— — 2.— 4 „ 1 74 71 Univ.-Bibi. I Giéessen zum zweckma iigen Anbau der Runkelrüben ——————— Füur den betriebsamen Landmann verfaß t von einem sachberständigen Landwirthe. Zu finden in Wien bei Carl Schaumburg et Comp. und Pesth bei Joseph Eggenherger. 181¹7. Betriebsamer Landmann! A. Dein Mitmensch bin ich geneigt Dir, wenigstens einen Tropfen aus einem gesunden Brunne, schon aus der Absicht darzureichen, weil es mir völlig wehe that, als ich sab, daß ein edles Feldgewächs, unter den sonst thä⸗ tigen Händen, sein kümmerliches Daseyn jäm⸗ merlich zu beklagen scheinet. Lese das Folgende, und befolge es nach den Umständen pünktlich, und so, belfe der armen Runkelrübe aus der Noth: denn, selbe verdient es wirklich. Wenn ich Dir biemit etwas nützliches bei⸗ bringen konnte: so werde ich trachten Dir auch in der Folge, aus dem nehmlichen Brunne wich⸗ tige Gegenstände zu liefern. ö Du möchtest mir, in Ansehung deiner Mut⸗ tersprache, die ich hier als meine Schwager⸗ 2 sprache, ohne Hilfe eines Schwagers zu fübren mich bemühte, Nachsicht schenken. Ich bin zu⸗ frieden, wenn ich im Vortrage des Gegenstan⸗ des wenig oder gar nichts gestolpert zu haben von Dir vernehmen werde. Der Verfaßer. e uue i Praktische Anleitung zum zweckmäßigen Anbau der Runkelrüben. — L. 1 Wi. man bei dem Anbau der Runkelrüben zu verfah⸗ ren hat, wenn sie als Viehfutter genutzt werden sollen, ist allen Oekonomen bekannt— sagt F. C. Achard). — Ich bin bingegen der Meinung, daß—„ wie man „bei dem Anbau der Runkelrüben zu verfahren hat, „wenn selbe als Viehfutter benutzt werden sollen, dem „bundersten,— und dem tausendsten Landwirthe nicht „bekannt sey.“ ) Anleituug zum Anbau der zur Zuckerfabrikation an⸗ wendbaren Runkelrüben, u. s. w. Breslau, 180g. 8. . 6. Dieses, und eine äußerst elende Manipulation 7) jenes schätbaren Wurzelgewächses haben mich bewogen, dem betriebsamen Landmanne,(auch, wenn es noch ein⸗ mahl darauf ankommen werden wird, dem, auf eine edle Art speculirenden Zuckerfabrikanten) auf das verläß⸗ lichste zu Hilfe zu kommen, und dieß gegenwärtige Werk⸗ chen zu schreiben. —— 7) Im Jahre 1813, anfangs Julii, befand ich mich einen Tag, vor dem Hundsthurmer Thor bei Wien. Als meine Lieblings⸗Gegenstande, betrachtete ich die, der Stadtlinie angränzende Fruchtfelder, und bemerkte auf dem, bei der Landstraße gelegenen zwei⸗ ten Joch Acker s oder 6 arbeitende Feldhauer, und war neugierig zu erfahren, was und wie sie eigent⸗ lich arbeiten: denn von Landbauern dieser Gegend habe ich mir sehr vieles eingebildet. Gehe hin, be⸗ nedeye gebührlicher Maaßen ihre Arbeit, dessen Ge⸗ genstand— einige, unschuldigerweiß verdammte, arme Runkelrüben— schon damahls durch jene, nur Taglohn verschlingende Arbeit, genugsam und sogar bis zu Verzweifelung vermaledeyet wurde. Der Arbeitführer Fliegelmann, sonst ein hon⸗ neter Bursch, begegnet mich ganz Iude und nach verschiedenen, den Rubenzweck betreffenden Fragen, giebt er mir zu verstehen, das er Kellner des näch⸗ sten Weinwirthes bei den zwei weißen Roßen sey; und eräußerte sich in Ansehung der, auf dem Ta⸗ pis liegenden Manipulation/ daß sein Herr den Run⸗ kelrübenanbau, erst nur in dem erwöhnten Jahre, als Versuch, angefangen habe. Ich wußte sehr wohl was es sey, sich in einer andern Angelegenheit tief hinein zu mischen, und habe meinen Rüben⸗Discurs nach solcher Regel ge⸗ lenket. Nebstdem aber ihm Junggesellen,— so in Der sonst in vielem Betracht schätzenswürdige Mann möchte es mir nicht für übel aufnehmen, wenn ich sage, daß er eher ein guter Physicus, als ein mittelmäßiger Landwirth sey; und zwar, desto weniger dürfte es ihm verdrüßen, da er in dem mehr theoretischen als prakti— schen ersten Abschnitte seines bekannten Werkchens, von seiner Unerfahrenheit in der äußern Landökonomie, nicht der Kürze— den rechten Weg nach Runkelrübenland gezeigt, und gleichsam versprochen, daß ich ihm und feinem betriebsamen Herrn, und so allen, die es wün⸗ schen möchten, wenn ich nur ein Paar Muße-Täge gewinne, schriftlich zu Hilfe zu kommen, nicht ver— versüumen werde. Die Mitarbeiter, die hiebei, wie gewöhnlich, ein Paar oder 5 Rastminute ge⸗ wannen— conticuere omnes ete.— und manche von ihnen, nach der Art solcher Menschen, schmutzelten. Ich coramisire dos künftige Elend der Rüben, und sage mein adlieu sorglos, benedeye wiederhohlt, und zwar ausschließlich die nothleidende Runkelrüben, in der Hoffnung, mein innerlicher Wunsch bürfte ihnen vielleicht als Wunder, behielf⸗ lich werden. Nie hat man auf dieser Gotteserde so eine elende Runkelrübenbehandlung erlebt.— Die Lage des Ackers ohnvergleichlich, der Boden reich, der jeden Glockenklang und jedes Hahnengeschrei hörte, dicht unter dem Schutze der Stadtsgebäuden:— aber, vor- und zubereitet am verwerflichsten, un— krautvoll, zusammen getretten und hartnäckig, un⸗ willig zwang er von sich heraus jene seifzende, am unregelmäßigst hingeworfene Saamen, hier und dort einen oder zwei, gleich neben auf einer Hand⸗ breite, 3— 5, dann 10, 20 auch 50 in einem Haufen.— Da hast es, sag' ich, ein ehrenreiches Specktakel in Wien, unterhaltlich- instructives Schau⸗ nur Beweise giebt, sondern es gar, als ehrlicher Mann, gesteht: dann, weil er, als Menschenfreund, unbedingt froh seyn muß, wenn ich zum Vortheil der Menschheit, als auch ihm dem Eisbrecher in der Runkelrübenzuckerfa⸗ brication zur Ehre, etwas probhaltiges über dem Anbau derlei Rüben, nach einer, seit 1797 mit bedeutendem Vorzuge fortgesetzten Praxi im großen geführten Mani⸗ pulation, und nur aus der oben angeführten Ursachen vortrage. Gleich im Anfange des, über diese Rübengattung geschriebenen Paragraphes, eines in der ungarischen Spra⸗ che verfaßten ökonomischen Werkes, Cultivirte Landwirth⸗ schaft(Pallérozott Mezei Gazdasäg genannt, I. Band, g. 156. Seite 521.) finde ich folgende, hier wörtlich verdeutschte Anmerkung:— „Wenn man ihren(der Runkelrübe) jetzt erst rühm— „lich gewordenen neuen Nutzen, welchen die Preußen, „nach manchen Schriftsteller, nicht selbst entdeckt haben, „denen ich aber diese Ersindung, schon in der Hinsicht „zueignen will, weil sie es sind, die aus Kuhrüben fa. „brikmaäßig verfertigten Zucker am ersten gezeiget, und Bawurbaniss ts. rSSistLalse spiel für die vorbeifahrende Kenner. So glaube ich schon freilich, daß es viel nützlicher sey, wenn man unter der Zeit, als auf diese Art Runkelrü⸗ ben anbaut, ruhig schlaffet. Der gutmeinende Unternehmer kann aber da⸗ für nicht; denn, er ist hierin schlecht, oder gar nicht unterrichtet worden. Er hat es nicht gewußt né sutor ultra crepidam: seine gute In⸗ tention hleibt immer lobens würdig. — 9—— „deu, auf ihre gut bezweckte nützliche Zucker⸗-Verfertigung „von der Allerhöchsten Behörde gesetzten Preiß, verdient „haben,— wenn man, sage ich, diesen besondern Nu⸗ „tzen der Kuhrüben bedenket: so kann solche, auch Zu⸗ „ckerrübe, wie sie auch schon wirklich von vielen gehei⸗ „ßen wird, genannt werden. Von dessen Nutzen rede „ich diesesmahl nicht mehr, bis ich ihre Erzielung, die „in allen bei mir vorfindigen Wirthschafts-Bücher, den „Rübennahme ausgenommen, vermißt wird, nicht hand⸗ „ greiflich und so vorgetragen haben werde, als ich es am „sichersten gefunden habe. Das, was Schmidit dar— „uber), nach seiner fünfzigjähriger Erfahrung er⸗ „zählt, ist nicht werth, daß man darum das Buch „aufschlage, u. s. w.“ Aus diesem kann man leicht vernehmen, daß Ver⸗ faßer des oberwähnten ungarischen Werkes, schon im vo⸗ rigen Jahrhundert, da er es zu schreiben anfing, und den Runkelrübenanbau(schon im Jahre 1798) in Großen und ex officio musterhaft trieb, hatte dem berühmten Runkelrübenzuckerfabrikerrichter, bevor noch seine Fabrica⸗ tions⸗Probe(1800) durch eine Preuß. Königl. Com⸗ mission geprüfet wurde, in der preußischen Nation-Gerech⸗ tigkeit wiederfahren lassen.— Nun aber zur Sache. 9. 2. Runkelrübe Geta cicla altissima)/ sonst Burgunder⸗, Mangold⸗, Rummel⸗, Dicke⸗, Zucker⸗, auch Kuhrübe genannt. ») Praktischer Landwirth u. s. w. Wien, 1795. 8. Die Runkelrübe ist eigentlich eine nächste Abart der sogenannten Rot hen rübe(beta rubra vulgaris), und zwar eine Abart, die in dem ebenerwähnten Werke, Cultivirte Landwirthschaft, in landwirthschaftlichen Be⸗ tracht, als die vortheilhafteste, genau unterscheiden wird. (beta cicla altissima, radice maxima, ru- bro et albo intus variegata, foliis maximis rubentibus) ist ihrer äußern Gestalt nach, der dicken Gattung Rotherrüben vollkommen gleich. Dieselbe ist groß, wenig faserig, auswendig röthlich, auch ganz blutroth, die Blätter grün mit bläulicher Röthe gemischt, gleich dem Kapuziner Salat: inwendig aber weiß, mit rothen Adern, Ringen oder Flecken geschecket,— eine mehr als die andere. Eine andere Abart(Deta cicla pallescens seu alba) ist in⸗ und auswendig ganz weiß, die Blätter mit weißen Adern, fallen in die gelblichte Grüne einer jungen Ganse, beiläufig wie der ordinaire Salat.— Da diese Abart wieder zwei namhafte Afterabarten zählt, wovon die eine schön glatt und dichlicht- spindelförmig/ die andere aber nur in dünnen Wurzeln sich zertheilet: so ist jene, als eine gute Race in jedem Betracht zu wählen. Eine dritte Haupt-Abart der Runkelrübe nenne ich jene(beta cicla communis seu viridis), deren Wurzel von aussen grünlich, das inwendige Fleisch aber, das Mark, ganz weiß, und die Blätter durchaus grün sind. Eine vierte Haupt-Abart(beta ciela flaui colo- ris), welche in ⸗-und auswendig blaßgelb ist, und deren Blätter, der zweiten erwähnten Haupt-Abart gleichen, gehört, im ökonomischen Betracht, nicht einmahl mehr — 41— zu die Runkelrüben; da dieselbe schon sich den Namen Gelberübe gedeignet haben soll, und als die eßbare⸗ ste Abart, zu die Kuchel⸗-Grünenwaaren geschlagen wird. — Die hier zu Land, unrecht so genannte Gelberüben, die rechtswegen Mehren(daucus carotta) heißen, sind etwas anders. „Auf diese Zergliederung der Haupt-Abarten der Runkelrüben, kann man sich, eben so wenig, als auf andere, durch wem immer angeführte derlei Abarten verlassen: denn die After-Abarten dieser Rübe, die den Umstanden nach, sich vervielfaltigen, sind unendlich. Der Landwirth hat sein Ziel erreicht, wenn er jene erste beste Abart, bei Saamenziehen so in Zaum zu halten vermag, daß selbe nicht nur nicht ausarte, sondern vielmehr veredelt werden müsse.— Der jemalige Zuckerfabrikant aber(denn die Erdenwelt hat noch kein Ende) wähle sich zwar die erste After-Abart der zweiten Abart, und die dritte Abart: doch hat er gar keine Ursache, die vierte blaß⸗ gelbe Abart, und die auswendig röthliche, welche nebst⸗ dem die mindeste, und manchmahl gar keine rothe Fle⸗ cken hat, zu verachten. Mit wenigen Worten: Trachte er nur die größeste, glatteste/ inwendig am meisten weiße, durch Cultur des Saamens und Bodens eigen zu machen. Vermeide er fleißig die bei ihm noch nicht erprobte Saamenhändler; wo er nicht selten, statt guter Gattungen Runkelrübensaamen, nicht nur schlechte, son⸗ dern gar mit achten Rothenrübensaamen verfälschtes Misch⸗ masch erhült. ö 9. 3. Klüger kann der Landwirth, folglich auch der so un⸗ päterlich beseitigte Zuckerfabrikant,— der etwa in diesem — 12— Betracht, auch den alleredelsten Titel Landwirth ver⸗ dienen will, nicht thun, als wenn er,— jeder nach sei⸗ nem Vorhaben— die schönste Gattungen dieser Rüben, die, nebst den oberwähnten Kennzeichen, auch das min⸗ deste krautartige, oder Blätternest an sich haben, durch den Winter sorgfältig aufhebt, und dieselbe im Frühjahre, ordentlich, wie andere Gattung Rüben, hinaus ver⸗ pflanzt, und so die erforderliche Saamen selber zieht. Es giebt Stücke, die keine größere Krone haben, als der Rettich: und, diese Art Rüben wägen doch, bei ei⸗ ner von allen Nebensprossen freien, glatten Gestalt(der Insel von St. Helena nicht zu gedenken) 10 bis 15 Pfund; und diese sind sowohl im landwirthschaftlichen Betracht unbedingt, als in Ansehung der Zuckerfabrica⸗ tion, wenn sie ganz weiß vom Mark sind, die allerbeste; seyen sie dem äußern Ansehen nach roth, weiß, gelb oder grünlich, ist gleichviel. Nichts ist bei einer Bauergartnerei leichter, als Run⸗ kelrübensaamen zu erzielen, und keine Gattung Saame kann weniger kosten, als diese. Eine gut ausgewinterte, gehörig ausgesetzte Runkelrübe, nur soll dieselbe wegen der Schwere der vielen Saamen vom Abbrechen gut ver⸗ wahret werden, giebt nicht selten, ohne beinahe aller Mühe, 1, 2 auch 3 Pfund Saamen. Das Gewächs ist nebstdem ja völlig ein wildes Kraut, dem, so zu sa⸗ gen, gar nichts schaden kann, den erwachsenen Stücken nicht einmahl der Reitwurm, wogegen einige so viel Sorge zu tragen scheinen. Dem Winter trotzet es sogar; und, wo die Saamen einmahl hingeworfen sind, oder, wenn manche Stücke von Rüben im Herbst in dem Run⸗ kelrühenacker ungusgezogen liegen bleiben, dieselbe im — 13— künftigen Sommer in Saamen schießen, später ih re Saa⸗ men von sich werfen; diese im folgenden zweiten Früh⸗ ling haufenweiß aufgehen, und wieder in Saamen schie⸗ ßen, und so diesen meta morphosin Jahr für Jahr/ wenn auch der Winter noch so streng seyn sollte, regel⸗ mäßig, wie der Hanf, Borago, und hundert andere Wildlinge, fortsetzen: so zwar, daß man selbe nur ab⸗ sichtlich, im Frühjahre, wie sie noch jung sind, aus dem Acker rotten kann. Man darf wohl Acht geben, daß man solche, wild gewachsene, sonst ausneh⸗ mend schöne Runkelrüben ⸗-Pflanzen, als Setzlin⸗ ge, nicht benutzen solle; denn, schon im Junii fangen sie an in Saamen zu schießen, und bleibt davon, trotz der Behauptung mancher Theoretiker, keine einzige gut; es sey, daß die Witterung sehr regnerisch bleibt. Selbst von denen im Frühling regelmäßig gezogenen zahmen Setzlingen, wenn der Sommer ausserordentlich trocken und dürre ist, gehen manche in Saamen: welches nur etwa durch das fleißige Begießen verhütet werden könnte. Wenn man gleich die Krone so eines, schon in Saamen schießen wollenden Stückes abgestutzt habe: doch schießt es rund um die Krone nur destomehr Sproßen, und sein Wurzel wird holzicht, zähe und saftlos. Es ist zu bemerken, daß die Runkelrübensaamen in dem nehmlichen Sommer, wo selbe gefechset wurden, eben so wenig wie die Rothenrübensaamen, gebraucht werden können: denn, sie werden ziemlich spät zeitig, und der Rübenanbau, in landwirthschaftlicher Hinsicht gar, sehr zeitig, bevor der Winter noch den völligen Ab— schied genommen hätte, schon angeht. §. 4. Die Methode Runkelrüben zu erzielen ist zwar zwei— erlei: jedoch die eine besser als die andere.— Wenn man die Saamen,— wegen die Sicherheit, paarweiß,— nach der, in der Folge zu erfahrenden Art, in dem gut zube⸗ reiteten Acker(denn, wir wollen morgen⸗oder jochweiß manipuliren) gerade nur aussteckt: so hat man, wenn nicht gar die ganze Zeit, Mühe und den Kosten-Auf— wand verlohren; doch dabei sicher sparsam seine Rechnung zu hoffen. Man soll sich gar nicht stöhren lassen, wenn man mit dieser Behauptung ganz entgegengesetzte Mei⸗ nung Einiger, lesen diürfte: denn, ich behaupte das, was ich seit 0 Jahren mit allerbestem Erfolge ausübe, wo ich mehrmahl/ nach sattsamer Auswinterung von 30 bis 50 Stück großen Viehes, die Übergebliebene derlei Rüben, nach Georgii Tag(andgewöhnlich, weil man bei uns für solche Handelswaaren selten oder nie Käufer findet) haufenweiß(wie 1810 in P.) verschenken mußte. Auch in Ansehung der Beschaffenheit des Saamens, bessen Hülle mam, als bis 5 Stück bloßße Saamenkörner faßend angiebt, gebe ich wiederhohlt den wohlgemeinten Rath, daß man ohne Bedenken in jedem Loch zwei ganze Saamen in Hüllen, daß ist, zwei sogenannte Kapseln, mit, wegen meiner, 10 Stück eingehullten Saamenkörn⸗ chen einstecken solle; und man nach 10 bis 4 Tägen sroh seyn kann, wenn statt zehen, zwey, auch wohl nur eine Rübenpflanze findet. Freilich trifft es sich hin und da, wo der eingesteckte Saame eine belsebige mabrix gefunden hat, daß mehr Pflanzen zum Vorschein kom⸗ men, als Kapseln gesetzt worden: aber, wie viel Hal⸗“ men findet man nicht sehr häufig auch nach einem einzigen Waigenkorn?— 10, 20, 30 und mehr.— ö Da ich nun dieses Verfahren, Runkelrüben unmit⸗ telbar durch Saamenaussteckung zu erzielen, niemanden anders anrathen will, als wenn ich in höchster Verläß⸗ lichkeit voraussetzen kann, daß er ein voller cultivirender Landwirth sey, der seine Felder im reinsten Zustande zu halten ganz vermögend ist: so gehen wir auf die andere verlaßliche Verfahrungsart in der Behandlung der Run⸗ kelrüben über, wo wir doch, auch die Manipulation der ersten Anbaumethode antreffen werden. 5. Um gute, große und viele, auch mit leichter Mühe und sparsamen Kostenaufwand zu erzweckende Runkelrü⸗ ben zu fechsen, hat man die hier folgende Verfahrungs— art zu beobachten und zu befolgen. ů Vorausgesetzt, es sey schon die erzweckte gute Art von Saamen vorhanden: so soll man darauf bedacht seyn, daß im Kuchelgarten, oder nach Umständen auf dem Acker, doch unter sorgsamen Augen, ein ganz gemeines, wo möglich, der Lage nach beschütztes, sogenanntes hollän⸗ disches Mistbett, gegen 155ten März, höchstens bis Jo— sephi Tag vollkommen fertig und ein Paar Tage ausge⸗ ruhet seyn solle. Diese Art von Mistbett wird am bäu⸗ erischesten einmahl für immer zugerichtet.— Man grabt nehmlich eine, Schuh breite, zwei bis drittehalb Schuh tiefe Grube, dessen Länge nach Bedürfniß bestimmt wer— den soll. Zu einem Joch Acker von 1600 Q◻, wenn man die Rüben in jeder Richtung 2 und ein halb Schuh weit von einander, guincunce zu versetzen gedenket, — 16— braucht man 10633 f Setzlinge: will man sie in a schu⸗ higer Entfernung, auch quincunce setzen; so erfordert das nehmliche österreichische Joch 16457 T derlei Setzlin⸗ ge; dessen Rechnungs-Formel weiter unten anzutreffen ist. Das Saamenbett richte man auf folgende Art zu: — Man führe von dem langen frischen Mist, den man hat, zu der Grube, und fülle sie damit so, daß die Gru⸗ be, nach tüchtiger Eintrettung des Mistes, nordwäͤrts auf einer, südwärts aber auf 2 Hand Breite, also hier 8, und dort 4 Zoll tief leer bleibe, und auf diese Weise abfallig ausfallen solle. Nachher soll darauf eine, schon vor dem Winter der freyen Luft ausgesetzte gute Erde, 6 Zoll dick geschüttet, und nach der Richtung des Mistes geebnet, und so ein Paar Tage gelassen werden. Jetzt, nach dem Betragen der Witterung/ kann man so ein holländisches Mistbett mit dem Runkelrüben-⸗(oder was immer für) Saamen so besäen, daß z. B. diese Rü⸗ bensaamen ungefäähr ein Daum breit von einander fal— len, und dann mit dem Rechen gut einhacken, ebnen/ und ihr Aufkommen/ ohne selbe zu begießen, in 10 bis 14 Tägen abwarten.— Um diesen und desgleichen Saa⸗ men, die gern in einander kleben, gleichförmig aussäen zu können, wird nicht zweckwidrig seyn, solchen mit Maul⸗ wurf⸗Erde, oder mit Sand, Asche u. d. gl. zu mischen, und das Aussden auf dem nehmlichen Bette, 2 bis 3 mahl gleich nach einander vorzunehmen; und um taug⸗ liche Pflanzen zu erhalten/ lieber schütterer, als zu dick anbauen. ö‚ Wenn nun ein Regen, kalt oder warm, oder gar Schnee darauf käme, schadet ihnen doch gar nichts. Nur der strenge Frost könnte deren Aufkommen einiger Maa⸗ ßen — 55— selbe bald zu welken anfangen müßen. Ein Leintuch selbst, machte hier bessere Dienste, als so ein zugvoller Korb. Die massiv⸗hölzerne Gefäße, als Butte, Pudding, u. d. gl. sind dazu die beste, auch die bequemste.— Hiezu gehört noch, daß man auf einmahl nicht mehr Pflanzen mitschleppe, als was die Leute, höchstens in einem hal⸗ ben Tage bestreiten können. 17. ö Man hat zwar recht, wenn man sagt, daß die veus setzte Runkelrüben mehr Wurzeläste treiben, als diejenk ge, die von Saamen, welche gerade im Acker gelegt worden, gewachsen sind. Jedoch hat man hier sehr vie⸗ les zu bemerken, und in Ansehung der spätern Bearbei⸗ tung, noch mehr; denn, alle Pflanzen, wenn selbs versetzt werden, und sie einmahl gut fortkommen, gemei⸗ niglich mehr Wurzel treiben, als wenn solche wild wach⸗ sen: und, eben darum werden sie versetzt, damit sie mehr Wurzel treiben, und desto besser gedeihen sollen. Das nehmliche geschieht bei den Runkelrüben, nicht aber in gleichem Maaße. Diese wenige Wurzeläste bewerkstelli⸗ gen es eben, bei den guten Abarten, daß die Rüben bei wenig Wurzelästen, erstaunlich große Rübenblocke an⸗ setzen. Versetze man, nur zur Probe, zwei vollkommen gleiche Runkelrübenpflanzen neben einander, wovon die eine ganz unbeschädigt aus dem Pflanzenbeete herausge⸗ nommen, und so unangetastet, hinten und vorn nicht beschnitten, die andere aber mäßig beschnitten, versetzt werden, und behandle man sie immer gleich; man wird am Ende Oktober erfahren, daß die letzte viel mehr Nutzen verspricht, auch sicher mehr Zuckerstoff liefern wird, als die erste mit ihrem unnützen Schweife. 3 634— Jedoch, wenn ich thätige, und gleichsam sachkundi⸗ ge Landbauern voraus setzen darf, die sowohl über die jährlichen, als perennirenden Unkräuter, als Quecken, Attich, und d. gl., Meister sind: so will ich gerne zu⸗ lassen, daß man mit Saamen ausstecken, wenn man die sonstige Behandlung gut versteht und pünktlich ver— richtet, sein Zweck richtig erreichen kann; in so vollem Maaße aber, wie es mittelst der Aussetzung der Pflan⸗ zen geschieht, nie. Bei all' dem will ich dem Landmann ein- für alle mahl hiemit eingeprägt vorstellen, daß er lieber alle er— denkliche Mühe anderer Natur zu ergreifen sich bequeme, als je etwas, was es immer seyn mag, jochweiß jäten zu lassen. Mißlichere und vernunftwidrigere Arbeit giebt es kaum in der ganzen Landwirthschaft, als das Joch— weißjäten. Lasse man dieses Geschäft mit seinem ganzen Umfänge den Gärtnern und etwa den Milchweibern über, die auf dem Waitzenfelde gar nicht den Waitzen zum Gu⸗ ten und zu Liebe jäten, sondern absichtlich für ihre Kühe grgsen. Bei mir soll in der äußern Wirthschaft das Wort jäten nicht einmahl erwöhnet und bekannt werden, selbst aus meinem Lexikon, die äußere Feldwirthschaft be— treffend, habe ich es ausgestrichen, und den Garten Lexikon zum Guten geschrieben— Um diese widerwärtige Arbeit, das Jäten, bei dem mit Runkelrübensaamen unmittelbar bestellten Acker so⸗ wohl, als bei allen Gattungen Feldfrüchten und Feld⸗ gewächsen gebührlich vermeiden zu können, sey man nur im eigentlichen Sinne ein geschickter Landwirth, der diese brecherische Ungelegenheit durch anderwärtigem Fleiß und zweckmäßiger Vor- und Zubereitung des Ackers, auch mittelst des passendesten Fruchtwechsel leicht auszu⸗ weichen weiß. §. 18. Gesetzt nun, daß der Acker mit Pflanzen bestellet worden: so hat man darauf zu sehen, daß taugliche Setzlinge in Reserv bleiben, wovon man gleich am drit— ten und folgenden Täͤgen nach der Hauptversetzung/ die etwa ausgestorbene Stücke austauschen könne. Je eher man den Rubenacker auspflicket; desto besser ist es: denn, die am ersten gut versetzte taugliche Pflanzen gedeihen so rasch, daß selbe jene 14 Tage später nachgesetzte Stücke, in dem Wachsthum doppelt und dreifach überteffen. Sonst hat man mit diesem Nachsetzen sehr wenig Mühe: denn die Runkelrüben sind so beschaffen, daß von 2— 3 Hundert tauglichen, eines tüchtigen Feder⸗ kiels dicken, gut versetzten Pflanzen kaum eine einzige ju Grunde geht. ö Ich begieße zwar die im Felde jochweiß bestellte als lerhand gesetzte Pflanzen/ wenn die Witterung es for⸗ dert und ich es bestreiten kann, zwei bis dreimahl nach einander; jedoch nicht immer. Wenn auf die versetzte Runkelrübenpflanzen 2— 3 neblichte Täge folgen: so ist die allererste Begießung hinlänglich. Wenn aber die Täge sonnenheiß sind: so ist es nothwendig die Plantage, und zwar überhaupt, wenn die Täͤge brennheiß/ und die Nächte gelind sind, nach der Jausenzeit; wenn aber die Nächte beißend zu werden scheinen, in der Frühe, noch ein⸗ bis zweimahl zu begieß en. Ich will aber noch etwas dazu sagen, was der Landmann bei Verpflanzung aller Art von Setzlingen nie aus dem Auge lassen soll.— 3* X — 36— Gleich nach der allerletzten Begießung der Pflanze, sey sie die erste, zweite oder dritte, ist gleich viel, wel⸗ che aber immer nur gegen Abend geschehen soll, oder, nach einem Regen, der vielleicht das Begießen unnöthig machte, entweder am nehmlichen Abend, oder auch am andern Tage, bevor die Sonne zu gewaltig werden sollte, bedecke man die feuchte Erde um die Pflanze, das Lager rund um die Pflanze auf eine Handbreite, mit Breselerde finderdick und locker, und lasse es, die Begießung betref⸗ fend, auf immer dabei. Wenn die Hitze, besonders um diese Zeit, gleich im hohen Grade wüthen sollte: doch ist sie nicht im Stande dagegen etwas zu vermögen, die Pflanze bleibt im feuchten Lager, die Sonne dringt nur nothwendiger Maaßen durch die lockere Erde, und der Wind kann es, wie sonst der Fall zu seyn pflegt, nicht verhürten, oder gar zu Scherbe verwandeln. Geschieht es, daß nach einem langwierigen oder auf einen Platzregen eine Dürre sich einstellen sollte, wodurch das Erdreich um die Pflanze harte Rinde bekäme: so hat man dagegen die heilsamste Medicin, solches ohne Zeit— verlust, auch wenn gleich die Zeit zur Behackung in Hin— sicht des Unkrauts noch nicht eingetretten wäre, aufzu⸗ lockern. §. 20. Die Behackung der Runkelrüben wiederhohlt man so viel mahl, als es das Unkraut befiehlt. Wenn der Sommer zu regnerisch ist: so weiß ich, daß man die— selbe dreimahl sicher behacken müße. Selten geschieht es nur zweimahl, und nur in unkrautlosen magern Boden, der schon aus dieser Ursache kein eigentlicher Runke lrüben⸗ boden seyn kann. Bei der ersten Behackung, wo die Rüben noch nur Finger⸗, höchstens Daumdick sind, darf man mit den Pflanzen sorgfältig umgehen; damit sie etwas zwar be⸗ wegt und von dem festen Erdreich befreyt, doch nicht verrückt, sondern in ihren Standorten, wieder mit fri⸗ scher lockern Erde umgegeben werden.— V. 2 Nun fängt schon jene berüchtige Manipulation an, wo die, im wirthschaftlichen Betracht groß zu wachsen sol⸗ lende Runkelrüben einiger Maaßen ausgedeckt und von dem Erdreich befreyt werden pflegen. Hiemit muß man aber noch dießmahl sehr vorsichtig umgehen, und nur manche von den dickesten, beiläufig ein Finger breit hoch unbedeckt lassen. Bei der zweiten freyen Behackung aber, wenn die Rüben schon 2 bis 3 Zoll, und Faust dick sind, können dieselbe so weit entblößt werden, als ihr aus der Erde ragende Theil, ohne Wurzelästen, ganz kahl und glatt aus der Erde bleiben kann.— Wenn man aus ungefähr ein oder anderes Wurzelästchen, jedoch nur bis auf dessen Spitze, die unter der Erde bleiben muß, uubedeckt läßt: so wird man erfahren, daß so ein Ast noch einmahl so dick werden wird, als wenn er unter der Erde geblieben wäre. Ein Beweiß, daß das Ausdecken zu die Vergrößerung der Rüben wirklich beitrage. Ob nun solche Runkelrübe unter der Erde mehr Zu— ckerstoff und weniger Erdtheile in sich amalgamirt haben wird, als eine der Luft und der lieben Sonne ausge⸗ setzte, ungedeckte Rübe, weiß ich zwar verläßlich nicht; zweifle aber sehr daran. Wenn die Behauptung Achards als stichhältig betrachtet werden könnte: auch in diesem Falle bleibe ich fest dabei, daß 2 Centner mit dem nehm⸗ — 38— lichen Kostenaufwand erzielte, ber der Erdfläche gewacht sene Runkelrüben, nicht nur viel mehr und eben so gu⸗ ten Zucker liefern können, als ein Centner von denen unter der Erde gewachsenen, mit eben so viel Aufwand und Mühe erzielten derlei Rüben geben können: sondern von den ersten hat man vielleicht noch bessern Saft zu er⸗ warten, und das Viehfutter ist dabei immer doppelt. Gesetzt aber, doch in keinem Fall zugelassen, daß die Rüben unter der Erde mehr und bessern Zuckerstoff in sich concentriren können: so unterfange mich hiemit den Zucker⸗Spekulanten geziemend und wohlmeinend anzu⸗ rathen, daß sie die bedeckte Rüben unbedingt in die ob⸗ bedachte Schanzen bestellen, und solche bei jeder Beha⸗ ckung stufenweiß ausdecken, und gleich wieder mit frischer lockern Erde ganz bis zu die Krone bedecken wollten; da⸗ mit die Rüben in dieser halbfreyen Lage nicht nur die Kraft der Muttererde, sondern auch jene der Luft und Sonne, des Rebels und Regen gleichsam genießen kön⸗ nen.— Auch darf ich ihnen, und zwar verläßlich anra⸗ then, daß sie ihre, zur Zuckerfabrikation zu erzielende Rübensaamen nicht eher, als erst am Georgii Tag, in kalten Gartenbeete aussäen, und die Setzlinge in letz⸗ terer Hälfte des Monats May zu versetzen wollten; wo⸗ mit die Rüben rasch fortwachsend, in kurzer Zeit als son⸗ sten, zarter, saft⸗ und zuckerstoffreicher werden sollen. Dieses könnte, glaube ich, zur Coucentrirung des Zucker⸗ toffes das meiste beitragen. Auch will ich noch ihnen in Erinnerung bringen, daß se jene, vielleicht die alleredelste Rübengattung, die man zwischen mehrern Namen, womit man solche zu bezeichnen wlegt, Steckrübe nennt(napus sativa, radice — 39— nigra) nicht vergessen sollten. Diese ist ja die zucker⸗ füßeste Rübe bei der ganzen Landwirthschaft. Ich glaube nicht, daß ein Pfund von dieser Rübe nicht so viel Zu⸗ ckerstoff in sich hätte, als 2— 3 Pfund Runkelrübe? Jene wachst zwar nur auf 2— 3 höchstens his 5— 6 Pfund Schwere, aber beinahe ohne alle Mühe: denn, die in Deutschland bekannte Behandlung dieser Rübe heißt nichts. Dieselbe will nicht versetzet, nicht gepflanzt/ sondern der Saame gesdetz werden, nicht anders, als der Waitzen, breitwürfig; so wie wir auch ihre Zeitgenoßen und Wuchskameraden, die zwei Gattungen Melonen, auch den Kürbis, eben so, wie alle bekannte Feldfrüchte, anbauen— risum teneatis amici— denn diese Rübe zu versetzen ist exelusive nichts nutz.— Sehe man das übrige in der Cultiv. Landwirthsch. I. Band S. 54. 515.— Thäatige Zuckerspekulanten!— nicht verzagt! der Rübenzucker ist nur eingewiegelt, und nicht begra⸗ ben. Die zermalmte Steckrübe, nach der ersten Aus⸗ preßung mit Runkelrübensaft benetzt, und wiederhohlt tüchtig ausgepreßt, und aus dieser Saftmischung Zucker gemacht,— wird noch Euch goldene Denkmünze verschaf⸗ fen,— wann und wo? das kann ich nicht errathen. 9. 22. Daß das Abblättern der Runkelrüben, in Betreff des Zuckerstoffes nachtheilig sey, kann ein jeder begreifen. In Ansehung der Stallfütterung aber, ist es ein nam⸗ hafter Nebennutzen. In der Cultiv. Landw.(S. 529. Zeile 18. ff.) steht das Folgende wörtlich:—„Ein, „mit Runkelrüben gut bestellter Jochacker(1200 ◻8)/ „13 Pfund Rübenblätter auf ein Stück Kuh gerechnet, — 40— „nebst trockenem Futter, kann 6 St. Kühe so leicht be⸗ „streiten, daß die Rüben, diese(15 X30) 27 „Centner, monathlich abgetragene Blätter nicht einmahl „fühlen; und, wenn man es zwingen wollte, könnte „es noch einmahl soviel liefern.“ Das Abblättern fängt erst dann an, wenn die Rü⸗ ben ihre volle Stärke erlangt haben, gewöhnlich nach der letzten Behackung, als sie schon anderthalb und 2 Pfund Schwere haben, und fest da stehen. Dieses Ge— schäft hat auch seine eigene Regeln, die hierin bestehen: Ran faßt die äußerste Blätter der Rübe links und rechts auf einmahl so vorsichtig zusammen, daß die in— nere jüngere Blatter, die noch nur 3 bis 4 Finger breit und kleiner sind, nicht mit in die Hand fallen, und so die Blätter bei der Rübenkrone fest haltend, bricht sie seitwärts rasch ab. Wenn die Rüben schon groß und stark sind; dann geschieht das Abbrechen der Blätter in zwei bis drei Wiederhohlungen. Die auf 2½ Stunden nach Hause geführte, und in der Häckerlingmaschine Hand breit grob geschnittene, in einem großen Pudding geschütte te Blätter, habe ich am riebsten mit Waitzen, Haber- und Hirsenspreu, auch mit Häckerling gemischt, dem Vieh zum Fressen vorge legt. Sie fressen es auch und zwar begierig, blosser: doch muß man damit vorsichtig umgehen, und ihnen nicht viel auf einmahl geben, denn sie können sich sehr leicht todtfressen. nach der letzten Behackung, hat man mit dem Run⸗ kelrübenacker nichts zu thun, als zu Gunsten der Stall⸗ fütterung mit dem alltäglichen Abnehmen der Blätter fort⸗ zufahren, was immer gegen Abend geschehen soll. Die —+————5 zum Zucker bestimmte Rüben aber in der Ruhe fortwach⸗ sen lassen. §. 23. Der Acker, wo die Runkelrüben in Schanzen ge⸗ setzt worden, wird durch die letzte Behackung der Rüben ganz geebnet, und gleicht einem der reinsten Gärten, dessen Grund durchaus aufgelockert ist; so zwar, daß, wenn man bei der Einfechsung der Rüben nicht gehörig Acht giebt, und mit dem Wagen 30 bis 40-mahl immer nur im nehmlichen Gleis fährt; so wird diese gereinigte lockere Erde so fest, wie die Landstraße selbst, und man nicht im Stande ist es mit drei- und viermahligen Ackern in den vorigen lockern Stand zu setzen. Die Rüben aber mit ihren Kahlkopf, stehen da, als soviel entblößte Menschenköpfe. V. 2. Die erwachsene Runkelrüben haben keine Feinde; nur das Vieh des Herrn Nachbars, als guter Freund dieser Rüben, kann sich in seinen Mußestunden schwerlich enthalten, seine aufgetischte Leibspeise nicht zu versuchen. Dieß macht dem Rübeneigenthümer mehr Gift und Gall, als der Reitwurm, der nur blutselten, und nur in dem sehr fetten Mistboden, als seinem Aufenthaltsorte, auch nur die junge Pflanzen auswühlt und durchfrist; mit den erwachsenen Rüben hat er nichts zu befehlen. Der Maulscheer macht manchmahl; besonders in sehr fetten Boden, wo er nach seinem Raub zu lauern gewöhnt ist, gleich nach dem Versetzen der Pflanzen, noch mehr Ver— druß, als alle andere sogenannte Feinde: denn, er wühlt die Pflanzen ganz reiheweise und regelmäßig aus, als wenn es pflichtmäßig geschehen sollte, so daß die Pflan⸗ zen, wenn man diesen nicht gleich zu Hilfe kömmt, zu Grunde gehen müßen.— Die Reitstunden der Maul⸗ scheere sind— die einbrechende Dämmerung in der Frü⸗ he, und von ungefähr halb zehn Uhr bis halb Eilf, dann Mittag, von beiläufig 4 bis 5 018 5. 257 Das Einäärnten der Runkelrüben, gegen Ende Ok— toher„in Betreff des Herausnehmens der Rübenblocken, wenn diese Uder der Erde gewachsen sind, geschieht am leichtesten, und man braucht dazu kein Werkzeug. Ein Kind von 12 Jahren ist im Stande täglich einen gan⸗ zen Morgen zu bestreiten: und, wenn die Rüben nur auf eine Viertelstundweite geführt werden, find zwei Wäͤgen und eben soviel Knechte die Einfechsung zu vollen⸗ den hinlänglich. Der Herausnehmer, wenn er zu commod seyn will, darf die Rüben nur mit seinem Fuß von der Stelle herausstoßen. Vernünftiger ist es aber, wenn er die Rüben mit der Hand herauf nimmt, und dieselbe von oder 6 Reihen, schnurweise in langen Haufen hinlegt. Auch wenn die Rüben unter der Erde zwar, aber in Schanzungen stehen, braucht nicht viel mehr Arbeit solche herauszunehmen. Man greift sie nur beim Schopf an, und zieht meistens mit einer Hand heraus, und legt sie in die nächste oder zweite Furche, womit hier auch 4 oder 6 Reihen zusammen kommen.— Wenn aber die Bestellung in flach zubereitetem Acker geschah: da ist es rathsam die Rüben, entweder mit einer Grabschaufel, oder noch besser mit einem dreizackigten, hübsch langen und starken eisernen Mistgabel heraus zu werfen. Denn, es ist nicht an dem, wie manche es behaupten wollen, — 43— daß man die so gestandene Runkelrüben bei den untern Blättern faßend/ leicht herausziehen könnte; viel weni⸗ ger, wenn die Bestellung mit Saamenausste cken für sich gegangen ist. ö b. 26. Es versteht sich von selbst, daß man nicht nur die Runkelrüben, sondern auch alle Gattungen von Wur⸗ zelgewachsen, im heitern und trockenen Tägen einzufech⸗ sen trachten solle: denn im regnerischen Wetter, was doch manchmahl geschehen muß, ist das Geschäft nur ein Elend. Bei trockener Witterung hat man an dem Pu⸗ tzen dieser Rüben kaum etwas zu thun. Das wenige/ nicht ganz naße Erdreich, das etwa zwischen den Wur⸗ zelästen bleibt, mit einem Schaufelputzer/ einem stum⸗ pfen hölzernen Messer herauszuwerfen, ist das Ganze, was man hier im Felde daxan zu verrichten hat; und das auch nür um die Fechsung desto leichter heimführen zu können: denn, sonst schadet ihnen diese Erde gar nichts.— Das Abstutzen der Blätter, sammt der kohl⸗ artigen Krone der Rübe, unweit von dem markigten Theile des Körpers, von dem eigentlichen Rübenfleische, geschieht erst zu Hause unter einem Obdach, wenn die Witterung es nicht unter dem freien Himmel gestatten will. Die abgerdumte Blätter und Kronen der Runkel⸗ rüben, werden mittelst des bekannten gemeinen Kartof⸗ felschneiders, eines nach der Form des lateinischen 7. oder 8, am liebsten aber nach der Form eines Kreutzes E gemachten Eisens, für das Hornvieh zerhacket und zu⸗ bereitet; und, wie oben gesagt, mit Spreu oder Häcker⸗ ling gemischt, oder aber nur bloß verfüttert. Wenn es aber wegen die große Menge nicht gleich verbraucht wer— den kann: so thut der betriebsame Deut schee Landmann wohl, wenn er es auf dem Winter für das Vieh, so wie Kraut für Menschen, zerhackt und eingesalzen aufhebt, — nur nicht so, wie einstens mein Lehr-Compagnon (17099) die Kukurutzstängel eingepeckelt hatte: denn, so werden wir kein auffallendes Wunder auftischen.— Also, zerhackt, eingesalzen, tüchtig eingetretten, so wie man den Weintreber einzumachen pflegt, daß der Saft her⸗ aufsprudeln müße, dann zugedeckt, und mit Erde gut beschwehrt und verschmiert. Oder, wenn man einige Gulden, die doch immer bleiben werden, nicht sparen, und ein reinlicher Haushalter seyn will; vermache man so ein Zugemüs-Pudding mit einer ordentlichen Kraut— presse: so bleibt das Eingemachte, als ein vortreffliches Viehfutter durch den ganzen Winter unverdorben. 9. 27. Es schadet nicht, wenn die so von den Blätter be— freyte Runkelrüben, einige Tägen lang, bis man nicht gezwungen werden wird dieselbe vor der strengen Kälte zu schützen, in einem lüftigen Orte zerstreut liegen blei⸗ ben, und dann erst, wenn die Blessuren geheilt werden, in ihr Winterbehältniß aufgehäuft, gelegt werden.— Ich bediene mich dazu einer bei uns sogenannten Rü⸗ bengru be, von einer sehr einfachen Bauart unter der Erde(Cultiv. Landw. II. B.§. 260.) Man grabt nehmlich in einem erhöhten, nicht lockern oder zu sandig— ten Orte, eine z. B. 4 Klafter lange, unten 6, oben 3 Schuh weite, 6 bis 7 Schuh tiefe Grube, und belegt solche, 2 Schuh weit von einander mit sonst unnützen Traben in quer, und darüber mit Rohr(oder Reißing, Topinambour⸗Stengel, u. d. gl.) der Grubenlänge nach, — 45. und dann deckt man selbe halbzilinder⸗ oder Tristenför⸗ mig mit schlechten aber trockenen Stroh, und zuletzt mit Erde dachförmig zu. Da aber unter dieser Erdmasse starke Traben erforderlich sind: so thut man am besten, wenn man über die Grube, statt Erde, eine ordentliche kleine Strohtriste hinsetzet, immer mit der Vorsicht, daß die Grube, hinten und vorne ein mäßiges Luftloch er⸗ halte; welche Löcher, nach der Strenge der Witterung auf und zu, in regnerischen und neblichten Tägen und bei der Nacht immer zu, bei heitern sonnenklaren Ta⸗ gen aber, auch wenn die Kälte ziemlich stark, doch tro⸗ cken ist, aufgemacht werden können. Die Thür, sammt einer irdenen Stiege unter einem Obdächen, soll man wo möglich, gegen Süden, Südosten oder Osten an— bringen. So eine Grube von 4 Klafter Länge, und noch einen ziemlich großen Keller habe ich von einem und ein drittel Jochacker von 12200 Q◻(macht mösterreichischen Joch) voll gestopft. Die Rüben waren meistens 8 bis 12„ die größeste aber 1b Pfund schwer; im Acker stün— den sie drittehalb und 3 Schuh weit von einander.— Ein bemittelter Landwirth thut wohl, wenn er für der⸗ gleichen Wurzelgewaächse einen dauerhaften trockenen Rü— benkeller bestimmt hält. Nur keine Oefen für den Rü⸗ beneinsatz, um alles in der Welt! Das hätte man zu die Treibhäuser vorschlagen sollen. Im Gegentheil, die im Winter gut aufgehobene Runkelrüben, wenn dieselbe zu die Zuckerfabrik bestimmt sind, soll man gegen Früh— ling, ungefähr von Gregorii an bis Georgii und weiter von der dußern warmen, die Pflanzen ernährenden Luft zu schützen trachten: und aus diesem Grunde, die Zug⸗ löcher der Grube, bei warmlüftigen Tägen und Nächten zu, in kühlen reinlüftigen Tägen und Nächten aber offen halten. Eine noch einfachere, und ganz bäuerische Art grö⸗ bere Wurzelgewächse(sowohl als gelbe Schweinkürbisse/ und Wassermelonen) gut auszuwintern, ist, wenn man 3. B. die gut abgetrocknete Runkelrüben unter dem freyen Himmel auf' ein mehr als Knie tief dickes Roggenstrohla⸗ ger, kanonenkugelmäßig wie ein Dach aufhäuft, und es mit eben der nehmlichen Strohgattüng, mehr als an⸗ derthalb Schuh dick zudeckt, daß heißt, darüber eine förm⸗ liche, doch nicht zu schwere Strohtriste macht— 65§. 28. Dieses ist das Ganze, was man über dem Anbau ber Runkelrüben zu wissen nöthig haben kann. Der Vieh⸗ züchter Landmann sowohl als einmahl der Zucker-Spe⸗ kulant, wenn er gleich Millionen von Runkelrüben sich verschaffen will, soll sich nur an dieses Werkchen wen⸗ den, und wird es nie bereuen.— Freylich sollte man bei jeder Gattung Feldgewächs, dessen Cultur man ein zeln vortragen will, alles das, was Einleitung zu die gesammte Landwirthschaft heißt, wieder⸗ hohlen; weil all' jene gründliche Vorkehrungen, auch jedes einzelne sowohl als das gesammte Feldgewächs, be⸗ treffen: ein Glück ist es aber, daß man so ein Büchlein wie dieses ist, absichtlich für Landwirthe und für solche Speculanten, die sich auch mit Landwirthschaftsgegen⸗ ständen abgeben, und nicht für Galanterie⸗Gewölber schreibt. Für Nichtlandwirthe müßte man freylich seine Rübenfeder ungemein spitzig zuschneiden, und das Schild don A bis Z aushängen. 9. 29. ö In Hinsicht des sichern Nutzens der Runkelrüben in Betreff der Landwirthschaft, namentlich der Stallfüttes rung, brauche ich nichts zu sagen; denn dieses ist eine all⸗ gemeine bewährte große Wahrheit. Was die Zuckerfa⸗ brikation betrifft: auch hier hatten wir sattsame probhäl⸗ tige Beweise von mehreren mit patriotischem Geiste be⸗ gabten Vaterlandskindern, dann von ganz Frankreich, wo dieser, aus Noth glücklich emporsteigende neuer Zweig der Industrie so weit gediehen, daß man die jährlich ge⸗ wonnenen Runkelrübenzucker schon auf mehrere hundert⸗ tausend Centner angeben konnte— konnte. Dem jetzigen Kö⸗ nig in Frankreich ist die Ehre zu Theil geworden das große Werk auszuführen, seinen zu thäͤtigen Zuckerfabrikanten eine ruhige Vacanz zu verschaffen. Der Unterschied zwischen diesem und dem Ahornzu⸗ cker, sowohl in Ansehung der Güte, als des Vortheiles überhaupt, genau anzugeben, ist meine jetzige Sorge nicht; dieses kann der bekannte patriotische Geist und Fleiß de⸗ ren thätigen Vaterlandskindern/ die sich mit diesem edlen Gegenstande schon wirklich und mit wetteifern beschäftig⸗ ten, ins klare Licht legen. So viel könnte ich doch im— mer behaupten,— 1. Daß die Runkelrüben einen nahmhaften Vor⸗ sprung von wenigstens 30 Jahren vor dem Ahornzucker in Europa, schon aus diesem rechten Gesichtspunkte ha⸗ ben dürften, weil jene, gleich in dem gegenwärtigen Augenblicke im höchsten gewünschten Vorrath beigeschaft, die Ahornbäume aber, manche Waldungen ausgenom⸗ men, erst nach 40— 50 mühseligen Jahren, und dann erst nach einer allgemeinen Anstrengung allgemein werden können. 2. Die Rüben kann jedermann, jeder Feldbauer, ohne daß er sein ohnehin nothwendiges Feld als für im⸗ mer verschmählert betrachten müßte, jährlich nicht nue — 40— leicht erzielen, sondern hiedurch seine Aecker absichtlich verbessern. Was aber noch das überwiegendeste ist—. 3. Die Zuckerfabrikation aus Runkelrüben läßt dem Fabrikanten wenigstens 6 volle Monate zur Betreibung der Zuckermanipulation zu seiner Disposition: wo der Ahornzucker das ganze aufgehäufte Geschäft in den ge⸗ drängtesten Frühlingstägen, auf einem einzigen Monat einschränkt; und aus diesem Grunde schon, nur bei einer Fabrik, wo z. B. Tausend Centner Ahornzucker erzeigt werden soll, die erforderlichen Geräthschaften, Utensilien und Arbeitsleute ins unendliche fallen müßen: welches nur etwa ein Fürst bestreiten könnte. ö Es giebt noch viele wichtige Beweggründe, warum die Runkelrüben, die schon in sich selbst, als ein allge⸗ meines Viebfutter betrachtet werden können, auch in An⸗ sehung der Zuckerfabrication einen unwiederlegbaren Vor⸗ zug vor dem Ahorn behaupten: dessen Auseinandersetzung aber, wie gesagt, ich den betreffenden wohlgesinnten Exspectanten überlasse. Meine Absicht war den rechten Weg zur Gewinnung eines Stoffes praktisch zu zeigen, welcher den Staat vor Beraubung vieler Millionen zu schützen, und von dem druckendesten fremden Tribut frey zu machen, au⸗ genblicklich im Stande seyn könnte.— Die Zuckerfabri⸗ cation betrachten wir als eine Nebenabsicht, die uns kein Engländer abzuzwingen je im Stande seyn wird; der Sttoff dazu, der dem Staate einige Zeit abgieng, ist ei⸗ gentlich der Hauptgegenstand, und dessen zweckmäßige Ge⸗ winnung die Hauptabsicht des Verfassers.(P.) Ssüßzis. as— ö Hä P 6 st h, 18 1 0. Gedruckt bei Johann Thomas v. Trattner. —.——— H„.——„——————.——