuschießen, ohne sie mehr, als einmahl, geladen zu haben.— hängte —U=2 in reiner Aether, worauf sehr geistige und stark riechende Hoffmannische Tropfen folgen. Sondert man den Aether nicht ab, eh die Hoffmannischen Tropfen aufsteigen, so werden diese sowohl zum obgedachten, als medieinischen um so besser seyn. (d) Wie wenig 3016 Brennluft wegen ihrer so großen Schwe—⸗ re verfliege, ist schon im Vorhergehenden angemerkes worden. 276 Eine neue in die Höhle der Pistole ein kleines, mit diesem Gelste getränktes Stückchen Schwamm, und die Luft wurde durch drey bis vier der Pistole gegebenen Schwenkungen mit dem aus dem Hoffmannischen Geiste entwickelten Brennstoffe hinlänglich versehen, um durch die Ent⸗ ladung einer elektrischen Flasche Feuer zu fangen. Der solchergestalt bewirkte Knall ist stark genug, um die⸗ jenigen, welche nicht daran gewöhnt sind, zu betäuben. Dieser Schuß verzehret keineswegs allen Geist, womit der Schwamm getränkt ist, sondern man gibt der ge⸗ öffneten Pistole nur einige Schwenkungen, um den Uiberrest der durch die Flamme mephitisch gewordenen Luft herauszujagen, und steckt den Stöpsel wieder ein, worauf die Luft in der Pistole sogleich wieder das Vermögen erlanget, Feuer zu fangen, und, durch die Entlädung eines Leidner Fläschchens, wie zuvor, entzün⸗ det, einen Knall zu machen. Auf diese Weise kann man acht bis zehn Schüsse, und vielleicht noch mehre⸗ re zuwegenbringen, ohne jedesmahl aufs neue einen Tropfen hineingethan zu haben. Die einzige Unbe— quemlichkeit dieses Schwammes ist, daß man es nicht leicht verhüten kann, daß das Innere der Pistole nicht davon naß werde, und solchergestalt die Entzündung der darin eingeschlossenen Luft hemme, weil im Falle, daß die Feuchtigkeit an den Ort kommt, wo das Metall, durch welches die Elektricität gehet, isoliret ist, die eleftri⸗ Galst wurde Rkungen ickelten le Ent⸗ n. Der im die⸗ läuben. womit er ge⸗ m den ordenen det ein, der das urch die entzüne ise kann mehre⸗ ue einen je Unbe⸗ es nicht ole nich dung der alle, daß Melall, ss, die letti Knallluft. 277 elektrische Flamme längst derselben hinläuft. Inzwi⸗ schen gibt es mehrere Mittel, um dieser Unbequem— lichkeit abzuhelfen, wenn man z. B. den Schwamm in ein durchlöchertes Büchschen einschließt, dasselbe in der Pistete befestiget, u. s. w. Allein aus Furcht, über diesen Artikel zu weitläufig zu werden, überlasse ich Ihnen die fernere Betrachtung selbst; es wird Ih— nen ein Vergnügen seyn, selbst einige Verbesserungen, derer dieser Versuch gar wohl empfänglich ist, ange— bracht zu haben. Sie werden sich erinnern, daß ich den Tropfen Vitrioläther nicht in den Lauf der Pistole selbst, son—⸗ dern in ein kleines Federharzfläschchen zu legen pflege, dessen Mündung ich sodann in den Lauf der Pistole stecke, indeß ich es einigemahle zwischen meinen Fin⸗ gern zusammendrücke, um den entzündbaren Dunst herauszutreiben, der sich durch die im Laufe enthalte— ne Luft verbreiten soll(e). Dieses Verfahten langte S 3 nicht 8— (e) Die brennbare Luft aus Sümpfen und Metallen hat dieß mit anderen Körpern gemein, daß sie sich nicht an—⸗ ders, als in Berührung mit der gemeinen, oder einer anderen athmenbaren Luft, dergleichen die dephlogistizirte Luft ist, entzünden kann. Senket man eine brennende Kerze in ein eylindrisches Gefäß voll brennluft, so löschet die 278 Eine neue zu, wenn man Statt des Aethers Hoffmannischen Geist nähme, weil von einem einzigen ins Federharzfläschchen geworfenen Tropfen desselben nicht genug Bennstoff ent⸗ bunden würde, um die Luft der Pistole sicher knallend zu machen; daher es am besten ist, um diesen Versuch mit einem sicheren Erfolge anzustellen, daß man sechs bis sieben Tropfen dieses Geistes in das Federharz⸗ fläschchen fallen lasse. Als ich diese Ungewißheit beym Gebräuche des Federharzfläschchens bemerkte, habe ich ihr durch einen einzigen in die Pistole selbst geworfe— nen Tropfen desselben Geistes, und durch drey bis vier Schwenkungen der Pistole vor dem Losschießen, bald abgeholfen. Freylich ziehen die inneren Wände des Laufes die Feuchtigkeit an, wenn man diesen Versuch zur nämlichen Zeit gar zu oft wiederhohlet. Allein da die Feuchtigkeit die Entzündung der in der Pistole ent— haltenen Luft nicht hindern kann, wenn nur nicht zu— gleich der isolirte Ort davon trunken wird, so kann man die Kerze aus, ob sie gleich im Vorbeygehen die Oberflä—⸗ che der Breunluft angezündet hat, weil die Oberfläche allein mit der atmosphärischen Luft in Berührung ist; aber die solchergestalt entzündete Brennluft verzehret sich gänzlich, indem die Flamme stuffenweise abwärts steiget, und zwar gerade so, wie die Flamme eines gemeinen ö Lichtes. Geis ichchen off ent, nallend hersuch sechs erharz⸗ it beym be ich worfe⸗ 18 vier „bald ide des Versuch llein da ole ent⸗ icht zu⸗ so kaun man „Oberfli⸗ Oberfläche rung it: Het sich steiget/ gemeinen Knallluft. 27⁷ man es leicht so einrichten, daß, wenn eine beträcht⸗ liche Menge Feuchtigkeit in der Pistole wäre, sie den Ort der Isolirung niemahls erreichen, und folglich die Luft in der Pistole ersticken kann. Um dieses zu be— werkstelligen, darf man nur, wenn man den Hoffman⸗ nischen Geist in die Pistole thut, und diese schwenket, um den Dunst dieses Geistes durch die darin enthalte— ne Luft zu zertheilen, die Glasröhre, wodurch das die elektrische Flamme leitende Metall gehet, herausneh— men. Zu diesem Ende ist die Glasröhre, die den Me— talldrath meiner Pistole schützet, in einer küpfernen Schraube mit Siegellack befestiget, welche man nach Gefallen ein oder ausschrauben kann. Das inwendig hervorragende Ende des Drathes ist mit weißem Wach— se geschützet(f). Fast alle Knallluftpistolen zu London S 4 sind (½) Man pfleget den Metalldrath, um die elektrische Flam-⸗ me zu leiten, in einer Glasröhre zu befestigen, welche in einem messingenen Ringe stickt, der zugleich eine Kopf⸗ schraube ist. Die Glasröhre muß länger seyn, als die messingene Röhre, worin sie gewöhnlich sowohl außerhalb der Pistole, als von innen, mit Siegellack, oder einer anderen nichtleitenden Materie eingeküttet wird. Ladet man die Pistole mit einer gemeinen Breunluft, oder mit einem Tropfen Aether mittelst eiues Caoutchoucks, so lie— get wenig daran, welcher isolirenden Matetie man sich bediene, um die Glasröhre in die Messingeinfassung zu be⸗ festigen. Allein es gehet nicht so, weun mau Hoffman⸗ nische 28⁰0 Eine neue sind nach dieser Vorschrift verfertiget. Der Schuß wird selten versagen, wenn man einen Tropfen des Hoffman⸗ nischen Geistes eine halbe, oder auch eine ganze Minu⸗ te in der Pistole lässet, eh man den Stöpsel hinein⸗ steckt, um ihm Zeit zu geben, die in der Pistole enthal⸗ tene Luft anzuschwängern. Man hat sich nicht zu fürch⸗ ten, daß die entzündbare Luft, in die sich der Tropfen verwandelt, entwische, und sich indessen in die Atmo— sphäre verliere, weil diese entzündbare Luft, viel schwe⸗ rer, als die brennbare Luft der Moräste und der Me⸗ talle, ja als die gemeine Luft selbst, sich nicht so leicht verflüchtiget. Diese besondere Eigenschaft der Aether— brennluft, die mit der Brennluft des Hoffmannischen Geistes eine und dieselbe ist, ist in der Abhandlung hier⸗ über in den philosophischen Transactionen viel ausführ⸗ licher zergliedert. Will man den Versuch abkürzen, so darf man nur einen Tropfen dieses Geistes, auch nur einen halben Tropfen in eine Pistole von sieben bis acht Ku⸗ nische Tropfen gebrauchet, weil der Dunst dieses Saftes das Siegellack leicht durchdringet, so wie jede andere Kütte, die Terpentin enthält. Dieser Unbequemlichkeit weichet man leicht aus, wenn man das ganze Siegellack, welches dem Dunste dieses Saftes ausgesetzet ist, mit einem gemeinen weißen Wachse bedecket; denn das gemeine Wachs löset sich durch den Dunst der Tropfen nicht so leicht auf. 5 vith ofman⸗ Mhu⸗ hnein⸗ enthal⸗ fůͤrch⸗ ropfen Ammo⸗ schwe⸗ Me⸗ leicht Lether⸗ nischen ng hiet⸗ uUsfüͤht⸗ zen, sz ich nut his acht Ku⸗ . Cuastel andete nlichlet icgellad, ist, nit gemeine amsschen Knallluft. 28 Kubikzoll des Inbegriffes werfen, den Stöpsel so— gleich aufsetzen, und sie umkehren. Die Dünste des Geistes werden sich wegen ihrer angeführten Schwere auf den Stöpsel herabstürzen, und die Luft bey ihrem Durchgange mit dem Zündstoffe anschwängern. Auf diese Art kann man eine Pistole in einer Minute fünf— bis sechsmahl, und auch öfters, losschießen. Das be— ste und leichteste Mittel, einen Aethertropfen abzumessen und in die Pistole zu übertragen, ist das schon beschrie⸗ bene Glasröhrchen. Eh ich die Materie der Knallluft verlasse, kann ich mich nicht enthalten, Ihnen einen Vorgang zu be— schreiben, den ich mit der neuen Knallluft aus Aether und deophlogistizirter Luft gehabt habe. Schon die er—⸗ ste Probe, die ich zu London damit machte, kam mir theuer zu stehen; da die Knallluftpistole, die hierzu ausge— dacht, und mit einer Kugel geladen war, in der Hand zerplatzte, wiewohl ich sie für stark genug hielt, um jeder Gewalt, welche was immer für eine Knallluft aus— üben möchte, zu widerstehen. Ich ließ diese Pistole vom Herrn Nairne so ausbessern, daß ich das nämliche Unglück nicht mehr besorgte, und darauf rechnete, sie wäre nicht minder stark, als eine gemeine Pistole fürs Schießpulver, und ich glaubte mich vor aller Gefahr, dieses Gewehr loszuschießen, gesichert. Meine gänz⸗ 7 liche 33² Eine neue liche Beruhigung hierüber setzte mich einer Gefahr aus, der ich nur durch einen Zufall entgangen bin, und welche mich künftighin bey Prüfung solcher Luftentzün⸗ dungen, derer Gewalt mich die Erfahrung noch nicht gelehrt hat, vorsichtiger machen soll. Ich hielt es in⸗ dessen seit dem ersten Unglücke nicht für rathsam, ei⸗ nen anderen Gebrauch von dieser Pistole zu machen, als sie nur meinen Freunden zu zeigen. Vor elnigen Tagen aber wandelte mich die Lust wieder an, diese Knallluft zu versuchen. Ich nahm die nämliche Pistole darzu. An dem Ende des Stempels, welcher der Grund der Pistole ist, und zum Einpumpen der Luft, womit ich sie laden will, dienet, befestigte ich ein kleines Stückchen Schwamm mit einem eisernen Drathe. Ich ließ einen Tropfen eines vortrefflichen Aethers darauf fallen, hielt sodann die Mündung des Laufes in eine mit einer dephlogistizirten Luft aus Salpeter angefüll⸗ te Blase, und die Luft wurde daraus beym Zurückzie⸗ hen des Stempels in den Lauf eingezogen, und erhielt den Brennstoff von dem darin schon befindlichen Aether. Anstatt die Pistole, wie das erstemahl, mit einer Ku⸗ gel zu laden, begnügte ich mich dieses Mahl, nur einen Korkstöpsel in ihre Mündung einzustecken. Ich ver⸗ suchte sie mit einer kleinen Leidner Flasche zu entzündenz allein die Feuchtigkeit, die von ungefähr und ohne mein Wissen hinein gekommen war, stand der elektrischen Flam⸗ me, ————iß7— ahr aus, nn, und kentzün⸗ nicht es in⸗ m, eie machen, elnigen „diese Histole Grund womit kleines . Jh darauf in eine gefull ückzles erhielt ether. t Ku⸗ einen h ber⸗ inden; mein Flam⸗ ne, Knallluft. 283 me, um durch die enthaltene Luft zu gehen, im Wege. Dieses Versagen war für mich vielleicht ein großes Glück, wie Sie gleich sehen werden. Ich nahm den Stöpsel weg, und hielt die Mündung des Laufes vor die Flamme einer Wachskerze; die Luft aber fieng kein Feuer, weil beym Ausziehen des Stöpsels gemeine Luft hinein gedrungen war. Ich stieß also den Stempel her— vor, um die Knallluft gegen die Mündung zu treiben. Auf diese Art war schon der vierte oder beynahe der dritte Theil der ganzen Ladung herausgegangen, wor⸗ auf ich ohne die geringste Scheu die Oeffnung des Lau-— fes der Flamme näher brachte. Die Luft fieng nun Feuer, der Schuß war äußerst heftig, und der ganze hintere Theil der Pistole, so stark er gewesen ist, zu Stücken zersprengt. Der Kolben von Mahoganieholz wurde an vier Orten gespalten, und hielt nur noch durch eine einzige Schraube an dem Körper der Pistole; die zwey anderen waren ausgerissen. Ich bekam einen Stoß in meine Hand, daß sie noch lange darnach zit— terte, und einer meiner Finger war schier gelähmt. Ein sehr masslves Stück Elfenbein, wodurch ein Messing⸗ drath gieng, um das elektrische Feuer in die Pistole zu leiten, war zertrümmert. Dieser unbändig gewaltsame Schuß, davon ich nicht einmahl die Möglichkeit vor— sah, lässet mich glauben, daß, wenn der ganze Inbe⸗ griff dieser Luft in der Pistole geblieben wäre, und durch 284 Eine neue Knallluft. durch die elektrische Flasche Feuer gefangen hätte, wäh⸗ rend dessen der Stöpsel sich in der Mündung des Laufes befand, es wahrscheinlich ist, daß die Pistole, unge⸗ achtet sie so stark war, in meinen Händen zersprungen, und folglich, daß verdrüßliche Folgen für mich und meinen Gehülfen daraus entstanden wären. Diese zwey Beyspiele haben mich gelehret, ins Künftige behutsamer zu seyn, und ein viel stärkeres Ge⸗ wehr verfertigen zu lafsen. Be⸗ „Vah)⸗ Laufes unge⸗ ungen, ch und t, ins es Ger .⸗ Beschreibung einer Knalluftvifol, die man i einer Minute mehrmahls abschies⸗ sen kann. CickERO. et ex his studiis delectatio sola petere- tur: tamen, ut opinor, hanc animi re- missionem humanissimam ac liberalissimam Quõdsi non hie tantus fructus ostenderetur, judicaretis. 8 B Pistolen mit entzündbarer Luft, welche man mittelst eines elektrischen Funkens anzündet, sind eine Erfindung des Herrn Volta, eines Edelman⸗ nes zu Como, der die Luftlehre schon mit einet Men⸗ ge unterhaltender und nützlicher Entdeckungen berei⸗ chert hat. Ein solches Werkzeug konnte nicht anders, als allen Physikern gefallen. Dieses einmahl erfunde⸗ ne Feuergewehr vervollkommnete sich unter den Händen fast eines jeden, der sich damit belustigte, und Herr Volta selbst war nicht der letzte, durch Verbesserun⸗ gen seinen Merth zu erhöhen. Der Elekricitätsträ—⸗ ger, gleichfalls ein Werk seiner Erfindung, vereinigte sich vortrefflich, den Gebrauch dieser Pistole zu erleich— weil man sich mittelsi desselben, um sie abzubrennen, zu 0⁸ Beschreibung zu jeder Zeit hinlängliches elektrisches Feuer ver⸗ —ᷓ—— kann. Der erste, der fand, daß die brennbare Luft mittelst eines elektrischen Funkens angezündet werden könnte, war Doctor W. Watson, ein Mitglied der königlichen Gesellschaft zu London, einer der ersten und besten Schriftsteller über die Elektricität, und der, um den Fortgang dieses neuen Zweiges der Physik so reisseid zu machen, sehr viel beygetragen hat. Man kann die Nachricht dieser Erfahrung in dem XLIII Ban⸗ de der philosophischen Transactionen, Seite 495, aus⸗ füßrenh nachsehen. Da dies Voltaischen Knallluftpistolen allbereits unter den Händen aller Welt sind, so will ich sie hier nicht beschreiben. Ich unterlasse gleichfalls die Beschreibung einer Pistole dieser Art, die ich vor etli⸗ chen Jahren von Herrn Nairne zu London verfertigen ließ, und wovon man eine Figur in dem zweyten Thei⸗ le des LXIX Bandes der philosophischen Transactlo⸗ nen gestochen antrifft. Diejenige, wovon hier die Rede ist, ist die Er⸗ findung des Professor Pickels. Dieser Herr theilte mit mir die Gefahr, in die mich ein zweytes Unglück mit er her⸗ re Luft werden led der ersten und der, hysik so Man 1 Ban⸗ 5aus⸗ lbereits ich sie alls di bor elli⸗ fertigen en The⸗ msactio⸗ die Et⸗ theilte Unglück nit einer Knallluftpistole. 289 mit einer Londner Pistole versetzte, welche mit einer Knallluft von meiner eigenen Zusammensetzung aus ei— ner dephlogistizirten Luft der besten Art, und dem brennbaren Dunste des Vitrioläthers geladen, zwi— schen meinen Händen zersprang, obschon die Mündung des Laufes offen war(a). Herr Pickel kam mit mir überein, daß diese Pistole, die jedweder Kraft einer Knallluft zu widerstehen stark genug schien, uns gefähr—⸗ lich sey, wenn sie mit der oberwähnten Knallluft gela— den wird, deswegen er eine viel stärkere verfertigen ließ, der er so viele Verbesserungen beyfügte, daß sie die meinige sowohl an Güte als Stärke unendlich übertraf. Ich ließ mir also unter seiner Aufsicht eine machen, die allen, welche sie sahen, so sehr gefiel, daß ich nicht zweifeln kann, alle Liehaber dieser Gattung physischer Versuche werden mir Dank wissen, daß ich sie ihnen mitgetheilet habe. Fig. I, Tafel II, stellet die ganze Pistole vor, so wie sie in die Augen fällt, wenn man sie abschies⸗ sen will. Fig. (a) Der Vorgang dieses Unglücks befindet sich in dem vor— hergehenden Briese an Herrn van Breda umständlich be⸗ schrieben. J. verm. Schrift. I. B. T 29⁰ Beschreibung Fig. II stellet den länglichen Durchschnitt der ganzen Pistole vor. Der Körper derselben ist ein star— ker Cylinder von gegossenem Metalle(b), vorne in ei⸗ nen Kegel geendiget, der mittelst einer starken Schrau— be an den Cylinder hält, übrigens aber auch angelö— thet werden könnte. Die Mündung dieser Pistole ist sehr weit, damit man einen dicken Stöpsel einkeilen kann. Will man mit einer Kugel schießen, so schraubt man einen engeren Lauf, so wie man ihn vor der Mündung der Pistole(Fig. I und II) sieht, an. Der Stempel& läuft, um sich an dem vorderen Theile der Pistole genau anzulegen, in einen Kegel aus. Der walzenförmige Theil des Stempels, der an die inneren Wände der Pistole andrückt, ist mit einem gut aus⸗ gesuchten, und nach der Höhle der Pistole genau gemo- delten Korke versehen. Der vordere Theil des Stem⸗ pels hat eine kleine Kammer oder Höhle, die man öff— nen kann, wenn man die Platte, welche die Spitze des abgeschnittenen Kegels ausmacht, abschraubet. Diese Kammer oder Höhle ist bestimmt, einen mit Aether oder Hoff⸗ (b) Die meinige ist aus dem nämlichen Gusse gedrehet, wor⸗ aus die Artilleriestücke bestehen. litt der in star⸗ in ei⸗ Schrau⸗ angelo⸗ ole ist inkeilen chraubt or der an. Theile . Der inneren it aus⸗ gemo⸗ Stem⸗ an öf⸗ ihe des Diese er oder t/ vor⸗ einer Knallluftpistole. 291 Hoffmannischen Tropfen getränkten Schwamm einzu⸗ nehmen(c). Der Stempel A sitzet auf der messingenen Stan⸗ ge, oder Handhabe CC, durch deren Mitte ein ziemlich weiter Kanal hinläuft, der das Ende des Stempels durchschneidet, und in die Höhle der Pistole ausgehet. Dieser Kanal unterhält eine Gemeinschaft mit dem Hah—⸗ nen N, wenn dieser so gedrehet ist, wie es die II Fi⸗ gur zeiget; gibt man ihm aber, wie es in der 1 Figur zu sehen ist, nur eine Viertelswendung, so ist die Ge⸗ meinschaft abgeschnitten. Das mit einem Hahnen versehene Stück Mes⸗ sing E, woran die Blase F angebunden ist, verlieret sich 61 (e) Diese ins Ende des Stempels eingegrabene Höhle braucht bey weitem nicht so geräumig zu seyn, als sie in der Fi⸗ gur vorgestellt wird, wenn sie anders zu nichts bestimmt ist, als ein kleines Stückchen Schwamm zu dem oberwähn—⸗ ten Gebräuche zu enthalten. Ist man aber gesonnen, mit verschiedenen Substanzen, durch welche man die Luft, womit die Pistole angefüllt oder geladen wird, gehen las⸗ sen will, Proben anzustellen, so kann man die Höhle laß sen, so wie sie in der Figur vorgestellt ist; übrigens kann man sie mittelst eines Stückchen Korks schmählern und klei— ner machen, wie man will. 292 Beschreibung sich in einen Kegel, um auf die Glocke 5(Fig. VI) oufgestecket werden zu können. Unten an diesem Kegel ist eine Schraube, mittelst welcher man das Stück E sowohl auf die Glocke, als auf den Hahnen der Pistole Ndurch die Darzwischenkunft des auf dem Hahnen N bey dem hölzernen Knopfe C aufgeschraubten Stückes D aufsetzen kann. Diese Schraube des Kegels siehet man in der IV Figur nakt und besser. Wenn die Hahnen Nund E so, wie man es in der II Figur siehet, offen sind, so hat eine freye Gemeinschaft zwischen der Pistolen— höhle und der Blase Statt. Die Gestalt des Stempels siehet man in der II Figur, und da die Kapsel B davon abgeschraubt ist, so erblicket man die kleine Höhle am Ende des Stempels, wovon oben die Rede war. In der I und II Figur bezeichnen KK zwey Schrauben, wodurch sowohl das vordere Stück der Pi— stole, als das hintere Stück KK an den Körper der Pistole befestiget wird, wobey das letztere mit der hölzernen Handhabe oder dem Kolben vereiniget ist. L ist der Lauf, den man nur alsdann aufsetzet, wenn man mit einer Kugel schießen will; will man aber mit einem Stöpsel schießen, so ist es besser, diesen Lauf wegzulassen. I ist ein in eine Kugel auslaufen-— fender jig. VI) N Kegel Stͤͤk E Pistole hnen N. Stückes het man Nund N sind, istolen— in der schraubt ude des zwey der Pi⸗ per der nit det ist. L „wenn n aber diesen laufen⸗ uder einer Knallluftpistole. 293 fender Messingdrath, den man, um ihn zu isoliren, mit Siegellack in einer gläsernen Röhre befestiget. Diese Glasröhre ist wieder in das Stück Messing H, welches mit seiner Schraube in den hervorspringenden Theil der Pistole eingreift, mit Siegellack eingeküttet. Die VFigur stellet den Durchschnitt dieses auf obbesagte Art eingesetzten Messingdraths dar. Man sie— het allda das Ende des Messingdrathes etwas gekrümmt, um den elektrischen Funken gegen das Metall im Inne⸗ ren der Pistole zu leiten, wie es in der II Figur aus⸗ gedrückt ist, doch so, daß er in der walzenförmigen Höhle der Pistole selbst nicht hervorrage, um der Be— wegung des Stempels nicht im Wege zu stehen. Wenn man die Pistole abfeuern will, so füllet man die Blase Femit einer Knallluft an. Indem man sie auf die Glocke B(Fig. VI) aufstecket, nöthiget man die in der Glocke enthaltene Luft, in die Blase aufzu— steigen, welches man bewirket, wenn man die Glocke bey den geöffneten Hahnen der Blase und der Glocke ins Wasser einsenket. Ist die Blase voll, und der Hahn E geschlossen, so nimmt man die Blase von der Glocke, und befestiget sie unten an das Stück oder an die Röh—⸗ re D(Fig. Iund II). Nach diesem stößt man den Stempel bis an das Ende der Pistole hervor, woraus T 3 man 294 Beschreibung man den Stöpsel einsteckt, welcher den Aus-und Eln— gang der Luft durch die Mündung der Pistole genau verschlteßen muß. Nachdem man diesen Stöpsel recht eingedrückt hat, stellet man zwischen der Pistolenhöhle und der Blase die Gemeinschaft her, indem man die Hahnen N und E öffnet, und ziehet den Stöpsel wieder bis an den Grund der Pistole zurück. Da die gemeine Luft nirgendswo eintreten kann, so gehet die in der Blase enthaltene Luft durch die Hahnen N und E, und durch das Stück D, und durch den ganzen Kanal der Handhabe bis in die Höhle der Pistole, und füllet sie, falls der Stöpsel recht gut in die Mündung der Pisto- le schließt, und der Stempel an den inneren Wänden derselben genau anlieget, ohne die mindeste Beymischung der gemeinen Luft. Sobald der Stempel bis an den Grund der Pi⸗ stole zurückgezogen ist, gibt man dem Hahnen Neine Viertelswendung, um den offenen Weg zwischen der Höhle der Pistole und der Blase zu verstopfen; denn ohne dieß theilte sich die Flamme durch diesen offenen Weg dem Reste der in der Blase noch enthaltenen Knall— luft mit, und zwar um so leichter, da derselbe sehr weit ist. Indeß kann durch eine solche Unterlassung kein anderes Unglück entstehen, als der Verlust der Blase und der darin noch vorräthigen Luft. Ist aber die nd Ein, e genau il recht lenhöhle ian die wiedet gemeine in der E, und al der let sie, Pisto⸗ Dänden ischung er Hi⸗ Veine u der denn pffenen Knall⸗ e sehs assung st der aber die einer Knallluftpistole. 295 die Blase bloß mit einer brennbaren Luft angefüllet, so wäre diese Unterlassung von gar keiner Wirkung, weil die brennbare Luft allein, und unvermischt mit einer athmenbaren Luft, kein Feuer fängt. Um endlich die Pistole abzuschießen, berühret man mit der metallischen Scheibe eines kleinen Elektro— phors den messingenen Knopf 1(Fig. I). Meine Pistole enthält vierzehn Kubikzoll Luft, die, wie man es in der J Figur sehen kann, durch eben so viele Linien auf dem Handgriffe des Stempels angemerket sind, und die Blase beyläufig hundert acht— zig; folglich kann ich, wenn die Blase von Knall— luft bis zum Strotzen angeschwollen ist, mit meiner Pistole beyläufig dreyzehn Schüsse thun; und ist man in der Behandlung dieser Pistole ein wenig geübt, und hat man Stöpsel genug bey der Hand, so kann man in einer Minute leicht acht bis zehn Schüsse thun. Schwellt man die Blase mit der brennbaren Luft, die man aus den Metallen erhält, allein an, so kann man viel öfter nach einander schießen, weil man, in— dem eine beyläufig zu gleichen Theilen gemachte Mi— schung einer entzündbaren und gemeinen Luft eine star⸗ ke Knallluft abgibt, den Stempel nur bis auf den 84 sechs⸗ 296 Beschreibung sechsten Zoll, den man an dem Handgriffe des Stem— pels abzählt, zurückzuziehen braucht, in der Absicht, die Pistole mit gemeiner Luft halb anzufüllen, ehe man den Stöpsel in die Mündung steckt, worauf man den Stempel vollends bis an den Grund der Pistole zurück— zieht, versichert, daß man solchergestalt in der Höhle dieses neuen Feuergewehrs eine beynahe gleiche Mischung don gemeiner und brennbarer Luft hat; denn bey Zu— rücktiehung des Stempels bis auf den Grund der vor⸗ ne verschlossenen Pistole sauget man die brennbare Luft aus der Blase ein. Füllet man die Blase mit einer aus Morästen gekommenen brennbaren Luft, so kann man damit mehr als hundert Schüsse nach einander abbrennen, weil man von dieser Luft, falls ste rein ist, nur einen Theil ge⸗ gen dreyzehn Theile gemeiner Luft braucht, um eine starke Knallluft zu haben. Allein es ist sehr schwer, so eigentlich zu bestimmen, wie viel man zur größten Wirkung davon nehmen müsse, weil diese Luft sich nicht überall von einer gleichförmigen Beschaffenheit vorfindet, Statt dessen man auf die Eigenschaft oder Stärke der brennbaren Luft aus Metallen sicher rechnen kann. Will man eine Mischung von einer brennbaren Luft aus Metallen und dephlogistizirten Luft nehmen so Gtem⸗ Wscht, ehe mun an den zurüc⸗ Höhle Nischung dey Zu⸗ der vor⸗ Hre kuft Norästen ult meht eil man heil ge⸗ im eine schwer, größten ich nicht rfindet, cke det Iu. unbaren ehmen, o einer Knallluftpistole. 297 so sind beyläufig zwey Drittel brennbarer Luft gegen ein Drittel dephlogistizirter Luft, falls diese letztere von einer vortrefflichen Eigenschaft ist, genug. Diese Ver— mischung gibt einen recht heftigen Knall, und ist im Stande, eine bleyerne Kugel beträchtlich weit hinaus⸗ zutreiben. Alle diese Luftmischungen, derer ich so eben erwähn— te, fassen in der Pistole mittelst des leichtesten Fun— kens eines kleinen Elektricitätsträgers Feuer. Wenn man sie aber mit gemeiner Luft, angeschwängert von dem Dunste des Vitrioläthers oder der Hoffmannischen Tro— pfen, laden will, so ist man nicht allezeit sicher, daß der Funken des Elektricitätsträgers allezeit zünde, es sey denn, daß der Elektricitätsträger sehr groß und stark wäre; die kleinste Verstärkungsflasche aber reicht hier zu. Ich bediene mich gemeiniglich einer sechs Zoll lan— gen und drey Linien breiten Glasröhre, die, an einem Ende hermetisch geschlossen, inwendig wie eine Leidner Flasche mit Metall bewaffnet ist. Um diese Art einer kleinen Leidner Flasche zu laden, senke ich ihren Knopf bis zum Ende der Glasröhre einer großen geladenen Leidner Flasche, nach Herrn Cavallo's Erfindung, die man ohne Furcht, daß sie sich entlade, mit den Händen angreifen, und bey sich tragen kann, T5 ein 298 Beschreibung ein(d). Eine solche geladene Verstärkungsflasche, wenn sie wenigstens ein oder zwey Maß enthält, kann mit⸗ telst dieses kleinen Verstärkungsfläschchens unter der Gestalt einer Röhre, für sehr viele Pistolenschüsse zureichen. Steckt man in die kleine Kammer, die an dem Ende des Stempels ist, ein kleines mit etlichen Tro— pfen Aether oder Hoffmannischen Tropfen getränktes Stückchen Schwamm, so kann man, ohne daß man nöthig hätte, die Blase an das Ende des Stempels zu hängen, die Pistole mehrmahls nach einander ab⸗ schießen, wenn man nur, ehe der Stempel zurückgezo⸗ gen wird, die Mündung der Pistole mit dem Stöp— sel gut verschlossen hat; denn alsdenn gehet beym Zu— rückziehen des Stempels die gemeine Luft durch den, den ganzen Stempel durchschneidenden Kanal, wobey sie durch die kleinejKammer, die den mit dem entzünd⸗ baren Dunst dieses Geistes durchdrungenen Schwamm be⸗ (d) Diese Art der Leidner Flaschen ist in einer Denkschrift über die Art, mittelst der Entladung einer kleinen be— waffneten Flasche sich ein Licht zu verschäffen, beschrieben. Diese Denkschrift ist in den zweyten Theile des LXIX. Bandes der philosophischen Transaetionen eingerückt, und man trifft sie in dieser Sammlung Seite 191 übersetzt an. u dem u Tro⸗ unktes man mpels er ab⸗ igezo⸗ Stop⸗ ym Zu⸗ den, wobey Hüͤnd⸗ vamm be⸗ * einer Knallluftpistole. 299 beherbergt, durchstreicht, und davon knallend wird. Es ist wohl zu merken, daß sswohl die gemeine, als de— phlogistizirte Luft entweder gar nicht, oder sehr schwach knallt, wenn sie von dem brennbaren Dunste zu stark angeschwängert sind; man muß sich daher zuvor etwas üben, bis man in Stand kommt, diese Pistole allezeit mit Erfolg zu laden. Wenn man sie mit einer dephlo— gistizirten Luft der ersten Güte, knallend gemacht durch den gehörigen Zusatz des in Dünste aufgelösten Vitriol⸗ äthers oder Hoffmannischen Geistes, ladet, so ist der Schuß so heftig, daß man, ohne daß das Gehör dabey leide, das Getös kaum ertragen kann, und um es zu wagen, mit dieser Luft zu schiehen, muß man auf die Haltbarkeit seiner Pistole ein gegründetes Vertrauen setzen können. An⸗ 30⁰ Die Sumpfluft Anhang. Eine leichte Art, der brennbaren Luft sumpfi⸗ ger Wässer habhaft zu werden. Jo befand mich manchsmahl in Verlegenheit, eine große Menge von der Luft zu erhalten, die im mora— stigen Grunde stehender Wässer sich erzeuget, und wuß— te nicht, wie es anzugreifen wäre, daß ich sie bequem, und ohne mich zu beschmutzen, sammeln könnte. Hier ist nun eine sehr einfache Art, deren ich mich gegen— wärtig bediene, ohne daß ich einen kleinen Nachen nö⸗ thig hätte, oder mich zu beschmieren Gefahr liefe, oder mich gar gezwungen sähe, selbst in diese Wässer hinein zu waden. Die Vorrichtung ist in der XIII Figur der Tafel vorgestellt. Man bindet nämlich eine große, mit Fett wohl abgeriebene, und folglich erweichte Bla— se an eine hölzerne Röhre mit einem Hahnen, dessen Handgriff viereckig, und mit zwey Löchern über Kreuz durch und durch gebohrt ist. Eines von diesen Löchern dienet zum Aufmachen, das andere zum Schließen. Diesen Hahnen drehet man um, indem man das Ende eines Stocks in eines dieser Löcher einsteckt. Die höl⸗ zerne Röhre, an welcher der Hahn ist, und die Blase ange⸗ S.— mpfi⸗ „ eine Mora- wuß⸗ zuem, Hier gegen⸗ en nö⸗ „oder hinein jur der roße, Bla⸗ dessen Kreuz öchen ließen. Ende höl⸗ Blase 9e⸗ zu sammeln. 301 angebunden wird, sitzt auf einem sehr ausgehohlten Trichter von Blech oder Messing, der auf seinem erho— benen Theile einen starken und fest angelötheten Ring hat, welcher das Ende eines Stocks aufnimmt. Nachdem alle Luft aus der Blase heraus ist, schließt man den Hahnen, und befestiget den Trichter mittelst des auf seiner erhobenen Seite angelötheten Ringes an einem Stocke, und füllet denselben mit Wasser, indem man ihn untertäücht, um alle atmosphärische Luft herauszutreiben, und alsdann bringt man ihn erst in die Lage, in der man ihn auf der Tafel siehet, wobey man aber Acht geben muß, daß man ihn nicht tiefer, als zwey bis drey Zoll unter die Oberfläche des Wassers niederdrücke. Indem man in der linken Hand den Stock hält, woran der Trichter befestiget ist, drehet man, um die Gemeinschaft zwischen dem Trichter und der Bla— se zu öffnen, den Hahnen mittelst eines Stockes, den man in der rechten Hand hält, um; dann rühret man, um die brennbare Luft zu entbinden, mit demselben Stocke den Bodensatz des Wassers anf, und zwar so lange, bis die Blase von brennbarer Luft, die häufig aufsteiget, angeschwollen ist, worauf man den Hahnen eben so, wie man ihn aufgemacht hat, schließt, und die Vorrichtung aus dem Wasser heraushebt. Auf 392 Die Sumpfluft zu sammeln. Auf diese Art kann man so viele brennbare Luft bekommen, als man wünscht; denn, wenn man sich mit großen Flaschen versehen hat, füllet man sie mit Was— ser, stürzet sie unter demselben in einer Bütte um, lö⸗ set den Trichter von der hölzernen Röhte ab, steckt ihn in die Mündung einer umgekehrten Fläsche voll Wasser, und leeret die Blase zwischen den Händen unter dem Trichter aus, und die darin enthaltene Luft steiget in die Flasche auf, und drückt das Wasser heraus. Die solchergestalt ausgeleerte Blase vereiniget man wieder mit der übrigen Vorrichtung, wie sie vor—⸗ her war, um sie aufs neue mit brennbarer Luft anzu⸗ süllen, und so kann man so viele Flaschen anfüllen, als man will. Doctor Pickel hat diese Geräthschaft ausgedacht. PPPPPPTPPTPETRRTR HRult ich mit ö ö Das⸗ 1„ l- kt ihn asser, zet in V E 1 s u ch einer niget neuen Theorie „ als ö über das uh. Schießpulver. BAcO DE VERULAM. * — —. — — . — 2. E — 2.— — — 2 — — — AM. Erster Abschnitt. Vorläufige Betrachtungen. ine der größten Entdeckungen, die die Kriegs⸗ kunst der Bearbeitung der Wissenschaften zu verdanken hat, ist unstreitig das Schießpulver. Diese fürchterliche Mischung verschafft den Physikern reichli— chen Stoff der Verwunderung und tiefer Betrachtungen. Allein wenn man überleget, daß der Gebrauch dieses Pulvers seit so vielen Jahrhunderten das Schicksal der Mationen entschieden hat, so muß man sich erstaunen, J. verm. Schrift. I. B. U daß 30⁶ Eine neue Theorie 7 daß die Untersuchungen der Naturforscher, und beson— ders derjenigen, die die Scheidekunst zu ihrem Haupt— gegenstande gewählt hatten, in Rücksicht der Natur dieser Zusammensetzung einen so geringen Erfolg gehabt haben. Es scheinet sogar, daß, je vollkommener man die Art, es zu verfertigen, und sich desselben zu bedie— nen, gekannt hatte, desto weniger habe man die wah— re Ursache seiner fast unwiderstehlichen Kraft, die so— gar die Kraft der fürchterlichsten Erscheinungen der Na— tur, des Donners, übertrifft, durchdrungen. Uibrigens ist die Erfindung dieses Pulvers einer der untrüglichsten deweise von dem Fortgänge der menschlichen Kenntnisse. Sie beweiset offenbar, daß die Pflege der Künste und Wissenschaften die Kräfte der Natur selbst in die Hände des Menschen lege, und ihn belehre, wie er sie zu sei— nem eigenen Gebräuche verwenden, und sich ihrer zur Vermehrung seiner eigenen eingeschränkten Kräfte be— dienen solle. Wenn die neueren Entdeckungen, die die Naturfat⸗ scher unsrer Tage gemacht haben, und mit einer Schnel⸗ ligkeit, die die Nachwelt in Erstaunung setzen wird, zu machen noch fortfahren, den Weg zu der wahren Ursa— che der überraschenden Wirkungen, die diese Zusammen— setzung hervorzubringen vermag, gebahnt haben, so scheinet es doch nicht, daß uns eine nähere Kenntniß ihrer beson/ Haupt⸗ Natur gehabt rman bedle— wah⸗ ie so⸗ Ra⸗ igens chsten tnisse. e und Hände zu sei⸗ +zut te be⸗ irf 4 chnel— d/ u Ursa⸗ imen⸗ so ntniß l über das Schießpulver. 307 ihrer Natur in Stand setzen wird, sie vollkommener zu machen; und die Ursache davon ist, daß das dringende Bedürfniß, welches man davon hatte, seit dem man ihren Gebrauch kannte, die Betriebsamkeit der Künstler so sehr angestrengt hat, daß sie diese Materie erschöpft zu häben scheinen, und so weit gekommen sind, daß sie gegenwärtig dieser Waare alle Vollkommenheit, deren sie nur empfänglich ist, geben. Wiewohl die friedlliebenden Wissenschaften dem Forschen des Weltweisen angemessner sind, als jene, derer Zweck ist, das Schwert des Krieges noch mehr zu schärfen; ein Schwert, dessen mördrische Schneide, ohnehin schon die größte zerstörende Kraft, deren sie nur fähig ist, erlangt zu haben scheint, so dürfen doch die Physiker die Untersuchungen über das Wesen jener auffallenden Erscheinungen, die die Natur selbst hervor— bringt, oder die menschliche Betriebsamkeit erweckt hat, nicht vernachlässigen, so groß auch das Uibel ist, wel⸗ ches der Menschheit daraus erwächsen könnte. In der That haben die Physiker auch niemahls aufgehört, Theorien aufzuführen, die sie auf die Er⸗ klärung der wahrhaft erstaunlichen Wirkungen des Schießpulvers anwenden zu können glaubten; allein so länge die neueren Entdeckungen über die verschiedenen u⸗ Ar⸗ 306 Eine neue Theorie Arten luftähnlicher sowohl natürlicher als künstlicher flüssiger Wesen die Naturlehre noch nicht bereichert hat— ten, war es unmöglich, von der Knallkraft dieses Kör⸗ pers, von dem hier die Rede ist, eine befriedigende Ursache zu geben. In dem Maße aber, als die na— türlichen Kenntnisse sich erweiterten, sah man aufge— klärtere Lehrgebäude entstehen, die jedoch noch weit entfernet sind, die heutigen Naturkündiger gänzlich zu befriedigen. Das Schießpulver ist ein Körper, der um so be— wundernswürdiger ist, als es ohne die Kenntnisse, die wir jetzt von den verschiedenen Arten der luftähnlichen flüssigen Wesen, vorzüglich aber von der dephlogistizir⸗ ten und brennbaren Luft, haben, unmöglich scheinet, daß man seine Zusammensetzung a priori hätte aus— denken können, das ist, daß man zum vorhinein hätte errathen können, daß diese drey Substanzen, oder viel— mehr diese zwey(denn die dritte, nämlich der Schwe— fel, ist eigentlich nicht nothwendig) mit einander ver—⸗ mischt, eine so erstaunliche Wirkung würden hervor— bringen können. In der That, ohne die Kenntniß die— ser zwey Lüfte könnte uns die Zergliederung eines sol— chen Körpers nichts enidecken, das uns die mindeste Furcht, oder den mindesten Begriff der Gefahr, sie zu behandeln, sie möchten getrennt, oder mit einander ver⸗ einigt stlichtt ert hat⸗ 8 Köt⸗ digende ie na⸗ aufge⸗ h welt änzlich so be⸗ se, dit nlichen gistizir⸗ schelnet, te aus⸗ n hätte der viel⸗ Schwe⸗ er vet⸗ hervot⸗ tniß die⸗ nes sal⸗ mindeste sie zu der bet— einigt über das Schießpulver. 309 einigt seyn, einjagen sollte. Denn wenn wir den Sal⸗ peter untersuchen, so finden wir zwey Substänzen, die ihn ausmachen, nämlich das vegetabilische feuerbestän⸗ dige Laugensalz, so wie die gemeine Pottasche ist, und eine Säure, die man die Salpetersäure nennt, und die, mit vielem Wasser gemischt, gemeiniglich unter dem Nah— men des Scheidewassers bekannt ist, und unter dem Nahmen eines Glauber'schen Salpetergeistes, wenn sie in die Enge gebracht ist. Das vegetabilische feuerbe— ständige Laugensalz, weit entfernt, verbrennlich zn seyn, löscht das Feuer aus, und beraubt sogar die verbrenn⸗— lichen Körper, die damit getränkt werden, ihrer Brenn⸗ barkeit. Die Salpetersäure, so concentrirt sie auch ist, kann nicht entzündet werden, und löscht das Feuer, gerade, wie Wasser, aus. Diese zwey Substanzen, mit einander vermischt, wo sie sodann den Salpeter selbst herstellen, werden um nichts verbrennlicher, als sie es getrennt sind. Man kann dieses Salz in einer Pfanne glühen, ohne daß es Flamme fängt. Mann kann so⸗ gar in eine geschmolzene und glühende Salpetermasse, ohne daß sie sich entzünde, ein glühendes Eisen einsen⸗ ken. Die Kohle, als der zweyte nothwendige Bestand— theil des Schießpulvers, für sich allein untersucht, zei— get uns nicht das Geringste mehr, welches uns einige Gefahr, mit ihr umzugehen, vermuthen ließe. Sie fängt Feuer, und verwandelt sich ohne das geringste Ar Ge⸗· V 310 Eine neue Theorie Getös und ohne alle Bewegung zu Asche. Sie hat dieß mit allen verbrennlichen Körpern gemein, daß sie, falls sie mit der freyen Luft nicht in Berührung ist, auch durch das heftigste und anhaltendste Feuer weder brennen, noch verzehrt, oder zur Asche verwandelt wer— den kann. Bey der Betrachtung, daß unsre heutigen Physiker die Art, aus dem Salpeter die dephlogistizir— te Luft, die darin gleichsam eingekerkert zugegen zu seyn scheint, und die brennbare Luft aus Kohlen zu entbin⸗ den enideckt, und schon beobachtet haben, daß die Mi— schung dieser zwey Lüfte bey der Näherung des Feuers mit der äußersten Heftigkeit sich entzünde, kommt es mir wahrscheinlich vor, daß uns die Entdeckungen, die man ohne die mindeste Absicht, sie auf die Natur des Pulvers anzuwenden, gemacht hat, bald auf die Erfin⸗ dung dieses furchtbaren Körpers würden gebracht haben, wofern er nicht schon durch ein Ungefähr wäre entdecket gewesen. Indeß ist es unläugbar, daß die Verbindun⸗ gen von Ideen, die, jede für sich besonders betrachtet, uns sehr geläufig sind, nicht allezeit unmittelbar daher rühren. Mehrere der nützlichsten Entdeckungen waren nichts, als eine glückliche Vereinigunz der Materia⸗ lien, derer man sich einzeln bediente. Ein Beyspiel hiervon haben wir an der Kunst zu drucken„ und noch an vielen anderen. + Ehe 2 hat aß sit g it, sveder t wer⸗ eutigen zisttzir— zu seyn *. ntbin— ie Mi⸗ Feuers imt es en, die ur des Exfin/ haben, indun⸗ achtet, daher waren ateria⸗ eyspiel hoch Che uber das Schießpulver. 311 Ehe ich nun die Theorie, die ich über diesen Ge⸗ genstand gebildet habe, zergliedere, will ich die Theorie, welche drey berühmte Gelehrte in diesem Jahrhunderte hervorbrachten, flüchtig durchgehen, und kurz zusam— menfassen, was der große Newton, der gegenwärtiges Jahrhundert noch zieren half, und zwey Gelehrte vom ersten Range, die mit ihren Arbeiten die Naturlehre zu bereichern noch unermüdet fortfahren, nämlich Herr Macquer und Doetor Priestley, darüber gedacht haben. 4 Zwey⸗ 312 Eine neue Theorie Zweyter Abschnitt. Die Meinungen einiger Gelehrten über die Na⸗ tur des Schießpulbers. Rdi sagt, Kohlen und Schwefel, die leicht Feuer fangen, theilen dasselbe dem Salpeter mit, und der in Dünste aufgelöste Salpetergeist breche mit Ungestümm aus der Substanz des Salpeters hervor(fast gerade so, wie der Wasserdunst aus einer Windkugel heraustreibt), und, durch das Verbrennen geglühet, zeige er sich unter der Gestält einer Flamme; die Schwefelsäure dringe mit Heftigkeit in den festen Körper des Salpeters, und er— wecke darin eine große Gährung, und entbinde solcher— gestalt den Salpetergeist; und in dem Maße, als die Gahrung heftiger werde, nehme die Wärme zu, so daß sogar die feste Substanz des Salpeters verdünnt, und in Dünste aufgelöset werde, welches den Knall, der die Fol⸗ ge davon ist, um so heftiger und lebhafter mache(a). Herr — (a) Um einen desto richtigern Begriff von der Theorie dieses unsterblichen Mannes zu geben, glaube ich, denjenigen un⸗ ter meinen Lesern, die englisch verstehen, einen Gefallen zu ge mit ind er⸗ gen un⸗ efallen U über das Schießpulber. 313 Herr Macquer, einer der berühmtesten Scheidekünst—⸗ ler unsrer Zeit, nimmt an, daß zur Zeit des Glühens * des zu thun, wenn ich ihnen seine Worte selbst vor Augen le— ge: Is not flamme a vapour, fume, or exhalation heated red hot, that is, so hot as to shine? For bo⸗ dies doe not flame without emitting a copious fume, and this fume burns inthe flame——— Smoke pas⸗ süng through flame, cannot but grow red hot, and red hot smoke can have no other appearance, than that of flame. When gunpovder takes fire, it goes away into flaming smoke. For the charcoal and sulphur easily take fire and set fire to the nitre; and the spirit of nitre being thereby rarifyed into va- pour, rushes out with explosion much after the man- ner that the vapour of water rushes out of an Aco- lipile; the sulphur also being volatile is converted into vapour and augments the explosion. And hthe acid vapour of the sulphur(namely that Which de- stils under a bell into oil of sulphur) entering vio- lently into the fixed body of the nitre, sets loose the spirit of the nitre and excites a great fermentation Whereby the heat is farther augmented, and the fixed body of the nitre is also rarifyed into fume, and the explosion is therebyÿ made more vehement and quick. For if salt of tartar be mixed with gun— powder, and that mixture be warmed till it takes fire, the explosion will be more violent and quick than that of gunpovder alone; Which cannot pro- ceed from any other cause, than the action of the vapour of the gunpowder upon the salt of tartar, whereby that salt is rarifyved. The explosion of gun- powder arrises therefore from the violent action Whe⸗ 314 Eine neue Theorie des Schießpulvers eine Vereinigung der reinen Salpe— tersäure und des Phlogistons gleich der Vereinigung, die zwischen der Vitriolsäure und dem Phlogiston im gemeinen Schwefel vorwaltet, Statt habe. Ein sol—⸗ chergestalt erzeugter Salpeterschwefel ist nach Herrn Macquer ein zusammengesetzter Körper von einer so entzündbaren Natur, daß er nicht einen Augenblick, ohne zu glühen, bestehen kann. Man findet diese Theo— rie in seinem lehrreichen Buche, das man nicht genug loben kann, in dem Dictionaire de chymie, neuer Aus— gabe, in dem Artikel Poudre à canon, vorzüglich aber in dem Artikel Detonation du nitre. Diese Theorie wird vom Doctor Priestley nicht gutgeheißen, als welcher voraussetzt, daß dieser Salpeterschwefel, falls er sich wirklich unter dem Glühen des Schießpulvers bildete, nicht brennen könnte, ohne daß er mit der gemeinen Luft in Berührung wäre(wenigstens wenn die⸗ hereby all the mixture being quickly and vehe- mently heated, is ra rifyed, and converted into fume and vapour: which vapour by the violence of that action becoming so hot as to Shine, appears in the sorm of flame. Theory of opticks, orea treatise or the reflections, refractions, inflexions and colours of light, the fourt editian. London MYDCCXXX bag. 316. e. 44. 5 22 über das Schießpulber. 315 Sahe. dieser Körper in Rücksicht seiner Entzündbarkeit mit Ugun 2 W ‚ den übrigen verbrennlichen Substanzen eine Aehnlichkeit on im hat)); die Luft aber, worin dieser neu erzeugte Körper n sol⸗ 0 Feuer fienge, würde von dem brennbaren Wesen bald He Herrn überladen seyn, und folglich das Feuer, das sich in einer her I—— 1 0 phlogistizirten Luft nicht erhalten kann, auslöschen, eben ablik, so, wie der gemeine Schwefel, der, für so entzündbar Theo— man ihn auch hält, in einem engen und eingeschlossenen genug ODrte nicht brennen kann(b). Aus⸗ j aber Nach⸗ heorie— „als falls(b) Man kann diese Critik des Herrn Priestley in seinem falls Werke, betitelt: Experiments and observations relating Ulbers to various branches of natural philosophy; with 2 1 d continuation of the observations on air, by Joseph der— Priestley, LL. D. F. R. S. pag. 255, nachschlagen. wenn 0 Als die ersten Bogen dieses Priestley'schen Werks abgedruckt wurden, las ich ihm eine Denkschrift, in ei— nen Brief eingekleidet, die meine Eutdeckung einer ent— zündbaren und knallenden Luft, und eine neue Theorie über die Natur des Schießrulvers euthielt, vor, welche vehe · Denkschrift Herr Priestley in dem Anhange des besagten sume Werks nebst noch einigen anderen Denkschriften, die ihm that etliche seiner Freunde vorgeschossen hatten, einzurücken be— the schloß. Allein, nachdem er diesen meinen Aufsatz noch of einmahl aufmerksam lesen gehört hatte, fand er für aut, 25 ot nur einen Auszug, oder einen Theil davon, in sein Werk X. zu übertragen, weil sonsten derselbe Band durch eine so weitläufige Denkschrift zu sehr angewachsen wäre, und er er⸗ 316 Eine neue Theorie Nachdem Doctor Priestley die Lehre des Herrn Macquers widerlegt hat, trägt er die seinige vor. Den Grund davon lässet er auf der Lehre von der dephlogi— stizirten Luft beruhen, und erklärt sich Seite 256 sel— nes angeführten Werkes folgendermaßen:„ Die Lehre der eröfnete mir zugleich, daß er in diesem Bande eine Thes ⸗ rie, die er sich von diesem Pulver gemacht habe, und die mit der meinigen, die er lesen gehört, auf eins hinaus— liefe, bekannt machte; er versicherte mich hiebey, er woll— te nicht ermangeln, eine rühmliche Erwähnung meiner Theorie zu machen, weil die Ehre, sie ausgedacht zu ha— ben, mir mit um so vielmehr Recht zugehöre, als ich nicht wissen konnte, was er selbst über die Natur dieses Pulvers gedacht habe. Er ersuchte mich, mein Manuseript unter seinen Händen zu lässen, Willens, selbst einen Aus— zug daraus zu ziehen. Ich hielt es aber nicht für rath— sam, in diesen Vorschlag zu willigen, sondern ich verfer— tigte selbst einen Auszug, in soweit es die Knallluft be— traf, der in dem besagten Priestley'schen Werke Seite 474 eingerückt stehet. Das Uibrige dieser Denkschrift, welches die Theorie des Schießpulvers enthielt, beschloß ich der königlichen Gesellschaft zu London zu überreichen, die sie auch für würdig achtete, ihren philosophischen Transactionen einverleibt zu werden. Inzwisthen hat Herr Priestley es entweder nicht für gut befunden, oder er hat es vergessen, von meiner Theorie eine Erwähnung zu thun, die er jedoch, nachdem sein Werk im Jahre 1779 das Tagslicht erblickt hatte, mit lauter Stimme durchaus gutzuheißen großmüthis genug war. Der Leser wird es selbst beurtheilen, in wie weit unsee zwey Theorien zu⸗ sammentreffen. e Thes ⸗ und die inaus⸗ woll⸗ meiner zu ha⸗ als ich dieses nuseript en Aus⸗ rath⸗ verfer⸗ ust be⸗ Seite hrift, schloß eichen, hischen t Hett er hat Ithun, das rchaus ird es N — — — — — — — — . über das Schießpulver. 317 der dephlogistizirten Luft gibt uns von dieser so schwe— ren Erscheinung die leichteste Auflösung, die man sich nur denken kann. Die mit einer erdichten Substanz verbundene Salpetersäure kann bis auf einen gewissen Grad nicht erhitzet werden, ohne daß sie eine dephlo— gistizirte Luft hervorbrächte, worin alle verbrennliche Körper mit der äußersten Heftigkeit brennen. Ich setze also(Doctor Priestley spricht selbst), daß in dem Augenblicke, als die im Salpeter enthaltene Säure durch die Wirkung des in das Schießpulver gebrachten Feuers sich von dieser Substanz entbunden siehet, und ein Theil Kohlen durch diese Wirkung des Feuers zu einer erdichten Substanz, oder in anderen Worten, zur Asche verwandelt wird; daß in diesem Au⸗ genblicke, sage ich, durch das Feuer, welches auf diese zwey so eben hervorgebrachten, und in eine wechsel— weise Berührung versetzten Substanzen wirkt, eine de— phlogistizirte Luft entwickelt werde. Der Rest der Kohlen, den das in das Pulver gelegte Feuer zu glei— cher Zeit glühend gemacht hat, der aber noch nicht in eine erdichte Substanz oder in eine Asche übergegangen, und solchergestalt mitten in diese aus der stärk erhitzten Mischung der Asche und Salpetersäure entwickelten dephlogistizirten Luft versetzt ist; diese Kohlentheilchen also, sage ich, müssen darin mit der nämlichen Hef— tigkeit brennen, als wir beobachten, wenn ein Stück „le⸗ 72 7. 7 I 3178 Eine neue Theorie lebendiger Kohlen in die dephlogistizirte Luft geworken wird. Diese Kohlentheilchen, welche bald darauf gleich— falls, wie die ersteren, zu Asche verbrannt werden, und zu gleicher Zeit mit anderen noch unzersetzten Sal⸗ petertheilchen in Berührung kommen, entbinden durch die Hitze des Feuers, das noch immer fortfährt, sich von einem Theilchen zu dem anderen zu verbreiten, und wegen der dephlogistizirten Luft, die es nährt, nicht ver⸗ löschen kann, wieder eine neue Portion dephlogistizirter Luft, nachdem sie, wie schon oben gesagt worden, die Salpetersäure vorher frey gemacht häben; die bisher noch nicht verzehrten Kohlentheilchen, in diese neu er⸗ zeugte dephlogistizirte Luft versetzt, brennen darin mit der äußersten Heftigkeit: und so pflänzet sich die Ent— zündung, oder Verpuffung, durch die ganze Masse des Pulvers fort, bis aller Salpeter oder alle Kohle verzeh— ret ist. Solchergestält gehet, fährt Herr Priestley fort, bey diesem Vorgänge die Salpetersäure nicht verloren, wie doch einige Scheidekünstler vermeinen, sondern die— se Säure wird zur Zeit der Entzündung zur Hervor— bringung einer deplogistizirten Luft, oder einer ande— ren Luftgattung, die vielleicht während dieser Entzün⸗ dung sich erzeuget, verwendet(c). Herr (e) Ich konnte diese Theorie, wörtlich übersetzt, nicht ver— ständlich genug machen, und man hätte mich schlechter— dings über das Schießpulver. 312 Worken Herr Priestley kann es mir nicht verargen, daß fgleich— ich über diese Theorie etliche wenige Bemerkungen zu herden, machen die Freyheit nehme. Ich thue es mit um so iGal— mehr durch t, sich Rh, und dings nicht begriffen; daher ich mir die Freyheit genom— icht hed men habe, mich einiger Umschreibungen und Wiederhoh— lungen zu bedienen. Indeß glaube ich, den Sinn des Verfassers getroffen zu haben; aus Furcht aber, ein ande— M, die rer, der den der englischen Sprache eigenen Gang näher kennt, als ich, möchte es besser Emacht haben, und dar— an etwas auszustellen finden, will ich den Grundtext bey— geu er— fügen: No the doctrine of dephlogisticated air sup- plies the easiest solution imaginable of this very dif- stizittet bishet rin mt ficult phenomenon. For it appears that the nitrous ie Ent⸗ acid cannot be heated to a certain degree, in con- uss des tact—— any earthy matter, Rün producing de- 9 phlogisticated air; by the help of Which all combu- betzeh⸗ stible substanees burn with the greatest violence, much ey fott, more than they can be made to burn with in eom- mon air. Here then j suppose that the moment the kloten, acid of nitre, contained in the nitre, änd the earth u die⸗ of the coal, for exemple, thrown into it become red hot, in contact with each other, dephlogisticated air is produced; and in this air the remainder of the ande⸗ charcoal, being likewise red hot, burns with the violence that is observable in the experiment; whi- hervor⸗ — 4 uizul⸗ le, at the same time, other portions of the nitrous acid are forming, with other parts of the same de- —— cComposed charcoal, the union that mo- ö re dephlogisticated air; and thus the détonation con- i tinues, till all the charcoal, or all the nitre, is con- ö t her sumed; the aeid not being lost, as some chemists ex- ö lechtel, press 32⁰ Eine neue Theorie mehr Zubersicht, als alle diejenigen, die seine Werke gelesen haben, überzeugt seyn müssen, daß er großmü⸗ thig genug denkt, um gegen seine eigenen Fehler mehr Nachsicht zu gebrauchen, als gegen das Versehen ande— rer Schriftsteller. Er verbessert die seinigen, sobald er ihrer gewahr wird, und man ist ihm nicht wenig ver— bunden, daß er der anderen ihre nicht gleichgültig an— sehen kann. Diese wahrhaft lehrreiche Freyheit kann nicht anders, als selbst denjenigen gefallen, derer irrige Meinungen durch gegründete Bemerkungen berichtiget werden, von wem sie immer kommen mögen, wenn sie nur nicht das Gepräge der Verachtung und Erbitterung tragen; Eigenschaften, die nicht nur denjenigen, gegen welche sie gerichtet sind, höchst misfallen, sondern noch überdieß zu nichts dienen, als daß sie in ihrem Verfas⸗ ser eine niedrige und verächtliche Sele zu erkennen geben. Herr Priestley nimmt in seiner Theorie über das Schießpulver nichts, als die Erzeugung einer einzigen, nämlich der dephlogistizirten Luft, an, in welcher zwar jeder verbrennliche Körper mit der äußersten Heftigkeit brennt; 5 press it, but entering into the composition either of the dephlogisticated air, or of some other kind of air, that may be generated in the process. Priest- ley. A. d. g. O. Vekke großmü⸗ let mehr en ande⸗ eit kann r itrige chtiget zenn sie itterung „ gegen ern noch Vetfas⸗ en geben. lber dus inzigen, er zwar heftigket rennt. über das Schießpulber. 321 brennt; allein diese Luft, wofern sie nicht mit einer gewissen Portion einer entzündbaren Luft oder eines ent— zündbaren Dunstes angeschwängert ist, macht keinen eigentlich sogenannten Knall. Die Erzeugung eines Sal⸗ petergeistes, oder einer Salpetersäure, die Herr Priest⸗ ley zur Zeit der Entzündung des Schießpulvers durch die Hitze des in dasselbe gelegten Feuers Statt zu ha— ben glaubt, kommt mir nicht wahrscheinlich vor, in— dem der an offener Luft glühende Salpeter keine Sal— petersäure hervorbringt(denn man würde es leicht durch den eigenthümlichen Geruch des Scheidewassers, den diese Säure verbreitet, gewahr werden), sondern die in dem Salpeter vorhandene Salpetersäure, durch die Wirkung des Feuers gezwungen, ihre Grundlage, das vegetabilische Laugensalz, zu verlassen, erscheint unter der Gestalt einer reinen dephlogistizirten Luft. Bey ei— ner solchen Behandlung des Salpeters in einer gläser⸗ nen Retorte, so wie ich es in der Abhandlung über die dephlogistizirte Luft und die Art, sie die Kranken einathmen zu lassen, zergliedern werde, erhält man dar⸗ aus nichts anders, als diese Lebensluft von einer aus— gesuchten Güte. Der Salpetersäure muß man, um de⸗ phlogistizirte Luft daraus zu erhalten, andere Körper, z. B. erdige, absorbirende, alkalische, u. s. w., zusetzen. Denn wenn man die Salpetersäure ohne Zusatz eines anderen Körpers, der ihr ihren entzündlichen Grund⸗ J. verm. Schrift. I. B.* stoff 32² Cine neue Theorie stoff abnehme, destillirte, so erhielte man nichts, als Salpetersäure, und zwar die nämliche Säure, so wie man sie in die Retorte eingesetzt hat. Allein diese Kör— per tragen, wie ich schon gesagt habe, nichts dazu bey, um aus dem Salpeter selbst diese Feuerluft, diese de— phlogistizirte Luft, zu entbinden, als welche vorzüglich einen um so höheren Gräd der Güte besitzet, je reiner und unvermischter mit was immer für Körper der ge⸗ nommene Salpeter war. Drit⸗ 916,l so wie iese gt agu beh, diese de— züglih je telner det ge⸗ Orll⸗ über das Schießpulber. 323 i³νπι⁰⁰ϰ⁰l⁷ rαπά⁰⁰0π9nnnuuνùπκνανππ½⁰⁰⁰πνππι⁰⁰⁰π⁰n H. Dritter Abschnitt. Die Erklärung des Herrn Verfassers uber das Schießpulver. N6 diesen vorausgeschickten Betrachtungen will ich nun die Theorie vorlegen, die ich am tauglichsten befun— den habe, um die nicht minder bewundernswürdigen, als verwickelten und geheimnißreichen Erscheinungen die— ser Waare zu begreifen. Es ist hinlänglich bekannt, daß das Schießpulver gewöhnlich aus 73 Theilen gereinigten Salpeter, 152 Theilen Kohlen, und 94 Theilen Schwefel bestehe. Die Chineser verfertigen es aus 16 Theilen Salpeter, 3 Theilen Kohlen, und 2 Theilen Schwefel(d). Von & 2 die⸗ (d) Es scheint noch nicht so ganz entschieden zu seyn, ob ein Schießpulver, in dessen Mischung Schwefel kommt, wirk— samer sey, als welches aus nichts, als Salpeter und Kohlen zusammengesetzt ist. Man kann hierüher die Er— fährungen des Grafen von Saluce in den vermischten phi— losophischen und mathematischen Schriften der köniolichen Ge⸗ 24 Eine neue Theorie diesen drey Bestandtheilen sind Salpeter und Kohlen die vornehmsten; der Schwefel dient vielmehr die Entzün— dung Gesellschaft zu Turin zu Rathe ziehen. Man kann auch ein ungenauntes, aber hinlänglich bekanntes Werk nachse— hen, dessen Titel: Manuel de l'artificier ist, und dessen Verfasser eine beträchtliche Anzahl aufmerksam gemachter Erfahrungen anführt, wodurch er beweist, daß ein Schieß— pulver aus einem Pfunde Salpeter und fünf Unzen Kohlen, ohne Schwefel, an Stärke das gewöhnliche Schießpulver in dem Verhältnisse wie 79 zu 76 übertreffe. Die Ver—⸗ suche wurden mit einer Pulverprobe, einem Böller oder Mörser, in welchem män zu einer ganzen Lädung nur drey Unzen Schießpulver nimmt, gemacht. Der Verfas⸗ ser des erwähnten Werkes bemerket, daß das Schießpul— ver ohne Schwefel das Schießpulver mit Schwefel in dem Maße übertreffe, als man die Menge desselben Pulvers in Vergleichung mit einer ähnlichen Menge des andern Pul— vers vermehrt; daß aber eine kleine Ladung des ohne Schwe— fel gemachten Pulvers weniger Gewalt habe, als eine glei— che Menge Pulver, mit Schwefel versetzt, so daß drey Unzen Pulver ohne Schwefel eine Bombe viel weiter tru— gen, als dieselbe Menge des gewöhnlichen Pulvers, Statt dessen zwey Unzen des nämlichen Pulvers ohne Schwefel nicht so weit trugen, als zwey Unzen gewöhnliches Pul— ver. Der Verfasser glaubt, aus diesen Versuchen schlies⸗ sen zu können, daß das Pulver ohne Schwefel, das in den Proben im Großen gewinnt, für das Grobe Geschütz viel besser wäre, und das gewöhnliche Pulver behaupte den Vorzug in den kleinen Waffen. Ferner ist er der Moinung, daß das Pulver ohne Schwefel nicht nur betz dem groben Geschütze mit Vortheil zu gebrauchen sey, weil es stärter ist, sondern auch, weil es weniger Rauch ö macht, Hlen de Entzün⸗ dung un auch k nachse⸗ d dessen emachtet Gchies⸗ Kohlen, spulver ie Ver⸗ er oder ung nut Verfas⸗ cießpul⸗ in dem Ulvers in ern Pul⸗ Schne— ine glei s drey ter tru⸗ „Statt chwefcl es Ml⸗ schliest das in Geschuh sehaupte et der Hur bey en sth, Rauch acht, uber das Schießpuiber. 325 dung geschwinder und sicherer zu machen, als die Wirk— samkeit dieser Mischung zu erheben; denn der Schwefel fängt von einem Gräde der Hitze Feuer, der die Koh— len glühend zu machen nicht zureichte, und solcherge— stalt theilt der durch die erste Berührung des Feuers entzündete Schwefel die Flamme dem Uibrigen um so sicherer mit. Wenn der Salpeter im Feuer glühet, so entwik— kelt sich ungemein viele dephlogistizirte Luft von einer auserlesenen Reinigkeit: und glühende Kohlen geben eine beträchtliche Menge brennbarer Luft. Eine Mi— 42 3 schung macht, und das Zündloch gar nicht oder sehr wenig ver— dirbt; zwey böse Wirkungen, die der Schwefel im gemei— nen Pulver verursachen soll. Er fügt noch hinzu, daß das Pulver ohne Schwefel sich gut erhalten, und sogar nach einem Jahre, als es gemacht worden, an Stärke gewon— nen habe, und daß aus seinem Gebrauche eine beträchtli— che Ersparniß entspringe, sowohl in Rücksicht der Menge, die das grobe Geschütz und die Minen verzehren, als auch daß es zwey Stunden weniger, als gemeines Pulver, ge— stampft werden dürfe. Einige in dieser Absicht angestellte Versuche legen zu Tage, daß eine Kanone, die von dem gemeinen Pulver eine gewöhnliche Ladung sehr wohl aushielt durch eine gleiche Ladung eines ohne Schwefel verfertigten Pulvers jerplatzte. ů 326 Einte neue Theorie schung dephlogistizirter und brennbarer Luft fängt bey der ersten Berührung des Feuers unter einem sehr stär⸗ ken Knalle Flamme. Solchergestalt entwickelt das erste Kohlentheilchen, welches durch die Berührung des in das Schießpulver gebrachten Feuers glühend wird, in demselben Zeitpuncte eine Menge brennbarer Luft„und eben dieses glühend gewordene Kohlentheilchen entbindet aus einem oder mehreren Salpetertheilchen, mit denen es in Berührung ist, eine Portion dephlogisttzirter Luft; diese zwey Lüfte nun, in dem nämlichen Augenblicke, als sie hervorgebracht werden, mit einander vermischt, entzünden sich gleichfalls durch das Feuer, das sie ent— wickelte. Der durch die Entzündung dieser Theilchen, denen man das Feuer mitgetheilt hat, verursachte Aus— bruch wirft mit Gewalt und nach allen Seiten sowohl diese noch glühenden, als die benachbarten Theilchen durch einander. Die Entzündung verbreitet sich also mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit durch die ganze Masse. Die Stärke des Ausbruches ist vorzüglich mit der Men⸗ ge des Pulvers und dem Widerstande, den die ungeheu⸗ re Masse der zwey solchergestalt durch das Feuer ent— bundenen und ausgedehnten Lüfte zu überwinden hat, im Ver hältnisse(e) Fol⸗ (e) Sind die Schießpulvertheilchen zu sehr auf einander ge— preht, so daß kein Zwischenraum unter ihnen Statt findet, sa kann ugt bey cht stat as erste Rdes in ird, in ft, und utbindet it denen er duft, ublicke, mischt, sie ent⸗ Heilchen, hte Aus⸗ sowohl heilchen also mit Masse. t Men⸗ ngeheu⸗ uer ent⸗ en hat, Fol —— indet ge⸗ indet, 0 tanh über das Schießpulver. 327 Folglich ist der Unterschied zwischen der Verpuf⸗ fung einer Zusammensetzung aus dephlogistizirter und brennbarer Luft und der Verpuffung des Schießpul⸗ vers, daß in dem ersten Falle diese zwey Lüfte, jede besonders hervorgebracht, und, von allen Substanzen, die sie gleichsam in einem Stande der Festigkeit hielten, befreyet, zusammengemischet werden, und daß bey der Entzündung des Pulvers diese zwey Lüfte erst in dem Augenblicke, als sie entwickelt werden, Feuer fängen. Die Menge des elastischen flüssigen Wesens, welche bey der Verpuffung des Schießpulvers sich entwickelt, entgieng der Aufmerksamkeit derjenigen nicht, die diesen Gegenstand behandelten, und die jählinge Entbindung dieser erstaunlichen Menge, und die durch das Glühen des Pulvers verursachte Ausdehnung der— selben ist es, der man die fast unwiderstehliche Ge⸗ * 4 walt kann der Ausbruch der ersten in Feuer gesetzten Theilchen die schon entzündeten benachbärten Theilchen nicht durch den Rest des Pulvers zerstreuen, in welchem Falle die Entzündung oder Verpuffung durch eine solche Masse lang⸗ sam sich verbreitet. Deswegen zerstößt man das Pulver zu den Racketen sehr fein, und drückt es in ihren Röhren recht fest zusammen. 338 Eine neue Theorie walt des Pulvers gemeiniglich zugeschrieben hat. Ben⸗ jamin Robins sagt in seinem Werke, betitelt: New— principles of Gannery, welches in Engelland ein clas⸗ sisches Buch ist, daß aus dem Schießpulver in dem Augenblicke der Entzündung ein elastisches beständiges flüssiges Wesen frey gemacht werde, dessen Inbegriff das Palder vor seinem Glühendwerden ungefähr zweyhun— dert füntzigmahl übersteige. Eben dieser Benjamin Ro⸗ bins hat gefunden, daß die Luft, mittelst eines glü⸗ henden Eisens im höchsten Grade erhitzt, viermahl mehr Raum einnimmt, als zuvor. Hieraus schließt er, daß die aus dem Schießpulber entbundene Lust in dem Augenblicke des Glühens seinen Inbegriff ungefähr tausendmahl ausmache. Der Graf von Saluce(f) ist der Meinung, daß das durch die Entzündung des Schießpulvers hervor— gebrachte elastische flüssige Wesen, erkältet, den Raum des Pulvers ungefähr zweyhundert zweyundzwanzigmahl einnehme; welche Berechnung mit jener, die Herr Hauksbee, Ammonton und Belidor davon mächten, übereinkommt. Er bestättiget diese Schätzung in den ver⸗ —————————— (f) Sieh Miscellanea Philosophico-mathematica socie- tatis privatæ Taurinensis, pag. 105, l. Beh⸗ : Ney- ein clas⸗ in dem tändiges weyhun⸗ min Ro— es gla⸗ hl mehr er, daß in dem ingefäht 10/ dah hervot⸗ Raum igmahl Hert achten, in del bel⸗ über das Schießpulber. 32 vermischten Abhandlungen der Philosophie und Mathe— matik der königlichen Gesellschaft zu Turin(dieses Werk ist eine Fortsetzung des so eben angeführten) auf neue, und hält mit Hales diese Luft für ein ela— stisches Flüssiges Wesen, welches die Natur der gemei— nen Luft besitzet, und schreibt die Gewalt des Schieß⸗ pulvers der Wirkung des Feuers auf die ganze Masse dieser Luft, die, solchergestalt im höchsten Gräde er—⸗ hitzt, die ganze Stärke ihrer Federkrast in Bewegung setzt, zu(9). X5 Man (g) Einige versuchten es, aus dieser sonderbaren Art der Entbindung dieser unermeßlichen Menge eines elastischen und beständig flüssigen Wesens, die bey dem Abbrennen des Schießpulvers Statt hat, einen Vortheil zu ziehen. Der berühmte Herr von Condamine beschreibt eine Art von Windbüchsen, die ein gewisser Mathi zu Turin aus— gedacht hat, welche Windbüchse geladen wurde, indem man in der Luftkammer dieses Gewehrs zwey Unzen Schieß— pulver verpuffen ließ. Die von dieser Menge Pulver ent— wickelte Luft, in dem engen Raume dieses Behältnisses sehr züsummengedrückt, konnte bis achtzehn Schüsse auf sechzig Schritte aushalten. Die Stärke dieser Schüsse nahm, wie in andern Windbüchsen, stuffenweise ab. Sieh Extrait d'un journal de voyage d'Italie par Mr de la Con- damine, inseré dans les memoires de I'Academie KRoy- ale des sciences de Paris. 1757. S. 405. Man findet eine Figur und ausführliche Beschreibung eines ähnlichen Feuergewehrs in dem Werke des Herru Antoni. Er ladet diese 330 Eine neue Theorie Man muß bedenken, daß weder Benjamin Ro⸗ bins, noch Graf von Saluce die Verminderung, die die Masse des luftähnlichen flüssigen Wesens durch die Ab— feurung selbst erleidet, mit in die Rechnung gezogen hat. Folgender Versuch scheint zu beweisen, daß diese Verminderung des Inbegriffs sehr beträchtlich seyn muß. Ich lud eine von Herrn Nairne zu London aus Mes⸗ sing verfertigte starke Pistole mit einer Knallluft zu gleichen Theilen gemeiner Luft und einer durch Vitriol⸗ säure aus Metallen gezogenen brennbaren Luft, und nachdem ich eine mit Leder umwickelte Bleykugel mit Gewalt in den Lauf der Pistole eingetrieben hatte, schlug ich Feuer mit einem elektrischen Funken an. Die Entzündung hatte Statt; allein der Ausbruch vermochte weder die zu fest eingetriehene Kugel herauszudrücken, noch die Pistole zu zersprengen. Ich fand den Inbegriff der Luft über die Hälfte vermindert, welches mir der Stempel anzeigte, der den Grund der Pistole ausmach⸗ 1e. diese Flinte mit einer einzigen Unze Schießpulver, welches er in eine Luftkammer legt, die so groß ist, daß es nur den zehnten Theil davon einnimmt. Die entbundene Luft dieses Pulvers ist im Stande, sechszehn bis achtzehn Schüs, se zu thun, und die Kugel auf vierzig Schritte durch ein drey Linien dickes Bret zu treiben. Sieh das Werk, betitelt: Examen de la poudre, traduit de Italien de Mr Antoni par Mr le Vicomte de Flavigny 1772. I F0, „die di die Ab- gezogen aß dies yn muß. 8 Mes⸗ lluft zu Vitriol⸗ , und gel mi hattt, n. Dit etmochtt drüken, inbegrif mir der Ismach⸗ te, — welches es hut eue Luft Schüs Urch ein Merk Uen ee 777. Über das Schießpulver. 331 te, und die Luft, womit ich die Pistole laden wollte, einzusaugen diente. Dieser Stempel befand sich durch den Druck der Atmosphäre gezwungen, nach der Ent— zündung bis in die Mitte der Pistolenhöhle einzutreten; eine Folge einer Art eines leeren Raumes, der durch die Verzehrung der Luftmasse entstanden war. Wenn die nämliche Wirkung bey dem Abbrennen des Schießpulvers Statt hat, und es scheint mir, daß daran wenig zu zweifeln ist, so folget, daß, wenn Ben— jamin Robins gefunden hat, daß die aus dem Schieß— pulver entbundene Luft, erkältet, ungefähr zweyhundert fünfzigmahl den Inbegriff des Pulvers einnimmt, daß, sage ich, der Inbegriff dieser entbundenen Luft wenig— stens fünfhundertmahl mehr betrage, als jener des Pulvers. Da er aber nach seiner Berechnung, durch das Glühendwerden ausgedehnt, viermahl mehr wurde, als er im natürlichen Stande war, so scheint es ge— wiß zu seyn, daß diese Luft in dem Augenblicke des Ab feuerns wenigstens zweytäusendmahl den Inbegriff des Pulvers übertrifft. Nach der Berechnung des gelehrten Johann Ber— nouilli ist die in einem festen Zustande sich befindende Luft des Schießpulvers so zusammengedrückt, daß, wenn sie einen Theil unsres Dunstkreises bestellte, sie Unge⸗ 332 Eine neue Theorie. ungefähr tausendmahl so viel Raum einnähme. Diese Luft ist nach seinem Vorgeben nicht in allen Bestand— theilen des Schießpulvers, sondern hauptsächlich nur im Salpeter vorhanden. Sehen wir nun, ob man nicht durch die Zer— gliederung des Schießpulvers einiges Licht über die Berechnung der Ausdehnungskraft des luftähnlichen flüstgen Wesens, welches zur Zeit des Glühens sich entwickelt, verbreiten könne. Abt Fontana, einer von denjenigen, welchen die Lehre der Luft am meisten zu verdanken hat, findet, daß eine Unze Salpeter durch das Feuer bey 800 Kubikzoll reine dephlogistizirte Luft gibt, und eine Unze Kohlen, in einer Retorte geglü— het, bey 15 Kubikzoll brennbare Luft, vermischt mit einem Theile fester und gemeiner Luft. Berechnen wir nun, ohne jedoch in Betreff der Genauigkeit der Schäz⸗ zung gewissenhaft zu seyn, wie groß ungefähr die Men⸗ ge des aus einem Kubikzolle Schießpulver zur Zeit der Verpuffung entwickelten luftähnlichen flüssigen Wesens seyn müsse. Ein dichter Kubikzoll Schießpulver beträgt 44½2 Gran; nämlich, nach dem Verhältnisse der Be⸗ standtheile des Schießpulvers, das in Engelland ver— fertigt wird 3314 Gran Salpeter, 354 Gran Kohlen, und eben sobiel Schwefel. 3314 Gran Salpeter ge⸗ ben durch das Feuer nach dem gezogenen Calcul des Abts Dahe Besunde lich ur die der, übet di halichen ns sich zet von sten zu er dutch icte Luft e gegli⸗ sht mit nen wit Schäh⸗ Men⸗ lit der Desens bettäßt 1 Be⸗ d bet⸗ ohlen, er ge⸗ U des bts über das Schießpulver. 333 Abts Fontana bey 552 Kubikzoll dephlogistizirte Luft. 554 Gran Kohlen geben bey 17 Kubikzoll brennbarer Luft, vermischt mit fester und gemeiner Luft(h). Nach diesem Calcul also entwickelte ein Kubikzoll Schießpulver in dem Augenblicke der Entzündung zum wenigsten 569 Kubikzoll elastisches flüsstges Wesen. Ich sage, zum wenigsten, weil ich weder das elastische flüssige Wesen, das sich zu gleicher Zeit aus dem Schwefel entbindet, noch die ungeheure Ausdehnung der Feuchtigkeit, die in dem Schleßpulver, so wie man es zu verbrauchen pflegt, allezeit in einer gewissen Menge vorhanden ist, mit in die Rechnung ziehe(1). Da aber dieses elasti— sche (h) Dieses Verhältniß zwischen der Menge brennbarer und dephlogistizirter Luft scheint mit der verhältnißmäßigen Meunge dieser zwey Lüfte, die man, um eine starke Knall— luft zu machen, nimmt, kein Ebenmaß zu beobachten; denn man muß beylänfig zu einem Theile dephlogistizirtet Luft zwey Theile brennbare Luft aus Metallen beysetzen, und gleiche Theile nehmen, wenn man an Statt der de— phlogistizirten Luft gemeine Luft wählt. Allein man muß bedenken, daß die Stärke der brennbaren Luft nach der Verschiedenheit der Körper, woraus man sie erhält, be— trächtlich verschieden ist. Ein Theil einer reinen brenn— baren Luft, die man mitten im Sommer aus stehenden Wässern erhält, reicht zu, um dreyzehn- bis vierzehnmahl so viel gemeine Luft stark knallend zu machen. li) Wir wissen, daß der Wasserdunst, im höchsten Grade er— hitzt, ungefähr zwanzigrausendmahl den Raum einnimmt, den 334 Eine neue Theorie über das Schießp. sche flüssige Wesen, geglühet, viermahl so viel Raum einnimmt, als zuvor, so folget, daß die aus einem Kubikzolle Schießpulver entbundene Luft in dem Augen— blicke der Abfeurung zum wenigsten 2276 mahl den Inbegriff des Pulvers betrage. Diese Berechnung wür⸗ de von jener, die Benj. Robins und Graf von Saluce führt, nicht viel abweichen, wenn diese Gelehrten beob— achtet hätten, daß die Menge des elastischen flüssigen Wesens, welches sie nach der Entzündung des Pulvers gefunden hatten, nicht mehr, als beyläufig die Hälfte von jener Menge war, die daraus entbunden wurde, indem der Rest bey der Entzündung selbst zerstört worden ist(.. Er⸗ das Wasser einnahm. Schießpulver, der Feuchtigkeit zu sehr beraubt, hat weniger Kraft, als wenn es diese Men⸗ ge besitzt, die es in dem Zustande, als wir es zu ver⸗ brauchen pflegen, enthält. (f) Bey dem ersten Anblicke sollte man sich billig verwun— dern, daß Herr Priestley den wahren Gordischen Knoten dieser Schwierigkeit, worübet alle Physiker bis auf unsre Tage sich vergebens zerkreuzigten, nicht selbst aufgelöset habe. Dieser berühmte Naturforscher hatte die hauptsäch— lichsten Eigenschaften der belebenden, dephlogistizirten Luft selbst aufgedeckt; ihm war bekannt, daß diese Luft, mit brennbarer Luft in gehöriger Menge vermischt, einen sehr ge⸗ X* . tt + 355 Naum Welnem ö e Au Ertlaärung ahl den 4—— des Knallpulvers. Saluce Dieses Pulver ist eine Mischung von drey Theilen Wuil Salpeter, zwey Theilen trockenem Weinsteinsalze, und flüsigen einem Theile Schwefel. Man nennt es Knallpulver, Puloers weil Halfte* wurde, ö gewaltigen Knall macht; es gieng ihm also, um dieses zerstöt Problem zu, enträthseln nichts ab, als zu wissen, oder wenn er es wußte, es in Anwendung zu bringen, daß eine entzündete Kohle brennbare Luft gibt, und dann diese zwey Lüfte, um mit der Knallluft fertig zu werden, mit Et⸗ einander zu verbinden; für das Anzünden derselben hätte das nämliche Feuer, welches die zwey Lüfte zu entwickeln — diente, schon von selbst gesorgt. Es sollte also, sage ich, manchem sonderbar vorkommen, daß dieser große Mann sakeit u nicht darauf verfallen ist/ diese zwey Dinge zusammenzu— Men⸗ paren, und sie auf die Theorie des Schießpulvers anzu⸗ 1–00 wenden; allein es ist ein neuer Beweis, daß man eine Ir lange Zeit sehr nahe an einer Entdeckung seyn kann, ohne sie gefunden zu haben. Man verfolgt oft, um zu einer Wahrheit zu gelangen, einen Weg, der nicht anders, als in durch langes Umschweifen dahin führt, Statt dessen ein R kleiner Seitenblick alles hätte vor Augen legen können, was man suchte. So durchbohrt der Bergmann oft das Hin ganze Gebürge, und nur einen Seitenschlage, so hätte er auptsach⸗ die Goldader getroffen, die immer seinen täuben Gang be— gleitete. Ja es ist geschehen, daß er muthlos und erschöpft das Werk liegen ließ, ohns zu wissen, daß er mitten im inen sehl Schar⸗ 4 ten Luft st, nit 336 Erklärung weil es die sonderbare Eigenschaft besitzt, daß es, ohne eingesperrt zu seyn, in einem eisernen Löffel oder einem andern Körper, eine Zeit über Feuer gehalten, so daß es längsam sich erhitze, mit einer ungeheuren Gewalt und einem erschrecklichen Gekrache verpufft. Und in diesem Umstande übertrifft seine Knallkraft das Schieß⸗ pulver selbsten unendlich. Wie Schätze sand. Wie viele Jahrhunderte sind nicht verflos⸗ sen, daß man seinen Nahmensring, den die Römer Signum nannten, und dessen sie sich, um ihre Unterschrift aufzu— drücken, bedienten, am Finger trug, bevor es Jemanden in Kopf gekommen ist, daß, wenn er viele solcher Nahmens⸗ züge oder Buchstaben so erdnete, daß Wörter daraus ent⸗ ständen, er so viele Abdrücke damit machen könnte, als er wollte, und solchergestalt ohne Abschreiben die Schrif— ten zu vervielfältigen im Stande wäre. Erst im fünfzehn— ten Jahrhunderte war es, daß man die Druckerey, oder die Kunst, Bücher zu drucken, erfunden hat(gegen das Jahr 1430 erfand Laurenz Koster zu Haerlem die bewegli— chen Buchstaben, und die Kunst, Figuren zu stechen, um Abdrücke davon zu machen), da man doch schön von un— denklichen Zeiten her die Materialien zum drucken, und die den Gedanken dazu hätten geben söollen, am Finger getragen hatte. Man brauchte sie nur gehörig zu ordnen, und die Kunst, Bücher zu drucken, wäre erfunden gewesen— Es war nur noch ein Schritt dazu, und da dieser Schritt gethan war, war man von der Einfalt der Enideckung nicht minder betroffen, als von dem unermeßlichen Nutzen derselben, und man verwunderte sich, daß man nicht tau— send Jahr eher daran gedacht hatte. Uibers⸗ 8, ohhe t einem so daß Gewalt Und in Gchicß ⸗ Wie t verflos rdignum Im/ rey, bdet hen das bewegl Hhen, um von un⸗ en, ud uFinger uotduen, geweser. + Schrilt Ardetkung en Nußen nicht tal des Knallpulvers. 937 Wie ich glaube, so kann man die so wunderbare Wirkung dieses Pulvers folgendermaßen erklären: Wenn die Hitze zu einem gewissen Grade gelangt ist, so ent⸗ wickelt sich eine dephlogistizirte Luft aus dem Salpeter, mittlerweile der geschmolzene Schwesel das Weinstein⸗ salz angreift, und mit ihm eine wahre Schwefellel er ausmacht, die, flüssig gemacht, in Blasen sich auf⸗ bläbet, welche durch ihre Zähigkeit die aus dem Sal⸗ peter entwickelte dephlogistizirte Luft einkerkern. Der stark erhitzte Schwefel gibt eine Portion brennbarer Luft, die mit der aus dem Salpeter getriebenen dephlogisti⸗ zitten Luft sich vermischt, welche Vermischung eine ge⸗ waltsame Knallluft ausmacht, und die um so wirksa⸗ mer ist, als sie in den zähen Blasen der Schwefelleber sich eingeschlossen und erhitzt fühlt. Durch die stuffen⸗ weise sich vermehrende Hitze entzündet sich der Schwe— fel von selbst. Man sieht auch wirklich auf der Ober⸗ fläche der erhitzten Masse in dem Augenblicke, als es losbrechen will, eine schwache bläuliche Flamme. Eben diese bläuliche Flamme ist es, die, bis in die Höhle der Schwefelleberblasen eingedrungen, die darin einge— kerterte Knallluft entzündet, und der Ausbruch geschiehr mit der größten Heftigkeit. Es schelnt also, daß bey dem Aüͤsbruche des Knallpulvers die Knallluft, oder die Zusammensetzung J. verm. Schrift. I. B. Y aus 33⁸ Erklärung aus dephlogistizirter und brennbarer Luft, sich erst ent⸗ zündet, nachdem diese zwey Lüfte entwickelt und zusam⸗ mengemischt worden sind, anstatt dessen bey der Verpuf— fung des Schießpulvers der Blitzschlag in dem Augen— blicke der Entbindung derselben Statt hat. In dem Falle des Knallpulvers geschieht der Ausbruch durch die ganze Masse der Knallluft in einem einzigen Au⸗ genblicke, und auf einmahl, und die gewalsame Cr— schütterung, die die umgebende Luft durch das heftige Zerplätzen der zähen Schwefelleberblasen erleidet, ist von dem erschrecklichen Krachen die Ursache. Ein eben so unerträgliches Krachen hat Statt, wenn man mittelst einer guten Ochsenblase, die mit zwey Theilen brennbarer Luft aus Metallen und einem Theile dephlogistizirter Luft angefüllt ist, Seifenblasen macht(a). Allein ein ähnliches Geknäll ereignet sich nicht (a) Dreyßigt oder vierzig Kubikzoll einer Knallluft aus einer recht reinen dephlogistizirten Luft, und einer aus den Metallen frisch gezogenen breunbaren Luft, und solcher— gestält in Seifenblasen eingeschlossen, machen dey Nähe— rung eines Lichts einen so erschrecklichen Knall, daß das Gehör der Umstehenden davon beleidiget wird, und das Haus selst dadurch eine Erschütterung bekömmt. Ich sah diesen Versuch zum erstenmahl bey Herrn Barbier de Tinan, einem Mitgliede der Gesellschaft von Dijon. etst ent⸗ zusam⸗ Vapuf⸗ Augen⸗ In dem durch en Au⸗ me Cr⸗ heflige st von Statt, die mit d einem nblase H net sich nicht — us einer us den solchet Nahe⸗ daß das des Knallpulbers. 339 nicht, wenn man auch in eine beträchtliche Menge Schießpulver, die nicht eingeschlossen ist, Feuer setzt, weil die Entzündung der zwey entwickelten Lüfte nur in dem Augenblicke, als jedes Körnchen Feuer fängt, vor sich geht; und da diese Luft in keinem Körper, der ihr den mindesten Widerstand entgegensetzte, einge—⸗ schlossen ist, so kann die Verpuffung nicht anders, als mit einem sehr unbedeutenden Getöse ablaufen. 3⁴4⁰ Erklärung DDDENN des Knallgoldes. So lange man das Knallgold kennet, blieb es im— mer eine der schweresten Aufgaben der Chymie, wie es zerplatze. Ich will den Leser weder mit den Erklä— rungen, welche die heutigen Scheidekünstler hierüber gegeben haben, noch mit den schönen Versuchen, die Herr Bergman mit dieser fürchterlichen Mischung anstell— te, auf halten; sondern ich begnüge mich bloß, die neue Erklärung anzuführen, welche Herr von Jacquin in sei⸗ nen Anfangsgründen der medicinisch-practischen Chy— mie S. 445 bekannt gemacht hat, wo man viele wich— tige Bemerkungen über diese Materie antreffen wird. Die Mischung der dephlogistizirten und brennba— ren Luft ist das Wirkungsmittel des Knallgoldes, so wie sie es bey dem Schieß⸗ und Knallpulver ist. Es ist bekannt, daß dieser Körper ein Gold ist, welches mittelst eines feuerbeständigen Läugensalzes aus einer Auflösung dieses Metalles in einem mit Salpetersäure und Salmiak bereiteten Königswasser, oder mittelst ei— nes flüchtigen Laugensalzes aus einer Goldauflösung in einem mit Salpetersäure und Kochsalisäure, oder mit Sa l⸗ bes im⸗ ymie, wie den Erklä hierullet hen, die g anstell⸗ „die neue un in sei hen Chy⸗ hiele wich⸗ wird. brennbo⸗ ldes, si ist. Es „nelches uus einek etersälte ittelst el sung in oder M Sal⸗ des Knallgoldes. 34 Salpetersäure und Kochsalz bereiteten Königswasser nie— dergeschlagen wird. Um also das Gold knallend zu ma— chen, ist es nothwendig, daß ein flüchtiges Laugensalz entweder im Königswasser, dem Auflösungsmittel selbst, oder in dem fällenden Körper zugegen sey. Ein mit Salpetersäure und Salmiak bereitetes Königswasser ent⸗ hält ein flüchtiges Laugensalz; denn der Salmiak ist eine Zusammensetzung der Salzsäure und des flüchtigen Laugensalzes. Ein gefälltes nicht knallendes Gold enthält eine dephlogistizirte Luft, welche alle andere dephlogistizirte Lüfte an Reinigkeit unendlich übertrifft, wie man es in meinem Werke über die Pflanzen S. 60(a) ersehen Y3 kann. 2 *π (a) Der Augenblick, wo sich diese dephlogittzirte Luft von der höchsten Reinigkeit durch die Hitze aus einem gefällten nicht knallenden Golde entbindet, ist sehr schwer zuttreffen. Ich habe Ursache zu glauben, daß sie die letzte Portion Luft ist, welche sich aus einer mittelst des Feuers bis zur Tröckene abgedünsteten Goldauflösung losmachet. Die Schwierigkeit lieget darin, daß man sie in dem Augenblicke, als sie in ihrer ganzen Reinigkeit aus diesem Niederschlage herausgehet, ohue alle Beymischung erhalte. Es hat dem Herrn Fontana ge— glücket, sie in meiner Gegenwart zu London iso zu erhalten. Bey meiner Zurückkunft zu Wien versuchte ich es, die näm⸗ liche Luft hervorzubringen; allein es gieng mir nicht völlig von Statten. Die Luft, die ich erhielt, war zwar dephlogistizirt, aber weit unter jener, welche Herr Fontana zu London er⸗ halten hatte. 34²2 Erklärung des Knallgoldes. kann. Man weiß, daß das flüchtige Laugensalz eine Brennluft enthält, die sich sogar, ohne mit dem Feuer in Berührung zu seyn, durch die bloße Wärme ent— zündet; und die Leichtigkeit dieser Entzündung ist die Ursache, daß das Knallgold so gefährlich zu behandeln ist, besonders wenn man es mehrmahls mit Wasser abgewaschen hat. In diesem letzteren Falle ist es schau— derlich, es nur zu bewegen, indem die bloße Reibung eines Papiers im Stande ist, es zu entzünden. Allem An scheine nach muß man dieser Leichtigkeit der Ent— zündung, die dieser Körper durch ein zu oftmahliges Abwaschen erlanget hat, die erschrecklichen Unglücke zu⸗ schreiben, welche ein bloßes Umschütteln, oder eine flüchtige Reibung desselben denjenigen, die es behandel⸗ ten, zugefügt hat. Eini⸗ ensaly ee dem Feutt irme et 10 ist die behandeh it Vasse t ed schu⸗— U Reibun 7 C Bemerkunge I. Alen Einig ů der Ent⸗ über die mahliges lücke zu⸗ „ Oekonomie der Pflanzen. behandel⸗ VIVG. Ahn. III. Insequor, et causas penitus tentare latentes. entes I. S. wie die Pflanzen ohne alle fortschreitende Be⸗ wegung sind, können sie nicht, wie die Thie— re, ihrer Nahrung nachgehen. Bestimmt, die ganze Zeit ihres Lebens an dem Orte selbst, wo sie entstan— den sind, zu zubringen, mußten sie in dem Bezirke des Raumes, den sie einnahmen, alles das finden können, was sie zu ihrem Unterhalte bedürfen; und da sie ein⸗ zig und allein mit der Erde und Luft in Berührung stehen, so können sie auch nur von diesen zwey Sub⸗ stanzen die benöthigte Rahrung ziehen. Die Erde, als Erde betrachtet, ohne Rücksicht auf die Feuchtigkeit, die Salze und phlogistischen Theile, wovon sie gemei— niglich durchdrungen ist, und welche die Wurzelfasern einpumpen, scheinet den Pflanzen zu nichts zu dienen, EX als 346 Uiber die als zu einer Stütze, zu einer Grundlage, worauf sie sich vermittelst ihrer zahlreichen allenthalben umgreifen— den, und oft tief eindringenden Wurzeln auf eine dauer— hafte Art fest setzen. Wenn wir die Kleinheit der Wur— zel der mehresten Pflanzen mit ihrem Stamme, mit ih—⸗ ren Aesten und Blättern vergleichen, so gerathen wir in die Versuchung, zu glauben, daß die Pflanzen eine unendlich grössere Oberfläche ihres Wesens der Luft auszusetzen suchen, als der Erde, und zwar wegen dem uberwiegenden Bedürfnisse des Einflusses des Dunstkrei⸗ ses, und besonders zur Zeit, wo die Sommerhitze dis Kraft ihres Wachsthumes belebet. In der That kann auch eine Pflanze ohne Erde bestehen; in einem leeren Raume aber wird sie keine lange Zeit überleben. Boyle setzte einen Weidenzweig in ein Geschirr voller Erde, die er genau abgewogen hatte. Nach fünf Jahren hat— te dieser Zweig hundert fünfundsechszig Pfund am Ge⸗ wichte erlanget, und die Erde hatte von dem ihrigen keine zwey Unzen verloren. Diese Pflanze hatte also ih— re Substanz entweder aus dem Wasser, womit die Er—⸗ de begossen wurde, oder aus der Luft geschöpft. Wenn das Wasser als Wasser den nämlichen Gebrauch in den Gewächsen hat, als in den Thieren, so wird der hauptsächlichste Nutzen desselben darin bestehen, daß es den Nahrungstheilen als ein Vehikel dienet, und die Masse der Säfte in einem Stande der zur Oekonomie ihres Oekonomie der Pflanzen. 347 brauf ssie e 2 44 ihres Lebens erforderlichen Flüssigkeit erhält. Das rei— ne Wasser enthält nur wenige nährende Theilchen, so— wohl für den Unterhält der Thiere, als für die Dauer mgreifen⸗ ine dauer⸗ dr Lu⸗ der Gewächse, und das destillierte Wasser noch weni— nit ih⸗ gere, wenn es anders etwas davon besitzet; und doch sthen wit reichet letzteres allein zu, eine Hyacinthe, eine Jonquil-— nzen eine le, u. d. gl., aufwachsen zu lassen, wenn man diese der Luft Pflanzen der Luft genießen lässet. Diese Thatsache schei— ehen den net anzuzeigen, daß die Pflanze ein viel grösseres Be— unstktei⸗ dürfniß an demjenigen Grundstoffe hat, welchen es aus rhitze die der Luft schöpfet, als an dem Grundstoffe, den es im Hhat kann Wasser findet. Dieß wird noch wahrscheinlicher werden, em leeten wenn wir erwägen, daß viele Pflanzen ohne alles Was⸗ . Bohle ser bey Kräften bleiben. Die große Hauswurzel, Sem- ler Etde, pervivum tectorum, erhält sich ganze Monathe lang hren hat⸗ ohne Wasser. Mehrere Pflanzen heißer Länder, welche am Ge⸗ auf den dürresten Felsen unter einem brennenden, alles ihrigen austrocknenden Hmmel wachsen, bleiben in vollem Saf— also ih⸗ te, wenn es gleich in einem Zeitraume von mehreren die Ete Monathen nicht regnet, mittlerweile viele andere Pflan— Vem zeu solcher Himmelsstriche vertrocknen, und bey dersel— in dn ben Dürre zu Grunde gehen; dergleichen sind die Aga— ird det ven, die Cactus, und viele andere. Die Cacalia anteu— ußles phorbium strotzet sogar in unseren Glashäusern Jahre und N lang, und wächset geil aus, ohne begossen zu werden. oun Die Ursache dieser Erscheinung scheinet beym ersten An— s blicke 34⁸ Uiber die blicke nicht leicht begreiflich. Meines Erachtens muß min es daher leiten, daß solche Pflanzen, so wie es in der That alle andere Pflanzen einigermaßen thun, bey warmen Wetter eine Kälte erzeugen, und eine Wärme, wenn es frieret, wodurch die mit ihrer Substanz in Berührung gesetzte Luft eine Feuchtigkeit darauf nieder⸗ schlägt, wovon der Dunstkreis immer eine um so grös⸗ sere Menge aufgelöset zu enthalten scheinet, je helßer er ist. Aus eben diesem Grunde bedeckt sich eine Caraffine voller Eis wasser mit um so mehr Feuchtigkeit, je wärmer die umgebende Luft ist. Eben so durchdringet die Feuchtig⸗ keit, die sich in warmen Ländern beständig, obgleich auf eine unsichtlare Weise, auf die Oberfläche obbenannter Pflänzen, mie auch mehr oder weniger auf die Oberflä⸗ che europäischer Pflanzen, niederschläget, die Substanz derselben, und unterhält die in ihren Säften nöthige Flüssiakeit. Allein man würde sich betrügen, wenn man glaubte, daß die Feuchtigkeit allein hinreichet, um die Pflanzen stark und kräftig zu erhalten. Sie brauchen eine andere Nahrung, welche die Luft ist, die in sie eindringt, sie sey nun in der Feuchtigkeit enthal—⸗ ten, oder in dem Stande einer eigentlich'sogenannten Luft, welche jedoch niemahls ohne Feuchtigkeit ist, so trocken sie auch dem Ansehen nach seyn mag. Diese Luft wird in der Substanz der Pflanze verdauet, das der atmosphärischen Luft allezeit anhängende Phlogiston, und n mut vie ez in Un, bey Dirne, stanz in f nieder⸗ so grö⸗ je helßer Taraffine wärmet euchtig⸗ leich auf enannter Oberfli⸗ Substanz nothige „ wenn reichet, . Sie ist, die enthal⸗ annten ist, so Diese „das gistor, Ind Ockonomie der Pflanzen. 3⁴⁵ und vlelleicht noch andere darin enthaltene Grundstoße, perbleiben, als die Nahrung der Pflänze, darin zuruck, und der Rest wird, nachdem er dieses nährenden Stof⸗ fes verlustiget gehet, dem Baue des Gewächses entwe⸗ der unnütz, überflüssig, oder gar schädlich; dieses Un⸗ rathes aber weiß die Pflanze, wenigstens in dem Stan— de einer dephlogistizirten Luft, nicht anders, als durch Hülfe des Sonnenlichtes, los zu werden. Die Pflanzen haben keine besondere Behälter, wie die Thiere, um die überflüssigen und auszuleerenden Thei— le anzuhäufen, und hernach von Zeit zu Zeit abzusetzen, und es findet sich in ihnen nichts, welches man ver— nünftigerweise mit den ersten Wegen der Thiere, wo die Speise aufgenommen und verdauet wird, verglei— chen könnte. Die ganze Oberfläche der Pflanze von den Wurzelfäsern an, welche jedoch ganz besonders bestimmt sind, als eben so vigle Heber die Feuchtigkeit aus der Erde, und was in dieser Feuchtigkeit aufgelöset ist, ein⸗ zupumpen, bis an die Blattspitze ist ohne Unterlaß be— schäftiget, sowohl aus der Erde, als aus der umgeben— den Luft alles einzusaugen, was mit derselben in Be— rührung, und dem Unterhalte der Pflanze nützlich ist, und die Organen, welche das, was überflüssig geworden ist, auszuleeren oder auszudünsten dienen, sind gleichfalls durch die ganze Ausdehnung der Paanze vertheilet. Es kommt 350 Uiber die kemmt mir also mehr, als wahrscheinlich, vor, daß die Pflanze, welche niemahls ihre Nahrung einzupumpen aufhöret, eben so wenig aufhöre, das wieder von sich zu geben, was ihrem Wesen nicht mehr anständig ist; und da man ihre Substanz offenbar mit zwey Flüssig⸗ keiten beladen findet, mit einer wässerigen, dem Pflan⸗ zensafte, und einer luftartigen, so kann man meines Erachtens nicht zweifeln, daß sich diese Flüssigkeiten be⸗ ständig erneuern; die eine und die andere dieser Pflan⸗ zenausdünstungen sind unendlich stärker, wenn das Son⸗ nenlicht die Lebensbewegung ihrer Organen belebet, oh⸗ ne jedoch zu keiner Zeir gänzlich stille zu stehen, nicht einmahl in der dichtesten Finsterniß. Es scheinet so— gar, daß diese zwey Ausdünstungen Hand in Hand ge— hen, das heißt, daß sowohl die wässerige Ausdünstung als der luftartige Ausfluß bey Tage an der Sonne viel stärker ist, als bey der Nacht und im Schatten, und daß in der Dunkelheit die Einsaugung dieser bey— den Flüssigkeiten die Ausdünstung derselben übertrifft, oder wenigstens derselben beynahe gleich kommt. Von mehreren Pfanzen scheinen die Blätter gleichsam er— schöpfet zu seyn, und verlieren recht augenscheinlich ihre Federkraft und ihr strotzendes volles Aussehen, obschon ihre Wurzeln begossen werden; sobald aber die Sonne untergehet, fangen ihre Blätter wieder an, sich aufzu—⸗ heben. Es ist vielleicht keine Pflanze, die offenbarere Zei⸗ —.. „Nd he upumpen boß sich iz sst; Fuss, u Pfon⸗ neines leiten be⸗ + Man, as Som ebet, oh⸗ N, nicht elnet so⸗ Hand ge⸗ düͤnstung Gonne Schalten, eser beh⸗ bertrift, . Voi sam el⸗ llch iht obscho Sonne aufzu⸗ enbatete ˙ Oekonomie der Pflanzen. 351 Zelchen dieser Erschöpfung an der Sonne zu Tage legt, als die Pheben, Plutzer, Cucurbita pepo. Während der Dunkelheit der Nacht, wenn die Pflanzen in eine Art einer Erschläffung oder Schläfsucht verfallen(a), wird ihre Ausdünstung sehr matt, mittlerweile das Einsaugen fortfähret, und sich nicht verhältnißmäßig vermindert. Wenn man eine Pflanze, z. B. die große Haus⸗ wurzel, in einer Glocke oder Röhre mit einer gewissen Menge Quecksilber einsperrt, und diese Röhre in ei⸗ nem Gefäße, welches gleichfalls Quecksilber enthält, an einem dunkeln Orte umstürzet, so wird man die Glaswände bald mit Feuchtigkeit überzogen antreffen; ein augenscheinliches Zeichen, daß die Pflanze ausge⸗ Tünstet habe: setzet man eine solche Vorrichtung in die Sonne, so wird man eine viel beträchtliche Ausdün— stung beobachten. Sperrt man eine Pflanze in einem sol 5 a) Sehr viele Pflanzen geben unzweydentige Zeichen einer offenbaren Erschlaffung, oder einer Art des Schlafes, der sie überfällt, sobald die Sonne untergehet, und woraus sie wieder schleunig erwachen, wenn sie wieder von neuen den Eiusluß dieses Gestirnes empfangen. Hierunter befin— den sich die Mimosæ, die Cassic, die Slycyrrhiza, und ioch viele andere, die in der Dissertation der Amonita- tes Academicæ Linnæi unter dem Titel: de somno plantarum, stehen. 3572 Uiber die solchen Gefäße ein, so daß ihre Wurzeln in elnet klei⸗ nen Phiole voller Wasser stehen, so wird man durch⸗ gängig bemerken, daß bey der Nacht das eingesogene Wasser die Ausdünstung der Pflanze übertrifft, oder der⸗ selben wenigstens gleich kommt; und daß im Gegenthei⸗ le an der Sonne die Ausdünstung das Einsaugen über—⸗ wieget. Bey diesem Versuche muß man alle Gemein⸗ schaft zwischen dem im Fläschchen enthaltenen Wassert und der Luft des Gefäßes mittelst eines Pickwachses abschneiden. Um darzuthun, daß eine wässerige Flüs⸗ sigkeit von den Pflanzen zu jeder Zeit ausgedünstet und eingesogen werde, darf man nur seine Augen gebrau— chen; aber eben so leicht ist es nicht, darzuthun, was ich in Ansehung der Einsaugung und Ausdünstung ei— ner luftartigen Flüssigkeit behaupte. Die Ursache die⸗ ser Schwierigkeit lieget klar zu Täge; dann die luftar⸗ tige Flüssigkeit ist nicht, wie die Feuchtigkeit, ein Ge— genstand des Gesichtes. Uibrigens geschiehet dieser luft— artige Ausfluß in der Luft selbst, die die Pflanze um⸗ gibt, und er kann solchergestält unsern Augen nicht sichtbar werden. Man würde die nämliche Schwierig⸗ keit antreffen, die wässerige Ausdünstung einer Pflanze, und unsers Körpers selbst, darzuthun, wenn man sie unter Wasser hielte; denn die Feuchtigkeit, die unge⸗ zweifelt immer aus denselben tritt, vermischt sich als— dann mit dem sie umgebenden Wasser, und man wird ihrer Ilget fler in ducch⸗ ngesegene odet drr⸗ Regenther gen über⸗ Gemeib⸗ Vasst Gwachses ge Flüs⸗ nstet und gebrau⸗ hun, was istung ei⸗ rsache din die luftat⸗ ein E⸗⸗ ieset luft⸗ anze un⸗ gen nicht Schwietl Mranz, man se ie Unge⸗ sich als⸗ aan wild hlet Oekonomie der Pflanzen. 343 ihrer nicht gewahr. Daß die Fische ausdünsten, daran zweifelt kein Mensch; und doch fiele es ziemlich schwer, einen Menschen davon zu überzeugen, der sich diesert— wegen mit keinem andern Beweise befriedigen lassen will, als mit dem, der ihm in die Augen fällt: um ihn alsdann zu überführen, müßte man einen Fisch, der lange außer Wasser leben kann, z. B. einen Aal, in ei⸗ nem Gefäße über Quecksilber ins Trockene setzen. Man muß demnach ganz besondere Mittel ins Werk setzen, um darzuthun, daß die Pflanzen niemahls aufhören, eine luftartige Flüssigkeit einzusaugen und auszudünsten. Bey Bekanntmachung meines Werkes über die Pflanzen wäre mir nicht eingefallen, daß die—⸗ selbe Thatsache, welche darthut, daß die Pfanzen eine große Menge Luft an der Sonne ausdünsten, nicht auch beweisen sollte, daß sie eine in der Dunkelheit ausdün—⸗ sten, wenigstens in einer sehr geringen Menge, weil beyde Behauptungen auf der Erfahrung beruheten. Wenn ich Pflanzen im Wasser an die Sonne stellte, fand ich viele gesammelte Luft, und ich erhielt bestän— dig eine, wenigstens etwas, wenn ich dieselben bey der Nacht im Wasser ließ. Hätte ich vorgesehen, daß man mir diese Thatsache streitig machen sollte, so hätte ich, um die Wichtigkeit derselben zu bestättigen, andere Ver⸗ suche und andere Beweisgründe angeführet. Am Ende J. verm. Schrift. I. B. 3 der 354 Uüber die der Vorrede zur französtschen Ausgabe meines erwähn⸗ ten Werkes wird man sehen, daß ich mir es vorbehielt, von diesem nächtlichen luftartigen Ausflusse und seiner besonderen Natur im zweyten Bande ausführlicher zu sprechen. Es hat nicht an mir gelegen, daß dieser zweyte Band nicht schon lange ans Licht getreten ist, indem ich die Materialien darzu schon fertig hatte, als ich den ersten herausgab. In Erwartung, bis ich meine Verbindlichkeiten gegen das Publicum erfüllen könnte, habe ich aus dem lehrreichen Werke des Herrn Senebier(b), und aus iehreren Fanderen, die so zu sagen, die Folge davon wären, mit Vergnügen ersehen, daß es nunmehr hoht Zeit ist, diesen nur so hingeworfenen Gegenstand wie— der vorzunehmen. Herr Senebier heißt zwär auf eine so rühmliche als schmeichelhafte Art für mich meine Meinung über den luftartigen und heilsamen Ausfluß der (b) Memoires physico-chymiques sur l'influence de la lumiere folaire Pour modifer les étrés des troeis reg- nes de la nature, fur- teut ceux du regne vegetal. Per)ean Senebier, Ministre du St. Evangile, Biblio- thecaire de la Republique de Geneve, Membre de la Societé Hollandoise des Sciences de Haerlem. A Ge- neve, 1782. Verdahn, otbehiel, d seiner blichet u aß destr eten is, alte, als ichkeiten aus dem und aus ge davon eht hoht and wie⸗ auf eint ch meine Ockonomie der Pflanzen. 355 der an der Sonne stehenden Pflanzen und über ihren wehlihätigen Einfluß auf die Beschaffenheit des Dunst— kreises gut; er verwirft aber schlechterdings und ohne Zurückhälttung den anderen Theil meines Systemes, nämlich den nächtlichen luftartigen Ausfluß der Pflan⸗ zen und ihren schädlichen Einfluß in der Dunkelheit auf unser Element. Seine Frömmigkeit scheinet sogar durch diese letztere Behauptung beleidiget zu seyn, die er als wenig trostreich, ja selbst als eine Verläum— dung der Wätur und der pflanzen ansiehet. Ich bin weit entfernt, durch dieses Urtheil, so streng es auch ist, aufgebracht zu seyn. Ich bin sogar überzeugt, daß er dasselbe einzig und allein aus einem reinen Eifer für die gute Sache gefällt hat, und keineswegs, um eine verhaßte Reflexion über mich zu machen. Ich kann wahrlich nicht glauben, daß man die Natur ver— läumde, wenn man sagt, daß es giftige Vipern, wü— thige Hunde und Arsenik gebe, und noch weniger, wenn man Vorschriften gibt, um sich gegen ihre üblen Folgen zu bewahren. Ja ich war so entfernet, diesen bösartigen Ausfluß der Pflanzen, so mörderisch er auch für jedes Thier mit Lungen ist, welches man demselben, wenn er concentriret ist, aussetzet, als eine Unordnung in den Gesetzen der Natur zu behandeln, daß ich sogat in der Vorrede meines angeführten Werkes Seite 56 agte, dieser Ausfluß habe in der Einrichtung der 3 2 At⸗ 376 Uiber die Atmosphäre einen sehr großen und recht nützlichen Gebrauch. Und als ich in der nämlichen Vorrede Sei⸗ te 79 sagte, daß die dem nächtlichen Einflusse der pfianzen ausgesetzte gemeine Luft großen Theils in fixe Luft verändert werde, und daß diese fixe Luft, schwerer, als die gemeine Luft, zur Erde gefällt werde, gab ich für einen durchdringenden Kopf deutlich genug zu verstehen, daß meiner Meinung nach diese von der gemeinen losgemachte fixe Luft die Erde mit ei⸗ nem Grundstoffe des Wachsthums beschwängere, wel⸗ cher die Pflanzen in Stand setzet, uns den wichtigen Dienst, den wir von ihnen empfangen, fernerhin zu lei⸗ sten, das ist, den Zustand der Atmosphäre in einem für unsere Erhaltung nöthigen Grade der Heilsamkeit zu unterhalten. Sapienti pauca(c). Im eröfterten Werke sa · * (e) Da Herr Senebier sich sehr über den Gebrauch der fxen Luft bey dem Geschäfte des Wachsthumes ausdehnet, so hätte ich wohl zu meiner eigenen Befriedigung gewünscht, eine so schöne und wahrhaft sinnreiche Theorie mit dem Resultate meiner Untersuchungen gleichförmiger zu finden, als sie es überhaupt ist. Ich habe 3. B. niemahls gesehen, daß das in der gemeinen Luft hängende Wasser mit fixer Luft be⸗ laden ist, nicht einmahl in der Luft eines Zimmers, wo mehrere Personen liegen; und ich habe dasselbe doch mit— telst Gläser vollerEis mitten im Sommer aus der Luft heraus— gezogen. Ich habe ebenfalls nicht gefunden, daß geschmol— zener Schnee, Thau, oder Regenwasser damit beladen ge⸗ we⸗ Oekonomie der Pflanzen. 357 147 150 sage ich selbst Seite 47, daß die Pflanzen unter ge— üünn wissen Umständen die Luft sogar bey der Nacht verbes— 0 sern. Diesen besonderen Fall zergliedere ich allda, ich 230 gebe Beyspiele davon, und ich zweifle nicht, daß er 4. nicht in niedrigen und sumpfichten Oertern, wo die Luft ö l mit sepiischen, phloglstischen, und dem Leben der Thiere i schablichen Theilchen erfüllet ist, Statt habe. diese von 33 Ob⸗ mit ei⸗ , wel⸗— ů— wäre, und selbst nicht bey einem starken Gewitter. ichtigen shutrelte sehr oft alle diese Wässer mit Kalkwasser, und sie sind niemahls trübe geworden; da hingegen Herr n zu leis Seuebier sie allezeit mit firer Luft beladen gefunden hat. en Herr Bergman lässet im Schnee und Regenwaser entwe⸗ lsamkrit der gar keine Spur, oder nur die geringste Menge Sauer⸗ o Wetl⸗ luft zu. Sieh Forb. Bergman, Chemiæ Prof. Opus- 2 cula physica et chemica. I. B. S. 87. Ich weiche auch sa⸗ noch in der Meinung über 0 Natur der Luft, die in den Pflauzen zugegen ist, und an der Sonne zur deyhlogisti⸗ — zirten Luft wird, von 2 Senebier ab. Er glaubet, der fren die in den Pflanzen enthaltene Luft sey darin unter der in Gestalt der sixen Luft vorhanden. Ich habe durchgängig 101. gefunden, daß die aus recht frischen Blättern, aus nicht . III ganz zeitigen,Boder wenigstens nicht welken Früchten und iin Wurzeln ausgepreßte Luft gemeine Luft ist. Diejenige 3 495 Luft, welche man aus etwas welken Gewächsen auspresset, sehen, enthält eine leichte Spur von fixer Luft. Die Luft, wel⸗ — che ich aus der Bachbungen, Beccabunga, u und d r 835 mets/ u sen Hauswurzel auspreßte, war besser, als gemeine L Die duch m. aus den Gewächsen durchs Sieden erhaltene Luft mas nan süI für eine Erzeugniß der Hitze ansehen, gerade so, wie se 0 0 hurch die Gähruug und Fäuluiß hervorgebracht wird eladen ge⸗ Uiber die Obschon ich erwiesen zu haben glaube, daß die Pflanzen in der Dunkelheit wirklich einen Stoff, einen Asfluß in die umgebende Luft verbreiten„ der, wenn er concentrirt ist, so wie er es bleibet, wenn er sich nicht in der offenen Luft verdünnen oder ausbreiten kann, dem thierischen Leben schadet; so sagte ich jedoch auch zu gleicher Zeit, daß man dessentwegen nicht be⸗ sorgt seyn dürfe, indem dieser mephitische Ausfluß in der Natur der Dinge dergestalt durch die Masse des Dunstkreises verdünnet wird, daß er den Stand der Heilsamkeit auf keine Art, nicht einmahl mitten in Wäldern, vermindern könne. Meine Gedanken hier⸗ über kann man in der Vorrede meines Werkes über die Pflänzen Seite 49, und im Werke selbst Seite 57 — 58 nachlesen. Da übrigens die zwey Mängel, die die gemeine Luft von dem nachtlichen Einflusse der Paanzen anziehet, die sixe und die phlogistische Luft sind, so ist es im natärlichen Zustande der Dinge nicht möglich, daß der eine oder der andere dieser Sto fe si) sehr innig mit der gemeinen Luft vermische, um schaden zu können; denn da die fire Luft schwerer ist, als die gemeine, so sinket sie zur Erde in dem Mage, als sie sich bildet, und der leichtere Stoff, das Phlo⸗ giston, steiget zu den höheren Gegenden der At nosohäre auf. Alles dieß habe ich in der Vortede und den Wer⸗ ke selbst ange deutet. Las⸗ ——..— — „dag di f, enn T, wenn ner sich USbreiten 0 jedoh nicht be⸗ Iofluß in asse des and der itten in en hier⸗ kes ubet Seite 55 ngel, die lusse det he Luft ije nicht (V —= he, Am ker it, Naße, Ny Hosohite ekonomie der Pflanzen. 35 Lasset uns nun sehen, ob die Meinung des Herrn Senebier auch so gegründet ist, als sie tröstlich schei— net. Im XIII Abschnitte des ersten Theiles und im V Abschnitte des zweyten Theiles meines Werkes über die Pflanzen lehre ich, daß die Pflanzen im Schatten und des Nachts eine sehr geringe Wenge einer mephi— tischen Luft ausdünsten; eine so geringe Menge, daß ich manchsmahl nicht im Stande war, was immer für einen Versuch damit anzustellen(Steh die 1217 Seite des besagten Werkes), nicht einmahl mit einem kleinen Kerzchen, obgleich die Gläser, welche ich zu meinen Versuchen brauchte, mehrere Maße enthielten, da sich im Gegentheile Herr Senebier gemeiniglich solcher Glok— ken bediente, die nicht mehr, als drey Kubikzoll Raum hatten, und obschon ich zwey Hände voll Blät⸗ ter sammt ihren Stengeln darunter setzte. Ich trug allezeit Sorge, die Blätter im Wasser zn waschen, und sie von aller atmosphärischen Luft zu reinigen, ehe ich sie im Wasser selbst einsperrte, und die Glocke umstürz⸗ te. Diese Versuche wurden in der Mitte eines ganz besonders warmen Sommers, als das Wachsthum, und folglich die Ausdünstung der Pflanzen am stärk⸗ sten war, angestellet. Wenn andere Physiker bey Wie⸗ derhohlung des nämlichen Versuches gar keine Luft er⸗ halten haben, so beweiset dieß nichts gegen die von mir zergliederten Thatsachen; denn es kann seyn, daß 314 ihr 36⁰ Uiber die ihr angewandtes Wasser seiner Natur nach mit Luft weniger beladen war, als das Wasser, dessen ich mich in Engelland bediente, und dessen ich mich noch zu Wien in Oesterreich bediene, und daß es folglich die so geringe Menge Luft, welche die Pflanzen wirklich aushauchten, eingesogen hat. Wenn eine Thatsache, deren Resultat beym ersten Anblicke dem Resultate mei⸗ ner Versuche entgegengesetzt zu seyn scheinet, zureichte, um mein System umzustürzen, so könnte man, wie es schon geschehen ist, mir einwenden, daß die Pfanzen auch selbst an der Sonne keine Luft liefern, wenn man sie in einer Glocke voller Wasser einsperrt, woraus alle Luft durch ein Kochen von mehreren Stunden heraus getrieben ist, und daß also die mittelst der im gemei⸗ nen Wasser an die Sonne gesetzten Pflanzen erhaltene Luft keine andere Luft wäre, als welche im Wa sser enthalten war. Ich habe anderswo dargethan, daß die Ursache, warum Blätter, die in einem Wasser liegen, welches wenig oder gar keine Luft enthält, an der Son⸗ ne keine liefern, ist, weil solche Wässer außer der Schäd⸗ lichkeit, die sie dem Baue der Pflanzen zufügen, noch begierig die Luft verschlingen, welche mit ihnen in Be⸗ rührung kommt. Will man sich von der Wahrheit des⸗ sen, was ich hier behaupte, überzeugen, so darf man was immer für eine kräftige Pflanze in einem Glase voll Wasser, welchem man durch ein Kothen von drey bis vier —.— mit kuft mich nich ö noch glih x⸗ 1 wicklc Thatsache Ultate ne zureiche, 7, wie( Pfanzen venn ma raus all n hetaus m gemei⸗ ethallent uVaset „daß die liegen der Sol in Be chelt deß Irf man u Glase tey bii Oekonomie der Pflanzen. 361 pier Stunden alle Luft geräubet hat, nur eine einzige Nacht einschließen; man wird des Morgens zwär keine Luftbläschen antreffen, und doch ist es leicht, sich zu überzeugen, daß diese Pflanze wirklich eine Luft ausge— dünstet habe: man wird sie finden, wenn man das Wasser nach der herausgenommenen Pflanze erhitzet. Da die Gewächse niemahls aufhören, eine luftartige Flü— sigkeit auszudünsten und einzusaugen, geräde so, wie sie die Feuchtigkeit ohne Unterlaß ausdünsten und ein⸗ saugen, so scheinet es natürlich, daß sie die Luft in einem damit überladenen Wasser verschlingen; und sol— chergestalt werden sie in einem solchen Wasser eine weit grössere Portion Luft liefern können, als in einem ge— meinen Brunnenwasser, welches gemeiniglich damit bey— nahe gesättiget ist: das heißt, die Gewächse werden aus einem solchen Wässer eine große Menge Luft, die damit innigst vermischt ist, einpumpen, und die— selbe dem Wasser wieder in einer sichtbaren Gestalt zu— rückgeben. Ist aber hingegen das Wasser aller Luft be— raubet, so erhält man sehr wenig daraus; denn ein solches Wasser ist es selbst, welches die Luft von der Pflanze einpumpet, welche Luft mit demselben innigst verei⸗ niget bleiben wird. Daß diese Lehre den Gesetzen der Natur angemessen ist, habe ich in einer im LXXIII Bande der phi— losophischen Transactionen stehenden und hier im zweyten Bande folgenden Deukschrift ausführlicher dargethan. 35 Ich 36²½ Uiber die Ich habe Thatsachen, die ich im zweyten Bande über die Pflanzen bekannt zu machen gedenke, und die mir klar genug anzuzeigen scheinen, daß die Pflanzen weit mehr dephlogistizirte Luft verbreiten, wenn sie in ührer natürlichen Stellung, in der offenen Luft, blei⸗ ben, als wenn man sie mit Wasser bedeckt; und daß sie folglich gleichfalls in offener Luft mehr luftartige Flüssigkeit in der Dunkelheit ausdünsten, als wenn sie sich in unseren Gläsern voller Wasser eingeschlossen be⸗ sinden. Ich selbst habe hieran nicht gezweifelt, als ich durch die in meinem angeführten Werke zerglieder— ten Versuche beobachtete, daß diese Ausflüsse wirklich im Lichte und im Dunkeln Statt haben; damahls fehl⸗ te es mir aber an unmittelbaren Beweisen, um es zu bestättigen. Und in der That ist es nicht wahrschein⸗ lich, daß die Pflanzen, derer Bestimmung ist, mitten in der freyen Luft zu leben, in allen ihren Verrichtun⸗ gen gehindert sind, wenn sie mit einer Flüssigkeit be⸗ deckt werden, welche viel mehr Widerstand macht, als ihr eigenes Element, die luftartige Flüssigkeit, und, was noch mehr ist, mit einer Flüssigkeit, welche sehr wenig, oder gar keine Elasticität hat, und daher nur tiner ansehnlichen Kraft weichet? Elne Pflanze, z. B. eine Hauswurzel, mit Quecksilber bedeckt, scheinet die ganze Zeit, als sie darunter bey Leben dleibet, keine Feuch— ligkeit durchzuschwitzen; weil diese metallische Flüssigkeit auf ten Imy e, und dit Pfante enn sie in luft, his und daß luftartthe 8 wenn si hlossen be⸗ felt, als zerglieder⸗ e wirklio nahls fehl— um es u vahrschein⸗ I, mitten errichtun⸗ Oekonomie der Pflanzen. 353 auf die ganze Oberfläche des Gewächses drückt, seine Poren verstopfet, und den Ausgang dieser Feuchtigkeit großen Theils, oder gänzlich verhindert, Indeß könnte man hieraus nicht schließen, daß die Gewächse, wenn sie mit Wasser bedeckt sind, gar keine Feuchtigkeit aus— schwitzen, obschon man diese Ausdünstung der Palanzen, wenn sie unter Wasser stehen, dem Auge noch weniger dantellen kann, als wenn sie mit Quecksilber über⸗ deckt sind. Aus einem noch stärkeren Grunde darf man nicht schließen, daß die Pflanzen keine luftartige Flüs⸗ sigkeit in ihrem natürlichen Zustände ausdünsten, wenn man auch im Falle, daß die Pflauze mit Wasser be— deckt ist, von einem solchen Ausflusse gar keine merkli⸗ che Spur mit den Augen entdecken sollte. Ich sage, aus einem noch stärkeren Grunde, weil der Unterschied der eigenthümlichen Schwere zwischen Wasser und Luft wie 1 zu 1000, und folglich viel gröser ist, als zwi⸗ schen Wasser und Quecksilber, der nur wie 1 zu 134 ist. Es wird vielleicht eines Tages sehr sonderbar schei— nen, daß man in unserem aufgeklärten Jahrhunderte schlechterdings alle Ausdünstung einer luftartigen Flüs— sigkeit aus den Pflanzen hat läugnen können, und zwar aus dem einzigen Grunde, daß man sie nicht sehe, tu⸗ deh man doch sattsam überzeuget ist, daß, wenn die— selbe 364 Uiber die selbe auch obwaltete, sie ebenfalls in offener Luft un— sichtbar wäre. Wer Boyle's und Halesens Werke auf⸗ merksam gelesen hat, kann nicht zweifeln, daß die Pflanzen eine beträchtliche Menge Luft enthalten. Durch eine ganz einfache Operation, wenn man nämlich was immer für ein Gewächs mit den Händen unter Wasser presset, kann man eine gute Portion Luft daraus aus— drücken. Setzet man eine mit Wasser bedeckte Pflanze unter die Glocke einer Luftpumpe, und leeret man die⸗ se aus, so sieht man eine erstaunliche Menge Luftbläs⸗ chen sich einen Weg durch die Poren bahnen, und durch das Wasser in der Glocke gehen; weil nach dem von der Wasserfläche weggenommenen Drucke der Atmosphä⸗ re, der zu jedem Kubikzoll Wasser beyläufig fünfzehn Pfund am Gewichte beträgt, die in der Pflanze na⸗ türlich enthaltene Luft ihre Federkraft gegen den einzi⸗ gen Widerstand des Wassers ausübet, und mit Ge—⸗ walt durchbricht. Sperrt man eine lebendige Pflanze ohne Wässer unter einer solchen Glocke ein, so wird, um in der Glocke einen leeren Raum hervorzubringen, der jedoch wegen der aus der Pftanze dünstenden Feuch⸗ tigkeit und Luft nie vollkommen seyn wird, eine sehr starke Luftpumpe erfordert. Könnte man mit einiger Wahrscheinlichkeit glauben, daß, so länge die bestän⸗ dige Erneuerung der Pflanzensäfte keineswegs bezwei⸗ felt wird, die luftartige Flüßigkeit, welche viel feiner und ll i r Uft U Vekke aus⸗ „ dah de Iten. Duth inlih no utet Wasee dataus aus/ gte Pane ret man dis e kuftblas „und dutc h dem oer Atmopohl⸗ fig fünftehr Pflanze nn. den elhstz d mit 6 ige Pfanie so wild, Zubringen, den Fuch „eie scht mit eintget die hestij 98 Hegthl vil fage * Ildd Ockonomie der Pflanzen. 365 und weit verweslicher ist, als die Säfte, sich niemahls erneuere? Ist es nicht vernünftiger, zu glauben, daß diese zwey Flüssigkeiten in frischen Pflanzen mit einan⸗ der in einem beständigen Umlaufe sind, und daß sich die eine, wie die andere, immerfort erneuere, wenn man ihr kein Hinderniß im Wege leget? Das Was⸗ ser scheinet ein mehr oder weniger großes Hinderniß zu seyn. Gleichwie es schwer hielte, einen Blinden von der beständigen Erneuerung der Feuchtigkeit in den Pflanzen zu überzeugen, so kommet es mir gleichfalls schwer vor, uns von der Wirklichkeit der luftartigen Ausdünstung und Anziehung zu überzeugen, als in welcher Rücksicht wir alle blind sind; und es ist für uns wahrlich ein Glück, daß die Luft eine durchsichti⸗ ge und unsichtbare Flüssigkeit ist. Ich halte es für sehr natürlich, daß eine Pflan⸗ ze, welche in einer Lage ist, worin sie sich nicht mit Luft sättigen kann, auch keine so große Menge aus— ausdünsten kann, als wenn sie ihren Verlust beständig wieder ersetzen kann. Daher kommt es, daß eine Pflan⸗ ze, oder ein abgerissener Zweig, von aller Berührung des Wassers abgesondert, bald unzweydeutige Zeichen einer Erschöpfung zu Tage leget, weil die Ausdünstung, wel⸗ * 345 Uiber die welche niemahls aufhöret, durch keine verhältnißmaßige Einsaugung ersetzet wird. Setzet hingegen den Stengel ins Wasser, und ihr werdet bald sehen, daß sich die Vlätter aufrichten. Die luftartige Ausdünstung ver— halt sich gleichergestalt; sie hört nicht ganz auf, ob— schön die Pflanze sich in einer Lage befindet, wo sie schlechterdings keine Luft einsaugen kann, ja nicht ein— mahl eine wässerige Flüssigkeit, um den Plaz der luft⸗ artigen Flüssigkeit, die sie beständig verlieret, aus zu⸗ füllen. Der Fall hiervon ist dieser. Füllet eine hin⸗ länglich weite und achtundzwänzig bis dreyßig Zoll lange Röhre mit Quecksilber, lässet alle Luftbläschen, die allenfalls noch an den Röhrenwänden hängen, auf— steigen; verschließet hierauf die Oeffnung dieser Röhre recht genau, und kehret sie um, und mit ihrer Oeffnung sogleich in eine Wanne voller Quecksilber; lasset jetzt eine oder zwey Pflanzen von der Hauswurzel hinein, wendet sie aber erst mehrmahls unter Quecksilber um, um sie von aller ekwa noch zwischen ihren Blättern ge— bliebenen Luft los zu machen. Oben in der Röhre, die alsdann ein wahrer Barometer ist, wird man ein ziemlich vollkommenes Vacuum antreffen. Die hinauf gestiegenen Pflanzen werden durch die elastische Luft, welche sie liefern, das Quecksilber bald sehr sichtbar nie— derzrücken, und man wird überzeugt werden, daß dieß eine wahre luftartige Flüssigkeit ist, welche das Sin⸗ ken lt Nom ze igt den S Stengel daß sch die instung het⸗ auf, b⸗ det, wo se ja nicht ain— saz det luft; et, auezu⸗ eine hin⸗ eyß ig Zol stblaschen, ingen, auf leser Röhnt r Oeffrung lasset seht el hinen, ksslbet um, lattern ge⸗ et N. I2, d man eln Die hinauf she Lult chtbat nie⸗ „daß dih das Ell⸗ + Oekonomie der Pflanzen. 36⁷ ken des Quecksilbers verursacht, wenn man diese Röhre in einer großen Wasserwänne umkehret, und die solcher— gestätt erhaltene Luft in ein Gefäß voller Wasser, und um sie auszufangen, auf die Oeffnung der Röhre umge stürzt, aufsteigen lässet. Man wird finden, daß diese Luft zum Theile sixe Luft, und zum Theile eine Luft ist, welche in ihrer Beschaffenheit der gemeinen Luft nachstehet. In diesem hier zergliederten Falle beobachtet man offenbar, daß durch die Gegenwart der Pflanze eine Portion Luft hervorgebracht werde; setzet man aber eine Hauswurzel trocken in eine Röhre, worin eine Menge gemeine Luft über Quecksilber stehet, so wird man eine Erscheinung beobachten, die der hier oben angeführten dem Anscheine nach entgegengesetzet ist. Der Inbegriff der mit der Pflanze eingeschlossenen Luft wird sogleich anfangen, sich auf eine kurze Zeit zu vermindern, und bald darnach wird man denselben augenscheinlich sich vermehren sehen, sogar mitten in der Finsterniß; an der Sonne hingegen wird sich der Luftinbegriff anfangs vermehren, nicht nur dem Scheine nach, durch eine Verdünnung, welche er der Wärme zu verdanken hat, sondern in der That. Die Ursache dieser Verminderung des Luftinbegriffes zu Anfang scheinet davon abzuhän— gen, daß die Pflanze im Dunkeln eine phlogistizirte luft⸗ 368 Uiber die luftartige Flüssigkeit ausdünstet, welche die mit ihr ein⸗ geschlossene Luft zersetzet, und in fixe Luft verändert. Da diese fixe Luft von der Feuchtigkeit, die zu gleicher Zeit aus der Pflanze ausschwitzet, verschlungen wird, so muß der Inbegriff der Luft sich so lange zusammen— ziehen, als eine solche Feuchtigkeit etwas davon trin— ken kann. Da aber eine so geringe Menge Feuchtig⸗ keit mit fixer Luft bald gesättiget ist, so höret sie auch bald auf, etwas mehr davon einzusaugen. Da die mephitische Ausdünstung der Pflanze in der Dunkelheit nicht aufhöret, so gehet die Zersetzung der mit ihr ein— geschlossenen Luft immer fort, und vermehret sich in dem Verhältnisse, als die Menge der hervorgebrachten fixen Luft grösser wird, welche nicht mehr von der Feuch— tigkeit eingesogen werden kann, weil die Pflanze keine mehr liefert, indem ihre wässerige Ausdünstung in ei— nem so engen Orte, wo kein Wasser vorhanden ist, daß es die Pflanze einpumpen könnte, bald schwach wird. In diesen Umständen lässet die mephitische luft— artige Ausdünstung nicht sobald nach, weil die Pflan⸗ ze darin auf eine Zeit Luft genug einzuhauchen findet, um beyläufig diejenige wieder zu ersetzen, welche sie aushäuchet. Nach einiger Zeit aber findet die Pflanze in einem so kleinen Luftinbegriffe nichts mehr, womit sie ihre verschlingende Gier befriedigen könnte; daher sie mit dem Einsaugen aufhöret, ohne jedoch mit dem Aus⸗ nit iht ey⸗ berͤnder Il gleiche ngen wird, zusammun⸗ davon urhj⸗ Fiuchth, ört se ug Da de Dunkelhet nit ihr ein, het sich N orgebrachlen on der Feuch⸗ Aanze kele istung in d handen it, ald schwach Hitische lust die Pfah⸗ hen findet, welche 6 die. Pfatt hr, womlt nte; dohet 49 mit den Aus⸗ Oekonomie der Pflanzen. 69 3 Ausdünsten allerdings inne zu halten. Die Pflanze ver— hült sich in den hier vorgelegten Umständen, wie die Thiere, wenn sie nichts mehr finden, um ihren Hunger und Durst zu stillen; sie erschöpfet sich durch die Aus⸗ leerungen. Die mit der Pflanze eingeschlossene Menge Luft muß sich also bald vermehren, und wird sich beständig vermehren. Indeß kann man sich gar leicht überzeugen, daß die Gährung im Anfänge an dieser Vermehrung des Inbegriffes keinen Antheil hat; denn wenn man die Pflänze aus dieser zwangsvollen Lage, und wenn die Vermehrung des Luftinbegriffes schon angefangen hat, herausnimmt, so findet man sie noch sehr frisch. Schließt man aber solchergestalt die Pflanze, an⸗ statt des Quecksilbers, mit Wasser ein, so wird sich der Luftinbegriff eine lange Zeit hindurch vermindern, und zuweilen höret er in drey bis vier Tagen damit nicht auf, und zuweilen fährt er fort, sich zusammenzuzie⸗ hen, bis die DOekonomie der Pflanze durch eine ihrer Na— tur so widrigen Lage merklich zerrüttet ist. Die Ursa— che dieser Erscheinung kommt mir ziemlich klar vor(d). Die (d) Man muß nicht äußer Acht lassen, daß die Ausarbeitung der dephlogistizirten Luft das Werk der Organen der Pflänze in ihrer vollen Kraft, und durch den Einflus des J. verm. Schrift. I. B. Aa Son⸗ 37⁰ Uiber die Die Pflanze mephitizirt die Luft nicht weniger, wenn sie mit ihr über Wasser eingeschlossen wird, als wenn sie Sonnenlichtes in Thätigkeit versetzt, ist. Wenn man dem⸗ nach beobachtete, daß eine mit einer Pflanze, selbst an der Sonne, ohne Wasser und über Quecksilber eingesperrte Menge Luft an ihrem Inbegriffe vermindert wird, so würde man daraus falsch schließen, daß die Pflanze während ihrer Aussetzung an der Sonne keine luftartige Flüssigkeit ausgedün⸗ stet habez denn es kann gar wohl geschehen, daß diese Pflanze in einer solchen ihrer Natur widrigen Lage krank geworden ist, oder mehr Wärme erlitten habe, als sie ausstehen konnte. In diesem Falle dünstet die Pflanze eine fixe Luft aus, oder zum wenigsten verändert sie die mit ihr einge— sperrte Luft in fixe, welche durch die Feuchtigkeit, die immer und hauptsächlich an einem warmen Orte aus— schwitzet, verschlungen wird. Ich habe es anderswo satt— sam erwiesen, daß dieß der Fall ist. Uibrigens sauget die ganze Pflänze die Luft allenthalben, wo sie dieselbe findet, ein, und dünstet auch beständig eine aus. Es ist also nicht wohl möglich, daß man bey Einsperrung der Pflan⸗ zen in Gefäßen sie allezeit genau in diejenigen Umstände versetze, die nothwendig sind, auf daß ihre luftärtige Aus— dünstung ihre Einsaugung überwiege; und dieß ist um so schwerer, als die Pflanze, um eine dephlogistizirte Luft auszuarbeiten, und sie in großer Menge auszudünsten, in dem Stande ihres besten Wohlbefindens seyn muß. Die Pflanzen warmer Länder, die eine beträchtliche Hitze er— leiden, vermehren gemeiniglich die Luftmenge, wenn man sie in einem Gefäße über Quecksilber dem Sonnenlichte aus setzt. Die Cactus und Cacalia haben mir hierin am besten entsprochen. Rer, penn als xenn sie u man dem „ selbst au eingespernte so pidde hrend ihret tausgedün⸗ lese Pfauze geworder e ausstehen ne fre Lust teiht eingt tigkeit, di Orte aus⸗ ttwo satt sauget di selbe fndet, t also nicht det Pflan Umstäude irtige Aus ist um st udünsten, nuß. Di (Hiße etz xrenn man Hnnenlichte Hietin an Oekonomie der Pflanzen. 37¹1 sie es über Quecksilber ist; da aber das Wasser im Stande ist, alle die fixe Luft, die darüber erzeuget wird, und mit ihm in Berührung kommt, aufzuneh— men, so kann sich, wenn Wasser genug da ist, der Luftinbegriff immerfort verringern. Wenn man demnach den mit der Pflanze in der Dunkelheit eingeschlossenen Luftinbegriff vermindert findet, so kann man daraus keineswegs schließen, daß ihn die Pflanze verschlungen habe. Wenn jemand das Vermögen, die fixe Luft zu verschlingen, welches das Wasser besitzet, nicht kennete, und eine Münze, oder was immer für einen Körper, hinein legte, so könnte er bey Beobachtung der großen Ver⸗ minderung dieser Luft mit dem nämlichen Rechte dar⸗ aus folgern, die Münze habe sie verschlungen, als man aus der Verminderung eines mit einer Pflanze im Dun— keln eingesperrten Luftinbegriffes schon gefolgert hat, daß ihn die Pflanze verschlungen habe. Dieser Schluß kann nur aus der Unwissenheit herkommen, daß die Pflanze, so wie ich es gefunden habe, das Vermögen besitze, die athmenbare Luft in fire zu verändern, und daß das Wasser sich mit der mit ihm in Berührung stehenden fixen Luft anschwängern könne. Zum wenig⸗ sten kann man aus dem bisher Gesagten schließen, daß ie Verminderung des mit einer Pflanze im Dun— keln eingesperrten Luftinbegriffes guf keinerley Art Aa⸗ zin 37² Uiber die ein Beweis ist, daß die Pflanze diese Luft verschlun⸗ gen habe— Herr Senebier meinet, jeder mephitische Aus— fluß der Gewächse bezeichne eine Zerlegung der Pflan— ze, und er scheinet völlig überzeuget zu seyn, daß im oberwähnten Falle die Pflanze selbst, oder wenigstens einige ihrer Blätter, in Gährung, und folglich des Wachsthumes beraubt wären. Indeß glaube ich, er habe sich schon selbst überzeuget, daß er sich hier— in betrogen habe, und zwar durch diese einzige Be— trachtung, daß frische Blätter, oder auch ganze Pflan⸗ zen, nach einer Nacht, während welcher sie mit einer Menge Luft, die sie schlechterdings tödtlich gemacht haben, eingesperet waren, noch im Stande sind, des Morgens, wenn sie im Wasser der Sonne ausgesez⸗ zet werden, eine sehr gute dephlogistizirte Luft zu ge— ben, welche doch Herr Senebier selbst für eine Luft des Wachsthumes annimmt. Wenn man aber eine solche Pflanze, anstatt sie des Morgens mit Wasser zu bedecken, mit der nämlichen Luft, und nachdem man sich versichert hat, daß sie mephitizirt ist, der Sonne ausetzet, so wird sie alles Phlogiston, wel— ches sie während der Nacht ausgehaucht hatte, wie— der einsaugen, und die fixe Luft wird weg seyn, die das 2—7 22—2—— berschl sche Mue⸗ der Pfau⸗ „daß in wenigstens Hlich des e ich, er sich hier⸗ zige Bt⸗ zze Pfan⸗ mit einet gemacht sind, ded ausgesiz uft zu ge⸗ ine Luft aber eine t Vasset nachden ist, det on, web lte, wit⸗ ehn, de das Oekonomie der Pflanzen. 373 das Wasser, und vielleicht auch zum Theile die Pflan⸗ ze, eingesogen hat, und die Pflanze wird bald wieder gut gemacht haben, was sie verdorben hatte. Das Detail dieser Versuche kann man in meinem Werke über die Pflanzen nachsehen. Wenn der angeführte Versuch nicht genug ist, um jeden Physiker zu überführen, daß die mephitische Ausdünstung der Gewächse im Dunkeln keineswegs der Zersetzung oder der Gährung der Pflanze oder einiger ihrer Blätter, sondern im Gegentheile der Kraft der Pflanze zu zueignen sey, so kann man sich dessen völlig überzeugen, wenn man was immer für eine ganze Pflanze in ihrer vollen Kraft die Nacht hindurch unter eine Glocke setzet, indem man sie in ihrem Blumentopfe lässet, und auf den Teller, wor⸗ auf man die Glocke umgekehrt setzet, ein wenig Was— ser schüttet, um alle Gemeinschaft zwischen der in der Glocke eingesperrten Luft und der Luft von aus— sen abzuschneiden. Man wird finden, daß die Pflan⸗ ze nichts gelitten, und dennoch die Luft, die mit ihr eingesperrt war, mephitizirt habe, und daß diese Me⸗ phitizirung nach dem Verhältnisse des Inbegriffes der Pflanze zum Inbegriffe der Luft, worauf sie wirkte, und zum Theile auch nach Beschaffenheit der beson— Aa 3 deren 37⁴4 Uiber die deren Natur der Pflanze, mehr oder weniger beträcht⸗ lich seyn werde. Ich sehe mich wahrhaft wider meinen Willen gezwungen, neue Beweise anzuführen, um den bös— artigen Einfluß der Gewächse auf die Luft in der Dunkelheit zu bestättigen, weil man sich zu jeder Zeit des Sommers, und an jedem Orte überzeugen kann, und ohne ein anderes Zugehör zu haben, als ein Trink- glas, eine Pflanze, einen Blumenstrauß, oder eine Frucht, und ein wenig Wasser auf den Teller, wor⸗ auf das Trinkglas umgestürzt stehet, zu setzen. Nach— dem man diese Vorrichtung die Nacht hindurch, oder bey Tage an einem dunkeln Orte, gelassen hat, sen—⸗ ket man alles in eine Wasserwanne ein, nimmt die Pflanze heraus, leget den Teller aufs neue an den Rand des Trinkglases an, kehret es unter dem Was⸗ ser um, und in dem nämlichen Augenblicke, als man den Teller abnimmt, fähret man mit einem angezün⸗ deten Wachskerzchen, oder Stückchen Holz, hinein, worin es auf der Stelle verlöschen wird. Will man was immer für ein Thier, eine Maus, einen Spaz⸗ zen, u, d. g9l. hinein bringen, so muß man mit dem⸗ selben durchs Wasser fahren, und den Rand des Trink-⸗ glases unter seiner Oberfläche halten. Indeß bin ich weit het herich, nen Dilln u den bis, Uft in det feder Zat en kann, und ein Trink oder eine Teller, wot, chen. Mo/ durch, odet hat, sel— nimmt die eue an din dem Was⸗ „als man Nangagil 3„ hinein, Will mon nen Spap 1 mit dem⸗ des Teink⸗ 0 bin ih speit Oekonomie der Pflanzen. 375 weit entsernt, mich über die Schwierigkeit zu berwun— dern, mit welcher diese Entdeckung von den Physi⸗— kern aufgenommen wurde, noch ehe sie dieselbe auf die Probe gesetzt hatten, weil man noch niemahls daran gedacht hat, und die Sache beym ersten Augenblicke in der That sehr außerordentlich scheinet. Ich selbst konnte nach dem ersten Versuche kaum meinen Au⸗ gen glauben. Dieses Vermögen der Gewächse, die Luft in der Dunkelheit zu mephitiziren, ist so groß, daß eine Pflanze im Stande ist, auf eine sehr augenscheinliche Art mehr als fünfzigmahl ihren Luftinbegriff zu ver— derben. Was immer für eine kräftige Pflanze, im Sommer eingesperrt, und zwar mit einer Menge Luft, die zehnmahl mehr Raume einnimmt, als die Pflanze selbst, mephitiziret sie in einer einzigen Nacht dergestalt, daß sie zum wirksamsten Gifte wird, welches vielleicht in der Welt zu finden ist; denn ein jedes Thier mit Lungen, welches man hinein bringet, findet darin in dem Zeitraume von wenigen Secunden seinen Untergang. Es gibt Pflanzen, derer Vermögen in dieser Rücksicht die anderen weit übertrifft. Die Pflanzen, welche ei⸗ nen starken und unangenehmen Geruch haben, sind es gar nicht, welche die Luft am meisten mephitiziren. Aa 2 Es 376 UHUiber die Es gibt Pflanzen ohne allen Geruch, welche andere stark riechende Paanzen in dieser Eigenschaft weit übertreffen. Die Früchten, Wurzeln, und Blumen übertreffen in dieser zerstörenden Kraft die Pflanzen um vieles. Vielleicht nehme ich diese Materie im zweyten Bände meiner Versuche über die ü wieder vor. Uiberzeugt, daß man niemanden von einer ver⸗ schiedenen Meinung beleidigen könne, wenn man ohne Zweydeutigkeit und ohne Bitterkeit seine eigenen Mei⸗ nungen und Versuche dem Publicum vorleget, bekenne ich, daß ich nichts mit mehr Bergnügen lese, als Be⸗ merkungen und Versuche, die den meinigen entgegen⸗ laufen, in der Hoffnung, sie berichtiget zu finden. Aus dem Zusammenstoße der Meinungen entspringt oft Licht, und in jedem Falle werden die Kenntnisse dabey ge⸗ winnen. Ich kann also nicht anders, als mit Ver⸗ gnügen sehen, daß mein System von den verehrungs⸗ würdigsten und aufgeklärtesten Männern, wie die Her⸗ ren Senebier, Priestley, und Cavallo sind, angefoch⸗ ten wird. Die zwey letzteren läugnen schlechterdings allen Luftausflaß der Gewächse, und selbst an der Son⸗ ne. Ihre Meinung ist, daß die Luft, die man in einem Wasser erhält, worin man die Pflanzen der Son⸗ lche asden schit wil d Dlunn Panze Laterie ih e Pfanig elnet vet⸗ nan ohne enen Mei , bekennt „als ve entgezen⸗ uden. Ju3 oft Lich, dabey g6 mit Vi- rehruns die Hll⸗ angefoch Hlerdings der Son⸗ man in zen de Soh⸗ Oekonomie der Pflanzen. 377 Sonne ausgesetzet hat, nichts ist, als die Luft, wel— che schon vorher im Wasser enthalten war, und sich unter der Gestalt der Bläschen auf die Oberfläche der Pflanzen setzet, gerade so, wie sie sich auf die Ober— fläche eines Metalles, eines Stücks Tuch, u. s. w., absetzt. Herr Cavallo gehet noch weiter, indem er be— hauptet, daß die dem nächtlichen Einflusse der Pflan— zen ausgesetzte Luft keine Veränderung dadurch erleide. Ich weiß nicht, was Herr Priestley hierüber denkt; denn in seinen Werken machet er keine Erwähnung da⸗ von. Indeß scheinet mir, daß es allerdings und un⸗ umgänglich nothwendig ist, sich vor allem zu versi— chern, daß die Pflanzen in der Dunkelheit die verdor— bene Luft nicht wieder herstellen, und die gute Luft nicht verbessern, ehe man schließen kann, daß das Vermögen der Pflanzen, die schlimme Luft wieder herzustellen, und die gute zu verbessern, ausschließungsweise dem Sonnenlichte, und nicht dem Wachsthume als Wachs— thum zu zuschreiben sey. Allein um versichert zu seyn, daß dieser wohlthätige Einfluß in der Dunkelheit nicht Statt hat, hätte man erst die Natur einer Luft unter⸗ suchen müssen, welche in der Dunkelheit der Wirkung der Pflanzen aus gesetzt war; und bey dieser Untersu⸗ chung hätte man nicht fehlen können, zu sehen, daß die Gegenwart der Pflanzen dieselbe dem Leben der Thie⸗ Aa5 re 378 Uiber die re schädlich gemacht habe. Es scheinet mir also, daß das tiefe Stillschweigen aller Schriftsteller vor mir über den nächtlichen bösartigen Einfluß der Pflan⸗ zen auf die Luft für einen Beweis gelte, daß man nicht einmahl vermuthet habe, daß der wohlthätige Einfluß der Gewächse auf unser Element dem Son⸗ nenlichte allein zu zueignen sey. Diejenigen, welche den Pflanzen allen bösartigen Ausfluß öffentlich ab— sprechen, erweisen mir in diesem Puncte gewiß die größ⸗ e Ehre. Herrn Priestley allein haben wir die große Ent— deckung zu verdanken, daß die Pflanzen das Vermögen besitzen, die üble Luft wieder herzustellen, und die ge— meine zu verbessern. Er ist es, der uns die Thüre darzu geöffnet hat. Diesem schönen Systeme blieb ich zur Zeit, als er selbst, aus zu weniger Vorliebe zu seinen eigenen Meinungen, zu wanken schien, sehr be— ständig anhängen. Aus der Vorrede zu meinem Wer— ke über die Pflanzen kann man sattsam ersehen, wie sehr mein Geist seit 1773 mit den Ideen beschäftiget war, die ich mir über die Art, wie sich dieses wunder— bare Geschäft bewirke, bildete. Von dieser Zeit an brannte ich vor Begierde, dieses weite Feld, dessen Schönheiten ich erblickte, und worzu ich den Weg of⸗ sen Oekonomie der Pflanzen. 379 allo, dy +* fen sah, zu durchlaufen. Sehr weit entfernt, nicht ö ur Rin eher daran gedacht zu haben, als bis ich im Jahre 1779(e) die Hand ans Werk legte, fehlte mir nichts, „daß ma 42„ ucllh ö als die günstige Gelegenheit, um durch Versuche ohlthättge 87 4 die verschiedenen Gedanken, die ich über die Natur em Os 7 Ee 2„ dieses Einflusses der Gewächse gefasset hatte, zu reali— en, ö—6— ö mii siren. Ich blieb hartnäckig dabey, auf alle nur ersinn⸗ entlich ah liche die groß große Ent(e) Einige Schriftsteller nach Herrn Ingen-Housßz suchten ohne Grund und im Widerspruche mit dem, was er selbst Dermogn in seinem Werke sagt, beyzubringen, er habe nicht eher, und die ge als im Verlaufe des Jahres 1779 au diesen Gegenstand de Tü zu denken angefangen. Die Absicht eines so besonderen ie Hult Verfahrens kann keine andere seyn, als den Leser geneigt e blieb ih zu machen, zu glauben, daß diese Schriftsteller, welche sich zwar die Ehre der Entdeckung selbst nicht zueignen können, inzwischen doch ähuliche Ideen genähret haben, seht he oder Ideen, welche zum wenigsten einige Beziehung auf diese Entdeckung hatten, und zwar etliche Monathe eher, orliebe zu m Me mr als Herr Ingen-Housz daran dachte. Diese und noch hen, wi viele andere kleine Liste, die man in verschiedenen Län— eschäftigt dern angewandt hat, um einigermaßen an der Ehre der Entdeckung Antheil zu nehmen, müssen um so mehr Ehre wunde⸗ auf den Erfiüuder zurückverfen, als seine Erfindungen dut u wichtig genug scheinen, um den Ehrgeitz so vieler anderer Gelehrten dessentwegen rege zu machen. Dieß war das Schicksal aller wichtiger Entdeckungen; und durch die Zahl Weg df der Nebenbuhler konnte man die Grösse derselben ermessen Anm. d. Uibers. 5„ dessen sen ————————————* Eine darin finden zu können hoffte, öffnete sich meinen Au⸗ sogar in den Finsternissen dasjenige suchte, was ich gen endlich das Licht. 380 Uiber die Oekonomie der Pflanzen. liche Arten den Gegenstand zu suchen, der mich schon seit so vielen Jahren beschäftiget hatte, und als ich lhen. ich shn no alt i „ was 0 mennn Yy Eine neue Art, i e Magnetnadeln aufzuhängen. . Belesen vor der königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu London, den en Junius, 1779. Eint 0 R il * U Het V THEOGNIS. LLeihe& Aoy. Wö„ ö WSVSV 0 Psl. Ver so große Rutzen, welchen die Schiffarth von dem Gebräuche der Compassen ziehet, war die hauptsächlichste Ursache, daß manche einsichtsvolle Män⸗ ner so viele Mühe darauf verwandten, um die beste Art zu suchen, wie man die Magnetnadeln aufhängen soll, und daß einige Gesellschaften der Wissenschaften einen ansehnlichen Preis fůr denjenigen aussetzten, wel— cher bey diesem wichtigen Gegenstande am besten zu Werke gehen würde. Es war von jeher, so wie noch jetzt, die allge⸗ meine Klage, daß solche Nadeln, einer so großen mag— netischen Kraft sie auch ihrer Grösse und Gestalt nach empfänglich seyn mögen, und so genau sie auch verfer⸗ tiget 384 Eine neue Art tiget werden, und so vollkommen sie im Gleichgewichte stehen, aus eben der Ursache ihrer großen Genauigkeit so leicht in Bewegung gerathen, daß ihnen die flüchtig— ste Erschütterung des Bodens, die der Beobachter durch das Hin⸗ und Hergehen im Zimmer erreget, eine so große zitternde Bewegung verursachet, daß sie aus ihrer Richtung gebracht werden, und eine beträchtliche Zeit erfordern, ehe sie wieder in ihrem währen magnetischen Meridian feststehen. Seitdem der selige Dockor Knight die Art, den stähleren Stangen eine beträchtliche magnetische Kraft mitzutheilen, so sehr verbessert hat, wurden die Mag— netnadeln mit einer viel grösseren und beständigeren Polkraft angeschwängert, als es vor dem möglich war: der Bau der Compassen selbst sah sich gar beträchtlich verbessert; nichts desto weniger scheinet dieser Gegen— stand doch noch nicht erschöpfet zu seyn. Der Grad der magnetischen Kraft, oder der Pol⸗ kraft, den man einem recht gehärteten Stähle mitthei— len kann, scheinet einigermaßen von der Oberfäche des anzuschwängernden Stück Stahles abzuhängen, welche es zu seiner Dicke hat, so daß eine dünne Stähl— VB platte, die z. B. zehn Grane wieget, ungleich mehr magnetische Kraft erlanget, als ein kleiner Stahlklum⸗ 9e 7* fen lichrchht Ganligkit die fichi bachterdut et, eine h ie aus iirg ichtliche dl magnelishg e MRt, lische Kast 1 die My bestäkdizun mözlich aur beträchtlch leset Gll die Magnetnadeln aufzuhängen 385 pen von demselben Gewichte. Solchergestalt kann ein kleiner Magnet aus einer sehr dünn geschlagenen Stahl⸗ platte so starck gemacht werden, daß er über hundert fünfzigmahl sein eigenes Gewicht trägt, welches mit einem großen schweren Magnete noch niemahls gesche⸗ hen ist. Wird die große zitternde und wagerechte Bewe— gung, oder die zu große Rastlosigkeit einer starken Magnetnadel auf die eine oder andere Weise durch die bisher gebräuchlichen Methoden gemäßiget, so ist die Nadel in einiger Gefahr, nähe bey der wahren mag⸗ netischen Mittagslinie stille zu stehen, ohne jemahls unmittelbar auf sie zu zeigen; weil nahe an diesem Orte die Richtungskraft der Nadel so schwach werden kann, daß sie den ihrer freyen wagerechten Kreisbewe— gung entgegengesetzten Widerstand nicht überwindet. Im Verlaufe des vorigen Jahres dachte ich, daß ein großer Theil oberwähnter Schwierigkeiten gehoben werden könne, und zwar durch verschiedene Methoden, wovon einige hier folgen. I. Versuch. Ich setzte eine auf ihrer Spitze ru— hende gewöhnliche Magnetnädel in ein Porcellanbek—- ken, goß Wasser darein, so daß die ganze Nadel be⸗ J. verm. Schrift. I.. B b ö deckt 386 Eine neue Art deckt war. Diese Nädel verlor einen großen Theil ihrer Rastlosigkeit, wurde bey der Näherung eines Magnetes in einer beträchtlichen Entfernung angezo— gen, und schien, wiewohl etwas längsamer, auf die magnetische Mittagslinie so richtig zu zielen, als zuvor. II. Versuch. Ich nahm eine starke flache Mag⸗ netnadel mit einem runden Loche in ihrem Mittel— puncte, aber ohne Hut. An dieser Nadel befestigte ich so viel Kork, als nöthig war, um auf dem Wäs⸗ ser eines Beckens schwimmen zu können. Ich steckte einen glatten kupfernen Stift senkrecht ein, so daß er durch das Loch im Mittelpuncte der Nadel gieng, Num ihr das Herumschwimmen im Becken einzustellen. Dieß that so ziemlich gut, und die Nadel kehrte sich nach der magnetischen Mittagslinie mit einer längsa⸗ men Bewegung. III. Versuch. Ich nahm die im ersten Versuche gebrauchte Nadel, belegte sie gerade mit so viel Kork, daß sie sank. Unter ihr war eine Spitze, so daß die Nadel sammt dem Korke etwas unter der Oberfläche des Wassers gehalten wurde, indem sie mit einem sehr unbetrachtlichen Gewichte auf der untergestellten Spiz— ze auflag. Dieß entsprach beynahe, wie im II Versuche. IV. Hhl n E 0l U + liht +2 m, tujy W + bet Oeen Thel Tung ahts ng ange; „ auf di elen, giz lache Mh⸗ em Mittch l befestigt dem Was Ich stackt in, so daß del gieng, einzustella. kehtte sich er langa⸗ u Vesuch viel Kodt, o daß de Oberfͤhe mit einen alten Syi⸗ Bersuche V. die Magnetnadeln aufzuhängen. 387 IV. Versuch. In der Mitte einer kleinen stark magnetisirten Nadel befestigte ich einen Silberdrath, der zum Aufhängen derselben diente. Diesen Drath lteß ich durch das Oehr einer gemeinen Nähenadel gehen. Die Spitze dieser Nädel vereinigte ich mit dem einen Ende eines senkrecht aufgerichteten stählernen Mägnetes, des⸗ sen Ende sehr polieret war. Beym Einsenken dieser Vor— richtung in ein cylindrisches Glas voll Wasser, so daß die Spitze der Nähenadel unter die Oberfläche des Wassers kam, befand sich die mittelst des Silberdrathes wagerecht aufgehängte Magnetnadel frey und in der mägnetischen Mittagslinie. Ihre Bewegung war schleunig, ohne vieles Zittern, und bey der Näherung eines Magnetes auf eine beträchtliche Entfernung verrückte sie sich. Diese nur hingeworfene Vorrichtung hatte zwey Un— bequemlichkeiten; nämlich die Nähenadelspitze lösete sich bey einer dem Gefäße ertheilten Erschütterung von dem senkrechten Magnete leicht ab, und fiel mit der an ihr hän⸗ genden Magnetnadel auf den Boden desselben. Die zweyte Unbequemlichkeit war, daß man auf diese Art nur eine kleine und hinlänglich leichte Magnetnadel aufhängen kann. Indeß hielt es nicht schwer, der ersteren abzuhelsen, indem man die Nähenadel durch ein Loch eines Stück Gla⸗ ses oder Kupfers gehen ließ, und ein wenig über diesem Stücke Glas eine Querschulter oder einen Stift befestigte, Bb2 mit⸗ 388 Eine neue Art mittelst welches diese durch eine Erschütterung vom senk— rechten Magnete abgetrennte Spitze in einer geringen Ent⸗ fernung von dem Ende des senkrechten Magnetes auf dem Stücke Glas hängen blieb. Ließ man den senkrechten Magnet nur ein klein wenig herab, so war die Spitze der Nähe⸗oder Hängnädel wieder daran, und brachte man sodann den senkrechten Magnet wieder in seinen Ort, so ergriff die wagerecht hängende Magnetnadel wieder auf der Stelle ihre Richtung nach den Weltpolen. Der zwey⸗ ten Schwierigkeit könnte man großen Theils begegnen, wenn man anstatt einer Magnetnadel nach gemeiner Art eine dünne Röhre von Stahl nähme, wovon ich hier un— ten sprechen werde. Eine verschlossene Röhre von Stahl verdrängt durch ihren beträchtlichen Umfäng ein verhält—⸗ nißmäßiges Volum der Flüssigkeit, worin sie schwimmt, und verlieret von ihrem absoluten Gewichte so viel, als ein gleiches Volum der durch diese Röhre verdrängten Flüssigkeit wiegt. Eine solche Röhre könnte demnach, wenn sie auch ein ziemlich beträchtliches absolutes Gewicht hätte, durch eine sehr kleine, an dem Ende eines senkrechten Mag⸗ netes hängende Nähenädel schwebend gehalten werden. Bey der Vorrichtung, die mir zu diesen Versuchen diente, bemerkte ich nicht, daß der wagerecht aufgehängte Magnet durch den senkrecht stehenden in Unordnung ge— bracht wurde, welches natürlicherweise hätte geschehen müs⸗ W Lum senk, auf dm enkrechen ie Epihe dbtachte inen Ort —6 Riner Art hier un⸗ X. on. Stahl 1641 Nberhalt⸗ * icht hatlt, ten Mah⸗ erden. zersuchd gebange nung ge⸗ heschchel 7* Mll“ die Magnetnadeln aufzuhängen. 389 müssen, wenn der senkrechte Magnet schief gestanden hätte, und hauptsächlich, wenn die zwey Magnete einander zu nahe gewesen wären. V. Versuch. In der Mitte einer starken und flachen Mägnetnadel befestigte ich auf beyden Seiten gläserne Hü— te, derer Höhlen einander gegen über standen. An jeder Seite des oberen Hutes befestigte ich auf der Magnetnadel ein dünnes, hermetisch geschlossenes und so leichtes Glas— röhrchen, daß die mit diesen zwey Röhrchen beladene, und aufs Wasser gelegte Magnetnadel so einsank, daß nur ein sehr kleiner Theil der zwey Glasröhrchen noch über Wasser blieb, und daß also ein sehr leichter Druck sie ganz unter Wasser brachte. Ich druckte diese Vorrichtung ganz unter Wasser durch die Spitze eines Messingdrathes, den ich in die Höhle des auf der oberen Oberfläche der Magnetna— del sitzenden Hutes einsetzte. Die solchergestalt unter Was— ser gehaltene Nadel drückte gegen die Metallspitze mit einem äußerst leichten Drucke aufwärts, welcher von dem so gar kleinen Unterschiede des eigenthümlichen Gewichtes, das diese Vorrichtung zu einem von ihr verdrängten Wasser— volume hatte, abhieng. Der Unterschied dieser eigenthüm⸗ lichen Schwere betrug nicht mehr, als zwey oder drey Gran. Mittlerweile diese Magnetnadel nichts von ihrer Polkraft verlor, verlor sie fast allen Widerstand ihres Ge⸗ wichtes, und zugleich alle jene Beweglichkeit, welche die Bb ʒ genau 30⁰ Eine neue Art genau verfertigten Magnetnadeln in der freyen Luft ha⸗ ben. Indem die Flüssigkeit, worin diese Nadel versenkt war, ihrer Richtung keinen Widerstand entgegensetzte, ihre zu starke Schwingung aber beynahe gänzlich hemmte, so ließ sie ihr alle Freyheit sich nach den Polen zu zu richten, weil die Flüssigkeiten allenthalben gleich drücken. So pfle⸗ gen die Astronomen das Bley an ihrem großen Quadran⸗ ten in ein Oehlglas zu hängen, wodurch die Schwingbewe— gung der verticalen Richtung unbeschädet verhindert wird. Um zu verhindern, daß diese Nadel nicht von der Spitze abgestoßen werde, und im Becken herumschwimme, untersetzte ich ihr eine Metallspitze, worauf der untere Hut ruhen mußte, wenn die Nadel durch einen Zufall von der oberen Spitze herabsteigen sollte, oder wenn ich wollte, daß sie durch ihr vermehrtes Gewicht sinke. Da ich nun durch Versuche gefunden hatte, daß eine starke Magnetnadel unter Wasser fast eben so gut nach der magnetischen Mittagslinie ziele, als in offener Luft, und daß durch den Widerstand der Flüssigkeit vieles von ihrer zu großen Beweglichkeit genommen werde, so wollte ich versuchen, welcher Grad des Magnetismus einer dün⸗ nen cylindrischen Stahlröhre könnte gegeben werden, in⸗ dem eine Nadel unter dieser Gestält so leicht seyn könnte, als erforderlich ist, ohne mit Kork oder einem Glasroh⸗ re n Luft E del vasegkt ensehte t hemmie, s zu richtn, n. So pi in Qundrin chwingbere Indert wich. cht von d nschwimme, untere Hut all pon de ich wollle, se, daß ein ut nach de Luft, um von ihttt wollte 1h einet dun werden, i n konnt, Glastoh⸗ 1 die Magnetnadeln aufzuhäugen. 391 re beleget zu seyn; da ich aber keine solche Röhren fertig fand, probierte ich eine blecherne, die sich einer grösse⸗ ren magnetischen Kraft empfänglich zeigte, als ich erwar⸗ tete, in Erwägung, daß die Eisenplatten, woraus sie gemacht wird, hierzu weder hinlänglich gehärtet sind, noch der Natur des Stahls nahe genug kommen; und daß sie noch über dieß, mit Zinn überzogen, der bloßen Reibung des stählernen Magnetes nicht ausgesetzt werden können. Dieser Versuch gab mir jedoch einen sicheren Be— veis an die Hand, daß eine Magnetnadel unter der Ge⸗ stalt einer dünnen Stahlröhre einer so starken Polkraft empfänglich werden könne, um zu dem hier vorgesetzten Entzwecke dienlich zu seyn. Da aber die zwey Hüte von Achat, wenn sie mitten in die Substanz der Röhre eingesetzt werden, den Stahl einigermaßen unterbrechen, und solchergestalt die mag⸗ netische Kraft vermindern möchten, so könnten die Auf⸗ hängungsspitzen auf die Oberfläche der Röhte selbst auf⸗ N gelöthet oder befestiget, und die achatenen Hüte auf die Unterlage ober und unter der Röhre aufgesetzt werden, so daß eine solche Nadel in Ansehung der Aufhängung die umgekehrte Gestalt von den gemeinen Nadeln bekom⸗ me. Noch ein anderer Vortheil könnte von der Befesti⸗ gung der Aufhängungsspitzen auf die Nadel selbst geis⸗ Bb 4 gen 392 Eine neue Art gen werden, nämlich daß die Flüssigkeit, worin sie schwimmt, nicht so leicht eine zu starke zitternde oder wellenförmige Bewegung erlangen kann. Sollte es schwer fallen, recht dünne und gehörig gehärtete Stahlröhrchen zu machen, so könnte ein Stück Stahl so ausgeschlagen werden, daß es die eine Hälfte der Röhre darstellte; die andere Hälfte könnte aus ei—⸗ nem ähnlichen Stücke, oder vielleicht noch besser aus einem dünnen Messing, oder einem anderen Metalle ver⸗ fertiget, und beyde Hälfte zusammen gelöthet werden. Der nämliche Entzweck könnte vielleicht erreichet ö werden, wenn eine Magnetnadel in eine dünne Röhre von Glas, oder einem anderen Metalle, gesteckt würde. Ich glaube, daß es nicht schwer seyn wird, die— ser Art von Nadeln eine gläserne, metallische der email—⸗ lirte Platte anzubringen, die anstatt der Charte auf den gemeinen Seecompassen dienet, und von derselben bey den Azimutheompassen Gebrauch zu machen. Wenn die Charte nicht oben auf der Nadel nö⸗ thig ist, so kann man sie auch auf dem Boden der hier⸗ zu bestimmten Glasbüchse anmachen. E , Worin llteende dn und gehärz lte ein Git e eine Halst nute aus ei besser aut Metalle ver het werdn, icht erreicht Unne Rohr steckt wütde wird, dies Nan die Magnetnadeln aufzuhängen. 393 Gemeines Wasser könnte vielleicht zu diesen ver— schiedenen Versuchen das beste Mittel seyn, wenn de— Stahl nicht so leicht darin rostete: wenn auch die Na— del mit einem Firnisse, oder einem im Wasser unverän⸗ derlichen Metalle überzogen ist, so ist es beym kalten Wetter so sehr zum Frieren geneigt; ich denke daher, eines der dünnesten ausgepreßten Oehle werde zu diesem Ende besser entsprechen. Gesetztes Leinöhl ist sehr klar und durchsichtig, und ist dem Frieren, wenigstens in der gewöhnlichen Kälte unsrer Climate nicht unterwor⸗ fen; nebst dem verstärkt es, wie Doctor Knight fand, die magnetische Kraft des Stahls. Sollte es sich mit der Zeit eindicken, so kann es erneuert werden. Glasbüchsen, die solche Compasse enthalten, müs⸗ sen, um die wellenförmige Bewegung zu verstopfen, bis zum Deckel mit Flüssigkeit gefüllet werden. Ich zweifle nicht, daß sinnreiche Künstler(a) diesen rohen Entwurf um vieles und bald verbessern B b 5 wer⸗ (a) Da der Verfasser diese Versuche bloß zum Zeitvertreibe anstellte, hatte er nicht den geringsten Gedanken, sie be— kant zu machen, oder der königlichen Gesellschaft zu Lon— don zu überreichen, und nur das Zureden einiger seiner Freunde vermochte ihn darzu, sie in einer Denkschrift au die königliche Gesellschaft zu zergliedern. Noch ehe er die; sen 394 Eine neue Art die Magnetnädeln ee. werden, wenn man finden wird, daß die Versuche da⸗ mit der Erfährung zur See entsprechen. Von sen Gebrauch davon machte, schlugen ihm mehrere Künst— ler Londons vor, sich des Vortheils versichern zu dürfen, den sie daraus ziehen zu können glaubten, wenn sie sich vom Könige ein Ausschließungsrecht auswirkten. Der Verfasser willigte jedoch in biesen ihren Vorschlag nicht ein, und wollte den Gedanken lieber dem allgemeinen Gebrauche, als dem Vortheile eines einzelnen Künstlers überlassen. Es wäre vielleicht zu wünschen gewesen, er hätte die Er— findung der Veranstaltung des einen oder des anderen ge— schickten Künstlers überlassen, der bey der Versicherung des ausschließlichen Gewinnstes sich darauf verlegt hätte, allen möglichen Vortheil daraus zu ziehen, und den nach diesem Grundsatze verfertigten Boussolen eine Vollkommen⸗ heit gegeben, die sie jetzt wahrscheinlicherweise niemahls erhalten werden, indem die durch die Bekanntmachung zum Besitze des Publieums gelangte Idee keinen Künstler fin— den wird, der die Unkosten wagte; denn nach allem, was er gethan hätte, könnte er wahrscheinlicherweise durch an— dere übertroffen werden, und höchstens bliebe ihm nur ein kleiner Theil des Gewinstes, den jeder mit ihm zu thei— len befugt wäre. In Engelland weiß man wirklich aus langer Erfahrung, daß die neuen Erfindungen nicht an— ders zu einer großen Vollkommenheit, und in kurzer Zeit, gelängen, als wenn sie durch gewisse Jahre dem Gewinnste eines Einzigen zugeeignet werden. Von der magnetischen Kraft kunstlichen Magneten. Quis non stupeat, grave condensumque metallum Currere in amplexus lapidis, fierique vicissim Magnetem, atque alio saturari denique ferro? PoOLIGNAC Auntilucret. L. VI. 1 lesungue le vicisia ue elto GNAC d.I VI. Jer Magnet ist mit seinen Eigenschaften gewiß . eines der größten Wunder der Natur. So viel man aus den Erscheinungen, die er zeiget oder hervorbringt, urtheilen kann, scheinet es, daß alle Körper, die gegen den magnetischen Einfluß empfindlich sind, mehr oder weniger Eisen in ihrer Mischung ent— halten, und da dieses Metall fast allenthalben sich vor— findet, und in die Zusammensetzung unendlich vieler Kör— per hineinkommt, so ist es nicht zu verwundern, daß so viele verschiedene, einer scharfen Prüfung untergezoge— ne Substanzen offenbare Anzeigen ihrer Empfindlich— keit gegen den Eindruck des Mägnetes zu Tage legen. Man 398 Vom Man findet in dem vortrefflichen Werke des Professors Brugman ein zahlreiches Verzeichniß der in diese Classe gehörenden Körper(a). Schriftsteller der entferntesten Zeiten zeigen uns, daß die Kenntniß der magnetischen Kraft uralt ist. Epi⸗ cur gab sogar schon eine Theorie davon. Lucrez, der so viele Kenntnisse alter Naturforscher gesammelt hat, scheinet so gar bemerket zu haben, daß der Magnet das Eisen nicht immer anziehe, sondern daß er es auch in gewissen Fallen zurückstoße. Hieraus erhellet, daß er auf gutem Wege war, die Pole zu entdecken. Er hatte auch wahrgenommen, daß die Eisenfeile in einem kupfer— nen Geschirre sich aufrichtete, und, wenn der Magnet unter das Gefäß gebracht wurde, hüpfte(b). Die große Entdeckung der Pole ist, wie der meiste Theil der wich— tigsten ——— (a) Antonii Brugmans Magnetismus,; seusde Afhnitatibus magneticis observationes academicæ. Lugduni Batavo- rum apud Lusac& van Damme MDCCLXXVIII. (b) Fit quoque, ut a lapide hoc ferri natura recedat Interdum, fugere atque sequi consueta vicissim. Exultare etiam Samothracia ferrea vidi: Et ramenta sfimul ferri furere intus ahenis In scaphiis, lapis hie Magnes cum subditus esset. Titi Lucretii Cari de rerum Natura, L. VI. V. 1400, * W* Abfesorg H Nsbase zelgen ut alt ist. E/ Lucreg, ammelt l, Magnet d es auch i let, daß g éH. Et hest NI. Vle grch ell der pich ligsin 470⁰• NI Hal Mägnete. 399 tigsten Erfindungen, ein Werk des Ungefährs, und wurde zu Anfang des vierzehnten Jahrhunderts gemacht. Nach der gemeinen Meinung ist der Erfinder der Mag— uetnadel Johann Goa; andere sagen hinwieder, daß es ein gewisser Flavius sey, gebürtig in dem alten Amal— phis, einer Stadt in Italien, der den Gebräuch der Magnetnädel entdeckt habe. Panormitanus saget zur Ehre dieser Stadt: Prima dedit nobis usum magnetis Amalphis(c). Die Entdeckuug der Pole mußte natürlicherweise zur Verfertigung der Magnetnadel hinführen, deren höchster Nutzen in der Schiffarth und dem Handel welt— kündig ist. Die Entdeckung, im erhärteten Stahle ei⸗ ne magnetische Kraft zu erwecken, die die Kraft der na— türlichen Magnete um vieles übertrifft, hat über die Kenntnisse des Magnetes einen neuen Glanz verbreitet, und dem Forschen der Naturkundigen ein weites Feld eröffnet. Diese letztere Entdeckung ist um so wunder— barer, als man die magnetische Kraft in dem Stahle durch ein gewisses Streichen erwecken kann, ohne daß hier— (e) Nicolai Parthenii Giannethasii Neapolitani Soc. Jesa Nauticorum Libr. 3. pag. 96. 4⁰⁰ Vom hierzu weder ein natürlicher, noch künstlicher Magnet nothwendig wäre, die man, einmahl erweckt, zu einen solchen Grade verstärken kann, daß man dergleicher Magnete, aus mehreren zusammengesetzt, macht, welche eine unglaubliche Stärke besitzen, so daß sie über hun⸗ dert Pfunde tragen können. Ich habe einen künstlichen, aber kleinen Magnet gesehen, der mehr als hundermahl sein eigenes Gewicht trug, und der selige Doctor Go— win Knight sagte mir, daß man es noch viel weiter bringen könnte. Die Kunst, im erhärteten Stahle die magnetische Kraft durch ein gewisses Streichen so be— trächtlich zu vermehren, haben wir dem Herrn Ser— vington Savery zu verdanken, die durch Doctor Go— win Knight bis zum Gipfel der Vollkommenheit ge⸗ langet ist. Letzterer verwandte, um diesen Zweig der Naturkunde zu bearbeiten, den beßten Theil seines Le⸗ bens, und er thät es mit einem solchen Erfolge, daß ihm seine neuen Entdeckungen und die Verbesserung des Seecompasses einen sehr ausgezeichneten und wohlver— dienten Ruhm erworben haben. Alle königliche Schiffe bedienen sich in Engelland der von ihm erfundenen Magnetnadeln. Es ist etwas sehr bekanntes, daß ein weiches Eisen in der Nachbarschaft eines beständigen Magnetes ein wirllicher Magnet werde, das ist, sichtbare Kenn⸗ zeichen En R. ( 0. vitt, Mhe näml ich h tenst ken, Calle hende het Magnete. 4⁰¹ ichn Mint zeichen der zwey Pole gebe; aber, von der Gegenwart Et, Rinn des Magnets wieder entfernt, auf der Stelle seine in N6xch Polkraft wieder verliere, und ohne Unterschied die bey— macht, vit den Pole der Magnetnadel anziehe. Diese Erscheinung sie ihtt hn ist außer allem Zweifel: ich habe aber gefunden, daß insllt. sie nur allein in Eisenstücken von einer gewissen Grösse Küunen Statt habe, und keineswegs in kleineren Theilchen, so im daß ich niemahls ein einziges Eisentheilchen, so weich 04* es auch seyn mochte, finden konnte, welches nicht mit Sabn der offenbarsten Polkraft begabt, oder unfähig gewesen miit wäre, eine bestandige Polkraft durch die Berührung oder Näherung eines Magnets zu erhalten. Ich habe die Hin nämliche Erscheinung in Theilchen wahrgenommen, die 28—— ich von einem sehr weichen Eisen mittelst eines Flin⸗ 10 tensteines abgeschnitten hatte. Alle diese Theilchen keh— iig d ren, auf dem Wasser schwimmend, beständig dieselbe seines l. Seite gegen den einen Pol eines Magnetes, und Erfolhe, v wenden sich um, sobald man ihnen den anderen Pol crun zeiget(d). d wol liche Sch erfundenn Doc⸗ (d) Ich habe hiervon in einem Schreiben an Herrn Pringle, ein wel das in dem LXVI Bande der philosophischen Transactio⸗ raeleh u Mognatb nen eingerückt ist, ein Mehreres gesprochen. cbate Kemn J. verm. Schrift. I. B. Cc 40⁰² Vom Doctor Knight verfertigte einen magnetischen Teig, der steinhart wurde, und dem er eine magnetische Kraft gab, welche die Kraft von beynahe allen natürlichen Magneten von gleicher Grösse übertraf. Er bildete dar⸗ aus nur kleine Magnete unter verschiedenen Gestalten,‚ vorzüglich aber unter der Gestalt einer Kugel. Er ließ mich deren von einer erstaunlichen Stärke sehen, wovon man noch einige in dem Brittischen Musäum äufbe⸗ wahrt, so wie auch Herr Wilson noch etliche Stücke be⸗ sitzet. Herr Knight hat die Zusammensetzung dieses Teiges niemahls bekannt gemacht, und die Ursache da⸗ von, die er mir im Jahr 1766 selbst gegeben hat, war, daß er diese Zusammensetzungen auf verschiedene Arten verfertiget habe; daß die einen besser ausgefal⸗ len wären, als die anderen, und daß er, indem er von allen diesen Versuchen nichts aufgezeichnet habe, nicht mehr eigentlich sagen könnte, welche am besten ent⸗ sprochen hätten; daß er jedoch sich erinnere, einer von diesen Teigen, der sich am meisten magnetisch bezeigte, habe aus einem zerriebenen natürlichen Magnete, ver— mischt mit etwas recht feinem Kohlenstaube und Leinöhl, welches er zusammen langsam trocknen ließ, bestanden. So finde ich es wenigstens in meinen Noten, die ich nach dem, was er mir im obgedachten Jahre sagte, auf— gemerkt habe. Er sagte mir ferner, er habe es aus der Magnete. 40⁰3 lishn Lh der Erfahrung, daß das Leinöhl die magnetische Kraft rushedri des Stahls vermehre, welches er dem brennbaren We— nalirche sen des Oehls zuschrieb. Herr Wilson überreichte im bildettzu Jahre 1778der königlichen Gesellschaft zu London eine n Gasalg, Denkschrift, worin er eine Zusammensetzung dieses Teiges von dem seligen Knight, mit dem er durch die engste Freundschaft verbunden war, beschreibt. Er gibt sie für um so zuverlässiger aus, als er sich öfters beym gel. Er Ii then, inzz säum aufte e Stücke l⸗ Herrn Knight befand, da er sie zu verfertigen begriffen gung dist war. Sie bestehet ganz glattweg in dem feinsten Ei— Ursache senstaube mit Leinöhle vermischt. Doctor Knight knä⸗ egeben hun tete diese zwey Bestandtheile recht in einänder, und verschieden bildete den Teig unter verschiedenen Gestalten. Er trug et ausgeft⸗ große Sorge, daß der Teig auf einem Brete oder Zle⸗ indem em gelsteine langsam trocknete. Er hatte beobachtet, daß habe, nich er, falls erzu geschwind getrocknet würde, zu zersprin— besten eat gen pflege. Man kann diese Denkschrift in dem LXIX „ elgtr iin Bande der philosophischen Transactlonen Seite 51 sch behlhe, nachsehen. gnete, he⸗ und Eil Ich vergaß, Herrn Wilson zu fragen, ob er von baurdn dieser Zusammensetzung vor oder nach der Zeit, als Ren, de 0 mir Doctor Knight selbst das, was ich angeführt ha— be, mittheilte, Kenntniß gehabt habe. Da er aber hier⸗ von als von einer ausgemachten Sache spricht, so will Cc2 ich I- 4⁰⁴ Vom ich es ihm nicht streitig machen, daß ihm Herr Knight diese Zusammensetzung mitgetheilet hat. Wie es nun auch immer seyn mag, so wollte ich, da ich mich im Jahre 1778 und 1779 in Engelland aufs neu befand, sehen, ob ich durch ein nochmahliges Vornehmen der Versuche, die ich über diesen Gegenstand schon öfters selbst gemacht hatte, ein neues Licht über die beste Zu⸗ sammensetzung dieser Arten von Teigen erhalten könn⸗ te. Ich brachte einen natürlichen Magnet aus der Insel Elba zu einem unfühlbaren Staube(e), mach⸗ le (e) um dergleichen künstliche Magnete mit dem Staube eines wirklichen Magnets zu machen, muß man die schwärzesten und schweresten Stücke auslesen; denn es befinden sich in den Magnetsteinen, und vorzüglich in jenen der Insel Elba oft fremde Körper. Man muß also jedes Stück, welches nicht recht schwarz, rein, gleichartig und dicht ist, weg⸗ werfen. Um ein solches Stück zu einem unfühlbaren Staube zu verwandeln, vermengt man es, hinlänglich zerstoßen, mit einer großen Menge Wasser, rührt darin das Pulver fleißig um, und nach etlichen Seeunden Ruhe gießt man das noch trübe Wasser ab; dieses lässet man etliche Mi— nuten lang stehen, und der feinste Staub wird sich bald zu Boden gesetzt haben. Das gröbere Pulver stößt man noch einmahl, und ziehet wie das erstemahl, den feinsten Theil heraus. Wird das Wasser, nachdem der schwärzere Theil des Steines sich gesetzt hat, nicht hell, so ist es ein Zeichen, daß in dem Magnete eine thönartige, oder eins err duih I 66 hun ich nit N neu Uaah, 1 nehn V — an Ie Hen oslitz die best zu halten Ha Het aus de (4), Mod Magnete. 905 te mit dem schleimigen Theile des Käses, vermischt mit etwas zu einem recht feinen Pulver zerstoßenem le⸗ bendigen Kalche einen Teig daraus, dem ich die Gestalt eines Kopfes gab, indem ich ihn in einen Model der verglasten Materie von der Erfindung des Herrn Tassy eindrückte. Ich bereitete mir eine gute Anzahl solcher Kö⸗ pfe, so daß ein jeder Magnet genau dieselbe Grösse und Ausmessung erhielt, welches mir nöthig schien, um in Vergleichung mit anderen Magneten, die ich darauf nach der nämlichen Vorschrift verfertigte, nur daß ich anstatt eines wirklichen Magnetes einen recht feinen Eisenstaub nahm, um so besser von ihrer eigentlichen Stirte urtheilen zu können(f). Ich prägte jedem Ab⸗ Cc 3 drucke eine andere fremde Erde vorhanden ist, die man sodann durch das Waschen wegbringen muß. (H Ich verfertigte den Eisenstanb, oder die Art des Eisen— mohres nach der in den Denkschriften der königlichen me— dieinischen Gesellschaft zu Paris im Jahre 1776, Seite 326, bekanut gemachten Vorschrift des Herrn Crohare's, und, um jede Spur der Salpetersäure zu tilgen, suchte ich ihn durch öfteres Abwaschen im Wasser sorgfältig abzu— süßen. Diese Verfahrungsart bestehet darin, daß man eine recht feine Sisenfeile in einer mit vielem warmen Wasser verdünnten Salpetersäure auflösen lasse. Solchergestalt löset sich das Eisen auf, oder vielmehr es terfällt in unfühl⸗ bare 406 Vom drucke ein Zeichen ein, um die vom Magnetstaube ge⸗ machten Köpfe von jenen, die aus Eisenstaube bestan⸗ den, zu unterscheiden. Nachdem sie alle gut ausge— trocknet waren, brachte ich sie an die große magneti— sche Vorrichtung des seligen Doctor Knights, die in dem Musäum der königlichen Gesellschaft zu London noch aufbewahret wird(g), und legte einen jeden eine gleich bare Theilchen, die ihr Phlogiston behalten, und daher ganz schwarz bleiben, wie nicht minder geschickt, vom Magnete angezogen zu werden. Die Art, deren sich Doetor Knight nach der Be— schreibung des Herrn Wilsons, der die Operation mit angesehen hat, bediente, ist zwar die langweiligste, viel—⸗ leicht aber auch die beste. g) Diese Vorrichtung ist die größte und die mächtigste, die man noch gemacht hat; sie ist eine Art eines Behältnisses der mägnetischen Kraft, in welchem Doctor Knight im— mer mehr und mehr Stärke versammelte. Die Spitze ei— ner Magnetnadel, die diese Vorrichtung berührt hatte, erlangte eine solche Polkraft, daß sie die Polkraft der be⸗ sten Magnetnadeln, die man in Engelland machte, zu zer— nichten im Stande war, ohne daß sie ihre eigene magne⸗ tische Kraft verloren hätte. Diese Maschine war aus zwey künstlichen Margneten von einer außerordentlichen Grösse zusammengesetzt, wovon ein jeder ungefähr 500 Pfund wog. Ein jeder dieser Magnete bestand wieder aus 40 stark magnetisirten stählernen Stängen, in vier Ab— tHhcu Magnete. 40⁰⁷ Iets V* 3 2 2. 2 kẽ g/ gleich lange Zeit zwwischen diese Stangen. Der Erfolg Iube bedz e E x le bf davon war, daß alle Stücke vom Magnetstaube eine gut ausyr biel grössere magnetische Kraft erlangten, als welche se magpus Ce 4 mit hts U 3u Lu eden eine ä theilungen an einander geordnet; jede Abtheilung enthielt Hech 60 Staugen, derer gleichnahmige Pole mit einander ver— hunden, und mit dem ent gegengesetzten Pole aller Stan⸗ gen der benachbarten Abtheilung in Berührung waren. —————— Doeter Fothergill, dem der selige Knight diese Stangen ind ch vermacht hatte schenkte sie der könislichen Hesellschaft zu echitt m London 0 die ihr gegenwärtiges Musäum damit auszierte. Allein diese Vorrichtung hatte die mägnetische Stärke, welche Doctor Knight durch eine beynahe ununterbroche— . ne Arbeit und Sorge darin zu erhalten suchte, bey wei— nuch de d. ten nicht mehr. Eine dieser Stangen, oder magnetischen Tatrun ni Behälter, ist durch einen Brand des Hauses, wo sie ellate, ne⸗ nach Knights Tode niedergelegt wurde, sehr verdorben worden. Sie wurde zwar wieder in einem ziemlich guten Stande hergestellt, so daß sie die Seecompasse magnetisirt: ichtizit, x allein die magnetische Stärke der einen und der anderen Bebalmnise dieser Niederlagen‚ dieser Magazine, ist von ihrer ur⸗ Knight in⸗ sprünglichen Kraft sehr herabgesunken. Indeß zweifle ich ie Spißt e nicht, daß ein so geschickter Mann, wie Herr Nairne, ührt hatte, der es vor meiner Abreise von London auflsich genom⸗ kraft der ke⸗ men hat, sie wieder herzustellen, ihnen nicht die Voll— chte, zu zar kommenheit gegeben habe, die sie der Mangel der Pfle⸗ gele magne ge verlieren ließ. Eine ausführliche Beschreibung dieser e pat aus zwey merkwürdigen Maschinen, bereichert mit einer Figur, kann man in der in dem LXVI Bande der philosophischen Transactionen eingerückten Deukschrift des Doetor Fo⸗ thergill nächsehen, 3 0 ordentlicher Haefubt 505 wieder aut 4⁰08 Vom mit Eisenstaub verfertiget waren(h). Indeß muß ich gestehen, daß die künstlichen Magnete, die ich bey dem seligen Doctor Knight sah, viel stärker waren, als die meinigen; und die Ursache davon möchte wohl diese seyn, daß die magnetische Vorrichtung, so wie ich sie in dem Musäum der königlichen Gesellschäft im Jah— re 1778 und 1779 angetroffen hatte, aus Mangel der Sorge, die Herr Knight selbst mit aller mögli⸗ chen Beharrlichkeit darauf verwandt hatte, sehr ver⸗ dorben, und von ihrer vormahligen Stärke tief herab⸗ gekommen war. Bald darauf wurde sie, um durch Herrn Nairne in den Stand ihrer ursprünglichen Kraft wieder zurückgebracht zu werden, ganz zerleget. Ich verfertigte auch etliche dergleichen künstlicher Magnete, indem ich den mägnetischen Staub mit Leinöhl, so wie es die Mahler verbräuchen, vermisch— te. Ich machte sie auch mit Eisenstaube; allein die Masse war weder schön trocken, noch hart genug, als die eröfterte große magnetische Vorrichtung abgenom— men wurde. Ich hielt eine dieser Magnete an die Vorrichtung, ehe sie abgetragen wurde, und da der Teig — (h) Ich machte auch einige mit dem Zusatze gefloßener Koh-⸗ len; allein sie erlangten eine geringere Kraft. Vielleicht hatte ich zuviel Kohlen genommen. 0 eY ni 0 Ur n, algy e uug, dl abgeron⸗ ttt u N. Ind dad Magnete. 4⁰⁰⁹ Leig, dessen Rinde schon erhärtet war, dem Drucke der Finger noch etwas nachgab. Hier bemerkte ich, daß diese Masse an dem Pole eines dieser großen zu⸗ sammengesetzten Magnete die vollkommen runde Ge— stalt, die ich ihr gegeben hatte, bald in eine eyför⸗ mige verwandelte. Die Ursache dieser Verlängerung, welche etliche anwesende Personen in Erstaunung setzte, kam von der Anziehungskraft des entgegengesetzten Po— les des benachbarten Magnetes; und ich habe Ursache, zu glauben, daß man den Teig, um ihn durch so mächtige Magnete, als des Herrn Knights seine wa— ren, die größte Stärke zu geben, daran bringen muß, wenn er noch nachgibig genug ist, damit seine Bestand— theilchen sich noch untereinander nach der vortheilhafte— sten Lage für die magnetische Kraft der Zusammensetzung ordnen können. Ich verfertigte vor einigen Jahren unterschiedliche Leige künstlicher Magnete sowohl mit einem Staube von Eisen, als vom Magnete, den ich glattweg mit gemeinem Wachse vermengte; manchsmahl setzte ich auch, um ihm mehr Biegsamkeit zu geben, ein wenig Terpen⸗— tin zu(i). Sie empfiengen eine ansehnliche Kraft, Cc 5 und (i) Aehnliche biegsame Magnete habe ich in dem schon an— geführten Briefe an Herrn Pringle, der sich in den philo— sophischen Transaetionen befindet, flͤchtig berührt. 41⁰0 Vom und ließen sich theilen, und wieder modeln, ohne etwas zu verlieren. Man kann sie biegen, wie man will, und unter jede Gestalt bringen: ein Vortheil, den we— der die gewöhnlichen natürlichen, noch künstlichen Mag⸗ nete, z. B. die stählernen Stängen, besitzen. Derglei— chen biegsame Magnete sind zu verschiedenen Untersu— chungen über die Polkraft und die verschledenen Ver— änderungen, welche diese Eigenschaft von den ver—⸗ schiedenen Bewegungen, derer solche Manete fähig sind, erleidet, sehr nützlich, ohne daß man nöthig hät— te, Operationen zu Hülfe zu rufen, die die magnetische Kraft zerstören würden, wie es z. B. das Feuer thut. Diese künstlichen Magnete sind auch geschickt, mehr Pole anzunehmen, als die natürlichen, oder jene von Stahl. Einer dieser Massen, die ziemlich groß war, gab ich zehn bis zwölf Pole. Man kann ihnen durch das bloße Anrühren des Poles einer stark magnetisirten Stange oder eines natürlichen Magnetes, so viele Pole geben, als man will, einen neben dem anderen, und ste werden ste alle behalten(k). () Streichet man eine Stange vom gehärteten Stahle au dem Pole N eines Magnetes, so erlangt sie den entge— gen⸗ 1 ahn „oduit vat e Man pi 4 theil, vn y stliche W.a, Nagnete fihz nathig hi 6e magnetish *** Uet thut. uch geshict, Ihnen duth magnetlstean so plele He Magnete. 411 Ich weiß keine sichere Thatsache, welche be— wiese, daß die magnetische Kraft auf die thierische Haushaltung einigen Einfluß habe. Das, was ich selbst zu sehen Gelegenheit hatte, und welches am meisten Geschrey machte, und gewissen übrigens einsichtsvollen Personen das größte Vertrauen einflößte, hat, im Grunde untersucht, mich dergestalt entfernt, jemahls den mindesten Gläuben beyzumessen, daß es sogar die Möglichkeit, in Zukunft ähnliche Fälle, von welchem Ansehen sie auch unterstützt werden möchten, zu glau— ben, in mir vertilgt hat. Doctor Schilling, ein ge— lehrter Arzt in der Colonie von Surinam, schrieb vor einigen Jahren von der Empfindlichkeit des Zitteraals, Gym· geugesetzten Pol, das heißt, sie erlangt den Pol S&, der den Pol N einer Magnetnadel anziehen wird, und die Mitte der Stauge wird die beyden Pole der Maguetna— del zurückstoßen. Streicht man hingegen die beyden En— de der stählernen Stange an dem Pole N eines Magne— tes, so werden sie alle beyde den Pol S erlangen, und alle beyde den Pol N der Magnetnadel anziehen, und die Mitte der Stange wird in diesem Falle den Rol N einer Magnetnadel abstoßen. Allein eine solche Stan— ge wird niemahls eine große magnetische Kraft erlan— gen; es sey denn, man gebe ihr an jedem Ende einen verschiedenen Pol. 41² Vom Cymnotus electricus, gegen die magnetische Kraft(I). fhrn Er behauptet, gefunden zu haben, dieser ohnehin so 0 wunderbare Fisch sey gegen die magnetische Kraft so guf, empfindlich, daß er alles Vermögen verliere, einen elek⸗ n trischen Funken von sich abzuschießen, oder eine Er⸗ H schůt⸗ 06 Ns ( Dieser Fisch, ein Einwohner von America unter dem 66 Wendekreise, wurde zu erst in dem Flusse Surinam beob⸗ achtet. Die Holländer nennen ihn Beef- aal, Zidder aal, I ob er gleich unter die Classe der Aale nicht gehört. Er ist von der Natur mit dem Vermögen, aus seinem Kör⸗ Wch per auf eine beträchtliche Entfernung eine elektrische Flam⸗ IWt me zu schleudern, begabt, einen währen Blitz, womit er 0 alle Fische, die in seinen Wirkungskreis gerathen, und ihm als eine Beute anstehen, trifft. Der Erschütterungs⸗ I funken, den er wirft, ist so stark, daß er im Stande ist, K in einem Menschen, der davon getroffen wird, eine Em— pfindung zu erwecken, als hätte er die Entladung einer großen Leidner Flasche empfangen. Ja man sagt, und 6! es fällt mir nicht schwer, es zu glauben, daß ein Meusch, der im Vaterlande dieses Fisches davon getroffen wird, 100 oft niedergeschlagen werde. Eine so außerordentliche Ge⸗ R walt in einem Thiere forderte, um für wirklich gehalten zu werden, die stärksten und sichersten Beweise, und daß 0 diese elektrische Macht wirklich außer Zweifel gesetzt ist, W haben wir dem Herrn Walsh zu verdanken. Er zeigte 10 mir selbst alle die sinureichen und überzengenden Versuche, 0 die er ausgedacht hatte, um diese wunderbare Erscheinung ¹ mit der äußersten Zuverlässigkeit zu beweisen. Ich habe mn es gesehen, daß diese elektrische Erschütterung mit einem so sichtbaren elektrischen Funken begleitet war, als eine Rj 6 Eutladung der Leidner Flasche. Magnete. 413 e Kratt 70 ¶. schütterung zu verursachen, wenn ein Magnet sich un⸗ ter oder neben ihm befände; daß seine elektrische Kraft, die gewiß sehr merklich ist, durch die Gegen⸗ wart eines Magnetes sich ganz erschöpfe, die man ohyehiz 0 he HKajt sh „ elhen elit, 2 üe ihm aber wieder geben könne, wenn man seinen Kör⸗ h per mit Eisenfeile überstreue; er fügt noch ferner bey, — dieser Fisch lege durch seine Bewegungen zu Tage, 3 um hy daß er die Gegenwart einer magnetisirten stählernen urinan den Stange von einer anderen, die es nicht ist, oder von 4— einem jedweden anderen Stücke Metall, recht gut un⸗ sien terscheide, und eine Maguetnadel komme in der Nach⸗ ekrrish zn barschaft eines Zitteraals völlig in Unordnung. Wäh⸗ rend meines Aufenthaltes in London 1778, wo Herr Walsh, Mitglied des Brittischen Senates und der Königlichen Gesellschaft, einen dieser seltsamen Fische 7„ 50 besaß, wessentwegen er eigends einen Mann auf sei⸗ 1 A u ne Unkosten nach Surinam geschickt hatte, unterlietz 3i ein Must ich nicht, zu untersuchen, was daran sey. Ich gieng mit Doctor Beerenbroeck, mit mehreren Mägnetna⸗ klich gchuln deln und stark magnetisirten Stangen versehen, dahin, und nachdem ich eine Menge Versuche mit äller mögli— 40 chen Aufmerksamkeit gemacht hatte, mußte ich mit mei⸗ den Vrüldt nem Begleiter schließen, daß dieser Fisch gegen die 150 magnetische Kraft schlechterdings unempfindlich ist, und I. 1n daß er keineswegs eine mägnetisirte stählerne Stange I2, el von einem ganz anderen Stücke Metall unterscheidet. Als —————e— 4¹⁴ Vom Als ich ihm eine große magnetische Stange vom se⸗ ligen Knight unterhielt, gab er einem Menschen, der auf mein Ersuchen die zwey Hände, die eine bey sei⸗ nem Kopfe, und die andere bey seinem Schwanße, ins Wasser tauchte, einen recht starken elektrischen Schläg. Keine Magnetnadel gerieth nicht im minde— sten in Unordnung, an welchem Theile des Fisches ich sie immer anbringen mochte. Als ich sie um die Büt⸗ te, worin der Zitteraal schwamm, herumsetzte, wicheu sie nicht im mindesten von der Welt ab, der Fisch moch⸗ te sich nähern oder entfernen. Uiber diesen Gegen— stand vollkommen befriediget, gieng ich, allezeit von Herrn Beerenbroeck begleitet, zu Herrn Wälsh selbst, der bey diesen Versuchen nicht zugegen war, indem der Zitteraal damahls der Aufsicht desjenigen, der ihn von Surinam gehohlet hatte, anvertrauet war. Als ich Herrn Walsh die Versuche, von denen wir herkamen, erzählte, und seine Meinung darüber zu wissen verlang⸗ te, sagte er, er habe das, was er in Betreff der Em⸗ pfindlichkeit des Zitteraals gegen die magnetische Kraft gelesen hatte, sogleich auf das gewissenhafteste geprüft, indem er nicht nur die vom Herrn Schilling bekannt— gemachten Versuche wiederhohlte, sondern auch auf alle mögliche Arten abänderte, und er könnte uns versi⸗ chern, daß dieser Fisch schlechterdings kein Bermögen habe, eine magnetisirte Stange von einem anderen Me⸗ Hf Vs an E l th fr V ile bey seh⸗ Schwan, elcktrischen im minde⸗ Fsches sch ide Dun „wicheu sie rich moch⸗ a Gegen, Wecgeit von alsh selbs, „indem der der ihn ven Magnete. 415 Metalle zu unterscheiden; daß seine Gegenwart keinen Einfluß auf die Magnetnadeln äußere, und daß die Mag⸗ nete seine elektrische Kraft in nichts ändern. Mit der Natur dieses wahrhaft wunderbaren Fisches beschäftiget, kann ich eine Eigenschast, die der Aufmerksamkeit allerdings würdig ist, nicht über⸗ gehen; er besitzt nämlich ein Gefühl, welches von al—⸗ len Empfindungen, womit die Natur unser Wesen be— gabt hat, ganz verschieden ist, ein Gefühl, oder einen Sinn, mittelst dessen er wahrnimmt, ob er die Thie— re oder die Körper, die in seinen Wirkungskreis kom⸗ men, ohne zu fehlen, treffen könne: das heißt, er wird es vollkommen gewahr, ob das, was man einen elektrischen Kreis nennt, unterbrochen ist oder nicht, ohne daß er das, was vorgehet, gesehen hätte. Zum Beyspiele, eine Gesellschaft von zehn Personen Hand in Hand stellt sich so, daß der Fisch nur die zwey letz— teren sehen kann, davon die eine den Finger bey dem Kopfe des Fisches ins Wasser hält, mittlerweile es die andere bey dem Schwanze thut. Wenn diese zehn Personen mit den Händen elnander fassen, oder, als ein Elektriker zu sprechen, wenn sie die elektrische Ket— te ergänzen, so bemerkt es der Fisch vollkommen, und er wird einen Erschüterungsfunken durch die ganze Ge— sellschaft durchschießen. Sobald aber diese Gesellschaft sich 48 Vom Mägnete. sich trennt, wird es der Fisch den Augenblick erkennen, und er lässet es wohl bleiben, daß er seinen Blitz ab⸗ schleuderte, überzeugt, daß er keine Wirkung ha⸗ ben würde. Herr Walsh hat diese sonderbare Eigen⸗ schaft wahrgenommen. Uiber V Ve Uiber die magnetische Kraft I0H t n und die von Graf von Sickingen unlängst ent⸗ deckte Art, sie dehnbar zu machen. J. verm. Schrift. I. B. D IN& xANNEAS. HoAREI. OQH. L. III. uui, l. antdi 14 I W 0 Wmi* 7 n E ss AUH ——.— — ieses neue Metall, dessen Natur man noch nicht genug kennt, ist eine Entdeckung des ge⸗ genwärtigen Jahrhunderts(a). Man nennt es weis⸗ ses Gold, Platina del Pinto, und es kommt unter kleinen gefletschten Körnchen vor, derer Farbe zwischen Dd 2 der (a) Man findet die Platina in einer Goldgrube unter der Gerichtsbarkeit von Popayan unweit Choeo, in dem Kö— nigreiche Neugrenada. Sieh Voyage historique de PA- merique meridionale fait par ordre du Roy d' Espagne par don George Juan& par don Antoine d'UIoa.. Amsterdam, chez Arkstée& Mercus MDCCLII. Tom. I pag. 375 1 — 420— der Farbe des Silbers und des Eisens spieit. Im Gewichte kommt es dem Golde selbst gleich, und ver⸗ einiget sich leicht mit ihm, so daß man es Anfangs, als dieses edle Metall aus Betrug mit der Platina vermischt wurde, nicht mehr abzusondern wußte. Die⸗ se gefährliche Eigenschaft der Platina, sich mit dem Golde zu vereinigen, ohne daß dessen eigenthümliche Schidere dabey verlöre, und durch die gewöhnlichen Mittel sich nicht mehr trennen zu lassen, war Ursache, die Sphnische Regierung dahin zu vermögen, daß sie seinen Verkauf und Gebrauch zu verbiethen für gut be⸗ fand. Allein seitdem die Scheidekünstler sichere Mittel gefunden häben; die Trennung dieser zwey Metalle zu bewerkstelligen, könnte man ohne die geringste Gefahr dessen Ausziehung und Verschleiß zulassen. Die eigenthümliche Schwere dieses Metalles und elnige andere Eigenschaften, die es mit dem Golde ge— mein hat, machten, daß es von dem einen und dem anderen für ein wahres unter seiner Farbe verkapptes Gold angesehen wurde, welche Meinung durch diese ein— zige Betrachtung sehr viel gewonnen hat, daß es sich nirgends, als in den Goldgruben vorfindet, und alle— zeit eine gute Menge Goldtheilchen enthält, wovon man es durch das Quecksilber, welches mit dem Golde allein sich verquickt, zu trennen pfleget. ö ö Eini⸗ M dor⸗ angs, atina Die⸗ dem rliche llchen sache, si t bes Nitel We zu Refaht der Platina. 4²¹ Einige Gelehrte von Verdienst hielten bey der Beobachtung, daß eine große Menge von den Theilchen der Platina vom Magnete angezogen werden kann, mittlerweile andre Theilchen dessen Einfluß nicht zu ge⸗ horchen scheinen, darfür, dieses neue Metall sey zum Theile eine Eisenart, und zum Theile ächtes Gold. Graf von Buffon scheinet dieser Meinung anzuhängen. Dieser berühmte Gelehrte ist sehr geneigt, zu glauben, daß die Platina eine Zusammensetzung von Gold und Eisen ist, und daß diese zwey Metalle so innigst mit ein⸗ ander verbunden sind, daß die Scheidekünstler sie zu trennen noch nicht Mittel gefunden haben(b). Ddz Ich (b.) Ist die magnetische Kraft ein charakteristisches Kennzei⸗ chen der Gegenwart des Eiseus, so ist nicht zu zweifeln, daß die Platina eine große Meuge desselben enthält. Al-⸗ lein, wenn Gold mit in die Zusammensetzung dieses Me— talles kommen soll, warum sollte dieses edle Metall sich nicht wieder losmachen können, wenn mau das Gold aus der Auflösung der Platina, der man mit Fleiß Gold bey— gesetzt, und im Königswasser aufgelöset hat, niederschlägt; der grüne Vitriol schlägt aus dieser Auflösung das Gold allein nieder, und läßt die Platina ganz zurück. Wir ha— ben Herrn Scheffer diese wichtige Entdeckung zu verdan— ken, daß die Platina die Eigenschaft besitze, sich nicht durch den Zusatz eines aufgelösten grünen Vitriols aus dem Königswasser niederzuschlagen, inzwischen das Gold daraus gänzlich darniederfällt. Diese Entdeckung machte der Furcht ein Ende, die man mit Recht von der Verfälschung des Gol⸗ 4²² Von Ich empfleng etliche Unzen der auserlesensten Platina von Seiner Excellenz, dem Grafen von Die— trichstein, k. k. Oberststallmeister. Ich nahm eine ge— ringe Menge, wovon ich jedes Partikelchen, auf die Probe zu setzen die Geduld hatte, und ich fand, daß alle Partikelchen, die unstreitig Platina zu seyn schie⸗ nen, dem Magnete mehr oder weniger gehorchten, und daß sogar ein jedes ein wahrer Magnet mit zwey ver⸗ schiedenen und beständigen Polen sey. Einige von die⸗ sen Partikelchen, aber sehr wenige, gaben zwar kein Zeichen der Empfindlichkeit gegen den magnetischen Ein⸗ fluß nach der gewöhnlichen Probe, wenn man sie auf ein Papier oder Glas legte, und den Magnet näherte, oder ihn unter das Papier oder Glas brachte; ließ man aber dieselben Partikelchen auf dem Wasser schwim⸗ men, so wurden sie von dem Magnete alle angezogen, und zeigten gleichfalls offenbar zwey verschiedene Pole. Außer Goldes durch den Zusatz der Platina gefaßt hatte. Sieh Commercium philosophico- technicum, or the philo- sophical commerce of arts, designed as an attempt to improve arts, trades, and manufactures, by W. Lewis M. B. and F. R. S. London, 1763. Man trifft in diesem nüsllichen Werke eine ganze Abhandlung über die Platina an, welche alle die wichtigen Versuche enthält/ die man, um die Natur dieses neuen Metalls zu entdeckeu/ bis dahin gemacht hatte. —. UH llche Rista R Rften Die⸗ e ge⸗ die daß schie⸗ und bel⸗ die⸗ kein Eun⸗ e auf ahert, lich hwin⸗ ogel, Poll. der Platina. 4²3 Außer diesen, unstreitig für achte Platina erkannten Partikelchen prüfte ich auch solche, die gar nicht von der nämlichen Natur zu seyn schienen. Unter diesen fanden sich einige mehr oder weniger gelbe Goldtheil— chen vor; jene, die man ganz natürlich für Gold näh⸗ me, die aber zu blaß sind, als daß man sie nicht für eine Mischung von Gold und Platina halten sollte, diese Partikelchen, sage ich, gaben ohne Ausnahme Anzeichen einer magnetischen Kraft; ich habe aber auch gefunden, daß nur sehr wenige von den Partikelchen, die ihrer Farbe zu Folge reines Gold zu seyn schie⸗ nen, der magnetischen Kraft widerstanden; denn sie wurden nicht nur alle von dem Magnete angezogen, den man ihnen näherte, als sie auf dem Wasser schwam⸗ men, sondern sie gaben auch Anzeichen der Polkraft, die sie schon besaßen, oder durch die Näherung des Mag⸗ netes erst erlangt hatten. Nebst diesen fand ich auch etliche andere von schwarzer Farbe, die, durch das Ver⸗ grösserungsglas betrachtet, beyläufig die Gestalt einer Melone hatten. Diese Partikelchen hielten den Druck eines Steines oder eines anderen Körpers nicht aus, sondern ich konnte sie mittelst desselben leicht quetschen und zu Stücken zerbrechen. Diese Körper, derer Na⸗ tur mir unbekannt war, bewiesen sich auch magnetisch. Kurz ich traf in dem kleinen Haufen Platina, wovon ich jedes Partikelchen für sich besonders untersuchte, Dd 4 nur 4²4 Von nur wenige durchsichtige Partikelchen an, welche kleine Krystallen oder Sandkörnchen zu seyn schienen, und gar kein Zeichen des Magnetismus gaben, und etliche wenige ganz reine Goldtheilchen. Die Goldtheilchen, die dem Magnete gehorchten, so rein sie auch dem Gesichte nach zu seyn schienen, waren wahrscheinlich mit Platina vermengt; denn ganz reines Gold gehorcht dem Magnete keineswegs. Eben so wenig ist es ausgemacht, ob die Parti⸗ kelchen der Platina eine von Natur aus bestimmte Pol⸗ kraft besitzen; denn sie können sie durch die erste Annä⸗ herung eines Magnetes angenommen haben. Als ich den Magnetismus der Platina durch das gemeine sowohl, als durch das elektrische Feuer unter— suchte, fand ich, daß etwas starke Entladungen den— selben vermehrten, und daß das gemeine Feuer ihn sehr verminderte oder gar zerstörte; da hingegen das gemeine Feuer die magnetische Kraft der Eisentheilchen, so lange sie nämlich sich dadurch nicht calcinirt sehen, in nichts schwächt. Man weiß, daß das heftigste Feuer, welches alle endere Metalle in Fluß bringt, die Platina allein und ohne ine Ind lliche der Platina. 42⁵³ ohne Vorbereitung nicht schmelzen kann(c). Indeß ha— be ich gefunden, daß eine starke elektrische Entladung einer Batterie die Platina in einer Glasröhre dergestalt schmolz, daß ihre Seitenwände mit einer meta llischen Farbe gänzlich überzogen waren, und die Partikelchen der Platina so zusammenhiengen, daß ich sie nur mit Gewalt trennen konnte, und die Theilchen, die während des Fließens in eine wechselweise Berührung gekommen waren, hatten ihre Gestalt so verändert, daß ich sie nicht mehr für Partikelchen der Platina erkannt hätte. Der geringe Erfolg, den die zahlreichen Versu— che der aufgeklärtesten Scheidekünstler Europens hatten, um die Platina zu den Arbeiten der Künste und Hand⸗ werke geschickt zu machen, ließ dieses Metall für nicht mehr als einen bloßen Gegenstand des Vorwitzes ohne einigen wesentlichen Nutzen betrachten; allein seitdem Se Excellenz, Graf von Sickingen, durch eine große Zahl von Versuchen gezeigt hat, daß die Platina nicht nur eben so gut, als das Eisen, alle Bearbeitung der Künste untergehen kann, sondern auch noch mehrere Dd ỹ nützli⸗ (e) Für jetzt haben die Scheidekünstler Mittel gefunden, die Platina ohne Zusatz zu schmelzen, nachdem sie sie im Königswasser aufgelöset und wieder daraus niedergeschle⸗ gen haben — ——— 4² Von nützliche Eigenschaften dieses Metalles mit einigen Ei⸗ genschaften des Goldes vereiniget, so bleibet uns nichts übrig, als der Wunsch, der Spanische Hof wolle ein so kostbares Metall in das Commerz ernführen. Herr Graf von Sickingen hat sein Verfahren, die Platina dehnbar zu machen, der Akademie der Wis⸗ senschaften zu Paris in zwey Denkschriften mitgethei⸗ let, welche sodann ins Deutsche übersetzt, und zu Mann⸗ heim im Jahr 1782 gedruckt worden sind. Dieser Herr hat mit Recht angemerket, daß die Methode, die er ins Werk setzte, viel zu kostspielig ist, als daß sie im Großen angewändt werden könnte, und schläget eine andere ganz wohlfeile, abgekürzte Art vor, womit er schon sehr weit gekommen ist, und welche in einer Art einer Cämentation bestehet. Die Zergliederung, in die er sich hierüber einlässet, kann man im Werke selbst nachsehen. Zum gegenwärtigen Zwecke wird es genug seyn, überhaupt zu sagen, daß das Verfahren, nach welchem es ihm gelungen ist, die Platina dehnbar zu machen, darin bestehe, daß er sie im Königswasser auf⸗ lösete, und in die Auflösung nach und nach eine Blut⸗ lauge, so wie man sie für das Berlinerblau bereitet, aufgoß. Sind diese zwey Säfte, das Königswasser und die Blutlauge, sehr concentriret, so fällt eine Por⸗ Aen Berlinerblau zu Boden, und fast zu gleicher Zeit schießt Rs V H Hlsh W I 9 E lihts st X Di hel sunn⸗ hert de et sie in il eine Nit er der Platina. 427 schießt ein mehr vder weniger rothes, und manchsmabl sogar gelbes Salz an, dessen Krystallen in zwey vier— seitigen, und mit ihren Grundflächen vereinigten Pyra⸗ miden gebildet sind. Dieses Salz scheidet man durchs Abfuäßen vom Berlinerblaue, seihet es durch, und dik— tet es durch die Abdünstung ein; während dieser Arbeit bet man eine neue Krystallisation mit etwas Blau rscheine kommen, und, um den Fortgang der ung zu beschleunigen, gießt man abermahls eine ze zu. Mit dem Abscheiden, Durchseihen, ö ind Zugießen der Blutlauge hält man so jlange an, bis die Flüssigkeit aufhöret, rothe oder gel⸗ be Krystallen abzusetzen. Alle diese verschiedenen Salze vereiniget man in einem hessischen Tiegel, setzet ihn einem so heftigen Feuer aus, bis er weiß glühet, und man lässet ihn in diesem Zustande, bis vom Salze alle Säuren gänzlich weggedünstet sind, wovon man sich durch den Geruch leicht versichert. In dem Tiegel trifft man sodann ein flockichtes metallisches Wesen von einer silberweißen Farbe an, welches, weiß geglühet, zusammenfließt, und sich unter dem Hammer schmieden lässet. In diesem Zustande ist dte Platina vollkommen dehnbar, beynahe zu allen künst⸗ ———— IIDiieee— 7 I——— 4²⁸ Von künstlichen Verarbeitungen geschickt, und scheinet nicht mehr, wenigstens außer Wasser, auf die Mägnetna⸗ del merklich zu wirken. Mit einer solchergestalt dehnbar gemachten Plati⸗ ra machte ich in Gegenwart des Herrn Grafen von Sickingen folgenden Versuch. Ein Platinadrath von der Grösse einer Nähenadel wurde um einen stählernen Drath gewunden, dessen Spitze sehr fein auslief. Den stählernen Drath zünde— ten wir in einer mit einer sehr feinen dephlogistizirten Luft(d) mittelst der Elektricität an, so wie es in der Abhandlung von der Brennbarkeit der Metalle, die im zweyten Bande dieser Sammlung vorkommt, beschrie⸗ ben wird. Der stählerne Drath fieng Feuer, theilte der (d) Diese Luft hatte 420 Grad der Güte, welche nach der in dem zweyten Bande dieses Werkes erklärten Art geschäz⸗ zet wurde. Sie war aus Salpeter. Nur aus diesem Salze und dem rothen Quecksilberniederschlage konnte ich mir bis jetzt eine deplogistizirte Luft von einer solchen Feinheit ver⸗ schaffen. Aus den Pflanzeu habe ich es bisher noch nicht gekonnt, obschön die Beschaffenheit der Luft, die man in einem säuerlich gemachten Wasser hervorbringet, gemei⸗ niglich ausgezeichnet gut ist, so wie man in der Abhand⸗ long hierüber des zweyten Bandes sehen kaun. licht Atna⸗ Hati⸗ ooh der Platina. 4² der Platina, wenigstens allem Scheine nach, die Ent⸗ zündung mit, und die Flamme war eine der blendendsten. Ein Theil der mit dem Stahle verbundenen Platina riß sich in der vollen Entzündung von dem Uibrigen ab, fiel durch eine Wasserschichte auf den Boden des Gefäs— ses, und gieng tief in die Substanz dieses Bodens, der von Zinn war, ein, und schmolz mit demselben zu— sammen. Die Platina, die, ohne sich von dem Uibri— gen abzulösen, brannte, war vollkommen geschmolzen. Sie hatte weder von ihrer Farbe, noch von ihrer Dehn— barkeit etwas verloren. Dieser Versuch beweiset, daß die Platina ein wah—⸗ tes Metall, und mit allen den Eigenschaften begabt ist, die die anderen Metalle bey Künsten und Handwerken brauchbar machen; daß sie in einen vollkommenen Fluß übergehen kann; und daß ihr das Schmelzen von ihren nützlichen Eigenschaften nichts benimmt, und daß uns folglich, um sie in Gebrauch zu ziehen, nichts entübri— get, als sie im Commerze zu sehen, und ein Mittel zu finden, um sie mit geringeren Unkosten zu schmelzen. Dieser Versuch beweiset aber nicht, daß die Pla⸗ tina wirklich gebrannt habe, so wie das Eisen, indem weder ihre Farbe, noch ihre Dehnbarkeit zerstöret war. Es scheinet also wahrscheinlich, daß sie bloß geschmol⸗ zen 43⁰ Von der Platina. zen worden sey, ohne verkalket zu werden, gerade so, wie die edeln und vollkommenen Metalle, welches ich jedoch nicht entscheiden will. Um dieß zu thun, mön⸗ ten mich mehrere Versuche berechtigen; und hierzu fehie mir eine hinlängliche Menge einer dehnbaren Plat Es gelang mir zweymahl an einem stah und mit Platina umwundenen Drathe die Flaueme zwey Linien weit fortzupflanzen; für sich aber, daß ist, ohne die Darzwischenkunft des Eisens, konnte ich die Platina noch nicht entzünden: und setzet man ihr Sisen oder Stahl zu, so ist es nicht möglich zu entscheiden, ob es nicht das Eisen allein ist, welches brennet. Die Entladung einer elektrischen Batterie schmel⸗ zet die Platina so, wie alle andere Metalle, wovon schon oben ein Mehreres vorgekommen ist. Ber⸗ de so, he6 ic Versuch ö einer sch die 2 neuen Art, l. einen 1 leeren Raum hervorzubringen. B⸗ Ili A. GELLII Nocter Atticd. giorum contenti, persequantur ea post, s di magis quam admonendi gratia scripta existiment;& quasi demonstratione vesti- libet. QMuæ parum plana videbuntur, aut minus ple- na instructave, petimus, ut ea non docen- — V V. + V Veitdem man den nach wichtigen Entdeckungen über , die Luft des Galileo und seines Schülers, des Toricelli, diese bewundernswürdige Maschine, die Luftpumpe, erfunden hat, zuerst ausgedacht von Otto Guerike, hernach verbessert von Boyle und Hook, und gegenwärtig zu einer Vollkommenheit gebracht, wel— cher man nicht leicht etwas beyzufügen weiß, haben die Kenntnisse in den Eigenschaften der Luft unsres Elementes, reissend zugenommen, und es scheint, die großen Fortschritte, die man seitdem in diesem Theile der Naturkunde gemacht hat, haben die Physiker un⸗ srer Zeit nur angespornt, ihn mit verdoppeltem Eifer zu verfolgen. J. verm. Schrift. I. B. Ee ö Abt 434 Eine neue Abt Belir Fontana, schon berühmt durch so vie— le nützliche Entdeckungen, womit er das menschliche Wissen bereichert hat, machte seit etlichen Jahren eine neue und höchst wichtige in Betreff der Verschlingung der Luft: er fand nämlich, daß eine stark glühende Kohle, ungefähr achtmahl ihren Inbegriff an Luft beym Ersticken verschlinge. Er tauchte eine ganz glü⸗ hende Kohle unter Quecksilber, hielt sie so lange darin, bis sie völlig todt war; alsdenn ließ er sie unter ein mit der Oeffnung nach unten gekehrtes cylindrisches Gefäß voll Luft, durch das Quecksilber von der freyen Luft abgeschnitten, aufsteigen; die mit Quecksilber ge⸗ eingeschlossenen Luft eine sehr große Menge, und, war die Kohle groß genug, so verschlang sie sie ganz, und das Quecksilber trat an ihren Platz. Das nämliche hat⸗ de allemahl Statt, als er die Kohlen auslöschte, er mochte es thun, wie er es wollte, wenn er nur ver⸗ hinderte, daß sie beym Ablöschen außer Quecksilber weder Luft, noch Wasser, oder einen andern flüssigen Körper einsaugen konnte. Diese Entdeckung schien ei⸗ nen Weg zu eröffnen, um eine neue Art von Luft⸗ pumpen zu erfinden. Auch hat Abt Fontana selbst, wie nicht minder unterschiedliche andere Naturforscher, de— nen die Nachricht von dieser Entdeckung zugegangen ist, mancherley Verfahrungsarten ausgedacht, wie man die⸗ sattigte Kohle verschlang auf der Stelle von dieser de, hlche ehe hung hende Uuft dati, ein sches teyen et gl⸗ dieser el Ouft⸗ ruil „wie Luftpumpe. 435 diesen Grundsatz zur Verfertigung einer Maschine, um damit einen leeren Raum hervorzubringen, anwenden könnte; allein so viel ich weiß, ist bis jetzt noch keine einzige ins Werk gesetzt worden. Bey meiner Zurückkunft nach Wien, nach elner dreyjährigen Reise, verfiel ich auf ein sehr einfaches Mittel, diese Entdeckung zur Verfertigung einer Luft⸗ pumpe zu benützen, und meine Ungeduld litt keinen Verschub, um sie ausgeführet zu sehen. Wiewohl ich aber noch nicht Proben genug damit gemacht habe, um ihren wahren Werth, als ein nützliches Werkzeug in der Physik betrachtet, entscheiden zu können, so habe ich doch schon genug gesehen, um zu urtheilen, daß ihre Beschreibung den Physikern, die neue Erfindungen weiter zu treiben und zu vervollkommen wissen, nicht unwillkommen seyn möchte. Fig. VII, Taf. II, stellt die Waschine im Ganzen vor, und in ein Gefäß voll Wasser gesetzt, um die in dem kupfernen Kessel enthaltenen Kohlen sobald, als möglich, abzukühlen. Man hat das Gefäß A durch⸗ sichtig dargestellt, um die ganze Vorrichtung beysam⸗ men zu sehen. B ist ein starker Kessel von gegossenem Kupfer, dessen Rand breit, dick, platt und so eben, als möglich ist. Dieser Kessel ist bestimmt, einen an⸗ Eeꝛ dern 43⁵ Eine neue dern Kessel oder Topf von geschlagenem Kupfer odet Eisen, der kleiner und durchgebrochen gearbeitet ist, einzunehmen. Dieser zweyte Kessel oder Topf, in der X Figur besonders vorgestellt, ist für die hellglühen⸗ den Kohlen da. Der Kessel von gegossenem Kupfer wird durch seinen ausgebogenen Rand auf dem Ringe des eisernen Dreyfußes CC aufaelegt, oder unterstützt. Auf dem Rande des Kessels ruhet die Platte oder der Deckel O von gegossenem Kupfer oder Messing. Die Güte der ganzen Maschine hängt hauptsächlich von der Genauigkeit ab, mit welcher diese zwey Flächen auf einander passen; und um sie um so inniger zu verei⸗ nigen, befindet sich auf einer jeden Seite ein Schiebet EE, der sehr stark ist, und unter den Rand des gros⸗ sen Kessels greift, und, hineingetrieben, diesen Rand an die Platte oder den Deckel D andrückt. Die Plat⸗ te D hat einen sehr dick und geschliffen gearbeiteten vorspringenden Rand, um, ohne zu fehlen, und sich ohne den mindesten Zeitverlust, so zu sagen, von selbsten um den Rand des großen Kessels fest anzuschließen. Im Mittelpuncte des Deckels D ist ein Loch, wel⸗ ches durch die ganze Stütze oder Säule gehet, die die fupferne Platte oder den Teller P, worauf die Glas⸗ glocke G sitzt, trägt. Die l euftpumpr. 437 Die Säule zwischen den zwey kupfernen Platten hat zwey Hahnen, mittelst derer man nach Gefallen die Gemeinschaft zwischen der Glasglocke E und dem Kessel B öffnen oder schließen kann. Man kann auch die Glocke E von dem Kessel B absondern, indem man das Stüch UH von dem eingeschobenen Orte J abschraubt. Schraubt man also das Stück H ab, so kann man die Vorrichtung zerlegen, und den Teller P mit der Glocke E abnehmen, und zu gleicher Zeit mittelst des Hahnens K die Gemeinschaft der Glocke mit der frey⸗ en Luft abschneiden. Durch den Hahnen L unterhält oder verschließt man, wenn der Teller P von den übri⸗ gen getrennt ist, die Gemeinschaft zwischen dem Fessel B und der freyen Luft. Allein dieser Hahn L hat noch einen anderen Gebrauch, der bey dieser Maschine sehr wesentlich ist. Mittelst desselben kann man zwischen dem Hessel B und der offenen Luft eine Gemeinschaft herstel⸗ len, mittlerweile die Gemeinschaft zwischen diesem Kes⸗ sel und der Glocke 6 genau verschlossen hleibt. Diese Gemeinschaft des Kessels B mit der freyen Luft wird bewerkstelliget, indem man dem Hahnen L eine. Vier⸗ telswendung gibt, so daß das kleine durch das Kupfer bis zu dem Hahnen eingebohrte Loch H mit dem nur von einer Seite bis auf die Hälfte des Hahnens einge⸗ stochenen Loche in einer geraden Linie zu stehen kommt, Ee 3 und *+.......... 438 Eine neue und auf diese Art der offenen Luft einen Eintritt in den Kessel B verstattet, inzwischen die ganze Maschine beysammen bleibet. Diese kleine Seitengemeinschaft dienet dazu, daß man durch Einlassung der freyen Luft in den Kessel B den Deckel D ablösen kann, als wel⸗ cher wegen der Art eines leeren Raumes durch das Ge⸗ wicht des Dunstkreises auf den Rand des Kessels B stark aufgedrückt wird. Der RNutzen dieses Auskunfts⸗ mittels den Deckel D von dem Kessel B ablösen zu kön⸗ nen, wird sich unten besser begreifen lassen. Fig. VIII, der Kessel von gegossenem Kupfer, des⸗ sen platter und breiter Rand ins Gesicht fällt, der den Ring des eisernen Dreyfußes um vieles überschreiten muß, um den zwey Schiebern EE(Fig. VII und Y) Platz zu lassen, daß sie, ohne von diesem eisernen Rin⸗ ge zurückgehalten zu werden, tief genug unter dem Ran⸗ de eingeleget werden können. Fig. IX, ein Topf von geschlagenem Eisen oder dünnen Kupfer, voll glühender Koblen. Er ist, um die Kohlen durch den verstatteten Durchzug der freyen Luft lebendig zu erhalten, durchgebrochen gearbeitet. Man siehet an dem inneren Rande zwey Ringe wage⸗ recht eingeschlagen. Sie sind da, um die in eine Hand— habe umgebogene eiserne Stauge A, deren beyde Ende in U Al in schine schaft ft dele 6⁵ 8 Mists/ UIn „des⸗ der den hreiten d H NIn⸗ y Aan⸗ Luftpumpe 43² in Haken ausgekrümmt sind, darin einzuhängen, und nach Gefallen wieder herauszuheben. Fig. Xstellet die kupfernen Platten D und d Fig. VII), den Deckel und Teller, vereinigt durch die darzwischen stehende Stütze, die in der VII Figur ganz zum Vorschein kommt, vor. Man stehet diese Platten von unten, der Deckel D hat einen dicken einges schlif⸗ fenen Rand, der aber in der Figur nicht vollkommen genug ausgezeichnet ist. EE stellen die zwey Schieber oder Zwänger vor, die, wenn dieser Deckel auf den Kessel B(Fig. VII und VIII) gesetzt ist, eingetrieben, ihn an dessen Rand anhalten. Da die Güte dieser Vorrichtung hauptsächlich von der Genauigkeit, mit welcher der Rand des kupfernen——— an die untere Oberfläche des Deckels D anschließt, abhängt, so ist es nothwendig, daß diese zwey We mit dem fein⸗ sten Schmirgel auf einander abgerieben werden; und um vorzubeugen, daß in der Oberfläche des Deckels D durch die Anreibung wider den Rand des Kessels, wenn sie auf einander gearbeitet werden, keine Höhle sich ausfresse, so ist es rathsam, daß die Mitte dieser Platte von da an, wo der Rand d des Kessels mit ihr in Berührung kommt, ein wenig ausgewölbt werde, so daß der ganze.— 340 He. der auf den Rand des Kessels passen soll, s dicker oder erhobener ist, 566 als ö IIIIEEEEEE —— 44 Eine neue als das Uibeige. Man siehet bie Ursache davon leicht ein; denn es ist nöthig, dem Rande des Kessels alle Mög⸗ lichkeit zu benehmen, daß er irgendwo wider einen Ort des Deckels sich anstemme, welches die zwey Flächen allenthalben in eine unmittelbare Berührung zu kommen verhindern würde. Wie ů——.——— X seh, Mög⸗ Ort ichen amen Wie man diese Maschine gebrau— chen soll. Wenn man sich sorgfältig aller Hahnen K und L versichert, und die Glocke E auf den Teller E (Fig. VII) nach der gewöhnlichen Art, als man die Slocken auf die gemeinen Luftpumpen zu setzen pfle⸗ get, aufgestellt hat, so schmirt man den Rand des Kessels B(Fig. VII und VIII) sowohl, als den gan— zen Theil des Deckels 0(Fig. X), der sich auf dem Rande des Kessels aufstützen soll, mit einer Sal— be ein, die aus Olivenöhl und einer zum unfuhlba— ren Pulver zerriebenen Kreide bestehet. Diese Sal— be muß die Dicke eines Syrupps haben, und sie be— sitzt die Eigenschaft, durch die Hitze weder mehr noch weniger flüssig zu werden. Nach diesem füllet man den in der IX Figur vorgestellten Kessel mit leben— digen Kohlen an, und um sie so glühend zu ma— chen, als es die Kohlen seyn können, mußl man sie mittelst der eisernen Stange, als einer Handhabe, Eeʒ hin 44 Eine neue hin und her schwenken, wobey man in Acht nimmt, daß keine Kohle durch die Seitenöffnungen dieses Kessels herausfalle. Sobald die Kohlen glühend ge— nug sind, läßt man den Topf, der sie enthält, in den großen Kessel hinein, ziehet die eiserne Handhabe sogleich zurück, und setzet den Deckel P(Fig. VII) mit der ganzen übrigen Vorrichtung darauf, oder, wenn man will, setzet man den Deckel Dallein, nur mit dem Hahnen I. bersehen, auf. In dem Au-— genblicke, als man merket, daß die zwey Oberflä⸗ chen einänder berühren, treibet man, um alles zu— sammenzuzwängen, die zwey Schieber EE so tief, als man kann, ein. Alsdenn ergreift man die gan⸗ ze Maschine beym Dreyfuße, welches in diesem Au⸗ genblicke noch sehr leicht ist, indem die Hitze bis zum Dreyfuße noch nicht vorgedrungen ist, und setzet sie in den Kessel A(Fig. VII), der bey der Hand stehen, und kaltes Wasser genug enthalten muß, damit der Kessel(Fig. VII) bis an seinen Rand, oder auch über den Deckel D eingesenkt wer⸗ den kann. Ist der Kessel hinlänglich abgekühlt, so nimmt man die ganze Vorrichtung wieder aus dem Wasser, und öffnet durch Umdrehung der Hahnen I, und K die Gemeinschaft mit der Glocke und dem Kes⸗ sel. Die erloschenen Kohlen verschlingen begierig die Luft in der Glasglocke, und bewirken darin einen mehr Iiumt dieses end e⸗ ilt, in udhabe „VI) Luftpumpe. 443 mehr oder weniger vollkommenen leeren Raum. Bah diesem ersten Vorgange drücket die Glasglocke schon so stark auf den Teller F, daß sie nicht leicht mehr mit der Hand davon losgemacht werden kann. Haben die Kohlen ihren Dienst gethan, so schlleßt man den Hahnen K zu, und gibt dem Hah— nen Lueine Viertelswendung, damit das Loch M dem Seltenloche des Hahnens L, welches sich in die Ge— meinschaftsröhre öffnet, diesen Hahnen aber nur auf die Hälfte seiner Dicke durchschneidet, begegne. Die Luft dringet sogleich in den kupfernen Kessel ein, welches macht, daß man den kupfernen Deckel ohne Schwierigkeit abnehmen kann. Man facht nun die ausgelöschten Kohlen wieder an, oder man füllet den Kessel wieder mit neuen lebendigen; und nachdem man diesen voll frischer Kohlen in den Kupferkessel, wie das erstemahl, gesetzt hat, leget man den Dek— kel D wieder darauf, verschließt den Hahnen L. sorg— fältig, und befestiget, wie vorher, Deckel und Kes— sel mit den Schiebern EE aneinander, Man lässet alles im Wasser erkalten, worauf man die obere Platte mit der Glasglocke, falls man sie abgelöset hat, wieder aufsetzt, und die Hahnen, um die Ge— meinschaft zwischen der Glocke und dem Kupferkessel aufzurichten, umdrehet. Diese neuen Kohlen, indem sie 27.— Eine neue 4⁴⁴ sie die noch übrige Luft aus der Glocke einsaugen, machen den leeren Raum vollkommner, und man kann dieses Verfahren so oft wiederhohlen, als man es für nöthig achtet. 1„ 0 Ecix⸗ dugen, lann sür Luftpumpe. 445 Erinnerungen über die se Maschine. bin zu glauben weit entfernt, als sey dieses hiet beschriebene Werkzeug das beste, das man, um die Ent— eckung des Herrn Fontana zu benützen, ausdenken könnte. Ich gebe es für nichts, als für einen Versuch, um Erfindungsgeister aufzumuntern, mehr Vortheil daraus zu ziehen, als ich es vermochte. Ich habe sie nur sehr selten probieret, und dieß zwar, um zu sehen, ob ein nach diesem Plane verfertigtes und in Ausü— bung gesetztes Werkzeug nützlich seyn könnte. Das, was ich dabey gesehen, lässet mich glau⸗ ben, daß man mit einer solchen Maschine einen zu— reichenden leeren Raum hervorbringen kann, um die gemeinen Versuche damit anzustellen, die man mit den Luftpumpen zu machen pfleget; ich wage es aber nicht, zu entscheiden, ob auch wohl mittelst derselben ein so vollkommenes Vacuum zuwegegebracht werden könn— te, als es mit einer guten Luftpumpe, so wie sie ge⸗ gen⸗ 27 kle 2 Er sehen, daß andere diesen Gedanken wei— Eine neue Luftpumpe. Inzwischen würde ich es mit dem größ⸗ gnügen ter trieben, und uns, um von der wahrhaft interes⸗ genwärtig unsere Künstler verfertigten, bewerkstelli— santen Erfindung des Abts Fontana allen Nutzen get wird. 4⁴⁶ ziehen zu können, besser eingerichtete Maschineu lie⸗ ten Ver ferten. diselll en wei⸗ intetes⸗ Nuzen lie⸗ lärung der Kupferb⸗ feln 1 rafel 1 Figur. Eine elektrische Maschine. AA, ein Stück Seidenzeug, mit Firniß überzogen. BBBB, messingene Kugeln, jede mit einer Schraube und zwey Löchern versehen. CC, zwey messingene Platten, zu Reibern bestimmt. D, zwey Schrauben um die Reiber einander näher zu bringen. ö EE, zwey gläserne, oder trockene hölzerne Stöcke zum Isoliren. FPPH, zwey Schraubstöcke für die Nichtleiter EE. 66, zwey messingene Stangen, welche die Stelle des Hauptleiters vertreten. H1H, zwey Schrauben für den Hauptleiter unter einer Kugelgestalt. IIII, ein starker seidener Strick, um die Maschine unbeweglich zu halten. KKKK, zwey andere starke seidene Bänder, um die Maschine anzuspänen. I., eine Leidner Flasche. MM, zwey Löcher für eine Gemeinschaftskette. II 448 Erklärung II Figur. Eine Leidner Flasche. A, ein Loch, um den Kopf der Flasche einzusetzen. E ein Schwalbenschweif. III Figur. Die Leidner Flasche im Durchschnitte. A, der Knopf, inwendig eine Büchse. 1 B, ein vier bis fünf Linien tiefes Loch zum einstecken. C, der Schwalbenschweif.— D, ein messingener Uiberzug um die Flasche. IV Figur. Eine silberne oder goldene Bortenschnur zur— Errichtung der Gemeinschaft. VFigur. Ein Metalldrath mit Baumwolle umwickelt. VI Figur. Zwey Stangen, zwischen welchen der Seiden“ zeug oben und unten eingezwängt wird. VII Figur. Die Leiter, aus den Kugeln CC ausges schraubt und getrennt. AA, die hintere Stange mit den Kammern für die Köpfe der Richtleiter. BBE, die vordere Stange mit einem Stifte in der Mitte. CO, zwey kugelförmige Schrauben. VIII Figur der Leiter sammt dem Reibzeuge. A, der Stift, in welchem der Knopf der Leiduer Flaꝛ sche eingreift. B, ein Ring für den seidenen Strick IIII(Fig. I. IX Figur. Die Isolirsäulen. X Figur. Die vordere Platte des Reibers. A, eine Falze für den Schwalbenschweif. I N der Kupfertafeln. 44 ö XI Figur. Die zwey getrennten Platten des Reibers. sen. A, die hintere. B, die vordere. . ö XII Figur. Das äußerste Ende der zwey Reibplatten, um ihre Zusammensetzung zu sehen. ssleken. XIII Figur. Das Geräthe, um die Sumpfluft zu sammeln. uur su 11. a sel. IFigur. Die Knallluftpistole, im Ganzen vorgestellt. lel. II Figur. Der Durchschnitt derselben. Seiden⸗ A, der Stempel. B, eine Kammer für einen mit Geist getränkten 6he Schwammen. CC, die Handhabe des Stempels. slt die D, ein aufgeschräubter Kanal, der in den Stempel leitet. E, ein Stück Messing mit einem Hahne. Mm. P, eine Blase für die Knallluft. G, ein Vorsprung um das Stück U einzunehmen. H, ein Stück Messing, welches die Glasröhre sammt Hle den Metalldrath eingeküttet trägt. I ein Messingdrath mit einer aufgesetzten Kugel. KK, zwey Schrauben zur Befestigung des hinteten und vorderen Stückes der Pistole. L, der Lauf. M, die hölzerne Handhabe der Pistole. J. verm. Schrift. I. B. Ff U 450 Erklärung 11 Figur. Der Stempel. A, der Kegel des Stempels. B, Eine Kapsel vor der Höhle des Stempels. C, ein Theil von der Handhabe des Stempels. IV Figur. Ein Hahn. ö E, die Schraube, welche in die Pistole greift. VFigur. Die Isolirung des Metalldrathes im Durch⸗ schnitte. H, ein Stück Messing, worin die übrige Vorrich— tung eingeküttet ist. I, der Metalldrath selbst. VI Figur. Die Vorrichtung zur Bereitung der Brennluft. A, das Querbret unter Wasser, welches aber nicht gut ausgedrückt ist. B, die Flasche, welche die Brennluft auffängt. C, die Wasserwanne. D, ein Hahn, der die Flasche verschließt. E, ein Hahn, der die Blase verschließt. P, Die Blase, in welche die Luft, beym Einsenken der Flasche ins Wasser, aufsteigt. G, das Fläschchen, worin die Auflösung geschiehet. UH, eine krumme Gemeinschaftsröhre. VII Figur. Die Vorrichtung zur Hervorbringung eines leeren Raumes im Ganzen vorgestellet. A, ein Wassergefäß. B, ein starker kupferner Kessel. * *— Der Kupfertafeln. 471 CC, ein Dreyfuß. D, der Deckel des Kessels. EE, zwey Schieber. F, der Teller. , die Glocke. H ein Theil der oberen Gemeinschaftsröhre, welcher die untere aufnimmt. , ein Theil der unteren Gemeinschaftsröhre, welcher in die obere greift. K, ein Hahn, um die Gemeinschaft mit der Glocke abzuschneiden. L, ein Hahn, um die Gemeinschaft mit dem Kessel abzuschneiden. M, ein Loch, worin die Gemeinschaftsröhre sitzet. VIII Figur. Der Kessel, worauf der Teller sitzet. IX Figur. Der Kohlenkessel, so wie er eingesetzet wird. A, die Handhabe. BE, zwey Ringe zum Einhängen der Handhabe. XFigur. Deckel und Teller auf einander. D, der Deckel mit der Oeffnung der Gemeinschafts— röhre in der Mitte. EE, Zwey Schieber zur Vereinigung des Deckels mit dem Kessel. F, der Teller. XI Figur. Eine Brennluftlampe. A, das Luftbehältniß. 452 Erktlärung der Kupfertafeln. B, das Wasserbehärtniß. C, ein Hahn zur Errichtung der Gemeinschaft der zwey Behältnisse u. zum Aufheben des Elektricitätsträgers. D, ein kleines Röhrchen zur Verengerung des Aus⸗ ganges. E, eine Röhre zur Herableitung des Wassers aus dem oberen Gefäße. FP, eine Röhre, durch welche die Luft ausgetrieben wird. 6, eine Metallstange zur Uiberleitung des elektrischen Funkens. H, ein metallischer Haken, auf welchen der elektrische Funken überspringt. I„ ein Wachskerzchen zum Anzünden. K, eine Rolle für die Kette. L, ein seidener Strick zum Isoliren. M, ein Hahn zur Verschließung der Röhre F. NO, zwey isolirende Stützen der Metallstange. P, ein Loch zum Luftfüllen der unteren Flasche. G., ein Loch zum Wasserfüllen der oberen Flasche. XII Figur. Eine Flasche zur Bereitung der brennba⸗ ren Luft. XIII Figur. Ein kleiner Löffel für das Brennen verschie⸗ dener Körper in der dephlogistizirten Luft. A, der Löffel selbst. B, ein Korkstöpsel vom Stile durchbohret. ** Hch. I. S I— 2 —— 7RR. L. I. V I IIic. LII. h — — — — —— — —..— SC/ S SSSSS — ..... SSSIIII 7n, L. + MNN I I 0 —— —— —.— — —— ——— D————— — ͦ— — E 1 5————— * 82 5 1 9 V 1»esedenanne,„ aATg herdal 111 1L ,ul. RndRnnRnnnnaarnannan dnntnnuanat 3 4 6 7 8 9 10 11 Colour& Grey Sortrol Shart ee CGrey 2 Grey Gre Zlacke