Einige— gZemerkungen eines praktischen Landwirths über das Ganze der Schafzucht v on err n Pet vi. —————— —— +* VX X I, VX.— N N IV HN XI W W, — V ⁰⁰ — 13— — ss;=— Leipzig, 1817. in der Johann Benjamin Georg Fleischerschen Buchhandlung, D. die Landwirthschaft so wesentliche Beziehung auf das Wohl des menschlichen Geschlechts hat; so kann Niemand die Pflicht verkennen, Grund⸗ sätze und angebliche Erfahrungen zu berichtigen und zu widerlegen, welche von dem wahren Wege zur Vervollkommnung ableiten könnten. ö Man hat daher längst vergebens erwartet, in öffentlichen Schriften eine gründliche Prüfung der von Herrn Petri— mit so vieler Zuversicht⸗ aufgestellten— Meinungen zu finden; da aber, wie es scheint, geschicktere Oekonomen sich dieser Arbeit nicht unterziehen wollen, so wird es er— laubt seyn, hier Folgendes bemerken zu dürfen/ nämlich: I. Daß eine Fütterung von 24 Pfund Häcker⸗ ling— worunter 3 Stroh— ganz unmöglich 8 Pfund Wolle vom Schafe und 13 Pfund Wolle vom Widder, wie Ver⸗ fasser S. 169 angiebt, produciren können. Wenn A wir überhaupt von Wolle reden, so ist es uns nicht erlaubt, darunter ein Gemisch von Un⸗ rath und? Wolle zu verstehen; sondern wir müs⸗ sen den einzigen richtigen Maßstab dazu anneh⸗ men, nämlich: ganz reine Fabrikwäsche. Nur dann erst, wenn die Wolle von allem Zusatze gäͤnzlich frei ist, können wir mit Bestimmt⸗ heit angeben, welches das wahre Gewicht an Wolle von jedem Schafe ist, und erst dann be— urtheilen, welche Art Schafe die meiste Wolle giebt. Ungewaschene Wolle kann nur für Unwissende einen Mabstab abgeben— da es immer in der Willkühr des Besitzers steht, dieses Gewicht durch Schweiß und Koth zu vermehren. Will daher Herr P etri vorerwähnte Angabe von dem enormen Wollertrage seiner Rage für das Publikum völlig berichtigen, so bleibt ihm nichts übrig, als vor unverwerflichen Zeagen seine Schafe scheeren und ihre Wolle fabrikmäßig — d. h. in Urin und so waschen zu lassen, daß sie gar keine fremdartigen Theile mehr enthält. Bis dahin wollen wir ihm Glück wünschen, * * 8 wenn er vom Stück— von dergleichen reiner Wolle — 12 Pfund im Durchschnitt erhaält. Die Frießischen Schafe geben 5 Pfund; die Eyderstädtschen 4 Pfund; die Kremper und Wil⸗ sterschafe 6 Pfund geschwemmte Wolle, welche wenigstens 5r durch Fabrikwäsche verliert. Diese sind aber die größten und am besten genährten Schafe in Teutschland.(Siehe Abilgaard und Viborg's Anleitung zur verhesserten Schaf⸗ zucht S. 119 und folgende.) Wenn des Herrn Petri ganz kleinen Schafe mit 24 Pfund Häckerling unterhalten werden kön— nen, so wird auch ihr Wollertrag— den Schmutz abgerechnet— mit diesem Futter im Verhältnisse stehen. Nur Anfänger in der Landwirthschaft dürfen sich schmeicheln— mit Wenigem Viel auszurichten. Besonders aber mussen alle Thier⸗ arten gut und reichlich gefüttert werden, wenn sie wahren Nutzen bringen sollen. Es kömmt ja auch ganz und gar Nichts dar⸗ auf an, wie viel ein Schaf verzehrt, sondern Alles beruhet lediglich darauf, wie das Schaf sein Futter bezahlt. Wenn eine Rage ihr Futter an Heu mit 14 Groschen den Centner vergütet, und viel da— don verzehrt, so wird sie unendlich schätzbarer seyn, als eine kleine Rage, die zwar weit weni⸗ ger davon braucht, aber den Centner nur mit 11 Groschen an Wollertrage und sonst bezahlt liefert, Zu diesem hohen Ertrage sind nothwendig — viel und schöne Wolle— Fähigkeit viel wohl⸗ schmeckendes Fleisch bald und auf die Theile an⸗ zusetzen, die am meisten geschätzt werden. Will— kührliche Bedingnisse der Form, als starke Coder, faltige Kragen ꝛc. gehören— wenn sie nicht mit obigen Eigenschaften verbunden sind— für Kin⸗ der und Liebhaber, aber nicht für Oekonomen, * denen der wahre Nutzen allein schätzbar seyn muß. Daß Heu und Stroh die beste Nahrung für ö Schafe sey, ist erwiesen gewiß. Beide aber zu Häckerling zu schneiden, dieß wird jeder prakti⸗ sche Oekonom verwerfen, weil 1) die Schafe überhaupt nicht gern Häckerling fressen; 2) kleine Portionen— ofterer vorgelegt— den nämlichen Endzweck erfüllen, und 3) das Schneiden des Häckerlings viel Mühe und Kosten verursacht. 7 Wir müssen aber in der Landwirthschaft sorg⸗ fal ig iede Vermehrung der Ardeit vermeiden; weil zu den gewöhnlichen Arbeiten ohnedem die Zeit nicht zureichen will. II. Will Herr Petri uns glaubend machen, S. 88., daß man in Spanien als gewöhnlichen Ertrag an reingewaschener Wolle 4 Pfund vom Mutterschafe, und 6 Pfund vom Widder rechne. Dieser Anfuhrung aber steht entgegen was Herr Lasteyrie uns in seinem vortrefflichen Buche, dem besten, das wir über spanische Schafzucht haben— S. 30— berichtet: daß nämlich die spanischen Schafe im Durchschnitte— bei guten Jahren— 5 Pfund ungewaschene Wolle geben. Ihm stimmen alle andere Nachrichten bei— altere und neuere— und alle die, welche Meri— nos aus Frankreich gekauft haben, auch die west⸗ phälischen Domainenpachter— welche sie durch die französischen Marschälle in Menge aus Spa⸗ nien selbst erhielten— werden diese Angabe be— stätigen. V x Diese ungewaschene Wolle aber verliert bei der Wäsche in den Lavaderos 3 ihres Gewichts. Durch diese Wäsche ist sie auch noch keinesweges für den Fabrikanten brauchbar, sondern er muß sie bekanntlich noch einmal in Urin waschen, wo⸗ durch diese sogenannte reingewaschene Wolle noch 20 Procent verliert. Obige 5 Pfund ungewaschene Wolle reduci⸗ ren sich daher auf ohngefähr 1 Pfund 19 Loth brauchbare Wolle. Herr Pictet giebt zwar die ungewaschene Wolle von Rambouillet im Durchschnitt auf 6 Pfund an; ader er sagt S. 130 sie verliere 3 durch die Wäsche. Auch müssen wir wohl be— merken, daß die Schafe in Rambouillet sich vergrö⸗ ßert und ihre Wolle verlängert— mit— hin sich wesentlich verbessert haben, seit— dem sie aus Spanien dahin gekommen sind. III. Aeußert Herr Petri einen besondern Ab⸗ scheu vor größeren Schafragen. Er sagt S. 143 entscheidende Beobachtungen und Erfah— rung hätten ihn belehrt/ 9 2) daß zur Erreichung der Vollkommenheit es nicht auf große Gestalt ankomme; 2) daß vielmehr kleine Schafe eine viel feinere Wolle und feineres, kraftvolleres Fleisch gäben, und ö 3) wenn auch große Schafe mehr abwerfen, so erfordern sie auch mehr Nahrung, und liefern Produkte von schlechter Beschaffenz heit. Auf I. Wird es wohl keinem vernünftigen Oekono— men jemals beigefallen seyn, die Größe der Haus— thiere— und hier des Schafs— ohne Ein—⸗ schränkung als Vollkommenheit anzusehen. Sie ist es aber, wenn sich die schätzbaren Eigent schaften bei einer großen Raçe in gleichem Ver— hältnisse, wie bei der kleinen, befinden. Herr Petri würde nämlich, wenn er sich die unerläß⸗ liche Mühe gegeben hätte, durch Versuche und Vergleichungen sich zu unterrichten, gefunden haben/ daß die Größe der Schafe zwar wohl den Ertrag an Wolle und Fleisch— bei gehöriger Einsicht— verdoppelt; nicht das Bedürfniß an Futter, welches bei zweckmaßig gewahlten Ragen gewißß 10 niemals die Hälfte des Bedarfs der kleinen Ragen übersteigen wird, und daß daher— zweckmäßige Vergrößerung hohe Ver⸗ besserung ist. Desselben Behauptung: daß gutes Futter nur Ausartung be⸗ wirke, gehört zu den schädlichen Lehrsätzen dieses Buchs, wodurch angehende Oekonomen gänzlich von jeder Vervollkommnung abgezogen werden; denn es giebt durchaus gar kein anderes Mittel, unsere Hausthiere möglichst nutzbar zu machen, als reichliches gutes Futter, bei zweckmäßi⸗ ger Auswahl zur Zucht. Dagegen sagt Herr Petri, oder entscheidet vielmehr, nach seiner gewöhnlichen Art, in letz⸗ ter Instanz: gute Nahrung, welche allein die Größe der Thiere bewirken könne, verderbe die Beschaffenheit des Fleisches— mache es locker und leicht am Gewicht und weni— ger wohlschmeckend. Man kann sich nicht genug berwundern, wie Herr Petri erwarten konnte, den Oekonomen, II den Viehmästern und Fleischern Berdeder Dinge 3ünredent Er kann sich nicht damit entschuldigen, daß wässerichte und ungesunde Nahrung vorerwähnte üble Eigenschaften bewirke. Das haben wir längst gewußt, aber noch gewisser, daß reichliche und kräftige Nahrung alle Eigenschaften der Thiere verbessert. Verlangt er darüber Beweise, so berufe ich mich auf das Zeugniß aller aufmerksamen Oeko⸗ nomen in der ganzen Welt. Auf 2. Die Anführung daß kleine Schafe feinere Wolle und besseres Fleisch, als große Schafe lie— ferten, ist völlig unwahr. Jedermann weiß, daß wir große Schafe haben mit sehr feiner unüber⸗ treflicher Wolle, und kleine mit sehr schlechter; daß große Schafe sehr vortrefliches Fleisch liefern und kleine— unschmackhaftes, nicht wegen ihres größern oder kleinern Körpers, sondern wegen ihrer Art. Wenn Herr Petri seine kleinen Schafe mit größern Ragen vergleichen will, so bringe ich— um andere höchstverdiente Schäfereien der Kürze wegen nicht zu erwähnen— darzu die Sächsischen Schäfereien in Dahlen, Börln und Klipphausen in ohnmaßgeblichen Vorschlag. Er wird bei ungleich größerm Gewicht weit feinere und dreimal längere Wolle finden.“ Lord Sommerbille, dessen Schrift hier Herr Petri wörtlich abgeschrieben hat, schränkt sich doch nur auf Vergleichung der in England befindlichen Ragen ein, ohne allgemeine Sätze daraus zu ziehen. Auf 3, Daß große Schafe, wenn sie mehr abwerfen, doch mehr Nahrung erforderten und schlechtere Produkte lieferten; darauf haben wir bereits ge— antwortet, nämlich a) große Schafe verzehren natürlich mehr Futter als kleine; wenn sie aber von guter Art ö sind, gewiß niemals mehr als die Hälfte dessen, was die nur halb so großen Schafe nöthig haben. ö Dagegen ö b) liefern sie noch ein Mal so viel Wolle, und noch mehr als ein Mal so viel Fleisch; o) daß diese Produkte von schlechterer Be— schaffenheit wären, darüber wird Vergleichung den sichersten Ausspruch thun, und wenn Herr Petri seine Kernwolle und sein Kernfleisch mit den Produkten dieser Art von größern Schafen 13 bergleichen will; so fordere er doch die Besitzer von dergleichen feinwolligen großen Ragen in Oesterreich und Sachsen auf, eine unpartheiische Vergleichung des Ertrags und der Beschaffenheit dieser Produkte unter gerichtlicher Autorität zu veranstalten. Das Beste würde die Einsendung einiger ausgesuchten Individuen nach Leipzig seyn, wo diese Thiere gerichtlich geschoren, ihre Wolle fabrikmäßig rein gewaschen, und das Futter, welches jede Art verzehrt— Alles gerich tlich und durch vereidete Zeugen bestimmt werden könnte. Daß aber die Leipziger Herren Wollhändler competente Richter über die Beschaffenheit der Wolle sind, darf denn doch wohl nicht in Zweifel gezogen werden. Noch vielmehr erfordert die zuverlässige Be⸗ hauptung des Herrn Petri ihre gehörige Berich⸗ tigung, daß nämlich lange Wolle von reichlich gefütterten Thieren in Allem der kurzen Wolle nach⸗ stehe— Die Krimpekraft mache die ent— schiedene Vollkommenheit aus, und diese fehle bei allen langen Wollarten— sie sey nur den allerkürzesten, dichtesten leoneser Schafen eigen; daher waren denn alle. Schafe von langer Wolle Bastarde— Reichliche Rahrung könne wohl lange, aber nur kernlose Wolle er⸗ zeugen. Diese Anführungen sollten doch durch irgend Etwas— als allein durch Herrn Petris Auto⸗ rität unterstützt seyn; da alle Erfährungen der Landwirthe und die einstimmigen Meinungen der einsichtsvollsten Fabrikanten ihnen geradezu ent⸗ gegen stehen. Die fehlende Elasticität oder Krimpekraft der Wolle wird allein durch Mangel an genugsamen Futter bewirkt. Weit entfernt also, daß reich— liches gutes Futter sie vernichten sollte; so ist ache davon. Alle Woll—⸗ letzteres die alleinige Urs liebsten von Schäfereien, käufer kaufen daher am wo man reichlich und gut füttert/ und verab⸗ scheuen die/ wo das Vieh Noth gelitten. Die Beschaffenheit der Wolle zeigt ihnen dieses augen⸗ blicklich an. Wenn überhaupt lange Wolle kernlos wäre, wie könnte sie dann gekämmt werden? eine Ope— ration wozu viel mehr Festigkeit erfordert wird, als zum Krempeln der kurzen Wolle. Da Herr Petri keine technologischen Kennt⸗ nisse zu haben scheint, aber auch hier in letzter Instanz entscheidet; so wird es erlaubt seyn— —— — 15 unter Berufung auf alle Fabrikanten des Erd⸗ bodens— folgendes zu erwähnen. Lange Wolle ist zu Fertigung von Tüchern, Casimiren, Merinos und Shawls gleich geschickt. Kurze Wolle hingegen ist allein brauchbar zur Fertigung von Tüchern, welche— wohl ver— standen— nicht in Wolle gefarbt werden. Der Beweis dieser, der kurzen Wolle so nachtheiligen Bemerkung ist dieser: der Fabtikant, der in Wolle färben will, welches bei den feinsten Tüchern gegenwärtig unersäßlich ist, muß noth—⸗ wendig die äußern Spitzen der Wolle abschnei⸗ den, weil diese sonst ganz andere Nüangen von Farbe annehmen, und das Tuch schippericht und unverkaufbar machen würden. Nun sind aber diese wegzuschneidenden Spitzen zu bedeutend, um diese Operation bei kurzer Wolle zuzulassen. Diese, allen Fabrikanten bekannten That; sarden, beweisen unwiderleglich, daß kurze Wolle zu allen Fabrikationen — selbst der feinsten in Wolle gefärbten Tücher— unendlich weniger geschickt ist, als lange Wolle von der nämlichen Güte. Ba es sehr unbescheiden sehn würde, elne bloße Meinung als Autorität aufzuführen, so will man hier des Herrn Pictet Bengniß beit bringen; da ihn doch wohl Jedermann als grund⸗ lichen Richter anerkennen wird. Er sagt nämlich S. 142.* die Länge des Fadens der Wolle ist wichtig, denn bei gleicher Güte läßt sich dbi die lange Wolle feiner spinnen, oder n ö ö giebt doch bei gleicher Zahl der Strähne 1 einen stärkern Faden— so daß bei + 8 gleicher Gattung, gleichen Sorten und fl gleicher Zeit des Wachsthomsꝛ— die en Fabrikanten diejenige Wolle am theuer⸗ f ö sten bezählen, welche die längsten Zäden hat. D Das ist denn doch wohl deutlich. Wer hat denn überhaupt dem Herrn Petrt das Recht gegeben, in erster Instanz zu 2— den, daß die Spanische Wolle die erste in der Welt sey? ö Ehedem hatte sie mehr Ansprüche darauf als jetzt, ohngeachtet ihr immer entgegen standen xů 1) ihre Kürze ö 2) das viele Stichelhaar ———..—‚.tt..—. 17 3) daß sie in der Länge und Breite mehr einwalkt, als andere Wolle. Wenn man die Merinos, womit Teutscht land jetzt überschwemmt wird, mit Unpartheilich⸗ keit betrachtet, so kann man sich nicht genug über die Verschiedenheit der Wolle bei jedem Indi⸗ viduo verwundern. Das ist denn doch ein siche— rer Beweis von Ausartung; denn jedes Schaf und jeder Stähr— die nicht durchaus relatib gleiche Beschaffenheit der Wolle am ganzen Körper haben, sind zur Zuzucht untauglich. Man bescheidet sich namlich, daß Fuß- und Bauchwolle etwas ab⸗ fallen; aber die sehr großen Schafe des Herrn Grafen von Schönburg zu Rochsburg haben an den ganz bewachsenen Fühen, am Bauche, Halse und Kopfe so feine Wolle, als die Merinos auf dem Rücken haben, und dabei durchaus kein Stichelhaar— wie Jedermann sich durch den Augenschein überzeugen kann. Die Schottländische Wolle, wovon Strümpfe zu 6 Guineen gefertiget werden; die Persische, die Thibetanische und die von Caschemire, welche bis 22 Zoll Länge hat; alle diese Wollarten wer⸗ den der Spanischen vorgezogen— weil sie noch weicher und sanfter sind. B ferei durch Oesterreichische Stähre zu verbessern; Herr Petri beehrt die großen Schafe mit dem Beinamen Bastarde; Schafe aber, die ihre Eigenschaften fortpflanzen, sind Rageschafe und keine Bastarde. Dergleichen Epitheta zeigen leiden⸗ schaftliches Bestreben an, seine Meinung zu be— haupten. Dem Oekonomen muß aber niemals an seiner Meinung, sondern allein an der Wahr⸗ heit liegen. Die Zeiten sind nicht mehr, wo man an Wunder glaubte, und wo blos Autoritat galt. Ein jeder muß vielmehr seine Meinungen gehörig beweisen. Herr Andrs in seisem vortreflichen Buche—„über Veredlung des Schafviehes“— macht uns mit neuen Ideen bekannt, befördert dadurch die Fortschritte des Oekonomen, und seine Anführungen werden durch gemeine Erfah— rungen bestätigt. Herr Petri hingegen spricht von 13 Pfund Wolle bei 24 Pfund Futter an Häckerling: er beweise also, und wir wollen ihm Altäre bauen. Gleiche Beweise müssen wir von ihm erwar⸗ ten, da er von dem unbezweifelten und entschie— denen Vorzuge der Oesterreichischen Wolle vor der Sächsischen spricht.— Noch ist es keinem Sächsischen Güterbesitzer beigefallen, seine Schäi —7........p— 19 aber bekanntlich hat der umgekehrte Fall hänfig Statt gefunden. Was aber besonders Herrn Pe— tri aufmerksam und weniger zuversichtlich machen sollte, ist die bekannte Thatsache, daß alle Woll⸗ händler und Fabrikanten die Sächsische Wolle vorziehen und theurer bezahlen. Jeder genieße übrigens die wohlberdienten Früchte seiner Einsicht und Anstrengung. Ist die Rage des Herrn Petri so vollkommen, als er sie schildert, so wird sie— mit Gold aufgewogen — noch immer zu wohlfeil bezählt werden. Je— der Uapartheiische wird sich über diese ungeheure Vervollkommnung der Schafzucht unendlich freuen; ohne Beweis aber ist es unmöglich an Wunder zu glauben, wie doch ohnstreitig 13 Pfund Wolle aus 24 Pfund Häckerlingfutter darstellen würde. Daß übrigens keine perfönlichen Rücksichten diese Bemerkungen veranlaßt haben, ergiebt sich wohl daraus, daß deren Verfasser kein einziges Schaf besitzt, Herrn Petri gar nicht persönlich kennt, ihm auch höchst gleichgültig seyn kann, ob Sächsische Schafe und Wolle besser oder schlech— ter sind, als Oesterreichische. Herr Petri aber muß sich,— wie Jeder, der seine Meinungen dem Publiko vorlegt— gefallen lassen, wenn sie durch Gründe und mit Bescheidenheit bestritten werden, 20 und wenn er Sätze behauptet, welche der ge— meinen Erfahrung widersprechen, so muß er sie beweisen. Dieser Herr Petri erzählt uns sogar, daß seine Rage Widder erzeuge, welche bei der Schur einen Stein Wolle gäben. Ist der einsichtsvolle Leser geneigt, dieß aufs Wort zu glauben, so muß Herr Petri dieses gut⸗ müthige Zutrauen dankbar erkennen, und sich Glück wünschen, daß er den außerdem ihm ob⸗ liegenden, und, wo nicht unmöglich, doch gewiß sehr schwerfallenden Beweis einer so unerhörten Angabe und auffallenden Behauptung nicht bei⸗ bringen darf. eg 10100/9 en Mb eruebeM pPe8 MOIIA u10 ueAO enlg Se1euiuee .ö 44 9 84 v! 2 A. 8 on 9 —————— ℳ----—